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Full text of "Biographisches lexikon der hervorragenden aerzte aller zeiten und völker .."

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"^BIOGRAPHISCHES LEXIKON 



DER 



HERVORRAGENDEN AERZTE 

ALLER ZEITEN BND TÖLKEB. 



UNTER MITWIRKUNG DER HERREN 

Prof. A. ANAGNOSTAKIS, Athen — Prof. B. ALBERT, Wien — Prof. ARNDT, Greifswald — Prof. 
K. BARDELEBEN, Jena — Dr. ßlLLINGS, Washington — Prof. Arn. CANTANI, Neapel — Prof. 
CASPARY, König«berjr — Prof. CHRISTI ANI, Berlin — Prof. v. d. CORPÜT, Brüssel — Prof. 
E. von CYON, Paris — Dr. C. E. DANIELS, .Amsterdam — Primararzt ENGLISCH, Wien — Prof. 
KULBNRURG, Berlin— Doc. FALK, Berlin — Prof. v. PLEISCHL, Wien — Oberstabsarzt FROELICH, 
Leipzig — Doc. GRUENFELD, Wien — Geh. Med.-Rath H. HAESER, Breslan — Prof. HEDENIDs] 
Upsala — Dr. HELMREICH, Angsbnrg — Prof. 0. HJELT, Helsingfors — Doc. HORSTMANN* 
Berlin — Prof.HüSEMANN, Göttingen — Doc. JACOBI, Breslau — Prof. KLEINWAECHTER, Czemowitz 
— Prof. KOLLMANN, Basel — Prof. KRONECKER, Bern — Doc. KRONER, Breslan — Prof. KUESSNER, 
Halle — Prof. LOEBISCH, Innsbruck — Prof. LUCAE, Berlin — Dr. LUTAUD, Bedactenr en chef, Paris — 
Prof. MAGNUS, Breslan — Prof. MAHCHAND, Marburg (Hessen) — Prof. MUNK, Berlin — Dr.PAGEL, 
Berlin — Dr. PESZKE, Warschau — Dr. PETERSEN, Kopenhagen ~ Arzt PROKSCH, Wien — 
Prof PUSCHMANN, Wien — Dr. Max SALOMO.V , Berlin ■- Prof. SAMUEL, Königsberg — Prof. 
SCHEUTHAUER , Budapest — Prof. SCHWIMMER , Budapest — Prof. F. SEITZ, München — Prof! 
STIEDA, Dorpat — Dr. W. STRICKER, Frankfurt a. Xl. — Prof. UFFELMANN, Rostock — Dr. 
L. UNGER, Wien — Prof. WALDEYER . Berlin — Regierungs- und Med.-Rath WERNICH, Cöslin — 

Prof. WINTER, Leipzig. 

UND UNTER SPECIAL-REDACTION 

o ^ . ^ VOH 

t>^ E. GURLT, 

PROnSSOR DER CHIRI7R0IE Ali DER UKITRRSITÄT BERLIK, 

HERAUSGEGEBEN 

TOH 

D« AUGUST HIRSCH, 

PROFESSOR DER MEDICltT^U BERUN. ' 

ZAVEITER BAND. 
Chavet — Gwinne. 



WIEN UND LEIPZIG. 

Urban & Schwarzenberg. 

1885. 






55 / 






Nachdruck der in diesem Werke enthaltenen Artikel, sowie Uebersetzung 
derselben in fremde Sprachen ist nur mit Bewilligung der Verleger 

gestattet. 



Vorwort. 

Mit dem Erscheinen des Schlusses des zweiten Bandes 
des Biographischen Lexikons haben die Unterzeichneten von dem 
inzwischen erfolgten Wechsel in der Redaction desselben Kenntniss 
zu geben, indem zu Anfang dieses Jahres der bisherige Redacteur, 
Herr Dr. Wernich, in Folge seiner Ernennung zum Regierungs- 
und Medicinal-Rath in Cöslin von der Redaction zurückgetreten ist 
und die Weiterführung derselben, von dem Buchstaben G an, der 
mitunterzeichnete neue Redacteur übernommen hat. 

Gleichzeitig ersuchen wir nochmals alle Diejenigen, welche 
sich für das Biographische Lexikon interessiren , uns auf die in 
demselben enthaltenen Lücken und Irrthümer aufmerksam machen 
und Verbesserungen, Nachträge u. s. w. (auch wichtige Lebens- 
veränderungen betreffend) für die am Schlüsse des Werkes zu 
gebenden „Nachträge" schon jetzt dem mitunterzeichneten 
Redacteur (Prof. Dr. E. Gurlt, Berlin, S. W., Bernburger-Str. 
Nr. 15/16) zugehen lassen zu wollen. 

Berlin, Ende April 1886. 
Dr. Aug. Hirsch. Dr. E. Gurlt. 



(Fortsetzung.) 

Um die Schreibweise df r Nameu — mit C oder mit K — festzastellen, ist möglichst durchweg 
anf die Original werke der Autoren zurückgegangen. Auf K ist bei einigen latinisirten Namen 
und dann noch ausdrücklich hingewiesen worden, wenn ein Autor selbst seinen Namen 
bald mit C, bald mit K geschrieben hat. — Die Namen des Collectiv -Artikels „Chinesische 
Aerzte" finden sich nicht noch einmal unter besonderen Spitzmarken wiederholt. — Die 
mit * bezeichneten Biographien sind die der um Mitte 1884 noch Lebenden. 

Chavet, Heinrich Gh., 1742 zu Robertville im Gebiete der Abtei 
Stablo geboren, war Arzt zu Münster, Fürstbiscböflich Paderbom'seher und Fürstlich 
Hildesheim'scber Leibarzt und verfasste u. A. : „ Vorschlag zur gänzlichen Aus- 
rottung der venerischen Krankheit" (Düsseldorf 1782) — „Fortgesetzte Nachricht 
vofi einem merkwürdigen medicinischen Rechtshandel in Münster; u, s, w." 
(Dresden u. Leipzig 1782) — „De phthisiptdmonali hereditaria" (Münster 1786) — 
^Untersuchung, ob die Lungenschmindsucht ansteckend sei" (Münster 1786). — 
Er gab mit einer Vorrede heraus: C. L. Hoffmann's „Opuscula latina medici 
argumenti, separatim priics edita" (Ibid. 1789) und C. L. Hoffmann's „Ver- 
mischte medicinische Schriften" (4. Thle., Münster 1790 bis 95) u. s. w. Er 
starb am 29. September 1819. 

Rassmann, 1814, pag. 22; 1818, pag. 15; 1824, pag. 15. — Ernst Rassmann, 
1866, pag. 62. G. • 

Ghelins, Maximilian Joseph von Ch., in Heidelberg, berühmter 
Chirurg, war am 16. Januar 1794 zu Mannheim, wo sein Vater Vorsteher der 
Entbindungsanstalt war, geboren. Mit der Verlegung der letzteren nach Heidelberg 
(1805) kam auch er dahin, bezog schon mit 15 Jahren die Universität, wurde 
mit 18 Jahren (1812) Doctor und ging darauf nach München, wo er das Militär- 
und Civil-Hospital besuchte, dann nach Landshut, wo Phil. Walther lehrte, und 
übernahm 1813 die Stelle eines Hospitalarztes in Ingolstadt, woselbst unter den 
französischen Kriegsgefangenen eine Epidemie ausgebrochen war. Hierauf folgte 
er als Regimentsarzt den badischen Truppen nach Frankreich und besorgte nach dem 
Friedensschlüsse eine Zeit lang im Oamison-Lazareth zu Karlsruhe den ärztlichen 
Dienst. Bald aber ging er nach Wien, wo er die Kliniken von Hildenbrand, 
Kern, Zano, Beer und Rüst besuchte und folgte nach dem Wiederausbruch des 
Krieges (1815) von Neuem den Truppen nach Frankreich. Nachdem er noch nach 
beendigtem Kriege Göttingen, Berlin, Halle, Leipzig, Jena, Würzburg, sowie Paris 
besucht" hatte, erhielt er 1817 einen Ruf als Prof. e. o. der Chirurgie nach Heidel- 
berg und wurde bereits 1819 Prof. Ordinarius. Das Erste nach seiner Berufung 
war, dass er in Heidelberg eine chirurgisch-augenärztliche Klinik gründete, die 
unter seiner Leitung bald sich eines weit verbreiteten Rufes erfreute. Seine ersten 
Schriften waren : „ Ueber die durchsichtige Hornhaut de^ Auges, ihre Functionen 
und ihre krankhaften Veränderungen" (Karlsruhe 1818) — „Ueber die Er- 
richtung der chirurgischen und ophthalmologischen Klinik an der grossherzog- 
lichen Schule zu Heidelberg und Uebersicht der Ereignisse in derselben vom 
L Mai 1818 bis 1. Mai 1819" (Heidelberg 1819, m. Kpft). Sehr bald folgte 
Biogr. Lexikon. II. 1 



2 CHELIÜS. 

auch sein „Handbuch der Chirurgie, zum Gebrauche bei seilten Vorlesungen^ 
(2 Bde., Heidelberg 1822, 23; 2. Auflage 1826, 27; 8. Auflage 1857; dasselbe ist 
in 11 Sprachen übersetzt, darunter in's Dänische von F. W. Mansa, Kopenhagen 
1834, 35 ; in's Holländische von 6. J. Pool, Amsterdam 1832 — 37 ; in's Italienische, 
Mailand 1837; in's Französische von J. B. PiGNi, Paris 1844; in's Englische von 
John F. South, London, Philadelphia 1847), ein Werk, welches fast 30 Jahre lang 
nicht allein in Deutschland das bekannteste und beliebteste Lehrbuch war, sondern 
auch durch die zahlreichen Uebersetzungen die weiteste Verbreitung, selbst ttber 
Europa hinaus gefunden hat. Ch. , der sich als Lehrer und Operateur einen ausser- 
ordentlichen Ruf erworben hatte, war auch weiterhin noch als Schriftsteller vielfach 
thätig. Abgesehen von mehreren Aufsätzen in Textor*s „Neuem Chiron" (1821 — 22), 
veröffentlichte er namentlich in den von ihm 1825 mitbegründeten Heidelberger 
klinischen Annalen eine Reihe derselben (Bd. I — HI), von denen wir nur folgende 
anführen : „ Ueber die Anwendung des Decoctum Zittmanni etc,^ (in's Holländische 
übersetzt von A. van Erpecum, Amsterdam 1829) — „Drei klinische Berichte 
für die Zeit van J819 — 27" — „Bemerkungen über die AmpiUationen^ — 
„ Ueber die Verletzungen der Art. intercostal. in gerichtltch-niedicinischer Be- 
ziehung" — „Exstirpatio7i einer sarcomatös entarteten Ohrspeicheldrüse" — 
„Elephantiasis" — ;, Völlige Exsthpation der äusseren weiblichen Schamtheile" 
— „Exstirpation eines in der Weiche gelegenen sdrrhösen Hodens u. s. vj,". 
Ausserdem noch die folgenden besonderen Schriften : „Zur Lehre von den schwam- 
migen Ausioüchsen der harten Hornhaut und der Schädelknochen" (Heidelberg 
1831, m. 11 Taff. fol.) — „Handbuch der Augenheilkunde" (2 Bde., Stuttgart 
1839, 44; französische Uebersetzung von M. RüEF und J. Deybeb, Paris 1839) — 
„Ueber die Heilung der Blasenscheidenfisteln durch Cautertsation. Ein Send- 
schreiben an Dieffenbach" (Heidelberg 1845) — „Zur Lehre von den 
Staphylomen des Aug&i" (Heidelberg 1858, m. 1 Taf.). Auch in der Fortsetzung 
der Heidelberger klinischen Annalen, die unter dem Namen Medlcinische Annalen 
von Ch. zusammen mit seinem Heidelberger Collegen, herausgegeben, von 1835 
bis 1847 erschienen, finden sich noch Aufsätze von ihm, darunter ein klinischer 
Bericht für die Jahre 1830 — 34. — Für die Chirurgie, noch mehr aber für die 
'Augenheilkunde, war Ch. für Südwest-Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts der bedeutendste Vertreter, der weit ttber dessen Grenzen hinaus Generationen 
von Schülern 47 Jahre lang gebildet und ihnen als Leiter und Rathgeber gedient 
hat. Er gehörte aber auch zu den bekanntesten und beliebtesten Aerzten und 
Chirurgen Europas, der, auch von den Fachgenossen des Auslandes hochgeschätzt, 
durch seine imponirende Persönlichkeit bei Patienten aller Stände und aller 
Nationen Sympathie und Vertrauen zu erwecken verstand. — Nachdem er 1827 zum 
Geh. Hofrath ernannt worden, erhielt er den Titel als Geh. Rath und trat 1864 
in den Ruhestand; 1866 wurde ihm der Adel verliehen. Geistig und körperlich 
frisch und rüstig, war er aber noch bis zu seinem am 17. August 1876 erfolgten 
Tode thätig, indem er noch vielfach, namentlich von Ausländem, bei äusseren 
und inneren Krankheiten consultirt wurde. 

Sein Sohn * Franz von Ch., geboren am 6. September 1822, machte 
durch zwei Schriften „De amputatione in articulo pedis" (Heidelberg 1846, 
4., c. 4 tabb.) und ;, Ueber die Amputation am Fussgelenk" (Heidelberg 1846, 
4. , m. 4 Taff.) die STM£*sche Amputation auf dem Continent bekannt und 
schrieb noch: „Ueber das Staphylom der Hornhaut" (Heidelberg 1847;. Er 
verrichtete eine Reihe von Jahren, noch während der klinischen Thätigkeit seines 
Vaters, alle in der Klinik vorkommenden Operationen, war bis 1873 in Heidelberg 
als Professor e. o. thätig, siedelte dann aber nach Dresden über, kehrte jedoch 
im Jahre 1877 nach Heidelberg zurück, wo er eine Poliklinik für chirurgische und 
Frauenkrankheiten leitet. 

v. Weech, I, pag. 144; HI, pag. 212. — Callisen, IV, pag. 94; XXVII, 
pag. 73. — Brockhaus, Convers.-Lex., 13. Aufl., Bd. IV, 1883, pag. 222. Gurlt. 



CHENOT. — CHEREST. 3 

Ghenot, Adam Gh., ist seinen Lebensdaten nach obscur, obgleich wir 
von ihm wissen, dass er Dr. phil. et med. und in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhnndeits Intendant des öffentlichen Gesundheitswesens in Ungarn war. Sein 
bertthmter „Tractatiis de peste** (Wien 1766) wurde gefolgt von einer „Historia 
pestis Transsylvantae" (nach dem Tode des Autors von Fr. vox Schraud^ 
Ofen 1799, herausgegeben). 

Dict. bist. 11. Red. 

Ghenn, J. C. Ch., französischer Militärarzt, geboren am 30. August 1808 
2u Metz, gestorben am 20. November 1879 zu Paris im Hotel der Invaliden, 
trat am 2. März 1829 in den französischen Militärdienst, war eine Reihe von 
Jahren Bibliothekar an der militärärztlichen Schule Val-de-Gräce und wurde 
1)ekannt durch seine thatkräftige Vertretung des Sanitätsdienstes gegenüber der 
allmächtigen Verwaltung des französischen Heeres. Seine massgebenden Erfahrungen 
im Krim- und italienischen Feldzuge legte er nieder in den beiden \ielbe8prochenen 
Werken: „Rapport au canseil de santd sur les r^sultats du sei-vice mddico- 
-chirurgical pendoTit la campagne d* Orient en l(So4 — 1855 — 1856^ (Paris 1865) 
und „Statütique m^ico-chirurgicale de la campagne dUtalie en 1859 et 1860^ 
(Paris 1869). Zu letzterem schrieb er einen Anhang: „Pikees Just ificatives se 
rattachant a notre rapport sur le service mddico-chirurgical etc,^ y in deren 
Einleitung Ch. sich auslässt: „Nach der Lectflre dieser Correspondenz wird 
man überzeugt sein, dass, wenn die Prophezeiungen der M^decins inspecteurs 
Michel Levy und Baudens, des Armee-Chefarztes Scrive, sowie der nicht minder 
ernsten aller Lazarethärzte , zur rechten Zeit Würdigung gefunden hätten, oder 
wenn diese Aerzte, anstatt nur rathen oder auf dringende Massregeln hinwirken 
zu dürfen, selbst hätten handeln können, Cholera, Scorbut, Hospiialbrand und 
Typhus, wenn auch nicht völlig vermieden, so doch wenigstens beschränkt und 
zahllose Opfer erspart worden wären." Noch geborte der Feldzug 1870; 71 dazu, 
am diese patriotischen Wünsche Ch.*s so zu verwirklichen, wie es erst im Jahre 
1882 geschehen. 

Jahresberichte über die Fortschritte des Militär-Sauitätswesens für das Jahr 1879 
von W. Roth, pag. 148. — Ueber Entwicklung und Gestaltung des Heeres-Sanitätswesens etc. 
von E. Knorr, 3. Heft, Hannover 1877. H. Frölich. 

*Chereau, Achille Ch. , zu Paris, ist am 23. August 1817 zu Bar- 
8ur-Seine (Aube) geboren, ist Sohn und Enkel eines Arztes, wurde 1841 in Paris 
Doctor, war Arzt verschiedener Wohltbätigkeits-Anstalten und wurde 1877 zum 
Ober-Bibliothekar der medicinischen Facultät ernannt. Obgleich er wichtige Arbeiten 
über pathologische Gegenstände, wie ein „M^m, pour servir a Vüude des 
maladies des avatres" (1845) und über die „Monomanie suicide^ veröffentlicht 
hat, ist er doch hauptsächlich durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Geschichte 
der Medicin bekannt geworden. Er hat name.ntlich in der Union medicale und im 
Bulletin du bibliophile zu verschiedenen Zeiten eine grosse Zahl von Artikeln über 
die königlichen Leibärzte von Clodwig bis Ludwig XVI. und andere historische 
G^enstände veröffentlicht; ferner u. A. : „Essai sur les origines du journalisme 
7n4dical franqais etc.** (1867) — „Le Parnasse m4dical frangaisy ou Diction- 
naire des mededns - po'etes de la France etc,^ (1874). Er gab ferner, mit 
Kommentaren versehen, eine Anzahl alter Werke und Handschriften heraus und 
ist Mitarbeiter an Dechambre's Dictionnaire encyclop^dique des sc. m6d. Auch 
übersetzte er u. A. aus dem Englischen Archibald Billixg's „Premiers principes 
de mMecine .... sur la 4, Edition" (1847). 

Vapereau, pag. 418. — Lorenz, I, pag. 515; V, pag. 284. G. 

Cherest, Jules-Omer Ch. , zu Paris, war daselbst am 1. März 18t7 
geboren, wurde 1841 Doctor mit der These: „Des engorgements inßammatoires 
de la fosse iliaque ajjrts V accouchement^ und beschäftigte sich vorwiegend mit 
Frauenkrankheiten, über die er auch Vorlesungen hielt. Er war Gründer der 

1* 



4 CHEREST. — CHERVIN. 

Zeitschrift ^ Union medicale*^, beschäftigte sich eifrig mit der Redaction derselben 
und schrieb in ihr eine Anzahl von Aufsätzen ; so einen „Rapport siir le bureau 
de bienfaisance du 1"" arrondissement^ (1847) — „Rapport 8ur Vorganisatiorh 
des hureaux de bienfaisance^ (1848) — „Soc. mMicale d^imulation de Paris 
.... £ttides kisforiques de la Sociitd: etc,^ (1850) — „De Vemploi du 
chlor ure de sodium et de Vaction de cet agent sur la rate dans lea fihrre» 
intermittentes" (1851) — „Consultation sur un cas grave de maladie de la 
poitrine et du foie^ (1852). Er war auch Inspecteur adjoint der Quellen von 
Bourbon TArchambault und Secretär der Soc. m6dic. d'6mulation und erlag am 
19. April 1854 einem typhoiden Fieber. 

Beaugrand bei Dechambre, XV, pag. 733. G. 

Chervin, Nicolas Gh., verdienter französischer Arzt, geboren am 
6. October 1783 zu Saint-Laurent-d'Oingt (Rhdne), wurde 1812 zu Paris Docfor 
mit der Diss. „Recherches mMico-philosophiques sur les causes physiques de la 
polygamie dans les pays ckauds, etc.", besuchte 1813 die Militär-Hospitäler in 
Mainz, war dann Chirurg am Hdtel-Dieu zu Lyon und begab sich, um das Gelb- 
fieber gründlich zu studiren, 1814 nach Guadeloupe, wo er mehrere Jahre ver- 
weilte, bereiste dann von 1818 — 22 die Antillen, Süd-Carolina, Savannah, die 
Unions-Staaten, kehrte von Boston aus über Guadeloupe nach Frankreich zurück, 
um 1823 noch in Spanien sich mit Gelbfieber zu beschäftigen und reichte, da er 
durch seine Studien zum entschiedensten Anti-Contagionisten geworden war, 1825, 26 
bei der Deputülen-Kammer Vorstellungen ein , um sie zur Abschaffung der gegen 
das Gelbfieber gerichteten Quarantaine-Anstalten zu veranlassen. Seine Schriften 
betreffen fast ohne Ausnahme diese Krankheit und führen wir von denselben 
folgende an: „Examen des principes de V administration en matihre sani- 
faire" (1827) — „Reponse aic discours de M, Audouard, contre le 
rapport .... sur mes docuniens concernant la fih)re jaune" (1827) — „Rapport 
a VAcad6niie roy, de mSd,, en 1827, au nom de la commission chargie 
d^examiner les docuvients de M. Chervin etc." (1828). 1828 wurde er, 
zusammen mit Louis und Trousseaü nach Cadix und Gibraltar, wiederum zur 
Erforschung der Krankheit, gesandt, zu der er sein Leben lang in so nähen Be- 
ziehungen gestanden hat, konnte aber auch hier nicht zu anderen Ansichten gelangen 
und schrieb ein : „ Examen critique des pr^tendues preuves de contagion de la 
ßevre jaune, observSe en Espagne" (1829) — „Examen des nouvelles opinions 
du Dr. Lassis, concernant la fi^vre jaune, etc." (1829) — „De Vopinion 
des medecins am^ricains sur la contagion et la non - contagion de la ßh)re 
jaune" (1829) — „Pricis historique de Vepidimie . . . . ä Gibraltar . . . par 
M. Peters Wilson, . . . traduit etc." (1830) — „Documents recueillis par 
MM. Chervin, Louis et Trousseaü, commission midie, envoyie h 
Gibraltar etc." (2 voll. 1830) — *n^^ Vorigine locale et de la non-contagioti 
de la ßevre jaune qui a regnS h Gibraltar en 1828, etc." (1832) — „Petition 
adressee ä la Chambre des Deputis , h Veffet d'obtenir que les risuUats de 
Venquete officielle que le gouvernement a fait faire aux Etats- Unis de VAme^ 
rique .... soient publiis etc." (1833). Ausserdem: „Lettres sur les experience» 
pour constater le caract^re contagieux ou non-contagieüx du cholSra-morbus" 

(1831) — „De Videntitd de nature des J&vres d^origine palvdienne " 

(1842) — „Petition . . . pour demander la suppression imm^diate des mesure» 
sanitaires relatives . ... Ca rSduction de nos quarantaines contre la peste" (1843) 
und zahlreiche Streitschriften in Angelegenheiten des gelben Fiebers. — Nachdem 
er unter den bescheidensten Verhältnissen 19 Jahre lang in Paris, mit der einzigen 
Unterbrechung der Reise nach Spanien im Jahre 1828, gelebt hatte, zog er sich 
nach Bourbonne-les-Bains zurück, wo er am 14. August 1843 starb. 

Fr6d. Dubois im Bullet, de l'Acad. de m^d. 1845—46, XI, pag. 965. — Idem in 
M^ra. de l'Aead. de med. 1846. XII, pag. XXXVII. — Callisen, IV, pag. 102; XXVII, pag. 78. 

G. 



CHESELDEN. — DU CHESNE. 5 

Ghesdlden, William Gh., geboren 1688 zu Burrow in der Graft^chaft 
Leicester, gestorben am 10. April 1752 zuBath, war einer der berühmtesten englischen 
Chirurgen und Anatomen des achtzehnten Jahrhunderts. Bereits mit 15 Jahren 
begann er das Studium der Medicin, und zwar lernte er zuerst eine Zeit lang im 
Hause des berühmten Anatomen Cowfeld. 23 Jahre alt trat er schon als Lehrer 
der Anatomie auf. Seine hervorragende chirurgische Begabung verschaffte ihm bald 
genug grossen Ruf und wurde er Chirurg des Thomashospital , Leibchirurg der 
Königin und Mitglied der Acad^mie de Chirurgie zu Paris. Viele fremde Aerzte kamen 
nach London, um Ch. operiren zu sehen und scheint seine operative Geschicklichkeit 
wirklich eine ganz erstaunliche gewesen zu sein ; so erzählt ein französischer Arzt, 
dass er gesehen habe, wie Ch. in 54 Secunden eine Steinoperation ausgeführt habe. 
Eines seiner ersten Werke war: „7Äe anatoniy of human body^ (London 1713), 
ein Buch, welches von seinen Zeitgenossen mit einer wahren Begeisterung aufgenommen 
wurde und bis zum Jahre 1778 eilf Auflagen erlebte. Es enthält viele werth volle 
chirurgische Bemerkungen. Besonders her\'orragend waren seine Leistungen im 
Gebiet der Blasensteinoperation ; hier bevorzugte er zuerst die hohe Operation und 
veröffentlichte darüber: „ Treatiae onthe high Operation of the stone** (London 1723). 
Doch gerieth er in Folge dieser Arbeit in einen Streit mit dem englischen Arzt 
Douglas, welcher Autor gegen 'Ch. Prioritätsansprüche erhob und dieselben in* 
einer besonderen, gegen Ch. gerichteten Streitschrift zu erweisen suchte. Schliesslich 
wurde aber dieser wissenschaftliche Streit überhaupt hinfällig, da Ch. die hohe 
Operation verliess und die RAu'sche Seitenoperation bevorzugte, durch deren Ver- 
böserung er sich die wesentlichsten Verdienste zu erwerben wusste. Eine ganz 
besonders hevorragende Probe seines ausgezeichneten chirurgischen Talentes bewies 
Ch. aber im Jahre 1728 durch die von ihm zuerst ausgeübte und in den Philosoph, 
transactions 1728, Vol. 35, pag. 452 beschriebene künstliche Pupillenbildung. 
Wenn auch die Idee zu dieser Operation dem Engländer Woolhocse gebühren mag, 
80 war doch Ch. der Erste, welcher dieselbe wirklich ausführte und deren praktische 
Bedeutung nachwies. In zwei Fällen von Iritis nach Cataractdepression ging 
er mit einer feinen schneidenden Nadel durch die Sciera in das Bul businnere ein 
und spaltete die Iris von rückwärts. Mit dieser nach unseren heutigen Kenntnissen 
allerdings noch recht unvollkommenen Operationsmethode hat sich Ch. um die 
Augenheilkunde ein unsterbliches Verdienst erworben und durch die rationelle 
künstliche Pupillenbildung die ophthalmologische Chirurgie um eine ihrer wirk- 
samsten Operationen bereichert. Darum wird auch zu allen Zeiten Ch. ein hervor- 
ragender Platz unter den bedeutendsten Vertretern der Ophthalmologie gesichert 
bleiben. Uebrigens hat Ch. die künstliche Pupillenbildung auch noch in einer der 
später erschienenen Auflagen seines Handbuches der Anatomie (4. Aufl. London 1732) 
kurz beschrieben. Ausser den genannten Aufsätzen Hess er noch verschiedene 
andere in den Philosoph, transact. erscheinen, sowie im Jahr 1733 noch eine 
„Osteography, or anatomy the bones*^ (London). Auch wegen dieser Arbeit griff 
ihn sein alter Gegner Douglas an und Hess eine polemische Gegenschrift erscheinen ; 
allein die unparteiische Kritik hat die Verdienste, welche Ch. auch durch diese 
seine Osteography sieh erworben hat, gewürdigt und so berufene Autoren, wie 
Halleb und Hrister, haben durch ihre gerechte Beurtheilung den wahren Werth 
dieser Publikation anerkannt. Im Jahre 1737 wurde Ch. , der, durch seine aus- 
gebreitete praktische und wissenschaftliche Thätigkeit ermüdet, sich nach einer 
ruhigeren Lebensweise sehnte, zum Haupt wundarzt des Chelseahospitals ernannt. 

Magaus. 

Ghesneau, Nicolas Ch., geboren 1601 in Marseille, Arzt daselbst und als 
guter und sioherer Beobachter bekannt. — Schriften von wenig Werth. Uager. 

Du Ghesne, Joseph du Ch. (bekannter unter seinem latinisirten Kamen 
QUBECBTANUS), war 1546 zu Armagnac in der Gascogne geboren, studirte an ver- 
schiedenen deutschen Universitäten Medicin, promovirte in Basel und zog darauf nach 



6 DU CHESNE. — CHEVALLIER. 

Genf. Hier erhielt er 1584 das Bürgerrecht, ward 1587 in den Rath der Zwei- 
hundert gewählt und mit mehreren diplomatischen Sendungen betraut. 1 593 siedelte 
er nach Paris über, wurde Leibarzt König Hein rich^s IV., erwarb sich durch diese 
Stellung, wie durch seine Charlatanerie eine grosse Praxis und starb 1609^. Du Ch. 
war ein eifriger Anhänger des Pabacelsus und der chemischen Mittel und ver- 
wickelte sich dadurch in vielfache, lebhaft ausgefochtene Streitigkeiten mit der 
Pariser Facultät, besonders mit Jean Riolan dem Vater. Seine zahlreichen, breit 
geschriebenen und gehaltlosen Werke sind eben so viele Zeichen seines Aberglaubens, 
seines geringen Wissens und seiner Charlatanerie. So glaubt er an Constellationen, 
vertritt die Signaturen, d. h. die Wirksamkeit der Pflanzen nach ihren Aehnlichkeiten 
mit menschlichen Körpertheilen oder mit Krankheitsbildem, behauptet die Möglichkeit 
der Transmutation, d. h. der Verwandlung unedler Metalle in Gold und preist in 
überschwenglicher Weise die spagirischen Mittel, besonders aber das Antimon. 
Auf das Publikum wirkte er hauptsächlich durch das Anpreisen seiner unfehlbaren 
Geheimmittel, deren Präparation er aber auch nicht in seinen wissenschaftlichen 
Werken kund gab. Er entschuldigt sich damit (z. B. in der Schrift „Pestis Alexi- 
cacus^)^ er dürfe solche ausgezeichnete Geheimnisse nicht profaniren und aller 
Welt mittheilen; tüchtige Chemiker würden schon ans seinen Andeutungen das 
Richtige herausfinden. Von seinen Schriften nennen wir folgende: „Ad Jacobi 
Avherti de ortu et causis metallorum contra chymicos explicationem brems 
responsto" (Lyon 1575, 8.) — „Sclopetarius sive de curandts vulneinbua, quae 
sclopetorum et similium tormentorum ictibus accipiuntur" (Lyon 1576, 8.). 
du Ch. vertritt hier den Glauben an die Vergiftung der Schusswunden. — „Diaete- 
ticon polyhistoriciimy opus magnae utüttatis et delectationis^ (Leipzig 1601, 8. 
und eine Menge von Ausgaben) — „Phamtiacopoea dogmaticorum restituta, 
prettosts selectisque hermettcorum flosculis illustrata^ (Leipzig 1603 , 8. und 
öfters) — f^Pestü Alexicaciis, si've luis pestiferae fuga, auxüiartbris selectorum 
tLtriusque medicinae remediorum copiis procurata^ (Paris 1608, 8. ; Leipzig 1609, 
kl. 8.). Gesammtausgabe seiner Schriften: „Q^iercetanus redivivus^ (Frankfurt 1648, 
^' ^ v^"0- Max Salomoii. 

Chevalier, Jean Damien Ch., aus Angers gebürtig, der um die Mitte 
des 18. Jahrhunderts in San Domingo ärztliche Praxis übte. — Schriften: „Chirurgie 
compUte'' (Paris 1752). " Unger. 

Chevalier, Thomas Ch., englischer Chirurg von grossem Rufe. Unter 
mehreren Schriften erwähnenswerth : „Introductions h un cours d' Operations 
chirurgicales^ (1880) — „Tratte sur les blessures d^armSes ä feu" (1804). 

Unger. 

Chevallier, Jean-Baptiste-Alphonse Ch. , zu Paris, berühmter 
Chemiker, dessen Arbeiten auch für die Medicin von grosser Bedeutung sind, war 
am 19. Juli 1793 zu Langres geboren, kam als 14jähriger Knabe in das Labora- 
torium von V a u q u e 1 i n, wurde chemischer Gehilfe beim naturhistorischen Museum 
zu Paris, dann ak gemeiner Soldat ausgehoben, bei Leipzig verwundet und aus 
der Armee entlassen, worauf er zu seinen Studien zurückkehrte. Er erhielt eine 
grosse Zahl von Preisen, wurde 1834 Mitglied des Conseil d*hygi6ne et de salu- 
brit6 de la Seine, 1835 Professeur-adjoint bei de^ ßcole de pharmacie und war 
seit 1824 55 Jahre lang Mitglied der Acadömie de m6decine. Seine ausserordent- 
lich mannigfaltigen und fast zahllosen, zum Theil in Gemeinschaft mit Anderen 
verfassten Arbeiten bewegen sich auf dem Gebiete der Hygiene, der Toxikologie 
und PharmakoI(»gie und beschäftigten sich u. A. mit der Natur und der Reinheit der 
Droguen, der Nahrungsmittel, der Producte der Industrie, der Hygiene der Städte 
und Fabrikanlagen, der Statistik der Vergiftungen u. s. w. Wir führen von den- 
selben nur eine Anzahl derienigen an, welche mit der Medicin in näherem Zu- 
sammenhange stehen, wie ; Mit Beullac : „Nouveaugaide de VetudiaM en mMe- 
eine et en pharmacie'* (Paris 1825) — mit Bricheteau & Cottereau: „L'art 



CHEVALLIER. — CHEYNE. 7 

de doser Uh m^icamens** (1829) — mit COTTEREAU & Trevet: „TraüS des 
eaux mindrales nciturelles frangaises et ^rang^res etc.^ (1835) — jfHygihne 
publique, Note sur de nouveaux moyena employis pour la d4»infection des 
matiires fötales dans les fosses*^ (1836) — „Essai sur la dissolution de la 
gravelle et des calcids de la vessie^ (1837 ; englische Uebersetzung von Edwin 
Lee, London 1837) — mit Henry: „M^. sur le lait^ (1839) — „Dict, des 
alt&ations et falsifications des substances alimentaires , mSdtcamenteuses et 
commerciales" (1850; 5. Aufl. mit Baudrimont, 1878) — mit 0. Reveil: „Note 
snr le lau, les falsißcations qu'on lui fatt subir** (1856) — „De la n^essitd 
de bdtir des maisons pour loger les classes moyennes et les ouvriers^ (1857) — 
„Note sur les cosmStique^" (1856) — „Traiti des d^sinfectants sous le rapport 
de Vhygihke publique etc.^ (1862) — mit G. Lagneaü: „Quelques remarques 
sur le mouvement de la population de Paris** (1873). — Ch. war ein Mit- 
herausgeber des Joum. de chimie m^dieale, de pharmaeie et de toxicologie seit 1825 
und der Annales d'hygi^ne publique seit 1829 ; seine Aufsätze finden sich in diesen 
und in zahlreichen anderen Journalen zerstreut. Sein arbeitsames Leben erreichte 
am 19. November 1879 sein Ende. 

T. Gallard in Annales d'hygi^ne publique. 3. S6rie, T. III, 1880. pag. 181. — 
Dechambre, XXV, pag. 320. — Callisen, IV, pag. 108; XXVII, pag. 81. — Catalogue 
of Scientific Papers, I, pag. 897 ; VII, pag. 382. ^ 

Ghevassieu d'Audebert, Arzt aus Versailles, stand in intimen Beziehungen 
zu Cabanis und machte sich vorzugsweise durch die noch heute bemerkenswerthe 
Schrift bekannt: „Expos4 des temperatiires ou les influences de Vair sur les 
maladies et la Constitution de Vhomme et des animaux et ses effets dans la 
Vegetation'' (Paris 1808). Unger. 

Chevreull, Michel Ch. , zu Angers, war daselbst am 15. Juni 1754 
geboren, begann dort auch seine medicinischen Studien, wurde 1777 in Reims 
Doctor, kehrte nach Angers zurück, wurde Magister der Chirurgie, widmete sich 
besonders der Ausübung der Geburtshilfe und begann dieselbe von 1778 an zu 
lehren. Er schrieb einen „Pr4<ns de Vart des accouchemens en faveur des sages- 
femmes et des ilh^es de cet art*" (Paris 1782; 2. 6dit. 1826; 1837). Auch machte 
er einen Fall von Hermaphroditismus und eine von Sigaült ausgeführte Symphy- 
seotomie bekannt. An weiteren Arbeiten sind noch anzuführen: „Obs, sur les 
larven de mouches, sorties de Voreille d*un enfant" (Leroüx' Journ. 1813) — 
„Seigle ergotd, comme moyen de hdter V accouchement** (Arch. g6ner. 1826). 
Sein Tod erfolgte am 20. Juli 1845. Er war der Vater des berühmten Chemikers 
Michel-Eugöne Ch. (geboren 1786). 

Pariset in Mera. de TAcad. de m6d. T. XIII, 1847, pag. I. — Callisen, IV, 
pag. 123; XXVII, pag. 84. G. 

Cheyne, George Ch., war 1671 in Schottland geboren, wurde in Edin- 
burg ein Schüler von Pitcairne und gehört durch diesen der iatromathematischen 
Richtung an. Nachdem er Doctor geworden , kam er im Alter von 30 Jahren 
nach London und begann eine Praxi«. Er schrieb : „ A new theory of acute and slow 
continued fevers etc,*" (London 1702; 1722; 1724; 7. edit. 1753) — „Remarks 
on two late pamphlets written by Dr, Oliphant against Dr, Pitcairn^s 
new theory of fevers*^ (Edinburg 1702) — yyPhilosophical principles of natural 
religion etc,^ (London 1705; 1715; 1636). In Folge eines üppigen Lebens war er 
sehr fett, kurzathmig und gichtbrüchig geworden und suchte Heilung von diesen 
Uebeln an den Quellen von Bath. Die an sich selbst gemachten gtlnstigen Erfahrungen 
legte er in den „Observations concerning the nature and due metkod of trea- 
ting the gout^ together vjith an account . . , , of the Bath wafers etc.*' (London 
1720; 2. edit. 1720; 7. edit. 1729) nieder. Er nahm von da an abwechselnd 
im Winter und Sommer seinen Aufenthalt in London und in Bath und ist der 
Hauptwerth seiner in der Folge noch verfassten Schriften, die vielen Beifall fanden, 



8 CHEYNE. 

iB dea you ihm aufgestellten TortreffUehen Grundsätzen über Hygiene und Diät zu 
suchen, unter denen er die in Betreff der Milchdiät an seinem eigenen Körper 
erprobt gefunden hatte. Er schrieb noch ausser mehreren mathematischen Schriften : 
„An esaay of health and lang life^ (London 1724) — „De natura fibrae 
ejuaque laxae sive resolutae marbis tractcUus^ (London 1725; Paris 1742 5 
französische Uebersetzung, Paris 1725; Bruxelles 1727) — „An essay on sick- 
nes8 and health^ ("London 1725) — „Tractattut de inßmiorum sanüate tuenda 
vitaque producenda: etc," (London 1726; Paris 1742, 2 voll.) — „The Englüh 
malady, or a treatise on nervous diseases of all kinds: etc,^ (London 1733; 
Dublin 1733; London 1735; 1739) — „An essay on regimen; together wüh five 
discourses, medical, moral and philosopMcal, etc.^ (London 1739; 1740; 1753) — 
„ The natural method of curing the diseases of tke body and the disorders of 
the mtnd etc.*^ (London 1742 ; französische Uebersetzung von La Chapelle, 2 voll., 
Paris 1749) — „An account of himself and kis vartous ctires" (London 1743; 
1753). Er starb zu Bath am 12. April 1743). 

Dict. hist. I. pag. 686. — Chambers, Vol. 1, P. 2, pag. 521. G. 

Gheyiie, John Ch., zu Dublin, war am 3. Februar 1777 zu Leith bei 
Edinburg, wo sein Vater Arzt war, geboren, wurde mit 13 Jahren bereits der 
Gehilfe seines Vaters, fing mit 16 Jahren an in Edinburg Medicin zu studiren und 
wurde mit 18 Jahren (1795) Doctor derselben. Er trat darauf als Assistant Surgeon 
beim Artillerie-Corps ein, kehrte aber 1799 nach Leith zurück und unterstützte seinen 
Vater in der Praxis. Sein Hauptstudium betraf die Kinderkrankheiten, über die 
er Folgendes schrieb: „Essays on the diseases of children; vnth cases and 
dissections. Essay 1. Of cynanche trachealis or croup** (Edinburg 1801 ; 2. edit. 
1809 unter dem Titel: „The pathology of the membrane of the larynx and 
bronchia^) — »Essay 2. On tke bowel complaints etc.'^ (1803) - — »Essay 3, 
On hydrocephalus acutus^ (1808). — Um das Jahr 1809 verliess er Schottland, 
Hess sich in Dublin nieder, wurde daselbst 1811 Arzt am Meath Hospital und 
bald darauf Professor der Medicin, als welcher er die Kriegsheilkunde vorzutragen 
hatte. 1815 bekam er die Stelle als Arzt des House of Industry und wurde 1820 
Physician-General to the Forces in Ireland. In Dublin schrieb er: „Cases of 
apoplexy and lethargy^ etc.^ (London 1812) — „A second essay on hydroce- 
phalus acutus etc,^ (Dublin 1815; 2. edit. 1819; deutsche Uebersetzung von 
Ad. Mülleb, Bremen 1809) — zusammen mit Barker: „An account of the rise, 
progress and decline of the fever ^ lately epidemic in Ireland^ (Dublin 1821) — 
„Ä letter to G eor ge Renney , M, D. Director- General .... On the feigned 
diseases of soldiers^ (Dublin 1826); ausserdem eine Reihe von Aufsätzen in den 
Dublin Hospital Raports (1818,22, 27, 30), darunter zwei Berichte über das 
Hardwick Fever Hospital für 1817, 18 und eine Dysenterie-Epidemie im Whitworth 
Hospital (1818); femer eine Reihe von Artikeln in der Cyclopaedia of'practical 
medicine. — Durch mehrere Unglücksfälle und Widerwärtigkeiten veranlasst, 
verliess er Dublin und zog sich auf einen Landsitz in Buckinghamshire 
zurück, wo er am 31. Januar 1836 starb. Nach seinem Tode erschienen noch: 
„Essays on partial derangeineiit of the mind in supposed connexion with 
religion .... With a portrait and autobiographical sketch of the author" 
(Dublin 1843). Am bekanntesten ist sein Name durch das von ihm (Dublin Hosp. 
Reports, Vol. 2) und Stokes beschriebene und nach Beiden benannte Respi- 
rationsphänomen des intermittirenden oder periodischen Athmens. 

London Medical Gazette. Vol 17, 1836, pag. 872. — Callisen, IV, pag. 125: 
XXVII, pag. 84. G. 

*Cheyne, William Watson Ch., M. B. Edinburg und CM. 1875, 

bildete sich noch auf Reisen, besonders in Strassburg und in Wien aus, wirkte 

mehrere Jahre als Assistant surgeon am King^s College Hospital, als Demonstrator 

" anatomy an der Edinburger Universität, gegenwärtig wieder an der Royal 



CHEYNE. — CHIAKI. 9 

infinnaiy und am Kiug's College in London. Er schrieb mehrere verbreitete Arbeiten 
ttber die Principien der antiseptischen Methode, übersetzte R. Koch's Aetiologie 
der Wundinfeotionsia*ankheiten und gab in den Verhandlungen der Sydenham Society 
dieselben als „Investigattons into ihe etiology of trauinatic infective diseases^ 
(1880), — in den Transact. of the pathol. soc. eine Arbeit: „On the relattan of 
organiams to antüeptic dresaings" (1879) — und in Lancet, Brit. med. Joum., 
Practitioner etc. (1880 — 1884) Verschiedenes «ber Mikroorganismen, Tuber- 
culose etc. heraus. ^^^ 

Del Ghiappa, Giuseppe Antonio Del Gh., zu Pavia, war 1782 in 
denBagni di Lucca geboren, wurde 1804 zu Pavia Doctor, war daselbst von 1819 
an eine lange Reihe von Jahren Professor der medicinischen Klinik für Chirurgen und 
verbreitete mit Enthusiasmus die RASORi'sche Lehre. Von seinen sehr zahlreichen 
Schriften führen wir an: „Saggio d^istoria sul catarro epidemico etc. ou JEisai 
kistorique stir le catarrhe dpidimique observS aux hains de Lucquea, en 1806^ 
(Lucca 18Ö6) — „Delle j^^tosse etc," (Pavia 1817) — „I professon dt viedi- 
cina grandi metqfistci" (Pavia 1817) — „Intorno alle opere ed alla condizione 
personale dt A. Com. Celso^ (Mailand 1819) — „Ippocrate modello dei medtci^ 
(Pavia 1820) — y^Discorsi due sulla medicina" (Mailand 1820) — ^^Della stret- 
tisaima unione della medidna e della chirurgta** (Pavia 1826) — „Baccolta 
di opuacoli medici'' (3 voll., Pavia 1828, 29). £r tibersetzte „A, C. Celsi 
librt Otto** (Mailand 1829 ; Neapel 1831, in der Bibl. scelta di opere greche e latine 
tradotte) und gab heraus Schriften von Alessandro Knips Macoppe (1822), 
CfliAPPA (1828 — 1830), Antonio Cocchi (1831), sowie Rasobi's „Opere 
complete^ (Florenz 1838); er verfasste Nekrologe von Leonardo Targa (1824), 
LuiGi Caccialupi (1829), Paolo Bongiovanni (1830), Antonio Scarpa (1832), 
Giovanni Rasori (1838), Apollonio Maggi (1851) und schrieb Aufsätze in den 
Annali univers. di medic. u. s. w. Er starb 1866. 

Cantü, pag. 174. — Beaugrand bei Dechambre, XVI, pag. 1. — Callisen, 
IV, pag. 129; XXVII, pag. 86. ^ 

^CMara, Domenico Ch. , geboren im Januar 1830 in Saluggia 
(Prov. Novara), studirte Medicin in Turin, war speciell Schüler von Giordano und 
wurde im April 1860 zum Doctor proigovirt. Im October 1866 begann er als 
Accoucheur und Gynäkolog in Turin zu prakticiren, war mehrere Jahre Professor 
der Geburtshilfe für Hebammen in Mailand und ist seit 1881 Professor und Director 
des Istituto clinico ostetrico-ginecologico zu Florenz. Seine am meisten hervorzu- 
hebenden Schriften sind: „Leziont di clinica ostetrica^ — „Memoria sui fibromi 
vierini^ — „Leziont sulle malattie di cuore nello stato puerperale^ — „Mono- 
grafia_ sulV evoluzione spontanea (mit Atlas) — „ Trattato elementare d'oste- 
tricia^ — „Memorie sulV estirpazione utero-ovarica cesarea (operazione di 
PorroJ*^ U. S. w. Oantani. 

GMart Johann Ch., aus Salzburg, 1817 bis 1854, in welchem Jahre 
er zu Wien an der Cholera starb. Erst nach vielen Entbehrungen war Ch., von 
Hanse aus mittellos, 1841 zur Promotion gelangt, wurde 1842 unter Klein 
Assistent an der ersten Gebärklinik in Wien und wandte sich dann ganz der 
Gynäkologie zu. 1853 wurde er als Professor ord. der Geburtshilfe nach Prag 
bemfen, kehrte jedoch noch im folgenden Jahre in die gleiche Stellung an der 
medicinisch-chirurgischen Josephs- Akademie in Wien zurück, um bald darauf zu 
sterben. — Seine Hauptarbeit, die mit den Professoren Braun und Späth bear- 
beitete „Klinik der Geburtshilfe und Gynäkologie^ erschien erst nach Ch.'s 
Tode (1855). Die Artikel über Utemskranl^heiten , ein hervorragender Theil des 
Werkes, waren von Ch. allein verfasst; zahlreiche Einzelbeobachtungen hatte er 
ausserdem in den Wiener medicinischen Zeitschriften niedergelegt. Man rühmte 
ihm einerseits eine grosse Gewandtheit und Sicherheit im Operiren, andererseits 



10 CHIARI. — CHICOYNEAÜ. 

eine höchst gediegene Enthaltsamkeit nach, die ihn vor jedem unmotivirten Eingriff 
zurückhielt. — Der Sohn, * Hanns Ch., zu Wien am 4. September 1861 geboren 
und daselbst als Schüler Rokitansky's und Hkschl's bis zur Promotion 1875 
vorgebildet, war 1874 — 1875 zweiter Assistent Rokitansky's, dann 1875 — 1879 
erster Assistent Heschl's. Seit Juli 1878 Docent ftlr pathologische Anatomie 
und von 1879 — 1882 Prosector des k. k. Rudolfspitales in Wien, wurde er 1882 
als 0. ö. Professor der pathologischen Anatomie an die deutsche Universität zu 
Prag berufen. Er publicirte selbst zahlreiche casuistische Mittheilungen und kleinere 
Abhandlungen pathologisch-anatomischen Inhaltes und viele gleichsinnige unter seiner 
Leitung ausgeftihrte Arbeiten von Schülern. jj^^j 

CWarugi, Vincenzo Ch., am 20. Februar 1759 in Empoli geboren, am 
22. December 1820 gestorben, studirte in Pisa, wurde 1782 Assistent im Kranken- 
hause S. Maria Nuova in Florenz und seit dem Jahre 1788 Director des unter 
Grossherzog Leopold I. von ihm gegründeten Irrenhauses Bonifazio. Sein grösstes 
Verdienst besteht darin, dass er noch vor Pinel die Reform der Irrenpflege nicht 
nur befürwortete, sondern auch ausführte, indem er dem Bau des obgenannten 
Irrenhauses in Bezug auf die hygienischen Anforderungen desselben vorstand, das 
Reglement desselben entwarf und als sanitärer Director desselben weiter wirkte. 
Im Jahre 1793 veröffentlichte er seinen „Trattato medico analitico ddlapazzia". 
Ausserdem sind unter seinen Werken noch hervorzuheben: „Saggio teorico- 
jyratico sulle malattie cutanee sordide^ (1802) — „Saggio sulla pellagra" (1814). 

Cantani. 

Chiaverini, Luigi Ch. , zu Neapel, war am 2. Mai 1779 zu Palena, 

Abruzzo citeriore, als Sohn des Professors der Medicin, Francesco Ch. (gestorben 

1781) geboren, studirte seit 1798 zu Neapel, trat in das Colleg. med. del grande 

ospedale degli incurabili, kehrte der politischen Unnihen wegen 1799 nach Hause 

zurück, beendete 1802 seine Studien zu Neapel, prakticirte seit 1804 zu Pesco- 

stanzo und seit 1805 zu Palena, ging 1807 wieder nach Neapel, concurrirte 

daselbst 1810 um einen Lehrstuhl der Physiologie, wurde 1812 Lehrer der 

Pathologie und 1813 von dem Gouvernement Murat, welches in Neapel eine 

Thierarzneischule zu errichten beabsichtigte, auf eine Instructionsreise nach Paris 

geschickt. 1815 trat er an die Spitze der neugegründeten Anstalt und stand ihr 

bis zu seinem am 27. März 1834 erfolgten Tode vor. Seine Schriften waren: 

„ Ricerche su le cagioni e sus i fenomeni della vita animale e delV uomo in 

particolare^ (Neapel 1810) — „Essai d'analyse comparatwe sur les princi- 

patix caractbres organiqiies et physiologiqxies de Vintelligence et de Vinstinct** 

(Paris 1815) — „Fondamenti della farmacologia terapeutica comparativa . . . 

nelle malattie della specie uniana, e degli animali utili^ (3 Bde., Neapel 

1819 — 21) — „Medicina comparativa, Frohisione (prima, seconda)^ (Daselbst 

1818 — 20) — ' „DelV eccitabilita e delV eccitamento etc." (1821) — ^Raggtia- 

glio delle principali teoriche mediche esposte nella memoria anzidetta, etc." 

(1821) — „Esame sirUetico della sanith e della malattia etc," (1822) — 

„Esame genealogico e comparativo delle principali scoperte e dottrine mediche etc," 

(1825) — • „Fondamenti della nosologia generale etc," (1827) — „Elogio 

istorico di Ant. S.ementini etc." (1829; 1830; 1832) — „Nosologia speciale" 

(2 Bde., 1829—31). Er tibersetzte JoH. Feank's Medicinische Briefe und schrieb 

eine Anzahl von Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften, z. B. in Sedillot*s 

Journal (T. LH) u. s. w. 

L'Osservatore med. di Napoli. 1834, I. April. — Callisen, IV, pag. 131. •— 
XXVII, pag. 87. Q 

Ghicoyneau, Fran<,»oi8 Ch., geboren 1672 in Montpellier, wo sein 
Vater Kanzler der Universität war, ist hauptsächlich bekannt durch seine 
Thätigkeit während der Pestepidemie in Marseilles (1720),- wobei er sich durch 
Unerschrockenheit und rastlosen Eifer sehr rühmlich hervorthat; in mehreren 



CHICOYNEAU. — CHINESISCHE AERZTE. U 

kleineren Schriften publicirte er seine diesbezüglichen Erfahrungen. Im Jahre 1732 
wurde er als Nachfolger Chibac's, seines Schwiegervaters (s. diesen), Leibarzt 
des Königs und starb als solcher 1752. ünger. 

Chifllet, Vater und Sohn. Der Erstere, Jean Gh., war Arzt und Magi- 
stratsmitglied in Besan^on, wo er 1610 starb. Weniger seine posthum durch den 
Sohn edirten „Singulares ex curationibus ex cadaverum sectionibus observationes** 
(Paris 1612), die meistens im astrologischen Sinne verwerthet worden, begründen 
seine Nennung, als die eigenthttmliche Gestalt des Sohnes Jean-Jacques Gh. 
selbst, 1588 — 1660, der nach einer kurzen ärztlichen Wirksamkeit in seinem 
Heimatsorte sich umifangreichen Reisen zuwandte und dieselben in einer Fluth 
historischer Fabeln schriftstellerisch verwerthete, deren Widersinn das grosse 
Publikum seiner Zeit zu bezaubern im Stande war. Nur die „Acta Gornein 
Celsi etc.** (Antwerpen 1633) und „Pulvis febrifugus orbia Americani etc.** 
(Daselbst 1603) seien hier genannt. 

Ein vollständiges Verzeichniss seiner Schriften in Biogr. m6d. III. Red. 

* Childs, George Borlase Gh., beendigte seine Studien 1838, wurde 
F. R. G. 8. Eng. 1846 und fungirte als Snrgeon an verschiedenen öffentlichen An- 
stalten, zur Zeit noch am Metropolitan Free Hospital. Seine Arbeiten bezogen sich 
zuerst auf Krankheiten der Wirbelsäule, später auf andere chirurgische Themata. 
Auch gab er „Lecturea and reports on the sanitär y condttion of the city 
poUce force" (Resultate eigener, an dieser Institution gemachten Erfahrungen), 
sowie Jobert's Plastic surgery (1858) heraus. Seine frühesten Arbeiten er- 
schienen in der Med. gaz. 1840 — 1842. j^gj 

Chinesische Aerzte, Chinesische Medicin. Die unwidersprochene That- 
sache, dass es medicinische Schriften in chinesischer Sprache von dem Alter der 
hippokratischen giebt, wie der Umstand, dass ein Unterricht in der Medicin dort 
mindestens seit der Dynastie der Thang (620 unserer Zeitrechnung) installirt 
gewesen ist, hat lange Zeit unter den Sinologen und unter den Aerzten ver- 
schiedener Nationalität, die einen grösseren Theil ihres Lebens in Ghina zubrachten, 
die Hoffnung wach erhalten, durch Uebersetzungen jener Literaturdenkmäler, durch 
nähere Beobachtung des Treibens der chinesischen Aerzte, durch Revisionen ihres 
Heilmittelschatzes oder sonst auf irgend eine Weise die europäische wissenschaft- 
liche Heilkunde zu bereichern. Man beginnt sich neuerdings, d. h. seit etwa 
25 Jahren , während deren tüchtige Aerzte aller Bildungsgrade und aller Völker, 
manche bis zur Dauer von mehreren Jahrzehnten, mit diesen Errungenschaften 
durch eigene Anschauung vertrauter geworden sind, sehr resignirt über den Werth 
derselben zu äussern. Ist auch allerdings noch während dieser Periode einmal — 
durch GüBLER hinsichtlich der chinesischen Materia medica — der alte Eifer 
angeregt worden, ein wirkliches Wissen, und sei es auch nur ein bescheidenes, 
aus dem Wust der chinesischen Ueberliefenmgen herauszuschälen, so gipfeln doch 
gerade die exactesten Untersuchungen in dem Ergebniss, den in die Schriften oft 
künstlich hinein interpretirten Sinn in Abrede zu stellen und das von älteren 
Reisenden mit mysteriöser Ausstattung über den Werth der chinesischen Medicin Be- 
richtete als Anekdotensammlungen und zusammenhanglose Guriosa zu enthüllen. — 
Es wird sich sonach an dieser Stelle lediglich um eine ganz gedrängte üebersicht 
der namhaften chinesischen Werke handein, während die bei anderen Gelegenheiten 
oft mit einer gewissen Breite recapitnlirten Anschauuifgen der Ghinesen über 
physiologische oder pathologische^ Fragen mit einem kurzen Schlusspassus ihre 
Erledigung zu finden haben werden. 

Das barbarische Edict eines Kaisers Ghi-Hoangti, der um 213 vor- 
christlicher Zeitrechnung alle Bibliotheken zu verbrennen befahl, soll ausdrücklich 
neben den Werken über Musik und Agrieultur auch die über Medicin von der 
Vernichtung ausgenommen haben. Es werden zwei Autoren aus dem vorauf- 



12 CHINESISCHE AEBZTE. 

gegangenen ältesten Zeitabschnitt namhaft gemacht: Shing-Mikg und Hwano-Ti, 
hinsichtlich deren jedoch nur von dem Letzteren die Leistung selbst — eine 
praktische Anleitung zur Behandlung innerer Krankheiten in 34 Bänden — aus- 
drücklich angegeben wird. Zu diesen tritt dann bald nach dem Bibliotheken- 
brande Wan-King mit einem medicinischen Commentar in 24 Bänden hinzu. — 
„Nang-King" ist der Name eines Buches — nicht des Verfassers, — welches 
gegen das 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung auftaucht als „Lösung von 
24 zweifelhaften Fragen^: es wurde noch gegen das 14. Jahrhundert durch 
sechs umfangreiche Commentare besprochen und erweitert; — sein frühester 
Commentator ist jedoch Shang-She-Hüng , der den „Nang-King^ im 3. Jahr- 
hundert neu edirte — ein Zeitgenosse Wang-Shu-Ho's , der zehn enonn dicke 
Bücher über deu Puls (dieses Steckenpferd der chinesischen klinischen Dia- 
gnostik) verfasste. 

Erst im 10. Jahrhundert soll nach gäuzlich unfruchtbarem Zwischenraum ein 
kleines Werk über Augenkrankheiten, nach diesem — unter der Song-Dynastie — 
das erste zusammenhängende Buch über Materia medica, im 11. oder 12. Jahr- 
hundert eine Abhandlung über die Fieber entstanden sein. Fruchtbarer ist das 
13. Jahrhundert, welches ausser zwei bedeutenden Werken unbekannter Verfasser 
über Frauenkrankheiten, resp. über die Fieber (in 12 Bänden) den berühmten 
Codex der Chinesen über gerichtliche Medicin (oder medicinische Jurisprudenz) 
hervorgebracht hat. Das Entßtehungsjahr (1247), wie der Verfasser — SuNG-TsE — 
dieses, „St-Yuen-Luh^ genannten Werkes sind genau bekannt. Von späteren 
Ausgaben werden ausdrücklich hervorgehoben die von 1400 und nicht weniger 
als sieben Ausgaben des 18. Jahrhunderts. Der „Hi-Yuen-Luh^ gilt allgemein, 
auch im Volke, als der Inbegriff alles Wissens in gerichtlich-medicinischer Beziehung, 
so dass der richtende Mandarin bei Giftmord und anderen zweifelhaften Todesarteu 
die Mörder einfach schon dadurch, dass er das Buch mit sich führt, zum Geständ- 
niss bringt (von Obductionen — auch zu diesem Zweck — ist selbstverständlich 
nicht die Rede). — 1340 entsteht eine grössere Abhandlung über allgemein con- 
stitutionelle Krankheiten, 1360 ein neues umfangreiches Werk des Wan-Li über 
acute Krankheiten, 1365 die Zusammenstellung eines Arztes TSCHK-TI-CHI über 
die Krankheiten der Haut. 

Es folgen nunmehr wieder mehrere sterile Jahrhunderte, während deren 
die chinesische Medicin nur diu'ch ein grosses Sammelwerk, die Encyklopädie des 
Prinzen Choo-Su (aus der M i n g - Dynastie) bereichert wurde. In 160 Bänden 
enthält dieselbe 770 therapeutische Abhandlungen und 22.000 Recepte. Wie es 
scheint, gehört auch eines oder das andere der zu anderen Völkern gelangten, 
am Schluss dieser üebersicht zu erwähnenden Bücher, deren Entstehungsjahr trotz 
ihrer Berühmtheit nicht genau bekannt ist, diesen Zwischenperioden oder dem 
Anfang des wiederum fruchtbareren 16. Jahrhunderts an. — Sicher entstammt 
dem letzteren die vielumstrittene grosse Materia medica der Chinesen: „Pun-Tsoun- 
Kang-Mu", in 52 Bänden, an welcher 800 Aerzte mitgearbeitet haben sollen. 
Sie enthält 1890 Heilmittel und eine Vorrede, in welcher als erste Urquellß 
dieser Collectiv-Arbeit ein kleines Kräuterbuch des Shing-Mung (aus dem 2. oder 
3. Jahrhundert p. Chr.) angegeben wird. Der Autor, welcher das Werk in 
seiner neuen Gestalt zuerst edirte, ist dem Namen nach ebenfalls bekannt. Er 
wird Li-Sh[-Chin genannt und lebte um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Gegen 
Ende des letzteren erscheint dann noch eine kurze Abhandlung über die Kunst, 
Krankheiten zu verhüten und tugendhaft zu leben, in welcher man eine Art 
hygienischen Enchiridions hat sehen wollen (1591), — ein siebenbändiges illustrirtes 
Werk über die Acupunctur und , in mehreren Monographien , eine Sammlung der 
Vorschriften älterer und ältester Autoren bei der Behandlung der Kinderkrank- 
heiten (1595). — Diese Art Literatur findet im 17. Jahrhundert ihre weitere Ent- 
wicklung in kleinen Compendien über Kinder-, Frauen- und Alterskrankheiten (1602). 
In einem medicinischen Werke aus dem Jahre 1650 wird weitläufig über die 



CHINESISCHE AERZTE. 13 

Behandlnng von „Hohluan-tu-siaY" discutirt, — also über eine Krankheit, welche 
die chinesischen Aerzte des 19. Jahrhunderts mit der Cholera identificirten, wiewohl 
diese in epidemischer Form — nach dem Zeugniss des Arztes Tchang — zum aller- 
ersten Mal 1820 China heimgesucht haben soll. Das Ende des 17. Jahrhunderts 
erscheint an medicinischen Literatur-Erzeugnissen ganz besonders finchtbar; nicht 
nur, dass — in je 8 Bänden — Werke über die Geburt (jedoch lag die Geburts- 
hilfe stets in der Hand alter Frauen) und über Augenkrankheiten 1684, resp. 1685 
erschienen, sondern es traten auch wieder einige berühmte, noch jetzt vielgenannte 
Namen an die Spitze der Literatur. So SüNG-Hu mit einem 16bändigen Werke 
über Vorbeugung und Behandlung der Erankkeiten um 1696, und Ching-Li-Ting 
mit einer Pharmakognostik , Anweisung zur Prüfung echter Droguen. — Dieses 
Buch wurde 1707 zum zweiten Male stark vermehrt aufgelegt. Ihm folgte zunächst, 
der Jahreszahl nach nicht genau bekannt, ein Werkchen des Kt-Ken-Kwang über 
die Kunst, bei gewissen Arten des Selbstmordes helfend einzugreifen. 1740 erscheint 
das ungeheure OObändige Werk über den Puls, welches neben diesem Gegenstande 
— aber räumlich sehr zurücktretend — noch zwei andere Themata: die Cir- 
culation der Luft im Körper und die Regeln bei Knochenbrüchen behandelt. Der 
Name des Tschang-Kis ist mit der Pulslehre aufs Engste verknüpft; ob dieser 
Arzt jedoch bereits bei dieser ersten Ausgabe des Werkes die massgebende Per- 
sönlichkeit gewesen sei, wird von manchen Seiten stark bezweifelt. Um die Mitte 
des 18. Jahrhunderts prägt sich in der Literatur eine mehr naturphilosophische 
Richtung aus: Chin-Kuo-Pang, Li-Chun-Tsb und andere Autoren überlassen sich 
in grösseren und kleineren Schriften allgemeinen Deliberationen über Medicin, und 
das einzige weitverbreitete und berühmtere literarische Product des gegenwärtigen 
Jahrhunderts, das Sbändige Werk des Hüng-Yung aus dem Jahre 1822, beschäftigt 
sich mit den Gegensätzen von warm und kalt, von nass und trocken, voll und 
leer, mit dem Aufsteigenden und dem Absteigenden, dem Männlichen und Weib- 
lichen, Aeusseren und Inneren, mit den geöffneten und verstopften Wegen und dgl. — 
Zw^ei Werke konnten ihrer chronologischen Einreihung nach in dieser Bibliographie 
nicht untergebracht werden, die gleichwohl — wegen der Verbreitung, welche sie 
der chinesischen Medicin über die Grenzen des Landes hinaus nach dem Nachbar- 
lande Japan gaben — eine gewisse Wichtigkeit und Berühmtheit erlangt haben. 
Von diesen ist der ;, Kin-ki^ (unbekannten Verfassers) unzweifelhaft neueren Datums, 
so dass ihn selbst ein grosser Theil der japanischen Aerzte als eine ganz apo- 
kryphe Neuerung verketzert. Der „Shoo-kdn-rong^ dagegen, der die Lehre von 
den fieberhaften Krankheiten enthält, wird von den Japanern als das grundlegende 
Werk eines wahren chinesischen Hippokrates, nach japanischer Pronunciation 
TCHOO-Kü-KE (wahrscheinlich corrumpirt), hochgehalten, der um 350 vorchristlicher 
Zeitrechnung gewirkt und geschrieben haben soll. (lieber den Inhalt des „Shoo- 
kan-rong^ wird bei der „Japanischen Medicin" das Nöthige anzuführen sein.) 
Einer besonderen Nennung bedarf endlich, obwohl mit der Medicin nur im mittel- 
baren Zusammenhange stehend, der y^Pent-mo^, das 60bändige Hauptwerk der 
Chinesen über Pflanzenkunde und Ursprung aller Gewächse des Li-ste-Cheü, aus 
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 

Zu einer sehr wohlwollenden Beurtheilung des chinesischen Wissens, was 
Botanik und Materia medica betrifft, haben besonders Bbettschneideb's 
(Russ. Gesandtschaftsarztes in Peking) beide Schriften: yßn the knowledge poasessed 
by the ancient Chinese etc.^^ (London 1871) und j^On the study and value of Chinese 
botanical works^ (Foochow 1870 — 1871) Veranlassung gegeben. Die theils auf 
sie, theils auf die Untersuchungen von Dabry de Thieesant und L6oN Sübeiran 
begründeten Mittheilungen von Gublsr über die Materia medica bei den Chinesen 
finden sich im Bull, de Tacad. 1872, Nr. 40 und im Bull, de th^rap., Bd. IV. — 
Die Täuschung, welcher Hedd (1848) verfallen war, der in seiner Reisebeschreibung 
4 anatomische Tafeln als original-chinesische herausgegeben hatte, die nur von 
einem in Canton residirenden englischen Arzt aus einem englischen anatomischen 



14 CHINESISCHE AERZTE. 

Atlas entnommen waren, wurde sehr bald aufgedeckt : die Chinesen haben niemals 
anatomische Forschungen gemacht. Die Physiologie der Chinesen gipfelt 
anerkanntermassen in abstrusen Spielereien mit den zwei Lebensprincipien, dem Yo 
und dem Jn ; so unglaublich es klingen mag, scheint es doch sicher, dass sie selbst 
Ton den grobanatomischen Organtheilen (und noch weniger von ihren Functionen) 
keine Vorstellung haben. — Martin erzählt in seiner ^iStude historique et critique 
8ur Vart m4dicale la Chine^, dass zwei euglische Aerzte sich bemühten, einigen 
hochstehenden chinesischen Aerzten die anatomisch-pathologischen Ein- 
zelheiten eines Typhusfalles zu deuten , aber einfach mit der Erklärung abgewiesen 
wurden: in den Büchern stände es anders. — Was die Pathologie anlangt, 
so wurde durch P. Grosier eine Zeit lang die Angabe aufrecht erhalten, dass 
BORDEiJ (s. diesen) in seinen 1756 erschienenen „Reche^'ches 8ur le pouls etc.*^ 
wesentlich aus chinesischen Quellen geschöpft habe. Die blosse Erinnerung an 
den Umstand, dass die Chinesen über den Vorgang der Circulation nicht die 
geringste Anschauung haben, lässt die Angabe in dieser Form widerlegen. Vor- 
trefiliche Kritiken über die chinesische Pulslehre, speciell auch die des Tschang-Kis 
hat Aug. Pfizmayer in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie (1865, 1866, 
1870) niedergelegt. — Dass die Geburtshilfe von Aerzten nicht betrieben 
wird, wurde bereits erwähnt; hinsichtlich der Chirurgie haben manche Neben- 
umstände die abendländischen Aerzte in Ven^'underung versetzt, so z. B., dass 
bei der in China eo äusserst häufig vorgenommenen Castration sich Vorbereitungen 
von Altei's her empfohlen finden, welche an die künstliche Blutleere (also eine 
Errungenschaft neuesten Datums für die europäische Mediciu) erinnern. Wer indess 
die Beschreibungen des operativen* Vorganges bei Morache (P6kin et ses habi- 
tants, Paris 1870) oder bei älteren Darstellern sorgfältig nachliest, kommt gewiss 
zu der Ueberzeugung , dass die ganze Operation mit unglaublicher Rohheit imd 
Unkenntniss der anatomischen Verhältnisse verübt wird. Weiter sagt E. Martin 
(welchem Henderson vollkommen beipflichtet) hinsichtlich dieses Wissenszweiges 
wörtlich: „Nous nous sommes adresse ä un des plus renomm^s praticiens de 
P6kiu, le grand pontif de l'acupuncture , seule pratique chirurgicale en 
u s a g e , et nous lui avons demand^ toute la s6rie des Instruments, qui composent 
Tarsenal chirurgical chinois: nous possMons donc tous ces Instruments et nous 
avons avec eux la preuve quHls sont encore au dessous de Tenfance de 
Tart", — ein Urtheil, welches der Unterzeichnete — wenn auch nur aus kürzerer 
Anschauung — ohne Bedenken unterschreibt. Specialärzte srewisser Fächer mag 
es wohl geben ; den Zweig des Specialistenthums, welcher sich mit der Behandlung 
der Syphilis befasst, schildert (nach Morache) sehr anschaulich W. Stricker in 
„Die Prostitution und die daraus entstehenden Krankheiten in Ghina*^ (Virchow's 
Archiv, Bd. 51, pag. 434). Eine hygienische Massregel sucht man in der 
Variolisation der Kinder, wie sie nach guten Quellen seit dem 10. Jahrhundert 
Seitens chinesischer Aerzte auf der Nasenschleimhaut — bei Knaben links, bei 
Mädchen rechts — ausgeführt worden ist. 

Ueber die Ausbildung der chinesischen Aerzte ist wenig bekannt. Im 
7. Jahrhundei*t (unter der T h a n g - Dynastie) wurden in allen Hauptstädten Unter- 
richts-CoUegien für Medicm und Astrologie, bestehend aus einem Director und 
zwei Professoren, eingerichtet (629). Anfangs des 12. Jahrhunderts (1103) wurden 
überall Medicinschulen gegründet, 1109 eine medicinische Akademie in Peking 
eingerichtet. 1220 traten zu den Hauptschulen in allen Kreisstädten noch Secundär- 
schulen hinzu. Unter dem Kaiser Koubilal* wurden Einrichtungen, den franzö- 
sischen Concursen ähnlich, unter der M i n g - D>iiastie drei medicinische Grade 
geschaffen. Dem Kaiser Canghi schreibt man die Gründung des noch jetzt in 
Peking bestehenden Ta-i-Yuen („oberstes mediciuisches Collegium"j zu. 

Quellen im eigentlichen Sinne (chinesisch geschriebene) sind dem Verfasser nicht 
zugänglich. 

Wernich. 



CHIOCCO. — CHISHOLM. 15 

GMOCCO, Andrea Gh., italienischer Arzt aus Verona und Professor der 
Mediein daselbst, ausserdem Philosoph und Naturforscher; seine an Zahl nicht 
geringen Schriften tragen in besonderem Grade das Gepräge der damaligen Geistes- 
riehtung. Er starb in Verona 1624. Unger. 

Chirac, Pierre Gh., 1650 zu Gonquest (Rouergne) geboren, war zuerst 
Jesuitenzögling, dann Student der Theologie in Montpellier, Hauslehrer bei einem 
Apotheker und studirte endlich von 1680 ab Mediein. Stark protegirt von Ghi- 
COTNEAU, erlangte er 1683 den Doctorhut, hielt dann Anatomiecurse und erhielt 
1687 den Lehrstuhl der Mediein in Montpellier. Von 1692 ab als höherer Militär- 
arzt an verschiedenen Plätzen thätig, später Begleiter mehrerer Prinzen und 
Herzöge in den italienischen und spanischen Feldzttgen, gelangte er später nach 
Paris und concipirte hier den Plan zu einer Acad^mie de mödecine, der indess nicht 
zur Ausführung kam. Später nach Montpellier zurückgekehrt, machte sich Gh. um 
die Beseitigung der Trennung zwischen Mediein und Ghirurgie (die allerdings erst 
nach seinem Tode erfolgte) und durch Gründung von Preisen für bedeutende wissen- 
schaftliche Arbeiten verdient. Am 1. März 1732 starb er mit Hinterlassung 
folgender grösserer Schriften: „Specimina vitioaae corporis humani mechamces^ 
(Montpellier 1697) — „De motu cordis adversaria analytica" (Daselbst 1698). 
Eine Schrift über die Wundheilung: „Quaeatio medico - cMrurgica etc.^ (Mont- 
pellier 1707) wurde 1742 von FiZES französisch edirt. Eine besondere Berühmtheit 
hatten ihrerzeit „Observations sur les incommodüSs auxquelles sont sujet les 
Squipages des vaisseaux et la manüre de les traüer^ (Paris 1724) und „Traiti 
desßkvres malignes et desfihyres pestilentielles gut ont regn^h Rochefort en 1694^ 
(Daselbst 1742). — Gh. war auch experimentirend thätig und machte zuerst die 
später von Magendie wieder aufgenommenen Versuche, nach welchen der Brechact 
bei Unthätigkeit des Magens durch Gontraction des Diaphragma und der Bauch- 
muskeln zu Stande kam, sowie auch die künstliche Respiration bei enthimten 
Thieren. (Eph^m. des curieux de la nat. IV. Jahrg., resp. Jour. des savans 1688.) 

Dict. hist. II. Red. 

Ghisliolin, Golin Gh., englisch-amerikanischer Arzt, war 1755 zuinvemess 
in Schottland geboren, studirte in Edinburg, trat bereits 1775 in ein Hochländer- 
Regiment als Ghirurg ein, kam mit demselben 1776 nach Nord-Amerika, blieb daselbst 
während des ganzen Revolutionskrieges, liess sich nach dem Friedensschlüsse 1783, 
auf Halbsold stehend, zu St. Georges, der Hauptstadt von Grenada in West-Indien, 
nieder und wurde einige Jahre später Surgeon, 1795 Surgeon - General to the 
Ordnance, 1797 Inspector-General ofOrdnance Hospitals in the Wind ward Islands, 
in welcher Eigenschaft er die Artillerie-Hospitäler auf den gedachten Inseln zu 
inspiciren hatte. Auch als Schriftsteller hatte er sich bereits durch Beiträge zum 
Edinb. Med. and Surg. Joum. (1786, 90, 93, 94), Beobachtungen über epidemische 
Krankheiten betreffend, und durch eine Schrift: „An essay on the malignant 
pestüential fever introduced into the West-Indian Islands from Boullam , on 
the Coast of Guinea, as it appeared in 1793 and 1794^ (London 1795 ; 2. Aufl. 
2 Bde. 1801) bekannt gemacht. Die Angriffe, welche gegen seine in dieser 
Schrift niedergelegten Ansichten gemacht wurden, wehrte er ab in „A letter to 
John Haygarth ... exhibiting farther evidence of the infectious nature of 
the pestüential fever in Grenada . ... in order to correct te pemicious doctrines 
prormdgcUed hy Dr, Edw, Miller, etc," (1809) und in „Observations on some 
remarks of Dr, Bancroft, etc,^ (Edinb. Med. and Surg. Joum. 1813). Dabei 
publicirte er in dem letztgenannten Journal (1800, 08, 10, 11, 12, 14, 15, 17) 
eine Reihe von Aufsätzen, unter denen wir folgende anführen „ Gases of yaws and 
leprosy etc,** — „A short account of the epidemic polypus of Grenada in 1790^ 
— „On the poison of ßsh^ — „Gase in which the caesarian Operation was 
successfully performed, ttoice on the saine women** — „O71 the Ines bovina 
vfUertropica^ u. s. w. Nach seiner Rückkehr nach Europa lebte er meistens zu 



16 CHISHOLM. — CHOMEL. 

Bristol oder Olifton und von 1819 — 24 in Genf, wo er sein letztes und bedeutendstes 

Werk: „Manual of the climate and diseases of tropical countnes 

Calculated chiefly as a guide to the young niedtcal practitioner, on his first 
resorting to those countnes" (London 1822) verfasste. Kr starb in London am 
2. Februar 1825. 

American Journ. of the med. sc. Vol. 4, 1829, pag. 394. G. 

^Ghisolin, Julian J. Ch. , ameTikanischer Chirurg, der während des 
Secessionskrieges bei der Sttdstaaten- Armee eine hervorragende Rolle spielte, ver- 
fasste bei dieser Grelegenheit : „-rl manual of müitary surgery, for the use of 
surgeons in the Confederate States Army ; etc." (Columbia, 3. Aufl. 1864). Er 
hat sonst hauptsächlich Augen- und Ohrenkrankheiten Betreffendes in verschiedenen 
Zeitschriften, wie den «Transaet. of the Med. et Chir. Fac. of Maryland (1873), 
in den Arch. of Ophthalm. and Otol. (1873), den Virginia Med. Monthly 
(1875, 79, 80) u. s. w. geschrieben, darunter: „Intraocular enchondroma of 
22 years grotcth" — „Neurotomy : as a Substitute for enucleation, Anew Operation 
in Ophthalmie surgery" — „Optico-ciliary neurotomy, the proposed Substitute 
for extirpation of a lost and painful eye ball", 

Virginia Med. Monthly 1873, pag. 783 (nicht zugi jiglich). — Index - Catalogue, 
IJ, pag. 962. O. 

Chmielnick , Martin de Ch. (Chmieleciüs a Chmielnick), war am 
5. November 1559 zu Lublin in Polen geboren, studirte von 1577 an in Basel, zuerst 
Philosophie und dann Medicin, erhielt 1587 durch Felix Plater den Doctorgrad, 
wurde 1589 in Basel Professor der Logik und 1610 Professor der Physik, in 
welcher Stellung er bis zu seinem am 3. Juli 1632 erfolgten Tode verblieb. Er 
war seit 1612 Consiliarius der medicinischen Facultät, ftlnfmal Decan derselben 
und dabei ein sehr beliebter Arzt, Archiater bei zwei Bischöfen von Basel. Er hat 
nur einige Dissertationen (1619, 1623), sowie Briefe, die sich in HobnüNg's 
Cista mediea befinden, gesehrieben. 

Biogr. med. HI, pag. 272. — Miescher, pag. 27. K. & P. 

Ghojnowski , Bronislaw Ch. , geboren zu Murzynce auf der Ukraine 
am 3. Mai 1836, studirte in Kiew, wo er nach Beendigung seiner Studien längere 
Zeit hindurch als Assistenzarzt in der therapeutischen Klinik fungirte. Nach einer 
zweijährigen Studienreise, während weicherer die berühmtesten Krankenhäuser Europas 
besuchte, wurde er 1865" in Warschau Privatdocent für speciellc Pathologie und 
Therapie; nach zwei Jahren zum ausserordentlichen Professor ernannt, leitete er die 
therapeutische Klinik. Er starb am 6. April 1870 an Flecktyphus, womit er sich 
in seiner Klinik angesteckt hatte. Ch. erfreute sich der höchsten Liebe und Achtung 
seiner Schüler, welche er sowohl durch sein gründliches und gediegenes Wissen, 
als auch durch sein liebenswürdiges Benehmen an sich zu fesseln wusste. Seine 
zahlreichen Arbeiten sind in verschiedenen polnischen Fachblättem abgedruckt, in 
deutscher Sprache veröffentlichte er in Vibchow's Archiv (1870) einen Aufsatz 
über laryngeales Athmen. K. & P. 

Ghomel. Französische Arztfamilie, innerhalb deren das Verwandtschaftsver- 
hältniss Jacques-FrangoisCh.'s nicht positiv festgestellt ist, welcher mit einer 
These über die Säfte 1708 in Montpellier doctorirte und über das Verhältniss der 
Physiologie zur Medicin (1709), sowie über die Wässer von Vichy (1738) schrieb. — 
Besthnmt gehören dagegen zusammen : Pierre-Jean-BaptisteCh. (dessen Vater 
und Onkel vielleicht auch schon Aerzte waren), 1671 — 1748, der sich indess besonders 
medicinisch-botanischen Studien zuwandte und nur Schriften dieser Richtung verfasste. 
Sein Verdienst beruht in der Grtlndung eines pharmaceutisch-botanischen Instituts. — 
Sein Sohn Jean-Baptist e-Louis Ch. , unbekannten Geburtsjahres, 1765 
gestorben, wurde königlicher Leibarzt 1732, Decan der Pariser Facultät 1754. 
Neben seinem „Essai historique sur la mddecine en France^ (Paris 1762) und 



CHOMEL. — CHOPART. 17 

der ^Eloge de Duret" (Daselbst 1765) haben sieh auch der Brief „Sur les maladies 
den beMiaux** und die y^ Dissertation historiqtie sur Vesp^ce de mal de gorge 
gattgreiieux^ qui a reyn4 parmi les enfans Vandernier^ (Paris 1745, resp. 1749) 
erhalten. — Jean-Baptiste-Louis' Neffe und Pierre-Jean-Baptiste's 
Enkel ist Andral(?) Fran^ois Ch., 1780 (?) geboren, Med. Dr. zu Paris 1813. 
Er war Professor der internen Pathologie an der Ecole de m^decine, wurde später 
Oberarzt am Hötel-Dieu zu Paris, 1830 Ritter der Ehrenlegion und Mitglied der 
mediclnischen Akademie. Seine schriftstellerische Thätigkeit war eine äusserst 
fruchtbare (Callisen bringt ein bis auf die letzten Jahre vollständige« Verzeichnis») 
und bewegte sich vorwaltend auf dem intern-klinischen und pathologisch-anatomischen, 
aber auch auf epidemiologischen, statistischen und encyklopädischen Gebiet. Hervor- 
zuheben sind: „Es^ay sur le rhuviatisme'^ (Paris 1813) — „Elitnens de patho- 
logie gin^rale^ (Daselbst 1817, 1824) — „Traitd des fi^vres et des maladies 
pestilentielles*' (1821; — auch deutsch Leipzig 1822) — „Constitution midicale 
de Parin" (Leroux' Joum. de m6d. 1813 und ähnlich 1814) — „ConsidSrations 
sur les JiPvres rS?nittentes etc,^ (Nouv. Joum. de m6d. 1818) — „MManose 
du foie, du poumon et du tissu cellulaire de Vorbite droits etc.^ (Daselbst 
gleichzeitig) — „Sonderbarer Fall einer plötzlich eingetretenen Schlafsucht*^ 
(Horn's Arch. f. med. Erfahrungen 1828) -— „Tilfaelde af Oedema glotttdis^ 
(Bibl. for Laeger 1829). — Ch. arbeitete mit am „Dictionnaire de termes de 
medecine" und am „Nouvelle dictionnaire de m6decine". 1834 publicirte er: 
„Legons de clinique m4dicale^ (Paris; deutsch: „lieber das Typhusfieber" von 
j. L. Genest und F. J. Behbend). 

Bioi^. med. III. — Callisen, IV und XXVII Wörnich. 

Ghopart, Franko is Gh., berühmter Chirurg zu Paris, war daselbst am 
30. October 1743 geboren. Sein Vater hiess Fran^ois Turlure, seine Mutter 
Marie-Anne Chopart, deren Namen er annahm und während seines ganzen 
Lebens führte. Seine medicinische Ausbildung fand im Hötel-Dieu, unter MOREAU, 
in der Piti6 und im Bicetre statt. Er erhielt bereits 1767 einen Preis von der 
Aoadömie de Chirurgie ftir seine Arbeit: „Essai sur les loupes^ (Prix de TAcad. 
de chir. T. IV) und im folgenden Jahre ein Accessit nebst einer ehrenvollen Er- 
wähnung für sein „M4m, sur lei contrecoups dans les iSstons de la tSte" 
(daselbst), das er in's Lateinische übersetzte: „De laesionibus capitis per ictus 
repercusfos"^ und 1770 als Dissert. benutzte, um die Würde eines Magisters der 
Chirurgie zu erlangen. Schon 1771 wurde er Professor an der £colepratique und 
publicirte 1780 mit P.-J. Desault, mit dem er eine innige Freundschaft geschlossen 
hatte, einen ;, Traitd des maladies chirurgicales et des Operations qui leur con- 
viennent^ (2 Bde.; 2. Aufl. An 4, mit einer filoge Desaült's von Bichat; deutsche 
üebersetzungen, 2 Bde., Leipzig 1783; Wien 1784). Ch. wurde nacheinander bei 
der Acad. de chir. Adjoint, Conseiller, Commissaire, endlich Vice-Director des 
Comit^s und 1782 Bordenavk's Nachfolger auf dem Lehrstuhle der Physiologie. 
Bei der Reorganisation der medicinischen Schulen durch Foubcboy wurde er zum 
Professor der Pathologie externe ernannt und war von 1790 an bis zu seinem 
Tode Chirurg des Hospizes derselben. In dieser Zeit schrieb er sein Hauptwerk: 
„Tfait4 des maladies des voies urinaires** (2 Bde., Paris 1791; nouv, 4dit. avec 
des notes et un Mim. sur les pierres de la vessie et sur la lithotomie^ par 
E,'H.-F4lix Pascal, 1821). Bald darauf veröffentlichte auch einer seiner Schüler, 
Laffiteau (in Fourcroy's La m6decine 6clair^ par les scienees physiques, 
T. IV, 1792) die erste Operation der partiellen Fussexarticulation , welche Ch.'s 
Namen trägt. In den M6m. de TAcad. de chir. (T. V) finden sich von ihm noch 
zwei Aufsätze : lieber einen fungösen Tumor der Dura mater bei einem Kinde und 
eine scorbutische Affection des Zahnfleisches. Ch. besuchte zweimal London und 
trat zu John Hunter in freundschaftliche Beziehungen. Am 21. prairial an 3 
Biogr. Lexikon. II. • ^ 



18 CHOPART. — CHOULANT. 

(9. Juni 1795) wurde er durch einen Anfall von Cholera-morbus schnell dahin- 
gerafft, einige Tage später als sein Freund Desaült. 

P. S u e im Journal de med., chir., pharm, etc. T. XXV^ 1812, pag. 349. — Dict. 
bist. I, pag. 814. Gurlt. 

Choppin, Samuel Paul Ch., am 20. October 1828 in West-Baton- 
Rouge (Louisiana) geboren, hatte 1850 am Medicai College der Universität von 
Louisiana die Doctorwtirde erlangt, sodann eine mehrjährige wissenschaftliche Reise 
durch England, Frankreich und Italien gemacht, sich 1854 in New-Orleans habi- 
litirt und ist daselbst 1855 zum Präsidenten des Gesundheitsrathes von Louisiana und 
Professor der Chirurgie an der medicinisehen Schule zu New-Orleans ernannt worden. 
Während des Insurrectionskrieges nahm er eine hervorragende ärztliche Stellung 
in der Armee der Conföderirten ein; nach Beendigung des Krieges kehrte er zu 
seiner früheren amtlichen Thätigkeit zurück, fungirte als Professor der Chirurgie am 
Charity Hospital med. College und hat sich durch seine Leistungen in den Gelb- 
fieber-Epidemien der Jahre 1878 und 1879 in New-Orleans sehr verdient gemacht. 
Ch. hat die dort erschienene Zeitschrift „New-Orleans medicine News and Hospital 
Gazette" begründet und in den Jahren 1854 — 57 redigirt, auch mehrere Artikel, 
besonders chirurgischen Inhaltes in derselben veröffentlicht. Er ist am 24. Mai 1880 
an einer acut verlaufenen Lungenentzündung gestorben. ^ Hirsch. 

/y. Chotkow, Peter v. Ch., als Sohn eines Bauers zu Chotkow bei 
Bodzanow geboren, studirte bis 1457 in Krakau, darauf in Bologna, wo er zum 
Dr. med. promovirt wurde und einige Zeit als Lehrer wirkte. Vom Herzog 
Boleslaw von Masowien berufen, wurde er der Erzieher seiner Söhne und später, 
nachdem er sich dem geistlichen Stande gewidmet, im Jahre 1471 Kanzler von 
Masowien und 1481 Bischof von Plock; er starb 1497. Ch. gründete das Hospital 
zum heiligen Geist in Pultusk; ein von ihm veifasstes, „Medicinalia seoreta ex 
auctoribtis diversis" betiteltes Manuscript bewahrt die bischöfliche Bibliothek in Plock. 

K. & P. 

Ghonlant, Johann Ludwig Ch. , geboren am 12. November 1791 zu 
Dresden, widmete sich dem Studium der Medicin zu Leipzig uud erwarb sich da- 
selbst 1818 nach Vertheidigung seiner Dissertation „Decus pelvium spinarumque 
deformatarum^^ die Doctorwürde. Er prakticirte hierauf in Altenburg, von wo er 
1821 nach Dresden übersiedelte. Hier fungirte er als Arzt am Krankenstifte in der 
Friedrichsstadt, hielt von 1822 ab Vorlesungen über praktische Medicin an der 
medicinisch-chirurgischen Akademie uud wurde 1828 zum Professor der Klinik, 
1843 aber zum Director der Akademie ernannt. Im Jahre 1844 erhielt er die Stelle 
des Medicinal-Referenten im Ministerium des Innern, in welcher er lange Jahre hin- 
durch einen sehr grossen Einfluss auf das Medicinalwescn des Königreichs Sachsen 
ausgeübt und in forensischer Hinsicht durch zahlreiche Gutachten eine ausgedehnte 
Thätigkeit entfaltet hat. Sein Tod erfolgte am 18. Juli 1861. Ch. war ein äusserst 
scharfsinniger, kenntnissreicher und fleissiger Arzt, dessen hauptsächliche Bedeutung 
in seinen hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Geschichte der Medicin 
im weitesten Umfange zu suchen ist. Er war jedoch auch als Lehrer wegen seines 
klaren und nüchternen Vortrages geschätzt und für seine praktische Befähigung 
sprechen namentlich das von ihm verfasste „Lehrbuch der speciellen Pathologie 
und Therapie des Menschen" (1831, von 1845 ab in mehreren Auflagen heraus- 
gegeben von H. E. Richter), sowie die „Anleitung zur ärztlichen Beceptirhinst" 
(Leipzig 1821, 1834). Beide Werke haben früherhin grossen Beifall gefunden und 
verdienen in ihren Grundzügen in so mancher Hinsicht auch jetzt noch Beachtung. 

Ein yerzeichnis.s der von Ch. herausgegebenen selbständigen Werke findet sich in 
Engelmann's Bibliotheca medico-chirurgica (6. Aufl. 1848, pag. 112). Ausserdem aber hat 
Ch. zahlreiche Aufsätze in medicinisehen Zeitschriften (Allg. med. Annalen, Zeitschr. f. Nat.- 
und Heilkunde , mehrere Literatur-Zeitungen u. s. w.) veröffentlicht, sowie auch vielfache Bei- 
träge zu Pierer's Realwörterbuch und zu Callisen's Med. Schriftsteller-Lexikon geliefert. 

Winter. 



CHRETIEN. — CHRISTIAN. 19 

/Chretien, Guillanme Gh., französischer Arzt aus dem 16. Jahrhundert, 
bekannt als Arzt des Herzogs von Bouillon, später des Königs Franz I. und 
Heinrich H. ; beschäftigte sich viel mit den Werken alter Meister und über- 
setzte auch einige Werke von Hippokrates und Galenos in's Französische. Er 
starb gegen 1560. • Unger. 

Christ. Johann Theo bald Gh., zu Frankfurt a. M. , war daselbst 
am 25. Mai 1777 von ganz unbemittelten Eltern geboren, begann 1790 mit sehr 
geringen Mitteln in Marburg zuerst die Rechte, dann Medicin zu studiren, wurde 
daselbst 1802 Doctor mit der Diss. „De conceptione tuharia cum annexa ohser- 
vatione**, Hess sich in demselben Jahre in Frankfurt nieder und war bald der 
beschäftigtste Geburtshelfer, der von fast 10.000 Geburten, die er geleitet, den 
Verlauf niedergeschrieben hat. Sein im Laufe der Jahre erworbenes Vermögen von 
150.000 fl. bestimmte er testamentarisch zur Errichtung eines noch heute seinen 
Namen führenden Kinderkrankenhauses, das, nach seinem am 11. August 1841 
erfolgten Tode, Anfangs Januar 1845, eröffnet Tvnirde, 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 19. 1841, II. pag. 753. — Stricker, pag. 258. 

G. 

Christensen . Anders Ch. , verdienter Anatom imd Professor an der 
medicinischen Facultät in Kopenhagen, ist 1551 in Ribe (Jiltland) geboren. Nach 
einem Studium an der Kopenhagener Universität unternahm er 1573 eine mehr- 
jährige Reise nach dem Auslande, studirte in Wittenberg und Jena, gab daselbst 
auch schon Unterricht in Anatomie, ging weiter nach Padua, wo er die Schriften 
des V. Trincavella ausgab. In Basel erlangte er 1583 die Doctorwürde, kehrte 
zurück nach Kopenhagen und erhielt eine medicinische Professur, beschäftigte sich 
fortwährend besonders mit Anatomie, auch mit Obductionen, welche er aber bald 
"wieder aufgeben musste, da dieselben allgemeines Entsetzen und Abscheu hervor- 
riefen. Bei dem Besuche des gelehrten Königs Jakob von Schottland im Jahre 
1590 hatte er die specielle Ehre, eine Vorlesung vor dem königlichen Zuhörer 
zu halten. Er starb 1606. 

Biographie und Literatur-Verzeichuiss in Ingerslev's ,,Danmarks Laeger". 

Peterse n. 

Christensen, Mads Gh., geboren 1805, rühmlicher medicinischer Kliniker 
in Kopenhagen, Obermedicus am „Almindelig Hospital" daselbst, eine kurze Zeit 
Professor der medicinischen Klinik an der Universität, Mitredacteur der „Hospitals- 
Meddelelser". Ausser seiner Inaugural-Dissertation „De exploratione veneßcii chemka 
<ir8enico facti" hat er nur wenig publicirt. Gestorben 1864. Petersen 

* Christensen, KarlNikolausCh.,zu Lemvig (Jütland) am 8. December 
1833 geboren, studirte in Kopenhagen und bildete sich unter A. v. Grakfe in 
Berlin und Dondebs in Utrecht bis zur Promotion am 2. Februar 1867 weiter 
aus. Seit Januar 1859 als Arzt, seit 1867 als Augenarzt in Kopenhagen wirkend, 
schrieb er über Glaukom und publicirte kleinere ophthalmologische Abhandlungen 
in dänischen medicinischen Zeitschriften. ^^^ 

Christian, Wolf gang Gh., aus Bern, wo er später auch wirkte, 
vollendete seine Studien in Basel 1702. Seine beiden DLssertationen über die 
Heredität bei Krankheiten, über das Greisenalter (Basel 1701, resp. 1702) sind 
nicht unwichtig. Ausserdem schrieb er über die Weissenburger Thermen, eine 
Materia medica unter dem Titel: „Thesaurus Ludoviamius^ (Daselbst 1707, 
Nürnberg und Altdorf 1720) und forderte durch einen leider ohne Druckort und 
Datum erhaltenen „Ehiladungsbrief" zu einer Sammelforschung über die National- 
krankheiten des Schweizerlaudes auf. 

ßiogr. med. III. Red. 

Christian, Thomas Ch., aus Schalkendorf (Ukraine^ 1735—1780, 
stndirte in Klagenfurt, Laibach und Graz, und zwar hier Theologie. In Wien 

2* 



20 CHRISTIAN. — CHRISTINÜS. 

gring er dann 1760 zur Jurisprudenz, in Laibach aber etwas später zur Medicin 
tiber. Von 1766 ab studirte er diese Wissenschaft in Wien unter de Haen, van 
SwiETEN und jACQüiN Und wurde 1771 promoyirt. Vier Jahre lang übernahm 
er dann die Oberleitung des Hospitals in Raab, kehrte darauf aber nach Wien 
zurück und widmete sich neben einer ausgedehnten Praxis den durch folgende 
Schriften gekennzeichneten Studien : „Beiträge zur Geschichte U7id Behandlung 
der natürlichen Pocken^ (Wien 1781) — „Geschichte und pathologische Schil- 
dprung der neuen Epidemien^ (1782; im gleichen Jahre Fortsetzung dazu). Ein 
j,phy,sikalisch'politisches Tagebuch^ über Entstehung von üeberschwemmungen 
erschien 1784, ein Essay über MilitÄrhygiene (speciell in Süd-Ungarn) 1788 in Wien. 
Biogr. med. III. Red. 

* Christiani , Arthur Gh., zu Fttrstenwalde am 30. Docember 1843 
geboren, wurde 1867 in Berlin nach regelmässigem Studiengange promovirt. Bis 
1871 als praktischer Arzt in Berlin, bis 1877 als Privatgelehrter in Berlin mit 
physikalischen und mathematischen Studien beschäftigt, trat er '1877 als Assistent 
der physikalischen Abtheilung in das physiologische Institut der Berliner Univer- 
sität ein, wurde 1879 Privatdocent und 1880 Prof. extraord. daselbst. Mono- 
graphisch veröffentlichte er: „Beiträge zur Elehtricitätslehre" (Uober irrcciproke 
Leitung elektrischer Ströme, Berlin 1878; absol. Graduirung des Schlitten- 
inductoriums von E. Du Bois-Reymond und Construction des modificirten Capillar- 
elektrometers) — „ Ueber Besonanz aperiodisirter Besonatoren^ (Theorie der 
Wirkung des Trommelfelles, 1879) — „Athemcentren und Coordinationscentrum 
im 3. Ventrikel und in den Vierhiigeln^ (1880) — „Studien über Poroskopie^ 
(1881) — „lieber Absorption des Schalles durch Besonatoren^ (1882). Ausser- 
dem verschiedene physikalisch-physiologische Untersuchungen, die in den Berichten 
der Berliner physiologischen Gesellschaft und einige physiologisch-chemische Unter- 
suchungen, die in Hoppe-Seyler's Zeitschrift veröffentlicht sind. Als kürzere vor- 
läufige Mittheilung sind die „Grundzüge einer reinen Mechanik reizbarer 
organischer Systeme*^ veröffentlicht. 1881 zur internationalen Ausstellung nach 
Paris entsandt, wurde Ch. als Mitglied der Commission für Elektrophysiologie zimi 
Kongresse cooptirt. Die von Zöllner in Leipziger Universitätskreisen angeregten 
spiritistischen Neigungen wurden von ihm erfolgreich bekämpft. ^^^^ 

* Ghristie, James Gh., zu Glasgow, wurde daselbst ausgebildet und — 
1860 — zum Doctor med. promovirt. F. F. P. S. Glasg. wurde er 1877, fungirte 
längere Zeit als Lecturer über Hygiene am Anderson's College, war auf seinen Reisen 
Leibarzt des Sultans von Zanzibar und wirkt zur Zeit alsHouse surgeon am Universitäts- 
Krankenhause und der Glasgow Infimiary, sowie als Assistant physician am dortigen 
Lunatic asylum. Seine Publicationen nahmen ihren Stoff aus seiner Reisezeit, so: 
„Cholera in East-Africa etc.*' (1876) — „Bemarks on the epideinic of dengue 
or Kidinga Pepo , at Zanzibar and east coast of Africa in 1870 — 1871** 
(Transact. of the Bombay phys. and med. soc. 1871) und „On epidemics of 
dengue fever efc.*^ (Glasg. med. Joum. 1881). Ch. giebt das Sanitary Journal 
for Scotland heraus. Red. 

GhristillTlS, Bernadinus Gh., aus Corsica, studirte Mitte des 17. Jahr- 
hunderts in Montpellier unter L. Rivierus. Nach sechsjährigem Studium ging er 
in ein Franziskanerkloster , fuhr jedoch fort , Medicin zu treiben und prakticirte 
auch öffentlich. Seine Hauptschrift „Pratica medicinale a osservazioni" (Venedig 
1680, mit Tafeln, 4.) wird als Plagiat der Lehren des Rivierus angesehen. 
Ausserdem schrieb er noch: „De lue seu morbo veneres. De felre pestilenti. 
De regulis astrologicis and niedicinam spectantium, Arcana Lazari Bivieri*' 
(Venedig 1676). Im ersteren Werke sind 700 Originalbeobachtungen in drei 
Büchern wiedergegeben, theils nach den einfachen diagnostischen Symptomen, 
theils als „mali di donne", theils als „pratica de tutte le febri" zusammengefasst. 

Red. 



CHRISTISON. — CHBOSCIEWSKI. 21 

Christison, Sir Robert Ch. , geboren am 19. Juli 1797 zu Edinburg, 
wo sein Vater Professor der Philologie war, gestorben ebendaselbst am 27. Januar 
1882, erhielt seine wissenschaftliche Erziehung auf der High School und vom 
14i Lebensjahre an auf der Universität seiner Vaterstadt. Nachdem er 1819 den 
üoctorgrad erworben, ging er zuerst nach London, wo er am St. Bartholomews 
Hospital Medicin und Chirurgie und ausserdem eifrig Chemie trieb, dann nach 
Paris, um unter OßFiLA und RobiqüET praktische toxikologische und chemische 
Studien zu machen. In seine Heimat zurückgekehrt, erhielt er 1822 die neu- 
gegründete Professur der gerichtlichen Medicin, welche er 1832 mit dem Lehrstuhle 
der Materia medica vertauschte, welchen er bis 1877, wo er resiguirte, inne hatte. 
Im Jahre 1823 wurde er Mitglied des R. College of Physicians, das ihn 1838 
und 1846 zum Präsidenten wählte. 1857 wurde er von der Krone als Vertreter 
der schottischen Aerzte in das Medieal Council berufen, in welcher Stellung er 
bis 1873 verblieb und in dem er sich namentlich als Vorsitzender des Subconüt^s 
zur Eatwerfung einer nationalen Pharmacopoe Verdienste erwarb. 1 868 wurde er 
Präsident der Edinburgh Royal Society. 1871 erhielt er die Baronetwürde. — 
Ch. ist der bedeutendste Toxicologe Grossbritanniens und sein 1829 erschienenes 
Werk: „Treatise on poüons^ (bis 1845 vier Auflagen) zeugt von vielfachen eigenen 
Erfahrungen und Versuchen und von einer gründlichen Keuntniss der englischen 
und französischen Literatur. Neben diesem . Handbuche der Giftlehre hat sein 
y^Dispenaary^j ein Commentar zu den drei britischen Pharmacopoen, Verbreitung 
gefunden, trotz mancher Schwächen, welche die erste Auflage (1842^ darbot, die 
jedoch in der zweiten (1848) beseitigt wurden. Ausserdem publicirte Ch. eine 
grössere Schrift: „On granulär disease ofthe kidney$^ (1839), deren Beziehungen 
zum Alkoholismus er namentlich aufklärte. Unter seinen toxicologischen und pharma- 
cologischen Untersuchungen sind diejenigen über den Einfluss verschiedener Gas- 
arten auf die Vegetation (mit Türneb), über Oxalsäurevergiftung (mit Coindet), 
über Gummigutt und Calabarbohne (1855) die hauptsächlichsten. Von Jugend aut 
kräftig und dazu noch durch anhaltende Leibesübungen gestärkt, bewahrte er 
seine körperliche Rtlstigkeit und geistige Frische bis in sein höchstes Alter, so 
dass er noch 1878 zur Prüfung der (-oca Wirkung bei anstrengenden Märschen 
zweimal den 1100 Meter hohen Ben Voirlich bestieg. Husemanii. 

Ghlistoty F61ix Gh., in Lyon, geboren 1841, schrieb u. A. Folgendes: 
jjOoariotomies pratiqudes par M, A, D esgr anges; Observation et tableau 
statistique^ (Lyon 1867) — „Contribution a Vhistoire des tumeiirs j>lexiformeH*^ 
(Gaz. hebd. de m6d. 1870) — „Du drainage dans les plales yar armes de 
yu^rre** (Paris 1871) — „Le massacre de Vainhdance de Saöne-et-Loire^ 
(Lyon mMical 1871). Auch gab er heraus A. Desgraxges' ^L^gons de cUnique 
<^hlrurgicale'' (Paris 1867, 68). Er starb im Jahre 1871. 

Desgrangesin Lyon medieal 1872, pag. 64 (nicht zugänglich). — Index- Catalogue, 
III, pag. 176. G. 

*Clirobak, Rudolf Ch., zu Troppau (Schlesien) am 8. Juli 1840 g^ 
boren, bildete sich in Wien aus und wurde 1866 promovirt. Als Privatdocent 
wirkte er seit 1870, als Prof. extraordinarius seit 1879 au der Wiener Universität. 
Ch. publicirte: „Gynäkologische Mittheilungeri und Casuistlk** (Wiener medic. 
Rundschau, Wiener medic. Presse, Archiv für Gynäkologie, Wiener medic. Wochen- 
schrift) — „ lieber bewegliche Niere und Hysterie^ (Rundschau) — „ Ueber 
tkertlität^ (Wiener medic. Presse) — „Die mikroskopische Anatomie des Uterus^ 
(8tbicker*s Handbuch der Gewebelehre) — „ Untersuchungsmethoden und gynä- 
kologische Therapie^ (PiTHA-BiLLROTH, Handbuch der Frauenkrankheiten;. 

Red. 

/Chrosciewski , Johann Hieronymus Ch. (Chroözirtowski) , Sohn 
de« Posener Arztes und Bürgermeisters Stanislaus Ch., geboren zu Posen, 
8tudirte in Krakau und Padua. Er prakticirte als geschätzter Arzt in Posen, wo 



22 CHROSCIEAVj=:KI. — CHUCKERBÜTTY. 

er im Jahre 1612 zum Bürgermeister erwählt wurde. Er ist der Herausgeber der 
Vorlesungen seines Lehrers H. Mercurialis über Kinderkrankheiten, welche oft- 
mals abgedruckt wurden; die erste Auflage, welche 1583 in Venedig bei P. Mecetds 
in 4. erschien, führt den Titel: „De morbis puerorurriy tractatus locupletissimus 
afque doctissimtis , ex ore praceptoris sui Hieronymi Mercurialis diligenter 
exceptUH inqiie Ubros tres digestus^ (unter der Widmung steht der latinisirte 
Name Ch/s Joannes Ghoscesicsj. yl. & p. 

Chrouet, Werner Ch., Oculist von Mitte des 17. bis Anfang des 
18. Jahrhunderts, machte sich, in Löwen und Ltittich wirkend, besonders um die 
Erforschung der durchsichtigen Augenmedien (welche NüCK angeregt hatte) berühmt 
und publicirte ('1688j ein Werk: „De triurn himorum oculi originey fomnatione 
et mitritione'* . Später schrieb er noch über die Mineralwässer zu Aachen und Spa 
(Lüttich 1714) und starb bald darauf. vandenCorput. — Red. 

Chrysennus (XpO^repao;), ein Schüler des Herophilüs, schrieb über den 
Puls. Sein Schüler war Hebaclides von Erythrä. 

Gal. VIII, 741-746. Sext. Emp. Pyrrh. inst. I, 84. Plin. 2;>, 22, 71. 

He Im reich. 

Chryslppus. Mehrere Aerzte des Alterthums führen diesen Namen. 
1. Chrysippus von Knidus, um 350 vor Chr. , gehört zu den hervor- 
ragendsten Aerzten der Knidischen Schule. Er war, wie sein Zeitgenosse und 
Landsmann Eudoxus, ein Schüler des Philistion aus Lokri in Unteritalien und 
besuchte mit Ei:i)OXrs Aegypten, dessen Aerzte in frühester Zeit als Specialisteu 
(Herod. II, 84 j in grossem Ausehen standen. Er ven^'arf den Aderlass, dessen 
Wirkungen er durch das Binden der Arme und Füsse zu ersetzen suchte und ver- 
ordnete Schwitzbäder fXia toj ttiOou Trupia, Gal. IV, 495) gegen die Wassersucht» 
Von seinen Schriften scheint schon zu Galen's Zeit keine mehr vorhanden gewesen 
zu sein. Seine Schüler waren Aristogenes, Medius und Metrodorcs. 

Diop. Laert. VII, 7, 10. VIII, 8, 2 und 3. Gal. XI, 221, 230, 252 Sext. Emp. 
adv. gramm 258. 

2. Chrysippus, ein Sohn des Vorigen, war Leibarzt des ägyptischen 
Königs Ptolemäus. 

Diog. Laert VII, 7, 10. 

3. Chrysippufe, der Schüler des Erasistratu«, ist vielleicht identisch 
mit dem von Plinius in der Nat. historia lib. XX wiederholt citirten Schriftsteller 
über den Kohl und mit dem Ch., dessen Werk „::£ft Xx/ivcov" der Schoiiast zu 
Nicand. Ther. 838 er^'ähnt. 

4. Chrysippus, ein Anhänger des Asklepiades, wird von Cael. AureL 
chron. IV, 8 als Verfasser einer Schrift: „Ueber Eingetceidewiirmer^ erwähnt* 

Helmreich. 
Chuckerbutty , Soorjocoomar Goodeve Ch., zu Calcutta, war von 
Geburt ein Hindu, aus der Brahminen-Kaste, und war der Jüngste von den vier 
Eingeborenen, welche 1845 in das University College zu London aufgenommen 
wurden, um Medicin zu studiren. Er wurde 1849 bei der Londoner Universität 
Doctor, ging zum Christenthum über und nahm als Beinamen den Namen seines 
Leiters, Dr. H. H. Goodeve, des späteren Professors der Anatomie und Geburts- 
hilfe an der Universität zu Calcutta, an. Nachdem er mehrere Jahre in Calcutta 
gewesen, bestand er 1855 in London glänzend das Examen für den Dienst in 
Ost-Indien, wurde darauf Assistant Physician und Physician 4es Hospitals in 
Calcutta und Professor der Materia medica und klinischen Medicin an der dortigen 
Universität, auch Surgeon Major bei der Armee von Bengalen. Er hatte 1863 
einen hervorragenden Antheil an der Errichtung der Bengal Medical Association, 
die der British Medical Association als einer ihrer Zweige affiliirt wurde. 1864 
hielt er einen Vortrag: „The present State of the medical profession in Bengal^ 
(British Med. Journal 1864; Indian Annais of Med. Sc.) und veröffentlichte iu 



CHÜCKERBÜTTY. — CHURCHILL. 23 

der erstgenannten Zeitschrift (1862 — 64) noch eine Reihe von Aufsätzen: „On 
iodide of potassium in the treatment of aneurisni" — „A case of amyloid 
degeneratton" — „Two cases of cyanosis^ — „Cases of typhus fever in 
Calcutta" u. 8 w. , ebenso in den Indian Annais (Nr. XIX, XXIV): „Cases 
ülustrative of the pathology of dysentery" — „On the treatment of tetanus 
by large doses of Indian henip*', auch einen Bericht über das Pocken-Hospital 
zu Chispore u. s. w. Wegen ungünstiger Gesundheit nahm er einen zweijährigen 
Urlaub, kam nach England, befand sieh daselbst auch besser, starb aber am 
29. September 1874 im Alter von nur 48 Jahren. 

British Medical Journal 1874, II, pag. 511. (x. 

Chüden, vier Aerzte in der Altmark und in Hannover. — Johann 
Joachim Ch. war zu Salzwedel am 9. November 1671 geboren, studirte von 
1691 an in Jena und Frankfurt a. 0., wurde 1694 daselbst Licentiat der Medicin, 
machte eine grössere Reise durch Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien und 
wurde darauf Physicus in seiner Vaterstadt. Er starb am 7. Mai 1698 auf einer 
Reise zu Arneburg. In Frankfurt a. 0. hatte er (1694) zwei und in Padua (1695) 
eine Dissertation geschrieben. — Christian Friedrich Ch. war als jüngster 
Bruder des Vorigen am 3. Mai 1686 zu Salzwedel geboren, ging 1706 nach Jena, 
1709 nach Leyden, wo er in demselben Jahre Doctor wurde. Er Hess sich 
in Salzwedel nieder, wurde 1714 Landphysicus der Altmark und verfasste: 
„Methodus nova praeservandi et curandi atrophiam, seu maciem infantum, et 
per consequens morbum sie dictum Anglicum , etc.^ (Salzwedel 1726, 4., in 
vermehrter neuer Auflage als „Neue Methode y das Abnehmen der Kinder, 
welches von denen sogenannten Mitessern entstehet, theils zu verhüten, u. s. w." 
Leipzig und Salzwedel 1733, 4. erschienen). 1735 zog er nach Lüneburg, wo 
er zum Landphysicus und grossbritannisehen Hofmedicus ernannt wurde und am 
7. Deeember 1747 starb. — Sein Sohn, Johann Valentin Ch., 1724 zu 
Salzwedel geboren, wurde 1746 in Göttingen mit der Dissertation „De methodo 
praeservandi el curandi atrophiam infantum" Doctor, ging 1747 nach Lüneburg, 
wo er auch starb. — Wilhelm Ludwig Ch., Bruder des Vorigen, 1733 zu 
Salzwedel geboren, wurde 1756 mit der Dissertation „De signis foetus vivi et 
mortui^ (auch in J. G. Roederer's Opuscula medica, 1763, 4.) Doctor und starb 
1811 als Landphysicus zu Hannover. . 

Andreae, I, pag. 41 ff. G. 

GlmrclLill) James Morss Ch., zu Thames Ditton in Surrey, schrieb: 
„A treatise on acupuncturation : being a description of a surgical Operation 
originally peculiar to the Japanese and Chinese, and by them denominated 
zin-king, etc." (London 1821; deutsche üebersetzung von J. Wagner, Bamberg 
1824; französische üebersetzung von R. Charbonnier, Paris 1825) — „Cases 
tllustratioe of the immediate effects of acupuncturation^ etc.** (London 1828) — 
„Observatians on the diverse treatment of gonorrhoea virulenta , etc." (London 
1822; 2. edit. 1834). Auch beschrieb er „Two cases of fractured claviculo, 
produced by sudden muscular exertion" (Lond. Med. Repository 1822), nebst 
anderen Aufsätzen in demselben Journal. Er gab femer mit JouN Stbphenson 
„Medical botany" (London 1827) heraus. 

Callisen, IV, pag. 165; XXVII, pag. 98. — Index-Catalogne , III, pag 179. 

G. 

GhnrcMll, Fleet wo od Ch., zu Dublin, berühmter Gynäkolog^ war in 
Nottingham 1808 geboren, studirte in Edinburg, wurde 1831 daselbst Doctor, 
ging darauf nach Dublin, um dort Geburtshilfe zu studiren, Hess sich daselbst 
nieder, und erriehtete, um sich der letzteren ganz zuzuwenden, zusammen mit 
Dr. Speedy eine kleine Gebäranstalt, das Western Lying-in Hospital, wohin er 
bald eine Anzahl enthusiastischer Zuhörer zog. Seine ersten Veröffentlichungen 
waren: „Syllabus ofa course oflectures on the theory and practice of midwifery^ 



24 CHURCHILL. 

and on diseases of women and cküdren, delivered in the medico-chiruryical 
school^ (Dublin 1834) — „Notes on some of the disorders of menstruation^ 
(Edinb. Med. and Surg. Journ. I836j — y^Outlines of the jyrincipal diseases 
of females, Chießy for the use of students" (Dublin 1838; Philadelphia 1839; 
6 Auflagen) — „Observations on the diseases mcident to pregnancy and 
chüdbed" (Dublin 1840: Philadelphia 1840) — „Researches on operative midici- 
fery, etc," (Dublin 1841) — »27/e diseases of females: including these of 
pregnancy and childhed^ (Dublin, 4. edit. 1857; 4. Amer. edit. Philad. 1847; 
new edit. by D. Fr. Condie, Philad. 1857; französische Uebersetzungen von 
WiELAND et DüBRiSAY, Paris 1865, 66 und Leblond, Paris 1874); dasjenige 
seiner Werke aber, welches die weiteste Verbreitung gewann, war: „On the theory 
ond practice of midmfery^ (London 1842; 2. Aufl. 1850; Amer. edit. by 
D. Fe. Condie; a new Amer. from the 4. English ed. Philadelphia 1862); ferner: 
,.The diseases of children'' (Dublin 1850; 3. Aufl., 2. Amer. Ausg. Philad. 1856). 
Die meisten dieser Schriften wurden in fremde Sprachen tibersetzt, darunter auch in 
das Chinesische. — 1856 wurde er zum King's Professor der Geburtshilfe bei der 
School of Physic ernannt, eine Stellung, in welcher er bis 1864 verblieb. Wieder- 
holt war er Präsident der Obstetrical Society von Dublin und des King's and 
Queen*s College of Physicians; 1851 erhielt er von der Dubliner Universität den 
Ehrendoctor-Titel. Zu seinen späteren Arbeiten gehört „A manual for miduifes 
and monthly nurses^ (Dublin, 3. Aufl. 1872). Ausserdem eine grosse Zahl von 
Aufsätzen im Dublin Journ. of Med. Sc. und anderen Zeitschriften ; auch übersetzte er 
eine Reihe werthvoller Aufsätze über Puerperalfieber für die Sydenham Society 1841). 
1875 zog er sich aus der Praxis, welche die grösste alif dem Gebiete der Gynäkologie 
in Dublin gewesen war, zurück und starb am 31. Januar 1878 zu Ardtrea Rectory, 
in der Grafschaft Tyrone, bei seinem Schwiegersohne, einem Geistliehen. Er nahm 
juich grosses Interesse an der Medicinal-Reform und war einer der Gründer der 
Dublin Sanitary Association im Jahre 1850, sowie der späteren ähnlichen Ver- 
einigung, und anderer Vereine. 

T. W. Grimshaw in Dublin Journ. of Med. Sc, Vol. 05, 1878, pag. 285. — 
Lancet 1878, I, pag. {^56. — Med. Times and Gaz. 1878, I, pag. 156. g. 

* Churcllill, John Francis Gh., englischer Arzt, der theils in London, 
theils in Paris, theils auf dem Chäteau d'Hargeville (Seine-et-Oise) lebt. Er erwarb 
die Doctorwürde zu Paris 1848 mit der These „Du traitement de la ßevre ou 
ent6ro-m6senth'ite typhoide^ und zu St. Andrews 1857 und ist Arzt des Dispen- 
saire für Schwindsucht und Brustkrankheiten, Rue Larrey zu Paris. Er^ schrieb : 
„On the prevention of consumption by the use of the hypophosphites^ (Paris 
1859) — „De la cause immidiate de la 2>hthine pulmonaire .... et de leur 
traitement spicifique par les hypophosphites^ (2. Aufl. Paris 1864; englische 
üebersetzung New York 1859; 1860; 1861) — „Ob^ervations, w^inoires, . , . , 
sur le traitement des maladies de poitrine par les hypophosphit^s^ (4. 6dit. 
Paris 1873) — „Consumption and the hypophosphites^ (London 1874) — „Con- 
sumption and tuberculosis ; .... specific, treafment by the hypophosphites lipon 
the principles of stoechiological medicine^ (London 1875) — „Recherches sur 
le traitement des 7naladies respiratoires de nnture nontuherculeuse^ — „Essai 
d\ine pathologie et d'une th^rapeutique stoechiohtgiques^ u. s. w. 

Mcdical Directory for 1881, pag. 97. — Index-Catalogue, III, pag. 179. G. 

*Cllurcllill, Frederick Oh., zu London, wurde 1873 zu Edinburg 
Doctor, ist Chirurg des Victoria Hospital for Children, schrieb: „Auscultation of 
the heart^ und übersetzte Liebreich's „Use and abuse of atropine^ . Für die 
St. Thomas' Hospital Reports lieferte er: „St, Thomas'' Hospital Statistical 
report, 1868 — 70^ — „The complications of hernia^ und schrieb noch 
folgende Aufsätze : „On a nev^ mode of arresting haemorrhage by temporär y 
compression^ (Lancet 1865) — „On sutures — the hook and eye suture^ 



CHURCHILL. — CIGNA. 2b 

(Med. Times and Gaz. 1867) — „Mechanical distortions of the spine^ (Brit. 
Med. Journ. 1871). 

Medical Directory for 1881, pag. 97. Cr. 

*Ciacclo, Giuseppe ('., geboren am 15. October 1824 in Catanzaro, 
studirte im nun aufgehobenen C'ollegio-Convitto medico chirurgico von Neapel und 
dann in London, wo er besonders Baker Brown, Spencer Wells und vor Allem 
Beate zu Lehrern hatte, und zuletzt in Berlin unter Virchüw und Kühne. Im 
August 1845 zum Doctor an der neapolitanischen Universität promovirt, ist er 
seit 1870 Professor der comparativen Anatomie und Histologie an der Universität 
Bologna, nachdem er einige Jahre lang als Arzt und Chirurg in Neapel praktieirt 
hatte. Seine wichtigsten Schriften sind : „Delle ejmUdi e loro cura jyei causttci*^ 
(Filiatre Sebezio, Neapel 1857) — „On the nerves of the Cornea^ (mit zwei 
Tafeln, London 1863) — r,On the distribution of the nerves to the shin of the 
frog** (Transactions of the R. Microse. Society, mit 2 Tafeln, London 1864) — 
^Beobachtungen über ^ die Pacini* sehen Körj)erchen aus dem Mesenterium der 
Katze** (Oentralbl. für med. Wissensch. 1864j — „Intorno alla minuta fabbn'ca 
della pelle della rnna esculenta^ (mit 3 Tafeln , gekrönte Preisschrift, Palermo 
1867; — „Anatomia sottile rfe' corjmscoli Pacimci delV uomo, dei mammiferi, 
nccelli ecc.^ (mit 5 Tafeln, Memorie della Academia delle scienze di Forino 1868) — 
Esperienze comparotive intorno nlV azione di alcuni fluid i verlformi e materie 
vaporabüi sopra % movimenti degli spermatozoidi^ (Ibid. 1870) — „Osservazioni 
intorno alV intimn costituzione de corpuscoli della linfa, de corpuscoli bianchi 
fiel sangue, de^ purulenti, mucosi e salivari" (Ebenda 1870) — „Esperienze 
fifiiologiche comparatice intorno alV azione del succo brunniano e delle glandule 
di Lieb erkühn^ (Ebenda 1870) — „Nuove ricerche sulla interna tessltura 
dei tendini^ (Memorie dell' Academia delle scienze di Bologna, 1872) — „Osser- 
razioni intoi-no alla struttura della. congiuntiva umana" (mit 7 Tafeln, Ebenda 
1873) — „Sulla origine e struttura delV umor vitreo ecc."* (Ebenda 1877) — 
„Osservazioni sul modo come terminano i nervi viotorii nei inuacoli delle for- 
jßedini ecc," (mit 6 Tafeln, Memorie etc. 1877) — „Intorno alla struttura della 
cfirtilagine cotri detto cellulare e parenchimatosa*^ (Rendiconto etc. 1878) — 
^ISopra V ossißcazione delC intero umor vitreo delV occhio umano** (mit 2 Tafeln, 
Memorie etc. 1879) — „Notizie sulla forma della fovea centralis che e nella 
iiiacula lutea della retina umana"* (Rendiconto etc. 1H80) — „Sopra il distri" 
huimento e terminazione delle fibre nervee nella comea ecc,^ (Memorie etc. 1881). 
(Die Arbeiten rein zootomischen Inhaltes sind nicht mit aufgeführt; hervor- 
ragende Wichtigkeit haben unter denselben einige über die elektrischen Organe.) 

Cant ani. 

Gicliorilis, Ludwig Emil C, Professor der Anatomie an der Universität 
zu Dorpat, wurde zu Leipzig am 4. April 1770 geboren, studirte ebendaselbst 
und wurde Magister der Philosophie und Baccalaureus der Medicin. Im Jahre 
1803 kam er als Hauslehrer nach Eisektill in Livland und von hier 1804 als 
Prosector und ausserordentlicher Professor an die neugegrtindete Universität nach 
Dorpat. Nach der Berufung Burdach's von Dorpat nach Königsberg rückte 0. 
in die Stelle Burdach's als Professor der Anatomie und Physiologie ein am 
22. April 1814. Wegen Krankheit und wegen seines vorgerückten Alters gab er 
am 20. September 1827 seine Stellung auf und starb am 15. 27. März 1821) 
in Dorpat. C. war ein äusserst eifriger Lehrer, sonst ein Sonderling. — Schrift- 
fttellerisch thätig war C. nur in der Zeitperiode vor seiner akademischen Thätig- 
keit, jedoch nicht auf medicinischem Gebiet. 

Recke-Napiersky, I. Bd., pag. 349. — Beise Nachträge, pag. 131. 

L. Stieda. 

Cigna, GiovanniFrancescoC, zu Mondovi am 2. Juli 1734 geboren, 
Htarb 1790 zu Turin. Durch die These „StdV uso delV eleUricita neMa medi- 
cina e sulla irritabilith Halleriana** (Turin 1757) lenkte C. die Aufmerksamkeit 



26 CIGNA. — CIRILLO. 

in hohem Grade auf sich. 1770 wurde er Professor der Anatomie in Turin und 
publieirte in dieser Stellung eine Reihe von Dissertationen über Magnetismus und 
Elektricität, über das Blut, die elektrischen Bewegungen, über Verdunstungskälte, 
das Auslöschen der Flammen und den Tod, über die Athmung etc. in den Samm- 
lungen der Turiner Akademie. Eine Abhandlung: „Sulla castrazione dei polU etc.** 
findet sich in den „Atti publ. a Verona", ein Brief: „Sopra un fenomeno prodotto 

dal franamento** in Rottler's „Giomale di fisica". rr^^ ^ ^ ^ 

^ " Uffreducci. — Red. 

Cilano, Georg Christ. C, zu Altona, war am 28. Deeember 1696 zu 
Pressburg geboren, Hess sich nach Beendigung seiner medicinischen Studien in 
Altona nieder und beschäftigte sich neben der Medicin auch mit archäologischen 
Forschungen. Abgesehen von seinen Arbeiten auf diesem Felde schrieb er: „De 
correptelis artem medicam hodie depravantibus^ (Altona 1739, 4.) — „De 
incrementis anatomiae^ (1740, 4.) — „De giganttbus nova disquisitto historica 
et critica** (1756, 4.) — „De motu humorum progressivo, veteribus iion ignoto** 
(1762, 4.). Er erhielt den Titel eines köuigl. dänischen Justizrathes und starb am 
17. Juli 1773. 

Dechambre, XVII, pag. 264. G. 

Cinelli-Calvoli, Jean C, italienischer Arzt und Gelehrter, geboren 1625 
in Florenz, studirte in Pisa unter Toricelli, wurde Dr. der Philosophie und 
Medicin und kehrte 1651 nach Florenz zurück, wo er sich weniger dem ärztlichen 
Berufe als dem Studium der schönen Wissenschaften hingab. C. ist insbesondere 
bekannt geworden durch die Herausgabe der sogenannten Bibliotheca volante, 
deren erste Seanzia 1677 erschien. Er starb 1706. ünger. 

Gimselli, Luigi 0., geboren in Pavia 1803, studirte in Pavia als 
Schüler Porta's, war Director des Krankenhauses in (?odagno^ später chirurgischer 
Primararzt und zuletzt sanitärer Chef des Krankenhauses in Cremona, wo er am 
17. October 1878 starb. In den Kriegsjahren 1848 und 1859 dirigirte er Militär- 
spitäler. Er beschäftigte sich immer vorwaltend mit Chirurgie und besonders 
mit der therapeutischen Anwendung der Elektricität in derselben. Im Jahre 1856 
sehrieb er sein Werk: „SulV elettropuntura nella cura degli aneurüiyii^ und 
entdeckte bei seinen weiteren Studien die chemische Wirkung des elektrischen 
Stromes auf die Gewebe. Im Jahre 1860 demonstrirte er in der Pariser chirur- 
gischen Gesellschaft seine Entdeckung, im Jahre 1862 veröffentlichte er seine 
Schrift: „DelV aziane chimica della corrente elettrica sopra i tesmiti organici 
viventi e delle sue applicazioni alla terapetdica** y welcher die anderen: „SulV 
elettrolisi considerata negli esaeri orgamzzati e nelli applicazioni terapeutiche 
delle correnti galvaniche** (1874) und „Sulla elettrolisi applicata alla cura di 
turaori di varia itidole** (1875) folgten, in welchen er sein System der Elektro- 
punctur der Aneurysmen vervollkommnete und die Art und Weise, die aus der 
Bildung des Schorfes im Punkt der Nadeleinstechung entstehenden Gefahren zu 
vermeiden, auseinandersetzte. Er hatte sich eben vom Hospitaldienst zurückgezogen 
und war mit der Herausgabe eines grösseren Werkes über Elektrolyse beschäftigt, 
als ihn der Tod überraschte. Als* glücklicher Operateur, namentlich in den sub- 
periostalen Operationen hatte er sich grossen Ruf erworben und war ein warmer Ver- 
fechter der Trepanation des Schädels bei Traumen, die von Lähmung gefolgt waren. 

Cantani. 

Cirillo, Nicolo C, italienischer Arzt und Physiker, geboren 1671? 
gestorben 1734 in Neapel und daselbst Professor der Physik, ist der Verfasser mehrerer 
physikalischer und medicinisch-therapeutischer Abhandlungen, u. A. : „Dissertation 
sur Vusage de Veau froide dans les ßHres** (Transact. philosoph., 36. Bd.). 

Unger. 

Cirillo, D m e n i c C, aus der gleichen Familie wie der Vorhergehende 
stammend, geboren in Grugno bei Neapel 1734, studirte Medicin und Natur- 



CmiLLO. — CIVIALE. 27 

Wissenschaften und erhielt schon in sehr jungen Jahren den Lehrstuhl der Botanik 
in Neapel. — Nach einem mehrjährigen Aufenthalte in England und Frankreich, 
wo er in nähere Verbindung mit Hunter, Buffon, d'Alembert und Diderot 
trat, kehrte er nach Neapel zurück, wurde hier Professor der praktischen, später 
der theoretischen Medicin. Während der politischen Wirren des Jahres 1799 wurde 
C, der als Philanthrop im besten Sinne des Wortes sich allgemeiner Verehrung 
in seiner Vaterstadt erfreute, mit Acclamation zum Präsidenten der neapolitanischen 
Republik gewählt, musste nach der noch im nämlichen Jahre erfolgten Rtlckkehr 
Ferdinand 's nach Neapel flüchten, wurde gefangen und trotz der Fürbitten 
Nelson's und Hamilton's hingerichtet. — Neben seinen botanischen Schriften 
haben seine syphilidologischen , die den besseren seiner Zeit beizuzählen sind, 
Interesse: „Aviso intonio alla vianiera di adoperare Vunguento di sublimato 
corrosivo, nella cura delle malattie veneree" (Neapel 1780, 8.; deutsch in 
Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte. Leipzig 
1783, VIII, pag. 526 — 551; französisch im Journal de m6d., chir., pharm, etc., 
Paris 1783, LIX, pag. 506 — 526) — „Osservazioni pratiche irUorno alla lue 
veneree'' (Neapel 1783, 8., pag. 288; deutsch von J. G. Dähne, Leipzig 1790, 
8., pp. XIV, 450 und Wien 1791, 8., pp, XVI, 495; französisch von E. Auber, 
Paris 1803, 8.). Die Bemerkungen über viscerale Syphilis stützt C. (in diesem 
Abschnitt der Syphilisforschung überaus selten) auf Leichenbefunde. 

Unger. — J. K. Proksch. 

Gitois (CiTESius) Frangoifi C, zu Poitiers, war daselbst 1572 geboren, 
wurde 1596 zu Montpellier Doctor, kam, nachdem er einige Zeit in seiner Vater- 
stadt prakticirt, nach Paris, wo er sich der Gunst des Cardinais Richelieu, 
dessen Arzt er wurde, zu erfreuen hatte. Er beschrieb die Geschichte eines Mädchens 
zu Confolent in Poitou, welches angeblich zwei Jahre lang keine Speisen zu sich 
genommen hatte und fügte dazu andere ihm bekannt gewordene Fälle, namentlich 
den von JoüBERT in der Schrift: „Abstinens Gonfolentanea , cid obiter adnexa 
eist pro Jouberto apologia^ (Poitiers 1602; Bern 1604) und vertheidigte sich 
gegen die Angriffe von Harvet in Orleans, der die ganze Angelegenheit für 
Betrügerei erklärte, in der Schrift: „Abstinentia puellae Confolentaneae ab 
Israelis Harveti confutatione vindicata" (Genf 1602; englische Ueber- 
setznng 1603). Verdient aber machte er sich um die Beschreibung der Kolik von 
Poitou durch die auf eigene Erfahrung und die seiner CoUegen basirte Schrift: 
„De novo et populari apud Pictones dolore colico bilioso , diatriba" (Poitiers 
1616) und schrieb noch einen „Advis sur la nature de la peste^ (Paris 1623). 
Diese Schriften sind vereinigt in seinen „Opuscula medica" (Paris 1639, 4.). 
Gegen das Ende seines Lebens kehrte er nach Poitiers zurück und starb daselbst 
als Decan der dortigen medicinischen Facultät im Jahre 1652. 

Dreux du Radier, T. IV. — Dict. hist. I, pag. 819. G. 

Civlale, Jean C, zu Paris, war im Juli 1792 zu Salilhes bei Aurillac 
(Cantal) geboren, wurde während seiner Studienzeit in Paris durch eine Vorlesung 
von Marjolin, in welcher von den durch Gruithüisen 1813 in München gemachten 
Versuchen, den Stein in der Blase zu zertrümmern, die Rede war, darauf geführt, 
in dieser Richtung weiter zu arbeiten, und nachdem er zuerst vergebliche Versuche 
gemacht hatte, den Stein in der Blase durch chemische Mittel aufzulösen, gelang 
ihm die Erfüllung der Aufgabe, denselben auf unblutige Weise in der Blase so 
zu zerkleinem, dass er in Fragmenten auf dem natürlichen Wege entleert werden 
kann, einer Aufgabe, mit der sich gleichzeitig auch Andere wie Foürxieb de Lkmpies, 
Amcssat, Leroy d'£tiolles, Hburteloup beschäftigten, insofern, dass, nachdem 
er 1820 Doctor geworden uud 1823 eine Schrift „Nouvelles considerations sur 
la rdtention d^urine siiivies d'un traiti sur les calculs urinaires, sur la maniere 
d'en connaUre la nature dans Vintdrieur de la vessie, et la possibilite d!en 
op^rer la destruction sans P Operation de la taille*^ geschrieben, er der Erste 



28 CIVIALE. — CLANXY. 

war, der die Operatiou am lebenden Menschen, am 13. Januar 1824, vor einer 
Coramission der Akademie der Wissenschaften und einer grossen Zahl von Pariser 
Chirurgen ausführte. In Folge des von Chaüssier und Percy erstatteten günstigen 
Berichtes erhielt er 1826 von der Akademie einen Preis von 6000 Franken und 

1827 den Mo nthyon- Preis von 10.000 Franken zuerkannt. Seit dieser Zeit 
beschäftigte er sich ausschliesslich mit dieser Operation und der Verbesserung der 
dazu erforderliehen Instrumente. Bezüglich der letzteren ist zu bemerken, dass, 
nachdem er bei seinen ersten Operationen und eine Anzahl von Jahren später 
das sehr umfangreiche und schwer zu handhabende dreiarmige Instrument , mit 
welchem das Zerbohren des Steines ausgeführt wird, benutzt hatte, er später zur 
Anwendung der zweiannigen, noch jetzt gebräuchlichen Instrumente flbei'ging. Die 
Schriften, die über das neue Verfahren in schneller Aufeinanderfolge erschienen, 
waren: „Sur la Uthotritie ou broiement de la pierre dans la vess-ie^ (Paris 1826; 
deutsche Uebers. von En. Ad. Graefe, Berlin 1827) — „De la Uthotritie etc.'' 
(Paris 1827, av. 5 pl. ; deutsche Uebers. von 0. J. W. P. Remer, Breslau 1827) — 
„Lettre a M, le chev. Vtnc. de Kern etc," (1827 ; deutsche Uebers. Berlin 1828) 
„Seconde lettre sur la Uthotritie*^ (1828 und noch vier weitere unter demselben 
Titel bis 1848) — „Note sur le catarrhe vtsical chez les vieillards^ (1829). 
Von Wichtigkeit für die Verbreitung der Kenntniss der Operation war es, dass 

1828 für ihn im Hop. Necker eine Special- Abtheilung für Steinkranke gegründet 
wurde, welcher C. bis zu seinem Tode vorstand und zu deren weiterer Aufrecht- 
erhaltuug er testamentarisch 30.000 Franken vermachte. In dieser Hospital- 
Abtheilung war Gelegenheit gegeben, seine unvergleichliche G3schicklichkeit bei 
der Operation zu bewundern, obgleich sein sonstiges Lehrtalent ein sehr geringes 
war. Auch wird behauptet , dass die später unter seinem Namen erschienenen, 
von den Krankheiten der Harnorgane handelnden zahlreichen Schriften grösstentheils 
von Anderen verfasst seien. Hierher gehören: „Parallele des dicers moyeiis de 
traiter les calculeux etc." (1836; deutsehe Uebers. vouEd. Ad. Graefe, Berlin 1837) 
— „Trait4 'pratique sur les maladies des organes gSnito-urinoires" (3 voll. 
Paris 1837 — 42; 3. Aufl. 1858 — 60; deutsche Uebers. von SiOM. Frankenberg 
und Sanson Landmann, 3 Thle., Leipzig 1843, 44) — „Traitd de Vaffection 
cahideuse, etc." (1838, 5 Tafeln) — „Du traitement m4dical et prSservatif 
de la pierre et de la gravelle, etc" (1840; deutsche Uebers. von L. Hollstein, 
Berlin 1840; engl. Uebers. von Henry H. Smith, Philadelphia 1841) — „Traitd 
pratique et historique de la Uthotritie" (1847) — „De l' uritkrotmnie etc." 
(1849, av. 1 pl.). — Die zahlreichen und langwierigen Streitigkeiten, in welche 
er theils mit anderen coucurrirenden Specialisten, theils mit den berühmtesten Chirurgen 
seiner Zeit, wie Dupuytren, Jübert, Velpeau, verwickelt wurde, und die erfüllt 
sind von Anklagen, Invectiven, boshaften Insinuationen und sich sogar noch in einer der 
zwei nach seinem Tode erschienenen Schriften: „Collections de calculs urinaires 
et d'instruvients de Chirurgie" (1869) — „La Uthotritie et la taille , guide 
pratique pour le traitement de la pierre, Mite par le Dr, G uardia** (1870, 
av. figg.) finden, trugen nicht eben dazu bei, seinen Ruhm zu vermehren; jedoch 
darf man nicht übersehen, dass jene Streitigkeiten überhaupt in sehr erbitterter 
Weise geführt wurden, und er andererseits in Folge seines Weltrufes eine ganz 
enonue Menge von Steinkranken von ihren Leiden befreit , dabei aber auch 
Millionen erworben hat. Er starb am 18. Juni 1867. 

Gaz. hebdomad. de med. et de chir. 1867, pag:. 432. — Dechambre, XVH, pag. 617. 

Gurlt. 

Glanny, William Reid ('. , zu Sunderland, war um 1780 in Irland 
geboren, wurde 1803 zu Edinburg Doctor, liess sich dann im obigen Orte nieder, 
wo er 45 Jahre lang Arzt der Bishop Wearmouth Infimiary war. Er gab 1807 
eine Analyse der Mineralwässer von Batterley bei Durham heraus, erfand 1813 
eine Sicherheitslampe für Bergwerke (Philosoi)h. Transactions 1813), gab eine Methode 
für die Conservirung der Pockenlymphe an f Annais of Philos. 1814) und verfasste 



CLANNY. — CLARK. 29 

ausser einer Anzahl von Aufsätzen in dem letztgenannten Journal,, sowie im Edinb. 
Med. and Surg. Journal, der Lancet und Lond. Med. Gazette einige kleine Schrifteu 
Aber den Typhus (1828), die Cholera (1832, 33). Sein arbeitsreiches Leben 
endete am 10. Februar 1850. 

Dechanibre, XVII, pag. 650. -- Oallisen, IV, pag. 175; XXVII, pag. 101. G. 

Glapies, Charles C, französischer Arzt, geboren in Alais 1724, gestorben 
daselbst 1801 als praktischer Arzt, übersetzte das sonderbare Buch: „Mulieres 
homines non esse^ und gab es heraus unter dem Titel „Paradoxes sur les femmes, 
oh Von tacke de prouver, qvJelles ne sont pas de Vesp^ce humaine^ (1766). 

Claraonontius (Claromontiüs), s. Clermont. '^s- 

Glare, Peter C, englischer Chirurg, der, 1784 gestorben, eine massige 
R^ihe chirurgischer Publicationen über Syphiliscur (London 1780), Tripperbehandlung 
und Behandlung der Wunden hinterliess. Der „Treatise on the gonorrhoea^ 
erfuhr mehrfache Auflagen (London 3. Ausg. 1780, 1784, posthum 1789). Auch 
der „Essay on the eure of abscesses by cauattc^ wurde dreimal (London 1778, 
1779, 1799) aufgelegt. 

Dict. bist. II. Red. 

Clark, John C. , zu Newcastle, war 1744 zu Roxburgh in Schottland 
geboren, wurde 1768 Assistant Surgeon im Dienste der ostindischen Compagnie 
und liess es sich angelegen sein, Studien über Krankheiten in den Tropen anzu- 
stellen, die unter dem Titel „Observations on the diseases which prevail in long 
coyages to the lot countries y particularly on those in the East Indies; etc,^ 
(2 voll. London 1773; 1793; 3. Aufl. 1809; deutsche Uebers. Kopenhagen und 
Leipzig 1798) erschienen. Nach Kuropa zurückgekehrt, wurde er in St. Andrews 
Doctor und liefs sich zuerst in Kelfs, dann, um 1775, in Newcastle nieder, wo 
er wiederum die Volkskrankheiten näher zu erforschen begann und sich gleichzeitig 
um die Einführung von Verbcsserungen in der Newcastle Infiimary verdient machte. 
Er schrieb daselbst: „Observations on fever s^ especially those of the continued 
type; and on the fcarlet fever attended wtth vlcerated sore-tkroat, etc.^ 
(London 1782) — „Letter on the inßuenza, as it appeared in Newcastle, etc,*^ 
(1783) — „An account of the plan for the improvement and extentton of the 
Inßrmary of Ntwcastle** (Newcastle 1801) — „A collectton of papers intended 
to promote an Institution for the eure and prevention of infectious fevers in 
Newcastle etc. Part. 7, II** (Newcastle 1802) und eifiige Aufsätze in den Medical 
Commentaries. Er starb am 15. April 1805 zu Bath, wo er Linderung seiner 
Leiden gesucht hatte. 

Fenwick, Sketch of the life, professional life and character of . . . . London 1806 
(nicht zugänglich). — Dechambre, XVII, pag. 655. G. 

Glark, James C, zu San Domingo, war Dr. med., Mitglied der Royal 
Society und der Colleges of Physicians zu London und Edinburg. Er schrieb ; 
„A treatise on the yellow fever, as it appeared in the island of Dominica in 
the years 1793— 96 ; etc.*' (London 1797) und eine Anzahl von Aufsätzen in 
Düncan's Med. Comment. (VoL 13, 14, 16, 1788—91) und in Simmons' Med. 
Facta and Observ. (1797), darunter über eine besondere Art von Aneurysma der 
Art. femoralis, über Hepatitis und 13 Fälle von Leberabscess , über die giftigen 
Eigenschaften der Wurzel von Jatropha manihot und die Wirksamkeit des Cayenne- 
pfeffers gegen diese und andere Vergiftungen, u. s. w. 

Callisen, IV, pag. 178; XXVII, pag. 102. . G, 

Clark, Sir James C, zu London, war am 14. December 1788 zu 
Findlater, Co. Banff, geboren, studirte in Aberdeen und Eldinburg, woselbst er 
1 809 Mitglied des College of Surgeons wurde, trat dann in den Dienst der Flotte, 
in dem er bis 1815 verblieb,, iim dann in Edinburg seine Studien fortzusetzen und 



30 CLARK. — CLARKE. 

1817 daselbst zu promoviren. 1818 begleitete er einen Patienten nach Süd-Europa 
und begann von da seine besondere Aufmerksamkeit dem Einflüsse, welchen ein 
milderes Klima auf Schwindsüchtige ausübt, zuzuwenden, indem er sich gleichzeitig 
1819 in Rom als Arzt niederliess. lieber die von ihm in jener Beziehung gemachten 
Erfahrungen schrieb er „Medical notes on cliinates, diseases, hospitals, and 
medical schooh in France, Italy and Switzerland ; etc,^ (London 1820; Neue 
Ausgabe 1822; deutsch von Chr. Aug. Fischer, Hamm 1826) und gab einige 
italienisch geschriebene, an den Prof. Gtac. Tommasixi gerichtete Briefe über die 
medicinische Schule von Edinburg und über die englische medicinische Literatur 
(1822, 23) heraus. In Rom wurde er mit dem Prinzen Leopold von Coburg, 
dem späteren Könige der Belgier, bekannt, der ihn zu seinem Leibarzte ernannte. 
1826 siedelte er nach London über imd verfasste daselbst „Obfiervations on the 
System of teaching clmical medicine in the University of Edinburgh ; toüh 
suggestions for tts improvement ; etc,^ (London 1827), sowie sein bedeutendstes 
Werk „ The inßuence of climate in the prevention and eure of chronic diseases, 
more particularly of the ehest and digestive organs ; etc," (London 1829; 
2. Aufl. 1830; deutsche Hebers. Weimar 1830, Nachtrag 1831), durch welches 
sein Ruf und sein Ansehen erheblich gewannen, zumal er durch seinen früheren 
Aufenthalt in Canada, Nord-Amerika, West-Indien in seiner Eigenschaft als Mariue- 
arzt und durch seine Bekanntschaft mit den meisten Mineralquellen, für die er 
sich stets besonders intereasirt hatte, alle seine Collegen an Erfahrung in Betreft' 
von Bade- und klimatischen Curen weit überragte. Vermehrt wurde sein Ansehen 
noch durch die Schrift ,jA treatise on pulmonary consumption; comprehending 
an inquiry into the causes, nature , prevention, and treatment of tuhcrculous 
and scrofulous dis^ses in general" (London 1835; 1837; deutsche üeber- 
setzungen von Are. Vetter, Leipzig 1836 und Herm. Stannius, Berlin 1836; 
französische Uebers. Bruxelles 1836), sowie dadurch, dass er 1835 zum Leibarzte 
der Herzogin von Kent und 1837, bei der Thronbesteigung der Königin Victoria, 
zu deren erstem Leibarzte und zum Baronet ernannt wurde. Der Einfluss, den er 
bei Hofe gewann, kam der Errichtung der medicinischen Section der Londoner Uni- 
versität und des College of Chemistry zu Gute. Er verfasste noch „Remarhs on 
medical rejorm, in a letter , , , to , , , Sir Ja in es Graham^ (1842; Zweiter 
Brief 1843) und „Memoir of John Conolly, M, D., comprising a sketch 
of the treatment of the insane in Europe and Amei'ica^ (1869), sowie mehrere 
Artikel in FOBBES, Tweedie und Conolly's Encyclopaedia und starb hochgeehrt 
am 29. Juni 1870 zu Bagshot-Park , einer Besitzung, welche die Königin ihm 
Lebenslang überlassen hatte. 

Munk, m, pag. 222. — Callisen, IV, pag. 179; XXVII, pag. 1()2. Cf. 

* Clark, Frederick le Gros C, z. Z. in The Thoms, Sevenoaks (Kent) 
lebend, beendete seine medicinische Ausbildung 1833 und wurde F. R. C. S. Engl. 
(Hon.) 1843. Er wirkte an der Londoner Universität als Hunterian Prof. of 8urg. 
and Path., als consultirender Chirurg des St. Thomas, Gt. North- und Sourrey Co.- 
Hospitals und zog bereis 1836 mit einer „Anatomy and phy»iology of the nervous 
System^ die Aufmerksamkeit auf sich. Später übersetzte er Dupdytren's Knochen- 
liankheiten , welche durch die Sydenham society 1847 herausgegeben wurden, 
gab die Verletzungen des Gefässsystems (1855) heraus und trat erst nach geraumer 
Zeit wieder mit einem grösseren Werke „Lectures on the diagnosis of shocic 
and visceral lesions^ (1870) hervor. Spätere Arbeiten sind: „Outlines of surgery 
and surgical pathology" (2. Ausg. 1872) — „Plastic Operations on the Urethra^ 
(Med.-chir. Transact. XXVIII) — „Series of clinical lectures on surgery^ (Med. 
times and gaz. 1860 — 1864), vieles Casuistische und einige populäre Schriften. 

Red. 

Clarke, Vater und Sohn, beide Geburtshelfer in London. — John 1 C, 
der Vater, war Physician am General Lying-in Hospital, Store Street und am 



CLARKE Hl 

Asylani for Female Orphans. Er schrieb ^An essay on the epidemic diaease 
of lytrig-in namefi of the years 1787 and 1788^ (London 1788, 4; deutsche 
Uebersetzung von G. W. Coksbruch, Marburg 1792) — „Practical essays on 
the management of pregnnncy and lahours ; and on inflammatory and febrile 
diseases of lying-tn women** (1793); ausserdem mehrere Aufsätze im Lond. Med. 
Journ. (Vol. 7,8), den Transact. of Med. and Chir. Soe. (1793), Philosopjücal 
Transact. (1793, 98) über Entbindung mittelst des Hakens bei Beckenenge, über 
Tod des Kindes durch Compression der Nabelschnur, über Tubarschwangerschaft, 
Hemia diaphragmatica, einen Tumor in der Bubstanz der Placenta u. s. w. 

Reu 88, pag. 79; Supplement pag. 207. G. 

Glarke, John 2 C. , der Sohn, war Surgeon des General Lying-in House 
und Docent der Geburtshilfe und gab heraus: „Gommentaries of some of the 
niost important diseases of children" (London 1815; 2. Ausg. 1821) und schrieb 
in den Med. Transact. of the College of Physicians (1815) u. s. w. 

Callisen, IV, pag. 188; XXVII, pag. 105. G. 

Glarke, Sir Charles M aus fiel d C, zu London, war daselbst als Sohn 
von John 1 C. am 28. Mai 1782 geboren, wurde ein Zögling des St. George's 
Hospital und der Hunterian School und war ein Schüler seines älteren Bruders 
John 2 C, des sehr gesuchten Geburtshelfers. Nach Beendigung seiner Studien 
wurde er Militär-Chirurg, anfänglich bei der Miliz, dann bei einem Garde-Regiment, 
gab jedoch auf Antrieb seines Bruders diese Stellung wieder auf, um sich gauz 
der Geburtshilfe, den Frauen- und Kinderkrankheiten zu widmen, über welche er 
von 1804 — 21 Vorlesungen hielt, während er gleichzeitig Chirurg beim Queen 
Charlotte's Lying-in Hospital war und die folgende, mehrere AuÄgen erlebende Schrift 
„Observations on those diseases of females which are attended by discharges^ 
(2 Bde., London 1814; spätere Auflagen 1821, 1826; Philadelphia 1824; .2. Aufl. 
Boston 1826; deutsche Uebers. von Ph. Heineken, Hannover 1818) verfasste, 
nebst einem Aufsatze: ^jA case of sudden death during parturition, etc." 
(Transact. of a Soc. for the Improv. of Med. and Chir. KnowL, Bd. 3). Er 
erlangte in verhältnissmässig jungen Jahren eine sehr bedeutende geburtshilfliche 
Praxis, wurde bei der Thronbesteigung des Königs Wilhelm IV. zum Leibarzt 
der Königin Adelaide und 1831 zum Baronet ernannt, von den Universitäten 
Oxford und Cambridge durch Verleihung von Titeln (1842, 1845) geehrt, und war 
Präsident der Society for the Relief of the Widows and Orphans of Medical Man, 
ftr die er sich bis zu seinem am 7. September 1857 zu Brighton erfolgten Tode 
lebhaft interessirte. 

Lancet. 1857, II, pag. 281 — Calliaen, IV, pag 184; XXVII, pag. 105. 

G. 

Glarke, Edward Goodman C, zu London, war Dr. med., Physician 

to the Forces. Er schrieb: „Medicinae praxeos compendium, symptomata, 

exhibens" (London 1799; 2. edit. 1800) — „The modern practice of physic" 
(London 1805; 2. edit. 1807; 7. edit. u. d. T. : „The new London practice 
of physic**) — „Pharmacopoeiarum Collegiorum Regalium Londini, Edinburgi 
et Ebtanae, conspectas medictis, etc", auch englisch: „Conspectus of the Londan^ 
Edinhurgh and Dublin pharmacopoeias^ (London 1810). 

Callisen. IV, pag. 185; XXVII, pag. 105. G. 

Glarke, Joseph C, zu Dublin, war 1758 geboren, wurde 1779 zu 
Edinbnrg Doctor, war in Dublin Master des Lying-in Hospital, hat, so viel bekannt, 
keine selbständigen Schriften verfasst, aber eine Reihe von Aufsätzen, z. B. „ Ob- 
servation^ on some causes of excess of the mortality of males above ihat of 
females** (Philos. Transact. 1786), femer in den Transact. of the Irish Acad. 
(1788, 89), in Simmons' Med. Facts and Observations (1792 etc.), Düncan*s Med. 
Comment. (1790) aber Frauenmilch, über eine Krankheit mit grosser Sterblichkeit 



32 CLABKE — CLäRUS. 

unter den Kindern im Diibliner Gebärhause, über Puerperalfieber daselbst, Con- 
vulsionen der Kinder, Bericht über das Gebärhaus (Tranaaet. of the Assoo. of the 
King and Queen's College of Physicians in Ireland 1817) und „Case of amputation 
of the merus'' (Edinb. Med. and Surg. Journ. 1806). Er starb 1834. 

R. Co 11 ins, A short sketch of the life and writings of the late Jos. Clark <3 
London 1849 (nicht zugänglich). — Callisen, IV, pag. 188; XXVII, pag. 105. • g. 

Clarke, Jacob Augustus Lockhart C, zu London, war 1817 
geboren, wurde ein Zögling des Guy 's und St. Thomas' Hospitals, Hess sich dann 
als Arzt in Pimlico nieder und begann sich gleichzeitig mit physiologisch-histo- 
logischen Arbeiten , namentlich über das Central - Nervensystem , zu beschäftigen, 
während er von Neuem im St. George's Hospital Studien oblag. In Anerkennung 
seiner werthvoUen Untersuchungen über das Nervensystem wurde ihm 1864 von 
der Royal Society die goldene Medaille verliehen und er 1867 zum Honorary 
Fellow des King and Queen's College of Physicians, Ireland, ernannt. 1871 wurde 
er Physician des Hospital for Epilepsy and Paralysis, eine Stellung, die er bis zu 
seinem Tode einnahm. Seine sehr zahlreichen und vortrefflichen Arbeiten finden 
sich grösstentheils in den Philosophical Transactions (1851, 53, 58, 59, 60, 65, 68), 
ferner in den Proceedings of the Royal Society (1857, 61), im Microscopical Journal, 
Brit. and For. Med.-Chir. Review (1864 etc.) u. s. w. und betrefi^en namentlich 
die Structur und Function des Rückenmarkes, der Medulla oblongata, des Ge- 
hirns, der Nerven u. s. w., während seine späteren Arbeiten sich auch mit patho- 
logischen Zuständen dieser Organe, bei Muskelatrophie, Epilepsie, Diabetes, Tetanus, 
Paraplegien u. s. w. beschäftigen und in den Medico-Chirurg., Patholog., Clinical 
Transactions, den St. George's Hosp. Rep. u. s. w. veröffentlicht sind. Er starb 
am 25. Januar 1880. 

Med. Times and Gaz. 1880, I, pag. 138. — Lancet, 1880, I, pag. 189. — Cata- 
logue of Scientific Papers, Vol. I, pag. 936; VII, pag 395. (}, 

GlarkBi Edward Hammond C, zu Boston, war zu Norton, Mass., am 

2. Februar 1820 geboren, wurde 1846 zu Philadelphia Doctor, 1855 Professor 
der Materia medica bei der mcdicinischen Schule der Harvard University, welchen 
Lehrstuhl er bis 1872 beibehielt, wo er zum Mitgliede des Board of Overseers der 
Universität erwählt ^Tirde. Er publicirte „Observations on the nature and treat- 
ment of polypus of the ear^ (Boston 1867) — zusammen mit Rob. Amoey: „The 
physiological and therapetUtcal action of the bromtde of potasstum and bromide 
of ammonium" CBoston 1872; 1874) — „Sex in education; or a fair chance 
for girls" (1873; 2. Aufl. 1875) — „The building of the brain"" (1874) — 
„Ä Century of American medicine^ (1876). Nach seinem am 30. November 
1877 erfolgten Tode erschien noch von 0. W. Holmes herausgegeben: j^ Vision: 
a study of false sight (pseudopiaj. etc." (Boston 1878). 

H. A. Marcy, in Transact. of the Americ. Medic. Association, Vol. 29, 1878, 
pag. 624. G. 

* Clarke, William Fairlie C, zu Southborough (Tunbridge Wells), 
studirte um 1860, wurde F. R. C. S. Engl. 1863, nachdem er seine ärztliche Aus- 
bildung besonders am Oxford und Klng's College erlangt hatte und Dr. med. der 
Oxforder Universität 1876. Frtiher Assistant Surgeon am Charingcross-Hospital, 
veröflfentlichte er neben einem „Manual of the practice of surgery*^ (welches in 

3. Auflage erschien) eine Monographie über Krankheiten der Zunge, dazu auch 
später noch Casuistisches (Med. chir. transact. 1872, resp. 1874); sowie „On -some 
rare foritis of opacity of the Cornea" (Brit. med. Joom. JL870). Red. 

Glarus, Johann Christian August C, geboren 1774 zu Buch am 
Forst (Coburg), erwarb sich 1798 zu Leipzig die medicinische Doctorwtirde, 
habilitirte sieh 1799 als Docent, wurde 1803 zum ausserordentlichen Professor für 
Anatomie und Chirurgie, 1820 aber zum ordentlichen Professor der mcdicinischen 



CLARÜS. - CLAUDER. 33 

Klinik und Oberarzt am Jacobs-Hospitale daselbst ernannt, in welcher Stellung 
er bis zum Jahre 1848, wo er resignirte, verblieb. Ausserdem hat er lange Jahre 
hindurch die Stelle eines Physicus der Stadt Leipzig verwaltet. Er starb, in den 
letzten Jahren seines Lebens durch Katarakt fast ganz erblindet, am 13. Juli 1864. 
C/s literarische Leistungen besitzen keinen höheren wissenschaftlichen Werth. Als 
Arzt war dagegen C. lange Zeit hindurch in weiten Kreisen ausserordentlich 
geschätzt ; als akademischer Lehrer wirkte er durch die Klarkeit seines Vortrages, 
durch die — für die damalige Zeit ausserordentliche — Rationalität seiner patho- 
logischen und therapeutischen Lehrsätze, sowie die Exactheit seiner Untersuchungs- 
methode höchst anregend. 

Ein vollständiges Yerzeichuiss der literarischen Publicationen C.'s findet sich in 
Callisen's med. Sclirift«teUer-Lexikon. IV, pag. 192; XXVII, pag. 105 nnd in Enge l- 
mann's Bibl. med. chir. 1848, pag. 114. Winter. 

Glams, Hermann Julius C. , geboren am 9. März 1819 zu Leipzig, 
jüngster Sohn des Vorigen, studirte zu Leipzig und Heidelberg und erwarb sich 
1841 die Doctorwürde. C. war Repetent an der Klinik seines Vaters, habilitirte 
sich 1844 als Docent ftir allgemeine Pathologie und Therapie, sowie für Arznei- 
mittellehre an der Universität zu Leipzig und wurde 1848 zum ausserordentlichen 
Professor der Medicin ernannt. Er starb am 6. Mai 1863 nach langem Leiden an 
den Folgen einer Pericarditis. C.'s literarische Leistungen betreffen namentlich das 
Gebiet der Arzneimittellehre, auf welchem er sich durch mehrfache Experimental- 
üntersuchungen über Pfianzenstoffe (Dulcamara, Solanin, Anemonin), die in den 
Jahren 1854 und 1858 in Reil's Joum. für Pharmakologie und in der Zeitschr. 
der Wiener Aerzte erschienen sind, durch sorgfältige Jahresberichte (Cannstatt- 
EiSENMAXN, Virchow-Hirsch) und Referate (Schmidt's Jahrbücher), namentlich 
aber durch sein Handbuch der speciellen Arzneimittellehre vortheilhaft bekannt 
gemacht hat, von welchem 3 Auflagen (1852 — 1860) erschienen sind. Von ander- 
weitigen Schriften sind noch zu erwähnen eine Abhandlung „Ueber die physi- 
kalische Untersuchung des Herzens im gesunden und kranken Zustande" 
(Leipzig 1845), sowie mehrere Abhandlungen über den Idiotismus, welche 1848 
erschienen sind. Wi^iter. 

*Cla80Il, Edward C. , ist zu Furudal (Dalekarlien) am 17. October 
1829 geboren. An der Universität üpsala waren Israel Hwasser, Fr. Sündevall, 
auf seiner Reise Max Schultze seine Lehrer; 1862 wurde er promovirt und 
wirkte bis 1863 als Prosector, bis 1877 als Adjunct, bis 1882 als ausserordentlicher 
Professor, von da ab als Professor ord. der Anatomie an der Universität üpsala. 
Schriften: „Gm Menniskohjernans vindlar och färor" (Üpsala 1868) — „Die 
Morphologie des Gehörorgans der Eidechsen" (Leipzig 1871); mehrere Auf- 
sätze im „Üpsala Läkare Förenings Förhandlingar". Re^l 

^Classen, August C. , dessen Lebensdaten nicht zu erlangen waren, 
dirigirt eine Augenheilanstalt in Hamburg und betheiligt sich an dem dortigen 
Sanitätswesen. Er veröffentlichte als Habilitationsschrift „ Untersuchung über 
die Histologie der Hornhaut" (Rostock 1858) — „Gesammelte Abhandlungen 
über physiologische Optik" (Berlin 1868) — „Entvxurf einer Psychologie der 
Licht' und Farbenempfindung" (Jena 1878) — „ Wie orientiren wir uns im 
Raum durch den Gesichtssinn?" (Daselbst 1879). Red. 

dauder, sächsische Arztfamilie, deren bekanntestes Mitglied G a b r i e l 0. 
ans Altenburg ist. Er lebte von 1633 bis 1691, studirte in Jena bei Rolfinck, 
später in Leipzig, reiste, bevor er (1655) Dr. med. wurde, in Deutschland, Holland, 
England und Italien und wurde Leibarzt bei mehreren sächsischen Fürsten. Be- 
geisterter Alchymist, hatte er einen grossen Streit mit A. Kircher und schrieb 
eine Reihe von heutzutage gänzlich interesselosen Schriften (Amplographia, Universal- 
tinetnr etc.). Hervorzuheben ist nur ein Brief an M. Rutsch „lieber den Befund 
Biogr. Lexikon. II. 3 



34 CLAÜDER. — CLAUSIER. . 

einer Zwerchfelhhemie^ (Padua 1661) und der ^Methodus hahamandi coi-pora 
humana" (eine umsichtige Compilation, Altenburg 1679). Als Mitglied der natur- 
forschenden Akademie unter dem Namen „Theseus" hat C. auch in den Berichten 
derselben sehr viele Schriften niedergelegt. — Sein Sohn Johann Friedrich 0. 
publicirte eine „Physiologia pulsus^ (Jena 1681)) und ist zu unterscheiden von 
einem Zwickauer Arzt, Christian Ernst C, der 1674 in Jena doctorirte und 
viel später „Ueber Laryngotomie^ (Chemnitz 1728) und eine ^Praxis medico- 
legalis etc.^ (Altenburg 1736) geschrieben hat. 

Biogr. mM. III. — Dict. bist. II. Red. 

Glandini, Julius Caesar C, zu Bologna, war ein berühmter Professor 
der Logik, Philosophie und praktischen Medicin an der dortigen Universität. Von 
seinen zahlreichen Schriften sind zu erwähnen: „Paradoxa medtca^ s, tract. de 
natura et usu tkermarum, lutorum etc,** (Frankfurt 1605) — „Responsionum 
et conavltationum medicinaltum, tomus unictts in IL sectiones partitris^ (Venedig 
1606, fol.; 1607; 1646, 4.; 1690, 4.; Frankfurt 1608, 8.; Turin 1628, 4.) — „De 
crisibas et diebua criticis'* (Bologna 1612, fol.; 1628, 4.; Basel 1620, 4.; Venedig 
1690, 4.) — „De catarrho tractatua*" (Bologna 1612, foL; Venedig 1690, 4.) — 
„De ingressu ad inßrmos, libri duo, etc." (Bologna 1612, 4. ; 1628; 1663; 
Basel 1616; 1617; 1641; Venedig 1690, 4.), sein berühmtestes Werk, welches auch 
die vorher angeführten Abhandlungen enthält. Die handschriftlich binterlassene 
Schrift: „Empirica rationalis libris sex absoluta etc:^ (2 Bde., Bologna 1653 fol.) 
wurde nach seinem am 2. Februar 1618 erfolgten Tode von seinem Sohne Franc. C. 
zum Drucke vorbereitet, aber erst von seinem Enkel, Jul. Caesar C. heraus- 
gegeben. Seine gesammelten „Opuscula etc.** (Frankfurt 1676) erschienen noch später. 

Biogr. m^d. III. pag. ^82. — Dict. hist. I, pag. 8-^4. G. 

Claudius, Friedrich Matthias C, zu Marburg, war am 1. Juni 1822 
zu Lübeck geboren als Enkel des berühmten Matthias C. , studirte in Jena, 
Göttingen und Kiel Medicin und Naturwissenschaften, wurde 1844 in Göttingen 
Dr. phil., war von 1849 — 52 Conservator am zoologischen Museum zu Kiel, nahm 
als freiwilliger Feldarzt der schleswig-holsteinischen Armee an deren Feldzügen 
1848—50 Theil, wurde 1852 in Kiel Dr. med. und Prosector und 1859 als 
Professor der Anatomie nach Marburg berufen. Seine Arbeiten gehörten grössten- 
theils der vergleichenden Anatomie an; so seine beiden Dissertationen und seine 
„Physiologische Bemerkungen über das Gehörorgan der Cetaceen und das 
Labyrinth der Säugethiere^ (Kiel 1858). Meistens das Gehörorgan verschiedener 
Thierclassen betreffend, finden sich noch Aufsätze von ihm in v. Siebold's und 
KÖLLIKER*S Zeitschrift (1856), in Dünker's und Herm. Meykr's Palaeontogra- 
phica (1864); femer: „ Ueber das Gehäi'organ" (Oeffentliche Vorträge, gehalten . . . 
in Marburg, Bd. II, Stuttgart 1862). Auf die Anatomie und pathologische Anatomie 
bezüglich gab er heraus: „Die Efntwicklung der herzlosen Missgeburtefi" (Kiel 
1859) und in Henle's und Pfeuffer's Zeitschrift (1864): „Ueber den Schädel 
der Hemicephalen" — „ Ueber die Lage des Uterus*^. Er starb zu Kiel am 
10. Januar 1869. 

Alberti, I, pag. 131. G. 

ulanser, Christoph C, Arzt in Zürich, bekämpfte die arabistische 
Diagnostik aus der Hamschau in seiner Schrift : „Dialogus, dass die Betrachtung 
des Menschenharns ohne anderen Bericht unnützlich u. s. w.** (Zürich 1531). 

Hall er, Bibliotheca med. II, pag. 531. — Haeser, Gesch. der Med. 1845, pag. 380. 

W. Stricker. 

Glausier, Jean Louis C, prakticirte als Baccalaureus in Paris um die 
Mitte des 18. Jahrhunderts. Seine chemisch-pharmaeeutischen Schriften haben wenig 
Werth, besser sind seine Uebersetzungen mehrerer deutscher und englischer Werke, 
so unter Anderen der Pharmacopoe universelle von Quincy. Unger. 



CLAVE. — CLELAND. 35 

Glave, Etienne C, lebte als praktischer Arzt in Paris um die Mitte des 
17. Jahrhunderts und publicirte mehrere Schriften, meist chemischen Inhaltes. 

ünger. 

*Clay, Charles C, zu Edinburg 1820— 1823 ausgebildet, wurde 1842 
Ext. L. R. C. P. Lond. und wirkte lange Zeit als Lehrer und Medical officer am 
St. Mary's Frauenspital zu Manchester. Er sieht, nachdem er sich hier von 
der Praxis zurtlckgezogen, auf eine grössere Anzahl umfassender Arbeiten zurück, 
von denen nur die auf gynäkologischem Gebiet wichtigen hier angeführt sein 
mögen: „Vomiting in pregnancy^ — „Caesarian section" — „Results of 314 
ovarian Operations" — „Handbooh of obstetric surgery" (mit 90 Abbildungen). 

Red. 

Glaynton, John C, 1693 — 1773, prakticirte in Virginien von 1705 ab, 
beschäftigte sieh aber in erster Reihe nur mit vergleichender Anatomie und Botanik 
(Aufsätze in der Phil, transact.). — Nach ihm benannt wurde ein Pflanzengenus 
„Claytonia" aus der Familie der Portulaceen. 

Biogr. m^d. III. Red. 

Cleghorn, George C. , 1716 — 1789, aus der Gegend von Edinburg 
gebürtig, war ein Lieblingsschfiler A. Monroes und Fothergill's und übernahm 
dann in sehr jungen Jahren eine militärärztliche Stellung auf der Station Minorka. 
1750 zurückgekehrt, arbeitete er zunächst in London seine „Obaervations on tfie epi- 
demtcal diseases of Minorca from 1744 to 1749 etc." (London 1751, 68, 99) 
aas, begab sich dann nach Dublin und las hier anatomische Repetitionscurse , um 
1784 den Lehrstuhl für Anatomie einzunehinen. 1789 starb er und hinterliess 
neben Aufsätzen in den Med. observ. and inquiries, Bd. III, noch einen „Index 
of an annual course of lectvres" (Dublin 1767). 

Dict. hist. II. Red. • 

Gleland) Archibald C, war nach der unten angegebenen einzigen Original-, 
quelle ein Zeitgenosse Valsalva's, englischer Militärarzt und Surgeon to General 
Wade's regiment of horse. Abgesehen von einer chirurgischen Notiz: „A descrip- 
tion of a Catheter , made to remedy the inconveniendes which occastoned the 
leaving of the high Operation for the stowte" ^ ist namentlich die ebenfalls kurze, 
aber inhaltreiche Mittheilung: „A description of needles made for Operations on 
the eyes and of some instruments for the ears" wegen des otiatrischen Theiles 
dieser Abhandlung für die Geschichte der Ohrenheilkunde von hoher Bedeutung. 
C. ist der Erste , welcher die jetzt allgemein übliche Einführung des Ohrkatheters 
durch die Nase angegeben hat. Ausserdem ist historisch wichtig, dass er zu 
derselben Zeit, wo Valsalva in seinem berühmten anatomischen Werke den nach 
ihm benannten Versuch beschreibt, denselben genau ohne Nennung Yalsalva's 
erwähnt und seinen Kranken empfiehlt. Bei der von ihm geübten Ohrunter- 
suchung, resp. Therapie, beschreibt er seine Beleuchtungseinrichtung (Convexglas), 
die Erweichung harten Cerumens mittelst Dampf. Ist die Tuba Eust. ver- 
stopft, so spritzt er etwas warmes Wasser in diese ein mit Hilfe einer durch 
die Nase in die Tubenmündung eingeführten biegsamen, silbernen Röhre. Die 
sUbemen Röhren benutzt er femer zum Lnfteinb lasen in die Paukenhöhle 
und zur Erweiterung der Tuben. C. kennt auch bereits die durch starken 
Knall (Donner, Kanonenschuss etc.) hervorgerufene Taubheit und nimmt an, dass 
hierbei Trommelfell und Gehörknöchelchen nach innen getrieben seien. Die so 
entstandene abnorme Concavität des Trommelfells soll vom Patienten durch An- 
wendung des VALSALVA*schen Versuches (vgl. oben) gehoben werden. Führt 
dieser nicht zum Ziel, so wendet C. die Luft Verdünnung im äusseren Gehör- 
gange an mittelst einer elfenbeinernen, luftdicht und möglichst nahe dem 
Trommelfell eingeführten Röhre. Schlägt auch dieses — nach ihm oft helfende — 
Mittel fehl, so verzichtet er auf eine weitere Cur, weil dann durch, den heftigen 

3* 



36 CLELAND. — CLEMENT. 

„Shock" eine Disloeation der Gehörknöchelehen oder eine Nervenerkrankung 
stattgefunden hat. 

Philos. Trans a ct. Vol. 41, Part. II (mit Tafel 7) for the years 1740, 1741, 
pag. 844 — 851; der otolog. Theil übersetzt von Lincke, Sammlung auserlesener Abhand- 
lungen und Beobachtungen aus dem Gebiete der Ohrenheilkunde, V, pag. 42 (mit treuer Nach- 
bildung der Figuren). A. Lucae. 

*Cleland, John C. , wurde in Edinburg 1856 promovirt, wirkte zuerst 
als Professor der Anatomie und Physiologie, sowie als Clinical lecturer am Queens 
College zu Galway und zur Zeit als ordentlicher Professor der Anatomie zu Glasgow. 
Seine Preisthese : „On the structure and mechanism of the gubernaculum testia^ 
(1856) verdient ebensowohl der Erwähnung, wie die in den Philos. transactions 
erschienenen Arbeiten über den Vomer und die Intermaxillarknochen und über 
Schädelvarietäten (1862, resp. 1870). Auch gab er ein „Directory for the dis- 
section of the human body^ (1876) und eine Monographie : „Evolutton, expression 
and Sensation^ (1881) heraus. Red 

Clemasius, Matthäus C, zu Greifswald, war am 26. October 1640 zu 
Eberbach bei Zittau geboren, studirte in Leipzig Medicin und erwarb die Magister- 
würde daselbst, war dann 5 Jahre lang Arzt des Baron Taube, sächsischen 
Kanzlers, mit dem er Prag und Wien besuchte und davon für seine Wissenschaft 
Nutzen zog. 1674 wurde er in Greifs wald üoctor und in demselben Jahre zum 
zweiten Professor der Medicin und Stadtphysicus daselbst ernannt. Er las über 
Physik, Anatomie, Physiologie, Botanik, Chyraiatrie u. s. w. und schrieb eine 
„Physica schematica" (Greifswald 1619), ausserdem 17 Dissertationen und Pro- 
gramme. Er starb am 25. December 1702. 

Scheffel, pag. 196, 321. — Kosegarten, I, pag. 267. G. 

ClemeilS, Johann Christiane, studirte in Erfurt Medicin und wurde 

daselbst 1724 zum Doctor promovirt (Diss, de fumculo umbilicali foetus hiimani 

longiore prae brutis). Er wurde zuerst als Militärarzt in Kronstadt angestellt und 

dann am 6. März 1738 zur Armee Münnich's am Dnjepr abcommandirt. 

Tschistowitsch, CLXXIX. t o*.- a 

' L. Stieda. 

* Clemens, Theodor C, am I.Juli 1824 in Frankfurt a. M. geboren, 
studirte in Heidelberg (Müncke, Naegele, Tiedemann, PüCHELT) bis 1846, dem 
Jahre seiner Promotion. Seitdem wirkt er als praktischer Arzt, speciell als Elektro- 
therapeut in seiner Vaterstadt und ist auch literarisch sehr thätig gewesen. 
Seine grösseren Arbeiten sind : „Ein Beitrag zur näheren Erkenntniaa des Cloro- 
forms etc." (Deutsche Klinik, 1850) — „Spasmi stUorum, Schicsterkrämpfe^ 
(Ebenda 1851) — „Die Chlorkupferlampe als bestes und einfachstes Desinfec- 
tionsmittel der Luft während Cholera- Epidemien" (Ebenda 1865) — „ Ueber den 
Einfluss der magnetischen Polaritäten auf das animale Leben" (Ebenda 1872) — 
„Reflexionen über Cholera - Aetiologie" (Ebenda 1873). — Der angewandten 
Elektricität als Heilmittel hat er in den Jahrgängen derselben Zeitschrift von 1858 
bis 1875 eine Reihe von Artikeln gewidmet und über dasselbe Thema ein grösseres 
Werk (Frankfurt a. M. 1876 — 1879 und 1882) erscheinen lassen; ausserdem Publi- 
eationen tlber Hamröhrenkrankheiten , Diabetes, Heilung von Ovarialtumoren etc. 

Red. 

Clement, John C. , geboren gegen Ende des 15. Jahrhunderts, ward 
1579 Professor der Rhetorik, später der griechischen Sprache zu Oxford. Nach 
einigen Jahren legte er sein Amt nieder , um Medicin zu studiren , prakticirte 
später in London, wo er Mitglied der Gesellschaft der Aerzte wurde und war ein 
so angesehener Arzt, dass Heinrich VHI. ihn zur Behandlung des erkrankten 
Cardinal Wolsey sandte. Eingenommen für die katholische Religion, verliess er Eng- 
land unter der Regierung E d u a r d HI. und ward von der 1552 erfolgten Amnestie 
ausgeschlossen. Unter M a r i a's Herrschaft zurückgekehrt, flüchtete er nach ihrem 



CLEMENT. — CLERMONT. 37 

Tode wieder und zog sich nach Malines zurück, wo er am 1. Juli 1572 starb. 
Medicinische Schriften hat er nicht hinterlassen. 

Nouvelle Biographie g^n^rale. Max S a 1 o m o u. 

GlementinTlS, Clement ins C. , wurde zu Ende des 15. Jahrhunderts in 
Amelia, im Herzogthume Spoleto geboren, studirte in Padua, ward daselbst Lehrer 
der Philosophie und Mathematik und später Leibarzt des Papstes L e o X. zu Rom. 
In seinem Werke : y, dementia Clementis Clement ii Clementini Ämerini^ (Rom 1512, 
Fol.), später unter dem Titel: „Glementü Clementini . . . lucuhrationes medicae de 
febribus** (Basel 1535, Fol.) zeigt er sich als einen entschiedenen Anhänger des 
Neuplatonismus und der Astrologie, wie er denn annimmt, die theoretische Medicin 
sei dem Stemzeichen des Stieres, die praktische dem des Scorpion unterworfen. 
Zum Ruhme muss es ihm angerechnet werden, dass er als einer der Ersten gegen 
den Unfug der üroskopie auftrat. Max Salomou. 

Glimot, Jean-Baptiste-Joachim C, zu Rochefort, war am 17. Juni 
1776 daselbst geboren, wo sein Vater Chirurg der Marine und Lehrer der Anatomie 
war. Er trat 1792, kaum 16 Jahre alt, in das Marine-Hospital, wurde 1793 
Sous-aide, setzte seine Studien in Paris fort, wurde 1803 daselbst Doctor, ging dann 
zur See, wurde in acht Jahren Chirurg erstfer Classe, und später Professor. Er erfand 
ein den Zustand der Kranken auf der See erleichterndes Bett, führte als einer der 
Ersten 1806 eine Resection im Handgelenk (bei einer complicirten Luxation), 
1834, ebenfalls als einer der Ersten, in zwei Fällen von schlecht geheilten Ober- 
achenkel - Fracturen Keil - Osteotomien in dem voluminösen Callus (Gaz. des hopit. 
1836) und ;5wei Vesico - Vaginal - Steinschnitte CLeroüx' Journal de m^d. 1817) 
aus und machte sich durch Angabe eines Verfahrens zur Vermeidung eines Ein- 
kniffes nach der Operation der Hasenscharte verdient. Ebenso wie er in Rochefort 
die erste chirurgische Stelle in der Marine als Premier Chirurgien en chef und 
Präsident des Conseil de sante einnahm, so war er auch in der Stadt und in den 
nächstgelegenen Departements der in chirurgischen Dingen unbedingt zu Rathe 
Gezogene. Nachdem er den Dienst der Marine, um den er sich hoch verdient 
gemacht hat, verlassen, starb er am 11. Juni 1852. 

Dnplouy in Archives de medec. navale. T. X, 1868, pag. 449. — Berger et 
Key, pag. b'Z. Gurlt. 

Clerc, Nicolas-Gabriel C. (Leclerc), 1726—1798, aus Baumeles- 
Domes (Franche Comt6) , Mitglied einer durch mehrere Generationen reichenden 
Reihe von mit ihm verwandten Aerzten gleichen Namens. 1757 machte er als 
Oberfeldarzt den Krieg in Deutschland mit und begab sich 1759 auf Requisition 
der Kaiserin Elisabeth nach Russland, um Jahre lang den Cosaken- General 
Rasumowski zu begleiten. 1762 kehrte er nach Deutschland zurück, um 
Leibarzt des Herzogs von Orleans zu werden. Auf einer zweiten Reise in Russ- 
land, 1769 — 1777, sammelte er das Material zu einer „Geschichte Russlands** 
(erschienen 1783 — 1794). — 1778 nach seiner zweiten Heimkehr nach Frankreich 
nahm er den Namen „Leclerc" an, wurde — aber nur auf kurze Zeit — 
Inspecteur der Hospitäler des Königreiches und verbrachte die übrigen 20 Jahre 
seines Lebens schriftstellerisch thätig in Versailles. Ausser vielen historischen 
(vgl. auch oben), politischen, moralischen etc. Schriften verfasste'er : „Memoire 
sur la goiUte" (1750 — 1751) — Diasertatio de liydrophobia" (1760) — „Moyen 
de prlvenir la contagion et d^y remedier . . . avec Vhistoire des maladies 
^pidimiques qui ont regne en Ukraine en 1760^ (Moskau) — „De la conta- 
gion, de sa nature etc,** (St. Petersburg 1771) — „Maladies du coeur et de 
Vesprit'* (Paris 1793). 

Dict. bist. II. .Red. 

Clermoilt (Claramontius, Claromontiüs), Charles C, englischer Arzt 
ans der 2. Hftlfte des 17. Jahrhunderts, der in Wales prakticirte und sich dadurch 



38 CLERMONT. — CLIFTON. 

verdient gemacht hat, dass er die erste medicinische Topographie von England, 
nach dem Vorbilde des Hippokrates unter dem Titel: „De aere, locis et aquts 
terrae Angliae; deque morbis Anglorum vernacuUs'* (London 1672) herausgab. 
Dict. bist. I, pag. 827. G. 

Clercqz, Gabriel Le C, der dritte Sohn Thomas' vom Haag, zu 
Frasnes-lez Buisnal 1644 geboren, studirte zuerst in Löwen, dann in Montpellier, 
wo er promovirt wurde. Zunächst Hess er sich in Avesnes, dann in Lille (als Armen- 
arzt) nieder und gab zuerst einen „Discursus , ... de morbis pauperum*^ heraus. 
Diesem folgte: „L^^cole du Chirurgien etc/' (Paris 1684) und „Chirurgie com- 
pUtt"* (Paris 1692 und später noch in 18 Ausgaben). Dieses weitrenommirte Werk 
veranlasste C.'s Berufung als Leibarzt Ludwig's XIV. In dieser Stellung publi- 
cirte er noch: „Uappareil commode en favevr des chinirgiens*^ (Paris 1700) — 
„Catalogue des drogues^ (Daselbst 1701) und „Midecine aisie^ (Daselbst 1719). 
Ein Jahr hierauf starb er. van den Corput. — Red. 

Cleyer, Andreas C, aus Cassel, geboren Anfangs des 17. Jahrhunderts, 
war Arzt, widmete sich jedoch nach seiner Rückkehr aus Java ganz der Botanik 
(von 1680 ab) und gab einige chinesische Schriften: „Herbarium parvum Sinicts" 
(1680) — ^Clavis med. ad Chinae doctrinam de pulsibus"^ (gleichzeitig) an- 
scheinend als selbständiger üebersetzer, — das ^Specimen med. Sinicae etc,^ als 
Plagiator eines Missionärs heraus. Mehrere Pflanzengattungen führen C.'s Namen. 

Dict. bist. II. — AUgem. Deutsche Biogr. IV. Red. 

Glift, William C, zu London, war am 14. Februar 1775 zu Burcombe 
bei Bcdmin geboren, kam 1792 als Gehilfe und Zeichner zu John Hünter, 
nach dessen 1793 erfolgtem Tode er acht Jahre lang, bis das von Diesem hinter- 
las^ene Museum vom Staate angekauft und dem Royal College of Surgeons über- 
geben wurde, dasselbe in gewissenhaftester Weise, bei sehr geringer Besoldung, 
verwaltete, während er sich einigen Nebenverdienst durch Anfertigung von Zeichnungen 
für anatomische, chirurgische und naturwissenschaftliche Werke (z. B. von Baillie, 
Home, Rüssel) verschaffte. 1801 wurde er als Conservator der Sammlung angestellt 
und verblieb in, dieser Stellung bis wenige Jahre vor seinem am 20, Juni 1849 
erfolgten Tode, während er unausgesetzt auf die Unterhaltung, Vermehrung und 
Nutzbarmachung derselben bedacht war, so dass ihm hauptsächlich der unvergleich- 
liche Zustand, in welchem jenes Museum sich befindet, zu danken ist. Die Zahl 
seiner literarischen Arbeiten in den Philosoph Transact. (1815, 1823) »ind Geolog. 
Transact. ist gering; sie handeln von dem Einfluss des Rückenmarkes auf die 
Herzaction bei Fischen und über einige fossile Knochen. 

Medical Times, 1850, March 2. — p p e n h e i m's Zeitschrift f. d. ges. Med. Bd. XLIII, 
1850, pag. klS, — Callisen, IV. pag. 212. q 

Clifton, Francis C, Londoner Arzt um die Mitte des 18. Jahrhunderts, 
der zu Oxford mit einer Dissertation „De distinctis et confluerUibus variolis" 
(bei Haller erwähnt) doctorirt hatte, schrieb später noch einen „Tractatus de 
podagra" (York 1714) — einen „Tractatus de morbus endemicis'* (Daselbst 1718) 

— einen für die Geschichte der Medicin seiner Zeit bedeutenden „State of phy sie 
ancient and modern** (London 1732, französisch Paris 1742) und übersetzte 
mehrere Schriften des Hippokbates, die jedoch nur z. Th. edirt wurden (London 
1727). Die gesammten Werke C.'s erschienen vier Jahre nach seinem Tode 
(London 1752) in einer Ausgabe, welche der Sohn — Clifton de Wintringham 

— publicirt hat. Dieser wurde (sein Geburtsjahr ist unbekannt) Leibarzt beim Herzog 
von Cumberland 1749, königlicher Leibarzt 1762. Berühmt ist sein „Inquiry 
tnto the exilites of the vesseh on the human body^ (London 1743); ausserdem 
schrieb er „An experimental inquiry concerning some parts of the animal struc- 
ture** (London 1740) — „De morbis quibusdam commentarii** (London 1782 — 91) 
und persönliche Streitschriften. 

Dict. hist. II. Red. 



CLINCH. - CLOQÜET. 39 

Clinch, William C. , englischer Arzt aus der 1. Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts, schrieb eine „History of the rise and progresa of the smalUpox" 
(London 1723; 1733) — „De usu vesicantium in morbis curandis" (1726) — 
„De tuenda valetudine" (1728) — „ObservcUiones medicae" (1733) — „Histortae 
medicae^ (1733). Sein Hauptverdienst ist aber die Herausgabe einer griechischen 
und lateinischen Ausgabe der übriggebliebenen Schriften des ROFUS Ephesius: 
„De vesicae renumque morbta; de purganttbus medtcameTttü ; de partibua cor- 
poris humani" (Lond. 1726, 4.). 

Dict. hißt. I, pag. 830. -- Dechambre, XVIII, pag. 125. G. 

Mc. Cllntock, Alfred Henry Mc. C, geboren am 21. October 1821, 
begann seine medicinischen Studien am Krankenhaus zu Louth, ging darauf nach 
Dublin und trat hier in die Park Streetschool of medecine ein. Im Jahre 1842 
wurde er Lieentiate, 1844 R. C. S. Irel. und promovirte in demselben Jahre an 
der Universität Glasgow. Bald darauf begab er sich nach Paris, wo er ein halbes 
Jahr studirte, um sich dann, nach seinem Vaterland zurückgekehrt, auf den Rath 
seines Lehrers Charles Johnson, des damaligen Directors der Rotunda Lyiug-in 
Hospitals, speciell der Geburtshilfe und Gynäkologie zu widmen. Im folgenden 
Jahre trat er als Assistent des letzteren in das Krankenhaus ein und veröffentlichte 
mit seinem Collegen Dr. Hardy einen Bericht über das Hospital: „Practical 
observations on midicifery and the disea^e incidental to puerperal state^. 
Nachdem er 1851 L. K. Q. C. P. geworden, übernahm er 1854 die Direction 
des Krankenhauses, die er neun Jahre inne hatte. In den 1863 veröffentlichten 
„Clinical memoirs on diseases of women" liegt uns die Frucht seiner Arbeiten 
während dieses Zeitraumes vor. Im Auftrage der New Sydenham Society gab er 
eine neue Auflage von Smellie's Midwifery heraus, die er mit einem Commentar 
und einer Biographie Smellie's versah. Unter den zahlreichen Beiträgen, die er 
publicirte, sind besonders zu verzeichnen: „Secondary kaemorrkage afier par- 
turation*^ — „The spontaneotis elimination of uterine tumours^ — „Foetal 
therapeutics" u. v. A. Zu erwähnen ist noch, dass er bei Gelegenheit eines 
Congresses der British Medical Association, deren geburtshilflicher Section er 
wiederholt präsidirte, von der Universität Edinburg zum L. L. D. (honoris causa), 
von der Universität Dublin zum Master of the Obstetric Art ernannt wurde. Er 
starb am 21. October 1881. Red. 

*Cloetta, Arnold C, geboren am 28. April 1828, studirte in Zürich, 
Würzburg, Wien, Berlin, Paris und war besonders Schüler von C. Ludwig und 
Claüde-Bernard. 1851 zu Zürich promovirt, wirkte er seit 1854 daselbst als 
Arzt, seit 1857 als Professor für allgemeine Pathologie, seit 1870 als Professor 
der Arzneimittellehre und trat 1880 zurück. Von ihm rühren her das „Lehrbuch der 
Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre^ (1. Auflage 1881, 2. Auflage 1883), 
sowie mehrere Arbeiten im Gebiete der medicinischen Chemie und Pharmakologie. 

Red. 

Cloqnet, Hippolyte C, zu Paris, war daselbst am 17. Mai 1787 
geboren, wurde 1815 mit der „Dissert. sur les odeurs, sur les sens et les organes 
de rolfaction** (4.) Doctor,. nachdem er bereits mit einem „Mdm, sur les occu- 
pations atixquelles doit se Itvrer le chef des travaux anatomiques, etc,^ (Paris 
1812) concurrirt hatte. Er war Professeur particulier der Anatomie, gab auf 
Veranlassung der medicinischen Facultät einen „Trait^ d^anatoinie descriptive^ 
(Paris 1816; 1821 ; 1825; 6. Mit. 1835, 2 voll.), dazu „Planches d'anatomie 
descriptive" (Livr. 1 — 5, 1832, 34, 4.; englische Uebers. von Ron. Knox, 
Edinburg 1828; amerikanische Ausgabe, Boston 1830; belgischer Nachdruck 1834) 
und als 2. Auflage seiner Dissertation seine „OspfirSsiologie ou Traiti des odeurs, 
du sens et des organes de Volfaction, avec VMstoire dUaillie des maladies du 
nez et des fosses nasales y et des Operations qui leur conviennent^* (Paris 1821 ; 
deutsche Uebers., Weimar 1824) heraus, wurde 1823 zum Professeur agr6g6 ernannt. 



40 CLOQÜET. 

unterzog sich jedoch niemals einem Concurse um die anatomische Professur in der 
Facultät, obgleich er ein sehr geschickter Anatom und unterrichteter Arzt war. 
Seine weitereu Schriften waren: „Faune des midecins, ou Mstoire des animaux 
et de leurs produita sous le rappoH de la bromatologie etc.*' (6 Bde., Paris 
1822 — 25, av. pl. color.) — „TraitS complet de Vanatomie de Vkomnie, etc.^ 
(Paris 1825, 11 Lieferungen mit 110 pl.). Er setzte das von F. ViCQ d'Azyb 
begonnene „Systhne anatomique^ (4 Bde. 1792 — 1830, 4.) fort, war der Mit- 
herausgeber des Dict. des sc. m6d. seit 1817, des Dict. de mMec. seit 1821 
und der 2. Ausgabe desselben seit 1832, femer des Nouv. Dict. de m6d., chir. etc. 
seit 1821, der Illustrations of morbid and descriptive anatomy seit 1833, der 
Encyclop. des sc. m6dic. seit 1834, femer des Nouveau Journal de möd., chir., 
pharm, etc. und des Joum. compl^ment. du Dict. des sc. med. seit 1818, der M6m. 
de la Soc. d'hist. nat. seit 1823. Er tibersetzte aus dem Englischen RoB. Thomas' 
„ TraüS de mSdecine pratique" (Paris 1818) und aus dem Spanischen F. Carbonell's 
„£l4men8 de pharmacie" (Paris 1820) und lieferte eine grosse Zahl von Aufsätzen 
in Zeitschriften, Wörterbüchern, Encyelopädien , namentlich in Leboux' Journal 
(1812 — 16), im Nouv. Journ. de medec. (1818 — 22), Arch. g6ner. de m6d., Joum. 
hebdom. de m6d. über sehr verschiedene Gegenstände aus der pathologischen und 
vergleichenden Anatomie u. s. w. Er starb am 3. März 1840. 

Dechambre, XVIII, pag. 140. — Callisen, IV, pag. 214; XXVII, pag. 111. 

Gurit. 

Cloquet, Louis-Andr6-Ernest C. , zu Teheran, ältester Sohn des 
Vorigen, war zu Paris am 11. October 1818 geboren, wurde 1843 durch Concurs 
Prosector der Hospitäler, 1846 mit der These: „De IhSmatocUe vaginale" Doctor, 
nachdem er bereits in den Archives g6n6r. und den Bulletins de la Soc. anatomique 
geschätzte Abhandlungen publicirt hatte. In demselben Jahre wurde er zum Leib- 
arzte des Schall von Persien ernannt und erhielt den Auftrag, zu Teheran eine 
medicinische Schule zu gründen. Er hatte daselbst vorzugsweise Gelegenheit, über 
die zu jener Zeit herrschende Cholera Studien zu machen , die er der Pariser 
Akademie mittheilte und von welcher er 1847 den Auftrag erhielt, sich den mit 
der Untersuchung des- Sanitätszustandes des Orients betrauten Aerzten anzuschliessen. 
1853 berichtete er der Akademie wiederholt über die furchtbare, die Einwohner 
von Teheran decimirende Cholera-Epidemie, sowie über einige wenig bekannte 
Substanzen (Ganderum, Pambul Djebalo), über einen Steinschnitt bei einem Knaben, 
der am fünften Tage umherging und am neunten definitiv geheilt war u. s. w. 
Sein Tod erfolgte 1856 an Gift. 

fl. Larrey, in Mem. de l'Acad. imp. de m6dec. T. 5^0, 1856. — Dechambre, 
XVm. pag. 140. Gurlt. 

Cloquet, Jules-Germain C, zu Paris, war daselbst als jüngerer Bruder 
von Hippolyte C. am 18. December 1790 geboren, studirte in Rouen Natur- 
wissenschaften und seit 1810 in Paris Medicin, wurde 1811 anatomischer Präparator 
der medicinischen Schule, 1815 Prosector der Facultät und 1817 mit der These 
„Eecherches anatomiques sur les hernies de Vabdomen^ (av. 4 pl.), für welche 
er mehr als 300 Hernien dissecirt hatte, Doctor. Im Anschluss an dieselbe erschienen 
später: „Recherches sur les causes et Vanatomie' des hernies abdominales*' 
(Paris 1819, 4. av. 14 pl.), nachdem er W. Lawsence's „Trait^ des hernies" 
(1818) aus dem Englischen übersetzt hatte. Bereits in eine frühere Zeit fällt seine 
Schrift: „De la squelittopSe y ou de la priparation des os , etc." (Paris 1815, 
4.; 2. 6dit. augment6e par Serres, Bruxelles 1824; 1836); ferner ein „M6m, 
sur la membrane pupillaire , et sur la formation du petit cercle art^friel de 
Piris" (1818, av. 1 pl.). In demselben Jahre erhielt er von der Akademie der 
Wissenschaften den Preis für eine erst sechs Jahre später veröffentlichte Abhandlung : 
„Anatomie des vers intestinaux: Ascaride lombrico'ide et Echinorhynque geant" 
(1824, 4. av. 8 pl.). 1819 concurrirte er mit Erfolg um eine Stelle als Chirurgien 
en chef adjoint im H6p. Saiut-Louis und sehrieb eine interessante Abhandlung: 



CLOQUET. — CLOSS. 41 

„De Vinßuence des efforts sur les organes renfemiis dans la cavitS tlioracique^ 
(Nouveau Journ. de m6dec., T. 6) , worin Lungen- und Zwerchfells-Hernien, die 
Fractur der Trachea u. s. w. abgehandelt werden. 1821 wurde er als eines der 
ersten Mitglieder in die Akademie der Mediciu aufgenommen und begann die 
Publication seiner „Anatomie de Vhoinme^ ou description et figures lithographUes 
de tcutes les parties du corps huviain*^ (5 voll. fol. av. 300 pl. 1821 — 31 ; 
2. Aufl. u. d. T. : „Manuel d'anatoyme descriptive du corps humain^ 3 voll., 
4,, av. 340 pl., 18207-1835; englische üebers. von John D. Godman, Boston 
1827, 4.), welche mehr als 1300 Figuren enthält, von denen mehr als die Hälfte 
vom Verfasser selbst nach der Natur gezeichnet smd. 1822 überreichte er der 
Akademie der Wissenschaften ein von derselben gekröntes „MSm. sur les calculs 
uritiaires" (4., av. 70 pL), wurde 1824 Professeur agrögö mit der Concurs-These : 
„An in curanda oculi suffusione (vulgo cataracte) lentis crystallinae extr actio 
hujus depressione praestatitior?^, veranlasste die Herausgabe eines „TraitS de 
Vacupuncture d^apr^ les observations de M. Jules Cloquet, et publik sous 
ses yeux par Dan tu de Vannes" (1826), worüber er eine grosse Zahl von 
Experimenten gemacht hatte, berichtete (Bullet, des sc. med., T. 14) über eine von 
ihm in Folge einer Aufforderung von Chafelain im magnetischen Schlafe amputirte 
Mamma und wurde 1831 mit der Concurs-These: „Pathologie chirurgicale, 
Plan et mSthode qu'il convient de suivre dans V enseignement de cette science^ 
(4.; englische üebers. von J. W. Garuck und W. Copperthwaite, London 1833) 
zum Professor derselben ernannt, indem er in jener, ausser einer Anzahl seltener 
Beobachtungen, die Nothwendigkeit darlegte, die theoretischen Vorlesungen durch 
Demonstration von Präparaten, Zeichnungen u. s. w. anschaulicher zu machen. 
Die von ihm im Hop. Saint-Antoine gehaltenen klinischen Vorträge wurden von 
HiPPOL. Larrey gesammelt und herausgegeben. 1834 wurde er Professor der 
chirurgischen ELlinik, gab aber, als ihn 1841 — 42 der Zustand seiner Gesundheit 
dazu nöthigte, jede praktische Thätigkeit auf, war 1844 noch Mitglied der Aus- 
stellungs-Jury, wurde 1851 zum Chirurgien Consultant des Kaisers und endlich 1855 
zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften ernannt. Arbeiten aus dieser Zeit 
sind noch: „Mim, sur les concritions intestinales (entirolithes, dgagropiles etc,)^ 
(1855) — „MSm. sur une mithode particulihre d^appliquer la cautSrisation 
aiix divisions anormales des certains organes^ (1855) u. s. w. Sein Tod er- 
folgte erst am 23. Februar 1883, im Alter von über 92 Jahren. — Ausser der 
sehr grossen Zahl von Abhandlungen, hauptsächlich anatomischen und chinirgischen 
Inhalts, die er während seines langen, nur dem Dienste der Wissenschaft geweihten 
Lebens verfasst hat und die . an den unten angegebenen Quellen vollständig angeführt 
sind, hat er auch eine ganze Reihe von Instrumenten erfunden , unter denen wir 
nur das Enterotom, Rhachiotom, ein Instniment zur Extraction von Fremdköri)ern, 
eine Schlundzange, eine Arterien-Pincette , die Sonde ä double courant a. s. w. 
hervorheben wollen. 

A. Dureau in Gaz. medic. de Paris 188.^, pag. 97, I5<S, 169. — Callisen, IV, 
^ag. 219; XXVII, pag. 112. Gurlt 

CIOSS, Vater und Sohn (Clossiüs). Zu Marbach 1735 geboren, führte 
der Erstere , Johann Friedrich C. , ein ziemlich unruhiges Leben , indem er 
nacheinander in Brüssel, an verschiedenen Plätzen Deutschlands, Belgiens und der 
Niederlande, zuletzt in Hanau Praxis trieb. Bei seinem 1787 erfolgten Tode 
hinterliess er (ausser sonstigen Schriften, meistens Dichtungen) „De gonorrhoea 
virvlenta^ (Tübingen 1764; sollte ohne Ansteckung entstanden sein) — „Carmen 
de cortice Peruviano^ (Leyden 1765) — „Nova variolis medendi methodus" 
(Utrecht 1766; Blasenpflaster an die Füsse) — über Universalmedicin Mehreres. 
Am erwähnenswerthesten sind jedenfalls sein „Specimen observatwnum in Cor- 
nplium Celsum" (Utrecht 1767) — „OL Cornelü Celsi de tuenda sanitate etc," 
(Tübingen 1785) und eine im folgenden Jahre daselbst erschienene Ausgabe der 



42 CLOSS. — CLOT-BEY. 

Aphorismen des Hippokrates, welche C. besorgte. Er gab endlieh noch eine latei- 
nische üebersetzung von Macbridb's „Institvtions of medecine** (Utrecht 1764, 
Basel 1783) heraus und starb 1787. — Der Sohn, Karl Friedrich C, 
geboren 1768, wurde bereits 1792 zum Prof. extraord. in Tübingen ernannt; 
seine drei Jahre später erfolgte Berufung als Ordinarius daselbst überlebte er nur 
zwei Jahre, da er 1797 starb. Seine Arbeiten über Lithotomie (Marburg 1792, 
resp. Tübingen gleichzeitig), wie die „Anmerkungen über die Lehre von der 
Empfindlichkeit und Reizbarkeit der Theile^ ^Tübingen 1794) — „Ueber die 
Enthauptung" (Daselbst 1796) — „ Ueber die Lu^tseuche*' (Daselbst gleichzeitig) — 
„Ueber die Krankheiten der Knochen" (Daselbst 1798) wurden sehr geschätzt 
Dict. bist. II. Red. 

Clot-Bey, Antoine-Barth^lemy C, war zu Grenoble am 7. November 
1793 geboren, wuchs unter den bescheidensten Verhältnissen auf, concurrirte mit 
Erfolg um die Stelle eines Chirurgien-interne beim Hötel-Dieu zu Marseille, wurde 
Pi'osector bei der dortigen medicinischen Secundärschule und brachte es dahin, in 
dieser Stellung Doctor der Medicin (1820) und Chirurgie (1823) zu Montpellier 
zu werden. Er begann darauf die Praxis in Marseille auszuüben, befand sich 
aber immer noch in einer sehr wenig befriedigenden Lage, als M ehe med -Ali, 
der Vicekönig von Aegypten, Industrielle, Gelehrte, Aerzte, Arbeiter für sein Land 
suchte, um dasselbe mehr der Civilisation entgegenzuführen. C. wurde von Demselben 
1825 als Chef-Chirurg der Armee engagirt, wusste sich bald das Vertrauen Mehemed- 
A 1 i's zu erwerben, zumal er der auch von diesem gekannten italienischen Sprache 
mächtig war. Er errichtete zunächst den Gesundheitsrath in Cairo, gründete 
darauf 1828 die medicinische Schule zu Abu-Zabel, einem Dorfe vier Stunden von 
Cairo entfernt, fügte zu derselben später noch eine Apotheker- und Veterinärschule 
und 1832 eine Schule für Hebammen und den Unterricht in Frauenkrankheiten. 
1837 wurden alle diese Lehranstalten nach Cairo verlegt. Die grössten Schwierig- 
keiten hatte C. für den Unterricht in der Anatomie zu überwinden, da die Section 
und gar die Dissection von Leichen bei den fanatischen Muselmännern auf den 
hartnäckigsten Widerstand stiess; indessen mit Hilfe seines Protectors wurden 
diese Schwierigkeiten überwunden; er selbst war bereits 1832 zum Bey mit dem 
Range eines Obersten, später (1836) Generals ernannt worden. Seine Wirksam- 
keit an den gedachten Schulen war, mit Unterstützung durch Professoren ver- 
schiedener Nationen, Deutsche, Italiener, Franzosen, eine ganz ausserordentliche. 
Er selbst behielt sich speciell die Chirurgie vor und führte in derselben die 
kühnsten Operationen aus, wie sich aus seinen nachstehenden Publicationen ergibt : 
„Obs. de ligature de Vartbre iliaque externe, pratiqude h Vhopital d'Abou-Zabel 
le . , . 1828" (Marseille 1830) — „Obs. dune amputation du bras dans Varti- 
culation scapulo-humerale, avec r^section du col de Vomoplate, pratiqude, avec 
succes ä Vhopital .... 1828" (Daselbst 1830) — „Obs. d^une ampiUati&n dans 
V articulaiion coxo-f4morale, praiiquie . . . 1828" (Daselbst 1830) — „Hist, dune 
tumeur SUphantiaque du scrotum etc." (Daselbst 1830) — derselbe wog 50 Pfund. 
Ausserdem gab er regelmässig in der ersten Zeit nach der Errichtung der medi- 
cinischen Schule einen „Compte rendu des travaux de VEcole de mSd. cTAbou- 
Zabel pour la premihre annie de sa fonction (1828) ; suivi d^un plan de 
Vhopital" (Marseille 1831) und weiter 1832, 33 heraus; dem letzten derselben 
ist eine Rechenschaft über seine gesammte achtjährige Thätigkeit in Aegypten 
beigefügt. Er veröflfentlichte femer eine „Note sur la friquence des calculs 
vSsicaux en Egypte et sur la mithode employee par les chirurgiens arabes pour 
en faire Vextraction; suivie de refiexions sur les resultats de 38 Operations 
de lithotomie" (Marseille 1831) — „Aper(jn sur le ver dragonneau, observ4 en 
tlgypte" (Daselbst 1831) — „Relation des eind^mies de cholera-tnorbus qui ont 
regne h VHeggiaz, ä Suez et en ^gypte" (Daselbst 1832). — 1832 geleitete er 
zwölf junge Araber nach Paris , die daselbst zu Lehrern der Medicin ausgebildet 



CLOT-BEY. — CLUTTERBUCK. 43 

werden sollten, besuchte dann London, kehrte aber 1833 nach Aegypten zurück, 
um den Sanitätsdienst der dortigen Marine zu ordnen und für dieselbe einen 
Sanitätsrath nach französischem Muster einzurichten. Bei Gelegenheit der grossen 
Pestepidemie im Jahre 1835 zögerte er nicht, sich Aubert und anderen Nichtcon- 
tagionisten, gestützt auf seine vielfältigen Erfahrungen, anzuschliessen und die 
Quarantänen, wie sie damals gehandhabt wurden, zu verwerfen. Er verfasste später 
noch: yjApergu geniral sur Vßgypte^ (2 Bde., Paris 1840) — „De la peste 
ohservSe en Egypte etc." (1840) — „Compte-rendu de Vitat de V enaeignement 
medxcal et du Service de sante en Egypte du commencement de Mars 1849" 
(1849). Nach dem Tode von Mehemed-Ali (1849) verliess er Aegypten, nahm 
in Marseile seinen Aufenthalt und schrieb daselbst von Neuem über die Pest: 
„Coup d'oetl sur la peste et les quarantaines h Vocca^ion du congres sanitaire 
reunt ä Paris etc." (Paris 1851). Er war jedoch genöthigt, 1856 nach Aegypten 
zurückzukehren, um die Anstalten, welche der Nachfolger Jenes hatte in Verfall ge- 
rathen lassen, zu reorganisiren. Nachdem er endlich definitiv seine Heimat wieder 
erreicht hatte, verfasste er eine Schrift über Mehemed-Ali (1862) und „De 
V Ophthalmie^ du trichiasis, de Ventropion et de la cataracte observde en Egypte" 
(1869), sowie eine letzte Arbeit über die Pest „Derniers mots sur la contagion 
de la peste" (Marseille 1866), welche den Beschluss seiner literarischen Thätigkeit 
machte, die sich im Laufe der Jahre auch auf eine Reihe von Aufsätzen in verschie- 
denen französischen Zeitschriften erstreckt hatte. Der um die Einführung einer 
wissenschaftlichen Medicin in Aegypten hochverdiente Mann starb am 28. August 
1868 zu Marseille. 

Dechambre, XVIII, pag. 141. — Callisen, XXVII, pag. 113. Gurlt. 

/ Clowes, William C. (Lebensdaten nicht überliefert), war zur Zeit der 
Königin Elisabeth englischer Marinearzt (etwa 1570), erlangte dann in London 
eine grosse chirurgische Praxis und die consultirende Stellung am St. Bartholomäus- 
Hospital, bis er 1586 die englische Armee nach den Niederlanden begleitete. 
1596 war er königlicher Leibarzt, wieder in London ansässig und sehr gesucht 
und starb — das Todesjahr ist ebenfalls unbekannt — jedenfalls vor 1631. 
Seine Arbeit über die Inunctionscur erschien — unter etwas abweichenden Titeln — 
in vielen Ausgaben (die erste London 1575, die letzte daselbst 1637); auch die 
Belehrung über die Schusswunden wurde (London 1588, 1591, 1596, 1637) 
sehr viel benutzt. — Endlich ist der auch von Halleb (Bibl. chir.) aufgenommene 
^Right fructfull and approved treatise ofthe struma" (Daselbst 1682) anzuführen. 
Dict. hist. IL Red. 

Clusius, 8. DE l'Ecluse, Charles de TE. f 

Glutterbuck, Henry C, zu London, war 1770 zu Marazion, Co. Corn- 
wall geboren, kam mit 21 Jähren nach London in die vereinigten Hospitäler von 
Guy's und St. Thomas* und begann bald, nachdem er in London sich als Arzt 
niedergelassen hatte, die Herausgabe von „The Medxcal and Chirurgical Review", 
eines Journals, das 15 Jahre lang, bis 1807, erschien und fast allein von ihm 
geschrieben wurde. Auch verfasste er die Schriften: „An account of a new and 
successful method of treating those affections which arise from the poison of 
lead, etc." (London 1794) — „RemarJcs on some of the opinions of the late 
Mr. John Hunt er respecting the venereal disease etc." (Daselbst 1799). 1802 
ging er noch auf ein Jahr nach Edinburg und wurde 1804 in Glasgow Dr. med., 
kehrte dann nach London zurück, wurde 1807 Physician des General Dispensary 
und begann um dieselbe Zeit Vorlesungen über Materia medica und praktische 
Medicin mit sehr grossem Erfolge zu halten. Er publicirte darauf „An inquiry 
into the seat and nature of fever ; etc," (Daselbst 1807; 2. Aufl. 1825). Seine 
Stellung gestaltete sich bald so günstig, dass er als einer der ersten Aerzte in 
der City von London galt. Von seinen späteren Publicationen sind noch anzuführen : 



44 CLUTTERBUCK. — COBBOLD. 

jyObaervations ort the prevention and treatment of the epidemic fever, at present 
prevailing in this metropolis and most parts of the United Kingdom etc.^ 
(London 1819) — „An essay on pyrexia, or symptomatic fever, etc.** (1837) — 
„On the proper administration of blood-letting*^ (1840) — „Essays on infiam- 
mation and its varieties** u. s. w. Seine über theoretische und praktische Medicin 
1825 gehaltenen Vorlesungen wurden in der Lancet desselben Jahres publicirt. 
Er starb am 24. April 1856, nachdem er 6 Wochen vorher überfahren worden war. 
Munk, I, pag. 14. — Callisen, IV, pag. 229: XXVII, pag. 116. ^ 

*Clutton, Henry Hugh C. , erlangte das Baccalaureat zu Cambridge 
1872 und wurde F. R. C. S. Eng. 1876. Er fungirte als Assistant surgeon und 
Specialist für Otiatrie am St. Thomas-Hospital und trat zuert mit einer Uebersetzung 
von Esmarch's Handbuch der Kriegsverletzungen auf. Später veröflfentlichte er 
Casuistisches aus der Chirurgie und Otiatrie, speciell über Aneurysmenheilung (Clin, 
soc. Transact., Bd. XIII und Brit. med. Journ. 1880). ^^q 

*Clymer, Meredith C, Herausgeber des Medical Examiner (1838 — 1839) 
und Mitherausgeber des Journ. of nervous and mental disease (1878 — 1880), Hess 
seine erste grosse Monographie: „Fevers, their diagnosis etc," in Philadelphia 
(1846) erscheinen. Neben kleineren Schriften sind später noch „Epidemie 
cerebro-spinal meningitis** (besonders sich auf New- York beziehend ; Philadelphia 
1876) hervorzuheben. ^^^ 

Gnöffel. Zwei Brüder, Andreas und Andreas (!) 0. , von denen der 
Eine 1658, der Andere 1699 gestorben sein soll. Der ältere C. war Leibarzt 
W l a d i s 1 a u s' IV. und später Johann C a s i m i r*s von Polen. Ihm werden drei 
Schriften: „De podagra cur ata*" (Amsterdam 1643) — „üehel curirter Glied- 
schwamm"* (Leipzig 1645) — „Methodiis medendi fehribus epidemicus et pesti- 
lentialibus** (Strassburg 1655) zugeschrieben. — Der jüngere C., welcher Leibarzt 
des Bischofs von Ermland, auch der polnischen Könige Michel und Johann III. 
war, hat eine Reihe von Beobachtungen in den „Ephemeriden" der naturforschenden 
Akademie publicirt. 

Eloy kennt nur einen C. — Jonrdan spricht sich entschieden gegen die Rnbricirung 
der Brüder als Eines oder als Vater und Sohn aus; löst jedoch nicht den merkwürdigen 
Widerspruch, dass beide Brüder ohne Unterscheidung den V^ornamen Andreas sollen geführt 
haben. — Eloy, I. — Biogr. med. III. Red. 

*Coate8, Martin C. , beendigte seine Studien 1833, bildete sieh dann 
am Bartholomäus-Hospital weiter aus, wurde bald Fellow der bekannten grösseren 
Gesellschaften und 1882 F. R. C. S. Eng. Er wirkte eine Zeit lang in Paris, und 
zwar als Lehrer der Anatomie und Geburtshilfe an der Ecole pratique de med. 
Seine in der Folge herausgegebenen Publicationen behandeln sehr mannigfache 
Themata, mehrmals die richtige Anwendung der Chloroformnarkose, aber auch 
Elephantiasis, Puerperalfieber, LiSTEE'sehe Methode, Heilung von Kropf und Drüsen- 
geschwülsten mittelst Jodeinspritzung. ^^^ 

*Cobbold, T. Spencer C, zu Edinburg 1851 zum Med. Dr. promovirt, 
hat der Medicin wesentliche Dienste geleistet durch eine Reihe von Forschungen 
auf helminthologischem Gebiet. Er wirkte früher als Lecturer über i)arasitäre Krank- 
heiten am Middlesex-Hospital und hat noch jetzt die Stellung eines Lecturer über 
Botanik, Zoologie und vergleichende Anatomie an demselben Institut, sowie die 
eines Professors der Helminthologie am Royal vet. College inne. Seine Arbeiten 
bewegen sich ausschliesslich auf dem Gebiete der parasitären Krankheiten (Makro- 
parasiten heutigen Sinnes) und der Entozoenlehre. ß^^l 

*Cobbold, Charles Spencer Waller C, wurde 1874 in Würzburg 
zum Dr. med. promovirt, bildete sich praktisch besonders am St. Bartholomäus- 
Hospital aus und wurde M. R. C. P. Edinb. 1880. Er trat zuerst als Assistent an 



COBBOLD. — COCCIUS. 45 

der weiblichen Abtheilung des Middlesex-Agyl ein und wirkt zur Zeit als Med. 
Superintendent am Idioten-Asyl zu Reihill. Neben Arbeiten über die Ohrblut- 
geschwulst, ein Thema, welches er auch deutsch in seiner These behandelte, existirt 
von ihm als grössere Arbeit: „Observations on certain optical ülusiona of 
motion** (Brain 1881); mehrere Einzelaufsätze in Brain, Lancet etc. -^^^ 

Cocclietti, Carlo C, zu Mailand, war im Juli 1763 auf dem Schlosse 
Rovato im Bascianischen geboren, studirte in Padua, anfänglich die Rechte, dann 
Medicin und erhielt in beiden die Doctorwtirde. Gegen das BROWN'sche System 
sehrieb er eine „Memoria contro tale sistenia e Vabuso che se ne faceva^^, womit 
eine Reihe wissenschaftlicher Fehden eröffnet wurde. Während der politischen Wirren 
von 1797 war erMedico-direttore der Militärspitäler der lombardischen Legion und ttber- 
nahm noch andere politische Aemter. Er beschäftigte sich später mit der Reorganisa- 
tion der Militärspitäler von Mailand und wurde Chefarzt des dortigen Militärspitals von 
San Ambrogio, in welcher Stellung er bis 1814 verblieb. In dieser Zeit hatte 
auch Rasori seine Klinik eröffnet und einen „Prospetto" seiner 1807 — 8 erzielten 
Erfolge herausgegeben. C. Hess nun eine Beleuchtung dieses „Prospetto" erscheinen, 
in welcher er Rasori Ungenauigkeit der Diagnosen, wesentliche Auslassungen in 
der Darstellung, Ausbeutung der Kranken, ungehörigen Gebrauch gewisser Arznei- 
mittel, gewissenlose Neigung zu Versuchen u. s. w. vorwarf, eine Schrift, die 
grosses Aufsehen erregte. C. hat sich also das Verdienst erworben, auf die 
Gefahren sowohl des BROWN'schen als des RASORi'schen Systems aufmerksJim 
gemacht zu haben. Nachdem er 1814 in den Ruhestand getreten, lebte er noch 
bis zum November 1834. 

Schivardi, II, pag. 55. — v. Wurzbach, II. pag. 398. G. 

CoccM. Vier italienische Aerzte, von deren ältestem, Camillo C. aus Viterbo, 
nur bekannt ist, dass er des Francaciano von Bologna „De morbis venerereis*^ 
in neuer Ausgabe (Bologna 1564) erscheinen Hess. — Der berühmteste des Namens 
ist Antonio C. , zu Benevento 1695 geboren und im Januar 1758 gestorben. 
Er ging mit Lord Hastings nach London und wurde unmittelbar nach seiner 
Rückkehr Professor der Anatomie und Physiologie in Florenz. Ausser rein sprach- 
wissenschaftlichen Werken und Gelegenheitsreden haben wir von ihm: „Epistolae 
physico-medtcae*^ (1732) — „Orationes de usu artis anatomicae^ (Florenz 1736) — 
„Del vitto Pitagorico per uso della medtcina" (Daselbst 1743; auch französisch, 
Paris 1762, und englisch) — „ Dtssertaztone sopra Vuso estemo appresso gli 
antichi delV aqua fredda sul corpo umano^ (Rom 1738) — „Discorso di ana- 
tomta'^ (Florenz 1745) — „TraUato dei bagrn di Pisa'* (Daselbst 1750) — 
„Graecorum chirurgici libri^ (SORANUS und Ortbasius. Daselbst 1754) — „Dis- 
corso sopra Asclepiade^ (Daselbst 1758) und „Dei vermi cucurbitini delV uomo" 
(Pisa 1759). — Der Sohn dieses Antonio, Raimondo C. , gestorben 1775, 
war seine« Vaters Nachfolger als Anatomieprofessor und Chirurg am Hospital 
Sta. Maria Nnova in Florenz. Von ihm rühren „Lezioni fisico - ana^omiche^ 
(Livomo 1775 in 4.) her. — Endlich ist Antonio-Celestino C. zu erwähnen, 
welcher in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Rom Medicin und Botanik 
trieb. Aus seinen Schriften sind hervorzuheben: „Epistola ad Morganum de 
lente crystallina oculi, vera suffusionis sede*^ (Rom 1721 in 4.) — „Epistqlae 
physico-medicae ad Lancisium et Morganum^ (Rom 1725 in 4. ; Frankfurt 1732 
in 4.) — „Narratio de morbo variolari quo affecta est nobilis rnonialis^ 
(Daselbst 1739 in 4.) — „Lectio de musculü et motu musculoru7n" (Daselbst 1741 
und 1743 in 4.) — „Dissertatio physico - practica continens vindicias corticis 
Pe^ruviani'' (Daselbst 1746). Uffreducci. — Red. 

*CocciT18, Ernst Adolf C, am 19. September 1825 in Knauthain bei 
Leipzig geboren, studirte daselbst, sowie in Prag und Paris und war in der Augen- 
heilkunde hauptsächlich Ritterich^s Schüler. Von 1849 — 57 wirkte er als 



46 COCCIÜS. — COCKBÜRN. 

ÄBsistent und Docent, bis 1867 als ausserordentlicher Professor, seitdem ist er 
ordentlicher Professor der Ophthalmologie in Leipzig. Seine Hauptarbeiten handeln 
ober die Ernährung der Hornhaut u. s. w. , über Anwendung des Augenspiegels 
nebst Angabe eines neuen Instrumentes, über Glaucom, Entzündung und die Autopsie 
mit dem Augenspiegel , über das Gewebe und die Entzündung des Glaskörpers, 
über den Mechanismus der Accommodation des menschlichen Auges, über Ophthal- 
mometrie und Spannungsmessung, über die Diagnose des Sehpurpurs im Leben. 
Auch sind zu nennen die Abhandlungen: „lieber die in den Jahren 1868 und 
69 in den Augenanstalten beobachteten Augenverletzungen etc.^ — „De morbis 
oculi kumani qui e variolis exorti in nosocom. ophthulm. observati sunt", 

Bed. 

Cochon-Dnpny, Vater und Sohn, zwei französische Marineärzte zu Roche- 
fort, die daselbst zusammen 116 Jahre laug thätig waren. — Jean C.-D. , der 
Vater, war als Sohn des Arztes Philippe Oochon zu Niort am 11. April 1674 
geboren, übte die Praxis in La Rochelle aus, bis er 1704 nach Rochefort berufen 
wurde, wo er die erste Specialschule der Marine für Chirurgie und Anatomie 
begründete. Er machte sich sowohl um diese Schule, als bei der Bekämpfung 
von Epidemien verdient, beispielsweise einer Typhus - Epidemie 1739 und einer 
Epidemie von pestartigem Scorbut 1745, während welcher bei der Pflege von 
3000 Kranken nicht weniger als 156 Personen des Heil- und Pflegepersonals 
ihren Tod fanden. Von seinen im Druck erschienenen Schriften sind anzuführen : 
„Histoire d'une enflure au bas-ventre tr^s -particuli^e" (Rochefort 1698) — 
„Manuel des Operations de Chirurgie extrait des meilleurs livres*^ (Toulon 1726) — 
„An post gravem , ab ictu vel casu , capitis percussionem , non jiivante etiam 
iterata terebratione^ dura meninx incisione aperienda?" (Paris 1736). Er starb 
am 10. October 1757 und hatte seinen Sohn zum Nachfolger. 

Gaspard C.-D., der Sohn, war am 10. Mai 1710 zu Rochefort geboren, 
fltudirte in Paris, wo er 1734 Doctor wurde. In demselben Jahre wurde er Gehilfe 
seines Vaters und erhielt die Leitung der Schule für Anatomie und Chirurgie, sowie des 
1741 errichteten botanischen Gartens. Er theilte mit seinem Vater die Anstrengungen 
bei der Tilgung der erwähnten Epidemien und wurde 1757 dessen Nachfolger als 
erster Arzt der Marine. Er führte auch die Titel Ecuyer, Conseiller du Roi und starb 
am 7. Januar 1788, ohne als Schriftsteller aufgetreten zu sein. 

Rainguet, pag. 150. — Berger et Rey, pag 53. 0. 

*Cock, Edward C, beendete seine medicinischen Studien in London um 
1828, wurde F. R. C. S. Eng. 1843, wirkte am Asyl für Taubstumme, sowie als 
Consulting surgeon am Guy's Hospital, dessen Reports er eine Zeit lang edirte. 
Als Schriftsteller trat er auf mit einer „Practical anatomy of the head, neck 
and ehest ^ — „Congenital malformations of internal ear" ^ mit n^orfy cases 
of retention of urina in which the bladder was punctured per rectum" und 
mit mehreren Beiträgen zu den Krankheiten der Blase. Diese Arbeiten finden sich 
in den Guy's hosp. Rep., den Med.-chir. transact., der Med. Gazette. ^^^ 

Cockburn, William C. , bedeutend durch die kritische Schärfe seiner 
Schriften, war Mitglied der Royal Soc. und des Collegs der Aerzte in London. 
Sonstige biographische Details über ihn fehlen. Abgesehen von der Schneidigkeit, 
mit welcher er gegen die voreilige Anwendung der Chemie auf Physiologie und 
Pathologie kämpfte, gelang es ihm, die übertriebenen Vorstellungen, welche dele 
Aerzte seines Zeitalters über die Beziehungen der Ürethralausflüsse zur Syphilis 
hatten, wesentlich zu reduciren und die Existenz gutartiger Urethralkatarrhe nach- 
zuweisen. Schriften: „Oeconomia corporis animalis" (London 1695, Augsburg 

1696) — „On the nature, catises, symptoins and eure of the distempers^ that 
are incident to seafaring people" (hauptächlich über Scorbut handelnd; London 
1696, 1739; lateinisch, französisch, deutsch, holländisch; Fortsetzung: London 

1697) — „Profluvia ventri" (London 1702) — ;,The Symptoms^ nature, cau^es 



COCKBURN. — COEN. 47 

and eure ofa gonorrhoea^ (Daselbst 1.713, 1716 und 1718; auch lateiuisoh 
und französisch) — „Cure of loosenesses^ (London 1721). 

Biogr. m6d. III. Red. 

*Cockle, John C, wurde zu Aberdeen 1846 promovirt, wurde F. R. C. S. 
Eng. 1847, F. R. C. P. London 1867. Hat verschiedene Ehrenstellen an mehreren 
Instituten der Hauptstadt inne und ist in Thätigkeit als Examinator und Physician 
des Royal nat. hosp. for eonsumption und der Infirmary for consumption. Beine 
Hauptarbeiten sind: „On the poison of the cobra di capello" (1852), Verschie- 
denes über das Herz und die grossen Gefösse (im Med. mirror. Vol. 1) — „On the 
surgical treatment of aortic aneurysm** (1876) — „On intrathoradc Cancer" 
(1865) — „Contributions to cardiac pathology" (1880) — ^On insuffidency of 
the aortic valves in connexion vnth sudden death" (2. Aufl. 1880). ^^^ 

*Codoniiu y Niete, D. Antonio C, ist am 11. Juni 1817 zu Clot, 
einem Flecken ausserhalb Barcelona's, geboren. Mit seinem Vater D. Manuel 
Codorniu y Ferreras, Director beim Militär - Sanitäts - Corps , kam er nach 
Sevilla, später nach Mexico, von da nach Paris und darauf nach Madrid, wo er 
sich der Medicin zu widmen begann. Er diente eine Reihe von Jahren als Arzt 
in der Armee und wurde 1843 als Chef des Militär - Sanitätsdienstes nach den 
Philippinen versetzt, nachdem er von 1839 an das „Bolettn de Medictna, Girurgia 
y Farmada*^ redigirt hatte. Er blieb daselbst bis 1856, wurde Mitglied der 
Junta superior de Sanidad, redigirte die Reglements für die Ausübung der Pi'axis 
auf den Philippinen und für die Sanitäts-Polizei im Hafen von Manila und machte sich 
1854 beim Ausbruch der Cholera durch die ergriflenen Sanitätsmassregeln verdient. 
Naeh seiner Rückkehr nach Spanien war er Inspector erster Classe beim' Militär- 
Sanitäts-Corps. Er gab heraus ein „Cainpendio de la Historia de la Medicina", 
übersetzte Boüillaüd's „Füoaofia mSdtca", sowie Teoüsseau und PiDOUX* 
„ Terapeutica y materia mddica" und verfasste eine „ Topografia midica de las 
islas Füipinas*' (Madrid 1857). In Manila hat er eine Zeitschrift „La Estrella" 
herausgegeben. 

Ovilo y Otero, I, pag. 179. G. 

/ Codronclli, Battista C, berühmter italienischer Arzt aus Imola, wo er 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte; er hatte grossen Ruf und hinterliess 
eine Menge Schriften und Werke, welche alle tiefes Wissen und Originalität bezeugen ; 
eines derselben möge hier aus dem Grunde angefahrt werden, weil es, als das 
erste, sieh über gerichtliche Medicin verbreitet: „De vitiis vocis libri duo, in 
qutbus non 8olum vocis definitio traditur et explicatur, sed illius dißer&ntiae, 
instrumenta et causae aperiuntur ; ultimo de vocis conservatione, pra^servatione, 
ae vitiorum ejus curatione tractatus; opus ad utüitatem concionatorum prae- 
cipue editum: cui accedit consüium de raucedine ac methodus testificandi in 
quibusvis casibus medicis oblatis etc." (Frankfurt 1597); — femer: „De morbis 
veneficis et veneßciis libr, IV" (Venedig 1595; Mailand 1618) — „De rabie, 
Aydrophobia communiter dicta libr. II; de sale ahsynthii libellus ; de iis qui 
aqua immerguntur opusculum, et de elleboro commentarius" (Frankfurt 1610). 
Auch ein geographisch-mediciniscbes Werk über die Krankheiten in Imola (Bolo- 
gna 1603) und ein Commentar über die klimakterischen Jahre. Das älteste der 
Bücher C.'s : „De Christiana ac tuta medendi ratione libr, 11" ist in Ferrara 1591 
nnd nachmals in Bologna 1629 aufgelegt. Unger. — üffreducci. 

GoeB, Giuseppe C, zu Venedig, war 1812 im Venezianischen geboren, 
studirte die Chirurgie, wurde Assistent des Spitals zu Venedig , erwarb die medi- 
einiscbe Doctorwürde, zeichnete sich während der Cholera-Epidemien aus und hat 
besonders das Verdienst, die classischen Werke von A. Cooper, Dupuytren, 
Baudrlocqüe, Sanson, Larrey, Velpeau, Deveroie u. A. in's Italienische 
übertragen und mit Anmerkungen und Zusätzen versehen zu haben. Er Hess 



48 COEN. — COHAUSEN. 

Abhandlungen über das Kreosot und über die Lagenveränderungen des Uterus er- 
scheinen, veröffentlichte viele Krankengeschichten und im Ateneo veneto „Fasti della 
medicina italiaiia" sowie daselbst auch einen Vergleich der drei berühmten gleich- 
zeitigen Chirurgen Scarpa, A. Coopeb und Dupuytren, unter denen er seinem 
Landsmanne den Vorzug gab. 1841 begann er die Herausgabe der grossartig 
angelegten „Enciclopedia chirurgica^ , an der sich bald die ersten Chirurgen 
Italiens betheiligten. Im besten Mannesalter erlag er am 18. Mai 1856 einem 
langen und schweren Leiden. 

V. Wurzbach, 11, pag. 402. G. 

Coeper, Johann C, zu Bremen, war daselbst am 19. Januar 1615 
geboren, studirte auf deutschen und holländischen Universitäten, wurde 1643 zu 
Basel Doctor, machte Reisen durch Frankreich und Italien, Hess sich 1644 als 
Arzt in Bremen nieder, wurde 1651 Professor der Medicin am dortigen Gymnasium 
illustre, 1650 dritter Physicus und 1666 wirklicher Physicus. Er schrieb in der 
Zeit von 1655 — 1660 eine Anzahl von Dissertationen, von denen die im erst- 
genannten Jahre erschienene „De circulatione sanguinis^ die bedeutendste ist, 
indem er darin die HARVEY'sche Lehre entwickelte und begründete, gegenüber 
der älteren Meinung. Er starb am 23. December 1672. 

Bremißche Aerzte, pag. 114. G. 

Coetsem, Ch. A. van C. , Sohn eines Arztes, geboren 1788 zu Genf, 
wurde Dr. med. zu Leyden 1814. Nach seiner Rückkehr, aus den Kämpfen bei 
Leipzig lehrte er menschliche Anatomie zu Genf an der Medicinschule und wurde 
nach der Gründung der Universität an dieser innerer Kliniker. Seine Werke: 
„Medicinae theoreticae conspectus etc."^ (Gent 1825) — „Traiti Üimentaire de 
midecine Ugale^ (Daselbst 1827) und „Recherches cUniques .... sur Vinflam- 
mation aigue de Varachnöide cerSbrale etc,^ (Daselbst 1830) genossen eine Zeit 
lang Ruf. Er gehörte der belgischen Akademie der Medicin von 1841 (dem Jahre 
ihrer Begründung) bis 1865 (seinem Todesjahre) an. ^^n den Corput. — Red. 

*Cogllill, John George Sinclair C, bildete sich wesentlich in Edin- 
burg aus, wo er 1857 promovirt wurde. Den Grad als F. R. C. P. Edinb. erlangte 
er 1864. C. fungirte dann längere Zeit als Lecturer über allgemeine Pathologie 
und pathologische Anatomie an der Edinburger medicinischen Facultät, war Demon- 
strator für Anatomie an der Universität Glasgow 1858 — 1861, auch consultirender 
Arzt am General-Hospital in Shanghai.' Nach England zurückgekehrt, lebt er auf 
der Insel Wight und hat eine Reihe von Arbeiten publicirt, aus welchen der Her- 
vorhebung bedürfen die „Pathologie and treatmerU of irritable uterus^ (Glasg. 
med. Journ. 1859) — „New Operation for vesico-vaginal fistula" (Lanoet 1859) — 
„Antiseptic Inhalation in pidmonary affections** (Lancet 1877) — n^he hypo- 
phosphitea in phthisis^ (Ebenda 1879). 'Red. 

Gogrossi, Carlo Francesco C, italienischer Arzt aus dem Vene- 
tianisehen, wurde 1681 geboren, promovirte in Padua und erhielt daselbst 
1710 eine Professur für Medicin. Er eröffnete seine Lehrthätigkeit mit der Disser- 
tation: „De medicoruin virtute adver sus fortunam^ (Brescia 1721), schrieb später 
Mehrere« über Chinarinde (1711, resp. 1716), sowie über die contagiöse Verbreitung 
der Rinderpest (Mailand 1714) und zeigte sich in seinen allgemeineren Auff'assungeu 
vielfach seiner Zeit voraus. So zeugen hiervon: sein Beweis, dass es keine Universal- 
medicin geben könne (Padua 1723), seine Vorlesung über die Pest (1727) imd 
„De epidemia rheumatica" (Daselbst 1731). — Erwähnenswerth sind auch „Saggi 
della medicina Italiana etc." (Daselbst 1727). Unger— Uffroducci. 

Cohansen, Johann Heinrich C, geboren 1665 zu Hildesheim, gestorbea 
am 13. Juli 1750, hatte in Frankfurt a. 0. Medicin studirt, daselbst 1699 die 
Doctorwürde erlangt, wandte sich dann nach Münster in Westphalen und wurde 



COHAUSEN. — COHNHEIM. 49 

1717 Leibarzt de« Bischofs. Seine Schriften sind polemisch-satirischer Natur und 
tragen in ihrer wüsten Gelehrsamkeit und dem Mangel jeder Kritik den Stempel 
des 17. Jahrhunderts. Am bekanntesten ist darunter die nach seinem Tode her- 
ausgekommene „Der vnederlebende Hermtppus oder curieuse physikalisch' 
medizinische Abhandlung von der seltenen Art, sein Leben durch das Anhauchen 
junger Mädchen bis auf 115 Jahre zu verlängern^. (Gedruckt in der alten 
Knaben Buchdruckerei, 1753.) 

Biogr. in6d. III, pag. 296. — Biogr. tmiv, — Deutsche Biographie. 

W. Stricker. 

* Cohen, Levi Ali C, am 6. October 1817 zu Meppel (Drenthe) geboren, 
Btndirte in Groningen vorzugsweise unter J. Baaut de la Faille, Sebastian 
und Strating sen. und promovirte 1840. Von 1840 — 1865 war er praktischer 
Arzt in Groningen, 1865 — 1869 Inspector . vom Geneeskundig Staatstoezicht för 
die Provinzen Overyssel und Drenthe und danach fftr die Provinzen Friesland und 
Groningen. Schon als Student beantwortete er mit Erfolg zwei geologische Preis- 
fragen und auch nach seiner Promotion beschäftigte er sich viel mit hebräischer 
Literatur und Dichtkunst. Er publicirte: „Het wezen en de rationele behandeling 
van den zozgenaamden Diabetes mellitus^ (1845) — „Nieuw statistisch Jaarboek 
voor het Koningryk der Nederlanden*^ (VI. Jahrg. 1847 — 52) — „Handboekje der 
openbare Gezondheidsregeling en der geneeskundige Politie^ (2 Tbl., 1872) und 
sehr viele medico-politische und hygienische Beiträge in verschiedenen Zeitschriften. 

C. E. Daniels. 

* Cohen, J. Solis C. , Arzt für Kehlkopf- und Athmungskrankheiten in 
Philadelphia und 1880 — 1881 Mitherausgeber des dort erscheinenden Archives of 
Larvngology, publicirte in den Jahren 1867 — 1882 eine grosse Reihe auf die 
Therapie der Respirationskrankheiten bezüglicher Arbeiten, so über Inhalation, 
Laryngoskopie, primäre Tuberculose des Larynx etc. Hervorzuheben ist: „Diseases 
of the throat, a guide to the diagnosis and treatment of affections of the pharynx^ 
Oesophagus, trachea, larynx and nares"' (New- York 1872) und „Croup, its 
relations to tracheotomy^ (Philadelphia 1874). ^^^ 

Cohn, Bernhard C, ist der Verfasser von ^De embolia ejusque sequelis 
experimenta nonnulla*^ (Breslau 1856) und „Klinik der embolischen Gefäns- 
krankheiten etc.** (Berlin 1860). ^^^ 

'''Cohn, Hermann C, geboren zu Breslau am 4. Juni 1838, studirte 
1857 — 60 Naturwissenschaften, besonders Physik und Chemie in Breslau und 
Heidelberg bei Bunsen, Kiechhoff und Helmholtz, promovirte als Dr. philos. 
am 20. October 1860 in Breslau auf Grund einer bei Bunsen gearbeiteten Disser- 
tation: „De acido hypochlarico^ , studirte dann bis 1863 Medicin in Breslau und 
Berlin und wurde Med. Dr. an letzterer Universität. Zuerst Förstbr*s Assistent, 
und zwar bis 1866 , wirkte C. von diesem Jahre ab als Augenarzt in Breslau, 
dann seit 1868 als Docent und seit 1874 als ausserordentlicher Professor daselbst. 
Schon mit seiner ersten Arbeit: „Untersuchungen der Augen von 10,060 Schul- 
kindern nebst Vorschlägen zur Verbesserung der den Augen nachtheiligen 
Schuleinrichtungen" (Leipzig 1867) trat C. in die später von ihm mit Consequenz 
und Erfolg cultivirte Richtung der ophthalmologischen Schulhygiene ein. Weitere 
Pablleationen sind: y^Schussverletzungen des Auges" (Erlangen 1872) — „Vor- 
arbeiten für eine Geographie der Augenkrankheiten" (Jena 1874) — „Die 
Sckulhäuser und Schultische auf der Wiener Weltausstellung" (Breslau 1873) — 
„Studien über angeborene Farbenblindheit" (Breslau 1879) — „Die Hygiene 
des Auges in den Schulen" (Wien 1883). Ausserdem 89 in Journalen zerstreute 
AnMtze, meist ophthalmologisch-hygienischen Inhaltes. I^ed 

^CohnheiHl) Julius C, am 20. Juli 1839 zn Denmiin in Pommern geboren, 
besuchte die Universitäten Würzburg, Marburg, Greifswald, Berlin und trat hier 
als Assistent bei VraCHOW 1864 ein. Von 1867 — 1872 wirkte er als Professor 
Bio^. Lexikon, ir. 4 



50 COHNHEIM. - COINDET. 

der pathologischen Anatomie in Kiel, bis 1878 in Breslau und von 1878 bis jetzt 
in Leipzig. C. ist der Verfasser einer Reihe von experimentellen Arbeiten, bei 
welchen zum Theil neue, sich bald Bahn brechende Untersuchungsmethoden zuerst 
angewendet wurden , so in der Arbeit : ^ lieber Structur quergestreifter Muskel- 
fasern*^ (ViRCHOw's Archiv, 1865?), die Gefriermethode — „Die Nervenendi- 
gungen in der Cornea^ (ViECHOw's Archiv, 1866), die Goldmethode. Weitere 
Publicatiouen sind: „Die Trichinenepidemie zu Hedersleben etc.^ — „Ueber das 
Knochenmark bei prim, Anämie" (1876). Mehrere Arbeiten über Entzündung 
(ViKCHOw's Archiv, Bd. XL). Neue Untersuchungen (Berlin 1878) und verschiedene 
polemische Artikel. y,Der embolische Process" (Berlin 1869). Arbeiten über 
Tuberkulose (mit B. Fbänkel, 1868; mit Salomensen, 1877, wobei die Impfungen 
in die vordere Augenkammer zur Anwendung kamen). Ferner: „Die Tuberculose 
vom Standpunkte der Infectionslehre" (Leipzig 1879 und 1881). Sein Hauptwerk 
ist die „Allgemeine Pathologie^ (Berlin 1878). Ausserdem zahlreiche Arbeiten 
mit Schtilem, die mit dem Titel : „Au^ dem pathologischen Institute zu Leipzig*^ 
m ViECHOw's Archiv und Klebs' Archiv veröffentlicht sind. ^^^j 

*Cohnstein, Isidor C, zu Gneseu am I.August 1841 geboren, wurde 
nach Besuch der Universitäten Berlin, Prag (Seyfferdt) und Heidelberg 1864 pro- 
movirt. Seit 1866 als Arzt, seit 1871 als Frauenarzt und Geburtshelfer, seit 1877 
als Docent an der Universität Heidelberg thätig, verfasste C. ausser der Arbeit : 
;, Ueber den Muskeltonus** (von der Akademie in Brüssel preisgekrönt) ein Reihe 
gynäkologischer Schriften, darunter: „Zur Therapie der chronischen Metritis** — 
;, Ueber chirurgische Operationen bei Schwangeren** — ;, Ueber alte Erstge- 
bärende** — „ Ueber ein neues Perforationsverfahren** — „ Ueber Vaginitis 
exfoliativa** — „Untersuchungen übet' die Innervation des Uterus**, sowie ein 
„Lehrbuch der Geburtshilfe** und einen „Grundriss der Gynäkologie**. ^^^ 

Coindet. Die Genfer Arztfamilie Co in de t beginnt mit Jean Fran^ois 
C, der, 1775 geboren, zu Edinburg am 24, Juni 1797 seine Dissertation „De 
vartolis** vertheidigte, zu Genf als Oberarzt der Militär- und Civilspitäler wirkte, 
noch ein „MSm. sur VhydrencSphale** (Genfund Paris 1817), sowie „Observations 
sur le diabUe** (M^m. de la soc. m6d. d'6mulation 1799) schrieb und 1834 starb. — 
Von seinen beiden Söhnen ist der weniger berühmte Jean Charles C, ebenfalls 
zu Edinburg ausgebildet und daselbst mit der Diss. „De renum pathematibus** 
(1820) promovirt, dem ausserdem ein „Memoire sur Vhygihne des condamnSs , 
dStenus dans la prison pinitentiaire de GSneve** (Paris 1838) zugeschrieben 
wird; — der bedeutend berühmtere Charles W. C, der mit LüGOL in Paris 
das von Couetois entdeckte Jod und Jodkalium in die Praxis einführte und auch 
sonst eine Reihe bedeutender pharmacologischer Arbeiten publicirte. Der Hervor- 
hebung bedürfen: „Dicouverte d\in nouveau remkle (Jodine) contre le goitre** 
(Bibl. univ. de G6n6ve 1820; vielfach abgedruckt, auch einzeln) — „Xouvelles 
recherches sur les effets de Vwdine etc,** (Ebenda 1821) — „Notice sur Vad- 
ministration de Viode par frictions etc,** (Bäyle, Bibl. de Th^rap. 1828, T. I) — 
„Observations on the remarkable effects of iodine in bronchocele and scrophula** 
(London 1821) — „ConsidSrations sur la production de Vacide urique** (Bull, 
imiv. de G6nfeve 1825); ferner Experimentelles über Oxalsäure, Mohnsaft etc. 
— C. lebte ebenfalls in Genf, war Mitglied der medicinisch-chirurgischen 
Societät in Edinburg und vieler gelehrter Gesellschaften. — Endlich ist L6on- 
Alex.-Hipp. C. zu erwähnen, der 1828 — 1870 lebte und sich durch epidemiolo- 
gische und militärchirurgische Publicationen einen Namen machte, in denen gleich- 
zeitig seine verschiedenen Wirkungskreise angedeutet sind, so: „ConsidSrations 
sur les fikvres de VAlgSrie** (Paris 1851) — „Quelques reßexions j!?ra^«'^W6?« 
sur un cas de vaste plaie transversale de la rigion thyropyo'idienne** (Paris 
1859) — „Le Mexique cansidSrie au point de vue midico-chirurgical** , 

Ind. Cat. Vol. HI. — Callisen, IV, XXVII. Red. 



COINDBE. — COLBATCH. 51 

Coindre, Jean-Jacqaes C, franzödischer Chirurg, aus Lyon, geboren 
um 1735 daselbst, der während der Revolution hingerichtet wurde (1793). Er- 
wähnenswerth ist seine Abhandlung : „Memoire sur la translatioii des Cimet f^res 
hors de la ville^ (Lyon 1791). ünger 

^Coiter, Vo Icher C, im Jahre 1534 zu Groningen geboren, ging 1555 
nach Italien, um in Pisa unter Falloppio Anatomie zu studiren. Später folgte er 
dem Unterrichte von Eustachio in Rom , von Aranzi in Bologna und von Rox- 
DRLET in Montpellier und wurde von da im Jahre 1569 als städtischer Arzt nach 
Nürnberg gerufen. Obgleich 1555 — 1560 mit erheblichen finanziellen Unter- 
stfltzungen seitens der Regierung von Groningen ausgestattet, kehrte er nicht in 
sein Vaterland zurück, als er dieses Amt niederlegte, sondern wurde Militärarzt 
in der deutschen Armee unter Johann Casimir Palatinus und starb 1590 
(nach Anderen bereits 1576). — In seiner ersten Arbeit; y,De ossibus et cartila- 
ginibus corporvt humani" (Bologna 1566) handelt er über Osteologie, in seiner 
1 659 durch H. Eyssoxius veröffentlichten Abhandlung : ^ Tractatus anatomicus de 
ossibus foetus abortivt et infantis dimidium anni nati" speciell über Osteo- 
genese und gab eine sehr gute Beschreibung und die ersten Abbildungen vom 
fötalen Skelet, welche beide später durch Riolaxcs, ohne C.'s Namen zu nennen, 
übernommen sind. Seine ^Tabulae externariim et mternarum humani corporis 
partium** (Nürnberg 1572 und Löwen 1653) bilden einen wahren Atlas der 
topographischen Anatomie, da stets auf den Zusammenhang der einzelnen Theile 
in gewissen Strecken und zu gewissen Zielen hingewiesen wird. Die Entwicklung 
des Eies hat er sehr genau studirt, so dass man ihm die Entdeckung der Corpora 
lutea hat zuschreiben wollen, was jedoch der nöthigen Bestätigung entbehrt, 
obgleich seine Beschreibung der Ovarien Aufmerksamkeit verdient. Nicht weniger ist 
dies der Fall mit seinen Mittheilungen über die Knochen und Muskeln des Gehör- 
organs, über den Nervus opticus, dessen Zusammenstellung er in Streit mit der 
Galenisehen Auffassung richtig beschreibt, über die durch ihn zum ersten Male 
beschriebenen Ganglien der Rückenmarksnerven und über den Ersatz des Humor 
aqueas nach Verletzungen der Augen. C. war ferner der «Entdecker der obersten 
Nasenmnskeln (durch Santorinus als Musculi proceres oder Santorini benannt) 
und der Entdecker des Musculus corrugator supercilii, den er sehr gut beschrieb. 
Vom Nutzen der pathologischen Anatomie war er so überzeugt, dass er die Ob- 
dnctionen aller Kranken, die an unbekannten oder occulten Krankheiten gestorben 
waren, verlangte. Dass er Vivisectionen an Katzen gemacht hat, zeigen seine 
Mittheilungen über die Herzwirkung. Sehr grosse Verdienste hat C. sich noch 
dnrch die Veröffentlichung seiner „Diversorum animalium aceletorum explicationes 
icanibus artificiosia et genuinis illttstratae" (Nürnberg 1575 und 1595) um die 
vergleichende Anatomie erworben , besonders durch die darin enthaltenen Bemer- 
kungen über die Schädelform des Menschen, des Affen und anderer Thiere. 

Hai 1er giebt an, dass C. auch „Observationes medico-chirargicae" (Nürnberg 1572) 
geschrieben habe, ^orin ^multa saut melioris notae" ; dieses Werk ist mir jedoch nie zu 
Oesicht gekommen. C. E. Daniöls. 

Gol de Villars, Elie C. de V., 1675 in La Rochefoucault (Angoumaix) 
geboren, Protestant, dann Renegat, Erzieher und erst von 38 Jahren Dr. med., 
wurde auf den Lehrstuhl der Chirurgie zu Paris berufen, war 4 Jahre hinterein- 
ander Decan der Facultät und königlicher Leibarzt und starb 1747 unmittelbar 
nach seiner Berufung zur Professur der Materia medica. Wir haben von ihm: 
jfCoura de Chirurgie etc," (Paris 1738 — 1741) und das „Dicticnnaire frangois- 
latin des termes de m4decine et de Chirurgie^ (Fortsetzung des vorigen, Paris 
1740, 1760). 

Dict. hist. II. Red. 

Colbatch, John C, eigentlich Apotheker, wurde Mitglied des Londoner 
Aerzte-Collegiums und beschäftigte sich sehr intensiv mit Blutstillung und sonstigen 

4* 



5:> COLBATCH. — COLDEN. 

chirurgischen Heilmitteln. Hievon legen Zeugniss ab: „A new light of chirurgery 
vindicated from the many ingest CLspersions*' (London 1695, 1699) — „Relation 
of sudden and extraordinary eure of a person" (Daselbst 1698) — „A treatise 
on the gout^ (Daselbst 1697). Ansserdem schrieb er über Sauren und Alkalien 
in Säufercuren, über die Alkalescenz des Blutes und Aehnliches. 

Biogr. m^d. III. Red. 

Colberg, August C, zu Kiel, pathologischer Anatom, war am 23. August 
1829 zu Oderberg in der Provinz Brandenburg geboren, siedelte in seinen eisten 
Jjebensjahren mit seinem Vater, Apotheker, nach Halle über, studirte von 1850 
an daselbst und in Göttingen Medicin, oft gestört durch ein Knieleiden, das aus 
frühester Jugend stammte und ihn fast sein ganzes Leben lang gequält hat. 
Er wurde 1856 mit derDiss. : „De rattone quae tntereat inter emphyaema atque 
pidmonum tuberculosin" Doctor, war 1856 — 58 in Würzburg und Berlin ein 
enthusiastischer Schüler von Virchow, entschloss sich, da sein körperliches Leiden 
die praktische Laufbahn sehr erschwerte, Docent der pathologischen Anatomie zu 
werden, habilitirte sich 1863 in Halle mit der Commentatio pro venia docendi: 
„Observationes de penitiore pulmonum structura et physiologica et pathologica^ 
und war vor und nach dieser Zeit für die Halle'sohen Kliniker und die übrigen 
Aerzte der Stadt der stets bereite Freund und Berather in pathologisch-anatomischen 
Dingen. Die Hettstädter Trichinen-Epidemie 1864 gab ihm Gelegenheit, „Patho- 
logisch-anatomische Untersuchungen über die Veränderungen der Muskelfasern 
beider Trichiniasis" (Deutsche Klinik, 1864) anzustellen; seine weiteren Erfahrungen 
über diese Krankheit stellte er in einem amtlichen Gutachten: „Die Trichvien- 
kranhheit in Bezug auf das öffentliche Gesundheitswohl" (Magdeburg 1864) 
zusammen. In demselben Jahre noch wurde er als Prof. e. o. der pathologischen 
Anatomie nach Kiel berufen, wurde 1868 Prof. ord. und vollendete daselbst für 
das neubegründete Deutsche Archiv für klinische Medicin eine grössere Arbeit: 
„Beiträge zur normalen und pathologischen Anatomie der Lungen" (1866). 
Im Sommer 1867 stellte sich mit Bestimmtheit ein Brustleiden bei ihm heraus, 
welche^, mit mancherlei. Complicationen, bereits in Jahresfrist am 3. Juli 1868 seinen 
Tod, der zu Halle erfolgte, herbeiführte, ehe es ihm vergönnt war, seine zahlreichen 
angefangenen Arbeiten, die noch eine erhebliche Förderung der Wissenschaft in 
Aussicht stellten, zu vollenden. Ausser den angeführten Arbeiten finden sich noch 
einige weitere in Müller*s Archiv (1856, zusammen mit R. Heidenhain) über 
den Blascnschliessmuskel , im Archiv für Ophthalmologie (Bd. Vlll) über Iritis 
gummosa, in den Charit6-Annalen (1862) über gelbe Leberatrophie u. s. w. 

Alberti, I, pag. 142. — Ziemssen im Deutschen Archiv für klinische Medicin. 
Bd. IV, 1868, pag. 616. ^^ 

*Cold, Daniel Henrik Otto C. , zu Fredensborg (Själland) am 
17. August 1827 geboren, studirte auf der Kopenhagener Universität (Ipsex, 
EsCHHiCHT, Stkin, Fengeb, Christensen), Promovirt 1858, wirkte er schon vor- 
her seit 1854 als praktischer Arzt in Frederiksvärk, seit 1862 als Districts-, seit 
1866 als Amtsarzt und seit 1880 als consultirender Arzt in Kopenhagen. Von 
ihm rühren her: „Laegerne og Laegeväsenet under Christian den Fjerdes Re- 
gjerinq" (1588 — 1648) — „Om Betingelser for Sundhed" und eine Reihe von 
Artikeln, betreffend medicinische Statistik, Topographie und das dänische Medieinal- 
wesen in verschiedenen dänischen medicinischen Zeitschriften. Petersen. 

Colden, Cadwallader C, amerikanischer Arzt und Naturforscher, war 
am 17. Februar 1688 zu Dunse in Schottland geboren, studirte bis 1708 in Bdin- 
burg, kam 2 Jahre später nach Pennsylvanien, wo er bis 1715 prakticirte, ging 
dann nach England, kehrte aber 1718 nach Amerika zurück und Hess sich in 
New York nieder. Er wendete seine besondere Aufmerksamkeit den Naturwissen- 
schaften zu; so der amerikanischen Flora, aus welcher von Ltnne eine Pflanzen- 



GOLDEN. — COLETTI. 53 

^ttung ihm zu Ehren „Coldenia^^ genannt wurde, und der Meteorologie; auch 
verfasste er einige physikalische und botanische Schriften und Abhandlungen. Er 
war einer der Ersten, der bei Fiebern die abkühlende Behandlung empfahl. 1741, 42, 
bei einer Typhusepidemie in New York, wies er in einer Denkschrift die Entstehung 
derselben aus den ungesunden Bodenverhältnissen nach, publicirte Abhandlungen: 
„On the eure of Cancer" und über epidemische, weit verbreitete Halsentzündungen 
(American Museum, 1753). In der späteren Zeit seines Lebens übernahm er ver- 
schiedene politische Aemter, wurde, nachdem er ein Stück Land 1755 angekauft, 
das er Coldenham (bei Newburgh) nannte und mit seiner Familie bewohnte, 1761 
Lieutenant Govemor von New York und starb am 28. September 1776 auf einem 
Landsitze auf Long-Island, indem er eine beträchtliche Menge von wissenschaftlichen 
Arbeiten in Manuscripten hinterliess. 

Amer. Med. and Phil. Reg. 1814, 2. edit., I, pag. 297. — Thacher, I, pag. :^34. 

G. 

Cole, William C. , geboren in dep ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 
ward im Jahre 1666 Doctor der Medicin in Oxford und prakticirte in der Folge 
in Bristol. Er war ein Freund Sydenham's, jedoch, ungleich diesem, Hypothesen 
sehr ergeben. Hauptsächlich Anhänger der iatromechanischen Schule, verschmähte 
er es nicht, für seine Lehren auch in der Chemie Stützen zu suchen und so eine 
Verbindung der beiden Richtungen herbeizuführen. Seine Werke leiden an Dunkel- 
heit und Unklarheit des Ausdruckes, enthalten aber manche Wahrheiten, so z. B. 
dass der Gesammtdurchmesser der Arterien mit ihrer Entfernung vom Herzen 
zunehme. Hauptwerke sind: „Tractatus de secretione animali" (Oxford 1674, 12.) 
und „Novae hypotheseos^ ad explicanda febrium mtenmttenttum symptomata 
et typos excogüatae hypotyposis, Una cum aettologia remediorum ; speciatim- 
vfTO de curatione per corticem pencvianum, Accesstt dissertatiuncula de tnte- 
stinorum motu peristaltico" (London 1694; beide auch zusammen mit Morton's 
Werken, Amsterdam 1698, 8.). M^x Salomon. 

Coler, Johann C, deutscher Art, schrieb von 1592 — 1632 über Agri- 
eultur und Oekonomie, auch über die Zucht des Seidenwurmes. 

Biogr. iiniv. W. Stricker. 

* Coler, Alwin C. , geboren am 15. März 1831 zu Groningen, Kreis 
Halberstadt, studirte von 1852 — 1856 Medicin auf den militärärztlichen Anstalten 
zu Berlin. Als Stabsarzt während der Feldzüge von 1864 und 1866 zeichnete er 
sieh aus und wurde 1867 zum Medicinalstabe der preussischen Armee commandirt, 
um 1868 als Decernent in das Kriegsministerium einzutreten. In dieser Stellung 
verblieb er auch, als 1874 seine Ernennung zum Generalarzt (seit 1883 I. GL) 
erfolgte. 0. hat sich um die in den Jahren 1868 und 1873 innerhalb des preussi- 
schen Militärmedicinalwesens erfolgten Reformen, sowie um die verbesserte Organi- 
sation des Feldsanitätswesens — 1878 — wesentliche Verdienste erworben. Auch 
sind seiner Initiative die Operationscurse für active und dem Beurlaubtenstande 
Angehörige Aerzte, sowie andere für die wissenschaftlich-technische Ausbildung der 
Militärärzte wichtige Einrichtungen zu verdanken. -^lqA 

Coletti, Ferdinando C, geboren am 16. August 1819 in Tai di Cadore, 
gestorben am 27. Februar 1881 in Padua, war Sohn armer Eltern und studirte 
in Padua, wo er 1845 zum Doctor promovirt und dann Assistent der Lehrkanzel 
fdr allgemeine Pathologie und Pharmakologie unter Professor Steeb wurde, welchen 
er öfter in seinen Vorlesungen supplirte. Im Jahre 1848 verliess er diese Stellung 
und wurde Mitglied der provisorischen Regierung von Padua, als Chef der öffent- 
lichen Gesundheitspflege, weshalb er nach der Rückkehr der Oesterreicher aus- 
wandern musste und in Genua als Arzt prakticirte. In den ersten Monaten des 
Jahres 1849 ging er nach Venedig und blieb hier als Arzt des Militärspitals bis 
zur Capitulation der Stadt, kehrte dann nach Padua zurück und wurde hier Privat- 



54 COLETTI. — COLLAS. 

docent der allgemeinen Pathologie und der Pharmakologie. In dieser Periode ver- 
öffentlichte C. verfichiedene Werke, die ihm einen Namen machten : j^Dublio sulla 
diatest iposUnica^ — „JUonografia sulV azione chlV arsenico" (1863) — 
„Galateo dei medici e dei malati^ u. s. w. und gründete die ,,Gazetta medica 
italiana, province Venete" , welche er 23 Jahre lang redigirte. Gleichzeitig ent- 
faltete er hei dem geheimen Comitato veneto auch eine politische Thätigkeit, bevor 
1866 Venedig endlich an Italien abgetreten wurde. Nachdem dies geschehen, 
schlug die medicinische Facultät von Padua C. für die freigewordene Lehrkanzel 
der Phainiakologie und Pharmakognosie vor. Als Prof. ord. gründete er das 
pharmakologische Museum in Padua und gab seinen Studien eine experimentelle 
Richtung. Besonders hervorzuheben sind seine Studien über Chinin und dessen 
Surrogate, namentlich Cinchonidin, wie auch über die Wermuthessenz ; eine kritische 
Arbeit über die 1877 für Italien herausgegebene Militärpharmakologie und seine 
„Mevxoria sulla cura biologtca dei veneßcii secondo la scuola tossilogica ita- 
liana^J Zugleich beschäftigte er sich viel mit hygienischen Studien, die er zu 
popularisiren versuchte und wurde eifriger Verfechter der von Barellai angeregten 
Gründung der Ospizii mariui für ScrjDphulöse und Rachitische imd der von GoRiiJi 
eingeführttn Leichenverbrennung. Cantani. 

Coljgnon, Charles C. , englischer Arzt, geboren in London 1725, 
l*rof(t8Sor der Anatomie in Cambridge, starb daeclbst 1785. Seine Schriften sind 
von wenig Werth. Unger. 

Colin. Unter den mehr als 20 Trägern des Namens C, welche der 
Index Cafalogue mit einzelnen Schriften aufführt, ragt bei weitem hervor *L6on C, 
gegen 1830 geboren und 1852 zu Strassburg promovirt. Als Militärarzt hat C. 
sein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung und Verhütung der Armeekrankheite« 
gelenkt und durch eine Reihe von Schriften besonders über den Typhus abdominalis 
in der Armee sich bleibende Verdienste erworben. Es sind darunter hervorzuheben : 
„ßutdes cliniquea de mCdecine miUtmre ohservatwna et remarques recueillis 
h Vhopital militaire du Val-de-Grdce etc.^ (Paris 1864) — „De Vingesiton 
des eaux mar^cageuses comme cause de la dysenUrie et des fi^cre^ irdermittenles" 
(Daselbst 1872) — „La variole et la rougeole h Vköpital vnlitaire de Bicitre 
pendant le siige de Paris^ (Union m6d. de Paris 1873) — „La variole au 
point de vue ^pidlmiologique et pratique^ (Paris 1873) — „Uexpidition 
anglaise de la Cöte dVr etc,'' (Gaz. hebd. de Paris 1874) — „Epidimies et 
milieux ipidemiques^ (Paris 1875) und vor Allem die beiden Hauptwerke: „De 
la ßlvre typhoide dans Varmee" (Paris 1878) und „Traitd des maladies ipi- 
demiques^ (über 700 Seiten starkes Handbuch, Daselbst 1879). ^^^ 

yLCoUado, Lodovigo C, zu Valenzia um die Mitte des 16. Jahrhunderts 
thätig,/8chlug aus Unabhängigkeitsliebe die Stelle eines königlichen Leibarztes aus 
und wirkte theils durch seine Schriften: „In Galeni librum de ossibus commen- 
tarius"^ (Valencia 1555) — „Ex Hippocratis et Galeni monumentis isagoge etc.** 
(Daselbst 1561) — „De indicationibus Über'' (Daselbst 1572) — theils lehrend; 
P.-P. Pereda war sein berühmtester Schüler. 

Biogr. med. III. Red- 

*Collas, Auguste-Marie-Alcibiade C, erster Chefarzt bei der 
französischen Marine, ist zu Brest geboren, wurde 1845 zu Montpellier Doctor, 
hat mehrfach über Krankheiten tropischer Länder und über pharmakologische 
Gegenstände geschrieben in der Revue coloniale ,(1853 , 56), der Union m6dic. 
(1854) u. s. w., z. B. ttber die zu Pondichery beobachteten Krankheiten, die 
Cholera auf Mauritius, über eine in Indien sehr verbreitete, den Canthariden nahe 
verwandte, ebenfalls blasenziehende Käfergattung Mylabris, über die medicinischen 
Eigenschaften des Bei oder Vila, der Frucht von Aegle marmelos, Corr., über den 



COLLAS. — COLLES. 55 

Haiiisch-Leberthran. Er gab auch eine Uebersetzung der Schrift von John Weblin 
und A. Hakvey über den Ausbruch des gelben Fiebers auf einem Schiffe' heraus. 
Berg er et Key, pag. 53, 255. q. 

GoUe, Giovanni C. , geboren zu Beiluua 1558 und gestorben zu 
Padua 1630, war zuerst praktisch in Venedig, dann als Leibarzt des Herzog von 
Urbino und endlich als Professor der Medicin in Padua thätig. Unter seinen recht 
zahlreichen Werken sind ausgezeichnet: „De omnibus maltgnis et pesttlentibus 
affectionibus etc.*^ (Pesaro 1616; unter etwas verändertem Titel Padua 1617) — 
„De morbis maltgnis^ (Padua 1620) — „Elucidarmm anatomicum et chirur- 
gtcum ex Graecis^ Arabibus, Latinis selectam^ (Venedig 1621) — „De cognüu 
difßcilibus in praxi ex libelU Hippocratia de insomnüs etc. ^ (Venedig 1628) 
und Mehreres über Kosmetik (1621) und Arzneibereitung (1628). 

üffreducci. — Red. 

Gollenbnsch, Daniel C, zu Kahla im Herzogthume Sachsen- Altenburg, 
war am 19. September 1759 zu Duisburg am Rhein geboren, wurde 1789 zu 
Jena Doetor, 1799 fürstl. Schwarzb.-Rudolst. Medicinalrath und 1803 herzogl. Sachs. 
Physicus des Ereisamtes und der Stadt Kahla, auch Arzt des Irren- und Zucht- 
hauses Leuchtenburg, welchen Aemtem er, nachdem er bei Gelegenheit seiner 
goldenen Hochzeit 1839 zum Geh. Hofrath ernannt worden war, bis zu seinem am 
14. April 1841 erfolgten Tode vorstand. Er hat sich hauptsächlich um die Volks- 
medicin durch die Herausgabe einer Anzahl von Schriften, die sich auf dieselbe 
beziehen, verdient gemacht, so: „Der aufrichtige Volksarzt" (2 Thle., Eisenberg 
1796, 98) — „Mildheimische Gesundheitslehre; u. s. to." (3 Thle. , Gotha 
1799 — 1802) — „Gesundheitslehre'' (Eisenberg ,1800). Auch gab er folgende 
populäre Zeitschriften heraus : „ Wochenblatt des aufrichtigen Volksarztes'' (Jahr- 
gang 1 — 3, 1796 — 98) — „Der Rathgeber fdr alle Stände u. s. w.'^ (4 Jahrgg., 
Gotha 1799 ff.) und C. W. Hüfeland's „Kunst, das menschliche Leben zu ver- 
längern; für den Bürger und Landmann umgearbeitet'* (Altenburg 1801). 
Eine wissenschaftliche Arbeit waren seine „Merkirürdige Abhandlungen hol- 
ländischer Aerzte, theils ganz, theils auszugsweise aus dem Holländischen 
übersetzt u, s. w.'* (Leipzig 1794, 97). 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 19, 1841, I, pag. 419. — Callisen, IV, 
pag. 264; XXVH, pag. 122. G. 

GoUes, Abrahame, zu Dublin, berühmter Chirurg, von dessen Lebens- 
umständen wir nur sehr wenig zu ermitteln im Stande waren, wurde 1797 zu 
Edinburg Doetor, war 34 Jahre lang Professor der Anatomie und Chirurgie beim 
Royal College of Surgeons of Ireland bis zum Jahre 1836 , wo er diese Stelle 
niederlegte, war femer Chirurg an Dr. Steevens' Hospital, sowie Mitdii'ector der 
Cow Pox Institution. Er machte sich bekannt durch einen ,, Treatise on surgical 
anatamy'' (Dublin 1811; 3. Aufl. 1814; Americ. edit. Philadelphia 1820; 2. Aufl. 
erläutert von J. R. Hopkinson, 1831) und schrieb: „Practical precepts on injuries 
of the head" (Dublin 1824). Seine Untersuchungen über die Fracturen des unteren 
Radiusendes: „On the fracture of the carpal extremity of the radius** (Edinb. 
Med. and Surg. Joum., 1814) waren so bahnbrechend, dass noch heutigen Tages 
in England dieser Knochenbruch als „Colles' fracture" bezeichnet wird. Auch 
über die Unterbindung der Art. subclavia lieferte er (Daselbst 1815) wichtige Bei- 
träge. Fernere Arbeiten von ihm sind in den Dublin Hospital Reports (1818 — ^^27) 
enthalten, betre£fend Mittheilungen über Klumpfuss, Trismus der Neugeborenen, 
namentlich aber über den Schenkelhalsbruch, mit Sectionsergebnissen ; ferner über 
die schlimmen Folgen der Infection mit Leichengift. Eine Auswahl seiner Vor- 
lesungen wurde 1826 in der Lancet publicirt. Von späteren Arbeiten sind noch 
„Practical observations on the venereal disease, and on the use of mercnry" 
(London 1837; Philadelphia 1837) anzuführen. Er stand mehr als 20 Jahre 
nnbeneidet und unbestritten an der Spitze der irischen Chirurgie, um die er sich 



56 COLLES. — COLLINEAÜ. 

als Lehrer grosse Verdienste erworben hat. Sein Tod erfolgte am 1. December 1843 ; 
über seine letzte Krankheit wurde von Will. Stokes ausführlich berichtet. Nach 
seinem Tode erschienen noch : „Lectures on ihe theory and practice of surgery. 
Edüed by Simon iTCoy'' (Dublin 1844, 1845; Philadelphia 1845). 

W. Stokes im DubUn Quart. Journ. ofMed. Sc. 1846, I, pag 3^3. — Callisen, 
IV, pag. 266; XXVÜ, pag. 122. ^^^It 

* Collie, Alexander C, wurde in Aberdeen 1863 promovirt und siedelte 
dann nach London über, wo er 1876 M. R. C. P. Lond. wurde. Seine Thätig- 
keit ist vornehmlich epidemiologischen Aufgaben zugewandt, gleichzeitig fungirte 
C. an verschiedenen Fieberhospitälem , sowie am Kinderspital in der Ormond-Str. 
Von ihm rühren her: „Observations on the contagion of enteric fev&i'*^, mehrere 
Arbeiten über Pocken (Lancet 1871) — „Etiology of enteric fever*' (Brit. med. 
Journ. 1878—1879) — „The cold bath in enteric fever** (Lancet 1872) und 
Aehnliches, Red. 

/Oollill, Söbastien C, französischer Arzt aus Fontenai-le-Comte, wo er 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte , übersetzte mehrere Schriften des 
Alexander v. Tralles, u. A. „ Uomihne livre d'A lexandre Tr allien sur 
les gouUes** (Poitiers 1556) und „7rait^ de la peste^ traduit du grec de 
Tr allien** (Poitiers 1566). — Seine Abhandlung: „Vordre et rigime pmir la 
eure desfihxres avec les causes et remMes des ßevres pestilentielles** (Poitiers 1558) 
soll nach £loy eine Uebersetzung des Werkes von Rhazes „De pestilentia** sein. 

U n g e r. 

Gollin, zwei Aerzte in Wien, Brüder; Heinrich Joseph C, 1731 in 
Wien geboren, 1760 daselbst Dr. med., übernahm Stoerk's Stelle 1759, setzte 
auch die von diesem begonnenen Jahresberichte über das Nosocomium Pazmannianum 
fort (Wien 1764) und übersetzte dessen entsprechendes Werk unter dem Titel ;, Traiti 
des Vusage de la eigne** in's Französische. Seine eigenen Untersuchungen sind im 
„Observationum circa morbos actitos et clironicos factarum Pars II — VI*' 
(Daselbst 1772 bis 1781) niedergelegt. 1784 starb er.' — Der jüngere Bruder, 
Matthäus von C. , 1739 — 1817, erfreute sich, als Professor in Wien thätig, 
neben der Erhebung in den Adelstand noch vieler anderer Auszeichnungen. 

Dict. bist. II. — AUg. Deutsche Biogr. IV. Red. 

Collillt Johan Gabriel C. , schwedischer Pädiatriker, geboren in 
Stockholm 1794, gestorben als praktischer Arzt in Norrköping 1879, studirte theils 
in Upsala, theils am Carolinschen Institut zu Stockholm, bekam den Professor-Titel, 
wurde Ehrendoctor der Medicin in Upsala 1845. Er war besonders productiv als 
medicinischer Schriftsteller, übersetzte in's Schwedische G. Richter's Specielle 
Therapie (1824 — 1834) und gab „Afhandlingar om barnsjukdomar** Del. I — IV 
(1841 — 51) heraus. Hedenius. 

Collineau, Jean-Charles C, zu Paris, war 1781 zu Chätillon-sur-Indre 
geboren, studirte Medicin zu Angers und Paris, wurde 1808 daselbst Doctor und 
einige Zeit darauf Arzt des Gefängnisses Saint-Lazare, als Nachfolger seines Lehrers 
DiDiE, für dessen hilflos hinterlassene Kinder er ein zweiter Vater wurde. Er gab 
heraus eine von der Soc. med. zu Paris gekrönte Preisschrift: „Peut-on mettre 
en doute Pexistence des fihwes essentielles?** (Paris 1823) — „Mim, sur 
Vabsorption par les vaisseaux capillaires, sanguines et lymphaiiques** — „ ün 
mot sur les romans envisagSs sous le rapport mSdicaL** Unter den zahlreichen 
Berichten, die er an die Akademie der Medicin, deren Mitglied er seit 1843 
war, erstattete, sind zwei besonders hervorzuheben : „ Traitement de Viducation des 
idiots en giniral** und „Sur Vemprisonnement cellulaire*' ; ausserdem weitere 
von seinem soliden Wissen Zeugniss ablegende Mittheilungen an dieselbe Körper- 
schaft über Typhus und Typhoidfieber , Scorbut in Gefängnissen, Geisteskrank- 
heiten, eine raedicinische Nomenclatur u. s. w. Er schrieb ferner ein halb 



COLLINEAU. — COLLINS. 57 

philosophiBches Werk : „Anali/se physiologique de Ventendement humain, d^apr^s 
Vordre dans lequel se 7nanifestenty se d^veloppent et a^ophrent les mouvenients 
sensitifsy ifUellectuels , affectifs et moraux" (Paris 1843). C. starb am 
14. August 1860. 

A. Devergieim Bulletin de l'Acad. imp. de m6d., T. XXV, 1859—60, pag. 1024. — 
Dechambre, XIX, pag. 10. G. 

*Colliiieau, Alfred-Charles C, zu Paris, ist am 22. März 1832 zu 
Ancenis (Loire-Införieure) geboren, studirte von 1850 an zu Paris und wurde 1859 
Doctor mit der These: „De VostSo-malaxie en gSniral et au p&int de vue 
tocoloffique en particulier" , Er schrieb ferner: „Surtm cos de coxalgie osseuse, 
mivie de mort et d'autopsie^ (1864) und zusammen mit Febd. Mabtin: „De la 
coxalgie, de sa nature, de son traitement^ (1864), wofür Beide von der Akademie 
der Wissenschaften die goldene Medaille erhielten. Er erstattete an die Societ6 
mMico-pratique einige wichtige Berichte, wie über die Gebärhäuser, die Mängel 
der IrrengesetzgebuDg (1870), eine Biographie von SiMONOT (1872), den Einfluss 
politischer Bewegungen auf die Entstehung von Geisteskrankheiten (1872) und 
verfasste für das Journal de m6dec. mentale (1868 — 70) eine Anzahl einschlägiger 
Aufsätze. Er war Arzt eines Wohlthätigkeits-Bureaus und Inspections-Arzt der 
Communalschulen seines Arrondissement u. s. w. 

Glaeser, pag 127. G. 

Collins, Robert C, zu Dublin, berühmter Geburtshelfer, war in der 
Nähe von Cookstown, Grafschaft Tyrone, 1801 geboren, studirte in Edinburg, 
Dublin und Paris, wurde 1822 zu Glasgow Doctor und in demselben Jahre 
Assistent bei Pentland, dem damaligen Master des Dubliner Gebärhauses und 
nach dessen 1826 erfolgtem Tode sein Nachfolger. Er benutzte die ihm gebotene 
Gelegenheit , über ein ausserordentlich reichhaltiges Material zu verfügen , in der 
Weise, dass er ein. System von tabellarischen Registern einführte, welches gestattete, 
jeden kleinsten beobachteten Umstand zu analysiren und statistisch zu verwerthen. 
Durch seine energischen Massregeln gelang es ihm, die Sterblichkeit der Wöch- 
nerinnen an Puerperalfieber und die der Neugeborenen an Trismus im Gebärhause 
sehr erheblich zu vermindern. Von seinen literarischen Leistungen erwähnen wir: 
„A practical treatise on midwifery , containing the result of 16,654 bv*tks, 
occurring in the Dublin Lying-in Hospital , during a period of seven years, 
commeneing Nov, 1826'' '(London 1835; Philadelphia 1838; Boston 1841), 
sowie eine Anzahl von Aufsätzen im Dublin Journal (Bd. 9 — 15) über Trismus, 
Periodieität der Geburten , künstliche Erweiterung des Muttermundes, u. s. w. Er 
wurde von seinen Collegen durch die Wahl zum Präsidenten des King and Queen's 
College of Physicians für die Jahre 1847, 48 geehrt, und schrieb noch: „A short 
aketch of the life and writinga of the late J oseph Clarke, . . . . containing 
.... hia private practice, .... of 44 years, including 3878 birtha (London 
1849). Längere Zeit vor seinem am 11. December 1868 zu Dublin erfolgten 
Tode hatte er sich von der Praxis zurückgezogen und zu Ardsallagh Castle in 
der Grafschaft Meath gelebt. 

Medical Times and Gaz. 1869, I, pag. 22. G. 

CoUins, Samuel C, bedeutender medicinischer Schriftsteller; vergleichender 
Anatom ; in England geboren , studirte Medicin in Cambridge und Oxford , wurde 
1650 hier zum Dr. med. promovirt und 1659 nach Russland berufen. Nachdem 
er acht Jahre lang Leibarzt des Czaren Alexei Michailowitsch gewesen war, 
wurde er am 28. Juni 1666 auf seine Bitte aus dem Dienst entlassen und kehrte 
nach England zurück. Er ist bekannt durch sein „Syatema anatomicum of the 
body of man, hirds^ fishea^ vnth ita diaeaaea, caaea and curea'' (London 1685, 
fol. 2 Bände). Ein zweites Werk von ihm ist eine Geschichte Russlands (The present 
State of Russia in a Letter to a Friend [Lond. 1671]). 

Richter, IL k76. L. Stieda. 



L 



58 COLLINS. — COLLUDROVICH. 

*Collill8, Edward Wolf^nderi C. , zum Med. Dr. 1871 promovirt; 
ausser in Dublin, wo die Promotion erfolgte, bildete er sich noch in Paris aus 
und liess sich später in London nieder. Nach verschiedenen anderen Anstellungen 
wirkt er hier als House Surgeon am St. Marks ophth. hospital und am Dun's 
Hospital, lieber Cerebrospinalarachnitis und Meningitis epidemica schrieb er 1868 
(noch in Dubliner Journalen), später über verschiedene chirurgische Probleme und 
glückliche Operationen in Med. Press (1878), resp. in den Transact. of the pathol. 
Soc. (1877—1879). K^d. 

CoUomb, Barth61emy C, französischer Chirurg aus Lyon, geboren 1718, 
gestorben 1798 daselbst, war Professor der Chirurgie an der Chirurgenschule seiner 
Vaterstadt und publioirte mehrere Schriften chirurgischen Inhaltes. Unger. 

CoUot (nicht CoLOT , wie sehr ausführlieh E. Turner in Gaz. hebd. 
de Paris 1880, Nr. 3 und 4 nachweist), berühmte Arztfamilie zu Paris, deren 
Stammbaum der soeben genannte Autor genau angiebt. Nach ihm siedelte 
Laurent 1 C. aus Tr6snel, wo er geboren war, 1556 nach Paris über, hinter- 
liess hier zwei Söhne,. Laurent 2 C. und Jean C. (1560 — 1570), die wiederum 
Aerzte zu Söhnen hatten. Und zwar stammte von Laurent 2 G. nur Philippe 1 C, 
dagegen von Jean C. sowohl eine Tochter Genevi^ve (die spätere Gattin 
S. PiNEAu's), als ein dem Vornamen nach unbekannter X. C, der mehrere unbe- 
deutende Söhne hatte. Philippe 1 C. seinerseits war der Vater einer dem Vor- 
namen nach unbekannten Tochter (welche Giraült heirathete) und Philippe 2 C. 
(1593 — 1656), von welchem der unten näher zu erwähnende Fran^ois C. als 
Sohn abstammt. — Was in sonstigen Quellen über die Bedeutung der Familie C. 
und den Lebensgang ihrer einzelnen Mitglieder bekannt gegeben wird, sind folgende 
Daten. Das historische Renomm^ der C.'s beruht bekanntlich darin, dass ihre 
Mitglieder mehrere Generationen hindurch die Operation des Steinschnittes als eine 
Art Privileg ausübten. Laurent 1 C, der die Methode von Öctavien DE Ville 
gelernt hatte, wurde durch Henri II. von lY6snel (Champagne), wo er praktioirte, 
nach Paris berufen und zu seinem Leibchirurgen ernannt. Es wurde für ihn am 
Hötel-Dieu eine besondere Charge als Lithotomist eingerichtet, welche nach seinem 
Tode Laurent 2 C. einnahm. Von diesem gelangte die Stellung, wie das 
Geheimniss des grossen Steinschnittapparates an Philippe 1 C. und ging auf 
Philippe 2 C. über. Letzterer wurde in ganz Europa consultirt und theilte das 
Geheimniss mit seinem Schwager Girault und mit S. Pineaü. Des Ersteren Sohn 
überlieferte es endlich an Fran^ois C, der 1706 starb und das Verfahren in 
einem posthum von Senac (Paris 1727) publicirten Werk: „TraüS de VopSration 
de la taüle etc.*^ der Oeffentlichkeit überliefern liess. — Abgesehen von dieser für 
sich selbst sprechenden Handlung hinterliess dieses jüngste Mitglied der Familie C. 
den Ruf sehr soliden chirurgischen Wissens und einer gediegenen und doch 
bescheidenen Kritik. 'B.e^ 

CoUudrovich, Jacopo Francesco C, zu Venedig, aus einer dort 
ansässigen slavischen Familie stammend, wurde im December 1744 geboren, stu- 
dirte in Padua und wurde daselbst mit 20 Jahren Doctor. 1794 wurde er vom 
Senate in Venedig zum Primarärzte im Spital der Unheilbaren ernannt, 1805 
von der österreichischen Regierung in eine für die Provinz Venedig errichtete 
Sanitäts-Commission berufen. Er übersetzte Wintringham*s ;, Trattato sulla podagra** 
und „Saggto sulle vialattie endemiche^y femer die Edinburger „Gommentarj 
medici e ßlososßci^ : auch soll er Buchanan's „Medicina domestica" übersetzt 
haben. Er schrieb femer die „Orazione dt lode dt Santorio^t — „Lettera 
sui vantaggt dei vescicantt volantL^ Er war der Erste, welcher die Wirkungen 
des Ricinusöls erprobte und hinterliess bei seinem am 4. Juni 1830 erfolgten 
Tode mehrere unedirte Schriften in italienischer und lateinischer Sprache. 

V, Wnrzbac-h, 11, pag. 431. — Levi, pag. 21. G. 



COLOMBAT. — COLOMBIER. 59 

C!oloiQbat, Marc C. (genannt Coloiibat-bs-L'Is^re), zu Paris, war am 
28. Juli 1798 zu Vienne (Isöre) geboren, studirte zuerst die Rechte in Grmioble, 
musste, in politische Angelegenheiten verwickelt, nach Savoyen und der Schweiz 
fluchten, wurde 1824 amnestirt, und studirte darauf Medicin in Montpellier, Strass- 
bürg und Paris. Sein mechanisches Talent führte ihn auf die Erfindung verschiedener 
Instrumente, z. B. eines solchen zur Amputation der Portio vaginalis uteri, das er 
in der folgenden Schrift: „2)cj Vhystirotomief ou V ampfutation du col de la 
matrice dans les aj^ections cancSreuses, .... avec la description de VhystSro- 
tarne et de plusieurs antres instrumens etc." (Paris 1828) beschrieb. Auch 
beschäftigte er sich in derselben Zeit mit ,,De la compresston et de la ligature 
des vaisseaux** (Paris 1828) und einer ^Nouvelle mithode de pratiquer la taüle 
sous'pubiefine" (1830). Lebenslang aber wendete er dem Stottern seine Aufmerk- 
samkeit zu, und indem er ganz richtig den nervösen Charakter des Leidens erkannte, 
sucht« er dasselbe durch ein Verfahren zu bekämpfen, bei welchem besonders auf 
rhythmische Aussprache der Worte Werth gelegt wurde. Er hatte zur Aufnahme 
von Zöglingen ein orthophonisches Institut errichtet und erzielte in demselben 
solche Erfolge, dass ihm von der Akademie der Wissenschaften 1833 ein Preis 
von 50.000 Franken zuerkannt wurde. Seine Schriften über das Stottern sind : 
„D« b^gaiement et de tous les autres vices de la parole" (Paris 1830 ; deutsche 
üebers. von A. E. F. Schclze, Ilmenau 1831 ; 2. Aufl. 1831 u. d. T. : „Uorthophonie 
ou Physiologie et thSrapeutique du bigaieinent" ; deutsche Uebers. von H. E. Flies, 
Quedlinburg 1840; 3. Mit. 1843 u. d. T. : „Traiti de tous les vices de la 
parole etc.") u. s. w. Auch seine Strassburger Dissertation, mit der er 1838 
Doctor wurde, war demselben Gegenstande gewidmet. Er verfasste später noch 
ein ^Dict, histor, et iconographique de toutes les Operations et des instrumens, 
bandages et appareils de la Chirurgie ancienne et moderne" (2 Bde. 1835) — 
„Traiti complet des maladies des femmes etc," (2 voll. 1838; 1843; deutsche 
Uebers. von Siegm. Fbankenberg, Leipzig 1841 ; englische Uebers. von Charles 
D. Meigs, Philadelphia 1845) — „M^m. sur Vhistoire physiologiqiie de la 
ventriloquie" (1840) u. s. w. Er starb am 10. Juni 1851. 

Dechambre,. XIX, ^ag. 54. — Callisen, IV, pag. 277; XXVII, pag. 125. 

Gurlt. 

Oolombe, Fran§oi,s-Marie-L6corch6C. (oder Lecorche-Colombe), 
zu Paris, war am 1. October 1789 zu Avallon geboren, wurde 1813 zu Paris 
Doctor und concurrirte später wiederholt, um Professeur agregö im Fache der 
Chirurgie oder Geburtshilfe zu werden. Die bei dieser Gelegenheit verfassten 
chirurgischen Concurs-Thesen waren: yjÄn in educendo calculo apparatus late- 
ralis extemus caeteris anteponendus?" (1823) — „De ossium necrosi" (1826) — 
„De ulceribus et carcinomate uteri et vaginae" (1832). Dazwischen fiel eine 
Schrift über die Cholera (1832) und folgte dann ein geburtshilflicher Concurs mit 
der These: „De la dilivrance" (1834), nach welchem er von seinem erfolgreichen 
Concurrenten, Paul Dubois, zum Chef de clinique ernannt wurde. Trotzdem con- 
currirte er nochmals um einen chirurgischen Lehrstuhl mit der These : ^^Des avan- 
tages et des inconvSnients des diffirentes espkces de sutures etc," (1835). Er 
starb um 1860 in Folge einer Erkrankung des Central-Nervensystems, von der er 
seit mehreren Jahren befallen war. 

Dechambre, XIX, pag. 55. G. 

Colombier, Jean C. , französischer Militärarzt, wurde geboren zu Toul 
am 2. September 1736 als Sohn eines Chirurgien major, erhielt seine militär- 
^ztliehe Ausbildung im Militärlazareth zu Metz und wurde erst als Chirurgien 
major 1765 promovirt. 1780 wurde er Generalinspector der Lazarethe und GefUng- 
nisse Frankreichs. Sein Tod erfolgte am 4. August 1789 auf der Rückreise von 
einem amtlichen Auftrage. — Mit Vorliebe trieb C. Gesundheitspflege und Augen- 
heilkunde , am meisten aber zog ihn die Militärmedicin an , fiir welche er neben 
seiner reformatorischen Thätigkeit Zeit fand , sich literarisch in • namhafter Weise 



L 



60 COLOMBIER. — COLSMANN. 

zu bethätigen. Seine wichtigsten literarischen Arbeiten sind : ;, Code de midecine 
müitaire pour le Service de terre etc,^ (Paris 1772, 4 Bde. in 12.) — „Medecine 
müttaire, ou traitS des maladtes etc,^ (Paris 1778, 7 Bde. in 8. Dieses Werk 
verfasste C. auf Befehl des Gouvernements in Paris) — „Prdceptes sur la santS 
des gens du guerre, ou hygihie müitaire^ (Paris 1775, 8.; 1879, 8. — das 
werthvollste Werk des Verfassers, aber nicht, wie Baas pag. 532 behauptet, 
das erste Handbuch der Militär-Hygiene. Auch Deutsch als: „Vorschriften über 
die Gesundheit der Kriegsleute Bern 1776" von Tribolet). 

Biogr. ni6d. III. H. Frölich. 

/ Colombo, Realdo C, zu Cremona geboren, studirte anfangs Pharmacie, 
später unter Jon. Ant. Leonicus und Andreas Vesal Chirurgie und Anatomie, 
lebte eine Zeit lang in Venedig, ward 1542, als Vesal nach Deutschland gereist 
war, um den Druck seines grossen anatomischen Werkes zu fördern, von der 
Universität Padua als dessen Stellvertreter berufen und 1544 nach Vksal's 
definitivem Fortgange dessen Nachfolger. Zwei Jahre darauf folgte er einem Rufe 
nach Pisa und 1549 einer Auflbrderung des Papstes Paul IV. nach Rom, wo er 
1559 oder 1577 gestorben ist. C. war ein vorzüglicher Anatom, ein würdiger 
Schüler seines grossen Lehrers. Ein eifriger Zergliederer (gegen 14 Leichen soll 
er jährlich secirt haben), beschäftigte er sich auch hauptsächlich mit Vivisectionen, 
>zu denen er zuerst, statt der bis dahin gebräuchlichen Schweine, Hunde verwandte. 
Sein Hauptverdienst ist die selbständige klare Schilderung des kleinen Kreislaufes. 
Allerdings hatte Sebvet denselben schon sechs Jahre früher, 1553, in seinem 
Werke „Christtanis-nn restitutio^ , wegen dessen er den Feuertod erlitt, fast in 
gleicher Weise gelehrt, doch waren die meisten Exemplare schon bald nach 
Erscheinen von der Geistlichkeit verbrannt worden, und eine Verbindung zwischen 
Servet und Colombo ist nicht nachzuweisen. Ein Plagiat von Seiten C.'s kann 
man daher wohl nicht annehmen. C. gewann diese Einsicht hauptsächlich durch 
Beobachtung des bei der Vivisection freigelegten Herzens. Er hatte richtige 
Vorstellungen von der Systole uod Diastole des Herzens und ihrem Zusammenhange 
mit den Erweiterungen und Verengerungen der Arterien, er wies nach, dass die 
Lungenvene Blut führe, dass die Herzscheidewand undurchdringlich sei, und spricht 
es geradezu aus, das Blut werde von der rechten Herzkammer aus durch die 
Lungenarterie zur Lunge und von dort durch die Lungenvene nach dem linken 
Ventrikel geführt „Quod nemo hactenus aut animadverttt, aut scriptum reliquit^. 
Die Erkennung des grossen Kreislaufes blieb ihm fremd, da er die Blutbereitung 
in der Leber, den centrifugalen Blutstrom in den Venen lehrte. Seine Beobachtungen 
hat er im folgenden Werke niedergelegt: „De re anatomica libriXV^ (Venedig 1559, 
fol. und öfters; deutsch Frankfurt 1609, fol.). Max Salomon. 

Colon, Fran9oi8 C, zu Nevers 1764 geboren, studirte und promovirte 
in Rheims und wurde nachher Chirurg am Hospital Bicetre in Paris. C. war einer 
der eifrigsten Verbreiter der Vaccination in Frankreich; er richtete sein ganzes 
Wohnhaus in Paris zu diesem Zwecke ein und vaccinirte darin Jedermann unent- 
geltlich. Alle seine Schriften haben die Vaccination zum Gegenstande. Als er 
einst in übergrossem Eifer auf den Titel einer seiner Abhandlungen gleichzeitig 
seine Adresse setzte, wurde ihm dieser Umstand von seinen Collegen derart ver- 
übelt, dass er genöthigt war, Paris zu verlassen. Er übersiedelte nach' Montfort, 
wurde bald zum Maire des Ortes gewählt und leistete seinen neuen Mitbürgern in 
dieser Stellung sowohl, wie als Arzt und Operateur bis zu seinem Tode (1812) die 
uneigennützigsten, vom Geiste echter Humanität durchwehten Dienste. Unger. 

Colot, s. Collot. 

Colsmann, Johannes C. , geboren 1771, gestorben 1830, berühmter 
dänischer Chirurg, Professor an der chirurgischen Akademie, sowie Oberchirurg 
am königl. Friedrichs-Hospital zu Kopenhagen, später Generaldirector der Chirurgie. 
Seine literarischen Productionen sind unbedeutend. Petersen. 



COLUCCl. — COMBE. 61 

* Colucci-Pascha , Antonio C. , ägyptischer Arzt und Staatsmann, ist 
1810 zu Alessandria geboren, stndirte Medicin in Bologna, kam als zweiter Leib- 
arzt an den Hof von Mehemed-Ali, wurde nach und nach Vice-Präsident des 
Gesundheitsrathes in Cairo, Inspecteur des Sanitätsdienstes der Marine und Präsident 
der im Interesse der internationalen Salubrität in Aegypten eingerichteten General- 
Sanitäts-Intendanz, bekleidete ausserdem noch mehrere Staatsämter, wurde wieder- 
holt auf wissenschaftliche Reisen nach Europa geschickt und vertrat Aegypten auf 
mehreren internationalen wissenschaftlichen Congressen. Nachdem er bis dahin nur 
den Bey-Titel geführt, erhielt er als einer der ersten europäischen Christen vom 
Khedive Ismail den Rang eines Pascha. Er hat sich besonders um die Beob- 
achtung und Erforschung der Aegypten seit 1830 heimsuchenden Pest- und Cholera- 
Epidemien verdient gemacht und darüber, abgesehen von einer Anzahl von ;, Comptes 
rendusy Proc^-verbaux^ Reglements etc.^ folgende Brochüren verfasst : „Du cholSra 
en Egypte^ (1865) — „BSponse h douze qtiestions sur le choUra de 1865 en 
tgypte'' (1866). 

Vapereau, 5. Mit., pag. 454. G. 

Columba, Gerard C, aus Mesäina, hatte um die Mitte des 16. Jalir- 
hunderts einen Lehrstuhl der Medicin in Padaa inne. — Hauptwerk: „De febrls 
pestilenth cognithne et curatione etc, librt duo*^ (Messina 1596; Frankfurt 
1601—1608). Unger. 

Combalusier, Frangois de Paule C, zu Paris, war am 28. October 
1713 in dem Flecken Saint- Andiol (Vivarais) geboren, wurde 1732 zu Montpellier 
Doetor, hielt daselbst öffentliche Vorlesungen, wurde sodann Professor der Medicin 
an der Universität zu Valence, ging darauf aber nach Paris, wo er mitten in den 
zwischen den Aerzten und Chirurgen entbrannten und 1749 zu Gunsten der Ersteren 
entschiedenen Streit hineinkam, indem er sich auf die Seite derselben mit mehreren 
Schriften, wie: „La Subordination des chirurgiens aux mSdecvis, dSmontrSe etc.'^ 
(Paris 1748, 4.) u. s. w. stellte. Er wurde darauf 1750 Mitglied der Facultät 
und 17Ö5 zum Professor der Phamiacie ernannt. Vorher hatte er ein zu seiner 
Zeit geschätzes Buch : „Pneumato-pathologia, seit tractatus de flatulentis humani 
corporis affectibus^ (Paris 1747 ; in's Französische übersetzt von Aug.-Fran?. 
Jault, Paris 1754, 2 Bde.) geschrieben. Er verfasste noch ausser einer grossen 
Zahl kleinerer Abhandlungen: „Observations et reflexions sur la colique de Poüou 
ou des peintres etc.** (Paris 1761) und starb bereits am 24. August 1762. 

Biogr. med. III, pag. 307. — Dict. hist. I, pag. 853. — Dechambre, XIX, pag. 266. 

G. 

Gombe, Andrew C, war am 27. October 1797 in Schottland geboren, 
wurde 1825 in Edinburg Doetor, war Leibarzt des Königs und der Königin der 
Belgier und von 1838 an der Königin Victoria, musste aber zur Wiederher- 
stellung seiner geschwächten Gesundheit nach Madeira gehen und starb 1847. 
Es sind von ihm folgende Schriften verfasst worden: „Observations on the mental 
derangement etc." (Edinburg 1831 ; Boston 1834 ; nach der 7. Edinburger Ausgabe 
New York 1843) — „TTie principles of physiology applied to the conservation 
of health" (Edinburg 1834; 1842; New York 1834; deutsche üebers. nach der 
5. Edinburger Ausgabe von F. Reichmeister, Leipzig 1837; 1839) — „The 
physiology of digestion*^ (Edinburg 1836 ; 1842; nach der 3. Edinburger Ausgabe 
New York 1845; deutsche Uebers. von Cabl Neubee, Leipzig 1837) — „Ä treatise 
on the physiological and moral management of infancy" (Edinburg 1840; 1842). 
Auch gab er heraus: Will. Bkaumont's „On the gastric Juice etc." (London 1838). 

Dechambre, XXV, pag. 343. — Callisen, IV, pag. 282; XXVII, pag. 129. 

G. 

CJombe, George C, 1788—1858, gab zuerst in Edinburg (1838) 
„Outlines of phrenology" heraus, welche in 7. Auflage erschienen. In späteren 
Jahren, 1847 — 1857, erschienen von ihm am gleichen Verlagsorte mehrere Schriften 
über Erziehung, Gefängnisswesen, Popularisirung der Physiologie. Red. 



62 COMBES. — COMET. 

Gombes. Joseph-Marie-Louis-Hippolyte C, war am 13. August 1809 
zu Castres geboren, wurde 1832 zu Montpellier Doctor mit der These: ^Essai 
8ur les vivisections^ , besuchte darauf in Paris die Hospitäler und arbeitete au 
mehreren Zeitschriften mit. 1837 bereiste er Algerien, wurde 1839 zu Montpellier 
Professeur agr6g6 mit der These : „ Quelle est la meilleure baae d/une classißcatioti 
des maladtes?*^ besuchte Italien und knüpfte daselbst wissenschaftliche Verbindungen 
an, die ftlr ein späteres Werk von ihm von grosser Wichtigkeit waren. 1841 
wurde er als Professor der Hygiene und gerichtlichen Medicin nach Toulouse 
berufen und verfasste um diese Zeit folgende Schriften: „Des affections typhoides*' 
(Paris 1840) — „De Virnportance de la mddecine ligale^ (Toulouse 1841) — 
„De la midecine polittque" (Ibid. 1842). In demselben Jahre erschien sein Haupt- 
werk: „De la mddecine en France etenltalie; administratwn ; doctrines; etc,"^ 
(Paris 1842; italienische Uebersetzung von Salv. dk Renzi, Neapel 1843), in 
welchem besonders der historische Theil, die Besprechung der Lebren von Rasori, 
Tommasini, der Vergleich derselben mit den BROUSSAis'schen Doctrinen von Be- 
deutung ist. Seine folgenden Arbeiten betrafen wieder das Gebiet der Hygiene: 
„De Viclairage au gaz" (Paris 1844) — „Examen du dicret relaJtif h 
r Organisation des conseils d'ht/gi^e, etc," (Paris und Toulouse 1849, 4.) u. s. w. 
1856 gab er seinen Lehrstuhl auf, fungirte bis 1850 noch als Inspecteur 
d*Acad6mie zu Foix, Aix und Montpellier, zog sich dann aber in Folge ge- 
schwächter Gesundheit nach seiner Geburtsstadt zurück, wo er am 13. Februar 
1873 starb. 

Dechambre, XIX, pag. 267. G. 

Cöme, Frfere C, s. Baseilhac. 

Comet, Charles-Jean-Baptiste C, zu Paris, war daselbst 1796 
geboren, war von 1818 an nur Officier de sant6, wurde 1825 aber Dr. med. 
zu Strassburg. Nachdem er einige kleine Schriften, wie: „Instruction sur les 
maladies des enfans; etc," (Paria 1818) — „Instruction somviaire sur la Vaccine, 
suivie de la description d'un nouvel instrument (dit vaccinateur isole) ; etc, ^ 
(Paris 1819) herausgegeben, gründete er 1823 ein medicinisches kritisches Journal : 
„Hygie, recueil de m^decine, d'hygihie, d^dconomie domestique; etc,^ (1826 — 28), 
durch welches er, bei seiner kaustischen Schärfe, sich so viele Feinde zuzog, dass 
er nach Brüssel flüchten musste. Er kehrte jedoch 1830, nach der Vertreibung der 
Jesuiten, zurück, leitete bis 1834 zu Belle ville eine Maison de sante und beschäftigte 
sich vorzugsweise mit der Anwendung einer besonderen localen Applicationsmethode 
von Medicamenten, nämlich durch eine auf den erkrankten Körpertheil einwirkende 
Verdampfung derselben. Er schrieb darüber mehrere Schriften, wie: „Diachorismos 
de mddicamens simples pour le traitement des maladies^ (Paris 1836 ; 5. Ausg. 
1837) — ^Mdthode curative externe des douleurs rhumatismales, etc," (1836; 
8. Ausg. 1842; deutsche Uebers. nach der 4. Aufl., Quedlinburg 1839; 2. Aufl. 
1840) — ;, ViscSralgies, douleurs rhumatismales, .... GuSrisons obtenues par 
la m^hode curative externe^ (1836). Durch die Ausübung dieses Verfahrens zog 
er sich die Animosität der Pariser Apotheker zu, wusste sich aber gegen dieselben 
mit vielem Geschick zu vertheidigen. An die Stelle der wieder in's Leben 
gerufenen „Hygie" Hess er „L*fisculape" (1839 — 41) erscheinen, dem später 
„L'Abeille m^dicale" (1844 — 56) folgte», eine das Gesammtgebiet der Medicin 
umfassende Zeitschrift. Später erschien noch: „La verite aux mSdecins et aux 
gens du monde sur des maladies ^ eclairds par le samnambuli^me naturel 
lucide, etc." (1860). Zusammen mit dem berühmten Percy hatte er herausgegeben: 
„Opuscules de midecine, de Chirurgie, d'hygüne, et critiques m^ico-littSraires 
publiSs dans V Hygie" (Paris und Brüssel 1827); ausserdem einige kleine Scbriften 
und eine Uebersetzung von J. Swan's Arbeit über eine neue Methode, trockene 
anatomische Präparate anzufertigen. 

Sachaile, pag. 204. — Callisen, IV, pag. ii85 ; XXVH, pag. 132. ^ 



COMINI. — COMPARETTI. 63 

Comini, Michael Ulrich von C, Edler von Sonnenberg, zu 
Innsbruck, war zu Cassana in Sulzberg (Südtirol) am 25. Februar 1766 geboren, 
stndirte in Padua und Pavia, wurde 1789 daselbst Doctor, besuchte dann die 
Militärspitäler zu Mailand, erhielt 1790 das Physicat im ThaJe Fleims und wurde 
1797 als zweiter Stadt-Physicus nach Brixen berufen. Er erwarb sich hier, wie in 
seinem früheren Wirkungskreise, besonders bei der Bekämpfung von Epidemien 
(er beschrieb 1807 eine solche „Faulfieber-Epidemie") Verdienste und veröffentlichte 
seine Erfahrungen über die von Chiarenti vorgeschlagene endemiatische Methode 
in einer Brochüre: „Specimen observationum medtco-practtcarum, quos metkodo 
Ckiarentiana tnstüutt .... Pauculis in calce adjectis ad intemam nosocomii 
Brixensis constructianem apectantibits" (Brixen 1801). 1799 war er von dem 
Fürstbischof von Brixen zum Hofrath und Leibarzt und vom Kaiser Franz II. 
in den Adelstand erhoben worden. Auch während der bayerischen Occupatiou 
Tirols und der Kämpfe von 1809 machte er sich um die Behandlung der kranken 
und verwundeten Kämpfer, sowie durch sein sonstiges patriotisches Verhalten hoch- 
verdient, wurde 1811 als Medicinalrath nach Innsbruck berufen, wo er bei den 
Truppendurchmärschen 1812, 13 ein neues und weites Feld seiner Thätigkeit 
fand. Nach der Wiedervereinigung Tirols mit Oesterreich in den Ruhestand ver- 
setzt, versah er 1819 — 20 provisorisch das Protomedicat und das med.-chir. 
Studien - Directorat und wurde 1825 pensionirt. Er wirkte aber noch bis zu 
seinem am 12. März 1842 erfolgten Tode als beliebter und gesuchter Arzt 
rastlos weiter. 

St Ott er im Neuen Nekrolog der Deutsehen, Jahrg. 20., 1842-, I, pag. 237. g. 

Gommlssetti , Antonio C. , wurde geboren am 12. März 1805 zu 
Pezzana und trat am 25. Februar 1842 als Chirurgien major 2. Classe in das 
Heer ein, 1850 wurde er zum Divisionsarzt 2. Classe ernannt und in den 
Spitälern von Cuneo, Chilmbery und Genua verwendet. Hier gründete er mit 
einigen Gleichgesinnten 1853 das Giomale di medicina militare, dessen Leiter 
und zugleich hervorragender Mitarbeiter er lange Zeit blieb. 1855 führten ihn 
die kriegerischen Ereignisse in die Krim, wo er an der Spitze des sardinischen 
8anität8corps stand. 1856 kehrte er nach Turin zurück, 1857 wurde er Inspector, 
1859 und 1860 leitete er den Sanitätsdienst des sardinischen Heeres, 1862 wurde 
er Präsident des Militär-Sanitäts- Ausschusses. Im Jahre 1873 wurde er, nachdem 
er den Rang eines Sanitäts-Generalmajors erworben, in den Ruhestand versetzt 
und verstarb zu Turin im September 1881. An den Verbesserungen des Sani- 
tätedienstes, die in seine Dienstzeit fallen, hat C. hervorragenden Antheil. 

Jahresbericht etc. von W. Roth, Supplement-Band zu der militärärztlichen Zeit- 
schrift, 1883. H Frölich. 

Gomparetti, Andrea C. , zu Padua, war 1746 zu Vicinale im Friaul 
geboren, widmete sich zu Padua unter Morgagni der Heilkunde, wurde Doctor 
derselben und übte sie in Venedig aus. Er schrieb hier die Schrift: „Occursus 
nedict de vaga degrüudine infirmitatis nervorum^ (Venedig 1784) und wurde 
auf Grund derselben nach Bianchini's Tode als Professor der Medicin nach Padua 
berufen. Daselbst wusste er auch als Naturforscher sich einen Namen zu machen 
und schrieb folgende, theils den Naturwissenschaften, theils der Anatomie, theils der 
praktischen Medicin angehörige Schriften: „Observaiiones de luce tnflexa et colo- 
rilms^ (Padua 1787), in welchen er von den Beobachtungen Newton's und 
6rimaij)i's Gebrauch machte. — „Observaiiones anatomicae de aure interna 
comparata^ (Padua 1789, 4. c. tab.), von Chladni, nebst dem in demselben Jahre 
fiber den gleichen Gegenstand von Scarpa erschienenen Werke für das vorzüglichste 
über die Gehörorgane des Menschen und der Thiere erklärt. Es folgten weiter: 
jfProdromo dt un trattato di ßsiologm vegetale" (2 Thle., Padua 1791, 99) — 
pRiscontri fisicO'botanid ad uso clinico^ (1792) — „Saggio della scuola cli- 
nica nello spedale di Padova^ (1798) — „Osservazioni sulla proprieth della 



L 



64 COMPARETTI. — CONDOIDI. 

china dd Brasile" (1794). Seine „Rtscontrt medici delle febbri larvate perio- 
dicke pemiciose" (2 Thle. 1795) sind, ebenso wie die zuerst genannte Schrift, auf 
gründliche eigene Beobachtungen basirt. Zu seinen letzten Arbeiten gehören die 
„Observationes dioptricae et anatomicae comparcUae de coloribus apparentibus, 
visu et oculo^ (1798, 4. c. ^^,) und eine Schrift, welche sich mit der Ver- 
bessening des klinischen Unterrichts beschäftigt: „JRiscontro cUnico del nuovo 
ospedale o regolamenti medtco-pratiche** (1798) ; endlich eine wichtige vergleichend- 
anatomisch-physiologische Arbeit: „Dinamica animale degV insetti" (1800). 
Ausserdem schrieb er noch Abhandlungen für Gesellschaftsschriften, z. B. die 
Mömoires de Turin (T. V), pflanzenphysiologischen Inhalts. Der unermüdliche 
Arbeiter starb bereits am 22. December 1801. 

Biogr. in6d. III, pag. 310. — Dict. hist. I, pag. 854. — v. Wurzbach, II, pag. 437. 

G. 

ConcatO; Luigi C, am 20. November 1825 in Padua geboren, kämpfte 
als Sohn armer Eltern mit der grössten Noth, um seine Studien vollenden zu 
können. Am 6. August 1848 zum Doctor in Padua promovirt, wurde er 1850 
Assistent der Anatomie und Physiologie, übersetzte Zehetmayer's Werk: „üeber 
die Percussion und Auscultation etc." und ging im September 1855 nach Wien, 
wo er zwei Jahre lang die medicinische , chirurgische und geburtshilfliche Klinik 
besuchte und pathologische Anatomie studirte (Skoda, Oppolzer, Schuh, Roki- 
tansky) und 1857 — 58 nach Prag (Jaksch, Lerch, Treitz). Ende 1859 wurde 
er mit den Vorlesungen über allgemeine Pathologie in Pavia beauftragt und 1860 
zum Professor der medicinischen Klinik in Bologna ernannt. Bis 1875 mit grossem 
Erfolge die neue Richtung einer auf objective Semiotik gegründeten positiven 
Diagnose hier verbreitend, fand er natürlich viele Gegner in den Aerzten der 
dortigen alten Schule, verschaffte sich aber trotzdem bald ein grosses Ansehen bei 
Studenten, wie bei Kranken. Anfangs 1876 Hess er sich vorübergehend nach 
Padua versetzen, siedelte jedoch 1878 wegen vielfacher Anfeindungen nach Turin 
über, wo er seine Vorlesungen mit weit besserem Erfolge als in Padua bis zum 
Jahre 1880 fortsetzte. Am 13. August ej. a. starb er zu Riolo (Romagna) an acutem 
Glottisödem. Als Lehrer hinterliess er viele Schüler, die ihm Ehre machten, mehrere 
hierunter Professoren an verschiedenen Universitäten Italiens ; als medicinischer Schrift- 
steller war er während seiner wissenschaftlichen Laufbahn äusserst thätig gewesen. 
Im Jahre 1862 gründete er das „Ebdomadario clinico", eine praktische und 
wissenschaftliche Zeitschrift, die im Jahre 1865 in die „Rivista clinica di Bologna" 
umgeändert wurde und heute noch fortbesteht. Unter seinen zahlreichen (120) 
Schriften verdienen besondere Erwähnung : „Sopra un caso di Carcinoma vüloso 
della veaica^ (Imparziale 1861) — y,Dei segnt diagnostici fis^ici nella tuberco- 
losi polmonare incipiente** (Ebdomadario clinico, 1863) — „Delle affinith fra 
tubercolo e cancro e della sostituziane loro ereditaria" (Ebenda 1864) — „Sul 
tetano" (Rivista clinica de Bologna 1865) — „La percussione nella diagnose 
differenziale delle cardiopatie^ (Ebenda 1868) — „Apparecchio inamovibile nelF 
artrite acuta^ (Ebenda 1869) — „Stdla ßaiologta e ßsiopatologia del cuare'* 
(Ebenda 1870) — „Sul reumatismo articolare a corso rapido*' (Turin 1876, 
400 Seiten) — „Un caso di chiluria** (Giomale della R. Accademia di medicina 
di Torino 1881) — „La corrente indotta e la compressione meccanica contra 
i versamenti pleuritici** (Piacenza 1881) — „La diagnosi generale dei tumori 
addominali" (2 Theile, Mailand 1881) und viele andere. Cantani. 

Conde, J. B. de C, aus Brüssel, 1644 zu Löwen promovirt, wirkte als 
Arzt am Hospital St.-Jean der ersteren Stadt. Seine Auszeichnung beruht auf 
einer in eleganten lateinischen Versen ausgeführten Wiedergabe der Aphorismen 
des HiPPOKRATES (Brüssel 1647). C. starb 1653, sein Geburtsjahr kennt man nicht« 

van den Corput. — Red. 

Condoidi, Panajota (in Russland Paul Sacharjewitsch C. genannt), 
ein um das Medicinalwesen in Russland überaus verdienter Arzt, ein in Corfa 



CONDOIBI. — CONQUEST. 65 

geborener Grieche, kam sehr jung nach Russland und wurde äusserst sorgfilltig 
von seinem Oheim, dem Bischöfe von Susdal, erzogen ; dann ging er nach Leyden, 
studirte Medicin und wurde Dr. med. Er verfasste: „Historiae lateralis ad extra- 
tendum calculum sectionis appendix, sive cystotomia Gheseldiana, aucfore Ja- 
cobo Douglasso, . quam anglice conscriptam Latine donavit P. C. dt Gorcyraeus** 
(Leyden 1733, 4., mit Fig.). Nach Russland zurückgekehrt, erhielt er das Recht 
zur Praxis daselbst, wurde 1738 Generalstabsdoctor der Armee Münnich's und 
entwarf als solcher eine besondere Instruction für dieses Amt, sorgte ausserordentlich 
für Eoranke und Hospitäler und bemühte sich, bestehende Missbräuche abzu- 
schaffen. Nach der Thronbesteigung der Kaiserin Elisabeth von dem Archiater 
Grafen Lestocq nach Petersburg berufen, übernahm C. die Verwaltung des Medi- 
einalwesens (medic. Kanzlei oder medic. Comptoir genannt). Im October 1747 
wurde er Hofmedlcus und nach dem Tode Boerhaave's Director der medicinischen 
Kanzlei, sowie erster Leibmedicus des kaiserlichen Hofes. Seine Bestrebungen 
galten insbesondere der Verbesserung der Hospitäler, er ordnete regelmässige 
Sectionen in den Hospitälern an und errichtete Hebeammenschulen in Moskau und 
Petersburg. Sein Tod erfolgte 1760. 

Tschistowitsch, CLXXXII. — Richter, III, pag. 436. L. Stieda. 

Coniior, Bernard C, ein Irländer, um 1666 geboren, bereiste die 
Länder des Continents und war in Polen einige Jahre Leibarzt Johann Sobiesk i*s. 
Nach England 1695 zurückgekehrt, hielt er Öffentliche medicinische Vorlesungen 
mit grossem Zulauf, starb aber bereits 1698. Ausser Reisebildem (speciell über 
den Vesuv), einem Briefwechsel mit J. Tyrel u. A. über allgemeine medicinische 
Fragen, einem „ Evangelium medici^ und einer (nachgelassenen) Geschichte Polens 
schrieb C. : „A compendioua plan of the hody of physic^ (Oxford 1697) und 
yjDe secretione animali^ (London gleichzeitig). 

Biet. bist. II. Red. 

Conolly, JohnC, geboren 1796, gestorben 1866, war Arzt zu Hanwell 
bei London, einer der grösseren Irrenanstalten von mehr als 1000 Bewohnern, an 
denen England so reich ist. Seine wissenschaftliche Bedeutung ist weniger aus- 
gesprochen, obgleich er ziemlich viel geschrieben hat ; die praktische dagegen um 
so mehr, als C. der eigentliche Schöpfer des No-restraint Systems ist. Zwar hatte 
vor ihm schon Gabdiner Hill, unterstützt von Charles Worth in Lincoln, ein- 
schlägige Versuche gemacht ; wirklich durchgeführt hat das System aber erst C. ; 
nach mehr als zwanzigjähriger Thätigkeit in Hanwell konnte er 1856 berichten, 
dass in 24 englischen Irrenanstalten — mit mehr als 10.000 Kranken — der 
mechanische Zwang so gut wie abgeschafft sei. Die Bedeutung dieses Factums 
war die einer neueu Aera für die Psychiatrie. Arndt. 

Gonquest, John T. C, zu London, wurde 1789 zu Chatham geboren, war 
einige Zeit lang Assistant - Surgeon in der Marine, wurde 1813 zu Edinburg 
Doctor, ging dann nach London, wurde Geburtshelfer am City of London Gebär- 
hause und Doeent der Geburtshilfe am St. Bartholomäus-Hospital. Er verfasste: 
„OutUnea of midvnfery" (London, 2. Aufl. 1821; 6. Aufl. 1835; neue Aufl. durch 
James M. Winn, 1854; deutsche üebersetzung mit Zusätzen u. s. w. von S. J. Ottkr- 
BURG, Heidelberg und Leipzig 1834) und gab, ausser mehreren Aufsätzen im Edinb. 
Med. and Surg. Joum. (1811), London Med. Repository (1820), Lancet (1829—30) 
über Missbildung der weiblichen Genitalien, geburtshilfliche Instrumente, Heilung 
des Hydrocephalus durch Function, eine in der HüNTKR'schen Gesellschaft gehal- 
tene Festrede: „ObservcUions on puerperal inßammation , commonly called 
puerperal fever etc.^ (London 1830) und eine Schrift: „What is homoepathy? 
And is there any ^ and what amount of truth in it?" (London 1859; 2. Aufl. 
1859; 2. amer. Ausg. Philadelphia 1861) heraus. Er starb am 24. October 1866 
zn Shooter*8 Hill, wohin er sich seit einigen Jahren zurückgezogen hatte. 

Dechambre, XIX, pag. 649. — Callisen, IV, pag. 294; XXVH, pag. 135. g. 
Biogr. Lexikon. II. 5 



66 CONRADI. 

Conradi, Georg Christoph C, geboren am 8. Juni 1767 zu Rössing 
im Amte Caleuberg, gestorben am 16. December 1798 als Stadtphysicus zu Nord- 
heim, beendete 1789 seine mediciniscben Studien und liess sich als praktischer 
Arzt in Hameln nieder; 1792 ging er als Physicus nach Nordheim. C. hat durch 
seine Vorschläge, die getrübte Linse durch Spaltung der Kapsel zur Aufsaugung 
zu bringen, sich ein erhebliches Verdienst um die Staaroperation erworben, ja man 
mußs ihn sogar eigentlich als den Begründer der modernen Discissio cataractae 
ansehen. Allerdings war schon vor ihm die Tbatsache bekannt, dass die zerstückelte 
staarige Linse von den Augenflttssigkeiten gelöst und zur Resorption gebracht 
werden könne und war diese physiologische Erkenutniss bereits auch von Pott 
zur Grundlage einer besonderen Operationsmethode gemacht worden. Doch war 
man trotz aller derartigen Versuche sowohl über die Technik, als wie auch über 
die Indicationen der Discissio cataractae so im Unklaren, dass selbst Beer im 
Jahre 1799 behauptete: es würde eine derartige Methode der Staaroperation kaum 
eine praktische Bedeutung erlangen können. Es ist nun das grosse Verdienst C.'s, 
in seinem Aufsatze: ,f Vor schlag zu einer einfachen Methode, den Staar zu 
stechen^ (Arnemann*S Mag., Bd. I, Göttingen 1797) die Indicationen der Discissio 
angegeben und diese Methode als nur für weiche Staarc passend erkannt zu haben. 
Er warnt ausdrücklich davor, ältere Personen mittelst dieses Verfahrens operiren 
zu wollen. Die Technik der Operation gestaltete er auch dadurch rationell, dass 
er die bis dahin versuchte totale Zerstückelung der Linse beseitigt und nur 'durch 
Spaltungen der vorderen Linsenkapsel ersetzt wissen wollte. Auf diesem von C. 
geschaffenen Boden hat sich unsere moderne Discission, trotz der Widersprüche 
Brer's, entwickelt. (S. Magnus, Geschichte des grauen Staares, Leipzig 1876.) 
Die sonstigen literarischen Arbeiten C.'s über dasselbe Thema, sowie sein „Hand- 
buch der pathologischen Anatomie^ (Hannover 1796) — „Auswahl aus dem 
Tagebuche eines praktischen Arztes" (Chemnitz 1794) etc. haben nur neben- 
sächliche Bedeutung. 

Ein Verzeicliniss aller seiner Arbeiten, auch der verschiedenen von ihm gelieferten 
Joumalartikel, findet man in Mensel, 1750 — 1803. Magnus. 

Gonradii Johann C. , geboren in Strassburg i. E. , studirte daselbst 
Medicin und wurde Dr. med., in Petersburg examinirt am 17. December 1787 wurde 
er Anfangs dem chinirgischen Institute, später dem Hauptspital zugezählt. Am 
2. August 1789 wurde er als Lehrer an der Petersburger chirurgischen Schule 
angestellt; später siedelte er nach Moskau über, um auch hier als Lehrer thätig 
zu sein. „Er habe", sagte er, „ein Gelübde gethan, nicht in sein Vaterland 
zurückzukehren, sich nicht mit der freien Praxis zu beschäftigen, sondern allein 
mit ünterrricht" — in Erinnerung an seinen uuvergesslicben Lehrer Fkiede. In 
Moskau lehrte C. Geburtshilfe und gerichtliche Medicin. 

Tschistowitsch, CLXXXVII. L. Stieda. 

Conradi, Johann Wilh. Heinrich C, geboren am 22. September 
1780 zu Harburg, wo sein Vater Professor der Rechtswissenschaft war, gestorben 
am 17. Juni 1861 zu Göttingen, studirte von 1797 ab Medicin zu Marburg, 
promovirte daselbst 1802, habilitirte sich im nämlichen Jahre, wurde 1803 ausser- 
ordentlicher, 1805 ordentlicher Professor, erhielt 1809 die Poliklinik und 1812 
mit dem Titel Hofrath die Direction der stationären Klinik in dem unter seiner 
Leitung eingerichteten akademischen Krankenhaiise. Im Herbst 1814 folgte er einem 
Rufe als Professor der Medicin nach Heidelberg, wo er das Krankenhaus (Berichte 
über dasselbe 1817 und 1820) verbesserte. Nachdem er Berufungen nach Bonn 
und Berlin abgelehnt, folgte er 1823 einem wiederholten Rufe nach Göttingen. 
Dort leitete er zuerst ein poliklinisches Institut, nach Himly's Tode (1837) jedoch 
übernahm er die Direction des akademischen Krankenhauses, die er erst 1853 
bei Gelegenheit seines 50jährigen Profesaorenjubiläums aufgab. Als Mitglied der 
Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, legte er in deren Abhandlungen viele 



CONßADI. — CONSBRUCH. 67 

seiner kleinen Schriften nieder. C, ein sehr gelehrter Arzt fs. Baldinger), ein 
fruchtbarer Schriftsteller und gewissenhafter, aber etwas trockener Lehrer, war 
Eklektiker und hat ebensowohl dem schädlichen (Broussais), wie dem wohlthätigen 
Neuen (Schöxlein 1843) opponirt. Seine einst beliebten Handbücher: „Allgemeine 
Faihdogie*' (zuerst 1811, 6. Aufl. 1841) — „Specielle Pathologie'' (zuerst 1811, 
1813, 4. Aufl. 1831) sind jetzt ohne Werth. — Seine Schrift gegen Broussais 
erschien zuerst 1821 und erlebte 1823 die zweite Auflage. 

Schriflenverzeichniss in Engelman'ö's BiI)liotheca medico-chinirgica. — Nekrolog 
von Wo hier in Göttinger Nachrichten. 1861, pag. 20. — Deutsche Biographie. 

W. Stricker. 

Gonring, Hermann C, geboren am 9. November 1606 zu Norden (Ost- 
friesland), gestorben zu Helmstädt am 12. December 1681, war der neunte Sohn 
eines Geistlichen. Bei schwächlicher Leibesbeschaffenheit war er doch geistig 
frühreif und gilt als einer der berühmtesten Polyhistoren. Seine volkswirthschaft- 
liehe Wirksamkeit hat W. Röscher gewürdigt, seine politische Thätigkeit verwarf 
man nur, da sie gegen die Interessen Deutschlands gerichtet war. C. bezog 1620 
die Hochschule Helmstädt und brachte, mit den verschiedensten Studien beschäftigt, 
5 Jahre dort zu. 1625, als Helmstädt vom Kriege heimgesucht wurde, siedelte er 
nach Leyden über. 1632 wurde er Professor der Philosophia naturalis in Helm- 
städt, 1626 Doctor der Medicin und Philosophie und vertauschte im gleichen Jahre 
seine Professur mit der der Medicin, wozu er später noch die zweite Professur 
der Politik übernahm. 1649 wurde er von der Füretin J u 1 i a n a von Ostfriesland 
in seine Heimat berufen und kehrte als Leibarzt und Geheimrath derselben nach 
Helmstädt zurück. 1650 lud ihn Königin Christine nach Schweden ein und 
verlieh ihm den Titel eines Leibarztes und Käthes, den ihm später König Karl 
Gustav bestätigte. 1661 wurde er braunschweig- wolfenbüttelscher Geheimrath 
und 1669 dänischer Etatsrath. Von seinen eilf Kindern überlebten ihn sieben: 
ein Sohn und sechs Töchter. — Neben einer ausgedehnten medicinischen Praxis 
und der gewissenhaften Erfüllung der Pflichten seines akademischen Berufes fand 
0. Müsse zu einer staunenswerthen literarischen Thätigkeit auf den verschiedensten 
Gebieten menschlichen Wissens. Im Bereiche der Medicin war eine yy Disputation 
über den Scorbut^ (Helmstädt 1634) wohl die erste eigene Arbeit. Später erwarb er 
sieb ein besonderes Verdienst, indem er die HARVEv'sche Lehre vom Kreislauf des 
Blutes aufs Eifrigste verfocht (1640, 1643, 1646). Während er hierdurch und 
durch häufige Demonstrationen« sowie durch Betonung des Werthes chemischer Unter- 
suchungen sich als einen Anhänger der neuen Richtung kundgab, welche die 
Medicin ausschliesslich naturwissenschaftlich zu begründen strebt, bekämpfte er die 
älteren mystischen Theorien in seiner Schrift : „De hermetica Äegyptiorum vetere 
et nava Paracelsicorum medicina^ (1648, 1669). 

Biogr. univ. — Deutsche Biographie. — Max, Zur Erinnerung au die Wirksam- 
keit H. C.'s in Abhandhingen der Göttinger Ges. der Wiss. 1872, Bd. XVII. 

"W. Stricker. 

Gonsbrach, Georg Wilh. Christoph C, geboren am 4. December 
1764 zu Herford in Westphalen, geboren im September 1837 in Bielefeld, promo- 
virte 1787 zu Halle. Er war zuerst Arzt in Herford, dann seit 1789 in Bielefeld 
und wurde 1800 Medicinalrath. Ausser einer Reihe von Artikeln in medicinischen 
Journalen (besonders in Hofeland's Journal) und Uebersetzungen einiger englischer 
medicinischer Werke (z. B. von Cöllen's „Materia medica", 1790), hat er 
„Medicinische £phevieriden nebst einer medicinischen TopograjMe der Graf- 
schaft Bavewiberg" (1793) und in Gemeinschaft mit JOH. Kaspar Ebermaier 
und J, F. Niemann eine „Allgemeine Encyldopädie für i^raktische Aerzte und 
Wundärzte** (1802 fi*. in 18 Bänden) herausgegeben, von welchen C. mehrere 
Theile (Anatomie, Physiologie, Materia medica, allgemeine und specielle Pathologie 
und Therapie) selbst verfasst hat. 

Deutsche Biographie. IV. "W. Stricker. 



68 CONSTANTIN. — COOPER. 

Gonstantin, Antoine C. , französischer Arzt in Aix (Provence) um das 
Jahr 1616, ist Verfasser des „Brief traiU de la pharmacie provingale et 
familiäre etc.^ , worin er nachzuweisen suchte, dass jedwede Krankheit mit den 
einheimischen Arten der Pflanzen und Kräuter behandelt werden soll, um geheilt 
zu werden. Unger. 

Gosstantllias, mit dem Beinamen Africanüs, aus Carthago, lebte in der 
zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und soll 40 Jahre lang auf Reisen durch 
Arabien, Chaldäa, Persien, Indien, Aethiopien und Egypten zugebracht haben. Vor 
der Anklage, Zauberer zu sein und ihren Folgen rettete er sich nach Salemo, 
wo er Secretär Rob. Guiscard's wurde und zog sich 1086 vom Hofe nach Monte 
Casino zurück, um hier in den Benedictiner-Orden einzutreten und Ruhe zu finden. 
Durch seine zahlreichen medicinischen Schriften — obwohl vorwiegend üeber- 
setzungen griechischer und arabischer Werke — trug er viel dazu bei, der 
medicinischen Schule zu Salemo zu ihrem Aufschwünge zu verhelfen, wird sogar 
von einzelneu Forschern als der eigentliche Reformator derselben betrachtet. In der 
von H. PETRUS (zu Basel 1536) veranstalteten Gesammtausgabe seiner Opera 
unifasst der I. Theil die „De morborum curatione libri VII a capüe ad pede» 
xisque"^ — den „Liber aureus , de remediorum et aegritudinum cognitione" — 
„De urinis'* — „De starnachi affectionibus naturalibus et praeter naturam"^ — 
„De victus ratione variorum morborum^ — „De melancholia** — „De coitu^ — 
„De animae et Spiritus discrimine^ — „De incantationibus, adjuratione^ colli 
svspensione etc.^ — „De passionibus mulierum^ und vor Allem den „Liber 
de chirurgia^ (Phlebotomie, Arterienincision, Scarification, Schröpf köpfe , Heilung 
der Knochenbrüche etc.) und den „Liber de gradibus simplicium medicamen- 
torum etc,^ ; der II. Theil: „De humana natura^ ' — y,De elephantia*^ — „De 
remediis ex animalibus" , 

Dict. bist. II. u. a. Red. 

Conygius, s. Fabri. 

Gooke. Unter den zahlreichen englischen Aerzten dieses Namens verdienen 
zunächst Erwähnung: der Nervenarzt John C, welcher in den Jahren 1819 bis 
1824 in schneller Folge mehrere umfangreiche Werke über Nervenkrankheiten im 
Allgemeinen (Croonian lectures of the year 1819; London 1820 — 1823) und 
speciell über Epilepsie erscheinen Hess; — und William C, in Wem (Shropshire) 
am 4. August 1785 geboren, sehr früh in die Praxis gelangt und ausgebildet 
unter Abernethy im St. Bartholomäus-Hospital. Im Jahre 1819 gründete er mit 
einigen anderen Londoner Aerzten die Hunterian Society, in welcher er 1839 die 
jährliche Rede hielt („Mind and the emotions"). Seine Schriften sind (unbedeutende 
übergangen): „Ä treatise on disorders of the digestiv organs^ (1828) und eine 
üebersetzung von Morgagni's „De sedibus et causis morborum" (1822). — Als 
er am 20. Mäi-z 1873 starb, hinterliess er zwei gleichfalls dem ärztlichen Stande 
angehörende Söhne. j^^^ 

*Cooke, Thomas C, bildete sich in London und Paris aus und erlangte 
an letzterer Universität das Baccalaureat 1862; Med. Dr. wurde er 1870 und 
F. R. C. S. Eng. 1871. Er hat in Paris mehrere Assistentenstellen, so am Bicetre^ 
Lariboisiere, Le Midi innegehabt, auch an der £cole pratique de la facult6 daselbst 
als Demonstrator für Anatomie gewirkt. Als Lecturer of anatomy, phys. and 
surgery in London stellte er die „Tablets of anatomy and physiologie** (1873 
bis 1879) zusammen, wandte sich später der Chirurgie zu und schrieb: „On 
Suspension b\j the head in Sai/re's treatment of spinal curvature" (Lancet 1879) 
— „Treatvient of strumous abscesses of the neck^ (Brit. med. Joum. 1876) 
und andere Einzelaufsätze. Red. 

Cooper, Sir Astley Paston C, der bedeutendste englische Chirurg im 
ersten Drittel dieses Jahrhunderts, war am 23. August 1768 zu Brooke in Norfolk 



COOPER. 69 

geboren, wurde 1784 ein Zögling von Cline, dem bekannten Chirurgen am 
St. Thomas' Hospital in London und von ihm in sein Haus aufgenommen. Diese 
nahe Verbindung mit einem berühmten Anatomen und Chirurgen war ihm von 
«ehr grossem Nuts&en ; er hörte nebenbei auch Vorlesungen bei John H unter und 
besuohte während des Winters 1787 Edinburg. 1789 wurde er Demonstrator 
der Anatomie beim St. Thomas' Hospital und 1791 Übertrag ihm Clixe einen 
Theil seiner Vorlesungen. 1792, nachdem er sich eben verheiratet, ging er 
mit seiner Frau nach Paris, um noch unter Dksaült und Chqpart Studien 
zu machen; die Unruhen der Revolution vertrieben ihn jedoch bald wieder. In 
demselben Jahre begann er seine ersten chirurgischen Vorlesungen zu halten, 
wurde 1793 als Professor der Anatomie an der Surgeon's Hall angestellt und 1800, 
statt seines Oheims William Coopeb, der seine Stellung niederlegte, zum Chirargen 
am Guy's Hospital ernannt. In dieselbe Zeit fallen seine ersten bemerkenswerthen 
wissenschaftlichen Arbeiten: „A case of atrangulated hemia, in which a pari of 
the abdominal viscera was protrvded into the left cavüy of the ehest ^ (Med. 
Records and Researches, 1798) — „Three tnstances of obstructton of the thoracic 
duct, toith 8ome experiments shewing the effects of tying that vessel" (Ibid.), 
sowie einige in der Royal Society gelesene und in den Philos. Transact. (1800 
und 1801) publicirte Aufsätze über Zerstörung des Trommelfells und dessen 
Folgen. Er beschäftigte sich in dieser Zeit unter Anderem auch mit Thierexperi- 
menten und vergleichender Anatomie (secirte z. B. einen Elephanten) und stand 
mit den Resurrectionisten in Verbindung, durch welche damals allein Leichen 
für anatomische Zwecke zu erlangen waren; auch war er 1805 einer der Mit- 
^ründer der Royal Medice - Chirurgical Society, in deren Transactions der erste 
Artikel des ersten Bandes (1^09): „A case of aneurism of the carotid artery^ 
Ton ihm herrührte.. Er gab darin von der ersten, überhaupt ausgeführten 
(unglücklich verlaufenen) Ligatur der Carotis communis (1805) Kenntniss, einer 
Operation, die er 1809 in einem ähnlichen Falle mit Erfolg wiederholte (Ibid.). 
Eine nicht geringere Berühmtheit erlangten seine Arbeiten über Hernien: „Obser- 
vaiions an inguinal and congem'tal hemia" (London 1803, Fol.) — »The 
anatomy and surgical treatment of inguinal and congenital hemia" (London 
1804, Fol., w. 11 pl. ; 2. Aufl. mit Zusätzen durch C. Aston Key, London 1827, 
1828, 2 Bde. ; deutsche Uebers. von J. F. M. Kbüttge, Breslau 1809, Fol.) und 
^The anatomy and surgical treatment of crural and umbüical hemia" (London 
1807, Fol.), Schriften, in denen er, wie in allen seinen übrigen Arbeiten, allein 
die Resultate seiner eigenen reichen Erfahrung veröffentlichte, ohne sich um die 
Anderer — und hieraus muss allen seinen Arbeiten ein Vorwurf gemacht 
werden — zu kümmern, während es andererseits rühmend hervorzuheben, dass 
er von allen Theorien und Speculationen sich vollständig frei erhielt. Die bei- 
gefügten kostbaren Folio-Kupfertafeln verursachten ihm, selbst nachdem alle Exem-< 
plare verkauft waren, • einen Verlust von mehr als 1000 Pfd. 1813 wurde er von 
dem Royal College of Surgeons zu dessen Professor der vergleichenden Anatomie 
ernannt, folgte darin Sir Everard Home, gab diese Professur 1815 aber wieder 
ab, indem er durch seine Vorlesungen über Anatomie und Chirurgie beim St. Thomas' 
und als Chirurg beim Guy's Hospital, sowie durch eine enorme Praxis anderweitig 
zu sehr in Anspruch genommen war (seine Jahres-Einnahmen aus der Hospital- und 
Privatpraxis beliefen sich zu dieser Zeit auf mehr als 21.000 Pfd.). Nach der 
Schlacht von Waterloo sandte er aus eigener Initiative mehrere seiner Schüler und 
Assistenten zur Behandlung der Verwundeten nach Brüssel. — Eine andere, sehr 
berühmt gewordene Arterienligatur, nämlich der Aorta abdominalis, machte er, 
nebst anderen Gegenständen, in den von ihm zusammen mit seinem Schüler Benj. 
Travbrs herausgegebenen „Surgical essays" (London 1818, 19; 3. Ausg. 1820; 
amer. Ausg. Philadelphia 1821 ; deutsche Uebers. in der Chirurg. Handbibliothek, 
Bd. I, Weimar 1821; französische Uebers. von G. Bertrand, Paris 1823) bekannt, 
während eine sehr kleine Operation, nämlich die Exstirpation eines Atheroms der 



70 COOPER. 

Kopfhaut bei dem Könige Georg IV. (1821) ihm den Baronetstitel eintrug. In 
dieHelbe Zeit fallen auch «eine berflhmt gewordenen Schriften Ober Fracturen und 
Luxationen der Gelenke : „A treatüe on dislocationa andfractures of thejoints^ 
(London 1822, 4. mit 30 Tf. ; 1823; 1824-, 5. Ausg. 1826; neue vermehrte Aufl. 
von Bransby B. Cocfeb, London 1842, 8.; 2. amer. Ausg. nach der 6. Londoner 
AuBg. von J. D. GoDMAN, Boston 1832 ; deutsch in der Chirurg. Handbibliothek, 
Bd. VI, Weimar 1823) — „Observotions on fractures of the neck of the thigh- 
bone etc.'' (London 1823, 4. mit 3 Tf.; deutsch ebendaselbst, Bd. VII, 1824); auch 
wurden seine Vorlesungen u. d. T. : ;, The lectures on the prmciples and practtce 
of surgery ; . . . by Fred. Tyrrell^ (3 Bde., London 1824 — 27; americ. Ausg. 
Boston 1831; deutsche Uebers., 3 Bde. , Weimar 1825—28, m. 2 Kpft.) ver- 
öffentlicht. — Zu Anfang des Jahres 1825 gab er wegen geschwächter Gesundheit 
seine Vorlesungen im St. Thomas' Hospital auf und wurde dieser Umstand von 
den Leitern des Guy's Hospital wahrgenommen, um ihn zu ersuchen, auch 'bei 
diesem Hospital eine medicinische Schule zu grttnden. C. , der sich durch den 
Hospitalsvorstand von St. Thomas beleidigt fühlte, ging darauf ein und so fand eine 
Trennung der beiden Schulen der United Borough Hospitals, wie sie bis dahin be- 
zeichnet worden waren, statt und seit jener Zeit datirt die Selbständigkeit der Schule 
dos 6uy*s Hospital , die durch C. , dessen Schüler grösstentheils zu diesem über- 
gingen, einen nicht geringen Glanz erhalten hat. Obgleich C. nur als Consulting 
Surgeon bei dem Hospital fungirte und nur noch gelegentlich einen Vortrag hielt, 
war er wissenschaftlich in beträchtlichem Umfange thätig und publicirte kurz nach- 
einauder zwei ebenfalls klassisch gewordene Werke: „llhistrations of the diseases 
of the breast'' (2 Thle., London 1829, 4. mit9Tf.; deutsche Uebers. Weimar 
183C, 4.) — fyObservations on the structure and diseases of the^testis'' (London 
1830, 4., mit 24 Tf.; 2. Ausg. von Bransby B. Cooper, 1841 ; americ. Ausg. Phila- 
delphia 1846; deutsch Weimar 1832, 33, 4.) und bald darauf noch ein drittes: 
„77ie anatomy of the thymits gland'^ (London 1832, 4. mit 5 Tf. ; americ. Ausg. 
Philadelphia 1845; französische Uebers. von Pigne und W. Tobin, 1832). — Die 
einige Zeit früher von einem einfachen Manne, einem Gärtner, Namens Read 
gemachte Erfindung eines wichtigen Instrumentes, nämlich der Magen pumpe, 
hatte «ich sofort des Beifalles und der Protection von C, der alsbald seine Bedeu- 
tung erkannte, zu erfreuen. 1828 war er auch zum Sergeant-Surgeon des Königs 
ernannt worden, eine Würde, die er bei dessen Nachfolger, dem Könige Wilhelm IV. 
ebenfalls beibehielt. Unter seinem Namen wurden noch „The principles and 
practtce of surgery, fonnded on tle most extensive hospital and private prac- 
ttce, during a period of nearly 50 years. Edited hy Alex. Lee'' (London 
1836 ; deutsche Uebersetzungen von J. SchiJttb, 3 Bde., Cassel 1836—45; 4. Aufl. 
1856; andere Uebers. von Birchabd,' 4 Hefte, Erlangen 1844, 45) herausgegeben, 
ebenso wie u. d. T.: „Oeuvres chirurgicales complhtes. Trad. de Vanglais avec 
des potes par E. Chassaignac et G. Bichelot" (Paris 1835) eine fran- 
aösisehe Uebersetzung seiner Schriften erschien. Seine letzte eigene, im Alter von 
mehr als 70 Jahren verfasste Arbeit: „On the anatomy of the breast'' (2 Bde., 
London 1840) war eine Erweiterung seiner 1829 erschienenen obengenannten Schrift, 
für welche er seit jener Zeit, mit Benutzung eines ausserordentlich reichen Beob- 
«ehtungsmaterials, unausgesetzt thätig gewesen war. Der Tod dieses grossen Chirurgen 
erfolgte am 12. Februar 1841. — Seine Zeitgenossen erkannten an, dass er die 
Chirurgie durch die grossere Sicherheit der Diagnose und die Einfachheit der Therapie, 
namentlich auch in operativer Beziehung, auf eine höhere Stufe gebracht habe ; als 
Lehrer war er von keinem englischen Chirurgen übertroffen; seine unermndliche 
Thätigkeit bei der Erforschung wissenschaftlicher Aufgaben war bewundemswerth, 
wobei allerdings der oben schon ausgesprochene Tadel nicht zu unterdrücken ist. 
Seine Wahrheitsliebe war allgemein bekannt, ebenso wie die Güte seines Herzens 
und seine Freundlichkeit im Umgange mit Collegen, Schülern und Patienten. 

Bransbv B. Cooper, The life of Sir A. Cooper. 2 voll., London 1843. — 
C«nison. IV, pag!318: XXVII. pag. 14^ Gurlt. 



COOPER. . 71 

Cooper, Samuel C, 1781 (?) — 1849, gewann mit seinem dreimal auf- 
gelegten (London 1807, Boston 1808, Hannover 1811) „Treattse on the diseases 
of the joints^ 1806 den Jacksonian-Preis. Auch sein „Dictionary of practical 
siirgery" erlebte mehrfache Londoner und amerikanische Ausgaben; ebenso die 
für Studenten geschriebenen „First lines of the practice of surgery^ (zuerst 
London 1826). — 1844 beschäftigte sich C. lebhaft mit Ideen zur Reform des 
medicinischen Unterrichts. ^^^ 

Cooper, Bransby Blake C. , war am 2. September 1792 zu Great 
Yarmouth, Norfolk, geboren, als Neffe von Sir Astley Cooper, unter dessen 
Leitung er, nachdem er zwei Jahre lang im Hospital zu Norwich gewesen war, von 
1811 an seine Studien fortsetzte. Er trat 1812 in die Armee ein, machte den Feldzug 
in Spanien und 1814 eine geheime Expedition nach Canada mit, kehrte 1815 nach 
England zurück, begann von Neuem Studien, wurde 1817, zusammen mit South, 
Prosector seines Onkels und wurden ihm von Letzterem anatomische Vorlesungen 
übertragen , die er an der durch denselben neu begründeten medicinischen Schule 
des Guy's Hospital fortsetzte. Seine ersten Schriften waren daher anatomische: 
„Treattse on ligaments; intended as an appendix to Sir Astley Cooper's 
tcork on dislocations and fractures of the joints" (London 1825, 4. mit 13 Tf.) — 
^Ltctures on anatomy^ interspersed urith practical remarks^ (4 Bde., London 
1829 — 32, mit Tf.). Auch war er als Assistent seines Onkels, in dessen Hause er 
wohnte, bei dessen Operationen und wissenschaftlichen Arbeiten sehr in Anspruch 
genommen. 1825 wurde er Surgeon am Guy's Hospital, nachdem sich sein Onkel 
aus dem activen Hospitaldienste zurückgezogen hatte. Sir Astley C, der wegeu 
ungünstiger Gesundheit zeitweise auf dem Lande lebte, operirte selbst nur noch 
wenig und übertrug daher die Operationen meistens Aston Key oder seinem Neffen. 
Letzterer gab heraus: „Surgical essays; the result of clinical observations made 
at Gtiy's Hospital" (London 1833, mit Tf. ; deutsch in der Chirurg. Handbibliothek, 
Bd. XVI, Weimar 1837) , worin sich eine Reihe von chirurgischen Abhandlungen 
gresammelt findet. An der Gründung der Guy*8 Hospital Reports (1836) hatte er 
einen hervorragenden Antheil und finden sich fast in allen Bänden bis 1850 Auf- 
sätze von ihm. Auch besorgte er die letzte Ausgabe des Werkes über Kuochen- 
brüehe und Verrenkungen (1842) und verfasste die Lebensbeschreibung (1843) 
seines Onkels Sir Astley C. (s. diesen). In den letzten Jahren seines Lebens 
veröffentlichte er noch : „Lectures on the principles and practice of surgery", 
die ursprünglich in der London Medical Gazette erschienen waren (auch in Phila- 
delphia 1852 nachgedruckt) und hielt noch ein halbes Jahr vor seinem am 
11. August 1853 erfolgten Tode die Hunterian Oration in der neuen Aula des 
College of Surgeons. — In der nächsten Nähe eines Sternes ersten Ranges wirkend, 
erhielt er zwar auch von diesem Glanz, aber war doch nicht im Stande, jenem 
auch nur elnigermassen . gleichzukommen. 

Lancet 1850, II, pag. 270; 1853, II, pag. 190. — Callisen,IV, pag. 330; 
XXVH, pag. 147. Gurlt. 

Cooper, Elisha Samuel C, 1822 — 1862, war in San Francisco kurz 
vor seinem Tode Herausgeber der dortigen Medical Press und publicirte 1857 
eine operative Entfernung eines dicht am Herzen sitzenden Fremdkörpers. . 

Die (nicht zugängliche) Biographie, das obige Journal, Jahrgang 1862. Red. 

* Cooper, William White C, beendete seine medicinische Ausbildung 
am St. Bartholomäus-Hospital 1838, wurde F. R. C. S. Engl. 1845 widmete sich 
aasdchliesslich der Ophthalmiatrie als consultirender Ophthalmologe verschiedener 
Krankenhäuser und der Blindenlehranstalt in London. Unter seinen einschlägigen 
Arbeiten sind hervorzuheben: „Xear sight, aged sight and impaired vision" 
(2. Aufl. 1853) und „On viounds and injuries of the eye" (1859). 'Red. 



72 COOPMANS. — COOTE. 

Goopmans, zwei Niederländer. — Georgius C. , 1717 zu Makkum 
(Friesland) geboren, studirte in Franeker und promovirte daselbst 1740, „remissa. 
dispiUatione^ . Nachdem er noch ein Jahr in Leyden studirt hatte, etablirte er 
sich als praktischer Arzt in Franeker, wo er bald einen grossen Ruf bekam und 
noch im 80. Jahre zum Curator der Universität ernannt wurde. Drei Jahre später 
starb er. Er schrieb eine sehr gute Abhandlung über eine Epidemie von Febris 
maligna (Nova acta Eruditorum 1749), verfasste 1754 eine lateinische üebersetzung 
von Monroes Abhandlung über die Nerven (1763 in Harlingen zum zweiten Male, 
„adjecto libro de cerehri et nervorum administratione anatomica** edirt) und 
eine „Neurologia et observatio de calculo ex Urethra excreto^ (Franeker 1789, 
mit Tafeln). — Sein Sohn, Gadso C. , wurde 1746 zu Franeker geboren, wo 
er 1762 — 67 Student war; darnach studirte er drei Jahre in Amsterdam und 
Gronigen und wurde 1770 in Franeker zunächst Doctor philosophiae („Diss.physica 
de ventis") , dann Doctor medjcinae (^Dissertatio de cyphosi^). Er etablirte 
sich als Arzt in Franeker und trat im Jahre 1774 das ihm aufgetragene Leetorat 
in Chemie und Materia medica an mit einer „Oratio de medicamentis indigenia, 
ad morbos familiäres feliciter depellendos, suffecturis", 1775 wurde er 
Prof. medicinae, legte jedoch 1787 aus politischen Ursachen (er war ein eifriger 
Gegner des Prinzen von Oranien) sein Amt nieder und siedelte nach Steinfurt 
über. Später etablirte er sich in Brüssel, wo man ihm, nachdem er in Löwen 
honoris causa zum Doctor medicinae ernannt worden war, vergebens eine Professsur 
anbot, darnach in Frankreich und 1791 trat er in Kopenhagen als Prof. chemiae auf. 
1793 wurde er ausserordentlicher Professor der Chemie in Kiel, ging 1796 nach 
Holstein, kam später noch nach Amsterdam und starb daselbst als praktischer Arzt 
1810. Als Lehrer hat C. sich in Franeker grosse Verdienste erworben, da er sein Amt 
sehr fleissig und auf recht wissenschaftliche Weise wahrnahm, wie u. A. aus einigen 
Abhandlungen „De urina^ — „De sordibus linguae^ und jyDe apkthts" erhellt. 
Sehr bekannt hat er sich durch sein 1787 ausgegebenes „ Varts, sive de Variolis 
Carmen'^ (holländische Ausgabe von Hoffman, Leyden 1787, deutsche Ausgabe 
von Goethe), durch ein „Carmen elegicum" auf den Geburtstag Königs Friedrieh 
von Dänemark (Kiel 1795) und durch ein nicht vollendetes Heldengedicht Petreis 
(auf Peter I. von Russland) als Dichterarzt gemacht. q g Daniels. 

Goote, Richard Holmes C, zu London, war daselbst am 10. November 
1817 geboren, ^Tirde bereits mit 16 Jahren ein Zögling von Sir William Lawrence, 
durchlief die verschiedenen Stadien im St. Bartholomäus-Hospital, machte eine 
wissenschaftliche Reise nach Wien und Paris, gewann 1845 beim College of Sur- 
geons einen 3jährigen Preis über die Anatomie der Fasern des menschlichen und 
thierischen Gehirns und machte weitere Untersuchungen über die Anatomie des 
Centralnervensystems und die Homologien des menschlichen Skelets. Er wurde 
Prosector bei der Schule des genannten Hospitals und blieb es, bis er 1852 zum 
Assistant-Surgeon ernannt wurde. Während des Krimkrieges war er in den Hospitälern 
von Smyma und Renkioi thätig; hier wurde der Grund zu jener Krankheit gelegt, 
an welcher er später langsam zu Grunde ging. Er wurde 1863 Surgeon und war 
1871, nach dem Abgange von Sir James Paget, der älteste derselben. Er war 
auch an dem Hospital for treatment of deformities angestellt und veröffentlicht 
über die letzteren einige praktische Vorlesungen. Später hielt er, in Verbindung mit 
Lawrence, und 1865 mit Sir James Paget, Vorlesungen über Chirurgie, die er 
jedoch wegen erschütterter Gesundheit später aufgeben musste. Er starb im December 
1872 an allgemeiner Paralyse. — So viel versprechend seine Anfänge gewesen 
waren, so war mit seiner Thätigkeit während des Krimkrieges entschieden ein 
ungünstiger Wendepunkt bei ihm eingetreten, indem seine späteren Arbeiten nicht 
mehr den früheren gleichkamen. In seinen zahlreichen Aufsätzen über chirurgische 
Gegenstände verfolgte er eine durchaus praktische Richtung, wie sie ihm auch bei 
seiner Hospitalthätigkeit eigen war, ohne dass jene Anspruch darauf machen, viel 



COOTE. — COPEMAN. 73 

Neues zu bringen; in dieser Richtung sind namentlich seine Arbeiten über die 
Krankheiten der Zunge, der Schilddrüse und die Schriften : „A report upon sanie 
of ihe more important points connected wüh the treatment of sr/phuis" (London 
1857) und „On Joint- diseases ; their pathology .... including . . . defomiities 
and curvattires of the spine" (London 1867) verfasst. 

Saint Bartholomew's Hospital Reports. Vol. IX, 1873. pag. XXXIX. Gurlt. 

' Cop, Guillaume C. , gebürtig aus Basel, studirte in Deutschland und 
Paris und stand an letzterem Orte in intimen Beziehungen zu Lascabis und 
Erasmts. Im Jahre 1496 erlangte er die Doctorwürde und wurde bald darauf 
Oberarzt Ludwig^s XIL und dessen Nachfolgers Franz' L Als solcher starb 
er 1532. — C. war bewandert in allen Zweigen des Wissens, er war insbesondere 
ein genauer Kenner der Araber ; die allgemeine Bewunderung, deren die letzteren 
sich bei seinen Zeitgenossen erfreuten, theilte er indessen nicht, er hielt sie viel- 
mehr zum grossen Theile für Compilatoren und Nachahmer, war bestrebt, den 
dominirenden Einfluss ihrer Schule und Lehre zu brechen und das' Studium der 
alten griechischen Meister wieder anzubahnen. In diesem Sinne kann C, obgleich 
keine Originalwerke von ihm *zurückblieben, als einer der Reformatoren der Heil- 
kunde in Frankreich angesehen werden. Für die Wissenschaft verdient machte er 
sich ausserdem durch die üebersetzungen der Werke des Paulus von Aeoina, 
des HiPFOKBATES und Galen; vgl. u. A. : „Pauli Aeginetae praecepta salubria^ 
(Paris 1510) — „Htppocratis Coi Prosagioriim libri tres ; ejusdem de ratione 
victus in morbis acutis libri quattuor" (Daselbst 1511) — „Galeni de affecforum 
locorum notitia libri sex^ (Daselbst 1513) — „Galeni de morborum et sympto- 
matum causis et differentiis libri sex^ (Daselbst 1528). — Berühmt ist ferner 
die 1526. in Basel erschienene Ausgabe der Hippokratischen Werke, die im Ver- 
eine mit anderen Gelehrten von C. herausgegeben wurde: „Hippocratis Coi 
medicorum omnium longe principis opera , quibus ma^xima ex parte annorum 
circiter duo millia latina caruit lingua, Graeci vero et Arabes, et prisci nostri 
medici, plurimis tarnen utilibus praetermissis , scripta sua illustrarunt , nunc 
tandem per M, Fabium (Caloum) Rhavennatem, Guillelmum Copem Basiliensem, 
Nicolaum Leonicenum et Andream Bredtium., viros doctissimos, latinitate doxata 
ac jamprimum in lucem edita" (Basel 1526). — Nicolaus C. , sein Sohn, 
war Professor am Collfege St. Barbe in Paris, sowie auch Rector der Universität 
im Jahre 1533. Des Protestantismus verdächtig, flüchtete er nach Basel, wo er, 
unbekannt wann, starb. Uneer 

Gopeman, Edward C, zu Norwich, war am 26. December 1809 zu 
Great Witchingham (Norfolk) geboren, studirte Medicin im Norfolk and Norwich 
Hospital unter Arthur Bbown und J. G. Crosse, später im St. George's Hospital 
zu London, wurde House Surgeon im erstgenannten Hospital, begann in Gemeinschaft 
mit W, Taylor eine Praxis zu Cottishall (Norfolk), behielt nach dessen Tode die 
grosse Praxis Beider bis 1848 bei, siedelte dann aber nach Norwich über, nachdem 
er 1847 zu Aberdeen Dr. med. geworden und eine Schrift : „ Collection of cases 
of apoplexy, vrith an explanotory introduction** (London 1848) herausgegeben 
hatte. Sein Ruf als Arzt und Geburtshelfer war in den östlichen Provinzen 
Englands weit verbreitet, und wurde er 1851 Physiciau des Norfolk and Norwich 
Hospital, der Norwich Eye Infirmary, des Norwich Magdalen, Consulting Accoucheur 
der Norwich Lying-in Charity und war der erste Arzt des Jenny Lind Kinder- 
Hospitals, von dem er einer der Gründer war. Von seinen Schriften, die durch 
praktischen Sinn sich auszeichnen, sind noch anzuführen : „History of the Norfolk 
and Norwich Hospital^ — „Records of obstetric consultation practice ; and a trans- 
lation of Busch and Moser on uterine haemorrhage etc," (London 1856) — 
„An essay on the history, pathology and treatment of diphtheria^ (Norwich 1859) 
— „A treatise on puerperal fever^ (London 1860) — „A report on the cere- 
bral affections of infancy, etc.^ (Norwich 1873). Dazu eine Reihe von Aufsätzen 



7-4 COPEMAN. — COI LAND. 

in der Lond. Med. Gaz. , im Provinc. Med. Journ. , British Med. Joarual über 
Blutungen nach der Entbindung, Darm-Occlusion , seltene geburtshilfliche Fälle, 
Erbrechen der Schwangeren u. s. w. 1878 gab er die Hospital-Praxis auf und 
starb am 25 Februar 1880. 

British Medical Joui-nal. 1880, I, pag. 382. — Med. Times and Gaz. 1880, I, 
pag. 269, 307. — Lancet 1880, I, pag 389. G. 

Gopho. Diesen Namen führen zwei der Salernitanischen Schule angehörige 
Aerzte, welche beide im 11. Jahrhunderte, der Aeltere wahrscheinlich in der Mitte, 
der Jüngere sicher gegen Ende des Jahrhunderts, gelebt haben; ob und in welchem 
verwandtschaftlichen Verhältnisse dieselben zu einander standen, ist nicht bekannt, 
sowie überhaupt die Existenz des älteren C. nur aus einer Notiz hervorgeht, die 
sich im Eingange zu der dem jüngeren C. angehörigen Schrift: „Ars medendi" 
findet, in welcher es heisst: „ego namque secundum hoc opus de modo medendi 
a Cophonis ore suisque et sociorum scriptis compendiose collegi". Unter dem 
Namen des C' besitzen wir zwei Schriften, die eine zuvor genannte „Ars medendi", 
eine nach griechischen Mustern bearbeitete specielle Pathologie und Therapie (ab- 
gedruckt im Anhang zu MesüE, Opp. und in DE Renzi, CoUectio Salemitana, 
Neapel 1856, IV, 415 — 505), die unzweifelhaft dem jüngeren C. angehört und 
deren Abfassung in die Zeit nach Constantinus (1020) und vor Nicolaüs Prae- 
POSITCS (1100) fällt. Die zweite ist die vielgenannte „Anatomia porci" , ein 
kleiner Abriss der topographischen Anatomie des Schweines, in der sich auch 
einige pathologisch-anatomische Notizen befinden (gedruckt Hagenau 1532 und 
DE Renzi l. c. II, 388 — 391), die offenbar auf eigenen Untersuchungen des Ver- 
fassers beruht. Dartiber, ob diese Arbeit dem älteren oder jüngeren C. angehört, lässt 
sich nicht urtheilen. de Renzi glaubt, dass auch eine kleine, anonym erschienene 
Schrift der Salernitanischen Schule „De urints et earundein significatiombus" 
(abgedruckt bei de Renzi II, 413) den jüngeren C. zum Verfasser gehabt hat. 

üeber Coplio, vgl. de Renzi 1. c. I, 162, 190. A. Hirsch, 

Copland, James C, zu London, war im November 1791 auf einer der 
Orkney-Inseln geboren, studirte in Edinburg von 1811 an Medicin und wurde 
daselbst 1815 Doctor. Er kam nach London, trat in den Dienst der afrikanischen 
Compagnie, musste jedoch, nachdem er sich ein Jahr lang an der Goldküste auf- 
gehalten hatte, wegen stark angegriffener Gesundheit in die Heimat zurückkehren 
und Hess sich, nachdem er 1818 Frankreich und Deutschland durchreist, in Walworth, 
1822 aber in London nieder. Er wurde daselbst Consulting Physician am Queen 
Charlotte's Lying-in Hospital und Physician an der Royal Universal Infirmary for the 
Diseases of Children und am South London Dispensary und widmete sich vielfach 
literarischen Arbeiten, namentlich im London Me^dical Repository (von 1821 an), 
dessen Herausgeber er von 1822 — 26 war, und im London Med. and Phys. Journal; 
er gab eine Uebersetzung von Ricuerand's „Elements of physiology^ mit An- 
merkungen heraus und arbeitete mit Annesley an der Herausgabe des grossen 
Werkes Desselben über die Krankheiten Indiens (1828). Nach einer kleinen Schrift 
über Cholera (1832) begann er in demselben Jahre die Herausgabe einer allein von 
ihm verfassten medicinischen Encyclopädie : „A dictionary of practical medicine" 
(3 Bde. London 1832 — 58; americ. Ausg. mit Zusätzen von Ch. A. Lee, 3 Bde. 
Philadelphia 1859 ; deutsche Uebersetzung von M. Kalisch, Berlin, Posen und Brom- 
berg, 7 Bde., 1834 — 46), welche seinen Namen mit Recht sehr bekannt gemacht 
hat, und abgekürzt 1866 von ihm und seinem Neffen James C. Copland noch 
einmal herausgegeben wurde. 1835 wurde er Docent der Medicin am Middlesex 
Hospital und erhielt zu wiederholten Malen die Gulstonian (1838), Crooniau 
(1844, 45, 46), Lumleian (1854) Lectures im Royal College of Physicians, sowie 
die Harveian Oration (1857). Er schrieb später noch: „Of the caiises, nature and 
treatment of palsy and apoplexy ; etc." (London 1850; Philadelphia 1850) — 
„Drainage and sewage of London and large towns ; their evils and their eure" 



COPLAND. — CORBEIL. 75 

(London 1857) — yfThe forma j campUcations , causes of consumption 

and bronchitis*' (London 1866). Er starb am 12. Jali 1870. 

British Medical Journal. 1870, II, pag. 107. — Callisen, IV, pag. 338; XXVII, 
pag. 151. G. 

Coppens, Bernard Benoit C. , 1756 — 1811 zu Gent, lehrte hier an 
der Medicinschule Naturgeschichte und Anatomie. Sein Verdienst beruht auf der 
energischen Bekämpfung der SiGAULT'schen Symphyseotomie , die er an eine 
UebersetzuDg von dessen Werken knüpfte. ^^^ ^j^^ Corput. - Red. 

Coquereau, Ch. J. L. C, geboren in Paris 1744, gestorben 1796 eben- 
dort, war Professor der Physiologie und Pathologie an der Pariser Facultät. 
Er publicirte mehrere kleinere physiologische Abhandlungen und vollendete das 
von Herissaut begonnene Werk: „Bibliotheque physique de la France" 
(Paris 1771). Unger. 

Coquerel, Jean-Charles C, französischer Marinearzt, war am 2. December 
1822 zu Amsterdam geboren, trat nach dreijährigen Studien zu Paris in die 
Marine und cultivirte auf seinen zahlreichen Reisen besonders die Naturwissen- 
schaften, namentlich die Entomologie. 1849 wurde er mit der These „De la 
ceciU noctume** zu Paris Doctor. Von seinen sehr zahlreichen naturwissenschaft- 
lichen Arbeiten sind nur diejenigen für uns von Bedeutung, in denen er seine 
Beobachtungen über die schädliche Einwirkung von ThiereU; namentlich von 
Insecten, auf Menschen näher beschreibt, wie: „Note sur des larvea appartenant 
a une notwelle esp^ce de dfpt^re (lucüia hominivorax) divelopp6es dans les 
Sinus frontaux de r komme h Cayenne'' (Annal. de la Soc. entomol. de France 
1858) — „Des larves de dipthres d^velopSes dans les sinus frontaux et les 
fosses nasales de V komme h Cayenne" (Arch. göner. de m6d. 1858) — „Sur 
iin nouveau cas de mort produit par le d^veloppement des larves ...... dans 

le pkarynx, etc." (Ibid. 1859) — „Note sur une larve doestride extraite du 
bras d'un komme ä Cayenne" (Revue et mag. de zool. 1859) — „Note sur 
Vtxamen microscopique des Idsions que Von observe dans l'affection co7inue 
sous le nom de F^rical ou pied de Madura" (Paris 1865, 4. av. grav.). — 
Er war während des Krim- und italienischen Krieges im Dienste der Flotte thätig, 
trat aber 1862 aus derselben aus und in den Colonialdienst , indem er nach der 
Insel la R6union gesandt wurde, wo er zu Salazie am 12. April 1867 starb. 

Leon Fairmarie in Annales de la Soc. entomologique de France. T. VIII, 
1868, pag. 301. — Berger et Hey, pag. 56. G. 

Coray, AdamantinusC. , zu Smyma am 27. April 1748 geboren, 
starb in Paris am 6. A^ril 1833. Er widmete sich zuerst sechs Jahre in Amsterdam 
dem Handelsstande, begab sich jedoch 1782 nach Montpellier, um dort aus 
Entiinsiasmus Medicin zu studiren. Da sein Vater während dieses (sechsjährigen) 
Studiums verarmt gestorben war, verschaffte er sich die. Mittel zu demselben nur 
mühsam durch TJebersetzungen englischer und deutscher medicinischer Werke (so 
Belle's medicinischer Klinik u. a.). Auch nachdem er mit Aufsehen promovirt 
war und sich in Paris 1788 niedergelassen hatte, setzte er diese Uebersetzungs- 
thätigkeit fort. Seine These war eine „Pyretologiae Synopsis" (Montpellier 1786). — 
C.'s Hauptverdienst beruht in der vorzüglichen Uebertragung hippokratischer und 
galenischer Schriften, die zu Paris 1800, resp. 1816 erschienen und der medi- 
einisehen Renaissance die entscheidenste Förderung leisteten. Unedirt blieben bisher 
in der Bibliothek von Chios: „raATjvoO si; t6 Tcepi jr^i^öv iTTTioxpaTOu;" (franzö- 
sische üebersetzung) , sowie eine Uebersetzung der hippokratischen Aphorismen, 
ein „Dictionnaire hippocratique" und Noten zu den Werken des Galenos. 

Anagnostakis. — Red. 

Corbeil, Giles de C, s. AEGiDirs Corboliensis. 



76 CORBEJÜS. — CORDÜS. 

Corbejus, Hermann C, wurde am Ende des 14. Jahrhunderts zu 
Nürnberg geboren und war ein Sohn des Arztes Theodor Corbejus. Er gehörte 
zur Gruppe jener Aerzte , die gegen das Ende des 14. und in der ersten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts die Frauenkrankheiten zu bearbeiten suchten. Er schrieb: 
„Oynaecmm sive de cognoscendis, praecavendiSj curandiaque praecipuis mulierum 
affectibus Ubr, duo,*^ (Frankfurt 1620). Ausserdem schrieb er noch „De phrenitide" 
(Helmstädt 1647) — ^De variolis et morbilUs^ (Daselbst 1641) und Einiges über 
Wunden • — 1647 gab er die Pathologie seines Vaters, mit Zusätzen versehen, heraus. 

Joch er, Thl. I, Sp. 2087. — Siebold: „Vers, einer Gesch. der Geburtshulfe«, 
Band n, pag. 120. Kleinwächter. 

Corbiil, Pierre-Eus^be C, zu Orleans, war daselbst um 1800 geboren, 
studirte anfänglich Philologie, erst später in Lyon Medicin, namentlich unter 
Pointe, darauf auch in Paris, wo er 1829 Doctor wurde. Nachdem er einige 
Jahre Chef de clinique in der Charite gewesen, Hess er sich in seiner Heimat 
nieder. Er hatte eine Anzahl geschätzter Artikel in den Archives g6n6rales (T. 21, 
23, 24, 25, 1829—32) über Brucheinklemmung im Bruchsack, über Darm-Per- 
foration, Venen-Obliteration, den Zustand der Leber beim Icterus u. s. w. verfasst 
und schrieb das folgende grössere Werk: „Instinictmi pratique sur les diverses 
m4thodes d^ exploration de la poitnne, Vauscultation, etc.** (Paris 1831; hollän- 
dische Uebers. von J. A. van Oort, Lceuwarden 1837), ausserdem: „Recherches sur la 
mSdectne et Tanatomie patkohgique, la thSrapeutique mSdtcale et chirurgicale ; etc.*^ 
(Paris 1832) und eine Anzahl von Artikeln im Joum. univ. et hebdom. de m^dec. 
und Joum. compl^m. du Dict. des sc. m6d. Er machte seinem Leben durch eigene 
Hand im Juli 1855 ein Ende und hinterliess sein beträchtliches Vermögen offen t- 
lichen Wohlthätigkeits-Anstalten. 

Decharabre, XX, pag. 421. — Callisen, IV, pag. 345; XXVH, pag. 153. 

G. 

Gorbyn, Frederick C, lebte und wirkte in Calcutta, u. A. von 1836 
bis 1842 auch als Herausgeber des dortigen Journal of medical and physical 
science und behandelte schriftstellerisch die unter dem Einfluss des indischen 
Klimas hervortretenden Kinderkrankheiten (Calcutta 1828) und die Cholera 
in den Schriften: „Sur le cholera spasmodique et ipid^mique de VInde" (Brief 
an G. Blane, Genf 1831) und „A treatise on the epidemic cholera as it kas 
prevatled in India together with the reports etc." (Calcutta 1832; Philadelphia 
gleichzeitig). — Auch gab C. das bald eingegangene India Joum. of med. sc. 
(1835) heraus. ^^^ 

f Corde, Maurice de la C. (Maurus Cordatüs, Cordaeüs), zu Paris, 
war ans Reims gebürtig, soll 1559 Doctor geworden sein, hatte in jener 
Zeit der religiösen Verfolgung als Hugenot Mancherlei durchzumachen und hat 
sich als einer der ältesten L^ebersetzer und Commentator von zwei Schriften des 
HiPPOKRATES, nämlich: „Hippocratis Cot lihellns x&pt ^rapO^v^wv, hoc est 
de ils quae virginibus accidunt" (Paris 1574) und „Commentarii in librum 
priorem Hippocratis Coi de inuliebribus" (Paris 1585, foL; Basel 1586, 4.; 
auch in J, Spachiüs, Gynaeciorum etc. Strassburg 1597, fol.) einen Namen 
gemacht. 

Decliambre, XX, pag. 423. G, 

''^Cordus, Euricius C. , wurde im Jahre 1486 in Simtshausen, einem 
Dorfe in der Nähe von Frankenberg in Hessen, als Sohn eines begüterten Bauern 
geboren. Sein eigentlicher Vorname war Heinrich, den er, der damaligen Sitte 
gemäss latinisirend und abkürzend, in Ricius umwandelte, wie er sich auch in 
seinen ersten Schriften nennt. 1515 fügte sein Freund Conrad Mut zum Zeichen 
seiner Hochachtung dem Namen die griechische Silbe eu hinzu, wodurch Euricius 
entstand. Sein Familienname ist unbekannt (vielleicht war zur damaligen Zeit die 



CORDüS. 77 

Familienbenennung auf dem Lande noch gar nicht allgemein durchgeführt), denn 
CoRDüS (der Spätgeborene) nannte er sich, weil er als der letzte von 13 Bindern 
geboren war. Mit 10 Jahren kam er nach Frankenberg auf die Schule und 
sehloss dort mit dem ein Jahr jüngeren £o bau Hessus, dem später so be- 
berühmten Dichter und Philologen, der 1501 ebenfalls nach Frankenberg geschickt 
war, innige Freundschaft. Vom Jahre 1520 an studirte C. in Erfurt Philosophie 
und die schönen Wissenschaften und schrieb sein erstes grösseres dichterisches 
Werk, seine Hirtengedichte („Bicii Cordi Sim^htisü BucoUcon per X eclogas 
jucundissime decarUatum^ , £rf. 1514 die X Cal. Jun. 4.). 1514 geht er nach 
Leipzig und hält dort Verlesungen über Poesie, bei denen er sein Bucolicon zu 
Grunde legt, kehrt Ende des Jahres wieder nach Erfurt zurück und erwirbt 1515 
den Magistergrad. Bald darauf folgte er einem Rufe nach Cassel zur Uebemahme 
des Reetorates einer gelehrten Schule, verlässt Amt und Stadt aber schon 1516, 
um in Erfurt eine gleiche Stellung an der Marienschule einzunehmen. C.'s Ver- 
mögensverhältnisse waren nicht besonders günstige, zumal der Bedarf bei Ver- 
grösserung der Familie wuchs, die Rectoratstellung und seine dichterische Thätigkeit 
gewährten nur wenig Verdienst, und so entschloss er sich denn, an einen reelleren 
Broderwerb zu denken und wandte sich 1519, in seinem 33. Jahre, der Medicin 
zu. Inzwischen lernte er den Arzt Dr. Georg Stürz kennen, der ihm vorschlug, 
ihn zur weiteren Ausbildung auf seine Kosten mit nach Italien nehmen zu wollen. 
Freudig nahm C. dies Anerbieten an, und so reisten die beiden Freunde denn 
Anfang des Jahres 1521 nach Ferrara, der damaligen berühmtesten Hochschule 
der Hedicin. Hier sind besonders der berühmte 93jährige Nicolaus Leonicenüs 
und JOH. Manardus seine Lehrer. Dabei versäumte er aber nicht das Studium 
der schönen Wissenschaften und arbeitet an seinen schon früher begonnenen Epi- 
granunen. Nachdem C. Ende desselben Jahres durch Leonicenüs zum Doctor 
promovirt, kehrt er nach Erfurt zurück und nimmt 1523 eine ihm votfi Senate 
der Stadt Braunschweig angebotene Stellung als Stadtarzt an. Nach einigen 
Jahren wird er dieser Stellung Religions- und persönlicher Streitigkeiten halber 
überdrüssig und folgt 1527 einem Rufe des Landgrafen Philipp des Gross- 
müthigen als Professor der Medicin an die neu errichtete protestantische 
Universität zur Marburg. C. lehrte hier mit grossem Beifalle und schrieb mehrere 
medicinische Werke; „lAbellus de sudore anglico, calculo et peste^ (Marburg 
1529, 4., auch in deutscher Uebersetzung : „Regiment y vne man sich vor der 
neuen Plag, der Englisch Schweiss genannt, bewahren soll", Marburg 1529, 4.) — 
„Nicandri Theriaca et Alexipharmaca in latinum Carmen redacta^ (Frank- 
furt a. M. 1532, 8.) — „lAher de urinis" (herausgegeben von Drtandbr, 
Daselbst 1543, 8.) — y,De abusu uroscojnae conclusiones earundamque enar- 
rationesy adverstts mendadssimos errores medicastros, qui imperitam plebeculam 
vara sua uroscopia et medicatione misere bonis et vita spoliant^ (Daselbst 
1536, 8.). Doch war auch in Marburg seines Bleibens nicht lange; er gerieth 
mit Collegen und Vorgesetzten in vielfache Zwistigkeiten und dadurch in eine 
peinliche Stellung, so dass er nach siebenjähriger Wirksamkeit mit Freuden die 
Gelegenheit, welche ihm eine Berufung nach Bremen als Stadtarzt und Professor 
am Lyceum bot, ergriff, um Marburg den Rücken zu wenden. Doch schon im 
nächsten Jahre, am 24. December 1535, raffte ihn eine Zahnkrankheit fort. — 
C. gehörte seinem Geiste, seinen Kenntnissen und seiner wissenschaftlichen Richtung 
nach zu den bedeutendsten Männern seiner Zeit. Er war ein begeisterter Vertreter 
des Humanismus und trug viel zu dessen Verbreitung bei. Als Dichter glänzt er durch 
Anmuth und Gewandtheit der Sprache, Feinheit des Ausdruckes, reiche Wortfülle 
nnd classische Eleganz des Versbaues. Unter seinen Gedichten ragen neben dem 
schon genannten Bucolicon seine „Epigrammata" (Marburg 1525, 8.) hervor. — 
Als Arzt zeichnete er sich als Bekämpfer des mannigfaltigen Aberglaubens und der 
Unwissenheit aus. So erhob er sich gegen die in üromantie übergegangene üroskopie 
nnd zeigte, wie unwürdig es eines Arztes sei, den fahrenden Quacksalbern und 



78 CORDUS. 

herumreisenden Harnschanern nachzuahmen. Am Krankenbette bediente er sich mit 
Vorliebe einer einfachen Heilmethode und einfacher Mittel. Auch als Botaniker ist 
er von Bedeutung durch sein „Botanologicon" (Cöln 1534, 8.). 

Biographische Skizzen verstorbener Bremer Aerzte nnd Naturforscher, pag. 13 flgd., 
Bremen 1844, 8. -- Ernst H. F. Meyer, Geschichte der Botanik, Bd. IV, pag. 246 flgd., 
Königsberg 1857, 8. — C. Krause, Euricius Cordus. Eine biographische fcjkizze aus der 
Reformationszeit. Hanau 1863, 8- MaxSalomon. 

7 Cordus, Valerius C, , dritter Sohn des Euricius C. , geboren am 
18. Februar 1515 zu Erfurt, wurde von seinem Vater mit grosser Sorgfalt 
erzogen und beendigte seine medicinischen und botanischen Universitätsstudien in 
Wittenberg. Dann trat er dort als Doceut auf und erklärte dreimal unter grossem 
Beifalle den DioscORiDES. Er widmete sich ganz den Naturwissenschaften, besonders 
der Botanik, studlrte sie aber, ungleich seinen Vorgängern, nicht ausschliesslich 
in den Werken der Alten, obwohl er auch in ihnen sehr bewandert war, sondern 
mit Vorliebe in der Natur, indem er Forschungen halber die vornehmsten Gebirge 
Mitteldeutschlands, das Erzgebirge, den Thttringerwald und den Harz als Botaniker, 
Mineraloge und Zoologe durchwanderte. Schon mit 19 Jahren hatte C. auf ßath 
seines Onkels, des Apothekers Ralla in Leipzig, ein Dispensatorium tlber die 
Bereitungsart der Arzeneien zusammengestellt, das in einigen Städten Sachsens 
zu allgemeinem Gebrauche eingeführt war. Auch in Nürnberg, wohin ihn 1535 
seine Reisen geführt, ward er um Mittheiluug dieses Buches ersucht. C. bat aber 
den Senat, erst dasselbe durch eine Commission begutachten zu lassen. Dies geschah, 
die Prüfung fiel sehr gut aus, und der Senat befahl den Druck des Dispensatoriums 
(„Düpensatoriuvi j!>Äör7>iacorttw omnnim quae in vsu potissimum S'tnt etc.^ 
[Nürnberg 1535, 8. und noch sehr oft bis tief in das 17. Jahrhundert hinein; 
der Titel der späteren Ausgaben ist: „Dispensatorium sive pharmacornvi con- 
ßcifudorum ratio^\) ^ sowie seine officielle Einführung. Es war dies die erste 
Pharmacopöe, die Grundlage aller späteren. — 1542 begiebt sich C. Studien 
halber nach Italien, verweilt zwei Jahre in Padua, Ferrara, Bologna und Venedig, 
von wo er am 14. April 1544 einen Brief an Andreas Aurifaber über Vipem- 
pastillen zur Theriakbereitung und über neue officinelle Pflanzen schreibt fs. Jos. 
Cratonis consil. et epistol. ed. L. Scholz, Frankfurt 1671, lib. III, pag. 265), 
reist dann im Sommer 1544 theilweise zu Fuss bei glühender Hitze durch unweg- 
same Gebirgsgegenden, durch sumpfige Ebenen, immer forschend, gleich aU 
wollte er, sein nahes Ende voraussehend, keine Stunde Zeit im Studium verlieren, 
nach Rom, verfällt bald nach seiner Ankunft in Folge der Strapazen in ein 
hitziges Fieber und erliegt demselben, nach kurzer trügerischer Besserung, am 
25. September 1544 im Alter von 29 Jahren. Ausser dem Dispensatorium ist 
bei Lebzeiten C.'s nichts von seinen Werken gedruckt. Seine Annotationen zum 
DroscoRiDES erschienen erst 1549, foL, Frankfurt a. M., als Anhang zur Ueber- 
setzung des Dioscorides des Ruellius, in verbesserter Gestalt mit mehreren anderen 
seiner Schriften durch Gesner besorgt zwölf Jahre später: „In hoc volumine 
continentur Valerii Cordi Simesusii Annotation es in Pedacii Dio- 
scorides Anazarhei de materia medica lihros V longe aliae, quam antehac sunt 
evulgatae — EJusdem Valerii Cordi Historiae stirpium libri IV 
posthumi, nunc primum in lucem editi adjectis etiam stirpium iconibus et 
brevissimis annotationihus — Sylva, qua rerum fossilium in Germania 
plurimarum, metallorum , lapidum et stirpium. aliquot rariorum, notitiam Ire- 
mssime persequitur, nunquam hactenus visa — De artificiosis extrac- 
tio7iibus liber — Compositiones medicinales aliquot non vulgares 
— Omnia summo studio et industria Conr. Gesneri collecta et praefatione 
illustrata^ (Strassburg 1561, fol.). Zwei Jahre später erschien: „Valerii 
Cordi Simes^isii stiypium descriptionis liber quintus, quo in Italia sibi visns 
describit, in praecedentibus vel oninino intactas, vel parcias descriptas, Hunc 
autem morte 2)raeventus perßcere non potuit^ (Strassburg 1563, fol.). Ausserdem 



CORDUS. — CORMACK. 79 

gab C. Gesner noch heraus: „De halosantho , seu spermate ceti vulgo di'cto*' 
(zugleich mit Gesner's über de rebus fossilibus) und „De artificiosia extractionibusj 
de destillatione oleorum^ de destillatione olei chalcanthi^ (Strassbtirg 1561, fol.). 
C. zeichnete sich durch ungewöhnlich hervorragende Geistesgaben, unermüdlichen 
Fleiss und liebenswürdigen Charakter aus. Seine Leistungen in der Botanik stellen 
ihn unter die ersten Botaniker seiner Zeit. Als erster zuverlässiger Bereiter des 
Schwefeläthers nimmt er auch in der Geschichte der Chemie einen ehrenvollen 
Platz ein. £ine glänzende, leider nur zu flüchtige Erscheinung! 

Biographiüche Skizzen verstorbener Bremer Aerzte und Naturforscher, pag. 32 flgd., 
Bremen 1844. 8. — Ernst H. F. Meyer, Geschichte der Botanik» Bd. IV, pag 317 flgd.. 
Königsberg 1857, 8. — K. F. H. Marx, Beiträge zur Beurtheilung von Personen, Ansichten 
und Thatsachen, pag. 70 flgd., Göttingen 1868, 8- MaxSalomon. 

Cerella, s. Alphons de Corella. 

*Corfleld, William Henry C, studirte in Oxford, wo er 1872 auch 
proraovirt wurde, machte dann Reisen in Frankreich und wurde F. R. C. P. Lond. 1875. 
C. wandte sich der Hygiene zu und fungirt am London university College als 
Professor dieses Zweiges. Auch ist er Medical officer of health am St. George's 
Hospital, sowie zu Islington. Seine Hauptarbeiten sind: „A resume ofthehistory 
of hygxene" (1870) — „A digest of facta relating to the treatment and ntili- 
sation of sewage^ (2. Aufl. 1871) — „A manual of public health" (1874) — 
„Our homes and hoiv to make them healthr/" (1882). Auch hat er über Typhus- 
entstehnng, Milchtyphen und eine Reihe von Themen der allgemeinen öffentlichen 
Gesundheitspflege Einzelaufsätze im Brit. med. Joum. 1873 — 1874 publicirt. 

Red. 

Gormack, Sir John Rose Baillie C, zu Paris, war am 1, März 1815 
zu Stow in Midlothian in Schottland geboren, studirte in Edinburg, wurde 1837 
daselbst Doctor mit einer auf Thier-Experimente basirten Diss. „On the pi-esence 
ofair in the orgaiis of drculation", nachdem er schon früher eine preisgekrönte 
Abhandlung: „A treatise on the cheniical .... properiies of creosote etc." 
(Edinb. 1836) herausgegeben hatte. Er besuchte darauf Paris, Spanien und Italien, 
Hess sich dann in Edinburg nieder, wo er Physician an der Royal Infirmary wurde 
und die Redaction des „London and Edinburgh Monthly Journal of Medical 
Science" von 1841 — 46 führte. Während der Epidemie von Febris recurrens, die 
1843 in Edinburg herrschte, war er Physician am Fever Hospital und veröffentlichte 
seinein demselben gemachten sorgfältigen Beobachtungen in der Schrift: „Natural 
history , pathology and. treatment of the epid,emic fever, at present prevailing 
in Edinburgh and other tovms" (London 1843). Er hielt auch eine Zeit lang 
Vorlesungen über gerichtliche Medicin bei der extra-akademischen Schule daselbst. 
1847 verliess er Edinburg, prakticirte eine Zeit lang in Putney und gab daselbst 
eine Monatsschrift, das „London Journal of Medicine", heraus. Später lebte er 
bis 1866 in London, redigirte von 1853 — 56 das „Association Medical Journal" 
und schrieb: „Notes on the pathology and treatment of cholera" (London 1854) 
— „Remarks on the condition, necessities, and claims of the universitie^ of 
Scotland; etc." (London 1858). Er verliess darauf England, siedelte nach Orleans, 
und nachdem durch den Tod von Sir John Oliffk 1866 zu Paris eine Lücke 
onter den dortigen englischen Aerzten entstanden war, dahin über und wurde 
1870 bei der dortigen Facultät Doctor, um das Recht zur Praxis zu erlangen, 
mit einer These, die einen ähnlichen Gegenstand wie seine Edinburger Dissertation 
behandelte, nämlich: „De Ventr^e de Vair par les orifices bf^ants des veines 
utMnes considMe comme cause de danger et de mort subite peu de temjys 
aprks la dÜivrance" . Während der Belagerung von Paris 1870 — 71 und der 
Communeherrschaft leistete er sowohl den Verwundeten als auch seinen in Noth 
gerathenen Landsleuten wichtige Dienste und erhielt dafür 1872 von der Königin 
von England die Ritterwürde. Als das Hertford British Hospital zu Paris durch 



80 CORMACK. — COIINAZ. 

die Munificenz von Sir Richard Wallace gegründet wurde, wurde er einer 
der Physicians desselben. Er erfreute sich einer umfangreichen Praxis und verfasste 
noch bis zu seinem am 13. Mai 1882 erfolgten Tode, ausser einigen Aufsätzen im 
Edinb. Med. Joum., eine grössere Schrift: „Clinical studtes, illustrated by cases 
observed in fiospital and private practice" (London 1876). 

British Medical Journal 1882, I, pag. 761. G. 

/ Cornarius, Diomedes C, um 1535 zu Zwickau als Sohn des Janüs 
Hagenbutt (s. diesen), welcher den Namen Cornarius annahm, geboren, studirte 
Medicin in Jena, Wittenberg und Wien, prakticirte eine Zeit lang zu Tyrnau in 
Ungarn, ward dann zum Professor an der Wiener Universität, 1566 von Maxi- 
milian II. zum Leibarzt ernannt und starb in hohem Alter. Er schrieb: „Con- 
siltorum medtcinalium habitorum in consultationibus a clarissimis aique exper- 
tissirnisy apud diversos aegrotos, partim defunctis^ partim adhuc superstitibus 
medicis, tractatus*^ (Leipzig 1595, 4.; 1599, 4.). Max Salomon. 

/ Cornaro, Luigi C, 1467 zu Venedig geboren, ein gelehrter Laie, der 
99 Jahre alt wurde und die Ueberzeugung , dass er die Herstellung von einem 
diagnostisch nicht vollständig aufgeklärten Magenleiden, sowie sein langes Leben 
einem besonderen diätetischen Regime verdanke, begeistert vertheidigt in seinen 
„Discorsi della vita sobria^, die ungemeinen Beifall fanden (12 Auflagen, von 
Padua 1558 bis Leyden 1724, in italienische Verse, sowie französisch und lateinisch 
übersetzt). 

Dict. hist. IL Red. 

^Cornax, Mathias C. , geboren im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts 
fcirca 1520), stammte aus der Romagna und studirte unter dem s. Z. berühmten 
NicOLAüS Massa in Venedig. Er hielt sich längere Zeit in genannter Stadt auf. 
Später ward er Leibarzt Ferdinand's I. und starb als Professor (wahrscheinlich 
als titularer) in Wien. In geburtshilflich -literarischer Beziehung ist sein Name 
deshalb erwähnenswerth, weil er einer der Ersten war, der bei einer Extrauterinal- 
schwangerschaft die Laparotomie machte. „Historia quinquiennis fere gestationis 
in uterOj quoque modo in/ans semiputridus, resecta alvo exemptus sit, et mater 
curata absque sutura evaserit" (Wien 1550, in 4. und ein Supplement dazu 
„Historia secunda, quod eadem femina de novo conceperit et gestaverit foetum 
vivum perfectum masculinum ad legitimum pariendi tempus quodque ex posthabita 
sectione mater una cum puella interierit" (Basel 1554, in 8.). Die Eröffnung des 
Pruchtsackes und Elimination des verjauchten Fötus nahm (1549) der Chirurg 
P. DiRLEWANG unter C.'s Auspicien vor. Der weitere traurige Verlauf erhellt aus 
dem Titel. 

Dict. med. — Siebold's Geschichte der Geburtshülfe. Bd. II, pag. 97 und ff. 

Kleinwächter. 

*Coniaz, Charles- Auguste-fidouard C, zu Marseille am 29. Sep- 
tember 1825 geboren, studirte in Bern vier Jahre, dann noch in Montpellier und 
Paris, bis zu der 1848 zu Bern erfolgten Promotion („Des abnormitSs congSnitales 
des yeux et de leurs annexes*^, Lausanne, wozu ein Anhang 1850 in Brüssel und 
Leipzig erschien). Von 1850 ab fungirte C. als Assistenzarzt, von 1855 bis jetzt 
als Chefchirurg des Pourtales Hospital in Neuchätel. Ausser einer botanischen Schrift 
erschienen dann von ihm bis zum Anfange der Sechziger-Jahre casuistische Mit- 
theilungen, die er in dem seit 1857 von ihm redigirten „Echo mödicale" publicirte ; 
daneben „Mouvement de Vhopital Pourtales pendant les annies 1856 — 1860** 
(Neuchätel 1856 — 1861) und „Constitution medicale de Neuchdtel .... pendant 
VannSe mitiorologiqv^, 1857^ (Daselbst 1858; fortgesetzt für das letztgenannte 
Jahr 1859). In der oben genannten Zeitschrift veröffentlichte C. auch: „De Vexi- 
stence du catarrhe des foins en Suisse etc.^ (1860) — „Les maladies regnantes 
du cnnton de Neuchdtel . . . .^ (1859) und eine Reihe von Aufsätzen, welche 



CORNAZ. — CORNETTE. 81 

8taiide8- und Ausstellungsangelegenheiten in der Schweiz betrafen. Die folgenden 
Publicationen erschienen sämmtlich zu Neuchätel in monographischer Form : „ Voyage 
m^dical en Belgique et en Hollande" (1862) — „Les maladtes contagieusefi et 
les hopitanx Neuchdtelois" (1869, Nachtrag dazu 1870) — „Quelques mots sur 
les revaccinations" (1870) — „Fabriques de soiries et de draps h Neuchdtel" 
(1875) — RMuctton d^une Inversion de matince au moyen d^un ballan de 
coautchouc" (1879). Eine noch neuere (jüngste?) Arbeit C/s handelt über die 
medicinische Geschichte des Cantons, ein Gebiet, welchem sich C. auch früher 
bereits in Schriften über die Schule von Besan^on (Echo m6d. 1858), die medi- 
cinischen Familien Pasquier, Lichtenhahn, Mathieü, Prince, Thounet, über 
E.-L. BOREL etc. zugewandt hatte. ^^^ 

Gomelianl, Giuseppe C, zu Padua, war 1797 zu Pavia geboren, 
studirte auch daselbst, wurde 1820 klinischer Assistent, unmittelbar darauf Supplent 
der medicinischen Klinik für die Chirurgen, im folgenden Jahre aber bereits Pro- 
fessor der allgemeinen Pathologie . und Pharmakologie und schrieb „ Institut lones 
pathologiae generalis praelectionibus academicis adcomodatae" (2 Bde., Pavia 
1829 — 1830). Als 1833 Hildenbrand von Pavia nach Wien berufen wurde, erhielt 
er dessen Stellung und zu gleicher Zeit die Direction des grossen Spitals zu Pavia. 
Er verfasste ferner noch folgende Schriften: „Osservasdoni intorno alle epidemie 
sfazionarie, sunto compilati" (Pavia 1834) • — „Esperienze ed osservazioni sulV 
uomo e sugli animali intorno alla virtu del creosote*' (1835) — „Due störte 
raggionate dt angina croupale e memhranacea, etc." (1835). 1843 ging er in 
gleicher Eigenschaft nach Padua, wo er bis zu seinem im November 1855 erfolgten 
Tode wirkte. Von weiteren Schriften sind noch anzuführen: „Mem. intorno alla 
cura delle peripneumonit^ — „Mem. intorno alla applicazione di alcuni prin- 
cipj alla teoria della flogosi". Für seinen „Trattato intorno alV albuminuria 
ed al diabete^ erhielt er von der Pariser Akademie der Wissenschafken einen Preis. 
In der letzten Zeit seines Lebens war er mit einem umfassenden Werke über die 
Pathologie der Nervenkrankheiten und Entzündungen beschäftigt. 

V. Wurzbach, III, pag. 1. — Callisen, IV, pag. 349; XXVII, pag. 155. 

G. 

Cornello, Tommaso C. , in Ccsenza im 17. Jahrhundert geboren, 
gtudirte an der Universität Neapel und war hauptsächlich Schüler des berühmten 
Marcaurelio Seyebino. Er widmete sich besonders den physiologischen Studien, 
denen er eine experimentelle Richtung zu geben strebte, und war als positiver 
Beobachter seiner Zeit sehr geachtet. Er erkannte unter Anderem vor Haller 
die vom Gehirn und den Nerven unabhängige Irritabilität der Muskeln und besonders 
auch des Herzens und vor Hünter die peristaltische Darmbewegung. Er schrieb 
auch über den Nährsaft der Thiere, den er als von dem Capillarblut stammend 
betrachtete und über das Secret im Kropf der Tauben, die ihre Jungen nähren. 
Die meisten seiner Beobachtungen sind in seinem Hauptwerk: y^Progymnasmata 
physica" (Venedig 1665 — 1668) niedergelegt. Cantani. 

Gornelius, Friedrich C, geboren am 20. April 1799 auf dem Pastorat 
Arraseh bei Wenden (Livland), studirte in Dorpat Medicin und wurde am 4. Juni 
1825 zum Dr. med. promovirt {»De membraruie tympani usu^, mit 2 Kupfert.). 
C. reiste nach Paris, Würzburg und Berlin, um sich weiter auszubilden und war 
später Flottenarzt, Arzt bei der Grensdarmerie und Oberarzt der Smolnaer Fräulein- 
stifte in Petersburg, woselbst er am 18. September 1848 starb. 

Petersburger Deutsche Ztg. 1848, Nr. 223. -— Med. Ztg. Russlands. 1849, pag. 48. 

L. Stieda. 

Cornette, Cl.-M. C, geboren in Besangon 1744, gestorben in Rom 1794, 
zeichnete sich durch eine Reihe chemischer Arbeiten, die die Anerkennung der 
Akademie zu Paris erhielten, besonders aus und wurde später zum Arzte der könig- 
BioKT. Lexikon. JI. 6 



82 CORNETTE. — CORONEL. 

liehen Familie ernannt. Während der Revolution verlor er ausser seinem Vermögen 
auch eine Menge werth voller Manuscripte. ünger. 

*Coniil, Andr^-Victor C, zu Paris, ist am 17, Juni 1837 zu Cusset 
(Allier) geboren, studirte von 1855 an in Paris und wurde daselbst 1864 Doctor, 
1869 Professeur agr6g6 bei der dortigen Facultät und 1870 Arzt des Hop. de 
Lourcine. Er veröffentlichte zusammen mit Härard: „De Ja j)hthi8ie pulmonaire, 
^ude anatamiquef pathologique et cUnique" (Paris 1867, mit Fig. und Tf.) ; femer 
allein: „Contribution h Vhiaiotre du dSveloppement histolofjtque des tiimeurs 
Epitheliales" (1866, mit Tf.) — „Du Cancer et de ses caracthres anatomiques^ 
(1867, 4., mit Fig.). Im Jahre 1870 war er kurze Zeit Präfect seines heimatlichen 
Departements, wurde später Deputirter , widmete sich aber dabei auch dem Unter- 
richt in der Histologie und verfasste in Gemeinschaft mit Ran vier ein „Manuel 
dhistologie pathologique" (1869 — 76, mit Fig.; 2. Ausg. 1881) und allein: 
„Legons dSmentaires d'hygihie" (1872) — „Legons sur la sypJiilis ^ faites 
h Ihdpital de la Lourcine'' (1879). Er wurde auch 1874 Chef-Redacteur des 
„Journal des connaissances mSdicales praiiques et de pharmacol," 

Vapereau, pag. 471. — Glaeser, pag. 135. — Bitard, pag. 313. g^. 

* Comilüac, Jean-Jacques C. , französischer Marine- Arzt , geboren zu 
Saint-Pierre (Martinique), wurde 1859 zu Montpellier Doctor und hat verschiedentlich 
Studien über das gelbe Fieber gemacht, nämlich: „Etudes sur la fihvre javne 
h la Martinique de 1669 h nos jours" (Moniteur de la Martinique, 1862, 1863 
und separat: Fort-de-France, Martinique, 1864; 2. Ausg. 1873), sowie in einer 
Schrift : „Recherches chronologigues et historiques sur Vorigine et la propagatlon 
de la fihyrejaune dans les Antilhs" (Fort-de-France 1867). 

Berg er et Rey, pag. 59. G. 

*Conil8h, William Robert C, beendigte seine Studien 1852, wurde 
als F. R. C. S. Eng. im Jahre 1868 examinirt, widmete seine Kraft ganz der 
colonialärztlichen Thätigkeit und Yntki als Surgeon General schon längere Zeit in 
Madras, wo er Honorary surgeon des Vicekönigs von Indien und Präsident der 
medicinischen Facultät ist. Seine — fast ausnahmslos in den verbreiteten englischen 
Wochenjournalen publicirten — Arbeiten beziehen sich auf Epidemiologie (besonders 
Cholera) und die englischen Sanitätseinrichtungen in Indien. Noch ganz neuerdings 
erschien in gleichem Sinne seine „Inaugural address on cholera etc." (Brit. med. 
Joum. 1884). j^^^ 

*Conmel, Armand-Louis C, Chefarzt bei der französischen Marine, 
ist aus Paris gebürtig, wurde daselbst 1819 Doctor und hat mehrfach über die 
von ihm in tropischen Klimaten, namentlich zu Basse-Terre (Guadeloupe), beob- 
achteten epidemischen Krankheiten geschrieben; so über Dysenterie (Annal. marit. 
et Colon. 1837; M6m. de TAcad. de raöd. 1840), über Gelbfieber (Annal. marit. 
et Colon. 1837; Bull, de l'Acad. de m6d. 1856—57), über Variola (Gaz. offic. de 
la Guadeloupe 1849) u. s. w. 

Berg er et Rey, pag. 59. G. 

*Coronel, Samuel Senior C, am 28. April 1827 in Amsterdam geboren, 
studirte daselbst unter C. B. Tilanus, Suringah, van Gküns, Lbhmann und 
promovirte 1850. Zuerst praktischer Arzt in Amsterdam, Middelburg und 
Leeuwarden, fungirt er seit 1865 als Secretär des „Geneeskundigen Raad" in 
Friesland und Groningen. C. publicirte u. A. : „Middelburg vorheen en thans, 
bydrage tot de kennis van den voormaligen en tegenwoordigen toestand von 
het artnwezen aldaar" (1850) — „De gezondheidsleer toegepast op de fabrieks- 
nyverkeid" (1868) — „De ze geling van het industrieel onderwys in den vreemde, 
met het oog op Nederland" (1862) — „De bewaarschool , haar verleden, 
tegenwoordige toestand en hare toekoms" (1864) — „De Diamant-Werkers te 



CORONEL. — CORRADI. 83 

Amsterdam^ (1864) — „Schetsen uit het markensche volksleven^ (1864) — 
„Pecheur-C Otter de Vlle de Marken^ (herausgegeben durch die Societö d'ßeonomie 
Sociale de Paris 1866) — ;, Volksgezondheid en Volksbeschaving" (1878) — f^Ktn- 
derarbeut" (1878) — „De gezondheidsleer der school en van het schoolkind^ 
(1881) neben zahlreichen populären Beiträgen und üebersetzungen über ökonomische 
und hygienisch-sociale Gegenstände und einigen philosophischen Essays. 

C. E. Daniels. 

Corput, van den, zwei belgische Mediciner. Der Vater, Henri joseph 
van den C. , aus einer Patricierfamilie zu Antwerpen 1790 geboren, widmete 
sich vornehmlich chemischen Studien und wurde von Napoleon I. zwecks Studien 
über die Rübenzuckerfabrication nach Douai und Paris gesandt. Später in Brüssel 
als Pharmaceut etablirt, wurde er nach der belgischen Revolution von 1830 vom 
Gouvernement national als Ohefpharmaceut der Armee angestellt, präsidirte der 
Brü^eler Commission m6dicale und zeichnete sich besonders während der Cholera- 
invasion 1832 aus. Er betheiligte sich später an der Gründung der Brüsseler 
Universität (mit E. Verhaegen u. A.) und lehrte an derselben Pharmakologie und 
Toxikologie. Mitten auf dem Wege zu bedeutenderen Ehrenstellen starb er als 
Präsident der medicinischeu Facultät am 28. April 1841 an einem Herzleiden, 
wichtige Vorarbeiten für die bedeutend später — 1854 — edirte „Pharmacopee 
beige" hinterlassend. 

Ebenfalls mit der Chemie und Pharmacie zunächst beginnend, nahm 
*van den Corput, Bernard Eduard H. J., der Sohn, 1821 in Brüssel 
geboren, seinen Bildungsgang, bis er von der Universität Bonn heimkehrte und 
wandte sich später der Medicin zu. Er begleitete — bereits Dr. med. — den 
Prof. Baron Seutin auf einer Reise durch Europa und führte dessen Kleister- 
verband an verschiedenen fremden Hospitälern etc. ein. v. d. C. war 1858 ernannt 
als Arzt und Professor der medicinischeu Klinik im Hospitale St. Jean und St. Pierre 
zu Brüssel, gab 1874 seine Entlassung mit dem Titel Honorararzt und ist seit 
1870 Professor der Arzneimittellehre und Therapie an der Universität zu Brüssel, 
Präsident des Sanitäts-Comitö von der Provinz Brabant etc. Unter seinen aus- 
gedehnten Reisen ist erwähnenswerth die im Jahre 1864 im Auftrage der belgischen 
Regierung nach Russland (um dort das Reeurrensfieber zu studiren) unternommene. 
Reich mit Auszeichnungen bedacht heimgekehrt, übernahm v. d. C. die Redaction 
des „Journal de mSdecine, de Chirurgie et de pharmacologie de Bruxelles", 
erfand die Methode der Punction mit Aspiration (13 Jahre vor Dieülafoy) und 
machte verschiedene Erfindungen im Bereiche der Pharmakologie. Auch brachte 
unter seiner Führung das obenerwähnte Journal die entscheidende Initiative zu den 
monatlichen internationalen Sanitätsbulletins. Von Schriften v. d. C.'s seien hier 
nur genannt: „Des eaux mindrales naturelles etc." (Brüssel 1846) — „Notices 
chimiques et pharmacologiguen" (Daselbst 1849) — „Sur les usages industriels 
des fScules etc," (Daselbst 1857) — „Note sur un nouveau trocart aspirateur etc." 
(Bull, de Tacad. R. de m6d. de Belg. T. XV) — „Note sur le th^ de caßier" 
(Brüssel 1851) — „Histoire naturelle et mSdicale de la trichine" (Daselbst 1866). 
Die oben gedachte Schrift „Ueber das Petersburger Reeurrensfieber" erschien 
1865, die erwähnten „Sanitätsbulletins" 1865 — 1875. Dazwischen mehrere nicht 
medlcinische Schriften und neuerdings solche über „Meningitis^*' (1874), über 
„Pest" (1879), über „Organisation einer internationalen Sanitätsliga" und über 
„Krebs in ätiologischer und prophylaktischer Beziehung" (beide 1883). Die von 
V. d. C. herausgegebenen „Ephimerides midicales^ erscheinen seit 1868 

Dr Dusilo. -— Red. 

* Gorradi, G i u s e p p e C, geboren im October 1830 in Bevagna (Perugia), 
studirte in Pisa und Florenz (Büfalini, Regnolt, Renzi, Büeci) und wurde 1859 
promovirt. 1860 wurde er Assistent der chirurgischen Klinik und 1870 Professor 
derselben Lehrkanzel in Rom, von wo er dann in derselben Stellung an das Istituto 
snperiore von Florenz versetzt wurde. Seine am meisten hervorzuhebenden Schriften 

6* 



84 CORRADI. — CORRE. 

sind: „jStudf-s ch'niques sur les retrScissemenU de Vur^hre^ sur la taüle es sur les 
ßstules vaginales*^ (Memoire couronn^e par rAcadömie de mödecine, Prix d'Argen- 
teuil, 1869) — ^Trattato delle malattie degli organi orinarii^ fpremiato ßuU* 
Academio di Medicino dl Torino, Gran Premio Riberi, 1872) — ^Gompendio di 
terapeutica chirurgica^ (1876), wozu noch viele kleinere, fast sämmtiich im 
„Sperimentale" von Florenz veröffentlichten kleineren Artikel hinzuzuzählen sind, 
deren Objecte neben glücklichen Operationen an allen Körpertheilen besonders 
neue Methoden und Instrumente zur Behandlung der Harnorgane und des verengten 
Oesophagus darstellen. Cantani. 

*Corradi, Alfonso C, geboren am 6. März 1833 in der Provinz Emilio, 
studirte Medicin in Bologna und wurde 1855 zum Doctor der Medicin, 1856 
zum Doctor der Chirurgie promovirt. Im Jahre 1859 wurde er mittelst Concarses 
Professor der allgemeinen Pathologie an der Universität Modena und 1863 an der 
Universität Palermo. Seit 1867 ist er Professor der allgemeinen Therapie, experi- 
mentellen Pharmakologie und Pharmakognosie an der Universität Pavia. Besonders 
als medicinisch-historischer Forscher und Schriftsteller thätig, veröffentlichte er viele 
Werke diesbeztiglichen Inhaltes: „Annali delle epidemie in Italia dalle prime 
memorie sino al 1850^ (Bologna 1865-^1883, wovon 6 Bände erschienen sind 
und der 7. sich unter der Presse befindet) — „La chirurgia in Italia degli 
Ultimi anni del secole scorso fino al presente^ (Bologna 1871) — „Uoatetricia 
in Italia della meth del secolo scorso fino al presente^ (Bologna 1872 , in 
3 Bänden) — „DelV odierna diminuzione della podagra" (Memorie deir Aca- 
demia di scienze di Bologna 1860) — „Come oggi le affezioni scrofotiibercolosi 
siansi fatte pih communi*' (Ibid. 1862) — „In che modo le diatesi o disposi- 
zioni morbose ne! popoli si mutino" (Daselbst 1862) — „Delle morti repentine 
avvenute in Bologna nel trentacinquennio 1820 — 18ö4" (Daselbst 1863) — „Dell* 
antica autoplattica italiana^ (Memorie dell' Istituto Lombardo) — „Escursioni d'an 
medico nel Decamerone, DelV anestesia chirurgica nel medio evo^ (Daselbst) — 
„Della infermith di Torquato Tasso, prima parte^ (Ibid. 1881) — „Tossicol'»gia 
in reve/ierea, Delle cantaridi" (Annali Universali di Medicina, Vol. 231, 1875) — 
^Del veleno dei funghi" (Ibid. Vol. 243, 1878) — „DelV avvelenamento coi 
preparati di zinco"* (Ibid. Vol. 247, 1879) — „Intorno alla diffusione della 
tifiichezza polmonart^ (Atti dell' Istituto Veneto 1867). Cantani. 

Gorral y Ona, Tomas C, zu Madrid, war zu Leiba en la Roja am 
18. October 1797 geboren, studirte in Madrid Medicin, wurde daselbst Professor 
der Geburtshilfe (1836J und zeichnete sich als geschickter gynäkologischer Operateur 
aus. Von seinen literarischen Publicationen sind anzuführen: „De la obliteraciou 
del orificio uterino <n el acto del parto, y de la histerotomia vaginal*' 
(Madrid 1845) — „Aho clinico de obstetricia y enfermedades de muyeres y de 
niiws, o colleccion de las observaciones . . . , en la clinica . . . , en la Facultad 
de ciencias medicas de Madrid^ (Madrid 1846). 

Dechambre, XXII, pag. 734. ' G. 

*Gorre, Armand-Marie C, französischer Marinearzt, wurde 1869 zu 
Paris Doctor mit der These: „Notes mMicales recueillies h la V^^ra-Cruz 
(Mexique) 1862, 1865, 1866", nachdem er schon vorher über giftige Fische 
(Arch. de m6d. nav. 1865), die pathologischen Veränderungen beim Gelbfieber 
(Gaz. des höp. 1867), „La midecine populaire au Mexique: analyse etfragments 
du r,„Tr4sor de la midecine du R, P, Grigoire Lopez*"" (Gaz. hebdom. 
de med. et de chir. 1869) und über den Einfluss der Race auf die Infections- 
krankheiten (Ibid.) geschrieben hatte. Er verfasste auch noch: „La pratique de 
la Chirurgie d'urgence" (Paris 1872, mit Fig.) — „De Vhimoglobinurie paro- 
xystique et de la fiitvre büieuse mSlanurique ou h^maturique des pays chauds*' 
(Arch. de m6d. nav. 1881). 

Berge r et Rey, pag. 59. G. 



CORRIGAN. — CORTESI. 85 

Corrigan, Sir Do minie John C. , zu Dublin, berühmter irischer Arzt, 
war am 1. Deeember 1802 daselbst geboren, studirte dort unter der Leitung von 
O'Kellt und darauf in Gemeinschaft mit seinem berühmten Landsmanne W. Stokes 
in Edinbnrg, wo Beide 1825 Doctoren wurden. Nachdem er sich in Dublin 
niedergelassen, wurde er nacheinander Docent der Medicin an den Schulen in 
Digges Street, Peter Street und des Richmond Hospital, sowie um 1830 Arzt des 
Jervis Street Hospital, in welchem er, trotzdem ihm nur sechs Betten zu Gebote 
standen , eine Reihe von berühmt gewordenen Untersuchungen über die Sympto- 
matologie der Herzkrankheiten anstellte, die er in der Lancet fl829), in Johnson's 
Med.-Chir. Review (1830), im Dublin Journal of Med. Sc. (1832, 1836, 1838), im 
Edinb. Med. andSurg. Journ. (1832) veröffentlichte und unter denen sich namentlich 
Untersuchungen über die von Tjjousseau als „Coerigan's Krankheit" bezeichnete 
Aorten-Insufficienz befinden ; auch die Benennung „CofiRiGAN^scher Puls" datirt aus 
dieser Zeit her. Anderweitige Arbeiten, wie die „Beports on ihe diseases of tke 
weafher of Dublin^ (Edinb. Med. and Surg. Journ. 1830), eine Anzahl von 
Artikeln in der Cyclopaedia of Practica] Medicine und im Dublin Journ. of Med. Sc. 
(1836 — 1841) über das Neuledergeräusch im Abdomen, über Aortitis, Cirrhosis 
der Lunge, Anwendung von Medicamenten in Dampfform bei Lungenkrankheiten, 
Behandlung des acuten Rheumatismus mit Opium, Beobachtungen über Herzkrank- 
heiten u. 8. w. trugen weiterhin dazu bei, seinen Weltruf zu vermehren. — 
1840 wurde er Physician der Whitworth and Hardwicke Hospitals und erhielt 
damit ein weites Feld für seine klinische Thätigkeit. Er publicirte nach dieser 
Zeit, zusammen mit Habrison: „Observations on a draft hill for ihe regulation 
and Support of medical charities in Ireland" (Daselbst 1842) — „On famine 
and fever a cause and effect in Ireland; etc,^ (Daselbst 1846) und seine berühmten 
„Lecture^ on the natiire and treatment of fever** (Dublin 1853)^ 1849 hatte 
ihm die Dubliner Universität den Ehren - Doctor - Titel verliehen, 1850 wurde er 
bei der Gründung der Queen's University Mitglied von deren Senat, 1871 Vice- 
Kanzler derselben und war seit 1859 ihr Vertreter im Medical Council. 1856 zum 
Mitglied des King and Queen's College of Physicians ernannt, wurde er fünfmal 
hintereinander (1859 — 1864) zum Präsidenten desselben erwählt; auch war er 
Präsident der 1838 von ihm mitgegründeten Pathological Society und wurde 
1875 erster Präsident der Pharmaceutical Society. Er war ausserdem in den 
letzten zehn Jahren seines Lebens Physician in Ordinary to the Queen in Ireland, 
auch einer der Commissioners of National Education in Ireland und erhielt 1866 
wegen seiner hohen wissenschaftlichen Stellung und wegen der grossen Verdienste, 
die er sich um Irland in Betreff der öffentlichen Hygiene und des nationalen Unter- 
richts erworben hatte, den Baronets-Titel ; auch war er von 1870 — 1874 Mitglied 
des House of Commons. Ausser seinen angeführten Arbeiten finden sich noch weitere 
in den angegebenen Journalen, sowie in den Proceedings of the Pathol. Soc. of 
Dublin, den Dublin Med. Transactions u. s. w. Er starb am 1. Februar 1880. 

British Med. Journ. 1880, I, pag. 227, 266. — Med. Times and Gaz. 1880, I, 
pag. 164. — Lancet 18^'0, I, pag. 268. O. 

Cortesi, Giovanni-Battista C, aus Bologna, 1554 — 1636, trat aus 
dem Barbierstande zum Studium der Medicin über. Bald nachdem er das Doctorat 
erlangt hatte, tibertrug ihm die Universität Bologna einen Lehrstuhl, welchen er 
15 Jahre lang inne hatte. Er lehi*te dann Anatomie in Messina, wo er angeblich 
noch 35 Jahre in Thätigkeit gewesen sein soll. Seine Schriften beziehen sich theils 
(Mesaina 1614, 1632, 1633) auf chirurgische Operationen, die er ausführlich be- 
richtete, theils bilden sie, wie die „Miscellaneorum medicinalium decades*" (Daselbst 
1625) und die „Practica medicinae" (1635) entsprechende Sammelwerke allgemeinen 
Inhaltes, theils stellen sie nützliche Handbücher dar: „Phannacopoea seu antldo- 
tarium Messanense etc," (Daselbst 1629). Auch ist C. als Herausgeber von Varoli's 
Anatomie (siehe diesen) zu nennen, die er zu Frankfurt 1591 erscheinen Hess. 

Biogr. med. III. Red. 



86 CORTI. — CORVISART. 

' Corti, Matteo C. (Cürtiüs), zu Pavia 1475 geboren, erlangte bereits 
mit 22 Jahren daselbst einen Lehrstuhl, den er 18 Jahre lang ausfüllte. Er begab 
sich dann 1515 nach Pisa, 1524 nach Padua, wurde Leibarzt zuerst bei Papst 
Clemens VIL , dann bei Cosmo L und kehrte dann an die Universität Pisa 
zurück. Als er 1542 starb, hinterliess er neben zwei Schriften über den Aderlass 
(Venedig 1534, resp. Lyon 1538) noch: „De curandis fehnbus ars medica*^ 
(Venedig 1561) — „Dosandi methodus" (Padua 1536) — „De prandt ac coenae 
modo libelbis'' (Rom 1562). 

Biogr. mM. III. Red. 

Corti, Marquis Alfonso C. , ein geborener Italiener, hat in Wien 
Ausgangs der Vierziger-Jahre studirt und seinen Namen mit der Histologie der 
Gehörwerkzeuge durch das nach ihm benannte „Corti*8che Organ" für immer 
verknüpft. Die betreffende Abhandlung — der Zeitfolge nach die dritte unter 
den vier von ihm überhaupt verfassten Arbeiten — führt den Titel : „ßecherches 
sur P Organe de Vouie des mammißres" und ist publieirt in der Zeitschrift für 
wissenschaftliche Zoologie 1851. Ebenda (Jahrg. 1854) erschienen die „Histolo- 
güclien Untersuchungen, angestellt an einem Elephanten** . Die früheste Arbeit 
C.'s war „De systemate vasorum psaramosauri grtse'i^ (Wien 1847), dann „Beitrag 
zur Anatomie der Retina^ (Müller's Archiv 1850. Es war ihm gelungen^ 
die NeiTcnfasem und Ganglienkugeln der Retina besonders schön zu isoliren und 
den Zusammenhang multipolarer Ganglienzellen mit Nervenfasern in der Retina 
festzustellen, wie e« kurz vorher Leuckart und R. Wagner vom menschlichen Gehirn 
beschrieben hatteuj. — Weiteres ist über Lebensgang und Leistungen absolut nicht 
zu ermitteln gewesen. Red. 

Cortürn, Karl Arnold C, 1745—1824, als Stadtarzt zu Bochum in 
Thätigkeit, hat vermöge seiner Schriften („Jobsiade", über Bienenzucht, Mode etc.) 
mehr Beziehungen zur Literaturgeschichte als zur Medicin. 1784 — 1786 gab er 
eine seibstbegründete Zeitschrift „Die magische Laterne^ heraus. 

Allgemeine Deatsche Biographie. IV. Red. 

/ Corvi, Guglielmo C. (Gcglielmo di Bbkscia, Aggregatore) , war 
1250 zu Canneto geboren, studirte anfänglich Philosophie und wurde dazu berufen, 
dieselbe in Padua zu lehren, verliess aber nach fünf Jahren seinen Lehrstnhl,. 
um sich der Medicin in Bologna zu widmen, wo er sich durch .seine umfassenden 
Kenntnisse den Beinamen „Aggregatore" erwarb. Er schrieb: „Ad unamqtiam- 
que aegritudinetn a capite ad pedes practica*^ (Venedig 1508) — „De peste, 
et de consilio observando tempore pestilentiali , ac etiam de cura pestia^ — 
„De medicinis simplidbus ex variis auctoribus". Er wurde 1288 in Rom 
Leibarzt des Papstes Bonifa eins VIII und von diesem mit geistlichen Ehren- 
stellen überhäuft, ebenso wie von dessen Nachfolger Clemens V., dem er nach 
Avignon folgte. Er hielt an der dortigen Universität Vorlesungen über Medicin und 
Philosophie, ging aber nach dem Tode des Papstes nach Paris, wo er seinen alten 
Freund Lanfranchi von Mailand, den Wiederhersteller der französischen Chirurgie, 
wiederfand; er starb daselbst 1326. 

Schivardi, pag. 9. G. 

Corvisart, Jean Nicolas C. des Märest, aus Vouziers in der 
Champagne, am 15. Februar 1755 geboren, am 18. September 1821 gestorben, ein 
Arzt ebenso hervorragend durch gründliche Wissenschaftlichkeit, glänzende Lehrgabe, 
wie durch Reinheit des Charakters, war der erste Professor an der im Jahre 1794 
in's Leben gerufenen medicinischen Klinik zu Paris, gab diese Stellung aber später 
auf. Seit dem Jahre 1807 war er neben Barthez Leibarzt Napoleon's L, 
unter der Restauration Chef des französischen Medicinalwesens. C. nimmt in der 
Geschichte unserer Wissenschaft in doppelter Hinsicht eine wichtige Stelle ein als 
einer der Hauptbegründer der neueren pathologischen Anatomie , namentlich der 



CORVISART. — COSCHWITZ, 87 

Krankheiten des Heraens, noch mehr durch die Einführung der Percussion in die 
medieinisehe Diagnostik (siehe den Art. AübnbbüQGEr). Es ist allgemein bekannt, 
dass die grosse Erfindung Auekbrugger's von den meisten Zeitgenossen desselben 
entweder geradezu verspottet oder doch gering geachtet wurde und nach kurzer 
Zeit in völlige Vergessenheit gerieth. Da wurde C. durch einen Artikel im Journal 
de m^decine auf die von RoziEBE DE Chassagnk im Jahre 1770 veröffentlichte 
Uebersetzung der Schrift Auenbrugger's, dann durch mehrere Stellen in den 
Aphorismen Stoll's auf die Percussion aufmerksam. Er erkannte sofort ihre hohe 
Bedeutung und machte sich durch zwanzig Jahre lang fortgesetzte Untersuchungen 
nicht blos vollständig mit derselben vertraut, sondern war auch im Stande, 
die nur auf siebenjähriger Beobachtung beruhende Darstellung Aüenbruggeb's 
in manchen Punkten zu ergänzen und zu verbessern. Im Jahre 1808 veröffent- 
lichte er eine Ausgabe des „Inventum novum^^ begleitet von einer französischen 
Uebersetzung und von umfangreichen Cömmentaren und Zusätzen. Diese Arbeit 
erregte sehr bald die allgemeine Aufmerksamkeit zunächst der französischen, dann 
hauptsächlich der englischen Aerzte. Am längsten blieb sie in Deutschland, dem 
Vaterlande Aüenbrcgger^s, unbeachtet. — Ihre nächste Bereicherung erfuhr die 
Percussion durch Piorry, den Erfinder des Plessimeters; zu ihrer vollen Bedeu- 
tung wurde sie erst durch den Wicdererwecker der Auscultation, Laennec, erhoben. 
Die Hauptwerke C.'s sind sein „JEasai sur les maladies et les Usions organiques 
du coeur et des gros vm'sseaux^ (Paris 1806, 8.; 3. Ausg., Paris 1818, 8. [diese 
Ausgabe enthält eine ausführliche Abhandlung C.'s über die Percussion]); — 
„Xouvelle mtthode pour reconnaitre les maladies internes de la poitrine .... 
par Auenbrugger .... ouvrage traduit etc." (Paris 1808, 8.). jj. Haeser. 

*Corvi8art, R.-F.-E.-Lucien Baron C, zu Paris, ist zu Thonne-la-Long 
(Meuse) am 9. Juni 1824 geboren und ist ein Neffe Jean-Nicolas C's. Er 
wurde 1852 mit der These „De la contraction des extreviitös ou t^anie" Doctor, 
publicirte „Dyspepsie et consomption, etc" (1854; deutsche Uebers. von Jos. v.Török, 
Pest 1857), einer vom Institut gekrönten Schrift, mit welcher er das Pepsin 
in die Therapie einführte, und weiterhin noch : „Sur tmefonction peu connue du 
pancrSas, la digestion des aliments azotis*^ (1858) — „Collection de mSmoires 
sur une fonction peu connue du pancr^a^y etc." (1864) u. s. w. 1853 Arzt am 
kaiserlichen Hofe, 1860 Arzt des Kaisers geworden, wurde er 1866 dessen erstem 
Leibarzte adjungirt und erhielt 1867 nach dem kinderlos erfolgten Tode des Barons 
Scipion C. den Titel als Baron des Kaiserreiches. 

Vapereau, pag. 475. — Glaeser, pag. 138. G. 

Goscliwitz, Georg Daniel C, Sohn eines Apothekenbesitzers, wurde 1679 
in Konitz geboren, studirte Medicin in Halle, schloss sich hier der STAHL'schen 
Schule an und gelangte 1716 zur ausserordentlichen Professur in der Medicin. 
1718 ward ihm in Bevorzugung gegen seinen weit tüchtigeren Kollegen Heinrich 
Bass die ordentliche Professur der Anatomie übertragen, und nun las er in der 
Folgezeit über Botanik, Anatomie, Chirurgie und Medicin. Er war ein fleissiger, 
aber massig begabter Mensch, als dessen Verdienste eigentlich nur die Erbauung 
eines anatomischen Theaters, das der Universität bis dahin vollständig fehlte, auf seine 
eigenen Kosten und die Fürsorge und Vervollständigung des ganz vernachlässigten 
botanischen Gartens zu verzeichnen sind. Neben seinen Lehrämtern war er noch 
Physicus, vielbeschäftigter Praktiker, besonders Geburtshelfer in Halle und Umge- 
bung und Besitzer einer Apotheke. Literarisch bekannt wurde er hauptsächlich 
durch einige vorgebliche anatomische Entdeckungen, so von Klappen in den 
Ureteren: „De valvulü in ureteribus repertis" (Halle 1723, 4.), wo er falschlich 
gewöhnliche Erweiterungen und Faltungen für Klappen ansah, und von einem 
neuen Speichelgange, der von den Glandulis submaxillaris und sublingualir, 
ausgehend einen Bogen auf dem Zungenrücken in der Nähe der Epiglottis machen 
sollte, von wo aus zahlreiche Zweige über die Zunge vertheilt, an ihrer Oberfläche 



88 COSCHWITZ. — COSTALLAT. 

sich öifneten: „Ductus salivalis novus, per glandulas maxillareSj sublinguales, 
linguamque excurrens, cum vasts lymphaticis variis conimumcans, et in lingna 
locum excretionis hahens. isuperrime detectus, et publico adjectis figuris aeneis 
^icÄtW-^MÄ*' (Halle 1724, 4.). Gegen diese Entdeckung erklärten sich unter Anderen 
Heistek, Walther und J. G. Duvernoy. Dessen Schüler Albrecht von Haller 
disputirte darüber öffentlich im März 1725 als ITjähriger Student und wählte 
auch 1727 dasselbe Thema für seine Doctordissertation in Leyden : ,,Experimenta 
et dubia de ductu salivali Coschwitziano" (Leyden 1727, 4.), worin er an der 
Hand von eingehenden anatomischen Untersuchungen auf das Ueberzeugendste 
nachwies, dass der vermeintliche Speichelgang V e n e n seien. C. versuchte vergeblich, 
seine Entdeckung durch eine Streitschrift „Continuatio observationum de ductu 
salivali novo*^ (Halle 1729, 4.) zu retten. Ausserdem sind von seinen Arbeiten 
noch zu nennen: „Introductio in chtrtirgiam rationalem^ (Halle 1722, 4.; 
Braunschweig 1755, 4.) — „Dissertatio de parturientium declinatione sujtina 
pro facilitando partu inutili" (Halle 1725, 4.) und „Organismus et mechanismus 
in homine vivo obvius et stabilitus, seu hominis vivi consideratio physiologica** 
(Leipzig 1725, 4.) — „Consideratio pathologica^ (Leipzig 1728, 4.), eine Ver- 
theidigung der STAHL'schen Lehre. Er starb 1729. 

J. G. Zimmermann, Das Leben des Herrn von Halle?'. Zürich 1755, 8. — 
J. Ch. Förster, Uebersicht der Geschichte der Universität zu Halle in ihrem ersten Jahr- 
hunderte. Halle 1794, 8. MaxSalomon. 

Cosmeli, Michael C, wurde gegen Ende des Jahres 1773 zu Pless 
geboren, studirte Jurisprudenz zu Halle, Göttingen und Jena bis 1794; war Haus- 
lehrer in Kurland bis 1795, Referendar in Brieg 1796 — 1797, machte Reisen durch 
Deutschland, Frankreich und der Schweiz, ging 1802 mit dem persischen Gesandten 
Tschawtschawadse nach Tiflis, war 1804 in Schlesien, 1806 in der Krim, 
1807 in Sniyrna. Dann studirte C. in Jena Medicin imd wurde 1810 Dr. med. ; 
machte Reisen durch England, Nom'egen, Deutschland, Bukowina und Russland, 
gab in Riga, Moskau und Petersburg Concerte auf der Maultrommel, zuletzt im 
Jahre 1826 in Riga. Seine zahlreichen Schriften bei RECKE-NAPiEaSKY, I, pag. 365 
citirt, darunter Charles Bell's System der operativen Chirurgie aus dem Eng- 
lischen, zwei Bände, Berlin 1815. Nach ihm ist durch Mussin -Puschkin eine 
Pflanze Carduus Cosmeli benannt. — Sein Todesjahr ist nicht zu ermitteln. 

Recke-Napiersky, I, pag. 365. — Beise, I, pag. 136. L. Stieda. 

Costa da Alvarenga, s. Alvarenga. 

Costallat, Arnault C. , zu Bagn^res - de - Bigorre , war daselbst 1801 
geboren, studirte in Paris, wurde dort 1832 Doctor, prakticirte auch da einige 
Zeit, Hess sich dann aber in seiner Heimat nieder. Er machte sich zunächst 
dadurch bekannt, dass er in einem „MSm. sur Vinfluence probable du climat 
d' Alger pour la guSrison de la pkthisie^ (Paris 1837) auf die Errichtung eines 
Hospitals für Schwindsüchtige daselbst drang; ferner durch Untersuchungen über 
die Stricturen des Mastdarmes und eine von ihm empfohlene, allerdings ziemlich 
complicirte Dilatationsmethode in der Schrift: ^f Essai sur un nouveau mode de 
dilatation particulierement appliquS aux rdtr^cissemens du rectum" (Paris 1848, 
mit 1 Tf.). Sodann aber beschäftigte ihn bis zum Ende seines Lebens die Pellagra, 
deren Entstehung er, den Ansichten Ballardini's sich anschliessend, auf den 
Genuss von Mais, der durch Pilze verdorben ist, zurückführte. Er schrieb 
darüber Verschiedenes: „Ätiologie et prophylaxie de la pellagre, etc." (Annales 
d*hyg. publ. 1860) — „Pellagre et acrodynie" (Tarbes 1860) — „QueMion de 
la pellagre" (Ebenda 1860) — „Instruction populaire pour Vextinction de la 
pellagre" (Bagncres-de-Bigorre 1866) — „De la pellagre" TParis 1868) — „Det(x 
opuscules ä ajouter h V Ätiologie et prophylaxie de la pellagre" (Bagn^res 1871). 
Er unterschied zwei Arten von Pellagra, nämlich die wahre, durch Pilzerkrankung 



COSTALLAT. — COSTEO. 89 

des Mais entstandene und eine andere, eine Art von Akrodynie , verursaciit durch 
den Brand des Getreides. Er starb im Beginn des Jahres 1872. 

Dechambre, XXI, pag. 32. G. 

Gostanza, s. Calenda C. 

Costa-Sicre, Laurent-Fran^ois-Raphaäl C.-S , zu Paris, war 1797 
zu Saint-Laurent-de-Cerdans (Pyren^es-Orientales) geboren, stammte aus einer Familie, 
in welcher die Medicin seit 17 Generationen in directer Linie ausgeübt wurde, 
erlangte 1820 zu Paris die Doctorwürde, kehrte dann in seine Heimat zurück 
und wurde zur Zeit der Gelbfieber - Epidemie von Barcelona Chefarzt des Grand 
Lazaret des Pyr6n6es-Orientales. Nach den von ihm bei dieser Gelegenheit gemachten 
Beobachtungen erklärte er sich in der Schrift „ConmdSrations gSndrales mir 
V^pid4mie qui ravagea Barcelone en 1821, et sur les mesures, etc.^ (Paris 1826), 
sowie in dem zusammen mit Lassis und Lasserre verfassten Bericht: y^Sur la 
non-contagion de la fih?re jaunt^ (Archiv. g6n6r. 1826) als entschiedener Nicht- 
Contagionist. Er liess sich darauf als Arzt in Paris nieder und schrieb in den 
Archives g6n6r. mehrere Aufsätze (1827 etc.), u. A. : „R^flexions sur le typhiis 
qui a ravagd une partie de la France en 1823^ — „Traitement des inflam- 
mations cirSbrales" u. s. w. Er starb zu Ende des Jahres 1863. 

Sachaile, pag. 209. — Dechambre, XXI, pag. 31. — Callisen, IV, pag. 356; 
XXVII, pag. 158. ' G. 

Geste, Jean-Frangois C. , geboren in Ville (Ain) 1741, studirte in 
Lyon und Paris, wurde nach erlangten akademischen Graden durch Voltaire's 
Empfehlung zum Chefarzt des eben in Versoy an der Schweizer Grenze erbauten 
Militärhospitales ernannt und später in gleicher Stellung nach Nancy versetzt. — 
Als der amerikanische Unabhängigkeitskampf ausbrach, begleitete C. die französischen 
Hilfstruppen als deren Chefarzt nach Amerika; im Jahre 1796 wurde er zum 
Chefarzt des Invalidenhauses, 1803 zum Chefarzt der grossen Armee ernannt und 
machte als solcher die Kämpfe von Austerlitz, Jena und Eylau mit. Er starb 1819. 
C leistete Vorzügliches auf dem Gebiete der Militärhygiene und des Militärsanitäts- 
w^esens und that sich insbesondere hervor als Organisator der Militärhospitäler. 
Eines seiner besten Werke unter seinen zahlreichen Schriften ist: „Da serm'ce des 
hopHaux müitaires ramene aux vrais prmcipes" (Paris 1790). Unger. 

Coslello, ViTilliam B. C. , englischer Chirurg, war 1800 in Dublin 
geboren, machte seine Studien theils dort, theils in Paris, wo er namentlich ein 
Schüler von Heueteloüp war. Um 1832 liess er sich in London nieder und war 
einer der Ersten, der in England die Lithotripsie ausübte. Er wurde später 
Medical Superintendant und Eigenthümer des Wykehouse Asylum, Brentford, und 
schrieb zur Reform der Privat-Irrenhäuser die folgende Schrift: fjlieform and 
management of private lunatic asylums^ (London 1845). Bereits 1841 fasste er 
den Plan zu einer chirurgischen Encyclopädie ; dieselbe erschien jedoch erst im 
Laufe von 20 Jahren vollständig als : „ The cyclopaedia of practical surgery, 
inclvding an etymological and critical ferminology" (4 Bde., London 1841 bis 
1861). Dieselbe ist besonders bemerkenswerth dadurch, dass eine Reihe bekannter 
französischer Chirurgen und Aerzte, wie Bouvier, Broca, Desormeaüx, Follin, 
FoucHEB, Gallard, Raybr u. A., für dieselbe Artikel geliefert haben, die von 
C. in's Englische übersetzt wurden. Er hatte sich aus der Praxis zurückgezogen 
und lebte in Paris, verlor in Folge unglücklicher Speculatiouen sein ganzes Ver- 
mögen und starb an Gehirnerweichung in einer Maison de saute zu Saiut-Mand6 
am 15. August 1867. 

Medical Times and Gaz. 1867, II, pag. 245. — Dechambre, XXI, pag. M. 

Giirlt. 

^OSteo (CosTAEUSj , G i V a n n i C. , war aus Lodi gebürtig und lebte 
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nachdem er lange Zeit zu Turin die 



90 COSTEO. — COTHENIUS. 

Medicin mit Erfolg gelehrt hatte, wurde er 1581 auf einen Lehrstuhl zu Bologna 
berufen, den er ebenso ruhmvoll bis zu seinem 1603 erfolgten Tode bekleidete. 
Von seinen zahlreichen Schriften fahren wir an: „De venarum mesara'icarum 
usu: veteris opinionis confirmatio etc,^ (Venedig 1565, 4.) — „Disquisitionuvi 
physiologicarum in primam primi canonis Avicennae sectwnem libri IW 
(Bologna 1589, 4.) — „Adnotationea in Avicennae canonein etc.^ (Venedig 

1595, fol.) — „De fadli medicma per seri et lactis iisum libri III^ (Bologna 

1596, 4.; 1604) — „De igneis medicinae praesidiis, libri 11^ (Venedig 1595, 
4.) — „In J, Mesuae simplicia et composita .... adnotationes^ (Venedig 
1602, fol.) — „De humani conceptus formattone, motus et parttis tempore" 
(Bologna 1596, 4.; Padua 1604, 4.) — „De morbis puerorum et mulierum" 
(Bologna 1604, 4.). 

Biogr. m6d. III, pag. 340. — Dict. bist. I, pag. 875. G. 

Coster, Samuel C. , lebte zu Amsterdam als Arzt, wo er nach einer 
Angabe von 1640 „seit 50 Jahren dem Krankenhause treu gedient hatte". Seine 
Sinnspiele und Gräueldramen gehören nicht hierher — medicinische Schriften sind 
von ihm nicht aufzuführen. 

Allg. Deutsche Biogr. IV. Eed. 

Coster, Johann C. (geadelt Rosenbürg oder Rosenberg), ist geboren 
zu Gadebusch bei Lübeck 1613, studirte in Königsberg Medicin, war 1640 — 1641 
Lehrer an der Domschule, ging dann nach Leyden, woselbst er 1645 zum Doctor 
medicinae creirt wurde. Nach Königsberg zurückgekehrt, disputirte er „De dysen- 
teria" und trat in die dortige medicinische Facultät. 1649 wurde er Stadtphysicus 
in Weimar, dann Arzt der esthländischen Ritterschaft in Reval, dann Leibarzt des 
Königs Karl Gustav von Schweden, welcher ihm den Adel schenkte. 1667 
ging er nach Moskau und wurde Leibarzt des Czaren Alex. Michailowitsch 
und starb daselbst am 31. Juli 1676 (nach Anderen in Reval am 22. Februar 1685). 
Er verfaste: „Affectuum totius corporis humani praecipuorum. theoria et praxis, 
totalis exhibita^ (Frankfurt 1663, 4.) und „Relatio medica morhi et mortis 
Caroli Gustavi regis Sueviae qua improbantur curationes medici, qvi felrrim 
malignam pro scorbutico habuerat*' (Daselbst 1643). 

Recke-Napiersky, I, pag. 368. — Heise, I, pag. I3G. — Richter. II, 
pag. 292-294. L. Stieda. 

CothenitlS , Christian Andreas C. , geboren am 14. Februar 1708 
als Sohn eines schwedischen Regiments-Feldscheerers zu Anclam, trat 1737 als 
Arzt in Havelberg auf, wurde 1740 Krcis-Physicus in der Priegnitz, im Dezember 
1747 Hofraedicus in Potsdam, ferner ordentlicher Medicus des grossen Militär- 
Waisenhauses und Physicus des Kreises Zauche-Belzig. Im Jahre 1750 wurde er 
zum wirklichen Leib-Medicus und Generalstabs-Medicus des preussischen Heeres 
ernannt, als welcher er im siebenjährigen Kriege die oberste feldärztliche Leitung 
inne hatte. Nachdem er zweiter Decan des Ober-Medicinal-Collegiums , zweiter 
Director des CoUegium medico-chirurgicum , auch Mitglied der Berliner Akademie 
der Wissenschaften geworden, wurde er 1757 zum geheimen Rath befördert. 
C. starb am 5. Januar 1789 zu Berlin. Seine amtliche Ueberbürdung hinderte ihn 
an ausgedehnterer literarischer Beschäftigung. Er schrieb von bekannter Gewordenem 
nur „üeber die Mittel, sich vor den Pocken zu schützen*^ (Berlin 1765) und 
„Des medicinischen Obercollegiums Anweisung, wie sich der Landmaiin vor 
der rothen Ruhr präserviren und dieselbe mit wenigen Kosten curiren könne** 
(Berlin 1769). 

In der Berliner Bibliothek befindet sich eine handschriftliche Selbstbiographie. — 
Vgl. auch „Militaria aus König Fried rieh's des Groj«sen Zeit", Berlin 1866. pag. 27, von 
E. Graf zu Lippe und „Die Kriegs-Chirurgie der letzten 150 Jahre in Preussen" von Gurlt, 

H. Frölich. 



COTTEBEAU. — COTÜGNO. 91 

Ciotterean, Pierre-Louis C, zu Paris, war am 1. December 1797 zu 
Vendöme geboren, diente einige Jahre (1811 — 1815) als Militär-Apotheker und 
-Arzt, widmete sich dann zu Vendöme und Tours der Pharmacie, indem er gleich- 
zeitig Vorlesungen über Anatomie und Physiologie hörte. Er eröffnete 1823 am 
erstgenannten Orte eine Apotheke, kehrte aber, durch die Medicin von Neuem 
angezogen, nach Tours zurück, um Beetonneaü's Vorlesungen zu besuchen , ging 
1825 nach Paris, wo er mit der These: yyDe veneficio a miaamatibus palitdosis^ 
in demselben Jahre Doctor wurde. 1826 erhielt er durch Concurs mit der These: 
„Ex ßuidis imponderabütbus dictis quaenam auxilia therapeutica^ die Stelle 
eines Professeur agr6g6 der Hilfswissenschaften, begann Privatcurse über Pharma- 
kologie und Materia medica zu halten, gab zusammen mit Bricheteaü und 
A. Chevallier: „Uart de dosei- les mddicaviens^ (Paris 1829) heraus, schrieb 
zusammen mit A. Chevallier über ffTraitement de la phthiaie pulmonaire par le 
chlore^ (1829) und verfasste: „De Vemploi du chlore gazeux dans le trm'te- 
ment de la phthisie pulmonatre'* (Paris 1830). Sechs Jahre lang (1830 — 36) 
hatte er den hochbejahrten Deyeux in der Facultät zu vertreten, gab 1835 einen 
sehr geschätzten „TraüS SlSmetitafre de pharniacologie, Cours prqfessi h la 
Fac. de mSd, de Parts" heraus und concurrirte 18.39 mit Auszeichnung, wenn 
auch ohne Erfolg, mit der These: „Des modifications que la connaissance des 
causes des ilialadies peut introduire dans le traitement" um den Lehrstuhl der 
Materia medica. Auch hatte er zusammen mit Vavasseur eine „Botanxque medi- 
cale" (1835), mit A. Chevallier „Des eaux min^rales" (1835), mit Cadet de 
Gassicourt ein „Formulatre magistral" (7. Ausg. 1833) herausgegeben und ver- 
fasste später noch ein „Formulatre g4nSral, ou guide pratique du midecirij du 
Chirurgien et du pharmacien" (1840). Er nahm fem er Theil an der Redaction 
der „Botanique m^dicale et industrielle", des „Dict. universel de botanique agricole", 
der „Encyclopedie des sc. m6d.", des „Dict. de m^decine usuelle" und rührt 
ausserdem eine grosse Zahl von Aufsätzen chemischen und naturwissenschaftlichen 
Inhalts von ihm her. 

Sachaile, pag. 24. — Dechambre, XXI, pag. 138. - Callisen, IV, pag. 360; 
XXVII, pag. 161. G. 

Gotton, Richa^rd Payne C. , zu London, war 1820 zu Kensington 
geboren, erhielt seine medicinische Erziehung im St. George's Hospital zu London 
und in Paris, kam frühzeitig in Verbindung mit dem Hospital for Consumption 
and Diseases of the Chest zu Brompton, wirkte 25 Jahre lang als ein sehr ge- 
schickter und sorgfältiger Arzt unter den Patienten desselben und wurde 1875, 
als er sich von dem Hospital zurückzog, zu dessen Consulting Physician erwählt. 
Seine literarischen Arbeiten bezogen sich auch fast durchweg auf Brustkrankheiten ; 
so : ;, The form and movements of the chest in phtktsis" (Lond. Med. Journ. 
Vol. III) — „Cltnical lectures on the physical diagnosis of phthisis" (Lond. 
Medie. Gaz. 1849). 1852 erhielt er die FoTHERGiLL'sche goldene Medaille für sein 
Werk: „On consumption : its nature, Symptome, and treatment" (2. Aufl. 1858). 
Auch schrieb er noch ein kleineres Werk: „Phthisis and the stethoscope; etc." 
(1864) und Aufsätze, wie: „2Tie therapeutics of consumption" (Med. Times and 
Gaz. 1868). In seinen Mussestunden bildete die Geologie sein Studium. Er starb am 
26. December 1877. 

Medic. Times and Gaz. 1878, I, pag. 24. G. 

Cotugno, Domenico C, am 29. Januar 1736 zu Ruvo (Provinz Bari) 
geboren, studirte an der Universität Neapel und beschäftigte sich fleissig mit 
Anatomie, für welche er soviel Liebe gewann, dass er sich bald origiuelleu 
Forschungen hingeben konnte. Im Alter von 25 Jahren entdeckte er die nach ihm 
benannten „Aquaeductus Cotunii" und später auch den ^Nervus nasopalatinus" , 
Als Arzt zeichnete er sich durch seine Studien über die den Nerven des Plexus 
isehiadicus zukommenden Neuralgien aus, und lehrte besonders die Ischialgia postica 



92 COTÜGNO. — COULON. 

und antica unterscheiden. C. genoss ein sehr grosses Ansehen sowohl als Professor 
der Anatomie an der Universität Neapel , wie auch als praktischer Arzt, wurde 
mit vielen Ehrenbezeugungen überhäuft und war auch königlicher Leibarzt. Im 
hohen Alter von 87 Jahren starb er am 6. October 1822. Cautani. 

'uoudenberg, Pierre C, zeichnete sich, zu Antwerpen um die Mitte des 
16. Jahrhunderts lebend, durch die Herausgabe des „ Valern Cordt dispensatorium 
j)harmacorum omnium etc." (Antwerpen 1568) aus, welches als „Guidon des 
apothicaifes etc," (Lyon 1575) in Frankreich und in anderen continentalen Ländern 
hoch in Ansehen stand (noch 1662 erschien in Amsterdam eine holländische Aus- 
gabe). — 1558 erfand C. ein Mittel gegen die Pest, welches er gratis vertheilte. 
Antwerpen errichtete ihm 1861 ein Standbild. j^^^ 

*Coudret, Jean- Flor imond C, zu Paris, ist am 18. März 1810 zu 
Verteillac (Dordogne) geboren, studirte Medicin in Paris und wurde daselbst 1835 
Doctor, nachdem er sich 1830 bei den Juli-Verwundeten und 1832 bei der Cholera- 
Epidemie hervorgethan hatte. Er beschäftigte sich darauf mit Untersuchungen über 
organische und animalische Elektricität, suchte eine medicinlsche elektro-vitalistische 
Schule zu gründen und veröffentlichte in diesem Sinne eine Reihe von Aufsätzen im 
Journal compl^mentaire des sciences m6dicales, namentlich: „Sur la cause motrice 
directe du sang veinevx" (1837) — ^Recherches medico-pkysiologiqueft s*tr 
Vihctriciti animale" (1837) und unter dem Namen „Coudröt^visme" eine Anzahl 
von Studien, welche die von ihm vertretene Lehre betreffen. 

Glaeser, pag. 141. G. 

Couillard, s. Covillart. 

Conlet, Etienne C, gegen 1730 in Nantes wirkend, verfasste: „Uäoge 
de la goutte, ouvrage heroique^ historique, politique etc," (Leyden 1728), sowie 
einen „Tra^tatus histaricus de ascaridibus et lumbrico lato" (Daselbst 1729), 
und tibersetzte Mehreres aus dem Englischen. Unger. 

Goüloil, Julius V i t r i n g a C, im Jahre 1767 in Leeuwarden geboren, 
studirte in Leyden und promovirte daselbst 1791 mit einer Dissertation „De 
mutata humorum in regno organico indole a vi vitalt vasorum derivand/i", 
eine für die Pflanzenphysiologie sehr interessante Abhandlung. Die ärztliche Praxis 
in seiner Geburtsstadt ausübend, schrieb er: „Over de beste wyze om kinderen 
van het tydstip der geboorte af tot den . ouderdom van een of twee jaren 
lichamelyk op te voeden" (1797, gekrönte Preisschrift) und gab verschiedene, 
verdienstvolle Abhandlungen über die Viehseuche, über Cholera und eine sehr 
ausführliche Mortalitäts-Statistik der Provinz Friesland über die Jahre 1815—1829, 
sowie „JSen leerboek vooral voor moeders over de opvoeding der ktnd^ren in de 
kraamkanier" heraus. C. war Mitglied des „Koninklyk Nederlandsch Institut" 
und starb im August 1843. q E Daniels. 

*Coillon, Am6d6e C. , zu Amiens, ist am 3. Januar 1834 zu Saint- 
Ju8t-en-Chauss6e (Oise) geboren, studirte in Paris, wurde 1861 daselbst Doctor 
und 1863 zum Professor an der Ecole pr6paratoire de m6dec. et de pharmacie 
zu Amiens ernannt, woselbst er auch Mitglied des Conseil d^partemental d'hygicne 
wurde. Er verfasste einen „ TraitS clin. et prat. des fractures chez les enfants" 
(Paris 1861; deutsche üebersetzung , Leipzig 1863), der von der Soei6t6 de 
medecine zu Lille mit einem Preise gekrönt wurde, eine Arbeit „Sur P angine 
couenneuse et Je crovp", die ebenfalls in\s Deutsehe tibersetzt ist, und mehrere 
Abhandlungen tiber Kinderkrankheiten. 

Glaeser, pag. 141. G. 



COULSON. — COURCELLES. 93 

GoiÜSOll, William C, zu London, war 1802 zu Penzance in Corawall 
geboren, kam, nachdem er bei einem Chirurgen in der Lehre gewesen, nach London, 
wo er die anatomische Schule von Grainoek und das St. Thomas' Hospital besuchte. 
Als Schüler von Tyrrell veröffentlichte er dessen Vorlesungen in der eben erst 
entstandenen Lancet und trat bald darauf auch in die Redaction dieser Zeitschrift 
ein. 1824 ging er nach Berlin, blieb daselbst zwei Jahre und trat in nahe Be- 
ziehungen zu RüDOLPHi und RüST. Nach London zurückgekehrt, gründete er in 
Oemeinschaft mit Tyrbell, Jones Qüain, Lawrence und Wardrop die medici- 
nische Schule in Aldersgate Street, in welcher er die Anatomie vortrug, während 
er frühzeitig seine Kenntniss der deutschen und französischen Literatur bei der 
Redaction der Lancet zur Geltung brachte und sich durch Publication einer Anzahl 
von Arbeiten aus dem Gebiete der Anatomie und Chirurgie einen Namen machte. 
Auch gab er heraus die 2. Auflage der von W. Lawrence 1807 übersetzten 
Blumenba CH'schen „Comparattve anatomy etc.^ (London 1827) und übersetzte 
II. MiLNE Edwards' „Manual of surgical anatomy*' (1828). Er wurde 1828 
Surgeon des General Dispeusary, 1830 Consulting Surgeon des City of London Lyiug- 
in Hosp., 1849, nach dem Tode von Aston Key, Consulting Surgeon des German 
Hospital und 1851 Senior Surgeon des Saint Mary's Hospital; 1861 hielt er die 
Hunterian Oration. Von seinen Schriften sind anzuführen : „ Tuo lectures on strictures 
of the vrethra etc,'* (London 1833) — „On deformities of the ehest and apine^ 
(London 1836; 2. Ausg. 1837) — „On the diseases of the hip-joint, etc." 
ri837, 4.) — „On diseases ofthe bladder etc^ (1838 ; 2. Aufl. 1840 ; 6. Aufl. von 
Walter J. Coulson, New York 1881 ; deutsche Uebers. in den Analecten der Chirurgie 
von BlasiüS und Moser, Berlin 1839) ^— „On lühotomy and lithotrity" (1853); 
ausserdem zahlreiche Artikel im London Med. and Phys. Joum., der Lancet u. s. w., 
sowie in Samuel Cooper's Surgical Dictionary und Costello*s Cyclopaedia. Er 
erfreute sich eines grossen Rufes in der Behandlung von Steinkrankheiteu und war 
b&sonders in der Lithotripsie ein anerkannter Specialist, dabei ein sehr exacter, 
gewissenhafter, rastlos thätiger und liebenswürdiger Mann. Er starb am 5. Mai 1877. • 

Lancet 1877, I, pag. 740. — Callisen, IV, pag. 365; XXVII, pag. 164. 

Gurlt. 

*Conlson, Walter John C, studirte am St, Mary's Hospital bis 1857 und 
wurde F. R. C. S. Engl. 1860. Er wirkte längere Zeit als Chirurg am St. Peter's- 
und am Lock Hospital in höherer Stellung. Seine Arbeiten beziehen sich auf Steiu- 
und Blasenkrankheiten, worunter „Stone in the bladder, its prevention etc," hervor- 
zuheben. Von seines Vaters „On diseases of the bladder and prostate*' besorgte 
er die 6. Auflage. Ausserdem schrieb er einen „Treatxse on syphilis*'. ß^^ 

de Gourcelles, David Cornelis de C, wahrscheinlich im Haag geboren, 
gtudirte im Anfang des 18. Jahrhunderts in Leyden und hat sich hauptsächlich 
bekannt gemacht durch die Herausgabe anatomischer Abbildungen der Fusssohlen- 
mnskeln, welche eine Ergänzung der „Tabulae musculorum hominis" des Albixus 
(t?. diesen) bilden, unter dem Titel : ;, Icones musculorum plantae pedts eorumque 
descriptio** (Leyden 1739 und Amsterdam 1760). Auch schrieb er: „Icones mu- 
sculorum capitis^ utpote factei , aurium^ oculorum, linguae, pharyngis^ ossis 
hyoidis^ colli^ ut et eorum quae capiti adnecfuntur" , (Mit Erklärung in holländischer 
Sprache Leyden 1743, 1786.) C. E. Daniels. 

de Courcelles, fitienne Chardon de C, aus Rheims, gestorben 1780 zu 
Brest als Marine-Chururg, schrieb ausser einigen chirurgischen Handbüchern : „Manuel 
de la saignde*^ (Paris 1746, Brest 1763) und „Manuel des opSratioTis de Chirurgie** 
(für die Marine-Chirurgen, Brest 1756, sowie für Pflegeschwestem) ; — 1745, dann 
öfter in Paris 1816 von (-apuron), noch ein „MSmoire sur le rSgime v^gStal 
des gens de mer** (Nantes 1780) und gab die drei ersten Bände des „Tractatus 
de materia medica** von Geoffroy heraus. 

Dict. hist. II. Red. 



94 COTJRVEE. — COURTY. 

Coiirvee, Jean-Olaude de la C, wurde um das Jahr 1615 zu Vesoul 
in der Franclie - Corat6 geboren. Seinen medicinischen Studien lag er in Paris 
ob und übte die Praxis dann im Flecken Argenteuil (vier Meilen von Paris ent- 
fernt, im heutigen Departement Seine-Oise) aus. Einen Namen machte er sieh 
dadurch, dass er ganz energisch gegen die seiner Zeit so beliebten häufigen Blut- 
entziehnngen auftrat. Diesen seinen Ansichten gab er Ausdruck in der Schrift: 
„Frequentis phlebotamiae usus et cautio in abusu, seu in temerarios quosdam 
saecuU nostri thrasones, qui nulla methodo, nulla ratwne ducti, venam utrumque 
secant, et tanto remedio passim abutuntur^ (Paris 1647, 8.). Seine Collegen 
waren ihm dafür nicht wenig gram. — Die Geschichte der Geburtshilfe nennt ihn 
deshalb, weil er im Jahre 1655 an einer während der Entbindung Verstorbenen 
die Symphyseotomie mit glücklichem Erfolge für das Kind ausführte. In seiner 
Schrift: „Paradoxa- de nutritione foetus in utero" (Danzig 1665 in 8.) ist er 
bezüglich der Generation der HARVEY*schen Ansicht, doch nimmt er an, dass die 
Frucht im Tterus athme und sich von den Fruchtwässern nähre. Die Placentar- 
gefässe stossen wohl, meint er, an die Uterusgefässe, doch besteht keine Anastomose 
zwischen diesen beiderseitigen Gewissen. In anderer Beziehung wieder steht er noch 
auf dem hippokratischen Standpunkte, iodem er glaubt, die Frucht helfe selbst 
auch mit, um aus dem Uterus herauszukommen. Er schrieb noch einen „Discours 
sur la sortie des dents aux petits enfans etc," (Warschau 1651, 4.) Die zwei 
letztgenannten Schriften erschienen in Polen, wohin ihn die Königin dieses Landes 
als Leibarzt berufen hatte. Er starb auch in Polen um das Jahr 1664. Aus dem 
Jahre 1648 stammt noch die Schrift: „Ostentuni, seu historia mirabüis trium 
ferramentorum notandae longitudinis etc^ (Paris, 8.). 

Biogr med. — Haeser's Geschichte der Medicin, Bd. II, pag. 732. — Siebold*s 
Geschichte der Geburtshilfe, Bd. II, pag. 501. Kleinwächter. 

Conrtial, Jean-Joseph C. , Professor der Anatomie in Toulouse und 
königlicher Leibarzt, liess „Nouvelles observations anatomiques sur les es, sur 
leurs maladies extra ordinaires etc," (Paris 1705, Leyden 1709) und eine Ueber- 
setzung der Abhandlung Juanini's über die Ursachen der Luftverderbniss in 
Madrid erscheinen. 

Dict. hist. II. Red. 

WUrtin, Germain C, der von 1578 bis zu seinem 1587 erfolgten 
Tode an der Pariser Facultät Anatomie und Chirurgie lehrte, erregte Streit und 
Aergerniss, da hauptsächlich gegen ihn ein Verbot der Auslieferung von Oadavem 
zu Lehrzwecken sich richtete. Seine „Legons anatomiques et chirurgicales*^ 
wurden erst lange nach seinem Tode von E. Binet (Paris 1612, dann 1616; 
Ronen 1656) herausgegeben. 

Biet. hist. II. Bed. 

*Conrty, Am^dee-Hippolyte-Pierre C, zu Montpellier, ist daselbst 
am 19. November 1819 als Sohn und Enkel eines Arztes geboren. Er machte 
anfänglich seine Studien in Montpellier, wo er Chef de clinique bei Lallemaxd 
war, dann in Paris, wo er mit der These „De Voeuf et de son diveloppement 
dans Vesp^ce humaine" (1848) Doctor wurde. Er schrieb um diese Zeit noch 
einige weitere Abhandlungen, wie : „MSm, sur la structure et les fcmctions des 
appendices vitellins de la vdsicule ombilicale du poulet" (1845) — „Lettre 
h M, le prof. Lordat sur quelques points de physiologie gSnSrale^ (1847) — 
„MSm, sur les subsiitutions organiqties" (1848), wurde 1849 Professeur agr^gö 
der Facultät zu Montpellier mit der These „De Vemploi des moyens anesthdsiqites 
en chirxirgie", 1851 durch Concurs Chef des travaux anatomiques, 1852 Chef- 
Chirurg des Höpital-G6n6ral, 1856 Professor der Operationslehre bei der Facultät, 
später Professsor der chirurgischen Klinik und Chef-Chirurg im Hop. Saint-Eloi. 
Ausser einer Anzahl von Abhandlungen in den hauptsächlichsten Journalen von 
Paris und Montpellier über Pellagra (1850), einige abnorme Muskeln des Menschen 



COÜRTY. — COVILLART. 95 

(1853), über Mangel oder unvollkommene Entwicklung der inneren weiblichen 
Genitalien (1858), über Croup und Diphtherie (1862), über eine chirurgische 
Excursion nach England (1863), über die Organisation des klinischen Unterrichtes 
in Deutschland (1867 — 70) u. s. w. gab er heraus: „Clinique chirurgicale de 
Montpdlier** (2 Bde. 1851, 1872) und einen „TraitS pratique des maladies 
de Vutdrusy des ovaires et des trompes, etc.^ (1866, mit 200 Fig.; 2. Aufl. 1870; 
3. edit, 1879), für den er von der Akademie der Wissenschaften einen Preis von 
2500 Franken erhielt. 

Glaeser, pag. 143. G. 

Gouslnot, Jacques C, 1590 zu Paris geboren, daselbst promovirt 1618 
und 1623 zum Professor der Chirurgie am College royal ernannt, wurde 1638 zum 
Arzt des Dauphin's, später Louis XIV. bestellt. Er starb als Archiater 1646. 
Ausser einigen Gelegenheitsreden, Streitschriften und einer Lobrede auf die Pur- 
gantien (letztere mit G. Dupüy's ;, TraitS^ zu Lyon 1654 erschienen) schrieb er 
besonders über Mineralsäuerlinge und speciell über die Wässer von Forges (Paris 
1631, 1647). 

Biogr. m6d. III. Eed. 

* Cousins, John Ward C, studirte Medicin von 1854 — 1859, wurde im 
letzteren Jahre zu London Med. Dr. und im darauf folgenden Jahre F. R. C. S. Eng. 
Er wirkte in früheren Jahren als Surgeon an verschiedenen Hafenspitälem, später 
am Londoner Hospital für Brustkranke und lebt z. Z. in Riversdale. Seine Haupt- 
leistnng in literarischer Beziehung ist: „Analysts of 182 cases treated in the 
lock wards" (Med. times and gaz. 1871) — „Lithotomy at royal Fortsmouth- 
hosjntal" (Daselbst 1873) und „Lithotomy in chüdren etc,*' (Brit. med. Joum. 
1881). Daneben ist C. Erfinder einer grossen Zahl von Instrumenten, Toumiquets, 
Troicarts, Kathetern, Stethoskopen und Apparaten für die Krankenpflege. ^ , 

Coutouly, Pierre-Victor C. , zu Paris, bekannter Geburtshelfer, 
daselbst 1765 geboren, war Conseiller der Acad. royale de Chirurgie und hat eine 
Anzahl von geburtshilflichen Instrumenten, wie Zange, Haken, Craniotom, Becken- 
messer u. 8. w., erfunden oder verbessert und über die hauptsächlichsten geburts- 
hilflichen Fragen, welche zu seiner Zeit discutirt wurden, wie die hohe Anlegung 
der Zange, den Kaiserschnitt, die S3rmphy8eotomie , die Amputation eines vor- 
gefallenen Armes u. s. w. sich ausgesprochen. Die meisten seiner Publicationen 
sind in Sedillot's Journal g^nöral de m6dec. (1808 fl^.) enthalten, darunter 
„Mim, sur le forceps hrisi^y das Einschneiden der Ränder des Muttermundes 
bei Convulsionen während der Entbindung, AnfQhrung eines Falles von Kaiser- 
sehnitt, Beschreibung eines Perforatoriums , einer Milchpumpe u. s. w. Seine 
„Mimoires et ohservations sur divers sujets relatifs h Vart des accouchemens, 
avec description de plusieurs instrumens, etc.** (Paris 1807, mit Fig.) enthalten 
eine Sammlung früherer Abhandlungen. 

Dict. bist. I, pag. 879. — Callisen, IV, pag. 373; XXVII, pag. 168. g. 

*Conty, Louis C, seit Anfang der Siebziger -Jahre zu Paris eifrig mit 
experimenteller Physiologie beschäftigt, ist am bekanntesten durch seine zahlreichen 
mit Lagerda zusammen publicirten Versuche über Schlangengift (in den Comptes 
rendus vom 90. Bande ab). Daneben sind noch von ihm namhaft zu machen: 
„£tude experimentale sur Ventrie de Vair dans les veines et les gaz intra- 
vasculaires** (Paris 1875) und „Müde clinique sur les anisth^sies et hyper- 
S^hiöies d'origine mSsocSphalique^ (Paris 1878). j^e^j 

Covillart, Joseph C. (auch Covillard, exacter Coüillard) aus Mont61i- 
mart (Dauphinee), florirte als Chirurg um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Lyon. 
Er galt besonders als ganz excellenter Lithotomist und war vielleicht in praxi 
der Begründer des seitlichen Steinschnittes (s. P. Franco). Er publicirte die 



96 COVILLART. — COWPER. 

„Observations tatro-chirurgiques eic," (Lyon 1639, Strassburg 1791, mit Zusätzen 
von Thomassin) und „Le Chirurgien opirateur^ (Lyon 1633, 1640). 

Biogr. m6d. III. Red. 

Cowan, Charles C, zu Reading, war 1806 geboren, studirte in Edinburg 
und Paris und wurde am erstgenannten Orte 1833 und am letztgenannten 1834 
Doctor mit der These „Essai sur la physiologie et la patlwlogie de Vinter- 
mittence^. Er begann seine Praxis in Bath, siedelte aber bald nach Reading 
über und wurde Physician am Berkshire Hospital. Als ein Schüler und Freund von 
LOüis veröffentlichte er 1835 eine Uebersetzung von dessen Werk über Phthisis. 
Trotz einer umfangreichen Landpraxis schrieb er in den Provincial Transactions 
über die Physiologie und Pathologie des Gehirns, hielt 1844 bei der Versammlung 
der British Medical Association, zu deren ältesten, eifrigsten und beredtesten Mit- 
gliedern er gehörte, die Address in Medicine, schrieb später noch über Brustkrank- 
heiten und gab eine kleine Schrift: „The danger ^ irrationality , and evils of 
medical quacker y; etc." (London 1839) heraus. Auf seinen energisch befür- 
worteten Vorschlag wurde das bis 1852 unter dem Titel Provincial Med. and 
Surg. Journal zu Worcesler erscheinende Organ der Association in eine Wochen- 
schrift verwandelt und nach London verlegt. Er starb in den ersten Tagen des 
November 1868. 

British Medical Journal, 1868. II, pag. 604, 649. — Med. Times and Gaz. J868. 
II, pag. 710. — Lancet, 1868, II, pag. 786. G. 

Coward, William 0. , zu Winchester 1656 (oder 1657?) geboren, 
studirte in Oxford und wurde dort 1687 Dr. med. Nach einem Versuche, in 
Northampton einen Wirkungskreis zu erlangen, Hess er sich in London nieder 
und zog eigentlich die öffentliche Aufmerksamkeit am meisten auf sich durch 
einige für ketzerisch verdammte und öffentlich verbrannte metaphysische und 
theologische Schriften. Er verschwand dann und tauchte erst bedeutend später 
wieder auf in Ipsavich (um das Jahr 1718). Von 1725 ab ist er auf der List© 
der dortigen Aerzte nicht mehr verzeichnet. Ausser zwei Schriften über die 
menschliche Seele (London 1702, 1703) und dem theologischen „The grand 
essay etc." schrieb C. „De femiervto volatili nutritio conjectura rationalia etc.^ 
(London 1695) — eine „Ophthalmiatria" (London 1706) und eine „Remediorum 
medicinalium tabula generalis tarn compositorum quam simplicium" (London 
1704, 1710). — Haller allein erwähnt seine Schrift: „On acid and alkali^ 
(London 1698). 

Dict. bist. IL Red. 

*Cowell, George C, beendigte seine Studien, die er wesentlich in 
Birmingham, in Paris und am St. Georgs-Hospital betrieben hatte, 1858 und wurde 
1867 F. R. C. S. Eng. Seine schriftstellerische Richtung, wie seine Thätigkeit 
gehört der Ophthalmologie an, so dass er an verschiedenen Londoner Hospitälern 
für Erwachsene und Kinder als Gons. Ophth. Surgeon fungirt. C. ist der Ver- 
fasser von „Lectures on cataract" und mehreren casuistischen Mittheilungen in 
den Ophth. hosp. Reports (Bd. V), von „Retinitis" in den St. Georges hosp. 
Reports (1869) und mehreren kleinen ophthalmiatrischen Aufsätzen in der Lancet 
1870, 1880—1882. r^^ 

Cowper, William C, geboren 1666 bei Alresford in der Grafschaft 
Hampshire, gestorben den 8. März 1709 zu London, zeichnete sich als Chirurg 
und tüchtiger Anatom aus. Er war in Gefössinjectionen erfahren und guter ana- 
tomischer Zeichner. Sein Hauptwerk: „Myotoniia reformata or a new admini- 
stration of all the muscles of the human body" (Lond. 1694, 8.; 1724, fol.) 
tibertraf durch im Allgemeinen correcte Zeichnungen und manche neue Entdeckungen 
ähnliche Unternehmen seiner Vorgänger. Einen Flecken auf C.'s Charakter w^irft 
die Herausgabe der durch ihn vom Verleger angekauften Anatomie des BiDLOO 



COWPER. — COX. 97 

(s. diesen) unter seinem eigenen Namen unter Verschweigung desjenigen Bidloo's : 
^ The anatomy of human hodies with figures dravm after the life by some of 
the best masters in Europe in one kundred and forteen Copper Plates, illustrateil 
icith large explications" (Oxford 1697, fol. max., ausserdem noch Leyden 1 737, fol. 
und ibid. lateinisch 1739, fol.). Zu den 106 BiDLOO'schen Tafeln fügte C. 9 hinzu 
von nicht grossem Werthe, ja 2 derselben sollen nach Gypsabgüssen gezeichnet 
sein. Gegen BiDLOO's berechtigte Angriffe wegen dieser Aneignung antwortete (\ 
mit „Euc/iarvttta in qua dotis plurimae et Singular es, Godefrtdi Bidloo^ 
M, D, et in illustri Ley darum Academia, Anatomiae professoris celeberrimif 
peritia anatomica, prolitas, ingenium celebrantvr et ejusdem citationi humillime 
respondetur" (Lond. 1701, 4.) mit Hinzufügung von „Glandalarum quarundaw, 
nuper detectatum ductuumqxie earum excretiorum descriptio. Cum figuris^^ 
(Daselbst 1702, 4.). Die neu entdeckten Gänge sind die nach ihm noch bekannten 
CowPEB'schen Drüsen der Harnröhre, die Mery allerdings schon 1684 gesehen 
hatte, die C. aber genauer beschrieb. Chirurgische Aufsätze von ihm sind in den 
Philosophical transactions enthalten. 

Möhsen, Bildnisse pag. 107 flgd. — Ludwig Ohoulant, Geschichte und 
Bibliographie rier anatomischen Abbildung nach ihi*er Beziehung auf anatomische Wissenschaft 
und bildende Kunst. Nebst einer Auswahl von Illustrationen. Leipzig 1852, 4., pag. 94 flgd. 

Max Salomon. 

Cox, Joseph Mason C, 1762 — 1822, hat seine vomehmlichste Be- 
deutung als Irrenarzt insofern, als er zu den Aerzten seiner Zeit gehört, welche 
die Geisteskrankheit als eigentliche körperliche Krankheit (im Gregensatze zu den 
mittelalterlichen Auffassungen des Behextseins, des Besessenseins, der moralischen 
VerirruDgen) ansahen. Er leitet die Geisteskrankheiten hauptsächlich von einer 
Hyperämie des Gehirns ab und empfiehlt deshalb zur Behandlung derselben 
Abführmittel, kalte Umsehläge, kalte Bäder. Zur Beruhigung sehr aufgeregter 
Kranken hält C. die Anwendung der Schaukel für sehr dienlich. (Dieselbe, vorher 
von Erasmus Darwin empfohlen, wird deshalb auch die DAEWiN-Cox*8che Schaukel 
genannt, als ob sie von diesen erfunden wäre — während es feststeht, dass sie 
schon AviCENNA kannte.) Als wissenschaftliches Hauptwerk C.'s werden angesehen 
seine „Pratical observations on insanity etc." (London 1804 — 1814, drei Auf- 
lagen; auch Philadelphia 1811; französisch 1806, 1815; deutsch von Reil, 
Halle 1811). Arndt. 

Cox, William Sands C, zu Birmingham, war daselbst. 1802 geboren 
als ältester Sohn des Arztes Edward Townsend C. (geboren 1769 oder 70, 
gestorben 1863), der 40 Jahre lang Surgeon der Town Infirmary und General 
Dispensary war und sich um die Errichtung der von seinem Sohne in's Leben 
gerufenen, nachstehend erwähnten Anstalten verdient gemacht hatte. William 
wurde mit 18 Jahren Zögling seines Vaters, ging dann nach London zum Besuche 
des Guy's und Thomas' Hospitals und 1824 nach Paris, wo er ein Jahr blieb. 
1825 wurde er zum Surgeon der Birmingham General Infirmary gewählt und 
erriehtete 3 Jahre später, mit Unterstützung einiger CoUegen, die Royal School of 
Medieine, die sich allmälig zu einer bedeutenden Anstalt erweiterte, 1843 unter 
dem Namen Queen's College ein königliches Incorporations-Charter erhielt und 
später eine noch grössere Erweiterung erfuhr. Auch wurde von C. für dieses College 
das Queen's Hospital 1840 gegründet, in welchem er als Surgeon bis zum Jahre 
1863 wirkte. Er gab üebersetzungen von Maingault, „Of ampuiattons" (1831, 
fol.) und Desselben „Operative surgery** (1845, fol.) heraus, verfasste ein 
Handbuch der Anatomie u. d. T. : „A Synopsis of the bones, ligaments, muscles, 
. . . . of the human body" (Birmingham 1831) und schrieb, ausser einer Reihe 
von Aufsätzen: „A memoir on amputation of the thigh at the hip-Joint, vritk 
a huccessful case** (London 1845, fol.). Auch gab er viele Jahre lang den 
Jahresbericht des Queen's Hospital heraus, veröffentlichte eine Reihe von Schriften 
über die medioinische Schule von Birmingham und die „Annais of the Queen' s 
Biogr. Lexikon. II. 7 



98 COX. — COZE. 

College^ (4 voll., 1873), während er zur Zeit seines Todes, der am 23. December 
1876 zu Kenilworth erfolgte, nachdem er seit 12 Jahren Birmingham verlassen 
und sich gänzlich von einer öffentlichen Thätigkeit zurückgezogen hatte, mit der 
Vorbereitimg eines 5. Bandes der ^^ Annais of tke Queen' s Hospital^ beschäftigt 
war. Wie aus Vorstehendem zu ersehen, sind ihm die medicinischen Anstalten 
Birmingham 's zu hohem Danke verpflichtet. 

British Medical Journal. 1863, II, pag. 613; 1876, I, pag. 29. G. 

/ Coyttar, Jean C, aus London und theils hier, theils in Poitiers prakti- 
cirend, wurde an der Facultät der letzteren Stadt Decan als Nachfolger Fr. Pidoux\ 
Er starb hier 1590. Seine Schrift: „De fehnbtts purpuratis epidemicis, quae 
anno 1557 vulgatae sunt Uber^ (Poitiers 1578) kann als eines der ersten Muster- 
bilder modemer Monographien angesehen werden. Ausserdem erschien von ihm ein 
„Discours sur la coquelucke , . . ä Poitiers 1580^ (Daselbst ohne Jahreszahl). 
Dict. hist. II. Red. 

Coze, französische Aerzte zu Strassburg in drei Generationen. — Pierre C. 
war am 17. August 1754 zu Ambleteuse (Pas-de-Calais) geboren, begann seine 
Studien unter der Leitung eines seiner Verwandten, eines Chirurgien-major beim 
Civil- und Militärhospital zu Boulogne-sur-Mer, kam um 1774 nach Paris und 
besuchte 5 Jahre lang die dortigen Vorlesungen und Hospitäler. Zum Chirurgien- 
major eines Cavallerie - Regimentes ernannt, erlangte er auch den Doctorgrad, 
wurde bei Beginn der Revolution Arzt bei der Alpen-Armee und etwas später beim 
Militärhospital zu Lyon, woselbst er sich während der Belagerung dieser Stadt 
befand. Seine ersten Arbeiten sind im Joum. de m^dec. milit. (1787, 89) enthalten 
und betreffen eine „Topographie midicale de Dole en Franche-Comt^" und die 
epidemische Constitution daselbst, sowie die zu Auch in der Gascogne im Jahre 1785, 
ferner (Joum. de m6d., de chir. et de pharm. 1790, 92) einen Fall von Milzabscess, 
der sieh in den Magen eröffnete, eine zu Schlettstadt im Winter 1790, 91 beob- 
achtete Petechialfieber-Epidemie. Von Lyon wurde C. in das Hospital zu Metz ver- 
setzt, verliess darauf den Militärdienst und Hess sich in Strassburg nieder, woselbst 
er bei der Reconstitution der Lehranstalten zum Professor der medicinischen Klinik 
ernannt wurde, die er durch seine Kenntnisse in der pathologischen Anatomie und 
Chemie sehr nutzbar für die Schüler zu machen verstand. Auch wurde er 1815 
Decan und versah diese Stelle bis zu seinem am 25. Juni 1822 erfolgten Tode. 
Seine in die Strassburger Zeit fallenden Arbeiten behandelten, ausser G^enständen, 
welche die Pathologie, medicinische Topographie und Meteorologie betreffen, auch 
Rolche aus der Thierheilkunde und Landwirthschaft und sind namentlich in den 
M6m. de la Soc. agrie. de Strasbourg (1811, 20, 23 u. s. w.) enthalten, z. B. be- 
treffend die Geschichte der Vaccine in Strassburg, den acuten Scorbut, die Tem- 
peratur der fliessenden und stehenden Gewässer um Strassburg, die Bevölkemng 
dieser Stadt u. s. w. ; ausserdem im Rec. de m6m. de mM. milit. (1815) Beob- 
achtungen aus dem Militärspital zu Lyon 1792, 93. 

J. Tour des im Rec. de rn^in. de mfed. etc. milit. 1823, XTII, pag. 342. — 
Dechambre, XXII, pag. 296. ^ 

Coze, Jean-Baptist e-Rozier C. , wurde als Sohn des Vorigen am 
9. December 1795 zu Strassburg geboren, leistete bereits 1814 in den vom Typhus 
heimgesuchten Militärhospitälem gute Dienste, wurde 1817 zu Strassburg Doctor, 
1821 bei der dortigen Facultät mit den Vorlesungen über pharmaceutische Chemie 
betraut und 1827 Professor der Materia medica und Pharmacie. 1835 zum Decan 
der medicinischen Faqultät, wie sein Vater, ernannt, widmete er sich 22 Jahre lang 
der Organisation und Verbesserung des Unterrichtes bei derselben mit ebensoviel Be- 
harrlichkeit als Erfolg, durch Verbesserung des. bis dahin sehr schwach bestellten 
klinischen Unterrichtes, Gründung von Special-Kliniken, Errichtung von Laboratorien, 
Vermehrung der praktischen Unterweisung ; auch gab er den Anstoss zur Errichtung 



COZE. — CRAANEN. 99 

einer Schule für Militärmedicin in Verbindung mit der Facultät. Seine Arbeiten sind 
grösstentheils in den Compt rend. de TAcad. des sc. (1842, 48, 49 etc.) veröffent- 
licht und betrafen „Remarques sur les effetn g6n4raux de diverses classes de mSdi- 
caments^, die Aetherisation , die Einwirkung des Chloroforms auf den thierischen 
Organismus, ferner: „Sur la constriction des conduits biUaires et lymphatiques 
chez les choUriques^, Eine andere Reihe von Abhandlungen ist, in der Gaz. m6d. 
de Strasbourg (1848, 50, 52 etc.) enthalten und handelt von der Desinfection der 
Senkgruben in Strassburg, ferner: „De la provocation de Vavortement au point de 
vue moral et religteux^ ; auch finden sich darunter filoges auf G. Mazüriee und 
G. TOUBDES und die während der Dauer seines Decanates von ihm erstatteten 
Jahresberichte der medicinischen FacultHt. 1857 trat C. in den Ruhestand und zog 
sich nach Oberbruck (Haut-Rhin) zurück, wo er bis zu seinem am 25. April 1875 
erfolgten Tode sich der Behandlung der armen Kranken widmete. 

Dechambre, XXII, pag. 297. G. 

*Coze, L6on C. , Sohn des Vorigen, Professor der Materla medica und 
Therapie an der medicinischen Facultät zu Nancy, früher an der zu Strassburg, 
wurde 1842 am letztgenannten Ort Doctor mit der These „Du rectocUe vaginal 
et des Operations proposies paar sa eure radicale^ (av. 1 pl.), veifasste 1853 
die Concurs - These : „Histoire naturelle et pharmacologique des mSdicaments 
narcotiques fournis par le rhgne vegdtal" (4. av. 3 pl.) und „Recherches cliniques 
et expSrimentales sur les maladies infectteuses 4tudi^es spicialement au point 
de vue de VStat du sang, et de la prSsence des ferments^ (Paris 1872, av. 6 pl. 
color.), nachdem er zusammen mit V. Feltz 4 M6moires (das letzte 1879) über 
denselben Gegenstand herausgegeben hatte. Ganz neuerdings erschienen (in Ver- 
bindung mit Simon): „Recherches .... sur Vaction . , . , du muguet (convallaria 
majalis) et de la digitale^ (Bull. g6n. de th6r. 1883). 

Index-Catalogue, III, pag. 465. G. 

Coze , F.-M. C. , von dessen Lebensschicksalen nur wenig bekannt ist, 
wurde 1817 zu Strassburg Doctor, ging darauf nach Paris, wurde später der 
französischen Gesandtschaft am russischen Hofe in St. Petersburg attachirt und 
blieb daselbst bis zum Jahre 1832. Es findet sich eine Anzahl von Aufsätzen von 
ihm im Journ. univ. des sc. m6d. (1819, 20, 21), über „cataracte noire" und 
^goutte sereine", Operation der Cataract, über Nux vomica, über Krebsgeschwülste 
der Nerven, Resorption der Linse u. s. w. — C. war später zu Saint-Omer Arzt des 
Givilhospitals und schrieb einen Aufsatz: „Da nombre des m^dedns en Russie 
(tiri des souvenifs d'^un vieux mddedn, etc.)^ (Gaz. m6d. de Strasbourg, 1855). 
Er starb 1867. 

Dechambre, XXII, pag. 298. — Callisen, IV, pag. 386 G. 

Craanen, Theo dorn s C. , wurde im Jahre 1620, wahrscheinlich in 
s'Hertogenboseh geboren. Er soll erst in Utrecht unter RegiüS Philosophie und 
dann unter Sylvius in Leyden Medicin studirt haben und daselbst zum Dr. med. 
promovirt sein. Er übte die ärztliche Praxis in Duisburg aus, später wurde er 
Prof. phil. an dem Athenaeum illustre zu Nimwegen und 1670 , nach dem Tode 
DE Raei's, als Prof. ordin. philos. nach Leyden gerufen. Aus der Notiz des 
Lections-Kataloges : „Physicam et postea naturam hominis ex prineipiis mechanicis 
interpretabitur" geht hervor, dass C. ein warmer Anhänger von Descartes' Lehre 
war. Dies gab auch bereits 1673 Anlass, dass das Curatorium, vornehmlich auf 
Anklage seines theologischen Collegen Spanhe]M, ihn seines Amtes entsetzte, ihn 
jedoch für den 1672 verstorbenen Sylviüs zum Prof. med. ernannte, obgleich ihm 
der Unterricht an dem Collegium practico-medicura nicht aufgetragen wurde vor 
dem Jahre 1683, als diese nützliche Stiftung des Sylvius schon drei Jahre ganz 
in Verfall gekommen war. Auch als praktischer Arzt blieb er den CARTESi'schen 
Lehren treu und wandte sie auf Pathologie und Therapie an. Im Jahre 1686 



100 CRAANEN. - GRAMER. 

ging er als Leibarzt des Kurfürsten von Brandenburg nach Berlin, wo er 1690 
starb. Sein Schüler Bernaed Albinus nannte ihn, wie Bokrhaavb erzählt, einen 
Mann von viel Vernunft mit einem grossen Rednertalent und aus C/s „Lumen 
rationale medicum seu praxis medica reformata^ geht hervor, dass er sieh 
auch zu der chemiatrischen Theorie des Sylviüs bekannte. Da er für seine 
pharmakologischen Vorlesungen die „Instituttonea medicinae^ des abergläubischen 
D. SennertüS benutzte, so war er auf diesem Gebiete gewiss nicht in üeberein- 
stimmung mit dem an Allem zweifelnden CartesiüS. q j. Danisls. 

Graig, James C, schottischer Arzt, studirte in Edinburg, wo er einer 
der* Lieblingsschüler von George Bell und während mehrerer Jahre sein Assistent 
war. Er war Chirurg der Royal Midlothian Yeomanry und übte 40 Jahre lang 
die Praxis zu Ratho bei Edinburg aus. 1868 gab er die Praxis auf und wohnte 
in Edinburg. Von seinen literarischen Arbeiten sind zu nennen: „The law of 
the coroner; and on medical evidence in the preliminary investigation of cri- 
minal cases in Scotland" (Edinb. 1855) ; ausserdem mehrere Aufsätze im Edinb. 
Med. Journ. (1827, 35, 36), darunter: „Hiatory of a case of spectral illa- 
sions etc,^ u. s. w. Er starb am 20. Februar 1880 im Alter von 80 Jahren. 

Dechambre, XXV, pag. 349. G. 

Craigie, David C, zu Edinbui'g, war in der Parochie von North Leith 
bei Edinburg am 6. Juni 1793 geboren, wurde 1816 zu Edinburg Doctor, begann 
bald darauf Anatomie zu lehren, wurde Arzt am Royal Public Dispensary, trat 
1820 in die Redaction des von Andrew Ddncan 1805 gegründeten und ihm 
gehörenden Edinburgh Medical and Surgical Journal zusammen mit Christisox 
ein, blieb mit Letzterem bis 1832 in der Redaction zusammen und übernahm von 
da an allein dieselbe des in seinen Besitz übergegangenen Journals. In demselben 
erschien (von 1822 — 1845) eine grosse Reihe seiner Arbeiten, namentlich: „On the 
pathological anatomy of the human brain and its niembranes^ — „Observations, 
pathological and practical on whitlow** , ausserdem über einen Fall von Ileus 
durch einen grossen Gallenstein, die Missbildung einiger Knochen des Skelets u. s. w. 
Er schrieb ferner: „Elements of gener al and patfioloyical anatomy etc,** (Edin- 
burg 1828; 2. Aufl. 1848), wurde 1833 Physician an der Royal Infirmary und 
begann von da an, ausser über theoretische Medicin, auch klinische Vorträge zu halten 
und klinische Berichte zu veröffentlichen. 1846 legte er diese Stellung nieder und 
wurde Honorary Physician, 1861 auch Manager der Infirmary. Er verfasste ferner : 
„Elements of the practtce of physic^ (2 Bde., 1836), sein Hauptwerk, das aber 
nicht die verdiente Verbreitung fand. Seine ungünstige Gesundheit nöthigte ihn, 
von 1846 an lange Zeit jede praktische Thätigkeit zu unterlassen, jedoch führte 
er die Redaction seines Journals weiter, bis dasselbe 1855 mit dem „Monthly 
Journal of Medicine" zu dem „Edinburgh Medical Journal" vereinigt wurde. Er 
fungirte in den späteren Jahren noch als Examinator beim College of Physicians 
und bei der Universität von St. Andrews, wurde 1861 zum Präsidenten der erst- 
genannten Corporation erwählt und starb am 17. Mai 1866, indem er einen höchst 
geachteten Namen als Forscher hinterliess. 

Edinburgh Medical Journal. Vol. XII, 1, 1867, pag. 188. G. 

Gramer. Der Vater Gabriel C. , geboren am 24. März 1641 in Genf, 
Sohn eines Strassburgers , studirte in Strassburg, promovirte daselbst 1664 und 
starb als Arzt in Genf am 15. Juni 1724. Schriften: „Theses anatomicae totam 
anatomtae epitomen complectentes" (Strassburg 1663) — „De obstructione 
hepatis" (Daselbst 1664). — Der Sohn, Johann Isaac C. , Dr. med. 1696, 
publicirte zu Genf 1709 einen „Thesaurus secretorum curiosorum, 

BeMe in Biogr. univ. W. Stricker. 

Gramer, Antonie C. , im Jahre 1822 zuWinschoten geboren, studirte 
an der Universität Groningen und promovirte daselbst 1844 mit einer Dissertatiou : 



GRAMER. — CRAMPTON. 101 

„De morbo Brightii^, Mitglied der Redaetion der „Tijdschrift der Nederl. Maat- 
sehappij tot bevordering der geneeskunde^ lieferte, C. in deren erstem Jahrgang (1850) 
eine sehr interessante Abhandlang über „Asthma convulstvum adultorum^ und 
begann 1851 seine „Mittheüungen aus dem Gebiete der Ophthalmologie*^ zu 
liefern, in denen er die Lage der Iris urfd das Orthoskop von Czermar behandelte. 
Der „Hollandsche Maatsehappij van Wetenschappen" in Haarlem sandte er auf eine 
Preisfrage über das Aecommodationsvermögen der Augen eine doppelt gekrönte 
Arbeit ein, in welcher er mit Recht sagen konnte: „Wtj zijn den experimen- 
telen weg gevolgd en hebben resultaten verkregen waar doar de leer van het 
Accomodatievermogen uit de Hj der hypothetische beschouwingen tot eene 
pomtieve wetenschap is opgevoerd". Stellwag vox Carion schrieb bei C/s, im 
32. Lebensjahre, im Januar 1855 erfolgten Tode demselben einen Platz in der 
ersten Reihe der Männer, welche sich um die Ophthalmologie verdient gemacht 
haben, zu und stellte C.'s Ophthalmoskop neben das von Helmholtz. 

C. E. Daniels. 

* Gramer, Heinrich C. , am 17. December 1831 geboren, studirte in 
München, Würzburg, Prag, Wien, Zürich bis zw seiner 1860 erfolgten Promotion. 
Seit 1856 approbirt, fungirte er als Assistent an den Irrenanstalten Pickberg und 
St. Pirmingsberg ; als Director der Anstalten zu Soloturn, Cöln und Marburg. Seit 
1877 lehrt er hier als Professor der Psychiatrie und verfasste eine Reihe organi- 
satorischer und klinischer Arbeiten. ße^ 

Crampton, Sir Philip C, zu Dublin, berühmter Chirurg, war daselbst 
am 7. Juni 1777 geboren, wurde ein Schüler von Solomon R(CHARDS, war StafF 
Assistant-Surgeon zur Zeit der französischen Invasion 1798, wurde darauf Surgeon 
am Meath Hospital, ehe er sein 21. Jahr vollendet hatte und errichtete, in Ver- 
bindung mit Peter Habkan, der das anatomische Departement übernahm, die 
erste private Schule für Anatomie und Chirurgie in Dublin, indem er selbst über 
Physiologie, Pathologie und Chirurgie las. Seine ersten literarischen Arbeiten waren 
eine Schrift: „An essay on the entropeon, or Inversion of the eyelids" (London 
1805 ; 2. Aufl. 1806) und ein Aufsatz (in Thomson's Annais of Philos. , Bd. I, 
1813), in welchem er ein von ihm im Auge der Vögel entdecktes, für die Accommo- 
dation desselben auf verschiedene Entfernungen bestimmtes Organ, den später nach 
ihm benannten „Musculus Cramptonianus", näher beschrieb. Er beschäftigte sich 
aber auch mit der Behandluug der äusseren Aneurysmen und verfasste darüber 
einen grösseren Aufsatz : „An account of a new method of operating for the 
eure of extemal aneurism; .... experiments illustrative of the effects of the 
different methods of procuring the obliteration of arteries^ (Med.-Chir. Transact. 
Bd. VU, 1816); es erschienen femer in den Dublin Hospital Reports (1818, 22, 27) 
mehrere Aufsätze , z. B. über Periostitis, die Application von Blutegeln an inneren 
Flächen, die Resection cariöser Grelenke, über partielle Resectionen des Unter- 
kiefers u. s. w. ; berichtete ferner (1828) über eine von ihm ausgeführte Ligatur 
der Art. iliaca communis wegen eines Inguinal - Aneurysma. Er wurde auch 
Surgeon des Lock Hospital, legte diese Stelle aber nieder, als er zum Surgeoii- 
General to the Forces in Ireland ernannt wurde; er war auch Surgeon in 
Ordinary to the King und erhielt 1839 die Baronetwürde. — Als enthusiastischer 
Sportsman war er ein kühner Operateur, dabei aber auch ein scharfer Diagnostiker, 
vorzüglicher Lehrer und unermüdlicher Arbeiter, sowohl im Meath Hospital, dem 
er 40 Jahre lang angehörte , als auf dem Gebiete der Zoologie , wMche Arbeiten 
ihm die Mitgliedschaft der Royal Society und wiederholt die Präsidentenwürde 
der Zoological Society und des College of Surgeons eintrugen. Er starb am 
10. Juni 1858, nachdem er sich bereits einige Zeit aus der Praxis zurück- 
gezogen hatte. 

Med. Times and Gaz. 1858, I, pag. 636. — Dublin Quart. Jouru. of Med. Sc. Vol. 3:^, 
1862, pag. 247. — Callisen, IV, pag. 394: XXVII, pag. 175. Gurlt. 



102 CRANTZ. — CRAUSE. 

Crantz, Heinrich Johann Nepomuk von 0., geboren am 24. No- 
vember 1722 in Luxemburg, einer der fähigsten Schüler van Swieten's, wurde 
auf des Letzteren Verwendung von Maria Theresia im Jahre 1750 zu seiner 
vollständigen geburtshilflichen Ausbildung nach Paris und London geschickt, um 
dereinst dieses Fach im eigenen Vateriande zu lehren. Er lag in den beiden 
genannten Städten durch 4 Jahre hindurch seinen Studien unter Leveet, Püzot u. A. 
ob und erhielt 1754 den neugegrDndeten Lehrstuhl der Geburtshilfe an der Wiener 
Universität. Er verfasste ein für seine Zeit vortreffliches Hebammenlehrbuch: 
„Einleitung in eine wahre und gegründete Hebammenkunst^ (Wien 1756, 8.), 
verbesserte das österreichische Hebammenwesen, suchte aber zugleich auch gute 
Geburtshelfer heranzubilden. Mit aller Macht trachtete er Vorurtheile, «owie fehler- 
haftes Verfahren zu bekämpfen und eiferte gegen voreilige Eingriffe, indem er 
auf die thätige Naturhilfe bei der Geburt hinwies. Er war ein Feind der zu 
seiner Zeit missbräuchlich angewendeten scharfen Instrumente und scheute sich nicht 
nach dieser Richtung hin selbst Rödeher in Göttingen hart zu tadeln : ;, Comment, 
de instrument. in arte obatetr, etc," (Nov. act. n. cur. Tom. I, Novemb. 1757, 
4. App., pag. 73). Ein grosser Freund der LEVRET*schen Zange, suchte er deren 
Vortrefflichlseit in das hellste Licht zu setzen. Seine Arbeit über den Riss der 
Gebärmutter („Comment. de rupt, in part, dolor, a foet, ut.^ [Leipzig 1756, 8.]) 
fand hohe Anerkennung und T^iirde sogar in das Französische übersetzt. C. trug 
viel zur damaligen Blüthe der Wiener medicinischen Facultät bei und zog zahl- 
reiche fremde Schüler nach Wien heran. Nach Störk des Aelteren Tode 
übernahm er dessen Lehrkanzeln für Physiologie sowie Materia medica und über- 
liess die seine Valentin Febd. Lebmacher. Aber auch in seiner neuen Stellung 
leistete er Vorzügliches. In dieser schrieb er ein sehr geschätztes Werk über 
Materia medica, eines über Gesundbrunnen, endlich eines über Botanik. Bald nach 
1770 zog er sich von seiner öffentlichen Stellung zurück und starb im Jahre 1799. 

ßaldinger, Biographien. 1772, S.^pag. 32. — Heck er, Gesch. der neueren Heilk. 
1839, 8m pag. 353. — Siebold's Gesch. der Geburtsh. Bd. II, pag. 431. 

Klein Wächter. 

Xlrato V. Kraflftheim, Job. v. Krafftheim (ursprünglich Keafft), 
geboren am 20. oder 22. November 1519, gestorben am 19. October 1585, aus 
Breslau, einer der angesehensten deutschen Praktiker seiner Zeit, studirte zuerst 
in Wittenberg 6 Jahre lang Theologie, dann, auf Luther's Zureden, Medicin. Er 
beendigte seine Studien in Leipzig und Padua, wurde zweiter Stadtarzt in Breslau, 
wo er sich um die Verbesserung des Apothekerwesens, namentlich aber durch 
seine aufopfernde Thätigkeit in der Pestepidemie des Jahres 1583 grosse Ver- 
dienste erwarb. Indessen veranlassten ihn Zwistigkeiten mit den Aerzten und die 
Streitigkeiten auf kirchlichem Gebiete, im Jahre 1563 einem Kufe als Leibarzt 
Kaiser F erdin and's I. nach Wien zu folgen. Er bekleidete diese Stelle mit 
kurzen Unterbrechungen auch bei den Kaisem Maximilian und Rudolph VL 
und fand durch dieselbe reiche Gelegenheit, der Sache des Protestantismus wichtige 
Dienste zu leisten. Im Jahre 1582 zog sich C. auf sein Landgut Rückers bei 
Reinerz, im Jahre 1583 nach Breslau zurück, wo er zwei Jahre später starb. — 
Unter seinen Schriften ist hervorzuheben: „Methodus therapeutica ex sententiis 
Galeni et J, B, Montani^ (Basel 1555, 8.). — Am wichtigsten sind die nach 
C.'s Tode erschienenen: „Consiliorum et epistolarum inedicinalium libri VIL** 
(Frankfurt 1589 f.; zaletzt 1671, 8.), — Eine sehr grosse Zahl von an C. gerich- 
teten Briefen verwahrt die Breslauer Stadtbibliothek. 

Vgl. Gillet, Crato von Krafftheim und seine Freunde. Ein Beitrag zur Kirchen-' 
geschichte. Frankf. a. M. 1860, 8., 2 Bde. H. Haeser. 

Grause, Rudolf Wilhelm C, geboren 1642 zu Naumburg, gestorben 
1718 zu Jena als Professor der Medicin, Philosophie und Chemie, verfasste ver- 
schiedene Schriften botanischen und chemischen Inhalts. 

Biogr. univ. W. Stricker. 



CRAWFORD. — CREDE. 103 

Crawford, Adair C, 1749—1795, war Arzt des Londoner St. Thomas- 
Hospitals und Chemieprofessor in Woolwich. Sein Nachruhm beruht auf seiner 
Theorie über die Entstehung der thierischen Wärme, die sich in dem Werke: 
„JEoepertments and observattons on animal heat and the inflammation ofbodies etc,^ 
(London 1779, 1788) niedergelegt findet. Auch über salzsauren Baryt bei Scro- 
phnlose, über die Einwirkung der Kälte auf den menschlicheu Körper etc. schrieb 
Adair C. ausserdem. — Von seinem jüngeren Bruder Alexander C. besitzen 
wir ein posthumes Werk: „An expertmental mquiry into the effecta oftonics .... 
on the coheston of the animal fihre^ (London 1817). 

Dict. bist. II. Red. 

Crigut, Friedrich Christian C., Sohn eines französisch-reformirten 
Geistlichen zu Hanau, geboren am 13. Februar 1675, gestorben 1758, promovirte 
1696 zu Basel, war zuerst Arzt und Professor der Physik am Gymnasium zu Hanau, 
dann Physicus, Rath und Leibarzt daselbst. Er schrieb über Kinderkrankheiten, 
stellte^ ein neues System der Mediein auf, lieferte 1737 eine Bibliographie der 
Anthropologie und gab das Werk von Magati: „De medicatione vulnerum" 
(Nürnberg 1733) heraus. 

Biogr. univ. \V. Stricker. 

*Crede, Vater und Sohn. — Karl Siegmund Franz C, zu Leipzig, 
ist am 23. December 1819 zu Berlin geboren, studirte von 1838 an zu Berlin 
und Heidelberg Mediein, erwarb 1842 in Berlin den Doctorgrad, unternahm darauf 
eine grössere wissenschaftliche Reise, war von 1843 — 48 Assistenzarzt in der unter 
Bdsch's Leitung stehenden Berliner geburtshilflichen Klinik, habilitirte sich 1850 
als Privatdocent für Geburtshilfe an der Universität und wurde 1852 zum Director 
der Berliner Hebammenschule und zum dirigirendeu Arzte der Gebärabtheilung sowie 
einer von ihm begründeten gynäkologischen Abtheilung der Charit^ ernannt. Sein 
in diese Zeit fallendes Hauptwerk ist: „Klinische Vorträge über Oeburtshilfe" 
(2 Bde., Berlin 1853—54). Im Herbst 1856 folgte er einem Rufe als Prof. ord. 
der Geburtshilfe und Director der Entbindungsanstalt und Hebammenschule nach 
Leipzig, woselbst er nach seinem Amtsantritte eine geburtshilfliche und gynäko- 
logische Poliklinik gründete und auch eine Abtheilung für Frauenkrankheiten in 
der Gebäranstalt einrichtete, 1860 erhielt er den Titel als Hofrath, 1870 den als 
Geh. Medicinalrath. Ausser dem genannten Werke und ausser akademischen 
Gelegenheitsschriften veröffentlichte er eine grosse Anzahl von Abhandlungen über 
einzelne Gegenstände seiner Wissenschaft in den Verhandlungen der Gesellschaft 
für Geburtshilfe in Berlin, der Neuen Zeitschrift für Geburtskunde, der Monats- 
gehrift für Geburtskunde und Frauenkrankheiten, im Archiv für Gynäkologie. und 
anderen Zeitschriften. Von 1853 — 1869 redigirte er die Monatsschrift für Geburts- 
kunde, von 1870 ab das Archiv fiar Gynäkologie. Das im Königreich Sachsen 
amtlich eingeführte, von Geenser verfasste „Lehrbuch der HebammenkunM^ 
wurde von ihm und Wikckel (3. Aufl., Leipzig 1882) neu bearbeitet. 

Sein Sohn, Benno C, zu Dresden, ist am 1. September 1847 zu Berlin 
geboren, erhielt seine medicinische Ausbildung auf den Universitäten Leipzig und 
Zürich, wurde 1870 in Leipzig Doctor, machte den Feldzug von 1870/71 mit, 
unternahm darauf eine einjährige wissenschaftliche Reise, war 3 Jahre lang Assistent 
an der Leipziger chirurgischen Klinik , sowie Militärarzt in der sächsischen Armee. 
Seit 1877 in Dresden lebend, gegenwärtig Stabsarzt a. D., hat er eine chirurgische 
Privatklinik eingerichtet und ist seit 1878 als Lehrer für klinische Chirurgie und 
seit 1882 auch für den Operationscursus bei den militärärztlichen Cursen angestellt. 
Von seineu wissenschaftlichen Arbeiten sind anzuführen: Die Aufsätze über den 
Tornister der ' englischen Armee (Deutsche militärärztl. Zeitschr. 1873), über die 
Ventilation u. s. w. des Parlamentsgebäudes (Deutsche Zeitschr. ftlr öffentl. Gesund- 
heitsk. 1874), über Jute und Borsäure als Verbandmittel (Berliner klin. Wochenschr. 
1875, 77) — „Einiges über Fieber nach antiseptischen Operationen^ (Centralbl. 



104 CREDE. — CRESSWELL. 

für Chir. 1877) — „Ueher chirurgische Behandlung der UiMasin der Niere^ 
(Deutsche Zeitschr. für prakt. Med. 1878); ferner über Total-Exstirpation des Uterus, 
der Milz, des Kropfes, eiue Nephrectomie wegen Ureter-Uterusfistel , Dehnung des 
3. Trigeminusastes an der Schädelbasis (im Centralbl. für Chir. 1878, Archiv für 
Gynäkol. 1879, 80, 83, Archiv für klin. Chir. 1882, Verhandl. der Deutschen 
Gesellsch. für Chh-. 1880, 84) u. s. w. 

Brockhaus, Conversations-Lexikon. 13. Aufl., Bd. IV. pag 663. G. 

Crell, Johann Friedrich C, des berühmten Schriftstellers Ludwig 
Christian C. Sohn, 1707 — 1747, studirte in Leipzig bis 1732, dem Jahre 
seiner Promotion, lehrte bis 1741 in Wittenberg und von da bis zu seinem Tode 
Anatomie, Physiologie und Pharmacie in Helmstädt. Aus der grossen Keihe seiner 
an den Orten seiner Wirksamkeit in Druck gegangenen Schriften seien hervor- 
gehoben : „Düsertatio de motu synchrono auriculorum et ventriculorum cordü^ 
(Wittenberg 1740) — „Dtssertatio de functione partium solidarum et fl\ii- 
darum^ (Daselbst gleichzeitig) — yj Dtssertatio de glandularum in co^cas et 
apertas distincttone^ (Helmstädt 1741) — „Dissertatio de anatomes viventium 
necessitate^ (Daselbst 1742) — „Dissertatio de causis respirationem vitalem 
cientibus^ (Daselbst 1743) — ^IXssertatio de ossibus sesammdiis^ (1746). 

Crell, Karl Justus Ludwig C, aus Braunschweig, 1772 — 1793, ist nur 
der Unterscheidung von dem Obigen wegen anzuführen als Verfasser einer Commentatio 
über Diätetik mehrerer Aufsätze in F.-L.-F. CaELL*s chemischen Annalen und einer 
„Commentatio de optima extracta parandi methodo etc." (Göttingen 1793). 

Biogr. mid. III. Red. 

Creplin, Friedrich Heinrich Christian C, 1788 — 1863, entfaltete 
seine medicinische Thätigkeit mehr in früheren Lebensstadien, als er zu Greifswald 
unter Rcdolpht, Haselbeeg und Weigel, später in Berlin unter Mürsinna und 
Feiedländer studirte, mit der Dissertation ; „Änimadversiones in respirationein 
hominis et animalium" (lÖH) doctorirte und in Wolgast bis 1830 als Arzt 
thätig war. Später als Assistent der naturwissenschaftlichen Lehranstalten in Greifs- 
wald und von 1853 ab daselbst als Conservator des zoologischen Museums, widmete 
er sich ganz der Bearbeitung der niederen Thierclassen, speciell der Entozoen und 
erwarb sich neben dem Ruhme eines ausserordentlich glücklichen Sammlers den 
eines der berühmtesten Helminthologen seiner Zeit. 

Allgem. Deutsche Biogr. lY. Red. 

Grescenzi, Francesco C. , Arzt aus Palermo, gestorben zu Beginn des 
17. Jahrhunderts, ist der Verfasser von ^De morhis epidemicis qui Panormi 
vagahantur anno 1575, seu de peste ejusque natura et praecautione tractatus" 
(Palermo 1624). Ungar. 

Crescenzi, Nicolaus C. (Crescenzo, auch Crescenzio), neapolitanischer 
Arzt aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts, bekämpfte energisch in Wort und 
Schrift die echauffirenden Heilmethoden des van Helmont und de le Bofi in den 
entzündlichen und fieberhaften Krankheiten und setzte an deren Stelle das kalte 
Wasser und das Eis. Vgl. : ;, Tractatus physico-medicus, in quo morborum expli- 
candorumy potissimum febrium, nova exponitur ratio" (Neapel 1711). xjnicer 

*CreS8WelI, Pearson Robert C, hauptsächlich im Middlesex HospitAl, 
und zwar bis 1859 ausgebildet und F. R. C. S. Edinb. 1873 , lebt in Merthjr- 
Tydvil und fungirt als Chief surgeon an den Dowlais-Eisenwerken, sowie als Ober- 
arzt am dortigen Fieberhospital. Seine schriftstellerischen Leistungen betreffen 
chirurgische Themata. Bereits 1868 (in der Lancet) legte er in seiner grössten 
Arbeit: „Treatment on gun-shot tcounds etc." eine auf antiseptische Principien 
gegründete Methode dar. Red. 



CRICHTON. — CRISP. 105 

CrichtolXi Sir Alexander C, zu St. Petersburg, war am 2. December 
1763 zu Edinburg geboren, kam zu einem Chirurgen daselbst in die Lehre, wurde 
1785 Doctor, studirte weiter in London, Leyden, Paris, von 1786 an in Stuttgart, 
Wien, Halle u. s. w. , Hess sich 1789 als Arzt in London nieder, übersetzte 
J. F. Blumenbach's „Essay on generaU'on'^ (London 1793), wurde 1794 Phy- 
sician des Westminster Hospital und hielt daselbst Vorlesungen über Chemie, Materia 
medica und praktische Medicin. 1798 erschien von ihm ein Werk: „ An inquirt/ 
into ihe nature and origtn of mental derangement, Gomprehending a concise 
systeni of the physiology and pathology of ihe human mind; etc." (2 Bde., 
London; deutsehe üebers. Leipzig 1798; 2. Aufl. mit j\nmerk. u. Zusätzen von 
J. C. HOFFBAUKR, Leipzig 1810; holländische Uebers. von L. Bicker, Rotter- 
dam 1802), durch welches er sich in weiteren Kreisen bekannt machte. Er wurde 
zum Leibarzt des Herzogs von Cambridge und 1804 des Kaisers Alexander 
von Russland ernannt, dessen Vertrauen er bald in dem Masse gewann, dass er 
nach einigen Jahren an die Spitze des Civil-Medieinal-Departements gestellt wurde. 
Er war wirkl. Staatsrath, General-Stabsarzt u. s. w. und machte sich besonders 
bei Tilgung der 1809 die südöstlichen Provinzen des russischen Reiches verheerenden 
Epidemien verdient, na^m Theil an der Redaction der Pharmacopoea paup. Petro- 
polit. fl807) und an der Herausgabe der „Russischen Sammlung für Naturwissen- 
schaft" (seit 1815). Er verfasste: „A synoptical table of diseases, exhibiting 
ihetr arrangement in classes, Orders, etc." (London 1805) — „An account of 
some experimerUs made with the vapour of boiling tar, in the eure of pul- 
monary consximption" (Edinburg 1817 ; französisch St. Petersburg 1817; deutsch 
Braunschweig 1819). 1819 kehrte er aus Gesundheitsrücksichten nach England 
zurück, erhielt von Georg IV. die Ritterwürde und schrieb noch: „Practical 
observations on the treatment and eure of several varieties of pulmonary con- 
sumption, etc." (London 1823) und „Commentaries on some doctrines of a 
dangerous tendency in medicine, and on the general principles of safe practice" 
(Daselbst 1842). Er starb in hohem Alter zu Sevenoaks, Kent, am 4. Juni 1856. 

Sein Nachfolger in St. Petersburg als Leibarzt, wirkl. Staatsrath u. s. w. 
war sein Neffe Sir William C, von welchem, ausser Aufsätzen in der Petersb. 
verm. Abhandl. der Heilk. , eine Schrift: „An account of the introduction and 
progress of the cholera-morbus in Bussia to the end of the year 1830, etc." 
(Med.-Chir. Review 1832) bekannt ist. 

Munk, II, pag. 416. — Callisen, IV, pag. 409; XXIII, pag. 178. G. 

GrinaSy Zeitgenosse des Nero, resp. des Thbssalus, kam nach Rom 
aus seinem Geburtsorte Massilia, -gewann grosses Vermögen mittelst astrologischer 
Medicasterei. Er wird von Plinics u. A. als potenter Gegner des Thessalus 
aufgeführt. Red. 

*Cripps, William Harrison C, bildete sich bis 1872 zu St. Bartho- 
lomäus-Hospital in London aus und wurde F. R. C. S. Eng. 1875. Nach vierjähriger 
AsBistententhätigkeit am St. Barth.-Hospital wurde er Surgeon an demselben und 
verfasste eine Reihe von Arbeiten über chirurgische Themen und glückliche 
Operationen. Seine Hauptarbeiten bezichen sich auf die operative Behandlung des 
Mastdarmkrebses und sind unter den betreffenden Titeln 1876 und 1880 erschienen. 
In dem Transact of the path. soc. (1881) gab er auch eine „Minute anatomy 
of adenoid rectal grawths", in den St. Barth, hosp. rep. (1882) eine Darstellung 
der „Malformation of rectum and anus", in der Lancet (1882) eine Mittheilung 
über „Polypus of the rectum". Bed. 

Grlsp. Unter den diesen Namen führenden Aerzten ist hervorzuheben 
Edwards C, welcher sich mit Physiologie und später mit Krankheiten der Gallen- 
blase und des Magens, sowie mit den Choleraepidemien der Jahre 1849, 1853, 
1854 und 1866 beschäftigte. Seine bemerkenswerthesten physiologischen Arbeiten 
sind: „A treatise on the structuve, diseases and injui-ies of the blood vessels" 



106 CRISP. — CBOCKER. 

(London 1847, mit dem Jacksonian-Preis 1844 gekrönt) und „Treatise on tke 
structure and use of the spieen etc." (London 1855). C. gab auch Anfangs der 
Fünfziger-Jahre das Statist. Journ. of pract. med. und den London med. Examiner 
heraus. — In dieser Eigenschaft ist er nicht zu verwechseln mit Frank C, 1879 
bis 81, Herausgeber des Joum. of the R. microscop. soc. Red. 

Grispo, Antonio C, sicilianischer Arzt aus Trapani, 1600 — 1688. — 
Seine Schriften rechtfertigen den grossen Ruf nicht, dessen er sich als Gelehrter 
und Arzt zu erfreuen hatte ; er wandte sich in den späteren Jahren seines Lebens 
von der Ausübung der Heilkunde ab und wurde Priester. Unger. 

Critchett, George C, zu London, berühmter Ophthalmolog, war 1817 
zu Higbgate geboren, war ein Zögling des London Hospital, wurde 1839 anato- 
mischer Prosector und später Surgeon bei demselben und trat fast vom Anfange 
seiner Laufbahn an mit dem London Ophthalmie Hospital in Verbindung, nacheinander 
als Assistant-Surgeon, Surgeon und Consulting Surgeon. 1870 wurde er Mitglied 
des Council des College of Surgeons, war Vice-Präsident der Ophthalmological 
Society und einige Jahre Ophthalmie Surgeon beim Middlesex Hospital. Er war 
besonders als sehr geschickter Augenoperateur bekannt und hat einige werthvoUe 
neue- Methoden in die Praxis eingeführt, so die Irido-desis und die in England 
gebräuchliche Methode der Enucleation des Auges. Unter seinen nicht sehr zahl- 
reichen literarischen Leistungen sind anzuführen seine in der Lancet (1854) ver- 
öffentlichten „Lectures on the diseases of the eye" , ein Pamphlet: „Operation 
for Strabismus bff the subconjunctival method", eine gehaltreiche Abhandlung über 
Linearextraction der Cataract (1864) und ein Aufsatz über die Behandlung der ober- 
flächlichen Affectionen des Auges (1873). Sein Tod erfolgte am 1. November 1882. 

British Medical Journal. 1882, II, pag. 921. G. 

*Critchett, George Anderson C, des Vorigen Sohn, studirte in Canter- 
bury 1 867—1873 und wurde 1872 M. R. C. S. Eng. Er erwählte die Ophthalmiatrie 
als Specialfach und schrieb, als Cons. opth. surgeon früher am Royal Free Hospital, 
jetzt am St. Mary's Hospital und einigen anderen, über „Inoculaiion in Ophthalmie 
practice" (Med. Exam. 1876) — „lieber Atropinanwendung ziir Correctur von 
Refractionsirrthümern" (1880) — „Behandlung der angeborenen Cataract" (1882) 
und Aehnl. Auch gab er ILarten zur Bestimmung des Sehfeldes heraus. Red. 

'^Croce, GiovanniAndrea della C. (de Cruce, a Cruce, Crucejüs), 
war aus Venedig gebürtig, wo er um 1560 mit grosser Auszeichnung die Chirurgie 
ausübte. Seine Schriften sind : „Chirurgiae libri septem" (Venedig 1573, fol.) — 
yyChirurgiae universalis opus absolutum. etc." (Venedig 1573, fol. ; 1596), auch 
in 's Italienische übersetzt als „Cirurgia universale e perfetta di tutte le parti 
pertinenti alV ottimo chirurgo" (Venedig 1574, fol. ; 1583; 1603; 1605); 
deutsche üebers. von Peter UFFE^'BACH u. d. T. : „Officina aurea, das ist, 
güldene Werckstatt der Chirurgy oder Wundt Artzney u. s. w," (Frankf. a. M. 
1607). Dieses Werk enthält eine Menge werthvoller eigener Beobachtungen, berück- 
sichtigt aber auch gebühren dermassen die Leistungen der Griechen und Araber. 
Besondere Beachtung erfahren die Verletzungen, auch die durch Schusswaffen ent- 
standenen; namentlich ist die Trepanation ausführlich abgehandelt und sind alle 
bei derselben vor und zu seiner Zeit gebrauchten Instrumente abgebildet. 

Brambilla, T. II, P. 2, pag! 196. — Dict. bist. I, pag. 889. Gurlt. 

Croce, Vinoenzo della C, bekannter als Alsario della C, 
s. Bd. I, pag. 113. 

*Crocker, Henry Radcliffe C, wurde 1875 in London zum Med. Dr. 
promovii-t und M. R. C. P. Lond. 1877. Er bekleidete Assistenzstellen an ver- 
schiedenen Hospitälern der Hauptstadt und machte sich bekannt durch die „Minute 
anatomy of dysidrosis" (zusammen mit TiLBüRY Fox in den Pathol. transaet. 
1878) — die „Histology and pathologie of morphoea" (Ebenda 1880). Vorher 



CROCKEB. — CROONE. 107 

mehrere therapeutische Mittheiluogen , so: r^^^y araroha poicder and chryso- 
phanic acid in the tre'atment of ringworm'^ (Laneet 1877) — „Lectures on 
true liehen^ (Ebenda 1881) — „Thymol in the treatment of tkin diseases" 
(Biit. med. JoTum. 1878) etc. Ke^ 

*Crocq, Jean C, zu Brüssel am 23. Januar 1824 geboren, ist üniver- 
sitätsprofessor zu Brüssel, Leiter der inneren Klinik am dortigen Hospital St. Jean, 
Mitglied de« belgischen Senates, Vorsitzender mehrerer belgischer und Mitglied sehr 
vieler auslandischer Gesellschaften. Seine Arbeiten beziehen sich — wie die über 
Fracturen (1849), Tumor albus (1853), Behandlung der Gelenkleiden (1856), 
Abscessbehandlung (1873, sämmtlich in Brüssel erschienen) — mehr auf chirurgische 
Themata, theils auch auf solche der Veterinärmedicin, so z. B. : „De la percussion 
et de auscultation , appliquies aux maladies de poitrine du cheval" (Brüssel 
1851), über epizootische Pleuropneumonien (1856 — 1857) etc. — und der inneren 
Klinik (über Typhus 1849, Anwendung des Silbemitrats 1858, Lungenanthrakose 
1862, metastatische Parotitiden 1874 etc.). Auch erschienen von ihm; yyCompte 
rendu gSnSral des travaux etc. [1841—1866]'' (Brüssel 1867 und Brüssel 1875): 
„Louise Lateau devant la physiologie et la patkologie" . Das Buch C.'s über 
Fracturen wurde von Bubgeb, das über die Auscultation und Percussion beim 
Pferde von Kreutzer deutsch herausgegeben. ^j^^ ^j^^ Corput. -- Red. 

* Croft, John C, vollendete seine Studien am St. Thomas-Hospital 1^54 
und wurde F. R. C. S. Eng. 1859. Ausser am St. Thomas-Hosp. war er auch längere 
Zeit an anderen Anstalten thätig, so als Cons. surgeon am Magdalenen- Hospital, 
Hounslow cott.-Hospital und an dem Seemannsspital „Dreadnought". Er hat eine 
Reihe von Arbeiten, besonders chirurgischen Inhalts, geschrieben, darunter eine 
hervorzuhebende über die chirurgische Bedeutung des Delirium ti'emens (St. Thomas 
Hospital reports 1870) sowie neuerdings : „Exctsion of hip-Joint» 47 cases*^ (Clin. 
80C. transact. 1880) und „Tubercular disease of joints^ (Path. soc. trans. 1881). 

Red. 

CroU, Oswalde, 1580 — 1609, Leibarzt des Fürsten Christian von 
Anhalt-Bemburg , war ein begeisterter Paracelsist, der über manche Arzneimittel 
und Compositionen , die seinerzeit in Ansehen standen , Aufschlüsse gab (Calomel, 
Tartarus vitriolatus, Knallgold etc.). Sein Werk: „Basilia chymica" wurde zuerst 
in Frankfurt 1608, dann sehr häufig (18mal) und in sämmtlichen Cultursprachen, 
zuletzt London 1670 aufgelegt. Sein „ Tractatus de signaturis" erschien Leipzig 1634. 

Allgem. Deutsche Biogr. IV. — Biogr. med. III. Red. 

*Croly, Henry Gray C, zu Dublin, erhielt seine medicinische Ausbil- 
dung an dortigen Anstalten 1854—1857, wurde M. R. Q. C. P. Irel. 1881 und 
fungirte 16 Jahre als Surgeon und Lehrer der operativen Chirurgie am Dublin 
Hospital , sowie gleichzeitig (20 Jahre) als Surgeon des Armen-Instituts. Seine 
Arbeiten (sämmtlich im Dublin quart. Joum. of med. sc. publicirt) betreffen chirur- 
gische Themata, resp. bemerkenswerthe gelungene Operationen. Red. 

Cronenburglus, Bernhard C, s. Dessen. 

Groone, William C. , zu London , war daselbst geboren , erhielt seine 
Erziehung in Cambridge, wurde dort 1659 Professor der Rhetorik am Gresham 
College und 1663 Doctor der Medicin. Nachdem er Mitglied des College of Phy- 
sicians geworden, bekam er 1670 eine Anstellung als Docent der Anatomie bei 
der Surgeon's Hall in London und starb am 12. October 1684. An schriftstellerischen 
Arbeiten sind von ihm nur eine Abhandlung: „De ovo** (Philos. Transact.) und 
eine kleine Schrift: „De ratione motus musculorum'* (Amst. 1676) bekannt. 
Dagegen lebt sein Gedächtniss fort in den von ihm gestifteten, beim Royal College 
of Physicians und bei der Royal Society zu haltenden und noch heute seinen 
Namen tragenden Vorlesungen. 

Munk, I, pag. 369. G. 



108 CR03BY. — CROWTHER. 

Crosby. Aus der Reihe verstorbener und lebender amerikanischer Aerzte, 
welche den Namen C. führen, sind hervorzuheben: Dixi C, 1801 — 1873, der 
1854 wegen der Exarticulation der Schulter incl. der Scapnla und drei Vlüfeln 
der Clavicula vor dem Windsor county court einen Process zu bestehen hatte — 
und dessen Sohn Alpheus Benning C. , welcher in einer 1875 erschienenen 
Monographie den vollständigen Bericht über den Hergang dieser Operation, ausserdem 
jedoch noch eine Reihe von Gelegenheiteschriften, Adressen etc. und eine medicinische 
Geschichte von New-Hampshire publicirte (Nashau 1870). Sein Geburtsjahr war 
1832, sein Todesjahr 1877. Ked. 

Crosse, John Green C, zu Norwich, verdienstvoller Chirurg, war 1790 
zu Stowmarket geboren, machte seine Studien zu London im St. George's Hospital 
und in der anatomischen Schule von Windraill Street, war einige Zeit lang anato- 
mischer Prosector bei der Dubliner Universität, unternahm 1814, 15 eine Reise 
nach Frankreich, besuchte namentlich Paris und Montpellier und veröffentlichte 
darüber „Sketches of the medical schools of Paris, .... and exhibiting the 
actual State of medical Instruction in the French metropolis^ (Glasgow 1815, 
mit 2 Tf. ; französ. üebers. von Elte Revel, Paris 1820). Er Hess sich darauf 
in Norwich nieder und schrieb, ausser verschiedenen Aufsätzen in TflOMSOX*s 
Annais of Philos. (1815, 16) und im Lond. Med. Repository (1817): „Ahistory 
of the variolous epidemic which occurred in Korwich, in the year 1819, etc,"^ 
(London 1820). 1823 wurde er im Norfolk and Norwich Hospital Assistaut- 
Surgeon, 1826 Surgeon und füllte diese Stellung eine lange Reihe von Jahren in 
hervorragender Weise aus, war namentlich als Lithotomist berühmt. lieber die 
Steinkrankheit publicirte er ein 1833 mit dem jACKSON'schen Preise gekröntes 
Werk: „A treatise on the formation, constituents and extr actum of the urinary 
calculus etc.^ (London 1835, 4. mit Tf.). W^eitere Schriften von ihm sind noch: 
„A memoir vpon the viethod of securely closing moist anatomical preparations 
preserved in spirits^ (Worcester 1836) — „77ie retrospective address vjyon 
medical science and litterature; delivered , . . at Manchester etc.*^ (Worcester 
1836) — „An essay, literary and practical, on inversio uteri" (Th. 1, London 
1845); auch gab er eine Biographie von Edw. Rigbie heraus, die dessen Schrift 
;,0n uterine haemorrhage" (6. Aufl. 1822) angehängt ist. Er wurde 1836 Mitglied 
der Royal Society in London und 1845 wurde ihm von der Universität St. Andrews 
die Doctorwürde verliehen. Seit der Gründung der Provincial Medical and Physical 
Association war er eines der eifrigsten Mitglieder derselben und 1846 ihr Präsident. 
Allgemein betrauert starb er am 9. Juni 1850. 

G. M. Humphrv in Provinc. Med. and Surg. Journ. 1850, pag. 609 f nicht zugäng- 
lich). — Dechambre, XXIII, pag. 406. — Callisen, IV, pag. 418; XXAai, pag 179. 

Gurlt. 

Growtlier, Bryan C. , zu London, war 1765 geboren, wurd^ 1793 
Surgeon der Bridewell and Bethlem Hospitals und war später am Bethlem und 
Middlesex Hospital. Er schrieb: „Practical observatioiis on the disease of the 
joints, commonly called white-swelling ; etc." (London 1797: 2. Aufl. 1808) — 
„Practical remarks on insanity, etc." (London 1807; 2. Aufl. 1811) — „New 
diseases, The rabies piratica ;....; also, the furor HippocraticuSj or graeco- 
mania, tcith its treatment" (London 1810). Er starb 1840. 

Dechambre, XXIII, pag. 584. — Callisen, IV, pag. 421. G. 

Crowtlier, Cabb C. , zu Wakefield, wurde 1793 zu Edinburg Doctor, 
war später Senior Physician am Pauper Lunatic Asylum und dem General Dis- 
pensary des erstgenannten Ortes. Er schrieb verschiedene Aufsätze im Edinb. Med. 
and Surg. Journ. (1806, 26), über einen Abscess in den Bauchmuskeln und ver- 
mischte Beobachtungen, sowie einige Schriften: „Some ohservations respecting 
the managemenf of the paifper lunatic asylum at Wakefield" (Wakefield 1830) — 



r 



CROWTHEB. — CRÜSELL. 109 

^Observations on the management of mad-kouses, etc,^ (London 1838) ; ausser- 
dem Aufsatze in der London Med. Gaz. u. s. w. 

Callisen, IV, pag. 422; XXVII, pag. 181. G. 

Crügener, L. Michael C. , wirkte und schrieb zu Regeusburg in der 
iweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Von seinen Publicationen pflegen angeführt 
zu werden: „Materta perlata, d. i. Edle und bewehrte Artzeney^ (1676) — 
XXV medicinüch-historische Episteln oder Äuffgezeichnete Ouren etc." (1679) 
und deren Fortsetzung (1680). ^^^ 

Cruiksliank, William C, Anatom in Edinburg 1745 — 1800, war der 
Freund und Assistent W. Hünter's, auch der Erbe von dessen reichen Samm- 
lungen. Bei seinem zu London erfolgten Tode blickte C. auf eine grössere Reihe 
von Werken zurück, unter welchen in erster Reihe zu nennen sind: „Experiments 
on the insensible Perspiration of the human body, shewing its affinity to respi- 
ratwn" (London 1779, 1795; deutsch Leipzig 1798) — „An account of two 
cases of the diabetes mellitus; by John Rollo etc.** (London 1797, 2 Bde.; 
deutsch Leipzig 1800, Stendal 1801; auch französisch) — „Anatomy of the 
absorbing vessels of the human body" (London 1786; Paris 1787; deutsch 
Leipzig 1789) — „Mewoirs of the yellow fever in Philadelphia etc." (Phila- 
delphia 1798, mit einer im nämlichen Jahre erschienenen Ergänzung und einem 
weiteren daselbst 1800 erschienenen Zusatz). Ausser zahlreichen Aufsätzen in den 
Philos. Transact. ist noch der Brief an M. Clarc über Calomelresorption (London 
1779) zu erwähnen. 

Biogr. in6d. III. Red. 

CruSP, Karl Friedrich Wilhelm C, zu Königsberg i. Pr., war am 
13. Mai 1803 zu Mietau in Kurland geboren, studirte von 1820 an in Königs- 
berg und Berlin Medicin, wurde an letztgenanntem Orte 1825 mit einer botanischen 
Dissertation Doctor, Hess sich in Königsberg 1826 als Arzt nieder, wurde 1828 
bei der dortigen Universität Privatdocent, 1840 Prof. e. o. ond 1844 Prof. ord. 
der Materia medica. Ausser seiner Diss. pro venia legendi, die ebenfalls ein botanisches 
Thema behandelt, sind von Schriften nur anzuführen: „Ueber die acute Bron- 
chitis der Kinder und ihr Verhältniss zu den verwandten Krankheitsformen" 
(Königsberg 1839) — n^^^ Lehre von der Entzündung. Physiologisch-patholo- 
gische Bemerkungen" (auch in RUST*S Magazin, Bd. LI, 1838). Er starb am 
3. Februar 1873. 

V. Recke und Napiersky, I, pag. 382; II, pag. 601. — Beise, I, pag. 139. — 
Callisen, IV, pag. 425j XXVII, pag. 181. ^ 

Crumpe, Samuel C, 1766 — 1796, zu Limerick in Irland praktisch 
thätig, sicherte sieh ein Andenken durch den „Essay on the best means of pro- 
viding employment for the people" (Dublin 1793, 1795; deutsch Leipzig 1796) 
und „Inquiry into the nature and properties of opium etc." (London 1793; 
deutsch — von SchE£L — Kopenhagen 1796 und Leipzig 1797). 

Biogr. mid. DI. Red. 

Cruscianus, s. Torbigiano. 

Crosell, Gustav Samuel C, Erfinder der Galvanokaustik, Provinzial- 
arzt in Kexholm (Finnland). Geboren den 30. Juni 1810. Studirte in Helsingfors, 
wurde Licentiat der Medicin 1838 und Medieinae Doctor 1840, Provinzialarzt in 
Kexholm 1842. Errichtete in Moskwa 1845 und dann in St. Petersburg 1849 
Privatheilanstalten für galvanokaustische Behandlung. Privatdocent in Helsingfors 
1857. Gestorben den 24. October 1858. — C. war einer von den ersten Aerzten, 
die sich mit der Anwendung des Galvanismus in der Medicin beschäftigten. Mit 
Verleugnung der vitalen Einwirkungen , sprach er die Ansicht aus , dass der Gal- 
vanismus nur chemisch wirken könne. Da erfand, dass der positive galvanische 



110 CßUSELL. — CßüVEILHIER. 

Pol eine coagulirende und der negative eine auflösende Wirkung hatte, experi- 
mentirte er viel mit der Anwendung des Galvanismus in der Behandlung von 
Strieturen, Carcinomen, Geschwüren u. s. w. und setzte dazu nöthige Instrumente 
zusammen. Ihm gebührt die Erfindung der Oalvanocaustik, obgleich diese Entdeckung 
nicht seinen Namen trägt. In einem Aufsatze: „Coinmunication prSalable de la 
gahanocaustte*^ (Bulletin phys. math. de TAcad. Imp. d. Sciences de St. Peters- 
bonrg, T. VI, 1848) hat er seine Experimente und seine Ideen dargestellt und in 
T. XII (1854) findet sich eine ^^ Lettre (riclamation de prioriti contre M.Amussat)^. 
Ausser kleineren Aufsätzen in den genanuten Bulletins, betreffend die Anwendung des 
Galvanismus, hat C. noch geschrieben: „Om det utböjda pyrokaustiska hjulet 
och den pyrokaustiska knifven^ (von dem pyrokaustischen Rade und Messer, 
Helsingfors 1857) und „ lieber den Galvanismus als chemisches Heilmittel gegen 
örtliche Krankheiten'' (St. Peterb. 1841, Zusätze I—III, 1842—1844). Der 
pyrokaustische Apparat Crusell's ist ein Vorgänger von Paqüelin's Thermocauter. 

0. Hjelt. 

Grutta, Dominicus C, geboren in Constantinopel, studirte Medicin in 
Leyden, wurde Dr. med. ebendaselbst am 24. März 1740, ging nach Petersburg, 
wurde daselbst am 23. September 1769 examinirt und als jüngerer Physicus ange- 
stellt. 1771 wurde er nach Charkow commandirt, kehrte 1772 nach Petersburg 
zurück und starb am 12. Januar 1799. 

Tschistowltsch, CXCII. L. Stieda. 

Cruveülller, Johann C, wurde am 9. Februar 1791 zu Limoges geboren. 
Da sein Vater als Militärarzt den Truppen der Republik folgen musste, so fiel die 
Erziehung des Knaben wesentlich der Mutter zu ; die tiefe, obwohl von aller Schein- 
heiligkeit und Unduldsamkeit gegen x\ndersdenkende freie Religiosität C.'s dürfte 
hierin ihre Erklärung finden. Obwohl seine Neigung dem geistlichen Stande galt, 
musste er doch auf Befehl seines energischen Vaters sich der Medicin widmen. 
Von seinem Vater an Dupuytren empfohlen, der bald sein eifriger Gönner ward, 
kam der 19jährige C. um die Mitte des Jahres 1810 nach Paris. Die ersten 
Sectionen aber erregten in ihm ein derartiges Grauen, dass er seiner alten Neigung 
zum geistlichen Stande nachgab und in das Seminar zum heil. Sulpicius eintrat, 
aus dem ihn aber der von Limoges herbeigeeilte Vater bald zur Medicin zurück- 
trieb. 1816, im 25. Jahre, ward C. zum Doctor promovirt, seine These war: 
„Essai sur V Anatomie pathologique en gSniral et sur les transformations et 
productions organiques en particulier*' (Paris 1816 , 2 vol.). Das wesentlich 
Neue darin war die Weise der Classification, wobei nicht die Organe, sondern die 
pathologisch-anatomischen Veränderungen als Eintheilungsprincip verwendet worden, 
die Hauptgedanken hatte er den Vorträgen Düpüytren's entnommen. Er kehrte 
in seine Vaterstadt zurück, heiratete bald darauf, prakticirte dort bis zum Jahre 
1823, wo er auf Andrängen seines Vaters sich am Concurse für eine ausserordent- 
liche Professur betheiligte, den ersten Platz gewann und bald darauf durch 
Dupuytren *s Protection die Professur der Chirurgie in Montpellier erhielt. Er war 
eben im Begrifife, diese Professur aufzugeben und nach Limoges zu seiner Praxis 
zurückzukehren, als er durch den ünterrichtsminister, Bischof Frayss in ous, der 
ihn während des Aufenthaltes im Seminar St. Sulpice kennen gelernt hatte, von 
dem unerwarteten Tode P. A. Beclard's benachrichtigt und zur Concurrenz um 
dessen Stelle ermuthigt ward; am 10. November 1825 hielt C. in Paris seine Antritts- 
rede als Professor der descriptiven Anatomie. 1836, als durch ein Legat Dopüytren's 
die Mittel zur Creirung einer selbständigen Lehrkanzel für . pathologische Anatomie 
an der Pariser Universität geboten waren , vertauschte C. seine bisherige Professur 
mit jener der pathologischen Anatomie. Er hat in letzterer Stellung mehr als 
30 Jahre gewirkt. Schon 1830 war er Oberarzt und Director des Hospice de la 
maternit6, später an der Salp6tri6re und Charit^. C. war ein sehr gesuchter Arzt, 
1,835 ward er Hausarzt Talleyrand's , um dieselbe Zeit öffneten sich ihm die 



CRUVEILHIER. — CÜBA. 111 

Pforten der Akademie. Er starb auf seinem Landgute in Sussac bei Limog'es an 
einer rechtsseitigen Lungen-Rippenfellentzündung am 10. März 1874 im 83. Jahre. 
Ausser dem erwähnten Essai sehrieb C. noch folgende Werke: „Midedne dclairSe 
par Uanatomie et la physiologie pathologique*^ (Paris 1821) — „Anatomie 
pathologique du carps kumam^ (Paris 1830—1842, 2 vol., gr. Fol. mit 230 Taf., 
einer der reichhaltigsten Atlanten der pathologischen Anatomie, nach künstlerischer 
Ausstattung der erste) — „Trattd d^ancUomie deacriptive^ (Paris 1833 5 5. Aufl. 
1872, 3 Bde.) — „Anatomie da Systeme nerveux** (Paris 1845) — „TraitS 
d!anatom%e pathologique g&nSrale^ (Paris 1849 — 64, 5 Bde.). Ausserdem gab er 
1840 das Leben Dopuytrbn's heraus und nahm seit 1826 lebhaftesten Antheil 
an dem Bulletin de la Sociötö anatomique, deren Präsident er war. — C, mit 
Morgagni oft verglichen, ist wie dieser ausgezeichnet in der normalen Anatomie 
und illustrirt in ähnlicher Weise seine Sectionsbefunde mit Krankengeschichten. 
Seine ungenügende Kenntniss der auswärtigen, besonders der deutschen Literatur, 
der Chemie, der Histologie, obwohl er deren Wichtigkeit bereitwilligst anerkannte, 
der Umstand, dass sein Atlas der Natur der Sache nach nur eine Blumenlese 
interessanter Fälle, kein abgeschlossenes Ganze sein konnte, dass sein Hauptwerk 
(Trait6 d'anat. path. g6n.) nach einem sehr unhandsamen Systeme (nicht nach den 
Organen, sondern nach den Erkrankungen) angeordnet war, der Umstand schliesslich, 
dass, als dessen letzten Bände nach langer Unterbrechung erschienen, es durch 
andere Werke in vielen Beziehungen bereits überholt war, haben ausserhalb Frank- 
reichs die volle Würdigung seiner Schriften beeinträchtigt, obwohl sie dem patho- 
logischen Anatomen, besonders in Bezug auf Chirurgie und Erkrankungen des 
Centralnervensystems, eine Fülle seltener Fälle bieten. 

Notice snr la vie et les travaux de M. Cravellhier, Ine dans la s^ance publique 
annuelle de rAcad^mle de mödecine , le 4 mai 1875 , pag. ^59 — 287 in Notices et portralts 
eloges Ins a racademie de medecine par J. Beclard, Paris, G. Masson, 1878. 

G. Scheuthauer. 

*C8atary, Ludwig von C. , zu Grosswardein 1832 geboren, an den 
Kämpfen der Jahre 1848 — 1849 betheiligt und bis 1851 in türkischen Diensten, 
studirte in Wien bis zur Promotion (1855). Sowohl * als Physicus des Comitates 
fiitar, wie im ungarischen Landes-Sanitätsrath widmete er sich der Staatsarznei- 
knnde, schrieb hierauf Bezügliches („Qerichtliche Medicin^ — „Sanitätspolizei") 
und betheiligte sich an der Ausarbeitung des ungarischen Gesundheitsgesetzes (1876), 
sowie an den hygienischen Congressen, resp. Ausstellungen zu Brüssel, Paris, 
London, Amsterdam, Genf, Berlin. Red. 

/Cuba, Johann von C. (auch CuBE, mit dem Familiennamen Wonnecke 
oder Dbonnecke). Von seinen Lebensumständen wissen wir, dass er Stadtarzt in 
Augsburg war, später, 1484 — 1495, kommt er als Stadtarzt (Physicus) in Frank- 
furt vor. In dieser Stellung verfasste er ein Eräuterbuch, wozu er die Materialien 
benutzte, welche er von einem Begleiter der Expedition erhielt, die der Ritter 
Bernhard von Breydenbach, des Doms zu Mainz Kämmerer, mit dem Grafen 
Johann von Solms-Münzenberg, Ritter Philipp von Bücken und 
anderen Adeligen 1483 — 84 in's heilige Land unternommen hatte. Das erwähnte 
Kränterbuoh erschien 1484 unter dem Titel „Herbarius" und in mehr populär 
gekürzter Fassung als „Ortus (Hortus) sanitatis^ (1485). Beide Werke sind 
ihrem Wesen nach eine Armenpharmacopoe , welche die dem Menschen nützlichen 
Stoffe aus allen drei Naturreichen beschreibt ; sie sind zuerst mit Abbildungen aus- 
gestattet und fanden bei der Armuth der Literatur jener Zeit an naturhistorischen 
Schriften einen so ausserordentlichen Beifall, dass sie in unzähligenAusgaben 
erschienen (bis 1630) und in alle Sprachen übersetzt worden sind. 

Eine ausführliche biographisch-bibliographische Notiz über J. v. C. habe ich gegeben 
im Janas, 1846 , I , pag. 779 und im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst , 7. Heft, 
1855; kürzer in meiner Geschichte der Heilkunde otc. in Frankfurt a. M. , 1847, pag. 287; 
ausserdem Graefe's Lehrbuch der allgemeinen Literaturgeschichte des Mittelalters, II. Abth., 
1. Hälfte, pag. 574. — Biogr. univ. — Deutsche Biographie. yf^ Stricker. 



112 CÜELLAR. — CULLEN. 

Cuellar, Francisco C, zu Coimbra, war daselbst Professor der Medlcin 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts und ist wegen seiner Studien, die er über 
HiPPOKKATES gemacht hat, anzuführen. Er. gab darüber ein auf der iberisehen 
Halbinsel sehr geschätztes Werk heraus: „Opus insigne ad libros tres praedic- 
tionum Hippocratis etc.^ (Coimbrae 1543, fol.), in welchem er die Commentare 
des Galenus Wort für Wort anführt und seine eigenen hinzufügt. 

Dochambre, XXIV, pag. 181. G. 

*Culbert80n, H, C, seit Anfang der Sechziger-Jahre in Cincinnati thädg, 
trat zuerst mit einem „Prize essay on the use of anaestlietics in obstetncs^ 
(Cincinnati 1862) schriftstellerisch hervor und behandelte in ausführlicher Mono- 
graphie die „Excision of the larger joirvta of the extremities" (Philadelphia lb76). 
Spätere Publicationen (1877 — 1880) sind ophthalmologischen Inhalts. Red. 

(Julien, William C, wurde am 11. December 1712 in der schottischen 
Grafschaft Lamark geboren, war erst Landarzt, dann Bürgermeister zu Hamilton ; 
in sehr bedrängten Verhältnissen lebend, knüpfte er eine innige Freundschaft mit 
dem in gleicher Lage befindlichen William Hunter an und wurde später, vielleicht 
nicht ohne Zuthun des Letzteren, zuerst Professor in Glasgow, dann in Edinburg, 
und zwar war er mit den Vorlesungen über Chemie und dann über Pharmakologie 
und endlich über theoretische Medicin betraut, üeberdies lehrte er später praktische 
Medicin, doch liegt seine Bedeutung nicht in dem klinischen Fache. Wenn er auch, 
nach seinen Angaben zu urtheilen, ein grösseres Krankenmaterial zur Beobachtung 
hatte, so erkennt man doch in seinen Schriften keinen hei-vorragenden diagnostischen 
Scharfblick; auch sind, obwohl er einen grossen Arzneischatz beherrscht, vor- 
urtheilsfreie , brauchbare Urtheile über Wirkungen der Medicamente nicht eben 
überreichlieh. Bemerkenswerth ist auch unter Anderem, dass er, obwohl von der 
AüENBKUGGER'schen Entdeckung der Percussion unterrichtet, deren ungeheure Trag- 
weite ftlr die praktische Heilkunde nicht erfasste. In der That wird sein Name immer 
nur für die Geschichte der medicinischen Doctrinen , also im eigentlichen Sinne nur 
eine historische Bedeutung beanspruchen können, aber auch hier nur mit etwas 
Einschränkung, denn einerseits hat er sich eingehend nur mit der Theorie einiger 
Krankheitsgruppen befasst und andererseits, bei aller scharfen und unleugbar geist- 
vollen Kritik anderer Systeme, keine Consequenz in seinem eigenen bekundet. C. ist 
hierin, wie es auch schon von anderer Seite mit Recht bezeichnet worden, geradezu 
einseitig. Den Chemismus des Bobrhaave, den er mitsammt den Commentarien des 
VAN SwiETEN eifrig studirt hat und als Praktiker aller Zeiten verehrt, bekämpft er 
und ebenso tritt er auch dem Animismus Stahl's entgegen; am meisten nähert 
er sich Fr. Hoffmann, wenn er sich auch nicht ganz dessen bewusst zu sein 
scheint und freilich im Einklänge mit der HALLER'schen Lehre und in Hinblick 
auf die pathologisch - anatomischen Forschungen Morgagni's modificiren will. Er 
ist gleichsam der Vorläufer der späteren Solidar-Pathologen. Der Ausgangspunkt 
aller krankhaften Vorgänge ist im Nervensystem zu suchen, welches letztere von 
einem Fluidum erfüllt ist ; Krankheiten entstehen durch vermehrte oder verminderte 
Bewegung der Nervenmaterie. Krampf oder Schwäche des Gehirns liegen den 
meisten Krankheiten, diese namentlich den Fiebern, ersterer den Entzündungen 
zu Grunde. Die Fieber theilt C. je nach der starken oder schwachen Gegen- 
wirkung in Synocha und Typhus ein. Die kritischen Tage des Hippokbatfs 
acceptirt er im Wesentlichen. Die Gicht, der er als englischer Arzt viel Aufinerk- 
samkeit zuwendet, ist nicht die Wirkung eines in die Körpersäfte abgelagerten 
ELrankheitsstoffes , sondern eine durch Atonie der Digestionsorgane hervorgerufene 
Krankheit des ganzen Körpers mit besonderer Afßcirung des Gehirns ; jene Atonie 
verursache (vicariirend) Congestionen zu den Gelenken. Die Mehrzahl der Arznei- 
mittel wirken durch Sympathie (refleetorisch) vom Magen aus. Seine Hauptarbeit 
ist das vierbändige Werk „First lines of the practice of physich, for the use of 
students'* (London 1777, 1816; Edinburg 1785, 1787, 1802; deutsch Leipzig 



r 



CULLEN. — CÜNEO. 113 



1778, 1789, 1800; lateinisch Leyden 1779; französisch [durch Pinkl] in zwei 
Bänden, Paris 1785, 1785—1787, 1890; italienisch [durch Rossi], Siena 1788). 
Ferner sind hervorzuheben: „Synopsis nosologtae methodicae etc." (Leyden 1772; 
Edinburg 1777, 1782, 1785; deutsch Leipzig 1786) — „Physiology" (Edinburg 
1785 in drei Aufl.; französisch von Bosquillon, Paris 1785; deutsch Leipzig 
1786, lateinisch Venedig 1788) — „A treatise of the materia medica" (2 Bde., 
Edinburg 1789; französisch Paris gleichzeitig; deutsch von Consbruch, Leipzig 
171)0, von ILiHNEMANN daselbst gleichzeitig; italienisch mit langen Noten von 
A. DALLA Decima, Padua 1792—1800, 6 Bde.). — C. starb am 5. Februar 1790. 

F. Falk. 
Cullerier, M. J. C. , französischer Chirurg und Arzt, geboren in Angers 
1758, studirte in Paris unter Desaült, Loüis und Chopart und erwarb sich 
vorzugsweise in der Behandlung venerischer Krankheiten nicht geringen Ruf. Seine 
Schriften behandeln meistentheils dieses Gebiet. Er starb 1826 als Präsident der 
chirurgischen Section der Akademie. ünger 

*Culliniore, Daniel Henry C, vollendete seine medicinischen Studien 
am 1870, war dann eine Zeit lang Physician am Northwest London Hospital, 
Arzt in der indischen Armee und Leibarzt des Königs von Birma. Er Hess sich 
nach seiner Rückkehr in Brüssel 1882 zum Dr. med. promoviren und publicirte 
eine Arbeit Aber Schwindsuchtsbehandlung nach den neuesten Gesichtspunkten, 
einiges Anthropologische über die Sepoys und über die Burmesen; demnächst: 
„Biliary calculi in India*" (Med. press and circ. 1881), — über einen durch 
Aconit geheilten Fall von Hundswuth (Lancet 1882), Aber Anwendung von Moxen 
bei chronischem Rückenmarksleiden (Med. press and circ. 1883). r^^j 

Culpeper, Nicolas C, welcher 1654 in Spitalsfield starb, hatte in 
Cambridge studirt und zeichnete sich, obgleich bei seinen Zeitgenossen mehr als 
Astrolog berühmt, durch regen medicinischen Eifer aus. „Phystcal dtrectory etc," 
(London 1649 und später noch drei Male) — „Semeiottca uranica" (Daselbst 
1651) — „A new metod of physich*^ (1654) — „The rational physicians 
Itbrary'' (1657, Supplement 1674) — „Last legacy" (1656; deutsch Hamburg 
1675) — „Director obstetricum etc.*' (London 1681 , 1700) sind seine Haupt- 
sehriften. Daneben übersetzte er Vesling's Anatomie. 

Biogr. m6d. III. Red. 

Ouinin, William C, zu London, war 1800 geboren, wurde zu Glasgow 
Surgeon der Royal Infirmary, des Lunatic Asylum und des Lock Hospital. Er 
verfasste mehrere Aufsätze für das Edinb. Med. and Surg. Joum. (1823, 24, 25, 27) 
über Verbrennungen, Hamfisteln des Weibes, die Erkrankungen der Mamma u. s. w. 
1833 lehrte er die Botanik an der Glasgow Institution. Er siedelte dann nach 
London Aber und wurde Docent der gerichtlichen Medicin an der Aldersgate Street 
Behool of Medicine. Er schrieb daselbst : ;, The proofs ofmfantidde considered, etc." 
(London 1836) — „Tlie province of forensic medicine defined , etc." (Lond. 
Me4. Gaz. 1833) — „Practice of forensic medicine, as conducted in this and 
other countries" (Daselbst 1834) — „ Medico-legal disinterments in France and 
England" (Daselbst). Dazu Aufsätze in der Cyclopaedia of Pract. Medic. und der 
ndon Med. Gaz. Er starb am 10. April 1837. 

Callisen, IV, pag.438; XXVII, pag. 187. O. 

/Cuneo, Gabriele C, zu Pavia, war aus Mailand gebürtig und wurde 

Schüler des Vesalius, den er gegen die Angriffe des Francesco Pozzi zu 

pcelli in der nachstehend angeführten Schrift vertheidigte. Er war auch ein 

«ser Freund des Gabriele Fallopio und lehrte viele Jahre die Anatomie auf 

Universität zu Pavia. Auch als er nach Mailand übergesiedelt war, setzte er 

ie anatomischen Studien fort und erzog viele Schüler. Die Zeit seines Todes 

nicht bekannt. Seine Tabulae anatomicae sind enthalten in einer Schrift: 

"T. Lexikon. IT. 8 



114 CÜNEO. — CÜNRADL 



17 



Umv^sae medieinae s^noims^ (Vieenza 1595, foLj, Die erwähnte Vcrthddi- 
gungeschrift fUr ^'esalius ist : ^Apologiae Fr anctsi Pif t e i pro Gal eno 
contra Vena l tum in unatome examen^ (Venedig' 1564, 4.), 

Sangiorgio, pag. SOO. '?- 

Cunier, Fl o reut C, sareboren 1812 zu Belveil in Belgien, gestorbeu deii 
ID. April 1852 ?m Brüssel, 8chtller Oksenooet*S, war eiuer der hcrvorragondiiten 
Ophthalmologen iind hauptßÄchlichBten Begründer dca Studiunw der Augenheilkunde 
in Belgien. Die von ihm im Jahre 1840 in Brüssel eröfliietc ophthalmologisebe 
Klinik erfreute sich eines grcisi^en Zuspruches von Seiten des angenkranken 
Puhlienms und zugleieh gah sie ihm Material für neincn kliniselien roterricht, der 
stets von zahlreichen Aerzten besucht war. Von seinem praktbiehen Scharfblick 
zeugt die Einführung des Atropin und Hyoscyamin, C, war auch einer der ersten 
Aerzte, der bei Eutropion öpafiiuodicnni die Durchs chneiduug des Orbieulannuftkelit 
vornahm. Ferner betrieb er das Studium der Ophthaluna militaris mit ganz 
besonderem Eifer. Seine bedeutendste literarische Leistung ist (neben zahlreichen 
Journalartikeln) die Begründung der „Annale« d'ocul ist iquc^S welche er bis zu «einem 
Tode mit dem besten Erfolg redigirt liat. Er verÄUstaltete auch eine ^^Samuibing 
ophthalmologischer Preisschriften**, deren erstes Heft im Jahre 1S43 zu Brüssel 
und Leipzig erschien, 

Biographie C.'s von Basch iii den Ann. d'ocul. 1853; 1875 auch aeiu Bildnlss, 

Magnuö. 

Cnniughanit William C> ("auch Cünyngham), lehrte um 1563 Chirurgie 
in London. Sein f,Speculum cosmotfraphiae^ (5 Bde,. London 1559.)^ ^J*- ^^^ 
ff New Alnmnac etc.'' f Daselbst 150GJ enthalten viel Astrologie. 

EiügT. möd. 111. Bed. 

^'CunitK, Heinrich C\ ^ Hr, med. und praktischer Ar^t in Schwcidniz, 
_ -"~^ ' Erbherr der Güter Kunzendorf und Hochgiersdorf, schrieb selbst „i'e Li von m 

Judicium astrologicum ex eccUpsi Itmari anni vertentis 1599^, ist aber eigent- 
. lieh berühmt wegen seiner Tochter Maria, die schlesische Pallas genannt. Aua- 

P gezeichnet durch ihre Gelehrsamkeit, Sprachkenn t u is se , mediciniBche und niathe^ 

mati sehe Kenntnisse verfasste sie die Schrift: „Urajiiff //ropiha^' (October IG 50); 

sie war seit 1630 verheiratet au den gelehrten Arzt Elias vox Lo£BEN 

(o* LoBVEN^ s. diesen), 

Betke-Napiersky, I^ pa^r. 39Cl. -— Deutsche Biogtapliie IV. Bd„ pag. 64 L 

L. St io da. 

Cunnlugham. ]>er älteste Träger dieses unter britischen Medieinem recht 
häufigen Namens ist James 0*, der 1698 nach Indien, dann nach CbLua reiste 
Eind sich, nach Englisch-Ostindien zurückgekehrt, in Pulo-CJoudor augiedclte. Er war 
ttleht nur chirurgisch thätig, sondern })ewie8 sich auch als tüchtiger Naturforscher 
und Sammler und bat seine Sc briftst ollerei in dieser Rieh hm g concentrirt. Ein 
Pflanzengenus aus der Familie der Rubiaeeen trägt scmen Nameu, -ÄwC: 

* CmmiDgliani, David Douglas 0., M, B. Ediu, und C. M. IJ^öT, 
dient zur Zeit als Surgeon-Major in der Bengalischen Armee. Er hat sich eifrig 

^ ^^^ mit den epidemischen Verhältnissen in Indien besehüftigt und veröffentlichte neben 

den am meisten bekannt gewordenen bezüglichen Arbeiten : „A report on choler(- 

(Calcntta 1871), und der mit J, R. Lewis gemein HcbaftHch vollendeten „Cholei 

L m relation fo certam phijjdcMl phenomena" (C'alcutta lö78|, uoeh eine Rei 

r gleichsinniger Aufsätze in den englischen Wochen Schriften, Vi^A. 

CunradlT Caspar C, geboren zu Breslau am \K October 1571, gestorb 
1633 im November an der Pest, war daselbst Doctor der Medioin^ Physicna, \'e 
fässer der j^Prosopographiae medtcae inillenaria frio^ (Hanau 1621), 

Deut^^chft Bü^grapliiü, IV, W. S t r i c k e "' 



CURANDAU. — CURBAN. 115 

GnrandaU; Fr. Ren 6 C. , französischer Chemiker und Pharmaceut, be- 
kannt durch mehrere Erfindungen auf dem Gebiete der Gewerbechemie. Geboren 
1765 in 86cz, gestorben 1813 in Paris. Unger 

Gnreau de la Ghambre, Marin C. , zu Paris, war wahrscheinlich um 
1594 (nach Anderen 1613) zu Le Maus geboren, hat sich weniger in medicinischer 
Beziehung bekannt gemacht, wie als sehönwissenschaftlicher Schriftsteller und 
Philosoph, in welcher Eigenschaft er 1635 Mitglied der Acad^mie fran9aise und 
bei der Gründung der Acad6mie des sciences 1666 auch Mitglied dieser wurde. 
Naehdem er ein Günstling von Richelieu gewesen, wurde er es auch bei dem 
Cardinal Mazarin, war zugleich Leibarzt Lud wig*s XIV., der ihn vorzugsweise 
wegen seiner physiognomisehen Kenntnisse schätzte und ihn öfter wegen derselben 
eonsultirte. unter seinen zahlreichen Schriften, welche u. A. die Ursachen des Lichtes, 
des Regenbogens, die Niltiberschwemmung , die Leidenschaften, die Chiromantie, 
die Seele u. s. w. zum Gegenstande haben, findet sich nur Weniges, was einen 
Zusammenhang mit der Medicin hat, darunter: „Nouvelles conjectures sur la 
digesHon^ (Paris 1636, 4.) — „Novae methodt pro explanandis Hippocrate 
et Arütotele spedmen" (Paris 1655, 4.; 1668, 12.) u. s. w. Er starb am 
29. November 1669. 

Haur^an, III, pag. 297. — Desportes, pag. 266. G. 

^Cnrlo, Jacob C, aus Hof im Vogtlande, 1497 — 1572, lehrte in Ingol- 
stadt Medicin und Physik bis 1553, von da ab bis zum Tode in Heidelberg. Er 
edirte die Sectio III der Aphorismen des HrppoKRATES (Frankfurt 1596) und 
Hess vorher einen Dialog: „Hermotirrms^ (Basel 1570) erscheinen. 

Biogr. m6d. III. Red. 

Curling, Thomas BlizärdC, seinen Lebensdaten nach völlig unbekannt, 
hat einige namhafte Schriften verfasst, so den mit dem Jacksonian-Preise 1834 
gekrönten „Treatise on tetanus*' (London 1836; Philadelphia 1837) — ^^A prac- 
ttcal treatise on the diseases of ihe testts etc.** (Philadelphia 1843, 1856) — 
„The advarUages of ether and Chloroform in operative surgery^ (London 1848) 
und zwei Arbeiten über Krankheiten und Operationen am Rectum (Daselbst 1860, 
resp. 1863); an der London Hosp. School of med. las er 1846 eine ^Iniroduciorif 
address". Red. 

*Climow, John C, hauptsächlich auf dem Kings College, und zwar bis 
1868, medicinisch ausgebildet, wurde C. 1878 F. R. C. P. Lond. und wirkt zur 
Zeit am Kings College als Professor der Anatomie. Seine Hauptarbeiten, Muskel- 
nnd Nerven- Abnormitäten beschreibend, stehen im Journal of anat. and phys. 
1873 — 1874 und 1876. Als Gulstonian Lecture trug er 1879 „77^e lymphatic 
System and üs diseases" vor und veröffentlichte dieselbe nebst mehren kleineren 
Arbeiten und noch einer umfangreicheren über acuten Alkoholismus in der Lancet 
(Jahrg. 1877, resp. 1879 und jüngere). ^^^ 

GnrraiL, John Oliver C, zu Dublin, war am 30. April 1819 zu 

Trooperfield bei Lisbum in der Grafschaft Down als Sohn eines Arztes geboren, 

begann seine medicinischen Studien 1838 auf der Universität zu Dublin, während 

sich im Meath Hospital der klinischen Unterweisung von Gbaves und Stokes 

erfreuen hatte. Von 1843 an hielt er sich einige Zeit lang in Paris auf, 

rde 1846 Professor der praktischen Medicin bei der Schule der Apothecarie's 

11 und einer der Physicians des Dublin General Dispensary und begann um 

;8elbe Zeit für das Dublin Quart. Journal of Med. Sc. eine Anzahl von Aufsätzen 

liefern, unter denen wir nur (1846, 47) eine Kritik der Schrift: „Ilomoeopathy 

i homoeopathic toritings" und die Aufsätze „Medical periscope" — „Obser- 

ions on scurvy as it hos lately appeared throughout Ireland, and in several 

"is ofGreat Britain" hervorheben. Als im Jahre 1847 Irland von der furchtbaren 

8* 



11») OÜRRAN. — CüRSCHMAim. 

Typhus-Epidemie heimgesucht wurde, gehörte er zu den wackersten Kämpfern 
gf^cn dieselbe, allein er wurde, erst 28 Jahre alt, ebenfalls eia Opfer derselben, 
und ein viel versprechendes Leben erreichte am 26. September 1847 «ein Evnde. 
Dnblin Qnart. Journ. of Med. Sc. Vol. IV, 1847, pag. 500. 'ttt 

Currie, James C. (Corey), in Kirkpatrick-Fleming (Dumfrie^, Schottland) 
1756 geboren, kam zuerst als Handelscommis nach Virginien, begab sieh dann aber, 
iini Medicin zu atudiren, nach Edinburg, bildete sich in den Kraiikenbilufieni von 
Northaniptou und Liverpool weiter aus und starb als Arzt zu 2^idnioutb (Devou- 
shire) 1805* Er kann als einer der ersten Vorkämpfer der WilnneentziehungÄ- 
methode gelten, was durch sein Buch : ;, Medical reporta on the effects of water, 
cöhl and warm, üs a remedy in febrile diseases etc,^ (Liverpool 17^7j 17 OS; 
deutseh Ijeipzig 1801) documentirt wird. Ausser politischen und volkewirthöcbaft- 
lielien Aufsstaeu ist seiner Ausgabe der Werke von Robert Eurns, aowie einer 
Schrift : ^ Populär observations an apparent deathfrom droitming, mfftications etc."^ 
(London 1793, 1797; französisch Genf 1800) zu gedenken. 

BingT. m^4. III. Red, 

Currie, William C. , Ende des vorigen Jahrhunderts in Philadelphia 
als^ Arzt thilti^, hat sich durch eine Reihe von Schriften über die klimato logischen 
VtThflltniBBö seiner Gegend und besonders über Gelbfieber und ihm ver^'andte 
Fieber einen bedeutenden Namen gemacht. Von seinen Lebensdateu ist sonst uiebt8 
bekannt. N am entlieh seien von den gedachten Schriften folgende aiifgefilbrt : 
„Ili^torical account of the diseases, which occur in the different parts of the 
['ffiied States of America etc,^ (Philadelphia 1792) — „A treatise oft the synochus 
tctfn'oides or }/eilow fever** (Daselbst 1792) — „An historical account of the 
r*nimh'es and diseases of the United States etc,^ (1794) — „ObsPrvatiom on 
the ean^s and eure of remitting or bilious fever^ (1798 unJ noch zwei Gelb- 
fiebergchriflteii glei(?hen Jahres, resp. 1800). Endlich „On the h'ne pox and a 
variety of other medical subjects" (1802). 

Biogr, m^d. III. Bed. 

* Carschmann , Heinrich C. , geboren zu Giessen am 28, Juni 184ß, 
Htudirto daselbst von 1863 bis 1868 unter Leükardt, Eckhakd, E, 8eit;;, 
Hierauf drei Jahre Assistent des Rochusspitals zu Mainz gewesen, öiedolto er 187 L 
uaeh Berlin üher , wo er sich besonders an Traüre anschloHK uud sich 1875 
habilitirte. Im Juli 1875 \iiirde er zum dirigirenden Arzt des süidt. K ranke nhaune^ 
Moabit zn Berlin, im Mai 1879 zum ärztlichen Director de« AUgem. Kranken- 
hauBeii in Hamburg ernannt, wo er zur Zeit in dieser Stellung sowie sk 
conäultireiider Arzt wirkt. Schriften (abgesehen von denen caeuisti Fachen lobalts) ; 
^Zur Ilisto?o(/fe des Muskelmagens der Vögel^ (Zeitschr. für w Lasen achaftl. 
Zoologie, 186G, lieft I) — „Beiträge zur Physiologie der Klninhirnsckeukd^ 
(Gicßsen 1868, zweite Mitth. im D. Arch. f. klm. Med. Bd. XJIT) — ^Ueber das 
Vprhtiltniss der Balbcirkelcanäle des Ohrlabyrinths zum Kdrpßrgleirhgp^uricht" 
(Arch, ftSr Psych, und Nervenkrankh. 1874) — „lieber Diastau* der Muse, revii 
ahdom."^ (Berl. klin. Wochenschr. 1878) — „lieber das Verhohen des M^thyl- 
grlf'n zu amyloid degenerirten Oeiceben^ (Virch. Arch. Bd. LXXiX) — „ Ceher 
KafffeintoxicatioH" (Deutsche Klinik 1873) — „Ueber Pilocarpitium mnriatic. 
(BerL klin* Wocbeoschr. 1877) — „Ueber Localbehandlung der putriden JJron 
chial- w. Lungenaffectionen" (Berl. Klin. Wochenschr. 1879) — lieber psychisch 
Hf^mianopsie { Rinden- Hemiaiiopsie)^ (Verhandl. der psychiatr. GeHellseh* 1871)) — 
„Zur Lehre vom Fettherz^ (Deutsch. Arch. Bd. XH) — nZur Lehre ix)m trau 
matischpn Leber ahscess^ (Deutsche Klinik 1874) — „Ueber die Veränderungen 
der äuAsereu Haut bei Meningit. cerebrospinal,^ und;, lieber Perihepatitis chromW 
hyperplastica etc." (Verhandl. der Hamb. med. Gesellsch. 1883) — ^lieber Jiron^ 
chioli/i^ tyxmidativa und ihr Verhältniss zum Asthma bronchiale*^ (Deutseh. Arch 



j 



CURSCHMANN. -- CÜRVO. 117 

für klin. Med. Bd. XXXII) — „ Ueber Herpes zoster und multiple Perineuritis^ 
(Deutsch. Arch. f. klin. Med. 1884). Monographisch beai'beitete C. „Die Pochen^^ 
sowie „Die functianellen Stötningen der männlichen Genitalien** (in ZlEMSSEN^S 
Handbuch). Red. 

Gurtis, Sir John Harrison C, englischer Ohrenarzt, zu Uxbridge 1778 
als Sohn eines Wundarztes geboren, gross an Titeln und Würden, aber wissen- 
schaftlich unbedeutend trotz seiner vielen otiatrischen Schriften, von denen hier nur 
„A treatise on the physiology and diseases of the ear ; etc," (London 1817, 1818 
und 1836) und „Gases illustrative of the treatment of the diseases of the ear, 
both local and constitutional" (London 1818), in's Deutsche tibersetzt von H. Robbi 
(Leipzig 1819 und 1823) zu nennen sind. Das wenige Gute ist von seinem weit 
tüchtigeren Zeitgenossen Saunders entlehnt. In seiner Eigenschaft als Ohrenarzt 
des Königs gelang es ihm, 1816 die erste Ohreuheilanstalt in London zu be- 
grfinden, aber die auch zwei Berichte erschienen sind. 

Lincke, HaDdb. der Ohrenheilkimde, £d. II. A. Lucae. 

Curtis. Unter den amerikanischen Aerzten dieses Namens machte sieh ein 
jüngerer Edward C. durch eine Protoplasmatheorie, die in New York 1873 
erschien, neben dem an Schriften sehr fruchtbaren älteren Alva C, 1797 — 1881 
in Cincinnati bemerkbar. Dieses Letzteren Leistungen beziehen sich jedoch meistens 
auf medieinische Streitfragen vorübergehender Natur, so dass er nur als Herausgeber 
des Botanico - medical Recorder (1837 — 1852) imd des Joum. of education etc. 
(Cincinnati 1866) zu nennen ist. ßed. 

Curtis. Französischer Nationalität ist Thomas B. C, der in Paris 
1842 — 1881 wirkte, mit einer „Etüde sur la dilatation des r^tricissements de 
VurHhre** (Paris 1873) den Preis CiviALE gewann und später ausser diesem 
Gegenstande noch über ein metrisches System in der Mediciu und Pharmacie, 
sowie über Hundswuth schrieb. Red. 

Curtius, s. CoRTi, Matteo C. 

Gortze, Georg Ludwig C, zu Ballenstädt am Harz, war am 29. Januar 
1781 zu Pyrmont geboren, studirte von 1799 an in Göttingen, wurde dasell)st 
1802 Doctor, liess sich iii Pyrmont nieder, wurde 1805 zum fürstlich Waldeck'schen 
Hofmedicus und Brunnenarzte ernannt, 1810 aber zum herzoglich Anhalt-Bern- 
bnrgischen Physicus in Harzgerode und Brunnenarzt in Alexisbad. 1819 wurde er 
Medicinalrath und 1823, mit Beibehaltung seiner Stelle als Brunnenarzt, Hofrath 
und Leibarzt des Herzogs. Seine Schriften betreffen fast ausschliesslich den Cur- 
ort Alexisbad; er hat über denselben theils in Verbindung mit Anderen, wie 
F. Gottschalk (1819), Trommsdouff (1830), theils allein Aufsätze und Schriften 
(1815, 19, 22, 23, 27, 30) herausgegeben. Er hatte auch Antheil an Fß. Hoff- 
wann, „Die Heilquellen am ünterharze" (1829) und verfasstc eine Anzahl von 
Artikeln für das Encyclopädische Wörterbuch der mediciniscbeu Wissenschaften, 
herausgegeben von der Berliner med. Facultät. Als Geh. Medicinalrath starb er 
am 21. April 1846. 

Schmidt, Anhaltisches Schriftsteller-Lexikon, pag. 71, 494. — Callisen, IV, 
-.454: XXVn, pag. 193. ^ 

Guspiniaji, s. Spieszhaymer. 

Curvo, Jo?Co Semmedo C. , zu Lissabon, war 1635 zu Villa de Mon- 
te, Prov. Alemtejo, geboren,, war Arzt des Hofes luul starb 1711). Er hat 
ilreiehe Schriften verfasst, darunter; „ Tratado da peste etc.'^ (LLsboa 1680, 4.) — 
hbjanthea medicinaly 7toticias Galenicas e chi/nu'cas repartida^ en tres 
tadosy etc.^ (Lisboa 1713, fol.) — „Atalaya da vida contra as hostHidad^'s 
morte etc." (Lisboa 1720, fol.) — „Ohservationps actfritndiivnn fcre 



IIa CÜRVO. — CYON. 

inchtithiUimV' (1740, fol.) — „Observagoes medica^ donfrinae^ de cem cams 
ffiarissimoSy etc.^ (Lisboa 1741, foL). 

Deffhambre, XXIV, pag. 444. 0, 

*Curweil, John C. , hochverdient um das Irreuweeen des Staates Penn- 

Bylvanien, über welches er eine Reihe von statistischen und sonstigen Mittbeilungen 
geliefert bat. Seine „Address on insantty" erschien Pbiladelphia 1869, seine 
unifHiigreichötö Schrift ist: „History of the association of m^dtcal i^uperintendents 
of AmfTican institutions foriheinsane front 1844 — 1874 t^tc.'* (Harrijsburg' 1875), 
Eine neuere Fublication (Daselbst 1880) nimmt den Ge^eoHtand wieder auf. 

Red, 

Cusack, James William C, zu Dublin, war 1787 in Irland geboren, 
wurde 1812 Milglied des College of Surgeons, war dann Resident Öargeou in 
Steevenft rt Iloöpital und später Surgeon bei Swift's Hofipitab Er gehörte zu d*^ii 
vorzliglicliHteu irischen Chirurgen und war, obgleich der eoußcrvatjven Chirurgie 
in hohem Grade zugethan, ein kühner Operateur, der gleichwohl Lebenslang au 
einer gewisseu Nervosität vor jeder Operation, die selbst jedoch er mit grös^tor 
Kaltblütigkeit ausführte, litt ; auch als Lithotomist war er beßouders glücklich. Seine 
Publicatiüiieu [)estehen nur in Journal-Aufsätzen und finden m± thoils in den Dublin 
Hospital Reports (1817—1830), theils im Dublin Journ, of Med. and ChcnL Sc. 
fl832 — 40) und im Dublin Quart. Journal und betreffen ii. A. die Behandlung 
der Aneury8n:en durch Compression, die Resectionen und Exartieulationen am 
Unterkiefer, die Ligatur der Carotis, Ruptur der Blase, Gaumenspalte, syphilitisehe 
Erkrankungen der Hoden u. s. w. Zusammen mit Stokes schrieb er (1848) über 
die Mort;*lit[it unter den Aerzten Irlands. 1850 erhielt er von der Duhliner Uni- 
versität den Doctorgi'ad und 1852 die Professur der Chirurgie; er war dreioml 
PrüF^ident des College of Surgeons und wurde nach dem Tode von Sir Philip 
CjiAMtTON (J8Ö8) einer der Sui'geons in Ordinary to the Queen. Er starb am 
25. September 1861. 

Dublin Quart. Journ. of Med. Sc. Vol. 33, 1862, pag. 355. — GalHaen, JV, 
pflE.455; XXVn, pag.194. Gurlt. 

Glisson, Pierre C, französischer Arzt und Botaniker, geboren in Mont- 
pellier 1727, gestorben daselbst als Professor der Botanik 1783, besehäftigte sieb 
haiiptBJlehlieli mit der Untersuchung der Familie der ümbelliferen, deren Erkenntniss 
er durcb werthvolle Beiträge förderte. Unjj:er. 

Cuvier. Der berühmte Vertreter der vergleichen d-ÄOOtomi sehen Forschnng^ 
Baron Georg Leopold Christian FriedrichDagobertCj 1 769 — 1832^ 
der «eine Cielebrten-Ausbildung in Stuttgart genoss, hat Ange^^ichtn der bedeutenden 
Anregniigen , welche er der anatomischen Forschung gab , aueb an dieser Stelle 
auf Erwähn uug Anspruch. Seine rein zoologischen Arbeiten (die vielfach in's Deutäebe 
(iberbctzt wurden) tibergehend, erinnern wir mit Bezug hicraaf an die ^Leipns 
d'anatomie comparSe^* (gesammelt von Ddmeril und DüveRNoy, Paris, fünf Theile, 
1800 — 1805; englisch London 1802; deutsch von Fiscbeh, Fborikp und Meckel, 
Brauns?ehweig und Leipzig 1800 — 1810), — sowie an: j,Le r^gne animal dütribui 
d'aprhH üon organisatton pour servir de base h Vhistoire Rutti reite des antmatKC 
et d'introduction ä Vanatomie compar^^ (Paris 1817, 4 Bde,}. 

Biogr. med. III. . Red. 

*CyOD, Elie von C, geboren am 25. März 1843 m Teheh (Gouv, Kowuo) 
studirte auf der medicinischen Akademie von Warschau 1858, auf der üniveraitE 
Kieff 1859—62, in Berlin 1862—64 und promovirte hier 1864 und in Peter^ 
burg 1865. Von der Pariser medicinischen Facultät erJiielt er 1878 das Ooetoj 
diplom. Als Docent für Anatomie und Physiologie an der physikaliseh-mathemstiscbe 
Faeultat in St. Petersburg wirkte C. im Jahre 1868 , als auRflterordeutlicher I*rc 
fes?i^or an derselben Facultät 1870. Im Jahre 1872 zum ordeutHeheu ProfeißÄ^ 



r^ 



CYON. — CYPRIANÜS. 119 



der medicinischen Akademie in St. Petersburg ernannt, erhielt er die Aufgabe, 
diese Akademie, welche der Herd der nihilistischen Umtriebe war, zu reorganisiren, 
demissionirte jedoch im Jahre 1877, als er sich von der Regierung nicht genflgend 
unterstützt sah. 1877 wurde er vom Kaiser Alexander II. zum wirklichen 
Staatsrath ernannt, erhielt den erblichen Adel und folgte in demselben Jahre einem 
Rufe Cl. Bernabd's nach Paris, wo er sich niedergelassen und naturalisirt hat. 
Schriften: „Die Lehre von der Tabes dorsualis^ (Berlin 1867) — „Prtncipes 
^electroihh'apie** (Paris 1873; preisgekrönt mit der goldenen Medaille im Jahre 
1870 von der Pariser Akad. der Wissensch.) — „Lehrbuch der Physiologie^ 
(2 Bde., Petersburg 1873; russisch) — „Arbeiten der physiologischen Labo- 
ratorien in St, Petersburg*' (1875; russisch) — „Methodik der physiologischen 
Experimente und Vivisectionen*' (mit Atlas, Giessen 1876) — „Recherches sur les 
fonctions des canaux semicirculaires et la formaiion de la n/)iion de Vespace*' 
(Paris 1878) — „Wissenschaftliche Unterhaltungen*' (russisch, Petersburg 1870). 
Zahlreiche Memoiren und Abhandlungen in den Berichten verschiedener Akademien 
und den Archiven von ViKCHOW, DU Bois-Reymond, Pflügbr und Vülpian, von 
denen die wichtigsten betreffen die Entdeckung des N. depressor, des N. acce- 
leratorius und der vasomotorischen Functionen der Splanchnici (MONTYON'scher Preis 
für 1867), Entdeckung der fettstoffbildenden Function der Leber, der Nerven- 
endigungen des Peritoneums, der Fortpflanzungsgeschwindigkeit im Rückenmark etc. 

Red. 

Cyprianus, der Vater, Allardus C. , aus Leeuwarden, als Chirurg 

geprüft 1654 in Amsterdam, folgte bei seinen Steinoperationen stets dem „methodus 

cum apparatu magno" (also der 1540 durch Joan de Vigo's Lehrling Mariano 

Santo, in seinem Buche: „De lapide renum liber*' veröffentlichten Methode). 

Da er jedoch im Jahre 1667 einige Operationen mit unglücklichem Erfolge aus- 

ftlhrte, wurde ihm die Erlaubniss dazu durch die städtische Behörde genommen 

und in Folge eines gegen ihn anhängig gemachten Processes festgestellt, dass 

jeder Chirurg, der ohne amtliche Erlaubniss Steinschnitte ausübte, eine Geldbusse 

von 100 holl. Oulden zahlen sollte. Das Todesjahr A 1 1 a r d s C. ist unbekannt. — 

Der Sohn, Abraham C, wurde zwischen 1656 und 1660 in Amsterdam geboren, 

studirte daselbst und promovirte (Dissert. „De carie ossis**) in Utrecht 1680. Er 

etablirte sich in Amsterdam und bekam bald einen so bedeutenden Ruf als Chirurg 

und besonders als Steinoperateur, dass er in seiner 12jährigen Praxis 1400 Litho- 

tomien ausgeführt haben soll. Rüysch nennt ihn „Lithotomus expertissimus" und 

Morgagni spricht auch von dem „expertissimus A. Cyprianüs" (Epist. ad C-elsum, 

pag. 14). Als nun Professor Matthaeus jun. in Franeker gestorben war, wurde 

C. 1693 dort zum Prof. anat. medic. et chir. ernannt. Eine sehr merkwürdige 

Laparotomie bei einer Graviditas tubaria von 21 Monaten erhöhte seinen Ruf. 

Da er indess Monate lang von Franeker abwesend war, legte er schon 1695 sein 

Amt nieder, um nach Amsterdam zurückzukehren und sich wieder ganz der Praxis 

zu widmen. 1696 rief der 68jährige Leibarzt des Königs von England, Th. Milling- 

TON, ihn nach England, um sich durch ihn vom Stein befreien zu lassen. Seitdem 

blieb C. in London und wurde bald daselbst als Operateur so gefeiert, dass er 

sieh grosse Schätze und den Neid aller englischer Collegen erwarb. Eine Beschrei- 

hnng der erwähnten Laparotomie als „Epistola historiam exhibens etc. ad Th. 

UllingtOHf Medic, regium Londinensem** (von Haller „Libellus egregius" 

mannt), worin C. „plurima addit egregia ad negotium generationis et ad Universum 

ürurgiam pertinentia^^ publicirte er 1700 (französisch Amsterdam 1707 ; weitere 

usgabe Neapel 1727). Neben den Verbesserungen, mit welchen C. die Operation 

es eingeklemmten Bruches bezeichnete, wird ihm (von Eloy) eine „Gystotoniia 

ypogastrica** (Londou 1724) zugeschrieben, wonach also sein im Uebrigen 

ibekanntes Todesjahr nach dieser Zeit anzugeben sein würde. „Excellentissimi 

ajus chirurgi singnlarem humauitatem atque modestiam, ramm in hoc genere 

eroum contingens miratus sum", rühmte ihn Erndl 1708. Ein seinen Schülern 



1^0 CYPEIÄNUS ^, CZERNV. 

viersprocheiies Werk: f,Ol/aerratiöneat chti-iirf^icac'' ist, soweit die Kcnntuiss tle^ 
tTütcraeiclmetou reiebt, nicht zur Veröffentlichung gekommiin. C. E. Dauiüls, 

CjTlls, Arzt der Li via, der Mutter de« KaiserR Tili er ins, wahrapUein- 
lieh identiseh mit dem unter den Namen Cvius Altern ateü aus Lamps^aeuR Ijpkaunteu 
Arzt des Alterthume. A ETI US eitirt einen C, der gleichfalls den Beiaainen ffibrte 
UEd aus EdeBsa RtÄmmte* Magnus 

Czegka, s. Cejka, Johann Joseph C. 

Czeklerski, Joscpb C, gehonm zn War^^diau nm 1\K MHrz 1777, studirte 
zuerst auf der ehirur^scheu Schule in Warschau, dann in Frankfurt a* 0., wo er 
1800 promovirt wurde. Von 1801 — 1818 war C. Lehrer an der Ilehammeuschule in 
Warschau und frc hörte im JaJire 1809 zu den Gründern der dortigen neuen luedi- 
cinischen Faeultiit, Er lehrte Chirurgie und Geburtshilfe und leitete die ehimrgisehe 
Klinik hin 1H16, in welehem Jahn? er sieh von der UniverRitItt zurüekzoi? : am 
20* Jnni 1826 starb er in Marien bad. In den Jahren 1817—18 puhlieirte er i^mn 
Lehrbuch ..Ghinirg^ia^ (Warsehan 4 Bde. in 8, mit 11 Tafelu). K Ä' P 

Czermak. 13er Jilterc U. , Joseph C, , zu Prag 1826 geboren und 
daselbst 1848 promovirt, wirkte als Seeundararzt au der dortigen Irren an staltn 
dann als Primararzt ku Brüna , wo es f^sinne Auf^^abe wurdt^, an Stelle dt;r irren- 
Hrztliehcn Abtheüung des St, Anna Krankenhauses die neue mfihrische Irrenanstalt 
fl8G3} ÄU gründeu. Er starb 1^70 zn Graz, wohui er 1861) ah Hrofe^isor der 
Psychiatrie berufen worden war* Bein orgauisn tortseh es l\alcnt fand dte grö.^>ite 
Auerkennung, schriftstellerisch documentirte es sieh in der 1806 crsehfeneuen 
Abhandlung: ^Dle mäkn'scln^ Lamhbnrnfnunstah*\ Seine kleineren — mcisl 
statistischen — ^pecialarheiten fmdeu sieb in der „A!lg. Zeltschn für r\vchiatne" 
und in der ,j( Jestcrr eichischen Zeitsehr. flir Heilkunde". — Johann Kejjomnk, 
der jüngere 0. , 1828- — 1873, studirte in seiner IleimatHstadt Prag , dann in 
Wien, Breslau, Würzburg, habilitirte sieh in Prag, nachdem er von grossen Reisten 
zu rftekge kehrt war und wurde siuer^t Professor der Physiologie in Graz fl855), 
darauf in Krakan ( 1856J, dann in Pest (1858 — 18G0j. Er rcsignfrte dort, kehrte 
nach Prag zurück nud arbeitete hier privatim iu seinem eigenen Institut. 18t>5 
folgte er einem Hufe nach Jena, begab sich jedoch 1870 nach Leipzig, wo er 
drei Jahre sjiilter als ansserord entlieh er IIonorarprofcss<jr starb, nachdem er schon 
lange Jahre au Diabetes mellitus gelitten, C, , dem ein grosseis ElHindnnga- nud 
Barste lluugstalent eigen war, veröffentlichte ITntersuebungen ^Z^ir Phif^iohuji*^ des 
Ge^stc/ttsjs^inneif^ fAcrommodationserscheinungen behandelnd) — „Crberden Eaum- 
tttntt der HmU**f bearbeitete in z. Tb. sehr origineller Weise auch den Einiluss des 
Nervus sympathicus auf die Speiehelabsonderung, die Fort jjH au zun gsgesch windigkeit 
der Pulswellen und einige mikroskopiseh-histologische Themata, Unrehscb lagende 
Kesultate t\\ erlangen war ihm jedoch nur auf dem Gebiet der Laryug<dogie ver- 
göunt, wo er dem Kehlkopfspiegel GAitoiA'ri al*:! rntersnchnngsJustnini*'ut Bahn 
brach, Sein mit allen Vorrichtungen zum Experinieutiren und Demonstriren (auch 
für popnläre Darstellungen) ujit grossen Mitteln ausgestattetes l*rivatlaboratorium 
iu Leipzig konnte als ein Muster für solche Institute angesehen werden, 

Ailg-. drutat'he Biographie IV- Red, 

^Czernyj Vineens^ C, am 11*. November 1842 zu Trautcuan (Böhnii 
geboren, studirte iu Wien, wo er hanjiMäehlieh Assistent Billeotfi's, vorher at, 
auch Aas i Stent bei Arlt und Oppolzer war* Am ll>. Decembcr 1866 erfolg: 
seine Pr<miotion, Ende 1871 seine Berufung als Prof\^ssor der (Jhirurgie und Dirt^-t 
der Klinik iu Freiburg, eine Stelhing, die er 1877 mit der gleichnamigen 
1 lei d e 1 1 \ e rg v c rta ns c h t e, — C, s cli rieb „ /j ^^'V />>>/ p zf(r oy t t^ra f fve u Vh un r/j i . 
(Stuttgart 1875;, sowie Über Ex^^tirpation des Kehlkopfes, des Oesophagus, d 
Niere, de»; Uterus; Mageu- und IJannrcsection ^ Operation au Kothü^teüi ^ Radie; 
Operation der Ikruien etc* Be> 



1 



n 



CZERWIAKOWSKI. — CZOLBE. 121 



Gzerwiakowski, Raphael Joseph C, geboren am 24. October 1743 
auf dem Landgate seines Vaters bei Pinsk, widmete sieh zuerst dem geistliehen 
Stande und wurde Mitglied der Piaristeneongregation ; im Jahre 1771 erhielt er vom 
Papste die Erlaubniss, das Kloster zu verlassen und begab sich nach Rom, um 
Medioin zu studiren. Hier wurde er 1776 promovirt, blieb dann noch drei Jahre 
hindurch in Rom und war im Hospital zum heiligen Geist in Saxia thätig. Im 
Jahre 1780 nach Krakau berufen, lehrte er bis 1805 Anatomie, Chirurgie und 
Geburtehilfe und starb am 5. Juli 1816. Sein Hauptwerk ist eine umfangreiche 
Verbandlehre, welche 1816 — 17 in Krakau mit Zeichnungen von Victobin Rybicki 
und Georg Klimke erschien: „Narzqdu opatrzenia ckirurgicznego cz^c I — VI^. 

K. & P. 

Czolbe, Heinrieh C, in der Nähe von Danzig 1819 geboren und 1873 
zu Königsberg in Preussen gestorben, studirte Medicin in Berlin, wo er mit der 
Dissertation „De principiis physiologiae^ (1844) promovii"te. Er wurde Militärarzt 
und veröffentlichte eine „Neue Darstellung des Sensualismus^^ (1855), eine 
Streitschrift gegen LOTZE : „Die Efntstehung des Selbstbewusstseins^ (1856). Von 
einer Abschwäehung seiner naturalistischen Anschauungen legt eine Schrift: „Die 
Grenzen und der Ursprung der menschlichen Erkenntnisse (1865) Zeugniss ab, 
die C. als Oberstabsarzt a. D. publicirte, und welcher er noch „Die Mathematik 
als Ideal fdr alle andere Erkenntnisse (Zeitschr. für exacte Philosophie 1866) 
folgen Hess. — Posthum erschienen in semem Auftrage von Ed. Johnson heraus- 
gegeben: „Orundzüge einer extensionalen Erkenntnisstheorie*^ (1875). 

Allg. deutsche Biogr. IV. Red. 



D. 



Unter D iind iUe mit d\ de, de le, della, dn etc. MxlißbeEdefn Namen d a n u eingcreilit* wenn der 
Gebrauch böiiri A u ;* & p r e c h e a sie als noth wendig siisaxnmen hängende Naraen chfif ak- 
terisirte. Mit der ychreil) w e Lse atinimt dies noch häutiger im F ranzbsi sehen nnd Spani sehen 
als im Italieuischen überein, wo Namen wie Crecchio^ Benz^ %. B. gana andere Namea 
wären, als de Crecthio, de RenKi und trotzdem dag Zniiammenziehen in Decrecchio, 
Derenzi nicht Utilich ist (vgl. die Nainenlisten der PaHameiit* u. ähnl.). ^ Wo Zweifel 
begründet sind , wird tjei den Namen der späteren Buchstaben auf D EnräclETerw^iuseii werden. 
Die mit * beaeichneten Artikel betreffen die im Sommer 1884 noch Lebenden. 



Daga Chaconj b, Chacox- 

Daelme. Zwei Leipziger Aerzte, vou denen der liltere, Johann Gottlieb D<, 
gehalten dasei bat 1755, zn Leipzig 1783 promovirte und nlö ^elir bessuhäftigt^r 
Arzt 1830 starb. Er war in allen Fälchem der Mt^dicin nnd NatnrwieseneebafteQ 
bewandert, sowie auch gründlich cla.sBiseh gebildet, wofür Reine Abhandlung ^De 
medmna Honuri^ (Leipzig 1776) einen dcuüielien Beweis liefert. Als bcachtens- 
wertbe Arbeiten D/s sind ferner zn nennen die Dissertationen : „Aromatum ustt^ 
inmius qnid nervis noceat ostenditur*^ (Üaselb-st 1780} nnd ^^De aquh Zdpstm- 
silni,-^^ (Iiaselböt 1783, letztere ein sehr beachte nswcrth er Beitrag zur medicinischen 
Topographie Leipzigs), — Der jtlngere , Karl Friedrieh Adolf Ü. , ja^eboren 
zu Leipzig 1769, promovirte daselbst 1708 (,fDe ohstriicttonihus lu universiffii 
primaria midtoruTn Tnorhöruni counis^J nnd atarb 1844, You seinen lit er arischen 
Arbeiten sind nocb zn erw^^btien eine Abhandlung: „De noxm ntedicaiaentorum 
contpQsüoTum in pkarmacöpocm copkV' (Leipzig 1797)^ sowie die ff Beiträge zur 
Aetiolügie- und Cur des Scharlachs^ {Daselbst 1810), in welchen er als neue 
Behandiungs weise Einreibungen mit Oel empfiehlt nnd »^^^ Mtlch- und Molken- 
curen'' (1817^ 2. Änfl, 1820), Winter, 

*Dähnhardt, Christian D,, in Kiel, geboren am 28. Kovember 18 *^ 
%\x Eel^emti^rde, .^tudirte tu Kiel, Tubingen, Wien (Hensen, HopPE-SErLEH, Bakte 
Niemeyer) und wurde 1869 promovtrt. 8eit 1869, mit Unterbrecbimg des Kriej 
1870- — ^71 als Privatdocent nnd i^päter als praktischer Arzt in Kiel tb.ltig, wirl 
D. auch zwei Jahre als Aflsistent bei HENSEN, Er pubUeirte Abhandlnugen in d 
von ViRCHOw nnd von pFLÜrißR herausgegebenen Archiven. ^^^ 

Daelmana, Aegidins D. , nm die Mitte des 17. Jahrhunderts in A 
werpen geboren , inuss in Lilwen studirt haben und auch daselbst promovirt ai 
Er machte^ als Sehiß^arzt iin Dieni^Ce der ostindit^ehen Oompagnie^ viele Keif 



r 



DAELMANS. — DAHL. 123 



auch nach Java, Ceylon und Coromandel, wo er sechs Jahre blieb. Später nach 
Antwerpen zurfickgekehrt , wurde er daselbst Stadtarzt. D. war ein sehr eifriger 
Anhänger der iatrochemischen Lehre des DE le Bo£ und bewies dies durch die 
Ausgabe seiner „Nieuw hervormde geneeshmst gebouvot op de gronden van het 
aleali en acidum^ (Amsterdam 1687; bis 1720 nicht weniger als 5 holländische 
Ausgaben und 2 deutsche üebersetzungen , Frankfurt a. 0. 1702, Berlin 1715). 
Die durch ihn in Indien beobachteten Krankheiten beschrieb er in 17 „Aamner- 
kingen over verscheidene ziekten, die op het eüand Ceylon, Batavia en de kost 
van Coromandel y ten tyde des autheurs verblyf aldaar, zt/n voorgevallen^ , 
(zum ersten Male in der 5. Ausgabe, 1720, seines genannten Buches) theilweise 
interessante Mittheilnngen über coloniale Medicin und Tropenkrankheiten. Todesjahr 
unbekannt. C E. Daniels. 

*Dagonet, Henri D. , französischer Psychiater, Chefarzt Im Asile Sto. 
Anne (asile clinique) zu Paris, wurde 1849 daselbst Doctor mit der These: „Con- 
sidSratians m^dico-l egales sur Vali4nat{on mentale^. Für eine Stelle als Professeur 
agregö der Facultät zu Strassburg schrieb er die These: „De la respiration et 
de Vhimatose dans les maladtes^ (Strassburg 1853). Er hat ausserdem verfasst: 
„Traiti ilSmentaire et pratique des maladies mentales etc,^ (Paris 1862) — 
^Xouveau traüS SlSmentavre et pratique des maladies mentales etc." (Daselbst 
1876) — „Des impulsions dans la folie et de lafolie impulsive" (Daselbst 1870) — 
jyDe la stupeur dans les maladies mentales et de Vaffection disignSe sous le 
nom de stupidite" (Daselbst 1872); dazu eine Anzahl von Aufsätzen in den Annales 
m^d.-psychologiques. 

Index-Catalogue. III, pag. 581. G. 

DaUy Johann Christian D. , der Vater, seiner Abstammung nach 
ein Däne, wurde in Danzig geboren, studirte in Deutschland Theologie, kam nach 
St. Petersburg und bekleidete hier die Stelle eines Bibliothekars. Weil ihm das 
Amt nicht zusagte, wandte er sich abermals nach Deutschland, studirte in 
Jena und Erlangen Medicin und erwarb sich am letzten Orte die Doctorwürde. 
üeber Riga nach Russland zurückgekehrt, wurde D. in St. Petersburg von dem 
medicinischen CoUegium examinirt und erhielt am 8. März 1792 das Recht zur 
Srztlichen Praxis im russischen Reich. Am 6. November 1792 wurde er Arzt im 
Bezirke zu Gatschina, 1796 Arzt in Petrosowodsk, dann in Luganskoje, zuletzt in 
Nikolajew, woselbst er als Generalstabsarzt der Schwarzen Meer-Flotte 1823 starb. — 
Der Sohn, Woldemar Ferdinand D. (russisch W 1 a d i m i r Ivanovitsch D.), 
berühmter russischer Schriftsteller, Arzt und Naturforscher, wurde geboren am 
10. 22. November 1801 in Luganskoje (Gen. Jekaterinoslaw) und zuerst im elter- 
lichen Hause, dann in Nikolajew erzogen ; kam früh in das Seecadetten-Corps nach 
St. Petersburg. Am 2. März 1819 als Midshipman entlassen, musste er nach 
Nikolajew, um in den Flottendienst zu treten. Allein der Dienst zur See behagte 
dem jungen D, nicht. Er begab sich 1826 nach Dorpat, um Medicin zu studiren 
und erwarb sich 18./ 30. März 1829 den Doctorgrad („Spedmen ing. exhihens ohser- 
vatione duas 1. de terebratione ctanii, 2, de renum extdceratione occulta"). Als 
MOitärarzt machte D. den türkischen Feldzug mit, zog über den Balkan bis nach 
Adrianopel. dann 1831 nahm er an dem Feldzuge in Polen theil, in welchem er 
'r die Weichsel eine Brücke schlagen Hess und dadurch auf den Gang des 
dzages günstig einwirkte. Als Arzt eines Militärhospitals in St. Petersburg 
fchäftigte er sich eine Zeit lang mit Augenheilkunde, bekämpfte Anfangs die 
möopathie und wandte sich schliesslich ihr zu. Wegen einiger Volksmärchen 
'dächtigt entging er mit Mühe der Gefahr, eingesperrt zu werden, gab die 
idicinische Praxis auf und verliess Petersburg. Als Secretär des Gouverneurs 
assilj Perowski lebte D. etwa 8 Jahre in Orenburg, machte dazwischen 
isen, begleitete seinen Chef während des Winterfeldzuges 1839 40 nach China. 
Itcr war er 1841 — 1848 Secretär des Ministers der inneren Angelegenheiten, 



IM BAEL. — VAN DALEN. 

Leo Perowaki in Petersburg', <iauö Dingender dea Apanagifu-Cümptoirs in Kishoi- 
Xowgorod von 184S— 185tr. iiabnv seinen Abschied j siedelte nach Moskau üljer 
und starb hier am 22. Scptembtir 1872. — D. war ein ausserordentlieh begabter^ 
ttberaua tbntiger und fleiagi^er Gelehrter, vielseitig gebildet , Arxt^ Naturforflcbcr, 
Ethnograph, Liupjuiät, Adminiatrationsbeamter. AuBser seiner DLssertation setricb 
er über Kiunys und Homöopathie. J^ein bedeutendstes Werk wt sein „ Worierhufih 
der lebenden r?i^s.nsche7i 8praehe'\ welches bereits in 2. Auflage erschienen ist. Er 
Kchrieb unter Anderem über die Secten derSkopzt^n und verfasste ein Handbuch 
der Botauik» Seine ruKatgeh gewsliriebenen Märchen , Erzilhlnngen und auderen 
dichterischen Erzeugnisse sind in 8 Bände als gesaumielte Werke erschienen. 
Seine anderen Arbeiten «ind vielfach in russischen und deubiehen Journalen zer- 
streu t, D. schrieb rnssisch und deuts^ch in gleicher Weise vüHkoumien. 

VerhatidL der ge7. nstr. GKsellr^ch. Bd. VII. — N. Durpat'ache Z(?ituug, 1873, Nr. *^t, 
iinf Giiindlagt^ ruHsiacher QuelleTi vouStieda. — Russii^iho Encvklopadie von Beresin, 
ü,l. VI, p.g. 55-57. ' L.Stieda. 

Datlenip, EdoardAngnet D., geboren 1812, renommirter medieinischer 
Kiinifcer au dem königlicben Friedrieh-Hospital zu Kopenhagen , doctorirto 1841 
(^De idcerf} vetitrtculi perforante^). Er war zugleich eine Reihe von Jahren 
Redactour der „Bibliathek for Läger", Mitglied de^^ künigl. GesuudheitseoUegiuins, 
Leibarzt des KönigH Christian VHI. und als Arzt sehr angesehen. Er starb 18B2. 

Petersen. 

*DahlerBp, Sophus U*, geboren zu Kopenhagen am L*5, Deeember 1844, 
gtudirtc auf der L'niversitHt zu Kopenhagen und proniovirte 1881. Wirkt als 
Militilrarzt zu Kyborg (TüuenJ, Ausser seiner Disaert^itioii : „Pneumotometrinke 
Cndersoyeher og de rem diagno^tiake Betydfitng i de kroniHke Litugenygdmnme*' 
hat er kleinere Artikel in „Ugeskritt for Läger" jjubüeirt. -^^^ 

Daldianu3, s, Artemuiohüs von Ephesus, 

/ Dalechamps, Joseph D., aus Caen, 1513 — läSSj welcher seine Doctor- 
wtlrde 15 J 7 zu Montpellier erlangt hatte und in Lyoü 3G Jahre praktisch thflti«: 
war, hat seinen Ruf alg Botaniker durch eine „Historm generalis plant arum etc.^ 
(in 18 BileheruT Lyon 1586^1587; von Desmoülijis 1615 iVanzortiach neu auf- 
gelegt uud 1653 noehmalö) begrilndet. Von medieiniseben Werken D.'s sind zn 
nennen : ^^De peste libri tre^i^ m quihits etiam continetur IL CItalin de Vinnrio liber 
df" peate Hc."" (Lyon 1552; — .Xlthurgie frangalsc"^ (Lyon 1570, 1573; Paris 
1610 in 4.). Aust^erdem tibersetzte D. Galen 's „Adinmütrationes finatomicat^ 
(Lyon 1566, 157i*; und des C. Alirelianüs' „Dr morhh arutw tt dmturnis'' 
(Ilaselbst 1566, 1567) und veranstaltete eine lateinische Ausgabe des DloscoaiDES, 
Hiowiü eine sehr gesebäitzte Ausgabe des Pliniüs. 

Di et. bist, II. Eed. 

van Dal8, Antonius va n D., im Jahre 1638 in Haarlcm geliorcn, 
fing erst von seinem 30. Jnbre Mc die in zu studircn au und wurde praktiiseber Arzt in 
Haarlcm, wo er sieh, obwnbl er eine grosse Reputation bekam, eigentlich n^chr 
fbeolo,::iseb-literanKchen uh mcdieinischen Studien \\idmete. Er schrieb unter 
Anderem „De aractdis Etlnharum dissertntiones dttae*' (Amsterdam 1683 uud 
1700, zwei bolU Ausgaben 1G87 und 1718) und ntarb 1708. 

BioKr, m'^i.iicale xind ^^ ^1, Aäi. Biogr. Woordcnhuek. t\ E. Dani&lj 

van Daleu, Martinas van D., der am Knde des 17. Jahrhunderts 
Hna^ die :lrKtliebe Praxis :iu>iubtc und sich „Doetor seim^r königlieben Mijjci; 
von Gross-Britannicn'' fde?< Prinzcu von Oranien) nannte, hat sieb bekannt gema 
dureh die Ausgabe eines BnebcR: ,, Nieuwe Pro ctifck der Medwynen^ fAmsterd 
16lU)j worin er die Frtichte einer 17j «ihrigen Prnxis niedergelegt bat, 
AderläHtse am kräi^igsten bekämpft uud den Nutzen v(m ehcmij^ehen Stad 



VAN DALEN. — DALTON. 125 

fllr die mediciBische Praxis zu beweisen versucht. D* zeicbnete sieh auch als 
Dichter aus. C. E. Daniels. 

DaliOB, griechischer Arzt und Botaniker, den Pliniüs in seiner nat. hist. 
IIb. XX— XXin benützt hat. 

Plin., nat. hist. XX, §. 148, 191. Helmreich. 

Dalladecüna, Angelo D. (Delladbcima), 1786 auf der Insel Kephalonia 
geboren und 1825 gestorben, war Professor der allgemeinen Pathologie zu Padua 
seit 1817. Hauptwerk: „Istituzioni di pathologia generale** (Venedig 1819). 

Anagnostakis. — Red. 

Dalman, Johann Wilhelm D. , Arzt und Naturforscher, geboren in 
Westmanland 1787, studirte zuerst unter A. J. Retziüs und Fallen in Lund, 
nachher unter Thunbebq in Upsala, woselbst er Med. Doctor 1817 wurde. Im 
folgenden Jahre wurde er Intendant des zoologischen Museums der schwedischen 
Wissensehafts- Akademie und Botanices Demonstrator am Karolinischen Institut 1819 ; 
er starb 1828. Mehrere Versteinerungen haben nach ihm ihren Namen erhalten. 
Ausser einer Menge entomologischer Aufsätze in den Verhandlungen der Wissen- 
sebafts- Akademie hat er „Änalecta eniomologica^ (1823) und „Ephemerides 
entomologicae** (1824) herausgegeben. Heden ins 

Dabnas, Jean-Auguste-Adoiph D., Sohn des nach Amerika aus- 
gewanderten und durch seine Schriften über Gelbfieber (1805) renommirten süd- 
französisehen Arztes Antoine D. , wurde zu New- York am 4. December 1799 
geboren, zu Paris 1826 promovirt und nach mehrfachen ähnlichen Anstellungen 
MMecin en ehef an der Salp^trifere — 1836. Bei sonst vorzüglicher Befähigung 
2iim Arzt war D. taub. Seine Schriften — abgesehen von seiner Mitarbeiterschaft 
am Dictionnaire de m^decine und an fast sämmtlichen Pariser Journalen — umfassen 
therapeutische Themata, so die beiden Aggregationsthesen über Indieationen, über 
Icterus (Paris 1826, resp. 1829), die Heilmittel der specifischen Krankheiten 
(Daselbst 1833, Frucht einer im Jahre 1831 nach Polen unternommenen Cholera- 
expedition). Mit der Arbeit „Des mitastases^ concurrirte er um den Lehrstuhl 
der internen Pathologie und gab vorher „Recherches sur quelques itats patho- 
logtques du tissu cellulaire etc,*' (Report. g6n. d'anat. et de phys. path. 1826) 
heraus, D. starb am 4. September 1844. 

Cherean bei Dechambre. Red. 

D'AInoncourt , Franz Ludwig Karl D. , geboren zu Leipzig 1800, 
studirte zu Leipzig und Göttingen und erwarb nach einer grösseren wissenschaft- 
liehen Reise 1826 zu Leipzig die medicinische Doctorwürde („De a'ere puro, 
praecipue agitato, multis in morbis reinedio saluierrimo^^J . Er war dann als 
praktischer Arzt in Leipzig thätig, ging aber Ende der Vierziger-Jahre nach Con- 
Btantinopel und ist in der Mitte der Fünfziger- Jahre zu Belgrad verstorben. Besonders 
zti erwlüinen ist eine von D'A, verfasste Schrift; „Die Oehirnaffectionea der Kinder 
in der Dentitionsperiode für Aerzte und Laien^ (Leipzig 1846), in welcher er 
die damals allgemein herrschende Ansicht physiologisch als Unkenntniss, patho- 
logisch als Irrthum, therapeutisch als Mord, in Summa als eine Täuschung der 
Aerite bezeichnet. Winter. 

Dalrymple. Ein älterer Jacobus D. disserirte 1731 zu Edinburg „De 
t ^nia*'. Hervorragender ist John D., 1804 — 1852, mit seinen Leistungen: 
;, ß anatomy of the human eye" (5 Taf. , London 1834) und „Pathology of 
(4 '-man eye"" (36 Fol.-Taf., Daselbst 1852). ^^^ 

Dalton, John D., einer der grössten englischen Chemiker und Physiker 
d ueneren Zeit, 1766 zu Eaglesfield (bei Cockermonth In Cumberland) geboren, 
I ^r der Mathematik und der Naturwissenschaften am Collegium in Manchester, 
8 "- fnach Verlegung dieser Schule) als Privatgelehrter und Präsident der 



126 DALTON. — DANCE. 

Litterary and philosophical Society daselbst lebend, Mitglied der Royal Society in 
London und der Academie des Sciences in Paris, am 27. April 1844 geütuHien, 
verdient an dieser Stelle einen Plati wegen der von ihm (in Memoirn of thü 
litterary and philosophical Society of Manchester 1798, V, 28) beschriebeuen qdiI 
nach ihm benannten Sehstörnng (Daltonismus), an welcher er selbst gelittcii uud 
auf welche er durch seine Mittheilung die Aufmerksamkeit der Aerzte Ij^stmden* 
hingelenkt hat. A. HiraiH. 

*DaniaschillO, F.-T. D., wirkt seit 1867 als Hospitalarzt in Paris, ist A^irr^^^ 
der Facultät und Verfasser von „Des diff^rentes formes de la pneumonw fiitjnv 
chez les enfants" (Paris 1867) — „La pleuresie purulente^^ (Daseibat 186t*) — 
„Etiologie de la tuberculose^ (Daselbst 1872) und gab mit H. Rogee zuaaiumeii 
„ Recker chea anatomo-pathologiques^ (1871) heraus. Eed. 

Damerow, Heinrich Philipp August D., aus Btpttm, 1798 — 1860, 
studirte in Berlin vorzugsweise unter Neümann und widmete? steh ntifort der 
Psychiatrie. Von Reisen (welche besonders eine Ausbildung in der Salpetriere 
unter Esquirol zum Ziel gehabt hatten) zurückgekehrt, wirkte er von 1822 ab 
in Berlin als Docent, von 1830 als Extraordinarius zu Greif«wald und von 1836 
als Director des provisorischen Irrenheilinstituts zu Halle. Die »mter seiner Leitung 
erbaute, 1844 eröflfnete neue Irren -Heil- und Pflegeanstalt dn-ifrirte er bis zd 
seinem Tode, der 1866 an Cholera erfolgte. — An Schriften Heien genannt : ., Dt^ 
Elemente der nächsten Zukunft der Medicin etc." (Berlin 1829} — „Ceber tJk 
relative Verbindung der Irren- Heil- und Pßegeanstalten etc" (1844; befür- 
wortet die Verbindung). Nachdem D. seine zahlreichen kleineren p^ychiatriBcben 
Arbeiten in den Jahren 1833 — 1838 meistens der medicin ischen Vereitifis^eltiin^ 
zugewiesen, erwarb er sich ein besonderes Verdienst durch diii Orthidiin* dtjr 
„Allgemeinen Zeitschriß für Psychiatrie" (mit Flemming und ROLLEHi 1^*44), 
die in jedem Bande vortreflliche Arbeiten von ihm brachte. — „Sefeloge^% eine 
Wahnsinnsstudie, erschien 1853. 

Allg. Deutsche Biogr. IV. R p d. 

Damianus und Gosmas, zwei Brüder und Aerzte, die lu der diocletbni sehen 
Christenverfolgung den Märtyrertod erlitten und später von den rinrurji^eij ab St'butz- 
patrone verehrt wurden. H e 1 rn re i du 

Damion, ein griechischer Arzt, der dem älteren PjJNnra im 20. — 27, Buch 
seiner Naturgeschichte als Quelle diente. 

Plin. nat. bist. XX, §. 108. Helm reich. 

Damokrates (oder nach Pliniüs : Serviliüs Democrates), ein grieebischer 
Arzt in Rom um die Mitte des ersten Jahrhunderts nach Chr. Seine Schriften, die 
den Titel führten : „Ilepl Trfi töv avrtXoTwv <7xeua<7ta; (über die Bereitung der 
Gegengifte, z. B. des Tlieriak), (piXtaxpo; (medendi Studiosus), nXtvtxo;, ;rjäftno;^, 
enthielten gute Recepte gegen die verschiedensten Krankheiten und waren wie die 
seines Zeitgenossen Andromachos in gebundener Rede, in janibiscLen Trimetern, 
abgefasst. Galen hat umfangreiche Fragmente davon in seinen Sehritleu, de 
medicamentor. comp. sec. locos und per genera, erhalten. 

Galen, XII, 890; XIII, 40, 2j^0, 349, 455, 820, 914, 940; XIV, m, 1155^, li^L 
260 - Plin. nat. histor. XXIV, §. 43, 87. Heinire »cb 

Dance, James Freeman D., aus Amhurst(New-HaDijj.shire), 171)3 — 18f 
an verschiedenen Universitäten Amerikas und Englands medieiniach auf^gebilc 
erhielt den Lehrstuhl für Chemie am Dartmouth College (K<.^w-IIanipshire) 1j?t 
denselben an der New-Yorker Universität 1826. — Neben seinen rctu ehcmiscl 
Arbeiten, die hier zu übergehen sind, erregte besondere Aufmerksamkeit : „ Chemii 
examination of some morbid animal products" (Silliman's Jouni. 1822); au 
ist medieinisehen Inhalts ^Concretion from the totisil" (Ebenda 182B), 

H a b n bei D e c h a m h r e. li e i' 



DANIEL. — DANKWERTH. 1^7 

Daniel, Christian Friedrich D. , aus Sonderahausen , wurde am 
13. Deoember 1714 geboren und starb 1771. In Jena waren Wedkl, Teich- 
ȣYKB, Hamberger seine Lehrer ; in Halle schloss er sich an Fe. Hoffmanx an. 
1742 promovirt, wurde er bald zum Stadtarzt in Halie^ sowie zum fürstlichen Leib- 
arzt ernannt. Seine Schriften athmen einen entschieden modernen Geist, so bereits 
die „Dissert. de spedalissima medendi metkodo omnis felicia curationis fun- 

dammta" (Halle 1742) — „Sammlung medicinischer Zeugnisse, welche 

über Be$ichttgungen und Eröffnungen todter Körper . . . ertkeilt toorden etc.*' 
(Leipzig 1776); weniger die „Beiträge zur medictnischen Oelehrsamkeit etc.*' 
(Halle, L Th., 1748; H. Th. 1751; IH. Th. 1744). 

Biogr. mM. III. Red. 

'''Daniels, Carel Eduard D., zu Hillegom bei Leyden am 4. Juni 1839 
geboren, studirte in Leyden (6. C. B. Süringab, Peüts van beb Hobvbn, Simon 
Thomas, F. W. Krieger) und wurde am 4. Juni 1862 in der Medicin, im October 
1862 in der Chirurgie und Greburtshilfe promovirt. Seit August 1863 wirkt er 
m Amsterdam und verfasste folgende Schiiften : „De KinderpoMnerUing in Neder- 
land, meerendeels naar onuitgegeven bescheiden hewerkt*' (Uitgegeven door de 
Nederl. Maatschappij tot bevordering der Geneeskunde, Amsterdam 1875) — „Het 
leven en de Verdiensten van Petrus Camper*^ (Met goud bekroond en uit- 
gegeven door het Provinciaal ütrechtsch Genootschap voor Künsten en Weten- 
Bchappen, Utrecht 1880, 4.) — „De Verdiensten der Bollandsche Oeleerden ten 
opzichte van Harvey's leer van den bloedsomloop** (door Prof. A. H. Israels 
en Dr. C. E. Daki&ls , met goud bekroond en uitgegeven door het Prov. Utr. 
Genootschap v. Künsten en Wetensch., Utrecht 1883, 8.). Neuerdings: „ün cos 
de Lecntiasis ossea [Graniosclerons]** (Uitgegeven door de Holl. Maatsch. der 
Wetenschappen, Haarlem 1883, 4.). j^^^ 

^Danielssen, Daniel Cornelius D., zu Bergen in Norwegen, ist 
daselbst am 4. Juli 1815 geboren, war anfänglich Apotheker, studirte dann Medicin 
in Christiania, Uess sieh 1839 in Bergen nieder, begann daselbst im St. Georg's- 
Hospital alsbald seine Untersuchungen über den Aussatz und erhielt zu den daftir 
zn unternehmenden Reisen eine Unterstützung Seitens der Regierung. 1841 wurde 
er zum Stiftsarzt ernannt, machte 1843 und 1847 wissenschaftliche Reisen in*s 
Ausland, nachdem er zum Oberarzt der neu errichteten Heilanstalt fQr Aussätzige 
ernannt worden wai\ Gleichzeitig erschien, mit Staatsunterstützung herausgegeben, 
das von ihm in Gemeinschaft mit C. W. Boeck verfasste grosse Werk: „Om 
Spedalshhed*' (Christiania 1847, mit Atlas von 24 Taflf. fol.; französisch als: 
„Tratte de la spMalskhed ou Elephantiasis des Grecs , traduit sous les yeax 
de M. D. Danielssen par L. A. Cosson^, Paris 1846, av. atlas). Seit 
1849, wo das Lungegaardshospital zu Bergen seine Wirksamkeit begann , fungirt 
er bei demselben als Oberarzt. Er gab später noch die Volksschrift: „Den spe- 
dahJce Sygdom, dens Aar sager og dens Forebygg eisesmidier** (Bergen 1853) 
heraus, femer zusammen mit C. W. Boeck: „Sämling af lagttagelser om Hudens 
Sygdomme** (3 Hefte, Christiania 1855 — 62, mit illum. Taff., fol., auch mit 
französischem Text) — „Syphilisationen anvendt mod Syphilis og Spedalshhed** 
(P*^en 1858). Ausserdem Aufsätze im Norsk Magazin for Laegevid. (nament- 
li Berichte über die genannten Hospitäler), in der Ugeskrift for Medicin og 
P rmacie (I, IV) und den Annales des maladies de la peau et de la syphilis 
{. 15); dazu eine Reihe von zoologischen Arbeiten, die Fauna von Norwegen 
b effead. 

Kiaer, pag. 89. 0. 

Dankwerth, Kaspar D., unbekannten Geburtsjahres, aus Oldensworth, 
^ ie in Basel Dr. med. mit der Dissertation „Z^e hie Hungarica** (1833) 
n praktieirte bis 1641 in seiner Vaterstadt Husum. Dann aber wurde er 



128 DANKWERTH. — DANZ. 

Bflrgemeister, wandte sich administrativen und localpatriotiscben Aufgaben zu und 
leistete medicinisch nichts Weiteres. 

Allg. Deutsche Biogr. IV. Bed. 

Dann, Edmund D., erster Docent für Ohrenheilkunde an der Berliner 
Universität, habilitirt 1832, machte sich am meisten verdient durch seine über- 
sichtliche „Skizze einer GeschicJde der Ohrenheilkunde*^ (Berlin 1834; abgedruckt 
in Hokn's, Nasse's und Wagner*s Arch. f. med. Erfahrung etc. Jahrg. 1834, 
Mai und Juni). D, starb 1851. A. Lucae. 

Danyau» Antoine-Constant D., zu Paris, war daselbst 1803 als 
Sohn des sehr beschäftigten Geburtshelfers Alexis -Con st an t D. (geboren 1767, 
gestorben nach 1845) geboren, wurde 1829 mit der These „Essai sur la mdtrite 
gangrhieuse etc.^ Doctor, ging darauf acht Monate lang nach England, war von 
1830 — 34 Chef de clinique bei der medicinischen Klinik der Facultät, concurrirte 1832 
fttr eine Stelle als chirurgischer Professeur agr6g6 mit der These „Des abc^ de la 
marge de Vanus", wurde 1837 Chirurg beim Central-Bureau der Hospitäler und 
von 1839 an beim Hosp. de Bicetre und bald darauf bei der Matemitö, als 
Chirurgien adjoint von Paul Dubois, indem er sieh von da an ausschliesslich der 
Geburtshilfe widmete. Er gab in dieser Zeit eine üebersetzung von P. C. Naegele's 
^Des principaux vices de conformaiion du hassin et spicialement du rStrSdjtsement 
oblique^ (Paris 1840, av. 16 pl.) heraus. In den Arohives g6n6r. de m6d. 
(1841, 50, 51) sind mehrere bedeutende Aufsätze von ihm enthalten: Ueber 
Dystokie bei einer queren Scheidewand in der Vagina, über Anlegung der Zange 
bei Gesichtslagen, Exstirpation einer die Entbindung hindernden fibrösen Geschwulst 
der hinteren Mottermundslippe u. s. w. ; ebengo, nachdem er 1850 Mitglied der 
Akademie der Medicin geworden war, eine Reihe von Berichten in dem Bulletin 
de VAcad. de m6dec. (1853—54; 1855—56; 1864—65) über Seeale eomutum, 
über die Todten-Statistik der Matemit6, über abgestorbene Poetus und neugebome 
Kinder in gerichtlich-medicinischer Beziehung u. s. w. Er war als Praktiker und 
als Lehrer, wie als Mensch und Gelehrter, der die Literatur seines Faches voll- 
ständig beherrschte, sehr geschätzt und starb am 19. Februar 1871. 

Sachaile, pag 219. — Gaz. des höpitaux 1872, pag. 173. — Dechambre, 
XXV, pag. 628. G. 

Danz, Ferdinand Georg D. , geboren den 26. October 1761 zu 
Dachsenhausen in der damaligen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, studirte zu 
Jena und Giessen Medicin und erwarb sieh an der Universität der letztgenannten 
Stadt mit einer Inaugural-Dissertation „Brevis forcipum obstetriciarum historia^ 
(1790) die Doctorwürde. Im nächstfolgenden Jahre trat er in Giessen als Privat- 
docent auf, wurde Prosector und Professor extraordinarius , starb aber schon am 
1. März 1793 im Beginne seiner hoffnungsvollen Laufbahn. D. war zwar eigentlich 
kein Geburtshelfer von Fach, doch schlagen die meisten seiner Arbeiten in dieses 
Gebiet oder in die mit demselben im speciellen Zusammenhange stehenden Capitel 
aus der Anatomie und Physiologie ein. Seine obenerwähnte Inaugural-Dissertation, 
Giessen 1790, in 4. liefert eine gute kritische Geschichte der Zange. Seine 
Habilitationsschrift „Programma de art obstetritia Aegyptorum** (Giessen 1791, 
in 4.) hat mehr historischen Werth. Unter Sömmerring's Leitung verfasste er: 
„ Orundriss der Zergliederungskunde des ungeborenen Kindes in den verschieden 
Zeiten der Schwangerschaft^ (Bd. I, 1792, Frankfurt und Leipzig; Bd. H, 171 
Giessen, in 8.). Sömmerrtno versah dieses Werk auch mit Anmerkungen. 17' 
erschien sein ;, Versuch einer allgemeinen Geschichte des Keuchhustens" (Marbni 
in 8.) und 1793 „Semiotik oder Handbuch der allgemeinen Zeichenlehre f\ 
angehende Wundärzte" (Leipzig 1793, in 8.). Kleinere Arbeiten von ihm find 
sich in dem von seinem Lehrer Stabk herausgegebenen „Archiv für Geburtshilfe etc 
Bd. HI und IV, sowie in Baldinger's Magazin. 

Biogr. med. — Biogr. univers. — Deutsche Biogr. Kleinwächt" 



DAOÜD. — DARCET. 129 



a)aoud 



el Antaki, aus Antiochia, lebte grössteniheils in Cairo und starb 
1596 in Mekka. Er wird als directer und vornehmster Repräsentant des Spät- 
Arabismus bezeichnet und verdient unzweifelhaft Erwähnung wegen seines Werkes 
jyTedhira". Aus vier Büchern bestehend, bietet dasselbe im dritten Buche eme 
Art Medicamenten-Lexikon — 1712 Artikel über Heilmittel — dar; Kaffee, Resina 
elemi wurden hier mit aufgezählt. — Das vierte Buch enthält ebenfalls in lexiko- 
graphischer Anordnung Abhandlungen über Pathologie und Therapie. Ausser der 
„Tedkira^ rühren von D. EL Antaki noch Schriften über Augenkrankheiten, 
Bäder, Anatomie und Aetiologie der Krankheiten her. 

Leclerc bei Dechambre. Red. 

Dapper, Olfert D., aus Amsterdam, wurde im Jahre 1658 in Utrecht 
als Studiosus medicinae eingeschrieben. Nach seiner Promotion etablirte er sich 
in Amsterdam, doch scheint er da die ärztliche Praxis nicht ausgeübt, doch sich 
hauptsächlich mit historischen und geographischen Studien beschäftigt zu haben. 
1663 gab er eine ausgezeichnete „Historische beschryving van Amsterdam^ 
heraus, dem bekannten Bürgermeister Nicolaas Witzen gewidmet; später hat 
er eine Reihe von Beschreibungen von Asien, Afrika, Palästina, Arabien etc. und 
auch eine hoU. Uebersetzung der Historien Herodot's veröffentlicht. Er starb 1690. 

C. E. Daniels. 

Daqnin, s. Aquin (d'Aqüin). 

Daran, Jacques D., am 6, März 1701 zu St. Farjon geboren, lernte 
Chirurgie, erlangte zunächst eine Stellung als Regimentsarzt in österreichen IMensten 
nnd trieb sich in Mailand, Turin, Rom und Neapel umher. Es gelang ihm in Messina 
ebenfallfi als Militärarzt anzukommen und sich bei einer Pestepidemie hervorzuthun. 
Seme Landsleute transportirte er glücklich nach Marseille und erregte durch sein 
Verhalten bei dieser Affaire geradezu Enthusiasmus. Als sich der Ruf seiner 
Geschicklichkeit in der Behandlung der Hamröhren-Stricturen weiter verbreitete, rief 
man ihn nach Paris (1754), wo er seine Bougirkunst mit Erfolg weiter ausübte. 
Doch hielt er seine Methode der Herstellung elastischer Bougies nicht nur geheim, 
sondern gerirte sich bei ihrer Anpreisung wie ein echter Charlatan. D. starb 1 784 
mit Hinterlassung folgender Werke: „Recueil d^observ. chir. sur les maladies 
de ruT^tre etc,^ (Avignon 1745; vier weitere z. Th. Pariser Auflagen bis 1768) — 
„TraüS complet de la gonorrh4e virtilerUe etc." (Paris 1756) — „Composüion du 
remhde de M. Daran publiSe par lui-m^ne** (Daselbst 1770, 1780). Ausserdem 
mehrere Streitschriften. 

Dict. bist. II. Red. 

♦Darby, Thomas D., Arzt in Wicklow (Irland), M. R. C. S. Eng. 1832, 
L. R. Q. C. P. Irel. 1860, hatte seine Ausbildung am Dubl. Lying- in -Hospital 
genossen, als er am Rattdown Workhouse and Fever Hospital seine Thätigkeit 
entfaltete. Eine grössere Schrift von ihm ist ;,0w the Operation of strangulated 
kemia** (Oxford 1868) — „Cases of spinal arachnitis^ (erschienen in Med. 
Press., 1879) — „On zymosis, septicaemia and blood poisoning" (im Brit. med. 
Joum. gleichzeitig). D. erfand einen neuen Apparat zur Blasen-Irrigation. ^^^ 

Darcet, Jean D. (später d'Arcet), französischer Arzt und ausgezeichneter 
( miker, geboren 1725 in Douazil, studirte in Bordeaux unter sehr schwierigen 
y liältnissen, wurde dann Hofmeister im Hause Montesquieu's, dessen Wohl- 
1 len und spätere Freundschaft er sich erwarb. Er kam nach Paris und widmete 
s hier in der Rouelle beinahe ausschliesslich dem Studium der Chemie. Seine 
j eiten auf dem Gebiete der Chemie machten ihm auch ausserhalb der Grenzen 
fi es Vaterlandes einen geachteten Namen. D. starb 1801 als Membre de Tinstitut. 

Unger. 

Darcet, den Sohn s. unter d'Arcet. 

-. Lexikon. IF. -^ 






1^ DAREMBERG. — DARRÄCH, 

Daremljerg:, Charles Victor D,, in DijoD geboren, fitudirtc in seim^m 
GeLurtßorte und proniovirte im Jahre 1841 in Paris mit einer Diagert. : f^Expomtmi 
den connattimnces de Calvin atfr Vanatomiej la pht/siolof/te et la paihrdoip'e 
du sj/M^ me nervenx " . Kac h dora er ei n ige Jah re als A rni en arzt fu n^rt Latte 
und auch Assistent am Museum Uistoriae naturalis gewesen war, wurde er 1846 
Bibliothekar der Academie de medettine und 1849 Bibliothekar der Bibliotheque 
Mazarine. In dieser letsstereu Qualitifit machte er verwehiedene wissenHchafltlicbe 
Reiüen in ItalieUj Deutsehlaud, der Hehweiz, Belgien und England, um bibliographische 
Untersuchungen anzustellen und seltene medicinischc Handschriften zu gtudiren, 
Ali^ 1871 an der mediciniechen Facultlit aufs Neue eine Frofessur in der Geschichte 
der Mediein und Chirurgie errichtet wurde, eniauute man J), für dieses Amt, 
obglcieh er t^ehon seit 1Ö64 am Oe liege de France Vorlesungen hielt über die 
Geschichte und Literatur der medieinischen WiBseni^ebafteü. Er war jedoch m 
sehr Bücher -Gelehrter, um ausserlich gros&en Erfolg zu haben als Doccnt, und 
beschäi'tig1;e sich mebr mit seinen privaten Studien und dem Zusammenbringen einer 
au&gedehnt«n uud vortrefflichen Bibliothek (welehe naeh seinem Tode dnreh die 
Academie de mödeclne augekauft wurde) als mit seinen Vorlesungen, R starb 
Im Oetober 1872 auf seinem Landbaus zu Meöuil-le-Roy. 

Eine chrono log ist' he U^beraitlit semer wisaenseliatltlit'heti Arboiteu, anter denen seine 
Änsgubea von O r i b a a i VI ä (in Ci^IlnboriUlon mit Cats B iiKSfrin aker) iind von Celsus' 
„LJbri dt! nierliciim^ (Leipzig 1850) einen liervorragenden Platz einnehinea, siebe bei 
Dechanilire, Tnm.2b. i\ E. Danisu. 

*'DaTeste, Oamille D,, trat zuerst im Jahre 1847 wissenschaftlich auf 
mit ^Pi^opoiikions d'auatomte^ de ph/sfologie et de pothologit*^ (Paris) j viel 
später publieirte er eine „Note aitr Vexistencf^ de ramtdon dans le jaune d^ömf" 
(Daselbst 1868) und erreg'te die Aufmerksamkeit besonders durch die ^Beckerchm 
BUT la pn>duction cirtißcteÜe des momtrutmlh ou t^sf^at^ de teratogSnte eocperi- 
Tticntale^ (16 Taf. Paris 1876), 8eit mehreren Jahren ist D. als Director des 
Laboratoriums ftlr Teratoloj^ie au der ßeole des hautes etudes thäti^ und ver- 
öffentlichte viele Aufsätze teratrilogischeu und allgemein -physiologischen Inhaltes, 
besonders auch in ^^ir Revue seieuttfiqne- ße^L 

DariOt, (Mau de D*, aus Pomar (Rurgund) 1533 — 1504, sehrieb ausser 
philosopbi sehen und astroh igiseben Sebnften einen ,, Dücmirs ^r la gtmtte et troü 
traües äur la priparatioyi des mSd/cametis" (Lyon 1603 und J^IoDtbelliard 1608;. 

Biogr. ni6d. III. Hod. 

Dariste. Von zwei Inhabern dieses Nameus ist nur bekannt, dass D, le 
jeune zu Martiuii]ue zwi^i Selirifteu doa ebenfalls dort thätigeu D, l'afue fiber 
Kaiserschnitt tu den Ann, de la soc. de med. prat, de Montpellier 1816 ei*seheinen 
Hess. — Der Dritte ist Fran ^eis- Jose p h D.j zu Martiuifiue geboren und 1?^2(\ 
Dr. med. zu Montpellier, der sich spiiter in Bordeaux niederliess und über Gelb- 
fieber (B^Jrdeaux 18 LH, resp. Paris 1826). hygienische MassrejS^eln in den Troj>eu 
(Bt^rdeaux 1 834) und über verschluckte F'rcmdköri)er (Jouru, geu- de med, 1825) schrieb. 

t'licrcaii bei Bechambre* Eed. 

BarluG, M i e h e 1 D. * französischer Arxt und Katurfon^ehcr , geboren In 
Grimaud 1707, gestorben in Aix 1783^ war ein SeKuler LtEüTÄiD'i^ uod RorELLE's, 
wurde Profe^^sor der H(»tanik in Ah , woselbst er auch ärztliebe Praxis übte u 
tih solcher die Vaecination eitrig propagirte, — Fu ter seinen Schriften siud : 
nennen ; „ Histoire naturelle d^ la Provence cüntenant ee qiC il y a de ph 
reuiarquahle dans les T^.giieJi vegStalj mtneralj animal et de la partie giojMrnif^f/e 
(Ävig'non uud Marseille 1782— 1786J. l^njrer, 

Darracll, William D„ wurde 171)6 geboren^ wirkte am mediciniHebr 
Departement des Pennsylvanian College bis 1865, seinem Todesjahr. Beine ^Dr 
wintja of the anatomy of the groin c^c."* erscbienen Pbiladclpliia 1830, in di 



DARRACH. — DARWIN. 131 

40er Jahren eine Reihe von Vorlesungen über allgemeine inedicinische Themata; 
anch Gesehichtliches über das oben erwähnte Institut (1851^ resp. 1855). 

Vollst. Biogr. (nicht zugänglich): Phil. med. and. surg. Rep. 1864. Red. 

Darwin. Der Grossvater von Charles Robert D., der in allen älteren 
biographiachen Sammelwerken ausführlich besprochene Dichter und Philosoph, 
Botaniker und Zoolog, Er asmus D., am 12. Deeember 1731 zu Eiston (Nottingham) 
geboren, war nicht nur medicinisch ausgebildet (Cambridge und Edinburg), sondern 
prakticirte auch ; anfänglich zu Nottingham, mit nur massigem Erfolg. In Lichtfield 
jedoch, wo er sich 1756 niederliess, glückte ihm eine Cur an einem hervorragenden 
Manne, die ihn schnell in Renomm^ brachte. Durch eine glückliche Heirat von 
Aeuaserliehkeiten noch mehr unabhängig geworden, wan^e äich D. zuerst der 
Dichtkunst, dann den Naturwissenschaften im ganzen Umfange zu. Die „Zoonomta 
or tke laws of organic life^ (London 1794 — 1796, 2. Bände, 4. — dann 
Daselbst in 4 Bänden, später deutsch, französisch, italienisch), das Werk, welches 
ihn in erster Reihe berühmt machte, begann er bereits 1770. In die Zwischenzeit 
bis zur ersten Publication desselben fiel sein Wegzug von Lichtfield in Folge einer 
zweiten Heirat, durch die ihm Schloss Radbourne bei Derby zufiel. In letzterer 
»Stadt starb er am 18. April 1802, nachdem dieser Ehe noch 6 Kinder entsprossen 
waren, und nachdem er sein Gedicht „Botanic garden" (London 1791 — 1799, 
2 Theile) — die „Phytologia'' (London 1800—1801) noch selbst publleirt hatte. 
Das Gedicht „The temple of nature" erschien posthum (London 1803); die 
mediciBischen Abhandlungen D.'s sind im 3. Theile der Transact. med. und im 
11, — 15. Theile der Transact. philos. veröffentlicht. — In gewisser Weise lehnen 
sich die darin niedergelegten vitalistischen Ansichten an Brown 'sehe Gedankengänge 
an. Aber D. giebt sich viel weniger einseitig, \'iel physiologischer im heutigen 
Sinne. Für ihn existirt zwar auch ein naturphilosophisches Grundprincip, die ewige 
Bewegung, aber er argumentirt stets mit gediegenen Beobachtungen und räumt 
dem Experiment an allen bedenklichen Wendepunkten die vornehmste Stimme der 
Entscheidung ein. Seine eigenthtimliche Dunkelheit des Ausdrucks, eine selbst- 
geschaffene Terminologie, am meisten vielleicht die ünbekümmertheit, mit welcher 
er Hypothesen, die seinem Zeitalter bizarr erscheinen mussten, unerklärt hinstellte, 
verhinderten, dass seine geistreichen Essays eine durchschlagende Bedeutung 
gewannen. — Von seinen Kindern erster Ehe waren zwei Mediciner, nämlich 
Charles D. , welcher indess schon während seiner Studienzeit zu Edinburg im 
20. Lebensjahre (1778) starb, nachdem er „Experiments etablühing a crüerion 
between mucüaginous and purulent matter, with an account of the retrograde 
motians of the absorbent vessels of animal bodies in some diseases" (Posthum 
Lichtfield 1780) bearbeitet hatte, und Robert Waring D. , renommirter Arzt 
in Shrewsbury (Shropshire), der eine Tochter Josiah Wedgew ood's, des Refor- 
mators der dortigen Thon-Industrie und des bezüglichen Kunstgewerbes, heiratete. — 
Diesen beiden wurde Charles Robert D. am 12. Februar 1809 zu Shrewsbury 
geboren. Eine gerechte Würdigung dieses ausserordentlichen Mannes kann aus 
zwei Gründen an dieser Stelle unmöglich erwartet werden. Einmal hat sich D., als 
er auf den Wunsch seiner Angehörigen 1825 — 1827 zu Edinburg Medicin studirte, 
TMPhrfach darüber ausgesprochen, dass der ärztliche Beruf ihn abstosse; ja er ver- 
'sehte sobald es ihm irgend ermöglicht war, das medicinische Studium mit einem 
leren und widmete' sich in Cambridge der Theologie. Erst die hier mit Hexslow 
lehlossene Freundschaft, erst das Studium der HuMBOLDx'schen Reisen regte ihn 
sich den Naturwissenschaften (aber keineswegs der Medicin) wieder zuzu- 
Qdcn. Auf der anderen Seite harren die sicher nicht kleinen Anregungen, welche 
^le grosse Persönlichkeit und die dominirende Bedeutung seiner Anschauungen 
ßiell für die Medicin haben könnte, noch der Bearbeitung: sie sind weder 
rcfaflichtig genug, um sich von selbst zu ergeben, noch hat sich während der 
•zen Frist, die seit D.'s Tode verflossen ist, eine geschickte Hand gefunden, 



132 DARWIN. — DAVAINE 

um diese Beziehungen zu erläutern. Wir überlaggen deshalb dieselben der weiteren 
Forschung und fügen dem bekanntlich sehr einfachen weiteren Lebenggange D/s 
das Verzeichniss seiner wesentlichsten Arbeiten ohne weiteren Commentar bei. — 
Auf dem unter Kapitän Fitzroy für diese Forschungsreise speciell ausgerüsteten 
Schiff „Beagle" verliess D. am 27. December 1831 sein Vaterland, um es am 
2. October 1836 wieder zu betreten. Die Hauptpunkte der Expedition waren 
gewesen : Bahia, die patagonische Rüste, die Falkland-Inseln ; die Magelhaen-Strasse, 
die Galopagos-Inseln. Zwei Abstecher hatten nach den Galopagos stattgefunden^ 
1836 kreuzte der „Beagle" im stillen Ocean und legte am oben genannten Datum 
in Falkmouth an. Drei Jahre hinterher lebte D., ausschliesslich mit seinen Samm- 
lungen beschäftigt, in London, begab sich dann zu seinem Onkel Wedgewood 
nach Straffordshire und heiratete noch im gleichen Jahre 1839 seine Base Emma. 
Bereits 1842 zog er sich dann nach dem Landsitze Down, unweit Beekenham 
(Kent) zurück, um auf demselben fast genau 40 Jahre — nämlich bis zum 
19. April 1882 , dem Todestage, seinen Experimenten und Studien zu leben. Im 
Folgenden die Resultate derselben, Werke, deren Inhalt die wissenschaftliche 
Mitwelt tief bewegte und deren Gregenstände auch der gebildeten Laienwelt nicht 
fremd blieben : „Journal of reaearchea into the geology and natural kistory of 
the vartous countries visited by H. M. S. Beagle under the command of Gap, 
Fitzroy B. N, from 1832—1836'' (London 1839) — „(?n the structure and 
distrihution of coral reefs^ (1842) — „GeoL observ, on the volcan Islands^ 
(1844) — „GeoL observ, on South America^ (1846) — „Monograph of the 
subclass Oirripedia^ (1851, 1854 durch die Royal society) — „On the origtn of 
species by means of natural selection , or the preservation of favoured rtices 
in the struggle oflife" (1859, gleichsinnige Briefe und Aufsätze vorher) — y,^< 
Variation of animals and plante under domestication^ (1868) — „ The descent 
of man and selection in relation to sex*' (1871) — n^^ expresaion of emotions 
in man and animah" (1872). — Die deutschen Uebersetzungen anlangend, vgl. 
J. V. Carüs, Bd. I, S. 675. ^^ ^ 

Dauben ton, Louis-Jean-Marie D., am gleichen Orte wie BOFFOX 
zu Montlear (Burgund) am 29. Mai 1716 geboren, sollte in Paris Theologie 
Ktudiren, beschäftigte sich jedoch heimlich mit medicinischen Studien, und zwar 
vorzugsweise mit Anatomie. Der Tod seines Vaters machte ihn frei, er wurde in 
Rheims promovirt (1741) und begann in seiner Vaterstadt zu prakticiren. Jedoch 
bereits 1742 zog ihn Büffon nach Paris, verschaffte ihm 1745 eine Stelle am 
naturhistorischen Museum und gewann seine Arbeitskraft der Zoologie. Die späteren 
Streitigkeiten beider Gelehrten wegen der „Histoire naturelle", an welcher D. einen 
grossen Antheil hatte , fallen ans dieser Betrachtung. Seine selbständig verfaasten 
renommirtesten Arbeiten sind: „Les diferences essentielles de Vhomme et de 
Vorang-outang" (M6m. de TAcad. des sc. 1764, in welchem er der Lage de« 
Foramen occipitale eine ganz besondere Bedeutung vindioirt) und „Sur les indi- 
gestions^. D. wirkte von 1783 ab als Professor der landwirthschaftlichen Oekonomie 
zu Alfort und starb am 31. December 1799. 

Dict. hist. II. Red. 

Daumont, s. d'Aumont. 

Davaine, Casimir-Joseph D., zu Paris, war zu St. Amand-les-Ea 
(Nord) um 1811 geboren, wurde 1837 zu Paris Dootor mit der These: „ 
Vh^matocele de la tuniqiie vaginale^ , widmet« sich fast ausschliesslich wisö 
schaftlichen Untersuchungen und war ein eifriges Mitglied der Soci6t^ de biologi 
für deren Comptes rendus er zahlreiche Mittheilungen lieferte. Er bekleidete niem 
eine öffentliche Stellung, wurde aber 1868 Mitglied der Akademie der Medici 
verfasste ein vom Institut mit einem Preise (1852) gekröntes Memoire: ^i 
la paralysie g^nSrale ou partielle des deiix nerfs de la septihne paire" u\ 
widmete seine Aufmerksamkeit besonders den Entozoen, über die er verschiede 



DAVAINE. — DAYIDi^ON. 133 

AbbiaiidIuii0^eii schrieb, Sem Hauptwerk über dieselben ist der ^/FraifA des ento- 
zimires et deji viaiadies vermineuMes de V komme et den anitnatix dornest if/um^ 
iTari^ 1860), Er ist ferner bekannt diirob seiue UnterHUcbmi^eü Über dio Milz- 
brand'Bactericn. Kr starb am 14, Oktober 1882 auf seiner Besitssiin^ zu Garehes 
(Seine^et-Oise). 

Gtt», dej h5p. 1882, pag. £*59. — Med. Timt'^ and Giu. {^^'l JI, pag. 5:^7. G, 

Davasse, JuIcb D,, seinen Lcbensdateii nach unbekaßnty trat zuerfife mit 
^Des fievres ephemere et st/noque" (Paris 1847) auf. Später verööeut lichte er 
ti ater dem Titel : „ Tk t^mpe a titjn e exp6r im en tti le ^ ( Daselb st 1854) B e o b acbt u n g^n 
ober Strychniuanwendüug bei Cbolera und ein uuif^uglicbe« Werk ; „La syphül^ 
jfe^ formfs^ son umti^ (I8G5). Im „Art inödical". dessen Herausgeber 1), voa 
1855^ — 1878 war, erschien noch (T, XXI, XXU^ XX HI;: ^^La dmtkese puralenie 
meconnue" — neben kleineren Mittheilungen, ^^^ 

*Davey, James Georg- e Ü., in Bristol, g-enoss ^ieiue inedieiiiJ?*ehe Auü- 
bildung haupttmchlieh im St, Bartbolomäu3-Ho?fpjtal, und zwar big 1833. M, R. 0, S. 
Eng. wurde er 1836, M, R, C, P, Loml, 1859 und M. D. And, 1863. Er bat 
einen atcbt unbedeutenden Theil seines Lebens, die Zeit von 1841 bij^ 1852, in 
reybn im dortif^en Ärztlichen Civildienst zugebracht, legte tiich naeh seiner Rfick- 
kehr hÄuptsfieblich auf Psychiatrie und Nerven krank he iteu und fnn^irt an der weib- 
lieben Abtheilung de^ Middleees: Lunatic Aaylum als Mediea! Suijeriutendcnt, \oii 
ihm rühren her: „The imture and proximaie cause of insantty^^ ('London 1853) — 
^The gangliank itervmi^ System etc.^ (DafieJbst 1858) — ,,7%e prevalence of 
micide"^ (8oc- Bcient, review, 1863) — ^^.M dfpmnmma'' (Trausact of 8t, Andr, 
^ad, a»soc. 1872) und mehrere psyebiatrisebe Abbandlunj^ireu in Wixslow's Jonm. 
(187 5 j 1879), Als Lehrer trat D, 1658 vor der Bristol med. ^ebool mit ^Lec- 
titreä tm inBunity^ auf, ^^^ 

Davide Jean-Pierre D, ^ auif* Gex, 1737 — 1784, ^in^ nach privater 
Vorbereitung bei einem Arzte in 8egssel, dem er diente, nach Lyon und Paris, 
wnrde zuerst Maftre en Chirurgie (1764), dann aber trotzdem bald darnach 
Dr, med, Seiu Schwiegervater Legat (s, diesen) verschaffte ihm die Nnehfolger- 
Schaft als Chirurgien en ehef am Hotel- Dien in Ronen, wo iL uocli eine Reibe 
nicht nnbedeutender Arbeiten sei neu bereits voraufgegangenen hinzufügt. Diese 
iraren insofern die für ihn wichtigeren gewesen, als eine Reihe von ihnen mit 
Preisen gekrönt waren j so von der holländischen Geaelisehaft zu Haarlem : „/>?>.¥^r^. 
fftir ce qu^il conment de faire pottr diminuer on ^upprlmer le lak deft fmumes'-'^ 
(Paris 1763); von der Aead, royale de chir, die Arbeit : ^Sur la mfinü're d^onwir 
et de trniter lest ahsce^ dans toutes les parties du corps^ (Daselbst 1761) und 
daa „M^w. sur les contrecoups^ : voo der Aead, des sc. in Ronen: j^Dtssert, 
mr le ni^cham'sme et les usagea de la re$piration^^ (Da selbst 1766). — Aus der 
späteren Zeit stammen neben dem „Traiti de la nutnilon et de raccrowsement etc,"^ 
(Daselbst 1771) noch eine „Dwsert. mr les ("ßeU du mouvement ei da rejton dans 
l^s maladies chinirgicales** (Daselbst 1770) und — speeiell hervorzuheben — - f^Oh- 
AerviitiOTis mir une laaladie des os connue motijt le nom de nicroae'^ (Daselbät 1782), 

Biet. hiBt, II, R<jd. 

/David de Fomis, jüdischer Arzt aus Sptdeto, 1525^1 6Ch), führte, voa 
\ ^Inen Bischöfen verfolgt , ein Wanderleben , welches ihn unter Anderem auch 
] h Rom und Venedig ffthrte. Abgesehen von seinem hebräischen Lexikon ach rieb 
i hierher gehörend: „i?e senum nffectibus^ (Venedig 1088)* 

Halm bat Deeh ambro« Red. 

Davidson, Wolf D, , 1773 — 1800, env-arb sieht in seiner Vaterstadt 
] lin praktieirend^ einen sehn ftstelleri sehen Namen durch Abhandlungen über den 
i la f ( 1 79 5 ) , t b ier iftchen Magn etismus (1798), E r nfl nss der weibl ie h e n Tr ach t au f di e 
< ''ndheit (gleiehzeitig), Briefe über Berlin und einige Uebersetzungeu, ^^.j 



IM DAYIDSON. — DA VIEL. 

*DavidsoD. Zwd lebende eDglisebe Aerzt«, von denen Alexander D* 
in Liverpool \eht. Er wurde M. D, Kdin. lS72, M- R, C. P, Loüd, 1874 und wirkte 
längere Zeit am Northern Hoj^pital und an der Intinuary for childrou an seinem 
W^jLnorte. Ausner AuMtzeo in der Lauoet (1874J, im Practitioner (1872)» in 
den TransjacL der Pathol. soe, (1877J und an anderen Stellen publicirte er: 
,,Fii(^t(!ohyp<rtrophic muscuJar ^mral^sü^ und f^Senfie of taste in relation to 
faciül paral^sis and anaesthesw*^ . — *Jolin D., der Med, .Superintendent des 
Irreulinspitals in Cheater, wurde von der UuiverBität Edinburg 1863 proniovirt, 
naehdeni er längere Zeit am Boro Lunatic Asyl um in Birmingham g-e wirkt liatte. 
Der frühere Theil Reiner Schriften ist ^ynäkologieeheu Inhalts, m llber Sehwan;^er- 
seh^ift, Geburt, Puerpemlfieber (1863); die späteren besclirieben psyehiatrisehc 
R ei se er fa h nm gen : „ Heu \ a t -k^ o n so 7n e of th e (arge a syl u m s of It a ly ^ f Jf^ u r u . 
of nat» sc, 1874) uud (Ebenda 1875, 188 2 j türkJRehe Irrenhäuser und den Mi&s- 
brauch von Cannabift neben der Syphilis^ alH hilufige llrsaeben von Geigteskrank- 
heiten in der Ttirkei, "ReA. 

Daviel, Jacf(ues D,, wurde am 11, Auisrust 1696 zu la Barre in der 
;N'ormaudie geboren und st;irb am 3Ü< September 176:^, Er studirte Chirurgie 
zu Ronen und Paris j ^\ii^ aber im Jahre 17 19, als die Pest in der Provence 
gro^Me Verheenin^eu anrichtete, als Arzt dorthin und ieifltcte während der Dauer 
der Ejudemie m gute Dieuj^te, dasH ihm der Ki'mig^ eine Dceoration verlieh, tvelehe 
die Innebrih inv^: „Pro pewte fagata" und die Stadt Mnnieille ihn nuter die Zahl 
ihrer Wvmdärzte antnahm. Er erhielt auch die Stelle cine^ tJhirurgien major auf 
einer Galeere, AHein vom Jahre 1728 au zog er sioU von der Ausübung der 
allgemeinen Praxis immer mehr zurdek und widnitste sieh aussch II esslieh der Augen- 
heilkunde; er erwarb nich iu k(ir zerrter Zeit einen weitverbreiteten Ruf als Augeu- 
arzt und ?^peeieü als* Au gen Operateur und wurde iu Folge dessen iu die ver- 
sehiedeuäteu Länder berufen; so 1736 nach Lissabon, 1745 dureb Ferdinand VL 
naeh Hpanieu ^ 1 750 an den kurtiilrfitlichen Hof nach Mannheini , «odaun an den 
Hof nach Bayern, Man verseuchte e^ aueh, ihn dauernd an dieses oder jenes Land 
zu fcsf^eln; so machte ih(n z^ B. 1745 die spanisehe Regierung glänzende An- 
erbietnngen. doch w^iet^ er alle derartigen Vorschhlge von der Hand und tiess «ich 
1746 danernd in Paris nieder, wo er 1749 zum königlichen Oenlisten ernannt 
wnrde. Mit dem Jahre 1750 beginnt aber eigentlich erst die her\^orrageüd 
operative Thiitigkeit IX*i^ , speciell seine Extraetionsversuche des grauen Staare^ii, 
durch die er sieh t^lr alle Zeiten einen uuverg:lngHcheD Namen in der Gesehiehte 
der Medieiu , ja ganz gewiss sogar in der Geschichte der ^lenschheit überhaupt, 
erwerben sollte* Allerdings war die IdeCy den grauen Staar auf operativem Wege 
au^ dem Auge zu eutferncn, keine neue, vielmehr waren derartige Bestrebungen 
in den verschiedensten Kpoehen der EntwieklungsgeaeUiehte der Medicin immer 
wieder aufgetaucht^ doch hatte sich dkse Idee zu keiner Zeit zu einer w^irklieheu 
Operafionsniethode entwickelt. Erst D, wai* e« besehieden, dieser Idee eine leben s- 
l^lhrge Form zu verleihen uud aus dem blossen Gedanken der Staaransziehung' die 
wirk liehe That derselben zu gestalten* T'nd diese Umgestaltung hat IL, mögen 
ihm dieses sein gutes Recht auch noch so oft ueidische Conen rrenteu bestritten 
haben, in eigenster OriginnlitHt geschaffen. Alle die Prioritätsansprüche, die ge^en 
die D/sche Fstraetiou erhoben wurden , sind hiutHITig und k rennen das Verdien 
D,'s nicht im Geringsten bei.'iuträchtigen. Er muss vielmehr ohne jeden Zweif 
als der eigentliche Vater der StaarauHziehung gelten» Der Ruf dieser neuen Op 
ration verbreitete sich in kürzester Zeit llber die ganze gebildete Welt uud \ 
strömte D, in Folge desseu ein Operationamateri+il »u , wie es wohl kaum eine 
anderen Operateur jemals wieder zu Gebote gestanden hat; so niÄchte er z, 1 
1752 in einem Monat 206 Staftroperafionen, von denen 182 als gelungen bezeit'hn 
werden* Auch die gelehrten (fesellsehafteu der verschiedensten Länder beeifert* 
Bieh, den genialen Operateur zu ihrem Mitglicde zu erucuueu> Im Jahre 17* 



DAVIEL. -* DAVIS. 135 

wurde er von einem Schlagfluss schwer getroffen und starb an den Folgen desselben 
in Genf, wohin er sich behufs seiner Behandlung gegeben hatte. — Ausser ver- 
sehiedenen kleineren Artikeln im Mercure de France, Ree. p6riod. d'observ. de 
m^d. , Mem. de l'Acad. de chir. hatte er herausgegeben: „Lettre sur les maladies 
des yeiix** (Paris 1748) — „Deux lettrea sur les avantages de VopSration de 
la cataracte par extracttan^ (Paris 1756). Auch soll sich ein vollständiges 
Handbuch der Augenheilkunde nach seinem Tode als Manuscript in seiner Hinter- 
lassenschaft vorgefunden haben. Eine Beschreibung seiner Extractionsmethode gab 
er im M6m. de TAcad. de Chirurgie, T. II: „Sur une nouvelle mStkode de gu^rir 
la caiaracte par V extraction^ (Deutsch Altenburg 1755). Magnus. 

Davis. Der bei englischen Aerzten ziemlich häufige Name D. eignet 
zunächst einem älteren Militärarzte John-Burrell D., der, 1770 geboren und 
Dr. Edinb. 1808, als Kriegsgefangener in Frankreich einige Zeit verlebte. Später 
war er zu London Arzt am Einderhospital und veröffentlichte ausser einigen 
pädiatrischen Schriften (London 1817 und 1821) noch ein „Projet de r^glement 
cancemajit les ddc^s etc," (Verdun 1806) — „Observations sur les asphyxies^ 
(Daselbst gleichzeitig) — „A scientific and populär mexo of the fever of 
Walcheren^ (London 1810), sowie später (1836) ein populäres Handbuch der 
individuellen Gesundheitspflege. 

Hahn bei Dechambre. Red. 

Davis, David D., am 15. Juni 1777 geboren, am 4. December 1841 
gestorben, bildete sich in Glasgow (Mylne) bis zu seiner 1801 erfolgten Pro- 
motion aus. Zuerst in Sheffield als Arzt, dann in London thätig, erlangte er hier 
die Stellung als Geburtshelfer am Charlotte* Lying-in Hospital (1803) und später am 
Northern Dispensary und an der R. Matern ity Charity ; 1827 erhielt er den Lehr- 
stuhl dieser Disciplin am University College. Das erste Werk, womit er Aufmerk- 
samkeit erregte, war: „Elements of operative midioifery etc,^ (London 1825). 
Diesem folgten mehrere gleichsinnige (Daselbst 1831 — 1836), dann eine „De- 
scription of a craniotomy and polypus-forceps etc.^ (1817) und mehrere Aufsätze 
in London med.-chir. transact. 1823. — Auch tibersetzte D. Pinel's „Geistes- 
krankheiten". 

Haha bei Dechambre. Red. 

Davis, John Hall D., zu London, war als Sohn des Vorigen 1811 zu 
Sheffield geboren, studirte in London und in Heidelberg und wurde 1845 Doctor 
bei der Londoner Universität, nachdem er seinen Vater bis zu seinem 1841 
erfolgten Tode in seinem Lehramte unterstützt hatte. 1842 wurde er als Nach- 
folger seines Vaters Physician an der Royal Matemity Charity und behielt dieses 
Amt 40 Jahre lang bei. Nachdem er lange Zeit privatun Vorlesungen über 
Geburtshilfe gehalten, wurde er 1863 Docent derselben an der medicinischen 
Schule des Middlesex Hospital. Von 1867 — 69 war er Präsident der Obstetric&l 
Society, in deren Transactions sich zahlreiche Abhandlungen von ihm finden, 
z. B. über puerperale Convulsionen , Chorea die Schwangerschaft complicirend, 
über Uterus-Fibroide u. s. w., und war er ausserdem Verfasser der Schrift: rylUustra- 
ttons of dtfficuh parturition^ (London 1858; 2. Ausg. 1865 u. d. T. : „Parturition 
d its difficidties, Witk clinical illustratioiis and statistics of 13.783 deli- 
ries"). Er besass eine grosse geburtshifliche Praxis und stand bei seinen Collegen 
hohem Ansehen. Sein Tod erfolgte am 18. März 1884. 

British Medical Journal, 1884, I, pag. 746. — Lancet, 1884, I. pag. 779. G. 

Davis, Joseph Bernard D., geboren am 13. Juni 1801 zu York, 

!hte schon als Student der Medicin 1820 eine Fahrt in die arktischen Regionen 

•:. Im Jahre 1823 wurde er Licentiate der Society of Apotheearies, 1843 Mit- 

id des Royal College of Surgeons, 1862 M. D. of St. Andrews. Kurz vor seinem 

Fahre 1881 erfolgten Tode erhielt er die Ernennung zum Union Medical Oificer 



136 DAMS, — DAY- 

und Public Vacciaator zu Stokes-upon-Trent. Die Lectfire von Lawrence*« „LoctureÄ 
on the natural history of man^' flösste ilmij wie er selbst erzählt^ die Liel>e zu den 
authropolo^iflchen Studien eia , deren Frucht uhb ia den 1856 veTv^ffentliehten 
j^Crnnia Britannica^ vorliegt. Koeli ^icle andere Mono^aiibien und Beitrag 
anthropolngischcu InhaltH zeu^u von dem Fleisse , mit dem er kIcIi der Wif^gen- 
»chaft gewidmet Jiatte, Zu den vnn ihm gewannuelten Schädeln und Skeletten, die 
211 eiuer Anzahl von 1700 .Stück augewachHcn waren, ^ab er 1867 einen mit 
erkl^ircndon Katen vergebenen Katalng, den jj Thesaurus GramörUm^^ benins, den er 
1875 vcrvollBtändi^te. Für ?*eiue wiswenftehaftliebeu Verdienste wnrde er zoin 
Fellow of tbe Royal Sueiety und zum eorrespondirenden Mitglied vieler gelehrter 
Geßellaebaften des In- und Auslandos ernannt. ^^q 

Davy. Unter den Mitgliedern der engHsehen Obemiker-Familie IK waren 
Hnmjihrey 1>. und Jobn D. medieiniseb ans^^ebildct, Der Er^tere, zu Penzanee 
1778 geboren, fasste während seiner mediciniselieit Lehrzeit die Vorliebe für die 
Chemie^ iu welcher er ftieh durch die Arbeit über den Rospirationfl Vorgang hei 
den Seepflanze u j die Entdeckung des Lachgases j die Isolirung mehrerer Jletalle 
einen bedeutenden Namen gemacht bat, Direct für die Medieiu wirkte er dnreh 
die Errichtung der pneumatischen Aus^talt bei Bristol, für die Physik und Agrieultur 
dnrch eine Ecihc wichtiger Arbeiten, die wir hier nicht bringen können. Er starb 
zn Genf 1829. — Sein jftngercr IJruderj John !>., 17J)1 geboren, iu Edinburg' 
1814 promovirt, diente als Militärarzt iu Flandern, Frankreieh, Vorderindien, 
äowie anf den Mittelme^-rstationen fMalta). Zu AmblesidCi wohin er sieh zurück- 
gezogen hattCj Htarb er 1860 nnd hiuterlieRs unter einer grösseren Keihc von 
Arbeiten ^Fhysiological and anatornical rescarckes" (2 Bde., London l839j — 
„On c<yrrosiv€ mUtmat^ (Philos. TranHact. 1822} — „Experiments on the tor- 
pedo"" (Ebenda 1832) — ^Ow the tm^iperat^re of man*" (Ebenda 1845) — 
j^ Experiments on the blood. m connection müh the theorie of rejqnr€itmn^ 
{Ebenda 1838) — f,On the tetriperature of man wkhin tke tropics'* (Ebenda 
1850). — Denkwürdigkeiten ans dem Leben seinet^ berühmten Brnders gab 
John 1>, in zwei Bünden zn London 1836 heraus, ■ — Aus derselben Familie 
stammt Edmund I>., der jedoch nur cbemlseh arbeitete. Beil* 

Dawson. \^on der unten angegebenen Quelle werden zwei ältere englii^iche 
Aerztp D, unterschieden, Thomaw D, und Ambrosius D. Der Erste re , Arzt 
am Middlesex-Hoßpital , Htarb zu London 1782, naehdem er sieh besonders mit 
Gicht und Rhenmatismne (London 1774, 1776), reap. mit Augenentzündnjigen 
{Daseibat 1872: Empfehlung salpetersauren Quecksilbers in Salbenfomi) beschäftigt 
hatte. — Ambrosius D., über welchen alle Lebensdaten fohlen , schrieb über 
Blaaenkrankheiten (Med* transact. 1759 und Phil, t r ansäet, , gleiclizeitig) , spilter 
noch (London 1778) Über Hydrrjcephalüs internus und Hydatiden im Schafgehirn, — 
Von neueren Aei^ten des Namens thaten sich hervor: Richard IL, zu London 
mit 1848 — 1852 erschienenen Schriften Über Spermatorr ho e und MissbrAneh dex 
Kalt Walser euren, — W, W. D., in Oineinuatti, der 12 OhloroformtodeßfÄlle (Dasei l)st 
1871), einen medieintsch-statistisehen Bericht über den Staat Ohio 1872 nnd mehrerea 
Casnistische veniflcnt lichte* — B* F. D,, Chimrge in New- York, Ve-rf asser mehrerer 
1871 — 1875 daßclbst erschienener gynäkologischer Mittheüungen und einer Empfeh- 
lung des Chinin gegen Kenehhustcn. 

Dict. hiijt. IL Bei 

Day, Henry D. , geboren 1814, erhielt seine medie inisehe Ansbildui 
im Guy-Hospital nnd in Paris, promovirte 1858 an der ÜniversitÄt von St Andrei 
zum M, D,, nachdem er IS 35 Licontiate der Society of Apothecaries, 1842 Memli' 
des Royal College of Surgeons geworden war. Im Laufe der Sechziger-JaJirc erlang' 
er die Grade eines Extra-Licentiate, eines Member und 18G9 eines Peüow des Roy 
Collie of Physicians, Ausserdem wurde er 1861 zum Arzt am Allgemein' 



DAT. — DEBOÜT, 137 

ErÄnkeuliaiis i&ii Strafford benifeu , eine Btellun^, di*^ er Ins zu seinem 1881 
erW^en Tode beibehielt. Von hier aus veröffi?ntliehte er auch die meisten meiner 
medicinisehen Arbeiten, unter douen wir folgende hervorhoben : ,, Clinical hiMories 
wäh cmnments^ — „A rejforf on ozone" ~ ^Braui lesions and theh vonse- 
qumces^ — ^fftsiarical sieps of modern fnedicine^ (1872) — ^Bratn injurtes^ 
(1874) — y,Ct^rebrm]imalniemngiti» or so called .?/>o^^f(/ /*?i'er^ — „The j^pinal 
GTt^n qf rhefnnatwni^ etc. g^^ 

Day, Job 11 D., geboren am 21. November 1816 zu rendjroke??biro, nSnd- 
Walps, empfing^ 8cine mediciniscbe Ausbildung am Hofi]iital zu Middlesex, wanderte 
lur Zeit der Goldentdeckun^en nach Aufttralien aus, t\^o er sich bald eine geachtete 
StelluD^ erwarb uud am 10. Januar 1881 zu Geeloux, Victoria, j^tarb. Er mt der 
Autor foli^cnder Arbeiten: „AUotropic oxygen in tts relution to setence and 
arf^ — „On the use of owmc efher orul lard as a meanii of preventing fhe 
^read of scarlet fever ^^ — „Ow perojride of hydrofjen as a remedy in Pia- 
b^es^ — y^Wooden hospüah their ndvantages from a Hanitarf/ point öf tnew^ — 
^Application of noscen oxygen to dimifection and desodorisation of woundA 
atid ulceraled surfac^a^, -- Auch ist D. der Entdecker einer bekannten Hlutprobe. 

*Day^ Willibald Henry IX, auT dem Hmtol and Iviugs College aus- 
gebildet bis 1854 j wurde M, D, St. And. 1857, M. R. C. P. Lond. 1867, Am 
Saniaritan Frauen- und Kinder«pital l>creits lungere Zeit wirkend, gab er eine 
lieihe verdienstvoller, griij^atcntbeils bezügliche Gebiete bearbeitenden Abband lunj^en 
herans, m : ^ The pulmonary and cardio c comjdicatioiin of abdominal tumours etc/' 
(Transact, of the R. med.-chir. soc, 1875) — „On keadackes; their nature cause 
and treattnent** (in 3. Ausg. , London 1880) — ^C^rehral complications of 
typhoid fever iri children" (Harv, goe. 1875) — ^Disf^ane^ of children** (m 
2, AuÄg. 1881) und Casuistinebe« im Transact. of the clinical öoe. (1860, 1877, 
1878) und Brit. med. Jonm. (1870, 187.3^ 1881, 1884> ßed 

Dazille, J. B. D,, frauzrjsischer Marinearzt-, geboreu 1732 in Paris, lebte 
28 Jahre in den Tropen , zumeist auf San Domingo, und be^ebHtltigte sich hier in 
s^ehr eingehender Weifte mit dem Studium der Krankheiten der tropischen Kliuiate, 
Seine Schriften verdienen au8 diesem Grunde be^ionderes Interesse: „Ohs^rcatiouH 
g^nerales sur lea maladtes des nhijres^ (Paria 1776} — ^ObBervations geni- 
tales sur le^ tnaladies des climats chauds^^ (Paris 1785) — „Observations sur 
les t^tano9y sur la sant^ des fenunea enceintes et sur les /wpitaux d^eulre les 
tropiques" (Pari^ 1788), Uuger. 

De Amicis, Tommafto, e. unter A. 

Soase » William D», im vorigen Jahrhundert in Dublin wirkend und 
dort auch ausgebildet , veröffeutliehte eine lieihe ehirurgiseher casuistischer Mit- 
thedliingcn und polemislrte gegen die Symphyseotomie , den Kaiserschnitt , die 
Trepan an Wendung etc. Bedeutuog hatten ihrerzeit seine Schriften über venerisch© 
Krankheiten (Dublin 1780) und über die llydroeelenbehandlung (Dublin 1782). 

Dnraau bei Dechambre. Bed, 

Debout, Emile D. , aus Löwen 1811 geboren, hauptsächlieh Sehtiler 
äAT*s am Bieetre-Hospiee, Dr, med, 1837, gestorben 1865, war nicht nur auf 
1 Gebiete der medieiuisehen Journalistik, sondern auch wih sc nse haftlieb hervor- 
end thätig. Er trat 1847 in die Redaction des Bull, th^rapeutlque ein, welche 
bis zur Üeberualime dergelben durch Brichetead fortführte. Mit Goyeaud 
Iffentlichte er „//e l'etat de t/t^rapeatique concernant fe traitement des vices 
conformation gdnitaie^ (Paris 1858 und eine Ergänzung zu demselben Thema, 
i4). Ferner ein ^Recueil de m^num^es sur lo chirargie resianrairice** [Daselbst 
-fi), \'orher war das mit DuCKEXXK zu^autmen geüchriebene Werk (Iber 



138 DEBOUT. — DE CRECCHIO. 

Klektrtcität bei Läbmiiögen und Atrophien (1853), noch früber ein Versucb aber 
Phrenolüj^e (1842) erscbieneu. 1836 hatte D. die SMELLiE^Bchen ^eJmrtshilfliühen 
Tatcln liiit einer Ueberseta«o^ des Textes herausgegebeu- 

C h e T e a u bei Dechambre. Btt. 

* Debove, Gr e o r ^ e - JI a u r i c e D., geboren zu Paris um IL März 11? 49, 
ötiidirte auf der ficüle de Paris, ein Jahr auch in Berlin uud wurde Dr. med- 1673* 
Als Huspitalarzt in Paris (seit 1877 J uud Professeur agr^gc der FacdtjU in Paris 
iseit 1878) hat er zahlreiche klinische Arbeiten in den Verhandlungen der „Sofietfi 
medicale des böpitaux de Paris '^ publicirt. j^^^ 

De Carro, Gio vanni de C, zu Belluno geboren, ^rÜsBfentheila in Wiea 
lebeudj war einer der eifrigsten und tliiltigsten Verbreiti^r der Sehutzpoekcmnipfung 
wobei er die natUrljeheuj au den lüiubardischen Kühen entdeckten Kuhpor-kep 
benfitzte und den Impfi^toff in fast alle Länder Europas und naeh deiu fernen 
Orient verschickte- Ausserdem Rundete er in Wien eine Anstalt für Schwefel- 
räueherungen in chroßiseben Krankheiten. Seine wichtigsten Schriften sind: 
^Osaervaziom ed e^perk?Lze ^ul vatcino^ (Wien 1801) — .fStoria della vacci- 
nazione in Qr^cm, Ttirchia e nelle Indie orientali" (Wien 1814} — j, Lettern 
siil vacchw^ (18^0) — ^Relazione j istruzione ed osservazioni pratiche per 
rupplicQzione delh fumigasioni solforose^ (Wien 1817, 18110- Ferner ver- 
fiffcutlichte er verßeliiedene interessante Beobachtungen Über die Anwendung des 
Jods (in den Annali Univ, de Med. 1819, 1820, 1821> Caatani. 

* Dechainbre, A. D., zu Strassburg am 6. Februar 1844 mit der These 
^Hnr VliypertrophiB coticeMriqiie da coeur et les dt/üiations de V^pine fmr 
rdtracthn musculaire^ promovirt, gab von 1853 an die „Gazette hobdoraadaire 
de medeeiue et de Chirurgie" heraus, lebt als Mitglied der Acadeuüo de m6decine 
uud Medeein du conscil d'etat in Paris und ist besonder?? beknuut als oberster 
Leiter der f'ublication des grosÄCu .^Dictionnaire enct/clojfedigue den sr^ü^ncfji 
mSdicalefi** (^'r. 133 unseres Quell en Verzeichnisses) , dessen Bedeutung allgemein 
anerkannt ist- Von seinen frühereu Arbeiten sei noch die mit de Piedra Santa 
herausgegebene Schrift ^^Dc VenReignement medical en Toscfine et en France"^ 
erwHbnt* Red. 

DeckmaaB, Christian Gottlieb D., zu Rendsburg am 8, April 1798 
geboren, Thirurg im frauxO^^i sehen Feldzuge, dann zu Kiel uud Kopeuhagen weiter 
ausgebildet, an erster er Universität 1824 promoviii; und bereits 1829 an der-i^elben 
als Prosector und Extraordinarius, 1S33 als Director der ebirurgisehcu KHuik 
(Kaebfolger Fischer 's) angestellt, starb bereits 1837 und vereitelte durch seinen 
frühen Tod die durch seine Schriften ^lugeregten Hoffnungen, Dieselben behandelu 
chintrgiscb-caäuistisebe Gegenstände und finden sich publictrt in Jahrg. l— II von 
Pfakf's Mittheilungen, 

Hahn liei Dechambre* Red, 

* De CreccMo, Luigi de C<, geboren am 11. September 1832 in Lan 
ciano (Abruzzea), wurde 1855 in Neapel zum Doctar promovirt, 1H61 zum 
Öupplentcn , 1862 zum ausserordentlichen Professor und 1868 zum ordentlichen 
Professor der geriebtlichen Mediein an der Universität Neapel ernannt, welch 
Stellung er auch gegenwärtig inne hat. Zweimal war er auch zum heputirtcn d< 
itaiieniseben Abgeorductenkammcr gowflhlt und vertrat im Purin meut lebhaft di 
Interessen des niediciuischeu Lebru^eHcn« überhaupt und die des kliuiseheu üntei 
richte« in Neapel im Besouderen Die gesetzlich besehlossetie Uebertragung de 
Kliniken in die Nähe des grossen Krankeubauses der Incurabili hat in ihm de 
crfrigsteTi Vorbereiter und Verfet*bter gefanden. Sein Hauptverdienst aber ist woh. 
als der Erste m Italien dem Studium der gerichtlichen Mediein eine experimentcl 
Basis gegeben und ein eigenes Institut für gerichtliche Mediein in Neapel j troi 



DE CRECCHIO. — DEE. 139 

Söhwierifrkeiten , jsregiUudet au babeu , mit welchem aucli die Mor^^ue dir 
Xeipel verbunden werden i^olL — Seine wichtigsten Schriften Hind: ^Sulla fon^ 
dasione di {staut i mediCo-legaW (im MOR^iAGNI, Neapd 186:J) — ^Sopra im 
cmo di apparenze viriU in mia dönna"" (Dai^ielhKt 1^^65) — y^ Delta morte per 
fieddoj studii fiperimentali*' (Daselbi^t t86G) ^ — ^Ze Uggi italiane e la medicina^ 
^Daselbst 1869) — ^^Casistica medico-lrgalet raccoffa dl casi pratici^^ (DaBelbst 
1872J — „Lezfoni di mediema legale secondo i codici dd regno d^Ualia'^ 
fDaserUst 1873—75, in 2 Bänden). Cantanh 

*De Cristoforis, MalacUia de C-, geboren am 9. November 1832 zu 
Mailand , ^tudirte au der Tniversitüt Pavia ^ wo er 1856 zum Uoet^ir proumvirt 
i^nrde- Er T^idniete sieh besnnders dem Studium der Gebiirtsliilfe und 6yiiäkült>^ie 
and reiste zu ^leiuer Vervollkomraming uaeh Würzburg-, Prag, Wien, London und 
Paris, Seine bevorzugten Lehrer waren VAmzzXy Porta, Lovati, SCASfzuNi, 
Sevffeht, C, Braux, Spe:?cer Wells, Gbaily Hewitt und M. Siif.s, Vom JaUrc 
1867 bis 1877 fungirto er al.s Primararzt im tMpedale niaggiorc von iVIatlandj 
g^e^amw-lrtig i*^t er Privatdocent seiueüi Faehes. Au den italienischen Befrei imga- 
krie^en von 185Uj 1860 und 18G6 nahm er aln Milltlirarzt Tboil, Er wirkt lu 
Mailand als Arzt, namentlich f[tr Franeukraukheiten , und verrifteutlichte u, A, : 
^ Delle deviazioni utet-ine e de Ha loro cura meccanica^' (Pavia 1850) — 
^Qvarifitomia tseguita etc,^ (Gazz* med, itaL Lombard. 1868^ — „Ze ttialaUie 
dtllft dofinuj (rftUolo cUrtico^ (Mailand 1861) — fjTotise rtßessa du antivefsione 
dtlV uiero'^ (Giom. intemaz. die sc. med., Neapel 1383) — „ Vidvodima e metrite 
cervlcaie f/ranulosa m gicvane mildle^ (Morgagni 1883) — „Vago-eletlro- 
ßuntura negli anenrtsmi deJV nfu'fa'^ (Rendie, del r. Istituto Lombard. 1870) — 
nZa trasfitsione del sangue'' (Atti del r> Mituto Lombard. 1875, gekrünte 
Preiwhrift). CantanL 

Decroso, Loutä-Marie D., 1777 — 1862, Militärarzt und von 1830 ab 
m Paris ]jraktiseh thätig, maehte ^ieh einen Namen durch eine ausgezeiebnete 
Arbeit über Seh u?ts wunden (TheBO , Parii^ 1814) und seine durch eine Medaille 
^■krönte Opferfreudigkeit w^lhrend der lH4f*er Cboleraepidemie* 

Ha hu Wi DethttTiiljre. Uta. 

Dedekind» Johann Julius Wilhelm 1>., 1742 — 1790, zu Helmstadt 
1777 prom^ivirt, war Stadtarzt in Königslutter sowie — von 1789 — ^ in IJolz- 
m In den und Verfasser von „i^e rentedüs contra formicriJi'' {Helmstädt 1777) und 
yCurart der naüirlichen Pocken*^ (Holzminden 171H). 

Dureftn bei Det hambrc. ^M* 

Dee, Arthur D. , „einer der gelehrtesten und verdien^tvolleten Aer^tc 

14*1 ner Zeit" (Ricicteb) , wurde geboren zu Mortlake in der Provinz Surrey am 

14. Jnli 1570 ala Sohn des bertlhmten Mathematikers Johann i). Dr erhielt 

seine wissenschaftliche Bildung in der Westminster- Schule in London, studirte 

Mediein in Oxford und London , begleitete seinen Vater auf einer Reise durch 

Frankreich und Deutschland, Holland, Ungarn und Polen und erwarb sich dabei 

-^ne grosse Sprachgewandtheit. Nach öeiuer Eückkelir wurde er Leibarzt de^ Königs 

kob L von England. 1621 siedelte D. nach Moskau über, um beim Czaren 

ehael Fedorowitsch (Romanow) Leibarzt zu werden. Al8 besonderes 

eben der ezarischcn Gnade ist anzusehen, dass dem I*» im Jahre 1G26 gestattet 

rde, sein Vaterland zu besuchen. Im September 1627 kehrte D. naeh Mokkan 

fück, um seinen Posten wieder einzunehmen. Am 7. Mai 1634 wurde er aus 

n ezarisehen Dienst entlassen, ging in sein Heimatland, um Leibarzt des Königs 

irl L von England zu werden. Nafh der Enthau|>tung Ka rTw zog I>. sich in 

* Privatleben zurück und suchte nach dem Stein der Weisen ; er starb im Sep- 

*ber 1651 «u Norwich, D, war in gewissem Ma«se der Astrologie und Alchjmie 



140 DEE. — DEJEAN. 

zu«:ctbati^ er verfasste noch in Moskau ein Werk: „Fasciculus chimtct^s, abstrmae 
Hermeticae sdentiae mgressum, progressum, coroniden explicmis^ (Paris 1631^ 
voa El, Ashmole in's Englische übersetzt). 

Richter, G. d. M., Bd. II, 30. — Fechner, Chronik der evAug. Gemeinde in 
Moskau. 1876, Bd. I, pag. 195, 202, 205, 208, 259, 266. L. StierU. 

van Deen (ursprünglich Izaak Abrahamszoon) , 1804 iu Eurgsteinfurt 
gebnren, studirte in Kopenhagen und promovirte im Jahre 1834 iu Leydcn („Jh 
diffevenlm et nexu tnter nervös vitae animalis et vitae organlcae'^), v, D. übte 
die Praxis in ZwoUe aus, bis er 1851 als extraord. Professor pliyaiologiae (Antritts- 
rede: ^Omr den onivang der physiologische wetenschap en over de waar- 
nemüig als het eenge middel om haar te beoefenen") nach (xroriiiigeu geruteu 
ward, wo er, von 1857 als ord. Professor, bis zu seinem Tode im Jahre 1869 
mit dem grössten Eifer wirksam war. v. D. war physiologischen Studion sehr 
ergeben und beschäftigte sich besonders mit Nervenphysiologie. Von 1845^ — 50 
war er Hanptredacteur des y^Nieuw Archief voor binnen- en huit4^nlendäche tje- 
neeskunde in hären geheelen ainvang^, 1846 constituirte er mit LJOXüehä und 
Mor.KscHOTT die ^yRoll, Beiträge zu den anatomischen nnd physioloffischf^n 
Wüseti^chaften^ . Ausserdem veröffentlichte er im ^Tijdschr(ff voor natuurUjh 
geschiedenis en physiologie" : „Over de zydelingsche tdkktn van den Nervm 
vagiis hg Proteus anguineus^ (1834) — „Eenige aanteekeningen iiver de zenttwfn^ 
byzonder over de zenuwvlechten" (1838) — „Over de vooi'ste en achterste strengen 
van het raggemerg^ (1838) — „Over de gevoelszenuwen en het verband tusschen 
de gevoels' en beweg ingszenuwen^ (1839) — eine „Änatommche Beschreibung 
eines monströsen sechsfüssig en Wasser frosches^ Rana esculenta*" fLeydeu 1838) — 
„Nieuwe bydragen tot de physiologie der Zenuwen^^ (1838) — ^Xadere ont- 
dekkingen ovet* de eigenschappen van het ruggemerg^ byzonder over den daarin 
gevQiiden zenuw-omloop^^ (1839) und „Traitis et ddcouverte» sirr la physiologie 
de la moelle Spini^re'' (Leyden 1841). Als akademischer Leljrcr war v- D» Behr 
beliebt und hat sich um den Unterricht der Physiologie in Groningea durch die 
Stiftung eiücs neuen, mit einer ausgezeichneten Instrumentensammluug au.^igestnttcten, 
physiologischen Laboratoriums sehr verdient gemacht. C. E. DauKl:?. 

Deeringy Karl D., aus dem Sächsischen gebürtig, studirtc und jjromovirte 
in Leyden und siedelte sich, nachdem er mit einer GesandtBchatt naeb Euglaud 
gelangt war, zunächst in London, dann in Nottingham an. Seine bleibenden 
Verdienste beruhen mehr auf botanischem als auf medicinischem Gebiet. Auf letrterem 
hatte er sogar mit seiner Neuerung einer antiphlogistischen Pockenbehandlua^c 
eutsebieden Unglück. D. starb 1750, nachdem er einige Entdeckungen auf dem 
Gebiete der Kryptogamenlehre gemacht hatte, mit Hinterlassung botinischer uud 
topographischer Schriften und eines Briefes über die Poeken an Sir Parkins. 

Biog. med. IIL Bed, 

Dehne, Johann Christian Konrad D., geboren zu Celle, Physicus 
zu Öchöningen (Herzogthum Braunschweig) und 1791 gestorben, ist der Verfasser 
der Schriften: „lieber Tinctura acHs antimonii^^ (Helmif^tädt 1779, 1784) 
und jfleher den Maiwunn und seine Anwendung gegen Hundswuth^ TLeip^dg 
1788, 2 Bde.). 

Biographie iiniverseUe. yf. Stricket 

Deidier, An t eine D. , französischer Arzt aus Montpellier, promovi 
dafielbtit 1691, wurde Professor der Chemie und wirkte als solcher 30 Jahre hi 
in Montpellier. Er übersiedelte darauf nach Marseille imd übte hier änstHi 
Praxis bis zu seinem Tode 1746. Ungor, 

Dejean, Ferdinand D., 1728 — 1797, war längere Zeit in iudiscl 
Colonien als Arzt thätig gewesen, als er sich gegen 1790 in Wien niederlies^, 



1 



t 



DEJEAK ^ DEJSCH. 141 

war in Leyden 1773 proinovirt worden. Er jsrab Erlftuteningen zu Gaitb*s Schriften 
(Wien 17^2, 1794, lateiukch überst^tzt von Grünee) heran« nnd veröffcnt liebte 
(Petersbnrg 1777) eine l>is«eTtalion : ^De igntj mngmne etc.'* 

H a h bei D e c h a m U r e. B e d. 

DeimaHj Joan Rudolph D», aus einer alfen anKebnlichen ÄniHterdamer 
Familie, wurde in Hagen (OstFriesland) am 29, August 1743 gebaren, stndirte 
in Halle Uüd pr(iniovirte daselbst 1770 („De imh'catione vitali genemtim^). Er 
etablirte sich in Amsterdam 5t Is praktischer Arzt nnd zejehnt?te sieb darnach aus 
(1778) dureb seine m\i v, TrOOstwyk verüffentliebten Abhandlungen: ^Froefne- 
mtngen onit^efit de Derhetering dir luchi door nnddrl van den groei der planten^ 
(Aber die Lehnaütze von Priestley). 177Ü bekam er (mit V. Ta.) eine goldene 
Medaiijß in Rotterdam j 1783 noch einmal in Haarlem, Schon 1779 hatte er sich 
damit beechäfligt, den EIdAubh der Elektricitilt auf verschiedene Krankheiten zu 
s?tudjren und 1783 heanti^^ortote er wieder, tnit v. Tr., eine Preisfrage darüber in 
Rotterdam^ während er zwei Jahre spater in Paria einen Preis bekam wegen einer 
Abhandhing über den Nutzen der Chinarinde im intermittirenden Fieber. D, war 
mit V, Tb, der Stifter jener kleinen (Mitglieder waren nur Nie^wländ, Bondt, 
Cal'werenbukqh nnd G. YfitHJK), doch berühmten chemischen Ge^ellöehaft, die im 
Aaslande allgemein als „les ehyraistea Hollandais" bezeichnet wurde und die die 
Früchte ihrer Wirksamkeit in den „Reeberehes physieo-ehyrniques" vert^tfentlicbte. 
Als Loa 18 Napoleon König von Holland war, ernannte er W. zum Leibarzt. 
D. starb 1807, 

J. de BoBcU, Lofredfi op J, R De im an, Ainst. ISCß. C. E, Daniels, 

Deisch, Johaun Andreas I)., lieferte, wie BrEBOLD in .«einer Geachichte 

der Geburtshilfe (Bd, II , p^g* 426) richtig Ha^te, einen traurigen Bew^eis, das« 

sieh die Geburtshilfe in der Mitte des vorigen Jalirhunderts an gar manchen Orten 

Deutschlands in einem erbärmlichen Zustande befand. Er bediente sieb in seiner 

Praxis der rcihesteu und barbarigcheBten Entbindungsmethoden, 8chün seine zu 

Straßeburg (1740) erschienene ^DisserL inaug. de neces^aria m partu praeter- 

nat uralt inst^^wtnentorum appUcütione^ (4*) i i'^ der er die Noth wendigkeit des 

Gebrauches scharfer lustrumente in der geh urtöhilfii eben Praxis vertheidigte ^ liess 

Termutbeu , welchen Weg er in dieser seiner Fach praxi s betreten werde. Der 

Erfolg rechtfertigte auch diese Vermutbung, denn in Augsburg^ wo er 1743, wie 

SlEBOLD sagt, seinen WiirgungskreiH hatte, wilthete er in grilSHlieber Weise unter 

den Gebarenden und deren Früchten, Er perforirtej zerstti ekelte, deeapitirte ohne 

Rücksicht auf das Leben der Früohte « so dass es gar nicht selten vorkam j dass 

Kinder mit angebohrtem Kopf zur Welt kamen. Allein im Jahre 1753 gebrauchte 

er onter 61 Geburten *2L> Mal scliarfe Instrumente, so dass von den Mtittenj 

10 starben. Die Zange gebrauchte er nur 4 Mal, 2 operirte Mütter aber verloren 

bei dieser Operation das Leben. In seiner naiven Unverfrorenheit viTöffentliehte 

er sogar diese Resultate: ^ Kurze U7id in der Erfahrung gegründete Abhandlung^ 

dass weder die Wendung j noch englische Zange in allen Gehirt^pillen vor 

Mütter und Kind sicher gehrauchet ^ noch dadurch die ttcharfen Instrumente 

gandicfi vermieden werden könnefi^ TAugsburg 1754, 8, und 1766, 8,) und 

ftihrte dabei in der Vorrede au, dass, w^enn seine Wirkungsweise auch einigeii Wider- 

neb hervorrufen sollte, man bedenken mflsse, dass schon lange vor ihm nebarfe 

tnitnente gebraucht w^orden seien. 1 *er Widerspruch trat auch bald ein, indem er 

• Gericht gezogen wurde. Er suchte sich zw^ar in neuerlichen Bcbrifteu zu verthei- 

en^ doch endigte das eingeleitete Vertahren zu seinem Naebtheile, namentlich als sich 

Caiversität zu HclmstMt 1755 in einem angcsuehteu Gutachten in ungünstiger 

iäe über sein Treiben und seine Schriften aussprach, 17G1 musste er sich 

ti rrtheilsspruche ftlgen , sich der Aug^nirger Hebammen- und Accouchcur- 

Inang zu unterordnen, den Befehlen der llelmstiidter Universität künftig naoh- 

'^mmen und nie ohne Zuziehung eines anderen Arztes von seinen Instrumenten 



1 



f 



142 DEISCH. — ÜELABERGE. 



^ 



L 



Gebraucb zu maclion. iHircli einen Eid mnsstf er sich verpflichten, dieser AnordDunjr 
zn i^ehorebeu» Trotz dem Mitgetheilten war ll. Mitglied und 1766 srig-ar lH'(*ati 
deH Colleg. med, zu Augsburg und als ^<ilcber }>estallter Prüfer der angebeudeD 
Wundärzte. Seine Gebnrt Mit in das Jjibr 1713, Er studirte in BtraBsburjr, 
promovirte danelbst 1741 und begab sich dann in seine Vaterstadt Au^burg, in 
der er zum Stadtarzt bestellt wurde. 

Vcrgl, MeiiHl, süivIö SieljolJ 1. c. K 1 ei u w a t lil er. 

Deiters, Otto Friedrieh Karl D,, am 15, November 1834 zu Jkmn 
geboren und daselbst 1856 proniovirt, diente seine Militärzeit 1857 in Berlin ab 
und arbeitete fleissig im dortigen pathologißcLen Institut unter VrncEfOW. ISb^ 
babilitirte er Bich in Bouu und erregte bald durch seiue mikroakopiReheu und 
fcliniachen Untersuchuögen die Anfmerksamkeit. „ U}iterätickun0en ülm^ die tScknecke 
der Vögd^ (Reich ert's und J^ubois' Archiv 1860} — ^Ueher die Lamim 
spiralü der Schnecke^ fZeitsebr. f. wii^R, Zoologie, Bd. X) — ^ Vnfermchnifjm 
üher die Lamina spiralh ^nif^mbro-ntfcea ttC"^ (Bonn 1860} verdienen nel>eu den 
„Beiträgtm zur Histologie df^r quergg^treifim Muskeln^ (Reicheet's und Druois' 
Archiv 1861) und ^, IJeber das innere Oehikorgan der Amphibien^ (Daselbst If^G'J) 
heR>nders genannt ku werden* In der ,^I)eutseheu Klinik*' 1j^49 acbrieb T). tiber 
die Zellenlehre, Ebenda 1850 über ^Merkirilrdiije Schar! ach föJlr^^ — Arn 
5, üeceniber 1863 machte mitten in voller Thfltrgkeit ein Typhus seinem Lebeu 
ein Ende, 

Haliu bei D bc li atnl) re. K h d. 

Dekkers, Frederik 1>„ 1C48 in s'Hertogenboscb geboren, ^«tndirte in 
Lcyden unter SYLViUS, tro er 1668 proniovirte, ?iieb als Arzt etablirtr und 
Behon im folgenden Jahre eine Aus^^abe von Bahbette^s „Prawi^^ cum nofis et 
obs^rvattonibuä^ besorgte. Bald bekam er einen sekr grossen Ruf, wozu seine 
1673 erschiene nen ^, Ecree rc tta tio n e,^ pra ctieae c ircf^ m eth odu h i in e dm dl^ f e i nin *ndef - 
bares Buch , worio die acht Abtheilungon nicht naeb den Ivrankheiteu , Koudern 
naeh den Arzneimitteln, welche gegen die verscbiedenen Rrankheitsfonnen vur- 
geecb rieben wurden, elassifieirt sind, das jedoch viele sehr gute chinirgisebe und 
medieinisehe Wahrnehmungen und eine genaue Eeschreibuug der damals herr^cbendeji 
Krankheiten nuifasst) hauptsilcblieh beitrugen, Ale 1634 A, Oypeianüs aus Franeker 
und J* 0, Bruknkh aus Heidelberg das Professorat verweigert hatten, w^irde D, 
zum Prof, ord, mediciuae practieae in Leydeii emannt f^, Oratio de medieina et 
tnedendi methodo^* ) , tö97 wurde er auch zum „Prof, eollegü pracHoo-medici in 
nosocomio" ernannt, wodurch er die sehr gewtlnscbte Oclegenbcit bekam, auch 
praktiseheu Unterricht am Krankenbette geben zu köuneu, eine Functiou, die er 
mit grossem Verdienste erfflllt hat, bis er sie 1710 seinem Nachfolger H, Oosthrditc 
Schacht ühertnig. Er starb im November 1720. a E. Daniels. 

Delabarre» C h r i s t o ]> h e - F r a n y o j 8 IL, berühmter Zahnarzt uud Sohn 
eines solchen in Koueu , wurde bald uacb meiner Promotion zu Paris 180*> an 
einer Reihe der grösweren hauptstädtischen Hospitäler als eonsultireuder Zahoar^t 
angestellt* Bei seinem Tode — November 1*^63 — hinterliess er eine Anzahl 
sein Fach ivei?entlieb fördernder Schriften, so: ^Odontologie etc" (Paris 1815; — 
,,7rmlt! de la a^conde d^^ntition etcJ' (Daselbst IBl'Jj — ^Methode noHveU 
de diriger la seconde deiUttion etc,^ (Daselbst 1826J, auch Zahutechnisches ui 
gesammcUe Vorlesnugea, 

H a Im bei D e e b ü in h r e» K c ö 

Delaberge , A 1 e x a u d r e * 1j o u i s D*, geboren 1807 als Sohn eines 7 
Str,issburg lf^l9 promovirten Arztes, crl äugte ^elbj5i die I>oc torwürde zu Paris 183: 
starb aber bereits 1830 im Milrz, Er Wnar Mitarbeiter am „Joum* univ. et hebd^ 
niadaire" und hatte mit Monieret die Heran iigabo des „Compendintn de mSdecnu 
vorbereitet, Seine im obf^'enannten Journal publicirten Ärbeiteu sind klims'^ 



DELABERGE. — DELEAU. 143 




Chereau Lei Dechamhre. Bed, 

DelacOTiX n>ELAroT;x-UEROSEAT\), frauzöaifjche Ai-ztfamilie , (leren fllte-ste?* 
kkanntes MitgHt^d AlcxiB Ih bereits So hü eines Arztes war. Älexia IKj 
1792 geboren, 1817 promovirt, zeiclmete sieh al8 Epidemienarzt 1831 — 1832 
be^oDders aus uiid rtiedeJte 1834 nach Mexieo Über. Nach weehsel vollen Schicknaleu 
übernahm er das MiiitLrhortpital zu Saint-Jean-Rriptiste de Tabasco , wurde aber 
aueb hier dureh die Föderalisten-Revültitioii 1840 vertrieben nnd kehrte 1844 von 
Mexico nach Paris zurück, wo er 1860 starb. Unter geineo SeUriften beangprucben 
Eni'ähnung : das ^Mimoirr sur le choUra-morbm ohserv^ en Eussie eiC^ (1832) — 
t,De^ malad ie^i tropicales äquatoriales^' (1847) — „Thermog^noses iTUertropicales^ 
fJoum- des conuaiös. in6d. et pharm. 1657), 

Hahn bei Dechambre, Hed. 

Delacroix, s, Alsaäio della Croce. 

Delafield, berabnter amerikaniöcber Ophthalmolo^ , 1704 ^boren. Er 
promovirte zu Kew-York 181 6 mit einer biseertation : f,On piihnonary consumption^ , 
fllbrte ^ieh in seiner Professtnr an der New- Yorker Universität mit einer gehaltvollen 
Antrittsrede 1837 ein^ wirkte zuerst mit Kodöers zusammen nnd später allein 
an der Xew York eye infinnar}', deren neuen Gek^lude er 1856 einweihte, 1857 
starb er, — Her Sohn *FraiieiBi I>. publieirte 187 1 zuerst eine Schrift; j^ Tumor if 
oftke retma^ Hm Arch* f. Ophthalm, mid Otologle), spllter indesa aus.^r einer klciueren 
?^hrift über I^y^pepsie (1876) besonder** Werke pathologiT^ch-anatoniideheu Inhalts: 
^A handboök of post- martern exavtinattoris and of morbid anatom^/*^ [New- York 
1872) — j, Stil dies in pathalogical anatoniy^ (Üaselbst 1878 — 71);* jj^j 

Delaporte, Pierre-Lonis 1),, an» Brest, 1773^1853, wnrdo daselbst 
niirurgieprofessor und Naebfolger IHtlet's, Er besehäftif^e sieh wesentlieb mit 
der Ausbildung der Methode, Aneurysmen durch Arterienunterbindung zu heilen 
fS(^hriften hierüber Brest 1811 und 1812), gab f^Propositiön^ mir dtvers points de 
pathologie^ (Paris ISlOj heraus und schrieb später noch Mehreres über Standes- 
angelegen heiteii. 

Halin bei Defibambre. Eed. 

Beleau jeime, Nicolas U., geboren am 21, April 17i^7, henorragender 
französischer Ohrenarzt^ begann in (,\>mmcrey zu praktieiren. Dann zog er nach 
Paris und wurde dasei bwt am Hospiee des orpbclins mit der speci eilen Behau dl ung 
der Ohrenkrankheiten betraut, 1), hat das grosse Verdienst, eine wisfienschaitiiche 
IHagnostik und Therapie der ohne Contiuuitätstrenuungeu des Trommelfells eiuher- 
gehenden Mittelohrerkrankungen durch allgemeine Einfuhr nng der Luftdouche 
(von Ihm zuerst douehe d'air geuannt) und durch Begründung der Auscnltation 
dea Ohres angebahnt zu haben. Eh gelang ihm dies nur unter grossen Kämirferi 
mit seinem Landsmanne und bedeute mien Rivalen Itaei>, Wie dieser benutzte er 
d Ohrkatheter zuerst nur zu Kiuspritznugen , verwarf diese jedoch zu Gunsten 
d Luftdouche zuerst in seinem „Happort wfress^ aux memhres de Vadmim'' 
* tion des hoftpiceA de Farls*^ (Paris 1820) und entwnekelte diese Ansichten des 
^ leren in seiner bedeutendsten Schrift ^Extrait dhm ouvrafje ntSdit intilidi' 
l tetne/d des malad tes de Vor etile mfVjienne etc^^ (Paris 1830), D, bedieiite 
s eiastiseber Katheter und zum Luft ein blasen anfaugs einer eoniplieirten ( nm- 
I Äioüspumpe, spiiter ansschliesslich des nach beute Üb liehen ein fachen Gtimmi- 
l ^m. Zur Anseultation der beim Eindringen der Luft in die Trommelhöhle 
1 '^nehmenden Gerllusehe lehrt er, das eigene Ohr an das des Eranken zu 



141 DELEÄU, — DELEUIirE, 

le^eiii Iin uonnalen, lufthaltigen Zustande der Trommelhöhle und bei freier Taba 
hOrt man dabei ein Oerauei-h , demjenigen ifhnlicb , welches durch auf BlHttt^r 
fallenden Re^en hervorgebracht wird („bruit eec de In caiAgte^J , bei eitriger etc. 
FtllBsigkeit in der Tnimmelhöhle ein gurjarelndes GeräiLsnli f„brüit mnqueux"). Die 
durch katarrluH Hohen Verse hluHj^ der Tuba entstandene Schwerhörigkeit erklart er 
bereit?^ iu richtiger Weise äuj^ der verJiuderteii Spauauug^ welche das Trommelfdl 
in P'olge der Resorption der Luft in (ler Trommelhöhle erleidet. Die Kuerst vcm 
ihm naehg^ewieacne hör verbessernde Wirkung der Luftdouche in diesen Fällen 
erklärt er dahin, dass durch öftere Anwendung derselben das pathologische Secret 
aus der Trommelhöhle entfernt, die verengte Tuba aUuiälig erweitert und so die 
ComniuuicEitioü zwischen Trommelhöhle und äusserer Luft wieder hergestellt wird, 
D. starb 18G2, A. Lucae, 

Delaroclie, zwei Schweizer Aerzte, — Daniel D., zu Genf 1743 geboreD, 
ging 1763 uaeh Leyden , w(.i er 1766 promovirte , und dann nach Edinburg 
(Clllex), Nach Genf zurückgekehrt, war er 10 Jahrr als praktiseber Arzt 
thätig, gelaugte dann als Arzt der Schweizergarden naeb Paris, floh aber vor der 
Revolution — 1792. Zurückgekehrt, leitete er das Hospital Neeker, bis er IBIS 
am Flecktyphus starb. Zwei seiner Werke : „ Analyse des foiictions du ftystcmt 
ni^rveti^'' (Genf 1778) uud y,Eecherckf^jf ^tm* .... In ß*h:r€ puerj}Srale^ (Pari« 
1783) sind bc^onderH hervorragend. — Der Sohn Frankens D., t\\ Genf kurz 
vor 1780 geboren, 1806 Doetor (Paris}, starb in derselben Typbuaepidemie wie giein 
Vater. Er hatte besonders natiirwisseuaehaftliche Themata (Kfleete der starken Hitze, 
Respiration der Fische etc.) zu Gegenständen seiner Arbeiten gewählt 

Halin btu Dechambre. Red. 

* Delaslauve^ Louis-J. F. 1)., im „Älmauaeh de mödecine" als ^^Medeetn 
honoraire des ali6n^^" an der Salp^tri*'re verzeichnet, trat sehriftstcllerisch znen^t 
1830 mit „Qufhjues pyopositwns de pathologi*' f/entrüle*' (Parisj auf. In der 
Folge publieirtc er mehreres Casui&tmche und dann seinen umfangreichen „TraiU 
de ripilepme: histmre: traitement i med ^c ine legale^ (Paris 1854). Er redigirte 
von 1861 — 1870 das ,^ Journal de medeeine mentale'* und seh rieb noch Mehrereii 
über medicini Heben Unterricht, Phrenologie etc. Red. 

Delens, A. J. H., französischer Arzt und Gelehrter, der keine Praxis übte 
und blos seinen wissenschaftlichen Neigungen lebte, betheiligte sieh an der 
Redaction der ^Bihliotbeqiw mMieale^ und an der Herausgabe des grossen 
„Dictiannaire den science^ mMicoles^^ Im Vereine mit Meeat gab er heraus den 
„Di'ctionnairB universel de mati^re mJdicale et de thirapeutique ^ conietiant 
VindicatiöUf la discription et remploi de foits les mMicaments connas dani 
Ibs diverse.^ partie.f du gl^he^ (PariB 1830^ — 1846), ~ B, wurde geboreu in Parifi 
1786 und starb 1846 ; er war Mitglied der Akademie und wahrend der Restauration 
General inspector der Universität, Uup^^n 

Deleurye, Fran^ois Ange D., der am 21. August 1737 zw Paris da^ 
Licht der Welt erblickte, zählt, namentlich iu operativer Beziehung, zu den her\'or- 
rageudsten geburtöhilflfehen Lehrern und Schriftstellern seines Jahrhundertes, Seinen 
Studien hg er in seiner Vaterstndt unter Leveet und Przos ob. Von ihm rüh^ 
der Rath>*ehlag her* den zweiten Fuf^s bei l)eötehender .Steisslage nicht zu liise* 
die Extraetion von der Wendung zu trennen und sie erst dann vorzunehmen, b 
die Bedingungen zur Vomahuje derselben eingetreten sind. Ebenso vortrefflich sin 
weine Ratbschlnge beztlglicb der Wendung, indem er anempfiehlt, die EihAui 
erst im Fundus uteri zu sprengen, um einem vorzeitigeu WaHSerabfluss vorzubeuge 
und die Frucht nur auf einen Ywm zu wenden. 1 Jen Hebel verwirft er. Beim Kaisei 
sehnitte machte er, gegentiber dem frtiher empfohlenen Schnitte iu der linke 
?^eite , den Schnitt in der Linea alba. Die meisten seiner Lehren haben sich a' 
richtig erwiesen und werden heute noch befolgt. Er trug auch weeentllch zv 



r 



DELEURYE. — DELICADO. 145 

Au&chwaoge bei , den die Pädiatrik im XVIII. Jahrhunderte nahm , indem er ein 
Lehrbneh der Kinderheilkunde schrieb : ;, Tratte sur les maladiea des enfants^ 
(Paris 1772; deutsehe üebersetzung Nürnberg 1774). Seine geburtshilflichen 
Schriften sind folgende: „Tratte des accouckemens etc,^ (Paris 1770; deutsche 
üebersetzung von J. 6. Flemming, Breslau 1778; dieses Lehrbuch erfreute 
sich lange Zeit hindurch eines grossen Ansehens) — „Obaervations sur l'opSratlon 
cisarienne h la ligne blanche et sur Vusage du forceps la tite arr^de au 
ddtrolt supMeur^ (Paria 1779, 8.). Kleinwächter. 

Deleuze, J. Ph. Fr. D., französischer Naturforscher, geboren 1753 in 
Sisteron, sehlug anfangs die militärische Carriöre ein und widmete sich erst später 
den Naturwissenschaften. Er wurde 1802 Gehilfe am naturhistorischen Museum, 
1828 Bibliothekar dieses grossen Institutes und publicirte zahlreiche Schriften, 
hauptsächlich Ober den animalischen Magnetismus, zu dessen schwärmerischesten 
Anhängern er zählte. 1835 starb er. Unger. 

Delflno, Fr. b., italienischer Arzt und Astronom, geboren 1477 in Padua, 
praktidrte in Venedig und hatte ausserordentlichen Zuspruch, wurde später wegen 
der regelmässigen Sicherheit, mit der seine Prognosen am Krankenbette in Er- 
fiillnng gingen, der Magie verdächtig und mosste Venedig verlassen. Er begab 
sieh nach Padua, widmete sich der Astronomie, wurde Professor dieses Faches und 
starb als solcher 1547. Seine Schriften sind astronomischen Inhaltes. xJnger. 

Delgado. Unter den zahlreichen spanischen Aerzten, welche den Namen 
D. ftihren, sind zu erwähnen: Florencio D. y So to,. Arzt zu Sevilla gegen 
Ende des vorigen Jahrhunderts, der über einige Aphorismen des Hippokuates 
(Sevilla 1786, resp. 1789) und über verschiedene therapeutische Fragen seines 
Zeitalters, auch über thierischen Magnetismus (1787) und über Heredität (17dl), 
schrieb; — und der Augenarzt Jago D. , zu Venezuela 1830 von spanischen 
Eltern gelieren. Er besuchte um 1850 die meisten berühmten Universitäten Europas 
und liess sich 1860 in Madi*id nieder. 1872 wurde er mit der Begründung eines 
staatlichen ophthalmologischen Institutes beauftragt, erlag aber bereits 1875 einem 
Sehlaganfall. Seine Arbeiten in den „Ann. d'ocnlistique^ fanden viel Beifall; er 
gab Wecker's Handbuch und Liebbeich's Atlas spanisch heraus. (S. auch unter 
Dklicado.) 

Hahn bei Dechambre. Red. 

Delgras, Mariano D., starb, 57 Jahre alt, zu Madrid, nachdem er sich 
durch spanische Uebersetzungen medicinischer Werke, durch die Gründung des 
^Boletin de medicina cirujia y farmacia^' (1852 remplacirt durch den „Siglö 
medico^), auch durch die Mitbegründung der naturwissenschaftlichen Akademie 
und des Institute medico, sowie mehrerer medicinischer und wohlthätiger Gesell- 
Schäften zu Madrid einen Namen gemacht hatte. 

Hahn bei Dechambre. Red. 

^Delicado, Francesco D. (auch Delicatüs und Delgado, alle drei 
Namen kommen in seiner Schrift vor), war wohl kein Arzt, sondern ein Priester 
aus Martos in Andalusien, wahrscheinlich vor 1480 geboren und in Jaen aus- 
geweiht, doch spielt er in der Geschichte der Syphilidologie keine unbedeutende 
loUe. Er acquirirte 1501 oder 1502 die Lues, litt an derselben^ in dieser Be- 
ziehung ein zweiter Ulrich von Hütten, unsäglich durch 23 Jahre an den 
beftigsten Schmerzen und hässiichsten Geschwüren, suchte vergeblich Hilfe, bis er 
e idlich 1524 oder 1525 in Rom durch Guajak geheilt wurde. Er schrieb darum, 
^'ie er sagt, nur aus purem Mitleid, um den übrigen Kranken den Weg zu zeigen, 
d T zur Genesung führt. Seine Schrift hat übrigens nichts von anderen Schriften 
t »er den Guajak aus jener Zeit voraus, nur erwähnt er mehrmals des Vorhanden- 
* ins der Syphilis im Jahre 1488 (also lauge vor dem Zuge KarTs VIII. nach 
Biogr. Lexikon. II. 10 



146 DELICADO. — DELLON. 

Neapel und der Entdeckung Amerikas). D/s Broschüre heisst: „11 modo di 
adoperare il legno di India occidentale salutifero remedio a ogni piaga e mal 
incurabile. Impressum Venetiis sumptibus vener, presbyt. Francisci Delicadi 
Hispani etc. Sie X. Febr. anno dorn. MDXXIX"" (4., 8 Blätter). 

Vgl. Janus, 1853, N. F. II, pag. 193—204. J. K. Proksch. 

Delioux de Savignac, Joseph-Fran^ois-Jacques-Augustin D. 
de S., aus Paimpol (Cötes-du-Nord), 1812 — 1876, diente als Marinearzt, wurde 
Dr. Montp. 1844 und Professor an der Medicinschule zu Rochefort, später auch 
zu Brest und Toulon. Seine „Princtpes de la doctrine et de la mSthode en 
mSdecine'^ (Paris 1861) machten ihn zuerst vortheilhaft bekannt. Dann folgte 
der „TraiU de la dysenUr^e" (Daselbst 1863), später sowie vorher Schriften 
über Ipecacuanha, Ammoniakalien, Argent. nitr., Pflanzensäure, China, Opium, Jod- 
präparate, Aloe etc., — eine Reihe von über 90 Arbeiten theils in den Bullet, de 
th^rap., theils in den Verhandlungen der Acad. de m^d. — Als Monographien, die 
als bedeulend anerkannt wurden, sind noch hervorzuheben: „Des rSlations qui 
existent entre les maladtes herpetiques, nerveuses et catarrhales^ (Paris 1855) — 
„De la spedalsked^ (Daselbst 1857) — „Des paralyses qui accompagnent ei 
suivent les dysent^rtes et les coliques s^ches^ (bedeutungsvoll für die Auffassung 
der letzteren Krankheit, 1867). Zahlreiche Artikel erschienen von D. de S. im 
Dictionnaire encycl. des sc. m6d. — Von 1866 ab lebte er in Paris nur seinen 
Arbeiten, erlangte den Officiersgrad bei der Ehrenlegion 1858 und starb 1876 
zu Cherbourg. 

Hahn bei Bechambre. Red. 

Della Bona, Giovanni I). B., im 18. Jahrhundert zu Verona geboren, 
studirte in Padua und war der Erste, welcher nach der Neubegründung der klinischen 
Lehrkanzel an dieser Universität, in Folge einer 1764 erfolgten Einladung des 
Dogen Mocenigo, praktische Medicin lehrte und derselben eine experimentelle 
Richtung gab. Er schrieb über Scorbut, in welchem er Analogien ndt der Ele- 
phantiasis und Pellagra zu finden glaubte, über den Gebrauch und Missbrauch 
des Kaffees, über die Schutzpockenimpfung und über andere Fragen therapeu- 
tischen Inhalts. Cantani. 

Della Croce, Vincenzo Alsario, s. Alsario della Croce. 

Delle GMaje, Stefano d eile Gh., zu Teano 1794 geboren, studirte 
in Neapel, wo er namentlich Folinea, den Nachfolger CotüGNO's, zum Lehrer 
hatte und wurde bald nach seiner Promotion zum Doetor Assistent an der ana- 
tomischen Lehrkanzel und später Professor der Anatomie an der Universität Neapel, 
cultivirte aber auch die anderen Naturwissenschaften, namentlich Botanik und 
Zoologie. Besonders wichtig sind seine anatomischen Studien über das menschliche 
Auge und über die Hoden, wo er die Endigungen der Samencanälchen denion- 
strirte, die Strictur des HiGHMORE'schen Körpers und das HALLER*sche Netz näher 
beschrieb, die Häufigkeit der abweichenden Samencanälchen im Eindesalter bemerkte 
und sehr gelungene Quecksilberinjectionen ausführte. Nicht weniger bemerkenswerth 
sind seine Arbeiten über die Helminthen und die wurmtödtenden Mittel, über die 
medicinellen Pflanzen („Iconograßo delle piante medicinali^ [Neapel 1824, 2 Bde. 
m. Atlas]); sein Lehrbuch „Istituzioni di anatmnio e fisiologia comparata*^ u. s. w. 
Alle seine Werke und kleineren Schriften wurden später gesammelt und in 20 Bänden 
herausgegeben. C a n t a n i. 

Delladecima, s. Dalladecima. 

DellOD, C. D. , französischer Arzt und Reisender, lebte viele Jahre als 
praktischer Arzt in Ostindien und beschrieb seine eigenthümliehen und abenteuer- 
lichen Schicksale daselbst in dem Werke: „Relations de Vinquisition de Goa*^ 
(Leyden 1687). Bekannt ist von ihm ausserdem: „Trait4 des maladies particulieres 



DELLON. - DELPECH. 147 

aux pays ortentaux" (Amsterdam 1699; deutsch Dresden 1700). Sein Geburts- 
nnd Todesjahr sind nicht überliefert. Unger. 

Delmas. Unter den 13 französischen Aerzten D,, welche die unten ver- 
zeichnete Quelle mit einzelnen Schriftwerken aufführt , seien hervorgehoben : 
Polydorus D., welcher mit einer Dissertation über die Inguinalhernien zu Paris 
1830 schriftstellerisch auftrat und später noch „Des retricissements du canal de 
Vurkre" (1832) und über Schenkelfracturen (1835) schrieb. — Umfangreicher 
und bedeutender sind die Arbeiten eines jüngeren P. D. : „Recherches historiques 
ä crätques sur Vemploi de Veau en mddecine et en Chirurgie*^ (Paris 1859) — 
j,De r Hydrotherapie ä domicüe etc.^ (1868) und mit L. Sextex: ^Becherches 
expMmentcdes sur Vabsorption des liquides h la sur face etc." (Preisgekrönt 1869.) 

Ind.-Cat. Red. 

Delmas St. Hilaire, Pierre Eugene D.-St. H., bekannt als Verfasser 
einer Schrift über die Behandlung der erectilen Geschwülste (Paris 1878) und 
einer „Müde statistique et clinique du Service hydrothSrapeutique de Vhopital 
St, Andri de Bordeaux etc.*' (Bordeaux 1879). Red. 

Delorme. Die französische Arztfamilie dieses Namens ragt weniger hervor 
durch besondere Leistungen, als durch das Erblichwerden der Leibarztwürde in 
ihr. Jean D., geboren 1547 in Moulins, studirte und promovirte in Montpellier. 
Einige Zeit hindurch Professor in Montpellier, wurde er zum ersten Arzte der 
Gemahlin Hein rich*s IIL ernannt und bekleidete den gleichen Posten bei Marie 
von Medici, bei Heinrich lY. und Ludwig XIII. Im Jahre 1626 über- 
trug er seine Stellung auf seinen Sohn Charles D. (geboren 1584) und starb 
1637 in Moulins. Letzterer hatte bei Ludwig XIII. das Leibarztamt bis zu 
seinem Tode 1678 inne. — Noch ist zu nennen: Guillaume D., der 1648 bei 
Heinrich IV. und bei Anna von Oesterreich Leibarzt war. — Charles D. 
sehrieb „nTS>xtvoSa(pvsCat" (Makrobiotik : Paris 1608; französisch, posthum vom 
Abb6 St. Martin, 1682, 1683). 

Chöreau bei Dechambre. Unger. — Red. 

Delpecb, Jacques D., geboren zu Toulous3 1772, doctorlrte zu Mont- 
pellier 1801. Seine erste Stellung erhielt er au der Schule für Chirurgie und 
Pharmacie, die kurz vorher in seiner Vaterstadt gegründet worden war, um hier 
Anatomie zu lesen und excellirte dabei so, dass er 1812 als Professor der Chiinirgie 
nach Montpellier berufen wurde. Seine operativen Erfolge waren unbestritten; 
seltsamer Weise erlitt er den Tod durch einen Mordanfall, den ein von ihm an 
Varicocele operirter Patient gegen ihn verübte, am 28. October 1832. Trotzdem D. 
neben semer Professur noch das Krankenhaus St.-Eloi dirigirte und einen grossen 
Theil seiner Zeit speciell einem von ihm gegründeten orthopädischen Institut 
widmete, war seine literarische Fruchtbarkeit eine sehr bedeutende. Neben dem 
pMSmorial des hdpitavx du midi et de la clinique de Montpellier" y einer Zeit- 
schrift, die er 1829 — 1836, ebenso wie die ihr vorangehende ;, Chirurgie clinique 
de Montpellier^^ (1823 — 1828) gegründet hatte und herausgab, neben vielen Mit- 
theilungen femer in den „Annales de la soc. de möd. pratique de Montpellier^^ 
(Bd. U, ra, V, XXXm), sowie in der „Revue mM." (Bd. II— IV, VII— IX) 
bedfirfen folgende Publicationen D.'s der Erwähnung: „Possibilitd et degr^s de 
V Utility de la symphyseotomie" (Montpellier 1801) — „ Reflex fons sur les causes 
de Vanivrisme sporUanS" (Paris 1813) — „Recherches sur les difficidtis du 
diagnastic de VanSrnnsme" (Daselbst gleichzeitig) — „Memoire sur la compli- 
cation des plaies et des ulchres connue sous le nom de pourriture d'hdpital" 
(1815) — „PrSds ildmentaire des malad ies reputees chirurgicales" (3 Bde., 
1816) — „De Vorihomorphie etc." (2 Bde. mit Atlas, 1828—1829) — „iltude 
du choUra-morbus en Anglettei*e et en Ecosse pendant les mois de Janvier et 

10* 



148 DELPECH. — DEMARQÜAY. 

Fevrier 1832^ (1832). Unter dem Titel : ^Rdfleadons et ohservatiohs anatomico- 
chirurgicales sur ranivrtsme^ hat er (1809) Scarpa's Anearyamawerk übersetzt. 
Dict. bist. II. Red. 

Delpech, Auguste-Lonis-Dominique D., zu Paris, war daselbst 
1818 geboren als Sohn des Arztes A.-B.-M. D., wurde 1846 Doctor mit der 
These: „Des spasmes muscidaires tdiopcUhtques et de la paralysie nerveuse 
essentielle^ ^ später Professeur agr6g6 mit den Concurs-Thesen : „De Ja fi^vre" 
(1847) — „Des principes h observer pour la nomenclature des maladies^ 
(1853) und Hospitalarzt in der Matemit6 und darauf im H6p. Necker. 1856 las 
er in der Akademie der Mediein ein „MSn. sur les accidents que dSveloppe chez 
les ouvriers *en caoutckouc V Inhalation du svlfure de carbone en vapeur^, 
welches er 1863 durch „Nouvelles recherches sur VintoxicoAtoh spiciale ete." 
(Annales d'hyg. publ.) vervollständigte. In Folge seiner Arbeiten über die Hygiene 
der Industrie und einer Denkschrift über die Finnenkratikheit der Schweine: „De 
la ladrerie du porc au point de vue de Vhy^ne privie et publique*^ (Ebenda 
1864) wurde er in demselben Jahre Mitglied der Akademie der Mediein und 
darauf von der Regierung nach Deutschland geschickt, um sich daselbst über die 
Trichinen-Epidemie näher zu informiren. Das Ergebniss dieser Reise war sein der 
Akademie der Mediein erstatteter Bericht: „Les trichines et la trichinöse chez 
r komme et les animaux" (Paris 1866). Einige Jahre später erstattete er derselben 
Körperschaft einen Bericht: „De Vhygihie des cr^ches^ (1869) und nahm leb- 
haften Antheil an der Discussion über dieselben. Von seinen weiteren Arbeiten 
sind noch anzuführen ein zusammen mit J.-B. Hillaibet verfasstes „Mim, sur 
les accidents auxquels sont soumis les ouvriers employSs h la fabrication dss 
Chromates/* (Ann. d'hyg. publ. 1868) ; femer: „Applications de la photographie 
h la mSdecine Ugale" (1870) -^ „Le scorbut pendant le siige de Paris** 
(1871) — „Rapport gSn^ral sur les Spidimies pour les annAes 187 ly 187 2** 
(M^m. de TAcad. de m6d. T, XXXI, 1875). Ausserdem war er Mitglied des Con- 
seil d*hygi6ne et de salubritö, dem er zahlreiche Berichte über die verschiedensten 
hygienischen Qegenstände erstattete, auch Mitglied des Conseil municipal von Paris. 
Hochgeachtet, starb er am 5. September 1880 plötzlich auf der Jagd, in einem 
Anfalle von Angina pectoris. 

G. Lagnean in Annales d'hyg. publ. 3. Ser., T. IV, pag. 380. — Dechambre, 
XXVI, pag. 523. G. 

Demachy, Jacques-FrangoisD., französischer Pharmaceut und Literat, 
geboren 1728 in Paris, gestorben 1803 ebendort, war Apotheker am Hötel-Dieu, 
nachher Director der Apotheken für die Civilspitäler und Verfasser einer Rdhe 
chemisch-pharmaceutischer Schriften. ünger. 

Demangeon, Jean-Baptiste D., geboren 1764 zu Hodigny bei Nancy, 
besuchte Leipzig, Kiel, Königsberg, Kopenhagen, Hess sich 1800 zu Paris nieder, 
wo er 1803 med. et philos. Dr. wurde und prakticirte von 1805 in Epinal, später 
in Paris; 1839 lebte er noch. Sein „Tableau historique d'un triple itablisaement 
rSuni en un seul hospice ä Copenhague etc.** erschien 1799. — Die „Physiologie 
intellectuelle** (auf GALL'sche Schädellehre bezüglich) Daselbst 1806. — Später 
noch zwei Schriften über die Macht des Versehens der Schwangeren (1807 und 
1829) — „AnthropogSnSsie au gSnSration de Vhomme** (1829) — „Memoire sur 
Voedkme squirrheuse** (1830) — „Plombihres, ses eaux, leur usage etc.** (1835). 

Red. 

Demarquay, Jean-Nicolas D., 1811 — 1875, zeigte schon in seinen 
ersten Arbeiten (über Zerreissung der Triceps-Femoris-Sehne und die Goncremente 
der Fossae nasales) hervorragendes Talent zur pathologisch-anatomischen Betracht 
tungsweise. Der letztgenannten Arbeit (von 1845) folgten bald: „MSvnoire sur la 
section sousmouqueuse du sphincter anal dans plusieurs affections chirurgicales*^ 
fParis 1846) — „Recherches expSrimentales sur la tempiratare animale** (1847) 



' 



DEMARQUAY. — J)EMETRIÜS. 149 

und „Des tumeura de Vorbite*^ (1853). — Mit der „Nouvelle Operation prati- 
quie sur le pied*^ (Amputation in der Continuität des Tarsus, 1858) wandte sich 
D. ganz dem chirurgischen Specialfache zu, blieb aber in' yy Versuch einer medi- 
cinüchen Pneumatologie" (deutsch von Reyher, Leipzig und Heidelberg 1867) 
und „De la rSgSneratton des organes et de tissus" (Paris 1874) auch auf 
anderen Gebieten thätig. Aus seiner eigenen Feder rühren noch verschiedene 
Beschreibungen von Apparaten , Empfehlungen des Glycerin etc. her. Posthum 
erschien die „Maladies chirurgicales du penis^, von 6. Voelkee und P. Cyr 
(Paris 1877). — Mit Gihaud-Teülon hatte D. Untersuchungen über den Hypno- 
tismas (1860) mit Saint- Vel den grossen „Traiti cliniqiie des maladies de 
lutSrus" (1876) bearbeitet. (8. diese.) Red. 

*De Hartini, Antonio de M. , geboren in Palma (Prov. Caserta) am 
26. Februar 1815, wurde in Neapel, wo er seine Studien, mit politischen Schwierig- 
keiten kämpfend, vollendete, 1836 zum Doctor promovirt. Er widmete sich mit 
Vorliebe den physiologischen Studien und docirte mehrere Jahre privat Physiologie, 
bis er 1860, nach dem Sturze der bourbonischen Herrschaft, zum Professor der 
Physiologie an dem damals noch bestehenden CoUegio medico di Napoli und 1861 
zum ord. Professor der allgemeinen experimentellen Pathologie an der Universität 
Neapel ernannt wurde. Eines seiner grössten Verdienste besteht eben darin, die 
experimentelle Pathologie in Neapel begründet zu haben. Er ist gegenwärtig einer 
der angesehensten Aerzte der Stadt und consultirender Arzt der Königin und seit 
1882 auch Senator des Königreichs. Er hat viele wichtige Schriften veröffentlicht, 
worunter besondere Erwähnung verdienen: „Sur la direction de la circulatwn 
de J acobson et sur les rapports entre la secrition de Vurine et celle de la 
hiUy chez les reptiles" (Ck)mpte8 rend. de TAcad. de sc. 1841) — „Sul foramen 
occipüale, sito ed inclinazionej nelle razze umane e nelle scimie aniropomorfe^ 
(Atti della R. Aoad. medico-chirurg. di Napoli, 1842) — „Ricerche sperimentali 
sulla natura di fermenti ßsiologici, considerati come fisio-mtcrohi" (Rendi- 
conto dell* Acad. 1843) — ,,SulV ovulazione spontanea della donna e delle 
femmtne det mammiferi^ osservazioni ed esperienze^ (Atti dell* Acad. 1844) — 
„Sur la formatton des spermatozoides chez les poissons cartilagineux** (Ann. 
des Sc. natur., Paris 1846) — „Die Reflexbewegung der Extremitäten und der 
geatreißen rothen Muskeln, die man durch Heizung der Eingeweide erhalten 
kann" (Valentin's Bericht über die Leistungen in der Physiologie, 1847) — 
„Compendio di embriologia" (1849) — „Elementi di osteologia e sindes- 
mologia delF uomo e degli animali domestici" (1852) — „Ouida alla fisio- 
logia patologica*' (1863) — „Esperienze sulla degenerazione grossa da affie- 
volita respirazione*' (Rendiconto dell* Acad. 1879). Cautani. 

Demetrius. Mehrere griechische Aerzte führen diesen Namen : l.Demetrius 
vonApamea (A>j[i.T^Tpto; ö 'ÄTcajjLEo;), ein hervorragender Schüler des Xbkophilus, 
schrieb ein umfangreiches Werk: „De passionibus^ , das Caelius AueelianüS 
oft citirt; femer über die Symptome der Krankheiten („Liber signorum oder 
<n;jiÄM«>Tüc6v''j. Scharfsinnig ist seine Lehre von den Blutungen, deren er vier 
Arten unterscheidet: Durchschwitzen des Blutes durch die unverletzten Gefösae, 
Anastomose, Zerreissung und Fäulniss der Gefässe. Auch als Geburtshelfer scheint 
er Bedeutendes geleistet zu haben , wie aus seiner von Soranüs (II, 54 R.) mit- 
getheilten ITieorie der Dystokien zu ersehen ist. — 2. Demetrius, der Archiater 
Marc Aurel's, der denselben auf seinem Feldzuge gegen die Germanen begleitete. — 
3. DemetriusPepagomenus, der Leibarzt des griechischen Kaisers Michael*- 
Paläologus (1261—1282), ist der Verfasser einer Schrift über die Gicht („ttssI 
woÄaYP^?"? ®^* Beknabd, Lugd. Bat. 1743) und einer Abhandlung über die Pflege 
und die Krankheiten der Jagdfalken („rspl ty^; twv tspixtov avarpco^r^; ts y.al 
*spz7r8(a<;", ed. RröALTius, Paris 1612). 

Cael. Aurel. acut. I, pag. 2; III, pag. 249; chrou. II.. 10. — Galen, XIV, 4. 

H e 1 ni I- e i (• h . 



150 DEMIOHELIS. — DEMOKEDES. 

Demiclielis, s. de Michelis. 

Deinine, Vater und Söhne, zu Bern. — Der Erstere, Hermann D., war 
1802 zu Altenburg geboren, studlrte anfänglieh Theologie und Philologie, später 
Medicin und wurde 1830 zu Würzburg Doctor mit der pathologisch-anatomischen 
Inauguralschrift : „üeber ungleiche Grösse beider Hirnhälßen^ (1881). Während 
der polnischen Insurrection 1831 war er einige Zeit als ordinirender Arzt und 
Chirurg im Alexander-Hospital zu Warschau thätig, kehrte zu Ende des Jahres 
1831, nach dem Falle Polens, nach Deutschland zurück und Hess sich in Alten-, 
bürg nieder. 1832 begleitete er als Schiffsarzt eine Gesellschaft von Auswanderern 
nach Pennsylvanien , besuchte 1833 Paris und wurde darauf zum Prof. e. o. der 
Anatomie an der neu errichteten Universität Zürich ernannt. Später wurde er 
Prof. ord. der Chirurgie und Director der chirurgischen Klinik in Bern. Ausser 
Aufsätzen in v. Gbaefe's und V. Waltheb's Journal hat er noch geschrieben: 
„ üeber endemischen Cretinismus" (Bern 1840, m. 1 Taf.) — „ Ueber Entstehung 
und Verhütting von Rückgratsverkrümmungen in den Berner Mädchenschulen** 
(Bern 1844). Er starb am 18. Januar 1867. 

Der ältere Sohn, Karl Hermann D. , war 1831 geboren, studirte in 
Bern, wurde daselbst Doctor, verfasste die gekrönte Preisschrift : „ Ueber die Ver- 
änderungen der Gewebe durch Brand. Ein Beitrag zur pathologischen Histologie** 
(Frankfurt a. M. 1857, m. 2 Taff.) und wurde Privatdocent der pathologischen 
Chemie und Anatomie in Bern. Er sehrieb noch: „Beobachtungen über Card- 
nosis miliaris acuta" (Schweizerische Monatschr. 1858) — „Beiträge zur patho- 
logischen Anatomie des Tetanus und einiger anderen Krankheiten des Nerven- 
systems" (Leipzig und Heidelberg 1859, m. ITaf.), war 1859 während des 
Krieges in Italien in den dortigen Kriegs-Lazarethen thätig, wobei er namentlich 
mit dem berühmten Chirurgen LüiGi Porta aus Pavia in Berührung kam und 
gab darauf heraus : „Militär-chirurgische Studien in den italienischen Lazarethen 
von 1859" (2 Abthlgn., Würzburg 1861 ; neue Aufl. 1864); ferner eine mit eigenen 
Anmerkungen und solchen des Verfassers versehene Uebersetzung der Schrift von 
L. Porta : „Die Blaseru^teinzertrümmerung" (Leipzig 1864, mit 9 Taff.). Ausser- 
dem Aufsätze in Virchow's Archiv (1861) über extracranielle Blutcysten ; in der 
Würzburger med. Zeitschr. (1861 , 62) über Tracheostenosis per compressionem, 
compressive Kropfstenosen der Trachea; in der Schweizerischen. Zeitschr. fOr Heilk. 
(1862, 63) über Transfusion in der Militärchirurgie, Luxation einer Beekenhälfte, 
über Glossitis; im Archiv für klin. Chirurgie (1862) und der Wiener Medicinal- 
Halle (1864) über Osteomyelitis spontanea diffusa, Osteomyelitis epiphysaria multi- 
plex u. s. w. — 1864 wurde er in einen Criminalprocess in Betreff der Vergiftung 
des Schwiegervaters seiner Verlobten, T r ü m p y , verwickelt, jedoch freigesprochen. 
Er ging darauf mit seiner Verlobten nach Italien und starb mit derselben in der 
Nacht vom 28., 29. November 1864 zu Nervi bei Genua durch eingenommenes Gift. 

Callisen, XXVII, pag. 248. — Dechambre, XXVI, pag. 643. Gurlt. 

Der jüngere Sohn, *Rudolf D., geboren in Bern am 12. Juni 1836, besuchte 
zunächst die Berner Universität, dann Wien, Paris und London. Er war anatomischer 
Assistent bei Valentin, klinischer Assistent bei Biermer; 1859 wurde er promovirt. 
Seit Sommer 1862 wirkt er als Arzt des Jenner'schen Kinderspitales und Professor 
der Klinik und Poliklinik der Kinderkrankheiten (bis 1877 als Privatdocent dieser 
Fächer) in Bern. Grössere Arbeiten: „ Ueber Myocarditis und pemiciöseii Icteim" 
(Schweiz. Zeitschr. für Heilk.) — „Jahresberichte des Jenner'schen Kinderspitales 
von 1862 an" — „Erkrankungen der Schilddrüse" und „Anaesthetica" (in 
Gerhardt's Handbuch der Kinderkrankheiten) etc. Red. 

Demokedes, aus Kroton in Unteritalien, floh, wie es heisst, vor dem 
Zorne seines Vaters nach Aegina, wo er bald die dortigen Aerzte an Geschick- 
lichkeit übertraf, so dass er von den Aegineten mit einem Jahresgehalt von einem 
Talent öffentlich angestellt wurde. Nach kurzem Aufenthalt in Athen, wo er 



' 



DEMOKEDES. — DEMOÜRS. 151 

hundert Minen erhielt, trat er gegen ein Honorar von zwei Talenten bei Poly- 
krates von Samos in Dienst. Nach dem Sturze desselben (gestorben 522 v. Ch.) 
kam er als Sklave an den persischen Hof nach Susa, wo er den König Darin s 
Hystaspis von einer gefährlichen Verrenkung des Fusses, welche seine ägyptischen 
Aerzte ohne Erfolg behandelt hatten, curirte. AuchAtossa, des Königs Gemalin, 
Wteiiß er von einem krebsartigen Brustgeschwür. Trotzdem er sich dadurch die 
Gunst des Königs und grosse Reichthtimer erworben hatte, konnte er die Heimat 
nicht vergessen. Unter dem Verwände, dem Dar ins als Kundschafter Dienste zu 
leisten, erlangte er die Rückkehr und schlug in seiner Vaterstadt seinen bleiben- 
den Wohnsitz auf. 

Herod., m, 125, 129-137. — Snidas s. h. v. 

Helmreich. — Cantani. 

Demokrates, Servilius D., s. Damokrates. 

Demokritos, aus Abdera, um 460 — 370 v. Chr., Zeitgenosse des Hippo- 
KRATES, der bekannte Urheber der Atomenlehre, hat in seinen zahlreichen Schriften, 
deren Echtheit freilich, von einigen wenigen abgesehen, mehr oder minder zweifel- 
haft ist, auch medicinische Probleme erörtert, weshalb ihn Manche zum Lehrer des 
HiPPOKRATES machten. Unter den von DiOG. Laert. , IX, 46 aufgeführten 
Schriften D.'s scheinen folgende medicinischen Inhalts gewesen zu sein: 1. „Trepl 
ivÄpcjüTTO'j (ficioq^ — 2. „xepl Xotjjiöv -^ Xotjxaä&v xaxöv" — 3. „TrpoyvwcK" (über 
Prognosen) — 4. „Trepl StaiTTj;" — 5. „Trepl xupSToO xxl töv Gtcö votou ßvjicovTwv". 
Pliniüs erwähnt eine Schrift: „De effectu herbarum" und „De vi ac natura 
chamaeleantis^ , Caelios Aürblianus citirt Stellen aus Democrit (de Emprostho- 
tonieis, de Opisthotonicis und de Elephantiacis) und Gellius kannte ein Werk D.'s : 
„repi pu<7(Xüiv f^ Xoytxöv xavcov", in welchem als Heilmittel gegen die meisten Krank- 
heiten die Musik (incertiones tibiorum) empfohlen wurde. Keine dieser Schriften 
kann unbestritten als echt bezeichnet werden, da Süidas nur zwei Werke D.'s 
anerkennt und schon von den Alten ausdrücklich bezeugt wird, dass zahlreiche 
literarische Erzeugnisse gewissenloser Fälscher unter D.'s Namen umliefen. Ein 
solches Product ist die dem D. untergeschobene Schrift des BOLOS Mendasios: 
„TTEpl <iTijA7wa^£tü>v xxl avTtTrxd-etöv" , die auf uns gekommen ist (gedruckt bei 
Fabricius, Bibl. graeca, IV, c. 29). Helmreich. 

Demons. Ausser einem im 16. Jahrhundert in Amiens berühmten Arzte D. 
exigtiren mehrere gleichnamige dieses Jahrhunderts, von denen jedoch keiner Hervor- 
ragendes geleistet hat. A. D. war 1872 — 1878 Mitherausgeber des „Bordeaux 
medical". Red. 

Demorgan, s. de Morgan. 

Demosthenes l. mit dem Beinamen Philalethes, Schüler des Ale- 
xander Philalethes, schrieb ein aus drei Büchern bestehendes Werk über den 
Puls, das Galen rühmend erwähnt. — 2. Von einem Demosthenes aus Massilia 
führt GrALEN ein Recept gegen Carbunkeln an, eine im narbonensischen Oallien häufig 
vorkommende Krankheit (la charbon proven^ale). — 3. Am bertlhmtesten ist der 
Augenarzt Demosthenes, dessen (verschollene) Schrift („Liber ophthalmicus^ ) 
Oribasius in seiner Synopsis excerpirte und noch Simon von Genua (1270 — 1303) 
benutzte. Fragmente bei Orib., Synops. VIII, 42 und 43 (Tuepl /tjulwctcüx; und 
::£?i <pXY]XTatvöv), Simon Janüensis und Matthäus Sylvaticüs. Die Identität der 
drei D. oder wenigstens der beiden letzteren ist wahrscheinlich. 

Galen, VIII, 727; XIII, 856. Helmreich. — Magnus. 

DemourSy zwei berühmte Ophthalmologen. Der ältere Pierre D. wurde 
1702 zu Marseille geboren, wo sein Vater Apotheker war. Er studirte zu Avignon 
und Paris Medicin und machte im Jahre 1728 zu Avignon das Doctorexamen. 
Nach Absolvining seiner Studien Hess er sich in Paris nieder, woselbst er 1730 
zum Demonstrator und Aufseher des naturhistorischen Cabinetes bei dem königlichen 



152 DEMOÜRS. 

Garten ernannt wurde; doch bekleidete er diese Stelle nur zwei Jahre, um 
dann einer Aufforderung Antoine Petit's Folge zu leisten, der ihn zur Unter- 
stützung bei seinen anatomischen Arbeiten an seine Seite rief. Diese Berufung 
führte ihn vollständig der Ophthalmologie zu und diesem Zweig der Medicin 
widmete er jetzt seine ganze Thätigkeit, sowohl in wissenschaftlicher, wie auch 
in praktischer Beziehung. Besonders wai* es die Anatomie des Auges, die D. mit 
Erfolg bearbeitete; seine Untersuchungen über die Chorioidea, Cornea, Humor 
vitreus u. s. w. vermehrten die Kenntnisse, die man über diese Gewebe besass, in 
hohem Grade. Unter dem Namen „lame cartilagineuse de la oom6e" besehrieb 
er die innere Basalmembran der Hornhaut (Lettre ä M. Petit, Paris 1767 und 
M6m. de TAcad. 1768, pag. 177), die in Folge dessen wohl auch den Namen 
DEMOURS'sche Haut trägt. Allein wegen dieser Entdeckung gerieth er mit Jean 
Descemet (s. diesen) in einen sehr lebhaft geführten Streit. Es entbrannte 
zwischen beiden Autoren nunmehr eine sehr heftige Polemik, die von den Jahren 
1769 bis 1771 die französischen wissenschaftlichen Journale nicht zur Ruhe kommen 
liess. Die Geschichte scheint zu Ghinsten Descemet's entschieden zu haben, wenig- 
stens ist der Name „Membrana Descemetii" der gebräuchlichere geworden. Durch 
seine Erfolge als praktischer Augenarzt erwarb D. sich inzwischen einen so grossen 
Ruf, dass er zum königlichen Oculisten ernannt wurde. Auch die Akademie 
der Wissenschaften nahm ihn unter die Zahl ihrer Mitglieder auf. Er starb am 
26. Juni 1795. Ein Verzeichniss seiner Schriften findet man in Nouvelle Bio- 
graphie g6n6rale, Bd. XIII, pag. 622. Uebrigens war er auch als Uebersetzer 
sehr thätig uud hat verschiedene Arbeiten aus dem Englischen in das Französische 
übertragen. — Der Sohn, Antoine-Pierre D., wurde am 16. December 1762 
geboren. Er wandte sich nach dem Vorbilde seines Vaters schon früh vollständig 
der Augenheilkunde zu und gewann sowohl durch seine wissenschaftliche, wie 
besonders durch seine praktische Thätigkeit grossen Ruf. Er wurde Augenarzt 
Ludwig XVIII. und Karl X. Ganz besonderes Verdienst erwarb er sich 
dadurch, dass er die von Himly empfohlene Anwendung mydriatischer Mittel bei 
Augenoperationen, speciell bei Extraction des Staares und bei Keratonyxis, nicht 
allein sofort praktisch verwerthete, sondern eigentlich die allgemeine Einführung 
derselben in die französische Oculistik veranlasste. Uebrigens war er ein sehr 
gewandter und kühner Operateur und hat als solcher der augenärztlichen Chirurgie, 
speciell der Iridektomie, grosse Dienste geleistet. Die von ihm nach dem Wenzel- 
schen Verfahren mit dem besten Erfolg an einem an Leucom erblindeten Mann 
ausgeführte künstliche Pupillenbildung erregte das grösste Aufsehen nicht nur in 
Frankreich, sondern in ganz Europa. Und wenn D. auch weder die Idee zu 
einer künstlichen Pupillenbildung selbst gehabt, noch auch das Operationsverfahren 
angegeben hat, so hat er doch durch die Sicherheit, mit der er diese Operation zu 
einer Zeit ausgeführt hat, wo dieselbe eigentlich noch als ein Curiosum angesehen 
wi^rde, der Einftlhrung der Iridektomie in die Augenheilkunde den Weg gebahnt 
und ihre Indicationen gezeigt. Wie gross übrigens das Staunen über die erste 
von ihm ausgeführte Iridektomie war, geht am besten daraus hervor, dass einzelne 
Journale, so z. B. die Gothaische gelehrte Zeitung 1801, Nr. 52, im Ernst ver- 
sicherten : D. sei im Stande, Erblindeten künstliche Augäpfel einzusetzen, mit denen 
dieselben zu sehen vermöchten. Von seinen Arbeiten seien besonders hervor- 
gehoben: „M^otre sur VopSration de la cataracte^ (Paris 1784) — „Obser- 
vations sur une pupüle artißcielle, ouverte tout auprhs de la sclerotique^ 
(Paris 1800) — „TraiU des maladtes des yeux^ (Paris 1818, 3 Bde.) — 
„Pr^cis Mstorique et pratique siir les vialadies des yeux" (Paris 1821). Er 
starb am 4. October 1836 aus Kummer über den Tod seines Sohnes, der hei 
einer Fahrt auf der Seine verunglückte. 

Ein vollständiges Verzeichniss seiner Arbeiten findet man bei Callisen V. 

Magnns. 



' 



DENDY. - DENMAN. 153 

Dendy, Walter Cooper D., gegen 1790 geboren, in London medi- 
cinisch ausgebildet, 1814 Chimrg am dortigen Kinderhospital, beschäftigte sich 
mit Hautkrankheiten, besonders auch, soweit sie das Kindesalter betreffen, als 
Specialit&t. 1860 lebte er noch, sein Todesjahr ist unbekannt. Ausser vielen 
Artikeln casuistischen Inhalts in der Lancet, im Lond. med. and. phys. Joum., 
Pöychological Joum. etc. rühren von ihm her: „Treatise on ihe ctUaiieous du- 
eases incident to childhood (London 1827) — ;, Ueber die Verhütungen und 
HeilcuT der Hydrophobie*' (Augsburg 1825) — „Practdcal remarks on the 
diseases of the skin etc,** (London 1838) — „The physiology of mystery" 
(London 1841) — „On the cerebral diseases of children etc,^ (London 1848). 

Hahn bei Dechambre. Bed. 

Deneux, Louis Charles D., geboren den 25. August 1767 zu Heilly, 
Departement Somme, gestorben den 28. October 1846, ein Verwandter und 
Schüler Baüdelocqüe's , war von 1823 bis zur Juli - Revolution 1830 Professor 
der geburtshilflichen Klinik in Paris. In Folge der Keorganisation der medicinischen 
Facultät nach dieser Revolution verlor er sein Amt und lebte von da an in stiller 
Zurttckgezogenheit seinen Studien. Er schrieb: „Essai sur la rupture de la matrice 
pendant la grossesse et V accouchement^ (Paris 1804, 4.) — „ Becher ches sut* 
h kemie de Vovaire^ (Paris 1813) — „ConsidSrations sur les propriStis de la 
matrice*' (Paris 1818) — „Mim. sur la sortie du cordoJi ombil, pendant le 
travail de V enfanteinent" (1820) — „Recherches sur la cause de V accouchement 
spontani aprks la mort*' (Daselbst 1823) — „Observation sur une tuineur fibreuse 
de VutSrus expulsSe dans le vagin apr^ un avortement au terme de quatre 
mois, et prise pour V arrikre-faix" (1839, 4.) — „M4moire sur les tumeurs 
sanguins de la sulve et du vagin" (Paris 1830). 

Vergl. Siebold's Gesch. der Geb. Bd. II, pag. 713. Kleinwächter. 

Denis, Jean-BaptisteD., zu Paris im 2. Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts 
geboren, studirte in Montpellier und wurde bei seiner Rückkehr nach Paris Professor 
der Philosophie und Mathematik, gleichzeitig aber auch königlicher Leibarzt. 
1664 begründete er öffentliche Conferenzen, in denen über Gegenstände dieser drei 
Fächer disputirt wurde. 1673 machte er eine Reise nach England. D. hat den 
Ruf, nicht nur experimentell am Thiere, sondern auch zu curativen Zwecken am 
Menschen die Transfusion ausgeführt zu haben. Hierauf bezieht sieh der Haupt- 
theil seiner Schriften, die als Briefe in Pariser Journalen (Jahrg. 1667 — 1668), 
aber auch in monographischer Form gleichzeitig erschienen. Die übrigen handeln über 
Astrologie, eine wunderbare Heilquelle in Polen und andere naturwissenschaftliche 
Curiosität^n. D. starb am 3. October 1704. 

Dict. bist. II. Red. 

Denisot) G^rard D., Dr. Paris 1548, gestorben 1594, ist nur erwähnens- 
werth wegen seiner eleganten „Hippocratis Aphorismi versibus graecis et latinis 
expositi*' (aufgefunden von G. Joly, in Druck gegeben von J. Denisot, Paris 1634). 

Ch^reau bei Dechambre. Red. 

Denman, Thomas D. , nimmt unter den englischen Geburtshelfern des 
18. Jahrhunderts eine hervorragende Stellung ein. Als er sich der Geburtshilfe 
widmete, hatte er bereits ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich. Er stammte 
aus Bakewell in der Grafschaft Derby, woselbst er am 27 Juni 1733 als Sohn 
eines Apothekers das Licht der Welt erblickte. Seinen ersten Studien lag er in 
seiner Vaterstadt ob, worauf er als Gehilfe in das Geschäft seines Vaters eintrat. 
1752 verlor er als 19jähriger Jüngling seinen Vater. Nach dessen Tode verblieb 
er noch zwei Jahre in dem Geschäfte, dem nun sein älterer Bruder vorstand. 
1754 begab er sich nach London, wo er durch drei Jahre hindurch Medicin 
£tudirte. Nach dieser Zeit nahm er Dienst in der königlichen Marine^ bei der er 



154 DENMAN. — DENONYILLIERS. 

bis zu dem 1763 erfolgten Frieden von Paris verblieb. Durch diesen Frieden 
um seine Stelle gebracht, ging er wiederum nach London, wo er sich unter 
Smellie und Hukter dem Studium der Geburtshilfe widmete. Hierauf Hess er 
sich in Winchester als Arzt nieder, nachdem er früher den Doctorgrad an der 
schottischen Universität erworben hatte. Das Olttck war ihm aber auch in dieser 
Stellung nicht hold. Er begab sich zum drittenmale nach London, um da sein 
Glück zu suchen. Lange musste er hier mit Entbehrungen und selbst mit Noth 
ringen, bis er endlich durch Verwendung Cavendish's und Drakb's die Stelle 
des Chirurgen an einer königlichen Yacht erhielt. Von da an lächelte ihm eidlich 
das Glück. Er errang sich eine einträgliche gebi^rtshilfliche Praxis und errichtete 
eine Privat-Entbindungs- sowie Lehranstalt, die von vielen Schülern aufgesucht 
wurde. Sein Name wurde durch seine Praxis und seine Werke bekannt, so dass 
sein Ruhm und Ansehen immer mehr wuchs. Die Folge davon war die Aufiiahme 
als Mitglied in mehrere wissenschaftliche Gesellschaften und die Anstellung als 
Geburtshelfer am Middlesex-Hospital. An Ehren reich zog er sich 1791 in das 
Privatleben zurück und brachte von da an sein Leben glücklich und zufrieden in 
Feltham zu, woselbst er auch 1815 starb. — Trotzdem bereits nahezu 100 Jahre 
,seit D.'s klinischem Wirken verflossen sind, wird sein ^ame heute noch immer 
genannt, wenn von der Selbstentwicklung, der Einleitung der künstlichen Früh- 
geburt und dem Puerperalfieber gesprochen wird. Er war nämlich der Erste, 
welcher eine Reihe eigener und fremder Beobachtungen mittheilte, in denen bei 
bestehender Querlage und vorgefallener oberer Extremität die Wendung auf den 
Steiss durch die blossen Naturkräfte erfolge und auf diese Erfahrungen hin gestützt 
von forcirten Wendungsversuchen bei abgeflossenen Wässern warnte und das Abwarten 
der Selbstwendung oder Selbstentwicklung anempfahl. Ebenso rührt von ihm die 
Trennung der Wendung von der Extraction her, indem er als Erster in England 
anrieth, die Expulsion der Frucht nach gemachter Wendung womöglich der Natur 
zu überlassen. Was die künstliche Frühgeburt anbelangt, so war D. der Erste, 
welcher dieser damals neuen Lehre ein eigenes Capitel in seinem Lehrbuche widmete 
und uns die ersten Nachrichten über diese Operation auf englischem Boden gab. Er 
sprach sich durchaus billigend für diesen operativen Eingriff aus. Das grösste Verdienst 
aber erwarb sich D. dadurch, dass er die üebertragungsföhigkeit des Puerperalfiebers 
auf dem Wege der Aerzte und Hebammen entdeckte. Allerdings wusste seine Zeit 
die Bedeutsamkeit dieser Entdeckung nicht zu schätzen und mussten 100 Jahre 
beinahe verfliessen, bis dieselbe allgemeine Anerkennung fand, doch wird dadurch 
der Ruhm seiner Entdeckung nicht geschmälert. Die Werke, die er verfasste, sind 
folgende: „An essay on puerperal fever" (London 1768; deutsche Uebersetzung 
Altenburg 1777) — „An essay on natural labour" (London 1786) — „Introducfton 
to the practice in midvyifery" (Daselbst Bd. I, 1787; Bd. II, 1795; weitere Auflagen 
1801, 1806, 1816; deutsche Uebersetzung Zürich und Leipzig 1791, 8., besorgt 
von Johann Jakob RöM£r; französische von J. F. Kluyskrns, Gand. 1802, 8., 
ein classisches Werk) — „Aphorism, on the applicat. and use of the forceps 
and vectis in premat. lab," (London 1788, 1817) — „Collect, of Engrav. to 
ülustrate the generat, and part. etc," (Daselbst 1791, fol. und 1815, fol.) — 
„Engraving of tico ut, polyp," (Daselbst 1801, fol.) — „Observat. on the 
rupt. of the ut, etc." (Daselbst 1810) — „Observat. on the eure of Cancer*' 
(Daselbst 1814). Kleinwächter. 

Denonvilliers , Charles-Pierre D. , berühmter Anatom und Chirurg 
zu Paris, war daselbst am 4. Februar 1808 geboren, studbrte von 1836 an Mediein, 
wurde 1837 Doctor mit der These; „Propositions et observations d^anatomie^ 
de Physiologie et de pathologie", concurrirte viermal um die Stelle als Prosector, 
wurde 1839 Professeur agr^gö und 1840 Chirurg am Central-Bureau der Hospitäler, 
1841 Chef des travaux anatomiques. Seine chirurgische Concurs-These (1839) war: 
yyBHerminer les cas qiii indiquent Vapplication du trSpan sur les os du crdne". 



DENONVILLIERS. — DEPAUL. 155 

Seit 1833 hielt er fast ohne Unterbrechung Curse über descriptive nnd chirurgische 
ÄEatomle, wie über Operationslehre, 1849, nach dem Tode von Breschet, erhielt 
er den Lehrstuhl der Anatomie, nachdem er bereits das Museum der Facultät 
durch seine schönen, sehr zahlreichen und trefflich conservirten Präparate bereichert 
hatte, wie er auch daftlr sorgte, dass in den Präparirsälen grössere Sauberkeit und 
Ordnung hergestellt wurde. Seine anatomischen Vorlesungen waren durch ihre 
Klarheit nnd Gediegenheit ausgezeichnet und ermangelten alles Gepränges. Obgleich 
er ein vortrefflicher Operateur war und namentlich in plastischen Operationen 
eicellirte, war er doch dem Publicum wenig bekannt, weil er die Praxis nicht 
suchte. Von seinen Schriften führen wir, ausser einer anatomischen Concurs-These : 
„Comparatson des deux systhmea musculaires" (1846), an: „Descrtptton des 
OS malades du musSe Dupuytren^ (Paris 1842, mit Atlas, 18 Taf.), das von 
ihm in Gemeinschaft mit Auguste Berard und Gosselin herausgegebene „Com" 
pendium de Chirurgie prattque*^ (3 Bde. Paris 1845 — 61) und den zusammen 
mit Gosselin verfassten „ Tratte thiorique et pratique des maladies des yeux^ 
(Paris 1855). Ausserdem eine Anzahl von Artikeln im Dict. des 6tudes mMicales 
pratiques u. s. w. 1858 wurde er zum Inspecteur gen6ral de Instruction publique 
für die Medicin und zum Mitgliede des bezüglichen Conseil sup6rieur ernannt, wodurch 
er Gelegenheit fand, an der Vervollkommnung des medicinischen Unterrichts thätigen 
Antheil zu nehmen. Häusliche UnglücksfUlle trübten die letzten Jahre seines Lebens 
bis zu seinem am 5. Juli 1872 plötzlich erfolgten Tode. 

Sachaile, pag. 234. — F. Guyon in Union m6d. 3. S6r. T. 14, 1872, pag. 55; 
T. 17, 1874, pag. 141, 153, 197. 233. — Decbambre, XXVI, pag. 743. Gnrlt. 

Denyau. Vater und Sohn. Der Erstere, Mathurin D. , aus Vendöme, 
Dr. med. 1635 und 1680 gestorben, schrieb in den Jahren 1633 — 1635 Mehreres 
über das Lachen, über üterusschmerzen, putride Fieber u. dgl. — Alexandre- 
Michel D., 1637 — 1712, Chirurgien du roi, Decanus ad honorem und wie sein 
Vater als Praktiker hochberühmt, publicirte 1657 — 1658 einige Schriften, darunter 
rfEstne soliis sanguis puris corporis alwientum?^ 

Cherean bei Dechambre. Red. 

Denys, JacobusD., wahrscheinlich im Jahre 1670 in Leyden geboren, 
war einige Jahre in Indien als Chirurg wirksam und etablirte sich nach seiner 
Rückkehr in seinem Geburtsort, sehr protegirt durch Boerhaave, der ihn „insignis 
artifex obstetricandi" nannte. Er wurde 1720 zum städtischen Geburtshelfer und 
1725 zum Lehrer der Hebammen ernannt. Im Jahre 1730 veröffentlichte D. 
ffHeelkundige aanmerkingen over den steen en het snyden van demelven^, 
wodurch er sich in einen Streit verwickelte mit A. Titsingh, und 1733 „ Verhan- 
deUngen over het ampt der vroedmeesters en vroedvrouwen^ , ein „bonus et laude 
dlgnus liber" nach Haller, worin er die Aenderungen, welchen der Uterus in der 
Schwangerschaft unterliegt, zum ersten Male genau beschrieben hat. Es ist mir 
nicht gelungen, sein Todesjahr ausfindig zu machen. q ^ Daniels. 

Depaire, Jean-Baptiste D., aus Tougruine (Brabant), am 18. October 
1824 geboren, in Brüssel ausgebildet, zeichnete sich als Lehrer der Chemie und 
als gerichtlicher Chemiker aus. In seiner Stellung als Professor der praktischen 
und theoretischen Pharmacie und Toxikologie an der Brüsseler Universität und 
„Pharmacien du roi" erlangte er bald die Mitgliedschaft des obersten Gesundheits- 
rathes, sowie die Titularmitgliedschaffc der königlich belgischen Akademie und trat 
mit einer beträchtlichen Anzahl von hygienischen Berichten und chemisch wichtigen 
Mittheilnngen in die Oeffentlichkeit. Die „ Recher ches chimiques des poisons metaU 
liqnes*^ und „Nouvelle mithode poiir le dosage de Vur6e^ seien besonders genannt. 

van den Corput. — Red. 

Depaul, J.-A.-H. D., geboren 1811 zu Pau, kam als 17jähriger Jüngling 
nach Paris und wurde hier nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten Externe des 



156 DEPAUL. — DE RENZI. 

höpitaux 1834, Interne titulaire 1836, Dr. med. 1840, Aggr6g6 1847, Chirurgien 
des höpitaux 1853. Als Mitglied der beiden Akademien seit 1852 nahm er an 
den Discussionen vielfach und lebhaft Theil. Sein Arbeitsfeld war während dieser 
Zeit ein ziemlich mannigfaltiges gewesen, indem er über Puerperalfieber, animale 
Yaecination, vaccinale Syphilis, Intrauterinpessarien etc. grössere und kleinere Abband 
lungen veröffentlicht hatte. 1862 concurrirte er mit Erfolg um den Lehrstuhl der 
geburtshilflichen Klinik und leistete hier im Lehrfache ebenso Ausgezeichnetes, 
wie vorher in seinen Specialcursen an der £co]e pratique. Auch setzte er mit 
ausserordentlichem Fleiss die Publicationen über einzelne klinische Themen fort, so 
über: Cephalhämatom , viscerale Syphilis, hereditäre Syphilis, Wiederbelebung 
Bcheintodt geborener Kinder, Aderlässe während der Schwangerschaft, Uterusfibrome 
als Geburtshindemiss, Placentarhämorrhagien etc. Endlich verdienen ausdrückliche 
Hervorhebung sein : „ Traiti thSorique et pratique de VauscuUation obstkricale*' 
(Paris 1847) — „Legons de climque obstStricale profess^ a Vhdpitcd des 
cUniques** (Paris 1872 — 1876) und die „Archives de tocologie, des maladtes des 
femmes etc", welche er von 1874 — 1881 herausgab. — D. starb im October 1883. 
Gaz. hebd. 1883, Nr. 43. Red. 

Depre, Johann Friedrich D. , aus Mainz, in der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts geboren, trat zuerst in den Jesuiten-, darauf in den Augustiner- 
Orden ein. Dann erst entschioss er sich zur Medicin und wurde zu Erfurt 1701 
Doctor derselben. Zu Neustadt in der Pfalz wurde er später Amtsarzt und kehrte 
von da 1717 nach Erfurt zurück, um den dortigen Lehrstuhl für Anatomie, 
Botanik und Chemie zu übernehmen (als Nachfolger Eysel*s). Titularleibarzt des 
Kurfürsten zu Mainz wurde er 5 Jahre vor seinem Tode, der 1727 erfolgte. — 
D. hat eine ungemein grosse Anzahl von Schriften (63) aus allen Gebieten der 
Pathologie und Therapie hinterlassen, bezüglich deren, da keine sich besonderen Ruf 
erworben hat, lediglich auf die sogleich zu nennende Quelle verwiesen werden muss. 

Hahn bei Dechambre. • Red. 

Derby. Drei amerikanische Aerzte, von welchen der älteste George D., 
1819 — 1874, über die Schwindsucht im Staate Massachusetts (Boston 1867), dann 
Mehreres über Anthracitkohle etc. schrieb. — *HasketD., Augenarzt in Boston, 
veröffentlichte: „Eine Analyse von 61 Staaroperationen" (Boston 1871) — ^Die 
Behandlung der Kurzsichtigkeit mit Atropin" (New-York 1875) und später — 
1879, resp. 1882 — noch einige Arbeiten über diese beiden Themata. — *Richard 
H. D. studirte zu Wien und publicirte daselbst 1869 eine Abhandlung „Zur 
Anatomie von Prurigo**. Nach Amerika zurückgekehrt, schrieb er noch: „Col4>r 
hlindness and its acquisition through the abuse of alcohol and tobacco" (New- 
York 1871) und „Progressive myopia and its operative eure*' (N. Y. med. 
Jonrn. 1873). Red. 

De Renzi, SalvatoredeR., 1800 zu Paterno im Primipato Ulteriore des 
neapolitanischen Ex-Königreichs geboren, studirte in Neapel, wo er zum Doctor 
promovirte und bald darauf Spitalsarzt wurde. Im Jahre 1836 war er Sanitäts- 
inspector zur Zeit der Choleraepidemie, lehrte allgemeine Pathologie und Hygiene 
im Collegio medico und wurde 1860 zum ord. Professor der Geschichte der Medicin 
ernannt, welche Stellung er bis zum Jahre 1872 inne hatte, in welchem er am 
25. Februar nach langem Krankenlager starb. — Seine Hauptwerke, welche filr 
die Geschichte der Medicin immer von hohem Werthe bleiben werden, sind die 
„Collectio Salemitana** , in 5 Bänden (1852 — 1859 herausgegeben) und die 
„Storia documentata della scuola Salernitana** (1857), worin er den lateinischen 
Ursprung dieser medicinischen Schule, ohne hebräische oder arabische Importation, 
nachwies, obgleich der Anfang derselben zeitlich nicht festzustellen sei. Das dem 
HiPPOKRATES zugeschriebene Buch „De vetere medicina" wurde von ihm dem 
Alcmaeön vox Croton revindicirt. Ein umfangreiches Werk ist femer die „Storia 



' 



DE RENZI. - DE SANCTIS. 157 

deUamedicina italiana^, in 5 Bänden (1845 — 1848); auch wären noch viele kleinere 
Schriften, grösstentheils historischen Inhalts, zu erwähnen, wie die „Staria delle 
epidemie contemparanee^ , — „II Secolo XIII e giovanni da Procida^ u. A. m. 

Cantani. 

Demcott. Der englische Anatom D.-G. D., der am anatomischen Theater 
£u Windmill-Street lehrte, verdient Erwähnung wegen seiner beiden Illustrations- 
werke über Arterien (London 1824 — 1827, resp. 1827) und „A description of 
(he reflections of ihe peritorieum and pleura, tvith diagrams" (Daselbst 1827). 

Hahn bei Dechambre. Red. 

De Roy, s. Duroi. 

♦Deroubaix, Louis-FranQois-Joseph D. (De Roubaix), zu Estaimpuis 
(Hennegau) am 11. März 1813 geboren, wurde bei seiner Doctorpromotion — 
1836 — durch ein Reisestipendium der belgischen Regierung ausgezeichnet und 
unmittelbar nach seiner Rückkehr in Brüssel zuerst als Prosector und bald darauf 
als Professor der Anatomie angestellt. 1850 zum Chirurgen des Hospitals St. Jean 
ernannt, erwarb er sich seitdem den Ruf eines der besten Operateure und die 
Mitgliedschaft der belgischen, sowie mehrerer berühmter ausländischer wissen- 
schaftlichen Corporationen. — Unter seinen zahlreichen Schriften verdienen besondere 
Betonung: „Nouveau procidd pour la eure radicale des hemies^ (mit Figg. ; 
Brüssel 1854) — „Des accidents qui peuvent Üre la suite des grandes opirations 
etc.** (Daselbst 1857) — „Des sutures au point de vue technique^ (Daselbst 
1859; Figg.) — „Clinique chirurgicale de Vhdpital St. Jean de 1877—1879^ — 
„Traüi des fistules uroginitales de la femme^ (Brüssel 1870, mit Figg.; 
preisgekrönt von der Pariser Acad. de m6d). — Auf chirurgischem Gebiet sind 
noch die bereits 1836 erschienene Behandlung der Knochenbrüche, neue Verfahren 
zur Beseitigung der Trichiasis (1862), Operationsmethode der Dammnaht (1864), 
der Nasenpolypen, auch ein von D. erfundener Nadelhalter und Fadenschnflrer 
erwähnenswerth. Auf anderen Gebieten sind die „RSfleodons sur Vesprü scientißque 
en Belgique^ (Brüssel 1876) — der „Discours sur le recriäement des professeurs 
dans le haut enseignement^ (Bull, de Tacad. de m6d. 1876), sowie eine ältere 
hygienische Schrift: „De Vavenir des villes et de Brtixelles en particuUer au 
point de vue de Vassainissement^ (Brüssel 1866) namhaft zu machen. 

van den Corput. — Red. 

De Sanctis, Tito Livio de S., geboren am 10. Juli 1817 in S. Martino 
di Chieti, von einer armen Familie abstammend, ging, von einem Onkel unterstützt, 
um zn studlren nach Neapel, wo wegen der von der damaligen Regierung den 
Jflnglmg^i aus der Provinz gesetzten Schwierigkeiten, an der Universität zu 
Studiren, er in die Malerakademie eintrat und neben der Malerei bei den Privat- 
docenten alle medicinischen Vorlesungen besuchte. Da er in der italienischen 
Literatur sehr bewandert war, betheiligte er sich, von den Nothwendigkeiten des 
Lebens gedrungen, an einem Concurse als Professor der italienischen Literatur und 
erhielt die Stelle. Nach Vollendung seiner medicinischen Studien wurde er auch 
Marinechirurg, lehrte dann als Privatdocent Chirurgie, von einer grossen Anzahl 
Studenten besucht, und wurde 1860 mittelst Ooncurses ord. Prof. der chirurgischen 
Pathologie an der Universität Neapel. Er war einer der besten Lehrer der medicini- 
schen Facultät und besonders auch wegen der schönen Sprache bei den Vorlesungen 
sehr beliebt und trug viel zum wissenschaftlichen Fortschritt der neapolitanischen 
Chirurgie bei. — Als Schriftsteller war de S. besonders in den medicinischen 
Jonmalen „Raccoglitore" und ,,Morgagni" thätig, in welchem letzteren er das 
chirurgische Fach redigirte. Viele wichtige Artikel verdankt ihm die „Enciclopedia 
mediea" der Firma Vallaedi, und besonders hervorzuheben ist sein Lehrbuch: 
nTrattato di Pathologia chirurgica^. Trotz seiner bedeutenden medicinischen 
Tbätigkeit als Arzt und Schriftsteller verliess er bis zum letzten Augenblicke weder 
die Malerei, noch seine Lehrkanzel der Literatur, noch seine Stellung als Chirurg 



158 DE SANCTIS. — DESAÜLT. 

des Marineeotlegiam». Von einem Herzschlag überrascht, starb er in Neapel am 
8. Februar 1883. Cantani, 

Desanlt, Pierre D., zu Bordeaux, war 1675 zu Arzac im B6am geboren, 
studirte anfänglich auf der Universität zu Pau, dann unter Seris und Tartas zu 
Bordeaux, wo er Doctor wurde. 1697 begab er sich nach Paris, besuchte ner 
Jahre lang die dortigen Hospitäler und hörte die Vorlesungen von Duve&ney und 
ToüRNEFOET. Nach Bordeaux zurückgekehrt, wurde er 1704 Mitglied des dortigen 
CoUegiums der Aerzte, dessen Syndicus er von 1718 — 20 war und gehörte bald 
zu den gesuchtesten Aerzten. Es rühren von ihm her: „Nouvelles decouvertes 
concernant la santS et les maladies les plvs frdquentes*^ (Paris 1727), femer 
eine „IHss, sur les maladies venSriennes, contenant une mithode de les guhir 
Sans flux de boucke, etc.^ (Bordeaux 1733), in welcher er sich, im Gegensatze zu 
AsTRüC, bei der Behandlung der Syphilis gegen die Noth wendigkeit, Salivation 
herbeizuführen aussprach. Andererseits behandelte er aber auch Krankheiten, die 
mit der Syphilis in keinem Zusammenhange stehen, indem er einen solchen annahm, 
mit Mercnrialeinreibungen. Es sind femer von ihm noch bekannt : „Diss. sur la 
gouite et la mithode de la gu^rir radicalement, etc.^ (Paris 1725; 1728) — 
^Diss. sur la pierre des reins et de la vessie, auec une mithode simple et 
facile pour la risoudre etc,^ (Paris 1736), zu welchem Zwecke er die innerliche 
und äusserliche Anwendung der Wässer von Bar^ges empfahl. Diese Arbeiten 
erschienen gesammelt als „Dissertations de mddecine^ (3 Bde., Paris 1735 — 38). 
Er starb 1737. ' 

Biogr. mM. I, pag. 431. — Dict. hist. II, pag. 54, G. 

Desault, Pierre-Joseph D. , zu Paris, sehr berühmter Chirurg, war 
am 6. Februar 1744 zu Magny-Ternais , einem Dorfe bei Lure (Haute-Saöne), 
geboren, wurde von einem dortigen Chimrgen in die Lehre genommen, besuchte 
darauf drei Jahre lang zu Beifort die dortigen Militär-Hospitäler und kam 1764 
nach Paris, woselbst er ein Schüler von Antoine Petit, Loüis, Morand, Sabatiee 
wurde und das€oll6ge de Chirurgie, sowie die Hospitäler besuchte. Nebenbei ertheilte 
er, um seine Subsistenzmittel zu verbessern, mathematischen Unterricht, von 1766 an 
auch Curse in der Anatomie, später in der Chirargie, mit der Unterstützung von 
La Martinierb und Louis. Er wurde bei diesen Vorträgen der Schöpfer der 
chirurgischen Anatomie in Frankreich. In dieser Zeit erfand er den bekannten, 
nach ihm benannten Schlüsselbeinbruchverband, empfahl statt der sichelförmigen 
Amputationsmesser die geraden, schränkte überhaupt die Amputation, ebenso wie 
die Trepanation auf das Aeusserste ein, brachte die seit Pare in Frankreich in 
Vergessenheit gerathene unmittelbare Unterbindung der Arterien (statt der Um- 
stechung) wieder zu Ehren, erklärte sich bei Aneurysmen für die Unterbindung 
der Arterie an der peripherischen Seite, wenn die centrale Unterbindung nicht 
möglich war, und gab noch mancherlei andere Verbesserungen an. Nach einer 
lOjährigen Lehrthätigkeit wurde er 1776 Mitglied des College de Chirurgie und 
darauf auch, auf Betreiben seines Protectors Louis, Mitglied der Acad. royale de 
Chirurgie, bei welcher Gelegenheit er über das von Loüis in Frankreich ein- 
geführte HAWKiNs'sche Gorgeret die Dissert. „De calcido vesicae urtnariae, eoque 
extrahendo, praev^ia sectione, ope iristrumenti Hawhinsiani emendati'' (lllßy 4.) 
verfasste. 1782 wurde er zum Chef-Chirurgen der Charitö ernannt und wurden 
dadurch seinem Genie neue Wege eröffnet, indem er seine früheren Erfindungen 
zu vervollkommnen und neue zu machen Gelegenheit fand. Während er 6 Jahre 
lang in der Charit^ die Chirurgie ausübte, vernachlässigte er seine anatomischen 
Curse nicht und wurde 1788 an das Hotel-Dieu, in einen noch grösseren Wirkungs- 
kreis versetzt , der ihm auch in der Privatpraxis die erste Stelle unter den Pariser 
Chimrgen sicherte. Dabei widmete er dem Hospitaldienste und dem Unterrichte die 
grösste Sorgfalt, schlief jede Nacht, obgleich er ein eigenes Haus beeass, im Hospital 
und um 8 Uhr Morgens war die Visite bereits beendigt, an die sich die Klinik, 



DESAÜLT. — DESBBRGEB. 159 

Operationen, Sectionen u. s. w. schlössen, die bis Mittag dauerten. Um 6 Uhr 
Abends kehrte er nach dem Hospital zurück, um es nicht mehr zu verlassen, eine 
zweite Visite zu machen und eine Abend-Vorlesung über Anatomie und Operations- 
lehre zu halten. Er hat damit die erste chirurgische Klinik in Frankreich und 
die am besten geleitete in Europa geschaffen und bald strömten auch die Schüler 
ans dem Auslande nach Paris, um seine Klinik zu besuchen, indem er zur Zeit 
des Ausbruches der Revolution als der erste Chirurg Europa's galt. Das von ihm 
in's Leben gerufene, von seinen Schülern redigirte „Journal de chii-urgte^ (Deutsche 
üebers. u. d. T. : „Deaaulis auserlesene chirurgische Wahrnehmungen u. s. w,^ 
12 Bde., Frankfurt a. M, 1791—1806) erschien 1791—1792 in 4 Bänden, die seine 
Lehren fast vollständig enthalten. Obgleich 1792 zum Mitgliede des Comit^ de 
untö des armöes, dem er gute Dienste leistete, ernannt, entging er der Verfolgung 
nicht, sondern wurde 1793, mitten aus seiner Vorlesung heraus, verhaftet, jedoch 
nach 3 Tagen wieder in Freiheit gesetzt. Im folgenden Jahre wurde er bei der 
an Stelle der Facultö de mMecine und des College de Chirurgie in*s Leben 
getretenen £cole de sant^ zum Professor der chirurgischen Klinik ernannt, obgleich 
er durchaus nicht mit der durch jene Schule angebahnten Vereinigung der Medicin 
nnd Chirurgie einverstanden war. Kurz vor seinem am 1. Juni 1796 (13 prairial an 3) 
nadi einem Kranksein von nur wenigen Tagen erfolgten Tode hatte er auch noch 
den erkrankten, im Tempel gefangen gehaltenen unglücklichen Sohn Lu dwig's XVL 
besuchen müssen. — D. bat sehr wenig selbst geschrieben. Der von ihm zusammen 
mit seinem Freunde Chopabt herausgegebene .„Trait6 des maladies chirurgicales 
et des Operations qui leur conmennent^ (2 Bde., Paris, an 4.) rührt von Chopabt 
her und enthält nur seine Ideen und seinen von Xay. Bichat verfassten Lebens- 
lauf. Von Bichat wurden seine „Oeuvres chirurgicales, ou exposi de la doctHne 
et de lapratique de . . . /' (3 Bde., 1798—1803; 3. Ausg. 1813; 1830; deutsch 
u. d. T.: „Desault's chirurgischer Nachlass^ , von 6. Wabdenbübg, 2 Bde., 
Göttmgen 1799, 1800; engl, üebers. von FiDW. Dabbell Smith, Philadelphia 
1814) und von J.-J. CassiüS ein seinen Vorlesungen entnommener „Cours thSorique 
et pratique de clinique externe** (2 Bde., Paris 1803) herausgegeben. 

Descuret in Biogr. med. I, pag. 432. — Alph. Gn^rin im Bulletin de TAcad. 
de m6d. 2. Ser., T. V, 1876, pag. 996. ^^^^^ 

Desbois de Roehefort, Louis D. de H. , französischer Praktiker von 
grossem Kufe, war zuerst Arzt bei St. Barbe, darauf Arzt am Höpital de la 
Charitö. Er ist Verfasser des Werkes: y, Cours Sl^Toentaire de matihre mSdicale^ 
sühn, d'un prScis de Vart de formuler^ (Paris 1789; nach seinem Tode von 
M. COBVISABT DES Mabais herausgegeben, machte berechtigtes Aufsehen und 
erlebte mehrere Auflagen). — D. de R. starb in Paris 1786, Unger. 

Desbordeanx, Pierre-Frangois-Fr^deric D., zu Caen am 16. März 
1763 geboren, wurde in seiner Vaterstadt ausgebildet und promovirt. Wenige 
Jahre nach seiner Promotion wurde er zum Aggr6g6, sehr bald auch zum Professor 
der Therapie berufen. Später noch Arzt des Irrenhospizes , sowie Oberarzt des 
Hospitales in Ca€n, starb er daselbst am 25. Juli 1821 mit Hinterlassung von 
„Nmivelle orthopSdie etc," (Paris 1805) und einer Dissertation über die epidemischen 
Fieber in Europa und ihre Prophylaxe. 

Dict bist. II. Red. 

Desberger, Anton D., geboren in München am 8. December 1789, war 
bayrischer, später preussischer Militärarzt und lebte in München, Berlin und Bonn. 
Seine Schriften sind nicht unbedeutend. Ausser einem Schwangerschaftskalender 
(Berlin 1827, Gotha 1831), oultivirte er das Gebiet der Geburtshilfe mit „Biargruna^ 
(Name für eine Runentafel, die Schrift enthält die Beschreibung und Abbildung 
des „Pelvimeter pluriformis", Berlin 1824). Später erschien „Archaeologia medica 
Mcorani medicinae historiae symbola" (Gotha und Erfurt 1831) — yyTod, 



160 DESBERGER. — DESCARTES. 

Scheintod und Begräbnüswesen" (Erfurt 1833) — „ Vergleichende Zootomie der 
Jagd' und Forsttkiere" (Gotha 1834), 

Hahn bei Dechambre. Red. 

DeSGärtes, Renö D. Duperron (Cabtesius), im engeren Sinne niemals 
ärztlich thätig gewesen, aber ftlr die Geschichte der Medicin von bedeutendem 
Einflüsse, ist zu Lahaye (Touraine) 1596 geboren und starb in Stockholm 1660, 
Nachweisbar hat er sich jahrelang mit physiologischen Problemen im engeren Sinne 
beschäftigt nnd auch die Pathologie nicht unberücksichtigt gelassen. Diese Bestre- 
bungen fielen wohl vornehmlich in die Zeit, nachdem er (aus dem Jesniten-CoUeginm 
la Fläche ausgetreten und nach einer kurzen Periode ausschweifenden Lebens in 
Paris) sich Zwecks einsamen Studiums in die Vorstadt St. Germain zurückgezogen 
hatte. Das sonstige Skelet seines Lebens, seine Eaiegsdienste bei den Niederländern, 
den Bayern und Kaiserlichen, seine Reisen, sein von der Welt zurückgezogenes 
und doch unruhiges Leben in Holland, seine durch die Revolution unter Karl I. 
vereitelte Berufung nach England, sowie seine Uebersiedlung an den schwedischen 
Hof (1649), die er nur ein Jahr überlebte, steht ftlr nnser Interesse ebenso in 
zweiter Reihe, wie die Bedeutung, welche D. als Vertreter, resp. Begründer der 
dogmatistischen Richtung oder als „Vater der neueren Philosophie^ hat. Bei seinem 
»Streben jedoch, die Philosophie durch die Verbindung der logischen und der 
mathematischen Methode, dßs synthetischen und analytischen Verfahrens, zur Sicher- 
heit der Mathematik, zur „Mathesis universalis^ zu erheben, zog er auch die 
Medicin soweit in den Kreis seiner Betrachtunge^i , wie sie im Folgenden kurz 
wiedergegeben sein mögen. 

Das Attribut der Körper soll die Ausdehnung, das unseres Geistes das 
Denken sein. Denn Gewicht, Schwere, Farbe und alle anderen Modi des Körpers 
sollen ohne Verletzung seines Wesens aufgehoben werden können. Verdünnung 
und Verdichtung ist nur Veränderung der Gestalt; Quantität, Raum oder innerer 
Ort mit Ausdehnung identisch , daher es auch keinen leeren Raum giebt. Atome, 
d. h. untheilbare Theile der Materie, sind undenkbar, da sie, wenn auch noch so 
klein, immer ausgedehnt, also theilbar gedacht' werden müssen. Das Quantum der 
einen unbegrenzten Materie bleibt ewig dasselbe; ebenso das der ihr von Gott 
anerschaffenen Bewegung, denn — Gott ist unveränderlich. — Durch die mannig- 
fachen Bewegungen, die Wirbel, welche Gott, die erste Ursache, erregte, erklären 
sich alle Erscheinungen« Jedes Ding strebt, in seinem Zustande zu beharren, bis 
es durch ein anderes daraus verdrängt wird ; jeder Theil der Materie bewegt sich, 
soviel an ihm liegt , in gerader Richtung ; die Bewegungsgrösse ist gleich dem 
Product aus Masse und Geschwindigkeit. — Die ursprüngliche Richtung, in welcher 
die Moleküle sich bewegen, die geradlinige, verwandelt sich, sobald jene ihren Ort 
verlassen, in die kreisförmige, weil alle benachbarten Moleküle an di^ leer gewordene 
Stelle sich hindrängen. — Die Durchführung dieser Sätze führte D. auf die Eint- 
deckung von der Gleichheit des Einfalls- und des Reflexwinkels und auf die Refraction 
des Lichtes. Durch die Sätze: „Die Summe der Bewegung in der Natur ist 
unabänderlich^^ und „Wärme verwandelt sich in Bewegung, Bewegung in Wärme", 
erscheint er als Vorläufer der Lehren von der Constanz der Kraft und dem 
mechanischen Aequivalent der Wärme. — So fasst also D. die Bewegung nicht 
als eine nothwendige Bestimmung (Attribut) der Materie, sondern als einen erst 
von anssen an sie herangebrachten Zustand. Er hatte sich, wie er sagt, vor- 
genommen, Alles mechanisch, mit Ausschliessung der Zwecke, zu betrachten, oft 
nennt er seine ganze Philosophie Physik, wie denn auch sein Hauptwerk „Le 
monde^ heisseu sollte. Alle Pflanzen und Thiere, auch der Mensch sind Maschinen, 
das eigentliche Lebensprincip (Seele) ist das Blut, dessen flüchtigste Theilehen im 
Gehirn sich sammeln und als Lebensgeister die Nerven durchzittem. In der Zirbel- 
drüse (Gland pin^al) laufen alle Nervenenden zusammen. An diesem Punkte sind 
auch Leib und Geist, Ausdehnung und Denken, die sonst Gegensätze sind, 



DESCARTES. — DESCHIZAÜX. 161 

verbunden. Der Geist, eine beschränkte Substanz, denkt immer; seine Ideen sind 
dem Ursprünge nach gemachte, angeflogene und angeborene, der Form nach 
aetive (des Willens) oder passive (der Vorstellung), dem Inhalte nach adäquate 
oder inadäquate. Die angeborenen sollen (nach Obigem) stets adäquat sein; durch 
kritiklose Bejahung angeflogener und gemachter Ideen entsteht der Irrthum, der 
also Sache unseres Willens ist. *Die niedrigste Freiheit scheint ihm Indifferenz des 
Wollens, die höchste die zur Gewohnheit gewordene Unmöglichkeit des Irrens zu 
sein. — Der Dualismus tritt am stärksten in dem Verhältniss hervor zwischen dem 
Geist und dem Leibe. Beide, „so verschieden wie Eis und Feuer ^', sind nur 
durch ein Wunder Gottes zur „Compositionseinheit" verknüpft, d. h. so, dass keiner 
den andern unmittelbar, sondern nur vermittelst der Zirbel beeinflusst. Des D. 
Satz, dass die körperlichen Verrichtungen auf Bewegungen der festen (molekularen) 
und der flüssigen Gebilde beruhen, ist die Wurzel der beiden medicinischen 
Systeme, welche das 17. Jahrhundert und einen grossen Theil des 18. beherrschten: 
des „iatrophysischen" und „iatrochemischen". Die physiologischen Ansichten von D. 
stimmen mit denen der Aerzte seiner Zeit überein , insbesondere gehört er zu den 
entschiedensten Anhängern Harve^'s. Die Fähigkeit der Muskeln zur Bewegung 
beruht auf den in ihnen eingeschlossenen „Lebensgeistern^, die Bewegung selbst 
wird erregt durch die vom Gehirn her in die Muskeln einströmenden „Lebens- 
geister". D.'s Hauptwerk , in dem sich auch der grössere Theil seiner hier 

reeapitulirten Physiologie findet, sind die „Principia phüosophiae" (Amsterdam 
1644, in 4. und viele spätere Ausgaben). Seine sämmtlichen Werke sind zuletzt 
zu Paris 1857 erschienen. Red. 

Descemet, Jean D., wurde am 20. April 1732 zu Paris geboren und 
starb am 17. October 1810 in seinem Landhause bei St. Denis. Er war Arzt und 
Botaniker und vertrat sowohl die Anatomie, als wie auch die Botanik an der 
Universität. Besonders bekannt hat er sich in ärztlichen Kreisen durch seine 
anatomischen Arbeiten über das Auge gemacht ; vorzüglich war es die Entdeckung 
der hinteren Basalmembran der Hornhaut, der nach ihm sogenannten Membrana 
Descemetii, die ihm einen ehrenvollen Namen in der Ophthalmologie sicherte. 
Allerdings war diese seine Entdeckung insofern nicht ganz unbestreitbar als sein 
volles Eigenthum anzusehen, als auch Demoürs (s. diesen) auf dieselbe Anspruch 
machte; doch scheint D. in der That zuerst jene Membran beschrieben zu haben, 
nnd zwar in seiner Dissertation: „An sola lens crystallina cataractae sedes?" 
(Paris 1758). Er verfocht diese seine Prioritätsansprüche gegen Dbmours wieder- 
holt in französischen Journalen, in welchen diese Polemik während der Jahre 
1769 — 1771 sich abspielte. Die napoleonisohe Zeit suchte der Gelehrsamkeit D.'s 
dadurch gerecht zu werden, dass das neu errichtete kaiserliche Lyceum ihn berief. 
Doch konnte er diese ihm übertragene Stelle nur kurze Zeit verwalten und musste 
sich 1808 in Folge der mit seinem hohen Alter verknüpften Gebrechlichkeit zurück- 
ziehen. Zwei Jahre später starb er. Er hinterliess ausser seinen medicinischen 
Arbeiten noch verschiedene Werke botanischen Inhaltes. Magnus. 

Deschamps, J. Fr. L. D., bekannter französischer Chirurg, geboren 1740 
in Chartres, starb in Paris 1824. Unter MOREAU, dem damaligen Chefchirurgen 
des Hotel Dieu, in die Chirurgie eingeführt, wurde er 1787 Chefchirurg an der 
Charit^ und einer der vier consultirenden Operateure Napoleon's L Im Jahre 
1811 gelangte er an Stelle Sabatier's in's Institut. — Auf wissenschaftlichem 
Gebiete ist D. hauptsächlich bekannt durch sein Werk: „TrattS historique et 
dogmatique de Vopiratton de la taille^ (Paris 1796 — 1797). Unger 

DescMzaux, Pierre D., französischer Arzt und Botaniker, geboren in 

Mäcon 1687, gestorben 1728 in Paris, bereiste mit Unterstützung Peter's I. von 

Russland Russland und Persien, um die Flora dieser Länder zu studiren und einen 

botanischen Garten in St. Petersburg anzulegen. Vgl.: „MSmoire pour servir ä 

ßiogr. Lexikon. IT, 11 



162 DESCHIZiUX. — DESGAULTIERE. 

Vinstruction de Vhiatoire naturelle des plantes de Rusaie et h V etablissement 
d'un jardin botanique h St. Peterabourg" (Paris 1724). Unger. 

Descieux, Louis-Cyprien IX, aus Thoiry (Seine-et-Oise), 1801 — 1875, 
war zu Montfort-Amaury Arzt des Hospitals und ist erwähnenswerth wegen seiner 
„Entretiens sur Vhygiknej h Vusage des campagnes^ (Paris 1861 ; in 4. Aufl. 
Daselbst 1864). Er schrieb noch Mehreres über Kinderhygiene und erregt« die 
Aufmerksamkeit auch durch die Monographie: yylnßuence de VStat moral de la 
sociM'sur la santS publique" (Paris 1865). 

Hahn bei Dech ambre. Red. 

Descourtilz, Michel-fitienne D., bei Pittiviers am 25. November 1775 
geboren, nach 1836 gestorben, wurde in jungen Jahren als Arzt und Naturforseher 
nach St. Domingo geschickt, wo er in den Aufständen mühsam sein Leben rettete 
und 1802 floh. Nach seiner Promotion 1814 war er Arzt am Hötel-Dieu de 
Baumont und zog sich später nach Paris zurück, wo er Prä^dent der Linn^ 
Gesellschaft war. D. hat neben seinen botanischen Schriften und einigen Reise- 
werken auch medicinische Arbeiten publicirt, unter denen ein „ Gours d'Slectricitd 
mMicale" (Paris 1832) und eine hygienische Anweisung für Europäer in West- 
indien (Paris 1816, 2. Aufl. 1830) Erwähnung verdienen. Ein Lieblingsthema D.'s 
scheint die Impotenz in der Liebe — von ihm sowohl in seiner These, als in 
einer späteren Monographie (1831) behandelt — gewesen zu sein, von der er die 
Anaphrodisie und die Agenesie wissenschaftlich unterschieden zu sehen wünscht. 

Hahn bei Dechambre. Red. 

Desessartz, Jean-Charles D., zu Bragelogne am 26, October 1729 
geboren, verweigerte die Aufnahme in eine Jesuitenschule, promovirte in Rheims 
und Hess sich zunächst in Villers-Cotterets, dann in Noyon nieder. Nach I5jähriger 
praktischer Thätigkeit siedelte er nach Paris über, wurde hier Professor, später 
auch Decan der Faculte de m^decine und betheiligte sich als solcher an dem 
Kampfe gegen die Gründung der Soc. royale de m6d. Als Mitglied des Institut 
de lYance starb D. am 13. April 1811. — Mit seiner fleissigen Feder hat er 
eine Reihe von Aufgaben der Medicin theils gründlicher bearbeitet, theils mehr 
gestreift. Viele seiner Schriften haben jedoch rein zu Vorkommnissen in seinem 
Amte Bezug, so die Nekrologe, eine Reihe Disputationen und M6moires. Umfang- 
reicher sind: „TraitS de VMucation carporelle des enfans en bas äge*^ (Paris 
1760) — „Observattons sur la compUcations de la pettte veröle avec des 
dartres etc," (Paris 1779; ein zweites bezügliches Mtooire 1801; ein drittes, die 
Mercurbehandlung vorzugsweise betreffend, gleichzeitig) — „Memoire sur le croup*^ 
(Paris 1807). Auch sind von ihm eine Reihe von Berichten über herrschende 
Krankheiten in der holländischen und französischen Armee, ein Bericht über die 
Gelbfieberinvasion in Livomo (in den Recueils der Soc. de m6d. VII, IX, XXIII). 
Eine gi"osse Reihe seiner früheren Arbeiten, besonders aber auch die meist thera- 
peutische Gegenstände behandelnden seiner späteren Zeit, sind in einer Sammlung 
(Paris 1811 erschienen) vereinigt. 

Dict. bist. II. Bed. 

Desgaultlöre. Der Vater, Philippe-B.-Raymond D., 1765 in 
Lyon geboren, Dr. Montp. ^ wurde 1804 zum Arzt des Hotel-Dieu in Lyon, 1806 
zum Professor der dortigen inneren Klinik ernannt. Als er 1840 starb, hinterliess 
er an Schriften: „Discours sur les dangers de Vesprit de Systeme dans VStude 
et dans Vexercice de la mddecine** (Lyon 1806) — „ConsidSrattons physiolo- 
giques sur les crises" (Journ. compl. du Dict. des sc. m6d. 1820); Hospital- 
berichte der obgenannten Anstalt für die Jahre 1813 — 1815. — Der Sohn, 
Henry D., der nach einer sehr gedeihlichen ärztlichen Wirksamkeit in Lyon 
daselbst 1872 starb. 

Hah^n bei Dechambrc. Bed. 



DESGENETTES. — DESGRANGES. 163 

Desgenettes, Rön^-Nicolas-Dufriche Baron D., 1762 zu Aleiwjon 
geboren, kam firüh auf die Pariser Universität, besuchte mehrere zu jener Zeit 
berfihmte Hochschulen des Continents und empfing 1789 zu Montpellier den medi- 
cinischen Doctorhut. 1793 trat er in die französische Armee ein, machte schnell 
Camere und die ägyptische und syrische Campagne bereits als M6decin en chef 
der Orientarmee mit. 1802 nach Paris zurückgekehrt, nahm er hier eine gleich 
hervorragende Stellung an den Militär-Hospitälern ein und 1804 wurde er als 
Oeneral-Inspecteur des Militär-Sanitätswesens angestellt und bald darauf zum ausser- 
ordentlichen Professor der medicinischen Physik und Hygiene an der ficole de 
Bant6 (späteren Facult6 de m6d. de Paris) berufen. D. entfaltete in dieser Stellung 
durch Inspectionsreisen und Vorträge eine bedeutende Wirksamkeit, machte auch 
die Feldztige nach Preussen, Polen und Spanien mit und fiel während der russischen 
Campagne in Gefangenschaft. Erst 1814 kehrte er, vielfach wegen seiner napo« 
leonischen Sympathie angefeindet, nach Paris zurück und erlangte während der 
100 Tage noch einmal die Stellung eines Chefarztes in der Armee. Nach Napoleon's 
Gefangenschaft mnsste er eine Zeit lang mit bedeutend niedrigeren Stellungen 
vorlieb nehmen, bis 1810 eine königliche Ordre ihn wieder in seine Stellung beim 
Militär-Sanitätswesen einsetzte, und er im Anschluss daran eine Reihe hervorragender 
akademischer und organisirender Ehrenplätze wieder erhielt. Sein Wunsch, Chef- 
arzt des Invalidenhauses zu werden, wurde jedoch nicht gewährt. — D.'s Schriften, 
abgesehen von den casuistischen, sind : „ Tentamen physiologidum de vasis lympha- 
h'cis" (Montpellier 1789) — „Analyse du sysüme absorhant ou lymphatique" 
(Daselbst 1791) — „Observationa sur V enseignement de la mid. pratique dans 
les höpüaux de la Toscane" (Joum. de m6d. de Paris 1792) — „RSßexions 
gin^raUs sur Vutiliti du Vanatomie artißcielle" (Ebenda 1793) — „Fragment 
d'un memoire sttr les maladies qui ont regn4 ä Varm4e d'ltah'e^ (Ebenda 1797) — 
jfHistoire mSdicale de Varm6e d^ Orient^ (Paris 1802). Ausserdem viele vor- 
treffliche Gelegenheitsreden, Uebersetzungen aus dem Italienischen, eine Sammlung 
sämmtlicher Schriften über Gelbfieber u. dgl. 

Biogr. m6d. UI. Red. 

Desgranges, Jean-Baptiste D. , wurde zu Mäcon 1751 geboren. 
Zuerst hier, dann in La Rochelle ausgebildet, begab er sich zur Fortsetzung medi- 
cinischer Studien nach Lyon und wurde hier bald Interne des Hötel-Dieu. 1779 
wurde er dem dortigen College royal de chinirgie aggi'egirt, 1788 erlangte er 
das Doctorat der Universität Valencia und fing an, in Lyon unbeschränkte Praxis 
za treiben. Zahlreich waren die Gelegenheiten , bei welchen die Academie royale 
de Chirurgie Arbeiten D.'s mit Preisen krönte; in gleicher Weise ehrten ihn später 
die Soc. royale de m6d. von Paris und die von Montpellier. In dem kurzen 
Empörungskriege Lyons und als dasselbe von den republikanischen Truppen belagert 
wurde, fungirte D. als Chefchirurg, mnsste sich dann auf 9 Jahre nach Bern 
flüchten und kehrte erst 1802 nach Lyon zurück. Er betheiligte sich darauf noch 
an der Gründung der dortigen Society de mM. und starb am 23. September 1831. 
In seinen Schriften regte D. zum Theil gemeinnützige Themata an ; so befürwortete 
er ein Etablissement für Aufnahme und Rettung Ertrunkener (Lyon 1790), nach- 
dem er viel früher bereits populäre Rathschläge zur Wiederbelebung scheintodter 
Kinder gegeben (Daselbst 1777). Seine „R^fleodons sur la section de la Symphyse 
des OS pubis" (Daselbst 1790) wurden von BafdelocqüB warm gelobt. Später 
Bchrieb er über die Anwendung des Mutterkorns (Montpellier 1822) und veröffent- 
lichte viele casuistische Beiträge im Joum. de ra6d. , chir. et pharm, (älterer und 
der von Corvtsart herausgegebenen Serie), sowie im „Memorial des hop.", in den 
„Ann. de la soc. de m6d. pratique de Montpellier" und im „Joum. g6n. de m6d". 
Es handelt sich darin jieistens um interessante Vergiftungs- und Operationsfölle. Den 
Gegenstand der Fürsorge für die Ertrunkenen nahm er noch einmal auf in dem 
kurzen „Avis sur V adminisiration des secours aux personnes noydes" (Lyon 1804). 

Dict. bist. IL Red. 

11* 



164 DESJARDINS. — DESMAREES. 

Besjardins, Jean D. (Hortensius oder de Hobtis), Btammte aus Laon, 
widmete sich zuerst humanistischen Studien und erst später der Medicin. Er 
promovirte 1519, wurde Professor an der medicinisehen Schule zu Paris und Arzt 
Franz' I. Sein Ruf in der Behandlung von Krankheiten aller Art war dn 
bedeutender. 1549 starb er. Unger 

Designatianus. Unter den Autoren, aus denen er sein umfangreiches 
Werk „De medtcamentis" zusammengetragen, nennt Marcellüs Empieicüs in 
der Vorrede einen D. und schickt seinem Werke unter den „Epistolae diversorum 
de qualitate et ohservattone Tnedtcinae" auch einen Brief des Hippokrates an 
den König Antiochus voraus, dessen Uebersetzer sich Largius D. nennt. Da 
nun Marcellüs den grössten Theil des Werkes des Scriboniüs Largüs („ Com- 
positionea medicamentorum" ) in seine Receptensammlong wortgetreu aufgenommen 
hat, ohne jedoch denselben zu nennen, hielt man den D. mit SCRiBONius Largus 
für ein und dieselbe Person und machte einen Scrib. Largus D. daraus. Vor 
einer solchen Identificirung hätte schon die grosse Verschiedenheit der Sprache des 
SCKiBONius Larqüs Und der von L a r g i u s D. übersetzten „ Epistolae'* abhalten sollen. 

Helmreicb. 

Desinnocens, 6. D., französischer Chirurg, der um die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts in Toulouse mit viel Geschick und Erfolg wirkte. Unter seinen Schriften 
ist nennenswerth : , „OsUologie oh histoire gSnSrale des os du corps humafn*' 
(Bordeaux 1604). ^j^^^^ 

Desirabode, Vater und Söhne, berühmte Zahnärzte in Paris. Der Vater, 
Antoine-Malagou D., war 1781 zu Angouleme geboren, warde 1815 Officier 
de sant6-dentiste und war Leibzahnarzt des Königs. Er verstand es, den mechanischen 
Theil seiner Kunst mit dem wissenschaftlichen in sachgemässer Weise in seinen, 
zusammen mit seinen beiden Söhnen, herausgegebenen y,Nouveavx dSmene com- 
plets de la science et de Vart du dentiste" (2 Bde. 1843; 2. Ausg. 1845; engl. 
Uebers. in der American Library for Dental Science, Baltimore 1847), welches 
das vollständigste Lehrbuch seiner Zeit war, zu vereinigen. Er war einer der 
Ersten, die sich mit der Orthopädie der Zähne beschäftigten und reichte über 
dieselbe 1844 dem Institut eine Denkschrift ein. — Der älteste Sohn, Edouard D., 
wurde 1838 zu Paris Dr. med. mit der These: yjLa sortie des dewts de sagesse** ^ 
während der jüngere Bruder, Alphonse D., für das Werk seines Vaters die 
bibliographischen Studien angestellt hat. 

Sachaile, pag. 238. G. 

Deslandes, Leopold D., aus Paris, 1797 — 1852, war Mitarbeiter 
an verschiedenen Unternehmungen encyclopädischen Charakters und schrieb ein 
„Manuel d*hygihie 'publique et privie^ (Paris und Montpellier 1826 ; spanisch 
1827); ferner über Entzündung (1824), Pockenpustehi (1825), Vergiftungen durch 
Lösung von Lidigo in Schwefelsäure (gleichzeitig), über Selbsmord durch Erhängeni 
(1824), über Onanismus und andere geschlechtliche Missbräuche (1834). 

Ch^reau bei Dechambre. Red. 

Deslon, Charles D. (D'Eslon), ein enthusiastischer Anhänger des ani- 
malischen Magnetismus und Verehrer Mesmeb's, den er indessen später aus 
egoistischen Motiven bekämpfte. Er starb 1786. Unger 

DesmarreS) Louis-Auguste D., zu Paris, berühmter Augenarzt, war 
am 22. September 1810 zu Evreux geboren, studirte in Paris, wurde daselbst 
1839 Doctor, war mehrere Jahre Chef de clinique und Privatsecretär des damals 
berühmtesten Pariser Augenarztes Sichel, gründete 1841 eine Privat- Augenklinik, 
die nacheinander in verschiedenen Stadttheilen sich eines imm^ grösseren Zuspruches 
von Patienten , und namentlich von Zuhörern aus dem In- und Auslande erfreate, 
unter denen Albrecht v. Graefe (1849) der berühmteste wurde. Er hat das 



DESMABBKS. — DESOBMEAÜX. 165 

Verdienst, in die Ophthalmologe riehtigere chirurgische Principien, als vorher in 
derselben üblich waren, eingeftlhrt zu haben, indem er zeigte, was an chirurgischen 
Eingriffen, selbst bei ambulanter Behandlung, auch dem Auge geboten werden 
kann. Dabei hat er die Augenheilkunde, namentlich in ihrem therapeutischen 
Theile, mit mancherlei ihm Eigenen bereichert. Ausser einem „MSm. sur une 
nouvelle mkhode d^employer le nftrate d'argent dans quelques ophthalmies^ y 
einer Anzahl von Aufslltzen in der Gaz. des höpitaux und in den Annales d'ocu- 
listique, sowie einer Pnblication über seine Art der Eataraktoperation in dem 
Atlas des Joum. des connaissances m^dico-chirurgicales (1850), ist sein Haupt- 
werk der „IVattS thA>rique et pratique des maladies des yeux" (Paris 18475 
2. Ausg. 1854 — 58, 3 Bde.; deutsch übersetzt, umgearbeitet und erweitert von 
Sbitz und Blattmann, Erlangen 1852). 1864 zog er sich aus seiner Klinik 
zurück und übertrug dieselbe seinem Sohne Alphonse D. Er starb am 22. August 
1882 auf seinem Besitzthnme in Neuilly (Seine). 

Dechambre, XXVIII, pag. 412. Gurlt. 

Desmars, französischer Arzt in Boülogne-sur-mer und Mitglied der Akademie 
in Amiens. Er übersetzte einige auf die epidemischen Erkrankungen bezüglichen 
Werke des Hippokbates und schriftstellerte überhaupt nicht wenig in den damaligen 
Faehblättem. — Vgl. : „Epidimiques d* Hippocratey traduites du grec, avec des 
rdfiexions sur les constüutions epidhntques suivir de quarante-deux histoires 
rapportees par les ancien midecin et du commentaire de Galten sur ces histoires 
etc.*" (Paris 1767). Unger. 

Desmonceatix, Priester und Arzt, geboren 1734 in Paris, gestorben 1806 
daselbst. — Er benützte als Priester seine Mussestunden, um Medicin zu studiren 
nnd beschäftigte sich vorzugsweise mit den Krankheiten der Angen. Seine Kunst 
uneigennützig Allen widmend, die zn ihm kamen, gewann er Ruf in weiten Kreisen 
und selbst am Hofe Ludwig's XVI. — D. war ferner ein eifriger Propagator 
der Vaccination und machte sich ausserdem noch dadurch bekannt, dass er die 
Geistlichkeit auf das Unzukömmliche aufmerksam machte, die Neugeborenen mit 
kaltem Wasser zu taufen. Unter seinen Schriften sind nennenswerth : „ Lettres et 
ohsercations anatomiqties , physiologiques et physiques sur la vie des enfants 
naissants^ (Paris 1775) und „TraitS des maladies des yeux et des oreilles 
consid4r^ sous le rapport des quatre ages de la vie de Vhomme^ (Paris 1 786). 

Unger. 
^esmoulins, Jean D. (Molinaeus), praktischer Arzt und Botaniker in 
Lyon gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Commerson benannte ihm zu Ehren eine 
auf Jsle de France einheimische Pflanze mit seinem Namen „Molinea". uneer 

*Desil08, Louis D. , promovirt zu Paris 1855 mit der These; „Sur 
quelques paints de Vhistoire des tumeurs cancth-euses pulsatiles*" , wirkt als 
Hospitalarzt daselbst und hat noch veriasst; „De la curabilitS de la phthisie 
pulmonaire'' (Paris 1863) — „De P ^tat ßbrile'' (Daselbst 1866) und eine kleinere 
Schrift über Pocken (Union m6d. 1870). ^^^ 

Desnoues, Guillaume D. , im 17. Jahrhundert, französischer Chirurg 
nnd Anatomie-Professor in Genua, soll vor Graaf und Swammerdam die Kunst 
geübt haben, das Geftlsssystem mit Wachsmasse zu injiciren und Philipp V. von 
Spanien einen so präparirten Kopf gezeigt haben. Man schreibt ihm „Lettres de 
G. Desnoues et de Guillelmini^ (Rom 1706) zu. 

Hahn bei Dechambre. Red. . 

Desormeaux, Marie-Alexander D., als Sohn des älteren Geburtshelfers 
D. am 5. Mai 1778 geboren, that seine ersten mediciniscben Dienste auf der 
ficole de sant6 als sogenannter fileve salariö und Schüler Desat'Lt's. Von längerem 
Umherziehen mit der Armee als Militärchirurge 1802 zurückgekehrt und 1804 



16ß DESOEMEAUX. — DESPINE. 

Doctor geworden („PrMs de doctrine sur V accouchemenl par les pieds"), 
begann er seine speeifisch geburtshilfliche Ausbildung und erlangte durch die aus- 
gezeichnete Concursthese „De abortu^ (löll) den Lehrstuhl Baüdklocqüb*s. Doch 
gab er die praktische geburtshilfliche Stellung bald auf zu Gunsten der ihm 
genehmeren Stellung als Chefarzt am Hospice de la matemit^, starb aber bereits 
am 29. April 1830. Ausser den genannten beschränken sich seine Schriften uif 
Fachartikel im Dictionnaire de m^d. und auf Berichte, die er zu den Bull de 
la soc. de T^cole de m6d. lieferte. Auch an der französischen Cebersetzung der 
Werke Moroagni's hat er nur einen untergeordneten Antheil. 

Dict, hist. II. Red. 

D^soudin, Jean-Gaspard-Charles D., zu Metz am 3. April 1800 
geboren und am 14. Juni 1867 gestorben, Sohn des dortigen renommirten 
Hospitalarztes Gaspard-AntoineD. (der 1832 an der Cholera starb), trat zuerst 
am Val-de-Gräce in Paris, dann als Militärarzt im spanischen Feldzuge in Thätigkeit 
und wirkte später in seiner Vaterstadt. Seinen Neigungen folgend, beschäftigte er 
sich von 1852 ab nur noch mit Reisen und historischeu Studien. Ausser seiner 
These über Coxalgie (1827) rühren von ihm Mittheilungen über die Cholera her 
(1832, resp. 1836 au die Soc. des sc. m6d. de la Moselle gerichtet). 

Hahn bei Dechambre. Bed. 

Desparanches (fälschlich Desparanges) , 1804 Dr. Paris und 1849 an 
der Cholera gestorben, prakticirte als Hospitalarzt in Blois und hat einige interes- 
sante Schriften verfasst, so — neben casuistischen Mittheilungen — einen „PrScis 
historique d'une Spidimie dysentSriqne büieuse" (in der Umgebung von Blois; 
Joum. g6n. de m6d. 1818) und: „Sur le danger de la farine de Jarosse 
(Lathyrus cicera) dans la fabrication du 'pain^ (Arch. de mM. 1829). . 

Hahn bei Dechambre. Red. 



irs, Jacques D. (Jacobus de partibts), wurde zu Tournay gegen 
Ende des 14. Jahrhunderts geboren. Er wirkte als Leibarzt Karl's VII. von Frankreich 
und des Herzogs von Burgund, sowie als Professor der Pariser Faeultät und fungirte 
als Vertreter der Universit«*lt auf dem Constanzer Concil. Durch seine energischen 
Proteste gegen den Missbrauch, der seinerzeit mit Bädern getrieben wurde, zog 
er sich die Feindschaft der Baderzunft zu, die mächtig genug war, seine Vertreibung 
aus der französischen Hauptstadt zu bewirken. D. kehrte in seine Geburtsstadt 
zurück und starb hier 1465 als Kanonikus und Schatzmeister der Kathedrale von 
Tournay mit Hinterlassung der später gedruckten Schriften : „Explanatio in Ävi- 
cennae uno cum textu ipsius Avicennae a se castiqato et exposito*' (London 
1498) — „Glofisa interUnearis in practicam Aleocaridm^ (Daselbst 1504. 4.) — 
„Collect a Jac. Departihua in medidna pro anatomia" (Venedig 1507) — 
„Expositio super capitulis etc." (1518J — „Summtda Jac, Departibus .... 
super plurima remedia ex ipsius Mesue libris excerptis" (London 1523). — 
RiOLAN vindicirtc dem D. ferner die erste Beschreibung des Flecktyphus und lässt 
ihn in Paris geboren sein. Hiergegen sprechen D.'s eigene Worte: „Ego Jacobus 
Despars de Tornaco, magister in medieina Parisiis, exposui ad longuni totum 
primum librum eanonis Avicennae ineipiens anno Domini 1432 et finiens anno 1453.^ 

van den Corput — Red. 

Despine. Die berühmteren Träger des so ausgesprochenen Namens — 
Jean-Henri-Adolph und Marc — schreiben sich stets d*Espine (s. diese). — 
In oben angegebener Weise schreibt sich dagegen *Prosper D. , der Marseiller 
Psychiater in seinen Schriften „De la contagion morale etc," (Marseille 1870) — 
„Le demon alcool etc,"^ (Paris 1871) und neben mehreren kleinen ähnlichen Inhaltes 
der über tausend Seiten starken Monographie „De la folie au point de vue philo- 
sophiqup ttc^ (Paris 1875) — und *Constant D. fils, der 1842, 1868 und 
1872 Mehrere» über die Bilder in Aix fSavoyen) drucken Hess. Red. 



DESPINEY. — DESPEES. 167 

Despiney. Neben einem C. D. („De VaraSnic considMe camme antidote 
des maladtes infecttetises etc.*^ [Paris 1871]) ist eben zu nennen Felix D., Arzt 
zu Bonrg, der 1821 mit „Becherches sur la votx^ zu Paris doctorirte und später 
noch „MSlanges physiologiques^ (Lyon 1822) und ein „Mim. sur les rStrScissemens 
de VurUre etc.^ (Journ. d'agricult. lettres et arts du d^part. de I*Ain, 1826) 
kerausgab. Bed. 

Desporty FrauQois D., gegen Ausgang des 17, Jahrhunderts geboren, 
1760 gestorben, machte sich um die Vereinfachung und Purificirung der Militär- 
ehirurgie in seinem Zeitalter verdient, war Mitglied der Aead. royal de chir. und 
Leibchirurg der Königin. Ruf hat sonst nur sein „ Tratte des plaies d' armes 
hfeu'' (Paris 1749). 

Dict. bist. IL Red. 

Desportes, Jean-Baptiste-Ren6-Poupp6 D., zu Vitr 6 (Bretagne) 
am 28. September 1704 geboren, erlangte nach sechsjährigem Medicinstudium zu 
Paris seinen Doctorhut in Rheims und erhielt 1832 den Platz des Colonialarztes 
in St. Domingo. Mit grösstem Eifer übernahm er die Abstellung des jammervollen 
Zustandes, in welchem der dortige militärärztliche Dienst sich befand. Hospital- 
dienst, Berichterstattung, Studium der dortigen Flora wurden von ihm in einen 
gewissen Aufschwung gebracht. 1738 zum correspondirenden Mitglied der Acad. 
des sc. ernannt, starb er am 15. Februar 1748. — Erat lange nach seinem Tode 
(Paris 1770, in drei Bänden) erschien seine „Histoire des maladtes de Saint- 
Domingue", 

Dict. bist. II. Eed. 

Despres, Vater und Sohn, zu Paris. — Charles-Denis D., der Vater, 
war am 6. October 1806 zu Seigneley (Yonne) geboren, studirte von 1825 an 
in Paris, wurde Doctor daselbst 1840 mit der These „Du bruit de froUement 
peritonSal^ , war 1837 — 44 Aide d'anatomie und Prosector, wurde 1846 Chirurg 
des Bureau central und später Chirurg am Bic^tre, was er bis zu seinem Tode 
blieb. Er war pelfach mit anatomisch-physiologischen Untersuchungen beschäftigt, 
die zum Theil unveröffentlicht sind. Ausserdem aber erfand er eine besondere Art 
von Katheterismus bei Prostata-Hypertrophie (1832), ein Repositionsverfahren bei 
der Oberschenkel-Luxation nach oben und hinten (1835), ein Verfahren, Prostata- 
Abscesse vom Mastdarm aus zu eröffnen (1857) und publicirte in den Bulletins de 
la Soc. anat. Untersuchungen über den Nabelbruch, die Auscultation der Unter- 
leibshöhle, den Bruchschnitt u. s. w. Er schrieb für vier Concurse, und zwar um 
eine Stelle als Professeur agr6g6 der Anatomie und Physiologie die Thesen: 
„De la valeur du microscope dans les itudes anatomiques^ — nDe^ gaz qui 
86 diveloppent dans le coips des animaux" und um eine solche in der Chirurgie 
„Des kSmorrhagies traumatiques cons^cutives^ (1844) — „La division con- 
genitale des l^vres, de la voüte et du voile du palais et leur traitement" (1841), 
unter denen die letztgenannte Arbeit die bedeutendste ist. In den Comptes rendus 
de l'Aead. des sciences finden sich von ihm einige Mittheilungen über übele Zufälle 
bei der Chloroformirung. Er starb am 21. October 1860. 

Chalvet in Bulletins de la Soc. anatom. de Paris. 35. Annee. 1860, pag. 526. — 
Dechambre, XXVIII, pag 429. G. 

*De8pr68, Eugene-Armand D., Sohn des Vorigen, ist zu Paris am 
13. April 1834 geboren, studirte von 1855 an daselbst, wurde 1861 Doctor, schrieb 
ein „TraitS de VirysipUe" (1862), wurde 1863 Professeur agr^ge stagiaire mit der 
These: „De la Hernie crurale^, 1864 Chirurg des Central-Bureaus der Hospitäler 
nnd versah nacheinander den chirurgischen Dienst in den Hospitälern Sainte- 
P^rine (1865), Lourcine (1865), Cochin (1872). Seine These, um Professeur agreg6 
der Chirorgie zu werden, war: „Des tumeurs des muscles" (1866). Ausserdem 
verfasste er: „Trait^ du diagnostic des maladies chirurgicales, Diagnostic des 



168 DESPRfeS. — DESSEN. 

tumeura^ (1868) — „Du dihut de Vinfection syphilüique^ (1869) — „Est-il 
moyen d'arrtter la propagation des maladies viniriennea^" — „Du dilit im- 
puni" (1870) — „De la peine de mort au point de vue physiologique^ (1870) — 
„Tratte iconographique de Vidciration et des niedres du col de Vuterus** 
(1870, mit Taf.) — „Traiti thiorique et pratique de la syphilis etc.*^ (1873) — 
„La Chirurgie journaliere" (1877, mit Fig.) nach Vorträgen, die im Höp. Cochin 
gehalten wnrden, und: „Conference sur les cauaes de la dipopulation" (1878), 
ein Vortrag im Trocadero-Palast während der Weltausstellung. Er hat ferner noch 
zusammen mit Boüchüt ein y^Dict, de thSrapeutique mSdicale et chtrurgicale^ 
(1867 ; 2. Ausg. 1872, mit Fig.) herausgegeben. 1870 war er Chef einer Ambulanz 
des französischen Vereines zur Pflege verwundeter Krieger und leistete mit dw- 
selben Dienste bei Sedan, Thionville, Metz und bei der Loire- Armee. 

V apere au, 5. ^dit. pag. 564. — Glaeser, pag. 182. G. 

Despretz, Louis-August D., nicht zu verwechseln mit dem fast gleich- 
zeitigen berühmten Pariser Physiker und Chemiker Charles Am6d^e D., schrieb 
über Katarakt und über Croup, beide (nicht sehr bedeutend) Paris 1825. g^^ 

Desprez. Sechs Träger dieses Namens sind im Ind. Cat. mit je einer 
wenig bedeutenden These namentlich aufgeführt. Eed. 

Desruelles, H. M. Joseph D., Professor der Anatomie, Physiologie und 
der venerischen Krankheiten am Hospital Val-de-Gräce zu Paris, Ritter der Ehren- 
legion, Mitglied des königl. Sanitätsraths von Schweden, der medicinischen Gesell- 
schaften zu Paris, Lille, Metz, Strassburg, Rennes, Madrid, Kopenhagen, St. Peters- 
burg, Stockholm, Brüssel und Antwerpen, ist weniger durch seine Monographien 
über „Group'' (Paris 1822 und 1824) und „Goquelucke'' (Paris 1827), als durch 
seine Schriften über die venerischen Krankheiten bekannt. Schon im Jahre 1819 
war ihm unter Larrey eine Abtheilung für Syphilitische eine Zeit lang anvertraut; 
1825 übernahm er die Venerischen im Hospital Val-de-6räce, welche er noch 1854 
versah. Ein grosser Theil seiner Werke über Lues handelt von der einfachen, 
nicht mercuriellen, d. i. hygienischen, diätetischen und topischen Behandlung der 
Krankheit, namentlich der primären Formen derselben und eifert in warmen 
Worten gegen den derzeitigen Missbrauch des Quecksilbers, welchem er die schweren 
secundären und tertiären Erkrankungen der Knochen, Eingeweide, des Gefäss- 
und Nervensystems zuschreibt. Ein bleibendes Verdienst um die Wissenschaft 
erwarb sich D. durch die eingehende und treffende Schilderung des Wesens, der 
graduellen Verschiedenheit und der Ausgänge der von ihm zuerst als ßalanitis, 
Posthitis und Balano - Posthitis benannten Affectionen, welche vorher nur sehr 
ungenau gekannt und unter anderen Namen beschrieben waren. Von seinen 
Schriften nennen wir nur: „MSmoire sur le traitefinent sans inercure*' (Paris 1827, 
8., pag. 170) „Traüi pratique des maladies vdncriennes** (Paris 1836, 8., 
pp. XLIV, 668 u. 1 Taf.; auch Brüssel 1837, 8., IL pp. XX, 605) „heitres dcrites 
du Val'de-Gräce sur les maladies vSnSriennes" (Troisicme Edition, Paris 1847, 
8., pp. VIII, 264) und „Histoire de la blennorrhode urStrale** (Paris 1854, 8., 
pp. XIV, 407, 32 u. 1 Taf.), welche auch, mit Ausnahme der letzten, in*s Deutsche 
übertragen wurden. j ^ Proksch. 

T)essen, Bernard D. v. Kronenburg (Dessknius), geboren zu 
Amsterdam 1510, begann seine medicinischen Studien in Löwen (GoosSEXS und 
J. Heems), setzte sie in Bologna und Padua fort (M. Curtiüs resp. Heudoeus), 
empfing an ersterer Universität (1539) den Doctorhut und kehrte dann nach den 
Niederlanden zurück. In Groningen lehrte er 8 — 9 Jahre Medicin, wurde dann 
aber von J. Echt nach Cöhi gezogen, wo er hohe Vertrauensstellen erhielt und 
1574 starb. Seine Bücher: „De eompositione medicamentorum^ (FraxikfnTt Ibbb; 
London 1556) — „De peste commentarius vere aureus"^ (Cöln 1564) — „Defensio 
medicinae veteris et rational is etc,** (gegen den Paraeelsisten G. Phaedro gerichtet, 



DESSEN. — DETHABDIKG. 169 

Cöln 1573), wurden eine Zeit lang sehr geschätzt. — D. arbeitete auch an 
P. HOLTZHSDi's „Dispenaarium Colontae etc.^ mit. 

Eloy n. Red. 

Detharding, Arztfamilie in 6 Generationen. Von Michel D., der Arzt in 
Stralsund war, stammt direct Georg 1 D. , in Stettin geboren, ab, der zuerst 
Arat in Stralsund, dann Stadtarzt in Güstrow und Arzt des Herzogs von Mecklen- 
burg war. Seine Schriften sind, ausser dem „üntenoiesenen Krankenwärter" 
(Kiel 1679), dem „Entwurf von billiger Vorsorge einer Obrigkeit zur Zeit der 
Pest" (Gtlstrow 1680) und dem ;, Vocabularium latino-germanicum in usum 
chtrurgiae tyrorum" (Daselbst 1696), alchymistischen Inhaltes. — George 2 D., 
des Vorigen Sohn, am 13. Mai 1671 geboren, studirte in Rostock unter Gerdes 
und Bransdorf. Auf seinen Reisen hörte er in Leyden NüCK, begab sich auch 
nach England und Frankreich und suchte bei der Rückreise Leipzig auf, das 
damals durch BOHN, Ortob und RxviNUs eine so bedeutende Anziehungskraft aus- 
übte. In Altdorf (beide Hoffmann) doctorirte er 1695, aber nicht ohne inzwischen 
noch umfangreiche Reisen durch Oesterreich, Ungarn und Italien angestellt zu 
haben. Dann erst kehrte er zu seinem — damals in Güstrow thätigen — Vater 
zurück und erhielt 1697 den Lehrstuhl der Medicin in Rostock, den er bis 1732« 
ehrenvoll ausfüllte. Als um diese Zeit Frankenau in Kopenhagen starb, wurde 
D. sein Nachfolger. Von allen seinem Amte zukommenden hohen Ehren getragen, 
lebte er dort noch bis zum 23. October 1747. Die unten zuerst angegebene Quelle 
enthält ein vollständiges Verzeichniss seiner zahlreichen Schriften, aus denen her- 
vorzuheben sind: „Palaestra niedica, exhibens physiologica in alma Bosto- 
chiensi . . . . ventilata" (Rostock 1720, 4.) — i „Fundamenta scientiae naturalis" 
(Daselbst 1735, 1740, 4.) — „Fundamenta physiologica etc." (Daselbst 1735, 4.) — 
„Fundamenta jpatJiologica etc" (Daselbst 1739, 4.) und endlich „Fundamenta 
semiologiae medicae" (Daselbst 1740, 4.). — Seinem Sohne, George Chri- 
stoph 1 D., der ihm in Rostock am 10. April 1699 geboren wurde, Hess 
George 2 D. eine womöglich noch splendidere Ausbildung zu Theil werden. 
Die deutschen Universitäten von Ruf wurden von ihm sämmtlich besucht, nicht 
weniger die namhaftesten Englands und der Niederlande. Seinen Doctorhut empfing 
er 1723, und als sein Vater 9 Jahre später nach Kopenhagen ging, war er 
gerade im glücklichsten Alter, um ihn zu ersetzen. So wirkte er in Rostock von 1733 
ab bis zur Gründung der neuen Universität in Bützow (1760), wo er noch 24 Jahre 
in Thätigkeit blieb und mit vielen Ehren ausgezeichnet, am 9. October 1784 
starb. Auch seine schriftstellerische Fruchtbarkeit ist, wie das Verzeichniss der 
„Biogr. m6d." an den Tag legt, eine sehr bedeutende gewesen. Aus über 
50 Dissertationen und Programmen ragen hervor die „Historia inoculationis 
variolarum etc," (Rostock 1722); die Inaugural-Dissertation : „De mortis cura" 
fl723) — „CerUuria thesium anatomico physiologlcarum" (1726; eine zweite 
Folge 1753) — „Programma de restiiutione serosi spontanea (1739) — „Dissert. 
de corpore humano semper mutabili" (1752) — „Dissert. de scorbuto Megalo- 
polensiurn" (1759) etc. — Endlich ist George Gustav D. , Enkel des Vor- 
hergehenden zu erwähnen, der am 22. Juni 1765 geboren, später in Rostock 
praktisch und wissenschaftlich thätig war. (Sein Vater, George Christoph 2 D., 
dritter Sohn des George Christoph 1 D., hat nichts Hervorstechendes geleistet.) 
Er hatte in Bützow 1783 bei seinem Grossvater Anatomie gehört, seine Studien 
in Berlin fortgesetzt und begab sich endlich nach Jena, wo er 1788 promovirt 
wurde (Dissert. über die Zange). Ausser einer „Commentatio chirurgico-obste- 
tricia de utero inverso" (Rostock 1788) und verschiedenen Arbeiten in Stark's 
Archiv für die Geburtshilfe verfasste er das „Systematische Verzeichniss der 
mecklenburgischen Conchilien" (Schwerin 1794) und war einer der Stifter der 
mecklenburgischen naturforschenden Gesellschaft. 

Biogr. med. III. (wo auf pag. 450 dem 1671 geborenen George2D. Schriften aus den 
Jaluren 1653, 1656, 1677 zugesclirieben werden). — Diot. bist. II. — Callisen, V. Red. 



170 DETMOLD. — DEUTSCH. 

Detmold, Johann Hermann D,, aus Hameln, 1772 — 1828, Dr. med. 
zu Göttingen 1797, schrieb ausser der Dissert.: „De balneo animali^, allerlei 
Diätetisches, so über das Verdauungsgeschäft, das Wassertrinken, die Pflege der 
Neugeborenen, Eleidertraehten, Eichelkaffee, Rückgratsyerkrümmung (grösstentheils 
im Neuen Hannoverischen Magazin, Jahrg. 1795, 1796, 1804, 1808, 1820). 
Ausserdem „Groupähnliches Leiden ohne Croupe (Hüfeland's Joum. , Bd. LI). 

Dureau bei Dechambre. Bed. 

Detten, Moritz D., aus Münster, wo er im Alter von 25 Jahren, 1795, 
Professor für Physiologie und Anthropologie wurde, lebte später als Arzt in Luxem- 
burg. Seine Schriften beziehen sich zum Theil auf seine Vorlegungen (so Münster 
1795, 1796, 1803), zum anderen Theil auf Zeitfragen: den Aderlass (Cheranitz 
1792), den Schwefelbrunnen zu Tatenhausen (Münster 1799), den Brownianismus 
und die Erregungstheorie (Daselbst 1800). Hervorzuheben ist: „Beitrag zur Lehre 
von der Verrichtung des Zellgewebes'' (Daselbst gleichzeitig). 

Hahn bei Dechambre. Red. 

Deurs, Carl van D. , dänischer Militärarzt, geboren 1800, gestorben 
1862, hat sehr umfangreiche Sammlungen zu der Personalgeschichte der dänischen 
Aerzte hinterlassen, welche der grossen königlichen Bibliothek in Kopenhagen ein- 
verleibt sind. Petereen. 

Deusing, Anton D. (DeüsingiüS) , aus Mors, wurde am 15. October 
1612 geboren. In Leyden, wo er die letzten Studienjahre zugebracht, 1634 
promovirt, kehrte er in seine Vaterstadt zurück, war zuerst hier (von 1637), dann 
in Harderwyk Professor der Mathematik und Physik und erhielt in letzterer Stadt 
1642 einen ftlr ihn errichteten medicinischen Lehrstuhl. Jedoch ging er bereits 
1646 nach Groningen, wurde 1647 Maitre des arts, 1648 und 1653 Reetor der 
Groninger Universität, 1652 Leibarzt bei dem Grafen Wilhelm Friedrich 
von Nassau. 1666 starb er. — Neben einer bedeutenden Zahl philosophischer, 
astronomischer, mathematischer etc. Schriften (vollständige Liste in den M6moires 
DE Paquot) , hat D. auch medicinische Abhandlungen in grosser Zahl verfasst. 
Mit Uebergehung der Programme und Reden, sowie der als rein metaphysisch und 
speculativ gekennzeichneten , bedürfen folgende der Aufnahme : ;, Canttcum prin- 
cipis Abi' Ali Ibn Sinae (vulgo dicti Avicennae) de medicina etc.*' (Groningen 
1649) — „Synopsis medicinae universalis^ (Daselbst gleichzeitig) — „Dissert, 
duae prima de motu cordis et sanguinis; altera de lade ac nutrimento foetus 
in utero** (Daselbst 1651, 4.; vermehrt 1655) — „Generis microcosmi seu de 
generatione foetus in utero*', Dissert. (Daselbst 1653, vermehrt 1663, 1666; 
enthält viel von Harvey Entnommenes) — „Disquisitio gemtna de peste etc." 
(Contagiosität, Prophylaxe, Daselbst 1656 ; dazu ein weiterer: „Tractatus** , 1658) — 
„Oeconomia corporis humani in V partes distributa** (Th. I über die Ernährung 
1660 — 1661, polemisch gegen Bartholin ; von 0. Borch angegriffen, antwortete 
D. 1662 mehrfach) — „Oeconomus corporis animalis etc.*' (zwei so benannte 
Abhandlungen, die eine Groningen 1661, die andere 1662). — Mehrfache Schriften 
veranlasste 1662 der „Foetus Mussipontanus** („extra uterum in abdomine genitus") ; 
die Streit- und Schreibesucht D.'s äusserte sich ferner in den Angriffen auf Franz 
Sylviüs (1663, 1664, 1665) u. A. — In den von de Bils erregten Streitig- 
keiten trat D. in „Disputatio anatomico-medica de chyli a faecibus alvtnts 
secretione** (Groningen 1665) und „Examen anatomes anatomiae Bilsianae etc." 
(gleichzeitig) auf des Letzteren Seite (vgl. de Bils). 

Dict. hist. II. — Biogr. med. III. Red. 

Deutsch, Vater und Sohn. Der Erstere, ChristianFriedrich v. D., 
Geburtshelfer, wurde in Frankfurt a. 0. als Sobn eines Geistlichen am 
27. September 1768 geboren, studirte zuerst in Halle, später in Göttingen Theo- 
logie, dann Medicin und wurde in Halle am 10. November 1792 zum Dr. med. 



DEUTSCH. — DEVAÜX. 171 

ereirt („Diss. inaug. de graviditatis abdominalis singulari Observationen [4. mit 
4 Taf.]). Nachdem er 1796 ausserordentlicher Professor in Erlangen geworden, 
wurde er 1804 als ordentlicher Professor der Gebartshilfe und Thierarzneikunst 
nach Dorpat berufen, woselbst er bis 1835 blieb. In Dorpat entwickelte er eine 
rege Thätigkeit; er war wiederholt Rector und bildete eine Reihe vortrefflicher 
Schfller aus. D. kehrte als Prof. emerit. in seine Heimat zurück, feierte am 
10. November 1842 sein 50jähriges Doctorjubiläum und starb am 5./17. April 
1843 in Dresden. Ausser seiner Dissertation hat D. nur ^Protusio de necessitate 
obstetrices bene institutes publica autoritate constituefidi" (Erlangen 1798) drucken 
lassen. — Karl Fried. Wilh. Ludwig v. D., der Sohn, Geburtshelfer und 
praktischer Arzt, geboren, in Erlangen am 25. Juni 1801, studirte Medicin in 
Dorpat, war Assistent der geburtshilflichen Klinik daselbst, wurde am 13. December 
1826 zum Dr. med. ereirt („Diss, medico-obstetricia de versione foetus in pede**), 
reiste nach Deutschland und prakticirte seit 1831 in Moskau; 1856 wurde er 
zum Hof-Accoucheur ernannt. Er schrieb: „Beitrag zur Lehre von der Wendung*^ 
(Heidelberger Jahrbücher für Med. XIII, 2. Heft, 1820). 

Recke-Napiersky , I, 425. — Beisse, I, 150. L. Stieda. 

* Deutschmann, Richard Heinrich D., am 17. November 1852 in 
Liegnitz geboren, studirte in Göttingen speciell als Th. Leber's Schüler und 
wurde am 11. October 1873 promovirt. Seit 1877 als Docent für Augenheilkunde 
in Göttingen thätig, publicirte er: „Experimentelle^ klinische und anatomische 
Untersuchungen zur Pathogenese der Katarakt^ (in 4 Aufsätzen , V. Graefe's 
Archiv für Ophthalm. 1877 — 1880) — „Experimentelle und klinische Lnter- 
suchungen zur Tuberkulose des Auges, resp, Hirns und Auges^ (in 4 Abth., 
Ebenda 1879 und 81; Med. Centraibl. 1881; Festschrift zum HENLE-Jubiläum 
1882) — „Experimentelle und chemische Untei-suchungen über Feuchtigkeit 
der vord. Augenkammer" (in v. Graefe*s Archiv, 1878 — 81 in 4 Abth.) — 
„Klinisch'Ophthalm, Miscellen" (zusammen mit Th. Leber (Ebenda 1881 — 83) — 
„Pathologische Anatomie des Auges" (Ebenda 1879; Zehender^s Monatsblätter 
für Augenheilkunde, 1878) — „Experimentelle Untersuchung über sympathische 
Augenentzündung" (v. Graefe's Archiv, 1882). r^j 

Deval, Charles D., 1806 zu Constantinopel geboren, studirte aus Passion 
Medicin, widmete sich der ophthalmiatrischen Specialität und besuchte, bei Sichel 
vorgebildet, sämmtliche berühmteren Augenkliniken Europas. Er operirte nie ohne 
dringende Indication, wurde deshalb bald von operationslustigeren Oculisten über- 
holt und starb arm am 9. April 1862. Ausser seiner These schrieb er eine 
fjChirurgie oculaire" (Paris 1844) — „Traitd de Vamaurose" (Daselbst 1851 
nnd eine Ergänzung dazu 1855) und einen „TraitS thiorique et pratique des 
maladies des yeux" (Daselbst 1862). 

Cherean bei Dechambre. Red. 

Devaux, Jean 2 D., der Sohn des Mitgliedes des College royal de 
Chirurgie Jean 1 D. , am 27. Januar 1649 geboren, widerstand aus Abneigung 
gegen jede Operation lange dem Wunsch des Letzteren, sich mit Chirurgie zu 
befassen. Als er endlich das Studium des Faches mit Eifer ergriffen hatte, war 
es gleichwohl nicht der praktische Erfolg, der ihn hervorragend machte und ihn 
iweimal zu Pr6v6t der Pariser Chirurgenschaft ernennen Hess, sondern lediglich 
der kräftige und freimüthige Ton und eine gewisse Origmalität in seinen zahl- 
reichen Schriften. Er ging besonders gegen Blegny (s. diesen) vor in seiner 
„Dicouverte sans decouverte" (Paris 1682), gegen Peü (s. diesen) in seinem 
jf Factum sur les accouchements" (Paris 1695) und trat informirend auf in „Le 
midecin de soi-meme, on Vart de conserver la sant4 par Vinstinct" (Leyden 
1682); in „Uart de faire des rapports en Chirurgie" (Paris 17U3, 1730, 1743); 
in „Dissertation sur Uopiration cesarienne^ und „Dissertation concernant la 



172 DEVAUX. — DEA^NTER. 

Chirurgie des accouchemens'* (1720, resp. 1727). — Ausserdem hat er sehr viel 
übersetzt (ausführlich aufgezählt im Dict. hist.) — D. starb am 2. Mai 1729. 
Dict. hist. II. Red. 

Devay, Francisque D., aus Lyon, unbekannten Geburtsjahres, wurde 
1834 daselbst Chirurg am Hotel-Dieu und begab sich 4 Jahre später nach Paris, 
um hier zu doctoriren (1840). Als die Lyoner Schule reconstituirt wurde, erhielt 
er 1854 ein Professur an derselben, lehrte jedoch nicht mit Glück, da er sich viel 
in abstrusen und seinen Scl^lem nicht verständlichen Speculationen bewegte. Er 
starb 1863 mit Hinterlassung zahlreicher Schriften, aus denen der Hervorhebung 
bedürfen: „Des principes fondainentaux de Vhygx^ne^ (Lyon 1841) — „i?6« 
perfectionnements du bien-itre de Vindividu et de 'Vesp^ce" (Daselbst gleich- 
zeitig) — „8ur la nature et le traitenieiit des fih)res graves^ (Lyon 1844) — 
„Nouvelles observations sur les dangers des mariages entre consangutns etc,^ 
(Paris 1857; dasselbe Thema 1860 und 1862) — „De la mddecine morale etc". 
(Lyon 1861) und Mehreres über Familienhygiene, Krankheiten unserer Zeit etc^ 

Chereau bei Dechambre. Red. 

Deventer, Hendrik v. D., wurde am 16. März 1651 im Haag geboren, 
wie aus seiner Grabschrift in der Kirche zu Voorburg hervorgeht. In seiner 
frühesten Jngend hat er sehr wenig Unterricht genossen und bis zu seinem 17. Jahre 
trieb er das Goldarbeitergescbäft. 1670 scheint er sein Vaterland verlassen zu 
haben und entweder in Herford (Westphalen) oder in Altona (1672) mit Jüngern 
des Jean de Labadie und zugleich mit Dr. Walter aus Hamburg in Bekannt- 
schaft gekommen zu sein. Bei diesem letzteren („Chimiae cultor acerrimus") bat 
er bis 1 674 Therapie und Pbamiacie studirt. Später als Mitglied und „sprechender 
Bruder" der frommen Religions-Gesellschaft der „Labadisten" , übte er seit 1675 
auf dem Walta-Schlosse zu Wiewerd in Friesland die* Chirurgie und seit 1679 
auch die Geburtshilfe aus. (Bei der damals noch herrschenden Scheu der Frau 
vor Geburtshelfern kam es v. D. sehr zu statten, dass auch seine Frau sich mit 
der Ausübung der Geburtshilfe befasste und nach dieser Richtung hin einen 
guten Ruf besass, so dass er in der Lage war, sich am Geburtsbette eine reiche 
Erfahrung zu erwerben.) An diesem Orte erhielt er einen Besuch von dem dänischen 
Leibarzte H. von Moinichen, welcher ihn einlud, nach Kopenhagen zu kommen, 
um am Hofe die durch ihn bei Rachitis angewendete Behandlung, Bandagen, 
Stiefel und Maschinen zu zeigen. Im Jahre 1688 folgte er dieser Einladung, fand im 
Hause Moinichen's die liebevollste Aufnahme und wurde vom König Christian V. 
seiner orthopädischen Maschinen wegen ausgezeichnet. Damach lebte er noch 
einige Jahre zu Wiewerd, begab sich aber am Ende des Jahres 1694 oder Anfang 
1695 nach dem Haag. Um hier, wie er wünschte, die geburtshilfliche Praxis aus- 
üben zu dürfen, musste er die Doctorwürde erwerben, was für ihn, der kein Wort 
Latein verstand, sehr erschwert war. Am 1. November 1694 wurde er jedoch, 
nachdem er in theoretischer und praktischer Medicin ausnahmsweise in 
holländischer Sprache examinirt war, einen Fall von Furor uterinns 
mit Epikrise beschrieben und medicinische Aufsätze, „sine promotore'^, vertheidlgt 
hatte, durch den Senat der Groninger Universität zum Dr. med. promovirt, wie 
aus seinem bewahrt gebliebenen Diplom hervorgeht. In diesem Diplom fand das 
Collegiimi medicum im Haag jedoch vorläufig keinen Anlass, v. D. die Ausübung 
der ärztlichen Praxis zuzugestehen und deshalb kaufte er sich ein Landhaus in 
Voorburg, wo er eine Art von orthopädischer Anstalt einrichtete, jahrelang (voi^ 
1709 — 1724, seinem Sterbejahre, wohnte er dort dauernd) auf recht wissenschaft- 
licher Weise Beinkrümmungen, Sehnenverkürzungen, Muskelatrophien u. dgl. mit 
Bandagen und Maschinen behandelte und einen derartigen Ruf bekam, dass nicht 
allein seine Landsleute, sondern auch viele Ausländer ihn zwecks Behandlang 
aufsuchten, so dass v. D., mindestens für Holland, sicher als Begründer der wissen- 
schaftlichen Orthopädie betrachtet werden kann. Im Jahre 1695 bekam er jedoch 



DBVENTER. — BEVERGIE. 173 

Erlanbniss, im Haag die Praxis auszuüben und seitdem widmete er sich, neben 
der Orthopädie, hauptsächlich der Geburtshilfe. — v. D. ist unstreitig der 
hervorragendste und wissenschaftlich gebildetste Geburtshelfer seiner Zeit, denn 
seine Forschungen waren nicht blos bahnbrechend, sondern bilden heute noch 
nach einer Richtung hin — nämlich in Bezug , auf das enge Becken — die 
Basis, auf der die moderne Geburtshilfe ruht. Er theilt keine Beobachtungen mit, 
wie es bis dahin üblich war, sondern blos die Ergebnisse derselben, steht daher 
allein deshalb schon höher als seine Vorgänger und Zeitgenossen. Weiter ist er 
der Erste, der eine klare und verständliche Beschreibung des weiblichen Beckens 
lieferte und dabei auf die so wichtige Höhle des Beckens aufmerksam macht. In 
Bezug auf das enge Becken kann man ihn geradezu als den Vater dieser Lehre 
betrachten, denn er giebt die erste Eintheilung der abnormen Verhältnisse des 
Beckens. Er kennt bereits das zu grosse, das zu kleine, das allgemein verengte 
and das platte Becken. Dabei liefert er gleichzeitig schon quasi in nuce die 
Therapie des engen Beckens, indem er den Rath giebt, bei Enge des Beckens, 
80 lapge als möglich, exspectativ zu verfahren. Dass er der Wendung sehr warm 
das Wort redet, darf nicht auffallen, denn die unschädliche Kopfzange war ihm 
noch nicht bekannt. So grosse Verdienste sich auch v. D. um die Geburtshilfe erwarb, 
so gab er doch nach einer anderen Richtung hin Anlass, dass sich durch ihn 
manche unrichtige Anschauungen einbürgerten, die bis heutigen Tages noch nicht 
vollständig ausgemerzt sind. Es sind ilies die in übertriebenster Weise geschilderten 
Folgen der Schieflagen der Gebärmutter, die de facto kaum existiren. Musterhaft 
ist das Verfahren, das er den Hebammen bei natürlichen Geburten anempfiehlt. 
Empfiehlt er den Geburtsstuhl, so zeigt er sich nur als das Kind seiner Zeit, 
ebenso, wenn er die Gesichtsgeburten als gefährlich ansieht und manche Lage- 
verbesserungen des Kopfes beförwortet. Doch gewinnt er in späterer Zeit bessere 
Ansichten über die Gesichtsgeburten. Schneidende und bohrende Instrumente will 
er in der Geburtshilfe möglichst selten angewendet wissen. Vortrefflich sind seine 
Warnungen bezüglich des unnöthigen und vorzeitigen Sprengens der Eihäute, deren 
Nutzen zur Ausdehnung des unteren Uterinsegmentes er genau kennt, lieber die 
Placenta praevia hat er noch unrichtige Ansichten, indem er sie stets als eine 
vorzeitig gelöste und durch ihr Gewicht herabgetretene Placenta ansieht. Bezüg- 
lich der Lehre vom Nabelschnurvorfalle hat er, wie in vielem Anderen, richtigere 
Ansichten, als seine Zeitgenossen. Sein hervorragendstes geburtshilfliches Werk 
ist: „OpercUiones chirurgicae novum lumen exhibentes obstetricantibua etc.** 
(Leyden 1701, 4.). 1724 erschien, ebenfalls in Leyden, in 4. der zweite Theil: 
„Operattonum chirurgicarum novum lumen exhibentium obstetricantibus pars 
secunda etc.". Dieses Werk, zuerst holländisch und noch im selben Jahre lateinisch 
erschienen, erlebte mehrere Auflagen und wurde mehrfach in das Holländische, 
Französische, Englische und Deutsche übersetzt. Nächst dem MAUBiCEAU'&chen 
Werke war es eines der verbreitetsten geburtshilflichen Bücher seiner Zeit. Als 
Vorarbeit dieses Werkes erschien 1696 zu Leyden in 8.: „Dageraat der Vroed* 
vroutcen etc.**. Als posthumes Werk erschien 1739 in 4.: jyVan de ziektena 
der beehdereriy tnsonderheä van de Rachitis" (Leyden). 

Vgl. Fr. C. Naegele, Bas weibliche Becken. Karlsruhe 1825, 4. Enthält biogra- 
phische Notizen. Ausführliche Daten finden sich in Siebold's Gesch. der Geburtsh. Bd. II, 
pag. 465 u. ff., und namentlich bei Kiestra in Ali Cohen, Nieuw prakt. Tijdschrift 1849, 
119, 315 und Tijdschrift der Maatschappij ter bevord. der Geneeskunde. 1853, IV, 2 ; 1854, V, 2, 
164. — Banga, pag. 736 u. ff., B. Wartena, Het leven van H. v. Deventer. Amst. 1882. 

C. E. Daniels. ~ Kleinwächter. 

Devergie, Marie Nicolas D. (auch Devergie ain6), Professor der 
Anatomie nnd Chirurgie, Demonstrateur im Hospital Val-de-6räce in Paris, Ritter 
der Ehrenlegion, Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften, wurde im Jahre 1811 
mit „Observationes medico - chirurgicae super lue vener ea complicata" (in 4., 
pag. 26) Doctor in Göttingen, darauf in Paris. Schriftstellerisch machte er sich 
nur als Syphilograph bemerkbar ; als solcher zählte er jedoch , allerdings blos 



174 DEVERGIE. — DEVILLE. 

während der Zeit des ärgsten Verfalles dieser Doctrin, zu den Hervorragendsten. 
Mit einigen kleinen Schriften, welche von 1812 bis 1836 erschienen sind, kämpfte 
er gegen den damaligen Gebrauch, eigentlich Missbrauch, des Quecksilbers. Von 
seinen übrigen Werken ist nur die in Gemeinschaft mit Babd, Cullerier Onkel 
und Neflfe, Deseuelles und Gama herausgegebene „Clinique de la maladie 
HyphiUtique'' (Paris 1826—1831, 4., II, pp. 274, 290 [Dasselbe Brüssel 1837, 
4., pag. 375] sammt „Atlas", Paris 1833, fol. mit 126 colorirten Tafeln) das erste 
grössere Bilderwerk über diese Krankheiten, erwähnenswerth. Die Erkrankungen 
der Eingeweide, des Gewiss- und Nervensystems und der Sinnesorgane waren D., 
wie der weitaus meisten Syphilographen jener traurigen Periode, völlig unbekannt; 
auch knüpft sich an seinen Namen keine sonstige wissenschaftliche That von 
bleibender Bedeutung. J. K. Proksch. 

Devergie, Marie-Guillaume-Alj;>honse D., wurde am 15. Febmur 
1798 zu Paris geboren und starb daselbst am 2. October 1879. Er wird mit 
Recht in Frankreich als einer der Begründer der gerichtlichen Medicin angesehen 
und vereinigte sich Ende der Zwanziger-Jahre mit Andbal, Esquirol, Lecret, 
Orfila u. A. zur Herausgabe der „Annales d'hygiöne et de mödecine legale", 
aus deren Redactions-Comit^ er erst mit seinem Tode schied. Er war vielleicht 
der fruchtbarste Mitarbeiter an diesem Organ neben seiner Thätigkeit an den 
Hospitälern Bicetre, St. Antoine und St. Louis^ die er bis zu seinem 65. Lebensjahre 
innehatte. Daneben war er unermüdlich schriftstellerisch thätig ; seine „MSdecnie 
legale, theorique et pratique^ erschien in erster Auflage 1835 (2. Aufl. Paris 
1840; 3. Aufl. Daselbst 1852). Neben diesem Werke wird der ^TraiU pratique 
des maladies de la peau" (Paris 1854, 1857) am häufigsten genannt. Obwohl 
auf seinem Wissensgebiet sehr anerkannt, glückte es D. doch nicht, den Lehrstuhl 
der gerichtlichen Medicin an der Pariser Facultät zu erhalten, da er bei Collard's 
Tode (1826) noch gesetzlich zu jung war und 1861 (als Tardieu auf Adelon 
folgte) bereits zu alt erschien. Red. 

Devöze, Jean D., französischer Arzt, geboren 1753 in Rabartens, gestorben 
1825 in Fontainebleau , prakticirte viele Jahre in San Domingo und ist vorzugs- 
weise bekannt durch seine Monographie über das Gelbfieber: „TrattS de lafihre 
jaiine" (Paris 1820), in der er seine reichen, an Ort und Stelle gemachten Er- 
fahrungen über die genannte Krankheit niederlegte; er stellte die Behauptung 
auf, dass das Gelbfieber nicht contagiös sei und vertrat diese Ansicht auch noch 
in einer akademischen Publication: „Mimoire sur la questwn: la fihvre jaune 
est-elle corUagieuse?^ (1819). Unger. 

Deville, Amä.d6e D. , dessen Geburt^'ahr in den unten genannten 
Biographien nicht angegeben ist und der am 20. August 1879 im Irrenhause zu 
Jvry nach 17jährigem Aufenthalte daselbst starb, begann seine Oarri^re unter 
glänzenden Auspicien, brachte es indessen nur bis zum Prosecteur des höpitaux, 
wozu er 1846 ernannt wurde. Zwei weitere Goncurse missglückten ihm, und 1851 
wurde er ein Opfer des Staatsstreiches und zur Deportation nach Caye^ne ver- 
urtheilt. Diese Sentenz wurde in einfache Ausweisung umgeändert, als es D. 
geglückt war, das Deportationsschiff gelegentlich eines Sturmes in Brest zu ver- 
lassen. Er lebte dann mehrere Jahre in London, rieb sich hier bei wissenschaftlichen 
Arbeiten fast auf und publicirte unter Anderem: „Coup d'oeil sur la Chirurgie 
anglatse» Des hemies crurales^ (Paris 1853) — „Revue clinique des hdpitaux 
anglais^ — „MSmoire relatif aux hemies du testicle^. Nach Verdriesslieh- 
keiten mit der Administration des Guy's Hospital legte er sich dann ganz auf die 
Praxis , erwarb enormes Vermögen , endete aber sein eigentliches thätiges Leben 
bereits 1861, als ein heftiger Anfall von Verfolgungswahn ihn dem obenlgenanuteu 
Asyl zuzuführen zwang. 

Gaz. hebdomad. de Paris 1879, XVI. — Progr6s m6d. 1879, XII. — Lancet, 1879, H. 

Red. 



J 



DEVILLIERS. — DEYBER. 175 

Devilliers, s. db Villibrs. 

Dewar, Henry D., Schotte, geboren um 1780, Dr. Edinb. 1804, als 
Militärarzt im ägyptischen Feldzuge thätig (1801), dann Arzt zu Edinburg und 
1860 noch am Leben , schrieb über Durchfall und Ruhr während jenes Feldzuges 
(London 1803) und über ägyptische Augenentzündung (Edinburg 1830). Er 
beschäftigte sich ausserdem mit yerschiedenen hygienischen Objecten und chirurgischen 
Thmen im Edinb. med. and surg. Joum. 1817, 1821, 1828, 1836 und in Lond. 
med. and Chirurg, transact. 1816. 

Hahn bei Bechambre. Bed. 

Dewees, William-P. D., aus Pennsylvanien, 1767 — 1841, prakticirte 
zuerst in Abington, dann — seit 1796 — in Philadelphia, in Philipsburg und 
wiederum in Philadelphia, wo er 1826 zum Prof. extraord. und 1834 zum Titular- 
professor der Geburtshilfe ernannt wurde. Seine geburtshilflichen und gynflkolo- 
gisehen Mittheilungen sind sehr zahlreich und stützen sich auf eine umfangreiche 
Casuistik. Als classisch galt eine längere Zeit in Amerika sein „Gompendtoua 
System of midwifery etc." (Philadelphia 1824, 1825 in London nachgedruckt; 
1826 daselbst in 2., 1828 in 3. Aufl.). Auch „Ä treatise on the diseases of 
females" (Philadelphia 1826) und ^^A treatise on ihe physical and medical 
treatment of children" (Daselbst 1825, 1826) fanden vielfache Verbreitung. 

DureanbeiDechambre. Red. 

Dewez, Franz OlivierD. (de Wez), zu Wien, war am 10. September 
1735 zu Luxemburg geboren, kam frühzeitig nach Oesterreich, studirte in Wien 
Medicin, wurde unter Kaiser Joseph II. Hofmedicus und war von 1792 — 97 
Leibarzt einer Erzherzogin in Prag. Er hat sich besonders durch die Uebersetzung 
von griechischen medicinischen Classikem einen Namen gemacht; so übersetzte er 
vom Abetaexjs : „ Von den Ursachen und Kennzeichen rascher und languneriger 
Krankheiten*^ (4 Bücher, Wien 1790) und „Heüart der raschen und lang- 
icierigen Krankheiten"; femer: „Hippokrates von der Kunst, oder Schutz- 
Schrift der Heilkunst, Aus dem Griechischen" (Wien 1791; 2. Aufl. 1802). 
Aasserdem erschienen von ihm viele wissenschaftliche Abhandlungen in den medi-% 
einischen Zeitschriften jener Zeit. Er war Mitglied der medicinischen Facultät, 
Deean und Procurator der vlämisohen Nation an der Wiener Hochschule und starb 
am 14. Februar 1814 zu Schönbrunn, wohin er sich, nachdem er in den Ruhe- 
stand getreten, zurückgezogen hatte. 

V. Wurzbach, III, pag. 274. G. 

Dewhnrst, Henry-William D. , unbekannten Lebensganges, berühmt 
durch sein „Dictionary of anatomy and physiologie" (London 1827) — ^Impro- 
vement of anatomical nomenclature" (Lond. med. and surg. Joum. 1828) und 
einiges Gleichzeitige über medicinische Ausbildung. 

Hahn bei Dechambre. Red. 

Dexippns (bei Gellius und Plutarch: Dioxippus), aus Kos, Schüler des 
Hippokrates, um 390 v. Chr., wurde von dem Fürsten der Karier, Hekatomnus, 
bei der Krankheit seiner Söhne Mausolus und Pixodarus zu Rathe gezogen. 
Er lehrte, dass das Getränk trotz der Epiglottis theilweise in die Lunge hinab- 
fliesse, welche der Feuchtigkeit zu ihrer Erhaltung bedürfe. Ausserdem wird erwähnt, 
dass er den Fieberkranken weder Wein noch Wasser zu trinken gestattete. Er 
schrieb nach Süidas über Medicin und über Prognosen in 2 Büchern. 

Suidas 8. h. v. — Gell., XVII, IL — Galen, I, 144. Helmreich. 

Deyber, FrauQois-Joseph D., 1803—1848, aus Bernwiller (Haut- 
Rhin), begann in Strassburg Theologie zu studiren, wandte sich indess aus Neigung 
der Medicin zu und wurde Doctor derselben 1 828. Er prakticirte dann von 1830 bis 
zu seinem an Pustula maligna erfolgten Tode in Strassburg und zeichnete sich durch 



176 DEYBER. — DIAZ. 

ein ganz besonderes Erfindungsgenie für Instrumente aus (Sonden, Specula, Hemiotom, 
künstlicher Blutegel etc.). Seine These „Sur les ßstules urinaires vaginales^ 
(Strassburg 1828) wird als eine ausgezeichnete Monographie heryorgehoben. 

Hahn bei Dechambre. Bed. 

Deyman, Joan D., aus Amsterdam, wurde 1638 Student in Leyden, doch 
promovirte er am 3. September 1642 in Angers (Frankreich). Er übte die ärzt- 
liche Praxis in seinem Geburtsorte aus und wurde 1653, als Nicolaas Tülp zum 
Bürgermeister ernannt wurde, an dessen Stelle Praelector anatomiae bei der Chirur- 
gyns-Gild, in welcher Würde er durch Rembrandt (1656) auf einem nur theüweise 
erhalten gebliebenen wunderschönen Anatomiestück porträtirt ist. 1665 wurde er 
erster Arzt am ELrankenhause und starb im Jahre 1666. q g Daniels. 

• DezeimeriSy Jean Eugene D., 1799 — 1852, trat zuerst mit „Quelques 
r^ßexwns sur Vhistoire de la medecine*^ (Paris 1832) auf, denen er „Lettres 
sur Vhistoire de la mSdecine et sur la nScessitS de cette histoire, suivies des 
fragmens historiqties'' (Daselbst 1838) folgen Hess. Von 1837—1839 gab D. 
die „Experience, Journal de m6d. et de chir." mit heraus. Seine bedeutendste 
Leistung ist aber jedenfalls das unter Nr. 141 unseres Quellenverzeichniases ans- 
fnhrUch erwähnte, mit Ollivieb und RAiOE-DELOEUiE herausgegebene, in vieler 
Beziehung vorzügliche biblio-biographische ^Dictionnaire historique** ^ welches in 
den Jahren 1828 — 1839 zu Paris erschien. 

Arcb. gön. de med. 1852. Ked. 

DezoteuXy Fran^ois D. , aus Boulogne-sur-mer , 1724 — 1803, studirte 
in Besan^on und machte sich schon früh durch seineu Eifer für die Inoculation 
der Pocken bemerkbar. Seine Militär-Carri^re war eine sehr schnelle, da er schon 
in jungen Jahren Garengeot als Chirurgien-major des Leibregimentes succedirte, 
dann Inspecteur der Militär-Hospitäler, Arzt des Invalidenhauses zu Versailles und 
endlich consultirender Chirurg der Armee wurde. Zweimal war D. in England 
und bemühte sich, dortige Erfahrungen in der Auscultationstechnik nutzbar zu 
machen und zu verbreiten. Er gründete ausserdem die Chirurgenschule des Leib- 
'regimentes, die lange Zeit eine erhebliche Anzahl tüchtiger Chirurgen ausbildete. 
Schriften: ^ Pikees justificatives concemant Vinoculaiion" (Lons-le-Saunier 1765) — 
„Traiti hütorique et pratique de V inoculation^ (Paris 1801). 

Dict. bist. II. * Red. 

Dhavintari, s. Indische Medicin, indische Aerzte. 

Diagoras, ein griechischer Arzt, von dem uns nichts weiter bekannt ist, 
als dass er bei Augen- und Ohrenkrankheiten die Anwendung des Opiums verwarf 
und zu den Autoren gehört, die Plinius in seiner Naturgeschichte benützt hat. Ihn 
mit dem bekannten Atheisten Diagoras von Melos zu identificiren, ist unberechtigt 

Dioscor., IV, 65. — Plin., XX, §. 198, 200. Helmreich. 

Diannyöre, Jean D. , französischer Arzt, geboren 1701 in Donjou 
(Bourbonnais), gestorben 1782 in Moulins als praktischer Arzt daselbst. Schriften : 
„Essai sur la meüleure manih'e d^employer les vermifuges^ (Journal de mM., 
T. IV) — „Considirations sur la paralysie des eactrSmitis^ (Ibid. T. VII). 

Unger. 

Diaz de Isla, RodrigoRuiz D. deJ., in Baeza zu Ende des 15. oder 
Anfang des 16. Jahrhunderts geboren, galt einst den heute wohl nur mehr sehr 
spärlich vertreteneu Anhängern des Glaubens an den amerikanischen Ursprung der 
Syphilis als ein Hauptzeuge. Seine Angaben hierüber, sowie die Behauptung, dass 
die Lues „in insula illa (Hispaniola) ab antiquissimis temporibus'^ endemisch sd, 
entbehren jeweder historischen Stütze, zudem ist seine Schrift voll von confuBem 
Zeug; er war, um nur eine einzige von seinen Geistesblüthen anzudeuten, der 
einzige Arzt, welcher syphilitischen Kohl gesehen hatte, der durch das Aufhängen 



DIAZ. — DICKINSON. 177 

der Wäsche von Luetiscben in den. Gärten erkrankt war. Seine Schrift : „ Tratado 
llamado de todos loa santos , contra el mal aerpentino venido de la Isla 
espahola^ ist in Sevilla 1539, Fol. und 1542 in 4. von Andres Bqrgos edirt. 

Vgl. Morejon, II, pag. 286 — 290. — Astruc, Dö morb. vener. II, pag. 744. — 
Girtanner, IF, pag. 64 und III, pag. 797 — 798 und Finckenstein Raphael, Zur Ge- 
schichte der Syphilis. Die ältesten spanischen Nachrichten. Breslau 1870, 8 , pag. 26 — 37. 

J. K. Proksch. 

Dibon, Roger D., französischer Gardechimrg, geboren 1627, gestorben 
1777 in Paris, beschäftigte sich zumeist mit venerischen Krankheiten, worüber er 
Mehreres publicirte. ünger. 

Dick, Hermann D., zu Elingenmflnster (bayerische Pfalz), Psychiater, 
war am 25. November 1814 zu Speier geboren, studirte von 1832 — 36, absolvirte 
das Biennium practicum theils in Frankenthal, theils in Berlin, erhielt 1849 eine 
Physicatsstelle in Hombach, später in Landstuhl und wurde, als in der Pfalz eine 
eigene Irrenanstalt zu Klingenmünster errichtet werden sollte, zu deren Director 
erwählt. Nach einer 2jährigen Studienreise im In- und Auslande (1853 — 55), 
Aber welche er die mit grosser Sachkenntniss und Einsicht geschriebenen „Reise- 
skizzen über das non-restraint-Systeni in englischen und die Beseitigung der 
Zellen in franzöaischen Irrenanstalten'^ (Allgem. Zeitschr. für Psychiatrie, Bd. XIII, 
1856) erscheinen Hess, und nach weiteren zwei Jahren konnte er endlich 1857 
die Direction der neuen Kreis-Irrenanstalt antreten. Obgleich er erst spät ^ur 
Psychiatrie kam und für ihn der Entschluss nicht leicht gewesen war, eine 
gesicherte Lebensstellung aufzugeben und mit einer anderen zu vertauschen , so 
wurde er, da er auch ein vorzüglicher Mensch war, ein vortrefflicher Director, 
von dem ein Theil seines Geistes auf seine Umgebung überging und dessen Eigen- 
art er der ganzen Anstalt aufprägte, die sich in der That mit seinem Namen 
identificirte. Die bayerische Regierung erkannte seine Bestrebungen dnrch Ver- 
leihung des Hofrathstitels an. Er starb an einem Herzleiden am 22. Februar 1879. 

Pelman in Allgem. Zeitschr. für Psychiatrie. 1880. Bd. XXXVI, pag. 504. 

G. 

Dlckinson, Edmund I)., zu Appleton (Becks) 1621 geboren, zuerst in 
Oxford philosophischen Studien ergeben, begann Medicin zu treiben von 1649 ab 
und erlangte 1656 das medicinische Doctorat. Er hatte dann längere Zeit ein 
philosophisches Lehramt am Merton's College, wobei er sich besonders mit Chemie 
beschäftigte, entsagte aber dieser Stellung, um in London medicinische Praxis zu 
treiben. Als Willis (s. diesen) 1684 starb, trat D. an seinen Platz und zog sehr bald 
die Aufmerksamkeit des Comte d'Arlington auf sich, der ihn Karl IL empfahl. 
Die Neigungen des Königs begegneten sich mit denen des neuen Leibarztes in der 
Vorliebe für Chemie. Unklar sind D.'s Beziehungen zu Mündanus (s. diesen) der 
sich grosse Mühe gab, ihn für alchymistische Beschäftigungen zu gewinnen, jedoch 
allem Ansehen nach nur mit ganz vorübergehendem Erfolg. Die Vertreibung 
Jak ob's IL war fttr D. der Anlass, sich vom Hofe zurückzuziehen. Er widmete 
sich ganz literarischen Arbeiten und starb 1707. — Sein Hauptwerk ist: „Physica 
vetua et vera stoe tractatua de naturali vamtate kexoemeri Mosaia etc,^ (London 
1702; Rotterdam 1703; Hamburg 1705). Neben den Briefen an Mündanus ist 
dann noch bemerkenswerth die „Epistola de quinta essentia pMlosophoruin et 
de vera phyaiologia" (Oxford 1686, 1705), während die „Parabola philosopMca^ 
wahrscheinlich garnicht aus seiner Feder sind. 

Biogr. m6d. III. Red. 

* DickillSOll, William HowshipD., der sich von 1858 ab medicinisch 
ausbildete und 1862 Dr. med. wurde, machte zunächst eine Assistentenzeit am 
St. Georg's Hospital in London durch und wurde dann 1865 F. R. C. P. Lond. Er 
wirkte am Kinderhospital in der Ormond-Str. und publicirte speciell auf Themata der 
inneren Medicin bezügliche Arbeiten, so: „Treatise on diabetes" (London 1874) — 
Biogr. Lexikon. IL 1^ 



178 DICKINSON. — DICKSON. 

„The pathology and treatment of albuminuria^ (Daselbst in 2. Aufl. 1876), 
ferner eine grosse Reihe von Aufsätzen in den Med.-chir. transact., unter denen 
die über Rheumatismus (Jahrg. 1862), intermittirende Hämaturie (1865), amyloide 
Infiltration (1865), Tetanus (1868), Rhachitis (1869), disseminirte Niereneiterang 
(1873) und Chorea (1876) namentlich hervorgehoben sein mögen. Ausser in den 
Berichten des St. Georg's Hospitals und in der Med.-Chir. Review hat D. dann 
noch an dem Artikel: „Influence of cold wpon the circulation" (Brown-Sequard's 
Journ., Paris) mitgearbeitet. ^^^ 

Dickson. Den Namen D. führt eine grössere Reihe amerikanischer und 
englischer Mcdiciner, unter denen von mehr zurücktretender Bedeutung sind: 
Robort D., zu EdinburgDr. med. 1826, der ausser seiner These über Schwindsucht 
nur ,,^ lecture on the dry rot etc," (London 1837) und kleinere Beiträge schrieb. — 
Samuel D., Dr. med. 1833 zu Glasgow, vorher Marinearzt, nachher in Cheltenham 
ansässig, von dem wir eine grössere Schrift „On the epideinic cholera and other 
prevalent diseases of Inditt*' (Edinburg und London 1832) und kleinere Beiträge 
haben. — Stephen D. , Dr. med. Edinburg 1783, zu Dublin State physician 
und Professor am Trinity College, der über Pemphigus (Transact of the Irish 
Acad. 1787) und verschiedenes Nichtmedicinisehes schrieb. — Dagegen sind von 
hervorragender Bedeutung: Thomas D. , aus Dumfrie«, 1726 — 1784, der, in 
Edinburg und Leyden ausgebildet, von letzterer Universität diplomirt wurde und 
Arzt am London Hospital seit 1759 war. Er galt als grosser Kenner des Griechischen 
und schrieb einige umfangreiche Werke, so: „Treatise on blood-lettmg etc."^ 
(London 1765) — „Observations of the eure of haenioptoe etc.^ (Med. Observ. 
and inquiries 1771) und in demselben Journal mehreres Casuistische. — Der 
Amerikaner Samuel-Henri D. wurde in Charleston (Stidcarolina) im September 
1798 geboren, fing 1817 während einer Gelbfieberepidemie eine praktische Lauf bahn 
an, frequentirte dann jedoch noch einmal die Universität von Pennsylvanien und 
wurde 1819 promovirt. Zuerst in Charleston bei C. H. Glower Assistent, begann 
er 1823 eigene praktische Curso über Pathologie und Physiologie und gründete 
mit Ramsay und Frost das Medical-College (1824). Hier wirkte er alsdann bis 
1847, wo man ihn nach New York berief. Nach 3 Jahren kehrte er auf besonderes 
Drängen seiner Landsleute nach Charleston zurück, trieb bis 1858 dort Consul- 
tationspraxis und ging in diesem genannton Jahre an das Jefferson Medical-College 
nach Philadelphia, um noch 14 Jahre bis zu seinem 1872 erfolgten Tode dort 
thätig zu sein. Der gross te Theil seiner Arbeiten erschien in der „Southern quarterly 
review" von Charleston; andere in „Chapman's Phil, journ." — so über Gelbfieber 
in Charleston 1817, über Gelbfieber im Allgemeinen 1827, ferner im Amer. Journ. 
of med. sc. Arbeiten über Dengue (1828), über Hitzschlag (1829). — Als eigene 
Monographien: „Outlines of lectures wpon the theory and practice of medecine^ — 
„Elements of pathology and praxis etc.^ — James Hamilton D., Marinearzt, 
später Arzt in Bristol, Arzt der Dispensary zu Clifton, Inspecteur des Marine- 
sanitätswesens (auch Arzt des Hospitals zu Plymouth nach Callisex), der 1840 
noch am Leben war. Er Hess erscheinen: „On the prevalence of fever in varioun 
jparts of the united hing dorn and on the eminent Utility of houses of recovery*^ 
(Bristol 1819). Femer in Edinb. med. and surg. Journ. 1808 — 1823 viele Arbeiten 
über Gelbfieber, Pemphigus und andere Ej-ankheiten der Neugeborenen, den Aderlass, 
Erysipelas, Chinin etc. — endlich in der Medico-chir. transact. 1816 — 1818 einige 
Aufsätze über Tetanus. — J.Thompson D., Psychiater, 1841 — 1874, der, am 
Guy*s Hospital ausgebildet, M. R. C. P. 1868, an der genannten Anstalt mit einem 
Curs der Geisteskrankheiten beauftragt wurde und besonders Aufsehen erregte 
durch sein Werk: „On matter and force in relation to mental and cerebral 

phenomena ( ) und eine Anzahl geistreicher Aufsätze in der Lancet 

(1870 — 1874), deren Fortsetzung sein Tod unterbrach. ß^j 



DICKSON. — DIEFFENBACH. 179 

*Dickson, Walter D. , wurde zu Edinburg 1841 promovirt, nachdem 
er dort, sowie in London und in Paris, seine Studien vollendet hatte. Er trat al« 
Arzt bei der Marine ein und wurde zum Staff Surgeon 1848 ernannt. Auf langen 
Expeditionen in Westindien, Ostindien, China, zum Theil auch während der dort 
geführten Kriege, sowie im Krimkriege thätig, zeichnete sich D. vielfach au^ und 
beschrieb die Reisen des Schiffes „Chesapeake" , die antarktische Expedition der 
„Pagoda", veröffentlichte ^Oontn'butions to antarctic meteorology^ (1846), 
statistische Gesundheitsberichte (1862—1881), über Syphilis in der Flotte (Tränet, 
of the epid. soc. 1864), über Skorbut in der Handelsmarine (1866), sowie „On 
kenlth of merchant seanien'* (Lancet 1866, 1867, 1868). Red. 

*Diday, Paul U. , Ex-chirurgien en chef de TAntiquaille (Höpital des 
v6nerien8 de Lyon), ist einer der bekanntesten und schreibseligsten Syphilidologen 
Frankreichs in der Jetztzeit. Nach dem vierten Decennium bis herein in die aller- 
jüngsten Tage werden wohl nur wenige Jahre vergangen sein, in denen D. nicht 
mit mindestens einem Artikel oder einer Monographie in die zeitweilig gangbaren 
Fragen eingegriffen hätte. Seine umfUnglichsten Schriften sind: „TraitS de la 
Syphilis des nouveau-nSs et des enfants a la mamelle^ (Paris 1854, 8., p. 378 
[auch in englischen und italienischen Uebersetzungen]) — „Exposition critiqiie et 
pratique des nouvelles doctrines sur la syphilis , suivie d'une Stade sur de 
nouveaux moyens preservatifs des maladies vSnSriennes*^ (Paris, Londres et 
New York 1858, 8., p. 560j — „Histoire naturelle de la syphilis, legons pro- 
fess^s a r^cole pratique de la faculti de mSdecine de Paris en mars 1863^ 
(Paris 1863, 8., p. 276) — ^rTh^rapeutique des maladies veneriennes et des 
maladies cutanees" (Paris 1876, 8., p. 887 ; diese in Gemeinschaft mit A. DoYON 
verfasst). Ausserdem gründete 1). die „Gazette m^dicale de Lyon" und gab mit 
J. Rollet da« „Annuaire de la Syphilis et des maladies de la peau" (Paris et 
Lyon 1859, 8., p. 400) heraus, von welch* letzterem jedoch nur ein Jahrgang 
CTRchien. Seine übrigen dermatologischen und chirurgischen Arbeiten finden sich 
im index medicus, den CANSTATT'schen Jahresberichten sammt Folge und Schmidt's 
Jahrbüchern, die biographischen und historischen bei Pauly verzeichnet. 

J. K. Proksch. 

Didelot, Nicolas D., aus Bry^res (Lorraine), wurde, als Chirurg in 
Remiremont ansässig, zum ersten Chirurgen des Königs von Polen ernannt und 
starb 1790. Seine Schriften sind mehr populär gehalten, so der: „Avis aux gens 
de la campagne on traitd des maladies lejt plus commune^" (Nancy 1772) — 
ffPr^cts des maladies chroniques et aigues etc." (2 Bde., Nancy 1774) — n^n- 
stnicticm pour les sages femmes etc. "^ (Daselbst ohne Datum) und Badeschriften. 

Cherean bei Dechambre. Red. 

*Dldiot, Pierre- Auguste D., ist erwähnenswerth w^egen seines sehr 
umfangreichen „Code des officiers de saute de Vannee de terre" (Paris 1863). 
Er beschrieb ferner die Expedition in Cochinchina im Jahre 1861 — 62 (Paris 1865) 
imd die 1865er Choleraepidemie in Marseille (Daselbst 1866). Hieran knüpften 
«eh weitere Cholerastudien an, die in Paris und Marseille 1866 herauskamen und 
im gleichen Jahre erschien auch die Schrift: „La guerre contemporaine et le Ser- 
vice de sanie des annSes etc.". — Der diesjährige Almanach de med. bezeichnet 
D., dessen Lebensumstände im üebrigen nicht zu eruiren waren, als Med. inspecteur 
und als Directeur de Tecole du Val-de-Gräce. ^^^^ 

Dieffenbaoh, Johann Friedrich D., zu Berlin, sehr berühmter Chirurg, 
war am I.Februar 1792*) zu Königsberg i. Pr. geboren, kam, frühzeitig seines 

*) Als Geburtstag wird von Hirsch und von Rohlfs der 1. Februar 1794, in den 
Acten der Berliner Universität der 2. Februar 1795 angegeben ; der obige Tag ist jedoch der 
richtige nnd ans den Taufregistern der evang. .Sackheimer Kirche zu Königsberg i. Pr. fest- 
gestellt worden. 

12* 



180 • DIEFFENBACH. 

Vaters beraubt, nach Rostock, der Heimat seiner Mutter, studirte von 1812 an 
daselbst und in Greifswald . Theologie , machte den Krieg von 1813 — 14 als frei- 
williger reitender Jäger mit und wandte sich später der Medicin zu, die er in 
Königsberg von 1816 — 20 studirte, indem er sich besonders für Anatomie und 
Chirurgie interessirte , sich hier bereits mit Transplantationsversuchen mit Haaren 
und Federn beschäftigte und auch schon seine ersten Operationen machte, tiber- 
haupt ein ausgesprochenes mechanisches Talent zu erkennen gab. Obgleich er 
eine Anstellung als Prosector der Universität erhalten hatte, verliesa er in Folge 
eines unglücklichen Liebesverhältnisses 1820 Königsberg und ging nach Bonn, wo 
er vorzugsweise an Phil. v. Walther sich anschloss, auf dessen Empfehlung er, 
nach l^/gjährigera Aufenthalte in Bonn, eine russische kranke Dame als Arzt nach 
Paris begleitete, wodurch ihm während eines 6monatlichen Zeitraumes Gelegenheit 
wurde, die dortigen Celebritäten (Dupi:ytren, Boyer, Larrey, Magexdie) kennen 
zu lernen. Er besuchte auch Montpellier und einige Monate lang die Kliniken von 
Delpech und Lallemand daselbst, kehrte aber 1822 nach Deutschland zurück, 
um in Wtlrzburg mit der Diss. : „Nonnulln de regen**ratione et transplantattone^ 
Doctor zu werden. 1823 Hess er sich als Arzt in Berlin nieder, zu einer Zeit, 
wo nach den Mittheilungen Carptje's über die seit Jahrtausenden in Indien geübten 
plastischen Operationen«, namentlich die Khinoplastik , C. F. v. Grabfr denselben 
ebenfalls sein vollstes Interesse zuzuwenden begonnen und dieselben in die deutsche 
Chirurgie eingeführt hatte. Hier fand D. also ein bereits vorbereitetes Feld, auf 
dem er eine seinen Neigungen und seinen Talenten entsprechende Thätigkeit ent- 
wickeln konnte, die ihn dahin geführt hat, der Vater der plastischen Chirurgie m 
werden. Es gelang ihm ziemlich bald, sich neben den beiden, die Chirurgie in 
Berlin beherrschenden Korj^phäen, Graefe und RüST, Geltung zu verschaffen, 
namentlich da, wo es sich nicht um verstümmelnde, sondern wiederherstellende 
Operationen handelte. Er setzte seine Transplantationsversuche, namentlich mit 
der Ueberpflanzung völlig getrennter Hautstücke, in Berlin fort (GRAfcFE und 
Walther's Joum. 1824), publicirte dann auch Mittheilungen über die damals ebenfalls 
erst seit wenigen Jahren bekannte Gaumennaht (RusT'a und Casper's Repertoriuro 
1826; Hkcker, Litt. Annalen 1826, 27, 28; RusT*8 Magazin 1829), nachdem er 
bereits 1826 die Schrift des Erfinders der Gaumennaht, Ph. Jos. Roüx, „Ueber 
Staphylorrhaphie", übersetzt hatte. Im Jahre 1827 (Hecker's Annalen) machte er 
seine Benutzung der Karlsbader Insectennadeln bei der umschlungenen Naht, die 
ihm die operative Chirurgie seit jener Zeit zu danken hat, bekannt, beschrieb eine 
neue Methode der Lippenbildung (Cheiloplastik) (Rost's Magazin 1827) und gab 
1828 (Ebendas.) seinen ersten Bericht: „Ueber eine neue und leichte Art der 
Wiederherstellung der eingefallenen Nasen aus den Iriimmem der alten^ und 
1830 (Ebendas.) Nachricht über eine „Neue Heilmethode des Ectropium**, Eine 
Zusammenfassung seiner sämnitlichen Leistungen und Erfindungen auf dem Gebiete 
der plastischen Chirui^e , als deren Schöpfer, wie gesagt, er bezeichnet werden 
muss, da er es war, der für dieselbe bestimmte Normen und Principien aufstellte 
und fOr alle in Frage kommenden Zustände gewisse Operationstypen ausgab, 
bieten seine „ Chirurgische Erfahrungen , besonders über die Wiederherstellung 
zerstörter Tlieile des menschlichen Körpers nach neuen Methoden^ (4 Abthlgn., 
Berlin 1829 — 34, m. 27 Abbild.; engl, üebers. von John Stevenson Büchnan, 
London 1833) , in welchen er nicht nur über die bereits genannten plastischen 
Operationen , sondern auch über die von ihm an der Harnröhre , dem Perineum, 
den Augenlidern , dem Gesichte u. s. w. ausgeführten Piastiken berichtete. In 
derselben Zeit erschien von ihm ein anderer, seine Leistungen resumirender Artikel : 
„Chirurgia curtorum^ in Rust's Handbuch der Chirurgie (Bd. IV, 1831), derselbe 
auch u. d. T.: y, Ueber den organischen Ersatz*" (Berlin 1831; 2. Aufl. 1838) 
separat. Spätere Arbeiten auf dem Gebiete der organischen Plastik betrafen noch 
die Heilung des künstlichen Afters (Casper's Wochenschr. 1834), der Hamröhren- 
fisteln (Hamburger Zeitschr. 1836), der Blasenscheidenfisteln und des Dammrisses 



DIEFPENßACH. 181 

(Preuss. Vereinszeitung 1836, 37). — Daneben hatte er, vom Beginne seiner chirur- 
gischen Thätigkeit an, Mittheilungen gemacht über eine Mastdarmverletzung (1826), 
Aber Afterverschluss (1826), über den Schnitt bei Harnröhrenstricturen (1826), 
fiber das Abschneiden der Unterbindungsfäden nahe am Knoten (1827), über einen 
Fall von Exarticnlation des Oberschenkels (1827), über zwei Fälle von Eierstocks- 
exstirpation (1827). Dazu kam eine Schrift: „Die 'Transfusion des Blutes und 
die Infusion der Arzeneien in die Blutgefässe y u. s. w." (Berlin 1828), die 
auf historische Untersuchungen, Thierexperimente und Beobachtungen basirt war 
und bei Gelegenheit der Berlin heimsuchenden Cholera-Epidemien den Anlass abgab, 
dass die Bluttransfusion von D. auch bei Cholerakranken, wenn auch ohne Erfolg, 
versucht wurde, worüber die vom Institut de France mit einem Preise gekrönten 
„Physiologisch- chirurgische Beobachtungen an Cholera- Kranken^ (Berlin 1833 ; 
2. Aufl. 1834; franz. üebers. Berlin 1835; ital. Uebers. Pavia 1835) berichteten. 
Anderweitige in dieselbe Zeit fallende literarische Leistungen waren die Neu- 
bearbeitung der IlRNCKEL-SXARK'schen „Anleitung zum chirurgischen Verbände^ 
(Berlin lb29), seine „Anleitung zur Krankenwartung^ (Berlin 1832; dänische 
Uebers. von C. L. E. Whitte, Kopenhagen 1833), seine Antheilnahme an der 
Redaction der Hamburger Zeitnchr. für die ges. Medicin (1836, 37), eine Anzahl 
von ihm verfasster Artikel in RüSt's Handb. der Chirurgie und in dem Encyclop. 
Wörterbuch der Berliner med. Facultät, ein Beitrag zu seines Lehrers Bürdach 
„Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft" und Vorreden zu H. E. Fhitze's aki- 
urgischeu Schriften (1838, 43) und zu Ed. Zbis, Handb. der plast Chirurgie (1838). 
In I).*8 äusserer Lebensstellung war insofern auch eine Veränderung eingetreten, 
als er 1829 zum dirigirenden Arzte der chirurgischen Abtheilung des Charit^- 
Krankenhauses ernannt worden war, woselbst er, nachdem RusT in den späteren 
Jahren seines Lebens sehr schwachsichtig geworden war, in dessen Klinik die 
meiKten Operationen ausführte, während er 1832 auch Prof. e. o. bei der Univer- 
sität gcfcrorden war. — Hatte D. in der ersten Hälfte seiner chirurgischen Wirk- 
samkeit sein Hauptinteresse der plastischen Chirurgie gewidmet, so wendete er in 
der zweiten auch den durch Stromeyeb in die Chirurgie (1832) eingeführten 
snbcutanen Operationen seine vollste Aufmerksamkeü; und sein Erfindungstalent 
zu, und gebührt ihm das unbestrittene Verdienst, nachdem er sich 1836 an dem 
Falle des mit einem Klumpfusse behafteten, später als Orthopäden selbst so 
berühmt gewordenen Dr. Little aus London von der Wirksamkeit des Stro- 
URYBR'schen Verfahrens der subcutanen Tenotomie und orthopädischen Nach- 
behandlung überzeugt hatte, mit dem ihm eigenen Eifer auch auf diesen Zweig 
der operativen Thätigkeit sich gelegt und zur schnellen und allgemeinen Verbreitung 
der von ihm verbesserten Operationsmethode sehr erheblich beigetragen zu haben. 
Seine Publicationen auf diesem Felde finden sich in der Preuss. Vereinszeitung 
1838 und in Casper's Wochenschr. 1839, sowie in der Monographie „ lieber die 
Durchschneidung der Sehnen und Muskeln" (Berlin 1841, mit 20 Taff.). Nicht 
unerwähnt wollen wir lassen, dass die ausgedehnteste Anwendung, die zu jener 
Zeit vorf der subcutanen Tenotomie gemacht wurde, auch zu einigen chirurgischen 
Verirrungen führte, unter denen namentlich „Die Heilung des Stotterns durch 
eine neue chirurgische Operation u. s, w,^ (Berlin 1841, mit 4 Taff.; engl, 
üebers. von Jos. Tkavers, London 1841), bestehend anfänglich in einer sub- 
entanen Myotomie der Zungenmuskeln, später in der Ausschneidung eines Keiles 
aus der Zunge, zu nennen ist. Eine segensreiche Erfindung D.*8 aber war die 
Sehieloperation (Preuss. Vereinszeitung 1839, 40), über die er folgende, von dem 
Institut de France mit dem MONTHYON-Preise von 3000 Francs bedachte Schrift : 
nlleber das Schielen und die Heilung desselben durch die Operation" (Berlin 
1842, mit 3 Taff.) veröffentlichte und in der er über die Resultate von 1200 Schiel- 
operationen berichtete, die freilich, bei der geringen Aufmerksamkeit, die man damals 
der Nachbehandlung und dem optischen Effect der Operation zuwendete, bei 
Weitem nicht so glänzend waren, als in der später eingetretenen neuen Aera der 



182 DIEFFENBACH. — DIEMERBROECK. 

Ophthalmologie. — Noch ehe D. die durch v. Graefe's Tod 1840 erledigte 
Professur in der medicinisehen Facultät und damit die Direction der chirurgischen 
Universitätsklinik übernommen hatte, waren über seine praktisch-klinischen Leistungen 
in der Charite zwei Schriften erschienen , von C. Tfl. Meter : „ Vorträge in der 
chinirgischen Klinik der königL Charit^ zu Berlin*^ (2 Lieif., Berlin 1840, 4.) 
und Charles Philipps „i« Chirurgie de M, D ieffenbach*' (1. partie, 
Berlin 1840, av. 4 pl.), während vorher, bei seinem Aufenthalte in Paris 1836, 
die dortigen Zeitschriften über seine in den Hospitälern ausgeführten Operationen 
viel zu berichten gehabt hatten und später Gerhard von Breuning über seinen 
Aufenthalt in Wien eine eigene Schrift: „»A F, DieffenhacKs chirurgische 
Leistungen in Wien. Dargestellt in ihren Erfolgen^ (Wien 1841) herausgab. 
Zu Ende seiner Laufbahn hatte er noch das Glück, die segensreichste Erfindung 
für die operative Chirurgie, nämlich die der künstlichen Anästhesie, zu erleb(»n, 
über die er in der Brochüre; ;,-Dc7' Aether gegen den Schmerz" (Berlin 1847) 
seine Erfahrungen niederlegte. Sein chirurgisches Testament aber bildet das von 
ihm verfasste Lehrbuch: „Die operative Chirurgie" (2 Bde., Leipzig 1845 — 48), 
dessen 2. Band erst ein Jahr nach seinem Tode, von seinem' Neffen Dr. Jdliüs 
Bt)HRiKG herausgegeben, erschien, das in fesselndster Sprache seine gesammten 
Leistungen und Erfahrungen auf dem Gebiete der Chirurgie zusammenfasst und 
den sehr charakteristischen Ausdruck seines ganzen Strebens und Trachtens, 
Fühlens und Denkens darstellt. — Eine genial angelegte Natur, von grosser 
Schnelligkeit und Schärfe der Auffassung, dabei von unzerstörbarer Ruhe, Besonnen- 
heit, Umsicht und Geistesgegenwart, begabt mit einer seltenen manuellen Geschick- 
lichkeit, musste er ein Operateur ersten Ranges sein, für den die Hand das voll- 
kommenste Instrument war. Hierdurch auch übte er auf seine klinischen Zuhilrer, 
alt und jung, einen vollständigen Zauber aus, da seine klinischen Vorträge weder 
durch ihre Tiefe, noch durch ihre Gelehrsamkeit fesselten. Ausserdem verstand 
er durch seine Liebenswürdigkeit und Humanität die Herzen Aller, der Patienten, 
CoUcgen, Schüler für sich zu gewinnen. Wie ein Soldat auf dem Schlachtfelde, so 
starb auch er mitten in seinem Berufe, in seiner Klinik, eben im Begriff, eine 
Operation vorzunehmen, am 11. November 1847. 

A. Hirsch in der Allgem. Deutschen Biographie. Bd. V, pag. 120. — Rohlfs, 
Deutsches Archiv für die Gesch. der Medicin. Bd VI, 1883, pag. 452 ; Bd. VJI, 1884, pag. 44. — 
Callisen, V, pag 196; XXVII, pag. 287. Gurlt. 

Diel, August Friedrich Adrian D., zu Gladenbach bei Giessen am 
4. Februar 1756 geboren, studirte in Giessen, wo er 1780 promovirt wurde und 
in Strassburg. Später Stadtarzt in seinem Geburtsorte, dann im Nassauisehen und 
seit 1790 Badearzt in Ems bis 1830, schrieb er allerlei Landwirthschaftliches 
(Obstbau) und über die Emser Bäder. Er war auch ein sehr fleissiger Uebersetzer 
zahlreicher englischer und französischer Compendien (die in der unten angegebenen 
Quelle namhaft gemacht sind) und publicirte viel in Balding£r's Magazin fBr 
Aerzte. Sein Tod erfolgte 1833. 

Biogr. m6d. TIT. Red. 

Diemerbroeck, Ysbrand vanD., im Jahre 1609 zu Montfoort geboren, 
studirte in Leyden und promovirte 1627 zum Doctor medicinae et philosophiae 
in Angers (Frankreich). Er übte die ärztliche Praxis in Nimwegen aus und fand 
während der daselbst 1636 und 1637 sehr stark herrschenden Pest den Anlas« 
zur Herausgabe der „De peste libri quatuor" (Arnhem 1644, Amsterdam 1645, 
1711, Genf 1721), worin er seine über diese Seuche gewonnenen Erfahrungen 
auf wissenschaftlicher Weise niederlegte. J 649 wnrde er extraord. Prof. anatomiae 
et medicinae in Utrecht (Antrittsrede : „De rtducenda ad medicinam chirurgia")f 
1651 Prof. Ordinarius, welche Professur er bis zu seinem Tode 1674 mit gn)S9em 
Eifer wahrgenommen hat. Seine Hauptarbeit, die „Anatome corporis humnni*' 
(Utrecht 1672 und verschiedene Ausgaben und Uebersetzungen in Genua, Padna, 
Lyon, London), durch Haller „Compendium anatomes et physiologiae integrum 



DIEMEBBROECK. — BIESING. 183 

com plarima controversiarum excursione" genannt, ist ein wirklich gutes Buch 
mit Tielen originalen Mittheilungen auf dem Gebiete der physiologischen Anatomie 
und einigen interessanten chirurgischen Beobachtungen. Auch die durch D. 1664 
veröffentlichten „LHsputattones practtcae in morbis capitis y thoracis et infimi ven- 
tris*^ verdienen geschätzt zu werden als Leitfaden für Vorlesungen über specielle 
Pathologie, wofür er sie bestimmt hat. Nach seinem Tode sind seine „Opera omnia^ 
(Utrecht 1685) durch seinen Sohn herausgegeben worden. q £ Daniels 

Dierbacll , Johann Heinrich D., zu Heidelberg , war daselbst am 
23. März 1788 geboren, widmete sich der Pharmacie und begann erst, nachdem 
er 12 Jahre lang Apotheker gewesen und sich besonders für Botanik interessirt 
hatte, Medicin zu studiren. 1816 wurde er Doctor, 1817 Privatdocent und 1820 
Prof. e. 0. in der medicinischen Facultät, indem er seit 1817 Materia medica in 
Verbindung mit der Pharmakognosie lehrte. Er schrieb dafür: ^Orundriss der 
Beceptirknnst , zum Gebrauche bei seinen Vorlesungen u, s, w,^ (Heidelberg 
1818) und gab heraus ein y^Handbuch der medic-pharmac. Botanik u, s, w.^ 
(Ebendas. 1819). Während er medicinische Praxis nicht ausübte, wendete er sich 
mehr und mehr der Botanik zu, hielt Vorlesungen über ökonomisch-technische und 
Forstbotanik und schrieb eine Reihe von botanischen, hier nicht aufzuzählenden 
Schriften, darunter eine Flora von Heidelberg (1819, 1820), über essbare Schwämme 
(1822) tt. s. w. Für die Medicin von besonderem Interesse waren: „Die Arznei- 
mittel des Hippokrates, oder ' Versuck einer systematischen Aufzählung der in 
allen hippokratischen Schriften vorkommenden Medicamente^ (Heidelberg 1 824) — 
„Die neuesten Entdeckungen in der Materia medica. Für praktische Aerzte 
geordnet, u. s. w,^ (Heidelberg und Leipzig 1827, 28; 2. Aull., .3 Bde., 
1837 — 47) — „Pharmakologische Notizen, für prakt. Aerzte geordnet^ (J 834) — 
„Synopsis materiae wedicae oder Versuch einer systematischen Aufzählung der 
gebräuchlichsten Arzneimittel^ (1841). Nach P. L. Geiger's Tode besorgte er 
die 2. Auflage von dessen „Pharmaceu tischer Botanik"); auch nahm er Antheil an 
der Bearbeitung der Pharmacopoea Badensis. Ausserdem finden sich von ihm noch 
zahlreiche Aufsätze in botanischen, medicinischen und pharmaceutischen Zeitschriften. 
Er starb am 11. Mai 1845. K. Sprengel hatte eine südamerikanische Pflanze 
ans der Familie der Solaneen nach ihm benannt. 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 23, 1845, I, pag. 420. — Callisen, V, 
pag. 204j XXVII, pag. 291. ^ 

DiesiBg, Karl Moriz D., zu Wien, berühmter Helminthologe, war am 
16. Juni 1800 zu Krakau geboren, wurde in Lemberg erzogen, studirte von 
1819 in Wien Medicin, wurde aber gleichzeitig immer mächtiger von den Natur- 
wissenschaften angezogen, so dass er schon seit 1822 bei der helminthologischen 
Abtheilung des kaiserlichen zoologischen Cabinets, unter Leitung JoH. Gottfr. 
B&emsbr's, unentgeltlich Dienste leistete. Im Jahre 1826 erlangte er die medi- 
cinische Doctorwürde mit einer pharmakologischen Diss. ; „De nucis vomicae 
principio efficad*^ , wurde Assistent bei der Lehrkanzel der Botanik, erhielt 
3 Jahre später eine Anstellung am k. k. Naturaliencabinet und rückte bis 1843 
in die Stelle des 1. Cnstos-Adjuncten auf. Niemand war für eine derartige Stellung 
befähigter als er, der in den weiten Oebieten der Botanik, Mineralogie und Zoologie 
die umfassendsten Kenntnisse besass. Als der glänzendste Vertreter der Wiener 
helminthologischen Schule nach Bremser's Tode gab er sein auf vieljährigen 
mühevollen Studien beruhendes, alle Kenntnisse auf dem bezüglichen Gebiete 
zusammenfassendes „Systema helminthum^ (2 Bde., Wien 1850, 1851) auf 
Kosten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften heraus, ein epochemachendes, 
ftr alle Zeiten in der Geschichte der Zoologie einen wichtigen Markstein bildendes 
Werk. Leider wurde er durch ein inzwischen eingetretenes, in Folge seiner 
angestrengten Arbeiten mit dem Mikroskop im Zunehmen begriffenes und bis zur 
volligen Erblindung gesteigertes Augenleiden verhindert, den 3. Band jenes Werkes 



184 DIESING. — DIETL. 

zu vollenden. Bereits 1852 musste er pensionirt wurde, und doeh findet sich nach 
dieser Zdt noch bis zum Jahre 1865 eine grosse Reihe von Abhandlungen von 
ihm namentlich in den Denkschriften und den Sitzungsberichten der mathematisch- 
naturwissenschaftlichen Classe der kais. Akademie veröffentlicht, die zusammen- 
genommen einen Band mit 26 prachtvollen Tafeln bilden würden. Es wurde dieses 
Weiterarbeiten auch nach erfolgter Erblindung nur durch sein staunenswerth treues 
Gedächtniss und die seltene Aufopferung und Unterstützung eines jüngeren gelehrten 
Freundes, Aug. v. Pelzeln, möglich. Der Tod dieses grossen Naturforschers und 
bescheidenen Gelehrten erfolgte am 10. Januar 1867. 

Almanach der kais. Akademie der Wissensch. Jahrg. 17, 1867, pag. 240. G. 

Dieterich, zwei Brüder. — Helvicns D. (Hklvicus Diktekicüs), 
geboren zu Mistorf in Hessen am 24. Juni 1601, studirte Theologie in Giessen, 
wurde 1620 daselbst Magister, dann Lehrer der hebräischen Sprache in Ulm; seit 
1622 studirte er Medicin in Tübingen, Altdorf und Wittenberg, reiste 1625 nach 
Italien, studirte Chemie in Tübingen, wurde Dr. med. in Strassburg 1627, hessen- 
darmsiädtischer Leibarzt 1628, brandenburgischer Leibarzt in Berlin 1634, dänischer 
Leibarzt 1641 ; zuletzt lebte er als Arzt in Hamburg und starb daselbst 13. December 
1655. (Schriften über Schwalbach 1631 ff.) — Der andere Bruder, Johann 
Konrad D., geboren zu Butzbach 19. Januar 1612, studirte zu Marburg, Strassburg 
lind Jena Philologie, wurde Magister in Jena und 1639 Professor der griechischen 
Sprache in Marburg, studirte dann Medicin und gab das Aphorismen des Hippokratrs 
heraus. Wegen der in Hessen entstandenen Streitigkeiten verliess er sein Vaterland 
und begab sich nach Hamburg. 1650 wurde er Prof. der griechischen Sprache 
und der .Geschichte in Giessen; er starb daselbst am 24. Juni 1669. 

G. Matthiae, Conspect. hist. med. Gotting. 1741, pag. 571. — Jöcher, If, 120. — 
Biogr. univ. W. Stricker. 

Dieterich, Johann Georg Nikolaus D., im Jahre 1681 zu Regens- 
burg geboren, studirte die Arzneiwissenschaft zuerst in Jena und setzte später in 
Leyden und Oxford seine Studien fort. Im Jahre 1707 zu Giessen zum Dr. 
promovirt, ward er 1712 Stadtphysicus zu Regensburg. Als solcher hat er die im 
Jahre 1713 eine diese Stadt, damals der Sitz der deutschen Reichsversammlung, 
verheerende Pest beobachtet und beschrieben (Miscel. curios. med. phys. Ann. I, 
pag. 56): „Zuverlässiger Unterricht, ivie man sich bei gegenwärtiger Seuche 
präserviren und curiren könne** (Regensburg 1713) — „Regensburgischer 
Unterricht, auf was Art in hiesiger Stadt die irtßcirten Häuser und darin 
sich befindenden Menschen zu reinigen sind" (Regensburg 1814) und „Genaue 
Untersuchung der Seuche, Vielehe zu Begensburg 1713 grassirte, nebst einein 
Entwürfe guter Anstalten" (Regensburg 1714). D. genoss eines ausgebreiteten 
Rufs als tüchtiger Heilkünstler bis zu seinem Tode am 31. August 1737. 

Baader, Gelehrtes Bayern, I. Bd., pag. 237. F. Seitz. 

Dietli Josef D., geboren im Jahre 1804 zu Podbuze in Galizien) 
studirte zuerst in Lemberg Philosophie und 'später Medicin in Wien, woselbst er 
1829 promovirt wurde; daselbst prakticirte er längere Zeit hindurch und war seit 
1841 Primararzt und seit 1848 Director des Wiedner Bezirks^ Krankenhauses. 
Im Jahre 1851 wurde er nach Krakau berufen, wo er bis 1865 als Professor 
der speciellen Pathologie und Therapie und Director der medicinischen Klinik 
thätig war. Im Jahre 1861 wurde er zum Landtagsabgeordneten und nachträglich 
zum Abgeord^eten des Reichsrathes erwählt. 1866 wählte man ihn zum Präsidenten 
von Krakau, einige Zeit darnach wurde er Mitglied des österreichiseben Herrenhauses, 
seit 1872 war er Mitglied und Director der mathematisch - naturwissenschaftlichen 
Classe der Krakauer Akademie der Wissenschaften. Er starb am 18. Jänner 1878 
und wurde durch ein Regräbniss auf öffentliche Kosten geehrt. — Seine zahlreichen 
Aufsätze medicinischen Inhaltes sind in polnischen und deutschen Fachblättem 



DIETL. — DlEUDONNfe. 185 

abgedruckt, auch schrieb er viel ttber die Curorte Galiziens; als politischer 
Schriftsteller war er gleichfalls thätig. X. & P. 

Dietrich, Unter den zahlreichen Gelehrten dieses Namens, welche sich 
mit Naturwissenschaften befasst haben, sind auch zwei nennenswerthe Aerzte, 
nÄmlich Gottlob Siegfried D., aus Löwenberg in Schlesien, am 16. October 
1768 geboren, Dr. med. zu Halle 1788, der, in Glogau ansässig, sich um die 
Verbreitung der Vaccination in Schlesien verdient machte und über dieses Thema 
eine der Beachtung würdige Schrift publicirte (Glogau 1801). Ferner Casuistisches 
in Zadig und Friese's Arch. der Heilkunde für Schlesien (1799, 1800, 1802, 
1826) und „Foetus in testtculo" (Fkobiep's Notizen 1826). Todesjahr unbekannt. — 
Ewald Christian Victor D., zu Grünhayn am 19. Juli 1785 geboren, Militär- 
arzt, 1815 sächsischer Oberstabsarzt, 1817 in gleicher Stellung im 7. preussischen 
Corps, später Arzt in Moritzburg, resp. Dresden, schrieb eine grosse Reihe seiner 
Zeit weitverbreiteter Werke, so über „Zahnen der Kinder'' (Nordhausen 1836) — 
^Bleichsucht** (Leipzig gleichzeitig) — „Keuchhusten** (Nordhausen 1837) — 
^Inßuenza'* (Leipzig 1837) — „Skropheln und Kropf ** (Altenburg 1837); auch 
Badeschriften, populäre Taschenbücher u. Aehnl. 

Dechambre, XXIX, pag. 295—296. Red. 

Dietz, Friedrich Reinhold D. , 1804 zu Königsberg in Prenssen 
geboren, daselbst 1826 Dr. med., erhielt in Folge des tüchtigen „'I~7ro5cpaTOi>? 7r£pl 
15?^; v6<J0'j ßtß>.iov" (Leipzig 1827; griechisch-lateinische Ausgabe der hippokra- 
tischen Schrift über die Fallsucht) von der Regierung die Mittel zu einer grösseren 
wissenschaftlichen Reise (Handschriften griechischer und arabischer Texte in Frank- 
reich, Italien, England, Spanien) und wurde bei der Rückkehr 1833 Extraordinarins 
and Seeundararzt , drei Jahre später Prof. ord. und Director des Königsberger 
Krankenhauses. — Schon 1830 hatte er in Leipzig als Frucht seiner Reise „Analecta 
med. ex libris mss. primum edita. Fase, I^ (IBN Bbithar, DIOSCOEIDES ent- 
haltend), dann „Galeni de dissectione musculorum et de consuetudine libri" 
(Leipzig 1832 ; -Trspl e^öv hier zum ersten Male griechisch) veröffentlicht, Arbeiten, 
denen während der Wirksamkeit in Königsberg „Apollonii Citiensis, Stephanii 
Palladii, Tkeophilii , . . et aliorum scholia etc." (2 Bde. Königsberg 1834) und 
^Dorani Ephtsii de arte obstetrida etc.** (1838 von Lobsck herausgegeben) 
folgten. — D. erlag bereits am 5. Juni 1836 einem Typhus. 

Allg. deutsche Biogr. V. — Callisen, XXVII. Red. 

Dienches war ein griechischer Arzt aus der Schule der Dogmatiker, der 
wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte. Er schrieb über die Bereitung 
der Nahrangs- und Arzneimittel und deren Anwendung in den einzelnen Krankheiten. 
Fragmente ans seinen Schriften hat uns Oribasius: Coli. med. IV, 5 — 9 u. Synops. 
V, 33) erhalten. Auch Plinius hat ihn in seiner Naturgeschichte vielfach benützt. 
Sein Schüler war Nümeniüs von Heraklea. 

Galen, XI, 795; XV, 136. — Plin. nat. hist. XX, §. 31, 78, 191; XXIII, §. 60; 
XXIV, §. 145. - Athen, f, 5. Helmreich. 

Diendoim6, Jean-Fran^ois-Joseph D., zu Breda, Nordbrabant, am 
18. Juni 1810 geboren und in Brüssel, wohin seine Eltern 1817 verzogen, vor- 
gebildet, studirte Medicin in Lüttich bis 1834, dem Jahre seiner Promotion. In 
Paris hörte er behnfs weiterer Ausbildung besonders Dupuytren, Hess sich dann 
mit vielem Erfolge in Brüssel nieder und wurde bald Mitglied des Conseil de 
salabrit6, sowie der Soci6t6 des sc. m6d. de Bruxelles (in welcher letzterer er später 
den Vorsitz ftlhrte), weiterhin auch der Akademie der Medicin, der statistischen 
Coramission, des obersten Gesundheitsrathes etc. — Ausser einer grossen Reihe von 
Beiträgen, die 1845 — 1865 in dem von D. redigirten „Journ. de m6d. , de chir. 
et de pharmacologie" erschienen, sind besonders von seinen Arbeiten zu nennen: 
jyCompte rendu des travaux du conseil central de salubritd . . . 1860" — 



L 



186 DIEUDONNE. — DILLEN. 

„Memoire sur la condition des classes ouvrieres et sur le travail des enfants^ — 
„Memoire sur Vemploi de nitrate de potasse h haute dose dans le traitement 
du rhumatisme articulaire aigu^ — „i><9 Vorigine de Vergot de seigle^, — 
D. starb an den Folgen eines Aorten-Aneurysmas am 10. August 1865. 

van den Corput. — Bed. 

*Dieulafoy, Georges D., Prof. agr6g6 und MM. des hop., wurde 1869 
zu Paris mit der These „De la mort suhlte dans la ßevre typhoide" promovirt 
und betrat bereits mit seiner näelisten Sebriff ; „De Vaspiration pneumatiqm 
sous-coutav^e. Methode de diagnostic et de traitement^ (Paris 1870 ; englische 
Ausgabe gleichzeitig London) das Gebiet, auf dem er sich auszeichnen sollte. Die 
Aufsätze „Du diagnostic et du traitement des kystes hydatiques et des ahsces 
du foie par aspiration" (Paris 1872) und „Du diagnostic et du traitement den 
6panchements aigus et chroniques de Id p^^vre par aspiration"* (Daselbst gleich- 
zeitig) sind kleineren Umfanges, während in dem dieselben Gegenstände zusammen- 
fassenden „ Traiti de Vdspiration des liquides morbides" (Paris 1873 ; London 1873j 
die Methoden und der von D. eingeführte Troicart ausführlich beschrieben sind. 
(Doch ist nur irrthtimlich D. für den Erfinder der neueren Aspirationsmethoden 
ausgegeben worden, da bereits 13 Jahre früher vax den Corpüt [s. diesen] ein 
durchaus analoges Verfahren in die Praxis eingeführt hat). — Noch sind zu 
erwähnen die beiden Concursthesen D.'s: „De la contagion" (Paris 1872) — 
„Des progrhs rSalisds par la physiologie expSrimentale dans la connaissance 
des maladies du systhne nerveux" (Daselbst 1875). Bed. 

Diez, Karl Philipp D., geboren zu Denkendorf 1739, studirte in 
Tübingen, Strassburg und Paris, promovirte 1762 zu Tübingen (Diss. de aere et 
alimentis militum, proecipuis hygienes militaris momtntis" [Tübing. 1762, 4.J), 
prakticirte dann in Stuttgart und ward 1768 als ausserordentlicher Professor der 
Medicin nach Tübingen berufen. Wir haben von ihm: „Diss, de nova methodo 
inserendi variolas anglicana" (Tübing. 1768, 4.). 

Elwert, pap. 129 flgd. Max Salomon. 

Digby, Kenelm D., der weitgereiste und in viele Intriguen verwickelte 
Zeitgenosse CromwelTs (1603 — 1665), der auf medicinischem Gebiet sich aller- 
dings mehr in charlatanistischer Weise bemerkbar machte, kann nicht vollständig 
übergangen werden wegen seiner vielgenannten Schriften: „Discours sur la pouire 
de Sympathie" (Zuerst Paris 1658, später in vielen englischen, deutschen und 
holländischen Ausgaben), und „Medicina experimentalis" (Frankfurt 1670, 1676, 
1681; auch deutsch Heidelberg 1672; Frankfurt 1672, 1676, 1681, 1687). — 
Auch das Buch D.'s „Of bodies and of mans soul with two discourses of the 
power of sympathy and of the Vegetation of plants" (London 1669) und ähnlich 
betitelte machten ihrerzeit colossales Aufsehen. 

Dureau bei Dechambre. Red. 

Dillen (Dillenids), hessische Arztfamilie. — Der Vater Justns 
Friedrich D., geboren 1644 zu Darmstadt, studirte Medicin in Giessen seit 
1663, Licentiatus 1681, Dr. med. 11. Oct. 1688, Leibarzt des Grafen Johann 
von Nassau - Idstein , dann Arzt in Darmstadt, 1685 Löwenstein -Wertheimischer 
Leibarzt, in demselben Jahr Mitglied der kaiserlichen Akademie der Naturforseher, 
1688 Professor der Medicin in Giessen, gestorben den 18. August 1720. — Von 
den Söhnen wurde Johann Jakob D., geboren 1687 in Darmstadt, um 1715 
Professor der Botanik in Giessen und blieb in dieser Stellung bis 1725. Er 
verliess Deutschland, um mit dem reichen Liebhaber der Botanik, W. Sherard, 
nach England zu reisen. D. blieb bei diesem bis 1728, wurde dann Professor der 
Botanik in Oxford, wo er 1747 starb. Er ist als Begründer des wissenschaftlichen 
Studiums der Kryptogamen, besonders der Moose, anzusehen. Sein Hauptwerk ist 
die „Historia muscorum" (mit 85 Tafeln, Oxford 1741, auch engl. Ausgabe 1763). 



J 



DILLEN. — DIOGENES. 187 

Ausserdem verfasste er eine Flora von Giessen (Frankfurt 1719) und die Beschrei- • 
bung des Sherard'schen Gartens zu Eltham. 1732. — Philipp Eberhard I)., 
geboren 1689, starb am 25. l)ec. 1727 als Phyflicus in Wetzlar; er war Mitglied 
der kaiserlichen Akad. der W., in deren Ephemeriden er* zahlreiche Beobachtungen 
niedergele^ hat. 

Pritzel, Thesaums. — Wink 1er, Geschichte der Botanik 1854. — Deutsche Biogr. 
— B. D. Jack8on, Guide to the literature of botany. London 1881. "^^ Stricker. 

Dimsdale, Thomas Baron v. D. , in Toydon-Gamon 1712 geboren, 
Sohn eines Arztes, machte seine ersten Studien unter Anleitung der Chirurgen am 
St. Thomas-Hospital und begann 1734 zu prakticiren. Sein Enthusiasmus für die 
Inoculation , die Verbesserungen der Technik , die er ftlr das Verfahren erfand, 
verbreiteten seinen Ruf derart, dass ihn die Kaiserin Katharina nach Russland 
berief. Er impfte mit seinem Verfahren die ersten Familien des Reiches, erhielt 
sofort bei seiner Rückkehr nach England zu seinen übrigen Ehren die Mitglied- 
schaft der Royal society, wurde 1780 in's Parlament gewählt und wandte sich 
Dunmehr gänzlich von der Medicin ab. Noch einmal ging er indess (den Kaiser 
Alexander und den Grossförsten Constantin zu impfen) 1781 nach Russ- 
land, um dann, zurückgekehrt, noch 9 Jahre den parlamentarischen Geschäften 
und endlich — ganz zurückgezogen — 1790 — 1800 nur seiner Familie zu leben. 
Ohne Ausnahme beziehen sich seine Publicationen auf die Inoculation ; „ The 
present method of inoculating for the small-pox^ (London 1766, 1767, 1772; 
aneh französisch) ging 6 gleichsinnigen, sämmtlich in London, und zwar 1776, 
1778, 1779, 1780, 1781, 1782 erschieneneu Schriften voran. 

Dict. hist. II. Red. 

Dinghens de Dinghen, L^onard-Fran^ois D. de D. (Dinghenkts), 
ans Campine, vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis 1680, wirkte als Professor 
an der Universität Löwen bis zu seinem Tode und setzte seine ganze Gelehrsam- 
keit ein, um die Theorien van Helmont's zu bekämpfen, obwohl er mit ihm eine 
im Blute vor sich gehende Fermentation als Quelle der thierischen Wärme annahm. 
In seinen „Fundamenta physico-medica ad scholae acribologiam studiose adaptata 
in sex libros divisa, quibus accedit tractatus de fehribus" (Löwen 1677, Fol.) 
erklärt er sich auch gegen die kritischen Tage, gegen die astrologischen Berech- 
nungen und andere Irrthümer seines Zeitalters und brachte sein Beobachtungstalent 
nnd seinen kritischen Scharfblick besonders zur Geltung, wo er über die Inspection 
des Harns, den Werth der Pulsuntersuchung und ähnliche diagnostische Fragepunkte 
handelt. Mit Descartbs verlegte er den Sitz der Seele in die Glandula pinealis. 

van den Corput. — Red. 

Dino di Gaxbo, s. unter Garbo. 

Diodotus (AiöXoTo;), ein griechischer Arzt, kurz vor Dioskorides, schrieb 
em Werk über Arzneimittel, das den Titel „Av^o^^oyouf^^va" (Blumenlese) führte. 
Meyer, Geschichte der Botanik. II, 54. Helmreich. 

Djörup, Michael D., dänischer Militärarzt, geboren 1803,'doctorirte 1836 
(„De fungo artictdari" ) , Stabsarzt der Armee, Mitglied des königlichen Gesundheits- 
collegiums und mehrerer wichtiger Commissionen für die Reformirung des Medicinal- 
wesens, tüchtiger Administrator und Organisator; gestorben 1876. Petersen. 

Diogenes von Apollonia auf Kreta, griechischer Naturphilosoph, 
Zeitgenosse des Anaxagoras, setzte als Grundprincip aller Dinge, aus dem durch 
Verdichtung und Verdünnung (Truxvcoct; und apaiwGtc) Alles geworden ist, die Luft. 
Ein von Aristoteles hist. anim. III, 2 erhaltenes Fragment seiner Schrift „7:s?l 
9u(jc<i>;", das eine ausführliche Beschreibung der Adern des Menschen enthält und 
emen interessanten Aufschluss über die anatomischen Kenntnisse jener Zeit gewährt, 
sichert ihm einen Platz in der Geschichte der Medicin. 

Diog:. Lacrt., IX. 9. — Galen, XVII, 1, lOOG. Helmreich. 



188 DIOKLES. — DIOSKORIDES. 

Diokles aus Karystus auf Euböa, der bald nach Hippokrates lebte, 
gehört zu den bedeutendfiteu griechischen Aerzten der früheren Zeit. Er entwickelte 
eine äusserst fruchtbare literarische Thätigkeit, wie die zahlreichen bei Sobanus, 
Galen, Athknaeds, Oribasiüs und Caelius Aubelianüs erhaltenen Fragmente 
seiner Schriften beweisen. Sie führten den Titel: 1. „uytetva ttoö; nXsiTTapyov" — 
2. „7:a0-o; xtTtx tJ-eoaTTSia (de paasionibus)^ — 3. „'ApyjSacao;" (eine Streitschrift 
gegen Abcuidamus, der in der Gymnastik die Oeleinreibungen verwarf nnd die 
^TjpoTpt'ita [trockene Einreibung] empfahl) — 4. „Tcepl töv xar' laTpsfov" — 5. „::£ä 
yuvaiJtetüiv" — 6. „repi Xajrivwv'* — 7. „7:epi ^xvacrtjy-wv «pap'jLaicwv" — 8. „De 
fehribiis^ — 9. „De egestionibua" (Ausleerungen) — 10. „Liber Prognosticus'^ — 
11. „'Pt!^0T0[xu6v" (Kräuterbuch) — 12. eine Schrift über Anatomie, die älteste, 
die Galen kannte. Unecht ist der von Paült^s Aegin. I. c. 100 mitgetheilte Brief des 
D. an den König Antigonus. Die schriftstellerische Thätigkeit des D. erstreckte sich 
also über Anatomie, Diätetik, Gymnastik, Pathologie und Therapie, Frauenkrankheiten 
und Embryologie, Arzneimittellehre und Toxikologie. Wie aus Caelios Aübeliüs 
zu ersehen, war er um eine genaue Bestimmung der einzelnen Krankheitss>inptoiiie 
bemüht. In grösstem Ansehen aber stand noch Jahrhunderte später seine Entwick- 
lungstheorie des Embryo, von der uns Oribasiüs einzelne Angaben erhalten hat 

Galen, II, 905; VI, 511, 455; VIII, 186; XI, 471: XVIII, 2, 629: XVIII, 1. 
712. — Soran, pag. 299, 348. — Athen., XV, 681 b. ~ Cael. Aurel., pag. 39, 536 A. - 
Schol. Nicand., Ther. 647. Helrareieh. 

Dionis. Pierre E., unbekannten Geburtsjahres, lebte in Paris und starb 
daselbst am 11. December 1718. Er hatte seit 1673 den doppelten Lehrstuhl flir 
anatomische Demonstration und fUr operative Medicin am Jardin-du-Roi inne und 
bildete viele ausgezeichnete Schüler aus. Die geistigen Elemente, welche später 
zur Gründung der Acad. royale de chir. verwerthet wurden, fähren sich zum 
grossen Theil auf D. zurück. Ludwig XIV. enthob ihn 1680 seiner LehrfunctioneB, 
um ihn mit verschiedenen Leibarztstellen und Ehrenämtern in der königlichen Familie 
zu betrauen, in welchen D. bis an sein Lebensende thätig war. Seine Hauptschriften 
sind: ^Vanatomie de Vhomme, suivant la circulation du sang et les denii^res 
dScouvertes'' (Paris 1690, 1695, 1701, 1716, 1729; auch Genf 1699, sowie 
lateinisch, englich und chinesisch) — „ Cours d'operations de chirurgie dSfinontries 
au Jardtn-du'Roi'' (Paris 1707, 1714, 1736, 1740, 1751, 1765; auch Brüssel 
1708, sowie deutsch, englisch und holländisch) — „Traifi gin4ral des accoucke- 
inens etc,*' (Paris 1718, 1724; Brüssel 1724; englisch, holländisch, deutsch). 

Dict. hist. II. Hcd. 

Dionysins. Von mehreren Aerzten dieses Namens ist uns wenig mehr als 
der blosse Name bekannt: 1. Von einem Chirurgen D. theilt Scriboniüs Largos 
c. 212 ein Pflaster gegen unbedeutende Verwundungen mit. Dieser könnte ideotiseb 
sein mit dem D., dessen Celsus an zwei Stellen gedenkt. 2. Pliniüs hat in seiner 
Naturgeschichte das botanische Werk eines griechischen Arztes D. viel benätzt 
(PiJN. nat. hist. XXV, §. 8). 3. Unter den Methodikern wird von Gale^ios ein D. 
aufgezählt, den auch Sobanus (pag. 192 R.) erwähnt. 4. Einen D. mit dem Bei- 
namen ö xupro; citirt RüFUS bei Oribasiüs (III , 607 ed. Darembbrg). Damach 
hat er über die in Libyen, Aegypten und Syrien häufig vorkommenden pestartigen 
Bubonen geschrieben. Stephan us von Byzanz s. v. Kudto? bemerkt unter Berufung 
auf einen H£R£NNIUS Philo, D. habe den angegebenen Beinamen nicht von einem 
körperlichen Gebrechen, sondern von seiner Vaterstadt Kupro; in Aegypten geführt. 

Helmreich. 

Dioskorides (auch Dioskurides) , 1. mit dem Beinamen Phakas (Aio- 
fTA.o'jfihrfi fi eT;t>t).7jö'elc ^oxa; von oaxot, Flecken im Gesicht), ein Anhänger des 
Herophilu:«, war Leibarzt der äg}'ptischen Königin Eleopatra und schrieb ein 
medicinisches Werk in 24 Büchern, das nach Sdidas hochberühmt war. 

Suid. 8. h. V. Galen, XIX, 63. 



J 



DIOSKORIDES. — DIPPEL 189 

2. DioskoridesPedanius, ans Anazarbus in Cilicien, ist der beden- 
tendste Botaniker und Pharmakolog des Alterthums. Er lebte unter Nero und 
Vespasian als ein Zeitgenosse des älteren Plinius, der an vielen Stellen seiner 
Natnrgeschiehte in so auffallender Weise mit D. übereinstimmt, dasa man eine Be- 
nützung des Einen durch den Andern annehmen zu mllssen glaubte; doch erklärt 
sieb diese Erscheinung auch daraus, dass beide den gleichen Quellen (Jollas von 
Bithynien,HERAKLiDES von Tarent, Krateüas, Andreas, Julius Bassüs, Petronius, 
Sbxtius Niger und Diodotus) gefolgt sind. Von den Lebensumständen des D. 
»t uns weiter nichts bekannt, als dass er in seiner dienstliehen Stellung im 
römischen Heere, wahrscheinlich als Militärarzt, viele Länder zu sehen Gelegenheit 
hatte, 80 dass er die von ihm beschriebenen Pflanzen wohl grösstentheils aus eigener 
Anschauung kannte. Sein Werk, das aus 5 Büchern besteht, führt den Titel: 
„TTEpl üXt];" und ist einem nicht näher bekannten Arzte Areios, dem Günstling des 
Laeeanius Bassus, der im Jahre 64 Consul war und unter Vespasian am 
Carbunkel starb (c. 77 n. Chr.), gewidmet. Es handelt im ersten Buche von 
den Aromen , Oelen , Salben , Bäumen und den von ihnen herrührenden Säften 
(wrot), Harzen (Soxpua) und Früchten ; im zweiten von den Thieren, dem Honig, 
der Jtfilch, dem Fett, femer von den Getreidearten und Gemüsen, von Lauch, 
Zwiebeln und Senf; im dritten und vierten von den Wurzeln, den aus den- 
selben bereiteten Säften ()ruXC(y(/,aTa} , Kräutern uud Samen; im fünften vom 
Weinstock, den Weinen und Mineralien. D.'s Werk war nach Galen's ürtheil 
das vollständigste in seiner Art (Galen, XI, 794, xat ;xoi Sox£? tsXswtxtx Tvivrcov 
o'>:o; Tijv 7:spi ty^; OXtj; töv «papaiiccov TTpayf/^ÄTetav TwOiTQTacO'ott) und genoss das 
ganze Mittelalter hindurch dieses wohlverdienten Rufes. „Eine methodische 
Anordnung und eine das Auffinden erleichternde, vor Verwechslung sichernde 
Beschreibung" der Pflanzen sind seine Hauptvorzüge. Ausserdem werden 
dem D. noch folgende Werke zugeschrieben: a) „Treol Xrj>.7)T7]pta)v yap^aaxwv xal 
T^ a'jTÖv TTfoy'jXaxr^c xal ^epa:;sta;" (über Gifte und Gegengifte), b) „:7£pl io,%Xwv" 
(über den Biss giftiger Thiere), c) „Trepl sOTTOpwTcov" (über Hausmittel), in zwei 
BOehem. Von diesen werden die beiden ersteren allgemein für unecht gehalten, 
das dritte dag^en will Meyer dem D. selbst zuschreiben. 

3. Dioskorides der Jüngere, unter H a d r i a n , veranstaltete eine viel 
gesuchte Ausgabe der Werke des Hippükrates, in welcher er sich nach Art der 
alten Grammatiker zur Bezeichnung unechter Stellen des Obelos bediente, aber 
den alterthümlichen Text so willkürlich änderte, dass er deshalb von Galenos scharf 
getadelt wird. Auch seine exegetischen Arbeiten zu Hippokrates, die sehr weit- 
schweifig gewesen zu sein scheinen, fanden an Galenos einen strengen Beurtheiler. 

Meyer, Gesch. der Botanik. II, 96—117 und 148—154. — Galen, XV, 21 ; XIX, 63. 

Helmreich. 

DioxippuB, s. Dexippüs. 

Dippel, Johann Conrad D., deutscher Theologe, Arzt und Alchemist, 
wurde 1673 im Schlosse Frankenstein, nahe bei Darmstadt geboren, begab sich 
1689 nach der Giessener Universität, woselbst er sich die Magisterwürde erwarb, 
wurde aber erst 1711 Med. Doctor in Leyden. D. gehört mehr der Geschichte 
der protestantischen Kirche, als derjenigen der Medicin an, in welcher letzteren 
er jedoch durch das nach ihm benannte Oleum animale Dippelii bekannt ist, welche 
Mischung einer Menge empyreumatischer Bestandtheile zuerst vermittelst trockner 
Destillation von Blut von ihm bereitet wurde. Mit grossem Eifer nahm er Theil 
M den Kämpfen zwischen dem Pietismus und der lutherischen Orthodoxie, gehörte 
«Herst der letzteren an, trat nachher zum Pietismus über, verliess zuletzt auch 
diese Lehre, um sich mehr und mehr theils in religiösen Mysticismus, theils in 
astrologische und alchemistische Grübeleien zu vertiefen. Seine theYsophischen An- 
sichten über Gott und die Welt hat er in folgenden Schriften dargelegt : ;, Weg- 
y^eiser zum verlokrenen Licht und BecJit: I, m der Gottesgelehrtheit ^ IL m 
der Erkäntnias der Natur und Medictn^ (1704) — „Fatum fatuum" (1710) 



190 DIPPEL. — DITTEL. 

und \j Vitae animalis morbus et medicma". Nach D. ist der äas»erste Grund 
aller Dinge Geist. Es finden sicli theils freie, theils nicht freie solche. Im Licht 
und der Feuerniaterie , womit Gott sie versehen hat, liegt der Same der ganzen 
materiellen Welt. Alle Körper sind Schöpfungen dieser Geister und körperliehe 
Bewegungen und Eigenschaften haben ihren Ursprung im Geiste. Die Ursache der 
Bewegung findet sich in der Anti- und Sympathie der Geister. — D. führte eine 
herumirrende Lebensweise unter sehr wechselnden Verhältnissen. Vom Gerücht, 
ein ausgezeichneter Arzt und grosser Alchemist zu sein, begleitet, wurde er tiberall, 
da die Leute damals wie jetzt Gesundheit und Geld nöthig hatten, mit offenen 
Armen entgegengenommen und gefeiert, bald jedoch wurde er wegen seiner scharfen 
Angriffe auf die Lehren der Kirche und die Politik der Regierungen verfolgt. 
Nachdem er flüchtig theils in Deutschland, theils in Holland und Dänemark umher- 
geirrt war, prakticirte er einige Zeit in Altona, trieb Alchemie und polemische 
Schriftstellerei , sass nachher 7 Jahre gefangen in der Festung Hammershus auf 
Bornholm und kam endlich 1726 nach Schweden, woselbst er im Anfange beides 
als Arzt und Theologe freundlich aufgenommen wurde. Aber nachdem er hier 
gegen die Lehren der lutherischen Kirche von der Rechtfertigung und der Zurechnung 
des Verdienstes Christi aufgetreten war, wurde er aus dem Königreiche verbannt, 
welches er 1728 verliess. Nach erneuertem Umherirren in Dänemark und Deutsch- 
land während einiger Zeit starb er plötzlich ohne vorhergehende Krankheit auf 
dem Schlosse Wittgenstein 1734. Die meisten seiner Arbeiten, welche zum grössten 
Theil theologische Streitschriften sind, finden sich in seinem Werke: ^Eröffneter 
Weg zum Frieden mit Gott und allen Greaturen^ (Amsterdam 1709). Das 
beste Werk über den Einfluss seiner Lehren in Schweden ist: „Johann Conrad 
DippeVs vistelse i Svenge samt Dippeltanismen i Stockhohn 1727 — 17 4P 
von K. F. 8. Henning, Upsala 1881. Hedenius. 

Disdier, H.-Fr.-M. D., geboren in Grenoble 1708, starb in Paris 1781; 
er studirte in Montpellier Chirurgie, diente im Hospital zu Lyon und kam mit 
30 Jahren nach Paris, wo er Privatcurse über Chirurgie eröffnete. Er wurde bald 
Professor der Anatomie an der Malerschule zu St. Luc und wirkte hier als aus- 
gezeichneter Lehrer bis zu seinem Tode. — Schriften: ^Exposition anatomique 
ou tableaux anatomiques des differentes parties du corps humain" (Paris 1758). 

ünger. 

*Ditlewsen, Johann Gottlob D., geboren zu Kopenhagen am 22. Mai 
1836, studirte an der Kopenhagener Universität, absolvirte Staatsexamen 1862, 
promovirte 1872. Bis zum Jahre 1872 praktischer Arzt in Slagelse, wurde er 1873 
Districtsarzt in Lyngby (in der Nähe von Kopenhagen) und wirkt jetzt zugleich an der 
Kopenhagener Universität als Docent der Histologie. Er schrieb: „ Und ersögelser 
over Smagslögene paa Tungen hos Mennesket og Pattedyrene" (1872) und 
„Grundträk af Menneskets Histologie^ (1883). Seit 1880 ist er Mitglied des 
königlichen Geaundheits-CoUegiums. Für die Förderung der Hygiene ist er auch 
thätig und hat mehrere hygienische Abhandlungen publicirt. Petersen. 

*Dittel, Leopold Ritter v. D., am 15. Mai 1815 zu Fulneck in Schlesien 
geboren, absolvirte das Gymnasium zu Troppau in Schlesien und studirte Medicin 
in Wien, wo er am 9. Juni 1840 zum Doctor der Medicin promovirt wurde und 
erwarb sich den Grad eines Doctor der Chirurgie und Magister der Geburtshilfe. 
Nach Absolvirung der Assistentenzeit an der DuMREiCHER'schen Klinik habilitirte 
er sich 1856 als Privatdocent der Chirurgie an der Wiener Universität. Am 
25. Juli erfolgte seine Ernennung zum Primarärzte der chirurgischen Abtheilung 
im k. k. allgemeinen Krankenhausc in Wien und am 21. Juni 1865 wurde er 
zum ausserordentlichen Professor der Chirurgie ernannt. Die Arbeiten über Hals- 
fascien und die Kritik der WiLDBERa'schen Schrift über Coxalgie (Zeitschr. der 
k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien) hatten zuerst die Aufmerksamkeit auf ihn 
gelenkt, später ganz besonders die Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane. 



DITTEL. — DITTRICH. 191 

Hervorgehoben mögen werden: „Goxalgische Studie zur Bestimmung der Grösse 
der Verkürzung der coxalgischen Extremitäten^ (1866, Allgem. Wiener med. Ztg. 
Xr. 2) — „Beitrag zur Lehre der Hypertrophie der Prostata^ (Oesterr. med. 
Jahrb. 1867) — „Der A-jour- Verband'' (Wiener med. Presse 1868) — „Dila- 
tator für Verengerungen der Harnröhre" (Oesterr. med. Jahrb. 1869) — 
^Ueher ein^n neuen Apparat zum hohen BlorSenstiche^ (1869) und „Ein neuer 
Apparat zur Hintanhaltung der gefährlichen Folgen beim hohen Blasenstiche" 
■ Oesterr. med. Jahrb. 1870) — n^^^^ Steinsauger" (Allgem. Wiener med. Zeitung 
1870) — »Die Stricturen derr Harnröhre^ (im Handbuche der Chirurgie von 
Pjtha-Billroth , Bd. III, Abth. 2, 1872; dasselbe in der Deutsehen Chirurgie 
von BiLLROTH-LöCKE) — „lieber Enuresis" (Wiener med. Jahrb. 1871) — „Die 
elastische Ligatur" (Allgem. Wiener med: Zeitung 1873) — „Ablösung der 
Mastdarmwand" (Wiener med. Wochenschr. 1874) — „Zur Behandlung der 
Hypertrophie der Vorsteherdrüse" (Daselbst 1876) — A-jour- Verband bei osteo- 
plastischen Operationen nach Gritti und Pirog off" (Daselbst 1877) — 
„Beiträge ztir Verbandlehre, Katheterstativ" (Daselbst 1878) — „Operationen 
der BlasenMeine" (Daselbst 1880) — „Ein neuer Heilversuch gegen unheilbare 
Darm-Blasenscheidenfisteln" (Oesterr. med. Jahrb. 1881) — „lieber Gommuni- 
cation zwischen dem Darmrohre und unteren Harnorganen" (Wiener med. 
Wochenschr. 1881) — „ Ueber das Verhältniss der Lithoiripsie und Litholapaxie" 
(Daselbst 1881) — „Ueber Seitenateinschnitt zur Entfernung fremder Körper 
am der Blase" (Daselbst 1881) — „Nierencalculose" '(Daselbst 1881). Die Zahl 
der casuistischen Mittheilungen allgemein chirurgischen Inhaltes, insbesondere aber 
derer, welche die Kraukheiten der Harn- und Geschlechtsorgane betreffen, i^t eine 
sehr beträchtliche ; diejenigen über Blasensteine verdienen besonders hervorgehoben 
zu werden. Englisch. 

Ditterich, Georg Lud w ig D., zu Würzburg am 8. März 1804 geboren, 
begann sein Universitätsstudium in seiner Vaterstadt und bezog alsdann zur Fort- 
setzung desselben die Universitäten Jena, München und Erlangen, an welch' letzterem 
Orte er 1829 zum Doctor promovirt wurde. Später praktischer Arzt zu Mönchen, 
war er literarisch thätig und führte vom Jahre 1843 — 55 die Redaction der früher 
in Salzburg herausgekommenen „Neuen medicinisch-chirurgischen Zeitung" und seit 
dem Jahre 1870 die der „Blätter für Heil Wissenschaft". Im Jahre 1849 wurde er 
zum Honorar- und 1851 zum ausserordentlichen Professor an der Universität 
ernannt. Er starb am 6. November 1873. Als Schriftsteller und Arzt beschäftigte 
er sich vorzüglich mit Syphilis, die er monographisch in 2 Bänden 1842 abhandelte, 
und mit Gesundbrunnen. Er gab eine „Klinitche Balneologie" (in 2 Bänden, 
1861), ausserdem eine Anzahl von Badeschriften heraus. 

Trantl, Bd. II, pag. 561. F. Seitz. 

Dittrich, Franz D., in Nixdorf (Böhmen) am 16. October 1815 geboren, 
studirte in Prag (Hyrtl) bis zur Promotion (1841), darauf noch in Wien und 
übernahm, nach Prag zurückgekehrt, Assisteutenstellen (bei seinem Freunde Jaksch 
mid bei Kiwisch). Dann wurde er Prosector der pathologischen Anatomie, widmete 
sich diesem Fache mit Erfolg ganz und erhielt 1848 das Professorat desselben zu 
Wien (als Nachfolger Dlauhy's), 1850 einen Ruf als Professor der medicinischen 
Klinik nach Erlangen. Spätere Rufe verschiedener Universitäten lehnte er ab, erlangte 
in Erlangen dafür die entsprechenden Auszeichnungen, erkrankte aber bereits 1856 
an einem Himleiden, welches 1859 seinen Tod herbeiführte. — Neben den 1845 
begonnenen, in der Prager Vierteljahrschrift publicirten Berichten über seine Thätig- 
keit am Prager pathologischen Institut, sind von seinen wenig zahlreichen Schriften 
zu erwähnen seine Habilitationsschrift: Ueber den Laennec^ sehen Lungeninfarct" 
(Erlangen 1850) und die Untersuchungen über Magenkrebs, Lebersyphilis, Herz- 
Ktenose, Herzmuskelentzündung (Prager Vierteljahrschr. Jahrg. 1848, 1849, 1852). 

Allgem. Deutsche Biogr. V. Red. 



192 DITZEL — DLAUHY. 

*Ditzel. Zwei lebende dänische Aerzte. *Chri8tian Andreas 1)., 
geboren zu Kirkehvalsoe (Seeland) am 19. April 1805, absolvirte das Staatsexamen 
an der Kopenhagener Universität 1829 und 1832 und hat in vielen Jahren als 
Districtsarzt zu Frijsenborg (Jtitland) gewirkt. Er schrieb mehrere grössere Ab- 
handlungen über Ergotismus , das jütlandische Syphiloid, Typhus u. A. Ausserdem 
ist er in Fragen des Medicinalwesens, wie auch in philanthropischer Richtung sehr 
thätig gewesen. — *Wilken Heiberg I)., Sohn des Vorigen, ebenso Arzt in 
Jütland (HammeD, geboren am 18. November 1841, absolvirte das Staatsexamen 
in Kopenhagen 1867 und wurde 1876 als Doctor promovirt. Ausser seiner Disser- 
tation („Ueber partus praematurus artificialis^) hat er mehrere umfassende 
geburtsstatistische Arbeiten publicirt. Petersen 

Diverse, Pierre Salio D. (Diversüs), aus Faenza, ein Schüler Alto- 
mare's (s. diesen), wirkte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in seiner Vater- 
stadt, wohin er aus Neapel zurückgekehrt war. D. ist als Pestschriftsteller berähmt, 
da sich in seinem „De ftbre pestüenti tractatus etc," (Bologna 1584, Frankfurt 
1586, Harderwyck 1656, Amsterdam 1681 ; letztere Ausgabe als Opuscula medicaj 
ein ausgezeichnetes Beobachtungstalent bemerkbar macht. Auch schrieb er: „Com- 
mentaria in Hippocratis libror. JV de morhis luculentisdma^ (Frankfurt 1602, 
1612, 1666) und über das dritte Buch des Avicenna (Padua 1673). 

Dict. hist. II. Red. 

Dix. Der Name D. gehört zwei Amerikanern der neueren Zeit an, von 
denen John D. sich durch zwei Arbeiten ophthalmologischen Inhalts, die eine 
über Strabismus (Boston 1841), die andere über krankhafte Empfindlichkeit der 
Retina (Daselbst 1849) hervorgethan hat. — *Miss Dorothea D., die später 
als „Superintendent of women nurses in general hospitals" eine Stellung und 
gewisse Bedeutung errang (um 1862), zeichnete sich in den Vierziger- und Fünf- 
ziger-Jahren durch ihre imermüdliche Agitation fttr öffentliche Geisteskrankenasyle 
in den Vereinigten Staaten aus und schuf in den zahlreichen Schrift;en , die sie 
in Boston 1843, in Albany 1845, in Philadelphia und Harrisburg gleichzeitig, in 
Frankfurt 1846, in Washington 1848, in Annapolis 1852 erscheinen Hess, eine 
ganze Literatur des Gegenstandes. -^^^ 

Dixon, Edward H. D. , zu New York, war 1808 geboren, verfasste 
eine Biographie von Abel J. Starr (1836) und mehrere populäre medicinische 
Schriften, wie: „A treatiae on diseases of tlie sexual organs; etc," (New York 
1845; 6. Ausg. 1847) — yy Woman^ and her diseases, from the cradle to th' 
grave*^ (1847) — ^The organic law of sexps ; etc.^ (1861) — »^^ kidney, 
its struciure, functions, and diseases etc,^ (1871). Auch war er von 1849 — 61 
Herausgeber der Zeitschrift „The Scalpel^. Er starb 1880. 

Index-Catalogiie. III, pag. 861. G. 

*Dixon, James D., zu London, wurde 1836 Member und 1843 Fellow 
des Royal College of Surgeons, war Assistant Surgeon am St. Thomas' Hospital 
und Surgeon des London Ophthalmie Hospital. Er verfasste: „A guide to the 
practical study of diseases of the eye" (2. Aufl. 1859; 3. Aufl. 1866) und den 
Artikel „Diseases of the eye" in Holmes „System of Surgery". Er lebt zur Zeit 
in Harrow Lands, Dorking, Surrey. 

Medical Directory for 1881, pag. 461. O. 

*Dlailliy, Antonius D., 1834 promovirt, wirkte als Professor der 
pathologischen Anatomie in Prag bis 1848 , in welchem Jahre ihn Fr. Dittrich 
(s. diesen) an dieser Lehrkanzel ersetzte. Er zog sich nach Wien zurück und 
feierte dort als Emeritus im Juni 1884 sein 50jährige8 Doctor-Jubiläum. Schrift: 
„De pneumonia adultorum secundum observationes in nosocomio Pragensi 
collectas" (Prag 1844). ^^^ 



DOBELL. — DODOENS. 193 

*Dobell, Horace Benge D., im Bartholomäus-Hospital ausgebildet und 
M. R. C. S. Eng. 1849, wurde 1856 Dr. med. und widmete seine Thätigkeit dem 
LangenkrankeL-Hospital , an welchem er noch jetzt, ebenso wie an dem Albert- 
Waisenasyl als consultirender' Physician in Thätigkeit ist. Seine umfangi*eiche 
pnblicistische Wirksamkeit richtete sich hauptsächlich auf das Feld der Lungen- 
und Herzkrankheiten; so erschienen von ihm „Demonatrafions ofthe diseases ofthe 
ehest and tketr physical diagnosis^ (1868) — „Tuberculosis its nature, causes 
and trfatment*^ (1866 in 2. Aufl.) — „Reports on the progress of medicine 
and of diseases of the ehest etc,*^ (1869 — 1877) — „Analysis of 100 cases 
of haemoptysis" (Transact. of the R. med.-chir. soc. 1874) — „On winter cough"* 
(1874 in 3. Aufl.) — „On loss of weigkt, blood späting and lang dlsease" 
(1879 in 2. Aufl.). Die wichtige Frage nach dem Nutzen, resp. der Assimilation der 
Fette bei Lungenkrankheiten führte ihn auf die genauere Beobachtung der Function 
des Pankreas, über welche er in verschiedenen Publicationen : „Report on pancreatic 
emulsion of fat^ (1867) — „On the special action of the pancreas** (Proc. of 
the R. soc. 1867) — „Assimilation of fat in consumption" (Lancet 1864, 
1865, 1866) und noch neuerdings: „The action of pancreatine upon fat^ (Brit. 
med. Joum. 1880) berichtete. ß^j 

*Dob80n, George Edward D., zu Netley, studirte in Dublin bis 1867, 
wurde M. A. Dub. 1875. Er begann seine literarische Thätigkeit 1867 mit einem 
preisgekrönten „Essay on the diagnosis and pathology of the injuries and 
diseases of the shoulder-joint" , brachte dann aber mehrere Jahre in Indien zu 
und widmete sich später ganz zoologischen und anthropologischen Forschungen, 
deren speciellere Gegenstände hier zu übergehen sind. Hervorzuheben sind dagegen 
noch: „Medical hints to travellers^ (R. Geogr. Soc. 1883). j^^j 

Dodart, Denis D. , 1634 zu Paris geboren, studirte Rechtswissenschaft 
und Medicin, entschied sich für letztere und doctorirte 1660. 1673 jedoch trat 
er in die botanische Section der Acad. des sciences ein, schrieb die Vorrede zu 
den von diesem Institut 1676 publicirten „M^moires pour servir k Thistoire des 
plantes" und widmete sich nun, obwohl er den Titel eines consultirenden Leibarztes 
Ladwig's XIV. führte, überwiegend seinem neuen Fache. Neben seinen medici- 
nischen Schriften: „Ergo in hydrope mittendus sanguisf** und j^Ergo febribuM 
balneum** (beide Paris 1660), stehen mehrere mit der Medicin noch in ziemlich 
directen Beziehungen, so : „Lettre sur le seigle ergotS*^ (M6m. de Tacad. des sc. 
T. IX) — „Observations sur les 4vacuations, la transpiration etc.^ (Ebenda, 
T. I); endlich die bekannteste seiner Schriften, das „Memoire sur les causes de 
la txnx de Vhomme et de ses dijfSrens tons^ (Hist. de Tacad. r. des sc. Ann6e 
1700 und dazu ein zweiter Artikel, Ebenda 1706 und ein dritter 1707). D. erklärt 
darin die Entstehung der Stimme durch die Bewegungen der im Kehlkopfe ent- 
haltenen Luft. Er starb am 5. November 1707 ; erst lange nach seinem Tode 
wurden von NoGCEZ in „Statica medica Gallica" (Paris 1725) die Experimente 
D.'s über insensible und cutane Respiration publicirt, mit denen er sich viele Jahre 
beschäftigt hatte. — Sein Sohn, Claude-Jean-Baptiste D., 1664 geboren 
und 1730 gestorben, bekleidete ebenfalls den Platz eines königlichen Leibarztes 
bei Ludwig XIV. und galt als sehr verdienter Mediciner. Von bleibenden Leistungen 
sind auf uns jedoch nur seine beiden Thesen (Paris 1687) gekommen, von denen 
die eine das Wesen des wahren Arztes, die andere den hohen Werth des Ader- 
lasses behandelt. 

Dict. hist. II. — Biogr. mfed. III. Red. 

Dodoens, RembertD. (Dodonaeus, Dodonee), zu Mecheln am 29. Juni 
1517 geboren, studirte in Löwen bis 1535 und machte in Frankreich, Italien und 
Deutschland Reisen, die ihn mit den berühmtesten Aerzten seines Zeitalters in Ver- 
bindung brachten. Als Leibarzt Maximilian's 11. und des Kaisers Rudolph 
Biopr. Lexikon. II. 13 



104 DODOENS — DÖLLINGER. 

konnte er sich nicht halten, da er sich mit seinem Specialcollegen Grato von 
Krafftheim überwerfen hatte, und kehrte in den Fünfziger-Jahren in sein Vater- 
land zurück. Eine Professur an der Löwener Universität, welche man ihm 1557 
anbot, hatte er reftlsirt; dagegen liess er sich noch in den letzten Jahren seines 
Lebens als Professor der Botanik nach Leyden berufen, wo er am 10. März 1585 
starb. — D. galt als bewundernswürdiger Polyhistor und ungemein gelehrter Arzt. 
Zuerst machte er sich bekannt durch seine Ausgabe von „Paulus Aegineta^ 
(Basel 1546), dann durch die „Gosmographica in astronorniam et geographiam 
isagoge" (Antwerpen 1548). Hauptsächlich tritt er als botanischer Schriftsteller 
hervor; jedoch versäumt er, besonders in seinem Hauptwerk „Gruydtbooh" (Ant- 
werpen 1553, 1554, Fol., später als „Historia stirpium^, Daselbst 1558 und fran- 
zösisch 1557 von F. De l'Eclüsb) nie, die pharmakologischen und therapeutischen 
Eigenschaften der beschriebenen Pflanzen hervorzuheben. Die specifisch botanischen 
Werke übergehend, heben wir hier noch „Purgantium aliorumque eo facientium 
tum et radicum oonvolvulorum ac deleteriaruvi kerbarum historiae Uhr. IV^ 
(Antwerpen 1574) hervor; gesammelt erschienen diese Arbeiten als „Stirpium 
historiae pemptades sex etc," (mit 1341 Figuren, Antwerpen 1583). In seiner 
grossen „Praxis medica** endlich gab D. die erste exacte Beschreibung einer 
Epidemie von Kriebelkrankheit, welche damals in Brabant wüthete, und welche er 
als Folge kranken, von auswärts importirtcn Getreides schilderte. 

van den Corput. — Ked. 

Döbelius, Johann Jacob D. (geadelt: von Döbeln 1717), Professor 
der Medicin in Lund, geboren in Rostock, wo sein Vater Professor war, am 
29. März 1674, studirte in Rostock und Kopenhagen (Bartholinus) und wurde 
in Rostock Doctbr der Medicin 1695. Provinzialarzt in Malmö 1699 und Professor 
in Lund 1710. Gestorben am 14. Januar 1743. — v. D. war ein sehr thätiger und 
beliebter Arzt. Den Ramlöser Gesundbrunnen in Schweden hat er oft untersucht 
und bekannt gemacht. Seinerzeit hat ein Mädchen, Esther Norre aus Oby in 
Skäne, das in mehreren Jahren sehr wenig (oder längere Zeit keine) Nahrung 
genoss, viel Aufsehen gemacht und die Sache wurde auch gerichtlich untersucht. 
V. D. hat darüber ein paar Abhandlungen geschrieben: „Historia incedice diutumat 
Esthera Norre Obyensis Scanicae, conscripta" (Lund 1715). v. D. hält dieses 
lange Fasten für bewiesen. Ausserdem hat er „Historia Academiae Lundensis'' 
(1740 — 1742) herausgegeben. In Nov. act. litterar. Maris Balthici et septemtrio- 
nalis (1697 — 1706) und in Act. Litter. Sveciae sind verschiedenene Abhandlungen 
von ihm veröffentlicht. 

Seine Schriften sind verzeichnet in Sacklön's Sveriges Läkare-Historia. I, pag. 629. 

0. Hjelt. — Hedenins. 

Döllinger, Ignaz D. , einer der bedeutendsten Anatomen und Physiologen 
unseres Jahrhunderts, in dessen erste beiden Decennien seine hauptsächlichste 
Wirksamkeit ßlllt, wurde am 27. Mai 1770 zu Bamberg geboren und starb am 
14. Januar 1841 zu München. D.'s Vater war Leibarzt des Fürstbischofs von 
Bamberg und zugleich Professor an der damals dort bestehenden Universität, an 
der auch sein berühmter Sohn seine akademischen Studien begann. Später besuchte 
D. die Universitäten Würzburg, wo er in der Folge seine Hauptthätigkeit ent- 
falten sollte, dann Pavia und Wien. Als seine hervorragendsten Lehrer werden 
genannt: Prochaska (Wien), Peter Frank und Antonio Scarpa in Pavia. 
D. promovirte 1794, wurde 1796 zum Professor der Medicin an der Bamberger 
Universität (für Physiologie und allgemeine Pathologie) ernannt, kam 1803 als 
Professor der Anatomie und Physiologie nach Würzburg, welches er 1823 mit 
München vertauschte. München hatte derzeit noch keine Universität ; D. trat viel- 
mehr dort in die sogenannte Akademie ein, doch lehrte er auch an der damaligen 
Lehranstalt für Chirurgen. Als später die Universität von Landshut nach München 
verlegt wurde, übernahm er wieder die Professur für Anatomie und Physiologie 
au derselben. Auch war er Secretär der mathematisch-physikalischen Classe der 



DOLLINGER. 195 

Akademie der Wissenschaften, sowie (seit 1833) Obermedicinalrath. D.'s Haupt- 
Wirksamkeit fällt, wie erwähnt, in die beiden ersten Deeennien dieses Jahrhunderts, 
in die Zeit seines Würzburger Aufenthaltes (man vergleiche das angefügte Yer- 
zeiebniss seiner Schriften). Vielleicht waren die veränderten Verhältnisse in München, 
die ja seine bisherige Universitätsthätigkeit unterbrachen, hierbei von Einfluss; 
jedenfalls trat er später mehr und mehr zurück ; und als dann die Universität nach 
München kam, war D. inzwischen gealtert, so dass damit kein neuer Aufschwung 
seiner Thätigkeit bezeichnet werden kann. D.'s Ruf gründet sich nicht so sehr auf 
viele grosse und gelehrte Abhandlungen — er hat im Gegentheil in seiner fast 
50jährigen akademischen Thätigkeit verhältnissmässig wenig drucken lassen — 
als vielmehr anf die mannigfachen neuen Gesichtspunkte und Bahnen der Unter- 
suchung , auf welche er die Aufmerksamkeit lenkte , sowie auf- seine eminente 
Bef^gung als Lehrer nicht blos vom Katheder herab, sondern auch, und zwar 
ganz besonders, im engeren Verkehre mit seinen speciellen Schülern , unter denen 
hier nur die Namen : C. E. v. Baeb, Pander, d' Alton, L. Schönlein und Kalten- 
BRüNNEE genannt werden sollen. Zu all' diesem befähigten ihn aber wieder, 
abg^ehen von aller persönlichen Begabung, eine ganz vorzügliche allseitige Aus- 
bildung im Gesammtgebiete der morphologischen und physiologischen Disciplinen, 
theoretisch, wie praktisch, verbunden mit einer tüchtigen Eenntniss der Philosophie, 
von deren Vertretern ihn namentlich Kant anzog. Es sei hier ferner erwähnt, dass 
er ein Meister der anatomischen Technik war , namentlich einer der besten Injec- 
toren seiner Zeit, dass er das Mikroskop vorzüglich zu handhaben wusste, dass 
er bedeutende Kenntnisse in der Botanik besass, wie wir unter Anderem aus Baer's 
Selbstbiographie erfahren, dass er mit gleicher Tüchtigkeit die menschliche descriptive 
Anatomie, die vergleichende Anatomie, die Physiologie und Embryologie beherrschte 
und in allen diesen Disciplinen als selbstständiger Forscher auftrat. Neue Bahnen 
schlug D. vorzugsweise damit ein, dass er die gesammte Medicin als eine Natur- 
wissenschaft auffasste nnd behandelte; er stand freilich damit nicht allein, jedoch 
war er einer der Ersten, der um die Wende des vorigen Jahrhunderts die neue 
Richtung, die nunmehr glänzend durchgedrungen ist, inaugurirte; mit ihm unter 
Anderen die Brüder Teevivanüs und C. A. Rüdolphi , dem Letzteren , seinem 
älteren Zeitgenossen, scheint mir D. besonders geistesverwandt. — Um noch Ein- 
zelnes hervorzuheben, so erscheinen besonders wichtig die Untersuchungen D.'s 
Aber den Blutkreislauf, über die Absonderungsvorgänge, über die Blutbildung und 
die erste Anlage des Embryo überhaupt, vor Allem die Keimblattbildung. — Er 
hatte eine richtige Darstellung von der Wellenbewegung des Blutes und der Ent- 
stehung des Pulses; bezüglich des Zusammenhanges zwischen Arterien und Venen 
verdanken wir ihm hauptsächlich mit die feste Begründung der Lehre, dass 
derselbe durch das Capillarsystem vermittelt werde, doch glaubte er nicht an 
vollkommen abgeschlossene Capillaren. Freilich in einem anderen Sinne hat 
hier die neueste Zeit diese Meinung bestätigt. Er lehrte uns das Verhalten der 
Capillaren in den quergestreiften Muskeln und in der Tunica media der Arterien 
kennen und zeigte, dass in entzündeten Theilen die Capillargef^sse sich an Zahl 
vermehren (Mbckel's Archiv VI). Wir finden bei D. (Ibid. VIIj eine sehr gute 
Schilderung der rothen Blutkörperchen, namentlich auch ihres Verhaltens im 
kreisenden Blute ; doch spricht er allen Blutkörperchen Kerne zu. — D. war einer 
der Ersten, welche den Blutlauf des Fötus gründlich untersuchten; er erkannte 
die frühzeitige Bildung der Blutkörperchen und die Thatsache, dass die fötalen 
Blutwege anfangs nicht völlig abgeschlossen sind. Dies letztere übertrug er dann, 
wie bemerkt, auch auf den erwachsenen Zustand. Stets unvergessen bleiben D.'s 
grosse Verdienste um die Entwicklungsgeschichte. Abgesehen davon, dass er 
Männern, wie Pander und C. E. v. Baer, den Anstoss zu ihren Forschungen gab 
nnd vor Allem eine gute Methode der Erforschung früher embryonaler Zustände 
ausbildete, hat er auch in dem mit Pandeb und d'Altox herausgegebenen grösseren 
Werke (s. w. u.) die Resultate seiner eigenen Arbeit bekannt gegeben. Alle 

13* 



196 DÖLLINGER. — DÖMLING. 

embryonalen Gewebe besteben nach ihm ans kömigen Elementartheilen (worunter 
er wohl offenkundig unsere jetzigen „Zellen^^ verstand). Dass von ihm unsere 
Lehre von den Keimblättern inaugurirt wurde, muss — unbeschadet der Verdienste 
C. F. Wolff's — anerkannt werden. Endlich darf man D. zu Denen rechnen, 
welche eine vergleichend - anatomische Schule in Deutschland begründen halfen. 
Wie von seinen Zuhöreni allgemein verbreitet wurde, besass D. ein seltene« Lehr- 
talent ; seine Vorlesungen waren in ganz besonderer Weise fesselnd und anregend. 
Aber auch in der Art, wie er junge Männer an sich zu ziehen wusste und sie als 
seine Special-Schüler ausbildete, ist er wohl nur von Wenigen erreicht worden. 
Wir können auch hier wieder auf das vollwichtige Zeugniss C. E. v. Ba£h's 
(Selbstbiographie) uns berufen. Im Zusammenhange mit dieser so ungemein erfolg- 
reich ausgefallenen Wirksamkeit D.'s steht auch die Gründung einer zoologisch- 
physiologischen Gesellschaft in Würzburg. Man hat D. wohl zu den Naturphilosophen 
gezählt, doch hielt er sich von den Extremen in richtiger Erkenntniss fem und 
muss, falls man ihn hierhin stellen will, jedenfalls als einer der würdigsten und 
besonnensten Anhänger einer philosophischen Richtung im Gebiete der Naturwissen- 
schaften bezeichnet werden. Er war sich dessen voll bewusst, dass die einfache An- 
einanderreihung nackter Thatsachen ebensowenig fördert, wie die blosse Speculation ; 
einen Ausdruck seiner Richtung sucht er in seinem „Grundriss der Naturlehre etc." 
zu geben. Dass ihm in seinen theoretisirenden und speculativen Anschauungen auch 
mancher Irrthum mit untergelaufen ist, beweisen namentlich seine Angaben über 
den Zeugungsprocess (Meckel's Archiv II). — Die wesentlichsten, von ihm publi- 
cirten Werke und Abhandlungen sind folgende: „Qrundrisa der Naturlehre des 
menschlichen Organismus. Zum Gebrauche hei seinen Vorlesungen** (Bamberg 
nnd Würzburg 1805, 8.) — „Bemerkungen über die Vertheilung der feinsten 
Blutgefässe in den beweglichen TTieilen des thieiischen Körpers" (J. Fr. Meckbl's 
Archiv, IV, pag. 186) — „Was ist Absonderung und une geschieht sie? Eine 
akademische Abhandlung" (Würzburg 1819, 8.); ferner: „Denkschrißen der 
Miinchener Akademie" (VII, pag. 179); sowie: „Blutlauf" (in Meckel's 
Archiv, II) .— „Beiträge zur Entuncklungsgeschichte des menschlichen Gehirns*' 
(Frankfurt a. M. 1814, Fol.) — „ lieber das Strahl enblättchen im menschlichen 
Auge" (Nova acta Acad. Caes. Leop. nat. Curiosorum, IX, pag. 268) — »^^Z«- 
stratio ichnographica fabricae oculi humani" (Wirceb. 1817, 4.) — „Betrach- 
tungen über die Milz" (J. Ffi. Meckel's Archiv, Bd. VI, pag. 155 und Daselbst, 
pag. 192 [Placentarkreislauf]) — Pander, Döllinger und d'Alton: „Beiträge 
zur Entwicklungsgeschichte des Hiifinchens im Ei" (Würzbnrg 1817, Fol., mit 
Kupfert. — „ Versuch einer Geschichte der menschlichen Zeugung" (MeckEl's 
Archiv, Bd. II, pag. 388). 

Vergl. über D.'s Leben und Werke: Ph. Fr. v. Walt her, Denkrede in der kön. 
bayerischen Akademie der Wissensch. 25. Ang. 1841. — C. E. v. Baer, Nachrichten aiis 
meinem Leben (Selbstbiographie). — v. Kölliker, Geschichte der medicinischen Faonltät 
an der Universität Würzbnrg. 1871, — Voit, Artikel „Döllinger" in Allgem Deutsche Biogr. 
Bd. V, pag. 315. — B. Eble, Versuch einer pragmatischen Geschichte der Anatomie nnd 

Physiologie vom Jahre 1800—1825. Wien 1836. ,«- , , 

Walaejer. 

Dömllngy Johann Joseph D., geboren am 13. Januar 1771 zu 
Markershausen, studirte in Wfirzburg und wurde mit der für ihre Zeit bedeatenden 
„Dissert. inaug, sistens morborum gastricorum acutorum pathologiam" (1797) 
daselbst promovirt. Er wurde dann an der Julius-Universität Professor der Mediein 
und starb am 7. März 1803. Seine Denkweise war eine durchaus natnrphilo- 
sophische, wie sie sich am evidentesten in seinem „Lehrbuch der Physiologie des 
Menschen" (2Bde. , Göttingen 1802 — 1803) ausspricht. Aber auch seine Ab- 
handlung über die Leber, über die Krankheiten der Säfte (Wien 1798, resp. 
Bamberg und Wfirzburg 1800) halten durchaus diesen Standpunkt inne. Am 
ehesten näherte sich dem Modernen „Ueber die Ursache der Bewegungen der 
Regenbogenhaut" (Reil's Archiv für Physiol. 1802), eine Abhandlung, in der 



DÖMLING. — DÖRING. 197 

nhlreiche Beobachtungen niedergelegt sind. Mit Hobsch zusammen gründete D. das 
„Arohiv für die Theorie der Heilkunde^', welches Abhandlungen von ihm brachte, 
aber erst nach seinem Tode — 1804 — erschien. 

Dict. hist. II. Red. 

*DönitZ, Friedrich Karl Wilhelm D., aus Berlin, anfangs der 
Vierziger-Jahre geboren, studirte daselbst (Reichert, Frerichs) bis zum Jahre 
1864. Er schloss sich dann an Reichert besonders an, schrieb „De tunicae 
intestmorum villosae epithelio** (Berlin 1864) — „Beschreibung und Erläuterung 
von Doppelmissgeburten^ (Daselbst 1865) und hielt anatomische Demonstrations- 
carse. 1872 siedelte er auf besondere Anregung nach Japan über und war hier 
bis 1875 Lehrer an der medicinischen Akademie in Tokio, später an verschiedenen 
japanischen Krankenhäusern im Inneren. Arbeiten von ihm (über Ainoschädel, 
Körpermessungen von Japanern u. Aehnl.) finden sich in den „Mitth. d. D. Ges. 
f. Natur und Völkerkunde Ostasiens". P^j 

Döring, Michael D., aus Breslau, unbekannten Geburtsjahres, starb, 
nachdem er eine Zeit lang in Giessen eine Professur bekleidet hatte, in seiner 
Vaterstadt als praktischer Arzt 1644. Lebhaft für die spagirische Schule interessirt, 
bestrebte er sich in der Schrift: „De medicina et medicü adversus iatromastigus 
ä pseudomedicos Itbr. II" (1611), die Paracelsistische Pharmakologie mit dem 
Hippokratismus zu verbinden, war aber gleichzeitig unbefangen genug, die Irrthümer 
und Mängel des Paracelsismus offen anzuerkennen. Sein grösseres Verdienst besteht 
in der Auseinanderhaltung der verschiedenen fieberhaften Exantheme, speciell des 
Scharlachs von den Masern: Briefwechsel mit seinem Schwiegervater Sennert 
(„Sennertl Opera" [Wittenberg 1776]) über eine Breslauer Scharlachepidemie des 
Jahres 1627. In einer eigenen Schrift machte D. einen vom Chirurgen Trautmann 
in Wittenberg verrichteten Kaiserschnitt bekannt (Wittenberg 1612), eine Mit- 
theilung, die, wie noch mehrere andere D.'s in die Observ. chir. seines Freundes 
FabriciüS Hildanos übergegangen ist. 

Vollständiges Schriftenverzeichniss im Dict. hist. II. — Allgem. Deutsche Biogr. V. 

Red. 

Döring, Sebastian Ludwig D., zu Ems, war zu Cassel am 24. Mai 
1773 geboren, studirte in Marburg, wurde daselbst 1792 Doctor mit der Diss. : 
„Hippocratü doctrina semtotica de vomüu"^ verliess dann Hessen und erhielt zu 
Herbom im Nassauischen die Erlaubniss zur Praxis, sowie vom Prinzen von Oranien 
1793 ihm gestattet wurde, medicinische Collegia auf der dortigen Universität zu 
halten. 1794 wurde er daselbst Prof. e. o., 1798 ord. und erhielt 1804 den Hof- 
rathstitel. Seine ersten literarischen Arbeiten bestanden in Uebersetzungen von 
J. F. Frank : „ Vom Volkselend , einer fruchtbaren Mutter von Krankheiten. 
Aus dem Latein." (Marburg 1794) — JOH. Friedr. Th. Haeger: „Geschichte 
der Kerzen und ihres Gebrauches in der Wundarzneikunde, Aus dem Latein." 
(Giessen 1796) — Ludwig Oskamp: „Zwei Vorlesungen über die natürlichen 
vnd geimpßen Kinderblattern u. s. w. Aus dem Holland." (Herbom und Hadamar 
1799); femer den Schriften von Albe, van Stipriaan-Lüiscius über Fäulniss 

(1800) aus dem Holland, und von H. M. Hdsson über die Kuhpockenkrankheit 

(1801) aus. dem Französischen, Er selbst verfasste: „Kurzer Unterricht .... über 
die Schutzpockenimpfung, u^ s. w." (Herbom 1801) und gab heraus zusammen 
mit GOTTL. Salomon in Leyden ein „Journal für die neueste Holländische 
medicinische und naturhistorische Literatur" (Bd. I, St. 1 — 4, 1802 — 04) und 
ffOritisches Bepertorium der auf in- und ausländischen hohen Lehranstalten 
ww Jahre 1781 — 1800 herausgekommenen Probe- und Einladungsschriften aus 
dem Gebiete der Arznei gelahrtheit und Naturkunde" (1. Abth., Herborn 1803). 
Auch übersetzte er J. J. J. Westra „ Vom Spiessglanz u. s. lo. Aus dem Latein" 
(Hadamar 1802). Unter der französisch-bergischen Regierung 1810 — 13 war er 
Cantonsarzt neben der medicinischen Professur, wurde 1814 Medicinalrath bei der 



198 DÖRING. — VAN DOEVEREN. 

fürstlichen RegieniDg zu Dillenburg und bekleidete seit 1818 bis zu seinem am 
7. Juli 1835 zu Bad Ems erfolgten Tode die Stelle eines Obermedicinalrathes 
und ordentlichen Mitgliedes der herzogl. nassauischen Landesregierung zu Wies- 
baden und seit 1821 dabei noch die eines Badearztes zu Ems. Ausser den genannten 
Schriften haben ihn mehrere medicinische Aufsätze im Reichsanzeiger und der 
Med. National-Zeitung für Deutschland (1798, 99), in Kopp's Jahrbb. der Staats- 
arzneikunde (1819) und mehr als 200 Recensionen in der Salzburger med.-chir. 
Zeitung, Erlanger Lit.-Zeitung u. s. w. zum Verfasser; er war Mitherausgeber dw 
„Jahrbücher der Heilquellen Deutschlands" (1822); auch erschienen anonym von 
ihm 1822 Nachrichten über das Selterser, Fachinger, Weilbacher Wasser. 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 13, 1835, I, pag. 585 — Sachs, Medic. 
Almanach für 1837, pag. 3. — Callisen, V, pag. 259; XXVIJ, pag. 321. ^ 

Doemer, Christian Friedrich D., zu Dürrmüng am 15. Februar 1776 
geboren, beendete sein medicinisches Studium mit der Promotion in Tübingen 1798. 
Von einer Ausbildungsreise nach Paris heimgekehrt, liess er sich in Stuttgart 
nieder und machte sich durch eine Reihe sehr brauchbarer Uebersetzungen fremd- 
sprachiger Werke, so von Bichat's „Trait6 des membraues** , von NrsTEN's 
„Exp6riences galvaniques sur les musdes", von Deschamp's des Aelteren „Trait6 
historique et dogmatique de la taille^^ und Deschamp's des Jüngeren „Maladies 
des fosses nasales" , sowie von Desaült's „Oeuvres chirurgicales" einen Namen. 
Seine eigenen Arbeiten sind ausser der Dissertation über Knorpelerkrankungen 
die selbständig erschienene „Genaue Abbildung der Kuhpocken etc»^ (1803) und 
verschiedene Abhandlungen in Siebold's „Chiron*' (1806), über Harnröhrenstricturen 
und über Steinschnitt handelnd. 

Dict. hist. II. Red. 

van Doeveren, zwei Niederländer. Der Vater, Walther v. D., wnirde 
1730 zu Philippine in Flandern geboren, studirte 1747 — 1753 unter B. S. und 
F. B. Albjncs, Gaubius, v. Royen und Winter in Leyden und promovirte 
daselbst im October dieses letzten Jahres, nachdem er schon einige Zeit in Paris 
studirt hatte, mit einer „Dissert. de vermibus inteatinalibus hominumy praedpue 
de taeiiia" (in's Französische und Deutsche übersetzt). Nach 4monatlicher Praxis 
in Leyden wurde er 1754 als Prof. med. anatom. chirurg. et art. obstetr. nach 
Groningen gerufen, welches Amt er 17 Jahre wahrgenommen hat. In diesen Zeit- 
raum fällt die Herausgabe seines „Specimen observat, academic, ad manstrorum 
historiam, anatomen, pathologiam et artem obstetriciae praecipue ' spectantium^ 
(Groningen und Leyden 1765). 1771 nach Leyden berufen, trat er sein Amt an 
mit einer ausgezeichneten „Sermo academicus de recentiorum mventia medicinam 
hodiernam veteri praestantiorem reddentibus" . Nur 12 Jahre hat er die Professur 
in Leyden wahrgenommen, da er 1783, nach jahrelangem Leiden, an Gicht starb. 
V. D. war nicht nur ein ausgezeichneter Lehrer, sondern auch ein thätiger patho- 
logischer Anatom (seine Sammlung anatomischer Präparate wurde durch die Uni- 
versität angekauft und durch Sandifort in seinem „Museum anatomicum^^, T- I, 
beschrieben) und nicht weniger ein bahnbrechender Gynäkolog, wie aus seinen im 
Jahre 1775 erschienenen ,y Primae lineae de cognoscendis multerum morbis*' 
(Leipzig 1786 durch J. C. T. Schlegel aufs Neue aufgelegt) erhellt. Da er den 
klinischen Unterricht in Leyden bei seiner Ankunft sehr vernachlässigt vorfand, 
richtete v. D. (der auch bei seinem grossen Ruf als Kliniker nach dem Tode 
Gacbics' erster Arzt des Prinzen Statthalters und dessen Familie wurde) eine Art 
Poliklinik („Collegium casuale" genannt) ein , welche unter Anderem durch seinen 
damaligen Schüler E. L. Heim sehr gelobt wurde. Die Inoculation als Prophylac- 
ticum gegen Variola beim Mensehen und gegen die Viehseuche bei den Thieren 
fand in v. D. einen warmen Beförderer, wie seine mit P. Camper (s. diesen) ange- 
stellten Versuche bewiesen. — Antonie Jacob v. D., ältester Sohn des Vorigen, 
wurde 1763 zu Groningen geboren, studirte in Leyden und promovirte daselbst 



VAN DOEVEREN. — DOHLHOFF. 199 

mit dner vortrefflichen Dissertation: „Observationes pathologico-anatomicae^ . Er 
etablirte sich als praktischer Arzt in Leyden und hekam dort bald einen sehr 
grossen Ruf; doch starb er bereits 1805 an Gicht, ohne Schriften zu hinterlassen. 

C. E. Daniels. 

*rogiel, Johannes D., geboren am 7. März 1830 zu Zalesie (Litthauen), 
gtndirte in Petersburg; er war daselbst eine Zeitlang als Arzt am ersten Militär- 
hospital thätig, im Jahre 1865 wurde er auf Staatskosten nach Deutschland 
geschickt, arbeitete zuerst in Heidelberg unter Helmholtz^s, Kibchhoff's und 
Bcnsen's Leitung, und begab sich hierauf nach Leipzig, wo er zwei Jahre hindurch 
in Ludwig's Laboratorium sich mit Histologie und Physiologie des Blreislaufes 
befasste; ausserdem studirte er unter Huppert's Leitung physiologische Chemie. 
Zurückgekehrt wurde er 1868 Privatdocent für Physiologie in Petersburg, und 
im folgenden Jahre ord. Professor der Pharmakologie an der Universität Kasan, 
wo er bis jetzt thätig ist. — Seine zahlreichen meist experimentellen Arbeiten auf dem 
Gebiete der Physiologie und Pharmakologie sind in polnischen, russischen und 
deutschen Archiven und medicinischen Zeitschriften publicirt worden. Die rein 
zootomischen , chemischen und physikalischen übergehend heben wir hervor: 
„Gegenwärtiger Standpunkt der Frage über die Structur und Function der 
Lymphdrüsen*' (Moskau 1863, in russischer Sprache) — „Ueber den Musculus 
dilatatqr pupillae bei Säugethieren , Menschen und Vögeln*' (M. SCHULTZENS 
Arch. f. mikr. Anat. 1870) — ^^-^wr Lehre der Irisbewegung*' (mit Bebnstein, 
Verh. d. naturhist. medic. Vereins zu Heidelberg 1866) — ;, Ueber die Methodik der 
Untersuchungen physiologischer Vorgänge im Thier Organismus** (Moskau 1868, 
medic. Zeitung, in russischer Sprache) — n^^i^ Ausmessung der strömenden 
Blutvolumina** (Ber. d. k. s. Gesell, d. Wiss. math.-phys. Cl. 1867) — „Ein neuer 
Versuch über den ersten Herzton*' (mit C. Ludwig. Ber. d. math.-phys. Cl. d. 
k. s. Gesell, d. Wiss. 1868) — „Die Ganglienzellen des Herzens bei verschiedenen 
Thieren und beim Menschen** (Arch. f. mikr. Anat. Bd. XIV) — „ Ueber den Husten 
nebst einigen Bemerkungen über den Einfluss des Chloroforms auf die Athmung 
der Thiere*' (M. Kaxdabazkt, PfLCoER's Archiv 1881) — „Ueber den Finßuss 
der Musik auf den Blutkreislauf** (Arch. f. Anat. u. Physiol. 1880) — „ Ueber 
den Einfluss des N.^ ischiadicus und N, cruralis auf die Circulation des 
Blutes in den unteren Fkctremitäten** (Pflüger's Archiv 1872) — „Ueber die 
Ursache der Geldrollenbildung im Blute des Menschen und der Thiere** (Arch. 
f. Anat. und Physiol. 1879, und Fortsetzung des Themas, Ebenda 1883) — „ Ueber 
Ozon und seine Wirkung auf das Blut** (Centrbl. f. d. med. Wiss. 1875) — 
nZur Kenntniss der Eiweissreactionen und von dem Verhalten des Albumins der 
lichtbrechenden Medien des Auges*' (PflüGEr's Archiv 1879) — „Ueber das 
Vorkommen flüchtiger Fettsäuren in der Galle** (Zeitschrift für Biologie) — 
jf Ueber die Wirkung des Chloroforms auf den Organismus der Thiere im 
Allgemeinen und besonders auf die Bewegung der Iris** (Arch. f. Anat. und 
Physiol. 1866) — „Beiträge zur Lehre von der Arsenikmrkung auf den 
thierischen Organismus*' (PflüGEr's Archiv 1881) — „Die Infectionswege des 
Pestgifles*' (Journ. d. Gesell, d. Aerzte bei d. k. Univ. zu Kasan 1879, russisch) 
— „Handluch der Pharmakologie*' (Receptur, Petersburg 1883, in russischer 
Sprache). Unter der Leitung D.'s haben seine Schüler zahlreiche Themata aus der 
Blut- und Nervenphysiologie bearbeitet. j^^^ 

DoUhoff, Georg Eduard D., zu Magdeburg, war am 24. Juli 1799 
2U Halle geboren, studirte von 1816 an daselbst Medicin und erlangte 1819 die 
Doctorwürde. Nach einer wissenschaftlichen Reise Hess er sich 1822 in Magdeburg 
nieder, wurde 1826 Assessor, 1832 Rath beim Medicinal-Collegium der Provinz 
Sachsen. Er hatte schon früher Allan Burns' „Bemerkungen Über die chirurgische 
Anatomie des Kopfes und Halses; mit Vorrede von J oh. Fr. Meckel*' (Halle 
1821) und ROB. Bingham's „Praktische Bemerkungen über die KranWieiten 



200 DOHLHOFF. — DOLAEUS. 

und Verletzungen der Blaae^ (Magdeburg 1823) übersetzt, auch für Gbaefe's 
und Walther's Journal (1823) einige Aufsätze geliefert, darunter: „lieber die 
Augenheilkunde des Gel aus", 1827 wurde ihm die Stelle als Lehrer der Chirurgie 
an der neu errichteten medieinisch-chirurgischen Lehranstalt und die chirurgische 
Station des städtischen Krankenhauses übertragen. Seine literarischen Arbeiten 
bewegten sich auf dem Gebiete der Chirurgie und finden sich in Rdst's Magazin 
(1828, 1837, 1838, 1839); darunter: „Ueber die Function und Exstirpation 
Iranhhaft vergrösserter Ovarien*' — „Zwei Fälle von Unterbindung der Ckirotia 
communis dextra und darauffolgende Lähmung der linken Körperhälfte" . Von 
seinen zwei besonderen Schriften: „Beobachtung einer sehr grossen Balggeschv^ulst 
in der Ü7iterleibshöhle , welche durch eine Operation beseitigt wurde. Pro- 
gramm u, s. w,*^ (Magdeburg 1832) und y^Geschichte einer unglücklich abge- 
laufenen Operation"* (Magdeburg 1838) ist bezüglich der letzteren anzuführen, 
dass es sich dabei um einen unabsichtlichen Kaiserschnitt, statt einer Termeintlichen 
Geschwulstexstirpation , mit tödtlichem Ausgange für die Mutter handelte, in Folge 
dessen D. angeklagt, verurtheilt, bei dem Thronwechsel 1840 aber begnadig 
wurde. Er starb am 27. Mai 1852, den Rufeines tüchtigen Praktikers hinterlassend. 
A n d r 6 a e , pag. 51. 6. 

Dolmell, Johann JustinusD. , geboren im Sachsen - Gothaischen, 
])raktisch thätig zuerst in Neuenschacz und Narwa, begab sich nach Leyden, studirte 
daselbst und wurde 1695 Dr. med. „Diss, inaug. de paralysi". D. war eine 
Zeitlang Physicus in Narwa und Ingermanland , dann Mitglied des medicinischen 
Collegiums in Stockholm, wurde bei Narwa von den Russen gefangen und zum 
Leibarzt Peter's L ernannt. Er verliess Russland und starb vor 1711 in Posen. 

Recke-Napiersky, I, pag. 442. — Tschistowitsch, CLXII. — Richter, 
Gesch. d. Med. III, pag. 113. L. Stieda. 

*Dohni, Rudolf D., geboren in Heide (Norderdithmarschen) am 24. August 
1836, studirte in Kiel und Leipzig (Litzmann, Schwartz und Crede). Am 
18. Juli 1859 promovirt, wurde er Ostern 1863 Prof. Ordinarius und Director der 
geburtsh. Klinik zu Marburg, Ostern 1883 Director der gynäkologischen Klinik 
zu Königsberg in Preussen. Schriften: „lieber Torsion der Nabelschnur'^ 
(Monatschr. f. Geburtsh. 1861) — ;, Untersuchungen von Abortiveiern aus früheren 
Schwangerschaf tsmonaten^ (Ebenda 1863) — „Ueber die Form der Thorax- 
hasis bei Schwangeren und Wöchnerinnen" (Abhdl. der Naturf.-Vers. zu Giessen 
1 864) — pZur Kenntniss der menschlichen I/ihüllen" (Monatschr. f. Geburtsh. 
1865) — „Utber Lungencapacität bei Schwangeren und Wöchnerinnen** (Ebenda) 
— „Ueber den Barn bei Neugeborenen** (Ebenda 1867) — „Ueber Hyperplam 
tieciduae polyposa** (Ebenda 1868) — „ Ueber die Müller' sehen Gänge** (Schriften 
der Naturforsch. Gesellsch. zu Marburg 1869) — „ Ueber den Einfluss der Ope- 
rationsfrequenz auf die Todtgeburten** (Arch. f. Gynäk. 1872) — „Die geburts- 
hilflichen Operationen Kurhessens** (Schriften der Naturf. Gesellsch. zu Marburg 
1873) — „Vie geburtshilflichen Operationen Nassaus** (Ebenda) — „Ueber die 
Entwicklung des Hymens** (Ebenda 1875) — „ Ueber künstliche Frühgeburt bei 
engem Becken*^ (Samml. klinischer Vorträge 1877) — „Zur Behandlung der 
Nachgeburtszeit** (drei Artikel, Deutsche Med. Wochenschr. 1880, 1881 und 
1883) — „Ueber die Gärtnerischen Canäle** (Arch. f. Gynäk. 1883). ß^j 

Doison, Marc D. , aus Vaudegies - aux - Bois, wirkte als Stadtarzt von 
Toumay und erhielt in der Kirche St. Briel ein Denkmal für die Verdienste, die 
er sich durch viele Untersuchungen der Wässer von St. Amand (1698 bis zu 
seinem Tode 1737) erworben hatte. ^.^^ ^^^ Corput. - Red. 

Dolaeus, Johann D. , geboren am 7. September 1651 zu Hofgeismar, 
studirte Medicin in Heidelberg, Paris, London und Oxford, wurde Dr. med. zu 
Heidelberg 1673, Leibarzt der Prinzessin Albertine von Nassau und Stadtphysieus 



j 



DOLAEÜS. — DOMINICO. SdOl 

IQ Limburg an der Lahn , Leibarzt des Fürsten von Nassau und Dietz , Stadt- 
phvsieos zu Hanau, 1682 Leibarzt des Landgrafen von Hessen und Cassel. Er starb 
ZQ Cassel am 12. September 1707. — D. gehörte der paraeelslsch-helmontisehen 
Schule an. Sein Geheimmittel ,,Liquor antivariolosus^' brachte ihm viel Geld ein. 
Seine Hauptwerke sind: „Encyclopaedia medica theoretico-practica** (1684 ff.) — 
„Encyclop. chirurg. ratianalü^ (1689 und öfter) — „Opera omnia^ (1703). 

Jöcher-Stricker, Dentsche Biographie. — H a 1 1 e r, Biblioth med. pract. III, 406. 

W. Stricker. 

"'Dolan, Thomas Michael D., zu Halifax wohnhaft, erhielt seine 
medieinische Ausbildung zu Rdinburg (L. R. C. P. Edin. 1866 — P. R. 0. S. Ediu. 
1879), nachdem er eine Zeitlang auch in London Studien betrieben hatte. Später 
in verschiedenen Militär- und Civilstellungen thätig, publicirte er: „The nature 
and treatment ofrabies or hydrophobia^ (1878) — einen preisgekrönten Essay: 
„The treatment ofwhooping cough*^ (1881); ebenso wurden seine Schriften: „hife 
assurance^ (1881) — „Sewer gas, ifs phystological avd patkological effecta etc," 
(1882) durch Preisverleihungen ausgezeichnet. Aelter ist „Cases of thoracic 
aneurism" (illustrirt, Med. times and gaz. 1877). Ganz neuerdings erklärte sich 
D. gegen die Methode der Sammelforschung (Brit. med. Joum. 18S4). j^^^j 

Dolbean, Henri- Ferdinand D., zu Paris geboren am 2. April 1830, 
sUrb am 10. März 1877 daselbst. Unter den Auspicien von Bebard, Obfila, Dubois 
ausgebildet, legte er in den Jahren 1850 — 1860 alle Stufen der ärztlichen Carriöre 
vom „Externe" bis zur „Aggr6gation" zurück. 30 Jahre alt, hatte er bereits eine 
Reihe seiner wichtigsten Arbeiten (über die Gefllsse des Beckens, die erectilen 
Organe beim Weibe etc.) vollendet und widmete sich in seiner Stellung am 
H6pital St. Eugönie und De Tenfant Jösus der Chirurgie, besonders der auf den 
kindlichen Körper bezflglichen (Frühzeitige Tarsusverknöcherung , Spina bifida, 
Lacrymaltnmor) ; 1864 trat D. im Hospital du Midi ein, nachdem er seit 1860 
CiviALE am Höpital Necker vertreten hatte. In diese Periode fallen seine Arbeiten 
Aber Blasenkrankheiten und Bezügliches. Sein Renommö in diesem Felde war 
bedeutend genug, um Nelaton zu veranlassen, ihn Napoleon III. zu empfehlen, 
doch wurde Thompson vorgezogen. Durch die unten näher aufgeführten Arbeiten 
bewirkte D. während der ersten Siebziger-Jahre leicht seine Aufnahme in die 
Akademie der Medicin und in's Institut; zum Professor der Facnltät war er 1868 
ernannt worden. Seine praktische, wie seine Lehrthätigkeit ging nunmehr ganz 
im chirurgischen Fache auf. Gelegentlich der Communekämpfe in Paris hatte er 
grosse Mtssverständnisse und Cabalen seitens seiner Schüler durchzustehen, die 
allem Anscheine nach den Grund einer später eintretenden geistigen Störung bei 
ihm legten. Von seinen Werken seien namentlich angeführt: „Etüde sur les 
granda kystes de la sur face convexe du faie" (Paris 1856) — „De Vemphyshne 
traumatlque^ (Concursthese, Paris 1860) — „De VSpispadie on fissure urethrale 
sup^rieur et de son traitement** (Daselbst 1861) — ^Traitd praJtiqvs de la pierre 
dans la vessie^ (Daselbst 1864) — „Letjons de clintque chtrurgtcale" (Gesammelt 
von E. Brsxieb, Daselbst 1867). 

Edinb.'med. Joum. 1877. — Gaz. des höp. 1880. Red. 

^Domaiiski, Stanislaus D., geboren in Erakau am 29. April 1844, 
stodirte daselbst und in Wien, wurde 1868 Doctor der Medicin, 1869 Doctor der 
Chirurgie, 1870 Magister der Geburtshilfe. Von 1871 ab als Docent, von 1879 
als a. ö. Prof. für Nervenkrankheiten an der Jagellonischen Universität in Krakau 
wirkend, verfasste D. folgende grössere Arbeiten: ^Lehrbuch der Elektro- 
therapie^ (Warschau 1876, polnisch) — „Ueber Syphilis des Nervensystems" 
(Krakau 1881, polnisch). Red. 

Dominalns, s. Donnolo. 

/Dominlco, D.-P. D., italienischer Arzt und Physiker, geboren in Foligno 
(Cmbrien) 1524, gestorben in Aquila 1590, besass ein bedeutendes Wissen 



202 DOMINICO. — DONDEBS. 

und ist bekannt als Commentator des Aristoteles und Galeko's. — Sein Sohn 
August in D. wirkte als berühmter Arzt in Padua. Unger. 

Van Dommelen, Gomarus Franciscus van D., der 1849 mit einer 
These über ürelhralstricturen prompvirt wurde, schrieb neben einem Gesundheitö- 
bericht über die Garnison zu s'Gravenhage (1869) ein ausführliches Werk: „Ge- 
schiedenis der müitaire geneeskundige dienst in Nederland etc,^ (Nym wegen 1857) 
und „Essay sur les moyens de transport et de secours en gSniral au blessis^ 
(mit 22 Foliotafeln. Im Haag 1870). Red. 

Domnolus, s. Donnolo. 

Donati. Unter den fünf historischen Trägern dieses Namens, welche mit 
der medicinischen Wissenschaft in Verbindung standen, ist Bernardo D. aus 
/ Verona der älteste. Er veranstaltete eine lateinische Uebersetzung der Galenischen 
Abhandlung über die Geisteskrankheiten, welche durch Cornarius (Basel 1549) 
y herausgegeben wurde. — Dann folgt Giovanni Battista D. aus Lucca, der 
/ sich nach Frankreich begab, in Lyon und Bordeaux prakticirte und später Stadt- 
arzt in Lucca wurde. Auch dieser commentirte den Galenos (Lyon 1566, Venedig 
1580, Lyon 1581, 4.), des Hippokrates Buch über die Krankheiten der Jung- 
frauen (Lucca 1582) und schrieb: „Bei medicae studii stipendia sex Trasa 
napaorxeuaff^Ovöv'' (Frankfurt 1591) und „Lihri III de maturitate inmateriae 
inorbis" (Daselbst 1591). — Marcello D., der nur irrthümlich ebenfalls zuweilen 
„DoNATi" genannt wird, ist unter seinem richtigen Namen „Donato" besonders 
besprochen. — Nur der Unterscheidung wegen sind hier anzuschliessen : Antonio D., 
Pharmaceut in Venedig 1606 — 1659 und der spätere Vitaliano D, , 1713 bis 
1763 in Rom, welche Beide zwar auch medicinisch ausgebildet waren, aber sieh 
ganz den Naturwissenschaften zuwandten und Beide über die Fauna des adriatischen 
Meeres schrieben. Der Letztgenannte wurde besonders wegen seiner ausgedehnten 
Reisen früher viel genannt; ein Pflanzengenus aus der Familie der Caryophylleen 
führt nach ihm den Namen „Donatia". 

Biogr. med. III. Red. 

/Donato, Marcellus D. (Donatüs), Leibarzt des Fürsten von Mantna, 
wirkte daselbst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und hinterlie^s:. „De 
variolis et morbillis^ (Mantua 1569, 1591, 1597) — „De medicina historia 
libr. Fi" (Daselbst 1586: Venedig 1588, 1597; Frankfurt 1613, 1664; 
* bemerkenswerth durch eine begeisterte Lobrede auf den Werth der Sectionen) und 
„De radice purgante seu mechoacane liber*^ (Mantua 1569 und französisch). 
Dict.* hist. II. Red. 

Donatus ab Altomari, s. Altomare. 

*Donders, Frans Comelis D., geboren am 27. Mai 1818 zu Til- 
burg in Noord-Braband , trat im Alter von 17 Jahren zu Utrecht als Zögling in 
das grosse Reichs-Hospital für Militärmedicin und widmete sich an dortiger Uni- 
versität von 1835 — 1840 dem Studium der Medicin. Während zweier Jahre, nach 
beendigtem Studium erst in Vliessingen, darauf im Haag, als Militärarzt angestellt, 
promovirte D. an der Universität Leyden auf Grund einer „Dissertatio sistens 
observationes anatomico - pathologicas de centro nervosa" und wirkte dann als 
„Lector anatomiae et physiologiae" an der Utrechter militärärztlichen Reichsschnle 
bis zum Jahre 1848, dem Zeitpunkte seiner Berufung zum ausserordentlichen Pro- 
fessor an die medicinische Facultät der Utrechter Universität. So gross war bereits das 
wissenschaftliche Ansehen des damals eben erst Dreissigjährigen, dass die genannte 
Facultät, obwohl ^;ein Lehrstuhl vacant war, seiner Lehrthätigkeit in den anatomiseb- 
physiologischen Fächern nicht entrathen mochte. In der bei dieser Gelegenheit 
gehaltenen Oratio inauguralis: „De karmonie van ket dierlyke leven, eene open- 
barin g van wetten", hebt D. die Bedeutung hervor, welche Gewohnheit, üebung 
und Erblichkeit für das thierische Leben haben. Angeregt durch die Forschungen 



BONDERS. 20B 

eines Bchleiden und eines Schwann, angeregt aber auch nnd unterstützt von 
einem Chemiker, wie Muldeb, hatte sich D. zunächst mikroskopischen und mikro- 
chemiBchen Untersuchungen der thierischen Gewebe zugewendet und die Ergebnisse 
derselben (1846) in den „Holländischen Beiträgen zu den anatomischen und physio- 
logischen Wissenschaften", welche er im Vereine mit van Deen und Moleschott 
herausgab, veröffentlicht. Aber schon vorher noch hatte D. durch seine 1844 
gehaltene und 1845 im Druck erschienene Rede: „Blik op de stofvmstling als 
bron der eigen wärmte van planten en dieren^ , die Aufmerksamkeit auf sich 
gelenkt. In dieser Rede wird die Haut als Wärmeregulator des thierischen Körpers 
erklärt und es werden, wie man heutzutage sagen kann, dem Principe von der 
Erhaltung der Arbeit entsprechende Anschauungen über die Vorgänge des Stoff- 
nnd Kraftwechsels in den organischen Leibern entwickelt. — Auch der grosse 
Ophthalmologe, zu dem heute hochachtungsvoll die wissenschaftliche Welt aufschaut, 
regte sich in D. schon in diesen ersten Jahren seiner schriftstellerischen Thätigkeit. 
Es erschienen die Abhandlungen: „De bewegingen van het menschelyk oog" 
(Holland. Beiträge 1846) — „ lieber die Bestimmung des Sitzes der mouches 
volantes^ (Zeitschr. für physiolog, Heilk. 1847). Und die von D. seit 1845 
redigirte medicinische Zeitschrift „Het Nederlandsch Lancet" , von welcher zwölf 
Bände erschienen sind, brachte 1848 die Abhandlung: „De anwending van 
prismatische brillenglazen tot genezing van scheelzien^. In demselben Jahre 
erschienen die Arbeit ;, Ueber den Zusammenhang zvnschen dem Convergiren der 
Sehaxen und dem, Accommodationszustande der Augen" und die Untersuchungen 
über die Regeneration der Hornhaut. Mit seiner 1852 erfolgenden Ernennung 
zum ordentlichen Professor wandte sich D. vornehmlich der Ophthalmologie zu und 
Qbte bis zum Jahre 1862 augenärztliche Praxis aus. Die Veranlassung hierzu 
war einerseits der Umstand, dass in dieser Zeit Anatomie und Physiologie als 
Lehrfächer an der Universität in würdigster und verdienstvollster Weise durch 
SCHHÖDEK VAN DER KoLK vertreten waren, während andererseits die Ausübuug 
der augenärztlichen Praxis in Holland vernachlässigt und nur von den Chirurgen 
nebenher betrieben wurde. So finden wir denn D. neben Arlt seit 1855 als 
Mitredacteur des v. GfiAEFE'schen „Archivs für Ophthalmologie". Wir sehen 
ihn im Jahre 1858 das aus freiwilligen Beiträgen hervorgegangene „Nederlandsch 
Gasthuis voor ooglijders" zu Utrecht eröffnen und in demselben augenklinischen, 
auch von Ausländern, namentlich von Deutschen stark besuchten Unterricht 
ertbeilen. An schriftstellerischen Leistungen ist aber, trotz der zeitraubenden, 
praktischen Thätigkeit, auch dieses Decennium des D.*schen Lebens überreich. 
Es erschienen unter Anderem „J96 1852: voedings-beginselen. Grondslagen eener 
alaemeene voedingsleer" (in deutscher Uebersetzung von Bergrath 1853) — 
^Over den invloed des luchtdrukking op de hartswerking" (Ned. Lancet; 
deutsche Uebersetzung in Zeitschr. für rat. Med.) ^- „Bewegingen van longen 
en hart by de ademhaling*' (Ebenda). 1853: „De werking der oogspieren** 
(Ned. Lancet) — „Over de verhouding der onzichtbare stralen van sterke 
hreekbaarheid tot de vochten van het oog" (Ned. Lancet; Mülleh^s Archiv 
ftr Anat. und Phys.). 1854: „Over den M, Cramptonianus en over het acco- 
modatie vermögen by vogels" (Utrechtsch Genootschap. Sectie - Vergadering). 
1855: „De zichibare verschynselen van den bloedsomloop in het oog" (Ned. 
Lancet; deutsch im Archiv für Ophthalmologie) — „De invloed des hartswer- 
hing op de bloedsdrukking" . (Ned. Lancet; deutsch in Möller's Archiv für 
Anat. und Phys.). 1856: „Physiologie des Menschen" (übersetzt von Tbeile; 
deutsche Originalausgabe der von D. und Bauduin verfassten „Allgemeene (1850) 
^n bijzondere (1853) natuurkunde van den gezonden mensch"). 1857 : „ Ueber 
die Natur der Vocale" (Archiv für die Holland. Beiträge). 1858 : „Over de 
afvcykxngen in de grenzen der accomodatie en over de keuze en het gebruik 
tan hrillen" (Ned. tijdschr. v. Gen.) — „ Winke über den Gebrauch von Brillen" 
(Archiv für Ophthalmologie). 1860: „Ametropie en hare gevolgen" (8. v. d. Post). 



204 DONDERS. — DONDI. 

1861: „Het lichtbrektnd stehet van het menschelyk oog in gezonden en ziehe- 
lyken foestand^ (Versl. en med. k. Aead,). 1862 : „Astigmatisme en cilindrische 
glazen*' (8« v. d. Post). — Im Jahre 1862 starb Schrödeb van deb Kolk; es 
erhielt nnnmehr 1863 D. die ordentliche Professur der Physiologie, und es wurde 
im Jähre 1866 das ganz nach D. Angaben eingerichtete neue physiologische 
Laboratorium in Utrecht eröffnet, wo er noch heute mit jugendlicher Kraft wirkt. 
Von den vielen seit 1862 erschienenen Arbeiten D.'s erwähnen wir zunächst: 
1863: „Befiactionsanomalien, oorzaken van Strabismus" (Versl. en med. k. Aead.; 
deutsch: „Zur Pathogenie des Schielens*' [Archiv für Ophthalmologie]) und „Ueber 
einen Spannungsmesser des Auges" (Ophthalmotonometer; Ebenda). Sodann aber 
vor Allem 1864: „The anomalies of refraction and accammodation" (edit. by 
the New-Sydenham Society; 1866 erschien hiervon die deutsche Uebersetzung Ton 
0. Becker, eine italienische von A. Qüagltno und eine französische von Weckee 
in „Manuel d'ophthalraologie"). Femer: „Z>c Vaction des mi/driatiques et des 
myotiques" (Ann. d'oculist. LIII) — „Klangfarbe der Vocale" (Archiv für die 
Holland. Beiträge). 1865: „Over stem en spraak" (Arch. voor Natuur en Genees- 
kunde). Im selben Jahre (1865) erschien auch J. J. de Jaagee*s Dissertation: 
„De physiologische tijd bij psychische processen", eine Arbeit, welche unter D.'s 
Leitung und wesentlicher Mitarbeiterschaft entstand. Um die Zeit zwischen Reiz und 
psychischem Effect zu bestimmen, erdachte D. den „No^motachographen^ und das 
„Noemotachometer" (Ned. Arch. v. 6. en N. III) und veröffentlichte 1868 im Reichert 
und DU Bois-Reywond's Archiv die Arbeit: „Die Schnelligkeit psychischer Pro- 
cessen, Von den neueren und neuesten Arbeiten D.'s heben wir noch hervor: 
„De rhytmus der hartstoonen" (Ned. Arch. 1866) — „Invloed der accomodafie 
op de voorstelling van anstand" — „Het binoculaire zien en de herkenning 
der derde dimensie" (Archiv für Ophthalmologie XIII) — „Ocer de inner vatie van 
het hart in verband met die der adembeweging" (Onderzoekingen gedaan in het 
physiologische Laboratorium der Utrechtsche Hoogeschool Pitg. door Donders) — 
„Over de wetten van den electrotonus , getoetst aan den invloed van den Con- 
sta nten stroom op den vagus" (Ak. v. Wetensch. te Amsterdam 1869/70) — 
„Over den htnnd der oogen bij bloedsaan drang door uitademingsdrukking" 
(Ned. Arch. v. G. en N.) — - „Over schijnbare accomodatie bij aphaKie" (Onderz. 
physiol. Lab. Utr. [3] II) — »Die Grenzen des Gesichtsfeldes in Beziehung zu 
denen der Netzhaut"* (Archiv für Ophthalmologie, XXIII) — „Die quantitative 
Bestimmung des Farbenunterscheid%ingsverm'6gens^ (Ebenda) — „ lieber Farbtn- 
sy Sterne** (Ebenda XXVIII) — „Eosplication sur les systhnes chromatiques*" 
(Annal. d'oculist. 1882). 

Photographs of eminent medical men. Nr. 7, London 1866, enthält eine vollständige 
Aufzählung von D.'s Werken bis zu diesem Jahre. Für die folgende Zeit siehe D. Snellen 
und E. Landolt, Optometrologie. Nr. 89. Arthur Christian!. — C. E. Daniels. 

/ Dondi. Name dreier Descendenten einer paduensischen Patricierfamilie, die 
im 14. Jahrhundert sich neben Astronomie und Mathematik auch mit Mediein 
beschäftigten. Giacomo de D. (auch Dondüs), war 1298 geboren, ging 1318 
nach Chioggia, 1333 nach Venedig und zog dann in vielen Städten Italiens bis 
zu seinem Tode 1359 als Heilkünstler umher. Eine von ihm in Padua gebaute 
Uhr galt för das Wunder des Zeitalters. An Schriften rühren von ihm her: 
„Promptuarium medicinae etc.** (Venedig 1481, Fol., 1543, 1576; auch daselbst 
1536 und 1540 in italienischer Sprache) — „De modo confidendi salis et aquis 
calidis Apaiiensibus etc.** (Venedig 1571, 4.). — Sein Sohn, Giovanni D., 
nannte sich DONDI dall' Orologio, trieb dieselben Studien wie sein Vater, baute 
eine noch künstlichjere Uhr und schrieb in der Collection „De balneis'^ über die 
heissen Mineralquellen bei Padua. Er starb gegen Ende des Jahrhunderts bald 
nach seinem Sohne, Gabriel D., der als Arzt in Venedig sehr renommirt war, 
aber nichts Schriftliches hinterlassen hat. 

Biogr. med. III. Red. 



1 



DONNE. — DONNOLO. 205 

Donna, Alfred D., zu Paris, war 1801 zu Noyon (Oise) geboren, machte 
seine medieinisehen Studien in Paria, wurde 1829 Chef de clinique in der Charit6, 
1831 Doctor mit der These: „Recherches phyaiologiques et chtmicO'microscofdques 
mr les globales du sang , du pus , du mucuSy et sur ceux des humeurs de 
PoeW^, die bereits eine von ihm eingeschlagene besondere Richtung von Forschungen 
auf dem Gebiete der Mikroskopie und Chemie , wie sie zu jener Zeit noch sehr 
wenig üblich waren, andeutete. Er gab mikroskopische Curse, wurde zum Unter- 
bibliothekar der Facultät ernannt, bewarb sich in mehreren Conciirsen mit den 
Thesen: „De la part que peut avotr Vinflammation dans le diveloppement des 
Ikions dttes organtques** (1832) und „Du, rdle que jouent les sympathies et 
les synergies dans les maladies*^ (1835) um eine Stelle als Professeur agr6g6 
und verfasste ausser Aufsätzen in den Arch. g6ner., Joum. de chimie m^d., Journ. 
univ. et hebd. des progres, Journ. eompl6ment, Revue m6d. u. s. w., eine Reihe von 
Schriften, unter denen wir die folgenden hervorheben: „ Becker ches sur V4tat du 
pouls, de la respiration et de la tempSrature du corps dans les maladtes etc,^ 
11835) — „Histoire pTiysiologique et pathologique de la salive etc,^ (1836) — 
„Recherches microscoptques sur la nature des mucus et de la mattere des 
divers dcouleniens des organes gdnito-urinaires chez V komme et ckez la femme ; 
descriptton des nouveaicx animalcules decouverts dans quelques-unes de ces 
fluides; etc.^ (1837) — „Nouvelles expiriences sur les animalcules sperma- 
tiquesy et sur quel^ues-unea des causes de la stSrilite ckez la femme ; etc." 
(1837) — „Du lait et en particuUer de celui des nourrices, etc." (1837, mit Taf. ; 
2 deutsche Uebersetzungen, Weimar 1838 und von Heilbronn, Minden 1838) — 
„Mademotselle Figiaire somnambulisme ; magnStisme animal" (Noyon 1838) — 
„Tableau des difftrens depdts de matihres salines et de substances organisees 
qui se fönt dans les vrines, etc," (1838, mit Fig.). Er schrieb femer: „Quelques 
lettres sur les eavx min^ales" (1839), übersetzte aus dem Italienischen Mbtlloni's 
„Rapport sur le daguerrSptype etc." (1840), verfasste treffliche „Conseils aux 
mir es mr Vallaitement et sur la manih*e d il^er les enfan^ nouveau-nSsy etc." 
(1842; 4. Ausg. 1869; engl. Uebers. Boston, 3. Ausg. 1860); femereinen „Cours 
de microscopie compUmentaire des itudes mSdicales , etc." (1844). und dazu 
gehörig einen „Atlas du cours de microscopie exAcutS d^aprhs nature au micro- 
scope daguerrSotype avec M. L6on Foucault" (1846, fol., 20 Taf.). Kurze Zeit 
vor dem Ausbruch der Revolution 1848 war er zum Sous-inspecteur adjoint der 
Qnelien von Enghien und zum Inspecteur g6n6ral der Universität fttr die Medicin 
ernannt worden. Nach Aufhebung dieses letzteren Titels erhielt er den als Recteur 
der Akademie zu Strassburg, später der zu Montpellier und verfasste noch eine 
„Hygiene des gens du monde" (1869 ; 2. Ausg. 1878). D. war auch als Mitarbeiter 
an der Revue des deux mondes und dem Buche der Cent-ot-Un thätig gewesen, 
hatte auch früher viele Jahre lang für das Journal des D6bats die Berichte über die 
Sitzungen der Acad. des sciences verfasst und war dabei in eine lange Polemik mit 
FKAN901S Abago gerathen. Er starb am 7; März 1878. — D. hat sich unbestreitbare 
Verdienste um die Mikroskopie, Mikrophotographie und organische Chemie erworben, 
wenn auch nicht alle seine Entdeckungen sich als stichhaltig erwiesen haben. 

Sachaile, pag. 250. — Bitard, pag. 387. — Vaperoau, 5. 6dit., pag. 586 — 
Callisen, V, pag. 274; XXVII, pag. 326. G. 

Donnolo. Unter diesem Namen (eine Abkürzung von DomnolüS oder 
DOMiXALüS) hat man neuerlichst die in hebräischer Sprache abgefasste Schrift 
eines dem 10. Jahrhunderte angehörigen jüdischen Arztes Sabbati ben Abraham 
(genannt Donnolo , der" Arzt , wie er selbst sich bezeichnet) kennen gelernt , in 
welcher die Anwendung von 120 zumeist pflanzlichen Heilmitteln für den inneren 
nnd äusseren Gebrauch (in Form von Salben, Pflastem u. A.) erörtert wird. — 
Aus emer anderen Schrift des Autors geht hervor, dass er 913 in Oria (bei Otrauto) 
geboren ist, im Jahre 925 von den Arabern gefangen genommen worden war, 
nach seiner Befreiung Medicin und Astrologie studirt, grosse Reisen gemacht hat, 



206 DONNOLO — DOR. 

unter Anderem nach Rossano gekommen ist und hier dem Mönche Nilus (dem 
Heiligen) seine Dienste angeboten hat, von demselben aber abgewiesen worden ist. 
lieber die Zeit seines Todes ist nichts bekannt; jedenfalls ist derselbe nicht vor 
dem Jahre 966 erfolgt. 

Vergl. hierzu Steinschneider, Donnolo , Fragment des ältesten medicinischea 
Werkes in hebräischer Sprache. Berlin 1868 und in Virchow's Archiv für path. Anatomie, 
1867, Bd. XXXVin, pag. 65 ; Bd. XXXIX, pag. 296 ; Bd. XL, pag. 80 ; 1868, Bd. XLH, pag. 51. 

A. Hirsch. 

Donoll, Fr. Alphonse D., toscanischer Arzt aus der Schule von Siena, 
nachher Professor in Padua, wo er sich durch Gelehrsamkeit sowohl, wie insbesondere 
als Redner durch die Leichtigkeit, mit der er bis in sein hohes Alter seinen Ge- 
danken Klarheit und Schärfe zu geben verstand, einen grossen Ruf erwarb. Er lebte 
von 1635—1724. Unger. 

Donovan. Neben Michael D., welcher im Dubl. Journ. of med. sc. 1840 
den „Statement of the medtcal effects of the liquor hydriodaiis arsenici et 
hydrargyri^ und Nachträge über die Heilkraft der „Donovan'schen Solution" 
(Ebenda 1842 — 1843, sowie in Dubl. med. Presse 1860) publicirte und 1876 
starb, kennen ältere Quellen noch einen Sa vage sius D., der 1796 in Edinburg 
über „GyTianche maligna" disserirte, und Daniel D. , 1809 — 1877, von dem 
literarisch nichts bekannt ist. 

Quelle für M. Donovan: Med. Press and circ. London 1876 (nicht zugänglich). 

Red. 

Donzelli, Joseph D. (Baron von Digliola), im 17. Jahi'hundert in Neapel 
geboren, beschäftigte sich mit Medicin und Chemie und verfasste zwei Schriften: 
„Synopsis de opobalsamo orientali" (Neapel 1640) und y^lÄher de opobahamo, 
additio apologetica ad suam de opohalsamo orientali synopsin^ (Daselbst 1643). 

Unger. 

Donzellinl, Giuseppe Antonio D. , venezianischer Arzt, begeisterter 
Anhänger der iatromathematischen Schule, schrieb in diesem Sinne ein „Symposium 
medicum" (Venedig 1707). 

Dict. hist. U. Red. 

Doppelmair (auch Dopfelmayer) , zwei fast gleichalterige süddeutsche 
Aerzte (Brüder?). Der ältere, Job. Georg Gottfried D., geboren zu Hof 
1753, studirte Medicin in Jena und Erlangen, wurde in Erlangen Dr. med. („Düs. 
inaug, quae de difficili in observationes anatomicas epicriae commentatianem 
sistif^) am 28. Februar 1776. Arzt im Dienste verschiedener kleiner Fürsten in 
Deutschland erhielt D. 1783 das Recht zur Praxis in Russland und wurde bei der 
Armee angestellt. Im Auftrage der Geschäfte der neu gegründeten Universität 
Dorpat ging er als deren „Correspondent" 1803 nach Deutschland und blieb 
daselbst bis 1810. Nach Russland zurückgekehrt, wurde er in Moskau Stadt- 
physicus, erlebte den grossen Brand von 1812, wurde in*s Innere des Reiches 
verschlagen, war an verschiedenen Lazarethen angestellt imd starb in Narwa am 
28. März 1826. — Der jüngere, Job. Gabriel Gottfried D., geboren m 
Anspach, studirte in Jena, wurde in Tübingen Dr. med. und erhielt nach 
bestandener Prüfling in Petersburg das Recht zur Praxis in Russland 1781. 

Beiae, 1,154. — Recke-Napiersky, I, 445. — Tschi stowitsch, CLXII. 

L. Stieda. 

Doppet, Fr.-Amed6c D., französifecher Arzt, geboren in Chamb^ry 
1753, gestorben gegen 1800 in Ain (Savoyen). Anfangs Soldat, studirte er später 
Medicin und wurde in Turin promovirt. Die Excentricitäten, durch die er in seinem 
Privatleben bekannt war, finden auch in seinen Schriften Ausdruck, deren er 
eine grosse Menge, meist den animalen Magnetismus behandelnd, verfasste. In den 
Revolutionsjahren war er General der Republik. Unger. 

* Dor , Henri D. , dessen Lebensdaten auf keine Weise zu erhalten 
waren, wurde 1857 zu Würzburg mit einer These geburtshilflichen Inhalts promovirt. 



DOE. — DORNBLÜTH. 207 

betrat aber bereits 1861 mit ;,Z)e la vision chez les arthropodes" (Arch. des 
sc. phys. et nat. 1861) das Gebiet der Ophthalmologie. In der zweiten Hälfte 
der Sechziger- Jahre wnrde er als Professor dieses Faches nach Bern berufen; 
hierüber: „Compte-rendu statistique de la clinique ophthalmologique de Vuni- 
versüd de Beme^ (du 6. Mai 1867 au 15. October 1876)'' (Kassel 1878). In 
Bern (1870) erschien noch von ihm: „Kurze Anleitung zur Untersuchung der 
Sehschärfe*'; dagegen liess D. die Schrift, in welcher er gegen die Theorien 
Gladstone's und Magnus' von der Entwicklung des Farbensinnes auftrat: „De 
Vevoluticm htstorique du sens des couleurs*' 1878 in Paris erscheinen. Er wirkt 
(wahrscheinlich seit diesem Jahre) in Lyon und hat über diese Thätigkeit eine 
„^^tude sur Vhygihie oculaire au lycie de Lyon*' (Paris 1878) publicirt; seit 
1882 giebt er die „Revue g6n6rale d'ophthalmologie" mit heraus. 

Index-Catalog. III. Red. 

Dom, Gerhardt D. (Dobnabus), gegen Ende des 16. Jahrhunderts 
Arzt in Frankfurt a. M. , später in Strassburg und Basel, Paracelsist, verfasste 
Tcrschiedene Streitschriften zu Gunsten des Paracelsus gegen Erastüs, über- 
setzte und edirte seit 1570 mehrere Schriften des Paracelsus imd gab 1583 ein 
j^Dictionarium ohscurioTum Theophra^ti vocabulorum" heraus. 

Joch er, 11, 193. — Ha 11 er, Bibl. med. pract. II, 183. — Biogr. univ. — Biogr. 
med. — Haeser, Gesch. der Med. — Deutsche Biogr. -^ Stricker 

Domau, Caspar D. (Dornavius), wurde zu Ziegenrück im Vogtlande 
am 11. October 1577 geboren, machte seine Studien, die neben der Medicin mehr 
noch die Philosophie zum Gegenstande hatten, in Jena und zog als Dolmetscher 
des Venetianers Gregorius Jordanus an den Höfen umher, bis er nach Prag 
gelangte und hier bei dem Hofarzt Müscaglia Dienste nahm. Dann aber bezog 
er mit einem Freiherm von Smirsitz als dessen Erzieher 1603 die Universität 
Basel, erlangte den dortigen medicinischen Doctorhut für sich, setzte aber mit 
seinem Zögling dessen Studienreise noch fort durch Süddeutschland, Frankreich, 
die Niederlande und England. In diese Zeit fällt seine medicinische Thätigkeit, 
die allerdings eine literarische war und ausser der Dissertation „De licxattone 
hrachn" (Basel 1604) mehr allgemeine Themata, Reden, Panegyriken, geschicht- 
liche Controversen betraf. D. wurde von seiner Heimkehr — 1608 — ab nicht 
nur als Schulmann hochbertthmt (in Görlitz und Beuthen), sondern trat ganz in 
die diplomatische Carriöre über und wurde im Jahre 1621 fürstlicher Rath und 
Leibarzt beim Herzog Johann Christian von Brieg. In dieser Stellung 
blieb er bis zu seinem am 28. September 1632 erfolgten Tode. Ued. 

Domblütll, zwei mecklenburgische Aerzte. Der Vater, Albert Ludwig D., 
geboren in Ludwigslust am 14. April 1784, promoviii 1813 in Rostock, war 
praktischer Arzt und seit 1828 Kreisphysicus in Plau in Mecklenburg. Er starb 
daselbst am 13. März 1857. Als sehr angesehener Arzt war D. gleichzeitig auch 
literarisch thätig und arbeitete speciell über Behandlung der Knochenbrüche und 
Deformitöten (1827, 29, 31, 37); Wiederersatz verlorener Gliedmassen (1831, 37, 
44 nnd 45), theils selbständige Werke, theils Aufsätze in Zeitschriften aus. Femer 
schrieb er über Pocken und Impfung, geburtshilfliche und gerichtlich-medicinische 
Casuistik in den Zeitschriften von Hufeland, Hörn, Rüst, Caspee, Henke, 
Fkickb, Hannemann und populäre Aufsätze im Mecklenb. Freimüthigen Abend- 
blatte 1822 — 1847. Eine „Darstellung der Medicinalpolizei- Gesetzgebung und 
gesammten Medicinal- und Sanitätsanstalten in Mecklenburg*^ erschien Schwerin 
1834 — „Die Medicinalordnung in Mecklenburg- Schwerin kritisch erörtert** 
(1840) — „Die njeue Medicinaltaxe und die neuen Medicinalgesetze kritisch 
beleuchtet** (1845). — Der Sohn, * Friedrich Karl Johann D., wurde zu Plau 
in Mecklenburg am 31. Juli 1825 geboren und studirt« in Rostock, Leipzig, Heidel- 
berg (Stanniüs, Hknle, Pfeüffer, Oppolzer, Naegele u. A.); 1829 erfolgte 



208 DOKNBLtJTH. — DORSTEN. 

seine Promotion, worauf er zuerst als Militärarzt im badischen Feldzuge, seit 
October 1849 als praktischer Arzt in Rostock in Thätigkeit trat. Neben mehr 
populär gehaltenen, hier übergangenen Abhandlungen angesehener Volkszeitschriften 
veröffentlichte er: y^Bau der Cornea oculi^ (Zeitschr. für rat. Med. N. F., Bd. VII 
und VIII) — „Mechanismus der JBarnsecretton^ (Ebenda Bd. VIII) — ^Tr- 
sachen etc. der Cholera^ (Rostock 1860) — „Anleitung zum Gebrauche des 
Seebades^ (Daselbst 1864) — „Johnston' s Chemie des täglichen Lebens*^ (Neu 
bearbeitet, Stuttgart 1882) — „Hueter's Thforie der Sädiose** (ViRCHOW^s 
Archiv 1879) — ,,Die Scoliosen'' (Samml. Klin. Vortr. Nr. 172, 1879) — „Die 
chronische Tabakvergiftung*' (Dieselbe Samml. 1877) — „Kuhmilch als Kinder- 
nah^ng" (Jahrb. für Banderheilk. 1879) — „Milchversorgung der Städte^ 
(Deutsche Vierteljahrschr. für öffentl. Gesundheitspflege). 

Vollständiges Verzeichniss in Blanck, Die Mecklenb. Aerzte. Schwerin 1874. 

Red. 

Dorndorf, Johann Karl D., geboren zu Riga am 10. December 1761. 
erlernte die Chirurgie beim R'ga'schen Stadtoperateur Teublee dem Jüngeren, 
studirte ein halbes Jahr in Königsberg und drei Jahre in Berlin und prakticirte in 
Riga als Stadtchirurgus. 1797 creirte ihn die Universität Königsberg auf Grund- 
lage seiner „Diss, inaug, medico-chirurg, vulneribus sclopetariis cum adjuncta 
observatione*^ zum Dr. med. Er schrieb • ausserdem : „Beobachtung einer vier- 
tägigen Urinverhaltung^ (in Leder's Journ. für Chirurg., Bd. I, pag. 431 — 440, 
1797) und starb am 17. April 1803. 

Recke- Napiersky, I, 446. L. Stieda. 

Dornkreilius, Tobias D. ab Eberhertz, aus Iglau (Mähren), 1571 
bis 1605, verdankt sein literarisches Renomme neben der sehr umfangreichen 
Schrift: „Medulla totius praxeos medicae aphoristica etc." (Erfurt 1656), noch 
verschiedenen kleineren, viel aufgelegten Schriften, so dem „Dispensatorium novum^^ 
zusammen mit dem „De purgatione tractatus" (Hamburg 1600), dem „Co7isil{um 
von zweyen ungewönlichen newen unnd anklebichen Kranckheiten, die dieses 
1602, Jahr entstanden etc,^ (Magdeburg 1602) und „Kurtzer , doch griindt- 
licher und Vollnkömmlichei' Bericht von der angehenden und hin und wieder 
bereits grassirenden Pestilentz dieses 1603. Jahrs etc.** (Hamburg 1604). 

Eloy, II und Ind. cat. Vol. HI. Red. 

Dorpe, J. F. van D., aus Courtrai und dort gegen Ende des 18. Jahr- 
hunderts in Wirksamkeit, zeichnete sich durch eine vorzügliche Beschreibung der 
grossen Ruhrepidemien aus, welche 1794 auf den Kriegsschauplätzen Flanderns 
wütheten. Er machte sich von den Anschauungen Stoli/s, die ihn sonst stark 
beeinflussten, in manchen Punkten der Localisationsfrage und der ätiologischen An- 
schauungen los und verwerthete in Bezug hierauf seine zahlreichen Beobachtungen 
selbständig. van den Corput. — Red. 

Dorsey, John D., zu Philadelphia, am 23. December 1783 geboren, 
promovirt daselbst 1802, Professor der Chirurgie 1807 und der Materia medica 
bald darauf, sollte 1818 den Lehrstuhl der Anatomie übernehmen, wurde aber 
durch seinen Tod (12. November) daran gehindert. Er publicirte: „An essay on 
the lithontriptic virtues of the ga^tric liquor** (Philadelphia 1802) und „Elements 
of surgery** (2 Bde. mit Tafeln, Daselbst 1813). 

Dict. bist. II. Red. 

/Dorsten, Grossvater und Enkel. Der Erstere, Theodor D., aus West- 
phalen, geboren 1492, Professor der Medicin in Marburg, dann Arzt in Cassel, wo er 
am 18. Mai 1552 starb, schrieb: „Botanicon^ continens herbarum , . . quarum 
usus in medicina est, descriptiones*' (Fi-ankfurt 1540). — Der Enkel, Johann 
Daniel D., geboren am 24. April 1643 zu Marburg, studirte daselbst seit 1661; 
ausserordentlicher Professor wurde er 1673, ordentlicher 1678, fürstlicher 



DORSTEN. — DOUBLET. 209 

Leibarzt 1689, Professor der Physik 1695; seit 1684 Mitglied der kaiserlichen 
Akademie der Wisseuschaften, starb er am 20. September 1706, mit Hinterlassung 
verschiedener anatomischer Schriften. 

Jöcher — Stricker. — Biogr. univ. — B. D. Jackson, Liter, botan 

W. Stricker. 

^DortomaJl, Nicolaus D., französischer Arzt, geboren in Amheim (Hol- 
land) zu Anfang des 16. Jahrhunderts, gestorben in Montpellier 1596, studirte 
imd promovirte in Montpellier und wurde noch in jungen Jahren Professor an der 
Universität daselbst. Von Heinrich IV. zum Leibarzte 'ernannt, erwarb er sich- 
ein besonderes Verdienst durch die Untersuchung der damals sehr besuchten Thermen 
von Ballaruc bei Montpellier. Vgl.: „De causta et ejfectibus thermarum Bellilu- 
canarum, parva intervallo a MontpelUensi urbe distantium" (Leyden 1579). 

Unger. 

Double, Fran9oi8- Joseph D., zu Paris, am 11. (oder 6.) März 1777 
zu Verdun-8ur-6aronne geboren, aus einer Asklepiadenfamilie stammend, war anfäng- 
lich Apotheker, studirte dann in Montpellier Medicin, wurde 1798 Doctor daselbst, 
kam darauf (im Jahre VHI) nach Paris, wurde mit J. Sädillot, dem Herausgeber 
des Journals, das nacheinander die Titel Recueil p6riodique de la Soo. de m6d. 
und Joum. g^n6ral de m6d. führte, bekannt und übernahm aus dessen Händen 
die Redaction desselben, das unter seiner Leitung bald neues Leben erhielt. Er 
betheiligte sich an dem grossen, von Napoleon I. ausgeschriebenen Goncurse 
über den Croup und erhielt mit seinem „TraüS du croup^ (Paris 1811) zwar nicht 
den Preis, aber die erste ehrenvolle Erwähnung ; er gab femer eine neue Ausgabe 
von Kleines „Interpres medicus^ (1809) mit einer lateinischen Vorrede heraus, 
während sein bedeutendstes Werk, an dem er 11 Jahre gearbeitet hatte, „SSm^to- 
logie gSnSraley ou trattS des stgnes etc." (3 Bde., Paris 1811 — 22) war. In 
der Akademie der Medicin , der er seit deren Gründung angehörte , brachte er 
weniger originale Arbeiten, als eine Reihe von geschätzten Berichten über die 
Leistungen Anderer zum Vortrage, gehörte überhaupt zu den besten Rednern der 
Versammlung. 1832 wurde er auch, als Nachfolger von Portal, Mitglied der 
Akademie der Wissenschaften ; dagegen nahm er keinerlei Stellung, weder bei den 
Hospitälern, noch an den Lehranstalten, noch bei Hofe ein. Noch kurze Zeit vor 
seinem am 12. Juni 1842 erfolgten Tode hatte er eine neue Ausgabe der üeber- 
setzung J.-M. Goudakeau's von J. P. Frank's „Trait6 de m6decine pratique" mit 
einer Einleitung versehen. lieber seine sonstigen sehr zahlreichen Aufsätze und 
Mittheilungen vgl. Callisen nachstehend, Bousquet im Bulletin de TAcad. roy. 
de med* T. IX, 1843—44, pag. 792 und in M6m. de TAcad. roy. de m6d. T. XI, 
1845, pag. 1. 

Ronx in Revue med* fran9. et etrang. 1842, II, pag. 450. — Callisen, V, 
pag. 288; XXVII, pag. 331. ^ 

Donbiet, Franko is D., zu Chartres am 30. Juli 1751 geboren, begab 
sieh sehr früh auf Reisen nach Holland und Italien. Zuerst war er, dem väter- 
lichen Willen gemäss, in der Pariser juristischen Facultät inscribirt (bis 1773); 
dann studirte er Medicin bis 1776 und wurde sogleich Assistent an der Charit^ 
de St. Sulpice (später Höpital Necker). 1786 gelangte er, nach mehrfachen ander- 
weitigen Hospitalstellungen, in die Soc. royale de m6d. und 1794 zu einer Pro- 
fessur fdr interne Pathologie an der ficole de m^d. Seine Arbeiten sind klinischen 
Inhalts, so: „Miinoire sur les aymptomes et le traüement de la maladie v^n^nenne 
dans les enfans nouveau-nh*' (Paris 1781) — die „Observations sur une fievre 
maligne petechiale qui a regn^ ä Vhosjnce de St. Sulpice" (Joum. de Bacher, 
T. LVIII) — fyObservaiions faites dans les departepients des kopitaux ciuils" 
(Paris 1755 — 1758). In seinen Schriften über Puerperalfieber, die theils im oben 
genannten Joumalbande, theils monographisch — Paris 1789 — 1791 — heraus- 
kamen , erklärt er dasselbe für eine Milchmetastase. Seine Anregungen hinsichtlich 
Biogr. Lexikon. II. 14 



210 DOUBLET. — DOUGLAS. 

der Geföngnisshygiene (gleichzeitig) verrathen ein gesundes Urtheil neben viel 
Philanthropie. 

Dict. bist. II. Red. 

Dougall, Joseph D., der seine Studien in Edinburg 1858 beendigt hatte, 
trat in den militärärztlichen Dienst für Indien ein und ging 1860 nach den chine- 
sischen Stationen. Sowohl durch die Vornahme glücklicher Operationen (Elephantiasis), 
als durch eine ftlr die Regierung fertiggestellte Arbeit über die Alkaloide der 
Chinarinde und im Rapportwesen sich auszeichnend, blieb er 11 Jahre im Oolonial- 
dienst , besuchte aber nach der Heimkehr noch einmal die Universität Edinburg 
und promovirte auf Grund der oben genannten Arbeit 1873. Nach Indien zurück- 
gekehrt, machte er hier nunmehr seine Beobachtungen über den Nutzen des Guijun- 
öls bei Aussatz, die ihrerzeit grosse Beachtung fanden. D. wandte sich dann, in 
Nordindien reisend, anthropologischen Forschungen zu, legte 'Schädel- und Skelet- 
sammlungen an und lieferte ausgezeichnete Photographien von den Bewohnern d^ 
Andamanen- und Nikobaren-Inseln. Am 9. Februar 1879 starb er (in Indien) 
am Typhus. 

Edinb. Med. Journ. 1879, pag. 1053. Red 

^Dougall, John D., in Glasgow, hier auch ausgebildet und 1871 Med. Dr., 
trug an der Glasg. Infirmary Materia medica vor und wirkte später als Medical 
officer. Seine Arbeiten über Desinfection, welche besonders auch die experimentelle 
Seite des Themas zum Gegenstande nahmen, sind von Wichtigkeit — auch nach 
den Fortschritten, welche neuerdings auf diesem Gebiet zu verzeichnen sind. So; 
;, On the relative power of various substances to prevent generation of animaU 
culae^ (Transact. of the Brit. assoc. advert. sei. 1871 — 1872) — pThe science 
of diainfection^ (Transact. of the sc. congr. 1874) — „Putrefiers and antisepticg^ 
(Glasg. med. journ. 1873). Ausser den etwas älteren „Researches of bromal 
hydrate" (Ebenda 1870) ist auch noch die Arbeit über Verbreitung ansteckender 
&ankheiten durch die Milch (Ebenda 1873) zu erwähnen. Wem ich. 

Douglas. Unter den verstorbenen englischen Aerzten dieses Namens sind 
folgende besonders hervorragend: James D., ein geborener Schotte, 1675 — 1742, 
der sowohl als Gelehrter wie als Arzt, auch Leibarzt der Königin von England 
einen bedeutenden Nachruhm erwarb. Die Zahl seiner Schriften (vollständig in der 
unten zuletzt genannten Quelle) ist sehr bedeutend. Besonderer Hervorhebung 
bedürfen: „Myographiae comparatae specimen^ (London 1707; Edinburg 1750; 
lateinisch Leyden 1729 und Dublin 1777) — „Btbliographiae anatomicae 
hpecimen etc,^ (s. die Nr. 142 unseres Quellenverzeichnisses) — „Index maieriae 
medtcae" (London 1724) — „History of the lateral Operation for extrticting 
the stone etc." (London 1726; lateinisch Leyden 1728; französisch Paris 1734; 
Anhang dazu: London 1731) — „A descrtption of the periUmeum etc,** (London 
1730, 40; lateinisch von Heister, Helmstädt 1732 und von J.Nelson, Leyden 
1737). ■ — Nach seinem Tode 1748 erschienen „Nine anatomical figuresj repre- 
senttng the external parts^ musdes and bones of the human body", herausgegeben 
von seinem Bruder. — Dieser, John D., etwas jünger als James, zeichnete sieh 
besonders als Lithotomist aus und fungirte als Operateur am Westminster Hospital. 
Er war ebenfalls Mitglied der Londoner R. Society und starb 1759. Nach 
R. Watt soll gleichzeitig ein zweiter John D. in Edinburg gelebt haben, anf 
ähnlichen Wissensgebieten thätig gewesen und 1758 gestorben sein. Ihm werden die 
letztgenannten Werke zugeschrieben, während die 6 hier zunächst aufgeführten 
in voller Uebereinstimmung als von dem Londoner John D. herrührend in den 
Bibliographien genannt werden: „Ldthotoniia Douglassiana etc." (London 1719, 
40. 1723; französisch Paris 1724; deutsch Bremen 1729) — „Account of 
mortißcation and of the surprinng effects of the bark in putting a stop to 
their progress" (London 1729, 1732) — „Animadversion on a late pompous 
book, intitled: Osteographia" (sehr abfällige, gegen Cheselden's so benanntes 



DOUGLAS. — DOÜSSIN-DUBREUIL. 211 

Werk gerichtete Kritik, — London 1735) — „^ short account of the atcUe of 
midwifery in London and Westminster** (London 1736) — pA aissertation on 
the venereal disease" (London 1737). Dagegen sollen also von dem Edin burger 
John D. herrühren: „A treatüe on the hydrocele" (London 1755; und Duplik 
^egen einen Angriff auf dies Buch, Daselbst 1758) und: Beobachtungen in den 
„Essays of Edinburgh^ ttber Nierensteine (1733), Kleinhimabscess (1738) und eine 
Geschwulst am Schenkel (1755). — Andreas D., lediglich als Verfasser dreier 
Schriften bekannt, nämlieh „De variolae insütone*^ (Edinburg 1775) — „On an 
extraordinary case of ruptured Uterus" (London 1785) und „Obaervations on 
the rupture of the gravid Uterus*' (Daselbst 1789). — Endlich sind zu nennen 
Robert D. , von dem nichts überliefert ist, als dass er Arzt in London war, 
aber den nicht unberfihmten „Essay conoerning the gener ation ofheat in animals" 
sehrieb (London 1747; französisch Paris 1755, 1760), — und Sylvester D., 
der Verfasser der „Dissertatio de stimulis*' (Leyden 1766) und mehrerer Unter- 
suchungen über Tokayer und andere Ungarweine in den Philos. Transactions. 
Biogr* m^d. III. — Index cat. II. — Dict. hist. II. Eed. 

*Dottgla8, Andrew Halliday D. , zu Edinburg 1840 promovirt und 
F. R. C. P. Edin. 1843, wirkte lange an der R. Infirmary daselbst und ist der 
Autor von: „Statistical report on the Edinburgh epidemic fever of 1843 — 1844^ 
(Daselbst 1845?) — „Memoir on the relations of hypertrophie and dilatation 
of the heart" (Daselbst 1850) — „Substernal aneurism; case and observations** 
(1863) u. a. Red. 

* Douglas, Mordey D. , z. Z. Arzt und Gesundheitsbeamter in Sunder- 
land, bildete sich medicinisch am University College zu London und in Edinburg 
aus, wurde M. R. C. S. Eng. 1863, L. R. C. P. Edin. 1868. Seine beiden Haupt- 
arbeiten :^J?ot£7 to stamp out small-pox etc." und „Alkohol in acute specific 
diseases" veröffentlichte er bereits 1867 (letztere in der Lancet). Später publicirte 
er in den Transact. of the Northland and Durham med. soc. noch Casuistisches. 

Red. 

Douglass, William D. (in einzelnen Quellen auch Douglas), lebte von 
1692 (?) bis 1752 und war Arzt in Boston. Er leitete sein literarisches Auftreten 
mit einigen Schriften zu Gunsten der Schutzpockenimpfung (1722) ein und ver- 
mochte in einer späteren Schrift; „A dissertation concerning inoculation of the 
small-pox" (Boston 1730) Rechenschaft über die Fortschritte zu geben, welche 
die Impfung inzwischen in Boston gemacht hatte. Weiter erschienen von ihm 
„ The practical history of a new epidemical eruptive miliary fever, with an 
angina ulcusculosa which prevailed in Boston in the years 1735 and 1736" 
(Daselbst 1736). — Offene Briefe an Thomsox, an SmelliE, an Z. Boylton, 
und „A summary y historical and political of the first planHng progressive 
improvements and present State of the British Settlements in North America" 
(zwei Bde., Boston 1749—1751, 1755; London 1760). 

(Nicht zugängliche) Biogr. in den Med. Commanications of the Massachusetts med. 
soc. 1836. Red. 

Doussin-Dubreuil, Jacques-Louis D., zu Paris, war 1762 zu Saintes 
geboren, erhielt seinen ersten chirurgischen Unterricht von seinem Vater. Er liess 
sich in Paris nieder und schrieb folgende Schriften, die grossentheils eine Reihe 
von Auflagen und verschiedeutliche Uebersetzungen erlebten: „TraitS des glaires, 
de leurs causes, etc." (Paris 1794; 9. Ausg. 1824; deutsche Uebersetzungen 
Mannheim 1799; 1800; Neue Uebers. von J. H. G. Schlegel, Ilmenau 1823; 
4. Aufl. 1826) — „De VSpilepsie en g6n6ral et particulürement de celle diter- 
minie jpar des causes morales" (Paris an V — 1797; 1800; 1804; 1825; deutsche 
Uebers. Mannheim 1799; ital. Uebers. Venedig 1802) — „De la nature et des 
causes de la gonorrhSe benigne ou sans virus vSnerien, etc." (Paris 1798, 4. Aufl. 

14* 



212 DOüSSIN-DüßBEÜIL. — DOWELL. 

1804; deutsche Uebers. Mannheim 1799) — „Lettres aur les dangers de Tona- 
nisme etc,"* (Paris 1806; 3. Aufl. 1825; deutsche Uebers. von W. Hübeb, Basel 
und Aarau 1807; 4. Aufl. 1828 ; andere Uebers. v. J. P. Koffingeb, Pest 1816) — 
„Nouveaux apergiis sur les causes et les effets des glaires^ (Paris 1816) — 
„De la pulmonie, etc," (Paris 1824; deutsche Uebers. von C. Fitzleb, Ilmenau 

1826) — „De Videntiti de deux maladies de la gonorrhSe benigne et 

des jleurs Manches^ (1825) — „Des fonctions de la peau" (1827 ; deutsch von 
J. C. Fleck, Ilmenau 1828) u. s. w. Er war einer der ersten französischen Aerzte, 
welche die Vaccine anwendeten, und zwar zunächst bei seinen eigenen Kindern. Auch 
agitirte er fttr die Errichtung von Impfanstalten in allen Theilen Frankreichs und 
schrieb mit Brunet und CharmoKt eine Schrift: „De la Vaccine et de ses heureux 
resultats*" (Paris 1826). Er starb 1831. 

Rainguet, pag. 198. — Callisen, V, pag. 302; XXVII, pag. 333. G. 

* Doutrelepont , Joseph D., zu Malmedy am 3. Juni 1834 geboren, 
absolvirte seine Studien in Bonn, Berlin und Wien und wurde 1858 promovirt. 
Er begann seine Thätigkeit als Privatdocent für Chirurgie 1863,- wurde 1869 
Prof. extraord. und 1882 Director der Klinik für Hautkrankheiten und Syphilis 
in Bonn. Von seinen Schriften erschien ein Theil in der Berliner med. Woehenschr., 
so: „Berniotomte bei Massenreductiqn" — „Casuvttik der Kopfverletzungen*^ — 
„Casuütik der complicirten Luxation^ — „Resectton des Hüftgelenkes** ; andere 
in Langenbkck*S Archiv : „Resectton des Ellbogengelenkes** — ;, Urethrotomia 
externa** — „Herniotomia externa** und ähnliche, die in der Deutschen Zeitschr, 
für Chirurgie publicirt wurden. Hervorzuheben sind noch : ;, Versuche über die 
Vebertragung der Carcinome von Thier auf TTiier** (ViBCHOw's Archiv) — „ lieber 
Sycosis para^sitaria** und „ Tuberkelbacillen im Lupus** (Monatsh. für Dermatologie). 

Red. 

Dover, Thomas D. , englischer Arzt, der Erfinder des bekannten, au^ 
Opium, Ipecacuanha etc. bestehenden Pulvers, war aus Warwickshire gebürtig, 
wurde 1687 zu Cambridge Baccalaureus medicinae. Er war wahrscheinlich ein 
Freund von Sydenham, liess sich in Bristol nieder und rüstete, nachdem er zu 
Vermögen gekommen, zusammen mit mehreren Eaufleuten zwei Schiffe für die 
Südsee aus, mit deren einem er 1708 dorthin abging. Er hatte das Glück, auf 
der Insel Juan Femandez den bekannten AlexanderSelkirk, der daselbst 
4 Jahre und 4 Monate ganz allein gewesen , aufzufinden und in die Heimat zu 
bringen. 1711 nach Bristol zurückgekehrt, prakticirte er wieder daselbst und von 
1721 an in London, wo er, nachdem er inzwischen von 1728 an einige Jahre 
in Gloucestershire gewohnt hatte, im Jahre 1741 starb. Seine Schrift: „Ancient 
physicians legacy** wurde ein sehr populäres Werk und hatte in wenigen Jahren 
eine grosse Menge von Auflagen. 

Munk, ir, pag 79. G. 

Dowell. Ephraim Mac D., ein Landarzt in Nordamerika, wird in den 
Annalen der Gynäkologie stets genannt werden, da er der Erste war, der in 
vollem Bewusstsein dessen, was er unternahm und nach wohlüberlegter Methode 
die Ovariotomie ausführte. Er wurde am 11. November 1771 geboren und 
starb am 25. Juli 1830. D. stammte aus Virginien, übte aber seine ärztliche 
Praxis zu Danville in Kentucky aus. 1793 und 1794 studirte er in Edinburg und 
war daselbst Schüler des damals sehr berühmten Lehrers der Chirurgie John 
Bell (1763 — 1820). Ohne Zweifel bekam er die Anregung zur Ausftlhmng der 
ersten Ovariotomie von seinem Lehrer. Sein Biograph Gross äussert sich wenigstens 
in diesem Sinne. 1795 kehrte D. aus England nach Nordamerika zurück und 
liess sieh im Staate Kentucky nieder, wo er seine Praxis auszuüben begann. Im 
Jahre 1809 machte er seine erste Ovariotomie an einer gewissen Frau Crawford 
aus Green County in Kentucky, mit glücklichem Erfolge. Bis zum Jahre 1816 
hatte er dreimal, und jedesmal mit glücklichem Erfolge, operirt. Im Jahre 1820 



DOWELL. — DOYON. 213 

hatte er bereite siebenmal operirt: nur der 5. Fall, eine Dermoidcyste, war 
letal yerlaufen. Im Ganzen nahm er die Ovariotomie dreizehnmal vor und davon 
achtmal mit günstigem Ausgange. Dass die ersten Weiber, aü denen er die Ovario- 
tomie vornahm, Negersklavinnen waren- und er die Operation nur über Aufforderung 
der Sklavenbesitzer, denen es sich um die Erhaltung des damals kostspieligen 
Sklavenmateriales handelte, vornahm, wie dies Nklaton berichtet, ist nicht richtig. 
Dieser Vorwurf Neläton's, D. habe diese kranken filrbigen Weiber nur als Ver- 
suchsobjeete zur Vornahme seiner hardiösen Operation benützt, wurde in Amerika 
in neuester Zeit widerlegt. Literarisch war D. wenig thätig. Seine Erfahrungen 
iaber die Ovarioitomie veröffentlichte er erst im Jahre 1818 (Lond. med. gaz. V, 
35; Eclectic repertory and analytical review. Philad. 1818, Oct.). 

Ein Porträt D 's bringt Spencer Wells in seinen „Diseas. of the ovar.", ebenso 
zn finden in der deutschen, von Paul Gessner besorgten üebersetzung (Leipzig 1874). 
(Biogr. in Gross, American phys. and surg. und Gross, American med. literat. Vergl. auch: 
Jransact. of the Internat, med. congress öf Philad." 1876, Philad. 1877, pag. 107, 159, 160, 161). 

Kleinwächter. 

Dowler, Bennet D., amerikanischer Arzt, 1797 — 1866, dessen Bio- 
graphie nicht zugänglich war. Er trat als Arzt und medicinischer Schriftsteller 
zuerst in New-Orleans auf mit Untersuchungen tiber das im Mississippi lebende 
Krokodil (1846), über die Contractilität der Muskeln (gleichzeitig) und einer Reihe 
von kleineren physiologischen und meteorologischen Beiträgen, unter denen noch 
der Hervorhebung bedürfen: „Contributions to experimental physiology** (New- 
Orleans 1852) und „Tableaux of the yellow fever of 1853 etc.^ (Daselbst 1854). 

Red. 

*Down, John Langdon Haydon D., M. B. 1858, Med. Dr. zu London 
1859 , F. R. C. F. daselbst 1869 , war Lecturer der klinischen Fächer und der 
Materia medica an verschiedenen Hospitälern und wirkte später als Arzt und 
Superintendent am Earlswood Asyl (1858 — 1868). Er wurde für seine Arbeit 
„Natures balance^, sowie später noch mehrfach durch Preismedaillen ausgezeichnet 
und that sich besonders auf dem psychiatrischen Gebiet publicistisch hervor, so 
mit „On the condition of the mouth in idiocy^ (1863 ; französich von Bour- 
neville) — „On the education and training of the feehle in mind^ (1876) — 
„0/1 the relation of the teeth to mental disea^e" (Odont. Transact. 1872) und 
Bearbeitung ähnlicher Themata in dem Journ. of ment. sciences, der Lancet, Brit. 
med. Journ. etc. ^^^ 

*D0W8e, Thomas Stretch D., zu Aberdeen 1868 promovirt, M. R. C. S. 
Eng. bereits 1865 und F. R. C. P. Edinb. 1873, war längere Zeit Arzt am Hospital 
f&r Schwindsüchtige zu London, sowie an dem für Epileptische und Gelähmte in 
Regent's Park« Er wirkt als Medical Superintendent am Londoner Centralkranken- 
agyl und ist der Verfasser von „On syphilis of the brain and 7iervous system^ — 
ffNeuralgia, its nature and curatwe treatinent** — „Neuraathenxa or brain 
and nerve exhatistion" — „Bulbar and diphtheritic paralyis^ — „Ätaxy and 
the preataxio or curable «tage of locomotor aJtojxy^ — „Apoplexy, its diagnosis 
and treatment" und vieler Arbeiten über Himkrankheiten und Syphilis. Ueber 
Jaborandi, Pilocarpin und Gelseminum schrieb er in Med. press and cir. (1876); 
über vasomotorische und trophische Neurosen in der Lancet (1879). j^^^^ 

*Doyoil, A. D., ist im Jahre 1827 zu Grenoble geboren, studirte in Lyon 
unter Didat; in Paris waren Bazin und Hardt seine Lehrer. In die literar- 
wissenschaftliche Welt fahrte sich D. 1868 mit einer Brochüre tiber den Herpes 
d«r Geschlechtstheile und der mit Anmerkungen versehenen üebersetzung der 
^Hautkrankbeiten^' von Hebra (1868^-78) ein Im Vereine mit J. Diday schrieb 
er das bei diesem angeführte Werk ; mit Ernest Besnier die Üebersetzung und 
Anmerkungen zu Kaposi's „Hautkrankheiten^; 1869 gründete er die „Annales 
de dermatologie et de syphiligraphie^ , deren erste Serie (10 Jahrgänge) er allein 



214 DOYON. — BRAKE. 

redigirte; die zweite Serie beginnt mit 1880 und hat die hervorragendsten fran- 
zösischen Specialisten zu Mitredacteuren. Von seinen kleinen Schriften sei nur 
^Du mode (Tenseignement de la dermato-syphütgraphie contemporaine (Vienne- 
Paris-Lyon)'' (Paris 1883, 8., p. 42) erwähnt. j ^^ Proksch. 

*Drachinann, Anders Georg D., zu Kopenhagen am 22. November 
1810 geboren, absolvirte 1836 das chirurgische, 1839 das medicinische Examen, 
wurde Arzt an dem von Lanqgaard errichteten orthopädischen Institute zu Kopen- 
hagen und hat seit den Vierziger-Jahren als vielbeschäftigter Specialist in Orthopädie 
und Gelenkkrankheiten gewirkt. 1848 wurde er Oberarzt in der dänischen MariDe. 
1859 errichtete er ein Institut für medicinische Gymnastik. Auf dem Gebiet seiner 
Specialität hat er neben vielen kleineren Artikeln in den dänischen Zeitschriften 
grössere Arbeiten publicirt: „Om Ryggradena Sidekrumning (Scoliosts)*^ — „Om 
Spondylarthrocace*' — „Om Arthritis deformans'' — „Om Resection efter 
Skudsaar'' — „Om Stethomeirie" , Auch in den sich an die Orthopädie anschliessen- 
den Fragen, besonders den der Schulhygiene, .ist er sehr thätig gewesen und 
schrieb unter Anderem: „Om Pigebörns physiske Opdragelse'' (über die physische 
Erziehnng der Mädchen). 1877 erhielt er die Ehrendoctorwiirde gelegentlieh der 
Jubiläumsfeier der Universität zu Upsala. 1884 hat er sich in den Ruhestand 
zurückgezogen. 

Smith und C. Bladt, pag. 20. Petersen. 

*Dragendorff, Georg D. , wurde am 8. (20.) April 1836 in Rostock 
geboren, betrieb daselbst seine Studien besonders unter Franz Schulze und wurde 
zum Dr. phil. 1861, zum Dr. med. (hon. causa) in München 1872 promovirt. Schon 
lange vorher, nämlich 1864, hatte D. seine überaus fruchtbare Thätigkeit als 
Prof. ord. der Pharmacie an der Universität Dorpat begonnen. Er hat während dieser 
20 Jahre zu einer grossen Reihe von Arbeiten pharmakologischen Inhaltes (viele 
im Archiv für experim. Pathologie) den Anlass gegeben und viele derartige Arbeiten 
selbst vollendet. Als Monographien erschienen: „Die gerichtlich-chemische Er- 
mitteluna von Gißen'' (St. Petersburg 1876, 2. Aufl.) — „Beiträge zur gericht- 
lichen Öhemie*' (Daselbst 1871) — „Die qualitative und quantitative Analyse 
von Pflanzen und PflanzerUheilen'* (Göttingen 1882). j^^^j 

Drake, James D., 1667 — 1707, Anatom, Arzt und Publicist zu London, 
wurde in Cambridge geboren und ging erst nach seiner Uebersiedlung nach London, 
angeregt durch Th. Willington, zur Medicin über. 1696 wurde er in die Royal 
Soc. und in das Medicin-Collegium aufgenommen. Gleichzeitig erfolgte seine Pro- 
motion. Durch einige satirisch-politische Schriften hatte er sich die FeindsehafI; 
der Regierung zugezogen und starb, deswegen vielfach verfolgt und angefeindet, 
bereits — wie angegeben — früh. Ausser seinen drei Dissertationen über Inter- 
mittens, Pocken und Masern, die heutige Pharmacie (die in Cambridge einzeln 
1690, 1694, 1696 und vereinigt von Milward, London 1742, sowie gleichzeitig 
in Amsterdam herausgegeben wurden) schrieb er „A new System of anafamy''' 
(London 1707, 1717 in zweiter Ausgabe als Anthropologia nova ; 1737 nochmals), 
ausserdem in den Transact. philos. eine Abhandlung über den Einfluss der Athmnng 
auf das Herz mit noch nicht beobachteten Thatsacheu. — Femer ist von englischen 
Aerzten dieses Namens noch zu nennen: Nathan I. D., Med. Dr. Edinb. 1789, 
der zu Hadleigh in Sussex wirkend über Digitalis speciell bei Lungenschwindsucht 
schrieb (Med. and. phys. transact. 1799 und Brief an BEDDOfis), sowie „A C4ise 
of diseased spieen"" (mit Section, Edinb. med. and Surg. Journ, 1806) publicirte. 

Diet. hist. II. — Biogr. med. III. Red. 

Drake. In York wirkten zwei Aerzte D., die oft miteinander verwechselt 
sind, nämlich William D. , 1687—1760, der eine Geschichte der Stadt York 
Bchrieb, und Francis D., der durch seine Freundschaft mit Mead, verschiedene 
Arbeiten in der „Archaeologia" und ein daselbst 1736 erschienenes archäologisches 



DRAKE. — BRELINCOURT. 215 

Werk Ober York ausgezeiehnet ist. — Am der Zahl der sonstigen (amerikanischen) 
D/s wäre noch Daniel D. zu Cincinnati mit mehreren Schriften über die 
medleiDlsche Geographie dieses Ortes (1810, 1815) und über Säuferkrankheiten 
(Amer. med. Rec. Vol. II) zu erwähnen. 

Biogr. m6d. HI. Red. 

Drakon, des Hippokrates Sohn, war, wie sein Vater, ein berühmter 
Aizt. Einige schrieben ihm das «unter den Hippokratischen Schriften stehende 
„npoppTjTutov" zu. 

Galen, XV, 111; XVI, 625. Helmreich. 

Le Dran, s. Ledran. 

Draper. Unter der grösseren Anzahl amerikanischer Naturkundiger, welche 
den Namen I). führen, nimmt eine hervorragende Stellung nur der New- Yorker 
Chemiker, John William D., 1811 — 1882, ein, der unter vielen seiner Special- 
Wissenschaft eignenden Schriften auch erscheinen Hess: „The inßuence ofpkysical 
agents on life^ (New- York 1850) und eine umfangreiche „Human physiology^ 
(Daselbst 1856 und ein Extract daraus als „A textbook on physiology*^ , 1866). 
Die fibrigen D. haben bemerkenswerthe medicinische Leistungen nicht producirt. 

Red. 

*Drasche, Anton D., geboren am 1. Juli 1826 zu Lobendau (Böhmen), 
bildete sieh an den Universitäten in Prag, Leipzig und Wien unter E. H. Weber, 
Bock, Skoda, Rokitansky, Oppolzer und Schuh bis 1851, dem Jahre seiner 
Promotion, aus. Seit 1851 wirkt er als Secundararzt , Privatdocent , Primararzt 
und ausserordentlicher Professor der Epidemiologie in Wien. Hauptschrift : ;, lieber 
die Cholera** (Wien). Zahlreiche klinische Arbeiten, namentlich über Herzkrank- 
heiten und über Statistik der Gesundheitsverhältnisse Wiens, worunter nur die 
jüngste statistisch-graphische Arbeit ;, Ueber den Einflusa der Hochquellerdeüuncj 
auf die Salubrität der Bevölkerung Wiens** (Daselbst 1883) hervorgehoben sei. 

Red. 

*Drech8el, F. H. Edmund D. , geboren zu Leipzig 1843, hat Chemie 
zu Leipzig von Ostern 1863 ab namentlich unter Eolbe studirt, als dessen Assistent 
er seit seiner Promotion (als Dr. phil.) von Michaeli 1865 bis Ostern 1868 thätig 
war. Seit 1872 ist er als chemischer Assistent am physiologischen Institute der 
Universität Leipzig angestellt, 1878 wurde er zum a. o. Professor in der medi- 
cinischen Facultät, 1883 auch zum Doctor der Medicin ernannt. Schriften: „Ueber 
Ernährung, Athmung und Ausscheidungen** (in Hofmann und Schwalbe's 
Jahresberichten) — „Chemie der Absonderungen der Gewebe** (in L. Hermann's 
Handbuch der Physiologie). Winter. 

Drelinoonrt, Charles D., 1633 in Paris geboren, studirte daselbst unter 
Biolands Anatomie, promovirte in Saumur zum Dr. philos. (1650) imd in Mont- 
pellier zum Dr. med. (1654). Bald darnach ernannte König LudwigXIV. ihn 
mm Inspector des militärärztlichen Dienstes bei der Armee in Flandern. 1658 
^eh Paris zurückgekehrt, wurde er Arzt am Hofe und war auch praktisch thätig. 
1668 wurde er als Prof. med. pract. nach Leyden gerufen und trat dieses Amt 
im Februar folgenden Jahres an. Nach dem Tode van Horne*s — 1670 — auch 
»um Prof. anat. ernannt, hat er sich vorzüglich ein Verdienst erworben durch die 
Aequisition der Leichen von Verurtheilten für den anatomischen Unterricht. Wie 
sehr seine Schüler ihn als Docent schätzten, erhellt unter Anderem aus einer Vor- 
rede Boerhaave's zu D.'s „Opuscula medica**. Ausser seinen vielen, nicht immer 
sehr wissenschaftlichen Schriften,' die alle ausfahrlich durch Portal verzeichnet 
sind, war D. Mitarbeiter an den „Observata et miscellanea anatomica hominis 
brutorumque" von G. Blasius und am „Sepulchretura" von Bonet (s. diesen). Bei 
seiner Vorliebe für Hippokeates und das Alterthum, war sein Verhältniss zu 
Sylvius und anderen Collegen oft gespannt. 1687 wurde er, weil seine Augen sehr 



216 DRELINCOÜBT. - DRIEBEIN. 

durch das Mikroskopiren gelitten hatten, auf seinen Antrag von dem anatomischen 
Unterricht enthoben und durch seinen Schüler Anton NüCK ersetzt. D. las, soweit 
seine schwache Gesundheit dies erlaubte, theoretische Medicin bis zu seinem 1697 
erfolgten Tode. C. E. Daniels. 

* Dreschfeld, Julius D. , studirte in Wtirzburg, wo seine Promotion 
erfolgte, bis 1867, wurde F. R. C. P. Lond. 1883, nachdem er sich in Manchester 
niedergelassen und unter Anderem folgende Arl^eiten publicirt hatte: „On famäy 
jyredispositton in locomotor ataxy^ (Manchester and Liverpool Reports 1876) — 
„On primary lateral sclerosis^ (Joum. of anat. and phys. 1881) ■ — „PaÜiological 
histology of acute yellow atrophy of liver" (Ebenda gleichzeitig) — ^^^^ course 
of the optic nerve ßbres" (Brain 1882). Ausser casuistischen Mittheilungen noch 
neuerdings: „On the diagnostic value of the tuber de bacillus" (Lancet 1883). 

Red. 

Dresserus, Matthäus D., 1536 — 1607, ist zu nennen als Autor von 
„De partibus corporis humani et de anima ejusque potentiis libr. II" (Witten- 
berg 1581 , 1583) und des „Gurriculum vitae Joh. Oratonis a Orafthem'^ 
(Leipzig 1587). Ked. 

Dreyer, Johann Traugott D., Ritter von der Hier, zu Wien, 
General-Stabsarzt , war 1804 zu Asch in Böhmen geboren als Sohn eines Ober- 
arztes, trat 1824 „nach absolvirter Philosophie" als Unterarzt in die Armee ein 
und war einer der ersten Zöglinge, welche die damals eben restaurirte Josephs- 
akademie 1825 zu dem höheren Lehrcursus einberief. Er wurde 1830 Assistent 
bei Friedr. Jaeger's ophthalmologischer Klinik und blieb dies auch bis zu seiner 
Ernennung zum Regimentsarzt in Innsbruck (1833), nachdem er zu seiner Doctor- 
Promotion 1831 eine „Diss. inaug. med. chir. pertractans novam blepharopla- 
sticis methodum" (mit 2 Taf.), in welcher er mehrere neue Operationsverfabren 
seines gedachten Lehrers publicirte, verfasst hatte. Bereits 1835 wurde er an die 
Josephsakademie zur Ucbemahme der Vorträge über Naturgeschichte zurückberufi^, 
drei Jahre später zum wirklichen Professor dieses Faches befördert mit dem Range 
eines Stabs-Feldarztes , als welcher er zugleich zum Mitgliede der permanenten 
Feldsanitäts-Commission ernannt wurde. Vermöge seiner hohen wissenschaftlichen 
Bildung und seines organisatorischen Talentes, das er bei den Arbeiten der gedachten 
Commission entwickelte, wurde er 1850 als Correferent in das Sanitäts-Departement 
des Kriegsministeriums berufen, dessen Leitung er bald darauf als oberster Feldarzt 
ttbemahm, um sie fortan, vom Jahre 1855 an als General-Stabsarzt, bis zu seinem 
lö64 erfolgten Rücktritte fortzuführen. Die Grundsätze, die er dabei, wenn auch 
vielfach vergeblich, zur Geltung zu bringen suchte, entsprachen ganz den An- 
schauungen, wie sie erst in der neuesten Zeit mehr und mehr zum Durchbruch 
gekommen sind. Besonders verdient hatte er sich um die Feldsanitätsausrflstung 
in den Jahren 1848, 1849 und um den Sanitätsdienst im italienischen Kriege von 
1859 gemacht. Er starb am 17. September 1871. 

Allgem. militärärztl. Zeitang 1871, pag. 233. 0. 

Dreyssig, Friedrich Wilhelm D., geboren 1770, wirkte längere Zeit 
als Gamisonsarzt auf dem Königstein und wurde 1807 an die Universität Charkow 
berufen. Als er 1819 dort starb, hinterliess er folgende nicht unverdienstliche 
Werke: „Handbuch der Pathologie der sogenannten chronischen Krankheiten*^ 
(Leipzig, L Th. 1796 ; 11. Th. 1798) — „Handbuch der medicinischen Diagnostik*^ 
(Erfurt, I. Th. 1801, auch französisch, Paris 1804; ü. Th. 1803) — „Hand- 
wörterbuch der medicinischen Klinik etc.*" (Erfurt, I. Th. 1806; II. Th. 1807). 

Biogr. m6d. III. Bed. 

* Driebein, KarlWaldemarD., geboren zu Kopenhagen am 8. Mai 1 836, 
studifte auf der Universität in Kopenhagen , wurde 1866 promovirt („Om Sit^y- 
lyhobie") und wirkt als Communalarzt in Kopenhagen. U^j 



DRIESSEN. — DROSTE. Sil? 

Driessen, Petrus D., 1753 in Groningen geboren, studirte daselbst unter 
CAitPBR, Brügmans und van Doeveren und promovirte 1773 („De nervis mus- 
culorum ahdominis et super ficiei tnguinis"). Nach einer Reise durch Frankreich, 
England und Deutschland etablirte er sich in Groningen als Arzt, wurde 1778 
Lector ehem. pharm., therap. und materiae medicae an der Universität und 1787 
Prof. exti'aord. („Oratio de arte pharmacetUica ad majorem dignüahim evekenda 
in magnum patriae emolumentum"). Eine Professur in Hi^rderwyk schlug er 
1791 ans und erlangte so die Berufung zum Prof. ord. ehem. et bist, naturalis. 
D. hat sich um die Chemie grosse Verdienste erworben und war einer der fünf 
Verfasser der „Pharmacopaea Batava^ (Amsterdam 1805), während er später 
zum Mitarbeiter an der „Pharmacopaea Belgica" (Hagao Comitis 1825) berufen 
wurde. Er starb 1828. C E Daniels. 

^Drivere, J crem las D., 1504 in Braeckel in Flandern geboren (Thri- 
VERius Bracheltts), war Professor in Löwen, wo er, wie aus seinen vielen 
Schriften erhellt, die Hippokratische Schule am kräftigsten vertrat, obgleich er 
gleichzeitig einer der Ersten war, welche Brissot's Methode der Aderlässe bestritten 
^„De missione sanguinis etc.^ [Löwen 1532, 4.]). 1544 hielt er vor seinen 
Studenten eine sehr lesenswerthe Rede : „De duobus kodie medicorum sectis ac 
de diversa ipsorum methodo^. Er starb 1554. — Sein Sohn veröffentlichte noch 
1592 (Antwerpen und Leyden) ein als Manuscript hinterlassenes Compendium 
medieinae unter dem Titel: „Universae medicinae brevissima et absolutissima 
methodus''. C. E. Daniels. 

Droeze, Frederik Jan Haver D., zu Dordrecht, war daselbst am 
6. Juni 1779 geboren, wurde 1799 zu Leyden Doctor, ging einige Zeit nach 
Paria, wurde 1802 Lector der Medicin zu Dordrecht, woselbst er nacheinander 
verschiedene Aemter bekleidete. Seine ;, Verhandeling over de breuhsnijding en 
daartoe uitgedachte werktuigen^ (Amsterdam 1805) erhielt den Preis aus dem 
MoNNiKHOFF'schen Legat und wurde in dessen „Verhandelingen" (I). IV, 1804) 
aufgenommen. Er schrieb femer : „ Waameming eener verrigte steensnijding, 
naar de nianier van Langenbeck" (Nieuye Verhandelingen van het Genoot- 
schap ter bevordering der Heelkunde te Amsterdam 1813) und die von der Utrechter 
Provinzial-Genossenschaft; gekrönte und in deren „Nieuwe Verhandelingen" (1824) 
abgedruckte „ Verhandeling over den Kanker^, Er starb am 16. Mai 1850. 

van der Aa, IV, pag. 352. G. 

Dronnecke, s. Coba. 

Drossander, Anders D., Professor der Medicin in Upsala, geboren 1648, 
studirte zuerst Medicin in Upsala unter Leitung von Hoffweniüs und Olof 
RuDBECK, dann in Leyden und Paris, wurde Doctor der Medicin in Rheims 1683 
und in demselben Jahre Professor zu Upsala. Er starb 1696 mit Hinterlassung 
mehrerer akademischer Abhandlungen. q jijelt. 

Dronin, V.-D. D., französischer Chirurg, geboren 1660 in St. Paul-Trois- 
Chateaux und starb 1722 in Paris. Nachdem er in mehreren Militärspitillem Dienste 
geleistet, wurde er Chefchirurg des allgemeinen Hospitales Des petites maisons 
in Paris, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode verblieb. Seine Schrift 
„Description du cerveau^ wurde ihrerzeit sehr beachtet und ist auch heute nicht 
ohne Interesse. Unger. 

Droste, Georg Ernst August D,, zu Osnabrück, war daselbst 1796 
geboren und wurde 1817 zu Göttingen Doctor. Ausser einer sehr grossen Zahl 
von Aufsätzen aus allen Theilen der praktischen Medicin, die sich in der Mehrzahl 
der deutschen medicinischen Zeitschriften, namentlich in Hufeland^s Journal 
(1834 — 40), der Hamburger Zeitschrift (1836, 37 u. s. w.), Casper's Wochenschr. 
(1833, 34), den Hannoverischen Annalen (Bd. II, IV), Henke's Zeitschr. (1834), 



218 DROSTE. — DRÜMPELMANN. 

Schneider's Annalen (Jahrg. 6), der Deutschen BLlinik (1851 u. s. w.) u. s. w. 
veröffentlicht finden, hat er nur die drei Schriften von Alex. Bottex: „Täuschuogai 
des Bewusstseins" (1838), „Syphilitische Krankheiten" (1838), „Beiträge zur 
psychisch-gericitl. Medicin" (1839) aus dem Französischen übersetzt und eine diese 
Abhandlungen zusammenfassende wohlfeile Ausgabe (1844) veranstaltet. Er war 
auch der Herausgeber der „Medtcinischen Äehrenlese^ (1856 — 65) und starb am 
21. September 1868. G. 

Drouot, Th6ophileD., zu Paris, war 1803 zu Bordeaux geboren, 
wurde 1832 zu Paris Doctor, hat sich seitdem einen Namen als Oculist gemacht 
und theils in Paris, theils in Bordeaux, theils an beiden Orten zugleich folgende 
Schriften veröffentlicht : „Recherches sur le crystalUn et ses annexes^ (Bordeaux 
1837) — „Nouveau traitd des cataractes, causes .... traüement .... sans 
opSratwns chtrurgicales^ (Paris 1840, av. pl.) — „Des maladies de Voeü'^ 
(1841) — „Des erreuTS des ocultstes^ (1843) — „La vdritd sur le traüement 
des cataractes et sur les risultats des opSrations ckirurgtcales^ (1848) — „Pricis 
de midecine rationnelle et de tkirajpeutique endSmtque et spicißqüe" (1850). 

Sachaile, pag. 253. — Vapereau, 5. 6dit., pag. 597. G. 

*Drozda, Joseph V. D., geboren am 6. Mai 1850 zu Klattau (Böhmen), 
studirte in Wien als Schüler Skoda's, Oppolzer's und DüCHEk's bis 1873. Seit 
1880 lehrt D. als Docent fttr interne Medicin und veröffentlichte sowohl neuro- 
pathologische Beiträge (Wiener med. Wochenschr. 1880, resp. Wiener med. Presse 
1882), wie auch verschiedene Abhandlungen, die Pathologie des Hirns betreffend 
(Wiener med. Wochenschr. 1876, 1878; Wiener Klinik 1881; Wiener med. 
Presse 188ü\ Seine Studien über das Wesen der Narkose 1880 (Ziemssen's 
Deutsches Archiv für klin. Medicin, Bd. XXVII) wurden preisgekrönt von der 
böhm. Gesellsch. der Aerzte in Prag. Neben der Arbeit: „Casuistik der Pankrewi- 
erkrankungen" (Wiener med. Presse 1880) und „Ueher die Bedingungen des 
Zustandekommens von musikalischen Herzgeräuschen** (Wiener med. Wochenschr. 
1883) rührt von ihm noch eine Reihe kleinerer Arbeiten in der „Med.-chirurg. 
Rundschau", „Wiener med. Wochenschr.", „Anzeiger der k. k. Gesellschaft der 
Aerzte", „Wiener med. Presse" und „Casop. lökarüv ceskych" her. ^^^ 

Drümpelmann , Ernst Wilhelm V. D., wurde geboren als Sohn des 
Stadtgerichts-Secretärs in Bützow (Mecklenburg) am 8. Juni 1760 und studirte 
Medicin von 1773 — 1776 zu Bützow (die Universität wurde 1789 nach Rostock 
verlegt). Nach Beendigung der Studien ging D. nach Kopenhagen und erhielt 
hier eine Anstellung als Arzt auf dem Grönlandsfahrer „Amor". Bald nach der 
Abreise scheiterte das Schiff und musste leck nach Kopenhagen zurückkehren. 
D. nahm eine andere Stellung als Arzt auf einem königl. dänischen Frachtschiff, 
welches nach Batavia bestimmt war. Nach dreimonatlichem Aufenthalte in Batavia 
war D. 1769 wieder in Kopenhagen, besuchte auf kurze Zeit seine Verwandten 
und wurde bei dieser Gelegenheit von einem daselbst weilenden russischen Divisions- 
doctor veranlasst, nach Russland zu gehen. Im September 1779 reiste D. nach 
Petersburg und trat auf ein Jahr als Volontär in die medicinisch-chirurgische 
Akademie, um seine anatomischen und chirurgischen Kenntnisse zu erweitern. 
1780 wurde er als Arzt beim Seehospital zu Kronstadt angestellt und machte eine 
fünfmonatliche Uebungsfahrt als Arzt der „Nadeshdor" in der Nordsee und das mittel- 
ländische Meer. 1783 musste er einen Recrutentransport durch Russland nach Cherson 
begleiten, wurde als Pestarzt verwandt und selbst von der Pest ergriffen. 1786 
als Arzt des nach Sewastopol bestimmten Kronschiffes „Alexander", litt er abermals 
am 27. August Schiffbruch und rettete sich mit Mühe. Dann war er eine kurze 
Zeit in Konstantinopel, reiste 1787 nach Riga, woselbst er sich verheiratete, und 
kehrte nach Cherson zurück. Im Jahre 1791 verliess er den Staatsdienst, siedelte 
nach Livland über, war 7 Jahre Hausarzt der Familie M e c k in Pemigel (Livland), 



DBÜMPELMANN. — DRÜMMOND. 219 

7 Jahre Arzt der Patrimonialgüter Riga's und lebte seit 1806 als frei prak- 
tieirender Arzt von Riga selbst, woselbst er am 20. Juli a. St. 1830 starb. D. 
besehftftigte sieh neben seiner Praxis mit Naturwissenschaft; er gab heraus: 
„Getreue Abbildungen und naturhistorische Beschreibung des Thierreiches aus 
den nördlichen Provinzen Russlands" (1. — 8, Heft, Riga 1806—1814, Fol.); 
ebenso „Flora Idvonica" oder: „Abbildung und Beschreibung der in Livland 
Wild wachsenden Pflanzen" (1. — 10. Heft, Riga 1809—1810). 

Autobiographie: Beschreibung meiner Reisen und der merkwürdigen Begebenheiten 
meines Lebens. Riga 18)3, XV und 212, 8. — Vergl. ausser diesem Buche noch Recke- 
Kapiersky, I, 453 undBeise, J, 154, woselbst noch andere Schriften D.'s angegeben sind. 

L. Stieda. 

Drnitt, Robert D. , in London, 1814 zu Wimborne, Dorset, geboren, 
aus einer daselbst seit 100 Jahren ansässigen Arztfamilie stammend , während er 
von Mntterseite mit den Mayo's verwandt war, war anfänglich ein Zögling von 
Charles Mayo zu Winchester, kam 1834 nach London, studirte im King's College 
und Middlesex-Hospital , Hess sich 1837 in London nieder und verfasste bereits 
1839 das Werk, welches seinen Namen in der ganzen Welt bekannt gemacht hat, 
nämlich : „ The surgeovüs vade mecum ; a handbook of the principles and practice 
of surgery" (3. Aufl. London 1843; 6. Aufl. 1854; 10. Aufl. 1870; Amer. Ausg. 
mit Anmerkungen von Joshua B. Flint, Philadelphia 1842; 1847; 1848), von 
dem nngeföhr 40.000 Exemplare verkauft worden sind. Er wurde später Member 
sowohl des College of Surgeons, als des College of Physicians, studirte 1852 einige 
Zeit lang in Paris unter Pajot Geburtshilfe, um sich der Ausübung derselben in 
den höheren Ständen zu widmen. Ausser dem genannten Handbuche, welches durch 
Klarheit und Zweckmässigkeit der Anordnung ausgezeichnet ist und in jeder Auf- 
lage eme sorgfältige Revision erfuhr, und ausser dem nicht minder ausgezeichneten 
Artikel: „Inflammation" , welchen er für Coopeb's Dictionary of Practical Surgery 
and Encyclopaedia of Surgical Science (1872) verfasst hatte, rühren zahlreiche 
Pamphlets, Adressen und Aufsätze in Journalen von ihm her, wie in den Obstetrical 
Transactions (Vol. III): „Gase of puerperal fever , vrith diphtheria" — »I^'f^ 
saved by the sesquichloride of iron; in den Medico-chirurg. Transact. (Vol. 36): 
j,On degeneration of the placenta" ; ferner eine Reihe von Mittheilungen in den 
Medic. Times and Gaz., darunter 1873 und 74 „Letters fr oni MadrOrs" , wo er 
sich zur Verbesserung seiner Gesundheit aufhielt, nachdem er von 1867 an seine 
Praxis einzuschränken begonnen und 1872 sie ganz aufgegeben hatte. 1856 zu 
einem der Medical Officers of Health in St. George's, Hannover Square gewählt, 
hatte er die damit überkommenen Pflichten sehr ernst genommen und jn einer 
Reihe von Berichten an den Parochie- Vorstand über Wohnungen, Wasserversorgung 
und andere hygienische Zustände nach Kräften zn deren Verbesserung beizutragen 
gesucht. Zur Bekämpfung der Trunksucht Hess er sich angelegen sein, durch 
eine kleine Schrift: „Report on the cheap loines from France, Germany, Italy, 
Austritt, Oreece, Hungary, and Australia: their use in diet and medicme" 
(zuerst in Medic. Times and Gaz. 1864 — 65 erschienen; 2. Aufl. 1873) auf weniger 
gefährliche alkoholische Getränke aufmerksam zn machen und sie zu empfehlen. 
Dieser in vielen Beziehungen ausgezeichnete und unterrichtete Mann starb am 
15. Mai 1883. 

Medical Times and Gaz. 1883. I, pag. 600. Gurlt. 

Drummond, James L. D. , Irländer, studirte in Edinburg bis zur 
Promotion 1814 („De oculi anatomia comparativa" ) und wirkte später in Belfast, 
wo er fortfuhr, sich mit vergleichend-anatomischen Untersuchungen zu beschäftigen 
und in den Transact. of the Royal soc. of Edinb. Vol. VU: „On certain appearances 
observed in the dissection of the eyes of fishea" (1815) erscheinen Hess. 

Red. 

^Drummond, David D., zu Newcastle-on-Tyne , bis 1874 in Dublin, 
dann auf Reisen weiter ausgebildet, speciell in Wien, Prag, Strassburg, wirkt als 



220 DRUMMOND. — DÜBOIS. 

Lecturer on pathology (früher Physiologie) an der Durham üniversity und publi- 
cirte monographisch: „Observations on the loas of senstbüity etc,^ und „Diseases 
of the brain and spinal cord^ (beide 1876), später klinische Miitheilungen im 
Brit. med. Joura. (1881, resp. 1882) und noch jüngst: „On the diagnosis and 
nature of so called perforating tumours of the dura maier*' (Ebenda 1883). 

ßed. 

Dryander, Johann 1)., s. Eichmann. 

Drysdale. Neben dem älteren Thomas D. mit Tentamen varia de 
hepate proferens" (Philadelphia 1794) und „Account of the yellow fever of 
1794etc,*' (Daselbst 1804), sind *Charles Robert D. und*John JamesD. 
zu nennen. Der Erstere, M. D. St. Andr. 1859, F. R. C. S. Lond. 1861, M. R. C. P. 
Lond. 1862, wirkte früher am London consumption Hospital, dann am Metrop. 
Free Hospital und der Farringdon Dispensan-. Seine schriftstellerische Thätigkeit 
richtete sich neben einigen klinischen, besonders auf epidemiologische Themata, so: 
^Syphilis its nature and treatment^ (London 1872, 1880; französisch Paris 
1864; deutsch 1868) — „Cholera its nature and treatment*^ ; ferner mit CcR- 
GENVEN: „Report of the committee for the prevention of venereal disease etc,*^ 
(London 1867) und mehrere Schriften, Uebervölkerung betreffend. — *John 
James D. , zu Edinburg 1838 Med. Dr. und gleichzeitig L. R. C. S* Edinb., ist 
zur Zeit in Livei*pool ansässig. Er gab eine Zeit lang Flbtcuer's Pathologie 
(auch das British Journ. of Homoepathy [1843 — 1870]) mit heraus und machte 
sich einen Namen durch folgende Publicationen : „Life and the equicalence of 
force^ (London 1872) — „The protoplasmic theory of life" (Daselbst 1874) — 
„The germ theories of infectious diseaaes^ (Daselbst 1878) — n^ife history 
of monads^ (Micro^c. Journ. 1873 — 1875) und mit Hayward: „Health and 
comfort in house building etc,^ (London 1872). j^^^ 

Dschabrll Ben Bachtischua, s. Araber (I). 
Dsordschis Ben Bachtischua, s. Araber (I). 
Dschozla, 8. Araber (XVH). 

Dube, Paul D., französischer Arzt des 1 7. Jahrhunderts, dessen Lebens- 
verhältnisse gänzlich unbekannt sind. Schriften: „Tractatus de mineralium 
aquarum natura, praesertim de aqua miner ali fontis Escarlisarum, vulgo des 
Escharlisy prope Montargium^ (Paris 1649, 8.) — „Histoire de deitx enfants 
monstres, nSs dans la paroisse de Sept-Fonts^ (Paris 1850, 8.) — „Medicinae 
theoreticae medulla, seu medicina corporis et animi" (Paris 1671, 12) — „Le 
mSdecin et le Chirurgien des pauvres" (Paris 1672, 12). 

BiogFr g^nörale. Max ^alomon. 

/Dubois, Jacques D. (latinisirt Jacobus Sylvius), wurde in Louville, 
in der Nähe von Amiens, 1478 von armen Eltern geboren und von seinem Bruder 
Franz D., welcher Lebrer der Beredtsamkeit in Tournay war, erzogen und zum 
Universitätsstudium herangebildet. Aasgerüstet mit vorzüglichen KenntniBsen im 
Lateinischen, Griechischen, selbst Hebräischen, studirte er in Paris Medicin und 
vertiefte sich besonders in die Werke des Hippokrates und Galen, worüber er 
auch später, ohne promovirt zu haben, öffentlich mit grossem Beifalle docirte. 
Nachdem ihm die Docentur ohne voraufgegangene Promotion von der Facultftt 
verboten war, machte er endlich seinen Doctor 1529 oder 1531, — ein Act, den 
er der Kosten wegen aus Geiz immer verschoben hatte, las 1535 im CoU^ de 
Tr^guier und ward 1550 an Guido Güidi's Stelle Professor am College royal. 
Sem Vortrag zeichnete sich durch Klarheit und eleganten Stil aus, und da er ausser 
den alten Classikem Anatomie mit Sectionen, Arzeimittellehre und Botanik lehrte, 
zog er eine grosse Menge von Zuhörern in seine Vorlesungen, zuweilen über 400. 
Er starb am 13. Januar 1555. — D.'s Verdienste um die Anatomie sind nicht gering 



DÜBOIS. 221 

zu schätzen. Er war einer der Ersten, welcher menschliche Körper secirte, statt der bis 
dabin gebräaehlichen Schweine, und somit den Anstoss zu einer genaueren Kenntniss 
der Anatomie des Menschen gab. Er legte auch zuerst den Muskeln, statt wie bisher 
Zahlen, Namen bei und war der Erfinder der Injection der Blutgefässe mit farbigen 
Massen. Unter seinen anatomischen Entdeckungen sind besonders hervorzuheben 
diejenige der Klappen einiger Venen, sowie, dass das Peritoneum ein undurchbohrtes, 
znsammenhängendes Ganze bilde. Er beschrieb im Wesentlichen richtig den Verlauf 
der Vena cava, den Processus vermiformis, den Bau der Leber. Doch führte ihn 
seine blinde Voreingenommenheit für Galsnos dazu, das, was er im Gegensatze zu 
diesem richtig gesehen hatte, nur als AnomaKe zu betrachten — entschuldigt 
allerdings durch die Seltenheit der Sectionen. Diese Voreingenommenheit, der 
Hass gegen die Neueren dictirte ihm auch die heftige Schmähschrift gegen seinen 
berühmten Schüler Vesal , der ja gewagt hatte , die Irrthtimer Galen^s aufzu- 
decken — ff Vesani cujusdam calumniae in Hippocratis et Oaleni rem anato- 
micam depulsio" (Paris 1551, 8. ; Venedig 1555, 8.). — Von D.'s übrigen Schriften 
sind diejenigen über Hippokrates und Galenos, besonders aber die Ausgabe des 
Mksüe, welche Haller unter D.'s beste Arbeiten rechnet, von Werth, ebenso 
diejenigen, welche die Arzeneimittellehre behandeln. Geringere Beachtung verdienen 
die medicinischen Abhandlungen. D.'s Charakter entstellte ein schmutziger Geiz, 
vielleicht die Nachwirkung der in der Jugend ertragenen Entbehrungen. Yjr Hess 
im Winter nicht heizen, sondern erwärmte sich durch Ballspielen, seine Kleidung 
war aufs höchste vernachlässigt, seinen Dienstboten gab er nur Brod. Seine 
Vorlesungen Hess er sich sehr theuer bezahlen, und falls einer oder der andere seiner 
so zahlreichen Zuhörer einmal mit dem Honorar zögerte, drohte er mit Suspendirung 
des Collegs, bis derselbe seinen Verpflichtungen nachgekommen oder durch die 
anderen von der Vorlesung ausgeschlossen wäre. Dadurch gelang es ihm allerdings 
ein grosses Vermögen zu erwerben; er erreichte es aber auch, dem allgemeinen 
Spotte zu verfallen, so dass an seinem Begräbnisstage folgendes Distichon an die 
Thür der Kirche, wohin die Leiche gebracht, angeschlagen wurde: 

„Sylvius hie situs est, gratis qui nil dedit unquam, 

Mortuus est gratis quod legis ista dolet." 
Wir führen von D.'s zahlreichen Schriften, welche vollständig bei H aller (Biblioth. 
med. und anatom.) verzeichnet sind, nur die wichtigeren an: „lAber de ordine et 
ordinis ratione in legendia Hippocratis et Galeni libins^ (Paris 1539, 8., 
ibid. 1561, 8.) — ,fDe medicamentorum , simplicium praeparatione , delectu, 
misiionis medo Hb. Ill^ (Paris 1542, fol. und öfter) — f^Methodus medicamcnta 
componendi ex simplicibus, quartuor libris distributa^ (Paris 1541, fol. und 
öfter) — ffj, Mesue de remedica libri III, Sylvio interprete" (Paris 1542, fol. 
und öfter) — „Morborum internorum pene ornnium curatio brevi metkodo 
comprehensa, ex Galeno praecipue et M, Gattinaria" (Paris 1545 und öfter) — 
fflsagoge in libroa Hippocratis et Galeni anatomicos" nebst hinzugefügten 
rfObservata in variis corporibus secandis" (Paris 1555, 8. und öfter) — „Opera 
omnia*' (Genf 1630, fol.; ebenda 1635, fol.). Max Salomon. 

/Dubois, Jean D., wurde zu Lille in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
geboren, studirte zuerst die schönen Wissenschaften, darauf Medicin in Löwen 
und promovirte daselbst 1557 mit der Dissertation: ffDe lue venerea declamatio" 
fLöwen, 4.). Er prakticirte dann einige Jahre in Valenciennes und ward 1562 
von Philipp H. an die neu gegründete Universität Douai als Professor der 
Medicin berufen, wo er 1576 starb. Unter seinen Schriften sind folgende anzuführen : 
„De curatione morbi articularis tractatus quartuor" (Antwerpen 1557, 8.) — 
„Academiae nascentis Duacensis et professorum ejus encoinium'^ (Douai 1563, 
4. — in Versen). 

Die übrigen Werke s. Biogr. in6d. Max Salomon. 

Dubois, Franz de le Boe (Sylvius), s. De le Boe* (I, pag. 498). 



222 DÜBOIS. 

Dubois, Godefroid D., wurde um 1700 in Cruining in Holland geboren, 
prakiicirte in Harlem und erhielt 1729 die Professur der Philosophie, 1738 der 
Medicin und Anatomie, 1744 der Botanik zu Franeker. Er starb am 18. Januar 
1747. D. hat eine Anzahl kleinerer Schriften hinterlassen, worunter zu erwähnen^ 
„De sono et audüu** (Leyden 1725, 4.) und „Oratio de utüüate et necessitate 
matkeseos in phyaicis^ (Leyden 1838, 4.) 

Blogr. g^n^rale. Max Salomon. 

Dubois, Jean-Baptiste D. , wurde gegen Ende d^ 17. Jahrhunderts 
zu Saint-Lö geboren, studirte erst. Jurisprudenz, später Medicin in Paris und pro- 
movirte auch dort. Ein Jahr später ward er zum Leibarzte der Prinzessm ^"on 
Conti, bald nachher zum Professor der Chirurgie ernannt. Seine wankende Ge- 
sundheit nöthigte ihn, 1744 sein Amt niederzulegen, worauf er sich nach seiner 
Vaterstadt zurückzog und der Poesie und der Wissenschaft lebte, von denen die 
erstere ihm jedenfalls mehr geneigt war als die letztere, welcher er nur einige 
Dissertationen, z. B. : „An fetus extra lUerum genitus y salva matre, possit 
excludif affirm,*' (Paris 1727, 4.) und „An colicis venaesectio? negat,^ (Paris 
1751, 4. und 1756, 4.) widmete. Er starb im April 1759. ^^x Salomon, 

Dubois, le Baron Antoine D. , geboren den 17. Juli 1756 zu Gramat, 
unweit Cahors, kam 1776 nach Paris, wo er sich kümmerlich durch Unterricht 
und Abschreiben ernährte, bis Dessault ihn 1778 als Famulus annahm. Er 
widmete sich nun mit Eifer der Anatomie, Chirurgie und Greburtshilfe , warde bei 
Errichtung der £cole de sant6 an derselben Professor der Anatomie und 1795, nach 
Dessault*s Tode, Professor der chirurgischen Klinik. D. erfreute sich als Greburts- 
helfer eines grossen Ansehens, wurde Accoucheur der Kaiserin und erhielt von 
Napoleon die Würde eines Baron de TEmpire. 1829 ward er, im Alter von 
73 Jahren, durch Civialb vermittelst der Litiiotrypsie glücklich vom Blasenstein 
befreit und starb am 30. April 1837 nach kurzer Krankheit. Wir haben von ihm 
nur eine Anzahl Joumalartikel chirurgischen Inhaltes. 

Callisen, V, pag. 332 flgd. und XXVU, pag. 342. Max Salomon. 

DnboiSy Paul D. , Sohn des Antoine D. (siehe diesen), geboren zu 
Paris 1795, gestorben 185., studirte in Paris, promovirte daselbst 1818 (Diss.: 
„Propositvtns sur diverses parties de Part de guSrir^)^ ward 1823 Professeur 
agr6g6 und 1834 Professor der geburtshilflichen Klinik (Concursschrift : „Dans 
les ca^ de rüricissemeigt du bassin, que convient-il de faire ?**) , ein Amt, das 
er noch 1866 inne hatte. Er beschäftigte sich ausschliesslich mit Geburtshilfe und 
war ein vorzüglicher Lehrer, der sich durch Klarheit und Einfachheit des Vor- 
trages auszeichnete. Ausser dem ersten Theile eines grösseren Werkes über Geburts- 
hilfe — „TraitS complet de Vart des accouchements" (Paris 1849, 8.) — besitzen 
wir von ihm noch eine Anzahl Artikel in Archiven und Zeitschriften. 

Biogr. g^n. Max Salomon. 

Dubois, Fr6d6ric D., geboren am 17. Februar 1799 zu Amien» 
(nach seiner Vaterstadt Dubois d'Amiens genannt), studirte zu Amiens nnd 
Paris, promovirte 1828 daselbst, ward 1832 Professeur agr6g6, bald nachher 
Hitglied der Acadömie de m^decine und 1847 der Nachfolger Pabiskt*8 als 
ständiger Secretär der Gesellschaft. Als solcher beschäftigte er sich ausschliesslich, 
unter Aufgebung der medicinischen Praxis, mit medicinisch-historischen, besonders 
biographischen Arbeiten und veröffentlichte eine Reihe filoges, die durch ihre Form- 
vollendung sich auszeichnen. Sie erschienen später gesammelt unter dem Titel: 
„Eloges Ins dans les sSances publiques de PAcademie de midecine {1845 — 1863)*" 
(Paris 1864, 8., 2 voll.). Unter der grossen Anzahl seiner historischen Arbeiten 
führen wir folgende an : „Examen des doctrines de Cabanis, Gall et Broussais^ 
(Paris 1842, 8.) — „Recherclies historiques sur la vie privSe de Vempereur 
Auguste, sur les maladiesy ses infirmitis et son genre de mort^ (Paris 1869, 8.); 



DUBOIS. — DÜBREIL. 223 

in Betreff der flbrigen siehe Alphonse Pauly, Bibliographie des sciences mMicales 
(Paris 1874, 8.). Von medicinischen Schriften sind erwähnenswerth : „TraüS de 
fothologie g^Srale*' (Paris 1837, 8., 2 vol.) — ;, Traiti des itudes mSdtcales, 
ou de la manihre d'Studier et JPen$eigner la inidecine^ (Paris 1838, 8.) — 
„Präegons de paihologie experimentale" (Paris 1844, 8.). 

Biogr. gen. Max Salomon. 

Dnbois-Beymond, falsche Schreibweise für * Du Bois-Reymond (I, 514). 

Dnboseq de la Roberdiire, J.-T.-G. D., zu Vire (Calvados), woselbst er 
GefUngnissarzt war, war Doctor der medicinischen Facultät zu Caän, Associö des 
College royal des m6decins zn Nancy n. s. w. und hat eine Reihe von Schriften 
hinterlassen, von welchen wir folgende anführen: „Reckerches sur la rougeole, etc.*^ 
(Paris 1776) — „Reckerches sur la Vaccine et sur la mdthode d' Vinocider aux 

ommes etc." (Vire, an XI) — ,, Reckerches sur la scarlatine angineuse, 

jwi a rdgnS h Vire, dans les annies 1800 et 1801" (Vire, 1805) u. s. w. ; 
ausserdem eine Anzahl von Aufsätzen in dem Journal von Yandrrmoxde und Roux 
(T. XXXIX, XLI, XLHI, XLVIII) u. s. w. 

Dict bist. 11. pag. 135. G. 

*Dubou6, Paul Henri D. , doctorirte 1859 zu Paris, schrieb über 
Extrauterinschwangerschaft (1874), später über die Principien einer rationellen 
Therapie (Paris 1876) und machte sich bemerkbar durch eine Schrift: „De la 
fhysiologie pathologique de la fih)re typh&ide et des mdications thirapeutiques, 
guten dirivent" (Daselbst 1878). Als bestes Mittel gegen Typhus empfahl er später 
in den Pariser Wochenjoumalen Ergotinpräparate. j^^^ 

Duboneix, unbekannten Vornamens, Professor der Medicin in Nantes, 
später Arzt in Clisson (Bretagne), hat in dem Joum. de m6d. (Aeltere Folge, 
Jahrg, 1766, 1770, 1774, 1776, 1782, 1788, 1789) eine Reihe theils casuistischer, 
theils umfassenderer Arbeiten publicirt, unter letzteren: „Histoire de V Etablisse- 
ment et des succls de Vinoculation dans la ville de Nantes etc." — „M^ioire 
sur Vdectriciti" — „Topographie mdd. de la ville et de Vhopital de Clisson 
en Bretagne". 

Biogr. hist. U. Red. 

Dubonrg, Jacques-Barben D., zu Paris, war am 15. Februar 1709 
zu Mayenne geboren, studirte anfänglich Theologie, ging erst spät zur Medicin 
über und wurde 1748, na«h Vertheidigung von vier Thesen, Mitglied der Pariser 
medicinischen Facultät. Auch hatte er sich an dem Streite zwischen den Aerzten 
und Chirurgen betheiligt, mehrere Uebersetzungen von berühmten englischen Schriften 
(von Lord Bolinjrbreke, Lord Bathurst) veröffentlicht und sich einen Namen 
als Historiker und Geograph gemacht. Er gab dann ein medicinisches Journal: 
„Gazette d^Epidaure", das aber nur drei Jahre bestand, heraus, schrieb später, 
bei dem zwischen Aerzten und Chururgen ausgebrochenen gerichtlich-medicinischen 
Streit über die Dauer der Schwangerschaft und die Zeit der Entbindung seine 
„Reckerches sur la durde de la grossesse et le terme de V accouckenient" (Amster- 
dam 1765), verfasste noch ein botanisches Werk („Le botaniste fran^ais", 2 Bde., 
1767) und wurde durch seine Freundschaft mit dem berühmten Philosophen 
Franklin gewürdigt, die „Oeuvres de Mr. Franklin" herauszugeben. Er starb am 
13. December 1779. 

Lettsom in Memoirs of the Medical Society of London. Vol. I, pag. 476. — 
flntchinson, I, pag. 270. q 

/Onbreil, Andr6 D. (Du Bebil, fälschlich auch Dübeeuil), aus Angers, 
Docteur-rögent der Pariser Facultät, der gegen Ende des 16. Jahrhunderts lebte und 
wirkte, hat seinen Ruf durch ein Buch: „La police de Vart et science de la 
midecine" (Paris 1580), dessen Wichtigkeit allerdings eine vorwiegend historische ist. 



224 DUBREIL. — DÜCASSE. 

Hinsichtlich eines von Haller ihm zugeschriebenen gleichzeitigen „Discours sur 
la conservation de la vue" (Ronen 1580), soll nach Dezemeris ein Irrthum 
untergelaufen sein. 

Dict. hist. n. Red. 

Dnbroenquez, s. Broeüqukz. 

Dnbmeil, Joseph-Marie D., zu Montpellier, war am 14. August 1790 
zu Landerneau (Finistere) als Sohn des Chefarztes bei der französischen Marine 
zu Brest, Jean-Fran9oisD. (geb. 1754, pensionirt 1818), geboren, trat selbst 
als Arzt in die Marine ein, wurde 1815 zu Paris Doctor, schrieb mehrfach über 
das gelbe Fieber (Joum. universel des sc. m6d. 1817) nach den auf seinen Seereisen 
gemachten Erfahrungen, war später Professor an den Schulen für Schiffsmedicin 
und zuletzt Professor in der medicinischen Facultät zu Montpellier. Seine meisten 
Arbeiten fallen in die letztgenannte Zeit und sind die ersten derselben, im Mömorial 
des höp. du Midi (1829, 30) enthalten, darunter: „Recherches anatomiques touchant 
une ipidSmie catarrhale observie h la clmique mSdtcale de Montpelliei; pendant 
Vhiver de 1828 — 1829" ; die übrigen Aufsätze, auch in der Gaz. m6d, de Paris 
(1834), im Joum. de la Soc. de m6dec. de Montpellier (1841) und anderen 
Zeitschriften, sind meistens casuistischer Natur. Zusammen mit Rech gab er heraus: 
„Rapport sur le cholSra-morhus, qui a rigni dans le midi de la France en 1836'* 
(Montpellier 1836). Eigene Schriften von ihm sind folgende, darunter die letzte 
die bedeutendste: „Observattons et rSfle^xnona sur les an^vrysmes de la portton 
ascendente H de la Crosse de Va^rte" (Montpellier 1841, mit 6 Taf.) — „Obser- 
vation düune rupture du coeur, .... Riflexions sur les ruptures du coeur con- 
sid&rdes en gSn^ral" (Montpellier 1842, mit 1 Taf.) — „Des a^iomalles arterielles 
considSries dans leurs rapports avec la pathologie et les opSrations cfiirurgicales" 
(Paris 1847, mit Atlas, 17 Taf., 4.). Er starb am 19. November 1852. 

Bnisson in Joum. de m6d., chir. et pharm, de Toulouse. N. S. V, pag. 64 (nicht 
zugänglich). — Berger et Rey, pag. 79. G. 

*:Dubrueil, Alphonse D., Professor der chirurgischen Klinik zu Montpellier, 
wurde 1864 zu Paris Doctor mit der These „Des indications que prSsentent les 
luxations de Vastragale" und hat seitdem u. A. folgende chirurgische und ophthal- 
mologische Arbeiten verfasst: „De Viridectomie" (Paris 1866) — „De l'ampiUation 
intra-delto'idienne" (1866) — „Manuel d'op^atians ckirurgicales*^ (1867) — 
„Des diverses mithodes de traitement des plaies" (1869) — „Manuel öpercUoire 
des rdsections*^ (1871) — „EUments de midecine opSratoire*^ (1874 — 78). 

Index-Catalogue III, pag. 927. G. 

Ducamp, Theodore- Joseph D. , zu Bordeaux am 10. April 1792 
geboren, wurde 1811 Militär-Chirurg zuerst in Strassburg, dann beim Val-de-Gräce 
in Paris. 1815 wurde er Med. Dr. und schlug sogleich den Weg ein, dess^ 
weitere Verfolgung ihn zu einem der Reformatoren der französischen Chirurgie am 
Anfange dieses Jahrhunderts machen sollte. Er schrieb nämlich — nach einigen 
wenig bedeutenden Sachen — den „Traiti des ritentions d^urine caussSes par 
^ les rdrAcissemens de Vur^tre et des moyens h Vaide desquels on peut dStruire 
cornplStenient les obstructions de ce canal" (Paris 1822, mit Tafeln, auch 1823). 
Zahlreiche Artikel im Journal g6n^ral de m6d. (T. LXIX — LXXIV) , fleissige Ueber- 
setzungen aus dem Englischen, die er theils in demselben, theils als Monographien 
(Paris 1819) veröffentlichte, schienen neben dem Aufsehen, welches die glückliche 
Behandlung der Harnröhrenstricturen erregt hatte, ihm eine glänzende Zukunft zu 
sichern, als D. bereits am 1. April 1823, erst 30 Jahre alt, starb. 

Dict. hist. II. Red. 

Ducasse, Jean-Marie- Augustin D. , zu Toulouse, war daselbst am 
27. April 1786 als Sohn eines Magisters der Chirurgie geboren, besuchte die 
Hospitäler seiner Vaterstadt und genoss den durch die Revolution unterbrochenen, 



DUCASSE. — DUCHEK. . 225 

1803 aber wieder hergestellten medieinischen Unterricht daselbst, ging darauf für 
2 Jahre nach Paris, wurde dort 1807 Doctor der Chirurgie und kehrte nach 
Toulouse zurück. Daselbst wurde er 1808 zum Professeur adjoint an der 1806 
errichteten Ecole impör. de medecine ernannt und blieb 22 Jahre in dieser Stellung, 
in welcher er Chirurgie und Geburtshilfe vorzutragen hatte. Er gab heraus: 
„Mimotres et observattons de mSdecine et de Chirurgie" (Toulouse 1821) — 
^Discours sur les qualttes et les devoirs de VopSrateur" ^Daselbst 1829), ausser 
mehreren Journal-Aufsätzen und etwa 45 Mittheilungen, die er von 1812 — 1850 
an die Acadömie des sciences, inscriptions et belles-lettres zu Toulouse, deren 
immerwährender Secretär er seit 1841 war, gemacht hat. 1830 erhielt er den 
Lehrstuhl der gerichtlichen Medicin und Hygiene, den er 1839 mit dem der Geburts- 
hilfe vertauschte, während er zugleich Director der Schule wurde, die einige Jahre 
später, 1841, den Titel „ficole pröparatoire de m6decine et de pharmacie" erhielt. 
Ebenso wie er regen Antheil an der Verwaltung der Stadt nahm, so war er auch 
fftr das Journal de Toulouse ein fleissiger Mitarbeiter auf dem Felde der literarischen 
Kritik. In Folge zunehmender Taubheit legte er seine verschiedenen Aemter in der 
Zeit von 1851 — 55 nieder und starb, in hohem Ansehen stehend, am 7. Mai 1859. 
J.-B. Noulet in M^moires de l'Acad. imper. des sciences, inscriptions et belles- 
lettres de Toulouse, 5. S6rie, T. IV, 1860, pag. 364. — Callisen, T. V, pag. 347. g, 

Duccinl, Joseph D. , italienischer Arzt und Professor der Medicin in 
Pisa zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ist der Verfasser von „De bagni dt Lticca" 
(Lucca 1711). Unger. 

Duclianoy, Cl.-Fr. D., französischer Arzt, geboren 1742 in Vanvilliers 
bei Vesoul, gestorben 1827 in Paris, studirte in Paris und wurde Prosector bei 
A. Petit, der ihm grosses Wohlwollen bezeugte. Bedeutendes Aufsehen machte in 
jener Zeit ein in Form einer Brochüre verfasster und gegen Poetal gerichteter 
Brief D.*s, in welchem Poetal's Kritik der anatomischen Arbeiten Petit's in sehr 
scharfer Weise zurückgewiesen worden. Die heute sehr seltene Brochüre ist abge- 
druckt in A. Petit's Geschichte der Anatomie und Chirurgie und führt den Titel : 
^Lettre h Mr, Portal sur la critiquey qu*il a faite des ouvrages ancUomiques 
de Mr. A. Petit". D. wurde 1799 zum Administrator der Pariser Hospitäler 
ernannt und später zum Doyen der Facultät gewählt ; in beiden Stellungen erwarb 
er sich grosse Verdienste. Ausser zahlreichen Abhandlungen, die D. in verschie- 
denen Fachjournalen veröffentlichte, sind hier zu nennen: „Mimoire sur Vusage 
deg narcottques dans l&t fihyrea intermütentes" (Paris 1780) — „Du mal 
certän-al" (Daselbst 1785). ünger. 

Duchatel, s. Castellan. 

l>achek, Adalbert D., zu Wien, war am 1. December 1824 zu Prag 
als S h n eines Arztes geboren, wurde 1 848 daselbst Doctor mit der Diss. : „ Ueber 
die Wirbeltuberculose" , darauf Secundärarzt in der dortigen Irrenanstalt, später 
Assistent bei Ha^ieenje, beschäftigte sich viel mit pathologischer Anatomie und 
Chemie und kam 1855 als Professor an die damalige raedic.-chirurgische Schule 
zu Lemberg. Er erhielt ein Jahr später einen Ruf nach Heidelberg und wurde 
1858, bei der Wiederaufrichtung der Josephs-Akademie, an diese nach Wien als 
Professor der medieinischen Klinik berufen. Als 1871 Skoda in den Ruhestand 
trat, wurde D. an seiner Stelle Mitglied der medieinischen Facultät, der er bis zu 
semem am 2. März 1882 erfolgten Tode angehört hat. Als Kliniker war er sehr exact 
und ftir seine Schüler klar und verständlich, als Diagnostiker vortrefflich und als 
Therapeut wählte er die goldene Mittelstrasse zwischen Nihilismus und Pharmacie. 
Als Arzt erfreute er sich einer grossen Beliebtheit. Von seinen grösseren literarisöhen 
Leistungen führen wir an: „Die Krankheiten der Kreislaufs-, Athmungs-y Ver- 
dauungs-, der Geschlechts- und Harnorgane" (im Handb. der spec. Pathologie 
und Therapie, Bd. I, Erlangen 1862) und „Scorbut (Scharbock), scorbutus" 
Biogr. Leirikon. II. 15 



226 DUCHEK. — DUCHENNE. 

(in V. PiTHA und Billroth, Handb der allgem. und spec. Chirurgie, I, 2. Abth. A, 
Erlangen 1876). Auch war er von 1861 — 70 Mitherausgeber der Wiener medi- 
cinischen Jahrbücher und des Wochenblattes der Zeitschrift der k. k, Gesellschaft 
der Aerzte zu Wien. 

Wiener med. Wochenschr. 1882, pag. 255. G. 

Duchenne, G.-B. D. (D. de Boulogne), geboren am 17. September 1806 zu 
Boulogne sur mer, woselbst seine Familie seit der ersten Hälfte des vorigen Jahr- 
hunderts ansässig war, der Sohn eines Schiffscapitäns Jean D. , mit 19 Jahren 
Baccalaureus in Douai, machte seine medicinischen Studien in Paris, von wo er 
1831 nach seiner Vaterstadt zurückkehrte, um daselbst zu prakticiren. Die zufällige 
Anwendung der damals durch SarlandiI:bes und Magendie in Aufnahme gekom- 
menen Elektropunctur bei einem Kranken scheint hier, gegen 1835, seinem Leben 
die entscheidende Richtung gegeben zu haben, indem sie ihn zur Beschäftigung 
mit den Heilwirkungen der Elektricität und den sich daran knüpfenden Fragen 
der Localisation dieses therapeutischen Agens veranlasste. Um ein besseres Arbeits- 
feld für diese Studien zu gewinnen, siedelte D. im Jahre 1842 nach Paris über. Er 
lebte hier, bis an seinen Tod, ohne jede oflFicielle Stellung als Lehrer oder Hospital- 
arzt, auch ohne eine solche zu suchen, sie vielmehr ängstlich vermeidend, weil er 
darin nur eine Einschränkung und Hemmung seiner freigewählten Thätigkeit er- 
blickte, welche darin bestand , das Krankenmaterial aller Pariser Hospitäler ab; 
überall willkommener oder wenigstens geduldeter Mitbeobachter für seine Special- 
zwecke zu verwerthen. Jeden Morgen pflegte er ein oder zwei Hospitäler zu 
besuchen, unter den vorhandenen Fällen die interessantesten und belehrendsten 
auszusuchen, um dieselben dann zum Objecto seiner pathologischen und elektro- 
therapeutischen Detailstudien zu machen. So erlangte er ein imgemein reichhaltige« 
und exquisites Beobachtungsmaterial, wie es dem einzelnen Kliniker und Hospital- 
arzt nicht zu Gebote stehen konnte; allerdings auch nicht ohne Kämpfe und 
Reibungen aller Art, zu deren Vermeidung es ihm, wie es scheint, an der 
erforderlichen Geschmeidigkeit fehlte, während seine ausdauernde Beharrlichkeit 
über alle Hindemisse doch schliesslich triumphirte. Aus dieser Art der Gewinnung 
seines Beobachtungsmaterials erklären sich, beiläufig gesagt, auch die zahlreichen 
Prioritätsstreitigkeiten, in welche er bei Gelegenheit der von ihm entdeckten oder 
zuerst beschriebenen neuen Krankheitsformen (s. u.) verwickelt wurde. So wenig 
ambitiös D. auch war, so fehlte es ihm offenbar doch niemals an Feinden und 
Gegnern; seine Leistungen wurden vielfach von Solchen, die in ihm nur den 
therapeutischen Specialisten erblicken wollten, ignorirt oder verkleinert ; es gelang 
ihm niemals, in den herrschenden officiellen Zunftkreisen als völlig gleichberechtigt 
anerkannt und seiner vollen Bedeutimg nach gewürdigt zu werden. Sein Leben, 
nur einer grossen weitgesteckten Aufgabe gewidmet und von dieser gänzlieh auf- 
gefüllt, verfloss im Uebrigen still und gleichförmig; er, starb, nachdem er seit 
vier Jahren gekränkelt, in Folge einer Gehirnblutung am 15. September 1875. 
Die medicinischen Zeitungen von Paris brachten über seinen Tod zum Theil nur 
ganz kurze und kalte Notizen ! — D. ist, um sein Hauptverdienst und seine Haupt- 
leistung in ein Wort zu fassen, als der Schöpfer der modernen Elektro- 
diagnostik und Elektrotherapie zu betrachten. Er wurde dies, indem 
er den älteren, ungeeigneten oder unzulänglichen Methoden der Elektricitäts- 
anwendung gegenüber, wozu auch das oben em^'ähnte Verfahren der Elektropunctur 
gehörte, von vornherein eine auf gewisse Organe (Haut, Muskeln u. s. w.) 1 o c a 1 i- 
sirte Einwirkung — filectrisation localisöe — in's Auge fasste und durch ein- 
fache, bequeme, am Lebenden ohne Hautverletzung durchführbare Methoden diesen 
Zweck in sehr vollendeter Weise erreichte. Er lehrte vorzugsweise, durch Appli> 
cation gut angefeuchteter und auf die ebenfalls feuchte Haut angedrückter Strom- 
geber auf die unter der Haut liegenden Gebilde (Muskeln, Nerven) zu wirken, 
während er dagegen die faradische Reizung der Haut (Faradisation cutanee) mit 



DUCHENNE. 227 

troekenen und znro Zwecke intensiverer Erregung mit eigens dazu geformten 
Stromgebem — Hautpinsel — vornahm. Hieran knüpften sich weiter die für 
Erankheitsznstftnde des Nerven- und Mnskelapparates so fundamental wichtig 
gewordenen, diagnostisch - prognostischen Bestimmungen der ,,elektromuskulären 
Contractilitat" (faradische Nerven- und Muskelreizbarkeit) und der elektrocutanen 
Sensibilität , Untersuchungsmethoden, deren Bedeutung gar nicht hoch genug ange- 
schlagen werden kann und etwa der Percussion und Auscultation an die Seite 
za stellen ist, da durch sie zuerst überhaupt die Anwendung exacter, quantitativer 
Bestimmungen auf jene bisher einer physikalischen Untersuchungsmethodik ent- 
behrenden Gebiete der Pathologie möglich gemacht wurde. Selbstverständlich hat 
D. hier nur die Grundlagen geschaffen, auf denen nachmals von Remak, ZrEMSSEN 
and namentlich seit 1857 unter Zuhilfenahme des constanten Stromes in Deutsch- 
land fortgebaut wurde; D., wie überhaupt die französische Schule, verhielt sich 
diesen in Deutschland gemachten Fortschritten gegenüber im Ganzen spröde ab- 
lehnend; er kam dadurch in eine sehr unerquickliche Polemik mit Rbmae. — 
Ein weiteres ganz enormes Verdienst erwarb sich D. um die Muskel Physio- 
logie, resp. die myologische Functionslehre, indem er die von ihm 
ausgebildete Methode isolirter elektrischer Erregung der einzelnen Skeletmuskeln 
zur fnnctionellen Prüfung derselben und zu genauer Bestimmung ihrer vereinzelten 
oder combinirten Wirkung unter bestimmten Verhältnissen, Stellungen u. s. w. 
benutzte. Wie sehr er selbst überhaupt immer bestrebt war, seine Methodik und 
Technik in den Dienst physiologischer sowohl wie pathologischer Untersuchungs- 
aufgaben zu stellen, geht aus seinen eigenen Worten (I. Auflage seines Hauptwerkes) 
hervor: „Die elektrische Kraft auf die (einzelnen) Organe richten und beschränken 
heisßt der Beobachtung ein noch unerforschtes weites Feld öffnen. Die Locali- 
sation dieser Kraft gestattet in der That, gewisse physiologische Eigenschaften 
der Organe ebenso wohl zu erforschen wie ihre pathologischen Störungen" — 
und mit besonderer Bezugnahme auf seine Muskelexplorationen : „Ich habe eine 
Art von Anatomie an Lebenden (anatoraie vivante) zu schaffen gesucht; ich 
habe die isolirte und individuelle Action jedes Muskels nach genauen Methoden 
präcisirt. Es kommt mir selbst nicht zu, über das Verdienst dieser Untersuchungen 
zu urtheilen; doch darf ich behaupten, dass, wenn die von mir aufgefundenen 
Thatsachen sich bestätigen , die Muskelphysiologie ein ganz neues Aussehen wird 
annehmen müssen." — Späterhin wandte D. sein Interesse und seine Forschungen 
wesentlich der Pathologie und schliesslich der pathologischen Anatomie des Nerven- 
systems zu und er gelangte auch auf diesen ihm ursprünglich fremderen Gebieten 
zu höchst wichtigen und bedeutsamen Resultaten. Vor Allem verdanken wir ihm 
hier die Auffindung, die klinische und zum Theil auch die pathologisch-anatomische 
Beschreibung einer Reihe typischer Krankheitszustände des Nervenapparates, die 
fär immer an seinen Namen geknüpft sein werden. Ganz unbestreitbar gehören 
dahin die eigentliche, ckassische progressive Muskelatrophie (sog. „Typus 
Düchenne-Aean"), die „Paralysie glossolabiolaryngee" (Glossopharjmgo- 
labialparalyse, progressive Bulbärparalyse, DüCHENNE'sche Lähmung) und die von 
ihm sogenannte „Paralysie pseudohypertrophique" oder „myoscl6ro- 
sique" (in Deutschland häufiger als Pseudohypertrophie der Muskeln bezeichnet). 
Die in Frankreich ihm gewöhnlich vindicirten Entdeckungen der „Paralysie 
atrophique graisseuse de Tenfance" und der „Ataxie locomotrice 
progressive" bedürfen dagegen insofern einer Einschränkung, als die in Rede 
stehenden Krankheiten beide schon früher in Deutschland, jene als essentielle 
Einderlähmung (Heine), diese als Tabes dorsualis (Romber^ u. A.), beschrieben 
wurden ; doch hat D. namentlich bei der letztgenannten Krankheit um Feststellung 
des entscheidenden Symptoms „Ataxie" immerhin wesentliche Verdienste. Die 
von ihm femer noch aufgestellte Krankheitsgruppe der „Paralysie gen6rale 
spinale" oder „Paralysie generale spinale ant6rieure subaigue" 
erwies sich weiterhin als ein fruchtbares Feld für Aufdeckung und Differenzirung 

15* 



228 DUCHENNE. — DUDITH. 

neuer klinischer Krankheitsbilder, wohin namentlich die „subcutane und chronische 
atrophische Spinallähmung der Erwachsenen" und die „amyotrophisohe Lateral- 
sklerose" Charcot's gehören. — D/s sämmtliche in Journalen 'zerstreute Aufsätze 
namhaft zu machen, wtirde Seiten erfordern; dieselben finden sich namentlich in 
den Archives g^n^rales de m6d. von 1850 an, in der Union m6dicale, 6az. heb- 
domadaire und im Bulletin g^n. de thörapeutique. Sie sind überdies fast insgesammt 
aufgenommen und vereinigt in seinem grossen Hauptwerke „De V 4Uctrtsation 
localisSe et de son application h la pathologie et ä la tMräpeutique** (Paris, 
Bailliöre et fils; 1. Auflage 1855; 2. Auflage 1861; 3. Auflage 1872; in 
deutscher Bearbeitung von Erdmann 1856). Für die specielle Muskelphysiologie 
ist nächstden^ von besonderer Wichtigkeit seine „Physiologie des mouvements, 
d4montr4e ä Vaide de V expirimentation Udctrique et de V obser'vation clintque* 
(Paris 1867) und das den mimischen Antlitzbewegungen gewidmete Einzel werk: 
„M4can{sme de la physionomie humaine ou analyse SlSctrophysiologigue de 
Vexpression des passions, applicable h la pratique des arts plastiques,^ (Album, 
72 fig. photograph. Paris 1862). 

Eine gate biographische Darstellnng D.'s gaben Las^^gue und Straas (^Duchenne 
de Boulogne. Sa vie acientißque et ses oeuvres") in den Archives g^nörales, 1875, 
pag. 687—715. A. Eulenburg: 

Der gewöhnlich als „Duchenne fils*^ bezeichnete Sohn des Vorigen, 
Duchenne, Emile-Guillaume-Maurice D., geboren zu Boulogne — Geburtstag 
unbekannt — doctorirte am 20. Mai 1864 zu Montpellier mit der These „De la 
paralysie atrophique graisseuse de Venfance^, nahm auch in der Folge an den 
diese und verwandte Gegenstände betreffenden Arbeiten des Vaters thätigen Antheil, 
starb jedoch schon vor 1870, erst etwa dreissigj ährig, in einem Irrenhause. 

A. Eulenb urg. 

Ducliesne (Qüercetanus), s. duChesue. 

Duclos, S.-C. D., französischer Arzt, in Paris geboren, Arzt des Königs 
und eines der ersten Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften, 
machte sich durch eine Reihe chemisch-analytischer Untersuchungen einen geachteten 
Namen. Vgl. „Observations sur les eaux mi7iSrales de plusieurs provinces de 
France^ (Paris 1675) — „Dissertation sur les principes des mixtes naturels^ 
(Amsterdam 1680). D. starb 1685 oder 1715, nachdem er Kapuziner geworden. 

Unger. 

Ducros, Andreas D., französischer Arzt, geboren im 16. Jahrhundert 
in St. Bonnet le chatel en Forez, Verfasser des „Discours en vers sur les miskres 
du temps"^ (Bergesac 1569). Unger. 

Judith von Horekovicz, geb. 1533 in Ungarn, wurde, berühmt durch 
seine vielseitige Gelehrsamkeit, Bischof von Pina in Dalmatien, dann Abgeordneter 
zum Trientiner Concil und Bischof von Fünfkirchen. Er verlor diese geistliche 
Würde, nachdem er sich verheiratet hatte und starb dann im Jahre 1589 zu 
Breslau. Es sind von ihm namentlich zu erwähnen: „Epistolae medtcinales*' 
(Frankfurt 1598) und „Orationes in concilio Tridentino halitae" (Offenbach 1610) 
{vorgedruckt ist hier seine Lebensgeschichte von Reuter]. Im sechsten Buch der 
Epistolae des Crato v. Craftheim sind die meisten seiner Briefe enthalten. — 
D. muss als ein äusserst vorurtheilsfreier und aufgeklärter Mann auf dem medicinisch- 
naturwissenschaftlichen Gebiete gelten ; er bekämpfte alles dogmatisch Ueberlieferte 
und empfiehlt namentlich in der Arzneimittellehre und Therapie die eigene Prüfung. 
Er tritt nicht blos gegen den crassen Aberglauben in der Heilkunde, Gebrauch von 
Amuletten u. dgl. auf, sondern bekämpft auch die von Galenos stammende, wie 
wir heute sagen würden, allgemeine und specielle Pathologie; er tadelt auch 
au dem Pergamener, dass er der Theorie und Einbildungskraft einen zu weiten 
Spielraum auf Kosten der unbefangenen Naturbeobachtung eingeräumt habe. 

Falk. 



DÜDON. — DÜFFIN. 229 

Dndoil (DcBES) wird in den Alteren Quellen als Arzt Ludwig's des 
Heiligen hervorgehoben, den er auf seinen Eeisen begleitete und dessen Tode in 
Afrika er (am 25. August 1270) beiwohnte, um mit dem König Philipp sodann 
nach Europa zurückzukehren. 

Eloy, II. Red. 

*DÜben, Gustav Wilhelm Johann v. D., Stockholm, geboren in 
Lijsta, Uvargam in Sudermanland am 25. Mai 1822, ausgebildet in Lund für den 
philosophischen, in Stockholm (dem Carolin, medico-chirurg. Institut) für den 
medicinischen Grad, Doctor der Medicin in Upsala 1855; seit 1852 Professor der 
pathologischen, seit 1861 Professor der normalen Anatomie am Garolinischen In- 
stitute in Stockholm. — Monographische Arbeiten: „Mikroskopisk Diagnostik^ 
(Stockholm 1855) — „Föreläsningar i patologisk anatomi^ (Stockholm 1859) — 
„Kurs % anatomt, fysiologi, helsolära och fysisk uppfostran vid lärarinne- 
semhiariet*' (Stockholm 1864) — „Medevi helsobrunn och bad" (Daselbst 1867) — 
„Lappland och Lnppame" (Daselbst 1872). Hedenius. 

Dührssen, Heinrich Christian D., zu Meldorf in den Ditmarschen, 
war am 19. Juni 1799 zu Eddelack in derselben Landschaft geboren, studirte 
von 1819 zu Kiel und Berlin Medicin, wurde 1823 in Kiel Doctor und Hess sich 
dann in Meldorf nieder, wo er eine ausgebreitete Praxis erlangte. Als Schriftsteller 
hat er sich durch einige Arbeiten, wie: „Nachrichten und Bemerkungen über 
die . . . 1826 und . . . 1827 in der Landschaft Süderditmarschen herrschend 
gewesene Epidemie*^ (Schlesw.-Holst.-Lauenb. Provinzialbericht von 1827) und 
„Beiträge zur Kenntniss der sogen, Marsch- oder Ditmarscher Krankheit, 
morbus psevdosyphüiiicus** (Pfaff's Mittheilungen, Bd. I, 1832) — „Ueber die 
Sckarlachepidemte im Süderditmarschen" und andere Aufsätze bekannt gemacht. 
Ein gastrisch-nervöses Fieber raffte ihn, erst 39 Jahre alt, am 4. Oct. 1838 dahin. 

H. Schröder im Neuen Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 16, 1838, II, pag. 842. — 
Löbkerund Schröder, I, pag. 128. — Alberti, I, pag. 176. — Callisen, iV, pag. 362: 
XXVU, pag. 351. G. 

Däller, Johann D., zu Luzem in der Schweiz im Jahre 1599 geboren, 
stndu-te zu Freiburg im Breisgau Philosophie und dann 5 Jahre zu Paris Medicin, 
in welcher er den Doctorgrad zu Pont-ä-Mousson in Lothringen erlangte. Hier- 
nach war er 3 Jahre lang zu Rom in dem Spital San Spirito als Arzt thätig. In 
sein Vaterland zurückgekehrt, übte er 2 Jahre in Luzem und 6 Jahre in Freiburg, 
wo er die Stellung als Physicus erhalten hatte, ärztliche Praxis aus. Im Jahre 
1639 ward er nach Ingolstadt berufen, wo er bis zu seinem im Jahre 1656 
erfolgten Tode Anatomie mit vielem Erfolge lehrte. Ausser seiner Fachgelehrsam- 
keit wird ihm grosse Kenntniss der Sprachen, besonders der griechischen, nach- 
gerühmt. Er schrieb: „Assertiones medicae de humani foetus fonnatione ac 
illius in utero matem. animatione*^ (1652). 

Mederer J. N., Annales Ingolstadiensis Academiae. P. II, pag. 343, Ingolstadt 
1782. — Kobolt-Baier, Gelehrtenlexikon, pag. 165. y. Seitz. 

*Dllffey, George Frederick D., lebt in Dublin, wo er — bis 1863 — 
auch seine medicinische Ausbildung erhielt. M. D. Dub. wurde er 1871, F. K. Q.-C. 
P. Irel. 1873. Ueber Physiologie, Materia medica und innere Klinik an den ver- 
schiedenen Lehrinstituten Dublins vortragend, gab er 1879 Geiffith's „Materia 
medica and pharmacy" mit heraus. Ausserdem stammen von ihm x\bhandlungen^ 
sowohl mit diesem Gebiete in Verbindung stehend, wie: „Jodic purpura" (Dubl. 
Joum. of med. seienc. 1880) u. Aehnl., wie auch über „Bheumatic Orchitis as a 
sequel to fever*^ (Ebenda 1872) — „Gystic degeneraiion of the kidneys causing 
dystoda** (Med. times and gaz. 1866) und weitere Journalbeiträge. ^^^ 

*DnlIln, Alfred Baynard I)., zu Edinburg bis 1857, dem Jahre seiner 
Promotion, ausgebildet, wurde F. R. C. S. Eng. 1859, F. R. C. P. Lond. 1873. 



230 DÜFFIN. — DUFOÜR. 

Er machte die üblichen Assistenten- nnd höheren Stellen am King's College 
Hospital durch und wirkt zur Zeit an demselben als Professor der patholo^sehen 
Anatomie. Beine vornehmlichsten wissenschaftlichen Leistungen sind: ^Cellidar 
pathology^ (Beale's Archiv, Bd. H) — „Perforation of peritoneum" (Ebenda) — 
„Golotomy^ — „Temperature in Syphilis" — „Early diagnosia of smallpox'* — 
„ Treatment ofhydatids of the liver" (in lYansact. of the path. resp, of the clin. soc), 
sowie „Perinephric abscess" (in Med. times and gaz. 1870). j^g^j 

Duffour, Joseph D. , französischer Arzt, geboren 1761 in Bourganent 
bei Limoges, studirte und promovirte in Poitiers, kam nach Paris und wurde 1790 
zum Leibarzte der Gräfin von der Provence ernannt. Während der Revolution 
wurde D. in mehreren Militär-Hospitälern beschäftigt und von Barras zum Arzt 
des Directoriums ernannt. D. war ein sehr gesuchter Praktiker, der dem Fort- 
schritte in der Wissenschaft huldigte, die Verbreitung der Vaccination förderte und 
auch literarisch thätig war. Er starb 1820 als Mitglied der Akademie der Medicin. 

ünger. 

Dnfleu, J.-F. D., französischer Arzt, geboren in Tence (Valey), war Chef- 
chirurg am Hötel-Dieu zu Lyon und zeichnete sich sowohl als Chirurg, wie als 
Mann der Wissenschaft in dieser Stellung aus. Er starb 1769 im Alter von kaum 
32 Jahren. Schriften : „Manuel physique pour expliquer les phdnomenes de la 
nature" (Lyon 1758) — „TraiU de phyaiologie" (Lyon 1763), letzteres Werk 
erhielt den Beifall Haller's. Uuger. 

Dufot, A.-A.-A. D., S. AüGIER-DüFOT. 

Dufouart, Pierre D. , berühmter französischer Militär-Chirurg, geboren 
in Castelnau-Rivi^re-Basse 1737, studirte er in Paris Chirurgie und wurde, erst 
22 Jahre alt, als Major-Chirurg zur Armee nach Deutschland geschickt. Er wurde 
später General-Inspecteur der Hospitäler in Paris und Chefchirurg der Pariser 
Truppen, endlich Professor der Chirurgie am Militär-Hospital. Sein bestes Werk 
und eines der besten überhaupt über diesen Gegenstand ist: „Analyse des blessures 
d* armes a feu et de leur traitement" (Paris 1801). D. starb 1813 in Paris. 

Ünger. 

Dufour, L6on D., französischer Militärarzt, war am 11. April 1780 zu 
Saint-Sever (Cap de Gascogne) geboren, als Sohn und Enkel eines Arztes, wurde 1806 
zu Paris Doctor, trat in demselben Jahre in die Armee ein, machte die Feldzflge 
in Spanien von 1808 — 1814 mit und widmete seine Aufmerksamkeit besonders 
den Naturwissenschaften. Ausser einer Arbeit: „Observations s^ur un fongus 
hematode du cou" (1821) hat er fast nur sehr zahlreiche natun^issensehaftliche 
Arbeiten (etwa 258 Nummern), namentlich aus der Insectenwelt, hinterlassen. Auch 
war er, abgesehen von seiner Mitgliedschaft der Akademie der Medicin, Ehren- 
Präsident der entomologischen Gesellschaft. Er starb im Jahre 1865. 

Grellois im Rec. de m6m. de m6d. etc. militaires. 3. S6rie, T. XIII, pag. 505. — 
Catalogue of Scientific Papers. II, pag. 363; Vif, pag. 567. ^j 

Dufour, Charles D. , zu Paris, war am 11. Januar 1826 geboren, 
wurde 1854 Doctor mit einer vortrefflichen These : „Etüde sur la tvherculisatian 
des organes g^nito-urinaires" , gehörte in Frankreich zu den Ersten, welche sich 
mit mikroskopischen Untersuchungen beschäftigten und war in dieser Richtung 
seinen Collegen, den Mitgliedern der Soci6t6 anatomique, in deren Bulletins er eine 
grosse Menge interessanter Beobachtungen veröffentlicht hat, sehr nfltzUch. Er 
starb am 14. Februar 1861. 

Ed. Labbe in BuUetins de la Soc. anat. de Paris. T. XXXVII, 1862, pag. 596. 

G. 

* Dufour, Guillaume-Th^dore D. , Director des Gesundheitsdienstes 
bei der französischen Marine, ist aus Toulouse gebürtig, wurde 1833 zu Mont- 
pellier Doctor, verfasste mehrere Aufsätze in den M6m. de la Soc. des sc. nat. de 



i 



DÜFOÜR. — DÜGES. 231 

Cherbourg (1854, 1856), wie: „Quelques remarques prattques sur la pathologie 
et la thirapeutique chirurgicale des tumeurs^ — ;, Voyage d* Alger h Smyme 
en ISSO"", und in den Aroh. de m6d. navale (1864, 1865, 1866, 1867): 
„Relation chirurgicale du combat naval evUre le Kearsage et F Alabama (19 juin 
1864) , kapital de Cherbourg** — „Souvenirs de quinze annSes de clinique 
chirurgicale fhdpital de Cherbourg) . . . 1850 au . . . 18 64'* — „Remarques 
sur la pathologie et la mSdedne opSratoire des tumeurs^. 

Berger et Rey, pag. 80. G. 

*Dnfour, Eugene D. , Chefarzt der Irrenanstalt von Saint-Robert , Ge- 
meinde Saint-Egrfeve (Grenoble), wurde 1866 zu Montpellier Dootor mit der These: 
^2tude sur le ramollissement du cerveau^, verfasste eine von der medicinischen 
Gesellschaft zu Gent (1869) mit dem ersten Preise gekrönte Schrift: „De Ven- 
combrement des asiles d!aliin4s, etc.'' (Paris 1870) und sehrieb in den Annales 
mM.-p8ych. (1876, 80) mehrere Aufsätze, wie: „Note sur les alt^'ations du coeur, 
du foie, des reins etc, chez les aliinSs" — „ Note h propos de certaines iSsions 
mcSrales secondaires aigues chez les aliSnSs^ u. s. w. • 

Index-Catalogue. III, pag. 937. G. 

Dufresnoy, Andrö-Ignace-Joseph D., aus Valenciennes, wurde am 
16. Jani 1733 geboren, zu Montpellier promovirt, dann Militärarzt in seiner Vater- 
stadt, MMecin-consultant des arm^es 1785 und Chefarzt der Nordarmee 1793. 
Wegen einer rein wissenschaftlichen Correspondenz mit einem Arzte in Cambrai 
Aber Pflanzen der Gattung „Rhus" , wurde D. eines geheimen Einverständnisses 
mit den „Russen^' angeklagt und schwebte in Gefahr, sein Leben zu verlieren. 
Er erhielt durch die Ereignisse des 9. Thermidor seine Freiheit wieder, zog sich 
in's Privatleben zurück und starb am 14. April 1801. lieber Giftpilze, über Rhus 
radieans, die Narcissenarten hat D. eine Reihe guter Untersuchungen im phanna- 
kologischen Sinne gemacht. Eigentlich medicinischen Inhaltes ist nur seine Schrift : 
„Des caracth'es, du traitement et de la eure des dartres, de la paralysle, des 
conmlsions" (Paris 1794). 

Biogr. m6d. III. Red. 

Dnftos, William 1)., zu Birmingham, Ohrenarzt, war zu Brigham iu 
Cumberland geboren, studirte in den Borough Hospitals zu London und im Jervis- 
Street Hospital zu Dublin , wo er ein Lieblingsschüler von Kirby war. Er Hess 
sich 1831 in Birmingham nieder und widmete sich vorzugsweise der Ohrenheil- 
kunde. Er publicirte ein Werk: „JTte nature and treatment of deafness and 
diseases of the ear^ (1844; Philadelphia 1848), errichtete die Institution for the 
Relief of Deafness und war der bedeutendste in dem Midland District consultirte 
Ohrenarzt. Er starb im Jahre 1859. 

Lancet. 1859, II, pag. 524. G. 

Duftscbmldi Johann D. , Arzt in Linz, 1804 — 1866, Sohn des aus- 
gezeiehneten Entomologen und Protomedicus D. in Linz, betrieb namentlich Botanik 
und erwarb sich als Bearbeiter der Flora von Oberösterreich einen hervon*agenden 
wissenschaftlichen Ruf. 

AUgem. Deutsche Biogr. V. Red. 

Duges. Unter den 4 — 6 Aerzten des Namens D. hat hervorragende Be- 
deutung nur Antoine D., der Neffe der Hebamme Lachapellb (s. diese), welche 
eine geborene D. war. Er wurde 1798 geboren, empfing 1821 zu Paris (auf eine 
These über Krankheiten der Neugeborenen) sein Doctordiplom, war eine Zeit lang 
Prosector der medicinischen Facultät zu Paris und von 1825 ab Professor der 
Geburtshilfe in Montpellier. 1838 starb er mit Hinterlassung einer nicht geringen 
Menge schriftstellerischer Leistungen und nachdem er von 1836 Decan dieser 
medicinischen Schule gewesen war. Es seien genannt: „Essai physiologico- 



232 DÜGES. — DUHAMEL. 

pathologique sur la nature de la fövre^ (Paris 1823, 2 Bde., preisgekrönt) — 
„Manual d' ohstStrique^ (45 Abbildungen, Daselbst 1826, posthum Montpellier und 
Paris 1840) — „MSmoire sur la confarmiti organtque dans rdckelle animal^ 
(6Taf. , Daselbst 1832) — „Recherches sur VosUologie et la myologie des 
batrachiens h leur diffirents dges^ (20 Kupfertaf., 1835, preisgekrönt vom Institut 
de France) — „Traüd de physiologie comparde de V komme et des animaux*^ 
(3 Bde., Montpellier 1838); ausserdem viele Vorlesungen, Aoisätze, besonders über 
geburtshilfliche Instrumente, Marie Louise Lachapelle's „Pratique des accou- 
ckemens^ (in 3 Bänden, Paris 1821 — 1825). Die „Eph6m6rides m6d. de Mont- 
pellier" gab er 1826—1828 mit heraus. 

Oallisen, V, XXVII. — Index-Catalogue. Red. 

*Duggan, Joseph D., in Woodville, genoss seine medicinische Erziehung 
in Glasgow bis 1857. L. K. 0. C. P. Irel. und L. M. wurde er 1870. Er wirkte 
später an verschiedenen Instituten der irischen Hauptstadt und schrieb ausser einem 
Werk über Prophylaxe und Behandlung der Cholera (1871) und Aufsätzen in der 
Dublin, med. press (1863—1867, resp. 1869 und 1880) auch ein Buch über 
Thierkrankheiten. g ^ ^ 

Duhamel, Jean-Baptiste D. (du Hamel), geboren 1624 zu Vire in 
der Normandie, studirte zu Caen und Paris Theologie, daneben aber auch Natur- 
wissenschaften und insbesondere Mathematik. Schon mit 18 Jahren gab er eine 
Bearbeitung der Sphaera des Theodosius heraus nebst einer Trigonometrie, die 
durch Klarheit und Kürze sich auszeichnete. Im Jahre 1643 trat er in das 
Oratorium ein, in dem er zehn Jahre verblieb, und wurde dann Pfarrer zu 
Neuilly- sur -Marne, allwo sein Andenken als treuer Seelsorger noch viele Jahre 
nach seinem Scheiden fortlebte. Hier legte er sich trotz seiner vielfach abhaltenden 
Berufsgeschäfte mit grossem Eifer auf das Studium der verschiedensten Wissen- 
schaften, namentlich aber der Physik, die ihn ganz besonders anzog. Im Jahre 
1660 veröffentliche er zwei einschlägige Werke, die „Astronomia physica" und „De 
meteoris et fossüibus^ und lenkte damit die Augen der ganzen wissenschaftlichen 
Welt auf sich. Im Jahre 1656 wurde D. durch Ernennung zum Almosenier des 
Königs an den Hof gezogen und 1663 zum Kanzler der Kirche von Bayeux 
befördert, was auf seinen Einfluss nicht ohne Bedeutung war. Bei der Gründung 
der Acad^mie des sciences wurde er zum ständigen Secretär derselben ernannt 
und ein halbes Jahrhundert hat er diese Stellung voll und ganz ausgefüllt. Im 
Jahre 1668 wurde er mit Rücksicht auf seine Vielseitigkeit, namentlich seine 
ausserordentlichen Sprachkenntnisse, dem Gesandten von Croissi als Begleiter 
zu dem Congress von Aachen mitgegeben und später hatte er ihm nach England 
zu folgen, als er dahin geschickt worden war. Längere Zeit dort geblieben, kehrte 
er über Holland imd Belgien nach Frankreich zurück, wo er von 1670 — 1673 
seine reichen Erfahrungen und mannigfaltigen Beobachtungen nach und nach ver- 
öffentlichte. Danach vertrat er eine Professur der Philosophie am College de 
Bourgogne, hielt theologische Vorlesungen und widmete der Acad6mie und ihren 
Arbeiten seine Zeit und seinen Fleiss. Mitten in diesen Arbeiten starb er 1706 
in einem Alter von 82 Jahren. Trotz seiner Stellung als' Theologe , praktisch 
thätiger Geistlicher und Seelsorger vertrat D. in der Wissenschaft den streng 
empirischen Standpunkt, wie ihn Baco gelehrt hatte, und wurde so einer der 
heftigsten Gegner von Castesius und der Cartesianischen Philosophie. Hierin 
liegt auch bei der Bedeutung, welche die letztere für die Entwicklung der Mediein 
gewonnen hat, die Hauptbedeutung D.*8 in Bezug auf dieselbe. Sonst ist er fttr 
sie auch dadurch wichtig geworden, dass die Jesuiten bei ihren Missionen sich 
gerade seiner philosophisch - naturwissenschaftlichen Werke gern bedienen, von 
denen wir insbesondere noch „De mente humana librt quatuor" (Paris 1672; und 
„De corpore animato libri quatuor^ (Paris 1673) als hier besonders iuteressirend 
hervorheben. Arndt. 



J 



DÜHMBERG. — DUKE. 233 

^Duhmberg, Otto Karl Georg Reinhold D. , geboreu auf Sehloss 
Bersohn (Livland) am 16. /28. Januar 1821, absolvirte das Gymnasiam in Dorpat, 
Btudirte Medicin und Naturwissenschaften, vorzüglich Botanik, Dr. med. in Dorpat 
1856 („De effectu magnesiae sulfuricae"). Nacheinander Arzt auf der Privat- 
goldwäsche im Gouv. Tomsk (Sibirien), 1858 in Bamabl als Arzt am Haupt- 
hospital des altaischen Bergwerksbezirkes , 1865 Medicinal-Inspector der altaischen 
Bezirke, 1881 pensionirt, privatisirt in Dorpat, Conservator des vaterländischen 
Museums der gel. esthn. Gesellschaft. D. hat eine Reihe kleiner und grosser Auf- 
sätze in verschiedenen russischen und deutschen Journalen veröffentlicht, darunter 
jfüeher KUmakrankheUen im Altaischen Bergwerksbezirk^ (Tomsker Zeitung 
1871) — „ lieber die Kutschinzen" (Mittheilungen des Vereines für Erdkunde in 
Leipzig 1875). ^ S^ieda. 

*Duhrillg, Louis A. 1)., Arzt in Philadelphia*, hat sich durch eine 
Reihe von Arbeiten, vorwiegend auf dermatologischem Gebiet, bemerbar gemacht, 
deren umfangreichste der „Practical treatise an diseases of the skin** (Phila- 
delphia 1877) ist. Ihm ging ein Werk „On the study of dermatology" (wovon 
6 Lieferungen in New-Orleans 1871 erschienen) und ein „Atlas of shin diseases" 
(27 Lief. , Philadelphia 1876 — 1880) voran. Eine grössere Reihe casuistischer 
Mittheilungen folgten. 1870 — 1872 war D. Mitherausgeber der „Photographic 
review of med. and surgery", die in Philadelphia erschien. ^^^ 

Dujardin, französischer Chirurg, geboren 1738 in Neuilly-St.-Front, 
gestorben 1773 in Paris, ist Verfasser der „Histoire de la Chirurgie depuis son 
origine jusqu* h nosjours", (Er vollendete indessen nur den 1. Band [gedruckt 1774], 
der 2. und 3. erschien, von Peyrilhe verfasst, im Jahre 1780.) Unger. 

*Du3ardin-Beaumetz, Georges D.-B. , zu Paris, ist am 27. November 
1833 zu Barcelona geboren, studirte in Paris, wurde 1862 Doctor, 1865 Chef de 
elmique bei der Facultät, 1870 Hospitalarzt und tbat sich als Arzt während der 
Belagerung von Paris hervor. Er ist auch Arzt mehrerer Staats-Institute und 
sehrieb: „Les troubles de Vappareil oculaire dans les maladies de la mo'elle" — 
„L'emploi du phosphore en midedne", sowie zusammen mit Audige: „Recherches 
expirimentales sur la puissance toxique des alcools" (Paris 1879). Auch gab er 
heraus: „Legons de clinique thifrapeutique, professis h Vhopital Saint- Antoine, 
recueillies par Eug. Garpen tier - MSricourt etc," (1878 — 8l) und ein 
„Dictionnaire de thirapeutigue, de mcUi^re mSdicale etc," (Paris 1882 ff.). 

Bitard, pag. 103. G. 

*Ihdgail| Daniel John ü. , erlangte am King*s College zu Aberdeen 
1857 seine Promotion, nachdem er bereits 1845 F. R. C. S. J. geworden war. 
M. R. C. P. Lond. wurde er 1860. Er diente lange auf verschiedenen Schiffen 
der Flotte, machte den Krimkrieg, sowie die Expedition nach Mexico mit und 
publicirte speciell Arbeiten über die Verwundeten vor Sebastopol im Sanitary 
Report und in Med. times and gaz. ^^^ 

Duising, Justin-Gerhard D. (Ddysing), geboren am 4. Mai 1705 in 
Berleburg, studirte seit 1724 zu Jena, Dr. med. daselbst 1728, studirte 1729 bis 
1730 in Strassburg Chirurgie und Geburtshilfe, wurde 1730 ausserordentlicher, 1732 
ordentlicher Professor der Medicin in Marburg, seit 1748 Professor der Naturwissen- 
schaften, 1759 Primarius der Facultät und starb am 13. Februar 1761. Er gab 
1753 16 Dissertationen zusammen heraus unter dem Titel: „Commentatio physica 
de salubritate aeris Marburgensis*^ (4.). 

B 5 r n e r , Nachrichten Wolfenb. 1749, 5. Zehend., pag. 844. — Stricker. 

W. Stricker. 

* Duke, C 1 e m e n t D., in Sunnyside (Rugby, Warwickshire), am St. Thomas' 
Hospital bis 1867 ausgebildet, wurde M. R. C. P. Lond. 1875 und daselbst 1876 



234 DUKE. — DUMAS. 

Dr. Boed. Er war eine Zeit lang Militärarzt, dann als klinischer Assistent an 
verschiedenen Londoner Anstalten thätig, auch House-surgeon am St. Thomas- 
Hospital und Kinderhospital in Ormondstreet (1867 — 1869). Seine Publicationen 
betreffen klinische Gegenstände: „AciUe gener al herpes*^ (Lancet 1876; — 
„Albuminuria of adolescetUs" (Brit. med. Joum. 1878); auch „Dtastasis'^ 
-(Ebenda 1874) und hygienische Beiträge. Bed. 

Dulaurens y Joseph-Michel D. , war geboren zu Douai (Nord) am 
29. Januar 1726, wurde Chefarzt bei der französischen Marine und hat folgende 
Schriften verfasst: ^Bequestes au Roi pour le desSchement de vingt miüe arpenta 
de maraü'' (2 Bde., Paris 1778, 4.) — „MSm. kiatorique sur divers objets 
d'adminiatration^ (London und Paris 1778) — „Essai sur les Etablissements 
ndcessaires et les moi'ßs dispendieux pour rendre le Service des malades dans 
les höpitaux vraiment utile ä Vkumanite" (Paris 1787, mit 2 Taf.) — „Essai 
sur Vitablissement des höpitaux dans les grandes ville^** (Paris 1787) u. s. w. 
Er starb zu Paris am 3. Mai 1789. 

Berg er et Key, pag. 81. G. 

Du Laurens, Andreas du L., s. Laurentios, Andreas L. 

Dumas, grössere Anzahl französischer (resp. schweizerischer) Mediciner, 
von denen der Hervorhebung bedürfen: CharlesLouisD., Sohn eines Lyoner 
Chirurgen, am 8. Februar 1765 geboren, seinerzeit hochbertihrater Physiologe in 
Montpellier, gestorben am 28. Mäi'z 1813. Schon im Jahre 1787 hatte D., soeben 
von der Soc. r. de m6d. zu Paris preisgekrönt, mit FoüQUET um den durch 
Sabatier's Tod freigewordenen Lehrstuhl concurrirt , wurde zunächst Arzt an der 
Charit^, 1791 Vice-Professor für Pathologie zu Montpellier, dann Arzt des Hötel- 
Dieu zu Lyon und 1795 Professor der Physiologie in Montpellier bis zu seinem 
Tode. D. galt durch seine Auflösung der Lebenskraft in die „R6action vitale", die 
„Assimilation vitale" und die „Resistance vitale" für einen bedeutenden Theoretiker 
und war praktisch von nicht geringem Einflüsse auf die Vereinfachung der Therapie. 
Seine Schriften haben einen nachhaltigen Einfluss nicht gehabt, so dass es gentigt 
hervorzuheben: „Principes de physiologie ou V introduction ä la science exp^ri- 
mentaW (Paris 1800—1808; Montpellier 1806; auch mehrfach übersetzt) — 
„Doctrine gSn4rale des maladies chroniques^ (Paris 1812 ; Florenz 1813) — „Con- 
sultations et observations de mid,^ (Paris 1824). — Neben vielen im Joum. 
d'instruction m^dicale, sowie im Joum. g6n. de m6d. enthaltenen Abhandlungen 
übersetzte D. noch Th. Reid's Essay über die Lungenschwindsucht (Lyon 18 . .?) 

Biogr. med. IIJ. ünger. — Red. 

Dumas, Jean-Baptiste-Andrö I)., zu Alais geboren, kam frflh als 
Pharmaceut nach Genf, lemte hier J.-L. Prevost kennen, unter dessen Leitung 
er Blutuntersuchungen (1821 — 1823) anstellte und mehrere Jahre verwandte zu 
eingehenden, auf die Muskelcontraction bezüglichen Experimenten (1823); auch 
publicirte er gleichzeitig eine Arbeit: „Sur Vemploi de la pile dans le traite- 
ment des calculs de la vessie" und 1824 eine solche „Sur la g^nSration^ . 
Später widmete er sich ganz der Chemie. Das Doctorat erlangte er erst 1832. 
In der Folgezeit veröflfentlichte er dann seine (auch für die Medicin) höchst 
beachtenswerthen Werke: „PrScis de ckimie physiologique et mddicale^ (Paris 
1837) — „Legons de philosophie chimique^ (Daselbst gleichzeitig) und „Essai 
de statique chimique des ^res organises^ (Paris 1841). Im Jahre 1843 wurde 
er zum Mitgliede der Akademie der Medicin ernannt und widmete sich bis 1849 
(wo er seine Entlassung einreichte) ganz dem Lehrfache. Als beständiger Secretär der 
Akademie der Wissenschaften spielte er eine bedeutende Rolle in Oelehrtenkrelsen 
(daneben auch noch eine politische) bis zu seinem Tode, der am 11 . April 1884 erfolgte. 

Gaz. hebd. de med. et de chir. 18<S4, Nr. 16. B.tA, 



DUMAS. — DÜMONT. 235 

Dumas, F.-M.-P. Isidor D., Chirurg in Montpellier, der 1833 in Paria 
doctorirte (Sohn Charles Lonis D/s?), ist im üebrigen seinen Lebensdaten 
nach unbekannt. Von ihm besitzen wir neben einem Aufsatze fyDe la transfusion** 
(Joum. de chimie mM. 1833), noch: „Coup d^oeil gSnSral sur les absc^" (Mont- 
pellier 1837) — „Rapports de la mSd, Ugale avec la Ugislation^ (Strassbnrg 
1840) — „Pathologie et thirapeutiques geniales des enfants nouveau-nds^ 
(Montpellier 1848) und „De V importance des itudes physiologiques gSnSrales 
appliquSes h la mM, pratique^ (Daselbst gleichzeitig). 

Cal Ilsen, XXVII. — Index-Catalogue. III. Red. 

Dnmeril , Andr6-Marie-Con8tant D. , ist geboren zu Amiens am 
1. Januar 1774. Zum Pr6vot der Anatomie in Ronen wurde er bereits 1793, zum 
Prosector der ficole de m6d. de Paris 1794 ernannt. Durch einen dritten Concurs, 
in welchen er 1798 eintrat, glückte es ihm, die Stellung eines Chefs der anato- 
mißcben Arbeiten zu erlangen und 1800 erhielt er die ordentliche Professur für 
Anatomie und Physiologie. Achtzehn Jahre lang bekleidete er in ehrenvollster 
Weise diese Stellung, bis er 1818 den Lehrstuhl für interne Pathologie übernahm. 
Dazwischen vertrat er Cüvier 4 Jahre lang als Professor der Naturgeschichte an 
der £cole centrale du Pantheon und supplirte Lacepj^de eine Reihe von Jahren in 
dessen Stellnng als Zoologe am Jardin du Roi. Seine Reise zur Beobachtung des 
Gelbfiebers nach Spanien fiel in das Jahr 1805. Im zweiten Decennium dieses 
Jahrhunderts fielen ihm sämmtliche Ehrenstellen der Pariser gelehrten Institute zu. 
D.'s Schriften sind grösstentheils naturwissenschaftlichen Inhaltes und, so bedeutend 
sie ihrerzeit waren, doch für die medicinische Wissenschaft von nur secundärem 
Einflüsse gewesen. Am ehesten stehen derselben die folgenden näher: „Essai sur 
les moyens de perfectionner et d'entendre Vart de V anatomiste" (Paris 1802) — 
der „Recueil de 450 formules propos^es dans les Jurys de mSdecine de 1811 
h 1813^ (Paris 1813) — der „Projet d'une nomenclature anatomique" (Magaz. 
encyclop. 1793) — die „Dissertation sur la gSndration des vers intestinale etc," 
(Ebenda) — „Sur quelques nauveaux procddSs propres h Vinjection des vaüseaux 
lymphatiques" (Ebenda) — „ConsidSrations sur les rayports de structure q\ion 
peilt observer entre les os et les muscles du tronc chez tous les animaux" 
(Gelesen im „Institut" 1808) — „Rapport sur les diahlissemens d*eaux mine- 
rales factices existans ä Paris" (Nouv. Joum. de med. 1818). 

Biogr. med, — Callisen, V. Red. 

^Dnmesnll, fidouard-Jean-ßaptiste D. , Director der Irrenanstalt 
von Quatre-Mares bei Ronen, ist am 1. December 1812 zu Coutances (Manche) 
geboren, studlrte in Paris, wurde 1843 daselbst Doctor, war nacheinander Chefarzt 
und Director der Irrenanstalten der Haute-Marne 1847, Cöte-d'Or 1850, Seine- 
lDfi6rieure 1852 und befindet sich seit mehr als 25 Jahren in seiner jetzigen Stellung. 
Er hat sich durch eine „Etüde midico-legale sur les alienis" sowie durch zahl- 
reiche Aufsätze in den Annales m^dico-psychol. bekannt gemacht und hat ferner 
Monographien über den Blasenstein, die Vorderarmbrüche, die loduration der Milch 
mittelst der Verdauung, die Ohrblutgeschwulst, das prodromale Delirium bei gewissen 
acuten Affectionen, über Trunksucht u. s. w. verfasst. 

Glaeser, pag. 213. G. 

♦Dnmont, Henry-Joseph D. , französischer Arzt zu Puerto Rico, 
wurde 1869 zu Paris Doctor, verfasste 1862 zu Strassbnrg die These: „D^^s 
amptUations primitives ou retardees ä la suite de coups de ftu" und die 
Concurs-These : n^^ maladies virulentes et miasmatiques en gineral". Ausser 
Untersuchungen über die Alterthümer der Insel Puerto Rico und ihre Ureinwohner 
(1876) gab er heraus; „Ensayo de una historia medico-quvnlrgica de la isla 
de Puerto Rico"" (2 Bde., Habana 1876). 

Index-Catalogue. III, pag. 945. G. 



236 DUMPF. — DUNCAN. 

Dumpt Georg Friedrich D. , geboren zu Ohlershef (in Livland) am 
29. November 1777, wurde seit 1792 im Friedriehs-CoUegium zu Königsberg 
erzogen, studirte von 1794 an verschiedenen Universitäten Deutschlands, erwarb sich 
in Göttingen 1798 den Dootorgrad (Diss. : „Defebre nervosa exanthematica^) und 
war dann Hauslehrer in Livland. Nachdem er 1800 in Petersburg examinirt worden 
war, versah er bis 1803 den Dienst als Hospitalarzt in Petersburg, wurde dann 
Landarzt auf EisesküU (Livland) und 1813 Kreisarzt des Fellin'schen Kreises. 
Seit 1823 lebte er in Fellin, woselbst er am 17. April 1849 starb. D. verfasste 
und veröffentlichte ausser seiner Dissertation verschiedene Aufsätze medicinisehen 
und chemischen Inhaltes in Zeitschriften; er beschäftigte sich mit thierisehem 
Magnetismus, schrieb: „De consensu magnettca^ (Petersburg 1818); ausserdem 
lieferte er zu dem Tagebuche über eine zweite magnetische Cur der Frau v. U. 
(Pemon 1818) eine Anzahl Anmerkungen und zwei Berichte. Ausserdem sammelte 
er viel Material zu der Biographie des ärztlichen Dichters Lenz uud gab heraus: 
„Pandaemonium germamcum" . (Eine Skizze von J. R. M. Lenz. Aus dem hand- 
schriftlichen Nachlasse des verstorbenen Dichters, Nürnberg 1819.) Nach D.'s 
Tode erschien „Das Klima von Fellin" (nach D.*s Beobachtungen berechnet von 
Neese, Petersburg 1850). 

Recke-Napiersky, I, 460. — Beise, I, 155. — Inland, 1849, Nr. 23, Zur 
Erinnemng an Dumpf. L. Stieda. 

Dumreicher, Johann v. D. (in den Freiherrnstand 1866 erhoben als 
D. V. Oesterreicher), wurde am 15. Januar 1815 in Triest geboren. In Wien 
ausgebildet und 1838* promovirt, wurde er bei .Wattmann Assistent und 1846 
Primarchirurg. Als Schuh für Wattmann eintrat, übernahm D. die zweite chirur- 
gische Klinik. Ganz hingegeben der Lehraufgabe, hat D. nur wenige grössere 
Arbeiten veröffentlicht, so die über Hüftgelenkluxation, über einen Eiseubahnapparat 
zur Verwendung bei Knochenbrüchen, über Wundbehandlung (letztere in der 
Wiener med. Wochenschr.). Nach dem Kriege von 1866, in welchem er sich die 
volle Zufriedenheit der österreichischen Behörden erwarb, trat er gegen v. Langex- 
BECK polemisch auf- und schrieb 1877 gegen das moderne ünterrichtswesen. Lange 
herzleidend, starb er am 16. November 1880 auf seinem Landgute bei Agram. 
Seine Richtung in der Chirurgie war eine im Wesentlichen conservative ; mit 
seinem SpecialcoUegen Schuh, resp. später Billroth harmonirte er wenig und 
opponirte sich hartnäckig der LiSTER^schen Antisepsis. ^^j 

Dun, Sir Patrick D. , zu Dublin, war im Januar 1642 zu Aberdeen 
geboren. lieber seine Studien ist nichts bekannt, nur weiss man, dass er frOlizeitig 
in Dublin als Arzt zu Ansehen gelangte und wahrscheinlich 1677 zum Fellow d^ 
dortigen College of Physicians gewählt wurde, dessen Präsident er 1681 zum ersten 
Male und später noch öfter war. Die einzige bekannte literarische Arbeit von ihm 
ist ein Aufsatz: „On the analysis of mineral waters", vorgetragen 1683 in der 
Dubliner philosophischen Gesellschaft. Zur Zeit der Revolution von 1688 wurde 
er Physician to the Army in Ireland, 1692 Mitglied des Irish House of Commons 
und erhielt 1696 die Ritterwürde. Vor seinem am 24. Mai 1713 erfolgten Tode 
hatte er durch sein Testament eine Professur der Medicin beim College of Physi- 
cians gestiftet, die 1717 zum ersten Male besetzt wurde. Im Jahre 1800 gründete 
dasselbe College ein Hospital, das noch heute Sir Patrick Dun's Namen führt. 

T. W. Reicher in Dublin quart. Joum. of med. sc. VoL42, 1866, pag. 231. — 
Ibid. Vol. II, 1846, pag. 288. G. 

Doncan, Daniel D., Sprosse einer ausgewanderten schottischen Familie 
und Sohn des Arztes Peter D. zu Montauleau, daselbst 1649 geboren. Er 
studirte zuerst in Toulouse unter Bayle Philosophie, dann in Montpellier Mediein 
und empfing hier 1673 den Doctorhnt. Von Paris kehrte er dann nach Montauleau 
zurück, wandte sich aber in Folge des Edicts von Nantes nach Genf. Aueh hier 
nach 9jähriger Ruhe neuen religiösen Verfolgungen ausgesetzt, ging er nach Berlin, 



r 



DUNCAN. — DÜNGLLSON. 237 

wurde hier freundlich aufgenommen und zum Professor befördert. 1707 begab er 
sich nach dem Haag, hielt es hier 12 Jahre aus und siedelte endlich nach London 
über, wo er 1735 starb. Wir haben von ihm: „Explication nouvelle et mitho- 
dique des actions antmales" (Paris 1678) — „La ckiviie naturelle etc.*' (I. Th., 
Montauleau 1680; II. und III. Th., Paris 1687; im Haag 1707 ; lateinisch Amster- 
dam 1707) — „Uhistoire de Vanimal etc.*' (Paris 1682, 1687; lateinisch 
Amsterdam 1683). — Seine Rathschläge gegen den Missbrauch von Thee, Kaffee, 
Chooolade (zuerst Rotterdam 1705) wurden in*s Deutsche (Leipzig 1707) und 
Englische (London 1716) übersetzt. Red. 

Duncan. Der Zeitfolge nach ist von den sonstigen verstorbenen schottischen 
Aerzten des Namens D. zuerst Andrew 1. D. zu nennen, 1744 — 1828. Er wurde 
zu Edinburg in St. Andrews ausgebildet, wo er mit einer Dissertation über die Par- 
gantien 1769 promovirt wurde und publicirte dort eine grosse Reihe von Schriften, 
von denen die meisten jedoch kürzere Antrittsreden, Gelegenheitspamphlets etc. sind. 
„Medical cases selected from the records of the public diapensary at Edinburgh 
(Daselbst 1778; lat. Leyden 1783) ist sem Hauptwerk. — Andrew 2. D., zu 
Edinburg 1794 promovirt, hat eine Reihe kleinerer Schriften verfasst, unter 
denen der Hervorhebung bedürfen: „Reports of the practice in the climcal wards 
of the B. Infirmary of Edinburg 1817— ISW (Daselbst 1818) — „Catalogue 
of medicinal plants" (Daselbst 1826) und „Physiological Classification of the 
materia medica**. Auch war er Mitherausgeber der „Annais of medicine" von 
1796 — 1804. — Noch ist hier zu nennen James D., der in den Zwanziger- 
bis Vierziger-Jahren in Edinburg prakticirte, dort mit einer Dissertation, „De 
filaria medinensi etc,** 1821 doctorirte und literarisch ein reichliches chirurgisches 
Material in casuistischen Mittheilungen verwerthete. Grösseren Umfanges ist nur 
,0» foreign bodies in the air-passages** (Edinburg 1835). Red. 

'''Dimcani James Mathews D. , zu Aberdeen am Mar. College 1846 
promovirt, F. R. C. P. Edin. 1851, siedelte vor einigen Jahren nach London über 
und wurde hier 1882 als F. R. C. P. recipirt. D., der die üblichen Vorbereitungs- 
und Assistentenstellen am Bartholomäus-Hospital durchgemacht hatte, war über 
20 Jahre als Arzt und klinischer Lehrer der Gynäkologie und Pädiatrie an den 
Hauptinstituten Edinburgs in Wirksamkeit und wurde wegen seiner sehr geschätzten 
und allgemein bekannt gewordenen Arbeiten auf diesen Gebieten zum correspon- 
direnden, resp. Ehrenmitgliede der meisten gynäkologischen Gesellschaften Gross- 
britanniens, sowie des Continents und Amerikas ernannt. Die Hauptwerke siud 
folgende: „Fecundity, fertility and sterility** (1866) — „Researches in obste- 
trics^ (1868) — „Perimetritis and parametritis^ (1869) — „On sterüity in 
icornen*' (Gulstonian lect. 1883). Aelteren Datums sind: „Uterine displacements*' 
(ISbS) — „Statics on pregnancy** (1855). Red. 

'^^ Duncan» EbenezerD. , zu Glasgow, beendigte seine medicinischen 
Studien auf der dortigen Universität 1867 und wurde daselbst promovirt 1870. 
Er trug dann zunächst an der Glasg. med. school öffentliche Gesundheitspflege 
vor und wirkte später an dem Tauben- und Blindeninstitut daselbst. Seine 
Schriften sind grösstentheils im Glasg. med. Journ. veröffentlicht, so: „Renal 
epilepsy occurring in parturient women** (1880) — „Sanitary legislation" (1882). 
Separat erschienen : „Typhoid fever its catcse and prevention*' (1875) und „Sms 
against the laics of health*' (1880). Red. 

Dunglison. Zwei amerikanische Aerzte, wahrscheinlich Vater und Sohn. 
Der Aeltere ist Robley D., 1798 — 1869, der eine ganz beträchtliche Reihe 
fleissiger Arbeiten geschaffen hat. Die früheste, „Commentaries on diseases of 
the Storno^ and bowels of children*' , erschien in London 1824. Dann folgte 
(University of Virginia 1827) „Syllabus of the lectures on medical jurisprudencp** , 
D.'s Hauptwerk war wohl die „Human physiology*' (2 Bde., Philadelphia 1832, 



238 DUNGLISON. — DUPASQÜIER. 

1836, 1844, 1856). Ebenfalls in einer Reihe von Ausgaben erschien „A new 
dicttonary ort med. science and literature*^ (Boston 1833; Philadelphia, in 
4. Aufl. 1844; in 7. — als Medical lexicon — 1848; dann noch daselbst 1851, 
1860, 1866; revidirt durch Richard D. 1874). Weitere grössere Werke von 
Robley D. sind: „On the influence of atmosphere and locality etc.** (Phila- 
delphia 1835) — „General tkerapetUics etc.'' (Daselbst 1836) — y,The medicd 
Student etc.** (Daselbst 1837, 1844) — „New remedtes etc,*" (Daselbst 1839, 
1841, 1846; in 7. Aufl. 1856) — „The practice of medecine*' (2 Bde., Daselbst 
1842; in 3. Aufl. 1848) — „Oeneral therapeutics and materia medica" (2 Bde.. 
Daselbst 1843, 1846); endlich „History of medicine etc.'* (von Richard D., 
Philadelphia 1872, herausgegeben). Ausser vielen Antrittsreden, Studienpro- 
grammen etc. ist endlich Robley D. noch als Mitherausgeber des „London Med. 
Repository" und als Herausgeber des in Philadelphia 1837 — 1842 erschienenen 
„American Med. Intelligencer" zu erwähnen. — Richard J. D., der Jüngere, 
1858 zu Philadelphia promovirt, hat, abgesehen von den Ausgaben und Revisionen, 
denen er sich, wie oben ausgeführt, unterzog, mit mehreren kleineren Arbeiten: 
Irrenstatistik (Philadelphia 1860), medicinisches Bibliothekwesen (1871) und Aehn- 
lichem debütirt und gab 1880—1881 die Zeitschrift „College and Clinical Record" 
in Philadelphia mit heraus. 

(Nicht zugängliche) Biogr. Robley D.'s von Peale, Philadelphia 1869. Red. 

*Duilln, Theodor D., geboren am 1. April 1854 in Wyganowo bei Kielce, 
studirte in Warschau bis 1876, wurde nach glänzend bestandenem Examen Assistent 
der therapeutischen Klinik, 1878 Hausarzt und 1880 Primararzt am Hospital zum 
Kindlein Jesus in Warschau ; durch seine vortreffliche Beobachtungsgabe, scharfes, 
kritisches Denken, neben gründlichem Wissen, nimmt D. eine doroinirende Stellung 
unter den jüngeren polnischen Klinikern ein. Seine werth vollen Arbeiten sind 
meist seit 1878 in der Gazeta lekarska in Warschau gedruckt worden. k & P 

Dunker, Friedrich Jakob D. , geboren zu Pyrmont, woselbst sein 
Vater Brunnenarzt war, studirte Medicin in Göttingen („Diss, inaug. de typo 
morhorum^J, woselbst er 1789 Dr. med. wurde, kam 1794 mit dem Freiherm 
von Marsch als dessen Hausarzt nach Russland, ging dann nach Deutschland 
zurück und starb 1805. 

Recke-Napiersky, I, 461. L. Stieda. 

Duno, Thaddäus D. (DüNüS), geboren zu Lucarno 1523, fand, als im 
Jahre 1555 die Verbannung über ihn verhängt wurde, eine Zuflucht in Zürich 
und wurde ein vertrauter Freund C. Gessner's. Er prakticirte und trieb eine 
umfangreiche Schriftstellerei , die jedoch einer grossen Reihe aussermedicinischer 
Arbeiten gewidmet war, so unter Anderem biblischen Fragen , der Kalenderkunst, 
der Sprachforschung. Von medicinischen Schriften hinterliess er bei seinem 1613 
erfolgten Tode: „MuUehrium morhorum omnis genests remedia etc.'* (Strassbui^ 
1565) — „Epistolae medicinales etc.** (Zürich 1592; handeln über die Oxymele, 
Therapie der Pleuritiden, der Gelenkleiden, Semitertianfieber u. A.). 

Biogr. med. III. Red. 

Duparque, F. D. , Lebensdaten nicht überliefert, ist der Verfasser von 
yjlistoire co7nplete des ruptures et des d^chirures de Viitdrus, du vagin et du 
p4nni*^ (Paris 1837, 1839; englisch von Jos. Warington, Philadelphia 1837; 
deutsch von Nevermann, Quedlinburg und Leipzig 1838) und kleinerer casuistischer 
Mittheilungen. jj^^ 

Dupasquier, G.-A. D., französischer Chemiker und Arzt, geboren 1793 
in Cherry (Rhone), gestorben 1848 in Lyon, studirte Naturwissenschaften und 
Medicin unter Focrcroy, Gay-Lussac, Corvisart, Geoffroy St. Hilaire und 
CüViER. Seine ärztliche Laufbahn war nicht vom Erfolg begleitet, und er widmete 



DÜPASQUIEB. — DCPONT. 239 

sieh deshalb ganz der Chemie, für die er grosse Begabung und Vorliebe zeigte. 
1834 wurde er Professor an der £cole de la Martini^re in Lyon und erwarb sieh 
bald als Lehrer einen geachteten Namen ; er ist Verfasser einer grossen Menge 
von chemischen Abhandlangen, von denen sich die bekanntesten auf die Unter- 
snehnng der Schwefel wftsser und Schwefelthermen beziehen. Unger. 

Dnplanll, J.-D. D., französischer Arzt , hervorgegangen aus der Facultät 
von Montpellier, geboren in Argenteuil 1740, gestorben daselbst 1802, war Arzt 
des Herzogs von Artois, tibersetzte einige englische Werke und verfasste „MSdecin 
du voyageur" (Paris 1801). Unger. 

*Duplay, Simon-Emmanuel D., zu Paris, ist daselbst am 10. September 
1836 als der Sohn des 1872 verstorbenen Hospitalarztes A u g u s t e D. geboren, 
studirte bei der Pariser med. Facultfit, bei welcher er 1862 Aide d'anatomie und 
1866 mit der These „Des collections sSreuses et hydatiques de Vatne**, für die 
er den Preis Barbier erhielt, Doctor und in demselben Jahre Prosector wurde. 
1866 wurde er Professeur agrögö für die Chirurgie mit der These „De la Tiernie 
omhilicale** , 1867 Chirurg des Bureau central, 1871 des Höp. de Lourcine, 
1872 des Höp. Saint -Antoine. Von 1862 — 67 hielt er Vorträge über Anatomie 
und operative Chirurgie und vertrat 1872 Laugiek in der chirurgischen Klinik 
der Piti^. Seine zahlreichen Arbeiten sind in den Bulletins de la Soc. anat., der 
Union mödicale, dem Dict. encyclop. des sc. m6d., den Bulletins de la Soc. de chir. 
enthalten, namentlich aber auch in den Archives g6n6rales de m6dec., deren Director 
fQr den chirurgischen Theil er seit 1867 ist. Sein noch im Erscheinen begriffenes 
Hauptwerk aber ist die Fortsetzung (von T. HI, 1874 an) des von Follin be- 
gonnenen, aber durch dessen Tod unterbrochenen : „ TraüS dÜmentaire de pathologie 
externe". Ausserdem ist von ihm noch anzuführen: „De Vhypoapadias p^ineo- 
scrotcd et de son traitement chirurgical^ (Paris 1874, av. 2 pl.) und seine: 
„Conferences de cUnique chirurgicale faites h Kapital Saint-Louis et Saint- 
Antoine" (Theil 1 und 2, Paris 1877 — 79). Auch gab er zusammen mit J.-P. Morat 
heraus: „Recherches sur la nature et la pathogSnie de Vulchre perforatU du 
pied (mal plantaire perforant)" (Paris 1873). 

Glaeser, pag. 215. G. 

*Duplouy, Charles-Jean D. , Professor der chii'urgischen Klinik an 
der Schule für Schiffsmedicin zu Rochefort, ist zu Angouleme (Charente) geboren, 
wurde zu Montpellier 1857 Doctor mit der These: „De Vamputation de Ckopart, 
constdSrie surtout au point de vue des suües". Von seinen Arbeiten sind zu 
erwähnen: „Nouveau cas d^asphyxie par Vintroduction d^un poisson oivarU daris 
le larynx" (Gaz. des höpit. 1863) — „Luxation laterale complHe de la 5, vertebre 
cervicale en avant, etc," (Arch. de med. navale 1864) — „Lisions traumatiques du 
globe oculaire" (Ebenda) — „De Vur^throtamie interne" (Ebenda 1866) — „Lettre 
a M, le prof. Fonssagrives sur Vaspiratxon soua-cutande appliquSe ä la 
pneumatose intestinale et ä la Jiernie Äranglde" (Gaz. hebdomad. 1871) — 
„MSm, sur vne tumeur adSnoide occupant la totalitS du sein gauche , £un 
tolume Snorme] ablation" (Travaux de la Soc. d'agric, belles-lettres etc. de 
Koehefort, 1863 — 64) — „MSm. sur Vophthalmoscopie" (Ebenda 1864). Ausserdem 
eine Reihe von Recensionen in den Arch. de m6d. navale (1864 — 72). 

Berger et Rey, pag. 82, 256. G. 

Dnponty Ch.-P. D. , französischer Naturforscher und Arzt, stammte von 
annen Eltern, studirte in der freien Zeit, die ihm sein Amt als Finanzbeamter 
flbrig liess, Naturwissenschaften und Medicin und legte eine interessante Sammlung 
von Vögeln, Amphibien und Insecten an, die er auf einer Reise nach Egypten 
gesammelt, und von denen er Präparate in Wachs anfertigte. Er war 1795 in 
Bayern geboren und starb in Paris 1828. Schriften hiuterliess er nicht. Unger 



240 DUPORT. — DUPUYTREN. 

Duport, Fr an 9 oi 8 D., französiRcher Arzt, geboren 1540 in Paris, 
gestorben daselbst 1617, machte sich dnrch folgende Publicationen bekannt: „De 
signis rtiorborum libri IV cum annotattombus" (Paris 1584) und „Medioa decas 
ejusdem commentariis illustrata^ (Daselbst 1613 ; französisch von Düfoüb, 1694). 

Unger. 

*DTipre, Germain D., geboren zu Argelös (Hautes-Pyrönöes), wurde in 
Montpellier Dr. med. (Cordat) und zu Paris Doctor der Chirurgie (Velpkau und 
LiSFRANC). In Montpellier wurde er 1852 Professor der klinischen Medicin und 
später M^decin en chef am Thöpital St. Eloi. D. , welcher Akademiemitglied, 
Senator etc. ist, hat die Literatur der klinischen Medicin im engeren Sinne durch 
zahlreiche Specialartikel bereichert. ßed 

DuprÄ-de-Lisle, aus der Provence, war in der zweiten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts Marinearzt und bei dem Hotel du Roi angestellt und verewigte seinen 
Namen durch den „TratU des maladies de la poitrine , connues soics le nom 
de phthisie pulmonaire" (Paris 1769). Auch schrieb er einen „TraiU des ISsions 
de la tUe par contrecoup" (Daselbst 1770), einen „TraiU sur le vice cancd- 
reiix" (Daselbst gleichzeitig) und eine Admissionsthese zur Zulassung in die Facultö 
de mMecine über das Miliarfieber bei Wöchnerinnen,* welche 1779 in Paris 
gedruckt wurde. 

Dict. hist. II. Red. 

Dupuy, J.-C. D., französischer Marinearzt, geboren in Niont 1674, gestorben 
1757 in Rochefort, publicirte ausser mehreren Abhandlungen in der Pariser Aka- 
demie der Wissenschaften ein „Manuel des Operations de Chirurgie^ (Toulon 1726). 

Unger. 

Dupuy. Von den weiteren sehr zahlreichen Trägern dieses Namens 
bedürfen der Erwähnung : *S.-P. PaulD. , der 1857 mit einer Abhandlung über 
Perubalsam proinovirt wurde und weiterhin ausser kleinen Schriften philosophischen 
Inhaltes zwei Arbeiten über Muskelarbeit und Muskelermüdung (Paris 1869) 
publicirte; und *Eug6ne D., Verfasser von „Examen de quelques points de la 
Physiologie du cerveau** (Paris 1873) und kleinerer Arbeiten aus dem Gebiete 
der Neurologie. ß^j 

Dupuytren, Guillaume Baron 1)., der berühmteste französische Chirurg 
im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, war am 5. October 1778*) zu Pierre- 
Buffiere, einer sehr kleinen Stadt der Haute- Vienne , bei Limoges, geboren, kam 
im Alter von 12 Jahren nach Paris, begann sehr jung das Studium der Anatomie 
und Chirurgie, wurde bereits 1794 Prosector und hielt sehr besuchte Vorlesungen. 
1801 zum Chef des travaux anatomiques ernannt, beschäftigte er sich viel mit 
pathologischer Anatomie, wobei Baylr sein Gehilfe war, las über dieselbe und 
schrieb die These „Proposition^ sur quelques points d' ana^iomie, de physiologie 
et d'anatomie pathologique" (1803). 1802 war er bereits durch Concurs Chirurgien 
en second am Hotol-Dieu geworden, bei welchem er 1808 zum Chirurgien en chef 
adjoint und 1815 zum Chirurgien en chef, an Pelletan's Stelle, ernannt wurde, 
nachdem er durch einen sehr glänzenden Concurs auch den durch Sabatier's Tod 
erledigten Lehrstuhl der operativen Chirurgie im Jahre 1812 erlangt hatte. Seine 
These bei diesem Concurse war „Sur la lithotomie^. Er hatte bis zu dieser Zeit, 
von 1801 an, bereits eine ganze Reihe von anatomischen, physiologischen und 
pathologisch - anatomischen Arbeiten der verschiedensten Art veröffentlicht; ferner 
solche über die mcphitischen Ausdünstungen der Senkgruben und die dadurch bei den 
Cloakenarbeitern herbeigeführten Asphyxien, über Diabetes mellitus u. s. w. Auch 
war er, als bei der feindlichen Invasion 1814 unter den Mauern von Paris noch 



♦) Diese Jahreszahl giebt die Biogr. med. und Larrey an, während die Notice 
histor. an der Spitze von D.'s Le^ons orales, ebenso wie Pariset das Jahr 1777 als Geburts- 
jahr bezeichnen. 



DUPUYTREN. 241 

gi^kämpfl wurde, mit seinen Schülern den Verwundeten zu Hilfe geeilt. Nachdem 

er einmal an die Spitze des Hotel-Dien gestellt war, hat er es verstanden, seine 

Klinik zu einer der berühmtesten in der Welt zu machen. Seine Pflichttreue, seine 

Arbeitskraft und die übrigen glänzenden Eigenschaften, die er dabei entwickelte, 

waren aber auch bewundemswerth. Jeden Tag von 6 — 9 Uhr Morgens machte er 

seine erste Visite und von 6 — 7 Uhr Abends die zweite ; auf die Morgen- Visite, bei 

der er alle Verbände selbst anlegte, folgte ein einstündiger klinischer Vortrag, dann 

kamen die Operationen, die auszuführen waren , an die Keihe, ferner die ambulanten 

Kranken, die Sectionen u. s. w., so dass er wenigstens 5 Stunden jeden Morgen 

im Hospital zubrachte, in welcher Zeit er sich ganz und gar den Hospital- und in 

Menge zuströmenden poliklinischen Kranken und dem Unterricht mit einem Eifer 

und einer Strenge widmete, die er auch von Untergebenen und Schülern verlangte. 

Sein diagnostischer Scharfblick hatte bisweilen etwas Divinatorisches ; gleichwohl 

berficksichtigte er mit grösster Sorgfalt alle aus der Anamnese oder aus der 

(ibjectiven Untersuchung zu entnehmenden einzelnen Umstände, welche ihn auf 

die richtige Diagnose führen oder dieselbe sichern konnten und suchte sich durch 

sehr präcise an den Kranken gerichtete und von diesem ebenso bestimmt zu 

beantwortende Fragen weitere Aufklärung zu verschaffen. Sein grösstes Talent 

aber war das des Vortrages, der durch seine Klarheit, die tiefe Kenntniss des 

Gegenstandes und die Methodik seiner Anordnung die Zuhörer hinriss. Sein 

operatives Talent kam erst an zweiter Stelle. Er unternahm keine Operation, die 

er nicht für dringend oder unumgänglich hielt, und erst nachdem alle anderen 

Eventualitäten der Heilung erschöpft waren. Hatte er aber die Operation beschlossen, 

so traf er alle Vorbereitungen zu derselben mit der grössten Sorgfalt, Ruhe und 

Vdranssicht und bewahrte bei derselben, allen unvorhergesehenen Vorkommnissen 

gregenüber, die unerschütterlichste Kaltblütigkeit. Die Ausführung der Operation 

>elb8t geschah mit mehr Sicherheit als Eleganz , auch legte er auf erstere mehr 

Werth als auf Schnelligkeit. Während er in seinem Hospital die ausführliche 

Registrirung der vorgekommenen Beobachtungen überwachte, widmete er auch sonst 

noch einen grossen Theil seiner Zeit seinem Amte, nämlich den Sitzungen in den 

Akademien, den Berathungen in der Universität, so dass für seine Privatpraxis 

blos seine Consultationsstunde und die Pausen zwischen seinen verschiedenen 

officiellen Greschäften übrig blieben; die armen und die Hospital-Kranken genossen 

bei ihm einen entschiedenen Vorzug vor den Privat-Patienten. — Sehen wir jetzt, 

welche Förderung die Anatomie, Physiologie, Pathologie, namentlich aber die Chirurgie 

ihm zu danken hat , so ist zunächst anzuführen , dass sehr Viel davon nicht durch 

ihn selbst, sondern durch seine Schüler publicirt worden ist. Dahin gehören für 

die frühere Zeit: Marandel's „Essai sur les irritations" (Paris 1807, 4.) und 

Jean Cruveilhier's „Essai sur Tanatomie pathologie en g6n6ral" (Paris 1?16, 4.), 

sowie für die darauf folgende Zeit : L. J. Sanson und L. J. Begin „De la mfedecine 

operatoire par R. B. Sabatier" (4 Bde., Paris 1822 — 24), 6. Guärix in seiner 

Uebereetzung von J. Thomson*s „De la taille laterale suivant W. Cbeselden" 

Taris 1818) [Beschreibung von D.'s Steinschnittmethode], dann Breschet's 

„Repertoire g^nöral d'anatomie et de physiologie pathologiques et de clinique 

chirurgicale" (1826 — 29), vor Allem aber die „Legons orales de clinique 

chirurgicale faites h V Hotel- Dieu de Paria ; rec. et pubL par une societd de 

inedecins" (4 Bde., Paris 1830 — 34; zwei belgische Nachdrücke Brüssel 1834; 

deutsche Uebersetzungen von E>r. Beck und Rüd. Leonitardi, Leipzig 1832 — 35 

und von G. Weyland, Paris 1832, 34 ; englische Uebersetzungen von A. Sidney 

DOAXE, New York 1833 und Boston 1833; Italien. Uebers. Venedig 1834, 35; 

dänische Uebers. von J. Rörbye, Kopenhagen 1835); davon: „Deuxihne Edition 

enti^reinent refondue par Brierre de B oismont H Marx" (6 Bde., 

Paris 1839; deutsche Uebers. von H. E. Flies, Quedlinburg 1840 — 46); endlich 

der „ Traiti theorique et pratique des hlessures par annes de guerre, HSdige .... 

H publik saus sa direction par A, Faillard et Marx'^ (Paris 1834; 

BioRT Lexikon II. 16 



242 DÜPÜYTEEN. 

deutsche Uebers. von M. Kalisch, Berlin 1836), sowie in Betreff seiner Operations- 
methoden : Roche et Sanson „Nouveaux ölömens de pathologie mMico-ehimrgicale" 
(4 Bde., Paris 1825 — 28). Die hauptsächlichsten seiner eigenen Abhandlungen 
aus der Chirurgie waren, ausser den schon genannten, über die Fracturen bei 
Kindern (1811), Aber die Amputation des Unterkiefers (1814), über die Arterien- 
Ligatur an Stelle der Amputation bei mit Aneurysmen complicirteo Fracturen (1815), 
über die Ligatur der Haupt-Arterienstämme (1816), über die Fractur der Fibula 
(1819), Bericht über die Ermordung des Herzogs von Berry (1820), über eine 
neue Methode des Steinschnittes (1824), über eine neue Behandlungsweise des 
künstlichen Afters (1825), über die angeborenen Oberscheukel-Luxationen (1827), 
über den Yaginalkatarrh junger Mädchen (1827), über Erweiterung der Harnröhre 
(1827), über Arterien - Ligatur nach Anel bei gewissen Schussverletzungen der 
Arterien (1828), über die varicösen Aneurysmen (1829). Vor Allem sind es die 
^Le^ons orales" in ihrer 2. Ausgabe, denen (als Tome VI) auch die „Blessures 
par armes de guerre" angeschlossen sind, welche eine Fundgrube 'für Dupuytrex's 
Doctrinen enthalten, unter denen* wir die hauptsächlichsten andeutungsweise 
liervorheben wollen. Was zunächst die Schusswunden anlangt, so hatte D., ausser 
1814, auch während der Juli-Revolution 1830 eine reiche Oeiegenheit gehabt 
neue Erfahrungen über dieselben zu sammeln. Die von ihm herrührende Eio- 
theilung der Verbrennungen ist vielfach auch von Anderen angenommen worden. 
Seine Behandlung der Narben hatte zu einer Polemik zwischen ihm und Delpech 
Anlass gegeben. Die Oangraena senilis beschrieb er unter dem Namen „gangr^ne 
S3rmptomatique de Tart^rite". Unter den Geschwülsten hat er auf die im Knochen 
vorkommenden Echinococcuscysten aufmerksam gemacht und die Entstehung der 
Keiskörper in den ausgedehnten Sehnenschleimbeuteln zu deuten gesucht, auch mit 
den gefftssreichen Krebsgeschwülsten unter dem Namen Fungus haematodes sich 
näher beschäftigt, sowie den Carbunkel genau von der Pustula maligna des Mibs- 
brandes unterschieden. Er war in Frankreich einer der Ersten, welcher Ligaturen 
der grossen Arterien (Subclavia, Carotis, Iliaca exi.) ausführte und seine Auf- 
merksamkeit den traumatischen Aneurysmen, besonders dem falschen Aneurysma 
der Ellenbeuge und dem Aneurysma varicosum zuwendete, auch den Mechanis- 
mus des Lufteintrittes in die Venen zu erforschen suchte und sich die Be- 
handlung der Erkrankungen der Venen, wie der Varicocele und der Hämorrhoiden 
besonders angelegen sein Hess. Das Delirium nervosum unterschied er zuerst 
vom Delirium tremens. Bei der Lehre von den Fracturen sind seine Unter- 
suchungen über die Caliusbildung bekannt, femer die Specialarbeiten über die 
Fracturen des unteren Radius- und Fibulaendes, sowie über die dififerentielle 
Diagnose der Fracturen und Luxationen des Humerus; auch war er einer der 
Ersten, die sich mit der Einrenkung veralteter Luxationen beschäftigten. Nicht 
minder sind mit seinem Namen verknüpft die Verkrümmungen der Finger, die 
Exostose der grossen Zehe, der eingewachsene Nagel an derselben. Auch mit 
den Augenkrankheiten hat er sich vielfach beschäftigt, namentlich der Behandlung 
der Thränenfistel ; er gab femer die beste Beschreibung von der blennorrhoischen 
Ophthalmie. Ueber die Herzverletzungen sich auszulassen bot ihm der Tod des 
Herzogs von Berry Anlass; dazu kamen die Betrachtungen über das traumatische 
Emphysem. Auch die Wirbel-Caries und die von derselben abhängigen Abscesae 
beschäftigten ihn; ebenso die Incarceratio interna. Bei den Hernien zeigte er das 
häufige Vorkommen der Einklemmung im Bruchsackhalse; bekannt ist seine Be- 
handlungsweise des künstlichen Afters mit dem von ihm erfundenen Ent^rotom. 
Auch bei den Erkrankungen der männlichen und weiblichen Genitalien und Ham- 
organe ist ihm manches zu besserer Erkenntniss und zweckmässigerer Behandlung 
Beitragende zu danken. — Unter den von D. ausgeführten Operationen sind die 
Resectionen am Unterkiefer (seit 1812) von ihm als einem der Ersten gemacht 
worden, auch interessirte er sich für den vorzugsweise von ihm ausgeführten 
bilateralen Steinschnitt so, dass er, da er am Ende seines Lebens eine Aber 



DUPUYTREN. — DÜRANDE. - 243 

denselben von ihm begonneno Schrift nicht mehr zu Ende zu führen vermochte, 
testamentarisch deren Vollendung seinen Schttlern und Freunden Sanson und B£:aiN 
tibertrug, die denn auch das j^MSm, aur une manüre nouvelle de pratiquer 
fopiration de la pierre" (Paris 1836, foL; 2 Nachdrücke, Brüssel 1836; deutsche 
üebersetzungen von F. Reichsieister , Leipzig 1837 und Weimar 1837) nach 
seinem Tode herausgaben. — Fügen wir hinzu, um D.'s Vielseitigkeit anzudeuten, 
dass er früher filoges de Coävisart, de Richard (1821), de Pinel (1826), 
einen „Rapport sur la fövre jaune" (1826) und später „Lettre et legons sur 
le siige, la natura et le traitement du choUra - morbiM ; rec, et pübL par 
Ä, Palliar d et Marx" (1832) hatte erscheinen lassen, so ist damit nur eine 
schwache Andeutung von seiner Thätigkeit auf dem Gebiete der Gesammt-Medicin 
gegeben. — Der rastlos thfttige Mann, welcher die höchste Staffel des Ruhmes 
erklommen hatte, der neben seinem Lehramte Leibchirurg der Könige Ludwig XVIU. 
und Karl X., Baron, Mitglied des Conseil de salubrit6, Inspecteur g^neral der 
üniversit