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Full text of "Biographisches Lexikon, hervorragender Arzte des neunzehnten Jahrhunderts: Mit einer ..."

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iiiiiliiiiiiillii 

'^044 012 935 888 




Vorwort. 



Uas «Biographische Lexikon hervorragender Ärzte des 19. Jahrhunderts» 
enthält möglichst zuveiiässige Lebensbilder derjenigen Ärzte, welche durch 
schriftstellerische und wissenschaftlich -praktische Leistungen an dem Ausbau der 
Heilkunde in dem nun yerflossenen, an Ergebnissen so reichen Jahrhunderte 
beteiligt sind. Um das Buch noch lebensvoller und interessanter zu gestalten, 
bat die Verlagsbuchhandlung, den Forderungen unserer Zeit entsprechend, das 
Werk durch zahlreiche Portraits hervorragender Ärzte illustriert und so 
damit auch ein Werk geschaffen, welches hoffentlich in den weitesten Kreisen 
der Ärzte Beifall finden wird. 

Zufolge der überaus liebenswürdigen Teilnahme und Mitarbeit der meisten 
lebenden in- und ausländischen Forscher ist es gelungen, das Material zu dem 
vorliegenden Werk so authentisch als möglich zu gewinnen. Beiträge, welche 
nicht mehr im Text des Werkes verwertet werden konnten, sind in einem Nach- 
trage angefügt worden. 

Wie durch die Berücksichtigung der allerjüngsten Forschergeneration gleich- 
sam eine Brücke in das 20. Jahrhundert geschlagen ist, so ist andererseits auch 
versucht worden, den Zusammenhang mit der Vergangenheit äußerlich zu kenn- 
zeichnen und zu diesem Zweck eine einleitende Übersicht mit den bedeutendsten 
Namen und Ereignissen der vergangenen Zeiten, besonders auch aus dem ersten 
Drittel des verflossenen Jahrhunderts, dem Werk voraufgeschickt Der Heraus- 
geber darf hoffen, daß gerade diese Beigabe für die in erster Linie streng wissen- 
schaftliehen Ziele des Unternehmens zeugen wird. Die Einleitung stammt aus 
der gewandten Feder meines hiesigen jüngeren Kollegen, Herrn Dr. L Bloch, 
dem ich für diesen Beitrag zu Dank verpflichtet bin. Vielen Dank schulde und 
erstatte ich auch an dieser Stelle allen denjenigen Autoren des In- und 
Auslandes, welche reges Interesse an dem Werk bekundet und durch ihre 
stille und liebenswürdige Mitarbeit die Zusammenstellung gefördert und er- 
leichtert haben. Abgesehen von den Einsendern autobiographischer Mitteilungen 
haben sich durch verechiedene Monita, ergänzende und verbessernde Angaben, 
sowie sonstige Nach- und Hinweise, Überlassung von Photographien etc. ein 
besonderes Verdienst um das Werk erworben die Herren: Bachmann (Ilfeld), 
von Bardeleben (Jena), Buschan (Stettin), Daffner (München), Finlayson 
(Glasgow), V. Györy (Budapest), Heinricius (Helsingfors), Heff ter (Bern), Aug. 
Hoffmann (Düsseldorf), Husemann (Göttingen), Kleinwächter (Czernowitz), 
Landau (Nürnberg), Munde (New York), Neuburger (Wien), Oehmen(Kevelaer), 
Rille (Innsbruck), A. Sack (Heidelberg), Schein (Budapest), Schrutz (Prag), 
Temesvarv (Budapest), v. Yierordt fTübingen), Wegner (Budapest), Weg- 
scheider (Berlin), Zweifel (Leipzig). Herrn Emile Bailliöre, Chef der alt- 
bekannten Firma I.-B. Bailliöre et fils (Paris) ist der Herausgeber für die 
Überlassung mehrerer Photographien französischer Ärzte, Frau Prof. Quidde 
(München) für Biographie und Bild ihres Vaters, des Augenarztes und Prof. Jul. 
Jacobson -Königsberg, zu Dank verpflichtet Schliesslich unterlasse ich nicht, 
der Verlagsbuchhandlung ürban & Schwarzenberg für die opferwillige und 
ireigiebige Ausstattung, sowie für mannigfache umsichtige Hülfe bei der technischen 
Vorbereitung des Werks besten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen. 

Berlin, im September 1900. Der Herausgeber. 



Verzeichnis 

dep IM Lexikon für die PublikationsoPirane firebr&uchlichen Abkürzungren 
(nach Allgr. Med. Central-^Ztg.)* 



A. A. — Anatomischer Anzeiger. 

A. der Ph. — Archiv der Pharmazie. 

A. f . A. — Archiv für Augenheillnmde. 

A. f. G. — Archiv für Gynäkologie. 

A. f. H. — Archiv für äygiene. 

A. f. K. — Archiv für Kinderheilkunde. 

A. f. m. A. n. E. — Archiv f. mikroskop. 

Anatomie nnd Entwicklungsgesch. 
A. f. O. — Archiv für Ohrenheflknnde. 
A. f. Ps. — Archiv für Psychiatrie. 
A. f. V. — Arch. f. Verdauungskrankh. 

A. M. C.-Z. — Allg. Medizin. Central-Zeit. 

B. CbL — Biologisches Centralblatt. 
B. KI. — Berliner Klinik. 

B. k. W. -^ Berliner klin. Wochenschrift 
Cbl. f. B. — Centralbl. für Bakteriologie, 

Parasitenkunde und Infektionskrankh. 
Cbl. f. Ch. — Centralblatt für Chirurgie. 
Cbl. f. d. a. G. — Centralblatt für die 

allgemeine Gesundheitspflege. 
Cbl. f. d. ges. Th. — Centralblatt für die 

gesamte Therapie. 
Cbl. f. d. m. W. — Centralblatt für die 

medizinische Wissenschaft. 
Cbl. f. Gyn. — Centralblatt für Gynäkol. 
Cbl. f. i. M.— Centralbl. für inn. Medizin. 
CbL f. N. — Centralbl. für Nervenheilk. 
Cbl. f. pr. A. — Centralblatt für praktische 

Augenheilkunde. 
Cbl. f. Phys. — Centralbl. für Physiol. 
Correspbl. f. Schw. Ae. — Correspondenz- 

blatt für Schweizer Aerzte. 
D. C. — Dermatologlsches Centralblatt. 
D. mi. Z. — Deutsche militärärztliche 

Zeitschrift. 
D. m. Pr. — Deutsche medizinische Presse. 
D. m. W. — Deutsche medizin. Wochenschr. 
D. M.-Z. — Deutsche Medizinal-Zeitung. 
D. Z. — Dermatologische Zeitschrift. 
D. Z. f . Ch. — Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie. 
D. Z. f. N. — Deutsche Zeitschrift für 

Nervenheilkunde. 
Friedreich's Bl. — Priedreich's Blätter für 

gerichtliche Medizin. 
Oraefe's A. — Albrecht von Graefe's 

Archiv für Ophthalmologie. 



Gmber'g M. f. O. — Monatsschrift für 
Ohrenheilkunde, sowie für Kehlkopf-, 
Nasen-^Bachenkrankheiten. 

H. R. — Hygienische Rundschau. 

J. f . K. — Jahrbuch für Kinderheilkunde. 

J. f. nr. M. — Jahrbuch f. prakt. Medizin. 

J. f. Ps. — Jahrbücher für Psychiatrie. 

K. J. — Klinisches Jahrbuch. 

Laii^enbeck's A. — Archiv für klinische 
Chirurgie. 

M. f. G. u. G. — Monatsschrift^ für Geburts- 
hilfe und Gynäkologie. 

M. f. Ps. u. X — Monatsschrift für 
Psychiatrie und Neurologie. 

M. f. U. — Monatsschr. für Unfallheilk. 

M. m. W. — Münch. mediz. Wochenschr. 

N. C. — Neurologisches Centralblatt. 

Pflüger's A. — Arch. f. d. ges. Physiol. 

P. m.-K:h. Pr. — Pester medizinisch-chirur^ 
gische Presse. 

P. m. W. — St. Petersbürger medizinische 
Wochenschrift. 

Pr. m. W. — Prager mediz. Wochenschrift. 

Th. M.«H. — Therapeutische Monatshefte. 

Unna*8 M.-H. — Monatshefte für prak- 
tische Dermatologie. 

Virchow*s A. — Archiv für pathologische 
Anatomie und Physiologie und für 
klinische Medizin. 

W. K. — Wiener Klinik. 

W. k. R. — Wiener klinische Rundschau. 

W. k. W. — Wiener klinische Wochenschrift. 

W. m. Bl. — Wiener medizinische Blätter. 

W. m. Pr. — Wiener medizinische Presse. 

W. m. W. — Wiener mediz. Wochenschrift. 

Zehender's M.-B1. — Klinische Monats- 
blätter für Augenheilkunde. 

Z. f. A. — Zeitschrift für Augenheilkunde. 

Z. f. B. — Zeitschrift für Biologie. 

Z, f. G. u. G. — Zeitschrift für Geburts- 
hilfe und Gynäkologie. 

Z. f. H. — Zeitschrift für Heilkunde. 

Z. f. K. — Zeitschrift für Krankenpflege. 

Z. f. k. M. — Zeitschrift für klinische 
Medizin. 

Z. f. o. — Zeitschrift für Ohrenheilkunde. 



Einleitung. 



We 



enn auch die Forschungen, Entdeckungen und Funde der letzten Jahr- 
zehnte uns ungeahnte Aufschlüsse über die Medizin der orientalischen Völker 
gebracht und ein zum Teil überraschendes Licht über die vielseitige Ausbildung 
verbreitet haben, welche die Heilkunde bei den Ägyptern, den Indem, den 
mesopotamischen Völkern, den Chinesen und Japanern erfahren hat, wenn auch 
durch die merkwürdigem prähistorischen Funde der Gegenwart die Spuren 
einer rationellen, auf wissenschaftlicher Grandlage berahenden ärztlichen Thätig« 
keit sich bis in die graue Vorzeit verfolgen lassen, so ändert dies nichts an der 
Thatsache, dass die gesamte moderne europäische Medizin eine Tochter der 
griechischen Heilkunst ist Nur die Griechen, nur sie zuerst haben Inhalt 
und Form der wissenschaftlichen Heilkunde auf eine mustergültige, exakte Weise 
festgestellt. Die klinische Beobachtung, das naturwissenschaftliche 
Experiment und die wissenschaftliche Darstellung der gefundenen That- 
Sachen: das sind die grossen, von den Hellenen gelegten Fundamente, auf denen 
sich die modeme Heilkunst aufbaut und durch welche sie noch heute mit der 
griechischen Medizin zusammenhängt Nehmen wir hinzu, dass schon ein 
Hippokrates, der dem wahren Arzte die Eigenschaften eines Philosophen 
vindiciert, die grossartige Stellung der Medizin innerhalb der menschlichen Gesell- 
schaft klar erkannt und ihre vielseitigen Beziehungen zu allen Zweigen des 
öffentlichen Lebens oft hervorgehoben hat, so tritt uns auch hier moderner Gtoist 
entgegen. Was aber vor allem rätlich erscheinen lässt, in einem € Biographischen 
Lexikon» der Ärzte von den Griechen auszugehen, das ist der Umstand, dass 
die ältesten Ärzte, als historische Persönlichkeiten genommen, diesem Volke 
angehören. Denn der sagenhafte Susruta und die historisch zwar beglaubigten 
Charaka und Vagbhata lebten unzweifelhaft nach Hippokrates, und wir 
wissen von ihnen wenig mehr als die Namen. 

Der eigentliche Stammvater des europäischen Ärztegeschlechtes ist und 
bleibt Hippokrates, der berühmteste, vielgenannteste aller Jünger des Asklepios, 
mit dem sich die Neuzeit nicht weniger beschäftigt als dies schon das Altertum 
und das Mittelalter gethan haben. Denn er hat für die Medizin aller Zeiten 
entdeckt, was niemals leicht zu entdecken war, was immer im Gewirre der 
Systeme wieder verloren zu gehen droht: den kranken Menschen! In den 
Schriften der unter dem Namen des Hippokrates uns erhaltenen Sammlung 
thtt uns dieser kranke Mensch zuerst greifbar und lebendig entgegen und erhebt 
sich mitten aus dem Dunkel der mystischen cKrankheitt, jener Sphinx, die noch 
beute nicht enträtselt worden ist Das Verdienst der Bezeichnung des kranken 
Menschen als des wahren Objektes einer wissenschaftlichen Heilkunst knüpft 
sich für uns an den Namen des Hippokrates, des Grossen, wie ihn die 
dankbare Nachwelt genannt hat (geboren auf der Insel Kos um 460-450 v. Chr., 
gestorben um 370 v. Chr. zu Larissa in Thessalien). Die unter seinem Namen 
erhaltene Sammlung medizinischer Schriften gehört den verschiedensten Zeiten 
an, und mit annähernder Sicherheit lassen sich nur wenige Abhandlungen dem 



VI Einleitung. 

Hippokrates selbst zuschreiben, wie die berühmten c Aphorismen», die Schrift 
über die alte Heilkunde, das erste und dritte von den sieben Büchern der 
Epidemien, das Prognostikon, die Abhandlung über die Diät in akuten Krank- 
heiten (de yictu in acutis), die sämtlichen chirurgischen Schriften und endlich 
der berühmte Essay über cElima, Wasser und Ortlichkeiten» (de aere, aquis et 
locis). Der in diesen Schriften, aber auch im übrigen Corpus Hippocraticum 
niedergelegte Schatz medizinischer Weisheit ist ein ungeheurer. Hippokrates 
ist der Begründer der sogenannten Humoralpathologie, welche mit den 
Begriffen des Blutes, des Schleimes, der schwarzen und der gelben Oalle operiert. 
Daneben spielen auch nach dem Vorgange der jonischen Naturphilosophen die 
vier Elemente (Luft, Erde, Wasser, Feuer) und das Pneuma eine Rolle. Fast 
alle Krankheiten beruhen auf Störungen in der Mischung der vier eben genannten 
Eardinalsäfte, besonders auf der Prävalenz des Schleimes und der gelben Oalle. 
Es giebt drei Stadien der Krankheit: Apepsie (Roheit), Pepsis (Kochung oder 
Reifung) und Krisis (Ausscheidung). Die Krisis erfolgt an den sogenannten 
kritischen Tagen, welche seitdem in der Medizin eine grosse Rolle gespielt haben. 
Den Hauptanteil an der Heilung der Krankheiten hat die ifviSig oder Natur- 
heilkraft. Trotzdem hat Hippokrates eine für alle Zeit mustergültige indi- 
vidualisierende Therapie begründet, welche nicht sowohl die Krankheit, als 
vielmehr den kranken Menschen unter sorgfältigster Beobachtung der Krank- 
heitssymptome ins Auge fasst und die Semiotik, Diätetik und Aetiologie in 
gleicher Weise für ihre Zwecke ausgebildet hat. Therapeutischer Fundamental- 
satz des Hippokrates: Nützen oder nicht schaden. Die berühmtesten 
Heilmittel waren die Ptisane, Hydromel, Oxymel, Milch, Wein, Abführmittel, 
Brechmittel, Diaphoretica, Diuretica, Blutentziehung durch Schröpfköpfe und 
Phlebotomie. Die Chirurgie der Hippokratiker ist eine hochentwickelte; die Lehre 
von den Frakturen und Luxationen mustergültig dank den gerade in der Osteologie 
hervorragenden Kenntnissen. Selbst Spuren der modernen Antiseptik hat man 
in den hippokratischen Schriften gefunden. In der speziellen Diagnostik 
und Krankheitslehre beschäftigten sich die Hippokratiker besonders mit den 
Krankheiten der Atmungsorgaue (Pneumonie, Pleuritis, Empyem, Phthisis pulmo- 
num), wobei sie bereits die Auskultation anwendeten (Succussio Hippocratis.) 
Tabes, Epilepsie {voaog Isqi% Nieren- und Blasenleiden, Malaria, Typhus u. a. 
werden beschrieben, auch die Uroskopie in ausgedehnter Weise angewendet 
Endlich finden sich Schriften über Augen- und Frauenkrankheiten in dem Corpus 
Hippocraticum. Unvergänglich ist die Deontologie der Hippokratiker, welche 
in dem berühmten «Eid der Asclepiaden» gipfelt. — 

Während nach dem Tode des Hippokrates seine unmittelbaren Nach- 
folger, die sogenannten Dogmatiker den ersten Versuch machten, ein theore- 
tisches System der Medizin auf der Grundlage der Lehren ihres Meisters zu 
errichten, hat Aristoteles (384—323) durch seine exakten naturwissenschaft- 
lichen Beobachtungen die Heilkunde bedeutend gefördert. In seiner Lehre von 
den gleichartigen und ungleichartigen Teilen finden wir die ersten Andeutungen 
der allgemeinen Anatomie oder Gewebelehre. Auch mit der Embryologie 
hat sich Aristoteles bereits beschäftigt. Diese Bestrebungen des grossen Natur- 
forschers fanden Anklang und Nachahmung in Alexandria, wo vor allem Hero- 
philus (ca. 300 v. Chr.) und Erasistratus (f 280 v. Chr.) durch Sektionen 
menschlicher Leichen die anatomischen Kenntnisse bedeutend bereichert haben 
(Gehirn, Angiologie, Splanchnologie). Der erstere hat ausserdem die Pharma- 
kologie begründet und soll ein tüchtiger Gynäkologe gewesen sein. Von 
Erasistratus rührt der Begriff der Plethora her. Diese empirische Richtung 
der alexandrinischen Ärzte wurde zu einem System erhoben durch die empirische 
Schule, deren Hauptprinzipien in den sogenanntem c empirischen Dreifuss» 
(Beobachtung, mündliche Überlieferung, Übergang zu einer neuen Erfahrung 



Einleitang. 



vn 



durch Analogieschluss) zusammengefasst wiirdeo und bis in die römische Kaiser- 
zeit hinein ihreo Einfliiss übten, wo neue medizinische Systeme ins Leben traten, 
^ach Rom war die griechische Heilkunde dorch Archagathus (218 v. Chr.) 
frnd vor allem durch den berühmten Asklepiades von Bithynien (geb. 124 
V. Chr.) verpflanzt, den eigentlichen Grüoder der methodischen Schule und 
der sogenannten Solida rpathologie, welche, gestützt auf die atomistischen 
Lehren des Epicur and im Gegensatze zur hippokratischen Humoralpathologie 
L^ie Krankheiten aus Störungen in den festen Teilen des Körpers und in den 
KBeweguogen der Atom© ableitet^ die Lehre von der Naturheü kraft verwirft und 
■dem Arzte die Hauptrolle bei der Therapie zaerteilt, die dieser nach dem Grund- 
'«atze ctuto, cito, jucunde» ausüben soll Besonders bemerkenswert ist Askle- 
piades wegen seiner Wertschätzung der physikalisch-diätetischen Therapie, die 
er zuerst in systematischer Weise zur Anwendung brachte (Gymnastik, Massage, 
Hydrotherapie) Von ihm rührt auch die Einteilung der Krankheiten in akute 
und chronische her. Diese Lehren wurden weiter ausgebildet von den späteren 
Methodikern (Themison von Laodicea, Thessalus u. a*), welche in ihre solidar- 
pathologischen Aoschaaungen den Begriff des Tonus (übermässig gesteigert 
=^ Status strictus; übermässig vermindert ^= Status laxus: gemischt ^= Status 
mixtus) aufnahmen^ d. h, die Fähigkeit der festen Teile sich auszudehnen und 
zusammenzuziehen, sowie die Lehre von den Sympathien, den sogenannten 
«consensuellen» Beziehungen zwischen verschiedenen Organen. Diese Grund- 
lehren wurden als die HoivoTTjreg oder Comraunitäten der Methodiker bezeichnet. 
— Dm diese Zeit war es, dass zwei Römer den Versuch machten, die medi- 
zinischen und naturvsissenschaftlichen Kenntnisse ihrer Zeit in encyklopädischen 
W'erken zusammenzufassen. Dies waren Celsus und Plinlus — Aulus 
Cornelius Celsus. der in der Übergangsepoche von der vorchristlichen zur 
christlichen Zeit lebte und wahrscheinlich kein Arzt war, hat uns in seinen «acht 
Büchern über die Medizin» eine unschätzbare Sammhiug des gesamten medi- 
zinischen Wissens seiner Zeit hinterlassen, welche besonders für die Kenntnis 
der Alexandrinischen Schule höchst wertvoll ist. Berühmt ist besonders die 
Einleitung, in welcher Celsus der alexandrinischen Einteilung der Heilkunst 
in die Diätetik (Heilung durch rationelle Lebensweise), Pharraaceutik 
(Heilung durch Medikamente) und Chirurgie (Operation) gedenkt und alle 
nicht auf Thatsachen sich stützenden Theorien verwirft Das ei-ste Buch enthält 
die Diätetik, das zweite allgemein pathologische, diagnostische und therapeutische 
Darlegungen. Mit dem dritten Buche beginnt die spezielle Pathologie, die Celsus 
unter dem Gesichtspunkte der allgemeinen und lokalen Krankheiten einteilt 
Zu den ersteren zählen die epidemischen Fieber, Wassersucht, Schwindsucht, 
Epilepsie, Aussatz, Apoplexie, Gelbsucht. Die lokalen Erkrankungen, besonders 
die Lungen- und Verdauuugskrankheiten werden im vierten Buche behandelt 
Die letzten vier Bücher enthalten Chirurgie, Ophthalmologie und Gebnrtshülfe 
in trefflicher Darstellung (Allgemeine chirurgische Therapie, W^undbehandlung, 
Hydrophobie, Carcinom in Buch V; chirurgische Lokalpathologie in Buch VI; 
Akiurgie in Buch VH, wo Bruchoperation, Bruchbänder, Seitensteinschnitt, 
plastische und Augenoperationen beschrieben werden, auch der Wendung auf 
die B'üsse zum erstenmale gedacht wird; Buch \"III enthält die Knochenkrank- 
heiten, Frakturen und Luxationen). Neben dem Werke des Celsus ist die für 
die Medizin nur wenig Ausbeute liefernde gewaltige «Naturgeschichte» des Cajus 
Pünius Secundus (23 — 79 n. Chr.) von geringerer Bedeutung. — In den 
ersten Jahrhunderten der römischen Kaiserzeit traten besonders die aus Klein- 
asien gebürtigen griechischen Aerzte hervor. Von dem Cilicier Athenaeus 
wurde die Schule der Pneumatik er begründet, welche das luftförmige Pneuma 
tiir <Ue Erklärung der Krankheitsursachen heranzog und in Archigenes aus 
•^pamea in Syrien ihren bedeutendsten Vertreter fand, der eine vortrefiFlich© 



Vm .Einleitang. 

Schrift «über den Puls» verfasste. Die Zänkereien zwischen den Pneumatikem 
und Methodikern hatten zur Folge, dass einsichtige Ärzte, des unfruchtbaren 
Streites der verschiedenen Systeme müde, als Eklektiker nur die wirklich 
brauchbaren und praktischen Ergebnisse derselben sich aneigneten, während zu 
gleicher Zeit die verschiedenen medizinischen Disziplinen durch einzelne Männer 
bedeutend bereichert wurden. Unter diesen ist vor allem zu nennen Pedanius 
Dioskorides, der Verfasser der um das Jahr 77—78 n. Chr. erschienenen 
berühmten «Materia medica», der ersten uns erhaltenen Pharmakologie des 
Altertums, welche neben einer Aufzählung und Beschreibung sämtlicher damals 
gebrauchten Medizinalpflanzen bereits verschiedene chemische Bereitungsmethoden 
metallischer Mittel enthält. — Thessalus aus Tralles schuf die sogenannte 
metasynk ritische Methode, eine Art von Stoffwechselkur bei chronischen 
Eonstitutionskrankheiten und Soranus aus Ephesus (100 n. Chr.) war der be- 
deutendste Gynäkologe des Altertums, dessen Schrift über die Frauenkrankheiten 
wir die hauptsächliche Kenntnis der Geburtshülfe und Gynäkologie jener Zeit 
verdanken, wie derjenigen seines zu derselben Zeit lebenden Landsmannes Rufus 
die Kenntnis der damaligen Anatomie. Als einsame Grösse ragt Aretaeus von 
Kappadocien (2. Jahrhundert n. Chr.) hervor, berühmt durch die wunderbare 
Klassicität seiner Krankheitsschilderungen (Aussatz, Aura epileptica, Diabetes), durch 
die Feinheit seiner Beobachtungen und durch seine Kenntnisse auf dem Gebiete 
der normalen und pathologischen Anatomie (Darmgeschwüre bei Ruhr; gekreuzte 
Wirkung der Himnerven). 

Die gesamten medizinischen Kenntnisse des Altertums sind zusammen- 
gefasst in den zahlreichen Schriften des Claudius Galenus» des grössten Arztes 
nach Hippokrates (geb. zu Pergamus 130 n. Chr., lebte grösstenteils in Rom, 
starb 201, wahrscheinlich in Pergamus). Von seinen Schnften (beste Ausgabe 
von C. G. Kühn, Leipzig 1821--1828, 22 Bände) sind die bedeutendsten 
1. Neun Bücher de anatomicis administrationibus (anatom. Hauptwerk). 2. De 
nervorum dissectione. 3. Siebzehn Bücher De usu partium corporis humani 
(physiolog. Hauptwerk). 4. Sechs Bücher De locis affectis (patholog. Hauptwerk). 

6. Methodus medendi oder Megatechne (therapeutisches Hauptwerk). 6. Ars 
parva oder Mikrotechne (Compendium der allgemeinen Pathologie und Therapie). 

7. Verschiedene pharmakologische Werke (elf Bücher De simplicium medica- 
mentorum temperamentis et facultatibus; zehn Bücher De compositione medi- 
camentorum secundum locos; sieben Bücher De compositione medicamentorum 
secundum genera; De antidotis). Dazu noch zahlreiche andere Abhand- 
lungen aus allen Gebieten der Medizin, so dass das Ganze eine grossartige 
Encyklopädie der Heilkunde bildet, welche in echt modernem Sinne die 
Anatomie und Physiologie sowie das Experiment zur Erklärung und Therapie 
der Krankheiten heranzieht. Galen erblickt das Leben im Pneuma, welches in 
drei Arten eingeteilt wird: 1. Pneuma psychikon im Gehirn, Ursache der 
Empfindung und Bewegung, 2. Pneuma zotikon im Herzen und den Arterien, 
Ursache der Blutbewegung, Wärmeverteilung und Regulierung, 3. Pneuma 
physikon in der Leber, vermittelt Blutbereitung, Ernährung und Stoffwechsel. 
Das im Wesen gleiche, nur nach seinem Sitze verschieden funktionierende 
Pneuma besitzt drei Grundkräfte, eine anziehende (Virtus attractiva), ent- 
leerende (Virtus expulsiva) und verarbeitende (Virtus digestiva). Diese 
Grundkräfte finden sich in allen vier Grundstoffen eines Organes. Daneben 
besitzt das ganze Organ noch eine spezifische Kraft In der Anatomie 
hat Galen besonders die Neurologie gefördert (Unterscheidung der einzelnen 
Teile des Gehirns, 7 Himnerven, Sympathicusganglien etc.); in der Physiologie 
hat er zuerst Durchschneidungen des Rückenmarks und der Nerven vor- 
genommen (Aphonie nach Beourrensdurchschneidung). Er unterscheidet drei 
Arten von Verdauung (in dem Magen, der Leber, den Organen bezw. im Blut). 



Elnleitimg. 



DL 



Der im Diinodaroi bereitete Speisebrei gelangt dm-ch die Pfortadervenen in die 
Leber, wo er in Blut verwandelt wird. Die Milz zieht die dicken und erdigen 
Nahrungsbestandteile an und bildet die schwarze Galle, Durch die Lebervenen 
ond die obere Hohlveoe geht das in der Leber bereitete Blut zum rechten 
Herzen^ wird dort der unbrauchbaren Stoße entledigt, welche bei der Aus- 
atmung durch die halbmondfönnigen Klappen der Arteria pulmonalis aus dem 
Körper entfernt werden. Das so gereinigte Blut strömt durch Öffnungen der 
rechten Herzscheidewand in den linken Ventrikel, vermischt sich hier mit dem 
durch die Lungenvenen zugeführten Pneuraa und gelangt so in den Körper- 
Ob Galen den Kreislauf gekannt hat, ist zweifelhaft; aber er weiss, dass linkes 
Herz und Arterien bluthalHg sind. Er unterschied zahllose Arten des Pulses. 
Den Ateramechanismos erklärte er aus der Muskelkontraktion am Thorax. In 
der allgemeinen Pathologie war Galen im wesentlichen Huraoraipathologe, 
wobei er aber das Blut besondei^ berücksichtigt. Krankheit ist andauernde 

Teranderung in der Zusammensetzung der festen und flüssigen Teile, Es glebt 
Her einfache Dyskrasien, die heisse (Plethora), die kalte (Abnormitäten des 

phleims), die feuchte und trockene; vier zusammengesetzte, die heiss-feuchte 
'(YeränderuDgen der gelben Galle), die heiss-troekene^ kalt-feuchte, kalt-trockene 
(Prävalenz teils des Sehleims, teils der schwarzen Galle). Im Nervensystem 
giebt es motorische und sensible Störungen und solche der Intelligenz. Die 
Krankheiten verlaufen in vier Stadien (Anfang, Zunahme, Höhe, Abnahme). 
Ton Galen rühren die fünf berühmten Kardinalsymptome der Entzündung 
her* Die Krankheiten zerfallen in L in solche der vier Huraores, 2. in solche 
der gleichartigen Teile, 3. in Organkrankheiten. Aus der speziellen Patho- 
logie Galen's ist seine Diöerentialdiagnose zwischen Pneumonie und Pleuritis, 
seine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Formen der Phthise sowie 
deren Therapie (Klimatutherapie) hervorzuheben. Er kennt die Beziehungen 
der Gicht zur Steinkrankheit und hat intei'essante Bemerkungen über die 
Pathogenese der Nerv^enkraukheiten, der lühmungen und Spasmen, und des 

Ascites. Für die Therapie giebt es nach Galen drei ludicationen: 1. die 
(ndicatio causalis (Beseitigung der Ursache), 2. Indicatio temperamen- 
itlis (Beseitigung der Dyskrasie), 3, Indicatio morbi (Beseitigung der Krank- 
beitssympiome). Die Arzneimittel werden auf die subtilste Weise nach ihren 
den Temperamenten entsprechenden Qualitäten eingeteilt und in den umfang- 
reichsten Kompositionen verabreicht Daneben wendet Galen Schröpfköpfe, 
Aderlässe, Blutegel Salbungen^ Binden der Glieder, Friktionen an, wobei er 
zwischen dem revulsiven und derivatorischen Verfahren unterscheidet 
Auch die physikalisch-diätetische Therapie wird im grössten Umfange heran- 
gezogen. In der chirurgischen Therapie hat Galen besonders die Zahn heil* 
künde berücksichtigt 

Die naehgalenische Medizin des Altertums und Mittelalters steht unter 
lern Zeichen der Kompilation und der blinden Verehrung des grossen perga- 

aenischen Arztes* Unter dem Einflüsse der religiösen Bewegungen fand das 

lyatiscbe Element (Neuplatoniker, Mönchsmedizin etc.) Eingang in die 

leilkunde. Dem gegenüber sind Kompilatoren wie Caelius Aurelianus 
(4. Jahrhundert nach Chr.) und die byzantinischen Ärzte Oribasius (325 
bbiOSK Aetius (G.Jahrhundert), Alexander von Tralles (525— 605), Paulus 
TOD Aegina (7. Jahrhundert), Simeon Seth (IL Jahrhundert), Nicolaas 
Myrepsus und Johannes Actuarius aus dem 13. Jahrhundert von gröaater 
Wichtigkeit, zumal da sie auch wie Alexander von Tralles, Aetius und 

Paulus, der besonders die Chirurgie förderte, die Heilkunde durch eigene 
f BeebtchtungeQ bereicherten. 

Eb bÜeb den Arabern vorbehaiten, die Traditionen der klassischen Medizin 

aohubewahren, sie durch ihre wissenschaftliche Thätigkeit in eigentümlicher 



X Einleitimg« 

Weise i/^eiter zu pflegen und so die NeubelebuDg der im Galenismus erstarrten 
Heilkunde des Mittelalters vorzubereiten. Unter den arabischen und arabisch- 
jüdischen Ärzten ragen als die grössten herror Rhazes (850 — 930), Verfasser 
des gewaltigen cGontinens», eines grossen Sammelwerkes der arabischen Medizin 
und der ersten Monographie über Masern und Blattern (Ober de variolis et 
morbillis), Abulkasim (um 1000 n. Chr.), der grösste arabische Chirurg 
(Darmnaht, Odontologie, Blasenkrankheiten) und Avlcenna» der «Fürst der 
Ärzte», der durch seinen «Kanon», einen ungeheuren Folianten, dem Mittelalter 
eine Art von medizinischem Gesetzbuche geUefert hat. Er wurde 980 n. Chr. 
nahe bei Bochara geboren und starb um 1037 in Persien, wo noch jetzt sein 
Grabmal gezeigt wird. Sein Kanon, ausgezeichnet durch seine subtile dialek- 
tische Einteilung (in Traktate, Fen (Plur-Fanun), Doctrinae oder Summae und 
Kapitel), enthält zahlreiche interessante neue Beobachtungen über Hautkrankheiten, 
Neurosen u. s. w., sowie eine vortreffliche Diätetik der Wöchnerinnen und 
Neugeborenen. Ein grosser Diätetiker war auch der berühmte arabisch-jüdische 
Arzt Maimonides (1135 — 1204), der auch auf dem Gebiete der Toxikologie 
sich auszeichnete, ebenso wie Ibn el Beitar (f 1248) auf dem der Phar- 
makologie, wie überhaupt die Chemie von den Arabern in ungewöhnlichem 
Maasse gefördert wurde (Geber). 

Inzwischen wurde in Europa der Versuch gemacht, die Medizin durch 
die Befreiung von dem geistlichen Einflüsse zu neuem Leben zu erwecken. 
Dies geschah in der salernitanischen Schule, die freilich auch nicht über 
den Galenismus hinauskam, aber doch ihre besonderen Eigentümlichkeiten in 
einigen uns erhaltenen Litteraturprodukten erkennen lässt, z. B. dem berühmten 
«Regimen sanitatis Salernitanum», einer Sammlung von diätetischen Yor- 
schrUten, und dem «Antidotarium» des Nicolaus Praepositus (um 1140), 
einem weitverbreiteten Schulbuch der Pharmacie und Therapie (sowie den 
medizinischen Gedichten des Aegidius Corboliensis im 13. Jahrhundert). 
Der hervorragendste salemitanische Arzt ist Constantinus Africanus 
(2. Hälfte des 11. Jahrhunderts), welcher zuerst die europäischen Ärzte mit 
den medizinischen Schriften der Araber bekannt machte, indem er sie ins La- 
teinische übersetzte, worin er Nachfolger fand in Gerardus Cremonensis 
(1114—1187) und dem jüdischen Arzte Ferraguth (Ende des 13. Jahrhunderts). 
Die Kirche machte gegen diese Emanzipationsbestrebungen Front, indem sie 
unter Benutzung der aristotelischen Dialektik die Medizin im kirchlich- 
scholastischen Sinne bearbeiten liess, was die sogenannten «Aggregatores», 
«Conciliatores» und Concordanzen-Schreiber in der besten Weise besorgten. 
Albertus Magnus (1193—1280), Thaddaeus von Florenz (1223—1303), 
Petrus Aponensis (1250—1315), Matthaeus Sylvaticus (f 1342), 
Johannes von St. Amand (13. Jahrhundert), Gilbert Anglicus (13. Jahr- 
hundert), Bernhard von Gordon (um 1300), Verfasser des berühmten «LiUum 
medicinae» u. a. sind die Hauptrepräsentanten der scholastischen Medizin. 

Der Humanismus, die Rückkehr zum Studium der griechischen Sprache 
und Litteratur im Originale, die grossen Entdeckungen und Erfindungen führten 
jene Wiedergeburt der Wissenschaft herbei, welche unter dem Namen der 
Renaissance bekannt ist. Die Vorzeichen dieser auch für die Medizin glänzenden 
Periode sind schon in der kurz vorhergehenden Epoche bemerkbar, welche man 
als die Prärenaissance bezeichnet und in welcher Männer wie Roger Baco, 
Arnold von Villanova (1235—1312), Vertreter einer vernünftigen Hygiene 
und Diätetik, und Petrarca (1304-1374) die Wissenschaften in einem freieren 
Gtoist bearbeiteten. In der Medizin kam dies besonders den durch die Araber 
und Scholastiker so sehr vernachlässigten Disziplinen der Anatomie und 
Chirurgie zu gute, in welchen sich Männer wie der Magister Ricard us, 
Mondino de Luzzi (1275—1326), die cVier Meister», Hugo Borgognoni 



Einleitoxig. 



XI 



{f 1250), Brano von Longobargo, Tooderico Borgognoni (1205 — 1298), 
Wilhelm von Saliceto (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts), Verfasser einer an 
interessanten Beobachtungen reichen «Chirurgie», Lanfranchi (f 1306), Hein- 
rich von Mondevilie (f 1320), Jehan Tperman, Heinrich von Pfol- 
spenndt (um 1460), die Familie Yianeo (plastische Operationen) u. a. auszeich- 
neten. Der grösste Chirurg aus der Zeit der Prärenaissance ist Qixy de Chauliac 
(geb. 1300), dessen Lehrbuch der Chirurgie neben Abulkasim bis zum 
16. Jahriiundert fast die einzige Autorität bUdete («Inventorium et coUectorium 
artis chirai^calis medicinae» 1363) und eine berühmte' Schilderung des «schwarzen 
Todes» enthält. 

Im Zeitalter der Benaissance wurde die Medizin ausser durch die oben 
genannten Momente hauptsächlich beeinflusst durch das Auftreten neuer und 
gewaltiger Seuchen, der Syphilis (eingeschleppt aus Amerika durch die Spanier), 
des englischen Schweisses und des Typhus exanthematicus, sowie durch 
das von den sogen, «philologischen Medizinern» (Winther von Andernach, 
Cornarus, Leonh. Fuchs, A. Foesius) inaugurierte Originalstudium der 
griechischen Aerzto nach neuen Ausgaben und endlich durch die stärkere Pflege 
der Naturwissenschaften (Botaniker wie Tragus, Tabernaemontanus, L. 
Fuchs, Otto Brunfels, Conrad Gessner, A. Cesalpini, Alpine; Minera- 
logen wie G. Agricola; Physiker: Kepler; Chemie: Libavius, Sala). Den 
giinzendsten Aufschwung nahm in dieser Zeit die Anatomie, namentlich durch 
die Thätigkeit des Andreas Vesalius, unter dessen Vorläufern Alessandro 
Achillini (1463-1512; Schädelknochen), Zerbi, A. Benedetti (1460-1525; 
topographische und pathologische Ana- 
tomie), Jacopo Berengario Carpi 
(1470—1530; Kehlkopf, Herz, Thränen- 
drusen,Nieren, Leber), Jacques Dubois, 
Guido Guidi (f 1569; Canalis Vidi- 
anus), 6. Canani (Atlas der Myologie) 
u. a. zu nennen sind. Andreas Vesal 
wurde 1515 in Brüssel geboren, stu- 
dierte seit 1533 in Paris Medizin, be- 
schäftigte sich früh mit zootomischen und 
anatomischen Untersuchungen, wurde 
1537 Professor in Padua, wo er zahl- 
reiche anatomische Irrtümer des Galen 
nachwies, viele Sektionen menschlicher 
Leichen machte und seine beiden Lehr- 
bücher herausgab. Er folgte dann einem 
Rufe als Leibarzt Karl's V., blieb in 
gleicher Eigenschaft bei Philipp II. 
and starb 1564 auf einer Fahrt nach 
Jerusalem. VesaPs grossartiges Werk 
«De humani corporis fabrica libri Septem» 
(Basel 1543) zerfällt in sieben Bücher 
(1. Knochen und Knorpel; 2. Bänder 
and Muskeln; 3. Gefässe; 4. Nerven; 5. Eingeweide, Geschlechtswerkzeuge; 
6. Herz; 7. Gehirn und Sinnesorgane) und ist mit mehr als 300 vortrefflichen 
Stahlstichen von Johann Stephan von Kaikar, einem Schüler Tizian's, ge- ' 
schmückt Der Wert dieser Schrift beruht hauptsächlich auf dem Nachweis der 
galenischen Irrtümer. So stellte er die wahre Anzahl der Knochen des Brust- 
und Kreuzbeines fest; leugnete die von Galen angenommene Existenz eines 
«Herzknochens», beschrieb sehr genau das Labyrinth des Ohres, das Keilbein, 
Peritoneam, Mediastinum, Gardia und Pylorus, den Fornix und vieles andere, 




Andreas Yesal. 



xn 



Einleitimg. 



was bis dahin gar nicht oder nur anvollkommen bekannt gewesen war. Auch 
als Arzt zeichnete sich Yesal in hervorragendem Maasse aus. Gleichzeitig mit 
und nach Yesal erstand ein ganzes Geschlecht bedeutender Anatomen. Barto- 
lommeo Eustacchi (ca. 1500—1574), noch ein Anhänger des Galen, beschrieb 
zuerst den Ductus thoracicus und die nach ihm benannte Tuba Eustacchii. 
G. Ingrassia (1510 — 1580) zeichnete sich als Osteologe aus, Realdo Colombo 
(f 1559) ist ein Vorläufer Harveys durch seine Beschreibung des kleinen Blut- 
kreislaufes. Aranzio (1530 — 1589; Ductus venosus Aranzii), Varolio (1543 
bis 1575; Pens Varolii), Botallo (geb. 1530; Ductus arteriosus B), G.Falloppio 

(1523—1562; Tuba F.; Entwickelung der Zähne 
und Knochen, Ligamentum F.), Fabrizio ab 
Aquapendente (1537—1619), Koyter(1534 
bis 1600), Casserio (1561—1616: Nervus 
perforans C; Stimm- u. Gehörorgan), J. Vesling 
(1598—1649), A. van der Spieghel (1578 
bis 1625; Lobus Spigelii), Felix Platter (1536 
bis 1614), Caspar Bauhin (1560 — 1624; 
Bauhinsche Klappe), S. Alberti (1540—1600; 
Thränenwerkzeuge), Pieter Paaw (1564 bis 
1617; Osteologie) u. a. haben ebenfalls auf dem 
Gebiete der anatomischen Forschung bedeutende 
Leistungen aufzuweisen. Als Vorläufer von 
Harvey sind noch Paolo Sarpi und Miquel 
Serveto (1509—1553) zu nennen. 

unter dem Einflüsse des Auftretens neuer 
Krankheiten, hauptsächlich der Syphilis, ent- 
wickelte sich in der praktischen Medizin 
eine reformatorische Bewegung, gefördert von 
Ärzten wie G. Fracastori (1483 — 1553), 
Johannes Lange (1485 — 1565), Pierre 
Brissot (1478—1522; Streit über den Ader- 
lass), Felix Platter (Einteilung der Krank- 
heiten in Functiones laesae, Vitia, Profluvia 
et Retentiones), Antonio Benivieni (f 1502; Pathologische Anatomie), 
Peter Foreest (1522—1597), Crato von Krafftheim (1519—1586) u. a., 
die sich zum Teil in scharfer Weise gegen die Lehren der Araber wendeten 
und auf die Beobachtung sowie das Studium der griechischen Quellen zurück- 
gingen, auch, wie der treffliche Johann Weier (1515—1588) gegen den 
Hexenglauben, gegen den Aberglauben in jeder Form auftraten, der besonders 
durch Mystiker wie Cardano (1501—1576), Agrippa von Nettesheim ver- 
treten wurde. Der Hauptrepräsentant dieser mystischen Richtung in der Medizin 
des 16. Jahrhunderts ist Theophrastus Bombastus Paracelsus ab Hohen- 
helm, der zu Einsiedeln in der Schweiz am 10. November 1493 geboren wurde 
und nach einem unsteten Wanderleben am 24. September 1541 in Salzburg 
starb, nachdem er eine Zeit lang (1526 — 1527) in Basel als Professor der 
Medizin gewirkt hatte. Paracelsus war ein Feind des Galenismus, hat aber 
selbst zaJilreiche mystische und neuplatonische Ideen in seine zahlreichen in 
kerniger deutscher Sprache verfassten Schriften eingeführt. Trotzdem war er 
durch und durch Empiriker und hebt den Wert der genauen Beobachtung des 
Kranken oft hervor. Seine Theorie der Krankheiten ist eine chemische (Salz, 
Schwefel, Quecksilber als Grundstoffe des Körpers). Aber das Stoffliche bildet 
nicht das eigentliche Wesen der Dinge, sondern der ihnen eingepflanzte «Archaeus» 
oder «Quinta essentia» spielt diese Rolle. So enthält auch jeder Arzneistoff 
sein cArcanum», das besonders wirksame Prinzip, welches mit Hilfe der 







i 



.Einleitaiig. 



xni 




Th. Paraoelsus. 



Tinktaren, der Spirituosen Extrakte gewonnen werden kann. Von Paracelsus 
stammt auch die Letire von den Signaturen der Arzneipflanzen (Morbus 
terebinthictts, helleborinus). Sein grösstes Verdienst ist die Einführung neuer 
chemischer Mittel in die Therapie sowie seine eifrige Befürwortung einer innigen 
Verbindung zwischen Chirurgie und 
innerer Medizin. Die Anhänger des 
Paracelsus, die sogenannten cParacel- 
sisten» verbreiteten die Lehren des Meisters 
unter dem Namen der spagirischen (her- 
metiachen) Medizin, wie A^am von Boden- 
stein (t 1576), Oswald CroU (1560 bis 
1609) o. a. 

unter den übrigen medizinischen Dis- 
ziplinen erstand der Chirurgie ein Refor- 
mator in dem Franzosen Ambrolse ParS 
(1517—1590), der die bisher übliche Poly- 
pragmasie aus der Chirurgie verbannte, bei 
Schosswunden anstatt des Ausglühens mit 
heissem Ol eine vernünftige expectative 
Therapie in Anwendung zog, sehr rationelle 
Indikationen für die Trepanation aufstellte, 
die Oefässnaht von neuem eindringlich 
empfahl und auch auf die Thoracocenthese 
wieder aufmerksam machte. Ferner ver- 
besserte Par6 die plastischen Operationen 
und verwendete zuerst Bruchbänder. Unter seinen Schülern ragt besonders 
hervor Pierre Franco (1505 — 1562), ein berühmter Lithotom, der die Sectio 
alta zuerst vollzogen hat. Auch Nicolaus Habicot (1550 — 1624) war ein 
tüchtiger Chirurg und Anatom. Par6 sowohl wie sein Schüler Jacques Guille- 
meau (1550—1630) haben sich durch die Wiedereinführung der Wendung auf 

die Füsse ein grosses Verdienst um die 
Geburtshilfe erworben, die durch die ersten 
Ausführungen des Kaiserschnittes eben- 
falls bereichert wurde. 

Die von Baco von Verulam (1560 
bis 1626) ersonneneinductive Methode der 
M ^Uft 1 wissenschaftlichen Untersuchung sowie der 

^m ^nVMv durch die Philosophie des Cartesius (und 

^H n^uS^ Spinoza) begünstigte Aufschwung der 

^V ^pVhI^ Naturwissenschaften (Boyle, Kircher, 

* ^ Glauber) und die Erfindung des Mikro- 

skops, mit dessen Hülfe besonders Leeu- 
we n h o e k (1 632— 1 732) seine grundlegenden 
anatomischen und zoologischen Unter- 
suchungen (Linse, Infusionstierchen) machte, 
bewirkten eine weitere Erhöhung des wissen- 
schaftlichen Niveaus der Heilkunde, die vor 
allem durch die Entdeckung des Blut- 
kreislaufes auf eine feste Basis gestellt 
^^ wurde. William Harvey (2. April 1578 
3^5^ bis 3. Juni 1657) gebührt das Verdienst 
dieser unsterblichen Entdeckung, welche er durch jahrelange Forschungen und 
Experimente exakt begründete und endlich im Jahre 1628 in seiner berühmten 
Schrift «Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus« der 




Ambroi86 Par^. 



XIV 



Einleitung. 



Welt bekannt machte. Das Buch enthält im ersten Teile eine Kritik der Gale- 
nischen Lehren, im zweiten eine klassische Darstellung der Verhältnisse (des 
Kreislaufes, die er vollkommen richtig erkannte, wenn ihm auch die Kapillaren 





William Hanrey. 



Friedrich Raysch. 



noch unbekannt waren. Schnell fand die neue Lehre, deren Wichtigkeit für 
die gesamte Physiologie bald sich geltend machte, Eingang und wurde durch 
Männer wie Nicolaus Steno (1638 — 1686; Muskelnatur des Herzens), Richard 



Lower (1631 bis 
1691; Innervation 
des Herzens; Tuber- 
culum Loweri), Al- 

fonso Borrelli 
(1608—1679; An- 
Wendung der Ge- 
setze der Statik auf 
den Blutkreislauf), 
Raymond Vieus- 
sens (1641—1717; 
Begründer der Lehre 
von den Herzkrank- 
heiten; Isthmus V.), 

Stephan Bian- 
caard (1650 - 1702; 
Injektionen der Qe- 
fässe), Friedrich 
Ruysch (1638 bis 
1731; Injektions- Ar- 
beiten, Membrana 
Ruyschiana) weiter 




Marcello Malpighi. 



ausgebaut. Durch die 
Entdeckung des 
Kapillarkreislaufes 
hat Marcello Hai- 
pigrhi (1628-1694) 
die Harvey'sche 
Lehre am meisten 
gefördert. Dieser 
grosse Naturforscher, 
auch einer der Ent- 
decker der Pflanzen- 
zellen, hat ferner über 
den Bau der Lungen 
richtigere Anschau- 
ungen verbreitet, in- 
dem er Untersu- 
chungen über die 
Verzweigungen der 
Bronchien anstellte. 
Weitere Entdek- 
kungen auf dem Ge- 
biete der Lehre von 



den Gefässen und der Zirkulation machten Aselli (1581—1626; Chylusgefässe), 
Rudbeck (1630—1702; Lympfgefässe), Thomas Bartholinus (1616—1680; 
Lymphgefässe), Conrad Victor Schneider (1614—1680; Physiologie der 
Lymphe; Werk «de catarrhis»), Anton Nuck (1650 — 1692; Drüsen und Lymph- 



dtUBg. 



■I jtese), Thomas Willis (i622--1675; Blutgefässe des Gebims; Circulus 
^^?illisii), J, J. Wepfer (1620 — 1695; Verlauf und Verzweigung der Carotiden), 
John Mayow (1645—1679; Physiologie der AtEiung) u. a. 
1 Noch auf einem zweiten wichtigen Gebiete der Physiologie hat Harvey 

iinregend gewirkt, nämlich auf dem der Zeugung und Ent Wickelung, In 
Ipeinen t Exercitationes de generationibus animalium» (1651) stellte er den fun- 
Bdamentalen Satz auf: Omne vivum ex ovo. Reignier de Graaf (1641 bis 
11673) erkannte in dem Ovarium den Sitz der Bildung der Eier, SNvammerdam 
1(1637—1680) und Redi {1626—1694) untersuchten die Verhältnisse der Fort- 
I Pflanzung bei den niederen Tieren, wobei letzterer die * Generatio aequivoca» 
laufs heftigste bekämpfte. Vallisnieri (1662—1730) studierte die Bedeutung 
Ides Eies für die Entstellung des Foetus, Die Anatomie der männlichen Ge- 
pehleehtsorgane erfuhr durch Nathanael Highmore (1613 — 1684) und durch 
(die 1677 erfolgte Eutdeekiing der Samentierehen durch Job, Ham eine be- 
Ldeutende Förderung. 

I In der praktischen Medizin des 17, Jahr)Tunderts lassen sich drei 

fflauptnchtungen unterscheiden. Die erste war die mystisch-nüturphiloso- 
iBhische, als deren Hauptrepräsentant Johann Baptista van Helmont (1577 
[mi 1644) 7M betrachten ist. Derselbe hat seine Anschauungen bauptsäcblich in 
pner Schrift «Ortus medicinae> entwickelt (1648). Die beseelte Natur wird nach 
Irin Helmont im Menschen als besondere Lebenskraft «Archaeus» personifiziert, 
fder wieder in den «Archaeus insitus* (von aussen eingepflanzt) und den «Ar- 
lehaeus influus» (angeboren) zerfallt Eine krankhafte Veränderung des Archaeus, 
Idie sogenannte «Idea morbosa*» bewirkt die Entstehung von Krankheiteo. Indem 
l?an Helmont diese Theorie an den verschiedenen Krankheiten erläutert, 
Ikommt er zu manchen interessanten Ergebnissen, wie zu der Auffassung einer 
'chemischen Pathogenese der Krankheiten, dem Nachweise von Gärungsvorgängen, 
die dabei eine Rolle spielen u. a. m,, was an moderne Betrachtungsweise er- 
i innert. — Ebenfalls naturphilosophisehen Anschauungen huldigte Daniel 
fßennert (1572 — 1637), ein Erneuerer des Atomisnuis und Verfasser eines sehr 
beliebten grossen Handbuches der praktischen Medizin. 

Die zweite Richtung in der Medizin dieser Zeit verfolgt das Ziel, die 
Chemie und Physik als Grundlagen flir ein System der Heilkunde zu be- 
KDUtzen. Es waren dies die sogenannten Chemiatriker und latFophyslker. 
p)er bedeutendste Chemiatriker ist Franz de le Boe Sylvius (1614—1672). 
Br betrachtete als die Basis der Medizin die Anatomie, Physiologie und klinische 
■Äobachtung, war ein Anhänger Harveys und förderte durch eigene Arbeiten 
die Anatomie des Gehirns (Fossa Sylvii), ist aber weniger glücklich in der 
i Aofetellung seines chemischen Systems der Medizin, in welchem die BegritTe der 
l«Fermentation» (alle Arten von Umwandlungsvorgängen), der ^Spiritus volatiles» 
lliud «^animales:^, der ins Blut dringenden <3tacrimonia» (Schärfen), besonders 
Iderjenigen der Galle, eine Rolle spielen. Seine Therapie besteht, entsprechend 
■diesen Ansichten, hauptsächlich aus Brech- und Abführmitteln und sogenannten 
^Altemntia (umstimmenden Mitteln). Sein Schüler Thomas Willis (1622 
bis 1675) erweiterte die Theorien des Meisters, indem er hauptsächlich die 
L Wirkung der «Spiritus» in den Vordergrund stellte und sie als feine Körper, 
Ptropfbare Flüssigkeit auffasste, auch voo einer «cDyskrasie)? derselben spricht, 
die zu einer abnornien Thätigkeit der Nerven führen kann, w^elche von tieber 
haften Erscheinungen begleitet ist* Willis hat zuerst den Begriif des «Nerven- 
fiebers» gebildet — Die iatrophysische Richtung fand besonders in Italien 
Lihre Anhänger. Als Begründer derselben gilt Santorio Santoro (Sanetorius, 
0^61—1636), dessen «Ars de statica medicina^ die Resultate 30 jähriger exakter 
tVerBuehe mit Thermometer, Hygrometer, Wage über die physikalischen Ver- 
OiAllnisse des Körpers enthält und vor allem den Begriff der schon den Alten 



XVI 



Einleitung. 



(Theophrast) bekannten «Perspiratio insensibilis» genau bestimmt, deren 
Unterdrückung viele Krankheiten verursache, so dass Sanctorius vor allem 
Diaphoretica in solchen Fällen empfahl. — Neben Lorenzo Bellini (1643 
bis 1704; Anatomie der Nieren; Blutstockung Hauptursache der Krankheiten) 
ist der hervorragendste Nachfolger des Sanctorius: Giorgio Baglivi (1668 
bis 1707), Professor in Rom, der die ganze Medizin in Physik auflöste, das 
Gefässsystem mit hydraulischen Maschinen, die Atmung mit der Thätigkeit eines 
Blasebalges, die Drüsen und Eingeweide mit Sieben verglich. Die Bewegung 
hängt von einem Nervenprinzip ab. In der Praxis war Baglivi in keiner 
Weise Theoretiker, sondern Anhänger eines rationell empirischen Verfahrens. 

Dieser letztere Standpunkt wird am reinsten vertreten durch die dritte 
medizinische Richtung, die Hippokratiker, als deren Prototyp Thomas 
Sydenham (1624 — 1689) anzusehen ist. Ein echter Praktiker tritt er in 
seinen Schriften für sorgfältige klinische Beobachtung, genaue objektive Unter- 
suchung des Kranken ein und empfiehlt vor allem diätetische Behandlungs- 
methoden. Er lieferte vortreffliche symptomatologischo Diagnostiken (Rheuma- 
tismus, Gicht, Krupp, Pleuritis, katarrhalische 
Pneumonie, Erysipel, Hysterie) und diffe- 
renzierte die Symptome nach ihrer Ätiologie 
in die wesentlichen (als eigentliche Folge 
der Materia peccans), die accidentellen 
(Folge des Heilbestrebens der Natur) und 
die artifiziellen (Folge des ärztlichen 
Eingreifens). Zum erstenmale findet sich 
bei diesem genialen Arzte der Begriff des 
Krankheitsprozesses. Die epidemiolo- 
gischen und Witterungseinflüsse werden 
ausgiebig berücksichtigt («Constitutio epi- 
demica»; Frühlings-, Sommer- u. s. w. 
Krankheiten). Als Therapeut bediente er 
sich neben der Diätetik hauptsächlich des 
Aderlasses, des Opium und der Abführ- 
mittel. — Mit den Hippokratikern des 
17. Jahrhunderts beginnt auch die Zeit der 
klinischen Monographien und kasui- 
stischen Sammelwerke, durch welche 
seitdem das Studium der einzelnen Krank- 
heiten so sehr gefördert worden ist. So 
hat ein Landsmann Sydenham's, Richard Morton (1635 — 1698), ein glück- 
licher Praktiker, sich durch seine berühmte «Phthisiologia seu exercitationes de 
phthisi libri III» (1689), welche zahlreiche Krankengeschichten enthält, grosse 
Verdienste um die Lehre von der Lungenschwindsucht erworben. Ebenso ent- 
hält seine «Pyretologie» sehr interessante kasuistische Mitteilungen über Fieber 
und akute Infektionskrankheiten. Morton empfahl auch die Chinarinde als 
vortreffliches Heilmittel bei Fiebern. Zu gedenken ist auch der Sammlung 
kasuistischer Beobachtungen von G. M. Lancisi (1654—1720) sowie der 
«Monita et praecepta medica» (1751) von Richard Mead (1673 — 1754), einem 
Anhängers von Sydenham, der auch über die Pest in kontagionistischem 
Sinne schrieb. Die Monographien des 17. Jahrhunderts erstreckten sich sogar 
schon auf die Krankheiten einzelner Stände und Berufsarten. Die bedeutendste 
Abhandlung über dieses Gebiet lieferte Bernardino Ramazzini (1633—1714) 
in seiner «De morbis artificum diatribe». — Die Chirurgie und Geburtshilfe 
des 17. Jahrhunderts fanden ihre hervorragendsten Vertreter in Fabritz von 
Hilden (1560 — 1634), der schon einen Eisensplitter mittels des Magneten aus 




Thomas Sydenham. 



Einleitmtg. 



XVH 



I 



dem Auge extrahiert, in FraiKjois Maurice au (1637 — 1709), erstem Geburts- 
helfer an der Maternit6 des Hötel-Dieii in Paris, der sein riesiges Beobachtungs* 
material in den beiden Werken «Traitö des maladies des ferames grosses?* und 
«Observations sur la grossesse et sur raccouchement* niedergelegt hat, die 
Wendung auf die Füsse wieder einführte, die Touchirkunst ausbildete und die 
Iberapie des Wochenbettes und der Neugeborenen» sowie eine rationelle Ver- 
wertung der Anatomie und Physiologie für die Geburtshilfe beförderte^ welchem 
letzteren Punkte auch Hendrik van Deventer (1651 — 1724) seine Aulmerk- 
saaakeit zuwendete, durch seine Arbeiten über die Anatomie des Beckens. Die 
Geburtszange soll schon im 17. Jahrhundert von der Familie der Charaberlen 
erfunden und gebraucht worden sein. 

Die Aufklärung und die empiristisch-raaterialistische Philosophie (Locke, 
Folbaeh, La Mettrie) des 18. Jahrhunderts haben die Entwickelung der 
Naturwissenschaften und der Medizin im ganzen recht günstig beeintlusst. Aber 
auch ein Idealist wie Leibniss (1646 
bis 1716) hat in der Medizin dieses 
Jahrhunderts Spuren seines Denkens zu- 
rückgelassen , indem der sogenannte 
«Dvnamismus» wesentlich sich an dieMona- 
dalogie anlehnte. Leibniz selbst be- 
kundete stets ein grosses Interesse für 
die Heilkunde und stand mit den 
grössten Ärzten in Verkehr, Er wies 
auf die Bedeutung der Meteorologie für 
die Medizin hin, regte die Abfassung 
medizinal - statistischer und h3^gienisch- 
geographisch-topographischer Berichte an, 
betonte den Wert der Mathematik, Physik 
und y pie für die Medizin, ebenso 

die 1 ng medizin-historischer Stu- 

dien und medizinischer Journale« Am 
aUerwicbtigsten scheint ihm die Chemie 
zu »ein, sowohl für die Lehre vom Stoff- 
wechsel als auch für die Pathogenese 
der Krankheiten. Diese Hilfswissen- 
adiaften der Medizin nahmen übrigens 
im 18. Jahrhundert bereits einen glän- 
zenden Aufsc4iwung dank der Thätigkeit eines Euler, Bernouilli, Newton» 
Franklin^ Galvani, Volta, G. E. Stahl, Priestley, Lavoisier, Scheele, 
Hai et» u. a. Hierher gehört auch der Aufschwung der deskriptiven Natur- 
wisaenschaften (Linn6, Buffon). 

Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts behen-schten in der praktischen 
HtdUiQ die drei grossen Systematiker Hoffmann, Stahl und Boerhaave. 
Friedrieh Hofftnann (1660— 1742), Professor in Halle, hat in seiner «Medicina 
nliaDabs srstematica» die Vernunft und Erfahrung (Ratio et experinientum) als 
die bddea Pfeiler der Heilkunde aufgestellt Die Lebenserseheinungen sind 
Polgeo mechanischer Bewegung, die sich als «Tonys», als Kontraktion und 
Diiatatioo der festen Teile äussert und durch ein vom Gehirn und Blute aus- 
gefaeodes «Nervenfluidum^^ hervorgerufen wird. Gestörter Tonus ist Krankheit 
(lm0sio naturalium motuum). Fieber ist Krampf der Gefässe, Magen und Darm- 
biaal haben besondere konsensuelle Beziehungen zum Nervensystem. Ein 
tonischer Zustand ist ferner die UrBache der Blutungen, Katarrhe, lokalen Ent- 
zftndungeiu Neuralgien. Chronische Krankheiten berohen auf Atonie. Die 
Tberapie wirkt also durch Antispasmodica, Roborantio, Tonica, Sedativa, 




Friedrich HöiTmaim« 



xvin 



EinleitoBg. 




Georg Ernst Stahl. 



Evacuantia, Alterantia. Bei chronischen Krankheiten bediente sich Ho ff mann 
mit Vorliebe der Reizmittel (Wein, Kampher, China, Äther, Hoffmanns Tropfen, 

Balsamum vitae Hoffmanni und anderer 
nach ihm benannter Arzneimittel). Hoff- 
mann hat auch die Mineralwässer einge- 
führt. — Der grosse Gegner Hoffmanns 
ist Geopgr Ernst StaM (1660-1734), 
Professor in Halle und Leibarzt in Berlin, 
der Begründer des «Animismus», welcher 
^ ^^^F^V^K^ '^ ^® Anima als Erhalter des Organismus 
M ^^^K ..^^V und Regulator aller Lebensvorgänge an- 

B ^^^BLi^^^KA nimmt Diese Idee wird in seiner Schrift 

1^ ^^^^Pr^i^^l^ «Theoria medica vera» entwickelt, welche 

im übrigen bezüglich der Pathogenese der 
Krankheiten humorale Anschauungen zum 
Ausdruck bringt und die Plethora als die 
Hauptursache der meisten Erkrankungen 
anspricht, gegen welche die Anima die 
Blutungen als therapeutisches Mittel in 
Anwendung bringt. Diese Blutstockung 
sitzt im Kindesalter meist im Kopf, im 
Jünglingsalter in der Brust und beim 
Manne in den Bauchorganen. Die wohl- 
thätige Wirkung der Hämorrhoidalblutungen hat Stahl in der Schrift «De 
venae portae porta malorum hypochondriaco-splenitico-sufifocativo-hysterico- 
haemorrhoidariorum» erörtert Das Fieber ist nach Stahl ein Heilungsvorgang. 
Er verwirft daher Antifebrilia und wendet mit Vorliebe Evacuantia an. — 
Der dritte grosse Systematiker des 18. 
Jahrhunderts ist Hermajin Boerhaave 
(1668—1738), Professor in Leyden, der 
erste, welcher regelmässigen klini- 
schen Unterricht erteilt und dadurch 
der «communis totius Europae praeceptor» 
wurde (Haller). Boerhaaves Haupt- 
werke sind die berühmten «Aphorismi 
de cognoscendis et curandis morbis (editio 
van Swieten)» und die «Institutiones 
medicae in usus anuuae exercitationis 
domesticos» (von Ha 11 e r ediert). Boer- 
haaves System ist ein eklektisches. 
Seine allgemein biologischen Anschau- 
ungen näÜhem sich denen Hoffmanns, 
werden aber durch iatrochemische Ge- 
danken modifiziert Letztere vermischen 
sich in der Pathologie mit iatrophysi- 
schen Ansichten. Den Krankheiten 
der festen Teile stehen die Säfte- 
fehler (Plethora; Acrimonia) gegenüber, 
oder beide sind kombiniert Fieber ist 
eine Folge der gesteigerten Herzkontraktion und vermehrten Widerstandes 
der Kapillargefässe. Boerhaave bediente sich schon des Thermometers zur 
Messung der Körpertemperatur. Seine Therapie war im wesentlichen eine diätetisch- 
exspektative. — Boerhaaves grosse Bedeutung liegt in der Ausbildung zahlreicher 
Schüler, vor allem der beiden grössten: van Swieten und Albrecht von Haller. 




Hermann Boerhaare. 



EiEleituag. 



XIX 





Albrecht yon Hauer 



Gerard van Swieten (1770 — 1772), Professor in Wien, ist der Be- 
gründer der älteren Wiener Schule» der Reformator des medizinischen 
Unterrichts in Wien, welcher dann für Europa rorbildlicb wurde. In seiner 
Hauptschrift «Commentaria in Uermanni 
Boerfaaave aphorismos de cognoscendis 
et curandis morbis» findet sich eine 
reiche Kasuistik. Besonders die Syphilis 
ist ganz vortrefflich abgehandelt und 
■ ihre Therapie durch die nach van 
I Swieten benannte Sublimatlösunfj (Li- 
K quer T, Sw.) bereichert, — Zu den her- 
^^■£ornigeDdsten Mitgliedern der älteren 
^^Vvrieoer Schule gehören der von van 
V Swieten berufene Anton de Haen 
' (1704 — 1776), dessen * Ratio medendi in 
nosocomio practico Vindobonensi* (1758 
bis 1779), ein klinischer Jahresbericht, 
_ Tön dauerndem Werte ist und die ersten 
systematischen Fiebermessungen und 
Verwertungen der Sektionsergebnisso für 
die Klinik enthält, ferner Joseph Leo- 
pold Auenbrugg-er (1722-1809), der 
Begründer der modernen physika- 
lischen Diagnostik (in seiner Schrift 
clorentum novum ex percussionethoracis 

humani ut signo abstruses interni pectoris morbos detegendi») durch die 

LT der Perkussion, endlich Anton Stoerck (1731 — 1803), ein be- 

Fharnmkologe und Toxikologe, und Max Stoll a742-'1787), der 

den sogenannten «biliösen Typus» 
der Krankheiten (z. B. Biliöse Pneumonie) 
aufstellte und in seiner ^xRatio medendi in 
nosocomio practico Vindobononsi» (1779 
bis 1790) ebenfalls voilreffliche klinische 
Jahresberichte lieferte. 

Der grösste Scbüler Boerhaaves ist 
der geniale Physiologe Albrecht von 
Haller (1708—1777)/ Professor in Göt- 
tingen, wohl der gelehrteste Arzt seit der 
Zeit des Galen, dessen auch bibliographisch 
höciist wertvolle Arbeiten das ganze Gebiet 
der Medizin und Namrwissensebaften um- 
fassen. Die vorzüglicbsten Schriften Halters 
sind 1. Die Kommentare zu den Institu- 
tionen von Boerhaave 11739 — 1744); 
2. «Primae lineae physiologiae» (1747), ein 
Lehrbuch der Physiologie; 3. Die ^Ele- 
menta physiologiae corporis humani» 
(8 Bde., 1757), das grossartigste Fundaraental- 
werk über die Physiologie; 4. ticones 
anatumicae»; 5. Die grossen «Bibliotheken» 
(Botanik, Anatomie, Chirurgie), sowie Ausgaben von Klassikern. — Die «Elementa 
ph^^«"^ 'criae> sind die erste systematische, auf eigene Experimente des Verfassers 
p te und die gesamte bisher vorliegende Litteratur erschöpfende Darstellung 

d^ iüiialtes der Physiologie. Am meisten ragen darin die Untersuchungen über 



O^rftrd ma Swieteo. 



XX 



Einleitnng. 




Joseph Leopold Auenbrugger. 



das Qefässsystem and die Nervenphysiologie hervor. Hai 1er hat den von Glisson 
(1597 — 1677) aufgestellten Begriff der Irritabilität genauer definiert. Er wies 
nach, dass jeder tierische Organismus zwei Formen von Bewegungen aufweist, erstens 

eine durch blosse Elastizität bedingte, die 
nicht allein den Muskeln, sondern auch 
anderen Geweben zukommt, und zweitens 
die spezifische Kontraktionsfähigkeit 
derMuskeln,die derselbe auch unabhängig 
vom Nerveneintluss besitzt. Letzterer ist 
der normale Reiz für die willkürliche Be- 
wegung der Muskeln. Auch der Begriff 
der Sensibilität, des ausschliesslich an 
die Nerven geknüpften Empfindungsver- 
mögens, stammt von Haller. — Neben 
und beeinflusst von Hai 1er haben zahl- 
reiche Forscher die anatomischen und 
physiologischen Disziplinen gefördert. B. S. 
Albinus (1697—1770), Professor in Leyden, 
hat sich besondere Verdienste erworben durch 
seine musterhaft ausgestatteten Ausgaben 
älterer anatomischer Klassiker (Yesal^ 
Fabricius ab Aquapendente, Eu- 
stacchi) und durch seine herrlichen ana- 
tomischen Atlanten, sowie durch osteolo- 
gische und myologische Monographien. 
G. B. Morgagni (1682—1771) in Padua schrieb vortreffliche «Adversaria 
anatomica», ist aber vor allem als Schöpfer der pathologischen Anatomie 
berühmt, welche in seinem Werke «De sedibus et causis morborum per ana- 
tomen indagatis libri quinque» ihre erste 
systematische Darstellung undBegrenzung 
erfahren hat. Femer sind als Anatomen 
und Physiologen zu nennen Antonio 
Scarpa(1752— 1832; Osteologie, Sinnes- 
organe, Lehre von den Knochenbrüchen), 
Domenico Cotugno ^1736— 1822), 
Johann Gottfried Zinn (1727 1759; 
Zonula Zinnii), Johann Friedrich 
Meckel (1724—1774; Ganglion Meckelii), 
Joh. Nathanael Lieberkühn (1711 
bis 1765; Injektionspräparate; Li ehe r- 
kühn'sche Krypten), Samuel Thomas 
von Soemmering (1755 — 1830; be- 
rühmtes Werk «Vom Baue des mensch- 
lichen Körpers», Gehirnanatomie, At- 
lanten), Caspar Friedrich Wolff (1735 
bis 1794; «Theoria generationis», Gegner 
der Präformations-, Anhänger der 
Epigenesislehre), Lazzaro Spallan- 
zani (1729—1799; Verdauungsphysio- 
logie, Bekämpfung der Lehre von der 

Generatio aequivoca), Stephen Haies (1677 — 1761; Begründer der Hämo- 
statik), William Hewson (1739—1774; Bewegung und Gerinnung des Blutes) 
und last not least die beiden Gebrüder Hunte r. John Hunter (1728—1793), 
Professor in London, war einer der grössten Chirurgen und Anatomen seiner 




O. B. Morgagni. 



/ 



Einleitung. 



XYT 




Johti Hunter. 



Zeit, Gründer des weltberühmten anatomisch-zoologischen Museums (enthielt 
14000 Präparate bei H unters Tode), Schöpfer der experimentellen Pathologie 
|in England, bereicherte die Medizin 
iiirch zahlreiche Beobachtungen und 
leilmethoden (H unter Vher Schanker, 
Gubernaculum Hunteri, Lehre vom 
Descensus testiciilorum, den Herniae in- 
•nnnales eongenitae, ünlerbindungsme- 
'^ bei Aneurysmen, Studium der 
!ang und des Blutes, der veno- 
[1 1 Krankheiten). — Sein Bruder 

irUliara Hunter (1718—178.3), eben- 
Jls Professor in London, hauptsächlich 
Loatom («Anatomy is the only solid 
jation of medicinex*)* als welcher er 

Rig Jahre an seinem berühmtesten 

Werke, der «Anatomy of the human 
ivid Uterus» (1774, 34 herrhche Tafeln) 
eitete. Von ihm stammt der Name 
irBeciduai» und die Unterscheidung einer 
Decidua vera und reflexa. Von Bedeu- 
tung sind auch die Bemühungen William 
Hunters, die Anatomie für die prak- 
lisehe Medizin nutzbar zu machen. 

Hallers Lehre von der Sensibilität 
Qüd Irritabilität beherrschte in der zweiten Hälfte des 18* Jahrhunderts sowohl 
m Pathologie als auch die Klinik und gab Anlass zu verschiedenen 
aiA I Theorien, Verwertet ist zum Teil die Irritabilitätslehre in dem 

pathologischen System von H. D. 
Gaub (1704 — 1780), welches in seinen 
berühmten *Institutiones pathologiae me- 
dicinales^> (1758) enthalten ist. Grund- 
lage der Pathologie ist nach Gaub die 
Physiologie in Verbindung mit der 
Anatomie. Krankheit ist Kampf der 
Natur gegen die Schädlichkeiten, welche 
sie hervorgerufen haben. Es giebt ein- 
fache und zusamraengesetzte Krankheiten 
sowohl der festen Teile wie der Säfte. 
Die Krasenlehre sp>ielt bei Gaub eine 
wichtige Rolle, Die Säftekrankheiten 
sind entweder abnorme Verdünnungen 
(tenuitas), Verdickungen (tenacitas) oder 
Schärfen (acrimonia). Die Krankheiten 
der festen Teile haben zur Ursache eine 
Rigidität oder Debilität der Faser. Gaub 
hatte schon richtige Vorstellungen über 
die Natur der Kontagien. Verderblich 
war seine krass symptomatologischo Auf- 
fassung des Krankheitsprozesses. — Nach 
Pagel («Geschichte der Mediziu?> I, 291) kommt die Haller'sche Irrit2ibilität&- 
lehre in drei verschiedenen Richtungen in der klinischen Medizin zum Aus- 
drack. Ein Teil der Forscher fasste ganz in Widerspruch mit der Hallerschen 
Theorie die Irritabilität als Folge der Sensibilität auf, d. h. man sah 




WflUam Hojflter 



YTTT 



Einleitimg. 




William Collen. 



die Reizbarkeit als beginnend mit der Empfindlichkeit an, warf beides als 
«Nerventhätigkeit» zusammen und baute hierauf die nervosistische Theorie 

der Krankheit auf (Güllen). Eine 
zweite Gruppe fasste den Begriff der 
Reizbarkeit, unter den ebenfalls die 
Sensibilität subsumiert wurde, bedeutend 
allgemeiner und verschwommener als 
Haller (John Brown, und die «Er- 
regungstheoriei). Drittens stellte man 
Irritabilität und Sensibilität unter die 
Herrschaft einer höheren Kraft, die 
alle Lebensvorgänge hervorrufe, der so- 
genannten «Lebenskraft» CVitalismus). 
Der Begründer des «Nervosismus» 
ist der Schotte William Cullen (1712 
bis 1790), Professorin Edinburg, der mit 
Alexander Monro (1697-1767; Chi- 
rurg und Anatom; Heilung der Hydrocele 
durch Injektionen) die Edinburger Schule 
berühmt gemacht hat. In seinen «first 
lines of the practice of physick for the 
use of students» entwickelt er den Grund- 
gedanken, dass das Nervensystem die 
Quelle alles Lebens sei, die Ursache und 
der Regulator aller biologischen Er- 
scheinungen. Eine Alteration desselben bewirkt auch Veränderungen in den 
übrigen Körperfunktionen. Das erkrankte Nervenprinzip funktioniert entweder 
zu stark (Spasmus) oder zu schwach (Atonie). Das letztere ist häufiger als das 
erstere. Fieber sind meist atonische 
Krankheiten. «Synocha» nennt Cullen 
dasjenige Fieber, bei dem die Reaktion 
von Seiten des Nervensystems zu stark 
ist, «synochus», bei dem sie weder zu 
stark noch zu schwach ist Entzündung 
ist Folge einer lokalen Reizung. Auch 
der Rheumatismus ist eine Entzündung. 
Cullen unterscheidet Nervenkrankheiten 
im engeren Sinne, örtliche Krankheiten, 
Geschwülste 'und in konsequenter Weise 
Kachexien, die primär ohne Beteiligung . 
des Nervensystems in den Säften ent- 
stehen. Cullens Therapie lief auf Stär- 
kung des Nervensystems, Steigerung oder 
Schwächung der Reaktion, Bewahrung der 
Säfte vor Fäulnis heraus. Die Medika- 
mente wirken auf die Nerven, namentlich 
die des Magens. Diätetik ist sehr wichtig. 
Bei chronischen Krankheiten empfiehlt 
sich körperliche Übung und Vermei- 
dung der Fleischspeisen. — Ein zweites 

Produkt der Haller'schen Irritabilitätslehre ist die durch den Schotten John 
Brown (1735—1788) begründete Erregungstheorie oder der Brownianis- 
mus, dargestellt in den cElementa medicinae» (1778). Brown konstatiert als 
allgemeine Eigenschaft lebendiger Wesen die «Erregbarkeit» d. h. die Fähig- 




John Brown. 



f^inleitang. 



xxin 




keit, durch äussere «Reize» zu einer Thätigkeit angeregt zu werden. Die Wirkung 
des Reizes aul die Erregbarkeit ist die «Erregung». Leben kann nur bei dem 
Yorbandensein von Erregbarkeit und 
von Reizen bestehen, ist also eine Art 
von künstlichem Zustand, der von den 
Reizeu abhängig ist Häufige Er- 
r^ung erschöpft die Erregbarkeit. 
Seltene Reize führen zu einer An- 
häufung von Erregbarkeit. Gesund- 
heit ist also ein mittlerer Orad von 
Erregbarkeit Krankheit ist Verminde- 
rung oder Anhäufung derselben. Tod 
ist Folge eines gänzlichen Mangels 
oder einer übermässigen Anhäufung 
von Erregbarkeit Krankheit ist ent- 
weder sthenisch (zu heftige Erregung 
durch zu intensive Reize) oder asthe- 
nisch (zu schwache Erregung durch 
Mangel an Reizen oder durch zu 
heftige Reize; das erstere ist direkte, 
das zweite indirekte Asthenie). 
Die eine sthenische Krankheit her- 
vorrufenden, abnorm starken Reize sind 
hohe Temperatur, kräftige Nahrung, 
Fleisch, Wein, Gewürze, Aether, ^^ ^^^^ 

Opium, Moschus, starke ßemütsbe- 

wegimgen. Gifte, viel Blut, zu reichlicher Chylus u. a. Schwache Reize sind 
Xalte, vegetarische Ernährung, Mangel an Körperbewegung, Blutungen, Eva- 

cuantia u. a. Die meisten Krank- 
heiten sind asthenische. Die Diagnose 
des sthenischen oder asthenischen Zu- 
standes wird durch Puls, Temperatur 
II. a. gestellt. Die Therapie vorfolgt 
das Ziel, bei sthenischer Beschaffen- 
heit die Erregung zu vermindern, 
bei asthenischer sie zu-vermehren. — 
Browns Lehren fanden eine enthu- 
siastische Aufnahme und weitere Aus- 
bildung durch Männer wie Benjamin 
Rush (1745—1813), Johann An- 
dreas Röschlaub (1768—1835), 
welcher die «Erregungstheorie» in 
Deutschland populär machte und sie 
dahin erweiterte, dass er annahm, dass 
das Bestehen des Lebens nicht nur 
von der inneren Irritabilität, sondern 
von der äusseren Organisation 
abhängig sei. Der Organismus übt 
auch auf Reize eine Gegenwirkung 
aus (Incitabilität). In Italien erfuhr 
der Brownianismus durch Giovanni 
Rasori (1762—1837) eine eigentüm- 
liche Modifikation in der Lehre vom «Contrastimulo» neben dem Brownschen 
«Stimulo». Ähnliche Anschauungen vertrat Giacomo Tommasini (1768 — 1846). 




PhiUpp Pinel. 



XXIV 



Einleltnng, 




Franz Xaver Bichat. 



Der Vitalismus fand besonders in Montpellier eine Heimstätte. Schon 
Sau vages (1706—1767) hatte den Versuch gemacht, die StahPsche «Anima» 

und die hippokratische (fvcig mit ein- 
ander zu verbinden. Wichtiger ist seine 
«Nosologia methodica sistens morborum 
elasses juxta Sydenbami mentem et 
botanicorum ordinem» durch die Syste- 
matisierung der speziellen Pathologie 
und Therapie (I. Vitia, II. Fieber, IIL Ent- 
zündungen, IV. Krämpfe, V. Krankheiten 
mit Atembeschwerden, VI. Debilitates, 
VII. Dolores, VIII. Psychosen, IX. Wider- 
natürliche Ausflüsse, X. Kachexien). 
Th6ophile Borden (1722—1776) ist 
der hauptsächlichste Theoretiker des Vi- 
talismus, der die hippokratische q>vaig als 
«La nature» wieder auferstehen lässt, 
welche ihren Sitz in allen Teilen und 
Organen hat und ihnen die ihnen eigen- 
tümliche Organisation und Funktion er- 
teilt. Auf diese Funktion und Or- 
ganisation der einzelnen Teile und 
ihre Abhängigkeit von der Organi- 
sation eines Keimes aufmerksam ge- 
macht zu haben, ist das grosse Verdienst Bordeus, der die Wichtigkeit der 
Kenntnis der Zusammensetzung der einzelnen Teile wohl erkannte. Die Werke 
Bordeus wurden von Anselm Riche- 
rand (1779 — 1840) herausgegeben, von 
dem der Ausdruck «Force vitale» stammt. 
Ein Schüler von Bordeu war ferner 
Paul Joseph Barthez (1734 1806). 
Er bezeichnet in seinen «Nouveaux 
616ments de la science de Thomme» (1778) 
als Ursache aller Lebenserscheinungen 
das «principe vital», das jedem Teile 
die ihm eigentümliche Sensibilität und 
Beweglichkeit erteilt. Jeder Teil hat aber 
auch eine «Force de Situation fixe» 
d. h. die Eigenschaft die ursprüngliche 
Lage und Ausdehnung zu bewahren 
bezw. bei Veränderungen dahin zurück- 
zukehren. Philippe Pinel (1755— 1826). 
derberühmteRefor mator der Psychia- 
trie, hat in seiner «Nosographie philo- 
sophique» (1789) die analytische Me- 
thode in die pathologische Forschung 
eingeführt, d. h. die Krankheiten und 
ihre Symptome analytisch bis in ihre 
letzten Elemente, die Erkrankungen der 
einzelnen Teile der Organe und der 
Gewebe, verfolgt. Was Pinel nur un- 
vollkommen ausführte, hat Franz Xaver Bichat (1771—1802), Arzt in Paris, 
vollendet Er ist der Begründer der allgemeinen Anatomie, der Lehre von 
den Geweben im gesunden und kranken Zustande. Bichat teilt die Lebens- 




Edward Jenner. 



£ 




Joseph DesaulL 



-ginge eiD in animale (Empfindung und Bewegung) und organisebe (Ver- 
dauunf?, Krnährung, Fortpflanzung), wie dies in seinen <cRecherches physiologiques 
8ur la Tie et la mort» (1801) im einzelnen ausgeführt ist. Sein Hauptwerk 
ist die cAnatoraie generale appliqo6e ä la 
Physiologie et ä la m6dicine» (1801), in 
dem er 21 einfache Gewebe unterscheidet 
ood zeigt, dass in den einzelnen Organen 
nur einzelne Gewebe erkranken können 
UDd dass die einzelnen Gewebe in bestimmter 
Weise erkranken. 

Die praktische Medizin des 18. 
Jahrhunderts hat trotz der Heniächaft der 
Systeme sich erfreulich weiter entwickelt, 
Johann Peter Frank (1745—1321), 
Verfasser des «Systems einer medizini- 
schen Polizei» verfasste ein lange Jahre 
weitverbreitetes Lehrbuch der klinischen 
Medizin «De curandis hominum morbis 
epitomei (1792), das hippokratisch-syden- 
ische Grundsätze vertritt John Hux- 
m (1694 — 1768) erwarb sieh um die 
Lehre von den epidemischen Krankheiten 
and akuten Exanthemen grosse Verdienste. 
Ausgezeichnete Praktiker waren Paul Gott* 

lob Werlhof (1699—1767; Morbus Werlhofii), Nils Ros6n von Rosenstein 
(1706 — 1773; Kriebelkrankheit), Everard Home (1763—1832; Krupp), John 
Pringle (1707 — 1782; Militärmedizin), Johann Georg Zimmermann (1728 

bis 1795; Ruhr, «Erfahrung in der Arznei- 
kunst*), J, X Plenck (1738—1807: be^ 
rühmtes Leiirbuch der Hautkrankheiten), 
Joh. Ernst Wich mann (1740-1802; 
Aetiologie der Krätze)* Simon Andr^ 
Tissot (1728 — 1797; Epilepsie, Onanie), 
John Fothergill (1712^^1780; Tic dou- 
loureux) u, a. Vor allem glänzt hier der 
xName Edward Jenners (1749 — 1823), 
des Entdeckers der Kuhpockeuimpfung 
(1796). 

Unter den berühmten C h i r u rge n 
und Geburtshelfern des 18. Jahrhun- 
derts sind zu nennen Jean Louis Petit 
(1674 — ^1750; Knochenkrankheiten), Pieppe 
Joseph Desault (1744-1795; Begründer 
der chirurgischen Anatomie), Fran^ois 
Chopart (1743—1795; Ch opar tische Fuss- 
resektion), Antoine Louis (1723-1792; 
Speichel- und Thränenfistel, Bronchotomie, 
Fungus durae matris), Lorenz Heister 
(1683—1758; Reformator der fleutschen Chirurgie), Zacharias Platner 
(1694—1747), Christian Ludwig Mursinna (1744—1823); Samuel Schaar- 
schmidt (1709—1747; Militärchinirgie), J. Chr, A. Theden (1714-1797), 
h\k, Goercke (1750—1822; Gründer der Berliner Pepini^i-e), der berühmte 
Vugüst Gottlieb Richter (1742—1812), Professor in Göttingen, dessen 
tAöitOfSBgriinde der Wundarzneikunst» (1782 — 1804) das beste Lehrbuch der 




Je«n Loiiks Baudelooqa«. 



XXVI 



Einleitung. 



Chirurgie in jener Zeit waren, William Gheselden (1688—1752; Sectio alta), 
Charles White (Resektion des Oberarmkopfes), Percival Pott (1713—1788; 
malnm Pottii), Benjamin Bell (1749 — 1806; Lehre von den Geschwüren), 



MicheleTroja(1747 
bis 1827; Regenera- 
tion der Knochen; 

Augenkrankheiten 
als Spezialdisziplin), 
Jean Louis Baude- 
locque (1746 bis 
1810 ; Beckenmes- 
sung), William 
Smeilie (1680 bis 
1763;Smellie'scher 
Handgriff), Thomas 
Denman (1733 bis 

1815; künstliche 
Frühgeburt, spontane 
Wendung), Johann 
Georg Roederer 
(1726-1763; Ge- 
burtshindernisse, 
Anatomie des Fötus, 
Lehrbuch der Ge- 
burtshülfe), G. W. 
Stein der Ältere 




Lukas Joh. BoSr. 



(1737—1803; Ver- 
breitung der Zange), 
während mit Lukas 
Joh. Bo§r (1751 
bis 1835) in Wien 
bereits eine neuere 
Periode beginnt 

Der üebergang 
vom 18. zum 19. 
Jahrhundert vollzieht 
sich vor allem unter 
dem Einflüsse der 

Philosophie 
(Kant), speziell der 
Naturphilosophie 
(Schelling, Stef- 
fens, Ringseis 
u. a.), sowie unter 
demjenigen der che- 
mischen und gal- 
vanischenTheorien 
(Fourcroy, Bed- 
does, Rollo, 



Baumös, Joh. Chr. Reil u. a.), endlich des Mesmerismus und der Homö- 
opathie, kurz die theoretisch-mystisch - philosophische Richtung gewinnt in 
erschreckendem Masse das Übergewicht. 

Die Homöopathie wurde begründet durch Samuel Hahnemann (1755 








Samuel Hahnemann. 



Franz Joseph Gall. 



bis 1843), der aus einer Notiz in CuUens cMateria medica» über die wechsel- 
fieberähnliche Symptome hervorrufende Wirkung der Chinarinde die Anregung 
zur Aufstellung seines Systems empfing, dessen Kern der Gedanke ist, dass die 
Wirksamkeit der Arzneimittel darauf beruht dass sie ähnliche Symptome, wie 



Einleitiiiig. 



xxvn 




Lorenz Oken. 



die betr^eude Krankheit selbst, hervorrufen* Das Axiom der Homöopathie 

laatet: Similla simiUbus. Besonders diejenigen Medikamente sind als Heil- 
mittel anzusehen, welche schon 

im gesunden Individuum 

den betreffenden Krankheiten 

ähnliche Symptome hervor- 
^ifen. Der weitere Ausbau 
BT Lehre findet sich in 

den drei Hauptwerk eoH a h n e- 

manns, dem tOrganon der 

rationellen Heilkunde* (1810), 

den •chronischen Krankheiten, 

ihre eigentümlirbe Natur und 

homöopathische Heilung» und 

der « Beinen Ansneimitlellehre» 

(1811 1820). Jede Krank- 
heit ist nach Hahnemann 

Verstümmelung der Lebens- 

kmft Des Arztes Aufgabe 

ist das Heilen, das sich mit 

Kenntnis der blossen Krank- 

heitssymptome begnügen 

darf. Versuche an Gesunden 

belebten über die Symptome, 

welche die Medikamente im 

Körper hervorrufen* Der 

alten Art der Heilung, einen dem krankhaften Zustand entgegengesetzten 

herroniurufen («Contraria contra riis», Alloopathie) setzt Hahnemann die 

Homöopathie entgegen, (L h. die 
Methode, durch ein Arzneimittel einen 
dem vorhandenen Krankheitszustand 
niöglichst ahn liehen zu erzeugen, um 
die Lebenskraft umzustimmen* Zu 
diesem Zwecke müssen die Syoiptomen- 
komplexe der einzelnen Krankheiten 
und die dumh Medikamente hervor- 
gerufenen Symptome sorgfältig stu- 
diert werden. Auch muss man 
Arzneigemische vermeiden und 
nur einfache Arzneien anwenden. 
Letztere wirken am besten in mög- 
lichst grosser Verdünnung» 
Hahnemann lässt aus den * Urtink- 
turen», kräftigen Spirituosen Extrakten 
des Mittels, die Verdünnungen her- 
stellen. Je verdünnter, «potenzierter;», 
desto v;irksamer ist das Mittel und 
kann erst dann seine eigentliche 
«cDynamis?» entfalten. Bei flüssigen 
Substanzen empfiehlt Hahnemann 
die 30. Potenz: 2 Tropfen der Urtinktur 
werden mit ^8 Tropfen Spiritus ver- 
dünnt, hiervon 1 Tropfen mit 99 Tropfen Spiritus verdünnt u. s, 1, das 
ÖnneSOmal. Bei trockenen Substanzen verreibt man ähnlieh mit Milchzucker, — 




Mediieli Bliusesbach. 



xxvm 



Einleitung. 



Aus der allgemeiD-pathologischen Anschauung Hahn emanns ist noch bemerkens- 
wert, dass er die chronischen Krankheiten auf drei Haupterscheinungsformen 
zurückführt: 1. Syphilis, 2. Feigwarzenkrankheit (Sykosis), gegen die Thujasaft 



in decillionfacher 
Potenz nützt , 3. 
Psora, eine alte Erb- 
krankheit derMensch- 
heit. 

Nicht viel besser 
als dieser Magier der 
Materie hausten auf 
dem Gebiete der 
Medizin die natur- 
philosophischen 
Ärzte wie Lorenz 
Oken (1779-1851), 
der Gründer der Na- 
turforscherversamm- 
lungen, der aber doch 
um die Embryologie 
einige Verdienste 
sich erwarb, S a 1 o m o 
Steinheim (1789 
bis 1866), K. W. 
Stark (1787— 1845) 




Charlea Bell. 



u. a., während an- 
dere zur Naturphilo- 
sophie neigendeÄrzte 
wie K. F. Kiel- 
meyer (1765 bis 
1844), der Lehrer 
Cuviers, Ignaz 
DöUinger (1770 
bis 1841), Chr. a 
Pander (1794 bis 
1865), K. F. Bur- 
dach (1776—1847). 
C. G. Carus (1789 
bis 1869), Emil 
Huschke (1797 bis 
1858) besonders ad 
dem Gebiete dei 
Anatomie und Em- 
bryologie bedeutende 
Leistungen aufzu- 
weisen haben. Als 
ein Zweig der natur- 



philosophischen Richtung in der Medizin muss auch Franz Joseph Gall's 
(1758 — 1828) Schädellehre (Kranioskopie, Phrenologie) betrachtet 
werden, die nicht nur jede einzelne Verstandes- und Gefühlsäusserung in 




Marahall Hall. 



Thomas Yoimg. 



einzelnen Teilen des Gehirns lokalisierte, sondern auch eine jedem einzelner 
Gehirnteil entsprechende Beschaffenheit des über ihm liegenden Teiles de« 
Schädels annahm. So solle man durch Betrachtung und Betastung de« 



Einleitung. 



XXIX 



^bädels Aufschlüsse über die geistige • und moralische Individualität des 
M.enscheD gewinnen können, eine Lehre, die von Joh. Christoph Spurzheim 
[Vllß — 1832) weiter ausgebildet wurde. Nicht unerwähnt bleibe Johann 
Friedrich Blumenbach (1752 — 1840), der Schöpfer der neueren Anthropologie. 





Fr. J. V. Broassais. 



J. N. Corviaart. 



^nter den Forschem dieser Periode auf dem Gebiete der Anatomie und 
I^tiysiologie sind zu nennen Christian Gottfried Ehrenberg (1795 -1876), 
verdienter Mikroskopiker, dessen Schrift «Die Infusionstierchen als vollkommene 
O^lganismen» (1838) für die Entwickelung der Bakteriologie von Bedeutung ist, 





B«n6 Th^ophUe Hyaointhe Laenneo 



L. J. B. Cruveühier. 



ferner Charles Bell (1774 — 1842), der in seinem Buche «An idea of new 
aoatorov of the brain etc.» (1811) den Nachweis führte, dass die hintern mit 
einem GaDglion versehenen Wurzeln der Spinalnerven allein die Empfindung, 
die vordem allein die Bewegung vermitteln. Sein Landsmann Harshall 



XXX 



Einleitung. 



Hall (1790—1857) lieferte ebenfalls die wichtigsten Beiträge zur Physiologie 
des Nervensystems. Vor allem ist ihm die Entdeckung der Reflexbewegungen 
zu dankra. Femer untersuchte er die Wirkung des Strychnins, die Physiologie 




John Abernethy. 



Astley Cooper. 



der Sprache, schrieb Abhandlungen über den Mechanismus des Erbrechens, die 
künstliche Respiration, das Hydroencephaloid der Kinder u. a. m. Thomas 
Toung (1773—1829), ein ärztlicher Polyhistor und bedeutender Physiker sowie 





John Cheyne. 



K. F. von Graefe. 



Aegyptologe, hat die Lehre von der Accommodation des Auges gefördert und 
andere wertvolle Beiträge zur Physiologie des Auges geliefert. In der praktischen 
Medizin ist vor allem zu gedenken des Vaters der sogen, «physiol. Medizin» 



Einleitung. 



XXXI 



Fr. J. T, Broussais (1772 — 1838) in Paris, einer Richtung, die jedoch durch 
die physikaL üntersuchiingsmethode glüeklieherweise sehr bald überwunden 
wurde, Ihre Begründer sind J, N. Corvisart (1755—1821; Erneuerer der 
Perkussion), Ren6 ThC'ophile Hyaeinthe Laönnec (1781 — 1826), der 
durch sein Werk «De rausciütation niMiate» die Lehre von der Auskultation 
begründete, 0. L Bayle (1774—1816; »Recherehes sur la phtisie pulmonaire 
1810), L J. B. Cruveilhier (1791 — 1874; berühmter pathologischer Anatom), 
Paul Br^tonneau (1771 - 1862; klassische Arbeiten über Diphtherie), P. Ch. A. 
Louis (1787 — 1872; medizinische Statistik; Arbeiten über Typhus), M. Baillie 
(1761 - 1823; pathologischer Anatom). In der Chirurgie: John Abernethy 
(1764 — 1831; üiiterbinduiig der Iliaca extenia), Astley Cooper (1768—1841), 
Professor in London, einer der grössten Operateure (Unterbindung der Aorta 
abdotninalis), dessen Lehrbuch «The first lines of the practica of surgery» (1813) 
sich weiter Verbreitung erfreute, John Cheyne (1777— IS^ö; Pädiaterj'Cheyne- 
Stokes'sehes Phänomen), K, 
F- von Graefe (1787-1840; 
partielle Resektion des Unter- 
kiefers, Unterbindung des Truu- 
cus anonymus, Wiederbelebung 
der plastischen Operationen^ 
Studien über Angiektasien, ägyp- 
tische Augenkrankheit Gaumen- 
nalit* Lithotripsie, Erfinder des 
Corapressoriums der Meningeal- 
arterien^ des Ligaturstiibchons), 
Johann Friedrich Dleffen- 
baeh (1792—1847), Professor 
io Berlin, einer der grössten 
Chirurgen aller Zeiten, der der 
Schöpfer der modernen pla- 
stischen Chirurgie genannt 
werden kann (^^Chirurgische Er- 
fahrungen, besondei-s über die 
Wederherstellungxef^tÖi'terTeile 
menschlichen Körpeis nach 
len Methoden* Berlin IH29 bis 
i4i auch die Lehre von der 
lo 1 1 r a n s f u s i n bedeutend 



gef^'tnlert hat, die Methode der 



^illi&ni Thomiis OreiMi Morton. 



subkutanen Tenotomie ver- 
vollkommnete und vor allem durch die Schieloperation (*Über das Schielen und 
die Heilung desselben durch die Operation* Berlin 1842) sieh die grössten Verdienste 
erwarb. Ein klassisches Werk ist seine ''^Operative Chirurgie» (Leipzig 1845—1848, 
2 Bda*). Dieffenbach erlebte noch den Anfang einer neuen Periode in der 
Chirurgie« die durch die Entdeckung der anästhesierenden Wirkung des 
Äthers inauguriert wurde, William Thomas Green Morton (1819—1868), ein 
amerikanischer Zahnanst in Boston, hatte nach verschiedenen Versuchen am 
30. September 1846 die erste glückliche Ätbernarkose bei einer Zahnextraktion voll- 
zogen und diese Methode auch mit Erfolg hei grösseren Operationen angewendet, 
^r William Lawrence (1783—1867), Professor in London, entfaltete eine 
'fcnzende Lehrthätigkeit und publizierte zahh-eiche Arbeiten auf dem Gebiete 
1er Chmirgie und Ophthalmologie; Benjamin Travers (1783—1858), Chirurg 
v\nd Ophthalmologe führte den Gebrauch der Mercurialien bei Iritis ein, studierte 
im VoTgaiige nach Unterbindung grösserer Gefässe, die Darmeinklemmung, ver- 



xxxn 



Einleitung. 



sachte in seinen Schriften «An inqniry into that disturbed State of the vital 
functions usually denorainated constitutional irritation» (1824) und «A. forthei 
inquiry, concerning constitutional irritation and the pathology of the nervous 





Guillaume Dupuytren. 



M. J. B. Orfila. 



System» (1834) ein rationelles System der chirurgischen Pathologie zu errichtea 
James Wardrop (1782—1869) vervollkommnete die Brasdorsche Methode 
der Operation des Aneurysma («On aneurism and its eure by a new operationsi 
1828) und hat die pathologische Anatomie des Auges begründet («An essay od 



the pathology (mor- 
bid anatomy) of the 
human eve» 2 Bände, 
Edinb.l 808). Endlich 
ist noch zu nennen 
der geniale Guil- 
laume Dupuytren 
(1778-1835) in Paris, 
einer der bedeutend- 
sten Chirurgen des 
18. Jahrhunderts. 

Als Begründer 
der modernen Toxi- 
kologie und einer 
neuen Aera der ge- 
richtlichen Medi- 
zin ist H.J.B. Orfila 
zu betrachten (1787 
bis 1853). Seine 
beiden Hauptschrif- 
ten sind der «Traitö 




Christoph Wilhelm Uufeland. 



de toxicologie g6n6- 
rale» (1813 — 1815] 
und der «Trait6 de 
m6decine 16gale» 
(1818). Orfila hal 
bei"eits den neuer- 
dings wiedererkann- 
ten Arsengehall 
des menschi. Körpers 
nachgewiesen. 

Unter den deut- 
schen Klinikern und 
Praktikern aus der 
Übergangszeit vom 
18. zum 19. Jahr- 
hundert sind noch zu 
nennen J. H. F. von 
Autenrieth (1772 
bis 1835), Professor 
in Tübingen, der be- 
deutendste Schüler 



J. P. Franks, ein tüchtiger Anatom und Physiolog, der auch am Krankenbette 
der objektiven Beobachtung und Untersuchung huldigte. Der Name «Abdo- 
minaltyphus» stammt von ihm. Sein cHandbuch der speziellen Nosologie und 
Therapie» (1831—1836, 2 Bände) war sehr beliebt Wohl der erstaunlichste 



Einleitung. 



xxxm 



Eklektiker war Christoph Hufeland (1762 -1836), dessen berühmtes «Journal 
der praktischen Arzneikunde» (1795 — 1841, 98 Bände) ein Tummelplatz sämt- 
licher medizinischer Richtungen und Systeme war. Das grösste Verdienst Hufe- 
lands war sein Eintreten für die Vaccination (c Aufforderung an alle Ärzte 
Deutschlands in betreff der Kuhpocken» 
1801; Gründung eines Impfinstitutes in 
Berlin) sowie seine «Stiftung für not- 
leidende Ärzte und Ärztewitwen ». Die 
berühmtesten Schriften Hufelands sind 
die € Ideen über Pathogenie» (1795), die 
«Makrobiotik» (1796) und das cEncheiri- 
dion medicum» (1836). — Vorzüglich 
mIs giücUicher Praktiker weit und breit 
bekannt war Ernst Ludwig Heim 
(1747—1834), cder alte Heim», Arzt in 
Beiün, der grösste Diagnostiker seiner 
Zeit — Peter Krukenberg (1788 bis 
1865), Professor in Halle, war einer der 
hervorragendsten Kliniker, ebenfalls Eklek- 
tiker, der die exakten Untersuchungs- 
methoden in seiner deswegen berühmten 
Klinik in vollem Umfange zur Anwen- 
dung brachte. 

Zum Schlüsse ist noch eines Mannes 
zu gedenken, der auch für die Medizin 
und ihre theoretischen Grundlagen von 

groester Bedeutung ist Charles Darwin (1809—1882). der berühmte Verfasser 
der «Entstehung der Arten» und Urheber der Descendenztheorie, die nicht 
bloss für die Embryologie, sondern auch für die allgemeine Pathologie neue 
Standpunkte und Probleme geschaffen hat 




Charles Darwin. 




AbadiB, Chmles. Augenarzt in Paris, 
2b. Uürz 1842 tn St. Uandens, wurde 
Interne des liopitavix, 1870 Dr. med. 
l veröffentlichte : ,, TraiU tks maiadies den 
' (2. ed. 1876) — ..Lr^ona de dinique apfi- 
f tai(mologique''{l8Sl) — ,,Nouveau (raiUment de 
fa^ialmie sympathüjtu^^* (1890)^ sowie zahl- 
reiche Beiträge für die „Annales d*ocali- 
itiqae^ tmd ^Archives d'ophtalmologie". 

^Abegg, Heinrich, in Danzig, Geh. 
atiiT^ Tind Geh. Medizinalrat, Direktor 
[i-LeUranst«>lt für die Provinz 
en^ geb. zu Königsberg i* Pr. 
1826, studierte in Breslau nnd 
Heidelberg und inachte »«päter Reisen nach 
Prttg, Wien, Wilrzboig. BLTstirLKB, Göppert, 
BxxBDtcT in Breslau^ Cbeulis, Tie:(iiiima:^% 
HvcLi^ Gmklzn in Heidelberg waren vor und 



nw^ der l^lö erfolgten Promotion seine 
UKw* A, wirkte von 1849-1853 als 
Amin Bni-^Uti, Neitee und Danzig» in letz- 

^'^^ ' • ilie von Jahren ab Armen- 

■"** 1866 als Arzt des Diako- 

fli«»D^KrmUtetthau508 daselbst, seit 1866 



al£ Direktorder Hebeammenschiile, seit 1878 
als Medizinalrat nnd Mitglied des Med!- 
siinal'ColJegii der Provinz Westpreussen, 
Die wesentlichsten Publikationen sind: ^yZur 
Gthurtshüfe und Gynäkologie (Berlin 1868, 
^ 2. u, 3. Heft, Danzig 1873-1882, 4. Heft 
I 1888) — yy Bericht über die JJebeammen- Lehr- 
I amtaltvon 18 19-1868'' (ib. 1869), daneb^i 
I kleinere Auf Sätze in der Mtssehr.f .GebortelL, 
Arch. f. GynäkoL, Gönsbüho^s Zeitschrift, 
Casi'Rk's Vierteljalirsschrift 1860, eine Preis- 
arl»eit : „ De capacitate artrriarum et venerum 
pulnwnalium (1847); femer: „Über die 
Einderheüstätit in Zoppor (1887) — „ Vierter 
Bericht über die Hebeammen- L^hramtalt in 
Dantig^^ (1888), sowie ein Beitrag zxir Fest- 
schrift, der Wiener gebun-tshilflichen Gesell- 
schaft (1895). A. ist MitgL zahlr, gel. in- u. 
ausl, Ges. u. Vereine. Er feierte am 2. Juni 
1698 sein öOj. Dr. -Jubiläum. 

Abel, Christian Wilhelm Lud- 
wig, in Stettin, geb. 20. Okt. 1826 zu 
Quedlinburg, studierte von 1844—48 als 
Zögling des med^-chlr. Priedrich Wilhelm- 
Institutes auf der Berliner Univerait&t, 
diente später ab Assistenzarzt in Halber- 
stadt und Quedlinburg und beobachtete be- 
reits 18Ö1 eine von ihm als „Eigentümliche 
Form der Gripp&^ (Preuss. Vereins -Ztg., 
1854) beschriebene Triciiinen- Epidemie, 
sowie einen Pall von Bens bei Himleiden, 
bei welchem das durch ein Klystier Appli- 
zierte im Erbrochenen nachgewiesen werden 
konnte ^ Deutsche Klinik 1854). Zum Ober- 
arzt des Friedrich Wilhelm-Institutes er- 
nannt, wurde er auch Assistent des königl* 
Leibarztes und Generabtabsarztes Gbdoi 
und stand als solcher 6 Jahre lang 
dem König Friedrich Wilhelm IV, in 
seiner schweren, unheilbaren Krankheit 
nahe. 1856 w\irde er Stabsarzt des Ber- 
liner Invalidenhauses und LehreiT an der 
Central-Tumanstalt, machte in demselben 

1 



Abel — Ackermann. 



Jahre eine Studienreise nach Österreich, 
Ittüien, Frankreich, Belgien und gründete 
1860, in welchem Jahre er auch Ober- 
Stabsarzt in Frankfurt a. O. wurde, zu- 
sammen mit F. LöFFLER, die wesentlich 
der Reform des preuss. Militär-Medizinal- 
wesens gewidmete „Pireu$8iech9 milÜärärzt- 
liehe Zeitung^^ die jedoch in Folge äusserer 
Hindemisse mit dem Schlüsse des 3. Jahr- 
ganges wieder eingehen muSste. An den 
nun folgenden Kriegen nahm A. teil: 
1864 gegen Dänemark als Chefarzt eines 
leichten Feldlazaretts, 1866 als Feld- 
lazarett-Direktor und 1870/71 als Feld- 
General- Arzt eines Armee-Korps. Seit 1 874 
war er General-Arzt des neugebildeten 
XV. A.-K. in Strassburg und darauf des 
n. A.-C. in Stettin. Er starb 2. Mai 1892. 
Von seinen litterar. Arbeiten aus dem letzten 
Decennium ist ein Aufsatz „Der Bruch des 
Susfentactäum tali^^ (Archiv f. klin. Chir., 
XXTT) anzuführen. 

Aboly Karl, Gynäkolog in Berlin, da- 
selbst 1863 geb., studierte in Berlin, haupt- 
sächlich als Schüler von Waldeykr, Heidel- 
berg und Göttingen, Dr. med. 1885, war von 
1886—91 Assistent von Leopold Landau. 
Seit 1893 Leiter einer eigenen gynäkolo- 
gischen Klinik, schrieb A.: ,^Die mikro- 
skopische Technik und Diagnose in der gynä- 
kologisclien Praxis'' (Berlin 1895; 2. Aufl. 
1900): „Ü&er das Verhalten der Schleimhaut 
des Uteruskörpers bei Carcinom der Portio'' 
(Arch. f. Gyn. XXXII) — ^^Zur Anatomie 
derKüeiterschioangerffchaft nebst Bemerkungen 
z%ir Entunckelung der menschlichen Placenta" 
(ib. XXXIX) — „Zur Behandlung des Gebär- 
mutterkatarrhs" (Berl. Klinik Heft 53) — 
„ Eine neue Indikation zur Sectio caesarea nach 
Forro" (Berl. kl. Wochenschr. 1896) u. a. m. 

AbolOSy Marcus, Priv.-Doc. der in- 
neren Medizin in Wien, geb. 1837 zu Ned- 
j-aschitz in Böhmen, 1863 Dr. med. in Wien, 
war bis 1870 Arzt in Cairo und Alexandrien, 
hierauf als Kurarzt in Karlsbad thätig, 
habilitierte sich 1884 und starb 30. De- 
zember 1894. Seine Publikationen betreffen 
verschiedene Kapitel der physiolog. und 
patholog. ChOmie. 

AbBlin, Hjalmar August, geb. in 
Linköping 22. Mai 1817, studierte von 
1835 ab in Lund, wui*de 1849 Oberarzt 



bei der Klinik des Allgemeinen Kranken- 
hauses in Stockholm, machte 1851 eine 
wissenschaftliche Beise nach England, 
Frankreich und Deutschland, widmete 
sich fortab der Pädiatrie, wurde 1866 
Prof. der Kinder-Heilkunde am Karo- 
linischen Institut und 1866 Mitglied der 
Akademie. 1882 emeritiert, starb A. 13. Sep- 
tember 1893. Er publizierte : „Gm Stryps- 
juka" (Stockhohn 1864) — „Meddelanden 
fran pediatriska Uiniken i Stockholm"' (1870) 
— ^^Pediatriska medddanden" (Stockholm 
1876, 79, 82) u. a. m. 

Aberle, Karl, Prof, der Anatomie in 
Graz, t 16. März 1892 im Alter von 76 
Jahren als Emeritus in Wien, Sohn 
von Mathias A. (1784—1847), ist Verfass« 
einer gediegenen Monographie: „Gro^ 
denkmal, Schädel und Abbildungen des Theth 
phrastus Paracelsus (Salzburg 1891). 

Ackermann, Theodor, geb. zn 
Wismar in Mecklenburg 17. September 
1826, studierte Medizin in Greifswald, 
Würzburg, Prag und Rostock, wo er 1862 
promovierte. Nachdem er in Rostock einige 
Jahre als Assistent an der damals noch 
vereinigten medizinisch-chirurgischen Uni- 
versitätsklinik thätig gewesen, habilitierte 
er sich dort 1856 als Privatdozent mit 
einer Schrift über die physiologischen 
Wirkungen der wichtigsten Emetica und 
wurde, nachdem er verschiedene Arbeiten 
experimentell-pathologischen und pharma- 
kologischen Inhalts veröffentlicht hatte, 
1859 zum Professor e. o. ebendaselbst er- 
nannt. Er rief als solcher eine Poliklinik 
ins Leben und veröffentlichte den Verlauf 
der Choleraepidemie 1859 in einer grösseren, 
mit einem Atlas verbundenen Monographie. 
Seine fortgesetzte Thätigkeit als akade- 
mischer Lelirer und die Publikation zahl- 
reicher kleinerer Arbeiten über Fragen 
der experimentellen Pathologie und patho- 
logischen Anatomie waren die Veranlassung, 
dass ilun, nachdem eii» eine Offerte zur 
üebernalime der inneren Klinik in Dorpat 
abgelehnt hatte, in Rostock 1865 eine 
ordentliche Professur übertragen und ein 
Institut für patliologische Anatomie und 
experimentelle Pathologie eingerichtet 
wurde. A. widmete sich nunmehr fast aus- 
schliesslich der pathologischen Anatomie u. 
übernahm 1873 die ordentliche Professor 



Acland — Adamkieiwicz. 



6 



derselben unct das Direktorium des patho- 
lofpschen Institates an der Universität zu 
Halle, wo er bis zu seinem durch Kränk- 
lichkeit 18d6 notwendig gewordenen Kück- 
tritt wirkte. Er starb ^. November 
1896. Von seinen zahlreichen Publika- 
tionen sind aus neuerer Zeit besonders 
zn nennen eine Arbeit „Über hyper- 
tfrophidche und atrophüche Lebercirrhnst^'^ 
(ViKCHOw's Arch. Bd.CX), die Monographie 
nÜUr dieScitädddefcrmitiU bei der Encephalo- 
cde congenita^ (Halle 1882), femer zwei aka- 
demische Gelegenheitsschriften kritisch- 
historischen Inhalts: „MecfianismiM utid 
DarwiniBHtus in der Pafhologie^^ (Bektorats- 
rede 1888) — „ Die pathologische Bindegetceba- 
büdung in de*- Leber und Pflügers teleplo- 
giackes Kausalgesetz^'' (Eestschrift zum 
200jähr. Jubiläum der Univ. Halle 1894). 

Acland, Slr Henry Wentworth, 
in Oxford, geb. 1815, studierte im St. 
George's Hosp. und in Edinburg, M. D. 
Oxford 1848, Dr. med. honor. Dublin, 
£hren-Dr. der Bechte von Cambridge, 
Edinburg und Durham, Fellow R. C. P. 
Lond. seit 1850, ist seit 1858 Regius Prof. 
der Med. an der Universität von Oxford, 
seit 1894 emeritiert, begleitete 1860 den 
Prinzen von Wales, dessen Honor. Physic. 
er zur Zeit ist, auf einer Beise nach 
Amerika, wurde 1890 geadelt und ist eines 
dei ältesten Ehrenmitglieder des Christ 
Church Coli., dessen, später mit dem 
Museum der Universität vereinigte physiol. 
Sammlung er mitbegründen half. Er 
publizierte u. a.: „On the exfension of 
educaiion in the university of Oxford''^ — 
r,Memoir on the cholera of Oxford 1804^'' — 
^Drainage of the Upper Thames Valiy"' — 
^Repnrt on fever in Oreat Horicood^'' — 
^Medicine in modern times^'' u. a. m. 

Adamkiewicz, Aibert, geb. ii. 

August 1850 in Zerkow, Provinz Posen, 
als Sohn eines Kreisphysikus, studierte in 
Königsberg i. P. und Breslau und arbeitete 
besonders im Laboratorium Heidexhain's. 
Der deutsch-französische Krieg, an dem er 
Anteil nahm, unterbrach seine Studien. — 
Nach dem Priedensschluss setzte er die- 
selben auf den Eat Heioenhaln's in Würz- 
burg fort, arbeitete bei v. Rkcklikohausen 
and erhielt für die Lösung einer Preis- 
anfgabe noch vor Beendigung seiner 



Studien den Titel eines Dr. med. — Sein 
Staatsexamen hat er in Breslau 1873 ab- 
gelegt, wurde unmittelbar darauf Assi- 
stent am physiologischen Institut der 
Universität Königsberg unter . v. Wittich 
und 2 Jahre darauf Assistenzarzt an 
der inneren Klinik derselben Hoch- 
schule (Naunyn). — 1877 wm-de A. Ober- 
arzt am Charite-Krankenhause zu Berlin, 
speziell an der damals imter Westphal's 
Leitung stehenden Abteilung für Nerven- 
kranke, und bald darauf Privat-Docent an 
der Universität. 1880 erhielt er einen Ruf 
als ordentlicher Professor an die Uni- 
versität Krakau und siedelte 1891 nach 
Wien über. Ein Vei-zeichnis von A.*s 
Arbeiten umfasst über 100 Nummern, wo- 
von etwa 10 selbständig als Bücher oder 




Monograpliien eiöcliienen sind. Die Titel 
der wichtigsten sind: Die Blutgefässe 
des menscJuichen Rückenmarkes. I. Teil: 
Die Grefässe der Kückenmarkssubstanz. 
fSitzimgsber. der k. Akad. d. W. Wien 
1881. 84. Bd.) n. Teil: Die Gefässe der 
Rückenmarksoberfläche (ib. 1882. 85. Bd.) 

— Die Arterien des verlängerten Markes vom 
Übergang bis zur Brücke (Denkschr. der 
k. Akad. d. W. Wien. 1892. 57. Bd.) 

— Der Blutkreislauf der Gnnglienzelle. 
(Berlin 1886) — Tafeln zur Orientierung 
an der Gehimoberfläche des lebenden Menschen 
(bei chirurgischen Operationen und klinischen 
Vorlesungen), (2. Aufl. Wien u. Leipzig 
1894. Mit deutschem, französischem und 
englischem Text. 4 Taf.) — Die Natwr 



AdAzxLs — A'i'üscn. 



8 



mmdder Xürtarf 4a J^^om*- YJr.^ exp«en- 

Albn^.fr* BerjZL 1^77 . — IK« Sstrefi^a 
^et ScAoewBff. Eä«e bÜAcer&I - syrr.Ti^- 
Triäche XöTerAnktion- Xfcra Unter- 

n.. l'^TÄ . — Ine wurjkamj»d^€^ RiUaHBumg*- 
mittel iei nrie*ztem Arterien rcn Pire bü 
am f die newnte Zeit, •'i^krTr.te Freisechrit: 

CTir?. R. 1^72 . — L'ie Lehre vom Hirm- 
intek Mfbi 'iie FastMo^ ier Himtom- 
pres^'jn. SitzTms^'i-rr. i. c Ak^ »L W. 
Wi^ 1*3. MitLr^^nar^-w. Kl Ä Bd. 

— Umferw^'kumi^en üiber den Krei« wj»rf da^ 
Frincip »timer BeHii^ilHny. Exr^nmentell 
ziL'-i V'-^ -V- »Wier. :iiL.i Leipzig: 1873. 

— Ö<r im ^rflU iVirtr. a. i Kongresse 
f. iz^ Met! Wi^Vä-ie- 1SÄ3 . — Über dem 
Kret*paraiiten Cxciiimm äarkolj^tm^ Wiener 
ir^^L Pre*.=e 1^^ . — D^ PrineipieM einer 
ratimeGen Bekandl>tng ier hö^art'gen Ge- 
adkwiUte (Kreiß*ey und die Redäiamtfiki^it 
dertObm, Aka-L Atz. ». X\X 1891 . — 
Die B^'Jfionefk der €art*mome find deren Heü- 
wert. 1*5*2. — Die feineren Veründerm n gen in 
4m degenerierten Hinf enträngen eine» Tobe»- 
krattcfA. ArcL- f. PivoLiatrie n. Xenren- 
krarsr.eiTfen. iSSi). — Die degenentiren 
KranJcf^eiten de» Rüekenmarke». Anaxomisch 
und klin£5-:h. Stuttgart iNä^ . — Die sogen. 
Stamängtpapiüe h. ikre Bedeutung als eina 
2kieAenJi ton oeMteigerUm Dnedk in der H-'-Ale 
da Sekääei^. ' Z^l'srhr. f. kl. M. Bd. 28. 
l*Sf5. — Zur Geschickte 'ier Funktionen 
der Grotthimrinde und der Tor^^eUungen 
rr/m ShAttrat der SeeU. Janus, Amsterdam 
1 f^Jty. — Über die »-^. - Bahnu ng-. Zeitsc hr. 
f . kl M. l^Ä«?. — Die FuHk'iomtömnfjen 
des Grrfishimes. Hannovtrr ISV^. — Lne 
Kreidauf Störungen in den Organen de^ Central^ 
nerrentystef>*$. Berlin u. Leipzig: 1Ä*9. — 
Dan n:ch zah^Jlreio^ie Artikel über Pet^sin. 
Pei-t«:-::. S«:hw*r:.ss, Rü»*kenmarkskoinr»res- 
äiori IzL Y^rz,.\'Ur^s Realenovlilor'iidie . 
E^nns d:a^: ?r. I>-x. f. prakr. Ärzte. Wiener 
und BerL Zeit5*?ririfter^. 

Adams, Wllliam. «jreb. zu London 
1. Februar 1S2'> als S-i'hn eines Chi- 
rurgen, studierte am Kin-^ Co!l.. wiirde 
1842 pathol. Pr-i-sekror im St. Thomas" 
Hosp.. l'öl Assist. Surg.. ISCiT Surg. am 
Royal Orth"paedic H>sp.. 1854 Dooent 
d. Chir. an der Gn.»sven«^r Place med. 



5-:L':oL 1Ö65 Sizrg. am Gnmx Xortfaeni und 
1874 ad Xasi'jcal Kos^ far Fvmljt. und 
Epilepc. A. iät Präadenc re^ Vkeprial- 
denx izfikrcrer Lo&domer Outllgchaftap 
und pcblizäefte: .A amrm af ieetwnes sm 
orthcpofflie smryery Med. Times and Gii. 
18^—38 » ^Asketekoftheprimeqdesaad 
profcrÜTe of smäeutaneam* smrgery^ <18o7> — 
.0« tite n^aratiee procem im hmmsam ieudont 
after dirish.n' • 1^50 > — ^Ledmrs nm pa*ho- 
logy *zmi treat^ent of lateral cmrvaturt af 
Ae rpine- • 1865 — .Oa tke patkology amd 
treutmtent cf dub-f^" 1Ö66. vom R. C. S. 
mit dem Jacks*ML-Prei£ gekrönt i — SubeU' 
taneiiMs dirisKn of tke medk of tke tkighbone 
for bong amkgioris of the Up-joisU'' (1871) 

— .Ok the trmtmtemt of Dupmjftrem'a com- 
traetiom of the fingert and am the oblitenUiom 
of depressed eieatrieea by mdKutameauM 
operatüms^ (1879 . sowie noch mehren 
Abhan*ilxmgen in den Tmnsartions der 
Pathoi'i-gioai und Medio>-chir. Society. 

AdamÜCk, Zmil A., in Bielsk, 
G^juvemement Gni^dno 11. v23.) Jnni 1839 
geb.. beendigte seine Studien in fi^asan 
und wurde 1866 promoviert. £r erhielt 
1871 daselbst die Ptofeasor för Ophthal- 
mol'ikgie, sowie die Stellimg als Direktor 
der ophthalmol'^eischen Abteilon^ der 
ITniversitärsklinik und publizierte folgende 
Arbeiten: ..Ueber intraokularem Druckt 
il>is«-r:. !S<V>: — Auszuge im gleichen 
Jahrg. les Cer.rralbl. für die med. Wiss.) — 
.. O^tf iiimcl^ische Feobachtungen'^(RTiaaach^ 

— b Hefte - ^.Lehrbnch der Augenheilkunde 
Der 1. r^.Mer 2. Band vollendet^ — ^Die 

Kr^irJcf.'^ir^'i .Ur Eetina und d. nerv, opticus^ 

— s-rwie eine Reihe von Aufsätzen in 
ver^'hie'lvr.er. Zeitschriften für Augen- 
heilk".:. Iv . 

Addison, T h . > m as . Arzt in London. 

zu L'-r.g Etiitor. l^i Newcastle-on-Tyne 
im .\y-7:": ITv^^ geb.. machte in Edinbnig 
seine i:ie«-li-':n:soi:en Studien und wurde da- 
selbst 1 Slö mit der Dissertation .jdesypküide^ 
D:vror. Darauf wurde er Hansaizt im 
L.vk Hosp. und Schüler von Bacmax am 
Public Disi-ensary in London, woselbst er 
den Gruuvi zu seiner genauen Kenntnis 
der Hautkrankheiten legte. Um 1880 
trat er als Schüler in das GaT*s Hosp. 
ein. imi mit demselben als Arzt nnd 
Lehrer 87 Jahre lang in Terbindnng 



9 



Adelmann. 



10 



za stehen und anf dessen med. Ab- 
teilungen den wesentlichsten Einfluss 
auszuüben. Er wurde 1824 Assistcmt 
Fhysician, 1827 Lehrer der Materia medica 
und publizierte zusammen mit John Moroan : 
„^fi es9ay oh the Operation of poiwnoua 
agenf» npon the Uving body^ (London 1829) 
und y^Obtervatüms on the disordera of females 
connected with uterine irritation^. 1837 
wurde er Full-Physician des Hospitals 
und teilte sich mit Brioht in die Vor- 
lesungen über praktische Medizin. Von 
beiden herausgegeben erschienen „The 
dement» of the practice of medidne^ (Vol. 
I, Lond. 1839), jedoch ist es wahrschein- 
lich, dass in diesem ersten und einzigen 
Bande der grösste Teil, wenn nicht 
alles, aus Addison's Feder stanmit. Einen 
Weltruf erlangte er durch die Entdeckxmg 
der nach ihm Morbus vel Melasma 
Addisonii benannten Erkrankung derNeben- 
nieren, von der er eine meisterhafte Be- 
schreibung in der Schrift: „On the con- 
ttitutional and local effeds of disease of the 
mtpr ar enal capeuiee with plates^ (London 
1866, 4.) gab. Nicht minder hochgeschätzt 
sind seine Arbeiten über die Anatomie 
und Pathologie der Lungen, Pneumonie, 
pneumonischen Phthisis und Phthisis, die 
in den Guy's Hosp. Reports publiziert 
wurden und, zusammen mit einigen anderen 
Arbeiten, nach seinem Tode gesanmielt 
als „4 cdlectüm of the pnblished loritings, 
of the late Thomas Addison^ M. D. 
Physieian to Guy's Hospital'' (London 1868) 
in einem Bande von der New Sydenham 
Society herausgegeben wurden. A. zog 
sich zuletzt aus Gesundheitsrücksichten 
nach Brighton snirück und starb daselbst 
29. Juni 1860. Das Hospital ehrte sein 
Andenken durch Aufstellung seiner Büste 
im pathologischen Museum, durch Benen- 
nung eines Krankensaales in einem neuen 
Teile des Hospitals nach seinem Namen 
und durch Anbringimg einer Marmortafel 
in der Kapelle. 

Adelmann, Heinrich A., Prof. 
emer. der Medizin zu Würzburg, 17. August 
1807 als Sohn des ältesten Bruders von 
Vi5CKNz Adelmann, eines Juristen, geb., 
studierte in Würzburg, promovierte daselbst 
1830 mit der Dissertation „De mdneribus ab- 
dominis'^, wurde 1840 zum Prof. e. o. an 
gedachter Universität ernannt und starb 



8. November 1884. Er erfand ein Instrument 
zurPimctionu. Aussaugung des Hypopyon, 
beschrieben in der Münchener illustrierten 
Zeitung 1852. Dasselbe ist zur Anwendtmg 
bei Pferden empfohlen, während beim 
Menschen durch die Suction des Kanmier- 
wassers auch die Lidectomie durch Ver- 
minderung des intraokulären Druckes er- 
setzt werden kann. A. lieferte auch 
die Abbildungen zu Caj. Textor's Grund- 
sätzen zur Lehre der chirurgischen Opera- 
tionen (1834 bis 1836) und war Mitarbeiter 
an V. Ammon's Werke: „Die angeborenen 
chirurgischen KrankJieiten'', endlich hat er 
eine Extensionsschwebe („Verbesserte Ex- 
tensionsschtcebe für ünterschenkelbrüche'^, 
mit 1 Taf., Würzburg 1872) für kompli- 
zierte Frakturen des Unterschenkels, einen 
Korrektionsapparat für den Klumpfuss 
nach der Tenotomie und die transparenten 
ophthalmoskopischen Bilder zum Ge- 
brauche bei Vorlesungen erfunden. 

Adelmann, Georg Franz Blasius 
A., kaiserl. russischer wirklicher Staats- 
rat, Prof. der Chirurgie und Augenheil- 
kunde an der Universität Dorpat bis 1871, 
ist 28. Juni 1811 zu Fulda als Sohn von 
ViNCENz A. geb., studierte seit 1828 in Mar- 
burg und Würzburg und wurde 1822 an 
erstgenanntem Orte Dr. med., hierauf 
Gehilfsarzt an der von Heusinqer geleiteten 
Klinik, liess sich zu Anfang 1835 in Fulda 
als Arzt nieder, kehrte aber 1837 nach 
Marburg zurück, um Ullmann's Assistent 
an der chir. Klinik zu werden. Er habi- 
litierte sich hier 1837 als Privat-Docent , 
verliess nach zweijähriger Dienstzeit die 
Assistentenstelle, wurde auf einer 1840 
unternommenen Reise mit Chelius bekannt, 
der ihn für den durch Piroooff's Abgang 
nach Petersburg erledigten Lelirstuhl in 
Dorpat empfahl. Er übemalmi die ihm 
übertragene Professur im Juli 1841. — 
Seine litterarischen Arbeiten hatten bis 
dahin, ausser seiner „ Diss. de dignitate lithon- 
tritiae'' (1833) und seiner Habilitations- 
schrift „De steatonuite proprio tumorum 
parasitorum genere'' (1837) den schon ge- 
nannten, in Mitteilungen gebui-tshilf- 
lichen Inhalts: „JahresbericJiten über die 
Oebäranstalt zu FtUda'' 1831-32, 1834-36 
— „Mitteilungen über die Auskultation von 
ScJiwangeren'' in v. Siebold's Journal, 
Xm, XIV, und der Neuen Zeitsclirift 



11 



Adelon — Aeby. 



ii2 



f. Geburtskunde, VIU, sowie in einer 
Reihe von Rezensionen, Sclirifton in den 
gedachten Zeitscliriften und in Schmidt's 
Jahrbüchern, nebst der Herausgabe der 
^^Annalm der chirurgisclien Abteilung des 
Landkratikenhmiftea zu Fvlda^'' während der 
Jahre 1835-36, 1839 (auch als Bd. I der 
„ Beiträge zur medizinischen utid chirurgischi'^i 
Heilkufide, mit besonderer Berücksichtigung 
der Hoapitalpraxis^'' bezeichnet^, bestanden. 
Von 1841 an traten dazu noch mehrere 
Artikel in Schmidt's Encyklopädie der ge- 
samten Medizin und dann auch in ver- 
schiedenen Zeitabschnitten imd an ver- 
schiedenen Ort^n publiziert, Berichte über 
seine klinische Thätigkeit in Dorpat. So 
für 1842-1843 (Dorpat 1843/: ,,Aus dem 
chirurgischen Klinikum der kaiserl. Univer- 




sität zu Dorpat'' (Erlan<;:en 1845) [aucli als 
Bd. II der oben erwähnten ..Beiträge'']» 
für «las 2. Semester 1844 (Med. Ztg. Russ- 
lands 1845): für 1845 bis 1847, (Rigaer 
Beiträge 1851-1853) [auch als Bd. III 
der gedachten ..Beiträge**!; später noch 
ein Bericht in (H'NsnuK^i's Zeitschrift 1858, 
ferner eine Reihe von F*ublikationen zum Teil 
medizinischen. lian])tsächlich chirnrgischen 
Inhalts, darunter als besondere Schrift: 
^.Untersuchungen bei kranMiaften Zuständen 
der Ofterkifferhöhlt'' (mit 3 Taf., Doi*pat 
1844) und zahlreiche Aufsätze in venschle- 
denen Zeitschriften. — - - 1860 wurde er 
wirklicher Staatsrat. verr»ffentlichte später 



noch zahlreiche Arbeiten in verschiedenen 
Zeitschriften, lebte seit seiner Emeritierong 
in Berlin und starb daselbst 16. Juni 
1888. A. war Schwiegervater des Berliner 
Chirurgen E. v. Beromän.n, und ein Mann, 
dessen herzgewinnende Physiognomie auch 
seinen inneren Seelenadel (nomen est omen) 
verriet. 

Adelon, NIcoUs PhiUbert, geb. 
20. August 1782 zu Dijon, wurde 1809 
Doktor, war ein Mitarbeiter seines Lehrers 
und Freimdes Chaussier an den ersten 
Bänden des (Biogr. universelle, des Dictj 
des sc. med., arbeitete auch an der Revue 
encycloped. (1819) und am Dict. de med. 
en 20 voll. (1821) mit. Seine ..Physiologie 
de rhomme"' (4 voll., Paris 1823, 24) er- 
schien 1829 in 2. Aufl. Nachdem er bei 
der Reorganisation der Ecole de med. 
zum Agrege ernannt worden, erhielt er 
1826 den Lelirstuhl der gerichtl. Med., 
den er bis zu seinem Lebensende, welches 
zu Sceaux, 19. Juli 1862, erfolgte, ein- 
nahm. Er war Mitbegründer der „Annales 
d'hyg. publ. et de med. legale". 

Aeby, Christoph Theodor, geb. 
25. Februar 1835 zu Guttenbrunnen in 
Pfabsburg, wurde in Basel erzogen, stu- 
dierte daselbst 1853—56 und in Göttingen 
weitere zwei Jahre. 1858 in Basel pro- 
moviert, habilitierte sich A. daselbst im 
nämlichen Jahre, wurde bald darauf Pro- 
sektor, 1863 Professor e. o. in Basel und 
wurde im Herbst 1863 als ord. Professor der 
Anatomie nach Bern berufen. 1884 folgte er 
einem Rufe als ord. Prof. der Anat. nach 
Prag, an Stelle des nach Wien berufenen 
ToLDT. Doch war ihm hier infolge seines 
ungünstigen (resundheitszustandes nur eine 
kurze Wirksamkeit vergönnt. Er starb 
7. Juli 1885 in Bilin, wohin er sich 
zur Kur begeben hatte. Seine sehr zahl- 
reichen Arbeiten beziehen sich auf die 
verschiedensten Teilgebiete der makro- 
skopisciien und mikroskopischen Anatomie. 
In monographischer Form erschien 1863: 
..Eine neue Methode zur Bestimmung der 
Schüdelform von Menschen und Säuge^ 
tieren" (Braunschweig i, welcher bald in 
den Verband lg. der naturf. Gesellsch. 
in Basel die mittels der Methode ge- 
wonnenen Resultate: ..Bemerkungen über 
die Bildung des Schädels und der Exirt- 



13 



Afanasjew — Aguew. 



mitären im MniBcItaifftsdtkcfU^^ folgten, 
1865 Arbeitete A. ,jVr den feineren Bau 
tier Blut kapillar en'\ 1867 ^/'btr die lieizung 
dar quergestreiften Muskelfasern durch 
Kcttfn^rom^', 1871 „tW dm Gr%ind der 
Vfiveränderlirhkext der organibchen Knocheti' 
mtbfftani, iK>H*ie über deren norttifde wid ab- 
norme Zu»(ttumatFtt2Hfty^\ 1872—74 ,,lbcr 
die chemigche Zusammen Rttiung der Knmhen^ 
r€9p, dJt Struktur der SpOf^ofut^% 1875 
„Über Gelenk und Luftdruck, sowie über 
die ik*a»tbeine da* tth^tschlichen ITand'\ 1876 
„Vbtr drn EinfluMis des Winterschlafes auf 
die Zummmeiii^etiiing der verschiedenen 
^>rgane den Körpers^*. (Die letztere Mit* 
teilting erscliien im Archiv f. exp. 
PttthoL, m^ die vorgenanuteii teils in 
RrjrMEin's nnd Diteiois* Anrliiv, teils in 
lim «•ntöprf'cliendeö Jalirg-Üngen des Cbl. 
r iL med. Wisseasc-sh.» — „/>*«; Gestalt des 
Brondiialbatfms'" — ^,öic AU er sver schieden- 
heilen der WirbelsäuU*^ — ^^Uber die Mus- 
kiilatMrderMundMi>altt*'{lBld) — ..Vb^r die 
Spkätoidgeienke der Ejctremitäfengürtel'* 
(18631 — ,JTber das Kiefergerüst der 
VÖgei^ \IB1Z\ — ..Beiträge utr KemUnis 
der GeUfiker' (1876> — „Ülxr das leitende 
Priniip bei der ffiff'n'enzierung der Gelenke^^ 
(1882) — ,^Schema des FasemoerlaufH im 
Oehim und RUckemuark^* (1882). A. war 
mti »i*\ir b<?iLt?ntendet' Anat^jin^ dem iiament^ 
lieh liic mlkroskop. Anat.^ die vergl. Ana*. 
iiiid PhysioL der GeU'uke, die Lehre von 
der Mlkri>cephalie erlieldirhe Bennclienmg 
Fönlemug verdanken. Ausser den 
'^^einnnten Arlieiteri gelten von seiner rast- 
losen Thäfcigkeit und energischen Arbeits- 
krafr nmih ssuJiirriche andere Abhand langen 
ifcii6 df*m Gebiete der Osteologie. der Anat. 
AugPÄ, Mitteilungen kastiist. und 
iiodolog. Inhfiitä^ sowie die von ilim 
für den HoFMAN.v-SaiWALB&* sehen Jahres^ 
b<:richt verfa^äteti Berit'hte über die 
^pianchnologit; imtl die Li'Ure von den 
nc&rirgiiijeij Zeugnis. Besondere Er- 
linuug verdient »eiJi Lehrbuch: ^.Der 
Htm det menschliciten Körpers^ mit besonderer 
Rftehncht mtf seine morpMog, uml phynolog* 
Hedeistumf |I^n|i^. 1871). da« dundi die 
tMiliarfe Uervurkelutnig der vergleich.- 
inwl , t<!iv^ioL imdentwickliingsgeÄchichtL 
C^' kte, sowie durch die klare 

uum um, i-iihü. Darstellong stets einen 
iftvrcavoUmi Platx nnter den Lehrbachern 
fmncKm«ii vrlrd. tibrigens sind nnter 



A.'s Leitung auch zahlreiche wiissenschaft- 
lich wertvolle Dissertt. verfügst, so von 

CllAPPt:iS| WoLrEltMANN, RäVRNEL, BRÄLlNÄa- 

BLAü et^, 

Afanasjew, Eugen, t 21. iv 

biTiar IHÜT in Kiew tils wirkt Staatsrat, 
emerit. Prof. der sj>ez. PathuL und Therapie 
an der dort. Univ., im Alter von 58 Jahi^u, 
studierte bis 1860 an der Petßrsbui'ger 
med.-chir. Akad.^ war Militärarzt im 
Kaukasus, wuide 1860 Lehrer an der 
Militär-Feldscheererschule in ICiew, 1870 
Privatdocent für kl in. Med,, 1876 a. o.^ u. 
bald darauf ord. Prof. a. d. Umv, 

AgneW, D. Hayes» geb. 1818 in 
Laucaster co., Pa.^ als Sohn eines Arztes, 
studierte an der Univers. zu Phikdelplua, 
praktizierte einige Jalu'e auf dem Lande 
und liess sich später in Philadelphia nieder, 
woerVorles. an derPliilad. School of Anat. 
2tt halten begann. SpUter giündete er in 
Philadelpliia eine ,,School of Operative 
Snrgeiy'*. 1854 wurde er als Surgeon 
am Pennsjlv, Hosp. angestellt, an dem 
er ein besonderes patholog. Museum ein* 
richtete, wurde 1863 anat. Prosektor und 



assistlr. Prof. der kl in. Thir. am M»^d, 
Depart. der Pennsylv. Univers., sowie 
Surgeou an Wllls' Ophthalmi«* Hosp., er- 
hielt 1865 die gleiche Stellung am Ortkr)- 
pedic Hosp,, 1870 die Professur der theoret. 
und prakt. Chir, an der Univers. zu 
Pliiladelplüft, sowie rlie Leitung der chir. 
Klinik am Univei-s. - Ki-ankenhause. Er 



16 



Agnew — Aitken. 



16 



starb 22. März 1892. Von seinen Publi- 
kationen sind hervorznlieben : j^Lacera- 
tiona on the femaU perineum and vesico- 
vaffinal fistula*' — .^Anatomy in ita relations 
to medicine and surgert/**^ — ,,The principlea 
and practice of aurgery efc,** (2 voll., 
Philad. 1878), femer die gedankenreichen 
„Introductory lecturea'", sowie die 1868 
erschienene ,^Practical anatomy; A ncw 
arrangenient of the London Diaaector; toüh 
numermia modificafions and additiona^ 
containing a conciae deacription ofthe muaclea, 
bloodvesaels, nervea, viacera and ligamenta of 
the human body aa they appear in diasection.** 

Agnew, Cornelius Rea, geb. zu 
New- York 8. Aug. 1830, studierte seit 1849 
am Coli, of Phys. and Surg., an dem er 1852 
promovierte, fungierte bis 1853 alsHouse 
Surg. am New- York Hosp., praktizierte 
bis 1854 in einem kleinen Orte in der 
Gregend des Portage Lake und liess sich 
darauf in New- York, seinem jetzigen 
Wohnorte, nieder, nachdem er noch bis 
1855 in Europa, speziell in Dublin, London 
und Paris weitere Studien gemacht hatte. 
1858 wurde er zum Surg.-Greneral des 
Staates New- York vom Gouverneur er- 
nannt, fungierte bis 1864 zugleich als 
Surgeon an der N. Y. Eye and Ear 
Infirmary, war im amerikan. Bürgerkriege 
in verschiedenen Stellungen bei der Armee 
thätig und führte verschiedene Neuerungen 
in den Feldlazarett -Einrichtungen ein 
(Pavillonsystem ete.), richtete 1866 im 
Coli, of Phys. and Surg. eine Augenklinik 
ein und wurde 1869 klin. Prof. für Augen- 
und Ohrenkrankheiten, in welcher Stellung 
er noch 1878 thätig war. 1868 gründete 
er das Brooklyn Eye and Ear Hosp. und 
1869 das Manhattan Eye and Ear Hosp. 
in New- York. Er publizierte u. A.: „^ 
contribiUion to the aurgery of divergent 
aquinV — „Ophthalmie notea: 1. Trephining 
the Cornea to remove a foreign body; 2. A caae 
of double, extremdy minute and apparently 
congenital lachrymal fiatula; 3. A contri- 
btäio7i to the atatistica of cataract extraction 
of 118 recent caaea'' (New-York 1874) — 
„Canthoplaaty aa a remedy in certain diaeaaea 
of the eye'' (Ib. 1875) — „Clinical contri- 
bution to ophthalmology'' ( Arch. of ophthalm. 
and otology, Ib. 1875). 

Ahlfeld, Friedrich, in Marburg, 
geb. zu Alsleben a. S. (Prov. Sachsen) 



16. October 1843, studierte in (xreifs- 
wald und Leipzig, war Assistent bei 
Crede und bildete sich weiter in Wien 
und Tübingen. Am 22. Febr. 1868 promo- 
viert, wurde er 1876 Extraordinarius xmd 




Hebanmienlehrer in Leipzig und folgte 
1881 einem Ruf als Professor der Greburts- 
hülfe und Gynäkologie, sowie als Direktor 
der Hebammenlehranstalt nach Giessen, 
1883 in gleicher Eigenschaft nach Mar- 
burg. Seine monographischen Arbeiten 
sind: „Entatehung der Stirn- und Oeaichta- 
lagen" — „Die Ernährung dta Säuglings 
an der Mutterbruai^' — „Berichte und 
Arbeiten aus der gebart ahiÜflich-gynäkciogi- 
achen Klinik zu Giesaai, Bd. i" — „Berichte 
und Arbeiten etc. aus Marburg, Bd. II und 
Iir^ — „Die Missbildungen dea Menschen 
Abachnitt 1 u. 7i" — „Abwartende MetJiode 
oder Crede' scher Handgriff '''' — „Lehrbuch 
der Geburtshülfe"' (Autl. I und U 1898). 

Aitken, Slr Wllllam, geb. 23. April 
1825 zu Diiiulee, Forfarslüre, studierte 
von 1842 — 48 in Edinburg, wo er 
1848 M. D. wurde, war dann 7 Jahre lang 
anatom. Prosektor bei der Univers. Glasgow, 
darauf wälirend des Krimkrieges 1855 
pathol. Anatom in Scutari, hierauf Prof. 
der pathol. Anat. an der Army Medical 
School zu Netley, Examinator für den 
Sanitätsdienst der Armee in Indien imd 
der Flotte, Fellow der Royal Soc. und 
der Sanitary Institution von Gross- 
Britannien und starb 25. Juni 1892. Er 
hatte seinen Wohnsitz in Woolstone, 
Ha nts, bei South anipton. Litterar .Arbeiten: 



17 



Älbei-t. 



18 




ZoBammen mit Lyons : ,, On ihe paiholngy 
of the di9€a8e8 of the army in Die eant** 
(1856) — .^Handbook of the scknce and 
practicc of medicint^ (London 1858; später 
IL d, T.t „Tfte mence and pracL etcJ* 
2 voll*, 7. ed. 1880, auch amerik. Aus- 
üben) — t*Ön (he groivth of the recruii 
and young Boldier'* (London 1862; 2. ed. 
1887) — t,OuUines of tlie acience andpractke 
0f mGlkine" (Lh, 1874; 2. ed 1882) — 
^,Th€ dcctrine of evdutum in its applicatim 
to pathology** (Glasgow Med. Joam. 1885 
bis 1886) n, s. w. Bei Geleierenheifc des 
Regi^rungs-Jübiläums der Königin 1887 
erhielt er die Ritt-erwUrde. 

Alba nese, Enrico, ZTi Palermo, 
titärz 1834, studierte dort und in 
rar namentlicli Scliüler von 
Rkc»wu, wurde 1855 Dr. med., war seit 
1858 in Palermo anatom. Assistent, später 
Prof. der klin. Ckinirgie, als welcher er 
auf einer Reise von Rom nach Palermo 
3- Mai 1889 plötzlicli verstorben! ist. 
Er war der Cliirm*g Garibaldi's, machte 
dl» Feldzttge von 1860, 66, 67 mit, war 
1870 in den i»reuss. Tja^Jiiretten thätig 
und pttblixierte o* a.: ^^NotUie di Mmrgia 
pratica** (Palermo 1869^ — „ülinica chimrg. 
deUa IL univemtä di Pfatemm. Relazione 

din. per 1870, //* (Ib. 1871) — 

„fßdla reäeiione dd cdlo dd piede, nwwo 
proeeno optratorio'* — ,iReetiiojjt!]cotlo e 
i$»ta ameraUt nwoü(> ^netodo**' — ^^onografia 
tMa trasfmicm dd sangue*'' — »ßtäh 
Moni vioUftte'* — ,,Fratture apcrte^ ferite 
omi^ da fuoco*' [u. s* w. Auch gab er 
eine Reihe von Jahren die „Gazz. olinica 
dello spedale civico äx Palermo etc." 
heraus. Um die Verbesserung der hygien. 
nde in Sicilien hat sich A. gan2 be- 
während der dortigen Cholerar- 
grosee Venlienste erworbeu. 
ne Beseitigung der barbarischen 
tfsnptdi^ei tuid die Anregung zur Ein- 
^rimg von Hospitälern für syphilit. u. a. 
Krankheiten zu verdanken. 

Alb€rti Eduard, geb. 20. Januar 
IS41 zvi Senftenberg in Böhmen, studierte 
In Wiwn, 1867 promoviert, 1867 — 1873 
Operateur und Assistent der dortigen 

ci k unter v. Dchreicher, 

l - i ord* Prof. der chirur- 

t^fichon Kimik in Iimsbmc.k, 1881 iu der- 



I selben Stellung in Wien, wo er vor einem 
' Auditorium von durchscküittlich 500 
I Hörern bis jetzt lehi-t. Von EoiaTAXSKY 
und Skoda gefurdext, mid an Strjckeh steh 
in Untersuchungen über pathologische 
Frivgen anlehnend, behandelte A. in 
melireren Abhandlungen die Frage des 
Fiebers (gem. mit Stjucker), der tierischen 
Wärme und später der Mechanik der 
menschlichen Gelenke in den Wiener 
medizin. Jakrbücheni und den Berichten des 
naturwiss.-mediziii. Vereins in Innsbruck, 
Nöclidem er das LisTEa'sche Verfaliren in 
München gelernt hatte, wo Lister per- 
sönlich Pemonstrat tonen daiüber tibge- 
halten. fiüirie er dasselbe 1875 in Lnns- 
bmck als ausschliessliche Wundbehandlung 




ein utid schrieb in der Überzeugung^ dass 
die Chirurgie einer totalen Umwälzung 
untei'worfen wenlen müsse, das 4 bändige 
^^ Lehrbuch der Chirurgie'^ das erste auf 
antiseptische Behandlung begründete Lehr- 
buch tibei*haupt; es wui-^le ins Russische 
und Französische übei-setzt und erlebte 4 
Audagen. Im Hinblick auf die durch- 
greifende Änderung des ganzen Gebietes 
behandelte es den Stoff in liistorisch* 
kritischer Weise; tn der 5. Auflage wTirde 
es auf 2 Bände zusaniniengezogen. Die 
^^Vorksungen iibtr chv-urgiache Di^tgriostik^' 
erschienen 1899 in 8, Aullage. Nebstdem 
verfasste A. 2 Hefte ^^Bnhäge zur Ge- 
schkhte det* CJdrurgie*'^ (Wien) — „/^«r Lehrt 
von der Coxa mra und Ccxra valga^' (Wien 
1899) — ,,lkr Mnhanismus der /tkoliotischm 
Wirbdmuk'' (Wien 1899; - ,,Dk seitlkhen 



19 



Alberti — Albertoni. 



20 



Knifgdenksverhiimmungen und die kompen- 
fatorisclien Fussformen^'^ (Wien 1899) und 
fasste in 2 Heften „Beiträge zur operativen 
Chirurgie^'' (Wien 1878) eine Eeihe von 
früher erschienenen Artikebi zusammen. 
Daneben sehr zahh-eiche Artikel in allen 
Wiener medizinischen Journalen. Mit 
KousKO gab er die ^^ Beiträge zur Kenntnis 
der Osteomyelitis^'^ (1896) heraus. Im Archiv 
für Geschichte der Medizin gab er das 
bis dahin nur in 1 Exemplare (Göttinger 
Universitätsbibliothek) vorhandene Werk 
Peter Franco's Petit traite de Chirurgie 
mit einer Biographie Franco's heraus. A. 
ersaim die Methode der künstlichen An- 
kylosenbildimgen an Schlottergelenken (Ar- 
throdese), eine osteoplastische Methode 
der Resection des Unterkieferwinkels ztmi 
Zwecke der Neurectomie des Mandi- 
bular is, eine Methode der Insertion 
der Sehnen in Knochen (Tenopexis), 
gleichzeitig mit Chrobak eine Methode 
der subperitonealen Stielversorgung bei 
der abdominellenMy omoperation amUterus, 
führte als der erste eine Nerven trän splan- 
tation am Menschen aus, gab eine Me- 
thode der Jejunostonüe an, führte noch 
vor VoLKJiAXN die isolierte Kapselexstir- 
pation bei Gelenkstuberkulose (Arthrec- 
tomia synovialis) aus, war der erste, der 
die totale Exstirpation der Schilddrüse 
unter Lister^s Cautelen auszuführen, auf 
Grund einer glücklich vollzogenen Opera- 
tion (vor Billroth) programmatisch em- 
pfohlen, führte in Osterreich die erste 
Gastrotomie und die erste Nephrektomie, 
sowie auch die ersten An tyllus' sehen 
Aneurysmen-Exstii-pationen aus. In meh- 
reren Arbeiten trat er in der Frage des 
Gehimdinicks, des hohen Steinschnittes und 
der Behandlung der Gelenkstuberkulose 
mit Ansichten und Untersuchungen auf, 
welche die bisherige Lehre und Praxis 
mit Erfolg bekämpften. A. führte auch 
die erste kymograpliische Bestimmung 
des Blutdruckes am lebenden Menschen 
aus, machte noch vor Charcot auf 
die ischiadischeSkoliose aufmerksam, führte 
die Achillodynie als selbständige Krank- 
heitsform ein, lehrte das schmerzhafte 
Papillom der Regio foUiata an der Zunge 
kejinen und entdeckte Details in der 
Architektur der Knochen und im Baue 
der Sehnenscheiden. Seine Schüler sind: 
A. Lorenz (Wien), C. Maydl (Prag), 



HocHENEGG, R. Frank, E. Ullmann, J. 
Schnitzler, C. Ewald, J. Habart (Wien) u. a. 

Alberti, Gustav, in Potsdam, geb. 
zu Jauer 1848, studierte in Berlin als Zütg- 
ling der Kaiser Wilhelms- Akademie (Dr. 
med. 1870), war von 1870—72 Unterai-zt 
an der Kgl. Charite, trat darauf in das 
Sanitätskorps ein, wurde 1880 Stabsarzt 
an dem damaligen Friedrich- Wilhelms-In- 
stitut, war von 1881 — 83 Assistent bei 
V. Babdeleben und fungierte seit 1884 zu- 
gleich in seiner Eigenschaft als Stabsai-zt 
beim ersten Garderegiment als Chirurg 
am St. Josephs-Hospital in Potsdam, dessen 
Direktion er später übernahm. Seit 1898 
führt A. den Professortitel. Schriften: 
,,Die Resectionen in der Kontinuität der 
Knochen während des Feldzuges ISTOjTP^ 

— Sanitätsbericht über die deutschen Heere 
1870171^'' — ,,Pie Unterbindung der ve^ta 
fenioralis** — „Ü&er Luxatio humeti erecta* 

— jfGangrän nach Kohlenoxydvergiftung'^ 
(Dtsch. Ztschr. f. Chir. XX) — U'ber 
Hernia pectinea"* (Ib. XL), sowie mehrere 
Abhandlungen aus dem Gebiete der Gy- 

I näkochirurgie. 

Albertoni, Pietro in Bologna, geb. 
22. September 1849 in Gazzoldo (Mantua), 

I studierte in Padua und wurde daselbst 

I 1873 promoviert. Zuerst physiologischen 
Studien im allgemeinen als Schüler und 
Assistent Lüssana's zugewendet, kultivierte 
A. später besonders die physiologische 
Chemie und Pharmakologie, bildete sich 
auch für diese Fächer in Strassburg unter 

j ScHMiEDKBEKG weiter aus. Von 1876—1878 
mit dem Unterricht der Physiologie an der 

j Schule von Siena betraut, wui-de er 1878 
zum a. o., 1881 zum ord. Professor in Genua 

I ernannt. 1884 folgte er einem Ruf als ordentl. 

j Prof. der Pharmakologie und Physiol. 

' andieUn. Bologna, in welcher Stellung er 

: gegenwärtig wirkt. A. ist Mitgl. zahlr. 

I gelehrter Akademien und wissenschaftlicher 

1 GeseDschaften (Bologna, dei Linc«i in 
Rom, Turin etc.^, war Abgeordneter des 
ital. Parlaments wähi*end zweier Legis- 

I laturperioden etc. Schriften: „Äui pro- 

I cesffi digestivi e assimilatiüi nel crasso*' 
(Padova 1873) — ,,Sul alcooly aid aldeidi e 
sugli eteri vinii** (Lo Sperimentale 1874) — 
,ySulle vied'eliminazione e d^azioneeleitivadeüa 

Chinina^' (Padova 1876; ins Französische 



21 



Albertotti. 



22 



übersetzt). Verschiedene Arbeiten in 
SperimentÄle 1876—1881. Ferner ,,Sulla 
paiogfnesi deW epüatsiu" ^Milauo 1879> — 
„MoHografia sitlla Cofmna e Parncof&ina''' 
(Torino 1883) — „Sii/ bil(incio ntUrifivo di 
uma famiglia borghene^'' — ,,La fisiolojjia e 
la quesiioHe suciale^*^ — „Azione di alcune 
SHstanze medicameniose stüV entabUitä deV 
cerveüo e rontribitfo alia ferapia dtlV epUeaaia^* 
(Lo Sperimentale 1881 u. Arch. f. exp. 
PatlL u. Pharmak. XV) — „Z>i trasfusione 
dei aangue e lo scambio materinle'^ (Arch. 
per le Sc. Med. IV. 1882; Arch. Ital. de 
BioL H) — ,^Azione e metamarfnai di alcune 
mmiauze nrlV crganismo in rapporto colla ' 



studierte an der Univers, zu Turin, wo er 
1875 einen Preis erhielt, hauptsäclüich 
als Schüler von Carlo Rkymond, widmete 
sich seit 1875 der Augenheilkunde, physiol. 
Optik u. histor. Studien zur Augenheil- 
kunde, war Anfangs in Turin als Augen- 
arzt thätig u. ist seit 1885 ord. Prof. der 
Augenheilkunde und Direktor der Augen- 
klinik in Modena. A. ist Mitglied der 
R. Accad. di Med. di Torino, der R. Acc. 
della Scienza di Modena u. Medico Pri- 
mario Oculista dell' Ospedale Congrega- 
zionale di Modena. Er publicierte: 
Ossertazioni di jda^tlca (tciüare, Osservatore, 
Gazzetta delle Cliniche, 1874. Sitsttihu 




patogenesi dell' acetonemia e del diabete'' 
(Arch. f. exp. Pathol. u. Pharm. XVIII) - 
yßuUfi formazione e siä contegno delV alcuol 
e dell cüdeiile nelV organismo^' (Atti delP 
Acc. d. Sc. di Bologna 1887; Arch. Ital. 
de Biol. IX. 2) — ^,Sul contegno e suW azione 
degli zuccheri neW organiamo^^ (4 Abhandl. 
ibid.) — „Ricerche sidla secrezione biliare''' 
(ib. 1893)— „Ledietenegli spedali d'Italia'' 
(ib. 1897), sowie zahlreiche Abhandlungen 
von A.'s Schülern, Ergebnisse von Unter- 
suchungen in seinem Laboratorium u. d. T. : 
„Bicerchesperimentalieseguite nel laboratorio 
direttc dal Prof. Pietro Albertoni'' (in XHI 
Fascikeln). Auch gab A. ein prakt. Hand- 
buch der menschl. Physiol. heraus (Milano 
1886; 2. Aufl. 1899). 

AlbOrtOtti, Giuseppe, in Modena, 
g€)#. 24. Juli 1851 in Caramandrana, 




I adiatermico di illuminazione offalmoscopica 
(Torino, Giomale della R. Acc. di Med. 
1879) — Gradnaziofie delV Oftalmometro 
di Helmholtz (Torino, Atti della R. 
Acc. delle Scienze, 1882) — Experimentelle 
Messutig des verkeJirten ophthalmoskopischen 
Bitdea (Klin. Monatsbl. für Augenheilk., 
1882) - Zur Mikrometrie (Ib. 1882) — 
Nota sopra nlcimi struwenti di Chirurgia 
oculare (Gazzetta delle Cliniche, 1883) — 
Preliminari di studi sperimentali diretti a 
stabilire sopra nxiovo principin Vemwe 
funzionale deir occhio (Giomale della R. Acc. 
di Med., 1884) — Levfi ortoscopiche per nffal- 
moscopia (Torino, Comimicazione alla R. 
Accad. di Med. 1884) — Ein autometrisches 
selbst registriereiides Perimeter (Kliu. Monats- 



23 



Albini — Albrecht. 



24 



bl. f. Augenh. 1884) — Sistema di oftalmo- 
scopia ed esperienze di oftalmftscopia oggtttiva, 
(Comunicazioni alla E,. Accad. di Med., 
1884) — TavoU di graduaziom deW Oftal- 
mometro di Hdmholtz (Torino, 1887) — 
Pinze per calazio e nwdificnzioni alle pinze 
comunemente in uso, nelle operazioni sulle 
palpebre (Rassegna di Sc. Med. 1889) — 
Adattamento di un regdatore alV oftälniometro 
di Leroy e Dubois per ottenere spostamenti 
inversi e Hmultanei nel movimento ddU mire 
(Ib. 1889) — Eicerche istdogidie sxtgli effetti 
deüa oheratocenten ripetuta ogni giomo 
durante tredid meai (Ib. 1890) — Taaselli 
vitrei per sezioni microscopicJie (Ib. 1890) 
— Belazione riguardanfe i risultati di 
dieci operazioni di Simpatectomui cervicale 
per Glaucoma eaeguite dal Prof, Ruggi ndla 
Clinica Ocidistica di Modena (Comuni- 
cazione alla Societa Medico-Chir. 1899) — 
ün caso tipico di lehbra con leaioni oculari 
caratteriatiche della lebbra. in individuo deW 
Emüia (Mod., soc. med. cliir. 1899) — Dazu 
zahlreiche Arbeiten über den bekannten 
mittelalterlichen Augenarzt Benvenütus 
Graphkus, über Magister Barnabas de 
Regio u. a. historischen Inhalts. 

AlDini) Giuseppe, zu Neapel, geb. 
zu Mailand, studierte von 1845 an in Pavia, 
arbeitete 1846—47 im anat. Institut von 
Panizza, kämpfte 1848, 49 als einfacher 
Dragoner, Korporal und Fourier in dem 
Befreiimgskriege mit, nahm 1850 seine 
Studien in Mailand wieder auf, setzte die- 
selben aber, um der fortwährenden polizei- 
lichen Überwachung zu entgehen, in 
Wien fort, wo er Assistent von Bruecke 
wurde, besuchte dann auf einer Reise 
noch die Universitäten Bi-eslau, Berlin, 
Göttlngen, Halle, Leipzig, Bonn und 
Utrecht, wurde 1857 zum a. o. Prof. der 
Physiol. in Krakau und im folgenden 
Jahre zum ord. ernannt, nahm 1859 nach 
der Befreiung der Lombardei in seinem 
Vaterlande die bescheidene Stellung eines 
Prof. der Naturgescliichte am Lyceum von 
Casal Monferrato an, erhielt wenige Monate 
später im Concurs die Professur der 
Physiol. in Parma und wurde 1860 an die 
Univers. Neapel berufen, der er, trotz eines 
an ihn ergangenen Rufes nach' Florenz 
als Nachfolger von Schiff treu geblieben 
ist. Er hat daselbst ein internationales 
Hospital auf der breitesten Grundlage der 



politischen und reb'giösen Toleranz ge- 
gründet; bei diesem Untemehmen, das 
später vom gegenwärtigen Comite des 
Internat. Hospitals am Corso Vittorio 
Emmanuele übernommen wurde, büsste A. 
mehrere Tausend Lire ein. — A. ist der 
Entdecker der nach ihm benannten Nodal i 
an den Atrioventricularklappen. 

Seine sehr zahlreichen in italienischer 
sowohl als in deutscher Sprache verf assten 
Publikationen gehören teils der Chemie 
(z. B. über das Gift der Salamandra 
maculata, 1853, 58, Untersuchungen über 
Blut, Harnsäure), teils der mikro- und 
makroskop. Anatomie, teils der Experi- 
mental-Physiologie an, teils betreffen sie 
das öffentliche Unterrichtswesen und ver- 
schiedene andere Gegenstände und populäre 
Vorlesungen. Wir zitieren u. a. noch : „Com 
dinico di paralisi sterica'* (Atti della IL 
Accad. med. chir. di Napoli L. N. S. 1896) 
— ,,Sulla libertä d'inscrizione ai corai ed 
agli eaamu Sulla chiusura definitiva delT 
univeraitä con perdita ddV anno accademico'* 
(Nap. 1898) — ..Ueducazione fiaica ndla imt- 
veraita''. (Conferenza detta il 16. Febbr. 1898 
nell' aula di chimica dell' univ. di Nap. 
1898). Zahlreiche Arbeiten von A.'8 
Schülern gingen aus dessen physiol. Labo- 
ratorium hervor. 

Albrecht, Heinrich Wilhelm 
Eduard, Professor der Zahnheilkunde an 
der Universität zu Berlin, daselbst 2. Sep- 
tember 1823 als Sohn eines Zahnarztes 
geb., studierte auf der dortigen Universität 
von 1843 bis 1847, erlangte daselbst 1847 
die Doktorwürde und liess sich in Berlin 
nieder. Durch seinen Jugend- und Studien- 
freund Albrfxht v. Graefe angeregt, er- 
öffnete er im September 1855 eine Klinik 
für Zahn- und Mundkrankheiten, die erste 
ihrer Ai*t in Deutschland, und wusste 
durch die ihm eigene Kraft imd Energie 
dem neuen Institute Leben zu verschaffen. 
Die grösseren Arbeiten, die er in dieser 
Zeit herausgab, waren: „Die Krankheiten 
der Zahnpulpa" (Berlin 1858) und „Die 
Krankheiten der Wurzelhaut der Zähne** 
(1860). 1861 habilitierte sich A. auch bei 
der Universität als Privat-Docent und er- 
warb sich durch seine Klinik und seine 
Vorlesungen das Verdienst, die ZalinheO- 
künde als Zweig der Medizin mehr aus- 
zubilden und dieselbe in ihrer wissen- 



25 



Albreclit — Alexander. 



26 



achafdiclien Gnmdlage zu heben. In 
seiner .^Klinik der Munäkrankhdten'* (in 
2 Bänden 1862 und 1872 erse}üei)en)'' gab 
er Rechenschaft über die Vorkommnisse 
in »einer Klinik und die daselbst ge- 
macJiten Er f abränge a. 1867 wurde A* 
zum Professor e, o. der ZalmheiLkunde 
ernajinU Bei der Feier des 25 j übrigen 
Bestehens seiner Klinik wurtle von seinen 
Schtilem und Freunden ein „Albrecht- 
Stipendium'* begründet. Es war ihm jedoch 
nicht meJir vergönnt^ die neuen Räume 
der von seilen der Univeniität zu schaffen- 
den Zahnklinik zu eröffnen, denn eine 
Verletzung, die er sich im Anlangt 1881 
in seinem Berufe zugezogen hatte, fährte 
L'h die Folgen der stattgehabten Iji- 
ktüm ^5. Januar 1883 seinen Tod herbei. 

AlDrCChtf HermunUrgeb.inAarau 
24. Juli 1847^ in Zürich, Tübingen, 
Heidelberg, Bern, Wien, Pnig, Paris 
v<m 1868—74 vorgebildet, wurde 1876 
der Abhandlung: ,,Z«r Anatomie des 
promoviert und erlangte zu 
Bern die Venia legendi im Mai desselben 
Jmhres. Seit 1877 mit Beibehaltung der 
DcM3enten«tellung in Neucbätel aKs Arzt 
tli ri A. nach zwejjälinger Rücken- 

idh Kiieit 5. ^ids-z iHdd, Seine Munu- 

gitkpttie; t^Dk Ernährung des Kindes 
im SaugUnffdalter^^ (Bera und Berhn) er* 
lebte vier deutsche Atit) ngen, sowie eine 
fraoa&üsische imd eine holliindische Uelier- 
setznng (letztere Ambe im 1879), Femer 
Ut EU nennen eine ,Mom^aphic über An- 
ti?enä*9ng deschemisch'reineti Sauerntoff'es gegen 
Anämie Und degenerative Prozesse i?» den 
LMngen** (augg. auf der 54. Naturf.- Ver- 
sammlung«. A- war Mitarbeiter tles Jalir- 
bnches nnd des Arohives für Kinderbeil- 
Itimde und der Pariger Bev. mens. etc. 

AlbreCht, Karl Martin Paul, 

geh. zu 11 um bürg 6. März 1851, sfcu- 

dierfis in Jena, BerUn, Wien, Kiel be- 

ioliders als Schüler von GKoCNtJAUR und 

KuPFFKR und wurde als Dr. med, 1875, 

1 Dr. phiL 1876 promoviert. 1878 wurde 

ahi Prosektor ntich Königsberg berufen 

itad war hi<ir 4 Jalir© thatig; seit 1882 

Üble A- imfangs als Privatgelehrter in 

Brttsself nachdem er das Prädikat Pro- 

tcüMr erluütrai, hierauf siedelte er nacli 

miskcsr Vtttcncfcadt über, wo er infolge 



eines Selbsteiord Versuchs im Zust^and 
von Geistesgestürtheit 15. Sept. 1894 
verstarb. Seine beiden Dissertationen 
behandeln arcliitektonische und Ent- 
wicklungs - Verhültnisse des Schul ter- 
gerüstes. Ausserdem verfasste A, nahezu 
200 Publikationen über die verschiedensten 
Gegenstände aus den Gebieten der Anat.^ 
vergL Anat., Embryologie u. Chirurgie; be- 
kannt sind besonders die Forechungeo über 
den Zwischeiikieferknocben, Pharjnxdi- 
vertikeU über die Ent Wickelung des Seh üdel- 
grujides, die Tubu Eustachii, Brustbein, 
Kiefer-, Lippen- und Gesicbtsspaltou. über 
die Beziehungen zwischen Hand und Fuss, 
über überzälüige Finger, über Kriminalität 
vom antiu't»poL Standpunkt u. a. m. In 
seiner letzten Lebenszeit beschäftigte sich 
A- gaii2 mit nichtmedizinischen Arbeiten. 

AlbU, Albert, in BerÜn, geb. 1867 
zu Frankfurt a. O., studierte in Berlin 
(Dr. med. daselbst 1889), wai- von 1891 
bis 1896 Assistent an der inneren Abt. 
des Stadt. Krankenhauses Moabit und 
habilitierte sich 1899 für innere Medizin, 
Publikationen: .^Die Autointoximtionen de^ 
Intest inaltractw*'* (Berlin 1895), sowie Auf- 
sätze zur Frage der Desinfektion des 
Dai-mkanals (1896), Eintiuss verschieilener 
Ernährungsweisen auf die Darmfäulnis 
(1897), über akute tödliche Magendilatation, 
zur Patbogenese und KUnik des Magen- 
safttlusses, Tetanie Magenkranker, Ei weiss- 
stHjff Wechsel bei chronischer Unter- 
, emährung, die Wirkungen körperlicher 
Ül»eranstrenguiigen beim Radfahren u, a. 

j Alexander, Arthur, in Berlin, geb. 
' 1870 iu Daiizig, machte seine Stxidien in 
j Berlin (Dr. med. Lipsiae 1894 mit der Diss. : 
„Zwr Kasuistik der Pharynxcarcinome^% 
approbiert 1893, ist seit 1890 an der Kgh 
tJniversitäts -Poliklinik für Hals- und 
Naseiikranke in Berlin miter B. Fraenki^l, 
seit Aprü 1898 als Assistent thätig, seit 
1896 als Arzt für Hals-, Nasen- imd Kehl- 
kopfkranke in Bei'lin. Publikationen: „J5f- 
mei^kungen tur Anatomie des tdutemieti Septum- 
polypen** (Arcb. f. Laiyngol. I. 1894) -- 
„Z>t€ iSi'läeimhiutcysteH der OberkicferMhlt^^ 
(Ib. IV, 1897) — „Du- Nnsenpdypen in ihren 
Bezidiungen tu dem Empyem der Nasen- 
nebenhöhlen'^ (Ib. V., als Festsclirift £. B. 
FaANKKL erschienen 17. 11. 1896) — ffisto- 



27 



Alexander — Alinquist. 



28 



logische Beiträge zur Ldire von den gut- 
artigen Neubildungen der Stimndippen (Ib. 
Vn u. Vn 1898/99) Tl. a. m. 

Alexander, Xonrad, in Breslau, 
geb. 1856 in Liegnitz, studierte in Breslau, 
hauptsächl ich unter Hkideniiaix und Biehmer 
(Dr. med. 1880, war von 1881 bis 1890 
Assistenzarzt an der med. Klinik und 
Poliklinik der Universität Bi*eslau, habi- 
litierte sich 188i) für imiere Medizin 
und erhielt 1897 den Professortitel. 
Ausser melireren Aufsätzen über das Anti- 
pyrin, sowie über die Wirkungen der 
Thallinsalze publizierte er versclüedene 
kasuistische Mitteilungen, so: einen Fall 
von gummösen Geschwülsten der Hirn- 
rinde, von atrophischer Lähmung der 
Beine nach Abdominaltyphus, von Fisch- 
vergiftimg u. a. m. in der Breslauer ärztl- 
Zeitschrift, D. M. Wochenschr. etc., femer 
die Monographie : „Klinische und experimen- 
teile Beiträge zur Kenntnis der Lähmungen 
nach Arsenikvei-giffung'* (Breslfiu 1889). 

Allbutt, Thomas Clifford, geb. 
1836, studierte zu Cambridge und Paris und 
wurde 1859 promoviert. Er fungierte als- 
dann in der Stellung eines Lecturer and 
Pract. of Phys. Leeds School of med., als 
Physician an der Leeds General Lifirmary, 
sowie als Consult. Physician Leeds Hosp. 
for Women and Children. Seit 1892 ist 
A. Regius Professor der Medizin an der 
Universität zu Cambridge. Er veröffent- 
lichte: „The ophthalmoscope in nervous and 
renal diseases^'' (1871) — „0» overwork and 
strain ofthe heart^^ (1871 ; deutsch von Seitz 
1874) — „On scroftdoiis neck'''' (im Verein 
mit T. P. Teale 1885) — „Visceral neu- 
roses^'' (Gulstonian Lectures 1884) und 
zahlreiche andere Aufsätze. Auch ist A. 
Herausgeber von ^^System of medicine'''' 
(1896-99). 

Alleil) H a r r i s o n A., zu Philadelphia, 
daselbst 17. April 1841 geb. und bis zur 
1861 erfolgten Promotion med. ausgebildet, 
war als Kesid. Phys. am Pennsylv. Hosp. 
thätig, bis er 1862, beim Ausbruch des 
Bürgerkrieges, in die Armee der Kon- 
föderierten eintrat, bei der er bis 1865 
diente. Hierauf erhielt er den Lehrstuhl 
der vergl. Anat. und med. Zoologie am 
Med. Dep. der Pennsylv. Univers., wurde 



1867 Prof. der Anat. und Chir. am Philad. 
Dental Coli, und 1870 Surg. am Philad. 
Hosp., sowie Schriftführer des Med. Board. 
1875—85 war er Prof. d. Physiologie an 
der Pennsylv. Univers., 1894 wurde er 
erster Direktor des neugegründeten Wistar- 
Listituts für Anatomie. A., der im 
November 1897 starb, war als vergl. 
Anatom, wie als Kehlkopf- und Nasenarzt 
sehr berühmt. Seine Publikationen sind 
anat. und path.-anat. Lihalts, darunter: 
„Oatlints of comparative anat. and med. 
zoology^'' (1869) — „Post mortem examina- 
tions in army Iwspitals in ^yaslnngton^ 
(Ib.) — „Localizafion of diseased action 
in the osseous syatein^' (Ib. 1870) — „On 
the ntecJianism of fracture of the skull"' 
(Ib. 1874) — „Conforniation of the Ixynes 
of the orbit' (Ib. 1870) — „On fractures 
of the lower jato treafed by tlie interdental 
sj)lint'' (Phüad. Med. Times, 1872) — „Ow 
locidizution of diseased action in tlieoesophagug"' 
(Ib. 1877) — „On pathdogical anatomy of 
Osteomyelitis^*' (Amer. Joum. Med. Sc, 
1864) — „The ja w of moidin- quignon'''' (Ib. 
1869) — „Sfudies in the facial regum"' 
(Dental Cosmos, 1874) — „On the 
mechanism of joints^'' (Transact. Intern. 
Med. Congr. Philad., 1876) etc. 

Almquist, Emst, in Stockholm, 
geb. 10. August 1852 in der Nähe von 




29 



Aisberg — Althaus. 



30 



Upsala, luereelbst« sowie am K. Karolin» 
liustiMU in Stockholm ausge bildet. I>i% 
med. 1882, war von 1878—80 Arzt der 
Vegaexpedition , Kümmelte als solciier 
Ueheneu und hest*lirieb die Vegetation 
meliTcrer Länder, Von 1880—81 war A. 
Unterarzt im K. Serafinedazarett. 1882 Ge- 
sandheit^sinspektor in Stijckholm, von 
1^'B3— 91 Hygieniker und erster Stadtarzt 
tu Güthenburg nnd ist seit 1891 Prof. 
der Hygiene am K, Kaxolin. Institut in 
Stockliolm. A. studierte Bakteriologie in 
Fästeur's Laboratorium 1882, bei Robekt 
Koch 1888 und veröffentlichte viele Gut- 
_#chten ülier praktische hyjcrienisehe Frn^en, 
rie statistische, epidemiolog^ische und 
l^akteriologische Untersuchungen, Atisser- 
dt£m verfasste A. ein f, Lehr buch der 
Hygiene mit besonderer Ben'ick^idUigung 
Bckmtdi^cher Verhältnme** (8t4>i;kholm 1897, 
in •chwedischer Sprache^ 

Aisberg, Albert, in Hamburg, 
geh* zn Vnlkmarscn. He^isen-NaÄsan. 21, 
Juli 1856, studierte in Heidelberg, Berlin^ 
I^ipzig, war namentlich Schiller von 
CirJiHv und Lfjärivk. Dr* med. 1879, war 
Mi£ 1880 Assistenzarzt am Israelit. Kian* 
ken hause« seit 1882 prakt. Arzt n. Hilfs- 
mrzt am Kran kenhause und ist. seit 1885 
eis Naclifolger des verstorbenen LKisttixK 
Oberarzt der chir. Abtheilung desselben. 
3&U den bereits in dem älteren Lexikon 
genaimten litterarischen Arbeiten sind 
sejidem hinzu gekommen : ^Üöer einen FaU 
warn Raäicaloperation eines persiMtierendtn 
Dnctm ompfialo - mesaraicuß*' {D, med, | 
Vroc'lieJischr.1892) — ^Übcr die im i^'aeli- 
ii$ekeH Krankenhattse iu Hamburg mit dem 
MatkWien Heilmittel ersielfen Remltate'* 
(Ih. 1891) — ^Über Hnen Fall tvn Ujxim 
dir Siere*' (v. LjlKokptbbck^s Archiv XLIV) 
.— ffj^itr Dystopie der Vieren, Exittirpaiion 
Hner im klemen Becktn gdegencfi linken 
A*tt»v** (Fostschr, des ärztL Vereins Ham- 
Vurg 1896) — „Zur operatit'en Behandlung 
dir Dumwiiy^inntion^ (D. med, Wochen- 
ftiLrift 189H) — „Casuinti^che Beiträge zur 
i'' ks M<mtnC(irc%nom»*^ (Müncli. 

ir» nentfrchr. \%\^\) — „Extra- und 

intrapcrdone^dt Blamnverld miyj durch Pfäh- 
lnn^r, OperaHon, Heüung'* (ib. I8I18) ~ „ Über 
trutfi nii7 Hülfe dc9 HöntgmbiUlcM diagnmtx' 
irten FaU i^o» Sieremtetneti mit Operation«' 
k/MiMl"^ (iK 1898l Ferner aus A/s Ab- 



teilung verschiedene Ai*beiten von Stoiich, 

J. Cxui), AuMiFjM. BuHM und F. Primkk, 

Aisberg, Moritz, in Kassel da- 
selbst 6. Fe biliar 1840 geb., studierte 
in ilürbm-g. Gr»ttingen, Würzburg xind 
Berlin (Dr. med. 1863 in Marhrngj, prakti- 
cirte von ] 864 — 77 in einem Orte der 
Kapcolonie, unternahm in Südafrika 
meiirere Reisen zum Zweck von morpht>- 
logisch-ethnologischen Studien und liess 
sich 1878 in seiner Vaterstadt nieder. 
Ausser seiner Diss, ,J^ber Haiim- und 
Temper aiurnnn in der Haut bei venscfiie* 
denen Graden der Blid zufuhr**^ verfasst« 
er eine Anzahl kleinerer Abhandlungen 
antlu'opologischen Inhalts für vers**liiedene 
belietristiscbe Zeitscluifte«, sowie die 
Monographien: „Anfhrojyologie mit Berück' 
(sieht igung der ürgeschicMe des Memchen" 
(2.Aut!, Stuttg.1892) — „Di*' Rassenmischung 
imJitdentum** < Virchow- v.HoLxzENDORFF'sche 
Sanmilung 1891) — „HeMshändigkeit und 
LinkshiindiykeU , sou:ie deren mutmassliehe 
Ursachen'" (Ebenda 1894) n. a. m. 

AlthällS, Julius, in London, gek 
in Lip|>e-I>etinu]d,,3L März 1833, titudierte in 
Bonn, Gottingen, Heidelberg. Berlin. Wien, 
Prag und Paris und liess sit^li 1857 in 



ii 



London nieder, Pixjmovierte In Berlin 
1855, nnd wTU'de M, R. C. R Lond. 1860, 
Mitglied, Khrenuiilglied und correifpon- 
dierendes ^ütglied vieler furopiii sehen 
und anjerikanischen medizinischen Gesell- 



31 



Alvarenga — Amann. 



Schäften. Gründete 1866 in London ein 
Hospital ftlr Nervenkrankheiten (Hospital 
for Epilepsy and Paralysis, Regents 
Park). Ist Ritter des Ordens der itsAie- 
nischen Krone, und Mitglied der Royal 
Institution of Great Britain. Schriften: 
„A treatüe on medical electricity" (3. Ed. 
1873) — „ Diseases ofthe nervous 8y8tem"{\S77) 

— „On sclerosis of the spinal cord" (1884) — 
„On failure of hrain power" (5. Ed. 1898) — 
„Cerebral Syphilis'' (1886) — „The treatme'nt 
of Syphilis of the nervous System" (1890) — 
„HypocJiondriasis and nosopJiobia" (1895) — 
„ The value of electrica! treatment" (3.Ed. 1899) 

— „ Old age and Rejuvenescence" (1 899) u. v. A. 

Alvarenga, PedroFranclscoda 
Costa, zu Piauhy in Brasilien 1826 geb., 
studierte in Brüssel, wurde daselbst 
1850 Doktor, Hess sich in Lissabon 
nieder und wurde königlicher Leibarzt, 
Arzt des Hosp. S. Jose und der Casa de 
la Misericordia, auch Direktor und Chef- 
Redakteur der Gazeta medica de Lisboa. 
Zahlreiche Aufsätze aus derselben, sowie 
andere seiner Arbeiten wurden von P. 
Garnier, L. Papillaud, A. Marchant, van 
DEN CoRPUT, Barbier, E. L. Bertherand, 
Mauriac, H. Almes in's Französische über- 
setzt. Er starb 22. Juli 1883 und hinter- 
liess sein sehr bedeutendes Vermögen 
humanitären und wissenschaftl. Anstalten. 
Von seinen Scliriften sind anzuführen: 
„Anatomie pathologiquepathogenie des Commu- 
nications entre les cavitis gauches du coeur^^ 
(Lissab.1869) — „Lapropylaminejla trimithy- 
lamine et leura sds etc. Trad . . . Mauriac^'' 
(1879) — „Legons diniques sur les maladies 
du coeur, Traduit . . , , E. Bertherand''' 
(1878) — „PrScis de thermometrie dinique 
ginSrale. Trad. , . . Luden PapiUaud. 2, id.... 
augmentee de la thermosemidogie d ther- 
macologie"' (1882). 

Amabile, Lulgl, Senator und Prof, 
der Pathologie in Neapel, daselbst 28. 
November 1892 verstorben, war ein 
kühner Operateur auf dem Gebiete der 
Unterleibschirurgie, sowie ein fleissiger 
Schriftsteller auf dem Felde der Med. u, 
Chir. U. a. veröffentlichte er mit Tobimaso 
ViRNiccHi (Neapel 1859): ,,Sulle sduzioni 
di continuo dd intestino e sul loco governo'^ 
ausserdem eine grössere Reihe von Einzel- 



aufsätzen pathologischen und therapeu- 
tischen Inhalts. 

De AmiciS, Tommaso, Professor 
der Dennato-Syphilidologie an der Univ. 
Neapel, Direktor der betreffenden Uni- 
versitätsklinik, geb. im Oktober 1839 in 
Alfedena (Abruzzo Aquilano), studierte am 
Colleg. Med. in Neapel u. erhielt 1861 
daselbst die Doktorwürde. Er ist Leiter 
der syphilit. u. med. Station am Ospedale 
degl. Incurabüi u. seit 1882 in seiner 
jetzigen Universitätsstellung. De A. ist 
femer Ehrenmitgl. der dermatolog. (Ge- 
sellschaften von Paris, London, Wien, 
Moskau und Petersburg. Von seinen 
zahlreichen Publikationen seien genannt: 
„Dd condilomi acuminati in rapporto aüa 
sißide e cura con Vacido fenico^'' — „Bara 
forma di neo-pigmentario diffusa^'' — „Sulla 
sarcomatosi cutanea^'- — „SuUa micod 
fungoide^' — „Sul chdaide spontaneo 
multiplo^^ — „Elefantiasi dd pene e redrin- 
gimenti urdraW — nDue cad di Xeroderma 
pigmentaria'^ — „Caso d^istricismo con 
seborrea generale'' — „Paorospermosi cutanea 
vegetante cowtribuzione dinica ed anatomo- 
patdogica" — „Nuovo caso di Xantoma 
mtdtiplo" de. 

Afflanil) Joseph, in München, geb. 
13. März 1832 zu Helmprächting in Nieder- 
bayem , studierte inMünchen und Würzburg, 
wo er als Assistent Scanzom's sich der Ge- 
burtshilfe und Gynaekologie zuwandte. 
Er promovierte 1859 in Würzburg und 
besuchte dann zu seiner weiteren Aus- 
bildung die Universitäten Berlin, Wien, 
Prag, Paris, London und Edinburgh, wo 
er als Privatassistent von Simpson eine Zeit 
lang thätig war. 1861 habilitierte er sich 
für das Fach der Gynaekologie in München 
mit derSclirift; „Die gynaekdogische Unter- 
suchung mit diagnostischen Atihaltspunkten" 
(Erlangen). A. war der Erste, welcher an 
der Universität München das Fach der 
Gynaekologie zum Gegenstand besonderer 
Vorlesungen machte. Auf seine Veran- 
lassung wurde 1868 die kgl. Poliklinik 
für Frauenkrankheiten errichtet tmd A. 
zum Vorstand derselben ernannt. 1874 
wurde er a. o. Professor. Am 5. November 
1884 wurde, ebenfalls auf seine Ver- 
anlassung, die k. gynaekologische TTIinilr 
im allgem. Krankenhause 1. J. gegründet 



33 



Anagnostakis — Anderson. 



34 



und A. zum Vorstande derselben ernannt. 
1894 wTirde er zum k. b. Hof rat ernannt. 
A. schrieb: ^^Über die Einleitung der künst- 
lichen Frühgdiurt^'- (1860), über Mamma- 
carcinome, über Eclampsie, femer ^^Ül>er 
den Einflusa der weiblichen Geschlecht akrank- 
heiten auf das Nervensystem mit besonderer 
Berücksichtigung des Wesens und der Er- 
scheinungen der Hysterie^'' (Erlangen 1868) — 
n^ur mechanischen BeJiandlung der Versionen 
und Flexionen des Uterus'' (Ib. 1874) — 
,,Klinik der Wochenbettkrankheiten'' (Ib. 1876, 
in mehrere Sprachen übersetzt) ; ausserdem 
veröffentlichte er Abhandlungen in Fach- 
zeitschriften. 

Anagnostakis, Andreas, auf 
Oreta 1826 geb. und 11. Aprill897 in Athen 
verstorl>en, studierte in Athen, Berlin und 
Paris — hier vorwiegend unter Dksmarrks' 
und Sichel's. dort unter v. Grakfk's An- 
leitung und promovierte 1849. Direktor 
des ophthalmiatrischen Instituts in Athen 
wurde er 1854, Professor der Ophthal- 
niol'.>gie an der dortigen Univers. 1856. 
\ Icle Ehrenbezeigungen (so das Rectorat 
1877 . die Präsidentschaft dortiger ge- 
lehrter Gesellschaften und des med. Con- 
gres-ses) wurden ihm in den Folgejahren 
zu Teil. A. war seit 1854 Mitarbeiter 
der Briisseler Annales d'oculistiques und 
^b von 1858 -60 mit Ai'Hkndoulis das 
Jouni. med. d' Athenes heraus. Seine 
Si'hriften sind folgende: „Kf-sai sur l'ex- 
jtlvrutlon de lu ri'tine et des milieux de 
l'oeil sitr Ic virant an nioycn d'un nouvel 
Ophthal iiio8coi)e" (Paris 1854) - ..Remarques 
pratiqwH sur Ic traitcment chirurgical de 
l'entropion et du trichiasis" (1857; — ..De 
l Ophthalmologie cn Grece et en Egypte^' 
(Bnixelles 1858) -- ..Milanges ophthalmo- 
logupit's'^ I Äthanes 1861) — Mmtributions 
ä Vhistoirc de In Chirurgie oculairc chez les 
4Htcitns" (1872) - ..Encore dcux mots sur 
l'exfniction de lu aitaradc chez les anciens"^ 
<187Sj — ,/f(CT()(xii liA/r^ueoi^''^ (1858) — 
jjhoi fffV o f i^tO.uiyAi i' 7r(f'>fr*/" (1871) — 
j,Mi/.T(u ni(tl T^g oTitiicrig not' (C()/((i't)y"^ 
(1S7S) — „Ihf)t riji 7iy6i\u(cuxr]s nnoodou 
TOI ' E)./.t^fiy.oi: id^yoig"' (1875). A. hat sich 
um die Hebung des augeHÜrztlichen 
Studiums, sowie um die Pflege der 
<ies«*hichte der Augenheilkunde ein grosses 
Verdienst er\vorben. In letzterer Be- 
ziehung sind zu erwälinen die endgültige 

Bii>graphisches Lexikon. II. Aafl. 



Deutung des Begriffs „Entropion" bei 
Hippokrates, der Nachweis, dass die Alten 
die Entfernung der erkrankten Linse ge- 
kannt haben, sowie ein Hinweis auf das 
Vorhandensein gewisser Grundgedanken 
über Antiseptik bei den Alten („La 
methode antiseptique chez lesanciens"Atheues 
1889). 

Anderson, Anders, Prof, der Ge- 
burtshülfe und Frauenheilkunde am Karo- 
linischen Institut in Stoirkliolm, geb. 
6. Juli 1822 im Kirchspiel Oedestuga im 
Jönköpingslän , studierte seit 1839 in 
Lmid, wurde 1844 Magister der Philosophie 
und widmete sich vombergelieud auch 
theol. Studien. Bald ging er jedoch 
definitiv zur Medizin über, machte 1857 
sein Chirurg. Magisterexamen, unternahm 
1859/60 eine wissejischaftliche Keise nach 
Deutschland, der Scliweiz. Frankreich und 
Belgien und erlangte 1863 die Doktor- 
würde. Nachdem A. in verschiedenen 
Stellungen thätig gewesen war, wurde 
ihm 1864 das oben bezeichnete Lehramt 
übertragen, von dem er 1887 zm-ücktrat. 
Er starb 9. Septembei- 1892 in Oestrabe 
bei Wexi(). A. war ein in seinem Fach 
hei'\'orragend gebildeter Arzt. Mitglied der 
schwedischen Akademie (seit 1875). sowie 
zahlreicher anderer gelehrter Gesell- 
schaften, auch poetiscii und rhetorisch 
nicht unbedeutend veranlagt. Von seinen 
Schi'iften seien genannt: ,.0/>/ lifmoder- 
blödnhujar eftcr forlossningar och umler 
barnsängen'' (Stockholm 1863; — yOm 
goinnosjuk dowarnes frcqveus och Prophy- 
laxis" (Stockholm 1875). 

Anderson, Thomas Mc Call, 

Dermatolog in Glasgow, geb. daselbst 

9. Jiuii 1836. ^r. 1). (flasLTow iHonoui-s) 

j 1858 F. F. P. S. Glasgow 185H. studierte 

I in Glasgow. Paris. Wiirzlnirg. Berlin, 

i Wien und Dublin, ist z. Z. Prof. der klin. 

' Med. an der Vnivcrs. Glasgow. Physician 

I an der Glasg. West. Inlirm. and Cuta- 

t neous Wards and Ilosp. for skin diseases, 

' Consulting Phys. am Deaf and Dumb 

' Inst. Home for Training Xurses and 

Scott. Imp. Insur. Co. (Jlasg. und ver- 

' öffentlichte bisher: .^Lcctuns on diuical 

med." \ 1877) — ,, The parasitic (ifjtctions off he 

, skiu'* (2 ed. 1868) — „Eczema imludiug its 

> lichenous impe'igiuous and prnriyinous 

2 



35 



Anderson — Andral. 



36 



varieiies" (3. Aufl. 1874) — ^Mnpsoriasia and 
kpra^' (1845) — ^^Treatment of diseases of the 
akin tcith an analysis of 11000 conseaUive 
cases'''' (1872) — „4 treatise oh diseases of the 
«Ä/n" (2. Aufl. 1894) — ,,0n syphüitic a/fec- 
tions of the nervous System, their diagnosis 
and treatmcnt'" (1889) — ^.ContrWufions to 
practica! medicine^' (1898) und zahlreiche 
Joumalartikel. 

Anderson, WilHam, in London, 
geb. zu London im Dezember 1842, war von 
1874-79 Medical oflicer bei der britischen 
Gesandtschaft in Japan. Prof. der Anatomie 
und Cliirur;xie am Naval Medical College 
in Tokyo, dann llunterian Prof. der 
Chirurgie und Pathologie am R. C. S. 
Engl, bis 1891. Vicej>räsident der Ana- ] 
tomical Society of Great Britain and Ire- j 
land. Seit 1892 ist A. Prof. der Anat. an I 
der Royal A(?ad. of Arts. seit 1894 Surgeon I 
und Le<'turer of surgery an St. Thomas's ! 
Hosj). in London. Examiner in Surgery . 
an der Univei-s. von I^)ndon und am R. | 
C. S. of England. Schriften: „/l new i 
System of cerebral localisation'"' (1889) — j 
^^Uuntcrian lecturcs on the dcformities of | 
the hand and fccf' (1897) — ,Alhe anatomy | 
aiul surgery of sacJcts hernia of the signwid ; 
flexure^' (Brit. Med. Journ. 1895) — .Snrgery \ 
of the sid)j)eritoneal tissue (Ib. 1890) — die i 
Artikel: Genito-Vrinary orgaiis, Perinaenm 
und Skin für Morris^ System of Anatomy — 
,^Äddre88 <m progress of modern surgery'^ (St. 
TnoMAs'sHosp. Rc])<u'tsl889) — ,,0n art in 
ifs rdatioH to anatomy" (Brit. Med. Journ. 
1895) — ,,0w John Arder ne and the Surgery 
of tlie 14 th Century'' (Transactions of the 
Med. Soc. 1898 1. s<nvie zahh-ei<*he Beiträge 
zu Journalen anat. und med. Inhalts und 
einige Werke über japanisclie Kunst. 

AnderSSOn, James, f 28. 2. 1898 
in London, geb. 1H53 zu Loggie Brichan 
bei Aberdeen, Prof. d. |>ath<»l. Anat. am 
London H<»s]). .Med. Coli., studierte in 
Aberdeen, war später in vei*scbiedenen 
Stellung(?n am London Hosp., seit 1886 
als A.ssistant Physician. später Physician 
am National Hospital for the Paralyse<l 
and Epile])t ic. Fei h }\v < »f P.C. P.. Sekretär der 
Ophtbalmological und Neurological Society 
und als sohrher eine Zeit lang .Mitredakteur 
der Ophthalmical Revew. Seine Publi- 
kationen betreffen hauptsächlich Gegen- 



stände aus den Grebieten der Ophthal- 
mologie und Neurologie. 

Andral, Gabriel, 6. November 1797 
in Paris als Sohn eines bekannten Arztes 
geboren, promovierte 1821 mit einer Theee 
ül)er die Expektoration, wurde 1884 
Agrege, nach Berti n's Tode 1828 Pro- 
fessor der Hygiene, 1830 bei Desgenetrs* 
Rücktritt Professor der internen Patho- 
logie; 1889 übenialmi er als Nachfolger 
Broussais' den Lehrstuhl der allgemeinen 
Pathologie und Therapie, welchen er als 
eine der anerkannten Berühmtheiten der 
französischen Medizin 27 Jahre hindurch 
besetzte. Daneben war A. Arzt an der 
Charite. seit 1823 Mitglied der (.kurz zuvor, 
1820 gestifteten) Akademie der Medizin, 
seit 1843 Mitglied des Instituts und seit 
1858 Commandeur der Ehrenlegion. Sein 




klinischer V«)rrrag war besonders durch 
KlarluMt. stn^nge Methodik und die auch 
seinen Werken. nauHMitlich der „Klinik" 
eigene ;;:lih'kli<'he Verbindung von Analyse 
und Synthi'M' in s<'ltcner Weise ausge- 
zeiihnet. 18()() gab A. seine Lehrstellung 
auf nnd z«)^ si<"h narli Chateauvieux zurück, 
nahm aber an d«*n Fortschritten der Wissen- 
schaft un<l den Verhandlungen gelclirter 
(lesellsi'haften unaus^resetzt. regen Anteil, 
wie er denn auch noch ein Jahr vor seinem 
Tode der A«*ad. de med. eine Mitteilung über 
Olycosurie ina(*hte. A. starb nach kurzem 
Kranken lag(»r an einem alten HerzÜbel 
13. Febr. 1876 zu Chateauvieux nnd wurde 



37 



Andrew — Angerstein. 



38 



Tinter grosser Teilnahme in Paris begraben. 
Die wiäsenschaftliche Hanptleistung A.'s, 
diejenige, welche ihm vor allem einen An- 
sprach anf dauernde Beachtung in der Ge- 
schichte der Medizin sichert, ist seine ..C/t- 
niqne tnerlicale' (Paris 1823-27, 5 Bde.; zuletzt 
1848; deutsch in 5 Bänden 1842—48), die 
fast alle der internen medizinischen Klinik 
zugerechneten Grebiete umfasst und im 
wesentlichen auf den Ergebnissen der 
LaKNNFx'schen Lehren einerseits, wie 
andererseits auf der Verwertung der patho- 
logisch-anatomischen Befunde beruht, die 
möglichst mit den ' klinischen Er- 
scheinungen in Einklang zu bringen 
A. selbst eifrig beflissen war. Seine her- 
vorragenden pathologisch - anatomischen 
Untersuchungen, von denen sein berühmter, 
3 bändiger ,,Traite (VanatOinie pathologigue^'' 
(Paris 1829) und seine Arbeiten zur 
Chemie des Blutes Zeugnis ablegen, die 
in dem ..Ensai (VhhnatoUMfie pathologique^^ 
(Ib. 1843) zusammengefasst sind, lieferten 
A. im V^erein mit einer sorgfältig beob- 
achteten klinischen Kasuistik die Mög- 
lichkeit zu gediegenen Analysen ein- 
zelner Krankheitsbilder, namentlich auf 
dem Gebiet der Himkrankheiten. Auch 
das Gebiet der Herz- und Lungenkrank- 
heiten, besonders die Kapitel Pleuritis, 
Pericarditis, Lungenphthise, hat er z. T. 
durch originelle Beobachtungen nicht un- 
erheblich umgestaltet. 



Andrew, J a m e s , Arzt u. Dozent der 
Medizin in London, geb. 1831 inWliitby und 
in Tavistock 21. März 1897 verstorben, 
studierte in Oxford, wo er 1863 Dr. med. 
wurde. Nachdem er dort eine Zeit lang 
Fellow und Tutor des Wadham College ge- 
wesen war, ging er narh Paris zu weiterer 
wissens<"haftl. Ausbildung. Heimgekehrt 
ül^emalun er die Stelle als Demonstrator 
der patliol. Anat. am St. Barthol. 
Hosp.. die er bis 1867 iune hatte, war 
eine Zeit langWarden des College im Hosp., 
wurde 1864 Assist. Physician imd Dozent 
der Mtniizin, 1869 Physician, gab 1890 die 
Lehrthätigkeit, 1893 seine regelmässige 
irztliche Thätigkeit auf, um fortab ledig- 
lich als Consulting Physician zu fungieren. 
k. war ein guter Lehrer, hat aber ausser 
emi};en Lumleian Lectures imd einer 
Harveian Oration nichts publizieren lassen. 



AngelUCCi, Amoldo, in Palermo, 
geb. 1856 in Subiaco (Rom), Dr. med. 1876, 
war von 1871—80 Assistenzarzt an der 
Augenklinik in Rostock, seit 1882 Dozent 
der Augenheilkunde, wurde 1885 a. o. 
Professor der Augenheilkunde in Cag- 
liari und ist seit 1890 ordentl. Pro- 
fessor derselben Disziplin in Palermo, 
sowie Präsident der Fakultät der Med. 
und Chirurgie. A. veröffentlichte über 
40 Monographien und Aufsätze in dem 
von ilim geleiteten Archivio di Ottalmologia^ 
über Entwickelmig des Auges der Wii'bel- 
tiere, Netzhautveräuderung beim Sehen, 
Thrombose der Vena centralis retinae, 
corticaJes Sehcentruin, tropliische Stöining 
des Auges nach Durclisclineidung des 
n. trigeminus und sympathicus, Pupillen- 
bewegung, neue Operation der Ptosis, des 
Ectropiums, Cataractextraktion ii. A. 

Angeror, Ottmar von, geboren 
17. September 1850 in Geisfeld (Bayern), 
studierte in Würzburg als Schüler und 
Assistent von Linhart's und von Berq- 
MANx's und promovierte 1873. Seit 
August 1879 als Privatdozent in Würz- 
burg habilitiert, folgte er Dezember 1885 
einem Ruf als Prof. extraord. und Vorstand 
der k. cliir. Poliklinik nach München imd 
wurde 1890 ziun ord. Professor für Chirurgie 
und zum Vorstand der k. cliiinarg. Klinik 
als Nachfolger v. Nusshaum's daselbst er- 
nannt. Neben kleineren Joumalartikeln 
publizierte A. „Diechintrg. Klinik iinJüHus- 
spitalzu Würzburff^^ (1876) — „Sttulien über 
die Resorption der Blutext ravasafe' (1879) — 
„Das Verhältnis der Fermentintoxication zur 
Septicaemie^^ (1882) — „Die» neue chirurg. 
lÜinik in München^' (1892) — ,,Die chirurg, 
Behandlung der Kehlkopfkniyilxheiten'* (1896) — 
.^Die Krankheiten der Lymphgejasse und der 
Lymphdrüsen^^ — „Die Krankheiten und Ver- 
letztingen der Brustdrüse" (1899). 



Angerstein, E d u a r d F e r d i n a n d, 
in Berlin, daselbst 1. September 1830 als 
Sohn eines Apothekers geb. und 
23. Juli 1896 verstorben, studierte von 
1850—54 in seiner Vaterstadt Medizin 
und beschäftigte sich besonders unter 
Nkümann, dem Verehrer des Schweden Linu, 
mit Heilgymnastik, einem ( Jebiete, auf dem 
sich auch seine Doktorarbeit v. J. 1854 
i „de principiis kinesitherapiae et cnratione 



39 



Allton — Aoyama. 



40 



scoliosis-kifiesifherapentkae'' beweget. Nach- 
dem A. 1855 die Staatsprüfung bestanden, 
diente er als einjälirig-freiwilliger Aratbeim 
Kaiser Alexander- Garde - Reginient und 
wurde 1856 Assistenzarzt. 1857 gründete 
er zusammen mit Rudolph Schulze eine 
Privatturnaiistalt und wandte sich fortab 
ij^rJinzlicli der Pflege des Tuniens als eigent- 
licher Lebensaufgabe zu, zu welchem 
Zwecke er sich praktisch an allen bezüg- 
lichen V'ereinsbestrebungen beteiligte und 
eine grössere Reihe von Schriften zur 
Propaganda für das Tunien vor(*)ffentliclite. 
1864 wurde er zum stiidt. 0])eii:urnwai*t 
ernannt, 1890 durch den Professortitel aus- 
gezeichnet. Von A.'s Publikationen sind 
wegen ihrer Beziehung zur Heilkunde 
seine, mit Eckler bearbeitete ^^Hans- 
gynmaalik für Gesunde und Kranke,'* sowie 
seine ,,IIawgyi)nmsfik für Frauen und 
Mädchen" auch an dieser Stelle erwähnens- 
wert. Im übrigen bekämpfte A. die Lixo- 
schen Methoden der Gymnastik, sowie 
die Modifikationen dei^selben durch deren 
Vertreter Rothstein lebhaft. 

Anton, Gabriel, in Graz. geb. 1858 
zu Saaz in Deutsch böhmen, studierte in 
Prag und Wien, war darauf einige Jahre 
Aiv.t an der Dobrzaner und Prager In-en- 
anstalt, dann klinischer Assistent bei 
Meynert in Wien, folgte 1891 einem Ruf 
als Prof. der Psychiatrie nach Innsbi-uck 
und 1894 nach Graz. Ausfülu'liche Puldi- 
kationen: ^.Störungen im Oberflächenwachs- 
tum des menschlichen Gt'osshirns''^ (Ztschr. 
f. Heilk. 1888) — ,. Hydrocephalus und Gehirn- 
druck^'- (Wiener med. Jahrbb. 1888) — „An- 
geborene Erkrankungen des Centralnerven- l 
systons^^ (Wien 1890) — ,,Ix)kaUsation der \ 
Mw^kelninnstörungen'^ (Ztschr. f. Heilk. \ 
XXIV) — j^Selbsticahrnehmungen der Gehirn- j 
krankheiten durch den Patienten selbst" 
(Arch. f. Psychiatr. 1899). ! 

D'AntOnä, Antonin, zu Neapel, | 

geb. 18. Dezember 1842 zu Riesi (Prov. ' 

Caltanisetta, Sicilien). studierte in Palermo ' 
mid in Deutschland, ist zur Zeit Prof. 
der Chirurg. Pathologie und propädeut. 

Chirurg, an der Universität Neapel. \ 
Seine Hauptarbeiten sind: „Sulla infiam- 

mazione'^ (1870; — „Nuvve contribuziani i 

alla patologia e cHnica delle contratture ed \ 

anchilosi voxo'femorali'" (1875) — „Sulla ; 



ovariotomia'* (1876, verfasst bei Gelegen- 
heit der ei-sten, in Neapel glücklich ver- 
laufenen derartigen Operation) — ^J e 
superficic suppuranti, pifiga ed ulcera^^ (1877) 

— ..Nota sul tetano'' (1877) — .ßuW erisi- 
pela; snlV infiammazione^^ (1876) — ^./Lf 
febbri chirnrgiche^'' — „ La chirurgia re- 
nale'' (1888) '- „Saggi di chirurgia add - 
minalt^ (1883) — „La nuovo chirurgia dd 
svitema nervosa centrale*' (1894) — „ ' ue cnsi 
d'esfirpazione del ganglio di Gasser^'' (1896) 

— „Sui tunmri renalv^ (1898) — ^,SuHa 
chirurgia dello stomaco'^ (1899). 

Akerman, Jules Heribert, in 
Stockholm, geboren zu Schonen 1861. 
studierte in Lund und Stockholm, machte 
wissenschaftliche Reisen nach Frankreich 
und Deutschland, liabilitierte sich 1890 
als Dozent für Chirurgie, wurde 1893 
Prosektor, 1895 Oberarzt am Kranken- 
hause in Christiaustad (Schonen) und ist 
seit dem 1. Januar 1896 ausserordent- 
licher Prof. der Cliir. am Carolin. -Institut, 
sowie Obercliirurg am Kgl. Serafiner- 
lazarett. Scliriften : ,. Über Sectio mediana^'' 
( Jaluesber. der Univ. Limd 1889) — „ Über 
Cholelithiasis und deren chirurg. Behandlung^ 
(P>.1890; - ^^Zur Kenntnis der Lynqyhangiotne^'' 
(Nord. med. Arch. 1892) — ..Operative Be- 
handlung der Mikrncephalie^'' (Volkmanx's 
Samml. kliii. Vortr. N. 90) — ..Lesions osteo- 
myelitiquis par Ic bacteriuni coli commune^ 
f Arch.de med. Paris 1895) — „Operative Be- 
handlung der Arthritis dc/'ormatis'''' (Nord.med. 
Arch. 1898 — 99). sowie chiinirgische Kasu- 
istik in schwcd. med. Zeitschriften. 

Aoyama, Tanemlty, in Tokyo 
(Japan), gel). 1859 in der Provinz Mino, 
wurde bis zum 14. Jahre in der Provinz 
in «'hinosischei- und japanischer Litteratur 
unterwiesen: dann begann er die deutsche 
Spraclie zu erlernen, hauptsächlich aus 
dem (irunde, weil auch der Kaiser von 
Ja])an sich damit bescliäftigte. Im 16. 
I^bensjahre ging er auf eigenen Wunsch 
in die Vorbildungsschule der Medizin ül>er, 
wo damals allein in deutscher Sprache 
unterrichtet wurde. Diese Schule hiess 
To-ko (östliche Schule) im Gegensatz zu 
Nanko (südliche Schule), wo europäische 
Litteratur, Jurisprudenz, Physik, Mathe- 
matik etc. englisch gelehrt wurden. A. 
hatte zu seinen Lehrern die DDr. Holtz, 



41 



Appia — Arlt. 



42 



Lange, Funk, Schexdku und Hilokxdorff. 
1878 trat A. in die med. Fakultät in To-ko 
ein. wo seine Lehrer Gikrke, Ziegel, Lang- 

GARD, AhLDORFF, ScUULTZ, BaKLZ lUld SCRIUA 

waren. Nach Ablegung der Schlussprü- 
fung ( 1882 ) wurde A. 1883 zu seiner wei- 
teren Ausbildung nacli Berlin geschickt, 
wo er 4 Jalire lang blieb. Auf der Heim- 
reise nach Japan nahm er einen mehr- 
monat liehen Aufenthalt in Paris. In der 
Heimat wurde A. sogleich zum Professor 
der Medizin ernannt, anfangs für den 
L^nten-icht in der Diagnostik, gegenwärtig 
iür die Klinik und innere Medizin. 1894 
zum Studium der Pest nach Hong-Kong 
gesi'hickt, veröffentlichteer die Ergebnisse 
seiner Beobachtungen 1895 in den Uni- 
versitätsmitteilungen in deutscher Sprache, 
desgleichen 1899 zusammen mit Myamoto 
über die menschenpathogene Streptothrix. 
Weitere Veröffentlichungen A.'s sind: 
.. VOer iiuUrekft Kernt eVnug und corpira amy- 
facca in eimtn Brustkrebs'' (Vircuow's Archiv 
Bd. 106), sowie kasuistische Mitteilungen 
und litterarische Aufsätze in japanisch, 
med. Zeitschriften. 

Appiä, Louis, in Genf, Italien. Ab- 
kunft, geb. 13. Oktober 1818 in Deutsch- 
land, studierte in Bonn und Heidelberg, 
wo er Doktor wurde, hielt sich ein Jahr 
in Paris auf und kehrte dann nach Frank- 
furt a. M. zurück. Er iiess sich simter 
in Genf nieder und schrieb daselbst: ,,Dc 
Vceil vu par lui-memt" - „liu mal ixn- 
foraut du pied et d'une forme amdogue de 
flale de ce membrt" (Genf 1870) — „Stati- 
stique de la morbidite de Genece'\ Den ital. 
Feldzu^ von 1859 machte er als freiwilli- 
ger Helfer mit. verfasste na<'h demselben: 
^Le Chirurgien d'anibulance, ou quelques 
etwles sur les plairs par arnie^ n Jeu, etc." 
,Genf 1859; enirl. f bers. v. F. W. Xuxn 
u. A. M. Enw AHi»>. Lond. 1862) und wurde 
infolge des dasei bs^t beoliachteten Elends 
«laniuf gefühlt, in Gemeinschaft mit H. 
Dlnam mid G. Moynif.h 1863 das Genfer 
Internat. Komitee vom roten Kreuz zu 
bilden, auf dessen Anregung 1864 dun-h 
eine Reihe vrm Staaten die Genfer Kon- 
vention gesclilossen wurde. Er befand 
sich 1864 auch auf dem Kriegsschau])latze 
in Schleswig-Holstein und sclu-ieb daniber: 
^ Lts blefses daus le Schleswig irendant la guerre 
de 1864-^ (Genf 1864). In ähnlicher Weise 



I beteiligte er sich an den Feldzügen des 
1 Jalires 1866 und schrieb : ,,Le» bJesses de la 
I bataille de Bezecca'' (Ib. 1866) und ^^Compfe 
I rendu de ma delegation au camp austro- 
i jn-ussien'-' (18G6). 1867 verfasste er, zu- 
I sammen mit G. Mov.mer, die geki'önte Preis- 



schrift „ La guerre et la charite!-'' (Genf und 
1 Paris; engl. Übers. London, 1870) und nahm 
in diesem Jahre, ebenso wie 1863 und 1864, 
i an den die Genfer Konvention betreffen- 
den Konferenzen Teil. Seit der Gründung 
I des „Bulletin international de la Croix 
! rouge" im Jahre 1869 war er Mitredak- 
I teur desselben und im Kriege von 1870, 
71 als freiwilliger Arzt in den deutschen 
Lazaretten thätig. Er war eines der 8 
I Mitglieder des ,,Comite international de 
I la Croix-rouge" zu Genf und starb im 
I Aprü 1898. 
i 

' AretaiOS, T h e o d o r o s. Professor der 
Chirurgie in Athen, geb. 1829 in Nauplia, 
studierte in Athen und Berlin, wo er Dr. 
med. WTirde. 1864 erhielt er die Professm* 
der chir. Pathol. und kl in. Chinirgie, eine 
Stellung, in der er sich als Lehrer wie 
als Operateur bewährte, und die er bis 
zu seinem 14. April 1893 erfolgten Ableben 
bekleidete. Er hinterliess den gn'jssten 
Teil seines Vermögens, etwa auf eine 
Million Drachmen geschätzt, zur Er- 
richtung einer chirurg. Klinik von 40 bis 
50 Betten. 

Arlidge, Jolm Thomas, in Lon- 
don geb. 17. Juli 1822. M. B. 184G, wurde 
erst 1867 M. D. Er war Assistent, Demon- 
strator und Dozent der Psychologie, gab 
eine Zeit lang die British and foreign 
medico chir. Beview heraus und ver- 
öffentlichte darin von 1854 bis 6 leine Reihe 
I von kasuistischen Mitteilunuren. Spater gab 
I er noch PuiTcuAun's Ilistorv of infusoria 
I heraus. A. ist 27. Oktober 1899 in Xew- 
' Castle under I^vnic gestoiben. 
i 

i Arlt) Ferdinand Kitt er von, als 

[ Sohn eines armen Beigschmieds zu Ober- 

! graupen bei Tet)litz in B(')lnnen 18. At)ril 

; 1812 geb., besuchte das (Jynmasium in 

I Leitnieritz, die Universität zu Prag und 

war in der Augenheilkiuide Schüler des 

Professors J. N. Fischf.k. 1839 in Prag 

])romoviert, fungierte A. vom Oktober 

1846 bis Juli 1849 als Supplcnt der 



43 



Arndt. 



44 



Lehrkanzel der Augenheilkunde, vom 
August 1849 bis Juli 1856 wirkte er als 
Professor der Augenheilkunde in Prag, 
vom Herbst 1856 als Nachfolger von Rosa's, 
bis Ende Juli 1883 als solcher in Wien. 
Hierauf nach dem österreichischen Landes- 
gesetz quiesziei*t, war er auch in seinem 
Ruhestand una blässig scliriftstellerisch wie 
praktisch thätig, bis zu seinem an Gang- 
raena senilis 7. August 1897 erfolgten 
Ableben. A. gehöi-t unbedingt zu den 
hervorragendsten Vei*tretern und Pflegern 
der Augenheilkunde im 19. Jahi'himdert, 
er reiht sich den übrigen Heroen dieses 
Spezialgebietes. Mäniiera wie A. v. Graefe 
und DoNDERS, würdig an imd hat, wie 
diese, ebenso zahlreiche als wichtige Ver- 
dienste um die Förderung der Wissen- 




schaft aufzuweisen. Unter seinen Publi- 
kationen erwähnen wir die folgenden: 
•tt Pflege der Augen im gesunden und kranken 
Zustande, nebst einem Anhange über Augen- 
gläser"' (Prag 1846, umgearbeitete Auflage 
davon Prag 1868) — ..Krankheiten des 
Auges'' (in drei Bänden, Prag 1851, 1853 
und 1856) — „ Die Verletzungen des Auges"' 
(Wien 1875) — „Die Kurzsichtigkeit, Ent- 
stellung und Ursachen" (Wien 1878) — 
..Klinische Darstellung der Krankheiten der 
Bifule-,Hom- und Liderhaut, dann der Iris 
und des Ciliarkörpers" (Wien 1881) — ..Ope- 
rationslehre" (in GRAEFE-SAEMiscir Handbuch 
der ges. Augenheilk., Bd. m, 2. Teil, Leip- 
zig 1874). — Von den Artikeln in der Prager 
Viertel Jahrsschrift hat der über Amblyoi)ie 
(Bd. IV) den Anstoss ziu* Einführung der 



Schriftskalen gegeben , welche von Eo. 
Jaeger, Snellex u. a. vervollkommnet 
wm-de. Die Broschüre über die Augen- 
pflege forderte die Augenärzte auf, die 
Bestimmung der Augengläser selbst in 
die Hand zu nehmen, nicht mehr den 
Optikern zu überlassen. In dem Werke 
über die Ki-ankheiten des Auges wurde 
der Nachweis geliefert, dass die Kmra- 
sichtigkeit in der Regel auf Verlängerung 
des Bulbus (der Glaskörperachse) beruhe. 
1855 wurde er im Verein mit C. DotDKRS 
Miti'edakteui' des von v. Graefe be- 
gründeten „Archivs für Ophthalmologie". 
A. war ein Mann von scharfem Verstände, 
vortrefflicher Beobachtungsgabe u. grosser 
Walirheitsliebe, dazu ein ausgezeichneter 
Operateur, ein bewährter Diagnostiker und 
ein vorzüglicher akademischer Lehrer, der 
in seinen Vorträgen durch eine schlichte, 
aber klare Sprache und sehr geschickt 
gruppierte Darstellung der klinischen Bil- 
der besonders zu fesseln wusste. Aus 
, seiner Schule ging eine Eeihe berühmter 
I Augenärzte her\^or; auch, dass A. von 
Graefe sich der Augenheilktmde als Le- 
bensaufgabe widmete, ist speziell auf A.'8 
Anregung zurückzuführen. — Seine aus- 
führliche Lebensgeschichte hat er in der 
Schrift ..Meine Erlebnisse^'' (Wiesbaden 
1887 mit 2 Porträts) niedergelegt, zn der 
die spätere Ergänzung (letzte Lebensjahre, 
Krankheit und Tod, Vei*zeichnisder litterar. 
Arbeiten, Ehrenstelluiigen und Auszeich- 
nungen nobst einem Nachwort) einer 
seiner Schüler. Otto Becker in Heidelberg, 
lieferte. — Seinem Andenken zn Ehren 
wurde 9. Juli 1896 im Arkadenhofe der 
W^ieuer L^nivei^sität seine Büste feierlich 
enthüllt, wobei dessen Amtsnachfolger, 
Prof. Fuchs, die Gedenkrede liielt. 

Arndt, Bndolf, geb. zu Bialken, 
Kreis und I{e<j:ierungs bezirk Marienwerder, 
31. März 1835, studierte in Greifswald 
und Halle vorzugsweise unter Nikmeter, 
Bardelerex, Damerow und promovierte 
20. Febi-uar 1860. Seit 1861 als praktischer 
Arzt thätig, auch an den Feldzügen 1864, 
1866,1870—1871 beteiligt, habilitierte sich 
A. 1867 imd ist Professor der Psychiatrie 
seit 1873 zu Greifswald. — Er publizierte 
hauptsächlich „ Histologische Untersuchungen 
des Nervensystems, insbesondere des Oehims 
und Rückenmarks" in Max Schultze's und 



4Ö 



Amheim — Arnold. 



46 



ViRCHOw's Archiven — ^^Psychiatrische Ab- 
handlungen''^ im Arch. f. Psychiatrie und 
Nervenkrankheiten, in der Ztschr. f. 
Psychiatrie und gerichtliche Psychologie, 
in der Vierteljahrsschrift für gerichtliche 
Medizin etc. — Neurologische Abhand- 
lungen in EuLENBUHo's Encyklopädie — 
riLehrbuch der Psychiatrie^^ (Wien und j 
Leipzig 1883). („Die Psyche als eine 
Funktion des menschlichen Organismus 
unterliegt den nämlichen Gesetzen wie 
dessen sonstige Äusserungen [Kräfte]. 
Auch für sie sind so allgemeine Gesetze, 
wie die Erhaltung der Kraft, die me- 
chanische Wärmetheorie etc., durchaus 
massgebend.") — „Die XeurastJienie (Nerven- 
schtcächej, ihr Wesen, ihre Bedeutung und Be- 
handlung vom anatomisch -physiologischen 
Standpunkte für Ärzte und Studierende*' (Ib. 
1885) — „Der Verlauf der Psychosen" (Mit 
21 Curventafeln. In Gemeinschaft mit 
August Dohm (Ib. 1887) — „Bemerkungen 
aber Kraft und auslösende Kraft im Be- 
sonderen'' (Greifswald 1892) — „Kraft und 
Kräfte" (Ib. 1893) — „Biologische Studien, 
L Das b'udogische Grundgesäz" (Ib. 1892) — 
„Biologische Studien. IL Artung und Ent- 
artung" (Ib. 1895) — „Geisteskrank. Unzu- 
redmungsfdhig. Entmündigt" (Ib. 1897) — 
„ Was sind Geisteskrankheiten ?" (Halle a. S. 
1897) — „Wie sind Geisteskrankheiten zu 
vierten?" (Ib. 1899). 

Amheiin,Fr'iedrichKarlo witsch", 
geb. 1845 in St. Petersburg, studierte da- 
8ell>st 1862 bis 67 an der med.-chir. Akad. 
und trat zunächst als Assistent von Eich- 
wald in die Maximilianheilaiistalt, deren 
Direktor er später wurde, darauf in den 
Dienst als Arzt des klin. Elisabeth-Hosp., 
wo er bis zu seinem 26. Febr. 1893 er- 
folgten Ableben , zuletzt als ältester Ordi- 
nator tliätig war. 1876 promovierte er 
zum Dr. med. (Diss. : ^J'ber Croup'\ 
russ., Petersb. 1876). Trotz einer recht 
ausgebreiteten Praxis beschäftigte sich A. 
eifrig mit wissenschaftl. Arbeiten und hat 
eine Reihe bedeutender Schriften ver- 
öffentlicht, von denen folgende ei'ifvähnens- 
wert sind: ^^Vber den Hämoglobingehalt des 
Blutes in einigen eocanthematisclien Krank- 
heiten der Kinder'''' (Jahrb. f. Kinderheilk., 
Xni) — ^^tJber das Verhalten des Wärme- 
verlustes, der Hautperspiration und den Blut- 
druck bei verschiedenen fieberhaften Krank- 



heiten^'' (Ztschr. f. klin. Med., V.) - ,,Ein 
neuer thermoelektrischer Apparat zur Messung 
der Hautstrahlung"' (Ib. XU) — ,,Zur 
Frage über das Firnissen der menschlichen 
Haut'''' (Ib. XTTT) — ^^Thermophengoskop, 
ein Taschenapparat zur Messung des Wärme- 
verlustes der menschlichen Haut^^. 

Arning^, Eduard, zu Hamburg, 
geb. zu Manchester in England 9 Juni 
1855, studierte in Heidelberg und Strass- 
burg(Staatsexamen und Promotion 1 878/79), 
erhielt eine Spezialausbildung als Derma- 
tologe durch O. Simon imd A. Neisser in 
Breslau, bis 1883, machte dann 1883 bis 1886 
im Auftrage der Königl. Preuss. Akademie 
der Wissenschaften eine Reise nach den 
Hawaiischen lusebi zum Studium der 
Lepra. — Seit 1887 Spezialai*zt für Der- 
matologie und Venerologie in Hamburg, 
ist^A. Verf. einer Reihe von Arbeiten 
gynaekologischen und dermatologischen 
Inhalts, letztere speziell auf die Lepra 
bezüglich. — Seine aus Hawaii mitge- 
brachten anthropologischen imd ethnogra- 
phischen Sammlungen befinden sich in 
den königl. Museen in Berlin. 

Arnold, Bernhard, zu Stuttgart, 
geb. 12. Januar 1828 in Mergentlieim a. 
d. Tauber, studierte in Tübijigen 1846 bis 50, 
in Würzburg 1850,51, erhielt 1851/52 ein 
staatliches Reisest ipeiidium nach Berlin 
und Prag, hatte 1852 bis 54 eine Haus- und 
Reisearztstelle beim Fürsten Chlodwig zu 
Hohenlohe-Schillingsfürst inne, besuchte 
durch dessen Munificenz Wien mid Paris 
mid machte in derselben Zeit Reisen in 
Russland, Deutschland u. s. w. 1854 
wui'de er prakt. Arzt in Mergentheim, 
1860 Distrikts- und Hofai*zt in Kupferzeil 
bei dem Fürsten zu Holienlolie- Waiden- 
burg, 1868 <j:riifl. RECHiiERo'scher Hausarat 
in Donzdorf und ist seit 1871 in Stuttgart. 
Von 1856 bis 61 war er ^Dtarbeiter an 
Betz's „Memorabilien aus der Praxis'^, 
von 1871 bis 85 Mitredakteur (Mitheraus- 
geber) des ,,Med. Correspondenzbl. des 
Wüi-ttemb. ärztl. Landes Vereins", von 1886 
bis 89 alleiniger Herausgeber desselben 
Blattes. Litterar. Arbeiten: yEin Beitrag 
rur Kasuistik und Pathologie der Glossifis 
pnrenchymatosa acuta''^ (zugleich liiaug.- 
Diss., praes. v. Bhuns, Tübiiig. 1867) — 
„ Über parenchymatöse Entzüiidung der Zunge^' 



47 



Arnold. 



48 



— ,,Studien über den Scharladiprozesa nnd 
die ihn bcgleiteridcn Nierena ff'ektionen^'' (Betz's 
Memorabilien , I. u. IV. Jahrg.) und ver- 
schied, seltenere kasuist. Mitteilungen in 
derselben Zeitschr. Im Württemb. med. 
Correspondenzbl. verschied, kleinere und 
grössere Correspondenzaitikel über Epi- 
demien etc., bemerkenswerte Fälle aus 
der Praxis: ,.Ein Fall von Airesia hyme- 
naica'' - - ,,Die subcutane Injektionsspritze 
ah Explorafii'-Instninjinit dem ExpJorativ- 
troicar vorzuziehen'^ (für welches Verfahren 
A. die Priorität — Septem ])er 1868 — 
für sich in Anspruch nimmt) — ^i^ur 
Kasuistik des Tetamis'^ (beide Aufsatze im 
Wüi-ttemb. CoiTespondenzbL, XXXIX, 
1869) — ,.Ein Fall von Fsammoni in der 
hinteren ^ehälelgrnbe^^ — ^, Beobachtungen mm 
progressiver p^endohypertrophihclier Muskel- 
lähmung'' (Ib. XLI. 1871) — „ßm Fall 
von Tetanus nach Abortus^' (Ib. LIV, 1884) 

— yßünstige Wirkung des Salols bei Blasen- 
katarrh im Vei'laufe tum Fetrnsof'enlähwung^^ 
(Therap. Monatsh. 1888) — „/?t» iceiterer 
Beitrag zur Salolbehandlung des akuten und 
chronischen Blasenkatan-hs'' (Ib. 1892). 

Arnold, Friedrich, Geheimer Hof- 
rat und Professor der Anatomie und 
Physiologie zu Heidelberg, 8. Januar 
1803 zu Edenkoben bei Landau in der 
Rheinpfalz geb., studierte zusammen mit 
seinem älteren Bruder Johann Wilhelm 
A. von 1821 bis 1825 zu Heidelberg, wo- 
selbst TiKDK.MANN uud FoH.\iAN.N seiue Lehrer 
in der Anatomie waren. Er wurde 1825 
daselbst Doctor med. mit der „Dts«. inaug. 
sistens obsa-vationes nonnullas neurologicas 
de parte cephalica nervi spmpathici in honii- 
tic" (Heidelbergae 1826). Li demselben 
Jahre, 1826, in welchem er mit seinem 
Bnider die naturwissenschaftlichen und 
medizinischen Anstalten zu Paris besuchte 
und in \velchem er im Herbst als Pro- 
sektor der anatomischen Anstalt zu Heidel- 
berg angestellt wurde, veröffentlichte er 
(in TiEDKMANN's uiid Treviranus' Ztschr. 
f. Physiologie, Bd. II) eine .^Beschreibung 
des Kopfteiles des synipathischtn Xervcfi 
beim Kalbe, nebst einigen Beobachtungen über 
diesen Teil beim Me^ischen^'. Zwei Jahre 
später folffte: ..Über den Ohrkn-Jen^ eine 
anatomisch-physiologische Abhandlung-'' (Hei- 
delberg) und in einigen weiteren Ab- 
ständen: ,,/>c/* Köpft eil des vegetativen 



Nervensystems beim Menschen in anatomischer 
und physiologischer Hinsicht'''' (mit 10 Kupfer- 
tafeln, Heidelberg und Leipzig 1831) und 
^^Anatomische und physiologische Unter- 
f>uchungen über das Auge des Moisciten''*' 
(m. 3 Taf., ib. 1832). 1834 zum Professor 
e. o. in der med. Fakultät zu Heidelberg 
ernannt, publiziert« er seine „ Icones 
nenorum capitis '''^ (c. IX tabb. Heidel- 
berg. 2. Aufl. 1860). — 1835 folgte A. 
einem Rufe als ordentlicher Professor 
und Diiektor der anatomischen Anstalt in 
Zürich, woselbst er 5 Jahi*e blieb. In 
diese 2^it fällt- die Herausgabe seines 
^^Lehrbuch der Physiologie des Mensdien^ 
(1836-1840) als I. Band des in Gemein- 
schaft mit seinem Bruder Joh. Wilh. A. 
bearbeiteten Werkes „Die Ercheinunyen 
und Gesetze des lebenden menschlichen Kör- 
pers im gesunden und kranken Zustande''^. 
In dem Lehrbuche der Physiologie sind 
namentlich die Ergebnisse von A.'s liisto- 
logischen Arbeiten niedergelegt, die er 
bereits 1832 begonnen hatte. Dieselben 
haben, abgesehen von den mannigfaltigen 
Einzelforschungen , insbesondere wegen 
der daraus abgeleiteten Theorie über den 
Bau und die Entwickelung des von ihm 
angenommenen histologischen Elements 
im tierischen Körper eine hervorragende 
Bedeutung. Es erschienen fenier ausser 
mehreren Publikationen zur Anatomie 
des Gehirns und Rückenmarks die ..Tabidae 
anatoihicac, quas ad natura m accurate de- 
scriptas in lucem edidit'^ (Fase. I, U. IV. 
Turici 1838-1843). dus letztere Heft 
auch unter dem Titel: ..Abbildungen der 
Geloikc und Blinder des menschlichen Körpers*''' 
(Zürich 1843). Die voi-stehend ver- 
zeichneten Abbildnngswerke. angefangen 
von den ..Jcones nervorum capitis", bilden 
auch in küiKstlerisch<M- Beziehung eine 
Zierde der deutsclion Litteratur und haben 
durch die Füllen der darin niedergelegten 
eigenen B('ubaclitun«::en geradezu die 
Bedeutimg von (^uellenwerken. — 1840 
übeniahm A. die anatomisch- physiolo- 
gische Professur an der Universität zu 
Freiburg im Breisgau luid setzte hier 
nicht nur seine angefangenen litterai-ischen 
Unternehmungen fort, sondern begann 
auch die Herausgabe eines ,. Handbuch der 
Anatomie des Menschen^ mit besonderer 
Rücksicht auf Physiologie und praktische 
Medizin'' (Bd. I-Ul, Freiburg 1843 bis 



Amolt 



50 



1851 1. — 1845 ging A. tuich wicnler- 
hoher Berufung nach Tübingen, tun den 
dartigeti Le^irsttikl der Anatomie und 
Physi«>l*'»gie einzunehmen mid fol^e 1852 
eiiiem Kitfe an «lie Universität Heidel- 
b<P!rg, wo or seine Lehrt hätigkeit be- 
gonnen hatte, 1876 enientiert wuide 
und «üs Nestinr der deutschen Anatomie 
5. Juli 1890 stiirb. Seine letzten Schrif- 
ten: ,,Zur Physpilogie d*!r Oalle, Denk- \ 
ackrift itü' dOjithtigen Jftbdfntr fks Dr. 
^tmlt. Tmh'rnrtnn im Namen der nte<L 
FtthUtät fler UmvtrBifäl Hnddberg vetfmst"' 
(R*^iil«?n»erg 1854» — fc»mer: „r/>tT tUe 
Atmnngsgrü^s£ der Mcmckcn Ein Beitrag 
znr Phytiolf^k und ;:nr Diogttmtik dtr 
Kruhkit fiten det' Atmunf/Birerkzeugc" (mit 8 
Tafeln, HoldeHn^rg 18ön; und ^,Dic phymo- 
iit^iscfte AiihtiiK tfrr ruii'^eniität Heidd- 
hfr^ tw« 18^3 ^IBSS' (mit 8 Tafeln, ik 
liQSi *«nthiiJten die Arbt?iten A/s über 
tUv von ilun am meisten gepflegten 
Ti*Üe df!r Physiobigie. Unter seinen Ver- 
dirnstcn um rlie letztere ist auoh die in 
der tr«tlirben Welt jetzt allgemein gel- 
ti'nde Ansb^ht Über den Her/^to&s anzu- 
führen« die von ihni zuerst, bestimmt auß- 
|f»|>rtjeh^U Ä-urde, 

Arnold« Julins, Geheimer Hofrat 

Pn»fet«or der patliob>gis*']jen Anatomie 
i<lf?r UniversitÜtzn HeideHK rg, 19. August 
1835 zu Zarieh aL> S^dm des Vor. geboren, 
studierte in Heidelberg. Prag^ Wien 
mid Bf^rlin, «rar Schüler von Virihow, 
FkiEi>icmcn, Dlchjck. C. O. WmvM u. a., 
wiirtii^ am 14. November 1859 mit der 
t>i»s5t*rtati<)n ,J'btr dir Bitidehaut drr Hörn- 
k/tnt find den G reisctiÖogm' (Hf'idelberg 
1860) Doctor me<L^ Ist seit dem 13. April 
I8C6 Pr<»fe8fic»r der |iathulogiscben Ana- 
touile nnd Direktor des pathologisch- 
analMmtÄchen Instituts und hat folgende 
SehHfteii und AnftUtjte \t*dfi^t: ^, Das glatte 
Jiutkdgrwdfc** (Leipzig 1870) -- ^^Aitafo- 
iMMO^e rnträge in dtr Lehre v>m fhn 
Sckmmumndfji" (Heidelberg 1873) — ..Bei- 
trä^e zur Entwickbtug^fjvHchkhte des Awjt'a'' 
iHi \^ll - yM^H »Ol/ Htrühlenpiätivhcn'' 
{\\ • iphthalm. von Giur.rK-S.iK3itsc:it 

L A HU In Vmciitiw s jVr<^hiv tinden ^ioh 

XOm XKIV. Bniidi? i 1862) ab, wo eine Ai beit 
Jiim-r dif Endhjxmg der Xrnm in der Bimit- 
kaui dr* A ffffttpfrlH* die R«dlie erraff net, in fust 
«Buut4rrbroeheuer Folge der Bünde wert- 



volle Üntersu<']iungen A/s. die si*dj auf 
die verschiedensten Gegenstände aus der 
Hist<dagie luidder pathologischen Anatomie 
beziehen. Da eine Aufzählung unmöglich, 
seien der chrouoh loschen Anordnung 
fidgend nofh liestJuderÄ diejenigen über die 
Sympathicusgangiieuzellen. die Steissdrüse, 
die Struktur der Nebennieren, die Neu- 
bildung ghitter Muskelfasern in pleu- 
ritischen Schwarten, dieCtlomendi caudales 
der Säugetiere, das Septum der Herz- 
artenen, den Bau der Psammome, die Ent- 
wickohmg der Blntkapillaren, die Schädel- 
sarc^tme, über Djapedesis. das Verhalten 
der Elutgefässwnndungen bei der Kmi- 
gration, dieKittsubstanss der Kpithelien, die 



Abscheiduug indig-sohweb'Isaiu^en Natrons 
ans Muskel'. Knociien- und KnorjM>l- 
gewebe. die feinere Struktur der Zellen 
unter normalen und pathob>gischen Be- 
dingungi*n {sc. der Zellen in den Ge- 
schwrtlstenl hen-orgehoben. Aus den 
Jalirgiingen If^Sl bis 1882 stajnnven 
die im nändioben Archiv publizierten 
Beiti-iige smr Anatomie des miliaren 
Tnlierkels <Bd. LXXXII-LXXXVIIL 
und die Beobachtungen über K»»rne und 
Kernteihingen des Knochenmarkes. Hier- 
zu ktunnien ans den Jubrgiingen 1883 bis 
18^9 etwa 32 weitere Nnmmeni jin 
Vtiitiiow's Arch., Arch» f, niikiii^knp. Anat,^ 



51 



Amott — d'Arsonval. 



52 



Zikglkr's Beiträgen und andei*swo) über 
Kerne und Kernteilung in den Zellen des 
Knochenmarks, über Kern- und Zell- 
teilung bei akuter Hyperplasie der Lymph- 
drüsen und Milz, über Teilungsvorgänge 
an den Wanderzellen, über die Geschicke 
des eingeatmeten Metallstaubes, über 
angeborene, einseitige Nierenschrumpfung 
mit Cystenbildung. über Vorkommen und 
Bedeutung der freien Kugelthromben, über 
ein glykogonhaltlges Myoma striocellulare, 
über ein knorpelhaltiges angeborenes 
Fibrom des Scheitels mit Ilypertrichosis, 
über 2 Fälle von primärem Angiosarcom der 
Leber, über kombinierte Erkrankung der 
Stränge des Kückenmarks, über die 
Geschichte der Leukocyten bei der Fremd- 
körperembolie, Beiträge zm* Akromegalie- 
frage, über angeborene Divertikel des 
Herzens, zur Technik der Blutuntersuchung, 
zur Biologie der roten Blutkörper, die 
korpuskuläi-en Gebilde des Froschblutes, 
Herkunft der Blutplättchen, lenticuläre 
Lungennekrose und die Bildung von 
Lungensteinen , über die Fütterung 
lebender und überlebender Wanderzellen 
mit Farbstoffen u. s. w. Endlich kommen 
hierza noch als selbständige Veröffent- 
lichungen : „ Untersuchungen über Stauhinha- 
lationund Staubmetastase''* (Leipzig 1885) — 
^JJt>er das Vorkommen heller Mutkdn beim 
Mefischen'^ (Festschr. des naturhistor. — 
med. Vereins Heidelb. 1886) — „Über den 
Kampf des menschlichen Körpers mit den 
Bakterien' (Ib. Prorektoratsrede 1888). 

ArnOtt, Neil A., zu London, Er- 
finder des Wasserbettes, 15. Mai 1788 
zu Arbroath in Angusshire geb., besuchte 
die Schule zu Aberdeen, wo er ein 
Mitschüler von T^ord Byron war, kam 
1801 in das dortige Marischal College 
und war daselbst ein eifriger Schüler von 
CopKLANT) in der Physik. Er begann dann das 
Studium der Medizin in Aberdeen. kam 1 806 
nach London, machte mehrmals Reisen nach 
China und benutzte dieselben zu physika- 
lischen u. meteorologischen Beobachtungen, 
sowie zu Untei-suchungen über die hygie- 
nischen Verhältnissed. englischen Truppen. 
1811 Hess er sich in London nieder, wurde 
Arzt der span. und französ. Gesandtschaft, 
machte sich durch gut besuchte Vor- 
lesungen über Physik in ihrer Anwendung 
auf Med, sehr bekannt, woniber er 1827 auch 



ein wiederholt schnell aufgelegtes Werk 
publizierte, das in fast alle europäischen 
Sprachen übersetzt wurde. 1832 machte 
er seine segensreiche Erfindung des 
hydrostatischen Bettes zum Schutz gegen 
Decubitus bekannt. 1838 publizierte er sein 
Werk „Ow warming and ventüaiing*% worin 
er die Physik der Kamme und den unter 
seinem Namen bekannten Ofen beschrieb. 
Es folgten mehrere wichtige Arbeiten zur 
Prophylaxe des Typhus mid über andere 
hygienische Gegenstä.nde, l^esonders Venti- 
lationsfragen. 1855 zog er sich von der 
Praxis zmaick, blieb jedoch schriftstellerisch 
noch selu* liihrig und machte sich durch 
Gründimg eines Stipendiums für Experi- 
mentalphysik bei der Londoner Univer- 
sität, sowie ähnlicher bei den Univ. von 
Aberdeen, St. Andrews, Glasgow und Edin- 
burgh sehr verdient. A. starb 2. März 1874. 

ArnOUld, Jules nippolyte, zu 
Salonnes (Meurthe) im September 1830 
geboren, studierte in Paris und Strassburg, 
wurde hier 1857 Dr. med., war als Medecin 
nülitaire in der Krim und in Algier thätig, 
fungierte später als Prof. agrege am Val- 
de grace, wirkte mehrere Jahre an der 
Militärschule in St. Cyr, seit 1876 als 
Direktor des Gamisonlazaretts in Lille und 
Professor der Hygiene. Zuletzt war er 
Generalsekretär des Hygienerats im 
Departement Nord und Leiter des Ge- 
sundlieitsdienstes im 1. Armeekoqis. A., 
der 26. Mär/ 1894 gestorben ist, hat 
sich durch eine Eeilie von Arbeiten 
„Über Typhen'* und „Malari^krankheiten" 
verdient gemacht, die in den Arch. de 
med., der Gaz. med. de Paris, den Ann. 
d'hyg.. vorzugsweise in den Jahrgängen 
seit seiner letzten Austellimg publiziert 
sind. Doch sind daneben auch ^Irbeiten 
„ Über Phthisis", eine über „Anthropometrie'*', 
imd besonders die 1881 in Paris er- 
schienenen y.Nouveaux Clements d^hygiene"* 
zu nennen. — 

d'ArSOnVal, m Pans, geb. 8. Juni 
1851 in la Borie (Haute - Vienne), stu- 
dierte seit 1871 an der med. Schule in 
Limoges, wurde 1874 Präparator bei 
Claude Bernard am College de France, 
1877 Dr. med, (These: „Becherches 
theoriques et ,expirimentales sur le rdle de 
Väasticit^ pulmonaire^^J, erhielt 1880 (und 



&3 



Aschenbom — Ask. 



54 



1889 abermals) den Preis des Instituts für 
Experimentalphy Biologie, wnrde 1882 Leiter 
des auf Paul Bertis Betreiben gestifteten 
Laboratoriums für biologische Physik und 
lehrte seitdem auch diese Disziplin am 
College de France, anfangs als Stell- 
vertreter, später als Supplent für Brown- 
SfeQUARD, als dessen Nachfolger er auch 
1894 Mitglied des Listituts in der Sektion 
für Med. wurde. d'A. ist Verf. zahlreicher 
Arbeiten hauptsächlich zur Physiol. der 
tier. Wärme und Elektrizitätslehre, die in 
den Bulletins de la Societe de Biologie, 
in den Verhandlungen der Ac. d. sc, den 
Archives de physiologie, im Lumiere 
electrique u. a. Ztschr. veröffentlicht sind. 

ASChenborn, Oskar, Sanitätsrat 
in Berlin, daselbst 1851 geb. und 1874 
promoviert, Arzt seit 1875, war mehrjähri- 
ger Assistent von JüL. Braun in Oeynhausen 
und Bob. Wilms am Bethanien - Kranken- 
hause in Berlin, ist seit 1877 hier als Arzt 
und seit einem Jahrzehnt auch namentlich 
versicherungsärztlich thätig. 1899 wurde 
A. als Hilfsarbeiter in der Medizinalab- 
teilung des preuss. Kultusministeriums be- 
rufen. Er veröffentlichte verechiedene 
Beiträge in v. Lanofnbeck's Archiv u. Berl. 
kl in. W'oirhenschrift. 

Ascher, LouIs. in Königsberg!. Pr., 
geb. 1865 in Posen, studierte in Berlin, 
Marburg, München (Dr. med. 1889), war 
Arzt und Kreiswundarzt in Bomst seit 
1891 und ist seit 1898 Stadtwundarzt und 
Assistent am Inipfstofferzeugungs-Institut 
in Königsberg. A. ]>esohäftigte sich als 
einer der ersten mit sozialer Hygiene. 
Publikationen: ,X-her feuchte Wohnungen*^ 
(Vrtljlirssclir. f. öff. (Tesundheitspfl. 1893) — 
„Die Beziehungen zwischen Volksicirt schaff u, 
öffentlicher Gesundheitspflege^^ (Ib. 1897) — 
y,Die ländl. Arbeiterwohnungen in Preussen. 
Eine l w frage*^ illi'rMn 1897). femer zahl- 
reiche Aufsätze über Schweineseuche, 
Könifr!j})er;rer Tierlyraplie. zur Dysenterie, 
Reichsversicherungswesen u. v. a. Artikel 
in Eclenburg's Realencyklopädie, D. Med. 
Wochenschrift, Ztschr. f. Hygiene und 
Infektionskrankheiten, Ztschr. f. Med.-Be- 
amte. Münch. Med. Wochenschrift. 

Aschoff, Karl Albert Ludwig. 
in Göttingen, geb. in Berlin 1866, studierte 



j in Bonn, Strassburg und Göttingen, be- 
sonders als Schüler von v. Recklinghavskn 
und ORTH,Dr.med. 1889, ist -seit 1894 für 
pathol. Anat. liabilitiert und 1. Assistent 
am Path. Institut in Göttingen. Scliriften: 
„Die Pyelonephritis'' (Jena 1893) — „fur^r« 
Übersichtstabelle zur Geschichte der Medism"' 
(Wiesbaden 1898), verschiedene Arbeiten 
über den Aufbau des Tlirombus, über 
Knochenmarkszelleuembolie, normale u. 
pathol. Anat. d. Hamwege, Anat. u. 
Ätiologie des Nabel schiiurbruches (Vir- 
CHOw's Archiv), über die Otitis media neo- 
natorum (Ztschr. f. Ohrenheil k.), Beitr. 
I snirnormalen u. pathol. Anat. d. Schwauger- 
I Schaft (in g^'nUkol. Fachschriften u. Zieo- 



ler's Beiträgen). 



AShOy Isaac A.. irischer Irrenarzt, 

geb. 1834, Studiorte im Trinity Coli, zu 

Dublin und im Kiclunond Hosp., erlangte 

seit 1860 verschiedene Grade, den des Dr. 

med. 1874, und eine Reihe von Preisen. 

Er war nacheinander Hausarzt in den 

Riclimond Hospitälern, Physic. des Letter- 

kenny Fever Hosp.. Visit, und Consult. 

Physic. des Donegal Co. Irrenliauses, 

Physic.-Superintend. des Central Criminal 

Asylum zu Dundnun, Co. Dublin und 

starb 12. Xuveniber 1891. Er sclirieb: 

„Function of oblique muscles of eye-baiV"' 

(Reports of the Brit. Assoc. of the Advanc. 

I ofSc, 1861bis()2) — .^Function of auricu- 

1 lar appendix''^ — „Suggestions on the inte- 

i rests of the med. profession'' (Brit. Med. 

I Assoc. 1867) — „Med. education and med, 

! interests'^ (war 18(58 die Carmichal 100 £ 

; Preisschrift des R. C. S. I.) — ..Medical 

' politics^^ (war 1873 der 2(X) £ Cakmichal- 

Preis) — .,Obsercations on general paraly- 

[ ÄiV- (Journ. of Ment. Sc.. 187G) — .Jdio- 

I pathic insanity, a constitutional disease" — 

I ..Beport on rate relationships of general 

I paralysis and cpilepsy" (Internat. Med. 

Congress. 1881); ausserdem niclit-med. 

Schriften. 

\ Ask, Carl Jakob, geb. in Skare 

I 1825, studierte in Land mi<l war daselbst 

' seit 1858 Professor der Chiiiiririt' und 

, (Teburtshilfi*. als welcher er 6. Auurnst 

1897 starb. Schriften: ..Hahcus kirurgiska 

anatomii" (Lund 1858) — ..Om ovariotomv' 

(Stockholm 1881 1. 



55 



Asp 



Asson. 



56 



AsPf Greorg August, geb. zu 
Wasa 25. August 1834, studierte in 
Helsingfors, • Stockholm, Prag, Leipzig, 
Jena und Wien, wurde Licentiat der 
Medizin 16. September 1865 und Doktor 
der Medizin und Chirurgie 3. Dezem- 
ber 1866. Wirkte als Dozent der Physi- 
ologie seit 1868, als Prosektor der Ana- 
tomie in Helsingfors seit 1869 und als 
Vorsteher eines medico- mechanischen 
Zander-Instituts in Helsingfors seit 1874; 
o. Professor der Anatomie in Helsingfors 
1884. Seine Publikationen sind: „Ow 
missbüdnhigar inoni urogeiutahippa raten vid 
klyfning af nedra bukvägyen" (Über Miss- 
bildungen der Urogenital apparate bei 
Spaltung der unteren Bauch wand. Hel- 
singfors 1865) — ,.Bidrag tili kärc- och 
hjärtnercernas functionslära'''' (Beobach- 
tungen über CTefässners'en. Ib. 1867) — 
^^Om de finare strnkiurßrhuUandena i dägg- 
djurslefvern^* (Über die feinere Struktur 
der Leber der Säugetiere. Ib. 1869) — 
^.Bidrag tili spotthörtlarnes mikroskopiska 
anatomi'^ (Beiträge zur mikroskopischen 
Anatomie der Speicheldrüsen. Ib. 1873) — 
..Zur Anatomie und Physiologie der Leher^^ 
(Leipz. 1873) — ,, Bidrag tili läran om nervänd- 
organem uivickling^* (Zur Lelire über die Bil- 
dung der Nerv^enendigungen. Stockholm 
1883) — ,,OmZt/moc?cr»mssa</V' (Die Uterus- 
massage. Stockholm 1878) — ^^Quelques 
notkes sur Vhygihie de Venfance ä Helsing- 
fors^' (1887) — ,.Studi€r öfver plexus sa- 
cralis"" (Studien über Plexus sacralis. Hel- 
singfors 1890) — ..Den habituela Skoliosen''' 
(Die habituelle Skoliose. Ib. 1896). 

ASSaky, Georg, Professor der 
Gynäkologie in Bukarest, Primararzt der 
cliir. Abt. d. Philantlu-opia-lCrankenhauses 
u. Direktor des Instituts für Gynäkologie, 
geb. 1855 in Jassy, erhielt seine erste Er- 
ziehung in Deutschland, studierte in Mont- 
pellier und Paris, war Assistent in Paris 
und Prof. an der Univ. in Lille in Prank- 
reich und folgte darauf einem Ruf als 
Prof. der Chir., Primärarzt der chir. Abt. 
des Ci»ltza-Krankenhauses und Direktor 
des Instituts für Chir. in Bukarest. In- 
folge von Zwistigkeiten mit einigen 
Koll(»gen und eines Herzleidens musste er 
von seinem Amte zurücktreten und ver- 
bra<!hte d. J. 1892 bis 96 in Frankreich, 
lediglich seiner Gesundheit lebend. 1897 



kehrt« er nach Rumänien zurück und 
erhielt die Leitung des speziell für ihn 
eingerichteten Instituts für Gynäkologie 
nebst einer Professur in diesem Fache. 
A., der bereits 4. Mai 1899 starb, war ein 
hochbegabter, äusserst rühriger Foi*scher. 
Er redigierte die rumänische ,,C/iw?co" und 
die ^.Archives roumains de medecine et de 
Chirurgie' und publiziert« u. a, auch zwei 
Arbeiten in deutscher Sprache: ..Über 
breite Ampufation mit nachfolgender Auto- 
plastik bei Brustkrebs'' und „/>/« Badikal- 

i Operation der freien Leistenbrüche mittels 
Naht des inneren Leistenringes** (Münch. Med. 

j W. 1899), dazu noch verscliiedene Artikel 
in rumänischer und französischer Sprache. 

, Asson, Michelangelo, benihmter 
. venetianischer Operateur, 1802 in Verona 
I geb., studierte in Pavia und Padua, 
I begann seine praktische Laufbalm in 
seiner Vaterstadt, von wo er Infolge 
1 mannigfaltiger Schicksalsschläge 1831 
I nach Venedig übersiedelte. Während der 
I Revolution 1838 wurde er zum Chef- 
' Chirurgen des militärischen Krankenhauses 
von Chiora ernannt und 1849 zum chirur- 
gischen Primärarzt im Civil krankenhause, 
eine Stellung, die ihm nach der Ein- 
nahme Venedigs von der Österreichischen 
Regierung belassen wnii'de. Nach einiger 
Zeit wurde er auch Professor der Anatomie 
an der Malerakademie und nach der Er- 
richtung der praktischen medizinischen 
und chirurgischen Schule im Civilkranken- 
hause Venedigs (1863) Professor der 
chirurgischen Klinik. 1872 vom Schlage 
gerühit, starb er 1877; die letzten fünf 
Jahre, während deren er zur Unthätig- 
keit verurteilt war und nach und nach 
seine geistig(»n Fähigkeiten einbüsste, 
waren vielleicht die einzigen nihigen 
seines langen, von Unglück über Unglück 
bedrängten Lebens. Als Operateur war 
er hochgescliiitzt und hatte eine ausge- 
dehnte Praxis in der Stadt und in den 
nahen Provinzen. Als Schriftsteller sehr 
fruchtbar, hinterliess A. über 120 grössere 
und kleinere Schriften medizinischen, 
chirurgischen und zum Teil auch littera- 
rischen Inhaltes (letztere hauptsächlich 
über Dante und schöne Künste). Dio 
zahlreichsten sind die chiriu'gischen und 
unter diesen die wichtigsten : ,jAnnotazioni 
anatomo-patohgiche e praticfie intomo Ic 



57 



Atkins — Aubert. 



58 



Mrurgiche malaitie" (Venezia 1842 — 1845, 
iii 4 Bänden) — „Copsiderazwni anaiomiche^ 
fisiologiche, patologiche e chirurgiche intarno 
la iniUa*^ (im Giomale Veneto di Scienze 
medifhe 1878) — „SuUa frattura del cöllo 
del femore** (ebendaselbst 1855, worin ein 
neuer Apparat zu ihrer Heilung be- 
srhriel>en wird, der jedoch seiner Kom- 
pliziertheit und seines hohen Preises halber 
wohl von niemand anderem angewendet 
^^iirde. umsomehr, als man jetzt dieselben 
Vorteile mit einfacheren und billigeren 
Mitteln erzielt.) — Originelles ist in den 
Schriften wenig zu finden, aber sie ent- 
halten ein reiches Material der Beobachtung 
und resümieren die Geschichte und den 
Stand der damaligen Chirurgie in Italien. 

AlKinS) Ringrose, berühmter iri- 
scher Psycholog und Direktor der Irren- 
anstalt zu Waterford, 1845 geb. und L. 
M. 1873. war zuerst Sekundärarzt des 
Lunatic-asylum in Cork und publizierte: 
f.Amyotrophic lateral aclerosis*^ (1878) — 
,,Pafhological illustratians of localüation of 
motor funcHons of hrain** (Brit. med. 
Jouni. 1878) — j.Morbid histology of spinal 
cord in insanity** (Ib. 1878), verschiedene 
Beiti-iige im Dublin Jouni. of med. sc. und 
andei-en Zeitschriften. Erstarb 4. Febr. 1898. 

Atl66, Washington L e m u e 1 , 
22. Februar 1808 in I^ancaster geb., 
studierte seit 1826 in Philadelphia und 
wurde daselbst im Jahre 1829 zum Doktor 
promoviert. Nachdem er fünf Jalii*e cals 
Landarzt j)raktiziert, zog er 1843 nach 
Lancaster, woselbst er sehr bald zum 
Vorsteher des Lancaster County Hospital 
♦rewählt wurde, ausgedehnte Praxis übte 
und Privat-Kurse ühor Chemie gab. 
1844 foljrte er einem Pufe als Lehrer 
d»*r ni*'d. Chemie an der Universität 
zu Pluladt'ljjliia. 1852 legte er dieses Amt 
nie<l«'r und widmete sich gänzlich der 
chirurgisrhon und gynäkologischen Praxis 
bis zu seinem 1878 erfolgten Tode. A. 
war ein scharfer Diagnostiker, ein ehenso 
kühner als geschickter ()j>erateiu*, dem 
das trrosse Verdienst zukommt, der Ova- 
notomie. die er zuerst 1844 ausführte, 
trotz anfänglicher Misserfolge BürgeiTeclit 
in Amerika verschafft zu haben. Er seihst 
hat im ganzen 387 mal, zuletzt drei 
Monate vor seinem Tode, diese Operation 



ausgeführt. Über seine Erfolge berichtete 
er in der Publikation : „i4 retrospect of the 
stmgglea and tnumphs of ovariotomy in 
Philadelphia^^ (1875). A. war im wesent- 
lichen Anhänger der Klammerbehandlung 
(A.'sche Clamps), versenkte jedoch auch 
den Stiel und wandte zum ersten- 
mal das Ecrasement desselben an. — 
Weitere Verdienste erwarb sich A. durch 
Angabe einer besonderen Methode für 
Fibromenucleationen (Kapselspaltung und 
Ausschälung in zwei Akten), die er zuerst 
in Amerika ausführte, nachdem diese 
Operation bis dahin nur vereinzelt in 
Frankreich gewagt und meist missglückt 
war. Er publizierte darüber: „0/< the 
treatetnent of cetiain fibroid fmnors of the 
uteruSy heretofore considered heyond the 
resources of art^' (Transact. Am. Med. 
Assoc. 1853). A. lieferte ferner wertvolle 
Beiträge zur differentiellen Diagnostik der 
Eierstockscysten (P]'obe])unktion, För- 
derung der Kenntnis von den Parovarial- 
und Utei*uscysten , cf. ^ßeneral and 
di/ferential diagnosis of ovarian fuinors tvith 
special reference to the Operation of 
ovariotomy'^ (Philadelpliial873}. Genanntes 
W'erk ist die bedeutendste litterarische 
I^eistung A's. An dem wissenschaftlichen 
Leben in den grossen medizinischen Gesell- 
schaften und Vereinen Amerikas nahm A. 
den lebhaftesten Anteil und war ein 
Mithegiiinder der amerikanischen gynäkol. 
Gesellschaft. 

Aubert, Hermann, Physiolog. geb. 
zu Frankfurt a. O. im November 1826 
und 12. Februar 1892 als ord. Professor der 
Physiologie in Kostock vei'storben, studierte 
hauptsächlich in Berlin, wo er 1850 mit der 
Diss.: „DucKHtyiesalia alrum n endosmotica?" 
Dr. med. wurde. Bevor er 1805 dem Pufe 
nach Rostock folgte, war er Prof. in Breslau. 
Seine ei*sten litterarischen Ai-beiten be- 
wegten sich auf dem (Jehiet der Zoologie; 
sie betrafen Untei'suchuiigen über die 
Stiiiktur der Thoraxmuskeln der Insekten, 
über Aspidogaster Conchicola, über 
Gryporhynchus pusillus u. a. m. Später 
wandte er si<'h ausschliesslich der Physio- 
logie zu, si)eziell Studien über physio- 
logische Optik. Er ven'jffentlichte ,Mci- 
träge zur Kenntnis des indirekten Sehens*' 
(V. (jraefk's Arcliiv 1857). ferner eine Reihe 
v(m Aufsätzen ül>er die durch den 



59 



Auerbach — Aufrecht. 



60 



elektrischen Funken erzeugten Nachbilder, 
über Physiologie der Netzhaut, über 
Accommodation, u. a. m., die er in seinen 
grösseren Werken y^Physiologie der Netz- 
haut^' (1865) und „Grundzüge der physiolo- 
gischen Ojjfik*' zusammenfasste. Für das 
grosse „Handbuch der Physiologie*' von 
LuDiMAR Hermann bearbeitete er den Ab- 
schnitt über die „Innervation der Kreis- 
laufsorgane'' (Bd. IV. 1), für welchen er 
die Eesultate zalilreicher , vorher z. T. 
im Verein mit seinen Schülern und 
Assistenten angestellter Einzelunter- 
suchungen über die Wirkung des N. vagus, 
laryngeus und sympathicus auf die Kreis- 
lauf sorgane, über Kaffee, Kalisalze und 
Fleischextrakt in ilii*er Wirkung auf die 
Herzthätigkeit, über die Irritabilität und 
Rythmizität des Froschherzens u. a. ver- 
wertete. Einzelne von A.'s Arbeiten 
aus den letzten Jahren seines Lebens be- 
schäftigen sich mit Problemen aus der 
Psychophysik, so u. a. die Aufsätze über 
Bewegmigsempfindung und Orientienmg, 
femer arbeitete A. über Kohlensäureaus- 
scheidung. In der Litteraturgeschichte 
der Med. hat sich A. ein besonderes An- 
denken durch seine bekamite. mit Wimmkr 
hergestellte deutsche Ausgabe der 
zoologischen Werke des Aristoteles ge- 
sichert, femer durch seine Schrift über 
^ßliakespeare als Med i zitier'' (1873) und 
einige historische Gelegenheitsabhand- 
lungen „Z>/t! Cejihalopoden des Aristoteles''' 
— „Nachrichten zur Geschichte der Medizin 
in Rostock^'' u. s. w. Auch veranstaltete 
er einen Wiederabdruck der Schrift von 
Purkinje: ^,Über den Schwindel'', 

Auerbach, Leopold, in Breslau 
27. April 1828 geb., studierte sowohl 
hier wie in Berlin und Leipzig und 
promovierte 1849. Seit 18n0 als praktischer 
Arzt, 1863 als Privat^Dozent imd 1872 als 
Prof. extraord. wirkend, wandte er seine 
Thätigkeit besonders der Bearbeitung 
neuropathologischer Themata zu und 
publizierte: „Über psychische Thätigkeiten 
des Biickenmarks^^ (Ctünsbcrg's Ztschr. f. 
Med. IV, 1853) — yyÜber die Erscheinungen 
hei örtlicher Muskelreizung'' (Abhandlungen 
der Sclües. Ges. 1861) — „L her Perkussion 
der MnskeW (Ztschr. f. rat. Med. 1862) — 
„Plexus myentericus'' (Breslau 1862 und 
ViRCHOw's Archiv XXX, 1864) — „Boh der 



Blut- und Lymph-Kapillaren*' (Ctrlbl. f. d. 
med. Wissenschaften 1865) — „Lymph- 
gefässe des Danas*' (VracHOw's Archiv 
XXXm. 1865) — „Wahre Muskdhyper- 
<ro2>Äfc" (LUX, 1871) — „Organische Studien" 
(H. 1 U.2, Breslau 1874), enthaltend : Unter- 
suchungen über Bau, chemische Heak- 
tionen und Lebensgeschichte der ZeU- 
keme, und über die ersten Entwicklungs- 
vorgänge im befruchteten Ei. Ausserdem 
stammen von ihm Originalbeiträge in dem 
Cbl. f. d. m. W., der Ztschr. f. wissensch. 
Zoologie, den „Beiträgen zur Biologie der 
Pflanzen'*, hrsgb. von Ferd. Coitn' etc. A. 
starb 30. September 1897. 

Aufrecht, Emanuel, geb. zu 
llioslau (Oberschlesien) 18. März 1844. In 
Berlin unter Frerichs', Tralbe's, Virchow's 
Leitung ausgebildet, promovierte er 1866. 
Li Magdeburg wirkt er seit 1868 als Arzt, 
seit 1879 als Oberarzt an der inneren 
Station des Altstädter Krankenhauses z. Z. 
I mit dem Titel eines Geh. Sanitätsrats. 




I Seine Hauptarbeiten sind: „Die diffuse 

Nephritis und die Entzündung im aü- 

I gemeinen" (Berlin 1879) — „Pathologische 

I Mitteilungen (1. bis 4. Heft Magdeburg 1881 

bis 86) — „Anleitung zur Kra^ikenpfiege" 

I (Wien 1898) — „Die Lungenentzündungen^^ 

(in Noth.vagel's spezieller Pathologie und 

I Therapie. Wien 1899); ausserdem eine 

i Reihe von Artikeln in der 3. Auflage 



Auspitz — Avelin^. 



62 



d«*r EcLEXBüRG 'selten Rtialencyklopaedie 
<Brc>iicliiektase, Leberatroplüe, Leber- 
cirrhose «te.) und von Joanmlu\iföiitxen 
in dt^n therapeutisi'hen Moimtsheften, im 
CtrlbL f. d. med. Wissenschaften und im 
D. Arch. f. Iclin. Med. etc. 

AUSpitZ, Heinrif'h, i835 zu Ni- 
plisbrng üi Mftlu'en geb. , ein Schüler 

BfirrKE^fe, KoKrTANSKV's, 8koI;A*B, OrPOLZFJl's, 

H£Bft4*8. wirkte seit 1863 als Privatdozent 
fttr Dermatologie un^ Syphilis, seit 1875 
tüs a. o. Professor dieser Fächer an der 
Wiener Universität, von 1872 an als Di- 
rektor der dort ic^en aUp^emeiiien Poliklinik. 
Er rrhielt 1884 nat:h dem Tode Zßrsst's 
fä» dessen Kaclif alger die Leitimg einer 
klinischen Stutiün fiir Dermatologie und 
Syphilis am aU^meinen Krankenlianse 
starb 23. A(ai 1886. A. gebort zn 
hervorra^nden Dormat^vSvpbilidolo- 



' d»'r d niilitr uiN PJ. Jahrbiindertö, 
timfii£senden Kenntnissen in der ge- 
lten Putbülngie verband er her\or- 
i?nd«!ti kritischen Scharfblick und eine 
onginHlr AufXa^öungsweise. Sein Spescial* 
fach verdfinkt ilun mannigfache Erweite* 
roiwren luid Vertlirnste, deren ausführliche 
Wi U'm monnmentalen Werk 

v«r a [Bonn 1895 11 p. 766) 

am findün tl^ Ausöer einer grossen Zahl 
Tfui Atihrnndltiiig^ti über seine Gebiete, 
w«»kli^ In dmi von ihm seit 1869 mit 
Frmitide F. J. Pjck hertiusgegeb**- 



nen und redigiei-fen „Archiv für Derma- 
tologie mid S^^plülis'' ei*sc bleuen sind, 
veröffentlirhte A. noch: ^^Anntomte des 
BlatteruptozetfSes^* (VmCHOvv^s Archiv 1BG3) 
— ,^/>*c Lehreti vom syphUitischtn Kunfa- 
^iwm" (Wien 1865) — ..Dir ZdkninfUhation 
der Lvthrhint bii Lnptts^ Syphilis und 
Skrofulöse'' (iled. Juhrbb. Wien 1866) — 
^^SyBfem der Hnutkrankhexten'^ (Wien 1881 »» 
ein überaus anregendes und fesselndes 
W^erk. Endb'cli bearbeitete er den Ab- 
schnitt aligemeine Pathologie und Therapie 
der Hautkrankheiten für v. Zikmsskx*» 
grosses Han<ibiicli (BA. XIV), 

AUVard» Pierre-Victor Alfred, 
Grebiu-tdbelft-r in Paris, geb. 8. August 1855 
in Puyval (Correzei, studierte in Paris, 
wTirtle 187!r» Interne des hupitatix, machte 
188ä longere wissenschaftliche Reisen 
nach dem Auslande mit mehmionatUchem 
Aufenthalt in Leipzig, Dresden und Ber- 
hn, promovierte 1884 mit der These „Z>c 
la pitice ä oa et du crmiioidnste'^' verfasste 
1886 die Aggregationsselurift ,,De la con- 
duife ä ienir daas le caa deplacenfapraet^ia^^ 
und ist Inhaber einer gynäkol. Privat- 
klinik in Paris. A. publizierte norh: 
„Z>/f iraifcmcnt de Vedampaie pnerpi^rak'' 
(PaiMS 1888) — „ Tmmux drohst itrique^' (3 voll. 
1889) — ^^Hygimt infafUUe anctenne et 
modet^ie^^ (zus. mit Piomat: 1889) — „IVai/^ 
protiquv d^acconcltemcfds^' 1 1890) — Lr nou^ 
veaum; physioloyie, kyyti'ne, alUütement^ 
mtdadies leHjdtts frhptentes et leartraitement''*' 
(1890) — „£te Vanliifepsie en yymcoloyie 
et en obstet rique^^ (1891). 

Aveling, Jas. Hobson, 1825 in 
Cambridges hiiv geboren^ beendigte seine 
Stuilien in Aberdeen, wo er 1857 promo- 
vierte, war hierauf Ai-zt bi SheEüeld, wid* 
I met^ sich speziell der flynilkologie und 
gi-ündete 1856 das Sbeftield Hosp. for 
Women. siedelte 1868 nach London über, 
errichtete daselbst da^ allmählich sich 
vergrossenide Chelsea Hosp. for Women, 
wirkte später als konsultierender OyuÜko- 
löge iui den hervorragendsten Anstalten 
dieses Faches, war Vice-Priisident der 
Lond, obstetr. soc. und gab lange Zeit 
das Obstetr. Journ» heraus* Auch abge- 
sehen von den hierzu reich lieh gelieferten 
Beiträgen, hat er sich als selur fruchtl»arer 
Schriftsteller hervorgethan und musa als 



f3 



Averbeck — Axenfeld. 



G4 



Verfasser zahlreicher Arbeiten ^A'Ler die 
Hfbiwg des Hebdiuineiififandes'''' — ^^Vber 
Irans/nsion'''' — als Erfinder des Polyp- 
triten — als Besclireiber verschiedener 
interessanter Verhältnisse des Uterus im 
schwangeren Zustande genannt werden, 
die besonders von 1857 bis 60 in den 
gelegensten englischen Wochenschriften 
(Brit. med. Jouni., Med. tiines and gaz. etc.) 
erschienen. A. stai-1) jim 12. Dezbr. 1892. 

Averbeck, J. Heinrich B. M, zu 
Bad Laul)l)ach am Hhoin bei Coblenz, 
geb. zu Bremen 13. August 1844, studiert« 
in Heidelberg, Göttingen. Basel; Hasse, 
LiEBKiniEisTKR Und SodN hatten den gi'öss- 
ten Einfluss auf seine Entwickelung; er 
wurde 1868 promoviei-t. war 1868 bis 79 in 
Bremen prakt. Ai*zt, 1879 bis 82 in Baden- 
Baden, als Begründer der physikal. Heil- 
methoden und deren Kombination, seit 
1882 in Bad Laubbach am Rhein, woselbst 
er am 2. Februar 1889 an Zungencarcinom 
gestorben ist. Litterar. Arbeiten: „Z>tc 
Addison sehe Krankheit'' (Erlangen 1869) 
— ^jlHe soziale Frage und deren Lösung''' 
(Bremen 1877) ~ ^Xber Impfung und 
Impfzwang" — ,Mber die Verfälschung der 
NahruyigS' uwl Gennss mittel' — ^JHe me- 
dizinische Gyinnastik" (Stuttgart 1882) — 
„Z)te akute NeuraMcnic'' (Berlin 1886) — 
„Z>2e Morphinmsiicht" (Ib. 1887) — „Z>ie 
geistige Uberöürdung der Jugend*'' (1887), 
verschiedene Aufsätze mediz. und sozial- 
polit. Inhaltes, über Heilg;s'mnastik und 
Massage u. s. w. 

Axenfeld, Auguste. Professor 
der internen Pathologie in der medizini- 
schen Fakultät. Arzt des Hopital Beaujon 
zu Paris, war 25. Oktober 1825 zu 
Odessa geboren, kam nach den in seinem 
Vaterlande beendigten Schulstudien nach 
Paris, um Medizin zu studieren, zeichnete 
sich 1849 und 1854 in den grossen 
Cholera -Epidemien aus, erhielt dafür 
zwei Medaillen und am Ende seines In- 
ternates, während welches er naturali- 
sierter Franzose wurde, die grosse goldene 
Medaille der Assist an ce publique. Er 
promovierte mit der These: „ Des princlpaux 
accidents que Von observe aprrs la tracheotomie 
cliez les cnfants atfeints de eroup"' (Paris 
1853). 1857 wurde er Professeur agrege 



mit der These „Z)e8 influences nosocomiales^'' 
und imgefähr um dieselbe Zeit auch Hos- 
pitalarzt und hatte als solcher Axdral in 
der Ecole de medecine tmd Rostan im 
Hotel-Dieu zu vertreten. Ausser Mit- 
teilungen iii der Societe anatomique, deren 
Sekretär er 1855 war, veröffentlichte er 
eine grössere Ai'beit: „De.s lesions afro- 
])hiqites de la moelle ejHuürc"' (Archives 
generales. 1863, T. 11) und einen ,,Traitc 
des wa/o'^r*" (der zuerst in Requin's Trait« 
de Pathologie interne und 1883 in ver- 
mehrter Ausgabe von Henri Hucuard er- 
schien). Für die „Conferences liistoriques 
faites a la Faculte de medecine de Paris 
pendant Tannee 1865" lieferte er eine 
interessante Abhandlung über „.7(f«^» de 
Wiei' et les sorciers'''. Zusammen mit Jüles 
Bkclard gab er 1867 den wichtigen 
^^ Rapport stn- les progres de la n.edecine en 
France" heraus. In den letzten vier 
Jahren seines Lebens war A. hoffnungs- 
los von einem nicht näher aufgeklärten 
Cerebralleiden befallen, das am 25. August 
1876 seinen Tod herbeiführte. 

Axenfeld, Theodor, in Rostock, 
als Sohn eines Konsulatspredigers am 24. 
Juni 1867 in Smyma in Kleinasien ge- 
boren, studierte seit 1885 in Marburg, be- 
sonders unter Schmidt-Rimpler und später 
unter Uiithoff, wurde 1890 Dr. med., wid- 
mete si<h speziell der Atigenheilkunde, 
wmde Assistent der Marburger Augen- 
klinik, habilitierte sich 1895, siedelte 1896 
als Assistent von Uiithoff nach Breslau 
über und folgte bereits 1897 einem Ruf 
als ordentl. Professor und Direktor der 
L^nivei-sitjitsklinik für Augenkranke nach 
Rostock. Scliiiften: ,jber die eitrige meta- 
statische Ophthalmie'" (Habilitationschi', und 
Arch. f. Ophthalmologie) — ,,Z>/e eitrige 
Keratitis des Menschen'' (gemeinsam mit 
Uhthoff, Loii)zig 1896) — „Beiträje zur 
Bakteriologie der Bindehaut " (1895—99) — 
,^ Vordere Ciliarnertcn" (1895), ferner eine 
grössere Zahl von Joumalabhandlungen 
über histologische, klinische und physio- 
logisch-optische Themata. Seit 1899 ist A. 
Mitredakteur der Klin. Monatsblätter für 
Augenheilkunde. Seine Arbeiten über 
metastatische Oj)hthalmie erhielten von 
der deutsch, ophthalmol. Gesellschaft den 
„Gräfepreis''. 



B. 



Bä'äS, JuhaQu Hermann, in 
Wornis, als Abküiairtlüig einer etwa 1640 
üb BfchtUeün (KUeluhessen} ei nge wall- 
te« huUandiselien Faiuilie („Pa^s") hier 
I. Okthr. 18ä8 gelHTneiiT studierte hiuipt- 
8Ä4*lilich in Giesscu und promoviert*.^ da- 
«dbb't 1860, Seit 1861 wirkte B. als Ar/t 
tmd Au^euarzt an verschiedeni-^n Orten 
llheinhesseus. Er iat der Erfinder des 
' M' h - diaj^ostisdien Verfahrens 
inimetrie, l>esahriel*en iii „Zur 
rJcii»4ion, Amkulkilion und Phonometrie** 
Stntti^^firt 1>^77 Ausserdem verfjisste ß. 






L 



7Jihlreiche Arbeiteiu grössere AbhÄnd- 
luniBcen, JonmalartikeL populäre i^chriften 
und eelbi^tiindij^e Werke, von denen liie 
gt4jriBo]ien als die bekanntesten und 
bricht i^t^'n dem Verf. einen Weltnif ver- 
ibchafft haben, aoi meisten der ^ßrundrisa 
G^aekichU ätr Med, und de» heilenden 
imäea" rStultirart 1876). en;^«Mterte 
Ai; i t^er M it Wirkung von B. 

H. E ! oN n. iL T.: ..Oittlines 

QfiU histofy of med. rJc,*' (New-York 1889); 



I ferner: „Die ffeschichtliche Entwickelunff des 
äntlichen SUmdf» und der mad. Wis»en- 
sdmflen'* (mit 2 Abb. Berlin 1896) — „Ld/- 
faden der Gesch, d. Med.'' (Stuttg. 1880) — 
„William ffarmy etc.'' (mit tJbersefcznng 
der Kreiislaufsschrift u. Abb. elnla. 1878) 
u. V. a. 

Bd^RS, Karl, als Sohn des Vor. zu 
Hessloeh (Rheiiihecisen) 20. Aug. 1866 geb., 
studierte in Freiburg i. Br.^ speziell die 
Augenheilkunde als Schüler von Manz. Dr. 
med. 1890, habüitierte sich 1893 fiü' Augen* 
heilkunde in Freiburg, nachdem er seit 
1891 als Assistent an der Univ.-Angen- 
klinik fungiert hatt-e und winrde 1898 zum 
Extraordinarius ernannt. Scliriften: „Das 
Gesichtsfeld" (Stnttg. 18^6) und zahlreiche 
Einzel arbeiten und kleinere Aufsätze in 
verschiedenen Spezialfachzeitschriften. 

B0,D6S» Victor, in Bnkikrest, geb. 
1854 in Wien, studierte teils in Budapest, 
teils in Wien, wo er Doktor wiu'de, war 
Assistent der pathoL Anat, in Budapest 
1874 bis 85, mit Aiusnalmie des Schul- 
jahres 1883/4, welches er in München, 
Heidelberg und Paris zubracht«. Im Schul- 
jahre 1885/6 arbeitete er bei Vmcuow und 
R. Ko<'H in Berlin imd bei Corjjil in Paris, 
wurde 1881 zum Privatdozenten, 1885 zum 
a. o. Prof. der pathoU Histologie an der 
Budapester Üiüvei-sität ernannt. 188^ 
studierte etr bei FAfitKUR dessen Schutz* 
impfungsmethode gegen Hunds wut. Im. 
Jaliru 1887 wurde B. durch die gesetz- 
gebenden Kör^jei-schaften nach Bukarest 
als Professor der pathologischen Anatomie 
tmd Bakteriologie und als Direktor des 
Institutes für Pathologie und Bakteriologie 
berufen. Hier entfaltet er eine ausgebreitete 
Thätigkeit zu Hebung der sanitären Ver- 
bal tnii^se Rumäniens sowie der Bukarester 
medizinischen Fakultüt. Hier wurden die 

3 



6? 



ßaccelli. 



68 



„Annales de Flnstitat de patli. et de bact." 
bisher 6 Bände, lierausgegeben, welche all- 
gemein als wertvolle Beiträge zur Patho- 
logie und Bakteriologie anerkannt wui-den. 
B. wurde zum Mitglied derBumänischen 
Akademie, zum korr. Mitglied der Pariser 
Acad. de med., zum Kommandeur nmiä- 
liischer und fremder Orden, zum Offizier 
in der Ehrenlegion ernannt. 




Von seinen zahlreichen Arbeiten sind 
hervorzuheben: „Über die selbständige kom- 
binierte Seiten- und Hinterstrangsclerose des 
Rücketimarks'' (Virchow's Archiv, 1876) — 
„Über einen im menscht, Peritoneum ge- 
fundenen Nematoden'' (Ib. Bd. LXXXI) 

— „Eine experimentelle Studie über den 
Einflvss des Nervensystems auf die pathol. 
Veränderungen der Haut" (im Verein mit 
Dr. Irsai, Vierteljahrschr. f. DermatoL, 
1882) — „Studien über Safraninfärbung** 

— „Bakterien des roten Schweisses'' (1881). 
B. studierte das Verhalten der Tuberkel- 
bazillen zum Gewebe; er war einer der 
ersten, welche im Urin des Lebenden 
Tuberkelbazillen fanden; er wies nach, 
dass die Leprabazillen auf dem Wege der 
inneren Haarwurzelscheide die unversehrte 
Epidermis diirchwandem (Compt. rend., 
1883), dass der Mikrobe der Hiihnercholera, 
sowie der Pneumoniecoccus nicht Sphäro- 
bakterien, sondern kurze Stäbchen sind; 
er schrieb ^,üntersuchungen Über Kochs 
Kommabojnüus'* (Virchow's Archiv, Bd. 99) 
und gab mit Cornil das erste ausführ- 
liche Lehrbuch tiber die Bakterien: „Les 



bacteries'' heraus (2. Aufl. 1886; 3. Aufl. 1890.) 
Besonders vielseitig und reichhaltig ist die 
litterarische Thätigkeit B.'s in Bukarest. 
Ausser mehreren in rumänischer Sprache 
erschienenen Lehrbüchern und wissen- 
schaftlichen Zeitschriften, publizierte B. in 
Berlin einen Atlas der pathol. Histologie 
I des Nervensystems, eine Monographie über 
I septische Erkrankungen des Kindesalters 
I (Leipzig 1889), eine Monographie über 
I Lepra ( Berlin 1 898) , zahlreiche Mitteilungen 
I an deutsche und französische wissenschaft- 
liche Zeitscliriften imd Akademien. Be- 
1 sonders erwähnenswert ist die Entdeckung 
I des Parasiten des Texasfiebers des Rindes, 
! welches in Eumänien als seuchenhafte 
Haemoglobinurie bekannt ist (Cpt. rend. 
de TAcad. des sc. 1888, 1889), dann jenes 
der Epizootie des Schafes, die Entdeckung 
der Eigenschaft des Blutes immunisierter 
Tiere, die Immunität zu übertragen (Ami. 
de rinst. Pasteur 1889), die Entdeckung 
des Parasiten der hämon-hagischen Septi- 
caemie des Menschen, die Entdeckung der 
Bakterienassociationen, namentlich bei Tu- 
berkulose (Congrfes de la Tuberculose 1890), 
der Bronchitiden, der Diphtheriden bei 
Lepra 1898, der verechiedenen gangränösen 
Prozesse, die Entdeckung des Heilwertes 
der Injektion von normaler Nervensubstanz 
für infektiöse Nervenkrankheiten (Wut) 
und Epilepsie etc. Aufsehen erregte die in 
der ersten öffentlichen Sitzung des intemat. 
mediz. Kongresses zu Rom gehaltene 
Konferenz über die Stellung des Staates zur 
modernen bakteriologischen Forschung. 

BaCCelli, Guido, von einer be- 
rühmten römischen Familie abstammend 
(mehrere der Vorfahren sind in denMarmor- 
tafehi des Kapitoliums rühmlich erwähnt), 
ist der Sohn eines renommiei'ten Arztes, 
des Dr. Antonio B. und wurde 25. No- 
vember 1832 in Rom geboren. Schon als 
Knabe bezeugte er grosse Liebe für die 
Wissenschaften und einen lebhaften, mit 
grosser Befähigung ausgestatteten Greist. 
Vor dem Jahre 1848 studierte er im CoUegio 
Ghislieri zu Pavia und kehrte dann in 
seine Vaterstadt zurück, um sich den 
medizinischen Studien zu widmen, während 
deren er sich so sehr auszeichnete, dass 
er im Jahre 1852 das Ehren-Doktordiplom 
in der Medizin und im Jahre 1853 dasselbe 
in der Chirurgie erhielt. Im Jahre 1854 



Bachmann, 



70 



rlileit er eine goldene Preismedaüle luid 

1855 wurde t*r, infolge elut^ö öffentlichen 

Koiikurstis, Assistenzanet in dsn römischen 

iK ' luiiisern; 1856^ abfrmalÄ iiifolg^e 

fv »n Konkurses^ wurde er zum 

Professor der gerichtlichen Medizin an 

der Umversität Rum ei-inumt. B. lelute 

j«>4och AOcJi Bcftanik und allgemeine 

tholo^e an iler Univereität und im 

hhre I8ö3 mtHlizinische Klinik. Auf 

BiA«? of&dtdlü SteUmig ab Professor der 

l^rirhtlii*iien Medizin leistete er nach etwa 

rwH Jahren Vcraticlit, und zwar aus 

politischer Hiickdicht für öcnneu von der 

päpirtiirhen KejU^ienuiET verfi»lgl4*n Vor- 

\ and hiemuf widjnnte ar «ich 

(anders aiiatonUMdieu Studien und 

kiUii vierte mit bescmdei^r Vorliebe und 




Elfer dii» patliologische Anatomie. Als 
dinst Lehrkanzel an der rumisehen Uni- 
V' '»1 folge eeiner eigenen' eifi-i|^en 

1 _^>_'n, trotz der bei der [mpstlivhen 

I dagei^en herrs«'henden Vor- 

tLii^..-, ^«^gründt*t wurde, ward er der 
efytr Inhaber derselben und tmg in dieser 
Bteliun)^ nicht wenig dazu Itei* dit? römist^he 
JfM^nmä auf die Einführung der modernen 
lUehtiing der Medizin vorzuWreiten. In- 
sirifichcm erwarb or sieh grosse Beiühmt- 
IkPlt «Ja praktidi*her Anst und wurde in 
IciinBi^r Zeit der l>eliebt«&ft^ uml gesuchteifte 
Kunftulent der St«dt. Bald na^h dem 1B70 
erfolgtem An»chlu2äfie Ktitui» an da» König- 
rddi Italitm wurde er deshalb ziun ordeut^ 
liclieu Proiemor der iiii»dizuiim'heti Klinik 



an der röniis^ihen Universität ernannt^ 
I w^ekhe Lehrkanzel er (obwold seiner 
I heutigen Stellung ak Mi]viöt*ir wegen 
von einem aussen irdentliohen PrtifesBor 
«iippliert), anch gegen wUrtig iniie hat. — 
Die grosse Thätigkeit und geistige Energie, 
weh' he B. in seiner wisÄenüichaftlichen 
Laufbahn an den Tag gelegt ^ drängte Um 
auch dazu, am Öffentlichen LeWn seiner 
8tA«it und seines Landen aktiven AnteU zu 
neliinen. Er erwarb sich in geiner Eigen- 
schaft als Pariamen tödeputierter, ^owie 
später als Unterrichtsminister grosse Ver* 
dienste nni das UnlejTichtswe«*en seiner 
llt»imat. Dfich gebort eine weitere, ans- 
führ liehe Wiirdigung dieser l^eistmigen 
B.'s, sowie sseiner Verdienste um die 
F(inlenuig dm* Ausgrabungen in Rom 
ausserhalb des Bahmens dieses Werkes. 
In sariitiU lieber B^^ziehtmg war und ist B. 
sehr thätig. Seine ,,Studien über die 
römüche Malaria'^ nnd seine Eutw^nrfe, 
die Caitipagna n^inana zu sanifizieren, ver- 
dienen die griisste Beachtung und liaben 
auch die gerechte Anerkenn\mg des Par- 
laments errungen. Auch als medizinischer 
Schriftfiteller ist B. frnchtbai" gewesen nnd 
hat gegen geclizig Arbeiten mannigfaltigen 
Inhaltes veröffentlicht. Die neniiens- 
wettesten sind folgende: „L(t Patoioifia 
dcl tnwre t ikW aarta*'' [in 4 Bänden. Rom 
1863 bis 1867) — ^^Ltrioni ctirtkhe smUü 
mala na — la }*erfiic*o^fä - (Archivio dl 
med. e chir. ed igiene, L 2,3, 1869) ^ ,,La 
mbcoittinua Hfoiäea*' iR^m 1876) — ,.6'«^' 
empiana trro'^ litioniale med. «li Koma, 
IV, 1868) — ,./>f pnmitiio sjdunis varcino- 
mate* (Rom 1876) — .,/>i nn nworo metodo 
di cura per ffli aneuritfun aortiei*^ (Ib. 1876) 

— ,,IH im HHom S€ffno dei tumori ovarici 
in genere ed in spa^ie dd n$tovario^* Jb. 1876) 

— ,,SuUa irasmimione dti »uoni nttrat^erso 
i liquidi endujJeta-ici di differtnte ttatttra*^ 
(zwei Aufsiitze. ib. 1875 u. 1877), in welcher 
letzteren Arlieit namentlich die Auskul- 
tation der lispelnden Stimme verwertet 
wird. 

BaChmannt Franz, zu Dfeld ain 
Ifam, geh. 21. Juni 1856 in Lissa (Posen\ 
studierte in Wilniburg, Dr. med. 1880, 
nahm von 1885—89 an der Puiidi»land- 
Expedition In Südafrika als wissenscliaft- 
li c ] »er Reisen der und Ex pedi t lunsl e i ter Teil 
und ist seit 1886 Kreisphysikus in Ilfeld. 



71 



Baelz — Baer. 



72 



Schriften: „TVa« ist Krankheit und tvie 
heilen mr? Ein Versuch de,'' (Berlin 1894) 
— „i>jc drei Kardinalmittel der Heilkunst 
Eufelands. Ein Beitrag etc.'' (München 
1896) — „D/e Aufgabe einer Reform der 
foisaenachaftL Heilkunde auf hid. Grund- 
lage" (Der ärztliche Praktiker 1894). Dazu 
ausser einigen Reisebeschreibungen, 
sprachwissenschaftlich. Veröffentlichungen 
(Wörterbuch d. Deutsch-Pondo, Ztschr. 
f.afr. Spr. 1889 90), ethnogr. Abhandlung., 
botan. und zool. Aufs, noch etwa 40 med. 
Joumalartikel zur Anbahnung reformator. 
Bestrebungen im Sinne folgender Thesen : 
1. Nicht in erster Linie die anorga- 
nischen Naturwissenschaften, speziell 
Physik und Chemie, sondern Entwicke- 
lungslehi-e und Biologie sollen die Grund- 
lagen der Heilkunde sein. 2. Die meisten 
wirklichen Heilmittel sind evakuierende 
Mittel im Sinne der Humoral pathologie der 
älteren Aerzte z. B. Hufelands. Diese alten 
Anschauungen bedürfen nur einer Ver- 
knüpfung mit modernen biologischen und 
bakteriologischen Kenntnissen, um wahr- 
haft philosophische, allgemeinverständliche 
Grundanschauungen über das Wesen von 
Krankheit, Heilung und Prophylaxe zu 
liefern, die uns bisher fehlten. 3. Auch 
das Wesen von Konstitution, Disposition 
und Immunität findet hier seine Erklä- 
rung. 4. Die evakuierenden Mittel, be- 
sonders der Aderlass, müssen wieder zu 
Ehren gebracht werden. 5. Die Haupt- 
ursache des Abfalls grosser Volksschichten 
von der gelehrten Heilkunde ist in der 
verkehrten Richtung letzterer zu suchen. 
Eine Besserung ist nur möglich auf Grund 
ehrlichster Selbsterkenntnis. 

BaSlZ, Erwin B., geb. zu Stuttgart 
1845, promoviert« 1872 zu Leipzig und 
wurde daselbst klinischer Assistent bei 
Wunderlich. 1875 folgte er einer Berufung 
an die japanische Medizinschule zu Tokio 
(Yeddo), wo er zuerst Physiologie lehrte, 
dann aber als Nachfolger Wernich's 1876 
die innere Medizin und Gynäkologie über- 
nahm. Zur Zeit istB. emeritiert. Wäh- 
rend er bereits vor 1876 eine Arbeit über 
die Nebenwirkungen der Salicylsäure fer- 
tiggestellt hatte, wandte er sich in den 
Folgejahren mit besonderem Eifer der Er- 
forschung der anthropologischen und pa- 
thologischen Eigentümlichkeiten der Ja- 



paner zu und publizierte teils in dentsclien 
periodischen Journalen, teils in den zn 
Yokohama erscheinenden ^Mitteilongen 
für Natur- und Völkerkunde Ostasiens" 
eine Reihe von Arbeiten. Von den letz- 
teren seien hervorgehoben: „Über die 
körperlichen Eigenacfuiffen der Japanex^ 
(Mitt. etc., Heft 27 und Forts.). — Vorher 
erschienen: ^fiber parasitäre Hämoptoe 
(Cbl. f. d. med. Wissensch. 1880); später 
eine ^, Zusammenstellung japanischer Fära- 
sitrn" (Berl. klin. Woch. 1883) — mit B. 
Ka WAKAMI „Das japanische Fluss- oder 
Überfchtoemmungsfieber" (Vibchow's Archiv, 
^^ 7g^. _ Auch an Schrübe's Untersu- 
chungen über Beriberi hat B. einen wesent- 
' liehen Anteil. 

Baer, Karl Emst V., geb. 17. (28.) 
Februar 1792 auf dem Landgute Piep 
im Gouv. Esthland (russische Ostsee- 
provinz), studierte seit 1810 an der da- 
mals eben erst gegründeten Universität 
Dorpat, promovierte hier 1814, setzte dann 
seine Studien an deutschen Universitäten, 
speziell in Würzburg (unter Dofxunokr) 




und in Berlin fort und trat 1817 als Prosektor 
der Anatomie bei Buroach in Königsberg 
ein. Hier wurde er 1819 ansserordentl., 
1822 ordentlicher Professor der 2k>ologie 
und folgte 1834 einem Ruf als Mitglied der 
Akad. nach Petersburg, wo er über 90 Jahre 
lang zuerst als Vertreter der Zoologie, 
später der Anatomie und Physiologie, eine 
Zeit lang auch als Vorsteher der Biblio^ 



73 



Baer. 



74 



thek wirkte, l^ebenbei lehrte er (von 

1841 bis 52} vergl. Anatomie an der med.- 

chiror. Akademie. Mehrere Eutdeckuiigs- 

reiseti fiilirt**n ilin nach Ai-changel und 

NüWftja Semlja (1837), nach Triest (184Ö), 

nach dem Peipns^ der Ostsee, dem kas- 

j>ischen Meere (1851 bis 56)« B. bekundete 

die kais, rufis, geograph. und entomoL 

Gesellschaft, feierte 1864 sein öOjIihrig^ 

. I>oktor-Jnbiläam und zog sich 1867 in 

Buliestand nach Dorpat ziinick, wo 

16, (28.) November 1876 starb. Die 

wisgenschaftliche Bedeutung von B, 

.liegt, wie bekannt, auf dem Gebiet der 

I Embryologie. Er ist der Entdecker des 

I «igen fliehe D Säugetiereis, des sogen. B,- 

Iflclien BläschenB (publice iert in ^^De ovi 

ImMnHmaiium et hominU geneti^ Leipzig 

(1827), ausserdem rüliren von ihm zahl- 

^ fliehe Einzeluntersuchimgeu auf dem Ge- 

biet der Entwicki'lungsgeöfhichte her, die 

er in seiner beriihmteu 2 bändigen „JEiif- 

witMking9ge»chkhte der Tiere^ (Königsberg 

1820 bind? ) zusanuuengeia86t hat Auch die 

lAnthropalogie bildete für B. einen Gegen- 

Itftjuid exjwnmenteller und didakt*libfcerari- 

f iclier Thätigkett, Er hielt wiilirend semer 

Königsl>erger Wirksamkeit Vorträge da- 

rnl>er. veröffentlichte ,^ Vorlesungen über 

AntKn/poloQie für den Selhntunterriehi^^ (Ib. 

1 ^^v die Gründung der deutschen 

; . - -'hen ileÄellÄcliaft an. indem 

anf steine Veranlassung sich zum ersten 

Male zu gemeinschaftlicher Beratung 

mehrere Anthi*opologeu in Göttingen ver- 

.sammelten. Eine aiisftihrli«:'he Darstellxuig 

jvon B.*ft Leben und L»:'i6tnngen verdanken 

(«rir L. Siuda {Braunschweig 1878). 

Baer, Abraham Adolf, in Berlin, 
26. Dezember 18S4 im Posenschen, 
zu Berlin^ Wien, Prog und vvui\ie 
[1861 promoviert. Zuerst wü'ktc B, seit 
1862 als Antt und seit 1866 als Stiafan- 
atalts&rzt in Naugard, dann seit 1872 in 
r '>* dirig, Arzt am Strafg^^fsingnis 

1 »s a^t 1879 ab Be/irks-Physikus 

nnd Gnh. Sauitätsrat in Berlin. Ausser 
iler Dissertation: „De eiectrtdfate in 
arte fiMetrieia adhibenda'' (1861), ver- 
f f»r als Hauptschriften : ^,D\e Geßfig- 
Strafanstalten nnd Slraftn/Btcme^ Vire 
iSmriMung und Wirkung in hygit^iiscJicr 
(Berlin 1871) — „f^ J/W«>- 
Verbreitung und Wirkttng auf 



den individuelkn und sozialen Organmum^ 
xotrie die Mit (elf ihn lu bekämpf ett^^ (Ib. 
I 1878); — yfDie Tr^inksiwht und ihre Ab* 
wehr. Ein Beitrag zum derzeitigen Stund 
<ier Alkohol frage'' (Wien 189Üj — ,,Der 
Verbrecher in anfhnqHtlogit^cher Be^iehung^ 
(Leipzig 1893) — ^^Dte Hygiene des Ge^ 
fängnUtiYSen»* Der Vollzug von Freiheit^' 
htrafen in hggienlscher Bezieltung^^ (Jena 
1897). Er schiieb den Absclmitt ^^Gefäng* 
nin'Hggieut^^ im Handbuch der Hygiene 

von V. PtlTTE^fKütCft und V. ZlEMSSEiN (1882, 

Leipzig T. U. Abt. 2) — ..Morbidität utvl 




I Mortoditöt in den Gefängnissen^^ in dem 
Handbuch des Gefängniswesens von v. 
HoLTzRNDORPF Und V. JagbuavVN (1888 Ham* 
btirg Bd* n.); mehrere Artikel in der 
Real-Encyklopädie der ges. Heilkunde von 
Eulenbub Q II. Aufl. imd in den Blättern 
für Gefänc»niskiinde. Von grtDSseren Ab- 
handlungen seien noch erwähnt: Art. AU 
kohdismus im Handbuch des öffentl. Ge- 
sundheitswesens etc. von EuLiENBCRG (Berlin 
1881) — ,,Die Trunksucht in ihrer Bedeutung 
für die Gesundheit und die Gesundheits- 
pßege^^ (Samml. gemein verst. kl in. Vortr. 
von ViRCHow und noLTZKNi>ORrF, X\T^ Serie, 
Heft 369. Berlin 1881) — ,,Der Alkohol- 
mis^amh^*^ (Vortrag. Vrtljhrschr. f. ö* 
Ge^hpfl. 1882 XTV^) - ,,tW das Vorkommen 
von PhthUis in den Gefäfigntssen** (Ztschr. 
für kl Med. ^T 1883) - ,,Die Trunksueht 
I und ihre Bekämpfung durch die Vereinst hat i^ 
I keil'' (Berlin 1884) — ,,Das Goihenburgxhs 
I Sgsiem zur Einschränhmg der Trunksucht^^ 



75 



Bärensprung — Baenmler. 



76 



(Vrtljhrssclir. f. Volkswirtschaft etc. von 
Wiss XX Bd. 1) — ^^Gesetzliche Massregeln 
zur Bekämpfung der Trunksucht^^ (Preuss. 
Jahrb. Bd. 66. 1884) — „Die Verunreini- 
gungen des Trinkbrannttceines insbesondere 
t« hygienischer Beziehung'''' (Wissenschaft!. 
Beitr. zum Kampfe gegen den Alkoho- 
lismus, Bonn 1885) — „Die AlkuJiolgesetze in 
den nordamerikanischen Staaten und ikt-e Er- 
folge'' (Zeitschr. für Sozialwiss. 1 1898) u. a. 

Bärensprung, Friedrich Wil- 
helm Felix V., geb. 30. März 1822 
als Sohn des Oberbürgermeisters von Ber- 
lin, studierte seit 1840 in Berlin und Halle, 
wurde nach bestandener Staatsprüfung 
Assistenzarzt bei Krukknbero , widmete 
sich neben entomologischen Arbeiten dem 
SpezialStudium der Hautkrankheiten, für 
die er sich 1848 in Halle habilitierte und 
lie«s sich 1850 zugleich als praktischer Arzt 
daselbst nieder. Im Jahre 1853 folgte B. 
einem Rufe als dirigierender Arzt auf der 
Abteilung für Syphilitische an der Ber- 
liner Charite; 1856 wurde er zum ausser- 
ordentlichen Professor ernannt und erhielt 
zu seiner bisherigen Abteilung noch eine 
zweite für Hautkrankheiten. Doch er- 
krankte B. z. T. infolge heftiger litte- 
rarischer Fehden, die vielleicht bereits als 
ein Symptom der in ihm schlummernden 
Affektion anzusehen sind, an Dementia 
paralytlca, die gelegentlich einer Finger- 
verletzung 1863 manifest wurde imd B.'s 
Überführung nach Homheim bei Kiel er- 
forderlich machte, wo er nach einer vor- 
übergehenden Eemission am 26. Aug. 
1864 seinem Leben ein Ende machte, in- 
dem er sich bei einem Spaziergange nach 
Kiel ertränkte. B. gehört zu den talent- 
vollsten und vielseitigsten Dermatologen 
des 19. Jahrhunderts. Sein Hauptverdienst 
auf dem Gebiet der Dermatologie bildet 
die „anatomische Begründung der neiiriti- 
schen Dermatosen durch den Nachwels 
der Spinalganglienerkrankung bei Herpes 
Zoster" (Cäspary). Die betreffende Arbeit 
ist, wie alle seine zahlreichen Arbeiten 
zur Dermatologie (über Area Celsi, Prurigo 
u. a. m.) in den Charit^-Annalen erschie- 
nen. Fast noch grössere Popularität be- 
sitzt B. dadurch, dass er (gleichzeitig, 
aber unabhängig von Traube) die Not- 
wendigkeit der Temperaturmessungen am 
Krankenbette betont«; hierher gehört 



seine klassische Publikation: „Untersu- 
chungen über die Temperatui-verhältnisse des 
Foetus und des encachsenen Menschen im 
gesunden und kranken Zustande"" (Mukller's 
Archiv 1851 bis 1852). Erwähnung verdie- 
nen noch die Abhandlungen: „Über die 
Folge und den Verlauf der epidemisdien 
Krankheiten'' (wegen wertvoller statisti- 
scher Angaben) — „Über hereditäre Syphilis"^ 
(Berlin 1864), eine Schrift, die er 
während der Eyemissionszeit in der Irrenan- 
stalt Homheim vollendete. In der (be- 
schichte der Lehre von den syphilitischen 
Affektionen nimmt v. B. eine eigenartige 
Stellung ein, indem er ein ausgesprochener 
Gegner der Quecksilberbehandlung war, 
die bekannte Dualitätslehre von Schanker 
und Syphilis begründete und über die 
Entstehung der hereditären Syphilis be- 
sondere Anschauungen verfocht. Wir ver- 
weisen hierzu auf die eingehende Dar- 
stellung bei Proksch, Gesch. der vener. 
Krankh. (Bonn 1895 n p. 774 ff.) 

BaeUmler, Christian G. H., in 
Freiburg i. B., zu Buchau in Oberfranken 
13. Mai 1836 geboren, studierte in Erlangen, 
Tübingen, Berlin, Prag, Wien, Paris, Lon- 
don unter Dittrich, Thiersch, Griesinqek, 




V. Bruns, Virchow, V. Grarfr. Kussmaul, 
V. ZiEMssRN und wurde 1860 promoviert. 
War von 1863 bis 66 Hausarzt am deutschen 
Hospital in London, von 1866 bis 72 prakt. 
Arzt in London und Arzt am deutschen 
Hosp. und am Hospit^ for diseases of the 



77 



Bagiiiäkj. 



78 



r Che«t, Viktoria Park, wnrde 1866 Mitglied 
Ipiember) dea& Boyal Colle^ o£ Pliysiciunö 
iLondnu, Im Jalir 1878 zum ,,Fellow^' 
tilhen CoUegiuins gewäliU, Seit dem 
ierl>$c 1876 wirkt er als Professor und 
)ir©ktor der medbsüiiscben Klinik zu Fr«!- 
L B* — B. ptibUziert't? neben den 
Artikel« „Syphilis'* in v, Zirmsäkn*» Hand- 
buch. Bd. HL ,:Herzbeut€l-'^ iind ..Blut- 
^Krankheiten" in Penzoldt und Stint- 
i's Hnnil buch der Therapie Bd. II L eine 
Anz4i.hl AnfäUti/:e im deutschen Archiv für 
^ klinische Metliziii, Meiiical Time*? and Ga- 
ette. Truusactions nf the Clinical Society^ 
Tmnfac-tions of the Puthological Society 
^oi Umdon^ British Me*liciüJournal, Qoain's 
ICydopjiedia of Afeilicine eU\ über Gegrn- 
d^r inneren Klinik und Hygiene. 

Baginsky, Adoir, in BerUu, geb. 

22. ildi 1843 zu Hatibor in ScldesieUj 

tiudinrtn in Berlin von 1861 bis 63, als 

Schiller rön Vn« m<iw u.Tiuübk, 1864 in Wien. 

|1B65 und 1860 wi<*denim in Berlin. - 




l>r. mpd. IHtiö in Berlin, (^^(^mintit catiftis 
9*or» 9teihttem cfieMt^tam »raifa tribuemla 
»i,^J 1866 wnhrrnd dar Choleriiperiode 
wüT B« Aflfiifiteut im städtischen Kranken- 
Imu^tf^ tnacht45 1867 «1h» StAntsexamen ^in 
JJJerlin, Üeiss sich 1868 in See bansen bei 
iehurjBf als Arzt niiHW, fnn>;iert^ 1870 
1871 in Nnr(Uian>5<?n als Vorsät^eher 
Hoeervo-Larjirettes und Etapiienarzt, 
1872 WHch BitUu zurück, wo er 



eine eigene Poliklinik für Kinderkrank^ 
heit^n eröffnete und 1882 sich für i?|H'zielle 
Patluilogie und Tlierapie liabilitierte. 
(yjJber das Vtrhällniß der Kinderhcilkrtnde 
mtr ffemmten Medizin, ^^) B* lehrt seit- 
her Kindeiiieilknnde, ist seit 1891 Prof. 
e. o. Er begrün de t*« im Verein mit 
RitnoLF VifiCHow 1890, und seither in 
dauernder gemeinsamer Arbeit mit dem- 
selben, das unt^r dem Protekt<irate I. M, 
der Kaiserin Friedrich stehende k. k, Fried- 
rich-Kinderkrankenhaus, dessen Duektor 
und spe/Jeller diiigierender Arzt der 
inneren Abteilung und der Infektion.s- Ab- 
teilungen er gegenwärtig ist. Gemein- 
sam mit Alois Mosn begründete B. die 
Centralzeituug für Kinderhellkimde, Ber- 
hn 1877 - 2 Bünde, die 1879 in das 
Archiv für Kinderheilkunde umgewandelt 
wujde. dessen Cbef-Hedakfcem* B. ist. 
Bisher erscliieiu«n 28 Bande, — Gnjssere 
Werke: „Hfindbacli der ikhulhi/giene^^ (1876, 
seither 3 Anfingen von der dritten der 2. 
Band Jetzt im Drnck, Stuttgart 1899) — 
^.Lehrbttcli der Kinflerktaukfmten** (Braiui- 
ßchweig 1882. 6. Aud, 189ili — ..Serum- 
therapie der Diphtfierie'' (Berh 1896) — 
„ DipfiiheHc und diphtherif (scher Crrmp" (Wien 
1898 als Teil v<in NotiiNAGKt's Sinndbuch 
der speziellen Pathologie und Thenqiie) - 
^^trakÜHchc Beiträge zur Ktmler Heilkunde^'' 
(Tübingen 3 Hefte: 1. Pneumonie und 
Pkurifiii. 1880. 2. Ravhitin. 1882. 3. Die 
VenlnuuTigskrftnkheifm der Ktwfcr, 1884). 
B, gab femer heraus ,,Arbeihn ans detn k, k. 
Friethich-Kinderkrankenhaim'' (3 Bünde^ 
1891. 1893, ISdl) -- ,,Paef(iatrüche Arbnteti'' 
(Zum 70. Geburtstage von Hfaoch 1H90). 
Ausserdem veniffentlicht« B. über 100 
wirssenschaftliche Eiiiifelarbeiten snw<dd in 
seinem Spezialgebiete, wie zur Hygiene 
und zahlr«*iche populiir geschriebene 
Abhandlungi'U. 

Baginsky, Benno, in Berlin, geb. 
i 24. Mai 1848 in Itatibor. studierte in 
\ Berlin mid promovierte 1870. Während 
I der Jahre 1870—71 war er als Assistenz- 
arzt der mobden Armee in Franki'eicli* 
Seit Anfang 1872 ist B. als prakt. Amt 
thiitig. seit 1880 ausschliessLicii als Anct 
für Ijarv^ngologie, Rhinologie und 4 )t-4i»logie. 
Seine Arbeiten bewegen sich auf experl- 
mentell-physialogischem und klinischem 
Gebiete der eirengenannten 3 Fächer. Von 



79 



Baillarger — Baker. 



80 



besonderen Arbeiten sind zu erwähnen: 
yylHe rhinoscopischen üiitersucliungs- und 
Opet-ationamethoden^'' (Volmiann's Sammlung 
klin.Vortr.) — „Üferr die Felgen von Druck- 
Steigerung in der Paukenhöhle und die Funk- 
tion der Bogengänge^^ — ^jjber die Schwindel- 
eracheinungen nach Ohrverletzungen^^ — ^^Zur 
Physiologie der Gehörschnecke^'' — „ÖZ«r die 
Leitungsbahnen des Acusticus beim Kaninchen 




und bei der Katze''^ — „Über die Veränderun- 
gen der Nervenendorgane nach Durchsdinei- 
dung der zugehörigen Nerven^'' — „Über den 
Meniere^ sehen Symptomkomplex'''' — „Über 
Ohrerkrankungen bei traumatischer Neurose^'', 
Ausserdem bearbeitete er die Kehlkopf- 
und Olirerkrankungen in Eulenburq's 
Eeal-Encyklopädie. Seit 1883 ist B. Pri- 
vatdozent bei der Universität für Laryn- 
gologie, Rhinologie und Otiatrie, seit 1897 
Titularprofessor. 

Baillarger, Juies-Gabriei- 

Fran^ois, zu Paris, geb. 1806 zu 
Montbazon (Indre-et-Loire), machte seine 
Studien in Paris, wurde Interne im Irren- 
hause zu Charenton, hatte sich des Unter- 
richtes von EsQuiROL zu erfreuen, wurde 
1837 Dr. mit der These: „Du sOge de 
quelques hemorrhagies meningies^^, 1840 am 
Hospiz der Salpetriere angestellt und 
später zu einem der Direktoren der von 
EsQüiROL zu Ivry gegründeten Irrenanstalt 
ernannt. 1842 erhielt er den von der 



Acad. de med. für die Erage: „Da AoOn- 
duatiotis, des causes qui les pradwictd et 
des maladies qu'efles caracferisent"' (Iföm. 
de l'Acad. de med., T. XTTT) ausgesetzten 
Preis. In Gemeinschaft mit Lonoet und 
Ckrise begründete er 1843 die „Anmaks 
midico-psychologiques du sgsthne nerveuji^, 
in welchen er eine sehr grosse Zahl von 
Arbeiten aus dem Gebiete der Geistes- 
krankheiten veröffentlicht hat; unter 
ihnen sind besonders anzuführen: „Stupi- 
diti des alienes"^ — „Statistique de la folie 
hh'iditaire'''' — Fr^quence de la folie chez 
les prisonniers^^ — „Hallucinations^ — 
„Pdlagre ou paralysie pellagreuse^ — nO^ 
ftwtwic" — „Folie ä double forme"' tu 's. w.; 
von denselben sind einige auch separat 
veröffentlicht worden, ebenso wie andere 
Arbeiten, imter denen eine der wichtig- 
sten die für das Comit6 consoltatif 
d'hygi^ne publique (1873) redigierte Denk- 
schrift: ^^Venquete sur le goitre et le erh- 
tinisme"" ist. Ausserdem hat B. auch 
physiol. Abhandlimgen veröffentlicht, z. 
B. : „ Recherches sur la structure de la couche 
corticale des circonvolutions du cerveau"' 
(Mem. de l'Acad. de mM., T. VIII). B. 
starb 31. Dez. 1890. 

Baker, WilUam Morrant, Chi- 
rurg in London, geb. 1839 in Andover, 
trat 1858 in das St. BarthoL-Hosp., wurde 
1861 Dr. med., 1867 Warden des College 
am St. Barthol.-Hosp., 1869 Dozent der 
allgem. Anat. und Physiol., 1871 Assist- 
Surgeon, 1882 Sui-geon des Hosp., legte 
diese Stellung 1892 nieder und wurde 
dann zum Govemor des Hospitals ernannt. 
B. war auch Surgeon und später Con- 
sulting Surgeon des Evelina-Hosp. für 
Kinder, Examinator in der allgem. Anat. 
und Physiol. im B. C. S. und starb 
3. Oktober 1896 in Pulborough, Sussex. 
Er gab Kirkk/s Handbuch der Physiologie 
und die „Statistici of Cancer^'' (Transact. 
Med.-chir. Soc. XIV) heraus. Er erfand 
femer eine biegsame Trachealkanüle und 
lieferte kasuistische Beiträge zur Patho- 
logie der Geschwülste (Bauula, Cysten, 
Aneurysmen), sowie zu anderen Kapiteln 
der Pathologie. Seine Publikationen finden 
sich im genannten Journal, in den Transact. 
Pathol. Soc. und Clinical Soc, sowie 
in den Berichten des St. BarthoL- 
Hospitals. 



81 



Balfoiir — Ballowitz, 



BalfOUFt Thomas Graham, Med. 
Dr.. in Wimbledon- Siiirey, von 1838 bis 
1853 Awt in der britischen Aimee 
öiid Hernusgfber der y^Statütical Äe- 
port§ cm ihe health of the army**^ im 
gleichen Zeiträume, Später publizierte er 
im Edlnb. med, surg, Joum, (1847) die 
„Statisficni Meports or* the health of the 
tr*iOp8 in the Madras Premdency^' uiid von 
1859 — 1871 wiedenun die obengedaoliteu 
^Armett berichte als Generalarzt. Ausserdem 
atstaminen seiner Feder Arbeiten über 
iTifcccination, über Spirontetrie and letzthin 
dit? „ Vital gtatiatics on cavalry hor»cs^^ 
(StAtist. soe. Jonm. 1880). B. starb 17. 
Januar 1899, 

BSUlf Beiijümin, Professor der Kli- 
nik fürPavchiatrie iind Geliirnkrankheit^n 
an der Pariser FakaMt seit 1877, 18:^4 in 
Neapel geboreiii^ machte seine Studien luiter 
Cu BKBJCAtin, liRATiourr, Chahcüt in Paris 
und irurde 1862 promoviert. Neben seinem 
grÖsBenrn Werke: ^^Legons wur ks mtiladies 
mentaiiSf^ (1883) hat er rein kiiiiisciie 
iiHltii iwif* die Tjiiniit*iitniibölien , die 




Atthropathien f die Broncekrank- 
llM% besonders aber auch psychiatrisclie 
Gogetiätibide (die cerebrale Ischümie, den 
Gf»iiimloqii)r, die Schlartosigkeit bei Para- 
lynit «(^itans etc,), letztere besi^ndere in 
d»r Zeitschrift JMnccphaW' behandelt. B. 
Stftrl» 23. Febmar 1888. 

Ballard, Edward B., 1818 gek 
1844 promoviert, früher 



, erster Arzt an der St. Panerns Royal gen. 

I Disjjensary, dann an der Farrijigdon 
gen, DiÄpeüsarv^ thütig, ist der Verfasser 
von „77/c pliy»ical diagnösis of diseases of 
the abdomen^\ der „Elements of mttteria 
medka and therape^tfics^^ verschiedener 
kasiiistisciier \u\d opidemiologis^.'her Pti- 
blikationen und df's zweibändigen „Ä/«dy 
of the influeuce of wmther atid »efison npon 
pdAic health made upon 217000 aues of 
skknfBH etc, durin ff tlie nine years 18 "i? — 
18W, Aiuii beschrieb er eine der ersten 
Mik'htyplmsepidemien in Tslington 1868 bis 
1859 und erwarb einen Preis mit der Ab- 
handlung „O?* racciftation, its raiue and 
aUeged datiffera^ (London 1868). B. starb 
19. Januar 1897. 

i BallOWitZ, Emil, in Greifswald, 
geb. 20, November 1859 in rireifswald, 
studierte Medizin und Naturwissenscliaften 
an den Universitäten lireifswald und Frei- 
burg i. B. Als Student führte er 1883 an 
der Died. Klinik Untersuchungen aus über 
die nicht lange vorher entdeckten Tubeikel- 
hazlDen, durch die dej: Iiohe diagnostische 
Wert dieser Bacillen bestätigt wurde. 1884 
wurde B, in Greifswald Dr. med. und in 
demselben Jahre Prosektor am anato- 
mischen Lisbitut der Universität Rostock 
mitev A. von Brunj*, wo er bis zum Herbst 
1886 verblieb. Dann folgte B. einem Rufe 
nach Greifswald imd wurde dort unter 
J. BtTME am anatomischen Institut als 
Prosektor angesteDt, Im Herbst 1888 
habilitierte er sich für das Fach der ge- 
samten Anatomie und wTirde zu Anfang 
des Jahres 1 894 zum Professor e. o, befördert* 
B. führte sich in seine Wissenschaft durch 
eine Anzahl gnisserer Monographien über 
die Spermatozoen der Tiere ein, welche in 
den Jahi-en 1886 bis 95 im Ai-ch. f. 
mikrosk. Anat.. Arch. f. Anat., 2^it^hr. 
f. Wissenschaft!. Zool. und in der intemat. 
Moniitsschr. f(lr Anat. erschiejien sind. 
Darin ist der feinere Bau der Samenkör- 
per fast aller Hauptgi-upjjen der Tiere, 
insbesondere der Säugetiei'e, Vögel, R«p- 
tilien^ Amphibien \md Fische und unter 
den Wirbellosen vor allein der Insekten 

i beschrieben, 1889 w^ies B. in einem Vor- 
trage auf dem IH. Kongress der anat^ 
Gesellfich. in Berlin auf den Zusaimnen- 
hang zwischen librillärer Struktur und 
Kontraktilitüt hin (Arch, f. d. ges. Physiol. 



as 



Balogh. 



84 



Bd. 46). Femer erschienen in den ge- 
nannten Jahren Untersuchungen über den 
feineren Bau der Muskelsubsfanzen. (Arch. 
f. mikrosk. Anat. Bd. 39) und über dna 
Schmelzorgan der Edentafen (ebend. Bd. 40), 
sowie kleinere Abhandhingen, z. B. 
über das Vorkommen des Miniopferus 
Schrelbersü in Deutschland (Zoolog. Anz. 
1890) — Mastzellen (1891). 1893 trug B. 
auf dem 7. Kongress der anat. Gesellsch. 
in Göttingen t/6er die Entdeckung der Nerven 
und Nervenendigungen der Pigmentzellen 
und über die Betcegitngserscheinungen dieser 
Zellen vor fZeitsclii*. für wissensch. 
Zoolog. Bd. 56, Biol. Centralbl. Bd. 13). 
Aus dem Gebiete der menschlichen Ana- 
tomie wurden Abhandlungen über angeborn- 
nen einseitigen, vollkommenen Nierenmangel 
(ViRCHOw's Archiv, Bd. 141) — über die topo- 
graphische Anatomie des Duodenums (Anat. 
Anz. Bd. X) — Zahnanomalien (Archiv für 
Anat. und Physiol. 1895) — Sesamkncchen 
ViRCHOw's Archiv Bd. 148) veröffentlicht. 
In den letzten Jahren erschienen von B. 
mehrere Arbeiten über den feineren Bau 
der Zelle, Zellsphären, Centralkörper u. s. w., 
besonders in den Epithelien und Hom- 
hautzellen. Vor allem aber müssen die 
vier seit 1893 veröffentlichten Monographien 
über den feineren Bau der elektrischen 
Organe der Fische genannt werden, von 
welchen die eine Torpedo behandelt (Arch. 
für miki-osk. Anat. 1893), die zweite Raja 
(Anat. Hefte 1897), die dritte Gymnotus 
(Arch. für mikrosk. Anat. Bd. 50) und 
die vierte Malopterurus. Die letztere, für 
welche B. das Material von Fr. Gotsch 
und G. Mann in Oxford erhielt, erschien 
1899 als besonderes Werk und ist dem 
Andenken A. von Beunn's gewidmet. 

BalOgfh, Kaiman, wirkte 25 Jahre 
lang an der Universität zu Budapest als 
o. ö. Professor, zuerst der Pathologie, später 
der Arzneimittellehre. Er veröffentlichte 
1875 eine Arbeit „Ü^f ^Je Wirkung des 
Corrosivs und des Quecksüberäthyls^' (im 
Orvosi hetilap Nr. 51 und 52); femer: 
„Sphärobakterien der entzündeten HornhatU^' 
(Ctrlbl. f. d. m. Wiss. 1876) - „Jn welchem 
Verhältnis steht das Heraustreten der farb- 
losen Blutzellen zu der Entzündung und 
Eiterung?" (Virchow's Archiv. XVL, 1868) 
und starb am 15. Juli 1888. 



Bamberger, Heinrich von, in 
Wien, geb. 27. Dezember 1822 in Prag, 
widmete sich in seiner Vaterstadt dem 
Studium der Medizin und erlangte da- 
selbst den Doktorgrad 1847. Einen Teil 
der Studienzeit verbrachte B. an der 
Wiener Universität, wo gerade Skoda und 
Rokitansky durch ihre bahnbrechenden 
Leliren die ärztliche Welt in Staunen ver- 
setzten. B. fungierte hierauf als Sekundar- 
arzt im allgemeinen Krankenhause zu 
Prag, war 1849 und 1850 als Assistent 
an der Prager medizinischen Klinik, so- 
dann 1851 bis 54 als klinischer Assistent des 
mittlerweile von Leipzig nach Wien be- 
rufenen Professors Oppolzer thätig und 
wurde im Frühjahr 1854 als Pro- 
fessor der speziellen Pathologie und The- 
rapie an die damals am Zenith ihres 
Ruhmes stehende Universität Wüi*zburg 




berufen. Hier entfaltete B. eine frucht- 
bare litterarische und Lehrthätigkeit und 
wurde 1872 nach dem Tode seines Lehrers 
Oppolzer zu dessen Nachfolger als Pro- 
fessor der speziellen Pathologie und 
Theraj)ie und Vorstand einer medizinischen 
Klinik an der Wiener Universität ernannt- 
Sein geistvoller Vortrag, die klare und 
logische Darstellungsweise am Kranken- 
bette im Vereine mit reichem medizinischem 
Wissen machten ihn zur Zierde seiner 
Fakultät, der er auch durch die von ihm 
empfohlene Berufung Nothnagel's einen 
wesentlichen Dienst leistete. Seine Haupt- 
werke sind: „Lehrbuch der Krankheiten de$ 



BaDtU — V. BüXilelebeii. 



86 



Hmmu^' (Wim. 1857) — „Die Erankhdfen 
«lot ^ifiopottüchcn Systems'''' (2. Aufl., Wüiz- 
burg 1864. auch ins HollÜndische mid 
Italienische äh»ersetzti — yX^ber Bacoti vati 
Vetukim*' ^Wörzbiii-ß: 1865i. B. st^rb 9. No- 
vember 1«88. Am 29. Oktober 1899 wurde 
in den Arkaden der Wiener Universitiit 
Denkmal enthüllt, wobei E. Nkübskr 
He «Tedächtnisrede hielt. 

BdJIül, Ludwig B.« zu Himber/s^ m 
XiedeTösterrelch 1, Noveml>er 1&42 geb., 
studierte in Wien unter Htkti^v^Dumrfjcheii^ 
C. t.JBrai^ und wurde daselbst 1867 prounn 
viert Heit 1875 Privatdozent für (Teburts- 
hllfe und ÜynäkolojETie, seit 1880 a. o, Pro- 
fessor für Gebuit^hilfe und Gynäkologie, 
wirkte B. seit 1878 als Vorstand der 
FmufnabN*Uung der all p^eme inen Poliklinik 
in Wien. 1886 als ordentl. Professor nach 
Pm^ berufen, verfiel B. n<K^.h in demsidben 
J&hre in Geisteskrankheit, der er in der 
AüÄtAlt zu Döblins: bei Wien 2fi. August 
18^ erlagr* Seine Arbeiten haudeln: ,JJöcr 
Itupturdcrfjcbi'irniuftn- und ihre Mechanik*' 
4Wienl875) — Jjberdan VfrUalten desColium 
in. der Schteangernchaß und während 
i€r Geburt' (Stiittgart 1878) - ^.ndtrluje 
tur Ofirmfiot* der Blrtfiefischeidrnfi^tehi und 
BamUiferHcJf^dtfifhf^lu'' {Wien 1880) - 
^^Die KrankJiriten drr Tuben, dt's Bmken- 
pcrihMeumM und BfckeNtellgetvebet^'' (in 
Pmi4-Bnxifom*s Handbuch der Chirurgie). 

BankSt Str Juhu, zu üubUn. geb. ! 
14. Okt 181B in I^ndon, gtudierte im ' 
Triiiity Coli, zu Dublin, wurde 1843 Dr. 
med., 1841 Lic, 1844 FeJlow des Coli. .>f 
Phymc, und war Pritsident dessell>FU 
1888^70, 1843 ^^u'de er Physic. na «It'ii 
Onremmr-nr oder Houso of Lulustry 
I.' u. wurde nach Sir Dominic 

lA.i^r>,.,., , n Rücktritt einziger Dozent der 
M<«L in der BicJunond med. Schule, | 
1849 '£itm King'g Prof. d»^r prakt. Med. , 
in der Schuol of Phyair, Trüiity Coli., 
und smm Physic. von Sir Patritik Dun's 
Ho«p. •srtumnt. Er war Präsident der 
PliaJuit Soa, Jtfitg^lied 'des Senats Ton 
QuoriiV 1*11 und RepriLsentant im 

Itfiiiera] ^b iL Den Gnwi als Dr. 

of 8<deuc« houor. causa erhielt er von 
dät Qu»m*A Umversity. Er Ist zur Zeit , 
8eiiAt<ir disr linynl Uiiiversity of IreJand 
Bad Tiatnlt dim Senat im Gen. Med. 



] Cowicil, seit 1891 Reg Prof. of Physic 
I l>ei der Universität von Dublin (bis 1899}^ 
Consult. Phvsie. von 8ir Patrick Dun*8, 
City of Dublin. Coombe Hosp., des lüch- 
mond Asylnui und der Ifational Eye and 
Ear Inli^nar>^ B. war der II. Präsident 
der Acful. uf Med. in Ireland. Seit 1880 
ist er Pliysician in Ürdinary der Künigin 
in Irland und wurde von Ihrer Miijestüt 
in W^indsor 1889 ilurch den Orden of the 
Bath als „Knight Commander of the 
Bath** ausgeÄeichnet. Von seinen zahl- 
reichen Aufsätxen sind folgende anzu- 
führen: ,, Hostie bram-hilty* — t^Aneurism 
of aoria, with airophij of larifufjeal mus- 
dts'^ (Dublin Journ.; — .^Tetanus and 
chorta trmted hy ddoroform inhalatiofis" 
(Ib.) — „Lqss of fnHffi4age in cerehiuil dis- 
eiwe*' (Ib,) — „l^fculiar discolorathtn of 
ihe fikirt In femaUs" — ,, Wanting palfty. 
Cruveilhier's dwcrcwt'" — „Gangrene of 
the Inng'^ — „Cenbro-spinal arachnitk" 
und viele andere Mitteilungen im D;iblin 
t^Qurt. Jijurii., Dublin Hosp. Gaz., Pniff^ed. 
of the PathnL Soc, sowie endlich der 
Artikel .^Typhim'' für Quain'ß Dictionary 
of MetL 

V, BardelebeE, zwei deutsche 

Mediziner, Vater und Sohn. Heinrich 
Adntf V. 11- iU'V Vater, /u Fiftrikfuit a. 0. 



\ 



1. März 1819 geb., studierte in Berlin^ 
Heiilelberg, nochmals Berlin und Paris 
und promovierte 15. Dezeml)er 1841. Sclion 
1840 war B. als Assistent bei Njlkoilr in 



87 



V, Bardeleben. 



88 



Heidelberg eingetreten und gedachte sich 
der geburtshilflichen Carriere ganz zu 
widmen, als das damals sich so rege in 
Giessen entwickelnde, echt naturwissen- 
schaftliche Streben der dort vereinigten 
jüngeren Kräfte ihn anzog, und er sich 
speziell im Verkehr mit Th. Bischoff zu 
neuen, rein wissenschaftlichen Studien an- 
geregt fühlte. Er wairde bei letzterem Pro- 
sektor und habilitierte sich in Giessen 
(1843/44). Nachdem er hier noch, vier 
Jahre später, zum Extraordinarius ernannt 
worden war, bewog ilm eine Berufung zu 
einer ordentlichen Greifswalder Professur, 
dorthin zu gehen. Jedoch auch hier lehrte 
B. anfangs die Chirurgie keineswegs aus- 
schliesslich, sondern war schon durch die 
Universitätseinrichtangen vielfach zur 
Beschäftigung mit anderen Unterrichts- 
fächern genötigt. Erst im Laufe der 
Pünfziger-Jalire errang er jenen weit 
über die Mauern Greifswalds hinaus- 
reichenden Ruf als Operateur, der ihm 
in den Kriegen der Sechziger-Jahre die 
Stellung eines konsultierenden General- 
arztes der Armee und in der Folge (1868) 
die Berufung nach Berlin (an Jünqkkn's 
Stelle) eintrug. Hier wirkte B. bis zu 
seinem 24. Sept. 1895 erfolgten Ableben 
in segensreichster Weise und erwarb 
sich namentlich durch Einführung und 
Modifikation resp. Vereinfachung der anti- 
sept. Wimdbehandlung ein grosses Ver- 
dienst. 1888 wurde er aus Anlass der 
Behandlung des Kaisers Friedrich lEL 
in den erblichen Adelstand erhoben. B. 
gehört zu den hervorragenden deutschen 
Wundärzten und klin. Lehrern der Chi- 
rurgie im 19. Jahrh. Er war Mitbegründer 
und zeitweilig Präsident der Deutschen 
Gesellschaft für Chir., an deren Verhand- 
lungen und Arbeiten er den regsten An- 
teil nahm. Auch um die Hebung des 
Militärmedizinalwesens hat er sich grosse 
Verdienste erworben. 1866 und 70/71 
diente er als konsultierender Generalarzt, 
ausserdem leitete er ständig Operations- 
kurse für Militärärzte. Eine ausführliche 
Darstellung von B.'s Leben und Arbeiten 
verdanken wir einem seiner Schüler und 
langjährigen Assistenten, dem Oberstabs- 
arzt I. KL Prof. Dr. Albkrt Köhlkr (Berlin) 
in V. Lanoenbkck's Arch. f. klin. Chir. B. 
hat nicht nur im persönlichen Unterricht 
in hohem Grade anregend gewirkt, son- 



dern ist als Lehrer noch besonders her- 
vorragend durch sein grosses „Lehrbtich 
der Chirurgie und Operationdehre" (8. Aufl., 
Berlin 1879flg.). — Eine grosse Eeihe 
kleinerer, aber oft die massgebendsten 
Gesichtspunkte klarlegender Vorträge und 
Abhandlungen erschien im Archiv für 
physich Heilkunde, im Archiv für Ana- 
tomie und Physiologie, in den Compt. 
rend. de TAcad. d. sc, der Deutschen 
Zeitschrift für Chirurgie und den Ver- 
handlungen der Deutschen Gesellschaft 
für Chirurgie. Die Vorträge, welche B. 
als langjähriger (II.) Vorsitzender der 
Berliner med. Gesellschaft gehalten hat, 
sind fast ausnahmslos in die Berliner klin. 
Wochenschr. und die Deutsche med. 
Wochenschr. übergegangen. 

Karl Heinrich, Sohn des Vorigen, 
7. März 1849 in Giessen geb., studierte 
in Greifswald, Heidelberg, Berlin, Leipzig, 
promovierte 1871 zu Berlin, nachdem er 
1870/71 als Feld- Assistenzarzt den Krieg 
gegen Frankreich mitgemacht hatte und 
Assistent bei Bardrlebkn sen. und Esharch 
im Barackenlazarett Berlin gewesen war. 




Nach dem Staatsexamen 1872 wurde er 
Assistent bei W. His in Leipzig, ging 1873 
als Prosektor mit Schwalbe nach Jena, 1878 
a. o. Professor, 1888 Prof. ord. hon., 1898 
Hofrat. Als Oberstabsarzt L Kl. d. Bes. 
1898 k la suite des Kgl. Sachs. Samtäts- 
korps gestellt, 1899 Generaloberarzt & L 8. 
verfasste v. B. u. a. folgende Schriften: 



I 



^^eiträge rur Anat der Wirbelsäule** 
tJena 1874) — f,Dtr Muse, sttrnalis** 
(1876) — ^Über Venrn-Etfistüitäi" (1878) 

— „Bau der Artericincatui" (1878) — 
,^i>ie GeaefimemigkeU de9 Knochrnbaus 
umd ihre allgemeine Bedfittung'^ (1878) — 
^EntHdckelung der Ejalranitäten' Vamn" 
(1879) — ..E^Memum de^ Maischen'' (IHld) 

— „DtiM Klapfmt'Dishim'GeseW il88ü) — 
„Die Haupt rem des Armes" (1880) — j 
,^mkä und Fascii^^' {\SHi) ^ „An^ 1 
teOung «iw» Präparieren*' (1882. 4* AaJl. 
1BB6) — nfDa» 09 infermcdintn tarsi der 
8ßii^ier€ Hwi des MettscJicn*' (1883j — 
ffAiHmeunm** i 1885) — ffEntuHckdnng der 
F^mimrzel'' (1885) — „BaurMhiihU Binde- 
gemebe" (1885) — j,Zur Morphologie des 
üaud' uuil Fii^Mgkelet»** (1885) — „Brust- 
kchl^ (1885^ — ,,AnatomiscJie Verhall nisse 
40r w^rderen BrusHc^and und die Lage des 
iknmt'* (1885) ^ J%er funie ßestaf^d- 
feUe der Hand- und EuKHwurzd der Säuge- 
Here, Mowie die normale AtUage tfon Hudi- 
«iCN^«9i Überidkliger Finger utui Zehen beim 
3foii«Ae«*'(l885) — ,,//fi«*/ und Fms** (1886) 

— f^AUgtm, Anatomie und Histologie des 
Knoehens^' (1887) — ^^ie mf>rphohqische 
Brdftäung des Muse, sterrudis'' (1888) — 
tX'b^r die Lage der tceiidichen Becken- 
^gan^* (1888> — „Praepollex und l^rat- 
haUn^* (DeutÄoh uad englisck 188VI) — 
„tbcr die Haiul- utyi Fussmuskeln der 
ßäm^iere^ bes. die des PruepoUex (Prae* 
ktdimi) und PoitminimuH'' (1890) — ,,/uj- 
rynkimme^* (1891) — „Über bisher unbe- 
kannte anatomische Arbeiten Goethes" {IBWli 

— jj'her den feineren Bau der rnetiRf^h- 
Ikktn Spermatoiorn'* (189l| - „Über Jn- 
n^rrkrungf Entstehung ttnd Homologie der 
diMiden GUedmasMenmuskeln bei den Säuge- 
Her^m** U^l) — trDie Häufigkeit über' 
xShliffgr Bruätvfarzefi ( Hi/iferthelie)^ bes. 
häm Mann** (1891) -^ ,J}rci weitere Bei^ 
irä3f$ mr „Hgpertheiie" (1892. 1893.) - 
^Üodhe ais Amti^m*' (1892) ^ „Über 
fyermai o g e meBti beim Menschen und bei 
SSm^eiienmf htiMonolot^meti, Mursupitilitirn** 

— „BeUwö- tej' 
Im Gimseii ^^ i^^ie 
ilft»! — 1898^ — f^Goelhes anatamisclu: 
Schriften** itik der Wttimarer Aus^nhe: 
Ati. H, B(L a, MorphoL Bd. B. 1893) 

— ^liaa der topographischen Anatomie 
dest Memnihen^ (mit If. Harckkl 18ü4) — 
^Bimes ttmd ITitfofeir oftke mamrmdian Hand 



and Foot" (1894) — „Haw^ und Fuss" 
(Zusammen fiusseudes Referat 1894) — 
f^PraefrmUute m, Poä frontale des Menschen" 
(1896) -= fjnncri'lerung der MuskclHf bes. 
an den mensehlie/ten Extremitäten*' ll897j. 
B. ist MitiU'beiter von: Jahresbtsr. <1* Anat. 
etc. von HotMANN u. SctiWAtnE, jetzt mir 
Schwaluf;, von 187H an bis 99. Jalirb. 
d. iir. Med. Börxeb (1878-1893). Jenaer 
Litteratnrzeitung {Jahrg. 1874 — 1878). 
D. m. W. (Jalirg. 1878-^1899). Biol, CbL 
(1882. 1883 j. Biograph. Lexikon hervnr- 
rag. Ärzt^ (1884). lieal-Encyklopaedie 
ErLKNBUKö. 2^ n,3. Aufl. u. die topographisch- 
anat. tmd histol. Artikel. (Ausser den 
oben angeführten: DrÜsen-Epithel, Fasele, 
Kiiorpd, Nerv, Sehne u.a.]. A.Bari)eleije.\, 
Lelu'hueh der Chirurgie: topogr. - anat. 
Übersichten. Ergebnisse der Anatomie etc. 
vonMERKBL n.Bo\?fBT. von 1892 an. Skelett^ 
Gelenk, Muskel (Weimarer Gobtuk-AuS' 
gäbe (s.o.) 1893). Begründer und Heraus- 
geber de8 ,,A. A,V'. (1886 bis 99. Bd. 1^16, 
Jena» — der,,Verh, der Anat. Ges.'*. (1887 
bis 99. Jg. 1 — 13. Jena) und von „Hajid- 
buch der Anatomie des Mensehen" in 8 (9) 
Bttutlen. Erselieint von 1896 an, Jena. 

Bardenheuer, Bernhard, zu 

Köln, geb. zu Laniersdorf, Kreis Düren, 
(Rheinpr.) 12. Juli 1839, wurde 1864 in 




Berlin l-*r., war vdii 1865 an As>sistt«uE- 
arzt in den Kliniken von Bt'scK In Bonn 
und Becker in Heidelberg, wtvr Volontär- 
arzt in der Klinik von Smos daselbst, 
ging dann ein Jalir lang nach Paris. 



91 



Barfurth — Barker. 



92 



London und Wien, war während des 
Krieges von 1870/71 dirig. Ai-zt der Chi- 
rurg. Station des Garnison-Lazaretts in 
Köhi, wurde 1871 wieder Assistenzarzt von 
Becker in Heidelberg, liess sich 1872 
dauernd in Köln nieder, wurde 1874 Ober- 
arzt der chir. Station des dortigen Bürger- 
Hospitals, erhielt 1884 das Prädikat Pro- 
fessor mid 1895 den Charakter als Geh. 
Sanitütsrat. B. schrieb: „Jahresbericid 
über die chiriirglscfie Thätigkeit im Köbier 
städtischen Bürger- Hospital während des 
Jahres 1875'^ (Köln 1876) — ,Jndicationen 
zur Anwendung des scharfen Löffels" (Ib. 
1877) — „Zur Frage der Drainlerung der 
FeritonealhöIUe" (Stuttgart 1880) — „Die 
I trainierung der J'erümiealhöhle. Chirurg, 
Studien nebst einem BericM über 7 Niereti- 
exstirpationen" (Ib. 1881) — „Mitteilungen 
aus dem Kölner Bürger- Hospital" (Köln 
U.Leipzig 1886, Heft 1 — 4) — „ Osteoplastische 
Besektion des Manubrium stemi" — jj Die 
Querexcision der Fusswurzelknochen von Dr. 
Schmidt" — „Die operative Beluindlung 
der Hodentuberkidose durch Besektion der 
Nebenhodeyi" — „Interessaiüe Kapitel aus 
dem Gebiet der Perüonealchirurgie" — „ Der 
extraperitoneale Explorativschnitt" (Stuttg. 
1881) — „Die Besektion des Mastdarms" 
(V. Volkmann's Samml. klin. Vortr. No. 298) 

— „Die permanente Extensionsbehandlung" 
(Stuttgart 1889) - „Leitfaden der Behand- 
lung der Frakturen und Luxationen mittels 
Feder- resp. Geioichtsextension" (Ib. 1890), 
sowie folgende in den „Verh. d. D. Ges. f. 
Chir." erschienene Beiträge: „Die Behand- 
lung der Vorderarmfrakturen mittels Feder- 
extension" (1889) — „Besektion der Gelenk- 
pfanne der Hüfte hei septischer Epiphysen- 
linienent Zündung" (1890) — „Vorschläge zur 
Kehlkopfexstirpation" (1890) — „Plastischer 
Verschluss von grossen Blasenfisteln aus 
der Blasenwand" (1891) — „FUuHsche Ope- 
ration zur Verhütung der KieferHemme" 

— „Quere Nierenresektion" — „Besektion 
der Hüftgelenkpfanne und partielle Besektion 
des Oberschenkelkopfes" — „ Unter- und Ober- 
kieferresektion" (1892) — „Die totale Be- 
sektion des Hüftgelenkes" (1894) — „Über 
Transplantation der Spina scapulae zum 
Ersatz der obem Humerushälfte" (1896) — 
„Exarticulatio femoris im BiaceU-Gelenk" 
(1897). — In dem „Bericht über diÄ TSTatur- 
forscher- und Ärztevers. Düsseldorf 1898" 
veröffentlichte B. „Die Totalresektion des 



Hüftgelenkes." Dazu kommen noch etwa 
50 auf B.'s Anregung von seinen früheren 
und jetzigen Assistenten Dkutz, Rincheval, 
Plückkr, Oskar Wolff, K. Cramrr, Blii<:sener, 
Low, Bayer, Arnolds, Tiiikl, Breuer und 
WiLDT veröffentlichte, teils selbständige, 
teils Jounialabhandlimgen. Auch be- 
arbeitete B. für die „Deutsche Chir." von 
BiLLROTH-LücKE denAbschuitt:,, Verletzungen 
der Extremitäten" (1886 bis 88). 

Barfurth, Dietrich, zu Bonn, 
geb. 25. Jan. 1849 zu Dinslaken, studierte 
in Göttingen und Bonn, war namentlich 
Schüler von Pflueoer und von la Va- 
lette St. George, wurde 1874 zum Dr. 
phil. promoviert auf Grund einer von der 
philoe. Fakultät in Bonn gekrönten Preis- 
schrift: „Über Nahrung und Lebensweise 
der Salme de", ist Dr. med. seit 1882, 
war Privatdozent der Anatomie in Bonn, 
Prosektor in (jKittingen, seit 1889 Prof. 
ord. in Dorpat, seit 1896 in Rostock. 
Litterar. Arbeiten: „Zur EntwiMung der 
Müchdrüse" (Bonn 1882) — „Über den 
Bau und die Thätigkeit der Gastropoden- 
leber" — „Vergleich.-histochem. Unter- 
suchungen über das Glycogen" — „Biolog, 
Untersuchh, Ober die Bachforelle" — „Ver- 
suche über die Verwaiidlung der Frosch- 
larven" — „Der Hunger als förderndes 
Prinzip in der Natur" — „Die BückbUdung 
des Froschlarvenschwanzes und die sogen, 
Sarcoplasten". In den letzten Jahren be- 
arbeitete B. besonders die „Zell brücken", 
die „Regeneration" und „entwicklungs- 
mechanische Arbeiten" im Sinne von W. 
Roüx. 

BdrkSr, Benjamin Fordyce, zu 
New York, hoch angesehener Geburts- 
helfer, geb. 1818 und als Prof. der Ge- 
burtsh. und Gynäkol. am New York Med. 
College und dem Bellevue Hosp. College 
30. Mai 1891 gestorben, war von 1879 bis 85 
Präsident der :New York Academy of 
Medicine und hat wiederholt über Puer- 
peralkrankh. geschrieben. Seine grösste 
Publikation darüber ist: „The puerperal 
diseases, Clinieal lectures ddivered at the 
Bellevue Hosp," (N. Y. 1874; deutsche 
Übers, nach der 4. Aufl. von C. G. Rotuk, 
Leipz. 1880;, sowie: „The relation of 
puerperal fever to the infeeUve diseases 
and pyaemia. An address ddivered at the 



93 



Barkow — Baron. 



94 



Ohstdrical Soc, of London, 7, Jtdy 1875'' 
(Louisville 1875). 

Barkow, Hans Karl Leopold, 
Geheimer Medizinalrat und ord. Professor 
der Anatomie an der Universität zu Bres- 
lau, 4. Aug^t 1798 zu Trent auf der 
Insel Rügen geb., studierte seit 1815 
in Greifswald, seit 1816 in Berlin, hier 
besonders von seinen Landsleuten Ru- 
DOLPHi und Rosenthal zur Anatomie an- 
gere«rt. Nachdem er mit der Dissertation: 
„Z>e monstri& duplicibus vertidbiis vUer se 
junctis'' (Berolini 1821), auch als „Ctwwwen- 
tatio anat.-phys. de monstris duplicibus etc." 
(Lipsiae 1821) erschienen, zum Doktor 
promoviert worden war, wurde er in dem- 
selben Jahre bei Rosenthal, welcher zum 
Professor der Anatomie in Gi*eifswald er- 
nannt worden war, Prosektor und 1822 
Privatdozent daselbst. 1826 wurde er als 
ausserordentlicher Professor und Prosektor 
an die Universität Breslau berufen und 
wirkte daselbst unausgesetzt, anfangs neben 
A. W. Otto, nach dessen Tode (1845) als 
sein Nachfolger auch in der Direktion des 
anatomischen Institutes, nachdem er be- 
reits 18:^ Professor Ordinarius geworden 
war, als Lehrer und überaus fruchtbarer 
Schriftsteller bis zu seinem 22. Juli 1873 
erfolprten Tode. Seine äusserst zahl- 
reichen Arbeiten sind grösstenteils mit 
vielen und vortrefflichen Abbildungen ver- 
sehen und wurden demzufolge, bei der den- 
selben gegebenen kostbaren Ausstattung, 
in selbstloser Hingabe an die Wissenschaft, 
ohne Aussicht auf materiellen Gewinn 
veröffentlicht. Dieselben, darunter etwa 
ein halbes Dutzend Gratulations- und 
Jubelschriften, gehören teils der mensch- 
lichen, teils der vergleichenden, teils der 
pathologischen Anatomie, aber auch der 
vergleichenden Physiologie an. Ein aus- 
führliches Verzeichnis findet sich im 
älteren Biogr. Lex. I. p. 294 und den da- 
selbst angegebenen Quellen. 

BarlOW, Thomas, in London, B. Sc. 
Lond., B. S. u. F. R. C. P. Lond., erhielt 
seine Ausbildung am Unlversity College 
in London und wurde daselbst 1874 zum 
Dr. promoviert. Er ist gegenwärtig 
Ph3r8ician am Unlversity ColL Hosp. und 
Prof. der klin. Med., ausserordentlicher 
Leibarzt der Königin und Arzt am Königl. 



Hofe. Vorher war B. Physician am 
Hospital for sick children (kranke Kinder) 
in der Great Ormond Street imd Arzt am 
Londoner Fever Hosp. B. beschäftigt sich 
hauptsächlich mit Kinderkrankheiten und 
veröffentlichte ausser seiner bekannten 
Arbeit über die nach ilun benannte Krank- 
heit u. d. T. : „ Infantile Scurvy^' (Transact, 
Med. Chir. Soc.) noch folgende Abhand- 
lungen: „Meningitis, choroidltis and arte- 
ritis in congenital Syphilis" (Transact. 
Pathol. Soc.) — „Notes on pleuritic effusion 
in childhood" — „Subcutancous nodales in 
rheumatistn of childhood" (Internat. Med. 
Congr. 1881) — „Bradshaice Lecture at 
Coli, of Physicians" {ISdb) — „Fatal myelitis 
occurring in the exanthem stage of measles" 
(Transact. Med. Chir. Soc.) — „Double 
hemiplegia with symmetrical cerebral lesions" 
(Br. Med. Joum. 1877): ft^rner zu Allbütt's 
„System of Medicine'^ die Artikel : Raynauds 
disease, erythromelalgia, iubercidous menin- 
gitis u. simple meningiiis. 

Baroff iOy Fellce, General - Major- 
Inspekteur und Chef des italienischen 
Sanitätskorps, geb. 1825 zu Mailand, focht 
bereits als Student 1848 gegen Oesterreich, 
trat 1849 in den Sardinischen Sanitäts- 
dienst, wurde 1859 Regimentsarzt, war 
1864 und 1868 Vertreter der italienischen 
Regierung bei der Errichtung der Genfer 
Konvention und ihrer Additional- Artikel 
und nahm von da an lebhaften Anteil an 
dem Italienischen Roten Kreuz, wurde 
1876 Sanitäts-Obei-st, 1883 Chef des Comitato 
di sanitä militare, 1887 General -Major, 
1892 Ispettore capo della sanitä militare 
und starb 13. Juni 1893 in Rom. Ausser 
durch Veröffentlichung einer Anzahl von 
Monogi'aphien zur Militärmedizin hat sich 
B. um das italien. Militännedizinalwesen 
sehr verdient gemacht. 

BdPOIl) »Jonas, in Budapest, geb. 
1845 zu Gyöngyös (Ungarn», promovierte 
1869/70 als Med. und Chir. Doktor in 
Budapest, war 1871 bis 73 Sekundararzt am 
Pester Israeliten-Spitale, 1873 bis 74 Ope- 
rationszögling an der Universitätsklinik 
des Prof. Jos. KovAcs, ist seit 1874 Primar- 
chirurg des Pester Israel. Spitals und habili- 
tierte sich 1879 an der Budapester Univers, 
als Dozent für Hemiologie. Litterar. 
Arbeiten (ausser dem in dem älteren Lexikon 



95 



Bartels. 



96 



gegebenen, bis zum Jahre 1886 reichenden 
Verzeichnis noch folgende, seitdem hin- 
zugekommene) : „Zur Lehre der inguino- 
und er uro - intraabdominalen Hernien.** 
(Wien. M. Pr. 1888) — „Über die neuem 
Radikaloperationen der Hernien'' (1889) — 
„Neuere Fälle von inguino- und cruro-ab- 
dominalen Hernien" (Gyc^gyaszat 1890) — 
„Über radikale Bruchoperaiionen" (Klinikai 
Füzetek 1891) — „Ein Fall von innerer 
Incarceration'^ (Gyogyaszat 1892) — „Di^ 
Anwendung des Thcrmocnulers bei Mast- 
darnileiden" (Ib. 1893) — „Vbcr eine besondere 
Art des Leistenbruches.'' (Festschr. z. 25jähr. 
Jubil. von KovAcs 1894) — „Über ehie Art 
V071 Brucheinklemmung" (Wien. Med. 
Wocliensch. 1898). 

BartelS,KarlHeiniichChristian, 
25. September 1822 in Meilsdorf (Holstein) 
geb., studierte seit 1844 in Kiel, 1 Jahr 
später in Heidelberg, liier besonders als 
Schüler von Pfküffeh u. Hknle. Nach Kiel 
zurückgekehrt, machte er den ersten 
schleswig-holsteinischen Krieg zuerst als 
Freischärler mit, daiui diente er als Militär- 
arzt und konnte 1849—1850 das Staats- 
examen machen. — Nach der Schlacht bei 
Idstedt gefangen genommen und als Rebell 
behandelt, wurde er ein Jalir später bei 
Frekichs Assistenzarzt. Er habilitierte sich 
1851 und hielt Kurse über physikalische 
Diagnostik. Nach FitKRiciis' Weggange fiel 
ihm die Poliklinik zu, der er seine ganze 
Thätigkeit widmete, oluie eine Gelegen- 
heit zur Erweitenuig seines Wissens, wie 
sie der Verkehr mit Litzmann und Stkomeyer 
bot, zu versäumen. Ende 1854 widmete 
B. sich unter Verzicht auf seine Stellung 
ganz der Praxis. Als jedoch 1858 (durch 
Götz' Tod) der Lehrstuhl für klinische 
Medizin frei wurde, übertrug die Fakultät 
ihm die Vertretung und berief ihn in die 
Stellung als Leiter der Klinik im folgen- 
den Jahre. Einen Ruf nach Greifswald 
(1864) lehnte er ab, bildete vielmelir bald 
den Mittelpunkt seiner heimischen Fakul- 
tät und blieb ihr bis an sein Lebensende 
treu. Seine lange Kränklichkeit dürfte 
auf eine heftige Pleuritis zurückzuführen 
sein, die er sich bereits 1870 bei dem 
Auftrage, in Düppeln-Sonderburg Lazarett- 
räome vorzubereiten, zuzog. Trotz an- 
scheinend vollständiger Heilung, während 
welcher er seine Amtsthätigkeiten bereits 



wieder anf genommen hatte, zeigte sich 
I 1874 infolge einer Lungenschrampfung 
I eine erhebliche Hämoptoe, die sich 1877 
I in lebensbedrohlicher Weise wiederholte. 
! Noch einmal versuchte B. Lehramt und 
Praxis wieder au^unehmen, reiste im 
' Winter nach dem Genfer See, kehrte 
I jedoch fast sterbend zurück und endete 
sein thätiges Leben 20. Juni 1878. — B.'s 
I Hauptwerk ist das „Handbuch der Krank- 
I lieiten des Hamapparates" (der IX. Band 
von Ziemssen's Handb. der speziellen Patho- 
logie. Leipzig 1875). Daneben existiert 
von ihm eine grössere Anzahl von Ar- 
beiten im Deutschen Archiv für klinische 
Medizin, dessen langjähi-iger Mitheraus- 
geber er war. 

Bartels, Christian August, geb. 
1805 in Helmstädt und 1872 in Berlin als 
I Geh. San.-Rat gestorben, war anfangs (von 
' 1835 bis 38) Sekundärarzt der Univ.-Frauen- 
I klinik in Berlin imter Wn.H. Buscu und 
I von 1847 bis zu seinem Lebensende dirig. 

' Arzt in Bethanien. 

! 

BartelSyMaximilianCarlAugust, 
j als Sohn des Vorigen, 26. September 1843 
I in Berlin geb., studierte in Berlin, haupt- 
■ säclilich unter K. B. Brichkrt, N. Lirbir- 
I KÜHN und Gumo Waoenkr, wurde 1867 
I auf Grund seiner Dissertation: „Über 
die Bauchblasengenitalspalte, einen be- 
' stimmten Grad der sogenannten Inversion 
. der Harnblase" (Reichert und Du Bois- 
Reymond's Arch. f. Anat. und Phys. 1868) 
I ztmi Dr. med. promoviert und erhielt 1868 
I die Approbation. Danach studierte er in 
1 Wien und wurde 1869 bis 72 Assistent 
bei B. WiLMs und A. Ba.rtels in Bethanien. 
. Seit 1872 als Arzt in Berlin thätig, . seit 
j 1899 mit dem Titel Geh. Sanitätsrat, 
publizierte er, ausser einer Anzahl kleinerer 
I chirurgischer und anthropologischer Auf- 
I Sätze: „Über abnorme Behaarung beim 
Metischen" (3 Aufsätze, Zeitschr. fürEthnol., 
VIII, 1876; XI, 1879; XJII, 1881) — „Die 
Traumen der Harnblase** (Lanqbnbbck*8 
Archiv XXII. 1878) — „Über Menschen- 
schwänze" (Archiv für Anthrop., XTTT, 
1880) — „Die geschwänzten Menschen'* (Ib. 
XV, 1883) — „Die Medizin der Natur- 
völker. Ethnologische Beiträge zur Ür- 
geschichte der Medizin'' (Leipzig 1893). — 
Das Werk von H. Ploss: „Das Weib in 



97 



Baiih. 



98 



der Naiur- und Völkerkunde" wurde nach 
dem Tode von Pl. zum erstenmale 1887 
neu bearbeitet und yermehrt. Seitdem 
gab er davon mehrere stets vermehrte 
Auflagen heraus, deren sechste soeben 
erschienen ist. 

Barth, Jean Baptiste, 24. Sep- 
tember 1806 in Saargemünd (Elsass) ge- 
boren, bezog 1826 die Universität zu Paris, 
um sich dem Studium der Medizin zu 
widmen. Nach Beendigung seiner Studien 
fungierte er mehrere Jahre als Interne, 
besonders in der Loüis'schen Klinik im 
Hopital de la Pitie und erwarb sich hier 
durch Kurse über pathologische Anatomie 
•unter den Studierenden einen grossen Ruf. 

— Im Jahre 1840 wurde er zum Hospital- 
arzte ernannt und als solcher hat er an 
verschiedenen Krankenhäusern in Paris 
als Arzt und Lehrer mehr als 30 Jahre 
lang eine ebenso umfangreiche als frucht- 
bringende Thatigkeit entfaltet. — Aus 
der Loms^schen Schule hervorgegangen, 
hat B. die Richtung seines grossen Meisters 
weiter verfolgt und, wie dieser, ist er stets 
bemüht gewesen, die klinischen Beobach- 
tungen an dem Leichenbefunde zu er- 
läutern und so die pathologische Anatomie 
für das klinische Verständnis zu verwerten. 

— Als Schriftsteller ist er namentlich 
durch den von ihm in Gemeinschaft mit 
Roger bearbeiteten „Traiti pratique de 
VauBcuitation" y der zuerst 1841 erschien, bis 
1*^74 acht Auflagen erfahren hat und auch 
ins Deutsche, Englische und Italienische 
übersetzt worden ist, allgemein bekannt 
geworden; ausserdem hat er eine grössere 
Zahl sehr wertvoller pathologischer 
Arbeiten (über Obliteration der Aorta, 
Herzruptur, Bronchienerweiterung, über 
Krebs, käsige Pneumonie u. m. a.) in 
verschiedenen Zeitschriften, zuletzt nament- 
lich in dem Bulletin der anatomischen 
Gesellschaft in Paris veröffentlicht; das 
DüPUYTRKN'sche Museum hat er durch 
Hunderte von pathologischen Präparaten 
bereichert. — Unter den Pariser Aerzten 
nahm B. eine sehr geachtete SteUung ein; 
als vieljähriges, durch seine Leistungen 
hochgeschätztes Mitglied der Akademie 
der Medizin wurde ihm die Ehre zu teil, 
1871 zum Vice-Präsidenten und im Jahre 
darauf zum Präsidenten der Akademie 
ernannt zu werden. Nicht weniger an- 

fifofrapUadiM LiiikoiL 



gesehen war er in der Pariser Gesellschaft 
als Arzt und Menschenfreund; die innigste 
Freundschaft verband ihn mit Thiers. — 
An den Folgen einer während einer 
Erholungsreise in Neapel acquirierten 
Malaria-Infektion starb B., der letzte be- 
deutende Repräsentant der Louis'schen 
Schule, am 20. Nov. 1877. 

BdPthy Adolf, zu Leipzig, geb. 
1852 zu Aisleben (Pr. Sachsen), stu- 
dierte von 1874—79 in Strassburg, Mar- 
burg und Bonn, hier besonders unter Veit 
und BiNz, war eine Zeit lang Assistent 
an der chirurg. Universitätspoliklinik in 
Rostock, widmete sich dann der Ohren- 
heilkunde zunächst als Assistent von 
LucAE in Berlin, später als Ohrenarzt in 
Berlin. 1890 wurde er Extraordinarius 
der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in 
Marburg, ging 1895 in gleicher Eigen- 
schaft nach Breslau und von dort nach 
Leipzig, wo er gegenwärtig ordentl. Prof. 
und Direktor der Klinik für Ohren- und 
Nasenkrankheiten und Oberarzt am 
Jakobshospital ist. B. publizierte u. a.: 
^Über den im Mittelohr erzeugten Druck bei 
Lufteintreibungen durch die Tube'' (1886) — 
„Zi*r Lehre von den Timen und Geräuschen'' 

(1887) — „Das Dekrement abschtcingender 
Stimmgabeln", ^^Bestimmung der HörscJiärfe" 

(1888) — ,^ Anästhesie bei kleinen chirurgischen 
Eingriffen" (1890)— ,,Akute Mittetohr-Ent- 
Zündung mit ungewöhnlichen Himerschei- 
nungen". 

Bsrth, Arthur, inDanzig, geb. 20. 
Februar 1858 zu Untergreislau b. Weissen- 
fels a. S., Dr. med. 1882 in Jena, war 
von 1884—85 Assistent am Stadtlazarett 
in Danzig, bis 1890 am Augusta-Hospital 
in Berlin (unter E. Kukstee) und bis 
1895 Sekundärarzt der chirurgischen 
Klinik in Marburg, woselbst er sich 
1892 als Privatdozent für Chirurgie habi- 
litierte und 1896 zum ausserordentlichen 
Professor ernannt wurde. In demselben 
Jahre wurde er Oberarzt am chirur. Stadt- 
lazarett in Danzig. Schriften: ,,Über die 
histologischen Vorgänge bei der Heilung der 
Nierenwunden und über die Frage des 
Wiederersatzes von Nierengeu>ebe (Habili- 
tationsschrift 1892) — „Histologische Unter- 
suchungen über Knochenimplantationen" 
(Zdegler's Beitr. z. pathol. Anat. XVH. 

4 



Barthez — Battej. 



100 



1894) — „Die Entstehung und das Wachs- 
tum der freien Gelenkkörper^' (von Lanobx- 
beck's Archiv LVI. 1898). 

BsrthGZ, Antoine - Charles - 
Ernest de, zu Paris, geb. 1811 zu Nar- 
bonne (Aude) als Grossneffe des berühm- 
ten Barthez von Montpellier, wurde 1839 
in Paris Dr. mit der These : „ Les avantages 
de la marche et des exercices du corps dans 
les CX18 de tunieurs Manches, caries, necroses 
des membres inferiettrs chez les scrofuleux^^ 
erhielt zusammen mit Gukneau db Mussy 
und Landouzy den Auftrag, die 1845 im 
Arrondissement von Coulommiers (Seine- 
et-Mame) herrschende Schweissfriesel- 
Epidemie zu beobachten und zu bekämpfen 
und war später Arzt der Hospitäler Saint«- 
Eugenie und du Prince imperial. Zu- 
sammen mit F. RiLLiKT gab erden bekaimten, 
von den Akademien der Med. und der 
Wissensch. gekrönten ,^Traite vlinique et 
pratique des nicUadies des enfants'''' (3 voll., 
1843; 2. edit. 1853, 54, 61; 3. edit. von 
Babthkz und A. Sänne, 1884; deutsche 
Übersetzung von E. R. Hagen, 3 Teile, 
Leipzig 1854—56) heraus und veröffent- 
lichte eine Reihe von Aufsätzen teils in 
der Gaz. med. de Paris, teils in den Ar- 
chivos generales, namentlich über Kinder- 
krankheiten. Er starb als Medec. honor. 
der Hospitäler, Mitglied der Acad. de med. 
6. Dez. 1891. 

BaSCh, Samuel Siegfried Karl 
Ritter v., geb. in Prag 9. September 
1837, studierte in Prag und Wien, arbeitete 
seit 1857 im Laboratorium v. Bruecke, wurde 
1862 Dr. med. in Wien, war von 1861-65 
Assistent bez. Sekundärar/t auf den Ab- 
teilungen von Dittel, Jaeoer, Tuerk, 
KoLisKO und Haller und ging 1865 nach 
Mexiko, wo er das Militärspital in Puebla 
dirigierte und zuletzt Hofarzt des 1867 
erschossenen Kaisers Maximilian war. 
1870 habilitierte er sich als Dozent für 
Experimental-Pathologie in Wien und 
wurde daselbst 1877 Extraordinarius. Er 
veröffentlichte ^^Erinnerungen aus Mexico ^ 
Geschichte der letzten zehn Monate des 
Kaiserreichs'''' (Leipzig 1868); ,,Vnterbuch- 
ungenüber Dysenterie^^ViRcnow^sArch. 1868), 
ausserdem zahlreiche experimentelle Ar- 
beiten zur feineren Histologie des Darms 
und der chylopoätischen Apparate, femer 



über die Summation von Reizen durch das 
Herz, über die Anatomie des Blattem- 
prozesses, über die physiologischen Wir- 
kungen der Nikotin, über die Innervation 
des Uterus, über Blutdruck beim Men- 
schen u. V. a. Die betr. Publikationen 
sind hauptsächlich in den Wiener med. 
Jahrbüchern, Sitzungsberichten der Wiener 
Akademie, im Archiv für Physiologie von 
du Bois-Reymokd, sowie in Ztschr. für 
klin. Med. erfolgt. B. beschrieb auch 
einen neuen Sphygmo- und Cardiographen. 

Basedow, Karl A. v., Sohn eines 
Präsidenten in Dessau, wurde daselbst 
28. März 1799 geboren. Er studierte haupt- 
sächlich in Halle und liess sich 1822 in 
Merseburg nieder, erhielt in späteren Jahren 
das Physikat in Merseburg und war in 
dieser Stellung bis an sein Lebensende — 
11. April 1854 — thätig. Dasselbe erfolgrte 
insofern in eigentümlich tragischer Weise, 
als sich B. bei der Sektion eines Fleck- 
typhuskranken infizierte und dieser 
Krankheit erlag. Seiner Dissertation: 
„Commentatianes in novam amputationes 
cruris pannicidatae cwcÄeir«tn" folgten ver- 
schiedene chirurgisch-kasuistische Mittei- 
lungen in Graefk's und Walther's Joum. 
der Chir. (Bd. VI— VIII), in HufelanVs 
Joum. (Bd. LXVII) mid Siebold's Joum. 
für Geburtshilfe (Bd. VII und IX u. a.) 
— Die Arbeit, welche B. eigentlich in 
die Geschichte der Wissenschaft einreiht, 
ist die in Cjlsi'er's Wochenschrift, Jahrg. 
1840, erschienene: „Exophthalmus durch 
Hypa-trophie des Zdlgeivebes in der Augen- 
höhle.'' 

Battey, Robert, geb. 26. November 
1828 in Riclimond co., Ga., studierte an 
Booth's Laboratorium, am Coli, of Phar- 
macy, an der Universität und am Jefferson 
Med. Coli, in Philadelphia, promovierte 
an letztgenannter Anstalt 1857 und hatte 
seit 1847 seinen beständigen W^ohnsitz in 
Home, Ga., mit Ausnahme der Zeit von 
1872—75, wo er als Prof. der Geburtsh. 
am Atlanta Med, Coli, fungierte und das 
„Atlanta Med. and Surg. Journal" heraus- 
gab. 1872 veröffentlichte er zuerst das 
nach ihm benannte Verfahren der Eier- 
stocksexstirpation. B. starb 8. Jan. 1895. 
Seine zahlreichen Publikatt. beziehen sich 
auf diesen Gegenstand, sowie auf die 



101 



Bauer — Baum. 



102 



Operation von Blasen - Scheidenfisteln , 
Wasserii^ektionen in den Mastdarm, 
Perinealsclmitt bei chron. Blasenkatarrh, 
einen FaU von Entfernung eines 4V2pfünd. 
fibro-cystoiden Tumors aus der Carotiden- 
gegend u. s. w. Im Kriege diente er als 
Surgeon. 

Bauer, Karl Josef, in München, 
geb. zu Erlhanmier in der nördlichen 
Oberpfalz (Bayern) 1. Oktober 1845, stu- 
dierte seit 1864 in München und trat 
hier 1869 nach Absolvierung der Fakul- 
tätsprüfung als Assistent des allgemeinen 
Krankenhauses bei v. Lindwurm ein. 1873 
habilitierte er sich als Dozent für innere 
Medizin und wurde 1876 Extraordinarius. 
B. ist gegenwärtig Oi)erarzt der ü. med. 
Abteil, des städt. Krankenhauses 1. J. und 
doziert hauptsächlich klinische Propädeutik. 
Er veröffentlichte: „Oewhichte der Ader- 
läsK'^ (preisgekrönt, München 1870) und 
zahlreiche Abhandlungen physiol. und 
klinisch-therapeut. Inhalts, über Kalt- 
wasserbehandlung des Typhus, Stoffum- 
satz bei Phosphorvergiftung, Stoffumsatz 
nach Blutentziehungen, Einfluss einiger 
Arzneimittel auf den Gasaustausch, über 
die Diagnose parenchymatöser Pneu- 
monien. ül)er Krankenernährung, diäte- 
tische Heilmethode, Stoffwechsel bei 
Fiebernden, Eiweissumsatz bei Leukämie 
und mehrere Artikel in v. Ziemsskn's Hand- 
buch der allg. Therapie. 

BäUniy Vater mid Sohn, zwei deutsche 
Chirurgen. Der Vater, Wilhelm, Ge- 
heimer Ober-Medizinalrat und ord. Pro- 
fessor der Chirurgie in Göttingen, war 
10. November 1799 zu Elbing geboren, 
besuchte von 1818 bis 1822 die Universi- 
täten zu Königsberg und Berlin, an 
welchem letztgenannten Orte er mit der 
Dissertation: „De urefhrae virilia fissuria 
congenitiH specintim rero de epispadia" 
zum Doktor med. promoviert wurde. 
Er machte von 1823 bis 1828 wissen- 
schaftliche Reisen nach Wien, Italien, 
Frankreich, England und Hess sich 1^6 
als Arzt in Berlin nieder. 1830 wurde 
er dirigierender Oberarzt des städtischen 
Hospitals in Danzig, 1842 im Herbst 
als ProL ord. der Chirurgie nach Greifs- ; 
wald nnd 1894 für dasselbe Fach in I 
Göttingen berufen. 1865 erhielt er den ' 



Charakter als Ober-Medizinalrat, 1875 im 
Herbst, als er seine klinische Thätigkeit 
in Göttingen einstellte, nachdem er 1867 
die Augenheilkunde schon anderen Händen 
anvertraut hatte, den als Geheimer Ober- 
Medizinalrat. Sein Tod erfolgte 3. Sep- 
tember 1883. — Obgleich B. ausser seiner 
Dissertation und einem im Auftrage 
der Eegierung verfassten Bericht „Bei- 
trag zur Pathologie des Weichselzopfs" (Rust's 
Magazin, LXI, 1843), sowie einem Auf- 
satz über die Ki'ätze, nichts geschrieben 
hat, gehörte er zu den gelehrtesten Chi- 
rurgen Deutschlands, indem er in der 
Litteratur des In- und Auslandes eine 
ausgezeichnete Belesenheit besass und 
dadurch im Stande war, andere mit Rat 
und That aus dem Schatze seines Wissens 
und seiner vortrefflichen Bibliothek zu 
unterstützen. Von seinen klinischen 
Leistungen geben die verschiedenen Pu- 
blikationen seiner Schüler (z. B. Georg 
Fischer u. a.) Kenntnis. 

Der Sohn Wilhelm Georg, Arzt 
in Danzig, daselbst 11. Mai 1836 geb., 
studierte von 1854—1859 in Göttingen 
und Berlin. An letzterem Orte wurde er 
mit der Dissertation: De Jaesionibtis aneu- 
rysmatHmsque arteriamm gJutaeae et i^chia- 
dicae etc" 1859 zum Doktor med. pro- 
moviert. Nach mehrjährigen wissenschaft- 
lichen Reisen war er vom Juli 1861 bis 
zum Januar 1864 Assistent an der Klinik 
seines Vaters in Göttingen, machte dann 
als freiwilliger Arzt den Feldzug von 
1864 gegen Dänemark mit, wurde darauf 
preussischer Militärarat , blieb es bis 
1876, seit 1868 Stabsai*zt in Danzig, und 
nahm an den Feldzügen von 1866 und 
1870/71 teil. Seit 1876 war er (wie es sein 
Vater war) Oberarzt des städtischen 
Krankenhauses zu Danzig. Er starb 13. 
April 1896. Seine litterarischen Leistun- 
gen sind: „Beitrag zu der Lehre von den in- 
direkten Schädelfraktureil'' (v. Lanoenbeck's 
Archiv XIX, 1876) — „Ovariotomie bei 
konstatierter Schwangerschaft" — „Zur Lehre 
von der operativen Behandlung citriger PleU" 
raexsudate" — .^Mimischer Gesichtskrampf^ 
Dehnung des Facialis. Heilung" — ^^Über 
üadikallieilung des Gebärmutterkrebses durch 
Totalexstirjxitton det Uterus von der Sclieide 
auf" — „Anus praeternaturalis, Darm- 
resektion. Heilung" (sämtlich in der 
Berl. klin. Wochenschr. 1876, 1877, 1878, 

4* 



103 



Banmann — Baumgarten. 



104 



1880, 1881) — „Oehit-nvorfall mit Ausfluss 
von Ventricufarftüs^iykeit*^ — „Zur LeJire 
von Dupuytrens permanenter Fingerver- 
krümmung'* — „Beaektion eines carcino- 
matÖHen Dickdarmstückes" (diese drei Auf- 
sätze im Ctribl.. f. Chir., 1877, 1878, 1879) 
— „Beitrag zur Kritik der intra- und extra- 
peritonealen ^tieltk-handlung Ijei Ovariotomien" 
(Ctribl. f. Gynäk. 1878). 

BaUmann, Eugen, Professor der 
Physiologie zu Frei bürg iii Baden, zu 
Cannstatt 12. Dezeml)er 1846 geb., stu- 
dierte in Stuttgart. Tübingen, Strass- 
burg und arbeitete schon während des 
Studiums besonders unter den Auspizien 
von Hoppe-Skylek. Zum Phil. Dr. im 
März 1872 zu Tübingen, zum Med. Dr. 
im August 1877 zu Strassburg i. E. pro- 
moviert, begab sich B. nach Berlin und 
fungiert« hier vom I. Oktober 1877 als 
Abteilimgsvorsteher am physiologischen 
Institute, zunächst als Privat dozent in 
der philosophischen Fakultät, seit Januar 




Srtler's Zeitschrift für physiologische 
Chemie publiziert sind. Von grundlegen- 
der Bedeutung wurde der von ilim ge- 
führte Nachweis des normalen Vorkommens 
von Jod im Tierkörper, speziell in der 
Schilddrüse, als sogen. Thyrojodin, ein 
Fund, der einerseits ein klärendes Licht 
auf die Erscheinungen beim Kropf und 
Kretinismus brachte, anderseits die 
Lehie von der Therapie dieser Krank- 
heiten förderte und zugleich den Anstoss 
zur Wiederbelebung der sog. Organ- 
therapie gab. 

Baumgarten, Paul Clemens, 
geb. zu Dresden 28. August 1848, in 
Leipzig und Königsberg i. Pr. als Schüler 
von WiLUELM Braune und E. Waqker in 
Leipzig, E. Neubiann in Königsberg vor- 
gebildet, promovierte 22. August 1873 
in Leipzig;' 1873 wurde er Assistent am 
anatomischen Institut zu Leipzig, seit 
1874 bis 1889 war er als Prosektor am 
pathologisch -anatomischen Institut in 
Königsberg i. Pr. thätig. 1881 wurde er 




1882 als Extraordinarius der med. Fakultät. 
Ami. Oktober 188.S wurde or zum Ordinarius 
in der med. Fakultät zu Freiburg i. B. er- 
nannt, als welcher er 3. Novbr. 1896 starb. 
— Das litterarische Hervortreten B.'s 
beruht auf einer Reihe l)edeutender Ar- 
beiten physiologisch-chemischen Inhaltes, 
die sich zu einem grossen Teile mit den 
synthetischen Prozessen im Tierkörper 
beschäftigen und meistens in Hoppe- 



zum Prof. extraord. der pathologischen 
Anatomie an der Universität Königsberg 
ernannt, 1888 ebendaselbst ziun Exami- 
nator für das Fach der Hygiene. 1889 
wurde er als ordentlicher Professor der 
pathologischen Anatomie und allgemeinen 
Pathologie an die Universität Tübingen 
berufen, woselbst er jetzt noch zugleich 
als Vertreter des Fachs der Bakteriologie 
wirkt. Unter seinen Arbeiten sind hervor- 



105 



Bamngärtner. 



106 



zuheben: yJHe sogenannte Organisation des 
Thrombus"' (Leipzig 1877) (in welcher 
Arbeit die genannte, vieldiskntierte Frage 
zu einem allgemeingültigen Abschloss 
gebracht und zugleich für die Lehre 
von der Thrombose neue Gesichtspunkte 
gewonnen wurden) — y^Enideckung des 
spezifischen Tvberkelbaziüus'' (1882); gleich- 
zeitig imd unabhängig von Eobert Koch. 

— „Über Tuberkel und Tuberkulose'' (Berlin 
1885) in welchem Werke das bisher un- 
gelöste Problem der Histogenese des tuber- 
kulösen Prozesses vollständig klar gelegt 
wurde) — ,,Über latente Tuberkulose"' (v. 
VoLKMAKx's SammL klin. Vortr., Nr. 218) — 
„t'btr die Wege der tuberkulösen Infektion" 
(Zeitschr. f. klin. Med., VI, 1883) Be- 
gründimg der Lehre von der „kongenitalen^* 
Tuberkulose; die Erblichkeit der Tuber- 
kulose wird erklärt durch erbliche Über- 
tragung des spezifischen Tuberkelbazillus 

— „Zur Kritik der Metschnikoff*scJien Phago- 
cgtentheorie'' (Ib. XV, 1888), eingehende 
kritische Widerlegung dieser Theorie 
auf Grund zahlreicher eigener experimen- 
teller Untersuchungen — „Über die Ein- 
wirkung des Koch'sdien Mittels auf die 
Impf tuberkulöse der Kaninchen"' — (Virchow- 
Festschrift, Bd. IQ, Berlin) — J'lber 
den Beilwert des neuen Koch' sehen Tuberkulin 
(TE) nach Experimenten an tuberkulös in- 
fizierten Kaninchen und Meerschweinchen" ^ 
(CHrlbl. f. Bakteriol. und Paras., 1898), 
Nachweis, dass weder das alte noch das 
neue Tuberkulin R. Koch's einen heilen- 
den Einfluss auf die Impftuberkel der 
Kaninchen und Meerschweinchen auszu- 
üben beföhigt ist — „Lehrbuch der patho- 
logischen Mykologie" (Braunschweig 1890), 
erster Versuch, die Pathogenese und 
pathologische Histologie der Infektions- 
krankheiten vom Standpunkt der modernen 
Lehre von den pathogenen Mikroorga- 
nismen zu entwickeln — „Über die Nabd- 
vme des Menschen und ihre Bedeutung für 
die CirkulationsstÖrung bei Lebercirrhosd'' 

' (ib. 1891). Seit 1885 giebt B. (anfangs als 
alleiniger Verfasser, später in Verbindung 
mit Fachgenossen) die ,,Jaliresberichfe über 
die Fortschritte in der Lehre von den 
pathogenen Mikroorganismen''* (ib.) heraus, 
welche mit zahlreichen kritischen An- 
merkungen B/s versehen sind, seit 1891 
die „ArbeUen auf dem Gebiete der patho- 
logiadien Anatomie und Bakteriologie aus 



dem pafhologiscJi-anatomischen Institute zu 
Tulnngen'\ von welchen bis jetzt 2 Bände 
erschienen sind. Die aus dem Königs- 
berger Laboratorium B.'s hervorgegangenen 
Arbeiten seiner Schüler sind in Ziegler's 
„Beiträgen zur pathologischen Anatomie 
und Physiologie" mitgeteilt (1887 und 1889). 

Baumgärtner, juHus, Med-iut 

in Baden-Baden, als Sohn von Karl 
Heinrich B. (1798—1886) zu Freiburg 
i. Br. 23. März 1837 geb., studierte von 
1855—60 daselbst, promovierte 1860, war 
zunächst Assistent an der chirurg. Uni- 
versitätsklinik in Freiburg, hielt sich 
alsdann weitere 3 Jahre in Paris (Nelaton, 
JoBERT, NoNAT), in London (Spencer Well.s, 
Baker, Brown), Edinburg (Simpson), in 
Dublin (Denham), Berlin (Martin, v. 
Lanoenbeck), Wien (Braun, Skoda) auf, 
wirkte seit 1864 in Baden-Baden als 
Leiter einer Privat klinik für Frauenkrank- 
heiten, im Kriegsjahre 1870'71 als Chef 
des chir. Lazaretts für Franzosen in der 
Festung Rastatt, im September 1879 als 
I. Geschäftsführer der 52. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Ärzte zu 
Baden-Baden, seit 1879 als dirig. Arzt 
des städtischen Kraukenhauses in Baden- 
Baden und seit 1891 zugleich als dirig. 
Arzt der Abteilung füi* Frauenleiden 
und chir. Erkrankungen an dem für 
bessere Stände erbauten Sanatorium Qui- 
sisana. Litterarische Arbeiten: „Der At- 
mungsprozess im Ei" (Freiburg 1861) — „ Die 
Krankheiten des KeJdkopfes'' (Ib. 1864) — 
„Über Prdapsusopeiaiim" (Berl. klin. 
Wochenschr. 1876j — „Ühei Laparotomien 
innerhalb 3 Jahren an derselben Patientin'* 
(Ib. 1879) - „Über Kropfexstirpatim" 
(Tagebl. der Naturf . - Versamml. Salz- 
burg 1889) — „Über ext ro peritoneales Hae- 
matom'' (D. med. Wochensclir., 1882) — 
„Über Ablösbarkeit des Peritoneums im 
Becken" (Tagebl. der Naturf. -Versamml. 
Eisenach, 1882) — „Über Peritonealtoilette" 
(Arch. für GynäkoL, XXV) — „Über 
Cnchexia strumipriva" (v. Langenbeck's Arch. 
XXXI) — „Baden- Baden utid seitie Kur- 
mittel" (Baden 1886) — „Die Ojyeraiion 
der parametritUchen Abscessc'' (Berl. klin. 
Wochenschr. 1889) — „E'n Beitrag zur 
Perityphlitis und deren Behandlung" (Ib. 
1894) — „Blasenfistel-Operation" (Ib. 1896) 



107 



Bayer — Beaumont. 



106 



— ^^Enudeation der Hämorrhoidalknoten^'' 
(Verhandl. der d. Ges. f. Chirurg. 1896). 

BäyGr, Heinrich, in Strassburg, 
geb. daselbst 11. Oktober 1853, in Strass- 
burg, Berlin und Prag als Schüler von 
Kussmaul, Breisky und W. A. Freund 
ausgebildet, Dr. med. 1879, war 1879—80 
Assistent bei Kussmaul, bis 1885 bei W. A. 
Freund, habilitierte sich 1885 für Geburts- 
hilfe und Gynäkologie und ist seit 1893 
Extraordinarius. Schriften: „Über die 
Säureii der memchlichen Öalle'' (Dissert.) 
„Über pare7ichymaL Efüzütidungen des 
Centrainer vensystent 8^' (mit P. Meyer). — 
„Über die Bedeutung der Elektricität in 
der Geburtshiilfe \nid Gynäk." (Zeitschr. f. 
G. u. G. XI) — ,jZur physiol, und patholoff, 
Morphologie der Gebärnnitfer" (Gynäk.Klinik 
herausgeg. von \V. A. Freund) — 
„Über den Begriff" und die Behatidlung der 
Deflexionslagen" (Samml. klin. Vortr. Nr. 
270) — „Über geburtshilfl, Elektrotherapie" 
(ib. Nr. 358) — „ Utenis und unteres Vterin- 
Segment" (Archiv f. Gynäk. Bd. 54) — 
„Beiträge zur Lehre vom unteren üterin- 
segment" (Beitr. f. Geb. u. Gyn. I) — „Neue 
Methode der Beckenmessung" (ebenda«. II), 
ausserdem kleinere Publikationen und Vor- 
träge über Veränderungen des Augen- 
hintergrundes bei Wöchnerinnen, Placenta 
praevia, geburtshilÜiche Lehrmittel etc. 

Beale, Lionel Smith, Professor 
der Principles and Practice der Medicin 
am King's College und Physician amKing's 
College Hospital zu London, ist daselbst 
1828 geboren. Seine litterarische Thätig- 
keit ist eine ausserordentlich ausgedehnte 
gewesen, namentlich auf den Gebieten der 
Anatomie, Physiologie, Zoochemie, Histo- 
logie, Pathologie und pathologischen 
Anatomie. Allein in der Zeit von 1852—72 
veröffentlichte er gegen 50 Aufsätze, in 
etwa 17 Zeit- oder Gesellscliaftsschriften, 
zum Teil gleiclizeitig oder nacheinander 
an mehreren Orten; wir heben unter den- 
selben hervor: „The medical Student a 

studetä in science. Introdudory lecture 

Medical Departmeyü ofKing's College (1858) 

— „ On some points in the aiuüomy of the 
liver of man and vertebrate animals etc." 
(1856 w. pl.) — „Tables for the chemical 
atid mivroscopical examination of urine in 
Health and disease/^ (1856) — „How to work 



with the microscope" (1861 w. pl.; 4. ed. 
1868) ~ „On the struäure of simple tissues 
of the human body. A course of ledures 
delivered at the Royal CoUege of Physicians" 
(1861, w. 10 pl.; deutsch mit Zusätzen des 
Verfassers herausgegeben von J. Vier. 
Carus, Leipzig 1862) — „On deficiency of 
vital powers in disease, and on supportj 
with observatioyis upon the action of alcohol 
in serious cases of acute disease" (1863) — 
„ On the slructure and growth of the tissueSy 
and on life. Ten lectures delivered at 
Kinfs College, London" (1865) — „Tht 
microscope in its application to pradical 
medicine" (3. ed., w. illust. Lond., Philadelph. 
1867 ; deutsch von Herm. Beinhard in Med. 
Handbibliothek für prakt. Aerzte und 
Studierende. Bd. VH. 1857.) 

Beard, George Miller, war 8. Mai 
1839 zu Montville (Connecticut) geb. und 

. hatte seine Studien 1862 am Yale College 
beendet. In das College of Physicians 
and surgeons zu New York trat er 1866 
ein und publizierte zuerst in demselben 
Jahre: ,,Electricity as a tonic", dann ver- 
schiedene mehr populäre Schriften: „Our 
home physician" (1869) — „Eating and 
drinking", sowie „StimulatUs and narcotics" 
(1871). Die meiste Beachtung unter seinen 
Schriften fanden „Medical atid surgical 
electricity" (1875 mit A. D. Rockwell zu- 
sammen herausgegeben) — „Ray- fever or 
Summer catarrh" (1876) — „Sea sickness: its 
Symptoms f nature and treatment" (1881, 
Empfehlung des Bromkalium) — „The 
seiend fic basis of delusioiis" (1877), vor 
allem aber „American tiervousness , with 
its causcs and consequcfices" {nervous 
exhaustion, neiirafthenie, 1880) zuerst er- 
schienen, von B. selbst noch in asweiter 
Auflage ediert, ins Deutsche übersetzt von 

I Neissek. Leipzig 1881, 1883). — Noch 1882 

j trat B. mit „The case of Guiteau: a psycho- 
logical study" in die Öffentlichkeit und 

I starb am 23. Januar 1883 in New- York. 

I Durch seine Arbeiten über Psychologie 
und Pathologie des tierischen Magnetis- 
mus, Hellsehens, Spiritismus hat er sich 
einen Namen gemacht. 



Beaumont, WilUam, amerika- 
nischer Arzt, geboren 1785 zu Lebanon, 
Connecticut, war von 1812—1838 oder 



109 



Becher — Bechterew. 



110 



1840 Arzt in der Armee der Vereinigten 
Staaten und befand sich als solcher nnter 
anderem im Fort Niagara, 1822 zn 
Michillimackinac, Michigan, später zn 
Plattsbnrgh. Er ist berühmt geworden 
durch seine an dem bekannten kanadischen 
Jäger, der mit einer Magenfistel behaftet 
war, angestellten Verdannngsversnche. 
Seine erste Publikation darüber im Amer. 
Medic. Recorder (Vm. 1825) war: „The 
case of Alexis San Martin, who was 
wounded in the stomach hy a load of duck- 
9kotj with experiences" und eine spätere: 
^.Experiments and observations on the gastric 
Juice and the physiology of digesHon" 
(Platteburgh 1833; deutsche Übersetzung 
von Bernh. Lüden, Leipzig 1834). B. nahm 
später seinen Wohnsitz in St. Louis und 
starb daselbst 25. April 1853. 

Becher, JuHus, Geh. San.-BÄt in 
Berlin, hier 6. Jan. 1842 geb. und aus- 
gebildet, studierte auch in Würzburg, 
Dr. med, Berouk. 1865, nahm an den 
Feldzügen von 1866 und 70/71 Teü, 
fungiert« 1868 mehrere Monate lang als 
Johanniterarzt während [einer Epidemie 
von exanthemat. Typhus in Stallupönen, 
wirkt seit 1867 als Arzt in Berlin und 




hat sich hier an der Förderung der Standes- 
interessen und des kollegialen Vereins- 
lebens durch Wort und Schrift hervor- 
ragend beteiligt. Auch ist B. Verf. 
mehrerer kleinerer Publikationen (über 
die vom ihm beobachtete Typhnsepidemie 



in Stallupönen, über Kreuzung der 
Zwillinge, Entfernung von Myomen in 
der Nachgeburtsperiode, Lähmung nach 
Diphthefie, Blindheit nach Scharlach etc.) 

Becher, Wolf, in Berlin, geb. in 
Filehne, 6. Mai 1862, studierte in Berlin von 
1882 an, ist Ai7:t seit 1889, war von 1889 
bis 1892 Assistent an der LiTTEN'schen 
Poliklinik f. inn. Krankheiten und ver- 
öffentlichte: „Robert Koch, eine biogr. 
Studie" (Berlin 1890), „Rudolf Virchow, 
eine biogr Studie". (1891), Arbeiten über 
Choleraverschleppung (D. med. Wochen- 
schr. 1892), Cholera und Binnenschiffahrt 
(ib. 1893), das LirrEN'sche Zwerchfell- 
phänomen (ib. 1893), Experimentelles über 
Anwendung des Röntgen Verfahrens in der 
Medizin (ib. 1896 und Verh. des Kongr. für 
inn. Med. 1897) betr. Nachweis von Hohl- 
organen der Niere und Kombination von 
EsMARCH 'scher Blutleere mit Röntgendurch- 
leuchtung; über Herzempfindungen (D. 
med. Wochenschr. 1896), über Körperform u. 
Lage der Nieren (mit R. Lennhoff ib. 1898 
und Verh. des Kongr. f. inn. Med. 1899), 
über Erholungsstätten für Lungenkranke 
(mit R. Lennhoff Tagebl. des Tuberkulose- 
Kongr. 1899) u. a. m. 

Bechterew, wiadimir v., in 

St. Petersburg, geb. in Wjatka (Gouv. 
gl. N.), Russland, 22. Januar 1857, be- 
suchte die med. Akad. zu St. Petersburg, 
besonders als Schüler von Merzfjewsky, 
studierte später noch in Leipzig (unter 
P. Flechsig) und in Paris (unter Charcot), 
Arzt seit 1878, Dr. med. 1881, habiUtierte 
sich in demselben Jahre als Privatdozent 
der med. Akad. in St. Petersburg, wurde 
1885 Prof. der Psychiatrie in Kasan und 
wirkt gegenwärtig seit 1893 als ordentl. 
Prof. der Psychiatrie und Nervenkrank- 
heiten an der med. Akad. in St. Peters- 
burg, seit 1899 Mitglied derselben Akad. 
(Akademiker). B. publizierte bisher: yDie 
Leitungsbahnen im Gdiirn und Rückenmark^'' 
(russisch und deutsch); ^^Die Nervenkrank- 
heiten in abgesonderten Beobachtungen" 
(russisch); „Z>te Bedeutung bei Gleichge- 
wichtsorganen in der Bildung der Raumvor- 
stellungen^'' (russisch und deutsch); „Die 
Bewusstsein- und Oehirnlokalisation^*^ (russ. 
und deutsch); ^^Suggestion und Vire soziale 
Bedeutung'-'' (russisch und deutsch), viele 



111 



Beck. 



112 



Artikel über die Anatomie und Physiologie 
des Centr. -Nervensystems und über die 
Nerven- und psychischen Krankh. in russi- 
schen und deutschen Journalen (russische : 
Wratsch, Neurol. Wiestnik, Oboszenie 
Psychiatrii Neurol. etc.; deutsche: Neur. 
Ctrlbl., Archiv für Psych., Deutsche Zeit- 
schrift f. Nerv., Centralbl. für Nervenk., 
Monatsh. für Psych.). Von B. sind einige 
bisher nicht bekannte Kerne und Bündel in 
Gehirn und Rückenmark neu beschrieben 
(z. B. die Kerne und Fasern d. reticul. 
Substanz des GehimstÄmmes, die Bündel 
d. retic. Substanz und des Rückenmarks, 
die Kerne und Wurzeln d. Acusticus, 
Oculomotorius, Trigeminus und anderer 
Nerven, die Fasern des Kleinhirns, die 
äusseren Associationsfasem der Gehirnrinde 
etc., ist die Funktion und Lokalisation der 
vielen Gehimcentren untersucht und auf- 
geklärt (z. B. das Centrum d. verlängerten 
Markes d. Vierhügel, d. Thalamus opticus, 
d. Gehirnrinde imd d. Kleinhirns), sind 
einige bisher gar nicht oder wenig 
untersuchte Krankheiten d. Nerven- 
systems und einige Symptome der psychi- 
schen Erkrankungen beschrieben (z. B. 
Errötungsangst, Zwangslachen und 
Zwangsweinen , beid. Cerebralparalysen, 
Steifigkeit mit d. Verkrümmung d. Rücken- 
marks etc.) 

BGCK, zwei deutsche Mediziner, 
Vater und Sohn. Bernhard von, der 
Vater, Generalarzt I. Kl. und Korpsarzt 




des 14. Deutschen Armee-Korps zu ELarls- 
ruhe in] Baden,« 27. Oktober 1821 zu 
Freiburg [im Breisgau geboren, studierte 
auf den Universitäten zu Freiburg und 
Heidelberg, war vorzugsweise Schüler des 
Nachfolgers seines Vaters, Stromktkb, dessen 
Assistent er auch war. 1844 promoviert 
und nach einer wissenschaftlichen Beise 
durch Deutschland und Österreich habi- 
litierte er sich 1845 als Privatdozent in 
Freiburg, übernahm die Prosektur der 
dortigen anatomischen Anstalt und war 
dabei Assistent der chirurgischen und ge- 
burtshilflichen Klinik. — Nach Ausbruch 
der badischen Revolution im Frühjahr 

1848 trat er, infolge einer Aufforderung 
des Kriegsministeriums, in die militärärzt- 
liche Laufbahn ein, machte 1848dieFeldzüge 
in Baden gegen die Insurgenten, in Ober- 
Italien bei der österreichischen Armee, mit 
den bad. Truppen in Schleswig-Holstein, 

1849 in Baden an der Schweizergrenze, in 
Ober-Italien bei Malghera und Venedig, in 
Baden mit den preussischen Truppen mit 
und publizierte die Schrift: ,yl>ie Schuss- 
wunden. Nach auf dem Schlacht fdde wie 
in dem Lazarette wcUirend der Jahre 1848 
und 1S49 gesammelten Erfahrungen^^ (Heidel- 
berg 1850). In seiner Garnison Rastatt 
beschäftigte er sich mit der Organisation 
der badischen Sanitätstruppe, sowie mit 
wissenschaftlichen Studien durch Experi- 
mente an Tieren, speziell mit mikroskopi- 
schen Untersuchungen. Die Frucht der- 
selben waren folgende Schriften: „Unta- 
8uchungc7i und Studien itn Gebiete der Ana- 
tomie ^ Physicloyie und Chirurgie^^ (Karls- 
ruhe 1852) — ^^Klinihche Beiträge «wr 
Histologie und Therapie der Pseudoplasmen, 
nebst einem Bericht über die vom März 
1851 bis Juli 1857 in Rastatt ausgeführten 
Operationav'' (Freiburg 1857). 1858 wurde 
er in die Garnison Freiburg versetzt und 
traf dort dieselben Einrichtungen wie in 
Rastatt. Er verfasste einen „Leitfaden 
beim Unterricht der Sanitäfsmannschaft''' 
(Freiburg 1860). Weitere Schriften aus dieser 
Zeit sind: „Über isolierten Bruch der Glas- 
tofeV (Freibug 1861) — ,,Zur Operation der 
wahren Ankylose im Kniegelenk durch Aus- 
sägung eines Knochenkeiles^^ (ebendas.) — 
„Die SchädelverlctzMigeti'' (Freiburg 1865). 
Nach dem Feldzuge von 1866 gegen 
Preussen, in welchem er als erster Chirurg 
bei der von ihm geleiteten Sanitätstruppe 



113 



Beck — Becker. 



114 



und in den Lazaretten thätig war, schrieb 
er: ^JKriegschirurgiaclie Erfahrungen wäh- 
rend de$ Feldzuges 1866 in Süddeutschland'' 
(Freibnrg 1867) und nach dem deutsch- 
französischen Kriege 1870/71, den er in 
ihnlichen Stellungen mitmachte: jfihirur- 
gie der Schussverletzungen, Militärärztliche 
Erfahrungen auf dem Kriegsscliauplatze des 
Werder'schen Korps gesammelt'' (Freiburg 
1872). Nach dem Kriege trat er in seine 
Stellung als Generalarzt ein. 1884 
bei Gelegenheit seines 4()}ährigen Doktor- 
jubiläums erhielt er vom Grossherzog von 
Baden den erblichen Adel, 1887 nahm er 
seinen Abschied und siedelte nach Frei- 
burg L Br. über, wo er 1894 noch sein 
5Gjähr. Doktorjubiläum feiern konnte und 
am 10. September desselben Jahres starb. 
— Sein gleichnamiger Sohn, in Karls- 
ruhe, geb. zu Freiburg i. Br. 23. Septbr. 
1863, studierte an den Universitäten Frei- 
burg, Göttingen, Heidelberg, wurde 1889 
Dr. med. in Freiburg in Br., war von 
1880—97 Assistent von Czerny in Heidel- 
berg, habilitierte sich daselbst 1894 für 
Chirurgie, wurde 1896 ausserordentlicher 
Professor und ist seit 1897 Direktor des 
städtischen Krankenhauses an der chir. 
AbteiL zu Karlsruhe in Baden. B. ver- 
öffentlichte : ,jZur osteoplastischen Besektion 
des Kreuzsteissbeines behufs Totalexstirpaiion 
des Uterus" (1889) — ^ßchw-sverktzung des 
Gesichtes, Blutung der Art. max. int., Liga- 
tur in loco** (1891) — ,,Über intracranielle Re- 
sektion des Nervus trigeminus" (1894) — 
„Stichverletzung von Leber uiid Magen, La- 
parot., Heilung" (1894) — „Qastrotomie wegen 
verschluckten Taschetimessers" (1894) — „Bei- 
träge zur Pathologie und Chirurgie des Ge- 
hirnes" (1894) — „Punktion der Gehim- 
seitencentrikel" (1896) — „Milzruptur, Milz- 
exstirpation, Heüufig" (1897) — „Zur opera- 
tiven Behandlung der diffusen eitrigen Perfo- 
rationsperitonitis" (1898). 

Beck, Marcus, zu London», geb. 
1843, studierte in Glasgow und auf dem 
ünivers. Coli, in London, wurde 1865 
Member, 1869 FeUow des R. C. S., war 
Surgeon am Univers. CoU. Hosp. und 
Lehrer der operat. und prakt. Chir. am 
Univers. ColL und starb 21. Mai 1893. 
Er schrieb für Rrtnqld's Syst. of Med. 
(VoL V): „The diseases of the kidney secon- 
dary to affecticns of loicer urinary tract"] 



femer: „Gase of galvanopuncture of aortic 
aneurism" (Lancet 1873) — „Three cases 
of trephining for haemorrhage from middle 
meningeal artery" (Med. Times 1877) — 
„Gase of nephro-lithotomy" (Transact, of the 
Clin. Soc. 1882). 

Beck, Max, in Berlin, 9. Dez. 1862 
in Tübingen geb., studierte in Tübingen und 
München, Dr. med. 1886 in Tübingen, 
arbeitete 1886—88 im hyg. Institut zu 
Berlin, war von 1888—91 II. Prosektor 
an der Anatomie in Tübingen, 1891 
Assistent am Lazaruskrankeiihaus (Lanoen- 
büch) und ist gegenwärtig am Institut für 
Infektionskrankheiten, seit 1899 Titular- 
professor. B. veröffentlichte Arbeiten zur 
Ätiologie der Diphtherie, über Influenza, 
Tetanus, Tuberkulose in der D. m. W., 
Zeitschrift für Hygiene, im Cbl. f. Bakt. 
und in den Charite-Annalen. 

Becker, Franz Joseph v., geb. in 
Abo (Finnland) 19. Jimi 1823, studierte 
in Helsingfors, dann in Jena u. Göttingen 
und wurde Licentiat der Medizin 17. Juni 
18Ö0. Als Professor der Pharmacie und 
Pharmakologie wirkte v. B. seit 1854, als 
Vorsteher der ophthalmolog. Kranken-Ab- 
teilung in Helsingfors seit 1872. Er starb 
9. November 1890. Schriften: „Anatomisk 
beskrifning öfver de sex f'örsta Cerebral- 
nervparen hos Sus Scrofa" (Helsingfors 
1852) — „Gm kolhydraternas f'örändring 
inom defi lefvande djurkroppen^^ (Über die 
Veränderung der Kohlehydrate im Tier- 
körper; 1853). Ausserdem einige ophthal- 
mologische Aufsätze im Arch. f. Ophth. 
1863, 1866, 1867, 1873 u. s. w. 

Becker, otto, 3. Mai 1828 in 

Domhof bei Ratzeburg geboren, vollen- 
dete seine Studien in Wien als Schüler 
von Arlt und wurde 1859 promoviert. 
Seit 1. Oktober 1868 als Professor Ordi- 
narius für Augenheilkunde in Heidelberg 
wirkend, publizierte B. neben seinen bei- 
den Monographien: „Zur Anatomie der 
gesunden und kranken Linse'^ (Wiesbaden 
1883) und „Pathologie und Therapie der 
Linse^^ (in Graefe - Sämisch's Handbuch 
1876) noch zahlreiche Journalartikel. B., 
der 7. Februar 1890 starb, gehört zu 
den hervorragenden Ophthalmologen der 
V. GRAEFE'schen Aera. Er begründete in 



115 



Becker — Beclard. 



116 



Heidelberg 1887 das „GRAKFK-Museum", 
veranstaltete eine deutsche Ausgabe von 
DoNDERs' berühmtem Werk „Die Anoma- 
lien der Accomodafion utid Refraktion 
des Auges^^ (1866) und hat im einzelnen 
die Physiologie und Pathologie seines 
Spezialfachs durch die Ergebnisse zahl- 
reicher Untersuchungen nicht unwesent- 
lich bereichert. Hierfür kommen ausser 
den genamiten Schriften noch in Betracht 
seine Veröffentlichungen „über die sicht- 
baren Erscheimmgeyi der Bltdbewegungen 
in der mensclUichen Netzhaut, über Thränen- 
kanalstrikturen, über angeborene völlige 
Farbenblindheit, über die Ge/ässe der mensch- 
lichen maciäa lutea u. s. w/' Auch gab 
B. zwei ophtlialmo-pathologische Atlanten 
im Verein mit Heitzmaxn, Sattleku. a. heraus. 
Er erwarb sich durch die erweiterte Ausgabe 
von Arlt's autobiograph. Mitteilungen, 
sowie die Ordnung des wissenschaftlichen 
Nachlasses von Heinrich Mi'ller (f 1864) 
ein nicht zu unterschätzendes Verdienst. 
Die bedeutendsten Werke B.'s bleiben 
jedenfalls die oben erwähnten Mono- 
graphien ü])er die Anatomie und Patho- 
logie der Linse. 

Becker« Ludwig, Sanitatsrat in 
Berlin, geb. zu Memel 27. Juli 1844, 
studierte seit 1863 in Berlin (Dr. med. 
1868), war v(m 1872—75 an die Eriedrich- 
Wilhelms-Akad. zurückkommandiert und 
wirkt seit 1884 als Physikus in Berlin. 
Er ist Gründer und Redakteur dw ..Arzt- 
lichen Sachverständigen-Zeitung" und ver- 
öffentlichte ein „Lehrbuch der ärztlichen 
Sachverstand i gen- Thätigkeit für Unfall- und 
Invaliditäts- Versicherung", 

Beckmann, Otto Karl Hermann, 
a. o. Professor der pathologischen Ana- 
tomie in Göttingen, 9. September 1832 
zu Holzendorf in Mecklenburg-Schwerin 
geboren, besuchte von 1845 an das (ryni- 
nasium in Rostock, später die Univer- 
sitäten daselbst, zu Würzburg und Göt- 
tingen und beschäftigte sich vorzugs- 
weise mit vergleichender Anatomie, Zoo- 
logie, Histologie (unter Stannius, Köluker, 
Lkydig) und Chemie (imter Wöhler), fing 
aber, infolge des EinÜusses von Vircuow, 
auch an, sich der pathologischen Anato- 
mie zuzuwenden, trotzdem er 1855 Pro- 
sektor der zootoruischen Anstalt in Würz- 



burg geworden war, nnd arbeitete in den 
folgenden Jahren, nachdem er 1856 zum 
Dr. med. promoviert worden, mehr anf 
dem Gebiete derselben als der Zootomie, 
obgleich er in seiner Stellung Gel^enheit 
und Material fand, aus der letzteren den 
Studierenden Stoff und Anregung zu eigenen 
Arbeiten zu geben, deren einige vortreffliche 
unter seiner Leitung als Dissertationen er- 
schienen. — 1858 trat er seine Professur 
in Göttingen an und gewann auch hier 
die allgemeine Anerkennung der Lehren- 
den und der Lernenden; allein seine (Ge- 
sundheit war schon seit Jahren unter- 
graben und die Lungentuberkulose machte 
am 2. April 1860 seinem kurzen Leben 
ein Ende. — Die Zahl seiner Arbeiten ist 
beträchtlich. Ausser seiner noch während 
der Studienzeit gemachten Publikation 
„Über ein tieues Harnst off salz" (Annalen 
der Chemie und Physik, Bd. XCI) finden 
sich die übrigen sämtlich teils in den Verb, 
der physikal.-med. Ges. zu Würzburg (Bd. 
VL Vni, IX\ teils in Virchow's Archiv 

(Bd. IX, XI, xn, xni, xv, xvi, 

1856—58) und betreffen in besonders ein- 
gehender Weise die pathologische Anato- 
mie der Nieren ; ausserdem Aufsätze über 
Embolie, petrificiertes Sperma, Melanämie 
u. s. w. 

BäcldPd, Jules, Professor der 
Physiologie und Dekan der medizinischen 
Fakultät zu Paris, daselbst 17. Dezember 
1818 als Sohn von Pierre- Augustin B. 




118 



geb.» if^Tirde Dr. med. 1842 mit der 
TliüGe: „L Lcm differenles forme» dHctere; 
II, ate," and Agrege für das Fach der 
A&afömie 1&45, Er gab 1851 eine neue ver- 
mfhnc Ansgabe der MetnetUs (Camitomie 
grntrale'* s»^ine8 Vaters lieraus luad von 
der 4, AoÜttge ^1865) an einen „Prl'cis 
ä-kittida^e". Von anderen Publikationen 
fahren wir an: Die Konkars-These fttr 
einen Lehr>tnld der Aimtnmie: ,^Lc 
tfyitlfme cariilagineujc'* (P»riü 1846); aus 
den An'bivrit generules de niedee. (1848, 
IdGl) — ^Rtchetche» expMmcntules äur les 
fimtiiom de Ut ntte et mir celkji de la reina 
jti/rCe'* und ^De la coutracfion muftctdain^ 
l#e» rupports avec In tcmpfra/urt 
'; ferner: „Hy^ihkß de la pramirt 
mftmce, ou de l'MuralloH du premiisr nge^ 
(18521: in dtm Cumpt-es rendois de TAcad, 
ikm i^\ (1851. 1858, 1860^ - ,.Mhn. pour 
vir n Vhudoirc de VatnorpHon d de la 
rition^ — ^Jn/lucnce de la lumifre sur 
k9 animau£*' — „IM la ckaimr produUe 
in/ le fruvail de la contradion mm- 
Bcrif.** Er libenÄetzte znsamnien mit 
MA»r Sr.r: A. Kölukf.r ^Elhnent» d*hhhdotjie 
immtiine*' <Pftii& 1868) und verfösste den 
gflVaUe Hemefdaire de ph^mdogie hnnmine, 
^ant les prindpa/at noHotu* de la 
pe comparH" (Paris 1855; 6. Mit. 
1870: dentscbe Übersetzimg nach der 
2. Aniiage von Carl Kolb, Stuttgart 1860|. 
Zosanuueii mit Ax£Nr£LD gab er heraus: 
^Rapport stir lea progrfR de la mhlei*ine eft 
Francs" (Paris 1868). 1872 wurde er auf 
den l^dir^tidd der Physiologie bei der 
»rdizinist^hen FaknJtiit nls Nachfolger 
Xi0909Er*s i»enifen und hielt alt* Mitglied 
tsett 1862) nnd Sekretär (seit 1874) der 
Akademie der Medi2in eine Heihe von 
Öipgf?d, die zusaüunengefasfit imter dem 
TiU*l: ^Nalirejt ei porlrailH^ Hoyen Iom ä 
VAf^^mie de meder.ine" (Paris 1878) er- 
i*a<tß. Er war auch Mitarbeiter au 
Dfetionuaü'e enfvciopMique des 
m^^ <eit^ 1881 Dekan der 

Euf -•*rVüuuA.s*»(188Cvon 

erw^üt) und starb 9. Fe- 

Becquerel« ahi^mi a,.spitaiurzt 

3CI1 Pari»^, wjir 3, Juni 18U diiselbfit als 

täolui di-s lM-rtUinitt"n Physiker« Autoiue- 

^Ļiu- B. ^Iwjn^n, wurde so zu sagen 

WJ«iid mit dett physikalischen und 




chemischen Wissen Sühafteu veiirHut und 
1840 Doktor mit der These: „Rtrherche» 
diniquea mr ks affediofis htberctdemes du 
cenH;au"t nachdem er schon früher einiges, 
wie: ^^lievhervhefi dlniqucs mir la mhilngitc 
de^ cnfanh'' (Paris 1838) - .^pHeumonlr den 
enfatdSf de Vinßuetice des hnissions snuffui- 
ncB" (Ai'chives gtiner. 1839) imd „Recherchen 
anatomO'patholot/iqttes sur Itt oirrhoäü du 
foie** (Ibid. I840j gcftchneben hatte. Es 
f<jlgte eine weitere Reih*? von 8cliriften, 
in denen er bauptsiicblich seine chemischen 
und physikalischen Kenntnisse in ihrer 
AnwenduJig auf die Pathologie zu bringen 
wusste, also Arbeiten über Urin, Blut. 
Milch. Anwcndnrjg der Elektricität etc. — 
Sein f.Traiie mr le bii/aiemetU dt des motfena 
de le ffu^rir** (1843) war durch Ei*fahi-ungen, 
die er an sich selbst mit jenem Üljel ge- 
macht !iatte, hervorgerufen. Zu*iflinmcn 
mit A. RoDiKH gab er heraus: „Rvchervhes 
sur la eatnposUion du sang dafis l^etat de 
»attte et dans Väat de maiadie** (Gaa. medic. 
de Paris 1844; deutsche ITberset7:ung von 
EiSKN-üAN*;. Erlangen 1845. 46). Ferner 
erschienen die Aggregatirais-Thewcn: „Df 
rempirisme en mMcchu;** U844> und ,jDc^ 
hyilröplities mits le rapport palhogenique** 
(1847)^ mit welcher letzteren er zum Pro- 
fesseur agregL^ ernannt wurde. Seine uii- 
ermüdliefteTlnitigkeit, mit derer Hospit4Ü- 
und Privatpriixis, klinischen Unterricht 
und scliriftstellerische Arlieiten ujufasst*«, 
lieferte an letzteren noch eine sehr an- 
sehnhche Zahl, ausserdem zalilreiche Mtt- 
theilungen an die Academie des scienVes 
über Gegenstiinde aius der pathologischen 
Chemie» Mitteilungen und klinische Vor- 
trüge in verschiedenen Zeitschriften, 
namentlich in der Gazette des hopitaux, 
— ß. endete an Gehirnerweichung in einer 
Mais«»n de sante 12. März 1866. 

BedfOrd, Ounnlng S.. Neffe von 
GoNNiN<* Brdford, einem intimen Freunde 
Washington 's und M i tun ter/ei ebner der 
Konstitution A^t U» S. von Nord- Amerika, 
ist 180B in Baltimore geboren. Nach 
Beendigung seiner medizinischen Studien 
und erfolgter Promotion machte er behufs 
seiner weiteren wissenschaftlichen Aus- 
Idldmig eine zweijähinge K-eise durch 
Eunipa und nach seiner Kückkelir w^m'de 
er im Jahre 1833 zum Professor am 
Charleston medical College ernannt. S|>Uter 



119 



Bednar — B^gin. 



120 



wirkte er in gleicher Eigenschaft am 
Albany medical College, siedelte aber als- 
bald nach New- York über und begründete 
hier in Gemeinschaft mit |Valentin Mott 
das Medical College, an welchem er bis 
zum Jahre 1862 als Professor der Gynä- 
kologie und Geburtshilfe thätig war; 
gleichzeitig hatte er eine in Verbindung 
mit dem College stehende gebuii:«hilfliche 
Poliklinik, das erste derartige Institut in 
Nord- Amerika, errichtet, welche sich eben- 
so für die Studierenden, wie für die 
änneren Volksklassen als segensreiche 
Einrichtung bewährte. Im Jahre 1862 
gab er infolge geschwächter Gesundheit 
seine akademische Stellung auf; 1864 er- 
litt er einen apoplektischen Anfall, der 
sich in den folgenden Jahren noch drei- 
mal wiederholte und am 5. September 1870 
trat der Tod ein. — Mit seiner praktischen 
akademischen und litterarischen Thätigkeit 
hat B. sich vorzugsweise auf dem Gebiete 
der Gynäkologie, Geburtshilfe und Pädiatrie 
bewegt und sich nach allen Richtungen hin 
einen ehrenvollen Namen verschafft. Unter 
seinen litterarischen Arbeiten nehmen, 
neben einer grösseren Zahl kleiner akade- 
mischer Gelegenheitsschriften und einigen 
Journal- Artikeln, seine „Clinical ledurea 
on the diseases of women mid diüdreti'^ 
und „The prindples and pradice of ob- 
stetrics** l^welche in zalilreichen Auflagen, 
die erste Schrift in 8, die zweite in 4, 
zuletzt 1868 erschienen sind) eine hervor- 
ragende Stelle ein. 

Bednar, Alois, zu Wien, Kinder- 
arzt, Dozent an der dortigen Universität, 
verfasste die geschätzten Schriften: „Die 
Krankh. der Neugeborenen und Säuglinge^ 
vom Hin. und pathoL-anat. Standpunkte 
bearb." (4 The., Wien 1850 bis 53) — 
„Lehrb. der Klnderkratikh/' (Ib. 1856) — 
„Kinder-Dicüetik oder nahirgetnässe Pflege 
des Kindes in den ersten Lebensjahren ^ mit 
besond. Berücksicht, der noch dabei 
herrschenden Irrtümer und Vorurteile''' 
(Ib. 1857). 

Beely, Florian, geb. in Cöhi a. R. 
24. Januar 1846, studierte in Berlin und 
Königsberg, wo er Schüler, resp. Assistent 
B. V. Laxgrbeck's und C. Schoenborn's war. 
Am 29. April 1 879 promoviert, war er 1872 bis 
1880 in Königsberg i. P. als Sekundar- 



arzt und Dozent der Chimrgie thätig; 
seit Oktober 1880 wirkt er als praktisdier 
Arzt in Berlin (und zwar im Spezialfache 
der mechanischen Orthopädie) und publi- 
zierte : „Zur Behandlung einfacher Fraduren 
der Eoßtremüäten mit Gips- und Hanf- 
schienen" (1878) — „Krankheiten des Kopfe» 
und Krankheiten der Hand im Kindes- 
alter" (Gerhabdt's Handbuch der Kinder- 
krankheiten) — jjZur Behandlung der 
PoW sehen Kyphose" (Samml. klin, Vorträge, 
Nr. 199) — „Zur Mechanik des Gehens"' 
(Lanoenbeck's Archiv XXVII). — „Zur 
Abscessbehafidlung" (Therap. Mtsh. 1887) 

— „Zur Lehre von der Brucheinklemmung'^ 
(Ctrbl. f. Chir. 1887 1 — „Ckmtribution to 
the Pathological Anatomy of Scdiosis" 
(Transact. Americ. Orthoped. Assoc. 1891) 

— „Über die Grenzen der Orthopädie'' 
(Klin. Jahrb. IV.) — „Ein Ruder- 
apparat für Skcliotisehe" (Ztschr. f. orthop. 
Chir. II) — „Skoliosis capitis - Caput 
obliquum" (ib.) — „Zur Behandlung leichter 
Fälle von Genuvalgum" (Therap. Monatsh. 
1894) — mit Dr. Kjrchhoff: Der menschliche 
FusSj seine Bekleidung und Pflege (Tübingen), 
sowie verschiedene kleine Aufsätze im 
Ctrbl. f. orthop. Chir., welches er von 
1884—1880 redigierte. 

BGGtZy Felix, zu München, geb. 
zu Berlin 2. Febr. 1849, studierte in Er- 
langen (V. ZiKMSSR.v), wurde 1873 promo- 
viert, 1875 Badearzt in Kreuth, 1879 
Bahnar/t in München. Schriften: „Die 
Gesu7idheitsverhältni8se der k, b. Haupt- 
und Residenzstadt München, Ein hygie- 
nischer Führer" (München 1882) — „Über 
die Luft in Kanälen" (Ib.) — Bad Kreuth 
und seine Kurmittel" (Ib. 1879) — „Be- 
handlung von Drüsenentzündungen und 
subkutanen Eiterungen" (Ib.) — „^*« 
grosseyi Volkskrankheiten sonst und jdzt" 
(Prag 1885) - - ,jDie Ernährung des Eisen- 
bahnpersonals während der Fahrt" (Mün- 
chen 1891) — „Zum Kapitd der Farben- 
blindheit" (Ib. 1895) — „über die Grenzen 
der Humanität im Kriege" (Ib. 1898i, 
ausserdem zalüreiche Aufsätze in der 
Münchener med. und D. m. W., dem 
Deutsch. Arch. f. klin. Med. und im 
Verlage des Prager Volksbildungsvereines. 

Bäg^n« Auguste-Emile, geb. zu 
Metz 23. April 1803, besuchte die poly- 



121 



Behier — Behla. 



122 



techn. Schule und studierte dann Med., 
war während des span. Krieges dem 
Hosp. in Barcelona attachiert, wurde 
1828 in Strassburg Doktor mit der These: 
„Uinfluence des travaux intdleduels sur le 
Systeme physique et moral de l'homme", 
liess sich in seinem Geburtsorte nieder, 
gründete daselbst 1830 den „L'Indicateur 
de TEst*', kam 1850 nach Paris, wo er 
sich mit litterar. Publicatt. beschäftigte, 
namentlich auch bei den Arbeiten der 
Konmiission zur Herausgabe des Brief- 
wechsels Napoleons I., und 8. Juni 1888 
starb. B.'s hauptsächlichste von seinen 
zahlreichen Schriften gehören der all- 
gemeinen Litteratur an oder sind ge- 
schichtlich, wie „Histoire de Napoleon, 
de sa famille et de son ^poque etc." (6 
voll, 1853 ff.) Med. Publikationen sind: 
jfConnaissance physique et morale de 
rhomme" (1837). — „Lettres sur Vhistoire 
medicale du nard-est de la France^ mäanges 
d' areheologie et d' histoire" (1840); dazu 
zahlreiche Essais und Eloges. 

B6hiGr, Louls-Jules, Professor 
der med. Klinik zu Paris, daselbst 26. 
August 1813 geb., war ein Zögling des 
College Bourbon, wurde 1834 Interne, 
promovierte 1837 mit der These „Becherches 
diniques sur quelques points de pathologie", 
trat bereits 1836, noch als Interne, in die 
Societe anatomique ein, der er im Laufe 
der Jahre eine lange Reihe von Mit- 
teilungen machte, wurde 1844 Professeur 
agrege und Arzt des Central-Bureaus der 
Hospitäler, 1846 durch die Gunst des 
ihm befreundeten Ministers Güizot Arzt 
mehrerer grossen Verwaltimgen, Stellungen, 
die er jedoch später wieder aufgab, um sich 
ganz <ler Pflege der Wissenschaften zu 
widmen. Sein zusammen mit A. Hardy ver- 
fai^ter „Tratte elemeyitaire de pathologie 
infertte'' Cd voll. Paris 1855; 2. edit. 1858—64) 
gehrirt durch die Genauigkeit der Be- 
schreibung zu den besten Lehrbüchern 
der französischen Litteratur, und ruht, 
wie alle seine sonstigen Schriften, auf der 
soliden Basis der pathologischen Anatomie; 
er wurde von dem Conseil d'instruction 
publique als Lehrbiujh eingeführt. Das- 
selbe gilt von «einen, eine Sammlung von 
Monogr^lueen bildenden „Confh-ences de 
dinique medicale faUes ä la i^t^(1861-62), 
recueilHes par MM. Menjaud et Proust de." 



(Paris 1864) und seinen späteren ^^LeQons 
de V Hotd'Dieu". 1865 wurde er zum Pro- 
fessor der med. Fakultät ernannt. B. 
hat das Verdienst, zusammen mit Ejchet, 
die Errichtung von Laboratorien in Ver- 
bindung mit den Kliniken, zunächst im 
Hotel-Dieu, durchgesetzt zu haben. Er 
führte die Behandlungsweise der Pneumo- 
nie durch die Engländer mit Alkohol ein 
und machte seine Landsleute mit den 
Arbeiten von Todd und Wood, sowie 
anderseits mit denen von Traube, Rosen- 
8TRIN, Niemeyer, für dessen ins Französische 
übersetzten „Traite de pathologie" er die 
Vorrede schrieb, bekannt; er wendete, 
trotz heftigen Widerstandes zuerst in 
Frankreich die Kaltwasser - Behandlung 
des Typhus an. B. starb 7. Mai 1876. 

BOnld^ Bobert, Sanitätsrat in 
Luckau, N.-L., daselbst 2. Juni 1850 
geb., studierte in Leipzig, Berlin, Prag, 
Wien, nahm am Feldzuge von 1870/71 
teil, Dr. med. Berol. 1874, approbiert 
1875, liess sich in demselben Jahre in 
seiner Vaterstadt nieder, wo er 1883 
Kreis Wundarzt und 1893 zum Sanitätsrat 
ernannt wurde. B. ist Oberarzt der Land- 
wehr und beschäftigt sich hauptsächlich mit 
Protozoen und der Erforschung der akuten 
Exantheme im Anschluss an die Phyto- 
und Zoopathologie, sowie gegenwärtig 
noch mit statistischen Arbeiten über den 
Krebs. Er veröffentlichte hierüber, sowie 
über andere Gegenstände der Med. und 
besonders der Anthropologie zahlreiche 
Abhandlungen, von denen wir als die 
wichtigsten folgende anführen: „Die Ge- 
sundlieitsverhällnisse des Kreises Luckau" 
(Luckau 1884) — „Die Amoeberif ins- 
besondere vom parasitären und kulturdien 
Standpunkt" (Berlin 1898) — „Der Erreger 
der Klauen- uml Maulseuche nebst Be- 
merkungen über die akuten Exantheme beim 
Menschen'' (Cbl. f. Bakteriol. XTU. 1893) 
— ,fUber das Vorkommen vo7t Masern bei 
Tieren'' (Cbl. f. Bakter. XX. 1896) — „LW 
das Vorkommen von Scharlach bei Tieren"' 
(Ib. XXI. 1897) — „Über die systematische 
Stellung des Erregers der Adinomycose" 
(Ib. XXn. 1898) — „Zur Adiologie der 
Tutsis convulsiva" (D. m. W. 1898). Ausser- 
dem ist Verf. Mitgl. zahlreicher wissen- 
schaftlicher Vereine und hat als solcher 
mehrfach Vorträge in den betreffenden 



123 



Behrend. 



m 



Vereinen gehalten und zahlreiche Mit- 
teilungen naturwissenschaftlichen, archäo- 
logischen und anthropologischen Inhalts 
in den betreffenden Vereinsorganen nieder- 
gelegt. 

Bohrend, Friedrich Jacob, zu 
Berlin, geb. 12. Juni 1803 zu Neu-Stottin 
in Pommern, trat 1819 zu Königsberg in 
eine Handlung, in der er 2 Jahre verblieb, 
bereitete sich dann zu akad. Studien vor 
und studierte 1823—26 in Königsberg, 
verfnsste bereits wälu*end seiner Studien- 
zeit eine doppelt gekrönte Preisschrift und 
wurde 1826 in Königsberg Dr. 1827 ging 
er 2 Jahre auf Reisen und Hess sich 1829 
in Berlin als Arzt nieder. Er redigierte 
folgende Sammelwerke: „Allgem. Bepertor. 
der med. -Chirurg. Jourtudistik des Au8- 
latide8'\ zuerst mit Moldenhäükr, dann 
allein (Berlin 1829—35, 22 Bde.) — „Bib- 
liothek twi Vorlesungen der vorziigliclistcn und 
berühmtesten Lehrer des Auslandes, über 
Med. u. s w.'* (Leipzig 1835-45, 38 Bde.) 

— „Syj^ilidologie, oder die neurste?^ Er- 
fahrungen .... üfter die Erkemünis und 
Behandlung der vener. Krankhh." (Leipzig 
1838—45, 7 Bde.», fortgesetzt als „Archiv 
für Syphilis und Hautkrankheiten" (Berlin 
1846, 2 Bde.) — „SyphUidologie n. s. U7." 
(Neue Reihe, Erlangen 1857-62, 3 Bde.). 
Er verfasste: „Ikonograph. Darstellung 
der nicht-sgp/iilit. Haxäkrankhh." ,/ Leipzig 
1839, gr. Fol. mit 30 col. Taff.. — Ikmi- 
graph. Darstellung der Beinhrüclie U7id Ver- 
renkungefi" (ib. 1845, gr. Fol., 40 Taff.). 
Zusammen mit A. Hildebrandt gab er 
heraus: „Journal für Kinderkrankheiten" 
(Berlin, Erlangen 1843 — 72, 59 Bde.) 
und Hknkk's „Zeitschrift für Staatsarznei- 
kunde" vom 30.— 44. Jahrgang (1850—64). 
In seiner Stellung als Oberarzt der 
Berliner Sittenpolizei (seit 1876 mit dem 
Titel als Geh. Sanität-srat) schrieb er 
noch folgende Schriften: „Die Prost itu- 
tUm in Berlin und die gegen die Syphilis 
zu nelimenden Massregeln" (Erlangen 1850) 

— „Die öffentlichen Bade- wid Waschan- 
stalten^ ihr liutzen und ihr Erfrag" (ib. 
1854) — „Die Kanalisierung der Stadt 
Berlin in gesundheitlicher Beziehung" (Berlin 
1866) ; ausserdem eine Reihe von Aufsätzen 
in Rust's Magazin, Hufeland's Journal, 
Hbnke's Zeitschr. u. s. w. sowie Über- 
setzungen einer beträchtlichen Zahl von 



med. Schriften des Auslandes. B. starb 
30. Mai 1889. 

Behrend, Gustav, Dermato- und 
Syphilidolog in Berlin, geb. zu Neustettin 
in Pommern 10. Januar 1847, studierte 
seit 1867 in Berlin, Dr. med. daselbst 
1870 und als Arzt seit 1872 thätig, habili- 
tierte sich 1881, hält Vorlesungen über 
sein Spezialfach, sowie über Prostitution. 
Seit 1891 leitet er die Station für Ge- 
schlechtskranke der Stadt Berlin, seit 
1897 führt er den ProfessortiteL Schriften: 
„Lehrbuch der Hautkrankheiten" (1. Aufl. 
Berlin 1883); dazu über 50 grössere und 
kleinere Publikationen aus seinen Spezial- 
gebieten in den verschiedensten Zeitschrif- 
ten und der EuLKNBüRo'schen R«alency- 
klopädie, so über „Erythema ejonidatunm 




midti forme universale" (1877) — „ Ptmphigus", 
„SyphVis haemorrhagica" — ^jlber ein diffus 
entzündliches OpiumexantJtem nebst Bemerk- 
ungen über die Pathogenese der Arzneiaue- 
schläge" (1879) — „frber Pityriasis" — „Zur 
T^hre von der Vererbung der Syphüie" — 
„Vbrr rnccinale Hauferuptionen" — „tiber 
Acne duisetninnta und Sycosis" (1881) — 
„Mitteilungen aus der Poliklinik" (über 
Prurigo nach Scharlach unij über einen 
Fall von Liehen ruber planus) — „Über 
Komplikation von Impetigo contagiosa und 
Herpest(msurans" {1884) — „Über einen Fall 
vcm angeborener idiopathischer Hautatrophie" 
(1885) — „Über Knotefibildung am Haar- 
schaft, dauernde Beseitigung krankhaften 
Haarwuchses" — „ Wirkung des Lanolins bei 



12b 



Behring — Beigel. 



126 



HautkraukktUen'' (1886) — „Über Alopecia 
areata" — „Über Fhlyctaenogis aggregata" 
(1887) — „Über Anthrarolnn'' (1888) — 
„Xervenlä9um und Haarausfall" (1889) — 
„Tryekamyeosis nodraa, Piedra" (1890) — 
„Über Variolation, histor. Rückblick zur 
Jenner -Gedenkfeier" (1896) — „Über die 
Gmorrkoebeltandlung Froitituierter (1898) 
u. s. w., dazu gegen 25 Artikel für die 
Bealencyklopädie (von Akrochordon bis 
Prostitution). 

Behrings, Emil, in Marburg, geb. 
15. März 1854 in Hansdorf b.Deutsch-Eylau. 
studierte seit 1874 in Berlin als Zögling 
der militärärztlichen Bildungsanstalten, 
wurde hier 1878 Dr. med., 1880 approbiert, 
war anfangs Militärarzt in Posen, dann 
seit 1887 Stabsarzt in Bonn, wurde im 
folgenden Jahre in gleicher Eigenschaft 
an die militärärztliche Bildungsanstalt in 
Berlin versetzt, 1889 Assistent am hygie- 




nischen Institut, 1891 am Institut für In- 
fektionskrankheiten, erhielt 1893 den Pro- 
fessortitel, folgte 1894 einem Ruf als Pro- 
fessor der Hygiene nach Halle und siedelte 
1895 in gleicher Eigenschaft nach Marburg 
über, wo er gegenwärtig als Direktor des 
hygienischen Instituts, seit Ende 1895 
mit dem Charakter als Oeh. Med.-Rat 
thätig ist. Schriften: „Die Blutserum- 
therapie" (Leipzig 1892, 2 Tle.) — „Qe- 
sammette Abhandlungen zur ätiologischen 
Therapie von ansteckenden Krankheiten" 
(ebenda 18^) — „Die Geschichte der Diph- 



therie" (ebenda 1893) — „Die Bekämpfung 
der Infektionskrankheiten" (ebenda 1894) — 
„Allgemeine Therapie der Infektionskrank- 
heiten" (Berlin und Wien 1898) — ..Beiträge 
zur experimentellen Therapie'''' (ib. 1898), 
sowie zahlreiche kleinere Aufsätze über 
Desinfektionsmittel, Jodoform u. a. m. 
Seine „Entdeckung der ätiologischen oder 
Blutserumtherapie'' begründete er bereits 
1890. Er erhielt für dieselbe zusammen 
mit Roüx von der Pariser Acad. de med. 
einen Preis von 25(XX) Francs und vom 
Pariser Institut einen solchen von 50(K)0 
Francs. 

BeigBl, Hermann, 1830 geb., stu- 
dierte in Greifswald, Breslau und Berlin, 
war anfangs Badearzt in Reinerz und 
erhielt als erster Deutscher einen Ruf 
an das Charing Cross Hospital in London, 
wo er der Abteilung für Hautkrankheiten 
vorstand, als Lecturer of skin diseases 




funktionierte und nebenher noch Phy- 
sician am Metropolitan Free Hospital 
war. Am Feldzuge von 1870—71 nahm er 
als Regimentsarzt beim 65. Infanterie- 
Regiment zu Köln teil und wurde bei 
Verdun mit dem eisernen Kreuz dekoriert. 
Nach Beendigung des Feldzuges folgte er 
einem Ruf als dirig. Arzt am neu- 
gegründeten Maria - Theresia - Frauenhos- 
pital in Wien, wo er bis zu seinem Lebens- 
ende wirkte. B. publizierte wälirend der 
Sechziger- Jahre eine reiche Kasuistik aus 
dem Gebiete der Haar- und Hautkrank- 



127 



Beissel — Below. 



188 



heiten, so in Virciiow's Archiv, XLTV: 
„Über abnorme H aar eiä Wicklung beim 
Menschen'' - Bd. XLVII: ,,Über Papü- 
loma area-devatum dcj'y übersetzte 1868 
Marion Sims' „Clinical not es on uterine 
surgery" ins Deutsche (Erlangen), trat 
hiermit dem gynäkologischen Spezialgebiet 
näher und publizierte eineHeihe von bezüg- 
lichen Spezialarbeiten, z. B. „Zur Entwich- 
lungsgeschicIUe des Wol/jT sehen Körpers beim 
Menschen'' (Cbl. f. d. med. Wiss., 1878. 

— „Zur Natur geschicJUe des Corpus Itäeum" 
(Arch. f. (rynäk XIII). — Mit der Heraus- 
gabe eines „Handbuches für Gynäkologie" 
beschäftigt, starb B. 1879 ziemlich plötsdich 
an Karbunkel. 

B6ISS6I9 Ignaz, Sanitätsrat in 
Aachen, geb. in Burtscheid 14. August 
1 849, studierte in Bonn, Würzburg u. Berlin, 
Dr. med. 1874, ist seit 1892 als Nachfolger 
von Lkrsch nach dessen Rücktritt Königl. 
Badeinspektor für Aachen und Burtscheid. 
Schriften: „Balneologische Studien"; — 
„Aachen als Kurort"; — „Bade- Diätetik" 
und viele kleinere Joumalbeiträge über 
Wirkung der Duschen, Ätiologie der 
Psoriasis etc. 

DBlky« Johann, in Klausenburg, geb. 
1851 in Miskolcz, studierte Med. in Buda- 
pest, wo er nach erlangtem Doktorgrade 

1874 Praktikant an der inneren Klinik, 

1875 Assistent an der Lehrkanzel für 
gerichtl. Med., 1878 Privatdozent, 1881 
supplir. Prof. des letzteren Faches wurde. 
1883 erfolgte seine Ernennung zum ord. Prof. 
der gerichtl. Med. in Klausenburg. B. starb 
am 16. Nov. 1892. Er veröffentlichte : „Die 
Blutunterlaufungen der Strangulatiomrinne" 
(Orv. Het., 1887) — „Von der Klassifikation 
der körperliclien Verletzungeyi mit Bezug auf 
den neuen ungar. Strafgesetz-EfUwurf''' (Ib. 
1877) — „Die Lungenhyperämie bei dem Er- 
gtickungstode" (Ib. 1878) — „Vom Lehren , 
dergericIUL Med," (Ib. 1879) — „Zwei Fäüe \ 
von Vergißung" (Ib. 1879) — „CantJuiridin \ 
im Earne" (Ib. 1880) — „Ein Fall von 
Verblutung aus der Nabelsdmur" (Ib. 1881) 

— „Die sogen. Leichenalkaloide" (Ih. 1881) — 
„Kasuist, Mut. aus der gerichtsärztl. Praxis" 
(Ib. 1882) — „Die Tisza-Eszlarer Kriminal- 
anklage vom geridUsärztl. Standpunkte*^ 
(Kolozsvdri orvoster meszettudomanyi erte- 
sitö, 1884) -^ „Beiträge zur Kenntnis der 



Wirkung der toonachen Gctse* (Ib. 1885*, 
dieselbe Arbeit deutsch in Vracnow's Archiv, 
1886). — „J^tn Spektroskop ohne Linset 
(ib. 1888} — .,Der Gesetzentwurf der un- 
garischen Strafprozessordnung vom medizi- 
nischen Gesichtspunkte'* (Ib. 1889) — ,,Ein 
Fremdkörper im rechten Atrium des Herzensf-'^ 
(Orvosi Hetilap 1891) — ,,GeHchÜiche 
Medizin'' (Budapest 1895). 

Bellamy, Edward, I842 zu Bland- 
ford St. Mary's (Dorsetshire) geb., beendigte 
seine Studien 1863 und liess sich alsLectorer 
on anatomy und Lehrer der Operationslehre 
in London nieder; später wirkte er speziell 
als Professor of artistical anatomy am 
Kensington-Listitut und übersetzteBRAüNE's 
„Topographische Anatofnie nach Aufnahmen 
an gefrorenen Leichen**. Ausserdem ist er 
der Verfasser von „TÄc students guide to 
surgical anatomy * — dies „Report in surgery" 
(Med.-chir. Review 1875, 1876, 1877) — der 
„Clinical ledures on the fasciae" (Med. 
times and gaz. 1879) und verschiedener 
einschlägiger Arbeiten in den genannten 
Journalen, wie auch in Lancet, Brit. med. 
Joum., Med. Becord etc. B. starb 4. Jan. 
1891. 

Below, Ernst, in Berlin, 31. Mai 
1845 in Posen geb., studiert« in Leip- 
zig, Breslau, Greif swald und Berlin, 
Dr. med. 1870, nahm am Feldzug von 
1870/71 teil, machte dann längere über- 
seeische Reisen nach New- York, Mexiko, 
legte 1882 das mexikan. Staatsexamen 
ab und erhielt den mexikan. Pro- 
fessortitel, praktizierte längere Zeit da- 
selbst, kehrte 1888 nach Deutschland 
zurück, erhielt 1889 nach abgelegtem 
Staatsexamen die Approbation für Deutsch- 
land und wirkt seit 1893 dauernd in 
Berlin. Seit dem 1. Oktober 1898 ist er 
Chefarzt der Lichtheilanstalt „Rotes 
Kreuz" in Berlin. B. machte wiederholte 
Reisen für die deutsche Kolonialgesell- 
schaft und beschäftigte sich seit Jahr- 
zehnten mit tropenhygienischen Studien, 
über deren Ergebnisse er auf mehreren 
Naturforscher- Versammlungen Vorträge 
hielt. Zur Förderung der tropenhygie- 
nischen Untersuchungen veranstaltete er 
eine grosse, auf mehrere Jahre seit 1888 
sich erstreckende Umfrage nach einem 
besonderen, von ihm entworfenen Frage- 



129 



Benda — Benedikt. 



130 



bogen- Schema, beantragte auf dem Inter- 
nat. Kongress zn Berlin 1890 die Grün- 
dung eines Welthygieneverbandes und 
1894 imd 1895 die troi)enhygienische 
Centralstelle im Reichstage und publizierte 
ausser mehreren in Mexiko in spanischer 
Sprache erschienenen Abhandlungen : „Die 
Ergdmisae der tropischen Fragebogen" (bes. 
vom Gresichtspunkte des internationalen 
Seucheüschutzes aus betrachtet; Leipzig 
1892) — „Artenbildung dt$rch Zonenwecfisel" 
(Frankf. a. M. 1894); „DeutscIUund voran" 
(BerL 1895) — „Gelbfieber und Malaria im 
Lichte den Acdimatisationsgesetzes" (D. 
med. Wochenschr. 1896) — „Impaludiamus, 
Bakteriologie und Bassenresistenz" (Mgnsb's 
Arch. f. Schiffs- und Tropenhyg.), mehrere 
Streitschriften in der Schwarzwasserfieber- 
frage (im ,,Janus^, Amsterdam und AI lg. 
Med. Centr.-Ztg.); femer bearbeitete B. 
für das MeYER'sche CJonversat.-Lex. die 
Artikel „Schwarzwasserfieber" und „Tro- 
penhygiene." Ausserdem schrieb B. eine 
Reihe von Joumalbeiträgen zu anderen 
Gebieten der prakt. Med., zahlreiche 
Artikel, Beisebeschreibungen, selbständige 
Monographien belletristischen Inhalts, 
auch in zahlreichen belletristischen Or- 
ganen. In jüngpter Zeit hat er sich der 
Pflege der Lichttherapie zugewandt, wo- 
räbor er in der BerL Med. Ges. 1898 imd vor 
etwa 1(X) geladenen Medizinern in der 
von ihm dirigierten Anstalt am 11. Juli 
1899 Vorträge hielt, auch zwei Schriften 
„Epikrise über Lichttherapie" und „Der 
heutige Stand der Lichttherapit" (Berlin 
1899) veröffentlichte. Ganz vor Kurzem 
begründete er eine „Z^eitschr. f. Licht- 
therapie". 

Benda, Carl, in Berlin, daselbst 
1867 geb., studierte hier, sowie in Heidel- 
bei^g, Wien und Psuis, vorwiegend als 
Schüler von J. Obth und Frttsch, Dr. med. 
1881, war Assistent an den patholog. In- 
stituten zu Halle und Göttingen und am 
physioL Institut in Berlin, habilitierte sich 
1888 ftlr Anatomie in Berlin, wirkt seit 
1894 als Prosektor am Stadt-Krankenhaus 
am ürban, seit 1899 als Tit.-Professor. 
B.'s Arbeiten bewegen sich auf dem Ge- 
biete der normalen und pathol. Histologie 
und betreffen Untersuchungen über 
Spermatogenese und Bau der Milchdrüsen, 
Histologie des männlichen Gbschlechts- 

BMgn^UiciM« Lczikofli. 



apparats, Miliarltuberkulose, akute Leu- 
kämie, Pleuracarcinom. B. machte ver- 
schiedene Neuerungen zur technischen 
Mikroskopie bekannt und gab heraus: 
„Histologischer Handatlas" (Wien und 
Leipzig 1896 zus. mit Paula Günthkr). 

Beneden, van, Edouard, zu Lö- 
wen 5. März 1846 geb., publizierte bereits 
während seiner Studienzeit, besonders 
aber als Professor in Ltittich eine bedeu- 
tende Reihe von Arbeiten aus dem Ge- 
biete der mikroskopischen Zootomie und 
Histologie denen (für die Periode 1872—76) 
der grosse fünfjährige Akademiepreis zu- 
erkannt wurde. Es fanden unter diesen 
Arbeiten die Beachtung der weit-eren 
medizinischen, beziehungsweise physio- 
logischen Kreise folgende Schriften: „Re- 
cherches sur la compositum et la signification 
de Voeuf, basees sur Vettide de son mode de 
formatioti et des 2)remi€r8 phenonienes cm- 
bryonnaires" (Brüssel 1870) — „Eecherches 
sur Vevolution des Gregarines" (Bull, de 
l'acad. royale de la Belgique 1871) — „La 
niaturation de Voeuf, la fec&ndafion et les 
premieres phascs du dSveloppement embryo- 
nale des mammißreSy d'apres des recherches 
faites ehez le lapin" (Brüssel 1875) — 
„ContrUmtions ä Vhistoire de la vesictäe 
germmatioe et du premier noyau embryoji- 
naire" (Bull, de l'acad. Belgique 1876) ^- 
„Contribution ä Vhistoire du developpement 
embryonnaire des Täeosteens" (Ebenda 1877; 
dasselbe englisch im Quart. Joum. of micr. 
sc. 1877). — Seit 1880 gab van B. mit 
Ch. van Bambeke die „Archives de biologie" 
heraus und starb 8. Januar 1894. 

Benedikt, Moritz, geb. 6. JuH 
1835 zu Eisenstadt in Ungarn, ist seit 1844 
in Wien ansässig, wo er das Gymnasium 
(1853) absolvierte, dann zuerst auf der philo- 
sophischen Fakultät mathematische und 
physikalische Studien machte, 1854 die 
medizinischen Studien begann und 1859 
promoviert wurde. Als Student publizierte 
er zwei dramaturgische und zwei physi- 
kalische Abhandlungen. Er machte frei- 
willig den Peldzug 1859, sowie später 
jenen von 1866 als Arzt mit. 1861 habi- 
litierte er sich als Dozent für Elektro- 
therapie und wurde 1868 zum Extraor- 
dinarius imd 1899 zum Titular-Ordinarius 
ernannt, nachdem bald nach 1868 seine Pro- 

5 



131 



Beneke. 



182 



fessur auf Nervenpathologie erweitert 
wurde. Von 1861*^ bis 1875 beschäftigten 
sicli seine Publikationen fast ausschliess- 
lich mit jenen beiden Disciplinen und 
es erschienen zwei grössere Werke; 
„Elektrotherapie^ (1868) und „Nervenpatho- 
hgie wnd Elektrotherapie'' (1874—75.) Von 
1873 bis 1899 erschienen eine grosse 
Reihe anatomischer Abhandlungen, die 
teilweise Fragen der normalen und patho- 
logischen Anatomie, besonders des Nerven- 
systems betrafen, während die späteren 
sich meist mit der vergleichenden Tier- und 
Rassen-Anatomie des Schädels und des 
Gehirnes beschäftigten und sich teilweise 
auf die anatomische Erforschimg des 
Schädels imd des Gehirnes der Verbrecher 
bezogen. In diesen Studien wurde einer- 
seits der Nachweis geliefert, dass kein 
qualitativer Unterschied zwischen Men- 
schen- und Tier-Gehinien besteht und 
anderseits wm*de die Messmethode des 
Schädels zu einer optisch-kathetometri- 
schen ausgebildet und zuletzt (1899) auch 
auf andere Knochen ausgedehnt. Parallel 




mit diesen gingen psychologische Pu- 
blikationen, welche 1874 mit der ,,P8ycho- 
physik der Moral" einsetzten, 1875 die 
„Anthropologie der Verhrechm" ins Leben 
riefen imd im Vereine mit den anato- 
mischen Studien zu zwei Werken führt<^n, 
nämlich den „Anatomischen Studien an 
Verbrechergehirnen'' {ISIS) und der „Kranio- 
tnetrie und Kratiioskopie" (1888). Einen 
Abschluss fanden diese Studien mit dem 



Buche: „Seelenkunde des Menscken" (1895). 
Nebenbei gingen zaMreiche Publikationen 
über neurologische Themata, darunter das 
Buch: „üypnotiamua und Suggestion" (1894). 
Eine wichtige neurophysiologische Arbeit 
beschäftigt sich mit der doppelsinnigen 
Leitung in den Nerven (1897) und eine 
neuropathologische mit der Fortpflanzung 
der Leitung im Nervensysteme (1898, 
französisch). Eine andere Reihe von Pub- 
likationen betrifft die Biomechanik und 
die Physiologie und Pathologie der Cir- 
kulation. Letztere wurden vorzugsweise 
noch in den Abhandlimgen über das 
Röntgenen in der Innern Medizin berück- 
sichtigt. Eine andere Reihe von Ver- 
öffentlichungen betraf Fragen aus der 
Ophthalmologie (1864 — 1897) , darunter 
jene über Daltonismus bei Sehnerven- 
atrophie (1864), welche zuerst die patho- 
logische Farbenblindheit beschrieb. Die 
Publikationen sind ausser in deutscher 
auch in französischer, italienischer und 
englischer Sprache geschrieben. 

Beneke, Friedrich Wilhelm, 
zu Marburg, 27. März 1824 zu Celle in 
Hannover geb., studierte von 1824—1846 
in Göttingen und erlangte daselbst unter 
Benutzung einer Preisschrift als Disser- 
tation: „De ortu et causis mofistrarum dis- 
quisitio" 1846 die med. Doktorwürde. Er 
ging noch auf ein Semester nach Prag, 
Hess sich in demselben Jahre als praktischer 
Arzt iai Celle nieder, beteiligte sich 1848 als 
hannoverischer Militärarzt an dem Schles- 
wig-Holsteinischen Feldzuge, war vom 
Januar 1849 bis Herbst 1851 Hausarzt 
des deutschen Hospitals in London, darauf 
als })raktischer Ai-zt in Hannover, im 
Sommer als Regierungs-Badearzt in Reh- 
burg thätig, bis er 1853 einem Rufe nach 
Oldenburg als Leibarzt des Grossherzogs 
folgte. 1857 wurde er als erster Brunnen- 
ar/t nach Nauheim, mit der Berechtigung, 
an der Univei*sität Marburg Vorlesungen 
zu halten, berufen. 1858 hatte er den 
Titel eines Geheimen Medizinalrates er- 
halten und war mit der Direktion des in 
j Marburg, zunächst versuchsweise, errich- 
I teten pathologisch - anatomischen Listi- 
I tutes beauftragt worden« 1863 erfolgte 
seine Ernennung zum Prof. e. o. und 1867 
zimi Ordinarius für das mit einer be- 
sonderen ordentlichen Professur bedachte 



183 



Bengelsdorff — Bennet. 



184 



Fach der patholog. Anat. und allgem. Pa- 
thologie und zum Direktor des nunmehr 
definitiv begründeten pathologisch-ana- 
tomischen Institutes, nachdem er sich 
bei dem Übergange von Nauheim an das 
Grofisherzogtum Hessen - Dannstadt für 
sein Verbleiben bei der Universität Mar- 
bmng und für die preussische Staatsan- 
gehörigkeit erklärt hatte; doch wurde 
ihm zugleich die fernere Ausübung der 
badeärztlichen Praxis in Nauheim von 
beiden Begierungen gestattet. Er wid- 
mete sich derselben bis zu seinem Lebens- 
ende während der Badesaison, neben 
einer vielfachen Thätigkeit im Lehramte 
nnd in akademischen Geschäften. Li 
seine letzte Lebenszeit fallen B.*8 Be- 
mühungen um die Errichtung von Kinder- 
heilstätten, namentlich an den Küsten der 
Nordsee, Bemühungen, welche seine 
letzten Jahre vorzugsweise erfüllten und 
in welchen die warme, menschenfreund- 
liche Gesinnung, die einen Grundzug 
seines Wesens bildete, ganz besonders 
hervortrat; sie gaben ebenfalls Anlass zu 
einigen Publikationen. B. starb ziemlich 
plötzlich 16. Dezember 1882. Die Zahl von 
B.'s litterarischen Arbeiten ist ungemein 
gross; diese bewegen sich auf den ver- 
schiedensten Gebieten der Medizin. Ab- 
gesehen von zahlreichen Badeschriften 
sind erwähnenswert zunächst diejenigen 
Schriften, die aus Anlass von B.'s Be- 
mühungen zur Gründung eines „Vereins 
für gemeinschaftliche Arbeiten zur For- 
derung der wissenscliaftlichen Heilkunde" 
entstanden. Er rief ein Correspondenz- 
blatt 1853 ins Lehen, das bis 1863 in 
65 Nummern erschien, ein „Arclüv des 
Vereins etc." (Bd. I -VI, 1854—63, Neue 
Folge 18G4— 67 Bd. I— lU) und kam 1870 
noch einmal auf diese Angelegenheit zu- 
xlick in seiner Publikation : ^^Zur OeschicJUe 
der Associationshettrehungen etc." (Marburg 
1870). Bedeutungsvoll sind femer B.'s 
Schriften zur Hygiene und Statistik, femer 
Arbeiten üher den phosphorsauren und Oxal- 
säuren Kalk, sowie über Pathologie des 
Stoffwechsels. Ein ausführliches Verzeich- 
nis findet sich in dem älteren Biogr. 
Lexikon. 

Bengelsdorff, Axel Leopold 
Ernst, geb. 11. März 1814 zu Greifswald, 
ttodierte in Halle und Berlin, wo er 



wesentlich Schüler Krukenbero's war. 
Promoviert in Berlin 1837, wirkte B. seit 
dieser Zeit als praktischer Arzt, Sanitäts- 
rat, später Geh. San.-Bat und Dozent in 
Greifswald und hat sich durch eine Beihe 
gynäkologischer Spezialarbeiten bekannt 
gemacht. Er starb 14. Januar 1891.* 

B6ni-Barde, Alfred, Hydrothera- 
peut in Paris, geb. 21. November 1834 
in Toulouse, Dr. med. 1859, erhielt 
1876 für seinen ^^Traite theorique et pra- 
tique d'hydrotherapie'''' den Preis des In- 
stituts, ist seit 1878 Ritter der Ehren- 
legion und veröffentlichte noch: „De la 
migrahie" — „Vhydrotherapie pendant les 
rhgles" — „De la iievro-myopathie peri- 
arilculaire" — „De goUre exopfäalmique'' 
— „Manuel medical d^hydrothcrapie" — 
„Les douchea locales" 

Bennecke, E r l c h , in Berlin, 1864 
zu Karlsberg bei Mansfeld geb., studierte 
seit 1883 in Halle, Marburg und Berlin, 
1889 approbiert, wurde er 1890 Assistent 
von Makchand in Marburg, später bei 
König in Göttingen, mit dem er 1895 
nach Berlin übersiedelte, um hier 1899 
als Nachfolger des nach Basel berufenen 
Hildebrand die cliir. Poliklinik an der 
Charite zu dirigieren. B, plublizierte : „Zur 
Entstehungsweise der Kicfer-Cysten" (Diss. 
Halle 1891), Arbeiten über gonorrhoische 
Gelenksentztiiidung, über den feineren 
Bau der Kiefergeschwülste, Unterleibs- 
hemien u. a. 

Bennet, James Henry, 1816 zu 
Manchester geb., wurde als Knabe in 
Paris erzogen, war Lehrling eines in 
Derbyshire praktizierenden Onkels, stu- 
dierte von 1836—43 in Paris und wurde 
daselbst 1843 promoviert. Nach London 
übergesiedelt, wurde er 1844 M. R, C. P. 
und übernahm eine hervorragende Thä- 
tigkeit an gynäkologischen, resp. gebm*ts- 
hilllichen Anstalten. Im Winter wirkte 
B. seit 1869 lange Jahre in Mentone, wo 
er zu den bekanntesten Ärzten gehörte 
und gab 1878 auch seine Sommerpraxis in 
England ganz auf, wo er auf seinem 
Landsitz „The Fems" wohnte. Seine 
Schriften beziehen sich auf beide Wir- 
kungskreise, so der „Practical treatise oti 
inflanimation of the uterus and its appen- 

6* 



135 



Bennet. 



136 



dages arid on the connexion with other 
uterine diseases'' (4. Aufl., 1861) — „A 
review of the present state of uterine pcUfw- 
hgy" (1856) — „Ntärition in heaUh and 
disease" (3; Aufl. 1877) und andererseits 
., Wijiter and spring on the shores of Medi- 
terraneanj or the rivieras Itaig, Spain, 
Sardinia, Malta^ Corfu, Corsica, Sicilg, 
Algerg, Tunis as winter dimates'* (5. Aufl. 

1875) — „Becherches sur le traitement de 
la pMhisie pulmonaire" (Paris 1875; englisch 
bedeutend erweitert in 3. Aufl., die letzte 
1878) — ,jLa Corse et la Sardaigne'^ (Paris 

1876) und viele in diese Fächer schlagende 
Einzelaufsätze in der Lancet und anderen 
Wochenjoumalen. B. starb im August 
1891. 

Bennett, John Ilughes, Professor 
der Medizin in Edinburg, zu London 
31. August 1812 geb., begann seine medi- 
zinische Laufbahn als ein Lehrling des 
Chirurgen Sedowick zu Maidstone, studierte 
von 1833 an Medizin in Edinburg, publi- 
zierte noch als Student zwei Aufsätze: 
„On the anatotny and pliysiology of the 
otic ganglion'' (Lond. Med. Gaz. 1836) 
imd eine von ihm gehaltene Festrede, 
wurde 1837 Dr. med. mit der Dissertation 
;,0n the physiologg and pathology of the 
brain etc." und erhielt bei dieser Gelegen- 
heit eine goldene Medaille. Er studierte 
dann weiter je zwei Jahre lang in Paris 
und auf verschiedenen dfeutschen Uni- 
versitäten und schrieb während dieser 
Zeit für Tweedie's Library of Medicine 
17 verschiedene Artikel, hauptsächlich 
über Affektionen des Gehirns, Rücken- 
marks und der Nerven, auch für die 
Bulletins de la Soc. anatom. de Paris 
(1841, 42) eine „Note sur le developpenient 
de tierfs particuliersäla sur face du cervelet". 
1841 kehrte er nach Edinburg zurück und 
begann Vorlesimgen über Histologie, mit 
praktischen Übungen, die ersten derartigen 
in Grossbritannien gehaltenen. In dem- 
selben Jalire veröffentlichte er noch seinen 
„Treatise on the oleum jecoris' 'Oselli, or cod- 
liver oil^ as a therapeutic agent in certain 
forms ofgoutj rheumatism, and scroftäa, with 
cases" über ein Mittel, dessen ausgedehn- 
ten Gebrauch er auf dem Kontinent kennen 
gelernt liatte. Um 1842 wurde er FeUow 
der Royal Society und des College of 
Physicians m Edinburg, auch Physician 



des Royal Dispensary und pathologischer 
Anatom der Royal Infirniaiy. In dem 
Dispensary erteilte er, nach dem Muster 
der deutschen Polikliniken, klinischen 
Unterricht, unter selbstthätiger Mitwir- 
kung der Studenten; in der Infirmary 
gab er Kurse über pathologische Anatomie 
und Histologie und gründete ein Mnsemn 
der ersteren. In der Zeit von 1842—1848, 
wo er den Lehrstuhl der „Institutes of 
Medicine" erhielt, publizierte er nicht 
weniger als 34 Abhandlungen, die grosse 
Mehrzahl derselben im Edinburgh Monthly 
Journal of Medical Science, dessen Re- 
dakteur und Eigentümer er einige Jahre 
lang war, über sehr verschiedene Themata. 
— Von 1848 an war B.'s Lehrthätigkeit 
nacli zwei Richtungen hin geteilt, 
nämlich als medizinischer Kliniker und 
als Physiologe, von welchen beiden Thä- 
tigkeiten die erstere bald ein bedeutendes 
Übergewicht erlangte. Die Zahl der 
Journal-Aufsätze, die er von 1849—1874, 
imd zwar bis 1856 im Monthly Journal, 
von da an aber in jdem daraus [hervor- 
gegangenen Edinburgh Medical Journal, 
in späterer Zeit vielfach auch im British 
Medical Journal, veröffentlichte, beträgt 
71. Ein Verzeichnis dejx meisten findet 
sich in dem älteren Biogr. Lex* Nach 
mehrjähr. Leiden starb B. 25. Septemtber 
1875 zu Norwich, 10 Tage nachdem er 
sich einem Steinsclmitt unterzogen hatte. 

Bennet, Slr James Risdon, geb. 
1809 zu Romsey, Hampslüre, studierte in 
Paris und Edinburg, reiste darauf zwei 
Jahre auf dem Continent, liess sich in 
London nieder, wurde Dozent beim 
Charing Gross Hosp. und bei Gbainobb^s 
Schule im Borough, 1843 Assist. -Phys, 
später Physic. am St. Thomas Hosp., bei dem 
er viele Jalire über prakt. Med. las. Er 
war einer der Gründer und Sekretär der 
ersten Sydenham Soc. Im Coli, of Physic. 
war er Censor, Lumleian und Croonian 
Lecturer, Vertreter desselben im General 
Med. Council und von 1876—80, jährlich 
stets wieder gewählt, Präsident, erhielt 
1878 von der Universität Edinburg die 
Ehrendoktorwürde der Rechte, I88l die 
Ritterwürde und war Mitglied des Council 
und Vize -Präsident der Royal Soc. Er 
starb Ende Dezember 1891. B. übersetzte: 
W. Kramer, „The nature and tretUment of 



137 



Bennett — Berger. 



138 



digeoBes of the ear" (London 1837). und 
schrieb u. A. einen Aufsatz: „A case 

of haniplegia terminating by 

rupture of the aoria, producing disseding 
aneurwm" (Med.-Chir. Transact. XXX TT, 
1849) und folg^de Schriften: „The causes, 
nature, diagnoais, and treatment of acute 
kydrocephahii, or, tcater in the head" 
(London 1848), von der Medical Society 
in London mit der goldenen Fothbboill- 
Medaille gekrönte Preisschrift — „Eeport 
on the progress of pathology. practical me- 
dicine and therapeutics : for the years 
1842^45" (Brit. and Foreign Med.-Chir. 
BeTiew 1845) — „Cancerous and other 
intra-thoracic growths .... heing the 8vb- 
stanee of the Lundeian lectures*' (London 
1872, w. 5 pl.). 

Bennett, Edward Hallaran, be- 
gann seine Studien in Dublin 18ö6, wurde 
daselbst Dr. med. 1864 und liess sich als- 
dann zur Ausübung vornehmlich chirur- 
gischer Thätigkeit dort nieder. So fun- 
gierte er als chirurgischer Professor, so- 
wie als Surgeon am Ddn'b und am Mark's 
Ophthalmological Hospital. Seine Ver- 
öffentlichungen — J im Dubl. quart. Joum. 
1871, 1874, 1876 — sind kasuistischer 
Natur und beziehen sich auf Premdkörper- 
e^rtraktion aus dem Larynx durch lAryngo- 
Tracheotomie, auf wahre Hüftgelenk- 
Ankylosen , auf Rippenknorpelbrtiche 
u. dergl. 

Berg^er, Oskar, in Breslau, geb. 
29. November 1844 zu Münsterberg in 
Schlesien, studierte in Breslau, Berlin und 
Wien. 1867 in Berlin promoviert, wirkte 
er seit 1869 in Breslau als Spezialarzt für 
Nervenkrankheiten. 1873 wurde er Privat- 
dozent daselbst, 1878 Professor e. o., 1877 
dirigierender Arzt des Breslauer städtischen 
Armenhauses. Er starb 19. Juli 1885 an 
Apoplexie infolge von Nierenleiden zu 
Ober-Salzbrunn in Schlesien, wohin er 
sich zur Kur begeben hatte. B. war ein 
hervorragender Neuropatholog und der 
erste Privatdozent für Nervenheilkunde 
an der Breslauer Universität. Seine Spe- 
zialität war die Elektrotherapie. Seine 
zahlreichen Arbeiten auf diesen Gebieten 
sind in der Deutsch, med. Wochenschr., 
BerL klin« Wochenschr., im Archiv für 
Psyehlatr« und Nervenheilk«, in der 



EüLENBURo'scheai Real-Encyklopädie, Bresl. 
ärztl. Zeitschr. etc. veröffentlicht. Auch 
war B. längere Zeit an der Herausgabe 
des EiiLENMBYER'schen Centralblattes für 
Nervenheilkunde beteiligt und fungierte 
zuletzt als Mitarbeiter am MENDSL^schen 
„Neurolog. Centralblatt". Die PhysioL 
und Pathol. des N. thorac. longus, die 
Lehre von den Gelenkneuralgien, die Be- 
ziehungen der Neuralgien zu Diabetes 
und Nephritis, die Lehre von den Neural- 
gien des Genitalapparates, den Beschäf- 
tigungsneurosen, die Behandlung des 
mimischen Gresichtskrampfes etc. verdan- 
ken B. erhebliche Bereicherungen, resp. 
Erweiterungen und Verbesserungen. Auch 
lieferte er wichtige Beiträge zur" pathol. 
Anat., Diagnostik, Therapie und Ätiologie 
der Tabes dorsalis; so hielt er u. a. auch 
in der med. Sektion der Schles. Gesellsch. 
für vaterl. Kultur nicht lange vor seinem 
Tode einen Vortrag über den Zusammen- 
hang der Syphilis mit Tabes, worin er die 
wichtige Rolle der ersteren als prädispo- 
nierendes Moment für dieses Leiden auf 
Grund neuer Kasuistik und sorgfältiger 
statistischer Erhebungen betonte. Auch 
die topische Diagnostik der Himkrank- 
heiten war Gegenstand seiner Studien. 
Er publizierte u. a. : „Zur Lokalisation der 
corticalen Sehsphäre beim Mensche^i" (Bresl. 
ärztl. Zeitschr. 1885\ In seinen letzten 
Lebensjahren beschäftigte er sich zu- 
sammen mit Heidenhain mit Studien über 
Hypnotismus. 

Berger, Paül, in Paris, geb. 
6. Januar 1845 zu Beaucourt (Haut-Rhin), 
studierte in Paris, besonders als Schüler 
Go88ELiN*s und promovierte daselbst 1873. 
Seit diesem Jahre vorzugsweise ün chirur. 
gischen Fache thätig, wurde er zum 
Aggrege der Pariser Fakultät 1875, zum 
Chirurgien des hopitaux 1877, zum Mit- 
glied der Acad. de med. 1893 und im fol- 
genden Jahre zum Prof. der chir. Klinik 
an der med. Fakultät als Nachfolger v. Le 
Fort ernannt. Seit 1898 ist B. Präsident 
der Soci^te de chir. ij^ Paris, femer Wund- 
arzt am Hopital de la Pitie, desHertford 
British Hospital und der Ecole normale 
superieure. B. publizierte: „De larthrite 
du genru comminutive aux fradures du 
! femur" (Paris 1873) — „De Vinfluence des 
I maladies constittäionelles sur la tnarche des 



139 



Berger — Bergli. 



140 



Ihiom traumatiqties" (Daselbst 1875) — 
„Rotiile, Anatomie et Pathologie" (Dict. 
encycl, des Sc. med.). Hier auch die 
Artikel: „Cerieau, corps opto-stries" — 
„Sur la strndure et le cotifurnuiti'M Interi- 
eure de la veine et des arteries mnlnlicales" 
(Arch. de physiol. 1872), als Mitglied der 
Societe de cliir. de Paris ausserdem in den 
Verhandlungen derselben eine Eeihe ka- 
suistischer Arbeiten, den Mechanismus der 
Hernien, die Osteomyelitis. Darmresektion 
und Darmnaht, Extraktion von Fremd- 
körpern aus dem Bulbus, Schulterblatt- 
resektion etc. betreffend. Andere gleich- 




sinnige Mitteilungen finden sich in der 
Revue des sc. med. (von Hayem). In 
neuerer Zeit kamen hinzu verschiedene 
Veröffentlichungen über Autoplastie, haupt- 
sächlich nach der von v. Graefe modifi- 
zierten italienischen Methode (in den Ver- 
handlungen d. Acad. de med., auf dem 
franz()s. Chlrurgenkongress. in der Fest- 
schrift für Prf . Durante) ; über Amputation 
intercapsulo-thoracique (Paris 1887, sowie 
in den Verhandlungen der Soc. de chir. 
1891 undRev. de chir. 1898). überUnter- 
leibsbrtiche, Ergebnisse der Untersuchung 
von 100(X) beobachteten Fällen (Berlin 
1897), sowie der Abschnitt „Hemies" im 
Traite de chir. von Duplay und Reclus. 
2. Edit. Paris 1898. 

Berger, Albrecht Maria, in 
München, geb. 27. August 1846 zu Fürsten- 



feldbruck, studierte in München bes. als 
Schüler von RoTHMum) sen. et Jon., Dr. 
med. 1872, nahm am Kriege 1870/71 teil 
und ist seit 1875 als Augenarzt in Mün- 
chen und Vorsteher einer Privat-Augen- 
heilanstalt daselbst thätig. B. wurde 
1898 zum Kgl. Hofrat ernannt und ver- 
öffentlichte neben einer Anzahl okulisti- 
scher Abhandlungen Arbeiten auf medi- 
zinisch-historischem Gebiete: BentemUui 
Orapheus Practica Octüorum (gemeinschaft- 
lich mit T. M. Aürachbr) in 2 Heften, 
femer „Der von Michel Angelo BucnarroH 
eigenhändig ge8chriel>ene AugentraetcU** — 
„Die OphthalnuAogie des Petrus Hispamts**, 

Bergh, LudwigRudolphSophus, 
in Kopenhagen, geb. 15. Oktober 1824 da- 
selbst, studierte auch daselbst, wurde je- 
doch erst 1860 Dr. med., nachdem er als 
prakt. Arzt und Spezialist für venerische 
und Hautkrankheiten seit 1853 dort thätig 
gewesen war. Seit 1864 wirkte B. als 
Primararzt am allgem. Krankenhause, 
Abteil, für vener. und Hautkrankheiten, 
und ist zur Zeit als Prof. noch in dem 
aus derselben. 1886 entwickelten, nur für 
venerische Frauenzinmier eingeriojiteten 
(220 Betten) Vestre-Hospital thätig. B. 
ist korrespond. Mitglied des -Instituts und 
publizierte ausser den in dem älteren 
Biogr. Ijex. bereit« aufgezählten 8 Dutzend 
Schriften neuerdings nocH die seit 1886 
alljährlich erscheinenden Hospit-alberichte. 
ferner in deutscher imd dänischer Sprache 
zahlreiche Journal abhandlungen, ti. a.: 
über die Flohlarve als Pseudoparaait 
des Menschen (Monatsh. f. prakt. Dermat. 
rV. 1885), über Ansteckimg und Anstek- 
kungswege bei Syphilis (Hosp. Tid. 8. R. 
VI. 1888, VII. 1888), über Herpes men- 
strualis (Ib. 3. K. VII. 1889), über die T&to- 
wierungen der Prostituierten (Ib 3. R. IX, 
1891), kongenitale Syphilis bei patemer 
Infektion (Ib. 4. R. I. 1893), über die 
Incubationszeit bei Syphilis (Ib.), ,^Symbolae 
ad cognit. genif. extern, foemin^^. I (Ib. 4. 
R. II. 1894), „ Heiträge zur Keftntnis der Ent^ 
Zündung der GUindida vestib, major, (Bar- 
tholini) (Ib. UI. 1895); „Symbol, ad cognit. 
etc. II (Ib. 4. R. VI. 1896 und 4. R. V 1897 u. 
XXV. 1897), „Bemerkungen Hl)er venerische, 
Katarrhe hei Frauenzimmern^' (Ib. 4.R.VL 
1898). — Seit 1853 bis jetzt hat B. noch 
eine lange Reihe von anatomischen und 



141 



Bergmann. 



H2 



systematischen malacoloj^isclien Arbeiten 
in deutscher, englis^cher nml franz<Lsibiiiier 
Spmciief von einer Menge ^ou Füllen be- 
* gleitet, veröffentlicht, die zuni grog^sen 
TeÜ mit den wisse nsn'haft liehen Expedi- 
tionen V. Semper fl872— 79j nnd v. Dall 
(Alaska) (1879-1880), niit der Blake-Ex- 
pedition (1890), mit der Aibatrnss-Exj>e- 
tlition (1894 k mit der des Prinzen von 
Monnrjo (1892- f*9), mit der v. Küäkestiul 
(1897), V, Platk (1898) imd v, Scuauijjsland 
(1899) In Verbindung stehen, 

Bergmann, Em st v., in Berlin, 
iÄjt in Kiga (Livltindi 16. Be^ftember 
1836 geb. und in der Privat-Entiehniig»- 
aubtalt ßirkenmh bei Wenden zur Univer- 
«ität vorgebildet worden. Von 1854 bis 
18G0 stntliurtG er in Doqmt, wt* er am 
13. NovpmUtr 1860 nuf itnind geiner Disser- 
taticdi: ^tDt balsamo copttivae cubebaruntque 
in ttrinam iranmln** promoviert wuide. 
'1'ar darauf erhielt er in der 
:i lien tJnivensitüt^klinik daselbst, 

riciie abwechselnd von den Profesinoren 
.XimiMkTniü luid V.OKTTIN0E.V geleitet wiirde, 
die ^ifiäistentenstelle. In dieser habilitierte 



ich ixi^h Vert<!»idfgang seiner Sfbrift 
Hbw dte FettemlMilie 1864 als Privatdozent 
fii "' irgle und trat baUl darauf eine 
i^ '-^^ n^rh Wien und Berlin an, 

£ut«ti A\iffr.rx\t^nu»g des Professor« niul 
Ueneral»rzteii WAfJNjsa In Königsberg 
fnlt;.md, gmg B. als dessen ausserordent- 
liolicr AAiüftont 1866 mit ihm üi den 



böhmischen Krieg, in welchem er teils in 
Königinhof, teilis lüs Begleiter seines Chefs 
Verweiuluiig faud. 1870 in Amsterdam, im 
Ijabonitijrium von Profe&sor Ki h?je thätig^ 
eilte er beim Ausbruch des deutsch-fran* 
zoäisehen Krieges nach Berlin tmd fand 
dort inder iinctlirben Armee-Keserve seine 
AnsteUnng, Mit zahlreichen anderen 
Ärzten narh den JSehlachten \on Weissen- 
bnrg und Wörth in die Pfalz geschickt, 
bheb er zuerst imter Volkmann und dann 
unter BiLLaeTu in Mannheim, wo er das 
Kriegs-Eeserve- Lazarett .,SeilelHdin" lei- 
tete. 31 it defK»en Aufhebung im Oktober 
wurde er nueh KarLsi-uhe gerufen, um die 
Stelle eines dirigierenden Arztes der im 
Bau begriffenen Fried richsbaracken zu 
übernehmen. Bis zu deren Vollendung 
machte er mit dem badisi'hen Sauit4itÄznge 
^^ Touren na<'h Eaon l'Etaj>i)e. naijh Bei- 
fort und nach den Bolagerungslinieu von 
Paris mit. Vom Januar bis April 1871 
stand er den Friedriehsbariwken in Karls- 
ruhe vor, bis sie die heimkehrenden Mili- 
tärürate übenuilimen und kehrte dami 
nat'h Dorpat zurück^ nachdem eine Be- 
rufung als Prof essc»r der Chirurgie na^^h 
Königsberg sich zerschlagen hatte und eine 
narh f^burg i. B, von ihm nicht ange- 
nommeil* worden war. In Dorpat wurde 
er im Juli 71 Nachfolger v. Adelmann^s 
im Ordinariat für Chirurgie und blieb dort 
bis zum russisch-tiirk. Kriege von 1877 
nnd 78, in ifclrhem er als Konsultant- 
Chirurg der Donauarmee ins Haupt<)uar- 
tier des Grossfürsten NikolaiNikolaje witsch 
ging. Hier machte er den Übeiigang Über 
die Donau mit und die Schlachten bei 
Plewna, sowie Eel isch imd Gornji-Dulmiik 
und keJLTte mit dem Fall l'levviias in 
seine Drjrpater Stellung zurück. Vorher 
für St. Petersburg als Professor der ope- 
rativen Chii-urgie in Aussicht genommen 
und gleicltzeitig na^'h Kiew uiul Würz* 
bürg berufen, wählte er Wiir/bin*g, wohin 
er am 15» April 1878 als Nachfolger 
Liuhardt's zog. 1882 im August erldelt 
er vom Minister v. Oobsler die Berufung 
nach Berlin a^n SteUe von Langewbeök's, 
wo er an der Kgl. chirurg. Universitäts- 
klinik, nachdem er nocJi einmal 1884 einen 
Huf nach St. Petersburg als Professor der 
klinischen Cliinn^gie ausgeschlagen hatte, 
nooh jetzt thätig ist. v. Bergmann 
ist k. mss. wirklicher Staat^srat wälirend 



143 



Bergman. 



144 



des Krieges 77/78 geworden. Bei der 
Berufung nach Berlin wurde er Kgl. 
Preuss. Geh. Medizinalrat. In Wtirz- 
burg zum KgL Bayerischen Greneralarzt 
ernannt, wurde er in der Stellung eines 
solchen mit dem Hange eines General- 
Majors in das Kgl. preuss. Sanitäts-Corps 
1888 übergeführt. Er ist Ehrenmitglied 
der Kaiserl. russ. medico-chir. Akademie, 
und zahlreicher in- und ausländischer 
med. Gesellschaften , so der chirur- 
gischen Nord- Amerikas, der Londoner 
klinischen, der schwedischen Akademie in 
Gothenburg, der Moskauer, Bukarester, 
Wiener, Münchener, Magdeburger u. s.w. 
Schriften: „Die Lepra inLivland" (Peters- 
burg 1867) — „Das putride Gift" (Dor- 
pat 1868) — „Die Fieber und EfUzündung 
erregenden Wirkungen der Produkte des 
fauligen und entzündlichen Gewebszerfalls** 
(Petersb. med. Wochenschr.) — „Das 
Sepsin" (gemeinsam mitScHMiEDMERo; Ctrbl. 
f. d. med. Wiss. 1868) — „Zur Lehre von der 
putriden Intooricatiofi" (Ztschr. f. Chir. 
1872) — „Die gegenwärtigen Forschungen 
in der Krebslehre" (Rede zum Stiftimgs- 
feste der Dorpater Universität 1876) — 
„Die Lehre von den Kopfverletzungen" (in 
Pttha-Billroth's Handbuch d. Chirurgie 
1877, 2. Auü. in „Dtsch. Chir.'^ 1881) — 
„Ül)er die Endrestdtate der Gelenkresek- 
tionen im Kriege" (Petersburg und Giessen 
1872) — „Die Behandlung der Schussicun- 
den des Kniegelenks im Kriege" (Stuttgart 
1878) — „Die Fermentintoxication" (ge- 
meinsam mit Angerkr, Festschr. z. 
300jährigen Jubiläum der Universität 
Würzburg 1882) — „Die Unterbindung der 
Vena femoralis" (ebendaselbst 1882) — 
yjDie Krankheiten der Lymphdrüsen" (Gee- 
hardt's Handbuch der Kinderkrankheiten 
1881) — „Die Schicksale der Transfusion 
im letzten Decennium" (Berlin 1883). In 
Würzburg und Dorpat erschienen kasu- 
istische Mitteilungen in den Dorpater und 
Petersburger med. Zeitschriften, in den 
Verhandlungen der W^ürzburger physikal. 
med. Gesellschaft, im Münchener ärztlichen 
Intelligenzblatt, der Berl. klin. u. deutsch. 
med.Wochenschr., in denVerhandl. d. dtsch. 
Ges. f. Chir., so über blaue Schweisse, akute 
Osteomyelitis, cartilaginöse Exostosen, in- 
fektiöse Pneumonie, Anheilung völlig ge- 
löster Knochensplitter, Kehlkopfexstirpa- 
tionen, erste Anwendung der Sublimatlcn 



sungen und Sublimat-Verbände in der 
Chirurgie, Durchstichfractnren, plastische 
Operationen bei Hirnverletzungen, Trepa- 
nationen, Himdruck o. a. m. Seme 
und seiner Schüler kasuistische und 
kleinere Studien sammelte v. B. in 14 
Bänden: „Arbeiten aus den chirurgis^en 
Kliniken Berlins" (Berlin 1886 bis 99) - 
Ebendaselbst erschienen: „Die chirurgiseke 
Beliandlung bei HirnkrankJieiten" (3. Aufl^ 
1899) — „Anleitende Vorlesungen rum 
Operatianskurs^'' gemeinsam mit Hochs 
(4. Aufl.) — „Handbudi der spezidien Chirur- 
gie" (hrsg. gemeinsam mit v. Bruxs und 
V. Mikulicz-Radiegki, Stuttgart 1899). In 
demselben hat v. B. die Kopfverletzungen 
und Himkrankheiten bearbeitet — „Die 
Entwickelung des chirurgischen Unterrichts 
in Preusseti", (Rede in der Berliner Aula 
1893.) Gedächtnisreden auf v. Lanornbrck, 
zur Totenfeier desselben 1888, auf v. Siekenb 
und V. HoFHANN (Naturforscher - Vers. 
Nürnberg 1893), auf v. Volkmann (Ver- 
handlungen des Kongresses deutscher 
Chirurgen), auf Schimbcrlbusch, Nasse 
u. s. w. V. B. giebt mit Erb und Winckkl 
die'von v. Volkmann begründete Sammlung 
klinischerVorträge heraus. In ihr erschienen 
von ihm: Die Diagnose der Meningitis, 
Hirnverletzungen mit lokalen und 
allgemeinen Symptomen, die tuberktdttae 
Entzündung der oberen Halswirbel, die 
Behandlung des Lupus mit Tuberkulin, 
die cliii-urgische Behandlimg von Himge- 
schwülston. Mit Koknio und Richter ist 
v. B. Herausgeber des Ctrlbl.'s f. Chir., 
mit GuRSENnAUER und Korrte des Archivs 
für klin. Chir. 

Bergman, FransAntonGustaf, 
zu TJpsala, geb. 27. Dezember 1837 zu 
Stockholm, studierte von 1856 in üpsala, 
wo er 186Ö bis 66 Amanuensis am akad. 
Krankenhause war, 1869 Dr. med. und 
Dozent der Epidemiologie und allgem. 
Pathologie wurde. Er machte 1868 bis 59 
eine wissenschaftliche Reise ins Ausland 
und w^ar 1868 bis 71 Sekretär der ärztl. 
Gesellschaft in Upsala. Er schrieb: „Om 
Sverigcs folksjukdotnar, första haftet fOm 
rödsoten % SverigeJ" (Upsala Universitets 
arsskrift för 1869), femer in den Upsala 
Läkare-fören. förhandl. (III, V, VI): „Om 
Miasmemas och Cofitagiemas natttr och 
verkningssäit" — „Sjuklighetsstatiatik for 



145 



Bergmeister — Berlin. 



146 



üpsala stad nret 1869'* — ZTisainmen mit 
H. Kubenson: „Sjukligheten och väderleken i 
Vpsala ^ret 1870". 

Bergmeister, otto, in wien, 

geb. zu Si]z (Tirol) 15. Febr. 1845, studierte 
in Wien (1870 Dr. med. et chir.), bildete 
sich dann als Schüler v. Aplt's, von 
1872—74 als dessen Assistent, zum Augen- 
arzt, habilitierte sich 1874 in Wien, wurde 
hier 1892 Extraordinarius, 1893 k. k. Primar- 
arzt und Vorstand der okulistischen Abt. 
im k. k. Krankenhause „Rudolf Stiftung. ^^ 
Von 1883— 93 warB. 2. Sekretär, seit 1893 
ist er 1. Sekretär der k. k. Ges. der Arzte. 
Zu den in dem älteren Lexikon genannten 
Publikationen kommen hinzu: „ÜberBuph- 
thalmua congenitus'^ (Mitt. d. W. med. Dokt. 
Kolleg. 1881) — „Über die Antcendung des 
schicef'elsauren Afropin zu ophthalmothera- 
peutischen Zwecken" (Ztschr. f. Diagn. und 
Therap. 1882) — „ Vber Dermoid der Cornea" 
(Anz. d. k. k. Ges. d. Ärzte 1884) — „tber 
Herpes Iris der Cmijunctiva" (ib. 1885) — 
„Über die anästhesierende Wirkung des 
Apctnorphins" (Ctrlbl. f. Therap. 1885) — 
„Die Intoxicationsamblyopien" (Wiener 
Klinik 1886) — „Über die BezieJiungen der 
Influejiza zum Sehorgan" (Wien. kl. 
Wochenschr. 1890) — „ Über die Therapie des 
Tr^Khonis" (Med.-chir. Ctrlbl. 1890-91) — 
„Über das Vorkommen vo7i StÖrungcfi des 
Sehorgans bei gewisseii Sfo/fivechselanomalien, 
speziell bei harnsaurer Diathese" (Wien, 
m. W^ochenschr. 1894) — ,,Zwei Fälle von 
Iritis geheilt durch subconjunkfivale 
Sublimat'Lijektionen" (Wien. kl. W. 1894) — 
„Ein Fall von durch Iridectomie geheiltem 
Mydroplähalmus" (ib. 1896) u. a. m. Übrigens 
ist B. nocli Mitarbeiter der „Bibl. d. ges. 
m. W.". hrsg. v. Dräsche (1898), des 
1. u. 2. Berichts über die niederösterr 
I.Ändesl)linden schule (1877 u. 84) und des 
Jahrb. d. W. k. k. Krankenanstalten 
<Jahrg. II- VI.) 

Berkhan, Oswald, zu Braun- 
schweig, geb. zu Blankenburg am Harz, 
19. März 1834, studierte in Göttingen, 
Würzburg, Prag, Wien, wurde 1856 in 
W^tirzburg promoviert, war 1858 und 59 
Hüfsarzt an der Privat-Irrenanstalt ,von 
Erleniibyer in Bendorf, ist seit 1861 prakt. 
Aizt inBraunschweigund war5 Jalirelang 
Hausarzt an der damals noch bestehenden 



städt. Irrenanstalt zu Braunschweig. 1881 
führte er nach psychiatrischen Grund- 
sätzen die erste Hilfsschule für Schwach- 
sinnige geringeren Grades (Schwach- 
befähigte) ein, ein Vorgehen, welches 
Jahre lang angefeindet, gleichwohl alsbald 
in vielen grösseren Städten des In- und 
Auslandes Nachahmung fand. 1883 wurden 
von ihm die ersten Sprachheilkurse für 
stotternde und stammelnde Kinder in den 
Volksschulen der Stadt Braunschweig ein- 
gerichtet, welche eine weite Verbreitung 
fanden. — Zu den in dem älteren 
Lexikon aufgeführten Publikationen von 
B. sind zu ergänzen: Monographisch: 
„Vber den angeborene^i und früJi 
erworbenen Schwachsinn" (Braunschweig 
1889) — „Irresein bei Kindern" (Corresp. 
Bl. d. deutsch. Ges, f. Psych. 1863 u. 64) 
— „Über Störungen der Sprache und 
Schriftsprache" (Berlin (1889). -- „Hochgrad. 
Divertikel der Speiseröhre mit dem Aus- 
gange in Geyiesung" (Berl. kl. Wochen- 
schrift 1889) — „Ein Fall von subcorticaler 
AlexU" (Arch. f. Psych. XXIII) — 
„Eigentümliche mit EitisclUafen verbundene 
Anfälle" (Ztschr. f. Nervenheilk. 11) — 
„Die Schreibstörungen bei Schwachbefähigten 
in gerichfl. Beziehung" (Vrtljhrschr. f. 
ger. Med. 1894) u. a. m. 

Berlin, Budolf, geb. 2. Mai 
1833 zu Friedland in Mecklenburg- 
Strelitz, studiei-te in Göttingen, Würz- 
burg, Erlangen und Berlin, war Assistenz- 
arzt an der Privat-Augenheilanstalt von 
P> GENSTECHER in Wiesbaden und an der 
chir. Universitätsklinik zu Tübingen unter 
V. Brüns. 1858 zu Erlangen promoviert, 
wirkte B. seit 1861 alslnliaber einer Augen- 
heilanstalt in Stuttgai-t und dozierte seit 
1875 vergleichende Augenheilkunde an 
der königl. Tierarzneischule zu Stutt- 
gart. Von hier aus folgte er 1890 als 
Nachfolger des in den Ruhestand ge- 
tretenen V. Zehender einem Rufe nach 
Rostock , wo er jedoch bereits 
12. Sept. 1897 starb. B. hat sich um die 
Hebung des augenärztlichen Unterrichts 
an seinem letzten Wirkungsorte sehr ver- 
dient gemacht. An dem Bau und der 
Einrichtung der dortigen neuen Univer- 
sitätsaugenklinik nahm er lebhaften Anteil, 
Von seinen Schriften führen wir an: „Zur 
Strukturlehre der Grosshirnwindungen" 



147 



Berlin — Bemard. 



148 



(Dissert. Erlangen 1858) — „Über den 
Oang der in den Gleiskörper räum einge- 
drungenen frenulen Körper" (Arch. f. 
Ophthalm. XIII) — „Über Sehnerven- 
durchscßineidung*' (Mntsbl. f. Augen- 
heilk. IX) — ,,^wr sogenantiteyi Commotio 
refitme" — „Über Exsfirpation des Thränen- 
sackes'' — „Orbi^alkrankheiten" (in Graefe- 
Sämihch's Handb. der Augenheilk.V 
Verschiedene Arbeiten bewegen sich auf 
dem Gebiete der vergleichenden Angen- 
heilknnde. Ausserdem begründete B. die 




svenska pharmakopeen öfversatt ock kom- 
nienterad" (2 voll. Lund 1849—51) - 
„Grundema för den qualiiativa kemiäia 
analysen'' (4. Aufl. Lund 1867) — ^Coiw- 
mentarius medico-practicus in Pharm. Suec/" 
(Lund 1881) u. a. Besonders populär 
wurde B. in seinem Vaterlande durch sein 
sehr verbreitetes „Lehrbuch in der Natur- 
lehre für Volksschulen" und sein ins Dänische, 
Deutsche, Finnländische und Grönländische 
übersetztes „Lehrbuch in der Naturlehre 
für das schwed. Volk." 

Bernard, ciaude, geb. 1813 in 

Villefranche bei Lyon, arbeitete in letzterer 
Stadt eine Zeitlang als Lehrling in einer 
Apotheke und ging dann nach Paris, um 
sich dort litterarisch zu beschäftigen. Mit 
einer fünfaktigen Tragödie in der Hand, 
meldete er sich in Paris bei dem be- 
kannten Akademiker St. Marc-Gibakdin, 



»Zeitschrift für vergleichende Augenheil- 
kutide" (zus. mit Eversbüsch) und 
schrieb noch „Utifersuchungen über den 
Einfluss des Schreibens auf Auge und 
Körperhaltung des Schidkindes" ^ sowie 
„Über Dyslexie" — „Über die Entwickdung 
der Augenheilkunde" (Gelegenheitsrede). 
u. V. a. B. gab auch eine neue Methode 
zur Behandlung des Entropiums an. 

Berlin, Nüs Johann, geb. in 
Hemösand 1812, studierte in Upsala und 
Stockholm unt^r Berzeliüs, wurde Pro- 
fessor der Chemie und Pharmakologie in 
Lund 1847, Generaldirektor der scliwe- 
dischen Medizinaldirektion 1864 und starb 
27. Dez. 1891, nachdem er sich in den 
letzten Jahren von seinen Ämtern zu- 
rückgezogen hatte. Er schrieb u. a. : „Anvis- 
ning tili de alhnännaste gifters upptäckande 
ä kemisk väg" (Stockholm 1845) — ,J>en 




I 

I 

I 

I dem er warm emi)fohlen war. Schon bei 
I der ersten Unterhaltung gelang es letzterem, 
I B. zu üher/eugen. dass ihm das Talent 
fehle, eine litterarische Carriere einzu- 
schlagen; es wurde ihm geraten, Medizin 
zu studieren. Seine Studien zogen 
sich lange hin, da fast alle seine Be- 
werbungen um irgend eine Anstellung 
an einem Spital erfolglos waren. Erst 
1843 (in seinem 30. Jahre) gelang es 
ihm, das Doktordiplom zu erzwingen. 
Peind jedes Charlatanismus, gewissenhaft 
in seinen Untersuchimgen und besonders 
Feind der inhaltlosen und schwülstigen 



1« 



Bematzfk. 



lÖO 



B«Ti*ilsamkeit ^ welche an der med. 
FHkultÄt in Paris immer die HaujitroUe 
spielte^ unterlag B, auch, bei den Kon- 
ktirst*ri um die Fanktion eines Professeui^ 
^ agrege. Vei-zweifelt und mittellüs, war B. 
»chon im Begriff, die Stelle eines Arztes 
auf dejn Lande anzunehmen, als eine 
Hcdrat mit einer reichen Erbin üin 
I endlidi in Stand setzte, seine wiBsensehaft- 
^lifthe Laufbahn weiter zu verfolgen. 
M40E!n>iB. diöiiais Professor der Physiologie 
am College de France, nahm um als 
[AiBlst^nteu an, und hier entwickelte sich 
fdu» grosse vivisektoriBche Talent des 
[bald berülmit gewordenen Forschers 
Seine ersten Untersuch ungtnj haben ihm 
schnell einen Namen in ganz Europa ver- 
ecbafft; in Frankreich blieb er dank 
kli-inlicher Intriguen lange noch ganz un- 
l^iekannt- Erst in seinem 40. Lebensjahre 
l^jjutg es ihm. aus der im tt^rge ordneten 
StelUing herauszukommen ; nachdem er 
dfts Piplom des Docteur des Sciences er- 
worben hatte, wurde er zum Professor der 
oiigememen Physiologie an der Sorbonne 
ernannt. Seitdem folgten srbnell nach 
einander Ebnen und Stellungen in reich- 
licher Fttllf». Nach dem Tode Magendie's 
wurde er deastil Nachfolger im College 
de Frajice. Sftine Ernennung als ordent- 
lirbt^ All' f A cadernte des sciences 

folgte ^ rauf, 1868 wm'de B. 

xum Mitglied der Academie fram^^aise 
als Nachfolger von Flouhkws erwühlt imd 
bald darauf zum lebenslüng liehen Senator 
de» Kaiserreichs ernannt. Infolge eines 
iichweren Leidens (das er sich in dem 
feuchten Keller zugezogen hatte, der ihm 
als Laboratonum im College de France 
dimite)^ musste er seine Lehrt hlitlgkeit 
18Sß unterbrechen und I8ß8 seinen 
t^trstuhl in der Sorbonne g^gen den 
lin Museum d'higtoire natiuelle ver- 
tauBchen. B. kränkelte fortwährend und 
i starb 10, Februar 1878 infolge von 
Üriimie, Seine Beerdigimg erfolgte auf 
Staatskos^ten. B. gehört zu den bervor- 
! n^^entlÄten Physiologen der Neuzeit. Trotz- 
dem er nur mit besclLr-änkteu Hilfsmitteln 
In feuchten Kellerräumen, die ihm als 
lAbnratnriimi dienten, arbeitete, ist er 
tock einer der glilcklichst^n und gl&n- 
t*»idsten Kxjwriinentatoren geworden. 
8«ne Ucniftlitiit wird am besten dm-ch 
^«n wenig bekannten Umstand gekenn- 



zeiclinet, dass er seine epochemachendsten 
Entdeckungen im Laufe seiner Vorlesungen 
bei äen Demonstrationen gemacht hat. 
B. debütierte mit derÄufklilnmg der lange 
streitigen Frage über die Sensibilit^ 
recuiTente; bald darauf folgten Unter- 
suclvungen über die Fnnktionen der ver* 
schiedenen Himnerven, welche später von 
ihm in den berühmten „Z,t*t.*ftWJi »ur (a 
Physiologie et h pnthologk du »yftteme 

i 7tcrueiia-^* (Paris 1858) zusanunengefasst 
wurden. Zu den weittragendsten und 
wichtigsten seiner Entdeckungen musfi 
man die der vnsomotorischen Fnnkti<uien 
des Halsaynipathicus, der sekretoriBchen 
der Chorda tympani und die Bildung des 
Zuckers nach Ausfülming eines Stiches 
in den Boden des vierten Ventrikels ztihleu. 
Seine klassischen Untei-guchnngen tSber 
die Funktionen des Panki'eas, der Magen- 
drüseut der Leber etc. sind in den ., L^xons 
^^rr ie8 liquidem de Vtwgtiniffme de" (tb. 18ö9) 
und „Le^.ons sur la phguiologie cxphtimentnh 
appliquee ä la tnedecine'' (ib. 1856) nitder- 
golegt. Von seinen andei-en Werken seien 
die folgenden henorgehoben : „Sur le* 
substfnwes toxiqueB" 'ib. 1857) — jßHr 

j Üb ani'stheiiques'' (187Ö) — f.Sur !es prn* 
prie^h <^mm vimnh" (ib. 1866) - 
„Sur la ^aieur tmitnale" (1876) — „Mro- 
dudion ä Veiiinh de la nt^deelne ex^terimett- 
täte" (1866) — „Le^'om »ur le diabele" 
(1877) — „Le^ons mir les phtnomhies de 
la vie'* (1878). Eine eigentliche Schule 
hat B. nicht hinterlassen; %eine wissen- 
schaftliche Thätigkeit l>eniht43^ wie E. 
V, Cyon (im alten B, L.) bemerkt, mebr 
auf persönlicher Genialität als auf strengen 

i wissen schaftlichen Prinzipien. 

Bernatzik» Wenzel, in Teschen 
(Oesterr-Sehlesien) 24, Januar 1821 geb., 
erhielt seine erste höhere Ansbildimg — 
von 1839 ab — auf der m©d.-chLr, Josephs-. 
Akademie zu Wien* 1845 promovierte er 
und begann nun zunächst eine Carriere al« 
Mihtiirarzt an genannter Akademie. Kurz 
vor der ersten Aufhebung derselben (1848) 
nach Codogno (Lombardei), 1 Jahr sj^öter 
nach Ungarn versetzt, erlangte B. 1851 
die Stelle als ordinierender Ai*zt am Uar- 
nisonshospital zu Prag, 1858 die als Pro- 
fessor der theoretischen Medizin und 1856 
die als ordentlicher Professor für Fat ho* 
logie nnd Materis medica an der 1854 



151 



Bemays — Bernhardt. 



152 



wieder hergestellten militärärztlichen Jo- 
seplis-Akademie in Wien, 1859 wurde B. 
als Militärarzt in die Reihe der Civil- 
professoren dieses Institutes versetzt, in 
dem er bis zu der 1874 erfolgten Auf- 
hebung desselben als Lehrer, späterhin 
noch bis 1878 , dem Jahre seiner Ver- 
setzimg in den Buliestand, als Mitglied 
des Militär-Sanitäts-Comites und als In- 
spektor der Militär -Medicamenten -Regie 
thätig war. Seit dieser 2ieit lebt er schrift- 
stellerisch unausgesetzt thätig in seinem 
Geburtsorte Teschen, wo er 21. Juli 1895 
sein 50 jähriges Dr. - Jubiläum feierte. 
B. veröffentlichte: y^Pharmakologiach-thera' 
peufische Abhandlung über die g^räuchlich- 
sten Jodpräparate" (Gekr. Preissch., Wien 
1853) — „Kommentar zur österr. MiHtär- 
Pharmakopoe vom Jahre J859" (11. Bd. mit 
zahlreichen Holzschnitten, Ib. 1860, 61) 
— ,.Die Rezeptur in dem vofi der 
Pharmakopoe neu eingeführten metrischen 
GewiMssgstetn" (Ib. 1869) — „Kommentar 
zur österr, Militär- Pharmakopoe vom Jahre 
1873" (Ib. 1874) — „Bandtmch der all- 
gemeifien und speziellen Arzneiverordnungs- 
lehre" (Ib., I. Bd. Rezeptierkunde mit 
202 Holzschnitten 1876 ; IL Bd. Dosologie 
1878). — Dazu kommt ein „Lehrbuch der 
Arzneimittellehre" (gemeinschaftlich mit 
seinem ehemaligen Schüler Prof. A. Vogl 
in Wien), sowie eine grosse Reihe von 
Joumalartikeln , welche das ältere Lex. 
verzeichnet, aus dem Gebiet der Phar- 
makologie. Von besonderem Interesse 
ist darunter eine kleine Abhandlung, be- 
treffend die Frage der „Einführung einer 
intemaiumalen Pharmakopoe*' (3. Internat, 
med. Kongr. Wien, Zeitschr. des allg. 
österr. Apotheker- Vereines 1873\ 

BernayS, Georg J.,inSt.Louis,geb. 
4. April 1824 zu Oggersheim bei Ludwigs- 
hafen in der Rheinpfalz, studierte in 
Würzburg und Heidelberg, folgte 1852 
dem Beispiel seiner älteren Brüder und 
wanderte nach Amerika aus. Er Hess sich in 
St. Louis nieder und erwarb sich dort 
sehr bald eine ausgedehnte Praxis. Von 
1858 bis 1862 als Countyarzt thätig, über- 
nahm er später die Professur der Geburts- 
hülfe am ehemal. Humboldt-Institut, einer 
von Hamster gegründeten deutschen med. 
Schule. B., der 15. Dezember 1888 
starb, war einer der ältesten imd ange- 



sehensten Ärzte in St. Louis, MitgL d. 
med.-phys. GeseUsch. zu Würzbarg, sowie 
des naturhistor.-med. Vereins in Heidel- 
berg. Seine rege Beteiligung am wissen- 
schaftl. Leben fand ihren Ausdmck in 
mehreren, von B. publizierten Joumalab- 
handlungen. 

Bernhardt, Martin, zu Potsdam 
10. April 1844 geb., studierte an der 
Berliner Universität, vorzugsweise als 
Schüler Vibchow's und Traübe*s und wurde 
1. Mai 1866 promoviert. Praktischer 
Arzt seit 27. März 1867 wirkte B. zuerst 
als Assistenzarzt der mediz. Klinik zu 
Königsberg i. Pr. unter Letden bis 
1869, dann in gleicher Stellung an der 
Nervenklinik der Charite unter Westphal 
bis 1873. HabiHtiert seit 1872 in Berlin 
und als Spezialist für Neuropathologie 
hier thätig, wurde B. 1882 zum ausser- 
ordentlichen Professor an der med. Fakul- 
tät zu Berlin ernannt. Während der 
Jahre 1895—1897 erschien das zwei- 
bändige Werk: „Die Erkrankungen der 




peripherischeyi Nerven" (Wien, XL Band 
der „Speziellen Pathologie und Therapie** 
von H. Nothnagel. B. schrieb femer: „Die 
Sensibilitätsverhältnisse der Haut" (Berlin 
1874) — „Beiträge zur Symptomatologie 
und Diagnostik der Himgeschwühte" (Ib. 

I 1881) imd vielfache Aufsätze, dem Gebiete 
der internen Pathologie, besonders der 

I Neuropathologie und Elektrodiagnostik 



15a» 



Bemheim — Bert. 



154 



angehörig. An dem 1883 erschienenen 
Werke: „EUktruitätfdekre für Mediziner 
und EUktrotherapie*'von Rosenthal (Er- 
langen) und B. bildet B.'s Anteil die 
Elektrodiagnostik und Elektrotherapie. B. 
ist seit vielen Jahren Mitarbeiter am 
ViRCHOw-HiRscH'schen Jahresbericht (Ner- 
venkrankheiten , Elektrotherapie), Mit- 
arbeiter an EuLENBURo's Eealencyklopädie, 
seit 1885 Chefredakteur des Centralbl. f. d. 
med. Wiss., seit 1881 Schriftführer der 
Berlin. Ges. f. Psychiatrie und Nerven- 
krankheiten. 

Bemheim, Hippolyte, Prof, der 
med« Klinik in Nancy, veröffentlichte: 
„Des fievres typhiques en gSnSral'' (Strass- 
burg 1868) — „Le^ns de dinique tnedicaU*' 
(Paris 1877) — „De la Suggestion dans 
THat hypnotique ä dans Vetat de veille" 
(Ib. 1884). Seit den letzten 1»/, Decen- 
nien beschäftigt sich B. eingehend mit 
dem Hypnotismus, worüber er eineEeihe 
von Abhandlungen publizierte. 

Bernstein, JuUus, in Halle, geb. 
in Berlin 8. Dezember 1839,studierte daselbst 
als hervorragende^^ Schüler von du Bois- 
Beymond und promovierte 1. August 
1862. Seit 1872 wirkt er als o. ö. Prof. 
der Physiologie in Halle, gegenwärtig 
als Geh. Med. -Rat und veröffentlichte 




monographisch (neben einer Beihe weniger 
umfangreicher physiologischer Arbeiten): 
^ ünUrmukungen über den Erregungsvorgang 



im Nerven- und Muskelsystem*' (Heidelberg 
1871) — „Die fünf Sinne des Mensdien" 
(Leipzig 1875) — „Lehrbuch der Physiologie" 
(Stuttgart 1894). 

Berty Paul, geb. zu Auxerre ( Yonne) 
1830, hatte sich zuerst zur juridischen 
Carriere ausgebildet. Während einer 
Reise in Algerien, die er aus Familien- 
rücksichten unternahm, hatte er mehr- 
mals Gelegenheit gehabt, Ratten zu 
beobachten, denen Zuaven zum Scherz 
den Schwanz abschnitten und mit dem 
peripheren Ende in eine Rückenwunde 
einheilten. Die Erhaltung der Sensibilität 
in dem so zugerichteten Rattenschwänze 
veranlasste ihn, die Leitungsverhältnisse 
im Nerven zu studieren und, als er nach 
seiner Rückkehi* in Paris zum Studium 
der Naturwissenschaften überging, diente 
ihm die Beobachtung als Dissertation zur 
Erhaltung des Doktordiploms: „De la 
greffe animale" (Paris 1863). 1868 wurde 
er zum Assistenten von Cl. Bernard 
ernannt, und als letzterer seinen Lehr- 
stuhl in der Sorbonne verliess und zum 
Museum d'histoire naturelle überging, hielt 
B. einige Vorlesungen zuerst in der Sor- 
bonne und dann auch im Museimi d^histoire 
naturelle. Diese Vorlesungen „Letalis sur 
la Physiologie comparee de la respiration'* 
(Ib. 1868) enthielten übrigens nichts 
Neues. Ein naher Preund Gambetta's und 
zur radikalen Partei gehörend, wurde B. 
während des Krieges zum Präfekten des 
Departements du Nord ernannt, wo er sich 
durch seine unerbittlichen Verfolgungen 
der Anhänger des gefallenen Kaiserreichs 
auszeichnete. Nach dem Kriege wurde 
er zum Professor der Physiologie an der 
Sorbonne ernannt, hatte aber nie Gelegen- 
heit, sich als Lehrer zu zeigen, da er, 
gleichzeitig zum Deputierten seiner Ge- 
burtsstadt gewählt, sich den französischen 
Gesetzen gemäss an der Lehrkanzel durch 
einen Suppleant hat ersetzen lassen müssen. 
Später wurde er unter der Regierung 
Gambett A^s mit dem Unterrichtsministerium 
betraut, das er nur kurze Zeit verwaltete. 
Zu Anfang 1886 als General -Resident 
nach Tonkin geschickt , verstarb er 
hier an den Folgen der topischen 
Dysenterie 11. November 1886. B. war 
ein extrem freisinniger Mann, der in 
seinen politischen Stellungen mit wahr- 



155 



Bertenson — Berthold. 



«156 



liaft fanatischen Eifer den Einfluäs der 
Geistlichkeit in Frankreicli zw uTiterdriicken 
suchte. In wiisenachaftlicher Beziehimg 
hilden seine bedeutendste Leistnng die 
Untersuchnngpn über den Einflnss hoher 
atmosphärischer Drucke auf tierische und 
pflanzliche Organismen , welche ^ in 
mehreren Werken sserstreut, endlieh in 
einem starken Bande xusanunengestellt 
wurden u. d. T.: ,,La pression bürmmtrique 
de/' (Th. 1878). Das Haupti-esuitat dieser 
Untei-suchuiigen soU der Beweis sein, 
dai*s Sauerstoff ein i^fäkrUches Gift für 
den tierischen Organlsimifi sei. — B, 
veranstaltete auf Grund dieser ünter- 
Hiichungen vor einigen Jahren die Ballon- 
fahrt, we]<jhe mit dem Tode von Caucji- 
S PIN KL LI und SitSL eTuiete. Dazu kommen 
noch ^f Not es d'anaHmule et de phyHohgie" 
(1867—70) — ,,Fecherekes ^*r le monvettient 
dt la semiiive" (1867^70), 

Bertenson, Josef, KUnlker in 
St. Petei^burg. geb. in Nlkolajew, 
studierte von 18ö4— 57 in Dorjiat, wo er 
mit einer Abhamilimg üher die Neu- 
bildong von Knorpel und Kiiochen zum 
Dn med. pminovieite» Hierauf machte er 
eine Studienreise nach Deutgclüand mit 
längerem Aufeiitliait in Berlin tind über- 
nahm 18q9 eine Stellung als Arzt am 
Kollegium der allgemeinen Fürsorge in 
Witeb&k, 1863 liess er sich in Petersburg 
nieiler^ anfangs als prakt. Ars^t^ wurde 
1865 InÄpektor desPetei-shm-gorPhysikata, 
1B68 Inspektor der Petersburger Gou- 
vernements - Medizinal Verwaltung ^ 187 1 
Dirigent des auf seine Anregung 
gegründeten Eeshdestwenski - Baracken- 
laaaretts. 1876 Direktor einer Heilanstalt 
für arme Kranke. B. sjtarb 17. April 1895 
als Wirkl. Staatsrat und kaiserlicher Ehren* 
Leibmedikus und ist Verf. einiger Publi- 
kationen zur tiffentliclien Gesundheits- 
pflege. 

Berthold, Amold Adolph, Hof' 
rat imd Professor der Physiologie zu 
Göttingen, 26. Febniar 1803 zu Soest 
In Westfalen geh. stndierte in Gottingen, 
wtirde daselbst 1823 Dr. med., besuchte 
seit 1824 eine Anzahl von üiiiversitilten, 
um sich mit deren Somndungen mid 
wifiseiischaftllcheii Anstalten bekannt zu 



machen und beschäftigte sich in Berlin 
im Winter 1824 bis 25 mit praktischer 
Medizin und im Sommer 1825 in Paris 
mit Zoologie und vergleichender Anatomie. 
Im Herbst 1825 habilitierte er sich zu 
Gott Ingen ai& Frivatdozent und praktischer 
Arzt und widmete sich fortab neben zoolog. 
und vergleichend anat. Studien der 
Physiologie. Er veröffentlichte: „Ld^r- 
buch dei' I^hpsiolofiie des Menschen und der 
Tiert'' [2 Tle» (löttingen 1829; 2. Aufl. 
1837; 3. Aufl. 1848) — „Das AufredU- 
erscheinen der Gesichtsobjekfe trotz des um- 
ffeMtrf Btehenden Bildes derselben auf 
eftr Kdzhatd des Auges'' (Ib. 1830; 
2. Aufl. 1834) — „Beiträge zur Anatomie, 
Zootomie und Physiologie'' (Ib. 1831, 
m. 9 Kpf.} — „De gravitate halitus" 
(Gratulationsepistel zu Hukpland's Doktor- 
Jubiläum 18B3). Seinen gemeinschaftlich 
mit Bi;n«bn onge^s teilten Experimenten und 
der von beiden gemeinschaftlich heraus- 
gegebenen na eh folgenden Schrift verdankt 
die praktisehe Medizin die Entdeckung, 
doss „Da» Eisen fKcydhydrat ein Gegengift 
der arsemgen Säure" (Göttingen 1834) ist. 
ia% vrurde B. zum Prof. e. o. 1836 
KUin Ord. eruaniit, ihm auch die Mit aufsieht 
tlber die s&oologi.s<;he und' zootomische Ab- 
teilung des Museums übertragen. Von 
seinen überaus zahlreichen Publikatioüen 
in Zelt- und ( Tesellschaftsscliriften be- 
treffen die Kieisteii, wie im Hannoverischen 
Ma^aK., 1827, 38, 30; Nova Acta phys.- 
med. Afad. Letj]). Carol. Vol. 14; Oken's 
Isis, 1824 bis 1846; Frorieps' Notizen, 
1825; Sphengbl's Land-iuidforstwirtschaftl. 
ZeitseliT. 1834; v. Ammon's Zeitsch. für 
Ophth. Bd. IV.] Holscher's Annalen, 
Bd. V: MüLLEB^s Archiv, 1835 bis 50; 
Göttin ger Abliainllungen und Nachrichten, 
1838 bis 56 ete. Gegenstände aus der 
Zoologie, vergL Anat., Physiologie und 
Naturgesehk'bte; andere beziehen sich 
auf DLn^e^ die der praktischen Medizin 
angehören , so in Henke's Zeitschr. 
(1830) r Vergiftung durch Kohlendampf; 
in HoiLSBAüM und Jaun's Med. Konver- 
sationsbL (1830, 31): das Wesen der 
Lienterie. Farl>en Veränderung der Haut 
nach Blasen prta>.tem, geheilte Blepharo- 
ptosls paralytlca, Kaffee gegen Antimonial- 
vergiltung, Behandlung der Cholera; 
in Casper^b Wo^'henschi*. (1834) : Ansteckung 
von Menschen durch die Krätze der Katasen, 



erthold — Besnier. 



tlV>er Cyna ß che tJiyreoidea etc* B. st^rb 
3. Febniar 186L 

Berthold, Emil. geb. l. Dezember 
18H6 in \Vt*ljluii, vv>U**n€lete seine Studien 
in Koni^irsberg . Heidf Iborg und Berlin 
als 8<diiiler von Jacobsün^ Knapi\ Üfjos^ 
Hkluuoltss und Lücak* Im Dezember 1 862 
promovierte er und ist seit 1863 als 
praktischer Arzt, seit Ostern 1866 als 
Dozent^ seit 1875 als Prof. extraonl. für 
Augen- und Ohrenheilkunde in Königs* 
berg t P, thäti":. Seine ^Vrbeiten Bind pu- 
bliziert in UbaeiVö Archiv für Augenheilk., 
im Arch. f, Ohrenheilk. von Poutzkb^ 
SciiWARTZE und TRohTscn, in der Ztsehr. 
f. Ulu-enheilk* von Kjiai'P und Moos^ 
in dejn grossen Handhuch der Ohren- 
betlkunde von Schwartze in Halle 
(1 u* 11. Teil), in dem Archiv für Laryn- 
goloj^ie hi-sg. v. B. FiiÄNKEL in Berlin. 
iWner lieferte B. eine Reihe von Artikeln 
2U der Im Dnick belindlichen Enzyklo- 
pädie der Olirenlieilkunde, lirsg. von Blau 
la Berlin. Die im April 1891 neube^ 
ßTÜndete üniversitäts- Poliklinik für Ohren-^ 
^Asen- und HijLskrankheiten in Konigs- 
wurde sfMner Leitung unterstellt, 
ordern verfa^ste B. nocli folgende 
selbständig erschienene Monographien: 
f,l^K künstliche TrommdfeU und die Ver* 
wendbarkf.U der Schaknhaut dcä Hühner- 
$ie$ zur Myrinyoplnstlk" (Wiesbaden 1886 1 
— „IHe rrifffn zehn Jahre der ^lyringo* 
ptmlik' (Berlin 1889). 

BertillOn, Louis Adolphe, zu 
Piiris 1. Ai.ril 1821 geb.. wurde 1H52 
Dr. med. und war von 1854 bis 18BC» 
Anrt des Ilospitöls zu Jlontinoreney. 
Er sriirieb mehrere Aibeiten gegen die 
Feinde der Vacciiiation^ so die ^fCmidU' 
lfi^lßl^$tati»ti(pie8 cotäre les detracfeurs de la 
f 0ic,*' (Paris 1857) ; ferner „ Philosophie 
niedkalc ä propos d&t idmlites de 
IHdüux de," (1857;. Sein Hauptwerk ist 
die ^Vemo^raphir. figurie de la France* 
(1874, mit 58 farbig gednickten Kurten). 
Seine 6c»nf^tigen in verst*hiedenen Zeit- 
schriften, sowie im Diet. encyelop, des sc, 
mi^. und dem Dict. de med. von 
\jXtrnk tuid RoDix veröffentlichten Artikel 
betraft*!! Fingen tius der Antluopolitgie. 
]>emu|;rap\iie, Oeburts- und Tudes- 
St*ti8tik. - Zur Zeit ^ines am 28. Fe- 




bruar 1883 erfolß:ten Todes war er Chef 
der PiU'iser stUdtisi'ljen Statistik und Pro- 
fessor der Demogi'aphie an d€*n anthropo» 
logischen Schulen. 

BeSChorner, Oscar Hermann, 
zu Drf'sdi^n, -<*lx dui^ell^st 20, März 1843, 
studiei-te 1862— H7 zu Freibtirg i. Br. und 
Leipzig, hier vomelmilich unter Winder- 
UCH, war 1866 (als Assistent Stäel'dkl's) 
in Osterreich, 1870 bis? 71 selbgtiindig in 
Dresden in Ivi'iegslazai'etten, hauptjsärlilich 
chirurgisch thätig, besuchte 1867die hervor- 
ragendsten Hospitaler Deutschlands, Frank- 
reichs und Londons und fungierte dann 
als Assis tenzai'zt der inneren Abteilung 
im 8tadtkrankcn]jause zu Dresden imter 
Walthkk. Nach 1869 erfolgtem ein- 
gehenden Studinm der Laiyngoskopie in 
Wien (StobrKj v. Scmröbtter)^ Tübingen 
(v. Brüns seu.), Leipzig (Merkel), be- 
schäftigte er sicli seitdem als prakt. Arzt, 
speziell Laiyngi^Hhinologe, mit Er- 
forschung und Behandluiig der Ki-ank- 
hei teil insbesondere des Atmungsapparates. 
Seine hekamiteren wissenschafthchen 
ArlKuten sind: „Vhcr Ernten'' f.Tahreslier, 
der Ges. f. Katur- und Beilk. Dres- 
den^ 1880/81) — ,Mc Lurtjn^ffOHkopie 
ein Vierti'fJdhrhumleH Eigentum der prnkt, 
Medizin" {Ib. 1883/84) — ,,Über Hcuficher 
und dessen Bchnndhmg*' (Ib. 1885 86) — 
..Zur Pathologie der Stimme: Heiaerkeit** 
(Ü, Ztsehr. f/ prakt. Med., 1878» — ,j'W 
J'hijreotomie*' (,D. Zt«c,hr. f. Chir., 1873) — 
fjBeitr. zur enddaryngtakn Operation von 
Kehlkopf pol ypen*' (Berl. kl. Wochen sehr., 
1877) -- Jjber Epiglott bcyaten'' {Jh. 1877) 
— „Subcutane Injektionen von Cocain. 
salicgl> bei A»thnui und nen^Öaetn fhiHten*^ 
(Monatschr. f. Ohrenheilk. eU\, 1885) — 
„Die lokale Behandlung der Largngo- 
Phthisis tuhrrevlom^' ( Jahi'esben der Ges, f. 
Natur- und Heilk. Dresden 1888/89; - ..Über 
chronische c^mntidle fibrinöse Broncfittie 
(Bronchhdtroup) (VoLKMAJiN's Samml. 1893); 
überdies schrieb er zahlreiche kleiner© 
Abhandkmgen, Kritiken, lleforate et<!. in 
verschiedenen med. Zeitschriften, Seit 
1885 ist B. ständiger Mitarbeiter der 
„Mntssclu-. f. Ohrenheilk. etc." Er ist 
königL Sachs. Hof rat. 

Besnier, Emest, zn Honfleur 1831 
geb., studierte in Paris als hervor- 



169 



Bessel-Hagen — Bessei*. 



160 



ragender Schüler von Barth und Bazin. 
Seine Promotion fand 1857 statt. Seit 
diesem Jahre wirkt B. in Paris und ent- 
faltete eine umfangreichere Thätigkeit an 
den dortigen Hospitälern seit 1863. 
Dirigierender Arzt des St. Louis-Hospitals 
wurde er 1872, Mitglied der Akademie 
der Medizin 1881. — Abgesehen von der 
ausgezeichneten Übersetzimg von Kaposi's 
Vorlesungen über die Hautkrankheiten, 
die er mit A. Doyon besorgte und mit 
Anmerkungen versah (Wien und Paris 
2 Bde. 1881) und zahlreichen kleineren 
Publikationen speziell in den Annales de 
dermatologie et syphilographie ist B. der 
Verfasser von: „Traue des efranglements 
internes de ViiUestin" (Paris 1860) 
— „Rapport snr le prurigo" (Congr^s 
de Londres) — „'Rapport sur la Ikpre" 
(Berlin) — „Le fraitetnetU de Veczema et le 
traitemeivt du psoriasis" (in „Traite de 
th^rapeutique appliquee^' publie sous la 
direction d' Albert Robin). — „Bapports 
sur les maladies regnatites ä Paris" (1861 
bis 1880, 2 voll.), zahkeicher Artikel 
im „Didionnaire encyclopedique des scietices 
midicales" — speziell der grösseren Arbeit 
^.Rheumatistne" . 

Bessel-Hagen, Fritz Karl, zu 
Charlottenburg, geb. 2. Jan. 1856 in Berlin, 
studierte 1876 bis 1881 zu Königsberg i. Pr. 
und Berlin, wurde 1881 Dr. med. in Königs- 
berg, 1882 stell vertr. Assistent an der 
Univers. - Frauenklinik in Berlin, darauf 
Assistent im städt. Krankenhause am 
Friedrichshain daselbst, 1884 Assistent der 
chir. Univers.-Klinik zu Berlin imd habili- 
tierte sich 1886 in Heidelberg als Privat- 
dozent der Chir. Er wurde 1889 zum Pro- 
fessor e. o. ernannt, 1891 Direktor des 
städtischen Krankenhauses zu Worms 
unter Beibehaltung seiner Lehrthätigkeit 
in Heidelberg, 1897 dirigierender Chirurg 
und Direktor des städtischen Kranken- 
hauses zu Charlottenburg bei Berlin, 
Litterar, Arbeiten: „Über den medianeti 
Gaumefiwulst" (Berlin. Gesellsch. f. 
Anthropol., 1879) — „Mitteü. über die 
ErUwidd. und die Abnormitäten des metiscJU, 
Occiput" (Akad. der Wissensch. zu Berlin, 
1879) — „Schädel wid Skelette der anihropol, 
Samnd. zu Königsberg i. Pr." (Arch. 
f. Anthropol., 1880, zus. mit Kuppfer.) — 
„Die Grabstätte Immanuel KanVs" (Ost- 



preuss. Monatsschr., 1880 — »Zur Kritik 
und Verbesserung der Winkelmessungen am 
Kopfe, nebst einer Mitteil, über den Verlauf 
und die Ursachen der normalen Synostose 
am Schädel" (Arch. f. Anthrop., 1881) 

— „Der Schädel Immanuel Kani's" (Ib. 
1881), zusammen mit Kdpffbb — „Ein 
ulceröses Sarcom des Jejunum bei einem 
Kinde" (Virchow's Archiv, XCIX, 1886) 

— „Über die Pathol, des Klumpfusses" 
(XIV. Chirurgen-Kongress, 1885) — „Über 
congenitale Patella - Luxationen" (Berlin, 
med. Gesellsch., 1886). — „Über seitliche 
Luxationen des Daumens" (Arch. f. Chir., 

1888) — jjjber Haematome in der 
ünterba^ichgegend des Weibes" (Ib.) 

— „Über Defektbildungen an den 
unteren und oberen Extremitäten" (Ver- 
handl. d. Naturhist. med. Ver. Heidel- 
berg, 1889) — „Die Ätiologie und 
Pathogeiiese des Klumpfusses* (Heidelberg 

1889) „Über einen Fall von Largngo- 
fissur mit Eocstirpation eitles Rundzellen- 
sarkoms unterhalb der Stimmbänder" (Natur- 
forscher- Versamml., 1889) — „liber Re- 
sektion des Manubrium und Corpus ^emi 
wegeti Caries" (Ib.) — „Zur Kenntnis 
der Stirnhöhlen - Osteome" (ib.) — „Über 
Knochen' und Gelenkanomalieny insbesondere 
beipartiellem Riesenwuchs und bei multiplen 
cartüaginären Exostosen" (Archiv f. Ollir., 

1890) — „Untersuchung über die Eigen- 
schaften der Stein- und Sandßteranlagen zu 
Worms" (1891.) 

Besser, Leopold Aug., geb. 
11. Mai 1820 zu Altenberg in Sachsen, 
studierte in Leipzig, wurde hier weg^n 
burschenschaftlicher Verbindung relegiert 
und promovierte später in Jena 10. Juli 
1845, um sich dann ein Jahr als 
Schüler Skoda's weiter auszubilden. Nach 
einer Thätigkeit als praktischer Arzt von 
1847 bis 55 privatisierte B. in Berlin bis 
1859 und wurde dann Anstaltsarzt des 
gr. Friedr. Wilh. Waisenhauses bis 1863. 
Nach dreijähriger Thätigkeit in Siegburg 
gründete er 1866 das Asyl Pützchen bei 
Bonn, das er 1890 an Cl. Güddkn abtrat. 
In seinen Schriften: „Benutzung der ersten 
Lebenslage des Säuglings" (Gtöttingen 1853. 
4 Auflagen) — „Die Aerzte in der 
Konkurrenz" (Ib. 1855) — „Werden und 
Wachsen unserer Kinder" (Frankfurt, 2 
Auflagen) — „Zur Histogenese der nervösen 



161 



Betteliieiin — Betz. 



1^ 



ElemeniarteUe in den Ceniralorganen des 
fiengtborenetA Metischen'" (V^ibchow's Archiv 
XXXVI) — ,,H(ibtn wir die seeliscfn'n 
Ptmnomefie beim Neugeborenen für Reflexvor- 
gängt iu erklären P^ (AtcIl f, Psychiatrie 
tind Kerveakr. VTU.) tiiid ^Was ist 
Empfinimg?" (Bonn 1881) — vertritt 
B. mit Konsequenz die Auffaasnng, dass 
alles^ was beim Menschen als psychische 
Enächeinong aprioristisch angenommen, 
resp, so benannt wird, erst nach der Ge- 
burt sich iua menschlichen Organismus 
Allmählich entwickelt. Die Beohaihtung 
des i^neugeborenen ^teuschen fdlire ge- 
nügend darauf bin, aLle Voraussetzungen 
angeborener seelischer Fähigkeiten aufzu- 
geben. 1899 erschien „Dk tntn9chlicfie 

Michkeii als soziale» Ergebnis der mtmi- 
tiadwn WeUanschftuung^' (Bonn^ mit dem 

lAchweis, dass, was man das Vermögen 
it, „sich etwas vorznstellen'% auf der 
Sprachf ühigkeit des Menschen beruht, dass 
die^Laut- und Wortbildung aber ledig- 
lich eine Thätigkeit der mechanisch fuii* 
«den körperlichen Organe ist, die ihre 

lofilösnngen von den zwei Gebieten der 
sogen, physiologischen und physikalischen 
Beize erhalten. "Die Gesetxmilssigkeit 
der einwirkenden Reize endlicJi fordert 
fta«*h B, den 8chluss auch auf eine Ge- 

et2mässigkeit im Ablauf der Auslosungen, 
Mit dieser Kongruenz des Gesi*hehens be- 
gründet B. den naturwissenschaftlichen 
Monismus. Eine grosse Anzalil ethisch- 

oziaier Aufsütze in der „Deutschen AUg. 

Jniv.-Ztg.*', herausgegeben von K- IvtrsiKR, 
ga'jwie etwa 8 selbständig erschienene 
Monographien ähnhchen Inhalts (von 
1853 bis 95) rühren ebenfalls ncKVh von 
B. her. 

Bettelheim» Karl, 28. Septbr. 

1840 geb., studiert© in Wien unt«r 

HvRTL, Brccjce, RoKiTASSKY, Skoda, Speziell 

rPOLÄRK, 1866 promoviert., wirkte B. seit 

bis 70 als Assistent de^ letzt-eren, 

tit 1S72 als Dozent für interne Medizin; 

Cron 1870 bis 78 war er Redakteur der 

^Medix^-clünirg. Eundschan^^ Später er- 

liitilt er auf BiLLRorH*8 Vermittlung eine 

iifung 3cum Primararzt am Kudolllner- 

pitnL B. starb 27. Juli 1895, Er 

rbeltetb nüt Vorliebe die Pathologie 

des Hiirxfms und der Gefässe, Von grosser 

Wichtigkeit sind seine experimentellen 



Untersuchungen über MitraJ-InsufficienÄ 
und HerÄUiechanik nach Kompression der 
art. eoronaria. Unter seinen Publikationen 
sind welter hervorzuheben: ,J1mt beiceg- 
liche Körperchen im liiute" (Wien. med. 
j Pr. 1868) — ^fW eimn Fall twi Phos- 
\ phorvergiftung*' (Daselbst 1868) — ,,£(» 
I Fall von Echinococcus ccrebri" tVtljhrschr. 
f. Psychiatr.) — ^^t^enme eines Astes ihr 
j Fuinmmlaeterie'' (Wien, m, Pr, 1869} — 
t^Dic SaUsäurC'Mediention bei AI agenkrank- 
hdten'' ^Das. 1874) — ,, Bemerkungen zur 
Diagnose des Magencarciftonh'i'^ (I>us, 1877) 
— „Die sichtbare Puhatimi der Arteria 
brachidliSf ein Bei/ rag zur Sgmptomatologie 
einiger Erkranhingen der Cirhdatiom^- 
gane'' (D. Arch. f. klin. Med. 1878) — 
„Eifie n€t$e Bandtcurmkur" (Das.) — „Die 
Anwendung des Mercurit4S ritma bei Darm- 
stenos^i^* (Das. 1882) — ,, Beitrag tur Lehre 
von der Pneumonia bUiosa" (Daselbst 1883). 
Ansserdem tibersetzte B.: K. Lkpink's 
ffPneumama tobaris" (aus dem Französi- 
schen, Wien 1883), fenier Gowers' Hand- 
buch der Erkrankungen des Hückemnarks 
(aus dem EngUschen) und beschrieb »Die 
Entstelmng d^s zweilen Tones in der Carcii*" 
(Ztschr. f. klin. Med. \^.). 

Betz, Philipp Friedrich, in Heil- 
bronii, geb. zu Weinslierg 15. Pebr. 
1819, erhielt seit 1833 sein© Ausbildung 
in der Chirurgie bei einem Arzt in Gun- 




delsheim a. N., wurde 1838 MilitÜr-Untei^ 
arzt in Ludwigsbuj'g, studierte dann seit 

6 



163 



Beomel — Bezold. 



164 



1842 Med. in Tübingen, wurde lüer 1847 
Prosektor bei Arnold, fungierte vorüberge- 
hend als Assistenzarzt auf der Klinik von 
Wunderlich und Hess sich, nachdem er 
eine wissenschafltiche Heise nach Frag 
und Wien gemacht hatte, 1850 in Heil- 
bronn nieder, wo er noch jetetalffSanitäts- 
BÄt wirkt. 1851 gründete er den dorti- 
gen ärztlichen Verein, 1852 erhielt er die 
med. Doktorwürde von der Erlanger Fa- 
kultät, gründete 1856 seine bekannten 
„Menwrabilien für die Praxis" imd über- 
nahm 1864 auch die Herausgabe des 
„Irren freund. Eine psychiatr. Monats- 
schrift''. 1870 büdete er] Sanitäts- 
mannschaften für den Kriegsschauplatz 
aus und wirkte als Lazarettarzt, wofür 
er mit mehreren Orden dekoriert wurde. 
Bei der staatlichen Organisation des ärzt- 
lichen Standes in Württemberg wurde er 
1876 in den ärztl. Landesausschuss und 
von diesem zum 2. Vorsitzenden gewählt. 
In demselben Jahre wurde er auch Vor- 
stand des histor. Vereins in Heilbronn. 
1884 wurde er vom Reichsgesundheits- 
amt als Mitglied der Kommission zur 
Erörterung der Impffrage nach Berlin 
einberufen, 1896 wurden ihm aus Anlass 
seiner 50jähr. Approbationsfeier und 1899 
aus Anlass seines 80. Geburtstages meh- 
rere Ovationen bereitet. Die Zahl von 
B.'s Publikationen ist sehr beträchtlich; 
die meisten sind in den „Memorabilien" 
erschienen; die früher abgefassten finden 
sich in zahlreichen Zeitscliriften zerstreut 
und sind z. T. im älteren biogr. Lex. ver- 
zeichnet. 

BeUm^r, Friedrich Wilhelm 
Otto, zu Münster 26. August 1849 geb., 
bildete sich auf der Greifswalder Univer- 
sität aus und promovierte 1874. Zuerst 
wirkte er als Assistent am pathologischen 
Institut zu Greifswald (1874 bis 77), dann 
als Assistenzarzt der geburtshilflichen Poli- 
klinik zu Greifswald (seit Oktober 1877 
bis 1885) und als praktischer Arzt, Dozent 
für Staatsarzneikunde (seit Ostern 1878), 
seit 1888 Prof. und Direktor des gerichtl. 
med. Instituts daselbst. Monographisch 
veröffentlichte er den „Versuch einer me- 
dizinischen Topographie von Greifstoald" 
(auch in* Eolknberg's V. J. S. N. F. 
XXXI). Femer in Vibchgw's Archiv 
LXXTT : „ Über Nierendefekte" ; in der Ztechr. 



f. Geburtsh. und Gynak. IV : „ Über eine ange- 
borefie Steissgeschwulst"; endlich im Archiv für 
Gynäk. XX: „Sectio caesarea. Vorderer 
mittlerer Medianschnitt, üterusnalä nach 
Unter niinierung der Serosa und Besekiion 
der Muscularis"; sowie zahlreiche weitere 
Arbeiten auf gerichtl, -med. und hygie- 
nischem Gebiete. 

BCZOld, Albert von, geb. zu Ans- 
bach 7. Januar 1836 als Sohn des 
Medizlnalrats Daniel Christoph von B., 
studierte in Würzburg und publizierte 
einige Arbeiten (physiologisch-chemischen 
Inhalts) bereits während seiner Studien- 
zeit (1856) ; 1857 begab sich B. nach Berlin, 
um unter du Bois-Reymond's Leitung sich 
ganz der Physiologie zu widmen und er- 
regte hier derart die Aufmerksamkeit, 
dass man ihn noch vor der Promotion 
und im Alter von 23 Jahren zum Extra- 
ordinarius in Jena berief. Hier entstanden 
die „Untersuchungen über die elektrische 
Erregung der Nerven und Muskeln" (1861, 
Bestätigungen PFLüoER'scher Sätze), sowie 
die „Untersuchungen über die Innervation 
des Herzens" (18ß3)^ über deren Resultate 
B. in eine mehrjährig^ heftige Polemik 
mit F. Goltz geriet. Er stellte die 
Behauptung auf, es befinde sich im 
Gehirn und Rückenmark ein auf die Herz- 
bewegung direkt excitierend wirkendes 
Centrum, ohne dass dasselbe durch den 
Sympathicus mit dem Herzen zusammen- 
hänge, während Goltz die bezüglichen 
Erscheinungen durch Vermittlung des 
Gefässtonus (Venentonus) erklärte. — 
Nach Würzburg 1865 berufen Hess B. 
innerhalb weniger Jahre 3 Hefte wissen- 
schaftlicher Werke drucken , die von 
seinen dortigen Schülern und ihm 
selbst bearbeitete Themata aus dem Ge- 
biete des Blutkreislaufes imd der Darm- 
innervation behandelten, speziell auch den 
Einfluss des N. splanchnicus auf die 
letztere darlegen sollten. B. war lange 
herzleidend; bevor er die Hoffnungen 
derer, welche ihn als bahnbrechendes 
Talent begrüsst hatten, erfüllen konnte, 
starb er 2. März 1868 zu Würzburg. 

Bezold, Friedrich, geb. zu 
Rothenburg a. T. (Mittelfranken) 9. F^ 
bruar 1842, besuchte die drei bayerischen 
Universitäten, Wien und Berlin und 



165 



Bidder. 



166 



wnrde 1866 promoviert. Seit 1877 wirkt 
er als Privatdozent an der Universität 
München und publizierte: „Antiseptische 
Behandlung der MUtdohreüerungen** — 
„Expenmentelle Untersuchungen über den 
SehalOeUungsapparat des Ohres" — „Er- 
krankungtn des Warzenteües" (sämtlich 
im Arch. f. Ohrenheilk. von Tröltsch) — 
„ Otamykosis" (in den Vorträgen znrÄtiologie 
der Infektionskrankheiten, München 1881) 

— „Fibrinöses Exsudat auf dem Trommel' 
feil" (ViBCHOw's Archiv) — „Die Perforation 
des Warzenfortsatzes vom anatomischen 
Standpunkte" (Monatsschr. für Ohrenheilk.) 

— „Die Corrosionsanatomie des Ohres" 
(München 1882) — „Schuluntersuchungen 
über das kindliche Gehörorgan" (Wies- 
baden, 1885) — „Labyrinthnekrose und 
Paralyse des Nervus facialis" (ebenda 1886) 

— „Die Krankh. des Warzenteils" (Handb. 
d. Ohrenheilk. hsg. von Schwartzk 
1893) — „überschau über den gegen- 
uräriigen Stand der Ohrenheilkunde" (Wiesb. 
1895) — „Das EÖrvermÖgen der Taub- 
stummen" (ebendaselbst 1896) — „Über 
die funktionelle Prüfung des menschlichen 
Uehörorgans" (gesammelte Abhandlungen 
und Vorträge, ebendaselbst 1897) — „Die 
Feststellung einseitiger Taubheit^* (Ztschr. 
f. Ohrenhlk. XXX., 1897) ^ „Stati- 
stischer Bericht über die in den Jahren 
ISSS—lSOe behandelten Ohrenkranken" 
(Ergänzung zur „Überschau** Wiesbaden, 
1898). — „Ein Apparat zum Aufschreiben 
der Stimmgabdschwingungen und Bestimmung 
der Hörschärfe nach richtigen Proportionen 
mit Hufe desselben." (Ztschr. f. Ohrenhlk. 
XXXm, 1898). 

Bidder, Heinrich Friedrich, 
28. Oktober (9. November) 1810 auf dem 
Gute Laudohn in Livland geb., studierte von 
1828 bis 34 in Dorpat, wurde hier 1834 
Dr. med., ging dann nach Deutschland, 
wo er mit längerem Aufenthalt in Berlin 
bis 1836 verweilte, und erhielt nach seiner 
Rückkehr die Stellung als ausserordent- 
licher Professor der Anatomie und 
Prosektor. 1842 zum ord. Prof. er- 
nannt, vertauschte er bereits 1843 den 
Lehrstuhl der Anatomie mit dem der 
Physiologie und verwaltete diesen bis 
18^, wo er seinen Abschied nahm, 
um als Emeritus bis zu seinem 27. 
Anglist 18M erfolgten Ableben in Dorpat 



zu verweilen. Bis 1858 hatte B. auch 
über pathol. Anat. gelesen tmd von 1857 
bis 64 das Rektorat der Universität ver^ 
waltet. 1877 wurde er Präsident der 
Dorpater Naturforscher - Versammlung, 
1879 erhielt er als Erster die Baer-Me- 
daille der Petersburger Akad. der Wissen- 
schaften, zu deren Ehren-Mitglied er 1884 
ernannt wurde. B.'s Arbeiten auf dem 
Gebiet der Biologie, z. T. im Verein mit 
Alfred Wilhelm Volkmann, später vielfach 
mit Carl Schmidt und Karl Küpffer, be- 
treffen Untersuchungen über den Sympa- 
thicus u. d. T.: „Die Selbständigkeit des 
sympathischen Nervensystems, durch anato- 
mische Untersudiung nachgewiesen" (Leipzig 
1842), femer die Physiologie der Nerven, 
die Innervation des Herzens, und vor 
allem die Verdauungssäfte und den Stoff- 
wechsel. Die letztgenannten mit Karl 
Schmidt angestellten Forschungen erschie- 
nen u. d. T. : „Die Verdauungssäfte und 
der Sto/fwedisel, eine physiologisch-chemische 
Untersuchung' (Leipzig 1852) und sind von 
grundlegender Bedeutung. Auch zahl- 
reiche, nicht unwichtige Entdeckungen 
auf dem Gebiet der Histologie und 
pathol. Anat. rüliren von B. her, 
u. a., über den Bau der Retina, der 
Malpighisclien Körperchen, der Haare, 
Knochen, über den Epithel! alkrebs und 
die Genese der Gelenkmäuse. 

— Von den Sr)linen B.'s ist neben dem 
seit 1876 als Petersburger Professor der 
Gynäkologie fungierenden Ernst Fried- 
rich B., geb. 19. April 1839, welcher sich 
1899 nach Thüringen in den Ruhestand zu- 
rückzog, noch dessen jüngerer Bruder 
Alfred B., zu erwähnen. Derselbe 9. Jan, 
1844 in Dorpat geb. und daselbst 1868 
promoviert, wirkte bis Ende 1872 an der 
chirurgischen Klinik in Halle, dann als Arzt 
in Mannheim und seit 1883 in Berlin. Hier 
erhielt er 1894 die Stellung als Dirigent 
des Kreiskrankenhauses bei Britz, gab je- 
doch diese bereits 1898 auf. Seine wissen- 
schaftlichen Forschimgen haben sich be- 
sonders auf die Wachstumsverhältnisse 
der Röhrenknochen, die Regeneration des 
Knochengewebes, namentlich in Bezug 
auf die Resultate der Resektionen be- 
zogen. Sie sind, ebenso wie die „Ez^ert- 
mente über den Mechanistnus der Bruch' 
einklemmung^^ in v. Lanoenbeck^s Archiv 
(XVm, XXn, XXVni) publiziert, 

6* 



167 



Biedert 



168 



Eine jüngere Arbeit: ,yDie Beziehungen 
der Alkalien der NahrungsmUtel (Nährsalze) 
MUT Ätiologie der Tvherkylosif^'' findet sich 
inB.ld.W.1883). Andere Arbeiten betreffen 
die Lähmung des Badialis, die Behandlung 
des Furunkels und der Verbrennungen, 
der einfachen Oberschenkelbrüche mit 
Gewichtsextension, die kombinierte Exten- 
sionsbehandlung bei beginnender Hüft- 
gelenksentzündung, die Streckbehandlung 
von Gelenkkontrakturen, seltene Ge- 
schwulstbildungen u. a. m. 

Biedert, PhiHpp, in Hagenau im 
Elsass, geb. zu Niederflörsheim bei Worms 
25. November 1847, studierte in Giessen, 
Würzburg und Wien, fungierte eine Zeit- 
lang als Volontär in der Augenheilanstalt 
von A. Pagenstkcher in Wiesbaden und er- 
langte 1869 die Doktorwürde mit der unter 
KiCHRBR gearbeiteten Dissertation : „ unter- 
Bvichungen in dem chemischen üfUerschiede 
der Menschen- %md Ktthmilch,^'^ Nachdem 
er am Feldzuge 1870/71 als freiwilliger 
Arzt teilgenommen hatte, liess er sich als 
Arzt resp. Militärarzt [in Worms nieder 
und gab hier, gleichzeitig mit v. Zirmssen, 
den Trichterhebeapparat für Magenaus- 
spülungen, sowie den jetzt noch in über 
1000 Exemplaren gebrauchten (pneuma- 
tischen Ex)tationsapparat an. Auch schrieb 
B. hier über „pneumatische Therapie" (für 
V. Volkmann's Samml. klin. Vortr.) 'und 
setzte die Untersuchungen über Milch als 
Kindemahrung fort; die Ergebnisse ver- 
öffentlichte er in Virchow's Arch. und 
den Jahrb. f. Kinderheilk. , deren Mit- 
herausgeber er wurde. 1877 siedelte 
B. als Obw&i^t an das Bürgerspital in 
Hagenau über, war hier von 1878 ab als 
Kreisarzt thätig, seit 1889 mit dem Titel 
als iSanitätsrat, seit 1895 als Professor. 
1879 wurde B. Schriftführer des ärztlich- 
hygienischen Vereins für Elsass-Lothrin- 
gen, 1883 Vorstandsmitglied der damals 
begründeten [deutschen Gesellschaft für 
Kinderheilkunde. Schriften: „Die Kin- 
demahrung im Säuglingsalter" (Stutt- 
gart 1880, 4. Aufl. 1900) — „Lehrbuch 
der Kbiderk rankheil efi" (neue Bearbeitung 
des VooEL'schen Lehrbuchs in 8. Aufl. 
J887; 11. Aufl. 1894) - „Diätetik und Koch- 
buch für Verdauungskranke" (zus. mit B.'s 
Assistent Langermann , Stuttgart 1895) — 
^Pie Beinkulturen im BeichsgesundheüsanU" 



(Berlin 1884), daran anschliessend bakte- 
riologische Arbeiten, in denen B. zuerst 
die Variabilität der Spaltpilze mit den 
KocH'schen Methoden nachwies (Vibchow's 
Arch. C 1885). B. ist femer Mit- 
arbeiter an Draschr's BibL d. ges. med. W., 
an Prnzoldt und SriNTziNa's Handbuch 
der Therapie (Art.: Skrofulöse), an v. 
Leyden's „Handbuch der Emährongs- 
therapie"; dazu kommen zahlreiche Ar- 
beiten über Tuberkulose und den Tuberkel- 
baziUus, sowie die Tuberkulinbehandlung; 
am bemerkenswertesten davon sind die 
Abhandlungen: „Chronische Pneumonie, 
Phthise und miliare Tt^erkulose" (zus. mit 
SioEL,ViRCHOw'sArch.XCVIII 1884), worin 
zuerst die Variationen des Tuberkel- 
bazillus, Kömchenreüienbazillen u. a. 




gezeichnet sind und dargelegt ist, dass 
für Erzeugung der herdförmigen Phthise 
ein präparatorisches Infiitrp,t und für Ent- 
stehung Disposition, nicht Infektion mass- 
gebend ist. Auf Gnmd dessen hat B. 
in seinem Lehrbuch für Kinderkrank- 
heiten (9. Aufl. 1887 p. 156) zuerst die 
Phthise als eine „Symbiose des Tuberkel- 
bazillus mit anderen Bakterien" bezeichnet. 
B. hat unter den ersten tuberkelähnliche 
Affektionen ohne Tuberkelbazillen mit 
anderen Organismen nachgewiesen und 
gezeichnet, sowie ein entscheidendes 
(Sendimentierungs-) Verfahren zum Nach- 
weis von Tub.-BaziDen in zweifelhaften 
Fällen angegeben. Andere Arbeiten B.'s 
betreffen die Cholera, worin B., der eine 



109 



Bier — Biermer. 



170 



Zeitlang mit v. Fkttenkoper zusammen 
arbeitete, eine vermittelnde Stellung 
zwischen diesem nnd Koch einnimmt, die 
Behandhing der Pleuritis, die Typhus- 
krankheiten, die Knochen- und Gelenk- 
leiden , Tracheotomie (EinheitskantÜe), 
Diphtherie, verschiedene hygienische 
Themata, besonders die Kinderernährung, 
Produktion und Behandlung der Milch, 
diePrinzipien der Säuglingsemährung (B.'s 
Bahmgemenge!). Das wichtigste I}r- 
gebnis davon ist der Nachweis, dass die 
qualitativen Verschiedenheiten der Nähr- 
stoffe, besonders der Menschen- und Kuh- 
milch, dann die Menge der Nahrungszu- 
fuhr (vergl. B.'s Unters, über notwendige 
Minimabiahrung im Jahrb. für Kinder- 
heilk. XVn und XIX 1881 und 1883) 
das Massgebende entweder ftlr das Ver- 
tragen derselben oder der bakteriellen 
Infektion des unverdauten Bestes im 
Kinderdarm und danach des Entstehens 
der Darmkrankheiten der Kinder sind. 
B. betont die Individualisierung in der 
Pädiatrie und berücksichtigt in besonders 
eingehender Weise in seinem Lehrbuch 
die sozialen und ökom^kiischen Verhält- 
nisse für Erkrankung und Sterblichkeit 
der Kinder im besonderen und macht 
den Versuch der Begründung einer „Ex- 
perimentalökonomie*^ und einer „experi- 
mentdien Geschichtswissenschaft*^ („Die 
Kindertierbliihkeit und die sozialökono- 
mitichen Verhältnisse" Stuttgart 1897 und 
,^e Versuchsansttdt f, Ernährung, eine 
wissenschaffl.f staatliche und humanitäre 
h'otwendigkeif', München 1899). 

BlOr, August Karl Gustav, in 
GreifswAld, geb. 24. November 1861 
zu Heben im Fürstentum Waldeck, 
studierte in Berlin, Leipzig und Kiel, 
hier hauptsächlich als Schüler von 
Esmabch's. Dr. med. 1888, habilitierte sich 
1889 für Chir. und wurde 1895 Extra- 
ordinarius in Kiel. 1899 folgte er einem 
Ruf als ord. Prof. d. Chir. und Direktor 
der chir. Universitätsklinik nach Greifs- 
wald. B.'s Hauptarbeiten betreffen die 
Anwendung künstlicher Hyperämie (pas- 
siver und aktiver) zu H^lzwecken, femer 
die Verbesserung der Amputationstechnik 
(tragfähige Amputationsstttmpf e) ; dazu 
kommen kleinere Arbeiten über die sogen. 
osteoplastischeNekrotomie, zirkuläreDarm- 



naht, Behandlung der Prostatavergrösse- 
rung durch Arterienunterbindung, zur 
Chirurgie der Bauchorgane u. a. m. 

Biermer, Anton, geb. 18. Oktober 
1827 in Bamberg, absolvierte seine 
Studien in Würzburg als Schüler von 
ViRCHow, Mabcus und doktorierte 12. Fe- 
bruar lÄil. Er widmete sich ganz 
der inneren Klinik und war als PriVat- 
dozent in Würzburg für dieses Fach seit 
1855 thätig. Seine Berufung als Prof. 
ordin. nach Bern fand 1. Mai 1861, 
diejenige nach Zürich Ostern 1867, die 
nach Breslau im Herbst 1874 statt. Am 
letztgenannten Orte wirkte B. bis zu seiner 
1891 durch Krankheit notwendigen Eme- 
ritierung. Er starb 24. Juni 1892 in 
der Maison de sante zu Schöneberg bei 
Berlin. B. gehört zu den namhaftesten 
Klinikern der Neuzeit. In der Geschichte 
der Pathologie ist sein Name verknüpft 
mit einer Keihe von Entdeckungen auf dem 
Gebiet der klin. Mikroskopie; namentlich 




sind seine Untersuchungen über den Aus- 
wurf, den er zuerst in einer zusammen- 
fassenden Darstellung behandelte, be- 
merkenswert; femer sind bedeutend die 
Arbeiten über Asthma und die Beschreibung 
des nach B. benannten Schallwechsels 
beim Metallklang. Von B. stammt die 
noch jetzt gebräuchliche DemonstrationB- 
methode der Flimmerbewegung (Bestreuen 
der Schleimhaut tracheotomierter Tiere 



171 



Biesiadecki — Bigelow. 



172 



mit Kohlepnlver, beschrieben 1851 in 
der Schrift ^jjber die Richtung und Wir- 
kung der Flimmerbewegung auf der Be- 
apiratiansscMeimhaut des Menschen, Kanin- 
chefis und Hundes^''). Die Titel von 
B.'s übrigen namhaftesten Publikationen 
sind: „Die Lehre vom Auswurf" (1855) — 
„Bronchienkrankheiten", — „Über die Ur- 
sachen der Volkskrankheiten, insbesondere 
der Cholera" (Zürich 1867) — ,,Über Asthma 
bronchiale und über Entstehung des Typhus 
abdominalis^'' (Volkmann's Sanmil. kl. Vortr.). 
Dazu kommen Joumalabhandlnngen über 
Bronchien-Erweiterung, über Pneumotho- 
rax, über progressive pemiciöse Anämie 
sowie die Eectoratsrede „w6er die Krank- 
heiten und ihre Ursachen^'' (15. Oktober 
1881, Deutsche Revue, Novemberheft, 
1881). 



Biesiadecki, Alfred Ritter von 
geb. 12. März ia39 in Dukla (Galizien), 
studierte in Wien, wo er 1862 Dr. med. 
et chir.. Mag. der Geburtsh. wurde, fun- 
gierte 1862 bis 1865 als Sekundararzt im 
Wiener allgem. Krankenhause, 1865 bis 
1868 als 2. Assistent an der Lehrkanzel 
für pathol. Anatomie, von 1868 bis 1876 
als o. Ö. Prof. der patlioL Anatomie in 
Krakauund war seit 1876 Statthaltereirat, 
Protomedikus und Sanitätsreferent für 
Galizien in Lemberg, wo er 31. März 
1889 starb. Er veröffentlichte: „L^er das 
Chiasma ne^^vorum opticorum des Menschen 
und der Tiere'' (Wien 1860) — „Unter- 
suchungen über die Gallen- ufid Lymphge- 
fässe der Menschenleber in pathologischen 
Zuständen'^ -^{Jh, 1867) — .^Beiträge zur 
physiologischen Anatomie der Haut'' (Ib. 
1867) — und (neben weiteren mehr ge- 
legentlichen und kasuistischen Arbeiten) 
die „UjUersuchungen aus dem pathologisch- 
anatomischen Institut in Krakau^' (Ib. 
1872), sowie zahlreiche in polnischer 
Sprache erschienene Schriften im 1. und 2. 
Bande der Verhandlungen der Krakauer 
Akad. der Wiss., in den Jahrbb. der 
Warschauer Ges. der Arzte und anderswo. 
Auch entstanden unter seiner Leitung 
mehrere polnisch und deutsch geschriebene 
Abhandlungen seiner. Schüler in den 
Berichten der Krakauer Naturforscher- 
gesellschaft und in den Sitzungsberichten 
der K. K. Wiener Akademie. 



Bllliy Serafino, Psychiater, geb. zu 
Mailand 29. März 1822, gest. daselbst 
27. Mai 1899, studierte und promovierte 
1846 in Pavia, wurde 1848 Assistent an 
der Privatirrenanstalt S. Celso in Mailand, 
1849 dirig. Arzt derselben. Er verfasste 
zahlreiche anat.-physiol. und exper. Ar- 
beiten, die allgemeine Anerkennung fanden, 
femer verschiedene Studien über Irren- 
häuser und Geisteskranke, teils allein, 
teils in Gemeinschaft mit Giossppe Mor- 
GANTi, später auch mit Andreas Vbboa 
experimentelle Arbeiten über Inokulation 
der Tuberkulose. Auch hatte er als Prä- 
sident und Bef. einer vom r. Instituto 
Lombardo eingesetzten Kommission die 
Arbeiten Lombboso^s über Pellagra und 
Maiskrankheiten zu prüfen. Von beson- 
derem histor. Wert ist B.'s Publikation: 
ffSuUe antiche carceri di Milano e sui so- 
dalizii che assistevano i carcerati e i con- 
danncUi a morte" (Mem. r. Ist Lomb. 
1883 bis 84). B. war auch Mitbegründer 
und Leiter des ^^Archivio Italiano per le 
malattie nervöse e mentali", einer Zeit- 
schrift, die gegenwärtig u. d. T,.„Rivista 
di freniatria" erscheint und hat sich um 
die Pflege der Psychiatrie in Italien grosse 
Verdienste erworben. 

Bigelow, Henry Jacob, als Sohn 
des tüchtigen Botanikers und Arztes 
Jacob B. (1787 bis 1879) in Boston geb., 
ist als Chirurg daselbst 30. Oktober 
1890 gestorben. Er verfasste u. a. folgende 
Schriften : „Manunl of orthopedic surgery'' 
(Boston 1845), hatte 1844 den Boylston- 
Preis erhalten — „Ether and Chloroform: 
a compoidium oftheir histor y and discovery" 
(Ib. 1848) — „ Ununited fradure success- 
fuÜy treated tcith remarks on the Operation'' 
(Ib. 1867) — „The mechanism of dis- 
location and fracture of the hip, wüh the 
redudion of the dislocatmis by the flexion 
method'' (Plüiadelphia 1869; deutsche 
Übersetzung von Eüg. Pochhammer, Berlin 
1873) — „A coitury of American medicine, 
1776—1876" (Phüadelphia 1876). Sehr 
verbreitet ist die von seiner neuesten Er- 
findung Kenntnis gebende Schrift: „Litho- 
lapaxy or rapid lithotrity with evacuation" 
(Boston 1878). Ausserdem eine Anzahl 
von Aufsätzen, namentlich im Boston Med. 
and Surg. Joum. und verschiedene 
Addresses etc. 



173 



Billiarz — Billroth. 



BilharZ, Theodor, geb. 23. März 
1826 zQ SigmariDg-en, stndierte seit 1843 
in Frei borg', besonders unter Arnold, seit 
1S45 in Tübingen, löste hier 1847 ein© 
Freisiiufgabe der Fakultät: i^Dar»tcUung 
d€9 gegaktmrtigetk Zustandes umcrer Kennte 
nütge V071 dem BltU wirbelloser Tiere mU 
eigenen mikroHkopischen UrU ersuch nngen'\ 
bestand 1849 die Staatsprüfung in Sig- 
maringen, widmete sich dann noch iint'er 
"V. SiKBOLD in Freiburg eingehenden Studien 
Über die vergleich. Anat. niederer Tiere, 

»irurde Protektor ani anat, Institut da- 
fitJbst', promovierte in demselben Jalire 
sum Dr, med. in Tübingen und folgte 

^itanem ans Kiel als Direktor des gesamten 
(ediziAalwesens nach Ägypten berufenen 
früheren Lehrer Griesi?s&kr als Assistent der 
niecL Klinik dahin, in welcher Stellung er 
2 Jahre lang wirkte, um nach dessen 
Rücktritt als Chef de clinique an der 
unt^r Reyhkb's Leitung st(«heriden chir. 
Abteilung des Hospitals, seit 1853 als 

* Chefantt der Abteilung für imiere Kranke 
zu funktionieren und 1865 die Profeesur 
der med. Khnlk an der med. Schule von 
Kasr-el-Ain zu Kairo zu übernehmen, die 
^ 1856 mit dem LeFirstuld der deskrip- 
tiven Anat. vertauschte. Spät€*r übernaliui 
noch die Funktionen eines Gerichts- 
Anatomen und 1861 statt der inneren Klinik 
diejenige für Haut- und sypliilit. Krank- 

' iieiten. 1855 wurde er zum ,3imha.schi** 

l(HajoTj ernannt. B., der 9. Mai 1862 

[starb, ist bekannt durch die mit Ghik^inüer 
rnsamjuen angestellten pathologischen 
Furschungen und durch die Eut-deckuiig 
dt?s seinen Namen fülvrenden ägy])tischen 

[£nto2uouä (Haematubiiun E.). 

BillingS, John Shaw, geb. 12. Apnl 

1838 in Switxerland co,, Ind.. studierte 

an der Miami Universität in Oxford, sowie 

^ am Ohio Ated, Coli, in Cincinnati. wo er 

1860 promovierte. Nachdem er kurze Zeit 
in Cincümati praktiziert hatte, trat er 

1861 als Arzt bei der Armee ein, in welcher 
' St-eUung er noch jetzt thatig ist, und 

xwar seit Ende 1864 in Washington. Zu- 
gleich hiält er Vorlesungen über Geschichte 
der Med. an Joujf'a Hopkins-Üniv, und 
i«t Medical Adviser des Joiof's Hopkins- 
Eosp. Wahrend des Bürgerkrieges fon- 
gperta er als AB8i6t,-Surg., resp. Sorg, in 



verschiedenen Feldlazaretten. 1864 war er 
anfangs als Med* Inspector der Potomao 
Armee', später im Bureau des Öurg,- 
General zu Washingtc*n angestellt und 
bekleidet seit 1876 deji Hang eines Majors. 
B. ist weltbekannt durch den imter seiner 
Leitung heniusgegebeiien Katalog der 
Krie^ministerialbibliofchekin Wauliington 




erschienen in 16 Koloj^isnlhiinden als 
,Jmlcx CatntogHC' etc. aSm bis 1896), 
sowie als Herausgeber des , Judex Medkm^'' 
etc. (seit 1879). Auch verr>fffnüiclite B, 
zahlreiche Monographien und Journal- 
artikel aus anderen Gebieten der Medizin. 

BillrOtll, Christian Albert Theo- 
dor, ib*r geniale Chirurg, als Neffe 
des Physikus zu Stettin, Wilhelm Frie- 
rich B. (der sich wesentliche Verdienste 
wälirend der Cholerazeit erwarb), auf 
Eugen 26. April 1829 geltoren, besuchte 
1848 bis 1852 die Univensitäten zu 
Greiföwald. Güttingen ihier besonders von 
dem alten Baiim für* die Clürurgie ange- 
regt) und Berlin und wurde auf letzterer 
1852 Dr. med. mit der Dissertation »^D« 
naiura ei caiisa puhtwnum a/fectionU qime 
nerm tdroque vago dissecto exorifur'- 
Nach einer wisseiischaftlichen Reise, die 
sich nach Wien und Pari^ erstreckt«, war 
er 1853 bis 1860 Assistent in B, v* 
Lasgen-bkck"'» Künik zu BerUn, habihtiert« 
sich hei der dortigen Universität 1856 als 
Privatdozent, wurde 1860 als Professor 



176 



Billroth. 



176 



ord. und Direktor der chirurgisclien 
Klinik nach Zürich berufen und blieb in 
dieser Stellung bis 1867, seit welcher Zeit 
er in gleicher Eigenschaft an der Wiener 
Universität wirkte. Mehrfache, 1862 und 
1864 an ihn ergangene Berufungen nach 
Eostock und Heidelberg, sowie diejenige 
als Nachfolger v. Langenbeck's nach Berlin 
(1882) lehnte er ab. 1870 nahm er frei- 
willig Anteil an dem deutsch-französischen 
Kriege und war namentlich in den Laza- 
retten von Weissenburg und Mannheim 
thätig. Auf B.'s energisches Betreiben 
wurden das „Rudolfinerhaus", eine Lehr- 
anstalt für weltliche Krankenpflegerinnen 
in Wien, sowie das Haus der K. K. Gre- 
sellschaft der Ärzte ins Leben gerufen; 
dagegen gelang es ihm trotz 
vielfacher dahingehender Be- 
mühungen nicht, den Bau 
einerneuen chirurgischen 
Klinik durchzusetzen. 
Bis zum Frühjahr 1887 
völlig gesund und leis- 
tungsfähig, von aus- 
serordentlicher kör- 
perlicher und geistiger 
Rührigkeit und be- 
wundernswerter Viel- 
seitigkeit erkrankte er 
jetzt zum ersten Male 
an einer schweren 
Lungen - Entzündung 
mit 80 bedeutender 
Herzschwäche, dass da- 
mals schon sein Able- 
ben befürchtet wurde. 
Doch genas er und konnte 
noch. 1889 seinen 60. Geburtstag, sowie 1892 
sein 25j ähriges Wiener Prof essorenj ubiläum 
unter zahlreichen, von allen Seiten dar- 
gebrachten Ovationen begehen. Indessen 
nahm die seit der Erkrankung zurückge- 
bliebene Herzschwäche stetig zu, sodass 
B. vielfach seine Beruf sthätigkeit unter- 
brechen musste. Am 6. Februar 1894 trat 
derTod dieses weltbertLhmten Chirurgen 
in Abbazia ein, der von der ganzen Welt 
als ein schwerer Verlust tief betrauert 
wurde. Am 9. Februar wurde B. in Wien 
„unter fürstlichen Ehren" bestattet. Am 
16. Februar veranstaltete die K. K. Ge- 
sellschaft der Arzte in Wien eine Trauer- 
feier zu seinen Ehren, wobei Albert die 
Gedenkrede hielt; am 7. November 1897 




wurde im Arkadenhofe der Wiener Uni- 
versität sein Denkmal enthüllt. B. wird 
mit E«cht als ein Stern erster Grösse, 
als ein Chirurg von universeller Bedeutung 
gefeiert. Was ihm seine wissenschaftliche 
resp. geschichtliche Bedeutung giebt, ist 
in erster Linie die Betonung von der Not- 
wendigkeit^ der streng anatomisch-mikro- 
skopischen Richtung und die Pflege der 
pathologisch -anatomischen Forschung, die 
er auch als die einzig rationelle Basis für 
den Fortschritt und das Gedeihen der 
praktischen Chirurgie ansah. Unter seinen 
Schriften finden wir namentlich aus seiner 
Erstlingszeit eine grosse Reihe darauf be- 
züglicher Veröffentlichungen, unter denen 
als die bedeutendsten die Untersuchungen 
über Wundkrankheiten gelten 
müssen, die ihren dauernden 
Wert wegen der darin be- 
tonten imd bethätigten 
Prinzipien behalten wer- 
den, trotzdem sie in 
ihren Ergebnissen z. T. 
als überholt gelten 
müssen. SeinenHaupt- 
ruhm verdankt B. dem 
Ausbau der Einge- 
weidechirurgie, die er 
dank den Fortschrit- 
ten der Anti- und 
Asepsis um die erste 
vollständige Kehl- 
kopf exstirpation (1874) 
und die erstmalige 
glückliche Pylorusre- 
aektion (1881) (bei einer 
43 jährigen an Pyloruscar- 
cinom leidenden Kranken) bereichert 
hat. Über die erstgenannte Operation 
hat sein damaliger Assistent ^Gussen- 
BAUEB in V. Langenbeck's A. XVn. 
1874, über die letztgenannte B. selbst in 
der Wiener klin. Wochenschr. 1891 und 
Wölfler an verschiedenen Stellen be- 
richtet. Grosse Popularität erlangte er 
durch seine oft aufgelegten imd von un- 
zähligen Schülergenerationen benutzten, 
ausserordentlich anregenden imd geradezu 
klassisch geschriebenen, weltbekannten, in 
fast alle neueren Sprachen übersetzten 
Vorlesungen über allgem. chir. Pathol. 
und Therapie, die auch heute noch in der 
erweiterten Gestalt, die ihnen B.'s Schüler 
V. WiNiw ARTER gegeben hat, ein über alle 



177 



Bing — Binswanger. 



178 



Massen wertvolles Buch sind und bleiben 
werden. Was B. als Mensch bedeutete, 
davon legen Zeugnis ab seine von GsoRa 
Fischer, Hannover, jetzt schon in 4. Aufl. 
herausgegebenen, geradezu bezaubernden 
Briefe; sie verraten die universelle Bildung, 
die edlen Herzens- und Charaktereigen- 
schaften, die grenzenlose Begeisterung für 
die Kunst, die dichterischen und musika- 
lischen Anlagen, mit einem Wort die Uni- 
versalität und Genialität B.'s, der (mit 
seiner Persönlichkeit alle gefangen nahm, 
welche das Glück hatten, mit ihm in 
nähere persönliche Beziehungen zu tre- 
ten. Seine Verdienste um die Wiener 
Hochschule, um die Hebung des medi- 
zinisch-chirurgischen Unterrichts, um die 
Erweiterung der ärztlichen Institutionen 
daselbst, um die Ausbildung zahlreicher 
Schüler zu klinischen Lehrern und Chirur- 
gen von Weitruf, um die Kriegschirurgie, 
um die Krankenpflege und viele andere 
Zweige der neuzeitlichen Medizin können 
an dieser Stelle leider nicht weiter ge- 
würdigt werden. Anstatt dessen genüge 
der Hinweis auf den Nekrolog von- J. 
V. Mikulicz in B. k. W. 1894 No. 8 und die 
übrigen in der gesamten WeltUtteratur 
erschienenen Gedenkschriften auf B., deren 
Verzeichnis der hauptsächlichsten sich bei 
GüRLT in ViRCHOw's A.,CXXXIXp.555findet. 
B.'s Schriften sind ausführlich im älteren 
Lexikon (I p. 460 bis 461) verzeichnet, 
auf das wir hiermit verweisen müssen. 

BinS^y Albert, geb. zu Nikolsburg 
in Mähren 20. September 1844, be- 
endete seine Studien an der Univer- 
sität zu Wien 1870, promovierte 1871, 
wirkte von 1873 bis 1876 als Assis- 
tent an der Klinik für Ohrenkranke unter 
PouTZER und Gruber, seit 1881 habilitiert 
als Dozent für Ohrenheilkunde. In der 
aUg. W. m. Z. (1875 bis 1881), den W. 
m. Bl. (1879 bis 1882) etc. finden sich von 
ihm eine Reihe otiatrischer Mitteilungen 
sowohl technischen als diagnostischen und 
physiologischen Inhalts. Breiter angelegt 
ist „tber Fremdkörper im Ohre^'^ (in Zeit- 
schr. f. Diagnostik und Therapie 1882). 
Weitere, die Pathologie des Hörorgans, 
die Diagnostik und Therapie der Ohren- 
krankheiten betreffende Arbeiten sind in 
Ctrbl. d. ges. Therapie (1884, 1885, 1892, 
1893, 1894), W. m. BL (1885, 1886, 1890, 



1891, 1892), W. m. P. 1891, W. m. W. 
1898, D. P. (München 1898) und Mtsschr. 
f. Ohrenheilk. 1899 enthalten. — 1890 er- 
schien B.'s Lehrbuch: „Vorlesungen über 
Ohrenheilkunde^^ (Wien), das nun vergriffen 
ist und dessen 2. Aufl. demnächst unter 
die Presse kommt. 

Billig Francesco, zu Florenz, geb. 
6. Mai 1815 zu Pontedera, promovierte 
1835 in Pisa, wurde 1837 Assistenzarzt 
im Arcispedale di Santa Maria Nuova, 
1840 Assistent Büfalini's bei dessen med. 
Klinik. 1849 wurde er zum Direktor des 
Irrenhauses in Florenz und zum Prof. der 
Psychiatrie ernannt. B. starb im Februar 
1898. Von seinen Arbeiten führen wir 
an: ,jDella febbre puerperalem'^ (These, 1840) 
— „Saggi di clinica medica^'' (1843 bis 
1844), zusammen mit Ghinozzi — ^ßtati- 
stica del manicomio di Firenze degli anni 
1650 bis ISöS^m — „Stäla etiologia e con- 
tagio del cholera^^ (1854) — „Come preve- 
nire negli cUiencUi la mutilazione ddla lin- 
gua^^ (Archivio delle malatt. nervöse e 
mentali, 1874) — „Jmportanza ddV inseg- 
namento clinico della psichiatriay tra i men- 
tecatti, grimbecilli e gVidioti^m (Revista di 
beneficenza, 1876) — ^ßulla impvtabüitä 
nella pazzia e nelV ubriachezza, secondo gli 
articoli 61 bis 64 del Nuovo Codice penaU^. 

Binswanger, otto Ludwig, ist 

zu Münsterlingen (Schweiz) 14. Oktober 1852 
geb. Nach Vollendung der Studien in 
Heidelberg, Strassburg, Zürich und Wien, 
wo HuoüENiN, Leyden, V. Recklinohaüsen 
und Meynert seine Lehrer waren, war er 
Assistent bei L. Meter in Göttingen, 
PoNncK in Breslau tmd endlich bei 
Westphal in Berlin., Er habihtierte sich 
1882 in Berlin und wirkt seit dem 1. Aug. 
1882 (nachdem ihm die deutsche Appro- 
bation auf Grund wissenschaftlicher Leis- 
tungen verliehen worden war) als Professor 
der Psychiatrie und Direktor der Gross- 
herzogl. Sachs. Landes -Irren -Heilanstalt 
in Jena. Seit 1889 ist er ord. Professor. 
Unter seinen Arbeiten sind folgend^ 
hervorzuheben: .^Anatomische Unter- 
suchungen über die Carotis interna'"'' — 
„Vber Neuritis nerv, optici'''' — ^Über Poren- 
cephalie^'^ — ^.Experimentelle Untersuchungen 
über die motorischen Bindenpartien"'' — 
„Experime7itelle U^it ersuchungen über den 



179 



BiBZ. 



180 



Mechanismus und Entstehungsort der epüept, 
Krämpfe^^ — ,yDie pathol. Histologie der 
Orosshimrinden - Erkrankung bei der 
cdlgemeinen progressiven Paralyse^*^ (Jena 
1893) — ^jZur Pathogenese der Detnentia 
paralytica und verwandter Krankheiten''^ 
— „D»« Pathologie und Therapie der 
Neurasthenü'' (Ib. 1896) — ,,Dü Epi- 



Institat der Universität und wurde im 
April 1873 zmn Ordinarius der Pharma- 
kologie ernannt. Damals und später wieder 
hatte er Gelegenheit, den Vorschlägen 
zweier deutscher Fakultäten zu folgen; 
er blieb jedoch in Bonn. Die Feldzüge 
1866 und 1870/71 machte er als Stabsarzt 
der Rerserve mit. In Böhmen leitete 
er einen Teil des Feldlazarettes in Ne- 
chanitz bei Königgrätz, und in Frankreich 
führi;e er bei den Kämpfen um Metz ein 
halbes Feldlazarett, zugeteilt der Avant- 
garde der 16. Division, übernahm insbe- 




lepsie^^ (Handbuch der spfe. Pathologie 
und Therapie von Nothnagel, "Wien 1899). 
Eine grössere Anzahl einschlägiger Ar- 
beiten aus dem Gebiete der pathologischen 
Anatomie und Klinik der Geistes- und 
Nerven-Krankheiten findet sich in der 
Joumallitteratur. 

BinZ, Karl, geb. zu Bemkastel 
1. Juli 183';?, studiert« in Würzburg 
und Bonn, erlangte am 7. August 1856 
in Bonn die Doktorwürde und am 19. 
März 1856 die Bestallung als Arzt. Nach- 
dem er zwei Jahre Assistent der med. 
Klinik in Bonn gewesen und sein 
militärisches Dienstjahr abgelegt hatte, 
praktizierte er bis 1861 und ging 
dann auf ein Jahr nach Berlin, um 
sich von neuem den med. Studien zu 
widmen. Hauptsächlich arbeitete er hier 
bei ViRCHOw im Pathologischen Institut 
und hörte die Klinik von Frkrichs. Ende 
1862 habilitierte er sich in Bonn für innere 
Medizin und Arzneimittellehre und wurde 
im April 1868 zum Extraordinarius mit 
dem Lehrauftrage für Pharmakologie be- 
fördert. Er gerundete das Pharmakologische 



sondere vom Schlachtfelde von VionviUe 
am Abend des 16. August in Gorze gegen 
180 meist Schwerverwundete. Später war 
er Vorsteher des in einer Dependence des 
Schlosses von Compiegne errichteten gros- 
sen Lazarettes für innere Erkrankungen, 
hauptsächlich Abdominaltyphus und Ruhr. 
B. war 1885/86 Rektor der Universität 
Bonn. Seit 1879 ist er Mitglied der stän- 
digen Kommission zur Bearbeitung des 
Arzneibuches für das Deutsche Reich. 
Er veröffentlichte : ^.Beobachtungen zur inne- 
ren Klinik'- (Bonn 1864) — ^^ExperimerUelle 
Beobachtungen über d(is Wesoi der Chinin- 
Wirkung''*' (Berlin 1868) — „Das Chinin nach 
den neueren pharmakologischen Arbeiten^'' 
(Ib. 1875) — „ÜZ>er den Traum'' (Bonn 
1878) — ^yGrundzüge der Arzneimittellehre^'^ 
(Berlin, 1866, 12. Aufl. 1894) - ..Vor- 
lesungefi über Pfuit-makologie'' (Ib. 1884, 
2. Aufl. 1891). Ausserdem gingen 
aus seinem Laboratorium hervor bis 



181 



Birsch - Hirsehf eld. 



Juli 1899 gegen 200 experimentelle 
Arbeiten hauptsächlich, pharmakologischen 
Inhaltes, die in Virchow's nnd Pflüoer's 
A., im Centralbl. f . d. m. W., im A. f. 
experim. Path. und Pharmakologie, in der 
B. k. W., in der D. m. W. nnd in anderen 
Pachzeitschriften erschienen. Ein grosser 
Teil dieser auf Anregung des [Instituts- 
direktors entstandener Abhandlungen trägt 
die Namen seiner Assistenten und Schüler. 
Die hauptsächlichsten betreffen die Phar- 
makologie des Clünins, des Weingeistes, 
des Arseniks, der ätherischen ^Oele, der 
Halogene und ihrer Verbindungen und 
der schlafmachenden Stpffe im allge- 
meinen. Die wissenschaftlichen und zum 
Teil auch die praktischen Anschauungen 
insbesondere über Chinin, Weingeist und 
Arsenik jwurden durch jene Arbeiten in 
neue Bahnen gelenkt. In späterer Zeit 
beschäftigte sich B. ausserdem mit ge- 
schichtlich-medizinischen Studien und ver- 
öffentlichte nebst einigen kleineren Abhand- 
lungen über die Einschleppung der Syphilis 
in Europa, über den ersten Vorschlag zur 
Messung 4e6 Pulses, über die IJotstehung 
der Genfer \ Konvei^j^«'' etc. folgende 
selbständige S^hrifttn: ^yDoktor Johann 
Wei/er^ ein rheinischer Arlst^ der erste Be- 
kämpfer des Hexenwahns, Ein Beitrag zur 
Gesdiichfe der Aufklärung und der Heü- 
kutide"' (Bonn 1885, 2. Aufl. Berlin 1896), 
,, Augustin Lercheinier (Professor H, Wite- 
kind in Heidelberg) und seine Schrift wider 
den Hexenwahn, Lebensgeschichtliches und 
Abdruck der letzten vom Verfasser besorgten 
Ausgabe von 1597"' (Strassburg 1888), 
gelegentlich des 50. Jahrestages der 
Entdeckung der chirurgischen ^Nar- 
kose: tfier Äther gegen deti Schmerz^^ 
(Stuttgart 1896), eine quellenmässig ge- 
schichtUche Darstellung dieser Entdeckung 
und der ihr folgenden Einführung des 
Chloroforms. 

Birch-Hirschfeld,reiixVictor, 

zu Cluvensieck (bei B«ndsburg) 5. Mai 
1842 geb., studierte in Leipzig, wesentlich 
als Schüler von Wundkrlich und E. Waoneb 
und wurde dort 1867 promoviert. Bis 
1869 war er Assistent am dortigen patho- 
logisch-anatomischen Institute, wurde 1870 
Prosektor am Stadtkrankenhause zu Dres- 
den, 1871 Lehrer der pathologischen Ana- 
tomie des milit&riirztlichen Fortbildungs- 



kurses, 1875 Medizinalrat im sächsi- 
schen Medizinal-Kollegium and 1881 am 
Stadtkrankenhause ordinierender Arzt, 
1885 als Nachfolger Cohnheim's als Pro- 
fessor der allgemeinen Pathologie und 
pathologischen Anatomie an die Univer- 
sität Leipzig berufen, wo er seit 1891 
Vertreter der genannten Hochschule in 
der I. Ständekammer für das Königreich 
Sachsen war und 20. November 1899 
starb. B. gehört zu den hervorragenderen 
path. Anatomen des 19. Jahrh.'s. Er hat 
diese Wissenschaft mit zahlreichen Einzel- 
heiten bereichert. Im A. f. H., Bd. IX bis 
XVI, schrieb er über Hodenkrebs, Gre- 
schwulstembolie, zur Cylindromfrage, über 
akuten Milztumor, über Pyämie, Syphilis 
Neugeborener. Pemer veröffentlichte er: 




^yDie Entstehung der Gelbsucht neugeborener 
Kinder"' (Virchow\s A., LXXXVH)"— , ,Die 
Skrophulose^'^ (in v. Zikmssex's Handb. der 
spez. Path., XTLI, 2. Aufl.) — „Ü6er die 
Krankheiten der Leber und Milz'' (in Ger- 
habdt's Handb. der Kinderkrankh., IV, 2) 
und neben einer Reihe von encyklopädi- 
schen Artikeln ein ^^Lehrbuch der patho- 
logischen Anatomie" (Leipzig 1876; 2. Aufl. 
1882 und 1883; 5. Aufl. 1896 und 1897). 
Von späteren Publikationen sind zu er- 
wähnen: „t^cr die Pforfen der placentaren 
Infektion des Fötus" — ^X^^f 9 f^^9^on Tuber- 
kelbazillen aus dem mütterl. Blut auf den 
Fötus" (Beitr. z. path. Anat. und aUg. Path. 
hrsg. V. ZiEOLER 1890) „L^cr sarkomatöse 
Drüsengeschwulst der Niere im Kindesalter" 



183 



Bircher — Bimbanin. 



184 



(ib. 1898) — Über den Sitz und die Eni- 
u^icklung der primären Lungentuberk%do8&^ 
(A. f. klin. Med. LXIV. 1899) — ,ßrundri88 
der aUgemeinen Pathologien^ (Leipzig 1892). 
Seine letzte Veröffentlichung war der 
in der 2. allgem. Sitzung der Münchener 
Naturforscher- Versammlung am 29. Sept. 
1899 gehaltene Vortrag über „Wissen- 
schaft tmd Heilkunst." 

BirCher, Heinrich, geb. 6. April 
1850 in Küttigen (Ct. Aargau), war, nach 
einem Studienabschnitt in Heidelberg, 
später in Bern, besonders ein Schüler 
Lückk's, promovierte im November 1878, 
nachdem er das Staatsexamen bereits 
im April 1872 abgele^ hatte. Zuerst 
Arzt in Aarau, und zwar von 1874 ab 
Arzt der städtischen Krankenanstalt da- 
selbst, habilitierte sich B. 1881 für Chi- 
rurgie in Bern. 1887 wurde er Direktor 
der kantonalen Krankenanstalt in Aarau 
und Oberarzt der chir. Abteilung daselbst. 
Seine wesentlichen Leistungen auf medizin. 
Gebiet sind (neben kleinen Arbeiten im 
Corresp.-Bl. f. Schw. Ä.): „i>ic malignen 
Tumoren der Schilddrüse^'' (Vglkmann's klin. 
Vortr. 1882) — „Beiträge zur operativen 
Behafidlung der Ohreiterungen^^ (1878) — 
,,Der endemische Kropf und seine Beziehungen 
zur Taubstummheit und zum Kretinismus^^ 
(1883) — „Eine neue Methode unmittelbarer 
Retention bei Frakturen der Böhrenknochen^' 
(v.Längenbkck's A., 1886) — ^^Das Myxoedem 
und die cretinisclie Degeneration^*^ (Volk- 
mann's SammL klin. Vortr. 1889) — 
„Eine operative Behandlung der Magen- 
ertoeiterung'^ (Correspbl. f. Schw. Ä- 1890 
und 1894) — „Fortfall und Änderung der 
Schilddrüsenfunktion als Krankheitsursache^^'' 
(Ergebnisse der allg. Pathologie und path. 
Anatomie von Lu barsch und Ostkrtag 
1895). Eine weitere Thätigkeit entfaltete 
B. als Sanitätsoffizier. Er bekleidete in 
der Schweiz. Armee den Grad eines Ober- 
sten und ist Corpsarzt des IE. Armeecorps. 
Auf dem Gebiete der Militärwissenschaft 
sind folgende Arbeiten zu notieren: 
„Die Rekrutierung und Ausmusterung der 
Schweiz. Armee^^ (1885) — „Die Armeeorga- 
nisation und Militär - Kreiseinteilung der 
Schweiz. Eidgenossenschaft auf Grundlage 
der Tauglichkeitsziffern'' (1886) — „Hand- 
buch der Kriegsheilkunde für die Schweiz. 
SanUätsoffiziere'' (Basel 1887) — „Die 



Revision der Genfer Konvention'' (1892) — 
„Neue Untersuchungen über die Wirkung 
der Handfeuerwaffen" (1896) — „Die 
Wirkung der Artilleriegeschosse" (1898). 

Bird, Peter Hinckes, Arzt zu 
London, 1852 F. R. C. S. Eng., 1855 L. 
M., Mitglied einer Ileihe gelehrter Kör- 
perschaften, auch des Auslandes, früher 
am Qu. Hospital zu Birmingham, wie am 
Thomas Hospital thätig, starb 28. Januar 
1891 und ist der Verfasser folgender 
Werke: „A practical treatise on the dis' 
eases of chÜdren and infants at the breast" 

— „On the nature, causes^ statistics and 
treatment of erysipelas" (2. Aufl. 1858) 

— „Hints on drains, traps, closets, sewer 
air and sewage disposal" -— „On tlie Ven- 
tilation of rooms etc." und einer Reihe 
von Einzelaufsätzen, vornehmlich hygie- 
nischen Inhaltes. 

Birnbaum, Friedrich Heinrich 
Georg, geb. in Regensburg 17. Febr. 
1815, studierte in Bonn von 1832 bis 1837, 
in den klinischen Fächern bei Wutzer, 
Nassk und für die Geburtshilfe bei Kilian, 
dessen mehrjähriger erster Assistent er 
war, bevor er sich als Privatdozent habi- 
litierte. 1844 bis 56 als dirigierender Arzt 
und Lehrer an der Hebammenanstalt in 
Petersburg thätig, war er nach seiner 
Rückkehr von 1847 bis 60 Direktor der 
Hebeammenanstalt in Trier und von 
da ab in gleicher Eigenschaft an der 
Provinz. Hebeammenanstalt in Köln wirk- 
sam, wo er Ende April 1899 starb. Er 
verfasste (ausser einer Anthropologie und 
der Habilitationsschrift: „Über die Ver- 
änderungen des witeren Abschnittes und 
Scheidefit eiles in der zweiten Hälfte der 
Schwangerschaft" Bonn 1841; neubear- 
beitet im Arch. f. Gynäk.) — „Zeiclien- 
lehre der Geburtshilfe^" (Bonn 1844) — 
„Geburtshilfliche Skizzen nach den Er- 
gehnissen der Entbindungsanstalt in Trier*^ 
(1844) und „Geburt des Menschen wid ihre 
Behandlung" (2. Aufl. Berlin 1871). - 
Femer Arbeiten über Centralruptur des 
Mittelfleisches, Selbstwendung, Bauch- 
höhlenschwangerschaft und mannigfache 
kasuistische Mitteilungen. 

Birnbaum, Friedrich, geb. zu 
Freiburg i. Br. 17. Oktober 1833, studierte 



gim 



Bimbftam — Bischoff. 



186 



I 



Giessen bis zur Promotion, 1858, dami 
ia Würzburg, Wien, Pi-ag und Berlin, war 
aeit 1859 pi*akt. Arzt in Giessen^ von 1862 
bis 68 Assistent und Hebeaminenlelirer 
aa der EatbindungssaiLstalt, wurde 1863 
Prlvutd«Jzent, 1868 a. o. ProL und Direk- 
Uav der Entbindunj^anstalt, letzteres bis 
1872 und ^tarb 22. März 1894, Litterax. 
Arbeit-en: ^jlber Ltt^raHo conffenita femorJ'- 
(Giessen) — ^^Histotoffischer Bau der Ei- 
inte' (Berlin) — ^.Dic Gehurt dt» Men- 
hcn utid ihre Behandlung, Ein Leit- 
faden u. 9, w.'' (Ib. 1877) und einzelne ge- 
burt&hilfl. Jon mal- Aufsätze. 

Birnbaum, Möx, in BerUn, geb. 
zu Ktinigsberg i. 0.-Pr, 18G2. .studi*-rt4? in 
Berlin (Dr. med. 1886K Arzt daselbst seit 
1887, sclirieb ,,Die Lebetmlauer der Ärtte"^ 
(1889) und redigiert die ,J)eiitBc}ie Med, 

Bischoff« Theodor Ludwig Wil- 
helm, gell, 28. Oktober 18()7 zu Hannover, 
ridifTte seit 1826 in Bonn, Heidelberg 
tid Berlin, wurde 1820 am erstgenannten 
Ort zum Dr. phil., 1832 in Heidelberg zum 
Dr. med. promoviert. Dfirauf bekleidete 
er eine Aiisi^tentens teile an der Universi- 
tiits-Entbindungsanstait zu Berlin. Schon 

1834 habilitierte er sieii bU Privatdozent 
an der Universität zu Bonn mit der Ab- 
handlung; .^Beiträge zur Lehr r, mndeti FA- 
hüi/m des ftwmchtichcn /o/wj^*' tßonn 1^34). 

1835 siedelte er nach Heidelberg über, wo 
er 1836 nis Professor e. o. angestellt und 
1843 zum Professor ord. für Anatomie 
und Physiologie befördert wTirde. ^\>ch 
im nämlichen Jalire folgte er einem Rufe 

dieUniversitfit Giessen, an welcher er 
am ordentlichen Professor der Aimtonüe 
ernannt ward und 1844 dazu noch das 
LeJirfiMih der Physiologie erhielt. Hier 
gründete er ein neue^ anatomisclies und 
physiologisches luÄtitut und trug mit 
Jlmtcs LtBiiiG, mit dem um eine innige 
Freundjächaft verband, viel zum Aufblühen 
der noclischute bei. Nach zehnjähriger 
LiihrthÄtigkcit daselbst ward er 1854 als 
I 'T Proft-ssur der menschlichen 

A und Physiologie und Konser- 

vator d<sr anatomischen Anstalt nach 
länchim berufen. In dieser Stellung 
ntfaitete er eine grosse fruchtbringende 
ThÜtigkeit «ik Xiehrcr wie als Porscher 



bis zum Jalire 1878. in welchem er wegen 
zunehmender Kränkliclikeit mit allen 
äusseren Eliren in den Ruhestand ti-at. 
Die Feier seines Doktorjubilüiims am 16. 
Januar 1882, die seinen Kollegen an der 
Uiüversitüt. wie seineu zahlreichea 
Scliälern Gelegenheit bot, ihm Beweise 




ihrer Verehnuig und Dankbarkeit za 
zoUen, hat er nur kurze Zeit überlebt. 
Eine T>aniiperforation mit nachfolgender 
Peritonitis führte nach kurzer Kranklieit 
seineu Tod herbei. B.'s wissenschafthche 
Bedeutung Uegt im Gebiet der Embryo- 
logie, die er mit zoldreichen neuen That- 
sachen bereiidierte. Dieselben sind in 
I .,ET^*t*ieketungftt/a*chiMe der tSäuiieticre 
j und des Memchcn (Leipzig 184i;), de4 
{ Kanifvjhetieies (Braunschweig 1843), und des 
I Bandeeies (ib. 18^6), des MterschweimheM 
, (Giessen I8ö2i und des Rchcica^* (ib. 1854) 
niedergelegt, sowie in vielen anderen die 
I Menstruatiun, Üvnlation, die Befrueh- 
j tu ngs Vorgänge etc. behandelnden Mono- 
gi*aphien, zuletzt in den „His^orwcÄ-^rtfl- 
9cheH BcmerkangcH su defi neuesten JfiJf- 
teiiuTujen üher die ers/n E^dnnckeiunq der 
. Säutfeticreier'' (München 1877), Gleich- 
zeitig beschäftigte sich B. mit Unter- 
suchungen über da« Blut und den StoH- 
wei^lisel und wies zuerst (1837) die fj'eie 
I Kohlensäure und den Sauerstoff im Blut© 
nach. Weitere Arbeiten B. 's betreffen ver- 
gleichend anatomische Untersuchungen 
über das Gehirn bei Affen und Menschen 
und ähnliche Fragen. Auch, den Ange- 
legenheiten des med. Unterrichts widmete 



187 



Bitter — Black, 



188 



B. seine Anfmerksamkeit. Er schrieb 
einen ^^Führer für Studierende der Medizin^ 
zugleich auch bei Anstellung wn Sektionen, 
für praktiscJie und Gerichtsärztef"^^ be- 
wirkte eine neue med. Prüfungsordnung 
für Bayern, die längere Zeit in Geltung 
blieb und war ein eifriges Mitglied resp. 
Vorstandsmitglied des Medizinalcomites 
der Universität bis an sein Lebensende. 
Übrigens war B. ein lebhafter Gregner der 
Zulassung der Prauen zum Studium der 
Medizin und hat auch darüber eine 
kleine Abhandlung veröffentlicht (Mün- 
chen 1872). 

Bischoff, Johann Jakob, zu 
Basel, geb. 1. Aug. 1841 zu Heidelberg, 
wurde 1864 Dr. med. in Basel mit der 
Diss.: „Zur Amputation im Tibio-Tarsalge- 
lenk^ habilitierte sich daselbst 1866 als 
Privatdozent, wurde 18(58 zum a. o., 1872 
zum ord. Prof. der Geburtsh. daselbst er- 
nannt und starb 26. Oktober 1892. 
Er schrieb: ^^Zur Prophylaocis des Puer- 
peralfiebers. VoHrag"' (Basel 1876). 

BlttOr, Heinrich, in Kairo, geb. 
1863 zu Unna, studierte und promo- 
vierte 1886 in München, war eine Zeit- 
lang an der dermatologischen Klinik in 
Würzburg beschäftigt, hierauf Assistent 
an der hygien. Anstalt in Breslau, wo er 
sich 1891 für Hygiene habilitierte. 1896 
folgte er einem Kufe als Inspektor des 
Sanitätswesens nach Kairo, wo er gegen- 
wärtig als Direktor einer hygienischen 
Anstalt thätig ist, seit 1899 als Titular- 
professor. B. ist Verfasser zahlreicher 
Abhandlungen zur Bakteriologie, über 
Cholera-, Tuberkel-, Smegmabazillus, zur 
Phagocyten-Theorie Metschkikow's, über 
Impfschutz, zur Immunitätslehre. Auch 
fand er 1894 die Plasmodien des biliösen 
Typhoids. Seine jüngsten Publikationen 
betreffen Berichte über das ägyptische 
Gesundheitswesen und die HAFFKiNB'sGhe 
Schutzimpfung gegen die Pest. 

BiZZOZerO, GIuHo, wurde zu 
Varece (Lombardei) 20. März 1846 
geb. und studierte wesentlich in Pavia 
unter Leitung von Oehl und Mantbgazza, 
genoss aber fernerhin den Unterricht H. 
Fret's in Zürich, sowie Virchow's in Ber- 
lin. Dr. med. zu Pavia im Mai 1866 ge- 



worden, hielt er die Stellung eines supp- 
lierenden Professors in Pavia 1868 bis 
1872 inne. Zimi Professor der allgemeinen 
Pathologie in Turin wurde er im Dezem- 
ber 1872 erwählt. Ausser in den italieni- 
schen Fachzeitschriften sind viele Arbeiten 
B.'s in deutscher Sprache publiziert, und 
zwar in den Wiener med. Jahrbüchern, 
dem Centralblatt für die med. Wissen- 
schaften, in Moleschott's Untersuchungen, 
in ViBCHOw's Archiv, im Archiv für mikr. 
Anatomie u. s. w. Dieselben handeln 
hauptsächlich über das Bindegewebe, das 
Knochenmark, die Struktur der Lymph- 
drüsen, über Geschwulstbildungen an der 
Dura mater, über die Entwicklung der 
roten Blutkörperchen, über ein drittes 
morphologisches Element im Blute C^Blut- 
plättchen^^) und die Veränderungen des 
Blutes nach Hämorrhagien , über die 
schlauchförmigen Drüsen des Darmes etc. 
Das von B. geleitete Pathologische Institut 
in Turin ist eins von den besuchtesten 
Italiens. Mehrere von den jetzigen Pro- 
fessoren der aUgemeinen Pathologie und 
path. Anatomie in den italienischen Hoch- 
schulen (so z. B. Gi)LQi in Pavia, Tizzoni 
in Bologi^, Griffini -tu^d Canaus in Genua, 
FoA in Turin, SiLViou in Padua, Morpurgo 
in Siena u. a.) waren B.'s Schüler. 

BlaX3heZ, Paul - Fran^ols, zu 
Paris, geb. daselbst 1827, wurde dort auch 
Doktor mit der These : ,,^ude sur la da- 
thioenterüe. Conmderatiofis sur les troubles 
fonctionnels du foie dans cette aff'ection,^'^ 
wurde später Agrege der [Fakultät und 
Hospitalarzt (Hop. Necker) und gab her- 
aus die 4. ed. von V. A. R-acle, ^.Traiti de 
diagnostic medical''^ (1868) sowie eine Eeihe 
von Aufsätzen in der Gaz. hebdomad. (seit 
1867) und von Artikeln im Dict. encyclop. 
des sc. med. B. starb 27. Januar 1890. 

Black, Donald Campbell, 1841 
geb., studierte bis 1862 auf der Glasgower 
üniversitöt xmd war dort seit diesem 
Jahre ärztlich und publizistisch thätig, 
indem er das Journal Med. Press and 
Circular herausgab. Er verfasste neben 
den grösseren Arbeiten: ^.Leditres on 
Bright^sdisease^^xmd ^^The fundional diseases 
ofthe urinary and reprodudive organs^^, Auf- 
sätze über BRiQBT'sche Krankheit, Syphilis, 
Prostatorrhoe etc. im obigen Organ und 



189 



liai'd — BlaschJco. 



190 



anderen englischen Wochenjotirnalen und 
starb 20. Dezember 1898. 

Blanchard, Kttplia«l Anatole 
£mile, in Paris, geh. zu Saint-Christoplie 
(Inde et LoLre}^ 28. Febniar 1857, stu- 
dierte Medizin und Katunvisseiiücliaften in 
Paris, Wien, Leipzig und Bonn als Schüler 
von Ch. RouiN, G. Pöu^het^ Paiil Bküt, 
S, L. ScHKNK, W. His, F. Leydio, proroo. 
vierte 1880, war von 1878 bis 1883 Assistent 
für Ph>*siolo^ie an der Sorbonne, vonl883 
bis 18^2 Agrege ftlr med. Katurwissen- 
sdiaft an der Pariser Faktiltat, ist seit 
1894 MitgUed der Acad. de med. und seit 
1897 ot'd. Prof, der med. Niiturw^issen- 
scbaft. Seine Sciiriften, biß 1893 (nacli 
„Notiee aur les titres et travaux seiend- 
liqnes'* etc*) weit über 200 Numnieni um- 
fassend, betreffen Arbeiten aus den Ge- 



rieten der vergleichenden Physiulogie, 
Anthropologie^ vergleichenden Anakimie 
und Zoologie, bescmders der Parasitologie. 
8elbetiindig erschien: „TVai/i* de Zoologie 
midical^' (Paris 1885 bis 1889, 2 voll). Seit 
Ende 1897 giebt B. die quartaliter er- 
echeinenden ^^Archives de paramtologie^'' her- 
aus. Femer ist B, seit 1880 General- 
et&r der Socäi^te zoologiqne, um deren 
ieihen er sehr bemüht ist» Auf dem 
Tan B, 1889 begründeten internationalen 
Ko>n^re6g für Zoologie setzte er eine neue 
Bichtschnur (Code) für die zoologische 
Nomenklatur durch, die zugleich die 
Handhabe zur Entscheidung zahlreicher 
bis dahin strittiger Fragen lieferte. 



Blanche* Esprit - Sylvestre, 
P&y<^lii''it<-r zu Paris, lö. Mai 1796 zu 

Rouen als Sohn des dortigen Arztes 
An toine - Louis g^b., machte seine 
Studien in Paris und wurde daselbst 1818 
Doktor. Er widmete sich der Erforschung 
der Geisteskrankheiten und gerundete 'zu 
MootmartreT zur Behandlung derselben 
eine Maison de sante, die bald zu grossem 
Rufe gelangte, da er, den Prinzipien 
PiyEL's folgend, seine Patienten niclit ab- 
schloss, sondern ihnen ein Familienleben 
zu schaffen und, statt sie einzuschüchtern, 
iiu' Vertrauen zu gewinnen suchte. Atisser 
eim'gen Journal - Aufsätzen, daniiiter ; 
,,Ptojd d'uH nouvd äMissement deßiim au 
traiicfnefU de Valienafion nwnfule'*' (Archives 
gener. med, X\\ 1827j. hat er folgende 
z\^^ei Sidiriften verfa^st: ^.Du danger des 
rigneur» corporels dar^ le traitenwni de la 
fotie'' (Paris 1839) — „De Veiai aäuel du 
traitenicui de la folie en France'^ (ib. 1840). 
Er wurde 1835 zum Arzte des Hospice 
des Incurables, Abteilung filr geistes- 
kranke Kinder^ eraannt, war ilitgLied des 
Conseil medical des Vereines dramatischer 
Künstler, dem er gute Bienste leistete 
tmd starb 8. November 18Ö2 zu Passy, 
wohin er seine Maison de sante verleg^ 
hatte, 

— Sein Solin Antuine -Emile, 
geb. zu Paris 1820, wurde 1848 in Paris 
mit der These: .,/>« caihti^rimne oe»opha- 
gien chez len a/tr»*e»" Doktor, übernalmi 
nach deju Tode seines Vaters die Iveitung 
der von diesem in Passy gegründeteji 
Irrenanstalt und starb 16* August 
1893. Ausser der obigen These hat er 
noch einen von ihm erfundenen artiku- 
lierten Mimdrin, für den obigen Zweck 
bestimmt, beschrieben, und u. a. publi- 
ziert: „JJwr homicidea commtspar hs alihU^^ 
(1878) ~ j.Qudgue^ tonrnd^ratiom sut le 
fraitenteiU fuoral de la folie"' — ,,La folie 
doit-elle elre coimdMe comnie une cause 
de divorce?'*^ (1882), sowie einige Berichte 
an die Ac&d. de med, über Irrengesetai- 
gebung, Melancholie u. a. 

BlaSChkO, Alfred, in Berlin, 
3. Miii-z 1858 in Freienwalde a. O. geb. 
studierte in BerHn, besonders als Schüler 
von H. MüNK, (Dr. med. 1880 mit der 
Diss. ..Seftcmtrum bei Frös(^ei%'% bildete 
sich von 1881 bis 83 in Stettin U P, bö 



191 



Blasius. 



192 



Gborq Weoner weiter und Hess sich 1883 
als Arzt in Berlin nieder, wo er sich seit 
1888 ansschliesslich der Dermatologie 
widmete nnd Leiter einer Heilanstalt ist. 
Schriften: ,yBeiträge zur Architektonik der 
OberhatU'' (1887) — .fiewerbehautkrank- 
keifen'' (1889 bis 92) — ..BehatwUung der 
Geschlechtskrankheiten in Krankenkassen 
und Krankenliäusem-'' (Berlin* 1890) — 
^^Verbreitung der Syphilis in Berlin'' (ib. 
1892) — ^.Syphilis wid Prostitution vom 
8tandpu7ikt der öffentlichen Gesundheits- 
pflege" (ib. 1893) — „/>!> Lepra im Kreise 
Memä" (ib. 1896) — .^Hygiene der vener. 
Krankheite7i" (für Weyl^s Handbuch der öu 
Gesundheitspfl., Jena 1899) und zahlreiche 
kleinere Publikationen. 



Blasius, Ernst, Professor der 
Chirurgie in Halle, 20. November 1802 
zu Berlin geb., besuchte 1818 bis 1822 
die Universität daselbst, als 2jögling 
des med.-chir. Friedrich - Wilhelm - In- 
stituts, erwarb 1823 den Doktorgrad, diente 
darauf vier Jahre als Militärarzt, habili- 
tierte sich 1828 in Halle als Privatdozent 
der Chirurgie und schrieb dazu: „i>e 
fungi durae matris accuratiori distindione" 
(Halae 1829 c. tab.). 1830 wurde er zum 
Professor e. o. ernannt und Ostern 1831 
ihm die Direktion der chirurgisch-augen- 
ärztlichen Klinik interimistisch, 1834 mit 
der Ernennung zum Professor Ordinarius 
der Chirurgie de&nitiv übertragen. In 
derselben Zeit begann er sein Hauptwerk, 
das ,,Handbuch der Akiurgir' (3 Bde., 
HaUe 1830 bis 32; 2. Aufl., 1839 bis 42), 
zu welchem ein Atlas ,,Akiurgische Ab- 
bildungen" (Berlin 1831 bis 33; 2. Aufl. 
1841 bis 44) mit erklärendem Texte hin- 
zutrat. Ein Auszug daraus ist das „Le^- 
buch der Akiurgie" (Halle 1835; 2. Aufl. 
1846; dänische Übersetzung, Christiania 
1837). Es erschienen weiter von ihm 
zahlreiche kleinere chirurgische Beiträge, 
ausserdem ein „Handwörterbuch der ge- 
samten Chirurgie und Augenheilkunde de. 
In Verbindung mit mehreren Ärzten bear- 
arbeitet" (4 Bde., Berlin 1836 bis 38). 
Auch war er zusammen mit A. Hosbb 
Redakteur der „Analekten der Chirurgie" 
(Bd. I, n, Berlin 1837 bis 39) und Her- 
ausgeber der ^yKlinisehtn Zeitschrift für 
Chirurgie und Augenheilkunde^ (Bd. I, 



^alle 1836 bis 37). B. wurde 1853 zum 
Geh. Medizinal-Bat ernannt und trat im 
Mai 1867 von der Leitung der chirurgi- 
schen Klinik^ nach 36j ähriger Verwaltung 
derselben, zurück, hielt aber noch Vor- 
lesungen über einzelne Gegenstände avis 
der Chirurgie. Noch veröffentlichte B. 
aus der von seinem früh verstorbenen 
Sohne Albert Richard B. (geb. 9. April 
1847, gest. 23. Juli 1869) verfassten Inaug.- 
Diss. : „TJber Luxfitio femoris supracotyloi- 
dea traumatica und spontanea" (Halle 1869, 
4., m. 2 Taff.) seine eigenen, darin nieder- 
gelegten Beobachtungen im A. f. klin. 
Chirur. (Bd. XH, XVI) u. d. T.: „5et- 
träge zur Lehre von der Coxalgie^^ und 
„Über die traumatische Luxatio femoris 
supracotyloidea" und starb] 11. Juli 
1876. Die Chirurgie verdankt ihm, ausser 
durch die seiner Zeit sehr verbreiteten 
Lehrbücher, eine Förderung namentlich 
durch mehrere ihm eigentümliche Opera- 
tionsmethoden beim Wiederersatz der 
Nase, der Lippen, der Augenlider, femer 
machte er sich um die Lehre von den 
Nekrosen, den Verrenkungen, den soge- 
nannten Stabilitäts-Neurosen verdient etc.; 
die von ihm vorgeschlagene Amputations- 
methode mittels des Schrägsehnittes hat 
jedoch keine Verbreitung gefunden. 

Blasius, Rudolf, in Braimschweig, 
geb. 26. November 1842, studierte in 
Braunschweig, Göttingen, Zürich, Wien, 
Berlin und München (Dr. med. 30. Januar 
1866), war 1865 Assistent bei Billroth, 
1867 bei Schwartz, 1868 herzogl. Braun- 
schweigischer Assistenzarzt, 1870 Stabs- 
arzt, 1879 Professor der Hygiene an der 
Technischen Hochschule in Braunschweig. 
Vorher praktizierte B. noch seit 1866 als 
Zivilarzt in Blankenburg a. H., seit 1871 
in Zabem im Elsass und seit 1874 in 
Braunschweig. Ausser dem Abschnitt 
^JStädtereinigung" (Einleitung und Abfuhr- 
systeme) für das von Th. Wkyl lierausg. 
Handbuch der Hygiene, Band 11 schrieb 
B. eine Reihe von Arbeiten über Schul- 
hygiene, Flussverunreinigung, Wasserver- 
sorg^ung, sterilisierte Milch etc., veröffent- 
licht in Dtsch. Vrtljhrsschr. f. öfftl. 
G^undheitspfl. und im Monatsbl. f. Öfftl. 
GFesundheitspfL B. beschäftigt sich noch 
mit Ornithologie. 



Blau — Bloch. 



HäUf Loyis^ in Berlin, daselbBt 
IL Sü].>tember 1848 geb. und an der 
Üttiversitat ausgebildet (Dr. med, 1870), 
betrieb ßeit 1871 zu Anfang: Eillgenieine 
Praxis, widmete sich otiatrißcben Studien 
in Wien und Halle (unter tSt hwartzk) 
und wirkt seit 1876 als Olireuarzt in 
Berlin. Sdmften: ^^HagnoBt und Hicrapie 
bei gefahrdfohetulet% Krankheit ftsymptoni^n*' 
il874, 2. Aud, 1884: in verschiedene fremde 
Sprachen tibei^etzt), Abhandiungen ini 
Archiv f. Uhrejiheilk. und den allgem. med. 
Zeitschriften über das Verhältnis der 
OhrenJtrankheiten zu den AUgemeiner- 

(krankongen, insbesondere Scharlack, Ma- 
sern. Leukämie, femer über verBchiedene 
Kapitel au*> der speziellen Ohrenheilkunde : 
Krampf der äusseren OhrmuskeJn, Üthä- 
matom, Otitis ext^nia ex infeetione, Otitis 
externa und media diphtheritica. Funktion 

Lder Chorda tynipani, Otitis media eatarr- 
halis und suppurativa, Cholesteatom de« 
Schläfenbein 8t Krampf des Tenst»r ty^mpani, 
Labyrintherkrankungen* Zn den von Haug 
berausg. kUn. Vortr, a. d. Geh, d. Otolog-ie 
etc, heferte B. ,,l*i^ Erkrankung des Ohrs 
hd Masern und Inffuenta"' (1898), für 
ScHMiDT^d Jahrbb. rt^ebaässige Gesamtbe- 
richte über die Leistmigen in der Otologie, 
ond gegenwärtig ist er mit der Heranfi^ 

.gäbe einer ..Encykiopädie der Ohrenhalk,'^ 

^'bt-si^häftigt. 

Bleuler, Paul Eugen, in Burg- 
holzli, Zürich, geb. 30. April 1857 in 
^»llikon bei Zürich, studierte in Zürich^ 
■Bern und München, approbiert 1881, Hr. 
med, 1883, waj- von 1881 bis 1883 Assistenz- 
arzt in Waldau bei Bern, machte 1884 
eine Heise nach Frankreich und Eugland, 
arbeitet« im Wintersemester 1884/85 im 
llAboratr>rium bei Güddkn , war 1885 
|A4>bißten«ttrzt in Burghiilzü bei Zürich, 
I danach von 1886 bi*? 1898 Direktor der 
PHegeanstalt Eheinau bei ZüricJi und er- 
hielt im April 1898 den Kuf als ordentl. 
Prtif. der Psytihiatrie in Zürich und die 
nitung der Anstalt in Bnrghölzh. 
"Schriften: ^^VerttHch citier natunaissen- 
»ckaßiichen BeiravJUtmg der pagchoioghehett 
Grundbegriffe''' {Ztschr. f. Psychiatrie^ — 
,Mer geborene Verbrecher^'' (München 1896) 
— ,,Uber zwungtmämtige LicfUempfindungm 
durch ScÄaU und vertoatidte Erncheinungeui 
auf dem Gebiä der aftderen SinfiesivfJir- 



nehmungefi''^ (zus. mit K. Lehmann, Leipzig 
1881), dazu Studien über Hypnotismus, 
suhkortikale Aphasie, Osteomalacie , mo- 
ralische Idiotie. PhyäioL des Baiiclu'edeos 
in Schweizer. ärztL KorrespbL, A. f. Ps., 
Neur: CtrlbL und Münch, m, W. 

BlOChf Emilt in Freiburg im Br.j 
geb. 11. Dezember 1847 zu Emmendingen 
in Baden, studierte in Heidelberg, Würz- 
burg, Wien, später in London. Berlin und 
in Freiburg im Br. I>r. med. 1871^ wid- 
mete eich seit 1886 der Laiyngologie und 
Rhinol ogie bei Hack in Freiburg, sowie 
der Otolügie unter TuiHY-Freibmg, war 
Assistent des let^tteren bis zu dessen Tode 
1892» dann dessen Nachfolger als Leiter 
der Üniversitäts-Poliklinik für Ohren» 
kranke, habilitierte sich noch in dem- 

j selben Jahre, erlüelt 1894 den Lehrauf- 

' trag für Ohrenheilkmide, wurde 1898 
Extraordinarius und richtete 1899 die 
stationäre Univers.-Ohrenklinik in Frei- 
burg ein. S«.iii'iften: „Die Pathologie und 
Therapie der Mttndafmung'* (Wiesbaden 
1889); ferner zahlreiche Aufsätze, meist 
in Ztschr. f. Ohrenlieilk. veröffentHcht, 
so über dm binmtrale Hören (1893) — die 
Methode der centripetalen Freimotten und 
die Diagjiose der ^apeifijcaiion (1894) — 
Untersuchungen zur Pkgmologie der Nmen-' 

I atmung (1888) — über Spracfigebreclten 
U891), mehrere Abschnitte für IIkymanw^s 

j Handb» der Laiyngologie und Rhinologie 
1897 bis 1899 (darunter die Krankheiten 
der Gaumenmandeln), zur Ätiologie des 
Bheumatismi48 (1898) — einheitliche Be^ 
tekJmungen der otologi^chen Punkt iottä- 
priif'ungsntethoden und ihrer Ergehniase 
(1898) m V. B. 

Bloch, Oscar Thorvald. geb. in 
Kopenhagen 15. November 1847, wurde 
ausgebildet in Kopenhagen als Schüler 
von Sajctorth und Plum und promovierte 
5, Juni 1879. Arzt seit 1872 wirkte er 
als Prosektor chirurgiae von 1875 bis 1879, 
als Frosektor anatonüae jiathologicae von 
1879 bis 1881, als Privat-Dozent für Clurur- 
gie in Kopenhagen. Nach Konkurrenz 
wurde er 1886 Direktor der chirurgischen 
Klinik am KgL Frederiks -Hospital und 
extr. o. Professor der klin. Chir., 1899 Prof. 
Ordinarius, war Vorsteher der Zabnarzt- 
schule seit 1888, 10 Juhre (bis 1889) Mitglied 

7 



195 



Bloch — Boas. 



196 



der Eedaktion der „Hospitals-Tidende", 
in welcher er, wie in ,3ibliothek for 
Läger*-, „Nordiskt medicinskt Arkiv", 
„Revue de Chirurgie", Revue d'Ortho- 
pedie, Brit. Med. J. viele grössere und 
kleinere Abhandlungen chirurgischen und 
pathologisch-anatomischen, teilweise auch 
bakteriologischen Inhalts geschrieben hat- 
Von Büchern hat er publi^siert: ,,0m nogle 
former afaciä suppurativ betändelse i de lange 
Rörhiogler hon, unge hidivider (Akute infek- 
tiöse Osteolymphangitis 1872/^ — „On* fors- 
keUige Metoder for Behandling afSaar fra de 
äldste tu de nyeste Tider'''' (über Wundbe- 
handlung von den ältesten bis zu den 
neuesten Zeiten 1880) — ,,0m forskellige 
Metoder af Bandager^^ (Bandagenlehre 
1883). B. ist Mitglied des Kgl. Sund- 
hedskoUegiums etc. und seit 1892 Leib- 
arzt bei dem Kronprinzen von Dänemark. 

Bloch, Jwan, in Berlin, geb. 1872 in 
Delmenhorst(01denburg), studierte in Bonn, 
Heidelberg und Berlin, Dr. med. 1896, 
widmet sich seit 1896 der Dermatologie, 
sowie histor. Studien, Hess sich 1897 in 
Berlin als Spezialarzt für Dermatologie 
nieder. Schriften: Mehrere polemische 
Artikel gegen die ^fiaktericide^'^ Tripper- 
fherapie (B. kl. W. 1898 und Monatsh. 
f. prakt. Dermatol. XXVI. 1898) — 
Artikel zur Geschichte der Hautkrank- 
heiten, Geschichte der wissenschaftlichen 
Krankefipflege (1S99) — mehrere neue Doku- 
mente zur Geschichte der antiken Medizin 
(über einen griech. Papyrtm med.-forens. In- 
halts, A. M. Ctrl.-Z. 1899, ein neues Doku- 
ment zur Geschichte der Verbreitung des 
Qnineatourms im Altertum ib.). Monographie : 
,yÜber den Ursprung derSyphüis^*^ (Jena 1900). 

Bloty Hippolyte, Professeur ägreg6 
der med. Fakultät zu Paris für das Fach 
der Geburtshilfe, ist daselbst 1822 geb., 
wurde 1849 Dr. med. mit der These: „X>c 
Valbuminurie chez les femmes enceintes etc,^'', 
schrieb eine Concurs-These: „De V ane- 
sthisie appliquie ä l* ort des accauchementa^^ 
(1857) und ,,Dela version pdvienne danscer- 
tains cas de retrScissement du bassin^*^ (Archi- 
ves gen^r. 1868) und starb 16. März 1888. 

Blum, Albert, zu Paris, geb. 23. 
April 1844 in Roaheim (Elsass), studierte 
in Paris als Schüler namentlich von 



RicHET, Lefort, Lasegüe, wurde 1870 Dr. 
und ist zur Zeit Prof. agrege, Chir. des höpi- 
taux (Hopital S. Antoine). B. publizierte: 
^ßuturesdes nerfs'' (Arch. de med. 1868) — 
,,Fihvre traumatique primitive^^ (1869) — 
,,Etudes sur la pyohhnie'^'' (1870) — „Septi- 
cemie chir, aigue^^ (These, Strasburg 1870) 

— „Ärthropathies (T origine nerveuse^^ (Th. 
agreg. Paris 1876) — „Tuwewrs de V ombi- 
li&' (1876) — ,Shock traumatique'' (1876) 

— ,,Affed:ions de V urethre chez la femme"' 
(1877) — „Elongation des nerfs'' (1878) — 
,,Doigt ä ressert'' (1881) — ,fihirurgie de 
la main'' (1882) — ,,Extirpation du larynjc^' 
(1882) — ,,Extirpation du rate'' (1883) — 
„Cancroide de la peau" (1883) — ,fiastro- 
stomi&' (1883) — ,,Anevrysme poplite" (1886) 

— j^Anevrysme tibiale posterieure" (1886) — 
,,Splenotomie" (1886) — ,,Tarsalgie" (1886) 

— ,jBupture de la vessie" (1888) — „Chirur- 
gie du pied" (1888) — ,,Eystero-neurasthenie 
traumatique" (Paris 1893). 

Blumenstock, Leo, zu Xrakau 
11. März 1838 geb., studierte daselbst und 
in Wien und hatte besonders Dietl, Bryk 
und Arlt zu Lehrern. Ln April 1862 
promoviert, fungierte er seit 1869 als Prof. 
extraord. der gerichtlichen Medizin an 
der juridischen, seit 1881 als Prof. ord. 
desselben Faches an der medizinischen 
Fakultät und als Landesgerichtsarzt zu 
Krakau. Er wurde später unter dem 
Namen vox Halban geadelt und starb 28. 
Februar 1897. Schriften: „DiV Wreden- 
Wendfsche Ohrenprobe und deren Bedeutung 
in foro" (W. m. W. 1876) - .,Zur Lehre von 
der Vergiftung durch Cloakengas" (Vtljschr. 
für gerichtl. Med. XVin, 2) — J'Jber 
Aphasie" (Friedr. Bl. f. gerichtl. Med., 
1878) — „Tod im Feuer" (Ib. und W. m. 
W. 1876) — „Zwr Verwertung der Ohren- 
probe für die Diagnose des Erstickungs- 
todes" — Tod durch Dynamit" (Friedr. BL, 
1876, 1877). Neben encyklopädischen Ab- 
handlungen verfasste B. in polnischer 
Sprache zahlreiche gerichtsärztliche Ar- 
beiten, gedruckt in Krakauer, Lemberger 
und Warschauer Zeitschriften. Seit 1877 
war er Redakteur der in Krakau erschei- 
nenden polnischen med. Wochenschrift: 
,^rzeglad Lekarski'^ 

BO8S9 Ismar, Berlin, geb. in Exin 
(ProY. Posen) 28. März 1868, studierte 



197 



Bock. 



108 



in Berlin, Halle luid Leipzig als Schüler 
Ton C, A, Ewald in Berlin, Dr, med, 1880^ 
wirkte 1882 bis 1886 als prakt. Arzt in 
Berlin^ bescbäftigte sieb dann zuerst unt-er 
I^itung von C, A. Ewald mit den Krank- 
heiten der Vei*danungswerkzeuge. grün- 
dete 1886 die erste Poliklinik für 
a- nnd Darmki*ankheiten in Deutscli- 
in weleber er seJt der genannten 
J reiche SchtUer ans allen Ländern 
äete. B. ißt seit 1886 als Sjjezialai'zt 
fürVerdauiingskrankbeiteu in Berlin tbatig. 
Hauptwerke: ,^Diaffno$tik und Therapie der 
Mu^tukrankhi^Uetr (Leipzig, 2 Teile, 4 
Aufl,, 1. Aull. 1890 resp. 1893) — .Jimgjwstik 
und TherapUdcr I »armki-aiMeiten^^ (Leipzig 
1899). Seit 1895 ist B. Herausgeber des Arch. 
f .Verdauungskr. { Berlin ), Ausserdem schrieb 
er zahlreiche grössere und kleinere Abliaud- 





die in Vibchow^s A.« Z, f, kl. M«, 
, D. KL W.. B. kl. W. M. in, W., 
CbL f. kL M. etc. veröffentlicht sind. B. 
hat die Diii^Dstik der Magen* und Darm- 
kruiklieiteu durch mebrfacbe Methoden: 
Frobefrttlistück (zusammen mit Ewald), 
Expressionsmethode. neue Mc^tbode für den 
MilclisaureuBchweis und deren Bedeutung 
für die Diagnose des Magen carcinoms, Me- 
thode zur iiew innuiig von Düiindarmsaft, 
Probespülung de* Darmes zti diagnostischen 
Zwecken etc, weseiitlicK bereichert. B.'s Be- 
strebungen sind damuf gericbtet, die Diag- 
BOftik der Magen- nnd Darnikrankheiten 
auf der B&sis von Funktionsprüfiuigen 
Miacngefitalten nnd asii Terbeeseni. 



Bock, Karl Ernst, als Sohn des 
Anatomen August Karl B. (1782 bis 
1833) geb. zu Leipzig 2L Februar 1809, 
besuebte die dortige Universität und 
ging 1831 als Ai'zt znr Annt*e der 
polnischen Insurgenten, in welclier Stel- 
lung er nach der Erstürmung von War- 
schau in den Hi>s]iitälern vielfacb thätig 
war. Nach Leipzig 1832 zurückge- 
kehrt» beschäftigte er sich, seit 1833 
als Dozent an der Universität habilitiert, 
bauptsaclilich mit anatomischen Stadien, 
indem er mehrere Schriften seines hi* 
zwischen verstorbenen Vaters neu heraus- 
j gab oder vollendete, selbst ein Handbuch 
I der Anatomie, ein anatomisches Tasclieu- 
buch und einen Atlas der Anatomie 
schrieb, vorzüglich aber, indem er Hepe- 
titorien über Anatomie und zwar besou- 
dei"s in ihrer Beziehung zui- Chlnu'gie 
abliieJt. Dabei blieb er indessen der 
inneren Medizin und der Chirurgie nicht 
ganz fremd, er hielt viehuehr gleichfalls 
sehr geschätze Repeiitorien über stdche, 
ja er war in beschiiinktem Masse in 
letzterer selbst praktisch thätig. Als 
Lehrer auf dem Gebiete der klinischen 
Medizin ti-at jedoch B. erst in der Mitte 
der Vieraiger-Jahre auf, nachdem er län- 
gere Zeit in Prag und Wien ]diathologi- 
sche Anatomie und physikalische Diagno- 
stik mit grossem Eifer studiert hatte. 
Von da ab widmete B. (1845 zum 
Pr(jfessor der pathologischen Anatomie 
ernannt) seine Lehrthüttgkeit sogar fast 
ausschliesslich den beiden letztgenann- 
ten Disziplinen, zu deren allgemeineren 
Verbreitung er durch seine Lehrbücher 
der pathologischen Anatomie und physi- 
kalischen Diagnostik wesentlich beige- 
tragen hat. Ausserdem beschäftigte B. 
sich mit populär-med. SchriftsteUerei und 
verschaffte sich in dieser Beziehung einen 
weitgehenden Euf durch sein ,3«^^ vom 
ffeaundeti und krmJicn Mendchen^^ (Leipzig 
1866, seitdem über 15 mal neu aufgel^) 
nnd durch zahlreiche Artikel in der 
,, Gartenlaube''. Nach längerem schweren 
Leiden der Augen nnd der Bmstorgane 
stÄrb B. 19. Febr. 1874 zu Wiesbaden. 
Von eigentlich wissenschaftlichen Schrif* 
ten B.'s zur Med. sind die anatomischen 
die \Äi4^htigsten. so sein ^^Hitndbnch der 
Amitomir'' (2 Bde., Leipz. 1838 ff.) — 
,,AntU. Taschcnhudr' ilb. 18^^^ — ^.,Hundr 



199 



Bockendalil — Boeck. 



200 



aüas ier Anatomie des AfctwcAe?*" (Ib. 1840, 
2. Aufl. 1887) — ,,Atla8 der pathol. Anat. 
mit bes. Rücksicht auf die Diagnostik^'' 
(Leipzig 1805). 

BoCl^endahl, Johannes Adolf 
Ludwig, geb. 7. November 1826 und 
1860 approbiert, wurde 1866 Medizinal- 
inspektor für Holstein, 1866 Professor e. 
o. für Hygiene und Sanitätspolizei an der 
Universität Kiel, 1872 Regierungs- und 
Medizinalrat für die Provinz Schleswig- 
Holstein. Seit 1866 veröffentlicht B. fort- 
laufend die „Medizinal- wid SanUätsbe- 
ricJUe^' über die genannte Provinz, deren 
mustergjltige Einteilung vielfach zu neuen 
Anregungen auf diesem Gebiet Anlass 
gab. Als Redakteur der ^^Mitteilungen für 
den Verein scIUestcig-holstein. Ärzte^^ (von 
denen bis jetzt seit April 1866 XII B., 
seit Juli 1892 VII B. neue Folge erschie- 
nen sind), bearbeitete er die von dem 
Verein der schleswig-holsteinischen Arzte 
1876 bis 1879 erhobene Schwindsuchts- 
statistik und kam zu dem Schluss, das 
die klinische Diagnose erst dann auf Ver- 
erbung der Krankheit schliessen dürfe, wenn 
der Weg der Infektion als ausgeschlossen 
bezeichnet werden müsse. Zunehmende 
Kränklichkeit zwang ihn, 1897 sein Amt 
niederzulegen. 

Bockenheimer, jakob Her- 

mann, zu Prankfuii: a. Main, geb. 26. 
Dezember 1837, studierte in Göttingen, 
Würzbnrg, Berlin, Prag, Wien, Paris, 
wurde 1861 promoviert, praktiziert seit 
1863 und ist dirig. Arzt einer chir. Privat- 
Klinik. Litterar. Arbeiten: ,^wei Ovario- 
tomien^'^ — „Kasuistische Mitteilungen'''' — 
^yZwr Diagnose der Mediastinaltumoren^^ — 
„Zur Resektion der Röhrenknochen!'^ — 
^^Jahresberichte seiner chir, Klinik''' (stati- 
stische Mitteilungen), fortgesetzt bis 1898 
und bis zum 32. Jahrgang, in den letzten 
Jahren im Verein mit den Assistenten 
B.'s Seckbaoh, Heimann und Fortmüllkr; 
femer „Beitrag zur Tfterapie der tuberku- 
lösen Erkrankungen der Gelefike und Kno- 
chen'' (zusammen mit Segkbach, Frankf. a. 
M. 1896, Festschrift zur Naturforschervers.). 

Boddaert, Richard, zu Gent, geb. 
daselbst 7. Okt. 1834, studierte dort, in 
Paris und London, war namentlich Schüler 



von Joseph Guislain, Claude .Bebnaro, 
Troosseau, wurde 1866 Doktor der Nator- 
wiss., 1868 Dr. med. et chir., praktiziert 
seit 1869 und starb a Juni 1888 als 
Prof. der med. Klinik und pathol. Anat 
an der Universität Gent, seit 1876 auch 
Mitglied der Acad. de m^d. de Belg. 
Hauptsächlichste Publikationen: „Recher- 
ches experiment. sur les lisions jnUmonaires 
consecutives ä la section des nerfs pneumo- 
gastriques"' (Gent 1862) — „Obs. d^une 
forme de contradure hysthique produisant 
le pied'bot varus'' (Ib. 1869) — „&ude sur 
Vhermaphroditistne laterat"' (ib. 1874) — 
„Quelques considirations physioL sur la com- 
binaison de Vhyperemie arterielle et la con- 
geation veineuse; essai d^application ä la 
Pathologie du goUreexophtalmique'* (Compte 
rendu du Congres Internat, des sc. med., 
4. Session, Bruxelles 1876) — „RechercJ^es 
experiment, sur la pari qui revient au degri 
de permSabilüe des voies lymphatiques dam 
la produdion de Voedhne'' (Brüssel 1876) — 
„Contribution ä Vetude du ramoUissement 
cerebral'' (Gent 1886). 

BoeCli^, Caesar Peter Moeller, 
zu Christiania, geb. 28. Sept. 1846 zu 
Lier, wurde 1871 an der Universität 
Christiania als Arzt approbiert, war 1872 
Epidemie- Arzt bei exanthemat. T\'phus in 
Sarpsborg, darauf 2 Jahre lang in Brevik 
und hielt sich 1874 bis 75 im Auslande 
auf, davon 7 Monate in Wien, wo er die 
Hautkrankheiten und mikroskop. Anato- 
mie studierte. Nach seiner Rückkehr 
war er zuerst Pockenarzt und von 1876 
bis 78 als Reservearzt auf der Haut- 
kranken-Abteilung des Reichshospitals 
thätig; seit 1878 ist er prakt. Arat zu 
Christiania. Vom Jahre 1889 tibernalim 
B. als Vorstand der derniatolog. Univer- 
sitätsklinik den Unterricht an der Uni- 
versität über Hautkrankheiten und Syphi- 
lis, wurde 1895 extraord., 1896 ordentl. 
Prof. d. Med. a. d. Univ. Cliristiania. B. 
hat mehrere wissenschaftl. Reisen gemacht 
und schrieb im Norsk Mag. f. Laegevid. 
(3. R. 1874, 1877): „Beratung otn Typhm 
exanthematicus paa Sarpsborg 1871^73*' 
— „Om den folliculaere eller tofisillaere 
Angina" u. s. w., in der von ilini mit 
Skjrldrrdp und Stabell begründeten 
Tidsskriftforpraktisk Medicin (1881 bis 86) : 
„Om Diagnosen og Behandlingen af Lupus 



201 



Boeckel — Bobm. 



202 



vutgarin^ — „fi/icti»wi/i#?mi» acutus og Ery' 
iheftta nodotum • , . , efter SmdgMaendeUer'' 

— ,,%/f/iYiiffc Infthfiim gjennem Ton$iüen*' 

— „/^yiici#r*/i> ttctifa" n. 8. w.; iu der 
Viert fijuhrschr, f. DeriiiJ^t<>L und Syphilis 
(187d. 1883): „^'firr MoUuacHm contaffi(f»nm'* 

— ,.E$iimfieHe ErythantUrwe , . . , ätir^h 
Schlundettt Zündungen hervorgerufen** n, s. 
w.; in iMuüatsheft f. prakt. Deiiriatolo^ie 
(Vt: ^^Refforcin bei der Behandliatg der 
npUzen Warzm' — „Liehen ruber in Kor- 
wegeiv*, Dassu kommen von 1888 bis 97 
Publikationen im Norsk MsLg, f. Laegevid, 
über Liehen ruber, Acne frontalis 8. netTO- 
tica, Pityriasis rosen, Pityriasis piliiris, 
Urticaria, Bentnatitis herpetiformis Dlih- 
ring. Herpes gestationis. Hydroa vaeoini- 
fonne. im Arehiv f. Dermatologie (1889 
bU 98 ►: Über Acne frontalis, vier Fälle 
von DoRtER'sclier Krankheit, 4 Falle von 
Hydroa vacciniforme^ die Exantheme der 
Tubexkiilose, fei'uer in den MoniitÄh, f. 
prakt. Beraiatoiogie (1889 u. 1892j, in den 
Anuales de dennatoL 1889: ^jSypfUlis he- 
riditairt en second genrration'*, im Brit. 
Med. Jouni. 1898: Einleitujip5vortrag 
Clber Lnpus erythematosus und auf dem 
2. Internat, dermutolog. Kongr. Wien lHi>2 
Vortr. über Psorospermosen; ,.0»i iJorUrn' 
DmrmaioH'* (Fests<*hr. f, Damklssen 1891) 
und ,,0m Tub<^rctUo»inB Exuuthemer^*^ (LTni- 
%'er&.*Fesit«nHir. f. Roiilg Oskar 11. 1897). 

BoeckeU ^wel Strassburger Ärzte. 

— Eugrfn, geb. daselbst 21, Sept. 1831, 
BtttdJerT4^ von 1848 an bei der dortigen 
Fakultät, wurde 1856 durrli KHukiira 
Protektor und 1862 Chef des travaiix 
anat,^ 16ö7 ebi^nfallä durch Konkurs Prof, 
ai^rreg^ der Chimrgie tind maclite eine 
längere Stitdienreise nach Dentöchland. 
Bis 1870 hielt er Vorlesimgeu über Chü'. 
und vertrat SbMUOr in verschiedenen 
Jahren. Von 1870 bis 72 war er Lehrer 
der Chir. an ^ler Ecole libre de med. bis 
xnr Stiftung der Strassbiirger Universität, 
S<»iT 1872 iKt er Direktor der ohirorg. Ah- 
r*»llung deß 8traß«burgf*r BürgerspltaU, 
All eigenen Sclirift«n liat ex erscheinen 
lutten: Eine Übei-setzung von O. Hky- 
rxLiiKii*« Resektionen ins Franzosische 
(StrMBburg 1863) iiiid „f/f la gatvano- 
mmik thermique* i Paris 1873, öv. 3 pL). 
Seine frt^nutigen sgalüreiihen Arbeiten sind 
SU täintm üdii* ^rrussen Teile .nelt 1858 in 



der Öaz. med, de Strasbourg publiziert. 
Er war auch Mitarbeiter um Nouveaü 
Dict. de m«^d. et de chir. prat. — 

Jules. Vetter des Vorigen^ geb. 
zu Stras-sburg 26. Okt 1848, ist Dr. der 
Fakultät von Strasisburg und Nancy 
(1872), Chirmg am Bilrgerspital zu Strass?- 
bürg seit 1872, Chefi-edaktenr der „Gaz. 
med, de Sti^asbourg^ seit 1874^ Mitglied 
d. Paii.^er Acad. de med. seit 1896. Zu 
den in dem älteren Ix^xikon aufgezalilten 
Arbeiten <cfr, B. L. VI. p, 506) sind 
spilt^r hijizugekommen : ..Considlratwns 
8ur ia resection du genou"^ (Pains 1889 und 
in den VerhandL d. Corigr. fran^;. chir, 

1891) — ^.Kfttdt 6ur Its kyntes du pancre4i9'' 
(Ib. 1889) — yEvidefnent mUhodique du 
sein dans la mastUe parenthymat. etc.'-* 
(Acad, de med, 1889) — ,,Cure ruäicaU de 
la hemie rnnbitkale" (Paris 1896) — fidm" 
putMon interscapulo-ffiw^acique**^ (Congr, fr- 
tdür, 1895) — ..StatisHque hospitalih^e 1893 
ä 1897** (Gaz. med. Strasb.) — ,^ET»tirpa- 
tion d*um matHce et (fwne tronque her- 
nire chei une femme'* (Acad. de m4d. 

1892) — f^Hysterectömie ahtlomirtak'^ (Gaz. 
med. Strasb. 1892) — ^.Chirurgie mns 
dminage'* (Soc. clilr. Paris 1892) — „JVöK- 
t*mu procSde (prochU BouB'ilwqut) pourVex- 
Urpatifm totale du rectum et de T 8 iliaque 
dans les tumeurs varcinom/^ (Ib, 1896) — 
,,Appe7id leite herniaire. Gangrhie appaidi- 
culaire efc, Uescction de Vapperxd. etc." (Bull, 
de r Acad, de med. 1897) — ..Risectiom 
intestinale» dan» les fumettr» du gros intesHn 
ab, 1898) — ..Eirtirpations du goifre'' 
(Congr. fr. chir. 1898) etc. 

BÖniXlf Edler von Böhmersheim, 
Karl, gi'l), in Horowic iBrihmen) 26, Ok- 
tober 1827, wurde in Wien unter 
8cH.voDKR, Skoda, RoKnAXSKv, ScHtiH 
und PiTjLi ausgebildet und diiktoHerte 
am 23. Oktober 1851. Früher dem Lehr- 
k5rper der ehemaligen Josefs-Akademie 
als ausserordentlicher Professor der Clii- 
nirgie angehörig und BpHter Primär- - 
Cbtrurg in der Budolfstiftung, wirkte B. 
von 1870 bis 87 als Direktor des k, k. 
allgem. Krankenhauses Kudolfi>tlftiiug 
mid VMU 1887 bis 9*i als Direktor des k. 
k, alJgii-meinen Krankenhauses in Wien. 
Von ihm erschienen : ,, Allgemeine Therapie 
dar Knocketttrikhe'* U868) — ^.Abfmftdlung 
über Krankenhämei'*' (encyklopädlscher 



Boehm — Boemer, 



204 



Aufsatz) — ffiber Erkrankung der Gärtner- 
sehen Gänge" (Archiv für Gynäkologie) 
und eine Reihe kleinerer Abhandlungen 
auf dem Gebiet der Hygiene. B., der 
sich auch auf dem Gebiete der prak- 
tischen Hygiene viel bewegt hat, ist der 
Schöpfer der in den zahlreichen Monu- 
mentalbauten in Wien von der Regierung 
durchgeführten Ventüations- und hygie- 
nischen Anlagen und bei dem Auf- 
schwünge, welchen dieser Teil der Ge- 
sundheitst^chnik seit zwei Decennien 
genommen hat, wesentlich mitbeteiligt. 

Boehm, Rudolf, geb. zu Nörd- 
lingen 19. Mai 1844, studierte in 
München, Würzburg, Leipzig, vornehm- 
lich unter v. Bezold, v. Recklixqhausrn, 
C. Ludwig, A. Fick und wurde 7. 
August 1867 promoviert. Zuerst als 
Assistent der psychiatrischen TTlinilr zu 
Würzburg 1868 bis 70, dann als Priva1>- 
dozent und Assistent des physiologischen 
Listitutes daselbst 1871 bis 1872 thätig, 
wurde B. ordentlicher Professor zu Dorpat 
1872 und siedelte in die gleiche Stellung 
nach Marburg im März 1881, von da nach 
Leipzig im Oktober 1884 über. Publika- 
tionen: ^^Beiträge zur normalen und pa- 
thologischen Anatomie der Gelenke^'' (Würz- 
burg 1868) — .^Experimentelle Studien über 
die Dura mater des Menschen und der 
Säugetiere'' (Virchow's Arch. XLVII. 1869) 
— ^^Studien über Herzgifte'' (Würzburg 
1871) — .,Über die Wirkung des Veratrins 
auf die Muskelfaser*^ (mit A. Fick. Ver- 
handl. d. phys.-med. G^sellsch. Wtirzburg 
1871) — „Untersuchungen über die physio- 
log, Wirkungen des deutschen AconÜins" 
(mit L. Wartmann, ib.) — „Ü6er den 
Einfluss des Arsen auf die Wirkung der 
ungeformten Fermente'' (Ib. 1872) — 
„Untersuchungen über die physiolog, Wirkung 
der Digitalis und des Digitalins" (Pflüoeb's 
Arch. 1872) — „Über das Verhalten des 
Glycogens und der Milchsäure im Muskd- 
fleisch" (Ib. 1880) — ..Arbeiten au» den 
pharmakologischen Instituten zu Dorpat, 
Marbtirg und Leipzig" (Arch. f. exper. 
Pathol. und Pharmacol. 1892 bis 99, 
Arch. d. Pharmacie 1885 bis 98 und 
LiEBio's AnnaLen der Chemie 1898 bis 
99) — ..Beiträge zur Physiologie des Kohk- 
hydratMoffwechsds" (mit F. A. Hcff^iann, 
Archiv f. exper. Pathol. u. Pharmakol.). 



In Ziemsskn's spezieller Pathologie und 
Therapie (XV) die Intoxicationen in 
I. und II. Aufl.; ..Lehrbuch der Arznei- 
verordnungdehre" (I.u. H. Aufl. Jena 1885 
u. 1891) — ..Chemische Studien über das 
Curare" (Beiträge zur Physiologie, Fest- 
schrift zu C. LüDwio's 70. Geburtstage) — 
..Das südamerikanische FfeHgift Curare in 
chemischer und pharntakologisc/ier Beziehung." 
(I. u. n. Teil. Abhandlungen der K. 
Sachs. Ges. d. Wiss. XXn. 1895 u. XXIV. 
1897). 

Boeke, Julius, Prof, der Ohrenheil- 
kunde an der Universität zu Budapest 
und Begründer dieser Disziplin in Ungarn, 
geb. 1832 zu Totis in Ungarn, wurde 
1868 am Budapester Rochusspital zum 
ordinier. Ohrenarzt ernannt und habili- 
tierte sich in demselben Jahre als Privat- 
dozent an der Universität. 1879 wurde 
er zwaa. Prof. e. o. ernannt. 

BoenneCken, Heinrich, in Prag, 
geb. 24. Nov. 1862 zu Crefeld, Dr. med. 
1886 in Freiburg i. Br., war 1887 u. 1888 
Assistent der chir. BJlinik in Rostock 
unter Madelung, promovierte 1889 zum 
D. D. S. in Philadelphia, habilitierte sich 
1891 für Zahnheilkunde in Bonn und 
ging 1897 als Extraord. an die deutsche 
Univ. nach Prag. Schriften: ..Bakterien 
des Bruchwassers und deren Beziehung zur 
peritofiealen Sepsis" (Virch. Arch. 1888) — 
..Über Unterkiefer-Protliese'' (Berlin 1891) 
— ..Über neuere Metlwden der Behandlung 
erkrankter Pulperi" (Wien 1897 bis 98) — 
..Über die Resultate der Ausschälung von 
Varicen an den unteren Extremitäten" 
(1888) — ..Zur Ätiologie der Trigeminus- 
neuralgie" (1892) — „Die Stomatitis und 
deren Behandlung" (1893) — ..Die Narkose 
bei Zahnoperationen" (1895) u. a. m. 

Boemer, Paul AlbrecUt, geb. 
25. Mai 1829 zu Jacobshagen in Ponmiem, 
studierte von 1847 bis 50 Jurisprudenz 
in Berlin und Halle, 1851 bis 54 Medi- 
zin in Königsberg, Würzburg, Greifswald, 
während welcher Zeit Hklmholtz, Virchow 
und Bardelrben am massgebendsten auf 
ihn wirkten. Er promovierte im Dezem- 
ber 1854 in Greifswald. — Approbiert 
13. März 1856, praktizierte er in Königs- 
walde und Landsberg a. W\ und seit 



205 



>enier — B«nlui. 



206 



186S in Berlin, wo er 30, August 1885 
an akuter Peritonitis starb. B, ent- 
faltete eine vielfache publf^i&tisolie Hiätig- 
keit, die haupfc^acliiich in der Herausgabe 
dt»r Deutschen Meii. Wucheuschrift tseit 
1875 gipfelte. DaDeben habeu das Jahr- 
buch der praktischen Medizin (Stuttgart 
seit 1879) und der ßeicbsmedizinalknlender 
(>eit 1880) weitere Verbreitunju: gewonnen. 
Neben grtVsseren Arbeiten in der üeutsck^tn 
Vierteljakrsöt-'lirift für rfffeiithche Gesund- 
beit^üege, deren eifriger Mitarbeiter er 



war, publizierte B. den ^Hygienischen 
Führer durch Berlin^^ lini Auftrage der 
«tädt, Btdiorden 1883) und veranstaltete 

. eine deut.«^'he Ausgabe vun Geohge Wil- 
Hoxs Handb* d. öffentl. u. priviit. Gesnnd- 
heit^^jdege (Berlin 1877), Seine letzte 
Arbeit war der ,, Bericht über die allg. 
detä$che ÄusfttHlmig auf dem Gebiet der 

' Hugiene und de» RettunffHwe^iefts, Berlin 
JSüB bis SS"' (3 Bde„ Breslau 1884 big 86, 
vollendet von H. Alue£cut). 

Boerner, Ernst, m Graz, geb. zu 
Trit5st f, Nov. 1843, studierte in Graz 
tind Wien, wurde 1868 promoviert, ist seit 
1874 Dozent und seit 1880 Prof. e,o. der 
Ctebnrtsh. u. GyniikoL in Graz. Litterar. 
Arbeiten: ^jfber den puerperalen üfertis^*^ 
{Gtwz 1875) — ,,Eine gytMkd, Reise durch 
Deut$Mand, England wirl Frankreich^' 
(Ib. 1876 i — ,fUber die Orthopäd, Beitand- 
Inng der Versicneft und Flcsionen de» 
ütma^' (Stuttgart 1880) — ,,tW doM 
VterutfihrouV^ ^Volk3«a>s-b 8amml 



klJn. Vortj-äge, Hft 203, 1881) — ,Mie 
Wechseljahre der Frau'' (Stuttgart 1886) 
— ,,rber nervöse EtititschweUungm als Be- 
gleiterscheinung der Menstruation und des 
KHm(i3t' (VoLKMAN>'s Samnü. kl in. Vortr. 
Rft. 312, 1888) - ,,Zur Äthiogit und 
Therapie der Wehenschwäche älterer Primi- 
paren'' (ib. N. F. Hft, 18, 1891). Ausser- 
dem zahlreiche Aufsätze in med. Fach- 
blätteni, 

Böttcher, Arthur, geb. 13. Jidi 
1881 /M Bwuske. besuchte von 1851 ab die 
Universität zu Dorpat, promovierte 1856, 
machte Studienreisen nach Deutschland, 
Frankreich und Österreich, wurde 1861 
Extra<ird., 1862 ord. Prof. der allg. Pathol. tu 
pathol. Anatomie in Boqjat und starb 
10. Angust 1889. Seine, meist auf Anat. 
bezüglichen Arbeiten behatideln Bau und 
EntWicke hing dfs Ohrlabyrinths < Dresden 
18S8, ÜMrpat 1872). 

Bogdanovski, Ewstafi, gek 

1833 im tojuv. Molnleu\ studierte in der 
Petersb. med.-chir. Akad. imd wurde 1861 
Dr. med. (Diso.: ,,über Resektion des 
Eltenhogefigeknkes''). Seit 1863 Prof. der 
Chir. an der med. Akad., starb B. 
22. (Jktoher 1888. Er hat 1863 nur den 
1. Bd. der ,,Lehre mn den Gelenkre^ekt iofietv'^ 
herausgegeben und scheint nachlier nicht 
mehr litterarisch thittig gewesen zu sein* 

Bohland, Karl. in Bimu. geb. 1861, 
studierte in Bonn, besonders als Scliüler 
Pfluoer's. Arzt seit 1884^ war anfangs 
Assistent von Pflüoer. spater an der 
med. Klinik thätig. 1887 habilitiert. 1896 
Ti tul a rprof essor . veni ff eu 1 1 i cli t e B. A r 1 * ei t en 
zur physiologischen und i>atlioi. ('hemie, 
»owne eine Abhandlung über die Behand- 
hmg des Eiterergusses im Brustfell ran ni 
mit der Heberdrainage. 

BohO, Heinrich. 8. Januar 1832 zu 
Memel geb., studierte in Königsberg. Pi-ag 
und Wien bis zum 11. Nov. 1854. wo seine 
Promotion an ersterem Orte erfolgte. Seit 
1856 als .Assistent und praktischer Arzt, seit 
1860 als Privatdozent, seit 1868 als Prof, 
extraord- in Königsberg im Fache der 
Kinder- und Hautkrankheiten thütig» 
schrieb er: „Mundkrankheiten der Kinder^'' 
(Leipzig 1866) — .^Handbuch der Vaccina- 



207 



Bohr — Du Bolß-Beymond. 



208 



tion'* (1876). B. war Mitbegründer und 
Herausgeber des Jahrbuches für Kinder- 
heilkunde seit 1867 und bearbeitete im 
Handbuch der Kinderkrankheiten von 
Gerhardt die Exantheme, Mund- und 
Hautkrankheiten. Er starb 3. Februar 
1888 B. schrieb noch zahlreiche kleinere 
Aufsätze über Rachitis, Dermatosen der 
Kinder, embolische Hautaffekte, Pemphi- 
gus, Zoster, Ekzem, sowie über die 
Nei*\eukrankheiten der Kinder. 

Bohr, Christian, geb. 14. Februar 
1855 in Kopenhagen, bildete sich daselbst 
als ^Schüler von Panüm aus. Nach seiner 
11. Sept. 1880 erfolgten Promotion arbeitete 
B. vier Semester bei Ludwig in Leipzig 
und .fungiert seit 1878 als Assistent am 
physiologischen Laboratorium in Kopen- 
hagen. Die von B. und seinen Schülern 
publizierten physiologischen Arbeiten be- 
treffen hauptsächlich die Lehre von den 
Blutgasen und von der Funktion der 
Lunge, während B.'s physikalische Ar- 
beiten Untersuchungen über die Ab- 
weichung der Gase vom BoYLE*8chen Ge- 
setze (Wiedemann's Ann. 1886) imd über 
die Absorption der Gase in Flüssigkeiten 
(ib. 1898 und 1899) zum Gegenstande haben. 
Seit Februar 1886 ist B. Professor der 
Physiologie an der Universität in Kopen- 
hagen. 

Du BoiS-ReymOnd, Emll, be- 
rühmter Physiolog, ist geb. in Berlin 
7. November 1818. Sein Vater stammte 
aus Neuchätel, woselbst er in seiner 
Jugend Uhrmacher war, übersiedelte 
dann nach Berlin und wurde dort Ge- 
heimer Regierungsrat und Vorstand des 
Bureaus für die Neuenburger Angelegen- 
heiten. Seine Muiter stammte von einer 
der unter Lüdwio XTV. aus Frankreich 
vertriebenen Hugenotten-Familien, und 
der berühmte Zeichner und Kupferstecher 
Daniel Chodowjecki war mit ihr ver- 
wandt. DU B.-R. besuchte erst die Volks- 
schule und dann das College Fran^ais in 
Berlin; als er 11 Jahre alt geworden 
war, und seine Eltern wieder in die 
Schweiz übersiedelten, wurde er in Neu- 
chätel Schüler des dortigen College. 
Später wieder in Berlin, kam er mit 18 
Jaliren auf die dortige Universität und 
war in die philosophische Fakultät ein- 



geschrieben. Die Behauptung, er habe 
Theologie studiert, ist insofern nicht 
richtig, als er nie in diese Fakultät ein- 
geschrieben war. Wohl aber hörte er 
bei dem Theologen Neander und schrieb 
dessen Vorlesungen mit. Li dieser Zeit 
betrat er einmal fast zufällig Mitscher- 
lich's Vorlesung. Er fühlte sich durch 
dieselbe so angeregt und zur Natur- 
wissenschaft hingezogen, dass er fortan 
fleissig Chemie, Physik, Mathematik, 
und im Sommer 1838 in Bonn auch 
Geologie studierte. Der Einfluss Eduard 
Hallmann^s entsclüed ihn dann für die 
Physiologie, und er kam erst als Schüler, 
dann als Assistent zu Johannes Müller. 
Dieser wies ihn auf elektro-physiologische 
Untersuchungen hin, deren erste Resul- 
tate er bereits 1842 publizierte. Damals 
erschienen von ihm: „i76er den sogenannten 
Fraschatrom und die eUktromotoriadien 
Fische!'^ (Pogg. Ann. Bd. 58.) und die 
Doktor-Dissertation: ^^Quae apud veteres de 
pUcibus dectricü exstant argumenta^^. Nun 
folgt eine Reihe von Jahren, wähi-end 
welcher du B.-R. mit dem Aufgebote 
seiner ganzen Kraft und Begabung an 
der Lösung der grossen Aufgabe arbeitete, 
die er sich gestellt hatte. Das Resultat 
dieser langjährigen unentwegten Arbeit 
war die i^egründung einer ganz neuen 
Wissenschaft, der Nerven- mid Muskel- 
physik. 1848 erschien der erste Band, 
1849 die erste, 1860 die zweite Abteilung 
des zweiten Bandes der ^^Untersuchungen 
iUfer tierische Elektrizität'^. In diesem 
meisterhaft geschriebenen Werke ist 
eine völlig neue Methodik gegeben und 
eine geradezu unerschöpfliche Fülle neuer 
Thatsachen, endlich eine Theorie der in 
das Gebiet fallenden Erscheinungen — 
kurz eine ganze, neue Wissenschaft. Die 
geschichtliche Einleitung wird auch der 
Laie mit dem grössten Genüsse lesen. 
18Ö0 reiste du B.-R. nach Paris, 1862, 
1866 und 1866 nach London und ver- 
schaffte hierdurch der neuen Wissenschaft 
Anerkennung in Frankreich imd England. 
1851 wurde er Mitglied der Berliner 
Akademie der Wissenschaften, deren 
beständiger Sekretär er seit 1867 war. 
1868 wurde er an Stelle seines ver- 
storbenen Lehrers Johannes Müller zum 
ord. Professor der Physiologie an der 
Berliner Universität ernannt, welche 



209 



Du BoiR-Reymond, 



210 



SteUe er biß zu seinem 26, Dezember 
1896 erfolgten Tode bekleidete. Am U. 
Februar 1893 konnte er noch in voller 
geistiger und körperlicher Frische sein 
&Ojähr. Doktor Jubiläum begehen . bei 
welcher Gelegenheit ihm von seinen zahl- 
reichen Verehrern grössere Ovationen be- 
reitet ^^Tirden. pü B.-R. gehört zu den 
anerkannten Führern und Meistern der 
Physiologie der Neuzeit, Aus seiner 
8chule ist ein grosser Teil von Forschem 
hervorgegangen, die gegen waiüg z. T. 
selbst Lehrsttlhle an deutschen Umvei*si- 
täten einnehmen. Um den Unterricht in 
der Physiologie hut steh du B.-K. ein 
grosi*es Verdienst erworben, wie er denn 
tiberhau]it eine Zierde der Berliner Fa- 
kultät war. Dem unter seiner Leitung 
stehenden physiologischen Insti- 
tute hat er in Berlin einen 
Palast erbaut, welcher die 
schönste und vollkommen- 
ste unter allen ziu' Zeit 
existierenden phy**i<^lf>- 
gisehen Arbeit^astiitteii 
ist. Nach seinem 
Hauptwerke ei^chien 
nodi eine sehr gmsse 
Zahl von Abhand- 
lungen, welche sich 
fiist durchgiingig auf 
(»egensätände der Elek- 
troph5^siologie beziehen. 
und in neuester Zeit als 
^.Gesammelte Abband» 
langen" in Form eines 
Äweibändigen Werkes rejirodu- 
xiert wurden. Die wissenschaftlichen Er- 
gebnisse einer Reise, welche sein Assistent 
Bacus JEur ErforschUtiggew^isser Eigenstdmf- 
ten der elektrischeuFische nach demlnnei en 
von Südamerika untejuommen hatte, be- 
arlwitete hü B.*R., als Sachs kurze Zeit 
Dicli seüSüT Rückkelir aus Amerika sein 
, Jutlge«^ hoffnungsvolles Leben bei einer 
Glet^idirrbesteigung eingebiisst hatte^ im^d 
veröüentlicJite sie in einem starken Bande 
aU: ..Cntersuchun^en am Zitteraal föym- 
mim eketrictiBj' (Leipzig 1881). -* Teds 
in seiner Stellung als ständiger Sekret&r 
der Berliner Akademie der Wissenschaften, 
teils liei verschiedenen akademischen An- 
tiia^en hat du B.-R, seine vielseitige und 
tiefe Ctelehrsamkeit und philosophische 
Penkreife in einer Reihe von Beden an 




den Tag gelegt^ welche zugleich ab 
Muster deutÄchen Stiles gelten können. 
Die Titel einiger dieser Reden seien hier 
angefülirt: ,,V*>itnire in sfinef- Beziehung 
zur NatuntiSfteufichnft^ (1863) — .Xl)er 
Univtrsitätscmrichtungen^'' (1870) — J^ber 
dfn deutschen Krieff' (1870) — ..Lcibnizacht 
Gedanken in der fteimen Naturwissejiacfiaft^^ 
il871) — ^Jl)(^r eine Akademie der deutschen 
Sprache'' (1874) — ,,Dartcin versus Qaliaui'' 
(1876) — f^Der phytticlodiitche üntefTtcht 
sotist wtd jetzt' (1878) — ,,Kainr ^schichte 
ut^ Nalunvifisen^chnft*' {ISIS) — „fW 
die Grenzen des Natut er keinem" (1882) — 
Mathe und kein Ende'' i; 1888k — Sie er- 
scliienen gesaromelt in 2 Bünden, Leipzig 
1886 bis 87. In den Jahren 1859 bis 77 
gab er, geniehiscbaftlich mit Reicueut^ 
das bis dahin von Jouannks 
M i LLE R re^l f j^i ert e A rc lii v 
f ii r A n u t <.jm i e u n d P h y si t>- 
logie heraus. Seit 1877 
redigierte er allein das 
Archiv für Physiolo- 
gie, welches mit dem 
ebenfalls selbständi- 
gen An-hiv füi' Ajia- 
tomje die unmittel- 
bare Fortsetzung des 
frilherenArchives dar- 
stellt. Die nach seinem 
Tode erschienenen Ne- 
krologe sind bei Uürlt 
in ViifCH0w*9 Archiv 
Bd. 148 p. 204 KU finden. 
— Zwei Söhne von du 
B.-R* sind gleichfalls Medi- 
ziner in Berlin. Der älteste, Claude, 
geb. 1866. studierte von 1876 bis 
81 in Berlin. Strassburg und Leip* 
zig. Dr. med, 1881, widmete sich der 
Oplithalmologie und habilitierte sich 189L 
Schiiften: ^.CÖer die ZhU der Empfinduttg»- 
krei»e in der NetzhaidgriäM^' — ^,Ü^ 
Schidme»mnff'' — „Töer Sehihiheit und 
kleinsteti Sehteitücd'' — ..Vber das Photo- 
yraphieren des Auges bei Magnesiundiclä " 
Der jüngere, Rene, geh, 1868, studierte 
seit 1885 in Berlin, Dr. med. 1889 uOe- 
fit reifte Darmmttsktdafur der Schleie''), war 
hierauf AssiÄtent von lUon, Pictet und 
wurde 1895 Assistent bei der experinjeu- 
tellen Abteilung des Berliner physio- 
logischen Instituts und ist zugleich Privat- 
dozent. 



211 



Bokai - Bonhoff. 



212 



Bokdiy Johann (ursprünglich Bock 
geheissen), geb 27. Mai 1822 in Iglo 
(Ungarn), studiert« in Budapest und 
Wien vornehmlich als Schüler Schöpf- 
Merei's und wurde 1847 dort promoviert. 
Seit 1849 wirkte B. als dirigierender 
Primararzt am Pester Armen-Kinderspital 
(jetzt das musterhaft eingerichtete Stefa- 
nia-Kinderspital) , seit 1873 als Professor 
der Kinderheilkunde an der UniversitÄt 
in Budapest und starb nach langwierigem 
morb. Brightii 20, Oktober 1884. Er 
schrieb: ^jJber Betropharyfigeal-Abscesse bei 
Kindern'' (Jalirb. f. Kinderheilk., N. F., X.) 
— „Über Mastdarmpolt/pefi bei Kindern"' 
(Ib. n. F., IV.). Daselbst auch über 
zeDige Verklebungen an den Geschlechts- 
teilen von Kindern männlichen und 
zellige Atresie der Schamspalte weib- 
lichen Greschlechts (V.). Femer ,yt)ber 
Harnsteine bei Kindern"' (mit Neübadbr 
im gleichen Bande) und bearbeitete 
die Krankheiten der männlichen Sexual- 
organe, der Blase und des Mastdarms im 
Handbuch der Kinderkrankheiten von 
Gerhardt (IV. resp. VI.). Endlich war 
B. seit 1868 Mitarbeiter des Jahr- 
buches für Kinderheilkunde und Ver- 
fasser zahlreicher kleiner Aufsätze in 
deutschen und ungarischen Journalen. 
B.'s Bemühungen ist der 1884 vollendete, 
modernen Anforderungen entsprechende 
Bau eines Kinderspitals in Budapest zu 
danken. 

B0II9 Franz Christian, geb. zu 
Neubrandenburg 26. Februar 1849, stu- 
dierte seit 1866 Medizin in Bonn, Heidel- 
berg und Berlin. Als Schüler Max 
Schultzens veröffentlichte er bereits fol- 
gende histologische Arbeiten: „Unter- 
suchungen über die Zahnpulpa^*^ (Archiv für 
mikr. Anat. Bd. IV) — „Die Lorenzinischen 
Ampullen der Selachier" (Ib.) — „Über den 
Bau der Thränendiiis^' (Ib.) — „Die Binde- 
Substanz der Drüsen'' (Ib. Bd. V) — „Bei- 
träge zur vergleichenden Histiohgie des 
MoUusktntypti^' (Ib. Suppl. 1869). Nach 
seiner 1869 in Berlin erfolgten Promotion 
und 1870 ebenda abgelegtem Staatsexamen 
wurde er Assistent im physiologischen 
Institut DU Bois Reymond's. Seine wan- 
kende Gesundheit imd seine Vorliebe für 
Italien bewogen ihn, um eine Professur 
in Genua zu konkurrieren. Er erhielt 



diese nicht, wurde aber statt dessen 1873 
nach Rom berufen, wo er als Professor 
der Physiologie bis zu seinem 19. De- 
zember 1879 erfolgten Ableben rastlos 
thätig war und in dieser kurzen Zeit 
eine Reihe tüchtiger junger Gelehrter 
heranbildete. Unter seinen teils deutsch, 
teils später italienisch publizierten Arbeiten 
ist besonders bemerkenswert die 1876 er- 
folgte „Entdeckung des Sehpurpurs''^ die in 
kurzer Zeit der Ausgangspunkt für eine 
grosse Anzahl weiterer Arbeiten wurde. 

Bollinger, Otto, zu Altenklrchen 
(Rheinpfalz) 2. April 1843 geb.. stu- 
dierte in München, Wien und Berlin, 
Dr. med. 1867, ist nach einer vomber- 
gehenden Lehrthätigkeit in Zürich seit 
1880 ord. Prof. der allg. Pathol. u. pathol. 




Anat., sowie Direktor des pathol. Instituts 
in München. E. ist Mitbegründer jmd 
Redakteur der „Deutsch. Ztschr, f, Tier- 
med. u. vergL FatM." u. Verf. von ^.Atlas 
und Grundr, d. path. Anatomie"' 2 Bde. 
(München 1896), sowie zahlreicher kleinerer 
und grösserer Schriften aus seinem Spezial- 
gebiete. 

Bonhof ff Heinrich, in Marburg, 
geb. 1864, 1887 als Arzt approbiert, wurde 
1889 Assistenzarzt I. Klasse, 1892 Stabs- 
arzt, habilitierte sich 1895 für Hygiene 
in Berlin tmd ist seit 1899 als Nachfolger 
Wernicke's Extraord. d. Hygiene in Mar- 
burg. Er veröffentlichte eine Reihe von 



m 



Bonjiniüiit — Boiy8iekiewi<*z. 



214 



Abhamlhmgen sctir Bakteriologie und zur 
lire von den lufektionskrajikheiten. 

BonnafOnt, Jean -Pierre, geb» 
1805 zu FliiitjajH^e (Gers), trat als gemeiner 
Soldat 1827 in die künigl. Garde ein und 
wurde einige Zeit danach dem Sanitütä- 
dienste zugeteilt. 1830 machte er die 
Fxj>edition nach Algier mit. blieb 12 Jakre 
da&elbst und wolinte 22 Uefecliteai bei, 
1834 wurde er in Montpellier Doktor mit 
einer These: ^^Sur les plaie^ d^annes ä feu 
oimerve^» en Afriqiie'*. Er wurde später 
Medecin principal der £cole d'eiat-major 
und hat eine beträchtliche Menge von 
Abhandlungetif namentlich auf dem Ge- 
biete der Ctiir, und Ohrenheilk,. verfasst» 
die zum Teil in den Bull et Ins de TAcad, 
de med. erschienen sind. B. starb 
19* ApriJ 189L Seine Schriften betreffen 
meist Gegenstände aus dein Gebiet der 
geogr. Pathologie, Tropenkrankheiten 
(Afrika, Algier) und Gehörsaffektionen. 
Ein Verzeichnis giebt die ältere Quelle 
<B. L, 1 p. 518 u^ VI. 521). 

BOnnGt, Robert, geb. in Augsburg 
17. Februar 1851, studierte in München 
und Göttingen, wurde 9. Dezember 1876 
promoviert und habilitierte sicli 6. Aug. 
1870 alä Privatdozent an der Münchener 
Tfniversität. 1. Februar 1881 wurde er 
ordentlicher Professor an der KgL 
Centraltierarznei schule zu München. 1889 
ab a, o. Prof. an die Univensität Würz* 
bürg berufen, übersiedelte er 1891 als 
Ordinarius für Anatomie und Direktor 
des anatomisciien Institut« nach Giesseu* 
1895 wunie er als ord. Prof. U3id Di- 
rektor de8 anat, Instituts nai*h Greifswald 
berufen. Hauptsächliche Schriften t ,.Bau 
und Kreidaufsi'erhäLtnissi der Acephahn- 
kiemt^ — ^ySiuäien über die Nerven der 
Baarbälg^^ — ,^€ üttrhimUch ujid ihre 
Btde\d%mg für die Frucht^' — ,J'bcr Mc- 
lanoB*! der UterinitcfUemhuHt*' — y^Beitrage 
zur Embryologie der Wiederkäuer j tje- 
wirnntni am Schafe^*^ — ^^Haar»pindeln und 
HaafMpiralm^^ — ^^NatU und Anhänge der 
Bauern u^ftierc^' — ^Mie dummcUuhmn- 
zigen Hunde im Hinblick auf die Ver- 
erbung mn VertäUmtneluftgen'' — ..Blätter 
£itr plaälißchcn Anatomie des Pferde^^^ — 
^DaR Vogelei**^ — fTfeirr HypotrichofäH con' 
grtüta universalifi'^ — ^^Dlc Eihäidc des 



Pferdes-* — „über Eingeimdmielanose'^ — 
jyGmndriss der Embryologie der HauS' 
Säugetiere'* — „Die Mammarorgane im 
Lichte der Ontogenie und Phylogeiiie*^ — 
„Beiträge zur Embryologie des Hunde»'\ 
— Ausserdem eine Reihe kleinerer Auf- 
satze aus dem Gebiete der patliolog. 
Anattjmie der Haustiere und .Tchthyopa- 
tholügie. Kritiken und Referate. Seit 
1892 ist B. Mitredakteur der Ergebnisse 
der Anatomie und Entwicklungsgescliichte 
sowie der Anatomischen Hefte von Merkel 
und BoNNBT. 

Bonsdarff, Evert JuUus, geb. 
24. September 1810 zu ^bo, studierte 
in Helsingfors, wurde Magister der Phi- 
losophie 1882, Li centin (■ der Medizin 1836 
und Doktor der Medizin 1840. Nach 
einer küraeren niilitärtir/tltehen Thätig- 
keit wurde er Prosektor und Adjunkt- 
I Professor der Anatonüe 1837, Professor 
I Ordinarius der Anatomie und Physiologie 
au der UniversiUit Helsingfors 1846 



I und liess sich 1871 emeritieren. B.» der 
I anfangs August 1898 starb, hat das 
I normal- und komparativ-anatomische >lw- 
I seujji der üniversitiit enHchtet und zalil- 
reiche Schriften jmbliziert. Dieselben be- 
treffen anat. und vergleichend - anat» 
Unterscichungen über < lehi nuier ven, femer 
einige Gegenstände aus dem Gebiet der 
gerichtlichen Medizin und der Wasser- 
heilkuüde. Die letztgenannte Wissen- 
schaft suchte er physiologisch zu be- 
gründen. Einige andere Publikationen 
B.*s handehi noch von der Spirometrie. 

Borellit Giambattlsta, zu Turin, 
geb. zu Bovcs, Prov. Cuneo. promovierte 
in Turin, \vurde 1845 Primar-Chirurg des 
t>sp. di San Atamizio e Lazzaro daselbst, 
war Agrege der dortigen med. Fakultät 
und starb 10. Jan. 1891. Er schrieb: 
,J)s»enHuiom tntomo atl una propomzione 
di Gio, Easori nelta mia feoria della flo- 
go»i'' (1837) und weitere 70 Dissertt. und 
Monographien, von denen die wichtig- 
sten in der älteren Quelle (B. L. VI. p. 
525) verßei ebnet sind. 

BorysiekiewiCZ, M ichael,Augen. 

arzt und Prof. der Ophthalmologie in 
Graz. geb. l. März 1848 zu Bialoboznic» 
in Galjzien, studierte und promovierte 



m^m 



215 



Born — Botkin. 



216 



1872 in Wien, war Assistent bei Stbllwa& 
VON Carion, habilitierte sich 1880, wurde 

1887 Prof. ord. in Innsbruck, 1892 in Graz 
und starb hier 18. Sept. 1899. Er publi- 
zierte: „Über Pemphigus conjund" (Zehen- 
deb's Mtsschr. 1879) — „ Peitrag sur Eocfrac- 
Hon des grauen Staats" (1880) — „Ophthal' 
nioacop^ Beobh. an 171 Geisteskranken in 
der Klinik vm Meynert" (W. M. El. 1882) 
„Über die Anwettdimg des Cocains in der 
oduist. Praxis'' (W.UAV. 1887) — „Unter- 
suchungen über den feineren Bau der Netz- 
haut" (1887) „Weitere Untersuchungen über 
etc." (1894) — „Beiträge zum feineren Bau 
der Netzhaut des Chamaeleon vulg." (1899). 

BOrilf Gustav Jacob, in Breslau, 
geb. 1851 zu Kempen, studierte in Breslau, 
Bonn, Strassburgund Berlin, Dr. med. 1873, 
arbeitete dann unter Gegenbaüb (Heidel- 
berg), wurde Assistent am Breslauer 
anat. Institut unter Hasse, 1876 Prosektor, 
habilitiert« sich ebenfalls 1876, wurde 
1886 Extraordinarius und ist seit 1898 
ord. Honorarprofessor. B.'s zahlreiche 
Publikationen bewegen sich auf den 
Gebieten der Histologie und Embryologie 
und betreffen Studien zur Entwicklungs- 
geschichte der quergestreiften, willkür- 
lichen Muskulatur der Säugetiere, Ent- 
stehung des Thränenkanals u. Jacobson'- 
sches Organ der Amnioten, den Einfluss 
der Schwere beim Froschei, Struktur des 
Keimbläschens, Bildung der Klappen, 
Ostien und Scheidewände am Säugetier- 
herzen u. a. m. 

Borntraeger^ Jean Bernhard, 
in Danzig, zu Gräfentonna (CJoburg-Gotha) 
22. Nov. 1851 geb. und zu Königsberg 
seit 1871 und Berlin ausgebildet, Dr. 
med. 1877, approbiert 1876, war von 1877 
bis 90 Sanitätsoffizier in der Kaiserl. Ma- 
rine und als Marinestabsarzt 1887 bis 88 
zur jetzigen Kaiser- Wilhelm- Akademie, 

1888 bis 89 zur ChaHte kommandiert. 
Seit 1. Jan. 1896 wirkt er als Eegierungs- 
und Medizinalrat in Danzig. Schriften: 
„r^Jer die strafrechtliche Verantwortlichkeit 
des Arztes bei Anwendung des Chloroforms 
und anderer Inhcdations-Anästhetika'' (1892 
preisgekr. v. d. HuFELAND'schen Ges.) — 
.^Desinfektion oder Verhütung und Ver- 
treibung ansteckender Krankheiten" (1898) 
— „Compendium der gerichtsärztlichen 



Praxis" (1894), sowie eine Reihe von 
Joumalartikeln in der Viertel jalu'sschr. f. 
ger. Med., Ztschr. f. Hygiene imd ..Diät- 
vorschriften für Gesunde und Kranke jeder 
Art" (3. Aufl. 1900). 

BOSe, Heinrich, geb. 1840 in Darm- 
stadt, studierte in Berlin, hauptsächlich 
als Schüler v. Lanoenbeck's, Dr. med. 
1865, war mehrere Jahre Assistent an der 
chir. Klinik unter v. Langenbeck in Berlin 
und von 1878 bis 99, wo er in den Buhe- 
stand trat, Prof. u. Direktor der chirurg. 
Klinik in Giessen. U. a. publizierte B. 
als Gratulationsschrift zu Wernheb's 50- 
jähr. Doktorjubiläum (1882) eine j, Ge- 
schichte der Schienenverbände vom Altertum 
bis zu unserem Jahrhundert", sowie Auf- 
sätze über die Technik der Tracheotomie 
(v. Langen HECKES Archiv XIV), zur anti- 
sept. Wundbehandlung (B. k. W. 1875), 
femer „Das Behringsche Diphtherieheil- 
serum" (1895). 

Botkin, Sergei Petrowitsch, 
Professor der mediz. Klinik an der militär- 
med. Akademie in St. Petersburg, 24. Dez. 
1889, bald nachdem er seine Professur nieder- 
gelegt hatte, gestorben, wurde 1832 als Sohn 
eines reichen Moskauer Theehändlers geb. 
und studierte wider seinen Willen Medizin, 
trotzdem ihn die Neigung mehr zur 
Mathematik hinzog. Nachdem er 1855 
seine ärztlichen Studien in Moskau be- 
endigt, begab er sich 1855 nach Sevasto- 
pol zur Abteilung Pirogoff's. Nach Be- 
endigung des Krieges reiste B. ins Aus- 
land, um weiter zu arbeiten, er beschäftigte 
sich namentlich in Paris unter Claude 
Bbbnard, in Berlin unter Virchow, Traube, 
Hoppe-Seyler. 1860 wurde er nach Ver- 
teidigung seiner Dissertation promoviert 
und zugleich als Professor der med. 
Klinik an der Petersburger niilitär-nied. 
Akademie angestellt. B. war ein sehr 
beliebter, anregender Lehrer und tttoh- 
tiger Diagnostiker; seine zalilreicheu 
Schüler verehren ihn als den Begründer 
einer russischen ärztlichen Schule. B.'s 
Arbeiten sind zum Teil in Virchow's Ar- 
chiv veröffentlicht: „Über die \Mrkung 
der Salze auf die cirkulierendeti roten 
Blutkörperchen" (XV., 1858) — „Zwr 
Frage von dem Stoffwechsel der Fette im 
tierischen Organismus" u. a. m., zum Teil 



91? 



Bottini — BonchaMat 



218 



in mssbehen Zeitecliriften. B. gab selbst 
ein .tKtinincht'S Archiv der innert^i Krank- 
heiiat" in ru&siscber Spracbe heraus, in 
welchem sich sowohl seine eigenen Ar- 
beiten. iil$ auoh die iseiner Scliüler be- 
üfttlen. Seit 1870 Kaiserl. Russ>. Leib- 
Äedikus, wurde B* im letzten Jalirzehnt 
eines Lebens nicUt mehr vom Hofe kon- 
sultiert^ weil seine Oattin^ eine ^b. 
Fürstin Obolenska. fälsebÜi-h de^ Verkehin 
mit politisch kompromittierttin Student^in 
verdächtigt wurde. Übrigens war B. 
ein Begünstiger des med. Frauen^tu- 
ditims. 

BOttmi« Enrico, in Pavia. geb. 
7. Sept. 1837 zxi Stradella. 1860 Dr. med. 
in Turin, wurde danu Assistent der chir. 
Klinik in Pavia, 1865 durch Konkurs 
Professor der Geburtslulfe u* Chir, beim 
bpedale Maggiore zu Novara, wo er ein 
reichhaltiges Alusenm gründete und 1877 
nrd. Prof. d. chir. Klinik in Pavta, wo er 
gegenwärtig wirkt. B. ist Verf. zahl- 
reicher Veröffentlichungen, von denen die 
Arbeiten zur galvano kaustischen Behand- 
long der Prostat ah vi>ertTop hie besonders 
bekannt geworden sind. Wir citieren: 
jfLa i/alvano-cauHt ica nclla pratica chirur- 
ifia' (Xovara 1873; 2. ed. Maüaud 1875) 

— ftRüdikal-Bchmtdluag der auf Hyper- 
trophie der ProHtata heruhcnditH hchurtc*^ 
<v. LAWOKynECK's Archiv XXI). 

BOUChardt Henn Desire Abel, 
XU Riheauvüie im Elsass 18. Dezember 
1833 geh,, studiere in Stra^ii^burg, Dr. 
med. 1866. 1866 in Stmiisburg huhilitiert, 
Wedelte 1872 nach Naucy lals Pro?n'klor) 
tiber imd erhielt 1878 die Prufessiir der 
Anatomie an der Pakultat zu Bordeaux^ 
wo er im März 1899 starb. L^nter seinen 
ZAhlreicben Schriftt-n seien hervorgehoben: 
,^EMai 9Hr Um gabt es sijmmalcs temlinciwrtt 
du pted*' (1856) — „Du timu conncdif** 
1I8661 — „Nouveaux climefäit d*amUomie 
dcitCripHve et d'embryoloffiv'* imit Beaunts, 
L Aurt. 1868: 2. Aud. 1873, 3. AuH. 1879; 
auch spanisch, portngiesisdv und italienisch) 

— „Prfciß d*anatomie dtmcriptive et d'etth ' 
bryohifie' (Uiit BsAUSvis, 1877; auch ita- 
lienisch imd spanisch). ^ B. übersetzte \ 
ausserdem WLT?jn7^8 Physiologie und I 
rt'digierte diis „Journal de med. de j 
Bordeaux*'» I 



Bouehard, Charles Joseph, in 
Paris, geb. 6. Sept. 1837 äu Montierender 
(Haute-Marne), studierte in Lyon und 
Paris, wurde Interne des hop. 1862, Dr. 
med. 1866, medeciu du Bureau central 
1870, medeciu des hopitaux 1874, Agrege 
1869. Profes.sr>r 1879. Mitgl. d, Akad. d. Med. 
1886 u. des Institute 1887. Schriften: ,,fff- 
dkrc!A€8 H0uvdU9 mar la pellagre'* (1862; — 




,,£fnde nur qttdquetipohdit de tti imthofßn ic des 
hhnoirhuffk» cer^broM' (1866, Dr.-These) 
— ^, Malad ie» par raletitisnerficnt de la nu- 
trition*^ (1882) — ,,Lcs auto-intojticaHam^^ 
tl866) — ,yTherapenHque des malad ie» in* 
ft'cticuses^^ u. a, m. Ev Übersetzte auch 
Nothnagel u. Rosshach, Handb. d. Arznei- 
mittellelire ins Französische (1880). 

BOUChardat, Apollinaire, Pro- 
fess<.ir der Hygiene bei der med. Fukul» 
tut zu Paris, 1806 zu Lisle-sur-le- 
Serein (Yonne) geb., widmete sich, ausser 
dem Studium der Medizin, vorzugsweise 
der Chemie und Plmrmacie, %\^irde 1832 
zu Parifi Dr. med., war Ober- Apotheker 
des Hotel-Dieu und hat ausser einer sehr 
grossen Zahl von Arbeiten auf dem Ge- 
biete der Chemie. Pharmacie imd Hygiene 
und ausser mehreren Leluiiüidiern der 
Chemie folgende, die Medizin naher im- 
gehende Schriften verfasst: ,,E^fjmeni» de 
matiire midicale et de phamuuic'^ (Paris 
1839) — „Manuel de matihre mediralc, de 
Odraptutiqu^ et de pharfnan4}'* (1838; 5. 
edit. 1873) — ,^Nouvcau formidairc matfi- 
Html etc.'' (1840; 19, ed. 1874) — „i>ö /'» 



219 



Bouchut. 



220 



glycosurieou diabete sucre; etc." (1876; 2. 
ed. 1883). Er war ausserdem Herausgeber 
des „Annuaire de t?iSrapeutique, de matüre 
medicalej de pharmacie et de toxicologie" 
(seit 1840), der „Archives de phy Biologie j de 
therapeutique et d'hygiene" — des „Reper- 
toire de phai-macie" und von „V Union 
pharmctceutique" . Mehrere seiner Arbeiten 
hat er in Gemeinschaft mit A. Delondrb, 
Th. A. Qüevenne und Sandras herausge- 
geben. Er starb Mitte April 1886. East 
80 Jahre alt, war er noch bis in seine 
letzte Lebenszeit rastlos thätig, namentlich 
beschäftigten ihn in den letzten Jahren 
seine beiden Hauptschriften: „Traite sur 
la glycosurie** und „ Traite d'hygime publi- 




que et privee b(uie sur Vetiologie" (1881), 
denen er die grösste Vollendung zu geben 
trachtete. Infolge seiner sehr umfassen- 
den Kenntnisse war er einer der gesuch- 
testen Katgeber in wissenschaftl. Ver- 
sammlungen und Kommissionen. Ausser 
seinen der Med. zu Gate kommenden 
Leistungen hat er als Agronom und Wein- 
bauer auch der Agrikultur grosse Dienste 
geleistet. Seit er den Lehrstuhl der Hy- 
giene innehatte, hat er sich das Verdienst 
erworben, diese auf eine sichere Basis, 
die der 'Ätiologie, gestellt zu haben. 

Bouchut, Eugene, geb. zu Paris 
18. Mai 1818, Dr. med. 1842, Agr^g6 der 
Pariser Eakultät 1848, 1852 Arzt des Hdp. 
Bon-Secours, 1866 des Höp. Sainte-Eage- 
nie u. des enfants malades, entfaltete in 
früheren Jahren eine sehr ausgedehnte 



Lehrthätigkeit in der allgem. Pathologie 
an der Ecole pratique, sowie in der inneren 
Klinik; die grösseren und kleineren Schrif- 
ten B.'s belaufen sich auf über 100. Bei 
weitem überwiegen die casuistischen Mit- 
teilungen aus dem Gebiete der Pädiatrie, 
welche in den fünfziger u. sechziger Jahren, 
meistens in der Union med. und in der 
Gaz. des hop. publiziert, die Vorarbeiten 
bilden zu seinen drei Hauptwerken: „Traiti 
des maladies des nouveau-nes, des enfants 
ä la mamdle et de la seconde enfance" (7. 
Aufl., Paris 1879) — „Hygime de la pre- 
mvh-e enfance*' (Ib. 1879 in 7. Aufl.) und 
„Clinique de Vhopital des enfants malades'' 
(Paris 1883). Die Eolgermigen, welche 
B. aus seinen „Nouvelles recherches sur 
les lois de la mortaliti des enfants" (in der 
Gaz. des hop., 1858) zog, erfreuten sich 
vielfacher Bestätigung imd stehen noch 
heute in Ansehen. Durch die vorher an- 
gedeuteten Einzelarbeiten haben fast 
sämtliche Spezialfächer der Pädiatrie Eör- 
derung erfahren. Speziell führten die 
ophthalmoskopischen Untersuchimgen bei 
Meningitis und Encephalitis zur Abfassung 
eines umfangreichen „Traite de diagnostic 
des maladies du systime nerveux des enfants 
par Vophthalmoscope" (Paris 1865), sowie 
des „Memoire sur plusieurs nouveaux signes 
de la mort foumis par Vophthalmoscope" 
(Ib. 1867) und des „Atlas d'ophthalmosco- 
pie medicale et de cerSbroscopie'' (mit 120 
Chromolithographien, Ib. 1877). Mit Des- 
PRES gab B. das -„Dictionnahe de thera- 
peutique medicale et chirurgicaW heraus 
(1883 in 4. Aufl. erschienen) und ver- 
folgte durch eine schon 1839 begonnene 
Reihe von Memoires alle wichtigeren 
Zeiterscheinungen auf klinischem und 
therapeutischem Gebiet an eigenem Ma- 
terial. Monographisch ist hier noch aus- 
gearbeitet: „Du nervosisme aigu ou chro- 
nique et des maladies nerveusen" (2. Aufl., 
Ib. 1879). Endlich seien — neben den 
weniger hervorragenden Aufsätzen hy- 
gienischen Inhaltes (auch eine Mono- 
graphie über das Lebendigbegrabenwerden 
befindet sich hierunter) — noch die „Nou- 
veaux ilSments de pathologie generale" (4. 
Aufl., 1882) — der „Traiti de diagnostic 
et de »emetoZo^i«'' (Untersuchungsmethoden, 
Paris 1883) hier genannt und der Vor- 
lesungen über Geschichte der Medizin 
und der medizinischen Doktrinen Er- 



22 t 



Bourneville — Bowidhu. 



wahimn^ gethaix, welche B. 1B62 tmd 63 
an der Eeole pratiqiie gehalten und 1873 
gesammelt unter entsprechendem Titel 
heriiasge^eben hat. B. starb Endt^ No- 
vember 1891. 

Bourneville, Deslre Maglolre. 
in Fari^, ^eb. 20. Okt. 1840 zu Garen- 
cieres lEure)« studierte in Püris, i^Tirde 
1865 Interne des hoji., 1870 Dr.. war im 
Kriege von 1870 bis 71 Ars&t der Pariser 
Nationalgarde und ist gegenwärtig (seit 
1879) Med. des sei^vicea d'alienes. Er ist 
[Inder ii. Hunptredakteur der Zeit^ 
Mfcdirift i^Le progres medical*', sowie der 
jjRevue photographique des hopitaux de 
Is'* und verMffentlifhte: ,,tltudcs du 
momeMe clwique daim Vheniorrhagie 
cStihralc'^ (Dr,-Thesej — ,jtltudes dinique» 
fl ihermomitriques 9ur Ic» maladietf du 
}tem€ ntrveuixf^ (1873) — „fietAcrcAe« 
diniques et fherapcufique^ mir V^pUepme ei 
rhytfterie'' (1872 bis 76) — .Manuel des 
imjaiiioH» »ous-aäanet»" il883) — .Manutl 
ttchnique des auiopiftcit^* (1885). Auch ver- 
anstaltete B. eine Ausgabe der Werke vofn 

BOWditch, Henry Ingersoll, als 
Ar/A in Bostün tmi 14. Jim. 1892 im Alter 
von 84 Jahren verstorben, war viele Jahre 
elbst Ijehrer und Praktiker. Er ist am 
ften bekannt durch stnne Bemühungen 
nm die Verbreitung und Vei'vollkummnung 
der Thoraxparaeentese, sowie durch seine 
Arbeiten über Lungenschwindsucht. Er 
iil Verf. xnlüreicher Schriften, von denen 
Mn nahezu vollständigem Verzeichnis be- 
reits im älteren Lexikon getgeben ist. 

BoWtnan, Sir WilUam, 20. Juli 
1816 zu Nantwich (Cheshire) geb., machte 
seine Studien als Resident pupii des Bir- 
nunghain general hospital von 1832 bis 
37. nachdem er vorher und inzwischen 
sicJi In Dublin und auf Studienreisen nach 
Leiden, Amsterdam, Bonn, Heidelberg. 
Mänclien., Wien, Berlin etc.. au.sgebildet 
hatte. 1838 wurde er als Benionstrator 
of nnat4>my und Kurator des anatomischen 
Mn>;eams zu London angestellt, machte 1841 
no*^h eine Studienreise nach Paris, erhielt 
1844 die Ehrenmitgliedschaft der R, C. S. 
KngL und 1846 die Anstellung ab Assistant 
6urgeun, 1854 als Surgeon und 1877 als 



Consulting surgeou und Vizepräsident am 
Lcmd<>n ophtkahnic hospital Mooriields. 
Inzwischen entfaltete er noch eine um- 
fangreiche Lehrthütigkejt aJs Professor 
der Physiologie uud der allgemeinen und 
patJiologischen Anatomie in den Jahren 
1848 bis 56 uud ungefähr um dieselbe 
Zeit eine sehr rege Mitwirkung an ver- 
schiedenen wohltliätigen Instituten Lon- 
dons. Unter den zahlreichen Ehi-ensteüen 
und AusÄeichiuingen genüge es, die Ehren- 
j)romotionen seitens der Universitäten 
Dublin und Canterbury (1867 resp. 1880), 
die Wahl zum ersten Präsi deuten der 
..Ofdithalinolngischen GeseDschaft des 
Vereinigten Königreiches etc.'* (1880), die 
Gründung der Bdwman Lecture (1883) 
hier anzuftiliren. Beim internationalen 
Kongress zu London 1881 fungierte er 
als Schatzmeister und war ilitglted einer 
grossen Zahl von Akademien tmd ge- 
lehrten GeselLschaften Europas und Ame- 
rikas. — B. hat auf dem Gebiet der 
Ophtliahnologie nicht allein, sondeni be- 
sondei-s auch auf dem der mikroskopischen 
Anatomie die glücklichsten Erfolge ge- 
habt und weitreichende Anregungen ge- 
geben. Allen seinen Arbeiten wohnt eine 
mehr als vortibergehetide Bedeutung inne, 
manche seiner Entdeckungen sind voll- 
kommen in der Wissenschaft populär ge- 
worden und uiizeiiJ'eiinllch au seinen 
Niimen geknüpft. Wir geben deshalb die 
Liste dieser Arbeiten im verkürzt mach ihi-es 
Verfassers eigener Zusiuimienstellimg für 
den vorliegenden Zweck J hier wieder. 
,,€hi the minute stnictart and movemenls 
of volun/arif musde'' (Phil Trans. 1840, 
Frokiep's Notizen, XVI, 1841) — ..Addi- 
iional note on the cofärartion of voluntary 
muscle in the Ihnnif body** (Ib. 1841) — 
^, Observation» on the mirnUe anatoniy of 
fatty dcgenerafion of the Hver'* (Microscop. 
Jouiii- I, 1842) — j,On the Mructure and 
use of the Malpighian t>odic» of ffte kidfiey, 
icith observations on the circulation throuyh 
that yland'' (Phil. Trans. 1842, Ann. sc, 
nat XIX [zo«4.] 1843, FaoaiBr's Notizen, 
XXII.» 1842) ,/>i somc pointg in the ana- 
tomy of the eye, chicfly mth referenct to 
its potrcrs of adjuittment** (Brit. assoc. re- 
port. 1847) — y^Obsen'otions on f/ic strticture 
of the intreou« humour . , /^ (Dublin Quar- 
terly. Jom-n. med. science, VI.^ 1848, 
FaoRiEr's Notizen, XI, 1849} ,,Über Mole* 



223 



Bozeman — Braatz. 



224 



cularbewegung" (in Todd-Froribp's No- 
tizen XXVn.. 1843) — „The physiological 
anatamy and physiology ofman^^ (mit Todd, 
2 Bände) „Ledures on the parts concemed 
in the Operations on the eye (London 1849). 
— Viele Aufsätze in der Lancet, in Me- 
dical Times and Gazette, Medico-chir. 
Transactions, Royal London ophth. Hosp. 
Reports. — ,yAddres8 in surgery^* (before 
the British med. ass. at Chester 1869). 
B. starb 29. März 1892. 

Bozeman, Nathan, geb. in Butler 
CO., Ala., 26. März 1826, studierte an 
der Universität zu Louisville, Ky., be- 
sonders unter Leitung von S. D. 
Gross imd promovierte daselbst 1847. 
Nachdem er seit 1849 einige Jahre in 
Montgomery, Ala., allgemeine Praxis be- 
trieben hatte, widmete er sich speziell 
der Gynäkologie, und zwar 1853 kurze 
Zeit zusammen mit J. Marion Sdis, der 
damals gleichfalls in Montgomery prakti- 
sierte. 1864 vollzog er (zum 2. Male 
in den Vereinigten Staaten) eine erfolg- 
reiche Operation in einem Falle von Ele- 
phantiasis des Hodens (der 46 Pfd. wog) 
und in demselben Jahre die erste Opera- 
tion der Blasenscheidenfistel mit Cervix- 
riss nach dem von ihm angegebenen 
originellen Verfahren; es folgten 1866 ein 
erfolgreich operierter Fall von Vesico- 
Uterinfißtel und 1857 ein gleicher von 
Vesico-Utero- Vaginalfistel. 1858 machte 
er eine wissenschaftl. Reise nach Europa 
und demonstrierte seine Operationsmetho- 
den in den Hospitälern zu London, Edin- 
burg, Glasgow und Paris. 1859 eröffnete 
er eine gynäkolog. Privatklinik in New- 
Orleans, siedelte 1866 nach New York tiber, 
wo er seit 1868 gleichfalls eine Privatanstalt 
für Frauenkrankheiten dirigierte. Im letzt- 
genannten Jahre bediente er sich zum 1. 
Male seines „Self-retaining speculum" und 
eines tragbaren Operationsstuhles zur leich- 
teren Benutzung der Knieellenbogenlage bei 
komplizierteren Fällen von Vesico-Vaginal- 
fißtehi. 1870 und 71 vollführte er nach 
origineller Methode die Operationen der 
Urethro-Vaginal-und Recto-Ütero-Vaginal- 
Fisteln. Zur Schlichtung eines Prioritäts- 
streites, in den er mit Gustav Simon 
bezüglich der „Kolpokleisis" geraten 
war, besuchte er 1874 Deutschland und 
demonstrierte . seine Operationsmethoden 



in Heidelberg, 1875 bei Karl von Braun 
in Wien, 1876 bei Dolbbau und Le Fort 
im H6p. Beaujon. 1877 kehrte er nach 
New York zurück, wo er als Consulting 
bürg, an St. Elizabeth^s Hosp. fungierte. 
Erwähnenswert ist noch, dass B. 1848 
Assistent das anat. Prosektors an der 
Universität zu Louisville, 1861 Attending 
Surg. am Charity Hosp. in New Orleans 
und seit 1867 Consulting Surg. an St. 
Mary's Hosp. in Hoboken war. 

BOZZOIO9 Camillo, in Mailand 30. 
Mai 1845 geb., studiert« an der Univer- 
sität Pavia, wo er S. Tobimasi, Porta, 
Quaouno, Manteqazza, Oehl und Cantani 
zu Lehrern hatte, imd 1868 zum Doktor 
promoviert wurde. Nachdem er Oppolzer, 
Traube gehört, wurde er Assistent der 
pathologischen Anatomie am Ospedale 
Maggiore von Mailand, dann der allge- 
meinen Pathologie unter Bizzozero in 
Turin, zuletzt der med. Klinik unter Ro- 
viDA. Daselbst 1878 habilitiert, wurde 
B. 1879 ausserord. Professor der neu er- 
richteten propädeutischen und 1883 ord. 
Professor und Direktor der med. Klinik. 
Seine ersten Schriften handelten über die 
Diffusion des !Krebses mittels der Blut- 
gefässe und besonders in den Lymphdmsen ; 
eine Arbeit über die Tumoren der harten 
Hirnhaut gab er in Gesellschaft mit seinem 
Lehrer Bizzozbeo heraus. Unter seinen 
klinischen Studien sind die über Puls- 
verhältnisse, Wesen und Behandlung der 
Pneumonie und Cerebrospinalmeniiigitis, 
besonders aber die Arbeit ..Sulla anchi- 
lostomoanemia e sulla sua cura" zu nennen. 

Braatz, Egbert, zuKomgsbergl.Pr., 
geb. 6. Mai 1849 in Schirwindt, Ostpr., 
studierte in Königsberg 1. Pr., hauptsäch- 
lich unter Carl Schönborn, Dr. med. 1880 
(Leipzig), Arzt seit 1878, war 1878 bis 79 
Assistent an der chirurg. Abt. des Stadt- 
krankenhauses zu Riga, machte 1880 das 
russische Staatsexamen in Dorpat. 1880 
bis 89 praktizierte er in Libau (Kurland) 
und ging nach bakter. Arbeiten im Ber- 
liner hygien. Institut auf c. drei Jahre 
an die chir. Klinik Czerny's in Heidel- 
berg, zuerst als wissenschaftlicher, dann 
als klinischer Assistent. Seit 1893 als 
Spezialarzt für Chirurgie, seit 1896 für 
Chirurgie als Privatdozent habilitiert in 



Braehmer ^^wBBSBT 



Kf'migrsberg L Pr*, veröffentlicLre B,: „/>ic 
GntmiUigen der Aft^ittik' ^ Stuttgart 1893) 

— „f^«r Chhro/'ormnarkose" (B. Kl. Nr. 
62) — f^Budoif Virchow und die Bakt-erto- 
logi^* (CLL f. B. etc, 1895) — .MhjvmeiH' 
aniufihcftw und LokalatiMheslc^' (B, KL 
ÜT. 103 1 — „Dk Hicrapie infizierter 
Wunden'" (Refenit geh. XII. int-ern. Kon- 
gre«$ 36U Moskau 1897) ~ ,,Ubcr dk faische 
ffewohnlwhe iSihiilifonH uml die rationeile 
-Form der FHnnhekleidung*' {Kimigah. 18B7) 

— j,ner die Bedaiiung der Anntrohioae 
für die Wimdhehandlung eic.'* (D. m. W. 
1890), ausserdem eine grosse AnzaW voti 
Arbeiten aus dem Gebiete der Cliirui'gie 

il>etreffend Erfindung und Konstruktion 

idiinirg. luijtrumente und Apparate, u. a, 

Ißterili sie nmgsappa rate. O])erationstische, 

rrepajibohrer , Kniest reekapparat, a^ep- 

liücher Wiisclitjsch. Zangeiisoudt? etc. etu. 

Braehmer, Otto, Geheimer San.- 
iai in Berlin^ geh. iu Greifswald 1, Febr. 
ri838, in Bexlin, Greifswald untl H<»fetuck 
van^bildi^;^ Dr, med- 1863, Arzt seit 1864 
In Berlin, nalun an den Feld/.ügea 1866 
und 70 biÄ 71 Teil und wurde diu'ch 
tine lan^älirige ThÜtigkeit als Babn* 
ztxr Beschäftigmig mit der Orgaui- 
fiiition des ärztlichen Bahndienstes lu seit 
15 Jaliren mit der arg vemacldässigten 
Eisenbahnhygiene gefülirt. Schriften: 
//uÄ/t der Ärzte auf den Eisenbahn- 
rh'' (1890) — „BcHtinmung der Dienst- 
Jtti der Ei^enhahnangejiteUtcn" (1894) — 
^.Ei^enbafmhygiene*' (1896) — ,,I>iabefes 
nach Eisenhahnunfälten'' (1895) — „Die 
iuf gaben des Eisenbahnarztes*' (1895) — 
\fll*er die Grenzen der Eif^etihalnihii^jinie'' 
1898)» B. redigierte \' 

der Ürztüche Corrci.^i.n.^.^.j^, ..,..., M..-.i 
lebhaften Anteil an den ärztlichen 
Standesangelegenheiten. Er ist Vor- 
sitzender des Vereins der Eisenbahnärzt«. 

BraiCl, James, zn Manchester, 1795 
in Pife«hire, Schottland, geb., war anfäng- 
lich Arzt bei den Bergwerken von Leads- 
Hill in Lanarkshire, beschäftigte sich viel 
mit Chirurgie imd schrieb auch über 
chirurgische Orthopädie, Behandlung der 
Kiumpfüa^, des Schjelens, n. s* w, (Edinb. 
Surg. Joum, VoK 56), Später 
ch in Manchester nieder uud 
wtird» (fofietb^t 1841 durch Zuftül auf die 



Entdeckung des unter dem Xamen „Hyp- 
notisniu.s** bekannten nervösen Schlafes 
geführt, hervorgerufen durch die Be- 
trachtung eine^ glänzenden (Tegenstandes. 
Von De RAND DE ÜKDS, der sich mit seiner 
Entdeckung besonders bejschiiftigt hat, 
wurde der Zvitutand auch als .,Brüidisme" 
bezeichnet. B, selbst veröffentlichte dar- 
über: ffNeurypnology; or^ tfie rationale of 
nervom sleejK con»idered in relafion with 
auinml magnefimn, etc/* (London 1843) — 
j^Mayit% u'itchcraff, animal mnifneÜsm, kyp- 
notimn and dect ro-biohgt/' (Ijondon, 3. edit, 
1852) — jfObset^^aHons outranee: or human 
kybernation^^ (London 1850) — „Electro* 
biologinü phenomenri phym}togi€cäly and 
psycholoijivally ronsidered'* < Monthly Joum» 
1851) — „HypjwNv therapeuticüf illHstrated 
hg caiteJi'* (Ib. 1853) — ,,The phgsiology of 
fascinatian mid the critics critici»ed** (1865) 
— ffOb»crvationn on the nafure and treat- 
ment of ccrlain form» of pnrulynia*^ (Asso- 
ciation ^fed. Jonrn. 1855). Er starb 
25. März 1860. 

Bramann, Fritz (rustav v,, in 
Halle, fs;vh, 25.Septeruher 1854 zu Wilhelms- 
berg i. Ostpr., studierte seit 1875 in 
Kunigsberg. wurde 1884 Assistent von 
BEROMAJfN's in Berlin, 1888 daselbst Privat- 




dozent-, 1889 E.vtraordinnrius und ist seit 
1890 ord. Prof, der Chir. u. Direktor der 
chir. KUnik in Halle. B. hnlrnndelte 1888 
dendamal. deutsrlieu Kronprinzen, spateren 
Kaiser Fni^drich Ili. in San Eemo und 

8 



227 



Brand — Brandis. 



228 



wurde 1890 geadelt. Schriften : „Der 
Processus vaginalis und sein Verhalten bei 
Störungen des Descensus'' (Berlin 1889) 
— „tJher die Dermoide der Nase" (1889). 
sowie mehrere Joumalaufsätze über die 
Wundbehandlung mit Jodoformbäuschen, 
über das arteriell-venöse Aneurysma, über 
Chyluscy steil, Fälle von offenem Urachus 
etc. 

' Brand, Emst, zu Stettin, geb. 
27 Jan. 1827 zu Feuchtwangen (Franken), 
studierte', von 1845 bis 51 in Erlangen, 
wo er 1849 klinischer Assistent bei Cann- 
8TATT wurde und es auch unter dessen 
Nachfolger Dittrich blieb. Noch ehe er 
1851 mit der^Dissert.: „Dtc Stenose des 
Pylorus vom paihologisch-anatomischen 




Standpunkte aus geschildert" Doktor wurde, 
hatt€ er einen Aufsatz „Über Diabetes" 
(Deutsche Klinik, 1849) verfasst. Er 
machte darauf eine wissenschaftl. Reise 
nach Wien, Paris, London, legte das 
preuss. Staatsexamen zurück und Ue«s 
sich in Stettin als Arzt nieder. In seinen 
späteren Aufsehen erregenden Arbeiten 
lenkte B. die Aufmerksamkeit des ärzt- 
lichen Publikums auf die Kaltwasser- 
behandlung bei fieberhaften Infektions- 
krankheiten, speziell beim Typhus. Zuerst 
erschien: „Die Hydrotherapie des Typhus" 
(Stettin 1861) — es folgte: „Zur Hydro- 
therapie des Typhus, Bericht über in St. 
Petersburg, Stettin und Luxemburg hydria- 
tisch behandelte FäUe" (Ib. 1863). Da- 
zwischen kamen einige andere epidemiolog. 



Arbeiten: „Verhaltungsmass^regeln während 
der Anwesenheit der Cholera-Epidemie u, 
s. w." (2. Aufl., Ib. 1866) — „Die Menin- 
gitis cerebrospinalis complicirt mit Febris 
recurrens" (B. k. W., 1866). Weiter folgten: 
„Die Heilung des Typhus" (Berlin 1868) 
nebst dem Anhange: „Anweisung für die 
Kranket} warf er bei der Behandlung des 
Typhus mit Bädern" — „Was versteht man 
unter Wasserbehandlung des Typhus?" (W. 
m. W., 1872) — „Salicyl- oder Wasser- 
behandlung?" (D. niilit. ärztl. Z., 1876) — 
„Die Wasserbehandlung der typhösen Fieber" 
(Tübingen 1877). Dazu noch ein Cholera- 
bericht an die Armendirektion in Stettin, 
als Manuskript gedruckt (1873). B. starb 
als Geh. San.-Rat 7. März 1897. 

Brandes, Ludwig Israel. geb. 
26. Oktober 1821 in Kopenhagen, studierte 
an der dortigen Universität und wurde 
1850 daselbst promoviert. Seit 1845 wirkte 
B. als praktizierender Arzt, seit 1863 als 
Oberarzt am allgemeinen Krankenhause 
in Kopenhagen. Er starb 21. Sept. 
1894 Seine schriftstellerischen Leistungen 
sind: „De rhetimatismo gonorrhoico" (1848 
bis 50, Auszug in Archives generales, 
1854) — „Hatidbuch der Lehre von den 
inneren Krankheiten" (4 Bde.. 1859 bis 66). 
B. widmete eine besondere Thätigkeit der 
Grründuug gewerblicher Hilfsvereiiie, auch 
wurde auf seine Initiative das Kranken- 
haus in Ko])enhagen 1859 für unheilbare 
Kranke gegründet. 

BrandiS, KarlJuUus Bernhard, 
zu Aachen, geb. 8. Juli 1826 zu Bonn, 
studierte daselbst und in Halle 1844 bis 
49, wurde in Bonn 1849 promoviert, machte 
wissenschaftl. Keisen nach Paris, London, 
Edinburg 1851, nach London, Edinburg. 
Dublin 1854. Berlin (v. Graefe's Klinik) 
1854 und 57, war Distrikt^^arzt in Kim 
a. Nahe 1851 bis 53, ist prakt. Arzt in 
Aachen seit 1854, hielt eine Privatklinik 
für unbemittelte Augen- und äussere 
Kranke 1855 bis 68, war Oberwundarzt 
des provisor. Krankenhauses der evangel. 
Krankenhausgemeinde für Aachen imd 
Burtscheid 1868 bis 74, Oberwundarzt 
des Luisen-Hosp. seit 1874, Oberarzt 
des Beservelazarets zu Aachen und des 
Barackenlazarets daselbst 1870 bis 71, 
wurde 1874 Sanitätsrat und 1878 G^eh. 



n9 



it *— BraniL 



Hmiitütsrat. Litterar. Arbeiten: ^,Oi*wnrf- 
Mfiiie hei Behandlung der Syphiliä'* — 
.,8tjphiM^ (lin Verein mit Schumacher) 
und ,/^hrönisi'hn' GeUnkrfteumatmHHti'* (im 
Sammt'hverk Aai'lieii als Kururt 1892, 
Detir^ch. Eiigl.. FransjösiscH, Berlin 1870: 
3. Aalt 1886) — Jbcr Beßiandlun^ des 
chron. Gelenkrkeumatismm'' (Ib. 1dB2) u. 
. w. Seit 1890 war B. konsultierender Ober- 
2t des Lnisenhospitalfi, seit 1894 lebt 
er zurürkgezogen in Büng-rtdorfiiTocleijberf^- 
Jitingsdorf) am Rhein. Er ist Eivrennüt- 
jtflitHl des Vorstaudes des LuisenJiospitalö, 
dt?« ärztlidien Tje^evereins nnd des ür5!tL 
Vereins de** Reg.-BeÄ, Aachen ^ Vorsitzen- 
der der nationaien Ve-reinignug der Biifger- 
meisterei Gudesberg* 

Brandtt Xhnre. der bekannte Be- 
jurrfi tider der Massagebehandhuig von 
Fniuenleiden, viTdient. obwulil Kiobtarzt, 
dennoch an dieser Stelle kurze Ei*A*'äIi innig. 
(ich. 6. Febr, 1819 zu Sridertelge in Schwe- 
den» wurde er «Is schwedischer OfUzier 
am Institut für Heilgymnastik in Stock- 
holm auBgebildet. Die erjsten Gedanken 
zu »einer Methode fiisst^ er 1847. ak er 
in der Garnison Norrköping dient«. Zu- 
nächst vertrauten ihm seine eigenen Ka- 
m*jradi^n ihre chronii*ch und von Ärzten 
auf gegebe neu uiit-erleibs kranken Frauen 
an. Die Erfolge waren so günstig, dass 
nach aufängUchem Widerstreben mich die 
Arzte der B.'schen Empfelilnng näher 
traten. B.» der 8. August 1P95 stüdh, 
veniffentlieht^ : ,,Üterm(idu$$den ovh pro* 
iap&er'* (1864) — ^.JS^ourelte mcthode gym- 
ttaAtiqHe r( mdgnrtiquc ponr le fraitcmcht 
dcM organta du boAmn*' il888: deutsch vun 
ScHAüTA n. d. T.: Ma^^sage bei Franen- 
Ifide4i; 3, Aufl., Berlin 1897). 

BräUn, Carl Ritter von Fkrxwald. 
in Wien, 22. März 1822 in Zistei-sdtn-f bei 
Wi€^ alB Sohn des Arztes Carl August 
B. gek, studiert-e seit 1841 in Wien: 1847 
promoviert^ fungierte B. znenst jUä Se- 
kumiararzt im allgemeinen Kranken) lanse, 
speziell unter Scnt'n's Lieitimg (1848) und 
i«püter als iVssist«nt nn der gebnrtshilf' 
liehen Klinik für Arzte unter Professor 
Klbhc (1849 bis 53 u habilitierte sich 
1853 «lü Privatdnzimt nnd wnrde noch 
in demselben Jahre znm ord. Pro- 
fessur d«r Geburtahilfe in Trient nnd zum 



i Vize-Direkt4)r »ier Tiroler Landes-Gebär- 
j und Findelanstalt ernmint. V<'n hier aus 
I folgte er im November 1856 einem Riii 
nach Wien als ord, Professor der geburts- 
hilflicben Klinik für Ärate. 1867 und 71 
I fiingiei-te B. als Dekan der med. Fakul- 
tät nnd im Studienjahre 1868 bis m 
als Rektor der Universität in Wien. Im 
Jahre 1872 wurde B. in den österreichischen 
Kitterstand erhoben und erhielt 1877 den 
Hufratstiteb Von ihm wurde die Er* 
richtnngder ersten g\mäku logischen Klinik 
in Verbinduiig mit der ei'wren geburtsliilf- 
licben Klinik befUr^voitet ( 1858). ferner mit 
Rücksicht auf die vorangegangenen Puer- 
pemlerkraukunfreu «^iii ausgiebiger Venti- 
Itttiunsbiin mid mehrfache hygienische 




Einriclitiingcn im Oebiirhanse durchge- 
führt mit dem Erfolge, dass trotz zahl- 
reicher Frefineiitation von Praktikanten 
ans aller HeiTen Landern die Gesuiidheits- 
verlmltnisse der Wöcbnennnen sich günstig 
gestalteten, indem die Mortalität derselben 
im 2(>] ährigen Durrhschnitte auf 1 •/„ 
herabsank, B. starb 28. Mlrz 1891. 
Ausser zahlreichen Arlieiten in perio- 
dischen Zeitschriften publiziert*!* B, : ..Kli- 
nik der Geburtnhil/e und Gguaktdogie'* (im 
Verein mit Chiaki und SrAETH. Erlangen 
1855) — tfLeltrb^ueh der Geburtshilfe mit 
Berücksichtigung der Puerpnaiprocesne und 
der Opera/iohstechnit* (Wien 1857) — 
,, Lehrbuch der Gynäkohtgh*' (2, Auti., B>. 
1881) — früher 12 Fälle von Eauerschnitt 
und Hgsierectomie bei engem Pectoi** (mit 



231 



Braun. 



achtmaligem günstigem Ausgang) W. m. 
W. 1883). 

BrEUn, Gustav, ord. ö. Professor 
der Geburtsliilfe an der Wiener Univer- 
sität (ein Bruder des Vorhergehenden), 
wurde 28. Mai 1829 gleichfalls in Zisters- 
dorf geb., besucht« die Universitäten zu 
Prag und Wien und ward in Wien 1853 
promoviert. B. fungierte als Assistent an 
der geburtshilflichen Klinik für Ärzte in 
Wien 1853 bis 56 und als supplierender 
Professor bis 1857. 1856 habilitierte er 
sich als Privatdozent der Geburtshilfe und 
wurde 1862 zum Professor desselben 
Faches an die Josefs-Akademie berufen, 
nach deren Aufhebung er an der Wiener 
Universität die Professur der Geburts- 
hilfe für Hebammen übernahm. Im Stu- 
dienjahre 1883 bis 84 fungierte B. als 




} 



Dekan der med. Fakultät. Seit einer 
Reihe von Jahren ist B. Mitglied des k. 
k. obersten Sanitätsrates. B. entfaltete 
eine sehr reiche litt^rarische Thätigkeit. 
Von ihm erschienen: „Operative Gynäko- 
logie und Gehurishilfe'' (Wien 1860) — 
„Compendium der Geburtshilfe" (Ib. 1864, 
2. Aufl. 1875) — „Compeiidium der Frauen- 
krankheiien'' (Ib. 1863, 2. Aufl. 1872) — 
„Compendium der Kinderkrankheiten" (Ib. 
1870) — „Lehrbuch der Geburtshilfe für 
Hebamme?i" (1887) — „Lehrbuch der Ge- 
burtshilfe für Hebammen" (1894), femer 
eine grössere Anzahl von Arbeiten aus 
dem Gebiete der Geburtshilfe und Gynä- 



kologie in der Zeitschrift der Gesellschaft 
der Ärzte und W. m. W., W. k. W. 

Braun, Gustav, geb. 1824 in Gst- 
preussen, studierte in Moskau, Dr. med. 
daselbst 1852, war bis 1856 Militärarzt, 
nahm dann seinen Abschied und bildete 
sich zimi Ophthahnalogen aus. 1863 er- 
nannte man ihn zum Direktor des Mos- 
kauer Augenhospitals und 1868 zum 
Prof. e. o. Er starb 5. (17.) April 1897 
Litterar. Arbeiten : „De corneae fabrica ac 
functione quaedam" (Diss., Moskau 1858) 
— „Bau und Function der Retina" (Mosk. 
med. Gaz., 1861) — „Über Accommodation 
und deren Anomalieen" (Ib.) — „Lehrbitch 
der Augenheilkunde" (in russ. Sprache). 

Braun, Julius, zu Oeynliausen 
(Rehme), geb. 1821, ist besonders bekannt 
durch sein in 5. Aufl. erschienenes, auch 
in fremde Sprachen übersetztes „Systemat, 
Lehrbuch der Balneotherapie (3. Aufl. 1871, 
mit Mnschluss der Balneotherapie und Kli- 
nuäotherapie der Lungenschwindsucht" v. 
L. Bohden; 6. Aufl. herausg. v. B. Fromm, 
Braunschw. 1887; engl. Übers, v. Herm. 
Weber, Lond. 1875), sowie durch zahl- 
reiche andere balneolog. Schriften. Auch 
schrieb er: „Klinische und anat. Beiträge 
zur Kenntniss der Spondylitis u. s. «>.*' 
(Hannover 1875). — B. war ein vielbe- 
schäftigter, glücklicher Arzt, der sich 
auch als Dichter und Kunstkritiker einen 
Namen gemacht hat. Aufsehen erregte 
namentlich seine vorzügliche Übersetzung 
der Hölle von Dante und das derselben 
beigefügte Vorwort: ..Der Dichter und 
seine Zeit". Er starb nach langjähr. Ge- 
brechlichkeit als Sanitätsrat und Bade- 
arzt zu Oeynliausen 29. Aug. 1878. 

Braun, Heinrich, geb. zu Beer- 
felden (Grossherzogtuiri Hessen) 18. Febr. 
1847, studiei-te in Giessen, Berlin, Heidel- 
berg. Dort waren Eckhard, Simon und 
CzERNY seine Lehrer. Am 6. Februar 1872 
promoviert, wurde B. vom Herbst 1871 
bis Ostern 1874 Prosektor am anatomischen 
und Assistent am physiologischen Institut 
zu Giessen, war vom Herbst 1874 bis Herbst 
1879 Assistenzarzt der stationären chiinir- 
gischen Klinik \md von da ab bis Ostern 
1884 Assistenzai-zt an der chirurgische 
Poliklinik in Heidelberg, habilitiert 1873 



Branne — Brehmer. 



234 



in Giessen und 1875 in Heidelberg, Prof. 
extraord. 1878, vom 1. Mai bis l. Ok- 
tober 1884 dirigierender Arzt an der chi- 
rurgischen Abteilung des allgemeinen 
Krankenhauses in Mannheim, vom 1. Ok- 
tober 1884 bis 1. April 1888 ord. Professor 
der Chirurgie und Direktor der chirur- 
gischen Klinik in Jena, in derselben 
Stellung in Marburg vom 1. April 1888 
bis 1. Oktober 1890, in Königsberg i. Pr. 
vom 1. Oktober 1890 bis 1. Dezember 1894 
und von da ab in Göttingen. — Schriften : 
„Über den Modus der Magenaaflsecretion*' 
(Giessen 1873) — „Über totale doppelte 
OberJcieferresectionen" (Arch. f. klin. Chir. 
XIX, 1876) — „Die Bedeutung der fehlenden 
Himbewegung bei bloasliegender Dura" (Ib. 
XXI, 1877) — „Die Echinococcuscysten der 
Nieren und des perirenalen Bindegewebes" 
(von G. Simon hrsg. 1877) — ,^eiträge 
zur Chirurgie des Schlundrohrs" (Czerny's 
Beiträge zur operativen Chirurgie) — 
„Beiträge zur Kenntniss der Struma ma- 
ligna" (Arch. f. klin. Chir. XXVHI, 1882) 

— „Die Unterbindung der Schenkelvene 
am Foupart' sehen Bande" (Ib.) — „Über 
den seitlichen Verschluss von Venenwunden" 
(Ib.) — „Über die operative Behandlung der 
Darminvaginatione7i"{lh. 1886, XXXIII) — 
„Über die intrauterinen Fracturen der Tibia" 
(Ib. 1886, XXXIV) - „7^0- und Hydrone- 
phroseji" (Ib. 1890. XL) — „Zur Technik 
der Naht bei verschiedenen Operationen am 
Magen und Darm" (D. m. W. 1891) — 
„Fissura vesicae superior" (Arch. f. klin. 
Chir. 1892, XLIII) — „Exstirpation eines 
den Schädel perforirenden Hautcarcinoms 
bei einem 14jährigen Mädchen" {Jh. 1892, 
XLV) — „Über die Ent er o- Anastomose cUs 
Ersatz der circulären Darmnaht" (Ib. 1893, 
XLV) — „Über Gastro-Enterostomie und 
gleichzeitig ausgeführte Ent er o- Anastomose" \ 
(Ib. 1893, XLV) — „Über die Behandlung ' 
der Kolhfistel und des widernalilrlichen , 
Afters" (Ib. 1896, LIH) — „Die Lumbal- I 
punction und ihre Bedeutung für die Chi- ' 
rurgie" (Ib. 1897, LIV) — „Über myogene 
Kieferklemme" (D. Z. f. Ch. 1898, Bd. 47) 

— „Über die Erfolge der operativen Be- 
handlung der traumatischen Jackson sehen 
Epilepsie" (Ib. 1898, Bd. 48). Ausserdem | 
verschiedene kleinere Mitteilungen in dem 
Arch. f. klin. Chir., in der D. Z. f. Ch., 
der D. m. W. und die Bearbeitung chi- 
rurgischer Erkrankungen verschiedener 



Organe in dem Handbuch der praktischen 
Medizin von W. Ebstein und J. Schwalbe 
1899. 

Braune, Christian Ludwig, 17. 
Juli 1831 geb., vollendete seine Studien 
in Leipzig, Göttingen, Würzburg unter 
E. H. Weber, C. Ludwig, Virchow. 1868 
Dr. med. Lips., trat er beim Jacobs-Hos- 
pital als Assistent für Chirurgie ein, habi- 
litierte sich für Chirurgie resp. Kriegs- 
chirurgie und topogr. Anatomie und wurde 
1866 Extraord., 1871 ord. Prof. der Chi- 
rurgie. Neben den Vorlesungen über 
topogr. Anat. erteilte B. chirurg. Opera- 
tionskurse und leitete zus. mit His die 
Präparierübungen. B., der 29. April 
1892 starb, hat sich einen europäischen 
Buf durch seine Arbeiten zur topogr. 
Anat. erworben. Von ilim rührt der 
berühmte, grosse, in seiner Art geradezu 
klassisclie: „Topographisch-anatomische At- 
las nach Durchschnitten an gefrorenen Ca- 
davem" (1872, neue Autt. 1875 und 1888) 
her. — „Die Oberschenkelvene des Mefischen" 
(1871) — „Die Venen der menschlichefh 
Hand" (1875) — „Die Doppelbildungen 
und angeborenen Geschwülste der Kreuz- 
beingegend". Pemer publizierte er: „Die 
Venen des menschlichen Fusses und Unter- 
schetikels" (mit Paul Müller, 1889) — „Die 
Venen der vorderen Rumpfwand" (mit 
Fenwick 1884). 

Brauser, August Oeorg, zu Re- 
gensburg, geb. daselbst 4. Sept. 1833, 
studierte in Erlangen, Würzburg, Leipzig, 
Berlin, \vurde 1857 promoviert, war 1857 
bis 68 Assistent der chir. Klinik zu Er- 
langen (unter Thiersch) und ist seit 1858 
prakt. Arzt zu Regensburg. Er publizierte 
verschiedene Kundgebungen aus der 
Praxis, darunter: „Ein Fall von Croup, 
durch den Luft röhrenschnitt geheilt" (Re- 
gensb. 1866) ; später häufige Publikationen 
in Vereins- und 8t andesf ragen. B. war 
Mitglied des gesohäft^führenden Aus- 
schusses des deutschen Arzte Vereinsbundes 
bis 1894, ist \'oi-sitzender der oberpfäl- 
zischen Ärztekammer, seit 1889 Königl. 
Baj^r. Hof rat. 

Br6hm6r, Hermann, zu Gnrbei-s- 
dorf in Schlesien, der ])ekannte Phtlii- 
seotherapeut und Begründer der weit- 



235 



Breisky — Breittmg. 



bertihmteii Anstalt, die als Muster für 
zahlreiche spatere geschlossene Anstalten 
znm Zwecke der Heilung der Lungen- 
schwindsucht diente, war in Kurtsch, Kreis 
Strehlen in Schlesien, 14. Aug. 1826 geb. 
Er studierte von 1847 bis 60 in Breslau 
Mathematik, Astronomie u. Naturwissen- 
schaft, ging 1850 nach Berlin, um im 
Herbarium zu arbeiten, und studierte dort 
Med. bis 1853, wo er promoviert wurde. 
1854 rief er die genannte Anstalt ins 
Leben, an der er bis zu seinem Tode, 
23. Dez. 1889, wirkte. B.'s erste Ver- 
öffentlichung war die ins Deutsche um- 
gearbeitete Diss.: „Die Gesetze der Heil- 
barkeit der LungenschwindHucht'^ (1854) — 
dann folgten: „Die chron. Lungenschrnnd- 




sticht und Tuberculose der Lunge^ ihre Ur- 
sache und ihre Heilung*^ (1857; 2. Aufl. 
1869) — „Zur Aetiologie und Ther. der 
chron, Lungenschwindsucht. Antwort auf 
die zwei Antithesen des Dr, v, Mayer" 
(Berlin 1871) — „Beiträge zur Lehre von 
der chron. Lungenschwindsucht" (Breslau 
1876) — „Die Aetiologie der chron. Luft- 
r'öhrenschwindsucM vom Standpwnkte der 
Tilin. Erfahrung" (Berlin 1885) — „Die 
Tfierapie der chron. Lungenschwindsucht" 
(1877, später oft aufgelegt, auch in mehrere 
fremde Sprachen übersetzt). Erst seit 
Errichtung der Anstalt in Crörbersdorf 
bestehen die sog. Höhenkurorte, deren 
Bedeutung in der Gegenwart mehr und 
mehr anerkannt wird. Eine ausführliche 
Geschichte des Lebens und zur Griindung 



der Anstalt B.'s, sowie die Würdigung von 
B.'s Bedeutung gab Schuchabot (Gotha) in 
seiner Abhandlung „Zur Geschieht e der 
Anwendung des Höhenklimas (Gebirgs- 
klimasj behufs Heilung der Lungenschmnil* 
sucht (LungentuberctUose)" (Jahrb. d. KgL 
Akad. gemeinnütziger Wissensch. zu Erfurt. 
N. F. Heft XXIV, 1898). 

Breisky, August, zu Klattau 
(Böhmen) 1832 geb., studierte in Prag 
hauptsächlich unter Treitz und Seyfert. 
1855 promoviert, wirkte B. als Professor 
der Geburtshilfe und Gynäkologie 1866 
bis 67 zu Salzburg, 1867 bis 74 zu Bern, 
seit 1874 in Prag, wo er 25. Mai 1889 
starb. Er schrieb „Über den Einfluss der 
Kyphose auf die Beckengestalt^ (Med. Jahrb. 
Wien 1865), diverse Arbeiten geburts- 
hilflichen und gynäkologischen Lihaltes 
in Med. Jahrb., Prager Vierteljahrsschr., 
Volkmann's kirn. Vorträgen, Arcli. f. Gyn., 
Correspbl. f. Schw. Ae., Pra^. u. Wien. 
M. Wochenschr., Ztschr. f. Heilk. u. CbL 
f. G. „ZWe Krankheiten der Vagina"- (in 
PiTHA und Billroth's Chirurgie, Stutt- 
gart 1879). 

Breitung, Max, in Coburg, geb. 
zu Langensalza 11. April 1852, in der 
Kaiser Wilhelms-Akademie ausgebildet, 
Dr. med. 1877, seitdem in der Charite und 
von 1878 bis 93 als Sanitätsoffizier thätig, 
machte während seiner Stellung a la suite 
von 1886 bis 87 gn'jssere Keisen, widmet 
sich seit J 893 ausschliesslich konsultativ der 
Oto- u. Laryngologie. Er verfasste (bis 
zum Juli 99) etwa 50 Schriften bezw. 
Journalartikel und kleinere Abhandlungen 
aus den verschiedensten Gebieten der 
Medizin, hauptsächlich Hygienisches be- 
treffend (Scheintod, Leichenbestattung), 
femer Geogra])lnsch-Klimatologisches als 
Ergebnis der Reisen B/s, Casuistisches, 
Behandlung der Epilepsie durch „Bah- 
nungshygiene" und vor allem die Be- 
handlung der chron. progress. Schwer- 
hörigkeit, für die er die Erschütterungs- 
massage des Trommelfells vermittelst einer 
von ihm konstruierten, elektromotorischen 
Luftpumpe angab, ein Verfaliren, das als 
ein Eortschritt der Therapie aUgemeine 
wissenschaftliche Anerkennimg gefunden 
hat. Von den übrigen grösseren Arbeiten 
B.*s haben noch die auf Schulhygiene, 



jreimecKe 



Vt»lkfige8iiii(theitsi>0epe und Militärliy- 
jriene l.teziiglicbHii BcHchtiinij; gefunden. 
Die Titel einiger derdelbea eiiidt ^^Die 
h^gknimihc Einrivhiung der Jn/aitferie-EU' 
^trn<j/* (D. mi. Z. 1881.) — ^.tbcr ncuttre 
Lrifhfn a nnUill cti, Hyi/ic n itichc Shidie n. '^ 
ilh, 1886*) — ^^Dci' nicht erkannte. Scheintod 
mit »ehwn Conseqnemett im LklUe der Kri- 
tik. Lei<'hen»€hnu — Leichenverbrennung,^*^ 
*D.At-Z.1886,) " ,,Taschentexikon für Sani- 
täl«o ff i Zieret* (Berlin 1887* i — ..Hyyiamehe 
SkizzcH auftdem Orient.'' (D. M.-Z. 1887o - 
^Lisnahon* KfimafologiHche Skiise,^^ (Reichs- 
Me<liz.-Aiiz. 1895) — y^Beitrag^urvorbeuffen- 
den Behandlung der IHphtherie.^ (D. M*- 
Z* 18S>6.) — „rz»er pnenmaL Er^ehHuerungs' 
Mmusage des Truminet feilen vcrmittehi elek- 
trmHoioriMcher Luftpumpe zur Behandlung 
der chroninchen progreJisivcn i^chwerftörig' 
kcit,'' (H*. 1897.) — ^Weiteres zur Behand- 
Inng der Srhwtrhörigkeit rernüticiMf der 
etekirumöioriHvhen Lnftpuntpe.^*^ (Ib. 1898.) — 
„ Da« pneumfU iftch -cl tktrinch e Tgmpa n osköp . ** 
(lb,j -- ^Gtdanken über die Möglichkeil einer 
rorbtugendeH Behandlung der Epilepsie 
dui'ch ^Bahnungs-Mggiene,^* (W. k. W. 
1898.) - ^Jhi^ PftuneHdüskop als Hörrohr,'*' 
il). M.-Z, 1898,) — „f7«T BcHSerhören int 
Ltirm und die Bedeutung diesen Pfmnomens 
für die I^ühiklogie und Therapie der Sehtver- 
urigkeit im Lirhteder Neuron-Lchre.'^ (Vor- 
Bg. gehalten ben der 70* Versiunmiimg 
deiitS4*her Xöturforsrlier und Arzte in 
Düsiieldorf 1898. KHiiijs^^be Vorträge, 
Saumilimg von KkVG, 1899. Jena.) — ^^Schul- 
Hygiene, VolksgesunHheilHtehre und Tages- 
pretifie,'^ <D* M -Z, 1899* * 

BrenneCke, Jokannes Benja- 
mia, ÄU Sudenburg-Mftgdeburg, geb. in 
_Krucborö bei Wulniirstedt 2* Kov, 1849, 
ndlerto in Halle h. S, als Sebüler Ols- 
it'BBS*« uud Webku's, Dr. med, 1875 ib» 
)iss.: ^i'ber incompteic Ctcrusrupt uren'' i^ 
«ieit 1876 Fmnenttntt.* Zu den in der iilte- 
rcn (Quelle (B. L. \'I. 546) nufgeziiblten 
iitterarUrheii Arbeit-eu sind seit 1888 eine 
1' ' 11 biuzugeknnmion; die 

1 liv'bsten sind: j^Die ttoci- 

ale und gehurt»hUßich refomuitoriüche Be- 
jleutungder Wiichnerinnen-Asgle'K (Vortrags 
L 6* April 1888 im RatlianBsaalezti Magde- 
irgjt— „Z ' fnimtiondcfiHetuinumn' 

iL iiig an Herrn Vtoi, Dr. 

AJilfnld. MÄgdoburg, 1889.) — ,,Ein Wort 



für die Srhroedertfche Methode der Myomo- 
famie.'' (1890* Z. f. O. u. G., XXI. 1*) - 
„Die reformatorimhen Aufgaben der He- 
bammi'nvereine''\ (Allgemeine Deuts^lie He- 
bammenzeitimg. 1891.) — ,.Ein Beitrag zur 
Frage derMgomektomie und der Mgom(/hgfttc- 
rekiomie^'. (Vortrag, gehalten in der mediz. 
Ueeellficb* zu Magdelmrg, 14. Dez* 1893* 
(Z*f*G.u.G.XXVIIl* H.2*) - ..Zur Frage 
der Stumß}f7Mhandlung bei der Myomohgitt^- 
rekiomie:^ \CbL f. Gyn. 1894 1 — .Mie noclale 
Bewegung auf getntrtHhdflichem GeMiete 
während der letzten Jahrzehnt e''. (Halle 
a. S. 1896.) — ^^Er rieht ung von Hcinnitätten 
für Wöchnerinnen'* t Referat, etx:. Deut^cibe 
VrtJjhrstichr. f. öff. GesundiLeitÄiifL, XXIX^ 
H* 1.^ — „Wt (.Tebnrtt!!' und Wuchenbeit»' 
Hygiene der Stallt Magdeburg,'^ (Vortrag^ 
gelialten 6. Febr* 1897 im Vereine für 
öfftL Gesundheitspflege zu Magdeburg. 
Ib* 1897.) — ..Hebammefhschule und Wöch- 
nerinnen-Asyl in Magdeburg," tib. 1897.) — 
^^Sonderkrankeittinüi alten und Fiir^sürge für 
Frauen.^' ^1893* Handbuch der Kranken- 
verßcirgxing nnd Krajikenpflege. hrsg* von 
Dr. Dr, Likbk. Jacobsohn und Mkvkk. Berlin 
1898.) — *,iii> Stellung der grburlMhil fliehen 
Leh ranMia Ue n u nd de r Wih h ncri n n en-A t<yle 
im OrgammmsderGef/Hrtif'und WocttenbettiS' 
fl|^i^fe>I<f^(W.k*Bunds*:b*1898.) - ,,Welche 
Mittel stehen uns zu Get}ote im Kampfe gegen 
die Öf(cntli4:he Siilentonigkeitf" (X'oiij'ag* 
Magdeburg 1893. ) — ** Die noeiak Frage und 
dieeiyangeliache Kirche im Lichte der idealisti' 
9ch€H WeiiäuffassHug.'^ (Vortrag. Ib. 1894.) 

BreSgen, Maximilian, in Wies- 

baden, geh* l. März 1850 zn Ahj'weiler 
(Rbeinpreussen). studierte in Jena mid 
Heidelberg, woselbst er 1872 promoviert 
wurde, sowie in Berlin, wo er 1872 bis 
73 das Staatsexamen be^t^md* Nachdem 
er noch bis Herbst 1875 im patbokkgjschen 
Institute in Berlin gearbeitet hatte imd 
dann bei SitniK in Wien ab Assistenz- 
arzt thätig gewesen war, liess er sicli 1877 
in Frankfurt a. M* als Nasen-, Ohren-* 
Langen- und Halsar/t nieder und siedelte 
1 899 als solcher aus G esnnd h e i t^s r tl c ksich t en 
nach Wiesbaden über. Schriften: ^X^^^f" 
den chron, Nasen- und Barhen-Katarrh'' 
(1881; 2. Auti. 1883) - ..Grundziige einer 
PathoL u, Tfier. der Na»en-, Mumt-, Bacheft- 
und Kehlkopf- Krankheiten'' {1SSA\^ in zweiter 
(1891) mid dritter (1896) Auflage als 



Bretonneau -— Brieger. 



240 



/' 



^yKrankheits- und Behandlungslehre der Na- 
sen-, Mund- und RachefthöMe, sowie des 
Kehlkopfes und der LuftrÖhre^^ und zahl- 
reiche Jonmalanf Sätze, Kritiken und Be- 
ferate, sowie in der Samml. klin. Vortr. 
vonR. V. Volkmann : „Dos Asthma bronchiale 
und seine Beziehungen zum chron. Nasen- 
katarrhe , sowie deren locale Behandlung^'' 
(1882). Femer: „i>ie Heiserkeit, ihre Ur- 
sachen, Bedeutung und Heilung'''' (1889.) — 
^^Uber die Bedeutung behinderter Nasen- 
atmung, vorzüglich bei Schtdkindem, nebst 
besonderer Berücksichtigung der daraus ent- 
stehenden Gedächtniss- und Geistesschwäche^*^ 
(1890). — „Über die Verwendung von Anilin- 
farbstoffen bei Nasen-, Hals- und Ohren- 
leiden'''' (1891). — „ Wann ist die Anwendung 
des elektrischen Brenners in der Nase von 
Nutzen?'' (1891). — ,,Der Kopfschmerz 
bei Nasen- und Bachenleiden und seine 
Heilung''. (1. u. 2. Aufl. 1894). B. ist 
Herausgeber der Monatsschrift .^Sammlung 
zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete 
der Nasen-, Ohren-, Mund- und Halskrank- 
heiten'' (seit 1896.) 

Bretonneau, Pierre, der bekannte 
patholog. Anatom zu Tours, 3. April 1778 
zu Saint-Georges-sur-Cher geb., kam um 
1798 zu Studienzwecken nach Paris, unter- 
brach aber, da er bei einem Examen 
scheiterte, seine Studien, wurde Officier 
de sante und liess sich als solcher in Tours 
nieder, woselbst er bald zu einem solchen 
E-ufe gelangte, dass er gedrängt wurde, 
den Doktorgrad zu erwerben, um die 
Leitung des allgemeinen Krankenhauses 
zu übernehmen. Eine Epidemie des Ab- 
dominaltyphus, welche von 1816 bis 19 
die Touraine heimsuchte, gab ihm Ge- 
legenheit, sich mit der pathologischen 
Anatomie desselben näher zu beschäftigen, 
und wegen der Eruptionen, die er dabei 
auf der Darmschleimhaut fand, nannte 
er die Krankheit „Dothi^nenterite" 
(von o dod't^y^ der Blutschwär und En- 
teritis). Dieselbe wnirde von seinem Schü- 
ler Armand Troüsskau näher beschrieben 
(Archives g^nerales, T. 10, 1826). Von 
einer anderen schweren epidemischen 
Krankheit, die 1818 bis 21 in der Touraine 
herrschte und der er nach ihrer äusseren 
Erscheinung den Namen „Dipht h erite" 
(von ' r (%*f (>fe, das abgezogene Fell) gab, 
welclier seitdem das Bürgerrecht in der Me- 



dizin erlangt hat, berichtete er in der 
eine Sammlung von verschiedenen Auf- 
sätzen darstellenden Schrift: ,^Des in* 
flammations speciales du tissu muqueux, et 
en particulier de la diphtfiSrite, ou infiam" 
mation pelliculaire, connue sous le nom de 
Croup, d'angine maligne, d'angine gangrS' 
neuse etc." (Paris 1826), empfahl bei der- 
selben die Anwendung des Alauns (Arch. 
gen^r. 1827) und machte in schweren 
Fällen auch von der Tracheotomie GJe- 
brauch; er ist auch der Erfinder der Dop- 
pel-Kanüle für die letztere. Die Arbeiten 
über die Dothienent erite und die Diph- 
therie machen die eigentliche historische 
Bedeutung B.*s aus; die übrigen Arbeiten 
desselben über die Methode ectrotique der 
Variolabehandlung (mit Ätzmitteln) u. a. 
m. sind ohne Belang. B. war eines der 
grössten Originale, nicht nur in seinen 
Ideen, sondern auch im gewöhnlichen Le- 
ben ; er machte alles anders, als andere 
Leute. Er starb 18. Februar 1862 zu Passy 
bei Paris, wohin er sich zurückgezogen hatte. 

BriaU, Bene-Ma rie, zu Paris, 
geb. 23. November 1810 zu Louroux-B^- 
connais (Maine- et-Loire), machte seine 
medizinischen Studien zu Angers und 
später in Paris, wo er 1836 Doktor wurde 
mit der These: „De la nature et du trai- 
tement de la diathese scrofuleuse"' . 1855 
wurde er zum Bibliothekar der Akademie 
der Medizin ernannt. Von Arbeiten B.'s, 
der 23. August 1886 starb, nament- 
lich auf dem Gebiete der Geschichte der 
Medizin, seien angeführt: ^^Considerations 
pratiques sur la goutic, etc." (Paris 1843) 
— „La Chirurgie de Paul d' £gine, texte 

grec avec traduction fran^aise etc." 

(1855) — „iHi Service de sayttemilitairechezles 
Bomai7is" (1866) — „Hippocrateet la lithoto- 
mie, etc." (2. edit. 1879) — „L'assistance 
mHicale chez les Eomains'' (1870) u. s. w. 

Brieger, Ludwig, zu Berlin, geb. 
zu Glatz in Schlesien, 26. Juli 1849, stu- 
dierte in Breslau und Strassburg, hielt 
sich, nach ebenda 1874 bis 75 absolviertem 
Staatsexamen, in Wien und Berlin auf, 
war 1876 in Breslau Assistent der Privat- 
Augenklinik von Cohx und arbeitet« zu- 
gleich im pathol.-anat. Institut bei Cohk- 
HEiM. Von 1876 bis 78 war er Assistent 
an der med. Klinik zu Bern, unter Qülvcke, 



241 



Br 



243 



and arbeitete daselbst un Laborator. von 

Ne?:cki* Auf Ebkrichs' Veranlassung kam 

^er nach Berlin^ trat im Aug, 1879, nacli- 

em er in der Zwischenzeit in dem physioL- 

chem, Laborat, von Baumann gearbeitet, 

Js Afi^istent der 1. mecL Klinik ein. 1881 

übüitierte er sicli als Privatdozent, er- 

jelt den Charakter als Professor und 

ekieidet« die kliiiisi^he Oberarztetelle auch 

ach dem Tode von v. Frerichs noch bis 

1887 unter Liyurn. Alsdann errichtete 

er ©ine Privatpolikhnik für innere Krank- 

bei lern und ein Privatlaljoratoriiiu). 1890 

iirde er zum Extraord- und 1891 zum 

ForÄteher der Kranken- AbteÜung des Kgl. 

i&tituts für I]if**ktii>nskrankheiten er- 




ii»t, 1897 iiWmabm er in Stellver- 
von EiiRucir des^n Lehrauftrag 
Sbcr si>««iolle Pathologie und Therapie. 
1898 erliit*lt er tlen Charakter tils Geh. 
Me<il/:iualrat, Ende 1899 erhielt er den 
Lehrauftrag tilr allgem. Therapie, Hydri- 
atrie rt«^ an der Berl Univ. Litte rar. 
L r b e i t e n : A. Phy sioh tgisrlies und Paf hf ♦* 

;isi'h-Chemifiche*: „-Zwr phyifiohtfisrhen 
Wirkung ihr Äbfiüirmiüd'' (Arcli. f. exp. 
Pathol u.Ther., 1877; - ,J%crdk flüchtigtn 
liestandttüe der Eaxrenitnte'' (Skatol ent- 
Jteckt ete. Journ. f. prakt, Chemie; Bericht 
d. (»hftm Geseüsch., 1877) — ..rbet* 
^'* foifj bei Krankheiten und 

'^ ' „ _,hrnuck' (Chi f. m. W. ii. Z. 

f. phjfi, CbeHÜc, 1878) -* J%tr die 
aromatischm f^rodaktt der Fäulvm im 
Eiwi^'' iZt«chr- f. phys. Ciiemie. 1879) 
— ^,Znr Kenntnui« der K}ftiuren-Säur&' ilb. 



1879) — „Über die flüchtigen Phenole im 
menschl. Urin'' (Tb. 1880) — Jlfer einige 
Be^landthcile des jauchigen Eiterft des Men- 
sdym'' (Ib. 1881) — .Xiherdm Taurobetain'' 
(Ib. 1882) — ^^Vher Spaltungsprodukte der 
Bacteriett'^ (Ib. 1884) — „Über P/omaine'' 
(3 Teile. Berlin 1885, 86) — ,,Znr Kennt' 
ni^s der Ätiologie des WuvdHtarrkrampfW 
(D. m. ^y., 1884) — Xber Kresok und 
Jmloxptschwefel^äure^*\ versch. Artikel im 
Verein mit Bacmann. — „t^^rr das Vor- 
kommen von Tetanie bei einefn am Wund* 
Starrkrampf erkrankten Jndipidmtm' (B. k. 
W. 1888) — ^.Uber Spalt ungsproduete der 
Baeterien'' (Z. f. phjsioL Chemie VIII 
u. IX) — .^Beobachtungen über da$ Auf- 
treteti vofi ToTalbuminen'* (Cliarit^Ann» 
XVII). B. Pharmakologisches und Ex* 
perimentelies : ,,ZMr Kennt ntsa des phgsioL 
Vtrhaitens des Brefucatechinf Hgdrodünon 
und Besorcin^* iDti Bois-KEYsioNi)'s Archiv 
1879) — y^ur therapeut, Würdigung der 
Dihgdroj^lbe^izote^' (Z. f. k, M., III) — 
^uUber postmoHate Temperaturen^' (mit 
QniNCKK (D. Arch. f. k. M. 1878) — 
.JJber die Ausschalt itng des Letuiefimark^ 
graW' (Z. f. k. M., Jubelheft) — ,Tber 
das F'rindp drr gntppentreijicn Betrarhtung 
der Armeimittel''' (Charik^-Annalen, VJJ). — 
C, Klinisi^hes: „Beiträge zitr Lehre von der 
fibrösen Hepatifis'*^ ( Virchow's Archiv. 1879) 

— „Ocr PseuJohgjiertrophie der Muskeln^; 
Deutsche« A. f. k. ÄL, 1879) — ,,Fati wn tota- 
ler doppdseitiger Stimmbandlähmnug'^ (B. k. 
W.^ 1877)— ,. Ein ige Bezieh ungrn derFäulnifh 
Produkte ru Krankheiten'' iZ. f. k. M.. LH) — 
yySchrecklähninng''' (Ib. II.) — „Zwr Cammtik 
der Perichondnfislargngea^' {Jh. Ul)— ^d^er 
Febris recurrenf^^' (ChajitetAnnalen VI) — 
^tber ca rein omaf Öse Peritonitis'^ (Ib> YIII» 

— „flrcr Erythnne, insbesondere bei Jn- 
fekliomkrankhL*' (Ib. IX) — „Zur Kennt- 
nis der Chgturie'' (Ib. VTE) — „t'ber Wnn- 
derpneumonie*' (Ib. X): zudem noch kli* 
ni^che Beobachtungen in deu verschiede- 
nen Jahrgängen der Chaiite-Annalen, B. 
k. W, und Z. f. k. M. — „Über das Auf- 
treten des malignen Oedems bei Typhu» ab- 
riom.**( mit Ehruch.) — „Über Cynt in urienebtit 
Bmirrkungifi ntier einen Fall von Morb. 
macuh». Werlhof' (B. k. W. 1889.) — 
jiBei trage zur Lehre von der Misrhinfe^tion^* 
(Z. f. k. M„ Bd. XI) — J'ber die kliui^ehe 
Bedeutung de/i Elmter-^schrn Tgpbuxmivh- 
tteifieit'^ (D. M. W. 1896) — „Über Lepra' 



243 



Brierre de Boismont — Briggs. 



244 



(B. k. W. 1896) — ^^AtUaintoxicatianen in- 
teatin. Ursprungs''' (Kongress f. inn. Med. 
1898. — 2). Bakteriologisches: ,^Bacierien 
und Krankheitsgifte' (B. k. W. 1889) — 
^Untersuchungen über Bacteriengifte mit 
C. Fbaexkkl" (B. k. W. 1890) — „Zur 
Kenntniss der Sl off Wechselprodukte des Cho- 
lerabcuiillxis'^ (Ib.) — ..Über Immunität und 
Giftfestigunt/^ (mit Wassermann und Kda- 
SATO; Ztschr. f. Hygiene u. Infektions- 
krankheiten 1892; — .,Über künstliche 
Schutzimpfung von Thieren gegen Cholera 
asiatica''^ (mit Wasskrmann ; D. m. W. 1892) 

— ^JJber die Übertragung der Immunität 
durch Milch'' (mit Ehrlich; Ib. 1892) — 
.^Beiträge zur Kenntniss der Milch immuni- 
sirter Thiere" (mit Ehrlich; Zeitschr. f. 
Hygiene n. Infektionskrankh., Bd.. XIII) 

— „Beiträge zur Concentrirung der gegen 
Wundstarrkrampf schützenden Substanz aus 
der Milch'' (Ib. Bd. XV) — „Untersuchun- 
gen über das Tetanusgift'' (Ib. Bd. XV) 

— „Über Antitoxine und Toxine' (mit Boer; 
Ib. Bd. XXI) — „Weitere Erfahrungen 
über Bacteriengifte" (Ib. Bd. XIX) — „Über 
die Toxine der Diphtherie und des Tetanus" 
(mit Boer; D. m. W., 1896) — „Beitrag 
zur Lehre von der Fleischvergiftung" (mit 
Kempner; Ib. 1897) — „Über Versuche der 
tl>ertragung der Sgphilis auf Thiere und 
über Serumtherapie bei Syphilis'' (mitÜHLEN- 
hlth; Kl. Jahrb. 1899). 

Brierre de Boismont, Ale- 
xandre, geb. zu Ronen 1797, und 25. 
Dez. 1881 zu Saint- Mande bei Paris ge- 
storben, ist einer der bedeutendsten fran- 
zösischen Irrenärzte. In zahlreichen grös- 
seren und kleineren litterarischen Arbeiten 
hat er die reichen Erfahrungen seines 
langen Lebens niedergelegt und so in 
ganz hervorragender Weise zur Entwick- 
lung und Ausbildung der Psychiatrie 
beigetragen, der er sich seit 1R34 ganz wid- 
mete. Er gründete eine eigene Anstalt 
und war ein halbes Jahrhundert lang einer 
der gesuchtesten Irrenärzte. Von littera- 
rischen Arbeiten auf seinem Spezialgebiet 
kommen hauptsächlich in Betracht: „Des 
hallucinations ou histoire raisonnie des ap- 
paritionSf des visionSj des songes, de l'ex- 
tasCj des reves, du magnetisme et du som- 
nambulisme" (Paris 1845, 1852, 1861) — 
„Du suicide et de la foliesuicide, conside- 
rees dans leurs rapports avec la statistique, 



la mSdedne et la Philosophie" (Paris 1865, 
1865) ; die übrigen, meist Memoiren, welche 
erst in der Academie des sciences gelesen 
wurden, erschienen zum grössten Teile 
in den Annales d'hygiene publique, zu 
deren Mitredakteuren B. de B. ebenso wiezu 
denen der Annales medico-psychologiques 
gehörte. Aus diesen Aufsätzen ergiebt 
sich eine gewisse Vorliebe des Verfassers 
für eine Verallgemeinerung der Psychia- 
trie in das allgemeine Anthropologische 
und daher auch für ihr Verhältnis zum 
Recht, d. i. für die forensische Psychiatrie 
im besonderen. Seit der Mitte der Sech- 
ziger-Jahre hat B. DE B. seine schrift- 
stellerische Thätigkeit sehr eingeschränkt 
und mit Beginn der Siebziger -Jahre 
vollständig aufgegeben. „Les fous de VAn- 
gleterre. Etüde medico-psychologue et le- 
gale" (Paris 1870) ist seine letzte bekannt 
gewordene Arbeit einschlägiger Natur. B. 
war ein universell gebildeter Arzt, der 
auch wertvolle Arbeiten zur Botanik, 
Anthropologie und Epidemiologie (Cholera 
und Grrippe) veröffentlicht hat. 

Briggs, William Thompson, als 
Sohn von Dr. John B. zu Bowling Gi-een, 
Ky., 4. Dez. 1828 geb., studierte und promo- 
vierte 1849 an der Transsylvania-Univers., 
praktizierte anfangs in seiner Vaterstadt 
und liess sich 1851 in Nashville, Tenn., 
nieder, woselbst er seit 1877 als Prof. der 
Chir. an der Univers, tliätig war; auch 
fungierte er in gleicher Stellung an der 
Vanderbilt ünivers. of Tenn. und war 
vorher suc^essive anat. Prosektor an der 
Univers, von Nashville, Adjunkt-Prof. der 
Anat., Prof. der Physiol. und Geburtsh. 
bis 1877. Er war 1872 Präsident der Amer. 
Med. Assoc. Von seinen wichtigsten Publi- 
kationen zitieren wir: „Hisfory of surgety 
in Middlc Tennessce" — „Etichondromafous 
tumors of the hand, forearm and arm'''' 
(Nashville Journ. of Med. and Sui'g., 1871) 
— „Traumatic aneurism of the internal 
carotis j the result of a punciurc, Ugaiion of 
the common carotid and thcn of the internal, 
at the seat of injury" (Ib.) — „Escape of 
catheter into the bladder during its use for 
the relief of retention" (Ib.) — „Dislocation 
of the radius and ulna bachcards in a 
patient two and a half years old" (Ib.) — 
„Multiloaäar ovarian tumor .... tceight 
of tumor eiglUy-five pounds, recovery*^ (Ib. 



^45 



Eriglit — Brigtüwe. 



246 



1872) — ^ The trephinCf its use» in iftjurks 
of ihe kead"* (Ib. 1876) etc. B. starlj 
. Juiü 18^. 

Bngnt, Richard, in London, der 
ibekaruite Autur der nach ihm benannten 

ffektion, Sejitember 1789 zn Bristol ^b,, 

jng 1&)S nach Edinbur^, wo er von 
t&ld an Medizin studierte, machte 1810 

lit Sir iTEORtfR MACtLENZiE nnd dem späteren 
^Bir Henry Holland eine Reise naoh Island 
und bearbeitete später den naturgeschicht- 
Ui*>ien Teil in den von dem ersteren heraus- 
gegebenen ^^Traveh ht helaml". Er be- 
sucJite daranf zwei Jahre lang das Gny's 
H*:>epital in London und wurde 1813 in 
Edinburg Doktor mit der Dissertation: 
.,X»c erysipelafe rohtnt/iof*o'\ 1814 ma<-'hte 
er eine längere wi^itenscbaftlit'he Reise 
ch Deutschland und Oesterreich und 

ehrte über Brüssel, wo er 14 Tage nach 
der Sehlacht bei Wuterloo ein traf ^ zurück, 
:Jpäter erschien ein von Jhm publiziertes 
eisewerk: ,,Trardfi from Viaina throtnjh 
Lou*er Himgary rivj* (Edinburgh 1818). 
Zu Anfang 1817 wurde er Assistant- 
Physician am Fever Hospital in London, 
1820Assi8tant-Physician und 1824Physician 
am Guy 's Hospital und von da an beujann 

eine ausgedehnte Lehrthtltigkeit, bei wel- 

lier er der pathologischen Anatomie ganz 
besondere Aufmerksamkeit widmet«. Be* 
reit« in dem ersfen, 1827 erschienenen, 
eine Epoche in der Geschichte der Medizin 

ezeichnenden Baude seiner ^^Reporis of 

\c4ical ewiC9 neledcd with a ckw to iUushaic 
the ttf/midams and eure af diseases by a 
^efrrcnce to morhid Oftatomy^ f*i volh^ Lon- 

Ion 1827, 1831, w. 15 pLi war das Haupt- 
L^lilichstc seiner Entdeckungen in der 

Pathologie der Nieren entlmlten. Zwar 
war durch Blackall und Wklls die An- 
wesenheit von Ei weiss im Urin vieler 
Wassersüchtigen bereits bekannt^ aber erst 
B, wie« dessen Abhängigkeit von einer 
Erkrankung der Nieren nach^ an welch® 
sein Name für immer geknüpft ist. Er 
war einer der Ersten, welche die gelbe 
Letjeratrophie, die Pigtnentierung des Ge- 
Inf IIS bei miasDmtisclier Melanämie u. a* 
Ut'S'ftrieb. Der zweite, 1831 erschienene 
\kuni $.einer ^^Rrpot'ts etc,'^ war den Krank- 
, h^fiten de« Gehirns und Nervensystems 
ridmet. in seinen zahlreichen Auf- 

Ktzen^die in den Medico-Chirurg. Transact* 



(1828» 33, 35, 39) und den Guy's Hospital 

Reports (183(i bis 4Üj enthalten «ind, han- 
j delte er grössteii teils von den Erkran- 
kungen der Unt-erleibsorgane und dies© 
Aufsätze wiu'den nach seinem am 16, Dez. 
18ö8 erfolgten Tode von G. IL Barlow 
für die New Sydenham Society in einem 
Bande gesiimmelt. u. d. T.: ffClinical mt'- 
moira on al/dominal hiniQurs and ifu'umeH- 
ctnce^^ (London 1861) lierausgegeben. Im 
College of Physicians hielt er 1833 die 
GuUton'mn und 1837 die Lumlein d lectures; 
1837, bei der Tlironbesteigung der Konigin 
Vict^»ria, war er zu deren Physician 
Extrjiordinarj ernannt worden. 

Brissaud, R E., Prof, dei- Gesch, 
d. Med. in Paris als Nachfolger von 
Labouluknk seit 1899, ist 1852 in Besan(,ron 
geh» wurde 1872 Externe d, h,^ 1875 In- 
t^me^ 1878 Präparator bei Charcot am 
Laboratorium der pathol. Anat*, Dr, med. 
1880 {^^ Recher chfs auaiomiqtieit, physio- 
lotjiqucs et clhiiquea m(r Ui conlraeture 
ptrmancnU dts h^fnlph'ffiquen^^), 1884 Arzt 
am Bureau central^ 1886 Agrege (mit der 
These y,l\tralymeH to.ciqueH'% 1887 mit dem 
ergänzenden Unterricht in der path. Anat. 
betraut, 1889 Arzt am Hop. Saint Antoine, 
vertiat v<jn 1889 bis 92 Chahcot an der 
Salji^triere und hielt von 1893 bis 94 an 
der genannt-en Anstalt Vorlesungen über 
die Kmnkheiten des Ners-ens^-stems. Ein 
Verzeichnis vun B.'s zahlreichen littera- 
risclien Arbeiten nebst seinem Bilde ist 
in ,,PfO(irh m<*d,'' No. 27 vom 8. Juli 1899 
gegeben. Von seinen eigentlich historischen 
Publikationen füliren wir an: „Hisioire 
des rxprcssions populaires rdatives ä 
ranalomie, ä la physfolo*;ie ef ä la ml'decint^*^ 

— f,Le moi du roi*^ — f^Nofe *wr la morf 
de Vharle» de Gfiyenne, frkre de Loui* Xt^ 

— yfNofc sur Vinfhfniti du conventionnti 
Coufhon'* (Chronique med. 1896)» 

BristOWe, John Syer, sehr ge- 
schätzter Arzt in London, geb. 1827 in 
Camberwell, studierte von 1846 an im Ht. 
Thomas Hosp, mit Auszeichnung^ wurde 
1849 M. R, C. S., 1852 M, D., 1854 Assi- 
staut Physician bei genanntem Hospital^ 
1860 Physician, nachdem er seit 1859 über 
verschiedene Päclier zu lesen begoimen 
hatte. Von 1872 bis 92, dem Jalire seines 
Rücktritts, las er über Medizin. B. war 



247 



Biistowe — Broca. 



248 



anch mehr als 30 Jahre lang Physician 
an der Westminster Schule. 1881 wurde 
er Pellow der Boy. Soc. und erhielt 1881 
den Ehren-Dr.-Grad der Bechte von der 
Univ. Edinburg. B. war eines der ältesten 
Mitglieder der Pathol. Soc. und 1885 
deren Präsident. Er starb 20. Aug. 1895. 
Er veröffentlichte als Hauptwerk : „A 
treatise on the theory and practice of fnedi- 
cine"; demnächst „77ie physiologicae and 
pathologicae relations ofthe voice and speech**. 
Pemer (mit Holmes): „Report on the hos- 
pitals of the united kingdom^^ (Rep. of med. 
of priv. counc. Nr. 6). Endlich in den 
verbreitetsten Wochenjoumalen und in den 
Berichten des Thomas-Hospital eine Beihe 
klinisch - kasuistischer Mitteilungen und 
Vorlesungen. B. war ein hervorragender 
Lehrer und hat sich durch seine Publi- 
kationen sowohl um die öffentliche Ge- 
sundheitspflege, wie um die Lehre von 
den Krankheiten des Centralnervensystems 
sehr verdient gemacht. Das oben ge- 
nannte Hauptwerk, ein Handbuch der 
allg. und spez. Pathol. und Therapie, er- 
lebte bis zu B.'s Tode 7 Auflagen. 

Broca, Paul, der berühmte Anthix)- 
polog,28. Juni 1824 in Sainte-Foy-la-Grande 
(in der Gironde) geb., wo sein Vater als 
l>ensionierter Militärarzt lebte. Seine 
wissenschaftliche Vorbildung eignete sich 
B. in dem College seines Heimatsortes an 
und bezog im Oktober 1841 die Universität 
in Paris, um sich hier auf Wunsch seiner 
Eltern dem Studium der Medizin zu wid- 
men. Nach 2 Jahren wurde er als Externe 
der Abteilung von Bicoud im Höpital du 
Midi zugewiesen, Ende 1843 trat er, zuerst 
im Höpital Bicetre bei Leuret, später im 
Höpital Beaujon bei Langier ein, sah dann 
seinen lebhaften Wunsch erfüllt, in die 
Stellung eines Liteme bei Gerdy zu kommen, 
zu dessen Assistenten er im Jahre 1846 
ernannt wurde und durfte sodann noch 
ein viertes Jahr im Hotel Dien in der 
Abteilung von Blandin als Interne fun- 
gieren. Die Erfolge, welche B. bis zum 
Schlüsse seiner medizinischen Studien er- 
zielt hatte, veranlassten seine Mutter^ 
ihrem lange gehegten Wunsche, den Sohn 
als praktischen Arzt in seiner Heimat zu 
sehen, zu entsagen und ihm die Ein- 
willigung zum Eintritte in die akademische 
Laufbahn zu ert-eilen. — Im Jahre 1849 



erlangte B. auf Grund seiner InauguraU 
Schrift :„Dela propagation de Vinflammation. 
— Quelques propositions sur les tumeurs 
dites canctreuses" die Doktorwürde und 
1853 wurde er nach glänzend bestandenem 
Concurs und auf Grund seiner vortrefflich 
gearbeiteten These: „Sur Vitranglement 
dans les hemies abdominales et les affections, 
quipeuvoit le simuler*^ (in zweiter bedeutend 
erweiterter Bearbeitung. Par. 1856) zum 
Professeur agrege und wenige Tage später 
zum Chirurgien des hopitaux ernannt, ein 
Ereignis, welches die , junge medizinische 
Schule'* von Paris, der er angehörte, mit 
dem grössten Jubel erfüllte, da sie in dem 
Erfolge eines der ihrigen eine ofj&zielle 
Anerkennung ihrer Bestrebungen erblickte. 
Dieser Triumph gründete sich wesentlich 
darauf, dass B., einer der befähigtesten 
Schüler Lebert's, als Evangelist der von 
diesem aus Deutschland nach Paris ver- 
pflanzten pathologisch-histologischen For- 
schung aufgetreten war und in seinen 
Arbeiten, so schon in seiner Inaugural- 
schrift, sowie in zahlreichen Mitteilungen 
über die Erkrankungen der Gelenkknorpel, 
die pathologische Anatomie der Bhachitis, 
über pathologische Verhältnisse beim 
Knochen Wachstum u. v. a., welche in den 
Bulletins der Societe anatomique der 
Jahre 1842 bis 51 veröffentlicht worden 
sind, vor allem aber in dem mit dem 
PoRTAL'schen Preise gekrönten (in den 
Mem. de l'Acad. de Med. Tom. XVI, pag. 
453, abgedruckten, besonders Paris 1852 
erschienenen) „M&inoire sur l'anatomie 
pathologique du rancer" die Pariser medi- 
zinische Gelehrten weit mit dieser in 
Frankreich bis dahin kaum beachteten 
Forschung in der wissenschaftlichen Heil- 
kunde bekannt gemaclit und ilir die ver- 
diente Geltung verschafft hatte. — Im 
Jahre 1856 erschien sein „Traite des 
anivrüimes et leur traUement", 1863 der 
erste Band seiner „Traife des tumeurs^^ 
1866 seine meisterhaft gearbeitete ^.lifude 
sur Celse et la Chirurgie romalne^' (in Con- 
ferences histpriques de la Faculte de Med. 
de Paris, Paris 1866, pag. 445), in welcher 
der Verfasser Beweise seiner klassischen 
Bildung gegeben hat und 1867 die ,,i?e- 
cherches sur un nouveau groupc des tumeurs 
designSes sous le nom d'odonfdfHes"y welche 
den Anfang des zweiten (nicht vollendeten) 
Teiles seiner Geschwulstlelire bilden. — 



Lnerkenming seüier hervorragenden 
Wissenschaft! iclien LeLstungeii war B. 1868 
zum Mitglif^de der AefwJt'mie de Medeeine 
erwählt und auf den Lehrstuhl der Chi- 
rorg-ie < Puthulogie externe) an der IfVknltät 
berafen worden, den er jedoch alsbold 
mit der Professur der chirurgischen 
Klinik vertAuschte, in welcher Eigen- 
schaft er der Reihe nach iui Höpital St. 
lAntoine., in der Pitie, im HApital des 
[Cliniqiies und zuletzt (zur Zeit seines 
^ Todes) im Höpital Necker thütig gewesen 
ist. Diesen grosüen Venlieiisten B/s um die 
Fi>rd©ruiig der jiathologischen Histologie 
und Physiologie und der Chirurgie 
eehlieBsen sich seine Leistungen im Ge- 
^biet^e der Anthropologie und Ethnographie? 
an. — Durch di«* Arbeiten von GKorfRor- 
ÖAnfT-HriJkiiiE, ScRttBs undQtTATUK- 
WAQEB angeregt^ hatte er sich 
diesem wisii^tni^^haftlichen 
Gebiete, das in der bereits 
früher gebildeten Soci^te 
ethnologique eine Ver- 
tretung gefunden hatte, 
seit dem Jalire 1859 
mit wahrem Enthu- 
si ftsm US hin gege ben ; 
mit Hilfe von Ge- 
sinnungsgenossen bil- 
dete er 1860 die Societe 
d'anthropologie^ in wel- 
lier er seit 1862 die 

fBtelle des Secretair 
general bekleidet hat und 
in Verbindung mit welcher, 
und zwar ebenfalls auf seine 
Anregung, im Jabre 1876 das antliropolo- 

P.grische Institut begründet wurde, in welchem 
öffentliche Vortrage über vergl ei eilende 
Anatomie, Ethnologie, Et lin ograpli ie, Demo- 
graphie u. a. w. gehalten werden und 
; nterricht in kraniometrischen und aiithro- 
»metrischen Messungen ert-eilt wird. In 
diesem Institute hat B. während der 
letzten Jahre seines Lebens fast taglicli 
nachmittag» einige Stunden zugebracht 
und sich mit ki'anioraetrisehen Studien, 
die ihn vorzugsweise interessierten und 
für welche e-r xahh-eiche, ingeniös erdachte 
Instrumente erfunden hat, beschäftigt. 
Seine sehr zahlreichen Arbeiten auf diesem 
ebiete sind in dejB Journal de physio- 
^ü und in ileu Boiletins und AlemoLres 
der anüiropologidchen Gemisch aft ver- 



r>ffontlicht worden. Iii dieser Gesellschaft 
I war B. mit seinem Landsmaune und alten 
' Freunde Gratiolkt zusammengetroffen; er 
, scldoss sich demselben an und wurde 
gemeinsam mit Ihm von dem Boden 
der Krajiionietrie auf ein anderes Gebiet, 
j das der Lehre von den Funktionen des 
I Gehirns, geführt, auf welchem B. durch 
seine Lehre von der Hirulokahsation und 
der Lelire von der Aphasie (oder Aphe- 
mie. wie B. selbst den Zustajid genannt 
hat I epochematüiend aufgetreten ist. Seine 
I ersten Arbeit^!» über die Anatomie der 
I Hirnwindungen uud ober Hinilokalisation, 
mit spezieller Berücksichtigung des Sprach- 
centrums, erschienen in den Bulletins der 
anthrapologischen und anatomiscUen Ge- 
sellschaft in üen Jalu-en 1861 bis 63, sein 
erster Bericht über Aphemie 
(bezw. Aphasie) im Julihefte 
1863 des B^illetin der ana- 
tomischen Gesellschaft 
(nuch als Broschüre be- 
sonders ausgegeben), 
dem dann eine grössere 
Reihe den Gegenstand 
behandelnder Mitteil- 
ungen in deti genann- 
ten Zeitschriften folg- 
ten. — Schüesshch 
ist aus dem wissen- 
schafthchen Leben B.'s 
auch noch de» Interesses 
zu gedenken, da« er der 
öffenthchen Gesundheit»* 
pliege und der Volkserzie- 
hung entgegengetragen hat; er 
bar mehrere diesen Gebieten angehörende 
Arbeiten, so über Kindersterblichkeit^ über 
die Bevötkerungsbewegimg in Frankreich, 
über die Organisation des Sanitätsdiensten 
in der französischen Armee u. a. ver- 
öffentUcht und in dem einen Falle, in 
welchem er als MitgUed des Senates das 
W<>rt ergriffen hat, sich für Unabhängig- 
keit des Unterrichtes des weibHchen Ge- 
schlechtes in Frankreich von der Kirche 
dem Bischof Düpanloüt gegenüber aus- 
gesprochen, der gefordert hatte, dass die 
Bildung der Frauen ,^sur les genoux de 
Teglise" erfolge. — In Anerkennung seiner 
Verdienste wurde B. Anfang 1880 zum 
lebenslänglichen Senatsmitghed gewählt. 
Doch begann er bereits in demselben Jahre 
zu kränkeln und starb am B. Juli. 




251 



Brochin — Broeckx. 



BrOChin, Robert Hippolyte, zu 
Paris, geb. 1808 zu Carcassonne, studierte 
in Montpellier, war Interne in* Marseille, 
wo er sich während der Cholera-Epidemie 
von 1835 so auszeichnete, dass ihm mehrere 
Ehrenbeweise zu Teil wurden. 1837 wurde 
er in Paris Doktor mit der These: ^,Quel' 
ques propositions de pathologie et de thSra- 
peutique^'^ und trat mit der Gaz. med. in 
Verbindung, für die er (1837 bis 40) eine 
grosse Zahl von Artikeln, namentlich bib- 
liograph. Inhaltes verfasste. Dasselbe that 
er für L'Examinat^ur medical, schrieb auch 
einige Aufsätze für die Revue synthet., 
die Revue med., die Gaz. des hopit., sowie 
einige Artikel für das Dict. von Pabrr 
und dts Dict. des etudes m^d. prat. Auch 
war er Chefredakteur der Gaz. des hopit. ; 
er starb Ende März 1888. 

BrOdie, Slr Benjamin Collins, 
berühmter englischer Chirurg, 8. Juni 1783 
zu Winterslow, Grafschaft Wilts, geb., 
kam 1801 nach London, war ein Schüler 
von Abrrnetht und Wilso.v und trat 1803 
als Zögling unter Everard Hobik in das 
St. Georgs-Hospital ein. Nachdem er 
Hauschirurg in demselben und Anatomie- 
Demonstrator bei der medizinischen Schule 
in Great Windmill Street gewesen war, 
wurde er 1808 zum Assistant-Surgeon des 
gedachten Hospitals ernannt, mit welchem 
er 32 Jahre lang in ununterbrochener 
Verbindung blieb. Er hielt bis 1830 ana- 
tomische und chirurgische Vorlesungen, 
von da an nur einmal wöchentlich im 
Hospital einen klinischen Vortrag. Zu- 
nächst veröffentlichte er mehrere in der 
Royal Society vorgetragene physiologische 
Abhandlungen, es folgten später Arbeiten 
zur praktischen Chirurgie; so besonders 
über Gelenkkrankheiten, um deren ge- 
nauere Kenntnis er sich grosse Verdienste 
erworben hat. 1819 wurde er von dem 
College of Surgeons zum Professor der ver- 
gleichenden Anatomie, über die er bis 
1823 las, und 1822 zum Surgeon des 
St. Georgs-Hospitals ernannt. Er begann 
nun umsomehr die erste Stelle unter den 
Chirurgen Londons einzunehmen, je mehr 
Sir AsTLET CooPER vom Schauplatze zurück- 
trat. 1828 wurde er zum Surgeon des 
Königs, 1832, nach Sir Everard Home's 
Tode, zum S'erjeant-Surgeon und 1834 zum 



Baronet ernannt; 1858 wählte ihn die 
Royal Society zu ihrem Präsidenten. Zu 
seinen späteren Publikationen gehören die 
^^Lecfures an diseases of the urinary Organs^ 
(London 1832; 4. edit. 1849; Philadelphia 
1843; deutsch in der Chir. HandbibL, XV, 
Weimar 1833; französische Übersetzung 
von Patron, Montpellier) — y^Lectures 
illustrative of certain nervous affections^ 
(London 1837; deutsch von Kirscuner, 
Marburg 1838) — Ausserdem noch eine 
Anzahl chirurgischer Aufsätze. Dazu 
konmit eine beträchtliche Zahl von Vor- 
lesungen, die veröffentlicht und gesanmielt 
wurden, als: ^filinicdl lectures on surgery^ 
(Philadelphia 1846) — „ Lectures illustrdtive 
ofvarious subjeds in pcUhology and surgery''*' 
(London 1846); femer eine Reihe von 
„Introductory Discourses" oder„Addresses", 
die bei feierlichen Gelegenheiten gehalten 
wurden und teilweise, wie eine Anzahl 
von handschriftlich hinterlassenen Be- 
merkungen, in der nach seinem Tode er- 
schienenen Sammlung seiner Schriften 
zum erstenmale veröffentlicht wurden; 
endlich mehrere nicht streng medizinische 
Schriften und Aufsätze über Homöopathie, 
Kurpfuscherei, psychologische Themata 
u. a. B. starb 21. Oct. 1862. 



Broeckx, Comeille, zu Ant- 
werpen 1. Juni 1807 geb., doktorierte 1831 
und zeichnete sich zuerst in der Cholera- 
Epidemie von 1831 bis 32 aus und 
demnächst als Sieger in der Preis- 
bewerbung, welche die med. Gesell- 
schaft zu Gent 1835 durch die Preis- 
frage nach der Entwicklung der belgischen 
Med. von Vesal bis zur Unterdrückung 
der Universität Löwen inszeniert hatte. 
Die Arbeit wurde später als ^^Essai sur 
Vhistoire de la mvdecine bdge avatit le XIX 
si^cle'"'' herausgegeben. Durcli mehr als 
120 weitere Publikationen bereicherte B. 
die Geschichte der Medizin bis 1869, 
seinem Todesjahr. Der Hervorhebung be- 
dürfen noch : „ Institutions medicales beiges 
depuis les demiers annees du XVI IL siede 
etc.^ — ,,Histoire du collegium medicum 
Antwerpiense^ (gleiche Darstellung später 
über Brüssel) — „La Chirurgie du maitre 
Yperman^^. B. war lange Jahre leitender 
Arzt des St. Elisabeth-Hospitals in Ant- 
werpen gewesen. 



Broesike, austav, 7. Mai 1853 m 

Pu|Ji>en, Kivis Ort^lsburg, geb., studierte 
Oktober 1869 bis Oktober 71 in Königs- 
berg' L Pr*, seitdem in Berlin bis 1874, 
\Väbi*find der Studienzeit vom Augiist 
1875 bis Augnst 76 fTuija^ierte er als 
Aßsjjgitejizarzt am städtisehen Baracken- 
loactirett zu Berlin, im Winter 1876 bis 77 
während des türkisch-serbiscben Feld- 
zuges als Militärarzt in türkisch en Diensten, 
Seit Juli 1877 ißt B. Assistent, seit 1878 
_C'ustos und Assistent am anatomischen In- 

iittit nnd Museum, seit 1893 II. Prosekt^r 
könfgl. anatoniisi'hen Institut, sowie 
seit 1887 vortragender Arzt an der krmigl. 
Tnmlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin. Er 
publiadert« (neben der Dissertation ,,??o' 
(.*aftuMk der Ky»(ome^^)i j^Das afithrojw- 
hyhche Material des anatomischen Mtise^ims 
rij BrrUn'' (Braunsvbweig 1880) — ,X^her 

(if feinert Sirncfut dfx Honnalvn Rnm^hen- 

9tcibes'' (WALriKYKh's Ar.-hiv 1882) ^ 
^/>ö^ tilrkinehe Heere^-Sanitäisweaen wit'h- 
rf'fid der Uhtcn türkischrn Feldsüge^^ (Inter- 
ntitioniüe Revue der Armeen etc. 1883) — 
^Jl>ct itttraahdnmhmh (rdroperifoneah) 
Hermm^ nnd BattrhfeUtaschen nebitt eittvr 
Lkirntdlung der Ji^tttriMuttff per toneider 
Ft^rmatwntn'' (Berlin 1891) — ,,LehrbtLch 
der normaien Anatomie dm mtnfichlkhen 

törper»'' (Ib. 1889, 6. Aufl. 1899) — ,,Der 
cHJir/Uirhe Körper'' (Ib., 2. Aufl. 1899) — 
,.Atla^ der nortnotcn Anafomit des metmeh- 
liehen Körpers^' (Ib. 1899) sowie diverse 
kleinere Mitteilungen. 



Brouardel, p a u i - c a m i 1 1 1- 

nijipolyte in Paris, geb. 13. Febr. l8:-i7 
XU Sikint'Qnentin (Aisne), studierte in 
Paris, wurde da.selbst Interne des hop. 
1869, Dr. med. 1865 mit der These; ,,L>e 
la tiibercidiaatwn de^ orgunt'H ghtitunx de 
la fcnm*e*\ 1869 Medecin du Bureau cen- 
tral nnd Agr^ge, 1874 Med. des höpitaux, 
1879 Prof, der geriehtl. Med. an der Fakul- 
tiitf 1881 Membre de Faiüul. und Doyen 
der Faktdtät. Schriften: ,r]itt(de critiquc 
^lirjr di^rges medirafion» employees contre le 
Uah^fe mcri^ tl869) — ,,Le tnol et l'hyp- 
fifrme" (1879) — ^inatallation d'appareil» 
Vtgorifit[ueit ä la morgue''* (1880) — „Attcn* 
ä la pudmr'' (1883) — ..Egouts et 
_ nges** (1882) — ^Le neeret medieal^'' 
(2 fed. 189B) — ,,C<mrn de %mdtcine legale 



de la fnoiltc de umi dt PariH'' {1 voll) — 
„La mort et In mort kiibitc** (1895) — Leff at- 
pltyaie't par len gaz^ le» vapetiVB et le» anesthe- 
»iqites" (1896) — ,.Ln p'ttdnison. la fttrangu- 
latiotu In 8uff()catimt et la gubniefHi4m'' (18^6) 

— y^Les eacplmiß et hf^ expltmona'^ (1897) 

— ^Uin/anlicide'' (1897) — „La respon- 
mbifüe medirnle^' (1898) — ..Vexe^^cice de la 
medej;ine** i 18991 — „Trttite de thMeeine title 
tlierapetiiique^' (10 voD. zus. mit A. Gilbert). 



ferner verschiedene Abhandlungen zui" 
Epidemiologie. Ausserdem veranstaltete 
B. eine französische Ausgabe von v. 
Kokman's Lehrb, d. gerichtL Med. u, d. T. : 
„.Vowre«H:r elenirfttn de medecine legale'*' 
(1881) und ist m\t 1878 Mitredakteur der 
y.Annalüs dhygimr pufdii/ne et de medecine 
tegolv^ (vom 50. Jahrgange an). 



Brown, Isaac Baker, in London, 
berükuiter <Jynäkolog, geh. zu Colne 
Engame in Essex, 8. Juni 1812, war ein 
Zögling des Guy 's Hoep.. unt^r HlI*TO^c, 
UesB 8ich 1834 als prakt, Aj-zt im Westend 
von London nieder und erwarb sich bald 
den Ruf eines geschickten Gebm-tshelfers, 
Er wendete seine besondere Aufmerksam- 
keit den Eierst^^ckscjsten zu und schrieb 
I über die Behandlung derselhen mit Punk- 
tion, Kompression, Excision eines Stuckes 
und Anlegimg einer Fistel, Injektion von 
Jodtinktur eine Anzahl von Aufsätzen in 
der Lancet (1844 bis 49), kam aber durch 



Browne — Brown-Seqnard. 



2d6 



die geringen Erfolge dieser Behandlongs- 
weisenauf dieExstirpation und führte die- 
selbe zunächst 3 mal ohne günstigen Aus- 
gang, dann zum 4. Male (1852) mit Erfolg 
an seiner eigenen Schwester aus. Er 
nahm einen thätigen Anteil an der Grün- 
dung des St. Mary's Hosp. und wurde bei 
demselben als Surgeon-Accoucheur und 
als Dozent für die chir. Krankheiten der 
Frauen und Kinder angestellt. 1858 legte 
er diese Stelle nieder und gründete bald 
darauf das London Surgical Home, den 
Hauptschauplatz seiner späteren ausge- 
dehnten operativen Thätigkeit. 1854 hatte 
er ein Werk: „0?t stirgical diseasea of 
wamen^^ (3. ed. 1866) publiziert, das seinen 
Namen als ingeniösen und kühnen Ope- 
rateur in den weitesten Kreisen bekannt 
machte. Er zeichnet« sich durch unüber- 
treffliche manuelle Geschicklichkeit bei 
der Ausführung schwieriger Operationen 
an den weiblichen Genitalien, der Ope- 
ration veralteter Darmrisse, der Blasen- 
und Mastdarm-Scheidenfisteln, derTumoren 
des Uterus u. s. w. aus, während er bei der 
Ovariotomie die Durchtrennung des Stieles 
mit dem Glüheisen ausführte. Über die Er- 
krankung der Ovarien und die Ovariotomie 
schrieb er: „On ovarian dropsy: its nature 
diagnosis atid treatmenP'' (Lond. 1862; 2. ed. 
1868). 1861 hatte er die Genugthuung, 
dass NhXATON mehrere Tage lang sein Gast 
war, allen seinen Operationen beiwohnte 
und, nach Paris zurückgekehrt, der 
Ovariotomie daselbst Eingang verschaffte. 
1865 wurde er Präsident der Medical 
Society. Im folgenden Jahre publizierte 
er das Werk: „On the curabüity of certain 
forma of insanity, epilepsy, catalepsy and 
hysteria in fenuües^'' (Lond.), in wel- 
chem er als ein in einzelnen Fällen zur 
Heilung geeignetes Mittel die Clitoridec- 
tomie empfahl. Nachdem er diese Ope- 
ration in einer grossen Zahl von Fällen 
ausgeführt, wurde 1867, in der Obstetrical 
Society, eine Anklage gegen ihn wegen 
unwürdigen Verhaltens erhoben, die nach 
langer und stürmischer Diskussion (Lancet, 
1867, 1, S. 366; Med. Times and Gaz., 1867, 
I, S. 427; Brit. Med. Joum., 1867, I, 
S. 395) seine Ausschliessung aus der Ge- 
sellschaft zur Folge hatte. Trotz der von 
seiner Seite gemachten Anstrengungen 
war er dadurch in den Augen des Publi- 
kums diskreditiert, erkrankte bald darauf 



auch körperlich und starb 3. Febroar 1873. 
— - Er war einige Jahre lang unzweifel- 
haft in London der geschickteste Operateur 
bei Eierstocksgeschwülsten und Blasen- 
Scheidenfisteln; diese Operationen wurden 
von ihm sowohl im „Surgical Home" als 
in der Privatpraxis in grosser Zahl aus- 
geführt; er publizierte alle seine Operations- 
fälle, auch die unglücklich verlaufenen, 
mit grosser Offenheit ; auch wird von Un- 
parteiischen angenommen, dass die Clitori- 
dectomie, die ihn schliesslich zu Grunde 
gerichtet hat, von ihm durchaus in gn^tem 
Glauben an deren Nützlichkeit empfohlen 
und ausgeführt worden sei. 

BrOWnOf Lennox (von manchen 
Autoren umgekehrt Lennox als Haupt- 
name angesehen), M. K. C. S. Eng. 1863, 
P. R. C. S. Edinb. 1873, Spezialarzt für 
Brust-, Singstimmen-, Nasen- und Grehörs- 
krankheiten in London, veröffentlichte 
1878: „The throat and noae and their 
diseases'''' mit 500 Abbildungen (5. Aufl. 
1899, um 100 Abbildungen vermehrt) 
Vorher hatte er geschrieben: „Australia 
for invalids, the voyage dimates afid pro- 
speds for residence'' (1865). Von 1875 bis 
81 erschienen in einzelnen Essays die 
„Pradi<:al remarks on throat and ear 
diseases'''', femer 1880: ,,0n production and 
management of the singing voice^^, sowie 
die seit 1883 in 19 Auflagen erschienene 
Schrift: ^^Voice, sang and speech'''' etc. 

Browne, Samuel, M. R. C. S. Eng. 
1851, L. und L. M. 1859 imd 1881 auch 
M. K. Q. C. P. Ireland, wirkte zu Belfast 
sowohl am Kinderhospital, als an da- 
selbst befindlichen öffentlichen ophthal- 
miatrischen Instituten. Abgesehen von 
zwei bereits 1852 publizierten, mehr popu- 
lären Vorlesungen über das Auge, ver- 
öffentlichte er eine Reihe ophthalmolo- 
gischer Arbeiten im Dubl. quart. Joum., 
so unter anderem (bereits 1849): ,,Complete 
paralysis of the motores oculorum from 
tumour of the crura cerehri?'''' und st«rb 
26. August 1890. 

Brown -S6quard, charies- 

Edouard, zu Paris, 1818 auf der Lisel 
Mauritius geb. Sein Vater, Edward Brown, 
war aus Philadelphia, seine Mutter eine 
Französin Namens Sequard. Er kam 1838 



257 



Brück — Briicka, 



2b& 



zur VervollstAndigunp seiner niedlÄinisclieji 
Stüdiefn nach pAris und wurde 1840 da- 
8«*Ib«t Doktor. Er widmete sich von da 
an experimenttjll * physiologischen Unter- 
eticlitmgeii über die ZußammenBetzmig 
des Bhites, die anlnmlische Wänne^ das 
Rückenmark nnd »eine Erkranktmgen^ 
dfl& Muskel*. Nerven-, Ganglien -System. 
Diese Untersuchungen berechtigten ilin 
auch, vielfach mit Erfolg ErkraDkungen 
de« Nervensystems zu. behandeln. Sowohl 
^o diesem Zweck, als um Vorlesungenj 




zum Teil vor einem grosse reu Publikum, 
zu h&lt<*n, nahm er zeitweise einen län- 
geren Aufenthalt in Nord* Amerika und in 
Landen. An letzterem Urt*^ war er Arzt 
des Htiepitals fCSr Paralytisrhe* Im Januar 
1869 wtirde er zum Professeur agrege an 
der Pariser medizinischen FaknltÄt er- 
nannt, 1878 endli<*h Cr,AnDK BERNAfit»*6 
Nachfolger auf dem Lelii-stuhl d^r Experi- 
mentaJ-Biedizln am College de Franc«. 
In seinen letzten Lebensjahren machte er 
noch viel von sich reden durch die von 
ihm gegen Impotentia virilis empfohlenen 
bku tauen Spermin - Injektionen und 
ie damit der Begründer der neueren 
Organtherapie. B.S,, der 2. April 1894 
in Paris starb, hat sieh vor allem grosse 
Verdienet« um die Ner\'enphy8iologie nnd 
thologits erworben^ auf die sich die 
riegende Zay seiner Publikationen 
bezieht. Er hat ausserdem 1856 das 
Joamtü de la physiologie de rhomme et 
des oiUmaux begnindet und im 1863 (6 
Toll.> heninsgegehen, 1868 grtlndet<3 er 



mit Chäboot und Vülpux die Archives 
de Physiologie normal© et pQthologique, 
und w-ar Mitarljeitar am Dict. encyclop^. 
des sc. medic. 1873 gab er in Plüladeiplda 
und New York die Archives of Scientific 

1 and Pi-a^-^tical Medicine and Surgery 

, heraus* 

Brück, Julius, in Breslau, als 

I Sohn des Zahnai-ztes Dr. med. Jonas B, 
1 daselbst 6, OktoWr 1840 geh, studierte ^ 
I den Universitäten Bredau. Berlin. Bonn, 
Paris Medizin uml ZahnheÜkimde, bestand 
1858 die Staatsprüfung als Zahuai-zt, 'wnirde 
1866 Dr. med. und erw^arb 1870 äiK* Ap- 
probation als Arzt. 1859 trat er iji die 
Praxis seines Vaters ein, habilitierte sich 
1871 als Dozent in der med. Fakultät zu 
Breslau mit der HabilitiitionsscJirift: „ßet- 

Zahfifitäpa'' imd erhielt 1891 den Professor- 
titel, B. veröffentlichte noch : ,,JJas Urethro- 
8cop und Stomahsvop durch f/alranhiheit 
Glählicht'' ^ ,JM^ Kratikheitm dc^ Zahn- 
fiei^he»'' - ,,rher anc/eborcttc und er- 
^rort^üHC DefekU des Gemvhte^ und des 
I Kwfers'\ 

Brücke, Ernst Wilhelm Ritter 
von, geb. zu Berlin 6. Jimi 1819 als Sohn 
des Porträt- und Hißtoriejimalei-s Johaa-n 
GoTTFRiKD B. Er studierte seit 18:^8 an 
den Universitäten zu Berlin und Heidel- 
berg Medizin. Im November 1842 i^^urde 
er zum Dr. med. promoviert. Zu jener 
Zeit mussten nach den Gesetzen, welche 
an der Berliner Universität (reltung hatten, 
mindestens zwei Jaluev»?rstreichen zwischen 
der Erlangung der Doktorwürde und der 
Habilitierung als Privatdozent, so dass B. 
erst am Ende des Jalires 1844 Privatdozent 
an der Berliner Universität wurde, und 
zwar für Physiologie. Inzwischeu war 
B. schon im Herbst 1843 Assistent an dem 
tmter Johaxnrs Müllkr^s Leitung stehenden 
Museum fClr vergleichende Anatomie ge- 
worden tmd versah gleichzeitig de facto, 
wenn auch nicht amtlich hierzu bestellt, 
die Dienste eines Prosektors, da der da* 
malige Prosektor Pktkrs sich zwecks einer 
wissenschaftlichen Heise auf Urlaub be- 
fand. Im Herbst 1846 erhielt B. zu seiner 
Assistentenstelle noch die eines Lehn>rs 
für Anatomie an der Berliner Akademie 
der bildenden Künste. Im Frühling 1848 



^J 



269 



Brücke. 



260 



wurde er als Professor extraordinarius für 
Physiologie an Stelle Bürdach's nach 
Königsberg berufen, und im folgenden 
Jahre als ordentlicher Professor der Physio- 
logie und höheren (mikroskopischen) Ana- 
tomie an die Wiener Universität, woselbst 
er seit Beginn des Sommer-Semesters 1849 
ununterbrochen als Professor der Physio- 
logie und als Leiter des physiologischen 
Institutes bis zu seiner nach dem österr. 
Universitätsgesetz erforderlichen Alters- 
emeritierung 1890 thätig war. Noch im 
Jahre 1849 wurde er zum wirklichen Mit- 
gliede der neu gegründeten Wiener Aka- 
demie der Wissenschaften ernannt und 
später noch vielfach ausgezeichnet; so 
unter anderem durch Verleihung der 
Österreichischen Hofratswürde, durch Er- 
nennung zum lebenslänglichen 
Mitgliede des österreichi- 
schen Herrenhauses (1879), 
durch die Bektorswürde, 
femer, nebstvielen frem- 
den Orden, durch Ver- 
leihung des österreich- 
ischen Franz Joseph- 
und später des Leo- 
polds-Ordens, welch' 
letzterer seiner und 
seiner Familie Erhe- 
bung in den Ritter 
stand mit sich brachte, 
durch Verleihung des 
preussischen Ordens pour 
le merite u. s. w., durch 
die Mitgliedschaft der Ber- 
liner, der Münchener und 
mehrerer anderer Akademien, durch Ehren- 
doktorate u. s. w. B. hat nicht,wie die meisten 
neueren Physiologwi, ein spezielles Kapitel 
der Physiologie ausschliesslich oder mit 
besonderer Vorliebe bearbeitet, sondern auf 
allen Gebieten geforscht, in der Morpho- 
logie, in der physiologischen Chemie, in 
der physikalischen und physiologischen 
Optik, in der Nerven- und in der Muskel- 
Physiologie, in der Physiologie der Sprach- 
organe, in der des Blutes und der Ver- 
dauung u. s. w. und die Resultate dieser 
Forschungen in einigen Büchern und in 
zahlreichen grösseren und kleineren Ab- 
handlungen niedergelegt. Von diesen 
letzteren erschienen die meisten bis 1849 
in „MlJLLKB'6 Archiv für Anatomie, Phy- 
siologie und wissenschaftliche Medizin" 




und von diesem Jahre an in den Denk- 
schriften und Sitzungsberichten der kaiserL 
Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Seine mikroskopischen Arbeiten sind u. a. 
bahnbrechend gewesen und massgebend 
geblieben für unsere Anschauungen. über 
das Wesen der Zellen („Elementar-Organis- 
men") : seine optischen Arbeiten haben die 
Grundlage für die Erfindung des Augen- 
spiegels abgegeben, welchen dann Helm- 
HOLTz konstruierte und haben unsere Kennt- 
nisse von den Verrichtungen des menÄch» 
liehen Auges sehr wesentlich bereichert; , 
und seine chemischen Arbeiten haben 
nebst vielen anderem auch in das noch 
so dunkle Gebiet der Eiweiss-Substanzen 
wenigstens einige Streiflichter fallen lassen. 
In seinem Werke y,Grundzüge der Physio- 
logie und Systematik der Sprcu^' 
laute für Linguisten und 
Taubstummenlehrer"' (Wien 
1856, 2. Auflage 1876) 
hat er eine erschöpfende 
Analyse der in euro- 
päischen und oriental- 
ischen Sprachen vor- 
kommenden Laute in 
Beziehung auf die 
Art, wie sie hervor- 
gebracht werden, ge- 
geben imd hat dann 
in einem anderen 
Werke „A^cmc Methode 
der phonetischen Trans- 
scriptum'' (Wien 1863) die 
Idee praktisch durchge- 
führt., die Laute der Sprache 
in der Schrift und im Druck nicht 
durch willkürliche, rein konventionelle 
Symbole darzustellen, die untereinander, 
imd mit dem, was sie bedeuten sollen, 
in gar keinem Zusammenhange stehen, 
sondern sie vielmehr durch Zeichen 
auszudrücken, welche aus Elementen be- 
stehen, deren jedes eine Beziehung auf eines 
der Sprechorgane hat, so dass im ganzen 
Zeichen die Stelle der Artikulation, die Art 
derselben, der Zustand der Stimmritze 
u. s. w. repräsentiert ist, und jeder, der nur 
die Bedeutung der Elementarzeichen kennt, 
eine nach dieser phonetischen Trans- 
skription niedergeschriebene Wortfolge in 
einer Sprache, die er nie gehört hat, voll- 
kommen richtig auszusprechen imstande 
ist — eine Errungenschaft von grosser 



261 



Bruehl — Bmnn. 



Wichtigkeit für Linguisteii und Örtliioe- 

pist*?u. Von giHiseeren Werken hat B* 

ferner veröffentlicht *-iiie ^.Pht/fi-iGiogie der 

Farben für die Zweckt: der Kunstgewerbe 

bearbeitet'^ (Leipzig: 1866) — n^^ physio- 

■ togischen Grundlagen der neuhachdeuUchen 

i FerÄftwfwr (Wieu ]S7l)uui[,,BrHchstmkcaHs 

der Theorie der bildenden Künste*' (Leipzig 

1877. Bd. XXVllI der Internationalen 

wissenschaftlichen Bibliothek). Im Jahre 

1873 entscldoss sich B., dnrch äussere 

Um*» tan de dazu gedi'iingt, sein regel- 

I massiges Haupt kollegium nachstenofi^a- 

phieren zu lassen und es, mit gering- 

lltigi^en Veränderungen* in Form eines 

Ixweibandigen Lehrhiiches herausrugeben. 

r Dasselbe filhrt den Titel: ^^Vorlesungen 

lnber Physiologie'' (2 Bde., Wien 187H bis 

74; seitdem sind neuere Aiiiiagen davon 

«srsclüenen, die dritte 1881). Von seinen 

vielen kleineren Abhandlungen seien die 

folgenden genannt, nur um eine Vor- 

tteUnng von iler Vielseitigkeit B.'e zu 

geben: ^^Afta^omiffche Bej^vhrethimg des 

mttibvhlichai Augapfels^'- —^ ^Mnlersuchungen 

über Hubjt/cfive Farben^'' — ^Vergleichende 

Batterkungen über Farben und Farben- 

^ttechsel bei den Cephalojtoden und bei deti 

^Cftamdleonen*' — ^t^^^fr die Chylusgefa^se 

und die Meüiori*tioH den Chylua^^ — ,,Uber den 

Dichroitfmun den Bhtlfarbstofes^*' — Über 

die Vmache der Gerinnung des Blutes^^ — 

„t'ber das Vorkommen von Zucker im Hant 

ge^iunder Menachen*''' — ^J*ber den Verlauf 

der fcinsteti Gallengänge*^ — v^ber das 

Verhalten lebender MujJcdn gegen Bormure- 

losungen*' — ^^Über den Bau der roten 

^BtutkÖrperchiin^'' — „Über den EinfluH^ der 

^romettdauer auf die elektrische Erregung 

Muskeln" — ^^tlfer da» Verhidien ent- 

inervter Munkein gegen dittcmitinuirliche 

teJdnscfie Ströme^* — ^^Über asymmetrische 

frahlenbrechuHg im mcn»chlichen Auge''*' — 

^^ber die Feptontheorien und die Auf- 

tugung ciwei^satüger Substanzen*'' — 

^Über die physiologische Bedeutung der 

theilweisen Zerlegung der Fette im iHtnu' 

W^arm** — „f T^fr eine neue Methode, Dextrin 

und Glymgen aus thiertschai Fliiasigkeiten 

Gaeeben abzuscheiden''*^ — f,Üb^r einige 

fConsequefutn aus der Ymtng-HelmholtzHvhen 

Iheorie**, Nebst diesen, nur beispielsweise 

j^Aiige führten Arbeiten, sind nt>ch üusserst 

bhlreitihe AbhamUiingen aus allen Ge- 

hihUstk dur Physiicilogie, der reinen Physik 



und Chemie, der Morphtdogie. ja selbst 
der Botanik von B, verüffeutlicht worden 
und aosserdem noch mehrere Schriften 
nicht naturwissenschaftlichen, sondern 
ästlie tischen Inhalte. Kui-z vor B.'s am 
7. Jan. 1892 an der Liduenza erfolgtem 
Ableben erschien noidi dii? Monographie: 
^fSeliönheit und Felder der menschliehen 
Grsfalt-\ 

BrUehlt Karl Bernhard, geb. 
5. iMai 1820 zu Prag, studierte 1841 bis 47 
in Wien Mediziji, setzte seine Studien in 
Itahen und Faiis fort, kehrte 18öö nach 
Wien zurück, wurde 1857, als Nachfolger 
von Oscar Schmidt, Prof. der ZooL imd 
vergleich. Anat. in Krakau inid 186() in 
die gleiche Stellung nach Pest berufen, 
ging «her noch in demselben Jalu'e, aus 
sprachlichen Gründen, nach Wien, wo er 
1861 den neu errichteten Lehrstuhl der 
ZootomJe und 1863 die Mittel zur Er- 
richtung eines zootom, JnstitutÄ erhielt, 
dem er bis zu seiner EmeriUenmg 1890 
vorstand. Bi, der 14. August 1899 in Graz 
verstorben ist, verfasste hauptsächlich 
zootom. u. vergL anat. Schriften, deren 
Titel Ider übergangen werden können. 

Brühl, Gustav, in Berlin, geb. 1871, 
erliiilt seine AusbÜdnng in Wien und 
Freibürg i. B. unter A. Politärr und Blücii, 
so\\ie am anatomischen Institut von 
ZucKKRKAMiL ju Wien, Dr. med. 1894, 
wirkt seit 1898 als Obrerianct in Berlin. 
Sclu-iften: ,,Das fnenschliche Gehörorgan" 
(Atlas. München 1898) — ^tNeue Methoden 
und Darittellungsiceiscn der Hohlräume in Ohr 
und A(i.^f" (Auat. Am. XT\\ Prii parate auf 
Krankeuptlegeausstellmig priimÜert} — 
fjStimmgabcluntcrsuchungen l*ei Seh werhöti' 
gen : Der Binne'sche und Gellesche Versuch** 
(Z. f. 0. 32. 1897) — „Casuiäik und Unter- 
suchungen bei Taubstummen'* (Handbuch 
von GcTZMANN 189Ö bis 99). In Vorbe- 
reitung befindet sich: „Handatla» der 
Ohrenheilkunde mit erldutemdem Grund^ 
KiMif'^ (unter Mitvkij'knng von PoLftZER, 
München, als Teil von L&omakn's „Med. 
Handatlanten"), 

Brunn, Albert von, zu Zschomo 
(Kreis Forst) 7. Februar 1849 geb., stu- 
diei-t« in Leip^g, Bonn, Bi-eslau und 
StrafiSDurg, hier als Schiller Walubybe^s* 

9* 



Bnins. 



264 



Am 8» Mai 1872 promoviert, übernahm er 
im Herbst 1872 die Stellung des Pro- 
sektors zu Gröttingen und habilitierte sich 
daselbst. Er beschrieb monographisch: 
^J)a8 VerhaUniss der Gdetikkapsdn zu den 
Epiphysen der Extremitäie^ihiochen^'^ (Leip- 
zig 1881) und publizierte ausserdem Ar- 
beiten über Ossifikation, Blut, Samen- 
körper, Riechepithel in verschiedenen Zeit- 
schriften. 1883 folgte er einem Ruf als 
ordentl. Prof. nacli Rostock als Nachfol- 
ger des damals nach Königsberg berufe- 
nen Prof. Merkel (jetzt in Göttingen). 
Doch starb B. bereits 11. Dezember 1895 
zu Malchin. 

BrUnS) Victor von, berühmter 
Laryngocliirurg zu Tübingen, war 9. Au- 
gust 1812 zu Helmstädt geb., studierte 
1831 bis 33 auf dem Colleg. anat.-chirurg. 
und Carolinum in Braunschweig und 1833 
bis 36 in Tübingen, wo er mit einer Dis- 
sertation vergleichend-anatomischen In- 
haltes Doktor wurde. Nach einer ein- 




1 ährigen Reise wurde er Arzt in Braun- 
schweig, begann 1838 Vorlesungen über 
Anatomie bei dem erstgenannten CoUe- 
gium, wuixie 1839 Professor derselben und 
schrieb ein ,,Lehrbuch der allgemeinen Ana- 
tomie des Menschet!,'' (Braunschweig 1841). 
1842 wurde er Chirurg des herzogl. Kran- 
kenhauses und 1843 nach Tübingen als 
Prof. ord. der Chirurgie berufen. Die von 
ihm während seiner dortigen 40jährigen 
praktischen Tliätigkeit verfassten grösseren 
Arbeiten sind folgende: ..Übersicht über 



die .... 1843 bis , , . , 1846 vorgekom- 
menen Krankheitsfälle und OpßraUonen u, 
s, u;." (Tübingen 1847, 4) — ,JXe chirur- 
gischen Krankheiten und Verletzungen des 
Gehirns und seiner Umhüllungen^*^ (1854) 
und „Die chirurgische Pathologie und The- 
rapie des Kau- und Geschmacksorganes^'' 
(1859 \ beides von einem „Chirurgischen 
Atlas'' (1854 bis 60) begleitet — „Lte 
Durchschneidung der Gesichtsnerven beim 
Gesichtsschmerz'' (1859). — Mit der Schrift 
„Dtc erste Ausrottung eines Polypen in der 
Kehlkopfhöhle durch Zerschneiden ohne 
blutige Eröffnung der Luftwege'''' (1862, m. 
3 Taff.) und einem ..Nachtrage" (1863) gab 
er Kunde von einem durch ihn zum ersten 
Male betretenen Wege, nämlich der in- 
tralaryngealen operativen Behandlung der 
Kehlkopfspolypen, welcher auch seine fol- 
genden beiden Arbeiten: „Die Laryn- 
goskojne und die laryngoskopische Chirur- 
gie" (1865, m. 8 Taff.; 2. Aufl. 1873) — 
..Dreiundzwanzig neue Beobachtungen von 
Polypen des Kehlkopfes^' (1868, m. 4 Taff.» 
gewidmet waren. Er verfasste später 
noch ..Die chirurgische Heilmittellehre ». 
s. w," [2 Bde., 1868 bis 73), aus welcher 
..Die Arznei-Operationen" (1869) — ..Die 
Galvano-Chirurgie" (1870; und die Auf- 
sätze ..Zur Kriegschirargie" (1871) — 
..Zur Galvanokaustik" (1874) in besonde- 
rem Abdruck erschienen. — Zu erwähnen 
ist noch, dass er 1855 durch den Würt- 
tembergischen Kronenorden den pei'sön- 
lichen Adel erhalten und in den Kriegen 
von 1866 und 1870 bis 71 als konsultie- 
render (Teneralarzt bei den Württem- 
bergischen Truppen Rühmliches geleistet 
hatte. — Li den letzten Jahren seines Lebens 
schrieb er noch: ^,Die galvanokaudischen 
Apparate und Instrumetttc u. s, w." (1878, 
m. Holzschn. und 2 Taff.) — ..Die Ampu- 
tation der GliedmuNsen durch Zirkelschnitt 
mit vorderem Hautlappen" (1879) und ei- 
nige Aufsätze, darunter einen : ..Fort mit 
dem Spray!" {B. k. W. 1880). Er legte 
im Frühjahr 1882 sein Lehramt nieder 
und starb 18. März 1883. 

BrUnS, Paul von, zu Tübingen, da- 
selbst 2. Juli 1846 als Sohn des Vorigen geb., 
studierte 1864 bis 70 in Tübingen und 
Berlin, war im Kriege 1870/71 Oberarzt 
eines Württembergischen Feldspitals, 187 1 
bis 77 Assistenzarzt an der Tübinger chi- 



966 



Bnuis — Branton. 



2ßB 



rargischen Klinik, 1875 Privatdozent 1877 
Pixjf. extraord.. 1882 Prof. ord, der Chi- 
rurgrie nud Direktor der chirargiscJien 
Kltuik, nls Nm'bfolger seines Vaters. Er 
wurde 1893 Generalai'zt n la suite des 
Wfirtt. Sani täte kot»j»s iiud für das JaJir 
1897 Pnisideat der Deut*4trlien Oeseilschalt 
für CUii-argie. Seine Schriften sind : ».Die 
Laryngofomie zur Enffentttug intralaryn- 
gtaler NcnbUdmujen'' (Borlija 1877) — ,XHe 
alt gewehte Lehre von den Knochenhikhen^' 
(Deutsche Chimrgie, Lieferiuig27, 1881/86) 
— *,Die Gesthosmtirkitng der neueti Khm- 
kaliberge wehre" (Tiibin^on 1889) — ..LHe 
Wirkung und kriegMchirurgisiiiC. Bedeutung 
der Seibsitadepistole System Mause r^^ (Ib. 
1897) — ,JJie Wirkung der Blehpitsen- 
gt4ickosse" (Btim-Dinn-Ge^ehogs^'; ib. 1896j 




— ^Dle Wirkung der neuesffH englischen 
Amieegesrhome M. JF" (Hohlspitzenge- 
»i^hosse; ib. 1899), — Er ist Begründer 

^tiöd Herausgel KT der ^^ Beiträge zur klin. 
Chirurgie^ (seit 1883), Mitherausgeber 
(aüt E. V. BBRGifA.vN) der ..Deut^hen Chi- 
nr^i^* und de& .^Hafidbuches det* prak- 

l^iiichen Chirurgie^ (mit E, \\ Bbromanh 

Ptuid J, V. Mikulicz). Grrösfiere Joumal- 
Anf^ütxe eind: ,J)a» Banken - Neurom^' 

r_(VmcH0w'8 Arcli. 1870) — ,^ie galmno- 
i, Amputation der Qlieder^^ (Arch. f. 
klin, Chir, 1874) — .MUmM-he Evfahnmgen 

^Ulifr kiinstlirhe Btut leere bei Operationen^* 
(Ib. 1876) — ^J^He temporäre Ligatur der 
Arterien*' (D. Z, f, C. 1875) — ,Mitiseptik 
im Kriege"^ (1879) — ,,Die Eesektian des 



KefUkopfejt hei Stenose'' (1880) — ..Trans- 
plant ation von Knochenmark^' (1881) — ,,I}as 
Pf* in zip des Troekenverbande^''*' (1884) *- 
yj%er den gegenwärtigen Stand der Kropf- 
behandlutig^' (Samml. klin. Vorträge 1884) 

— ,,AntitaberkulÖ8e Wirkung des Jodoform'* 
(1888) — .^Heilu^irkung des Erysipels'' 
(1888) — ^ ^.Jodofonmnjektionen bei tuber- 
kulösen Abscesseti und GelefikerkrankungefV* 
(1890) — „Beseeiiü tibio-cakanea'' (1891) 
" ^.Luration derSemilunarknorpddesEme- 
gelenks^' (1892) — ^^Subpef^ostale ünterschen- 
kelamputafion"^ (1893) — yßehftrhand bei 
Frakturen und Operationefi an den uf^eren 
Extremitdtt'n'itBBH) — y.Ompkalekttmm bvi 
der Radikal Operation der NabeJbrÜcfie^* (1894) 

— ^^Ausgängeder tuberkulösen Cox?6'«^*(1894) 

— .f.Kropfbchandlung mit Sehilddrüscnfüt' 
terung'' (1894/96) — ..Akute OsteomgeUtis 
im Gebiete des Hüftgeleuk^'' (1899). 

BrUHSf Ludwige in Haimover, da- 
eelböt 25. Jimi 1868 geh., von 1877 
bis 92 in Gtittangf^n und München ausge- 
bildet, widujete sich vorübergehend der 
Oplithttlmologie,iäeit 1894derNeuroJogie,zu- 
nächst ab Assist eut an der Provinzial- 
in^nanstalt in Nietlebeji (iinter Hitzig"»» 
1895 an der neugegründeten ps^n^.hiati. 
und Nervenkhnik in Halle, später in Ber- 
h*n und Paris. Gegenwärtig ist B. Ne r- 
venarzt in Hannover, Sc hriften : „the 
öeitchviilste des Nervensgstents*' (Berlin) 

— ^.Hytiterie Itu KindesaUer^ (Halle a, S.), 
sowie Abhandlungen und AufsätjEe über 
die Geschwülste dts Gehirns, über Lo- 
kalisation im Bückennrmk, über das Ver- 
halten der Eeilexe bei hoher t^ertrennung 
des Rückenmai'ks, ülier Alexie, Neuritis 
bei Diabetes u, ö, w. Seit 1887 ist B. 
Mitarbeiter am Netirol. CentralbL, seit 1890 
an Schmidt*» Jahrb,, ferner an Eulenbi'ro's 
Realencyclopadie, an der ^,Twentieth Cen- 
tirry Praxis of Med. (New-York), D. Med, 
W,, D. Z. f, N. etc. 

BrUntOn, J^hn, I86O zu Glasgow 
zum Meil. Dr. promoviert, war früher da- 
selbst thätig, fungierte als Snrgecm der 
Roy. matern. charity. war Mitglied vieler 
gelehrter O esellschaf ten. Erfinder eines 
Ötoskops (1861) mid eines lustrimients 
zum Lnfteinldasen in die Paukenhöhle. 
Seine sonstigen Publikationen sind teils 
gj'nakohigi sehen Inhaltes (wie die im Glosg. 



267 



Bryant — Bnchheinu 



med. Joum. 1873 tmd 1877), teils behan- 
deln sie medikamentöse Vorschläge : „Phos- 
pharus OS a stimulant'^ (Lancet 1874) — 
— ,,Suoce88ful treatmetU ofnaevus by exter- 
nal appUcatian of efhylcUe of sodium^^ und 
ähnl. — Er starb 25. März 1899. 

Bryant, Thomas, als F. R C. S. 
1853 geprüft, Cliirurg und Prof. d. Chir. am 
Guy's Hospital, im Besitz vieler Ehren- 
stellen und Mitgliedschaften, ist der Ver- 
fasser von ,^0n pradice of surgery^'' (in 3. 
Aufl. London 1878 erschienen) ; femer von 
„T/ic diseaseH and injuries of the joints, 
clinical and pathological observafions; cli- 
nical surgery'' (Teil I— VIII) — ,,The 
diseases of the breast, Viilous and other 
diseases of the rectum!'''. Ausserdem bear- 
beitete er zahlreiche spezial-chinirgische 
Themata, unter anderen die chirurgischen 
Krankheiten des Kindesalters, meistens 
in den Transact. of the med. chir. soc. 
und in den Guy's Hosp. Rep., neu- 
erdings über Behandlung der Hernien im 
Brit. med. Joum. 1884. 

BuChanan, Slr George, berühm- 
ter Hygieniker in London, geb. 1830, stu- 
dierte am üniversity College daselbst, 
wurde 1855 M. D., Physician am Fever- 
und am Kinder-Hospital in Great Ormond- 
Str., arbeitet« 8 Jahre lang im Medical 
Department des Privy Council, trat 1869 
in den Public Health Service des Staates, 
wurde 1879 Principal Medical Officer und 
widmete sich damit ganz dem öffentlichen 
Dienst. Seine Leistungen fanden vielfach 
äussere Anerkennung, indem ihn die 
Univ. Edinburg zum Dr. juris ernannte 
Tmd seine Freunde die goldene George 
Buchanan-Medaüle bei der Royal Society 
stifteten. Bei seinem Ausscheiden aus 
dem Staatsdienst 1892 erhielt er die Rit- 
terwürde. B., der 5. Mai 1895 starb, 
ist Verf. verschiedener äusserst wertvoller 
Publikationen auf dem Gebiet der Hygiene, 
spez. auch über die Ätiologie der In- 
fektionskrankheiten (Ruhr, Typhus) und 
zur Epidemiologie. Eine seiner letzten 
öffentlichen Mitteilungen war ein längerer 
Vortrag über Scharlachfieber und dessen 
Verbreitungsweise, geh. 1890 auf dem 
Berl. intern. Kongr. Der Wert von B.'s 
wissenschaftlichen Arbeiten liegt darin, 
dass sie aus Einzelbeobachtungen hervor- 



gegangen sind, welche B. in seiner Eigen- 
schaft als oberster Hygiene-Staatsbe- 
amter und in seiner hygien. Praxis zn 
machen reiche Gelegenheit fand. B. ge- 
langte auf diesem Wege oft zn über- 
raschenden Aufschlüssen, z. B., dass eine 
Scharlachepidemie von einer Milchwirt- 
schaft ihren Ausgang genommen hatte, 
femer über die Beziehungen ungeeigneter 
Rieselanlagen zu Typhus, über das Ver- 
hältnis von Bodenfeuchtigkeit und Häufig- 
keit der Tuberkulose, über die Übertragung 
von Seuchen vom Lande auf Schiffe, über 
die hygien. Schädigungen bei der Banm- 
wollenfabrikation u. s. w. Einige von 
B.'s Arbeiten beziehen sich auf Stand 
und Entwickelung des englischen Kran- 
kenhauswesens. 

BuChanan, George, in Glasgow, 
wurde M. A. 1846, M. D. St. Andr. 1849, 
ist L. L. D. seit 1889 und ausschliesslich 
chirurgisch thätig, gegenwärtig als Prof. 
d. klin. Chirurgie an der Univ. u. Surg. 
a. d. R. Infirmary. B. ist einer der Mit>- 
herausgeber des Glasgow Med. Journal 
und publizierte ausser einer Beschreibung 
seiner Erlebnisse im Krim-Kriege zahl- 
reiche Abhandlungen auf dem Gebiet der 
Chirurgie, über Lithotripsie, Radikalkur 
der Inguinalliemie bei Kindern, Ovario- 
tomie in den verschiedensten engl. Jour- 
nalen, B. M. J., Lancet, E. M. J. Auch 
gab B. die 10. Auflage von ,,Änat<nnid'8 
Yademecum^' heraus. 

Buchheim, Endolf, Pharmako- 
log, als Sohn eines Kreisphysikus zu Baut- 
zen 1. März 1820 geb., studierte seit 1841 in 
Leipzig, w^rde hier 1845 Dr. med., er- 
hielt bereit-s 1846 eine ausserordentliche, 
1849 eine ordentl. Professur für Arznei- 
mittellehre und Geschichte der Med. in 
Dorpat, von wo er 1867 einem Ruf nach 
Giessen folgte, um hier bis kurz vor seinem 
25. Dezember 1879 durch A])oplexie 
und Herzruptur erfolgten Ableben als 
Lehrer thätig zu sein. B.'s Bedeutung 
liegt in seinen Bestrebungen zur Anbah- 
nung einer Selbständigkeit seiner Wissen- 
schaft, die er möglichst von der Therapie 
zu emanzipieren und zu einer Experimen- 
talwissenschaft auszugestalten suchte. Es 
ist speziell sein Verdienst, dass er bereits 
in Dorpat zu diesem Zwecke das erste 



Bucliner- 



270 



phariDÄltologische Instittat sohuf» das spater 
zu einer Unlversitätsanst^lt erhöhen, von 
B. zu Lesoaderer Blüt^ gebracht und 
das Vorbdd aller ähnlichen Einrichtungen 
gei\'orden ist. Aus diesem Institute sind, 
wio Th, HrjiiEMAXN im älteren Lexikon her- 
vorhebt, unter B.'s Leitung ?:^Kf'»i ^ -^J- 
beite.n von B.'s Schülern tk\& Beiträge zur 
liösting derjenigen Aufgaben hei-vorge- 
gangen, die B. als die zur Förderung der 
Pharmakologrie geeignetsten und not^ 
wendigsten betrachtete. Die Ergebnisse 
iieser Forschtmgen sind in zahlreichen 
r4bhandlungea der Jahre 1853 bis 73, 
sowie in dem von seinem Schüler ScHiUK- 
CMtuEJMJ mitbegrütideten Archiv für expe- 
rimen teile Pathologie, wie: ^J'bcr die 
Wirkung des Jodkaliuma"' und „Über die 
Wirkung der Kaliutnsulze** niedergelegt. 
V^on B, rührt, auch eine deutsche Aus- 
gabe von ^^Percira'8 Elemtnia of müt. m&d/'' 
fLeipz. 1846 bis 48, 2 Bde.) her u, d. T, 
,,J, P.'s HatuU/udt der HethmHellekrc, nach 
de»n Standpunkt der dnitschen Medkiu be- 
urbeitei^*' — Im einzehien behandeln B.'s 
Arbeiten die Abführmittel, den Kinfltiss 
der Galle auf gewisse drastis<'he Harze, 
die Purgierwirkung der saUni sehen Ab- 
führm.ittel, die [Pharmakodynamik der Ker- 
vina, Leliertiiran, Mutterkorn, die my- 
driatisjfhen Alkaloide derSolaneen u. s. w. 
Sein (Hauptwerk ist sein „Lehrbuch der 
Arzneimittellehre'' (l8o6, 3. Aufl. 1878). 

Büchner, Ludwig Anarei*«, in 
Mönchen, 23, Juli 1818 geb., studierte da- 
selbst sowie in Paris und Giesseii nntei 
-Einleitung seines Vaters Johann Andreas 
B*, sowie V. EüCHs*, v. Mahtius^ Böluä- 
v.txi\ V. WjkLTHJBR's etc. in München, Büssy's 
in Paris, v. Leebio^s in Giessen. Promo- 
viert zum Doktor der Philosophie sun 14. 
Dezember 1839, zum Doktor der Medizin 
am 12. März 1842 (Djss.: ..Net^e chanische 
Üniersmhung der Angelicawurxel*')^ wirkte 
B. 1842 bis 47 als Privatdozent in Mün- 
chen, 1847 bis 52 als ausserordentlicher 
Professor im Fache der physiologischen ' 
ad pathologischen Chemie und seit 1852 
ordentlicher Professor der Pharmazie 
und Toxikologie. In dieser Stellung wfir 
bis KU seiner melirere Jahre vor seitiem 
Lblebea (23. Okiol>er 1897) erfolgten 
ng in rührigster Weise thätig. 



1846 wurde er ausserordentliches, 1869 
ordentliches xMitgl. d. k. BiiyerLschen Akad. 
d, Wisseasch, in München. B. war femer 
Mitglied des Dbennedizinalausschnsses, 
insbesondere hatte er das Decemat für 
Apjotheketiwesen« Seine Hauj>twerke be- 
standen in derFoitfülirung von B,'s neuem 
„Hepertonum für Pharttutcie'' (München 
18Ö2 bis 76, 25 Jahrgange) und in dem 
, , Conimeni ar zur Ph arm atop nea G c rma n tca* * 
(mit verdeutschtem Texte, 2 Bande. Mün- 
chen), Dazu kommt eine Reihe kleinerer 
Abhandlungen ^Jltcr den A^Uheil der Phar- 
made an der Enttmckelung dn^ Chemie^' 
(1849) — „Betriuhtungen ütter die immeren 
Körper'^ (1836) — f.Versnthe über das Ver- 
halten der AnflÖsuH'fen rhcmiarher Stolfe lu 
Reagcntien bei ventchicdenen Gradett, der 
Verdünnung'' fpreisgekr. 1834) — ^,Über 
die Beziehungejt der Chemie zur fiechtspfiege^' 
(Rede, 1875) u. a. nu 



BuChnSr, Hans Ernst August, 

; in München, daselbst 16. Dez. 1850 geb., 

[ studierte in München und Leipzig, be- 

I sonders unter Carl LriAvio u. Naeokli, 

approbiert 1873, trat dann in das Bayrische 

Sanitätskorps ein, war activer Mäitär- 

arzt 1879—94, habilitierte sich 1880 als 

Privatdozent in München, wurde 1883 

Leiirerbei den militUmrztlicheu Operations- 

kurs<*n, 1892 Extraordinarius und 1894 als 



NarhfolgfL'r v. Pettbnkofkr's OrdinariuÄ der 
Hygiene, sowie Direktor des hygien. 



271 



Buchwald — Budge. 



272 



Instituts. B/s erste bakteriolog. Experi- 
mentalarbeit ist betitelt: „F^ die Physio- 
logie der niederen Filze mit besonderer Biick- 
sicht auf den Pilz des Milzbrandes'' (Ab- 
nahme der Virulenz) (Bayr. ä. In teil. Bl. 
1878). Weitere Arbeiten dieser Art er- 
schienen ebda. 1880, femer andere Ab- 
handlungen in: ^^Untersuchungen über 
niedere Pilze aus dem pflanzenphysiol. Insti- 
tut. (München 1882.) Seit 1889 publizierte 
B. Forschungen über die natürliche 
Widerstaüdsfähigkeit gegeo Infektions- 
erreger (Arch. f. Hyg. 1890, 93) u. s. w. — 



Buchwald, A1 f r e d, zu Klein-Gaff- 
ron bei Randten 17. Mäi-z 1845 geb., hat 
in Breslau studiert (nachdem er 1860 bis 
69 Apotheker gewesen war), wo 1872 seine 
Promotion stattfand. Seit 1873 als Arzt, 
seit 1877 als dirigierender Arzt am Wenzel 
HANDKE'schen Krankenhause in Breslau 
wirkend, habilitierte sicli B. gleichzeitig 
1878 als Dozent füi- Arzneimittellehre und 
Tlierapie und erhielt 1894 die Stellung 
eines Primärarztes am Allerheiligen-Hos- 
pital imd 1895 den Professor-Titel. Schrif- 
ten: ,X'^er multiple Sderose'' (1872) — 
,,Dber Salicin'' (Habiütationsschrift 1878) 
— ,,üroscopie'' (1883), femer ..Lehrbuch 
der Arzneiverordnungdehre^\ über Cannabi- 
non — Pilzvergiftungen — Spiegelschrift 
bei Himkranken — Aneurysmen der Ar- 
teria pulmonalis — Herzsyphilis — Oedem- 
behandlung — Diffuse idiopathische Haut- 
atrophie — Enterokystome — Chemische 
Untersuchung des Magensaftes — Fleck- 
typhus — Geschichte des Allerheiligen- 
Hospitals — Serumtherapie bei Diphtheri- 
tis. B. ist langjähriger Mitarbeiter an 
Börner's Jahrbuch über die Fortschritte 
der Arzneimittellehre etc. 



BuCknill, John Charles, geb. 
1817, wurde M. P. 1840, zum Dr. med. 
in London 1852 promoviert und nach 
mehreren psychiatrischen Stellungen mit 
der Oberaufsicht des Devenlo-Asyls be- 
traut, gab auch mehrere Jahre das Jour- 
nal of med. sc. heraus. Mit D. Tüke ver- 
fasste er ein „Manual of psychological me- 
dicine'' — als Preisarbeit: „On the sound 
of mind in relation to criminal ads", dazu 
einige Schriften über psychopathische 



Gestalten Shakespeare'« (1878) — zuletzt 
„The treatment of the insane and their le- 




gal controV und „Relation of madness to 
crime*' (letzteres in B. M. J. 1884). B. 
starb 20. Juli 1897. 

Budde, Vilhelm Christian, geb. 
19. September 1844 in Rimso bei Grenaa, 
studierte in Kopenhagen und wurde da- 
selbst 1872 Dr. med. Seit 1869 als prak- 
tischer Arzt und Spezialist für Nierenkrank- 
heiten und Zuckerhamruhr daselbst wir- 
kend, veröffentlichte er: „Diabetes melli- 
tus u. 8. w/^ (Kopenhagen 1872), ver- 
schiedene Abhandlungen in „ Vgeshrift for 
Läger'* und „HospifaWidende". Seit 1874 
war B. Redakteur der „ Ugeskrift for Zfl- 
ger**. Er starb 10. Januar 1893. 

BudgO, Zwei deutsche Mediziner, 
Vater und Sohn. Julius Ludwig B., 
Dr. med. et philos., ist 6. September 1811 
geb., studierte zu Marburg, Berlin, Würz- 
burg, besonders unter Buenu er und Schlemm 
und wnirde am 31. Juli 1833 promoviert. 
1834 trat B. zuerst in den Wirkungskreis 
eines praktischen Arztes zu Altenkirchen, 
dann wurde er Privatdozent, Extraordi- 
narius, Ordinarius in Bonn und zum Or- 
dinarius in Greifswald 1856 für Anatomie 
und Physiologie berufen. Seine Haupt- 
arbeiten sind folgende : ^.Bewegung der 
Iris** (Braimschweig 1855; die in diesem 
Buche beschriebenen Entdeckungen wur- 
den von der Akademie der Wissenschaften 
in Paris durch den Prix Monthyon ge- 



suemu. 



5nt rmd erhielten von der Akadpiuie 
der Medizin in Brüssel den Preis). Aiiö- 
serdein sind von EinllnsH anf die physio- 
logische und praktische Medizin geworden: 
ftünlcrsitchungcn über den Einflusa des 
P'Cmtraftierveftsystcim auf Bewegwig der 
Btme** — „t^jir den Vtt^lnuf der GrUlm- 
gänge (GatletwapiUaren) iu der Leiter '. — 
B. starb U, Juli 1888. Der Solrn, 
AlUrecht B., zu Bonn 23. August 1846 
eb. und in Ureifswald 17. Juli 1885 gest., 
I^liestichte ausser der dortigen Universttiit 
noch GrwfswaJd und Leipzig (LuDWir», His) 
und wurde Med, Dr. 1870. Seit Herbst 
1877 war er Privatdozent für Anatomie 
_iii Greifs wald und publiziert« eine Anzahl 
'Artikel^ betreffend die Entwi<!klung der 
WirbelsänleT de^* Lig. ilio-femoitde, die 
L^nnph^efüsse von Leber, Niere^ Knorpeln, 
Knochen, den Ljmplikrelslauf bei Hilli- 
'Herembryoneu und Säugetieren, die Ner- 
^ venendigttug in vei'schiedenen Teilen, 
Böwie die Anordnung der Blutgefässe in 
dem sich entwickelnden Kacjchen. An- 
fangs 1884 wm*de er amm Prof. extmord, 
ernannt. 



B. kehrte nach Darmstadt ziirtick und wirkte 
hier als Arzt \ind Schriftsteller , dm*ch den 
Professortitel später ausgezeichnet, bis 
zu seinem 30. April 1899 ei-fnlgteu 




Blldin, Pierre Constant, in Pa- 

riÄ, geb. 9. Nov. 1846 in Paris tmd daselbst 

ausgebildet, promovierte im Jan, 1876, 

wurde Agreg^ 1880. Chef der Mat«mite 

1895 und als Nachfolger von Tarnier 1898 I 

Prof, der geburtshilfl. Klinik an der med. ' 

' Fakultät. Schi-iften i ^^ObstStrique et gy- 

netologie^'- 11886) — ,^LtQ0n8 de dinique 

obtttärkale'* (1889) — „La pnüique ä99 

accouchcmenfs ä Image des mgts-femimm^ 

^(1^91) — ^^Frmmc^ en co^itcher d twureau- 

^ncs^'' (1897) — ^^Traite de tart des accou- 

rhemmtif^' (ztis, mit Tarnter 1888 bis 98). 

Büchner, Lndwig, der bekannte 
populäre Si'liriftsteller über den Materia- 
lisnius^ geh, 29. März 1824 zu Darmstadt, 
gtudierte In Giessen, Strassbm^g, Würz- 
bürg und Wien. Ini Herbst 1848 promo- 
viert und seit 1849 als praktischer Arzt 
und Scliriftsteller in Darmstadt ansässig, 
wirkte B. 1852 bis 5ö als Assistenzarzt 
mn der medizinischen Klinik and Privat- 
, doaeut an der Universität Tübingen, musete 
|ftb«r seine okad. Laufbahn infolge des 
aufgel*en, den seine berühmte 
ift n^raff und Stofi''' (Fraiikf. a, M. 
11866, 17. AuH. 1S92) vielfach erregt hatte. 



Tode. Aus dem der gen. Schrift von der 
15. Aula, ab vorausgeschickten Schriften- 
verzeiclmis seien als von rein med. In* 
teresse hervorgehoben: ^^ Beiträge zur 
HoU'schen Lehre von einem excito - moto- 
rischen XervensgstefH^^ (Giessen 1848) und 
..PhygMöglsche Bilder"' (Leipzig 1861). 

BlielEUt Gotthard, als Sohn von 
Gustav B. (1799 bis 1857) zu Hamburg 
27. Febr. 1835 geb., studierte von 1854 
an in Heidelberg, Wtirzburg und Göttingen, 
wo er 1858 promovierte. Im Herbste 1858 
wurde er Assistenzai-zt am All gem. Krau- 
ketihause und verblieb in dieser Stellung 
3 Jahre. Anfsiigs 1867 vertrat er einige 
Zeit den erkrankten Hospitalarzt TCnoel, 
blieb später noch als Volontär am Hos- 
pitale thätig und wurde 1869 nach TCn- 
gkl's Abgang Oberarzt einer der neuge- 
bildeten 4 Abteilmigen der inneren Station. 
In dieser Stellung verblii&b er bis 
1886, mit dessen Schlüsse er seine Stelle 
niederlegte, weil sie mit der Privatthätig- 
kett nicht mehr zu vereinen war. Er 
wurde nach seinem Abgang zum Mit- 
gliede der MedizLnal-De]iutation gewUhlt. 
Während der Zeit seiner Hospitalthätig- 
keit als Oberai-zt hat er eine Keihe von 
Afsistenten — ca. 15 — gesohtilt, die ihm 
sehr viel verdanken und durch die er 
zahlreiclie Arbeiten auf klin.-med. Ge- 



275 



Biingner — Bugnion. 



276 



biete hat publizieren lassen. Ausserdem 
hat er dem ärztl. Verein zahlreiche De- 
monstrationen und Mitteilungen aus dem 
Gebiete der pathol. Anat. und inneren 
Med. gemacht (vergl. die Verhandlungen 
des Vereines in der D. M. W.). B. veröf- 
fentlichte 1890 im Arch. f. klin. Medizin 
einen Aufsatz für die Heberdrainage bei 
Behandlung des Empyems. 

BÜngner, Otto von, in Hanau 
a. M., geb. zu Riga (Livland) 22. März 
1868, studierte 1877 bis 83 in Dorpat und 
Halle als Schüler Ed. v. Wahl's und 
B. V. Volkmaxn's, war von 1883 bis 85 
Assistent an der chir. Klinik in Dorpat 
(unter v. Wahl), promovierte 1885 in Dorpat, 
absolvierte das russ. Staatsexamen, siedelte 
dann nach Deutschland über, bildete sich 
im Wintersemester 1885/86 in Berlin fort, 
machte 1886 in Marburg das deutsche 
Stiiatsexamen, war von 1887 bis 89 Assis- 
tent an der chir. Univ. -Klinik in Halle 
unter v. Volkmann, erhielt 1890 den Titel 
Dr. med. der Univ. Marburg, habilitierte sich 
daselbst als Dozent, trat aus dem russ. in 
den preuss. Unterthanenverband, wurde 
1892 Mitgl. der ärztl. Prüfungskommission 
für das med. Staatsexamen in Marburg, 
1894 Extraordin. daselbst, 1895 Direk- 
tor und Oberarzt des kommunalständischen 
Krankenhauses für den Regierungsbezirk 
Cassel zu Hanau, in welcher Stellung B. 
gegenwärtig noch wirkt. Schriften: „Die 
Schussverletzungen der Arteria subclavia 
intraclavicularis und der Arteria axillaris^'' 
(Dissert. Dorpat 1885) — ,,Üher die Be- 
handlung des angeborenen Klumpfusses in 
der V, Volkinann' sehen Klinik zu Halle a. 8J^ 
(Chi. f. Ch, 1889) — ,,tJber die Degene- 
rationS' und Regenerationsvorgänge am 
Nerven nach Verletzungen'' (Habilitations- 
schrift, Jena 1890) — „Über intra partum 
entstandene ünferschenkelfracturen'* (v. Lan- 
genbeck's Arch. 1891, XLI) — „Über die 
Behandlung der Schlüsselbeinbrüche utid 
einen neuen Verband für dieselben'^ (D. m. 
W. 1892) — „Zur Nachbehandlung der 
Tracheotomie nebst Empfehlung einer neuen 
Trachealcanüle" (v. Langenbeck's Arch. 1892, 
XLIV) — „Castratio7i mit Evulsion des 
Vas deferens (hohe Castration/* (Verhandl. 
der Gesellsch. d. Naturf. u. Arzte, Nürn- 
berg 1893) — „Zur Badicaloperation der 
Hernien'* (D. Z. f. Ch. 1894, XXXVIH) 



— ,,Über die EinheÜung von Fremdkörpern 
unter Einwirkung chemischer und mikro- 
parasitärer Schädlichkeiten. Ein Beitrag 
zur Entzündungslehre" (v. Lanoknbeck's 
Archiv 1895, L) — „Über allgemeine mul- 
tiple Neurofibrome des peripherischen Nerven- 
systems und Sympathicus" (Ib. 1897) — 
,,Das Landkrankenhaus zu Hanau" (Fest- 
rede zur Einweihung der Neubauten des- 
selben, Leipzig 1897) — „Über die Tuber- 
kulose der Symphysis ossium pubis" (v. 
Langenbeck's Archiv 1899, LIX) — .,Über 
eine ausgedehnte Hornwarzengeschwulst der 
oberen Nasenhöhle'' (Ib. 1889, XXXIV) — 
„Über eine sog. Spontanruptur der Art. 
femoralis mit Aneurysmabildung bei einem 
17'jähr. Knabeyi" (Ib. 1890, XL) — „Über 
einen merhcürdigen Fall von peracuter 
Gangrän des Hodensackes" (Ib. 1891, XLII) 

— „Posthioplastik nach gangränösen Zer- 
störungen der Vorhaut und eines Teiles 
der Penishaut" (Ib. 1891, XLII). 

BÜrkner, Kurd, zu Dresden 28. Jan. 
1853 geb., hat seine Studien in Leipzig, 
Würzburg, Halle, als Schüler v. Tröltsch's 
und Schwabtze's mit der Promotion zu 
Würzburg 20. November 1875 beendet. 
Seit Dezember 1877 als Privatdozent für 
Ohrenheilkunde und Leiter einer Poli- 
klinik für Ohrenkranke in Göttingen, 
seit 1885 als Extraordinarius thätig, ver- 
öffentlichte er „Ä7eine Beiträge zur normalen 
und pathologischen Anatomie des Gehör- 
organs'' (A. f. 0. Xni) — „über Ohren- 
krankheiten bei Eisenbahnbediensteten" (Ib. 
XVII) — „Die Fortschritte in der Therapie 
der Ohrenkrankheiten im letzten Dezennium" 
(1870 bis 79, Ib. XIX) und im A. f. 0. 
jährlich Berichte über die Poliklinik für 
Ohrenkranke. Femer: „Atlas voyi Beleuch- 
tungsbildem des Trommelfelles" (Jena 1886, 
3. Aufl. 1900) — „Lehrbuch der Ohrenheü- 
kunde" (1882). Seit 1892 bearbeitet B. die 
Ohrenheilkunde für Virchow - Hirsch *s 
Jahresbericht und ist an Schwartze's Hand- 
buch der Ohrenheilkunde, sowie an Stintzixo 
u. Penzold*s Handbuch der Therapie innerer 
Krankheiten und anderen Sammelwerken 
beteiligt. Auch ist B. Mitherausgeber des 
Archivs für Ohrenheilkunde. 

Bugnion, Edouard, zu Lausanne, 
geb. daselbst. 1845, studierte in Zürich, 
München und Paris, wurde 1874 promo- 



Biilü — Born. 



viert und ist zur Zeit Prof. der Anat. tmd 
Embiyoloojie an der Universität. Litterar. 
Arbeiten: ffBecherches 9ur les organes 
nensifiß (ipidertniques) du protee et de 
Caxolotl" (1871) — ,,Vankylo9tome ei 
ranhnie du St. Gothard" (1881) — ,,Histoire 
4*HH momtrexiphopat/e'* (Kev. ineiL, Geneve 
1882) — f,MHatn. de la Meigctiia binignata*^ 
«Lansanne 1884) — ^,1^*» mocurs de 
VHykMinus olciptrda" (Schaf fouse 1886) 
— ^jHcch, «14 r la potUe du Phlocomnm 
Thu^ae** (Caen 1886) — j,De8cnption d*un 
monstre lygomdieti** (Geneve 1889) — 
.Jufrod, ii la faune enlomoL du Valais'^ 
(Zürich 1890) — .Mech. »ur le dfveloppement 
po8tenihn/fmnairc de VEnryrtu» fusckoUis'^ 
{Geiieve 1891t — ,,Le mtcanrnne du gmnu^^ 
r Lausanne 1892) — ,.7^^ mouvemcnts da la 
face oü le mScaHiBme de Vexpreaston*' 
ib. 189Ö). 

Buhl, Ludwig von. 4. Januar 1816 
zu München geb., wo er sich den Uni- 
vers ttätsstud ien gewidmet und im Jahre 
1839 den Doktorg^rad erlanj^ hat, Ebenda 
iiabilitierte er sieh 1847 als Dozent für 
ph veikaliäche Dia-^ostik . {jathologische 




lomie oüd Älikroskopie. Fiit-'her, für die 
rr sich hei längerem Aufenthalte in Wien 
und Parie ansgebihlet hatt«. 1850 wurde 
er jcum Professor©, o., 1864 zum Proscfktor der 
IJniversität im allgemeinen KrankenhatuBe 
und 1859 zum ordentlichen Professor der 
allgemeinen Pathologie und pathologischen 
Anatomie» tsmatmt. AU der erste Professar 



dieses Faches wirkte er bis zu seinem am 
30. Juli 1880 erfolgten Tode dnrch Vor* 
lesungen, Kurse und wöohentliclie, auch 
von ülteren Ärzten sehr hesuclite Demon- 
strationen. Von der Natur mit einem 
wunderbar feinen Oehörorgan ausgestattet^ 
war er wie wenige für den Untemcht in 
der Perkussion und Aiiskultution liefäliigt, 
den er in jährlich wiederkehrenden Kujsen 
im Kratikenhause erteilte. Als geübter 
Diagnostiker war er ein gesuchter Kon- 
siliarius, bei dem auch Kranke ans weiter 
Ferne sich Rat htdten. Seine litterarischen 
Veröffentlichiuigen zeugen von der ihm 
eigenen Gabe scharfer Beobachtung und 
einem vfeinen Sinn für Erkennung der Ur- 
sachen der Er-sclieinungen. Von grösster 
Bedeutung unter denselben ist die im 
Jahre 1872 in Briefh^rm erschienene Mono- 
graphie: „LungenetUzÜHdmigf Tuberkuloge 
und Schwindmrht^'j in welcher er die An- 
siclit, dass die Miliartuberkuluse eine spe- 
zifische Resorptions- mid Infektionskrank- 
heit sei, ausführlich begründet hat. Mit 
Hecker gemeinschaftlich gab er die ^,Klinik 
der Gefmriakimde'^ (Leij^zig 1861) heraus, 
in welcher er den 11. [jathologiscfi-ana- 
tomischen Teil beajboitet hat. In den 
von ihm vertiffentlichten .^Mitteilungefi aus 
dem pathohgmhen ImtUiä zu Mümhen" 
(Stuttgart. 1877) üiiden sich von ihm wert- 
volle Arbeiten ül>er Bkioht's Üranular- 
schwimd der Nieren und die damit zu- 
ßiunmen! i äugende H erz h v pe rtr op hie, üher 
knipose und kiisige Pneumonie imd über 
die Schwankungen des Fettgehaltes des 
Gehirnes im Typhus abdominalis. In der 
im Verein mit PETiENKOFKa und Von von 
ihm gegründeten ^^ZeUat-hrift für Biologit!'*^ 
hat er in der ersten Abhandlung ,,über 
die Ätiologie des Typhus'* auf die Beziehung 
des zeitlichen Vorkommens dieser Krank- 
heit zum Stande des Grundwassers in 
München aufmerksam gemacht. In den 
späteren Bänden derselben hat er seine 
Becibachttmgen über andere pathologische 
Fragen, so die Diphtherie und Mycosis 
intestinalis niedergelegt. 

Bum, Anton, in Wien, 2. Juli 1856 
in Brunn geb.f studierte tn Wien, Dr. med. 
1879, bis 1883 Sekundärarzt und Assistent 
bei V. MosBTUi im k, k, Krankenhause 
Wieden, machte dann Studienreisen nach 
Schweden und Holland zimi Zweck der Aus- 



279 



Bamm — Burchardt. 



280 



bildnng in derMeclianotherapie undliess sich 
als Spezialarzt für diesen Zweig in Wien 
nieder. B. ist Besitzer und Leiter eines 
mechanotherapeutischen und orthopä- 
disclien Instituts, seit 1887 Chefredakteur 
der .,W. med. Presse" und der „Wiener 
Klinik". Schriften : „Handbuch der Massage 
und Heilgymnastik'' (2. AuÜ., Wien 1898) 

— fjDie Massage in der Neuropathologie" 
(W. K. 1886) — JJber mobilisirende Be- 
handlung von Knochenhrilchen*'' (Ib. 1895) 

— jfDas neue System der maschinellen Heil- 
gymnastlk" (gemeinsam mit M. Herz. Ib. 
1898) — jjl)er den Einfluss der Massage 
auf die Hamsecretion'* (Z. f. k .M. XV) -- 
„Der gegeniüärtige Staiidpunkt der Mechano- 
therapie" (W. m. Pr. 1889) — „Mechano- 
diagnostik* (Ib. 1891) — „Die Bedeutung 
der Initialbehandlung für das Schicksal der 
Unfallverletzten'' (Ib. 18%) — „Über peri- 
phere und centrale Erynüdung^'' (Ib. 1896) 

— jfDie m^hanisch-gymnastische Behandlung 
von Kreislauf sstöruyigen" (Ib. 1896), Artikel 
„Mechanotherapie" für Eulenbürg's Bealen- 
cycl. u. V. a. B. ist femer Herausgeber 
des „Therap. Lexicon f. pr. Ärzte'* (3. Aufl. 
1899), sowie des „Diagnost. Lexikon" (zu- 
sammen mit ScHMRER, Wien und Leipzig 
1895). 

Bumm, Ernst, zu Wtirzburg, geb. 
15. April 1858, studierte daselbst, beson- 
ders als Schüler von Scanzoni, wurde 1880 
promoviert und habilitierte sich 1885 als 
Privatdozent für Gynäk. in Würzburg. 
Seit 1894 ist B. Professor ord. in Basel. 
Litterar. Arbeiten : ,,Der Mikroorganismus 
der gonorrhoischen Schleimhauterkrankungen 
„Gonococcus Neisser*', Nach Untersuchungen 
beim Weibe und an der Conjunctiva der 
Xeugeborenefi dargestellt" (Wiesbaden 1885, 
n). 4 Taff.). Verschiedene Arbeiten über 
I)uerperale Wundinfektion (im A.f.G.), über 
Blutkreislauf in der menschlichen Placenta, 
über die Entwicklung der Frauenspitäler 
und die moderne Frauenklinik (Wiesbaden 
1897), Technik der Myomotomie, über 
Antiseptik und Technik u. s. w. 

BungOy Gustav von, zu Dorpat 
19. Januar 1844 geb., Sohn des Botanikers 
Alexander von B. (1802 bis 18. 7. 97 vgl. 
B. L. I, S. 618), studierte an dortiger Uni- 
versität, sowie in Leipzig und Strassburg 
unter C. Schbodt und 0. Schmiedebekg. 



1873 zum Magister der Chemie, 1874 zum 
Doktor der Chemie in Dorpat, 1882 zum 
Doktor der Medizin in Leipzig promoviert,' 
ist B. seit 1874 als Dozent der Physiologie 
in Dorpat thätig, seit 1885 Prof. der Phy- 




siologie an der Universität Basel. Von 
seinen Arbeiten seien angeführt: „Über 
die Bedeutung des Kochsalzes und das Ver- 
halten der Kalisalze im menschlichen Or- 
ganismus" (Dorpat 1873) — ^^Der Kali-, 
Natron- und Chlorgehalt der Milch, ver- 
glichen mit anderen Nahrungsmitteln und 
des Gesamtorganismus der Säugetiere" (Ib. 
1874) — ,,Zur quantitaiive^i Analyse des 
Blutes" (Z. f. Biol. 1876) — ..Lehrbuch der 
physiologischen und pathologischen Chemie'*' 
(Leipzig 1887, 4. Aufl. 1898). Die späteren 
Arbeiten B.'s und seiner Schüler — vom 
Jahre 1879 ab — finden sich in Hoppe- 
Seyler's Zeitschr. f. ph^^siol. Chem. 

Bunge, PauL in Halle, geb. 1853, 
Arzt seit 1877, Dozent seit 1884, Extra- 
ordinarius seit 1890, langjähriger Assistent 
an der Kgl. Uni versi tat s - Augenklinik 
unter Alfred von Grakfe, veröffentlichte 
u. a.: ..Klinische Beobachtungen über die 
sympathische OpJUhalmie^' — ..Über Ge- 
sichtsfeld und Fasen^erlauf im optischeti 
Leitungsapparat" — „Über Exenteration 
des Auges", 

Burchardt, Max, zu Naugard in 
Pommern 15. Januar 1831 geb. und nach 
4 jähr. Studium in Berlin 1855 promoviert, 
wirkte von 1864 bis 66 als Privatdozent 



281 



Burckhardt. 



in Berlin, 1867 in Königsberg und von 
1874 ab wieder in Berlin, wo er zugleich 
Oberstabsarzt bei der Militärtumanstalt, 
sowie Chefarzt des I. Berliner Garnison- 
lazaretts war und die Augenkrankenab- 
teilung der Charite dirigierte, seit 1891 mit 
dem Professortitel. B., der 25. Sept. 1897 
starb, veröffentlichte folgende Arbeiten: 
,jüeber eine bei Chloasma vorkammende 
PUzform*" (Med. Zeitg. d. Vereins f. Heilk. 
20. 7. 1859) — ,,TJeber Soor und den dieser 
Krankheit eigenthilndichen Pilz^^ (Charite- 
Annalen 1863), mehrere Aufsätze über 
Krätze uijd deren Behandlung mit Peru- 
balsam (Charite- Annalen 1864; B. k. W. 
1865, Nr. 19; Arch. f. Dermat. u. Syph. 
1869) — ,,üeber Sehprobetr (B. k. W. 
1869, Nr. 48) — ^^Internationale Sehproben*' 
(1. Aufl. 1869; 2. Aufl. 1871 ; 3. Aufl. 1882), 
mehreres über Schutzpockenimpfung, Seh- 
schärfe bezüglich des Militärdienstes, 
Keuchhusten, venerische Krankheiten 
beim Manne. Auch erfand er ein Doppel- 
plessimet^r, einen neuen Kefraktions- 
Augenspiegel, einen Sprayapparat zur Be- 
handlung der Atmungs- etc. Organe und 
gab ein „Neues Verfahren zur Bestimmung 
der Befraction im aufrechten Bilde'^ an 
(Cbl. f. pr. A. 1883), endlich schrieb er 
noch die Monographie: ..Praktische Diag- 
nostik der Simulationen*' (Mit lithographi- 
schen Vorlagen und Stereoskop, 1875; 
2. Aufl. 1878). 

Burckhardt, Hermann von, 
Obermedizinalrat, Generalarzt ä 1. s. zu 
Stuttgart, geb. zu Cannstatt (Württem- 
berg) 3. Juli 1847 als Sohn des verst. 
Hofrats Dr. K. v. B. in Wildbad (f 13. 9. 
1888); studierte in Tübingen, Heidelberg, 
Leipzig. 1872 promoviert. Von 1872 bis 
77 Assistenzarzt an der TniERSCH'schen 
Klinik: seit 1877 Vorstand d. chirurg. Ab- 
teilung des Ludwigsspitals, seit 1883 auch 
des Katharinenspitals in Stuttgart. Lit- 
terar. Arbeiten : „Jahresbericfite über die 
Chirurg. Abteilung des Ludwigsspitals zu 
Stuttgart*' (1878; 1879 bis 83; 1884; 1885 
bis 87; 1888 bis 90) — „BhUige Reposition 
einer j^irreponiblen** alten Oberarmluxation'" 
(Württ. med. Correspbl. 1878) — ..Radikal' 
Operation einer grossen irreponiblen Nabel- 
hernie' (Ib. 1883) — .^tirpation der 
Kropfcysten'' (Chir. Centralbl. 1884) — 
y, Beitrag zur Behandlung der Leberver- 



letzungw" (Ib. 1887) — „Ü6cr du Eröff- 
nung dtr retrqp/iargngealen Abscesse^* (Ib. 
1888) — „Über Blasendrainage nach Sectio 
alta** (Ib. 1889) — ,jjber TracheoceU untl 
Kropf' (Württemb. med. Correspbl. 1888) 
— ..Mitteilungen Ober das Koch^sche Heil- 
verfahren*' (Ib. 1890) — ,,Über die Behand- 
lung der Knöchelbrikh^' (Ib. 1891) — ^.Bei- 
träge zur Nierenchirurgie*' (Ib. 1893) — 
„Über die chirurg. Behandlung der Peri- 
typhlitis'* (Württ. Correspbl. 1893) — „Über 
die Chirurg. Behandlung der Gallenstein- 
krankheit" (Ib. 1895) — ^^Bemerkungen ijiber 
die Behandlung der Schussverletzungen des 
Kopfes'* (Ib. 1898). 

Burckhardt, Albrecht, in Ba^el 
(Schweiz), geb. daselbst 13. Juli 1853, 
studierte in Basel, Tübingen, Göttingen, 
Strassburg, Dr. med. 1878, wurde 1882 
Privatdozent für Hygiene in Basel, 1892 
Extraordinarius und ist seit 1894 ordentl. 
öffentl. Professor der Hygiene und Di- 
rektor des hygien. Instituts in Basel. Er 
veröffentlichte: „Untersuchungen über die 
Qesundlieitsverhältnisse der FabrUdjevolkerung 
in der Schweiz" (Mit F. Schüler zusammen, 
1889). 

Burckhardt, Emll, zu Basel, da- 
selbst b. Dez. 1853 geb. und ausgebildet, 
hauptsächlich unter Socin, Dr. med. 1877, 
besuchte zwecks weiterer chirurg. Aus- 
bildung bis 1879 die Kliniken in Halle 
(v. Volkmann), Wien (Billroth, Dittel), 
London (Mac Cormac, Spencer Wells, 
Granville Bantock, Sir Henri Thompson), 
war dann bis 1882 erster Assistent der 
chir. Klinik zu Basel unter Socin und 
wirkt daselbst seit 1883, gegenwärtig als 
Extraordinarius und Direktor einer chir. 
Privatklinik. Schriften: „Jahresberichte der 
chir. Klinik zu Basel 1879, 80, 81** — 
.Jiber die Gelevkkörper im Kniegelenk' — 
„Beitr. zur Casnistik der Schussiounden de* 
Gehirns mit Einheilen des Projectils'* — 
,.Zur Casuistik U9id Therapie gangränöser 
Darmwandbriiche*" — „Endoscopische Be- 
funde und endoscopische Therapie der Krank- 
heiten der Harnröhre und Blasef — „Über 
Tuberculinbehandlung von ürogenitcUtuber- 
culosen" — „Atlas der Cgstoscopie** — „Atlas 
of electric cgstoscopy** (zusammen mit Fen- 
wiCK) — „Chirurg. Klinik der Blasenkrank- 
heiten'* — „Die moderne Cgstoscopie*' — 



283 



Burckhardt — Burg. 



284 



^fiber FrostcUasarkom** u. a. m. B. refe- 
riert ausserdem für Virchow's Jaliresber. 
über sein Spezialgebiet. 

Burckhardt-Meiian, Aibert, 

geb. 25. Januar 1843 zu Basel, studierte 
zuerst daselbst, dann in Heidelberg, Berlin, 
Wien, Prag, Paris und London. Seine 
Promotion fand 1866 statt. Seit dem 
Sommersemester 1869 als Dozent, seit 
1879 als Prof. extraord. der Ohrenheil- 
kunde in Basel thätig, seit 1872 auch 
Redakteur des Correspbl. f. Schw. Ae., 
publizierte er: i,Vier Monate in einem 
preusitischen Feldlazarethe während des Krie- 
ges 1870' (Basel 1872) - ^.Ueber den Schar- 
lach in seinen Beziehungen zum Gehörorgan*^ 
(Volkäunn's Sanmil. klin. Vorträge, 1880) 
— fy Wegweiser für hilfesuchende Kranke 
und Gibrechlkhe in der Schweiz*' (Basel 
1883), ausserdem diverse Aufsätze in 
ohrenärztlichen Zeitschriften und beson- 
ders im Correspbl. f. Schw. Ae. B., der 
22. Nov. 1886 starb, war ein geschickter 
Operateur, anregender Lehrer und gesuch- 
ter Ohrenarzt. Von seinen Arbeiten zur 
Ohrenheilkunde sind die pathol.-anat. Bei- 
träge, die Untersuchungen über Scharlach 
und dessen Beziehungen zum Gehörgang, 
sowie die Publikationen über Hörprüfung 
von grossem Wert. Den intemat. otol. 
Kongr. zu Basel 1884 leitete B. als erster 
Präsident. 

Burdach, Ernst, zu Königsberg 
i. Pr., 25. Februar 1801 zu Leipzig als 
Sohn von Karl Friedrich B, geb., studierte 
von 1821 an Medizin in Königsberg und 
wurde daselbst 1825 Doktor mit der 
Dissertation: ,yObservationes nonnullae mi- 
croscopicae inflammationem spectantes^^. Er 
habilitierte sich 1829 als Privatdozent, 
wurde Prosektor, 183^ Prof. extraord. und 
1844 Ordinarius der Anatomie. Einige 
Zeit vor seinem 10. Oktober 1876 er- 
folgten Tode hatte er bereits seine Lehr- 
thätigkeit aufgegeben. Ausser kleineren 
Arbeiten, wie seiner Habilitationsschrift: 
y,ObservtUiones de morbosa cordis structiMra**" 
1829), und den im achten Berichte von 
der königl. anatomischen Anstalt zu 
Königsberg enthaltenen ^,Bemerkungen über 
die ernährenden Oefässe der Pids- und Blut- 
adern*^ (1885), Bohrieb er : „ Beitrag zur mikro- 
skopischen Anatomie der Nerven''* (Königs- 



berg 1837, m. 2 Kpf.) uiid gab eine um- 
gearbeitete zweite Auflage von seines 
Vaters „Anthropologie für das gebildete 
Puldicum^'^ (Stuttgart 1849) heraus. Auch 
hatte er beim 6. Bande der „Physiologie" 
desselben mitgearbeitet. 

Burg, Cornelis Leendert van 
der, 1840 in Gorkum geb., an der milit.- 
ärztl. Schule in Utrecht gebildet, promo- 
vierte 1860 in Heidelberg und im folgenden 
Jahre auch an der Universität Utrecht mit 
einem Colloquium doctum zum Dr. med. 
Als Militärarzt nach Lidien gegluckt, 
wurde er 1862 in Batavia zum Lehrer an 
der Schule für die Doktor-Djawa ernannt, 
blieb dort thätig bis zu seiner Entlassung 
aus dem Idüitärdienste 1868, etablierte 
sich als Civilarzt in Batavia und arbeitete 
da bis 1886, wo er nach Holland zurück- 
kehrte und sich in Leyden niederliess. 
1887 wurde er zum dirigierenden Arzt der 
Wasserheilanst€Jt Laag-Soeren in der 
Provinz Gelderland ernannt, wo er jetzt 
noch etabliert ist. 1862 bis 67 veröffent- 
lichte er verschiedene interessante ophthal- 
molog. Beiträge (er hatte sich in Utrecht 
unter Donders und Snellen darauf speziell 
verlegt) in der „Geneesk. Tijdschr. v. Ned. 
Indie" und der Natuurk. Tijdschrift voor 
Ned. Lidie" und später viele andere über 
sehr verschiedene Gegenstände, von wel- 
chen wir hier nur erwähnen: „lets over 
den tyd van het ont staun der mensfruatie 
by in Indie gebarefi europeef-che v.eisjes^^ 
(1879, deutsch von A. B. Meyer) — „In- 
dische spruw (Aphtliae tropicaey^ (Batavia 
1880, gekrönte Arbeit; deutsch von W. 
Berg EU in Schmidt's Jahrbb., teilweise auch 
in der Real-Encyklopädie der med. Wissen- 
schaften, englisch in China), eine voU- 
ständige Monographie; seine Hauptarbeit 
ist jedoch „De geneesheer in Ned. Indie, 
1, T, Land, klimaat en bewoners, hygiene, 
de uitoefening der geneeskundige praktyk^ 
(Batavia 1882; 1883; deutsch von L. Diemer, 
Hamburg 1887) — „7d. 3. T. Materies 
medica'' (Batavia 1885) - „7d ^ T. 
Pathologie en therapie der ziehten in Ned. 
Indie'' (1887), ein vortreffliches, alles, 
was sich auf tropische Krankheiten und 
ihre Behandlung bezieht, umfassendes 
Buch, von VAN Leent als„eine der 
merkwürdigsten Erscheinungen von un- 
ermüdeter Geisteskraft und frischer wissen- 



285 



BuTgliftrd^*^ 



chftftlirlier Arbeit, iii dem tropischen 
Uiiiia zustande gekoiniiLen''' !jum I>esen 
empfohlen, den in Indien praktizierenden 
Ärzten alsrmentbehrlicli bezeichnet. Spätere 
grössere Arbeiten sind; ^^Opleiding van 
^fneeskundigt^n voor Nc(L hidvt>^ <1889^ — 
^^Behnndeling m Europa van ziekett^ kamefide 
uÜ het heete klimaat'' (1890; 1891) — „Tg 
what rxfend are Tri>pical AUitudes adapteti 
für SettPwmt by FuropeatiH?*' |1893) — 
y,Het verltencn van geneefikundUjt hulp aan 
inlanders wet inlandache hulpmiddden^^ (1894) 
— ^^Bersoonlyke gexonäheidsleer voor Euro- 
peamen^ die naar Ned, hidie gaan of daar 
wanen'' (1895), B^s gesamte ScHilften be- 
trogen bis Mitte Juli 1899 bereit« 215. 

Burkhard, Albert, zu Plaimover, 
geb, zu Lünebuig 19. Oktol>er 1821, stu- 
dierte in Göttingen T Berlin^ Prag, Wien» 
Pnris. wurde 1844 promoviert, wirkte seit 
1846 ab prakt, Ar2:t., Gericlitsarzt, Mitglied 
des Med, -Kolleg. , Vorstand der anat. Anet. 
in Hannover, und starb als Geli. Med.- 
Rat 6. Mai 1892. Er war Verf. verschied. 
Aufsätze in geriehtL-med. Zeitschriften 
und in seiner amtlichen Stellung, wie in 
ärztlichen Vereinen seit 1869 für Fürde- 
rxing der öffentlichen Gesundheitsp liege 
und Standes Interessen rege thätig ge- 
wesen. 

Burkart, Budolph, ym Bamu geb. 
diiÄelbjit 13. Oktober 1846, ötndit^rte in 
Bonn, Prag, Wien. Berlin, war nament- 
lich Schüler von Pflijeokk, wnrde 1869 
promoviert* war 1872 bis 83 als dirigieren- 
der Arzt der Wasserheilanstalt Marienberg 
lu Boppard a. Kh. und ist seit 18ti3, an 
Stelle des verÄti>rbenen Prof. (!)BERNita, 
Oberarzt am Johannes-Hosp. in Bonn, 
Litterar. Arlieiten: a) Physiologische: 
^lieber den EinflunH dts A". vagm auf die 
Athtmbeicegttngen'' (Prhvmms A., I) — 
^.StudUn über die automat, Thätigkeit des 
Athefncentrunis und über die Bciiehungen 
desadben zum N» vaguit und andcten Athem- 
nerven*'^ (Ib. XVlj — ^^Untersuchh» üler Bt- 
hitnicrung der Magenverdauung durch Gaue** 
<Ib. I^ II); — bj aus dem Gebiete der 
innerenMedizin: ^^Die chron, Morphium- 
vergift wig und deren Behandlung**^ (Bonn 
1877); weitere Mitteilungen über denselben 
GegeiifitaBd i& B. m. W. (1879, 83), W. 

Pr. (1880^, in besonderen Schriften 



I (Bonn 1878; 1880; 1882) und in VolkmanVs 
I SammL klin, Vortr., (1884), femer: ^Jlber 
donischen Insptrationskrantpf^*' (D. m. W, 
1877) — ^^Ueber WdrnnTeqtdätion und 
Fieber'' (D). 1879) — ,,Zur Pathol. der 
Netirasthetiia gasirica (jyyfipepsia nervosa/^ 
(Bonn 1882) — ,^Zur Behnndlung schwerer 
Eortnen von Hysterie und Neurasthenie^' 
1 Besprechung des Wrib MiTceKix'schen 
Kurverfahrens; VoLKMANN*ß Samiid, klin. 
Vurtr., Nr. 245) — ^,Zur Befiandlung der 
Hysterie uvd Neurasthenie'' (B. k, W, 1886; 
1B87) — .Jjbei" Behandlung der Lungen* 
schuindsucht mit dem Koch' sehen Mittel im 
Joh.'Hnsp.'' ab. 1890) ^ .X'bcr centripetale 
Leitung im Nervus vagua und nervus hryn* 
gern infJ' (Ib. 1892) — cj auat, ilibeit: 
^.Endigungen der Nerveti in deft Tast haaren 
der Säugethiere'' (Med. Centrolbl 1670. 

BUrOW, zwei Chircirgen in Königs- 
berg, Vater und Sohn. Der Vater, 
Aui^ust, 10. Nov. 1809 zu Elbing geb. 
' 1830 bezog tue Universität Königsberg, 
studierte ein Semester Theologie, um dann 
zur Medizin übei'zngehen. Hier hatte er 
diis Glück, Männern wie Baeii, Sachs, dem 
älteren Burpacii nahe zu treten und 
scliripfte aus ihrem Umgang entscheideude 
Einflüsse für seine wissenschaftUclie Ent- 
wicklung. 1835 legte er in Berlin sein 
Staatsexamen ab, nachdem er in Königs- 
l)erg mit einer Doktorarl>eit promoviert 
hatte: „De vitsibus Manguiferis ranarum'^ 
deren Kupfertafel Bakr auf Sttuat.skosten 
herznstelleji für wert befanden hatte. In 
Berlin machte Dieffknback einen unver- 
lösdilichen Eindruck auf ihn» so dass 
dessen Wirken das Vorbild seines Strebend 
wurde. Ein Jahr sj^Liter wurde er in 
Königsberg, wo er sich niederliess, Sachs* 
Assistent und gründete lS4d oine gut 
fi'eqnentierte, cliirurg. Privatklinik, au 
deren Material B. seine Erfahrungen 
machte, die er namentlich auf dem Ge- 
biete der Chirurgie und Augenhei^lkunde 
in vielen Schriften niederlegte. Nachdem 
er 1839 sich als Dozent sin der Universität 
liabilitiert hatte, wuixie er 1844 zum Extra- 
ordinarius befördert, und nach wenigen 
Jahren wurde seine Poliklinik zur chir* 
Universitäts* Poliklinik erhoben. Als B* 
dann 1859 seine Professur niederlegte, 
wurde die PoliklJnik. mit der UuivarEitäts- 
klinlk vereinigt und seine Anstalt wieder 



287 



Burg — Busch. 



Privat -Institut. Den Krieg von 1866 
machte B. als konsultierender Generalarzt 
der Armee v. Manteuffel's mit und wirkte 
vorzugsweise in den Lazaretten zu Aschaf- 
fenburg und Kissingen. 1870 leistete er dem- 
selben Rufe bei den Armeen des Prinzen 
Friedrich Karl Folg:e, obgleich er schon 
damals kränklich war. Westlich von Metz 
in St. Marie stationiert, musste B. hier 
anfangs allen Mangel und alle Not des 
Krieges ertragen, da in diesen Gegenden 
die Proviantierung grosse Schwierigkeiten 
machte. Krank nach Königsberg zurück- 
gebracht, erholte er sicli nie wieder ganz 
und starb 1874. Aus einer Reihe von 39 
Publikationen auf dem Gebiete der Chi- 
rurgie und Ophthalmologie sind besonders 
hervorzuheben: ,, Physiologie und Physik 
des memchliclien Auges'' (1842) — ..Uesul- 
täte der Beobachtung an 137 Schieloperationen'*^ 
(1844), vielfache Mitteilimgen über die 
offene Wundbehandlung, über Plastik mit 
HiKe der seitlichen Dreiecke, über die 
essigsaure Thonerde (letztere ist bekanntlich 
jetzt der deutschen Pharmakopoe einver- 
leibt). Ferner sind zu erwähnen Arbeiten 
über Brillenskala, über ein neues Opto- 
meter, über Gipsverbände, eine neue 
Klumpfussmaschine, über Hemiotomie etc. 
— Der Sohn, Ernst, zu Königsberg 
geb. und ausgebildet, studierte noch in 
Berlin und wurde 21. Dezember 1860 
promoviert. Seit Juni 1861 als praktischer 
Arzt in Königsberg, seit 1878 als ausser- 
ordentlicher Professor daselbst fungierend, 
leitete er die chirurgische Privatklinik 
seines Vaters und starb 20. November 1885. 
Seine umfangreicheren Leistungen sind*^ 
„Liiryngoskqpischer Atlas'' (Stuttgart 1877) 
— „Mittheiluftgen ai*s der chirurgischen 
Privat'Klinik" (Leipzig 1875, 1877, 1880). 
Daneben viele Journal- Artikel. 

Burq, V., geb. I823, gest. 12. Aug. 
1884 zu Paris an Apoplexie, ist be- 
merkenswert als der Entdecker der „Me- 
tallotherapie**, die er etwa um 1850 
empfahl und die später durch die Unter- 
suchungen von Charcot und Schiff eine 
wenigstens teilweise wissen schaftl. Erklä- 
rung, resp. Bestätigung erfuhr. Auch be- 
schäftigte sich B. seit 1851 mit der 
Sammlung von Statist. Daten über die 
Morbiditätd- und Mortalitätsverhältnisse 
der Arbeiter in Kupferminen und in 



Fabriken und suchte später den bekannt- 
lich missglückten Nachweis von der 
spezifischen Heilkraft des Kupfers gegen 
die Cholera zu liefern. Seine Haupt- 
schriften sind: „MStallotherapie, noüveau 
traitement par les applications mäaUiques" 
(Paris 1853) — „MäaüothSrapie. Du 
cuivre contre le cholera au point de vue 
prophylaetique et curatif** (Ib. 1867). 

Busch, Carl David Wilhelm, in 
Bonn, 5. Januar 1826 zu Marburg als 
Sohn von Dietrich Wilhelm Heinrich B. 
geboren, siedelte 1829 mit diesem nach 
Berlin über, studierte von 1844 bis 48 auf 
der dortigen Universität, wobei er sich 
besonders der Anleitung und des Wohl- 
woUens von Johannes Müller zu erfreuen 
hatte, indem er zu denjenigen Schülern 
gehörte, die von ihm zur Mitarbeit auf 
dem Gebiete der ihn damals ausschliess- 
lich beschäftigenden vergleichenden Ani^ 
tomie herangezogen wurden. Dieser 
letzteren gehörten denn auch einige von 
B. noch als Student in Müller's Archiv 
(1847) veröffentlichte Arbeiten, seine 
Inaug.-Dissertation (1848), einige spätere 
Arbeiten (Müllbb's Archiv 1849, öO, 55), 
sowie eine eigene Schrift über einige 
wirbellose Seetiere (1851) an. Zu Unter- 
suchungen über die letzteren hatte er, 
nachdem er im Sommer 1848 einige 
Monate in den Lazaretten zu Schleswig 
thätig gewesen, auf einer im folgenden 
Frühjahre unternommenen grösseren Eeise 
nach Grossbritannien, Spanien, Algerien 
und darauf auch nach Paris, Wien und 
Triest Gelegenheit gehabt. 1851 trat er 
als Assistent in Lanoenreck's Klinik, habi- 
litierte sich 1852 als Privat-Dozent und 
veröffentlichte ausser einigen histolo- 
gischen Arbeiten, seine „Chirurgischen Be- 
obacfUungen, gesammelt in der königl, 
Chirurg. UniversUäts-Klinlk zu Berlin** 
(Berlin 1854). 1855 wurde er zur Leitung 
der chirurgischen Klinik nach Bonn, zu- 
nächst als Prof. e. o., berufen und hat 
von da an, im Laufe der Jahre, bis zu 
seinem Tode nicht wenig dazu beigetragen, 
der medizinischen Fakultät dieser Universi- 
tät neuen Glanz zu verleihen. Ein von 
ihm 1857 bereits begonnenes „Lehrbuch 
der Chirurgie" (Berlin, Bd. I, 1857; Bd.n, 
Abt. 1—3, 1860, 64, 69) wurde erst nach 
einer Beihe von Jahren vollendet; er war 



im 



Busch. 



I 
I 



I 
I 



aber inzwischen vielfach anderweitig 
littjerarisch thätig. 1860 übernahm er auch 
die chirurgische Hospitalarzt -Stelle im 
Johannis- Hospital zu Bonn, war 1866 und 
1870 bis 71 während der Kriege in Böhmen 
und Frankreich als konsultiereuder General- 
Arzt thätig^ und wurde 18H6 Geheimer 
Medizinal -Rat. Nachdem er weiter 
ncKih ein Decennium rastlos als Chirurg, 
Kliniker und Schriftsteller gewirkt hatte, 
raffte ihn am 24. November 1881 eine 
Perforations- Peritonitis dahin, — Neben 
eeiner in hohem Grade anregenden Lehr- 
thätigkeit hat B. eine ganz ausserordent- 
liche schriftÄteUerische Fruchtbarkeit ent- 
wickelt, indem ein Vet^eichnis seiner 
sammtlichen Arbeiten auf dem Gebiete 
der vergleichenden Anatomie, der mensch- 
lichen Physiologie, der pathologischen 
Anatomie^ Ophthalmologie und Chirurgie 
nicht weniger als 145 Nummern umfasst, 
von denen allerdings fast '/^ auf Vorträge 
kommen^ die von ihm in den Jahi*en 
1856 bis 1881 in der Nie^lerrJieinischen Ge- 
sellschaft für Natur- und Heilkunde in 
Bonn gehalten worden sind. Es ist sehr 
schwer, in kurzen Zügen auch nur an- 
nähernd ein Bild von diesen buchst 
mannigfaltigen Arbeiten zu geben. Mit 
Übergehung derselben aus der Physiologie 
(Verdauung, Funktionen der Augen- 
muskebi, des M. serrat. antic. major), 
[>athologischtm Anatomie (Lupus, Epithe- 
liome^ Melanome, Lymphosarkome u, s. w.) 
und Ophthalmologie (Cysticercus, Cataract, 
Entropium) sei erwälint, dass er mehrfach 
über Wimdbehaudhmg^ auch nach Ver- 
brennung u. B. w. schrieb, femer über 
Pyämie^ Trismns, Erysipelas, Wnnddiph- 
therie, Carbunkel, über die Anwendung 
der Narkose. Er besi-hüftigte sich viel- 
fach mit den Kriegsverletzungen, den so- 
genannten Luftstreifschüssen und experi- 
mentell mit dem Mechanisuius der Schuss- 
frakturen, namentlich hm der Einwirkung 
aus grosser Nähe; er widmete den Ge- 
schwniaten viel Aufmerksamkeit, darunter 
besonders den retro-pharyngealen, dann 
auch den Hamorganen (Strikturen. andere 
mechanische Hindernisse der Urinentlee- 
f). Die Lehre von den Luxationen 
Frakturen bereicherte er durch 
rperimefitelle Untersuchungen und reiche 
eigene Erfahrungen: ebenso widmete er 
den Gelenkkrankheiten und deren Folgen, 



auch der Brucheinklemmung und den 
Varietäten der Hernien seine besondere 
Aufmerksamkeit, Unter seinen opera- 
tiven Errungenschaften sind namentlich 
die Beseitigung von Narben und anderen 
Kontrakturen, die Ausmeissehing eine» 
Nerven aus einem Callus, verschiedene 
Verbesserungen plastischer Operationen 
u- s. w. anzuf tiliren ; überall aber zeigte 
er sich als Anhänger der konservativen 
Chirurgie. — Die bauptsächlichsten Pub!!- 
kationsorte von B/s Arbeiten sind^ ausser 
; den angegebenen : Charite - Annalen 
{lßö7, 58), ViRciiow's Archiv (1858, 59), 
V. Grabfe's Archiv (1858), v. Lanoknbkck's 
Archiv (IV, VIL XrV^^XXn, XX VII, 
1863—81), Verhandlungen der Deutschen 
Gesellschaft für Chirurgie (1873^ 
74, 76, 77, 81), Chi. f. Ch. (1874, 
1881) und die Zeitscliriften, in welchen 
die Verhandlungen der Niederrheinischen 
Gesellschaft in der angegebenen Zeit 
publiziert wurden. 

B lisch, Friedrich, Sohn des Arztes 

Fr. U Frjin. B, zu Elbing 9. Sep- 

j tember 1844 geboren, war wülirend seiner 

Studien zu Jena, Königsberg und Berlin 

Schüler v. Rr.cKLiNfiHArsKN*s. Virchow's, 




LAN'GKypKCK's. Am 18. Mai 1866 promoviert 
und 1867 approbiei-t, fungierte er als 
Assistent an der konigl. chir. Klinik, als 
Privatdozent uiui seit 1875 als Professc»r 
exiraoi-d. für Chirurgie in Berlin. Seine 

IQ 



291 



Busch — Bnsinelli. 



292 



wesentlichsten Arbeiten sind: „Fettembolie** 
(ViRCHOw's Archiv, XXXV) — „Tuber- 
kulose der Chorioidea'' (Ib. XXXVI) 
— „Experimentelle Ostitis und Nekrose^' 
(v. Lanoenbbck's Archiv, XX, XXI, 
XXII. D. Z. f. Gh., Vin und X). 
Endlich bearbeitete er die „Allgemeine 
Orthopädie, Gymnastik, Massage" (als II. 
Bd., 2. Abteilung von v. Zikmssen's Hand- 
buch der Allgemeinen Therapie. Leipzig 
1883). Seit Oktober 1884 ist B. Direktor 
des an der Berliner Universität errichteten 
zahnärztlichen Instituts. Seine Schriften 
odoutologischen Inhalts finden sich in: 
D. Mtsschr. f. Z., Verhandlungen der D. 
odoutologischen Gesellschaft, I — VII und 
Odontologische Blätter IV. Jahrgang 
1899/1 9(X). Selbständig erschien noch ein 
„Lehrbuch der Zahnext radion". 

Busch, Johann Konrad, Sanitäts- 
rat in Krefeld, geb. 1848, seit 1873 Arzt, 
hat sich in der Geschichte des preussi- 
schen Ärztestandes durch seine rege 
aktive Teilnahme an allen Standesange- 
logenheiten, speziell durch seine Verdienste 
um den Ausbau und die Verbesserung 
der sozialärztlichen Gesetzgebung ein 
Andenken gesichert. Er war lange Jahre 
Redakteur des sozialen Teüs im ärztlichen 
Vereinsblatt, Mitglied der rheinischen 
Ärztekammer, des preussischen Ärzte- 
kanmierausschusses, der Kommission zur 
Vereinfachung der Arbeiterversicherungs- 
gesetze im Keichsamt des Innern, lang- 
jähriger Delegierter auf dem deutschen 
Ärztetage und Vorsitzender des Nieder- 
rheinischen Vereines für öffentliche Ge- 
sundheitspflege. B. starb 18. Febr. 1898. 

BuSChaHy Georg Hermann 
Theodor, in Stettin, geb. zu Frankfurt 
a. O. 14. April 1863, in Breslau, München, 
Halle, Berlin und Kiel ausgebildet, Dr. 
med. Wratislav. 1885, Dr. phil. (summa 
cum laude 1896 München), war von 
1886 bis 87 an der Provinzialirrenanstalt 
Leubus 1. Sohl., bis 1891 an der Kaiser!. Ma- 
rine, bis 1892 bei Kahlbaum in Gtörlitz, sowie 
in HaUe und Berlin thätig und wirkt 
seit 1892 als Nervenarzt in Stettin, sowie 
als Schriftsteller und Privatgelehrter auf 
dem Gebiete der Anthropologie und Ethno- 
logie imd Vorsitzender der Gesellschaft 
für Völker- und Erdkunde in Stettin. 



Schriften auf dem Gebiete der Medizin: 
„Die Basedowsche Krankheit'' (preisgekrönt 
von der Hufeland'schen Gesellschaft in 
Berlin, Wien 1894) — „Über Myxödem 
und verwandte Zustände** (Ib. 1896) — 
„JHc Broum-Sequard'sche Methode (Organ- 
safttherapie/'^ (Neuwied 1895) — „Die Be- 
handlung der chronischen Rückenmarks- 
krankheüen'' (Ib. 1893) — „Schüddrüsen- 
therapie" (Wien 1896) — „Bibliographischer 
Semesterbericht der Erscheinungen auf dem 
Gebiet der Neurologie und Psychiatrie* 
(erscheint halbjährlich seit 1896). Dazu 
kommen zahlreiche Arbeiten aus dem 
Gebiete der Anthropologie, im ganzen nach 
einem bis 1898 incl. reichenden Verzeich- 
nis weit über 60 Nummern umfassend. 
B. ist Mitglied und Ehrenmitglied zahl- 
reicher in- und ausländischer gelehrter 
Gesellschaften. 

BUSinOlli, Francesco, geb. in 
Maniago (Venedig), studierte in Padua 
1847 bis 53, in welchem Jahre er ein- 
stimmig promoviert wurde. Im Sep- 
tember desselben Jahres konkurrierte er 
für eine Stelle bei dem Istituto di per- 
fezionamento chirurgico an der Wiener 
Hochschule und wurde als Operations- 
Zögling bei der chir. Klinik von Prof. 
Schuh angestellt. Nach dem 2 jährigen 
Kurs erhielt er sein Operateurs-Diplom. 
Während dieser Zeit besuchte er als 
Privat- Assistent die Augen- Abteilung von 
Prof. Ed. Jäger und nahm Privat-Kurse 
bei Prof. Hebra, Braun, Sigmund etc. 1855 
während der Cholera-Epidemie ging er 
nach Ragusa (Dalmatien) und blieb dann 
5 Monate als Cholera- Arzt im Dienste 
der österr. Regierung. 1856 fungierte er 
im Allgemeinen Kranken hause zu Wien 
als Internist, dann als Sekundär- Arzt an 
der Chirurg. Abteilung vom Primär- Arzt 
SziMONDY. 1857 bis 59 Assistent der 
Wiener Augenklinik von Prof. Arlt und 
Mitglied der K. K. Gesellschaft der Ärzte. 
1861 Professor der Augenheilkunde in 
Sassari (Insel Sardinien). 1862 Professor 
der Augenheilkunde an der Universität 
zu Modena bis 1872. Von 1873 bis 99 
ordentl. Professor der Augenheilkunde und 
DiMktor der Augenklinik der Universität 
in Rom. B. ist Membro fondatore della 
R. Accademia di Medicina, Sanitario-Capo 
dell*Ospizio Msrgherita di Savoia per i 



293 



Bussemakei'. 



294 



ciecM poveri und Verfasser zalilreiclaer, 
nach einem bis 1898 reichenden Verzeich- 
nis etwa 50 Nummern umfiissender Ar- 
beiten, von denen wir nur folgende 
anführen können; „Oflvcrvaz/awe clinka 
iopra UH auo di Dacrio-adentte acuta*" 
<GiornaJe d'Oftalmologia itaL 1860) — 
^^Storia (luna cheratite ton ipapio e constde- 
rjiiofii relative,*' (Giornale stiidd. 1860) 

— ^^Intorno all Astenopia — Memoria leita 
nella R^ Accaäemia med. dt Torino^*' (Giornale 
d^oftalmologia 1860) — ./.hmrvaeioni 
critiche huIV opera de! DoU GnttL Stdr- 
Of((Unu>8copioe/c. {1&&2} ^.Sidlu Storia^ impor- 
iama e progream iMla Scienzaocuii»tica — Ft'Q' 
Iwfiofte letta in Modena nel 1863'' (1664) — 
^JSopra un caso di fiatola corneale, chiusura 

Ijddla pupilla e cataratta, {1S64). — Cobo 
^a$immc(ria ddi'apparato diottrico deU'occhio 
umano.-*^ iGiüm. d'oftalmolog^ia 1864) — 
^^Reeoconto dei vcvfi ocidistici jjre^entatiai al 
di>*jieniiario oftalmico in Modena nel 1863 
ul 64** (Zus. mit dem Assistent^en Saltini, 
1665) ^- ^fSttüocchio untano, Lezumt popo- 
tenttta in Modena''' (1866) — ,/^«aen«- 

T^tione dinica mpra un caso di vegefasiofti 
pedunadate sidta Cornea, Operaiione eic/' 
((tvoiti. d'oftalmologia 1867) — t.Vista 
ed üocMali, Lezione popolare cm% fyur^^ 
pobbl. nel Museo popolare di Milano 
18Ö81 — ^,Amauro8i temporaria deWoccfiio 
destrOt srnseguita da poliopia monoculare 
iinettra in giovane i»terica^^ |ib, 1868} 

— ^^Sulla lusmtione sottO'Congiuntiütde dd 
^aüino }>er rotiura della sderoÜca^' 

|Ga22. med. ital. delle Prov. venete 
9) — ,,SuU'eHraziofie di corpi estrattei 

^pmttrati neWacchio. Menwria letta ndVAccmL 
di Menie i kttere ed arti de Modena^ 
(Atti deU'Accad. 1869) — ,,Sopra Ire casi 

rdi ferifa penetrante neWocchio per esplosione 
di cap9uU da fucüe}' (1870) - ,,ShU 
conditumi deWOadistica ndle campagne, 
Lettera wl un medico condotto,"' (Annu- 
ariu della Societa dei Natur allst i in Modena 

h87l) — „SuWottalmia dei neofuiti'' (1872) 
,,Sulfa dieratite c anlVirite'' (1872) — 
^Jfäorno al progetto delVerezlone d'^un busio 
al Prof. Qraefe nelVuniveraitä dt Roma. 
Ldtera al I^of, A. Carruccio^*^ (Rivista 
üQdd. 1872) — ,ßuUa iride-m-oidite 
npaika e sua mtra radicaW(Atti 

rdeU'Accad. dl Modena 1873) - „Sülle 
operanoni di eataratta'* (Atti deli' 
Acead. med. dl Koma» anno 4, fasc. 1, 



1878) — „Swlfe ferite pmetranti neW 

occhio umano'' (giornale Cllnica mo- 
derna, Firenze 189d) — ^^Dei dütacchi ptri- 
ferici deWirük'^ (Ib. 1896) — „Sopra un caw 
di bleforocalasi. Lezione*'' (Ib. 1896) — „8tt^a 
maturazione artificiaU ddte cataratte dil ento 
decorso^*^ (Clin, modema. Ib. 1897) — y^Flem- 
mofie ddl'orbita consecidivo a flemmone dd 
Sftcco lagrim. (Lezione)'' (Clin, moderna di 
Firenze 1898) — ,,Tenonite reumatica acxäa 
bilaterale^' (Snpplem. dei roliclinico anno 
IV Roma 1898). 

Bussemaker, cuo cats, isio 

zu Devent^r geb., studierte in Groningen, 
wo er um 1835 die Doktorwürde erhielt 
auf eine ,,D{$äerUttio jfhilolog. m^d. inau- 
gur.p exhibens lihrum XL IV t?oüectaneorum 
medicinalium OriMsii, c adj. ver b tone tat ina 
adnofaii4)nibusqHe^\ eine ausgezeichnete 
Arbeit, worin B. nicht allein über Oribasiüs 
handelt, sondern auch viele bisher imbe- 
kaunteThat-ttachen mitteilt« über Antyllüs, 
AroLLoNius, HtLiono«os, Ilurus (Ephesius) 
und SoRANcs. 1838 eröf*kieiien von ihm 
näheti? Mitteitungen üln-r da« 50. Buch 
der CoUectanea (hrsg. v. Anoelo Mai), 
über die chir. Beb. d. HaniriJhrenstriktur 
nach Hkliodoros in der von HjiYiNE redi- 
gierten Zts€hr.„ Wenkeu eti Meeningen**. Be- 
sonders bekannt ii^t er durch die im Ver- 
ein mit Daremeikrcv veranstaltete grosse 
Ausgabe des Oribasiüs (1851 bis 70). B. 
hatte Dahkmbeoü in Berlin kennen gelernt, 
wo er den Nachlass von Diktz studierte. 
B. fand zusammen mit Dahemberg eine 
Anstellung in Paris und starb hier 1865* 
Für die bibL grecqne von Didot bearlieit^ste 
er die Poemata medicinalia des Aristot-eles. 

Butcher, lUcbard George Her- 
bert. ausgezeichneterChirurg, geh, 19. April 
1819 zu Danesfoit., Killarnej, studierte in 
der med. Schule zu Cork unter Juim 
WooDRotFE, in Dublin und im Guy*8 Hosp* 
unter Sir Astley Coofeir, wurde 18vi8 
Lic, des Londoner R. C. S. und de« 
Dubliner 1841, Fellow 1844, war Prosektor 
und Dozent der Anat. in der Dubliner 
med. Schule und viele Jahre Surgeon am 
Mercer's llosp., wob in er eine grosse 
Menge von Studenten zog. Auch wurde 
er Dozent der opera t. Chir. am Trinity 
Coli, und trat in das ärztl Personal von 
Sir Patrick Dun's Hosp. Über. 1863 wurde 

10* 



295 



Byrne. 



296 



er von der Universität zum. Ehren-Dr. 
med. ernannt, war 1866 bis 67 Präßid. 
des R. C. S. und erriclitete 1879 eine 
Kettnngsstation an der Küste der Tralee 
Bay, znm Andenken an seinen Vater, 
Admiral Samuel B. und seinen Bruder, 
den Bischof von Meath. Die Kosten des 
Rettungsbootes allein beliefen sich auf 
1000 £. 1885 überwies er sein wertvolles 
Museum dem Coli, of Surg. und über- 
nahm es, ein eigenes Gebäude dafür zu 
errichten. B. ist 21. März 1891 verstorben. 
Seine grösstenteils im Dublin. Quart. 
Joum. ofMed. Sc. und dessen Fortsetzung 
erschienenen, sehr zahlreichen Aufsätze, 
meist Operationsfälle betreffend, erschienen 
bis 1865 gesanmielt in seinen: ^^Essaya 
and reports on operative and eonaervative 
surgery"" (Dablin 1865). 

BymOy John August US, geb. zu 
Dublin 9. April 1827, studierte im Trinity 
Coli., der Park-street Schule, Sir P. Dun's 
und Stevens Hosp., wurde 1847 Member 
des K C. S., 1858 Assist. Master in Ro- 



tunda Lying-in Hosp. unter M'Clintock, 
war dann Prof. der Geburtshilfe an der 
med. Schule der kath. Universität und 
Gynaecological Surgeon am St. Vincent's 
Hosp., Präsident der Dubliner geburtshilfl. 
Gesellschaft und starb 13. Januar 1891. 
Von seinen Schriften erwähnen wir: 
„Fatty and Hydatiginous Degeneration of 
the Placenta" (read before Dub. Obst. Soc., 
Dub. Med. Joum. 1865) — „Caae of Rup- 
ture of the Vagina during Latour, in which 
recovery took place" (read before Dub. Obst. 
Soc. 1866) — „rii?o Casea of Congenifal 
Malformation of the Rectum^^ (Dub. Med. 
Joum. 1862) — „Large Vesical CakiUu» 
expelled by natural efforta of a Woman in 
7th Month of Pregnancy"' (Ib. 1863) - 
y^Bemarkable Caae of Fetid Pulmonary Puer- 
peral Abaceas'' (Dub. Quart. Joum. 1866) — 
„Obaervationa on Puerperal Fever and Puer- 
peral Mortality'' (Ib. XLVni) — „Bi- 
pdar Veraion and Jnduction of Premaiure 
Latour by Hydroatatic Dilatation" (Dub. 
Med. Joum. 1875). 



c. 



C&Jin, Arnold/ in Strassburg, da- 
selbst vorgebildet, Dr. med. 1881, war 
anfangs Assistent an der Strassbnrger 
med. Klinik, seit 1895 Extaordinarios, ver- 
öffentHcbte : „Zur physiologischen und pa^ 
thologischen Chemie des Auges^ (Diss.) — 
y,üeber antiperistaUische Magenbewegungen^ 

— „ Ueber Mcigenverdauung bei Chlorhunger" 

— „ Ueber MagensäurenbeiacuterPhosphorver- 
gifiung** — „ Ueber die Verdauung des Fleisches 
im normalen Magen^^ — „ U^btr die Peptone 
als Nahrungsmittel^^, femer zahlreiche Ab- 
handlungen: über gastritis diphtherica mit 
akuter gelber Leberatrophie, über die 
Heilung des Ileus durch Magenausspü- 
lungen, Magensäuren, allgemeine Atrophie 
nach Diphtherie, zur Lehre vom Typhus, 
über akute Schwefelwasserstoff Vergiftung, 
über Antip3rrin und Antifebrin u. s. w. 

Calderini, Giovanni, in Bologna, 
geb. 24. Dez. 1841 zu Varallo (Novara), 
studierte und promovierte in Tuiin 1862; 
Priv. Doc. der Ophthalmol. 1868; Anat.- 
Prosektor 1872; als Prof. der Geburtsh. 
und Direktor der Entbindungsanstalt an 
die Universität Parma berufen 1873; aus- 
serord. Prof. 1876 und ord. Prof. der 
Geburtsh. und Gyn. 1879; an die Univer- 
sität Bologna berufen 1895. Von seinen 
zahlreichen Arbeiten sind mehrere in den 
folgenden Zeitschr. veröffentlicht: Gaz- 
zetta delle Cliniche di Torino (1866) „Enu- 
cleazione del bulöo deU' occhio in rapporte alla 
estirpaxione. alV influenza suW occhio che ri- 
mane alla anatomia patologica ed alla pro- 
tesi oculare" (1868, 1869, 1871, 1873 — 
L' Istituto Ostetrico di Parma 1874, 1875, 
1878, 1879, 1881) — „Le precauzioni anti- 
seUiche nella pratica ostetrica'' (1882, 1883, 
1885, 1892, 1893, teils auf dem Gebiete der 
Ophthal., teils der Geb. u. Gyn.) — Gazzetta 
della Associazione Medica di Torino (1862, 
1865) — Giomale della Reale Acc. di 



Med. di Torino (1865, 1874, 1888) „CW- 
lule simüi a quelle della decidua otie- 
nute sperimentalmente mediante semplice 
stimolo meccanico", — G. di oftalm. itaL 
Torino (1866) - Annali di Ost. Gin. e 
Pedlat. Milano (1881) „Sulla questione 
deW insegnamento pratico deÜa ginecologia e 
deüa pediatria" (1882) — „Una cretina 
ed una microcefala nelV Ist. Ost, di Parma** 
— „Contributo alla diagnosi delle mostruo- 
Sita del feto ed alla eziologia dell' idram- 
nios" — „Espostazione delV utero 
daUa Vagina'' (1893) — ^^Laparotomie** 
(1895, 1899). — Ateneo Medice Parmense 
(Parma 1887) „LYerw« septus duplex^'' 
(1888) — ^^Distocia matema cervicale^^ 
(1889, 1893, 1895). Andere Abhandlungen 
erschienen in „Bollett. della Soc. Med. di 
Bologna" (Serie VI vol. IX, Serie VII vol. 
IV. 1893, Serie VH vol. IX 1898) - in 
„BoUett. deir Istruzione pubblica" (Boma 
1882) — ,,Giomale Intemaz. di Sc. Med." 
(Napoli 1882) — „Gazzetta degli Ospedali« 
(Ikülano 1883, 1897) — „Giomale delle 
Levatrici^ (Milano 1887) — „Rivista di 
Ost. eGin. ''(Torino 1890) —„Verhandlungen 
des X. Intemaz. Med. Gong. 1890" (Berlin 
1891 bis 92) — „II PoÜclinico C." (Roma 
1894) — „ Archivio di Ostetricia e di Gine- 
cologia" (Napoli 1895) — „La Clinica Mo- 
dema" (Firenze 1895, 1896, 1897) — „Atti 
del Congresso Medico Intemazionale di 
Roma" (1894, 1895) — „Atti della Soc. 
Ital. di Ost. e Gin." (Roma 1896, 1897, 
1898) — „Verhandl. des Int. Med. Congr. 
von Moskau" (1897) — „Compt. rendue des 
Congres period. int. de gyn. et d' Obst, 
de Geneve 1894, Bordeaux 1897, Amster- 
dam 1899" — „Compt. rend. du Congres 
d' Obst. Gyn. Paed, de Marseille« (1898) - 
„Berliner klin. Wochenschrift*- (1894) — 
„Lucina. Periodico mensile di Ost. 1876 
ff., Bologna" — „Monatsschrift f. Geb. u. 
Gyn." (Berlin IX. 1899). — Von den vielen 



299 



Calmeil — Camerer. 



300 



selbständig erscliienenen Schriften seien nur 
angeführt: ^^Studi di Ost. e GHn.^^ (Milano 
1890) — ,jManuale Clinico di Terapia 
e opcrazione Ostetrlche^^ (Torino 1897). 
— Dazu kommen noch zahli*eiche belle- 
tristische, Reise- nnd ähnliche Schriften. 

CalmOil, Louis Florentin, geb. 
1798 zu Yversay, Poitou , studierte in 
Paris und widmete sich unter Koyer 
CoLLARD und EsQüiROL der Psychiatrie. 
Er wurde , als letzterer 1826 Direktor 
von Charenton ward, Hilfsarzt daselbst, 
und folgte ihm 1840 nach dessen Tode 
im Direktorat von Charenton nach, 
wo er 50 Jahre lang blieb und Esqüirol'b 
rechte Hand wurde. Erst nach 1848 wurde 
er Med.-en-chef und blieb es 22 Jahre 
lang bis 1872, wo er sich nach Fontenay- 
sous-Bois zurückzog. C, der als Senior 
der französischen Phychiater 11. März 
1895 in Paris starb, hat eine Reihe von 
bedeutenden Werken über die Erkr. des 
Hirns und Rückenmarks hinterlassen. 
Er war einer der ersten, die sich bei ihren 
Studien des Mikroskops bedienten, und 
wenn auch Bayle das Verdienst gebührt, 
die allgemeine progressive Paralyse — die 
übrigens schon EsQüiROL kannte - zuerst be- 
schrieben zu haben, so muss doch C. das Ver- 
dienst zuerkannt werden, sie zuerst als die 
Folge einer Periencephalitis aufgefasst zu 
haben, während jener sie als den Ausfluss 
einer chronischen Meningitis betrachtet 
wissen wollte. Von sonstigen Schriften 
C.'s, die sich vornehmlich in den Archives 
gen^rales de medecine, im Journal univer- 
sel et hebdomadaire de medecine et de 
Chirurgie pratique, sowie endlich im Dic- 
tionaire de medecine finden, heben wir 
hervor: „De la folie, consideree sous le 
paint de vue paihologique, pküosophtquCf 
historique et judiciaire depuis la renaissance 
des Sciences en Europe jusqu'au XIX^ si- 
ede; Description des grandes epidemies du 
delire simple ou compliquee, qui ont atteint 
les popukUions d^autre fois et regni dans 
les monasthtes. Expose des condamnaJtians 
auxqueUes la folie miconnue a donni Heu" 
(2 Bände, Paris 1854) — ,,Traite des ma- 
ladies enflammatoires du cerveau ou histoire 
anatonuhpathologique des congestions encS- 
phaliques du dilire aigu^ de la paralysie 
generale ou periencSphalite chronique diffuse 
ä VHat simple ou compliquif du ramollisse- 



ment cerebral^ locäl, aigu et chronigue, de 
Vhemorrhagie generale localis^ ricente ou 
non recente'' (2 Bände, ib. 1859). 

CalOri, Luigi, geb. 8. Februar I8O7 
in San Pietro in Cajale, studierte Philo- 
sophie und Medizin in Bologna, wo er 
Francesco Mo.vdini zum Lehrer der Ana- 
tomie hatte. 1831 begann er als Arzt 
in Bologna zu praktizieren und wurde 
Prosektor, 1835 Professor der Ana- 
tomie an der Malerakademie, und war seit 
1844 Professor der deskriptiven und topo- 
graphischen Anatomie an der Universität 
Bologna. C, der 19. Dezember 1896 
starb, verdankt die medizinische Littera- 
tur eine grosse Anzahl von Schriften ana- 
tomischen, teratologischen und zooto- 
mischen, teilweise auch pathologischen 
Lihalts, welche in den Memorie dell' Aca- 
demia delle scienze delP Istituto di Bo- 
logna, in den Nuovi Conmientarii, in den 
Nuovi Annali delle scienze naturali, im Bul- 
letino und in den Memorie della Society 
medico-chirurgica di Bologna, und in der 
Rivista Clinica di Bologna ei*schienen 
sind. Besonders hervorzuheben ist seine 
Geschichte der anatomischen Schule von 
Bologna. 

Camerer, Wllhelm, zu Urach, 
Württemberg, geb. zu Stuttgart 17. Okt. 
1842, studierte in Tübingen und Wien, 
promovierte 1866, war 1866 und 1870/71 
württ. Militärarzt, von 1867 bis 76 prakt. 
Arzt in mehreren württ. Landstädtchen, 
von 1876 bis 84 Physikus in Riedlingen 
a. Donau, seit 1854 Physikus in Urach. 
Er behandelt hauptsächlich Stoffwechsel- 
krankheiten in einer Privatklinik und ver- 
fasste Arbeiten über Stoffwechsel, nament- 
lich der Kinder, und über psycho-physische 
Fragen, im Jahrbuch für Kinderheilkunde, 
in Pflüqer's Archiv und in der Zeitschr. 
für Biologie (seit 1870.) Monogi-aphie : 
f^Ursachen, Folgen utid Behatidlung der 
Fettsucht'' (Tübingen 1886). Später er- 
schien noch yyDer Stoffwechsel des Kindes 
von der Geburt Ins zur Beendigumj des 
WachsthumSf meist nach eigenen Versuchen^^ 
(Tübingen 1894). — Diese Monographie 
erhielt 1898 den Stiebel-Preis (Dr. Senkkx- 
BERo'sche Stiftung in Frankfurt a. M.). — 
Ln Oktober 1895 wurde C. zum Dr. sci- 
entiae naturalis honoris causa von der na- 



J^npiiia — UanqtioliL 



turwissenßchaftllrlien Fakultät in Tübingen 
ernannt, erhielt im Febr. 1899 den Titel 
und Rang eines würtib. Mediziiialrates. 
Die Arbeit-en seit 1895 über Frauenmiicli, 
Kinderstoffwecbsel, Urinclieniie verfertig- 
te C. meist gerne insam mit Dr. Söldxer, 
Chemiker in Stuttgart, 

Campana, Boberto. geb. in 
Teramo 5. Auj^ust 1844 , studierte 
in Neapel, wo er namentlich Tommasi, 
Canta-vi^ Carijarrlu und Tanturri zu Leh- 
rern hatte und 1869 promoviert wurde. 
Hierauf ging er 1872 nach Wien und 
Berlin, wo er sich vorzüglich unter 
IIkura. SiGMcyo. BiLLRoiH, Kaposi und 
Koch in »einen Studien vervr>Ilkc»mmnete- 
1870 war er Interiiar/t , von 1871 
bis 74 Assistent der Klinik für Sy- 
philis und Hautkrankheiten untxir Tax- 
jiRKi^ 1875 Privatdozent in Neapel und 
Bit 1878 ist er, infolge eines Konkurses, 
Professor der gl ei c Im am igen Klinik an 
der XTniversität Genua und später in Eom. 

— Sehr thatig und voll Liebe für sein 
Fach, hat er 140 kleinere und grössere 
Schriften, zum Teil siehr interessanten 
Inhalts, veröffentlii'ht, wovon am meisten 
hervorgehoben zu werden veidienen: „D* 
una osteopeno$tUe yommosa ddla punete 
orbitaria inferiore t nua cura" {mit Tafel 
1871) — „Dtlla Linfadtixoptttic sifilitUhe^' 
il870) — ,jZ>i älcuni mH maUrni*' (mit 12 
Tafeln 1876) — ^^ülcem scmplkc cotUa- 
t/iom, sttidii gpcrhncnttUv'' (1878) — ^^ün 
caso di pemfiffO fol. miyliortüo cot bagno 
totitinuo^* (1880) — „Fna modiftcazionc nl 

iodo ddla circoncmonc"' (1880) — ,^Note 
"«dfnic/kJ ed anatomirht: müa lepra'* (luit 
Tafeln 1881) — ^^ißide e mfUUm in un 
fritnnio di dmirn** (1882) — ,.Alcun€ in- 
<^vulationi di noduli leprosi'' (Arehivio delle 
seienze mediche, VII, 3, 1883) — ,,// 
jodo forme nelia urärife aci*/<r* (ItaUa me- 
diciL 6, 1883) — .Jn/fnenza beneßca detla 
crisipela Bulla tepra'' (Ib. 16, 1888) — 
,,TraUitto 9tdta »ifilidt r morbi venerei *^ 
iii edijtioni) — ^^Ddle odenopatic sifUitiche^^ 

— „De/ sarroma primifivo idiopatica della 
mie^ — ^yLfpra** — ^.CoUura dd baciUo 
hprmo*'' — fySttulio anatomico stdla varia- 
bilita ddla cute dd eanuäeontc^* — „5a 
Edirione dd »ißide c sifilitiro, comple- 
iato coi morhi vnicrci*^ (Morbi venerei 
e fitfilitici 1893; — ,,ÄHrts ricenhe stdle 



\ 



cdtera^ioni anatomirhe dd sarcoma ddla 
cide''^ — ^^Stndio sidle titbcrcolini'^ — Selb* 
ßtilndig erschien: ^^Fratmmnti di dermu- 
tologta'* (Genova 1899). wo zngleich an 
verschiedenen Stellea auf etwa 46 kleiaei'e 
Arbeiten verwiesen wird. 

CaneStrini, Ulovanni, geb. in 
ßevo bei Trient 26, Dezember 1835, stu- 
dierte in Wien , namentlich unter 
K\fcK, Hyrtl mid Brück K Nuturwissen- 
Bchaften und Medizin, und wurde 1800 
promoviert. Mit Vorliebe gab er sich 
dem Studium der Naturwissenschaf- 
ten hin, und besondei-s gern beschäf- 
tigte er sich mit jenen Fragen, die anch 
für die wiss^Miscbaftlicbe Medizin von 
Interesse siud. Bald nach 1860 Pmft\ssor 
der vergleiclienden Anatomie und Phy- 
siologie an der Universität Padua, ül>er^ 
setzte er fast sämtliche Werke Darwin'» 
ins Italienische, stiftete an dieser ?1 och- 
se h nie ein Laboratorium für Bakteriologie 
und erteilte den bezüglichen Unterricht, 
Seine wichtigsten originalen Arbeiten 
sind: f,Prospetfo criiko dd peaci d'acqua 
doice d'ltalia** — „l pesci d' IIa Ha*' — 
,,Orl(/ine ddi uomo'* (hiervon zwei Auf- 
lagen) — „Teoria ddi' emluziom" -- „La 
teotia di Darwin n-iticantente esposta''' — 
^^(tH aracnidi ihdinni^' — fßludii ffitt^U 
acari italinni^* — ..Profipdtn ddV aiarofauua 
ifaiiana^'' {in acht Bänden) u. 8. w. Von 
seinen populären Scliriften sind die drei 
Bändchen (Manuali Hoepli) über Antliro- 
pologie. Apikultur und Bakteriologie 
nennenswert, V, stai'b 14. Febr. 1900. 

CanqUOin, Alexandre, franzr.si- 
scher Arzt, ä^r 1823 zu Paris Doktor 
wurde und daselbst auch hmge prakti- 
zierte, später aber nach eijier Stadt in 
der Brturgogne übersiedelte. Sein Käme 
ist diurch die von ihm angegebene Be- 
handlung des Krebses^ über die er die 
folgenden zwei Schrift-eii verfasst^^ be- 
kannt gewoi*den: ,^Mhn. 8ur un nourvan 
miyde de trait erneut des aff'cdions cuncereusfi 
eh%'' (Paris 1835) — ^^Traitrmeni du can- 
eer, iJXiuafU toule opiration ptir l'imtrn- 
meni iranchant, etc.'' (2. 6d. 1838 ; deutsche 
Übersetzung von S. Fra\'kfxbfr(K Braim- 
schweig 1839). Es handelt sich dabei, 
unter Ausschluss eines operativen Verfah- 
rens, um die Anwendimg eines Ätzmittels, 



303 



Canstatt — Cantani. 



304 



nämlich einer Faste ans CUorzink mit 
Mehl in 4 Intensitätsgraden. Diese Paste 
hat sich, wenn anch nicht gerade gegen 
Krebs, wegen ihrer Handlichkeit und Wirk- 
samkeit anch anderweitig als recht zweck- 
mässig erwiesen. 

Canstatt, Karl Friedrich, als 
Sohn eines Arztes 11. Juli 1807 in Re- 
gensburg geb., machte sich nach Vol- 
lendung seiner Studien In Wien und Würz- 
burg (Schoenlein) durch die an letzterer 
Universität (1831) vertheidigte Dissertation 
„Üftcr Markschwamm des Auges und amau- 
rotisches Katzenauge^'' bemerkbar. Nach 
einem Aufenthalt in Regensburg, dem 
eine kleine Schrift über die Cholera ent- 
stammte, begab er sich 1832 nach Paris, 
um die letztgenannte Krankheit dort 
gründlich zu studieren („Dte Cholera in 
Paris etc.'' 1832). — In Brüssel, wohin 
sich C. hierauf begab, übernahm er die 
Leitung eines Cholera-Hospitals und wandte 
sich hier mit allem Eifer wieder der Oph- 
thalmologie zu. 1838 Hess sich C. in Re- 
gensburg nieder und veröffentlichte wäh- 
rend seiner dortigen praktischen Thätig- 
keit eine Übersetzung von Guislain's 
Geisteskrankheiten, sowie ,^Die Krank- 
heiten des höheren Alters und ihre Heilung'' 
(2 Bde., 1839), 1841 auch die erste Lie- 
ferung seines „ifandÄMCÄc« der medicinischen 
Klinik". In dieses Jahr fällt auch die 
Gründung des „Jahresbericht es Ober die Fort- 
schritte der gesammten Medidn in aüen 
Ländern" (bis 1865 unter seinem Namen 
erschienen, nachdem Eisenmann ihn in 
der Herausgabe bereits seit 1843 imter- 
stützt hatte). — Trotz eines chronischen 
Leidens nahm er 1844 noch den Ruf als 
Professor der inneren Klinik in Erlangen an 
und schrieb hier die zwei Bände seiner 
„Kli7iisc?ien Rückblicke und Abhandlungen" 
(von denen jedoch nur der erste — 1848 — 
noch unter seinen Augen, der zweite erst pos- 
thum — 1861 — erschien) ; denn bereits am 
10. März 1850 machte ein seit 1846 manifest 
gewordenes Lungenleiden C.'s thätigem 
Leben ein Ende. Von seinem oben er- 
wähnten „Handbuche der medicinischen 
Klinik" hatte er 1843 die zweite Auflage 
noch selbst besorgt; in dritter Auflage 
gab es 1854 bis 56 Hknoch heraus. — C.'s 
hervorragende Bedeutung ist wohl mit 
Recht dari;^ gesehen worden, dass er sich 



schon vom ersten Moment seines littera- 
rischen Auftretens mit aller Entschieden- 
heit von der naturphilosophischen Rich- 
tung abwandte. 

Cantani, Amaldo, als Sohn des 
Arztes Vincenzo C, 15. Februar 1837 
in Hainsbach (Böhmen) geb. und im Alter 
von fünf Jahren mit der Familie nach 
Prag übergesiedelt, erhielt von seinem 
Vater eine Erziehung, die einerseits ihn 
früh zur Vorliebe für die Naturwissen- 
schaften führte und andererseits so im 
italienischen Geiste gehalten war, dass 
sie ihn über die National-Zwistigkeiten 
seines Geburtslandes hinweghob und 
später für seine Rückkehr nach Ita- 
lien den Ausschlag gab. Auf der Prager 
Universität hauptsächlich Schüler Jaksch's 




und 1860 promoviert, fungierte C. zuerst 
als Sekimdararzt am Prager allgemeinen 
Krankenhause, ging 1864 nach Pavia als 
ausserordentlicher Professor der Pharma- 
kologie und Toxikologie (später noch der 
allgemeinen Therapie) und folgte 1867 
einer Berufung an das Mailänder Ospe- 
dale maggiore, um dort die medizinische 
Klinik für (bereits promovierte) Arzte zu 
leiten. 1868 trat er in die Stellung als 
Prof. ord. und Direktor der zweiten me- 
dizinischen Klinik in Neapel, wo er 1888 
seine Naturalisierung erhielt und bis zu 
seinem am 30. April 1893 erfolgten 
Ableben wirkte. C. war Mitglied des 
obersten Unterrichtsrates in Rom, sowie 
des dortigen obersten Sanitätsrates und 



306 



Capellmaiiii — Carl Tlieodur. 



906 



Mitglied itallenisclier, ÖBterroichischer, 
deutscher und belgißoher gelehrter Kör- 
perschaften, auch DirektionsmitgUed der 
„Eiiciclopedia med, italiana''. — Von sei- 
nen zahlreichen Schriften interessieren 
hier weniger die botanischen (1858 bis 61), 
vielmehr in erster ReOie die „Tradtizione 
«Ua paiologia e terapia dd prof\ Feiice 
menmyer" (MaUand 1862 bis 63, 1864 bie 
66 and später in dritter Atiüage) mit 
vielen Originalznsätzen, durch welche C. 
die Einfiihning der deutschen Medizin in 
Italien mit am meisten begründet und ge- 
fördert hat, 1866 publizierte er den ersten 

(Pail von Wanderleber, 1867 Beobachtnngen 
1i>>er Lnftansammlnngen in geschlossenen 
Körperhohlen, 1865 bis 77 ein Handbuch 
der Pharmakologie (2 Bilnde). Weitere Ar- 
beiten sind noch in italienischer Sprache 
(1873 bis 83): „StoffwechsdkrankheÜeti*' (3 
Bde.jdeutschvonHAHN, in 4 Abteilungen) — 
ffFragressive HatUatrophk/' (1881) —jfLathy- 

, rimus'' (1873) - „ Ktäeroklysma'' {XSIS, 1879) 
— f f Fieber f Enfzümiungf Infekt ion^^ (1870, 
1871) — ,^JDic wrschkdenm Krankheit i- 
hUder der einteinen InfekfifrnskrtmkheUen" 
(1880) n. 8, w, C. gehörte zu den hervor- 
ragenden Klinikern der Gegenwart. Ein 
Haupt verdienst von ihm bilden seine 
Forschungen ül»er Diabetes und andere 
Htoffwediselkrankheiten. Auch vermit- 
telte er die Resultate deutscher med. 
Forftiihnng seinen Landsleuten, Für das 
Ultere biogr. Lexikon hat er als Mitar- 
beiter eine grosse Beihe von Artikeln ge- 
liefert, 

Capellmann, K a r l Sanitätsrat 
in Aa4_'heii. geb. 1842 und seit 1864 Arzt, 
ist Verf. der in mehr als 10 Aullagen er- 
«cJiieiienen j,Pa9toral-Medicin*% eines für 
kftthol. Geistliche^ sowie für strenggläu* 
1 bige katholische Aizte bestimmten Wer- 
>kee, SU dem Zweck, die med. Praxis in 
Einklang mit den Geboten der kathoL 
Kirche zu bringen- C- war lange Jahre 
dirig, Arzt der Alexianer-Kj-ankenanstalten, 
mufiste aber infolge Aufsehen erregender 
Vorgänge bei der Behandlung der Irren, 
Mjssbrauch der Zwangsmittel etc. seinen 
Abschied nehmen und starb am 8. März 
1898. 

Garden» Henry Douglas, zu 
Wurcester, wiir dafieibst geb. bIs Solin von 



John C, Chirurgen der Worcester Infii- 
mary und Bruder von Thomas C, der die- 
selbe Stellimg nach seinem Vater ein- 
nahm und in die auch C, nach dem 
1838 erfolgten Tode seines Bruders, ge- 
langte, sie alfer 1861 niederlegte. Ei' 

\ ist besonders diu-ch die nach ihm auch 

I 

benannte Amputation des Oberschenkels in 
seinem unteren Teüe, mit Bedeckung 
durch einen einzigen, bloss aus Haut be- 
stehenden Lappen, bekannt geworden und 
schrieb darüber: „0« Qmpuiation by a 
»ifigh ßap'^ (Ixmdon 1864)* Er machte 
auch nocli von einem j^Case of contracted 
eicatrix äff er burn reliered by plastic 
operaUcni^*' Mitteilung. Sein Tod ei-folgte 
22. Dezember 1872. 

Carl Theodor, iKarl Throdob». 

Herzog in Bayern, geb. 9. August 1839 
zu Possenliofen, wurde nach mehrjährigem 
eifrigem Studium der Naturwissenschaften 
und der Medizin bei d.^rm 400jiihi'igen 
Stiftungsfest der Universität München 
1872 zum Ehren -Doktor ernannt und be- 
stand im Jahre 1873 die Apprabations- 
prüfung mit der I. Note. Im Distrikts- 




knmkenhause zu Tegernsee, sowie in der 
herzoglichen Privat- AugenheÜanstalt zu 
I München, behandelt er seitdem arme 
' Augenkranke und beschüftigt sich nach 
verschiedenen Richtungen mit medizi- 
nischen Problemen. Von seinen Arbeiten 
seien genannt: „Vnf ersuchungen über die 
Anhäufung weisser Bhitkörper in derMtrn' 
rinde'' (Virchow's Anhiv LKIX) — .^Veber 



307 



Carpenter — Camiccio. 



308 



den Einfluss der Temperatur der umgeben- 
den Luft auf die Kohlensäur eausacheidung 
und die Sauerstoffaufnahme bei einer Katze^ 
(Z. f. Bicl. XIV) — ^^Beiträge zur Anatomie 
und Pathologie des Glaskörpers^^ (Arch. für 
Ophthalmologie, XV) — ^^Zur Kenntniss 
der im Auge des Meyischen vorkommenden 
Bacillen^'' — ,^Ueber einige anatomische 
Befunde bei Myopie^'' — ,^Ein Beifrag zur 
pathologischen Anatomie des Auges bei 
Nierenleiden^'' (mit 12 Abbildungen auf 6 
Tafeln, Wiesbaden 1887) — „Casnistische Bei- 
träge zur Kenntniss der feineren Verände- 
rungen bei Rückenmarksaffectionen'''' (Mün- 
chen 1881) — j^Beifrag zur Casuisfik der 
Orbitaltumoren^'' (München 1886». 

Carpenter, WilUam Benjamin, 
zu Bristol 1813 geb., studierte in der 
dortigen med. Schule, dann im üniversity 
Coli., wurde 1835 Member R. C. S., pro- 
movierte 1839 zu Edinburg, praktizierte 
darauf kurze Z^it in seiner Vater- 
stadt, gab aber die prakt. Thätigkeit bald 
auf und vertauschte sie mit der akad., 
übernahm den Lehrstuhl für gerichtliche 
Med. an der Medical School, siedelte nach 
London über, erlangte hier die Professur 
der Physiol. am London Hosp. und pub- 
lizierte als sein erstes bedeutendes Werk 
1839 : „Principles of gener al and compara- 
tive phgsiology", femer: „On the laws regu- 
lating vital and physical phenomena^'' — 
,^0n some departments of vegetable physio- 
logy*^, welcher Arbeit sein vielfach aufge- 
legter „Treatise ofi human physiology'''' 
folgte, eins der am klarsten geschriebenen 
und brauchbarsten engl. Lehrbücher der 
Physiol. Li den ,,Principle8 of mental 
physiology^^ wies er das Lächerliche an 
dem Mesmerismus, Tischrücken und ähn- 
lichem Unfug nach und suchte überall 
das Wahre und Bationelle daran von dem 
abergläub. und betrüg. Lihalt der Lehre 
zu trennen. 1856 wurde, er Registrar der 
Londoner Universität, ein Amt, das er 22 
Jahre lang bekleidete. Später wurde er 
auch einer der Vizepräsidenten der Royal 
Soc, deren Fellow er schon lange war, 
und erhielt von derselben für seine ver- 
dienstvollen physiol. Arbeiten die königl. 
Medaille. 1872 präsidierte er der Ver- 
sanmüung der British Med. Assoc. zu 
Brighton. Er starb 10. Nov. 1885 infolge 
eines Unfalles, indem, während er eben ein 



heisses Luftbad nahm, der Vorhang der 
Badevorrichtung Feuer fing und C. ver- 
brannte. C.'s. Schriften zeichnen sich 
alle durch die grosse Klarheit der Schreib- 
weise aus, die wiederum eine Folge der 
meisterhaften Beherrschung des Stoffes 
durch den Autor war. Auch viele populäre 
Schriften rühren von ihm her. 

Carpenter, Alfred, in London, 
geb. 1825 zu Rothwell, Northamptonshire, 
begann seine Praxis 1852 in Croydon 
(Surrey), wo er sich um die Hygiene des 
Ortes sehr verdient machte. Dann siedelte 
er nach London über, promovierte da- 
selbst 1859, war M. R. C. P. seit 1883, 
längere Zeit HousE-Surgeon am St. Thomas' 
Hospital, Dozent der Hygiene daselbst, 
Vorsitzender des Council der Br. Med. 
Assoc, später Vizepräsident derselben und 
starb zu Ventnor, auf der Insel Wight, 
27. Jan. 1892. Seine litterarischen Leist- 
ungen bewegen sich auf dem Gebiet der 
Hygiene. Er ist der Verfasser von„ffiffte 
on house drainage^ (1866) — ,,Physiological 
and mediccd aspect of sewage irrigation** 
(1870) — „Lectures on preventive medicine" 
(1877) — „Alcoholic drinks as diet, as me- 
dicines and as poi^ons'* (1878) — „Health 
of schooV* (1882). Aus der Zahl seiner 
Einzelaufsätze sei der über Scharlachur- 
sachen (Lanc^t 1871) und ein späterer 
über die Modifikationen im Charakter dfeser 
Krankheit (San it. Rec. 1882) hervorgehoben. 

CarroU, Alfred Ludlow, geb. 
1828, gest. 30. Okt. 1893 in New- York, 
wurde 1855 bei der Universität der City 
von New- York Dr. med., war dann viele 
Jahre in Stuten Island, darauf in New- 
York und redigierte längere Zeit bis 
zu ihrem Eingehen die ,, Medical Gazette", 
war eine Zeit lang auch Herausgeber 
der „Transactions of the New- York State 
Medical Association." 

CarrUCCiO, Antonio, geb. 17. Jan. 
1839 zu Cagliari (Lisel Sardinien), studierte 
auf dortiger Universität, wurde daselbst 
1862 mit der Diss. : ,,Considerazioni anat.- 
pcUoL suüa apoplessia ed emorragia cere- 
brale'''^ Doktor und Prosektor, kam dann 
in das Istituto Superiore in Florenz, und 
war darauf nacheinander Assistent der 
Proff. Taroioni-Tozzetti und Mor. Schiff, 



Carter — Caspiuj. 



310 



dessen im E^gio Museo di Storift Naturale j 
ehaltene f,Leiioni rnUla fislologla ddla \ 
Uyestione^^ er übersetzte und mit An- ^ 
'merkungen herausgab. 1871 wurde er 
durcli Konkurs zum Prof. tler Zoologie 
umi vergleicli. Anat. an der üuiversitiit 
zu Moden a ernannt und erhielt im folg, 
Jahre den naturwiss. Unterricht an der 
dortigen Militärschnle. Die nteisten seiner 
waldreichen Arbeiten linden sich in der 
von ihm zu Cagliari gegründeten Zeit- 
schrift ,,La Sordegna medica'' (1864 bis 68), 
der ,,Ga2Z. popolare di Cagliari" (1864,65), 
dem ,,Imparziale" (Florenz 1869), dem 
..Bul!r4, della Soc. entomolog. ital." (1870, 
71», dem „Bullet, del comizio agrario'* 
(1872), den „Atti della Reg. Accad. delie 
sc, lett. ed artt di Modena** (1877), Wir 
fljhren vrm jenen an: ffSugli u^i efl effdti 
terapc^Uki delle acque Icrmo-minerali di 
Äf/rdara** U864) — ,^Kmme »torico-crifico 
$uHa fframU neopfrta ddtn circolaiione 
matfgiore del san^ut:" (Turin 1864) — „Sui 
erdi degü anatomid italiafii e stdle tjrandi 
toperte da e»f(i fatJe dtd »evoto XVI (ü 
UX** (Cagliari 1865 bis 66) — ,,Sui nuovo 
^iicnm^opw solare e fotfjynifico t compresioref 
hivcniali dal cath prof, FUippo Pacini'' 
(Florenz 1868) — „Sul cervello umüno e rf* 
ülcutti Mammlferi supenori dfj' (Cagliari 
1869); ferner zoolog. und vergleich, anat. 
Lbhandlgg. u. s. w. und: t,Sinossi ddle 
tiitmi d'anatomia^ fiBiologia e lootogia" 
(1877, c. tav. e tig.), Gründer und Prii* 
Sideoit der Societä Romuna jjer gli studi 
Dlogici veranstaltete er in der Haupt- 
tadt eine reirhhnlt ige Sammlung der 
{trovinzialeu Fauna und veröffentlichte 
Doeh viele atidei^ Arbeiten zool. Inhalts 
r« T. auch mit seinen Assistenten im 
r»llettino della Societi Zoologica" (1892 
^is 99, Vol. 1- VIll). der von ilun selbst 
jrigierteii Zeitschrift. Seit 1883 ist er 
•Direkor des Kgl. Musenxns der Universität 
liom. das er günzüch erneuert und ver- 
nielirt hat. 

Carter^ Henry VaÄdyke, emerit 
Deputy Surgeon- General der indischen 
Armee tn Bombay, geb. 1831^ studierte 
zn Ijondon im IJniversity Coll„ und war 
ein ao ge^rchickter Zeichner, dass ihn» die 
Abbildungen zu Gray*s Anatomie über- 
tragen wurden. 1858 trat er als Assistant 
Surgeon in den Bombay-Dienst^ in welchem 



er allmählich bis zur c*l>en erwüJmten 
Stellung avancierte. Von 18Ö8 bis 63 war 
er Prof. der Ajiat* und Physiologie beim 
Grant Med. Coli., aufh Assist, Siu-geon 
am Jamsetjee Jbeejeeblioy Hosp,, später 
Civüehirurg undSiijterinteudent desSatara- 
Gefängnisses. Nach Europa beurlaubt, 
macht-e er daselbst und im. Orient Studien 
iiher Lepra und andere endemische 
Kranklieiten ; diese Studien setzte er in In- 
dien fort. 1876 erhielt er diis wichtige Gocul- 
das Tejpal Hosp. in Bombay, wo er 
Hungertyphus und andere schweife Infek- 
tionskrankheiten zu bekämpfen hatte 
1877 wurde er Prinzipal des Grant Med. 
C'olL imd L PhysiL'ian des zuletzt geuji nu- 
ten Hosp. Nach 2 jähr. Urlaub 1884 hatte 
er noch bis 1888 diese Stallungen und die 
eines Präsidenten der Bombay Med. and 
Phye. Society und des Dekans der med. 
Fakultät der Untv, Bombay iiine. C, der 
4. Mai 1897 in London st^irb, hat durch 
vielfache Veröffentlichungen die Keimt- 
nisse in der Patbolügie der iudischen 
Krank he iten e r he Mich \ *ere i i ' heit . 

CartWright, SnmueL geb. 1815 
und 23, August 1891 in London gest*, 
war ein berühmter Zahnarzt und ge- 
horte zu den ersten Chirurgen des Dental 
Hosp. Er war zweimal Präsident der 
Odontological Society u. Prof. der Zabu- 
heilkunde am Kings College. 

CaSpary, JuHus, zu Preusslseh* 
Holland L Dezember 1836 geb.^ absolvierte 




311 



Casper. 



312 



seine Universitätsstudien in Königsberg 
in Preussen, wo er sich besonders an A. 
Waqner anschioss, bei dem er bald nach der 
1859 erfolgten Promotion Assistent wurde. 
Seit 1868 als Dozent thätig, bekleidet C. 
seit 1878 eine ausserordentliche Professur 
für Syphilis und Hautkrankheiten, und 
leitet seit 1892 eine staatlich subven- 
tionierte Poliklinik für Hautkranke. Als 
Mitredakteur des Wiener Archivs für 
Dermatologie und Syphilis publizierte er 
zahlreiche Arbeiten, meist aus dem Gre- 
biete der Dermatologie und Syphilidolo- 
gie, einige über innere und über chirur- 
gische Krankheiten in dem oben ge- 
nannten Archiv , in der B. k. W. , in der 
D. m. W., in Lanoenbeck's Archiv für 
Chirurgie, in den Kongressverhandlungen 
der Deutschen Dermatologischen Q^sell- 
schaft, in dem ,,Lehrbuch der allgemeinen 
Therapie u. der therapeutischen Methodik** 
von EuLKNBüRo uud Samükl. 

Casper, Johann Ludwig, ll.Marz 
1796 in Berlin geb. und 24. Februar 1864 da- 
selbst gest., war zuerst Apotheker und stu- 
dierte seit 1817 in seiner Vaterstadt, 
<jröttingen und Halle Medizin, erlangte 




die Doktorwürde an letzterer Universi- 
tät 1819, machte eine wissenschaftliche 
Heise durch England und Frankreich und 
berichtete über dieselbe in einer zu Leip- 
zig 1822 erschienenen „Charakteristik etc.", 
Ln gleichen Jahre kehrte er nach Berlin 
zurück, habilitierte sich hier 1824 für 
Pathologie und Staatsarzneikunde und 



wurde 1825 Prof. eitraord. und Rat im 
Brandenburgischen Medizinal - Kollegium. 
1834 wurde er Mitglied der Wissen- 
schaftlichen Deputation, 1839 Prof. ord. 
und 1841 gerichtlicher Physikus der 
Stadt Berlin. Die durch C. herbei- 
geführte Reform der gerichtlichen 
Medizin nahm ihren Ausgangspunkt von 
seinem Grundsatz, dass einer Emanzipation 
dieser Spezialität von der wissenschaft- 
lichen Medizin im allgemeinen entgegen- 
gearbeitet werden müsse. In diesem Sinne 
leitete er die 1850 unter seinen Auspizien 
gegründete praktische Unterrichtsanstalt 
für Medicina forensis und führte sie bis 
zu seinem Tode fort. Daneben lag der 
Schwerpunkt seines Wirkens auf akade- 
mischem Gebiet, da Aerzte und Studierende 
seine Vorlesungen in immer steigender An- 
zahl besuchten. Seine sonst noch verfüg- 
baren Kräfte wandte er einer umfangreichen 
Praxis und statistischen Arbeiten zu. So 
gab er die „Beiträge zur medizinischen 
Statistik und Staatsarzneikunde" (Berlin 
1825, 35, 2 Bde.) — „ Ueber die wahrschein- 
liche Lebensdauer des Menschen^^ (1843) — 
„Denktoürdigkeiten zur medizinischen Sta- 
tistik und Staatsarzneikunde" (1846) als 
Bücher und daneben dieses Feld be- 
treffend zahlreiche Einzelaufsätze in 
f^Casper's Wochenschrift für Heilkunde" 
heraus. Sonstige Leistungen C.^s sind: 
,,Gerichtliche Leichenöffnungen 7. IL Hun- 
dert" (1850; das L Hundert in 2. Auflage 
1853) — „Praktisches Handbuch der gericht- 
lichen Medizin" (1856, 2 Bde., 4. Auflage 
1864, mit Atlas) — „Klinische Novellen 
zw gerichtlichen Medizin" (1863). Ausser 
der schon erwähnten Wochenschrift 
standen noch unter seiner redaktionellen 
Leitung 1823 bis 33 das derselben vor- 
aufgegangene „Kritische Repertorium für 
die gesammte Mediciri" und von 1852 ab 
die (nach seinem Tode von Eulenberü 
fortgesetzte) ^^Vierteljahrsschrift für ge- 
richtliche und öffentliche Medicin'', für 
welche alle er unermüdlich auch durch 
Beiträge thätig war. 

Casper, Leopold, InBerlln, daselbst 
31. Mai 1859 geb. und noch in Wien und 
London ausgebildet, Dr. med. 1883, widmete 
sich seit 1885 der Urologie und habili- 
tierte sich dafür 1892. Schriften: Überset- 
zungen von Sir Henry Thompson's „Ä/rtc- 



313 



Cassel — CeradinL 



314 



turen der Ramröhr^^ und ^^rajtkß^Uen 

der Harnwege'\ ferner Arbeiten über 
Gonorrhoe, Hypertropbie der Prostata, 
luipoientia et steril itas viril is. Cl konstruierte 
ein Üretercystoakop. Als Monograpbien er- 
schienen: ,»i>/e äiagnostuiciie Bedeutung den 
HfirtUcUcr'Kathder'mnuB*'^ — ^^Tlterapen- 
tisfhe Erfahrungen mit dem Har^klter- 
Kftfhäerimnus'^ — ^ySandbuch der Oysto- 
scopie^* (1898). C. ist Herausgeber der 
Monatsberichte über die Gesammtleis- 
ttmgen auf dem Gebiete der Krankheiten 
der Harn- und Sexualargane zus. mit 

H, LfHI\"kTETN\ 

CdSSBly Jacob, in Berlin, geh, in 
8c b wer in a» W, 25, Maj 11^59^ in Berlin 
ausgebildet, Dr. med. Lips. 1883, war 
8 Jahre lang bi,s lb90 Assistent bei A. 
Baghcsicv und gründete dann eine eigene 
Polikliaik fär Kinderkrankheiten. Sclirll- 
ten: i^ttr Therapie der Tmsis coti- 
vtUsivft*'" (Diss., ersch* im Ari'hiv f, Kin- 
derheilk. 188B/, sowie zaiilreiche Aufisatze 
über hert^d. Syphilis, Urämie nach Diph- 
therie, akute Peritonitis der Neugeboi enen, 
Gonorrhoe bei kleinen Mädchen, Nephritis 
nach Varicellen, Varicella gangraenosa. 
Tetanie und Rachitis, Quinckesche Lum- 
balpunktion bei Kindern, medulläre Leu- 
kümte, diag-nost, und klin. Bedeutung der 
Kxiochejierkrankuugen beim Neugebt »reuen 
und Säugling, Euchinin gegen tussis eonv. 
u, a. m. im Archiv für Kinderheifk. etc., 

B. k, W., IX m. W., Tb. >L-H„ A, M. 

C. Z, etc, 

CaStigliOni, Cesare, XXI Mailand, 
beriiluiiUtr Irren ar/,t, übemalmi 1851 die ; 
Direktion der AnstÄlt Senavra, die er von 
Grund aus reformierte, ebenso wie er das j 
Succnrsale der Hauptanstalt in Mailand, 
zu HombeUo, zu einer Musteranstalt zu 
machen verstand. Seine Arbeiten „Äw//a 
tegidaiione dei pazzi e »iiUorgamzzaHonv 
ed amminisi razione dei manlcomf^ fluiden 
den Beifall dex meisten italienischen und 
aoslündischen IrrenürÄte; sein in einem 
Kookurge eingereichter Plan für ein Pro* 
vinzial-Irrenhaus zu Como erhielt den 
Vorzug. Er war Präsident des Mailänder 
Central'Komit^es für verwundete und 
kranke Soldaten im Kriege, des Eeal 
Ifttituto dei giirdomuti^ des Real Istituto 
lombardo di scienze e lettere. Dlrekt^or der 



Irren- Anstalten der Provinz Mailand imd 
7 Jahre lang (18^54 Iiiä 71) Mitredakteur 
und Herausgeber des „JrcAiriö iialiana 
per le malatlie nervöse, e piit particolar- 
mmU per le alienazioni mentali". Seine 
anderen zalilreichen Schriften sind in der 
älteren Quelle verzeichnet. Auch um Er- 
ziehung und Unterricht von Taubstummen 
und Cretinen machte sich C. verdient» 
Er starb 8. Oktober 1871 im Alter von 
65 Jahren. 

CeCCarelli, Alessandro, päpst- 
licher Leiliarzt in Rom, daselbst 1830 
geb. und 18. Febr. 1893 verstorben, war 
anfangs seit 1860 Arzt in der päpstliclien 
Armee und machte sich in dieser Stell im g 
bei vielen Gelegenheiten sehr verdient, so- 
dass er 1874 zu seiner leibärztlichon Wüi'de 
avancierte* Auch um das Ospedale 
di Gesü bambino vmd den Sanitätszug 
des Malteser-Ordens erwarb sich 0. Ver- 
dienste, der zwar schi'iftst^llerisch nichts 
geleistet, aber durch die Bereichei'uug 
des Armanientariurn chirurgicum und 
eine .,sega osti^otoma* sich bekannt ge* 
macht hat, 

Coradini, <;iuiiö. Physioiog, zu 

Mailand 17. März 1844 geb., studiert«? in 
Pavia, promovierte 1868 in Palermo, wurde 
1869 Assistant am AUg. Krankenhaus in 
Maüand, widmete sich dann der Pbysiolo- 
gie unter Hrlmholtz in Heidelberg (186i> 
bis 70), Ludwig in Leipzig (1870 bis 72), 
SijHiFF in Florenz (187S) und wurde im 
letztgenannten Jahre ordentlicher Professor 
der Physiologie in Genua, Doch gab er 
1882 seine Lebrthätigkeit auf, siedelte nach 
Mailand über und widmete sich lediglicb 
Privat Stil dien bis zu seinem 24. Juli 18B4 
erfolgten Ableiten. Seine Arbeiten be- 
treffen Untersuchungen über die Funktion 
des Herzens, über den Tod duivh Ertrinken 
und Eindringen von Luft in ilie Venen. 
Hervorzuheben sind: ^^Meiocardie und Aux&* 
cardie" (Heidelberg 186U) — „Oer Mecha- 
nistfitis der halbmondförmigen Her sklappeti*^ 
(Leipzig 1872) — f^^^uUche apputvto slorico 
criiico inforno alla scoperta della circolazione 
dei sangiic'* (Genua 1875) — „ Dlfesa della mia 
tnemoria intortw alla scoperta de*" (Ib. 1876) 
— ff Ricerche ertliche ed esperimentali intorn^ 
al mecanismo della circolaHoiu: etc" (Turin 
1876) u. B. m. 



315 



Chalubinski — Charcot. 



316 



Chalubinski, tüus, geb. 1820 

zu Chociwek bei Eadom, studierte Natur- 
wissenschaften (hauptsächlich Botanik) 
und Medizin in Wilna, Dorpat und Würz- 
burg, wo er 1844 promoviert wurde. 1847 
bis 57 war er Oberarzt des Warschauer 
evangelischen Krankenhauses und Primar- 
arzt im Hospital zum Kiudlein Jesus. 
1859 wurde er zum Professor der Pathologie 
und Therapie in Warschau berufen und 
verblieb in dieser Stellung bis 1871 ; er ver- 
liess den Lehrstuhl zum allgemeinen Be- 
dauern Aller, weil er sich als Nationalpole 
weigerte, die von der Regierung für den 
Unterricht geforderte russ. Sprache zu 
gebrauchen. Er starb zu Warschau Ende 
November 1889. C. war auch ein tüch- 
tiger Botaniker. Von seinen zahlreichen 
medizinischen Monographien sind die 
meisten seit 1851 in den Denkwürdig- 
keiten der Warschauer ärztlichen Gesell- 
schaft (Pamietnik Towarzystwa lekars- 
kiego warszawskiego) gedruckt worden. 

Chambers, Thomas King, in 
London, Med. Dr. von Oxford seit 1846, 
Honorary Physician des Prinzen von Wa- 
les, Consulting Physician bei St. Mary's 
und beim Lock Hospital, Examinator in 
der Medizin bei der Universität Oxford 
hielt 1850 die Goulstonian, 1863 dieLum- 
leyan Lectures und 1871 die Harveyan, 
Oration und starb 15. August 1889. 
Er ist der Verfasser folgender Schriften: 
„Corpulence or excess of fat during preg- 
fiancy; a letter to Dr. Lee** [London 1852) 

— „Digestion and ita derangementa" (New- 
York 1856) — „The renewal of life. Lee- 
turea chiefly dinical" (London, 4. edit.1865; 
Philadelphia 1865 from the 3. Lond. ed.) 

— „Some affects of the dimcUe of Italt/* 
(1865) — „The indigestiona ; or, diaeaaea of 
the digeative Organa functionaUy treated" 
(2. edit. 1867; PhÜadelphia 1868) — „A 
nianual ofdiet in health and diaeaae*'- (Phila- 
delphia 1875; 2. ed. 1876). Ausserdem 
die Artikel: „Caialepay"^ „Ecataay" und 
,,Somnambuliam^^ in Reynold's System of 
medicine. 

Ghange, Charles Hubert de, geb. 
1813, bedeutender belgischer Militärchi- 
rurg, lange Jahre G^neral-Lispektor der 
belgischen Armee und Prof. der Chir. 



in Lüttich, ist der Autor wichtiger Ver- 
besserungen im chirurgischen Armamen- 
tarium, wie in Bezug auf den Armee- 
Sanitätsdienst. Während des deutbch- 
französischen Krieges leistete er als Chef 
der Feldlazarette der 1. Division des bel- 
gischen Beobachtungs-Korps vielen deut- 
schen Verwimdeten grosse Dienste. C. 
starb 27. Febr. 1892 in Schaerbeck bei 
Brüssel. 

Charcot, Jean Martin, geb. 29. 
November 1825 zu Paris, zeigte schon 
als Knabe die grösste Neigung zur Medi- 
zin, doch fast ebenso grosse Vorliebe zur 
Malerei; schliesslich entschied er sich je- 
doch für das ärztliche Studium. Er wurde 
1848 Liteme des hopitaux, 1853 Chef de 
clinique, und promovierte 1853 mit einer 
These über Arthritis nodosa. Seit 1856 
fungierte Ch. als Arzt des Centralbureaus 
der Pariser Hospitäler, seit 1862 
an dem grossen Frauen -Krankenhause 
(Hospiz) der Salpetriere; hier liielt er von 
1866 bis 78 regelmässig alljährliche Vor- 
lesungen über chronische Krankheiten, 
über Krankheiten der Greise und beson- 
ders über Krankheiten des Nervensystems, 
welch letztere seinen Namen vorzugs- 
weise berühmt machten. Seit 1860 Agrege, 
erhielt er 1872 den Lehrstuhl der patho- 
logischen Anatomie an der Pariser medi- 
zinischen Fakultät, in welcher Eigenschaft 
er alljährlich die offiziellen theoretischen 
und praktischen Kurse der pathologischen 
Anatomie zu halten hatte. Seine bedeu- 
tenden Leistungen auf dem Gebiet der 
Nervenpathologie veranlassten schliesslich 
die derzeitige französische Regiemng, eine 
neue Professur für Klinik der Nerven- 
krankheiten an der Salpetriere eigens für 
ihn zu creiren, welche Stelle er am 1. 
Januar 1882 antrat und bis zu seinem 
auf einer Reise- in Morvan 18. August 
1893 erfolgten Ableben in segensreichster 
Weise als Lehrer wie als Forscher ver- 
waltete. Ch.'s wissenschaftlich-litterarische 
Thätigkeit war eine sehr ausgebreitete, 
die Zahl und Bedeutung seiner Publi- 
kationen ist ausserordentlich gross. Letz- 
tere sind zum Teil in zahllosen kleineren, 
von ihm selbst oder seinen Schülern her- 
rührenden Joumalmitteilungen enthalten; 
die meisten in den drei untrer seiner Ägide 
begründeten und von ihm mitredigierten 



317 



Charcot 



318 



Zeitschriftjen : Arckives de physiologie 
normale et patholog'Ique seit 1868, Ar- 
cliives de ueurologie seit 1880, Revue 
mensuelle de juedetrine et de chiiiirgie 
seit 1877 (alfi Eevne de mMecine seit 
1878). Auf dem Gebiet« der Nervenkrank- 
heiten sind vor allejii zwei hockst be- 
deutende Schöpfung^en hei-vorzuheben : 
die epochemachenden ,jLegon8 sitr lea ma- 
lad hs du »ysiime ficroemi: faifes ä la ScU- 
pÜriere'' (Paris 1874; 4. Auflage 1880; 
in viele Sprachen übersetzt, deutsi*ii von 
B. Fbtzeb in zwei Abteilungen, Stutt- 
gart 1874 und 1878) — femer die 
van der Acad. dea sciences mit dem 
Prix Monthyon 1880 gekrönten „Lo«*/i- 
BüHom dans Ic^ malad ie» du cervcau et de 
la maelle epinierc'* {l, Abt., Lo- 
calisations dans les nialudies 
da oerveauj Paris 1876; 
2, Abt. 1880; deuts*!h 
ebenfalls von Fktzkr in 
zwei Abteünngen, 1878 
und 1881). Femer zfihl^ 
reiche unter seiner An- 
leitnng erschienene 
Publikationen seiner 
Schüler OHriKNStKrs, 
bf > v rs r vi llk, gom ha u lt , ' 
Ballet^ Pit«ks^ Fkri 
n. a., und besonders 
zwei Hauptwerkf^ die 
„ Iconoffruphle photogra- 
phique de la Salpf'fruYe 
(nervkt de M, C/iarcoi)'* von 
BoL^RXKVILLE Und Hkönaru 
(3 Bde., Pans 1876 bis 80) rnid die 
y^ttwlea diniques mr Physfero-rpilcpsie ou 
gründe hysUrie** von Richer (Pains 1881)* 
Charcot ist eine der „grandes gloires*' der 
französischen Nation. Als in seiner Eigen- 
artigkeit hoclibe4leutender Vertreter der 
Nerven pat hol ogie hat er fast in alle 
wichtigeren Spezialgebiete derselben 
ttchaffend, umgeBtalteud^ vielfach bahn- 
brechend eingegriffen, dieselben ebenso 
mit TJiatsachen bereichert, wie mit einer 
Füile w^ertvoUer Ideen und Anregungen 
l>efruchtet. Es sei hier nanjeutlich auf 
seine genialen^ überall neue Ausblicke ' 
eröffnenden Arbeiten über Hysterie (hy- 
sterisclie Hemianästhesie und Ovarie, Hy- 
sterO'Epilepsie^ hysterische Katalej>8ie xh 
Lethargie n. s. w.) verwiesen; feiner auf 
die nicht minder fruchtbringenden Foi*- 




schungen über herd weise und disseminierte 
Sclerose^ Farulysis agitans, Tabes dorsalis 
lind die von Ch. zuerst beschriebene so- 
genaimte Tabes s}>asinrKiica^synirnetrische 
und a niy otro| >! i i sehe Se i t ensti-augsk I erose * , 
Weltbekannt sind auch die durch ihn ver- 
anlassten und durch seine f^chüler fort* 
gefUhiieu Uiitersuchmigen über die Bltrq-- 
eche MetaJloskopie und Metall otberapie. 
Neben dem Forscher und Schriftsteller 
steht in mindestens gleicher, weiui nicht 
überragender Bedeutung der klinische 
Lehrer. Zu den Vorlesungen, welche Ch. 
in der lieget zweimal wöchentlich in der 
Salpetriere hielt und die zeitweise von 
500 bis 600 Zuhfirem besucht wnu-den, 
stellten die An:te aller Kulturvölker ein 
beträchtliches Kontingent; viele 
derselben führte aussclxli ess- 
lich die BegiPTde. Ch. 
kennen /u lernen und 
zu boren, nach Paris, 
Bie CHARfOT'sche Ab- 
teüimg ist für For- 
schungs- und Unter- 
richtszwecke reich- 
haltig ausgestattet, 
mit einem Museum, 
einem Laböratoriiini, 
einem eigenen phü- 
tographischen At-eÜer, 
.sowie mit gi'oss» 
artigen Einrichtungen 
für Elektro thei-apie, — 
Nach seinem Tode er- 
schienen fast in allen Zei- 
tungen der Welt Nekrologe ; eine 
Auswahl aus denselben ist bei Glrlt in 
ViRcn. Arch. 135, S. 660 gegeben* Am 
4. Dezember 1898 wurde in der SaJpetriere 
sein Denkmal enthüllt, bei welcher Ge- 
legenheit seine Verdienste aus beredtem 
Munde mannigfach gepriesen wurden, 

CharlSSv John James, zu Cork 
1865 promoviert^ zur Zeit dort Professor 
der Anatomie und Physiologie am Queens 
C'ollege, veroffentÜchte im Journ. of ana- 
tomy and phys. eine Reihe bezüglicher 
Arbeiten, so ^,Cas€S of abnx^rtnal arrangc- 
metU of arteries of Upper extremity*^ (1873 1 
— y^On tke mode of propagaiion of ner 
votis imptdaes*' (1879) — „Researche« o?t 
the gase» of the bile'' (1882, dufiselbe auch 
in Pflüokr^s Archiv 1881), femer: ,,4 



319 



Cbarpentier — Chereau. 



320 



case of absence of the radial artery" — 
„Notes of a case of persistent lefl supe- 
rior Vena Cava" — „Recent advances in 
physiolo^y" (Br. M. J. 1899) u. a. m. 
C. ist für 1899 Präsident der Sektion 
für Anatomy and Physiology in der British 
Medical Association. 

Charpentier, Louis Arthur 
Alphon se, geb. zu Paris 28. Febr. 1836, 
studierte daselbst, wurde 1863 Dr. med. 
und wirkte seit 1864 in Paris, später als 
Agrege. Gestorben 3. Juni 1899, hat C. 
eine grosse Zahl von Schriften veröffent- 
licht, die teils in der älteren Quelle (B. 
L. I, S. 706 bis 707), teils in Progr. med. 
IX Nr. 23 S. 374 (mit Bildnis) verzeichnet 
sind. 

ChaSSaig^aC, Charles - Marie- 
Edouard, zu Paris, war 1805 zu Nantes 
geb., studierte zuerst daselbst, dann in 
Paris, wo er 1835 mit der geschätzten 
These : „De la fracture du col du fhnur, 
etudiee spicialement sous le point de wie de 
Vanatomie pathologique" (Nouv. edit. 1837) 
Doktor wurde. In demselben Jahre be- 
reits wurde er mit der These: „Quels sont 
les agens de la circidation veineuse etc." 
Prof. agrege der Fakultät, sowie auch 
Prosektor derselben, femer Chirurg djes 
Central-Bureaus der Hospitäler, Vice-Prä- 
sident der Soc. anatomique, konnte jedoch 
trotz eines siebenmaligen Konkurses nicht 
in die Fakultät gelangen, indem Blandin, 
Bi^RARD, Laüqieb, Maloaigne und NIxatok 
ihm den Vorrang abgewannen. Die bei 
diesen Gelegenheiten verfassten Konkurs- 
thesen erschienen später gesammelt als 
„Etudes d'anatomie et de pcUhologie chirur- 
gicale" (Thöses de 1836 k 1851, 2 voU., 
Paris 1851) Auch erst 1868, nachdem in 
folge seiner epochemachenden Erfindungen 
sein Name bereits in der ganzen Welt 
bekannt geworden war, gelang es ihm, 
Mitglied der Akademie der Medizin zu 
werden. Von seinen Erfindungen, mit 
denen sein Name für immer in der Chi- 
rurgie erhalten bleiben wird, ist zimächst 
das Ecrasement Unfaire zu nennen, jene 
unblutige Operationsmethode, die er in 
die Chirurgie mit seiner Schrift „Traue 
de V ecrasement lineaire etc." (Paris 1856) 
eingeführt hat. Die zweite Stelle ninmit 
die chirurgische Drainage ein, die, ob- 



gleich längst bekannt und geübt, doch 
von ihm erst verallgemeinert und zur 
Methode erhoben worden ist und mit dem 
antiseptischen Verbände später noch eine 
erhöhte Bedeutung gewonnen hat. Er 
veröffentlichte darüber einen „TraÜepra- 
tique de la suppuration et du drainage chi- 
rurgical" (2 vpll., Paris 1859). Auch mit 
dem von ihm empfohlenen ,,Pansement 
des plaies par occlusion" hat er Ideen 
angeregt, die in dem antiseptischen Ver- 
bände ihre weitere Verwertung finden 
sollten. Er machte sich femer um die 
Ausführung der Tracheotomie, über welche 
er in einer Abhandlung seiner ,^Cliniqiie 
chirurgicale de VhöpUal Lariboisiere" (1854 
bis 58) seine „Legons sur la tracheotomie" 
(1855) schrieb, verdient, und veröffent- 
j lichte, abgesehen von zahlreichen Auf- 
sätzen in Zeitschriften und in den Ver- 
handlungen der Societe de chiinirgie, de- 
ren Präsident er 1857 war, noch einen 
„Traiti clinique et pratique des Operations 
Chirurgieales etc." (2 voll., Paris 1861, 62), 
sowie andere selbständige Werke und klei- 
nere Monographien. C. etarb am 26. Au- 
gust 1879 zu Versailles. 



CholiUS, Franz von. als Sohn des 
berühmten Chirurgen Maximilian Jo- 
seph (1794 bis 1876) 6. September 1822 
geb., machte durch zwei Schriften „De 
amputatione in articulo pedis'''' (Heidelberg 
1846) und „Über die Amptd<äion am 
Fussgelenk" die ÖYME'sche Amputation 
auf dem Kontinent bekannt und schrieb 
noch: „Über das Staphylom der Hornhaut" 
(Ib. 1847). Er verrichtete eine Eeihe 
von Jahren, noch während der klini- 
schen Thätigkeit seines Vaters, alle 
in der Klinik vorkommenden Operationen^ 
war bis 1873 in Heidelberg als Professor 
e. o. thätig, siedelte dann aber nach Dres- 
den über, kehrte 1877 nach Heidelberg 
zurück, wo er eine Poliklinik für chirur- 
gische und Frauenkrankheiten leitete. 
Später zog er sich nach Ahrweiler zurück 
und starb hier 6. Juni 1899. 

Chereau, Ach nie, zu Paris, 23. 
August 1817 zu Bar-sur-Seine (Aube) geb., 
ist Sohn und Enkel eines Arztes, wurde 
1841 in Paris Doktor, war Arzt verschie- 
dener Wohlthätigkeits - Anstalten und 






I 



wurde 1877 zum Ober-Bibliothekar der 
mediziuisvhen Fakultät ernanut. Er ist 
liauptsäclilich durch seine Arbeiten auf 
dem Gebiet der fTescliichte der Medizin 
bekajLiit geworden. Es sind in der Union 
medicale tmd im Bolletln du bibliophile 
7M verschiedenen Zeiten veröff enthebt^ 
zahlreiche Artikel über die königlichen 
Tieibärxte von Ci.oDTAnG bis Lüdwio XVI. 
und andere histrorische Gegenstände; 
fernrr u. a. ; fiEftsai sur les origines du 
jotirtutiuttne mfdical fran^ais etc.*' (1867) 
— ^ j,L« Fama»Be medical frangaU, ou Die- 
tiannaire de» midecins-poetes de la France 
eic^ (1874). Er gab femer, mit Kommen- 
tai-en versehen, eine Anzahl alter Werke 
und Handschriften heraus und war Mit- 
iJter an Di:chambrk's Dictionnaire 
cyclopedique des sc. med. Audi über- 
setzte er u, a. aus dem Englischen 
Archibald BiLLiJso^s „Premiers principe« 
de midecine . . . . sur la 4, tdUion" (1847), 
C. starb in der Kacht vom 17. ziim 18, 
Januar 1885. 

CheVandier, A n t o i n e - D a n l e l , 
(de la Drome), geb. 1822 zu SeiTes (Hau- 
tes-Alpes)^ war anfanglich Arzt in Die 
(Drome)^ wurde 1870 Sous-pi-efet von 
Saint-Die, 1876 Depntiei-ter dieses Arron- 
dissements. 1892 Senator des Dep. de In 
Drome. Er war Vizepräsident der Soc. 
fran^. d'hygieue, gründete in Paius ein 
injstitat zur Behandlung der rheumat, 
Aifektionen mittels einer „mt'dio^tion ther- 
mo^resiBOfiiJe'*. -C, der 9. Januar 1893 in 
Paris starb, kat seinen Einfluss als Poli- 
tiker vielfach zur Verbesserung hygie* 
nisctier Einnchtiixig«n geltend gemacht. 

CIII8II9 Johann Baptist, geb. zu 
Salzburg 15. Juni 1817, studierte in Wien^ 
wo er 1841 mit der Diss. : ^Dt iegibm 
mechaniciM motus musctdaris** zum J>r. med. 
und 1842 zum Dr. ehir* promovierte, war 
seit 1831 auf den Abteilungen von Sciitm, 
KoLiÄKO. von 1842 bis 44 auf der geburts- 
hilfl. KUnik von Klein und 1845 bis 47 
in dem Operateur-Institut thätig, wurde 
1848 zum Vertreter des Primar-Geburts- 
arztes Dr. Mickschik emanntj habilitierte 
sich 1849 als Privatdozent der Geburtjsh., 
wurde 1853 ab Pi'of, ortl. derselben nach 
Prag, btild darauf aber an die Josephs- 
Aiuid. zurdckbertifen^ starb indessen bereit« 



11. Dez. 1854. Seine Hauptarbeit, die mit 
Braun und Späth bearbeitete ^^Kltnik der 
Geburt 8hUfc und Giptäkahgie" erschien erat 
nacli C,*8 Tode (ISöö). 

ChläTI, Hanns, in Prag, geb. zu 
Wien 4, Juli 1851 und daselbst als Schüler 
Kokitanbky's und Hrscbl's vorgebildet, 
Dr. med. 1876, war 1874 bis 75 Assistent 
am pathoL Ingtitut l>ei Rokitansky, 187Ö 
bis 79 Assistent bei Hesthl, hahilitiei-te 
sich 1878 für pathol. Anat., wurde 1879 
Prosektor am k. k. Rudolfsspitale in Wien, 
war im Wintersemester 1881 bis 82 Sup- 
plent der Lelu*kanzel für pathoL Anat. in 
W'ien, wmde 1882 bis 83 Prof, extniord. 
für pathol. Anat. an der dtnitschen Uni- 
versität in Prag und ist seit 1883/84 ord, 
Prof. daselbst. Selbständig erschien von 
ihm: „l^er die topographischen Verhält- 
nisse des Genitales einer int er partum tw- 
storbeiien Primipara*'^ (Wien 1885) — 
f, Ptith ologisch -a nafo m i^che Sedionstech nik*' 
iBorliu 1894, Petei-sburg 1896). Weiter 
veröffentli^'hte er zahlreiche Publikationen 
patho)og.*anatomischen, patholog.-histolo- 
gischen mid bakteriologischen Inhaltes in 
verschiedenen Journalen, liaaptsäcliüch 
aber tn der Prag. ni. W'. und in der Z. f. 
H. (Fortset jiung der Prager Viertel] ahrschr. 
f. pr, Heilk.) Als Redakteur letzterer 
wirkt er seit 1884. Ausserdem wur- 
den von seinen speziell tni Schülern in 
Wien und in Prag zahlreiche unter seiner 
Leitung entstandene Arbeiten aus dem 
Gebiete der pathologischen Anatomie 
i! publiziert. 

Chiari, Ottokar, m Wien, geb. zu 
Prag 1. Februar 1853, in Wien aiisgebiJdet, 
Dr. med. 1877, war schon als Student 
Demonatrator bei BkCckr, 1877 bis 79 
Operateur bei DimREicuER, 1879 bis 81 
Assistent bei Scmrötter, habilitierte sich 
1882 für Laryngologie und Rliinologie 
lind wurde 1891 zum wirklichen aiisser- 
ordentÜchen Professor ernannt. Er lehrt 
seit 1893 an der allgemeinen Poliklinik. 
Sclirlften: j^Er fuhrungen auf dem Gebiete 
der Hals* und NasetikrankheUen*' (Wien) 
— „über Pachgdemiia laryngis", dazu in 
verschiedenen Zeitschriften und Sammel- 
werken nähern 100 Artikel über die ver- 
Bi'hiedenen Themata des Faches: cliron. 
Ent7.Ündung des Rachens, Diagnose uud 

11 



Childs — Chrobak. 



324 



Therapie des Larynxkrebses, Histologie 
der Stimmbandpolypen, Angiome der 
Stimmbänder,Lymphosarkome desBachens, 
Pemphigus der Schleimhäute, Phlegmone 
des Kehlkopfes, Empyem der Kieferhöhlen 
etc. C. ist zur Zeit Vizepräsident der 
Wiener Laryngol. Ges. und Mitglied 
verschiedener gelehrter Gesellschaften u. 
ist seit Anfang 1900 zum Nachfolger von 
Störk ausersehen. 

CnllClS) George Borlase, beendigte 
seine Studien 1838, wurde F. R. C. S. 
Eng. 1846 und fungierte als Surgeon an 
verschiedenen Öffentlichen Anstalten, u. 
a. auch am Metropolitan Pree Hospital. 
Seine Arbeiten bezogen sich zuerst auf 
Krankheiten der Wirbelsäule, später auf 
andere chirurgische Themata. Auch gab 
er „Ledurea and reports 07i the sanitary 
condüion of the cüy pdice force*^ (Resul- 
tate eigener, an dieser Institution ge- 
machten Erfahrungen), sowie Jobert's 
Plast ic surgery |18Ö8) heraus. Seine 
frühesten Arbeiten erschienen in der Med. 
Gaz. 1840 bis 42. C. starb 8. Nov. 1888. 

Chris tiani, Arthur, zu Fürsten- 
walde 30. Dezember 1843 geb., wurde 1867 
in Berlin nach regelmässigem Studiengange 
promoviert. Bis 1871 als praktischer Arzt 
in Berlin, bis 1877 als Privatgelehrter in 
Berlin mit physikalischen und mathema- 
tischen Studien beschäftigt, trat er 1877 
als Assistent der physikalischen Abteilung 
in das physiologische Institut der Berliner 
Universität ein, wurde 1879 Privatdozent, 
1880 Prof. extraord. daselbst und starb 
1. Dezember 1887 als Vorsteher der 
physical. Abteilung des physiol. Institutes 
zu Berlin. Monographisch yeröffentlichte 
er: „Beiträge zur Mektricitätslehre" (Über 
irreciproke Leitung elektrischer Ströme, 
Berlin 1878; absol. Graduierung des 
Schlitteninduktorimns von E. du Bois- 
Retmono und Konstruktion des modifizier- 
ten Kapillarelektrometers) — „lieber 
Fesonanz aperiodisirter Beaonatoren" 
(Theorie der Wirkung des Trommelfelles, 
1879) — „Athemcentren und Coordinations- 
centrum im 3. Ventrikel und in den Vier- 
hügeln'' (1880) — „Studien über Poroskopie" 
(1881) — „lieber Absorption des Schaues 
durch Besonatoren" (1882). Ausserdem 
verschiedene physikalisch - physiologische 



Untersuchungen, die in den Berichten der 
Berliner physiologischen Gesellschaft und 
einige physiologisch-chemische Untereu- 
chungen, die in Hoppe-Skyler's Zeitschrift' 
veröffentlicht sind. Als kürzere vorläu- 
fige Mitteilung sind die „Grundzüge einer 
reinen Mechanik reizbarer organischer 
Systeme" veröffentlicht. 1881 zur inter- 
nationalen Ausstellung nach Paris ent- 
sandt, wurde Ch. als Mitglied der Kom- 
mission für Elektrophysiologie zum Kon- 
gresse kooptiert. Die von Zöllner in 
Leipziger üniversitätskreisen angeregten 
spiritistischen Neigungen wurden von ihm 
erfolgreich bekämpft. 

ChriStiS, James, zu Glasgow, 
geb. 1829 zu Strathaven, wurde in Glasgow 
ausgebildet und 1860 zxmi Doctor med. 
promoviert. F. F. P. S. Glasg. wurde er 
1877, fungiert« längere Zeit als Dozent 
(Lecturer) über Hygiene am Anderson's 
College, war auf seinen Reisen 186oLeibai'zt 
des Sultans von Zanzibar und wirkte als 
House surgeon am Universitäts-Kranken- 
hause und der Glasgow Infirmary, sowie 
als Assistant physician am dortigen Luna- 
tic asylum. Er starb 2. Januar 1892. 
Seine Publikationen nahmen iliren Stoff 
aus seiner Reisezeit, so: „Cholera in East- 
Africa etc. " (1876) — „ Remarks on the epidemic 
of dengue or Kidinga Pepo, at Zanzibar 
and east coast of Africa in 1870—71" 
(Transact. of the Bombay phys. and med. 
soc. 1871) und „On epidemics of dengue 
fever etc." (Glasg. med. Joum. 1881). 
Ch. gab das Sanitary Journal for Scot- 
land heraus und hat sich um die Kennt- 
nis epidemischer und tropischer Krank- 
heiten besonders verdient gemacht. 

ChrObak, Rudolf, zu Troppau 
(Schlesien) 8. Juli 1840 geb., bildete sich 
in Wien aus und wurde 1866 promoviert. 
Als Privatdozent wirkte er seit 1870, als 
Prof. extraordinarius seit 1879 an der 
Wiener Universität. Ch. publizierte:, 
„Gynäkologische Mittheilwigen und Casu- 
istik" (Wiener m. Rundschau, Wiener m. 
Presse, Arch. f. Gynäk. , Wiener m. 
Wochenschrift) — „lieber bewegliche Niere 
und Hysterie" (Rundschau) — „lieber 
Sterilität" (Wiener med. Presse) — „Die mi- 
kroskopische Anatomie des Uterus" (Stricker*s 
Handbuch der Gewebelehre) — „Unter- 



Chvostek — Clark. 



396 



I 
I 
I 



ai$chuny8ii%(sthoden und gpiäkologkche The- 
rapie" (PiTUA-BiLLROTH. Handburh der 
Frauenkrankheiten) u. v. a« 

ChVOStOk, Franz, zu Wien, geb. 
1835, studierte auf der med,-rhü-. Josephs- 
Akad., promovierte 1861, war bis 186H bei 
einem Kegiment und während dieser Zeit 
dem Cfamisons.spitiiI Nr. 1 zu Wien zur 
Dienstleistung zugeteilt. Von 1S63 bis 67 
war er Asstst-eut von Di^cbek und hielt 
von 1868 biii 71 Vortriige über Elektroth^r. 
in der Josepfis-Äkjul., übt'i-nalmi iu diesem 
Jahre PccHBK^s med. Klinik und stand 
derselbea bis zar Aulblsung der Akad. 
(1874) vor. Von da an wirkte er als Vor- 
stand einer mtemen Abteilung des Gar* 
nisonsspitals Nr, 1 und Korrepetitor am 
mUitärär^th Kui-se bis zu seinem als Ober- 
stabsarzt und Prof., 16. Nov, 1884, erfolgten 
Tode. Er war als ein gewissenhafter, 
eifriger und humaner Arzt in den weitesten 
Kreisen beJtaimt, erfreute sich einer 
grossen Praxis und war auch litterarisch 
sehr thätig, indem er von 1863 bis 
zu seinem Lebensende 136 Arbeiten 
aus dem Gesaratgehiet der inneren Med. 
in Fftchjournalen veröffentlichte. Wir 
führen von denselben aus der Wiener 
Klüiik (1879, 80, 81, B2) an: „Ueber Mih- 
tumoreti* — ^t>k Kranlheiten der Nehen- 
nkren** — „Bupjmrative Leberentzündung" 
— ^K7m. Vorträge über die Krankh. der 
Pfortader". Er war auch ein thiitiges 
Mitglied des Milit4r-Sanitüt«-Comitt*s, für 
das er jährlich eine grosse Zahl von Re- 
feraten lieferte, 

dSlCClO} G i u s e ] I p e V i n c e n z o , 
geb. 14. Oktober 1824 in Catanzaro, stu- 
dierte im nun aufgeholK^uen Collegict-Con- 
vitto medico chimrgico von Neapel und 
dann in London, wo er bes, Baker Brown, 
Si'K^CRR Wblls und vor allem Bkalk zu 
Lehrern hatte, und zulet'/t in Berlin unte-r 
ViucHow und Kühne. Im August 1845 
Dr, med. Neapoht,, ist C, seit 1870 Prof. 
der komparat Anat. und Histologie an 
der Universität Bologna, nachdem er einige 
Jahre als Arzt und Chirurg in 
Nea|)el gewirkt hatte. Zu dem 
bereits in der aJtereti Quelle (B. L. U p. 
25) gegebenen Schriftenverzeichnis bringen 
wir die nachfolgende Ergänzung bezw, 
V«crbes8efmng einzelner Unrichtigkeiten i 



^On tlie nervea of the Cornea and of their 
dütribution in the cameai tiBSue of man and 
ommaU** (Transa^^t. R. microsc. Soc. Lond. 
1863) — (Z. 16. 1. Torinno statt Forino) — 
„Bsperieme comparative itUorno tdi^azionc 
di alcjmi fluid i verifortni etc,** (Archiv, per 
zooL, Taiiat. e la tisiol. Bologna 1870) — 
ffNuove ricerdhe sulla interna fessitura dei 
tendini etc." {mit 1 Tafel, Serie 111, Tom. 
II mem. accad. sc. Bologna 1872) — 
„Osaervationi intomo aüa membrana dd 
IhBchenid e at 8tw endoieiio*' (con 2 tavole 
Serie 111 T. V. ib.) — „Sopra Vosslficazione 
delVin^ero umor vUreo dcWoccMn umano*'' 
(con 2 tavole ib., Serie III. Tomo X- 1879) 
— y^Nuove investigmioni microscopicf^e nopra 
U dintribuimenfö e termhut^ione delle fibre 
nervee ndla Cornea^ e sopra Pititenm con- 
strutfura dei dc\ (con 2 tavole grandi ib, 
Serie IV. T. H 1881} ~ „i>fik soluziofUi 
d'ipodorUo di sodia con eccedaiza di doro 
e ddla virift ed effjcncia sua discdorant^^ 
(Ib. T. VIL 1886). 

Clark, F rede ri ekle Gros, in The 
Thorns, Sevenoaks (Kent), geb. 1811 in 
London, war ein Zögling des St. Thomas 
Hosp,, beendete seine medizinische Aus- 
bddung 1833 und wurde F. R. C. S. 
Engl. (Htm). 1848. Er wirkte zunächst 
seit 1839 als Assist, Surgeon und Lectu- 
rer der Anat. tun St. Thomas Hosp. und 
war von 1853 bis 73 Surgeon an dem- 
selben. Seit 1867 wirkte er an der 
Londoner Universität als Huiitenah Prof. 
of Surg. uJidPHth.. zugleich mehrere Jahre 
als konsultierender Chiinirg des Gt. North- 
und Soun-ey Co.-HospitaJs. Bereits 1836 
hatte er mit einer ^^Anaiomy and phgsio* 
logg of the nervouB figstetn^'' die Aufmerk- 
samkeit auf sich gelenkt. Später über- 
setzte er Dl:i*üvtren*8 Kiiochenkranklieiten, 
welche durch die Sjdenham society 1847 
herausgegeben wurden, gab die Ver- 
letzungen des Gefiisssjstems (1855) heraus 
und trat erst nach geraumer Zeit wieder 
mit einem grosseren Werke ^^Ledurcs on 
the diapioBi» of nhock and xmeerai lesions'^ 
(1870) hervor. Spätere Arl»eiten sind : 
„Outlines of surgcrg and »urgical patka' 
logg" (2. Ausg, 1872) — „Plastic opera- 
tiofis on the Urethra (Med^-clür. Transact, 
XX\TII) — „SerUs of diniral leäures on 
surgery^ (Med. times and gaz. 1860 bis 
64). vieles Kafiuistisi?he und einige popu- 

II* 



327 



Clark. 



läre Schriften. C. stÄrb 19. Juli 1892. 
Er war noch seit 1864 Mitglied des Coun- 
cil des Coli, of Surgeons, 1872 Vizepräsi- 
dent, 1874 Präsident gewesen. 1876 hatte 
er die Hunter-Rede gehalten. 

ClSPK, SirAndrew Bart., berühm- 
ter englischer Kliniker zu London, wurde 
28. Oktober 1826 als einziges Kind eines 
Arztes zu Aberdeen geb. Seiner Mutter 
kostete seine Geburt das Leben und der 
Vater starb, als der Sohn erst 4 Jahr alt 
war. Zwei Oheime nahmen sich seiner an, 
und nach Vollendung seiner Schuljahre be- 
gann er seine Lehrzeit bei einem Drogisten 
in Dundee. Kurz darauf trat er in die med. 
Schule zu Aberdeen ein, von wo er bald 
nach Edinburgh übersiedelte. Auf der 
dortigen medizinischen Lehranstalt ge- 
wann er eine Reihe von Preisen, durch 
die er seine spätere glänzende Laufbahn 




vielversprechend einleitete. Er wurde 
alsbald Assistent von Hughes Bennett 
in der pathologischen Abteilung des Kgl. 
Krankenhauses zu Edinburgh. Ferner 
war er anatomischer Demonstrator von 
Robert Knox. Um diese Zeit, als C. gegen 22 
Jahre alt war, machten sich bei ihm die 
ersten Symptome einer Lungenaffektion 
geltend ; er beschloss daher, als Schiffsarzt 
einige Zeit auf Reisen zu gehen; in der 
That erwies sich diese seine Thätigkeit für 
die Kräftigung seiner Gresundheit als höchst 
vorteilhaft. Zurückgekehrt wurde er pa- 
thologischer Anatom am Royal Naval Hos- 



pital zu Haslar, wo er HuxLEYzum Kollegen 
hatte. 1853 vertauschte C. diese Stellung mit 
der des Kurators des „ Museum of the London 
Hospital." Mit Eifer und Erfolg wirkte 
er aJs Forscher und Lehrer auf dem (Ge- 
biete der pathologischen Anatomie, der er 
sich ganz zu widmen gedachte, als ihn 
der Zufall in die klinische Laufbahn warf. 
Kurz nachdem er 1854 zu Aberdeen den 
Grad eines Doctor med. erworben hatte 
und Mitglied des Royal College of 
Physicians geworden war, wurde die Stelle 
eines Assistant Physician am London 
Hospital frei, und auf Zureden einiger 
Freunde bewarb sich C. um sie, trotz- 
dem er nicht viel Aussicht hatte, sie zu 
erhalten und sein Gesundheitszustand da- 
zumal nicht der beste war. Er erliielt 
die Stellung, wurde 1858 daneben 
Lectorer of Physiology und 1866 „Füll 
Physician*' am Londoner Hospital. 
Von dieser Zeit an wurde C. in stei- 
gendem Masse berühmt und erklomm 
allmählich die erste Stelle unter den 
Klinikern Londons. Nebenher ging eine 
ausgebreitete litterarische Thätigkeit, die 
sich mit Vorliebe auf dem Gebiet der 
Lungen- und Nierenkrankheiten bewegte. 
1866 wurde C. gelegentlich seiner hin- 
gebenden Thätigkeit bei der damaligen 
Choleraepidemie mit Glaüstone bekannt, 
dessen Hausarzt er wurde und der 
bald sein wärmster Freimd wurde. 
Seitdem war er unbestritten der erste und 
gesuchteste Consiliarius Londons, vorher 
hatte sich seine Klientel mehr auf einen 
gewissen ausgewählten kleinen Kreis 
von Männern der Kunst, Litteratur 
und Wissenschaft beschränkt. — 1888 
wurde C. als Nachfolger Sir William 
Jennbr's zum Präsidenten des Royal 
College of Physicians gewählt. Am 
19. Oktober dieses Jalires erlitt C, 
mitten in seiner Beinifsthätigkeit, einen 
Schlaganfall, von dessen Folgen er 
sich nicht wieder erholte. Am 6. Novem- 
ber 1893 starb er, tief betrauert von der 
ganzen englischen Nation, die sein Ab- 
leben als ein allgemeines Unglück em- 
pfand. Von seinen zahlreichen, besonders 
die Klinik der Respirations- und Digestions- 
krankheiten betreffenden Schriften nennen 
wir die mit Down, Hutchinson und Maün- 
DKR zusammen herausgegebenen „Clinical 
lectwres and Eeporfa by tJic Med, and Surg, 



Clarke — Cleland. 



SM 



I 




Staff of the London Ho8p,'*\ ferner: ^,<Jti 
Mef anatomy of the lungs" (in H, Bavies* 
Werk „Pliyeical diagnosis") — „Ontuber- 
ctdar Sputum" — „Epidenees of tJ^e mrest* 
fnaU of phthisia*' — „Mmoua düteasea of the 
Colon**. — Vorlesungen über Lungen- 
krankheiten geli. 1866 im ß. C* V. — 
^Fibmtd phthms"* (Traneact of the Clin. 
8oc. I) u. a, m. 

Clarke, William FairUe, zu 
Suuthboroiigli tTunbridge Wells), geb. zu 
Cfilcutta ISäB als Soku eines hoben Be- 
amten der engl.-ostind Coiupagiiie, kiuai 
früh nach England, studierte seit 1858 
am King's ColL in Edinburgh, sowie in 
Oxford, wurde 1863 F. R, C. S., war House 
Snrgeon am Klag*« Coli. Hosp.j darauf 
Assistant Demonstrator der Auat., sowie 
klin, Assistent von Sir William Bowuan 
in Moorfields 3 Jahre lang, alsdiuin suc- 
cessive Assist. -Siu-g. am Riij^al Westmin- 
Bt^r Ophthalmie Hosp., Surg. am St. 
George^s and St. James' Dispensary. As- 
sist.-Sarg. am West Lond. Hosp. und 
schliesslich 1871 am Charing (Voss Hosp. 
Nachdem er in Oxford I>r. med. gewor- 
den^ verliess er 1876 London, liess sich 
in Soathborough bei Tunbridge Wells als 
prakt, Arzt nieder und brachte daselbst 
der Best seines Lebens zu. Er starb 
8. Mad 1884 zn Bonchurch auf der tnsel 
Wight, wohin er sich einige Wochen 

her zur Wiederherstellung seiner Ge- 

dheii l>egeben hatte. Sein Werk ; ^Ma- 
^ual of the practtce of surgery** erschien 
zuerst 1865; femer publizierte er: ,,4 caat 

unilateral atrophy of the tmigne" (Trane- 
'tct. Med. Chir. Soo,, 1872) — „Cases of 
io^alled ichthyom Unguat** (Tb. 1874). 

Clay» John, Prof. der Geburtshilfe 
Queens ColL in Birmingham, geb. 
821 in Nottinghamshire^ studierte in der 
med. Schule in Birmingham, wurde, als 
1872 beim Queens Hosp. eine gebnrt&- 
hilHiche Abteilung errichtet wurde, zum 
Honor. Obatetric Surgeon bei derselben 
und nach löjüliriger Verwaltung dieser 
Stelle Jtum Honor. Surgeon ernannt. C, 
der 27, Juni 1894 in Birmingham 
starb, war daselbst viele Jahre als Prof, 
der Geburtshilfe und als Mitglied des 
Council vom Queens Coli, thätig. Als die 
med, Abteilung des Coli, in das Moson 




Coli, überging, behielt er seinen Lehrstuhl 
bei der neuen Organisation bei. 1866 er- 
hielt er den Jackson 'sehen, J868 den 
FoTKK»on:.L'scliefi Preis von der Medical 
Society, erstereu für eine Ai'beit über die 
zm* Ovariotomie geeigneten Fälle, letz- 
teren über Diagnose und Behandlung der 
nicht bösartigen Tumoren des Uterus. 
Auch übersetzte C. Kiwlsch^s ^.Krankheiten 
der Ovarien'*, 

Clay, Charles, geh. 1801 zu Brdd- 
burg bei Stockport, studierte in Man- 
chester und Edinburg, hier von 1820 bis 
23, praktizierte in Ashton-under-Lyne 
15 Jahre lang, kam 1839 nai-li Manchester 
und führte 1842 seine erste Ovariotomie 
aus {der Tumor war 36 Pfund schwer, 
die ohne Anästhesie ausgeführte Opera- 
tion dinierte 10 Minuten, Pat. geuasi; \h 
Jahre hing war C. der einzige Operatem', 
der diese Operation ausführte; iui ganzen 
hat er 395 Ovariotomien vollzogen. 1845 
exstirpirte er auch ein Uterus -Fibroid. 
18 Jahre vor Xoebkrl(^:. 1842 wurde er 
Ext. L. R. C, P, Lond^, wirkte lange Zeit 
als Lehrer und Medical Officer am St. 
Mary'S'Frauenspital zu Manchester. Zu- 
letzt zog er sich von der Praxis zurück 
und starb 19. Sept. 1893 zu Poulton-le- 
Fyide l>ei BlackpoL C. hat eine grössere 
j Anzalil umfassender Arbeiten publiziert, 
I von denen nur die auf gynäkologischem 
' Gebiet wichtigen hier angeführt sein mögen : 
„VtmkUing in pregnancy*' — „Caesarian 
seäiofi" — „ResuU» of 314 ovarian Opera- 
tions^* — „Hmuibf}ok of obstetric mrgery" 
(mit 90 Abbildungen). Übrigens war C, 
nicht nur in seinem Fach Schriftsteller, 
sondern interessierte sich auch für Geo- 
logie, Numismatik und alte Drucke. Die 
letzten Jahre seines Lebens hatte er in 
stüjer Zurückgezogenheit zugebracht, 

ClBland, John, wurde in Ediuburg 
1856 promoviert, wirkte zuerst als Pro- 
fessor der Anatomie und Physiologie, so- 
wie als Clinical lecturer am Queens College 
zu Galway und ist zur Zeit ortientlicher 
Professor der Anatomie zu Glasgow. Seine 
Preisthese: .^Ön the strudure atid mecha- 
nistn of the gjiltemacHlum teMis'* (1866) 
verdient ebensowohl der Erwähnung . wie 
die in den Philos. Transactions ei"schiene- 
nen Arbeiten über den Vomer und die 



331 



Clemens — Coats. 



Intermaxillarknochen und über Schädel- 
varietÄten (1862, resp. 1870). Auch gab 
er ein „Directory for the dissedion of the 
human body" (1876) und eine Monographie : 
„Evolution^ expression and Sensation" (1881) 
heraus. 1889 veröffentlichte C. in Ge- 
meinschaft mit seinen Assistenten Mackay 
und Bruce Yoüno „Memoirs and Memo- 
randa in the anatomy." In einer dieser 
Abhandlungen: „on birds with super- 
numerary legs^' ist zum ersten Mal der 
Nachweis geliefert, dass additionelle Or- 
ganbildungen an der Sacralregion beim 
Menschen und anderen Wirbeltieren nicht 
aus einem appendiciären Fötus bestehen, 
sondern aus den anliegenden Hälften zweier 
Embryonen; während des Gesamtwachs- 
tums, dem sie unterworfen sind, hst das 
Beckenorgan von jedem der beiden Origi- 
nalembryos eines gebildet, (,,that additio- 
nal limbs attached to the sacral region 
in man and other vertebrates do not con- 
sist of an appended f oetus but of the ad- 
jacent halves of two embryos, while the 
füll grown individual to which they are 
attached has its pelvic limbs formed one 
from each of the two original embryos*'). 
1896 veröffentlichte C. ebenfalls in G^ 
meinschaft mit Mackat: „Human aiuäo- 
my, general and descriptive, for the use of 
students*^. — Die Gresamtzahl von C.'s 
Publikationen übersteigt die Zahl von 100 
beträchtlich. 

Clemens, Theodor, 1. JuÜ 1824 
in Frankfurt a. M. geb., studierte in Hei- 
delberg biß 1846, dem Jahre seiner Pro- 
piotion. Seitdem wirkt er als praktischer 
Arzt, speziell als Elektrotherapeut in sei- 
ner Vaterstadt und ist auch litterarisch 
sehr thätig gewesen. Seine grösseren 
Arbeiten sind : „Ein Beitrag zur näheren 
Erkenntniss des Chloroforms etc.** (Deutsche 
Klinik 1850) — „Spasmi sutorum, Schuster- 
krämpfe" (Ib. 1851) — „Die Chlorkupfer- 
lampe als bestes und einfachstes Desinfec- 
tionsmittel der Luft während Cholera-Epi- 
demien" (Ib. 1865) — „Über den Einfluss 
der magnetiscfien Polaritäten auf das ani- 
male Leben" (Ib. 1872) — „Reflexionen über 
Cholera-Äiidogie" (Ib. 1873). — Der an- 
gewandten Elektrizität als Heilmittel hat 
er in den Jahrgängen derselben Zeitschrift 
von 1858 bis 75 eine Reihe von Artikeln 
gewidmet und über dasselbe Thema ein 



grösseres Werk (Frankfurt a. M. 1876 bis 
79 und 82)* ecscheinen lassen; ausserdem 
Publikationen über Ham'röhrenkrankhei- 
ten, Diabetes, Heilung von Ovarialtumoren 
etc , sowie eine Mitteilung von vollkom- 
mener Heilung und Schwund der syphilit. 
Sklerosis durch method. Anwendung elektr. 
Ströme in Therapeut. Monatsh. 1889, 
Heft 11 und 12. C. hat zuerst die 
Idee des Telephons 1853 ausgeführt und 
dieSchallf ortleitung durchElektrizität in der 
^Dtsch. Klinik" 1863 als eine vielfach kon- 
statierte Thatsache eingehend besprochen. 

Cloetta, Arnold, geb. 28. April 
1828, studierte in Zürich, Würzburg, Wien, 
Berlin, Paris und war besonders Schüler 
von C. Ludwig und Claüde-Bbrnabd. 1851 
zu Zürich promoviert, wirkte er seit 1854 
daselbst als Arzt, seit 1857 als Professor 
für allgemeine Pathologie, seit 1870 als 
Professor der Arzneimittellehre und trat 
1880 zurück. Er starb 11. Febr. 1890. 
Von ihm rühren her das „Lehrbuch der 
Arzneimittellehre und Arzneiverordnungs- 
lehre" (1881, 2. Aufl. 1883), sowie mehrere 
Arbeiten im Gebiete der medizinischen 
Chemie und Pharmakologie. 

COätS) Josef, Prof. der Pathologie 
in Glasgow, 4. Febr. 1846 in Paisley geb., 
studierte Med. in Glasgow, wurde hier 
1867 Dr. med., war dann eine Z^it lang 
Resident-assistant bei William T. Gaird- 
NER und Lord Lister an Glasgow Hoyal 
Infirmary und begab sich hierauf nach 
Leipzig, um unter Ludwig experimentelle 
Phybiologie zu treiben (in Gemeinschaft 
mit seinem Freunde Lauder Brünton aus 
London). 1869 zurückgekehrt, übernahm 
er die Stelle des Prosektors (Pathologist) 
an der Glasgow R. Infirmary (als Nach- 
folger von Samuel Johnston Moore\ eine 
Stelle, die er bis 1875 bekleidete. Er be- 
schäftigte sich während dieser 2jeit u. a. 
besonders mit der Herstellung eines Ka- 
taloges für die Sammlungen des pathoL 
Museums, der 1872 zum ersten Male ver- 
öffentlicht wurde (2. Aufl. 1878 von Fou- 
U8, 3. Aufl. 1889 von Daüd Newman). 
1875 begab sich C. wiederum nach Deutsch- 
land und studierte ein Semester in Würz- 
burg pathol. Anatomie unter Hindfleisch, 
hierauf übernahm er die Stelle als Patho- 
logist an der Western Infirmary und er- 



Cobbold - CoghiJl. 



334 



öffnete 1876 Privatlehrkiirse der patkol. 
Auat,, die spater gut besu*'ht wurden. 
Eine Zeit lang war V. auch als Dispen- 
sary Physician thiitig. 1893 wurde an 
der Universität in Glasgow eigens für ilui 
ein Lehrstuhl der Pathologie kreiert, den 
er bis zu seinem 24. Jim. 1899 erfolg- 
ten Ableben verwaltete. C. veiöffeiit lichte 
1883 ein „Manual of pathoiogy'^ (4. Au iL 
1899 in VorbereitnngK welches seitdem 
zum Standard work dieser Wissensobaft 
wurde. 1888 erschien von t\ ^/Fhc puiko- 
lotjy of phthims puhnoncUis" als Abschnitt 
der von Sir W. T. Gaihdner herausgege- 
beneu „L^ctures to practiHoners". C. nahm 
auch an dem wissenschaftlichen Vereins- 
leben in Glasgow regen Anteil und war 
1891/92 Präaidejit der Medico-Cliirurgical 
Society. Auch bekleidete er diese Wurde 
noch bei anderen Gesellschaften. 

Cobbold, T h o m a s S p e n c e r, be* 
könnt er Helniiuthologe, geb, 1828 zn Ips- 
wnch, wurde 1844 ein S^^hüler vcm Crosse 
im NorfrJk «iid Norwicli Hosp., studierte 
dann in Edinburg besonders unter Lei- 
tung von John GooDßiRund Edward Fombks, 

^erhielt 1851 f in seinem Promotiousjahre^ 
iie goldene Medaille, wnrde Kurati*r des 
anat. Museums der Universit^it und 1851 
bis 52 Senior Präsident der Eoyal Med, 
Soc»f widmet** sich eine Reihe von Jahren 
vergleicb.-anat. und zoolog. Studien, unter 
l>eitung von John Goodsir, liess sich 1857 

■in London nieder, wurde Dozent der Bo- 

rtiinik am St. Mar%^*s Hosp., sowie 1861 
der Zool. tind vergb Anat, an der Mid- 
dlesex Hosp. Sehool und 1873 Lehrer der 
Botanik am Veterinary Colb^ das für ihn 
eine Professur für Helminthologie errich- 
tete. C, der 20. März 1886 /ai Lon- 
don starbt war unbedingt eine der eisten 

i, Autoritäten auf dem Gebiete der Helniin- 
Ihologie. Die Titel einiger seiner wich* 

piigeren Schriften sind: ,fEntozoa; an in- 
roduclwn to (he iftudt/ of kelminifwlogy^ 
mth refer4ncc more particxUarly to ihe *w- 
(trnal pareidites of man" (London 1864) 
— ^On the prhetU stcUe of our knoielcdyc 
Yff'jttctifty ctitoioa whicH are elf her knoum 
ürt pretftnned to be introdiiccd into the 
hurnttn tßody hy the cortMumption of anitncd 

'food" (Ib. 1865) — „Wonm^ a aertes of 
Ucturen on practic.al helmlnthology at the 
Mnl CoU, of the MiddlfMr^, Hrsp. nith ra- 



se« (Hustrating the Symptoms, diay$iosis afui 

treatnmU of intertial parasitic diseases*^ 
\ (Ib. 1872) — „The internal paraHtes of 
\ our domesticated animala; a nuinual of the 

entoioa of the ooc, sheep, dog, horse^ pig 

and cot." (Ih. 1873). 

CoCCiUS, Ernst AdoH, Ophthal- 
molijg in D^ipzig, 19. September 1825 in 
KnauthaLn bei Leipzig geb., studierte da- 
aelbstf sowie in Prag und Paris und war 
in der Augenheilkunde hauptsächlich 
EnxKRicH's Schüler. Von 1849 bis 57 
wirkte er als Assistent und Dozent^ bis 
1867 als ausserordentlicher Professor» seit- 
dem war er als ordentlicher Professor der 
Ophthalmologie in Leipzig bis zu seinem 
24. November 1890 erfolgten Ableljeu 
thätig. Seine Hauptarbeiten handeln über 
die Ernährung der Hornhaut u* s. w., 
über Anwendung des Augenspiegels nebst 
Angabe eines neuen Instrumentes, über 
Glaukom^ Entzündung und die Autopsie 
mit dem Augenspiegel, über das Gewebe 
und die Entzündung des Glaskörjiers^ über 
den Mechanismus der Akkommodatiou des 
menschlichen Auges, über Ophthalmome- 
trie und Spannungsmessung, über die Di- 
agnose des Sehpurpurs im Leben. Auch 
sind zu nennen die Abliandlnngen : „ Über 
die in den Jahren ISÜS und 69 in den »4«- 
genansUdten beobachteten Augem^erletzungefi 
«/c." — ^^De morbis ocuH human i qui t 
variolis exorii in nosocom. ophfhalm. oltser- 
vati sunt**. 

COghill, John Georg© Sinclair, 
geb. 1836, bildete sich wesentlich in Edin- 
burg aus, wo er 1857 promoviert wurde. 
Den Grad als F/R G. P. Edinb. erlangte 
er 1864. C. fungierte dann längere Zeit 
5 als Lecturer über allgemeine Pathologie 
und pathologische Anatomie an der Edin- 
burger medizinischen Fakultät, war De- 
monstrator für Anatomie an der Uni%'er- 
sität Glasgow 1858 bis 61, auch konsul* 
tierender Arzt am General - Hospital in 
ShanghaL Nach Elngland zurückgekehrt^ 
lebte er auf der Insel Wtght, wo er in 
Ventnor Dirigent einer Heilanstalt für 
Schwindsüchtige war und Mitte Jmii 99 
starb. Er hat eine Reihe von Arbeiten 
publiziert f von welchen zu erwähnen sind 
die „Fathdogy and (reatment of irritable 
u'erus*' {Qhag, med. Joum. 1859) — «AV«? 



saö 



Cohn. 



Operation for veaico-vaginal fisivla" (Lan- 
cet 1859) — „Antiseptic inhalation in pul- 
manary affedions*' (Lancet 1877) — „The 
hypophosphitea in phthisia*" (Ib. 1879). 

Cohn, Wolff, in Posen, daselbst 
1823 geb., studierte von 1845 bis 50 in 
Berlin, Hess sich 1851 in seiner Vaterstadt 
als Arzt nieder, wnrde hier 1868 Me- 
dizinal- Assessor, 1869 Med.-Rat, 1890 Geh. 
Med. -Rat und starb 16. Jan. 1893 in 
Berlin. C. war auch konsultierender 
Augenai-zt am Krankenhause der 
Grauen Schwestern und am Diakonissen- 
hause. 

Cohn, Bernhard, geb. 1827, stu- 
dierte und promovierte in Breslau 1850 
mit der Diss. : „De ceUidarum aanguinearum 
funcHone atque stmdura^, habilitierte sich 
1856 als Dozent bei der med. Fakultät da- 
selbst, war 7 Jahre hindurch Assistent 
auf der FRERiCHs'schen Klinik, wurde 1861 
zum Primararzt am Allerheiligen-Hosp. in 
Breslau ernannt und starb nach längerem 
Leiden, erst 37 Jahre alt, Ende Juni 1864. 
Seine „Klinik der embolischen Gefäss- 
krankheüen" wurde 1862 in Paris von der 
dortigen Acad. des sc. mit einem Mon- 
THYON-Preise gekrönt. 

Cohn, Ferdinand Julius, Prof. 
der Botanik zu Breslau, geb. daselbst 24. 
Januar 1828, studierte seit 1844 in Breslau 
und Berlin Naturwissenschaft, wurde 1850 
Privatdozent, 1859 a. o., 1872 ord. Prof. 
der Botanik und begründete 1866 das 
pflanzenphysiol. Instit. der Breslauer 
Universität. C, der 25. Juni 1898 starb, 
hat in seinen seit 1875 erschienenen „Bei- 
trägen zur Biologie der Pflanzen" für 
Bakteriologie Grosses geleistet und das 
erste brauchbare System der Spaltpilze 
aufgestellt. 

Cohn, Hermann, geb. zu Breslau 
4. Juni 1838, studierte 1857 bis 60 Natur- 
wissenschaften , besonders Physik und 
Chemie in Breslau und Heidelberg bei 
BuNSEN, Ejrchhoff Und HsLifHOLTz, prom. 
als Dr. philos. 20. Oktober 1860 in Bres- 
lau auf Grund einer bei Bunsen gearbei- 
teten Dissertation: „Deacidohypochlorico", 
studierte dann bis 1863 Medizin in Bres- 
lau und Berlin und wurde Med. Dr. an 



letzterer Universität. Als mediz. Disser- 
tation wurde ein Teil seiner von der med. 
Fakultät zu Breslau gekrönten Preisschrift 
„De infantis situ ad partum" gedruckt. 
Zuerst Forste R^s Assistent, und zwar bis 
1866, wirkte C. von diesem Jahre ab als 
Augenarzt in Breslau, dann seit 1868 als 
Dozent (Habilitations-Schrift „Üt>er Xerosia 
conjunctivae^^) und seit 1874- als ausser- 
ordentlicher Professor, noch jetzt, daselbst. 
Schon mit seiner ersten Arbeit: „Unter- 
suchungen der Augen von 10,060 Schulkindern 
nebst Vorschlägen zur Verbesserung der 
den Äugen nachteiligen Schuleinrichtungen" 
(Leipzig 1867) trat C. in die später von 
ihm mit Konsequenz und Erfolg kultivierte 
Richtung der ophthalmologischen Schul- 
hygiene ein. Weitere Publikationen sind: 
„Schusaverletzungen des Auges" (Erlangen 

1872) — „Die Schulhäuser und ScIiuUische 
auf der Wiener Weltausstellung" (Breslau 

1873) — „ Vorarbeiten für eine Geographie 




der Augenkrankheiten" (Jena 1874) — „Die 
Schulhygiene auf der Pariser Weltausstel- 
lung" (Breslau 1879) — „Studien über ange- 
borene Farbetiblindheit" (Breslau 1879) — 
„Die Hygiene des Auges in den Schtden" 
(Wien 1883) — Dasselbe (mit neuen 
Kapiteln versehen) ins Englische übersetzt 
von TuRNBCLL (Loudou 1886), ins Russische 
übersetzt von Medem (Pultawa 1887) — 
„Über den Beleuchtungswerth der Lampen- 
^/ocÄen" (Wiesbadenl885) — ,,Über die NM- 
wendigkeit der Einführung von Schulärzten*"* 
(Leipzig 1886) — ^^Mittheilungen aus C^s 
Augenklinik"' (Wiesbaden 1887) — „Die 



CohnheJmT 



SBS 





änUiche Ühtrwachung der Schulen £ur Ver- 
hütung der Veröreitujig der KurisichtigkeU^^ 
(Befemt 6. internat. hjg, Eongress. Wien, 
1887) — „Die SchularztdebaHe auf dem 
Wiener Omgresa*^ (Hamburg 1888) — 
„VOer den Einflms hygienischer Massregeln 
auf die Schidmt/opie" (Ib. 1890) — ,,Z>*e 
Schide der Zukunft'* (Ik 1890) — ,,Tafd 
rtif Prüfung der Seftschär/c der Schulkifider, 
Sddateft, Seelciäe umi Bahnbeanäen^^ (7 Auf- 
n, Breslau 1891 bis 98) — ..Lehrbuch 
Hygioie des Auges'' (Wien 1892,llanpt^ 
werk) — ffTransparenteSehprM^ejV' (dc^ut^scli- 
fmnzöslsch^ englisch und italienisch, Wien 
1894) — ^fWas kann die Schde gegeti die 
^Masturb<iti(m der Khuler thun?^' (Ueferat 
'iL intenuit. hyg. Kongress zu Budapest. 
Berlin 1894) — ,^Üher Verbreitung und 
Verhütung der Augeneiterung der Neuge- 
bor enmi in Deutschland, Öesterr. - üngarfi, 
Holland w%d der Schweiz^* (Sammel forsch img 
im Auftrag der med. Abt. der schles. 
(Tesellsch, veranstaltet und bearbeitet. Ber- 
lin 1896) — ,J)ie Sehleistungen von 50JM.iO 
Schulkindern. Nebst Anweisungen tu afm- 
lichen Unlertmchungefi für Ärzte und Lehrer''- 
(Breslau 1899) — „Dreisstg Jahre äugen- 
ärztlicher utid akademischer LchrthätigkeU^^ 
(IK 1897), Ausserdem 195 in Journalen zer- 
streate Aufsätze meist ophthalmologischeji 
und hygienischen Inhalts. Unt^r zahl- 
reichen C, verliehenen äusseren Auszeicli- 
nungcn en^^älmen wir noch die ihm 1883 
vom Kaiser PmiiDKrcH (damaligem Krön- 
priu^en des Deutschen Reiches) persönlich 
verliehene goldene Staatsmedaille für 
Hygiene und die vor einiger Zeit erfolgte 
Ernennung 2um Öeh. Med. -Rat. 

Cohn, Toby, in Berlin, geb. 1866 
in Breölau, studierte daselbst, hauptsäch- 
lich &Ib Schüler Wuhkicke^s , sowie in 
Frei bürg i. Br., Dr. med. Breslau 1891, 
war anfangs AssiBtent an der kgl. Uni- 
versitäts- Klinik für Nervenkranke bei 
S^KRsiicKE» ist seit 1893 in gleicher Eigen- 
laft an der Privatpoliklinik von Mendel 
, , Berlin tmd seit 1895 hier ab Nerven- 
SM thätig. Ausser verschiedenen klei- 
neren Abhandlungen in seinem Spezial- 
ibiet veröffentlicht© C. noch; .^Leitfaden 
T Eltctrodiagnostik mul Electrutherapie* 
'Für Fraktiker und Sti44irende'', (Mit 
einem Vorwort von E* Mk+vdkl. Berlia 
1899). 



Cohnheinii J u 1 1 u s , bertihmter 
Piitliolr^^, 20. Juli 1839 zu Demmin in 
Pommern geboi-eu, studieite in WilnEbiirg, 
Harbiii-g, Greifswald und Berlin, wiu'de 
hier Br. med, 1861 mit der Diss.: f,De 
pyogenesi in tunicis sermi8'\ die später als 
eigener Aufsatz u, d, T.: ,,Ueber die Ent- 
rundung seröser Häute'^ (VtacHow^s Arch. 
XXII) eiSchien, Nachdem er sich hierauf 
kurze Zeit in Prag aufgehalten, machte 
er den Krieg von 1864 mit, wurde in dem- 
selben .fahre als Assistent am Berliner 
pathul. Institut angestellt, widmete sich 
Äunäehst phystol, - chemischen Arbeiten 
(unter Kckhnk) und schrieb : ^^Zur Kenni- 
niss der zuckerbildenden FermefUe^'' (Ib, 
XX\T1I|. Bald aber bearbeitete er 




speziell pathoL-unat, Themata, auch al» 
und zu normal histologische. Er publi- 
zierte u. a. von letzexen: ^Meber die En- 
di^ung der Muskelr^erven^' ilb. XXXIV 
und CtrlbL der med. Wissenschaften, 
1863) — ,,Vcber den feineren Bau der 
quergestreiften Muskelfaset^' (Vibohow's 
Archiv, XXXIV) , worin die „C,*schen 
Muskeif el der' ^ beschrieben werden, und 
wobei er zum ersten Male die Jetzt so vielfach 
geübt« Gefriennethode zur Untersuchung 
frischer Objekte anwandte. In seinem 
Aufsätze: ,.Ueber die Endigung der sen* 
siblen Nerven in der Hornhaut'^ (Ib. 1867, 
XXXVIII) ftndet sich auch die Entdek- 
kung der Goldmethode. Von phatoL*ajiat. 
Arbeiten publizierte er in dieser Zeit: ^^Ein 
Fall van Abscessen in amylotd entarteten 
Organen'' (Ib. XXXIU) - ,,Zwei Fälle 



Cohnheim — Colberg. 



340 



von Mycosis der Lungen''*' (Ib.) 



Xödt- 



liehe Trichinose mit parenchymatöser De- 
generation von Leber, Herz und Niere^^ 
(Ib.) — ,jZur pathologischen Anat. der Tri- 
chinenkrankheü'' (Ib. XXXVI) u. v. a. 
1867 erschien, ebenfalls in Vibchow's Arch. 
(XLI), die berühmte Arbeit: „üeber Ent- 
zündung und Eiterung''^ worin er die Aus- 
wanderung der weissen Blutkörperchen als 
das Wesen der Eiterung bezeichnete, eine 
Thatsache, die eine förmliche Revolution 
in den pathol.-anat. Anschauungen hervor- 
rief. Von nun ab wandte sich C. aus- 
schliesslich der experiment. Richtung zu. 
Es folgten die Arbeiten: ..lieber venöse 
Stauung' (Ib. XLI, 1867) — „Experi- 
mentelle Untersu^chungen über die lieber- 
tragbarkeit der Tuberculose auf Thiere^^ 
(zus. mit Bernhard Fraenkrl, Ib. XLV, 
1868) — „lieber das Verhalten der fixen 
Bindegewebskörperchen bei der Entzündung^^ 
(Ib.) etc. 1868 folgte er einem Rufe nach 
Kiel auf den Lehrstuhl der pathol. Anat. 
und allgem. Pathol., den er 1872 mit dem 
von Breslau^ vertauschte. Im Winter 
1873/74 musate er aus Gesundheitsrück- 
sichten seine Lehrthätigkeit unterbrechen; 
1878 siedelte er als Prof. der pathol. Anat. 
nach Leipzig über. Hier vollendete er 
auch die 2. Aufl. seines Hauptwerkes: 
„Allgemeine Pathologie'' (Berlin 1882) und 
war hier, abgesehen von den durch Kränk- 
lichkeit gebotenen Unterbrechungen, bis 
zu seinem Lebensende thätig. 0. starb 
an den Folgen einer langjährigen, mit 
Herzhypertrophie verbundenen Gicht 16. 
August 1884. 0. war ein sehr anregen- 
der Lehrer. Er sammelte eine grosse 
Schaar von Schülern aus allen Ge- 
genden Deutschlands um sich und ver- 
öffentlichte eine Reihe von experimen- 
tellen Arbeiten gemeinschaftlich mit 
einigen von ihnen, so mit Litten, Licht- 
heim, Salomonsen, Welch, Maas, v. Schül- 
thess-Rechbrro, Charles-Roy, Wbiorrt etc. 
Aus seinen Instituten zu Breslau und 
Leipzig gingen zahlreiche, z. T. sehr be- 
deutende Arbeiten anderer Autoren her- 
vor. In seinen letzten 1^, Lebensjahren 
kränkelte C. fortwährend. Zu den immer 
häufigeren und länger anhaltenden Gicht- 
anfällen gesellten sich aphasische, urä- 
mische Zustände und asthmatische Be- 
schwerden. — Am verdienstvollsten sind 
seine Arbeiten auf dem Gebiete der Pathol. 



der Zirkulation (Lehre von der Entzün- 
dung, Stauung, Embolie), sowie die oben 
zitierten bahnbrechenden histol. Unter- 
suchungen. Seine „Gesammelte Abhand- 
lungen^', herausgegeben von E. Waokkr, 
mit einem Lebensbilde C.'s von W. Kühne, 
erschienen Berlin 1885 nebst 8 lithogr. 
Tafeln und einein Porträt. 

Cohnheim, Paul, m BerUn, geb. 
zu Labes 1867, studierte in Berlin, Frei- 
burg i. Br., Tübingen, Würzburg, haupt- 
sächlich als Schüler von J. Boas, Dr. 
med. 1891, war Assistent im jüdischen 
Krankenhause, machte eine Reise als 
Schiffsarzt nach New- York, war 1891 
bis 99 Assistent von Boas in Berlin, 
gleichzeitig prakt. Arzt und ist seit 1899 
Spezialarzt für Magen-, Darm-u. Stoff wech- 
seileiden in Berlin. C. ist Verfasser der 
im „Archiv für Verdauungskrankheiten" 
erscheinenden litterar. Jahresberichte. 

CohnStein, Isldor, zu Gnesen 1. 
August 1841 geb., wurde nach Besuch 
der Universitäten Berlin, Prag (Seyffkbt) 
und Heidelberg 1864 promoviert. Seit 
1866 als Arzt, seit 1871 als Frauenarzt 
und Geburtshelfer, seit 1868 als Dozent 
an der Universität Berlin thätig, 
siedelte er 1877 nach Heidelberg über, 
trat jedoch von seinem Lehramt zurück 
und starb in Charlottenburg bei Berlin 
25. Juli 1894. C. verfasste ausser der 
Arbeit: „lieber den Muskelt&nus" (von der 
Akademie in Brüssel preisgekrönt) eine 
Reihe gynäkologischer Schriften, darunt-er: 
^,Zur Therapie der chronischeyi Märitis" — 
„lieber chirurgische Operationen bei Schwan- 
gren" — „lieber alte Erstgebärende" — 
„üeber ein neues PerforationsverfaJiren" — 
„üeber Vaginitis exfoliativa" — „Unter- 
suchungen über die Innervation des Uterus" 
— sowie ein „Lehrbuch der Geburtshilfe" 
und einen „Grundriss der Gynäkologie", 

Colberg, August, zu Kiel, patho- 
logischer Anatom, 23. August 1829 zu 
Oderberg in der Provinz Brandenburg 
geboren, studierte seit 1850 in Halle und 
Göttingen Medizin, oft gestört durch ein 
Knieleiden, das aus frühester Jugend 
stammte und ihn fast sein ganzes Leben 
lang ge(^uält hat. Er wurde 1856 Doktor, 
war 1856 bis 58 in Würzburg und Berlin 



— uoiioU3r. 



enthusiastischer Schüler von Virchow, 
atschloss fiich^ d» sein kurperlicheö Lei- 
den die praktische Laufbahn sehr er- 
schwerte, Dozent der pathologischen Ana- 
tomie zu werden, hahilitierte sich 1863 in 
Halle mit der Commentatio pro venia 
doc-endi: „ObservcUiimes de penitiore pul- 
monum strucfi^a d ph^siciogica et patho- 
hgica^'' und war vor und nach dieser Zeit 
für die Hulleschen Kliniker und die übrigen 
Arzte der Btadt der stet« bereite Freuiul 
und Berater in pathologisch-anatomisehen 
Dingen. Die llettötädter Trichinen-Epi- 
demie 1864 gab ihm Gelegenheit, „Pa/Ao- 
logisch-analomtsche UtUersuchungeti über 
^^die Veränderung^ der Muskelfasern bei 
^^r Trichiniasis'' (Deut^clie Klinik, 1864) 
anzustellen: seine weiteren Erfakrunf^en 
über diese Krankheit stellte er in einem 
amtlichen Gutachten : ,^i>£« Trichtnaikrank' 
heit hl Bezug auf das ÖffetUUrhe Ge8t4nd'^ 
heiiswohl^ (Magdelmrg 1864) zusammen, 
In demselben Jalire noch wurde er ab 
Prof* e. o, der pathologischen Anatomie 
nach Kiel berufen, wurde 1868 Prof. ord. 
ad vollendete daselbst für das neul)e- 
ründete Deutsche ^\Tchiv für klinische 
Me<üzin ein© grössere Arbeit: „Bettrage 
Mur normalen und pathologutcften Anatomie 
dfr Lmgen*' (1866). Im Sommer 1867 
stellte sich mit Bestinmitheit ein Brust- 
leiden bei ihm heraus, welches, mit man- 
cherlei Komphkationen, bereits in Jahres- 
frist 3. Juli 1868 seinen Tod, der zu HaJle 
erfolgte, herbeiführte, ehe es ihm ver- 
gönnt war^ seine zaldreichen angefangenen 
Arbeiten^ die noch eine erhebliche Fijrde- 
ruug der Wissenschaft in Aussicht stellten, 
zu vollenden. Ausser den angefülirten 
Arbeiten finden sich noch einige weitere 
in MüLLfifi's Archiv (1856, zusammen mit 
R, HKU)ENttAiN) über den Blasenschliess- 
mnskel, im Archiv für Ophthalmulogie 
(Bd, \TJI) über Iritis gummosa, in den 
Charite-Annalen (1862) über gelbe Leber- 
fttrophle u, s. w, 

Coler, Alwin v., geb. lö. März 
1831 zu Groningen, Kreis Halbei'stadt, 
aus einem altpatrizischen Geschlecht des 
Harzes stammend, studierte auf der Aka- 
demie für da« Militär zu Berlin 1852 bis 
&6, trat dann als Unterarzt in das Garde- 
Dra^ner - Regiment und wTirde 1857 
Assistenzarzt, 1863 ätabsarxt. Infolge 



seiner Thiitigkeit wiihrend der Feldzttge 
1864 mid 66 wurde er 1867 in den pneus- 
sischen Medizinalstab kommandiert und 
1868 bei Gründung der Med ia:inal- Abtei- 
lung im Kriegsministerium Dezernent in 
derselben. In der Medizinal-AbteQung 
verblieb er seitdem, nur 1870/71 war er 
als Divisionsarzt der 1. Division thiitig, 
wm'de 1874 Generalarzt, 1885 Abteilnngs- 
chef in der Medizinal- Abteilung und 12. 
Februar 1889 Generalstabsarzt der Armee, 
Chef des Sanitiits-Korps tuid der Medizinal- 
Abteilang im Kriegsminislerium und 
Direktor der militänirztlichen Bildnngs- 
anstftlten {Kaiser Wilheliiis-Akademie für 



das militämnst liehe Bildimgswesen), 7, März 
1889 Wirklii'ber Gelieimer Ober-Modizinal- 
Rat. 1891 erhielt er den Rang als Ge- 
I neralleutnant, 1892 wurde er auf Vor- 
I schlag der Berliner Universität zum or- 
dentlichen Honoraifa-ofesÄor ernannt, v. 
C. bat das Mihtär-Hanitäts* Wesen im 
Krieg und Frieden organisat^Drisch auf 
neue Grundlagen gestellt mid das Sani- 
tätskorps in wissenschaftlicher, adniini- 
Etrativer imd persönlicher Beziehung zu 
einer hohen Stufe der Leistmigsnihlgkeit 
entwickelt. Auch war sein Ziel, eine 
enge Verbindung mit dem Zivilmedizinal- 
weisen, zu gegenseitiger Förderung, lier- 
smstellen und zu befestigen. 

Conolly, John, Psychiater und 
bekannter Autor des ..No-redraint^^ geb. 
27. Mai 1794 zu Market Hasen, Lincoln- 

shire, wurde mit 18 Jahren Soldat, ver- 



343 



Cooke — Cordua. 



344 



heiratete sich mit 22, brachte dann einige 
Zeit bei seinem zu Tours in Frankreich 
praktizier. Bruder Dr. Wiluam C. zu und 
begann erst 1817 in Edinburg Med. zu 
studieren, wurde 1821 Doktor mit der 
Diss. : „2>e statu mentis in insania et me- 
lancholia^% praktizierte darauf nachein- 
ander in Lewes, Chichester und Stratford- 
on-Avon und unterstützte hier, zusamDien 
mit seinem Freunde Darwall, den Dr. 
James Copland bei der Herausgabe von 
„The London Medic. Repository", nament- 
lich durch Rezensionen ausländ. Bücher. 
1827 ging er nach London, wurde 1828 
Prof. der prakt. Med. am University Coli., 
schrieb bald darauf: „/47i inquiry concer- 
ning the indications of itisanity-y toith sug- 
gestions for the better protection and eure 
of the inaane" (Lond. 1830) und bemühte 
sich, den klinischen psychiatr. Unterricht 
bei der Londoner Universität einzuführen, 
jedoch fand er weder als Arzt, noch als 
Professor grossen Anklang, verliess des- 
halb 1830 London und ging nach War- 
wick, wo er den ihm schon von Chichester 
her befreundeten John Forbes bei der 
Herausgabe der „Brit. and For. Med.- 
Chir. Beview" und der „Cyclopaed. of 
Pract. Med." unterstützte und zusammen 
mit jenem und Hastings den Grund zu 
einer med. Gesellsch., der späteren „Bri- 
tish Medical Association" legte. 1838 
ging er nach Birmingham und 1839 er- 
hielt er die Stellung als Resident Physic. 
in dem Irrenhause von Middlesex, zu 
Hau well, der grössten derartigen Anstalt 
in England. Hiei^ ging er sogleich daran, 
nach dem Vorgange von Pinel und Will. 
TüKE in dessen .,Retreat" zu York, die 
Zwangsmittel aller Art abzuschaffen u. 
s. w. 1844 gab er seinen Wohnsitz in 
der Anstalt von Hanwell auf und war 
bis 1852 Visiting Physic, später nur noch 
Consult. Phys. derselben, indem er sich 
allein seiner im Dorfe Hanwell gelegenen 
Privatanstalt und einer sehr ausgedehnten 
konsult. Praxis widmete. Seine besten 
Werke stanmien aus der späteren Zeit 
seines Lebens, bo: „Onihe construdum and 
govemment of lunatic asyluma" (1847) — 
„The treatment of the insane without nie- 
chanical restraints" (1866) — „Essay an 
Hamlet'''' (1863). Seine in Hau well gehaltenen 
„Clinical lectures" finden sich Inder Lancet 
(1845,46). Er6tarbzuHanwell5.Mäi7:1866. 



Cooke, Thomas, geb. 1841, bildete 
sich in London und Paris aus und er- 
langte an letzterer Universität das Bacca- 
laureat 1862; Med. Dr. wurde er 1870 und 
F. R. C. S. Eng. 1871. Er hat in Paris 
mehrere Assistentenstellen, so am Bicetre, 
Lariboisiere, Le Midi innegehabt, auch an 
der Ecole pratique de la facult^ daselbst 
als Demonstrator für Anatomie gewirkt. 
Als Lecturer of anatomy, phys. and sur- 
gery in London stellte er die „Jkädets of 
anatomy and physiologie" (1873 bis 79) zu- 
sammen, wandte sich später der Chirurgie 
zu und schrieb: „On Suspension by the 
head in Sayre's treatment of spinal curva- 
ture" (Lancet 1879) — „Treatment of stru- 
mous abscesses of the neck** (Brit med. 
Joum. 1876) und andere Einzelaufsätze. 
Er starb 9. Februar 1899. 

COOper, Sir WllUam White, geb. 
zu Holt in Wiltshire, 17. Nov. 1816, stu- 
dierte seit 1834 am St. Bartholomew's 
Hosp. als Privatzögling von Stanley. 
1838 wurde er Member, 1845 Fellow des 
R. C. S. Nachdem er das Hospital ver- 
lassen, machte er eine wissenschaftliche 
Reise nach Madeira und publizierte nach 
seiner Rückkehr einen „Guide for future 
visÜors seeking a winter home in Madeira", 
Er widmete sich darauf speziell ophthal- 
molog. Studien und liess sich in London 
als Augenarzt nieder. Während seiner 
Studienzeit am St. Barthol. Hosp. hatte 
er den von Richard Owen ausgesetzten 
Preis für die vergleich.-anat. Abhandlung: 
„Anatomy and physiology of the invertebrate 
animals etc.'' (1843) erhalten. 1859 wurde 
er zum Surgeon Ocuüst in Ordin. der 
Königin erwählt. Femer war er Staff 
and Senior Surgeon an der North London 
Eye Listitution, später Ophthalmie Sur- 
geon am St. Mary's Hosp. C, der wenige 
Tage nach seiner Nobilitierung, 1. Juni 
1886 starb, war ein vorsichtiger, dabei 
sicherer und gewandter Operateui*. Seine 
„Practical retnarks on near sight etc/'' er- 
schienen 1847 in 1. Aufl. Noch publizierte 
er: „Observations on conical comea** (1850). 
Seit 1884 litt C. an der Gicht. 

Cordua, Johann Karl Ernst 
Hermann, zu Hamburg, geb. zu Sülz 
in Mecklenburg 19. Jan. 1852, studierte 
in Rostock und Erlangen, war Assistent 



34Ö 



Cormack — Coruet. 



346 



I 
I 



pathoL Institut (PoNFicitl zu Göttingen, 
sist«nt der cliinirg. Abteilung" in Ham- 
burg (Martini)^ wurde 1876 promoviert, 
und ist seit 1880 dirig. Arzt am Kinder- 
ho6pital mid der cliirurg. Poliklinik des 
allgemeinen KrankenJiauses in Hamburg. 
Er ist Verfasser der Preisschrift der Ro* 
stocker med. Fakultät 1876: „fixer den 
Medianmtius der Resorption mn Bliäer- 
ffü$$en^* und verscliiedener kleinerer Ar- 
beiten eklnirg. Inlialts. 

Cormack, Sir JoknRoseBaillie, 
zu Paris, war L März 1815 zu Stow in 
Midlothian tu Schottland gelioren* studierta 
in Edinbiirg, wurde 1837 daselbst TüokUyv 
mit einer auf Tier-Experimente bosiert-en 
Diss; „Oh the presence of air in the organs 
of ciradathn^', nac-hdem er ecboa frülier 
eine preisgekrönte Abhandlung: ^^A ireatue 
on the vhemical . , , . properties of creoaote 
eU'/* (Edinb. 1838) herausgegeben hatte. 
£r besuehie darauf Paris, Spanien und 
Italien, Hess sich dann in Edüiburg nieder, 
wo er Physiejan au der Royal Infirmaiy 
wurde und die Redaktion des ,,Löndo7i 
and Editiburgh Monthly Jöunial of Medical 
Scieme'' von 1841 bis 46 fülirfce. Wälirend 
der Epidemie von Febris rtnuin-ens, die 
1843 In Edinburg herrselite, war er Phy- 
sician am Fever Hospital und veröffent- 
lichte seine in demselben gemachten sr^rg- 
IJlKltigen Beobachtungen in der Schrift: 
^Natural historjff pathology and treafment 
of the epidemic fever ^ at present prevaÜing 
in Edinburgh and other towns" (London 
1843). Er hielt auf'h eine Zeit lang Vor- 
lesimgen über gerichtliehe Medizin bei der 
extra-akademisehen Schule daselbst. 1S47 
verlie-ss er Edinburg, praktizierte eine Zeit 
lang in Putney und gab daselbst eine 
Monatsscliriftj das „London Journal of 
Medicin€'\herB.\is. Später lebte er bis 1866 in 
London, redigierte von 1853 bis 56 das 
^Association Medical JountaV* und sehrieb : 
tfNoteä on the patMogy and treatment of 
Cholera*^ (London 1854) — „Retnarks on 
the conditionj necessitieSf and dahrts of the 
unhersities of Scotland etcJ* (London 1858), 
Er verliesB darauf England, siedelte naeh 
Orleans, und nachdem durch den Tod von 
Sir John Oliffk 1866 zu Paris eine Lücke 
unter den dortigen englischen Ärzten ent- 
iden war, dahin über und ^Tirde^ um 
Recht zur Praxis zu erlangen, 1870 



bei der dortigen Fakultät Doktor. Während 
der Belagerung von Paris 1870/71 und 
der Kominuneherrschaft leistete er sowold 
den Vei-wundeten als auch seinen in Not 
geratenen Landsleuten wichtige Dienste 
und erhielt dafür 1872 von der Königin 
von England die Ritte rwtirde. Als das 
Hertford British Hospital zu Paris durch 
die Munifizenz von Sir Richa[U> Wallack 
gegründet wurde, wurde er einer der Phy- 
sicians desselben. Er erfi-eute sich einer 
umfangreichen Praxis und verfa&ste noch 
bis zu seinem 13. Mai 1882 erfolgten 
Tode, ausser einigen Aufsätzen im Ediub. 
Med. Journ.^ eine grössere Schrift: ^CHnical 
studieSj Übistrated by cases observed in 
hospUtd and private practice" (London 
1876). 

Cornet, Georg, in Berliji und 
Refchenhall, geb. 27. Juli 1858 in Eich- 
städt (Bayern), bezog 1879 die Münchener 
Universität ( v. Von, Rukdznqbr, v. Zirmssen, 
v. PisTTKNKOFiafi), wunle 1882 Koassistent auf 
der dermatologiscben Klinik von PussfxTt 
1883 auf der med Klinik von v, ZlF.ÄtBSF,N. 
Nach dem Exani<*n vt rUess er München 




und verbrachte zwei Wint-er mit dem 
Studium der italienischen und stidfran- 
zösischen Kurorte. Im Frtilgalu' 1885 
wurde er bei Brehmer in dessen Anstalt 
für Lungenkranke zu Görbersdorf Assistent 
(ein JaliJV, tu'beitete darauf im hygienischen 
Institut zu Berlin bei Robkrt Koch imd 
siedelte mit demselben 1891 in das neu- 
gegründete Institut für Infektionskrank- 



347 



Comil — Corput. 



348 



heiten über. Während der Sommenno- 
nate praktiziert er derzeit seit 1886 in 
Reichenhall (Bayern), den übrigen Teil 
des Jahres lebt er seinen wissenschaftlichen 
Arbeiten in Berlin. Seine Arbeiten be- 
fassen sich in erster Linie mit der Er- 
forschung der Tuberkulose in bakterio- 
logischer, klinischer, statistischer und 
prophylaktischer Beziehung. Der ihm zu- 
erst gelungene Nachweis von Tuberkel- 
bazillen ausserhalb des Körpers und die 
aus diesen Untersuchungen hervorgehende 
beschränkte Verbreitung derselben (ISl icht- 
Ubiquität) gab ihm Veranlassung, genau 
präzisierte prophylaktische Massregeln zu 
fordern; seine Vorschläge wurden beson- 
ders in Preussen, später auch anderwärts 
die Grundlage staatlicher prophylaktischer 
Massnahmen. Von seinen Arbeiten seien 
als die wichtigsten genannt: „Experimen- 
telle üntersuchungeti über Tuberculosen^ 
(Verhandlungen des 7. Kongresses f. innere 
Medizin) — „Die Verbreitung der Tuber- 
kelbazülen ausserhalb des Körpers** (Ztschr. 
f. Hyg. 1888. V) - ,,Ueber das Ver- 
halten der Tuberkelbazillen im thieri- 
sehen Organismus unter dem Einfluss ent- 
wicklungshemmender Stoffe^' (Ib.) — „Die 
Sterblichkeitsverhältnisse in den Kranken- 
pflegeorden" (Ib. 1889, VI) - ,,Die 
Prophylaxis der Tuberculosen (Vortrag, 
gehalten in der Berliner med. Ge- 
sellschaft; B. k. W. 1889) — „Ueber 
Tuberculosen (Leipzig 1890) — „Wie 
schützt man sich gegen die Schwindsucht?" 
(Sammlung gemeinverständlicher Vorträge 
VlRCHO^-HOLtZBNDORFP. N. F. 4. S. H. 77 
Hamburg 1890, 2. Aufl.) — „Die Tuber- 
culose tu den Strafanstalten" (Zschr. f. 
Hygiene, 1881, Bd. 10) — „Ueber Msch- 
infection dir Lungentuherculose^ (W. 
m. W. 1892) — „Die Prophylaxis der 
Tuberculose und ihre Resultate" (Vor- 
^trag, geh. in der Berliner med. Gesell- 
schaft, 1. Mai 1895, B. k. W. 1895.) 
— „Die Bekämpfung der Schwindsucht" 
(Berlin 1895) — „Die Tuberculose" (in 
Handb. d. spec. Pathologie und Therapie 
von Nothnagel, 14. Bd. 3. T. Wien 1896). 

Cornil, Andre-Victor, in Paris, 
geb. 17. Juni 1837 zu CJusset (Allier), 
studierte seit 1855 in Paris, wurde 1864 
Dr. med., 1869 Agr^ge, 1870 Arzt am 
Hop. de Lourcine, 1882 Prof. der Histo- 



logie und 1884 Membre de l'Acad. de 
m^. 1870 war er kurze Zeit Präfect 
seines heimatlichen Departements, wurde 
später Deputierter und ist seit 1874 Chef- 
redakteur des „Journal des connaissances 
medicales pratiques et de pharmacologie". 
Schriften : „De la phtisie pulmonaire, Hude 
anatomique, pathologique et dinique^* (Paris 
1867, zus. mit Hkrard' — ,/Jontributum ä- 




rhistoire du d^eloppeftient histologique des 
tumeurs epitheliales" (1866) — .,Du Cancer 
et de ses caradhres anatomlques" (1867) — " 
„Manuel d'histologie pathologique" (1869 
bis 76 zus. mit Ran vier. 2. Ausg. 1881) — 
„Legons elementaires d'hygime ' (1872) — 
„Lego7is sur la syphilis, f altes ä rhöpital 
de la Lourcine" (1879) — „Les bacteries et 
leur role dans l'anatomie et Vhistologie pa- 
thologique des maladies infecti^uses" (en 
coUab. avec Babes) — i.y»des sur la pa- 
thologie du rein" (en collab. avec Brault) 
— „Legofis sur les cirrhoses" — „Müanges" 
(6 voll.). 

Corput, Bernard, Eduard H. 
J. van den, 1821 in Brüssel geboren, 
war anfangs Chemiker und Pharmazeut 
und wandte sich später der Medizin zu. 
Er begleitete — bereits Dr. med. — den 
Prof. Baron Seütin auf einer Reise durch 
Europa und führte dessen Kleisterverband 
an verschiedenen fremden Hospitälern etc. 
ein. V. d, C. war 1858 ernannt als Arzt 
und Professor der medizinischen Klinik 
im Hospitale St. Jean und St. Pierre zu 



349 



Corradi. 



Brüssel, gab 1^74 seine Entlassmig mit 
dem Titel Honorararzt und ist seit 1870 
Pwkfes&ijr der Arznei »litte 11 ehre und The- 

Impie an der Univei-sität zn Brüssel. Prä- 
sident des Sanitäts- Komitees von der Provinz 
Brabant etc. unter seinen aasgedehnten 
Kfisim Ist erwätinenswert die im Jahre 
1H64 im Anitrag^ der helgisclien Hegie- 

■ rnng nach Rnssland (um dort das Re- 
correuöfieber zu studiei-en^ uuterHommeue, 
Reich mit Auszeichnungen bt^dacht heim- 

■ gekehrt., übernahm v, d. C. die Redaktion 
des ^.Journal de medeciiui^ de ehirargie et dt 
pkfinmicologie de ßrM^<?//e**% erfand die 
Methiide der Punktion mit Aspiration (13 
Jahre vor Dikl:la>'ov) und machte ver- 
schiedene Ertiudungen im Bereiche der 
Pharmakologie, Auch brachte unter seiner 




I 



FUhriing das obenerwähnte Journal die 
ent*^<"heidende Initiative zu den monat- 
lichen internationalen Sanitätsbulletins, 
Von Schriften v. d, C.*s seien hier nur 
genannt: ,^Dcm caux minh^tdes natureücs 
etc.*' (Brüssel 1846) — ^.NotictB chimiques 
€t pharmacdotjiqxies^' (Ib. 1849) — ^^Sur les 
tmiifc» indwttrieU de» fhtUcs etc,*^ (Ib. 
1857) — „Note mr un novetiu trocart aspi- 
raitur etcj^ (BtilL de Tacad. R, de med. de 
Be!g, T. XV) — „iVo/f mr lethf de cafeicr% 
(Brüssel 1851) — „flis^aVc naturelle ei 
medicak de la trickine'' {Ib. 1866). Die 
oben gedachte Sclirift ^^üeber das PeterS' 
Imrgrr Itecurreriafieber^*' ergchien 1865, die 
erwähnten ..Sanität nbtäktins'^ 1865 bis 75. 



Dazwischen mehrei« nicht med i2:iiii sehe 
Schriften und neuerdings solche über 
,,Ahrtmgilk'' (1874), über ..Pest"^ (1879>, 
über j^ÖrganlsafiOH djier inftrnationultn 
Sanitätsliga^^ und über ^^Krebs in ätiolo- 
gischer und prophylaktischer Beziehung'''' 
(beide 1883). Ferner „De Vorganimitimi 
des Ecoles profemionnelles en Atlanagntj 
en Sttkdc et en Hussie'' (Paris 1866} — 
„Nouücau »gsthtic de pessairesteviers" 
(BnixeUes 1865) — „Origine et cause de 
repidthnie de fih^e fgphoidc qui a rtgni 
ä Bruxelle» en I86f)*' (^Iti. 1869) - ^^Trai- 
tement de la pteurhtie, Indications di/feren* 
iieües de la thoravove^Utse et dv V Operation 
d'Estlander et de Schede'* (Ib. 1887) — 
,,Le» desinfedants et les anfüeptitp^es*' 
(Ib. 1885) — „La cremation microbienne" 
(Paris 1889) — ., Rapport nur Vcpidemie 
dmflucma de Jsw)" tBruxelles 1891 1 — 
„Action pathoghdque de certaitis produtis 
d^e-jccrHion anahgues aua: piomaines*' (Ib. 
1883) — f^Coup'd'odl sur Ics indituti&ns sa- 
yntaires et mr t\'tataitHel de Vhygiene pub- 
lique dans rEmpire dAllemayue" \Rapj>ort 
public a la suit* d'une mission du (tou- 
vemement Beige. Ib. 1890) — „Les pealen^ 
teitr hisloire et leur prophylaxie" (Ib. 1879) 
— ,,J^ poison iäcooi" {Ib. 1895) — „La 
tot d*fdcoot** (Ib. 1896) — „L'alcooUsfW!^ 
des eames nmdogiques; son extinction phy- 
siologiqne" (Paris 1897). v. d. C. ist In- 
haber zahlreicher in- und ausländischer 
Ordensauszeiclinimgen, Mitglied vieler ge- 
lehrter und gemeinnütziger Gesellschaften 
Belgiens wie des Avislandes. Erwähnens- 
wert ist nochj duÄS er bereits als Student 
zuerst in einer Arbeit ^Du poison qui se 
developpe dan» Ics viandes'* (Bmxelles 
1855) die krvptogam Ische Natur des Giftes 
nachwies. Die von v, d, C. herausge- 
gebenen ^jEphhn**ri4ies niedicales** erschei- 
nen seit 1868. 

Corradi» AHouso. geb. 6. März 
1833 in der Provinz Emilia, studierte 
Medizin in Bologna und wurde 1855 zum 
Doktor der Medizin, 1856 zum Doktor der 
Chirurgie promoviert. Im Jahre 1869 
wurde er mittels Konkurses Professor der 
allgemeinen Pathologie an der Universi- 
t&t Modena und 1863 an der Universität 
Palenno. Seit 1867 war er Professor der 
allgemeinen Therapie , experimentellen 
Pharmokiilogie mid Pharmakognosie on 



351 



Corrigan — CortL 



der Universität Pavia und starb 28. 
Nov. 1892. C. war einer der hervorra- 
gendsten histor. Forscher und Epidemio- 
graphen der Neuzeit. Er veröffentlichte 
viele Werke diesbezüglichen Inhaltes: 
„Annall <Ulle epidemie in Italia daUe pri- 
me memorie sino al 1850'''' (Bologna 1866 
bis 86, 7 Bände) — „La chirurgia in 
Italia degli Ultimi anni del secole scorso 
fino al presente" (Bologna 1871) — ^^Uoste- 
tricia in Italia deüa metä del secolo scorso 
fino al presenfe'' (Bologna 1872, in 3 Bd.) 
— „DelV odiema diminuzione della podor 
gra^ (Memorie delF Academia di scienze 
di Bologna 1860) — „Come oggi le äffe- 
zioni scrofotubercolosi siansi fatte piii com- 
munis' (Ib. 1862) — „In che modo le dia- 
tesi disposizioni morbose ne* popoli si 
mutino" (Ib. 1862) — ,,Delle morti repen- 
tine avvenute in Bologna nel trentacinquen- 
nio 1820 — 54'' (Ib. 1863) — „DelV an- 
tica autoplastica italiana" (Memorie dell* 
Istituto Lombardo) — „Escursioni d'un 
medico nel Decamerone, DeW anestesia chi- 
rurgica nd media evo" (Ib.^ — ^^Della in- 
fermitä di Torquato Tasso, prima parte" 
(Ib. 1881) — „Tossicologia in re venerea, 
Delle cantaridi" (Annali universali di me- 
dicina, VoL 231, 1875) — „Dd vdeno dei 
funghi" (Ib. Vol. 243, 1878) — „DdV awe- 
lenamento coi preparati di zinco" (Ib. Vol. 
247, 1879) — „Intomo alla diffusione deüa 
tisichezza polmonare''^ (Atti dell* Istituto 
Veneto 1867). 

Corrigan, Slr Dominlc John, 
zu Dublin, berühmter- irischer Arzt, war 
1. Dezember 1802 daselbst geb., studierte 
dort unter der Leitung von O'Kklly und 
darauf in G^emeinschaft mit seinem be- 
rühmten Land «manne W. Stokes in Edin- 
bürg, wo beide 1825 Doktoren wurden. 
Nachdem er sich in Dublin niedergelassen, 
wurde er nacheinander Dozent der Me- 
dizin an den Schulen in Digges Street, 
Peter Street und des Kichmond Hospital, 
sowie um 1830 Arzt des Jervis Street 
Hospital, in welchem er, trotzdem ihm 
nur sechs Betten zu (jl^bote standen, eine 
Keihe von berühmt gewordenen Unter- 
Buchungen über die Symptomatologie der 
Herzkrankheiten anstellte, die er in der 
Lancet (1829), in Johnson's Med.-Ohir, 
Review (1830), im Dubb'n Journal of Med. 
Sc (1832, 1836, 1838), im Edinb. Med. 



and. Surg. Joum. (1832) veröffentlichte 
und unter denen sich namentlich Unter- 
suchungen Über die von Troussbau >als 
^(yOBRiOAN's Krankheit^ bezeichnete Aorten- 
Insufficienz befinden ; auch die Benennung 
„CoBWOAN'scher Puls^ datiert aus dieser 
Zeit her. 1840 wurde er Physician der 
Whitworth and Hardwicke Hospitals und 
erhielt damit ein weites Feld für seine 
klinische Thätigkeit. Er publizierte nach 
dieser Zeit, zusammen mit Harrison: „06- 
servations on a draft bill for the regula* 
tion and support of medical charüies in 
Irdand** (Ib. 1842) — „On famine and 
fever a cause and e/fed in Jrdand etc." 
(Ib. 1846) und seine berühmten „Ledures 
on the nature and treatment of fever" (Dub- 
lin 1853). 1849 hatte ihm die Dubliner 
Universität den Ehren-Doktor-Titel ver- 
liehen, 1850 wurde er bei der Gründung 
der Queen's University Mitglied von de- 
ren Senat, 1871 Vize-Kanzler derselben 
und war seit 1859 ihr Vertreter im Me- 
dical OounciL 1856 zum Mitglied des 
King and Queen's CoUege of Physicians 
ernannt, wurde er fünfmal hintereinan- 
der (1859 bis 64) zum Präsidenten des- 
selben erwählt; auch war er Präsident 
der 1838 von ihm mitgegründeten Pa- 
thological Society und wurde, 1866 durch 
den Baronets- Titel ausgezeichnet, 1875 
erster Präsident der Pharmaceutical So- 
ciety. C. starb am 1. Februar 1880. 

Cortl) Marquis Alf onso, ein geb. 
Italiener , hat in Wien ausgangs der Vier- 
ziger Jahre studiert und seinen Namen 
mit der Histologie der Gehörwerkzeuge 
durch das nach ihm benannte „CoKn'sche 
Organ" für immer verknüpft. Die be- 
treffende Abhandlung — der Zeitfolge nach 
die dritte unter den vier von ihm überhaupt 
verfassten Arbeiten — führt den Titel : „Be^ 
cherches sur Vorgane de Vouie des mammi' 
f^res" und ist publiziert in der Zeitschrift 
für wissenschaftliche Zoologie 1851 . Eben- 
da (Jahrg. 1854) erschienen die ^iTü- 
stologischen Untersuchungen, angestellt an 
einem Elephanten". Die früheste Arbeit 
C.'s war „De systemate vasorum psammo- 
sauri grisei" (Wien 1847), dann „Beitrag 
zur Anatomie der Bdina" (Müller's Archiv 
1850. Es war ihm gelungen, die Nerven- 
fasern und Ganglienkugeln der Betina be- 
sonders schön zu isolieren und den Zu- 



Coulsijn — Crainer. 



354 



sammeahang inaltlpoliiror GanglienKellen 
mit Nen^enfaHern in der RetLno festzii- 
stellen^ wie es kurz vorher Leuckart und 
K. Wag?vbr vom mensehlichen (lehim be- 
J«ch rieben hatten). — Weifjere» ist Über 
Lebenslang und Leistungen absolut nicht 
zn ermitteln gewesen, 

COUlSOn, Walter John, studierte 
am St, Mary*a Hospital bis 1857 und 
wurde P. E, C, S. Engl 1860, Kr wirkte 

LlSngere Zeit als Cliirurg am St. Peter *s- 
und am Lock Hospital in höherer St-ellung 
und st-arb 30. August 1889. Seine 

I Arbeiten l>eziehen sit'h auf Stt/'iti- und 
Blasenkrankheiten^ worunter „Sione m (he 
bladder, iU ^revention etc,'* hervorzuiiehen. 
Von seines Vaters „O» diseases of thebladder 
and prostate" liesorgteerdle 6. Auflage. Au8- 
86 rdem sclmeb er einen „ I^saÜse oh sypfiüü *' . 

C0Z6f Leon, als Sohn von Jean 
Baptiste Rozier C. in Strussburg 1819 
geb., studierte daselbst und iu Paris, wurde 
1842 m Strassburg J)r, und erkielt 18^ 
die Professur der Arzneimittellehre da- 
selbst, die er 1870 mit der gleichen Stel- 
lung in Nancy ^vertauschte. In den letz- 
ten Jahren emeritiert^ starb C. 15. 
Oktober 1896. Von seinen Schriften sind 
zu neimen die 1853 verfasste Konkurs- 
Theoe: „Hiatoire naturelle et pharmacola^ 
gique des medicaments narcotiques foumis 
Itar le rrgtte vegHal^ (4. av. 3 pl) und „ Rc- 
chcrches cliniques et expenmentales Kur len 
malmiits infectienses Mudiees specialemad 
au paint äü mie de VHat du sang^ et de la 
pffsencc des fermctits^ (Paris 1872^ av. 6 
pL color.), ferner die zusammen mit V. 
Feltz ül>er denselben Gegenstand heraus- 
^ gegebenen 4M<''m<»ires<das letzte 1879jin Ver- 
bindung mit SiUüS : .Jhrherct^es . . »tir l'ac- 
/Ü>N . . efw muguft (con- xmllaria majalis) et de 
lu diyütüe'' (Bull. gen. de ther 1883). 

Cramer, Antonie, 1822 zu Win- 
schotcn geb,, studierte an der Uni- 
versität Groningen und |>romovierte da- 
selbst 1844 mit einer Dissertation: ^,JJe 
morbo Brightii'^ Mitglied der Bedaktinn 
der „Tijdschrift der Nederl. Maatschappij 
tot bevordering der geneeskunde", lieferte 
C. in deren erstem Jahrgang (1850) eine 
sehr interoBsazLte Abhandlung über „Asth- 
Gl eonvulsivtim adultorum'* und begann 



1851 seine „Mitthdlungen aas dem Gebiete 
der Ophthalmotügie-' zu liefern, in denen 
er die Lage der Iris und das Orthoskop 
von CzKRMAK behandelte. Der ,.Hoüaud' 
sehe Maatschappij van Wetensehappen^* 
in Haariem sandte er auf eine Preisfrage 
über das Akkommodationsverniogen der 
Augen eine doppelt gekrönte Arbeit ein, 
in welcher er mit liecht sagen könnt«: 
,, W\i zijn den exjwrim^eleti weg gevoigd 
en hebben resuUateii verkregefi waar doar 
de leer ran htt accomodatievermogen uit de 
rij der hypothetische beschouteingeri tot eene 
positieve weti^nsehap is opgevoerd^K Stell* 
WAO voK C AH JON schrieb bei C.'s, im 32. 
Lebensjahre, im Januar 1855 erfolgten 
Tode demselben einen Platz in der ersten 
Reihe der Männer, welche sich um die 
Ophtlialm**lugt«- verdit^nt geuia»dit haben^ 
zu und stellte C.'s Ophthalmoskop nel>en 
da^ von Hkj.mholtz. 

Cram6r, U e l n r i c h, Psychiater, zu 
Montabaur fCant. Solotliurn} 17. Dezem- 
ber 1831 geb., studierte in München, 
\Vürzburg, Prag, Wien, Zürich bis zu 
seiner 1860 erfolgten Piximotion. Seit 1860 
approbiert, fungierte er nls Assistent an 
den In'enanstalten Pickberg und St, Pir- 
rningsberg; als Direktor der Anstalten zw 




Solothuni, Coln und Marburg. Seit 1877 
lehrte er hier als Professor der Psychm- 
trie und starb als Direktor der Mar- 
burger Irrenanstalt u. Geh. Med.-Kat 16. 
August 18i#3, Er igt Verf, einer Beihe 
organisatorischer und klinischer Arbeiten, 

12 



356 



Oramer — Cred6. 



356 



die zumeist in der Allg. ZeitBchr. f. Psy- 
chiatrie erschienen sind. 

CrdII16r, August, in Göttingen, als 
Sohn des Vorigen, geb. in St. Pirminsberg, 
Kanton St. Gallen, 10. Nosr. 1860, studierte in 
Marburg (unter seinem Vater) und in Frei- 
burg, Dr. med. 1887 (approbiert 1886), ha- 
bilitierte sich 1895 für Psychiatrie in 
G<)ttingen, nachdem er als Assistenzarzt 
an den psychiatr. Kliniken von Marburg 
und Freiburg und seit 1889 als zweiter 
Arzt in der Landirrenanstalt zu Ebers- 
walde fungiert hatte und wurde 1897 
zum Prof. ernannt. Gegenwärtig Ober- 
arzt und vertretender Direktor an der 
Provinzial - Irrenanstalt und psychiatr. 
Klinik in Gx)tt Ingen, schrieb er folgende 
Monographien: „Die HaUucinatiofien im 
MuskeUinn bei Geisteskranken'' (Freib. 1897) 

— „Beiträge zur feinen Anatomie der Me- 
duäa obUmgata und Brücke" (Jena 1894) 

— „Gerichtliche Psychiatrie für Mediciner 
und Juristen" (Jena 1897), dazu etwa2ö Auf- 
sätze über psychiatrisch-klinische Themata, 
Himpathologie, pathologische und normale 
Anatomie des Zentralnervensystems etc. 

CrdJnOr, Moritz Eduard, in Hei- 
delberg, fids Brüder des Vorigen 1863 
zu Solothum geb., studierte 1883 bis 88 
in Marburg, wurde daselbst 1888 Dr. med., 
dann Assistent am hygien. Institut (da- 
mals unter Rübnkr), arbeitete hierauf eine 
Zeit lang am Berliner Hygiene-Institut 
unter Koch und Pfbiffer, siedelte 1892 
nach Heidelberg über, wo er sich für 
Hygiene habilitierte und 1896 zum Extra- 
ordinarius ernannt wurde. C. veröffent- 
lichte zahlreiche Abhandlungen zur Bak- 
teriologie, sowie physikalisch-chemische 
Forschungen zur Hygiene, hauptsächlich 
im Archiv f. Hygiene, u. a. Untersuchungen 
über die Beziehung der Kleidung zur 
Hautthätigkeit , über die Messung der 
Sonnenstrahlung in hygienischer Hinsicht, 
über den Einfluss der Sonnenstrahlen auf 
Stoffwechsel, Wärmebüdung und Wasser- 
abgabe bei Thieren (zus. mit Rübxer) 
über die Verbrennungswärme der gebräuch- 
lichsten Beleuchtungsmaterialien und über 
Luftverderbnis durch Beleuchtung u. a. m. 

CraWford, Slr Thomas, ehe- 
maliger Greneralstabsarzt der englischen 



Armee, geb. 1824 in Nord-Irland, stu- 
dierte in Edinburg, wo er Dr. wurde und» 
später die Ehren-Dr.- Würde der Rechte 
erhielt, trat 1843 als Assistant Surgeon 
in die Armee ein, machte 1862 bis 53 
den Birmanischen und 1856 den Krim- 
krieg mit, war Surgeon-G^eneral in Ma- 
dras, wurde 1882 zum Director-G^neral 
(Generalstabsarzt), 1886 zu ein^m der 
Ehrenchirurgen der Königin ernannt, nahm 
1889 seinen Abschied und starb 12. Ok- 
tober 1895. C. war ein in seiner hervor- 
ragenden Stellung durchaus würdiger und 
allseitig als tüchtig anerkannter Militär- 
arzt, hat jedoch, wie es scheint, litte- 
rarische Leistungen nicht aufzuweisen. 

Cred6, Vater und Sohn. — Karl 
S i e g m u n d F r a n z, G^buii»helf er zu Leip- 
zig, ist 23. Dezember 1819 zu Berlin geb., 
studierte von 1838 an zu Berlin und Hei- 
delberg Medizin, erwarb 1842 in Berlin 
den Doktorgrad, imternahm darauf eine 
grössere wissenschaftliche Reise, war von 
1843 bis 48 Assistenzarzt in der unter 
Bosch's Leitung stehenden Berliner ge- 
burtshilflichen Klinik, habilitierte sich 
1860 als Privatdozent für Geburtshilfe an 
der Universität und wurde 1852 zum Di- 




rektor der Berliner Hebammenschule imd 
zum dirigierenden Arzte der Gebärab- 
teilung, sowie einer von ihm begründeten 
gynäkologischen Abteilung der Cliarite 
ernannt. Sein in diese Zeit fallendes 
Hauptwerk ist: „Klinische Vorträge über 



S57 



Crede. 



3ßS 



Geburtihüftf {2 Bde,, Berlin 1853 hiä 54). 
Im Herbst 1856 folgte ^r einem Uiife als 
Prof, ord. der Geburtshilfe und Direktor 
der Eutbindungsimstalt und Hebammen - 
schule nach Leipiti^* woselbst er naeh 
seinem Amtsantritt^^ eine geburtöbiltiirlie 
und gynäkologische Poliklinik gTiindet-e 
nnd auch eine Abt-eilnn^ für Frauen- 
knuikheit^n in der CrebÜranstÄlt einrich- 
tete, 1860 erhielt er den Titel als Hof- 
rat, 1870 den als Geb. Mediziualrat, C, 
der am 14. Mära 1892 starb, jyrebört zu 
den anerkannt hervorragenden Männern 
seines Faches. In seiner Wissenschaft 
hat er sich Imuptsächlich durch zwei 
Neuerungen einen Namen gesichert ^ ein- 
mal durch das bekannte, 1860 publizierte 
Verfahren zur Exprn«öion der Placenta 
und dann durch die gegenwärtig allge- 
mein adoptierte prophylaktische Mass- 
nahme der Argentum nitrirnm - Ein- 
träufelung gegen Blemiorrhoea neona- 
torum. C. war ein ausgezeiclijiet-er Leih- 
rer, ein tüchtiger Organisator, der sich 
um die Hebung des geburtshilflichen Un- 
terrichts, sowohl in Berlin jschon, wie 
ganz besonders spater in Leipzig grosse 
Verdienste erworben hat. Ausser dem 
genannten Werke und ausser akade- 
mischen Gelegenheitssckriften veröffent- 
lichte er eine grosse Anzahl von Ab- 
handlungen über einzelne Gegenstände 
seiner Wissenschaft In den Verhandlungen 
der Gesellschaft für Geburtshilfe in Ber- 
lin, der Neuen Zeitschrift für Geburts- 
kunde, der Monat.sschrift für Geburts- 
kunde nnd Frauenkrankheiten, im Archiv 
für Gynäkologie und anderen Zeitschrif- 
ten. Von 1863 biij 09 redigierte er die 
Monatsschrift für Geburtskunde, von 1870 
ab das Archiv für Gynäkologie. Das im 
Königreich Sachsen amtlich eingeführte^ 
von GaEysER verfasste ,, Lehrbuch der Beb- 
ammenkuitsy wurde von ilun und Win- 
ciCÄL (3, Aufl.» LeijÄig 1882) neu bearbei- 
tet. Im Einzelnen seien noch folgende 
Schriftentitel angeführt: ^De omphali 
proplo»i'* (DiSÄi., Berlin 1842) — „Dit 
prtuMsUchen H^bammtn> ihre Steliung zum 
Staat md zur Geburfshilfe" (1856) — ^De 
foetuB in utero mutÜatione filis tmfnbranis- 
qm pathologiok effecta'^ (1858) — „De 
Uprima in partu nafuro^t placenfam amo* 
vendi rathne'' (IHöO) — ,fOb§ervaHüne9 
ttonnullae de foetm situ inter gravidÜaJtem** 



(1862/63) -- ^Die Verhütung der Augen- 
I mäeündung der Neugeborenen*^ (1884) n.s. \\ . 

] — Sein Sohn, Benno C, zu »Bres- 

den, ist 1. Septemln^r 1847 zu BerUn geb., 

I erhielt seine medizinische Ausbildung auf 
den Universitiiten Leipzig und Zürich, 
wurde 1870 in »Leipzig Doktor, machte 
den Feldzug von 1870/71 mit, unternahm 
darauf eine einjührige wissenscbaftlicb© 
Reise, war 3 Jahre lang Assistent an der 
Leipziger chirurgischen Klinik, so\^ie Mi- 
litärarzt m der sach^iischen Armee* 1877 
liess er sich in Dresden als Clxlrurg nie- 
der, 1881 verUess er den Militärdienst^ 
\%Tjrde aber 1896 als Oberstabsarzt wieder 
a ia suite gestellt, um 1897 zum öeueral- 
oberanrt. ernannt*' zu werden. Nachdem 
er von 1879 bis 92 eine Privatkliiiik ge- 
leitet hatte, wurde er in diesem Jalire 
z\mi Oberarzte der chirurgischen Station 
des Carolahauses in Dresden und 1897 
zum Chefarzt demselben ernannt. Von 
seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind 
anzuführen: Die Aufsätze über den Tor- 
nister der englischen Armee (D. mi. Z. 
1873)^ Über die Ventilation u. s. w, des 
Farlament^gebäudes (Deutsche Zeitschr. 
für öffentl. Gesundheit.sk. 1874), über Jute 
und Borsäure als Verbantimittel (B. k. W. 
1875, [17) — ^Eitiiges übe*' Fieber nach 
antUeptischen OpenUiotien*' {Cbl, f. Ch. 
1877) — „Über chirurgUche Be/tandiung 
der Lithiasis dei* Niere" (D, Ztachr. 
t p. Med. 1878), ferner Über Total- 
Exstirpation des Uterus , der Milz, 
des Kropfes, eine Nephrectomje wegen 
Ureter- Ütemsüstel, Dehnung des 3. Tri- 
getninusastes an der Schädel bjiäis (im 
Centralbl. für Chir. 1878, Archiv für Gy- 
näkoL 1879, 80, 83, Archiv für kUn. Chh 
1882, Verhandl. der Deutschen Gesellsch. 
für Chir. 1880, 84) u. s, w. 1895 ver- 
öffentlichte er in der B. kl. W, eine Arbeit 
über „Heilgymnastik in Kraitkenftäu^ern" und 
von 1896 an eine ganze Reihe Aufsätze ülier 
den Weil: des SÜbers und seiner^ Salze 
als Antiseptika. Die wichtigsten hiervon 
sind: „Silber und SUbersalie al» AfUisep- 
tica" (Leipzig 1896) — „Die Wunäbelhand- 
lung im Kriege"" (B. mi. Z. 1897) — ^Sil- 
ber aU äusseres und inneres AnÜMpticum'^ 
(Vortr. geh. Moskau 1897. Arch* f. klin. 
Ohü-. LV) ~ „Löslichts Silber als Hett- 
mUteV iKlin. -therap. W. Wien 1898), 

V4% 



359 



Critchett — Curschmann. 



360 



CritChetty George, zu London, 
berühmter Ophthalmolog, 1817 zn Higli- 
gate geb., war ein Tiöglmg des London 
Hospital, wurde 1839 anatomischer Pro- 
sektor und später Surgeon bei demselben, 
und trat fast vom Anfange seiner Lauf- 
bahn an mit dem London Ophthalmie 
Hospital in Verbindung, nacheinander 
als Assistant-Surgeon, Surgeon und Con- 
sulting Surgeon. 1870 wurde er Mitglied 
des Council des College of Surgeons, war 
Vize-Präsident der Ophthalmological So- 
ciety und einige Jahre Ophthalmie Siu:- 
geon beim Middlesex Hospital. Er war 
besonders als sehr geschickter Augenope- 
rateur bekannt und hat einige wertvolle 
neue Methoden in die Praxis eingeführt, 
so die Lridodesis und die in England ge- 
bräuchliche Methode der Enucleation des 
Auges. Unter seinen nicht sehr zahl- 
reichen litterarischen Leistimgen sind an- 
zuführen seine in der Lancet (1864) ver- 
öffentlichten „Lectures on the diseases of 
the eye", ein Pamphlet: „Operation for 
Strabismus by the subconjunctival nidhod^'', 
eine gehaltreiche Abhandlung über Line- 
arextraktion der Kataract (1864) und ein 
Aufsatz über die Behandlung der ober- 
flächlichen Äffektionen des Auges (1873). 
Sein Tod erfolgte 1. November 1882. 

CrOCQ, Jean, zu Brüssel 23. Januar 
1824 geb., auf dem Aachener Gymnasium 
vorgebildet, studierte Med. in Gtent und 
erlangte in Brüssel mit einer so vorzüg- 
lichen Note die Doktorwürde (Diss. : 
„lÜudes sur les fradures des jambes")^ 
dass er auf Staatskosten zur weiteren 
Ausbildung nach Berlin, Wien und Paris 
geschickt wurde. Nach der Rückkehr er- 
langte er 1855 eine ordentl. Professur der 
Medizin in Brüssel, auch wurde er zum 
Mitglied der Akademie gewählt. Er blieb 
dann Universitätsprofessor zu Brüssel, 
Leiter der inneren Klinik am dortigen 
Hospital St. Jean bis zu seinem infolge 
von Apoplexie 20. September 1898 er- 
folgten Ableben. C. genoss ein grosses 
Ansehen bei seinen Landsleuten wie im 
Auslande. Er war Mitglied des belgischen 
Senates, Vorsitzender mehrerer belgischer 
und Mitglied sehr vieler ausländischer 
Geselkchaften. Seine Arbeiten beziehen 
sich teils — wie die über Frakturen (1849), 
Tumor albus (1863), Behandlung der Ge- 



lenkleiden( 1 856), Ab8c«ssbehandlung( 1873), 
sämtlich in Brüssel erschienen — mehr 
auf chirurgische Themata, teils auch auf 
solche der Veterinärmedizin, so z. B. : „De 
la percussion et de VauscuUationy appliquees 
aux maiadies de poitrine du cheval" (Brüs- 
sel 1851), über epizootische Pleuropneu- 
monien (1856 bis 57) et<!. — und der in- 
neren Klinik (über Typhus 1849, An- 
wendung df^s Silbemitrats 1858, Lungen- 
anthrakoso 1862, metastatische Parotiti- 
den 1874 ete.) Auch erschienen von ihm: 
„Compte rendu general des travaux etc. 
(1841—06)" (Brüssel 1867 und Brüssel 
1875): ^^ Louise Lateau devant la physi)- 
hgie et la pathologie". Das Buch C.'s 
über Frakturen wurde von Burgrr, das 
über die Auskultation und Perkussion 
beim Pferde von Kreutzer deutsch her- 
ausgegeben. Ein gi'osser Teil von C.'s 
Arbeiten wiu*de preisgekrönt. C. war 
femer der Begründer von „La presse me- 
dicale beige", für die er selbst zahlreiche 
Beiträge lieferte, femer gründete er die 
Gesellschaft für anatomische Pathologie, 
war Vorsitzender der Soc. med. belgique 
etc. Als Diagnostiker erfreute er sich 
eines solchen Bufes, dass seine Diagnosen 
fast für unfehlbar gehalten wurden. 

CupplCSf George, in San Antonio, 
Texas, geb. 1815. war ia36 bis 38 Schiffs- 
chirurg in der spanischen Marine, stu- 
dierte dann in Edinburg und Paris bis 
1843, Hess sich hierauf in San Antonio 
nieder und machte sowohl den Mexika- 
nischen wie den Amerikanischen Krieg 
in der Kon f(Vderierten- Armee mit. C. war 
1874 und 1878 Präsident der State Med. 
Association, führte in Texas die Anä- 
sthetika ein. machte als erster in den 
Vereinigten Staaten die Zungen-Exstir- 
pation nach Nünneley, eine Ovariotomie 
bei einem 8jährigen Kinde, die Exstir- 
pation von Uterus und Ovarien nach 
Frbund und war auch der erste, der in 
Texas eine Hüft- und Kniegelenks-Exar- 
tikulation mit Erfolg ausführte. Hoch 
angesehen als Arzt wie als Chirurg starb 
C. 19. April 1895. 

Curschmann, Heinrich, geb. zu 
Giessen, 28. Juni 1846, studierte da^ 
selbst von 1863 bis 68 unter Leukart, 
Eckhard, E. Sbitz. Hierauf drei Jahre 



Assistent des R*H•lu^.sspital^ /m Mainj^ ge- 
wesen, siedelte er 1H71 ha*'Ii U^^rlin üU*i% 
wo er ^ich Ues«)nder?i an Tit^i mk aii»chloss 
lind sich 1875 liabilitiei-ti*. Int Juli 1875 
wurdf» er zum dirigiei-endni Ar/,rdesstädt. 
KraiikenliaiuHes Mualut m lifrlin emauiit 
und irii Mai 1879 narli Hüui^ur;;: bi'nifeju 
wo er bis zunj Horbst 18HH jjs T)iit*ktor 
der StaatÄkrankenhäuser \v irkt*\ In jener 
Zeit ward nach seinen Ktitwrirfeu nud 
unter sieiuer Tjoitun^ das N«iih AHgemeine 
Krankenhan^ H3irnburfjj-E|ijH'iidorf erbaut 
nnd einireni'htet. Am K *>kif>her 1H88 
folgte er einem Huf als PniL iiiid I>ii\'k- 
ior der medizin. Klinik na« b l/npzig, in 
welcher Srellung er zur Z*'it ivnch tbütii? 
ist. S«'hrift4>n (abgesehen v«*ii denen ka- 
suistischen Inhalts): ,,Zur Hlstotoyk den 
Mu^chnai/nts dtr Vligef' \/.rs*'bi, 
f. w issi5n Schaft l. Zoologie. 
1866.1 — „Bdträge zf^ 
Phytfkdogic und Pathologe 
der hlfinhfnisrhftikel^* 
((Tiessen 1868, zweite 
MittB. im D. Avi^b. f. 
klin. Med. XIII} - 
J^ber daa VtrhältniHg 
derHalbcirki'Ua nält des 
OhHabgrinth^ zum Kot- 
pergie leUgaricht " i Deut- 
ßche Klinik 1874 Ko. H 
Arch. f. Psych, nntl 
Nerven k rank h, 1874) 
— ^Uber DiaduMt der 
Mu9c. rrtti abdomJ' 
tB.k.W 1878)^ ,J7/er 
^ da» Verh'dten des Mcthijl- 
ymn zu rtmyloid degenfrirtrn 
Gewfhai" (VtRcH. Areh . LXXIX) — 
,J^bcr Kfiff'eehdoxlratiofi' ( hfiiij5«'he Kli- 
I nik 1873) — „r6er die theraprnt. Wirkung 
^Ur9 Cafftin'' (D. m. W. Jl*85l .M^' 

iHhcurpin, muriativufir ^B. k. W. 1877) 
I — ^Vöer Loccdbehftndlnng der putriden 
Bronchial' u. {Mngcnafftvthnen'^ (ib. 1879 ^ 
,— ^^tber EroHchioHtiM »r^^^/f/im tutd 
IfAr VethäitHisa inm Asfhrtw brot^chhüe" 
[(Deut^h- Art-h. f. klin. Med, Bd, 32 n. 36) 
^X^ber Brmu'JiinlaMthna^' {\U^U'i'»,t: Coiigr. 
|1 innere Med. 1885) — ,^Üh«^* pneumobid- 
}bärtti Afthma (üegen tTEKMJHV Skic; D. m. 
W. 1886) ^ ,,Die HeilharkcU dtr Tuber- 
\i'%do$t^^ (Congr. f. Bek, der Tnljerc. Berlin 
9) — ^X^ber pftgiftittche HantfUtoftHte{Iihidrn- 
\ianopttiet* (Verhandl <b»r jigyehiatj*. 



(Tesetlsi*h, 1J^79 uml Verhandl. d» C'ongr, 
f. innere Med» 1887) — .Jhrjtc^ Zoster und 
mtdfipieNt'uritiJ>i^' (mit EtSENi.oHR; Beutsi-h, 
Arrb. 1 kl. Med. 1884) - „Dk Vi-r- 
dtidernngrn thr ausneteii Haut bei Matittgif. 
tcrvhroapiHalr (IX m. W. 1883) — ..Bern, 
iibvr dilti Verbdifen di'H CcntralntirvaiHyMems 
bei attii\ Ittf&^itmskraidihf.den^^ (Verhatull, 
j d. Kongr. /". innere Med. 1886j — ,,Üher 
j LipmitidnHiH perimuHc^daru Cfrtntmscriptn'* 
{Suivina's Jalirk 1889) — ^Jlttr clm f'es. 
Form von ftfitH'ielfgt'r yiuslaictdarttnig" 
(M. m. W. 1897) ^ ,,Ztir Mtrt rom Ffft- 
het'^'^ (Deutsch. Arcb. f* klin» Med. XII j 
— ^Mi^ Scicrosf äff Brtu^taorta rifc/* — 
. , Ht' rzngpii HtH*'^ — „ Seh trirt ige Pa ranephrit ift 
bf'i Frhraiik, der Aorfenklnppen^' - ^,Lo- 
ealittfdioH dfs nysttd. GerdutühtH bei Mi- 
f t a IkliippenfMcni*' — ,, Be^seru n gs- 
und HctluugHVorgänge bei An- 
trgstnen der BrUHtaorfa*' 
tSMuitl. in Arbeiten aus der 
Med, Klinik zu T>eipzig. 
1893} — ff Zur Hiteha- 
nim'hm BeJiandtung der 
HauhranHersucM" (Tli. 
M,-1L Mutz 1891) - 
„Zur Lehre voui truti- 
sitfd iitchen Lebern bseeSn ' " 
fDeut«cJi. Klinik 1B74) 
— ff Life r PerihepütitiH 
chron. hyperphif^irtt 
( Zucker guHsi eher f ( D. 
m. W. 1884) — „Über 
eine eigenartige Form 
etm itehrdhiftuder Ht- 
patifiii*^ (Deutsch, Arch. 
f. klin. Med. Bd, 64) 
,.BeAutt*lL dett Heus,'* (D. m. W. 1887 
und Verhandl. des Kongr. t innere 
Med. 1889) - ,,Zur ktiu, Topographie den 
Dirkdftnm'' (D. An-h. f. klin. Med. Bd, 53) 
- „öaM und Ein rieht »mg r^m Krimken- 
/<y/«jw>rw" (Kongr. f. öffentl. (iesundbeitsj^ri. 
1888) -- ^Jhis (irue allgemeine Krankenh. 
zu Hamburg-Eppendort ^*' (zus. mit Dbkeke 
Bramischweig 1895), — Grossere Werke 
und Mi>ii*:ijLcriipliien : ^Klinische Ab- 
bUdnngen mil Trjrt- (Berlin 1894) — .,X>*> 
Poekcn*' " ..Fleckfieber"' — ,,Die fundio- 
udlen Störungen der miinntichen Gent- 
lalicn" (in v. Zieusskn^s Handbuch» — ^^Dcr 
Vtderleib«^gphH»'' (Notbnaqrl's Handbuch 
1898^ 



363 



Cnsco — Czaplewski. 



364 



CUSCO, Edonard Gabriel, inParis, 
geb. 1819, wurde 1843 Interne, 1846 ana- 
' tomischer Grebilfe, 1847 Prosektor nnd 
1848Ho8pitalchinirg, 1881 Mitgl. d. Akad. 
der Med., 1882 Chimrgien honoraire des 
li6pitanx. Grestorben im April 1894, hat 
sich C. dadurch ein grosses Verdienst er- 
worben, dass auf seine Initiative Lehr- 
stühle für Augenheilkunde und Geschichte 
der Med. gegriindet wurden. Auch war 
er Erfinder verschiedener Apparate und 
Verf. zahlreicher Schriften über verschie- 
dene Kapitel der Syphilidologie und Gy- 
näkologie, 

CUZZl, Alessandro, Professor und 
Direktor der geburtshilflich-gynäkol. Kli- 
nik in Pavia, geb. 1860, war Zögling der 
Schulen von Turin und Mailand, war seit 
seinem 28. Lebensjahre successive Pro- 
fessor der Kliniken von Modena und Ca- 
tania und seit 1883 in gleicher Eigen- 
schaft in Pavia thätig, wo er erst 46 
Jahr alt 4. Januar 1896 starb. C. stand 
an der Spitze der modernen ital. Geburts- 
hilfe und hat zalüreiche Arbeiten veröf- 
fentlicht, auch ein unvollendet gebliebe- 
nes Lehrbuch der Geburtshilfe im Manu- 
script hinterlassen. 

Cyon, Ehe von, geb. 26. März 1843 
zu Telsch (Gouv. Kowno), studierte auf 
der medizinischen Akademie von War- 
schau 1868, auf der Universität Kiew 1869 
bis 62, in Berlin 1862 bis 64 und promo- 
vierte hier 1864 imd in Petersburg 1866. 
Von der Pariser medizinischen Fakultöt 
erhielt er 1878 das Doktordiplom. Als 
Dozent für Anatomie und Physiologie an 
der physikalisch-mathematischen Fakul- 
tät in St. Petersburg wirkte C. 1868, als 
ausserordentlicher Professor an derselben 
Fakultät 1870. 1872 zum ordentlichen 
Professor der medizinischen Akademie in 
St. Petersburg ernannt, erhielt er die Auf- 
gabe, diese Akademie, welche der Herd der 
nihilistischen Umtriebe war, zu reorgani- 
sieren, demissionierte j edoch 1877, als er sich 
von der Kegierung nicht genügend unter- 
stütztsah. 1877 wurde er vom Kaiser Alexan- 
der IT. zum wirklichen Staatsrat ernannt, 
erhielt den erblichen Adel und folgte in 
demselben Jahre einem Hufe Cl. Bbrnard's 
nach Paris, wo er sich niedergelassen und 
naturalisiert hat. Schriften: ..Die Lehre 



von der Tabes dorsualis*' (Berlin 1867) — 
„Principea cPUeärothh'apie'' (Paris 1873; 
preisgekrönt mit der goldenen Medaille 
1870 von der Pariser Akad. der Wissensch.) 

— .fLehrbuch der Physiologie^' (2 Bde., 
Petersburg 1873; russisch) — ..Arbeiten 
der physiologischen Laboratorien in 8t. 
Fetersburg** (1875; russisch) — „Mähodik 
der physiologischen Experimente und Vivi- 
sedionen'* (mit Atlas, Giessen 1876) — 
^jRecherches swr les fonctions des canaux 
semicircidaires et la formation de la notion 
de Vespace" (Paris 1878) — „Wissenschaft- 
liehe Unterhaltungen'^ (russisch, Peters- 
burg 1870). Zahlreiche Memoiren und 
Abhandlungen in den Berichten verschie- 
dener Akademien und in den Archiven 

von ViRCHOW, DU BOIS-B-EYMOND, PPLÜOBR 

und VuLPiAN, von denen die wichtigsten 
betreffen die Entdeckung des N. depressor, 
des N. acceleratorius und der vasomo- 
torischen Funktionen der Splanchnici 
(MoNTHTON'scher Preis fürl867), Entdeckung 
der fettstoffbildenden Funktion der Leber, 
der Nervenendigungen des Peritoneums, 
der Fortpflanzungsgeschwindigkeit im 
Rückenmark etc. 

Czaplewski, Eugen, InKalna. Eh., 
geb. 17. Nov. 1866 zu Königsberg i. P., 
studierte in Königsberg i. Pr. (vorüber- 
gehend in München), hauptsächlich als 
Schüler v. v. Baumgarteu, Königsberg (jetzt 
Tübingen), wurde Dr. med. 1889 in Kö- 
nigsberg i. Pr., wirkt seit l. Oktober 
1899 als Vorstand des bakteriolog. Labo- 
ratoriums der Stadt Köln und seit August 
1897 als Direktor desselben im Augusta- 
Hospital zu Cöln. Schriften: .^ Unter' 
sudiungen über die Immunität der Tauben 
gegen Milzbrand''' (Inaug-, Diss., Königs- 
berg 1889) — yZur Anlage bakteriolo- 
gischer Museen'' (Cbl. f. Bakteriol. etc. VE, 
1889) — „Zur Sputumunt er suchung" (Mitt. 
a. Brehmer's Heilanstalt etc. N. F. 1891) 

— ^^Zum Nachweis der Tuberkdbacillen im 
Sputum'' (Cbl. f. B. Vm 1890) — „Die 
Untersuchung des Auswurfs auf Tuberkel- 
baciUen'' (Jena 1891) — „Weitere Unter- 
suchungen über die Immunität der Tauhen 
gegen Milzbrand'^ (Ztschr. f. Hygiene XII 
1892) — „ Versuche mit einem neuen Apparat 
zur Darstellung künstlicher Mineralwässer** 
(Hyg. Kundsch. 1896) — „Ein neuer mi- 
krophotographisclier Apparat'* (Ztschr. f. 



S65 



Czempiii — Czeriii»k, 



«MIO 



wiseenscb. Med. XHI 1896» — „Übereinen 
aug einem Lej^afaU gezüchteten alkahol^ 
und säurefesten BacÜlm aus der Tuberkel- 
hacUlenffruppe** (CbL f. Bakt. XXin. 1898) 
— „Bucteriol. Untermchungen bei Keuch- 
Aw«f<jn" (D. m. W. 1898; - „2ur Frage 
der hei EeuchhuMen heschriebentit Polbac- 
terieti*' (Chi t Bakt, Bd. XXIV 1898j — 
f^Vber Wohnung^desinfedmi mü Formalde- 
hyd'* ^Vortr,; 70. Naturforscher-Vers. z. Düs- 
seldorf, 8ept, 1898). — Dazu nocli verschie- 
dene Pubhkationen im Verein mit F, Ro- 
Lorr. Hr.vskl und Väksklow, wie auch allein, 

CzCmpillt Alexander, in Berliji, 
dagelhst 1861 geb. und unter C, Schboeüeb 
und A. Martin ausgebildet. Dn med. 1884, 
war bis 1887 Assistent bei A. Martin und 
wirkt seitdem selbstündig als Frauenarzt, 
seit 1890 als Leiter eine« eigenen Sana- 
toriums, das seit 1899 im eigenen Hause 
C/s sioh befindet und den modernsten 
hygien. Anfordeningen entspricht. Schrif- 
ten: ^fRme des Cervix uteri, ihre Folgen 
und opertUive Behandlung*^ (18H5) — „Über 
die Beziehungen der UteruBschleinttiaut lu 
den Erkrankungen der Adnexe'* — f^Die 
Technik der Chloroform' Narkose" — uLa* 
paroimnieen mit und ohne Dränage" — 
ftBeobachtungen über E3:trauterinschwanger- 
mhüft** — ffÜber Mgoinoperationen*' — 
ffBehandlung des Abortes" — f^Die Ab' 
Wartung der Naehgeburtsperiode*' — „Über 
Dammplastik ohne Lappenbildung" — über 
Pruritus vulvae, über ventrotbcatio etc. C, 
referiert für BoKBNKR-ScuwALßn's Jah^rb. 
und schrieb Artikel für VnxARET*s Hand- 
wörterbuch. 

Czermaki DeraltereC., Joseph, 

zn Prag 26, Nov. 1826 geb. und da- 

aelbst 1848 promoviert^ wirkte als Sekun- 

Ldararzt an der dortigen Irrenanstalt, dann 

als Primararzt zu Brunn ^ wo es seine 

Änfgabe wimie. an Stelle der irrenärzt- 

[liehen Abteilttfig des St. Anna-Kranken- 

liaufies die neue mährische LTenanstalt 

(18153) zu gründen. Er starb 23, Juli 1872 

Lzu Graz, w^ohbi er 1869 als Professor der 

[Psychiatrie und Dij-ektor der Steier- 

[iniirkischen Landesirrenanstalt berufen 

Iworden war. Sein organisatorisches Ta- 

llent fand die grösste Anerkennung, schrift^ 

^•teUerisch dokumentierte es sich in der 

1866 erschienenen Abhandlung: tfl^ie 



I mährische LandesirrenanstaU". Seine klein e- 
( reu — meist statistischen — Spezialar- 
beiten iiuden sich in der „Allg. 2ieitschr. 
für Psychiatrie^^ und in der ,,0e8terreichi- 
sehen Zeitschr. für Heilkunde". — Johann 
Nepomuk. der Jüngere C, geh, 17, Juni 
1828, gest. 17. Sept 1873, ist der bekannte 
Autor der Laiyngosc^pie. Er studiert^e 
in seiner Heiiuatsstadt Prag, dann in 
Wien, Breslau, W'ürzburg, habilitierte sich 
in Prag, nachdem er von giossen Reisen 
zurüokgekelirt war und wurde zuerst Pro- 
fessor der Physiologie in Graz (186öf, da- 
rauf in Krakau (1866), dann in Pest (1858 
bis 60). Er resignierte dort, kehrte nach 
Prag zurück und arbeitete hier privatim 
in seinem eigenen Institut. 186Ö folgte 
er einem Rufe nach Jena, begab sich je- 
doch 1870 nach Leipzig, wo er drei Jahre 
später als ausserordentlicher Honorari>ro* 
fessor Ästarb, nachdem er schon lange 
Jahre an Diabetes mellitus gelitten. C, 
dem ein grosses Erfindungs- und Dar- 
stelJungstalent eigen war, veröffentlichte 
Untersuchungen ^^Zur I'hyHologie des Ge- 
sichtssinnes^^ ( Akkommodation s - Erech ei- 
nungen behandelnd) — „Über den Raum- 
sinn der Haut^'^ bearbeitete in z. T. selir 
origineller Weise auch den Einlluss des 
Nervus Sympathie us auf die Speichelab- 
sonderung, die Fortpdanzujigsgeechwin- 
digkeit der Pulsw^ellen und einige mikro* 
skopisch-histologische Themata. Durch- 
schlagende Resulta.te zu erlangen war 
ilun jedoch nur auf dem Gebiet der La- 
ryngologie vergönnt, wo er dem Kelil- 
kopf Spiegel Gabcia'« als Uniersuchungs- 
instrument Bahn brach. Sein mit allen 
VorTiehtungen zum Experimentieren und 
( Demonstrieren (auch für populäre Dar- 
stellungen) mit grossen Mitteln ausge- 
stattetes Privatlaboratorium in Leipzig 
konnte als ein Muster für solche Institute 
angesehen w*erden. 

Czermak, Wihelm, in Prag, geb. 
1856, studierte In Graz, hauptsächlich 
unter Blowg und Eppkiger, war anfangs 
Assistent, später Sekundararzt an der 
Grazer Universität« • Augenklinik, dann 
in gleicher Eigenschaft unter Fuchs in 
Wien thätig, habilitierte sich daselbst, 
wurde 1892 Prof. imd Direktor der Augen- 
klinik in Innsbruck. 1894 ord. Prof. und 
folgte 189Ö einem Kuf als Nachfolger J. 



367 



Czemy — Czolbe. 



368 



Schwabel's an die deutsche Univ. in Prag, 
wo er Prof. der Augenheilk. und Direk- 
tor der Univ.-Angenklinik ist. C. ver- 
öffentlichte Abhandlangen zur Zonola- 
Frage, Untersuchungen über die Ent- 
stehung des Glaukoms, über den Nach- 
weis blasenartiger Hohlräume in Hom- 
hautnarben, über Vordringen einer Ge- 
fässschlinge in den Glaskörper, über Mi- 
krophthalmus, fadenförmige Hornhaut- 
entzündung, Homhautfisteln, Aufsaugung 
des Altersstaars u. a. m. Selbständig er- 
schienen: ^, Allgemeine Diagnostik und 
Semiotik der äusseren Augenerkrankungen^^ 
— ,,Leit faden der augenärztlichen Opera- 
tionen^^. 

Czemy, Vincenz V., 19. Nov. 1842 
zu Trautenau (Böhmen) geb., studierte 
in Wien, wo er hauptsächlich Assistent 
Billroth's, vorher aber auch Assistent bei 
Arlt und Oppoi zer war. Am 19. Dezember 
1866 erfolgte seine Promotion, Ende 1871 
seine Berufung als Professor der Chirur- 
gie und Direktor der Klinik in Freiburg, 




eine Stellung, die er 1877 mit der gleich- 
namigen in Heidelberg vertauschte. Ei- 
nen Ruf nach Wien 1894 als Nachfolger 



BiLLROTu's lehnte v. C. ab. — C. schrieb 
„Beiträge zur operativen Chirurgie^''' (Stutt- 
gart 1875), sowie über Exstirpation des 
Kehlkopfes, des Oesophagus, der Niere, 
des Uterus, Magen- und Darmresektion. 
Operation an Kothüsteln, Radikaloperation 
der Hernien, Gallensteine, Erkrankungen 
der Wurmfortsätze etc. 

Czerny, Adalbert, in Breslau, geb. 
in Szczakowa (Galizien) 1863, studierte in 
Prag, Dr. med. 1888, ist seit Oktober 
1894 ausserordentlicher Professor der 
Kinderheilkunde in Breslau als Nachfolger 
des nach Leipzig berufenen Prof. Soltmaxn. 
Er publizierte Arbeiten zur Histologie und 
Embryologie (GiRALDE'sches Organ, Rück- 
bildungsvorgänge an der Leber), über 
glykogene und amyloide Degeneration, 
über das Vorkonmien bösartiger Ge- 
schwülste (Nierenkrebs, Lymphom) bei 
Kindern, über Milchabsonderung und Co- 
lostrumkörperchen, über Säuglingsemäh- 
rung und über Schlaf im Kindesalter u. a. m. 

Czolbe, Heinrich, in der Nähe 
von Danzig 1819 geboren und 1873 zu 
Königsberg in Preussen gestorben, stu- 
dierte Medizin in Berlin, wo er mit der 
Dissertation „De prindpiis physiologiae^^ 
(1844) promoviert«. Er wuide Militärarzt 
und veröffentlichte eine „Neue Darstellung 
des Sensualismus" (1855), eine Streitschrift 
gegen Lotzk: „Die Entstehung des Selbst- 
bewusstseifis^'' (1856). Von einer Abschwä- 
chung seiner naturalistischen Anschau- 
ungen legt eine Sclirift: „Die Grenzen 
und der Ursprung der niensMichen Er- 
kenntniss" (1865) Zeugnis ab, die C. als 
Oberstabsarzt a. D. publizierte, und welcher 
er noch „Die Mathematik als Ideal für 
alle andere Erkeyintniss'^ (Ztschr. für 
exacte Philosophie 1866) folgen Hess. — 
Posthum erschienen in seinem Auftrage 
von Ed. Johnson herausgegeben: „Grund- 
züge einer extensionalen Erkenntnisstheorie'^ 
(1876). 



D. 



Dabney, Wllliam CecU, geb. 
4. Juli 1849 in Albemarle co., Va., stu- 
dierte und promovierte 1868 an der Univ. 
von Virgina, fungierte eine Zeit lang am 
Washington üniv, Hosp. in Baltimore, prak- 
tizierte darauf in seiner Vaterstadt und 
siedelte später nach Charlottesville, Va., 
über, wo er sich besonders mit neuro- 
pathol. Arbeiten beschäftigte. Dann folgte 
er einem Ruf als Prof. der Geburtshilfe 
und praktischen Medizin an die Univers, 
von Virginia und starb zu Charlottesville 
20. Aug. 1894. Er publizierte: ^^Medical 
chemistry*^ (mit dem BoYLSxoN-Preise ge- 
krönt) — ,,Nitrite of amyl as an antidote 
to cfdoroform^^ — „Development of connec- 
tive Hssae^'- — „Edctirpation of kidney for 
renal calculus^'' — „Physiol, and pathoL 
effeds of excessive soll moiaturef''' — „Cldo- 
reate of soda in biliary lithiasis^'' — „Con- 
tribiäion to the histology of epithelial neto 
formations^^ — „Disturhances of ntUrition 
consecutive to nerve lesions.''' 

Däubler, Carl, in Berlin, als Sohn 
und Enkel von Ärzten in Peine, Provinz, 
Hannover 7. Dez. 1848 geb., studierte in 
Göttingen. Berlin und Wien, Dr. med. 
1872, kam 1875 durch Empfehlung Bill- 
koth's als Krankenhausarzt nach Kon- 
stantinopel, machte im Dienste der tür- 
kischen Regierung Reisen nach Kleinasien 
und dem Roten Meer, trat nach mehr- 
incmatl icher V'orbereitung in Berlin 1877 
in Niederländische Militärdienste und 
hielt sich viele Jahre lang als Militär- 
und Krankenhausarzt in Indien auf, wo 
er die ersten wissenschaftlich-tropenhygie- 
nischen Forschungen anstellte, zu welchem 
Zwecke er 1888 bis 90 einen Aufenthalt 
in Süd- und Südostafrika nahm. 1890 bis 
95 weilte er in Norwegen und lebt seit- 
dem als Arzt und Privatgelehrter in Bei- 
lin. Schriften : „Bestimmungen der Lungen- 



capacität Schwarzer und Weisser in Tropen- 
ländern, über deren Wärmeregvlirung und 
Acdimatisation'' (B. k. W. 1887) — „Über 
dieContagiositätder Lepra^'' (Unna's dermatol. 
M.-H., Vin,) - „CÄiV. Siudxm in Afrika'' 
(ViRCHow*s Arch. 1889) — „Racenvergtei" 
chetide Medicin'' (Ärztl. Praktiker 1889) — 
„Zur Kefintniss der ostindischen Malaria- 
Parasiten mit Vergleichen zu denen anderer 
Länder' (B. k. W. 1898; hier lieferte D. 
den Nachweis, dass die Grundform der 
jungen Malariaparasiten die Scheibenform 
ist, welche erst durch Vacuolosierung in 
die Ringform übergeht, ein jetzt von 
NocHT-Hamburg, Ziemann und Israel be- 
stätigter Fund; zugleich brachte D. den 
Nachweis der ünitarität der vorher für 
different angesehenen Malariaparasiten 
der Tropen), dazu bis Juli 1899 22 Pub- 
likationen in verschiedenen med. Zeit- 
schriften über Tropenliygiene und Häma- 
tologie , wie über Beriberikrankheit 
(ViRCHOw's Archiv, Bd. 152, 1898, Nach- 
weis der Fettdegeneration der peripheren 
Nerven und des N. vagus bei akuter Beri- 
beri), über die baktericide Kraft der Leu- 
kocyten verschiedener Tierspezies imd 
ihre Beziehungen zu den Alexinen (Chi. 
f. B. 1899; u. a. m. Als Monographien 
erschienen : „Grundzüge der Tropenhygiene'' 
(München 1895; 2. Aufl. 1900) — „Die 
fnederländische und französische Tropen- 
hygiene" (Berlin 1896) — „Tropenkrank- 
heiten und Tropenhygiene'' (Drasche's Bibl. 
der ges. Heilkunde). 

Dähnhardt, Christian, in Kiel, 
geb. 28. Nov. 1844 zu Eckemförde, stu- 
dierte in Kiel, Tübingen, Wien und wurde 
1869 promoviert. Seit 1869, mit Unter- 
brechung des Krieges 1870/71 als Privat- 
dozent und später als praktischer Arzt in Kiel 
thätig, wirkte D. auch zwei Jahre als 
Assistent bei Hknsen und starb 14. Juli 



371 



Daffner — D'Ambrosio. 



372 



1892. Er publizierte Abhandlungen in 
den von ViftCHOw und Pflüger heraus- 
gegebenen Archiven, speziell aus dem 
Gebiete der Neurologie. 

Daffner, Franz, in München, geb. 
zu Hannesreuth in Bayern 17. März 1844, 
studierte in München, Wien und Würz- 
burg, Dr. med. 1868, Staatskonkurs (Phy- 
sikatsexamen) 1869, machte den ganzen 
Feldzug und die ganze Okkupation in 
Frankreich, Juli 1870 bis Juli 1873, mit. 
Nach 21 jähriger aktiver Dienstzeit (1870 
bis 91), während welcher er bei der In- 
fanterie, Kavallerie, Artillerie, im Feld- 
und Gamisonlazarett und die letzten vier 
Jahi'e bei dem Invalidenhaus Benedikt- 
beuem war, wurde wegen durch den Feld- 
zug eingetretenen Gichtleidens seine mili- 
tärärztliche Laufbahn beendet wie sie 
begonnen: als Bataillonsarzt. Seit 1891 
ist D. in München wissenschaftlich thätig, 
anfangs mit rein med., gegenwärtig fast 
ausschliesslich mit anthropologischen Stu« 
dien beschäftigt. Schriften: „Die Blen- 
norrhoe der SeocucUorgane" (1874) — „tfher 
die Pathologie und Therapie des Schankers" 
(Bayer, ärztl. Intelligenzblatt 1874) — „Die 
indifferente Therme von Pfäfers-Ragaz*' 
(1876) — „Die Hüfsursachen der Infections- 
krankheiten Cholera, Typhus, Wechselfieber** 
(Wiener med.-chir. C5trbl., 1877) — „Über 
das VerhäUniss der Grosse^ des Gewichtes 
des Kopf' und Brustumfanges bei Soldaten" 
(Bayer, ärztl. Intelligenzblatt, 1882) — 
„Vergleichende Untersuchungen Über die 
Entwicklung der Körpergrösse und des 
Kopfumfanges" (1884) — „Über Grösse, 
Gewicht^ Kopf- und Brustumfang beim 
männlichen Individuum vom 13, mü 22. 
Lebensjahre" (1885, beide im Arcjhiv für 
Anthropologie) — „über Zähne, Zahn- 
caries und Zahneoctradion" (D. Mtsschr. f. 
Zahnh. 1886), sowie verschiedene anthropo- 
logische, historische imd andere Publi- 
kationen. 

Daily, Eugene, zu Neuilly-sur- 
Seine bei Paris, geb. 1833 zu Brüssel, war 
ein tüchtiger Orthopäde und schrieb, ab- 
gesehen von zahlreichen anthropolog. 
Arbeiten: „Des ressources nouvelles de 
lorthopldie physiotogique" (1872) — „Obser- 
vations sur VHiologie et le traitement des 
liixations atrophiques du fhnur" (1873) — 



„Contribution ä la pathclogie musctdaire: 
les contractures et les contractions yatho- 
logiques" (1874) — „Du traüement mHho- 
dique des hypertrophies ä o^ropÄics" (1874) 
— „Du torticolis occipäo-atlötdien*^ (Bullet, 
de ther., 1876). Auch übersetzte er 
Huxley's „Le^ons de physiol. elementaire'' 
und „De la place de Thonmie dans la 
nature" imd starb 30. Dez. 1887. 

DaltOn, John Call, amerik. Em- 
bryolog und Physiolog, geb. zu Chelms- 
ford, Mass., 2. Febr. 1825, gest. 1889, 
studierte seit 1844 am Harvard Coli, und 
promovierte daselbst 1847, war 1851 
bis 54 Prof. der Physiol. der Med. School 
zu Buffalo, 1854 bis 57 am Coli, von 
Vermont, 1859 bis 61 am Long Island 
Coli. Hosp. und seit 1855 Prof. der 
Physiol. am New- York Coli, of Phys. and 
Surg. Sein Hauptwerk ist, neben vielen 
kleineren Einzelaufsätzen, der ^.Treatise 
on human physiology'^ (New-York 1859; 
4. ed. 1867). Weitere PubUkationen DVs 
sind : „A treatise on physiology and hygiene 
for schools, families and Colleges" (New- 
York 1868; auch ins Französ. übers.) — 
„Anatomy of the placenta" — „Physiology 
of the cerebellum" — „Intestinal digestion*% 
sowie die Artikel: „Embryology" in John- 
son's „New Universal Cyclopedia". Wäh- 
rend des Krieges diente er lange Zeit als 
Militärarzt. 

DamaSChinO, F r a n c o i s, geb. 1 840, 
wirkte seit 1867 als Hospitalarzt in Paris, 
war Aggrege der Fakultät und starb Ende 
Dezember 1890. Er ist Verfasser von 
„Des diffirentes formes de la pneumonie 
aigue ches les enfants" (Paris 1867) — 
,^La pleurisie purulente" (Ib. 1869) — 
„Mologie de la fuberciUose'' (Ib. 1872) 
und gab mit H. Roger zusammen „ Becher- 
ches anatomo-pathologlques^' (1871) heraus. 

D'AmbrOSiO, Anlello, zu Neapel, 
geb. 1833 zu Secondigliano (Prov. Neapel). 
studierte in Neapel, wo er 1854 Doktor 
wurde, war dann Dozent der chir. Klinik 
und operat. Chir. an der Univei*sität, Chef- 
Chirurg im Osped. degl' Licurabili, im 
Albergo de' Poveri e delle Prigioni, ausser- 
ordentL Prof. der Orthopädie und starb 
im März 1898. Seine wichtigsten Publi- 
kationen sind: „ün caso di placche mucose 



Pamels — Danielssen, 



374 



i 



nfluenflaaime al volto** (1864) — ^^Grave 

e/otUiafii degU Ätahi guariia coi fuoco" 

867) — „Su di nn caso gravisdmo dl 

ieuri^rmi di/fuso ddla poplitea'' (1868) — 

^MendicmUo sommario dellacHnica chlrurff. 

AJ' (1869) — ^^Nuovo processo di hlefaro- 

asHca totale inferior e^ (1871) — „Möjiö- 

tndla fiesfdone forzata deUc articola- 

ndia cura degli aneurmnv'^ (1876) — 

onogr* ml. prolamo del retto"' (1876) — 

am. 9¥lla Hnoplwdia totale"- (1877) — 

'onoffr, 9ul fungo hemigno dd fesficolo^^ 

Sil) — ,,MetH. ml chdoide'' (1877) -^ 

Hic{^di di dinica chirurgica^^ (1878) — 

^p-cma popliteo'^ (1878) — f^Sarcofna 

oliposo diffusa ddV antibraccio^^ (1878) — 

Contribitzionc alla cura ddlc fistole vesico* 

erine" (1879) -^ ^ßulV ernta dd foratne 

wde'' (1879). 

Daniels, Carel Eduard, zu Hille- 
;tiin bei Ijeideii 4. Jujii 1839 geb., 
itiidiert« in Ijeiden (G. C\ B. Süringar, 

f*»tl8 Vl?f DKR HoEVKN, SmON ThOMAS, F, 

Krirger) und wurde 4. Juni 1862 

^in der Medizin, im Oktober 1862 in der 

Chirurgie und Geburtsliilfe promoviert. Seit 

August 1863 wirkt er praktisch in Amster- 

dam j wo er Lni Jan aar 1 883, nach dem Tode 

?rof » JsRAEL3, an dessen Stelle zum Direktor- 

Dthekar der Neder landet' he Maat- 

pij tot bevordering der Geneeekunst 

irnoaut Ist, Er schrieb hauptsILchUch 

folgende Schriften: .^De Kinderpokinen- 

in Nederlafid, meerendeels naar onHit- 

en bescheiden hewerkt^ (Uitgege%en 

ioor de NederL Maatschappij tot bevor- 

1^ der Geneeskuiide, Amsterdam 1875) 

f,Bd leven en de Verdiensten van Petrus 

Oümper*^ (Met goud bekroond en uitge- 

vea drior het Provinciaal Utrecht ach 

yeaootschap ^oor Kunssten en Weten- 

L'hap]jen, Utrecht 1880^) — ^l>e ver* 

Idien^tcn der floUandischt Gdeerden fef$ op- 

[sichte vnn Harvey*8 leer van den bhedsam' 

Oop** (Zus. mit A. H. Israels en ib. 1883) 

„l/fi CO» de Leontiasitt ossea ((Jranio- 

roms)^ (üitgegeven doi^r de HolL Maat- 

der Wetenschappen, Haarlem 1883) 

„Leven^schets van Dr. A* ff. Israds'* 

^Nederl. Tydaohr. v. Geneesk. 1884) — 

^Histoire d'un Kure*' (M, Malpight oper» 

KiBthiima. Amgtelodami 1698; in Bulletin 

äes EgUae« Wallonnes des Pays*Bas 1887) 

F— „Jei9 oter Knischh^sg, tn^rddM en nog 




itHii^ (Kederl. Tyds<;hr. v. Verlosk, en 
Gynaec, 1899) — ^, Edward Jetiner, Festrede 
am 14. Mai I8B6 rur Säcularfeier d&r ersten 
Vaccinatim, rnn Arm auf Arm" (NederL 
Tydßchr. v. Geneesk 1896) — ,, Fest rede 
Äum 50 jährigen Jubiläum der Geneeäkiindige 
Kring*' (Verein der ^Vm^terdamer Aj'Zte, 
2L Septl8[#8; Amsterdam 1898)— „Eudia- 
iim Rödins Bosengarten" (Ctrbl. f. Bib- 
liothekswesen 18Ö9)» — 1896 hat er mit 
Pkypkrs, Stoüvis und Tilanus die be- 
kannte Zeitschrift ^Janns Archives int^r* 
nationales ponr riiistotre de la medecine 
et poor la geographie medicale*' begründet. 

DanielSSen, Daniel Co melius, 
zu Bergen in Norwegen , daselbst 
4, Juli 1815 geb., war anfänglich Apo- 
theker, studierte dann Mf^dizin in Christiania, 
liess »ich 1839 in Bergen nieder, begann 
daselbst im St. Georg'sHospit^l alsbald 
seine Untersuchungen über den Aussalz 
und erhielt am den dafür zu untemeh* 
menden Reisen eine Unterstützong sei- 
tens der Kegierung* 1841 wurde er zum 
Stiftsai"Zt ernannt, macht*? 1843 mid 47 
wissenschaftliche Reisen ins Ausland, 
nachdem er zum Oberarzt der neu errich- 
teten Heilaujätalt für Aussätzige ernannt 
worden war. Gleichzeitig erschien, mit 
Staatsunterstützung herausgegeben, das 
von ihm in Gemeinschaft mit C. W. Boeck 
verfasste grosse Werk: „Om Spedahkhed** 
(Christiana 1817, mit Atlas von 24 Taff. 
fol; französisch als: „Trake de la spi- 
dalskhed ou Hephatttiasis des Ore4^^ traduU 
86U8 les yetijc de M, LK Danielssen par L. 
A, Cos8(m'' Paris 1846, av. atlas). Seit 
1849, wo das Lungegaanlsho«pital zu 
Bergen seine Wirksamkeit begann, fun- 
gierte er bei demselben als Oberarzt. Er 
gab Bp&ter noch die Volksschrift: „i>m 
spedalske Sygdom^ dena Aarsager og def%9 
Forehygdsesmidler*^ (Bergen 1853) heraus, 
femer zusammen mit C, W, Bokck: „Säm- 
ling nf lagttagehtr am Hudens Sygdomtiie*' 
(3 Hefte, Christlania 1856 bis 62, mit illum. 
Talf., foL, auch mit französischem Text) 
— fßyphüisatiüfien anvendt tnod SgphUis 
og ßp&tahyiett' (Bergen 1858). Ausser- 
dem Aufsätze im Norsk Magazin for Lae- 
gevid. (namentlich Berichte über die ge- 
nannten HospitÄler), in der Ügeskrift for 
Medicin og Piiannacie (I, IV) und den 
Annales des maiadies de la pean et de 



375 



Danilewsky — Daremberg. 



376 



la Syphilis (1845); dazu eine Reihe von 
zoologischen Arbeiten, die Fauna von 
Norwegen betreffend. D., der 18. 
Juli 1894 starb, hat sich als hervorragen- 
der Kenner und Bearbeiter der Lepra ein 
geschichtliches Andenken gesichert. In 
seinem Testament hat er dem Museum 
zu Bergen 60000 Kronen und der Bilder- 
galerie seiner Vaterstadt seine eigene Qte- 
mäldesammlung vermacht. Ihm zu Ehren 
wurde an der Stätte seiner langjährigen 
Wirksamkeit im Lungegaards-Hospital zu 
Bergen eine Broncetafei enthüllt, wobei 
Lassar die Gedenkrede hielt. 

DanileWSky , B a s i l e, zu Charkow, 
daselbst 1852 geb. und ausgebildet, haupt- 
sächlich als Schüler von Sczelkow, machte 
auch in Würzburg unter Fick physiologische 
Studien, Dr. med. 1877, erlangte bereite 
1872 als Student einen Preis für seine 
Arbeit über die Quelle der Muskelki^aft, 
wurde 1880 Prof. der Physiologie an der 
Veterinärschule zu Charkow, 1883 Prof. 
der vergleichenden Physiologie an der 
Univ. imd wirkt gegenwärtig seit 1886 
als ordentl. Prof. der Physiologie an der 
Charkower Universität. 1888 wurde er 
Mitgl. der kaiserlich Leopoldino-Carolin. 
Deutsch. Akad. d. Naturforscher, 1889 er- 
hielt er einen Teil des Prix Monthyon 
(für Med.) von der Acad. d. sc. in Paris, 
1891 die goldene Medaille u. Mitglied- 
schaft der k. Ges. der Freunde der Na- 
turwiss. in Moskau, 1896 den 2. K. E. v. 
BAEB-Preis der kaiserl. Akad. d. W. in 
S. Petersb., 1898 wurde er korresp. Mitgl. 
der kaiserl. milit&rmed. Akad. in S. Pe- 
tersb. Schriften: „Über den Ursprung 
der Muskelkraft'' (1876, russisch) — „Un- 
tersuchungen zur Pliysiologie des Gehirns" 
(affektivo motorische 2^ntra, 1876, russisch) 
— „Untersuchungen über den thierischen 
Hypnotiamus" (1878, russisch) — „La pa- 
rasüologie comparee du sang"" (Kharkoff 
1889 I-II) — „Versuche, dieGOUigkeü des 
Principes der Erhaltung der Energie bei 
der MuskelarbeÜ experimentell zu beweisen" 
(Wiesb. 1889) — „Recherches sur Vexcitalion 
des nerfs par les rayons eledriques" (Arch. 
de phys. norm. et. path. 1897), ausserdem 
(bis Juli 99) etwa 70 Mitteilungen, Auf- 
sätze und Abhandlungen in physiolog. 
und med. Zeitschriften und in Kongressen 
über die verschiedensten Themata der 



Physiologie (Thermomyologie, Nerven, 
Grehim, Hypnotismus, Kraftvorräte der 
Nahrungsmittel. Blut, Lecithin^, der ver- 
gleichenden Toxikologie und Patho- 
logie (Malariamikroben der Tiere und 
des Menschen). 

DanZel, August Friedrich, in 
Hamburg, geb. daselbst 2L Juli 1822, 
Sohn eines Arztes, studierte in Bonn und 
Göttingen, wo er 1844 promovierte, be- 
suchte dann Prag, Wien, Berlin, liess 
sich 1845 als Ar'.t in Hamburg nieder 
und schrieb zunächst verschiedene Auf- 
sätze Chirurg. Inhalts in den Hannöv. 
Annalen. Harsbk^s Archiv: „Über Exstir- 
pat der Parotis'' „Amputation der fünf 
Metatarsalknocheti'* -- „Kiinstl. A/terbÜ- 
düng" u. s. w., femer: „Hemiolog. Stu- 
dien, mit besonderer Rücksicht auf die ein- 
geklemmten Brüche'' (2 Hefte, Göttingen 
1854, 55; 2. Aufl. 1863) — „Chirurg, Er- 
fahrungefV' (2 Hefte, Ib. 1857, 63). 1864 
wurde er Arzt des neugegrtindeten ka- 
thol. Marien-Krankenhauses; 1883 trat er 
von dieser Stellung und von aller prakt. 
Thätigkeit zurück und starb 24. März 
1889. Er hatte noch an Aufsätzen ge- 
schrieben: „Prakt, Beiträge zur Lehre von 
der Brucheinklemmung'* (Zeitschr. der k. 
k. Gesellsch. der Ärzte zu Wien, 1859), 
femer in v. Lanoenbbck's Archiv : „ Prakt. 
Beiträge zur Operation der Uasenschtirte'* 
(I.) — „Bemerkk. zu Osteotomie der Röhren- 
knochen" (!) — ,,Zur Resektion des Hand- 
gelenkes" (II) — „Zur Ovariotomie" (IX) 
— „Chirurg. Er fahrungen aus dem Marien- 
Krankenhaus in Hamburg" (XV) — ^Ge- 
schwidst mit Haaren im Rectum" (XVII) 
u. s. w. — 

Daremberg, Charles Victor, 
1816 in Dijon geb.. studierte in 
seinem Geburtsorte und promovierte 
1841 in Paris mit einer Dissert. : „Ex- 
position des connaissances de Galien sur 
Vanatomie, la physiologie et la pathologie 
du Systeme nerveux". Nachdem er einige 
Jahre als Armenarzt fungiert hatte und 
auch Assistent am Museum Historiae na- 
turalis gewesen war, wurde er 1846 Bib- 
liothekar der Academie de medecine und 
1849£ibliothekar der Biblioth^ueMazarine. 
In dieser letzteren Qualität machte er ver- 
schiedene wissenschaftliche Keisen in 



377 



Bavaiae — PavidBolui. 



378 



Itelien^ DeutBclilnnd, disr Schweiz^ Belgien 
nm\ England^ um bibliographische ünter- 
gnchangen anzustellen und seltene medi- 
zinische Handsi^hriften zu studieren. Als 
1871 an der medizinischen Fakuitüt aiifs 
Neue eine Professur in der Geschichte der 
Medizin und Chirurg^ie errichtet wurde, 
emunnte man D. Uhr dJesess Amt, obgleich 
er schon seit 1864 am ^.Viliege de France 
Vorlesungen hielt ül^er die Geschichte 
und Litteratur der tnedizinidvhen Wissen- 
schaften. D. starb 24. Okt4»ber 1872 
auf seinem Landhaus^ zu Mesnü-le-Roy, 




Seine Hnuptwerjte waren: AiUKUts, y^De 
i»CM/i«|)a««oni^*^<ffc" (Paris 1847) — ,,Traitf 
»ur le poul», attribue ä H**fus (VEphese tic" 
(Ih, 1848) — ,,Frngmnif§ du commentaire 
de Galien §ur It Titurt de Haton'' (1848) 
— ^*E»»a% «wr la defetminaiion rt ien caraC' 
thrtn des p*'rhtiiei* de Ihisfoire de la mfdy 
(1850) — ,/>eut^rj d'Oi'ilMm der (6 voE, 
1861 bis 76), zusammen mit BussißMAinfR — 
,Jf€tic€9 d €xtrait9 des marfuserita medicaux 
ffreci, lüHrui et fran^ais den principales Öiblio- 
thi^pneit dEuroji&\ L partle: .^ManuBcrÜB 
grect d^Anglderre- (1853) — ,,QUmulae 
qmatmor magisirorum Kttper chirurgiam Bo- 
gerii d Mohndi etc*' (Neapel 1854) — 
yjkmvres anat,, physwL et ttiedie. deOalien^* 
{2 voll., 1854 bis 56, av. tig;) — ,,Oiiitref 
fkouie» d'Hippocrate etc.' \2 M, 1856) — 
*,ä, C, Celsi de medictna libri odo cfc/* 
(Lcipac. 1869) — ,,La mf4ecine^ Histoire et 
doärinff*' (2 ed., 1866) — ,,La medecine dam 
Bomlrt"' (1866) - ..Collie de Frame, 



Cimn 9ur VkUtmre des sc. mSd, 1865—71^'' 
— f^Recherch^ 9ur Vetat de la mMec. dmrnnt 
la Periode pnmitive de Fhütoire de Indou»** 
(1867) — „Oe retat de la mcdec. entre Ha* 
mhre et Hippocrate etc.'* (1869) — fJiütoire 
des K medic., comprcnafif l*anat.^ la physid* 
etc.'' {2 voll.. 1870) — Art. ,/!alien'' (Biet, 
des sc. philos». 2. ed. 1875). Seine aus- 
gezeichnete Bibliothek wurde nach seinem 
Tode von der Acad. de med. angekauft. 

DaVaine, Casimir- Joseph, zu 
Paris, 19. Miii-z 1812 7U Amand-les-Eaux 
r Nord ) g»dM »reu. studiei-te seit 18^-iO in Paris^ 
wurde 1837 zu Paris 0okfci>r mit derThe^i^: 
,,2>c Ch^matücHe de la tuniqtie vagi-naU>\ 
widmete sich fast ausscldiesslich wissen- 
sc^haftlichen lintei^uchungen^ die ihm von 
der Acad. d. sc. zahlreiche Preise (1852^ 
54, 56, HO, 7ö) eiubriicbt^n und war ein 
eifriges Mitglied der Society de biologie, 
für deren Comptes rendus er /.ahlreiche 
Mitteilungen lieferte. Er Isekleidete nie- 
mals eine öffentliche Stellung, wnj-de aber 
1H68 Mitglied der Akademie der Medizin, 
verfasste ein vom Institut mit einem Preise 
(1852) gekilintes Memoire: „/>f la parah/s>e 
yhterak ou partUlh des deax perfs de la 
ncptihne ftaire** und widmete seine Auf- 
merksamkeit bestmdei-s den Entoz^^n, Über 
die er verschiedene Abhandlungen sclirieb. 
Sein Hauptwerk über dieselben ist der 
„7Vai/e da entoioatres et des maladies ver- 
minetttes de rhomme et des animaux domen^ 
tiquai" (Paris 1860), Er ist ferner bekannt 
durch seine ÜntersuchuJigen über die Milz- 
brand-Bakterien. Er starb 14. ükt.:d>er 1882 
auf seiner Besitzutig zu Garche« (Seine-et- 
Oise). 

DavidSOhn, Hermann, in Berlin, 
geb. in Ivonitz (Westpreussen) 8. Mai 1842, 
studierte in Bej-lin, Dr. med. 1868, übt« 
seit 1869 zunächst allgem. Praxis, begann 
dann aber von 1886 bis 90 steh unter 
Zaiifal (Prag), Schwabach, Kraüsf;, 
B. Frarnkt-l (Berlin) noch mit Oto-, 
Rhino- u. Laryngologie eingehend zu l>e* 
»cli&ftigen und ist seit 1891 ausßchlieasUch 
aU Arzt für die genannten SpeziaJfiicher. 
gleichfalls in Berlin, thätig. Neben den 
gewählten Spezialfächern interessierten iloi 
auch biologische Fragen. D. i^eWiffent* 
lii^ht«: ,,Die elektrische Durcklauhtung der 
Oemht8knocfu;H, ein sicheres Hüfsmittä für 



379 



Davidson — De Bisogno. 



380 



die Diagnose des Enipyenia antri Highmori^ 
unter Berückaichtigung der Form des harten 
Gaunuma" (Berl. kl. W. 1892). Die Unter- 
snchmigeii der Graxanenformen führten 
ihn zur Erforschung der Asymmetrie 
des menschlichen Körpers und deren 
Ursachen und schliesslich zu dem kühnen 
Wagnis, folgende Arbeit zu unternehmen: 
„Formbüdung des menschlichen Körpers und 
Vererbung. Eine mechanische Erklärung." 
Verf. führt die Formbildung des menschl. 
Körpers auf das Prinzip der Mechanik, 
das „Prinzip der Bewegung des Schwer- 
punktes" zurück, nachdem er zuvor die 
reale, nicht ideale (Haeckel) Grundform 
des Körpers mittels eines Massstabes fest- 
gestellt hat. Dieser Massstab entspricht 
einem bestimmten Körperteile, dessen Ein- 
fluss während des foetalen Lebens und 
der Dauer des Wachstums unbezweifelbar 
und ausserdem noch so beschaffen ist, dass 
man bei dessen Anwendung sowohl die 
Konturen der Körperoberüäche wie auch 
der inneren Organe genau umschreiben 
und die Wechselwirkung aller Teile des 
Körpers untereinander (Diderot -Gokthe) 
zeigen kann. Unter Anwendung des gleichen 
Prinzipes der Mechanik und der Beihilfe 
der HBRTWie'schen Entdeckung (Verschmel- 
zimg des Ovulum und des Spermakemes 
bei der Befruchtung) giebt Verf. sodann 
eine mechanische Erklärung der Ver- 
erbung. 

Davidson, Andrew, in Edinburgh, 
M. D., J. R. C. P. Ed., M. B. C. S. Engl., 
geb. 22. August 1836 in Kinneff, studierte 
an der Universität und School of Med. in 
Edinburgh, Dr. med. seit 1862, Fellow des 
R. C. P. seit 1866, war 1862 Arzt bei 
Radama n., König von Madagascar, von 
1863 bis 77 Arzt am Hofe von Madagascar, 
1877 bis 90 im Regierungsdienste zu Mau- 
ritius, als Prof. der Chemie am R. CoH, 
Chemical Analyst und Medical Jurist der 
Regierung, sowie als Visiting und Super- 
in tending Surgeon amCivilhospital in Mau- 
ritius, bereiste in verschiedenen Zwischen- 
zeiten Afrika, Indien, Arabien zum Zweck 
des Studiums der Tropenkrankheiten und 
ist seit 1898 Lehrer der Tropenkrankheiten 
(Lecturer on tropical diseases) an der Uni- 
versität in Edinburgh mit dem Professor- 
titel. D. gründete 1863 das erste Hospital 
in Madagascar, begann 1865 die med. Aus- 



bildung der Eingeborenen, veröffentlichte 
in deren Sprache das erste med. Werk 
(1876 bis 77), machte im Auftrage der 
Regierung von Mauritius spezielle Unter- 
suchungen über Rinderpest, Lepra, Malaria- 
lieber, war seit 1878 Chefredakteur von 
„Clinical work, a quarterly periodical de- 
voted to the study of tropical diseases in 
Mauritius" imd publizierte: ^.Qeographical 
pathology" (2 volls 1891) — „Hygiene and 
diseases of warm dimates"^ (1893) — „Choreo- 
mania, Account ofan epidemy in Madagascar'^ 
(Edinb. Med, J. 1867) — ,,Lithotomy'' (Ib. 
1873) — „Leprosy in Madagascar'' (Ib. 1863) 
— „Acute anaetnk dropsy^^ {Jh. 1881), mehrere 
Schriften in malagassischer Sprache: „Are- 
tina sy Janasüranana , being a work on 
practical medicine for native students" (An- 
tananarivo 1876) — „Chemistry, being the 
prificiples of anorganir. cliemistry" (1877). 
Auch ist D. Mitarbeiter an Clifford All- 
bütt's System of Med. und an Encyclopaed. 
med. für tropische Krankheiten. 

DOdJma., August, in Stuttgart, geb. 
9. August 1849, in Heidelberg und Frei- 
burg ausgebildet, Dr. med. 1873, war 
Assistent bei Erdedreich und Czerkt, sowie 
im Deutschen Hospital in London, wirkt 
seit 1876 als Arzt in Stuttgart, ist Heraus- 
geber des „Württ.med. Corr.-Bl." seit 1889, 
Vors. d. ärztl. Landesausschusses in Württ. 
seit 1891 und seit 1892 Arzt des medico- 
mechanischen Instituts. Schriften: „Über 
die Wirkung des Ammoniak auf den thier, 
Organismus'' (mit Funke in Pflüger's 
Archiv) — „Beiträge zur Lehre von der 
rtfiectorischen Erregung der GefässmuskeHn" 
(mit Latschenberokr Ib.) — „Hygienischer 
Führer durch Stuttgart" (1895); „Württem- 
berg, Ärztebuch" (1896) u. a. m. Ausserdem 
ist D. Vors. d. Vereins für Feuerbestattung 
in Stuttgart (seit 1892), Mitarbeiter an 
der Zeitschr. „Phönix" in Wien. 

De Bisogno, Odoardo, zu Neapel, 
geb. daselbst 27. September 1838, ist Arzt 
am Osped. degl' Incurabili und Dozent der 
spez. Pathol. an der Universität Neapel, 
sowie Konsulent am Ospedale della S. S. 
Trinita dei Pellegrini e convalescenti. Er 
beschäftigte sich viel mit Studien über 
Plessimetrie, deren Ergebnisse Sogliako in 
Neapel in seinem „Trattato dt semic^ica 
medica^^ verwertete und publizierte noch 



381 



Decliftinbre — Dehio. 



362 



grc 
■ Eil 



I 



„La partinme dd fofii dd cfiore* — „Su 
di una ntrvr<m dd nervo diaframmatico" 

Dechambre, Amed^e, geb. zu 

Seub lYoune , 12. Januar 1812, stivdierte 
von 1829 au in Paris ^ wurde erst 1844 
Doktor, nachdem er 1838 in dio Redaktion 
der Gaz, mt^d. getreten war, bei der er bis 
1853, bi8 znr Begründung eines eigenen 
Journals, der Cfaz. hebdomad, ^ verbbeb. 
Dasselbe T welcbes durch eeiae aus der 
jüngeren Generation hervor j^egangenen 
Mitiu-beiter <^inea l>edeut, Aufecbwung er- 
langte» nahm ihn vollständig in Anspi-ueh, 
biti er stur Gründtmg dee riesigen Unter- 
netimens, des „Dict, encyclopM, dee sc. 
med." (1864 bis 90 in 4 Serien und etwa 
100 Bänden) scliritt, das nidit minder 
grofiBe Anerkennung gründen hat. 187n 
wurde er auch Mitglied der Acad. de med. 
Ein ehren wei-ter Charakter, von grosser 
liabhätigigkeit , dabei voll Takt, liat er 
h um den arztb Stand in den zahl- 
reidieut füi* die periodische med, Presse 
von ihm vei-fassten Artikehi, deren er 
einen Teil in dem Artikel y^Dkmitologu'^ 
Dict> encycL zutiammeufasste, verdient 
Lftcht, in letzterem auch eine Anzalii 
Artikel aus dei" mit Vorliebe von ilmi ge- 
pflegen philos. Med. verGffentlicht, wie: 
„Anatwnk dvu Btauje-Arfiif lJS4trmini$me, 
Diiinatirn, Doch* ine, filmen t, Mesnu-^niftHe, 
Scieftce, Sciences occulte^<, SoiiiieB samutes, 
ßonge, Spkificite u. s. w. Zusammen mit 
HAtuus Du VAX und Lriikiioullkt gab er 
auch ein „Dict. usuel de medecLoe** heraus. 
Ala Mensch und Schriftsteller bocbgeacbtet, 
starb er 3. Januar 1886 au den Folgen 
einefi Schla^ganfayes. 

De Crecchio, Luigi, geb.ii.sep. 

teniber 1832 In Lanciano (Abruzzen), wnrde 
1855 in Neapel zum Doktor promoviert, 
1861 zum Supplenten, 1862 zum ausser- 
ordentlichen Professor uiidl868zam ordent- 
Uchen Profe^ssor der gerichtlichen Äledizln 
an der Ünivei-sität Neapel ernannt, welche 
Stellung er auch bis zu seinem im Dezeml»6r 
1894 erfolgten Tode inue hatte. Zweimal 
war er aucli zum Deputierten der italie- 
nischeu Abgiwrduetenkammer gewählt und 
vertrat im Parlament lebhaft die Interessen 
des m^iiziiüsclien Ijelirwesens überhaupt 
utid di^ des klinischen Unterrichtes in 




Neapel im l»esonderen. Die gesetzlich 
besciilosseue Übertragung der Küuiken in 
die Nähe des ^*ossen Krankenhauses der 
Incurahili hat in ihm den eifrigsten Vor- 
bereiter und Verfechter gefunden. Sein 
Haxiptverdienst aber ist wohl, als der erste 
in Italien dem IStudiiim der gerifhtlichen 
Medizin eine ex perimeu teile Basis gegeben 
und ein eigenes Institut für gerichtliche 
Metlizin inNea|>el, trotz grosser Schwierig- 
keiten, gegi*ündet zu haben, mit welchem 
auch die Morgne für Neapel verbunden 
wurde. Seine wichtigsten Schriften 
sind: ^^Sulla fotidazione di intituH metiico' 
legfdi^^ {Im Moroaom, Neapel 1862) — „Sopra 
ttn caao di apjMrmze mrili in titia donna^*^ 
(Ib. 1865) — ^,DHla worte per freddo^ atudii 
f(perim<mtali" (Ib. 1866) — ,,Le ieffffi itatianc 
c la mcdicirm^' (Ib. 1869) — ^Ccmstica medico* 
legale^ raccolta di casi pratlci*'' (Ib. 1872) ~ 
y^U'Zioni di medtcina legale secondo i oodici 
dd regm d'ltalia'' (Ib, 1873 bis 75, ia 2 
Bänden.) 

DegHer, J. G., Arzt in New York, 
geb. 1847 in Stettin, studiert« in Bonn 
und Greilswald, war während des deutsch- 
französischen Krieges Militäj-ai-/t in Span- 
dau, trat nach Beendigung des Feldzuges 
ala Schiffsarat des Norddeutschen Uoyd 
ein und liess sich 1879 dauernd in New 
York nieder, wo er an der deutschen 
Poliklinik (Dispensary) bis kui*z vor 
I seinem Tode in uneigennützigster und 
aufopferndster Weise thäti^ wai*. D., der 
24. Febi-uar 1894 starb, gehöii« äu den 
bekanntesten und angesehensten deutschen 
Ärzten in New York, Er gründete da- 
selbst den S. C- Verein alter Korpsstudenten 
und war mehrere Jahre lang Chirurg am 
St. Marks- Hospital gewesen, 

DehlO, Karl, in Dorj>Ät» geboi'en in 
Kevtil (Estland) 27. Mai 1861, studierte 
an der UniversitÜt Dorpat, promovierte 
1877, hielt sich weiterer Studien halber 1878 
in Wien auf, war 1879 bis 83 Arzt am 
Kinderhospital des Prinzen von Oldenburg 
in Petersburg, 1884 Dozent an der Dor- 
pater UiüveTSität, 1886 Professor e. o. 
und ist seit 1888 Prof. ord* für speziell© 
Pathologie und Klinik an der6ell>en Uni* 
versität. D, vertiffentlichte als Mono- 
graphien: „Pockttif RikdcfalUfieber ^ Flock- 
tgpltus und Malaria" (Handbuch der prak* 



Deiters — Delstanches. 



384 



tischen Medizin von Ebstrin u. Schwalbe. 
1899.) — „Die Lepra einst undjäzt" (1805). 
Er ist Vizepräsideift der G^esellschaft znr 
Bekämpfung der Lepra in Livland. 

Deiters, Otto Friedrich Karl, 
15. November 1834 zu Bonn geboren und 
daselbst 1856 promoviert, diente seine 
Militärzeit 1857 in Berlin ab und arbeitete 
im dortigen pathologischen Institut 
unter Virchow. 1858 habilitierte er sich 
in Bonn und erregte bald durch seine 
mikroskopischen und klinischen Unter- 
suchungen die Aufmerksamkeit. ^^Unter- 
suchungen über die Schnecke der Vögel" 
(Reichert's und Dueois' Archiv 1860) — 
„r/feer die Lamina spiralis der Schnecke" 
(Zeitschr. f. wiss. Zoologie, X) — „Unter- 
suchungen über die Lamina spiralis mem- 
hranacea etc." (Bonn 1860) verdienen 
neben den „Beiträgen zur Histologie der 
quergestreiften Muskeln^'' (Rkichert's und 
DuBois* Archiv 1861) und „tfher das innere 
Gehörorgan der Amphilnen^*^ (Ib. 1862) be- 
sonders genannt zu werden. In der 
„Deutschen Klinik" 1849 schrieb D. über 
die Zellenlehre, ebenda 1859 über „Merk- 
würdige Scharlachfälle'\ D. starb 5. Dezem- 
ber 1863 am Typhus. 

DelaSiaUVe, Louls-Jean-Fran- 
9ois, geb. 1804 zu Garennes (Eure), wurde 
1830 in Paris Doktor, praktizierte 8 Jahre 
lang in der Provinz, Hess sich dann in 
Paris nieder, wurde Mitarbeiter an der 
„Revue medicale", der „Experience", den 
„ Annales med. psychoL", hielt Vorlesungen 
in der Ecole prat., wurde durch Konkurs 
zum Arzt der Geisteskranken im Bicetre 
ernannt und blieb in dieser Stellung bis 
1879. D., der 5. Juni 1893 starb, war der 
Gründer und Leiter des „Joum, de med, 
mentale^^^ das er von 1861 bis 70 redigierte, 
ferner Gründer der „Societe mSdico-psycho- 
Ingigue^'' und verfasste: „Traiti de V^lepsiei 
histoire, traitement; medecine legale^*' (Paris 
1854) — „Trait^ de la monomanie'' (1855) 
— „Des pseudomanies" (1869) — „Des prin- 
cipes qui daivent presider ä Viducation des 
idiots'' (1869) — „Traiti des maladies de la 
jMau"(1860) — ,,Confu9ion poHtiquCf dangers, 
causes, remMes^'' (Ghio, 1873) — „La Solution 
du probihne gouvememental^ (Ib. 1874). 



Delbrück, Anton, in Bremen, geb. 
23. Januar 1862 in Halle a. S., Dr. med. 
1889, war von 1886 bis 87 Arzt an der 
Irrenanstalt Alt-Scherbitz, von 1888 bis 89 
in Friedrichsberg bei Kamburg, und von 
1890—98 in Zürich thätig, wo er sich auch 
1891 für Psychiatrie habilitierte. Seit 
1. Juli 1898 wirkt D. als Direktor der 
Irrenanstalt in Bremen. Schriften: „Die 
pathologische Lüge und die psydtologit^ ab- 
normen Schwindler^ (Stuttgart 1891) — 
„Gerichtliche PsycIiopathologie"(Jjei]^zig 1897), 
dazu kleinere Arbeiten über anamnestische 
Aphasie, über die Kreuzung der Nerven- 
fasern im Chiasma der Sehnerven, über 
verminderte Zurechnungsfahigkeit bei 
moralischem Irresein, über Hamlets Wahn- 
sinn u. a. m. 

DelenS, Emile, zu Paris, wurde 
1870 in Paris Doktor mit der These: „De 
la communication de la carotide interne et 
du sinus caremeux {anivrystne arterio- 
veineux)^f ist Prof. agrege der Fakultät und 
Hospital-Chirurg (Lourcine, Saint- Antoine 
et Lariboisiere) und schrieb die Aggre- 
gations-These : „De la sacrocoxalgie^'' (1872, 
av. 2 pL); femer: „Des fractures de Vextre- 
miti interne de la clnvicult^'^ (Arch. gen., 
1873) — „Des fractures du corps de la clavi- 
cule par contraction muf^tlaire^'' (Ib. 1875) 
— „De quelques vices de conformation de 
Vhymen dans leurs rapports avec la med, 
ligale" (Ann. d'hyg., 1877) — „De la ligature 
elastiqtte intra-buccale pour Vablation des 
tumeurs de la langue'''' (Arch. gener. de Med. 
1877) — „Etüde sur Vempoisonnement arsenical 
par des doses mediocres et reiterees de poison"^ 
(en collab. avec G. Berge ron et L'Hötk, 
Annales d'hygiene et de med. leg. 1878) — 
„De la grenouillette sous-hymdienne^^ (Rev. 
de chir. 1881) — „Des dkdlements trauma- 
tiques del^epiphyse inferieure du fcmur^'' (Arch. 
gen. de med. 1884) — „Observation de 
tumeurs lympJmdeniques des deux orbites** 
(Arch. d'ophthalmologieVI.1886) — „Mala- 
dies de Voeil et de ses anw«rc«" (in Traite de 
Chirurgie de Düplay et Reclus. T. IV, 
1891). 

Delstanches, Charles, Ohrenarzt 
in Brüssel, daselbst 11. Juli 1840 als Sohn 
des Arztes Felix Joseph' I). geb., stu- 
dierte in Bologna unter Concato u. Ruzoli, 
promovierte 1863, wurde 1864 in Belgien 



sa& 



Demme ^TJenSB 



IcUplomiert, widmete sich dann der Oto- 
flo^ie als Spezialfach, auch meinen' Monate 
1864 bei ToYNDKE ani St. Mary's Hosp. in 
London, wurde 1872 Protagv^ge iii Brüssel^ 
war Med, acl Joint der Gefängnisse, Prof. 
d, otolog^, Klinik am H<^ip, St. Jean und 
stÄrli 27. Januar 1900. D. verfasste eine 
betniclitlicht? Anzahl von Schriften in 
»eineni Spezialfach. Das Verzeichnis der- 
Beiben enthält das ältere Lexikon (VI. p. 689). 

Demme» zwei Brüder, zu Bera, 
ohne von Hei-mann D. (1802 l»js 67), 
^Prof. d, Chir. in Bera, — Der ältere Bruder, 
Karl Hermann, 1831 geboren, studierte 
in Bern, wurde dasei Ij st Doktor, verfassfee 
die gekrönte Preisschrift: ^^Über die Vet- 
änderungai der Oewebe durch Brandt Ein 
Beitray zur pafholiHfischeft Hwtdoyie'* (Frank- 
furt a, M. 1857, m, 2 Taff.), wurde Privat- 
dozeut der patholoi^ischf^n Chemie und 
Anutf>mie in Bern, war 1859 wahrend des 
Krieges in Itnlieu in den dortigen Kriegs- 
Lazaretteu tkätig, wobei er namenthch 
mit dem beriihmfen Chirurgen Lniiii Porta 
aofi pAvia in Bertihrung kam uml gab 
da ni u f heraus : „ M iiifiir-ch i tu rgische St wi int 
in den italienischen iMzarethen von 1859^^ 
<2 Abtlgn., Wtintburg 1861; neue Aufl. 
1864 * ; femer eine mit eigenen Anmerkungen 
und solchen des V^erfassers versehene Über- 
setzuni^ der Schrift voji L. Porta: ,,r>i« 
Bl£Uien€teiH£ertriimmerung^* (Leipzig 1864, 
mit 9 Taff.), Ausserdem Aufsätze in 
VxRCHow's Archiv (1861) und znhkeichen 
anderen Zeitschriften. 1864 wurde er in 
einen Krimi nalprozess in betreff der Ver- 
g^iftung des Schwiegervaters st^iner Ver- 
lobten , TRtUiPV, ven^ickelt, jedoch frei- 
gesprochen. Er ging darauf mit seiner 
Verlobten nach Italien tuid starb mit der* 
«elben in der Nacht vom 28./29. November 
1864 zu Nervi bei Genua durch einge- 
nommenes Gift, — Der jüngere Bnider, 
Rudolf, geboren in Bern 12, Juni 1836, 
besuchte zunächst die Hemer Universität, 
4ann Wien, Paris und London. Er war 
anatomischeT Assistent bei Valkmin, klini- 
scher Assistent bei Bjkhmkr; 1859 wuixie 
er prc>moviert. Seit Sommer 1862 wirkte 
er als Arzt des jK.sNrji'schen Kiuderspitales 
und Professor der Klinik und Poliklinik 
der Kinderkrankheiten (bis 1877 als Privat- 
dozeiit dieser Fächer) in Bern und starb 
16, Juni 1892. Grfissere Ajlieiten; ,,Über 
Biutrnpttiscbdi L.«tjukon. 



Myocardifi'i und p^micHisen /c/«"ma''( Schweiz, 
Ztsclir, f, Heilk.) — ..Jahresbericht de» 
Jenner' ichen Kinderspltaks von 1863 an''*' 
— ffErkranhingen der Schilddrüse '-'■ und 
^yAfiaesthetica^^ (in Gbrhardt's Handbuch 
der Kinderkrankheiten) etc, 

DemOn, Fran^ois, geb. 1840, gest. 
im Februar 1895, waj* Agrege libre für 
Anat. u. Physiologie bei der med. Fakultät 
in Lille, Hospit^larzt, ehemaliger Präsident 
der 8of\ de med. du Nord, mid verfa^ste 
eine Beilie von Arbiiiten über die Nenen- 
Ceti treu und andere anat. Gegenstände. 

DOniUth, Johann Baptist, zu 
Frankenthal, Kheinpfalz, geb. zu Blies- 
castel 4, Januar 1844, studierte in München, 
Erlangen, Würzburg, T^nirde 1868 promo- 
viert, war seit 1868 Assistensarzt in der 
Kreis -Kranken* und Pflegeanstalt, seit 
1873 prakt. Arzt und ist seit 1885 k. 
Laudesgerichtsarzt in Frankenthal, k. 
Medizinah'Bt seit 1898, k, Direktor der 
Ki'eis- Kranken- und PÜegeanstalt der Pfalz 
seit 1899. Litterar. Arbeiten: „Wie lebt 
tnati gut und billig f\ eine mit dem zweiten 
Preise ausgezeichnete Si'hrift über die Er- 
nährung ( I88if) — „ifwr Kur der Feffleibig- 
keil'' (1883) — ,,Fett m^d Kohlehydrate! 
Eine ErmdernngaufPi'of, Eksteins Schrift : 
Fett oder Kohlehydrate?'' (1885) — ,J7>cr 
I die Cotdayvmtät drr Luiigentuberadnse, mit 
' Beiträgen aus der Prttms Pfälzischer Ärzte** 
' (1888) — .^Überden Werth der Butter und 
Sauemnlch bei der Ernährung der Gesunden 
und Kranken'' (1887) — ..über Nohrwcrth 
der Nahrungsmittel'' (1889) — ,.Vber (hn- 
tttsimfiimeumonu:'' {1888) — ,.Zwr Frage des 
Emei^sb^darfi's*^ (1893) — .Jlter die bei der 
Etyiahruug fies Mensrhen nothvteffidige Kt weiss- 
menge^^ (1892), femer eine grössei-e Reihe 
von Artikeln in der Münchener med. 
Wochenschr, , im VereinsbL der Pfalz, 
Ärzte, in FarEf>BKicH*s Blättern für gerichtL 
Med, und Sauität^spolizei ; auch ist D, 
Kedakteur des Vereinsblattes der Pfäl- 
zischen Arzte, 

Dennig, Adolf, in Tübingen, geb. 
zu Pforzheim 23, November 1858, studierte 
in Tübingen, Berlin und Kiel, r»r. med. 
1886, seit 1891 für innere Med, habilitiert, 
seit 1896 Extraordintirius. Schriften: „TAcj 
septische Erkrank-utrgen md besonderer Be- 

13 



387 



De Renzi — Desnos. 



388 



rückaichtigtmg der hryptogenetischeti Septica- 
pyämie'' (Leipzig 1891) — „Über die Tuber- 
cuLose im Kindesalter'' (Ib. 1896) — „Die 
Bedeutimg der Waaserßufuhr für den Stoff- 
wechad und die Ernährung des Menschen'' 
(Ztschr. f. diätet. u. physikal. Therapie 
I u. H), sowie kleinere Arbeiten. 

De Renzi, Salvatore, 1800 zn 
Patemo im Principato Ulteriore des nea- 
politanischen Ex - Königreichs geboren, 
studierte in Neapel, wo er zum Doktor 
promovierte und bald darauf Spitalsarzt 
wurde. 1836 war er Sanitätsinspektor zur 
Zeit der Choleraepidemie, lehrte allgemeine 
Pathologie und Hygiene im Collegio medico 
und wurde 1860 zum ord. Professor der 
Geschichte der Medizin ernannt, welche 
Stellung er bis 1872 inne hatte, in welchem 
Jahre er 25. Februar nach langem Kranken- 
lager starb. — Seine Hauptwerke, welche 
für die Geschichte der Medizin inmier von 
hohem" Werte bleiben werden, sind die 
„Colkctio Salernitana" (in 5 Bänden 1852 
bis 59 herausgegeben) imd die „Storia 
doctanentata deüa icuda Salemitana** (1857), 
worin er den lateinischen Ursprung dieser 
medizinischen Schule, ohne hebräische oder 
arabische Importation, nachwies, obgleich 
der Anfang derselben zeitlich nicht fest- 
zustellen sei. Das dem Hippokrates zu- 
geschriebene Buch „De vetere medicina" 
wurde von ihm dem Alcmaeon von Croton 
revindiziert. Ein umfangreiches Werk ist 
femer die „Storia della medicina italiana" 
(in 5 Bänden 1845 bis 48); auch wären 
noch viele kleinere Schriften, grösstenteils 
historischen Inhalts, zu erwähnen, wie die 
„Storia delle epidemie contemporanee" — „II 
Secolo XIII e Oiovanni da Procida" u. a. m. 

DerOUbaiX, Louis-Fran<?ois- 
Joseph (De Boübaix), zu Estaimpuis 
(Hennegau) 11. März 1813 geboren, studierte 
in Brüssel, wurde 1833 Interne bei Seütin, 
1835 Dr. bei der Universität in Löwen 
und bei seiner Doktorpromotion durch ein 
Reisestipendium der belgischen Regierung 
ausgezeichnet. Er machte weitere Studien 
in Paris und unmittelbar nach seiner Rück- 
kehr in Brüssel wurde er zuerst als Pro- 
sektor und bald darauf (1841) als Professor 
der Anatomie angestellt, die er 50 Jahre 
gelehrt hat. 1850 zum Chirurgen des 
Hospitals St. Jean ernannt, erwarb er sich 



seitdem den Ruf eines der besten Operateure 
und die Mitgliedschaft der belgischen, so- 
wie mehrerer berühmter ausländischer 
wissenschaftlicher Korporationen. — Unter 
seinen zahlreichen Schriften verdienen be- 
sondere Betonung: „Nouveau procidi pour 
la eure radicale des hemies" (Brüssel 1864) — 
„Des accidents qui peuvent itre la suite des 
grandes oph-atiotis etc," (Ib. 1857) — „Den 
sutures aupoint de vue technique" (Ib. 1859) — 
„Clinique chirurgicale de Vkopüal St. Jean de 
1877 ä 1879'' — „ Traiti des fistules urogSnifales 
de la femme" (Ib. 1870, preisgekrönt von der 
Pariser Acad. de med.). Auf chirurgischem 
Gebiet sind noch die bereits 1836 er- 
schienene Behandlung der Knochenbrüche, 
neue Verfahren zur Beseitigung der Trichi- 
asis (1862), Operationsmethode der Damm- 
naht (1864), der Nasenpolypen, auch ein 
von D. erfundener Nadelhalter und Faden- 
schnürer erwähnenswert. Gestorben ist 
D. 22. Mai 1897. 

DeSgrangeS, Antolne- Joseph, 
zu Lyon, wurde 1847 in Paris Doktor mit 
der These : „Essai sur quelques propositions 
de mhanique animale", war Prof. der chir. 
Klinik an der med. Schule in lyon und 
Chef -Chirurg (Chirurgien-major) des Hotel 
Dieu, seit 1885 Mitgl. der Acad. de med., 
zuletzt Prof. honor., als welcher er 1. Au- 
gust 1896 starb. Seine Schriften sind: 
„Quels progres la Chirurgie doit-elle au 
pSrioste?" (Lyon 1865) — „De Vexpectation 
en Chirurgie^' (Bordeaux 1866) — „Legons 
de clinique chirurg, professees ä V Uotel-Dieu 
de Lyon. Recueiü. par L. Serullaz et F. Christof' 
(Paris 1867, 68). Ausserdem gab er heraus, 
zusammen mit Fix. Christot : „Ovariotomies 
pratiquees etc.'' (Lyon 1867); mit Francis 
Devay: „De la transfusion du sang etc.'' 

Desnos, Louis Joseph, geb. 1828 
zu Alencjon , promovierte zu Paris 1855 
mit der These: „Sur quelques points de 
rhistoire des tumeurs cancereuses pulsatiles'% 
wirkte als Hospitalarzt daselbst und ver- 
fasste u. a. „De la curabiliti de la phthisie 
pidmonaire" (Paris 1863) — „De Vetat febrile" 
(Ib. 1866), eine kleinere Schrift über Pocken 
(Union med. 1870), sowie zahlreiclie Artikel 
für das Dict. de med. pratique. Er war 
noch Mitglied der Acad. de med., General- 
Sekretär der Societe medicale des hopitaux 
und starb 12. Januar 1893. 



Desormeux — Dettweiler. 



39 



DeSOrmeaUXt Antonin-Jean, 
zu Paris, Jn-ttelbst geboren, war ein Schüler 
von Raykb und ^Tirde 1844 in Paris Doktor 
mit der These: ..Eechcrches sur la tluorie 
Henieniaife de la prodnction des tissus acci- 
deniela'^. Er war seit 1862 Hospital-CtLirur^ 
(Necker), später Chi r, honoraire midClunirg 
des Lyo^*e Louis-le-Grand. Über das von 
-ihm erfundene Endoskop publizierte er : 
,fOe Vendoftcope ei dt ses appltcations au 
diagnostic tt au traitetnent des aff'ectionn de 
Vurethre et de la vessie'^ (Paris 1865 ; eugL 
Übers, von R R Hot, Chicago 1867). 
Ausserdem gab er^ zusammen mit Padl 
Ctervais, eine .^D&tcription d'un foetmhumain 
monstrueuj- devant former un gcnre A pari: 
soua Ic nom de pseudai^pftale'* (Acad- des se, 
de Montpell, Mem, de la sect. des sc.^ 
1860). D. starb Ende Oktober 1884. 

DeSprÖS, Eu^^ene- Armand, als 
Solm vun Charles-Denis IX (1806bis60) 
zu Paris 13. April 1834 g^eboreii, studjerto 
seit 1855 daselbst, wurde 1861 Doktor, sidirit^b 
ein „IVaiti de l'eryniptHe'' (186ä), wurde 
1863 Professeur agrege stagiaire mit der 
These: „De la herttie ernrale"^ 1864 Chirurg 
des Central -Bureaus der Hospitäler und 
versah naohelnander den cliiiiirgiscken 
Dienst in den Hospitälern Sainte- Perine 
(1865), Lourcine (1865), Cocbin (1872). 
Seine These, um Professeur agrege der 
Chirurgie zu werden, war: „Des tumettrs 
mmcUif" (1866). Ausserdem verfasste 
r: „Tratte du diagnmiic des matudies chirttr- 
gicokn, Diagnostic des tumeitrs'' (1868) — 
„Du dSbui de Vinfecthn sgpftüitiqm" (1869) 
— „EM-U moytn d*arreter la propagatimi 
des malad ies veneriennes?** — ^Dh delit im- 
piini*' (lS70l — „De la peine de niort au 
poirU de vm phgtdologiqm" (1870) — „Traiti 
iconograp9dque de Vulclration et des ukkres 
du ool de Vui^rus*' (1870, mit Taf.) — „Traiti 
thiorique et pratid^te de la sypkÜis etc.** 
(1873) — ,,La Chirurgie journaliere" (1877 f 
nach Vorträgen, die im Hop, C och in ge- 
halten wiuHieu, und: „Confh*ence »ur Ies 
cause» de la dtpopulation**' (1878), ein Vor- 
trag im Trocadero - Palast während der 
Weltausstellung. Er hat femer noch zu- 
sammen mit BoTTCHüT ein ^^Dict. de thera- 
peuttque medicak et chirurgicale^'- (1867; 
2. Ausg. 1872) lierausgegeben. 1870 war er 
Chef einer Ambulanz des franzosischen 
Vereine« zur Pile^e verwundeter Krieger 



und leistete mit derselben Dienste bei 
Sedan, Thionville. Jtetz und bei der Loire- 
Armee. D. starb Anfnng August 1896. 

Detmold, \V 1 1 1 S am, geb. 27. Dez. 
1808 als Sohn des Arztes Heinrich D, in 
Hannover, studierte und promovierte 1830 
In Göttingeu. diente als Militärarzt in 
Hannover, wanderte 1837 nach Nord- 
Amerika ans und Üess sich in New- York 
nieder, wo er als Prof. der klin, und 
Kriegschimrgie am CoU. of Ph3^s. and 
Surg. fungierte und 26, Dez. 1894 als 
N€^tor der deutsch,-amerikan. Arzte starb. 
Während des Bürgerkriegen diente er als 
freiwilliger Wundarzt. Seine Publikatio- 
nen bejiiehen sich hauptsächlich auf Ortho- 
pädie, die er in Amerika einführte (künstl. 
Gliedmassen. Messer und Gabel füi* ein- 
armige Menschen) und sind meist im 
Amer. Joum. {seit 1837) erscliienen. Er- 
wähnenswert ist noch der Aufsatz : 
„Opening an abscess in the brain*' (Ib. 1850). 

i DettWeiler, P e t e r , zu Falkenatein 

im Tauims. geb. zu Wint^i*sheim in Rhein- 
heseen 4. Aug. 1837. studierte in Giessen, 
Wärzburg, Berlin, wurde 1863 promoviert, 
wirkt seit 187B als Diiigent und Spezial- 




arzt für Lungenkranke an der Heilanstalt 
zu Falkenstein i. T.. seit 1895 als kon- 
sultierender Arzt devh. mit dem Wohnsitze 
im benachbarten Cronberg a. T. Litter. 
Arbeiten; ,JAe rationelle Therapie der 
LungenschmndmirfU in GorbcrMii>rf" (B, k. 

13* 



391 



Deutsclunann — Diday. 



392 



W. '1873) — „Zwr FMhiseotherapie der 
OegenwaH'' (Ib. 1877) — „Die Behatidlung 
der Lungenschtoindsucht in geschlossenen 
Heilanstalten'' (Berlin 1880 bis 84) — 
„Ein antikritischer Gang'' (D. m. W. 1880) 
— „Der Tubercelbacillus und die chron, 
Lungenschwindsucht" (zus. mit Meissen B. 
k. W. 83) — „BericJit über 72 seit 3 bis 
9 Jahren geheilte Fälle vmi Lungenschwind- 
sucht" (Frankfurt a. M. 1886) — „Du Thera- 
pie der PJithise" (Kongr. f. inn. Medicin 
Wiesbaden 1887) — ..Ein Taschen fläschchen 
für Hustende'' (Wiesbaden 1889) — „Das 
Kochsche Verfahren im V erhält niss zur klin, 
und Anstaltsbehandlung" (Kong. f. inn. M. 
1891) — „ Vorträge übt r Heilutist alten, Volks- 
Sanatorien und den Elnfluss der Witte^-ung 
auf den Verlauf der FlUhise" (Internat. 
Kongr. Berlin 1890) — „Mittheilungen über 
die erste deiäsche Volksheilst (Ute für unbe- 
mittelte Lungenkranke in Falkenstein i. T." 
(D. m. W. 1892) — „Über die Hygiene 
der Schunndsüchtigen in gescMossetien Heil- 
anstalten" (Internat. Kongr. f. Hygiene und 
Demographie, Budapest 1894) — „Er- 
nährungstherapie der Lungenschmndsucht" 
(v. Leydkn's Ernährungstherapie 1898 j — 
„Die hygienisch- diätet. Anstaltsbehandlung 
der Lungentuberkulose" (Tuberkulose-Kon- 
gress. Berlin 1899). 

Deutschmann, Richard Hein- 
rich, 17. November 1852 in Liegnitz 
geb., studierte in Göttingen speziell als 
Th. Lebkr's Schüler und wurde 11. Oktober 
1873 promoviert 1877 als Dozent für 
Augenheilkunde in Göttingen habilitiert, 
1883 daselbst zum Prof. e. o. ernannt, 
1887 nach Hamburg tibergesiedelt, publi- 
zierte er: „ExperimentelUf klinische und 
anatomische Untersuchungen zur Pathogenese 
der Äa/araÄ^" (in 4 Aufsätzen, v. Grakfe's 
Archiv für Ophthalm. 1877 bis 80) — 
„ Experimentelle und klinische Untersuchungen 
zur Tuberkulose des Augeft, resp. Hirns und 
Auges" (in 4 Abt., Ib. 1879 und 81; Med. 
Cntrlbl. 1881 ; Festschr. z. Henle-JuM- 
läum 1882) — „Experimentelle und chemische 
Untersuchuyigen üb» r Feuchtigkeit der vord, 
Augenkammer" iin v. Graefe's Archiv, 
1878 bis 81 in 4 Abt.) - „Klinisch- 
ophtha'm. Misccilen" (zusammen mit Th. 
Lkber, Ib. 1881 bis 83) — „Pathologische 
Anatomie des Auges" (Ib. 1879; Zehenobr's 
Mntsbl. f. Augenheilk., 1878) — „Experi- 



mentelle Untersuchung über sympathische 
Augenentzündung'' (v. Graefe's Archiv, 1882 
bis 85 in mehreren Aufsätzen; mit dem 
V. WELTx/schen GRÄFE-Preis gekrönt 1889) 
— „ Über die Stauungspapille" (Jena 1887) — 
„Über die Ophthalmia mi^ra^ona" (Hamburg 
u. Leipzig 1889.) D.gründete l893mitFuciis- 
Wien, HAAB-Zürich, Vossius-Giessen, die 
Zeitschrift „Beiträge zur Augenheilkunde'', 
in der er eine Reihe von Arbeiten 
veröffenthehte ; hiervon besonders hervor- 
zuheben Heft 1 (verschiedene kleinere 
Aufsätze) ; neben kleineren in Heft 2, 3, 
4, 6, eine grosse Arbeit in Heft 10 über 
Ophthalmia migratoria ; in Band 2, Heft 20 
„Über ein neues Heilverfahren bei Netz- 
hautablösung^' ; Band 4 Heft 40 — ,, Weitere 
Mittheilungen über dieses Heilverfahren mit 
einem Berichte über 101 nach seiner Methode 
operirte Kranke.'' 

DickSOn, Walter,geb. 1820, wurde 
zu Edinburg 1841 promoviert, nachdem 
er dort, sowie in London und in Paris, 
seine Studien vollendet hatte. Er trat 
als Arzt bei der Marine ein und wurde 
zum Staff Surgeon 1848 ernannt. Später 
zum Medical Inspector of Her Majesty's 
Customs erwählt, hatte er diese SteUung 
fast 30 Jahre inne bis zu seiner Pen- 
sionierung. D. starb 9. November 1894. 
Auf langen Expeditionen in Westindien, 
Ostindien, China, zum Teil auch während 
der dort geführten Kriege, sowie im Krim- 
kriege thätig, zeiclmete sich D. vielfach 
aus und beschrieb die Reisen des Schiffes 
„Chesapeake", die antarktische Expedition 
der „Pagoda", veröffentlichte ,,Co7Üributi- 
ons to antarctic meteorölogy" (1846), statis- 
tische Gesundheitsberichte (1862 bis 81), 
über Sypliilis in der Plotte (Transact. of 
the epid. soc. 1864), über Skorbut in der 
Handelsmarine (1866), sowie ,,0n health 
of merchant seanieyi' (Lancet 1866, 1867, 
1868). 

Diday, Charles-Joseph-Paul, 
Ex-chirurgien en chef de TAntiquaille 
(Höpital des veneriens de Lyon), einer 
der bekanntesten und schreibseligsten 
Syphilidologen Frankreichs in der Neu- 
zeit, wurde 1812 in Bourg geboren. Er 
machte seine Studien in Paris, wurde in 
Lyon Chirurg des gedachten Hospitals 
und wnsste dieses durch seine Bemühun- 



Dietrich — Bteulafoy» 



fSV» 



gen ans einem blossen Hospital m eine 
Schule für Syphilographie unutuwandeln. 
D., der 8. Januar 1894 starb, war 34 Jalire 
lang General-Sekretär der Societe de niM. 
in Lyon und sclirieb : „Truiti' de la 
Syphilis des nouvtati-nes et des tnfunts ä la 
mameUe" (Paris 1854» auch englisch und ita- 
lienisch) — „ExposUimi critiqut et pratique 
des nouvdfea dodrinee sur la sypliilis^ »uivie 
d'une Hilde sur de nourcau^c mot/ens preMer- 
vatifs des fnalmlieH rhieriennes" (Paris^ 
Londres et New York 1858) — „Hisloire 
ttaturdle de la syphüiM^ le^ons prof'es9P.e8 ä 
V^cole praiique de la facultl dt medecinc de 
Parinen mars Isii'S'^ (Paris 1863) — ^Thera- 
jte^äiquc dv^ mahvUcs vcHthrienni'S et des 
tmdadie^ cutamrs** (Paris 1876^ in Ge- 
meinschaft mit A. DovoN), dazu eine 
imübersehbare Zahl kleinerer Aufsatjce 
über derm ato logische , chirurgische und 
nied.-histor. Tbem^tii, die lu den be- 
kaiinten Quellenwerkeu registriert sind. 
Außerdem gründete D. die ,, Gazette 
inedicale de Lyon** und gab mit J. Rollkt 
das ^Annuaire de lasyphili» et desmaladUs 
de la peau" (Paris et Lyon 1859) heraus, 
von welcli' letzterem jedoch nur ^.in Jalir- 
gang erscbien. 

Dietrich, Eduard., in Merseburg, 
la UktubtT 1860 in Sitteuflorf, Kr, Snnger- 
hauseo geb., studierte zuerst Jura und 
Cameraiia. dann ^ledizin in Leipzig, 
Grittingen und Halle a. S.. Dr. med. 
HaUens. 1884, von 1883 bis 85 Volontär* 
arzt an der Wubkti sehen Klinik in Halle, 
sowie an der Universitat*-Fraueukliuik 
unter Olshacsex, von 1885 bis 86 Assistent 
von Genzjier im Diakomsssenhause, 1889 
Jvreiäphysikus in Lieben werda, seit 1896 
in Merseburg (vorher von 1888 bis 89 
Kreiswundaret in Möokem), Schriften : 
^Vher die Einwirkunff deti Cämtm- und 
Bubidiumchlorid auf dm quergcstreiftett 
MuMieel des Frosches'' (Dis«:) — „Beobach- 
iungen ührr eine InfectionskratMeit des 
Vberschwemmimgsgebrietes der schtcartcn 
FMtcr' {Berlin 1892) — „Staat und 
Krankenpflege** (Ib* 1896) — „Geschieht lief le 
Entmekeiung der Krankenpflege'' (Ib, 1898 
als L Lief, de« grossen Handbuchs der 
Kranken pHege und Kranken verstirgung 
von Jacousoun, LtF4Ui und G, Metpr) — 
i,Äritliche Rechts- und Gesetitskunde*' (Leip- 
Jtig 1899 zus. mit RjirMi:KD)^ verschiedene 



kleinere Arbeit^Ji atif den Gebieten der 
Sanitiits- und Mediziualpolizei, Ki^aiiken- 
ptlege und Standesangelegenheiten (Heb- 
ammenwesen und Ref*>rni, Kurpfusclierei 
und 8i"liäden derselben u, s, w,) in der 
Ztschr. f. MedLzinalbeamte, D. m. W, 
und der von D, selbst zus. mit Paul 
Jacobsokn 189B begründeten und heraus- 
gegebenen „Deutscheu Krankenpfleger- 
Zeitung.*^ 

DieulafOy, Georges, Prof, agi-ege 
membre de l'Acad. de med, und Med, des 
Lop, in Paris, geb. 1840 in Toulouse, 
studierte in Puris, wurde daselbst 1869 
Dr, mit der These : „De la rnort subih' 
dnns la fltvre tgphnide*' und konstruierte 
bereits in demselben Jalire den be- 
kannten Aspirutionsapparat zur Entlee- 
niTig von Exsudaten, worüber er ver- 




o f f e n 1 1 i c 1 1 i e : . , fte t 'asp iral hm pne u matiq ue 
80HM*cotäafuL'. Mi'thiide de diagnosiu et de 
traitement*^ ^Pans 1870; engl.: London 
1870|, femer: „IM diagnmtic et du trauen 
niffit den kysten hgdütiqms et des abs&^a 
du foie par uHpiration" (Paris 1872) — 
.,Dm diagnoaiic et du trait erneut dtai ^jmn* 
chenient Haigus d chroniquen de la plhyre par 
aapiration^ (Ih.), endlieli den zusammen- 
fassenden ,,Traiti de faspiratian des 
liquideH wc/^rfiirft-«*' (Paris und London 1873), 
Ausserdem sind zii nennen : ^^Manuel de 
pafhohigie intcrnt'" ilU ed. Paris 1898^ — 
^^Ciiniqm mMlcale de Vh6tel*liieu de Pärin^'' 
iß voll, Paris 1896 bis 99). 



395 



Dimmer — Disselhorst. 



OVD 



Dimmer, Friedrich, in Innsbruck 
geb. zn Pra^ 7. November 1855, studierte 
in Prag und Wien als Schüler von Arlt, 
Ed. Jaeobr und Fuchs, Dr. med. Wien 1878, 
von 1880 bis 87 Assistent bei den ge- 
nannten Ophthalmologen, 1885 habilitiert, 
ist seit 1895 ordentlicher Professor der 
Augenheilkunde in Innsbruck. Schriften : 
„Der Augenspiegel und die ophthalmologische 
Diagnostik'' (Wien 1887; 2. Aufl. 1894) — 
fjDie ophthalmoscopisdien LicMreflexe der 
Netzhaut" (Ib. 1891) — „Beiträge zur 
Anatomie und Physiologie der niacula lutea*' 
(Ib. 1894), dazu zahlreiche kleinere Jour- 
nalabhandlungen. 

Dinkler, Max, Aachen, geb. in 
Koenigsee in Th. 27. April 1863, studierte 
in Erlangen, Jena, Heidelberg, Halle, 
Berlin, promovierte 1887, war von 1888 
ab bis 96 Assistent an der med. Klinik 
von Prof. Erb in Heidelberg, wurde 
1890 Privatdozent, 1894 Professor e. o. 
in Heidelberg und ist seit Sept. 1896 
Oberarzt der inneren Abteilung des 
Luisenhospitales zu Aachen. D. ver- 
öffentlichte die Habilitationsschrift über 
Sclerodermie, ausserdem eine Reihe von 
Abhandlungen auf neurolog. und inner- 
mediz. Gebiet. 

DippCf Hugo, in Leipzig, geb. 
21. Dezember 1855 zu Tilsit in Ost- 
preussen, studierte in Leipzig hauptsäch- 
lich als Schüler von E. Wagner, approbiert 
1878, Dr. med. 1880, von 1880 bis 83 
Assistent a. d. med. Klinik (unter E. 
Waoner), bis 1886 an der med. Poliklinik 
(unter v. Strüempell), ist seit 1886 Her- 
ausgeber von Schmidt's Jahrbüchern der 
ges. Med. und verfasste: „Wie studiert 
man Medicin?" (Leipz. 1884 u. in weiteren 
Auflagen) — „Innere Med." (Ib. 1893) — 
„Die Infectionskrankheiten" (Ib. 1896). 

DirUl, Oscar, zu Kissingen, 
wurde 19. Mai 1849 in Erlangen Doktor 
mit der Diss. : „Über Fistida ventriculo- 
colica'% schrieb: „Histor, Untersuchungen 
über das Chinoidin in ehem., phamiac. und 
therap. Beziehung u. «. w." (Erlangen 1850) 
und gab das 2. Heft von C. Canstatt's 
„Klin. Rückblicke und Abhandlungen" (Er- 
langen u. Frankf. 1851) aus C. Can8tatt*s 
Nachlasse heraus. Er war von 1851 bis 



58 prakt. Arzt in Neapel und ist seitdem 
noch zur Zeit Geh. Hofrat und Kg^. 
Brunnenarzt in Kissingen, verfasste einige 
Badeschriften über diesen Kurort, wovon 
die umfassendste (20 Bogen) in 6 Auf- 
lagen 1869 bis 92 erschien, ausserdem 
eine engÜsche Ausgabe derselben 1887. 
Die Kinderheilanstalt Bad Kissingen steht 
seit 1891 unter seiner ärztlichen Leitung. 

DISS69 Joseph, in Marburg, geb. 
1852, studierte in Erlangen, hauptsächlich 
als Schüler v. Gerlach *s, promovierte da- 
selbst 1875, war zunächst Assistent an 
dem dortigen anat. Institut, dann in 
gleicher Eigenschaft unter Walde ykb in 
Strassburg thätig, folgte 1880 einem Ruf 
als Professor an die Universität von Tokio 
und arbeitete nach der Bückkehr aus 
Japan eine Zeitlang unter Waldeyer in 
Berlin. 1889 habilitierte sich D. in 
Gt)ttingen, wurde dort 1894 Professor 
e. o., ging in demselben Jahre nach 
Halle und von hier aus bereits 1895 nach 
Marburg, wo er gegenwärtig Prosektor 
am anat. Institut ist. Ausser seiner 
Diss. : „Beiträge zur Anatomie des Kehl- 
kopfes" hat D. noch verschiedene Ab- 
handlungen zur Embryologie, Beiträge 
zur Kenntnis der Spalträume des Men- 
schen, über die Ausbildung der Nasen- 
höhle nach der Geburt, Lage der mensch- 
lichen Harnblase, über die Lymphbahnen 
der Säugetierleber, sowie einen Grundriss 
der Gewebelehre veröffentlicht. 

DiSSelhorSt, B u do l f , in HaUe a. S., 
geb. zu Rinteln a. W. 4. Januar 1854, 
auf der tierärztlichen Hochschule, sowie 
an den Universitäten Halle, Berlin und 
Gt5ttingen ausgebildet, Dr. med. Halens. 
1884, Dr. sc. nat. Tubing. 1896, 1881 als 
Tierarzt approbiert, war bis 1886 Assistent 
in HaUe, 1886 bis 87 Prosektor an der 
tierärztlichen Hochschule in Berlin, wurde 

1891 als Arzt approbiert und war von 

1892 bis 97 Prosektor am anat. Institut 
in Tübingen. Seit 1897 ist D. Professor 
für Tieranatomie und -Physiologie und 
Dirigent der Veterinär - Abteilung am 
landwirtschaftl. Institut der Universität 
Halle a. S. Schriften: .^Studien über die 
Auswanderung farbloser Zellen aus dem 
Blute" (ViRCH. Arch. 1887) — „Der Harn- 
leiter der WirbeUiere" (Anat. Hefte 1892) 



397 



Dittel. 



— „ Die accessmischen GeschJecMadriiaen der 
WirMtiere*" (Wiesbaden 1896) — „Per 
gegenwärtige Stand der Trichinenfrage*' 
(Ztschr. f. Tiermed, 18a8) — „Über Asym- 
ntetrit und Oetvichttnintersvhiede der Gt- 
Btihleckt^rgane" {2hymo\, Aroh.f. wissensch. 
Tierlieilk. XXIV 1898) — „Anatomie und 
Entitlcfdungsgeschidäe des Auges" (zns* mit 
V, Lenrossek, Jahresber. üLer OplitliahncjL, 
hrsg, V. MicHKL XXVI n. 97) — „Hermann 
FiHz, ein Lebefisbild*' (Areh. f. prakt. luid 

, wißB. Tierlieilk. 1899)^ sowie zahlreiche 

L Referate und kleinere Aufsätze. 

Dittel, Leopold Ritter v., 15. 
Mal 181ä zu Fulneck in Schlesien ^eb.^ 
studierte in Wieii^ wo er 9. Juni 1840 
promoviei't wurde und sich den Grad 

.eines Doktor der Chiruriene und 

fMagiäter dex tToburUhilfe 

^erwarb. Er liess sitih zu- 
B&chst ak prakt. Arzt 
in Wien nieder imd 
betrieb mit ij^rosser 
Emsigkeit orthupä- 
discLe Studien, wäh- 
rend er im Sommer 
alljährlich als Bude- 
arzt In Trentschen- 
Teplitz praktizierte. 
Krst verbal tnismäsij ig 
spät entschied ersieh 
für die Wissenschaft^ 
liehe Laufbahn. Zn- 
nichst wurde er Hilfs- 

t arzt am ullgemeinen 
Krankenbanse in Wien^ 
eine Zeitlang war er auch 
Assistent an der Anstalt für Staatsarznei - 
künde unter Kollktschka. Dann trat 
er als Afisistent bei Dimkocher ein und 
unter dessen Leitung bildete er sich zum 
Spezialehirurgon, namentlidi in der Uro- 
logie ans. Kach Absolvierung der Assisten- 
tenzeit an der DuMREicHEB^schen Klinik ha- 
bilitierte er sich 1856 als Privatdozent der 

'Chirurgie an der Wiener Universität. 
1861 erfolgte seine Ernennung zum Pnmar 
arzte der chir, Abteilung im k. k, dl- 

l^emetnen Krankenhatise In Wien nnd 
1865 wurde er zum Professor e. o. der 
Chirurgie ernannt. Die ihm 1880 ange- i 

ibotene ordentliche Professur als Na*'h- 
folger Dümheicher's lehnte er ab^ verblieb ] 
vielmehr in seiner vorherigen Stellung, f 



feierte 9. Juni 1890 sein 50 jähriges 
Doktorjubiiäum, wobei Ihm ebenso wie 
bei seiner 80, Geburtstagsfeier zahlreiche 
Ehrungen bereitet wurden und starb nach 
liingerer Krankheit 28. Juli 1898. D's 
TÄissenschaftlieher Kuf ist durch seine 
Leistungen in der Urologie begründet, 
die ihn den Hauptrepräsentanten dieser 
Wissenschaft in der Neuzeit : Sm Henby 
Thompson und Felix Güyon ebenbürtig zur 
Seite Stelleu. Seine zahlreichen Arbeiten 
auf lÜeisem Gebiete betreffen fast alle 
Kapitel, die Krankheiten der Blase, der 
Pi-ostata, der Hamj'tihre; eine Reihe 
vrm operativen Modifikationen und in- 
st nunenteilen Neuerungen sind ihm zu 
verdanken. In der Gedenkrede von 
Alükrt in der Wiener Gesellschaft der 
Arzte, deren Ehreuprä^ideut D. 
war iW. k. W, 1898 Nr. 42), 
werden als eigentlich origi- 
neOe Leistungen D.'s auf- 
gezählt r Die Konstruktion 
einesÄrzneimittelträgers 
zur lokalisierten Medi* 
kation der liarnrrdire, 
die Mitbegründung 
resp. der weitere Aus- 
bau der endoskopi- 
schen Diagnose, be- 
sonders der Blasen- 
tumoren, die An- 
bringnug des Glüh- 
lämpcliens am Kjsto- 
fckop an Stelle des 
frülieren Platindrahtes, 
wodurch die Wasserspülung 
entbehr hch wurde, die Empfeh- 
lung der Rektal punktion bei der Harn- 
verhaltung der Prostatiker, die syste- 
matische V^ei-werttmg des hohen Blaseu- 
stichs, die erstmalige Einfülinmg eines 
Kautschukkatheters durch die Fistelöff- 
nimg u. V. a. 1884 hatte er bereits 52 
mal den hohen Blasenstich ausgeführt 
und 1894 konnte er über das achte hun- 
dert seiner Steinu2«erationen einen Bericht 
veröff entheben. Die erste Publikation 
D's zur Urologie erfolgte 1854 in einem 
Fall von Fremdkörper in der Harnblase, 
geheilt durch den Mastdarni-BläÄenschnitt. 
1859 erfolgt-en die „Beiträge zur Pattiologie 
utid Therapie der männlichen GescztlecktB- 
t heile'' — 1861 em Artikel über die 
„Eitäheünng der Ifamrohretisiriduren** — 



399 



Dittmar — Dittrich. 



400 



1862 die „Beiträge zur Patttologie und 
Therapie der Hamröhrenstriäuren^ — 
„C(ülÖ8e Striäur"" — 1863 ein FaU von 
„Narbenstridur im hühären Theü der 
Harnröhre^ erweitert mit Hdd's Dilatator^'' 

— „Die Nosologie der Hamr'öhrenfisteln" 

— 1864 ,fDer Katheterismus" — „Apparat 
zur Fixirung desKatheters". Daran scliliessen 
sich : „ Beitrag zur Leh e der Hypertrophie 
der Prostata" (Österr. med. Jahrb. 1867) — 
„ DÜatator für Verengerun gender Harnröhre^'' 
(Ib. 1869) — ,JIbereirwn neuen Apparat zum 
hohen Blasenntitihe'' (1869) und „Ein neuer 
Apparat zur Hiyitanhaltung der gefährlichen 
Folgenbeim hoheii Blasejistiche" {Östevr. med. 
Jahrb. 1S70) — ,,Der Steinsauger'' (Allgem. 
Wiener med. Zeitung 1870) — „Die 
Stricturen der Harnröhre" (im Handbnche 
der Chirurgie von PiTHA-BiLLnoxn, Bd. 111*, 
Abt. 2, 1872; dasselbe in der Deutschen 
Chirurgie von Billrotii-Lücke) -- „Über 
Enuresis'' (Wiener med. Jahrb. 1871^ — 
„Ablösung der Mastdarmwand" (W. m. W. 
1874) — „Zur Behandlung der Hypertrophie 
der Vorsteherdrüse'' (Ib. 1876) — „Beiträge 
zur Verbandlehre, Katheter stativ" (Ib. 1878) 

— „Operationen der Blasemt eine" {Ib. 1880) 

— ,. Ein yuuer Heürersuch gegen unheillxire 
Darm- BlasefiscJieiden fisteln" (Österr. med. 
Jahrb. 1881) — ,,rber Communicatian 
zwischen dem Darmrohre und unteren Harn- 
Organen" (W. m. W. 1881) — „Über das 
Verhältniss der Lithotripsie wid Litßwtapaxie" 
(Ib. 1881) — „Über Seitensteinschnüt zur 
Entfernung fremder Körper aus der Blase" 
(Ib.l88l) — ., Nierencalculose" (Ib.l881). Auch 
andere Gebiete der Chirurgie hat D. be- 
reichert. In Betracht kommen hierfür be- 
sonders seine Aufsehen erregenden Erst- 
lingsarbeiten über die Halsfascien, über 
Coxalgie („Coxalgische Studie zur Be- 
stimmung der Grösse der Verkürzung der 
coxalgischen Extremitäten" 1866), über 
elastische Ligatur, A jour- Verband bei 
osteoplastischen Operationen nach Gkitti 
und Pi ROGOFF, über orthopädische Gegen- 
stände (über Klumpfuss 1851, pes equinus 
und valgus 1852, Skoliose 1853, genu val- 
gum 1855, über die Stellung bei Coxitis 
1856, sekundäre Luxation des Hüftge- 
lenkes 1861) u. s. w. — 1864 setzte D. 
die Gründung einer besonderen chirurgisch- 
anatomischen Anstalt durch, an der er 
selbst lange Zeit die Übungen leitete. 



Dittmar, Karl, Dr. med., geb. 17. 
Juni 1844 zu Grünstadt (R-heinbayem), war 
Schüler Griesinqer^s in Zürich und des 
Physiologen Ludwig in Leipzig, ist z. Z. 
Direktor der Lothringischen Bezirks-Irren- 
anstalt in Saargemünd. Litterar. Arbeiten: 
„Über Beixbarkeit des Eikkenmarks^^ (Ber. 
d. kön. Sachs. Ges. d. Wiss. 1870) — „t^6fr 
die Lage des sog. Gefässcentrums^'' (Ib. 1873) 

— ^^Über regvlatorische und über cyklische 
Geistesstörungen" (Bonn 1877) — ,,Vor- 
Usungen über Psychiatrie'' (1 Abt. Ib. 1878) 

— ,,Über de Frage nach der Lccalisation der 
Funktionen des Grosshirm" (Allg. Zeitschr. 
f. Psychiatrie, Bd. 39) — „C/feer Besuche 
Geisteskranker in Irrenanstalten''*' (Ib., Bd. 
51) u. a. 

Dittrich, Franz, in Nixdorf (Böh- 
menl 16. Oktober 1815 geboren, 
studierte in Prag (Hyrtl) bis zur Pro- 
motion (1841), darauf noch in Wien und 
übernahm, nach Prag zurückgekelirt, 
Assistentenstellen (bei seinem Freunde 
Jaksch und bei Ki wisch). Dann wurde er 
Prosektor der pathologischen Anatomie, 
widmete sich diesem Fache mit Erfolg 
ganz und erhielt 1848 das Professorat 
desselben zu Wien (als Nachfolger 
Dlauhy's), 1850 einen Ruf als Professor 
der medizinischen Klinik nach Erlangen. 
Spätere Rufe verschiedener Universitäten 
lehnte er ab. erlangte in Erlangen dafür 
die entsprechenden Auszeichnungen, er- 
krankte aber bereits 1856 an einem Hirn- 
leiden, welches 1859 seinen Tod herbei- 
führte. — Neben den 1845 begonnenen, 
in der Prager Vierte Ijalirsschrift publi- 
zierten Berichten über seine Thätigkeit 
am Prager pathologischen Institut, sind 
von seinen wenig zalilroichen Schriften 
zu erwälinen seine Habilitationsschrift : 
„Über den Laennt'C scheu Lungeninfarct" 
(Erlangen 1850) und die Untei*suchungen 
über Magenkrebs, Lebersyphilis, Herz- 
stenose, Herzmuskelentzündung (Prager 
Vierteljahrschr. Jahrg. 1848, 1849, 1852). 

Dittricll, Paul, in Prag, daselbst 
28. September 1859 geb., studierte in Prag 
und Wien als Schüler H. Chiari's, v. Masch- 
ka's u. V. Hofmann's, Dr. med. 1883, war 
1884 bis 92 als Assistent für pathol. Anat. 
bei H. Chiari, als Assistent für gerichtl^ 
Medizin bei v. Maschka und v. Hofmann, 



4m 



Dixon — Doenitz, 



402 



habilitierte sich 188B f. pnth. Aüat. — In 
nen wurde ihm die Venia legpudi für 
ichtl. Med. erteilt. Wurde 1892 zum 
erord. Prof. d. ger. Med. in Innsbruck, 
1S98 zum ansserord., 189ri zum nrdeutl. 
Prof. d. jü^er. Me<l. nn d, deutst'hen Univ. 
Prag emaniit, in welclier Eigenschaft 
bis jetzt thätig ist. Er veröffentlichte: 




„C&fr (las Vct'hfdttti der Muftcutnhir despuer- 
pfralnt Üftrun hu irr pnthil. VrrJmUnmen** 
^ ab i 11 ta t i < » iißse h r I f 1 1 — „ Leh rbmh der ge- 
khfL ,\MiciH'' (Wien lft97L D. ist Vor- 
Eid de.s k. k. dtnit sehen gewicht!, med. 
Tnstit. in Prrig und k, k. Limdesgerichts- 
Arzt. 1898 war er Dekan der deutschen 
mediz, Fakultät in Prag. Ist Prüfer für 
[ferichtl. Med. n. forens. Psycliia-trie bei 
di^ii Plivj^i^3>i-;[kriifini';ri'n. 



DiXOn^ James, zu London, geh» 
1814. studierte um St. Th*imßs' Hospital 
in London, wurde 1836 Meniber und 1843 
Ffdlow des Royal College of Sui-geons, 
war Assistant Surgeon am St, Thomas' 
HoK}»iral und Sur<>:eon des Royal London 
Ophthal mic Ilospituh Er verfasste: ,^A 
pikk of (ht pracimd ütwiy of diseases of 
the tye" {2. Aufl. 1859; 3. Aufl. 1866) und 
den Artikel ^^Dmoßes of fhe eye*' in Holmes 
.,Syst<;tu of Surger^^**. Er lebte ziüetzt in 
Harro w Lan<b, Dorking» Surrey uud starb 
daselbst als angesehener und gesuchter 
Augenarzt 3. Januar 1896, 



DIauhy, Antonius, geb. 1807 zu 
Pilseii als Luudsmann Skoda^s, 1834 in 
Wien promoviert, wirkte als Professor der 
pathologischen Anatomie in Prag von 1844 
bis 48, in welcbem Jahre ihn Fr. Dittrich 
(s. diesen) an dieser Lehrkanzel ereetzte. 
Er zog sich nach Wien zurück, übernahm 
hier den Lehrstuhl für gerichtliche Me<üzin 
und Stajitsarzneikunde und trat 1878 in 
den Ruhestand. L). war wiederholt Dvkun 
der med. Fakultät gewesen mnl feierte noch 
als Emeritus im Juni 1884 sein ö^ljahriges 
Doktor- Jubülium. Er veröffentlichte u.a.: 
,,De pneumoniu ad%Utorum seiunäutH (Amer- 
vaiionen in noaocomio Pragemn cullectaa^*' 
(Prag 1844) und stai-b 29. Juli 1888. 

Doederlein, Albert Slegmund 
Gustav, in Tübingen, geb. in Augsburg 
5. Juli 1860, in Erlangen und Leipzig 
(hier besonders unter ZwrjFfx) ausgebildet, 
Dr. med 1884. bis 1893 Assistent von 
Zwr.irKt, seit 1887 als Privatdozent, seit 
1893 als Extraordinarius, folgte 1897 einem 
Ruf als ord. Prof, der (Teburtshilfe und 
Gynäkologie nach Groningen in H*.tlbind 
und siedelte in gleicher Eigenschaft noch 
im Herbst desselben Jahres nach Tübingen 
über. I). ist Verf. verschiedener Publi* 
ktttionen über Kiiidbetttieber^ gynüko» 
c 1 li riu'gisc he T benia ta, Stickoxy dul-Sauer- 
sttjff-Anüstbesie u. a. 

Doenitz, Friedrich Karl Wil- 
helm, in Berlin, daselbst 1838 geb. und 
von 1859 bis 64 med. ausgebildet, be- 
sonder-s als Schüler von Rkichert und 
Frkhu HS. war von 1872 bis 75 Professor 
der med. Akad. in Tokio (Japan), später 
an verschiedenen Japan. Krankenhüusem 
im Innern, arbeitete natdi seiner Rück- 
kehr wissenschaftlich in Perl in. teils Im 
Hygienelaborat, der L^nivers., teils im In- 
stitut für Infektionskrankheiten itnter 
Koch, leitete 1893 d&s Bonner bakteriolog. 
Laboratorium für Cholera-Untersncliungen, 
war von 1896 bis 99 ÄÜtglit-d des In- 
stituts für Serum forsch ung und Serum- 
therapie, siedelte bei Umwandlung des- 
selben in ein Institut für experimentelle 
Therapie mit diesem von Steglitz b. Bei*- 
lin nach Frankfurt a. M. über, wurde 
jetioch bald (Ende 1899) zum Vorstffher der 
Kranken-Abteilung des Instituts für In- 
fektionskrankheiten in Berlin (mit dem 



403 



Dogjel. 



404 



Charakter als Geh. Med.-EAt) ernannt. 
Schriften : „De tunicae intestinorum vil- 
losae epithdio'' (Berlin 1864, Diss.) — 
„Beschreibung und Erläuterung von Doppd- 
miasgehurien^'' (1865) — „Über das Anti- 
toxin des Tetanus'' p. m. W. 1897) — 
fjjber die Grenzen der Wirksamkeit des 
Diphtherie-Heilserums^^ (Arch. intern, de 
pharmacodynamie 1899) — „Bericht über 
die Thätigkeit des Kgl. Instituts für Serum- 
forschung und Serumprüfung zu Steglitz*' 
(Klin. Jahrb. 1899), dazu noch viele Mitt. 
anthropologischen Inhalts spez. aus Japan 
in d. „Mitt. d. D. Ges. f. Natur- u. Völ- 
kerkunde Ostasiens". 

DOgiel, Jan von, geb. 7. März 
1830 zu Zalesie (Litthauen). Nach Be- 
endigung der Gymnasialbildung in Kowno 
bezog D. die medico- chirurgische Aka- 
demie in St. Petersburg und wurde 1854 
als ordinierender Arzt an dem St. Peters- 
burger Militärhospital angestellt. Darauf 
wurde er nach Finland kommandiert 
zu chirurgischen Hilfsleistungen bei dem 
Bombardement der Festung Sweaborg 
durch die anglo-französische Flotte. An 
der Universität zu Moskau wurde er 1863 
zum Doktor der Medizin promoviert. 
1865 wurde D. von dem Kultusmini- 
sterium ins Ausland kommandiert, wo er 
sich für den Lehrstuhl der Physiologie 
vorbereitete. Er arbeitete zuerst in Heidel- 
berg unter Helmholtz's, Kirchhoff's und 
Bunsen's Leitung, und begab sich hierauf 
nach Leipzig, wo er zwei Jahre hindurch 
in C. LüDwio's Laboratorium sich . mit 
Histologie und Physiologie des Kreislaufes 
befasste; ausserdem studierte er unter 
Hupprrt's Leitung physiologische Chemie. 
Zurückgekehrt wurde er 1868 Privatdozent 
für Physiologie in St. Petersburg und im 
folgenden Jahre ord. Prof. der Pharmako- 
logie an der Universität Kazan, wo er bis 
jetzt thätig ist. Seine meist experimentellen 
Arbeiten auf dem Gebiete der Physiologie, 
Histologie, Chemie und Pharmakologie 
sind in polnischen, russischen, französischen 
und deutschen Archiven und medizinischen 
Zeitschriften publiziert worden. Die rein 
zootomischen , chemischen und physi- 
kalischen übergehend, heben wir hervor: 
„Oegentvärtiger Standpunkt der Frage 
über die Siructur und Function der Lymph- 
drüsen" (Moskau 1863, russ.) — „Zur 



Lehre der Irubewegung"' (mit J. Bernstein. 
Verhandl. d.naturhist.-med. Vereins Heidel- 
berg 1866) — „Über den Mushdus dilatator 
pupillae bei Säugethieren^ Menschen und 
Vögeln" (M. Schültze's Archiv f. mikr. 
Anat. 1870 u. 1886) — „Die Betheüigung 
der Nerven an den Schwankungen in der 
Pupülenweite" (Pflüger^s Arch. Bd. 56, 
1894) — „Die Ausmessung der strömenden 
Blutvolumina" (Berichte d. k. s. Gesell, d. 
Wiss., math.-phys. Klasse, 1867) — „Ein 
neuer Versuch über den ersten Herzton" (mit 
C. Ludwig. Berichte d. k. s. Gesell, d. Wiss., 
math.-phys. Klasse. 1868) — „Über den 




Einfluss d. Nerv, ischiadicus w. A^. cruralis 
auf die Circulation des Blutes in den unteren 
Extremitäten'' (Pflüger's Arch. 1872) — 
„Über den Einfluss der Musik auf den Blut- 
kreisiaup'' (Du Bois-R-eymond's Arch. f. Anat. 
u. Physiol. 1880) — „ Ein neuer Versuch über 
d, Einfluss der Musik auf d. Blutkreislauf" 
(Kazan 1897, russ.) — „L7>er den Blutstrom 
unterbrochener Respirati^v^ (mit N. Kowa- 
LEWSKi. Pflüger's Arch. Bd. 3, 1870) — 
„Über den Einfluss der Blutentleerung auf 
diedrculatimi und die lemperaturd. Körpers'''' 
(mit Gatzük. Ctrlbl. f. d. med. Wiss. 
1874) — ,,Die Ganglienzellen d. Herzens 
bei verschiedenen Thieren n. bei Menschen" 
(ATch. f. mikr. Anat. Bd. 14, 1877) — „Ana- 
tomie und Physiologie d. Herzens der Larve 
von Corethra plumicornia" (Memoires de 
PAcad. Imp. des Sc. de St. -Petersburg. 
T. 24, No. 10, 1877) — „Sur le coeur des 
Crustaces" ^Compt. Rend. de l'Acad. des 



Dohm. 



4m 



Scieai*. Paxis 1876) — „Die Nervatzeilen 
des Herzvcntrikdfi beim Froache'' (Arch. f. 
inikr, Anat. Bd. 21, 1882) — ,,Zur Lehre 
HÖer das Nervensystem des Herzens** (iriit 
TjiriLAJ^aiw. Arch, f. niikr. Anat. Bd. 36) 
— f,Beitrag tur vergleicäendefi Atmiomie u, 
Physiologie des Herzens^'' ( Arch. f. mikr* Anat, 
Bd. 43) — ,,U Innervation du coeur des 
poissans osseujß*' (Triiv. de \a Soc. des Natnra- 
listes de Tmiiv, de Kasan, 1881, — Zeitschr. 
f, wiss. Zoologie, Bd. 37, 1882) — „Die 
Mxifikdn und Nerven des Herzens bei einigen 
Mollusken'' (Arch. f. mikr. Anat Bd. 14, 
1877) — ^Die vergleich. Anatomie^ Physio- 
logie uwl Pharmakologie den Herzenn" (Kazati 
1896, m&s,) — Jl>er die Ursache der Geld- 
Yollenbüdmig des Blutcft^' (Du Bois-REVMovD'ä 
Arch. f, Anat. und PhysioL 1879) ^ „?:ur 
Kenntnias der Eitceissreactiotien und von dem 
Verhalten des Albumins der lichtbrech. Medien 
des Auge.^'' (pKtüoEU^s Arch. Bd. 19, 1879) — 
ffVber Öion und seine Wirkung auf das Blut" 

i(Cbl. f. i m. Wiss. 1875) - „Über Biurei*' 
(mit H. Hüi'PKRT. Zeitschr. f. Chemie N. 
f. 111) — „tl>er einige einatomige gesättigte 
Alkohole*' ^PflCoer^s Arch. Bd. 8, 1874) — 
„Beiträge zur J^ehre vofi dej- Arseiiikwirkiing 
auf den thieri«ehen Organismus'* (IL. 1881) — 
,, iher die Wirkung des Chloroforms auf den 
Organismus der Thiere im Allgemeinen und 
besonders auf die BmcegtmQ der Iris^ (Du 
Büis-IiKYMoxri's Arch. 1866) — „Ein Mittel, 
die Gestalten der Schneeflocken kihifittich zu 
erzeugen*^ (Melanges Physitiues et Chim. 
Bulletin de TAcad. Imp. d. Sc. de St.- 
Petersbourg, T. 9) — „ Handbuch der Pharma- 

Ikdogie'' (Receptiir, St.-Petersburg 18R3, 
k) — ^Lehrbuch d, phynolog, Pharma- 

fkolagie^ (Ib. 1899). — Unter der Leitung 
B.-ß haben seine Schüler Themata aua der 
Blut- tmd Kervenphysiologie bearbeitet, 
soZegusskj, Jegorow,Kazem-BecKj NreoLSKi, 
FaoTOPOPOw u- a. 

Dohrn, Rndolf, geboren in Heide 
(Norderdithmarschen) 24. August 1836, 
studierte in Kie] und Leipzig (Litzmann, 

.ScHWARTÄ und Crede). Am 18, JuJi 1859 

[»promoviert, wurde er Ositem 1863 Prof. 
rdinarius und Direktor der gebiu*tÄh. 

f" "Klinik zu Marburg, Ostern 1883 Direktor 
der gynäkologischen Klinik zu Königs* 
berg in Preussen und trat 1897 in den 

filuhestand^ den er gegenwärtig in Dre«- 
dtai zubringt. Schriften: Zu den in 



der älteren Quelle genannten (1861 bis 
83) kommen binzu: „Ein verheiratheter 
Zwitter" (Arch. f. Gyn. 1883) — ^.Zustände 
des Hebammemcesefin in Osfpreusatn^^ (Ztschr. 
f. Geb. 1884) — „Die Bildungsfehler des 
Hymens^' «D).) — j, Todes falle an Emboli e b. 
UnterkibstumorcH*' db.i — „Über die Aus- 
breitung gebart sh. Ff tischerei in Östpreussen** 
(Ib. 1886) — ,,MortaHtät in den Entbindungs- 
amtalteth Deutscldajuls 1874^1888" (Ib.) — 
„Ein Fall von EpiRjHidie" (Ib.) — „Zwei 
Ausfälle dt-r KHnik" \C\h. f. Gyn. 1886) — 
„Über die zettUche Trennung von Wendung 
und Extraction*' (Ztäclir. f. Geb. 1887) — 
„ Hat das et\ge Becken Einfiuss auf die Ent- 
stehung des Geschlechts?** <Ib.) — ^^Über das 




glatte Becken'* (Hebamjnenzeitung 1888) — 
I „Ejxoriation der Sfirnftuttt bei Hnem Keugd>" 
(Zeitschr. f. Geb.) — „IHe operativen Be- 
fugnisse der prewsi^^chen Hebammen'^ (D. 
m. W. 1890) — „Üfjcr die Nachprüfungen 
der Hebammen^'' (Ib. 1890) — .^Zur Kennt- 
niss des Meckanimnus der Bespiration des 
Neugdt.^ (Verb, des Kougr. zu Freiburg 

1890) — „100 Otanotomien'' (Cbl. f. Gyn. 

1891) — f,Ein Fall v*m Nierenexstirpation 
bei einem Sjährigef^ Kinde'* (Ib. 1891) — 
,,rber hereditäre Infect.'' (D. m. W. 1892) 
— ^^Zur Kenntniss der Wirksamkeit ge- 
burtfth* Pfuscherinnen" (Cbl. f. Gyn.) — 
,, Preussisches Hcbarnrnndehrbiuh " (Berlin 

1892) — „Über Zulassung ueiblicher Ärzte" 
(D, m. W. 1893) — „Ein Ftdl gestellter 
ütertisruptur- (Clb. f. Gyn. 1894) ^ „tW 
Leistung von Kunst hdfc in der geburtsh, 
Praxis" (VoLKM, Vortr. 1894) — ,,Über den 



407 



Doijer — DoUinger. 



408 



Kaiserschnitt bei verstorbenen Schwängern" 
(Ib. 1897) — „Über die Behandlung der 
Nachgeburtszeit" (BerHn 1898) — „BerichU 
über die Leistungen in der Geburtshilfe (in 
den ViRCHow'schen Berichten 1876 bis 99). 



Doijer, Derk, emerit. Prof. der 
Augen- 11. Ohrenheilkunde in Leiden^ da- 
selbst 21. Dezember 1896 verstorben, war 
1827 in ZwoUe geboren. Er studierte auf 
der Reichsschule für Militärmedizin in 
Utrecht, wurde 1849 Gesundheits-Offizier 
3. Kl. in Amersfoort, ging 1851 als solcher 
2. Kl., nach der Promotion als Dr. in 
Leiden, nach Indien, wurde in Batavia 
Dozent an der Medizinschule für Java- 
nische Doktoren und trug daselbst Ana- 
tomie und Physiologie vor. 1859 wurde 
er Gesundheitsoffizier 1. Kl. (Chirurgien 
major) und nach Samarang versetzt, er- 
hielt 1860 Urlaub in die Heimat und hatte 
Gelegenheit sich in Utrecht imter Dondrks 
in der Augenheilkunde auszubilden. 1862 
kehrte er nach Indien zurück, trat aus 
dem Militärdienst aus, erwarb sich in 
Batavia eine glänzende Stellung als Augen- 
arzt, wurde nach seiner Rückkehr 1869 
zum a. o. Prof. der Ophthalmologie an der 
Reichs-Universität Leiden, 1877 zum ord. 
Prof. ernannt; gleichzeitig wurde ihm die 
Ohrenheilkunde übertragen. 1895 legte er 
seine Professur nieder. Litterarisch ist D, 
nicht besonders hervorgetreten. 

Dolega, Max, in Leipzig, geb. 1864 
zu Leipzig, daselbst ausgebildet und als 
Assistent an der Universitätsklinik unter 
CüRSCHMANN eine Zeit lang thätig, übernahm 
später die Direktion der Schreber-Schill- 
BACH'schen Anstalt für gymnastische Thera- 
pie und Orthopädie. Seit 1897 für diese Dis- 
ziplinen habilitiert, starb D. durch Selbst- 
mord 8. Juli 1899. Seine Arbeiten be- 
trafen die Massage und Orthopädie. Er 
veranstaltete eine deutsche Bearbeitung von 
Jenfzer u. ßourcarfs Heilgymnastik in dtr 
Gynäkologie, bearbeitete für Naumann's Bibl. 
f. deutsche Ärzte den Abschnitt: „Massage, 
ihre Technik und Anwendung'''' und publi- 
zierte noch monographisch eine ausführ- 
liche kritische und klinische Untersuchung 
„ Über die Rückgrat - Verkrümmung bei 
Kindern'-'', 



Dollinger, JuHus. geb. in Buda- 
pest 8. April 1849, machte daselbst den 
grössten Teil seiner med. Studien, studierte 
einige Semester auch in Wien und Berlin, 
wurde 1875 in Budapest promoviert. Er 
hatte sich besonders zu anat. Studien hin- 
gezogen gefühlt und wurde 1874, noch 
als Student, zum Assistenten von Scheut- 
HAüER ernannt. 1876 wendete er sich der 
Chir. zu und wurde in der Klinik von 
KovACS Operationszögling und 1877 eben- 
daselbst Assistent. Die Okkupation Bos- 
niens machte er als Oberarzt eines Infant.- 
Reg. mit und leitete auch nach der Ein- 
nahme Serajewos eine Zeit lang eine chir. 
Abteilung des Milit.-Spitales daselbst. Aus 
dem Feldzuge zurückgekehrt, wendete er 
sich der Orthopädie zu. 1882 trat er eine 
wissenschaftl. Reise an, besuchte die Ortho- 
päd. Anstalten und chir. Kliniken Deutsch- 
lands, Frankreichs und Englands und ver- 
öffentlichte seine Erfahrungen in Briefen 
(OrvosiHetil.,1882). In demselben Jahre noch 
habilitierte er sich als Dozent für Ortho- 
pädie an der Budape^ter Universität. 1883 
gründete er eine Orthopäd. Privatheilanstalt 
in Budapest und in demselben Jalu*e ein 
Ambulatorium für an Verkrümmungen 
leidende Arme. Die Anstalt blühte rasch 
empor und bietet ein reiches Material zu 
seinen Vorträgen über Oi-thopädie . zu 
orthop. Operationen und zum prakt. Unter- 
richt in der Massage. 1889 wurde er 
zum Chefarzt der chirurg. Abteilung im 
Spital der barmherzigen Brüder in Buda- 
pest, 1891 zum Prof. e. o. ernamit, 1893 
wurden ilmi auf der internen Klinik 
Ketly's die visceral, chirurg. Fälle über- 
tragen. 1895 wurde seine Lehrberech- 
tigung auf die ganze Chirurgie erweitert. 
1897 wurde er zum Nachfolger Kovacs 
vom Professorenkollegiuni einstimmig zu- 
nächst vertretungsweise berufen und 1898 
definitiv zum ord. ö. Professor und Direktor 
der chir Klinik bestätigt. Die Klinik 
verfügt über 86 Betten nebst freier 
Auswahl der Krankenaufnahme aus einem 
grossen Ambulatorium. Zu den im Biogr. 
Lex. (VI, 708) verzeichneten Publika- 
tionen D.'s sind seitdem noch folgende 
wichtige hinzugekommen : „ Wie verhalt sicJi 
die Vererbung des angeborenen Klumpfusses 
zur Weissmann - Ziegler^ sehen Theorie der 
Vererbung'' (W. m. W. 1887) — „ Beiträge 
zur Jodoformätherbehandlung der tiä)erkU' 



im 



Domricli — Bondere. 



410 



Umn Enoclmicnf zünduvg'''' (Ib, 1889) — jjst 
die Knochthtuherkulose migetrbtf'* (Ib,) — 
„Wann »oil der fuberhäim WtrbelabdCesH 
geöffnet irerden?' (CM. f, Ch, 1889) — ,,Die 
Ma»mge für praktische Ärzte ti. Mediziner'* 
(Stnttgart 1890j — „Oitkotomien an den un- 
teren hxtremitäten" (Orv. Het. 1890) — ,.Zur 
Frage der WundMiandiung ohne Dränage" 
(Ib.) — ^^Arthrodesen beider Kinder Uihmung^^ 
(CbL f. eil. 1891) — ,,SchcnkelhahbruchgefteiU 
mit SütkTdrohttmht"- (Ib.) — ,.Ein Fall von 
Spondgloliiitheifis'''^ (Ib.) — ,, Ratection de» 
Sleriiums wegen reirasternalem ÄbBcess in 
zitei FäUtn'' (Orv. Het. 1892) — ,,Re9ectim 
der Symphyiie icegen Necrosc^^ (Di.) — „Mact' 
weti's radicale Oi^eration bei Leisteftbruch'* \ 
ilb.) — „G^(fostomit'btiOe8f>itfiagu8S(trictur" 
{Ih.) — .fEnochenmiht ohne Dmchbohrung 
de9 Knochcfis" (Cbl. f. Ch. 18it2) ^ „Die 
Behandlung der ttd^erkulösen KutKhen ujvi 
Gelenke'' (0^^^ Het. 1893) - „Exstirpation 
der Xiere wegen putrider Pyäitia'' (Tb.) — 
ryGipsverband zur ßehawUung der Ober- 
tckenkelfractHren*' (Cbl. f. Ob. 1894) — ,,Ein 
-^BÜiienenntiefei zur ambidanten Belutitdbmg der 
Unterscftenkelfracturen" (Cbl, f. CK. 1894 ii. 
Orv* Het.) — ,.Die subcutane ExatirjHition der 
t\4berkidmen Lym^Mrüsefi des Halses^ des 
Nackens und der Sfibmaxillargegefid" (D. 2t. 
f. Ch. 1894 und Ov\\ Het.) — ,Mie Be- 
handlung der tuberkuiöffen Wirbelentriindung 
nebst fiQthol, Erfahrungen auf G^^und t?07» 
700 Fällen*' (Orv. Het. 1896 und deutsch: 
Stuttgart). Seither erschienen: ^^Die am- 
bulante Behandlung der Fraduren der unteren 
Ertremitäten*' (Orv, Het. u. deutsch: W. 
KliuLk, Heft No.U, 1898) — ,, Dan Prinzip 
der Construction von Vabänden und Protheun 
bei tuberkuBser Entzündung der Kf wehen 
und Gelenke" (D. Z. f. orthop. Ch. 1899). 

Domrich, Ottomar, zuMeinuigeii, 
geb. zu Oidisleben (Sachs, -Weimar) 22. 
April 1819, studierte 1837 bis 42 zu Jena 
und Würzburg^ wurde 1842 in Jena Doktor 
mit der Diss. : „De oesophagi »trictura*% war 
dann Hilfsarzt an den TereLu. Heilanstalten 
daselbst bis 1845 und habilitierte sich in 
diesem Jahre als Privat doxent für psych. 
Kranklieiien, ps%^ch, Anthropologie, allgem. 
PathoL und Physiol. 1846 wmde er zum 
Direktor des physioL Institut, in welchem 
er die phyaioL und hiatol. Arbeiten zu 
leiten hatte« ernannt. 1848 zum a. o. Prof., 



1854 zum ord. Honorar. -Prof. Ausser Bei- 
trage^ zur Neuen Jenaischen Utteratur- 
Zeitung, zu Hae-skr^s Archiv und den von 
ihm, zusammen mit seinen Kollegen, heraus- 
gegebenen Jenaischen Annaleii für Phj^sioi. 
und Med. (1849 bis öl) schrieb er: ,,Die 
psych. Zustände^ ihre organ. Vermittelung 
und ihre Wirkung in Erzeugung körperL 
Erankh.'^ (Jena 1849). 1856 wurde er nach 
MeLniiigeu als Hol- tiud Med.-Eat, herzogL 
Leibarzt, Mitglied der Med.-Deput-ation 
und Leiter des Georgen - Krankenliauses 
berufen. Er ist zur Zeit G-eh. Rat, Med. 
Referent a. D. im Ministerium und Leib- 
arzt. 

DonderS, Frans Cornelis, geb. 
27. Mai 1818 zu Tilburg in Noord-Braband, 
trat im Alter von 17 .Jahren zu Utrecht 
als Zrögling in das grosse Reichs-Hospital 
für Militärmedizin und widmete sich an 
dortiger Universit^it von 18H5 Uis 40 dem 
Studiimi der Medizin. Wäluend zweier 
Jahre, nach beendigtem Studium erst in 
Vliessijigen, dai-uuf im Haag, «Is Militär- 
arzt angestellt, jirumovierte D. an der 



Universität Leiden auf Grund einer ,,Dis- 
sertatio Sfstnis ttbüervationes nnatumico-patho- 
kgicas de centro nen^a^o" und wirkte dann 
als „Lector anatomiae et pbysiologiae" an 
der Utrechter militärärztlichen Reichs- 
schule bis 1848, dem Zeitpunkte seiner 
Berufung zmii Profe^ssor e, o. an die med. 
Fakultät der ütrechter Universität. Ange- 
regt durch die Forschungen von Schlkidenu, 
Schwann und unterstützt von einem Che- 



411 



Dorao. 



412 



miker, wie Mdlder, hatte sich D. zunächst 
mikroskopischen und mikrochemischen 
Untersuchungen der tierischen Gewebe 
zugewendet und die Ergebnisse derselben 
(1846) in den „Holländischen Beiträgen 
zu den anatomischen und physiologischen 
Wissenschaften", welche er im Vereine 
mit Van Deen und Molkschott herausgab, 
veröffentlicht. Aber schon vorher noch 
hatte D. durch seine 1844 gehaltene und 
1845 im Druck erschienene Eede: „Blik 
of de atofwisselinff alft bron der eigen wannte 
van planten en dieren", die Aufmerksamkeit 
auf sich gelenkt. In dieser Rede wird 
die Haut als Wärmeregulator des tie- 
rischen Körpers erklärt und es werden, wie 
man heutzutage sagen kann, dem Frinzipe 
von der Erhaltung der Arbeit entspre- 
chende Anschauungen über die Vorgänge 
des Stoff- und Kraftwechsels in den or- 
ganischen Leibern entwickelt. — Auch 
der grosse Ophthalmologe regte sich in D. 
schon in diesen ersten Jahren seiner schrift- 
stellerischen Thätigkeit. Es erschienen 
die Abhandlungen : „De bewegingen van het 
menschelyk oog^^ (Holland. Beiträge 1846) 
— „Über die Bestimmung des Sitzes der 
mauches vdantes*' (Z. f. phys. H. 1847) 
und die von D. seit 1845 redigierte medi- 
zinische Zeitschrift „Het Nederlandsch 
Lancet", von welcher zwölf Bände er- 
schienen sind, brachte 1848 die Abhand- 
lung: „De anwending van prismatische 
briüenglazen tot genezing van scheelzien". 
In demselben Jahre erschienen die Arbeit 
„ Über den Zusammetihang zwischen dem 
Convergiren der Sehaxen und dem Accom- 
modationszustande der Augen^*" und die Unter- 
suchungen über die Regeneration der Horn- 
haut. Mit seiner 1852 erfolgten Ernennung 
zum ordentlichen Professor wandte sich 
D. vornehmlich der Ophthalmologie zu 
und übte bis 1862 augenärztliche Praxis 
aus. Seit 1855 Mitredakteur des v. 
GRAEPE'schen „Archivs für Ophthalmo- 
logie", eröffnete D. 1858 das aus frei- 
willigenBeiträgen hervorgegangene„Neder- 
landsch Gasthuis voor ooglijders" zu Ut- 
recht, in welchem er augenklinischen, auch 
von Ausländem, namentlich von Deutschen 
stark besuchten Unterricht erteilte, dabei 
war er trotz zeitraubender praktischer 
Thätigkeit, rastlos schriftstellerisch thätig 
und veröffentlichte eine grosse Zahl von 
Joumalaufsätzen zur vergleichenden Anat. 



und Physiologie des Sehorgans, welche 
das ältere Biogr. Lexikon verzeichnet. 
(B.-L. n p. 203). Die wichtigsten darunter 
sind diejenigen Arbeiten, die sich auf 
Refraktion, Accommodation, Brillenbestim- 
mung etc. beziehen. 1863 erhielt D. als 
Nachfolger des 1862 verst. Schröder vaxV 
DER Kolk die ordentliche Professur der 
Physiologie, imd es wurde 1866 das ganz 
nach D.Angaben eingerichtete neue physio- 
logische Laboratorium in Utrecht eröffnet, 
wo er bis 1 Jahr vor seinem 24. März 1889 
erfolgten Ableben in segensreichster Weise 
als Lehrer und Forscher wirkte. Von den 
vielen seit 1862 erschienenen Arbeiten D.'s 
verdienen Erwähnung: 1863: „Befractions- 
anomalien, oorzaken van Strabismus" (VeraL 
en med. k. Acad.; deutsch: „Zur Fatho- 
genie des Schielens" [Arch. für Ophthalmo- 
logie]) und „ Über einen Spannungsmesser 
des Auges" (Ophthalmotonometer; Ib.), so- 
dann aber vor allem 1864: „Tfie anomalies 
of refraction and accommodation" (edit. by 
the New-Sydenham Society; 1866 erschien 
hiervon die deutsche Ubersetasung von 
0. Becker, eine italienische von A. Qüaolino 
und eine französische von Wecker in 
^^Manuel d'ophthalmologie"). Femer: „De 
Vaction des mydriatiques et des myotiques" 
(Ann. d'oculist. UH) — „Klangfarbe der 
Vocale" (Arch. für die Holland. Beiträge). 
1865: „Over stem en spraak" (Arch. voor 
Natuur-en ,Geneeskunde). Im selben Jahre 
(1865) erschien auch J. J. de Jaager's 
Dissertation: „De physiologische tijd bij 
psychische processen", eine Arbeit, welche 
unter D.*s Leitung und wesentlicher Mit- 
arbeiterschaft entstand. Um die Zeit 
zwischen Reiz und psj^clüschem Effekt 
zn bestimmen, erdachte D. den „Noemo- 
tachographen^' und das ,,Noemotachometer" 
(Ned. Arch. v. G. en N. III) und veröffent- 
lichte 1868 in Reichert und du Bois-Rey- 
mond's Archiv die Arbeit : ,, Die Schnetlig- 
keü psychischer Processe''. 

Doran, Alban Henry Griffiths, 
in London, daselbst 1849 geb. und am St. 
Bartholomew's Hosp. ausgebildet, M. R. C. 
S. 1871, E. R. C. S. 1875, 1873 bis 81 
anat. u. pathol. Assistant am Museum des 
R. C. S., seit 1877 Surgeon am Samarian 
Free Hosp. und Frauenarzt in London. 
Schriften: „PapiUoma ofthe Fallopian Tube" 
(Trans. Pathol. Soc. Lond. 1880) — „Primary 



413 



Donil)3üth — Borreattx. 



414 



Cuncer of fhe Fidlop'uin Tube" (Ib. 1888, 
1889) - .,Di9faü€8 of the Faliopmn Tube'' 
(in Ai.lbctt's u.Playfaib's System of Gynä- 
kologie 1896u stnwie mehrere Aufsätze über 
Neubildungen der Tubu FiUlopii : „Ctinicfd 
€md pafhologiral ubserrationn on tumoura of 
Ute ovary, Falhpimi Tube nnä bread liya- 




ment'' (1884) — „Handbook of gyntcdogical 
opera/i/m*" (1887 ^ AuÄserdem verschiedene 
Jouniahirtikel übc*r üyniiltoehiriirgie in 
Lancet und Brit, Med. Journah Seit 1899 
ist D- Präiiidefit dei* Ohsitetncal Sor, of 
Lond., auch ist er korresp, Mitgh der Gee. 
f* Geburt«h. u. Gy üakol, in I^ipzig. 

DornblÜth, Friedrich Karl Jo^ 
*%mTm, wurde zu Flau in Mecklenburg 
31, Juli 1825 geboren und studierte in 
fiostock, Leipzig, Heidelberg; 1849 erfolgte 
seine Promotion, worauf er zuerst als 
Militärarzt im badis**hen Feldzn^, seit 
Oktober 1849 als prsikti^^her Ai-zt in Ro- 
stock in Tliäti^keit trat. Neben mehr 
populär gehaltenen, hier übergangenen Ab- 
handlangen angesehener Volkszeit&chriften 
veröffentlichte er: „ßr/r* der Cornea ocmW 
(Ztsehr. f. rat. Med. JV. F.. VH imd 
VIII) — ^^Mechtunsmttn ihr NarHStnetiofi**' 
ilb. VIÜ) — „Ifie Sinne des MetkSchen'' 
(1868) — ^Ursackat de. der Cholera** {Ro- 
stock 1860) — ^Anleitung mm Gebrauche 
dn Bmbade»" (Ih. 1864| — „Die Schule der 
Gesundheit'' (2. AuH. 1882; - ,Joh»stmi*B 
Chemie des täglicften Lebens^' (Neu bearbeitet, 
Stuttgart, 1882) — ,,Budtr's Theork der 



Scdiose'' (Vircuow'b Arch. 1879) — „Die 
Scolimen'' (Sanrnil. klin, Vortj». No. 172, 
1879) — .,Die chronische Tabakt-e^-giflung*" 
(Ib. 1877) — „K%ditmkh fds Kindernahrung'* 
(Jahrb. für Kinderheük, 1879) - „Milch- 
versorguf^ der Städtt'' (D. Vrtljhrselii'. 
f. öfL Gesuiidheit6ptl.) — ^^ Qc^tundheih- 
pflege des Kindes" (ISSS) — „Gemndfteiti- 
lehre"(]S87) — Mesimdheitspflege der Schul- 
jugend*' (1892) — ..Hygiene des Turnens*' 
(1898) — ,. Kr ankheit&iiher tragung durch 
Mikh*' und viele andere Beitrage im Jahrb. 
f, Ktnderheilk., Vierteljalirsschr* f. offen Ü. 
Gesundheitsprt,» Arztl Monatsschrift etc. 
Wegen seiner erfolgreiclieu Thütigkeit auf 
dem Gebiete der Gesiindlieitj»f>riege wurde 
D, 1899 zum Mediscinalrat ernannt. 

— Otto Wilhelm Albert Jalins^ 
als Sohn des Vorigen 19. März 1860 in 
Rostock geh,» daselbst, sowie in Tübingen 
und Jlilnchen außgebildet, Dr. med. 1884, 
suc^'esisive Assistenzarzt der med. Klinik 
zu Rostock, der psychiati-isclien Klinik zn 
München (Gpdden), 1886 IrrenaiTst itu 
ProvinziuJdienst von Schlesien, 1892 bis 
95 Direktor und Chefarzt der Provinzial- 
Heil- u. Fliege- Anstalt Freiburg (Schlesien), 
seit Oktober 1895 als Nervenarzt tmd Be- 
sitzer einer Privatklinik für Nervenkranke 
in Ri:>stock thätig» Schriften: „Zur Praxis 
und Thtorie der Arznei beltandlung des Dia^ 
befes meUituit" (Diss.) — ,f Hygiene der geis- 
tigen Arbeit" (1890, auch ins Polmsche u. 
Franzi is. übersetzt) — ,,KompentUum der 
inneren Med/' (1892, 4, Anfl, 1899 ins Ital. 
u. Rui^s, übers.) — .,Wörierhuch der kiin. 
Kunntau^Hdrücke'' (1893, 2, Autl, 19(X)| — 
,.Kmnpendium der Fs^hi^tric' (1894) — 
„Behan(Uuttg der Geisteskranken in Kranken- 
häusern'' (1895) -- ^.Qesumle Nerven'' (1896, 
3. Aiiß. 99) ^ .^Klinik der Neurosen'' (1896, 
— „Kochbuch ßir Kranke'' (1897) — „Die 
geistigen Fähigkeiten der Frau'* U898) — 
^,Die Arzneimittel der heutigen Medizin** 
(1898) — „Behandlung der Angshuständc 
und ZwangBmrstellungen'' (ArztL Monats- 
schrift 98 r, Übersetzungen von CuATKLjaN, 

LlilBRAÜLT, CüLLKRRB, BoUYKlUrr. 

DorVeaUX, Panl Marie Jean, 
Biblictthekar au der Ecole superieure de 
Pharmacie de rUniversite de Paris, geb. 
in Courcelles - Chaussy (Kürzel in Loth- 
ringen) 21. Juli 1851, studierte und dokto- 
rierte 1880 in Nancy, und veröffentlichte : 



415 



Doutrelepont — Dracbmann. 



416 



,,Du traitement des nnevrysmes de la /fMe** 
(These, Nancy 1880) — ^,Catalogue desfheses 
depharmacie sotäenttesen Francs* (Paris 1891 
bis 94, 2 vol. ) — „ Inventaires d'anciennesphat - 
macies dijonnaises^^ (XV siecle, Dijon 1892) 
— „Jnventaire des archives de la Compagnie 
des marchat. de apotßiicairfs de Paris'' (Paris 
1893) — , Jnventaire de la pharmacie de 
VhopUal St. Nicolas de Metz'' (27 jnin 1509 
Paris et Nancy, 1894) — .,VAntidotaire 
Nicolas' (Paris 1896) — ..Statuts du corjw 
des marcliands apoÜncaires et epiciers de 
Lille" (Ib.) — y Notice sur la vieet lesoeuvres 
de Thibault Ijcsplnyney apothicaire ä Tours^^ 
(Ib. 1898). Femer veranstaltete er Neu- 
ausgaben von: ,./.e Myroiiel des appothi- 
quaires et pluirmacopoles de Symphorien 
Champier'" (Ib. 1894) — .^Promptuaire des 
mldecines simples eii rithnie joieuse, par T7ii' 
bault Lespleigney' (Ib. 1899). 

Doutrelepont, Joseph, zu Mal- 
medy 3. Juni 1834 geboren, absolvieri;e 
seine Studien in Bonn, Berlin und Wien 
und wurde 1868 promoviert. Er begann 
seine Thätigkeit als Privat dozent für 
Chirurgie 1863, wurde 1869 Prof. e. o. 
und 1882 Direktor der Klinik für Haut- 
krankheiten und Syphilis in Bonn, 1 887 Geh. 




^T 



Med.-Rat, 1894 ordentl. Ilonorar.-Professor. 
Von seinen Schriften erschien ein Teil in der 
Berl. med. Wochenschr., so : .^Hemiotomie hei 
Massenreductian^* — ^.Casuistik der Kopf- 
verletzungen*" — „Casuistik der complicirten 
Luxation'' — ^^Uesedion des Hüftgelenke^^ ; 



andere in La.sobnbeck*s Archiv: „Besection 
des Ellbogengelenkes'* — ,,ürethrotomia «a> 
tema'* — ,,Herniotoniia externa" und ähn- 
liche, die in der Deutschen Zeitschr. für 
Chirurgie publiziert wurden. Hervorzu- 
heben sind noch: ,^ Versuche über die Über- 
tragung der Carcinome von Thier auf Thier''^ 
(ViRCHOw's Archiv) — „Ü6fr Sycons para- 
sitaria** und „Tuberkelbacillen im Lupus"^ 
(Monatsh. für Dermatologie'^. Weitere 
Schriften veröffentlicht« D. im Arch. f. 
klin. Chir. : „Zur Regeneration der Knochen 
nach subperiostaler Resection^* (IX) — „Öfeer 
GaUerf krebs der Brustdrüse*' (XII); in D. 
Ztschr. f. Chir.: „tW Hüftgelenksluxation 
(III) — ,,Über Aspiration bei Bruch- 
einklemmung'' (VI) — „Sdtussverlitzung 
des Qefdrns"' (XVIII); in Deutsche med. 
Wochenschrift 1885 bis 92: ,,Faü von 
Meningitis tuberculosa nach Lupus^^ — „Über 
Bacillen bei Syphilis^* (mit Dr. Schultz) — 
„Über Bacillen bei Syphilis'' (Vortr. in der 
Naturforscher- Versamlg.) — „^w Therapie 
des Rhinosderom'* — „Lupus und Haut- 
tuberadose"' — ^fSyphilis und Carcinoma' 
„Behandlung der Syphilis mit Jnjection von 
Calomelöl und üt. cinereum'* — „Vorträge 
über ThibercuHn*' — „Referat über Lepra'^ 

— „Über Haut- und Schleimhauttuberculosef'^ 
(1897, Mitteilung über T.R.), femer im 
Cbl. f. i. M. (1882), Monatsh. f. Dermatol. 
m, Cbl. f. B. 1887, Arch. f. Demiat. u. 
Syph. (1884 bis 96), Klin. Jahrb. 1890 bis 
u. 91 in den Verhdlg. d. Ges. f. Dermatol. 
u. Syph. 

Drachmann, Anders Georg, zu 
Kopenhagen 22. November 1810 geb., absol- 
vierte 1836 das chir. 1839 das med. Examen, 
wurde Arzt an dem von Lan«üaard errich- 
teten orthopädischen Institute zu Kopen- 
hagen und hat seit den Vierziger Jahren als 
vielbeschäftigter Spezialist in Orthopädie 
und Gelenkkrankheiten gewirkt. 1848 
wurde er Oberarzt in der dänischen 
Marine. 1859 errichtete er ein Institut für 
med. Gymnastik. Auf dem Gebiet 
seiner Spezialität hat er neben vielen 
kleineren Artikeln in den dänischen Zeit- 
schriften grössere Arbeiten publiziert: 
„Om Ryggradens Sidekrumnittg fScoliosis/' 

— „Om Spondylarthrocace'* — „Om Arthritis 
deformans" — „Om Resection efter Skud- 
Saar'' — „Om Stethometrie''. Auch in den 
sich an die Orthopädie anschliessenden 



I 



I 



Bragöido 

Fragen, besonders denen der Schulhygiene, 
ist er sehr thätig gewesen und schrieb 
u. a.: ^jOm Figdtömn physUke Opdragelse^^ 
(ober die physische Erziehung' der Mädchen). 
1877 erhielt er die Ehrend« jktorvvürde ge- 
legentlich der Jnbrläumsfeier der Uni- 
versität zn Upsala. 1884 hat er sich in 
den RuhestÄnd zurückgezogen* Er starb 
zu Anfang Juli 1892, 



Dragendorff, Georg. 8. Apnl 
1836 III J<<>st<»ck geb., botrieb daselbst 
seine Studien besonders unter Feanz 
ScHtTLZK und wurde zum Dn pliiL 1861, 
zuni Dr. med, (hon. causü) in München 
1872 promoviert. Seit 1864 als Prof. ord. 
der Phurmacie an der Universitüt Doqjut 
thiitig, trat er aus politischen Gründen 
1893 von seinem Lehj'amt zurück, siedelte 
nach Rostock über und starb liier 7. Aisril 
1898. Er verfasste eine gr^jsse Reihe von 
Arbeiten pharmakologischen Inhaltes (viele 
im Archiv für experini. Pathologie». Als 
Monographien ersctijeuen : , Dk garichliich- 
chemische Ermittelung von Qififn'^ (St. 
Petersburg 1876, 2. AutL) — ^.Beiträge zur 
^erichtHcJieti Chetnie'' (Ib. 1871) — ,Mie 
quatitative und quantitative Aimly»€ von 
feinten und Pflanzentfieilai'^'^ (GLittingen 
1882). Sein Hauptwerk, die Vollendting 
^iner eigentlichen Lebensaufgabe, sollte 
«r nicht mehr erleben, da es erst nach 
fielnem Tode erschien u. d- T. : ,^Dit; Heil- 
pfianz&i der ver»thituhnen VlÜker und Zeiten. 
Ihre Anwendung, we»enHkfie7t Beat atidf heile 

»und Gtm:hiehtt'' (Stuttgart 1898). Dieser 
884 Seiten starke Grossoktavband rait 
einer Fülle gelehrten Materials wird für 

Klange Zeit als ein Universal repei-toriimi 
der Pharmakologie wertvoll bleil>en. 
Dräsche, Anton, in Wien. geb. 
kl. Juli 1826 zu Lobenda (Bfdmien), 
»udierta in Prag, Leipzig und Wien, er- 
langte 1851 die Doktorwürde, wirkte seit- 
dem alsSeknndararzt^ Privatdozent, Primar- 
anct und ausserordentlicher l^rofes.sfU" der 
Epidemiologie mit dem Charakter als 
Hofrath in Wien. Er verf>ffent]ichte : 
,X^6er die Cholera^* — ^fibcr den Mn- 
flw^ der Hochqudlenleitung auf die SalU' 
hrität der Bevolkenmg IFtViw'* tind zahl- 
reiche klinische Abhandlungen. Seit einigen 
Jahren giebt er mit zalilrcichen Mitarbeitern 
4iu „BiAf. d. gemmt, med. WmJ-'' heraus. 

BSngnipliischeti L«Tiknn. 



418 

DreChSel, Edmund, geb. zu 
Leipzig 1848, studierte Chemie zu Leipzig 
von Osteni 3863 ab namentlich unter 
KoLBK, als dessen Assistent er seit seiner 
Promotion (als Dr. phiL) von Michaeli 
1865 bis Ostern 1868 thätig w^ar. Seit 
1872 als chemischer Assistent am phy- 
siologischen Institute der Universität 
Leipzig angestellt, wurde er 1878 zum 
a. o. Professor in der medizinischen Fakul- 
tät, 1883 auch zum Doktor der Jledizin 
emaniit. 1882 folgte er einem Ruf als 
ordentl. Prof. für med. Chemie nach Bern 
(als Naclifolger des nach Petensburg be- 
rufenen Mabciil Nkn'cki) und starb 
22. September 18^7 zu Neapel, woselbst 
er sich /u Studienzwecken in der zoolog. 
Station aufliielt. Er publizierte: ^Über 
Ernährung^ Athmung und Ausscheidungen^ 
(in HoFMAiw und Schw.^lbe^s Jahresbe- 
richten) — „Chef nie der Absotidertmgeft 
der Gewehe** (in L. HrrmanVs Handbuch 
der Physiologie)^ ferner Untersuchungen 
Über Spaltungsprodukte und Eigenschaf- 
ten der Eiweisskörper^ Entstehungsart des 
Harnstoffs und zahlreiche andere Auf- 
sätze zur phvsioJ. und physikalischen 
Chemie. 

DrOZda, Josef, tn Wien, geboren 
6, Mai 1850 zu KJattaii (Böhmen), in 
Wien als Schüler Rokitansky 's, Skoda^s 
und Di'chkk's tmsgebildet, 1873 Dr. med-, 
war Assistent der med, KÜnik LoBBSL'St 
ist seit 1880 Dozent fiir interne Medizin, 
seit 1890 k. k. Primai-arzt und Vorstand 
der I. med. A oteilung im k. k. Kaiser Franz 
Joseph-SpitalezuWien. Scliriften: ^.Xettra- 
pathologische Beiträge*^ i,Wien 1880) — 
^^udien über das Wesen der Narkas^* 
(Leipzig 1880) — „Zur Diagnostik der 
Gehimerkrankungmi^^ (Wien I88I1 — 
j^tlbtr die Bedingungen des Zustande- 
kommens von mimkalischen Herzgeräuschen*' 
(Ib. 1883) — „ri&cr feniporäre aphatimhe 
Zustände'' (Ib. 1885) — .Jnfluenza"- (Ib. 
1890) — f^Erkrankungen des Gehirnes und 
seiner Häute'' (in Eiselt^s spezieller Patho- 
logie und Therapie, VI, Prag 1884 bis 86) 
— yyQrundtüge einer rationelten Phthiseo- 
therapie (Heilung der Tuberkulose/^ (Vortr. 
XU. intern, med. Kongr. Moskau 1897). 
Nebstdem eine reichliche Fülle von diver- 
sen klinischen Beiträgen in der Wr. med. 
W., Wr. nied. Pr., Vir. kl. W., Büm^s und 

14 



419 



Duboue — Duchenne. 



420 



Schnirkr's Diagnostischem Lexikon, Archiv 
für klin. Medizin etc. 

DubOU6, Paul Henri, doktorierte 
1859 zu Paris, schrieb über Extrauterin- 
schwangerschaft (1874), später über die 
Prinzipien einer rationellen Therapie 
(Paris 1876) und machte sich bemerkbar 
durch eine Schrift : „De la physiologie 
pathologiqae le la fievre typhoide et des 
indications thSrapetUiqueSf qui en dhrivent" 
(Ib. 1878). Als bestes Mittel gegen Tjrphus 
empfahl er später in den Pariser Wochen- 
joumalen Ergotinpräparate. D. starb 
Ende September 1889. 

DuChek, Adalbert, zu Wien, \ 
1. Dezember 1824 zu Prag als Sohn 
eines Arztes geb., wurde 1848 daselbst 
Doktor mit der Diss. : „IJher die Wirbel- 
tubercidose", darauf Sekundärarzt in der 
dortigen Irrenanstalt, später Assistent bei 
Hamer.vik, beschäftigte sich viel mit 
pathologischer Anatomie und Chemie und 
kam 1855 als Professor an die damalige 
mediz.-chirurgische Schule zu Lemberg. 
Er erhielt ein Jahr später einen Ruf nach 
Heidelberg und wurde 1858, bei der 
Wiederaufrichtung der Josephs- Akademie, 
an diese nach Wien als Professor der 
medizinischen Klinik berufen. Als 1871 
Skoda in den Kuhestand trat, wurde D. 
an seiner Stelle Mitglied der med. 
Fakultät, der er bis zu seinem 2. März 
1882 erfolgten Tode angehört hat. Als 
Kliniker war er sehr exakt und für seine 
Schüler klar und verständlich, als Dia- 
gnostiker vortrefflich und als Therapeut 
wählte er die goldene Mittelstrasse zwi- 
schen Nihilismus und Pharmazie. Als 
Arzt erfreute er sich einer grossen Be- 
liebtheit. Von seinen grösseren litterari- 
schen Leistungen führen wir an : „Die 
Krankheiten der Kreislaufs-, Athmungs-, 
Verdauungs-, der Geschlechts- und Harn- 
Organe'' (im Handb. der spez. Pathologie 
imd Therapie, Bd. I, Erlangen 1862) und 
,,Scorbut {Scharbock), scorbutus" (in v. Pitha 
und Billroth, Handb. der allgem. und 
spez. Chirurgie, I, 2. Abt. A, Erlangen 
1876). Auch war er von 1861 bis 70 
Mitherausgeber der Wiener medizinischen 
Jahrbücher und des Wochenblattes der 
Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Ärzte 
zu Wien. 



Duchenne, g.-b. (d. de boö- 

logne). geb. 17. September 1806 zu 
Boulogne sur mer, machte seine med. 
Studien in Paris, von wo er 1831 nach 
seiner Vaterstadt zurückkehrt«, um da- 
selbst zu praktizieren. Angeregt durch 
die Arbeiten von SARLANDifcRES und 
Mao EM DIE über Elektropunktur begann er 
1865 sich mit Untersuchungen über die 
Heilwirkungen der Elektrizität zu be- 
schäftigen. Er siedelte 1842 nach Paris 
über und lebte hier bis zu seinem Tode 
ohne jede offizielle Stellung als Lehrer 
oder Hospital arzt. auch ohne eine solche 
zu suchen, hauptsächlich damit beschäf- 
tigt, das Krankenmaterial der Pariser 
Hospitäler für seine Spezialuntersuchungen 
nach Kräften zu benutzen, soweit ihm 
dies von den Leitern der Kliniken und 
Hospitäler gestattet wurde. Trotz vieler 
Schwierigkeiten, die sich D. hierbei ent- 
gegenstellten, und obwolil er nicht selten 
angefeindet und zurückgewiesen wurde, 
gelang es ihm dennoch, allmählich ein 
reichhaltiges und brauchbares Beobach- 
tungsmaterial zu gewinnen. Dies wurde 
die Grundlage, auf die er die moderne 
Elektrodiagnostik und Elektrotherapie 
aufbaute, als deren Schöpfer er unbe- 
dingt zu bezeichnen ist. Hauptsäclilich 
kommt ihm das Verdienst zu, die ^,Elec- 
trisation localisee" eingeführt zu haben, 
wobei er unter Vermeidung der früheren 
Elektropmiktur einfachere, nicht mit Haut- 
verletzungen einhergelieiide Methoden 
verwertete, namentlich führte er die 
Applikation gut angefeuchteter und auf 
die feuchte Haut anzudrückender Strom- 
geber, sowie den Gebrauch des faradisohen 
Pinsels bei der „Faradisation cutauee'^ 
ein. D. fand so die in diagnostisch- 
prognostischer Beziehunjü: so ungemein 
wichtige ,,electroniusculiire Contractili- 
tät (faradische Muskel- und Norven- 
reizbarkeit)", und die elektrokutane Sensi- 
bilität, Methoden, welche A. eulenhirg mit 
Recht den physikalischen Untersuchungs- 
methoden der Perkussion und Auskultation 
an die Seite stellt. Auf diesen Arbeiten 
fussten die späteren Forschungen der 
Rem AK, ZiEMSSEN, die 1857 die Elektro- 
therapie durch Einführung des konstanten 
Stromes erweiterten. — D. erwarb sich 
femer ein unsterbliches Verdienst um 
die Muskelphysiologie, resp. die myolo- 



42t 



Dölraii — Pührssen, 



422 



gjfiche Funktioiislehre, LDdeni er die von 
ihm ausgebildete Metliode isolierter elek- 
trischer Erregung der einzeJnen Skelett- 
mnßkeln zur fiuiktiunellen Prüfung der- 
selben und zu g'enauer ßestimnnmg ihrer 
vereinzelten oder kombinierten Wirkung 
unter bestimmten Verliältnisseo, Stel- 
lungen n. s. w. benutzte. — Simterlün 
wandte D. seine Forschungen wesentlich 
der Pathologie und der patho logischen 
Anatomie des Nervensystems zu und ge- 
langte auch hier zu \^ichtigen Resultaten. 
Ganz unbestreitbar geboren dahin die 
eigentliche^ klassische progressive Mus- 
kelatrophie (sog. „Typus D[jchk.vne-Aban*\)t 
die . J*aralysieglosisolabiolsrjngee*^ (CtIobso- 
pharyngolabialparalyae, progressive Bul- 
bärparalyse^ DixHKN.vE'sche Lähmung) und 
die von ihm sogenannt« ,^Paraly8ie pseu- 
dohypertrophji|ue'' oder ,,nij08clerosi4ue^* 
(in Deutschland liäutiger als Pseudohyper- 
trophie der Muskeln bezeichnet). Die in 
Frankreich ihm gewühnliehzugescliriebene 
^ntrleckujig der ,J^aralysie atropliique 
ikisseuse de renfance'* und der ^, Ataxie 
locomotrice progressivo" be<]Hrf ditgt^gen 
insofern einer Einsc-hniukung, als die in 
Hede stehenden Krankheiten beide schon 
früher in Deutschland, jene als essentielle 
Kinderlähmung (Heine), diese als Tabes 
dorsuaüs (Bohbkrü u, a.)^ beschrieben 
wurden; doch hat D. nameutlicli bei der 
letztgenannten Krankheit um Feststell ung 
des entscheidenden Symptoms ,^taxie'* 
immerhin wesentliche Verdienste, Die 
von ihm ferner noch aufgestellte Krank- 
heitsgruppe der „Pai-alysie generale 
sj»inale*' oder „Paralysi*^ generale spinale 
aterienre snbaigue" erwies sich weiter- 
tin als ein fruchtbares Feld für Auf- 
deckimg und Differenzierung neuer klini- 
scher Krankheitsbilder, wohin naJuentUch 
die „fiubcatane und chronische atropliische 
Spinallähmung der Erw^aclisenen*' imd 
die .^amyotrophische Lateralsklerose" 
CiiARcoT*s gehören. — D/s zahllose in 
Journalen zerstreute Aufsätze sind fast 
insgesamt aufgenommen und vereinigt 
in seinem grossen Hauptwerke „De 
l'Hedrisaiion locaiisie ä de 8on applicatiott 
it la pathdogie €t ä la therapeviique" 
(Paris 1856; 3. Autl 1872; deutsch 
von Erdmann 1856). Für die spezieüe 
MuskeJphyaiologie ist nächstdem von be- 
Bwnderer Wichtigkeit seine „Bhynologit 



des mouvementft*' etc. (Paris 1867 1 und 
das den mimischen AntJitzbewegnngen 
gewidmete Einzelwerk : „Mecanisme de 
la phymotioniie humahie ou analyse HeßtrQ- 
physiologique de l'expression des passion9y 
applicable ä la praiique des arts plasH- 
gues," (Paris 1862). 

DÜb6n, Gustav Wilhelm Jo- 
hann von, LH Stockholm^ geb. in Lijsta, 
Hvargarn in^ Sodermauland 25. Mai 
1822. studierte seit 1837 in Lund, erwarb 
1844 daselbst den Doktorgrad der Philo- 
sophie und widmete sich dann am Ca- 
rolin. Institut in St4;jckholm dem Stnd. der 
Med., das er jedoch schon nach wenigen 
Mouaten unterbrach^ um im Auftr. der 
Akad. der Wlssensch. als Naturforscher 
einer Expedition eine Reise nach Afrika, 
Arabien, Ostindien und China zu machen* 
Nach seiner Kürkkehr setzte er die med. 
Studien in Stockholm fort und wurde 
Doktor der Medizin in Upsala 1855. Seit 
1858 Professor der pathologischen^ seit 
1861 Professor der normalen Anatomie 
und Physifilogie um Caroliuischen In- 
stitute in St^ickhohn, übernahm er 1874, 
als diese Professur geteilt wurde, die 
Anatomie. Von 1860 bis 71 war v. D. 
auch Inspektor des Instituts, von 1861 
bis 68 Lehrer der Maleranatomie an der 
Akademie der freien Künste. Seine letzten 
I Lebensjahre verbrachte v. D. im Ruhe- 
stande und starb auf seinem Landsitz 
; Södermanland 15. Juli 1892, Von ihm 
rühren her folgende monographische Ar- 
! heilen : „Mikroskopisk tHßffmtstik" (Stock- 
I holm 18o5> — „Föreläsningar i patoiogUk 
anatomi** (Stockholm 1869) — ,J{urs i 
anafomi^ fyBioloyi, heUolara och fysUk 
uppfosiranvid Inrarinjteaeminariet' (Stock- 
I holm 1864) — ,,Meäevi hclsobrunn och bad** 
j (Ib. 1867) — ^Lappiünd och Lappame" 
^ (Ib. 1872), sein eigentliches Hauptwerk, 
. da£ er nach melirj ährigen griindlicheu 
I Studien t^ils in Archiven und Museen, 
I teilfi auf Grund zweier lleisen itj Läpp- 
' marken herausgab. Mehrei*e Jahre lang 
j war V. D. auch Redakteur der Hygiea 
I gewesen. 

DÜhrSSen, Alfred', in Berlin, geb. 
zu Heide (Holstein) 23. Mär/. 1862, in 
Marburg und Berlin ausgebildet, Dr. med. 
1884, war bis 1886 Unterarzt der Bex- 

U* 



423 



Düring — Dujardm-Beauinetz. 



424 



liner Cliarite, bis 1886 Assistent an der 
Universitüts- Frauenklinik in Königsberg, 
von 1886 bis 93 Assistent und^ebammen- 
lehrer an der gebnrtsh. Klinik der Cliarite, 
habilitiert 1888, erhielt 1895 den Pro- 
fessortitel und ist seit 1892 Inhaber einer 
Privatklinik für Frauenkrankheiten. Schrif- 
ten : „Die Anwendung der Jodofarmgaze 




in der Geburlahülfe" (1888) — „Geburts- 
hiUfliches Vademeeum" (1890; 7. Aufl. 1899) 
— „Gynäkologisches Vademeeum" (1891; 
6. Aufl. 1899) — ..Der vaginale Kaiser- 
schnitt" (1896) — „Über Aussackungen^ 
RUckwärisneigungen und Knickungen der 
schwangeren Gebärmutter" (1898) — „Die 
Einschränkung des Bauchschnitts durch die 
vaginale Laparotomie" (1899). 

Düring» Ernst (Carl Eduard Ca- 
mille) von, in Konstantinopel, 6. Mai 
1858 zu Hamburg geboren, in Ttibingen, 
Leipzig und Erlangen, sowie in Ham- 
burg (unter Unna) ausgebildet, Dr. med. 
1871, war 1881/82 Assistent am pathol. 
Institut in Erlangen, 1882/84 an der 
chir. Klinik daselbst, 1887 bis 89 bei 
Unna in Hamburg und ist gegenwärtig 
seit 1889 Prof. der Dermato- und Syphili- 
dologie an der Medizinschule in Kon- 
stantinopel, seit 1898 mit dem Titel eines 
Pascha. Schriften : „Das Denguefieber" 
(Mtsh. f. pr. Dermat. 1890 X) — „Liehen, 
Liehen neuroticus und Pityriasis rubra 
pilaris" (Ib. XVI. 1893) — „Lepra und 
die Frage ihrer Contagiosität nach Beobach- 
tungen in Konstantinopel" (Ib.) — „Über 



einige Fragen aus der Lehre von der Ver- 
erbung der Syphilis" (Ib. XX. 1895) — 
„Lepra und Syringomyelie" (D. m. W. 
1894) — „Die Schunerigkeit in der Dia- 
gnose nervöser Lepraformen insbesondere in 
Beziehung auf die Syringomyelie" (Arch. 
f. Dermat. und Syph. XLIH. 1898) — 
„Beitrag zur Lehre von den polymorphen 
Erythemen" (Ib. 1896) — „Klinüche Vor- 
lesungen über Syphilis" (Hamburg und 
Leipzig 1895). 

Duffey, Sir George Frederick, 
in Dublin, daselbst 20. Juni 1843 geb. 
und bis 1863 ausgebildet, diente von 1864 
bis 71 in der Armee, Dr. med. Dubl. 1871, 
F. R. C. P. Irel. 1873, F. R. C. S. 1896, 
war successive Physic. am Mercer's Hosp., 
Dozent der Mat. med. an der Car- 
michael School, seit 1882 Physi- 
cian des City of Dubsin - Hosp., 
gründete 1873 die 1875 wieder einge- 
gangene „Irish Hosp. Gazette", ist gegen- 
wärtig Prof. der Mat. med. und Phar- 
macie am R. C. S. Irel. und wnirde 1897 
zum Ritter geschlagen. Von seinen Ver- 
öffentlichungen seien citiert sein Anteil 
an Gmffith^s „Materia medica and phar- 
macy" (1879), sowie die Abhandlungen : 
„Jodic Purpura" (Dubl. J. of med. sc. 1880) 
— „ Bheumatic Orchitis as a sequel to fever" 
(Ib. 1872) — „Cystic degeneration of the 
kidneys causing dystocia" (Med. times and 
gaz. 1866). Von D. rühren ausserdem 
noch viele andere Joiirnalbeiträge her. 

Dujardin-Beaumetz, George- 

Saintfort-Octave, berühmter Kliniker 
in Paris, geb. 1833 in Barcelona, studierte 
seit 1853 in Paris, wurde 1862 Dr. med. 
(These : „De Vataxie locomotrice^^), 1865 
Chef de chnique bei Beliier, 1870 Arzt 
am Bureau central, leistete als solcher 
während des deutsch-französ. Krieges her- 
vorragende Dienste und fungierte seit 
1876 als Arzt am Hop. St. Antoine. Hier 
hielt er sehr besuchte klinische Vor- 
lesungen. 1882 vertauschte er diese Stel- 
lung mit der gleichen am Höj). Cochin, 
wo er bis zu seinem 16. Februar 1895 er- 
folgten Ableben thätig war. Seit 1886 war 
D. Mitglied der Acad. de med., sowie des 
Conseil d*hyg. publ. für das Seine-Depart. 
Von 1873 ab leitete er die Redaktion des 
Bullet, general de therapeutique und war 



425 



Dimn^iiil — Dumi-eiclier, 



4se 



seit 1893 dessen Red. en ckef. D/s Ver- 
dienste gehören drei Gebieten der MediÄin 
an : der Nervenheilkunde, der Hygiene, 
some dem Luzarettwesen der Stadt Paris, 
nm das er sich gerade im Kriegsjahre 
selir verdient machte. Von seinen Ver- 
öffentlichungen seien citiert: j^Didion- 
naire de theraptiUiqktc^ de matibrc mhli- 
calc tlcr (Paria 1882) — .fLe^ons de dhiiq^tie 
thcrapeutique^ profcMca ä VhöpUal Saini- 
Aiitmne, retuellUes der (Ib, 1878 bis 8lj 
— ffLts troubles de l'appareU aculaire datis 
lu moiadi&i de la wotlU' — ,,L'enipl(n du 
pkoitphore en m/decine** — ffliecherches 
exff^rimentales «wr ia puissance toxique des 
alcools" (Paris 1879 j ; dazu kommen zahl- 
reiche kleinere, kasnistische Joumalmit- 
teilnngen u. v. n. 

DuniCnil, Luuls-Stanislas, in 

Kuueiij gtb. 30. November 1823 zu Fon- 

tüine-le-Botirg {Seine Inferieure), Prof, 

der cliir. Klinik an der med. 8<'hnle in 

Rouen, starb 5. Oktober 1891. Er ver- 

fasfite eine Übers, von FftEiticH's Luber- 

krankheiten imd d. T. ,,lraitt des ma- 

ladiesdufoie" {zkis, mit melireren Antoren^ 

Paris 1860; 3. And. Ib. 1877), femer die 

Monographie : „Afrophie muaculaire pro- 

• gresaive, Biaknre critique" i^Rouen 1867) und 

. etwu 80 grössere imd kleinere t^ohrifteu, 

iiieistJuumalauisätze,Abhandlungenkasiii- 

«tischen Inhalts, Vorträge, El oges etc. in 

\ den verschiedensten Zeitsclmlteri. 

Dumontpallier, v.-A.Amedee, 

zu Paris, der Schöpfer der Hypnoiogie in 
Prankreich tftid hervorragender Neu* 
rologe, geb. in Honiiem- 1827, wurde 1853 
Interne des Jiöpitanx in Paris, 1856 
Interne laureat, 1857 daselbst iJuktor mit 
der These: „De linfection pundente et 
dB rinfection putride ä la mite de l'ac- 
coucf^ement' , er kielt noch in demselben 
kJuhre eintin Fakultiitspreis, sowie den 
' Monthyoa- Preis und eine goldene Medaille. 
Von 1861 bis 63 war er Chef de clinique 
bei Troitsbkav im Hotel - Dieu und 
Mitarbeiter an der 1. Aufl. (2 voll, 1861) 
und 2. Aud. (3 völL^ 1866) von dessen 
♦^Clinique med. de rH6tel-Dieu^\ 1866 
wurde er Medecin des höp. und Arzt am Hop. 
de la Pitie, sowie später Arzt des Lycee 
Louis-le-Grand- Im Kriege von 1870/71 
leistete er aufopfcimde Dienste, besonders 



während der Herrschaft der Kommune. 1875 
erhielt er für seine Abliandlung f.Con* 
iribution ä VHude des anotmäica de Virup- 
tiofi vaccinale^'^ einen Preis von der Acad. 
de med., wurde Ritter der Ehrenletjiun 
1884, sowie Mitglied der gen. Acad. 1892. 
D, starb 13. Januar 1899. Er war ein 
eifriger klin. Lehrer, imtto I8li3 einen 
Kurs der internen Pathol, an der Ecole 
I prati'j^ue, sowie vrm !876 bis 78 Vor- 
j lesungen am H«!>p, de la Pitie, sowie im 
Hot<?l-Dieu über innere Kranklieiten und 
(iyniikol. gehaltjen. Mitglied der Societ^ 
anatomji|ue, w<tr D. seit 1879 auch (iene- 
ralsekretär und später beständiger Sekre- 
tär der Societti de Biologie, ebenso dej* 
Soeiet^^ d^Hjpnologie et de Psychiatrie. 
Von seinen Arbeiten betrifft die über- 
wiegende Mehrzatü Uegonständ»« aus dem 
Gebiet der Neurologie und des Hypin«r;is- 
mus, Metall otherapie, Tmnsfertj Hysterie, 
Suggestion etc. 

' Du Moulin, N i c o l « s, zu Oent, geb. 
zu MaeHtriclit 25. März 1827, ist 5, No- 
vember 1890 als Prof. an der Universität 
zu Gent gestorben. Er schrieb: „Mhn, 
mtr VapplkMion de ia chimie nu diaffnostic 
mvdicaV^ (Brllssel 1856) — „Obnervationa 
I iH>ur servirä Vkiatoire des iiitermittences et des 
I rhndierices dans Its infiamntations'' (Ann, 
I de la Soc. de med. de G-and 1861) — 
,,008. äestine ä rhistoire du ^rand ei/m- 
pathique et du pueumogastrique**' (Bull, de 
TAcad. roy. de med. de Belg., 1877) — 
^Sur laction hcah den ackies dilues** (Ib.) 

— „De la n<m4axkiii des sels de cuivre" 
(Ann. de la Soc. de med. de Gand 1878) 

— „EnquHe snr les conditiom kyffUn, de 
ia vilte de Gand, ä roccasltm de i^fpidemt^ 



de Cholera tn 1866*' (Ib. 1880) u. s. w. 



Dumreicher, Johann v, (in 
den Freiherrnstand 1866 erhoben als 
D. V. Oesterreichek), wurde 15. «Tanuar 
1815 in Triest geboren. In Wien ausge- 

I bildet und 1838 pjromoviert, wurde er bei 
Wattmaicn Assistent imd 1846 Piinaar- 
chirurg. Als Schuh für Wattiiann ein- 

I trat, übernahm D. die zweite cliinu'gische 
Klinik. Ganz lüngegeben der L*?hr auf- 
gäbe, hat P. nur wenige grössere Ar- 

j beiten veröffentHcht. so die über Höft- 
gelenkluxation, tlber einen Eisejibahn- 

' apparat zur Verwendmig bei Knochen- 



427 



Danbar — Duplay. 



428 



brüchen, über Wundbehandlung (letztere 
in der Wiener med. Wochenschr.). Nach 
dem Kriege von 1866, in welchem er sich 
die voUe Zufriedenheit der österreichischen 
Behörden erwarb, trat er gegen v. Lanoen- 
BKCK polemisch auf und schrieb 1877 
gegen das moderne Unterrichtswesen. 
Lange herzleidend, starb er 16. Novem- 
ber 1880 auf seinem Landgute bei Agram. 
Seine Richtung in der Chirurgie war 
eine im wesentlichen konservative; mit 
seinem Spezialkollegen Schuh, resp. später 
Billroth harmoninrte er wenig und oppo- 
nierte auch hartnäckig der LisTER'schen 
Antisepsis. 

Dunbar, WilHam PhlUpps, in 
Hamburg, geb. 18. Oktober 1863 in 
St. Paul, Min. U. S. A., in Giessen haupt- 
sächlich unter Gaffky ausgebildet, Dr. 
med. 1892, seitdem auch Direktor des 
hygien. Listitut« in Hamburg, beschäf- 
tigte sich besonders mit Cholerastudien. 
Er führt den Professortitel. 

DunCan, James Mathe WS, geb. 
29. April 1826 zu Aberdeen und hier am 
Mar. College 1846 promoviert, F. R. C. P. 
Edin. 1851, siedelte um* 1880 nach London 
über und wurde hier 1882 als F. R. C. P- 
rezipiert. D., der die üblichen Vorbe- 
reitungs- und Assistentenstellen am Bar- 
tholomäus-Hospital durchgemacht hatte, 
war über 20 Jahre als Arzt und klinischer 
Lehrer der Gynäkologie und Pädiatrie an 
den Hauptinstituten Edinljurgs in Wirk- 
samkeit imd wurde wegen seiner sehr 
geschätzten und allgemein bekannt ge- 
wordenen Arbeiten auf diesen Gebieten 
zum korrespondierenden, resp. Ehrenmit- 
gliede der meisten gynäkologischen Gesell- 
schaften GrossbritÄuniens, sowie des Kon- 
tinents und Amerikas ernannt. Er starb 
während eines Kuraufenthaltes in Baden- 
Baden 1. September 1890. Seine Haupt- 
werke sind folgende: ^^Fecundity, fertility 
and sterüify^'^ (1866) — „Researches in obste- 
tries'' (1868) — ,, Perimetritis and para- 
mefrt^is" (1869) — „On sterüity in warnen^ 
(Gulstonian lect. 1883). Älteren Datums 
sind: ,,Uterine displacements'' (1863) — 
^^Statice on pregnancy*^ (1855). 

Dunin, Theodor, geb. l.AprÜ1854 
in Wyganowo bei Kielce, studierte in 



Warschau bis 1876, wurde nach glänzend 
bestandenem Examen Assistent der thera- 
peutischen Klinik, 1878 Hausarzt und 1880 
Primararzt am Hospital zum Kindlein Jesus 
in Warschau; durch seine vortreffliche 
Beobachtungsgabe , scharfes , kritisches 
Denken, neben gründlichem Wissen, nimmt 
D. eine dominierende Stellung unter den 
jüngeren polnischen Klinikern ein. Seine 
Arbeiten sind seit 1878 in polnischer und 
deutscher Sprache gedruckt worden. Wir 
nennen einige von ihnen: ,, Anatomische 
Untersuchungen über Nephritis^^ (VmcHOw's 
Archiv 1884) — „ tber die Lungenver- 
änderungeil in Folge deren Compression^^ 
(Ib.) — „ÜÄer die Ursachen der Eiterung 
im Verlauf rf. Abdominaltyphus'* (Deutsch. 
Arch. f. kl. Med. 1887) — ,,Über habitudle 
Stuhlverstopfung'' (Berliner Klinik 1894) — 
j,Über anämische Zustände'^ (Volkmann's Vor- 
träge 1887) — „ Über die Behandlung der 
Chlorose"' (B. kl. W. 1899). 

Dunläp, Alexander, hervorragen- 
der amerikanischer Ovariotomist, 6. Februar 
1894 zu Springfield, Ohio, 79 Jalir alt, 
verstorben, entfernte 1843, ohne dass er 
von Clay's und Atlee's Vorgang Kennt- 
nis hatte, einen Ovarialtumor, indem er 
bloss die Tradition von Mc. Dowell's Fällen 
kannte, und wurde so einer der Erneuerer 
der Operation, die er über 400 mal ge- 
macht hat. Auch sonst war D. ein tüch- 
tiger Chirurg. 

DUpläy, Simon Emmanuel, in 
Paris, daselbst 10. September 1836 als 
Sohn des 1872 verstorbenen Hospitalarztes 
Auguste D. geb., studierte in Paris, 
wurde dort 1862 Aide d'anat. u. 1866 Dr. 
mit der These: „Des coUeäions sereuses 
et hydatiques de Vaine'^ für die er den Prix 
Barbier erhielt. In demselben Jahre wurde 
er auch Prosektor. 186() Agrege für 
Chirurgie mit der These: „De la hemie 
ombilicale'% 1867 Chirurg des Bureau central. 
1871 am Hop. de Lourcine, 1872 am Hop. 
Saint- Antoine, 1879 Mitgl. d. Acad. de med., 
1880 Prof. d. chir. Pathologie, 1890 Prof. d. 
chir. Klinik. Er vertrat 1872 Laügier in 
der chir. Klinik der Pitie, ist seit 1867 
Direct«ur der Archives generales de med. 
und veröffentlichte ausser zahlreichen 
Journalabhandlungen einen: „7rrtt7e e/e- 
mentaire de pathologie externe"' — ,,Con- 



US — Buscli. 



430 



ftrtnces de elinique chirurgiccde faxten ä 
Vhffpital Saint-Louis et Saint- Antoine'' uiid 
ghh Zttsammeji mit J. P. Mo rat heraus: 
^fiecherchcB sur la nature et In patlioghiit 
de lu leere perpyrant du pied (mal jdantaire 
perforant/^ i Paris 1873), sowie selbütündig: 
,,Z)e Vhyposjxidias perineoficröiat et de son 
traitemeftt ckirurgical'^ <Ib. 1874). 

DupUlSt Edmund, zu Kreuznach, 
^h, 3. Juni 1839 in WaldbrK-kelheim bei 
Krcaznach, studierte von 18Ö8 bis 62 in 
Wttrzbur^ und Berlin ^ promovierte I8*i2, 
wurde 1863 approbieit und wirkte seit 
1867 in Kreumttch al» prakt* und Bade- 
arzt. Er veröffentliohfce 1873 einen kasuist, 
Beitrag zur Ovaiiatoiuie (^B. kl. W.) und 
1874/75 in der D. Z f. Vlu, Bd. V (1876 
auch iu der D. m. W.j einen Artikel über 
Trachealstenose und deren Behandlung 
mit besonderen Bougies und seiner sogen. 
T-formJgen Kanlile. *\i^ unter dem Niunen 
,pDrruis'sche SchomÄteinkaiiüIe*'^ sich über- 
all eingebürgert hat. 1S76 erschien von 
ihm die deutsche Ausgabe der ,. Vorlesungen 
über die KrankJi« der Hamorgane von Sir 
HuNKV Thomit^os" und später, ausser einer 
Anzald einzelner AiifsÜtze, die iu der D. 
m. W. veröffentlicht wurden, Sir H, TyoÄiP^ 
&0><ß Monographie: i>Zur Chirurgie der 
Hamorgane'*. 1. August 1887 überaahm 
er die ärztliche Leitung des stüdtischen 
Hospitals zu Kretiznach, als dessen Leiter 
er 1891 einen „iirzt liehen Bericht aus dem 
stadtischen Hospital zu Kreuznach, um- 
fassend die Jiüire 1888, 1889 und 1890'^ 
herausgab. Er stÄrb 1. Februai- 1892 in 
Kreuznach. 

Durand-Fardel, (IuL. Maxime, 

luiipcctciur der Quellen von Haute- Rive 
In Vichy, zu Paris ^ wo er 1815 geboren 
wtirde, 13. August 1840 nach dort, 
vollendetem Studiiuu seine Wirksamkeit 
begann und 19. März 1899 starl». Die 
früheste Serie seiner Schriften «1839 bis 
48) war der Physiologie und Pathologie 
des OehJms gewidmet; seine späteren 
Arbeiten beschäftigen sich liaupts&chlich 
mit der Wirkung der Thermal wässer von 
Vichy und erschienen unter entsprechen- 
den Titeln 1849 bis 72. Hervorzuheben 
sind unter diesen „Des eaux de Vichy c*e." 
(Pftrifi 1851) and j^Traiti tlufrapeutique des 
fousn mitifraits de France et de VHraiiqer 



cfc}*" (Tb» 1857^ mit kolorierter Karte). 
Daneben war D.-F* im klinischen Fache 
hervorragend schriftstellerisch thätig; 
ffTrnitc pratique des nudadies chrmiiquts*^ 
(Paris 1868) — ^,Trmte pratique des mala- 
dien des vieillards'' (Ib> 1873j, hatte Oe- 
legenlieit, ^,üne mission medicale eti Chint^ 
(Bericht an den Handels- und Acker- 
bauminister mit einer Darstellung der 
ostasiatischen Quarantänen^ Paris 1877) 
zu schreiben und gab mit Lk Brft. Le- 
Foai und Fiia,s(;*ois 1860 da« ^^Dkfionnaire 
ghural des eaujr minimales et d'hydrUogie 
medicale^^ hernui>. Er wai' ein tüchtiger 
Baineolog und 40 Jahi'e lang Badearzt in 
Vichy gewesen, 

Durham, Arthur Edward, tnch- 
tiger Chirurg in Ijondon, geh, 1833 zu 
Northampton, studierte von 1853 bis 57 
und bildete sich sjjeziell am Guy 's Hospital 
praktisch aus. Hier wurde er Prosektor, 
F. H. C, S, Eng, 1860 T war suecessive 
Assistant Surgeon 1861 , Surgeon 1872, 
Consulting Surgeon 1894, 1892 bis 93 Vize- 
Präsident der R. C. S. und seit 1884 Mit* 
glied von dessen Council. D. lehrte am 
Guy's Hospital zunächst Anatomie und 
Mikroskopie, später auch Chirurgie, gab 
eine Zeit lang die Guy's Hospital Re|>ort8 
heraus und wirkte gleiclizeitig als Consul- 
ting surgeon am St. AJban^s Hospital. 
Seine zahlreichen PuhMkationen erschienen 
zimi Teil in den *Tuy's Hosp. Reports und 
betrafen zuerst physiologische Themata. 
Spater folgten ebenda; .ßams of Operations 
on the laryfix^' (1866) — .y Mollities ossium 
a7id (atenporosiit^^ (1864); dann verschiedene 
Hauptartikei in Holmes' „System of sur- 
gery**; endlieh kasuistische Mitteilungen 
chirurgischen Inhaltes in den Transact. 
of the R, med.-chir. soc. (1872) und im 
Brit. med. Joum. (1878), Beiträge zu Quain^s 
Diction. u. Holmes' „Surgery*S D, starb 
7. Mai 1895. 

DurOZieZ, starb 71 Jalu^ alt Mitte 
Januar 1897 in Paris, Entdecker des be- 
kannten, nach ihm benannten Phänomens. 

Dusch, Theodor Fi-eih. v., geboren 
in Karlsruhe 17. September 1824, studierte 
in Heidelberg, später in Paris; seine 
Lehrer waren vorzugsweise Hüxlr, 
PrEüPFEft, Chkuüb. 1847 promoviert l>e- 



431 



Dutrieux — DuvaJ. 



432 



gann v. D. seine Thätigkeit im Früh- 
jahr 1854 in Heidelberg; daselbst habili- 
tiert im Sommersemester 1854, wurde er 
Extraordinarius für Pathologie Oktober 
1856 und Direktor der medizinischen Poli- 
klinik und ordentlicher Professor seit Ok- 
tober 1870. In dieser Stellung verblieb 
er bis zu seinem Ableben 1. September 
1890. Seine wesentlichsten Arbeiten sind: 
^^Tlber die Filtration der Luft durch Baum- 
wolle^'^ (mit Schrödkr; Liebio's Ann. 1852) 
— ^^Beiträge zur Pathogenese des Icterus^^ 




(Habilitationsschrift 1854) — ,,Über Hirn- 
sinusthrombose^'' (Zeitschr. f. rat. Medizin) 
— „Lehrbuch der Berzkranklieiten^* (Leipzig 
1868) — „Die Krankheiten des Endo- und 
Myocardium^^ (in Gerhardt's Handb. der 
Kinderkrankheiten 1870). Ausserdem eine 
Anzahl von kleinen Joumalaufsätzen über 
Diabetes mellitus, Ovariotomie, Störungen 
des Kreislaufs bei Herzkrankheiten, plötz- 
lichen Tod bei Ausspülungen des Thorax 
nach der Operation von Empyema etc. 

Dutrieux, Pierre-Joseph, tüch- 
tiger Augenarzt, stammte aus Toumai in 
Belgien, studierte in Gent, ging dann nach 
Ägypten, wo er in Kairo Professor an der 
med. Schule und Leibarzt des Vizekönigs 
wurde und sich gelegentlich einer Cholera- 
epidemie durch aufopfernde ärztliche 
Thätigkeit sehr verdient machte. Nach 
Belgien zurückgekehrt, wurde er vom 



König von Belgien zum Leiter einer Ex- 
pedition nach dem Kongo ernannt, musste 
jedoch infolge gestörter Gesundheit Afrika 
verlassen, kehrte nach Brüssel zurück, 
siedelte dann nach Paris über, praktizierte 
hier als sehr angesehener Augenarzt und 
starb, erst 41 Jahre alt, 5. Febmar 1889, 
D. ist Verfasser von ,,Coniiid^ration8 ghii- 
rales 8ur Vophthalmie communement aj^pdUe 
Ophthalmie d'Egypte suivie d*une note aur 
les Operations pratiguees ä VicoU khidiviale 
des aveugles en Caire avec une priface en 
forme de lettre ä Riaz-Pascha'' (Kairo 1878) 
imd „Contrilmtion ä Vetude des maladies et 
de racdimatement des Europiens dans VAfri- 
que intertropicale"' (Gent 1880). 

DUVal, Jean-Charles-Marcellin, 
Direktor des Gesundheitsdienstes der fran- 
zösischen Marine, zu Brest 1807 geb., 
wurde 1836 zu Montpellier Doktor. Seine 
Arbeiten sind älteren Datums und be- 
reits im grösseren Biogr. Lex. zusammen- 
gestellt. Als Iqngj ähriger Professor der 
Medizin an der Schule für Schiffsmedizin 
in Brest, erfand und beschrieb er eine 
Anzahl von Apparaten und Vorrich- 
tungen, z. B. für den Bruch des Vorder- 
arms, ein Planum inclinatum für Frakturen 
des Oberschenkels, Arterien-Kompressorien, 
Zangen zur Wundvereinigung, lieferte Ab- 
handlungen über die Durclisichtigkeit der 
Hydrocele (1862), die Behandlung der 
Epiplocele (1863) und erfand ein elliptisches 
Amputationsverfallren, das für die einzelnen 
Gliedmassen mehrfach (1869 bis 72) von 
Anderen beschrieben worden ist. D. starb 
Ende Mai 1899 in Brest. 



DUVal, Mathias -Marie in Paris, 
geb. zu Grasse 7. Pebr. 1844, studierte in 
Paris xmd promovierte 1869. Hierauf wurde 
er Prosector in Strassburg, Agrege 1873 
mit der Schrift: „Sur la structure et usages 
de la retine" ^ Direktor des Laboratoriums 
für Anthropologie an der Ecole des Hautes 
Etudes, Prof. d. Anat. a. d. Ecole superieure 
des Beaux-Arts und 1885 als Naclifolger 
des verst. Robin Prof. d. Histologie a. d. 
med. Fac. Seit 1882 Mitgl. d. Acad. de 
med. veröffentlichte D. ^^Manuel du micro- 
scope^' (1873; 2. Aufl. 1877) — .yPtecis de 
technique microscopique et histclogique'''' (1878) 



433 



Byea. 



ISi 



ii 






^,iVeci« //c rannfomie ä Vtm^tje des artUtu" 
(1881) ^Lr^'ons 8ur Ut pluti*mlogie du syathne 
^wrvmac** (^1883), ^ob ilie pliysioL Vor- 
leeungctn von Kuss (1883), Vorlestmgen 
über Darwinismus heraus u. v. a. 



DyCSi August, in Hiiiiiiover, da- 
hst 10, Februar 1813 K«b,. und seit 
1833 in Göttingen und Berlin ausgebildet^ 
als Scliüler von Himlv. <Xi^m äU<?ren Langen- 
SBCK^ DiEFFKNBiCH, Df. med. 1836, seit 1837 



STii^cessive Assistent am Krankenbause in 
Hannover (unter Hülschrb)^ Assistenz- Arzt 
des Dragoner-Regiments in Anrtcli (1839), 
berarzt beim G arde - H usaren - liegiment 
in Verden (1855), Oberstabsarzt L KL beim 
preuÄS. Infanterie- Hegriment No. 79 in 
Hildesheim (1867), sfnt 1876 im Buliestand 
und prakt. Arzt in Hannover » starb 
7 Dezember 1899. Sckrilten: ,^Ärit licht 
Beobachtungen und Heilniethoden^*' (Han- 
nover 1876) — ^^Die Heilung des Rheuma 
durch kleine Aderlässe'' (Stuttgiu-t) — „Du 
Krankheiten der Athmungsorganet die HeÜung 
der Bleichsucht und sog. Blutarmut durch 
kleine Aderlässe^*^ — „Der prophylactische 
Aderlam gegen die Vorbotai der Apopiexie^^ 
— „Die Heilung der Trichinose durch früh- 
zeitige Anicemiung des Chlorwassern^^ (Stutt- 
gart) — „Zwei Hauptmittel zur Verlängerung 
des menacMichen Leben», die Blufentziehung 
und doH Chlürwasser"- {Leipzig). — D/s 
Bestrebungen waren auf Wiedereinfiilirung 
der vor 50 J&hren zu Unrecht völlig aus 
dem Heilschatz beseitigten Blutentzie- 
liungen in Gestalt von Aderlässen gerichtet 
und fanden in Jüngster Zeit immer melu* 
Anhiiiiger und Vertreter^ so durch Wh-hblsu 
(Schwerin) , Scholz (Bremen) , ScffOBERT 
(Wiesbaden), Bachmaxn (Dfeld), Ikion ^Na- 
gold in Württemberg) u. a. 



E. 



EäriGy Pliny, amerikanischer Irren- 
arzt, 1809 zu Leicester geb., wurde 1837 
in Philadelphia graduiert, besuchte mehrere 
Jahre lang europäische Irrenanstalten, war 
von 1844 bis 49 ärztlicher Direktor des 
Bloomiiigdale Asylum, wurde 1853 konsult. 
Arzt des New York City Asylum auf 
Black well Island, später Professor der 
Psychiatrie am Berkshire Med. Institute 
zu Pittsfield, 1864 Direktor des North- 
ampton Hosp., in welchem er auch nach 
seiner 1885 erfolgten Emeritierung ver- 
blieb. D., der als Nestor der nordamerika- 
nischen Irrenärzte 17. Mai 1892 starb, war 
ein um den Unterricht in der Psychiatrie 
und durch litterarische Arbeit wohl ver- 
dienter Irrenarzt. Er hat eine beträcht- 
liche Anzahl von Schriften über Gegen- 
stände aus der Psychiatrie verfasst, da- 
runter namentlich mehrere Berichte über 
europäische Irren-Anstalten, die er be- 
suchte; femer: ^^Institutions for the insane, 
in Pn*88ia, Austria and Oermany''^ (Utica 
1853). Ausserdem: „History, description 
and statütics of the Bloomington Asylum 
for the insane^' (New York 1848) — „An 
examination of the practice of hiood-letting 
in mental disorders"' (New York 1854), 
mehrere Grelegenheitsschriften und Auf- 
sätze im American Journal of Insanity 
u. s. w- 

Ebermann, Alexander Wil- 
helm Ferdinand, geb. im Dorfe Ba- 
kaldy (Russland, Gouvernement Nishny- 
Nowgorod) 15/27 August 1830, studierte 
von 1849 bis 54, die ersten drei Jahre 
in Kasan, die beiden letzten an der 
medico-chirurgischen, der jetzigen mili- 
tärmedizinischen Akademie zu St. Peters- 
burg, als Schüler von N. J. Piro- 
GOFP und Zdeckaüer , beendigte die 
med. Kurse 1854; promovierte 1857 (Diss. 
„De cancro ptdmonum''). Früher Direktor 



des Philanthropischen Ambulaisoriums ; 
jetzt Präsident des Medicopliilantro- 
pischen Komites; Ehrenmitglied, Ini- 
tiator und Gründer der Russischen 
Chirurgischen Gesellschaft Piroooff ; 
Ehrenmitglied und Gründer der St. Peters- 
burger med. Ges. ; Gründer der Kongresse 
der russ. Ges. im Namen N. J. Pirogoff's 
und der Gesell. St. Petersburger Ärzte; 
Mitgl. zahlreicher gel. und gemeinnüt- 
ziger Ges. 1885 hat E. die Gründung 
der med. Fakultät in Odessa angeregt und 
reichte dem Minister der Volksauf- 
klärung sein Projekt darüber ein. — 
1887 auf dem II. Kongr. in Moskau, 
1896 auf dem VT. Kongr. in Kiew und 
1899 auf dem VII. Kongr. in Kasan regte 
E. die Frage über die Unentbehrlichkeit 
eines med. Ministeriums in Bussland an. 
Spezialist in St. Petersburg für Krank- 
heiten der Harnorgane und für Chirurgie, 
ist E. Verfasser einer grossen Anzahl 
kleinerer Abhandlungen, welche die Krank- 
heiten der Harnröhre und Blase betreffen, 
und zwar : „Handbuch der mechanischen 
und physikalischen Diagnostik der Ham- 
röhrenkrankheifen^' (St. Petersburg 1864, 
russisch) — „Beobachtungen über den Ge- 
brauch der jirolongirten warmen Bäder in 
der Chirurgie" (Militär-med. Joum. 
LXXXVI 1862, russisch) — „Über Echy- 
nococcuscysten'' (Ib. LXXXVI 1863, 
russisch) — „Statistik der Steinoperationen 
in Russland für 185G bis 59'' (S^ Peters- 
burger med. Zeitschrift 1863, III) — 
^^Bkdractiwi von Fremdkörpern aus der 
Blase eines Marines" (Verh. der D. Ges. 
f. Chir. n. Kongr. 1873) ~ „D/e 
ünterstichungen der weiblichen Harnröhre" 

— ^^Krankheiten der weiblichen Urethra" 

— „Die Krankheiten der Blase bei Frauen^*" 
(in Zuelzer's Klin. Handb. der Harn- und 
Sexualorgane 1894.) Mehr als 200 Vor- 
träge wurden von E. in verschiedenen 



437 



Ebert — Ebner. 



438 



ärztlichen nnd chirurgischen Gesellschaf- 
ten gehalten, welche sich in den Ver- 
handlungen derselben abgedruckt vor- 
finden. — 

EbGrt, HermannFriedrichLud- 
wig, Pädiater in Berlin, 1. Juni 1814 
daselbst geb., studierte seit 1833 in 
Breslau und Berlin, wurde 1837 in Bres- 
lau Dr. mit der Diss. „De docimasia 
pidmotiitm 8ymbolae**f war von 1839 bis 42 
Assistenz- und Sekundärarzt an der 
geburtshtilfl. Klinik unter Busch (Berlin), 
habilitierte sich 1845 für Frauen- und 
Kinderkrankheiten daselbst, trat 1849 in 
das Med.-Kollegium der Provinz Bran- 
denburg ein und wurde mit der Leitung 
der Kinderklinik in der Charite betraut, 
wurde 1850 Medizinal - Assessor, 1854 
Medizinal - Rat, 1864 Geh. Med. -Rat, 
1867 ausserordentlicher Professor und 
starb auf einer Erholungsreise in Ragaz 
23. August 1872. Seine Publikationen 
zur Pädiatrie befinden sich in den Chaiite- 
Annalen. 

Eberth, Karl Joseph, in Halle, 
geb. 21. September 1835 in Würzburg, 
studierte dort unter Kölliker, Vjrchow, 




Leydio, Heinr. Muellkr und wurde 
5. August 1859 promoviert. Bereits 1865 
wurde er Professor der pathol. Anat. in 
Zürich und war von 1874 bis 81 ausser- 
dem Professor für Pathologie, Histologie 
nnd Entwickelungsgescliichte an der 



Tierarzneischule in Zürich. Seit 1881 
wirkte er als Prof. der Histologie und 
vergl. Anatomie in Halle, und seit 1895 
als Prof. der Pathol. und pathol. Anat. 
und Direktor des pathol. Instituts an 
genannter Hochschule, gegenwärtig mit 
dem Charakter als Geh. Med. - Rat. 
Schriften: ,^Über den Feitschentourm^ — 
,,Über das LungenepitkeV^ — „tyber Nema- 
toden"^ — Über den feineren Bau der 
Blutgefässe" — Über den Bau der Neben- 
nieren" — ^^Über die Froschhaut'''' — „Zur 
Kenntniss der baderitischen Mycosen*' — 
„ Untersuchungen aus dem pathol. Institut 
in Zürich'''' (2 Bde.) — ^^Untersuchungen 
Ober verschiedene Mycosen^'' — „über 
amyloide Entartung**^ — ,,Über den 
Typhuspilz'''' — yfKräinismus beim Kalbe^. 

— E. schrieb ausserdem : „Die Unter- 
suchung des Ausumrfs auf Tuberkelbacillen'''' 
(Berl. 1891) — „Die Thrombose" (mit 
ScHiMMELBüSCH, Stuttg. 1888), „LHc Frett- 
chenseuche" — Über Pseudotuberkulose^* — 
f^Die Nerven der Chromat ophoren^* — 
„C76cr Sarkolyse" — ,,Über Fettembolie''^ — 
,jEin Teratom der Dura'''' — ,,Über fami- 
liäre Tumoren" — uZur Kenntniss der 
hypertrophischen Lebercirrhose" — gab die 
4. Aufiage von Fbikdlaender*s „Mikro- 
scopischer Technik^'' (Berl. 1889), femer 
„Bacteriologische Wandtafeln'''' (Ib. 1891) und 
seit 1890 mit Cursachmann mehrere Jahr- 
gänge der „Fortschritte der Medicin'''' 
heraus. 

Ebner, V l c t o r G. (Ritter von Rofen- 
stein), geb. zu Bregenz 4. Februar 
1842, studierte in Innsbruck, Göttingen, 
Wien, Graz, hauptsächlich unter Brücke 
und A. RoLLETT und wurde zu Wien 1866 
promoviert. 1860 bis 70 Assistent am 
physiologischen Laboratorium zu Graz, 
1870 bis 73 Privatdozent der Histologie 
und Entwicklungsgeschichte in Innsbruck, 
wirkte E. seit 1873 als Professor derselben 
Fächer an der Universität Graz und seit 
1888 als o. Professor der Histologie in 
Wien. Seine wesentlichen Publikationen 
sind : „ Untersuchungen über den Bau der 
Samencanälchen und die Entwicklung der 
Spermatozoiden" (Leipzig 1871) — „Die 
acinösen Drüsen der Zunge^'' (Graz 1873) 

— ^jlber den feineren Bau der Knochen- 
Substanz" (Sitzungsber. der k. Akademie 
1875) — „Mikroskopische Studien über 



489 



Ebstein. 



440 



Wachathum und Wechsel der Haare" 
(Ib. 1876) — „Untersuchungen über die 
Ursachen der Anisotropie organisirter Sub- 
stanzen^^ (Leipz. 1882j — „Über den f eigneren 
Bau der Skelettheile der Kalkschwämme etc.^^ 
(Sitzungsber. d. Akad. 1887) — „Histologie 
der Zähne" (in Scheff's Handbuch der Zahn- 
heilkunde, Wien 1890) — „Über den Bau 
der Chorda dorsalis der Fisclie^' (Sitzungs- 
ber. d. k. Akad. 1895 und 96). — Ausser- 
dem bearbeitet er den III. Bd. der 6. Auf- 
lage von A. Koelliker's „Handbuch der 
Crewebelehre des Menschen" (Leipzig 1899J 
und veröffentlichte teils in den Sitzungs- 
berichten der k. Akademie in Wien, teils 
in verschiedenen Zeitschriften eine Reihe 
kleinerer Abhandlungen, welche über 
Doppelbrechung, sowie über botanische, 
zoologische, entwicklungsgeschichtliche 
und anatomisch - histologische Fragen 
handeln. 

Ebstein, Wilhelm, 27. November 
1836 in Jauer (Schlesien) geboren, stu- 
dierte in Breslau und Berlin (Fkkrichs, 
ViRCHOw) bis zum 11. Juli 1859, dem Da- 
tum seiner Promotion und übernahm in 
Breslau zunächst eine Stelle am Aller- 
heiligen-Hospital (9 Jahre), dann die des 
dirigierenden Arztes des städtischen Armen- 
hauses. Seit 1874 wirkte E. als o. ö. Pro- 
fessor der Medizin und Direktor der 
medizinischen Poliklinik, seit 1877 als 
Direktor der medizinischen Klinik und 
Poliklinik an der Universität Göttingen 
und verfasste folgende grössere Schriften : 
nDe mutationibus cocti crudique amyli 
fluido oris tractati'' (Dissertat. Berlin 1859) 

— ,yDie Recidive des Typhus'' (Breslau 1869 
Habilitationsschrift) — „Über den Husten'' 
(Vortr. Leipz. 1876) ~ „Nierenkrankheiten 
nebst den Afectionen der Nierenbecken und 
der Umieren" (in v. ZiEM88EN's*Hancfbuch 
d. spez. Path. und Ther. Bd. IX 2. Aufl.) 

— y,Die Natur und Behandlung der 
Gicht" (Wiesbaden 1882) — „Die Natur 
und Behandlung der Harnsteine" (Ib. Iß84) 

— „Die Fettleibigkeit und ihre Behandlung" 
(7. Auflage Ib. 1887) — ,,Fät oder Kohlen- 
hydrate?" (Ib. 1885) - „Behandlung des 
Unterleibstyphus" (Ib. 1885) ~ „Über 
Wasserentziehung und anstrengende Mus- 
kdbewegungen etc." (Ib. 1885) — „Das 
Regimen bei der Gicht" (Ib. 188b) — „Über 
den Magenkrebs" (Leipzig, Volkmann's 



Sammlung kl. Vortr.) — „Über die Nicht- 
Schlussfähigkeit des Pylorus" (Ib.) — „Die 
Zttckerhamruhr, ihre Theorie und Praxis" 
(Wiesbaden 1887) — „Beiträge zur Lehre 
von der harnsauren Diathese" (Ib. 1891) — 
y^Über experimentelle Erzeugung von Harn- 
steinen" (zus. mit Nicolaier. Ib. 1891) — 
„Die Kunst, das menschliche Leben zu ver- 
längern" (Ib. 1891) — „ über die Lebensweise 
der Zuckerkranken"{2.A}iü. Ib. 1898) — „ Über 
eiweissreiches Mehl und Brot als Mittel zur 
Äußesserung der Volksernälirung" (Ib. 1892) 
— „Die Pvst des Thukydides, Attische 
Pest" (Stuttgart 1899) — „Handbuch der 




praktischen Medizin, in Verbindung mit 
zahlreichen Gelehrten" (hrsg. mit Schwalbe. 
Ib. 1899 ff.\ Ausserdem zahlr. Aufsätze 
(in Reichert's und Du Bois' Archiv, Vib- 
CHOw's Archiv, D. Arch. f. klin.Med., Ztschr. 
f. klin. Med., Arch. f. exper. Path., B. k. W., 
D. m. W., W. m. Fr. etc.), unter denen noch 
hervorzuheben: ,,Über die Trichterbrust" 
(D. Arch. f. kl. Med. XXX) — „Sderosis med. 
spinal, et oblong, bei Typh. ahd." (Ib. X) 

- „Über Diabetes" (Ib. XXVIII, XXX ff.) 

— „Über die acute Tjcukämie und Pseudo- 
leukämie'' (Ib. 1889) — ..Beitrag zum 
respiratorischen Gaswechsel bei der Zucker- 
krankheU" (D. m. W. 1898) — J'l)er die 
Bestimmung der Herzresistenz beim Men- 
schen" (B. k. W. 1894) — „Über die 
Diagnose beginnender Flüssigkeitsansamm- 
lungen im Herzbeutel*^ (Virchow's Archiv. 
Bd. 130, 1892) — „Zur Lehre von den 
nervösen Störungen beim Herpes zoster mü 



441 



Eok&t — Eckhard. 



442 



I 



hfJü. Beriitkmchtlffung dn* dabei auftrdendtn 
Fa^ialislahmunffen** (Ib. 139, 1895) — 
,fEinl(fe BontThutgai lur Lehre v<mi Ohren- 
schuififlel'^ (Deutsch. Arch. f, kl. Med, 
Bd. 58, 1897\ — ^fTrauma tmd Mafftfur- 
krankungen u. 8, w/* (Ib. 54, 1895) — 
,,Traumatkche Leukämie' (D. m. W. 1694) 
— ,Jjber das Verhalten^ der Peniaghjkosen 
(Ptfüogen) im m€7iacMichen Organismus**^ 
(ViRcii, Arch, 129, 1892) — J'lber Ptjlorus- 
drüsm** (zxirn Teil in Gemeinschaft mit 
Brunn und Paul Grüteneh in dem Arclu 
voo M. ScHüLTZB und PplDoeb) — ffLHe 
Efitdeckung des Brenzkuteddns im mensck- 
lichen Organismus" (Vi roh. Arch. Bd. 62, 
gememfiani mit J. MDllek)* 

Eckör, Alexander^ geb. zu Frei- 
horg 10. Juli 1816, studierte daselbst und 
in Heidelberg, prr>tTJOviei*te in Freiburg i 
1837, habilitierte sith daselbst (1839), | 
wurde Prosektor und Privatdozent in | 
Heidelberg: 1841, dann 1844 Professor i 
ord. der Anatomie and Physiologie ' 
in Basel und 1850 in Freibiirg, wo er 
20. Mai 1887 starb, Seine zahlreicben 
kleineren Abhandlungen im Arch, f. phys. 
Heilkunde {IL imd fcdgeude JalurgO, 
in der Ztsclir. für rat. Med. (Bd. ILI, 
VI und spätere), in Müllkb^b Archiv 
{1845 ff.), in den Berichten der natur- 
forschenden Cresellschafteri in Basel, resp, , 
in Freihurg, üljergehend. heben wir als 
monographische Arbeiten von nachhaltiger 
Bedeutung hervor r „Beschreibung einiger 
Fälle von anomaler Communication der 
IJerivörhöfe etc.** (Frei bürg 1839) — ^^Phy- 
moiOffische Untersuchungen über die Bewe- 
gimgendcs Gehirtis undBückenmarka** (Stutt- 
gart 1843) — „/Mr feinere Hau der Neben- 
nieren" (Braunschweig 1846) — ^.Zur Lehre 
iHHW Bau und Leben der confractilen Substans^ 
der niedersten niere'* (Basel 1848) — 
^Jcones phgsiologicae^^ (Erläuterungstafeln 
zur Physiologie u. Entwicklung^e«chichte, 
Iveipzig 1851 bis 59) — ,,Die Anatomie des 
Frosches, ein Band buch für Physiologen^ 
Arzte und Studirauie* (Brannschweig 
1864 bis 83) — „ZWe Hirnwindungen des 
Menschen'* (Brannschweig 1869 ; 2, Aad, 
1883) — .Jjoreni Oken, eine biogr, Skizze''^ 
(Stuttgart. 1860; englisch 1883). Von 1865 
ab war E. Redakteur des „Ai'chivs für 
Anthropologie", für dessen 15 Bände er 
x&hlt^iche Aufsätze selbst geliefert hat. 



Eckhard, Konrad, geb. 1. Mira 
1822 im ehemaligen Kurfürstentum 
Hessen, studierte in Marburg und Berlin^ 
war LuDWio's L Assistent, dann Pro- 
sektor in Marburg unter Luowk* Fick 
und in Giessen unter Bif^HOKP. Daselbst 
habilitierte er sich im Wintersemester 
1849 bis 50. Nach Bischoff^b Weggang 
nach München wurde er zum a. o. Pro- 
fessor und später infolge einer Bei^ufungs- 
angelegenbeit zum o. P. ernannt* Als 
solcher lehrte er bis zum Sommersemestar 
1891 Anatr»mie und Physiologie, Mit Be- 
ginn dieses Semestei-s legte er die Prof. 
der Anatomie nieder, um sich ausschliess- 
lich der Physiologie zu widmen. Von 
seinen Arbeiten 4>ind zu nemien : f^Uber 
das Zungenbein der Säuget kiere'* {gefirheitet 
unter Joh. Müller. Dessen Archiv 1848) 

— „n^f' ^^^ Hautdrüsen der Kröten etc^ 
<Ib. 1849) — ,.Zur Theorie der Vagus- 
Wirkung*' (Ib, 1851) — ,,Über die Ein- 
tüirkung der Temperaturen des Wassers auf 
die motorischen Nerven des Frosches^* (Ha- 
bilitationsBchrift. Heidelberg l850l. Ver- 
seil iedene Abhandhingen in Heni.f,*s und 
PFKLbEK*s Zeitschrift; unter diesen: ,,!>»« 
chemische Beizung der motorischen Nerveji 
des Frosches^' (X) — y^Über Befiexbewe- 
gungen der vitr letzten Nervenpaare des 
Frosches'* (VII) — .^Zur Entwickdungs- 
geschichte der Ilerzmusculntur*' (XX TX) 

— .^Beiträge zur Anatomie und Physiologie'* 
(XIT Bde., in denen er besonders frucht- 
bringend die Tbenmta der Abhängigkeit 
der Milch-, der Harn- und Speichelisekre- 
tion, sowie der Erektion vom Nerven- 
system etc. behandelt). Ausserdem finden 
sich in diesen Beiträgen Untersuchungen 
über Filtration und Hydrodiffusioni 
wobei bemerkenswert ist, dass er unab- 
hängig von Graham den einseitigen Wasaer- 
strom für Gummilösungen gegenüber 
tierischen Membranen auffand (Bd. III, 
S. 51, 170), Von weiteren Arbeiten sind 
zu nennen : ^^Lehrbuch der Anatomie des 
Menschen^* (1862) — .^Experimcntal Physiolo- 
gie des Nervensystems** (1867) — ,.IHe BU' 
düng und Prüfung des Ariztes** (1869) — 
,,/>iii Beitrag zur I^hre voft dem Varkom- 
mcfi gehörnter weiblicher Behe'K (Lüdswio*« 
Programm der ümversität Uiessen 1886), 
Verschiedene kleinere Abhandlungen über 
physiologische Gegenstände im Cbl. t 

phVs. Bd, I, II, m, VI, vn, rs. 



443 



Edingerer — Elirendorfer. 



444 



Edinger, Ludwig, zu Frankfurt 
am Main, geb. zu Worms 13. April 1855, 
studierte in Heidelberg und Strassburg, 
wurde 1876 Doktor, 1877 Arzt, war 
Assistent von Küssmaul, später habilitiert 
in Giessen, das er 1883 verliess und lebt 
seit dieser Zeit in Frankfurt a. Main als 
Arzt. Seine wissenschaftlichen Arbeiten 
betreffen im wesentlichen die Anatomie des 
Nervensystemes und sind in einer grossen 
Anzalil von Einzelaufsätzen im Anat. Anz., 
Neurol. Ctrlbl. und in Virchow's A. nieder- 
gelegt. Erwähnt seien noch : ,,Beüräge 
zur vergleichenden Anatomie des Oehima*^ 
(Frankf. a. M. 1887 bis 98), von denen bisher 




4 Quarthefte mit Tafeln erschienen sind. 
Ausserdem ein Lehrbuch : „ Vorlesungen 
über den Bau der nervösen Centralorgane*' 
(6. Aufl. Leipzig 1899.) In beiden hat E. 
wesentlich eigene Arbeit gegeben. Sie 
suchen namentlich die Grundzüge zu er- 
mitteln, welche in dem Bau des Nerven- 
systemes bei allen Tieren wiederkehren 
und machen zum erstenmal den Versuch 
einer vergleichenden Himanatomie. 
Ausserdem seien von anat. Arbeiten er- j 
wähnt: „Aufsätze über Nervenendigungen \ 
und solche über die Magen- wid Darm- 
Schleimhaut^^ (Arch. f. mikroskop. Anat. 
1887 bis 89). Klinisches : „Behandlung 
der Krankheiten im Bereiche der peripheren 
Nerven^'^ (im Handbuch der spez. Therapie 
Jena 1898), Vagusneurosen, Friedreich- 
sche Krankheit u. a. in EüLENBufto's 
Realencyklopädie, kasuistische Aufsätze, 
besonders im Gebiete der Neuropathologie, 



in der B. kl. W. und der D. M.-Z. und 
„Eine neue Tfieorie über die Entstehung 
einiger Nervenkrankheiten^ besonders der 
Neuritis und der Tabes*'' (Volkmanns 
Sanmilung klin. Vorträge. N. F. Nr. 
106, 1894). Die Theorie hat E. dann 
mehrfach klinisch bearbeitet und zuletzt 
durch eine experimentelle Arbeit gemein- 
sam mit C. Helbinü gestützt: „über 
experimentelle Erzeugung tabesartiger 
Rückenmarkskrafikheiten^* und ,, Einiges über 
Wesefi ufid Behandlung der Tabes" (Ver- 
handl. des 16. Kongr. f. innere Medizin, 
Wiesbaden 1898). Von anderen Arbeiten 
zur experimentellen Pathologie seien er- 
wähnt mehrere Aufsätze über Salzsäure- 
abscheidung im menschl. Magen (Berl. kl. 
W., D.Arch. f. klin. Med., 1879 bis 82) — 
„röcr die Latenzperiode und die Zuckungs- 
curve menschl. Muskeln" (Z. f. k. M., 1883) 

— „Experimental - Untersuchungen über 
Asthma^^ (gemeinsam mit Eiroel. Ib. 1883) 

— „Über die Reaction der lebefiden Magen- 
schleimhaut'' (Pflüoer's Archiv, 1882). 

EdlefSen, Gustav, aus Friedrich- 
stadt (Schleswig), geb. 24. Februar 1842, 
studierte in Kiel und Berlin (K. Bartels, 
Th. Jürgensen), promovierte 1868. Seit 
1873 als Professor e. o. und Direktor 
der med. Poliklinik in Kiel wirkend, be- 
arbeitete er eine Reihe klm. Themata 
vorwiegend im D. Arch. f. klin. Med. und 
in den Verhandlungen des Kongresses für 
innere Med. Er machte zuerst auf die 
Schichtung des Harns in der Harnblase auf- 
merksam (Pflüg kr's Archiv 1870 und 72), 
empfahl das Kali chloricum zur Behand- 
lung des ßlasenkatarrhs (1876) und gab 
durch seine Statistik des akuten Gelenk- 
rheumatismus (1885) die Anregung zu ver- 
schiedenen ähnlichen Arbeiten. Sein 
Hauptwerk ist das „ Lehrbuch der Dia- 
gnostik der inneren Krankheäen'' ^ welches 
1899 vollendet wurde. 

Ehrendorfer, Emii, zu inns- 

brück, geb. zu Wittingau in Böhmen 
24. Mai 1853, studierte und promovierte 
in Wien 1878, war je 3 Jahre Demon- 
strator bei Brücke, Operateur bei Bill- 
roth, Assistent bei Spaeth, 1\'j Jahre 
selbständiger Leiter an des Letzteren 
gynaek. Klinik, hierauf 1 Jahr Assistent 
beiBREisKY, ist seitl. Juli 1887 ord. Prof. 



44ß 



treiiliBTis — EhrliclK 



I 



der Gebiu tsh. und Gynaek. in Innsbruck, 
owie Vorstand der Hebammenschule, 
it 1897 Vorsitzender im timler Landes- 
itatsrate, korresp. Mitglied der ge- 
burtÄh. Gesellsrhiift in Leipzig. Litterar. 
Arbeiten : ,^Beiträge £ur Kenntniss der 
Hoäentunwren'^ (Lanqenbeck's Archiv) — 
..Über loctde Behaftdlung im Wochenbäte^ 
sur Kmnhi%99 der fchlerlmftm Haltung 
der Frucht*'' — jj/lßer daa gletchccitige 
Vorkomfnrn von Myofibrtfm und f'arcinovi'^ 
(sämtlich im Archiv für Geb. und Ovnaek.) 
— „Über Leitung der Geburt nach anti- 
Heptmhem Frinzipe'' (klln. Zeit- und Streit- 
fragen) — .X'ber die Nabilinfektion bei 
Xeugeboretiejt und ihre Behandiung^^ (W. 
ni. Pn) — ^JJber Cgstm wid q^atoide 
Bildung der menschlkhen Sachgeburt*'^ 
(Wien) — tit^«^ Kr eh 8 der wabliche^i 
Ilanirohre^' (Arch. f. Geb. und GynJ, 
13. A. OL 

EhrenhaUS, S., aus FnedrirliswiUe 
(Ul>ersckle,sit^u K geb. 8. Januar 18B5» 
«itndiert« in Berlin bis 1860. Als prak- 
tisciier Arzt und spater als Assistent an 
der pädiatriscLen Poliklinik tn der Chaiite 
\bis L JuJi 1879 > thätig, gegenwärtig 
als Sänitütsrat, publizierte er (mit A. 
EcUKfBüRü): ^^Einwirkung der Metalhalt- 
lösungen auf den N. isvhiaiHcuB de» Fro- 
ächea'* — eine deutsche Ausgabe von 
D*EsiT«B und PicoTs llandbu^'h der Kin- 
derkrankheiten und verschiedene Artikel 
anjB der Pädiatrik in Eülbnbüro's Real- 
EncvkJopädie, Seit L Juli 1878 leitet 
er die Poliklinik für Kinderkrankheit4*n 
des Vereins für häusliche C»e*iund- 
heitspflege (Comit^ der Kosenthaler Vor- 
stadt). Alß Mitglied des Dozenten-Vereins 
fflr Ferienkurse hält er in den Oster- 
niid Herbstferien Kui-se über Kinderkrank- 
heiten für praktische Ai'Zte. 

Ehri6f K u r 1 ^ XU Isn V, Würl teml »erg, 
geb, daa?eli*st 19. Jnni 1843* studierte in 
Tübingen 1862 bL^67 nnd in Paris 1867/68, 
wurde 1867 Doktor in Tübingen mit der 
Di&s,: ,X^btr die tpideni, DipfdfierUis''^ war 
1865 66 Assistent bei F, v. Nirmeykk in 
Tübüigen, 1868 bis 70 prakt. Arzt in Isny, 
1870/71 dirig. Oberarzt des Reservelaza- 
rettes Solitude bei Stuttgart und ist seit 
1871 wieder in Isny prakt. Arzt, Litteran 
grussere Arbeitan: ,,Ein Beitrag eurPatKol. 



der rpidem. irtphthntis" (Tübingen 1867) — 
„Note sur nn thermonietre ä maxima*' 
(L'ünion med. Paris 1868) — „J?«r 
Tned. Mammaithtrmometer^^ (Tübingen 1876) 

— ff Erste Herstellung einer hydrophilen 
entfetteten, desinficirt en Ve rbandba um wolle 
durch Kochen in Sodalö»ung. Tränkung 
derselben mit EisenchttTridlÖeung, rum 
Zwecke der Bhdstithng" (Beri kl. W, 
1872) — ^,Schfvt'tjc(ipparat für ünterschei\kel' 
brüche''^ (1874) — f,Dit moderne WasBer- 
Versorgung mit Bücktticht auf in Würt- 
temberg neuerdings aufgeführte Wasser^ 
werke" (Ravejisburg 1893.) — ,, Biographie 
Heinrich StainhÖweJ^s von Weit'* (Archiv 
f. Gesch. der Med. IIL I88O1 - ,,/7, St.'s 
Regimen p€»tilcntia€ und Regimcji sanitaiis^^ 
(Ib. rV, 1881) — „Über die Geschichte der 
Gesnndheiispflege im Alterthume" (D* 
Vrtljhrsschr. f. c,fftl. Gesundheitspli 1878) 

— „Ihm Patriiitffhaim der Renaissance in 
geftundheitL Beziehung' |lb. I88O) — ,,Über 
ViMabadet" (1869> nnd zalih eiche populär© 
Vorträge. Er ist koiTesp. Mitglied des k. 
Ko j i«e rv atx:»r i ujj i s der vaterl an d i sc hett 
Kunst- unil Alt^rtumsdenkmale. 

Ehrlich» Paul, in Frankfurt a. M., 
geb. zu Strehlen in Schlesien 14. März 
1864, studierte in Breslau, Stj^sshurg, 
wurde 1878 Doktor, war von 1878 bis 85- 




Assistent der v. FaRrticas^scben Klinik, 
seit 1886 externer Assistent der 2. med, 
Universitiitsklinik (Gehhardt), so\%le seit 
1889 Privatdozent an der med. Fakult&t 



447 



Eichhorst — Eichwald. 



448 



in Berlin, nachdem er bereits 1884 den 
Professortitel erhalten hatte, trat 1890 
nach Gründang des Instituts für Infektions- 
krankheiten unter Koch als Assistent bei 
diesem ein, [wurde 1891 Prof. e. o., 
übernahm 1896 die Direktion des Instituts 
für Senunforschung und Serumprüfung 
in Steglitz bei Berlin und siedelte 
nach Verlegung der Anstalt nach Frank- 
furt a. M. 1899 hierher über, wo er gegen- 
wärtig an der Spitze derselben steht, mit 
dem Charakter als Geh. Med.-RÄt. 
Litterar. Arbeiten: ,^Da3 Sauerstoff bedürfniss 
des Organismus. Eine farbenanalytische 
Studie" (Berlin 1885) — „Über provocirte 
Fluor escenz er scheinungen am Auge" (D. 
Med. Wochenschr. 1882) — „Färbung der 
Tuberkelbacülen'' (Ib. 1882) - „Über Sul- 
fodiazobenzol'Readion" (Ib. 1886) — ,,Über 
Methylenblau- Reaction der lebenden Nerven- 
8%d)stanz" (Ib. 1886) — „ Experimentelles und 
Klinisches über Thallin" (Ib. 1886) — „Über 
Methylenblau und seine klinisch-bacterio- 
skopische Verwerthung" (Ztschr. f. klin. Med. 
II) — „Über das Vorkommen von Glycogen" 
(Ib. VI) — „Über Ausscheidung des Lenden- 
markgrau** (Ib. Jubelheft zus. mit Brieoeb). 
— f,Zur Lehre von den weissen Bluizdlen*^ 
(Verhandl. d. physiol. Ges. BerL 1879 und 
Ztschr. f. klin. Med. I) — „Beiträge zur 
Ätiologie und Histologie pleuritischer Eocsu- 
date'* (Charite-Annalen VII) — „Zur Physio- 
logie und Pathologie der rothen Blut Scheiben** 
(Ib. X) — „Über Bedeutung der neutro- 
phÜen Körnung** (Ib. XTT) — ,, Farbenana- 
lytische Beiträge zur Histologie und Klinik 
des mutest* (Berlin 1891) — „Wertbe- 
siimmung des Diphtherieheilserums und 
dessen theoretische Grundlagen** (Jena 
1897), dazu zahlreiche Abhandlungen 
über I m munität, über Ricin und Abrin, 
Immunität durch Vererbung und Säugung, 
Darstellung und Prüfung des Diphtherie- 
heilserums, feinere Zusammensetzung der 
Diphtheriekulturen,Unter8uchungen,durch 
die E., z. T. zusammen mit Brieobr, 
KossEL, Wassermann u. a. der hauptsäch- 
lichste Mitarbeiter und Mitbegründer bei 
der BBURiNe'schen Serumtherapie wurde. 
Zusammen mit A. Lazarus bearbeitete E. 
für das NüTHifAOEL'sche Handbuch den Ab- 
schnitt „Anaemie". 

EichhOrSt, Hermann, geb. 3. 
März 1849 zu Königsberg in Preussen, 



studierte dort und in Berlin (als Assistent 
von V. Lbyden, Naunyx, v. Ererichs). Pro- 
moviert 1873, wurde er 1876 als Prof. e. o. 
an die Universität Jena berufen, 1877 in 
gleicher Eigenschaft nach GU)ttingen; 
1884 wurde E. ord. Professor in Zürich 
und Direktor der dortigen med. Klinik. 
— Er bearbeitete monographisch: „Pemt- 
ciöse Anämie" (Leipzig 1878) — „Trophische 
Beziehungen der Nn. vagi zum Herzmuskel^* 




(Berlin 1879) „Lehrbuch der physika- 

lischen Untersuthungsfnefhoden innerer 
Krankheiten'* (4. Auli. Brannschweig 1896) 
— y.Hafidbuch der speciellen Pathologie!''' 
(4 Bde., 5. Aufl., Wien 1895 bis 97) — 
^^Lehrbuch der practischen Medizin innerer 
Krankhdten" (Wien 1899) neben klinische 
Gegenstände behandelnden Einzelartikeln. 

Eichstedt, Karl Ferdinand, in 
Greifswald 17. September 1816 geb., stu- 
dierte daselbst und in Berlin. 1839 
promoviert begann er seine Thätigkeit 
als praktisclier Arzt (seit 1841) und Prof. 
extraord. (seit 1851) in (ireifswald, wo er 
1889 sein 50 jähr. Doktor Jubiläum beging 
und aus diesem Anlass mannigfache 
Ehrungen empfing. Er starb 31. Dezbr. 
1892. Er schrieb: .^Über Krätzmilben etc," 
(Froriep's Notizen 1846) — „Pityriasis 
versicolor'' (Ib. 1846) — „tW Durchfall 
der Kinder''' ^1852) — „Zeug^ing und Oe- 
burtsmechanismus etc." (1859). 

Eichwald, Eduard Georg von, 
Sohn des Naturforechers Karl Eduard 



Eickholt 



von K, geb. 31. März 112. April) 18S8 zu 
Wilna, studierte in der med.-chjr. Akad. 
zu St. Petersbarg, wo er 1863 promo- 
viert wurde. 1865 bis 73 war er 
Leibarzt der Grossfürstin Helena Paw- 
lowna, bis zu ihrem Ableben, wurde 
' 1866 Prof, der med. Diagnostik und allg. 
Tlierapie an der med.-cbir» Akad,, 1883 
ord. Prof, der med, Klinik daselbst und 
dirig. Arzt der L med. Abteilung des 
Epischen Hilitärbospitals, indem er 
gleichzeitig (1874 bis 81) klin. Voi-träge 
an den med. Frauen kursen hielt. Seit 
1875 war E. Mitglied des Coaseil der An- 
stalten der GroBsfürstin Helene^ seit 
1879 Mitglied des Medizinalrates und 
seit 1885 des Ministeriums der Vulksanf- 
klänmg. E., der 14. November 1889 
starb, gehörte zu den hervorragendsten 
Ärzten Petersburgs, und war gleich l:>e* 
liebt als akad, Lelirer, ^ie als Konsultant 
der prakt. Arzte. Ein bleibendes Denk- 
■mal schuf er sich durfb die Gründung 
ndefi j^Klinischen Instituts der Grossfürstin 
HBtfNK" smr Fortbildung der prakt. Ärzte, 
dem E, seit der Eröffnung, 22. Mai 1885. 
als dessen Direkte» r und Vorstand der med» 
Klinik den grössten Teil seiner eminenten 
Arbeitskraft widmete. Erwähnensweit ist 
kmoch. dass E. als ein eifriger and soch- 
"kundiger Bibliophile sich eine der voll- 
atündigsten med. BibUotbeken Kusslands 
Ljgescb äffen hat bezüglich der Medizin der 
^früheren Jahrhunderte. Unter seinen 
Ijtterar. Arbeiten, teils klin., teils physioL- 
chem. Inhalts, fanden besondere Be- 
achtung: j^t/Äer das Wesen der Stenocardie'^ 
(Würzburger med. Ztschr., 186:^) — ,,Die 
Colloidettfartnng der Eteriftöckti*' (Ib. 1864) 
— „fJber das Muctn^ besonders der Wein- 
btrgscfmecke*^ (Likbio'b Annalen, 1864) — 
^t Beiträge Mur Cfhemie der gewebebildenden 
Substanzen" (Berlin 1872, L Heft) — „All- 
gemeine Therapie^*' (St. Petersburg 1877, 
4. AtiflO- 

Eickholt, August, Direktor der 
rheinischen Provinz! al - Irrenanstalt in 
afenberg, geh, 1852 in Düsseldorf, stu- 
dierte und promovierte 1873 in Boim, war 
P,.sneceeBiTe Assistent in Illenaa und Sieg- 
^, 2. Arzt in Merzig nnd seit 1881 in 
Jrafenberg, wo er als Nachfolger von 
?KLMANN 1883 Direktor wurde und 15, 
Janniu' 1893 starb, E. ist Verf, versch. 

BiognpMic^hei Lexikon. 



Publikationen in seinem Spezialfach In 
der Allg. Ztsehr. f, Psychiatrie, sowie im 
Archiv f. Psrychiatrie, über Dementia 
paraljtica, über Verwendung des Parai- 
dohyds als Sclüafmittel bei Geisteskrank- 
heit, über Nahrungsverweigerung Geistes- 
kranker, über Lateralsklerose, Zur Fest- 
schrift zum Jubiläum der Anstalt in 
lOenau steuerte er bei: .^Beiträge zur 
Ketmtniss der acuten Formen der Ver- 
riicktheU'\ 

Eigenbrodt, Karl, in Darmstadt, 
7* Februar 1826 geb., studierte in GiesseD, 
Heidelberg nnd Würzburg bis 1849, dem 
Jahre seiner Promotion. Seit Jannar 
1849 ist er als prakt, Arzt, seit 1877 als 
grossberzogh Leibaj-zt, seit 1892 mit dem 
Titel Geheimrat in Darmst^dt thätig 
nnd publizierte: ^ßber die Leitungsgesdze 
im liikkenmark^' (Giessen 1849) — „T/ftcr 
die Diagnose der partiellen EmpfindungS' 
lähmungj insbesondere der Tastdnnlähmujig 
iApselaphcsie)*^ (Vihchow*8 Archiv, XX ITT ) 

— ,ti>t> apoplectische Destruction der Uterin-' 
schlehnhaut^^ (mit A, Üeqar, Monatsschn f. 
Geburtsk., 1863) — ,,IHe Sfädtereinigung, 
die widifigsfe Aufgabe der Saniläispolizei^* 
(Darmstadt u. Leipzig 1868) — ^^ Beiträge lur 
näheren Kcnntni^s der Typhusepidenm in 
Friedberg im Sotnmer 1S67, insbesondere 
in ätiologischer Beziehung'* (Zt^clir. f. Epi- 
demiologie u. öffentl. Gesund he »tspiiege v. 
PfEiiTKR und ScHucHAHüT, 1869) — ^^ Report 
of the medical historg of fixe attack of diph- 
theria in the Grand Ducal f amiig of Hesse*^ 
(BHt Med. Joum. 1879) — ,,Die Ver- 
breitung des Keuchhudens durch abortive 
Fälle'' (Zt-schr. f. klin. Medizin. XVHj 

— ^^Über den Einfiuss der FamiliendispQ' 
ftUion auf die Verbreitung der Diphtherie** 
(Ib. XXV, zur Feier des oOJ ährigen Doktor- 
JubilÄnnis v. M. von Pkttknkofkh, 1893). 

EigenbrOdt, Xarl, m Leipzig, 
geb. 1861, Arzt seit 1885, war Assistent 
an der chir. Klinik in Bonn unter Trki»* 
DELKNBURG, habilitierte sich daselbst 1890 
für Chirurgie^ mid folgte 1895, als TkitN- 
DELENBUR» in Leipzig die Professur über- 
nahm^ diesem hierher, zugleich als dessen 
1. Assistent. 1896 wurde er zum Extrar 
Ordinarius befördert, E. veröffentlichte: 
^^ Beiträge zur Statistik der Hasenscharten - 
operation^^ (1887) — ^^Über den hoffen 

15 



451 



E^kman — Eiseisberg. 



452 



Bhuehschnitr (1888) — „Fall von Blaaen- 
halsklappe'' (1891) — „Eadicalbehandlung 
der FrOBtatavergröaserung*^ (1893). 

Eijkman, Christian, in Utrecht, 
geb. zu Nykerk (Prov. Gelderland) 11. 
Angnst 1858 und in Amsterdam unter 
Place und Stokvis hauptsächlich ausge- 
bildet, Dr. med. 1883, wurde 1886 als 
Militärarzt und 1. Assistent' bei der 
Mission Pekelhablno und Winklbr zur 
Erforschung der Beri-Beri in Niederl. 
Ost-Indien kommandiert und 1888 Direk- 
tor des neu errichteten Laboratoriums für 
Pathologie in Batavia. Seit 1898 ist E. 
Prof. der Hygiene in Utrecht. Seine 
Arbeitsergebnisse sind meistens (holländ.) 
erschienen in den Jahresberichten des La- 
boratoriums zu Batavia 1888 bis 95, her- 
ausg. im Verein mit dessen Unterdirektor 
VON Eeckr bis zu dessen 1895 erfolgtem 
Tode. In Virchow's Archiv publizierte E.: 
.^BltUuntersuchungen in den Tropen'''' (Bd. 
126 und 143) — „Beiträge zur Kenntniss 
des Stoffwechsels der Tropenbewohner^^ (Bd. 
131 und 133) -. „Vergleichende Unter- 
suchung über die physikalische Wärmeregu- 
lierung bei dem europäischen und dem malai- 
ischen Tropenbetvohner*^ (Bd. 140) — „Eine 
Beri-Beri-ähnliche Krankheit der Hühner" 
(Bd. 148) — ,,Ein Versuch zur Bekämpfung 
der Beri-Beri'' (Bd. 149). In Pflügkr's 
Archiv: „Die Bleibtreu' sehe Methode zur 
Bestimmung des Volums der körperlichen 
Elemente im Blut'' (Bd. 60) — „Gaswechsel 
der Tropenbewohner'' (Bd. 64) — ,,Ferme- 
abüität der roten Blutkörperchen" (Bd. 68). 
In Nederl. Geneesk. Tijdsch.: „Tnvloed 
van het jaargetijde op de menschelijke stof- 
ufisseling" (1898) — „Beri-Beri en voedingt* 
(1898, eine histor.-krit. statistische Studie). 
Im Ctrlbl. f.Bakteriol. und Parasitenkunde : 
„Photobacterium javanense" (XII). Femer 
die Antrittsrede; „Ocer gezondheit en 
Ziekte in heete gewesten" — „Mikrobiolo- 
gisches über die Arrakfabrikation in Batavia''' 
(XVI). Seit 1894 ist E. korresp. Mitgl. 
der Akad. d. W. in Amsterdam* 

Eimer, Gustav Heinrich Theo- 
dor, geb. 22. Februar 1843 zu Stäfa bei 
Zürich. Als Fltichtlingskind (väterl. 
Heimat: Deutschland) studierte er in Tü- 
bingen, Freiburg, Heidelberg, Berlin, pro- 
movierte zum Dr. med. 1867 in Berlin, 



zum Dr. phiL 1870 inWtirzburg, war seit" 
1875 als Prof. der Zoologie und ver- 
gleichenden Anatomie an der Universität 
Tübingen bis zu seinem am 30. Mai 1898 
erfolgten Ableben thätig und verfasste 
verschiedene in der älteren Quölle ge- 
nannte Arbeiten. E. war ein überaus ver- 
dienter, gründlicher und scharfsinniger 
Forscher, dessen Arbeiten ganz besonders 
zum weiteren Ausbau der Darwinistischen 
Lehren beigetragen haben. 

Eiseisberg, Anton Freiherr 
von, in Königsberg, geb. 1860 zu Stein- 
haus in Österreich, studierte in Zürich 
und Wien, hier hauptsächlich als Schüler 
von Billroth, wurde zuerst Operations- 
zögling, später Assistent an der 2. chir. 
Klinik, habilitierte sich 1889 als Privat- 
dozent für chirurgische Propädeutik und 
hielt auch Operationskurse, wui'de 1893 
als Nachfolger von Salzeh zum Professor 




der Chiriir<:^ie nach Utrecht berufen und 
folgte von hier aus 1895 einem Huf in 
gleicher Eigenschaft, sowie als Direktor 
der Chirurg. Klinik nacli Königsberg als 
Nachfolger des nach Crr)ttingen berufenen 
Heinrich Braun. Litterar. Arbeiten: ,jZur 
Lehre von der Todtejistarre^' — .,ll)er 
Tetanie im Anschluss an Kropf Operationen" 
(1890) — „Bericht über die 18S5 bis 89 
in der BiUrotKschen Klinik ausgeführten 
Magenresektioiien und G astroe^iferosiomien" 
(1889) — „Über erfolgreiche Eifiheilung 
von Katzenschilddrüse in die Bauchdecken 
und Auftreten der Tetanie nach deren 



453 



Eisen] okr — Eisberg. 



4&i 



Sxstirpaiion'' il892) — ,,Über Knochm- 
mäastmen des SchiMrusenkrebses^^ — ^,Vber 

Idii physiologische FunkHon eitler unter dem 
pternum zur Entwickelung gekommenen kreh- 
wigenSchilddrüitenmetastase*^' — ^.Wachstumsh 
gtörungen bei Thieren nach fr ühseiHger Schild- 
drüsen-Mr-sUrpation^*, Dazu kommen Ab- 
haudhm^en über de« izus. mit Brun^rr 
il89l) erbrachten Nachweis der Ausschei- 
dung von Eiterkokken durdi den Schweisa, 
Iiupftnberkulose beim Menschen, oeteo- 

Riastische Fu^ssamputation. HButüberpIlan- 
Lingnuch Tuiersch, künstliche V'erpllan- 
zung von Geschwülsten, ITat^rsuchungeu 
über Haderakrankheit (ziisammen mit 
Paltauf), Bhtnusklerom u. v. a. 

Eisenlohr, Kail. Arzt und Ober- 
arzt am neuen Eppendorfer Kranken- 
hau&e bei Hamburg, 1842 in Pforzheim 
geb. und in Heidellierg, hauptsächlit^h 
Runter Xicolaus Friki»rkich ausgebildet, 
rurde 1875 Hilfsarzt am alten allgem. 
rankenhause in Hamburg, seit 1887 
)berarzt in Eppendorf. Infolge öfterer 
räuklicbkeit zur üöterbrechuug seiner 
rhiitigkeit genötigt, starb E. 18. Novbr. 
1896 auf Funchal in Madeira. E, war 
Bin tüchtiger Neuropatholog. Mit Cursch- 
FiiANy publizierte er über die Pathologie 
und patbolog. Anat. der Nervenentzündung 
and Gürtelrose, ferner rüiiien von E. 
Arbeiten her über Tabes, traumat. Neurose, 
Landry*sche Paralyse, Morvan's<'lie Krank* 

Iheit^ Aböcesse in der Meduila oblongata, 
llber Bulb^perscheinuagen bei Typhus, 
jOber Diagnose des Leberechinokokkus, 
Aber akute und chron. Nierenentzündung 
JDach Infektionskrankheiten, über die Harn- 
l>ürger Choleraepidemie u» v. a. 

Eläin^ Charles, zu London, geb. 

1824, ;t,'ewanu bereits 1846 eine erste gol- 

6ne Medaille, wurde 1850 zu London 

led. Dr. und F. R. C. P, 1870. Nach* 

er längere Zeit am Nat. Hospital 

Epileptische thiitig gewesen war, 

fingierte er spater als Hon. Physictan an 

Jer Sheffield General Tnfirmary und der 

^eichnomigen Med ix in schule und starb 

Juli 1889. Neben mehr allgemei- 

eren Gegenständen (.^Cicilizalion^* — 

ioral and criminal epidemics*^ — ^fie- 

neraticmfi in nmn'^ — ,,Man and science^*) 

«^handelte er besonders psychologische 



I und psychiatrische Themen in den Schrif- 

I ten: ,f Essai on natural heritage" (London 

' 1860) — f^On i7fimo>w and halludnations^* 

( (1861) — „O^t cerebria and other duease» 

I of the brain^^ (1872) und die Epilepsie, die 

I Monomanie, das PuerperalÜeber im Jotini, 

( of. psych, med, 1855 bis 59. 

ElsaeSSer, Karl Ludwig von» 
I als Ö<din eines 1813 am Kriegstyphus zu 
Neuen Stadt an der Linde verst<>rbenen 
, Arztes, geb. 13. April 1808, studierte 
von 1825 an in Tübingen, wurde 1830 
Doktor, machte eine wissenschaftl. Heise 
nach Wien und Berlin, war 1832 bis 34 
PrivBtdozent in Tübingen, wurde 1834 
Arzt in seiner GeburtsstÄdt, machte sieh 
einen Namen durch die Schriften: ^^Ver 
iveu'he Hinterkopf, ein Beitrag xur FhgsioL 
und Fat hol. der ersten A'fndActT^ Stuttgart 
1843) und ^^Die Magenerweichung der 
Säuglinge durch Beobk an Kranken und 
Leichen und durch künatL VerdauHtigsver^ 
Buche erläutert'' (Ib. 1848). 1853 wurde er 
in IStuttgart zum Hofarzt ernannt, wurde 
Mitglied des Med.-KolL, 1857 Arzt am 
Katharinenstift» erhielt 1S65 den Titel 
eijie^ k. Ijeibarztes^ legte In diesem Jahre 
seine Stelle im Med.-KolL nieder, wurde 
1863 als Hofarzt peusionieil und zog sich 
nach üntertüi'kheim zurück, wo er 7. März 
1874 starb. 



Eisberg, LouIs, geb. zu Iserlolm 
{.W^'iättideni 1837, kam mit seinen 
Eltern 1850 nach Amerika, studierte von 
1852 an am akad. Institut in Winchester 
(Virginieni, sowie am Jefferson Med. Coli, 
in Philadelphia, promovierte 1857, fun- 
gierte ein halbes Jahr als Resident Phy- 
stclan am. Mount Sinai Hosp. in New 

' York, machte eine IjUhr. wissenschaftl. 

^ Reise nnd liess sicii 1859 in New York 
als Spezialar/t für Laiyngologie nieder. 

j 1862 errichtete die med. Fakultät der 

j New Yorker LTniversität für ihn die erste 
Spezjalkiinik für Rachen-, Nasen-, Mund- 

I und Kehl köpf skrankheiten; er war der 
Begründer der „American Laryngological 
Association", gab die ^^Archives of larj/n- 
gology^' (1880 bis 62), zusammen mit 
CoB£N% Käight imd Lf-fthrts heraus und 
gtarb 19. Febr. 1885 in New York. Seine 

' Arbeiten sind in der älteren Quelle zu- 
sammengestellt. 



456 



Emmerich. 



456 



Emmerich, Rndolf , in Mtmclien, 
als Sohn des Ophthalmologen Jacob E. 
in Mutterstadt (Rheinpfalz) 29. September 
1852 geb., studierte seit 1871 in München, 
nachdem er den deutsch-französ. Krieg im 
3. freiwill. Sanitätskorps bis nach der 
Schlacht bei Sedan mitgemacht und dann 
erst das Absolutorium bestanden hatte. 
Eine mit dem Eakultätspreise gekrönte 
Arbeit „über die chemischen Veränderungen 
des Isarwassers während seines Laufes durch 
München^^ brachte ihn in Beziehung zu 
V. Pkttenkofeb. E. widmete sich fortab 
der Hygiene, arbeitete als Assistent an 
der internen Poliklinik im ehem. Institut 
V. Baeykr's und im hygien. Laboratorium 
bei V. Pettenkofer, hier speziell „Über den 




Einfluss verunreinigten Wassers auf die 
Gesundheit", 1878 führte E. auf der Insel 
Madeira „ Untersuchungen über die Ver- 
breitung der Cholera in Funchal'' (1864), 
1879 I wurde er 1. Assistent am hygien. 
Institut in Leipzig bei Franz Hofmann 
und habilitierte sich daselbst für Hygiene. 
In dieser Zeit entstand die exper. Arbeit: 
„Die Verunreinigung der Zwischendecken 
in ihrer Beziehung zu den ectogenen Infee- 
tionskrankheiten^^ mit dem auf umfassendes 
Analysenmaterial gestützten Nachweis 
des bisher unbekannten and unbeachteten 
ungünstigen Einflusses des stark verun- 
reinigten Bauschuttes in den Zwischen- 
decken, besonders hinsichtlich Entstehung 
von Infektionskrankheiten und Ungeziefer; 
diese Arbeit gab zu gründlichen Keform- 
massregeln im Hochbau Anlass. 1880 



wurde E. nach Lissabon berufen, um im 
Auftrage der Stadt eine XJntersuchungs- 
anstalt für Nahrungsmittel und Hygiene 
einzurichten. 1881 trat er als Assistent 
am hygien. Institut in München (v. Pettrn- 
kofer), sowie an der Untersuchungsanstalt 
für Nahrungsmittel ein und habilitierte 
sich an der Universität. Während der 
Choleraepidemie von Neapel (1884) und 
Palermo (1886) besuchte E. im Auftrage 
des bayr. Ministeriums diese Städte zu 
ätiolog. Studien, ebenso 1893 im Auftrage 
des Sultans Konstantinopel zu hygien. 
Beformen. E. gelangte im Laufe dieser 
Untersuchungen zur Ansicht, dass die 
Krankheitserscheinungen der Cholera asiat. 
im Wesentlichen auf Vergiftung durch sal- 
petrige Säuren beruhen und begründete 
diese Theorie experimentell zunächst an 
Tieren, dann im Verein mit seinem Lehrer 
V. Pkttenkofer durch den bekannten Ver- 
i such an sich selbst, indem sie {e Vio <^^ 
Bazillenkultur von Cholerabazillen ge- 
nossen. An dieser Nitrittheorie hält E. 
noch heute fest. E. hat auch zuerst ge- 
zeigt, dass man pathogene Bakterien im 
tier. Org^jiismus vernichten und eine töt- 
liche Infektionskrankheit (Milzbrand) durch 
Einimpfung weniger schädlicher Bakterien 
(Erysipelstreptokokken) heilen ksuin. In 
Untersuchungen über künstliche Immu- 
nität und Serum therapie hat E. gleich- 
zeitig mit, aber unabhängig von Behring 
für die Diphtherie und ein Heilserum zur 
Schutzimpfung gegen den Kotlauf der 
Schweine hergestellt. In der zusammen 
mit Oscar Lükw ausgeführten Arbeit 
„Bakteriologische Enzyme als Ursache der 
erworbenen Immunität und die Heüung von 
Infecfionskrankheiten durch dieselben'* (Ztschr. 
f. Hyg. u. Infektionskr. XXXI 1899) wurde 
die Ursache der künstlichen Immunität 
gegen bakterielle Infektionskrankheit auf 
die Wirkung bakteriol. Enzyme (sog. 
„Nucleasen") zurückgeführt, die an einen 
Eiweisskörper gebunden nicht nur ihre 
bakteriol. Wirkung behalten, sondern auch 
als hochmolekulare Verbindungen weniger 
leicht im Organismus zersetzt und aus- 
geschieden werden. Zusammen mit Trh*- 
LiCH publizierte E. noch eine „Anleitung 
zu hygien, Untersuchungen^^ (3. Aufl. Mün- 
chen 1900, auch mehrfach übersetzt). Für 
das grosse Handbuch der Hygiene und 
Gtowerbekrankheiten von v. Pbttenkofer 



467 



Enimert — Enderlen- 



458 



I 



I 



und V. Ziicatss£N bearbeitete E. zusanunen 
zuit REctcxAGKL ein umfangreiches H&nd* 
buch der WoKnmigsliygfene und erstattete 
mehrere Jalire lang die Heferate über Ge- 
Bundheitspflege in Virchow-Hirsch's Jahres- 
berichten, E. ist smt 1888 Prof. e. o. d. 
Hygiene, MitgL des Gesniidheitsratas der 
Stadt München und Oberstabsarzt d. R. 
Mehrere seiner Schüler sind als Proff. d. 
Hygiene in Russland, Ößterreich und 
Italien thatig. 

Eminert, Karl, o. Ö. Prof, der 
Staatsmedizin an der Universität Bern, 
daselbb^t 13. April 1812 geh und liier, so- 
wie in Berlin und Paris ausgebildet, Dr. 
med. ßerhn 1835. seit 1863 in der gegen- 
wärtigen Stellung. Seine bekannteste 
Leistung ist. das ^,Lfhrl/uch dei- Chirurgie'* 
<Bd. I Stuttg. 1850, 2. Auii. 4 Bde., das. 
1859; 3, AulL ,yLehrintch da* spezidhn 
Chirurgit'' [2 Bde., Leipzig 1870]). Ausser- 
dem publizierte E. ,, Beiträge zur Fat hol, 
uti^l Therapie mit besonderer Beritckmch- 
tigung der Chirurgir' (Heft 1 Bern 1842, 
2. Heft 184b) — „X>iß UnterkiMniche. 
Mit ein«» Anhange über die Lagetierände- 
rungen der Eingeiveide in der Bauchhöhle** 
(Stutt^r, 1857), Aufsätze auf d^m Gebiet 
der Chir^T gericlitl. Med., Hygiene in ver- 
schiedenen Zeitsehr. Separat ersi-hien: 
^^Der Crimhial - P$*oie8S Dcmme - Trümpy^ 
tom geriditmrztHchen Standpunkt am dar- 
gestm^" (Wien 18f>6). 

Emmertv Emil, al« Sobn d. Vor. 
geb. zu Bern L Dezember 1844 und 
daselbst mediziniÄ^'h ausgebildet, machte 
dos Doktor- und Staatsexamen 1868, trat 
darauf Reisen nach Berlin, Wien. London, 
ütrechtv Paris an, uui siidi l>ei A. v. Gkaeke, 
Arlt, Bader, CRiTcyjnr und Bowman, sowie 
beziehungsweise bei Dondehs und Sntjxen 
«Qszubilden und wirkt seit 1870 als Augen- 
arzt und Dozent der Ophthalmologie in 
seiner Vaterstadt. Schriften: ^^Refradions- 
und Accommodationsverhältnust des metiBch- 
liehen Auge$** — t^Schuluritermichungen und 
Schulhygiene'' — „Auge undSt^ädtl'^. Ausser- 
dem ca. 60 Aufsätze. Vorträge, Jahres- 
berichte seiner Privatpoliklinik. Er ist 
auch Mit^arbeiter mehrerer Zeitschriften. 

EminCtt Thomas Addis, in New 
York, geb. 29. Mai 1828 zu Virgüüa als 



Sohn des dortigen Universitätsprofessors 
der Chemie und Arzneimittellehre Jom* 
Pattkn E., studierte seit 1845 am Jefferson 
Med, Coli, in Bbiladelplua, promovierte 
1860, fungierte darauf als Kes, Pliys, am 
Emigrant Eefugee Hosp. auf Wards Island 
bei New York, seit 1852 als Visiting Phjsic. 
an derselben Ansttilt und zugleich als 
prakt. Arzt in New York, seinem jetzigen 
Wohnorte. 1855 wnirde er Assistent au 
der gjTiäkoL Anstalt unter Sims, 1862 Surg. 
-in -Chief ebendaselbst, gab 1872 diese 
St-elliing auf und war seit 1876 einer der 
Consulting Physic. am Hoosevelt Hosp. 
of the City of N, Y. Seit 1859 widmete 
sich E. ausschliesslich der Gynäkologie 
und verfasste zahii-eiche Arbeiten, unter 
denen in Deutschland besonders bekannt 
geworden sind das nach ihm benannte 
(JJperatiansverfalii"en beim Utemsprolaps 
iNew York Med. Rec. 1871), seine in einigen 
Fällen mit Glück angewandte Methode 
zur Uterusreposition (Am, J. of med. sc. 
186(i imd 1868 und Am. J. of Obst. 11), 
'j ferner die Mitteilungen über Operation 
von Uterusfibroiden. HarngenitaHi stein etc. 
Selbständig erschienen : „ Vesico • Vfigiiuil 
fistulae from parturition and other eauses 
with coMes of recto-vaginal fisttUae" (New 
York 1868) und .^ZHseusea of Krowm' . 

EmminghaUS» Hermann, zu 
Weimar 20. Mai 1845 geboi-en, studierte in 
Göttin gen, Jena, Wien, Leipzig und promo* 
vierte 1870. Von April 1880 wirkte er als 
ordentl.Profes.sor der Psychiatrie u. Direktor 
der Psychiatrischen Klinik zn Dorpat, 
von JuÜ 1886 in der gleichen Stellung 
an der Universität Preiburg L B., zu- 
gleich als Medizinalreferent am Grosah. 
Landgericht Freiburg und gab neben zahl- 
reichen auf das Facb bezüglichen kasu- 
istischen Mitteilungen eine ^^ Allgemeine 
PitychojxUholf^e Mur Einführung in das 
Studium der Geiäesstm^ngen *' (Leipzig 
I 1878), sowie Abhandlmigen ,,Über Kituier 
I und Unmündige^ Schicachsinn und Blö*Uinn 
j in foreimacher Hinsicht'' (Tübingen 1882), 
über ,fBehandlung des Irrsinns im Ällge' 
meimn' (Jena 1895, 2. Attll. 1898) hemus. 

Enderlen, Eugen, in Marburg, 
geb. zu Salzburg 21. Januar 1863 , in 
München, Greifswald und Maiburg ans- 
gebildet, 1887 approbiert, Dr. med. 1888, 



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Engel — Engelmann. 



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habilitierte sich für Chirurgie 1895 in 
Greifswald, 1896 in Marburg und ist seit 
1899 Extraordinarius daselbst. Scliriften: 
„Über den Durchtritt pathogener Mikro- 
organismen durch die intakte Lungenober- 
fläch^^ — Über Stichverletzungen des Rücken- 
marks^* — f ^Frakturen der Lendenwirbel- 
säule^'^ Pfropfungen nach Thikrsch und 
Krause, Transplantation der Schilddrüse, 
histologische Untersuchungen bei experi- 
mentell erzeugter Osteomyelitis etc. 

Eng^Gly Josef, pathologischer und 
topograpliischer Anatom, 1816 zu Wien 
geb., vollendete daselbst seine Studien, 
ward 1840 Assistent an der Wiener patho- 
logisch - anatomischen Lehrkanzel , 1844 
Professor der Anatomie in Zürich, 1849 
Professor der pathologischen Anatomie in 
Prag, 1854 Professor an der med. chir. 
Josefs- Akademie in Wien und trat bei 
deren Auflösung 1874 in den Ruhestand. 
Er starb 3. April 1899. Ausser zahl- 
reichen Aufsätzen in Fachblättem, Ar- 
beiten über die Entwicklung von Knochen, 
Haaren, Federn, schrieb er folgende Werke: 
,f Entwurf einer pathologisch -anatomischen 
Propädeutik'' (Wien 1845) — ..Anleitung 
zur Beurtheüung des Leichenbefundes" (Ib. 
1846) — f,Das Knochengerüste des mensch- 
lichen Antlitzes" (Ib. 1850) — „Die Leichen- 
erscheinungen^' (Ib. 1854) — „Specielle patho- 
logische Anatomie" (Ib. 1856) — ,,Compen- 
dium der topographischen Anatomie^*" (Ib. 
1860) — ,,Sectionsbe8chreibungen" (Ib. 1861) 
— „Lehrbwh der pathologischen Anatomie " 
(Wien 1865, I. Bd.). — Sein Kompendium 
der topographischen Anatomie zeigt den 
tüchtigen Anatomen; es war für jene Zeit 
eines der besten Lehrbücher dieses Faches. 
Durch seinen eleganten und anregenden 
Vortrag hat E. ausserdem viel zur Ver- 
breitung der pathologischen Anatomie bei- 
getragen und ihre Ergebnisse mit Glück 
auf die gerichtliche Medizin übertragen, 
auch manche Behauptungen Rokitansky's 
richtig gestellt. Nachdem er anfangs die 
Crasenlehre noch weit über Rokitansky 
hinaus im naturphilosophischen Sinne aus- 
gesponnen, wurde er nach Virchow's Vor- 
gange deren eifrigster Bekämpfer und hat 
schliesslich, wenn auch manchmal das 
Ziel überschiessend, eine gi-össere Genauig- 
keit der pathologisch -anatomischen Be- 
schreibung mit Erfolg angestrebt. 



EngfGly Conrad Samuel, in Berlin, 
1862 in Samter geb., studierte in Berlin 
besonders als Schüler Ehruch's, approbiert 
-1888, Dr. med. 1889, schrieb: ^Leitfaden 
zur klin, Untersuchung des Blutes''*', sowie 
Arbeiten über Blutentwicklung bei Mensch, 
Säugetieren, Vogel, Frosch, Blutunter- 
suchungen bei Diphtherie, Knochenmarks- 
untersuchung bei pemiciöser Anämie, ver- 
schiedene Formen von Leukocytose. 

Engelmann, Theodor Wllhelm, 
zu Leipzig 14. November 1843 geb., stu- 
dierte von 1861 bis 63 in Jena, dann 
in Leipzig, Heidelberg, Göttingen je ein 
Jahr, um 1866 nach Leipzig zurückzu- 
kehren und dort 3. Januar 1867 pro- 
moviert zu werden f„ Über die Hornhaut 
des Augen''''). — Unmittelbar danach siedelte 
E. nach Utrecht über als Assistent am 




dortigen physiologischen Laboratorium; 
seit dem 20. März 1871 gehörte er dem 
Professorenkollegium und Senat der Ut- 
rechter Universität an. 1897 folgte er 
einem Rufe nach Berlin als Nachfolger 
Emh. du Bois-Rrymond's im Professorat der 
Physiologie und der Direktion des physi- 
ologischen Instituts der Universität. Von 
seinen Lehrern hebt E. selbst v. Bezold 
und Gegenbau r als für ihn am mass- 
gebendsten hervor. — Unter selbständigen 
Titeln hat er publiziert: ..Zur Natur- 
geschichte der Infusion sthiere'''' (4 Taff., 
Leipzig 1862; weiteres über dasselbe 
Thema Utrecht 1875) — ..Über den Zur 



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Rammenhafiff vün Nerv und Muskelfaser" (4 
Taff., Leipzig 1863} - J^^ber die Flimwet" 
imirgung'' [Ih. 1868J — „^^ ^'*^ ^ ^^ 
oniwikkdhKj der leer van dtrn bouw m ket 
kven der organiBmett^*' (Ib. 1871) — „Ondcr- 
loekinggn gcdaan in het phyfti^ogtsch tabo* 
rattyrium der Utreditsche Ji^mgeschool^'^ (Derde 
lleeks. Deel I-IX , 1872 bis 84, zu- 
Summen mit F. C. Dondees) — ^J'ber den 
Ursprung der Mmkelkraft'' (1. u. 2. Aufl., 
Leipzig 1893) — ,^Gedd>Jäfm»r&le auf K. 
lYm HeimMtz'' (28. Septeuiber 1894 in 
Utrecht gehalten, Leipzig 1894) — ^,Tiifdn 
und TaöeUcH xnr Dar&teUnng der Ergeb- 
nisse spectrüBkopisdi^ umi speetropftotottte- 
Iridclier BeubadUnngm** \1\k 1897) — ^Of- 
dächfniHsrede auf E, du BoU- Reymtmd^ 
(gehalten in der Leilmizgjitziing der k. 
Akftdemie der Wissensclu, Berlin 1898), 
— Seit 1898 \&t E. Herausgeber des 
Aj\-hivs für Phvsioloirie. Aufsätze und 
Einzelarbeiten beßonders zalilreieK in: 
pFtroKti*s Archiv, der Jenaischen Zeit- 
chrift für Medic, u. Natmrw,, in der Zeit- 
schrift fär wiss. Zoologie von Bd. 9 ab, 
im Morphfd. Jahrbuch von Geoekiiaur und 
in der Botanischen Zeitung von A. i>e Bahy 
l< Jahrg. 1879 bis 84). in Stiückkk'ö Hand- 
acb der Lehre von den Geweben be- 
te E. das Kapitel „I>ie Geschmacks- 
''■; in Hermaän's Handb. der Ph^^i- 
Dlogie^ Bd. I, die ^^Phymologie der Proto* 
pltisnta» utid der Flimmerbetcegung^^ 

EUgeSSer, Hermann, geb. in 
Karlsruhe 19. April 1846, bildet« sich in 
Freiburg i. B. besonders als Kuf^sjuAUL'ß 
ySchiÜer aus und gelangte taw Promotion 
1870. 8cit diesem Jahre, J'esp. nacb 
Teilnahme am Feldxug g^g^^n Fnink- 
reich, wirkte er als Assistent der med. 
Klinik, sowie als Arzt nud Privatdozent 
in Freiburg t. B. und ])ublizierte: „/^a« 
J'ankreax als diätefMiei* Hetlmiftel*' (Stutt- 
gart 1877) — „Beiträge tur therapettHsckat 
Verwendung des fankreuB** (D. Arch. f, klin. 
Med. XX^V^ 1879) - ^Beitrag mr Ca- 
sttisHk der multiidtn Sklerose des GeJnrnH 
mid Bückettmarkn*' <Ib.