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Full text of "Forschungen auf dem gebiete der agriculturphysik"

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Forschungen 
auf dem 
gebiete der 
agricultur-ph. 



UNIVERSITY FARM 

* -- — — ■ — 



S59o 



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FORSCHUNGEN 

AUF DEM GEBIETE DEK 

AGRIKULTUR-PHYSIK. 



HERAUSGEGEBEN 
von 

1>R E. WOLLNY, 

l'ROFKSSOR IN MTNIHKN. 



NEUNTE K HAM>. 



MIT ORIGINAL-BEITRÄGEN VON 
J. Breitenlohner, e. Ebermater, C. Ferrari, R. Heinrich, C. Kraus, 
J. S. Sikorski, P. Schauer , F. C. Tschaplowitz, E. Wollny. 



, MIT 4 L1TH00KA PRIKTEN TAFELN. 

<3$© 

HEIDELBERG. 

CARL WINTER 'S UNIVERSITATSBUCH HANDLUNG. 

1880. 



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Das Recht der Uebersctzung in fremde Sprachen wird vorbehalten. 



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Inhalts- Verzeichniß. 



Helte. 



I. Physik des Bodens: 

Ueber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit. 
Von R. Heinrich 259 

Untersuchungen über die Wasserkapacität der Bodenarten. (Zweite Mit- 
teilung.) Von E. Wollny 3G1 

rntersuchungen über die Feuchtigkeits - und Temperaturverhält nisse de» 
Bodens bei verschiedener Neigung des Terrains gegen den Horizont. Von 

E. Wollny 1 

1. Die Bodenfeuchtigkeit bei verschiedener Neigung des Terrains . 3 
II. Die Bodenteniperatur bei verschiedener Neigung des Terrains 10 

rntersuchungen über den Einfluß der physikalischen Eigenschaften des 
Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. Von E. Wollny . . 165 

♦Die Mikroben des Bodens. Von E. Laurent 379 

♦Untersuchungen über die niederen Pilze der Ackererde. Von L. Adametz 381 

♦Beiträge zur Kenntniß des Sauerstoffbedürfnisses der Bakterien. Von 
P. Liborius 380 

♦Neue Untersuchungen über das Ammoniakferment. Von A. Ladureau . 288 

*I>irekte Bindung des atmosphärischen Stickstoffs durch thonige Böden. 
Von M. P. E. Berthelot 70 

♦Stickstoffbestimmungen in den Böden einiger Versuchsfelder in Rotham- 
sted. Von J. B. Law es und J. II. Gilbert 195 

•Der Stickstoff in Form von Salpetersäure in dem Ober- und Untergrund 
einiger Felder in Rothamsted. Von J. B. Lawes und J. H. Gilbert 197 



Anmerkung: Die unter der Rubrik „Neue Littcratur - mitgctheilten Referate sind in 
obigem Inhaltsverzeichnis zur Unterscheidung von den Originaiabhnndhingen am Anfang 
deB Titels mit einem ♦ versehen. D. II. 



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IV 



Inhalts -Verzeichniß. 



Seite. 

♦Fixirung des Stickstoffs im knltivirten Boden. Von H. Joulie 200 

♦Ueber die Bereicherung eines Grasbodens an Stickstoff. Von P. P. 

Deh^rain 202 

•Ueber einige Veränderungen, welchen die stickstoffhaltigen Substanzen im 

Boden unterliegen. Von R. Warington . 203 

♦Ueber die Bestimmung des im Boden enthaltenen Ammoniakstickstoffs und 
über die Menge des assimilirbaren Stickstoffs im unbearbeiteten Boden. 

Von A. Baumann 283 

*Ueber die Oxydation des Ammoniaks im Wasser und Boden. Von J. Uffel- 

mann 381 

*Ueber den Einfluß des Gipses auf die Salpeterbildung. Von R. Warington 383 
♦Ueber die Zusammensetzung der Drainwässer der Pariser Rieselfelder. 

Von A. Levy 384 

♦Versuche über Ilarngährung. Von A. Müller 385 

* lieber das Verhalten des Harnstoffs im Ackerboden. Von 0. Kellner . 385 
♦Untersuchungen über die physikalischen und antiseptischen Eigenschaften 

verschiedener Torfarten. Von C. Reinl 280 

♦Ueber die Verwitterung diluvialer Sande. Von E. Ramann 73 

♦Der Ortstein und ähnliche Sekundärbildungen in den Diluvial- und Allu- 
vial -Sanden. Von E. Ramann 75 

♦Die Dünen, ihre Befestigung und Bewaldung. Von S. von Raun er . . . 204 
♦Ueber den Einfluß der Reihenrichtung auf die Wärme- und Feuchtigkeits- 
verhältnisse des Bodens und die Entwickelung der Pflanzen. Von G. Marek 275 
♦Ueber den Einfluß der Bodenbeschaffeuheit und der Kulturmethode auf die 

Ausbreitung der Kartoffelkrankheit. Von G. Marek 277 

♦Ueber das Jensen'sche Verfahren zur Besiegung der Kartoffelkrankheit. 

Von F. Nobbe 278 

Neue Litteratur 77. 206. 289. 380 



II. Physik der Pflanze: 

Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollcn unter dem Einfluß der 

Bewurzelung. Von C. Kraus 78 

Ueber Gelbfleckigkeit. Von P. Sorauer 387 



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Inhalts -Verzeichnis V 

. Seite. 

Ueber die Beeinflussung der Widerstandsfähigkeit der Kulturpflanzen gegen 
ungunstige Witterungsverhältnisse durch die Kulturmethode. Von E. 
Wollny 290 

Untersuchungen über den Einfluß des speeihschen Gewichtes des Saat- 
gutes auf das Produktions vermögen der Kulturpflanzen. Von E. Wollny 207 

•lieber Bildung und Wanderung der Kohlehydrate in den Laubblättern. 
Von A. F. W. Schimper 101 

♦Ueber die Assimilationsprodukte der Laubblätter angiospermer Pflanzen. 
Von A. Meyer 100 

♦Ueber eine Methode zur Beobachtung der Assimilation und Athmung der 
Pflanzen und über einige diese Vorgänge beeinflussende Momente. Von 
U. Kreusler 114 

♦Zur physiologischen Bedeutung des Gerbstoffs in den Pflanzen. Von M. 
Westermaier 217 

♦Ueber die Bedeutung der organischen Säuren für den Lebensproceß der 
Pflanzen. Von O. Warburg 221 

♦Die Auflösung der Stärke in den Blättern. Von L. Brasse 219 

♦Beiträge zum Studium der Wanderung der Kohlehydrate in der Pflanze. 
Von L. Brasse 399 

*Ueber das Assimilationssystem von G. Haberlandt 311 

♦Beiträge zur Kenntniß der Chlorophyllfunktion. Von A. Nagamatsz . 319 

♦Quantitative Bestimmung des Chlorophyllfarbstoffes in den Laubblättern. 
Von A. Hansen 109 

♦Photometrische Untersuchungen über die Absorption des Lichtes in den 
Assimilationsorganen. Von J. Reinke 225 

♦Ueber die Bedingungen der Entwicklung und der Wirksamkeit des Chloro- 
phylls. Von J. H. Gilbert 400 

*Das Chlorophyll und die Reduktion der Kohlensäure durch die Gewächse. 
Von C. Timirjaseff 401 

♦Die Thätigkeit des Chlorophylls in ultraviolettem Dunkel. Von G. Bonnier 
und L. Mangin 402 

♦Ueber die Wirkung des durch eine Chininlösung gegangenen Lichtes auf 
die Blüthenbildung. Von J. Sachs 409 

♦Untersuchungen über die Athmung der Blätter in der Dunkelheit. Von 
P. P. Deherain und L. Maquennc 218 

♦Ueber die Athmung der Pflanzen. Von G. Bonnier und L. Mangin . . 403 



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VI Inhalts -Verzeichniß. 

•Beitrag zur Erklärung der Ruheperioden der Pflanzen. Von H. Müller- 

Thurgau 110 

Ueber die angebliche Rolle der lebenden Gewebe bei dem Saftsteigen. Von 

J. Vesque 104 

♦Ueber den Einfluß höherer Temperaturen auf die Fähigkeit des Holzes, 

den Transpirationsstrom zu leiten. Von C. A. Weber 105 

*Zur Flora der ägyptisch - arabischen Wüste. Von G. Volkens .... 217 
♦Ueber die Austrocknungsfähigkeit der Pflanzen. Von G. Schröder . . . 220 

*Ein Transpirationsversuch. Von L. Errera 224 

♦Untersuchungen über das Saftsteigen. Von S. Sch wendener 308 

*Die Transpiration der Pflanzen und ihre Einwirkung auf die Ausbildung 

pflanzlicher Gewebe. Von F. G. Kohl 397 

♦Ueber den Transpirationsstrom in abgeschnittenen Zweigen. Von F. Dar- 
win und R. W. Phillips 407 

♦Ueber die Imbibition des Holzes. Von E. Godlewski 407 

♦Ueber frostharte Knospenvariationen. Von F. Noll 110 

♦Ueber das Gefrieren und Erfrieren der Pflanzen. Von II. Müller-Thurgau 304 
♦Ueber Zerstörung der Molekularstruktur des Protoplasmas der Pflanzen- 
zellen. Von W. Detmer 818 

♦Ueber die Wärmemengen, welche von den Pflanzen abgegeben und auf- 
genommen werden. Von G. Bonn i er 405 

♦Plasmolytische Studien über die Wand der Vakuolen. Von H. de Vries 107 
•Kritische Besprechung von de Vries „Plasmolytische Studien über die Wand 

der Vakuolen". Von W. Pfeffer 225 

♦Ueber die Ursache des Mark- und Blattturgors. Von J. Böhm .... 224 
♦Ueber die normale Stellung zygomorpher Blüthen und ihre Orientirungs- 

bewegungen zur Erreichung derselben. Von F. Noll 102 

♦Ueber die Ursachen der Zygomorphie der Blüthen. Von II. Vöchting . 104 
♦Einfluß der Belcuchtungsrichtuug auf die Theilung der Equisetumsporcn. 

Von E. Stahl 104 

♦Theorie des Windens. Von J. Wortmann . 312 

♦Zur Wortmann'schen Theorie des Windens. Von S. Sch wendener . . 314 
♦Einige Bemerkungen zu der von Schwendener gegen meine Theorie des 

Windens gerichteten Erwidemng. Von J. Wortmann 315 

♦Plasmavertheilung und Krümmungserscheinungen in den Pflanzen. Von 
F. G. Kohl 409 



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Inhalts- Verzeichniß. VII 

Seite. 

*l'eber die Natur der rotirenden Xutation der Schlingpflanzen. Von J. 

Wortmann 411 

♦Beiträge zur Kenntniß des mechanischen Gewebesystems der Pflanzen. Von 

A. Tschirch 106 

*Pas gleitende Wachsthum bei der Gewebebildung der Gefäßpflanzen. Von 

6. Krabbe 315 

•Untersuchungen über die Wirkung mechanischer Kräfte auf die Theilung, 

m 

Anordnung und Ausbildung der Zellen beim Aufbau des Stamme8 der 

Laub- n. Nadelhölzer. Von R. Hoff mann 318 

♦Beiträge zur Morphologie und Biologie der Keimung. Von G. Klebs . . 110 
Neue Litteratur 116. 227. 319. 412 



III. Agrar- Meteorologie. 

Untersuchungen über die Wirkung der klimatischen Faktoren auf das Wachs- 
thum der Kulturpflanzen. Von F. C. Tschaplowitz 117 

Untersuchungen über die durch die Hygroskopicität der Bodenarten be- 
wirkte Wasserzufuhr. Von J. S. Sikorski 413 

Untersuchungen über den Sauerstoffgehalt der Waldluft. Von E. Eber- 
mayer 229 

Ueber den Schutz der Pflanzen gegen Hagel. Von C. Ferrari 244 

Die Hochwasserkatastrophe in Bruneck in Tirol im September 1882. Von 
J. Breitenlohner 320 

•Studien über die Weinlese in Frankreich. Von A. Angot 247 

•Ueber den Einfluß der Wälder auf das Klima von Schweden. Von H. E. 
Hamberg 146 

•Der Einfluß der Wälder auf das Klima Von'A. Woeikof 150 

•Ueber den Einfluß des Waldes auf die klimatische Temperatur. Von J. 
Hann 338 

•Ueber den Einfluß der Gcbirgswaldungen im nördlichen Palästina auf die 
Vermehrung der wässrigen Niederschläge daselbst. Von L. Anderlind 3:i9 

•Hei Einfluß der Gebirge auf das Klima von Mitteldeutschland. Von R. 
A ss mann 340 



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VIII Inhalts- Verzeichnis 

8cite. 

*Ueher den Einfluß der Schneedecke auf die Temperatur der Luft. Von 

R. Assmann 155 

♦Die Schneedecke, deren Einfluß auf Klima und Wetter und die Mittel zu 

ihrer Untersuchung. Von A. Woeikof 434 

♦Ueber den Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land. Von J. Hann 157 

♦Ueber die nächtliche Strahlung. Von J. Ja min 158 

♦Ueber Nebclbildung. Von R. von Helm holt z 159 

♦Ueber den Thau. Von J. Aitken 162 

*Ueber die stickstoffhaltigen Substanzen im Regenwasser. Von M. P. E. 

Berthelot und Andre 342 

♦Untersuchungen über den Gehalt der atmosphärischen Niederschläge an 

Stickstoffverbindungen. Von 0. Kellner 343 

♦Ueber die Stickstoffverbindungen, welche durch verschiedene Absorptions- 
flüssigkeiten der Atmosphäre entzogen werden. Von O.Kellner . . . 345 
*Zur Frage nach dem Ursprung der atmosphärischen Elektricität. Von 

K. F. Jordan 435 

♦Ueber den elektrischen Vorgang in den Gewitterwolken. Von J. Elster 

und II. G eitel 438 

•Ueber die Ursachen der elektrischen Ladung der Gewitterwolken. Von 

H. Pellat 441 

♦Neuer Beweis für die Elektricitätsentwickelung beim Kondensiren von 

Wasserdämpfen. Von L. Palniieri 442 

♦Ueber den Ursprung der Gewitterelektricität. Von 1>. C'olladon .... 443 
♦Ergebnisse einer Untersuchung der Blitzschläge in Schleswig -Holstein. Von 

L. Weber 354 

♦Die Blitzgefahr der sächsischen Schweiz. Von J. Freyberg 357 

♦Zur Blitzgefahr im Königreich Sachsen. Von J. Freyberg 357 

♦Ueber die Ursache der zunehmenden Zahl der Blitzschläge. Von P. A n d rie s 357 

♦Luftfeuchtigkeit und Nachtfrost. Von W. Koppen 346 

♦Vorausbestimmung des nächtlichen Temperaturminimums. Von A. Kammer- 
mann 347 

♦Die Nachttemperatur und das feuchte Thermometer. Von J. Bert hold . 349 
♦Zur Vorausbestimmung des nächtlichen Minimums. Von A. Troska . . 350 
♦Zur Voraussage des nächtlichen Minimums. Von A. F. W. Schultz . . 352 
♦Einfluß der Qualität und Autstellung auf die Angaben der Regenmesser. 
Von 11. Wild 445 



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Inhalts -Verzeichniß. 



IX 



Seit«. 

♦Vergleichung von Regenmessern. Von C. Lang und J. Bauer .... 452 
H'eber die Zuverlässigkeit der Haarhygrometer. Von R. Bergmann . . 453 
Neue Litteratur 164. 359. 453 



Recensionen. 

Gustav Wilhelm. Atmosphäre, Klima, Boden. Berlin. 1886. Paul 
Parey 164 

Adolf Mayer, Lehrbuch der Agrikulturchemie. In zwei Theilen. 
Mit Holzschnitten und zwei lithographirten Tafeln. Dritte verbesserte 
Auflage. Heidelberg. 1886. Carl Winter's Universitätsbuchhandlung 453 



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X 



Autoren - Verzeiclmiß. 



Autoren-Verzeichniß. 



Adametz, L. 381. 
Aiiktn, J. 162. 
Anderlind, L. 339. 
Andre. 342. 386. 
Andries, P. 357. 
Angot, L. 247. 
AsswiaMn, B. 155. 340. 

JBnudoin, A. 453. 

Bauer, J. 452. 

.Bnumatttt, ^1. 283. 

Bergmann, B. 453. 

Berthelot, M. V. E. 70. 342. 386. 

Berthold, J. 349. 

Blomeyer, A. 386. 

Bö/n», J. 224. 

Bonnift-, G. 22*. 402. 403. 405. 
Brasse, L. 219. 399. 
Brau«. 289. 
BreitenJohner, J. 320. 
BüWer. 164, 359. 

Colladcn, D. 443. 

Dafert, F. W. 77. 206. 
Darwin, F. 407. 
Dehirain, P. P. 202. 218. 
0rfifur, TT. 318. 412. 
Dufour, J. 228. 

Ebermayer, E. 229. 
Edlund, E. 453. 
J?/.<rf*r, J. 438. 
Emmcrling, A. 228. 
£rmv7. J,. 224. 



Ferrari, C. 164. 244. 
Fwcfter, H. 206. 
Fonque, F. 289. 
Freylterg, J. 357. 
JV8A, j. 206. 

Getfe/, //. 438. 

Gtftert, J. IL 195. 197. 206. 228. 400. 
Godleicsli, E. 407. 

Haberlandt, G. 311. 
Hamberg, H. E. 146. 
//an», J. 157. 338. 
Hamen, .4. 109. 
f/a*-», H. A. 453. 
Heiden, E. 77. 
Heinrich, B. 77. 259. 
Heimholt z, B. von. 159. 
Heitmann, G. 164. 
Hoffmann, B. 318. 

cTamt'n, J. 158. 
Jorftn, F. 228. 
Jordan, K. F. 435. 
Jo«7t€, if. 200. 

J£a»iwjenwm>i, 4. 347. 
Karsten, G. 227. 
Jfr/kr, B. 227. 
Kellner, 0, 343. 345. 385. 
Kjellman, F. B. 116. 
JBefts, G. 110. 412. 
X"w>/>, W. 77. 
Köppen, W. 164. 346. 
7ioM, F. (7. 397. 409. 



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Autoreu - Verzeichnis. 



XI 



Krabbe, G. 315. 
Kraus, C. 78. 
Kreusler, U. 114. 

Ladureau, A. 288. 
Lang, C. 452. 
Lauterburg, R. 359. 
Laurent, E. 206. 379. 
Lowe», J. B. 195. 197. 206. 
Lehmann, K. 228. 
Lerg, A. 384. 
Lerg, M. 289. 
Litorius, P. 3*0. 

Jfrtr.i/in, X,. 228. 402. 403. 
Maguenne, L. 218. 
Marek, G. 77. 275. 277. 
Mayer, A. 453. 
JVcytr, A. 100. 
Jfü/fcr, it. 385. 

Midier -Thurgau, H. 110. 304. 

Xagamatsz, A. 319. 
Äsy, C. 359. 
Nobbe, F. 278. 
Xördlinger, Th. 359. 
Ab«, F. 102. 110. 412. 

Osterwald, K. 319. 

Falmieri, L. 442. 
Pr//< 441. 
Pfeffer, TT. 225. 
HW/ijw, W. 407. 

Oufln/i«. 386. 

Hamann, K. 73. 75. 77. 
Jiauner, S. von. 204. 
Hegnard, P. 228. 
fei»*«, J. 225. 227. 



Feint, C. 280. 
Löhrbach, C. 116. 

SacÄs, «7. 409. 
Schimper, A. F. W. 101. 
Scfenfai, it. ^. 206. 
Schröder, G. 220. 
ScÄuttz, 4. F. IT. 352. 
Schicendener, S. 308. 314. 
Sikorski, J. 8. 413. 
Sorauer, P. 387. 
SoyAd, /. 206. 289. 
Stahl, E. 104. 
Strecker, W. 289. 

Timirjaseff, C. 401. 
TrosJta, 4. 350. 
Tschaplowitz, F. C. 117. 
Tschirch, A. 106. 

CtfWmami, «7. 381. 

ragt*, «/• 104. 
Vöchting, H. 104. 
Fo^rf, H. 77. 

ö. 217. 
Vries, H. de. 107. 

JFar&ur<7, O. 221. 

Waritt^to«, JR. 203. 383. 

Weber, C. A. 105. 

Weber. L. 164. 354. 

Tr^fermatVfr, M. 217. 

Heiter, «7. 412. 

Wigand, A. 116. 

IPtfd, K. 445. 453. 

Wühelm, G. 164. 

Woeikof, A. 150. 359. 434. 453. 

Wollny, E. 1. 165. 207. 290. 319. 

361. 386. 
Wortmann, J. 312. 315. 411. 



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XII 



Druckfehler -Berichtigung. 



In der Tabelle 8. 66 müssen die Werthe für die Bestrahlung der Fläche von 30" wie folgt 
abgeändert werden: 

10. Februar: 5,0831 statt: 6,9831 
10. Marx : 6,9617 Btatt: 7,9617 
JfO. m : 7,147t statt: 7,4472 
SO. n : 7,489« sUtt: 7,2892. 

8. 288. in der Mitte: 

Ann. agronomiques. Bd. XI. 1885 statt: 1886. 
8. 808. unten: **. Schwendeuer statt: J. Sehwendener. 



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I. Physik des Bodens. 

- 

Mittheilungen aus dem anrikulturphysikalischen Laboratorium und Versuchs- 
fehle der technischen Hochschule in München. 



XXXV. Untersuchungen über die Feuchtigkeits- und Tem- 
peraturverhältnisse des Bodens hei verschiedener Neigung 
des Terrains gegen den Horizont. 

Von Professor Dr. E. Wollnv in München. 



Der Einfluß, den die Neigung der Ackerflächen auf die Erwärmung 
und den Feuchtigkeitsgehalt des Erdreiches ausübt, ist bisher nicht näher 
untersucht worden, obwohl a priori anzunehmen ist, daß jene beiden 
für das Pflanzen wachsthum wichtigen Faktoren unter bezeichneten Ver- 
hältnissen eine Modifikation erfahren werden, welche sowohl für die Be- 
urtheilung der Fruchtbarkeit des Kulturlandes als auch für solche 
Operationen des praktischen Pflanzenbaues, welche eine künstliche Ab- 
änderung der gegebenen klimatischen Elemente bezwecken, ein hervor- 
ragendes Interesse bieten dürften. In der That stellte sich in den aus 
vorstehenden Erwägungen unternommenen Versuchen des Referenten 
heraus, daß die Voraussetzungen, von denen ausgegangen wurde, richtig 
waren und daß der durch verschiedene Neigung des Terrains bedingte 
Einfluß auf die Temperatur- und Feuchtigkeitsvorhältnisse des Bodens 
nicht allein ein sehr durchgreifender war, sondern auch in einer überaus 
mannigfaltigen Weise in die Erscheinung trat. Gleichzeitig ließen die 
Versuche aufs Neue erkennen, daß Fragen, wie die vorliegende, sich im 
Voraus durch ein einfaches, auf den für den specielh n Fall anwendbar . 

erscheinenden allgemeinen Naturgesetzen basirendes Raisonncment nicht 
E. Wollny, Forschungen. IX. 1 



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2 



Physik dos Bodens: 



beantworten lasseu, vielmehr einer besonderen experimentellen Prüfung 
bedürfen, und zwar wegen der außerordentlichen Komplikation, in 
welcher die Wirkungen der einzelneu Faktoren unter den obwaltenden 
Verhältnissen hervortreten. 

Wenngleich die Versuche des Referenten sich über alle in Betracht 
zu ziehenden Momente, so auch über die Vegetationsverhaltnisse ver- 
schieden geneigter Flächen, verbreitet haben und als mehr oder weniger 
abgeschlossen betrachtet werden können, so sollen doch, vorerst an dieser 
Stelle, nur die Ergebnisse jener Versuche mitgetheilt werden, in welchen 
die Temperatur- und Feucht igkeit9verhältnisse des ebenen und des gegen 
den Horizont verschieden geneigten Landes bei südlicher Exposition 
festzustellen versucht wurden. In einer weiteren zu späterer Ver- 
öffentlichung bestimmten Abhandlung wird der Einfluß der Neigung des 
Terrains gegen den Horizont kombinirt mit derjenigen gegen die 
Himmelsrichtung auf die gleichen Wachsthumsfaktoren dargelegt werden, 
während eine dritte Arbeit dazu bestimmt ist, die Ergebnisse der die 
Ent Wickelung und das Produktionsvermögen der Kulturpflanzen unter 
vorbezeichneten Verhältnissen betreffenden Untersuchungen zur Veröffent- 
lichung zu bringen. 

Ausführung der Versuche. 

In der einen Versuchsreihe wurden im Querschnitt quadratische 
Holzkästen von 1 qm Grundfläche und 25 cm Tiefe in Abständen von 
2 m in einer Reihe derart im Freien, mitten auf dem Versuchsfelde 
aufgestellt, daß die Oberfläche des in die Kästen gebrachten Bodens genau 
gegen Süden exponirt war. Ein Kasten stand, auf zwei circa 4 cm 
hohen Holzleisten aufruhend, vollständig horizontal, während die übrigen 
Kästen eine schräge Stellung dadurch erhielten, daß unter dieselben ein 
aus zwei durch Verstrebungen mit einander verbundenen, winkelförmigen 
Brettern hergestelltes Gestell geschoben wurde. Um das Einsinken der 
Kästen, und damit jede Veränderung in der Stellung 'derselben zu ver- 
hüten, wurde die Stelle, auf welcher die Apparate aufgestellt waren, mit 
einem aus starken Brettern zusammengefügten, horizontal liegenden Fuß- 
boden bedeckt. Der Boden der Kästen war mit je 36 Löchern von 1 cm 
Durchmesser versehen, welche den Abfluß des von dem Erdreich nicht 
festgehaltenen Wassers ermöglichten. 

Die bei einem Neigungswinkel von 16°, 32° und 48° aufgestellten 



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Die Bodenfeuchtigkeit bei verschiedener Neigung des Terrains. 



3 



Küsten wurden mit Lehm (Ziegellehm von Uerg am Laim bei München) 
in feuchtem Zustande durch Einstampfen jeder circa 3 cm hohen Schicht 
gefüllt. Die Rücksicht auf die voraussichtlich starke Abschlümmung des 
Bodens bei der stärksten Neigung durch die atmosphärischen Nieder- 
schläge ließ die Wahl sowohl der Bodenart als auch die Art der ange- 
gebnen EinfÜllung geboten erscheinen. Der nur in geringen Mengen 
durch den liegen fortgeführte Boden wurde durch Aufbringung von 
Lehm und Festdrücken desselben an dio Unterlage ersetzt. 

In einer /weiten Versuchsreihe wurden Kästen von 0,64 qm Grund- 
fläche und 25 cm Tiefe, ebenfalls von quadratischem Querschuitt, in der- 
selben Weise, wie im vorigen Fall, nur mit dem Unterschied aufgestellt, 
daß hier der Neigungswinkel 10°, 20° und 30° betrug und daß statt 
des Lehms humoser Kalksandboden, die Ackererde des Versuchsfeldes, 
gewählt worden war. 

I. Die Bodenfeuchtigkeit bei verschiedener Neigung des 

Terrains. 

Die Erdproben wurden mittelst eines Erdbohrers in der Mitte 
eines jeden Kastens bis auf 25 cm ausgehoben und bei 105° C. so lange 
getrocknet, bis das Gewicht des Bodens konstant war. Die in dem 
humosen Kalksandbodeu enthaltenen Steinchen wurden bis zu Linsengröße 
vor dem Abwiegen sorgfältig entfernt, um nicht Versuchsfehler, bedingt 
durch verschiedenen Gehalt an Steinen, erwachsen zu lassen. 

Der Wassergehalt, ausgedrückt in Gewichtsprocenten, stellte sich in 
den einzelnen Versuchen wie folgt: 

A. Der Wassergehalt des naekten Bodens. 
Versuch I« (1878.) Versuch IL (1879.) 

Lehmboden. Lehmboden. 



Wassergelullt des Bodens 



Datum 


Khene 


Neigung der Flache 






32 0 


4S«> 


29. Juni 


14,54 


14,17 


13,40 


13.04 


1«. Juli 


17,1* 


15,48 


14,94 


14,34 


9. Okt. 


ir»,79 


16,24 


14,M 


13,90 


Mittel 16.17 


15,90 


14,28 


13.08 



Wassergehalt des Bodens 



Datum 


ei 

Khene 


Neigung der 
l<;o 82« 


Ha« he 
4s «• 


12. April 


10.34 


l. r .,2S 


1 1.72 


14,07 


t. Juni 


17.7«) 


16,27 


15,49 


15,51 


17. » 


IS.'.h 


17.92 


16,13 


17.24 


4. Juli 


18,72 


17.29 


16,84 


17.17 


15. » 


19,85 


18.40 


17,94 


17,80 


-». Aug. 


1 "».77 


1541 


14,87 


14,93 


2. Sept. 


' 18.22 


16,25 


16,13 


15,01 


l.ükt. 


19,C>4 


17.04 


1(5,70 


15, ',»4 


Mittel : 


RIO 


16,73 


16,10 


15,96 



1 * 



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4 Physik des Hodens: 

Versuch III. (1881.) Versuch IV. (1882.) 

Humoser Kalksandbodeu. Humoser Kalksandboden. 





Wassergeh. d. 


Hodens 




Datum 


Neigung der Fläche 


Datum 


• 


10« 


20» 


30° 




8. Mai 
23. » 


20,40 
20,04 


17,36 
18,24 


17,74 
18,21 


19. April 
4. Mai 

20. » 


4. Juni 

23. » 


21,91 
19,02 


20,74 
19,71 


20,32 

19,;, i 


28. » 
17. Juni 
5. Juli 


5. Juli 
19. » 


20,4S 
18,S4 


18,88 
18,47 


1 18.98 
18,39 


15. » 
29. » 
11. August 


5. August 

22. > 


18,00 19,47 
22,28 20,69 


17,67 

' 20, r ,:» 


30. » 

16. Spptember 

27. » 


Mittel: 


| 20,19 


19,11» 


18,92 

i 


Mittel: 



Wassergeh. d. 

Neigung der 
10» 20° 



19,02 
21,72 
20,39 
17,2* 
21,07 
23,91 



18,01 
20,69 
18,41 
15.46 

20,33 
23,42 



28.87 21,69 
25,82 24,64 
23,26 20,33 

25.88 I 24,57 
22,99 ! 22,27 
24,23 ! 23,12 



Hodens 

Fläche 

1 30° 

16,88 
20,00 
18,06 
15,75 
19,03 
22.30 
20,30 
24,16 
19,00 
23,81 
21,29 
22,37 



1 22,41 21,08 20,25 



B. Der Wassergehalt des bebauten Bodens. 
Versuch I. (1SS3.) 



Humoser Kalksnndboden. 







Wassergehalt des Bodens 


Datum 


Hestandespflanze 


Neigung der Fläche 

— 




1 


10° 




30« 


20. April 
4. Mai 

11. » 

28. » 
7. Juni 

20. » 
9. Juli 


Roggpn 


22,61 
25,58 
16,51 
20.15 
19,74 
25,(55 
11,37 


20.55 
23,81 
13,55 
17,60 
19,58 
25,20 
11,18 


17,74 
22,3V» 
12,20 
16,54 
18.40 
25,17 
11,07 


Mittel: 


1 


20,23 




17,64 ~ 


11. August 

15. » 
23. 

14. September 

23. 


KunKclrülion 


21,39 
14,34 
17,76 
12,62 
23,49 


20,86 
15,77 
18,39 
12,39 
22,01 


18,84 
13.14 
14,27 
11,04 

20,08 


Mittel: 


|| n,92 


17,88 


| 15,47 



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Die Bodenfeuchtigkeit bei verschiedener Neigung des Terrains. 

Versuch IL (1883.) 

Humoser Kalksnndboden. 



Datum 



20. April 
4. Mai 

11. » 

28. » 

26. Juni 
9. Juli 
6. August 

14. 

23. » 

3. September 
23. 

2. Oktober 



Wassergehalt des Bodens 



Gras 

Neigung der Fläche 



18,79 
24,10 
13,92 
11,85 
16,03 

<,<o 
14,93 
10,77 
11,14 

9,21 
23,74 
20,72 




Brach 



Neigung der Fläche 



10» 



[ 20. 



19,48 
26,65 
21,31 
21,66 
21,63 
20,44 
24,44 
19,20 
21,34 
21,60 
21,55 
26,22 



17,91 
26,70 
22,25 
21,95 
21,08 
18,55 
24,12 
19,14 
21,36 
21,02 
19,*8 
25,28 



30« 



18,49 
25,00 
22,32 
20,34 
18,05 
1*,83 
23,33 
16,11 
21,10 
18,87 
19,16 
25,12 



Mittel: | 17,72 16,81 | 15,21 i 22,13 21,60 | 20,56 



Versach III. (1884.) 

Humoser Kalksandboden. 









"Wassergehalt des Bodens 






Datum 


Ackerbohnen 


Kartoffeln 


Rhene 


Wieling der Flache 


Ebene 


Neigung der Fläche 






10« 


«20° 


30° 




10« 


20' 


30« 


27. Juni 


19,94 


19,46 


19,11 


18,28 


22.37 


21,58 


20,29 


is,43 


4. Juli 


10,88 


9,70 


10,56 


9,70 


14,99 


13,H4 


13,28 


10,39 


11. » 


15,22 


15,86 


14.89 


14,17 


16,75 


10,1* 


15,15 


15,63 


17. » 


10,* 1 


9,56 


10,21 


8,.>7 


10,51 


12,16 


10,37 


9,34 


2. August 


20,07 


19,59 


10,87 


15,21 








12. 3 


15,81 


12,93 


11,62 


11,61 










2.5. » 


11.00 


9.(19 


8,79 


8,19 










1. September 


18,79 


18,46 


17,51 


15,90 











Mittel: | 15,25 14,41 j 13,69 1 12,68 1 16,15 | 15,94 | 14,77 \ 14,45 



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6 Physik des Hodens: 

Versuch IV. (1884.) 

Humoser Kalksandboden 



Datum 


Wassergehalt des Bodens 


Ackerbohnen 


Brach 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ehcne 


Neigung der Fläche 


10° | 20» 30« 


10» 20" | 30« 


2. August 
12. » 
25. » 

1. September 


20,07 
15,81 
11,00 
18,79 


19,59 
12,93 
9,69 
18,46 


16,87 
11,62 
8,79 
17,51 


15,20 
11,61 
8,19 
15,90 


23,79 
21,63 
22,44 
25,02 


20,67 
20,75 
20,06 
23,88 


19,68 18,72 
18,64 17,73 
17,25 1*,87 
22,53 22,00 


Mittel: | 16,42 


15,17 | 13,70 | 12,72 | 23,22 | 21,34 


19,52 | 19,33 



Diese Zahlen lassen zunächst mit großer Uobercinstiminung erkennen, 
daß das ebene Land feuchter ist als das abhängige, 
und daß letzteres einen um so geringeren Wasser- 
gebalt besitzt, je steiler die Lage des Terrains ist. 

Diese Unterschiede sind zunächst und vornehmlich darauf zurückzu- 
führen, daß die atmosphärischen Niederschläge dem ebenen Lande voll- 
ständig verbleiben, während auf den geneigten Flächen ein mehr oder 
weniger großer Theil für die Durchfeuchtung des Erdreiches durch ober- 
flächliche Abfuhr verloren geht. Der auf diese Weise stattfindende Ver- 
lust nimmt mit dem Grade der Neigung des Terrains zu, weshalb sich 
auch die Hodenfeuchtigkeit in demselben Verbältniß vermindern muß. 

Als ein weiteres Moment zur Erklärung vorstehender Versuchs- 
ergebnisse kann dio Thatsnche herangezogen werden, daß die Ver- 
dunstung des Wassers aus dem Hoden, bei gleichmäßiger Dureh- 
feuchtung desselben, innerhalb gewisser Grenzen um so ergiebiger, je 
grüßer die Neigung der Bodenfläche ist 1 ). Die Ursachen hiervon sind 
in der mit dem Neiguugswinkel zunehmenden Erwärmung des Erdreiches 
zu suchen 2 ). Besonders treten die bezeichneten Unterschiede in der Ver- 
dunstung im Frühjahr und Herbst auf, in welchen Jahreszeiten auch in 
der Bodentemperatur verschieden geneigter Flächen die größten Ver- 
schiedenheiten sich bemerkbar machten. So fand z. B. C User: 
» 

') Vergl. die betreffenden Untersuchungen von C. Euer. Diese Zeitschrift 
Bd. VII. 1884. S. 98. 

») Man vergl den zweiten Abschnitt dieser Abhandlung unten. 



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Die Bodenfeuchtigkeit bei verschiedener Neigung des Terrains. 7 

Verdunstungsmengen pro 1000 qcm in Grammen. 
Neigung der Fläche bei Süd-Exposition. 

0° 10° 20° 30° 

Vom 20. Aug. bis 4. Xovbr. 1883 3S18 4235 im 5091. 

Im Falle also durch langandauernde ergiebige Niederschläge oder 
durch die Winterfeuchtigkeit in dem Wassergehalt des Erdreiches gegen 
den Horizont verschieden exponirter Flächen ein Ausgleich herbeigeführt . 
worden sein sollte, wird dieser Zustand, bei dem Aufhören der Zufuhr, 
alsbald durch die geschilderten Verschiedenheiten in der Verdunstung 
wieder beseitigt und dadurch die in obigem Satz charakterisirten Diffe- 
renzen in der Bodenfeuchtigkeit mehr oder weniger konstant erhalten, 
wie die mitgetheilten Versuchsergebnisse hinlänglich darthun. 

Vergleicht man die Ergebnisse zwischen dem bebauten und unbe- 
bauten Boden, so ergiebt sich, wenn auch nicht ohne Ausnahmen daß 
die durch die Neigung des Terrains bedingten Unterschiede 
in der Bodenfeuchtigkeit bei dem bebauten Lande stärker 
hervortreten als bei dem brachliegenden. Dafür sprechen fol- 
gende Zahlen : 



Differenz zwischen dem Wassergehalt des ebenen und steilsten Landes. 









A. 




B. 


Versuch 


I. 


Brach 


2,18 


Versuch I. 


Roggen 2,59 


»t 


II. 


i» 


2,14 


♦» 


Runkelrüben 2,45 


«» 


III. 


ii 


1,27 


„ II. 


Gras 2,51 


i» 


IV. 


»» 


2,16 


„ HI- 


Ackerbohnen 2,57 






Mittel: 1,94 




Mittel: 2,53. 



Die betreffenden Werthe betragen in Versuch B. II: 

Gras Brach 
2,51 1,57. 

Zur Erklärung der durch diese Zahlen charakterisirten Erscheinung 
ist die Thatsache heranzuziehen, daß sich die Pflanzen bei zureichendem 
Wasservorrath im Boden in Folge stärkerer Erwlirmung des Erdreiches 
um so kräftiger entwickeln und dementsprechend dem Boden um so 

l ) Die Verhaltnisse, unter denen diese Ausnahmen in die Erscheinung treten, 
sollen in der in Aussicht genommenen dritten Publikation näher dargelegt werden. 



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8 



1'hysik des Bodens: 



größere Wassermengen entziehen *), je steiler innerhalb gewisser Grenzen 
die Bodenfläche ist. 

In Rücksicht auf die Vegetationsverhältnisse verschieden geneigter 
Flächen ist schließlich auch die Thatsache von Belang, daß das Wasser 
unter derartigen Umständen nicht gleichmäßig in der Ackerschicht ver- 
theilt ist. Um dies nachzuweisen, wurden von dem Referenten die Boden- 
proben nicht aus der Mitte der Versuchskästen, wie in den bisher mit- 
geteilten Untersuchungen, sondern an zwei Stellen, nämlich 10 cm 
unterhalb des oberen und in denselben Abstand oberhalb des unteren 
Randes der Kästen entnommen. 

C Die Vertheiltuig der Bodenfeuchtigkeit 

stellte sich dabei in folgender Weise heraus : 



Versuch I. (18S2.) 

Hilm oser Kalks a n d b o d g n. 





Wassergehalt des Bodens 




Gras 


Brach 


Datum 


Neigung der Fläche 


Neigung der Fläche 




10« 


20° 30° 


10° 20« 


30» 




oben j unten 


oben 


imten oben unten 


oben |uuten oben Junten 


oben j unten 


23. Juni 
ID. August 


19,321 19/»4 
17,3r»|lS,6. f i 


17,4$ 
15,11 


* — < - ~- —T " 

n),02!ir».ßi» i «>, 1 1 

lü,8ojl8,71> 14,02 


22,S 1 24, 14 21 ,04 23,35 2( >.72 22,2 1 
22,23 23,52j20,06 23,35. 1 9,7* 22, 1 G 


Mittel: 


18,34 19,09 


16,29 17,94 14,74 17,03 


22,52 23,83 21,3023,35 


20,25 22,19 


Differenz: 


0,75 


1,65 1 2,29 


1,31 | 2,05 


1,94 



•) Verul diese Zeits.hr. Bd. IV. 18S1. S. 103 n. ff. 



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Die Bodenfeuchtigkeit bei verschiedener Neigung des Terrains. 9 



Versuch II. (1884.) 

Nackter Boden. Humoscr Kalksandboden. 



Datum 


Wassergehalt des Hodens 


Neigung der Flache 


0° 


10« 


20" 30« 


1. Prob« IL Prob« 


oben 


unten 


oben 


unten oben \ unten 


L Mai 
10. » 
14. » 
28. > 
20. • 
18. Juni 
25. > 

8. Juli 
10. » 
1»). v 
31. * 

9. August 
25. 

1. September 
26. 


23,62 
24,74 
21,75 
17,77 
16,46 
24,27 
28,98 
20,38 
21,53 
18,63 
23,91 
24,73 
21,24 
25,73 
19,47 


rt i ort 

24,32 
24,83 
21,80 
18,11 
17,44 
25,19 
24,26 
21,05 
21,88 
19,12 
24,46 
25,00 
21,84 
25,78 
20,95 


22,3 1 
22,81 
20,58 
15,30 
16,04 
23,49 
23,43 
19,64 
19,28 
17,00 
23,09 
21,68 
20.70 
23,23 
18,49 


»Ii 11 

24,11 
24,52 
22,42 
17,44 
16,27 
24,35 
23,61 
10.57 
21.06 
17,85 
24,27 
24,06 
21,48 
24,00 
19,49 


21,89 
22,83 
18,61 
13,73 
14,44 
22,35 
22,16 
18.93 
18,30 
15,14 
21,02 

20,82 
17,08 

22,28 

18,37 


23,94 
24,34 
20,19 
15,88 
14,23 
23,77 
23,02 
18,07 
21,80 
17,54 
23,02 
23,25 
20,70 
23,ä:i 
10,24 


21, <9 
22,18 
18,32 
13,58 
14,16 
21,97 
20,22 
18,62 

18,10 
15,73 
21,10 
20,71 
17, 0S 

21,21 
1*,17 


22,82 
23,54 
21,16 
14,69 
15,77 
23,33 
23,41 
19,83 
20,07 
17,18 
23,31 
21,07 
10,57 
24,23 
18,96 


Mittel: 


21,88 


22,41 


20,00 ! 21,76 


19,32 21,02 


18,92 


20,72 


Differenz: 


0,53 


1,16 1,70 


1,80 



Diese Zahlen zeigen auf das Deutlichste, 

daß die Bodenfeuchtigkeit in dein ebenen Lande 
gleichmäßiger vertheilt ist als in dem geneigten, 
daß in Letzterem der Wassergehalt des Erdreiches von 
oben nach unten zunimmt und 

daß die in dieser Beziehung zwischen den hoher und 
tiefer gelegenen Erdpartien bestehenden Differenzen 
um so größer sind, je stärker geneigt die Fläche ist. 
Die Ursachen dieser Erscheinungen sind darin zu suchen, daß die 
Niederschläge in das ebene Land mehr oder weniger gleichmäßig ein- 
dringen, während dieselben bei abhängigem Terrain zum Theil oberfläch- 
lich und, soweit sie in den Boden eingedrungen sind, auch theil weise 
unterirdisch den tiefer gelegenen Partien zufließen, wodurch die Erd- 
schichten einerseits um so schneller entwässert werden, je höher ihre 
Lage und je steiler das Terrain ist, andererseits um so mehr Wasser 
zugeführt erhalten, je tiefer sie gelegen sind. Zur Erklärung des an 



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10 Physik des Bodens: 

dritter Stelle angeführten Satzes ist die Thatsache heranzuziehen, da(\ die 
oberen Bodenpartien um so kräftiger entwässert werden, als der Neigungs- 
winkel der Fläche zunimmt, während letzterer auf den Wassergehalt der 
unteren Schichten einen vergleichsweise geringeren Einfluß ausübt. 

II. Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 

Die Anschauungen über den Einfluß der NeigiiDg des Terrains auf 
die Bodentemperatur gehen bei denjenigen Forschern, welche sich mit 
Untersuchungen der physikalischen Eigenschaften des Bodens beschäftigt 
haben, weit auseinander. 

Cr. Schüller 1 ) ist der Ansicht, daß die verschiedene Neigung des 
Erdreiches gegen das einfallende Sonnenlicht einen sehr bedeutenden 
Einfluß auf die verschiedene Erwärmung habe; die Erwärmung sei unter 
übrigens gleicheu Umständen immer desto größer, je mehr sich der 
Winkel, welchen die Erdoberflüche mit dem Sonnenlicht bildet, einem 
rechten Winkel nähert. „Beträgt die durch die Sonnenstrahlung veran- 
laßte Temperaturerhöhung 20 bis 28 Grad, wie dieses an heiteren 
Sommertagen oft der Fall ist, so wird diese Temperaturerhöhung nur 
halb so groß sein, wenn sich dasselbe Licht durch ein mehr eobiefes 
Einfallen auf eine doppelt so große Flüche verbreitet, wenn der Sinus 
des Einfallswinkels nur halb so groß ist. Es erklärt sich hieraus ge- 
nügend , wie die Hitze am Abhang gegen Süden geneigter Berge und 
Felsen auch in unserem Klima oft so bedeutend zunehmen kann; steht 
die Sonne 60° über dem Horizont, wie dieses gegen Mittag in der 
Mitte des Simmers bald mehr bald weniger der Fall ist, so fallen die 
Sonnenstrahlen an Bergabhängen, welche unter einem Winkel von 30° 
gegen den Horizont geneigt sind , unter einem rechten Winkel auf. 
Sind die Abhänge noch steiler, so fallen die Sonnenstrahlen auch in den 
späteren Sommermonaten noch häutiger unter diesem Winkel auf. Solche 
Abhänge eignen sich daher in unseren geographischen Breiten vorzüglich 
zur Kultur von Pflanzen, welche eine höhere Temperatur bedürfen, 
namentlich zum Weinbau". 

Entgegen diesen Anschauungen ist W. Schumacher 2 ) der Meinung, 

') G. Scltübhr. Grundsätze der Agrikulturchcmie. 2. Aufl. Leipzig. 1838. 
Bd. II. S. 1)3. 

») W. Schumacher. Die Physik des Bodens. Berlin 1864. S. 307. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 11 

daß der durch die Neigung des Bodens bedingte Einfallswinkel keinen 
besonderen Einfluß auf die Erwärmung des Üodens habe. Er fand in 
dem Abhang eines Sandhügels, dessen Neigung ungefähr 40° betrug, 
gegen 2 Uhr Nachmittags im Juli dieselbo Bodentemperatur wie auf der 
300 Schritt weiter liegenden, ebenen Sandfläche; die Differenz betrug 
uoch nicht */* Grad. In Lehmboden fand er dasselbe. An der beinahe senk- 
rechten Lehm wand zeigte sich Mittags kurz vor 12 Uhr dieselbe Tempe- 
ratur wie auf dem horizontal gelegenen Grunde dicht vor der Lehm wand 1 ). 

J. Ji. Lorenz 2 ) schildert den Einfluß, den die Neigung des Terrains 
auf die Temporatur des Standortes ausübt, wie folgt: ,,Tm Allgemeinen 
nimmt bei sonnenseitigen Gehängen die Intensität der Erwärmung bei 
Tage desto mehr zu, je mehr sich der Neigungswinkel demjenigen nähert, 
bei welchem die mittlere Richtung der Sonnenstrahlen senkrecht auf die 
Gehängeflächen geht; ist die Neigung größer, so wird die Erwärmung 
bei Tage wieder geringer. Da aber andererseits auch dio nächtliche 
Ausstrahlung das Klima eines Standortes beeinflußt und diese desto 
grösser ist, je mehr die ausstrahlende Fläche sich der horizontalen nähert, 
so sind die sonnenseitigen Gehänge in verschiedenem Grade excessiv." 

Genannter Autor zeigt dann an einigen Beispielen, in welchem Ver- 
hältniß die Erwärmung bei Tage und die Ausstrahlung bei Nacht bei 
verschiedener Neigung der Bodenflächen stehen, ohne indessen dafür 
Zahlen anzuführen. 

Angesichts dieser unzulänglichen Behandlung des für die Pflanzen- 
kultur in mehrfacher Beziehung wichtigen Gegenstandes hat Referent 
auf den sub I näher beschriebenen Bodenflächen Temperaturmessungen 
des Erdreiches in 10 resp. 15 cm Tiefe vorgenommen. In den den jähr- 
lichen Gang der Bodentemperatur betreffenden Versuchen wurden die 
Thermometer während der Monate Oktober bis März früh 8 und Nach- 
mittags 4 Uhr, während der Monate April bis September früh 7 Uhr 
und Nachmittags 5 Uhr abgelesen. Es entsprechen diese Termine dem 
Minimum und Maximum der Bodentemperatur. Aus den auf diese Weise 
ermittelten Daten wurden die fünftägigen Mittel berechnet. 

') In diesem Falle mußte auch die Temperatur an der senkrechten Lehm- 
wand dieselbe sein wie in dem ebenen Lande, weil der Einfallswinkel, wie leicht 
begreiflieh, an beiden Orten derselbe war. (1). Ref.) 

') J. Ii. Lorenz. Lehrbuch der Klimatologic. Wien. 1874. S, 304. 



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12 Physik des Bodens: 

Um den täglichen Gang der Bodentemperatur zu ermitteln, wurden 
die Beobachtungen alle zwei Stunden, Tag und Nacht, angestellt. 

Die Lufttemperatur wurde nach den an einem im Schatten auf- 
gestellten Thermometer gemachten Aufzeichnungen der meteorologischen 
Centralstation, nach der von derselben gegebenen Vorschrift, berechnet. 

Die Thermometer waren in der Mitte eines jeden Versuchskastens 
in die Erde gesenkt worden, nach vorgiingiger Kontrole ihrer Angaben. 

Die Ergebnisse der Beobachtungen (in 0 C.) lassen sich folgenden 
Tabellen entnehmen : 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 13 



1. Jährlicher Gang der Bodentemperatur. 

A. Die Temperatur tles nackten Bodens. 
Versuch I. (1878/7».) 

Lehmboden. Bodentemperatur in 10cm Tiefe. 

Mai. 



Datum 


Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Hodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 


16« 32» 




16« 1 32° 


4*o 


1. - 5. 

6. 10. 
11. - 15. 
1«. 20. 
21. 25. 
26. — 31. 


12,37 
12,7» 
13,46 
16,36 
12,64 
10,50 


14,53 
14,30 
15,54 
1S,12 
13,78 
12,72 


14.51 
14,36 
16.10 
18,95 
13,81 

12,78 


14,72 
14,59 
16,79 
19,08 
14,26 
12,84 


14,67 
14,56 
16,16 
19,03 
13,8(5 
12,56 


9,6 
9,6 
9,5 
11,6 
10,6 
9,8 


10,9 
11,4 
11,6 
14,1 
12,2 
11,4 


11,7 

12,0 
12,6 
15,1 
12,8 
12,5 


11,8 
11,6 
11,3 
14,2 
12,4 
11,8 


Mittel: 


12,93 


14,76 


15.01 15,44» 


15,06 | 10,12 


11,98 


12,7S 


12,10 



1. Fr. ver. Vorm. u. M. R. Nachm. st. 
G.-R. Ab. ver. N. R. 

2. Fr. R. u. srhw. W. am Tage abw. 
st. u. schw. R. Ab. ver. 

3. Fr. bew. u. schw. W. M. v. 12 bis 
2 ' s U. R. dann bew. und ver. W. 
Ab. st. W. N. ki. 

4. Kl. bis 10 U. Vorm. dann abw. bew. 
u. schw. W. Ab. ver. N. kl. 

5. Bis 10 U. Vorm. kl. dann abw. bew. 
u. scbw. W. bis ö 1 /* U. Nachm. 
dann kl. 

6. Kl. n. schw. \V. Ab. ver. 

7. Fr. ver. Von 8 IT. Mg. bew. u. st. 
\V. M. r. Um 2 11. Nachm. st. C..-R. 
bis 5 U. dann ver. N. R. 

8. Fr. R. u. schw. W. Von Vorm. 11 U. 
ab st. W. u. abw. st. R. bis 5 U. Nachm. 
dann ver. Von 6 IT. Ab. ab st. R. 

9. Bis Nachm. 6 U. thlw. kl. thlw. bew. 
n. mst. W. dann abw. bew. 

10. Fr. nb. u. schw. W. Am Tage u. Ab. 
ineist. kl. 

11. Bis Nachm. 5 IT. meist, kl. u. schw. 
W. dann ab. bew. 

12. Bis 9 F. Vorm. ver. dann bew. M. 
ab. l»ew. und mst. W. Nachm. G.-R. 
Ab. u. N. thlw. R. 

13. Bis Bf. ver. u. mst. W. Nachm. st 
YV. M. u. Nachm. schw. R. von kurzer 
Dauer. Ab. u. N. abw. R. 

14. Bis Vorm. kl. dann bis Nachm. abw. 
bew. dann meist kl. Ab. u. N. bew 

15. Bis Vorm ver. dann bis Ab. abw. 
bew. Ab. u. N. kl. 



Witterung: 

16. Bis Nachm. meist kl. u. st. \V. Nachm. 
schw. R. dann ver. Ab. u. N. kl. 
Kl. u. ver. W. 

Kl. Vorm. sch. W. Von M. ab r. 
Bis M. meist kl. M. G. u. st. W. Von 
5 3 * bis 6 IL st. G.-R. dann abw. R. 
Ver. abw. bew. Ab. mehr kl. N. ver 
Fr. schw. R. u. st. W. Vorm. bew. u 
St. Nachm. 3 — 5 IT. R. m. II. dann ver. 
Abw. bew. und mst. W. Nachm. st. 
W. Ab. ver. N. meist kl. 
Bis Nachm. meist kl. u. schw. W. 
dann r. Nachm. schw. R. 
Bis Vorm. 9 U. R. dann st. W. u. 
abw. R. bis M. dann ver. Ab. u. N. 
abw. R. 

Fr. abw. bew. u. R. u. mst. W. Am 
Tage st. R. u. mst. \V. Ab. u. N. 
abw. Ii. 

Fr. bew. und mst. W. Vorm. thlw. 
st. R. Nachm. bew. u. thlw. R. u. 
mst. W. Ab. ver. N. kl. 
Bis Nachm. kl. u. mst. W. dann 
abw. bew. 

Bew. bis Ab. dann abw. bew. N. R. 
u. st. W. 

Bis M. st. W. u. abw. R. dann bis 
1 IT. St. u. R. dann ver. Von 4— 5'/«U. 
Nachm. abw. R. dann ab. bew. u. st. W. 
Bis Vorm. 10 IT. ver. u. st. \V. dann 
bew. u. schw. W, bis Ab. 
Bis fr. 8 >/i ü. bew. Bis Nachm. 5 II. 
abw. bew. u. schw. W. dann bew. Von 
5 3 i— 6 U. R. Ab. u. N. ver. 



17. 
18. 

19. 

20. 
21. 

22 

23. 

24. 

25. 

26. 

27. 

28. 
29. 

30. 
31. 



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14 Physik des Bodens: 



Juni. 



Datum 


Luft- 
tem- 
pcra- 
tur 


Bodcntomperatur 


Temperaturschwankungen 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Flache 




32« 


48<> 


16» 


32» | 48» 


1. 5. 

6. - 10. 
11. - 15. 
10. - 20. 
21. - 25. 
20. 30. 


14, 1 1 

13,79 
10,27 
12 si 
15,75 
10,54 

14,ss 


15,55 
10,30 
19,29 
15,53 
19,92 
20,24 


15,47 
10,52 
19,00 
15,05 
20,10 
20,49 


15*58 
16,95 
20,17 
15,77 
20,01 
21,10 


15,35 
10,52 
19,01 
15,88 
20,51 
20,74 


0,6 7,8 
11,0 14,2 
12,* 14,H 
12,2 14,4 
12,9 14,7 

6,5 7,6 


8,2 
14,S 
15,4 
14,6 
15,1 

8,0 


8,3 
14,1 
14,8 
14,0 
14,7 


Mittel: 


17,81 17,99 


18,3« 


1H,<H> 


10,43 12,25 12,68 12,22 



Witterung: 



1. Kr. It., dann bis 5 U. Nachm. bcw. 17. 
Von da ab nist. \V. u. scbw. R. 

2. Abw. bcw. u. scbw. W. Um 6 U. 18. 
Nachm. u. N. scbw. R. 

3. Fr. st. R. Vorm. abw. R. bis Nachm. 1 19. 
2 U., dann abw. bew. U. st. W. Von 

6'. 's l'. ab st. R. 

4. Bis 8 U. fr. schw. R. u. scbw. W., 20. 
dann bcw. u. schw. W. Ab. u. N. 
abw. R. 21. 

5. Bis Nachm. abw. bew. u. mst. W. 
Nachm. bis Ab. st. G.-R. N. abw. R.|22. 

6. Fr. abw. R., dann bew. u. mst. W. 
Ab. u. N. abw. bew. 23. 

7. Fr. kl. am Tage abw. bew. Ab. u. 
N. kl. 

8. Kl. 

9. Vorm. bis Nachm. abw. bew., dann 
bew. u. r. 

10. Bis 10"/« U. Vorm. bew. schw. It., '25. 
dann abw. bew. Ab. u. N. kl. 

11. Kl. u. scbw. \V. Ab. u. N. abw. 26. 
bew. 

12. Bis Nachm. 4"/*U. abw. bew., dann 27 
G. mit St., dann st. W. N. schw. 
R. 

13. Fr. bis 8 U. kl., dann abw. bcw. bis! 28. 
Nachm., dann kl. u. mst. W. Ab. u. 

N. r. u. vcr. 

14. Fr. bew. u. r., dann kl. u. schw. W. 29. 
Nachm. u. N. R. 

15. Fr. st. W. u. abw. R. bis Nachm.' 

4 U., dann st. R. u. st. W, I 30. 

16. Fr. bew. u. st. W. am Tage bew. n 
schw. W. N. abw. R. 



Bew. u. schw. W. bis Vorm. 11 U., 
dann abw. bew. u. r. N. kl. 
Meist kl. Nachm. abw. bew. Ab. ver. 
N. abw. bew. 

Bis Nachm. 4 U. thlw. bew. von da 
ab schw. W. u. kl. Ab. bew. u. st. 
W. N. St. 

Fr. st. \V. u. Stanb-R. bis M., dann 

bew. u. mst. W. N. r. u. bew. 

Fr. bew. u. r. Von 9 U. Vorm. thlw. 

bew. Nachm. mst. kl. bis N. 

Abw. bew. u. schw. W. Ab. u. 

N. kl. 

Bis Nachm. 5 U. meist kl., dann bew. 
Um 5>/ 2 U. G. u. schw. W. Von 
8 1 /» U. ab. st. G.-R. 
Fr. R., dann bis M. abw. R., dann bis 
Nachm. 4 U. R., dann bew. u. r. Ab. 
u. N. schw. R. 

Bis Nachm. 2* a U. thlw. bew. von 
da ab bis 3 ',4 U. schw. R., dann kl. 
Fr. thlw. bcw: Von Vorm. 10 U. ab 
ebenso u. mst. \V. Ab. r. N. kl. 
Bis Vorm. 11 U. kl. Von 11-12 U. 
G. u. schw. R., dann thlw. bew. n. 
st. W. N. kl. 

Bis 10 U. Vorm. meist kl. u. st W., 
dann thlw. bew. u. St. Von 8 U. Ab. 
ab kl. u. r. 

Vorm. bis 10 V. kl., dann thlw. bew. 

Nachm. G. Von 5'/2~~8 U. schw. 
G.-R. Ab. u. N. ver. 
Fr. ver. u. st. W. Am Tage bew. u. 
r. Ebenso Ab. u. N. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 15 



Juli. 





Luft« 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


tem- 
pera- 
tur 


Ebene 


Neigung der Flache 


Kbene 


Neigung der Fläche 




16o 32 o 




16« 


32° 


4S« 


\. — 5. 

6. 10. 
11. 15. 
16. 20. 
21. 25. 
26. 31. 


1 4 E a 

16,16 
15,12 
15,49 
18,77 
15,49 


15,97 
17.31 
15,76 
19,97 
22,08 
16,62 


15,87 15,72 
17,40 17,59 
15,53 15.47 
20,47 , 20,89 
22,67 23,21 
16,42 16,42 


15,71 
17,70 
15,55 
20,63 
22,99 
16,50 


13,4 
7,8 
5,7 
15,7 
10,7 
7,7 


14,7 
9,0 
5,8 
18,0 
12,8 
8,8 


15,2 
9,2 
6,4 
18,0 
12,9 
10,2 


14.7 

8,6 
6,2 
16,8 
12,4 
9,9 


Mittel: 


15,97 


17,91 J 18,01 18,16 18,13 | 10,17 


11,52 11,98 11,« 



Witterung: 



1. Fr. th. bew. u. schw. W. Vorm. bis 16. 
Nachm. 4 U st. W., dann kl. u. schw 
W. Ab. r. 

2. Bis 11»/« U. Vorm. bew., bis II 3 / 4 17. 
U. st. G.-R., dann bew. iL r. bis 2 18. 
U., dann abw. B. ; 19. 

3. Bis 1 1 U. Vorm. bew. u. r., dann bis 

2 IT. Nachm. K. u. schw. W., dann 20. 
abw. R. u. mst. W. 21. 

4. Fr. bew. u. ver. Von 8 U. ab bew. 

u. abw. K. Ab. u. N. ver. 22. 

5. Bis Nachm. 4 U. th. bew. u. st. W. 23. 
Von da ab bew. u. st. W. 

6. Bis 10 0. Vorm. ver. u. mst. W., 
dann th. bew. u. st. \V. Ab. u. N. r. 

7. Bis 11 U. Vorm. bew. u. schw. W. 24. 
M. bis Nachm. 3 3 4 U. G.-R., dann 
bew. Ab. schw. R. N. th. bew. 

8. Vorm. bew. M. u. Nachm. G.-R. u 
mst. W. Ab. u. N. ver. 

9. Bis 8 TJ. bew. u. schw. R., dann bew. 26. 
n. schw. W. Nachm. ver. Ab. u. N. 

th. bew. 27. 

10. Bis M. bew. u. schw. W., dann bew. 
u. st. W. N. th. bew. 

1 1. Fr. bew. u. mst. W. Am Tage abw. 28. 
R. u. schw. W. Ab. u. N. st. W. . 

12. Abw. R. u. st. W. Ab. u. N. ver. u. 
schw. W. 29. 

13. Bew. u. schw. W. bis Nachm., dann 
th. bew. Ab. ver. N. abw. R. 

14. Fr. st. R., dann abw. R. u. schw 30 
W. bis M., dann bew. u. st. W. Ab. u. 
N. bew. 

15 Bis Nachm. bew. u. schw. W. Nachm. 31. 
ver. u. st. W. N. th. bew. 



Th. bew. u. mst. W. bis Nachm. 3 IT., 
von da ab meist kl. u. st. \V. Ab. 
kl. u. schw. VV. N. th. bew. 
Kl. u. schw. W. 
Kl. 

Fr. kl , am Tage th. bew. Ab. u. N. 
kl. 

Meist kl. 

Fr. ver. Vorm. u. Nachm. bew. Gegen 

Ab. th. bew. N. kl. 

Kl. Ab. u. N. th. bew. 

Kl. M. G.-R. u. mst. \V., dann kl. 

Von Nachm. 4 U. ab G., v. 6— 6>/a 

U. st. G.-R. u. St., dann ver. Ab. u. 

N. th. bew. 

Bew. Nachm. zugleich st, W., dann 
th. bew. 

Bis Nachm. 4 U. th. bew. Von da 
ab bew. u. mst. W. Von 6'/j U. Ab. 
abw. st. G.-R. 

Abw. R. u. st. W. Ab. ebenso u. 
schw. W. 

Bis 1 1 U. Vorm. R. u. schw. W., dann 
bew. u. schw. W. Von 6',4 bis 6"/« 
U. Ab. st. R., dann ver. 
Bis Nachm. abw. bew. Vorm. schw. 
R. Nachm. bew. u. mst. W. Ab. 11. 
N. th. bew. u. r. 

Bis 8 U. Vorm. kl. Von da ab abw. 
bew. bis Nachm. 2 U., dann bew. 
N. schw. R. 

Fr. abw. R. bis 8 F., dann bew. bis 
M., schw. R. um 12 II., dann ver. u. 
mst. W. Ab. 11. N. abw. st. G.-R. 
Abw. R. u. schw. W. 



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16 



Physik des Bodens: 
August. 



^ * 


Luft- 
tem- 
pern- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Kliene 


Neigung der Fliehe 


Kbene 


Neigung der Flüche 




16« 


32« 


480 


16o 


32« 


48« 


i. — •>. 
6. - 10. 
11. 15. 

16. - 20. 
21. - 25. 
20. - 81. 


17,11 

18,31 
16,24 
14,S1 
17,27 


16,65 
19,71 
19,57 
17,58 
16,40 
17,64 


16,67 
19,82 
l!),ss 

17,67 
16,28 

| 17,68 


16,88 
20,85 
20,2s 
17,90 
16,27 
,7,7* 


16,81 
20,40 
20,38 
18,00 
16,30 
17,7« 


12,0 
11,0 

8,8 

8,6 

7,7 
7,2 


15,1 
12,2 
10,1 
10,0 
7,8 
8,1 


15,4 
12,6 
10,9 
10,3 
0,2 
8,6 


14,6 
11,7 
10.4 
«.'.7 

8,6 
8,0 


Mittel: 


| 16,31 


| 17,91 


17,08 | 18,23 18,27 | 9 37 


10,55 11.47 10.50 



Witterung: 
18. 

10. 



1. Fr. hew. U. Bchw. W. bis M., dann 
st W. bis 3 n /4 II. Nachm., dann st. 
Q.-R. bis 5 IL Von da ab R. 

2. Hew. u. mst. W. Ab. thlw. hew. N. 
kl. 

3. Ver. n. mst. W. bis Nachm., dann 
thhv. hew. u. r. 20. 

4. Schw. W. u. th. bew. bis Ab., dann 
kl. u. r. 

5. Bis M. kl. D. r. Von da ab th. bew. 21. 
Nachm., Ab. u. N. kl. u. r. 

6. Kl. u. schw. W., N. schw. R. 

7. Bis M. R., dann bew. Nachm. schw. 
R. Ab. ver. 

8. Ver. Nachm., Ab. u. N. th. G.-R. u. 23. 
abw. st. W. 

9. Bis 10 U. Vorm. ver. von da ab bis 
Nachm. 5 U. bew. dann kl. 

10. KL u. schw. W. N. schw. G.-R. 24. 

11. Bew. u. st. W. N. schw. IL, ver. u. r. 

12. Bis fr. 8','* F. ver. dann abw. bew. 25. 

13. Meist kl. u. mst. W. Ab. bew. u. st. 

VV. Von 8','» U. ab abw. R. [26. 

14. Bis Vorm. 9«/» U. bew. Von da ab 27. 
R. u. st. W. Ah. u. N. abw. R. u. 

st. W. 28. 

15. Bis 8" (i F. Vorm. bew., etw. Staub- 

R. u. st. W., dann meist kl. u. st. 29. 
W. Nachm. ver. u. schw. W. N. R. 

16. Bis. Nachm. 1 II. R., dann bew. u. 30. 
schw. W. N. ver. u. st. W. 

17. Fr. ver. u. st. W. Von 8 >.'a F. ab St. 

n. th. bew. bis Nachm. 5 I 7 ., dann 31. 
schw. W. Ab. r N. kl. u. r. 



Kl. n. schw. W. Von Nachm. 5 LI. 
ab kl. u. r. 

Bis M. ver. Von da ab bis 3 3 /« IT. 
Nachm. st. W., dann schw. W. Von 
4 U. an schw. R. Ab. bew. N. 
schw. R. 

Fr. bis M. ver. u. schw. W. M. R 
u. st. W. Nachm. bew. u. St. Ab. R. 
u. schw. W. 

R. u. mst. W. Nachm. ver. u. r. Ab. 
th. bew. N. kl. 

Nb. bis 9 U. Vorm., dann th. bew. 
u. schw. W. Ab. ki N. ver. u. 
schw. R. 

Bis M. ver. M. kl. u. schw. W. 
Nachm. bew. bis 4 l ;t IT., dann schw 
R. bis 7'/* F. Ab. Von da ab ver. 
N. meist kl. 

Bis Vorm. 11 U. R., dann bew. Von 
Ab. G',2 U. ab R. 

Bis 9 F. Vorm. bew., dann th. bew. 
Ab. kl. Von M. 12-12 \ 2 U. st. R. 
Ver. th. R. N. st. G.-R. u. St. 
Meist kl. u. St. Ab. bew. N. abw. R. 
u. st. W. 

Bew. u. schw. W., th. R. Ab. u. N. 
ver. 

Fr. 6 F. st. G.-R. Vorm. abw. R. 
Nachm. ver. 

Bis 8 II. Vorm. schw. R., dann bis 
M. 1 F. bew. Von da ab bis 5 U. 
th. st. R., dann ver. N. st. G.-R. 
Bis M. bew., von 1 F. ab abw. G.-R. 
Von Ab. ab vor. U. mst. W. 



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Die Bodentemperatur hei verschiedener Neigung des Terrains. 

September. 



17 





Luft- 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


tem- 
pera- 


Khene 


Neigung der Fläche 


Ehenc 


Neigung der Fläche 




tnr 


16o 


32« 


48° 


16« 


32° 


48o 


L - 5. 

6. — 10. 

11. — 15, 
16. — 20. 

21. - 25. 
26. - 30. 


13,79 
17,29 
15.00 
13,72 
10,27 
10,04 


15,99 
19,18 
16,35 
13,88 
11,42 
12,12 


16,10 
19,50 
16,25 
14,06 
11,25 
12,40 


16,34 
20,33 
16,28 
14,37 
11,13 
12,72 


16,49 
20,64 
16,57 
14,70 
11,32 
13,01 


9,9 
9,2 
7,4 
7,3 
6,8 
7,2 


12,1 
11,5 
8,7 
8,4 
7,7 
8,9 


12,6 
12,7 
9,9 

9,1 

8,8 
9,5 


12,0 
12,3 
9,1 
8,7 
8,1 
9,6 


Mittel: 


| 13,35 


U31 


[14,93 


15,19 


15,46 


7,97 


9,55 


10,35 


9,97 



Witterung: 
15. 



1. Fr. kl. Ins 9 U. Von da ah th. hew. 
u. st. W. Nachm. mst. \V. u. bew. 
Ebenso Ab. u. N. 

2. Fr. ver. u. mst. W. Vorm. schw. R. 
Nachm. bew. Von 5' <-5' /i U. st. 
G.-R-, dann ver. 

3. Fr. bew., dann th. bew. Von Nachm. 
4 U. ab kl. 

4. Fr. nb., sonst kl. u. st. W. Ab. u. 
X. kl. u. r. 

5. Fr. nb.. sonst kl. u. schw. W. 

6. Meist kl. 

7. Kl. u. schw. W. Nachm. r. 

8. Kl. X. bew. 

9. Fr. bew. Um 9 U. Vorm. G.-R., dann 
ver. Von Nachm. 2 U. ab bis 7 U. 
Ab. G.-R., dann ver. 

10. Fr. ver. u. schw. \Y., dann r. u. meist 
kl. Von 2—3 U. Staub-R., dann bew. 
Ab. schw. R. N. bew. 

11. Fr. nb. bis 10 U., dann bew. u. st. 
W. Nachm. r. u. th. bew. Ebenso 
Ab. u. X. 

12. Bis lP/s ü. M. nb. Nachm. meist kl. 
Ab. u. N. kl. 

13. Fr. bew. Von 8»/4-9 9 iU. schw. R., 
dann ver. Nachm. th. bew. u. schw. \V. 
Um 6 U. it. G.-R. bis 9 U. Ab., dann bew. 

14. Fr. R. u. st. W. bis 9 U., dann bew. 
u. inst. W. Nachm. abw. R., ebenso 
Ab. u. X. 



16. 



17. 

18 

19. 

20. 
21. 
22. 

23. 
24. 



25. 



26. 
27. 

28. 



29. 
30. 



Bis Vorm. 11 U. bew., dann bis 4 U. 
Nachm. ver., darauf bew. 
Bis Vorm. 10 U. ver. u. mst. W., dann 
st. W. Nachm. St. Von 4 U. an R. 
u. st. W. Von 6','s U. ab ver. 
Bis Nachm. 4 U. ver. u. st. W., dann 
kl. u. schw. W. Ab. r. u. kl. 
Fr. bew., sonst meist kl. Ab. u. X. 
bew. 

Fr. schw. R. Von 10 Vorm. St. Um 
12 U. schw. R., dann bew. u. ver. 
Bew. 

Bew. u. abw. R. 

Bis Nachm. 4 U. bew., dann th. bew. 

Ab. u. N. kl. 

Fr. nb., sonst meist kl. 

Bis B*/i U. nb., dann bis Nachm. 2 U. 

bew., hierauf th. bew. Von 4 U. ab 

bew. N. Et. 

Bis 8' i V. nb., bis Nachm. bew. u. 
st. W., dann R. 

St. R. u. W. Ab. u. N. abw. R. 
Fr. bew. bis 10 U., dann ver. bis 
Nachm. Von 2 U. ab bew. 
Bis M. bew., dann th. bew. Ab. Ii. 
N. kl. 

Meist kl. u. r,. th. bew. Ab. u. N. kl. 
Meist kl. Vorm. st. W. Nachm. St. 
N. bew. u schw. R. 



K. Wollny, Forschungen. IX. 



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18 



Physik des Bodens: 
Oktober. 



Datum 


i ii ff 

LiUIt- 

tem- 
pera- 

tnr 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Kbcne 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 


16» 


32" . 


-|S0 


16» 


32» 


48» 


1. — •). 




11,75 


11,98 


12,90 


13,6o 


10,2 


12,8 


14,1 


14,6 


6. - 10. 


11,45 


12,51 


13,01 


13,86 


14,50 


— - 


9,5 


10,6 


11,2 


11. — 15. 


9,31 


9,78 


9.69 


9,78 


10,07 


5,1 


5,8 


6,9 
8.8 


7,8 


16. - 20. 


10,19 


10,75 


10.80 


11,25 


11,69 


5,8 


7,3 


9,5 


21. — 25. 


10.35 


10,66 


10,93 


11,32 


11.80 


3,4 


3,9 


4,0 


4,0 


26. - 31. 


4,97 


5,75 


5,82 


5,86 


6,25 


11,3 


12,4 


12,9 


13,5 


Mittel: 


9,28 


10,06 


10,22 


10,67 


H,16 | 


7,22 


8,62 


9.55 


io7io 



Witterung: 



1. Bis Nachm. hew. u. st. W., dann ver. 17 
N. hew. 

2. Bis Vorm. 10 ü. K. u. mst. W. Bis 
Ab. abw. hew., dann kl. 

3. Fr. Rf. Am Tage u. N. kl. 

4. Fr. nb., sonst meist kl. 

5. Fr. nb., dann leicht hew. Von 4 U. 
Nachm. ab kl. 

6. Bis Vorm. 9 U. nb., dann kl. N. 
ver. 

7. Bis Vorm. 10' .'a U. nb., dann abw. 
hew. N. kl. 

8. Bis Vorm. 9 U. nb., sonst kl. Ab. u. 
N. ver. 

9. Fr. R. u. schw. \Y\, dann bis Nachm. 
abw. R., dann bew. N. kl. 

10. Bis Nachm. 5 [J. kl. u. schw. W., dann 
bew. u. st. W. Von 8 U. Ab. bis Mn. 
R., dann ver. 

11. Fr. abw. bew. u. st. W. Vorm. bis [28 
Nachm. 4 IL mst. W., dann schw. W. 
u. vor. 

12. Bis Vorm. 10 U. hew., dann bew. 
N. R. 

13. Bew. N. st. W. u. abw. R. 

14. Bis Vorm. B l fs U. mst. W. u. R., 
dann bew. 

15. Ver. Ab. bew. N. abw. bew. 

16. Abw. bew. 



18. 
19. 



20. 



21. 

22. 
23.' 

24. 
25. 

26. 
27. 



29. 
30. 



31. 



Fr. nb. Von 10 U. Vorm. ab bis 
Nachm. abw. bew., dann kl. Ab. u. 
N. abw. R. 

Bis Vorm. 10 U. R., dann bew. 
Fr. nb. u. schw. W. Von 8 l T . Vorm. 
ab ver. n, mst. W. Nachm. bew. Ab. 
u. N. abw. R. 

Fr. bew. u. mst. W. Von 10 U. Vorm. 

bis 3 F. Nachm. st. W., dann r. bew. 

Ab. u. N. ver. 

Ver. N. abw. bew. 

Bis M. abw. bew., dann bew. 

Bis 8 F. Vorm bew. Von da ab abw. 

bew. u. St. Ab. bew. N. kl. 

Abw. bew. u. schw. W. Ab. r. u. kl. 

Bis 10 U. Vorm. bew. u. mst W. 

dann abw. bew. Ab. bew. N. abw. R. 

Kl. Ab. abw. bew. 

Kl. u. schw. \V. Ab. bew. N. schw. R. 

Bis M. schw. R., dann ver. u. schw. 

W. Ab. thlw. bew. N. kl. 

Fr. Rf. u. bew. bis Ab. N. kl. 

Fr. Rf. n. bew. Von 10 C. Vorm. 

ab ver. u. schw. W. Nachm. St., dann 

bew. u. schw. W. Ab. 10 F. S. u. R., 

dann kl. 

Fr. Rf. bis 10 U. Vorm. abw. bew. 
iL schw. W\, dann bew. u. r. Von 
5 F. Nachm. ab S. N. ver. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 19 

November. 





Luft- 
tem- 
pera- 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




cur 


16° 


32° 


48° 


16° 


32° 


48° 


1. — 5. 

6. — 10. 
11. — 15. 
16. - 20. 
21. - 25. 
26. - 30. 


-1,30 
0,52 
0.52 
0,03 
1.10 
5,35 


0,32 
-0,30 
0,08 
0,00 
0,65 
3,66 


0,33 
-0,23 

0,10 
-0.33 

0,50 

4,00 


0,32 
0,06 

1,11 

-0,10 
0,86 
4,26 


0,41 

0,38 
2,03 
0,29 
1,09 
4,84 


2,8 
0,2 

1,5 
0,0 
2 v 
4,2 


3,4 
0,4 
2,2 
0,3 
2,5 
5,2 


4,8 

3,8 
4,3 

1,1 

2,3 
5,2 


5,8 
5,1 
4,6 
1,5 
2,5 
5,4 


Mittel: 


1,04 | 


0,73 




1,08 


1,51 | 


1,82 | 


2,33 


3,58 


4,15 



1. Ver. u. schw. W. Ab. u. N. kl. 15. 

2. Fr. Frst. u. nb., dann bew. u. mst. W. 16. 

3. Bis Vorm. 8», 2 U. bew., dann bis 

11 ü. Vorm. S., später bew. u. mst. 17. 
W, Ab. st. W. u. 8. 

4. Fr. st. W. u. abw. S., dann ver. Ab. kl. 18. 

5. Bis M. bew. u. mst. W., dann abw. 19. 
bew. u. r. 

6. Vorm. ver., dann abw. bew. 20. 

7. Fr. Frst., am Tage ver. u. st. W. 
Ab. u. N. abw. bew. u. r. -'1 

8. Fr. Frst. bis M. abw. bew., dann kl. 22. 

9. Bis 9 ü. Vorm. abw. bew. u. schw. W., 23. 
dann st. W. Nachm. St. u. S. bis Mn. 

10. Abw. bew. Nachm. kl., ebenso Ab. 24. 

11. Fr. Frst. u. bew. Von M. ab ver. 
N. schw. R. 



Witterung: 

Bis M. ver. Von da ab kl. 



12. Bis Nachm. bew., dann abw. bew. Ab. 
u. N. kl. 

13. Fr. Frst., bis Vorm. 9 U. nb., dann 
kl. bis Nachm., dann ver. 

14. Bis Vorm. 9 U. bew., hierauf It. u. 
S. bis in d. N. 



25. 
26. 
27. 
28. 



29. 
30. 



Fr. Frst. Vorm. bew. Am Tage ver. 
AI), u. N. kl. 

Fr. Frst. Vorm. bew. Am Tage abw. 
bew. Ab. u. N. kl. 

Fr. Frst. u. kl. bis M., dann bew. 

Bis Nachm. nb. u. schw. W., dann 
schw. R. 

Bis Nachm. 2 U. bew., dann ver., N. 
bew. u. mst. W. 

Bew. Ab. u. N. schw. R. u. S. 

Fr. nb., dann bew. 

Fr. bew. Vorm. bis Nachm. ver., dann 
abw. bew. 

Bis Nachm. nb., dann ver. Ab. u. N. kl. 

Bis 8 U. Vorm. kl., dann abw. bew. 

Ver. Ab. u. N. kl. 

Fr. kl., dann abw. bew. 

Bis Nachm. nb. u. schw. W. Von 
2 U. ab kl. 

Bis 3 U. Nachm. bew., dann R. bis 
Ab., hierauf abw. bew. 

Bis M. bew., dann ver. 



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20 



Physik des Bodens: 





Luft- 
tem- 
pera- 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




tnr 

IUI 


16° 


32° 


48° 


16° 


32° 


48» 


1 er 
I. — •>. 

6. - 10. 
11. - 15. 
16. - 20. 
21. — 25. 
26. - 31. 


-6,63 
-9,26 
-5,04 
-5,46 
-0,29 


0,21 
-0,15 
-0,79 
-0,61 
-0,69 
-0,61 


-0,19 
-0,48 
-0,81 
-1,40 
-1,62 
-1,37 


-0,12 
-0,41 

-0,88 
-2,04 
-2,23 
-1,60 


-0,03 
-0,39 
-1,59 
-3,58 
-3,34 
-2,24 


1,1 

0,3 

0,1 
0,2 
0,5 
0,8 


0,9 
0,2 
0,4 
0,5 
0,8 
1,6 


1,2 
0,2 
0,6 
1,0 
0.7 
2,3 


1,5 
0,4 

2,1 
1,2 

1,8 
4,3 


Mittel: 


-4,47 


-0,44 


-0,99 


-1,22 


"~l',8T| 


0,50 0,73 


1,00 


1,92 



Witterung: 
18. 

19. 



1. Bew. 

2. Bew. 
S. Bew. 

4. Fr. nb., sonst bew. 

5. S. u. mst. W. 

6. Bew. 

7. Bis Nachm. 5 U. bew., dann kl. 

8. Bis Nachm. 2 U. kl., von da ab nb. 
u. bew. 

9. S. u. st W. 

10. Bis Fr. 8 U. S. u. St., dann ver. 
Nachm. abw. bew. Ab. u. N. kl. 

11. Bis Nachm. kl. Nachm. nb. u. st. W. 
N. S. u. st. W. 

12. Bis Ab. bew. u. mst. W. Ab. ver. 
N. kl. 

13. Bis M. th. kl. th. nb., dann kl. 

14. Bis Nachm. abw. bew. u. nb., dann ver. 

15. Bis 10 U. Vorm. ver., dann mst. W. 
u. S. Nachm. St. N. abw. bew. u. r. 

16. Bis Nachm. 4 Tl. abw. bew., dann kl. 
u. schw. W. N. abw. bew. u. r. 

17. Bis Nachm. nb. u. abw. S., dann St. 
u. S. 



Bis M. bew. u. st. \V., dann ver. Ab. 
u. N. kl. 



Bis Nachm. kl. Nachm. bew. Von 
5 U. ab st. W. u. S. N. ver. 

20. Bis M. bew., dann S. bis N. 

21. Bis M. S., dann ver. 

22. Bis M. ver., dann mst. W. Ab. u. N. 
r. u. kl. 

23. Bis M. abw. bew., dann S. bis N. 

24. Bis Vorm. 10 U. abw. S., dann bew. 
Ab. u. N. kl. 

25. Bis M. kl., dann bis Ab. thlw. bew. 
N. kl. 

26. Bis M. nb. Von da ab schw. R. N. 
ver. 

27. Nb. u. thlw. R. bis Ab., dann ver. 

28. Bew. bis Ab., dann kl. 

29. Bis 9 U. Vorm. kl., dann thlw. bew. 
N. kl. 

30. Bis M. kl. Nachm. ver. Von S'/i U. 
ab R. N. abw. R. 

31. Bis Nachm. 4 U. meist bew., dann 
R. bis Ab. N. abw. bew. 



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Die Bodentemperatur hei verschiedener Neigung des Terrains. 21 



Januar. 





Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




16<> 


32» 


48» 


16« 


32o 


48° 


1. — 5. 

6. — 10. 
11. — 15. 
16. - 20. 
21. — 25. 
26. - 31. 


O, J t 

-8,24 
-1,84 
-3,50 
-3,67 
-2,01 


0,75 
-0,14 
-0,43 
-0,94 
-2,39 
-1,53 


0,71 
-0,43 
-0,67 
-1,34 
-3,48 
-1,80 


0,62 
-0,41 
-0,70 
-1,60 
-3,54 
-1,58 


1,03 
-0,76 
-1,74 
-1,57 
-3,47 
-1,37 


3,5 
0,6 
0,1 

1,5 
3,6 


3,8 
0,7 
0,3 
2,4 
5.6 
1,0 


3,5 
0,6 
0,2 
2,7 
5,9 
1,2 


4,8 
1,7 
2,0 
2,7 
5,4 
1,1 


Mittel: 


| -2,53 


-0,80 


-1,19 


1,21 


-w 


1,80 


! 2,40 


2,35 


2,95 



Witterung: 



1 . Fr. bew. Von 1 1 U. Vorm. ab st. W. 
N. R. u. St. 

2. Bis Nachm. ver. u. st. W. Von 2 U 
Nachm. ab abw. R. 

3. Bis M. bew. Von da ab st. W. Ab. 
u. N. St. 

4. Bis Nachm. 4 U. St. u. ver., dann S. 
u. schw. W. 

5. Bis 8 U. Vorm. bew., dann S. u. st. 
W. Ab. abw. bew. u. schw. W. N. 
bew. u. r. 

6. Nb. 

7. Bis Nachm. 4 U. kl. Von da ab abw. 
bew. Ab. u. N. bew. 

8. Bis 10 IT. Vorm. nb. u. st. W., dann 
kl. u. mst. W. 

9. Abw. bew. N. S. 

10. Bis 8 U. Vorm. nb., dann kl. 

11. Fr. % Vorm. ver. Nachm. bis Ab. 
kl. N*bew. 

12. Kl. Ab. schw. R. u. S. N. ver. 

13. Abw. bew. 

14. Fr. S., sonst ver. 



15. Bis M. nb., dann abw. R. u. mst. W. 
N. abw. bew. 

16. Bis Nachm. bew. u. mst. W. Von 
1 U. Nachm. ab kl. 

17. Nb. u. bew. 

18. Nb. u. bew. 

19. Nb. u. bew- 

20. Bis 9 U. Vorm. bew., dann S. bis 
Nachm. 3 U., dann bew. N. kl. 

21. Kl. 

22. Bis Nachm. 8 1 /* ü. nb., dann schw. 
R. u. S. Ab. u. N. bew. 

23. Bis 1 1 IL Vorm. nb., dann abw. bew. 
N. kl. 

24. Fr. nb., am Tage abw. bew. Ab. u. 
N. ver. 

25. Abw. bew. Ab. u. N. kl. 

26. Nb. u. bew. 

27. Nb. u. bew. 

28. Nb., am Tage bew. 

29. Fr. u. Vorm. nb., sonst bew. 

30. Nb. u. bew. 

31. Nb. u. bew. 



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22 Physik des Bodens: 



Februar. 





Luft- 
tem- 

pera- 
tur 


Bodenteraperatur 


Te mperatursch wankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




16» 


32« 


48» 


16.J 


Li 2 !, 


48o 


1 — 5 

e! - 10! 

11. - 15. 
16. - 20. 
21. — 25. 
26. — 28. 


0,91 
6^23 
2,19 
1,60 
-1,45 
-3,37 


-0,92 
1,94 
2,08 
1,47 
0,18 

-0,03 


-1,08 
2,77 
2,76 
1,87 
0,18 

-0,38 


-0,96 
2,96 
3,15 
2,21 
0,38 

-0,30 


-0,86 
8,24 
3,74 
2,59 
0,46 

-0,22 


1,8 
5,9 
4,8 
4,8 
0,8 
0,1 


2,0 
7,6 
5,8 
5.5 
2,6 
0,1 


1,7 

7,3 
5,9 
5,9 
2,8 
0,0 


1,1 

7.5 
6,0 
5,8 
4,4 
0,1 


Mittel: 


1,33 


0,85 


1,12 


1,85 


1,52 


3,08 


3,93 


3,93 


4,15 



Witterung: 



1. Bis Vorm. 9 U. bew., dann schw. S. 
bis M., dann bew. 

2. Bew. Ab. thlw. kl. 

8. Fr. nb., dann abw. bew. Nachm. u. 
Ab. R. N. vor. 

4. Abw. bew. u. schw. R. 

5. Bis Nachm. nb., dann bew. N. abw. 19. 



15. 
16. 
17. 

18. 



schw. R 

6. Bis M. bew. u. ver., dann bis 5 U. 
Nachm. kl., später thlw. bew. N. kl. 

7. Kl. u. schw. Wind. N. abw. bew. 

8. Bis 9 U. Vorm. ver., dann bew. u. St. 
Nachm. st. W. u. abw. bew. N. r. 

9. Ver. 

10. Bis 10 U. Vorm. bew. u. nb., dann 
abw. bew. Ab. bew. N. thlw. bew. 

11. Fr. thlw. bew. Vorm. nb. u. bew. 
Von M. ab R. 

12. Ver. Ab. R. N. abw. bew. 

13. Bew. N. thlw. bew. 

14. Bew. 



20. 

21. 

22. 

23. 

24. 
25. 

26. 
27. 
28. 



Fr. nb., sonst bew. 

Abw. bew. Ab. R. N. ver. 

Bis Nachm. 2 U. ver., dann mst. W. 
Ab. bew. N. thlw. bew. 

Fr. R. Bis M. ver. u. mst. W., dann 
St. u. S. N. thlw. kl. 

8t. W. u. abw. S. N. thlw. kl. 

Bis Nachm. nb., dann abw. S. u. mst. 
W. N. St. u. S. 

Ver. u. mst. W. Ab. u. N. kl. 

Bis 8'/a U. Vorm. kl., dann bew. u. 
thlw. S. Ab. u. N. thlw. kl. 

Fr. S. u. schw. W. Am Tage st. W. 
u. S. N. St. 

Abw. bew. Ab. kl. N. bew. 

Fr. bew. u. S. u. st. W. Nachm. St. 
u. S. Ab. ver. N. thlw. S. 

Bew. u. abw. S. u. mst. W. N. ohne S. 

Ver. Ab. u. N. thlw. kl. 

Bis M. abw. bew., dann meist kl. 
Von 5 ü. Nachm. ab bew. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 23 

März. 



Datum 


Luft- 
tem- 

pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 


16« 


32o 


48» 


16« 


32o ! 48 o 


1. - 5. 

6. - 10. 
11. - 15. 
16. - 20. 
21. — 25. 
26. — 31. 


-0,30 
3,01 
0,96 
5,81 
2,05 
5,10 


-0.10 
2,51 
1/T9 
3,97 
3,32 
4,00 


-0,39 
3,71 
2,06 
4,44 
4,01- 
4,12 


-0,11 
5,21 
2.81 
5,39 
4,41 
4,09 


0.01 

5,29 
3,70 
5i 12 
4,53 
3,83 


0,0 
6,4 
5,4 

9,3 

7,1 
10,2 


0,1 
9,3 
7,1 

11,7 
K.H 

12,1 


M 

11,1 

8,2 
12,6 

9,4 
12,2 


0,9 
10,6 

8,8 
10,5 

8,5 
10,4 


Mittel: | 2,85 




3,02 


3,60 


374 




8~18 


9,10 


8,28 



Witterung: 



1. Fr. bew. 11. abw. S. u. mst. W., sonst 
ver. Ab. u. N. abw. S. 

2. Bis 10 U. Vorm. S., dann bew. bis 
Nacbm. 4 IL, von da ab abw. bew. 

3. Fr. S. u. bew. bis M., dann abw. bew. 

4. Fr. bew., am Tage abw. bew. Ab. ver. 
N. kl. 

5. Fr. nb. thlw. kl., am Tage ver. Ab. 
bew. N. thlw. kl. 

6. Fr. u. Vorm. nb. abw. bew. Nachm. 
ver. Ab. bew. u. schw. R. N. ver. 

7. Bis Nachm. 3 U. abw. bew., dann kl. 

8. F'r. nb., sonst kl. 

9. Vorm. nb., sonst kl. 

10. Bi9 M. kl., dann thlw. bew. u. 
schw. W. 

11. Bis llU.Vorm. bew., dann St. Nachm. 
R. Ab. u. N. bew. 

12. Bew. u. mst. W. Ab. St. N. St. u. S. 

13. Ver. u. st. W. Ab. u. N. St. u. S. 

14. Fr. u. Vorm. St. u. S. Nachm. ver. 
Ab. 11. N. kl. 

15. Fr. bew., dann meist kl. N. ver. 

16. Bis M. ver. u. st. \V. Nachm. abw. 



st. W. Ab. abw. bew. u. r. N. ebenso. 

17. Bew. u. mst. W. Vorm. schw. R. 
Ab. u. N. bew. u. r. 

18. Fr. nb., dann abw. bew. Ab. u. 
N. kl. 

19. Kl. u. schw. W. 

20. Bis 9 U. Vorm. nb., dann kl. 

21. Bis 10 U. Vorm. nb., dann bew. 

22. Bis M. nb., dann bew. Ab. u. N. ver. 

23. Bis 10 U. Vorm. nb., dann bew. u. 
mst. W. 

24. Bew. iL mst. W. 

25. Bew. u. schw. W. 

26. Bis 8 U. Vorm. S. u. st. W M dann 
bew. u. r. N. abw. bew. 

27. Fr. nb., sonst bew. 

28. Bis 11 U. Vorm. nb., dann bew. 
Nachm. schw. W. N. ver. u. r. 

29. Bis Nachm. bew., dann abw. bew. 
Ab. ti. N. bew. 

30. Fr. bew. u schw. R. Bis Nachm. bew., 
dann ver. 

31. Bis M. bew., dann abw. bew. Von 
M. ab Föhn-W. 



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• 

24 Physik des Bodens: 



Zusammenstellung der Monatsmittel. 



Datum 




LUtt- 

tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperat u rsch wa nk u ngen 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 


16° 


82° 


48° 


16° 


32° 


48 o 


Mai 1878 


14 7t; 


15,01 


15,40 


15,40 


15,06 


10,12 


11,93 


12,78 


12,10 


Juni 




17,81 


17,99 


18,36 


18,36 


18,09 


10,43 


12,25 


12.68 


12,22 


Juli 




17^91 


1*,01 


18,16 


18,16 


18,13 


10,17 


11,52 


11,98 


11,43 


August 




1 <,91 


17,98 


18,28 


18,23 


18,27 


9,37 


10,55 


11,47 


11.50 


September 


> 


14,81 


14,93 


15,19 


15.19 


15,46 


7,97 


9,55 


10,35 


9,97 


Oktober 


1 


10,0« 


10,22 


10,fi7 


10,67 


11.16 


7 oo 


8,62 


9,55 


10,10 


November 




0,73 


0,73 


1,08 


1,08 


1,51 


1,82 


2,33 


3,58 


4,15 


Dezember 


» 


-0,44 


-0,99 


-1,22 


-1,22 


-1,87 


0,50 


0,73 


1,00 


192 


Januar 1879 


-0,80 


-1,19 


-1,21 


-1,21 


-1,32 


1.80 


2,40 


2,35 


2.95 


Februar 




0,85 


1,12 


1,35 


1,35 


1.52 


3,03 


3,93 


3,93 


4,15 


März 


> 


2,62 


3,02 


3,65 


3,65 


3,74 


6.40 


8,18 


9,10 


8,28 



In den Monaten Januar bis März wurden einige Beobachtungen über 
das Abschmelzen des Schnees angestellt, welche Folgendes ergaben. 
Anfang des Monats waren alle Flächen mit Schnee bedeckt. Bei 48° 
Neigung schmolz der Schnee am 7. und 8. Januar vollständig ab. Diese 
Fläche wurde am 10. früh wieder beschneit. Weiterhin war die vor- 
handene Schneedecko vollständig abgeschmolzen bei einer Neigung der 
Fläche von 

48° am 12. Januar 
32° „ 16. „ 
16° 23. „ 
0° „ 25. „ 

Am 22. und 23. Februar bildete sich wieder auf allen Kästen eine 
Schneedecke, welche bis zum 3. März liegen blieb und dann in folgender 
Reihe verschwand: 

bei einer Neigung der Fläche von 

48 und 32° am 3. März 
16° „ 5. „ 
0° „ 7. „ 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 



25 



Leb mboden. 



Versuch II. (1879/80.) 

Bodentemperatur in der obersten Schicht 
und in 15 cm Tiefe. 
April 1879. 



Datum 



L 

6. 
11. 
1«. 
•21. 

26. 



— d. 
-10. 
— 15. 
-20. 

- 25. 
-30. 



Luft- 
tem- 
pera 
tur 



7,49 
8,65 
3,50 
4,65 
7,87 
6,02 



Bodentemperatur 



Oberfläche In 15 cm Tiefe 



Neigung der Flüche 
Ifi" 32° | 48» 



a 



Neigung der Flüche 



7,01 
9,19 
5,46 
5,88 
9,11 
8,75 



7,47 ! 7,67 7,89 
10,44|ll, 17111,44 

5,59 5,H9 ; 5,77 
6,16 6,56 6,59 
9,84 10,39 10,47 
K.90 8,96 8,77 

I l> 



W \C, • 32" 48° 



7,19 
8,57 
5,94 
5,95 
8,71 
8,76 



8,07! 8,40 
9,38 10,68 10,84 



, 7,55 



5,39 
5,60 
9,19 
8,57 



5,61 
5,83 
10,07 
8,81 



5,71 
6,06 
10,19 
8,68 



in 15 cm Tiefe 



— 
- 



Neigung der Flächt» 
Iß» 32° I 48" 



7,7 

M 

6.1 

8,1 
5,5 
5,5 



9,2 ; 10,4 



9,< 
7,1 
9.0 
5,2 
6,3 



12,0 
7,9 
9,6 
5,6 
7,2 



9,5 
10,8 
7,6 
9,0 
4,9 
6,6 



Mittel : | 6,36 1 7,57 | 8,09 ) 8,44 i 8,50 7,52 ; 7,62 j 8,18 j 8,31 1 6,88 1 7,75 1 8,78 8,07 



Witterung: 



1. Fr. bis Nachm. bew., dann abw. bew. 
Ab. u. N. kl. 

2. Fr. bew. u. ver. Nachm. ver. u. st. 
W., ebenso Ab. u. N. 

3. Fr. bew. u. st. W. Vorm. bis M. R., 
dann bew. u. schw. W. Ab. u. N. 
abw. w. u. r. 

4. Fr. Iiis Ab. bew., ebenso N. 

5. Fr. Rf. u. bew. Nachm. abw. bew. 
N. kl. 

6. Fr. Rf. Am Tage schw. bew. u. ver. W. 

7. Thlw. bew. Ab. u. N. r. u. ver. 

8. Fr. ver. Vorm. bew. u. st. W., sonst 
thlw. 4>ew. u. st. W. Ab. u. N. ver. 

9. Vorm. mst. W. u. bew. Nachm. r. 
u. thlw. bew. N. schw. R. 

10. Vorm. st. R. M. schw. R. Nachm. 
bew. u. mst. W., ebenso Ab. u. N. 

11. Vorm. nb. u. schw. W. M. bis Ab. 
bew. u. schw. W. N. schw. R. 

12. Vorm. nb. u. schw. W. Nachm. schw. 
R. Von 4 U. ab st. W. u. S. N. bew. 

13. Vorm. bew. u. st. W. Von M. ab 
thlw. bew. u. mst. W. Ab. u. N. kl. 

14. Am Tage mst. W. u. kl. Ab. bew. 

15. Bew., thlw. Sonnenschein. 



16. 

17. 
18. 



19. 

20. 
21. 
22. 

23. 

24. 
25. 



26. 



2/ 
28. 



29. 
30. 



Mg. bis 10 F. Vorm. R. u. mst. W. 
von da ab ver. bis Ab. N. st. W. u. R. 
R. u. st. W. Ab. r. u. bew., ebenso N. 
Mg. bis Nachm. R. S. u. st. W., dann 
bew. u. thlw. R. Ab. u. N. bew. u. 
mst. "\\ . 

Mg. bis Nachm. bew. u. st. \V., dann 

ver. Ab. u. N. kl. 

Fr. Rf., sonst kl. u. mst. W. 

Ver. u. bew. Ab. u. N. schw. R. 

Abw. bew. U. schw. \V. Nachm. st. W. 

u. R. Ab. ver. N. kl. 

Schw. W. u. ver. Nachm. u. Ab. bew. 

N. kl. 

Abw. bew. N. meist kl. 
Mg. u. Fr. bew. u. mst. W. u. schw. 
R. bis M. Nachm. bew. u. mst. W. 
Ab. st. R. N. abw. R. u. bew. 
Mg. u. Fr. bew. u. abw. R. M. u. 
Nachm. bew. Ab. R. 
Thlw. bew. 
Fr. bew. bis 10 IT.. dann bis Nachm. 
abw. R., ebenso Ab. N. ver. 
Bew. u. mst. W. 

Fr. R. u. S., dann bis Nachm. schw. 
R. Ab. u. N. abw. bew. 



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26 



Physik des Bodens: 



Mai. 





Luft- 


Bodentemperatur 


Tempera tarsch*»olungei 


Datum 


tem- 




Oberfläche In 

!| 


15 cm Tiefe 


in 15 cm Tiefe 




pera- 


• 

c 

e 


Neigung der Fläche g 


Neigung d»>r Flicht- 


g 1 Neigung der Fliehe 

■ 




tur 


ja 


16» j SS« 4*o | fi 


16« | 32° i 48° 


u 1 iß© | I 490 



1.- 5. 

6.-10. 
11. — 15. 
16. — 20. 
21.-25. 
26.-31. 



3,98 
6,49 
7,06 
9,0 
13,02 



6,74 
8.67 



6,96 7,29 6,87! 6,28 6,01 6,21 



6,08 



8,87 1 9,00 8,*3 8,64 8,58i 8,881 8,75 



9.36 9,48; 9,96 9,75 7,97 7,71 \ 8,31 8,10 



11,88 12,09 



12,41 11,83 10,27 10,31 



16.15 17,24 17,64 16,94 14,69 15,55 16,40 15,84 



13,50 16,02 16,67 16,57 16,02 17,88! 18,25 



10,79:10,4: 



18,60, 18.41 



4,7 



6,0 
8.6 



5,1 
7,1 



5,0 
6,1 
9,9 

f ,4 
5,9 

8,4 10,2 10,4 



4,6 

6,9 



9.1 ! 10,2 
7,0 ! 8,1 



11,5 | 10,3 
9,2 
7,2 
9,8 



Mittel: 1 9,00 1 1 1,61 12,04j 12,2^ 11,85 11,18 ll,80|ll,76 11,50|6,88 | 7,88 1 8,73 1 8,00 



Wit terung 



1. Th. bew. Ab. u. N. kl. 17. 

2. Fr. Rf. Vorm. bis Ab. thlw, bew. u. 18. 
mst. W. Ab. u. N. kl. u. r. 

3. Bew. u. ver. schw. W. Ab. bew. 19. 
11 r - 1 20. 

4. Mg. bew. Vorm. R. bis zur N. 21. 
5 Fr. H. Vorm. bew. u. schw. \V. bis 

Ab., dann r. u. ver. 

6. Vorm. bew. Nachm. thlw. bew. Ab. u. 22. 
N. kl. 

7. Fr. bew. u. nb. Vorm. bis Nachm. 23. 
bew., dann R. u. st. W. 

8. Fr. abw. R., sonst bew. u. schw. W. 24. 

9. Vorm. abw. bew., dann thlw. bew. Ab. 
G.-R. bis Bfn. 25. 

10. Fr. st. W. u. thlw. R. Von 8 U. Vorm. 

ab S. 26. 

11. Vorm. abw. bew. Von 10 ü. Vorm. 27. 
ab bew. Ab. u. N. thlw. bew. 

12. Vorm. bew. Nachm. thlw. bew. u. schw. 
W. Ab. u. N. thlw. bew. 28. 

13. Thlw. bew. u. schw. W. 29. 

14. Kl., am Tage einige Wolken. Ab. kl. 

N. thlw. bew. 30. 

15. Thlw. bew. u. schw. W. Nachm. schw. 

R. Ab. u. N. abw. R. 31. 

16. Vorm. It., dann bew. N. schw. R. 



Fr. schw. R., sonst mst. \V. u. R. 

Vorm. schw. \V. u. R. M. st. R. u. 
schw. W. Ab. thlw. bew., ebenso N. 

Meist kl. Ab. schw. G.-R., dann bew. 

Kl. 

Fr. bow. u. mst. W. Vorm. bew., 
dann kl. u. G. Ab. schw. G.-R., dann 
bew. 

Fr. bew., dann kl. Nachm v. 3'/« U. 
ab G.-R.. dann bew. Ab. u. N. kl. 

Fr. bew. M. u. Nachm. kl. Ab. G. 
u. bew. N. thlw. bew. 

Fr. nb. u. st. W. Nachm. bew. u. 
st. W. Ab. u. N. ver. 
Fr. nb. Vorm. bew. Nachm. thlw. bew. 
u. mst. W. Ab. u. N. r. u. bew. 
Fr. nb. u. schw. W., sonst bew. 
Fr. bis Nachm. thlw. bew. Nachm. 3 U. 
G.-R. mit H. u. mst. W., dann bew. 
Ab. G.-R. N. ver. 

Thlw. bew. u. st. W. 

Fr. bew. u. St. Vorm. R. u. st. W. 
dann bew. Nachm. r.u. thlw. bew. N.kl. 

Fr. kl., sonst bew. u. schw. W. Ab. 
kl. N. bew. 

Fr. schw. R. u. schw. W. bis 10 U., 
sonst bew. Ab. u. N. ver. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 



27 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



14,89 
15,90 
14,3^ 
15,23 
IM* 



Bodentemperatur 



Oberfläche 



s 
c 

o 

— 



Neigung der Fläch-' 
16» i 3i» I 48" 



In 15 cm Tiefe 



Neigung der Flüche 



32° 



48« 



17,04 ■17,36 17,07 
20,25 20,52 20,31 



16,54; 16,21 16,39 
19,69'1H,55; 18,78 



19,01 19,03|18,80 18,18 17,04 17,10 
19,47 10,62119,59 18,50 16,90 16,98 



20,25 20,65 20,64 



19,90 19,30 19,70 



19,58 22,59 22,65 22,93 21,82 20.40 20,39 20,90 20,58 



16,29 16,13 
18,86 18,69 
17,12 17,04 
17,1H 16,87 
20,04 19,85 



IfnperiUnckwaiikiBga 

in 15 cm Tiefe 



c 

E 

A 



Neigung der FUcho 



82» 48» 



5,2 6,8 6,9 
6,9 7,3 8,1 
11,2 11,9 11,9 
10,4 ; 11,6 I 12,2 
6,7 7,2 7.7 



15.0 16,1 



6,3 
6,8 
10,3 
10,7 
6,4 



16,8 16,0 



16,09|l9,77 19,97 19,89(19,12 18,07:i8,22|l8,40 ( 18,19| 9,23 10,15|l0,60| 9,42 



Witterung: 



1. Bew. bis Nachm., um 4 U. st. G.-R. 
bis 7 IL, dann bew. u. schw. W. 

2. Mst. W. u. thlw. bew. 

3. Thlw. bew. u. schw. W. Von Nachm. 
4 U. ab st. W. Ab. R. N. kl. 

4. Fr. thlw. bew. u. mst. W., dann bew. 
u. st. W . 

5. Fr. schw. R., sonst thlw. bew. u. schw.W. 

6. Fr. bew., dann G. u. st. W-, sonst st. 
W. u. thlw. R. 

7. KI. u. mst. W. 

Meist kl., einige G. mit schw. R. 
9. Bis M. bew. u. schw. W., dann thlw. 
bew. Von 5 U. Nachm. ab bew. u. 
mst. W., dann bew. N. thlw. bew. 

10. Kl. Nachm. G. um 4'/i U. schw. G.-R. 
Ab. thlw. bew. N. kl. 

11. Kl. u. schw. W. 

12. Vorm. kl. M. G.-R. mit II. u. st. W. 
Nachm. thlw. R. u. mst. W. Ab. bew. 

13. St. W. u. bew. Vorm. G.-R., ebenso 
Ab., dann thlw. bew. u. st. W. 

14. Thlw. bew. u. st. W., einige G. 

15. Kl. u. mst. W. 



16. 
17. 

18. 
19. 

20. 
21. 
22. 



23. 



24. 



25. 



26. 

27. 
28. 
29. 

30. 



Meist kl. Ab. st. G.-R. u. St., ebenso N. 

Fr. bew. Vorm. schw. R., dann ver. 
u. st. W. Ab. G. 

Bew. u. mst. W. 

Fr. bis M. bew. u. st. W., dann kl. 
u. schw. \V. Ab. u. N. kl. u. r. 

Kl. u. schw. W. 

Thlw. bew. Von Nachm. ab kl. 
Kl. u. schw. W. Von 6—8 U. Ab. 
schw. G.-R., dann bew. 
Thlw. bew. u. mst. W. Ab. 8 U. bew. 
N. R. u. st. W. 

Thlw. bew. u. mst. W. Von Nachm. 
4'/» ü. ab G. N. st. R. u. st. VV. 
Vorm. bew. M. st. R. bis. Nachm. 4 U., 
dann schw. R. Ab. bew 

Fr. bew. u. St., dann thlw. bew. Ab. 
u. N. thlw. bew. 
Thlw. bew. 
Meist kl. 

Thlw. bew. u. schw. W. Ab. 7 U. G. 
Um 9 U. St., dann st. G.-R. 

Bew. u. mst. W. 



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28 



Physik des Bodens: 
Juli. 



Datum 



1. 5. 

6. — 10. 
11.-15. 
16. - 20. 
21.-25. 
26.-31. 



Mittel: 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



14,30 
13,02 
12,.* 
15,60 
14,8 



Bodentemperatur 



Oberfläche 



■ 

U 



Neigung der Fliehe 



1«<> 



32« 48» 



In 15 cm Tiefe 



Neigung der Filet« 



16» ' S2<> 



48° 



Traperatortehvankaiigeo 

in 15 cm Tiefe 



g I Neigung der Fliehe 
w 1B° | 3«" I 48° 



16,95 16,99 16,77 16,30 lf.,07 16,17 16,28 16,36 



14,84 14,74 14,68 14,10 13,97 13,75113,88 



15,60 
19,84 
16,97 



17,20 21,75 



13,65 
13,90 
17,51 



15,61 15.57 14,79 14,00; 14.08 14,39 
20,04 20.10 19,20 17,70 17,67 17,95 
17,04 16,94 16,67 16,95 16,52 16,55 16,46 
22,23 22,39 21,83 19,56 20,01 20,37 20,22 9, 



10,7 
7,3 
7,4 

11,1 

7.2 



11,8 112,5 11,4 
8,7 9,2 8,3 
9,0 10,0 1 9,1 

13,0 I 13,0 13,1 
8,4 8,8 8,1 

10,8,12,2 11.2 



14,67|l7,79 17,92 |l7,89j 17,80 16,49 16,48 16.69 16,48| 8.88 10,28 11, Oöj 10,20 



Witterung: 



1. Meist kl. u. st. W. Ab. 10 TT. G.-R. 
U. st. W. 

2. Bew. u. St. Von 10 U. Vorm. ab st. 
R. u. St. N. thlw. bew. 

3. Vorm. etw. bew. Nachm. st. bew. u. 
mst. W. . 

4. Bew. fr. mst. Nachm. schw. W. 

5. Bew. u. mst. W. Nachm. st. R. Ab. 
ver. u. mst. W. 

6. Fr. mst. W. u. R. Vorm. st. W. Nachm. 
schw. W. u. R. Ab. u. N. thlw. bew. 

7. Bew. u. mst. W. u. schw. R. 

8. Thlw. bew. Ab. G. Von 7 U. ab st. Ii. 
u. W. N. G.-R. 

9. Fr. R., sonst bew. u. mst. W. 

10. Bew. u. St. schw. G.-R. 

11. Bew. u. st. W. mst. G.-R. 

12. Vorm. mst. W. u. bew. Nachm. thlw. 
bew. u. schw. W. Ab. kl. N. bew. 

13. St. W. u. bew. bis M., dann bew. u. 
schw. W. Nachm. G. Ab. u. N. G.-R. 
u. st. W. 

14. Vorm. u. Nachm. bew. u. schw. W- 
u. R. Ab. kl. N. thlw. bew. 

15. Fr. bew. Vorm. u. M. R., dann bew. 
u. mst. W. Ab. u. N. thlw. bew. u. r. 



16. 

17 
18 
19 

20 

21 

22 

23 
24 

25 
26 
27 



28 
29 
30 



31 



Bew. u. st. \V., thlw. R. Ab. u. N. kl. 
u. r. 

Thlw. bew. u. schw. W. Ab. st. W. 

Bew. u. mst. W. 

Thlw. bew. u. schw. W. 

Bew. u. mst. W., während des Tags G. 
N. G.-R. u. st. W. 

Fr. bew. n. st. W. , thlw. bew. bis 
Nachm. 4 TJ., dann bew. ti. st. W. 
N. thlw. bew. 

Vorm. bew. u. st. W. Nachm. St. u. 
um 5Va U. schw. R. Ab. u. N. ver. 
Bew. u. st. Vv ., thlw. R. 

Vorm. u. M. bew. u. st. W., dann 
thlw. bew. u. st. W. Ab. kl. 

Fr. abw. bew. u. mst. VV. Ab. kl. 

Kl. U. schw. W. Ab. G. 

Fr. G.-R. Am Tage thlw. R. Ab. u. 
N. abw. bew. 

Abw. bew. u. schw. W. N. kl. 

Kl. u. schw. W. 

. Fr. kl. u. r. Nachm. abw. bew. u. 
sch. W. Ab. kl. u. r. 

Thlw. bew. u. r. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 29 



August. 



Datum 


Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 


TenperatirtdivraoknigeB 

in 15 cm Tiefe 


Oberfläche 


In 15 cm Tiefe 


« 
■ 

B 
M 
w 


Neigung der Fläche 


o 

1 

9 

E 


Neigung der Fliehe 


a 

1 


Neigung der Fliehe 


16° | 82° | 48* \ 


16" 


32« 


48° 


18° 


32" [ 48« 


!.— 5. 

6. - 10. 
11.- 15. 
16. — 20. 
21.-25. 
26. -31. 


22,28 
16,29 
15,65 
15,22 
18,60 
19,35 


26,91 
17,64 
21,21 
17,29 
20,97 
21,48 


27,60 
17,94 
21,94 
17,25 
21,97 
22,41 


27,63 
17,61 
22,43 
17,11 

22,83 
22,98 


27,25 24,44|25,38 25,79 25,74 
17,51 18,85| 18,62 18,69 18,68 
21,76 18,64 19,38 19,70 19,67 
16.86 17,29 17,26,17,30 17.31 
22.03 19,85 20,71 21,26 21.30 
23,57 20,07 20,77 21,35 21,53 


8,9 
6,8 
10,4 
7,6 
7,0 
9,8 


s.s 
7,8 

11,9 
8.6 
9,2 

10,6 


8,9 

8,4 
12.5 

9,2 
10,2 
11,4 


7.8 
8,2 

11,5 
8,6 
9,8 

11,8 



Mittel: |l7,95|30,9S|2I,5621,72:21,56'l9,87 20,37 tK),70 20,78| 8,42 9,48 |l0,10| 9,62 



Witterung: 

1. Abw. bew. u. mst. W. 117. Fr. bew. u. schw. R., sonst bew. u. 

2. Kl. u. schw. W. «chw. W. 

3. Kl. u. schw. (M. mst.) W. Ab. bew. iiew - »• mst - w - 

4. Fr. kl. u. r. Vorm, st..W. Nachm. bis 19 - Abw - st - u - schw - H » mcist mst - w - 
N. bew. u. mst. W. 20. Vorm. bew. Mittag thlw. bew. N. kl. 

5. Fr. bew. u. etwas R., dann abw. bew. 21. KI. u. schw. W. 

Nachm. u. N. kl. 22. Thlw. bew. u. mst. W. Nachm. bew. 

6. Bew. u. schw. W. Nachm. st. G.-R. u. u. G. Ab. st. G.-R. u. St., dann mst. R. 
st. W. Ab. schw. R.u. r. Ab. thlw. bew. 23. Abw. bew., gegen Ab. r. Ab. kl. 

7. Fr. schw. W. u. schw. R., dann thlw. 24. Fr. thlw. bew. u. schw. W. Nachm. 
bew. 11. schw. \V. Ab. u. N. r. u ^ b ew ^ k]. 

8. Fr. bew., sonst abw. bew. N. bew. u.!25. Thlw. bew. u. schw. W. 
schw. R. 

9. Fr. schw. R. Am Tage thlw. st. R. 
u. st. W. N. bew. 

10. Bew. u. schw. W. 

11. Kl. u. schw. W. 

12. Kl. u. schw. W. 

13. Kl. u. schw. W. Ab. r. 

14. Kl. Nachm. mst. W. 

15. Kl. u. mst. W. 

16. Fr. kl. u. r., dann thlw. bew. Nachm. 
2 ü. G., um 3 U. G.-R. u. mst. W. 
Ab. schw. R., dann bew. 



26. Vorm. thlw. bew. >achm. bew. u. G. 
Ab. St. u. schw. R., dann bew. 

27. Mst. W. u. thlw. bew. Nachm. u. Ab. 
bew. u. schw. W. Ab. r. thlw. bew. 

28. Fr. u. Vorm. bew. u. schw. \V. Nachm. 
kl. u. st. \V. Ab. kl. u. schw. W. 

29. Kl. u. schw. W. Ab. r. 

30. Fr. kl. M. u. Nachm. thlw. bew. 11. 
schw. W. 

31. Fr. nb. u. r., dann bew. 11. schw. W. 
Ab. 8»/* U. G.-R. bis Mn. 



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30 Physik des Bodens: 



September. 



Datum 


Luft- 
tem- 

iw»rn - 

| IL 1 i\ 

tur 






Bodentemperatur 




To mpf rttnrccfavukimgea 

in 15 cm Tiefe 


Oberfläche 


In 15 cm Tiefe 


Ebene 

i 


Neigung der FlÄcbe 


£ 1 Neigung der Fläche. 


5 
£ 


Neigung der Fliehe 


16* 


S9« | 48° 


w Ifi" | 32° 


48° 


16° 


32° 


48" 


1.- 


5, 


15,20 


18,66 19,4920,12|20.52 17.ss 18,45|l9,15 


19,35 


9,2 


10,4 


11,6 


11,0 


6.- 


10. 


15,18 


17,79118,42 


18,83 19,40 17.H9 18,47'18,96 


19,32 


10.4 


12,6 


14,1 


13,9 


11.- 


15. 


13,60 


16.04 17,29 


18.36 19,28 


14.76 15,62 16,44 


17.24 


10.2 


12,3 


13,9 


13.6 


16.- 


20. 


16,0tf 


17,99 18,87 


19.89 19,87 


17.65 18,42 19,25 


19,73 


6,0 


7,4 


M 


8,6 


21.- 


25. 


12,52 


13,84 


14,16 


14.18 14.37 


14.5« 14.58 14,82 


15,15 


4.8 


4.9 


5,4 


5,5 


26.- 


30. 


7,89 


9,19 


9,21 


9,38| 9,30|| 9,82 9,55 9,48 


9,39 


5,2 


6,0 


6,4 


5,9 



Mittel: |l3,4l|l5,58 16,24 16,71 17,12 15,44 15,85 16,34 16,69] 7,63 8,93 | 9,97 9,75 



Witterung: 



1. Bew. u. abw. st. u. schw. R. u. mst. \V. 17. 

2. Fr. bew. u. st. W., dann thlw. bew. 

u. schw. W. Ab. kl. u. r. 1\ 

3. Kl. u. schw. W. 19. 

4. Kl. u. schw. W. Ab. r. 20. 

5. Thlw. bew. fr. u. Ab. schw. W. M. 
inst. \V. Ab. u. N. kl. 21. 

6. Fr. nb. kl. u. schw. W. M. st. W. 22. 
Ab. r. u. bew., um 9'/2 U. R. 

7. Bew. u. schw. W. Ab thlw. bew. 1 23. 

8. Meist, kl. u. schw. W, 24. 

9. Bew. Vorm. st. W. n. st. R. bis 6 T r . 25. 
Ab., dann schw. R. N. bew. u. st. W. 

10. Bew. u. st. W. 26. 

11. Bis Nachm. bew. u. achw.W., dann kl. 27. 

12. Kl. u. schw. W. 

13. Vorm. bew. u. schM. W. Naclini. r. - s - 
u. kl. 29. 

14. Kl. u. r. 30. 

15. Kl. fr. r. Nachm. mst. W. 

16. KL u. schw. W. 



Fr. nb., dann bis Nachm. kl. u. r. 
Um 5 U. schw. R., dann bew. u. mst. W. 

Fr. kl. u. r. Abw. bew. u. schw. W. 

Thlw. bew. u. schw. W. Fr. u. Ah. r. 

Fr. bew. Vorm. schw. R., dann bew. 
N. schw. R., sonst r. 

Vonn. R. Nachm. abw. R., dann bew. 

Fr. nb. bew. Nachm. 4 U. R. u. St., 
dann bew. Ab. R. u. 8t. W. bis N. 

Thlw. bew. Nachm. kl. meist r. 

R. u. thlw. bew. 

Fr. nb., sonst bew. u. schw. W. Ab. 
u. N. R. 

Bew. u. abw. R. u. schw. W. 

R. u. mst. W. bis Nachm., dann bew. 
N. kl. 

Vorm. nb. ti. r. bis Ab. bew. 
Bew. u. schw. \V. 

Bis Nachm. bew. M. st. W. Ab. r. 
u. thlw. bew. N. kl. 



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Die Bodentemperatur hei verschiedener Neigung des Terrains. 31 

Oktober. 





Luft- 


Bodentempe ratur 


TfnptrtUirKhwiDkoBgfO 


Datum 


tem- 


Oberfläche 


In 15 cm Tiefe 


in 15 cm Tiefe 




pera- 


■ 
s 


Neigung der Fliehe 


■ 

1 


Neigung der Fl&chc 


« 

1 


Neigung der Fliehe 




tur 


dfi 
W 


16° I 32» 


48° 




1 R 


32° 


48° 


u 


1.-," 


,t-_>" 


48« 


1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


10,50 
6,98 
<,.)» 
4,76 
4,18 
3,86 


11,32 

8.37 
8,48 
4,58 
4,26 
4.37 


i 

11,93 12,83 
9,06 10,00 
9.03: 9,40 
4,55 4,52 
4,58 5,03 
4,41 4,51 


13,49 
10,35 
9,72 
4,73 

5,86 
4,73 


12,18 
9,27 
9,22 
5,46 
5,02 
6,27 


12,80 
9,58 
9,54 
5,06 
5,82 
6,09 


13,69 
10,47 

9,86 
4,86 
5,99 
6,25 


14,29 
10,82 
10,29 
5,11 
6,61 
6.69 


6,3 
4,5 
5,2 
7,5 
4,6 
3,0 


7,8 
5,2 
7,4 
9,3 
6,1 
4,1 


9,8 
5,8 
8,8 
9,7 
7,1 


10,0 

5,7 
9,0 
9,6 
7,3 
5,8 



Mittel . 1 6.23 1 6.82 7,17 7,61 1 8,04 7,99 1 8,08 1 8,44 [ 8,89 1 5,18 j 6,65 | 7,78 1 7,90 



Witterung: 



1. Kl., am Tage thlw. bew. 

2. Bis Nachm. 4 ü. schw. bew., dann 
ver. 

3. Fr. R., am Tage ver. 

4. Abw. bew. Ab. u. N. kl. 

5. Bis M. nb., dann abw. bew. Ab. u. 
N. kl. 

6. Bis M. nb., dann thlw. bew. N. kl. 

7. Bis Vorm. 10 U. nb., dann schw. 
bew. Ab. u. N. kl. 

8. Fr. Rf., dann kl. Von 10 U. Vorm. 
ab bew. Ab. u. N. ebenso. 

9. Bis 9 U. Vorm. ver., dann kl. 

10. Fr. Rf. u. nb., am Tage schw. bew. 
11. schw. W. Ab. schw. R. N. bew. 

11. Ver. N. bew. 

12. Bew. u. mst. W. 

13. Fr. nb., dann abw. bew. Von Nachm. 
2 U. ab kl. 

14. Bis M. nb. u. mst. W., dann thlw. 
bew. u. r. Von 4h 1 U. Nachm. ab kl. 

15. Bis 8 U. Vorm. nb. 11. st. W., dann 
K. bis Nachm. 3 U., dann schw. R. 
u. schw. W. N. bew. u. mst. W. 

16. Bis 8'/j 1*. Vorm. bew. u. mst. W., 
dann bew. u. thlw. S. N. bew 
u. r. 



17. Bis Nachm. 2 U. ver., dann thlw. bew. 
Ab. kl. N. bew. u. St. 

18. Fr. 8t. u. R., am Tage abw. R. u. 
St. Ab. u. N. bew. u. St. 

19. Abw. R. u. St. 

20. Bis Nachm. 4 U. St. u. bew., dann 
R. u. st. W. 

21. Bew. u. st. W. Um 12»/i M. schw. 
R., dann bew. u. mst. W. N. abw. R. 

22. Fr. kl. u. schw. W. Von 9 U. Vorm. 
ab bew. u. st. W. u. thlw. R. Ab. u. 
N. abw. bew. 

23. Fr. kl. u. Rf. Von 10 ü. Vorm. ab 
thlw. bew. Von 1—2 U. M. st. W., 
dann kl. u. r. Ab. u. N. bew. 

24. Bis M. schw. bew., dann kl. Von 1 
bis 4 Nachm. mst. \V., danu r. 

25. Fr. Rf. u. nb. Bis M. nb., dann kl. 

26. Fr. Rf., dann kl. u. schw. W. bis 
Nachm. 5 U., dann nb. N. bew. 

27. Nb. 

28. Nb. u. schw. W. 

29. Bis Nachm. 4 U. nb. u. schw. W., 
dann thlw. bew. N. bew. 

30. Nb. u. schw. W. Ab. u. N. bew. 

31. Bis Vorm. 10 U. nb. u. schw. W., 
dann bew. u. schw. W. N. r. 



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32 



Physik des Bodens: 
November. 





Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




16° 


|_ 320 _ 


48° 




16° 


32° 


48° 


l. - 5. 

5. - 10. 
11. — 15. 
16. — 20. 
21. - 25. 
26. - 30. 


2,48 
1,99 
-0,30 
-2,21 
-1.38 
-8,69 


3,52 
2,87 
2,04 
0,41 
0,14 
-0,34 


3.09 
2.97 
1,51 
-0.01 
-0,16 
-1,33 


2,99 
8,22 

1,38 
-0,39 
-0,65 
-2,83 


3,36 
3,87 
1,73 
-0,26 
-0,50 

- 2 * 


6,0 
3,0 
3,5 
0.1 
0,1 
1,5 


7,2 
2,9 
3,4 
0,1 
0,2 
3,6 


7,6 
3,5 
4,0 
0,1 
0.3 

■ PI 

5,7 


7,6 
4,0 
4,7 

0,1 

0,2 
6,4 


Mittel: 


-1,35 


1,44 1,01 


0,62 


0,89 | 2,87 


2,90 


3,5S 


3,83 



Witterung: 



1. Bis 11 U. Vorm. bew., dann abw. 
bew. Ab. bew. X. ebenso. 

2. Bis Nachm. bew. u. thlw. R., dann 
It. u. S. Ab. iL N. ausserd. mst. W. 

3. Bis Nachm. S. u. bew., dann bew. u. 
st. W. Ab. u. N. abw. bew. u. st. W. 

4. Bew. u. st. W. Ab. u. N. bew. tt. r. 

5. Bis M. bew., dann ver. u. mst. W. 

6. Bis Nachm. 5 U. ver. u. st. W., dann 
K. ii. st. W. 

7. Bis 8 U. Vorm. R., dann bew. u. 
mst. W. Ab. u. N. kl. u. r. 

8. Fr. Frst. u. kl. Nachm. nb. N. kl. 

9. Fr. Frst., sonst kl. 

10. Fr. Frst., am Tage kl. N. bew. 

11. Fr. schw. R., sonst ver. u. st. W. 
N. St. 

12. Fr. ver. u. St., am Tage thlw. R. u. 
S. Ab. kl. u. St. N. thlw. bew. u. St. 

13. S. u. St. Ab. u. N. ver. u. st. W. 

14. Fr. ver. u. st. W., sonst, thlw. S. u. 
st. W. 

15. Bis M. nb. Nachm. abw. bew., dann 
thlw. S. d. st. W. 



16. S. u. St. 

17. Bis M. ver. u. st. W., dann schw. W. 

18. Thlw. R. u. S. u. st. W. 

19. Bis M. thlw. S. u. st. W., dann bew. 
Ab. u. N. S. 

20. Ver. Vorm. mst. W. Nachm. st. W. 
Ab. u. N. kl. u. r. 

21. Bis 10 U. Vorm. nb., dann bis Nachm. 
4 U. kl. Von da ab nb. N. kl. 

22. Thlw. kl. Ii. nb. N. kl. 

23. Bis 10 U. Vorm. nb., dann thlw. kl. 
u. nb. Ab. u. N. kl. 

21. Bis 9 V. Vorm. ver. Von da ab bis 
2 U. Nachm. R. u. mst. W., dann 
bew. u. st. W. N. bew. u. r. 

25. Fr. nb., dann abw. S. u. mst. W. 
N. bew. u. r. 

26. Bis 11 U. Vorm. bew., dann S. Ab. 
u. N. bew. 

27. Bew., thlw. S. N. kl. 

28. Bis M. nb., dann kl. N. thlw. nb. 

29. Bis M. nb., dann bew. N. kl. 

30. Bis Nachm. 2 U. nb., dann thlw. S. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 

Dezember. 



38 





Luft- 
tem- 

pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




16° 


32° 


480 


160 


32» 


48o 


1. - 5. 

6. — 10. 
11. - 15. 
16. — 20. 
21. 25. 
26. - 31. 


- 9,86 
-12,47 
-11,15 
-15,19 
-12,78 

- 5,95 


-1,95 
-3,98 
-3,98 
-6,61 
-6,66 
-4,68 


-4,94 
-6,40 
-6,28 
-9,95 
-9,08 
-5,83 


- 6,53 
r 7,63 

- 7,17 
-10,21 

- 9,28 

- 6,16 


- 6,92 

- 7,95 

- 7,40 
-12,02 
-10,42 

- 6,55 


1 — — ^ 
1,3 

1,2 
2,4 
2,5 
2,1 
6,0 


2,3 
2,0 
3,6 
4,0 
2,2 
8,6 


2,0 
1,8 
3,8 
3,1 
•1,6 
8,8 


2,0 
2,5 
5,2 
5,4 
3,0 
10,5 


Mittel: 


-10,99 


|-4,64 


-7,0* 


-7,78 






3,78 


3,52 


4,77 



Witterung: 



1. Bis Nachm. nb., dann S. 

2. Nb. N. kl. 

3. Kl. Ab. nb. N. thlw. kl. 

4. Bis Vorm. 10 ü. S., dann bew. Ab. 
u. N. kl. 

5. Bis 10 ü. Vorm. ver. u. thlw. S., 
dann St u. S. bis Nachm. 4 U., dann 
St. N. kl. 

6. Bis Vorm. 9 ü. ver. Von da ab S. 
N. thlw. bew. 

7. Nb. Ab. u. N. kl. 

8. Theils kl. theils nb. Ab. u. N. kl. 

9. Nb. 

10. Nb., am Tage thlw. kl. N. kl. 

11. Bis M. thlw. kl. u. nb., dann bis Nachm. 
4 U. bew. u. mst. W. N. St. u. S. 

12. S. u. St 

13. Ver. n. r. Ab. u. N. kl. 

14. Bis 10 U. Vorm. nb., dann bis Nachm. 
4 U. kl., dann nb. N. kl. 

15. Bis Bf. nb., dann bis 4 U. Nachm. kl. 
Von da ab nb. N. kl. 



16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 



Bis 9 U. Vorm. nb., sonst kl. 
Fr. nb., sonst kl. 
Bis M. nb., dann kl. 
Fr. st. nb., am Tage schw. bew. 
Nb. Ab. u. N. kl. 
Kl. 

Fr. kl., am Tage thlw. nb. Ab. u. 
N. kl. 

23. Fr. nb., sonst kl. 

24. Fr. kl. Vorm. thlw. nb., sonst kl. 

25. Bis 8 U. Vorm. kl., dann nb. Von 
M. ab kl. 

Nb. 

Nb. Ab. u. N. kl. 

Bis Nachm. abw. kl. u. nb. Ab. u. 
N. ver. 

Fr. .bew. u. schw. W. Am Tage ver. 
Ab. u. N. st. Wi Mn. R. 

Abw. bew. n. st. W. N. St. u. S. 

Fr. St. u. thlw. S. Von Nachm. ab 
bew. u. St. N. abw. R. u. St. 



26. 
27. 

28. 

29. 

30. 
31. 



£. Wo! luv, Forschungen IX. 



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34 Physik des Bodens: 



Januar ISMO. 





Luft- 


Bodentemperatur 


Tcmperatursiliwaukungen 


Patum 


tem- 
pera - 
tur 


Ebene 


Neigung der Flache 


Kbene 


Neigung der Fläche 




16« 


32* 


48» 


160 


82« 


48» 


1 K 

1. — O. 

6. — 10. 
11. - 15. 

16. - 20. 
21. - 25. 
26. -- 31. 


9 11 

- 3,42 

- 6,02 

- 9,61 

- 7,46 
-10,11 


-4,30 
-1,63 
-4,65 
-8,89 
-4,64 
-5,88 


-2,70 
-0,91 
-4,94 
-4,82 
-6,05 
-7,06 


2,40 
-0,42 
-4,57 
-5,46 
-6,86 
-7,31 


-1,00 
-0,21 
-8,25 
5,75 
-6,70 
-7,03 


0,6 

2,1 
5,2 
8,4 
1,9 
2,6 


0,5 
2,0 
5,3 
4,7 
2,8 

•V» 


1,0 
0,7 
6,1 
4.s 

2,6 
2,8 


o,> 

0,3 
5,5 
•>,.> 
2,9 
3,1 


Mittel: 


| "5,89 


-4,22 i -4,50 | -1,59 4.09 


2,63 


3,10 


3,00 


3,02 



Witterung: 



1. St. u. abw. R. 

2. Ver. u. mst. W. N. hew. u. mst. W. 

3. Bis M. bew. u. mst. W., dann abw. 
bew. u. r. Ab. u. N. kl. 

4. Bis M. thlw. nb. Von da ab kl. 

5. Nb. 

6. Bis 10 Ü. Vorm. nb., dann kl. 

7. Fr. nb., sonst ver. 

8. Nb. 

9. Bis M. nb., dann bew. 

10. Nb. 

11. Nb. u. mst. W. Ab. r. N. kl. 

12. Kl. u. schw. W. 

13. Nb. Ab. u. N. kl. 

14. Bis M. kl., dann thlw. bew. u. nb. 
N. St. u. S. 

15. Thlw. S. u. st. W. 

16. Fr. bew. u. abw. S., am Tage meist 
bew. N. thlw. bew. u. S. 

17. Bew., thlw. S. 



18. Bis M. nb., dann abw. S. N. kl. 

19. Bis M. nb., dann thlw. kl. u. nb. 
Ab. u. N. kl. 

20. Bis M. nb., dann kl. bis Nachm. 3 U., 
dann bew. N. St. u. S. 

21. St. u. abw. S. Ab. bew. N. abw. 
bew. u. r. 

22. Nb. N. kl. 

23. Nb. Ab. u. N. kl. 

24. Nb. 

25. Bis Nachm. nb., dann thlw. kl. N. kl. 

26. Bis 10 U. Vorm. nb., dann kl. 

27. Bis 9 IT. Vorm. nb., dann kl. 

28. Bis 9 U. Vorm. nb. Von da ab kl. 

29. Fr. nb. bis 9 U. Vorm. Von da ab 
bis Nachm. 4 V kl., dann nb. 

30. Bis M. nb., dann kl. bis Nachm. 4 U. 
Von da ab nb. 

31. Bis M. nb. Von da ab bis Nachm. 
3 U. kl., dann thlw. bew. Ab. u. N. kl. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 35 



Februar. 





Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Datum 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 


— 1 1 — 


16° 


32° 


48° 


16» 


32° 


48» 


t. - 5. 

6. - 10. 
11. - 15. 
16. - 20. 
21. - 25. 
26. - 29. 


-7,82 
-6,06 
-0,39 
2,19 
2,62 
1,74 




-6,61 
-5,95 
-1,30 
-0,42 
0,44 
0,52 


-6,87 
-5,45 
-0,87 
-0,23 
1,55 
1,62 


-6,54 
-4,81 
-0,80 
-0,26 
1,83 
1,62 


-5,78 
-3,60 
-0,69 
-0,27 
1,77 
1,75 


1,4 

5,0 
2,2 
0,4 
1,2 
3,4 


3,2 
5,3 

1,1 

0.4 

2,3 
4,4 


4,1 
4,9 

1,1 

0,3 

3,2 
4,7 


3,1 
3,2 
0,7 
0,2 
3,4 
4,2 


Mittel: 


1,39 | 2,81 


T,,99 


-1.60 


-1,23 | 2,27 


2,78 


8,05 


2,47 



Witte 

1. Bis Vorm. 10 U. nb., dann kl. 

2. Bis M. nb., dann kl. 

3. Bis Vorm. 9 U. nb., dann kl. 

4. Bis M. nb., dann thlw. bew. u. nb. 

5. Kl. fr. thlw. nb. 

6. Kl. 

7. Bis M. nb., dann kl. 

8. Bis 10 ü. Vorm. nb., dann kl. 

9. Kl. 

10. Thlw. bew. 

11. Fr nb., am Tage ver. Ab. u. N. kl. 

12. Big 9 U. Vorm. nb., dann bis 11 U. 
schw. R., dann ver. N. kl. 

13. Bew. u. abw. R. u. S. N. ver. 

14. Bis 9 ü. Vorm. nb., dann ver. Ab. 
xx. N. kl. 

15. Bew. ii. nb. Ab. u. N. kl. 

16. Fr. nb., dann abw. bew. Ab. u. 
N. kl. 

17. Bew. Ab. u. N. kl. 



rung: 

18. Fr. bew. Von 9 U. Vorm. ab abw. 
R. bis Nachm. 4 U., dann ver. N. kl. 

19. Ver. 

20. Fr. ver. Von 9 ü. Vorm. ab mst. W. 
u. abw. R. N. St. u. kl. 

21. St. u. abw. bew. bis Nachm. Von 
da ab kl. 

22. Bis 8 i/a U. bew., dann R. bis Nachm. 
Von da ab bew. u. abw. R. 

23. Bis 8»/« U. nb., dann bis M. schw. 
R. Von da ab abw. R. Ab. u. N. 
schw. R. 

24. Fr. nb., am Tage schw. R. N. R. u. S. 

25. Bis 9 IT. Vorm. bew., dann R. u. S. 
bis Nachm. 3 IT., dann ver. 

26. Ver. u. mst. W. Ab. u. N. St. 

27. Bis 8 U. Vorm. S., am Tage abw. 
S. u. mst. W. Ab. bew. N. thlw. kl. 

28. Abw. bew. Ab. u. N. st. W. 

29. Bis 10 U. Vorm. ver. u. st. W., dann 
kl. u. st. W. Ab. u. N. kl. u. r. 



3» 



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36 



Physik des Bodens: 



Datum 


Liift- 
tem- 
pcra- 
tur 


Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Flache 


16° 


32° 


18° 


16° 


32° 


48° 


1. - 5. 

6. - 10. 
11. - 15. 
16. - 20. 
21. - 25. 


5,98 
5,45 
2,86 
0,92 
0,79 


2,57 
5,80 
4,14 
3,04 
3,04 


4,28 
7,67 
6,55 
4,38 
3,71 


5,49 
9.00 
8,29 
4,97 
4,46 


5,93 
9,24 
8,96 
5,37 
4,73 


4,6 
7,4 
8,2 
4,4 

5,0 


5,0 
8,3 
10,2 
5,0 
6,6 


5,1 

7,8 
13,6 
6,2 
8,4 


4,4 
6,6 
13,0 
4,8 
6,9 


Mittel: 


3,20 




5,32 6,44 | 6,85 


4,93 | 5,85 6,85 


5,95 



Witterung: 



1. Kl. Nachm. schw. W. N. kl. u. r. 

2. Bis 8 U. Vorm. ver., dann bis 10 U. 
schw. lt., dann auch st. W. Nachm. 
kl. u. St. Ab. u. N. kl. u. r. 

3. Bis 8 1 /« U. Vorm. ver., dann bew. 

4. St u. R. Ab. u. N. st. W. u. schw. R. 

5. Bis 10 U. Vorm. mst. W. u. R., dann 
bew. u. st. W. N. bew. u. schw. W. 

6. Bew. 

7. Bis 9 IT. Vorm. nb., dann bis Nachm. 

2 U. bew., dann thlw. bew. 

8. Fr. bew. Von 10 U. Vorm. bis Nachm. 

3 U. nb., dann abw. bew. 

9. Bis Nachm. 2 U. abw. bew. u. st. W., 
dann kl. n. schw. W. Von 5 U. 
Nachm. ab r. 

10. KL u. schw. W. Ab. u. N. kl. u. r. 

11. Bis 4 U. Nachm. thlw. bew. Von da 
ab st. W, u. bew. Ab. R. 

12. Bis M. nb., dann kl. u. st. W. 

13. Kl. u. st. W. N. r. 

14. Bis Ab. 6 U. kl. u. schw. W. Von 
da ab bew. N. st. W. u. R. 



15. Bis M. bew., dann kl. u. schw. W. 
N. r. 

16. Bis 11 Vorm. nb., dann thlw. bew. 
bis 4 U. Nachm. Von da ah bew., 
um 5 U. Ii. bis N. 

17. Bis 9'/« U. nb. u. R. Von da ab 
bis 1 ü. Nachm. st. R. u. S., dann 
bew. Von 4 U. ab thlw. bew. Ab. 
u. N. kl. 

18. Bis 8 U. Vorm. nb., dann bis Nachm. 
1 U. kl. Von da ab abw. bew. N. kl. 

19. Bis M. nb., dann thlw. bew. Ab. u. 
N. kl. 

20. Ver. u. mst. W. Nachm. S. iL R. 

21. Bis M. thlw. bew. u. nb., dann ver. 
u. schw. W. 

22. Thlw. kl., thlw. nb. u. mst. \V. N. 
kl. u. r. 

23. Vorm. nb. u. st. W., dann kl. u. 8t, 
W. N. kl. u. r. 

24 Kl. u. schw. W. N. kl. u. r. 

25. Kl. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 
Zusammenstellung der Monatsmittel» 



37 





Bodentemperatur 


Temperaturschwankungen 


Monat 


Ebene 


Neigung der Fläche 


Ebene 


Neigung der Fläche 




16° ! 32° 48° 


10° [ 32o 


48° 



April 1879 
Mai » 
Juni » 
Juli » 
August • 
September » 
Oktober » 
November » 
Dezember » 
Januar 1X*0 
Februar » 
März » 



7,53 
11,18 
18,07 
16,49 
19,87 
15,44 

7,99 

1,44 
-4,64 

4.22 
-2.31 

3,72 



7,62 
11,30 
18,22 
16,48 
20,37 
15,85 

8,08 

1,01 
-7,04 
-4.50 
-1,99 

5,32 



8,18 
11,76 
18,40 
16,69 

20,70 
16,34 
8,44 
0,62 
-7,78 
-4,59 
-1,60 
6,44 



8,31 

11,50 
18,19 
16,48 
20,73 
16,69 
8.89 
0,89 
-8,48 
-4,09 
-1,28 
6,85 



6,88 
6,88 
9,23 
8,88 
8,42 
7,63 
5,18 
2,37 
2,58 
2,63 
2,27 
4,93 



7,75 
7,88 
10,15 
10,28 
9,48 
8,93 
6,65 
2,90 
3,78 
3,10 
2,78 
5,85 



8,78 
8,73 
10,60 
11,05 
10,10 
9,97 
7,78 
3,53 
3,52 
3,00 
3,05 
6,85 



8,07 
8.00 
9,42 
10,20 
9,62 
9,75 
7,90 
3,83 
4,77 
3,02 
2,47 
5,95 



Die über den Abgang des Schnees auf den verschieden geneigten 
Flächen angestellten Beobachtungen lieferten folgende Daten: 

Vom 15. November 1879 ab waren alle Flüchen mit Schnee bedeckt. 
Derselbe verging bei einer Neigung des Terrains von 

48° am 21. November 

32° » 23. » 

16° u. 0° » 25. » . 
In den beiden folgenden Monaten zeigte die Schneedecke auf den 
verschiedenen Flächen keine Unterschiede. Im Februar verschwand der 
Schnee in folgender Weise: bei einer Neigung von 

48° am 1. Februar 
32° » 3. 
16° * 9. 
0° > 11. 



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» 



38 Physik des Bodens: 



Yersnch III. (1881/82.) 

Bodentemperatur in 15 cm Tiefe. Humoser Kalksandboden. 

April. Mal. 





Luft- 
tem- 
pera- 


Bodentemperatur j 




Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 


Datum 


Neigung der Fläche 


Datum 


Neigung der Fläche 




tur 


10o 


20» 


30° 




10o | 


20° 


30 0 


1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-30. 


3,24 
4,90 
7,14 
8,46 
4,06 
4,01 


4,38 
5,93 
9,71 
11 06 
5,23 
4,92 


1 

4,72 
6,43 
10,34 
11 55 

X X j«**' 

5,57 
5,17 


4,84 
6,60 
10,65 
12 00 
5,74 
5,29 


l.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.- 81. 


10,82 
9.01 
6,04 
13,57 
11,74 
13,26 


12,85 
12,98 
5,86 
14,90 
14,78 
13,78 


13,22 
13,43 
5,84 
15,17 
14,98 
14,05 


13,48 
13,71 
5,98 
15,31 
15,21 
14,23 


■ 

Mittel; 


5,30 | 


6,87 


7,80 


7,52 1 

* i 


Mittel: 


10,82 | 12,56 


12,81 


13,02 






Jnni. 










ML 






1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-30. 


15,96 
9,36 
11,76 
16,89 
20,80 
15,61 


1 

18,54 
11,11 

10,35 
18,12 
23,00 
17,39 


19,29 
11,40 
10,70 
18,59 
23,44 
17,7 1 


19,36 
11,44 ! 
10,73 
18 66 
23,64 ! 
17,79 


L- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


19,60 
18,24 
19,29 
23,45 
19,07 
16,94 


21,18 

22,09 
21,06 
25,91 
20,56 
18,28 


21,48 
22,42 
21,40 
26 20 
20,89 
18,69 


21.61 
22,74 
21,50 
26,38 
2U)8 
18,77 


Mittel: 


15,06 | 16,42 


16,86 


16,98 1 




Mittel: 


19,35 


21,41 


81,74 


21,91 






August. 






September 






1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


20,12 
20,64 
16,14 
15,35 
17,82 
14,30 


22,63 
23,81 
17,08 
14,76 
19,41 
15,37 


22,83 
23,96 
17,08 
14,91 
19,54 
15,70 


1 

23,02 

24,16 

17,06 ! 

15,19 

19,70 

15,93 


1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-30. 


12,87 
13,90 
12,66 
13,35 
8,46 
8,08 


13,08 
14,50 
13,32 
14,96 
10,71 
9,17 


13,28 
15,01 
13,85 
15,46 
10,97 
9,47 


13,42 
15,42 
14,20 
15,88 
ll'.lO 
9,52 


Mittel: 


1«,91 | 18,73 




19,07 || Mittel: 


|TT,55 


12,62 


| VW 


18#f 






Oktober. 






November. 




1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


4,87 
5,69 
7,72 
1,87 
5,38 
0,42 


6,10 
5,37 
7,88 
2,96 
4,96 
1,97 


6,43 
5,64 
8,15 
3,28 
5,22 
2,14 


6,42 
5,69 
8,45 
3,40 
5,33 
2,22 


1- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.—20. 
21.-25. 
26.-30. 


0,45 
5,63 
5,91 
3,74 
5,87 
3,64 


0,76 
6,64 

5,82 
4,02 
5,35 
3,83 


0,52 
6,65 
5,91 
4,28 
5,68 
3,95 


0,41 
7,00 
6,08 
4,65 
5,96 
4,07 


Mittel: 


|4,a) 


für 


5,04 


1 5,15 


1 Mittel: 


| 4,21 


j 4,40 


4,50 


4,69 



Digitized by Google 



Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 39 
Dezember. Januar 1882. 





Luft- 
tem- 
pera- 


Bodentemperatur 


1 


Luft- 
tem- 
pera- 

tiir 

IUI 


Bodentemperatur 


Datum 


Neigung der Fläche 


Datum 


Neigung der Fläche 




tur 


10« 


20« 


30 » 




10o 


20« 


30« 


1 — 5 
6.-10. 
11.-15. 

16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


2 45 
0,40 

-0,15 
1,12 
1,92 

-2,65 


3,23 
1,22 
0.75 
0,82 
0,98 
-0,92 


3,09 
1,08 
0,43 

0,58 
0,94 
-0,85 


2,95 
0,94 J 
0,27 
0,46 
0,70 
-0,44 

i 


1.— 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


0,98 
2,59 
-0,98 
-4,34 
-3,80 
- 2,46 


-0,80 
0,46 
0,44 
0,04 
-1,29 
-1,80 


-0,92 
-0,17 
-0,12 
-0,25 
1,20 
-2,35 


-0,85 
-0,33 
-0,30 
-0,44 
-1,02 
-2,27 


Mittel: 


-0,20 


0,95 


0,82 


0,77 Mittel: 


-1,37 | -0,53 




-0,88 






Februar. 






März. 






1.— 5. 
6.-10. 
11.-15. 

16.-20. 
21.-25. 
26.-28. 


-7,90 
-5,02 
0,59 
1,54 
2,36 
6,73 


-4,37 
-3,80 
-1,25 
0,42 
0,55 
3,83 


-4,87 
-4,34 
-1,65 
0,16 
0,44 
4,00 


1 1 
-4,69 

-4,26 

-1,36 

-0,28 

0,42 

5,93 


1.— 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 


3,79 
6,19 
7,55 
9,25 
2,92 
4,60 


3,89 
6,60 
10,18 
11,42 
5,14 
4,75 


4,02 
6,73 
10,46 
11,88 
5,34 
4,92 


4,50 
7,11 
10,92 

12,35 
5,48 
5,01 


Mittel: | 


0,78 


-1,10 


-1,46 


-1,18 


Mittel: 


5,68 | 6,02 


7,15 


7,48 



Zusammenstellung der Monatsmittel. 









Bodentemperatur 




Monat 




Neigung der Fläche 






IO» 


20° 


30« 


April 


1881 


6,87 


7,30 


7,52 






12,56 


12,81 


13,02 


Juni 


» 


16,42 


16,86 


16,93 


Juli 




21,41 


21,74 


21,91 


August 


» 


18,73 


18,94 


19,07 


September 




12,62 


13,01 


13,26 


Oktober 




4,78 


5,04 


5,15 


November 




4,40 


4,50 


4,69 


Dezember 


» 


0,95 


0,82 


0,77 


Januar 


1882 


0,53 


-0,88 


-0,91 


Februar 


^ 


-1,10 


-1,46 


-1,18 


März 


» 


6,92 


7,15 


7,48 



Digitized by Google 



40 Physik des Bodens: 

Die Beobachtungen über den Fortgang des Schnees lieferten keine 
durchschlagenden Resultate, weil der Winter 1881/82 sehr arm an Schnee 
war. Nur Anfang Februar machten sich einige bemerkenswerthe Unter- 
schiede bemerklich, indem die am 31. Januar gebildete Schneedecke auf 
den Flächen von 

Neigung 
30° am 3. Februar 
20° ■ 7. 

10° » 9. » 

abgeschmolzen war. 

B. J>ie Temperatur de» bebauten Bodens. 

Behufs Feststellung der Erwärmung des mit einer Pflanzendecke 
versehenen Erdreiches bei verschiedener Neigung des Terrains wurden 
3 Kästen von 0,64 Grundfläche und 25 cm Tiefe, sowie von quadra- 
tischem Querschnitt mit humosem Kalksand beschickt und im Jahr 1882 
mit Grassamen dicht besäet. Die Grasnarbe entwickelte sich in sehr voll- 
kommener Weise. Die Kästen wurden bei 10, 20 und 30° Neigung 
nach Süden aufgestellt. Zum Vergleich wurden außerdem noch 3 gleich- 
beschaffene, ebenfalls mit humosem Kalksand beschickte Kästen in genau 
derselbeu Weise aufgestellt; die Oberfläche des Bodens blieb jedoch bei 
diesen im nackten Zustande und wurde von jedem Unkraut frei gehalten. 
Die ötägigen resp. 6tägigen Mittel, berechnet aus den früh 7 und Nach- 
mittags 5 Uhr angestelllen Beobachtungen, sowie die Monatsmittel sind 
aus folgenden Tabellen zu ersehen: 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 41 



Versuch L (1883.) 

Bodentemperatur in 15 cm Tiefe. Humoser Kalksandboden. 

April. 



Datum 


Luft- 
tem- 
pera- 
tur 






G r 


a s 










Brach 




aknagta 


Boden t< mpprs tot 


TtDpraiarsehvHkungra 


Bodratenperatar 


T«iDp»n 


taneawa 


Neigung der Fliehe 


Neigung der Fläche 


Neigung der Fliehe 


Neigung der Fläche 


10« 


20« 


30» 


10» 


20» 


no° 


10« 


20* 


90« 


10« | 20» 


30» 


1.— 5. 


7,12 


7,95 


9,05 


9,30 


7,6 


8,0 


8,4 


9,88 


10,63 


11,00 


8,0 


9,8 


10,6 


6.-10. 


2,47 


3,94 


4,30 


4,49 


6,9 


7,6 


7,9 


4,51 


4,77 


4,83 


8,3 


H,6 


9,2 


11-15. 


3,59 


4,07 


4,39 


4,41 


6,4 


7,2 


7,3 


4,38 


4,52 


4,81 


7,6 


7,7 


8,7 


16—20. 


9,08 


10,25 


10,86 


11,18 


8,1 


8,9 


9,7 


11,03 


11,44 


11,81 


9,9 


10,6 


11,4 


21.-25. 


4,14 


5,90 


6,45 


6,77 


4,2 


4,6 


4,9 


6,43 


6,57 


6,76 


4,9 


5,0 


5,4 


26.-30. 


8,82 


10,72 


11,46 


11,64 


12,1 


13,4 


13,9 


10,93 


11,26 


11,46 


13,3 


13,9 


15,0 



Mittel: 1 5,84 1 7,14 1 7,75 1 7,% 1 7,56 1 8,28 1 8,68 1 7,86 1 8,20 1 8,44 1 8,67 1 9,27 |l0,05 



Witterung: 

1. Kl. u. schw. W. 

2. Fr. kl., am Tage thlw. bew. u. schw. W. 

3. Bis 9 U. Vorm. schw. W., dann r. 
n. kl. 

4. Bis M. kl. Nachm. ahw. bew. u. st. 
W. Ab. u. N. bew. u. r. 

5. Bis 10 ü. Vorm. abw. bew. u. r. ,[ 19 - n A b ,- bis M. kl. u. r., dann mst. 
dann mst. W. u. thlw. bew. Nachm. ' 



r. u. schw. R., dann bew. u. r. Ab. 
iL N. R. 

17. Fr. bew. u. r., am Tage abw. bew. 
u. r. Ab. u. N. kl. 

18. Fr. u. Vorm. kl. M. u. Nachm. st. 
W. Ab. abw. bew. 



W. Ab. ii. N. kl. u. r. 

20. Bis 10 U. Vorm. bew., dann abw. 
bew. Von 3 U. Nachm. ab bew. u. 
st. W., dann von 5 U. ab schw. W. 
Ab. u. N. abw. bew. u. schw. W. 

21. Fr. bew. n. sebw. W., am Tage abw. 
bew. u .mst. W. Ab. thlw. bew. u. r. N.kl. 

22. Fr. bew., am Tage abw. bew. u. schw. 
W. Ab. thlw. bew. u. r. 

23. Fr. nb., dann abw. bew. u. schw. W. 
Von Nachm. 5»/i U. ab. st. W. Ab. 
kl. u. r. 

24. Fr. nb., dann abw. bew. u. mst. W. 
Von Nachm. 4 U. ab bew. N. R. u. S. 

25. Fr. R. u. S., am Tage abw.' bew. Ab. 
r. u. thlw. bew. N. kl. 

26. Fr. nb., am Tage meist kl. u. mst. 
W. Ab. u. N. kl. u. r. 

27. Fr. nb., dann kl. u. schw. W. 

14. Fr. bew. u. r., am Tage abw. bew. 28 - Meist kl - u - scl,w - w - 

u. schw. W. Ab. u. N. ver. u. r. 29. Bis M. bew. u. r., dann R. u. mst. W. 

15. Fr. nb. u. schw. W., dann abw. bew. '30. Bis 7 ü. fr. bew. u. mst. W., dann 
u. mst. W. Ab. u. N. bew. u. r. bis M. schw. R. Von da ab abw. 

16. Fr. n. Vorm. bew. u. st. W. Nachm. schw. R. Ab. u. N. bew. u. r. 



kl. u. mst. \V. Ab. u. N. kl. u. r. 

6. Bis 11 U. Vorm. nb., dann bis Nachm. 
3 U. abw. bew., dann bis Ab. 6 U. 
bew. Ab. schw. R. N. bew. u. R. 

7. Bis 7»/t U. Vorm. schw. R. u. S., 
dann bew. u. schw. S. Ab. abw. bew. 
N. schw. S. 

8. Fr. abw. bew. u. schw. W., am Tage 
abw. bew. u. st. W. Ab. u. N. bew. 

9. Bew. u. mst. W. Ab. u. N. thlw. 
bew. u. schw. W. 

10. Bew. u. thlw. schw. R. bis M-, dann 
abw. R. u. 8., sowie schw. W. 

11. Bew. u. thlw. R. u. S. Ab. u. N. bew. 

12. Bis M. bew. Fr. schw. W. Vorm. r. 
Nachm. abw. bew., dann ver. 

13. Fr. nb. Vorm. bew. u. mst. W. Nachm. 
abw. bew. u. mst. W. Ab. u. N. bew. u. r. 



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42 



Physik des Bodens: 



Mai. 



Datum 



1- 5. 
6.-10. 
11.-15. 

16.-20. 
21. 25. 
26. -31. 

~Mit7el: 



Luft- 
tem- 
pera 
tur 



18,89 
16,63 



12,64 



Gras 



Bodfoteoperetv 

Neigung der Flieh« 

10«» I 20« I 3« • 



9,41 
12,77 
9,95 

12.92 14.64 



10,78 11,27 11,21 
14,69 14,95 15.10 
10,30 10,55 10,73 
14,94 15.09 
13,92 14,13 
7118,51 18,82 



13,41 



1386114,17 14,33 



Neigung der Fläche 

10» I 20° .10« 



5.5 



7,1 

5,8 

9,0 9,5 

9,4 9,7 

13,2 13,7 



8,0 
5,5 
10.1 
10.3 
14,0 



7,7 8,2 8,7 



Brach 



Neigung der Flilohe 

10" 1 20° 1 SO« 



10, 12 10,341 10,60 
15,15 15,69(15,94 



8,1 
7,5 

11,27111,42 11,34 12,6 
15,29 15,05 15,75 10,2 



15,11 15,4315,53 
19,12 19,45 19,46 



TfaperatarKhvukBo^ei 

Neigung dor Fl*ch<* 

10« ! 20° 



so« 



16,3 
11,2 



8,8 
7,8 
13,2 
10,6 
16,8 
11,7 



9.9 
8,3 
13,8 
10,9 
17,0 
12,3 



8,70 9,07 1 9,43 |l4,50|l4.82|14,94|l0.97jll,48 12,03 



1. Fr. bew. u. schw. W., am Tage thlw. 
bew« Ab. mst. W. N. R. u. mst. W. 

2. Ver. u. r. Ab. bew. N. abw. bew. 



Witterung: 

u. St., dann bew. u. mst. W. Ab. st. 
R., dann bew. N. thlw. bew. 
18. Ver. u. r. Ab. u. N. bew. 



3. Bis 8 U. Vorm. meist kl. u. schw. 19. Fr. bew. u. mst. W. Vorm. schw. 



W., dann abw. bew. Von 4 U. Nachm. 
ab bew. u. mst. W. Ab. u. N. K. 
u. r. 

4. Bis Nachm." 4 U. abw. bew , dann 
kl. u. schw. W. Ab. u. N. kl. U. r. 

5. Kl. Von Nachm. ab st. W. u. thlw. 
bew. 

6. Abw. bew. u. mst. W. Ab. u. N. kl. 
u. schw. W. 

7. Fr. kl. u. schw. W. Vorm. st. W. 
Nachm. schw. W. Ab. 6»/4 ü. G.-R. 
bis 8'/* F., dann ver. 

8. Thlw. bew. bis Nachm. Gegen Ab. J 
G. Ab. u. N. bew. 



W. u. schw. R. Nachm. u. Ab. bew. 
u. schw. W. N. R. 

20. Bis 8 U. Vorm bew. u. st. W., dann 
ver. u. st. W. Ab. u. N. abw. bew. 
u. schw. W. 

21. Fr. bew. u. schw. W. Von 9 U. 
Vorm bis Ab. 6 l /a U. abw. bew. u. 
st. W., dann G.-R , später bew. u. r. 
N. thlw. bew. 

22. Kl. Vorm. r. Nachm. schw. W. Ab. 
u. N. r. u. schw. bew. 

23. Bis 10 U. Vorm. kl. u. r., dann schw. 
bew. bis Nachm. 2 U., dann st. W. 
Ab. u. N. schw. bew. u. schw. W. 



9. Thlw. bew. Ab. u. N. bew. 

10. Mg. schw. R., dann bew. u. schw. AV. 
Vorm. bis Nachm. 3 U. abw. bew., 
dann G. u. 8t. Ab. schw. R. N. bew. 

11. Abw. bew. u. St. Ab. u. N. bew. u. 
schw. W. 

12. Fr. kl. u. mst. W. Von 6«/» U. ab 
bew. u. st. W. bis Ab. Vorm. schw. 
R. Ah. u. N. R. n. r. 

13. Fr. schw. R., dann bew. bis Nachm., 



[24. Fr. r. u. schw. bew., am Tage schw. 
bew. u. mst. W. Ab. schw. W. N. 
kl. u. r. 

25. Meist kl. Fr. r. Nachm. mst. W. 
Ab. u. N. kl. u. r. 

26. Bis Nachm. 4 V. kl u. r., dann thlw. 
bew. Ab. 8 Uhr G.-R., dann bew. 
u. schw. W. 

27. Bis 9 IT. Vorm. bew. u. schw. W., 
dann abw. bew. u. schw. W. Ab. u. 



dann abw. bew. u. schw. W. Ab. u. N. G.-R. 

N. kl. u. r. 28. Fr. bew. u. r., dann schw. R., dann 

14. Fr. nb., dann bis M. bew., dann kl. ' ver. u, schw. W. 

15. Bis Nachm. 2 1*. kl. u. r„ dann kl. 29. Fr. bew. u. schw W. Vorm. R. 
u. mst. W. Ab. u. N. kl. u. r. Nachm. ver. Ab. schw. R. N. abw. 

16. Bis Nachm. 1 U. kl. u. r., dann kl. bew. 

u. schw. \V. Ab. u. N. kl. u. r. 30. Bew. N. R. 

17. Bis M. kl. u. schw. \V M dann thlw. 31. Bis M. abw. R. u. r. M. st. R. Nachm. 
bew. Nachm. 3-3»/a U. st. R. H. | abw. R., dann bew. Ab. u. N. abw. R. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 

Juri. 



43 



Datum 



Luft- 
tera- 
pera- 
tur 



1.— 5. 

6. — 10. 
11.— 15. 
16.-20. 
21.— 2.5. 
26.-30. 



15,74 
14,75 
11,45 
14,42 



Gras 



Neigung der Fliehe 



10« 



17,98 17,69 
16,87 



14,45 
12,41 
12,72 



17,32 17,41 



20" 



30° 



16,95 



17,86 18,37 



17,30 



14,63 14,87 
12,53 12,50 



12,88 



13,01 



17,49 17,78 



10» 20" 



5,0 
4,6 
3,1 

6,8 
5,2 
3,3 



5,4 
4,5 
3,2 
6,9 
5,1 
3,0 



30° 



6,6 
4,8 
4,0 
7,2 
5,5 
3,0 



Brach 



Neigung der Fliehe 

10° i 20° I 30° 



19,48 
18,55 
15,52 
12,76 
14,60 
20,85 



19,91 20,00 
18,90 19,15 



15,75 
12,80 



15,94 
12,75 



14,84 15,08 
21,3221,39 



Neigung der Fliehe 



10° J 20° ! 80° 



13,0 
5,1 

6,8 
8,2 
11,2 
7,9 



13,7 
5,3 
7,2 
8,3 

12,0 
8,2 



14,0 

5,2 
7,9 
8,3 
12,7 

M 



Mittel: |15,2H|15,26|15,39|15,64| 4,67| 4,68| 5,02|l6 } 9617,25; 17,38|8,70 1 9J2 1 9,42 



Witterung: 



1. Fr. R. Vorm. bcw. u. thlw. R. Nachm. 
4 ' s U. G.-R. u. mst. W., dann abw. 
bew. N, kl. 

2. Fr. kl. 7-9 U. nb., dann kl. 

3. Kl. u. r. bis Vorm. 11 U., dann mst. 
\V. Nachm. G. Ab. bew. N. kl. 

4. Kl. Nachm. G. u. mst. W. Ab. bew. 

5. Bis M. kl. u. r., dann kl. u. schw. 
W. Ab. G. N. R. 

6. Fr. R. u. r., dann bis Nachm. bcw. 
u. schw. W. Nachm. u. Ab. G.-R. u 
st. W. N. abw. bew. u. r. 

7. Abw. bew. u. schw. W. N. kl. 

8. Bis 8'/a TJ. Vorm. bew., dann bis 
Nachm. 3 U. abw. bew., dann G. u. 
st. W. Ab. u. N. abw. bew. 

9. Fr. thlw. bcw., dann bew. u. schw. 
W. bis M. Von da ab thlw. bew. u. 
sebw. W. Um 4 U. Nachm. G. u. 
schw. R. N. G.-R. 

10. Fr. R. u. mst. W., dann thlw. bcw. 
u. schw. W. Ab. u. N. bew. 

11. Bis Nachm. 2 U. thlw. bcw. u. schw. 
W. Nachm. u. Ab. bew. N. R. 

12. Bis Nachm. bew. u. r. Um 3»/* U. 
Nachm. G.-R., dann abw. R. N. st. R. 

13. R. u. abw. st. u. schw. W. Ab. u 
N. bew. 

14. Abw. bew. u. mst. W. Ab. bew. u. 
r. N. kl. 

15. Fr. r. u. bew. Vorm. 8—10 U. nb.. 
dann abw. bcw. u. r. N. R. 



16. Fr. bew. u. mst. W., am Tage u. 
Ab. abw. bew. u. abw. R.. schw. W. 

17. Abw. R. 

18. Fr. bew. u. r., dann bis M. abw. 
schw. R., dann bis Nachm. 5*/* U. 
bew. Von da ab abw. R. 

19. Fr. bcw. u. r., dann abw. R. bis M. 
M. st. R., dann abw. R. u. mst. W. 

20. Bis M. ver. u. mst. W. M. R., dann 
bew., später abw. bew. N. r. u. kl. 

21. Fr. r. u. kl., dann kl. u. schw. W. 
Ab. G. N. sL G.-R. 

22. Fr. bew. u. mst. W., am Tage abw. 
R. u. mst. W. N. bew. n. mst. W. 

23. Fr. bew. u. mst. \V. Vorm. abw. 
schw. R., dann abw. bew. u. schw. W. 

24. Abw. bew. u. schw. W. N. kl. u. r. 

25. Bis Nachm. 2 II. kl. u. r., dann thlw. 
bew. Ab. G. N. schw. R. 

26. Fr. bew. u. schw. W., am Tage abw. 
bew. u. mst. W. Ab. st. W. N. bew. 

27. Fr. bcw. u. schw. W., dann bis Nachm. 
5 U. abw. bew. u. schw. W. Ab. st. 
G.-R. N. abw. bew. 

28. Bis 10 U. Vorm. nb., dann abw. bew. 
Ab. meist kl. N. kl. 

29. Kl. u. abw. st. u. schw. W. N. kl. 
u. r. 

30. Fr. kl. u. r., am Tage kl. u. schw. 
W. Ab. u. N. kl. u. r. 



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44 



Physik des Bodens: 



Juli. 



Datum 



1.-5. 

6.-10. 
11. 15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-31. 

Mittel: 



Luft- 
tem- 
pera 
tur 



20,47 
20,71 
19,02 
12,24 
13,18 



Gras 



Bwlcntempfratur 

Neigung der Fliehe 

10» ! 20» | 30» 



21,37,21,45)21,60 
22,4* 22,40,22,52 
20,24 20,23120,32 
12,16 12,05 11 ms 
13,64 13,69,13,72 
12,6« 12,S5 12,94 

16,33 



Traperatonr. hvanLnig eo 

Neigung der Fliehe 

10° ! 20° I 30« 



7,3 
4,9 
7,6 

8,8 
3,9 
3,5 



7,0 
4.9 

H,l 

3,7 
3,6 

M 



6,7 
4,H 
9,2 
3,8 
8,8 
3,4 



16,95 16,99, 17.03) 5,17 j 5,12 j 5,28 

Witterung: 



Ii r a c h 



Bodutemperitw 

Neigung der Fliehe 



11)0 ;>n> 



30» 



25,24;25,24 
24,70 24,52 
21,24 21.41 



M,6> 
23,94 
20,95 

11,99 12,00 11,94 
14,12 14,21 14,31 
13,32 18,4213,58 



Temptr&tirirfairukingri 

Neigung der Fliehe 
10» 



20» 



30» 



8,9 
8.2 



9,3 
8,4 



12,8 13,1 
6,3 
7,3 

5,1 



6,5 
7,6 

M 



9,5 
8,7 
13,7 
6,6 
8,7 
5,5 



18,00 18,30|l8,34| 8.12 1 8,38 j 8,78 



1. Bis Nachm. r. u. kl, dann thlw. bew. 
Ab. G. N. r. u. kl. 

2. Vorm. r. a. kl. Nachm. thlw. bew. 
u. schw. W. Ab. u. N. kl. u. r. 

3. Fr. r. u. kl., am Tage kl. u. schw. 
W Ab r. 

4. Kl. u. r. N. G. u. st. W. 

5. Abw. bew. u. mst. W. N. meist kl. 
u. r. 



17. Fr. bew. u. mst. W. Bis Nachm. 
ver. Von 3 U. ab. abw. R. Ab. u. 
N. bew. u. schw. \V. 

18. Fr. R. u. mst, W., datin thlw. schw. 
K. u. st. \V. Ab. u. N. abw. st. R. 
u. mst. W. 

19. Bew. u. ver. W., thlw. schw. R. Ab. 
u. N. ver., thlw. schw. R. 

20. Bis Nachm. bew. u. r. Von 4 U. ab 

6. Abw. bew. u. r. Ab. mst. W. N. R. Ab. u. N. ver. 

schw. W. 21. Bis 11 U. Vorm. R. u. r., dann bew. 

7. Abw. bew. u. schw. W. Ab. tt. N. »• w Ab. kl. N. abw. bew. 
G.-R. u. mst. W. |22. Schw. R. u. r. Ab. u. N. abw. R. 

s. Ab. bew. u. r. N. G. u. schw. R. 2i - 8 u - Vorm - &i * ,ann ver - scnw 
9. Fr. bew. u. schw. W. Von 6—7 ü.l w Ab. G. Von 8'/t-9 U. R. N. 
schw. R., am Tage abw. bew. u. schw ver - _ , _ , r 

W dann kl. u. r. *4« Abw. bew. u. schw. W. Ab. G. Von 

10. Bis 9 IT. Vorm. kl! u. r., dann thlw. 7»/« -9' 4 U. st. G.-R. N. bew. u. 
bew. M. u. Nachm. G. Nachm. 3 S /«I schw. W. 

bis 4U. R., dann abw. bew. Ab. u.' 25 - Fr - bew - «• mst - w > (lann bis Nachm. 
N. st. G.-R. 4 U. abw. bew. u. ver., dann G. Von 



11. Fr. bew. u. r., am Tage abw. bew. 
Ab. u. N. Q. u. thlw. R. 

12. Fr. G.-R., dann bew., am Tage abw. 
bew. u. schw. W. N. meist kl. u. 
schw. ^V» 

13. Bis 11 kl. u. r., dann G. Von 3 U 



5— 5*/i U. st. G.-R., dann ver. u. r. 

26. Fr. bew. u. mst. W., dann thlw. bew. 
u. abw. R. Von 4 1 2 U. Nachm. ab 
bew. u. schw. W. N. meist kl. 

27. Bis Nachm. 4 U. ver. u. thlw. R, 
dann ver. N. ver. u. mst, W. 



Nachm. thlw. G.-R. u. II. Ab. st. «8« B > 8 Nachm. bew. u. abw. R. Von 



G.-R. N. bew. u. r. 
14. Fr. bew. u. r. Vorm. 7— 7«/» U. R., 
dann abw. bew. Nachm. G.-R. u. st. 
W. Ab. u. N. R. 11. schw. W 



3»/4-4 U. st. R. u. II. Ab. ti. N. 
abw. R. u. mst. W. 
29. Fr. schw. R., am Tage abw. bew. u. 
mst. W. Ab. u. N. abw. bew. u. r. 



15. Fr. u. Vorm. abw. R. u. bew., dann 30 - Abw. bew. u. schw. W. N. bew. u. r. 
abw. bew. u. st. W. Ab. kl. u. r. 31. Bis 9»/i U. Vorm. bew u. r., dann 
N. bew. u. schw. W. bis Nachm. abw. R., dann bew. u. 

16. Bis Nachm. bew., dann G. u. st. W. 1 schw. W. 
Ab. u. N. abw. bew. u. mst, W. 



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Die Bodentemperatur hei verschiedener Neigung des Terrains. 45 



August. 



Datum 


Luft- 
tem- 
pera 
tur 


Gras 


Brach 




TfmpmtorscIiwaikoigM 




TempentorKliTaikingei 


Neigung der Fliehe 


Neigung der Fliehe 


Neigung der Flüche 


Neigung der Fliehe 


10" | 20« 




io° ! 20 0 | :io« 


lü» ! 20° | :n>" 


10° | 20» 


TO» 


1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.- 20. 
21.-25. 
26.- -31. 


14,70 
15,27 
16,S3 
12,74 
17,58 
18,08 


1 1,25 
15,11 
15,77 
12,81 
16,77 
17,81 


14,32 
15,15 
15,93 
12,92 
16,93 
17,94 


14,38 
15,22 
16,27 
13,14 
17,47 
18,33 


1,9 
2,6 
7,4 
5,4 
6,6 
4,4 


1,9 

2,6 
7,3 
M 
6,7 
4,0 


1,8 

3,0 
8,0 
5,6 
6,9 
4,0 



15,39 15,75; 16,08 
16,4«! 16,90 17,08 
19,10 19,62119,97 
14,16 14,52 14,79 
20,38 20,83 21,33 
20,37 20,83120,93 
1 


6,9 
9,0 
10,6 
10,1 
10,9 
7,8 


7,8 
9,7 

11,1 
10,7 
11,3 

8,0 


8,7 
10,4 
11,2 
11,4 
11,7 

8,6 



_J_ _l_ _J I 

Mittel: jl >,94|l5,49|15,6l[l5,88| 4,72 4,65 4,88|l7,74j 18,161 18,40| 9,22| 9,77|l0,33 



Witterung: 



1. Abw. bew. u. mst. W. Von 2«/«— 2 3 /4 
U. Nachm. G.-R., dann bew. u. st. 
W. Ab. abw. R. N. bew. 

2. Abw. bew. u. mst. W. Ab. u. N. 
bew. u. r. 

3. Fr. bew. u. r. Von 9—11 U. Vorm. 
mehr kl., dann abw. bew. u. schw. 
W. Ab. u. N. bew. u. r. 

4. Fr. bew. u. r. Vorm. nb., dann kl 



st. G.-R. u. st. W. Ab. u. N. abw. 
R. u. st. W. 

16. Bis Nachm. 3 U. abw. R. u. r., dann, 
bew. u. schw. W. Ab. abw. R. u. schw. 
W. N. ebenso aber st. W. 

17. Abw. bew. u. schw. W. Ab. u. N. 
kl. u. r. 

18. Fr. kl. u. r., dann abw. bew. u. schw. 
W. Ab. u. N. kl. u. r. 



Nachm. 2 U. G.-R., dann bew. u. r. 19. Fr . k i. u . r<j am Tage meist kl. Ebenso 
Ab. G.-R. N. ver. Ab . u . N , 

5. Abw. bew., mehr kl. 20. Fr. u. r.. dann mst. W. Von Nachm. 

6. Bis 10 U. Vorm. bew. n. schw. W.J 3 U. ab bew. u. mst. W. Ab. u. N. 
dann bis 4 U. Nachm. thlw. bew. meist kl. u. r. 



Von da ab kl. 

7. Bis 10 U. Vorm. thlw. bew. u. schw. 
W., dann bew. M. R. Nachm. st. 
W. Ab. G.-R. u. St. N. ver. 

8. Fr. thlw. bew. u. r., am Tage abw. 
bew. Ab. u. N. bew. 

9. Bis 10 II. Vorm. ver., dann bew. M. 
u. Nachm. abw. R. Ebenso A. u. N. 

10. Abw. bew. u. mst. W. 

11. Fr. abw. bew. u. mst. W. Von 9 U. 
Vorm. bis Nachm. 5 U. meist, kl. u. 
St., dann schw. W. 

12. Abw. bew. u. mst. W. Ab. u. N. kl. 
u. r. 

13. Kl., am Tage schw. W. Ab. u. N. r. 

14. Kl. u. r. Ab. u. N. kl. u. schw. W. 

15. Bis M. abw. bew. u. mst. W. Nachm. 



21. Kl. u. r. 

22. Kl. fr. r., am Tage schw. W. Ebenso 
Ab. u. N. 

23. Kl. u. r. Nachm. G. Ab. bew. N. 
kl. u. r. 

24. Fr. kl. u. r., sonst kl. u. schw. W. 

25. Bis 11 U. nb. u. schw. \V., dann 
abw. bew. u. mst. W. N. kl. u. r. 

26. Kl. u. r. 

27. Kl. fr. schw. W., am Tage u. N. r. 

28. Abw. bew. u. schw. W. Nachm. G. 
mit R., dann bew. N. kl. u. r. 

29. Fr. kl. u. schw. W., dann leicht bew. 
Von M. ab mst. W. Ab. r. N. meist kl. 

30. Abw. bew., fr. r., am Tage schw. W. 
N. r. u. kl. 



31. Kl. fr. r., am Tage schw. W. Ab. u. 
N. meist kl. u. r. 



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4G 



Physik des Hodens: 



September. 



Datum 



1.- 5. 

6.-10. 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. 
26.-80. 



Luft- 
tem- 
pera 
tur 

15,83 
11,16 
18,0!) 
13,82 



11,66 



Gras 



l'wfrotfroperatiir 



Neigung der Fl&che 



10" 1 20* 30" 



16,41 
1 1 ,88 
12,70 

14,62 14,68 



16,61 
11,99 

12,88113,49 



16,86 
12,22 



15,02 

12,00 12,39 12,47 12,66 



12,67 12,74 



13.00 



TerapmlnrKh« »nLung»n 

Neigung der Fliehe 



in-' I 2«n_ 



8,9 
3,9 
7,8 



8,5 
8,7 
7,6 



3,9 .3,9 



30» 



4,3 
4,9 



4,1 

4,8 



8,9 
4,1 

8,5 
4,3 
4,7 
5,8 



BodMt*niperatar 



Brach 

T*mp#ratiintii*MkuDgen 



Neigung dor Fl&che 



10' 



L'O' 



30« 



17,95 18,42 18,62 
12,63 12,85 13,14 
15,22 15,88 16,48 
15,27115,49 15,51 



12,30 12,44 
12,50 12,78 



12.55 
18,03 



Neigung der Fliehe 



10» 20« I 30° 



13,3 

7,4 
13,2 14,0 



13,5 | 13,5 
7.8 8.4 



8,5 
6.2 

8,9 



8,7 
6,2 
9,6 



14,2 
8,8 
6,4 

11,1 



Mittel: |l2,84|l3,44| 13,56: 18,87| 5,61 1 5,43 1 6,05 1 14,31 1 14,48, 14,80| 9,58 1 9,97 |l0,40 



Witterung 



1. Fr. bcw. u. schw. W., am Tage ahw 
bew. Ab. 8 U. G. mit schw. R., dann 
abw. bew. 

2. Bis 10 II. Vorm. kl., dann abw. bew. 
bis 2 U. Nachm., dann bew. l'm 
5»,t U. G.-R., St. u. H. Von 10 U. 
ab abw. bew. 

3. Ver. u st. W. Ab. kl. u. r. N. kl. 
u. schw. W. 

4. Bis Nachm. 4 3 /4 T r . ver. u. ver. W., 
dann G.-R. u. st. W., ebenso Ab. u. N. 

5. Bis 10 U. Vorm. bew. u. mst. W., 
dann abw. bew. Ab. bew. u. G.-R. 
N. R. u. mst. W. 

6. Abw. R. Nachm. u. Ab. ver. u. r. 

7. Fr. schw. W., am Tage r. u. abw. bew. 

8. Abw. bew. u. r. Ab. u. N. kl. 

9. Bew. o. abw. R. 

10. Kl. u. r. 

11. Fr. kl. u. r., am Tage kl. u. schw. 
W. Ab. u. N. bew. 

12. Fr. kl., dann bew. u. mst. W., N. r. 

13. Fr. bew. u. r., sonst abw. bew. u. 
schw. W. 

14. Bis 10 U. Vorm. nb., dann abw. bew. 
Nachm. u. Ab. bew. Ebenso N. 

15. Abw. bew. u. r. N. kl. u. r. 

16. Fr. nb., am Tage abw. bew. u. schw. 
W. Ab. G.-R. N. R. 

17. Fr. bew. Vorm. 7>/*-9 U. schw. R.. 
dann ver. Nachm. bew. N. thlw. R. 



.18. Fr. nb. Von 8— 9>/s ü. Vorm. R. u. 
schw. W., dann ver. Nachm. bew. u. 
R. Ab. ver. N. kl., thlw. nb. 

19. Bis 11 U. Vorm. nb., dann bew. 
Nachm. kl. Ab. u. N. kl. u. r. 

20. Bis 9 U. Vorm. nb., dann meist kl. 
Ab. u. N. bew. u. r. 

21. Bis 6 a /4 U. fr. bew. u. r., dann abw. 
R. u. ver. W. Ab. ver. N. kl. u. r. 

22. Bis M. bew. n. r., dann R. u. mst. 
W. Von 2«;* U. Nachm. ab bew. 
u. mst. W. Ab. St. N. bew. u. 
mst. W. 

23. Bcw. u. mst. W. Ab. schw. W. N. 
kl. u. r. 

24. Bis 10 U. Vorm. kl. u. r., dann meist 
kl. Ab. u. N. bew. u. r. 

25. Bis 7*j* II. Vorm. bew. u. r., dann 
abw. R. u. mst. W. Nachm. ver. Ab. 
bew. u. G., dann ver. u. mst. W. 

26. Abw. bew. meist r. Ab. u. N. kl. u. r. 

27. Abw. bew. u. schw. W. Ab. bew. 
Um 10 ü. st. R. u. st. W. 

28. Fr. bew. Von 7—9 IT. Vorm. schw. 
R., dann bew. u. mst. W. Von 5 ü. 
Nachm. ab meist kl. u. r. N. kl. u. r. 

29. Bis Nachm. 4 U. kl. u. r., dann bew. 
u. schw. W. Ab. R. 

30. Bis M. R., dann abw. R. Von 2-5 
U. Nachm. bew. Ab. u. N. kl. u. r. 



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Die Bodeutemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 



47 



Zusammenstellung der Monatsmitiel. 



Monat 



1*83 

» 



April 
Mai 
Juni 
Juli 

August » 
.Sept. » 



Bodentemperatur 



Gras j Brach 

Neigung der Fliehe I Neigung der Fliehe 

10" 20° 1 IM)" I 10° 20° :t<)° 



7.14, 7,75 7,96 
13,86 14,17 14,83 
15/2(5 15,39 15,64 
16,95 16,99[17,03 
15,49 15,61 
13,44 13,56 



15,88 
13,87 



30^_ 

7,86! 8,20 8,44 
14,50' 14,82 14,<M 
16,96 17,25 17,38 
18,00 18,30 ! 18,34 
17,74! 18,16| 18,40 
14,31 14,4* 14,89 



Tempcratursehwankungen 



Gras 



Neigung der Fläche 

10« | 20° ! 30° 



8,2s 8,68 
8,70 I 9,07 9,43 
4,67 I 4,68 5,02 
5,17 5,12 5,28 
4,72 ! 4,65 I 4,88 
5,61 5,43 I 6,06 



Brach 



Neigung der Fläche 



10« 1 20° 



:{()» 



8,67 9,27 
10,97,11,48 
8,70 9,12 



8,12 
9,22 
9,58 



8,38 
9,77 
9,97 



10,50 
12,03 
9,42 
8,78 
10,33 
10,40 



2. Täglicher Gang der Bodentemperatur. 

Die folgenden Beobachtungen wurden auf den in den bisherigen Ver- 
suchen verwendeten Parzellen angestellt, mit Ausnahme derjenigen des 
Versuchs I, welcher bereits im Jahre 1S77 zur Orientirung, also als 
Vorversuch zur Ausführung gelangte. Mittelst Bretter, welche das 
seitliche Herabfallen der Erde hinderten, wurden mit Lehm drei (nach 
Süden) exponirte kleine Hügel von ca. 1 qm Oberfläche errichtet und in 
die Mitte derselben je 1 Thermometer mit der Kugel zu 15 cm Tiefe 
versenkt. Die Ablesungen wurden wie in allen übrigen Versuchen alle 
2 Stunden, Tag und Nacht, vorgenommen. 

Die Resultate sind den folgenden Tabellen zu entnehmen: 



• 



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48 



Physik des Bodens: 



Versach L (1877.) 

ßodentemporatur in 15 ein Tiefe. 
22. Juli. 



Lehmboden. 
28. Jnli. 



Zeit 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



Bodentemperatur 



25« 12» 



50« 



Zeit 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



Bodentemperatur 

Neigung der FlAcho 



2.'.° 



48* 1 W 



12 Uhr 

2 » 
4 » 
6 » 
8 » 

10 » 

12 
2 
4 
6 
8 

10 



» 
» 
» 



Mittel: 
Seil ukuogn : 



12,0 
12,0 
11,2 
16,2 
20,4 
22,7 
24,9 
27,4 
27,4 
26,0 
20,8 
19,0 



20,0 
16,2 



18,0 
17,2 
16,6 
16,0 
15,7 
16,5 
17,9 
20,5 
22,2 
23,9 
22.7 
22,0 

19,10 

8,2 



17,* 
17,0 
16,4 
15,8 
15,5 
16,2 
17,4 
20,0 
22,0 
23,2 
22.5 
22,0 



17,7 
17,0 
16,4 
15,6 
15,4 
15,8 
17,2 
19,9 
21,8 
22,6 
22,4 
22,2 



12 Uhr 

2 » 

4 » 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 

10 



» 

» 



15,2 
14,2 
13,2 
20,0 
24,6 
27,4 
26,0 
29,4 
29,6 
27,1 
23,0 
20,6 



20,6 
19,5 
19,0 
18,2 
17,8 
18,8 
20,1 
21,8 
23,2 
23,8 
23,8 
22,7 



20,8 
19,7 
19,2 
18,4 
18,0 
18,8 
20,0 
21,6 
23,0 
23,8 
23,8 
22,9 



20,8 
20,0 
19,4 
18,6 
18,1 
18,8 
20'0 
21,8 
23,2 
23,9 
24,0 
23,4 



18,82 18,67 

7,7 7,2 



Mittel: 



22,52 
16,4 



20,77 20,83; 21,00 

6,0 5,8 5,9 



Witterung: 
Fr. kl. u. r. Vorm. schw. W., ebenso 
Nachm. u. Ab. 



Wittern ng: 

Fr. kl. Um 11 U. Vorm. st. W. u. G.. 
dann kl. 



24. Jnli. 



25. Jnli. 



12 Uhr 


17,8 


22,0 


22,3 


22,6 


12 Uhr 


16,4 


22,8 


23,0 


. 2 » 


16,6 


20,8 


21 2 


21,8 


2 » 


18,0 


22,0 


22,2 


4 » 


14,6 


20,4 


2o!5 


21,0 


4 » 


17,2 


21,2 


21,2 


6 » 


21,2 


19,7 


19,9 


20,2 


6 » 


16,8 


20,6 


20,6 


8 * 


26,8 


19,4 
20,2 


19,6 


19,8 


8 » 


16,0 


20,2 


20,2 


10 » 


30,6 


20,1 


20,2 


10 » 


17,0 


19,8 


19,8 


12 » 


32 8 


21,7 


21,6 


21,6 


12 » 


16,6 


19,7 


19,6 


2 n 


34,5 


23,5 


23,3 




2 


16,4 


19,6 


19,5 


4 » 


32,2 


25,6 


25,2 


25,0 


4 » 


13,4 


19,4 


19,2 


6 * 


24,3 


26,1 


25,8 


25,6 


6 r> 


12,8 


19,0 


18.8 


8 » 


22 9 


25,1 


25,0 


25,0 


8 • 


12,2 


18,3 


18,2 


10 » 


18^8 


23,8 


23,8 


24,0 


10 » 


10 Q 


17,6 


17,3 


Mittel: 


24,42 


22,86 


22,38 


22,50 


Mittel: 


15,42 


20,02 


19,97 


Sc hu unl rrv#»n * 


19,9 


6,7 


6,2 | 


5,8. 




12,8 


5,2 


5,7 



Witterung: 

Vorm. kl. u. mst. W. Nachm. 
schw. G.-It., daun bew. u. ver. W. 



U. 



Witterung: 

Fr. u. Vorm. schw. R. u. schw. W. 
M. st. R. u. mst. W. Nachm. Regen u. 
st. W. Ab. bew. u. 8t. W. 



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Die Bodentemperatun bei verschiedener Neigung des Terrains. 
17. Anglist. 19. August. 



49 



Zeit 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



12 Uhr 
2 
4 

6 

S 

10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 

Mittel: 



16,5 
15,8 
16,2 
16,6 
19.2 
22,8 
24,0 
24,2 
22,1 
20,o 
18,6 
16,8 



Bodentemperat u r 



Neigung der Fliehe 



25« 42 . 



21,4 

20,6 
20,0 
19,4 
19.0 
19,0 
19,9 
21,2 
21,8 
21,8 
21,6 
20,6 



22,2 
21,4 
20,6 
19,7 
19,2 
19,2 
20,0 
21,3 
22,0 
22,1 
21,9 
| 21,1 



22,8 
21,8 
21,0 
20,0 
19,5 
19,4 
20,2 
21,5 
22,2 
22,4 
22 2 
21,4 



19,44 
8,4 



20,53 20,89 21,20 

2,8 3,0 3,4 



Wi tterun g: 

Fr. u. Vorm, ver. u. mst. W. Nachm 
bew. u. st. W. Ab. abw. bew., N. G.-R 



Zeit 



12 Uhr 

2 > 
4 
6 
8 

10 

12 
2 » 
4 - 
6 , 
8 » 

10 » 



i 

» 

» 
» 



Mittel : 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 

15,2 
13,8 
13,2 
15.2 
22.4 
27,6 
30,2 
31,0 
31,4 
28 7 
24,1 
24,4 



23,10 
18,2 



Bodentemperatur 



Neigung 



25» | 4«° 59° 



20,8 

19,8 
19,0 
18,4 
18,0 
18,4 
19,8 
22,2 
23,8 
24,4 
24,4 
23,4 



21,4 
20,4 
19,6 
18,6 
18,2 
18,5 
20,0 
22,4 
24,1' 
24,6 
24,7 
24,0 



21,8 
20,6 
19,8 
18,8 
18,3 
18,6 
i 20,3 
22,5 
24,3 
25,2 
25,4 
24,8 



21,03 21,37 21,70 



6,4 



1 



6,5 7,1 



Witterung: 



Fr. kl. u. r., dann abw. bew. u. mst W. 
Nachm. st. W. Ab. leicht bew. N. bew. 



29. August. (In 10 cm Tiefe.) 



30. August. (In 10 cm Tiefe.) 



12 Uhr 

2 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 



Mittel: 



19,2 
18,2 
16,0 
17,4 
24,4 
26,1 
28,2 
28,0 
26,2 
21,2 
1*,2 
17,6 



22.0 
20,6 
19,8 
19,0 
18,8 
20,2 
22,4 
24,7 
25,6 
25,2 
24,2 
21,8 



22.4 
21,4 
20,4 
19,8 
19',6 
20,8 
22,9 
25,4 
26,4 
26,1 
25.0 
22,8 



21,73 I 22,03 22,75 

12,2 | 6,8 6,8 



23,4 
22,2 
21,2 
20,3 
20,0 
21,1 
23,3 
25,8 
27,0 
26,7 
25,8 
23,6 



23,37 

T,0 



Witterung: 

Kl. Vorm. ver. W. M. st. W. Nachm. 
abw. bew. u. ver. W. Ab. u. N. bew. 

E. Wollnjr, Forschungen. IX. 



12 Uhr 

2 » 
4 » 
6 » 
8 

10 

12 

Q 

m 

4 

6 
8 
10 



» 

» 
:.:> 



Mittel: 



13,6 
12,0 
11,4 
12,6 
18,2 
23,6 
26,7 
28,6 
27,* 
24,2 
20.2 
17,4 



20,4 
19.4 
18,3 
17,6 
17,3 
18,2 
20,4 
23,4 
25,2 
25,4 
24,4 
22,6 



21,4 
20,4 
19,2 
18,6 
18,2 
18,9 
20.8 
24,0 
26.0 
26,4 
25,4 
23,6 



22,2 
20,8 
19,6 

1H,9 

18,5 
19,0 
21,1 
24,2 
26,2 
26,4 
25,6 
24,2 



21.05 21,91 I 22,23 

8.1 8,2 7,9 



19,69 
17,2 



Witterung: 

Fr. kl. Vorm. nb., gegen M. thlw. bew. 
u. mst. W., dann meist kl. u. r. 



Digitized by Google 



50 



Physik des Bodens: 



Vor Midi II. (1878.) 

Lehmboden. 
26. Juni. 



Zeit 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



0» 



Bodentemperatur 
in der Oberfläche 

Neigung der Fläche 

16o 



32» 



48o 



Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 

Neigung der Fläche 



0« 



16o 



32o 



48» 



12 Uhr 
2 » 
4 » 
6 » 
8 

10 

12 
2 
4 
6 
8 

10 



» 
» 

i 
» 
» 
» 



14,3 
12,4 
11,6 
19,0 
20,6 
23,6 
25,0 
25,2 
25,2 
23,9 
19,8 
15,4 



16,4 

15,2 
14,0 
15,4 
19,8 
33,3 
25,2 
2<6 
25,8 
23,5 
20,0 
17,5 



16,5 
15,4 
14,2 
15,2 
19,8 
23,8 
24,8 
26,6 
27,5 
24,6 
21,0 
18,4 



16,8 
15,7 
14,6 
15,2 
19,6 
23,2 
27,0 
27,9 
28,2 
25,0 
21,8 
19,4 



17,2 
16.2 
15,1 
15,6 
19,3 
23,3 
27,6 
27,9 
27,5 
24,2 
21,8 
19,6 



19,4 

18,5 
17,6 
16,8 
17,6 
19,6 
21,2 
21,7 
22,7 
23,0 
22,2 
20,6 



19,2 
18,0 
17,1 
16,4 
17,0 
19,2 
20,8 
22,0 
23,6 
23,9 
23,0 
21,4 



19,6 
18,5 
17,4 
16,6 
17,0 
19,0 
21,4 
23,0 
24,5 
24,8 
24.0 
22,4 



19,8 
18,7 
17,6 
16,8 
17,0 
18,6 
21,2 
22,6 
23,9 
24,2 
23,6 
22,4 



Mittel: 
Schwingen: 



19,67 
13,6 



20,05 

11,8 



20,65 21.20 

13,3 14,6 



21.25 

12,8 



20,07 

6,2 



20,13 

7,5 



20,68 

8,2 



20,53 
7,4 



Witterung: 



Bis 7 II. fr. kl., dann mst. W. u. bew. Von Ab. 6 U. ab thlw. bew. u. schw. 
W. dann r. 



27. Jnnl. 



12 Uhr 
2 
4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 



» 

i 

9 
» 

» 



Mittel: 
Schwankung«: 



Fr. kl 
bew. u. st. 




16.0 
14.6 
14,0 
15,0 
19,1 
23,0 
27,8 
23,2 
25,0 
22,0 



17,0 
15,4 
14,6 
15,2 
19,3 
25,0 
28,5 
24,3 
26,0 
22.s 



19,4 I 20,4 
17,6 ; 18,4 



17,0 
16,2 
15,4 
15,7 
19,6 
25,4 
29,6 
25,0 
26,4 
23,3 
21,2 
19,3 



I 



17.4 
16,6 
16,0 
16,0 
19,5 
25,2 
29,5 
24,8 
25,8 
23.0 
21.1 
19,4 



19,72 20.57 | 21,17 21,19 

13,8 13,9 



14,2 13,5 




Witterung: 

, dann thlw. bew. Vorm. 11 U. G. M. 
W. AI), bew. u. r., dann abw. bew. 



21,4 
20,0 
19,0 
17,* 
17,7 
19,4 
22,1 
23,3 
23,7 
23,7 
23,1 
22,2 

20,59 21.39 j 21,11 

5,9 6.8 6,6 6,0 



1-2 ü. schw. R., dann thlw. 



Digitized by Google 



Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 51 

28. Juni. 



Zeit 



12 Uhr 

2 » 

4 > 

6 » 

8 » 

10 » 

12 i 

2 > 

4 v 

0 i 

8 » 

10 * 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



14,2 
12,0 
11,1 
16,0 
19,5 
20,7 
22,2 
22,9 
23,0 
21,0 
17,5 
15,8 



Mittel: 1 17,99 
Mvukugei: 11,9 



Bodentemperatur 
in der Oberfläche 



Neigung der Fläche 



0» 



16o 



32o 



15,4 
13,8 
13,2 
14,3 
17,6 
21,7 
26,0 
27,4 
26,8 
23,6 
19,8 
17,6 

19,76 

14,2 



16,6 
14,4 
13,8 
14,5 
18,4 
23,2 
26,3 
28,1 
27,4 
23,8 
19,8 
18,2 



4*o 



17,3 
15,0 
14,5 
14,8 
18,5 
23,3 
26,8 
28,2 
27,2 
23,6 
20,4 
19,0 



20,37 20,71 

14,3 13,7 



17,6 
15,4 
15,0 
15,0 
18,2 
23,0 
26,6 
27,4 
26,2 
22,8 
20,2 
19,0 

20,53 

12,4 



Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 



Neigung der Fläche 



0° 



16« ' 32» 1. 4*Q 



19,4 
18,0 
17,2 
16,4 
16,8 
18,3 
20,4 
22,2 
23,2 
23,0 
21,8 
20,5 



20,0 
18,2 
17,4 
16,4 
16,6 
18,0 
20,6 
22,6 
23,6 
23,4 
22,4 
21,0 



19,76 20,01 

6,8 6,2 



20,8 
19,0 
18,2 
17,2 
17,1 
18,5 
20,8 
22,8 
23,8 
23,9 
22,8 
2] ,6 



20,54 

6,8 



20,9 
19,0 
18,2 

17,1 

16,8 

18,0 
20,2 
22,2 
23,2 
23,2 
22.5 
21,6 



20,24 

6,4 



Witterung: 

Fr. kl. u. schw. W. Vorm. thlw. bew. u. st W., ebenso Nachm. Ab. r. 
Gegen Mn. bew. 



29. Juni. 



12 Uhr 

2 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 



Mittel: 



15,5 
12,4 
11,8 
17,3 
22,8 
24,2 
26,2 
27,0 
24,4 
20,4 
17,8 
17,0 



19,73 
15,2 



16,0 
15,0 
14,0 
15,0 
21,0 
24,8 
30,4 
32,2 
27,4 
23,1 
20,1 
18,6 



! 



16,6 
15,6 
14,5 
15,2 
21,8 
26,4 
30,0 
32,6 
28,3 
23,8 
20,8 
19,4 



17,4 
16,3 
15,2 
15,5 
21,9 
27,0 
31,4 
33,4 
29,0 
24,5 
21,4 
20,0 



17,4 
16,6 
15,4 
15,6 
21,5 
26,8 
31,8 
33,1 
28,7 
24,5 
21,7 
20,2 



21,46 

18,2 



22,08 

18,1 



22,76 

18,2 



22,77 

17,7 



19,2 
18,4 
17,4 
16,8 
17,7 
19,4 
22,3 
25,0 
26,0 
25,0 
23,4 
22,4 



21,08 

9,2 



19,6 
18,6 

16,8 
17,4 
19,4 

22,7 
25,6 
26,8 
25,8 
24,4 
23,2 



21,48 

10,0 



20,4 
19,6 
17,8 
17,5 
18,0 
19,6 
23,0 
25,7 
27,1 
26,4 
25,2 
24,0 



22,05 

9,6 



20,4 
19,4 
18,2 
17.4 
17,4 
19,2 
22,3 
24,9 
26,4 
26,0 
24.S 
23,9 



21.69 

9,0 



G. 



Witterung: 

Kl. gegen M. thlw. bew. Vorm. kl. u. r. M. abw. bew. Um 2 U. Nachm. 
Von 5 U. 30 Min. ab G.-R. u. ver. W. 

A* 



Digitized by Google 



52 



Physik des Bodens: 
18. Jili. 



Zeit 



12 Uhr 

2 » 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 



i 

» 
» 

» 

» 
» 

» 



Mittel: 



Luft- 
tem- 
t>cra- 
tur 



12,0 
10,6 
10,4 
17,8 
21,4 
23,8 
25,9 
27,4 
28,0 
25,4 
19,4 
17,0 



ftodentemperatur 
in der Oberfläche 



Neigung der Fläche 



0° 16Q 32» i 48» 



14,0 
13,2 
12,4 
13,2 
17,8 
23,0 
29,2 
31,8 
31,0 
27,5 
22,1 
19,6 



19,92 1 21,28 
17,6 | 19,4 



i 

! 



15,0 
14,0 

13,0 
13,6 
18,6 
25,4 
29,6 
33,1 
32,2 
28,3 
23,1 
20,8 



22,22 

20,1 



16,2 
15,0 
14,0 
14,1 
18,7 
25,4 
30,2 
33,5 
32,5 
28,3 
24,0 
21,8 



16,4 
15,0 
14,4 
14.2 

18,5 
25,9 
31,6 
33,6 
32,1 
27,4 
23,8 
22,0 



22,80 22.90 

19,5 i 19,4 



Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 



Neigung der Fläche 



0<» 



18,0 
16,8 
16,0 
15,4 
15,8 
18,1 
21,0 
23,9 
25,2 
25,5 
24,2 
22,6 



16o 320 



18,6 
17,4 
16,6 
15,6 
16,0 
18,4 
22,0 
25,3 
26,6 
26,9 
25,6 
24,0 



19,4 

18,2 
17,4 
16,2 
16,3 
18,6 
22,1 
25,4 
26,9 
27,2 
26,0 
24,8 



48Q 

19,6 
18,4 
17,4 

16,3 
16,2 
18,4 
24,6 
24,6 
26,1 
26,6 
25,6 
24,5 



20,20 21,08 21,54 21,52 
10,1 11,3 11,0 10,4 



Kl. u. schw. W. 



Witterung 



19. Juli. 



12 Uhr 

2 » 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

■t 

6 

8 
10 



» 
» 
» 

» 

i 

» 
» 




18,6 
17,8 
17,0 
17,0 
21,0 
25,0 
29,4 
33,2 
30,7 
27,8 
23,9 
21,2 



19,8 
18,8 
18,0 
17,6 
21,3 
24,9 
29,8 
33,3 
30,7 
27,8 
24,8 
22,2 



Mittel: 



20,86 
12,6 



22.70 23,55 24.08 
16,1 10,2 15,7 



19,8 
18,7 
18,2 
17,9 
21,4 
25,4 
31,2 
33,8 
31,4 
27,2 
24,7 
22,8 

24,85 

15,9 



21,0 
20,0 
19,6 
18,6 
18,8 
20,4 
22,6 
25,0 
25,9 
26,6 
25,4 
23,6 

22,29 

8,0 



22,2 
21,3 
20,4 
19,2 
19,2 
21,0 
23,6 
26,1 
27,5 
27,7 
26,4 
24,7 

23.27 

8,5 



23,4 
22,4 
21,2 
19,9 
19,8 
21,3 
28,8 
26,2 
27,1 
28,0 
27,0 
25,4 

2875 

8,2 



23,0 
22,4 
21,4 
20,2 
19,9 
21,5 
23,4 
25,6 
26,6 
27,5 
26,7 
25,2 

23JM 

7,6 



Kl. u. schw. W 



Witterung: 



tized by Googl 



Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 53 



20. Juli. 



Zeit 


Luft- 
tera- 


Bodentemperatur 
in der Oberfläche 


Kodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 


pera- 


Neigung der Fläche 


Neigung der Fläche 




tur 


0° 


16° 32° 


48° 


0« 


16» 


32<> 1 


48" 


12 Uhr 

2 » 
4 » 
6 * 
8 » 
10 ■ 
12 i 
2 » 

4 > 

6 » 
8 i 
10 » 


15,8 
14,4 
13,4 
21,8 
23,4 
23,2 
26,0 
27,4 
2/,l 
24,0 
19,7 
16,7 


18,6 
17,4 
16,6 
17,6 
21,2 
24,6 
30,7 
33,7 
32,4 
27,8 
22,8 
19,5 


19,6 
18 5 

17,6 

18,0 
22,2 
26,8 
31,2 
35,4 
34,0 
29,0 
24,2 
20,8 


20,6 
IQ 5 
18,4 
18,4 
22,2 
26,8 
31,6 
35,4 
34,0 
28,8 
25,0 
22,0 


20,8 
19,8 
18,8 
18,5 
22,3 
27,4 
33,2 
35,3 
33,0 
27,4 
24,8 
22,0 


22,4 
21,2 
20,3 
19,4 
19,6 
21,2 
23,7 
26,8 
27,9 
27,4 
26,0 
23,8 


23,2 
22,0 
21,0 
19,8 
20,0 
21,7 
24,6 
28,3 
29,4 
29,0 
27,4 
25,0 


24,2 
22,8 
21,8 
20,4 
20,4 
21,9 
24,7 
28,3 
29,6 
29,4 
28,0 
25,8 


24,0 
22,8 
21,8 
20,8 
20,6 
21,8 
24,2 
27,4 
28,6 
28,4 
27,4 
25,6 


Mittel: 
Sei « iiuan^n : 


1 21,07 
14,0 


1 23,57 

1 


24,77 

17,4 


25.22 

17,0 


25,27 

16,8 


23,30 

8,5 


24,28 

9,6 


24,77 

9,2 


24,45 

8,0 



Witterung: 

Kl. Von 11 U. N. ab der Himmel leicht überzogen. 



21. Juli. 



12 Uhr 

2 * 



Mittel: 



16,8 
11,6 
11,6 
13,6 
18,4 
22,1 
22,4 
23,8 
26,4 
24,2 
20,6 
18,8 

19,19 
14,8 



18,6 

16,6 

15,4 

15,8 

19,0 

21,8. 

22,6 

23,2 

26,1 

25,0 

21,2 

19,0 



19,8 
18,0 
16,4 
16,6 
19,6 
22,5 
23,0 
23,5 
27,4 
25,5 
21,6 
19,6 



21,0 
19,0 
17,4 
17,4 
19,8 
22,4 
22,8 
23,2 
26,7 
24,9 
21,9 
20,3 



20 35 21,12 

10,7 11,0 



21,0 
19,2 
17,7 
17,6 
19,6 
22,4 
22,6 
23,1 
26,0 
24 2 
2l\l 
20,2 



22,8 
21,2 
19,7 
19,0 
19,0 
19,6 
2t>,6 
21,0 
22 1 

23,2 
22,7 
21,4 



24,0 
22,2 
20,4 
19,4 
19,2 
19,8 
20,8 
21.2 
22 4 
23^6 
23,0 
21,8 



21,40 

9,3 



25,0 
23,2 
21,4 
20,4 
19,8 
20,2 
21,0 
21,4 
22 5 
23',7 
23,4 
22,6 



21,27 21,02 21,48 22,05 

8,4 4,2 4,8 5,2 



24,6 
23,2 
21,7 
20,6 
W,7 
20,0 
20,8 
21,2 
22,0 
23,0 
22,9 
22,2 

21,82 

4,9 



Witterung: 

Fr. leicht bew. Von 8—10 U, Vorm. bew. u. schw. W., dann al»w. bew. 
Ab. kl. 



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54 



Physik des Bodens: 



19. August. 



Zeit 



12 Uhr 

2 » 



4 
6 
8 
10 
12 
2 
4 
6 
8 
10 



» 

3» 
» 

» 



Mittel: 
kkwMkingcn: 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 

16,2 
12,6 
9,7 
12,2 
16,0 
22,5 
25,5 
24,4 
19,2 
17,8 
16,9 
16,6 



17,46 
15,8 



Bodentemperatur 
in der Olierfläche 



Neigung der Fläche 



0° 

15,4 
18,4 
12,4 
12,8 
15,0 
20,1 
26,0 
25,9 
20,8 
18,6 
17,0 
16,2 

17,80 

13,6 



16' 



32" 



48 < 



16,0 
14,3 
13,3 
13,4 
15,2 
20,5 
26,4 
26,3 
21,4 
19,0 
17,4 
16,4 



i 



16,6 
15,4 
14,2 
14,0 
15,4 
20,9 
26,9 
26,7 
21,8 
19,4 
17,7 
16,7 



18.18 18,82 

13,1 12,9 



16,5 
15,2 
14,2 
14,2 
15,9 
22,3 
28,3 
28,0 
21,8 
19,2 
17,7 
16,8 



19,92 

14,1 



Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 



Neigung der Fläche 



0 ( 



16* 



32« 



48° 



18,4 
17,2 
16,4 
15,6 
15,6 
16,9 
19,4 
21,6 
21,6 
20,3 
19,4 
18,4 



18,8 
17,6 
16,6 
15,6 
15,4 
16,7 
19,6 
21,9 
21,8 
20,4 
19,6 
18,4 



20,0 
18,6 
17,4 
16,4 
16,0 
17,2 
19,9 
22,3 
22,5 
21,4 
20,2 
19,0 



18,40 18,S8 19,24 



6,0 6, 



I 



6,5 



1 20,4 
19,0 
17,8 
16,8 
16,3 

1 17,2 
19,9 
22,1 
22,6 
21,6 
20,6 
19,6 

19,49 

6,3 



Witterung: 

Fr. r. Vorm. schw. W. M. st. W., dann hew. Von 4 11. Nachm. ah R., dann 
bew. n. ver. W. Von ll 9 /4 II. N. ah st. R. 



20. Angnst. 



12 Uhr 


16,0 


16,0 


16,0 


2 » 


15,6 


15,6 


15,6 


4 » 


14,6 


14,6 


14,8 


6 » 


13,8 


14,2 


14,2 


8 » 


19,0 


17,1 
17,4 


17,1 


10 » 


17,0 


17,0 


12 » 


18,0 


17,6 


17,0 


2 • 


17,9 


17,7 


17,2 


4 » 


19,2 


18,6 


18,0 


6 » 


17,3 


16,9 


16,9 


8 » 


14,4 


15,0 


15,0 


10 » 


14,2 


14,6 


14,6 


Mittel: 


16,41 


16,27 


16,12 


SfhwjnLragen: 


5 5 4 


4,4 


3,8 



! 



16,0 
15,6 
14,8 
14,4 
17,2 
16,8 
16,8 
17,1 
18,0 
17,0 
15,3 
14.8 



3,6 



15,8 
15,2 
15,0 
14,6 
17,7 
16,7 
16,6 
17,2 
18,5 
17,2 
15,3 
14,8 



16,21 

3,9 



18,0 
17,5 
16,8 
16,2 
16,2 
16,8 
17,2 
17,2 
17,4 
17,6 
16,8 
16,2 



18,0 

17,5 

17,0 l 

16,2 I 

16,2 

16,6 

16,6 

16,7 

17,0 

17,2 

16,8 

16,2 



18,0 
17,6 
17,0 
16,2 
16,0 
16,5 
16,7 
16,7 
16,9 
17,2 
16,8 
16,2 



19,0 
18,0 
17,2 
16,6 
16,3 
16,6 
16,7 
16,6 
16,9 
17,2 
17,0 
16,4 



16,99 16,83 16,78 ! 17,04 

1,8 j 1,8 2,0 | 2,7 



Witterung: 

Bis 2 II. Mg. st. R., dann schw. R. Von 3 ü. Mg. ab ver. u. mst. W. Von 
10-12 U. Vorm. st. R. u. st. W., dann schw. R. Von 2 U. Nachm. ab St. Ab. 
7—12 ü. R. u. schw. W. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 55 



23. August. 



Zeit 


Luft- 
tem- 
pera- 
tur 


Bodentemperatur 
in der Oberfläche 


Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 


Neigung der Fläche 


Neigung der Fläche 


0 U 




16° | 32° 48° 


0° i 16° ! 32o 


4*0 


12 Uhr 

2 » 
4 » 
6 * 
8 » 
10 » 
12 » 
2 » 

4 » 

6 » 

8 i 
10 . 


14,2 
13,3 
13,4 
13,3 
15,4 
19,4 
22,7 
22,1 

IQ Q 

18,2 
16,4 
15,6 


14,0 
13,6 
13,4 
13,4 
14,7 
18,2 
21,8 
20,7 
18,8 
18,0 
16,9 
16,0 


14,6 
13,9 
13,6 
13,6 
14,7 
18,0 
21,9 
21,0 
19,2 
18,2 
17,1 
16,2 


15,0 15,2 

14.6 14,6 

14.2 14,0 
14,0 14,0 
14,8 15,0 

17.7 18,1 
22,0 23,3 

21.3 21,3 

19.4 19,3 

18.4 18,5 
17,3 17,4 

16.5 16,6 


16,0 
15,6 
15,2 
15,0 
15,0 
15,9 
17,4 
18,7 
18,6 
18,2 
17,8 
17,4 


16.5 
15,9 
15,4 
15,2 
15,0 
15,8 
17,4 
18,9 
18,9 
18,4 
18,0 
17,6 


17,0 
16,4 
15,6 
15,2 
15,0 
15,8 
17,4 
19,1 
19,2 
18,8 
18,4 
17,8 


17,2 
16,4 
16,0 
15,4 
15,2 
15,7 
17,1 
18,8 
19,2 
18,8 
18,4 
18,0 



Mittel: 
Jchwinti 


16,94 
9,4 


16.62 16,83 

8,4 8,3 


17,10 17,27 1 16,73 ! 16,92 

8,0 9,3 3,7 | 3,9 


17,14 

4,2 


17,17 

4,0 



Witterung: 

Bew. Von 5—6 V. fr. R., dann ver. u. schw. W. M. r. Von 4 U. 15 Min. bis 
7 U. 15 Min. Nachm. schw. R., dann ver. Gegen Mn. thlw. bew. 



24. August. 



12 Uhr 

2 




15,2 
15,0 
14,8 
14,4 
14,4 
16,8 
19,8 
22.8 
22,2 
19,6 
16,0 
14,8 



17,06 17.15 

8,6 8,4 



15,4 
15,4 
15,0 
14,4 
14,6 
17,1 
20,0 
22,8 
22,2 
19*2 
15,6 
14,5 



17,18 

8,4 



16,7 
16,0 
15,8 
15,6 
15,4 
15,6 
17,0 
18,2 
19,5 
19,4 
18,4 
17,2 



16,9 
16,0 
15,8 
15,6 
15,4 
15,4 
16,8 
18.1 
19,5 
19,4 
18,4 
17,2 



17,07 17,04 

4,1 4,1 



17,2 
16,2 
16,0 
15,6 
15,2 
15,4 
16,6 
18,0 
19,6 
19,6 
18,5 
17,2 



17,09 

4,4 



17,4 
16,4 
16,2 
15,8 
15,4 
15,4 
16,4 
17,5 
19,2 
19,4 
18,6 
17,4 



17,09 

4,0 



Mn. kl. Gegen Mg. bew. 
bew. Von 6»> Ü. Ab. ab R. 



Witterung: 
Von 5 U. ab st. R. Von 9 



11 U. schw. R., dann 



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56 



Physik des Bodens. 



12. September. 



Zeit 



12 Uhr 
2 



4 

6 
8 
10 
12 
2 
4 
6 
8 

10 



Mittel: 



> 
» 
9 
•>■ 
» 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



12.8 
10,4 
12,0 
18,4 
14,2 
16,8 
21,9 
22.9 
22,6 
17,9 
16,0 
15,2 



Bodentemperatur 
in der Oberfläche 



Neigung der Fläche 



0° 

18,4 
12,2 
12,8 
13,6 
14,6 
16,8 
17,9 
23,6 
23,1 
19,1 
16,4 
15,4 



16,34 16,57 
12,5 11,4 



16 ( 



32« 



48 < 



13,8 
12,6 
13,1 
13,6 
14,4 
16,6 
I 18,6 
24,6 
24,2 
19,9 
17,2 
16,2 



14,3 
13,0 
13,4 
13,7 
14,4 
16,2 
19,2 
25,4 
25,4 
20,8 
18,0 
16,8 



14,5 
13,4 
13,8 
14,2 
14,8 
16,7 
18,1 
29,6 
28,3 
20,6 
18,0 
17,1 



Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 



Neigung der Fläche 



0° 



16,2 
15,4 
14,6 
14,6 
14,8 
15,3 
16,9 
18,4 
19,8 
19,7 
18,5 
17,6 



16,4 
15,4 
14,8 
14,6 
14,6 
15,0 
16,8 
18,4 
20,4 
20,6 
19,2 
18,2 



17,07 17,55 18,26 16,82 • 17,03 

lOA tOi IAO -„ O ' ß A 



12,0 12,4 16,2 j 5,2 | 6,0 



32° 48" 



16,8 
15,6 
15,0 
14,6 
14,4 
14,8 
16,8 
18,5 
20,8 
21,0 
19,9 
18,9 



17,4 
16,4 
15,7 
15,3 
15,0 
15,1 
15,7 
18.4 
21.0 
21.4 
20,6 
19.6 



17,26 

6,6 



17,63 

6,4 



Witterung: 

Nach M. kl. Mg. nb. Vorm. thlw. bew. Nachm. u. Ab. kl. 



18. September. 




Mittel: 



18,8 
18,0 
17,2 
16,6 
17,4 
16.6 
17,* 
19,6 
20,6 
20,3 
19,0 
18,7 

18,35 

4,2 



Witterung: 

Fr. kl., dann thlw. bew. Mg. bew. u. schw. R. 
schw. W. u. leicht bew. Ab. G. R. Von 9 U. ab kl. 



Vorm. vor. M. O. Nachm. 



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Die* Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 57 



18. September. 



Zeit 


Luft- 
tem- 


Bodentemperatur 
in der Oberfläche 


Bodentemperatur 
in 10 cm Tiefe 


pera- 


Neigung der Fläche 


Neigung der Fläche 




tur 


0° 


16° 


32° 


48° 


0° 16« 


32° 


4s" 


12 Uhr 
2 ■ 
4 • 
6 » 
8 » 

10 » 

12 ■ 
2 . 
4 » 
6 » 
8 » 

10 ■ 


9,4 

8,6 
8,2 
8.0 
13,9 
17,6 
20,8 
22,6 
22,4 
17,2 
14,5 
13,6 


9,5 
9,0 
8,4 
8,4 
11,8 
16,4 
19,4 
22,2 
21,8 
17,4 
14,7 
18,4 


i 10,2 
9,6 
8,9 
8,8 
12,1 
17,0 
19,8 
23,6 
22.6 
18,6 
15,8 
14,4 


11,0 
10,2 
9,4 
9,2 
12,3 
17,5 
20,2 
25,1 
24,4 
19,7 
16,9 
15,4 


11,2 
10,0 
9,8 
9,7 
13,8 
19,9 
23,7 
30,0 
28,0 
19,4 
16,8 
15,4 


12,2 I 12,8 
11,6 12,2 
11,0 11,4 
10,6 10,9 
10,6 10,7 

12.4 12,6 
13,9 14,2 
15,9 16,6 

17.5 18,4 

17.5 18,6 
16,4 17,6 

15.6 ' 16,7 


18,5 
12,6 
11,7 

11,1 
10,9 

12,8 
14,5 
17,3 
19,4 
19,7 
18,7 
17,8 



14,2 
13,4 

11,4 
11,8 

11,4 
13,3 
15,0 
17,4 
19,6 
20,2 
19,3 
1^,4 


Mittel: 


14,76 1 
14,7 | 


14,37 

13,8 | 


15,01 

14,8 


16,94 

15,9 


17,31 

20,3 


18,77 1 14,39 

6,9 ! 7,9 


15,00 15,45 

8,8 8,8 



W itterung: 

Bis Mg. abw. bew. Vorm. leicht bew. u. schw. W., ebenso Nachm. Ab. mst. W. 



19. September. 



12 Uhr 

2 * 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 



> 

» 
I 

: 

;< 



Mittel: 



15,3 
15,1 
15,6 
15,1 
15,6 
18,0 
18,3 
13,9 
14,2 
12,0 
11,7 
11,8 

14~80 
6,3 



13,0 
12,9 
13,0 
12,8 
13,8 
16,5 
14,6 
15,1 
15,1 
13,0 
12,2 
12,0 

13,67 

4,5 



13,9 
13,6 
13,8 
13,4 
14,0 
16,8 
15,2 
15,6 
15,6 
13,4 
12,6 
12,2 

14,18 

4,6 



14,8 
14,4 
14,6 
14,0 
14,2 
17,0 
15,4 
16,0 
16,0 
13,8 
13.0 
12,5 

14764 

4,5 



15,2 
14,H 

14,7 
14,4 
14,7 
18,2 
15,7 
16,5 
16,2 
13,6 
13,0 
12,6 

14.97 

5.6 



14,8 
14,5 
14,2 
14,0 
13,8 
14,4 
14,8 
14,7 
15,0 
14,8 
14,0 
13,4 

14,37 

1,6 



15,8 


16,8 


17,4 


15,3 


16,2 


16,7 


14,8 


15,5 
15,1 


16,2 


14,6 


15,8 


14,5 


14,8 


15,4 


14,8 


15,2 


15,6 


15,1 


15,4 


15,8 


15,0 


15,4 


15,7 


15,3 


15,6 
15,3 


15,«.» 


15,1 


15,6 


14,2 


14,4 


15,0 


13,6 


13,8 


14,2 


1434 


15,29 


15,77 


2,2 


3,0 


3,2 



Witterung: 

Fr. bew. Mg. mst. W. u. K. Vorm. bew. u. st. \V., ebenso Nachm. bis 4 F 
Von da ab ver. u. r. Ab. bew. 



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58 Physik des Bodens: 

Versuch III. (1888.) 

Humoser Kalksandboden. Hodentemperatur in 15 cm Tiefe. 
29. Juni. 30. Jaul. 



Z.it 



12 


[Ihr 


o 

— 




4 




0 








10 


)? 


12 




■> 




4 




o 




* 


i 


10 





Mittel: 



Luft« 
lem- 
pera- 
tur 

18,4 

ll.l 

.).) o 

•_"_'.«» 
24,0 
25,6 
25,6 
25,0 
28,6 
19,0 

ir>,o 

20,23 
14,2 



firas 

Neigung der Fläch« 

10" 2<)° 30" 



1 82 

i:[u 
17,6 
17.2 
10,8 
16,8 
IT.- 
18,0 
18,9 
19,3 
19,5 
19,4 



18,4 
18,2 
17,8 
17,3 

17,0 
17,0 
17,1 
18,0 
18,8 
19,2 
1 9.5 
19,5 



18,8 
18,2 
18,2 
17,7 
17,4 
17,4 
17,8 
18,3 
19,2 
19,6 

19,H 
19.9 



Brache 

Neigung der Fläch« 

10° 20° 80° 



21.0 22.0 22,4 

2ii.ll 21,0 21.* 

19.0 20,0 I 20,4 
18,4 18,8 , 19,0 
17,8 18,2 18,4 
18,2 18,6 lo,o 
19,8 20,0 20,9 
21,7 22.5 22,9 

24.1 24,9 25,1 
25,0 25,7 25,8 
25,0 25,0 25,0 

24.2 24,8 24,0 



18,07 18 18 18.52 21,28 

2,5 2,5 



2,7 



21.89 22.10 

7,2 7,5 7,4 



Witterang: 
Kl. fr. r. Vorm. schw. W. Nachm. st. W. AI», r. 



Luft- 
tem- 
pera* 
tur 

12.9 
11.1 

9,2 
20.4 
22 2 
23^6 
25,9 
26,8 

2<;.s 

24,0 

19,1 
i:,o 

19.80 

17,«; 



Gras 

Noigung der Fläche 

10° 20° I 30° 



Hrache 



19,0 
18,8 
17,8 
17,2 
1G.7 
16,6 
10,9 
18,1 
19,3 



19,2^ 19,0 



18,< 
17.9 
17.4 
16,s 
10,7 
17,0 



1*,9 
18,2 
17.7 
17,2 
17,1 
17.4 



18,1 | 18,4 
19.4 



19,4 



20.0 20,0 ; 20,1 
2n,2 l20,4 20,6 

20.1 20,2 20,G 

18,8918,4818.77 

:<.o 



Neigung der Flieh* 
10° 20° I 30° 



3,5 



23,0 
21,5 
20,0 
19,0 
18.2 
18,5 
20,0 
22,* 
25,1 
26,2 
26,2 
25,2 



23,0 
22,0 
20,4 
10,4 
is.6 
19,0 
20,5 
2::.:. 
25.8 
26,9 
26,8 
25,8 



23.5 
21,9 
20,2 
19,2 
18,5 
19,0 
20,7 
23,7 
26,0 
27,0 
26,8 
25,8 



22.14 22.69 22.69 

8,0 8,1 I 8,5 



Witterung: 



Kl. it. * r. 



1. Jnli. 



2. Jn Ii. 



12 Uhr 

2 » 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 
10 



Mittel: 

Sfhw.mkungfi): 



13,0 
11,0 
10,9 
20,0 
23,3 
25,1 
27,5 
27,8 
27,8 
25,5 
20,8 
17,0 

20,86 
16,9 



19,7 
19,2 
18,7 
18,0 
17,6 
17,4 
18,0 
19,2 
20,5 
21,4 
21,8 
21,5 



19,8 
19,4 
18,8 
18,1 
17,7 
17,6 
18,0 
19,1 
20,2 
21,0 
21,4 
21.5 



20,4 
19,8 
19,4 
18,6 
18,2 
18,1 
18,4 
19,4 
20,5 
21,4 
22,0 
21,9 



23,9 
22,8 
21,7 
20,3 
19,6 
20,0 
21,5 
24,2 
26,2 
27,5 
27,4 
26,9 



24,6 
23,4 
22,2 
20.7 
20,1 
20,4 
22,0 
24,8 
27,0 
28,2 
28,2 
27,4 



24,4 
2:5,2 
22,1 
20,6 
20,0 
20,4 
22,2 
25,1 
27 2 
2* [4 
28^2 
27,2 



4,4 3,8 



3,9 



19.42 19,38 19,84 23.50 24,08 24.08 



7,9 8,1 | S,4 



Witterung: 

Iiis M. r. u. kl. Von da ab schw. W. u. thlw. 
bew. Ab. u. N. kl. u. r. 



13,8 
11,7 
11.1 

19,0 
24,4 

25,7 

2<;.!> 

28,1 
27.* 
25,6 
20,0 
15,7 

20.8*2 
16,7 



21,2 
20,4 
IM.* 
19,0 
18,5 
18,4 
19,0 
20,0 
21,7 
22,6 
22,8 
22,6 



21,2 
20^6 
19,9 
19,2 
18,7 
18,6 
19,1 
20,1 
21,6 
22,6 
22,8 
22,8 



21,7 
21,0 
20,4 
19,6 
19,2 
19,0 
19,4 
20,3 
21,6 
22,6 
23,0 
23,0 



25,5 
23,8 
22,8 
21,5 
20,7 
21,0 
22,7 
24,6 
20,9 
28,0 
27,9 
27,1 



26,2 
24,4 
23.4 

22,0 
21,2 
21,6 
23,3 
25,3 
27,7 
28,7 
28,6 
27,8 



26,1 
24,2 
23,2 
21,9 
21,0 
21,5 
23,4 
25,6 
27,9 
28,8 
28,0 
27,6 



4,4 4,2 4,0 



20,50 20.60 20,90 24,39 25,02 24.98 



7,3 1 7,5 I 7,8 



Witterung: 
Kl. u. r., nur Nachm. schw. W. 



Google 



Die lindentempcratur bei verschiedener Neigung des Terrains. 59 
0. Oktober. 10. Oktober. 



Zeit 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



12 Uhr 

o 

M 

4 

6 

10 
12 

2 

4 

« 

10 



y 

'. 

» 



0,9 
0,5 
-0.3 
2,3 
5,6 
10,2 
13,6 
14.3 
13.0 
9,6 
4,4 
1,8 



Gras 



Neigung der Fliehe 

10° ! 20° i 30° 



4,4 
4,4 
4,4 

4,2 
4,1 
4,1 
4,4 

5,1 

5,8 
6,3 
6.6 
6,5 



4,7 
4,7 
4,7 
4,5 
4,4 
4,4 
4,6 
5,4 
6,2 
6,7 
7,0 
6,9 



5,3 
5,2 
5,2 
4,9 
4,6 
4,6 
5,1 
6,2 
7,3 
7,9 
8,1 
7,8 



Krache 



Neigung der Fliehe 

10° 20° I 30° 



Mittel: 6.28 
Hittkucn: 14,6 



5,02 5,35 6,02 

2,5 | 2,6 3,5 

Witterung: 



6,2 
5,8 
5,5 
4,9 
4,3 

4,5 
5.9 
7,9 
9,5 
9,7 
9,3 
8,5 



6,83 

5,4 



6,6 1 7,0 
6,6 
6,2 
5,6 
4,8 
5.0 
6,6 
8,9 



6,2 
5,8 
5,2 
4,5 
4,7 
6,2 
8,3 



10,0 1 10,7 
10,2 i 11,0 

9.6 10,6 

8,8! 9,5 

I 

7,18 1 7,71 

5.7 ] 6,2 



Kr. kl. u. Rf. Vorm. meist 
Nachm. kl. u. schw. W. Ab. u. 



kl. u. mst. W 
N. kl. u. r. 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 

0,8 
0,6 
0,2 
-0,1 
4,6 
9,2 
14,2 
15,6 
14,3 
10,0 
5,6 
5,3 

6,69 
15,7 



Gras 



Neignng der Flüche 
10° I 20° 30° 



6,5 
6,2 
6,0 
5,6 
5,2 
5,0 
5,1 
5,7 
6,5 
6,9 
7,1 
7,2 



6,9 
6,7 



7,6 
7,3 



6,4 t 7,0 

6,0 | 6,6 

5,7 i 6,2 

5,4 i 5,8 

5,6 i 6,1 

6,2 7,1 

7,0 8,2 

7,4 8,7 



7,6 
7,6 



8,9 

8,8 



Hrache 



Neigung der Fliehe 



10° 20 " 30° 



6,08 1 6,54 \ 7,36 

2,2 2,2 I 3,1 



7,7 
7,0 
6,2 
■ r »,4 
4,7 
4,6 
5,8 
7,9 
9,6 
9,9 
9,5 
8,9 

7,27 



8,1 
7,3 
6,4 
5,6 
4,9 
4,8 
6,1 

M 

10,2 



8,8 
7,9 
7,0 
6,0 
5,3 
5,2 
6,7 
9,5 
11,6 



10,6 12,0 
10,2 11,5 
9,5 10,7 

7,68 I 8,52 



5,3 5,8 | 6,8 



Witterung: 

Fr. kl. u. Rf. Von 6-8 U. fr. nb., 
sonst kl. u. r. Ab. nb. 



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60 



Physik des Bodens: 



Versuch IV. (im.) 

Hunioser Kalksandboden. Bodentemperatur in 15 cm Tiefe. 

10. Mal. 14. Juni. 



Zeit 



Luft- 
tem- 
pera- 
tur 



Hodente 



Neigung 

0 W 10° 



raperatur 

<l»r Fliehe 

20° ! 30° 



Luft- 
tern- 
pera- 
tur 



Bodentemperatur 



Neigung der Fliehe 

0° J0° | 20° 1 30« 



12 Uhr 

2 

4 

6 

8 
10 
12 

2 

4 

6 

8 

10 



» 

3» 
» 
I 
5) 
» 
» 
» 
I 
» 
» 



Mittel. 

SdlWllluigffl 



8,5 
6,9 
4,4 
11,9 
17,8 
21,7 
22,8 
23,8 
24,2 
20,8 
15,6 
11,6 

15,83 
19,8 



14,8 
14,0 
13,2 
12,4 
12,0 
12,2 
13,3 
15,1 
16,8 
18,0 
18,2 
17,9 



15,8 
14,9 
13,8 
13,0 
12,4 
12,9 
14,3 
16,5 
18,4 
19,7 
19,8 
19,4 



14,83 | 15,90 

6,2 7,4 

Witterung: 



16,4 
15,8 
14,4 
18,4 
12,7 
13,1 
14,6 
17,0 
19,0 
20,2 
20,4 
19,9 

16,41 

7,7 



17,0 
15,9 
14,8 
13,8 
13,0 
13,5 
15,2 
17,6 
19,8 
21,0 
21,2 
20,6 

16,95 

8,2 



Fr. kl. u. r., dann kl. u. schw. W. Ab. u. 
X. kl. u. r. 



13,8 
11,8 
9,6 
18,4 

21,1 
23,6 
24,5 
26,8 
26,5 
19,0 
16,4 
14,6 



17,1 
16,6 
16,0 
15,4 
15,2 
15,8 
17,2 
18,9 
20,8 
21,8 
21,6 
21,0 



17,6 
17,0 
16,4 
15,6 
15,4 
16,1 
17,8 
19,7 
21,8 
22,6 
22,6 
21,9 



18,84 18,12 t 18,71 
17,2 | 6,6 7,2 



18,2 
17,4 
16,8 
15,8 
15,5 
16,2 
18,4 
20,5 
23,0 
23,8 
23,6 
22,6 

19,32 

8,3 



18,5 
17.8 
17,2 
16,4 
16,0 
16,6 
18,6 
21,0 
23,4 
24,2 
24,0 
23,0 

19,78 

8,2 



Witterung: 

Vorm. kl. u. r. Nachm. kl. u. 
schw. W. Von 5 U. ab bew. u. mst. 
W. Ab. u. N. abw. bew. u. r. 



13. Juli. 



«. August. 



12 Uhr 

2 » 




25,57 

7,6 



26,7 
26,0 
24,6 
23,4 
22,8 
23,2 
24,9 
27,8 
30,0 
81,3 
31,4 
30,6 



26,53 26,89 

7,* 8,6 



Witteru ng: 
Kl. u. r., mir M. schw. W. 



27,2 
26,5 
25,1 
23,8 
23,2 
23,6 
25,4 
28,4 
30,7 
32,0 
32,0 
31,1 



27,42 

8,8 



15,4 
15,4 
15,6 
16,4 
17,8 
21,8 
25,0 
25,9 
26,1 
23,2 
20,2 
18,0 



20,07 
10,7 



21,2 
20,8 
19,6 
19,2 
18,8 
18,6 
19,2 
20,1 
21,1 
21,8 
21,6 
21,2 



21,9 
21,0 
20,0 
19,4 
19,0 
18,9 
19,8 
21,5 
23,1 
24,0 
23,7 
23,1 



22,1 

21,5 

20,4 

19,7 

19,2 

19,2 

80,8 I 

21,8 

23,6 

24,6 

24,2 



22,3 
21,6 
20,6 
20.0 
19,5 
19.4 
20,5 
22,2 
24,3 
25.2 
24,6 
23,s 



20.27 

3,2 



21,28 
5,1 



21,67 

5,4 



22.00 

5.K 



Witterung: 

Fr. kl. u. r., dann nb. Von 10 U. 
Vorm. ab abw. bew. u. ver. W. Ab. 
u. N. kl. u. ver. W. 



Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 61 



20. September. 



£,eit 


Lufttem- 

Tinro tut* 

peraiur 


Bodentemperatur 


Neigung der Fläche 




0° 


10° 




30° 


i {% tri 

12 Uhr 


12.0 


17,6 


20,0 


20,2 


20,6 


9. ■ 


11,2 


17,4 


19,6 


20,0 


20,3 


4 » 


10,3 


16,4 


18,4 


19,0 


19,0 


6 • 


9,6 


16,0 


17,4 


18,0 


18,2 


8 i 


15,2 


15,4 


16,6 


17,0 


17,4 


10 » 


18,8 


15,4 


16,6 


17,2 


17,5 


12 * 


21,1 


16,0 


17,8 


18,6 


18,6 




Oft <■) 


17,6 


20,0 


20,6 


21,0 


4 » 


212 


18,9 


21,8 


22 2 


23,0 


6 i 


is'o 


19,4 


22,2 


22'6 


23,3 


8 » 


14,0 


19,2 


21,6 


22,0 


22,4 


10 * 


10,9 


18,6 


20,5 


21,2 

________ 


21,4 


Mittel: 

Schwankungen : 


15,44 

13,4 


17,33 
4,0 


19,39 

5,6 


19,87 

5,6 


20,23 

5,9 



Witterung: 

Fr. r. u. kl. Vorm. thlw. bew. u. schw. W. Von 10 U. ab kl. u. schw. W. 
Ab. u. N. kl. u. r. 



Mittel der Beobachtungen. 
Yersnch I. 



In 15 cm Tiefe. 
Bodentemperatur 
v. 22.-25. Juli 1877 

,. 17. u. 19. Aug. 
„ 29. u. 30. 



Neigung der Fläche. 
25° 42° 59° 

20,56 °C. 20,50 °C. 20,51 °C. 
20,78 „ 21,13 M 21,45 „ 
21,54 || 22,33 „ 22,80 



»» 



In 15 cm Tiefe. 

Bodentemperatur 
v. 26. - 29. Juni 1878 
„ 18. - 21. Juli 
H 19. 20. 23. 24. Aug. 
.. 12. u. 13. Septbr. 
„ lb. u. 19. 



»» 



Versnch II. 



Neigung der Fläche. 



0° 16° 

20,23°C. 20,55°C. 

21,70 „ 22,71 ., 

17,30 || 17,33 

17,12 „ 17,36 || 

14,07 „ 14,62 „ 



32° 48° 
21,16°C. 20,89°C, 

23,03 || 22,85 „ 



17,55 „ 
17.62 „ 
15,51 „ 



17,70 || 
17,99 |, 
15,61 „ 



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62 



Physik des Bodens: 



Tn der ( Jlicrtl'ii'lip 
III Ucl \J Ulf III aCIlt. 




iseigung uer riacne. 




Bodentemi)eratur 


0° 


16° 82° 


48° 


v. 26. - 29. Juni 1878 


20,25 °C. 


80,98°C. 21,46°C. 


21,43 °C 


„ 18. - 21. Juli 


21,96 „ 


22,91 ., 23,37 „ 


23,45 „ 


„ 19.20. 23. 24. Aug. „ 


16,93 „ 


17,03 „ 17,30 M 


• 

17,65 ,. 


„ 12. u. 13. Septbr. 


16,97 „ 


17,34 „ 17,70 „ 


18,31 ., 




14,02 M 


14,59 15,29 „ 


16,14 




Versuch III. 




Gras. 




Nciguog der Fläche. 


In 15 cm Tiefe. 


10° 20° 


30° 


Bodentemperatur v. 29. Juni-2. Juli 1883' 19,09 °C. 19.16°C. 


19,51 °c 


„ 9. u. 10. Oktbr. „ 


5,55 „ 5,92 „ 


6,69 


Brache. 








Bodentemperatur v. 29. Juni - 


2.Juli 1883. 22,83 „ 23,42 „ 


23,48 ,. 


,. 9. u. 10. Oktbr. ., 


i,o.) ,, <,43 ,, 


8,11 „ 




Versuch IV. 




In 15 cm Tiefe. 




Neigung der Fläche. 




Bodentemperatur 


0° 


10° 20° 


30° 


v. 10. Mai 1884 


14,83 °C. 


15,90°C. 16,41 °C. 


16,95 °C. 


14. Juni „ 


18,12 „ 


18,71 ,. 19,32 „ 


19,73 „ 


,, 13. Juli 


25,57 „ 


26.53 ,. 26,89 „ 


27,42 


„ G. August ,. 


20,27 „ 


21,28 „ 21,67 „ 


23,00 ,. 


„ 20. Septbr. ., 


17.33 „ 


19,39 „ 19,87 „ 


20,23 



Bei näherer Durchsicht der in Vorstehendem mitgetheilten Beob- 
achtungsresultate ergiebt sich für die vorliegenden Verhältnisse, 

1) daß der Boden während des Frühlings, Sommers und 
Herbstes sich im Allgemeinen um so stärker erwärmt, 
im Winter (November bis Februar) in um so höherem 
Grade abkühlt, je stärker das nach Süden exponirte 
Land gegen den Horizont bis zu einem bestimmten 
Winkel geneigt ist; 

2) daß der Neigungswinkel, welcher bei südlichen, Ab- 
dachungen das Maximum der Bodentemperatur bedingt, 
während der Monate Februar bis April und August bis 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 63 



Oktober bei 48°, während der Monate Mai bis Juli bei 
32°, und zur Winterzeit bei 0° gelegen ist; 

3) daß, bei ausschließlicher Berücksichtigung der Yegetattonszelt 
(März bis Oktober) und derjenigen Hänge, welche die Acker- 
resp. Wiesenkultur ermöglichen (bis circa 30° Neigung), der 
Boden nm so wärmer, je stärker das sudlich exponirte Terrain ge- 
neigt ist; 

4) daß die ad 2 und 3 charakterisirten Unterschiede in der 
Bodenerwärmung im Frühjahr und Herbst, sowio bei un- 
gehinderter Bestrahlung bedeutend größer sind als im 
Sommer und bei bewölktem Himmel; 

5) daß die Schwankungen der Bodentemperatur durch- 
schnittlich in dem Maße zunehmen, als sich der Boden 
stärker erwärmt, so daß dieselben unter den ad 3 ange- 
nommenen Bedingungen um so größer ausfallen, je 
steiler der Abhang ist; 

6) daß in dem täglichen Gange der Bodentemperatur die 
durch Satz 2 resp. 3 geschilderten Unterschiede am 
stärksten zur Zeit des täglichen Maximums (4 — 6 h p. m.), 
zur Zeit des täglichen Miniraums (8 — 10 h a. m.) am 
schwächsten hervortreten; 

7) daß der Schnee um so schneller abschmilzt, je größer 
der Winkel ist, den die Bodenfläche mit dem Horizont 
bei südlicher Abdachung bildet. 

In Bezug auf die Schlußfolgerungen sub 1 und 2 sind, abgesehen 
von den Mitteln der Pentaden, besonders die Zusammenstellungen S. 24, 
37, 39 zu vergleichen. Die zifFermäßigen Belege für Satz 3 sind, außer 
den vorstehend bezeichneten, den Tabellen S. 47 u. G2 zu entnehmen. 

Für die ad 4 geschilderten Gesetzmäßigkeiten sprechen die Differenzen 
zwischen den Temperaturen der am stärksten und schwächsten erwärmten 
Flächen, wie solche in nachstehender Uebersicht zusammengestellt sind: 



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r>4 



Physik des Bodens: 



April 



Brach — 



Brach 



Gras 
Ii räch 



Brach 



Grade Celsius. 
Mai Juni Juli August September Oktober 

1. A. Versuch I. 1878. 

0,64 0,55 0,25 0,36 



0,78 



0,82 
0,'jß 



1. V. Versuch II. 1879. 

0,58 0,33 0,20 0,86 

1. B. Versuch I. 1888. 

0,47 0,38 0,08 0,39 
0,44 0,42 0,34 0,66 

2. Versuch I. 1877. 

— 25. Juli 17. u. 19. August 
0,05 0,67 



0,65 1,10 



1,25 0,90 



0,43 
0,58 



29. u. 30. August 
1,26 



2. Versuch II. 1878. 

26. — 29. Juni 18. -21. Juli 19. -24. Aug. 12. u. 13. Sept. 18. u. 19. Sept. 
Brach 0,66 1,15 0,40 0,87 1,54 



Gras 
Brach 



2. Versuch III. 1883. 

29. Juni — 2. Juli 9. u. 10. Oktober 

0,42 1,14 

0,65 1,06 



Brach 



2. Versnch IV. 1884. 

10. Mai 14. Juni 13. Juli 
2,12 1,61 1,85 



6. August 20. September 
1,73 2,90 



Wie diese Zahlen zeigen, sind die durch die Neigung des Termins 
in der oben geschilderten Weise hervorgerufenen Verschiedenheiten in 
der Erwärmung des Bodens bei niedrigem Stande der Sonne beträchtlich 
größer als bei höherem Stande derselben. 

Die im '5. Satz angeführten Erscheinungen finden ihre Erklärung in 
dem Umstand, daß die durch verschiedene Neigung des Terrains hervor- 
gerufenen Unterschiede in der Bodentemperatur zur Zeit des täglichen 
Maximums größer sind, als beim tiefsten Stande des Thermometers, wo 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 



63 



die betreffenden Werthe, ohne daß sie sich ausgleichen, mehr genähert 
sind. Diese Verhältnisse ergeben sich aus den die zweistündlichen Be- 
obachtungen enthaltenden Tabellen mit voller Deutlichkeit. 

Bei der Erklärung der durch die Neigung des Terrains gegen den 
Horizont bedingten Modifikationen in der Erwärmung des Erdreichs, wie 
solche durch die vorstehend mitgetheilten Versuche näher festgestellt 
worden sind, ist man bisher fast allgemein von dem Stande der Soune 
zu der von derselben beschienenen Fläche ausgegangen. Hiergegen läßt 
sich zunächst insofern nichts einwenden, als es klar ist, daß die Ab- 
sorption eines von der Sonne ausgehenden Strahlenbündels durch die von 
demselben getroffene Ebene, und somit auch deren Erwärmung um so 
intensiver ist, je mehr der Winkel zwischen den Sonnenstrahlen und der 
beleuchteten Fläche sich 90 Graden nähert. Betrachtet man nämlich ein 
Strahlenbüschel von quadratischem Querschnitt, so wird jede nicht dazu 
>enkrechte Fläche von diesem Strahlenprisma nach einem Parallelogramm 
geschnitten, dessen Flächeninhalt um so größer ist, je kleiner der 
Neigungswinkel der schneidenden Ebene zur Prismenachse wird. Dieses 
von der Sonne kommende Strahlenprisma wird deshalb seine Wärmesumme 
auf eine um so größere Fläche vertheilen, je kleiner der Einfallswinkel, 
und muß notwendiger W r eise in demselben Verhältnisse die Wärme- 
intensität für die Flächeneinheit abnehmen. 

Für den vorliegenden Zweck würde es indessen zu keinem Ziele 
führen, wollte man für die in Betracht kommenden Flächen den Einfalls- 
winkel berechnen, weil sich derselbe in jedem Augenblick ändert. Viel- 
mehr wird es nothwendig sein, die Bestrahlungsgröße selbst kennen zu 
lernen. Wie nun C. Eser l ) näher nachgewiesen hat, ist diese aber nicht 
allein von der Sonnenhöhe, sondern auch in hervorragendem Grade von 
der Bestrahlungsdauer abhängig, welche bei verschiedenen Neigungs- 
winkeln der Hänge eine verschieden große ist. Demnach handelt es sich 
behufs Ermittelung der in vorliegenden Versuchen hervorgetretenen Er- 
scheinungen um die Bestimmung der mit der Zeitdauer multi- 
plicirten Intensität der Bestrahlung. 

Derartige, mit einem sehr beträchtlichen Zeitaufwand verknüpfte 
Berechnungen der Bestrahlungsgröße in dem eben angedeuteten Sinne hat 



») Vergl. diese Zeitschrift. Bd VII. 1884. S. 100-118. 
E. W oll ny, Forschungen IX. 



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66 



Physik des Bodens: 



C. Eser für die vorliegenden Verhältnisse ausgeführt, indem er den be- 
treffenden Werthen eine einstündige senkrechte Bestrahlung als 
Einheit zu Grunde legte. Die auf diese Weise gewonnenen Zahlen 
mögen wegen des Vergleichs mit den obigen hier nochmals eine Stelle 
finden. 

Werth* der Tages-Best rahin ng bei Exposition gegen Süd. 



Datum 


Neigung der Flache 


Datum 


Neigung der Fläche 


Monat I Tag 


0° 


10° ! 20° 30° 


Monat Tag 


0° l 10« 


20° 


30« 



Jan. 

» 

x 
» 

Febr. 

März 

» 



1. 
10. 

20. 
30. 
10. 
20. 
1. 
10. 
20. 
» ! 30. 
April 10. 
» 1 20. 
I 30. 
10. 
20. 
30. 
10. 
20. 
30. 



Mai 

» 
» 

Juni 

» 



1,7354 
1,8714 
2,1161 
2.4. r )40 
2,9239 
3,4260 
3,9237 
4,4568 
5,0680 
5,6824 
6.3406 
6,9040 
7,4180 
7,8685 
8,2415 
8,5257 
*,7237 
8.7920 
8,7526 



2,M822 
3,0266 
3,2806 
3,6210 
4,0780 
4,5485 
4,9994 
5,4665 
5,9836 
6,4859 
7,0070 
7.4385 
7.8205 
8,1459 
8,4(186 
8,6040 
8.7380 
8.7908 
8,7574 



3,9416! 

4,0899 

4.3454 

4,6780 ! 

5,1082 

5,5329 

5,9221 

6,3099 

6,7174 

7,0946 

7,4698 

7,7678 

8,0191 

8,2243 

8,3835 

8,4974 

8,5782 

8,5993 

8,5843 



4,8813 
5.0289 
5,2781 
5.5928 
6,9831 
6.3490 
6.6666 
7.9617 
7,4472 
7,2892 
7,7124 
7,8739 
7,9975 
8,0 852 
8,1469 
8,1853 
s,2073 
8*2142 
8,2104 



Juli 10, 

20. 
30. 

Aug. » 10. 

Sept. 

» 

Okt. 

» 

Novbr. 

Dechr. 

» 



20. 
30. 
10. 
20. 
30. 
10. 
20. 
30. 
10. 
20. 
30. 
10. 
20. 
30. 



8,6060 
8,3591 
8,0206 
7,5565 
7,0645 
6,5208 
5,8802 
5,2765 
4,6699 
4,0785 
3,5203 
3,0122 
2,5306 
2,1773 
1,9146 
1,7479 
1,6808 



S6464 
8,4898 

8,2538 
7,9215 
7,5591 
7,1464 
6,6444 
6,1559 



0,0 
5,1365 
4,6350 
4.1621 
. 3,6968 
3,3431 
3,0719 
2,8957 
2,8238 



18.5287 
! 8,4315 
8.2907 
8,0839 

7,8479 
7,5674 
7,2105 
6,8484 
6,4564 
6,03*5 
5,6089 
5,1854 
4,7505 
4,4073 
4,1359 
3,9556 
3,8810 



8.1947 
8,1638 
8,1122 
8,0268 
7,9150 
7,7670 
7.5602 
7.3330 
7.0671 
6,7569 
6,4125 
6.0512 
56600 
5.3376 
5.0742 
4,8953 
4.8202 



Man erkennt sofort, daß die Werthe der Bestrahlungsinten- 
sität für die verschieden geneigten Flächen im Sommer sehr 
genähert sind, von da ab nach beiden Seiten zum Winter kon- 
stant auseinandergehen und Ende December die größten 
Unterschiede aufweisen. Die beobachteten Bodentemperaturen zeigen, 
wie durch Satz 4 hervorgehoben wurde, ein ahnliches Verhältniß, indem 
die durch verschiedene Neigung des Terrains hervorgerufenen Unter- 
schiede in der Erwärmung des Erdreiches im Sommer am geringsten 
sind, nach dem Frühjahr und Herbst resp. dem Winter zu immer größer 
werden. 

Ließe sich auf diese Weise in dem Grade der Wirkung eine Ueber- 
einstimmung zwischen den für die Bestrahlungsintensität berechneten 
Werthen und den ermittelten Bodentemperaturen nachweisen, so gelingt 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 



67 



dies nur zum Theil, wenn die absoluten Größen in Betracht gezogen 
werden. 

Innerhalb der hier gewählten Grenzen war im Frühjahr und Herbst, 
ebenso im Winter die Intensität der Bestrahlung um so größer, je steiler 
die Hänge waren, dagegen verschob sich Ende April das Maximum all- 
mählich auf die weniger stark geneigteu Flächen, fiel am 20. Juni sogar 
auf die horizontale Fläche, um dann nach und nach bis zum 20. August 
auf das gegen den Horizont am stärksten geneigte Terrain überzugehen 
und sich dort, die kältere Jahreszeit hindurch, dauernd bis Ende April 
zu erhalten. Der Gang der Bodentemperatur war in sämmtlicheu 
Versuchen zum Theil ein anderer, insofern derselbe nur im 
Frühjahr und Herbst den Werthen der Bestrahlungsintensität 
folgte, im Sommer und Winter aber von denselben wesent- 
lich abwich. Während nämlich die Bestrahlung im Sommer um so 
stärker, im Winter um so schwächer, je kleiner der Neigungswinkel des 
Terrains war, stellte sich die Bodentemperatur umgekehrt, d. h. dieselbe 
war im Sommer um so höher, im Winter um so kleiner, je steiler der 
Hang war. Es ergiebt sich somit, daß die Bestrahlungsintensität für die 
Erwärmung gegen den Horizont verschieden geneigter Flächen nicht allein 
maßgebend ist, sondern daß hierbei noch andere Faktoren mit ins Spiel 

Ein solcher, der zugeführten Sonnenwärme in den bezeichneten 
Jahreszeiten entgegenwirkender Faktor ist in der Bodenfeuchtigkeit zu 
suchen. Wie gezeigt, nimmt letztere in dem Grade ab, als das Terrain 
stärker gegen den Horizont geneigt ist. In dem Betracht nun, daß 
die Erwärmung des Erdreiches um so geringer ist, je größer der 
Wassergehalt desselben *), weil in dem gleichen Maße ein Theil der 
zugeführten Wärme in Folge der ergiebigeren Verdunstung 2 ) gebunden 
wird, kann im Sommer, wo das Maximum der Bestrahlung auf die 
weniger geneigte resp. auf die horizontale Fläche fällt, die Wirkung der 
stärkeren Bestrahlung wegen des vergleichsweise höheren Wassergehaltes 
des Bodens nicht zur Geltung kommen, um so weniger als die Unter- 
schiede in den Werthen der Bestrahlungsintensität gegen den Horizont 
verschieden geneigter Flächen zu dieser Jahreszeit an sich verhältnismäßig 

l ) Vergl. diese Zeitschrift. Bd. IV. 1880. S. 147-190. 
*) Vergl. diese Zeitschrift. Bd. VII. 1883. S. 38—40. 



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68 



Physik des Bodens: 



gering sind. Nur in einzelnen Fallen 1 ), wahrscheinlich dann, wenn die 
Unterschiede in dem Wassergehalt verschieden geneigter Boden sich 
mehr oder weniger ausgeglichen haben, läßt sich auch im Sommer eine 
Koincidenz der Bodentemperatur mit der Strahlungsintensität nachweisen. 

Als Ursache der Erscheinung, daß sich im Winter bei Frost- 
wetter die Bodentemperatur um so niedriger stellt, je stärker geneigt 
die Fläche ist, trotzdem die Intensität der Bestrahlung sich umgekehrt 
gestaltet, ist, gleichergestalt wie im vorerwähnten Fall, die Boden- 
feuchtigkeit insofern in Anspruch zu nehmen, als sich der Boden nach 
den hierüber angestellten Versuchen des Referenten *) unter bezeichneten 
Umständen um so stärker abkühlt, je trockener derselbe ist. Da aber 
andererseits sich bei Thauwetter und steigender Temperatur die Er- 
wärmung grade umgekehrt stellt, so mußte die Bodentemperatur auch in 
den vorliegenden Versuchen, wie die mitgetheilten Zahlen auf das Deut- 
lichste darthun, jedesmal, wenn sich die Temperatur über den Gefrier- 
punkt des Wassers erhob und besonders bei Sonnenschein, in dem Grade 
als der Neigungswinkel des Terrains zunehmen, d. h. sich der Bestrah- 
lungsintensität entsprechend gestalten. 

Für die Erwärmung des Bodens bei verschiedener Neigung des 
Terrains kommen nach Vorstehendem zwei Faktoren in Betracht, nämlich 
die Bestrahlungsintensität und die Bodenfeuchtigkeit, resp. die von 
letzterer abhängige Verdunstung. Die Wirkung beider Faktoren ist eine 
sich theils gegenseitig unterstützende, theils gegenseitig aufhebende, je 
nach äußeren Umständen. Im Frühjahr und Herbst, ebenso im Winter 
bei steigender Temperatur macht sich der Einfluß beider Faktoren nach 
derselben Richtung hin geltend, weshalb die durch die Neigung des 
Terrains hervorgerufenen Unterschiede in der Bodentemperatur zu diesen 
Terminen am größten ausfallen. Im Sommer und im Winter bei Frost- 
wetter wirken beide Faktoren in entgegengesetzter Richtung und zwar 
in der Weise, daß der Einfluß der Bodenfeuchtigkeit denjenigen der Be- 
strahlungsintensität aufhebt oder überwiegt. Zu ersterer Jahreszeit sind 
aus diesem Grunde die durch die Neigung des Terrains bedingten Unter- 
schiede in der Bodenerwärmung einerseits gering und richten sich anderer- 

») Vergl. die Beobachtungen vom 1.— 5. Juni, 11.— 16. Juli 1878; 1.— 5., 
11.-15. Juni, 1.-26. Juli 1879; 16.-20. Juli 1883. 
2 ) Diese Zeitschrift. Bd. IV. 1381. S. 184. 



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Die Bodentemperatur bei verschiedener Neigung des Terrains. 69 

seits nach dem Wassergehalt des Erdreiches, bei Prostwetter tritt die 
Wirkung des letzteren in beträchtlicherem Grade hervor. 

« 

Es erübrigt noch, darauf hinzuweisen, daß die Temperaturunter- 
schiede, wie solche durch verschiedene Neigung des Terrains bedingt sind, 
bei größerer Ausdehnung der Flächen offenbar viel bedeutender ausfallen 
werden, als in vorliegenden Untersuchungen, weil in letzteren bei der 
Kleinheit der Versuchsparcellen die Wirkung der in Temperatur, Luft- 
feuchtigkeit u. s. w. gleichmäßig beschaffenen Nachbarschaft in bedeutendem 
Grade sich geltend machen mußte, während dies bei größeren Flächen 
nicht der Fall ist, und der Einfluß der Terrainneigung bei diesen noch 
dadurch verstärkt wird, daß die Luft über den Hängen sich um so mehr 
erwärmt und um so feuchter wird, je höher die Bodentemperatur und je 
größer das Maß der Bodenfeuchtigkeit ist. 

In gleicher Weise wird a priori geschlossen werden dürfen, daß der 
Einfluß der Neigung der Bodenfläche gegen den Horizont auf die Boden- 
wärme je nach der geographischen Breite des Ortes wegen ungleicher 
Bestrahlungsintensität ein verschiedener sein werde. Es ist anzunehmen, 
daß nach Norden die Temperaturunterschiede zwischen den steileren und 
flacheren Lagen, resp. der horizontalen Fläche zu Gunsten der ersteren 
immer größer ausfallen werden, während sich in der tropischen Zone 
diese Verhältnisse aus leicht erklärlichen Gründen umgekehrt gestalten 
werden. 

In Bezug auf die Vegetationserscheinungen ist schließlich besonders 
hervorzuheben, daß zwei der wichtigsten Faktoren des Pflanzen wachsthums 
durch die Neigung des Terrains in einer Weise abgeändert werden, welche 
in der Vegetation je nach äußeren Umständen in den mannigfaltigsten 
Kombinationen sich äußern muß. Bei einem Neigungswinkel von 0 bis 
30 0 war unter den vorliegenden Verhältnissen der Boden während 
der Vegetationszeit um so wärmer, andererseits aber um so trockener, 
je steiler die Hänge waren. Beide so wichtige Wachsthumsfaktoren 
wirken demnach in entgegengesetzter Richtung auf das Wachsthura der 
auf den betreffenden Flächen angebauten Gewächse. E9 ist in mehr als 
einer Beziehung interessant, festzustellen, welcher derselben und unter 
welchen Bedingungen einer derselben das Uebergewicht gewinnt, zumal 
wie später gezeigt werden soll, derartige Untersuchungen zur Aufstellung 
eines allgemeinen Gesetzes über die Wirkung der klimatischen Faktoren 



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70 



Physik des Bodens: 



fahren. Ehe an diese Aufgabe herangetreten werden kann, wird es 
jedoch noth wendig sein, die kombinirte Wirknng der Terrainneigung 
gegen den Horizont nnd derjenigen gegen die Himmelsrichtung zu 
erniren, worüber eine zu späterer Veröffentlichung bestimmte Mittheilung 
in dieser Zeitschrift Auskunft geben wird. 



Neue Litteratur. 

M. P. E. Berthelot. Direkte Bindung des atmosphärischen Stickstoffs 
durch thonige Bodenarten. Comptcs rendus. Tome CI. p. 775 und Natur- 
wissenschaftliche Rundschau. 1886. Nr. 2. S. 10-12. 

Vor einigen Jahren hat Verfasser eine neue und unerwartete Gelegenheit 
zur Bindung des freien Stickstoffs durch die Elementarbestandtheile der Pflanzen 
nachgewiesen, nämlich die atmosphärische Elektricität, und zwar nicht jene, welche 
sich in lebhaften Funken entladet, sondern jene, die nach und nach durch eine 
langsame, kontinuirliche Wirkung in Folge der schwachen Spannungen, die jeder- 
zeit und überall an der Oberfläche der Erde vorhanden sind, komplicirte Stick- 
stoffverbindungen erzeugt. Im weiteren Verfolg dieser Reaktion hat er jetzt eine 
gleichfalls neue und vielleicht allgemeinere Gelegenheit zur direkten Bindung des 
atmosphärischen Stickstoffs entdeckt, nämlich die stille, aber unausgesetzte Thätigkeit 
der thonigen Bodenarten und der mikroskopischen Organismen, welche sie ein- 
schließen. 

Die Versuche wurden auf der botanisch-chemischen Station zu Meudon aus- 
geführt und zwei Jahre hindurch an vier verschiedenen thonigen Bodenarten fort- 
gesetzt. Sie umfassen fünf getrennte, aber gleichzeitige Reihen mit über 500 Ana- 
lysen. Die Versuchsreihen waren: 1) einfaches Aufbewahren in einem geschlos. 
senen Zimmer, 2) Verweilen auf einer Wiese unter einem Schutzdach, 3) Ver- 
weilen auf einem 28 m hohen Thurmc ohne Schutz, 4) Verweilen in hermetisch 
geschlossenen Flaschen, 5) Sterilisiren. 

1. In großen, offenen, cylindrischen, glasirten Steintöpfen von 0,36 m Durch- 
messer wurden 50—60 kg der Substanz aufbewahrt, die schließlich eine Schicht- 
dicke von etwa 0,45 m hatte. Diese Töpfe standen in einem geschlossenen, hellen, 
trockenen Räume, dessen Wände frisch cementirt worden. Die Erde I, gelber, 
thoniger Sand, wurde zuerst am 29. Mai 1884 und zuletzt am 24. Oktober 1885 
analysirt und in den einzelnen Analysen der gebundene Stickstoff, der Stickstoff 
der Nitrate, der Stickstoff des Ammoniaks und der Wassergehalt pro 1 kg bei 
110° getrockneter Substanz bestimmt. Bei einer anderen Probe II gelben, thonigen 
Sandes war die erste Analyse am 30. April 1885, die letzte am 24. Oktober 1885 



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Neue Litteratur. 



71 



gemacht; eine dritte Erde III, weißer Thon, roher Kaolin wurde zuerst am 
16. Juni 1884, zuletzt am 24. Oktober 1885 analysirt. 

Aus den Analysen ergab sich, daß der verbundene Stickstoff (allein oder zu 
dem Stickstoff der Nitrate addirt) in den untersuchten thonigen Sanden und im 
Kaolin, welche mit der Luft in Berührung waren, unaufhörlich zunahm. Diese 
Zunahme erfolgte in der ganzen Masse. Sie wurde während der kalten Jahres- 
zeit nicht beobachtet. Sie stand in keiner Beziehung zur Salpeterbildung, welche 
während des zweiten Jahres stationär geblieben im Sande I, leicht zugenommen 
;m Sande II, und abgenommen im Kaolin III, aber in allen Fällen sehr klein 
war. Sie stand ebensowenig im Verhältnis zum Ammoniak-Stickstoff, dessen 
Menge sehr klein geblieben war und eher abzunehmen schien. Im Kaolin III 
baue eine Bindung des Stickstoffs anfangs nicht stattgefunden, als die Masse ganz 
mit Wasser gefüllt war, sondern erst nachdem er durch Austrocknen porös ge- 
worden. 

2. Dieselben Bodenarten wurden in glasirten, am Boden durchbohrten Töpfen 
aufbewahrt, die 1 kg Substanz enthielten, 113 qcm Oberfläche und 8 bis 10 cm 
Tiefe hatten. Diese Töpfe wurden auf Gestellen auf einer Wiese, 70 cm Aber 
dem Boden unter einem Dach hingestellt, welches senkrechten Regen abhielt, aber 
die Luft frei cirkuliren und schrägen Regen auffallen ließ. Während der zweiten 
Periode wurde die Erde von Zeit zu Zeit mit destillirtem W r asser besprengt, das 
im Ganzen 0,0001 gr Ammoniak-Stickstoff enthielt. In dieser Reihe wurde noch 
eine Erde IV, roher Kaolin benutzt. Auch diese thonigen Erdarten haben schließlich 
sämmtlich Stickstoff gebunden; doch erfolgte diese Bindung weniger schnell; zeit- 
weise ist sie in zwei Fällen etwas zurückgegangen. Auch hier stand die Stick- 
toffbindung in keinem Verhältniß zur Nitrifikation oder zum Ammoniak- Stick- 
stoff. Sie war auf der Wiese von derselben Größenordnung wie in der ersten 
Versuchsreihe. 

3. Dieselben Bodenarten wurden in ähnlichen Töpfen auf einem Balkon ohne 
Schutzdach auf einem freistehenden Thurme, 29 m über dem Boden der Wiese 
hingestellt Sie führten zu demselben Ergebniß wie die früheren Versuche. Ob- 
wohl sie wiederholt von Regen ausgewaschen waren, wurde Stickstoff in beträcht- 
lichen Mengen gebunden, namentlich in den Kaolinen, welche ein Maximum er- 
gaben. Hier könnte man eine Wirkung der atmosphärischen Elektricität ver- 
routhen, da die Töpfe das Potential der Erde, die Luft hingegen ein viel höheres, 
im Durchschnitt von 600—800 Volt, besaßen. 

Bei diesen Versuchen bot sich Gelegenheit, die Zuführung von Ammoniak 
nnd Salpetersäure durch den Regen und die Atmosphäre zu bestimmen, da in 
der zweiten Reihe nur die letztere und in der dritten außerdem noch die erstere 
zur Wirkung kam. Der Regen wurde in einem Regenmesser gestammelt und ana- 
lysirt und ergab für die Oberfläche der Töpfe im Ganzen 0,00069 g Ammoniak- 
Stickstoff. Der Stickstoff der Salpetersäure konnte nicht gemessen werden, selbst 
in 2 Liter Regenwasser war er geringer als 0,0001 gr. Die Bestimmung des 
gasförmigen Ammoniaks, welches von der Luft an den Boden abgegeben wird, 
ist sehr unsicher. An verdünnte Schwefelsäure, die in offenen Schalen neben 
den Töpfen auf der Wiese aufgestellt war, gab die Luft vom April bis zum 
Oktober an eine Oberfläche von 113 qcm 0,0051 gr; der Stickstoff aber, der von 



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72 



Physik des Bodens : 



den untersuchten Erden auf dem Thurme gebunden wurde, betrug 0,0277 gr, 
0,0347 und 0,0432 gr, also vier bis acht Mal soviel. Dieser Stickstoff scheint so- 
mit weder dem Regenwasser noch dem Ammoniak der Atmosphäre zugeschrieben 
werden zu dürfen. Eine andere 1884 ausgeführte Messung ergab ein ähnliches 
Resultat. DieBindung des Stickstoffs durch Thonböden erfolgt somit unabhängig 
von der Zufuhr verbundenen Stickstoffs. 

4. Dieselben Bodenarten wurden in großen, weißen, mit Luft gefüllten 
Glasschalen aufbewahrt, von denen jede 1 kg Sand enthielt; ein Theil der Flaschen 
wurde in's Dunkle gestellt, ein anderer dem diffusen Lichte exponirt. Von vorn- 
herein wurde etwas Wasser zugesetzt, die Flaschen fest verschlossen und ihr In- 
halt von Zeit zu Zeit umgeschüttelt. Die Bindung des Stickstoffs erfolgte auch 
hier in den drei untersuchten Erdarten und zwar fortschreitend wie an der freien 
Luft und in Mengen gleicher Größenordnung. Sie erfolgte in der Dunkelheit 
ebensogut, wie im diffusen Lichte, unter dem Einfluß des letzteren aber war sie 
lebhafter. 

5. 1 kg Sand von bekanntem Stickstoffgehalt wurde 2 Stunden lang auf 
100° erwärmt, und dann 5 Minuten lang ein Strom Wasserdampf hindurch ge- 
leitet. Während der Abkühlung ließ man nur Luft eintreten, welche durch vor- 
her auf 130" erhitzte, mit Glycerin getränkte Baumwoll-Propfen gegangen war. 
Dann wurden die Gefäße sich selbst vom 6. Juli bis C. Oktober 1885 überlassen. 
In all diesen Versuchen blieb der Stickstoff stationär und hat sogar etwas ab- 
genommen, zweifellos während der anfänglichen Erwärmung. Letztere hat somit 
die Ursache der Stickstoffverbindung zerstört. Die so sterilisirten Bodenarten 
haben ihre Fähigkeit, Stickstoff zu binden, nicht wieder erlangt, während der- 
selben Zeitperiode weder unter dem Einfluß der freien Luft, noch durch Hinzu- 
fügen einer geringen Menge der ursprünglichen Substanz. Diese Resultate sind 
entscheidend. 

Es ergiebt sich also, daß die untersuchten thonigen Bodenarten, Sande und 
Kaoline, die Fähigkeit besitzen, den freien atmosphärischen Stickstoff langsam zu 
binden. Diese Fähigkeit ist unabhängig von der Salpeterbildung und ebenso von 
der Verdichtung des Ammoniaks. Sie ist der Wirkung bestimmter lebender Or- 
ganismen zuzuschreiben. Sie zeigt sich nicht im Winter; vielmehr erfolgt sie 
vorzugsweise während der Jahreszeit lebhafter Vegetation. Eine Temperatur von 
100° hebt sie auf. Sie erfolgt ebensowohl in verschlossenen Gefäßen, wie in Be- 
rührung mit der Atmosphäre; ebensowohl an der vollkommen freien Luft auf 
einem hohen Thurme, wie unter einem Schutzdache in der Nähe des mit Vege- 
tation bedeckten Bodens oder in einem geschlossenen Zimmer. Sie erfolgt im 
Dunkeln ebensowohl wie im Lichte, obwohl im zweiten Fall lebhafter. 

Um die Tragweite der hier mitgetheilten Thatsachen noch mehr hervor- 
treten zu lassen, mögen noch einige numerische Daten folgen. Verfasser hat die 
Bindung des Stickstoffs, die er in den fünf Versuchen nachgewiesen, pro kg Boden 
berechnet und in einer kleinen Tabelle zusammengestellt. Man erkennt aus der- 
selben, daß die Stickstoffbindung in den vier Fällen von derselben Größenord- 
nung ist; der Zutritt der freien Luft hat dieselbe nicht merklich vergrößert, so 



>) Vergl. diese Zeltschrift. Bd. II. 187H. 8. 42-44. 



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Neue Litteratur. 



73 



daß die Zufuhr der StickstofFverbindungen, Ammoniak und Salpetersäure, durch 
die Atmosphäre hier keine Rolle spielt; sie ist übrigens bedeutend geringer als 
die Mengen Stickstoff, die wirklich gebunden worden sind, und in den Versuchen 
mit geschlossenen Flaschen kann von einer solchen Zufuhr überhaupt keine Rede 
sein. Die absolute Menge Stickstoff, die von 1 kg absorbirt worden, stieg in Be- 
rührung mit der Luft im Zimmer beim Sande I im Jahre 1884 auf 0,022 gr und 
im Jahre 1885 auf 0,024 gr; im verschloßenen Gefäße auf 0,038 gr. Beim Sande II 
betrugen die Zunahmen an StickstofT in der Kammer 0,052 gr, im geschlossenen, 
Gefäße 0,038 gr, auf der Wiese 0,018 gr und auf dem Thurme 0,028 gr. Die 
geringeren Mengen der beiden letzteren Fälle sind auf die Verluste zu rechnen, 
welche durch das Auswaschen durch den Regen bedingt waren. Bei dem Kao- 
lin III betrugen die Gewinne in der Kammer 0,020 gr, im geschlossenen Gefäß 
0,028 gr, auf der Wiese 0,014 gr, auf dem Thurme 0,035 gr; dieser Kaolin war 
von vornherein sehr arm an Stickstoff. 

Vergleicht man nun mit diesen Zahlen die Oberfläche der benutzten Töpfe 
auf der Wiese und auf dem Thurme, so ergiebt sich für die Fläche eines Hektars 
eine Bindung von 20 kg Stickstoff für den Sand I, 16 und 25 kg für den Sand II 
und 32 kg für den Kaolin III; Werthe, welche faktisch viel kleiner sind, als die 
in Wirklichkeit vor sich gehenden Absorptionen betragen, denn sie beziehen sich 
auf die sehr kleinen Dicken der Bodenschichten von 8 — 10 cm, während die Ab- 
sorption des Stickstoffs ganz ebenso gut und proportional derselben bei einer 
fünffachen Dicke in den Töpfen des geschlossenen Zimmers erfolgte. Die quan- 
titative Bedeutung dieser Stickstoffquelle springt hier klar in die Augen. 

E. Hainen in. Ueber die Verwitterung diluvialer Sande. Jahrbuch 
der k. pr. geologischen Landesansfalt für 1884. Berlin 1885. 

Die zahlreichen Analysen, welche Verfasser gelegentlich seiner Unter- 
suchungen 1 ) über die Einwirkung der Streuentnahme ausführte, geben gleich- 
zeitig einen Aufschluß über die mehr oder weniger gleichbleibende Zusammen- 
setzung und über die Verwitterung der Sandböden. 

Die untersuchten, zum Thalsand gehörenden Sande wurden an drei verschie- 
denen Stellen von einer längere Zeit jährlich von jedem Strcuabfall gereinig- 
ten, sowie von einer sonst gleich beschaffenen bewaldeten Parcelle entnommen. 
Die Reihenfolge der einzelnen Bodenschichten war die für Sande gewöhnliche. 
Zu oberst humoser Sand, dann gelber Sand (Verwitterungssand), der nach der 
Tiefe* zu allmählich in den normalen weißen Sand übergeht, dagegen scharf von 
dem aufliegenden humosen Sand getrennt ist. 

Die im Original mitgetheilten Analysen lassen zunächst einen auffälligen 
Unterschied im Gehalte der einzelnen Stoffe zwischen solchem Boden, der frei ge- 
legt war, und andererseits solchem, der mit einer Pflanzendecke versehen war, 
erkennen. Durchweg waren die nicht der Kieselsäure zugehörigen Procentzahlen 
in letzterem höher ; und doch muß man annehmen, daß die Schichten ursprünglich 
gleich zusammengesetzt waren. Hier ist es nun die auswaschende Wirkung der 
Regen- und Schneewasser, welche die Unterschiede hervorbringt (indem die 
Sickerwasser in dem streufreien Boden bedeutend größer sind, als in dem be- 



») Vt-rgl. diese Zeitschrift. Bd. VII. 1884. 8. Sil«). 



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74 Thysik des Bodens: 

waldeten. Der Ref.). In den mit Pflanzen, namentlich mit Bäumen bestan- 
denen Gebieten werden durch die Wurzeln ans den tieferen Schichten Mineral- 
stotTe aufgenommen und kommen den obersten Bodenschichten zu Gute. Es kann 
dies so weit gehen, daß diese die an Mineralstoffen reichsten des Bodens sind. 

Den Resultaten der mechanischen Analyse ist zu entnehmen, daß die hn- 
mosen Sande unter allen Umständen eine so sehr viel reichlichere Menge feinster 
Theile ergeben haben, als die tieferen Schichten, offenbar eine Folge der weiter 
vorgeschrittenen Verwitterung. Gleichzeitig sind die humosen Sande die Ärmsten 
an Pflanzennährstoffen, ein Beweis, daß man nicht immer berechtigt ist, die 
Menge der abschlämmbaren Theile als maßgebend für den Bodenwerth anzusehen. 

Ferner beweisen die Analysen, daß beim Absatz der Sande thonige Theile 
überhaupt nicht mit zur Ablagerung gekommen, sondern, soweit vorhanden, erst 
durch die Verwitterung entstanden sind. Die Sande müssen daher bei ihrer sehr 
gleichmäßigen Korngröße aus Gewässern mit gleichbleibender Strömung abgesetzt 
sein. Was die Verwitterung des Bodens betrifft, so ist die Wirkung zunächst 
eine mechanische, mit Zertrümmerung der Sandkörner verbunden. 

Die chemischen Umsetzungen sind mannigfaltige, immer aber auf die wesent- 
lichen Punkte der Silikatzersetzungen zurückzuführen. Alkalien, alkalische Erden 
und Eisen werden löslich; Thonerde, zum Theil wohl auch die in sehr geringen 
Mengen vorhandene Magnesia, bleiben in schwer angreifbarer Form zurück und 
unterliegen wohl im Wesentlichen nur einer mechanischen Verspülung durch die 
in den Boden eindringenden atmosphärischen Niederschläge. Die Verwitterung 
schreitet, wie bei allen Gesteinen, von der Oberfläche aus in die tieferen Lagen 
fort. Die einzelnen Bestandteile vertheilten sich im Allgemeinen so, daß die 
oberen humosen Schichten die an Mineralstoffen, ausschließlich Kieselsäure, 
ärmsten, die darauf folgenden gelben Verwitterungssande meist die reichsten 
Schichten des Bodens sind, oder doch nur wenig hinter dem als ursprüngliches 
Gestein zu betrachtenden weißen Sand zurückbleiben. Sehr stark wirkt dabei 
auf reinen Sandboden die Auswaschung ein ; verhältnißmäßig große Mengen der 
Stoffe werden in die Tiefe geführt und gehen so dem Boden verloren. Bemerkens- 
werth ist dabei, daß die einzelnen Schichten sehr verschieden stark angegriffen 
werden und namentlich die obersten sehr verarmen. Die Erklärung ist leicht. 
Die in den Boden einsickernden Tagewasser lösen nach Möglichkeit die vorhan- 
denen Salze. Sic werden daher den obersten Schichten viel mehr entnehmen, 
als den tiefer liegenden, die sie schon als annähernd gesättigte Lösungen be- 
rühren und in welchen die Aufnahmefähigkeit des Wassers schon sehr gering ge- 
worden ist. 

Behufs Feststellung der Frage, ob die gefundenen Regeln der Verwitterung 
als allgemein gültig für die Sande des Diluviums aufzustellen seien, wurden noch 
zwei anderen Orten entnommene Sandsorten vom Verfasser untersucht. Die Ana- 
lysen zeigten dieselben Verhältnisse wie die oben angezogenen. 

Bei Znsammenfassung sämmtlicher Analysen ergiebt sich, daß die Verwit- 
terung in den Sandböden in ganz gleicher Weise vor sich geht, wie in jeden an- 
deren Silikatboden, natürlich beeinflußt durch den geringen Gehalt der nicht der 
Kieselsäure zugehörigen Mineralstoffe. Die lösende und auswaschende Wirkung 
des Wassers ist darum eine viel kräftigere. 



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Neue Litteratur. 



75 



Mit dem Nachweis, daß ein Unterschied der Verwitterung eines entstehenden 
Sandgesteines und eines losen Sandbodens nicht vorhanden ist, fällt auch gleich- 
zeitig einer der wesentlichsten Gründe, einen Unterschied zwischen Verwitterungs- 
hoden und Schwenimland8boden zu machen; daß die ersteren aus anstehenden 
Gesteinen hervorgehen, kann gegenüber der hier nachgewiesenen Thatsache, daß 
die obersten Schichten der losen Sande echte Verwitterungsböden sind, nicht all- 
zuschwer in's Gewicht fallen. E. W. 

E. Hamann. Der Ortstein und ähnliche Seknndärbildnngen In den 
Hilm ial- nnd Alluvlal-Sanden. Jahrbuch der k. pr. geologischen Landesanstalt 
für 1885. Berlin 1886. 

In den Haidegegenden des norddeutschen Tieflandes weit verbreitete, jedoch 
durchaus nicht an dieselben gebundene Bildungen sind der Bleisand und der Ortstein. 

Der B 1 e i s a n d ist eine weiß- bis tiefgraue Sandschicht, die zuweilen im 
feuchten Zustande einen schwachen Stich ins Violette hat. Der Bleisand 
lagert immer direkt unter der Vegetationsschicht, oder unterhalb der aus der- 
selben hervorgegangenen humosen Sandschicht. 

Der Ort st ein findet sich als häufiger Begleiter des Bleisandes und ist da- 
her wie dieser verbreitet. Der Ortstein bildet eine steinartige Masse von hell- 
bis tiefbrauner Farbe; an die Luft gebracht zerfällt er zu einem braunen Pulver; 
bei der Zersetzung bleibt ein weißer Sand, selten Grand zurück. 

Weit verbreitet ist das Vorkommen von Ausstülpungen des Ortsteins, die 
als kegelförmige dichtere Massen in die tieferen Schichten des Bodens ragen, in 
Hannover sehr treffend „Töpfe" genannt. Seltener führen diese Töpfe eine Ein- 
lagerung von Bleisand. Es läßt sich leicht die Bildung dieser Ausstülpungen 
verfolgen, wobei sich ergiebt, daß die Bildung derselben von der überlagernden 
Ortsteinschicht ausgeht. 

Neben der gewöhnlichen, sich in verschiedenen Tiefen unterhalb des Bodens, 
jedoch immer an der Grenze des Verwitterungssandes hinziehenden Ortstein- 
schicht, findet sich noch in den nassen Haiden eine zweite Form des Orts, vom 
Verf. als „unterer branner Ortstein" bezeichnet. Derselbe unterscheidet sich von 
ersterem durch hellere Farbe, durch zähe Beschaffenheit und durch seine schwie- 
rige Verwitterung. Er tritt stets in mächtigeren Schichten auf und geht nach 
unten allmählich in den gelben Verwitterungssand über. Auch ist derselbe in der 
Regel von einer schwächeren Schicht der gewöhnlichen Form überlagert. 

Verfasser führt nach diesen Darlegungen die Gegenden besonderer Verbrei- 
tung der Ortsteinbildung, sowie eine stattliche Zahl von Analysen an, welche in 
der Originalarbeit nachzusehen sind. 

Aus letzteren geht mit voller Deutlichkeit hervor, daß der Bleisand einen 
durch Verwitterung und Auswaschung von fast allen Mineralstoffen, mit Ausnahme 
der Kieselsäure befreiten, schwach humosen Sand darstellt. Der Ortstein ist zu 
bezeichnen als ein durch humose Stoffe (2— 14 %, gewöhnlich 3 — 8%) verkitteter 
Sand, d. h. ein Humussandstein. Er ist die an Mineralstoffen meist reichste 
Schicht des Bodens. Die vom Verfasser als „unterer brauner Ortstein 1 * bezeichnete 
Abänderung des gewöhnlichen ist chemisch von diesem nicht unterschieden und 
vornehmlich nur durch den Humusgehalt, der im Maximum 4°o, jedoch oft 
kaum über 1 •/• beträgt. 



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76 



Physik des Bodens: 



Hinsichtlich der Ursache vorerwähnter Bildungen ist zunächst zu berück- 
sichtigen, daß arme Sande, namentlich wenn sie nicht durch eine Bodendecke 
geschützt sind oder durch Lauhanfall angereichert werden, in den oberen Schichten 
einen starken Verlust an Mineralstoffen erleiden'). Auf diese Weise ist der Blei- 
sand entstanden, der fast stets die oberste Schicht sehr armer Sandböden bildet. 

Sind die obersten Bodenschichten bis zu einem gewissen Grade an Mineral- 
stoffen erschöpft, so lösen die Regen- und Schneewasser Humusstoffe, führen diese 
in die Tiefe und schlagen dieselben auf deu an Salzen reicheren Theilen nieder. 
Ein durch solche gelöste und wieder ausgefällte Humusstoffe verkitteter Sand ist 
der Ortstein. Alle bekannten Thatsachen lassen sich durch diese Auffassung 
sofort erklären, namentlich die Erscheinung, daß der Ortstein sich immer eng an 
die Yerwitterungsschicht des Bodens oder an mineralstoffreiche Theile anschließt 
und immer direkt unterhalb der ausgewaschenen Sandschicht lagert. 

Humose Sande, Bleisand und Ortstein sind also gradezu untrennbare Bil- 
dungen, die mit einander in Verbindung stehen, wie Ursache und Wirkung: die 
Bildung der ersteren läßt sich theilweise auf die Thatsache zurückführen, daß 
humose Stoffe durch reines Wasser gelöst und von an Mineralstoffen reicheren 
Bodenschichten oder -theilen wieder ausgefällt werden. 

Ist die Abscheidung von Ortstein einmal eingetreten, so müssen die weiteren 
Umbildungen im Boden erheblich verlangsamt werden. Bildet doch der Ortstein 
eine für Wasser sehr schwer durchlässige Schicht und gewissermaßen eine Scheide- 
wand zwischen den höheren und tieferen Erdlagen. Wenn aber auch die Ein- 
wirkung der Gewässer verringert wird, so kann sie doch nicht aufgehoben werden. 
Zwar langsamer aber stetig werden dieselben Vorgänge, die Auswaschung und 
die Verwitterung, auch den Ortstein angreifen, die obersten Lagen zersetzen und 
in tieferen Bodenschichten Neubildungen verursachen. Es wird also an der 
unteren Grenze des Ortsteins Weiterbildung desselben eintreten und sich derselbe 
in immer tiefere Bodenlagen erstrecken. Da aber einzelne Theilo für Wasser 
wohl leichter durchdringbar bleiben, oder durch örtliche Bedingungen die Wasser 
an bestimmten Stellen stärker einwirken, so wird die Abscheidung an solchen 
Stellen besonders beschleunigt werden, und es entstehen so die dichten, festen 
„Töpfe 4 * von Ortstein. Noch sichtlicher wird diese Wirkung an denjenigen Stellen, 
wo eine doppelte Ortsteinschicht gebildet ist. Die tiefer liegende Schicht ist dann 
stets von beschränkter Ausdehnung, oft nur wenige Fuß breit und dann stets mit 
der überliegenden durch einzelne mehr oder weniger starke „Töpfe'' verbunden. 
Die „Töpfe" müssen also als die normale Weiterbildung des Ortsteins betrachtet 
werden. 

Was die Entstehung der vom Verfasser als „unterer brauner Ortstein" be- 
zeichneten Bildung betrifft, so liegen nicht genug Beobachtungen vor, um schon 
jetzt ein abschließendos Unheil zu geben. Wahrscheinlich sind es Bodenschichten, 
die dauernd mäßig feucht gewesen sind, sich mit humosen Lösungen und Nieder- 
schlägen vollgesogen haben und bei einem eintretenden Austrocknen jene feste, 
zähe Beschaffenheit angenommen haben, die sie so sehr bezeichnet. 

Es ist so nachgewiesen, daß im Ortstein ein Gebilde vorliegt, welches, wenn 
auch überwiegend im Gebiet des Flachlandes vorkommend, doch in jeder Gegend 

>) Vcrgl. das obige Referat 8. 73. 



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Neue Litteratur. 77 

und in jeder Formation gebildet werden kann, wenn die Bedingungen des Auf- 
tretens gegeben sind. Der noch mögliche Einwurf, warum dann nicht auf allen 
armen Sandböden auch Ortsteinabscheidungen eintreten, ist zur Zeit noch nicht 
zu beantworten. Erst ein gründliches Studium der Humussubstanzen wird diese 
Frage beantworten können. Wahrscheinlich scheint es, daß zur Ortsteinbildung 
ein gewisser Feuchtigkeitsgrad nothwendig ist; in vielen Gebieten findet sich Ort- 
stein nur in den Ebenen, während die höheren Lagen frei sind, obwohl die Aus- 
waschung der Sande eine weit fortgeschrittene und echte Bleisandbildung einge- 
treten ist. 

Verfasser führt am Schluß seiner Arbeit noch mehrere Sekundärbildungen 
an, so z. B. die in diluvialen Sanden, namentlich in dem geschichteten unteren 
Diluvialsande auftretenden eisen- und thonhaltigen Konkretionen. In diesen Ab- 
scheidungen sind, wie die angeführten Analysen darthun, wesentliche Anreicherungen 
eingetreten, als Folge des starken Absorptionsvermögens des Thones und Eisens. 
Ferner wurden vom Verfasser näher untersucht: eisenschüssige, nicht verkittete 
Sande, Mangansand und durch kohlensauren Kalk verkitteter Sandstein (Kalkstein). 
Die Analysen ergeben ein ganz auffälliges Ansammeln einzelner Stoffe an be- 
stimmten Stellen. Während in den Mangansandadern mehr als vier Procent 
Manganverbindungen enthalten sind, findet sich in dem direkt daran anlagernden 
eisenschüssigen Sand kaum eine Spur davon. Weniger scharf gilt dies für die 
Kalkkonkretion im kalkigen Sandstein. 

Diese Abscheidungen sind unter den vorliegenden Verhältnissen wahrscheinlich 
durch den Verlauf der Bodengewässcr sehr beeinflußt, welche in relativ hoher 
Lage fließen müssen, auch als Quellen hervortreten, und so an denjenigen Stellen, 
wo sie mit der Luft in Berührung kommen, ihre Kohlensäure verlieren und da- 
durch zu reichlichen Abscheidungen der verschiedenen gelösten Salze Veranlassung 
geben können. E. W. 

E. Bamann. lieber Bildung und Kultur des Ortsteins. Zeitschrift 
für Forst- und Jagdwesen. 1. Heft. 1886. 

2f. Vogel. Memmtnger Almerde. Berichte des Augsburger naturhistorischen 
Vereins 1885. S. 163-166. 

Ii. Heinrich, Ueber Boden-Bonitirung nnd -Kartirnng. Zeitschrift f. 
Vermessungswesen. Bd. XIV. 1885. Heft 11. — Nachrichten aus dem Klub der 
Landwirthe zu Berlin. 1886. Nr. 178 und 179. 

W. Knop. Einige Bemerkungen zur Analyse der Ackererden. Landw. 
Versuchsstationen. Bd. XXXI. 1885. 

E. Heiden. Beitrag zum Absorptionsvermögen des Sandbodens. Ibid. 

F. W. Dafert. Kleines Lehrbach der Bodenkunde. Bonn. 1885. Emil 
St rauß. 

G. Marek, Ueber den Einfluß der Bodenart auf den Ertrag, Stärke- 
gehalt und die Erkrankung verschiedener Kartoffelsorten. Fühling's landw. 
Zeitung S. 74—85 und S. 146—155. 



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II. Physik der Pflanze. 



ET' 



Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen 
unter dem Einflüsse der Bewurzelung. 

Vou Dr. Carl Kraus in Triesdorf. 



Es ist allgemein bekannt, daß die Kartoffelknollen in dunklen 
Räumen Triebe von oft beträchtlicher Länge entwickeln, während sich 
nur kurze Sprosse ausbilden, wenn dieselben dem Einflüsse des Lichtes 
ausgesetzt sind. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, Knollen, welche 
vor dem Auslegen welken gelassen werden, an Oertlichkeiten auszubreiten, 
wo das Licht auf sie einwirken kann. 

Ich habe den Nachweis erbracht 1 ), daß die Triebe auch im Lichte 
kräftig und normal wachsen, wenn durch die Versuchsanstellung bewirkt 
wird, daß an den von Anfang an beleuchteten Sprossen Wurzeln sich 
ausbilden. Es wird sogar der nachtheilige Einfluß des Lichts schon dann 
aufgehoben, wenn die Wurzeln nicht einmal an der Basis der betreffenden 
Triebe selbst sich befinden, sondern anderen, aus demselben Mutterknollen 
entspringenden Trieben angehören. Man kann nämlich den Versuch so 
einrichten, daß man einen Knollen auf nassen Sand legt oder in denselben 
theilweise eingräbt, die aus dem Sandtheile entstehenden Sprosse an der 
Sandoberfläche abschneidet, ihre bewurzelten Basalstücke aber am Mutter- 
knollen läßt. 

Die angezogenen Versuche hatten den fördernden Einfluß der Be- 
wurzelung auf das Wachsthum der Lichttriebe ausnahmslos- ersehen lassen, 
sie hatten aber bei der schwächeren Beleuchtung während der Winter- und 

») Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft. Bd. III. Heft 5. p. 182. 
Diese Zeitschrift. Bd. VIII. p. 281. 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 79 

ersteD Frühjahrsmonate stattgefunden. Es war wünschenswerth , festzu- 
stellen, ob dieser merkwürdige Gegensatz zwischen Lichtwirkung und 
Bewurzelung auch für die Jahreszeit mit stärkster Lichtintensität gelte, 
also auch während der Sommermonate und im Freien in gleicher Weise 
durch die Bewurzelung ein kräftiges, normales Wachsthum der Licht- 
keime hervorgerufen werden könnte. Außerdem machte die Ermittelung 
der Ursächlichkeit dieses eigenthümlichen Verhaltens weitere Versuche 
oothwendig, über deren Ergebnisse hier gleichfalls berichtet wird. 

L Das Verhalten der Lichtsprosse an eingewurzelten Kartoffel- 
knollen. 

a. Die Triebe entwickeln sich frei in der Luft, im Freien, den 
größten Ttieil des Tages der Sanne ausgesetzt, . 

Versuch 1. In einen mit Erde gefüllten Blumentopf wird ein 
Knollen von Red skinned Flourball aufrecht so eingepflanzt, daß der Gipfel 
(die Krone) einige Centimeter über die Erdoberfläche hervorragt. Der 
Topf kommt ins Freie zu stehen, an einen Ort, wo er den größten Theil 
des Tages besonnt ist. Aus dem im Boden befindlichen Knollentheile 
kommen Sprosse zur Entwickelung. Dieselben werden, sobald sie über 
die Erdoberfläche hervordringen, sofort abgeschnitten, ihre Basalstücke 
mit den Wurzeln im Boden bleiben erhalten. 

Es entwickelte sich aus dem Knollengipfel ein kräftiger Trieb von 
normaler Ausbildung und normaler Blattentfaltung. Derselbe wurde 
50 cm lang und blühte reichlich. Anfangs September wurden die Blätter 
von unten nach oben am Stengel gelb, der Mutterknollen begann von 
der Oberfläche her zu zerweichen. Beim Herausnehmen zeigte sich, daß 
der Knollen durch die Basalstücke von 4 im Boden entstandenen Trieben 
eingewurzelt war. Diese Stengelstummel hatten im Boden Ausläufer ge- 
bildet, an welchen 4 ziemlich große Knollen entstanden waren. Der 
vollständig frei im Lichte gewachsene Sproß hatte keinerlei Wurzeln aus- 
bilden können. 

Versuch 2. Ein Knollen der gleichen Sorte hatte unter gleicheu 
Bedingungen bis Anfang August einen kräftigen 10 cm laugen Stengel 
mit normalen Blättern ausgebildet. Als derselbe an der Basis abge- 
schnitten ward, trat starke Blutung aus der Schnittflächo ein, obwohl 



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80 Physik der Pflanze: 

der Stengel selbst keinerlei Wurzeln trag, dann wurde der Stummel gelb 
und starb ab, der Mutterknollen begann zu zer weichen. 

Versuch 3. Ein Knollen der gleichen Sorte und ebenso kultivirt 
wie die vorigen hatte längere Zeit keine Neigung, einen kräftigen Licht- 
trieb aus dem Gipfel zu entwickeln. Es befand sich zwar am Gipfel eine 
Knospe mit frischen, grünen Blättern, dieselbe begann sich aber erst 
Anfangs August kräftig zu strecken und zu einem 40 cm langen kräftigen 
Stengel mit normalen Blättern heranzuwachsen. Dann wurde der Trieb 
auf einmal gelb und starb ab, der Mutterknollen hatte zu zerweichen 
begonnen. Beim Herausnehmen aus der Erde wurde ein reichliches Netz 
von Ausläufern vorgefunden, theilweise knollentragend, welches aus 
6 Stummeln abgeschnittener Erdtriebe entsprang. 

Versuch 4. Ein Knollen der gleichen Sorte wie die vorigen und 
ebenso behandelt, bildete von Ende April bis Anfang August an dem 
beleuchteten Gipfel einen starken, völlig unbewurzelten Trieb, welcher 
50 cm lang wurde, reichlich blühte, mit dem Zerweichen des Mutter- 
knollens aber allmählich abstarb. 

Versuch 5. Ein Knollen einer Sorte mit blauem Fleisch wurde 
in der nämlichen Weise wie die Knollen der vorigen Versuche in einen 
Blumentopf gepflanzt, dieser gleichfalls im Freien aufgestellt. Abschneiden 
der Erdsprosse wie bei den vorigen Versuchen. 

Ein voll beleuchteter, unbewurzelter Trieb am Gipfel des Mutter- 
knollens erreichte eine Länge von 78 cm und blühte reichlich. Von 
Mitte September an vergilbten die unteren Blätter, der Mutterknollen 
zerweichte. Es hatten sich in der Erde mehrere sehr große Knollen an 
den Stolonen der Stummel der abgeschnittenen Erdsprosse angesetzt. 

b. Die Triebe entwickeln sich frei in der Luft, im Zimmer, dicht 
am Fenster, täglich mehrere Stunden besonnt. 

Versuch fi. Ein Knollen von Red skinned Flourball wurde am 
18. April horizontal seicht in nassen Sand gelegt, so daß der gegen die 
Fensterseite gewendete Gipfel noch voll dem Lichte ausgesetzt war. 

Trotz täglich mehrstündlicher Insolation bewurzelte sich ein Licht- 
trieb am Gipfel und wuchs kräftig weiter. Am 6. Juni maß er 21cm, 
sein Steifgel hatte an der Basis 1 cm Durchmesser, sein größtes Blatt 
maß vom Ansatz bis zur Spitze 7,5 cm. Als er an dem angegebenen 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 



81 



Datum abgeschnitten worden war, entstand an der Basis ein kräftiger 
Seitenzweig, außerdem aus einem anderen gleichfalls von Anfang an be- 
leuchteten Auge ein ebenfalls normaler Trieb. Der erstere Zweig wurde 
bis zum Zerweichen des Mutterknollens 9, der letztere 6 cm lang. Beide 
hatten normal entfaltete Blätter. 

Versuch 7. Ein Knollen der gleichen Sorte wurde am 16. Mai 
mit der Längsachse horizontal in nassen Sand seicht eingebracht, der 
Gipfel gegen das Fenster gewendet und voll dem Lichte ausgesetzt. Der 
Knollen hatte bis zum Beginn des Versuchs im dunklen Keller verweilt. 
Es waren schon mehrere Knospen, besonders am Gipfel, zu 10— 15 mm 
langen Trieben ausgewachsen. Diese Triebe wurden bis auf einen am 
Gipfel, der 15 mm maß, entfernt, dieser speciell ins Auge gefaßt. 

Der beobachtete Trieb befand sich frei im Lichte, aber dicht an der 
.Sandfiäche. Die starke Beleuchtung erschwerte die Wurzelbildung an 
«einer Basis, sie kam aber schließlich doch zu Stande und wurde dadurch 
gefordert, daß oberhalb ein mit Wasser gefülltes Gefäß aufgestellt war, 
in welches ein Baumwollfaden tauchte, von dessen nach abwärts hängenden 
Ende beständig Wasser auf die Basis des Triebs tropfte. Ueberdies wurden 
die Würzelchen mit Filtrirpapier bedeckt, sobald sie eine solche Länge 
erreicht hatten, daß sich die Bedeckung ohne Verdunkelung der Trieb- 
basis ausführen ließ. 

Bis Anfang Juni waren schon mehrere Wurzeln in den Sand ge- 
drungen, die Wachsthumsregungen in dem Triebe beschränkten sich aber 
bis dahin auf die Entstehung kurzer Seitentriebe. Dieselben wurden am 
10. Juni entfernt, um nicht allenfalls das Wachsthum des Haupttriebs 
zu beeinträchtigen. 

Bis zum 13. Juni war der bewurzelte Trieb noch immer nicht ge- 
wachsen, seine Basis hatte sich etwas verdickt, seine Endknospe sah küm- 
merlich aus, die Blätter waren winzig klein, gelblich, zusammengefaltet. 
Anstatt daß die Hauptachse des Triebs sich verläugert hätte, brach ein 
Seitensproß hervor, welcher kräftig wuchs, am 25. Juni 8 cm maß und 
große, normale Blätter trug. Außor ihm befand sich an der nicht- 
gewachsenen Hauptachse ein anderer kürzerer Seitensproß. Nicht weit 
von dem von Anfang an beobachteten Trieb war an der Fensterseite aus 
der Flanke des Mutterknollens ein kräftiger normaler Trieb mit eigenen 
Wurzeln entstanden, zur Zeit 10cm lang. Um zu sehen, ob denn die 

R. Wollny, Forschungen. IX. 0 



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82 



Physik der Pflanze: 



Gipfelknospe des beobachteten Haupttriebs gar nicht zum Wachsthum 
gebracht werden könnte, wurden die beiden Seitensprosse des Haupttriebs, 
sowie der eben erwähnte Flankentrieb, dieser samrat seinen Wurzeln, am 
25. Juni entfernt. 

Bis zum 9. Juli war der Haupttrieb wieder nicht gewachsen, seine 
kümmerliche Endknospe war noch unverändert vorhanden, dafür war dicht 
neben ihr ein neuer kräftiger Seitensproß entstanden, mit großen, normalen 
Blättern, zur Zeit 9 cm lang. Derselbe wurde abgeschnitten, und ebenso 
alle weiter erscheinenden Seitenspiosse entfernt. Die Endknospe des von 
Anfaug an beobachteten Haupttriebs wuchs nicht weiter und ging schließ- 
lich verloren. 

Nachdem alle Seitensprosse, sobald sie zum Vorschein kamen, fort- 
gesetzt beseitigt worden waren, begann vom 28. Juli ab auf dem (natür- 
lich beleuchteten) Rücken des Mutterknollens eine Knospe zu treiben. 
Dieselbe wurde bis zum 24. August zu einem 30cm langen, nonnalen 
Trieb, selbstverständlich ohne daß er im Stande gewesen wäre, eigene 
Wurzeln zu entwickeln. Er wurde nunmehr abgeschnitten. Es erschienen 
fortgesetzt neue Achselsprosse, von Anfang September ab begann der 
Mutterknollen abzusterben. Derselbe war durch die Wurzeln des an- 
fänglich beobachteten, wie erwähnt, nicht gewachsenen Triebes reich ein- 
gewurzelt, und es hatten sich auch hier mehrere große Knollen angesetzt. 

c. Die Triebe entwickeln sich in feucMer Luft unter einer Glas- 
glocke. Die Berniter sind im Zimmer diclU am Fenster aufgestellt 
und täglich mehrere Stunden besonnt. 

Versuch 8. Ein mittelgroßer Knollen der weißfleischigen Zwiebel- 
kartoffel wurde am 16. Mai auf nassen Sand gelegt und mit einer dünn- 
wandigen Glasglocke bedeckt. Der Knollen hatte zu dieser Zeit schon 
einige bis 1 mm lange Triebe entwickelt. Der Gipfel war gegen die 
Fensterseite gekehrt. 

Zuerst entstanden Triebe aus der Unterseite (Sandseite) des Knollens. 
Dieselben wurden abgeschnitten, so daß nur ihre bewurzelten Fußstücke 
am Mutterknollen blieben und durch diese der ganze Knollen im Sande 
befestigt war. 

Auf der Fensterseite entstand ein von Anfang an vollbeleuchteter 
Trieb, der selbst Wurzeln bildete und reichlich aus sämmtlichen Blättern 



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Das Wachsthuni der Licbttriebe der Kartott'dkuollen. 



83 



blutete. Gleichzeitig hatten die meisten an demselben Knollen auf der 
Lichtseite befindlichen, höchstens 5mm langen (unbewurzelten) Luftsprößchen 
klare Tropfen an den Blattspitzen. Beiderlei Blutungen dauerten tage- 
lang fort. 

Als der ersterwähnte bewurzelte Sproß 30 mm lang war, mit zwei 
normalen, entfalteten Blättern, verfaulte seine Spitze, es entwickelte sich 
dafür aus ihm ein Seitentrieb mit normalen Blättern, welcher nach Er- 
reichung einer Länge von 9 cm abgeschnitten wurde. Von jetzt ab kamen 
zwei Sprößchen ins Wachsen, eines am Rücken des Knollens, das andere 
in der Nähe des Gipfels. Nur letzteres hatte Gelegenheit, eigene Wurzeln 
zu treiben. Bei beiden aber starb nach erreichter Länge von 40 u. 50mm 
die Spit ze ab, es entstanden wieder Achsel sprosse, welche bei einer Länge 
von 16 u. 19 cm abgeschnitten wurden. Deren Wuchs war zwar schwäch- 
lich, aber sonst normal, namentlich ist dies bezüglich der Blattentfaltung 
hervorzuheben. Auf den Stengeldurchschnitten dieser Achselsprosse trat 
Blutung ein, nicht allein auf dem Querschnitt des selbstbewurzelten, 
sondern auch des unbewurzelten Rückentriebs. 

Weiterhin brachen neuerdings Seitensprosse hervor, bis von Mitte 
Oktober ab der Mutterknollen abzusterben begann. 

Versuch 9. Ein Knollen von Red skinned Flourball hatte im 
schwächeren Lichte Triebe von höchstens 17 mm Länge entwickelt. Der- 
selbe wurde am 16. Mai in nassen Sand vertikal eingepflanzt, aller Triebe 
bis auf einen am Gipfel beraubt und bis hart am Ansatz desselben mit 
nassem Sand überdeckt, dann eine dünnwandige Glasglocke übergestülpt. 

Der Trieb machte mehrere Wurzeln in den Sand und war am 6. Juni 
25 mm lang. Er hatte mehrere kurze Seitensprößchen, welche jetzt ent- 
fernt wurden. Seine Endknospe war aber bis zum 11. Juni abgestorben, 
dafür wuchs ein Achselsproß kräftig weiter. Er war am 16. Juni 30mm 
lang und hatte zwei normal ausgebreitete Blätter. Der Trieb selbst sammt 
seinen Blättern und Achselknöspchen war auf der Oberfläche stark naß, 
die Spitze der Blätter bräunlich. Die Untersuchung ergab, daß der Mutter- 
knollen zu faulen begonnen hatte. 

Versuch 10. Ein Knollen einer blaufleischigen Sorte wurde am 
1 5. Mai in einem großen, dünnwandigen Glasgefäß freischwebend so auf- 
gehängt und soviel Wasser eingegossen, daß er zur Hälfte im Wasser 
war. Die Längsachse des Knollens war horizontal, die Spitze zum Fenster 

6* 



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1 



84 Physik der Pflanze: 

gekehrt, die kräftigsten Gipfelknospen befanden sich eben hart über dem 
Wasserpiegel. 

Es entstand zunächst ein dicker Trieb am Gipfel, von Anfang an 
vollbeleuchtet, welcher Wurzeln ins Wasser sendete. Am 18. Juni war 
er Gern lang und ersichtlich normal, auch bezüglich seiner Blätter. Am 
31. Juni maß er 7cm. Mit seinen Wurzeln abgenommen und in Nähr- 
stofflösung übertragen, wuchs er kräftig weiter. 



II. Das Verhalten nicht hewurzelter Lichtsprosse an nicht 

eingewurzelten Kartoffelknollen. 

Ct. Die Triebe entwickeln sich frei in der Luft. 

a. Die Behälter sind im Zimmer dicht am Fenster aufgestellt 
und täglich mehrere Stunden besonnt. 

Versuch 11. Parallelversuch zu Versuch 6. In denselben Be- 
hälter wie der Knollen des Versuchs 6 kommt ein Knollen der gleichen 
Sorte in gleicher Weise zu liegen. Die auf der Sandseite erscheinenden 
Triebe werden immer gleich sammt ihren Wurzeln ausgebrochen. 

Das Wachsthum der Licht keime ist kümmerlich. Am 6. Juni maß 
der stärkste Gipfeltrieb nur 22mm, seine Endknospo war schwächlieh, 
deren Blätter klein und in der Knospenlage; bis zum 20. Juni war die 
Endknospe abgestorben, dafür hatten mehrere Achselknospen angetrieben. 
Es gelangte aber keine von ihnen in bemerklicheres Wachsthum. 

Ende August hatten die drei längeren Sprosse, welche höchstens 20 mm 
maßen, ihre Spitzo verloren, zahlreiche kurze knollige Verzweigungen ge- 
bildet und an der Basis zahlreiche Stolonen. Die letzteren werden ebenso 
wie die Verzweigungen bis auf die kräftigste abgeschnitten. Gleichwohl 
bleibt das Wachsthum dieser kümmerlich. Bis Anfang Oktober hatte 
sich an den kurzen Trieben eine Unmasse von Knöllchen gebildet, welche 
theilweise selbst wieder knollig anschwellende Stolonen her vortrieben, 
.letzt begann der Mutterknollen zu faulen, viel später als der Mutter- 
knollen des Versuchs 6. 

Versuch 12. Parallelversuch zu Versuch 7. In denselben Behälter 
wie der Knollen des Versuchs 7 kommt ein zweiter der gleichen Sorte 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 



85 



von gleicher Entwickelungsstufe der Sprosse in gleicher Weise zu liegen. 
Es werden aber hier die Sandsprosse samrat ihren Wurzeln rasch entfernt. 

Weder Hauptsprosse noch Verzweigungen derselben zeigen mehr als 
kümmerliches Wachsthum. Ende August trägt der Mutterknollen zwei 
krüppelige Triebe, dick, knollig, 25 u. 30 mm lang, bei denen die jeweiligen 
Spitzen abgestorben und durch Seitenzweige ersetzt worden waren, die 
aber selbst wieder sofort knollig wurden und ihre Blätter nicht ent- 
falteten. Noch Anfang November war der Mutterknollen gesund, die 
krüppeligen Triebe trugen zahlreiche Knöllchen und aus diesen zahlreiche, 
kurze, schwächliche, abwärts gerichtete Stolonen. 

Versuch 13. Im November 1884 waren Knollen von Red skinned 
Plourball halb in nassen Sand gepflanzt worden, der Gipfel nach aufwärts 
gekehrt, und hatten den Winter über dicht am Fenster zugebracht. Am 
15. Mai waren die längeren der über Winter am Gipfel entstandenen 
Sprosse (die Sandsprosse waren immer gleich sammt ihren Wurzeln ent- 
fernt worden) 26 bis 40mm lang, schwächlich dünn mit kümmerlichen 
Blättern oder knollig. 

Den Sommer über fort beobachtet, zeigte sich trotz der täglich mehr- 
stündigen Besonnung Verlängerung, allerdings sehr spärlich, die Stengel 
blieben dünn, die Internodien kurz, die Blätter klein, im Allgemeinen 
wenig ausgebreitet, immerhin hatten aber Ende Juni zwei der Sprosse 
65 resp. 70mm Länge erreicht, die Spitzen starben jetzt meist ab und 
verdorrten; es entwickelten sich unter dem todten Gipfel Seitensprosse, 
welche zwar schwächlich blieben, aber doch schon ein kräftigeres Aussehen 
und größere Neigung zur Blattentfaltung äußerten als ihre Muttersprosse. 
Mehrfach wurde die Basis der (Haupt-) Triebe knollig, bei anderen der 
ganze Trieb mit frühzeitigem Absterbon der Spitzen. Die größten der 
zur Entfaltung kommenden Blätter maßen mit dem Stiel 15 bis 20ram, 
und deren Spreite war ebenso einfach wie jene der Anfangsblätter von 
Sämlingspflanzen. Mitte September begannen die Triebe ganz abzusterben, 
die Mutterknollen zu zerweichen. 

Ein kräftiges W T achsthum wie bei Lichttrieben eingewurzelter Knollen 
war demnach in keinem Falle zu Stande gekommen, das gesammte Wachs- 
thum, die gesammto Ausbildung der Stengel und Blätter war schwäch- 
lich geblieben, aber nicht so, als ob die verwirkte Lichtwirkung über 
Sommer das Wachsthum überhaupt unterdrückt und, abgesehen von den 



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80 



Physik der Pflanze: 



zu Knollen werdenden Trieben, krlippeihafte Bildungen hervorgerufen 
hätte. Man müßte die Triebe für schlecht ernährt halten, könnte aber 
die bis 70 mm gewachsenen Sprosse und deren nach Absterben der Spitze 
auftretenden Verzweigungen ebensowenig krüppelhafte Bildungen nennen 
wie die schwächlichen Stengel von Pflanzen, welche aus Aussaaten von 
Kartoffelsamen dem kleinen Keim entsprechend zum Vorschein kommen 
oder aus recht schwachen Augen z. B. in der Nähe des Nabelendes der 
Kartoffelknolle hervorgehen. Immerhin weicht das Ergebniß auffällig ab 
von den Versuchen II und 12 und anderen früheren Beobachtungen, 
bei welchen nicht einmal dies schwächliche Wachsthum eingetreten und 
die Neigung, an der Spitze abzusterben und in Haupt- und Nebenachsen 
knollig zu werden, viel größer gewesen war. 

Versuch 14. Im November 1884 waren 3 Knollen von Snowfiake 
auf nassen Sand gelegt und in schwächerem Lichte aufgestellt worden. 
Am 15. Mai maßen die Triebe bei 

Knollen 1: 35, 42, 75 mm; 

Knollen 2: 12, 30, 33, 35 mm; 

Knollen 3: 110 mm. 

Auch der längste Trieb war schwächlich, sowohl im Stengel als 
hinsichtlich der kleinen, wenig entfalteten Blätter. Nunmehr wurden die 
Behälter dicht ans Fenster gestellt. Die Längen waren (Millimeter): 

Knollen 1 Knollen 2 Knollen 3 

am 23. Mai . . 40, 52, 78 12, 33, 35, 38 120, 15 
am 3. Juni . . 50, 52, 78 12, 33, 35, 40 145, 15. 

Der lange Trieb aus Knollen 3 hat bis 2 mm dicke Blüthenknöspchen, 
die Blätter sind epinastisch zurückgebogen, längstes (mit Stiel) 22 mm. — 
Weiterhin zeigte sich große Neigung, an der Basis Stolonen zu entwickeln, 
besonders beim langen Triebe. Dieser maß am 2 G. August 160 mm. 
Seine Basis war knollig, hatte zahlreiche, abwärts gewendete Stolonen, 
deren mehrere zu kleinen Knöllchen angeschwollen waren. Internodien 
sehr kurz (höchstens 10 mm lang), längstes Blatt 25 mm. Der Stengel 
beginnt jetzt von der Spitze her abzusterben, die Blätter sind schon gelb- 
lich gefärbt, der Mutterknollen schrumpft zusammen. Der neben diesem 
Trieb am gleichen Mutterknollen befindliche Trieb, welcher Anfang Juni 
15mm maß, ist zu einem 35mm langen, knolligen Trieb mit abge- 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 87 

-torbenem Gipfel geworden, mit einem Seitenknöllchen und mehreren 
kurzen Achseltrieben. 

Bei den beiden anderen Knollen erreichte der längere von Knollen 1 
schließlieh 00mm Länge, derselbe hatte im Winkel der unteren, wenig 
entfalteten Blättchen höchstens 20 mm lange Achselsprosse von horizon- 
talem Wüchse gebildet. Am 26. August ist der Trieb im Absterben, 
wie auch der Mutterknollen. An der Triebbasis befindet sich eine große 
Zahl kurzer, dünner Knollensprosse, von denen einige schon zu Knöllchen 
geworden sind. 

An den übrigen Trieben sind die Spitzen abgestorben, an der Basis 
beginnen sich immer mehr Knöllchen auszubilden, von Mitte September 
an sind auch diese Mutterknollen im Zerweichen begriffen. 

Der Versuch 14 hat in seinem Verlaufe große Aehnlichkeit mit dem 
unter gleichen Bedingungen verlaufenen Versuch 13. Es hatte auch in 
Versuch 14 ohne Wurzeln kein normales Wachsthum stattgefunden, über 
Sommer aber hatte sich ein langsames Wachsthum eingestellt, das den 
Eindruck nicht der Verkümmerung durch Lichtwirkung, sondern durch 
Nahrungsmangel machte. Ein Trieb hatte den normalen Ablauf der 
ganzen Entwickelung bis zur Blüthe durchgemacht. 

ß. Die Behälter befinden sich erst im Freien, den größten Theil 
des Tages besonnt, später im Zimmer dicht am Fenster. 

Versuch 15. Parallelversuch zu Versuch 2. Ein Knollen von 
Red skinned Flourball wird in den gleichen Behälter wie der Knollen 
vom Versuch 2 und in gleicher Weise eingepflanzt, jedoch täglich heraus- 
genommen, und der im Boden entstandenen Triebe sammt ihren Wutzeln 
beraubt. Der Boden wird sehr feucht gehalten. 

In der gleichen Zeit, in welcher der Knollen des Versuchs 2 den 
kräftigen 10cm langen normalen Stengel bildete, entstand bei dem un- 
bewurzelten Knollen nur ein kümmerlicher, 25 mm langer Gipfellichttrieb 
mit kleinen, nicht entfalteten Blättchen; bis zum 8. August war der erst 
entstandene Lichttrieb ganz verdorrt, er hatte theilweise durch Achsel- 
sprossung 40 mm Länge erreicht. Nun war aber daneben ein zweiter 
Trieb hervorgewachsen, welcher zur Zeit 10 mm mißt. 

Anfang September wurde der Behälter wegen rauher Witterung ins 
Zimmer genommen und dicht am Fenster aufgestellt. Anfang Oktober 



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88 



Physik der Pflanze: 



war die Spitze dieses zweiten Lichttriebs abgestorben, dafür ein Seiten- 
sproß entstanden, welcher am 3. Oktober 38 mm lang war. Sehr be- 
merkenswerth war die Beschaffenheit der an ihm befindlichen Blatter. 
Dieselben waren zwar klein (25 — 30 mm lang incl. Stiel), sahen ab*r 
sonst normal und namentlich üppig grün aus. Noch merkwürdiger war. 
daß dieser kurze Trieb an seiner Spitze ziemlich große Blüthenknospen 
trug. Der Hauptstamm selbst war zu einem langgestreckten Knollchen 
geworden, dessen Durchmesser an der stärksten Stelle 14 mm war. 

Am 16. Oktober waren zwei Blüthenknospen dem Oeffnen nahe, sie 
wurden aber weiterhin abgestoßen. 20 mm unter dem Gipfel schwoll ein 
Achselsproß zu einem Knollchen an, welches am 5. November, wo es ab- 
geschnitten wurde, 24 mm dick war. 

Am 10, November waren Mutterknollen und Gipfeltrieb noch völlig 
gesund, letztere an der Spitze mit G normal auseinandergebreiteten, mit 
1 — 2 Fiederpaaren versehenen Blättchen (längstes mit Stiel 30 mm) be- 
setzt, die Blätter bei der Kürze der Internodien dicht beisammenstehend. 

Vom Wachsthum der Triebe in Versuch 11 und 12 unterschied sich 
das Wachsthum bei Versuch 15 durch stärkere Blattbildung, sowie da- 
durch, daß der so kurz gebliebene Stengel gleichwohl den normalen Ent- 
wickeiungsverlauf einschließlich der Blüthc durchgemacht hatte. 

Anfangs Dezember befanden sieh am Gipfel die Stielchen der abge- 
stoßenen Blüthen, gleich unterhalb dieser dicht zusammengedrängt G normal 
aussehende und normal auseinandergebreitete Blätter mit 2 Paar Fieder- 
blättchen, deren längstes mit Stiel 30 mm maß, demnach nicht mehr (eben- 
so wenig wie der knollige Stengel) gewachsen war. Drei Seitentriebe 
gleioh unterhalb des beblätterten Gipfels waren zu Knölleben heran- 
gewachsen, von denen wieder seitliche Sprosse sich zu Knollen entwickelt 
hatten. Der Mutterknollen beginnt nunmehr zu verfaulen, die Blätter 
des Knollensprosses vergilben und fallen ab. 

Versuch IG. Ein anderer Knollen von Red skinned Flourball wurde 
gleich dem vorigen eingepflanzt und zwar in nassen Sand, die Spitze 
einige Centinieter über demselben; ebenso wurden die Sandtriebe mit 
ihren Wurzeln fleißig entfernt. Der Behälter wird im Freien aufgestellt. 

Während des Aufenthalts im Freien bildete sich ein kümmerlicher 
Gipfeltrieb, dessen Spitze abstarb. Die Gmm lange Basis des Triebs 
wurde etwas knollig und entwickelte, nachdem inzwischen (Anfangs Sep- 



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Das Wachsthum der Lichttriehe der Kartoffelknollen. 



80 



tember) auch dieser Behälter im Zimmer dicht am Fenster aufgestellt 
war, bis Anfang Oktober einen Lichttrieb von ähnlichem Aussehen wie 
der beschriebene des Versuchs 15. Anfang November maß er 45 mm, 
er war langgestreckt knollig (Durchmesser 2Uinm an der dicksten Stelle), 
hatte kleine (20 — 25 mm lange) aber normal ausgebreitete und im Um- 
riß normal aussehende Blätter gebildet und am Gipfel Blüthenknospen, 
die aber nicht zum Oeffnen kamen. Aus den Blattwinkeln waren zahl- 
reiche Triebe hervorgewachsen, die aber sämmtlich gleich wieder zu 
Knöllchen anschwollen. 

Am 10. November sieht der Trieb mit meinen knolligen Seitensprößchen 
und den verhältnißmäßig entwickelten Blättern an seinem und dem Gipfel 
der knolligen Seiten sprosse ganz eigentümlich aus, ein richtiges Mittel- 
ding en miniature zwischen einem beblätterten Stengel und einem knolligen 
Verzweigungssystem. Mutterknollen und Trieb sind zur Zeit ganz gesund. 

Von Anfang Dezember ab beginnt der Mutterknollen zu faulen, die 
Blätter des Gipfelsprosses (die knolligen Bildungen haben sich inzwischen 
vergrößert) zu vergilben und abzudorren. 

Versuch 17. Parallelversuch zu Versuch 5. Ein Knollen der blau- 
fleischigen Sorte wurde analog dem Knollen in Versuch 5 in einen Topf 
gepflanzt, analog wie in Versuch IG täglich herausgekommen und der 
Erdtriebe beraubt. Der Behälter ist im Freien aufgestellt, kommt aber 
Anfangs September ins Zimmer, wo er dicht am Fenster aufgestellt wird. 

Bis Anfang August hat sich ein Trieb aus dem beleuchteten Gipfel 
zu einem 30 mm langen Knöllchen ausgebildet, dessen Spitze abgestorben 
ist. Es bildet sich ein Achseltrieb, welcher jetzt 30 mm lang ist. Dann stirbt 
dessen Spitze ab, es entstehen wieder neue, immer kräftiger ausdauernde 
und wachsende Seitentriebe. Das kräftigere Wachsthum hebt etwa vou 
Anfang September ab. 

Am 16. Oktober ist der Stand folgender: Vom primären (Haupt-) 
Trieb ist ein 20 mm langes Knöllchen übrig, vom ersten Achseltrieb 
demselben ein ebensolches von 10 mm ; der folgende Trieb dritter Ordnung 
sieht normal aus, kräftig, dickstengelig und mit größeren normal ausge- 
breiteten Blättern (längstes Blatt 50 mm). Dieser Sproß wurde 70 mm 
lang, dann starb seine Spitze ab, in der Nähe derselben entstand ein 
durchaus normalwüchsiger Achseltrieb, welcher 100 mm laug wurde. 

Von Anfang November ab begann der jüngste Sproß von der Spitze 



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90 Physik der Pflanze: 

her zu vergilben und abzusterben. An der Basis des primären Knöllchens 
(gleich am Mutterknollen) war eine Anzahl kurzer Stolonen zu Knöllchen 
angeschwollen. Diese waren auf der Oberfläche staA behaart und trugen 
eigentümlicherweise zahlreiche, dick zähflüssige Tröpfchen von stark 
süßem Geschmack, farblos oder schwach gelblicb gefärbt. 

Anfangs Dezember war der klüftige Trieb abgestorben bis 50 mm 
über dem Ansatz, das Basalstück war noch ganz gesund. An der Basis 
des primUren Knöllchens hat sich die Zahl der Seitenknöllcben vermehrt. 
Weiterhin stirbt der Mutterknollen ab, die um Gipfel produzirten knolligen 
Bildungen bleiben lebendig. 

Versuch 18. Ein Knollen der blaufleischigen Sorte wurde in allem 
ebenso behandelt wie jener des Versuchs 1 7, so daß auch hier die Licht- 
triebe und Mutterknollen völlig unbe wurzelt blieben. 

Zuerst entstand ein 25 mm langer, knolliger Trieb, dessen Spitze 
abstarb. Von Ende August ab war ein ganz neuer Trieb (aus einem 
anderen, von Anfang an vollbeleuchteten Auge) hervorgegangen, welcher 
zur Zeit des Einbringens ins Zimmer schon 55 mm maß und kräftige, 
uoch nicht ganz entfaltete, aber schon bis 35 mm lange Blätter hatte. 

Bis Anfang Oktober war dieser Trieb 42 cm lang, an der Basis 
knollig, seine Blätter maßen (mit dem Stiel) 35 — 40 mm und waren 
normal ausgebreitet. 

Am 16. Oktober maß der Trieb 50 cm, er hatte Blätter bis 50 mm 
lang. Am 22. Oktober war der Stengel 51 cm lang, ganz gerade, 9 cm 
unter seiner Spitze befand sich die Inflorescenzanlage, deren Blüthenknospen 
vor dem Oeflnen abgestoßen wurden. Weiter abwärts am Stengel waren 
kurze Seitensprosse entstanden, jene der Basis waren kurze Stolonen. 

Von Anfang Oktober an begannen die Blätter am Trieb aufwärts 
abzusterben, am 10. November waren nur noch einige an der Stengel- 
spitze grün, zwei der Stolonen an der Basis waren zu Knöllchen geworden, 
deren eines Zuckertropfen an der Oberfläche ausschied. Die, wie erwähnt, 
knollige Basis des Haupttriebs selbst hatte inzwischen wesentlich an Dicke 
zugenommen. 

Am 3. Dezember war der Mutterknollen noch gesund, der Sproß abge- 
storben und vertrocknet bis 18 cm über der Basis. Im unteren Theil 
trug er drei ziemlich große Knollen, von welchen zwei an ihrer Krone Zucker- 
tropfen hatten. Ende Dezember begann der Mutterknollen zu zerweichen. 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 



91 



Hier schließe ich an 

Versuch 19. Zwei Knollen der blaufleischigen Sorte wurden auf 
den Grund eines Blumentopfs gelegt und dieser mit Sund gefüllt, so daß 
sich die Kronen 8 cm unter der Sandoberfläche befanden. Als die Stengel- 
spitzen aus dem Sand hervorgebrochen waren, wurden die Knollen heraus* 
genommen ohne Beschädigung der Triebe. Dieselben hatten an ihrer 
Basis ein reiches Cieflecht von Wurzeln. Diese wurden sämmtlich entfernt. 

Der eine Knollen wurde in nassen Sand seicht gesteckt und sammt 
.«einen Trieben ganz verdunkelt, der andere ebenso auf Sand gebracht, 
•las vorher im Boden gewesene untere Stück mit Baumwolle umhüllt 
and überhaupt wieder ganz verdunkelt, nur die grünen Stengelspitzen im 
Lichte belassen. Die neu entstehenden Wurzeln wurden immer gleich 
entfernt. 

Am 13. Juni waren die Triebe, deren Spitze im Lichte war, 85 und 
100 mm lang; die gänzlich verdunkelten Triebe des anderen Knollens 
maßen 60, 65, 80 mm. 

Die Dunkeltriebe wuchsen sofort weiter. Sie maßen (mm) 

am 15. Juni 80, 85, 105, 

;, 18. „ 95, 105, 120, 

„ 20. „ 100, 105, 130, 

„ 25. „ 105, 110, 140 u. s. w. 

Die anderen Triebe dagegen, deren Gipfelknospe beleuchtet, deren 
unterer Theil verdunkelt war, zeigten längere Zeit kaum ein Wachs- 
thum, erst von Anfang Juli ab wuchs der im Lichte befindliche 
Gipfel unter Vergrößerung seiner Blätter normal weiter. Die beiden 
Triebe maßen (mm) 

am 18. Juli 100, 110, 
„ 8. August 110, 130. 

Am letzteren Datum ist die Spitze beider Triebe im Absterben. 

7- Die Behälter sind im schwächeren Lichte, im Hintergrunde 

des Zimmers, aufgestellt. 

Versuch 20. Ein Knollen von Red skinned Flourball wird auf 
nassen Sand gelegt, der Behälter ohne Bedeckung mit Glasglocke an dem 
bezeichneten Orte aufgestellt. 



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92 Physik der Pflanze: 

Das Wachsthura der Sprosse ist kümmerlich. Anfangs Oktober sind 
zwei Triebe vorbanden, 30 und 35 mm lang, mit kleinen, wenig ent- 
wickelten Blättern. Die Basis der Triebe ist starkknollig. Der eine 
Sproß hat an der Spitze eine Inflorescenz mit schon ziemlich großer, 
dem Aufblühen nahen Blüthenknospen; bei dem anderen ist die Spitz- 
abgestorben. 

Am 16. Oktober mißt der Trieb mit den (6) Blüthenknospen 40 mm. 
unterhalb dieser ist der Stengel zu einem Knöllchen angeschwollen, die 
Blüthenknospen sind dem Abfallen nahe. Der andere Trieb hat ein seit- 
liches Knöllchen entwickelt. 

Anfangs Dezember ist der Mutterknollen im Faulen. Es haben sich 
weitere Knöllchen gebildet, sowohl an den beschriebenen zwei Sprossen 
als aus den anderen Augen ; zwei Augenstellen sind mit ganzen Klumpen 
kleiner Knöllchen bedeckt. 

b. Die Triebe entwickeln sich in feuchter Luft, unter einer Glasglocke. 

a. Die Behälter sind im Zimmer dicht am Fenster aufgestellt. 

Versuch 21. Parallel versuch zu Versuch 8. In dem gleichen 
Behälter wie der Knollen des Versuchs 8 befindet sich ein ebensolcher 
der weißfleischigen Zwiebelkartoffel. Die aus der Sandseite entspringenden 
Triebe werden sammt ihren Wurzeln immer gleich entfernt. 

Es entstanden Lichttriebe von kümmerlicher Beschaffenheit, höch- 
stens 15—20 mm lang, bei denen meist bald die Spitze abstarb und 
verschimmelte. 

Noch am 10. November war der Mutterknollen ganz gesund, ohne 
daß aber ein Sproß in bemerkliches Wachsthum gekommen wäre. Die 
angetriebenen Knospen sind zu dicken Klumpen ganz kurzer Sprosse mit 
abgestorbenen Spitzen geworden. Es sind nicht einmal Luftknollen wie 
bei den Versuchen 11, 12, 15, 16, 19 entstanden. 

Von Mitte November ab ließ man die SprÖßchen auch Wurzeln in 
den Sand treiben. Das Wachsthum änderte sich hiedurch nicht mehr, 
sondern wie bei Versuch 24 und 25 entstanden an der Basis der ab- 
gestorbenen kurzen Triebe Rhizomsprosse, die bald zu Knöllchen wurden, 
und es brachen Sprosse des gleichen Charakters aus den Augen seilet 
hervor: die ganze Entwickelung schloß mit Knüllchenbildung. Mitte 
Dezember begann der Mutterknollen zu zerweichen. 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 



93 



Versuch 22. Parallel versuch zu Versuch 9. Ein ebenso ange- 
brachter Knollen von Red skinned Flourball entwickelte einen unbe- 
wurzelten Lichttrieb von 25 mm Länge, der weiterhin kein bemerkliches 
Wachsthum zeigte und ebenso wenig die gleiche Blattentfaltung und 
Acbselsproßbildung wie die bewurzelten Lichttriebe des Versuchs 9. Zum 
Unterschied von den bewurzelten Trieben war der Sproß dieses Versuchs 22 
auf der Oberfläche völlig trocken. 

Versuch 23. Fortsetzung zu Versuch 10. — Nachdem der erst 
gewachsene, bewurzelte Trieb beseitigt war, wurde der Knollen in der 
bisherigen Stellung fort beobachtet. Es entstanden Triebe aus anderen 
Augen, theils auf dem Rücken und Gipfel des Knollens, theils aus seinen 
Flanken. Von den Flankentrieben wurde ein Sproß belassen, dessen Basis 
»ich im Wasser befand; auch von den Lufttrieben wurde nur einer am 
Gipfel und einer auf dem Rücken wachsen gelassen, von allen Trieben 
aber Tag für Tag die Wurzeln beseitigt. 

Der Trieb, dessen Basis im Wasser war, wurde an der Basis knollig; 
er wuchs zu einem ziemlich dicken Stengel von 8 cm Länge mit 22 bis 
25 mm langen, normal aussehenden Blättern heran, dann starb die Spitze 
ab; dafür entstand ein kräftiger Seitensproß, welcher nach Erreichung 
einer Länge von 12 cm seinerseits die Spitze verlor. Sein längstes Blatt 
maß 30 mm. Es entstanden an ihm zwei Seiten sprosse, von denen der 
nntere 25, der obere 66 mm lang wurde. Auch ihre Spitzen starben 
weiterhin ab. 

Die Lichttriebe über dem Wasser blieben viel kürzer, mit schwächerem 
Stengel und geringerer Blattentfaltung, mehrfach an der Basis knollig. 
Als der Wassertrieb 80 mm maß, waren die Lufttriebe 20, 30, 35 mm 
lang. Diese wurden schließlich bis 55 mm lang, bei den länger werdenden 
starb aber regelmäßig die Spitze ab. 

Als am 2. September der Versuch geschlossen wurde, war der Matte» 
knollen noch völig gesund. 

,3. Die Behälter sind im schwächeren Lichte, im Hintergrunde 

des Zimmers, aufgestellt. 

Versuch 24. Ein Knollen von Red skinned Flourball wird auf 
nassen Sand gelegt und mit einer Glasglocke bedeckt im Hintergründe 
des Zimmers aufgestellt. 



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91 Physik der Pflanze: 

Das Wachsthum war kümmerlich. Es entstanden immer nur kurze, 
höchstens 20 mm lange Triebe ohne Blattentfaltung, welche meist an 
der Spitze successive abstarben. Anfänglich, gleich beim Hervorwachsen, 
sahen sie gesund aus, bald aber schimmelten die Spitzen, und die Triebe 
verkamen förmlich in der feuchten Luft. 

Am 10. November war der Mutterknollen noch völlig gesund. Ob- 
wohl derselbe von Anfang November ab durch die Basalstücke von 
kümmerlichen Sprossen einwurzeln konnte, war doch kein weiteres Wachs- 
thum mehr entstanden. Der Bestand an triebkräftigen Knospen wurde 
bei dem fortgesetzten Austreiben erschöpft, was spüter an Trieben erschien, 
war schwächlich, wuchs mehr oder weniger stolonenartig mit bald ab- 
sterbender Spitze oder schwoll zu Knöllchen an. (Vergl. Versuch 21.) 

Versuch 25. Ein Knollen der blaufleischigen Sorte wurde wie der 
vorige untergebracht. 

Das Wachsthum war ebenso wie beim vorigen Versuch. Auch als 
von Anfang November ab die Wurzeln (welche sich nunmehr spärlich 
entwickelten) wachsen gelassen wurden, entstand kein kräftig wüchsiger 
Trieb, die Triebe waren alle schwächlich, stolonenartig, dafür erschöpfte 
sich der Mutterknollen in reichlicher Knollen bildung: aus dem Rücken 
des Mutterknollons entstand eine große Zahl von sich verzweigenden 
stolonenartigen Sprossen, die sich abwärts wendeten und zu Knöllchen 
wurden. Auf den Flanken und der Unterseite, mit der der Mutterknollen 
auf dem Sande lag, entstanden aus den Augen gleichfalls (die Sprosse der 
Unterseite waren über Sommer mit den Wurzeln immer beseitigt worden) 
stolonenartigo Triebe in großer Zahl, die sich theilweise einwurzelten. 
Nur ein Stengel wuchs aus dem Gipfel eines Knöllchens hervor. Er war 
sehr dünn, mit schwächlichen, einlachen, kleinen Blättern und sah aus 
wie ein Keimstengel oder wie solche, welche aus ganz schwachen Knospen 
der Kartoffelkuolle hervorzugehen pflegen. -Wegen erlittener Beschädigung 
konnte er nicht weiter beobachtet werden. 

Die Versuchsergebnisse führen zu den folgenden allgemeineren Be- 
merkungen und Schlüssen. 

1. Es ist kein Fall zur Beobachtung gekommen, in welchem bei sonst 
normalen Verhältnissen das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoflel- 
knollen bei Gegenwart eigener Wurzeln oder bei Einwurzelung durch die 
Wurzeln an den Fußstücken anderer Triebe des gleichen Knollens kümmer- 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 



<)5 



lieh geblieben wäre. Es gilt dies nicht allein für die schwächere Be- 
leuchtung während der Winter- und ersten Frühjahrsmonate, sondern 
auch über Sommer sind die von Anfang an der vollen Beleuchtung im 
Freien ausgesetzt gewesenen Triebe zu normalen, kräftigen Sprossen mit 
großen Blättern herangewachsen, es war sogar deren Wachsthum viel 
kräftiger als im schwächeren Lichte während der Winterraonate. Der 
Satz, daß die kümmerliche Entwickelung der Lichttriebe der Kartoffel- 
knollen nur bei Abwesenheit von Wurzeln eintritt, kann als sicher und 
allseitig begründet angesehen und beigefügt werden, daß sich die Wirkung 
der Wurzeln nicht allein im Wachsthum der Hauptsprosse, sondern auch 
ihrer Verzweigungen äußert. 

Daß die Wurzeln an den Fußstücken abgeschnittener eingewurzelter 
Sprosse auf die nichtbewurzelten Triebe des gleichen Knollens die näm- 
liche Einwirkung äußern wie auf die eigenen Triebe, macht sich darin 
bemerklich, daß auch an der Oberfläche der Blätter der unbewurzelten 
Triebe Saft hervorgepreßt wird, und an Querschnitten derselben ebenso 
Blutung eintritt, als ob sie selbst mit Wurzeln versehen wären. Daß 
die Stellung der Triebe zu dem Orte, wo sich die eingewurzelten Fuß- 
fetücke befinden, bei diesen Blutungen von Einfluß sein wird, ist von 
vornherein zu erwarten. In anderweitiger Beziehung interessant ist, daß 
bei den Versuchen mit aufrecht eingepflanzten Knollen (siehe besonders 
Versuch 1 bis 6) die Wasserbewegung den ganzen Sommer über durch 
ein ganz ungewöhnliches Organ, den Knollen, hindurch stattgefunden hat. 
Man muß erwarten, daß auch eine Bewegung der Assimilate aus den 
Blättern der kräftigen Sprosse durch den Mutterknolleu hindurch in die 
im Boden sich ausbildenden neuen Knollen stattgefunden hat. Es muß 
*peciellen Untersuchungen überlassen bleiben, die einschlägigen Vorgänge 
mikroskopisch näher zu verfolgen. 

2. Schon in der Eingangs citirten ersten Publikation ist hervor- 
gehoben, daß auch darauf geachtet werden muß, ob nicht Verhältnisse 
vorliegen, welche andauernde Aenderungen, speciell Verminderung des 
Wach.sthumsvcrmögens der Triebe, die in den Versuchen beobachtet werden, 
hervorgerufen haben. So z. B. kann ein Trieb, der bei Mangel an 
Wurzeln lange Zeit in kümmerlichem Zustande blieb, schon angefangen 
haben knollig zu worden, oder seine Spitze kann sich schon so verändert 
haben, daß sie nächstens abgestorben und vertrocknet wäre. Beides kann. 



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9« 



Physik der Pflanze: 



verursachen, daß spatere Bewurzelung nicht mehr im Stande ist, in ihm 
kraftiges Wachsthum einzuleiten, sondern solches nur mehr an seitlichen 
Aussprossungen desselben eintreten kann. Bemerkenswerth ist, daß solche 
Triebe, welche im Dunkeln auf eine, wenn auch nur geringe Länge heran- 
wachsen, gegen starkes Licht außerordentlich empfindlich zu sein scheinen, 
so daß ihr weiteres Wachsthum trotz Bewurzelung unterbleiben kann. 
(Versuch 7.) Ob diese Lichtempfindlichkeit von Dunkelsprossen und, in 
Zusammenhang hiermit, die erhöhte Neigung solcher Sprosse, seitliche 
Auszweigungen (im Lichte) zu bilden, allenthalben zutrifft, wie ich dies 
nach anderweitigen Beobachtungen als den mitgetheilten annehmen mochte, 
muß erst noch naher festgestellt werden. Ein wesentlicher Unterschied 
bewurzelter Knollen mit ins starke Licht gebrachten Dunkel sprossen gegen- 
über dem Verhalten der Lichtsprosse an nicht bewurzelten Knollen äußerte 
sich aber überall darin, daß bei den ersteren wenigstens die Achselsprosse 
(selbst wenn sie der Trieblmsis zunächst entsprangen) kräftig und normal 
wuchsen, während bei den nicht bewurzelten Knollen wie das Wachsthum 
der Hauptsprosse, so auch jenes ihrer Auszweigungen unterblieb. 

3. Abgesehen von Versuch 17 und 18 blieb das Wachsthum der 
Lichttriebe ohne eigene Wurzeln oder ohne Wurzeln an anderen Trieben 
des gleichen Knollens im stärkeren wie im schwächeren Lichte gering. 
Wenn auch die Triebe in einigen Fällen etwas länger wurden (siehe be- 
sonders Versuch 14), so war das Wachsthum gleichwohl weder hinsicht- 
lich der Dicke der Stengel, noch hinsichtlich der Blattbildung ein kräf- 
tiges und nicht so, wie man es nach dem Gehalte des Mutterknollen 
an Reservestoffen hätte erwarten mögen und im Dunkeln thatsächlich 
beobachtet. In der Regel fand zwar ersichtlich Auswanderung von Stoffen 
aus den Knollen in die Triebe statt , die Stoffe wurden aber in diesen 
statt zum Längenwachsthum gleich wieder zur Knollenbildung verwendet. 
Die Hauptsprosse selbst wurden vielfach knollig, ohne daß an diesen 
kurzen Sprossen die normale Aufeinanderfolge der einzelnen Entwickelungs- 
>tufen gestört worden wäre: erst ein freilich minimales Sprossen, dann 
BlUthenbildung, schließlich Knollenansatz, welch letzterer bei dem be- 
schränkten Längenwachsthum im Hauptstengel selbst zur Geltung kommen 
konnte. (Vergl. Versuch 15, 16, 20, auch 14.) Die Stoffzufuhr zu den 
nur spärlich sich verlängernden Sprossen bewirkte in der Knollenbildung 
eine durchgreifende anatomische Veränderung der Sprosse. Es schließt 



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Das Wachsthum der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 97 



sich dies an früher beschriebene Fälle an 1 ), in welchen durch Beseitigung 
des terminalen Blüthenstandes der einköpfigen Sonnenblume eine enorme 
Zarahr von Assimilaten zum Stengel hervorgerufen wurde, welche eine 
starke Anschwellung desselben mit vollständiger Abänderung des normalen 
Baues zur Folge hatte. Im Grundgewebe wie in den Geftißbündeln war 
eine enorm gesteigerte Zellbildung eingetreten, das Cambium hatte aber 
nicht normales Holz, sondern kleinzelliges, saftiges Parenchym mit ver- 
einzelten Fasern und Tracheen erzeugt. 

4. Ganz ungewöhnlich verhielten sich die Knollen der blaufleischigen 
Sorte in Versuch 17, IS (vergl. auch Versuch* 19), indem bei diesen 
kräftige, auch hinsichtlich der Blatt bildung normal aussehende Sprosse 
entstanden, so daß durch diese Sorte eine Ueberleitung zu den länger ge- 
wordenen Lichttrieben der Versuche 13 und 14 und zum Verhalten der 
Sprosse aus Knollen von Helianthus tuberosus gegeben wäre. Ein kleiner 
Topinamburknollen 2 ) wurde mit dem unteren Ende in das Wasser eines 
GlasgefUßes gebracht ; das obere Ende befand sich frei in der Luft und 
war starkem Lichte dicht am Fenster ausgesetzt. Aus dem Wasserende 
entsprangen Wurzeln, welche immer gleich in den ersten Ansätzen entfernt 
wurden. Die Gipfelknospe wuchs langsam, aber stetig zu einem 15cm 
langen Triebe heran mit zwar ziemlich kleinen, aber durchaus normal 
ausgebreiteten und dem Stengel proportionalen Blättern. Am Schlüsse 
des Versuchs war der Knollen im Innern hohl und nur mehr die Rinde 
and 1 — 2 mm der Xylemperipherie erhalten. 

Ob die Triebe der blaufleischigen Sorte weniger empfindlich sind 
gegen das Licht als bei anderen Sorten, oder ob die Ursache ihres Ver- 
haltens in der Beschaffenheit der Mutterknollen liegt, oder ob andere 
Ursachen zur Geltung kommen, ist vorerst nicht zu entscheiden. 

5. Die Versuche im feuchten Raum sind im Allgemeinen ungünstig 
ausgefallen. Es zeigte sich zwar auch unter diesen Verhältnissen der 
fördernde Einfluß der Bewurzelung auf das Wachsthum der Lichtsprosse, 
aber deren Spitzen starben bald ab, und Aehnliches zeigte sich auch bei 
den Ersatzseitensprossen. Die Kartoffeltriebe scheinen den Aufenthalt im 

•) Forschungen auf dem Gebiete der Agrikulturphysik, Bd. IV. p. 380. Bd. 
VIII. p. 107. 

*) Die Topinamburknollen bieten manches Eigenthümliche. Ich werde hierauf 
zorückkommen. 

E. Wollny, Forschungen. IX. 7 



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98 



Physik der Pflanze: 



feuchteD Raum ohne Lüftung eben ganz schlecht zu vertragen, was an 
das Verhalten vieler Keimpflanzen unter den gleichen Bedingungen er- 
innert. Dagegen war aus den Versuchen ersichtlich, daß auch im feuchten 
Raum ohne Wurzeln kräftiges Wachsthum unmöglich ist. Die unbe- 
wurzelten Keime oder solche an unbe wurzelten Knollen zeigten ebenso 
wenig oder vielmehr wegen der auch bei ihnen eintretenden Beschädigung 
in der feuchten Luft sogar weniger Wachsthum als die unbewurzelten 
Triebe in der freien Luft. Der Mangel der Wurzeln kann auch durch 
Herabdrückung des Bedarfs an Transpirationswasser nicht ausgeglichen 
werden, und die früher ausgesprochene Vermuthung, die kümmerliche 
Ent Wickelung der Lichtkeime möchte mit der Unfähigkeit der Kartoffel- 
knollen zu rascher und ausgiebiger Wasserbeforderung in Zusammenhang 
stehen, ist noch ganz im Unsichern. 

6. Die Versuche, den Trieben ohne Wurzeln direkt Wasser zuzu- 
führen (Versuch 22), führten vorerst zu keinem maßgebenden Resultate. 
Der eine Trieb des blaufleischigen, im Wasser schwebenden Knollens 
wuchs zwar ähnlich, wie wenn er Wurzeln hätte, und trieb ebenso Seiten- 
sprosse von kräftigem Wüchse; aber leider gehörte dieser Knollen eben 
der Sorte an, die sich ungewöhnlich verhielt (vergl. sub 4), was zur Zeit 
der Anstellung dieses Versuchs nicht bekannt war. Es ist daher möglich, 
daß dieser Trieb auch ohne direkte Wasseraufnahme das gleiche Wachs- 
thum gezeigt hätte. Das bei den Versuchen im feuchten Räume so 
störende Absterben der Stengel spitzen trat auch bei Versuch 22 ein. 

7. Ueber die näheren Ursachen des auffälligen Zusammenhangs zwischen 
Lichtwirkung und Bewurzelung beim Wachsthum der Lichtsprosse der 
Kartoffelknollen läßt sich noch immer nichts Bestimmtes aussagen. Das 
besondere Verhalten der blaufleischigen Sorte muß das abschließende 
Urtheil noch wesentlich hinauszögern. Ich habe weitere Versuche im 
Gange, welche hoffenttich mehr Aufklärung bringen werden. 

Die Erklärung, welche Detmer versucht hat 1 ), kann nicht wohl 
acceptirt werden. Dieser Forscher konnte nämlich in den Dunkelknollen 
viel, in den Lichtknollen nur einmal eine Spur Zucker nachweisen, ob- 
wohl auch der Saft der Lichtknollen verzuckernd wirkte. Detmer meint, 
das Licht müsse auf irgend welche Processe in den Zellen der Knollen 

') Pflanzenphysiologische Untersuchungen über Fennentbildung und fermen- 
tative Prozesse. Jena, 1884. Diese Zeitschrift Bd. VII. p. 207. 



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Das Wachsthtim der Lichttriebe der Kartoffelknollen. 



N 



wesentlichen Einfluß üben, welche einen beschleunigten Verbrauch des 
einmal gebildeten Zuckers herbeiführen und einer Zuckeransaromlung in 
den Zellen entgegenwirken. Das beschränkte Wachsthum der Triebe bei 
Lichtzutritt sei eine Folge des Mangels an hinreichenden Zuckermengen. 

Indessen enthalten auch die gedrungenen Lichttriebe reichlich Stärke *), 
und die knolligen Bildungen an den unbewurzelten Lichttrieben, wie sie 
so häufig eintreten, beweisen, daß Stoffe aus dem Mutterknollen auch bei 
Beleuchtung derselben auszuwandern vermögen, sie werden aber eben 
zum Längenwachsthum nicht verwendet. Es lieferten auch ziemlich frei 
auf Sand liegende Knollen bei Vorhandensein von Wurzeln kräftige Triebe, 
neben ihnen liegende unbewurzelte Knollen aber nicht. Und von zwei 
nebeneinander in gleicher Weise in Erde gegrabenen, nur mit dem Gipfel 
heraussehenden Knollen entwickelte der unbewurzelte kümmerliche, der 
bewurzelte kräftige, normale Triebe. 

Es wäre noch beizufügen, daß die oben mitgetheilten Beobachtungen 
auch die Frage anregen, wie sich denn die ErtragsfUhigkeit solcher Kar- 
toffelstöcke beim Wachsthum im freien Lande gestalten wird, bei welchen 
die Triebe aus den seitlichen Augen nicht, wie öfter versucht, durch 
Ausstechen der Augen von vornherein unmöglich gemacht, sondern erst 
nach dem Hervorwachsen aus dem Boden abgeschnitten werden, bei 
welchen also das für die übrig gelassenen Triebe thätige Wurzelvermögen 
ganz ungemein vergrößert wird. Es scheint, daß alle diese Wurzeln zur 
Ernährung der bleibenden Triebe beitragen, was sich unter Umständen 
z. B. in mageren, trockenen Sandböden, wo Nahrung und Wasser schwer 
zu beschaffen sind, vortheilhaft bemerkbar machen müßte. Freilich erregt 
die größere Zahl der Knollenansätze, wie sie sich vermuthlich an jedem 
Fußstück der abgeschnittenen Triebe bilden werden, Bedenken, wenn 
auch andererseits die mit den vermehrten Ablagerungsorten verbundene 
raschere Ableitung der Assimilate aus den Blättern die assimilatorische 
Thätigkeit selbst steigern wird. Natürlich wäre vorausgesetzt, daß, was 
ja thatsächlich oft der Fall ist, der Mutterknollen bis spät hinaus am 
Leben bleibt, um den Zusammenhang der bewurzelten Fußstücke der ab- 
geschnittenen Triebe mit den beblätterten erhalten zu können. Jeden- 
falls verdient die Frage eine Prüfung durch den Versuch. 

») Vergl. übrigens die Beobachtungen des Versuchs 17 u. 18: die im Lichte 
gebildeten Knöllchen der Triehbasis schieden Zuckertropfen aus. , 




100 Physik der Pflanze: 



Neue Liitteratur. 

Arthur Meyer. Ueber die Ansimilationsprodokte der Laubblätter 
nngiospermer Pflanzen. Botanische Zeitung 1885. Nro. 27—32. 

Verf. liefert Untersuchungen zu der Frage, in Form welcher chemischer 
Verbindungen der assimilirtc Kohlenstoff in den assimilirenden Zellen vorüber- 
gehend gespeichert wird. 

1. Es spricht Nichts dagegen, vielmehr Verschiedenes dafür, daß der assimilirte 
Kohlenstoff transitorisch in Form von Proteinstoffen in den assimilirenden Zellen 
gespeichert wird. Der Saft von Alliumblätteru, von Tags über beleuchteten Pflanzen 
Abends entnommen, enthielt 2,03 resp. 0,79 °/o gerinnende Eiweißstoffe, während 
63 resp. 72 Stunden verdunkelte Blätter davon nur 0,371 und 0,417 ° o enthielten. 

2. Eine Speicherung in P'orm fetten Oels kommt wahrscheinlich nicht vor. 

3. Dagegen ist dies umsomehr mit den Kohlehydraten der Fall, besonders 
mit Stärke. Das Assimilationsparenchym ausgewachsener Blätter ist nicht im 
Stande, den Nachbargeweben Stärke zu entziehen; solche tritt, wenn man einzelne 
Stellen von sonst unter günstigen Assimilationsbedingungen befindlichen Blättern 
verdunkelt, in den verdunkelten Stellen niemals auf. 

Zahlreiche Untersuchungen ergaben, daß die Dikotylen fast alle relativ 
reichlich Stärke speichern, jedoch mit Ausnahmen, wie z. B. an warmen Tagen 
untersuchte Blätter von Astrantia major und mehrerer Eryngiumarten keine oder 
nur äusserst wenig Stärke enthielten. Die Monokotylen verhalten sich abweichend : 
die Dioscoraceen und Juncaccen speichern viel, andere, wie die Gramineen weniger, 
die meisten Iridaceen u. a. sehr wenig Stärke. Von den Liliaceen speichert eine 
kleine Anzahl mäßig viel, eine größere Anzahl wenig, viele haben niemals Stärke, 
Aehnlich verhalten sich die Amaryllidcen u. s. w. — Wenn demnach auch in den 
Blättern der meisten Pflanzen mehr oder weniger Stärke auftritt, so ist dies bei 
vielen andern wieder nicht der Fall, und kommt letzteres namentlich bei Mono- 
kotylen vor. Specielle Prüfungen ergeben, daß diese Differenz in der Fähigkeit 
der Stärkespeicherung nicht wesentlich abhängt von der relativ reichlichen Ab- 
leitung der Assimilate, vielmehr geschieht in diesen Fällen die Speicherung in 
Form anderer Stoffe. Der Saft relativ reichlich Stärke speichernder Blätter ist 
arm an Fehling's Lösung reducirenden Stoffen (Gly kosen) ; umgekehrt speichern 
die meisten Pflanzen, welche wenig oder keine Stärke in den Blättern ablagern, 
relativ viel lösliche und reducirende Substanzen, höchst wahrscheinlich Glykosen. 
Außerdem scheinen diese Pflanzen auch relativ viel nicht reducirende Kohle- 
hydrate zu bilden. Wie die Menge der Stärke in stärkereichen Blättern mit den 
Assimilationsbedingungen wechselt, ist dies auch hinsichtlich der löslichen Kohle- 
hydrate nicht stärkespeichernder Pflanzen der Fall. So besitzt das geringste direkte 
Reduktionsvermögen der Saft verdunkelt gewesener Blätter; das höchste Reduktions- 
vermögen der Saft jener Blätter, welche Morgens oder Abends abgeschnitten und 
noch weiterhin beleuchtet wurden: das mittlere Verhalten zeigt der Saft von 
Blättern, welche nur einen Tag lang beleuchtet wurden, während sie sich an der 
Pflanze befanden. Mit der Menge der gespeicherten Glykose steigt und fällt im 



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Neue Litteratur. 



101 



Allgemeinen der Gehalt der Blätter an nicht reducircnden Kohlehydraten. — Der 
Saft von Allium porrum enthält Dextrose und (wahrscheinlich nur) Levulose, jener 
von Yucca filamentosa dagegen Sinistrin, ein Kohlehydrat, das sich an Inulin 
anschließt. 

Die verschiedene Funktion, welche den diversen Kohlehydraten hinsichtlich 
Speicherung und Wanderung zufällt, steht in Beziehung zu ihrem Molekular- 
gewicht. C. K. 

A. F. W. ScfUmper. lieber Bildung und Wanderung der Kohle- 
hydrate in den Lau b blättern. Botanische Zeitung 1885. Nro. 47-49. 

Zur mikroskopischen Feststellung der feineren Vorgänge der Stärkewanderung 
wurden die Blätter mit Alkohol ausgezogen, dann in eine Lösung von Jod in 
wässrigem Chloralhydrat gelegt. Nach 12—24 Stunden werden sie völlig durch- 
sichtig, und auch die kleinsten Stärkekörner intensiv gefärbt. 

1. Versuche mit Blättern von Impatiens. Aus der Vertheilung von 
Stärke und Zucker ergiebt sich, dass das Lösungsprodukt der Stärke Glykose ist, 
welche in den Blattstiel und den Stamm wandert (diese Blätter enthalten ein 
stärkelösendes Ferment). Indessen hält Verf. den nachweisbaren Zucker nicht 
für den wirklich wandernden Stoff, da die Vertheilung des Zuckers dieser Annahme 
entgegenstehe, vielmehr geschehe die Wanderung in Form eines unbekannten 
Stoffes, der aber in jeder Zelle vorübergehend wieder in Glykose übergehe. — 
Unter normalen Verhältnissen befindet sich Stärke reichlich im ganzen Mesophyll 
und in der Stärkeschicht, etwas weniger in den Zellen der Leitscheide 1 ) der dünn- 
sten Nerven, viel weniger in jener der dickeren Nerven, keine in den Gefäßbündeln 
am äußersten Rande des Blattes und in den Zähnen. Nach der Chloraljodprobe 
erscheint daher ein solches Blatt im auffallenden Lichte schwarz mit schmalem 
gelben Rande, gelben Zähnen, gelben oder grünlichen stärkeren Nerven. Nach 
genügend langer Verdunkelung sind die Leitscheiden durchweg stärkefrei, ebenso 
die nächstanstoßenden Mesophyllzellen, während die übrigen Mesophyllzellen noch 
reichlich Stärke enthalten. Erst allmählich werden die weiter von den Leitscheiden 
entfernten Zellen stärkefrei. Es wird diese Vertheilung so zu verstehen sein, daß 
die Wanderungen in den Zellen der Leitscheiden geschieht, welche die Fähigkeit 
der Stärkebildung nur in geringem Grade bezitzen und sich dafür mit Zucker 
anfüllen. Unter normalen Umständen findet sich Zucker im Mesophyll und in 
den Nerven, bei der Entleerung verschwindet der Zucker erst nach dem gänz- 
lichen Auflösen der Stärke und zwar zuerst aus dem Mesophyll und den kleinsten 
Nerven, zuletzt aus dem Hauptnerven, von oben nach unten fortschreitend. Die 
Gefäbbündel selbst werden bei der Wanderung so gut wie nicht beansprucht, 
ebensowenig die Stärkescheide, welche bei den Entlcerungsversuchen ihren Stärke- 
gebalt nicht verlor. Die Zellen der Leitscheide dagegen besitzen eine viel grössere 
Anziehungskraft zu gelösten Kohlehydraten als die eigentlichen Mesophyllzellen, 
wie sich direkt beweisen lässt, indem bei zuckerfrei gemachten Blättern, die auf 
schwache Zuckerlösung gelegt waren, der Zucker sich viel rascher in den Zellen 
der Leitscheide als im Mesophyll anhäufte. 

Darunter sind zu verstehen die langgestreckten, je nach Rtärke der Nerven ver- 
schieden reichlich vorhandenen Zellen in der Umgebung der Gefaßbündel. In den dünnsten 
Auszweigungcn des BUndclnetzca bildet die Leitscheide eine einfache Schichte. 



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102 



Physik der Pflanze: 



2. Versuche mit Blättern von Hydrocharis morsus ranae. Während 
es in den Leitzellen der Blätter von Impatiens zur Bildung transitorischer Stärke 
nicht kommj, wird in den Blättern von Hydrocharis die Starke so energisch rück* 
gehildet, dass die wandernde Glykose in allen Zellen, welche sie passirt, zeitweise 
wieder in Stärke rückverwandelt wird. Blätter, welche ihre Stärke bei der Ent- 
leerung am meisten verloren haben, zeigen genau das umgekehrte Bild bei der 
Chloraljodprobe wie Impatiensblätter: statt eines gelben Netzes auf blauem Grunde 
schwarze Nerven mit gelben Maschenräumen. Die Wanderung geschieht auch 
hier in den Leitscheiden bez. im sog. Diaphragma. 

8. Versuche mit anderen Pflanzen. Die übrigen untersuchten Fälle 
stellten nur unwesentliche Modifikationen der beschriebenen beiden Typen vor. 

4. Versuche mit Pflanzen, deren Blätter Milchröhren enthalten. 
Bei diesen wurde das Milchröhrensystem als Leitungssystem der Assimilate be- 
zeichnet. Verfasser erklärt diese Auffassung als unrichtig und zwar aus folgenden 
Gründen: 1. Die unter normalen Umständen in den Milchröhren enthaltenen Kohle- 
hydrate (Stärkekörner) verschwanden bei den untersuchten Euphorbia-Arten erst 
nach sehr langer Verdunkelung zum Theil, während Stärke und Zucker aus der 
Leitscheide schon nach viel kürzerer Verdunkelung verschwunden waren. 2. Ana- 
tomische Beziehungen in der Anordnung der Assimilationszellen zu den Milch- 
röhren, wie sie G. Haberlandt beschrieb und für die Funktion der Milchröhren 
als Ableitungssystem in Anspruch nahm, konnte Verfasser nicht ausfindig machen. 
3. Die Bewegung der Assimilate verhält sich ganz wie bei anderen Pflanzen, die 
Vertheilung der Kohlehydrate bei der Blattentleerung ist so, als ob die Milch- 
röhren gar nicht vorhanden wären. 

5. Zucker und Stärke in den Blättern. Die assimilirenden Blatt- 
zellen enthalten mehr oder weniger oder gar keine Stärke, dafür aber dann 
Zucker, dessen Menge jener der Stärke umgekehrt proportional ist. In stärke- 
freien grünen Pflanzcntheilen werden die Produkte der Assimilation in Form von 
Glykose vorübergehend angehäuft, um nachträglich durch die Leitscheiden den 
Verbrauchsorten zugeführt zu werden. Nach direkten Versuchen kann die Ur- 
sache, warum in gewissen Blättern keine Stärke auftritt, nicht mit der Menge 
oder Wirksamkeit stärkelöscnder Fermente zusammenhängen; z. B. waren die 
Extrakte der stärkefreien Blätter von Allium cepa beinahe wirkungslos auf Stärke- 
kleister. Verfasser nimmt vielmehr an, daß in den Blättern überall zuerst Gly- 
kose gebildet werde, welche nachher mehr oder weniger in Stärke übergeführt 
wird ; damit Stärkebildung eintreten kann, muß die Concentration der Zucker- 
lösung in den Zellen eine bestimmte Größe überschreiten. Der Concentrations- 
grad aber, bei dem Stärkeausscheidung beginnt, ist bei verschiedenen Pflanzen 
verschieden. Z. B. bedürfen also die Blätter von Impatiens zur Stärkcbildung 
einer concentrirteren Glykoselösung als jene von Hydrocharis. Es könnte aber auch 
Chlorophyllkörner geben, welche bei keiner Coucentration der Zuckerlösungen im 
Stande sind, Stärkekörner zu bilden. C. K. 

Jt\ Noll. t'eber die normale Stellung zygomorplier BlUthen und ihre 
Orient irungabewegungeii zur Erreichung derselben. Arbeiten des botan. In- 
stituts in Würzburg Bd. III. Heft 2 p. 189—252. 

Kehrt man einen Blüthenstand mit radiär gebauten Blüthen vertikal ab- 



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Neue Litteratur. 103 

wärts, so nehmen die Blüthen die frühere Stellung zum Horizonte wieder an, wo- 
bei das, was bei normaler Stellung oben war, bei der verkehrten nach unten zu 
stehen kam, auch nach Erreichung der früheren Neigung zum Horizonte unten 
bleibt. Dem Blüthenbau entsprechend können auch, wenn die Blüthe umgekehrt 
ist, alle mit der Befruchtung zusammenhängenden Vorgänge in normaler Weise 
sich vollziehen. 

Auch ein Theil der zygomorphen Blüthen verhält sich ähnlich, wenn die 
Zygomorphie in keiner direkten Beziehung zur Befruchtung steht, sondern z. B. 
dazu dient, den Blüthenstand, dem diese Blüthen angehören, für Insekten auf- 
fälliger zu machen (unwesentlich-zygoraorphe Blüthen). Bei den „wesentlich-zy- 
gomorphen - Blüthen dagegen steht die Zygomorphie in engster Beziehung zur 
Befruchtung, so daß diese bei einer von der Normalstellung abweichenden Orien- 
tierung schwer gestört oder ganz unmöglich gemacht wäre. Diese Blüthen werden 
meist schon so angelegt, daß sie sich an aufrechter Mutterachse schon von vorn- 
herein in Normalstellung befinden und in dieser ohne eigenes Zuthun durch den 
negativen Geotropismus der Mutterachse erhalten werden. Wird die Spindel des 
Blüthenstandes künstlich in abnormer Lage festgehalten, so äußert sich das Ver- 
mögen dieser Blüthen, die normale Lage wieder aufzusuchen, in hohem Grade- 
Steht die Spindel vertikal abwärts, so tritt eine geotropische Aufkrümmung der 
Blüthenstiele, durch Epinastie unterstützt, ein «und wird hierdurch zunächst die 
normale Erdlage erreicht. Hierbei ist die OefTnung der Blüthe gegen die Spindel 
gekehrt, was für die Befruchtung durch Insekten unvortheilhaft ist. „Neben der 
normalen Stellung zum Horizont kommt vielen Blüthen eiue solche zum einfallen- 
den Lichte, anderen eine solche zur Mutterachse zu. Im letzten Falle sind die 
Blüthen befähigt, sich von der Mutterachse nach außen wegzuwenden, welche Eigen- 
schaft als Exotropie bezeichnet wurde. Wenn die normale Erdlage der Blüthe 
auf die bezeichnete Weise erreicht ist, erfolgt bei heliotropischen Blüthen die 
Orientirang nach der Lichtquelle hin durch heliotropische Verlängerung der be- 
schatteten Seitenkante (heliotropische Lateralbewegung). Bei nicht oder schwach 
heliotropischen, aber exotropischen Blüthen tritt eine exotropische I-ateralbewegung 
ein, bis die Blüthe wieder direkt auswärts gerichtet ist." 

Heliotropische und exotropische Lateralbewegungen können auch eombinirt 
auftreten : hat bereits eine heliotropische Seitwürtsbewegung aus der Mediane be- 
gonnen, so tritt auch die exotropische hiermit gleichsinnig auf, d. h. auch die 
exotropische Bewegung wird durch die Verlängerung der gleichen Seitenkante 
des Blüthenstiels ausgeführt. Im Uebrigen tritt die exotropische Lateralbewegung 
nicht mit der Constanz anderer Orientirungsbewegungen auf, sie ist an keine be- 
stimmte Seite des die Bewegung ausführenden Organs gebunden, die Außenstel- 
lung der Blüthe wird auch oft nicht vollständig erreicht, mit Erreichung derselben 
hört aber die Bewegung auf. — Durch Combination der ersterwähnten geotro- 
pischen Vertikal- (Median-) Bewegung mit der Lateralbeweguug entsteht eine 
Torsion, welche der Größe der Lateralbewegung direkt proportional ist. Ander- 
weitige Umstände (einseitiges Lebergewicht getragener Theile, gleichzeitige Ver- 
längerung aller Seitenkanten gegenüber einer axilen kürzeren Gewebsmasse, un- 
gleichmäßige Vertheilung resistenter Gewebe auf dem Organquerschnitt) kommen 
bei diesen orientirenden Torsionen nicht in Betracht. 



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104 



Physik der Pflanze: 



Eigentümlich ist, daß zwar in den meisten Fällen die Orientirungsbewe- 
gungen von den Blüthenstielen ausgeführt werden, aber auch unterständige Frucht- 
knoten und Corollentheile, in manchen Fällen sogar ausschließlich, zur Ausfüh- 
rung derselben befähigt sind. 

Befinden sich die Blüthen an einer normaler Weise nicht aufwärts gerich- 
teten Mutterachse, sondern nimmt diese beliebige Lagen im Räume ein, so sind 
die Blüthen regelmäßig auf selbständige Orientirungsbewegungen angewiesen, so- 
weit ihnen nicht, was aber selten ist, die normale Stellung durch ihr Eigen- 
gewicht und lange Blüthenstiele garantirt ist. C. K 

E. StalU. Einfloß der Belenchtung^richtung auf die Theilnng der 
Equisetumsporen. Berichte der deutschen botan. Ges. Bd. III, Heft 9 p. 334 — 340. 

Die Theilung kann zwar auch im Dunkeln geschehen, im Lichte aber rascher 
und so, daß die erste Scheidewand senkrecht zur Richtung des einfallenden 
Lichtes steht: die größere (Prothallium-) Zelle ist nach der Lichtseite, die Rhi- 
zoidzelle nach der Schattenseite gekehrt. Die Rhizoiden sind negativ heliotropisch. 
Werden die Sporen successive ringsum beleuchtet, so wird die Theilung bedeutend 
zurückgehalten oder abnorm oder ganz verhindert. Eine Beziehung der Lage der 
ersten Wand zur Richtung des Erdradius ließ sich dagegen nicht nachweisen. C. K. 

H. VöcJUing. Ueber die Ursachen der Zygoniorphie der Blüthen. 
Berichte der deutschen botan. Ges. Bd. III. Heft 9 p. 341—345 

Verfasser führt in dieser vorläufigen Mittheilnng aus, daß die zygomorphen 
Blüthengestalten bald lediglich durch innere, bald durch äußere, bald durch 
beiderlei Ursachen zugleich bewirkt werden. Als äußerer Faktor wirkt nur die 
Schwerkraft. Die Schwerkraft ruft, wie an mehreren Beispielen (Epilobium an- 
gustifolium, Oenothera, Epiphyllum u. s. w.) erläutert wird, Stellungsänderungen 
der Blüthenorgane hervor, welche der Anlage nach actinomorphen Blüthen zygo- 
morphe Ausbildung verschaffen. Bei Entwickelung am Klinostaten unterbleiben 
natürlich in diesen Fällen diese unregelmäßigen Bildungen, bei Entwicklung in 
umgekehrter Lage kehrt sich auch die Zygomorphie um. C. K. 

J. Tesque. Sur le prtftendu röle den tlssns vivants dans l'ascension 
de la seve. Annal. agronom. T. XI. Nro. 11. p 481—522. 

I. Die physikalischen Theorien und die Einwürfe Godlewski's. 
Verfasser hält entschieden daran fest, daß ohne 1 ntervention der lebenden Zellen, 
bloß durch Luftdruck und Kapillarität, das Steigen des Wassers erklärt werden 
kann. Seiner an schematischen Figuren im Einzelnen erläuterten und durch phy- 
sikalische Experimente gestützten Anschauung entnehmen wir, daß Verfasser 
annimmt, das Wasser überziehe die Längswände der Tracheiden und bilde an 
den Spitzen derselben kleine Ansammlungen, welche durch Kapillarität getragen 
sind; in der Zelle selbst geschieht die Wasserhebung von der untern zur obern 
Ansammlung von Wasser durch Kapillarität, von Tracheide zu Tracheide durch die 
SpannuugsdifFcrcnz der im Lumen enthaltenen Luft. Den von Godleicsli versuchten 
Nachweis, daß die Theorie, welche auf die rein* physikalischen Kräfte in den todten 
Holzelementen sich aufbaut, im Widerspruch mit dem Energiegesetz stehe, erkennt 
Verfasser nicht an, indem Godleird i bei seinen Deduktionen übersehen habe, daß 
das Spiel seines imaginären Apparates eine Aenderung des Meniscus, an welchem 
die Wassersäule aufgehängt ist, voraussetze. „M. G. supprime une force motrice, 



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Neue Litteratur. 



105 



celle qui enleve l'eau ä la partie superieure du Systeme sans detruire le mßnisque." 
Die Zusammen lagerung von Gefällen mit Holzparenchym, welche man für die 
Wasserbewegung in Anspruch nimmt, indem das Parenchym Wasser in die Gefäße 
presse, in welchen es sich fortbewege, erklärt Verfasser in anderer Weise. Das 
paratracheale Parenchym presse (wie die Markstrahlen) in die Gefäße einen an 
organischen Stoffen mehr oder weniger reichen Saft, die anatomischen Beziehungen 
der lebenden zu den todten Holzelementen erleichterten die Bewegung der reakti- 
virten Reservestoffe zum Gipfel der Bäume. — Uebrigens findet Verfasser, daß die 
von G. den lebenden Markstrahlzellen zugetheilte Funktion nur eine horizontale Be- 
wegung des Wassers bewirken könnte, keine bestimmte Bewegung nach aufwärts. 

2. Experimentelle Widerlegung der von Jan.se zum Beweis der 
Godlctcski' sehen Theorie angestellten Versuche. Janse hatte das Holz 
der Zweige mehrerer Pflanzen eine Strecke weit durch heißes Wasser getödtet 
und beobachtet, daß die Blätter wenigstens theilweise vertrockneten. Verfasser 
stellte hierüber zahlreiche Versuche an, kam aber zu dem Schlüsse, daß die 
Symptome, welche diese Aeste mit durch Kochen getödtetcr Basis beim Absterben 
zeigen, durchaus nicht die gleichen sind, wie sie aus Wassermangel eintreten? 
sie trocknen aus, weil sie absterben, nicht umgekehrt. Die Vertheilung der Stärke 
scheint darauf hinzudeuten, daß es sich um eine schwere Störung in der Wande- 
rung der Kohlehydrate handelt. C. K. 

C. A. Weber, Ueber den Einfluß höherer Temperaturen auf die Fähig- 
keit des Holzes, den Transpirationsstrom zu leiten. Berichte der deutschen 
botau. Ges. Bd. III. Heft 9. p. 345—371. 

1. Versuche mit abgeschnittenen Zweigen. Die Zweige wurden am 
unteren Ende auf 2—3 cm entrindet, diese Partie über einer Flamme scharf aus- 
gedörrt. Die hierdurch bewirkte totale chemische und physikalische Veränderung 
des aufnehmenden Querschnitts blieb ohne wesentlichen Einfluß auf das Aufsteigen 
des Transpirationswassers in den Zweigen von Ribes rubrum. Bei den Zweigen 
von Haselnuß und Hollunder trat eine sich durch Welken der Blätter kund- 
gebende Störung ein, welche durch Einstellung in Wasser von 40°— 45° C. auf- 
gehoben werden konnte. Die Zweige mit gebranntem Holzkörper blieben unmittel- 
bar oder wenigstens nach dem Einstellen in erwärmtes Wasser lange Zeit hindurch 
genau so frisch wie gewöhnliche Zweige und verdunsteten wie diese namhafte 
Mengen Wasser. Ueber den Weg, den das Wasser nimmt (ob in den Wänden 
oder Hohlräumen), läßt sich aus diesen Versuchen freilich Nichts entnehmen, da 
die Möglichkeit vorliegt, daß das Wasser durch Kapillarität in den Gefäßen der 
gebrannten Stengelstrecke emporstieg oder durch Luftdruck emporgetrieben wurde, 
bis zu den unverändert gebliebenen Zellwänden des Holzes, in welchen es weiter 
geleitet werden konnte. 

2. Versuche mit nichtabgeschnittenen Zweigen. Reichbeblätterte 
Zweige im Freien stehender Bäume und Sträucher wurden am unteren Ende ge- 
ringelt auf 3—4 cm Länge, und diese Stelle erhitzt. Wurde das Erhitzen zu 
weit gesteigert, so gingen die Zweige regelmäßig zu Grunde, was auf zu weit 
gehende Störungen des normalen Baues des Holzkörpers und dergl. zurückgeführt 
werden kann. War die Temperatur nicht bis zur Herbeiführung einer Desorgani- 
sation gesteigert (nur bis zu leichterV erkohlung der äußersten Holzschichten), so 



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-1 

106 Physik der Pflanze: 

war die Leitungsfähigkeit des Holzes zunächst nicht verändert, erst nach einiger 
Zeit trat Welken und Abdorren der Zweige ein. Das nicht durch die Hitze ge- 
tödtete Holz hatte an der Grenze des todten eine Veränderung erlitten, indem 
die Hohlräume der Gefäße und Tracheiden mehr oder weniger mit gummöser 
Substanz, außerdem oft noch mit Thyllen gefüllt waren. Die Verstopfungen waren 
häufig so beträchtlich, daß sich Wasser selbst unter Anwendung bedeutender 
Druckkräfte nicht mehr durch den Stengel pressen ließ. Verfasser findet in diesen 
Veränderungen die Ursache des Welkens und Absterbens der Zweige, indem erst 
mit Eintritt derselben das Welken beginnt. Die Erscheinungen erklären sich am 
leichtesten in der Weise, daß das Wasser in den Hohlräumen sich bewegt und 
solange fort, als diese noch regsam sind. Die durch Erhitzung hervorgerufenen 
Veränderungen der Wandsubstanz müßten unter Annahme der Imbibitionsbewegung 
ungenügend sein, um die Wasserströmung zu unterdrücken. C. K. 

A. Tschirch. Beiträgt, mr Kenutiilß des mechanischen Gewebesystems 
der Pflanzen. Pringsheim's Jahrbücher für wiss. Bot. Bd. XII. Heft 3 p. 303-335. 

Das mechanische Gewebesystem (Scbwendener) bietet hinsichtlich der Funktion 
zugehöriger Elemente noch mehrfache Probleme, von welchen Verfasser hier die 
mechanischen Einrichtungen in den Binden abhandelt. 

Im Pflanzenreich finden sich vielfach neben den „Stereiden" oder Bastzellen 
stark verdickte, ihrer Funktion nach wenig oder gar nicht bekannte Zellen 
vor, für welche Verfasser den gemeinsamen Namen Sclereiden (des Näheren als 
Brachy-, Astro-, Osteosclerelden n. s. w. bezeichnet) vorschlägt. Solche treten auf 
als radiale Verstrebungen in gewissen Blattern, z. B. von Hakea, um dem beim 
Austrocknen während der beißen Jahreszeit eintretenden Kontraktionsbestreben 
der Epidermis entgegenzuwirken ; in den Samenschalen in mannigfacher Weise als 
Schutz gegen äußere Verletzungen durch Druck und andere, den Reservebehäl- 
tern drohende Beschädigungen. 

Die weiteste Verbreitung haben die BrachysclereYden in den Rinden. Um 
deren mechanische Funktion nachzuweisen, knüpft Verfasser an die Verhältnisse 
der jüngeren Zweige der Laubhölzer an und setzt hier zunächst die hängenden 
Zweige gewisser Holzarten in Vergleich mit den gewöhnlichen Formen, deren 
Aeste vielmehr auf Biegungsfestigkeit in Anspruch genommen werden. Der Bau 
des Holzes ist bei beiden Formen der gleiche, dagegen haben die jüngeren Zweige 
der hängenden Formen (z. B. Hängeesche) stärkere Entwickelung sowohl der 
Stereiden als der tangentiale Verbände bildenden Sclereiden der Rinde. Bei 
Kletterpflanzen, welche in Folge ihrer Wachsthumsweise mechanisch wenig be- 
ansprucht werden, sind in vielen Fällen auch die mechanischen Elemente der 
Rinde nur spärlich entwickelt, soweit sie nicht lokalmechanischen Zwecken dienen. 
In den Rinden gewöhnlicher Holzpflanzen verlaufen die Stereiden der äußeren 
Rinde tangential vielfach anastomosireud und durch diese Anastomosen gegen tan- 
gentialen Druck und Zug elastischfedernde, biegungsfeste Konstruktionen bildend, 
denen ein hoher mechanischer Werth zuzuschreiben ist. In vielen Fällen finden 
sich nur in den jüngeren Zweigen große Stcreidengruppen, welche später nach 
genügender Erstarkung des Holzkörpers abgestoßen werden. Die später gebildeten 
Bastzellen bilden Schutzmittel des Leptoms, wie überhaupt den Bastzellgruppen 
der inneren Baumrinden diese lokalmechanische Funktion zuzuschreiben ist. 



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Neue Litteratur. 



10? 



Wird durch das Dickcnwachsthum der Bastzellring zersprengt, so schieben 
sich zwischen die Stereidengruppen Parenchymzellen ein, welche ihre Membran 
verdicken, zu Brachysclerelden werden und so die Stereldeninseln tangential fest 
verbinden. Dieser gemischte Ring hat eine wichtige mechanische Bedeutung, indem 
er die Biegungsfestigkeit erhöht und zwar in höherem Grade, als wenn die tan- 
gentiale Verbindung durch Bastzelleu hergestellt wäre. „Der Bastzellenring erlangt 
durch die Bracheiden-Tangentialverbände eine erhöhte mechanische Bedeutung, da 
selbst Gruppen von mechanischen Elementen, die nur aus wenigen Elementen be- 
stehen, durch den festen tangentialen Verband mit Hilfe der Bracheiden mechanisch 
wirksam werden. . . Derartige Tangentialverbände von Brachysclerelden zwischen 
Stereidengruppen sind sehr häufig (in den jungen, wenigjährigen Zweigen von Quer- 
cus, luglaus, Alnus, Betula u. s. w.) . . . Von mechanischer Bedeutung für die 
Biegungsfestigkeit des Organs ist dieser Hing jedoch nur, wenn die Zahl der 
Brachysclerelden — wie dies in älteren Binden der Fall ist — die der Stereiden 
nicht allzusehr überwiegt. u 

Schwieriger ist eine befriedigende Bedeutung der isolirten oder zu Gruppen 
vereinigten BracheTden, die mit Sterelden nicht in Verbindung stehen und keine 
Bedeutung für die Biegungsfestigkeit haben können. Verfasser nimmt an, daß 
sie die Rinde incompressibler (gegen radialen Druck) machen, besonders wenn 
sie miteinander anastomosiren. Demnach hätten die mechanischen Elemente der 
jungen Rinde der Biegungsfestigkeit zu dienen, jene der älteren wären (bei ge. 
nügend erstarktem Holzkörper) rein gegen Druck wirksam. C. K. 

Ii. de Vries. Plasmolytische Studien Uber die Wand der Vacuolen. 
Pringsheim's Jahrb. für wiss. Botanik. Bd. XII. Heft 4 p. 4G5— 598. 

1. Ueber eine Methode, die Wand derVacuolen sichtbar zu machen. 

Läßt man auf das Protoplasma indifferente Substanzen längere Zeit ein- 
wirken oder geringe Mengen giftiger Substanzen, so stirbt dasselbe langsam ab, 
die Wand der Vacuolen aber, welche widerstandsfähiger ist, nicht. Verbindet 
man diesen Vorgang mit der Plasmolyse, so verkleinern sich die Vacuolen mit 
ihrer Wand und isoliren sich mehr oder weniger vom umgebenden Protoplasma. 
Gewöhnlich wurde eine mit Eosin schwach roth gefärbte zchnprocentige Lösung 
von Kalisalpeter verwendet. Der Farbstoff gestattete die lebenden und todten 
Piasmatheile zu unterscheiden, indem nur die letzteren sich färben. Die isolirten 
Vacuolen bilden farblose Kugeln mit gespannter Wand. 

Diese Blasen können noch längere Zeit wenigstens einen Theil ihrer ursprüng- 
lichen Eigenschaften beibehalten, namentlich bewahren sie oft lange Zeit das 
Vermögen, Farbstoffen den Durchgang zu verwehren. Anfangs ist die Haut dehn- 
bar und elastisch, später erstarrt sie zu einer steifen, spröden Wand. 

Die physiologische Bedeutung der Vacuolenwaud besteht darin, daß sie die 
innerste lückenlose Schicht um den Zellsaft bildet und für die gelösten Stoffe 
dieses Saftes impermeabel ist und so eine Anhäufung von dem Leben schädlichen 
Stoffen im Zellsaft gestattet. 

Verfasser betrachtet die Vacuolenwand als besonderes Organ der Protoplasten 
and schlagt dafür den Namen „Tonoplast" (Turgorbildner) vor; die Produktion 
und Anhäufung der osmotischen Stoffe des Zellsaft seien wahrscheinlich Funktionen 
dieses Organs. „Ueberall im Pflanzenreiche und in den verschiedensten Gewebe- 



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108 



Physik der Pflanze: 



formen besitzen die Vacuolen eine eigene Wand, welche durch Anwendung der zehn- 
procentigen Lösung unter Mithilfe von Eosin leicht sichtbar gemacht werden kann." 

2. Ueber die Wand der Vacuolen als besonderes Organ der 
Protoplasten. 

Zur Begrüudung der Ansicht, daß die Vacuolenwand ein besonderes, schon 
vor der Vacuolenbildung vorhandenes Organ sei, vergleicht sie Verfasser mit den 
anderen Gliedern der Protoplasten, namentlich mit der Hautschicht, „dem Organ 
der Zellhautbildung und der Ortsveränderung bei den Amöben und Myxomyceten" . 
1. Die Zahl der Vacuolen in einer durch die Salpetersäure theilweise getödteten 
Zelle ist häutig größer als vor dem Zusatz der Lösung. Wie Hautschicht und Körner- 
plasma können sich die Vacuolen bei künstlichen Eingriffen durch Einschnüruni: 
und Theilung vermehren. 2. Die „innere Pseudopodienbildung" d. h. das Aus' 
treiben von Strängen und Fäden in den Zellsaft hinein vollzieht sich wie die 
Pseudopodienbildung der Plasmodien durch die autonome Thätigkeit der Haut- 
schichte, also der Vacuolenwand. 3. Auch nach dem Tode stimmen Hautschiebte 
und Vacuolenwand überein: beide sind im Tode starr, für gelöste Stoffe permeabel, 
hyalin und oft nur schwer färbbar. 4. Die isolirten Vacuolenwände können im 
Allgemeinen durch dieselben Keagentien und unter denselben Erscheinungen fixir 1 
Werden wie die übrigen Organe der Protoplasten. Dieselben Mittel, welche sie 
in gewissen Concentrationen plötzlich erstarren lassen, rufen nicht selten in 
schwächeren Gaben die Erscheinungen des langsamen Sterbens hervor. 5. Wie 
die ganzen Protoplasten können auch die isolirten Vacuolenwände im plasmoly- 
sirten Zustande durch verschiedene Mittel zum Platzen gebracht werden. Hiebei 
fallen beide zu faltigen, spannungslosen, unscheinbaren Häutchen zusammen. Id 
beiden Fällen besteht die sichtbare Eontraktion vorwieegnd vielleicht ausschließlich 
in einem elastischen Zusammenziehen der vorher stark gespannten Blasen. 

Als Hauptresultat der in diesem Abschnitte mitgetheilten Versuche und Er- 
örterungen betrachte ich den Satz, daß die Wand der Vacuolen mit den übrigen 
Theilen der Protoplasten, und namentlich mit der Hautschicht, in ihren wichtigsten 
Eigenschaften derart übereinstimmt, daß sie als ein eigenes, den übrigen gleich- 
werthiges Organ angesehen werden muß. Die Punkte, in denen die Ueberein- 
stimmung stattfindet, beziehen sich theils auf normale physiologische Funktionen, 
theils auf das Verhalten gegenüber plasmolytischen und anderen Keagentien. In 
erstcrer Beziehung zeigt die Wand der Vacuolen namentlich zu der Hautschicht 
eine große Verwandtschaft, und die wichtigsten Erscheinungen, aus denen diese 
hervorgeht, sind ohne Zweifel die folgenden: 1. Beide sind gegen gelöste Stoffe 
in nicht oder kaum nachweisbarem Grade permeabel. 2. Beide scheiden auf ihrer 
Oberfläche bestimmte Stoffe ab, sei es, daß diese im festen Zustande abgelagert 
werden, wie das Hauptprodukt der Hautschicht, die Cellulose, oder im flüssigen 
Zustande frei werden, wie z. B. die im Zellsaft angehäuften organischen Säuren 
3. Beide fungiren in bestimmten Fällen als autonomes Bewegungsorgan. 

3. Ueber die Permeabilität der Vacuolenwandung. 

Zur Beurtheilung der Permeabilität des Protoplasmas nach der plasmolytischen 
Methode bieten sich drei Wege: a) Man bringt das Protoplasma in irgend einer 
an sich unschädlichen Lösung zur Kontraktion und setzt es nach Eintritt des 
Gleichgewichtszustandes jenen Einflüssen aus, von denen man erfahren will, ob 



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Neue Litteratur. 



sie seine Permeabilität erhöhen. Zur Erhöhung der Permeabilität wurden der 
äußeren Flüssigkeit Säuren zugesetzt. Nachträgliche Ausdehnung ohne Verdünnung 
der äußeren Flüssigkeit mußte den Beweis liefern, daß wenigstens ein Theil des 
angewandten Reagens in die Yacuole übergetreten ist, und derselbe Schluß ergtebt 
sich, wenn ohne Mitwirkung eines Giftes durch längere Zeit dauernde Einwirkung 
indifferenter Lösungen eine Volumzunahme der Vacuolen eintritt. Die Versuche 
lehrten, daß die Wände der isolirten Vacuolen gleich anfangs zwar für Säuren 
und Basen, nicht aber für leicht diffusible Salze, wie Kalisalpeter, permeabel sind. 
Nach mehrtägigem Verweilen in der Salzlösung wird dieselbe aber für Chlor- 
natrium und Salpeter mehr oder weniger permeabel, um so rascher, einem je jüngeren 
Gewebe sie angehören. Noch später erst vermögen Farbstoffe durchzudringen: 
die für das Leben charakteristische Impermeabilität der Vacuolenwändc geht beim 
langsamen Sterben nur langsam und gradweise in völlige und leichte Permeabilität 
über. Zusatz von Giften beschleunigt den Eintritt der Permeabilität, b) Ver- 
wendet man zur Plasmolyse Lösungen schwer diffusibler Substanzen, z. B. Rohr- 
zucker, so haben die leichter diffusiblen Stoffe des Zellsafts Zeit zu entweichen, 
ehe die Wände der Vacuolen für Zucker (und Farbstoff) permeabel werden , die 
osmotische Kraft des Zellsafts nimmt ab, die Kontraktion der Vacuolen zu. — 
Das allmähliche Fortschreiten der Permeabilität beweist auch , daß deren Zunahme 
nicht auf Bildung von Rissen, sondern anf einer molekularen Veränderung beruht. 

Um im Zellsafte gelöste Stoffe mikrochemisch nachzuweisen, ist die Plasmo- 
lyse vielfach vortheilhaft zu verwenden, da sie den Zellsaft mehr Concentrin und 
außerdem von der Zellhaut entfernt. 

c) Man vergleicht die niedrigste zur Plasmolyse erforderliche Concentration 
beim plötzlichen Eintauchen der Präparate in die betreffenden Salzlösungen mit 
jener bei langsamer Zunahme der Concentration der die Präparate umspülenden 
Lösung. Sind die Protoplasten für das Salz impermeabel, so muß der gefundene 
Werth nach beiden Methoden derselbe sein, sind sie permeabel, so kann bei 
langsamem Eindringen Salz in die Vacuole hineindiffuudiren, noch ehe jene Grenze 
erreicht wird, die Turgorkraft wird somit zunehmen, es wird zur Plasmolyse eine 
höhere Concentration nothwendig sein als bei plötzlichem Eintauchen. Nach den 
Versuchen sind auch nach dieser Methode gesunde Protoplasten auch für rasch 
«liffundirende Salze wie Kalisalpeter und Chlornatrium, wenn diese als plasmoly- 
tische Reagentien angewandt werden, nicht merklich permeabel, wohl aber wenn 
eine Veränderung durch Säuren oder Basen hervorgerufen wurde. C. K. 

A. Hannen, Qnantitative Bestimmung des Chlorophyllfarbstoffes in 
den LanbblÜttern. Sitzungsber. der Würzburger Phys.- med. Ges. 1885. 4 S. 

Gemessene Blattstücke von Sonnenrose, Kürbis, Tabak und Runkelrübe wurden 
mit Wasser ausgekocht und mit heißem 96°/ 0 igcm Alkohol extrahirt, die alkoholische 
Lösung verseift, der Farbstoff mit alkoholischem Aether aufgenommen, die Lösung 
verdampft und getrocknet. Man erhielt ein Gemenge von grünem und gelbem 
Farbstoff, auf welches sich die folgenden Zahlen beziehen. 

Verschiedene Speeles und Exemplare derselben Art enthalten verschiedene 
Farbstoffmengen; im Mittel beträgt der Farbstoffgehalt pro qm Fläche 5,142 g. 
Bildet 1 qm Blattfläche von Helianthus. und Cucurbita 1,6 g Stärke pro Stunde, 
pro Tag 25 g, so wären bei der Bildung dieser 25 g Stärke 5 g Farbstoff thätig. 



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110 



Physik der Pflanze : 



Die Funktion des Chlorophyllfarbstoffs vennuthet Verfasser in dessen Befähi- 
gung, aktiv die Kohlensäure der Luft anzuziehen, mit ihr eine lose Verbindung 
«inzugehen, um sie zum Zweck der Stärkebildung an die assimilirenden Cbloropbyll- 
körner abzugeben. Der Farbstoff wäre der Ueberträger der Kohlensäure auf das 
assimilirende Plasma der Chlorphyllkömer. C. K. 

<•'. Kleba. Beiträge zur Morphologie und Biologie der Keimong. 

Untersuchungen aus dem bot. Inst, zu Tübingen, hcrausgeg. von W. Pfeffer. 
Bd. I. Heft 4 p. 586—635. 

Wir zeigen diese, der Hauptsache nach nur Morphologisches berücksich- 
tigende Schrift hier an, da ja die physiologische Untersuchung der Keimungs- 
vorgänge theilweisc genauere Kenntniß des Morphologischen voraussetzt, und in 
den morphologischen (u. biologischen) Erscheinungen des Keimlebens vielfach 
Vorkommnisse zu Tage treten, von welchen noch keinerlei physiologische Auf- 
klärung beigebracht werden kann. 

Der erste Theil der Abhandlung beschreibt die Hauptkeimungsformen der 
Samenpflanzen und sucht sie in Typen zu gliedern, um die Ucbersicht über die 
große Mannigfaltigkeit zu erleichtern. Der zweite Theil faßt einige Punkte der 
KeimungBbiologie zusammen: 1. Ueber die Befestigung des Samens in der Erde 
und seine Wasseraufualimc. 2. Das erste Heraustreten des Keimlings. 3. Die 
Befestigung des Keimlings und das Aufsaugen des Endosperms. 4. Das Heraus- 
treten der Kotyledonen aus dem Samen und das Durchbrechen der Erde. 5. Die 
Entfaltung der Kotyledonen und der ersten Laubblätter über der Erde. 

Den Schluß bildet ein sehr ausführliches, wenn auch wohl nicht vollstän- 
diges Verzeichniß der Litteratur über die Morphologie der Keimung und der Bau 
der Samen. C. K. 

F. Noll. Ueber frostharte Kuospenvariationen. Landwirthschaftliche 
Jahrbücher. Bd. XIV (1885). Heft 5/6, p. 707-712. 

Verfasser beschreibt seine im Winter 1879—80 gemachten Wahrnehmungen, 
daß an verschiedenen Bäumen einzelne Zweige von der Kälte unversehrt blieben, 
während sonst der ganze Baum erfror, und erläutert, daß es sich hierbei um 
Knospenvariationen handle, die eben in der Eigenschaft geringerer Frostempfind- 
lichkeit von den übrigen Theilen des Individuums abgewichen sind. Solche Va- 
riationen kommen auch sonst an einzelnen Zweigen vor, und Verfasser meint, 
solche frostharte Variationen könnten zur Erlangung frostharter Varietäten bei 
entsprechender Forterhaltuug und Vermehrung führen. Bekanntlich ist der 
gleiche Gedanken auch für Züchtung forsthartcr Varietäten aus ganzen frostharten 
Individuen brauchbar. C. A'. 

H. Müller - T/iurgau. Beitrag zur Erklärung der Ruheperioden 
der Pflanzen. Landwirthsch. Jahrbücher. Bd. XIV (1885). Heft 5/6 p. 851-907. 

Die in einer früheren Arbeit 1 ) bezüglich der Stoffwechselvorgänge der Kar- 
toffeln gefundenen Vorgänge benutzt Verfasser, durch fortgesetzte Versuche er- 
weitert, zur Aufstellung einer Theorie der Ruheperioden der Pflanzen, zunächst 
der Kartoffclknollen. 



i) Vcrgl. diese Zeltschrift Bd. V. p. 288. 



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Neue Litteratur. 



111 



I. Stoffwechsel wahrend des Reifens der Kartoffelknollen. Eine 
mit dem Stock in Verbindung stehende Knolle athmet lebhafter als eine davon 
abgetrennte. Nach dem Abtrennen nimmt die Athmung nicht plötzlich, sondern 
während mehrerer Tage allmählich ab. Auch von absterbenden Stauden getrennte 
Knollen athmen anfangs lebhafter als einige Tage nach der Ernte ; jedoch ist der 
Unterschied nicht so bedeutend wie bei Kartoffeln, welche man von noch gesunden 
Stöcken trennte, d. h. die letzteren athmen sofort nach der Abtrennung vom 
Stocke etwa doppelt so energisch als die von im Absterben begriffenen Stöcken 
bei derselben Temperatur. Bei den einen wie den anderen sinkt jedoch die 
Athmung auf ungefähr dieselbe Stufe, bei ersteren dauert dies länger als bei 
letzteren. Schließlich erreicht die Athmung eine ziemlich lange Zeit konstant 
bleibende Größe. Es ist dies die Athmungsgröße ruhender Kartoffeln. — Die 
Erklärung für dies Verhalten sucht Verfasser in den zur Verathmung disponiblen 
Zuckermengen : an noch assimilirenden Stöcken fließt den Knollen reichlich 
Zucker zu; wenn auch der größere Theil in Stärke umgewandelt wird, bleibt 
dem Protoplasma doch noch verhältnißmäßig viel zu Athmungszwecken zur Ver- 
fugung. Wird die Kartoffel abgetrennt, so äußert diese reichere Zufuhr noch 
während einiger Zeit ihren Einfluß, doch nimmt mit dem Abschneiden der Zu- 
fuhr die Athmung sofort ab. Bei Knollen absterbender Stöcke war schon am 
Stocke die Zuckerzufuhr und hiermit die Athmung geringer. 

II. Lebensvorgänge der in Ruhezustand befindlichen Knollen. 
Bekanntlich haben ruhende Knollen einen ausgiebigen Athmungsproceß. Außer- 
dem hat Verfasser nachgewiesen, daß in ruhenden Knollen Stärke in Zucker 
übergeführt wird; endlich spielt sich noch ein dritter Vorgang ab, eine kon- 
tinuirliche Stärkerückbildung. 

Bezüglich der Athmung hat Verfasser schon früher mehrfache interessante 
Beobachtungen mitgetheilt. Außer der Temperatur übt namentlich der Gehalt 
der Knollen an Zucker einen maßgebenden Einfluß. Der Vergleich der Athmungs- 
größe in verschiedenem Zeitabstand von der Reife (bei verschiedenem Alter der 
Knollen) ergiebt, daß dei Beginn der Ruheperiode die Athmung weniger ausgiebig 
ist als nach Abschluß derselben. So gab pro Stunde 1 kg Knollen Kohlen- 
säure in mgr: 



Dat. 


20° 


10° 


0° 


23. August 


C.5 




2.0 


5. Dezember 


9.2 


4.2 


2.3 


10. Januar 


10.0 


4.5 


2.5 



11. Februar 11.0 — - 

Diese Tabelle läßt auch den Einfluß der Temperatur ersehen und die selbst 
bei 0° verhältnißmäßig energische Athmung und deren langsame Zunahme mit 
steigender Temperatur. 

Nach früheren Versuchen vollzieht sich in den Knollen Zuckerbildung 
und Starkerückbildung. Hier sind zwei Versuche mitgetheilt, bei deren jedem 
6 Knollen, die längere Zeit bei 0° verweilt hatten, zur Verwendung kamen. Sie 
wurden längs halbirt, und die einen Hälften sofort auf den Gehalt an Stärke, 
reduzirendem Zucker und Rohrzucker geprüft, die anderen nach mehrtägigem 
Aufenthalt im Athmungsapparate bei 22« bis 25°. Nachher wurden mit diesen 



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- — - -1 

112 Physik der Pflanze: 

Hälften die nämlichen Bestimmungen vorgenommen. Im ersten Versuch betrug 
«ler Stärkegehalt vor dem Verweilen im warmen Raum 15.405, nachher 16.773 
im zweiten Versuch waren die entsprechenden Zahlen 13.427 resp. 15.43 ° ( 'o. 

Zuckerbildung wie Stärkerückbildung sind bei niederer Temperatur wesentlich 
hcrabgestimmt, die Zuckerbildung weniger als die Stärkebildung, weshalb sich 
Zucker anhäuft, was bei höherer Temperatur unterbleibt. Auch in nicht süßen 
Kartoffeln wird fortwährend ein Theil des entstehenden Zuckers in Stärke zurück- 
verwandelt, wobei auch dieser Vorgang von der Menge des disponiblen Zuckers 
abhängen wird. „Zwei Vorgänge sind es, welche auch in nicht süßen Kartoffeln 
gewissermaßen um den entstehenden Zucker streiten, die Stärkebildung und die 
Athmung ... Je längere Zeit eine Kartoffel vom Stocke getrennt ist, desto mehr 
scheint ihr die Kraft zu schwinden, den zur Verfügung stehenden Zucker in 
Stärke zu verwandeln. Es ist selbstverständlich, daß mit der abnehmenden 
Energie dieses Vorganges die Athmung in dem Wettstreite um den vorhandenen 
Zucker sich nun besser stellt und dem entsprechend in immer ausgiebigerem 
Maße stattfindet. Eh unterliegt wohl keinem Zweifel, daß dieser eigenthümliche, 
bisher unbekannte Vorgang der Stärkerückbildung für die Erhaltung der Re- • 
servestoffe in den Kartoffelknollen von größter Bedeutung ist. Ohne ihn würde 
in Folge der Temperaturschwankungen des Winters die Erschöpfung der Kar- 
toffeln durch Athmung und Wachsthum eine viel weiter gehende und das Aus- 
treiben im Felde deshalb nur ein schwächliches, ja unter Umständen ganz un- 
möglich sein." 

III. Uebergang aus der Ruheperiode zum Austreiben und Ur- 
sache der Ruheperiode bei der Kartoffel. 

Verfasser wendet sich zunächst gegen die. Hypothese, daß es sich bei der 
Ruheperiode um eine sehr langsame Entstehung von Fermenten handeln könnte, 
welche sich in den wachsthumsfähigen Knospentheilen bilden und erst, wenn sie 
in hinreichendem Quantum entstanden seien, trete die Möglichkeit ein, die vor- 
handenen Reservestoffc in den aktiven Zustand zu versetzen, in welchen sie zur 
Förderung des Wachsthums unmittelbar geeignet sind. Die Versuche darüber, 
ob in den Knollen die Stoffumwandlungsvorgänge durch die Knospen beeinflußt 
werden, führte zu dem Schlüsse : „Obgleich die Kartoffeln noch ganz im Anfange 
der Ruheperiode sich befanden, hat in denselben bei 0° dennoch eine erhebliche 
Zuckerbildung stattgefunden und zwar sowohl in denjenigen Hälften, bei welchen 
vorher die Knospen sammt einer Partie des anstoßenden Knollengewebes entfernt 
worden waren, als auch in denjenigen, an welchen die Knospen verblieben waren. 
Hieraus darf wohl geschlossen werden, daß der Zuckerbildungsvorgang in den 
Kartoffeln nicht etwa abhängig ist von einem durch die Knospen zu bildenden 
Fermente. Ferner, daß dieser Vorgang schon bei Beginn der Ruheperiode in so 
erheblichen Maßstabe stattfindet, daß in einer etwaigen allmählichen Zunahme 
desselben nicht die Ursache der Ruheperiode gefunden werden kann." Die 
Hälften der Knollen ohne Knospen waren aber zuckerreicher (4.33 gegen 3.90 •/•)» 
was Verfasser durch die zahlreichen Wundstellen zu erklären sucht, die beim 
Ausschneiden der Augen entstehen, indem die Zuckeranhäufungen in den an 
Schnittflächen angrenzenden Theilen immer etwas geringer sei. — „Würde während 
der Ruheperiode von den Knospen immer mehr Ferment gebildet und allmählich 



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Neue Litteratur. 



113 



angehäuft, so mußte durch dasselbe die Zuckerbildung gesteigert und alsu am 
Ende der Ruheperiode viel ausgiebiger sein als im Anfang . . . Während aber 
die Knospen der Kartoffeln bei Beginn der Ruheperiode nicht zum Austreiben zu 
bringen sind, nach Beendigung derselben aber verhältnißmäßig rasch sich ent- 
wickeln, hierin also ein bedeutender Unterschied besteht, zeigt die Zucker- 
hililung in den Kartoffeln zu den beiden Zeitpunkten entweder ganz oder doch 
annähernd dieselbe Ausgiebigkeit. Das so ganz verschiedene Verhalten in den 
ersten Monaten und am Ende der Ruheperiode kann demnach nicht einfach durch 
Annahme einer verschiedenen Ausgiebigkeit der Zuckerbildung erklärt werden." 

Die folgende Theorie der Ruheperiode geht von der Basis aus, daß die Ur- 
sachen des Abschlusses nicht in den Knospen, sondern in den Stoffwechselvor- 
pängen und Veränderungen der Reservestoffbehälter liegen, ein Punkt, in welchem 
der Verfasser von der Anschauung wohl der meisten Physiologen abweicht. Ver- 
laufen die Stoffwechselvorgänge in den Zellen der Reservestoffbehälter derartig» 
daß kein oder nur wenig Zucker nach den Knospen hingelangt, so vermögen 
diese nicht zu wachsen; ergiebt sich dabei hingegen ein für die Knospen dispo- 
nibler Zuckerüberschuß, so setzen dieselben ihre Entwicklung fort, die Ruhe- 
j.eriode ist beendigt. „Die Sproßanlagen sind durch ein Polster von Tausenden 
zucker- und stärkeleerer Zellen von denjenigen Zellgeweben getrennt, welche die 
Reservestärke führen. Alle diese Zellen enthalten aber Protoplasma. Dieses wird, 
namentlich bei höheren Temperaturen, athmen müssen, soll es nicht dem Tode 
\erfalleu. Es ist hiebei auf diejenigen Zuckermengen angewiesen, welche aus 
den stärkehaltigen Zellen des Kartoffelinneren herbeiwandern. Da auch das 
Protoplasma der letzteren in einem gewissen Hungerzustande in Bezug auf Zucker 
sich befindet, der entstehende sehr rasch wieder in Stärke rückgebildet und ver- 
athmet wird, wandern jedenfalls nur geringe Mengen desselben nach den Knospen 
hin. Sie müssen außerdem noch das unter den Knospen liegende Polster von 
ebenfalls im hungernden Zustande befindlichen Zellen passiren,, und es dürfte 
dementsprechend in die Sproßanlagen selbst nur sehr wenig Zucker gelangen, und 
dieser höchstens zu einem äußerst geringen Athmungsvorgange ausreichen. Ein 
Wachsthum der Knospen kann unter solchen Umständen natürlich nicht statt- 
finden, denn es fehlt an dem nöthigen Material zur Cellulosebildung. Außerdem 
ist aber bekanntlich das Wachsthum auch vom Athmungsvorgang der Zellen ab- 
hängig. Ob aber dieser beschränkt ist durch Mangel an Sauerstoff oder, wie bei 
den Knospen ruhender Knollen, in Folge ungenügender Zuckerzufuhr, bleibt sich 
schließlich gleich. Die Wirkung kann nur dieselbe sein. Es wird also den be- 
treffenden Zellen nicht nur am not h wendigen Baumaterial fehlen, sondern auch 
ein Mangel an den zum Wachsthum nöthigen Kräften sich geltend machen. Mit 
zunehmendem Alter der stärkehaltigen Zellen nimmt die Lebenskraft des Proto- 
plasmas ab. Von dem entstehenden Zucker vermag dasselbe im Vcrhältniß zu 
früher keine so große Menge mehr in Stärke zurückzuverwandeln . . . Die in 
Kellern bei etwa 10° gelagerten Kartoffeln, die bisher vollständig zuckerleer 
waren, fangen an geringe Mengen von Zucker zu enthalten. (Verfasser verweist 
darauf, daß auch sonst, in Früchten verschiedenen Alters, die Fähigkeit, den zu- 
wandernden Zucker in Stärke umzuwandeln, mit dem Alter sich ändere, nämlich 
in älteren Zellen geringer sei als in jüngeren. An einem aus verschiedenaltrigen 
& Wollny, Forschungen. IX. * 



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114 Physik der Pflanze: 

Gliedern bestehenden Irisrhizom war der Zuckergehalt der älteren Glieder zu 
Anfang der Ruheperiode größer als in den jüngeren.) . . . Da schon während 
der Ruheperiode die Stärkerückbildung allmählich abnimmt, wird von dem ent 
stehenden Zucker mit der Zeit etwas mehr für den auf ein geringes Maß redu- 
zirten Athmungsvorgang zur Verfügung stehen. Dieser aber nimmt bei Zuführung 
einer etwas größeren Zuckermenge sofort entsprechend zu, und es wird deshalb 
wenigstens zunächst den Knospen nicht mehr Zucker zuwandern, diese also 
auch noch kein Wachsthum zeigen können. Allein in Folge gesteigerter Athmung 
kann die Zuckerbildung wahrscheinlich zunehmen, außerdem schwindet die 
Fähigkeit der Stärkerückbildung immer mehr, und so wird es schließlich dahin 
kommen, daß selbst bei höheren Temperaturen nicht mehr sämmtlicher Zucker 
verathmet und in Stärke verwandelt werden kann, sondern zu einem merklichen 
Theile von den Zellen der Sproßanlagen an sich gerissen wird. Damit ist die 
Möglichkeit des Wachsthums gegeben; die Ruheperiode ist beendigt." (Mit He- 
ginn des Keimens tritt auch ein diastatisches Ferment auf.) — Diese seine An- 
sicht sucht Verfasser noch weiter durch verschiedene Vorkommnisse beim Aus- 
keimen der Kartoffelknollen u. dergl. zu stützen. 
IV. Ruheperioden anderer Pflanzen. 

Aus diesen Auseinandersetzungen sei erwähnt, daß Verfasser die Winter- 
ruhe der Baumknospen analog den Verhältnissen in den Kartoffel knollen sich 
zurecht legt. Obwohl über Sommer in Stamm und Wurzel Stärke abgelagert 
wird, gelingt es dennoch den Knospen, geringe Mengen Zucker an sich zu reißen 
und sich allmählich weiter zu entwickeln. Später vermindert sich die Assimi- 
lationsthätigkeit, die Blätter fallen ab, die Zuckerzufuhr vermindert sich und 
hört auf; wenn die letzten Zuckermengen in den Zellen in Stärke übergeführt 
sind, steht das Wachsthum ganz still. In den stärkeführenden Zellen der Zweige 
und des Stammes werden sich nun ähnliche Vorgänge abspielen wie in d*>n 
Zellen ruhender. Kartoffeln; es resultirt ein kleiner Ueberschuß von Zucker für 
die Knospen, diese wachsen wieder selbst bei verhältnißmäßig niederer Tempe- 
ratur, was sich mit der Reichlichkeit der Zuckerzufuhr steigert. Die Baum- 
knospen wachsen ähnlich wie diejenigen austreibender Kartoffelknollen nicht aus 
eigener Kraft, z. B. durch in den Zweig abgeschiedenes zuckerbildendes Ferment, 
sondern sie müssen mit ihrer Entwickelung warten, bis die Stoffumsetzungen 
in den stärkehaltigen Zellen der Zweige derart verlaufen, daß Zucker für sie 
disponibel wird. 

Bezüglich der weiteren, namentlich das r Treiben" der Pflanzen betreffenden 
Ausführungen muß auf das Original verwiesen werden. 

In einer angeschlossenen Notiz ist gezeigt, daß die süß gewordenen Kar- 
toffeln neben Glykose Rohrzucker enthalten. C. K. 

U. Kreusler. l'eber eine Methode zur Beobachtung der Assimilation 
und \ t Innung der Pflanzen und über einige diese Vorgänge beeinflussende 
Momente. Landw. Jahrbücher Bd. XIV (1885). Heft 5/6 p. 913-965. 

Den Pflanzen wird in einem dichten Behälter ein bekanntes Gewicht Kohlen- 
säure zur Verfügung gestellt, das nach der Versuchszeit bleibende Gas durch 
kohlensäurefreie Luft aus dem Apparat verdrängt und unter Anwendung geeig- 
neter Absorptionsapparate durch Wägung bestimmt. Die Differenz zwischen ver- 



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Neue Litteratur. 



115 



abreichter und wiedergefundener Kohlensäure giebt den Assimilationsverbrauch 
oder, wenn der Versuch im Dunkeln angestellt wurde, die Athmungsgröße der 
Pflanzen. Man kann nach dieser Methode, deren Einzelheiten hinsichtlich der 
Apparate u. s. w. im Original nachzusehen sind, fast jede beliebige Pflanzenart 
prüfen, mit viel gröberen Objekten operiren und eine längere Reihe von Ver- 
suchen mit dem nämlichen Individuum anstellen. Da man sowohl Assimilations- 
wie Athmungsversuche mit den nämlichen Exemplaren ausführen kann, können 
selbst sehr geringe Assimilationsbeträge festgestellt werden, selbst solche, welche 
durch die Athmung mehr oder weniger kompensirt werden. Während bisher unnatürlich 
große Kohlensäuremengen zur Verwendung kamen, prüft Verfasser die Wirkung 
der Vegetation auf eine Atmosphäre von normaler Beschaffenheit und von dieser 
ausgehend den Einfluß mäßiger Steigerungen des normalen Kohlensäuregehalts, 
die Absorptionsmittel gestatten auch, den Pflanzen reichliche Luftmengen zur 
Verfügung zu stellen. 

Um eine konstante Lichtquelle zu haben, wurde elektrisches Licht verwendet, 
dessen Wirkung befriedigend war, als der übergroße Reichthum an Wärraestrahlen 
durch einen Kühltrog mit Wasser vermindert wurde. 

Als Versuchspflanzen dienten solche, welche leicht zugänglich sind, eine 
der Exposition günstige Blattstellung bieten und abgeschnitten im Wasser lange 
genug aushalten. (Bezüglich des Verhaltens abgeschnittener, in Wasser stehender 
Sprosse sind verschiedene Beobachtungen mitgetheilt.) Zu den meisten Versuchen 
dienten Zweige der Hainbuche, dann auch von Tropaeolum majus, Aspidium fal- 
catum, Rubus, Castanea. 

Den Versuchen, deren Fortsetzung in verschiedener Richtung in Aussicht 
gestellt ist, lassen sich zur Zeit die folgenden Punkte entnehmen: 

1. Der relative Kohlensäuregehalt der umgebenden Luft ist von erheb- 
lichem Einfluß auf die Assimilationsenergie; die absolute Menge der der Pflanze 
innerhalb einer bestimmten Zeit zugänglich gemachten Kohlensäure dagegen von 
untergeordneter Bedeutung. 

2. Von einem bestimmten, niedrigen Procentsatz (etwa wie in der atmosphä- 
rischen Luft) ausgehend, steigert sich die begünstigende Wirkung mit der Ver- 
mehrung der Kohlensäure anfangs recht schnell, dann immer langsamer, um 
schließlich sehr allmählich einem entgegengesetzten Einflüsse zu weichen. 

3. Unter den eingehaltenen Versuchsbedingungen (25° C. , elektrisches 
Bogenlicht von 1000 Normalkerzen bei 31 bis 45 cm Abstand) gestaltet sich die 
Quantität der Beziehung im Durchschnitt verschiedener Pflanzen annähernd wie 
folgt. Setzt man den relativen Kohlensäuregehalt der gewöhnlichen Luft = 1, 
die durch den Verbrauch der Kohlensäure (unter Mitberücksichtigung der Ath- 
mung) gemessene Wirkung = 100, so ergeben sich die nachstehenden Ziffern: 



Relativer Kohlensäuregehalt Assimilation 

1 100 

2 127 

3,5 1*5 

7 196 

17 209 

35 237 

220 230 

440 2ü6(V) 



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116 



Physik der Pflanze: 



4. Das Optimum der Kohlensäurewirkung scheint zwischen etwa 1 un<l 
10°'o zu liegen und je nach wechselnden Verauchsbedingungen (z. B. dem 
Grade der Belichtung) sich etwas zu verschieben. 

5. Ein die Assimilation auf das Einschneidendste berührender Faktor ist der 
Wassergehalt der Blätter. Etwa durch stärkere Verdunstung veranlaßte Ver- 
minderung des Feuchtigkeitgrades kann, lange ehe die Pflanze sichtbar welkt, 
unter Umständen schon dazu führen, daß die Assimilation bei bester Belichtung 
fast gänzlich sistirt wird. Mit dem (rechtzeitigen) Ersatz des Wassers kehrt 
auch die Assimilationskraft zurück. 

6. In trockener Luft assimiliren daher die Pflanzen erheblich schwächer 
als in hinlänglich feuchter, sofern nicht der Verdunstungsverlust sich unmittelbar 
wieder decken kann. Der Stillstand der Vegetation bei anhaltend trockenem 
Wetter scheint größtenteils hierdurch bedingt. 

7. Vollkommene Dunstsättigung der Luft und dadurch bedingter schwacher 
Transpirationsstrom scheint auf den Assimilationsproceß an und für sich nicht 
ungünstig einzuwirken. 

8. Die Verdunstung seitens der Blätter scheint im Licht rascher vor sich 
zu gehen als im Dunkeln. 

9. In der Verfärbung begriffene Blätter assimiliren, hinlänglichen Wasser- 
gehalt vorausgesetzt, noch fortdauernd kräftig nach Maßgabe des grün verbliebe- 
nen Antheils. 

10. Mit Hilfe einer elektrischen Bogenlichtlampe von beiläufig 1000 Normal- 
kerzen können kräftige Assimilationswirklingen erzielt werden, wenn man unter 
Vermeidung schädlicher Wärmestrahlung die Belichtung aus geringen Abständen 
(0.3— 0.45 m) vornimmt. Der Effekt kann dann unter Umständen dem einer ge- 
mäßigten Tagesbeleuchtung gleichkommen oder ihn selbst übertreffen. 

11. Das Gesetz der proportionalen Beziehungen zwischen Belichtungs- und 
Assimilationsintensität fand sich beim Gebrauch des elektrischen Lichtes in ge- 
wissen Grenzen annähernd bestätigt. 

12. Schon bei 1 bis 1,5 m Abstand wird die Wirkung der elektrischen 
Lampe oft bereits so schwach, daß die Assimilation nicht oder kaum hinreicht, 
den Athmungsverlust auszugleichen. 

18. Bezüglich der Athmung geben die Versuche keinen merklichen Einfluß 
weder des Kohlensäuregehalts noch des Wassergehalts der Luft zu erkennen. 
Auch der Feuchtigkeitsgehalt der Pflanze scheint hierfür von geringer Bedeu- 
tung. C. K. 

A. Wigand, Studien Uber die Protoplasma Strömung in der Pflanzen- 
zellc. Forschungen a. d. bot. Garten in Marburg. Heft I. 1885. S. 169—224. 

C. Rohrbach. Ueber die Wasserleltnngsfilhigkeit des Kernholzes. 
Zeitschrift f. Naturwissenschaften. Bd. LVIII. (Neue Folge. Bd. IV.) Halle 
1885. S. 319—347. 

J« T . R. KJellman, l'eber das Vordringen der Ausläufer im Boden. 
Bot. Centralbl. von O. Uhlworm. Bd. XXV. Nr. 9. S. 290. 

<><z&>^^£>^ 



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III. Agrar - Meteorologie. 

Untersuchungen über die Wirkung der klimatischen Fak- 
toren auf das Wachsthum der Kulturpflanzen. 

Von Dr. F. C. Tschaplowitz in Proskau. 

I. 

Es sind hauptsächlich drei Fragen, welche die Praxis des Pflanzen- 
baues an die Wissenschaft stellt. Die erste derselben hat das Nahrungs- 
bedürfniß der Pflanzen, also den Stoff verbrauch, die zweite die Größe des 
Wasserbedarfs, und die dritte die klimatischen Bedingungen, also vorzugs- 
weise den Einfluß der Kräfte — Licht, Wärme etc. im Auge. So Her- 
vorragendes jedoch auch auf diesen Gebieten geleistet worden ist, so ist 
doch keine dieser Fragen bis jetzt zum Abschluß gelangt. Zum großen 
Theil verschulden dies die Schwierigkeiten, welche sich in den betreffenden 
Untersuchungen auf diesen Gebieten herausstellen. Häufig liegt die letzte 
Entscheidung in der Hand der chemischen quantitativen Analyse; recht 
oft — nach des Verfassers Ansicht zumeist — liegen jedoch auch Schwie- 
rigkeiten in anderen Umständen begründet. 

Ohne Zweifel ist die erste der genannten Fragen für Landwirtschaft 
und Gartenbau die wichtigste, während die nach den klimatischen Fak- 
toren von mehr untergeordnetem Werthe erscheint, da die Landwirt- 
schaft und Forstkultur nur wenig Einwirkung auf diese nehmen können, 
und nur der Gartenbau zu seinen Gunsten die Unbilden der Witterung 
zu mäßigen, ja einzelne Faktoren in ihrer Wirksamkeit zu steigern vermag. 
Verfasser aber fand schon früher, daß ohne nähere Keuntniß der Ein- 
wirkung der Kräfte, d. h. ohne Kenntniß des Nutzeffektes derselben in 
der Erforschung jener ersten Frage, der des Stoffsverbrauchs, nicht weiter 
zu kommen sei. Von eben so großer Wichtigkeit ist die Berücksichtigung 



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118 



Agrar-Meteorologie: 



der Einwirknng genannter und anderer Kräfte bei den Untersuchungen 
des normalen Wasserbedarfs der Pflanzen aus naheliegenden Gründen. 
Mit einem Worte, Verfasser sah sich dazu geführt, eine getrennte Be- 
arbeitung der drei Fragen als unthunlich, ja zweckwidrig aufzugeben und 
schreibt sogar manche der bisherigen Mißerfolge dem Unterlassen dieses zu. 

So werden z. B. zur Klarstellung der erstoren Frage komparative 
Düngungvsersuche angestellt, oft aber wird doch das Resultat getrübt 
werden können in Folge z. B. von Boden wasserverhältnissen 1 ). Ganz das- 
selbe tritt ein, wenn in entscheidenden Zeiten, event. Phasen des Wachs- 
thums die Temperatur nicht die erforderliche Höhe erreichte, sondern im 
Minimum geboten war; die beiden Vergleichsparzellen „Gedüngt" und 
,,Ungedüngt" werden sich dann in der Menge ihres Ernteresultates nicht 
unterscheiden, sondern eine gleiche Produktion zeigen. In den unten 
angeführten Versuchen tritt der Fall ein, daß eine Frühjahrsdüngung 
gleichgültig, eine spätere förderlich gewesen ist. Wie oft mögen nicht 
bei Feldversuchen solche und ähnliche Fälle eingetreten sein und zu un- 
richtigen Schlüssen in Bezug auf das NährstofFbedürfniß einer Pflanze 
resp. des Bodens geführt haben! In vielen Fällen mag ja der gewöhn- 
liche Düngungsversuch entscheidend genug sein, in vielen anderen jedoch, 
besonders bei der Gartenkultur und namentlich bei Versuchen im wissen- 
schaftlichen Interesse ist ein tieferer Einblick in das Spiel der Kräfto 
und Stoffe wünschenswerth. Der Praktiker vermag wohl beim Anbau 
häufig zu entscheiden, welchem Nebenumstand er eine Mißernte zu ver- 
danken hat; allein er trifft dies doch nur in den besonders eklatanten, 
in die Augen springenden Fällen, keineswegs in allen. 

Es bedarf aber auch wohl dem Praktiker gegenüber nicht mehr des 
Hinweises, daß es für jede Art des praktischen Pflanzenbaues — in der 

') Paul Wagner sagt, Biedermanns Centralb. 1888 p. 735 (daselbst aus Landw. 
Jahrb. 12. I?. 3,4 und 5): „Soll die Wirkung einer Düngung durch vergleichende 
Versuche festgestellt werden, so müssen auf den Vergleichsparzellen alle Wachs« 
th umsfaktoren — ahgesehen von der auf ihre Wirkung zu prüfenden Düngung 
— gleich und im Ueberschuß vorhanden sein, während der Faktor Düngung 
im relativen Minimum vorhanden sein muß. 4 ' Seine alsdann folgenden, auf das 
Bodenwasser bezüglichen Erwägungen passen jedoch auch auf die atmosphärische 
Dunstsättigung wie überhaupt auf jeden Wachsthumsfaktor. (Daß diese Dunst- 
Sättigung in Höhe und Gang weder vom Bodenwasser noch vom Regen abhängt, 
also mit einer etwaigen Bestimmung dieser Elemente die der Dunstsättigung nicht 
umgangen werden kann, soll unten nach vorliegenden Versuchen erwiesen werden. 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 119 

Landwirtschaft sowohl als bei der Kultur der doch vielfach von ein- 
ander in ihren Bedürfnissen abweichenden Gartenpflanzen — geboten ist, 
womöglich alle Bedingungen — Kräfte, Stoffe, Mengenverhältnisse, 
den Wechsel dieser und überhaupt die Art des Zusammenwirkens 
aller Faktoren zu kennen. Dieses erst ist es ja, was wir als die 
naturgesetzliche Grundlage des Pflanzenbaues bezeichnen. 

Nachdem Verfasser Dieses bezüglich der Art des Zusammenwirkens 
von Kraftform und Körper auf das a priori schon zu erschließende Re- 
sultat gekommen war, daß alle Ursachen des Wachsthums — innere wie 
liußere, Körper wie Kräfte — wenn nicht allerseits optimale Verhältnisse 
stattfinden sollten, bezüglich ihrer Wirksamkeit dem Minimumgesetz unter- 
liegen 1 ), gestaltete sich die Frage der höchsten Produktion folgendermaßen. 
Welche Abänderungen haben wir im normalen Entwickelungsverlauf einer 
Kulturpflanze durch Abänderungen in Höhe, Menge, Periodicität der Fak- 
toren eintreten zu lassen, um die Produktion möglichst zu steigern, be- 
stehe dieselbe nun in der Pflanze im Ganzen oder in irgend welchen 
Gliedern derselben — Blättern, Blüthen, Früchten, Samen, Knollen etc. 

Um zur Lösung dieser Frage beizutragen, hat nun Verfasser zunächst 
versucht, eine Pflanze so zu kultiviren, daß der gesammte Ent- 
wickelungsgang derselben durch alle Phasen hindurch als ein 
normaler betrachtet werden muß. Erst nach Ermittelung des 
normalen Wachsthums und nach Feststellung der Methoden zur Erzielung 
desselben kann die Frage, ob und wann zur Erreichung eines bestimmten 
Endzweckes einer oder einige der Faktoren im Miniraum zu stehen haben, 
o-ler ob sie vielleicht sogar über die (für die normale Blattassimilation) 
optimale Menge hinaus geboten werden müssen, gestellt weiden. 

Da die am Versuchsorte zur Verfügung stehende Licht menge (In- 
tensität und Tagesdauer) die unabänderliche, also die gegebene, absolute 
Uröße, der Ausgangspunkt bei Herstellung des optimalen Verhältnisses 
'ler Faktoren ist, während die anderen Kräfte und Stoffe die abhängigen 
Großen sind, so bezieht sich streng genommen diese Norm nur auf alle 
Orte gleicher Breite und in der gleichen Vegetationszeit, ist jedoch im Ueb- 
i igen von jeder Willkürlichkeit frei. 

Daß wir aber der Aufstellung irgend eines normalen 

') Vergleiche des Verfassers Untersuchungen über die Einwirkung der 
Wärme etc. Leipzig, Voigt. 1882. 



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120 



Agrar-Mcteorologie: 



Maßes bedürfen, um specielle pflanzliche Produktion zu messen, 
ist ein wohl mehrseitig gefühltes Bedürfniß. (Vgl. weiter unten.) 

Auch anderweiter Nutzen dürfte aus exakten Ermittelungen ge- 
nannter Art hervorgehen. Wir lernen die näheren Wirkungen der ein- 
zelnen Faktoren besser kennen, als wenn wir, wie gewöhnlich geschieht, 
denjenigen Faktor, dessen specielle Wirksamkeit auf die Pflanze gesucht 
wird, bloß im großen Ueberschuß geben und nicht beachten, wie das 
gegenseitige Verbältniß der anderen gestaltet ist; ferner auch lernen wir 
Erscheinungen der Pflanzenmetamorphose bezüglich ihrer Ursachen besser 
verstehen 1 ). 

Wir vermögen ferner aus den genannten Ermittelungen mit Wahr- 
scheinlichkeit Schlüsse auf die Heimatverhältnisse einer Pflanze und ihre 
Heimat selbst zu ziehen. So hält Verfasser dieses beispielsweise für 
erlaubt, aus den nachfolgenden Versuchen mit der Erbsenpflanze zu 
schließen, daß dieselbe nicht einem Binnenlande, sondern warmen uml 
wasserdampfreichen Küstengegenden entstammt. 

II. 

Verfasser hat die hier vielfach angebaute, leicht zu kultivireude 
Erbsen- Varietät „Buxbaum" als Versuchsobjekt gewählt. 

Nach mehrjährigen Vorversuchen über die derselben zusagenden 
Boden-, Nährstoff-, Wasser-, Temperatur- und Luftfeuchtigkeit^- Verhält- 
nisse unter den in unseren Breiten zur Zeit der Vegetation dieser Pflauze 
herrschenden LichtiutensitHten hat Verfasser nunmehr unter Gewährung 
derjenigen Bedingungen, welche die Ergebnisse der Vorversuche vorge- 

') Als z. B. die Kartoffel aus ihrem warmen und in der Vegetationszeit auch 
uehel- und regenreicheren Vaterlamle in verschiedene nördlichere Klimate gebraebt 
wurde, hat die vortheilhaftc Umgestaltung derselben aus einer Pflanze, deren 
Blüthen vorzugsweise entwickelt, deren Knollen aber klein waren, in unsere Kultur- 
form höchst wahrscheinlich nur dadurch statttinden können, daß in den gemäßigten 
Klimaten die Temperatur und die Dunstsättigung zurücktreten, die Lichteinwir 
kung aber eine gesteigerte ist. Die niedrigere Temperatur vermochte nicht in 
den Blüthen Riechstoffe zu entwickeln. Die verlängerte Tagesdauer hat aber 
offenbar die Assimilation gesteigert, während gleichzeitig die veränderte Dunst- 
sättigung kein der Assimilation entsprechendes, üppiges Entfalten der oberirdischen 
Organe gestattete, und so mußte die vermehrte Stärkeabsonderung den unter- 
irdischen Stengeln zu Gute kommen und dort sieb in den Knollen die Stärke 
ansammeln. 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthuni d. Kulturpflanzen. 121 

schrieben haben, dieselbe kultivirt und durch fortlaufende Bestimmung 
der Trockengewicbtszunahrae (von drei zu drei Tagen) die unten ange- 
gebenen und Tafel II. graphisch dargestellten Zahlenresultate erhalten. 

Diese Zahlen unterscheiden sich wesentlich von den an im freien 
Felde kultivirten Pflanzen ermittelten: sie sind die einer normalen, 
unter normalen Bedingungen er wachseneu Pflanze (oder erreichen 
dieselben wenigstens in so weit, als ein erstes Experiment, welches unter 
Keuntniß der Qualität und der Quantität der mitwirkenden Faktoren und 
unter deren entsprechender genau bemessener Gewährung angestellt wurde, 
eine Konstante zu erreichen vermag). 

Während bei den an den landwirthsehaft liehen Versuchsstationen 
vorgenommenen Ermittelungen der Trockensubstanzzunahme die Pflanzen 
im freien Felde angebaut waren, und es dort bald an Wärme, bald an 
Bodenwasser, bald an Luftfeuchtigkeit und Anderem fehlt, diese Faktoren 
also oft im Minimum stehen und das Wachsthum beherrschen d. h. herab- 
drücken, bald auch wohl in einer Menge geboten werden oder mit einer 
Intensität wirken, welche des Guten zu viel bietet, sind die Pflanzen des 
nachfolgend beschriebenen Versuches während der ganzen Dauer ihrer 
Vegetation — mit Ausnahme eines nicht vorherzusehenden Auftretens 
einer Temperaturerniedrigung in den letzten Maitagen und eines desgleichen 
von Lichtabschwächung Ende Juni — nicht in ähnlicher ungünstiger 
Lage gewesen, wie aus den zusammengestellten Zahlen, besonders deutlich 
aber aus der graphischen Darstellung Taf. II. ersichtlich ist. Die Pflanzen 
dieses letzten maßgebendsten Versuches haben, abgesehen hiervon, nicht nur 
zu jeder Zeit ihren Bedarf an Wärme u. s. w. vollständig decken können, 
sondern es ist auch zu keiner Zeit, ein nachthoiliger Ueberschuß irgend 
eines der Wachsthumspurticipienten eingetreten, was sich daraus ergiebt, 
daß weder das Sinken noch das Steigen der betreifenden eine gleich- 
sinnige Bewegung der Wachsthumskurve hervorgerufen hat, wie es bei 
Mangel, oder wie es umgekehrt bei nachtheiligem Ueberfluß hätte statt- 
finden müssen, und somit hone ich, die so erzogenen Pflanzen normale 
Pflanzen nennen zu dürfen; es sind Pflanzen, welche in der Höhe sowohl 
als auch in dem Tempo ihrer Entwickelung die äußerste Grenze erreicht 
haben, die von den inuern Kräften und Stoffen des Samens und de> 
I'flanzenkörpers (welche Kräfte und Stoffe nun ihrerseits im Minimum 
stehen) gesteckt worden ist. 



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122 



Agrar-Meteorologie 



Daß bei den im freien Felde gebauten Pflanzen sehr häufig einer 
der Faktoren Wärme, Luftfeuchtigkeit, Boden wasser (seltener auch das 
Licht) im Minimum steht, ist oft leicht nachzuweisen, wie ich schon in 
meinen „Untersuchungen über die Einwirkung der Wärme. Leipzig 1882" 
gezeigt habe. • Mit Hilfe der Zahlen der an den landwirtschaftlichen 
Versuchsstationen angestellten Trockensubstanzbestimmungen landwirt- 
schaftlicher Kulturpflanzen gelingt dies oft, wenn man sich die vollstän- 
digeren meteorologischen Daten zu verschaffen vermag. Dieselben lassen 
sich aber nur für solche Versuchsstationen erlangen, in deren Nahe zu- 
gleich auch eine meteorologische Station gelegen ist, und habe ich für 
einige derselben aus den in dem meteorologischen Centraiinstitut 1 ) zu Berlin 
aufbewahrten Zahlenmaterial mir die die wichtigeren Verhältnisse, be- 
sonders die Dunstsättigung betreffenden extrahirt und mit den in den 
Landwirtschaftlichen Jahrbüchern veröffentlichten Trockensubstanzzahlen 
zusammengestellt und verglichen. Am übersichtlichsten zeigen sich diese 
Verhältnisse bei der graphischen Darstellung. So ist zum Beispiel aus 
den von Hammerbacher, Brimmer und König (Ref.) in den Landwirth- 
schaftlichen Jahrbüchern 1876 p. 441 veröffentlichten Angaben ersichtlich, 
daß die Wachsthumsdepression vom 9. bis 16. Juli nur vom Temperatur- 
rückgange verursacht worden ist. Zuweilen ist es von den täglichen 
Tomperaturnotirungen nur eine bestimmte Intensität, für welche sich die 
Kinwirkung nachweisen läßt, so bei den von Prehn, Hornberger und 
Kreußler (Ref.), Landwirtschaftliche Jahrbücher 1878, veröffentlichten 
Daten, woselbst die Depression vom 14. bis 21. August sieh nur ans 
dem Sinken der Minimumtemperatur herleiten läßt. 

Daß die atmosphärische Dunstsättigung im Miniraum stehen und 
somit die Wachsthumskurve beeinflussen kann, läßt sich beispielsweise 
ersehen aus den von Caplan in den Landwirthschaftlichen Jahrbüchern 
1877 p. 801 ff. veröffentlichten Angaben. Wie dieselben zeigen, geht 
die am 7. August eintretende Abnahme des Wnchsthums gleichsinnig mit 
der Abnahme der Dunstsättigung. 

Der Mangel an Bodenwasser ist es höchst wahrscheinlich, welcher 

*) Herr Direktor Dr. Ilellmann und Herr Assistent Dr. Kremser haben mir 
in gefälligster Weise das dort deponirte Material der deutschen meteorologischen 
Stationen zugänglich gemacht, wofür ich an dieser Stelle meinen Dank auszu- 
sprechen mich verpflichtet erachte. 



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Wirknng d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 123 

«las Herabgehen des Waehsthums in dem von Neubert und Teichler, 
Landw. Jahrb. 1877 p. 833, veröffentlichten Versuch bedingt, welches in 
der Periode vom 17. bis 24. Juli stattfindet. 

Die Verschiedenartigkeit der Bedürfnisse in Bezug auf Dunstsätti- 
£ung und Temperatur zweier verschiedener gleichzeitig wachsender Pflanzen- 
arten zeigt deutlich ein von Mutschier und Kreuch, Landw. Jahrb. 1870 
p. 632, veröffentlichter Versuch, nachdem die Dunstsiittigungszahlen ein- 
getragen sind. Die Mittel temparatur schwankt während der Zeit vom 
10. Mai bis 21. Juni zwischen 13° und 17° C.j steigt in der nächsten 
Periode aber auf 24° C; ganz entsprechend verhält sich das Wachsthum 
<ta Weißklee, welcher vom 10. Mai bis 21. Juni langsam es auf 0,064 
gr, in der nächsten 7tägigen Periode aber schon auf 2,000 gr bringt. 
Anders verhielt sich die Luzerne, ihr Wachsthum folgte der Dunstsätti- 
zuogskurve. Diese hielt sich während des ersten Zeitraumes relativ hoch, 
in 21. Juni trat jedoch eine starke Depression ein, welcher aber am 
29. eine gleiche Elevation folgte. Entsprechend verhielt sich die Luzerne; 
ihr erstes Wachsthum war ein hohes, blieb dann entsprechend der De- 
pression vom 21. Juni etwas zurück und stieg endlich bedeutend vom 
29. Juni an. 

Daß ein Ueberschuß eines Faktors von nachtheiliger Wirkung ist, 
läßt sich in Bezug auf die Dunstsättigung an einem von Oswald, Landw. 
Jahrb. 1878 p. 531, angegebenen Versuch nach Einzeichnung der be- 
reifenden Dunstsättigungszahlen zeigen. Es lassen sich in denselben 
deutlich vier Perioden einer hohen Dunstsättigung unterscheiden, und 
j^der derselben entspricht eine Assimilationsabnahme. 

Die im freien Felde gebauten Pflanzen sind aber auch außerdem 
noch in jedem Jahre anders, d. h. nach den Maßen einer anderen Wachs- 
ihumskurve gewachsene Pflanzen, wegen der in jedem Jahre zu anderen 
Zeitpunkten eintretenden Herrschaft der einzelnen Witterungselemente, 
welche das, was die inneren Kräfte daran bauen, verdecken, und so wie 
die Meteorologie nur nach vielen (dreißig und mehr) Jahron das Mittel 
des Witterungszustandes einer Gegend zieht, so würde es so vielmal an- 
i^stellter Trockensubstanzernüttelungen benöthigen, um von einer und 
derselben Pflanze, wenn sie im Freien wächst, die mittlere Produk- 
tion derselben berechnen zu können. Die so ermittelten Zahlen wiiren 
«iann aber noch nicht die einer Normalpflanze, sie gäben keineswegs das 



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124 Agrar-Meteorologie: 

au, was die Pflanze in jeder ihrer Lebensphasen in Wirklichkeit, sondern 
nur, wieviel sie unter der Witterung der betreffenden Gegend an dieser 
Pflanze zu produziren vermag. 

Dagegen ist die Methode, nach welcher ich verfahren habe, zugleich 
auch die einzige Methode, normale Pflanzen zu erzielen und 
somit geeignet, den Anforderungen De Vries zu genügen (Landw. Jahrb. 
1876 p. 757 ff.), indem sie erlaubt, „die wichtigste Funktion der Pflanze 
(die Assimilation) in quantitativer Hinsicht kennen zu lernen 4 ', und ind^m 
sie ermöglicht, „die Gewinnung einer festen Grundlage für die 
ganze Statistik des ganzen Pflanzenbaues, einer Einheit für 
jede Kulturpflanze, mit der sich alle an derselben Art ge- 
wonnenen Resultate klar und bequem vergleichen lassen 1 )*'. 

Schließlich möchte ich noch hervorheben, daß die unten näher an- 
gegebene Methode sich jederzeit selbst kontrolirt, denn jede Zu- oder 
Abnahme im Fortgange des Wachsthums, welche mit einer gleichgerich- 
teten Bewegung eines der Wachsthumsfaktoren zeitlich zusammenfällt, 
beweist die Herrschaft dieses Faktors und charakterisirt sich selbst sonach 
als falsches Resultat. Auch ist das vorgesteckte Ziel überhaupt nicht 
durch Bestimmungen nach siebentägigen Perioden zu erreichen; in diesen 
zu lang bemessenen Zeiträumen verwischen sich die stattgefunden haben- 
den speciellen Einwirkungen der einzelnen Witterungselemente. 

Die Anstellung eines Versuchs nach dieser Methode setzt das Erfüllt- 
sein einiger Vorbedingungen voraus: wegen der Periodicität eiuiger 



l ) Leider hatte jedoch De Vries durch die Art der Fragestellung event. der 
Stellung der Aufgabe für jene Experimentatoren den Weg verschlossen, welcher 
au den gewünschten Zielen führen kann, indem er vorschrieb, daß die Pflanzen im 
Freien kultivirt werden sollten, auch genauere meteorologische Angaben nicht ver- 
langte (weil sie, wie er meint, für den vorliegenden Zweck nicht verwendbar seien !Vj. 
Da er außer den oben angegebenen Endzwecken der Untersuchung (p. 770 u. ff.; 
Landw. Jahrb. 1876) noch verlangte, „die Kurven sollen uns auch selbständig 
belehren, uns neue Aufschlüsse über die wichtigsten Vorgänge im ganzrjn Pflanzen- 
leben geben", hätte er die „Zackungeu", welche von „Beleuchtung, Temperatur und 
Wetter" herrühren, ganz ausschließen müssen: damit wäre dann freilich auf Grund 
des Miuimumgesetzes auch der Feldversuch ausgeschlossen gewesen. Wie sollen denn 
neben den durch die Schwankungen von Beleuchtung, Temperatur und Wetter 
hervorgerufenen „Zackungen" die anderen in der Natur der Pflanze begründen n 
gleichzeitig oder kurz nach einander auftretenden, gleich- oder entgegengesetzt 
gerichteten als solche erkannt und von jenen unterschieden werden? 



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* « 

Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 125 



Wachsthumsfaktoren — des Lichts, der WUrme — muß der Versuch in 
die Zeit gelegt werden, in welche allgemein der Anbau der betreffenden 
Pflanze fällt. Dies muß auch deswegen schon geschehen, damit das Licht 
dabei immer in den gleichen, der Pflanze angewöhnten Intensitäten , und 
>omit, wie wir annehmen, im ,,Ueberfluß" vorhanden ist, weil wir das- 
selbe im Versuche wohl abzuschwächen aber nicht zu verstärken oder 
zu vermehren, also trübe Tage nicht zu erhellen, oder an kurzen Tagen 
dessen Einwirkung nicht zu verlängern vermögen. Tritt dennoch, wie 
k'reußler nachgewiesen, das Licht hin und wieder auch im Sommer ein- 
mal minimal auf, so ist wohl meist der Fehler zu erkennen und im 
nächsten Versuchsjahr zu eliminiren. 

Es ist ferner noth wendig, daß die Temperatur während der Ver- 
«nchszeit sich nicht allzuweit von ihrem Optimum entfernt; die größten 
Extreme gelingt es ja abzustumpfen. 

Die Höhe der übrigen Vegetationsbedingungen vermag man genügend 
zu mäßigen und zu reguliren, wenn man die Pflanze bei Regen unter 
Dach bringen und bei Trockenheit der Luft entsprechend für Anfeuchtung 
derselben (der Luft) zu sorgen vermag. Gradezu noth wendig ist es 
jedoch, daß die Temperatur und die Dunstsättigung um ihre Optima, 
jedoch in nicht ausgedehnter Weise, schwanken. W r ürde das Klima des 
Versuchsortes solche Schwankungen nicht bedingen, so müßten dieselben 
künstlich hervorgerufen werden, weil ja daran, daß die Wachsthumskurve 
ihnen folgt resp. nicht folgt, erst beurtheilt werden soll, ob die Höhe 
des Wachsthumsfaktors angenähert richtig bemessen war. Diese Schwan« 
kungen um diejenige Höhe oder Intensität, welche also durch den Vor- 
versuch als dem Optimum sehr nahe liegend erkannt ist, haben deshalb 
bei den beiden hier in Frage stehenden Faktoren sowohl einmal gleich- 
zeitig in gleichem Sinne als auch das andere Mal gleichzeitig in ungleichem 
Sinne stattzufinden. 

A. Vorversuche. 

I. Zu dem vorgesetzten Zwecke wählte ich die auf hiesigem Königl. 
Pomologischen Institute seit Jahren angebaute Buxbaumerbse (da es sich 
ja zunächst nur um die Methode und nicht um Verhältnisse einzelner 
l^stimmter Pflanzenarten handelt). Zunächst mußte die Vorfrage, welche 
Erdmischung die geeignetste sei, gelöst werden, da die Gartenbauschrift- 
"teller darin nicht ganz übereinstimmen, indem die einen mehr humus- 



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12(i 



Agrar- Meteorologie: 



reichen, die andern mehr sandig-lehmigen Boden empfehlen; die meisten 
aber fordern, daß der Boden mehr kalkhaltig, auch nahrhaft, aber nicht 
frisch gedüngt sei. Es wurden gewählt: l. Frtihbeeterde, 2. Lauberde. 
3. eine Mischung aus drei Theilen (Volumen) Frühbeeterde, einem Thei! 
Sand und einem Theil Lauberde und endlich 4. dieselbe Mischung, welcher 
aber verschiedine Pflanzennährstoffe zugesetzt wurden, als die Pflanzen 
etwa 14 Tage alt waren, weil ich annahm, daß diese Erdmischung sich 
als die günstigste erweisen wttrde. Nährstoffe gab ich deswegen schon 
jetzt beim Beginn des Versuchs, weil ich glaubte, daß der erfabrung*- 
mäßige Nachtheil der frischen Düngung bei Erbsen weniger in der Con- 
centration als darin begründet sei, daß die Fäulnißprodukte des in der 
Praxis angewendeten frischen Stalldüngers, ehe sie vollständig oxydirt 
sind, nachtheilig für die Pflanzenwurzeln sind. 

Der Gehalt der Erden an Wasser und Humus (durch Verbrennung 
bestimmt, da es auf geringfügige Unterschiede einstweilen nicht ankam) 
war folgender: 

Lauberde Frühbeeterde Mischung 

22,4 °/o 7,4 °/o 8,4 °/o Humus. 

32,4 °/o 19,2 °/o 18,0 °/o Wasser. 

Diejenigen, welche Nährstoffe erhielten, bekamen dieselben zu 0.5 °/oo 
in destillirtem Wasser gelöst, und erhielt je eine Reihe von 7 — 10 Exem- 
plaren je eins der folgenden Salze ev. Gemische: 1. Kaliumsulfat, 2. 
Kaliumchlorid, 3. Kaliumphosphat, 4. Kaliumnitrat, 5. Kaliumnitrat + 
Kaliumphosphat, G. Natriumnitrat, 7. Magnesiumsulfat, 8. Calciumnitrat. 
9. eine Mischung aus Calciumnitrat 4, Kaliumphosphat 1 Gevvichtstheil und 
endlich 10. Calciumcarbonat und 11. Aetzkalk (d. h. Kalkwasser). 

Die Entwickelung der Pflanzen dieses Vorversuchs wurde bloß durch 
Messungen der Stengellänge und der Blattgröße besimmt, und es ergal« 
*ieh, daß innerhalb der ersten vier Wochen die Lauberdepflanzen 
von allen am besten standen. Nach weiteren vier Wochen je- 
doch stellte sich die Rangordnung derart, daß die in der Früh- 
beeterde wachsenden den ersten Rang einnahmen, alsdann folgten 
die mit Calciumphosphat gedüngten, denen zunächst die Lauberde und 
zuletzt die in der ungedüngten Mischung folgten. Sie erhielten sich in 
dieser Reihenfolge bis zur Ernte (welche jedoch schon kurz nach der 
Blüthezeit erfolgte). 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 127 

Was den Erfolg der anderen Nährsalze anlangt, so kommen die 
meisten Pflanzen den ungedüngten gleich, etwas besser standen in auf- 
steigender Linie die Pflanzen, welche erhalten hatten Calciumoxyd, Cal- 
ciamnitrat, Kaliumsulfat und Kaliumnitrat. 

Daß die in Lauberde wachsenden jungen Pflanzen am besten gedeihen, 
wird seinen Grund darin finden, daß diese Erde unbeschadet ihrer großen 
Lockerheit eine größere Menge Wasser birgt als die andern Erden; in 
späteren Stadien wird sich dann das erhöhte Nuhrstoffbedürfniß geltend 
machen. 

II. Um nun zu finden, welches die geeignetste Zeit der Nährstoff- 
zufuhrung sei und zugleich auch, ob sich die eben gewonnenen Resultate 
auch vollständig bestätigen, wenn die Pflanzen in Töpfen kultivirt werden, 
wurden, da sich nunmehr bei vorgeschrittener Jahreszeit die Möglichkeit 
hierzu erwies, Samen gleicher Größe und Schwere in Töpfe sowohl 
als auch in Glasgefäße gebracht und zu verschiedenen Zeiten gedüngt. 

Es wurden auf Grund der obigen Ergebnisse am 17. Mai die (ge- 
quellten) Samen 1 ) in eine Erdmischung aus 1 Theil (Volumen) Lauberde 
und 2 Theilen Frühbeeterde gesäet, und zuerst von vier Reihen von je 
12 Exemplaren die eine Reihe mit 1 °/oo, die zweite mit 2 °/oo, die 
dritte mit 3 °/oo Nährstoff enthaltender Lösung versehen, während die 
vierte Reihe nicht gedüngt wurde. Die Nährstoffmischung bestand aus 
gleichen Gewichtstheileu Kalknitrat und Kaliumphosphat und wurde ent- 
sprechend dem Wasserbedürfniß verabfolgt. Außer den eben angeführten 
war noch eine größere Anzahl von nicht gedüngten Pflanzen, um den 
Erfolg einer späteren Düngung zu ersehen, rcservirt worden. Alle diese 
Pflanzen wurden in gleich großen Glasgefäßen unter sonst gleichen Be- 
dingungen kultivirt. Eine Anzahl von 50 Exemplaren war gleichzeitig 
in Töpfe (Thontöpfe von 10,5 cm Höhe und 11,5 cm oberem Durch- 
messer) gesäet worden; sie erhielten, da hier jeder Pflanze das zwei- 
einhalbfache Volumen an Erde zur Verfügung stand, vorläufig keine 
Düngung. 

') Gewicht: 0,22—0,229 g, Durchmesser 6,5—7,0 mm, Volumen (gemessen) 
183,7 emm, spec. Gew. (berechnet) 1,224. Eingequellt den 15. Mai (Vorlust 10 °, 0 ), 
iu Sand zum Keimen den 16. Mai (Verlust 9°,' 0 ). In Erde gebracht den 17. Mai, 
»nfgegangen waren sie bis zum 24. Mai; alsdann wurden die Pflänzchen zwischen 
40 und 54 mm Höhe ausgewählt (Verlust 8° „) und in den Versuch gestellt, am 
2«. Mai. 



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123 



Das zunächst zu beobachtende Resultat war jedoch, daß von diesen 
sechs Versuchsreihen die in Töpfen gesäeten Pflanzen bald alle 
anderen bei weitem übertrafen an Grüße n nd Ceppigkeit; und 
daß die gedüngten der in Glasgefiißen kultivirten gegen die 
ungedüngten Pflanzen zurückblieben. 

Bei den oben angeführten und den übrigen nicht gedüngten Pflanzen 
entwickelten sich jedoch ziemlich gleichzeitig (um den 20. Juni) die 
Blüthcn, und so wurden dieselben nunmehr der ursprünglichen Absicht 
entsprechend (ausgeschlossen die Topfpflanzen) in vier Reihen von je 
zwölf Exemplaren gebracht und neben einer ungedüngten, die zweite mit 
1 °/oo, die dritte mit 2°/oo und die vierte mit 3 °/oo Nährstoff obiger 
Zusammensetzung gedüngt. 

Sie wurden geerntet am 15. Juli und das Gewicht der Pflanzen sowie 
der Hülsen (Früchte) einer Pflanze, bei 100° C. getrocknet, bestimmt 

Es ergiebt sich, daß die N ährstoff Zuführung zur Blüthezeit 
von großem Gewinne für die Pflanzen gewesen ist. 



Tabelle 1. 



Ohne Nährstorlzufülirung 


Mit Nährst off lösung 


1°'00 2 « 00 




Zahl der Pflanzen: 

Gewicht einer Pflanze 
(ohne Hülsen): 

Gewicht der Hülsen: 


10 

0,7312 g 
0,6150 > 


10 

0,9030 g 
0,9000 * 


0,9100 g 
0,5980 » 


9 

1,0120 g 
0,8651 * 


Summa : 


1,3462 g | 1,8036 g 1,8080 g 


1,8771 g 



III. Da zu Anfang des eben angeführten Versuchs die in Töpfen 
wachsenden Pflanzen besser sich entwickelten als die übrigen, und somit 
dieso Methode sich als die geeignetste zur Ermittelung der Wachsthums- 

« 

konstanten erwies, so begann ich alsbald mit den Messungen auch Wä- 
gungen abgeschnittener Exemplare zu verbinden. Es wurden also all« 
drei (resp. vier) Tage vier Exemplare geerntet und dann gewogen. Von 
Ermittelung der Wurzelmenge wurde abgesehen. Das Material reichte 
nicht vollständig bis zur vollendeten Samenreife aus, so daß ich am 
24. Juni eine längere Pause eintreten lassen mußte. 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 129 

• 

Die nachfolgend zusammengestellten Ernteresultate zeigen zunächst, 
«laß das Endgewicht ein günstigeres war, als selbst die gedüngten Pflanzen 
des vorigen Versuchs aufzuweisen haben. Vergleicht man jedoch die 
Zahlen, Tabelle 2, unter sich und besonders die Depressionen des Wacbs- 
thums, Tafel I, am Ilten, 15ten und 21ten Juni, so findet man, daß 
den Bedürfnissen der Pflanzen m verschiedenen Richtungen nicht voll- 
ständig Rechnung getragen sein kann. Vergl. Tafel I. 

Tabelle 2. 



Datum 



Temperaturmaxima 

'C. 



Dunstsättigung 
2 Uhr Nachmittags 
°,o rel. F. 



Trockengewicht 
einer Pflanze 



28. 
1. Juni. 

5 
8 

11. 
15. 
18. 
21. 
24 
18. Juli. 



21,2 
26,2 
28,7 
28,2 
26,2 
24,1 
18,7 
18,3 
16,9 



91 

50 
35 
36 
70 
71 
,86 
91 
81 



0,1881 
0,1509 
0,1955 
0,2583 
0,4475 
0,5905 
0,6256 
0,6910 
0,6763 
2,4305 



IV. Inzwischen war damit begonnen worden, verschiedene kleine 
Vegetationshäuser so vorzurichten, daß die Dunstsättigung und womöglich 
auch die Temperatur auf von einander verschiedener Höhe einige Zeit 
erhalten werden konnte; durch Einhängen nasser Leinwand, Oeffnen der 
Thüren und Bedeckung dieser Häuser in verschiedenem Maße war das 
auch früher schon gelungen 1 ); allein es erwies sich, daß die äußere Tem- 
peratur (in der zweiten Hälfte des Juni) doch schon zu hoch für einen 
Versuch in Häusern mit den genannten Pflanzen war, und würde ich 
dieser Experimente gar nicht erwähnen, wenn dieselben nicht wenigstens 
wieder zur Bestätigung eines früher schon gefundenen Resultates Mate- 
rial zu liefern vermöchten; dieses Resultat war: Wenn von zwei Pflanzen, 
welche im Uebrigen unter ganz gleichen Bedingungen wachsen, die eine 
durch eine höhere Luftfeuchtigkeit in ihrer Transpiration mehr gehemmt 
ist als die andere, so assimilirt (wächst) die erstere auch mehr als die zweite 
— so lange, als der Gehalt der Luft an Wasserdampf im Minimum steht. 

») Botan. Zeitg. 1883. N. 22. 
E. Wollny, Forschungen IX. 1» 



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T ^ 



130 



Agrar-Meteorologie. 



Am 18. Juni wurden eine Anzahl (gleich großer und gleich schwerer) 
gekeimter Erbsen in Töpfe in Lauberde gebracht, auf welche später 
Frühbeeterde aufgeschüttet wurde, ohne Nährstoffzusatz. Am 25. Juni 
waren sie meist 2 — 4 cm hoch und wurden am 27. in die vier Vege- 
tationshäuser vertheilt, konnten jedoch aus dem Grunde, weil die Tem- 
peratur nicht genügend erniedrigt werden konnte, nur acht Tage in den- 
selben erhalten werden, sie wurden deshalb abgeschnitten, getrocknet 
und gewogen. 

Tabelle 3. 



Anfangsgewicht der Samen: 0,230—0,240. 
Durchmesser: 7,0 mm. 

Vegetationsdauer vom 18. Juni bis zum 4. Juli, in den Glashäusern vom 27. Juni 
bis zum 4. Juli. 


Zahl der geernteten Pflanzen: 


9 


7 


9 


8 


Gewicht einer Pflanze (bei 
100° C. getrocknet): 


0,1194 


0,0970 


0,1035 


0,0986 gr 


Mittel der Dunstsättigung: 
(Nachmittags 2 Uhr.) 
Mittel der Temperatur: 


68 
16 


46 

18 


47 
19 


39 °/o d. relat. 
Feuchtigkeit. 
20 0 C. 



Da diese Versuche im Februar begonnen wurden, die beschrankten 
Räumlichkeiten jedoch das Aufstellen einer größeren Zahl von Blumen 
topfen nicht gestatteten, ich aber doch eine größere Anzahl von Pflanzen 
in den Versuch einstellen wollte, so wurden die Samen in kleine, circa 
400 kbcm fassende (mit Erde beschickte) Glasgefäße gesäet. Es wurden 160 
Stück gleich große und nahezu gleich schwere Samen von 6,0 bis G,5 mm 
Durchmesser und 0,170 bis 0,179 gr Gewicht gequellt, davon blieben 
16 Stück zurück, 13 Stück quellten zu rasch, die übrigen wurden dann 
in feuchten Sand gebracht und oberflächlich bedeckt; es keimten nach 
zwei Tagen 6 Stück, bis zum dritten noch weitere 11, die Hauptmenge 
jedoch am dritten und vierten Tag. Nur diese letzteren 1 1 4 Stück 
wurden alsdann 2 cm tief in die in den Glasgefäßen befindliche Erde 
eingebracht. (Die Erbsen dieser Sorte variiren überhaupt zwischen 0.1 30 
und 0,200 gr und den Durchmessern von 5,5 bis 7,5 mm.) Der Wasser- 
gehalt der Erden muß je nach der Natur derselben ein verschiedener sein, 
und es erwies sich in vorliegendem speciellen Fall nothwendig, in den 
ersten zehn Tagen nur des öfteren einige Gramm Wasser auf die Ober- 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 131 

fläche der Erde zu gießen, später aber wurde von drei zu drei Tagen 
durch Wägen der jeweilige Wassergehalt bestimmt, und wenn derselbe 
unter den Anfangsgehalt gesunken war, bei der Lauberde auf 36 °/o, 
bei den anderen aber auf 20 °/o gebracht. Diese Zahlen stützen sich 
zunächst darauf, daß bei Parallelversuchen einige ziemlich entwickelte 
Erbsenpflanzen ohne Erneuerung des Wassers vertrockneten, wenn der 
Gehalt der Töpfe auf 18 °/o gesunken war, sowie auch darauf, dass, wie 
der Augenschein und das Gefühl beim Drücken der Erde zwischen den 
Fingern lehrte, der Boden mit der angegebenen Feuchtigkeit, im Ver- 
gleich mit dem sonst bei der Topfkultur benutzten, sich dann als ge- 
nügend feucht erwies, und endlich noch darauf, daß es kaum möglich 
sein dürfte, das Optimum des Boden wassers genauer festzustellen, da 
Süßere Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Größe der Pflanzen und bei Thou- 
töpfen außerdem noch die Transpiration dieser, sowie die Durchlässigkeit 
der Erde darauf influiren. 

Wie die Zahlen ergeben, beträgt das Gewicht der absolut 
trocknen Pflanzensubstanz der oberirdischen Organe der in 
den Häusern mit der höheren Dunstsättigung (63 und 47 °/o 
der relativen Feuchtigkeit) gewachsenen Pflänzchen bedeu- 
tend, nahezu 14 °/o, mehr, als das der betreffenden Organe 
der in den trockneren Vegetationsräumen (mit 46 und 39 °,o 
der relativen Feuchtigkeit) erzogenen jungen Erbsenpflanzen. 

V. Obiges Ergebniß, daß im ersten Wachsthumsstadium Laubeide 
und später Frühbeeterde sich am besten eigne zur Erziehung der Erbsen- 
pflanze — nur aus Versuchen in GlasgefUßen abgeleitet — bedurfte noch 
eines vergleichenden Versuchs in gewöhnlichen Thontöpfen (11,5 cm hoch, 
12 cm Weite im oberen Rand). Ein solcher wurde trotz der vorgerückten 
Jahreszeit noch ausgeführt. Zu gleicher Zeit wurde auch eine Compost- 
erde sowie die Wirkung einer starken Kalk- (Karbonat-) und Aetzkalk- 
zuführung mit in Untersuchung gezogen. 

Die beweisenderen, jedenfalls unter sich vergleichbaren Zahlen sind 
in folgender Tabelle zusammengestellt. 

Es wurden am 10. August von jeder Erde resp. Erdmischung vier 
Töpfe gefüllt und mit je 2 Samen beschickt, sie erhielten nur destillirtes 
Wasser und waren vor Regen geschützt. In Betreft' der Hülsen ist 
schwer ein einheitliches Material zu beschatten; sie wurden zu verschie- 



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132 



Agrar-Meteorologie: 



denen Zeitpunkten abgeschnitten, wenn sie dem Anschein nach die höchste 
Entwicklung erreicht hatten. Die mit Aetzkalk gedüngten Erbsen wuchsen 
sehr schlecht, kamen nicht zur Bltithe und wurden ausgeschaltet. Di* 
Dosis war offenbar zu hoch bemessen gewesen. Von Notizen vor der letzten 
Ernte gestatte ich mir anzuführen, daß die in Lauberde, die in Lauberde- 
und Frühbeeterdemischung (1 : 2), sowie die in dieser Mischung + 5 % 
kohlensaurem Kalk wachsenden am 20. August die beste Entwicklung 
zeigten, bis zum 28. August waren auch die der Composterde, Heideerde, 
sowie die der Lauberde mit 5 °/o Kalk denselben nahezu gleich geworden. 
Am 3. September jedoch hatten die in Frtihbeeterde, sowie die in Frühbeet- 
erde + 5 ° 'o Kalk allen andern den Vorrang abgestritten und, wie die 
Zahlen nachfolgender Tabelle 4 ergeben, auch bis zur Ernte, am 20. Sep- 
tember, behalten. 

Tabelle 4. 



Entmischung 



Composterde 
Frühbeeterde 
Lauberde 
Heideerde 

( 'omposterde + 5 °, o CaCO s . 
Frühbeeterde » » » 
Lauherde » » » 

Heideerde » 
2 Frühbeeterde 1 Lauherde 
» » » » -f 

» » » » + 



5 0 o CaC0 3 . 
10 •/• CaCO,. 



Trockengewicht einer Pflanze 
bei der Ernte (20. Sept.) 



Hülsen (Früchte) Stengel u. Blätter 
gr I er 



2,30 
3,33 

1,52 
1,41 
1,23 
2.50 
2,21 
1,80 
2,35 
1,93 
2,11 



1,23 
2.21 

1,80 
0,70 
1,10 

m 

2,30 
2,00 
2,65 
2,23 
1,82 



Die Zahlen bestätigen die bei Anwendung von Glasgefäßen 
gefundenen Resultate. 

Nachdem auf diese Weise die optimalen Verhältnisse angenähert er- 
mittelt waren, konnte durch Anstellung des Hauptversuchs die Methode 
zur Auffindung und Constatirung eines normalen Wachsthums dieser 
Pflanze weiter entwickelt werden. 

B. Versuch. 

Gewicht der ausgewählten Samen: 0,230 bis 0,239 gr. Durchmesser: 
5,0 mm bis 0,1mm. 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 133 

Die Sorte variirte überhaupt zwischen 0,1572 bis 0,2435 g Schwere 
und 4,9 bis 6,3 mm Durchmesser. Erde: Frühbeeterde, gemäß Vorver- 
such 1 und 5. 

Die Auswahl aus den gequellten, sowie dann aus den gekeimten 
Samen, sodann die Auswahl der jungen in den Versuch zu stellenden 
Pflanzen, die Wasserversorgung und Zuführung der Nährstoffe erfolgte 
wie im Vorversuch 1 angegeben und gemäß den Resultaten der andern 
Yorversuche. 

Die Pflanzen wurden in Töpfen 1 ) cultivirt, welche im Freien standen, 
jedoch bei Regen in das Glashaus gefahren werden konnten. Die fahr- 
baren flachen Kasten dieses Vegetationshauses sind 80 cm breit, 179 cm 
lang und haben 30 cm hohe Seitenwände, an welchen ein Wall von 
Sand aufgeschichtet wurde, auch der Boden enthielt eine etwa 2 cm hohe 
Sandlage. Es war sehr oft nothwendig, den Sand vollständig mit Wasser 
v.u tränken, um die Dunstsättigung oberhalb ihres Minimalverhältnisse.s 
zu erhalten, wobei der Umstand sehr unterstützend wirkte, daß in der 
Nähe stehende Häuser, auch Bäume und Gebüsch den Luftzug mässigten; 
dennoch habe ich einigemal noch mittels kleiner Seitenwände — aus 
Glasfenstern — Windschutz gewähren müssen. Es war zwischen die 
Pflanzen ein Thermometrograph und ein Psychrometer gestellt worden, 
welche häutig beobachtet, jedoch das Psychrometer nur dreimal und der 
Thermometrograph nur einmal des Tags notirt wurden. Auch sind in 

*) Um einem nicht unberechtigt erscheinenden Vorwurfe im Betreff des 
Bodenvolums zu begegnen, möchte ich darauf hinweisen, daß in Betreff der er- 
haltenen Nährstoffe kein Zweifel sein kann, daß dieselben vollständig ausgereicht 
halien; sodann kann ja eine Wurzel im freien Lande auch nicht überall hin wachsen, 
wohin und wie es ihr belieht, und wird auch daselbst jedes irgend beliebige sonst 
indifferente Wachsthumsmedium — Thon, Sand, Wasser u. a. — der Pflanze doch 
auch den Stempel seiner Einwirkung aufdrücken. Im ungünstigsten Falle würde 
ein aus dem nicht ausreichenden Volumen der Töpfe sich herschreibender nach- 
theiliger Einfluß erst spät und dann auch nur nach und nach auftreten, so daß 
derselbe sich als wenig bemerkbar und somit auch als nur geringfügig auswiese. 
Endlich dürfte auch der Umstand, daß ja die Wurzelgewichte in der zweiten 
Hälfte der Versuchsdauer abnehmen, sich zu Gunsten meiner Auffassung, daß das 
Volumen der Töpfe ausreichend gewesen ist, deuten lassen. Diese Abnahme findet 
im Freien auch statt, sie ist eine normale, und sie würde im Topfe wohl nicht 
statthaben, wenn das Volumen desselben zu ihrer Entfaltung nicht hinreichend 
gewesen wäre, sondern es würde ja nun für event. neue Verzweigungen wieder 
Kaum gewonnen worden sein. 



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134 



Ajrrar-Meteorologie: 



der Tabelle 5 und auf der Tafel II die Maximaltemperaturen, sowie von 
den Psych rometerangaben die Nachmittags 2 Uhr-Ablesungen aufgeführt, 
da beide den Charakter des Zustandes des Tages besser ausdrücken als 
Mittelzahlen, der Einfluß der Temperatur und der Dunstsättigung anf die 
Pflanzen um diese Zeit am größten ist, und auch die Schwankungen von 
Tag zu Tag scharfer hervortreten, als bei Berechnung der Tagesmittel. 
Die Erde der Töpfe wurde täglich revidirt und gemäß den im Vorver- 
such 1 angegebenen Zahlenresultaten, wenn nöthig, begossen, zunächst 
mit destillirtem Wasser, vom Beginn der Blüthe an jedoch mit 3 °'oo 
Nährstofflösung, welche gleiche Gewichtstheile Calcium nitrat und Kalium- 
phosphat enthielt. 

Alle drei Tage wurde die größte und die kleinste Pflanze abge- 
schnitten. Trotz des angewendeten Auswahl Verfahrens sind nämlich ge- 
ringe Unterschiede in der Größe der Pflanzen doch immer noch vorhanden. 
Die oberirdischen Pflanzentheile sowie die Wurzeln wurden frisch, als- 
dann nach dem Trocknen bei 100° C. gewogen und der Durchschnitt 
pro Exemplar berechnet. Ueber den Zuwachs der Wurzeln sei hier je- 
doch bemerkt, daß sich genaue Zahlen schwierig ermitteln lassen, weil 
die Wurzelfnsern sich nicht leicht von den anhängenden Erdpartikelchen 
trennen lassen, letztere auch organische Stoffe einschließen. Die auf der 
Tabelle angegebenen Zahlen sind auf die Weise erhalten worden, daß die 
Wurzeln nach möglichster Reinigung bei 100° C. getrocknet, sodann 
(nach Wägung) verbrannt und von dem Trockengewicht die durch Er- 
hitzen mit Oxalsäure auf constantes Gewicht gebrachte Asche davon ab- 
gerechnet worden ist. Sämmtliche Gewichte, sowie die Temperatur- mid 
Luftfeuchtigkeitszahlen in Mitteln der jeweiligen Periode sind auf der 
Tabelle 5 zusammengestellt. Die Tafel II enthält neben den Witterungs- 
zahlen nur die Trockengewichte der oberirdischen Pflanzen, die der 
Hülsen (Früchte) besonders aufgeführt, von drei zu drei Tagen einge- 
tragen und durch eine Curve, welche*also nun die Wachsthumscurve re- 
präsentirt, verbunden. Da die Ernten stets am frühen Morgen vorge- 
nommen wurden, so sind sie auf der Tafel zur besseren Vergleichung mit 
den Witternngselementen um einen Tag zurtickdatirt eingetragen. 

Wie man erkennt und wie auch schon angegeben, war es, abgesehen 
vom Gießwasser, welches allerdings auch dem Boden verhältnißmäßig 
häufig zugeführt wurde, wesentlich die Luftfeuchtigkeit, welche zu er- 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 13.5 

höhen ich bemüht sein mußte, und halte ich also den erreichten Procent- 
gehalt, welcher erst um 60 °/o, dann um 70% schwankte, zuletzt aber 
wieder auf 60°/o fiel, deswegen für wohl nahezu richtig getroffen, weil 
die Schwankungen (selbst die einmal 80 °/o erreichenden) weder im Fallen 
noch im Steigen die Wacbsthumscurve, also die Assimilation beeinflußt 
haben. Daß die freie Luft, besonders des hiesigen ostdeutschen (jedoch, 
wenn auch in geringerem Grade, wohl auch die des westlicheren) 
Klimas für viele Pflanzen zu arm an Wasserdampf ist, um eine normale 
Assimilation zu gestatten, war mir aus meinen früheren Transpirations- 
versueben (veröffentlicht in der Wiener Obst- und Gartenzeitung 1877, 
Heft 3, 4 und 5, in meinem oben angeführten Werkchen p. 5 ff. und 
in der Botanischen Zeitung 1883 No. 22) bekannt. Außerdem hat der 
Vorversuch No. 3 gelehrt, daß ein Luftfeuchtigkeitsgehalt von rund 70 °/o 
im Stande war, bei einer Temperatur von 25° C. die Assimilation junger 
Erbsenpflanzen innerhalb dreier Tage um 70 °/o zu erhöhen. Diejenigen 
der citirten Versuche, welche in freier Luft so, wie sie hier beschaffen 
war, angestellt wurden, zeigten fast stets, daß das Wachsthum gleich- 
sinnig mit der Dunstsättigung sich bewegte. Mindestens war entweder 
die Zunahme an Frischgewicht, an Stengellänge oder in der Größe der 
Blätter bei denjenigen Vergleichspflanzeu, welche weniger Wasser trans- 
pirirten, größer, als bei den anderen. Die geringere Transpiration konnte 
aber in den meisten Fällen nur in der größeren Luftfeuchtigkeit ihren 
Grund gehabt haben. 

Für welche Pflanzen speciell in unserm Klima die Dunstsättigung 
mehr und für welche sie weniger im Minimum steht, bedarf noch näherer 
Untersuchung. Es werden zunächst die großblätterigen Pflanzen oder 
solche mit größerem Blattapparat, wie z. B. die meisten Futterpflanzen, 
hierbei in erster Linie stehen, dann erst in zweiter Reihe etwa solche, 
wie unsere Cerealien oder andere, welche mehr continentalem Klima ent- 
stammen, wie Mais, Bohne, der Wein u. a., folgen. 

Daß das Bodenwasser beim landwirtschaftlichen Anbau auch oft 
im Miniraum vorhanden ist, ist bekannt; die Unzulänglichkeit unserer 
Sommerregen, den Boden zu durchdringen, bewirkt, daß die hierbei in 
Betracht kommende Vegetation in hohem Maße auf die Winterfeuchtigkeit 
angewiesen ist. Es ist gefunden worden, daß in warmen Tagen einige 
Stunden nach Regen nur 20, 10 oder noch weniger Procente desselben 



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136 



Agrar-Meteorologie : 



sich dem Boden einverleibt hatten. Die Somraerregen nützen also mehr 
nur indirekt durch Erhöhung der Luftfeuchtigkeit, welche also die 
Transpiration herabsetzt und so der Pflanze die zu ihrem gedeihlichen 
Wachsthum nöthige Feuchtigkeit erhalten hilft. 

Tabelle 5. 

Trockensubstanzgewicht, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmittel der 



dreiti 



Ifflffcu 



t Perioden 



Datum 
der Ernten 



28. Mai 
26. » 
30. » 
2. Juni 

5. » 

H 

11. 

14. 
17. 

20. 

23. 

26. 

29. 
2. Juli 
4. » 
7. 

10. 

13. 

16, 

19. 



» 
a 
a 
» 
» 

H 
H 
V 



Temperaturmittel 



Maxima 

i c 



o r 



25,3 
16,2 
19,0 
24,3 
23,6 
23.0 
23.3 
26,3 
19,3 
19,3 
22,3 
23,0 
21,3 
23,0 
27,3 
28.0 
27,3 
31,6 
29,7 
30,0 



7,0 

1,0 

2,0») 

2.3 

7,0 

5,3 

8,0 

9,6 

6,3 

2,0 

7,3 

8,6 

6,3 
10,0 

6,6 
10,0 
10,3 
11,2 
11,0 
10,5 



N. 2 ITir 
Dunst- 

mittel 



TrofktMubilantefiitfct #ii«r Plbt» 

Hülsen 



Otwrlrd 

£ 



46 

56 
52 
58 
73 
60 
75 
73 
66 
52 
79 
56 
55 
89 
S5 
75 
80 
64 
60 
62 



0,1081 
0,1957 
0,2260 
0,3535 
0,4557 
0,5361 
0,6517 
0,8922 
1,0232 
1.1245 
1,2467 
1,3805 
1,8185 
1,8797 
2,8080 
2,7170 
3,0393 
3,2918 
3,6153 
3,7153 



Wnnteln 




0,0182 
0,0355 
0,4882 
0,6667 
1,1430 
1,4110 
1,5690 
1,9620 
2,3320 
2,3330 



0,0846 
0.1390 
0,2125 
0,1747 
0,3609 
0,3410 
0,2995 
0,4042 
0,6298 
1,2569 
0,7792 
0,9096 
0.4167 
0,4fr* 
0,6899 
0,5970 
0,5390 
0.4700 
0,5193 
0,42*5 



Aus diesem Versuche ergiebt sich also: 

Die durch Eintragung der Trockensubstanzgewichte auf ein Coordi- 
natensystem gebildete Curve (Wachsthumscurve insofern, als sie den 
wasserfreien Zuwachs einer Pflanze bezeichnet) der Versuchspflanze hat — 
falls sie durch die hier vernachlässigten Anfangs- uud letzten Endstadieu 
vervollständigt wird — im ganzen die S förmige Gestalt der Curven 
anderer Pflanzen auch. Diese Gestalt ist ja, wie bekannt, bedingt durch 
die Abnahme des Trockengewichts des keimenden Samens, event. der 
jungen Pflanze im ersten Stadium ihres Wachsthums und durch die rasche 
Steigerung des Zuwachses zur Zeit der «großen Periode» Sachs'. 



i) 3« 4. 2° + 5« + 2° 



= 2,0. 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Waclisthura d. Kulturpflanzen. 137 

Die vorliegende Kurve zeigt aber zwei Abbiegungen, bei a und 
bei 6, welche, da sie nicht mit irgend welchen Biegungen der Curven 
der Wachstburasfaktoren parallel gehen, als der Pflanze eigentümliche, 
als normale Abbiegungen dürften angesehen werden müssen. Die erste, 
a, zur Zeit des Beginnes der BJüthe eintretende ist eine Depression. 
Dieselbe würde also eine mit der Entfaltung der Blüthenorgane parallel 
gehende Abschwiichung der Gesammtassimilation anzeigen, denn von einer 
erhöhten Verathmung in den Blüthen allein dürfte dieselbe kaum her- 
rühren (ich glaube den Rückgang der Assimilation als das Ursächliche 
der Blüthenbildung gegenüber ansehen zu müssen). Die zweite Ab- 
biegung, bei b t zeigt eine energische Zunahme des Wachsthums, diese 
Steigerung dürfte nicht allein von der vermehrten Assimilation, bewirkt 
durch die um die Größe der Fruchtblätter vermehrte as3imilirende Ober- 
fläche, herrühren. 

Wie schon angegeben, zeigen sich jedoch im vorliegenden Versuche 
auch zwei Depressionen, bei C und d. welche als abnorme zu bezeichnen 
bind, da sie nachweislich von Witterungserscheinungen herrühren, und 
würde der nächstjährige Versuch hierüber volle Gewißheit bringen. Die 
erste derselben tritt in der Zeit vom 26. bis 30. Mai auf und rührt von 
den in diesen Tagen hier eingetretenen (und deshalb nicht vorherge- 
sehenen) Temperaturrückschlägen her. 

Die zweite dieser abnormen Depressionen findet in der Periode vom 
29. Juni bis zum 22. Juli statt, und weiß ich mir dieselbe nicht anders 
zu erklären als dadurch, daß alle drei Tage Regentage, also trübe Tage 
waren; sie würden sich somit auf Lichtmaugel zurückführen lassen. 

Endlich ist noch die kurze Vegetationsdauer, welche vom Tage der 
Aussaat an nur 70 Tage umspannte, beraerkenswerth. Dieselbe ist er- 
klärlich, wenn man bedenkt, daß für die Versuchspflanzen tagtäglich die 
Bedingungen ihres Gedeihens so vollkommen als möglich hergestellt wurden, 
während die im Freien gebauten Pflanzen relativ selten vollkommen günstige 
Tage erleben. Die Dunstsättigung im Freien z. B. ist meistens 5 bis 
10 und mehr °/o niedriger als im Versuch. 

G. Klimatische Verhältnisse von Breslau und Halle. 

Durch die lange Dauer, während welcher die Dunstsättigung in 
unserem Klima in der Vegetationszeit für wichtige Kulturpflanzen im 
Minimum steht, wird dieser Faktor einer der wichtigsten, und erst in zweiter 



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133 



Agrar-Metcorologic: 



Linie folgen ihm die Temperatur und der Regen, sodann die anderen 
Wachsthumsfaktoren. Die Zusammenstellung des Verlaufs der genannten 
drei atmosphärischen (meist um das Minimum concurrirenden) Faktoren 
wahrend einer Vegetationsperiode muß sonach zugleich auch ein Bild des 
Pflanzenwachsthums dieser Periode ergeben, so wie die mittleren Durch- 
scbnittsverhältnisse derselben (aus vielen Jahren) ein Bild der mittleren 
Vegetationsentfaltung derjenigen Gegend darbieten, aus welcher sie ent- 
nommen sind. Aus diesem Grunde schien es mir erwünscht, von einigen 
Orten Deutschlands zunächst die Durchschnittsverhältnisse der genannten 
Witterungselemente kennen zu lernen. 

Es genügen jedoch hierzu keineswegs die in den meteorologischen 
Berichten angegebenen Monatsmittel; selbst zehntägige oder wöchentliche 
Durchschnittsangaben erstrecken sich über zu lange Zeiträume, wenn sie 
zu Erscheinungen der Pflanzenentwicklung in Beziehung gesetzt werden 
sollen. Besser eignen sich hierzu die fünftägigen Mittel. 

Aus diesem Grunde hat Verfasser zunächst für zwei Orte, Breslau 
und Halle, die Dnnstsättigungsmittel in Pentaden für die Monate März 
bis Oktober (incl.) aus dreißig Jahren berechnet und mit den anderen 
aus gleich langem oder längerem Zeitraum ermittelten Durchschnittszahlen 
zusammengestellt. Tafel III und IV, Tabelle G. 

Es ist dabei von der Voraussetzung ausgegangen, daß, wenn auch 
absolute Höhe und geringfügige Schwankungen am Orte der meteorolo- 
gischen Station selbst, innerhalb der beiden genannten Städte, sich etwa* 
verschieden von den in der Umgebung im Freien auftretenden Verhält- 
nissen erweisen, doch der Gang der Veränderungen im Gesammten in 
gewisser Uebereinstimmung erfolgt. Von der Dunstsättigung wählte ich 
nicht die Tagesmittel, sondern zog die aus den Nachmittags 2 Uhr- 
Ablesungen entnommenen Zahlen zur Berechnung, weil, wie oben schon an- 
gegeben, die vorhandene Dunstsättigung um diese Zeit den einschneidendsten 
Einfluß auf die Pflanze ausübt, und weil auch die Schwankungen von Tag 
zu Tag dabei besser hervortreten als bei der Wahl der Tagesmittelzahlen. 

Die Temperaturmittel waren von den betreffenden meteorologischen 
Stationen schon aus längeren Zeiträumen berechnet worden und bekannt 
gegeben. Die Regenhöhen (in »Summen von 5 zu 5 Tagen) der Monate 
.luni, Juli und August hatte Herr Direktor Dr. Hellmann für Breslau 
aus den Jahren 1848 bis 1882 schon berechnet und mir die Zahlen 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachstbum d. Kulturpflanzen. 139 



freundlichst mitgetheilt. Für Halle jedoch habe ich (in gleicher Weise) 
für die Monate April bis September (incl.) aus den dreißig Jahren von 
1651 bis 1881 die Mittel der Regenhöhen gezogen. 



Halle. 



Tabelle 6. 



Breslau. 




Tempera- 
tur 

0 <X 



Dunst- 
sättigung 



Regen- 
höhe 



mm 



Tem- 



Dunst- 



peratur i Sättigung 



0 c. 



o/o 



Regen - 
höhe 



mm 



3,4, 
2,6 
3,0 



5,5 



70,7 
69,0 
66,9 
67,0 
66,1 
62,6 



0,6 

1,1 
1,2 
1,9 
2,6 
3,9 



71,3 
72,2 
71,4 
66,3 
66,3 
62,8 



5. April 

10. » 
15. 
20. 
25. 
30. 



» 
» 



7,3 
7,8 
7,8 
8,7 
9,5 
9,2 



57,8 
57,0 
55,3 
53,6 
51,0 
53,2 



4,7 

6,3 

4,0 

5,5 
5,3 
6,4 



5,2 
6,6 
7,2 
7,9 
9,0 
10,0 



60,1 

56,5 
53,6 
51,8 
50,3 
53,5 



5. Mai- 
10. 
15. 
20. 
25. 
30. 



9,9 
11,3 
12,6 
13,6 
14,5 
15,6 



54,2 
48,6 
51,3 
48,6 
51,6 
53,4 



4,9 
4,9 
6,9 
4,3 
10,7 
11,0 



10,8 
12,6 
12,4 
13,3 
14,4 
14,6 



52,1 
50,1 
50,9 
50,6 
4*4 
48,9 



4. Juni 
9. i 

14. » 

19. 

24. 

29. 



9 



16,6 
17,4 

16,9 
16,9 
18,0 
17,3 



52,3 
51,7 
52,3 
52,9 
52,6 
54,5 



11,0 

9,3 
12,0 
12,5 
10,8 

9,« 



15,6 
16,5 
16,7 
16,1 
16,6 
17,0 



50,4 
49,3 
49,7 
54,3 
53,1 
48,7 



7,1 

7,6 

7,6 
10,2 

7,4 

9,0 



4. Juli 

9. » 

14. » 

19. » 

24. * 

29. » 



17.6 
18,2 
18,7 
19,5 
19,6 
19,1 



56,3 
53,5 
53,1 
50,8 
50,0 
49,9 



11,2 
10,6 

8,6 
8,0 
8,7 
7,3 



m q 
I .•» 



1 

18,1 

18,0 
18,2 
18,5 
18,8 



52,3 
50,1 
54,3 
51,6 
48,5 
49,7 



10,5 
8,0 

10,7 
7,2 

*,7 
7,0 



3. August 

8. i 
13. 
18. 

23. a 
28. 



18,6 
1*,6 
18,5 
18,4 
17,7 
17,2 



53,9 
51,7 
58,8 
52,6 
57,0 
51,3 



7,1 

8,2 

8,1 
11,3 

8,6 
5,5 



18,6 
18,3 

1*,1 
17,9 
17,3 
16,* 



51,5 
49,6 
52,3 
53,5 
54,8 
52,7 



9,8 
10.9 
9,6 
8,6 
6.9 
8,0 



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140 



Agrar-Meteorologic 



Hallo. 



Breslau. 



Datum 


Tem- 
peratur 

• C. 


2. September 
7. 
12. 

17. v 

22. » 
27. v 


16,3 

1$ 

15,2 
14,1 
13,5 
12,7 


2. Oktober 
7. » 
12. 

17. , 
22. 

27. » 
1. November 


13,0 
11,3 
10,3 
9,5 
8.6 
7,6 
6,4 



Dunst- 



Regen- 
höhe 



mm 



54,8 
55,3 
55,2 
55,6 
58,5 
57,8 



5,5 
5,8 
6.0 
5,4 
4,8 
4,1 



Tem- 
peratur 

» c. 



Dunst- 
sattigung 



Regen- 
höhe 



16,4 

15,5 
15,0 
13,8 
12,9 
12,5 



53,0 
58,1 
53,7 
58,7 
59,4 
57,8 



60,3 
63,4 
67,2 
57,7 
67.1 
68,4 
72,4 



12,1 
10,9 
9,8 
8,8 
8,3 

7,4 

5,8 



! 



60,9 
61,8 
64,2 
67,8 
66,5 
68,2 
71,5 



I 



Man erkennt, daß Breslau sich einer nicht ganz so hohen Sommer- 
temperatur erfreut als Halle, und daß hier (in Halle) sogar die (meist 
nachtheiligen) Temperaturrückschlage um den 12. Mai (innerhalb der der 
Berechnung unterzogenen Zeitdauer) sich ausgleichen. 

In Bezug auf die Regenverhältnisse ist zu ersehen, daß die Höhe 
des Regens (wenigstens im Juni) zu Halle eine größere als zu Breslau ist. 

Die Duustsättigung von Breslau ist in den angegebenen Monaten im 
Vergleich zu Halle eine niedrigere, und ermangelt sie speciell einer Ele- 
vatum, welche kurz vor dem Anfang Juui gegen den 25. Mai beginnt 
und sich mit Ausnahme nur einiger Tago bis zur Mitte Juli erstreckt, 
welcher Umstand für alle diejenigen im Freien gebauten Pflanzen, die 
in dieser Zeit einer Förderung des Blattwachsthums bedürfen, von Be- 
deutung ist. Da dies nun wohl die meisten Futterpflanzen, auch andre 
landwirtschaftliche Kulturpflanzen betrifft, so stehe ich nicht an, auf 
Grund dieses das Klima Halles geradezu als das fruchtbarere zu bezeichnen. 

III. 

Ergebnisse und Folgerungen. 

1. In einigen Vorversuchen wurde gefunden, daß die Erbsenpflauzea 
durch eine frühzeitige Düngung (durch Düngung des Bodens vor oder 
kurz nach der Aussaat) benachtheibgt, dagegen durch einige spätere, etwa 
zur Zeit der Blüthe stattfindende, gleich große Nährstoffzuführung geför- 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 141 

dert wurden. Es steht nun allerdings noch dahin, ob der durch die 
Frühdöngung hervorgerufene Nachtheil sich nicht später wieder behoben 
haben würde. Verfasser kann dies vorläufig nicht annehmen, sondern ist 
vielmehr der Meinung, daß — weil die angewendeten Erden, Frühbeet- 
erde, Lauberde und Misehung derselben mit Sand doch nährstoffreich er 
*ind als gewöhnliche Ackererden, ja sogar als viele Gartenerden — es 
in vielen Fällen auch im freien Lande angezeigt sein dürfte, dann, wenn 
selbst eine frühe Düngnng erfahrungsmäßig nicht von Erfolg sein dürfte, 
auf eine nachhelfende Nährstoffzuführung später, wenn die Pflanzen etwas 
entwickelter sind — bei einjährigen etwa um die Blüthezeit — Bedacht 
zu nehmen, da wahrscheinlich unbemerkt das gleiche Verhältniß des 
Nahrungsmangels daselbst eintritt. 

Bei dem Verhalten der jungen Erbsenpflanzen speciell influirt jedoch 
wahrscheinlich auch noch der Umstand, daß der ausgesäete Same eine 
große Menge von Stoffen enthält, welche für den ersten Aufbau der 
jungen Pflanze einige Zeit hin ausreicht. Leguminosen überhaupt, aber 
wohl ferner beispielsweise auch Kartoffeln, Zwiebeln und andere Pflanzen, 
von welchen so stoffreiche Organe, wie Knollen und Zwiebeln sind, zur 
Aussaat dienen, werden sich in gleicher Weise verhalten. Bei Erbsen, 
Zwiebeln, wie Kartoffeln, ist es eine Erfahrung der Praxis, daß sie «frische» 
Düngung nicht gut vertragen, ob sie später gedüngt sich dankbar er- 
weisen, bat die Praxis noch zu untersuchen. 

Jedenfalls erhebt die Pflanze ganz allgemein gegen den Sommer hin 
höhere Ansprüche und verlangt, wie bekannt, alsdann auch concentrirtero 
Losungen. 

Es würde wünschenswerth sein, eine solche Nährstoffzuführung nach 
Art der Kopfdüngung (nur aber später) und unter Bevorzugung sofort 
löslicher, am besten gelöster Düngemittel, ausführen zu können. Denn 
auch beim Anbau im Freien werden die allenfalls vorhandenen unlös- 
lichen Nährstoffe doch im Verlaufe des Vegetationshalbjahrs nur langsam, 
und zwar in absteigendem Verhältniß nach dem Sommer hin, gelöst werden. 
»Sodann ist ja auch, wenn schon das Boden wasser nach dem Sommer zu 
concentrirter wird, doch der Boden dann im Ganzen ärmer an gelösten, 
aUo den Wurzeln zugänglichen Nährstoffen, da in Folge der Wasserver- 
dunstung und des damit verknüpften Kohlensäureveilustes gewisse Stoffe 
Mer gewisse Mengen derselben wieder abgeschieden worden sind. Freilich 



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142 



Agrar- Meteorologie: 



wird aus diesem letzteren Grunde schon eine reichliche Wasserzufuhrttng 
Um die angegebene Zeit von großem Nutzen sein. Diese zu ermöglichen, 
ist ein Ziel, welchem die Landwirthsehaft auch aus anderen Gründen 
meiner Ansicht nach nachzustreben haben wird. 

2. Ist es nicht möglich, eine normale Pflanze, d. h. eine solche Pflanze, 
welche unter präciser Erfüllung aller Wachsthumsbedingungen — ohne 
üeberschuß und ohne Mangel und Zeitverlust — erwächst, vollständig 
im Freien — auf dem Ackerfeld — aufwachsen zu lassen, so ist es doch 
unter Anwendung der oben angegebenen Methode, Einrichtungen und der 
p. 10 und 11 angegebenen Kriterien wohl jederorts unter Schutz möglich, 
eine solche Normalpflanze zu erziehen. 

Nur bei diesem Verfahren ist man sicher, die Wachsthumsfaktoren 
in richtigem Maße oder höchstens in geringem, unschädlichen Ueberraaße 
oder eben so geringem unschädlichem Mangel dargeboten zu haben, und 
nur dann hat die Pflanze Gelegenheit, gemäß ihren inneren Kräften und 
Stoffen (welche sich nunmehr ihrerseits im Minimum befinden) sich voll- 
ständig nach allen Richtungen hin, sozusagen unabhängig von äußeren 
Einflüssen auszugestalten. (In Wirklichkeit kann ja eine Pflanze in ihrem 
Wachsthurn sich nicht von der Einwirkung der äußeren Faktoren unab- 
hängig machen, und mir selten wird sie in unseren Gegenden im Freien 
in ihrem Wachsthum aus der Abhängigkeit vom Minimumgesetz heraus- 
treten; denn daß alle Faktoren, äußere und innere, in vollkommen har- 
monischem Verhältniß zu einander ständen, auch die periodisch auftretenden 
stets zur richtigen Zeit sich einstellen, dürfte wohl selbst in den günstigst 
situirten Ländern selten gefunden werden.) 

Das normale Wachsthum der Erbsen pflanze der Varietät Bus bäum 
charakterisirt sich durch eine Wachsthumscurve von im Ganzen S för- 
miger Gestalt, jedoch zeigt dieselbe zwei Abbiegungen, eine Depression zur 
lilüthezeit und eine Erhöhung des Wachsthums zur Zeit des Fruchtansatzes. 

3. Die oft eintretenden Tage oder mehrtägigen kürzeren Zeiträume, 
in welchen die äußeren Faktoren im Freien in ungünstigem Verhältniß 
stehen, bedingen zunächst Zeitversäumniß, sodann jedoch zumeist auch 
eine Verringerung des Ernteresultates, da die günstige Jahreszeit oft nicht 
von genügender Dauer ist. Das Mittel der Produktionsfähigkeit einer 
Gegend würde dem Mittel der Witterung (und der Bodenverhältnisse) 
entsprechen und würde sich auffinden lassen entweder durch vieljährigen 



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Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. '143 



Anbau derselben Pflanze im Freien oder dadurch, daß man die Pflanzt» 
unter Gewährung der ermittelten äußeren Verhältnisse nach oben ange« 
gebener Methode kultivirt. 

4. Daß auch für viele andre unsrer Kulturpflanzen, ebenso wie für 
Erbsen, die Dunstsättigung in erster Linie und erst in zweiter das Boden- 
wasser es sind, welche häufig minimal auftreten, scheint mir unzweifel- 
haft. Außerdem treten noch oft besondere Fälle ein, welche zuweilen 
»ogar gegen das Gesetz von der Unvertretbarkeit der Faktoren zu sprechen 
scheinen, aber in der Natur der Dinge begründet sind, und ebenfalls bei 
Bemessung eines Faktors die Kenntniß der Höhe der anderen unumgänglich 
erfordern. So z. B. der Umstand, daß unter gewöhnlichen Verhältnissen 
die Pflanze, wenn die atmosphärische Dunst Sättigung knapp bemessen ist, 
größere Ansprüche an das Bodenwasser erhebt, als bei reichlichem Gehalt 
der Luft an Feuchtigkeit; oder daß im gleichen Fall eine concentrirtere 
Nährstofflösung die Transpiration herabmindert. 

5. Wenn die normale Wacbsthumscurve einer Pflanze aufgefunden 
ist, so ist in derselben nicht nur eiu Maßstab aufgefunden, welcher zu 
Vergleichungen verschiedener Art geeignet ist, sondern es ist alsdann 
auch leichter der Punkt aufzufinden, in welchem menschliche Eingriffe 
das Wachsthum der kultivirten Pflanzen zu gunsten einer Mehrproduktion 
zu wenden vermögen. Der erste Schritt ist schon damit gethan, daß 
wir nun erst die Wirkung eines Eingriffes richtig zu er- 
kennen vermögen. Es können z. B. von einerund derselben Pflanze 
zwei sonst gleiche Exemplare, in Luft mit einem und demselben Feuchtigkeits- 
gehalt gebracht, sich beide sehr verschieden verhalten, das eine derselben 
kann seine Assimilation steigern, das andere herabmindern, und man kann 
nun nicht wissen, wie der bestimmte Feuchtigkeitsgrad auf diese Pflanzen- 
species wirkt. Waren die Pflanzen jedoch bis dahin unter normalen Be- 
dingungen erwachsen, so hat der gleiche Procentsatz an Luftfeuchtigkeit 
bei beiden Exemplaren auch die gleiche Einwirkung. 

6. In Bezug auf die Abhängigkeit, in welcher Regen uud Dunst - 
Sättigung von einander stehen, ist aus der Zusammenstellung der Witte- 
rungsmittel von Breslau und Halle zu ersehen, daß die DunstsättiguDg 
nur im Großen und Ganzen dem Regen folgt, hliufig jedoch die Curveu 
beider Elemente sich in entgegengesetzter Richtung bewegen. 

7. Ein Schluß auf die Fruchtbarkeit des Wetter» eines Jahres oder 



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144 



Agrar-Meteorologie: 



einer Gegend ist aus diesen Gründen und unter Berücksichtigung des 
oben Angeführten weit sicherer aus der Kenntniß der Dunstsättigung 
und des Bodenwassers, als aus der des Sommerregens zu ziehen. Be- 
kannt ist, daß auch die Boden Wasserveränderungen nicht auf den Gang 
der Dunstsättigung von großem Einfluß sind, und daß sogar öfters Pflanzen 
mit nicht turgescenten Blättern in nasser Erde gefunden werden können. 

8. Menschliche Eingriffe können zunächst sich beschränken auf Her- 
stellung der normalen Bedingungen, wie sie bei der Ermittlung der nor- 
malen Wachsthumscurve sich bekannt geben. Findet ein befriedigende* 
Gedeihen unsrer Kulturpflanzen ja jetzt schon ohnehin nur in Folge kul- 
tureller Eingriffe statt, so wird letzteres in der Zukunft in noch weit 
höherem Grade zu geschehen haben, in der Landwirtschaft sowohl wie 
im Gartenbau. Scheint auch die erstere der in der Gärtnerei eingeführten 
Manipulationen, z. B. des Ueberspritzens der Blätter, um die Luftfeuch- 
tigkeit zu erhöhen (und dadurch die Transpiration herabzumindern, wo- 
durch also in vielen Fällen eine Steigerung der Assimilation bewirkt wird), 
sich noch nicht bedienen zu können wegen der Kostspieligkeit der Ap- 
parate, Pumpen, Spritzen, sondern läßt in dieser Beziehung die Produktion 
von den Sommerregen abhängen (d. h. von der Dunstsättigung, welche 
die Sommerregen erzeugen, welche jedoch oft von trockenen Winden 
sehr herabgemindert wird), so ist doch leicht einzusehen, daß eine inten- 
sivere Kultur, welcher sich unsre Landwirtschaft immer mehr zuwendet, 
neben der erhöhten Zufuhr der im Minimum stehenden Nährstoffe — 
Stickstoff, Kali und Phosphorsäure — zu allernächst auch derartiger Ein- 
richtungen bedarf, welche die Erhöhung resp. dem Luftwechsel gegenüber 
die Erhaltung der atmosphärischen Feuchtigkeit bewirken. Knicks, wie 
sie in Schleswig-Holstein vielfach in Gebrauch sind, und das Berieseln 
«1er Felder dürften sich als zweckdienliche Mittel hierzu erweisen. 

Im Gartenbau aber wird man sich mehr als bisher der controliren- 
den Instrumente, besonders der Psychrometer bedienen müssen. Die Ver- 
nachlässigung des richtigen Verhältnisses zwischen Luftfeuchtigkeit und 
den anderen Wachsthumsfaktoren hat, wie schon erwähnt, z. B. in der 
Treiberei öfters das Abfallen der Früchte, z. B. der Pfirsiche, vor der 
Keife oder bei der Ananas das «Sitzenbleiben» derselben verschuldet. 

Wenn der Gärtner z. B. «lüftet», um bei Radies im Frühbeet da* 
Stengel- und Blattwachsthum zurückzuhalten und die Wurzelanschwellung 



Wirkung d. klimatischen Faktoren auf d. Wachsthum d. Kulturpflanzen. 145 

zu befördern, so ist die Herabsetzung der Dunstsättigung und der Tem- 
peratur die erste Folge des Lüftens, welche jene Zweoke erreichen läßt ; 
im speciellen Falle schreibe ich aber bloß der Herabsetzung der Dunst- 
sättigung die Hauptwirksamkeit zu. Aehnlich wird die genannte Mani- 
pulation ganz allgemein in der Treiberei angewendet, wenn Pflanzen in die 
Blüthe treten, um hemmend auf das Blattwachsthum und fördernd auf 
die alsdann erfolgende Ausbildung der Früchte zu wirken. Es steht je- 
doch auch hier die Frage, ob nicht, wenn es dem Gärtner möglich wird, 
bloß die Dunstsättigung und nicht zugleich auch die Temperatur herab- 
zumindern, die Endzwecke besser oder wenigstens in kürzerer Zeit sich 
erreichen lassen würden. Präcise Hersteilung der normalen Bedingungen 
kürzt besonders die Vegetationszeit bedeutend ab und ist somit bei der 
Treiberei ein sehr wichtiges Moment. 

9. Menschliche Eingriffe können aber nach Herstellung oder unter 
Berücksichtigung der normalen Bedingungen auch noch weiter gehen, 
und i3t wiederum namentlich der Gartenbau das Gebiet, auf welchem 
schon vielfach derartige Eingriffe angewendet werden; dieselben leiten 
gewöhnlich den Entwicklungsgang einer Pflanze in ganz andre Bahnen, 
sie wurden aber bisher zumeist nur empirisch gefunden, und dürfte eine 
weitere Vermehrung derselben wohl nicht ausgeschlossen sein; denn die 
Pflanze zeigt in ihrem Verhalten dem ihr Gebotenen gegenüber, wie alles 
Organische, eine gewisse Biegsamkeit, Anpassung derart, daß sie 1) sich 

m 

oft auch unter nicht vollkommen günstigen Verhältnissen entwickelt, ohne 
gerade ein dem Minus eines Faktors entsprechend verkleinertes Abbild der 
Normalen zu sein, 2) sich unter besonders übermäßiger Einwirkung eines 
(oder einiger) Faktoren in besonderer Weise ausbildet. In diesem Falle 
pflegen sich alsdann gewöhnlich je nach der Ursache gewisse Eigentüm- 
lichkeiten in der Ausbildung einzelner Organe derselben zu zeigen, welche 
häufig Kulturzweck werden, und auch oft der Vererbung fähig sind, so 
daß sie zu Varietäten-, Formen- und Sortenentstehung Veranlassung 
geben. 



E. Wollny, Forschungen IX. 10 



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146 



Agrar-Meteorologie : 



Nene Litteratnr. 

H. E. Hamberg, üeber den Einfluß der Wälder auf das Klima tob 
Schweden. (Om skogarnes inflytandc pfi Sveriges klimat) Stockholm. 1885. 
(Schwedisch und Französisch.) 

In vorliegender Abhandlung theilt Verfasser die ersten Resultate der an 
dem schwedischen meteorologischen Centraiinstitut angestellten Untersuchungen 
über die Frage des so wichtigen und oft behandelten Einflusses der Wälder auf 
das Klima mit. In dem Betracht, daß die Rolle der Wälder in der Natur, und 
besonders ihr Einfluß auf das Klima sehr verwickelt und wahrscheinlich von ver- 
schiedener Wichtigkeit ist, je nach der Gegend und der Breite, unterläßt es Ver- 
fasser, die Frage im Allgemeinen zu erörtern, und beschränkt sich darauf, an der 
Hand zahlreicher Beobachtungen für Schweden festzustellen, welchen Einfluß die 
Wälder auf das Klima des Landes auszuüben vermögen. 

Die ersten Stationen waren in der Weise organisirt, daß eine derselben 
unter Bäumen einer sehr dicht bewaldeten Fläche, die andere in der Ebene an 
einer unbewaldeten Stelle, 10—20 Kilometer von der ersteren entfernt, etahlirt 
wurde. Späterhin (1878) wurden die Stationen theils verlegt, theils in ihrer Zahl 
vermehrt und die Beobachtungen erweitert. Um den Einfluß des Waldes auf die 
nähere Umgebung zu bestimmen, wurde an mehreren Orten neben der Station 
im Walde eine solche in einer unbewaldeten Stelle') in unmittelbarer Nähe des 
Waldes eingerichtet. Neben diesem Netz existirte noch ein anderes aus sechs 
meteorologischen Stationen, in der Provinz Upsala gelegen und auf Kosten der 
dortigen landwirtschaftlichen Gesellschaft eingerichtet. Der Zweck dieses Neues 
war, den Einfluß der Wälder auf das lokale Klima speciell in Rücksicht auf die 
Landwirtschaft festzustellen. Drei Stationen waren in den großen Ebenen der 
Provinz, drei andere an freien Orten der benachbarten Waldregionen etablirt. 

Nach näherer Beschreibung der verwendeten Instrumente und der geogra- 
phischen und topographischen Verhältnisse der forstlich-meteorologischen Stationen, 
behandelt Verfasser in 12 Abschnitten den Einfluß der Wälder auf die Wärme 
von Luft und Boden. Zunächst wird die Abhängigkeit der Lufttemperatur von 
der Lage des Ortes, in Bezug auf die Nähe größerer Wassermassen (Meer, Land- 
seen) und die Beschaffenheit der Bodenoberfläche besprochen. Alsdann werden 
die Unterschiede im Maximum und Minimum der Temperatur, in den Mitteln 
der Temperatur zu verschiedenen Tageszeiten und in der Größe der täglichen 
Variation zwischen dem Walde, der nichtbewaldeten Nachbarschaft und der ent- 
fernter gelegenen Ebene näher dargelegt. Weiters werden die Einwirkungen -des 
Waldes auf die Lufttemperatur bei verschiedener Bedeckung des Himmels und 
verschiedener Windrichtung, ferner die Differenzen in den Mitteln der Temperatur 
und in den jährlichen und täglichen Veränderungen derselben zwischen den divi 
vorbezeichneten Oertlichkeiten zu bestimmen versucht. Es folgt alsdann eine 
Statistik der Temperaturgrade von bewaldetem und nicht bewaldetem Terrain. 

>) Im original steht: clairiere = Lichtung. 



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Neue Litteratur. 



147 



worauf Verfasser die Bodentemperatur und deren Verhältniß zur Lufttemperatur 
im Walde und im Freien behandelt. Es schließt sich hieran eine Untersuchung 
der Frage, ob die Wälder das Klima Schwedens zu einem maritimen zn gestalten 
vermögen. 

Bei der Kürze des zur Verfügung gestellten Raumes muß es sich Referent 
versagen, auf den durch vorstehende kurze Uebersicht charakterisirten Inhalt und 
auf die beigegebenen, in den Text gedruckten zahlreichen Tabellen näher einzu- 
gehen. Dagegen mögen ihres Interesses wegen die am Ende der Arbeit zusammen- 
gestellten Schlußfolgerungen des Verfassers hier eine Stelle finden. 

Die Resultate haben streng genommen nur Gültigkeit für die forstlichen 
Bezirke und großen Ebenen der Gouvernements Upsala, Westmanland und Skara- 
borg. Aber es liegt kein Grund vor, daß dieselben im Allgemeinen nicht auch 
auf andere Gegenden des Landes Anwendung finden könnten, welche sich nicht 
unter besonderen lokalen Ein Wirkungen befinden: letztere sind bedingt durch 
Seen und Flüsse, durch eine verschiedene Höhenlage, durch Unterbrechungen 
des Bodens, durch Beschattung von Bäumen, durch die Beschaffenheit des Bodens, 
Aufstellung der Thermometer u. s. w. Sind diese Einflüsse und noch andere 
sekundärer Art in Anschlag gebracht und eliminirt und die Verhältnisse daher 
im Uebrigen gleich, so kann man das Klima des Waldes und der Ebene in 
Schweden in folgender Weise charakterisiren. Es ist nöthig, anzuführen, daß 
Fichten- und Tannenwälder allein Gegenstand der Untersuchungen des Verfassers 
gewesen sind. 

Das Mittel der Jahrestemperatur unter den "Waldbäumen ist 0,15° geringer 
als dasjenige der Lichtungen, und ungefähr 0,25 0 geringer als dasjenige der Ebene. 
In den kultivirtcn Lichtungen ist also das Temperaturmittel ein wenig höher (0,16°) 
als unter den Bäumen, aber ein wenig niedriger (0,1°) als in der Ebene. 

Die Größe dieser Temperaturdifferenz zwischen dem Walde und der Ebene 
ist in den Monaten und Jahreszeiten verschieden. Während der Monate April 
bis August ist die Temperatur unter den Bäumen 0,5° niedriger als diejenige be- 
nachbarter nicht bewaldeter Stellen (Lichtungen), dagegen ist sie vom November 
bis Januar 0,2° höher. In den Lichtungen ist die Temperatur im Mai bis Ok- 
tober niedriger und vom Januar bis März ungefähr 0,05° höher als in der Ebene. 
Itic Verminderung der Temperatur unter den Waldbäumen im Vergleich zur 
Ebene beträgt also während der Monate April bis September zwischen 0,5 und 
0,7°, während eine kleine Vermehrung von ungefähr 0,2° sich im November, 
December und Januar zeigt. 

Diese Temperaturerniedrigung unter den Waldbäumen im Frühling und im 
Sommer erklärt sich aus der niedrigen Tagestemperatur oder Maximaltemperatur, 
welche sich im Mittel nicht weniger als um 2 bis 3 Ü erniedrigt, während die 
Xaehttemperatur in denselben Jahreszeiten fast ebenso niedrig wie in der Ebene 
ist. Es ist hier von der Temperatur 1,80 m über dem Boden die Rede. Die 
Hauptursache der niedrigen Temperatur unter den Bäumen während der heißen 
Jahreszeit ist wahrscheinlich in der mangelnden Insolation und der in Folge dessen 
niedrigen Temperatur des Bodens und der Baumstämme zu suchen; in der That 
ist die Bodentemperatur in einer Tiefe von 0,5 m unter den Waldbäumen im 
Juni und Juli nicht weniger als 3,6° niedriger als in der Ebene. 

10* 



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148 



Agrar-Meteorologie: 



Auf der anderen Seite erklärt sich die schwache Erhöhung der mittleren 
Lufttemperatur aus dem, wenn auch schwachen Schutz, welchen der Wald ge- 
währt. Das Temperaturminimum erhebt sich gewöhnlich vom Oktober zum März 
um 0,8 °/o im Mittel, während das Maximum sich nur um 0,4° im Dezember und 
Januar, aber schon um 0,8° im November und Februar erniedrigt. Der Gewinn 
ist also unbedeutend und macht sich nur in der Mitteltemperatur des December 
und Januar bemerklich. 

Diese Temperaturerhöhung der Luft zwischen den Bäumen im Dezember 
und Januar ist wahrscheinlich auf Rechnung der seit dem Sommer im Boden und 
den Baumstämmen verbliebenen Wärme zu setzen. 

Die Erniedrigung der Temperatur in den Lichtungen im Vergleich zur Ebene 
im Sommer und im Herbst erklärt sich nicht aus der Temperatur des Tages, 
sondern aus derjenigen des Abends und der Nacht; diese letztere ist vom April 
bis zum Oktober, 1,8 m über dem Boden, im Mittel 0,5 bis 0,7° niedriger als in 
der Ebene. Selbst über den mit Kräutern bedeckten Boden dieser Lichtungen 
ist das Minimum der Temperatur von Juni bis September nicht weniger als 1° 
unter demjenigen über der Ebene. Diese verhältnismäßig beträchtliche Erniedri- 
gung der Temperatur der Lichtungen während der Nacht ist wahrscheinlich durch 
eine stärkere Ausstrahlung aus dem Boden bedingt, welche in irgend einer Weise 
durch die Nachbarschaft erzeugt oder begünstigt wird. 

Die Unterschiede, welche die Lichtungen und Ebenen hinsichtlich der Tem- 
peratur aufweisen, treten am stärksten bei klarem Himmel hervor, verwischen sich 
aber, sobald letzterer bedeckt ist, ein Beweis dafür, daß die Differenzen in der 
Lufterwärmung durch solche in der Ausstrahlung hervorgerufen werden. So war 
bei heiterem Wetter die Temperatur um 9 Uhr Abends im Sommer durchschnitt- 
lich um 1°, im Herbst 0,75° geringer in der Lichtung als in der Ebene. Dagegen 
sieht man keinen auffalligen Unterschied bei verschiedenen Winden. 

Die Größe der täglichen Variation — die Differenz zwischen Maximum und 
Minimum, sei es, daß man darunter die periodische oder vielmehr die nicht perio- 
dische Variation versteht — ist unter den Waldbäumen viel geringer, als in der 
Ebene. So ist die periodische zwischen März und Oktober 1 bis 2°, die nicht 
periodische 2,2—8,5° kleiner im erstcren Fall als im letzteren, für das ganze 
Jahr ist sie resp. 1,8 und 2,6° kleiner. In den Lichtungen ist aber die tägliche 
Variation ein wenig größer als in der Ebene: die periodische um ungefähr 0,15 4 , 
die nicht periodische um 0,26° größer für das ganze Jahr und letztere um un- 
gefähr 0,5° größer während der Monate April bis Oktober. Dies steht also in 
einer innigen Beziehung zu den, bezüglich der Temperaturextreme angeführten 
Resultaten. 

Die Größe der jährlichen Variation — die Differenz zwischen der Mittel- 
temperatur des heißesten Monats und derjenigun des kältesten Monats — ist ein 
wenig mehr als 0,6° geringer unter den Waldbäumen im Vergleich zu der Lich- 
tung, aber sie ist nur um 0,25° geringer in der Lichtung als in der Ebene. 

Die mittlere Veränderlichkeit der Temperatur eines Tages zu derselben 
Stunde beläuft sich im Gouvernement Upsala auf 3° im Jahresmittel, in dem mehr 
meridionalen Gouvernement Skaraborg nur auf 2,5°. Sie erreicht im Winter und 
im Frühling ihr Maximum Morgens und Abends; im Sommer ist sie aber größer 



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Neue Litteratur. 



14 9 



zur Zeh der Tagesmitte. Sie ist stets unter den Bäumen geringer als in der 
Lichtung oder in der Ebene. Morgens und zur Zeit der Tagesmitte ist sie in der 
Lichtung und in der Ebene gleich, aber Abends ist sie an ersterem Ort ein wenig 
größer. 

Die Bodentemperntur ist im Sommer unter den Bäumen sehr viel geringer, 
als in der Ebene; im Winter ist sie im Gegentheil in geringen Tiefen ein wenig 
höher. In allen Tiefen (0,5, 1 und 2 m) und besonders in den geringeren, ist 
sie im Sommer durchschnittlich in der Lichtung ein wenig niedriger als in der 
Ebene, im Winter dagegen ein wenig höher. 

In den Lichtungen hat das Klima, d. h. speciell die Temperatur keinen 
maritimen Charakter, im Vergleich zu demjenigen der großen kultivirten Ebenen. 
Eine Uferlokalität im Sinne der großen Seen (Wenern- und Wettern-See) hat eine 
höhere durchschnittliche Jahrestemperatur, als eine Lokalität im Innern des Landes. 
Im Walde wird dieses Mittel geringer als in der Ebene. Eine Uferlokalität zeichnet 
sich durch ihre warmen August- und üerbstmonate aus: der Wald ist im Gegen- 
theil in diesen Jahreszeiten kälter als die Ebene; die Uferlokalität hat meistens 
warme Abende, die Lichtung kalte. Eine Uferlokalität hat im Allgemeinen ge- 
ringere tägliche Variationen der Temperatur als eine Lokalität im Innern, eine 
Lichtung hat im Gegentheil eine größere, als die Ebene. 

Diese Resultate ermöglichen, die Frage zu lösen, welchen Einfluß die Wälder 
auf die Temperatur von Schweden auszuüben vermögen. 

Die vorliegenden Untersuchungen gestatten nicht, zu entscheiden, ob die 
Gegenwart von Wald dazu beiträgt, die mittlere Temperatur zu erhöhen oder zu 
erniedrigen. In der That ist in den vorliegenden Untersuchungen weder die Inso- 
lation noch die Austrahlung der Nadeln und Gipfel der Bäume in Betracht ge- 
zogen worden. So lange man nicht die Wärmemenge kennt, welche dort frei wird 
und ihre Beziehung zu anderen Formen der Oberfläche, wird es nicht möglich sein, mit 
Sicherheit den Einfluß des Waldes auf einen so wichtigen Faktor, wie die mittlere 
Temperatur festzustellen. Hinsichtlich dieses Punktes sind wir daher auf unge- 
fähre Schätzungen angewiesen. Unter den in Schweden vorkommenden verschiedenen 
Oberflächenformen sind sicherlich die wichtigsten: die Oberfläche der Gewässer, 
das nackte Terrain oder die Felsen, der mit krautartigen Pflanzen bedeckte Boden 
und endlich der Wald. Weder die Oberfläche der Gewässer noch der nackte Boden, 
wie jener in den Straßen der Städte, haben eine Aehnlichkeit mit dem Walde ; das 
forstliche Klima gleicht weder dem maritimen Klima noch demjenigen der Städte. 
Der Wald läßt sich am besten mit einer Vegetation von riesenhafter Ausdehnung 
vergleichen, wofür die niedrige Bodentemperatur unter den Bäumen und die Kühle 
des Waldes im Sommer, vornehmlich Abends und Nachts in Folge einer sehr starken 
Aasstrahlung spricht. Von diesem Gesichtspunkt aus würde der. Wald eher eine 
Quelle der Kälte als der Wärme sein. 

Die Oberfläche des Waldes unterscheidet sich dadurch von anderen Oberflächen 
in der Natur, daß sie sehr hoch in die Luft ragt, über die Luftschicht, in welcher der 
Mensch lebt und sich den Arbeiten widmet, welche vom Klima abhängen , wie 
2 B. den Kulturen u. s. w. Es folgt hieraus, daß, mag das alljährliche Resultat 
ein Uebermaß oder einen Mangel an Wärme ergeben, eines oder das andere sich 
durch die Winde über eine größere Luftmasse ausbreiten oder sich in den benach- 



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Agrar-Meteorologie: 



harten Schichten des Bodens bemerkbar machen muß. Die Wärmeeigenthümlich- 
keiten der anderen Oberflächen kommen mehr direkt den unteren Luftschichten 
zu Statten, üben also, vom praktischen Standpunkt aus betrachtet, einen größeren 
Einfluß auf die Bodentemperatur aus oder unmittelbar darüber. 

Die Frage, welches der wichtigste Einfluß des Waldes auf die Temperatur 
der tiefsten Luftschichten sei, soweit sich derselbe mittelst des Thermometers fest- 
stellen läßt, glaubt Verf. für Schweden wie folgt beantworten zu sollen. 

Der Wald erniedrigt, in freien und kultivirten Gegenden Schwedens und 
während der Vegetation, die Temperatur der Luft und des Bodens während klarer 
Abende und Nächte, schränkt die Zeit der täglichen Insolation ein und hemmt 
dadurch die Vegetation. Die anderen Einwirkungen des Waldes auf die Tempe- 
ratur in Schweden sind so schwach, daß sie keine praktische Wichtigkeit in An- 
spruch nehmen können — wie z. B. die Verminderung der Kälte während des 
Winters — oder sind von der Art, daß sie mittelst des Thermometers nicht wahr- 
genommen werden können. Unter den Einwirkungen letzterer Art ist der Schutz 
anzuführen, welchen der Wald gegen die kalten und heftigen Winde einer empfind- 
lichen Vegetation gewährt. In gewissen Fällen kann er auch gegen kalte Luft- 
strömungen oder Nebel schützen, welche während kalter Nächte von benachbartem 
Terrain kommen und Veranlassung zu Frost geben können. Der günstige Einfluß 
des Waldes auf die Temperatur scheint sonach, wie Verf. ausführt, derselbe zu 
sein, welchen man mit Hilfe einer Mauer, einer Fallisade, einer Hecke oder anderer 
Gegenstände solcher Art erreichen würde. 

Einerseits gewährt also der Wald, wenn ersieh in d er Nacbbar- 
s chaft befindet, mechanisch einen Schutz gegen heftige Winde; 
andererseits aber schadet er, indem er die Sonnenwärme zurück- 
hält, welche noth wendig ist, oder indem er die Boden wärme während 
klarer Nächte herabdrückt und dadurch die Rauhfröste begünstigt. 
Auf größere Entfernungen übt der Wald keinen wahrnehmbaren 
Einfluß in unserem Lande aus. E. W. 

A. Woeikof. Der Einfluß der Wälder auf das Klima. A. Petermann's 
Mittheilungen. Gotha 1885. Bd. 31. S. 81-87. 

Mit Umgehung desjenigen Theils der Abhandlung, welcher auf bereits in 
dieser Zeitschrift berücksichtigte Arbeiten Bezug nimmt, mögen die Resultate jener 
Untersuchungen des Verf. hier eine Stelle finden, welche die Frage, ob große Wald- 
komplexe einen solchen Einfluß auf das Klima ausüben, daß sich derselbe auch bei 
Beobachtungen außerhalb des Waldes erkennen läßt, zum Gegenstand haben. 

Indien liefert gute Beispiele dieser Art. Zuerst ist es nöthig zu bemerken, 
daß hier die Temperaturabnahme nach Norden äußerst langsam ist und z. B. zwischen 
19 und 31° nur 0,08« per lj° Breite beträgt. Weiters bemerkt Verf., daß im 
nördlichen Indien die Monate April bis Juni mit Recht die heiße Jahreszeit ge- 
nannt werden ; diese Monate sind auch im größeren Theil des Landes sehr trocken, 
die ergiebigen Regen fangen erst Ende Juni an. Die Hitze und Trockenheit sind 
am intensivsten im Innern des Landes und werden durch die Nähe des Meeres 
natürlich gemildert. 

Zwischen 23—27° giebt es im nördlichen Indien ganz oder fast ganz waldlose 
Gegenden, z. B.: den größeren Theil von Bengal, der Nordwestprovinzen, Audh, 
von den westlicheren Gegenden nicht zu reden, und dicht bewaldete, z. B. Assam, 



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Neue Litteratur. 



151 



Sylhet, Cachar u. s. w. Die folgende Tabelle zeigt, daß in den bewaldeten Gegenden 
des nördlichen Indiens, selbst ziemlich fern vom Meere: 1) die heiße Zeit im 
April bis Juni wegfallt, so daß die Temperatur ununterbrochen steigt von Januar 
bis Juli; 2) die Mitteltemperatur der Monate April bis Juni 4—6° niedriger ist, 
als in den unbewaldeten, in gleicher Nähe vom Meere, eine Differenz, welche in 
so niederer Breite, bei solcher Nähe der Stationen an einander (z. B. : Entfernung 
Patna-Goalpara 550 km in der Ebene, also Temperaturunterschied 1° auf 100 km) 
und dem Fehlen trennender Gebirge nirgends sonst auf der Erde beobachtet wird. 
3) Die Maxima differiren noch mehr als die Mittel und zwar sind dieselben in dem 
Waldgebiete des nördlichen Indiens nicht, oder kaum höher, als z. B. im mittlem 
und südlichen Rußland, während im waldlosen Theile des nördlichen Indiens, 
ziemlich nahe am Meere, jedes Jahr Temperaturen über 40° vorkommen, häufig 
genug über 45°. 4) Die Feuchtigkeit der Luft ist, namentlich im dicht bewaldeten 
Ober-Assam (Sibsagar) groß, selbst in den Monaten April bis Juni 40° /o und mehr 
über der mittleren relativen Feuchtigkeit in waldlosen Gegenden in demselben 
Abstand vom Meere. 5) Wahrscheinlich wird theilweise dadurch der frühe Anfang 
und die allmähliche, regelmäßige Zunahme der Regen im Waldlande erklärt, 
während westlich davon eine plötzliche Zunahme im Juni oder Juli stattfindet 
und selbst noch, nachdem die Winde schon die dem Sommer eigene Richtung 
angenommen haben, die Regen noch lange ausbleiben, weil die Luft zu heiß und 
zu trocken ist. 6) Um zu zeigeu/daß die relative Feuchtigkeit in Sibsagar nicht nur 
in den Regenmonaten groß ist, giebt Verf. auch die Mittel für den Dezember, 
welcher auch hier nahezu regenlos ist. Und doch ist die mittlere Feuchtigkeit 
82°; o gegen 60 in Patna, welches dem Meere viel näher liegt. 

Die nun folgende Tabelle bedarf keiner weiteren Erklärung. Die Maxima 
fallen fast immer auf die Monate April bis Juli, selten auf andere, und selbst 
dann differirt das Maximum nur wenig von dem in diesen Monaten beobachteten. 



25 
26 
24 

23 
22 



2a 
26 
2, 



Name 
des Ortes 



Agra 
Lucknau 
Allahabad 
Patna 

Berhampur 
Bardwan 
Sagar-(Suu- 
eor-) Insel 
W&idfebiet 
von Asum 

Silchar 

Goalpara 

Sibsagar 



Knt- 
fer- 
nang 
Tora 

Ut'Crr 

km 

1105 
£47 

682 



27 
194 

a.M. 

205 
427 



Mittlere Temperatur 



— 

< 



c 

3 



P 



Mitt- 
lere* 
M i 
miim 



30,734,034,5 



30,029/ 
29,0,29,9 



30.«- 115,15 25,1417,4 
47.2 
46,7 
14,3 
12.»; 

29,6(28,9 19,3126,0142,0 



30,333,233,530.21 »5, 125,6 
30,K 33,4 33,1 29,4 15,925,1 
44.S 30,381,431,4 29.3 16,8 25,4 
«fei«. 6 29.7 l'h.2 29.6 lv.cj:. r> 



29,828,«20,lte6,4 



25,626,7 27,fl 
25,3 25.S 26,7 
23.325.3 28,2 



27,7 
27,4 
2H,5 



1* 7 24,2 
ls.3 23,* 
r..9 22,9 



35,0 



Relative 
Feuchtigkeit 



£5 



31 34 i" 
3S4451 



69i54j50 
7360 5* 



36 42507*69162 
ts r, 1 62,7*5960 
MM6W7ffl85«972 

6or.*7**46671 

80^0)8^85174 80 



7277*3 



M 72 7< 



56,7 

!6.2|6s7 



X0|*2n3*4'*4 

I i i 



82 



Regenmenge mm 



=2 

A 
< 



- l-s I- 
5 = 



4i 18 72232 
4! 20 112 276 
4 8 10*305 
8 37,1662511 
53 ll6ß5S|368 
67 12H255 306 

36 11 1'296 365 



ej 



687 
963 



963 
1042 
2| 1432 
4! 1469 



51839 



30S367 4*7 539 
160^316659 155 
262 2*1 383398 13 2403 



I3J2975 



152 



Agrar-Meteorologie: 



Verf. ist auf die Engegnung gefaßt, die große Feuchtigkeit und relativ niedrige 
Temperatur im April bis Juni in Ober-Assam seien eine Folge der allgemeinen 
klimatischen Lage und nicht der dort vorwaltenden dichten Wälder. Freilich ist 
Ober-Assam weit von den trockensten und heißesten Theilcn Indiens entfernt, 
aber die Tabelle zeigt, wie selbst die Nähe des Meeres die Hitze weniger mildert, 
als die Wälder. (S. Sagar-Insel.) Dann bemerkt Verf. noch, daß Ober-Assam eine 
Lage im Windschatten das feuchten S.W.-Mousunes hat; dies müßte die Regen- 
menge mildern und selbst zu Föhnwinden Veranlassung geben. Wirklich ist zu sehen, 
daß es in Sibsagar im Juni und Juli wärmer und trockener ist, als in Goalpara. 
Ein Blick auf die Karte zeigt, daß im SW. das Khassia-Gebirge liegt, auf dessen 
Südabhange und Kammhöhe die ergiebigsten Regen fallen, welche auf unserer 
Erde bekannt sind und zwar fast ausschließlich von Mai bis Oktober. Indem der 
Wind über das Gebirge steigt und dann in die Thalebene des mittleren Brahma- 
putra herabkommt, muß er relativ trocken sein. Diese Berge schneiden also die direkte 
Zufuhr feuchter Luft ab, nur ein schwächerer Arm des feuchten Monsunes dringt 
auf Umwegen von Westen ein. Eine Verstärkung des Regens durch Aufsteigen 
der Luft findet kaum statt bis Sibsagar, denn der Ort liegt kaum 110 m hoch und 
hinlänglich weit von den Bergen im Norden und Osten. 

An einem weiteren Beispiel (Süd-Amerika) weist Verf. nach, daß dichte 
Wälder nahe am Aequator die Luft ebenso und selbst mehr abkühlen, als das 
Meer, und daß, wenn der Waldkomplex groß ist, auch hohe Maxima verhindert 
werden. Verf. hat schon früher gezeigt, daß dies durch die Verdunstung der Blätter 
und die Abschwächung der Winde bewirkt wird. In ersterer Hinsicht ist die 
Wirkung dichtstehender niederer Gewächse analog, aber 1) die Schwächung des 
Windes ist viel unbedeutender, daher die Feuchtigkeit viel rascher weggebracht 
werden kann; 2) namentlich bei nicht tiefwurzelnden Pflanzen, wie z. B. Grami- 
neen, ist die Feuchtigkeit bald erschöpft, und sie welken, wenn der Regen nicht 
häufig ist, bald, verdunsten dann wenig, und die abkühlende Wirkung ist daher 
auch kleiner. 

Der Wald hält das Wasser vom Regen oder thauenden Schnee durch die 
Decke von Streu, Moder, Moos u. s. w. viel besser auf und läßt nur bei großen 
Wassermassen einen Theil oberflächlich ablaufen; der Rest filtrirt langsam und 
viel davon wird zur Verdunstung der Bäume verbraucht. Wenn auch Wälder, 
namentlich dichte, üppige Tropenwälder, natürlich ohne eine bestimmte Zufuhr 
von Wasser nicht existiren können, so sind sie doch ziemlich gleichgültig gegen 
die Zeit, wann es zugeführt wird. Ein gutes Beispiel sind die Wälder von 
Lenkoran an der Westküste des Kaspischen Meeres. Die Vegetation ist so üppig 
wie nirgends in Europa, eine Menge von Schlingpflanzen umranken die Bäume, 
im Walde ist es immer feucht, und doch ist die Regenkurve subtropisch, d. h. es 
fällt sehr wenig Regen im Sommer, aber viel im Herbst und Winter. Das Wasser 
wird im Walde aufgespeichert und dient zur Verdunstung in der Sommerhitze. 

Was den Einfluß der dichten Wälder warmer Erdstriche auf die Regen betrifft, 
so ist Verf. der Meinung, daß, wenn die allgemeinen klimatischen Verhältnisse den 
Regen entgegen sind, auch in größeren Waldkomplexen kein Regen fällt. Dies ist der 
Fall, wenn der Wind beständig ein absteigender ist oder aus kühleren trockenen 
Himmelsstrichen weht, wie im November bis Februar in Assam, wo NE.- Winde 



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Neue Litteratur. 



153 



Tonraiten. Ist eine mächtige Luftströmung aus wärmeren und feuchteren Himmels- 
strichen vorhanden, namentlich wenn sie noch eine aufsteigende Bewegung hat, so 
sind die Verhältnisse dem Regen günstig, sei die Gegend vorwaltend Wald, Feld 
oder Steppe. Aber bei weitem nicht immer giebt es solche scharf ausgeprägte 
Wassertypen. Sehr oft und namentlich in der Nähe des Aequators, sind die Winde 
veränderlich oder lokal, oder es herrschen Windstillen. In solchen Verhältnissen 
müssen dichte Walder dem Regen günstig sein, weil sie den Winden ein Hindcrniß 
entgensetzen und dadurch die Luft zum Aufsteigen zwingen, außerdem die Luft 
im Walde schon feucht ist. Das eine und das andere ist einer Kondensation 
günstig. Bei derselben Windrichtung muß es in waldlosen Gegenden nicht oder 
weniger regnen. Bei Windstille und heiterer Witterung nach einer langen, regel- 
losen Periode ist der aufsteigende Strom über Wäldern viel feuchter, als über 
nnbewaldeten Gegenden, wo der Boden ausgetrocknet, die Vegetation verwelkt ist, 
daher dort wieder günstigere Verhältnisse für Regen. Auch die Windstille selbst 
ist günstig für Regen des aufsteigenden Stromes. Verf. erinnert nur an die häutigen 
Nachmittagsgewitter in gut geschützten Alpenthälern. Gerade der vorkommende 
frühere Anfang der Regen in bewaldeten Tropengegeuden beweist die Richtig- 
keit des oben Bemerkten. 

Verf. hat früher auf die Feuchtigkeit der Luft und die relativ niedrigen 
Maxima in Waldgegenden niederer Breiten hingewiesen. Es ist dies nicht etwa 
so zu verstehen, daß feuchte Luft unverträglich wäre mit hoher Lufttemperatur. 
Das Klima am rothen Meere beweist das Gegentheil; selbst die relative Feuchtig- 
keit ist sehr groß, aber trotzdem ist die Mitteltemperatur mehrere Monate über 
30*, und 40° und darüber werden nicht selten beobachtet. Im Walde rührt aber 
die Feuchtigkeit hauptsächlich von der Verdunstung der Blätter her, d. h. von 
einem Processe, bei welchem Wärme in Arbeit umgesetzt wird, daher die Abkühlung. 

Verf. unternimmt nun weiters zu untersuchen, ob sich ein Einfluß der 
Wälder auf die klimatischen Verhältnisse ihrer weiteren Umgebung auch für den 
westlichen Theil der alten Welt, in Breiten von 38— 52°N. beweisen läßt. Er 
nimmt die Temperatur des Juli als des wärmsten Monats. Im Großen und Ganzen 
ist die Temperatur niedriger an den Ufern des atlantischen Ozeans und steigt 
gegen das Innere des Kontinentes. In den folgenden Tabellen hat Verf. nur Be- 
obachtungen außerhalb des W T aldes genommen. Um den Einfluß der Breite zu 
berücksichtigen, hat er angenommen, die Temperatur nehme nach Süden um 0,5° 
pro Breitengrad zu. Außerdem nahm er einen Temperaturunterschied von 0,7° 
pro 100 m an, reducirte aber nicht auf das Meeresniveau, sondern auf 200 in 
über demselben. Dies mindert die Reduktion für die größere Zahl der genommenen 
Orte, vermindert also auch den möglichen Irrthum. 

Von den angeführten Beispielen sind die folgenden ausgewählt worden. 



Mitteltemperatur des Juli, 


auf 50° 


N. Br. und 200 m über dem 


Meeres- 


n 


iveau r 


educirt. 










20,0 






Arvavaralja (Karpathen) . . 


. . 17,9 




20,0 




18,6 


Promenhof(NW.-Böhmen) . . . 


. 18,0 




. . 19,0 


Prag 


20,0 




, 20,2 


Hochwald (Böhm.-Mähr. Plateau) 


. 17,6 







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154 



A grar-Meteorologie : 



Man bemerkt rasches Steigen der Temperatur vom Ozean bis znm Mainthal; 
dann bewirken die großen Waldkomplexe im Westen und Osten von Böhmen eine 
viel niedrigere Temperatur; in der Mitte dieses Landes ist sie wieder höher, wie 
auch in Oesterr. -Schlesien, in den dicht bewaldeten Thälern der ungarischen 
Karpathen ist sie viel niedriger. In Ostgalizien, fern, von den Karpathen, wirken 
die nahen Wälder noch so sehr, daß die Temperatur niedriger ist, als im Main- 
thal und im mittleren Böhmen. In Kiew ist sie auch noch niedriger, als in obigen 
Gegenden, denn die Wälder und Moräste kommen der Stadt im Nordwesten und 
Nordosten sehr nahe. Selbst Charkow ist wenig wärmer als Prag; es gab dort 
noch kürzlich große Wälder; weiter im Osten wird es aber viel wärmer, wo die 
Steppen allein herrschen. 

Mitteltemperatur des Juli, auf 46° N.Br. und 200m über dem Meeres- 
niveau reducirt. 



La Rochelle 19,3 

Mailand 22,7 

Triest 22,6 

Zaghrab (Ungarn) 21,7 

Ungar, j Szegedin 22,0 



Berge 
S. E.-Ungarn 



Pusten I Arad 



22,8 



Orawicza .... 19,7 
Pojana Ruska 
(Ruczkberg) ... 19,9 

Odessa 21,8 

Cherson 22,5 

Astrachan 24,2 

Ralmsk u. Kasalinsk (Syr-Daja) . 24,5 
Sehr bemerkenswerth sind die hohen Temperaturen des Juli in Triest, an den 
Ufern des Meeres. Aber es ist bekannt, wie kahl und verbrannt die Umgegend 
der Stadt, wie stark also die Sonne die Felsen erhitzen kann. In dem Hügellande 
von Kroatien ist die Temperatur niedriger, große Wälder giebt es hier noch; es 
ist wohl kein Zweifel, daß im Innern von Serbien und Bosnien die Temperatur 
im Sommer noch niedriger ist, wegen der großen Wälder, welche hier noch 
existiren, während näher am Meere, wo nackter Fels vorwaltet, die Temperatur 
sicher höher ist. In der That ist dies der Fall, wie aus der nachträglich vom 
Verf. gegebenen Zusammenstellung hervorgeht. 

Mitteltemperatur der drei Sommermonate, auf 44° N. Br. und 
200 m über dem Meeresniveau reducirt. 

Agram (Zaghrab) . . 21,5 „ wi „ a j Klissa 23,8 

Banjaluka 21,3 Herzegowl,,a l Mostar 24,5 

Tulht* ! «U — I Lissa 

Travnik 21,8 

Serajewo 20,7 

Aus dieser Tabelle ist zu sehen, «laß die Temperatur des Sommers 1) in 
Bosnien um 2,5—4,5° kühler ist, als in der Herzegowina, 2) selbst auf der Insel 
Lissa, wo unter der vollen Wirkung des adriatischeu Meeres der Sommer kühler 
sein sollte, diese Temperatur mehr als 1° höher ist als in Bosnien, welches von 
allen Meeren durch hohe Gebirge getrennt ist. Diesen relativ kühlen Sommer 
hat Bosnien wohl seinen ausgedehnten Wäldern zu verdanken. 

Die vorstehenden Daten zeigen, daß auch im westlichen Theile des 
alten Kontinents große Waldkomplexe die Temperatur der benach- 
barten Orte bedeutend beeinflussen, und daß durch dieselben die 



Kroatien. 



Bosnien. 



Dalmaticn 



23.1 
22,4 



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Neue Litteratur. 



155 



normale Zunahme der Temperatur von dem atlantischen Ozean in 
das Innere des Kontinentes nicht nur unterbrochen wird, sondern 
weiter im Innern gelegene Gegenden einen kühleren Sommer er- 
halten, als dem Meere nähere. 

Die vorhergehenden Betrachtungen haben gezeigt, daß ein Einfluß der Wälder 
auf das Klima existirt, daß er nicht am Rande des Waldes aufhört, sondern sich 
auf einer mehr oder minder großen Strecke zeigt, je nach Größe, Art und Lage 
des Waldkomplexes. Natürlich folgt daraus, daß der Mensch durch Ausroden 
der Wälder hier und Pflanzen derselben dort erheblich auf das Klima wirken 
kann. Es fehlt nicht an Stimmen, welche die Meinung vertreten, daß, da der 
Wald den Niederschlag vermehre, es nur nöthig wäre, Wald zu pflanzen, um die 
Wüsten von der Erde zu streichen. Wer in klimatologischen Fragen bewandert 
ist, wird nicht eine so extreme Stellung nehmen. Wenn auch der Wald mit dem 
fallenden Niederschlage haushälterisch verfährt, ihn auf lange Zeit aufspeichert, 
ja bis zu einem gewissen Grade die Menge des Niederschlags vermehrt, so sind 
doch viele Gegenden unserer Erde viel zu trocken, um je Wälder zu tragen, denn 
die Waldvegetation fordert viel Wasser. Andererseits sind lichte Wälder und 
solche, welche aus Bäumen mit einem wachsartigen, die Verdunstung mindernden 
Ueberzuge bestehen, wohl im Stande, in trockenen Klimaten auszuhalten, als 
dichtere und aus mehr verdunstenden Bäumen bestehende; aber erstere mildern 
die Hitze und Trockenheit weniger als letztere. Andererseits kann Verf. der 
Meinung nicht beipflichten, daß, wo bei der Ankunft zivilisirter Menschen keine 
Wälder waren, auch solche nicht existiren können. Die Erfolge der Waldkultur 
in den Steppen Südrußlands, den Prairien Nord- und den Pampas Südamerikas 
beweisen zur Genüge die Unhaltbarkeit dieser Meinung. 

Wenn nur ein gewisses Quantum Niederschlag fällt, mag es in dieser oder 
einer anderen Art auf das Jahr vertheilt sein, dann kann Wald existiren. Selbst 
lange Perioden der Dürre sind viel weniger schädlich für Wälder als für Wiesen 
Felder u. s. w., und aus dem Vorhandensein regenloser Perioden in einem Lande 
kann nicht auf Unmöglichkeit der Waldkultur gefolgert werden, wenn nur in den 
anderen Monaten reichliche Niederschläge fallen. E. W. 

B. Aß mann. Einfluß der Schneedecke auf die Temperatur der Luft 1 ). 
Das Wetter. Meteor. Monatsschrift, 1886. Nr. 2. S. 21. 

Das Auftreten intensiven Frostes im Thüringer Becken innerhalb eines 
eng begrenzten Landstriches am 8. Januar 1886 veranlaßte den Verf., eine 
nähere Untersuchung dieser Erscheinung vorzunehmen auf Grund der zu diesem 
Zweck von 52 Stationen eingeholten Wetterberichte. Nach letzteren giebt Verf. 
eine nähere Beschreibung der Wetterlage sowie der Verbreitung des Frostes in 
bezeichneter Gegend. Es sei hier bemerkt, daß die Temperaturerniedrigung plötz- 
lich auftrat und an vielen Orten sehr bedeutend war; so betrug das Minimum der 
Lufttemperatur am 8. Januar in Kassel —24,6, in Erfurt —27,5, in Langensalza 
28,8'). Trotzdem der hohe Luftdruck, der in der Nacht vom 7. zum 8. über 
Mitteldeutschland mit rapider Schnelligkeit fortzog, am Morgen des 8. verschwunden 



») Vergl. dieae Zeitachrift. Bd. L 1878. 8. 471-473 und Bd V. 1882. 8. 317 u. 348. 
») Iu Langenfeld u. 8t., am Elchsfelde gelegen, wurde dicht über dem Schnee etue 
Minimalem peratur von -33,1° beobachtet. 



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156 



Agrar-Meteorologie : 



war, lag sibirische Kälte über Thüringen, und die unteren Luftschichten schieden 
in Folge derselben dichten Nebel aus. Während die dichte, schwere Luft in den 
Thalungen und Niederungen lagerte, brauste schon ein stürmischer Südwest, dem 
übermächtigen Zuge nach einer heranrückenden Depression leicht und ohne 
hemmende Bodenreibung folgend, in der Höhe des Gebirges. 

Eine Vergleichung der Vertheilung des Frostes mit derjenigen der Schnee- 
decke zeigte nun in ganz auffälliger Weise, daß die Temperatur am 8. Januar 
um so niedriger gewesen ist, je höher die Schneedecke war. Die folgenden einer 
größeren Tabelle entnommenen Zahlen weisen den Zusammenhang zwischen 
Schneedecke und Temperatur nach. 



Morgente 


mperatur 


Minimum 


Höhe der 


ai 


n 


der Luft 


Schneedecke 


7. 


8. 


am 8. 


cm 


Zone I. Nördlich vom Harz -5,0 


9,8 


-10,5 


0,5 


„ II. Zwischen Harz u. Thüringer Wald -6,9 


-20,7 


-23,5 


21,2 


ii III. Südlich vom Thüringer Wald . -4,9 


-14,0 


-16,2 


8,3. 


Die Wirkung der Schneedecke auf die Ausstrahlung is 


?t hierbei 


ersichtlich. 



Wir haben uns dieselbe in der Weise zu denken, daß der Schnee vermöge seiner 
großen Oberfläche ausnehmend geeignet ist, starke nächtliche Strahlung zu erleiden, 
besonders wenn er locker liegt, daß aber außerdem durch ihn eine fast undurch- 
dringliche Wand zwischen dem Erdboden und der Luft geschaffen wird. Die 
schlechte Wärmcleitung des Schnees bewirkt eine vollständige Einflußlosigkeit der 
Bodenwärme auf die darüber befindliche Luft. Der Erdboden ist bekanntlich in 
der Tiefe von wenigen Metern im Winter am wärmsten und wirkt daher auf die 
unmittelbar anliegende, durch Ausstrahlung oder herbeigeführte kalte Luft ab- 
gekühlte Luftmasse als eine Wärmequelle. Wie beträchtlich diese Wärmequelle 
ist, geht aus einer von Ebermayer*) mitgetheilten Untersuchung hervor (Zeitschrift 
d. österr. Ges. f. Met. Bd. VIII. S. 283), nach welcher z. B. die Lufttemperatur 
— 16,4, das nächtliche Minimum 24,1 gleichzeitig aber unter einer 15 — 18 cm 
hohen Scheedecke die Temperatur der Boden- Oberfläche nur 1,1° in 80 cm Tiefe 
-f 1,0 und in 1,3 m Tiefe + 6,0° betragen hatte. Hieraus geht hervor, daß die 
Isolirung der untersten Luftschicht von dem wannen Erdboden eine erhebliche 
Erkaltung derselben begünstigen muß. Dieser Vorgang der Ausstrahlungs- Er- 
kaltung bedarf jedoch einer gewissen Zeit, um zur Entwickelung zu gelangen, 
weshalb wir, da die Schneedecke in unserem Fall in den späten Nachtstunden 
gefallen und erst in den Morgenstunden Aufklaren des Himmels eingetreten war, 
nur eine mäßige Mehr-Erkaltung in den stark schneebedeckten Gegenden bemerken. 
Nun aber trat eine andere Wirkung der Schneedecke ein. Wir finden nämlich 
überall dort, wo keine oder nur eine ganz schwache Schneedecke lag, eine er- 
hebliche Temperatur-Zunahme unter dem Einfiuß der Sonnen-Einstrahlung während 
des Tages eintreten, da der dunkle Erdboden mehr Sonnenwärme absorbirte, als 
die Licht und Wärme zurückstrahlende dichte Schneedecke. Die wenige, von der 
Schnecoberfläche absorbirte Wärme wurde gänzlich zur Verdunstung verbraucht, 



Vcrgl. die ausführlichen diesbezüglichen Untersuchungen des Ref.: Der Eiufluß der 
Pflanzendecke und Hcsuhattuug auf die physikalischen Eigenschaften und die Fruchtbarkeit 
des Bodens. Von E. Wolhiy. Berlin 1877. Paul Parey. 



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Neue Litteratur. 



157 



konnte also die Lufttemperatur über dem Schnoe nicht erhöhen. Nun begann aber 
die Zeit der überwiegenden Ausstrahlung, welche, durch klaren Himmel befördert, 
während der Nacht zu den extremen Kältegraden, wie sie oben gekennzeichnet 
wurden, führte. 

Verf. weist ferner nach, daß die Wärmeausstrahlung wegen trockener Be- 
schaffenheit der Luft am kritischen Tage außerdem sehr gefördert worden war. 
Als allgemeines Schlußresultat dürfen wir folgendes ansehen: 

1) Eine hohe Schneedecke befördert durch Vermehrung der 
Wärmeausstrahlung, durch Verhinderung der Bodenbe- 
strahlung und durch Verhinderung der Erwärmung der Luft 
durch den Erdboden eine schnelle und intensive Erkaltung 
der Luft, wenn gleichzeitig trockene Luft und klarerHimmel 
vorhanden sind. 

2) Je höher unter solchen Verhältnissen die Schneedecke ist, 
je größer fällt die Abkühlung aus. 

3) Besonders intensiv fällt die Erkaltung dann aus, wenn die 
Schneedecke in einer muldenförmigen Niederung liegt, welche 
von höheren Bodenerhebungen allseitig umrandet ist. 

E. W. 

J, Hann. Ueber den Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land. 

Zeitschrift der österr. Oes. f. Meteor. Bd. XX. 1885. S. 457- 462. 

Bei Gelegenheit seiner Untersuchungen über die Temperaturverhältnisse der 
österreichischen Alpenländer ist Verf. von seiht dahin geführt worden, auch der 
in der Ueberschrift bezeichneten Frage seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Während 
gleichzeitige korrespondirendc Beobachtungen in einer Stadt und in deren nächster 
Nähe auf dem Lande recht selten sind, tritt der andere Fall häufiger ein, daß derartige 
Beobachtungen aus verschiedenen Zeiträumen vorliegen. Dadurch, daß Verf. die 
Resultate aller Beobachtungsreihen auf die gleiche Normalperiodc 1851/80 reducirte, 
wurde es ihm möglich, auch nicht gleichzeitige Beobachtungen zur Untersuchung 
des Temperaturunterschiedes zwischen Stadt und Land zu verwenden. 

Im Nachfolgenden finden sich die Temperaturunterschiede zwischen Stadt 
und Land zusammengestellt: 

TemperaturutUerschied zwischen Stadt und Land. 
Die Stadt wärmer als das Land. 





Wien 


Budapest 


Cilli 


Linz 


München 


Perpignan 


8t. LouLs 


Calcutta 


Dezember 


0,1 


0,5 


0,6 


0,4 


0,6 


0,6 


1,1 


0,8 


Januar 


0,2 


0,9 


0,6 


0,4 


0,6 


0,5 


1,2 


0,9 


Februar 


0,3 


1,1 


0,8 


0,4 


0,7 


0,5 


1,2 


0,7 


März 


0,4 


0,7 


1,2 


0>2 


0,7 


0,4 


1,3 


0,3 


April 


0,5 


0,3 


1,2 


0,2 


0,8 


0,4 


1,2 


0,3 


Mai 


0,6 


0,5 


1,1 


0,2 


0,7 


0,4 


1,1 


0,2 


Juni 


0,6 


0,5 


1,0 


0,1 


0,7 


0,6 


0,8 


0,1 


Juli 


0,5 


0,6 


0,9 


0,2 


0,9 


0,5 


0,7 


-0,1 


August 


0,5 


0,8 


1,2 


0,6 


1,0 


0,2 


0.8 


0,0 



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1 

158 Agrar-Meteorologie: 





Wien 


Budapest 


Cilli 


Linz 


München 


Perpignan 


St. Louis 


Calcutt» 


September 


0,5 


0,9 


1,0 


0,8 


0,9 


0,2 


0,9 


0,2 


Oktober 


0,5 


0,9 


0,7 


0,5 


0,7 


0,2 


1,1 


0,8 


November 


0,1 


0,6 


0,5 


0,4 


0,8 


0,4 


1,2 


0,8 


Jahr 


0,4 


0,7 


0,9 


0,4 


0,8 


0,4 


1,1 


0,4 



Man kann aus dieser kleinen Tabelle folgende Sätze ableiten: 

1) Die mittlere Temperatur in der Stadt ist (mit seltenen Ausnahmen) 
das ganze Jahr hindurch höher als in deren Umgebung auf dem Lande. 

2) Der Betrag dieses Temperaturuberschusses ist sehr verschieden und schwankt 
etwa zwischen «/■ bis 1 °. Er scheint weit weniger von der Größe der Stadt ab- 
hängig zu sein, als von der nächsten Umgebung der Station innerhalb derselben. 
Ist die Aufstellung der Thermometer in einer Stadt sehr günstig, so kann er selbst 
in großen Städten im Jahresmittel bis unter 0,5° herabsinken. 

3) Die jährliche Periode dieses Temperaturunterschiedes ist nach den Oert- 
licbkeiten ganz und gar verschieden und hängt von der Art der Strahlnngsein- 
flüsse ab, denen die Thermometer ausgesetzt sind. Es kann im Innern einer 
Stadt entweder die Erwärmung und verminderte Wärmeausstrahlung des Winters 
überwiegen, oder die Wärmereflexe der Mauern, Straßen u. s. w. im Sommer. 
Daher fällt das Maximum hie und da auf den Winter, anderswo auf den Sommer. 
Der I-iokaleinfluß zu Calcutta gehört wohl zu jenen der zweiten Kategorie, weil 
dort der Winter die heitere Jahreszeit ist, der Sommer dagegen die Zeit der fast 
knnipleten Trübung und der Niederschläge. 

Noch eine dritte Kategorie der Lokaleinflüsse ist zu erkennen. Die Nähe 
der Thermometer an dicken Mauern auf deren Nordseite kann in vielen Fällen 
zur Folge haben, daß die mittlere Temperatur im Frühjahr auf dem Lande rascher 
zu steigen scheint als in der Stadt, im Herbst hält sich umgekehrt die Stadt- 
temperatur noch längere Zeit höher. Dies wird zur Folge haben eine Ver- 
minderung der Temperaturdifferenz zwischen Stadt und Land im Frühjahr und 
eine Steigerung derselben im Herbst. 

Im tägliche Gange der Temperatur dagegen ist die Art dieses Einflusses 
viel übereinstimmender. Fast ohne jede Ausnahme zeigt sich, daß in den kühleren 
Tagesstunden der Temperaturunterschied am größten ist, in den wärmsten Tages- 
stunden aber sein Minimum erreicht. In gleicher Weise zeigt sich dies auch bei 
den absoluten Extremen, die Minima sind in der Stadt weit höher, die Temperatur 
jenen des Landes gleich oder selbst etwas niedriger. Die täglichen Tempcratnr- 
8chwankungen, sowie auch die absoluten Schwankungen sind deshalb in der Stadt 
kleiner als in deren Umgebung auf dem Lande. 

Das Resultat dieser Untersuchung ist, daß, wo die Beobachtungsstation sich 
innerhalb einer Stadt befindet, man darauf gefaßt sein muß, daß die mittlere 
Temperatur um '/a bis 1° zu hoch gefunden wird. Dieser Umstand ist bei der 
Konstruktion der Isothermenkarten wohl zu berücksichtigen. Gute Stationen II. Ord- 
nung auf dem Lande sind also selbst Observatorien I. Ordnung innerhalb einer 
Stadt weit vorzuziehen, wo es sich um Beurtheilung der wahren absoluten Werthe 
der Temperatur handelt. E. W. 

J. Jamin. Ueber die nächtliche Strahlung. Comptes rendus. T. C. p. 
1273 und „Der Naturforscher" 1885. Nr. 32 S. 301. 



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Neue Litteratur. 



159 



Die bekannte Thatsache, daß regelmäßig in den Monaten April oder Mai 
die Temperatur in der Nacht ein Sinken zeigt, das bis auf — 5° oder — 7° 
gehen kann, wenn der Himmel klar ist und der Wind aus Norden kommt, wird 
von den Meteorologen auf die nächtliche Strahlung zurückgeführt. Warum aber 
letztere immer um dieselbe Zeit des Jahres eine so große Intensität erreicht, 
suchte Verf. durch den Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre zu erklären, dessen 
Größe er aus den Beobachtungen der Luftschiffer, besonders aus denen von 
Glaisher ableitet. 

Nach der von ihm jüngst gegebenen Formel zur Berechnung der Luft- 
feuchtigkeit ließ Verf. durch Angot die G/msfier'schen Beobachtungen für die 
Luftfahrten am 18. April, 16. Juni, 18. August und 8. September berechnen, und 
zwar für die einzelnen Schichten der um je 500 m steigenden Höhen von 0 m 
bis 7500 m. Aus den in einer Tabelle zusammengestellten Zahlen ersieht man, 
daß an der Oberfläche der Erde der Feuchtigkeitsgehalt in den verschiedenen 
Monaten wenig variirte, aber kleiner wurde, je mehr man sich in der Atmosphäre 
erhebt. Diese Abnahme der Feuchtigkeit ist eine sehr langsame für den 18. August 
und um so schneller, je mehr man sich von diesem Datum entfernt. Am 18. April 
war kein Wasserdampf mehr vorhanden in 3500 m, während in allen übrigen 
Monaten noch beträchtliche Mengen in 7500 m vorkommen. 

Im Monat April also, grade in der Epoche der Frühjahrsfröste, ist die Menge 
von Dämpfen in der Luft am kleinsten ; da nun der Dampf für die Wärme undurch- 
gängig ist, muß in dieser Epoche des Jahres die nächtliche Strahlung am größten 
sein; im Monat August hingegen muß die meiste Feuchtigkeit in den Höhen vor- 
handen sein, da müssen die Regen am reichsten, die Nächte am wärmsten sein. 

-ß. von Helmholtz. üeber Nebelbildnng. Naturwissenschaftliche Rund- 
schau. 1. Jahrgang 1886. Nr. 9. S. 69. 

Der wesentliche Unterschied zwischen Gasen und Dämpfen besteht darin, daß 
erstere in beliebigem Grade komprimirt werden können, ohne ihren Aggregatzu- 
stand zu ändern, die Dämpfe dagegen über eine gewisse Maximalspannung hinaus 
keine weitere Drucksteigerung zulassen, sondern sich in tropfbar flüssiger Form 
niederschlagen. Dieser sogen. Sättigungsdruck hängt von der Temperatur ab — 
steigt mit derselben — ist abeiv meist davon unabhängig, ob noch Gase in dem- 
selben Raum zugegen sind und ihrerseits Druck ausüben oder nicht. So kann 
man einem Quantum atmosphärischer Luft Wasserdampf von so hoher Spannung 
beimengen, wie sie gesättigter Dampf im Vakuum bei derselben Temperatur zeigen 
würde. Wird aber entweder der Druck des Dampfes noch weiter gesteigert oder 
die Temperatur des Gemenges herabgesetzt, so scheidet sich Wasser ans und zwar 
meist in Form von Nebeln. 

Die in der Natur am häufigsten vorkommende Veranlassung der Nebelbildung 
ist aber die sogen, adiabatische Ausdehnung der feuchten Luft, d. h. eine Ausdehnung, 
welche allein auf Kosten des inneren Wärmevorrathes des Gases geschieht. Hierbei 
wird der Wasserdampf einerseits abgekühlt, andererseits nimmt aber auch sein 
Druck ab. Dies sind zwei in Bezug auf die Nebelbildung sich entgegenwirkende 
Ursachen. Jedoch ist es beim Wasserdampf stets möglich, die Depression (so sei 
eine adiabatische Druckabnahme genannt) so weit zu treiben, daß der Einfluß der 
Abkühlung überwiegt und der Dampfsich trotz des verminderten Druckes niederschlügt. 



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Agrar- Meteorologie: 



Die häufigste Form der Wassernebel, die Wolken, entstehen wohl meistens 
auf die geschilderte Art, indem feuchte Luft vom £rdhoden in die Höhe steigt 
und dabei eine der barometrischen Höhendifferenz entsprechende adiabatische Druck- 
abnahme erleidet. 

Die Größe derjenigen Depression, welche man anwenden muß, um aus feuchter 
Luft grade die erste Spur von Nebel niederzuschlagen, hängt ab von dem Sätti- 
gungsgrade oder der „relativen Feuchtigkeit" dieser Luft. 

Vollkommen gesättigte Luft, d. h. Luft, die so viel Wasserdampf enthält, als 
bei der betreffenden Temperatur überhaupt möglich ist, müßte eigentlich bei der 
kleinsten, ja bei einer unendlich kleinen Depression schon Nebel ausscheiden. In 
der That ist es wohl auch nicht zweifelhaft, daß die relativ kleinen Depressionen 
von wenigen Millimetern, die in den Witterungsprognosen eine so große Rolle 
spielen, häutig die alleinige Veranlassung der starken Nebel sind, wie sie in der 
Nähe der See oder an sonstigen feuchten Orten auftreten. Andererseits haben dem 
Verf. aber genauere Untersuchungen gezeigt, daß selbst ganz gesättigte Luft doch 
immer eine endliche, wenn auch kleine Depression braucht, um Niederschläge 
entstehen zu lassen. Dieselbe beträgt bei 20° etwa 10 mm Wasserdruck oder 
0,73 mm Quecksilber: d. h. um so viel muß der Barometerdruck adiabatiscb ab- 
nehmen, damit aus gesättigter Luft Nebel entstehe. Der Dampf wird durch diese 
Depressionen um >/im seines Druckes übersättigt. Es mag dies sehr wenig scheinen, 
ist aber zu viel, um nur Beobachtungsfehlern zugeschrieben weiden zu können. 
Auf die experimentelle Begründung nicht näher eingehend, versucht Verf., einige 
theoretische Ueberlegungen anzuführen, die geeignet scheinen, sowohl dieses Resultat 
wie einige anderweitige Thatsachen von Interesse zu erklären. 

Nach den Anschauungen der Gastheoric ist der Druck der Gase und Dämpfe 
dem Stoße der gegen die Wände Wiegenden Moleküle zuzuschreiben. Er ist also 
proportional der Anzahl der in der Zeiteinheit die Oberflächeneinheit treffenden 
Theilchen. Der Druck eines gesättigten Dampfes ist nun dadurch definirt, daß in 
gleichen Zeiten gleich viel Theilchen aus der Flüssigkeit, aus der der Dampf sich 
entwickelt, ein- und austreten. Also ist der Sättigungsdruck auch proportional 
der Anzahl pro der Zeit- und Obcrfläeheneinheit die Flüssigkeit verlassenden Mole- 
küle. Diese Anzahl ihrerseits muß offenbar desto geringer sein, mit je stärkeren 
Kräften die Moleküle in der Flüssigkeitsoberfläche zurückgehalten werden. Werden 
diese Kräfte vermehrt, so treten weniger Theilchen in den dampfförmigen Zustand 
ein, d. h. der Sättigungsdruck nimmt ab. Ueber Salzlösungen ist also z. B. die 
Spannung kleiner als über reinem Wasser, weil bei jenen noch chemische Kräfte 
zu den gewöhnlichen Kohäsionskräften hinzukommen. 

Liefert uns so der Dampfdruck gleichsam ein umgekehrtes Maß für die in 
der Oberfläche wirkenden Kräfte, so muß er offenbar auch von der Form der 
Oberfläche abhängig sein, denn in stark gekrümmten Flächen, z. B. in einer Spitze 
ist jedes Theilchen von viel weniger anderen Theilchen umgeben und zurückgehalten, 
als in einer ebenen oder gar trockenen Fläche. Daher werden konvexe Flächen 
leichter verlassen werden können als konkave, und es ist dementsprechend bekannt, 
daß Eektricität vornehmlich aus Spitzen ausströmt. Analog muß auch der Sätti- 
gungsdruck über konvex gekrümmten Flächen größer sein, als der normale über 
ebenen, und dieser wiederum größer als der über konkaven. Es ergiebt sieb 



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Neue Litteratur. 



161 



daraus die interessante Folgerung, daß die Dampfspannung über Nebelkugeln größer 
ist, als die normale gesättigte, daß also der Dampf um einen gewissen Betrag 
übersattigt werden muß, um Nebel zu bilden. 

Es ergiebt sich aber ferner eine eigentümliche Schwierigkeit für den Be- 
ginn der Nebelbildung. Da nämlich die Nebelkügelchen scheinbar aus nichts 
heranwachsen, so müßten sie zuerst so winzig klein, also so ungeheuer stark ge- 
krümmt sein, wie wir uns etwa die Moleküle selbst denken, so daß also eine 
sehr große Uebersättigung des Dampfes nöthig wäre, um sie entstehen zu lassen. 
Diese sehr große Uebersättigung ist aber im Allgemeinen beim Beginn der Nebel- 
bildung nicht vorhanden. Wie ist dies zu erklären? 

Die Antwort auf diese Frage gaben unbewußt schon die interessanten Unter- 
suchungen von Coulier nnd Aitken. Dieselben haben nämlich konstatirt daß 
die Nebelkugeln keineswegs aus nichts aufgebaut werden, sondern im Gegcntheil 
immer fester und flüssiger Ansatzkerne bedürfen. Dieselben werden ihnen geliefert 
durch den in der Atmosphäre stets vorhandenen Staub. Beweisen kann man diese 
Thatsache sehr leicht auf folgende Weise: Zuerst reinigt, filtrirt man die Luft, 
indem man sie durch einen dicken Pfropfen von reiner Watte hindurchsaugt oder 
sie in einem geschlossenen Gefäße solange stehen läßt, bis sämmtlicher Staub ge- 
fallen ist. Mengt man dann solche gereinigte Luft mit ebenfalls filtrirtem Wasser- 
dampfe, so findet man, daß ein solches Gemenge absolut unfähig ist, Nebel zu bilden. 

Verf. hat in gesättigter, filtrirter Luft Depressionen bis zu »/i Atmosphäre 
angewandt, wodurch zehnfache Uebersättigung des Dampfes eintreten müßte, ohne 
daß sich eine Spur von Nebel zeigte. Es fehlen die Flächen, auf denen das erste 
flüssige Wasser sich niederschlagen kann, daher entsteht überhaupt kein Nieder- 
schlag. Ist freilich erst irgendwo ein Nebelkügelchen gebildet, so wächst dasselbe 
schnell und plötzlich zur Größe eines Regentropfens an. Analoge Erscheinungen 
sind übrigens schon bei anderen Aggregatänderungen bekannt, z. B. kann das 
Kochen des W T a8sers verzögert werden, daß man sorgfältig Gefäßwände und Wasser 
von jedem fremden Gastheilchen befreit. Auch war eine mögliche Uebersättigung 
des Dampfes theoretisch schon vermuthet worden, ehe sie Aitken auf die ange- 
gebene Art experimentell bewies. 

Umgekehrt zeigt nun die Existenz von Wolken, daß überall in der Atmo- 
sphäre Staub schweben muß, wodurch Tyndaü's Vermuthung, daß die Himmelsbläue 
durch Diffraktion des Lichtes an solchen kleinen, festen Theilchen herrühre, viel 
an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Freilich wissen wir noch wenig über die Natur 
des Staubes, der jedenfalls sehr fein sein muß. Coulier und Aitken erzeugten 
solchen nebelbildenden Staub auf mancherlei merkwürdige Weise. Z. B. bewiesen 
sie, daß ein glühender Platindraht, ja sogar glühendes Glas die Luft „aktiv** 
d. h. nebelbildend macht, was ein Verdampfen resp. Abschleudern von Platin- 
und Glastheilchen beweisen würde. Sehr wirksame Stauberzeuger sind ferner 
brennender Schwefel, Tabaks- und anderer Rauch, ferner Salze, die in der Luft 
fein vertheilt sind, wie z. B. Salmiaknebel. 

Nebel, der sich über den zuletzt genannten Staubarten bildet, unterscheidet 
sich in einer Eigenschaft von dem gewöhnlichen. Er erhält sich nämlich auch 



») Diese Zeltschrift. Bd. V. 1882. 8. 142. 
E. Wollny, Forschungen. IX. 



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162 



Agrar-Meteorologie : 



dann, wenn die Luft nicht mehr vollständig gesättigt ist. Der Grund seines Be- 
stehens ist leicht einzusehen, wenn man bedenkt, daß in diesen Fällen noch chemische 
Kräfte zwischen dem niedergeschlagenen Wasser und den Kernen, den Salzen, 
wirken und ein Wiederverdampfen verhindern. Dämpfe von verschiedenen Säuren 
z. B. schwefliger und Schwefelsäure erzeugen auch permanente Nebel. Die Hart 
näckigkeit und Dichte der Nebel in großen Städten mit vielen rauch- und säure- 
erzeugenden Feuerstätten wird hierdurch verständlich. Man sieht, wie die Beob- 
achtung der Nebelbildung unter Umständen auch für jlas praktische Leben von 
Interesse sein kann. 

J. Althen, üeber den Thau. „Nature" Vol. XXXIII. p. 256 und „Natur- 
wissenschaftliche Rundschau" 1. Jahrgang 1886. Nr. 15. S. 121. 

Verf. hat in vorliegender Abhandlung den Thau einer Reihe von Versuchen 
unterworfen, welche geeignet scheinen, die gewöhnliche Anschauungsweise über 
die Entstehungsart dieser Erscheinung in einigen Punkten zu modiikiren. 

Die älteste Theorie des Thaues spricht sich in den noch oft zu hörenden 
Worten aus : „es ist Thau gefallen", gleichsam als wäre der Thau ein feiner Regen 
der vom Himmel herabkäme. Dem gerade entgegengesetzt war die Ansicht, der 
Thau entstamme der Erde, was durch Versuche von Gersten (1733) in beachtens- 
werther Weise bestätigt zu werden schien. Doch geriethen dieselben zu Gunsten 
einer neuen Theorie wieder in unverdiente Vergessenheit. Weih arbeitete nämlich 
im Anfange dieses Jahrhunderts über die Verschiedenheit der Körper in Bezug 
auf Wärmeausstrahlung. Wie es oft geschieht, glaubte er durch ein Princip das 
ganze Problem lösen zu können, indem er lehrte, die bethauten Körper unter- 
schieden sich von den nicht bethauten dadurch, daß sie in Folge eines größeren 
Ausstrahlungsvermögens sich weiter und zwar bis unter den Thaupunkt der Atmo- 
sphäre abkühlten. Wenn auch diese Erklärung den Kern der Sache trifft, so sind 
doch schon vor dem Verf. in manchen Beziehungen Zweifel an derselben erhoben worden, 
insbesondere von einigen italienischen Physikern, z. B. Fusinieri (1831), Mellom 
und Cantoni 1 ). Daß freilich der Thau Wasserdampf ist, welcher sich auf solchen 
Gegenständen niedergeschlagen hat, die durch nächtliche Ausstrahlung abgekühlt 
sind, daran zweifelt wohl niemand mehr. Es fragt sich aber, woher dieser 
Wasserdampf stamme, ob er mit dem in der Atmosphäre vorhandenen identisch 
sei oder ob eine Mitwirkung der Bodenfeuchtigkeit notwendig" dazu gehöre, wie 
man es früher mit Gersten angenommen hatte. 

Aitken beweist nun durch mehrere ganz verschiedenartige Experimente, daß 
in der That in den meisten Fällen die letztere Anschauung die richtigere ist. 
Er legt flache Schalen über das Gras, mit der Höhlung nach unten; dieselben sind 
immer auf der inneren Seite stärker benetzt, wie auf der äußeren; auch die Gras- 
halme zeigen unter den Schalen trotz der geringeren Strahlung mehr Thau als 
die freistehenden. Er schneidet ein Stück Boden heraus wiegt es genau und setzt 
es wieder in einer Pfanne an seine Stelle; es ist am anderen Morgen stets leichter ge- 
worden, trotz des Thaues, der nun darauf liegt. Er befestigt kleine, blanke Metall- 
flächen dicht auf der Oberfläche des Bodens und andere einige Zoll darüber; die 
ersteren bleiben trocken, die oberen bedecken sicli mit Thau; die Oberfläche der 



') Vcrgl. auch die Versuche von Stockbridgt. Diese Zeitschrift 1880. Bd. III. 8. UO. 



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Neue Litterat ur. 



1G3 



Erde hat sich also nicht unter den Thaupunkt der Luft abgekühlt. Dement- 
sprechend zeigt ihm ein Minimumthermometer dicht auf dem Boden im Grase oft 
mehrere Grade (bis zu 10° C.) mehr als das in der Höhe der Halme angebrachte. 
Daneben wird geprüft, warum nackte Erde, Kieswege, Pflaster so viel seltener 
und schwächer bethaut sind als Gras. Es findet sich , daß dies nur scheinbar 
ist, daß man Thau nur nicht an der richtigen Stelle gesucht hat. Die untere 
Seite der Schollen und Steine wird, sobald „es thaut", stets naß sein, die obere 
meist trocken bleiben, wie man sich durch Umwenden der Steine oder durch eine 
über Nacht auf den Boden gelegte Schiefertafel leicht überzeugen kann: auch 
diese wird sich nur auf der unteren Seite benetzen. 

Alle diese Prüfungsversuche lassen sich leicht verstehen und übersehen, wenn 
man sich die Wärmevertheilung überlegt, wie sie in jeder klaren Nacht in Folge 
von Strahlung eintreten muß. 

Sobald die Sonne untergegangen, hört die Aufnahme von Wärme auf, die 
Erdoberfläche strahlt nur noch aus und kühlt sich demgemäß rasch ab. Die 
Strahlung der Luft dagegen ist ganz verschwindend: wenn ihre Temperatur doch 
sinkt, so geschieht es nur durch Ableitung an den erkaltenden Boden, mit dem sie in 
Berührung steht. Dementsprechend wird man die Luft wärmer finden, je höher 
man sich von der Oberfläche erhebt ; dieser Zustand ist ein statisches Gleichge- 
wicht, kann sich daher bei Windstille im Laufe der Nacht immer intensiver ausprägen. 
Ebenso aber wird man steigende Temperatur antreffen, je tiefer man in den Boden 
eindringt, weil der Boden noch die Wärme des Tages zurückhält. Es findet 
daher ein Temperaturminimum in der strahlenden Oberfläche statt. 

Was folgt daraus für den aus dem feuchten Boden aufsteigenden Wasser- 
dampf? Unterhalb der strahlenden Fläche wird jede Schicht, weil sie kälter ist 
als die unmittelbar darunter liegende, einen Theil des von dieser aufsteigenden 
Dampfes kondensiren, und zwar werden feste Körper, z. B. Steine, dies hauptsäch- 
lich an ihrer Unterfläche thun. In und über der strahlendeu Fläche findet da- 
gegen keine Kondensation mehr statt, weil von hier ab steigende Temperaturen 
eintreten und die Luft immer mehr und mehr Dampf aufnehmen kann. 

Aus diesen Ueberlegungen ließe sich der Erfolg sämmtlicher Versuche Aitken'a 
voraussagen, man muß nur die „strahlende Fläche" in jedem Fall richtig definiren. 
Einmal sind es die Spitzen der Grashalme, andere Male die Oberseiten seiner 
Schalen, Tafeln und Steine. 

Nothwendig zur Thaubildung ist hiernach also Strahlung, d. h. freier Himmel 
(sonst liegt die strahlende Fläche in den Wolken). Nicht nothwendig aber ist, 
daß die bethauten Gegenstände bis zum Thaupunkt der Luft abgekühlt werden, 
sofern nur der Boden feucht ist, was wohl fast immer der Fall ist. 

Es folgt also aus den "Versuchen des Verf. das zuerst paradox klingende 
Resultat, daß auch in thaureichen Nächten die Atmosphäre meistens mehr Wasser- 
dampf vom Boden aufnimmt, als sie an ihn abgiebt. Zweifellos ist freilich und 
wird auch vom Verf. nicht geleugnet, daß in manchen Fällen Ausnahmen ein- 
treten-, z. B. wenn zugleich Nebel entstehen, seien es auch nur Bodennebel, wie 
man sie über feuchten Wiesen häufig findet, so ist dies ein sicheres Zeichen, daß 
die ganze Luft, soweit der Nebel reicht, unter ihren Thaupunkt gekühlt wurde, 
was wiederum nur dadurch geschehen kann, daß die Temperatur der Erdober- 

u* 



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164 Agrar-Meteorologie: Neue Litteratur. 

fläche mindestens ebensoweit herabgegangen ist. Ferner beobachtet man im 
Winter oft bei plötzlich eintretendem Thauwetter Reifbildung auf Mauern und 
anderen guten Wärmeleitern, während der normale Thau und Reif, wie gezeigt 
wurde, zumeist auf schlechten Leitern sich bildet. In diesem Falle sind die 
betreffenden Körper vom vorausgegangenen Froste in ihrer ganzen Masse stark 
gekühlt und leiten nun schnell genug Kälte aus ihrem Inneren an die Oberfläche, 
um den Niederschlag beständig zu erhalten. 

Am Schlüsse seines Aufsatzes macht Verf. noch interessante Angaben über 
eine Art falschen Thaues. Er bemerkt, das verschiedene Blattarten verschieden 
stark bethaut werden und findet, was übrigens schon länger bekannt war, dab 
viele Pflanzen Feuchtigkeit in Form von Tropfen auszuscheiden im Stande sind, 
auch wenn sie sich in trockener Luft befinden. Diese Tropfen sind vom eigent* 
liehen Thau leicht an ihrer Größe und regelmäßigen Anordnung, je nach der 
Struktur der Blattes zu unterscheiden. 

BilMer. Der Einfluß des Waldes auf den Stand der Gewässer. 
Schweizerische Bauzeitung. Bd. VII. 1886. Nr. 17. 

C. Ferrari. I Fenomeni periodiei della vegetazione. Nuova Anto- 
logia. Vol. IL Tasc. VIII. Roma 1886. 

G. Hellmann, lieber die tägliche Periode der Gewitter in Mittel- 
europa und einige damit in Zusammenhang stehende Erseheinungen. Meteor. 
Zeitschrift. Bd. II. 1885. S. 433. 

L. Weber. Intensitätsmessnngen des diffusen Tageslichtes. Ibid. S. 
168, 219 u. 4M. 

W. Köppen. Die Untersuchungen von «J. ran Bebher Ober typische 
Wltterungserscheinungen. Ibid. Bd. III. 1886. S. 158. 

M. Moller. Ueber die transversale Bewegung des Wassers in Flüssen. 

Ibid. S. 173. 

G. Hellmann. Bericht Uber das Regenmesser- Versuchsfeld in Berlin. 

Ibid. S. 181. 



Recenalon. 

G. Wilhelm. Atmosphäre, Klima, Boden. Landwirthschaftslchre. 1. Thcil. Berlin 1886. 
Paul Parey. 

In dem Im Auftrage des österreichischen Ackerbau-Ministeriums herausgegebeneu 
Werke, betitelt: „Landwirthachaftslehrc" werden in dem zunächst erschienenen ersten Theil die 
natürlichen Grundlagen der Landwirthschaft: Atmosphäre, Klima, Boden bebandelt. Es muß 
dem Verf. als ein besonderes Verdienst angerechnet werden, daß derselbe die Meteorologie 
und Klimalchre in sehr eingehender Weise berücksichtigt und auf die mannigfachen Be- 
ziehungen der Vorgänge in der Atmosphäre zu dem Wachsthum der Kulturpflanzen hinge- 
wiesen hat, denn diese für den Landwirth unstreitig sehr wichtigen Wissensgebiete wurden 
bisher, bei den zur Zeit bestehenden buchst einseitigen Anschauungen über die naturwissen- 
schaftlichen Grundlagen der Pflanzenproduktion, mehr oder weniger vernachlässigt. Die 
Darstellung des Gegenstandes ist, obwohl streng wissenschaftlich gehalten, doch eine solche, 
daß sich der gebildete Landwirth bei aufmerksamem 8tudium das richtige Verständniß für 
die behandelten Naturerscheinungen und dadurch eine nutzbringende Erweiterung seiner 
Kenntnisse versebaffen kann. Die überdies sehr fleißige Arbeit des Verf. verdient in jeder 
Beziehung die weiteste Verbreitung in den interessirten Kreisen. E W. 



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I. Physik des Bodens. 



Mittheilungen aus dem agrikulturphysiJcalischen Laboratorium und Versuchs- 
felde der technischen Hochschule in München. 

XXXVI. Untersuchungen über den Einfluß der physi- 
kalischen Eigenschaften des Bodens auf dessen Gehalt 

an freier Kohlensäure. 

(Zweite Mittheilung.) 
Von Professor Dr. E. Wollny in München. 



Behufs Vervollständigung resp. Richtigstellung der früheren Versuche 1 ) 
über den Einfluß der physikalischen Beschaffenheit des Bodens auf dessen 
Gehalt an freier Kohlensäure wurde von dem Referenten neuerdings eine 
Reihe von Beobachtungen angestellt, deren Ergebnisse, im Vorein mit den 
bereits veröffentlichten, zur Klärung vielfach noch auseinander gehender 
Anschauungen beitragen dürften. Die Versuche erstreckten sich vornehm- 
lich auf die Frage des Einflusses der Neigung des Terrains gegen den 
Horizont und gegen die Himmelsrichtung, ferner der Farbe der Ober- 
fläche und des mechanischen Zustandes des Bodens, sowie verschiedener 
Schichtung und verschiedener Bodenarten auf den Kohlensäuregehalt der 
Grundluft. Es wurde ferner die Menge freier Kohlensäure in verschiedenen 
Tiefen des Erdreiches sowie der bezügliche Einfluß der Bedeckung des 
Bodens festzustellen versucht. 



») Diese Zeitschrift Bd. IV. 1881. S. 1 und Bd. III. S. 1. - Ferner Bd. V. 
1882. S. 299. 

E. Wollny, Forschungen. IX. 18 



166 Physik des Bodens: 

I. Der Ko/Uensäurege/utU der Bodenluft bei verschiedener physi- 
kalischer Beschaffenheit des Erdreichs, 

A. Der Einfluß der Neigung des Terrains gegen den Horizont 
und gegen die Himmelsrichtung auf den Kohlensäuregehalt 

der Bodenluft. 

In der einen Versuchsreihe wurden im Querschnitt quadratische 
Holzkasten von 1 qm Grundfläche und 25 cm Tiefe in Abständen von 2 m 
in einer Reihe derart im Freien, mitten auf dem Versuchsfelde aufge- 
stellt, daß die Oberfläche des in die Kästen gebrachten Bodens genau gegen 
Süden exponirt war. Die Kästen erhielten dadurch eine schräge Stellung, 
daß unter dieselben ein aus zwei durch Verstrebungen mit einander ver- 
bundenen, winkelförmigen Brettern hergestelltes Gestell geschoben wurde. 
Um das Einsinken der Kästen, und damit jede Veränderung in der Stellung 
derselben zu verhüten, wurde die Stelle, auf welcher die Apparate auf- 
gestellt waren, mit einem aus Brettern zusammengefügten, horizontal 
liegenden Fußboden bedeckt. Der Boden der Kästen war mit je 36 
Löchern von 1 cm Durchmesser versehen, welche den Abfluß des von dem 
Erdreich nicht festgehaltenen Wassers ermöglichten. 

Die bei einem Neigungswinkel von 10, 20 und 30° aufgestellten 
Kästen wurden mit humosem Kalksandboden in feuchtem Zustande, durch 
Einstampfen jeder ca. 3 cm hohen Schicht gefüllt. In der Mitte des Bodens 
wurde hierauf eine eiserne, unten offene und mit Löchern versehene Röhre 
bis zu einer Tiefe von 20 cm eingesenkt und durch deren oberes, über 
dem Boden befindliche und mit einem Gummischlauch versehene Ende die 
Bodeulnft aspirirt. 

In einer zweiten Versuchsreihe wurden in derselben Weise Kästen 
nach den vier Haupthimraelsrichtungen und bei einer Neigung von 15° 
und 30 0 gegen den Horizont aufgestellt und die entstandenen Zwischen- 
räume zwischen denselben oben und seitwärts mit Brettflächen bedeckt, 
um sowohl die seitliche Erwärmung als auch diejenige von der hinteren 
Fläche der Kästen hintanzuhalten. Bei einer derartigen Vorrichtung 
konnten demnach die Sonnenstrahlen ihre Wirkung auf die verschieden 
exponirten Bodenflächen nur direkt ausüben. Hinsichtlich der Größenver- 
hältnisse' der Kästen, der Füllung derselben, sowie der Anbringung der 
Aspirationsröhre war dieselbe Anordnung wie in der vorigen Versuchs- 
reihe getroffen worden. 



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Einfluß d. pbysik. Eigcnscli. d. Bodens auf de9seu Gehalt an freier Kohlensäure. 167 



Die Bestimmung der Kphlensäure erfolgte nach der v. Pettenhofen sehen 
Methode 1 ), in diesen wie in allen übrigen Versuchen. Die ermittelte 
Kohlensäuremenge wurde überall auf 1000 vol. Luft für eine Temperatur 
von 0° und einen Luftdruck von 760 mm berechnet. 
1. Der Kohlensäuregehalt der Bodenluft bei verschiedener 
Neigung des Terrains gegen den Horizont. 



Versuch I. (1880.) Versuch II. (1881.) 

(Boden brach.) 



ryn # 




EifclNiivigtblt dtr Bodwlaft 




kohlcuäurrgeblt d« Bodcnluft 


L " Datum 




Neigung des Terrains 


Datum 


Neigung des Terrains 






10° 


20° 


80° 




10° 


20° 


30° 


22. April 
4. Mai 

14. » 

25. • 
3. Juni 

14. , 

26. > 
6. Juli 

17. » 
29. » 
U. August 
30. 

14. September 

28. » 


2,456 
1,657 
3,472 
2,851 
2,842 
3,908 
4,461 
8,716 
5,054 
3,368 
1,232 
4,461 
1,752 
1,315 


3,265 
1,996 
3,746 
3,853 
4,582 
4,584 
6,524 
9,094 
7,686 
4,894 
3,254 
3,431 
3,105 
2,855 


1,407 
0,966 
2,500 
2,012 
2,378 
2,234 
2,869 
5,104 
4,266 
2,448 
1,620 
2,471 
1,418 
1,813 


14. April 
1. Mai 

16. » 
1. Juni 

15. * 
1. Juli 

15. » 

1. August 

16. » 

1. September 
15. 

1. Oktober 


1,904 
1,446 
2,761 
3,506 
2,320 
3,124 
3,518 
3,121 
1,428 
2,982 
2,006 
2,389 


2,629 
1,957 
4,113 
5,439 
3,939 
4,478 
4,805 
4,386 
1,772 
4,477 
2,599 
2,658 


2,422 
1,088 
1,884 
3,357 
1,961 
2,698 
3,743 
3,059 
1,396 
3,419 
1,754 
1,977 


Mittel: 


5,396 


4,491 


2,893 


Mittel: 


2,542 


8,604 


2,396 



Versuch III. (1882.) 

(Boden brach.) 



Datum 


Kohlensäuregehalt der Bodenluft 


Neigung des Terrains 




10° 


20° 


30° 


3. April 


0,457 


0,355 


0,383 


14. » 


0,849 


1,076 


0,962 


1. Mai 


1,383 


1,565 


1,458 


15. » 


1,012 


1,114 


1,015 


25. » 


1,014 


1,453 


0,580 


12. Juni 


2,144 


1,902 


1,506 


26. » 


2,927 


3,225 


2,197 


11. Juli 


2,694 


2,497 


1,793 


25. » 


2,761 


2,327 


2,185 


9. August 


3,154 


3,284 


2,424 


29. » 


2,310 


1,971 


1,781 


12. September 


3,686 


O UTK 


2,706 


23. » 


1,439 


1,494 


1,435 


Mittel: 

l ) Diese Zeitschrift Bd. III. S. 5. 


| 1,987 


2,010 


1,571 

12* 



168 



Physik des Bodens: 



In Rücksiebt auf die verhältnißmäßig schwache Kohlensäureentwicke- 
lung des Bodens in vorstehenden Versuchen sah sich Referent veranlaßt, 
den Boden in einem vierten Versuch mit leicht zersetzbaren organischen 
Substanzen zu versehen. Es wurden zu diesem Zweck Pferdeexkremente 
getrocknet und gepulvert und im Frühjahr in einer Menge von 600 gr 
pro Kasten durch Vermischen der Erde bei dem Einfüllen zugeführt. 
Außerdem wurden in diesem Versuch drei weitere Kästen, ebenfalls mit 
gedüngter Erde gefüllt, aufgestellt und mit Gras besäet. 

Versuch IV. (1888.) 



Kohlensäuregehalt der Bodenluft 



Datum 


Gras 


Brach 


Neigung des Terrains 


Neigung des Terrains 




10° 


20° 


30° 


10° 


20° 


30° 


2. April 
15. » 

7. Mai 
21. » 

4. Juni 
21. » 

3. Juli 
20. » 

4. August 
27. » 

12. September 


2,319 
2,707 
8,139 
1,252 
5,671 
8,912 
1,518 
5,235 
4,773 
1,477 
0,971 


2,485 
2,872 
8,897 
1,339 
5,133 
10,000 
1,941 
4,382 
5,110 
1,654 
1,091 


2,118 
2,819 
7,587 
0,946 
4,030 
8,871 
1,756 
3,431 
3,816 
1,123 
0,686 


2,293 
3,043 
8,549 
1,538 
5,747 
10,848 
4,039 
7,709 
2,411 
3,532 
1,484 


2,566 
3,264 
8,623 
1,605 
6,046 
10,881 
4,573 
5,929 
2,748 
4,016 
1,889 


2,566 
2,327 
8,158 
1,535 
6,335 
10,529 
4,039 
4,050 
2,186 
2,991 
1,368 


Mittel: | 


3,907 


4,078 


8,880 


4,654 


4,740 


4,190 



Die mitgetheilten Versuche lassen deutlich erkennen, daß der Kohlen- 
säuregehalt der Boden luft bei einer bestimmten Neigung des Ter- 
rains (20°) am größten ist, während er bei flacherer (10 °) oder 
steilerer Lage (30°) abnimmt. 

Die Ursachen dieser Erscheinung sind in den durch den verschiedenen 
Neigungsgrad der Flächen raodificirten Temperatur- und Feuchtigkeits- 
verhältnissen des Bodens zu suchen. Bei einer anderen Gelegenheit hatte 
Ref. den Nachweis geführt 1 ), daß unter den vorliegenden Verhältnissen 
der Boden innerhalb der gewählten Grenzen (0 — 30° Neigungswinkel) 
um so wärmer, andererseits aber um so trockener, je stärker das Terrain 



>) Diese Zeitschrift Bd. IX. 1886. S. 1-70. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 169 

gegen den Horizont geneigt ist. Würde die Zersetzung der organischen 
Stoffe, welche die Kohlensäure liefert, nur von der Bodenwärme beherrscht 
sein, dann müßte der Gehalt der Bodenluft an freier Kohlensäure in dem 
Maße zunehmen, als die Hänge steiler sind. Da aber, wie früher gezeigt 1 ), 
der Wassergehalt des Erdreichs gleichfalls für die Intensität des sogen, 
organischen Processes von Belang ist und zwar in der Weise, daß mit 
steigendem Wassergehalt bis zu einer bestimmten, in vorliegenden Fällen 
nicht überschrittenen Grenze die Kohlensäureproduktion zunimmt, so wird 
es erklärlich, weshalb die höhere Temperatur dem Boden der stark ge- 
neigten Hänge bezüglich der Kohlensäureentwickelung nicht zu Gute kommt; 
es mangelt hier die für die Zersetzung der humosen Bestandteile noth- 
wendige Feuchtigkeit. Bei flacher Lage ist zwar letztere in genügender 
Menge vorhanden, aber die Temperatur des Bodens ist eine vergleichsweise 
niedrige, so daß die Wirkung ersteren Faktors auf die Kohlensäurepro- 
duktion durch letzteren zum Theil wieder aufgehoben wird. Bei mittlerer 
Neigung des Terrains walten die für die Zersetzung der Humusstoffe 
günstigsten Bedingungen ob, — die Feuchtigkeit ist keine so hohe wie 
bei flacheren, aber auch keine so niedrige wie bei steileren Hängen, und 
die * Temperatur zwar nicht so hoch wie bei letzteren, aber auch nicht so 
niedrig wie bei ersteren — so daß unter solchen Verhältnissen sich die 
größten Kohlensäuremengen entwickeln können. 

Für die Richtigkeit vorstehender Erklärung der obigen Versuchser- 
gebnisse spricht übrigens ein früher mitgetheilter Versuch 2 ), in welchem 
verschiedene Feuchtigkeitsmengen dem Boden künstlich zugeführt wurden 
und letzterer in entgegengesetzter Richtung verschieden hohen Temperaturen 
ausgesetzt wurde. Die Kohlensäurebestimmungen lieferten folgendes Resultat : 

Bodentemperatur 
10 °C. 20 °C. 30 °C. *0°C. 50 °C. 
Wassergehalt des Bodens: 
Kohlensäure 46,8 °/o 36,8 °/o 26,8 °/o 16,8 °/o 6,8 °/° 
in der Bodenluft: 33,18 61,27 73,23 66,83 14,42. 

Die Wirkung zweier für die Oxydation des Kohlenstoffs wichtiger, in 
der Natur sehr häufig in entgegengesetzter Richtung wirkender Faktoren 



») Diese Zeitschrift Bd. IV. 1881. 8. 11, 
*) Ebenda S. 16. 



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"1 



170 



Physik des Bodens: 



(Wärme und Wasser) wird durch diese wie durch die obigen Versuchs- 
ergebnisse in anschaulichster Weise dargethan, denn es geht aus dem 
Mitgetheilten das für die Zersetzungsprocesse der organischen Stoffe wichtige 
Gesetz hervor, daß die Kohlensäureentwickelung im Boden cae- 
teris paribus von demjenigen Faktor beherrscht wird, welcher 
im Minimum vorhanden ist. Da dieses Gesetz auch für das Wachs- 
thum der höheren grünen Gewächse Giltigkeit hat, welche sich, wie hier 
im Voraus bemerkt sein mag, auf den verschieden stark geneigten Flächen 
im Allgemeinen bei mittlerer Neigung am besten entwickeln, so ergiebt 
sich weiters eine überraschende Uebereinstimmung zwischen den Erschei- 
nungen der auf dem Boden angebauten Gewäsche und dem Verlauf der 
in dem Boden vor sich gehenden Oxydationsvorgänge bei der Zer- 
setzung der organischen Stoffe. Es kann dies nicht Wunder nehmen, 
wenn man berücksichtigt, daß letztere Processe fast ausschließlich an den 
Lebensproceß niederer Organismen geknüpft sind 1 ). 

2. Der Kohlensäuregehalt der Bodenluft bei verschiedener 
Neigung des Terrains gegen die Himmelsrichtung. 

Versuch I. (1880.) Versuch II. (1881.) 

(Boden brach.) 

Neigung gegen den Horizont: 18°. 



Datum 



KoblensiuregckU d«r MnMt 



Exposition des Bodens 



S 



W I N 



22. April 
4. Mai 
14. i 

25. » 
3. Juni 

14. » 

26. » 
6. Juli 

17. > 
29. » 
11. August 
30. 

14. September 
27. 



0,902 1,145 0,799 
0,792 0,969 0,971 
1,932(1,489 1,891 
2,224 2,38* 1,918 
3,068 1,991 3,014 
2,033 1,754 1,919 
3,9934,093'4,041 
7,461 6,243:4,997 
5,548 3,288)3,1 13 
2,499 1 2,749 2,400 
1,305 2,165 1,309 



1,741 

1,665 
1,372 



2,0132,624 
0,862 1,901 
1,376:1,167 



1,589 
1,197 
1,770 
2,975 
1,299 
1,351 
3,098 
3,905 
3,674 
2,374 
1,018 
2,452 
1,939 
1,773 



Datum 



14. April 
1. Mai 

16. » 
1. Juni 

15. » 
1. Juli 

15. » 

1. August 

16. » 

1. September 
15. » 
1. Oktober 



Exposition des Bodens 



O W 



2,06311,802 
1,883-1,967 
1,861 2,127 



4,604 
3,699 



4,222 
3,732 



3,571 3,727 
3.669 3,413 
3,8843,670 



[2,639 
1,384 
2,253 
4,454 
3,394 
3,271 



2,450 
1,385 
2.665 
4,38h 
3,100 
4,005 



2,219 
4,318 
2,072 
1,889 



1,939 
3,826 
2,143 
1,874 



3,255 3,929 
3,803 3,821 



1,852 
3,443 
2,422 



2,381 
3,921 
2,488 



1,756 2,607 



Mittel: |2,609|2,323|2,290j2,172| Mittel: |2,978|2,870|2,827|3,U95 



•) E. Wollny. Ueber die Thätigkeit niederer Organismen im Boden. Braun- 
schweig 1885. Vieweg & Sohn. Ferner Deutsche landw. Presse 1883. Nr. 47. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 171 

Versuch III. (1882.) 

(Boden brach.) 



Neigung gegen den Horizont: 30°. 



Datum 


Kohlensäuregehalt der Bodenluft 


Exposition des Bodens 





S 


0 


W 


N 


q \ nr ;i 


0,946 


1,021 


0,666 


0,664 


14 » 


1,011 


1,096 


1.290 


0,820 


1. Mai 


1,397 


1,223 


1,338 


0,997 ' 


lO. » 


1,393 


1,116 


0,901 


1,258 


25. » 


1,617 


1,615 


1,367 


1,367 


12. Juni 


1,694 


1,623 


1,477 


1,584 


26. » 


3,817 


2,907 


3,135 


2,652 


11. Juli 


2,373 


2,056 


2,158 


2,869 


25. » 


2,456 


2,061 


2,924 


2,454 


9. August 


3,181 


2,644 


3,451 


2,561 


29. * 


2,108 


1,847 


1,893 


1,891 


14. September 


1,637 


1,582 


1,018 


1,146 


23. » 


1,644 


1,358 


1,573 


1,293 


Mittel: 


1,944 


1,70* 


1,784 


1,658 



In dem folgenden Versuch wurden die 2qm großen Flächen mit jo 
20 U frischem zerkleinerten und gut gemischten KuhdUnger gedüngt und 
vier weitere mit derselben Bodenart gefüllte und ebenso gedüngte Kästen 
aufgestellt. Letztere wurden mit Grassamen besäet. 

Versuch IV. (1883.) 



Neigung gegen den Horizont: 30°. 





Kohlensäuregehalt der Bodenluft 


Datum 


Gras 


Brach 


Exposition des Bodens 


Exposition des Bodens 




S 


O 


W 




_s_ 




W 


N 


12. April 
25. » 
8. Mai 

21. » 
4. Juni 

22. » 

2. Juli 
20. » 

3. August 
27. » 

11. Septemher 


2,179 
2,785 
5,885 
2,381 
8,631 
9,947 
6,047 
5,280 
8,310 
5,132 
4,398 


2,109 
2,649 
5,494 
2,379 
8,843 
8,948 
5,893 
5,555 
7,977 
5,616 
3,633 


2,316 
2,165 
6,426 
1,741 
9,372 
7,816 
5,793 
7,097 
7,439 
5,526 
5,071 


2,381 

2,513 

6,029 

1,940 | 

4,236 

6,478 

5,531 1 

6,756 

8,743 

5,780 

4,573 | 


I 3,236 
4,076 
i 9,704 
1 3,279 
9,077 
12,600 
9,283 
9,957 
10,962 
8,242 
6,702 


3,096 
4,622 
8,228 
3,344 
8,977 

14,752 
6,646 

11,407 
9,298 
6,661 
4,176 


:{.77»i 
3,670 
8,660 
3.131 
8,3H8 
7,860 
8,941 
9,699 
9,564 
5,251 
6,142 


3,372 
3,126 
6,916 
2,84 t 
6,111 

12,163 
6,942 

11,665 
5,396 
4,xxh 
5,588 


Mittel: 


5,543 


5,372 


5,524 


4,996 | 


7,920 


7,882 


6^26 


6,273 



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172 



Physik des Bodens: 



Diese Zahlen weisen verhältnißmäßig nur geringe Unterschiede auf, 
lassen jedoch abgesehen von den, in den Einzelbeobachtungen hervor- 
tretenden Unregelmäßigkeiten doch erkennen, daß die Bodenluft der 
Südhllnge im Durchschnitt am reichsten, diejenige der Nord- 
abdachungen am ärmsten an freier Kohlensäure ist, während 
der Kohlensäuregehalt der Bodenluft der Ost- und Westseiten 
in der Mitte steht. 

In Betracht der ziemlich bedeutenden Unterschiede, welche in dem 
Feuchtigkeitsgehalt und in der Erwärmung gegen die Himmelsrichtung 
verschieden geneigter Bodenflachen bestehen 1 ), muß es auffallen, daß in 
den mitgetheilten Versuchen die Differenzen in den Kohlensäuremengen 
der Bodenluft nicht prägnanter hervorgetreten sind. Dies mag zum 
Theil darauf beruhen, daß die Luftprobe nur aus geringen Tiefen des 
Bodens (20 cm), aus welchen die Luft leicht in die Atmosphäre 
diffundirt, entnommen wurde. Im Uebrigen ist aber die Ursache frag- 
licher Erscheinung in dem Umstände zu suchen, daß die beiden für die 
Zersetzung der organischen Stoffe maßgebendsten Faktoren (Wärme und 
Wasser) in den verschieden exponirten Böden sich zum Theil in ihrer 
Wirkung aufheben. Die Südhänge besitzen den wärmsten aber zugleich 
trockensten, die Nordseiten den kältesten aber feuchtesten Boden. In der 
Mehrzahl der Fälle wird die stärkere Erwärmung der Südseite zu einer er- 
giebigeren Kohlensäureentwiekelung nur wenig oder nichts beitragen können, 
weil die hierzu erforderliche Feuchtigkeit mangelt. In dem Boden der 
Nordseite andererseits wird der Zersetzung der humosen Bestandtheile zwar 
durch den höheren Wassergehalt Vorschub geleistet, allein der vollen 
Wirkung dieses Faktors steht die vorhältnißmäßig niedrige Temperatur des 
Erdreiches entgegen. Auf diese Weise wird es erklärlich, warum die Unter- 
schiede in dem Kohlensäuregehalt der Bodenluft relativ gering ausfielen. 

Geht man auf die Einzelbeobachtungen näher ein, dann zeigt sich, 
daß die Witterung auf das Vorwiegen eines der beiden in Rede stehenden 
Faktoren von entschiedenem Einfluß ist. Besonders charakteristisch in 
dieser Beziehung sind die Ergebnisse der Versuche im Jahre 1881. Die 
Witterung war, wie die diesbezüglichen Tabellen am Schlüsse dieser Ab- 
handlung zeigen, während der Vegetationszeit ziemlich trocken, weshalb 



») Vergl. diese Zeitschrift. Bd. I. 1878. S. 263 und Bd. VI. 1883. S. 377. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 173 



auf den Südseiten die Wirkung der Wärme auf die Kohlensäureproduktion 
in Folge mangelnder Feuchtigkeit mehr oder weniger aufgehoben wurde, 
derart, daß der Kohlensäuregehalt der Bodenluft unter denjenigen der 
feuchteren Nordseite herabging. Nur in einzelnen Fällen, nämlich wenn 
durch größere Niederschläge der Boden gut durchfeuchtet worden war, so z.B. 
am 1. u. 15. Juni, 1. September, machte sich die vergleichsweise stärkere 
Erwärmung der Südhange durch vermehrte Kohlensäureprodnktion bemerk- 
lich. Analoge Fälle lassen sich auch in den übrigen Versuchen wahr- 
nehmen, wenn man deren Ergebnisse mit den Witterungsbeobachtungen 
vergleicht. Es folgt daraus, daß das Maximum des Kohlensäure- 
gehaltes der Bodenluft verschieden exponirter Hänge in 
längeren oder kürzeren Perioden Verschiebungen erfährt: bei 
Trockenheit ist der Boden der Nordhänge vielfach reicher an 
freier Kohlensäure, als der der Südhänge, ist dagegen der 
Boden durch vorgehende Niederschläge gut durchfeuchtet, so 
findet das Umgekehrte statt. 

Wenn hier nur die Nord- und Südseiten der Hänge in Betracht ge- 
zogen wurden, so geschah dies, weil diese am meisten in der Erwärmung 
und in den Feuchtigkeitsverhältnissen von einander abweichen und daher 
auch die Wirkung der in Betracht kommenden Faktoren am besten er- 
kennen lassen. Es kann daher auch unterlassen werden, diese Betrach- 
tungen auf die Ost- und Westseiten auszudehnen, weil die hier bestehenden 
Verhältnisse sich nach dem Gesagten von selbst ergeben, wenn man dabei 
die Thatsacbe in Betracht zieht, daß diese Hänge in allen Beziehungen 
in der Mitte zwischen den vorerwähnten stehen. 

Obwohl durch die vorstehenden Darlegungen im Wesentlichen eine 
Erklärung für die mitgetheilten Ergebnisse gefunden sein dürfte, so lassen 
sich doch nicht alle Resultate auf die geschilderten Ursachen zurückfuhren. 
Die hervorgetretenen Unregelmäßigkeiten sind sehr wahrscheinlich den wechsel- 
vollen Wirkungen der Winde zuzuschreiben. Letztere veranlassen, wenn sie 
mehr^ horizontal über die Flächen streichen, ein stärkeres Hervortreten 
der Kohlensäure aus dem Boden 1 ), bei rechtwinkligem Anfall ein Ansteigen 
des Kohlensäuregehaltes der Bodenluft. Durch Einflüsse solcher Art können 



>) Diese Zeitschrift. Bd. V. 1882. S. 299. 



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174 



Physik des Bodens: 



wie begreiflich die Wirkungen von Warme und Feuchtigkeit leicht 
aufgehoben und dadurch mancherlei Abweichungen von den regelmäßigen 
Erscheinungen hervorgerufen werden. 

B. Der Einfluß der Farbe des Bodens auf den Kohlensäure- 
gehalt der Bodenluft. 

Bei einer anderen Gelegenheit 1 ) wurde von dem Referenten nachge- 
wiesen, daß die Erwärmung des Erdreiches bei dunkler Färbung der Ober- 
fläche durchschnittlich eine höhere sei, als bei heller. Es lag daher die 
Vermuthung nahe, daß die Farbe des Bodens auf die Kohlensäureent- 
wickelung in demselben von Einfluß sein und daß letztere durch dunkle 
Färbung der Oberfläche gefördert sein werde. Um dies nachzuweisen, 
wurde feuchter humoser Kalksandboden in zwei aus Zinkblech herge- 
stellte 0,5 m hohe Cylinder von 0,1 qm Querschnitt so gleichmäßig als 
nur irgend möglich gefüllt. Jedes Gefäß enthielt 1,20 Ctr. Erde. Jeder 
Cylinder war am Boden mit einer schräg nach außen laufenden, 30 cm 
langen Blechröhre versehen, welche durch einen Kautschukpfropfen ge- 
schlossen erhalten wurde und die den Zweck hatte, das bei größeren 
atmosphärischen Niederschlägen in der Tiefe sich ansammelnde Wasser 
gelegentlich ablassen zu können. 

Die beiden Cylinder wurden in einen aus sehr starken Brettern an- 
gefertigten, 0,5 m hohen, im Freien befindlichen Holzkasten gestellt. Die 
Entfernung der Blechgefäße von der inneren Wand des letzteren sowie 
von einander betrug 30 cm. Der gebildete Zwischenraum wurde bis zum 
Rand des Kastens resp. der Cylinder mit Erde gefüllt, um die seitliche 
Erwärmung des Versuchsbodens thunlichst hintanzuhalten. Die zur Ab- 
fuhr des überschüssigen Wassers bestimmte Röhre mündete, durch einen 
Schlitz geführt, außerhalb der Kasten wand. 

Nach dem Einfüllen wurde die BodenoberflKche in dem einen Cylinder 
mit grobem Steinkohlenpulver schwarz, in dem anderen mit Marmorpulver 
von gleicher Korngröße weiß gefärbt. Die durch eine, in der Mitte der 
Gefäße 25 cm tief eingesenkte eiserne Röhre aspirirte Luft zeigte folgenden 
Kohlensäuregehalt: 



•) Diese Zeitschrift. Bd. I. 1878. S. 43 u. Bd. IV. 1881. S. 327. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 175 







Schwarze 


Weiße 






Bodenoberfläche. 


10. Mai 


1884 


3,144 


3,367 


19. . 


• 


2,917 


3,259 


27. „ 


n 


1,052 


1,056 


18. Juni 


n 


1,379 


1,048 


30. „ 


n 


2,679 


3,528 


8. Juli 

• 


ii 


1,917 


4,468 




Mittel: 


2,181 


2,788. 



Demnach war der dunkel gefärbte Boden ärmer an Kohlen- 
säure als der von heller Farbe. 

Dieses Resultat steht im Widerspruch zu der gemachten Voraussetzung, 
läßt sich aber dadurch erklären, daß der Boden bei dunkler Färbung 
mehr Wasser verdunstet 1 ) und deshalb von der für die Zersetzung der 
organischen Stoffe nothwendigen Feuchtigkeit geringere Mengen enthält, 
als der hell gefärbte Boden. Dieses Letztere weisen deutlich folgende 
Zahlen nach: 

Wassergehalt des Bodens. 
P) II 3) 







Schwarze 


Weiße 


Schwarze 


Weiße 






Bodenoberfläche 


Bodenoberfläche. 

OJ- 0;. 


28. Mai 


1884 


14,86 


16,87 


14,51 


15,62 


28. Juni 


n 


17,09 


18,44 


18,76 


19,03 


4. Juli 


n 


13,28 


13,68 


14,26 


15,83 


10. , 


n 


16,31 


16,84 


14,52 


15,09 


16. „ 


n 


10,68 


11,47 


10,22 


13,61 


1. August 


n 


15,27 


19,07 


18,35 


18,35 


u. . 


rt 


14,32 


15,33 


11,39 


14,89 


23. . 


» 


17,52 


17,62 


15,93 


15,41 


2. September 


n 


19,16 


20,29 


18,86 


17,81 




Mittel: 


15,39 


16,62~~ 


15,20 


16,18^ 



Wenn man nun berücksichtigt, daß die Witterung 4 ) während der 
Dauer obiger Versuche im Durchschnitt sehr trocken war, so wird man 

i) Vergl. diese Zeitschrift. Bd. VII. 1884. S. 53-56. 
*) Mit Kartoffeln bestellt. 3 ) Mit Mais bestellt. 
•) Vergl. die Tabellen am Schluß. 



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176 



Physik des Bodens: 



"1 



die Ursachen der hervorgetretenen Erscheinungen, angesichts der durch 
vorstehende Zahlen nachgewiesenen stärkeren Austrocknung des dunkel 
gegenüber dem hell gefärbten Boden, in ungezwungener Weise auf die be- 
züglichen Differenzen im Wassergehalt der Böden zurückführen können. 
Daß bei feuchter Beschaffenheit des Erdreichs die vergleichsweise stärkere 
Erwärmung der Kohlensäureproduktion förderlich ist, zeigt der Versuch 
vom 18. Juni, der nach ergiebigen Regen angestellt wurde, mit voller 
Deutlichkeit. Ks wird hieraus geschlossen werden dürfen, daß der 
Kohlensäuregehalt der Bodenluft nur bei trockener Witterung 
in dem dunkel gefärbten Boden niedriger ist als in dem hellen, 
daß aber das Umgekehrte stattfindet, wenn durch ausreichende 
Niederschläge ein Ausgleich in der Bodenfeuchtigkeit des ver- 
schieden gefärbten Erdreiches eingetreten ist. 

C. Der Einfluß der Behäufeluug des Bodens auf den Kohlen- 
säuregehalt der Bodenluft. 

Auf einem Kartoffel- und einem Maisfelde wurden bis auf 20 cm 
Tiefe zwischen je zwei Pflanzen eiserne Röhren in den Boden versenkt und 
durch diese die Bodenluft zur Untersuchung entnommen. Die behäufelten 
Pflanzenreihen lagen dicht neben den nicht behäufelten. Die Kartoffeln 
waren in Abständen von 60 : 60, der Mais in solchen von 50 : 50 cm 
kultivirt worden. Die Kohlensäurebestiramungen lieferten folgendes Resultat : 



Kohlensäuregehalt der Bodenluft 



Datum 


Kartoffeln 


Mais 




Behäufelt 


Nicht 
behäufelt 


Behäufelt 


Nicht 
behäufelt 


8. Juli 1882 
15. » » 
10. August 1882 
30. » » 
12. September 1882 
25. » » 


3,441 
4,251 
3,477 
2,825 


5,640 
6,858 
4,986 
4,308 

» 

» 


6,439 
7,795 
5,762 
3,023 
3,294 
3,052 


8,886 
8,241 
6,453 
4,227 
5,326 
3,464 


Mittel: 


8,498 


5,448 


4,894 


6,096 



Aus diesen Zahlen geht hervor, daß die Bodenluft in den Be- 
häufeiungsdämmen ärmer an Kohlensäure ist, als im ebenen 
Lande. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensaure. 177 

In den Behäufelungsdllmmen werden die Zersetzungsprocesse, mit 
wenigen Ausnahmen, intensiver von Statten gehen, ala im ebenen Lande, 
einerseits weil sie für Luft leichter durchdringbar sind, andererseits wegen 
der stärkeren Erwärmung im Vergleich zu letzterem 1 ). Unter Umstunden 
wird allerdings die größere Austrocknung des Erdreiches in den Dämmen 
die Wirkungen jener beiden Faktoren hemmen, in gewissen Fällen sogar 
derart herabsetzen, daß die Kohlensäureproduktion in der Ebene eine er- 
giebigere wird als in den Dämmen; im vorliegenden Falle ist aber eine 
derartige Annahme insofern ungerechtfertigt, als die Witterung während 
der Dauer der Versuche eine feuchte war, die Unterschiede in der Boden- 
feuchtigkeit daher nicht sehr bedeutend sein konnten, und die vergleichs- 
weise höhere Temperatur und reichlichere Sauerstoffzufuhr bei den Dämmen 
zur vollen Wirkung gelangen mußte. Die in letzteren in größeren Mengen 
als im ebenen Lande entwickelte Kohlensäure wird jedoch, weil die Winde 
wegen der porösen Beschaffenheit des Landes und der großen sich dar- 
bietenden Oberflächen den Boden leicht durchdringen, zu einem mehr oder 
weniger großen Theil ausgewaschen oder tritt aus gleicher Veranlassung 
durch Diffusion an die Atmosphäre Uber. Der Unterschied zwischen den 
Dämmen und der Ebene in den vorerwähnten Beziehungen besteht also 
darin, daß erstere im Allgemeinen mehr Kohlensäure produciren, aber von 
derselben unter dem Einfluß der Winde und der Diffusion ungleich größere 
Mengen an die Atmosphäre abgeben als letztere. 

Ist diese Erklärung für die ermittelten Resultate richtig, wogegen 
wohl ein Zweifel nicht erhoben werden dürfte, so liefern die mitgetheilten 
Versuche neuerdings einen Beweis dafür, daß der Gehalt der Bodenluft 
an Kohlensäure keinen Maßstab für die Intensität des Zersetzungsprocesses 
der organischen Substanzen abgiebt. 

D. Der Kohlensäuregehalt der Bodenluft in verschiedenen 

Bodenarten. 

In vorliegenden Versuchen sollte ausschließlich der Einfluß der physika- 
lischen Beschaffenheit des Bodens auf die in demselben auftretenden Kohlen- 
saurem engen ermittelt werden. Hierdurch war die Wahl der Bodenarten 
insofern beschränkt, als nur solche in Betracht kommen konnten, welche 
frei von allen organischen Stoffen waren. Es standen in dieser Beziehung 

') Diese Zeitschrift. Bd. III. 1880. S. 117. 



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178 



Physik des Bodens: 



zwei Erdarten zur Verfügung, nämlich Lehm (Ziegellehm von Berg am 
Laim bei München) und Quarzsand (von Nürnberg). Beide Böden waren 
als humusfrei zu erachten und enthielten keinerlei Pflanzenreste. 

Nach der mechanischen Analyse zeigten diese Bodenarten folgende 
Zusammensetzung: 



Maschenweite 




Masch onwoitp 






der 




der 






8iebe (mm). 


Lehm. 


Siebe (mm). 


Qaarzsand. 


I. Grobkies 


6,75 




5,00 




II. Mittelkies 


4,00 


0,14 


2,50 


0,15 


III. Feinkies 


2,50 


0,30 


1,00 


6,45 


IV. Grobsand 


0,74 


1,93 


0,50 


40,40 


V. Mittelsand 


0,30 


4,18 


0,25 


42,15 


VI. Feinsand 




59,33 




9,74 


VII. Abschlämmbare Theile 




34,12 




1,11 



Die in ihrer physikalischen Beschaffenheit wesentlich von einander 
verschiedenen Böden ! ) wurden für sich und in Gemischen, die dem Volumen 
nach hergestellt waren, verwendet. Nach Vermischung derselben mit 
feinem getrockneten Pterdedüngerpulver wurden sie lufttrocken in Blech- 
cylinder von 25 cm Durchmesser und 35 cm Höbe fest eingefüllt. Im 
Uebrigen war die Versuchsanordnung dieselbe wie die in Versuch B ge- 
wählte. In jedem Gefäß enthielt der Boden die gleiche Menge Dünger- 
pulver (180 gr). 

Die Verbringung der Apparate in's Freie erfolgte bereits im Winter, da- 
mit der Boden sich bis zum Beginn der Versuche entsprechend seiner physi- 
kalischen Beschaffenheit bis zum Grunde mit Wasser durchfeuchten konnte. 
Nach Beendigung der Versuche im Herbst 1882 blieben die Gefäße den 
Winter über im Freien stehen und wurden, ohne daß sie umgefüllt wurden, 
zu den Versuchen des folgenden Jahres verwendet. 

Die aus einer Tiefe von 25 cm entnommenen Luftproben zeigten 
folgenden Gehalt an Kohlensäure: 



•) Der Lehm war durch Zerreiben und Sieben in ein Pulver von 0,0—0,25 mm 
. verwandelt worden. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 179 

Versuch L (1882.) 



Datum 


Kohlensäuregehalt der Bodenluft 


ljk tun 


s /4 Lehm 
V« Sand 


*/t Lehm 
>/a Sand 


'/« Lehm 
»/* Sand 


QU Uli 


A a M 

4. April 


1 ■ 

1,728 




2,894 


— 

6,781 


. 

9,375 


7,593 


15. » 


1,011 


6,074 


10,449 


14,861 


10,876 


I. Mai 


5,219 


5,699 


10,972 


13,556 


9,463 


17. » 


6,070 


6,570 


12,133 


7,896 


4,833 


27. » 


10,716 


11,935 


17,394 


13,594 


8,749 


10. Juni 


9 845 


14 251 


28 821 




17 7fi r » 


28. » 


9,237 


12,441 


20,375 


12,937 


5,760 


11. Juli 


12,117 


14,132 


30,153 


12,686 


4,749 


25. » 


11,033 


10,317 


17,008 


17,769 


12,622 


9. August 


5,194 


7,573 


16,196 


10,191 


3,329 


29. » 


5,049 


7,387 


13,067 


7,891 


3,311 


14. September 


4,483 


6,114 


16,215 


5,044 


2,609 


25. » 


2,200 


2,334 


15,532 


3,386 


1,824 


Mittel: 


6,454 


8,286 


1<M>46 


11,941 


7,191 



Versuch II. (1883.) 



9. April 
23. » 

7. Mai 
23. > 

4. Juni 
19. » 

5. Juli 
17. • 

2. August 
29. » 
10. September 

"Mittel: 



1,558 
2,391 
4,424 
4,949 
3,923 
2,354 
5,746 
2,266 
4,629 
6,217 
3,241 



1,719 

2,525 
2,630 
3,894 
2,998 
2,839 
4,559 
2,990 
3,466 
4,244 
3,079 



1,397 
1,978 
1,908 
2,705 
2,349 
2,385 
3,906 
3,000 
2,766 
2,384 
1,320 



1,235 
1,431 
1,569 
2,963 
1,998 
2,562 
3,699 
2,099 
2,441 
2,383 
1.319 



0,806 
1,022 
0,841 
2,054 
1,781 
2,147 
2,501 
0,938 
1,419 
1,219 
1,211 



1,449 



3,791 3,177 | 2,373 2,132 

Abgesehen von Nebenumständen lassen diese Zahlen deutlich erkennen, 
daß der Kohlensäuregehalt der Bodenluft bei gleichen Mengen 
organischer Stoffe um so grüßer ist, je feinkörniger der Boden. 

Dieses Resultat steht in voller Uebereinstimmung mit demjenigen 
der früheren Versuche 1 ), in welchen Sand von verschiedener Größe ver- 
wendet wurde. Dasselbe muß insofern überraschen, als nach den in 
der Praxis gemachten Erfahrungen und nach verschiedenen Versuchen 
in dem Lehm resp. in dessen Gemischen mit Sand die organischen Stoffe 
einer langsameren Zersetzung unterliegen als in dem Sande, und zwar 
wegen vergleichsweiser geringerer Permeabilität für Luft und niedrigerer 

») Vergl. diese Zeitschrift. Bd. IV. 1881. S. 18. 



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ISO 



Physik des Bodens: 



Temperatur. So fand z. B. Fleck 1 ), daß der Stallmist und ähnliche Sub- 
stanzen, Thierleichen u. 8. w. in gut durchlüfteten« Boden (Sand, Kies) 
viel schneller verwesen, als in für Luft schwer zugänglichen Boden (Lehm, 
Thon). Wenn dennoch der grobkörnige Boden weniger freie Kohlensäure 
enthält als der feinkörnige, so kann dies nur darauf beruhen, daß ersterer 
dem durch Luftbewegungen und Diffusion hervorgerufenen Austritt des 
Gases an die Atmosphäre einen geringeren Widerstand entgegensetzt, 
als letzterer. Die Kohlensäure tritt in um so größeren Mengen 
in die Atmosphäre Uber, je grobkörniger der Boden ist. Aus 
diesem Grunde kann ein für Luft leicht zugänglicher und sich stark 
erwärmender Boden trotz der hierdurch bewirkten intensiveren Zersetzung 
der organischen Substanzen ärmer an Kohlensäure sein, als ein Boden, 
in welchem der Zerfall der organischen Stoffe wegen geringer Permea- 
bilität und niederer Temperatur nur langsam von Statten geht. 

In dem Versuche vom Jahre 1882 wurde das Maximum des Kohlen- 
säuregehaltes der Bodenluft in dem aus V* Lehm und l /i Sand herge- 
stellten Gemisch gefunden, während die Gasmenge nach beiden Seiten 
hin, d. h. mit zunehmendem Sand- resp. Lehmgehalt abnahm. Eine 
Erklärung hierfür wird in dem Umstände gefunden werden dürfen, daß 
der Boden in diesem Jahre noch in gewissem Grade locker war und in 
dem zur Hälfte aus Lehm und Sand hergestellten Gemisch die Bedin- 
gungen für die Zersetzung der organischen Substanzen sich hinsichtlich 
der Permeabilität, Feuchtigkeit und Wärme günstiger gestalten, als hei 
dem Geraenge aus s /4 Lehm und Sand resp. Lehm und ohne daß, 
wie bei dem Gemisch aus 3 /< Sand und '/* Lehm oder dem Sande, ein 
ergiebiger Austritt des Gases an die Atmosphäre stattfinden konnte. 

E. Der Kohlensäuregehalt der Bodenluft in verschiedenen 

Tiefen. 

Durch eine Reihe von Untersuchungen 2 ) war die Thatsache zu Tage 
gefördert worden, daß der Kohlensäuregchalt von der Oberfläche des 

») H. Fleck. III. bis V. Jahresbericht der Chemischen Centralstelle in Dresden. 
1874 bis 187C. 

•) v. Pettenkofer. Zeitschrift f. Biologie. Bd. VII. S. 395. Bd. IX. S. 250. - 
H. Fleck. Ebenda. Bd. IX. S. 254. - G. Wolfßügel. Ebenda. Bd. XV. S. 98. - 
J. v. Fodor. Viertel jahrsschrift f. öffentl. Gesundheitspflege. Bd. VII. S. 205 u. 
Hygienische Unters, über Luft, Boden u. Wasser. Braunschweig. 1881. — C. Saiger. 
Bodenunters, mit besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Ventilation auf 
die Kohlensäuremenge im Boden. Inaug.-Dissert. Erlangen. 1880. — 



Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 181 

Bodens nach der Tiefe hin zunimmt. Die Versuche des Referenten 
lieferten ein analoges Resultat. Dieselben wurden in der Weise aus- 
geführt, daß zunächst in einem 1 m hohen Holzkasten von 2 qm Quer- 
schnitt, der in die Erde versenkt war, grobkörniger Torf von Schleiß- 
heim bei München gefüllt wurde. Letzterer ruhte auf dem aus Knlk- 
steingeröll bestehenden Untergründe auf. Die Bodenluft wurde vermittelst 
eiserner Röhren, welche in der Mitte des Kastens in Abständen von 
50 cm angebracht waren, aus einer Tiefe von 30 resp. 60, 100 und 
120 cm entnommen. Die drei ersteren Röhren befanden sich demnach 
mit ihrer unteren Oeflfnung im Torf, die letztere im Untergrunde. Der 
Torf war 6 Jahre vor Anstellung der Versuche eingefüllt worden und 
hatte sich in der Zwischenzeit fest zusammengelagert. 

Die Untersuchungen der Bodenluft führten zu folgenden Ergebnissen: 



Versuch L (1882.) Versnch II. (1883.) 



Datum 


Koklesiiirrgeblt in Bodeilnft 


Datum 


Kohleaiiiregehilt der Bvdeoluft 


in einer Tiefe von 


in einer Tiefe von 


30 cm 


60 cm 


90 cm 


120 cm 


30 cm 


60 cm 


90 cm 


120cm 


1. April 

14. » 

2. Mai 

15. > 

25. » 
10. Juni 

26. » 
12. Juli 
26. , 

9. August 
30. » 
12. September 
23. 


4,827 
5,497 
7,281 
8,655 
8,850 
14,348 
14,304 
15,962 
19,197 
15,631 
12,561 
17,343 
12,858 


7,247 
8,406 
10,954 
14,507 
14,366 
22,613 
21,268 
24,561 
28,973 
23,813 
22,443 
27,133 
22,022 


7,391 
8,972 
10,602 
14,421 
14,732 
24,976 
22,766 
25,775 
29,186 
27,034 
23,749 
29,818 
23,261 


7,082 
7,521 
8,531 
12,698 
13,513 
16,714 
21,596 
21,826 
25,609 
23,129 
19,302 
29,965 
18,582 


11. April 

23. » 

8. Mai 
23. » 

2. Juni 
21. » 

4. Juli 
17. » 

2. August 


6,586 
8,463 
14,566 
11,728 
21,082 
31,664 
16,923 
19,450 
21,127 


9,274 
11,714 
19,115 

18,827 
22,544 
35,649 
29,877 
31,813 
32,838 


9,946 
13,146 
19,756 
19,495 
23,005 
34,929 
33,329 
32,458 

34,352 


8,333 
12,274 
16,659 
16,430 
23,765 
28,841 
34,019 
27,103 
29,093 



Mittel. jl2,loi|l9,100|20,206|l7,389| Mittel: jl6,62l|28,517|24,496|2!,885 



Im Allgemeinen läßt sich aus diesen Zahlen folgern, daß der 
Kohlensäuregehal t der Bodenluft mit der Tieflage der Boden- 
schicht zunimmt. 

Nur in der tiefsten Schicht zeigte sich durchwegs ein geringerer 
Kohlensäuregehalt als in den darüberliegenden, eine Erscheinung, die 
darauf zurückzuführen ist, daß der Untergrund, aus welchem jene Luft- 
proben entnommen Wurden, sehr arm an organischen Stoffen ist. 

Eür die Abnahme der Kohlensäure in einem im Uebrigen homogenen 
E. Wollny, Forschungen. IX. 13 



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182 



Physik des Bodens: 



Bodenmaterial von nnten nach oben spricht der Umstand, daß das Gas 
um so leichter an die Atmosphäre übertreten kann, je näher die Schichten 
zn der Erdoberfläche liegen, denn in demselben Maße nehmen die Wider- 
stände ab, welche sich der Abwärtsbewegung desselben entgegenstellen. 

F. Der Einfluß der Schichtung des Bodens auf den Kohlen- 

säuregehalt der Bodenluft. 
Um festzustellen, in welcher Weise die einzelnen Schichten eines 
Bodens von verschiedenem Gehalt an humosen Bestandteilen in Be- 
zug auf die in ihnen auftretenden Mengen von freier Kohlensäure sich 
gegenseitig zu beeinflussen vermögen, wurden die in Versuch B näher 
beschriebenen Blechcylindor in folgender Weise gefüllt: 

Höhe der Schicht Lage der Schicht 1. 2. 3. 4. 

{ Quarzsand Lehm Quarzsand Lehm 

j HiMMrKilbud Hjooierkilkwod HonoMrlalbaid UiaoMf bftml 

l gedüngt') gedüngt 1 ) 

5. 6. 7. 8. 

| HiaoterKalbud Hanottflulüik BiDourLdkiud HuMMrUtari 
l gedüDgt ') gedüngt 1 ) 

{ Quarzsand Lehm Quarzsand Lehm 

Die zur Entnahme der Luftproben bestimmten eisernen Rühren wurden 
auf 1 2,5 cm (a) und 37,5 cm Tiefe (b) eingesenkt, so daß also die 
Luft aus der Mitte einer jeden Bodenschicht untersucht wurde. 

Die Daten für den Kohlensäuregehalt der Bodenluft sind in folgen- 
den Tabellen zusammengestellt: (1883.) 



25 cm 
25 cm 

25 cm 
25 cm 



oben 
unten 

ohen 
unten 







Kohlensäuregehalt der Bodenluft 




Datum 


1 a 


2 a 


3 a 


4 a 


1 1» 


2 1» 


3 h 


4 b 




In einer 


Tiefe von 


In einer 


Tiefe von 






12,5 


cm 


• 




37,5 


cm 




10. April 


1,208 


1,273 


5,344 


l 

3.357 


I 

2,002 


1,461 


7,858 


»1.600 


24. » 


1,01«) 


1,868 


7,425 


5,719 


1,045 


1,576 


12,544 


11,5X4 


9. Mai 


1,734 


1,504 


10,919 


10,274 


3,795 


3,298 


22,103 


21,557 


22. » 


1,896 


2,294 


6,782 


8,4(55 


2,492 


1,997 


16,195 


10,811 


1. Juni 


2,283 


8,086 
2221 


10,500 


25,591 


5,103 


4,212 


35,079 


32,951 


18. 


2,833 


14,32 s 


22,764 


5,263 


4.044 


37,811 


29,825 


5. Juli 


3,401 




8,924 


10,627 


9,175 


8,544 


30,943 


21,034 


16. » 


3.447 


2,849 


10,522 


7.S53 


0,308 


4,544 


25,992 


14,390 


30. » 


1,494 


2.644 


3,900 


5,489 


2,887 


2,093 


16,260 


13,3<S 


20. August 


2,383 


2,270 


4,328 


5.127 


5,400 


6,021 


10,881 


14/214 


Mittel: 


2,115 


2,441 


8,910 


10,682 


4,419 


3,779 


2717 


17,5s.» 



') Gedüngt pro Gefäß mit 500 g Pferdedüngerpulver. 



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Einfluß d. physik. Eigengeh. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 183 



1888. 





5 a 


6 a 


7 a 


8 a 


5 b 


6 b 


7 b 


8 b 


Datum 


In einer Tiefe von 
12,5 cm 


In einer Tiefe von 
37,5 cm 


10. April 

24. » 

9. Mai 
2*2. » 

1. Juni 
18. > 

5. Juli 
1«. » 
30. » 
29. August 


0,744 
0,848 
1,388 
1,514 
2,849 
1,888 
2,862 
1,446 
1,818 
1,369 


0,691 
1,016 
1,502 
1,348 
2,994 
2,221 
3,028 
1,725 
3,452 
1,483 


1,862 
4,018 
7,498 
5,423 
25,105 
19,910 
7,328 
4,566 
2,303 
2,464 


■ i 

1,649 
4,528 
7,751 
6,205 
24,683 
18,416 
8,819 
3,283 
2,694 
3,474 


' 0,859 
1,206 
1,794 
1,101 
2,429 
1,829 . 
2,877 
1,493 
1,583 
1,581 


0,594 
0,751 
1,791 
1,053 
1,972 
2,050 
3,049 
1,714 
1,244 
1,820 


2,452 
4,323 
7,923 
4,239 
28,510 
15,562 
8,531 
6,691 
4,241 
5,220 


2,054 
3,912 
7,411 
3,743 
17,988 
11,559 
5,627 
3,428 
2,092 
3,294 


Mittel: 


1,678. 


1,946 


| 8,048 


| 8,150 


|| 1,675 


| 1,604 


| 8,769 


6,11 



Vorstehende Zahlen lassen in mehrfacher Beziehung eine gegenseitige 
Beeinflussung der Bodenschichten in Bezug auf deren Gehalt an freier 
Kohlensäure erkennen. Betrachtet man die Beobachtungen la — 4a, so 
wird sofort klar, daß der humusfreie Quarzsand (1. 3.) und Lehm (1.4.) 
durch die in der tieferen humusreichen Schicht (humoser Kalksand) in 
größeren Mengen sich entwickelnde Kohlensäure bereichert werden, und 
zwar durch die mit Pferdedünger versehene Schicht (3a. 4a) beträcht- 
lich mehr als durch die ungedüngte (la. 2a). Man sieht ferner, daß 
die von der Tiefe aufsteigende Kohlensäure in dem oben befindlichen 
Lehm (2a. 4a) in größeren Mengen zurückgehalten wird als in dem 
Quarzsand (la. 3a) bei derselben Lage. Die Versuche lb — 4b lehren, 
daß der Kohlensäuregehalt der Bodenluft in den humosen Schichten ge- 
ringer ist, wenn die Deckschicht aus Quarzsand (lb. 3b) besteht, als 
wenn dieselbe aus Lehm (2b. 4b) gebildet ist, wohl deshalb, weil im 
ersteren Fall die für die Zersetzung der organischen Stoffe im Unter- 
grunde nothwendige Luftzufuhr ergiebiger ist als im letzteren. 

Betrachtet man die Ergebnisse jener Versuche, in welchen die humus- 
freien Bodenarten (Lehm und Quarzsand) den Untergrund, die humus- 
reichen und überdies mit organischen Stoffen (Pferdedünger) bereicherten 
Erden die Oberkrume bilden, so sieht man zunächst keine Wirkung des 
Untergrundes auf den Kohlensäuregehalt der oberen Bodenschichten her- 
vortreten. Der Boden enthielt im ungedüngten (5a. 6a) wie im ge- 
düngten (7a. 8a) dieselben Mengen von freier Kohlensäure, gleichviel 



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184 Physik des Bodens: 

ob der Untergrund aus Quarzsand oder Lehm bestand. Es wird dies 
erklärlich, wenn man bedenkt, daß der Abfluß des überschüssigen Wassers 
bei der getroffenen Versuchsanordnung nicht gehindert war und deshalb 
die verschiedenen Untergrundschichten keinen von einander abweichenden 
Einfluß auf die Feuchtigkeitsverhältnisse der Oberkrumo auszuüben ver- 
mochten. Dagegen zeigte sich deutlich, daß diese wegen Mangel an 
organischen Stoffen nur sehr geringe Kohlensäuremengen producirenden 
Böden durch die kohlensäurehaltigeren oberen Erdschichten bereichert 
wurden und zwar um so mehr, je ergiebiger die Gasentwickelung in letz- 
teren Bodenparthien war (5 b. 6b zu 7b. 8b). Man nimmt feiner wahr, 
daß der Sand (5 b. 7 b) hierbei mehr profitirte als der Lehm (6 b. 8b). 
Diese Ergebnisse machen es wahrscheinlich, daß die in gewissen, be- 
sonders an organischen Stoffen reichen Bodenparthien sicn in größeren 
Mengen entwickelnde Kohlensäure sich nicht allein wie in obigen Ver- 
suchen (la — 4a) in die oberen, sondern auch in die darunter liegenden 
Schichten zu verbreiten vermag. 

Das Ergebniß der Versuche dieser Reihe kann nach vorstehenden 
Erörterungen dahin präcisirt werden, daß die Kohlensäure aus Boden- 
parthien, welche dieselbe in reichlichen Mengen entwickeln, 
sich in höher wie tiefer gelegeno Schichten des Erdreiches zu 
verbreiten vermag. Die Beeinflussung letzterer in bezeich- 
neter Richtung ist eine verschiedene, je nach den Wider- 
ständen, welche der Boden der Bewegung des Gases entgegen- 
stellt. Das Eindringen der Kohlensäure in tiefere Schichten ist 
um so mehr erschwert, je feinkörniger derselbe ist. Bei dein 
Emporsteigen des Gases an die Atmosphäre werden die oberen 
Schichten an demselben um so mehr bereichert, je feinkörniger 
die den Boden zusammensetzenden Elemente sind. 

II. Der Kohlen&ä u reg ehalt der Bodenluft bei verschiedener 

Bedeckung des Erdreichs. 

Die Versuche dieser Reihe wurden nach dem sub I B. näher be- 
schriebenen Verfahren ausgeführt. Fünf Cylinder wurden mit gleichen 
Mengen von humosem Kalksand, der zuvor sorgfältig gemischt Worden 
war, beschickt. Im Gefäß I wurde durch zeitige Ansamung eine Gras- 
decke hergestellt. Die Oberfläche des Bodens im Gefäß II blieb brach 
und wurde während der Versuchsdauer von Unkraut frei gehalten, 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 185 



während diejenige in den Cylindern III — V mit einer 0,5 resp. 2,5 und 
5 cm starken Decke aus Strohhäcksel bedeckt wurde. 

Die Analysen der aus einer Tiefe von 30 cm entnommenen Luft- 
proben lieferten folgende Kesultate: 

(1884.) 



Datum 



10. Mai 
19. » 
27. » 
10. Juni 
18. > 
30. » 

8. Juli 
15. » 
23. » 

1. August 

7. » 
14. i 
21. » 
30. 

6. 
16. 
27. 



September 



Kohlensäuregehalt der Bodenluft 



Bodenbedeckung 



Gras 



Brach 



0,5 cm 
hoch 



Strohdecke 

2,5 cm 
hoch 



2,663 
2,181 
1,724 
1,672 
1,436 
1,304 
1,489 
1,037 
2,075 
1,962 
6,953 
2,505 
1,902 
1,903 
1,814 
1,564 
0,885 



4,152 
5,561 
2,827 
2,398 
2,980 
4,366 
5,499 
6,022 
4,552 
4,482 
7,512 
6,885 
5,584 
4,413 
3,958 
4,789 
3,599 



3,609 
6,394 
2,807 
3,791 
2,924 
5,551 
6,702 
9,795 
5,359 
4,775 
7,985 
7,808 
6,474 
4,698 
4,644 
6,344 
4,977 



3,777 
8,015 
3,989 
3,122 
3,255 
6,466 
7,791 

11,676 
6,432 
5,716 
8,418 

10,008 
7,141 
6,264 
5,658 
6,074 
4,874 



Mittel: j 2,063 4,681 5,567 



6,404 



5,0 cm 
hoch 

4,611 
8,123 
4,211 
2,896 
3,144 
6,621 
7,976 

10,579 
6,677 
5,938 
9,046 

10,401 
9,314 
7,435 
5,764 
6,579 
6,648 

6321 



Mit großer Uebereinstimmung weisen diese Zahlen nach, 

1. daß der von lebenden Pflanzen beschattete Boden wäh- 
rend der wärmeren Jahreszeit beträchtlich geringere 
Mengen von Kohlensäure enthält als der brachliegende 
und daß dieser wiederum ärmer an Kohlensäure ist, als 
der mit einer Decke von abgestorbenen Pflanzentheilen 
versehene, 

2. daß der Gehalt der ßodenluft an freier Kohlensäure im 
letzteren Fall mit der Mächtigkeit der Deckschicht zu- 
nimmt. 

Diese Gesetzmäßigkeiten lassen sich auf die durch die Boden- 
bedeckung modificirten Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse des 
Erdreichs zurückführen. Bezüglich der Erwärmung desselben wurde ge- 



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18f> 



Physik des Bodens: 



funden 1 ), daß der von lebenden Pflanzen bestandene Boden kälter und 
trockener ist als der unbedeckte. Es sind sonach die Bedingungen zu 
einer intensiven Zersetzung der organischen Substanzen im ersteren Falle 
weniger günstig als im letzteren, weshalb die Kohlensäureproduktion in 
dem mit einer Vegetationsdecke versehenen Erdreich eine weniger er- 
giebige sein muß als im brachliegenden. Da die Unterschiede in der 
Erwärmung und Feuchtigkeit zwischen beiden Zuständen des Bodens 
meist sehr beträchtlich sind, so wird es verständlich, daß auch in dem 
Kohlensäuregehalt der Bodenluft zwischen dem besäeton und nicht be- 
säeten Lande sich sehr erhebliche Differenzen herausstellen. 

Der mit leblosen Gegenständen (Streu, Stalldünger, Steine u. s. w.) 
bedeckte Boden unterscheidet sich von dem brachliegenden durch höheren 
Feuchtigkeitsgehalt, aber niedrigere Temperatur. Während durch erstere 
Eigenschaft einer intensiveren Zersetzung der organischen Stoffe Vorschub 
geleistet wird, wird diese durch letztere Eigenschaft beeinträchtigt. Welcher 
dieser Faktoren im Vergleich zu denen des Brachlandes die Uebcrband 
gewinnt, hängt vornehmlich von dem Gange der Witterung ab. In den 
früheren Versuchen war der mit einer Strohdecke versehene Boden in den 
meisten Fällen und im Durchschnitt kohlensäureärmer als der unbedeckte. 
Es betrug im Durchschnitt der Kohlensäuregehalt der Bodenluft: 

Strohdecke Brach 
(1878) 6,750 8,830. 

In den vorliegenden Versuchen stellten sich diese Werthe auf: 

Strohdecke Brach 
(1884) 5,567 4,681. 

Es war demnach das Resultat ein dern früheren entgegengesetztes *). 
Dieser Widerspruch ist jedoch nur ein scheinbarer und erklärt sich aus 
den zwischen den beidon Versuchsjahren bestehenden Verschiedenheiten im 
Gang der Witterung. Im Jahre 1878 waren die Niederschläge gleich- 
mäßiger vertheilt und ergiebiger als im Jahre 1884. Es wurden hierdurch 

') E. Wollny. Der Einfluß der Pflanzendecke und Beschattung auf die physi- 
kalischen Eigenschaften und die Fruchtbarkeit des Bodens. Berlin. 1877. Paul 
Parey. — Ferner diese Zeitschrift. Bd. VI. 1883. S. 197. 

^) Bezüglich der Wirkung der Pflanzendecke im Vergleich zu derjenigen der 
Brache auf den Kohlensäuregehalt der Bodenluft wurden jedoch in beiden Versuchs- 
jahren durchaus übereinstimmende Resultate erzielt. 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 187 

in jenem Versuchsjahr die zwischen dem brachliegenden und dem be- 
deckten Boden bestehenden Unterschiede mehr herabgedrückt als im Jahre 
1884, in welchem letztere in Folge von häufiger auftretenden Trocken- 
perioden und höherer Wärmezufuhr beträchtlich vermehrt werden mußten. 
Aus diesen Gründen konnte im Jahre 1878 die im Vergleich zu dem 
bedeckten Boden höhere Temperatur bezüglich der Zersetzung der orga- 
nischen Stoffe zur vollen Wirkung gelangen, wohingegen dieselbe im Jahre 
1884 durch die vergleichsweise trockene Beschaffenheit des Bodens abge- 
schwächt wurde, derart daß nunmehr der höhere Feuchtigkeitsgebalt des 
mit einer Strohschicht bedeckten Bodens das Uebergewicht erlangte. Der- 
artige Betrachtungen führen zu deni Schluß, daß der brachliegende 
Boden nur in feuchten Jahren reicher, in trockenen Jahren 
dagegen ärmer an Kohlensäure ist als der mit einer Decke 
lebloser Gegenstände versehene. 

Die durch Satz 2 cbarakterisirte Erscheinung erklärt sich aus dem 
Umstünde, daß der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens mit der Mächtigkeit 
der obenauf liegenden Deckschicht zunimmt 1 ). Da indessen in gleichem 
Grade die Erwärmung des Bodens abnimmt, so dürfte es auf Grund der 
vorangegangenen Erwiigungen sehr wahrscheinlich sein, daß in feuchten 
Jahren, in welchen die geschilderten Unterschiede mehr ausgeglichen werden 
und jene in den Temperaturverhältnissen besonders zur Wirkung gelangen, 
ein dem ermittelten entgegengesetztes Resultat erhalten wird, d. h. daß 
unter solchen Verhältnissen der Kohlensäuregehalt um so geringer ausfallen 
wird, je mächtiger die Deckschicht ist. Um die Richtigkeit dieser An- 
sicht zu prüfen, gedenkt Referent die Versuche zu wiederholen. 

Hinsichtlich der besonderen Wirkungen der Pflanzendecke auf den 
Kohlensäuregehalt der Bodenluft ist vor Allem zu berücksichtigen, daß die 
Gewächse je nach Standdichte, Entwickelungsgrad, und besonderen Wachs- 
thumsverhältnissen die Bodentemperatur und -Feuchtigkeit in verschiedener 
Weise beeinflussen, und damit auch die den Zerfall der organischen Sub- 
stanzen im Boden bedingenden Processe und deren Endprodukt: die Kohlen- 
säure. Bereits früher 8 ) wurde nachgewiesen, daß der Boden unter 
einer Decke lebender Pflanzen um so ärmer an Kohlensäure 

l ) Die bezüglichen Einwirkungen sollen in einer zu späterer Veröffentlichung 
bestimmten Arbeit näher dargelegt werden. 
») Diese Zeitschrift. Bd. III. 1880. S. 13. 



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188 Physik des Bodens: 

ist, je dichter die Pflanzen stehen, weil in dem gleichen Maße die 
Erwärmung 1 ) und die Feuchtigkeit des Erdreiches 2 ) herabgedrückt werden. 

Analoge Erscheinungen treten hervor, wenn die Pflanzen bei ver- 
schiedener Saatzeit kultivirt werden. Da sich innerhalb gewisser Grenzen 
die Pflanzen um so kraftiger entwickeln, je früher sie angebaut werden, 
so wird die Feuchtigkeit und die Temperatur 3 ) des Bodens um so mehr 
herabgedrückt, je zeitiger die Aussaat vorgenommen wurde. Im Vorn- 
herein kann nach den obigen Versuchsergebnissen angenommen werden, 
daß dadurch die Entwickelung der Kohlensäure alterirt werde. In der 
That ist dies der Fall, wie folgender Versuch zeigt. Die nach der sub I B 
angegebenen Methode aufgestellten Cylinder wurden mit humosem Kalk- 
sandboden beschickt, welcher in verschiedenen Terminen mit Erbsen, je 
12 Stück, bestellt wurde. Die Pflanzen entwickelten sich in der Folge 
in dem Maße üppiger, als ihr Anbau frühzeitiger erfolgte. In welcher 
Weise hierdurch die Kohlensäureproduktion beeinflußt wurde, weisen die 
folgenden Zahlen nach: 

Kohlensäure der Bodenluft*) 
Saatzeit: 





10. April 


20. April 


30. April 


10. Mai 


20. Mai 


18. Juni 1884 


4,140 


3,757 


5,403 


5,966 


4,577 


30. ,, ,, 


1,537 


1,706 


2,503 


4,432 


4,324 


S. Juli „ 


2,148 


4,474 


2,960 


3,073 


2,957 


Mittel: 


2,610 


3,312 


3,642 


4,490 


3,953 



Diese Zahlen vermitteln demnach die Thatsache, daß der Kohlen- 
s äuregehalt der Bodenluft unter sonst gleichen Verhältnissen 
um so kleiner ausfällt, je zeitiger die Saat vorgenommen wurde. 

Werden die Pflanzen durch geeignete Düngungen zu einem üppigeren 
\Vachsthum veranlaßt, so trocknen sie den Boden in stärkerem Grade 
aus und setzen dessen Erwärmung, wegen vergleichsweise größerer Be- 
schattung, mehr herab als bei weniger kräftiger Entwicklung auf unge- 
düngtem Boden 5 ). Die hierdurch bedingten Einwirkungen auf die Zer- 

>) Diese Zeitschrift. Bd. VI. 1883. S. 243. 

2 ) Der Einfluß der Pflanzendecke u. s. w. Von E. Wolltty. S. 127. 

3 ) Diese Zeitschrift. Bd. VI. 1883. S. 237. 
*) In 25 cm Tiefe. 

Diese Zeitschrift Bd. VI. 1883. S. 240. 



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Einfluß d. physik. Eigensch . d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 189 

Setzung der organischen Stoffe sind ziemlich bedeutend, wie die Ergeb- 
nisse folgender nach dem sub I B. näher beschriebenen Verfahren ausge- 
führten Versuche mit Grasboden darthun, welcher in zwei Cylindern 1 ) durch 
Ansaat entwickelt wurde. In dem einen Apparat blieb das Gras unge« 
düngt, in dem anderen wurde es mit einem Gemisch von Peruguano- 
Superphosphat und schwefelsaurem Kali stark geddngt und dadurch zu 
üppiger Entwicklung gebracht. Die Untersuchungen der Bodenluft in 

25 cm Tiefe lieferten folgendes Resultat: 

Kohlensäuregehalt der Bodenluft. 





Ungedüngter 


Gedüngter 




Grasboden. 


3. Juli 1882 


1,427 


1,140 


18. ,, 


2,232 


1,134 


10. August 


5,238 


3,411 


30. ,, 


1,941 


1,452 


12. September 


2,706 


2,079 


30. „ „ 


2,039 


1,361 




Mittel: 2,597 


1,763 



Aus diesen Zahlen und mit Berücksichtigung der Wacbsthumsuntei- 
sebiede zwischen den Versuchspflanzen läßt sich ohno Weiteres die Schluß- 
folgerung herleiten, daß der Kohlensäuregehalt der Bodenluft 
unter übrigens gleichen Verhältnissen durch üppigeres Wachs- 
thum der Pflanzen vermindert wird. 

Schließlich wäre zu berücksichtigen, daß durch die Beseitigung der 
oberirdischen Organe, wie solche durch Abmähen der Pflanzen bewirkt 
wird, die Bodentemperatur eine Erhöhung erfährt 2 ), weil durch joue 
Procedur die Beschattung mehr oder weniger aufgehoben wird, sowie daß 
dadurch die Durchfeuchtung des Erdreiches wegen Beseitigung der transpiri- 
renden oberidischen Organe gefördert wird. In welcher Weise diese Ver- 
schiedenheiten in der Bodenbeschaffenheit eine Wirkung auf die Kohlensäure- 
produktion in dem Erdreich auszuüben vermögen, wurde vom Referenten in 
der Weise festzustellen versucht, daß derselbe zwei mit humosem Kalksand 
gefüllte Cylinder (I B)mit einer Grasdecke versah, welche in dem einen Apparat 
am 25. Juli (I), in dem anderen am 20. Mai, 5. Juli und 15. August (II) 

') Die Gefäße waren mit humosem Kalksand gefüllt. 
*) Diese Zeitschrift. Bd. VI. 1883. S. 241. 



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190 



Physik des Bodens: 



abgemäht wurde. In dem Kohlensäuregehalt der Bodenluft, entnommen 
aus 25 cm Tiefe, machten sich folgende Unterschiede bemerklich. 

Kohlensäuregehalt der Bodenluft. 
Grasboden 







T 
1 


Tf 
11 






Einmal gemüht. 


Dreimal cemaht 


26. Mai 


1882 


• 1,841 


1,493 


14. Juni 




1,869 


5,022 


28. „ 




0,993 


2,902 


11. Juli 


>» 


0,942 


5,754 


24. „ 


i» 


2,812 


3,796 


8. August 


ii 


7,106 


7,521 


29. „ 


»» 


1,699 


4,362 


12. September 


»i 


2,884 


7,292 


23. 


»» 


1,815 


4,839 






Mittel: 2,440 


4,776 



Diesen Zahlen ist zu entnehmen, daß der Kohlensäuregehalt 
der Bodenluft durch Abmähen der Pflanzen erhöht wird. Es 
trit t dies nicht allein im Durchschnitt sondern auch in den Einzelbestimmungen 
deutlich hervor. Sehr charakteristisch ist auch das am 8. August er- 
mittelte Resultat, welches zeigt, daß sich der Kohlensäuregehalt der Boden- 
luft in dem einmal gemähten Boden (I) sofort nach Beseitigung der 
oberirdischen Organe hob und beinahe demjenigen der Luft in dem mehr- 
mals der Pflanzendecke beraubten Boden gleich kam. 



Bei Zusammenfassung sämmtlicher an dieser Stelle, sowie in früheren 
Publikationen mitgetheilten Versuchsergebnisse gelangt man zu dem 
Schluß, daß der Kohlensäuregehalt der Bodenluft von der physikalischen 
Beschaffenheit des Erdreiches in hervorragender Weise beeinflußt wird, 
und zwar nach zwei Richtungen. Einerseits ist die Menge freier 
Kohlensäure im Boden abhängig von der Einwirkung der durch 
die physikalische Beschaffenheit des Bodens und der Be- 
deckung desselben modificirten Faktoren der Zersetzung or- 
ganischer Substanzen (Wärme, Feuchtigkeit, Porosität), an- 
dererseits von den Widerständen, welche der Boden je nach 
seinem mechanischen Zustande dem durch Diffusion und Luft- 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 191 

Strömungen veranlaßten Austritt des Gases an die Atmosphäre 
entgegensetzt. Aus solchen Thatsachen wird, ganz abgesehen von 
den übrigen in der Natur sich geltend machenden Einwirkungen, ge- 
schlossen werden dürfen, daß der Verlust, welchen der Boden in letzterer 
Hinsicht erleidet, häufig don Einfluß der für die KohlensUureentwickelung 
maßgebenden Momente verdecken und in den durch die jeweilige Unter- 
suchung festgestellten Kohlensäuremengen nicht zum Ausdruck gelangen 
lassen wird. Hierfür finden sich zahlreiche Belege in den gemachten 
Mittheilungen. So wurde, wie hier nochmals hervorgehoben sein mag, 
gefunden, daß der Gehalt an freier Kohlensäure in einem grobkörnigen, 
porösen und gelockerten (krümeligen und bearbeiteten) Boden unter sonst 
gleichen Umständen geringer sein kann als in einem feinkörnigen , pulver- 
förmigen und verdichteten, obwohl im ersteren Fall der Zerfall der or- 
ganischen Stoffe ein intensiverer ist als im letzteren. 

Die in der Bodenluft ermittelte Kohlensäuremenge kann sonach nicht 
als Maßstab für die Intensität der Zersetzungsproce sse der or- 
ganischen Substanz dienen. Ebensowenig ist derselbe aber auch ge- 
eignet, für die Menge der organischen Substanz einen ziffermäßigen 
Ausdruck zu liefern, sobald in den Vergleichsfällen die physikalischen 
Eigenschaften des Erdreiches resp. die Bodendecken verschiedene sind. 

Referent ist in der Lage, zur Begründung letzterer Anschauung zwei 
eklatante Beispiele anzuführen. In dem einen Fall wurden von zwei 
Blechcy lindern (von den in Versuch I B. angegebenen Dimensionen) der 
eine mit Quarzkies (Korngröße 2 — 4 mm), der andere mit Quarzsand 
(Korngröße 0,0 — 0,5 mm gefüllt 1 ). Ersterer war vor dem Einfüllen mit 
500 g, letzterer mit 250 g Pferdedüngerpulver gemischt worden. 
In einem zweiten Versuch wurden zwei Cylinder mit humosem Kalk- 
sandboden beschickt. In dem einen blieb der Boden brach und ungedüngt, 
in dem anderen wurde derselbe mit 700 g trockenem Pferdedünger- 
pulver gedüngt und mit einer Grasdecke versehen. Die aus einer Tiefe 
von 25 cm entnommenen Luftproben enthielten folgende Mengen von 
Kohlensäure: 



') Beide Sortimente waren aus einem und demselben Material hergestellt 
worden. 



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192 



Physik des Bodens 



Datum 



20. April 
3. Mai 

21. > 

3. Juni 
18. » 

2. Juli 
18. i 

4. August 
1*. 

2. September 
16. » 



1881 



Kohlensäuregehalt der Badenluft 



Kies 
gedüngt mit 

800 g 
trockenem 
Pferdediinger 

4,421 
24,646 
21,219 
24,531 
27,638 
26,527 
16,732 
18,256 

3,369 

2,061 

2,736 



Sand 
gedüngt mit 

250 g 
trockenem 
Pferded (Inger 

5,443 
12,222 
14,227 
25,916 
26,789 
32,377 
22,086 
17,178 

2,374 

3,327 

3,149 



Gras 

gedüngt mit 
700 g 
trockenem 
Pferdedünjrer 



1,375 
1,251 
1,195 
1,443 
5,891 
3,509 



Brach 
uugedüngt 



3,244 
3,137 
3,000 
3,067 
2,260 
3,370 



Mittel: | 15,649 15,008 2,444 



3,013 



Sieht man zunächst von Details ab, so erkennt man sofort, daß 
unter den vorliegenden Verhältnissen die Menge der organischen Stoffe 

■ 

der Böden in dem Kohlensäuregelialt derselben nicht zum Ausdruck kam. 
Obwohl der Kies noch einmal so viel organische Bestandteile enthielt 
als der Saud, war der Kohlensäuregehalt der Bodenluft in beiden Fällen 
ziemlich der gleiche. Es beruht dies offenbar darauf, daß der Kies 
wegen geringer Wasserkapacität nicht die für eine vollkommene Zer- 
setzung des Pferdedüngors erforderliche Feuchtigkeit enthielt und außer- 
dem die gebildete Kohlensäure wegen großer Permeabilität leicht an die 
Atmosphäre abgab. Nur im Mai und Juni entwickelte der Kies mehr 
Kohlensäure als der Sand, weil durch ausreichende Niederschläge die 
fehlende Bodenfeuchtigkeit ersetzt wurde. In den folgenden trockenen 
Monaten jedoch fiel die Kohlensäureproduktion im Kies unter die des 
Sandes und erhob sich nur noch einmal darüber, nämlich am 4. August, 
nachdem in der Pentade vom 21. — 25. Juli ein ergiebiger Regen voraus- 
gegangen war. 

In dem zweiten Versuch kam die Düngung mit Pferdemist gar nicht 
zur Wirkung, denn wie die Zahlen zeigen, enthielt der gedüngte Boden 
weniger Kohlensäure als der ungedüngte. Durch die Zufuhr des Düngers 
war das Gras zu einer üppigen Entwickelung gebracht worden, weshalb 
der Boden stark ausgetrocknet und abgekühlt wurde. Die Zersetzung 
der zugeführten organischen Stoffe war daher eine sehr langsame und 



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Einfluß d. physik. Eigensch. d. Bodens auf dessen Gehalt an freier Kohlensäure. 193 



derart verzögert, daß der vergleichsweise an humosen Bestandteilen ärmere 
brach liegende in Folge eines weit höheren Feuchtigkeitsgehaltes und 
stärkerer Erwärmung mehr Kohlensäure produciren konnte. Die am 
2. September gemachte, hiervon abweichende Beobachtung laßt sich da- 
durch leicht erklären, daß durch vorhergehende ergiebige Niederschläge 
in der letzten Hälfte des August auch der Grasboden gut durchfeuchtet 
worden war, so daß sich nunmehr die organischen Stoffe besser zersetzen 
konnten als vorher. 

Unter Berücksichtigung dieser Thatsachen sowohl, als auch des üm- 
standes, daß die Schichten von verschiedenem Kohlensäuregehalt, wie oben 
nachgewiesen, sich gegenseitig beeinflussen, sowie daß die Stärke und 
Richtung der Winde auf den Kohlensäuregehalt der Bodenluft einen nicht 
unbeträchtlichen Einfluß ausübt und daß über einen gewissen Gehalt an 
organischen Stoffen die Kohlensäureproduktion konstant bleibt u. s. w., 
wird man nicht umhin können anzuerkennen, daß die Menge der im 
Boden vorhandenen freien Kohlensäure weder für die Inten- 
sität der organischen Processe, noch für die Menge der im 
Boden vorhandenen organischen Stoffe einen Maßstab abgiebt. 



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194 Physik des Bodens: 



Witte rungs- Tabelle. 



Datum 


Lufttemperatur (°C.) 


Niederschlagsmenge (mm) 


1880 


1881 


| 1882 1883 


1884 


1880 


1881 


1882 


1883 1 1884 


1. — 5. April 
6.-10. » 

11.-15. » 

16-20. » 

21.-25. » 

26.-30. 


6,85 
4,21 
8,75 
12,53 
12,70 
6,38 


|3,24 
4,90 
7,14 
8,46 
4,06 
4,01 

10,82 
9,01 
6,04 
13,57 
11,74 
13,26 


8,12 
3,28 
5,53 
8,94 
10,38 
7,61 


7,12 
2,47 
3,59 
9,08 
4,14 
8,82 


1 8,90 
7,74 
4,94 
3,74 
4,06 
6,96 


24,0 
32,1 

5,56 
5,90 
19,37 


11,00 
3,30 
4,20 
5,10 
5,60 

16,40 


0,38 
11,10 

8,08 
4,74 

3,52 
22,84 


0,90 
9,4-2 
6,00 
2,58 
3,80 
30,66 


48,28 

26,30 
5,46 
3,00 

5,85 


1.— 5. Mai 
6.— 10. » 

11.-15. » 

16.-20. » 

21. 25. » 

26.-31. * 


9,12 
6,61 
12,01 
8,90 
12,52 
13,07 


12,67 
11,16 

9,53 
5,87 
13,98 
18,05 


9,41 
12,77 

9,95 
12,92 
13,39 
16,63 


9,54 
10,57 
16,52 
16,88 
14,69 
11,56 


5,85 
47,46 

8,10 
10,00 
12,16 
63,84 


4,17 

.>,<•> 
33,75 
9,87 
180,15 


25,25 
4,50 
1.10 
0,95 
5,36 

19,80 


9,99 
2,50 
5,09 

14,33 
1,52 

52,51 


11,84 
10,16 
5,51 
0,49 
0,18 
1,76 


i 

1.— 5. Juni 
6. 10. » 

11.-15. » 

16.-20. 

21.-25. 

26.-30. 


11,90 
13,89 
14,19 
16,06 
14,32 
16,49 


15,96 
9,36 
11,76 
16,89 
20,80 
15,61 


14,78 
13,09 
10,38 
11,26 
17,11 
16,09 


17,98 
15,74 
14,75 
11,45 
14,42 
17,32 


12,40 
10,46 
13,80 
8,74 
13,03 
16,11 


17,80 
22,91 
9,73 
6,24 
38,55 
10,30 


1,42 

57,45 
5.25 
11,35 
23,72 
21,15 


47,18 
20,90 

9,04 
12,64 

8,40 
11,20 


7,05 
27,53 
50,85 
50,41 
23 22 

9>0 


26,34 
36,29 

7,29 
24,56 
18,97 

4,71 


1. — 5. Juli 
6.— 10. » 

11.-15. 

16.- 20. 

21.-25. 

26.-81. 


16,19 
16,84 
1S,10 
21,78 
17,01 
18,28 


19,60 
18,24 
19,29 
26,45 
19,07 
16,94 


14,36 
16,33 
15,72 
18,80 
18,50 
12,39 


20,47 
20,71 
19,02 
12,24 
13,13 
13,05 


19,59 
19,68 
22,34 
18,52 
16,55 
13,56 


78,61 
25,30 
12,80 
15,95 
21,24 
19,60 


6,00 

7,62 
43,90 
7,05 


38,13 
28,10 
9,74 

23,30 
12,58 
55,08 


8,55 
60,25 
14,13 
40,68 
*>2 74 


1,79 
19,05 

3.64 
29.76 
29,85 
14,78 


1.— 5, August 
6. 10. » 

11.-15. » 

16.- 20. 

21.-25. 

26.-31. 


13,18 
13,81 
15,56 
16,58 
16,32 
15,82 


20,12 

20,64 

16,141 

15,35 

17,82 

14,30 


13,70 
14,17 
18,20 
14,01 
14,07 
12,74 


14,70 
15,27 
16,83 
12,74 
17.58 
18,08 


19,40 
18,60 
19,05 
15,94 
14,78 
12,38 


24,00 
37,92 
42,53 
10,68 
50,77 
3,45 


3,37 

6,40 
25,55 
36,10 
37,10 


29,29 
5,19 
3,62 
21,37 
35,84 
15,32 

32,63 
14,78 
2,48 
16,27 
19,50 
27,47 


9,71 
15,10 

8,45 
26,50 

0,31 

14,28 
15,40 

45,34 
16,00 
28,17 


59,50 

17,11 

10,62 
0.31 

35,86 

7,44 
16,07 

5,76 


1.— 5. September 

6.-10. » 
11.-15. 
16.-20. 
21.-25. » 
26.-30. 


18,10 
16,8* 
14,65 
10,73 
10,75 
9,02 


12,87 j 
18,90 
12,66 
13,35 
8,46 
8,08 1 


16,15 
14,12 

12,081 
10,85 
8,98 1 
9,92 


10,99 

11,16 
13,09 
13,82 
12,00 
11,66, 


15,02 
11,38 
14,26 
15,68 
13,19 
11,27 


9,39 
5,25 
40,76 
12,75 
0,30 


19,77 
8,70 
1,90 
7,35 
8,10 

19,75 



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Neue Litteratur. 



195 



Nene Litteratur. 

«7. />'. Lawea und J. H. Gilbert, Stickstoff best! ni in nngen in den 
Boden einiger Versuchsfelder in Rothamsted. London. 1883 und Ann. de Chim. 
et de Phys. Ser. 6. T. II. p. 511. 

Die in der Ackererde vor sich gehenden Veränderungen der organischen 
Substanzen sind fast ausschließlich von der physikalischen Beschaffenheit abhängig, 
weil von letzterer die für das Leben und die Funktionen der die Zersctzungs- 
proce8se unterhaltenden Mikroorganismen maßgebenden Faktoren zum größten 
Theil beherrscht werden. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint es gerecht- 
fertigt, wenn an dieser Stelle über Arbeiten, wie die vorliegende und ähnliche, 
berichtet wird. 

In der vorliegenden Abhandlung suchen die Verf. besonders die sog. Stick- 
stofffrage der Lösung entgegenzuführen, indem sie an der Hand langjähriger Ver- 
suche die Stickstoffmengen bestimmen, welche durch die Pflanzen und durch die 
Drainwasser dem Boden entzogen, und welche demselben durch die Niederschläge 
zugeführt werden, sowie diejenigen, welche sich bei verschiedener Düngung und 
verschiedenen Kulturen im Boden vorfinden. 

Es zeigte sich, dass die Stickstoffmengen, welche die Ernten von der At- 
mosphäre erhalten, in Form von Stickstoffverbindungen, welche die Niederschläge 
zuführen, oder der von der Pflanze etwa absorbirt wird, nur einen sehr geringen 
Theil der Gesammtmengc ausmachen, welche die Pflanzen assimiliren, weshalb der 
Boden selbst (oder der demselben zugeführte Dünger) als Hauptquelle für den 
Stickstoffbedarf anzusehen ist. Es sprechen hierfür die Resultate der Stickstoff- 
hestimniungen , welche sowohl bei ungedüngtem, als auch bei gedüngtem Boden 
vorgenommen wurden. Einige derselben mögen zur Illustration dieser Verhältnisse 
dienen : 

Broadbalk-Feld. 
(39 Jahre unausgesetzt mit Weizen bebaut.) 
Stickstoff des trockenen Bodens in Pfunden (engl.) per Acre bis zu 9 Zoll (engl.) 

Tiefe. 



Düngung per Acre uud Jahr 



Stickstoff 
per Acre 



1865 
ff 



1881 
U 



Ungedungt (seit 1843) 

Gemischter Mineraldünger . . • 

Gem. Mineraldünger u. 8G ff Stickstoff als Ammoniaksalz . . . 
Gem. Mineraldünger u. 86 8 Stickstoff als Natronsalpeter . . 

86 ff Stickstoff als Ammoniaksalz (seit 1845) 

86 Ü Stickstoff als Ammoniaksalz u. Superphosphat 

M6 H Stickstoff als Ammoniak.salz, Superphosphat u. Glaubersalz 
86 U Stickstoff als Ammoniak.salz, Superphosphat u. Schwefels. Kali 



25072404 
2574J2328 
2829,2908 



2834 
2548 
2693 
2778 
2774 



2H83 
2471 
267« 
2765 
2863 



+ 

Verlust 



— 103 

— 246 



+ 
+ 



79 
49 
77 
17 
13 
89 



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19G 



Physik des Bodens: 



Der Boden der ungedttngten und mit Mineraldünger gedüngten Parcellen 
hatte also sehr beträchtliche Mengen von Stickstoff verloren, ein Umstand, der 
sich auch durch Verminderung der Ernten dokumentirte. Dieselbe Beobachtung 
wurde auch auf den unausgesetzt mit Gerste kultivirtcn Böden gemacht. 

Wenn sonach angenommen werden kann, daß die Pflanzen für ihren Bedarf 
an Stickstoff auf den Stickstoffvorrath im Boden angewiesen sind, so fragt es sich, 
wie damit die auch von den Vcrff. bestätigte Thatsache, daß man stets reichere 
Kornernten nach Klee und ähnlichen Gewächsen erhält, zu erklären sei. Daß 
letztere Gewächse wegen ihres Stickstoffreichthums dem Boden sehr beträchtliche 
Mengen an dem in Rede stehenden Elementarstoff, und weit größere als die Ce- 
realien, entziehen, geht aus mehreren diesbezüglichen Bodenanalysen hervor. 
Dennoch ist das Körnererträgniß ein höheres, wenn die Cerealien nach Klee 
angebaut werden, als in dem Fall, wo sie sich selber folgen. So wurde z. B. 
einem Felde, welches nach sechs Kornernten, in künstlichem Dünger gewachsen, 
1873 halb mit Klee und halb mit Gerste bebaut war, in der Ernte entzogen per 
Acre und Jahr 

bei Klee .... 153,3 il N 
„ Gerste . . . 37,3 „ „ . 

Die nach Klee folgende Gerste ergab 1874 in der Ernte 69,4 ff N, die nach 
der Gerste folgende Gerste in demselben Jahr 39,1 ff N. Die im Herbst 1873 
nach der Ernte entnommenen Bodenarten ergaben in der 9 Zoll mächtigen Damm- 
erde beim Rothkleeland 0,1566«/o N, beim Gerstcnland nur 0,1416°/o N, obwohl 
im letzteren Fall in der Ernte viel weniger an N entnommen war. 

Die auch durch diese Versuche erwiesene Thatsache, daß in der gewöhnlichen 
Kultur eine Getreideernte nach einer Klceernte im Boden eine größere Menge 
Stickstoff findet, als wenn sie einer anderen Ernte von Cerealien folgt 1 ), könnte 
zu Gunsten der Hypothese sprechen, .daß der Stickstoff der Klceernte aus der 
Atmosphäre entnommen ist. Indessen, wenn man die wohlbekannten Eigentümlich- 
keiten der verschiedenen Hülsenfrüchte erwägt, welche man in die Fruchtwechsel- 
wirthschaften eintreten läßt, wird man finden, daß ihre Fähigkeit Stickstoff auf- 
zunehmen und zur Vermehrung der folgenden Ernten beizutragen, proportional 
ist der Lebensdauer der Pflanzen und der Entwickelung ihrer Wurzeln. So weiß 
Jedermann, daß die Luzerne, die Esparsette und der rothe Klee stärkere Erträge 
ohne Dünger geben und den Pflanzen, welchen ihnen folgen, einen beträchtlicheren 
Rückstand hinterlassen, als der weiße Klee und der Sommer-Lolch. 

Wenn man andererseits die Entwickelung eines Gcrstenfcldes und eines mit 
rothem Klee verfolgt, die beide fast gleichzeitig besäet worden sind, so wird man 
finden, daß, wenn die Gerste reif ist, die lebhafte Entwickelung des Klee's kaum 
angefangen hat, so daß diesem zum Sammeln der Nährstoffe das Ende des Sommers, 
der ganze Herbst und die Zeit, welche bis zum Herbst des folgenden Jahres 
verfließt, bleibt. Wenn das Leben der Gerste schon geendet hat, ist die Bildung 
der Salpetersäure noch sehr lebhaft. 



«) Vergl. die Versuche von r. P. Dtherain. Diese Zeitschrift. Bd. VI. 1883. 8. 61 uud 
die für die 8tickstoffaammhing der I^guminosen und Wiesenpflanzen vom Ref. gegebene 
wissenschaftliche Erkläruug in der deutschen landw. Presse 1883. Nu 89. 



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Neue Litteratur. 



197 



Zu den ökonomischen Funktionen des Klees muß man sicherlich die zählen, 
den Stickstoff der Salpetersäure des Bodens aufzuhalten und anzuhäufen, welche 
ohne dies durch die Wasser des Herbstes und des Winters fortgeführt werden 
würde. 

In Bezug auf die Frage, ob die Leguminosen ihren Stickstoff aus der At- 
mosphäre entnehmen, lassen allerdings gewisse bekannte Umstände, welche sich 
auf die Entwickelung der Leguminosen beziehen, eine solche Vorstellung zu. Unter 
anderen seien angeführt die allgemeine Gleichgültigkeit, welche diese Pflanzen für 
den Stickstoff zeigen, den man ihnen direkt im Dünger liefert; der Vortheil, den 
ihnen zuweilen die Anwendung rein mineralischer Dünger bereitet; die Zunahme 
des Stickstoffs in den obersten Schichten des Bodens nach ihrer Entwickelung, 
endlich die Verbesserungen, die sie in den Ernten der Getreide veranlassen, welche ' 
ihnen folgen. 

Aber andererseits erklärt diese Theorie keineswegs, warum die Leguminosen, 
welche den meisten Stickstoff aufnehmen, am wenigsten häufig auf demselben 
Boden gezogen werden können; warum es unmöglich gewesen, Klee kontinuirlich 
auf einem gewöhnlichen Ackerfelde zu ziehen, das gleichwohl im Stande war, 
ziemlich gute Getreideernten zu geben; warum der einzige Umstand, unter welchem 
man Klee kontinuirlich unter den vorliegenden Verhältnissen erhalten konnte, 
der gewesen, daß der Boden viel reicher an Stickstoff war und an anderen 
Elementen (Gartenerde) als die Ackererde; endlich warum die unter diesen Um- 
ständen erhaltene Ernte von einer schuellen Abnahme der Menge des im Boden 
enthaltenen Stickstoffs begleitet gewesen. 

Wohl ist es richtig, daß man durch die Analyse nicht hat deutlich beweisen 
können, daß der Untergrund einer gewöhnlichen Ackererde, der eine Kleeernte 
gegeben, ärmer an Stickstoff ist, als der eines Bodens, der beständig Getreide 
geliefert hat. Aber wenn man bedenkt, daß 1 ha der Ackererde von Rothamsted, 
bis zur Tiefe von 1,37 m genommen, fast 24 700 kg Stickstoff enthält; daß ver- 
schiedene Proben des Untergrundes desselben Feldes nicht immer dieselbe Menge 
dieses Stickstoffs haben; daß die Analyse nur auf 6 bis 13 gr dieser Erde sich 
bezieht, und namentlich , daß man die Kultur dieser Pflanzen mit tiefen Wurzeln 
nur in Zwischenräumen von 8 bis 12 Jahren erneuern kann, so wird es klar sein, 
daß es wenigstens ungemein schwierig sein muß, über diesen Punkt zu sicheren 
experimentellen Beweisen zu gelangen. 

Es ist im Grunde ein Glück für die Landwirthschaft , und auch ein Trost 
für die Schwierigkeiten, welche diese Untersuchungen darbieten, zu denken, daß 
die Stickstoffmenge, die selbst in einem verhältnißmäßig armen Boden enthalten 
ist, groß genug ist, daß eine Messung der Verluste, denen er unterliegt, nur nach 
Versuchen möglich ist, die durch eine sehr lange Reihe fortgesetzt sind. Es ist 
zu erwarten, daß die in Rothamsted ausgeführten Versuche in Zukunft für die 
Abstammung des Stickstoffs der Pflanzen aus dem Boden sicherere Beweise als 
bisher liefern werden. E. W. 

iT. B. Lawes, J. BT. Gilbert und Ii. Wartngton. Der Stickstoff 
in Form von So Ipeter säure in dem Ober- und Untergrund einiger Felder 
in Rothamsted. Journ. of the royal agricultural Society of England. Vol. XIX. 
Part II. 

E. Wo 11 uy, Forschungen IX. 14 



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198 



Physik des Bodens: 



Die Schlußfolgerungen, welche die Verff. aus vorliegenden von zahlreichen 
analytischen Belegen begleiteten Untersuchungen ziehen, sind wie folgt präcisirt: 

1. Die Boden in den drei Lysimeterrt von 20, 40 und 60 Zoll, welche seit 
13 Jahren ungedüngt und unbebaut geblieben sind, haben während der letzten 
6 Jahre im Durchschnitt 40,2 Pfund StickstofF in Form von Salpetersäure pro Acre 
und Jahr in dem Drainwasser geliefert. Die Bildung der Nitrate geht am inten- 
sivsten im Sommer vor sich; die geringste Menge Nitrate findet sich in den 
Drainwassern im Frühjahr, die größte im Juli oder in dem ersten darauffolgenden 
Monat, in welchem die Drainage stark fließt. 

2. In drei in gutem Zustande befindlichen Böden von Rothamsted, welche 
seit der Ernte des vorhergehenden Jahres brach lagen,, wurden 56,5, 58,8 und 
59,9 Pfund Stickstoff als Salpetersäure per Acre in der Tiefe bis zu 27 Zoll im 
September und Oktober gefunden. Nach einem trockenen Sommer finden sich die 
Nitrate in der Nähe der Bodenoberflache, nach vielem Hegen in tieferen Schichten. 
Wenn die während der Brachezeit (15 Monate) von den Verff. unter einer Tiefe 
von 27 Zoll ermittelten Nitratmengen, als durch die Drainage abgeführt, an- 
genommen werden, so entspricht die Gesammtproduktion von Nitraten 80 Pfund 
Stickstoff pro Acre. Befindet sich der Boden im schlechten Zustande, so ist die 
producirte Nitratmenge während der Brache geringer. 

In erschöpftem, aber vier Jahre uubebaut gelassenem Lande wurden nur 
sehr geringe Mengen Nitrate in dem Untergrund bis zu einer Tiefe von 6 Fuß 
gefunden. Der Untergrund war jedoch mit Wasser gesättigt und es scheint daher 
möglich, daß ein Theil der Nitrate durch chemische Reduktion zerstört worden ist. 

4. In Böden, die mit Cerealien bebaut sind und kein Uebermaß von stick- 
stoffhaltigem Dünger erhalten haben, finden sich in den oberen Schichten während 
des Sommers nur sehr gcriuge Mengen Nitrate, weil dieselben von den Pflanzen 
vorher assimilirt worden sind. Fällt nach der Ernte Regen, und besonders, wenn 
das Land gepflügt ist, so beginnt eine beträchtliche Salpeterbildung. Während 
des Winters sind stets Nitrate vorhanden, trotz des Verlustes durch Drainage, da 
eine langsame Salpeterproduktion stets im Gange ist. Im späten Frühjahr und 
Anfangs Sommer verschwinden die Nitrate, wenn das Land sich unter Pflanzen 
befindet. 

5. Von den Böden der verschiedenen Parzellen des Broadbalk- Weizenfeldes 
wurden im Oktober 1881 Bodenproben bis zur Tiefe von 27 Zoll entnommen. 
Nach der Ernte war viel Regen gefallen und die Bedingungen für die Salpeter- 
bildung waren daher sehr günstig. Die Nitrate befanden sich nahe der Boden- 
oberfläche; ihre Menge verhielt sich in den drei je 9 Zoll tiefen Schichten wie 
100 : 59 : 31. 

6. Die ungedüngten Parzellen enthielten 15,0—17,9 Pfund Stickstoff als 
Salpetersäure per Acre bis zu einer Tiefe von 27 Zoll, die mit Mineralstoffen 
allein gedüngten Parzellen: 21,2—24,3 Pfund, die mit 400 Pfund Ammoniaksalz 
oder mit 550 Pfund Natronsalpeter und Mineraldünger gedüngten Parzellen : 
24,6—39,8 Pfund. Wurden die Parzellen mit solchen stickstoffhaltigen Substanzen 
ohne Beisatz von Mineraldünger gedüngt, so enthielt der Boden 28,3 — 54,1 Pfund, 
bei einer Düngung von 1700 Pfund Rapskuchen 34,2 Pfund und bei einer solchen 
von 14 Tons Stalldünger 52,2 Pfund. Die Rapskuchen und der Stalldünger waren 



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Neue Litteratur. 



199 



im Torhergehenden Herbst angewendet worden, die Ammoniaksalze und der 
Katronsalpeter im März. 

7. Auf den Parzellen, welche keinen stickstoffhaltigen Dünger oder keine 
übergroßen Quantitäten Ammoniaksalze resp. Salpeter erhalten hatten, stammten 
die gefundenen Nitrate zweifelsohne aus den stickstoffhaltigen Substanzen des 
Bodens her, welche letzteren zum Theil aus Humussubstanzen, hauptsächlich aber 
aus den Rückständen der zuletzt gewachsenen Kulturpflanzen und Unkräuter be- 
stehen. Die Menge der gefundenen Nitrate stand in einem bestimmten Verhältniß 
zur Stärke des vorhergehenden Pflanzenwuchses. Wo ein üebermaß von Natron- 
salpeter angewendet worden war, fand sich ein beträchtlicher Vorrath unbe- 
nutzter Nitrate im Untergrund. Wo Rapskuchen oder Stalldünger angewendet 
worden waren, stammten die Nitrate theilweise aus den Ueberresten dieser 
Dungsorten. 

8. Vergleicht man die Menge des Gesammtstickstoffs in den oberen 9 Zoll 
starken Bodenschichten des Broadbalk -Weizenfeldes mit der Menge der in der 
Tiefe von 27 Zoll gefundenen Salpetersäure, so scheint es, daß der Stickstoff des 
permanent ungedüngt gebliebenen Landes viel schwieriger nitrificirt wird, als der 
Stickstoff eines Bodens, welcher reiche Ernten getragen oder Rapskuchen, bezw. 
Stallmist als Düngung erhalten hat. Das alte Stickstoffkapital wird also weit 
langsamer ojydirt und in Pflanzennahrung umgewandelt, als die mehr frischen 
Rückstände der Pflanzen und der organischen Theile des Düngers. 

9. In den Böden des Hoos- Gerstenfeldes waren in den bis zu einer Tiefe 
von 27 Zoll im März 1882 gesammelten Proben die Nitrate durch den Herbst- 
und Winterregen mehr vertbeilt worden; ihre Mengen in der obersten, mittleren 
und unteren 9 Zoll starken Schicht verhielten sich wie 100 : 102 : 88. 

10. Die ungedüngte Parzelle enthielt 15,7 Pfund Stickstoff per Acre, die mit 
Mineralstoffen allein gedüngte Parzelle 20,1 Pfund, die mit 200 Pfund Ammoniak- 
salz oder 275 Pfund Natronsalpeter gedüngte, mit oder ohne Mineraldünger: 
23,3 Pfund. Die Parzellen, welche 1000 Pfund Rapskuchen erhalten hatten, ent- 
hielten mit oder ohne Mineraldünger gedüngt 30,1 Pfund, die mit Stalldünger 
versehene: 44,1 Pfund. Die Rückstände des Rapskuchens und des Stalldüngers 
haben also nicht unwesentlich zur Vermehrung der Nitrate beigetragen. Der 
Einfluß der Pflanzenrückstände auf die Steigerung der Salpeterbildung ist hier 
nicht so ausgesprochen, als auf dem Weizenfelde, weil die Gerste dem Boden 
weniger Rückstände hinterläßt, als der Weizen. 

11. Ein Vergleich der Nitratmenge, gefunden in den mit Bohnen und Klee 
besetzten Böden, mit denjenigen im brachliegenden Lande, zeigt, daß die Nitrate 
von den Leguminosen assimilirt werden. Ein ähnliches Resultat ist ersichtlich, 
wenn man eine stark und tief bewurzelte Leguminose (Boharaklee) mit einer zart- 
und kurzbewurzelten (weißer Klee) vergleicht. Die erstere nimmt bedeutend mehr 
Nitrate aus dem Untergrund auf, als letztere. 

12. Die Menge des Stickstoffs in üppigen Leguminoscnfeldern erscheint zu 
gToß, um aus den Mengen Salpetersäuren erklärt werden zu können, welche im 
Boden gefunden worden sind. Wir haben zur Zeit jedoch noch zu geringe Kennt- 
nisse von der Menge Salpetersäure in den tieferen Schichten des Untergrundes. 
Es bleibt fraglich, ob die Leguminosenbestände nicht die Fähigkeit besitzen, den 



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200 



Physik des Bodens: 



in einer solchen Form vorhandenen Stickstoff sich anzueignen, den die Cerealien 
nicht verwerthen können. 

13. Die Resultate, welche bei den Böden des Broadbalk -Weizenfeldes sich" 
ergeben haben, verglichen mit den bei der Untersuchung der Draiuwasser er- 
haltenen, bestätigen den schon früher aufgestellten Satz, daß eine Schätzung des 
Verlustes, welcher bei einer 60 Zoll tiefen Drainage und bei einer Drainage des 
Weizenfeldes gefunden wurde, zu niedrig ist. Es ist augenscheinlich, daß be- 
deutendere Mengen von Nitraten in den Untergrund wandern, als eine solche 
Berechnung zeigt. 

14. Es ist eine offene Frage, ob unter gewissen Umständen und besonders, 
wenn der Untergrund mit Wasser gesättigt ist, die in die tieferen Schichten des 
Untergrundes geführten Nitrate desoxydirt werden oder in welchem Umfange die 
Nitrate, welche nicht reducirt wurden, oder der Drainage entgangen sind, bei 
trockenem Wetter nach oben geführt oder den tief wurzelnden und stark ent- 
wickelten Pflanzen zugänglich sind. E. W. 

H. Joulie. Flxirung des Stickstoffs Im kultivlrten Boden. Annales 
agronomiques. T. XII. No. 1. 1886. p. 5-16. 

Die von lierthdot angestellten Untersuchungen 1 ), welche ergeben hatten, daß 
der ungebundene Stickstoff der Atmosphäre unter dem Einfluß von Mikroorganismen 
fixirt werde, geben dem Verf. Veranlassung, ähnliche Thatsachen mitzutheilen, 
welche er in seinen Vegetationsversuchen seit einer Reihe von Jahren beobachtet hat. 

Diese Versuche wurden in gläsernen etwas konischen Töpfen ausgeführt, 
welche vier Seitenspalten bis 3 cm über dem Boden hatten und unten mit 500 
grm gesiebten Glasstückcheu « 0,010 m), darüber mit 1500 grm Erde, welche 
mit dcstillirtem Wasser angefeuchtet und mit den erforderlichen Nährstoffen ver- 
sehen wurde, gefüllt worden war. Die Töpfe wurden in Glasgefäße von 5—6 cm 
Höhe gestellt, in welchen sich destillirtes Wasser befand. Letzteres stieg durch 
Kapillarität in den Glasstücken zum Boden auf und erhielt denselben in einem 
gut feuchten Zustande. Die Luft hatte freien Zutritt zum Boden durch die Sei- 
tenspalten der Gefäße. 

Im Jahre 1883 wurden zwölf Doppelvegetationsversuche ausgeführt mit einer 
thonig-kieseligen Erde, welcher theils Mineralstoffc, theils stickstoffhaltige Sub- 
stanzen zugeführt wurden. Die Töpfe wurden derart aufgestellt, daß sie gegen 
Regen und Vögel geschützt, jedoch dem ungehinderten Zutritt der Luft ausgesetzt 
waren. Am 30. Juni wurde jeder Topf mit sechs gekeimten Buchweizensamen be- 
säet. Die Pflanzen wurden am 6. September geerntet, worauf am 15. September 
eine neue Ansaat mit Raygras und Bastardklee erfolgte. Im März, am 20. Juni und 
21. August wurde das Futtergemisch geschnitten. Sowohl der Boden, als auch 
die Ernten wurden auf ihren Stickstoffgehalt untersucht. Die Bilanz zwischen Ein- 
nahme und Ausgabe stellte sich wie folgt: 



') Vcrgl. diese Zeitschrift. Bd. IX. 1886. 8. 70. 



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Neue Litteratur. 



201 



1 

Düngung 


Eingeführter 
Stickstoff 


Wiedergefundener 
Stickstoff 


Stickstoff- 
Gewinn 
+ 


Im 

Boden 


im 
Dünger 


Tfttal 


im 
Boden 


in den 
Ernten 


Total 


u. -Verlust 




W . 




Kr 




& 




trr 

... S 1 ^ 


1. l ngedungt 

2. Mineraldünger (ohne Stickst.) 

3. Kompleter Dünger (8tickstoff 
Als Salpetersäure) 


1,56 
1,56 

1,56 


0,30 


1,56 
1,56 

1,86 


1,685 
1,719 

1,895 


0,3658 
0,3540 

0,5163 


2,0508 
2,0730 

2,4113 


+ 0 4908 
+ 0,5130 

+ 0,5513 


4. Mineraldünger u. 20 gr Kalk- 
karbonat 


1,56 




1,56 


1,829 


0,3390 


2,1680 


+ 0,6080 


5. Mineraldüngern. lOgr gelösch- 
ter Kalk 


1,56 




1,56 


2,042 


0,3834 


2,4254 


+ 0,8654 


6. Kompleter Dünger ohne Phos- 


1,56 


0,30 


1,86 


1,599 


0,4886 


2,0876 


+ 0,2276 


7. Kompleter Dünger ohne Kali 

8. Stalldünger (mit 0,4 gr Stick- 
stoff) 

** tttulIHfinirpr n 90 trr Knllrlrnr- 
3f . niaiiuuiiger u, zv rvuiKimr- 

bonat 


1,56 
1,56 
1,56 


0,30 
0,40 
0,40 


1,86 
1,96 
1,96 


1,825 
1,752 
1,857 


0,3110 
0,3754 
0,3679 


2,1360 
2,1274 
2,2249 


-f 0,2760 
+ 0,1674 
-f 0,2649 


10. Mineraldünger + Blut (mit 
0,4 gr Stickstoff) 

1 1 . Mineraldünger + Blut u. 20 gr 
Kalkkarbonat 

IS. Kompletter Stalldünger 


1,56 

1,56 
1,56 


0,40 

0,40 
0,40 


1,96 

1,96 
1,96 


1,759 

1,523 
1,716 


0,5564 

0,4234 
0,3814 


2,3154 

1,9464 
2,0974 


+ 0,3554 

- 0,0136 
4- 0,1374 



Es ergab sich somit bei 11 Versuchsreihen unter 12 ein Gewinn des Bodens 
an Stickstoff und nur in einem Versuch ein Verlust. 

Im Jahre 1884 hat Verf. eine neue Reihe von Versuchen eingeleitet, in 
welchen Sand (von Fontainebleau) statt Thon verwendet wurde. Es wurde wiederum 
jedes Gefäß, nach Zuführung der Düngemittel, mit Buchweizen beschickt. Auch 
in diesen Versuchen ergab sich in 11 Fällen ein Gewinn an Stickstoff, der zwar 
geringer war, als in obigem Versuch, aber doch mit Deutlichkeit hervortrat. 

Die von Berthelot behauptete Mitwirkung von Mikroorganismen bei dieser 
Stickstoffbindung glaubt Verf. nicht leugnen zu dürfen, jedoch weist er darauf hin, 
daß der Thon bei diesem Vorgang nicht allein eine Rolle spiele, sondern daß auch 
Sand, wie nachgewiesen, zur Stickstoffsammlung beitrage. Der Mitwirkung der 
Vegetation bei der in Rede stehenden Erscheinung wird vom Verf. keine Rolle 
beigemessen, obwohl nicht anzunehmen sei, daß die höheren Gewächse nicht die- 
selben chemischen Verbindungen erzeugen könnten, wie die Mikroben (?). Aber 
die gefundenen Zahlen lehrten, daß der Topf, welcher die höchste Ernte geliefert, 
nur einen Gewinn von 0,551 gr Stickstoff ergeben, während die Ernte, welche den 
höchsten Zuwachs an Stickstoff gegeben hat, nämlich von 0,865 gr, bedeutend 
geringer gewesen ist; weiter ergab eine Ernte von 12,8 gr sogar einen Stickstoff- 
verlust, wohingegen eine solche von nur 8,8 gr einen Gewinn von 0,216 gr Stick- 
stoff aufwies. Vorr größerer Wichtigkeit als die Vegetation scheint nach vor- 
liegenden Versuchen die Zusammensetzung des Bodens und des Düngers zu sein. 
Beispielsweise steigerte der Natronsalpeter die Ernte bedeutend, vermehrte aber 
den Stickstoffgewinn gar nicht Dagegen zeigte sich der Kalk nach dieser Rich- 
tung von großer Wirksamkeit. Stallmist und Blut verminderten den Stickstoff- 



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202 



Physik des Bodens: 



Zuwachs und machten denselben in einigen Fällen negativ. Bemerkenswerth ist 
auch der Umstand, daß die Bindung des Stickstoffs sehr bedeutend abnahm, wenn 
dem Mineraldünger die Phosphorsäure oder das Kali fehlte. 

Verf. gelangt schließlich zu dem Schluß, daß die Stickstoffbindung durch den 
kultivirten Boden ein physiologischer Vorgang sei, einestheils bedingt durch die 
Mikroorganismen 1 ), andererseits durch die lebende Pflanze. Auf jeden Fall sei 
die Frage noch keineswegs genügend gelöst und deshalb die Anstellung weiterer 
Versuche erforderlich. E. W. 

P. P. DeJUrain. Ueber die Bereicherung eines Grasbodens an Stick- 
stoff. Annales agronomiques. T. XII. No. 1. S. 17—24. 

Im Anschluß an frühere Versuche») wurden solche neuerdings vom Verf. 
eingeleitet, um weitere Anhaltspunkte über die Stickstoff bereicherung des Bodens 
bei verschiedenen Kulturen zu gewinnen. Es wurden zu diesem Zweck vom Verf. 
auf den Parcellen, welche erst Rüben, dann Futtermais, schließlich Esparsette 
getragen hatten, ein Gräsergemisch ausgesäet. Aus den mit besonderer Sorgfalt 
ausgeführten Analysen wurde der Stickstoffgewiun und Verlust berechnet. Es 
stellten sich hierbei folgende interessante Daten heraus: 

Stickstoffgehalt d. Bodens pro ha in Kilo 
Zeit Boden 
der 1875, 76, 77 mit 

Kulturen Probe- Stalldünger gedüngt 

nähme 
1875 



Boden 

dann ohne Dünger ungedüngt 

7854 7854 



1879 
1881 
1885 



5775 
6352 
6814 



5621 
5775 
6352 



Luzerne 1870—1875 
Rüben 1871-1877 j 
Futtermais 1878 ) 
Esparsette 1879 -1881 
Esparsette 1882-1883 1 
Gras 1884-1885 i 

Während demnach durch den Bau der Rüben und des Mais eine beträcht- 
liche Verarmung des Bodens stattgefunden hatte, wurde derselbe durch den Anbau 
von Esparsette und Gras nicht unbedeutend an Stickstoff bereichert. Der be- 
treffende Zuwachs betrug seit 1881: 462 resp. 477 KU. pro ha. 

Um den gesammten Gewinn festzustellen, ist es natürlich nöthig, die durch 
die Ernten dem Boden entzogenen Stickstoffmengen zu kennen. Es wurden 
deshalb die Ernten analysirt und dabei gefunden, daß die Stickstoffentnahme auf 
der gedüngten Parcelle von 1882—1885 : 487, auf der ungedüngten 344 Kilo pro 
ha betrug. Hiernach stellt sich die Berechnung des Gesammtgewinns, wie folgt: 

Stickstoffgewinn Stickstoffgchalt Totalgewinn an 
durch den Boden der Ernten Stickstoff 

Im Ganzen pro Jahr 
Kilo Kilo Kilo Kilo 

Gedüngter Boden 462 487 949 237 

Ungedüngter i 477 344 821 205 



>) Vergl. A*. Won»,,. Die Tätigkeit niederer 
Vieweg und Sohn. 

») Diese Zeitschrift Bd. VI. 1883. 8. 16-Gi». 



Organismen im Boden. Braunschweig 1883. 



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Neue Liüeratur. 203 



Ans diesen Zahlen kann gefolgert werden, daß der Boden des Versuchsfeldes 
von Grignon sich an Stickstoff bereichert hat, während er mit perennirenden 
Leguminosen und Grasern bestanden war. 

Die Ursache der Bereicherung beruhe darauf, daß das Ammoniak der At- 
mosphäre den Stickstoffgehalt vermehre (Schlösing), oder daß der Stickstoff der 
Luft unter dem Einfluß niederer Organismen fixirt werde {Berthelot). Verf. glaubt, 
daß überdies auch die in den Grundwässern auftretenden Nitrate hierbei eine 
nicht zu vernachlässigende Rolle spielen. Diese würden, wenu die wasserführenden 
Schichten nicht zu tief liegen, von den Wurzeln tiefwurzelnder Gewächse auf- 
genommen oder durch Diffusion nach den nitratärmeren Schichten nach oben 
geführt. Welches nun auch die Quellen für diese Aufspeicherung stickstoffhaltiger 
Verbindungen seien, die alte Ansicht der. Landwirthe über die Verbesserung des 
Wiesenbodens werde nach vorliegenden Versuchen bestätigt. E. W. 

B. WaringUm. Ueber einige Veränderungen, welchen die stickstoff- 
haltigen Substanzen im Roden unterliegen. A lecture delivered at South 
Kensington on 16. April 1883. London. 1883. 

In vorliegender Abhandlung liefert Verfasser an der Hand der in Rotham- 
sted angestellten Kulturversuche einen Beitrag zu der Frage über die Herkunft 
und die Veränderungen der stickstoffhaltigen organischen Bestandtheile des Bodens. 
Der Boden des 38 Jahre hindurch mit Weizen bebauten und alljährlich mit den- 
selben Düngemitteln gedüngten Broadbalk-Feldes zeigte folgende Verhältnisse. 



Ungedüngt 







Mineral- 


Mineral- 


Mineral- 


Ammoniak- 


dünger und 


dünger und 


dünger 


salze 


Ammoniak- 


Ammoniak- 


salze 


salze 




40« Pfund 


200 Pfund 


4on Pfund 



Stalldünger 



Durchschnittlicher jährlicher Ertrag (Körner und Stroh) per Acre, 1852—1881 
% ff ff ff ff ff 

2227 2394 3450 3954 5710 5695 

Stickstoff, Procente, in den obersten 9 Zoll des Bodens') 
0,092 0,098 0,103 0,111 0,121 0,184 

Kohlenstoff, Procente, in den obersten 9 Zoll des Bodens») 



1,010 1,033 



1,095 



1.205 



1,267 



2,132 



Stickstoff als Salpetersäure per Acre bis zu 27 Zoll Tiefe des Bodens 1 ) 
S U U 8 ff ff 

16,3 25,1 33,8 29,4 40,1 51,8 



Man sieht deutlich, daß der Gehalt des Bodens an Stickstoff und Kohlen- 
stoff um so höher ist, je reichlicher die Ernte war. Analoge Verhältnisse zeigte 
der Boden des kontinuirlich mit (ierste bebauten Feldes, wie aus folgenden Zahlen 
hervorgeht : 

') Oktober 1881. 



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204 



Physik des Bodens: 



Ungedüngt 


Super- 
phosphat 


Ammoniak- 
salze 


Superphos- 
phat und 
Ammoniak- 
salze 


Rapskuchen 


»^tallilunger 


Durchschnittlicher jährlicher Ertrag (Korn und Stroh) per Acre, 


1852-81. 


ff 


ff 


ff 


ff 


8 


ff 


2150 


2604 


3609 


5368 


5243 


6040 


Stickstoff, Procente, in den obersten 9 Zo\\ des Bodens 1 ) 


0,093 


0,090 


0,090 


0,102 


0,123 


0,211 



Kohlenstoff, Procente in den obersten 9 Zoll des Bodens 1 ). 

1,021 | 0,957 | 1,026 | 1,060 | 1,327 | 2,486 

Stickstoff als Salpetersäure bis zu 27 Zoll Tiefe des Bodens 1 ), 
ff ff ff ff * t 

16,9 | 19,2 | 22,9 | 27,6 | 32,1 j 45,5 



Auch diese Zahlen lassen erkennen, daß der Stickstoffgehalt der Versuchs- 
parzellen mit der Höhe der vorhergegangenen Ernte steigt Ein hoher Stickstoff- 
gehalt ist aber stets von einem hohen Kohlenstoffgehalt begleitet, weshalb mit 
Sicherheit geschlossen werden darf, daß der im Boden vorhandene Stickstoff zum 
größten Theil in derselben Form vorhanden ist, in welcher er sich in den Ernte- 
rückständen findet. Der Annahme, daß sich der Stickstoff in Form von Ammoniak, 
und zwar von demjenigen der Düngungen mit Ammoniaksalzen herrührend im 
Boden befindet, stehen rfußer dem vorerwähnten Grunde die Ergebnisse derjenigen 
Versuche entgegen, welche in Rothamsted über die Zusammensetzung der Drain- 
wässer angestellt wurden. Letztere zeigten, daß das von den Pflanzen nicht 
assimilirte Ammoniak im Boden in kurzer Frist in Salpetersäure übergeführt wird, 
welche alsdann einer Auswaschung durch die Drainwässer unterliegt 

Zu den Feldfrtichten, welche am meisten geeignet sind, den Stickstoffvorrath 
im Boden zu erhalten resp. zu erhöhen, gehören vornehmlich jene, welche die 
größte Menge von Ernterückständen liefern. Die erste Stelle nehmen in dieser 
Beziehung permanenter Graswuchs, Klee u. s. w. ein, während auf der anderen 
Seite als Stickstofferschöpfer die Wurzelgewächse stehen. 

Die die Veränderungen der stickstoffhaltigen organischen Stoffe im Boden 
behandelnden Stellen in vorliegender Abhandlung können hier übergangen werden, 
weil Verfasser hierbei vornehmlich auf die Drainwasseruntersuchungen in Rotham- 
sted, sowie auf die Arbeiten von Deherain und Maquenne, Gayon und Dupetit, 
über welche bereits in dieser Zeitschrift referirt wurde, zurückgreift. E. W. 

v, Rautier, Die Dünen, ihre Befestigung und Bewaldung (russisch). 
Zeitschr. für Land- und Forstwirtschaft (russisch). 1884. Petersburg. 



•) März 1882 



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Nene Litteratur,. 



205 



Der Verfasser behandelt im ersten Kapitel die Eigenschaft, die Entstehung, 
Bewegung u. s. w. der Dünen. In Bezug auf die Höhe der Dünen an den Ufern 
der Ostsee mögen folgende Zahlen fflr die zu Rußland gehörigen Gebiete gelten: 
In der Nähe von Libau die Dünen: Kflppe-Kalus 72 m; Nagge-Kalus 40,5 m; 
Plikke-Kalua 39,5 m. Im finischen Meerbusen bei Kronstadt finden sich Dünen 
von 2-5,2; 23,4 und 15,3 m Höhe (Barometennessungen). 

Zur Feststellung der Bewegung der Dünen wurden die Abstände von fünf 
Kiefern gemessen und das Vorrücken der Düne nach drei Monaten gemessen. 
Die Auswahl der Bäume erfolgte so, daß die Bewegung der Düne in allen ihren 
Theilen verfolgt werden konnte. Es ergab sich die auch sonst beobachtete That* 
sache, daß die Dünen am raschesten in der Mitte vorschreiten, während an den 
beiden Flügeln die Bewegung eine viel langsamere ist. Die gefundenen Zahlen 
sind folgende: 1 Kiefer 0,38 m; 2 Kiefer 0,66 m; 3 Kiefer 0,82 m; 4 Kiefer 
0,16 m; 5 Kiefer 0,04 m. 

Die folgenden Abschnitte behandeln die physikalischen Eigenschaften des 
Dünensandes, das Verhalten gegen Wärme, Wasser, Korngröße u. s. w. Ueber 
die Korngröße theilt Verfasser eine erhebliche Anzahl von Beobachtungen mit. 
Er bestimmte dieselbe für sechs verschiedene Dünengebiete: 

Dünen bei: 



Korngröße Systerbeck 


Narva Reval 


Magnushof 


Windau 


Libau 


(nnw Kronstadt) 




(b. DUnamünde) 






• 


•/• 


o/o 


•/o 




•/• 


•/• 


0,1-0,2 mm 


19 


51 




57 


4 


40 


0,2-0,3 » 


37 


44 


4 


43 


42 


53 


0,3-0,4 » 


21 


4 


11 




31 


3 


0,4-0,5 » 


18 


1 


19 




20 


4 


0,5-0,6 » 


2 




19 




2 




0,6-0,7 » 


2 




22 




1 




0,7-0,8 » 


1 




11 








0,8-0,9 9 






7 








0,9 — 1 mm u. mehr 






7 








Mittl. Größe d. Sandes 0,29 


0,19 


0,59 


0,18 


0,32 


0,20 


Durch Analyse 


wurden die in Salzsäure löslichen Bestandteile festgestellt 




Systerbeck Narva 


Reval 


Dünamündc 


.Windau 


Libau 


Unlöslich in Salzsäure 


98,03 


97,52 


98,21 


99,21 


92,45 


98,45 


Glüh verlust 


0,31 


0,57 


0,44 


0,16 


0,64 


0,28 


In Salzsäure löslich : 














Gesammtmcnge 


1,97 


2,48 


1,51 


0,79 


7,55 


1,55 


Kalkerde 


0,128 


0,675 


0,097 


0,092 


2,910 


0,350 


Schwefelsäure 


0,023 


0,020 


0,010 


0,030 


0,034 


0,047 


Magnesia 


0,085 


0,150 


0,087 


0,055 


0,238 


0,082 


Pbosphorsäure 


0,040 


0,072 


0,014 


0,013 


0,006 


0,024 


Eisenoxyd u. Thonerde 1,355 


0,696 


0,826 


0,422 


0,616 


0,531 



206 



Physik des Bodens: 



Kieselsäure 


Systerbeck 


Narva 


Reval 


Dünamünde 


Windau 


Libau 


X J IMMUN III OUIaüiIUI V 


0 046 


0 (IHR 


0,070 


0,023 


0,071 


0,041 


2) löslich in Alkalien 


0,725 


0,320 


0,635 


0,465 


0,583 


0,647 


Kohlensäure 


0,122 


0,355 


0,076 


0,072 


2,178 


0,239 


Alkalien und Verlust 


0,171 


0,446 


0,330 


0,083 


1,487 


0,236 


Es ergiebt sich 


so, daß im 


Ganzen 


der Dünensand kein 


armer Boden ist, 



namentlich muß der hohe Kalkgehalt des Windauer Dünensandes auffallen; stehen 
doch viele Sande des nordischen Flachlandes, die gut bewaldet sind, im Gehalt 
an löslichen Stoffen erheblich hinter diesen Dünensanden zurück, nur der Wind 
schaffit die Unkultur jener Gebiete. Ist die Bindung der Dünen erst gelungen, 
so ist der Waldbestand meist erträglich; bisher sind im wesentlichen die Dünen 
bei Libau und Windau aufgeforstet. 

Von Interesse ist auch was der Verfasser über die Vegetation der Dünen 
mittheilt. Er unterscheidet: 

1. Pflanzen zwischen Strand und Vordünc (Halianthus peploides; Kakile 
maritima). 

2. Pflanzen in Dünenkehlen: Thymus serpyllum; Dianthus arenaria; Liuaria 
vulgaris, Hieracium umbellatum, zahlreiche Sumpfpflanzen. 

. Die Pflanzen der eigentlichen Dünen. Hier zeigt sich nun an Zahl der 
Arten ein ganz erheblicher Unterschied. Während die ärmlichen Sande 
von Reval und Dünamünde fast nur Elymus arenarius und Festuca rubra 
var. arenaria tragen, finden sich bei Systerbeck noch: Festuca rubra, Calama- 
grostis epigeios; Aira flexuosa; Empetrum nigrum, Campanula rotundi- 
folia; Arctostaphylos uva ursi; Thymus serpyllum u. A. Selten findet sich 
Salix acutifolia. Noch zahlreicher ist die Flora von Narva, wo sich außer 
den meisten der vorgenannten Pflanzen noch finden : Galium verum, Veronica 
spicata, Gnaphalium dioicum, Astragalus arenarius, Dianthus arenarius, 
Arabis hirsuta und sehr reichlich Salix acutifolia. 

E. Ramann (Eberswalde.) 
H. Fischer. Beitrag zur mechanischen Untersuchung plastischer 
Körper. Civil-Tngcnieur. 1885. N. F. Bd. XXXI, S. 481. 

J. Soyka. Bakteriologische Untersuchungen Ober den Einfluß des 
Bodens auf die Entwickelang von pathogenen Pilzen. 1. Mittheilung. Boden- 
feuchtigkeit und Milzbrandbacilius. Fortschritte der Medicin. Bd. IV. 1886. Nr. 9. 

J. B. Lawes und J. II. Gilbert. On some Points in tue Composition 
of Solls. Journ. of the ehem. Soc. 1885. Vol. XLV1I. p. 380. 

E. Laurent, Les Microbes dn Sol. Recherches experimentales sur leur 
utilitd pour la croissance des vegetaux supeneurs. Bull, de l'Acad. R. de Belg. 
3. Serie. T. XI. Nr. 2. 1886. 

A. A. Schmied. Die Bodenlehre. Prag. 1886. Ottomar Beyer. 
E. W. Dafert. Ueber das Wesen der Bodenkunde. Eine kritische 
Studie. Undw. Jahrbücher. Bd. XV. 1886. S. 243. 

«7. Erilh. Kritische Beitrage zur Kenntniß des Torfes. Jahrbuch d. 
k. k. geol. Reichsanstalt in Wien. 1885. Heft 4 S. 677. 



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II. Physik der Pflanze. 

Mittheilungen aus dem agrikulturphysikalischen Laboratorium und Versuchs 
felde der technischen Hochschule in München. 



XXXVII. Untersuchungen über den Einfluß des spe- 
eifischen Gewichts des Saatgutes auf das Produktions- 
vermögen der Kulturpflanzen. 

Von Professor Dr. E. Wollny in München. 



Ueber den Einfluß des speeifischen Gewichtes des Saatgutes 1 ) auf die 
Entwicklung und Erträge der Kulturpflanzen ist von F. Haberlandt % 
Church\ C. Trommer A ), H. Hellriegel*) und PL Dietrich 6 ) eine Reihe 
von Untersuchungen angestellt worden, in welchen die Erträge fast aus- 
nahmslos zu Gunsten des speeifisch schwereren Saatgutes ausgefallen waren. 
Indessen kann den Ergebnissen dieser Versuche insofern keine Beweis- 
kraft beigemessen werden, als bei der Herstellung des Saatgutes, welche 
durch Salzlösungen von verschiedenem speeifischen Gewicht bewirkt wurde, 
auf die absolute Größe der Samen und Knollen keine Rücksicht genommen 
wurde und in der Mehrzahl der Fälle, sicher in den Haberlandf scheu 
Versuchen, das dichtere Saatgut zugleich das absolut schwerere war, wo- 
durch die Vermuthung nahe gelegt ist, daß die in den Erträgen hervor- 
getretenen Differenzen nur den Einfluß der zufälligen absoluten und nicht 

') Vergl. Saat und Pflege der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Handbuch 
für die Praxis. Von Prof. Dr. E. Woüny. Berlin 1885. Paul Parey. 

«) Böhmisches Centralblatt für die ges. Landeskultur 1866. S. 4. - •) Prac- 
tice with science, London 1865. S. 107. — *) Eldenaer Jahrbücher 3. S. 92. — 
*) Zweiter Jahresbericht der Versuchsstation Dahme, 1859. 8. 71. - a ) Erster Be- 
richt über einige Arbeiten der agrikultur-chemischen Versuchsstation in Heidau. 
Kassel 1862. S. 40. 



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203 



Physik der Pflanze: 



den der bestimmten specifischen Schwere der benutzten Samen zum Aus- 
druck brachten. 

Ein zuverlässiges Resultat wird offenbar nur in dem Falle zu er- 
langen sein, wo die nach ihrem specifischen Gewicht getrennten Saatgut- 
posten eine im Uebrigen, namentlich in Bezug auf Größe und Schwere, 
gleiche Beschaffenheit besitzen. Untersuchungen, welche diesen Bedingungen 
entsprechen, wurden vornehmlich von H. Hellriegel 1 ), welcher die Un- 
zulänglichkeit seiner ersten Versuche späterhin eingesehen hatte, sowie 
vom Referenten zur Ausführung gebracht. 

IL HeUriegel schied aus einer größeren Quantität Gerste Körner ab, 
deren specifisches Gewicht 1,255, 1,205 resp. 1,150 betrug und suchte 
aus jeder dieser drei Portionen mit Hülfe der Wage die Samen aus, 
welche lufttrocken zwischen 32 und 34, im Mittel also 33 mg wogen. 
Die Kultur wurde in Glasgefaßen, welche mit Sand gefüllt waren, vor- 
genommen. Letzterer wurde mit Nährstofflösung gedüngt. Das Ernte- 
resultat stellte sich bei je 8 Pflanzen im Mittel von je 3 Gefäßen, wie 
folgt: 



Specifisches Gewicht 




Ernte 








der 


Körner 


Stroh 


Je 


ein Korn der Ernte 


ausgesäeten Körner 


Zahl 


Gewicht 






wog trocken 






mg 


mg 




mg 


1,255 


143 


3815 


5308 




26,7 


1,205 


159 


4372 


5938 




27,5 


1,150 


149 


3417 


4907 




23,0 


In einem zweiten Versuch 


wurde in 


derselben Weise verfahren. Das 


absolute Gewicht der Körner (Gerste) betrug hier 37 mg. 


Specifisches Gewicht 




Ernte 








der 


Körner 


Stroh 


Je 


ein Korn der Ernte 


ausgesäeten Körner 


Zahl 


Gewicht 






wog trocken 






mg 


mg 




mg 


1,255 


174 


6490 


6188 






1,205 


215 


6275 


5988 




29,2 


1,150 


228 


6664 


6374 




29,2 



>) H. Hdlriegd, Beiträge zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des 
Ackerbaues. Braunschweig 1883. S. 54. 



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Einfl. d. spec. Gewichts d. Saatgutes a. d. Produktionsvermögen d. Kulturpflanzen. 209 



In den vom Referenten ausgeführten Versuchen wurden Erbsen von 
gleicher Größe ausgesucht und durch Salzlösung in specifisch schwere und 
leichte geschieden. Diese wurden dann auf 25 : 25 cm in Quadrat- 
stellung gedibbelt. C4 Pflanzen (pro 4qm Fläche) lieferten folgende Ernte- 
m engen : 

Varietät Spezifisches Gewicht 

der Saatkörner 
] größer als 1,310 
} kleiner als 1,285 

größer als 1,22 
kleiner als 1,19 



Viktoria-Erbse 
Mai-Erbse 





Ernte : 


Körner 


Stroh Spreu 


gr 


gr gr 


902,2 


1 286 97 


848,8 


1334 95 


720,8 


1958 - 


757,7 


2243 



Die Resultate der von ff. Hellriegel 1 ) mit Kartoffeln in gleicher 
Richtung ausgeführten zahlreichen Kulturversuche sind zur Beantwortung 
vorliegender Frage insofern nicht verwerthbar, als die specirisch schwereren 
Saatknollen in der Regel auch ein höheres absolutes Gewicht hatten und 
daher der Einfluß der Dichte der Saatknollen auf die Ertrüge nicht mit 
Sicherheit eruirt werden konnte. Als Resultat ergab sich übrigens aus 
diesen Versuchen, daß die specirische Schwere der Saatknollen keinen 
bemerklichen Einfluß Äußerte, weder auf die Entwickelung der daraus 
hervorgehenden Kartoffelpflanze und deren Ertrag überhaupt, noch auf 
die speeifische Schwere der Knollenernte im Besonderen. Aus letzterem 
Satz läßt sich im Zusammenhalt mit der Thatsache, daß der Stärkemehl- 
gehalt der Knollen mit dem speeifischen Gewicht steigt und fallt, folgern, 
daß die Hoffnung, eine Kartoffelsorte durch Auswahl speeifisch schwerer 
Saatknollen in ihrem Stärkegehalt erhöhen zu können, illusorisch ist. 

In den vom Referenten durchgeführten Versuchen waren die Saat- 
kartoffeln von verschiedenem speeifischen Gewicht von möglichst gleicher 
Größe ausgelesen und in Abständen von 60 : 60 cm angebaut worden. 
Die Resultate sind in folgender Tabelle enthalten: 



•) H. Udlrkgd a. a. 0. S. 101. 



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210 Physik der Tflanze: 



Varietät 

— " " " " ■ ■ — j 


Zahl 
dor 
Pflan- 

Mfl 


Abnola- 


r i 

1 Spfcifl- 

wicht d. 

Saat- | 

■ Ii.. „ 

knollcn 

1 


Krnte nach Zahl 


Krnte nach Gewicht 


10« ItO- 

wicht d. 
Anssaat 

Kr 


OD 

2 

(X 


mittlere 


'3 

3 


« 

E 
B 

a 

CO 


» 

e 
E 
& 

irr 


S 

■ 

3 
♦* 

B 
f 


• 

3 

fejH 
B 

M 

irr 


m 

1 
E 

2 


^rhov^rn •Ii i rf ARAm 
»7" III \"lll IVill U UIL III 


9 4 > 


17 fi 


1 15 

1,1'» 


6 


60 


30K 


374 


760 


4300 


8930 


13990 


1*77 


ff 


916 


1,05 


10 


53 


317 


380 


1230 


3880 


9160 


14270 


£%t £1:11911(1 I £Cr I\arl* 


90 


1 7 -,7 


1 17 
l,l < 


12 


70 


197 


279 


2330 


5990 


7520 


15840 


1877 


„ 


1649 


1,08 


8 


64 


191 


263 


1440 


6220 


83X0 


16040 


'Gleason-Kartoffeln 


12 


1720 


1,097 


10 


48 


90 


148 


1500 


3510 


2340 


7350 


1878 


n 


1605 


1,075 




52 


67 


124 


1015 


4245 


2225 


74-:. 


Rothe runde Kart. 


12 


1225 


1,115 


13 


68 


118 


199 


1580 


5480 


2160 


9220 


1877 


T» 


1162 


1,100 


8 


54 


143 


205 


1060 


3990 


4820 


9870 


Regensburger Kart. 


12 


1X03 


1,105 


l 


58 


125 


190 


1137 


5067 


4625 


10829 


1878 


n 


1784 

i 


1,090 




43 


135 


183 

i 


i 722 

| 


3697 


1820 


9239 



Aus diesen verschiedenen Daten läßt sich die Schlußfolgerung ab- 
leiten, daß das speeifische Gewicht des Saatgutes bei annähernd 
gleicher Schwere der einzelnen Reproduktionsorgane auf die 
Menge und Güte der Ernteprodukte keinen bemerkbaren Ein- 
fluß ausübt. 

Um ermessen zu können, ob das speeifische Gewicht des Saatgutes, 
gleiche Größe und Schwere desselben vorausgesetzt, überhaupt sich von 
Wirkung auf das Pflanzenwacbsthum erweisen werde, hat man vor Allem 
die Beziehungen der Dichte zu der stofflichen Zusammensetzung der Re- 
produktionsorgane in das Auge zu fassen. Nach den hierüber vorliegen- 
den Untersuchungen wird mit Bestimmtheit angenommen werden können, 
daß die Unterschiede in dem speeifischen Gewicht nicht auf die Menge 
der im Samenkorn enthaltenen werthbildenden Stoffe zurückgeführt werden 
können, sondern vornehmlich durch den anatomischen Bau und durch die 
Art der stofflichen Einlagerung bedingt sind. Aus diesem Grunde wird 
aus der Höhe des speeifischen Gewichtes der Werth des Saatgutes hin- 
sichtlich der Produktionsfähigkeit der aus demselben sich entwickelnden 
Pflanzen nicht festgesetzt werden können; denn es ist ganz und gar von 
der Organisation des Samenkornes abhängig, ob dasselbe bei höherem 
oder niederem speeifischen Gewicht die größere Menge der das Pflanzen- 
wachsthum fördernden Stoffe in sich einschließt. Es wird daher ans 
einem speciellen Fall, in welchem ein höheres spccifiscb.es Gewicht des 
Saatgutes eine bessere Entwicklung der Pflanzen veranlaßt hat, nicht 



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Einfl. d. spec. Gewichts d. Saatgutes a. d. Produktionsvermögen d. Kulturpflanzen. 211 

die Schlußfolgerung abgeleitet werden dürfen, daß hier eine Gesetzmäßig- 
keit zu Grunde liege. Das höhere specih'sche Gewicht wird nur unter 
der Bedingung, daß es durch eine reichlichere Menge von werthvollen • 
Reservestoffen hervorgerufen wird, oder daß die betreffenden Reproduk- 
tionsorgane gleichzeitig mit anderen vorzüglichen Eigenschaften ausgestattet 
sind, dem Wachsthum und dem Produktionsvermögen der Pflanzen Vor- 
schub leisten. Die in dieser Richtung sich geltend machenden Erschei- 
nungen lassen sich am besten an dem glasigen und mehligen' Weizen, 
sowie an den rauh- und glattschaligen Kartoffeln einer und derselben 
Varietät demonstriren. 

Den ersteren Fall anlangend, so ist durch die bisherigen Beobach- 
tungen der Beweis geliefert worden, daß die glasigen Weizenkörner 
ein höheres speeifisches Gewicht besitzen, als die mehligen. 
So fand z. B. Nowacki: 

Absolutes Gewicht Speeifisches Gewicht 

(100 Körner) 

mehlige Körner 4,7570 gr 1,3533 

glasige ,. 5,0139 „ 1,4264 

In den Versuchen des Referenten stellten sich die betreffenden 
Unterschiede, wie folgt, heraus: 

Gewicht von Volumen Speeifisches 
100 Körnern Gewicht 

Cujavischer [ mehlige Körner 3,23 gr 2,345 cem 1,3772 

Weizen I glasige „ 3,41 „ 2,390 „ 1,4265 

Kaiser- f mehlige Körner 4,53 „ 3,314 „ 1,3666 

Weizen l glasige „ 4,69 „ 3,284 „ 1,4283 

Die aus diesen Zahlen sich ergebenden Unterschiede in dem speci- 
fiseben Gewicht sind auf Grund der mikroskopischen Untersuchung darauf 
zurückzuführen, daß die - Stärkekörner in den glasigen Zellen durch 
stickstoffhaltige Zwischensubstanz dicht und fest an einander gefügt sind, 
während sich zwischen den Stärkekörnern der mehligen Körner mit Luft 
erfüllte Hohlräume befinden. Daß die Unterschiede in dem spe- 
eifischen Gewicht glasiger und mehliger Körner durch die Art der 
stofflichen Einlagerung und nicht durch die Qualität der das Endo- 
sperm zusammensetzenden Bestandtheile bedingt sind, ergiebt sich einfach 
aus der Thatsache, d»ß die glasigen Köroer von den speeifisch leichteren 



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212 



Physik der Pflanze: 



Eiweißsubstanzen (1,297) größere, von dem schwereren Stärkemehl (1,53) 
geringere Mengen enthalten als die mehligen Früchte und demnach leichter 
• sein müßten wie diese. 

Wie von NotcacJci dargethan wurde, kommt der vergleichsweise höhere 
Stickstoffgehalt der glasigen Früchte den aus denselben sich entwickelnden 
Pflanzen nicht unwesentlich zu statten, indem diese ein kraftigeres Wachs- 
thum aufzuweisen haben, als diejenigen, welche von mehligen Körnern 
abstammen. Somit war in diesem Falle das durch Einlagerung von 
Eiweißstoffen hervorgerufene höhere specifische Gewicht des Saatkornes 
mit einer Erhöhung des Produktionsverraögens der betreffenden Pflanzen 
verbunden gewesen. 

Bezüglich des zweiten oben angedeuteten Beispiels ist anzuführen, 
daß bei manchen Kortoffelsorten, deren Knollen eine rauhe Schale besitzen, 
nicht selten in manchen Jahren in größerer Menge glattschalige Knollen 
auftreten. Untersucht man beide Sortimente auf ihr speeifisebes Gewicht, 
so zeigen letztere ein niedrigeres specitisches Gewicht und dem entsprechend 
einen geringeren Stärkemehlgehalt als erstere. In den mit einer größeren 
Zahl von Knollen vom Referenten angestellten Untersuchungen wurde 
das specifische Gewicht, welches bei jeder einzelnen Kartoffel festgestellt 
wurde, im Mittel wie folgt gefunden. 
Varietät. 



Glattschalige 



1874. Regensburger Kartoffel 

1874. Sächsische Zwiebel- „ 

1875. Regensburger „ 
1875. Sächsische Zwiebel- 



»♦ 



1,108 
1,111 
1,112 
1,101 



Knollen. 



1,092 
1,098 
1,101 
1,085 



Mit den untersuchten Knollen wurden demnächst Anbauversuche ge- 
macht, deren Resultate aus den folgenden Tabellen erhellen (I rauhscbalig, 
II glattschalig). , 



Kartoffelsorte 


GröSe 

der 
Parielle 

qm 


Boden- 
raum 
pro 
Pflanz« 

M cm 


Zahl 
der 
Man- 
ien 


Saat- 
qnan- 
tum 

1 


Sächsische I 


7,2 


3600 


20 


1000 


Zwiebel II 


» 


» 




1012 


Regens- I 


7,2 


3600 


20 


1920 


burger II 


» 


» 


» 


1912 1 



Ernte nach Zahl 



S 



17 

8 



I 

B 

40 

22 



c 



m 

1 

e 

a 

CD 



Ernte nach Gewicht 



i 

KL 



— 



174 
196 



17 301 29 
11 | 28 127 



231 2462 
226 1082 

146 ^330 
166 1410 



3410 
1523 



"8 



g 

I 



6206 
6140 



12078 
8745 



2840 5310 10480 
2342|5632| 9384 



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i 



Einfl. d. spec. Gewichts d. Saatgutes a. d. Produktionsvermögen d. Kulturpflanzen. 213 

Diese Zahlen vermitteln die Thatsache, daß die Ernte von rauh- 
schaligen Saatknollen quantitativ und qualitativ besser ist 
als die von gl attschaligen. 

Ohne näheres Eingehen auf die sonstigen Unterschiede in der Be- 
schaffenheit des Saatgutes könnte man sich veranlaßt fühlen, die Ursachen 
der hervorgetretenen Ertragsdifferenzen in dem verschiedenen specifischen 
Gewicht, resp. Stärkegehalt des Saatgutes zu suchen. Eine solche Annahme 
würde indessen den thatsächlichen Verhältnissen wohl nur zum Theil 
entsprechen, da die Unterschiede in den Stärkemengen der Saatkartoffeln 
relativ nicht bedeutend sind und die Dichte der Saatknollen bei gleicher 
Beschaffenheit derselben nach den oben mitgetheilten Versuchen in den 
Erträgen nicht zum Ausdruck gelangt. 

Es müssen daher in dem angezogenen Falle andere Ursachen mit- 
gewirkt haben, und diese sind in der von den Eigenschaften der Varietät 
abweichenden Beschaffenheit der glattschaligen Knollen zu suchen. Während 
nämlich die Knollen der sächsischen Zwiebel- und der Regensburger Kar- 
toffel von mehr kugeliger Gestalt, waren die abgesonderten glattschaligen 
Kartoffeln dieser Varietäten länglich und trugen somit die Zeichen der 
Ausartung an sich. Da nun letztere gewöhnlich aus inneren Ursachen 
mit einer Verminderung des Ertragsvermögens verknüpft ist, so lassen 
sich ungezwungen die in vorbezeichneten Versuchen hervorgetretenen Diffe- 
renzen auf diese Verhältnisse zurückführen. Dazu kommt, daß die ausge- 
arteten Knollen eine größere Zahl von Augen hatten als die rauhschaligen, 
wodurch nach anderweitigen Erfahrungen 1 ) die Produktionsfähigkeit der von 
ihnen stammenden Pflanzen ebenfalls eine Beeinträchtigung erfahren mußte. 

Die angeführten Beispiele zeigen, daß ein höheres specifisches Gewicht 
des Saatgutes, wenn dasselbe durch vermehrte Einlagerung werthvoller 
Stoffe bedingt oder mit sonstigen für die Pflanzenentwickelung günstigen 
Eigenschaften verknüpft ist, allerdings für die Ertragshöhe belangreich 
werden kann. Aus solchen in den Nebenumständen genauer bekannten 
Fällen wird aber keine allgemeine Regel abgeleitet werden dürfen, da 
nach Obigem das specifische Gewicht auf die stoffliche Zusammensetzung 
oder sonstige Beschaffenheit des Saatgutes 2 ) keine Schlußfolgerungen zu- 

») Vergl. E. Wollny, Saat und Pflege etc. S. 117. 

*) Mit Ausnahme der Kartoffeln, bei welchen bekanntlich im Durchschnitt 
der Stärkemehlgehalt mit dem specifischen Gewicht der Knollen steigt und fällt. 

E Wollny. Forschungen IX . 15 



Physik der Pflanze: 



läßt und daher dasselbe bei geringerer Dichte werthvollere Einschlüsse be- 
sitzen kann als bei größerer. 

Im Allgemeinen wird angenommen werden können, daß die durch 
das specifische Gewicht hervorgerufenen Unterschiede in den Reservestoff- 
mengen gleich großer und schwerer Reproduktionsorgane von Pflanzen, die 
auf einem und demselben Felde gewachsen sind, in der Regel nur gering 
sein werden. In diesem Falle wird die procentische Zusammensetzung 
des gewonnenen Saatgutes mit wenigen Ausnahmen die gleiche sein und 
demgemäß bei gleicher absoluter Schwere und demselben Wassergehalt 
die absolute Menge der eingeschlossenen Baustoffe trotz verschiedener 
Dichte der betreffenden Organe selbstredend keine Unterschiede aufzu- 
weisen haben. Bei gleicher Größe, d. h. bei demselben Volumen wird 
unter gleichen Bedingungen zwar das Saatgut um so größere Mengen 
von Reservestoffeh enthalten, je höher dessen specifisches Gewicht ist, aber 
die bezüglichen Differenzen werden nur geringe sein können, da die Dichte 
nur unbedeutenden Schwankungen unterliegt. Aus diesen Verhältnissen 
erhellt in Rücksicht auf die Abhängigkeit des Pflanzenwachsthums von 
den im Saatgut enthaltenen Reservestoffmengen, daß das specifische Ge- 
wicht des Saatgutes für das Wachsthum und die Erträge der Kulturge- 
wächse, wie die Eingangs mitgetheilten Versuchsergebnisse hinlänglich dar- 
thun, ohne Bedeutung ist. 

Daß die Erträge mit dem specifischen Gewicht des Saatgutes in 
keinerlei Zusammenhang stehen, daß dieselben sich aber streng richten 
nach dem absoluten Gewicht der Reproduktionsorgane, geht namentlich 
recht schön aus den citirten IIcUricgcNchen Versuchen hervor. Es mögen 
daher die besonders lehrreichen Beispiele hier eine Stelle finden. 



Varietät 



Specifisches 
Gewicht 



Absolutes 
Gewicht 



Ernte 
pro Parcelle 



der Saatknollen. 



Englische Rostbeafkartoffel 



f 1,090 
1,060 



gr 

1503 

2005 



9075 
10855 

11730 
12030 
7390 
7200 



Rothe von Lastig . 





1,107 
1,070 
1,085 
1,063 



1793 
2105 
1G28 
1688 



Linn, d. spec. Gewichts d. Saatgutes a. d. Produktionsvermögen d. Kulturpflanzen. 215 



Varietät 

Frühe niedrige rothe . 
Große Orange . . . 
Weißfleischige Zwiebel 



Specifisches Absolutes 
Gewicht Gewicht 
der Saatknollen. 



1,087 
1,060 
1,078 
1,062 
1,106 
1,063 



3405 
2700 
5222 
4000 
2525 
1390 



Ernte 
pro Parcelle 

gr 

14295 

12090 
13880 
11235 
12205 
9900 



Bei Betrachtung dieser Zahlen wird man keinen Augenblick im 
Zweifel sein können, daß der voranstehende Ausspruch über den Werth des 
specirischen Gewichtes für die Beurtheilung der Saatgutqualität voll- 
berechtigt ist. 

Was schließlich die vielfach verbreitete Ansicht betrifft, daß das 
specifische Gewicht an sich ohne Berücksichtigung der Größe und Schwere 
des Saatgutes für das Ertragsvermögen maßgebend sei, so geht bereits 
aus den bisher angeführten Daten die Unhaltbarkeit derselben hervor. Daß 
das specifische Gewicht des Saatgutes als solches in keiner gesetzmäßigen 
Beziehung zuder Höhe des Ertrages stehen kann, ergiebt sich schon aus 
der einfachen Erwägung, daß dasselbe ein relatives Verhältniß (das des 
Volumens zur Schwere) und keine absolute Größe ausdrückt. Aus diesem 
Grunde ist das . specifische Gewicht an sich für die Menge der in den 
Reproduktionsorganen auftretenden Reservestoffe, von welchen das ganze 
Wachsthum der Pflanzen beherrscht wird, völlig belanglos. Ein kleines 
Samenkorn kann zwai unter Umständen ein höheres specifisches Gewicht 
als ein großes besitzen, aber die größere Dichte kommt dem ersteren hin- 
sichtlich der absoluten Menge der Baustoffe nicht zu Gute, wie deutlich 
aus nachstehenden Zahlen ersichtlich ist. 



15* 



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216 



Physik der Pflanze: 





100 Körner enthalten in Gramm: 


Roggen 


Raps Erbsen Erbsen') 

Ii ii 


große 
Körner 


kleine 
Körner 


' große 
Körner 


kleine 
Körner 


j große 
Körner 


kleine 
Körner 


große 
Körner 


kleine 
Körner 


SpecifischesGewicht 


1,3869 1,3918 


1,0393 


1,1141 1,4005 


1,4127 !| 1,342 


1,360 


Absolutes Gewicht 


2,93 gr 1,12 gr 


0,554 gr 


0,336 gr 


43,lgr 1 1,5 gr 1 37,2 gr|l 5,7 gr 


»» ö^ijt-i • • • • • 

Eiweißstoffe . . . 
StickstofffrcieStoffe 

Fett 

Rohfaser .... 


0,305 
0,496 
j 2,029 

0,060 
0,057 


0,122 
0,192 
0,824 

0,043 
0,027 


0,031 
0.097 
0,093 
0,274 
0,036 
0,022 


0,020 
0,064 
0,060 
0,157 
0,023 
0,013 


i 

5,086 
11,939 
122,671 
1 

2,069 
1,293 


1,609 
4,074 
7,511 

0,899 
0,420 


4,970 
9,364 

22,484 
1,468 
1,677 

' 1,038 


1,524 
3.701 
7,961 
0,524 
0.957 
0,388 



Auch in diesen Zahlen spricht sich keine gesetzmäßige Beziehung 
zwischen der Dichto und der stofflichen Zusammensetzung der Samenkörner 
aus, dagegen ergiebt sich mit voller Deutlichkeit, daß die absolute Schwere 
in geradem Verhältnisse zu der Menge der werthbildenden Bestandteile 
des Saatgutes steht und daß diese daher bei Beurtheilung der Güte des 
letzeren allein in Betracht kommt. 

Als Endergebniß folgt aus dieser Darlegung, daß das speeiflsche Ge- 
wicht der Reproduktionsorgane auf die Ertrüge der Kulturpflanzen keinen 
merklichen Einfluß ausübt. 

') Nach G. Marek'* Untersuchungen. 



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Neue Litteratur. 



217 



Heue Litteratur. 

M. Westerniaier. Zur physiologischen Bedeutung des Gerbstoffs in 

den Pflanzen. Sitzgsber. der Berl. Akad. d. Wiss. Sitzung vom 3. Dezember 
1885. Mit einer Tafel. 

Anknüpfend an die Beobachtungen Pringsheim's u. A. über das Auftreten 
von Gerbstoff in den Chlorophyllkörperu gewisser Algen verfolgt Verf. das Auf- 
treten von Gerbstoff im assimilirenden Gewebe der Blätter im vegetationskräftigen 
Zustande und in der Vorbereitung zum Abfall. Für die Assimilationszellen zahl- 
reicher Arten wurde Gerbst off reaktion gefunden, jedoch enthalten nicht allein diese, 
sondern auch die Gefäßbündelscheiden und zahlreiche Elemente des Leptoms und 
Hadroms Gerbstoff. Herbstlich verfärbte Blätter sind an Gerbstoff verarmt. 
Kingelung hat Anhäufung von Gerbstoff in den Blättern zur Folge. Verf. ist 
geneigt, dem Gerbstoff eine größere physiologische Bedeutung zuzuschreiben, und 
nimmt speziell an, der Gerbstoff müsse bei manchen Pflanzen als Assimilations- 
produkt betrachtet werden und bewege sich von hier aus in die übrigen Pflan- 
zentheile. C. K. 

G, Volkens, Zur Flora der ägyptisch- arabischen Wüste. Sitzgsber. 
des Berl. Akad. d. Wiss. Sitzung vom 28. Januar 1886. 

In dieser vorläufigen Mittheilung berichtet Verf. über einen Theil der 
Beobachtungen, die er bei längerem Aufenthalte in Aegypten an den Pflanzen 
der Wüste, namentlich in anatomisch -physiologischer Beziehung gemacht hat. 
Die Vegetationsbedingungen sind ja dort so extremer Natur, daß man erwarten 
muß, an der Wüstenflora ganz besondere Anpassungen zu finden. 

„Salz, Hitze und Wassermangel sind die Elemente der Wüste. M Jene Arten, 
deren Dauer auf die Regenzeit beschränkt ist, haben gut entwickelte Blätter von 
zartem Bau, mit nicht tief gehenden Wurzeln. Die länger ausdauernden Pflanzen 
entwickeln oft ungemein lange, senkrecht abwärts wachsende Wurzeln. Besonders 
interessant ist die Coloquinthe, welche große zarte Blätter hat und trotzdem mit 
Hilfe der enormen Wurzellänge den ganzen Sommer über ungeschädigt vegetirt. 
Bei manchen Erodien sind die Wurzeln stellenweise angeschwollen. Verf. hält 
diese knolligen Bildungen für wasserspeichernde Organe, welche einen Theil des 
Wassers für die Blätter hergeben. — Reaumuria hirtella ist ein kleiner Strauch, 
dessen Blätter während und unmittelbar nach der Regenzeit ein hygroskopisches 
Salzgemisch ausscheiden, was ihnen die Möglichkeit schafft, in der folgenden Pe- 
riode der Dürre die in der Luft dampfförmig vorhandene Feuchtigkeit tropfbar 
flüssig niederzuschlagen und für ihr Fortbestehen zu verwerthen. Uebrigens 
kommen ähnliche Fälle in der Wüstenflora öfter vor. 

Als Schutzmittel gegen übermäßige Transpiration dient die Reduzirung der 
Verdunstungsflächen, Einrollung und Rundung der Blätter, Wachsbedeckung, 
Ausfüllung des Lumens mit t'elluloseschleim, vielleicht auch Gerbstoffablagerung, 
besonders in den Epidermiszellen, die (todten) Haare vermindern die Filzbedeckung, 
die Transpiration, Erwärmung und Abkühlung, sie befördern die F'ixirung des 
nächtlichen Thau's. Die Sekretion ätherischer Oele, deren Dämpfe innerhalb des 



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218 



Physik der Pflanze: 



Haargewirrs festgehalten werden, vermindert gleichfalls die Absorption und Emission 
der Warmestrahlen. 

Bei vielen Wüstenpflanzen finden sich wasserspeichernde Elemente. Theils 
ist die Epidermis dieser Funktion angepaßt, besonders auffällig bei Mesem- 
bryanthemum mit den bekannten großen Blasen, welche die Pflanzen auf lange 
Zeit mit Wasser versorgen, bis die Samen gereift sind, theils finden sich Wasser- 
reservoire im Innern der Blätter und Stengel, öfter in ganz besonderer Weise 
ausgebildet, z. B in den cylindrischen Blättern oder Internodien von Zygophyllum, 
Salsola-Arten u. 8. w., wo sich concentrische Schichten mächtigen Speichergewebes 
um den Gefäßbündelstrang lagern, außen von einem dünnen Belag assimilirender 
Zellen nebst Epidermis bedeckt. C. A'. 

Fi P. Dehörain u. L. Maquenne. Recherches sor la respiration 
des fenilles ä l'obscnritl. Ann. agron. T. XII (1886) No. 4. p. 145-199. 

VerfF. stellten sich zur Aufgabe, zur exakten Ermittelung des Gaswechsels 
der Pflanzen, des Verhältnisses zwischen absorbirtem Sauerstoff und abgegebener 
Kohlensäure, durch vorgängige genaue Prüfung der anzuwendenden Methoden zu 
gelangen. Mit Ausbildung und Prüfung dieser beschäftigt sich die vorliegende 
Abhandlung vorzugsweise, außerdem enthält dieselbe zahlreiche kritische Aus- 
führungen gegen die Untersuchungen von Bonnier und Mangin, welche gleichfalls 

das Verhältniß Q * zn ermitteln versucht hatten. Bezüglich der Beschreibung 

und Kritik älterer und neuerer, den Vertf. eigenthümlicher Methoden muß auf das 
Original verwiesen werden, und sei hierüber bloß Folgendes bemerkt. 

I. Die analytischen Bestimmungsmethoden der bei diesen Untersuchungen 
in Betracht kommenden Gase, Sauerstoff und Kohlensäure. 
II. Die Untersuchungsmethoden, kritisch erläutert. 

1. Die Methode des begrenzten Luftvolums. Die Pflanzen verweilen in 
einem bekannten Luftvolum, dessen Zusammensetzung vor und am 
Schluß des Versuchs ermittelt wird. Diese Methode ist von den meisten 
Beobachtern angewandt, wird aber gleichwohl von den Verff. sehr be- 
anstandet und namentlich wegen der Kohlensäureabsorption für die 
unexakteste erklärt. 

2. Die Methode der beständigen Lufterneuerung. Durch den Apparat cir- 
culirt beständig ein Strom kohlensäurefreier Luft. Aber diese Methode 
gestattet zwar die produzirte Kohlensäuremenge, nicht das Verhältniß 

—q 2 zu ermitteln. 

3. Die Methode von Mayer und Wolkoff. Diese, wobei die abgesperrte 
Atmosphäre durch absorbirende Mittel kohlensäurefrei gehalten wird, ist 
vorzüglich. 

4. Die Methode der Anwendung luftleeren Raumes. Diese wurde haupt- 
sächlich benützt und besteht darin, daß die Gase der Versuchsblätter 
bei Beginn des Versuchs ausgepumpt werden; nach dem Verweilen der 
Blätter in einem abgesperrten Luftvolumen wird das Auspumpen wieder- 
holt und die Zusammensetzung der durch die Athmung veränderten 
Luft bestimmt. 



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Neue Litteratur. 219 

5. Die Compensationsmethode. Diese wurde neben der vorigen angewandt. 
Die Blätter befinden sich in einem Glasbehälter, dem von Zeit zu Zeit 
Luftproben zur Analyse entnommen werden, während von Außen wieder 
normale Luft zum Ersatz des entzogenen Luftvolums eintreten kann. 
Auf die Gase, welche die Blätter absorbiren, braucht bei dieser Methode 
keine Rücksicht genommen zu werden, da sich ein Gleichgewichtszustand 
zwischen den absorbirten Gasen und jenen der äußeren Luft herstellt. 
Eine Methode, welche die Innenluft der Blätter außer Acht läßt, liefert 

CO 

unbrauchbare Resultate, da das so ermittelte Verhältniß -~ nur scheinbar dem 

reellen entspricht und je nach den Umständen, die auf die Kohlensäureabsorption 
durch die Blätter einwirken, sich ändert Namentlich wechselt das Verhältniß 
mit der Menge der im Apparate vorhandenen Blattsubstanz , mit der auch die 
Kohlensäureabsorption steigt, z. B.: 

Dichte der Füllung (Verhältniß des Blattgewichts zur Volumeinheit des Apparats) : 
Temperatur 35° 0» 

_!_ _L J_ _L JL 1 

5 10 20" 5 10 20 

1.16 1.19 1.28 1.02 1.10 1.08. 

Die von den Blättern zurückgehaltene Kohlensäure ist im Zellsaft gelöst, 
und führt auch die Besprechung der Löslichkeitsverhältnisse zur Aufklärung ab- 
weichender Versuchsergebnisse. 

In Anwendung dieser Methode geben Verff. vorerst die folgenden Sätze: 

CO 

1. Das Verhältniß ist unabhängig von der Dauer des Aufenthalts 

der Blätter im Dunkeln. 

2. Es ist in sehr weiten Grenzen unabhängig von dem Partiärdruck des 
Sauerstoffs und der Kohlensäure in der umgebenden Atmosphäre. 

8. Es wächst mit der Temperatur. Im Mittel ergab sich: 

Evonymus japonicus Pinus silvestris Pinus austriaca 

Temperatur '35° 35" Ö°* 35°""" ö~ ü 

CO 

1.20 1.07 1.05 0.92 1.06 0.88. 

4. Wie aus den mitgetheilten Werthen zu ersehen, überschreitet das Ver- 
hältniß -^1 gewöhnlich die Einheit. 

Eine Absorption von Stickstoff während der Respiration der Blätter fand 
nicht statt. C. K. 

L. Brasse, Disttolution de Uamldon dans les fenilleM. Annal. agron. 
T. XII (1886), No. 4, p. 200-203. 

Die Blätter enthalten ein diastatisches Ferment, welches unter gewissen 
Bedingungen nicht verkleisterte Stärke in reduzirenden Zucker umzuwandeln 
vermag. Bei 50 und 57« tritt keine Verzuckerung ein, wohl aber bei 34° und 
42°. Höherer als Atmosphärendruck scheint die Umbildung der nicht verkleisterten 



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220 



Physik der Pflanze: 



Stärke zu befördern. Die Menge der angewendeten Stärke ist ohne Einfluß auf 
die Stärke der Umbildung, nur wird die Grenze, welche eine Funktion der Ver- 
dünnung ist, rascher erreicht. Fugt man Wasser zu, so setzt sich die Umbildung 
fort, der Zucker nimmt der Volumvermehrung entsprechend zu. Deutlich ergiebt 
sich der Einfluß des bereits gebildeten Zuckers auf die Umbildung der übrigen 
Stärke, wenn der Zucker in dem Matte seiner Bildung durch Dialyse gleich ent- 
fernt wird: die Verzuckerung nimmt zu. C. K. 

G. Schröder» lieber die Austrocknnngsfähigkelt der Pflanzen. Unter- 
suchungen aus dem botanischen Institut zu Tübingen Bd. II. Heft 1, p. 1—52. 

Während die Körper der Phanerogamen und Gefäßkryptogamen (mit wenigen 
Ausnahmen) durch Austrocknung getödtet werden, vertragen jene niederer Pflanzen 
vielfach ein vollständiges Austrocknen an der Luft und zum Theil selbst über 
Schwefelsäure sehr gut. Es handelt sich meist um Anpassungserscheinungen, 
welche selbst bei nahe verwandten Pflanzen in verschiedenem Maße ausgebildet 
sind und die Aufmerksamkeit schon vieler Forscher beschäftigt haben. Verf. 
liefert eine sorgfältige Zusammenstellung dieser Daten, mehrfach durch eigene 
Versuche bereichert. Indem wir bezüglich der älteren Angaben auf das Original 
verweisen, entnehmen wir an der Hand der Inhaltsübersicht den Versuchen de» 
Verf. das Folgende. 

Phanerogamen und Gefäßkryptogamen. 

1 cm langen turgescenten Endsprossen von Sedum elegans konnten bis 
75.3°/o ihres Frischgewichts durch Verdunstung entzogen werden, ohne 
daß sie ihre Lebensfähigkeit einbüßten. 

Blätter von Echeveria secunda mit 94.4 o/o Wasser blieben bei einem 
Verluste von 75.7 °/o = 80.0 °/o des Wassergehalts lebendig; bei einem 
Verluste von 78.3 °/o = 82.8 °/o des Wasserstoffgehalts starben sie. 

Endspitzen von Asperula odorata wurden durch den Verlust von 61.5° * 
ihres Frischgewichts (72.4 °/o des Wassergehalts) nicht getödtet. 

Blätter von Parietaria arborea mit 83.7 0r o vertrugen bis 44.9 °/o Ge- 
wichtsverlust ohne abzusterben; selbst bis 50 °o Verlust tödtete sie erst 
theilweise. 

Fuchsiablätter mit 88.8 °/o Wasser ertrugen ohne Schaden 35 und 
36°/o Wasserverlust; bei 54 und 50°'o gingen sie in ihrem oberen Theil, 
bei 61.4 °/o zur Hälfte, bei 77.5 °/o gänzlich zu Grunde. 

Blätter von Limnanthemum nymphaeoides mit 87.3 °/o Wasser litten 
nicht durch bis 62°/o Abnahme; bei 68.2°/o starben sie halb, bei 80.6° o 
Gewichtsverlust ganz. 

Wurzeln von Maiskeimlingen wurden durch eine Wasserabnahme von 
63.7 bis 70.8 theilweise, durch eine solche von 74.9 oder 76.7 gänzlich 
vernichtet. 
Samen. 

Von einigen Getreidearten wurden unreife Aehren gesammelt und an 
der Luft getrocknet, theilweise unter den Exsiccator über Schwefelsäure 
gebracht. Obwohl die Samen noch nicht die Hälfte des Trockengewichts 
reifen Samens erlangt hatten, keimten die lufttrockenen Körner doch 
säromtlich, ebenso nach 11 und 12 Wochen Aufenthalt im Exsiccator. Hier- 



Neue Litteratur. 



221 



durch hatte Gerste nur etwa 1, Spelz 2, Triticum durum 0.5 °/o Wasser 
behalten. Die Gerstenkörner keimten 2 Tage nach dem Befeuchten fast 
alle, die übrigen einige Tage später; bei Spelz begann die Kcimuug nach 
3 und schloß nach 6 Tagen. Weizen keimte langsam und zu verschiedener 
Zeit, die letzten erst nach 27 Tagen. — Nur bei ganz jungen Stadien von 
Gerste und Weizen, wo die Keimung noch mehr verzögert war, hatten die 
Körner zum Theil die Keimfähigkeit verloren. 

Sporen der Gefäßkryptogamen. 

Lebermoose. 

Laubmoose. 

Mit diesen hat Verf. verschiedene Versuche angestellt. Die Moose sind 
theilweise außerordentlich widerstandsfähig gegen Austrocknung. 
Algen. 

Schizophvceen. 
Pilze. 
Flechten. 
Spaltpilze. 

In den Zellen getrockneter (nicht getödteter) Pflanzen wurde das Auftreten 
ton Luft beobachtet. 

Die Ursachen der Resistenz gegen die weitgehendste Wasserentziehung sind 
nnbekannt, es wird sich aber vor Allem um specitische Eigenschaften des Proto- 
plasmas handeln. 

Ob die Wasserentziehung rascher oder langsamer geschieht, hat dann großen 
Einfluß, wenn die gewöhnlichen vegetativen Zellen durch Austrocknen vernichtet 
werden und nur Dauerzustände persistiren, die sich erst beim langsamen Aus- 
trocknen bilden können. Im Uebrigen aber, bei Organismen, die überhaupt der 
Austrocknung fähig sind, scheint es -ohne Belang zu sein, ob die Wasserentziehung 
langsam oder rasch eintritt, wenigstens sprechen hierfür die Versuche des Verf. 
mit Oscillaria und Grimmia. Ebenso beobachtete er keinen Unterschied, ob die 
ausgetrockneten Objekte rasch oder langsam mit Wasser versehen wurden, wie 
dies für gewisse Fälle angegeben wird. 

Der Nutzen der Resistenz gegen Austrocknung ist deutlich: die betreffenden 
Spezies können sich an Standorten erhalten, die wegen häufigen Feuchtigkeits- 
mangels für andere unbewohnbar sind; außerdem sind die ausgetrockneten Or- 
ganismen auch gegen andere äußere Einflüsse, wie extreme Temperaturen, weit 
weniger empfindlich, wodurch ihre Lebensdauer verlängert wird. Bei einigen 
Samen, Sporen und Ruhezuständen ist vorübergehende Austrocknung nothwendige 
Bedingung der Weiterentwickelung. G. K. 

O. Warburg. Ueber die Bedentang der organischen Sänreii für den 
Lebensprozess der Pflanzen (speziell der sogenannten Fettpflanzen). Unter- 
suchungen aus dem botanischen Institut zu Tübingen. Bd. II. Heft 1, p. 53— 150. 

Nachdem von verschiedenen Forschern die Säurebildung in den Pflanzen, 
besonders Fettpflanzen, neuerdings in Untersuchung genommen, aber nicht zur 
Klarheit und Uebereinstimmung der Thatsachen und Schlüsse geführt worden war, 
mußte es wünschenswerth erscheinen, diesem Gebiete fortgesetzte Arbeit zu widmen. 
Wenn auch zur Zeit noch in vielen Punkten hypothetische Ausführungen vor- 



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222 



Physik der Pflanze: 



herrschen, gelang es doch dem Verf. in vielen Punkten Aufklärung zu schaffen 
und den thatsächlichen Bestand wesentlich zu erweitern. 

lieber die vorläufige Mittheilung des Verf. ist bereits in dieser Zeitschrift 
referirt. l ) Der Abhandlung selbst, welche mit der Litteraturübersicht und Kenn- 
zeichnung des derzeitigen Standpunktes beginnt, sei Folgendes entnommen. 

I. Eine fundamentale Bedeutung hat es, festzustellen, ob die Prozesse der 
Säurebiltlung und Säurezersetzung nur zeitweise oder immer, je für sich, oder 
mit einander vorkommen. Das Maximum der Säurezunahme im Dunkeln lag in 
den Versuchen des Verf. bei ca. 13° C; bei 0° und 38° findet kaum mehr Säure- 
zunahme statt. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß das Optimum und Maximum 
so tief liegt; man muß annehmen, daß gleichzeitig Entsäuerung stattfindet, welche, 
mit steigender Temperatur stärker werdend, der Ansäuerung entgegenwirkt. 
Zwischen Entsäuerung und Säureabnahme ist wohl zu unterscheiden; die Säure- 
abnahme ist nur die Resultante aus An- und Entsäuerung. — Auch die Ansäuerung 
ist nicht auf die Nacht beschränkt; sie dauert viel länger als eine Nacht, unter 
Umständen tagelang und findet auch im Lichte statt, so daß z. B. im schwächeren 
Lichte Blätter von Fettpflanzen Aber Tage säurcreicher werden können. — Je 
nach Temperatur, Ernährungszustand, vorangegangener Beleuchtung überwiegt bald 
die An-, bald die Entsäuerung, und resultirt hieraus Säurezu- oder Abnahme. 

II. Die Säureabnahme im Licht. 

1. Welche Pflanzen zeigen die Säureabnahme im Lichte? 

Verglichen iverden nicht die Unterschiede der Blätter im Säuregehalte am 
Morgen und Abend, sondern während gleicher Zeit Tag über dunkelgehaltene 
und beleuchtete Blätter, unter Vermeidung des Fehlers, der in der sehr energisch 
auf Säurezersetzung hinwirkenden Erwärmung durch die Sonnenstrahlen liegt. 

Die Säureabnahme im Lichte kann als allgemeine Eigenthümlichkeit der 
Fettpflanzen angesehen werden. Aber auch sonst findet sich bei Arten der ver- 
schiedensten Familien der Dikotylen, Monokotylen, Gynfnospermen , Cycadeen, 
Farne die gleiche Erscheinung. Die Pflanzen, welche sich so verhalten, stellen 
eine gewisse gleichartige Vegetattonsform dar, beruhend auf einer demselben Zweck 
zustrebenden Anpassung: Es sind mehr oder weniger alles Pflanzen mit speziellem 
Schutze gegen die Transpiration. Im Uebrigen aber ist es unrichtig, Säureabnahme 
im Lichte allen Pflanzen zuzuschreiben. 

2. Bedingungen der Lichtentsäuerung. 

Chlorophylllose Theile (Früchte, Blüthen, farbige Blätter, Wurzel, Knollen, 
Wassergewebe, etiolirte Theile) haben keine Lichtentsäuerung. 

Der rothe Theil des Spektrums ist an der Entsäuerung stärker bctheiligt 
als der blaue, obwohl auch in diesem Säureabnahme stattfindet. 

Die Säureabnahme geschieht auch bei Kohlensäurcmangel. Bei höherem 
Kohlensäuregehalt findet für gewöhnlich Säurcabnahme im Lichte bei den Fett- 
pflanzen nicht mehr statt. Der Kohlensäuregehalt der Atmosphäre braucht nicht 
so hoch zu steigen, daß die Blätter hiedurch leiden. Nur die Assimilation wird 
schon durch einen Kohlensäuregehalt von 12°/o fast völlig gehemmt, ebenso gleich- 
zeitig die Lichtentsäuerung. 



>) Bd. VIII. p. 391. 



Neue Litteratur. 



223 



Alle diese Bedingungen deuten darauf hin, daß die Lichtentsäuerung mit der 
Chlorophyllfunktion in Beziehung steht. 

3. Worin besteht nun das Verhältniß der Lichtentsäuerung zur Assimilation? 

Nach Allem bleibt die Annahme, daß die Entsäuerung im Lichte in indirekter 
Weise in den Assimilationsprozeß verflochten ist. Verfasser stellt auf, daß der 
bei der Assimilation gebildete Sauerstoff Ursache der Entsäuerung ist. Sowohl 
die experimentellen Ergebnisse als die Einschränkung des Vorkommens der Licht- 
entsäuerung auf gewisse Pflanzen sprechen dafür. Der Schutz gegen Transpi- 
ration schützt auch gegen starken Gasaustauscb. In den Fettpflanzen herrscht 
relativer Sauerstoffmangel, so daß in ihnen Produkte der intramolekularen Athmung 
auftreten und die ausgepumpte Luft sauerstoffarm ist. Dieser Sauerstoffmangel 
hört zur Zeit der Beleuchtung auf, womit die Säurezersetzung beginnt. In Wasser- 
stoff, im luftleeren Raum, in ausgekochtem Wasser u. s. w. geht die Entsäuerung 
nicht so vollsandig und schnell vor sich wie in gewöhnlicher Luft. Die Sauer- 
stoffwirkung bei der Säurezersetzung konnte eine direkte oder indirekte sein, d. b. 
letzterenfalls auf einer Förderung des allgemeinen Stoffwechsels beruhen. 

III. Der Entsäue rungsprozeß überhaupt und der Einfluß des Sauer* 
Stoffs auf denselben. 

1. Bei Fettpflanzen. Die allgemeine Säureabnahme steht mit dem Lebens- 
prozeß in Beziehung und ist von der Gegenwart de& Sauerstoffs in hohem Grade 
abhängig. Diese vom Lichte unabhängige Entsäuerung wird durch Sauerstoffent- 
ziehung gehindert oder sehr geschwächt, umgekehrt begünstigt, wenn man dio 
Hindernisse gegen Sauerstoffzutritt vermindert. 

2. Bei den Pflanzen überhaupt. Außer den Fettpflanzen zeigen auch andere 
z. B. Begonia, Vitis, Portulaca, Rhenm u. s. w. im Dunkeln und in der Wärme 
Säureabnahme, ohne daß dies aber allgemeines Gesetz ist. Wo sie eintritt, ist 
sie an keinerlei Schutzeinrichtungen gegen die Transpiration geknüpft und ebenso 
wenig an die Chlorophyllfunktion. Die Wirkung der Wärme wird so zu erklären 
sein, daß durch die hiedurch gesteigerten Lebens- und Athmungsprozesse ein 
größerer Theil der Säure in den Stoffwechsel hineingezogen wird als bei gewöhn- 
licher Temperatur. Bei Früchten ging die Säureabnahme auch bei Sauerstoffab- 
schluß vor sich, sie ließ sich durch Abhaltung des Sauerstoffs nicht unterdrücken, 
wenn sie auch durch Sauerstoffzutritt gefördert wird. Dieser Unterschied im 
Verhalten der Fettpflanzen und Früchte wird so erklärt: Bei den Fettpflanzen 
ist die intramolekulare Athmung sehr gering, bei den Früchten sehr stark. Bei 
letzteren wird die freiwerdende Energie genügen, die Säure in den Stoffwechsel 
hineinzuziehen, was bei den Fettpflanzen erst bei Mitwirkung des Sauerstoffs 
möglich ist. 

IV. Der allgemeine Prozeß der Ansäuerung der Fcttpflanzen 
im Dunkeln. 

Wahrscheinlich ist die Ursache der nächtlichen Säurebildung die durch das 
Licht (auch durch die blaue Hälfte des Spektrums) vermehrte Zuckerbildung. 
Warum die Beleuchtung in den Fällen, wo die Assimilation ausgeschlossen ist, 
den Zucker vermehrt, ist noch unklar. Vielleicht handelt es sich um Bildung 
von Zucker aus unlöslichen Kohlenhydraten resp. um eine durch das Licht ver- 
mehrte Ferraentwirkung; dcßwegen braucht aber die Säure in der Nacht nicht 



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224 



Physik der Pflanze: 



direkt aus dem Zucker hervorzugehen, der Zucker könnte auch indirekt durch 
Beschleunigung des Stoffwechsels die Säurebildung befördern. Bei anhaltendem 
Aufenthalt im Dunkeln wird die disponible Zuckermenge abnehmen, hiermit die 
Bildung der Säure; der Verbrauch würde das Uebergewicht erlangen. 

Sauerstoffabschluß schwächt diese Ansäuerung ganz beträchtlich. Der Sauer- 
stoffbedarf scheint aber gering zu sein, Ueberschuß sogar hinderlich, da dieser 
die Entsäuerung befördert. In einer durch Wasserstoff verdünnten Luft findet eine 
größere Produktion statt als in gewöhnlicher Atmosphäre: in reinem Sauerstoff 
ist sie geringer. 

V. Beziehungen des Säurewechsels zu den volumetrischen und 
chemischen Veränderungen der umgebenden Atmosphäre. 

Die Fettpflanzen vermehren am Tage ihre Atmosphäre und vermindern si»* 
in der Nacht, unter Aufnahme resp. Abgabe von Sauerstoff. Diese Volumändernngen 
gehen der Säureab- und Zunahme genau parallel, dasselbe zeigt sich bei der 
Säureabnahme bei längerer Verdunkelung resp. Erwärmung. 

Nachdem solch inniger Zusammenhang zwischen Volum- und Aciditäts- 
ünderungen bei den einem periodischen Säurewechsel unterliegenden Pflanzen 
stattfindet, wird auch darauf zu verweisen sein, daß vielleicht ein großer Theil 

CO 

der in der Athmungslitteratur bekannten Beispiele, wo das Verhäliniß - ' < 1. 

auf die Säurevermehrung innerhalb der Pflanze zurückzuführen sei. 

Die Säuren der Fettpflanzeu bezeichnet Verf. als Produkte unvollständiger 
Oxydation und versucht von demselben, Gesichtspunkte ausgehend das Auftreten 
und Verhalten der Säuren auch für Pflanzen ohne periodischen Säurewechsel ver- 
ständlich zu machen. Als Faktoren, welche für die Säurevertheilung maßgebend 
sind, werden angeführt: Die Säureproduktion ist proportional der Intensität des 
Stoffwechsels und dem Schutze gegen Sauerstoffzutritt ; der Säureconsum der 
Intensität des Stoffwechsels, der Zugänglichkeit für den atmosphärischen Sauerstoff 
und der Temperatur. C. K. 

L, Errera, Ein TranspirationsYersuch. Berichte der deutschen botan 
Ges. Bd. IV Heft 2 p. 16-1«. 

Um die Notwendigkeit offener Gefäßlumina für die Wasserbewegung zu be- 
weisen, wurden Zweige (Vitis vulpina) theils in Luft, theils unter Wasser, theils 
unter einer auf 33° erwärmten Masse aus 20 Theilen Gelatine und 100 Theilen 
Wasser, durch Tusche gefärbt, abgeschnitten. Letztere wurden rasch in kaltes 
Wasser gestellt und die Schnittfläche erneuert. Ebenso kamen die anderen in 
Wasser zu stehen, die gelatiuirten welkten nach wenigen Stunden, die anderen 
blieben tagelang frisch. C. K. 

J. Böhm, l T eber die Ursache des Mark- und Blattturgors. Botanische 
Zeitung 1HH6. Nr. 15. 

Diese sieht Verf. nicht in der allgemein anerkannten Wirkung osmotischer 
Kräfte, im hydrostatischen Druck, sondern in der Quellung der Zellwände. „Der 
Blattturgor ist ebensowenig durch endosmotische Wirkung des Zellinhalts, sondern 
durch Membranspannung verursacht wie der Markturgor." 

Markstücke der Stengel von Helianthus und Xicotiana nahmen in verdünnten 
Zucker- und Salpeterlösungen frisch sowohl wie etwas getrocknet an Gewicht zu, be- 



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Neue Litteratur. 



22:» 



sonders während der ersten Stunden. In hochprozentigen Lösungen trat vorüber- 
gehend eine Gewichtsabnahme, dieser folgend eine lang dauernde Gewichtszunahme 
ein. Markcylinder von Nicotiana, welche beim Trocknen 30 — 40 pCt. ihres Ge- 
wichts verloren hatten, wurden in Wasser und verdünnter Salz- und Zuckerlösung 
steif, obwohl sie häutig ihr ursprüngliches Gewicht und Länge nicht mehr er- 
reichten. Markcylinder der Sonnenblume wurden in 2proz. Salpeterlösung schwerer 
und länger; noch nach 7 Tagen hatte Verlängerung stattgefunden. 0. K. 

W. Pfeffer, Kritische Besprechung: von de Vrles „Plasmolytische 
Studien Uber die Wand der Vacnolen. Nebst vorläufigen Mittheilungen über 
Stoffaufnahme. Botan. Zeitung l8,S<i. Nr. 6. 

Vergl. diese Zeitschrift Bd. IX. p. 107-109. 

Einige Anilinfarben werden in der Zelle aufgespeichert. Bringt man in einu 
Lösung von Methylenblau (0,001— 0,002 °/o) z. B. Trianea bogotensis, so ist nach 
einigen Stunden der Zellsaft der Wurzelhaare tiefblau gefärbt, in den Zellen 
der Wurzelepidermis und im übrigen Wnrzelkörper sind blaue Körnchen ausge- 
schieden. Kleine Körnchen bilden sich auch in den Blättern dieser Pflanze, in der 
Wurzel von Azolla, Euphorbia, Peplus u. s. w. In allen diesen Fällen bleibt 
das Protoplasma ungefärbt und bewahrt seine volle Lebensthätigkeit. „Die 
Pflanzen speichern aus stark verdünnten Lösungen schnell eine große Menge Methy- 
lenblau auf, auch wenn dies in Lösung bleibt." Eine solche Anhäufung von 
Methylenblau kommt vielen, aber nicht allen Pflanzen zu. Dabei werden entweder 
präformirte Körnchen gefärbt oder es entsteht mit im Zellsaft gelösten Stoffen 
ein Niederschlag oder eine lösliche Verbindung, die sich unter Umständen in 
Krystallen ausscheiden kann. — Beim Weiterwachsen der gefärbten Objekte und 
Vermehrung der Zellen findet eine Vertheilung der Körnchen resp. gefärbten 
Lösung auf die Tochterzellen statt. Andere Objekte entfärben sich allmählig. 
Auch aus den anderen Objekten läßt sich durch verschiedene Mittel, z. B. ver- 
dünnte Citronensäure, der Farbstoff ohne Schädigung des Lebens wieder entfernen. 

Die Bedingungen zur Aufnahme des Methylenblaus und einiger anderer Farb- 
stoffe müssen aus einer Wechselwirkung zwischen Plasmamembran und Methylen- 
blau entspringen. Vermöge solcher vermögen sich die Moleküle zwischen die 
Micelle der Plasmamembran einzudrängen und so ihren W T eg in das Protoplasma 
und von diesen in den Zellsaft zu finden. 

J. Reinke. Photometrische Untersuchungen über die Absorption des 
Lichtes in den Assimilutionsorganen. Botan. Zeitung 1886. Nr. 9—14. 

Die Abhandlung bezieht sich auf die Methoden der Bestimmung der Absorp- 
tionsspektren gefärbter Pflanzcntheile und giebt Beobachtungen über derartige 
Spektren selbst. 

I. lieber subjektive Absorptionsbänder. 

Häufig werden die Absofptionsbänder eines Farbstoffs ohne Weiteres als Ab- 
sorptionsmaxima angeführt. Dies trifft aber nur für einen Theil der Absorptions- 
bänder (Absorptionsbänder erster Ordnung) zu, z. B. Band I im Chlorophyllspektrum, 
wie sich photometrisch feststellen läßt. Z. B. Band III des Chlorophyllspektrums 
dagegen ist kein solches wahres Absorptionsmaximum, es ist ein ., Absorptionsband 
zweiter Ordnung". Die letzteren entstehen durch Contrastwirkung benachbarter 



226 



Physik der Pflanze: 



Spektralbezirke in unserem Auge. Für physiologische Zwecke ist das Photometer 
unentbehrlich. Zur Charakterisiroug der Farbstoffe kann man den Extinktions- 
coöffizienten für verschiedene Spektralbezirke bestimmen, womit man Constanten 
(die optischen Lokalconstanten) erhält. 

II. Die Yarbeniinderung der Chromatophoren beim Absterben. 

a. Versuche mit grünen Assimilationsorganen. Pflanzen mit starksaurem 
Saft sind wegen Chlorophyllanbildung nicht zu gebrauchen ; man nimmt solche mit 
ziemlich neutralem Safte und tödtet sie durch Aetherdampf. Sie sehen nach dem 
Tode mehr gesättigt aus, haben einen Stich ins Bläuliche, die lebenden ins Gelb- 
liche. Es ist nicht möglich, einen Cbromatophor zu tödten ohne Veränderung des 
Pigments, dies zeigen auch die photometrischen Bestimmungen. 

b. Versuche mit braunen und rothen Assimilationsorganen. Diese führen 
zu demselben Schlüsse. Das Phaesphyll und Rhodophyll (die Pigmente der leben- 
den Chromatophoren) erleiden Veränderungen. Die Fucaceen und ähnliche 
werden grün, die Florideen bekommen orangerothe Fluorescenz, wobei sich die 
Lichtabsorption des Farbstoffs vermindert. Später werden sie grün unter Schwächung 
des Fluorescenz. In lebendem Zustande ist vielleicht eine lockere Verbindung der 
rothgefärbten Atomgruppen mit den Molekülen einer Proteinsubstanz vorhanden, 
welche erstero sich beim Absterben abspalten. 

III. Die Lichtabsorption des farbigen Bestandtheils lebender 

Chromatophoren, 
a. Die Absorption des Chlorophylls. Hierzu dienten verschiedene grüne 
Algen, dann dünne Blätter einiger Phanerogamen, diese nöthigenfalls mit Wasser 
injicirt. 

Ein Absorptionsmaximum liegt im Roth (zwischen X 682 und X 683, zwischen 
den Frauuhoferschen Linien B und C nahe an B). Von da fällt die Größe der 
Absorption gegen die Mitte des Spektrums, wo eine Region minimaler Absorp- 
tion sich im Grün zwischen X 580 und 535 und zwischen D und E sich ausdehnt. 
Von X 530 an erhebt sich die Absorption zu einem zweiten Maximum, welches kurz 
vor F beginnt und langsam bis gegen das ultraviolette Ende ansteigt. Die Ab- 
sorptionscurve des lebenden Pflanzenkörpers ist der Chlorophyllcurve höchst ähn- 
lich und stimmt mit der Kngelmann'schen Absorptionscurve grüner Zellen im Ganzen 
überein. 

Obiges gilt zunächst für den Thallus von Monostroma latissimum, traf aber 
auch für die andern Versuchspflanzen zu. 

Nach Tödtung durch Aetherdampf änderten sich die Absorptionsverhältnisse: 
die Absorption nahm im Gelbgrün zu, im Blaugrün ab, im Roth (im ersten Ab- 
sorptionsmaximum) blieb sie constant. 

Die Curve des alkoholischen Extraktes von Monostroma ergiebt einen ähn- 
lichen Verlauf wie diejenige des Chlorophylls; in Band II ist kein physiologisch in 
Betracht kommendes Absorptionsmaximum vorhanden. Hauptsächlich kommt 
Bd. II durch Contrast Wirkung zu Stande, und für III gilt dasselbe. 

b. Die Absorption des Phäophylls. Die Absorptionscurve bat eine über- 
raschende Aehnlichkeit mit der Chlorophyllcurve, obwohl die beiden Farbstoffe für 
das Auge total verschieden sind. Nur ist im Phäophyll die Absorption des 
Orange (zwischen X 660 bis X 640) etwas geringer, das Grün und Gelb etwas 



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Neue Litteratur. 



227 



stärker, und auch im Blaugrün und Blau zeigen sich Abweichungen. Die alko- 
holischen Auszüge von braunen und grünen Algen (Phyllitis und Monostroma) 
stimmen fast vollkommen überein, es färben sich auch die betreffenden braunen 
Algen in Alkohol grün. — Die Absorptionscurven der getödteten Gewebe von 
Phyllitis und Monostroma stimmen ebenfalls fast völlig überein. 

c. Die Absorption des Rhodophylls. Die Curve weicht von den vorigen 
wesentlich ab. Sie hat ein erstes Absorptionsmaximum im Roth, welches mit dem 
des Chlorophylls übereinstimmt. Von diesem fällt die Curve auf ein Minimum 
(\ 680-595), welches weiter ins Orange hinein verschoben ist als im Chlorophyll. 
Darauf steigt die Absorption zu einem zweiten Maximum im Grün, welches zu- 
gleich das Hauptmaximum der ganzen Curve ist, beträchtlicher als dasjenige im 
Roth. Der Scheitel des zweiten Maximums liegt bei ). 568, zwischen D und E. 
Dann sinkt die Curve zu einem zweiten Minimum zwischen E und F bei '/. 517, 
erbebt sich zu einem dritten Maximum von F bei X 4 ( J9, um von da langsam 
gegen ein drittes Minimum bei G abzufallen. Diese starke Absorption des Grün 
und das starke Sinken derselben gegen das Violett unterscheiden vorzugsweise das 
Rhodophyll vom Chlorophyll und Phäophyll. 

Der alkoholische Auszug ist chlorophyllgrün und gleicht einem ebensolchen 
Auszug grüner Blätter mit theilweiser Chlorophyllanbildung, womit auch das Er- 
gebniß der spektralanalytischen Prüfung übereinstimmt. Der Zellsaft mariner 
Florideen reagirt ziemlich sauer. 

Dem Farbstoff, den man aus Florideen durch kaltes Wasser erhält (Phykoery- 
thrin), fehlt im Vergleich zum Rhodophyll das erste Maximum im Roth. Die Ab- 
sorption des Rhodophylls im Blatt setzt sich zusammen aus der Wirkung der 
Chlorophyll- und der Phykocrythrin-Gruppe. 

Als vorläufige Vorstellung vom Auftreten der Assimilationspigmentc im 
lebenden Plasma giebt Verf. Folgendes. Als Chlorophyll ist eine in den leben- 
den Chromatophorcn enthaltene Verbindung von sehr hohem Molekulargewicht 
zu bezeichnen, welche aus einem farblosen, zu den Proteinkörpern zählenden und 
whiem farbigen Atomcomplex besteht, die locker zusammenhängen. Der farbige 
Complex gliedert sich in einen grünen und einen gelben Thcil. Bei der Assimi- 
lation lagert sich C0 3 H a der Eiweißgruppe in lockerer Bindung an. Die Atome 
der Eiweißgruppe werden durch einfallendes Licht in Vibrationen versetzt, die zur 
Zertrümmerung von CO s H 2 und Ausscheidung von 0, führen, die hierzu erforder- 
liche Intensität aber erst durch die Absorption der Pigmentgruppen erhalten. Bei 
Abtödtung der Zellen erleidet das Chlorophyllmolckul durch Zerfall in die farblose 
und in die farbige Atomgruppc eine Veränderung. Aehnlich könnten Phäophyll 
und Rhodophyll fungiren, beziehungsweise ihrerseits aus einer Eiweißgruppc und 
farbigen Bestandteilen zusammengesetzt sein. C. K. 

J. Reinice. Die Methode des Spektrophors nnd Herr Tirairiazefl. 
Berichte der deutschen botan. Ges. Bd. III. Heft 10. p. 376-387. Polemisches 
und Kritisches. 

/.'. Keller. Ueber den Einfluß der Standortsverhaltnissc auf die 
Struktur der Pflanzen. Kosmos 1**6. I- Bd. III. Heft. 

G. Karsten. Ueber die Anlage seitlicher Organe bei den Pflanzen. 

Leipzig. W. Engelmann. 



228 



Physik der Pflanze: Neue Litteratur. 



■ f. I>ufour. De l'influence da la gravitation sur les monvements de 
quelques organes floraux. Arch. des sc. phys et nat. III. Periode. T. XIV 
Nr. 11. 1885. 

V. *Todin, Untersuchungen über das Chlorophyll. Comptes rendus. T. 
CIL p. 264. 

jP. RegnartU Ueber die Wirkung des Chlorophylls auf die Kohlen- 
säure außerhalb der Pflanzenzelle. Ibid. T. CI. p. 1293. 

G. Bonnier und L. Mangln. Wirkung des Chlorophylls In ultra- 
violetten Strahlen. Ibid. T. CIL p. 123. 

J. //. Gilbert, lieber einige Bedingungen für die Entwickelung und 
Thätlgkeit des Chlorophylls. Chcm. News. Vol. LH. p. 203. 

K. Lehmann, l'eber die Wirkung der Alkalien auf den respira- 
torischen Stoffwechsel. Landw. Versuchsstationen. Bd. XXXI. 1885. 

A. Emmerling. lieber die Eiweißbildnng in der grünen Pflanze. Ibid. 




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III. Agrar- Meteorologie. 



Untersuchungen über den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 

Von Professor Dr. E. Ebermayer in München. 



In einer kürzlich erschienenen Broschüre: «Die Beschaffenheit der Wald- 
luft und die Bedeutung der atmosphärischen Kohlensäure für die Wald- 
vegetation» Stuttgart, Ferd. Erike 1885, habe ich durch zahlreiche im 
Walde und auf freiem Felde durchgeführte Luftanalysen den Nachweis 
geliefert, daß der Kohlensäuregehalt der Waldluft nicht wesentlich ver- 
schieden ist von dem der freien atmosphärischen Luft. Auf Grund dieser 
analytischen Ergebnisse war ich auch zu dem Schlüsse berechtigt, daß 
zwischen dem Sauerstoffgehalt der Waldluft und dem der freien Atmo- 
sphäre kein bemerkenswerther Unterschied sein kann, da zwischen Kohlen- 
säureverbrauch und Sauerstoffabgabe in den assimilirenden Blättern eine 
bestimmte Beziehung in der Weise besteht, daß für je ein Volumen auf- 
genommene Kohlensäure nahezu ein gleiches Volumen Sauerstoffgas an 
die atmosphärische Luft abgegeben wird. Obgleich größere Waldcom- 
plexe mithin ganz entschieden Stätten vermehrter Sauerstoffproduktion 
bilden, wird doch mitten in diesen großen natürlichen Sauerstofffabriken 
den Menschen keine sauerstoffreichere Luft zur Athmung dargeboten als 
auf freiem Felde. Viele Leser werden die Richtigkeit dieses Satzes um 
so mehr bezweifeln, als bisher selbst in vielen medicinischen Schriften 
gerade auf die wohlthätige Wirkung der «sauerstoffreichen Waldluft» auf 
den menschlichen Organismus besonderer Werth gelegt wurde. Alle 
Zweifel verschwinden aber, wenn man die Frage eingehend kritisch be- 
leuchtet und die verschiedenen Faktoren in's Auge faßt, welche den 
Sauerstoffgehalt der Waldluft beeinflussen. 

E. Wollny, Forschungen IX. 16 



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230 



Agrar-Meteorologie : 



Vor Allem machen sich die meisten Menschen eine übertriebene Vor- 
stellung von der Sanerstoffproduktion der Wälder. Dieselbe findet eine 
natürliche Grenze in der den Bäumen zur Verfügung gestellten und in 
den Blättern verarbeiteten Kohlensäure. Bekanntlich sind aber in 10,000 
Volumtheilen Luft im Mittel nur 3 Volumtheile Kohlensäure enthalten. 
Selbst wenn der durch die Waldkrono streichende Luftstrom zufolge der 
assimilirenden Thätigkeit der Blätter am Tage sämmtliche Kohlensäure 
verlieren würde (was aber niemals geschieht), könnte doch nur ein 
gleicher Betrag Sauerstoff an die Luft abgegeben werden. Kennt man 
die Menge Kohlensäure, welche ein Wald zur jährlichen Holz- und Blatt- 
produktion bedarf, so läßt sich die Größe der Sauerstoffproduktion leicht 
berechnen. In oben erwähnter Broschüre habe ich nachgewiesen, daß 
ein Hektar Wald während der Vegetationszeit täglich ungefähr 37 Kubik- 
meter Kohlensäure verbraucht und nahezu die gleiche Menge Sauerstoff 
an die atmosphärische Luft abgiebt. Was bedeuten aber diese 37 Kubik- 
meter Sauerstoff gegenüber der gesammten Luftmenge, die in einem 
Walde sich findet, der eine Ausdehnung von 1 Hektar besitzt und nur 
20 Meter hoch ist? Ein solcher Wald enthält allein schon gegen 200,000 cbm 
Luft, die von der äußeren Atmosphäre nicht abgeschlossen ist, sondern 
durch Diffusion und durch Wind immer wieder erneuert wird. Nichte 
ist mehr geeignet, uns eine richtige Vorstellung von der Größe der 
Sauerstoffproduktion zu verschaffen, als die Thatsache, daß 4 Personen zum 
Athmen , Kochen und Heizen schon in einem Jahre so viel Sauerstoff ver- 
brauchen, als der Wald pro Hektar jährlich während der Vegetationszeit 
erzeugt (S. 54 meiner Broschüro). 

Abgesehen von dieser geringfügigen Sauerstoffzufuhr im Vergleich 
zur gesammten Luftmenge eines Waldes, verliert die letztere täglich auch 
ein bestimmtes Sauerstoffquantum in Folge der Athmung der Bäume. 
Der Sauerstoffverbrauch zur Unterhaltung des Athmungsprocesses ist zwar 
geringer als der Kohlensäureverbrauch und die Sauerstoffproduktion bei 
der Assimilation, aber immerhin ist es zweifellos, daß nicht nur die 
Blätter, sondern auch die Knospen, Blüthen, reifenden Früchte, die 
Wurzeln, die keimenden Samen etc. der umgebenden Luft fortwährend 
Sauerstoff entziehen, der beim Stoffwechsel in der Pflanze eine wichtige 
Rolle spielt und in allen lebensthätigen (protoplasmahaltigen) Zellen ge- 
wisse organische Bestandteile (Kohlenhydrate) — ähnlich wie beim 



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üeber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 231 

Athmen der Menschen und Thiere — zu Kohlensäure und Wasser ver- 
brennt. Am Tage wird in den Blättern die Athmung durch den Assi- 
milationsprozeß verdeckt; bei Nacht dagegen, wo wegen Lichtmangels 
eine Neubildung organischer Stoffe (Assimilation) nicht stattfinden kann, 
kommt ausschließlich nur die Athmung zur Geltung: Sauerstoff wird 
aufgenommen und Kohlensäure abgegeben. 

Aber nicht nur durch die Athmung der Bäume, sondern auch durch 
die Verwesung (langsame Verbrennung) der feuchten Laub- und Humus- 
decke wird im Walde der Luft beständig Sauerstoff entzogen. Diese 
chemischen Vorgänge wirken einer Vermehrung und Bereicherung der 
Luft an Sauerstoff stetig entgegen, so daß selbst in einem geschlossenen 
Glashause trotz tippiger Vegetation keine erhebliche Sauerstoffzunahme 
der Luft stattfinden kann. Nun steht aber die Waldluft und insbesondere 
die Luft, welche die Blätter der Bäume umspült und in der sowohl am 
Tage als Nachts der Gasaustausch vorzugsweise stattfindet, in beständigem 
Verkehr mit der freien atmosphärischen Luft. Selbst bei voller Wind- 
stille muß zufolge der Diffusionsgesetze ein rascher Ausgleich zwischen 
der freien atmosphärischen Luft und der die Blätter umgebenden Luft 
stattfinden; bei bewegter Luft (herrschenden W 7 inden) gebt diese Vermischung 
noch viel schneller vor sich, sodaß eine wesentliche Verschiedenheit in der 
Zusammensetzung der Waldluft und der Freilandluft unmöglich bestehen 
kann. Bezüglich des Kohlensäuregehaltes wurde diese Thatsache von mir 
in genannter Broschüre schon experimentell nachgewiesen; um sie auch hin- 
sichtlich des Sauerstoffgehaltes zu constatiren, habe ich im vergangenen Herbst 
(1885) an verschiedenen Orten vergleichende Analysen über den Sauer.stoff- 
gehalt der Waldluft und der freien atmosphärischen Luft vorgenommen. 

Gewisse Schwierigkeiten und Bedenken verursachte die Auswahl 
der für diesen Zweck geeignetsten Untersuchungsmethode. Es lag mir 
vor Allem daran, einen Apparat anzuwenden, der bei geringem Zeitauf- 
wand hinreichend genaue Resultate liefert und so beschaffen ist, daß er 
leicht transportirt werden kann, um gleich an Ort und Stelle in ge- 
eigneten Zimmern die Luftanalysen vornehmen zu können. Unter den 
zur Zeit bekannten Apparaten liefert das Bunsen' sehe Eudiometer 1 ), 

0 Bunsen „Gasometrische Methoden", 2. Aufl. Dr. J. Geppert hat neuer- 
dings die vorzügliche Bunsen'' sehe Methode zur Gasanalyse speciell für physiolo- 
gische Zwecke etwas abgeändert. Vergl. „J. Gcpj>ert, die Gasanalysc und ihre 
physiol. Anwendung." Berlin 1885. Verlag von Aug. HirscJticald. 



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232 



Affrar-Meteorologie: 



daDn der im Wesentlichen auf gleichem Princip beruhende eudiometriscbe 
Apparat von Iiegnault 1 ), ferner das von Prof. U. Kreusler in Poppels- 
dorf verbesserte Jolli/sche Kupfereudiometer 2 ) und der von Prof. W. 
Hempel in Dresden construirte Apparat (mit pyrogallussaurem Kali als 
Absorptionsmittel) 3 ) die exaktesten Resultate, denn bei sorgfältiger Hand- 
habung derselben lässt sich eine Genauigkeit bis zu 0,01 oder 0,02 pCt. 
erreichen. Ich konnte aber für meine Zwecke von diesen Methoden, theils 
wegen der complicirten Einrichtung und Beschaffenheit der Apparate, 
theils wegen des erforderlichen betrachtlichen Zeitaufwandes keinen Ge- 
brauch machen. Nach sorgfältiger Prüfung verschiedener anderer Methoden 
entschied ich mich schließlich für die Lindemann'sche Phosphorab- 
sorptionsmethode, die in der vorzüglichen <Anleitung zur chemischen 
Untersuchung der Industriegase» von Prof. Dr. C. Winkler in Freiberg 
(2. Abthlg. S. 402), dann von Prof. W. Hempel, in dessen «Neue 
Methode zur Analyse der Gase» (S. 45) wegen ihrer außerordentlichen 
Bequemlichkeit zu Sauerstoffbestimmungen der Luft sehr empfohlen ist 

Die Anwendung des Phosphors zur volumetrischen Bestimmung des 
Sauerstoffs gründet sich auf die Eigenschaft desselben, schon bei gewöhn- 
licher Temperatur sich mit dem Sauerstoff der Luft zu verbinden und 
2 Oxydationsprodukte zu liefern (phosphorige Säure und Phosphorsäure), 
die im Wasser leicht löslich sind. Bringt man daher ein bestimmtes 
Luftquantum mit überschüssigem feuchten Phosphor in Berührung, so 
wird der Sauerstoff aus dem Gasgemenge absorbirt und es tritt eine 
dem Sauerstoffgehalte, der Luft entsprechende Volumenverminderung ein. 
Der fragliche Apparat besteht im Wesentlichen aus einer Meßröhre 
(HempeV scher Gasbürette) und aus einem Absorptionsapparat (HernpeV- 
sehen Gaspipette), der mit einem großen Ueberschuß dünner Phosphor- 
stängelchen und im üebrigen mit Wasser gefüllt ist. 

Behufs Sauerstoffbestimmungen wird von der zu untersuchenden Luft 
in der Gasbürette ein bestimmtes Volumen (70 — 90 cem) über Wasser 
(besser über Quecksilber) abgemessen und dann in den Absorptionsapparat 
übergeführt, wodurch das Wasser zum Theil vordrängt wird und die 

') Annalen der Chemie u. Pharmacie, Bd. 73. S. 92. 

*) Beschrieben in ITtieVs „Landwirtschaftliche Jahrbücher" 14. Bd. (1885). 
S. 333 u. f. 

8 ) Berichte der deutschen ehem. Gesellschaft, 18. Jahrg. (1885), S. 270. 



uigiiizeo Dy VjUü 




Ueber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 



233 



Luft mit den feuchten Phosphorstangen in Berührung kommt. Der Ein- 
tritt der Absorption (Oxydation) giebt sich sofort durch die Entstehung 
.weißer Nebel und im Dunkeln durch ein lebhaftes Leuchten kund, mit 
dessen Aufhören (nach ca. 10 Minuten) auch die Absorption beendet ist. 
Die durch Oxydation des Phosphors gebildete phosphorige und Phosphor- 
säure werden im Absorptionsapparat vom Wasser gelöst und aufgenommen» 
Den verbliebenen Gasrest (Stickstoff) läßt man dann wieder in die Meß- 
röhre zurücktreten und ermittelt die Volumenabnahme, welche dem 

■ 

Sauerstoffgehalte der Luft entspricht. 

Entfernt man von Zeit zu Zeit die im Absorptionsgefäße sich bildende 
Lösung von Phosphorsäure, so bleibt der Apparat Jahre lang wirksam, 
vorausgesetzt, daß man den Phosphor gegen Einwirkung des Lichtes 
schützt, damit die Bildung der rothen Modifikation des Phosphors ver- 
mieden wird 1 ). 

Der ganze Apparat läßt sich in einem Kistchen leicht verpacken 
und auf Reisen mitnehmen, so daß man überall, wo sich ein geeignetes 
Zimmer findet, die Sauerstoffbestimmungen vornehmen kann. 

Allerdings liefert dieses Verfahren schon aus dem Grunde keine so 
genauen absoluten Resultate wie die oben erwähnten Methoden, weil als 
Sperrflüssigkeit Wasser verwendet wird, dessen Lösungsvermögen für 
Oase (Sauerstoff etc.) stets kleine Fehler hervorruft. Wenn aber mit 
großer Sorgfalt gearbeitet wird, so läßt sich nach einiger üebung ein 
Genauigkeitsgrad erreichen, der für den beabsichtigten Zweck genügt. 
Denn da bei allen Prüfungen auf dieselbe Weise verfahren wurde, erhielt 
ich ein durchaus vergleichbares Zahlenmaterial. Vor Allem ist zur Er- 
langung möglichst genauer Resultate noth wendig, daß der Apparat in 
einem Zimmer aufgestellt wird , das nur geringen Temperaturschwankungen 
ausgesetzt ist; ferner darf das Ablesen des Luftvolumens in der Meßröhre 
sowohl vor als nach der Sauerstoffabsorption erst nach etwa 5 Minuten, 
d. h. erst dann vorgenommen werden, wenn der Wasserspiegel seinen 
Stand nicht mehr ändert. Auch ist es sehr empfehlenswerth , statt Wasser 
Quecksilber als Sperrflüssigkeit anzuwenden. 

Zum Sammeln, Aufbewahren und Transport der zur Untersuchung 



») Der Apparat kann von Oskar Leuner, Mechaniker des Polytechnikums in 
Dresden, bezogen werden. 



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234 



Agrar-Meteorologie : 



bestimmten Luftproben verwendete ich Gasrohren von 100 ccm Inhalt, 
wie sie neuerdings zur EntDahme von Luftproben für technische Gas- 
analysen benutzt werden 1 ). Das eine Ende derselben ist zur Spitze aus- 
gezogen und durch ein Stückchen Kautschukschlauch mit eingeschobenem 
Glasstab verschlossen, das andere Ende hat die Gestalt eines Flaschen- 
halses und auf dieses wird ein weicher Gumraistopfen dicht aufgesetzt. 
Die Probeentnahme im Walde und auf freiem Felde geschah in der 
Weise, daß das dünnere Ende der geöffneten Glasröhre mit einer Kaut- 
schukpumpe in Verbindung gebracht und so lange Luft durchgepumpt 
wurde, bis ich überzeugt sein konnte, daß dieselbe mit der Probeluft 
angefüllt ist, worauf sie luftdicht verschlossen wurde. 

Um bei Entnahme einer größeren Anzahl von Luftproben Verwech- 
selungen zu vermeiden, sind die Röhrchen numerirt und behufs leiohten 
Transportes in einen zweckmäßig eingerichteten verschließbaren Holzkasten 
mit Handhabe vertikal eingesetzt. 

Diese bequeme Art zum Sammeln und Aufbewahren von Luftproben 
ist sehr empfehlenswerth , wenn, wie es stets geschah, die Umftillung 
der Gasprobe in den Untersuchungsapparat bald erfolgt. 

In solchen Fällen, wo die Untersuchung der Luftpfoben erst nach 
Wochen und Monaten geschehen kann, ist es besser, dieselben in Glas- 
röhren einzuschmelzen > die bei einem Durchmesser von ca. 25 mm etwa 
100 ccm Luft fassen 2 ). Sie sind an beiden Enden in etwa 10 mm weite, 
kurze Röhren ausgezogen, die an ihren Spitzen zu ganz feinen Capillar- 
röhren verengt sind. Zum Transport derselben dient ein verschließbarer 
Kasten, in welchem die Lagerung derselben nur an 2 Stellen an den 
kurzen, 10 mm weiten Ansatzröhren erfolgt, so daß sich alle anderen 
Theile nach dem Schließen des Kastens unverrückbar frei schwebend in 
demselben befinden. Zur Füllung der Röhren werden dieselben an den 
Ort gebracht, dessen Luft untersucht werden soll, und dann wird mittelst 
eines langen Gummischlauches längere Zeit mit dem Munde, besser mit 
einer Kautschukpurape oder einem Blaabalg, oder auch mit einem Aspi- 
rator, ein Luftvolumen durchgesaugt, was genügt, um den Inhalt der 
Röhren etwa 20 Mal zu erneuern. Hierauf wird die Röhre an beiden 



') Vergl. Winkler a. a. O. S. 220. 

*) Berichte der deutschen ehem. Gesellschaft, 18. Jahrg. (1885), S. 275. 



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Ueber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 



23o 



Enden mit etwas Baumwachs vorläufig geschlossen und dann zugeschmolzen, 
indem man in hinreichender Entfernung von dem Wachs die Capillaren 
einen Augenblick in die Flamme einer Kerze oder in eine Weingeist- 
flamme halt und dann das eine Ende der Capillaren abzieht (oder mittelst 
eines Löthrohrs zuschmilzt). Diese Röhren werden behufs Abführung der 
Luftprobe in den Untersuchungsapparat dadurch geöffnet, daß man in 
dem einen der kurzen Röhrenansätze einen Strich einfeilt und denselben 
unter Quecksilber aufbricht. Es lassen sich dann die Gase mittelst einer 
Pipette mit Leichtigkeit herausnehmen und untersuchen (Hempel). 

Mit den Luftanalysen habe ich gleichzeitig an verschiedenen Orten 
vergleichende Untersuchungen über den Sauerstoff- und Kohlensäuregehalt 
der Grund- oder Bodenluft im Walde, auf Waldblößen, Wiesen etc. 
durchgeführt, die in diesem Jahre noch fortgesetzt werden und über die 
bei einer anderen Gelegenheit berichtet werden wird. 

Bevor ich über die Resultate der ausgeführten Luftanalysen Mit- 
theilung mache, erscheint es behufs richtiger Beurtheilung derselben 
zweckmäßig, einige allgemeine Bemerkungen über den Sauerstoffgehalt 
der atm. Luft vorauszuschicken, weil derselbe in letzterer Zeit zu viel- 
fachen Discussionen Veranlassung gab, hervorgerufen durch die v. Jolly- 
schen Untersuchungen der Münchener Luft. 

Da der im Luftmeere enthaltene Sauerstoff das wichtigste und un- 
entbehrlichste Element für die Athmung aller lebenden Geschöpfe auf 
der Erde ist, so ist es begreiflich, daß man seit der Entdeckung des 
Sauerstoffs (1776/77) bestrebt war, die Zusammensetzung der Erdatmo- 
sphäre so genau als möglich zu erforschen. Die zahlreichen Methoden, 
welche im Laufe der Zeit zur Bestimmung des Sauerstoffs in Vorschlag 
gekommen sind, beruhen alle darauf, einem bestimmten Volumen Luft 
durch leicht oxydirbare Körper den Sauerstoff zu entziehen und aus der 
Volumenabnahme den Sauerstoffgehalt zu berechnen. Als Absorptions- 
mittel für Sauerstoff wurden mit mehr oder weniger Erfolg verwendet: 
Salpetergns (unser jetziges Stickstoffoxyd), Schwefelcalciura (Schwefelleber- 
lösung) Phosphor, mit Stickstoffoxyd gesättigte Eisen vitriollösung, Wasser- 
stoffgas, angefeuchtete Bleischrotkörner, glühendes Kupfer, oder, bei ge- 
. wohnlicher Temperatur, nach erfolgter Benetzung mit Ammoniak, alkalische 
Pyrogallussäurelösung u. a. Der erste Eudiometer (Luftgütemesser) wurde 
bald nach der Entdeckung des Sauerstoffs von Fontana und Landriani 



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286 



Agrar-Meteorologie : 



construirt und als Absorptionsmittel Salpetergas (Stickstoffoxydgas) ver- 
wendet. Schon in der letzten Hälfte des Jahres 1781 benützte Cavetidish 
in England ein . verbessertes <Salpetergas-Eudiometer» zu Luftunter- 
suchungen. Seit dieser Zeit wurden die Methoden zur volumet riechen 
Bestimmung des Sauerstoffs mehr und mehr verbessert und vervoll- 
kommnet und an den verschiedensten Orten der Erde Luftanalysen vor- 
genommen. Eine sehr interessante übersichtliche Zusammenstellung des 
wichtigsten zur Zeit vorliegenden Beobachtungsmaterials mit Angabe der 
gefundenen minimalen, maximalen und mittleren Werthe, von Prof. 
Kreusler in Poppelsdorf bearbeitet, findet sich in ThieVs «Landwirt- 
schaftliche Jahrbücher» 1885, S. 370 u. f. 

Auf Grund der früheren zahlreichen eudiometrischen Messungen, 
namentlich der Arbeiten Bunsen's und Regnatdt'* hat man bisher als 
mittleren Sauerstoffgehalt der Luft 20,96 Vol.-Proc. angesehen und all- 
gemein angenommen, daß in dem Verhältniß der beiden Hauptbestand- 
teile, Sauerstoff und Stickstoff, nur Schwankungen zwischen 20 bis 21 Vol.- 
Procent vorkommen , und daß — abgesehen von Einflüssen lokalster Natur 
— der Sauerstoff- und Stickstoffgehalt der Luft auf der ganzen Erde: 
am Aequator und in den Polarregionen, auf hohen Bergen und in 
Thalern, über dem Meere und in den Wüsten, zu allen Jahreszeiten und 
unter den verschiedensten klimatischen Verhältnissen nahezu constant 
sei und größere Schwankungen als 1, höchstens 2 Zehntelprocent nur aus- 
nahmsweise auftreten. 

Diese bisher herrschende Ansicht wurde durch zahlreiche von v. Jolly 
in den Jahren 1875 bis 1877 in München mit peinlicher Sorgfalt aus- 
geführten Luftuntersuchungen sehr erschüttert, denn er fand sowohl 
durch Luftwägungen als auch durch Messungen mit dem von ihm con- 
struirten sog. Kupfereudiometer in der Münchener Luft fortwährend 
ansehnliche Schwankungen im Sauerstoffgehalte, die sogar 0,5 Vol.-Proc. 
erreichten 1 ). Die im Jahre 1875 bis 1876 durch Luftwägungen ge- 
fundenen größten und kleinsten Sauerstoffgehalte betrugen 20,96 uüd 
20,47 pCt., die im Jahre 1877 mittelst des Kupfereudiometers be- 
obachteten größten Abweichungen lagen zwischen 20,53 und 21,01 pCt., 
erreichten also in beiden Fällen 0,5 Vol.-Proz. Als mittlerer Sauerstoff- 

l ) Wiedemann's Annalen, N. F. Bd. 6, S. 520. 



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Ueber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 237 

behalt ergab sich 20,75 Vol.-Proc, eine Zahl, welche hinter fast allen 
früheren und späteren Beobachtungen zurückbleibt. 

Auf Grund dieser Versuchsreihen konnte der Satz der Unveränder- 
lichkeit in der Zusammensetzung der Atmosphäre nicht mehr aufrecht 
erhalten werden, um so weniger, als später auch IV. Morley in 
Amerika und Hempel in Dresden die Existenz solcher Schwankungen 
wenigstens zum Theil bestätigten. W. Morley hat in seiner Heimath 
(in Hudson, Ohio) vom Dezbr. 1878 bis April 1879 mit dem von 
Frankland und Ward verbesserten Regnatdt- Reise? sehen Wasserstoff- 
Eudiometer bei 27 Proben als äußerste Grenzwerthe 20,45 und 20,98 
pCt. (Differenz 0,53 pCt.), bei 20 Proben aber als Maximum 20,97, als 
Minimum 20,85 pCt., mithin nur eine Differenz von 0,12 Proc. ge- 
funden 1 ). Sehr beachtens werth ist, daß Morley bei seinen späteren 
Versuchen (Jan. 1880 bis April 1881) mit einem vervollkommneteren 
Apparat als äußerste Extreme 20,867 und 21,004, mithin als größte 
Schwankung nur 0,137 pCt. nachweisen konnte. 

W. Hcmpel in Dresden hat mit dem S. 93 seiner „Neuen Methode 
zur Analyse der Gase" beschriebenen Apparate (wobei er pyrogallussaures 
Kali als Absorptionsmittel verwendet) im Herbst 1877 an 5 verschiedenen 
Tagen Schwankungen von 0,20 pCt., im April und Mai 1879 bei 9 Proben 
Differenzen von 0,61 pCt., in der Zeit vom 22. bis 30. Juli 1883 mit 
dem S. 127 seines Buches beschriebenen Apparate dagegen nur Schwan- 
kungen bis zu 0,15 pCt., vom 8. November bis 24. Dezember 1884 mit 
einem neuen, aus den 2 erwähnten Apparaten kombinirton Instrumente 
Differenzen bis zu 0,204 pCt.*) und im Februar und März 1885 mit 
demselben verbesserten Apparat unter Einhalt peinlicher Sorgfalt bei 46 
Analysen als Maximum 20,971, als Minimum 20,877, folglich als größte 
Schwankung nur 0,094 pCt., und als Mittelzahl 20,93 pCt. gefunden 8 ). 

Aus diesen Daten geht hervor, daß Morley und Hcmpel, obgleich 
sie nach ganz verschiedenen Methoden gearbeitet haben, notorisch um so 
geringere Schwankungen im Sauerstoffgehalte der Luft nachweisen konnten, 
je bessere und vervollkommnetem Apparate sie zu den Analysen ver- 



') Naturforscher, 1882, S. 71 

*) Berichte der deutschen ehem. Gesellschaft, 18. Jahrg. (1885), S. 267. 
») Deßgl. S. 1800. 



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238 



Agrar-Meteorologie 



wendeten und mit je größerer Sorgfalt dieselben durchgeführt wurden 1 ). 
Aber trotzdem glaubte man doch im Hinblick auf die JbWy'schen Messungen 
die Möglichkeit größerer Schwankungen an einzelnen Orten nicht an- 
zweifeln zu dürfen, und es wurden nicht nur von JoUy, sondern nament- 
lich auch von Morlei/ 2 ) von A. Vogler 3 ) und Hempel*) verschiedene 
Hypothesen über die Ursache der Schwankungen des Sauerstoffgehaltea 
der Atmosphäre aufgestellt. 

In jüngster Zeit hat aber Professor U. Krcuslcr in Poppelsdorf eine 
höchst werthvolle und interessante Arbeit veröffentlicht, in welcher er 
auf Grund einer ausgedehnten Versuchsreihe zu wesentlich anderen Ergeb- 
nissen gelangte, als von Jolly 5 ). Denn Krettslcr hat vom 1. Januar 1883 
bis 15. Februar 1884 eine große Anzahl von Sauerstoff beetimmungen mit 
einem verbesserten Joltyachen Kupfereudiometer ausgeführt und gefunden, 
daß die Schwankungen im Sauerstoffgehalte stets gering sind und als 
äußerste Grenzen sich durchgehends innerhalb 20,867 und 20,991 pCt, 
ja, wenn man von vereinzelten Fällen absieht, lediglich zwischen 20,88 
und 20,94 pCt. bewegen. Das aus 99 Beobachtungen des Jahres 1883 
berechnete Mittel beträgt 20,911 pCt. 

Ein Vergleich dieser Zahlen mit allen anderen zur Zeit vorhandenen 
zuverlässigen Luft- Analysen führte Krcusler zu dem Schluß, „daß die 
früher allgemein herrschend gewesene Annahme einer innerhalb enger 
Grenzen konstanten Zusammensetzung der atmosphärischen Luft thatsäch- 
lich noch zu Recht besteht". 

Wenn man in der That berücksichtigt, daß Morley in Amerika mit 
seinem verbesserten Apparate im Mittel 20,949 

Hempel in Dresden ,, 20,929 

Begnmdt und Reiset (1847-1848) in Paris „ „ 20,964 



') Bekanntlich haben auch die neueren, mit vollkommneren Methoden aus- 
geführten Analysen bezüglich des Kohlensäuregehaltes der Luft gegenüber den 
älteren Angaben eine größere Gleichmäßigkeit (geringere Schwankungen) und 
einen geringeren Gehalt ergeben (vergl. meine Broschüre über „die Beschaffenheit 
der Waldluft"). 

») Naturforscher 1882, S. 71. 

») Meteorol. Zeitschr. 1882, S. 175; Naturforscher 1882, S. 245. 
*) Berichte der deutschen ehem. Gesellschaft 1885, S. 268. 
*) „Landwirtschaftliche Jahrbücher", herausgegeben von Dr. H. Thiel, 1885, 
S. 305 u. f. 



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üeber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 



239 



Bimsen (1846 u. 1847) in Marburg im Mittel 20,943 
Breslauer in Brandenburg a. H. „ „ 20,934 pCt. Sauer- 

stoff fand, so spricht die große Uebereinstimmung dieser Mittelzahlen 
mit den von Kreusler gefundenen Mittelwerthen und zusammengehalten mit 
zahlreichen anderen Ergebnissen guter Methoden mit Entschiedenheit für 
die Annahme, daß die Luft immer und allenthalben eine sehr gleich- 
mäßige Zusammensetzung besitzt, und daß die von Jolly gefundenen 
niederen Mittelzahlen und ansehnlichen Schwankungen des Sauerstoff- 
gehaltes auf einer in der Untersuchungs-Methode begründeten Fehler- 
quelle beruhen müssen, was auch von U. Kreusler nach vielen Ver- 
suchen constatirt wurde 1 ). 

Der Jolly'sche Apparat besteht im Wesentlichen aus einem Eudio- 
metergefäß, das mit einem empfindlichen Quecksilbermanometer (oder nach 
Kreusler's Abänderung zweckmäßiger mit einem guten Barometer) in 
communicirender Verbindung steht. Die zur Analyse bestimmte Luft kommt, 
nachdem sie durch mit conc. Schwefelsäure getränkte Bimssteinstückchen 
und durch Aetzbaryt von Wasserdampf und Kohlensäure vollständig be- 
freit worden ist, in das Eudiometergefäß, wo ihr durch eine (mit Hilfe 

•) Wie wenig in der Regel seihst in bewohnten verschlossenen Räumen das 
Sauerstoffverhältniß sich ändert, wird aus folgenden Angaben ersichtlich: 

1. Gay-Lussac und Humboldt fanden im Jahre 1804 im Parterre des Theätre 
francais gegen Ende der Vorstellung den Sauerstoffgehalt der Luft nur 
auf 20,4 bis 20,2 pCt. vermindert. 

2. Configliachi hat 1811 in verschlossenen Räumen 20,2 bis 20,6 pCt. Sauer- 
stoff nachgewiesen. 

3. Nach B. A. Smith betrug der Sauerstoffgehalt im Parterre eines Theaters 

Abends 11«/* h 20,74, 
auf der Gallerie daselbst 20,36 » o. 

4. U. Kreusler fand am 17. Febr. 1883 in der Luft eines Zimmers, in welchem 
ab und zu Menschen verkehrten und mehrere Gastlammen brannten, bei 
2 Versuchen 20,849 und 20,841 Proc. Sauerstoff, am 23. Mai 1884 in 
einem kleinen, doch gut ventilirten Zimmer, woselbst 3 Personen zeitweise 
rauchend sich aufhielten, 20,865 Proc. Sauerstoff. 

5. Am 13. September 1885 entnahm ich auf dem Hirschbühel in einem Zimmer, 
in welchem 3 Personen schliefen, Morgens 7 Uhr eine Luftprobe, die 
20,35 Proc. Sauerstoff enthielt. Trotz des relativ bedeutenden Konsums 
durch Athmung und Verbrennung ist mithin der Sauerstoffgehalt in be- 
wohnten Räumen nicht stark vermindert. Es erklärt sich dies durch die 
natürliche Ventilation, welche die Thüren, Fenster und Zimmermauern 
gestatten. 



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240 



Agrar-Meteorologie: 



einer Dynamomaschine) galvanisch glühend erhaltene Kupferdraht-Spirale 
der Sauerstoff (unter Bildung von Kupferoxyd) vollständig entzogen wird. 
Vor und während dieser Manipulation wird das Eudiometergefaß behufs 
Abkühlung auf 0° in Eis eingetaucht. Der Sauerstoffgehalt ergiebt sich 
lediglich aus der Differenz des (mit dem Manometer oder Barometer) er- 
mittelten Luft-Druckes vor und nach der Glüboperation 1 ). 

So lange Kreusler mit dem Münchener Originalapparate arbeitete, 
erhielt er wie Jolly viel zu niedere Mittelwerthe und bei Kontroianalysen 
derselben Luftproben beträchtliche Unterschiede. Durch fortgesetzte Ver- 
suche hat er endlich gefunden, daß nach der Absorption des Sauerstoffs 
mit glühendem Kupfer im Recipienten des Apparates neben Stickstoff 
noch Wasserdampf auftrat, obgleich die Probeluft vorher vollkommen ge- 
trocknet wurde. Dadurch wurde die Spannkraft des im Eudiometergefäße 
enthaltenen Stickstoffs erhöht, was die Ursache der unbefriedigenden Resul- 
tate war 2 ). Erst als Kreusler bei seinen späteren Versuchen den während 
des Glühens des Kupfers gebildeten Wasserdampf durch Einführung einer 
kleinen Aetzkalistange in das Eudiometergefäß absorbiren ließ, erzielte er 
wesentlich höhere Mittelzahlen und genaue Resultate. Die größten Diffe- 
renzen bei einer und derselben Luftprobe betrugen nur noch 0,014 bis 
0,023 pCt. Auch die Schwankungen des Sauerstoffgehaltes gingen dann 
auf das normale Maß zurück. 

Nach dieser kurzen Darlegung des gegenwärtigen Standes der „Sauer- 
stofffrage" will ich nun nachstehend meine Untersuchungs- Ergebnisse 
mittheilen: 



') Eine Vereinfachung des Jbtfy'schen Apparates wurde vou F. Fischer in 
Vorschlag gebracht (Dingl. polyt. Journ. Bd. 234 S. 46 und Berichte der deutsch, 
ehem. Gesellschaft 1879, S. 1696). 

*) Hempel vermuthet, daß dieser Wasserdampf während des Glühens aus dem 
im metallischen Kupfer enthaltenen (absorbirten) Wasserstoffgas gebildet wird. 



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Ueber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 



241 



Tag 




jiceres- 




Sauerstoffgeh. 


der 


Ort 




in Vol. Proc. 


höhe 


Holzart und Alter 






Unter- 


im 


im 


suchung 




m 




Walde 


Freien 


Aug. 15. 


• • 

Hintersee, 


804 


Fichten, 40 Jahre 


20 68 


20 95 


am Fuß des Mühl- 










sturzhorn 


815 


» » 


20,82 
20,94 




> 16. 


Hintersee 


794 


Kastanien, in der Krone 
a) auf der Sonnenseite 


20,81 


i 17. 


Falzalpe Ostab- 




b) auf der Schattenseite 








hang des Watz- 










mann 


1677 


— — 




20 99 




Nordspitze des 








20 94 




\V atzmann 


2658 


— — 






Nordostabhang d. 












Watzmann 


1323 


Fichten, 55 J. 


20 77 

4v, 1 1 




» 20. 


Litzelalpe 


1336 


— 


20 85 
20 87 




Hirschbichel 


1100 


Fichten, in der Krone: 
a) Sonnenseite 


20,71 




» 




b) Schattenseite 


90 RH 






» 




Buchen und Fichten, 70 J. 


90 74. 
Oft XK 




» 21. 


Ramsau 


675 


Fichten, 45 J. 


21 00 








Fichten, 50 J. 


90 s 1 






» 




Fichten, 60 J. 


90 


- 


> 22. 


Wartstein bei 












Hinte rsee 


816 


Fichten, 45 .7. 


90 fifi 


20 88 


» 23. 


am Fuß der Reit- 










alpc 


849 


Fichten, 60 J. 


90 S6 


20.90 




am Fuß des Hoch- 








kalter 


812 


Fichten, 65 J. 


20,70 


20,88 


» 27. 


Hintersee 


794 


Fichten, 30 J. 
Fichten, 30 J. 


Oft WO 




» 29. 


Ramsau 


678 


90 Q1 


20,85 








Buchen, 100 J. 
Fichten, 80 J. 


20,93 




Sept. 3. 


KahlbrunnerAlpe 


1346 


90 7^ 


20,93 


» 4. 


Steinernes Meer 


2230 


— 




20 H7 


» 4. 


Funtensee 


1843 






20,91 




Königssee 


600 


— 




20 89 


» 9. 


Kunterweg bei 




Fichten, 30 J., in der 
Krone 








Ramsau 


ort a 

824 


90 Q1 


20,84 


» 15. 


Berchtesgaden 


556 


Fichten, 80 J. 


Ort uu 


20 91 

Ami */ y V 1 


* 17. 


Kam sau 


670 


Buchen, 80 J. 


20,86 


20,97 


» 23. 


Raubling bei 




Kiefern und \ ichten, 40 J. 






Rosenheim 


460 












(auf Torfboden) 


20,65 


20,72 


Oktbr. 9. 


Hirschhorn im 










r i < [ 1 1 1 iL.« 1 1 1 1 j i 


777 
Iii 


r icnit'n, to <i. 


20,88 


ort at 


» 14 

■ it. 


noi n en nm u ml 










Nürnberger 








21,00 




Reichswald 


330 


Kiefern, 55 J. 


20,70 


> 19. 


Eichstatt 


420 


Rothbuchen, 85 J. 


20,83 


20,77 








Mittel 


20,7* 


20,82 








Maxim. 


20,94 


21,00 








Minim. 


20,61 


20,72 








Di ff. zw. Max. u. Min. 


| 0,33 


0,28 



242 



Agrar-Meteorologie: 



Als mittleren Sauerstoffgehalt der freien atmosphärischen Luft er- 
gaben meine Untersuchungen 20,82 Vol. Proc, während auf Grund obiger 
Analysen als Durchschnittszahl 20,95 Proc. angenommen werden kann. Diese 
kleine Differenz, ebenso die von mir gefundenen etwas größeren Schwan- 
kungen im Sauerstoffgehalte der Luft sind jedesfalls äer Untersuchungs- 
methodo zuzuschreiben, speciell dem Umstände, daß bei dem von mir be- 
nutzten Apparate Wasser als Sperrflüssigkeit verwendet wurde. Aber auf 
das Hauptresultat der Analysen, daß der Sauerstoffgehalt der Waldlnft 
durchschnittlich derselbe ist, als der der freien Atmosphäre, können diese 
Verhältnisse keinen Einfluß haben. 

Die Luft, welche bei Sonnenschein und windstillem Wetter unmittel- 
bar über den Blättern gesammelt wurde, zeigte sich bisweilen etwas 
sauerstoffreicher als Freilandluft ; dagegen enthielt die Waldluft, im Innern 
gutgeschlossener Bestände gesammelt zwischen Boden und Kronendach, sehr 
häufig und durchschnittlich etwas weniger Sauerstoff als die Landluft, was 
sich durch den bei der Verwesung der Waldbodendecke stattfindenden 
Sauerstoffverbrauch erklärt. 

Obgleich auf Grund vorstehender Untersuchungen ein beachtens- 
werther höherer Sauerstoffgehalt der Waldluft nur noch in der Phantasie 
unkundiger Menschen bestehen kann, hat doch die Land- und speciell 
die Waldluft im Vergleich zur Stadtluft so wesentliche Vorzüge, daß. sie 
durch diese Ereignisse an ihrer hygieinischen Bedeutung nichts verloren hat. 

Während die Stadtbewohner Luft einathmen, welche häufig nicht nur 
die Nase durch üblen Geruch belästigt, sondern auch den Lungen eine 
ungeheure Menge feinster Staub- und Kohlentheilchen, zahlreiche Keime 
oft gesundheitsschädlicher Spaltpilze (Bacterien) zuführt, ist die Land-, 
Berg- und Waldluft als reine Luft zu betrachten, d. h. als Luft, die frei 
ist von übel riechenden Zersotzungs- und Fäulnißgasen thierischer und 
vegetabilischer Abfallstoffe, frei ist von oft schädlich wirkenden Gasen 
und Dämpfen der Fabrikanlagen, frei ist von Ruß und Straßenstaub, und 
weit weniger Mikroorganismen enthält als die Stadtluft 1 ). Für die Wald- 
luft ist speciell noch charakteristisch, daß sie, wie ich früher schon nach- 



') Der als Luftreiniger wirkende Regen enthält deßhalb auch auf dem Lande 
viel weniger Unreinigkeiten als das Regenwasser in größeren Städten. Sommerregen 
ist noch unreiner als Winterregen. 



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Ueber den Sauerstoffgehalt der Waldluft. 



243 



gewiesen habe, in der wärmeren Jahreszeit beträchtlich kühler, feuchter 
•und ozonreicher ist als die Landluft. 

Vergegenwärtigen wir uns noch, daß der Wald auch einen gewissen 
Schutz gegen starke und rauhe Winde bietet, daß er durch den aroma- 
tischen Duft der Blütben, Blätter und des terpentinölreichen Harzes der 
Nadelbäume die Lebensluft zu würzen vermag, daß ein Aufenthalt in 
demselben die verschiedensten ästhetischen Genüsse gewährt und in Folge 
dessen auf das Gemüth und auf das geschädigte Nervensystem des modernen 
Kulturmenschen die günstigste Einwirkung ausübt, so haben wir alle 
Ursache, dem Walde eine große bygieinische Bedeutung zuzuschreiben und 
die Waldluft in tiefen Athemzügen zu genießen. 



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244 



Ueber den Schutz der Pflanzen gegen Hagel. 

Von Dr. Clro Ferrari, 

Assistent am meteorologischen Ccntralbarean in Rom. 



Der Titel dieser kurzen Notiz wird demjenigen, der sie liest, den 
«Hagelschirm» zurückrufen, erfunden von einem lustigen Kauz in einem 
Augenblick guter Laune; daher beeile ich mich von Anfang an zu er- 
klären, daß ich nicht viel von der Autorschaft der Idee, die ich aas- 
sprechen werde, halte, und daß ich mit dieser den Interessen der Versiche- 
rungsgesellschaften nicht zu schaden glaube ; ich hoffe allein den Ackers- 
mann auf eine Bahn zu leiten, welche vielleicht die Wirkungen dieser 
schrecklichen Plage weniger unheilvoll gestaltet. 

Alle diejenigen, welche die Gewitter beobachteten, auch schon im 
letzten Jahrhundert, bemerkten, daß dieselben hauptsächlich von west- 
lichen Himmelsstrichen herkämen. Jedoch eine genaue Idee von der 
Richtung dieser Lufterscheinung zu erhalten, genügt es nicht, die be- 
obachteten Richtungen von einzelnen Beobachtern statistischen Berechnungen 
zu unterwerfen, denn es ist nicht anzunehmen, daß die von diesen aus "be- 
obachteten Richtungen immer die gleichen seien, wie die wirkliche des 
Ungewitters. Abgesehen von den groben Fehlern, in den die Beobachter 
verfallen, sind die orographischen Bedingungen des Ortes, die nur einen 
begrenzten Horizont gestatten, die weite Entfernung des Gewitters, da« 
Bilden desselben während eines Regens in der Nähe des Zenith de* 
Ortes etc. etc. lauter Ursachen zum Irrthum. Die Folge davon ist, daß, 
um die wahre Richtung eines Gewitters 1 ) zu entdecken, es nüthig ist, 
dasselbe graphisch auf einer Karte mittelst isochronischer 8 ) Linien 

') In diesem Aufsatz, wann wir von einem Gewitter sprechen, meinen wir 
nicht eine einfache Beobachtung, sondern ein über eine Region verbreitetes Gewitter. 

») Linien, welche durch die Orte gehen, in welchen die Höhepunkts -Phase 
des Gewitters in der Zeit beobachtet wurde. 



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Ueber den Schutz der Pflanzen gegen Hagel. 



245 



darzustellen. Die Linie, welche alle Isochronen senkrecht durch- 
schneidet, stellt die wahre Richtung des Gewitters dar, während die 
von einzelnen Beobachtern aus bemerkten Richtungen nur schein- 
bar sind. 

Aus dem kartographischen Studium vieler Gewitter erkannte ich, 
daß die westliche Richtung vorherrschender ist, als durch die statistischen 
Untersuchungen erschien. In der That, aus 223 kartographisch darge- 
stellten Gewittern, durch welche man die wahre Richtung fest- 
stellen konnte, ersah ich, daß sie sich auf die 8 Hauptrichtungen des 
Compasses auf die in der folgenden Tabelle angezeigten Weise vertheilen. 
Unter S — SW werden alle die 45° verstanden, welche zwischen S — SW 
laufen u. s. w. Die genaue Richtung S wurde in diesem Oktanten, 
während die genaue Richtung SW im nachfolgenden Oktant S\V — W 
aufgenommen wurde. Die Zahlen werden nach ihrem procentualen Werthe 
ausgedrückt. Die Beobachtungen beziehen sich auf die Gewitter von 
Ober- und Mittelitalien im Jahr 1880 und von ganz Italien im Jahr 1881. 
Der hauptsächlichste Theil dieser Meteore bezieht sich auf Oberitalien. 



Jahr SE-S I S 
1,2 



SW SW— W iW-NW 



NW-N N-NEiNE-E E-SE 



18MI 
1-1 



i 



i 



2,5 
2,1 



17,3 
11,0 



65,6 
51,8 



4,9 
19,8 



! 



8,8 
11,5 



2; ö 



Daraus ersieht man, daß fast ihre Totalität von den 180° entsteht, 
die zwischen SW — NE enthalten sind. Die wenigen Meteore, die von 
den andern 180° herkommen, sind nicht von großer Wichtigkeit und nur 
solche, die nach kurzer Bewegung sich wieder erlöschen; solche Gewitter 
sind überdies beinahe nie von schädlichem Hagel begleitet. Aus der 
Tabelle ersieht man klar, daß die meisten Gewitter von einem Punkte 
des Oktanten W — NW herkommen. Wir werden daher ohne Furcht vor 
einem Irrthum bestätigen können, daß von WNW uns stets der Hagel 
zukommt. Der Schreiber dieses hat mit verschiedenen Landleuten ver- 
schiedener Länder Oberitaliens hierüber gesprochen und es wurde ihm 
stets dieser Punkt als derjenige bezeichnet, woher die schlimmen Gewitter 
kommen. 

In meinen Untersuchungen über die Gewitter der Jahre 1880 
und 1881 richtete ich infolge dessen meine besondere Aufmerksam- 

E. Wollny, Forschungen. IX. 17 



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246 



Agrar-Meteorologie: 



keit auf die Richtung des vorherrschenden Windes, welcher das Gewitter 
begleitete. Ein solches Element wurde für viele der 36Q Gewitter in 
Betracht gezogen, die im Jahre 1880 beobachtet wurden, sowie für die 
G50 im Jahr 1881 beobachteten. Für einige Gewitter sogar machte man 
sich Karten, ausschließlich um eine solche Richtung darzustellen. Aug 

allen studirten Fällen ergab sich das Gesetz, daß bei jedem Gewitter die 

• 

Richtung desselben mit der des vorherrschenden Windes zusammentrifft. 

Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den bei jedem Gewitter vom 
Hagel verwüsteten Flächen zugewendet; aus allen relativen Fällen ergab 
sich das andere Gesetz, daß in der vom Gewitter verwüsteten Region 
der Hagel sich in geraden und langen, nach der Richtung desselben 
orientirten Streifen vertheilte. Solche Streifen zeigen in manchen Orten 
unterbrochene, aber in derselben, Richtung gelegene Felder. 

Dies vorangesendet, würde ich den Landleuten rathen, alle An- 
pflanzungen, die in Spalieren gezogen werden können (wie Reben, Obst- 
bäume, Maispflanzen) von WNW nach ESE anzulegen. Auf diese Welse 
würden sie nur die Flanke dem Hagel bieten, welcher, vom Winde 
getrieben, ein wenig schriig fällt; es würden dadurch die ersten Bäume 
oder Pflanzen der Reihe die zweiten decken u. s. w., während, wenn 
die Reiben von N nach S angepflanzt sind, sie vom Hagel voll getroffen 
würden 1 ). Es ist klar, daß raein Rath hauptsächlich für die italienischen 
Landleute, und besonders für die Oberitaliens gilt. Mit geringen Ab- 
änderungen kann er jedoeh auch von Landleuten anderer Länder an- 
gewendet werden. Wenn die kartographischen Untersuchungen für eine 



>) Wer noch weitere Xotizcn über meine Forschungen der Gewitter wünscht, 
der möge bezüglich jener pro 1880, sich Rath holen in meinen Memoiren: Be- 
obachtungen über Gewitter, gesammelt im Jahr 1880, und bezügliche Studien: 
Annalen des meteorologischen Centrai-Bureau Serie II, Bd. 3, I. Theil pag. 1 
bis 256 mit 40 ilhistrirten Tafeln, und auch Zeitschrift der osterr. Gesellschaft 
für Meteorologie, Gewitterstudien in Italien von C. Lang., Bd. XIX, Seite 353 — 377. 
Etüde sur les orages observes en Italie en 1880 de A. Angot. Annuaire de la 
socicte mc'teornlogique de France en 1*S3 octobre, page 349—359. Für das .lahr 
1*M Beobachtungen der Gewitter, gesammelt im Jahre 1881 und bezügliche 
Studien, Annalen des met. Central-Bureau, Serie II, Bd. 5, II. Theil, Seite 405—731 
mit 36 illustr. Tafeln: und Untersuchungen über die dem met. Centralbureau 
mitgctheilten Gewitterbeobachtungen vom Jahr 1*81. Meteorologische Zeit- 
schrift. Bd. II, S. 353-375. 



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Neue Litteratur. 



247 



bestimmte Gegend es gestatten, die wahre Richtung der Mehrzahl der 
Gewitter zu erkennen , so könnte man in entsprechender Weise auch 
die Orientirung der Pflanzenreihen modifiziren. Die Idee besteht dem- 
nach darin, die Reihen nach jener Richtung anzulegen, von woher 
die größte Anzahl der Gewitter kommt. So scheint es, daß in Bayern 
diese Meteore hauptsächlich von WSW kommen; in diesem Falle stelle 
man die Reihen genau von WSW nach ENE. 



Neue Litteratur. 

A. Angot. Stadien Aber die Weinlese in Frankreich. Annuaire du 
Bureau central meteorologique. 1883. 120 S. in gr. 8° mit 1 illustr. Tafel. 

Der unermüdliche Sekretär der französischen meteorologischen Gesellschaft 
hat die agrar-meteorologische Litteratur um eine neue Arbeit mit dem oben 
erwähnten Titel bereichert, welche das große Verdienst hat, seine Resultate auf 
lange Beobachtungen zu stützen. 

Da vom Jahre 1880 an festgesetzt wurde, daß das Bureau central meteoro- 
logique regelmäßig die Angaben bezüglich der Epoche der Weinlese veröffent- 
lichen würde, so erstreckte Angot seine Nachforschungen nur auf die vorhergehenden 
Jahre. Er wandte sich deshalb an die Commissionen der Departements, damit 
sie ihm die Angaben der vorherigen Ernten übermittelten. Auf diese Weise erhielt 
er 606 Serien von Weinlesen, die sich auf 50 Departements beziehen. Von den 
37 anderen lieferten 19 gar keine Angabe; bei einem ging die darauf bezügliche 
Aufschreibung verloren und in 17 werden die Weinstöcke nicht gebaut. 

Da der Weinertrag in den verschiedenen Jahren nur mittelst unbestimmter 
Ausdrücke, wie Menge dürftig, mittelmäßig, reich etc. ausgedrückt ist. giebt Angot, 
damit sie zum Vergleiche diene, eine Tabelle, auf welcher für die Zeitdauer vom 
Jahre 1*7"» — 79 für jedes Departement und für jedes Jahr die mittlere Fläche von 
Hektaren angegeben ist, die mit Weinstöcken bepflanzt, und das mittlere Produkt 
nach Hektoliter per Hektar anführt. (Angaben, aus dem statistischen .lahresbuch 
von Frankreich entnommen- Handelsministerium. Abtheilung für die allgemeine 
Statistik.) Anffot giebt in Folge derselben Veröffentlichung für die 30jährige Zeit- 
dauer vom Jahr 1850—79 für jedes Jahr in ganz Frankreich die Totalanzahl 
der mit Wein angepflanzten Hektare und das mittlere Produkt per ha wieder: 
eine Tabelle, die wir hier zum Thcil wiederholen. 

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248 



Agrar-Meteorologie. 



Mittlerer Ertrag 





hl per na 


1850 


20,7 


1*51 


18,1 


1852 


13,3 


1853 


10,4 


1854 


5,0 


1855 


7,0 


1856 


9,8 


1857 


18,2 


1858 


24,7 


1859 


13,7 



Mittel 14,1 





Mittlerer Ertrag 




hl tioi* ha 

III J'vl II«* 




17 Q 


1 Wft1 


lo,4 




1 A ß 


1 üeQ 

1 s < »o 


£.2,0 


1£64 


22 4 


1865 


80,1 


1866 


27,8 


1867 


16.9 


1868 


22,3 


1869 


29,8 


Mittel 22,0 



Mittlerer Ertr 




Iii 1WIT* Via 

in per jm 


18<0 l ) 


23,3 


18 < 1 


24,4 


18/2 


22,6 




i r » n 


1874 


29,2 


1875 


32,6 


1876 


1*.5 


1-77 


13,6 


1878 


22,0 


1879 


11,5 


Mittel 21,3 



Es ist sehr nützlich zu bemerken, daß im ersten Deeenium die Anzahl der 
mit Wein angepflanzten ha zwischen einem Maximum von 2183810 und einem 
Minimum von 2158*50 sich bewegte, deren mittlere Zahl 2174959 gewesen ist. 
Im zweiten bewegt sie sich zwischen 2643170 und 2205410 mit einem Mittel 
von 2306295. Im dritten zwischen 2428740 und 2238180 mit einem Mittel 
von 2364176. 

Da die Vielfältigkeit der Sorten als eine große Schwierigkeit für denjenigen 
gilt, der in verschiedenen Gegenden die Epochen der Weinlese vergleichen will, 
so hat Angot mit Hilfe von De Gasparin in richtiger Weise die verschiedenen 
Sorten in 7 Klassen getheilt. Damit die Trauben erster Klasse reif werden, 
müssen sie nach De Gasparin eine Wärmesumme von 2264° erhalten; für die 
folgenden Klassen notwendigerweise eine höhere Zahl, bis für die 7. Ordnung 
endlich eine Summe von 5000° nöthig ist. Die erste und die letzte Klasse, deren 
Weinstöcke fast gar nicht in Frankreich gezogen werden, nicht beachtend, theilt 
Angot die andern Klassen in 2 Gruppen, in die erste, welche die 2. und 3. 
Klasse einschließt, und in die zweite, welche die 4., 5. und 6. umfaßt. Eine 
solche Unterscheidung ist sehr zweckdienlich, da die Unterschiede zwischen 
den Klassen jeder Gruppe unbedeutend sind, wahrend dieselben zwischen den 
Gruppen* im Gegentheile sehr groß sind. Die Trauben der ersten Gruppe be- 
nöthigen im Durchschnitt 3480°, die der zweiten 4250°, um zu reifen. 

Unabhängig von der Art der Weinstöcke, haben viele andere Ursachen und 
Gründe großen Einfluß auf die Epoche der Weinlese. Es genüge, die verschie- 
denen Arten der Kultur anzugeben, das Jung- oder Altsein des Weinstockes;, der 
Gebrauch des Schwefels etc. Man ersieht daraus, wie vielen Einschränkungen 
die Schlüsse, die man aus diesem Studium zieht, unterworfen sind, und wie es 
darum, klimatologisch sprechend, weniger belehrend sei, als andere ähnliche Er- 
scheinungen, andere Phänomene der Pflanzenwelt, wie das Blättertreiben und 
Blühen der Pflanzen, das Reifen der Cerealien etc. Anderntheils bietet es den 
großen Vortheil, daß keine andere periodische Erscheinung der Pflanzenwelt 



M Nach Abzug .1er Wcinproduktc von Elsaß und Lothringen. 



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Neue Litteratur. 



249 



eine so lange Reihe von Beobachtungen bietet. Weit zurückgreifend, beziehen 
sich dieselben auf Zeiten vor der Einführung des Thermometers, so daß es 
durch dieses Hilfsmittel möglich wurde, interessante Folgerungen über den meteo- 
rologischen Charakter der vergangenen Zeiten zu ziehen, über welche keine 
anderen Xachweisungen bestehen. 

Nachdem Angot das enorme Material gesammelt hatte, theilte er es in 2 
Tabellen; 1 ) auf der ersten ist für jedes Jahr die Zeit der Weinernte für alle Orte 
und Stationen angezeigt, welche die längsten Serien und daher auch die in- 
teressantesten Beobachtungen geliefert haben; auf der zweiten sind allein für jede 
Station ohne Ausnahme die mittleren Zeitpunkte der Weinlese angegeben, in 
Zeiträumen von je 10 Jahren, von 1840 an gerechnet, die Epoche, zu welcher 
der größte Theil der Serien zurückreicht. Zur Angabe der Daten nahm Angot 
den 1. September als Ausgangspunkt an, ihn mit 1 bezeichnend; daher giebt die 
Zahl 31 den 1. Oktober und —1 den 31. August an u. 8. w. Für die zehnjährigen 
Mittel wurden, wenn die Lücken kurz waren, die fehlenden Zahlen mittelst der 
nächsten, cotnpleten Stationen interpolirt, indem angenommen wnrde, daß der Unter- 
schied in den Epochen der Weinlese in den benachbarten Orten ein beständiger 
wäre. Wenn die Lücken groß waren (ausgenommen, wenn es sich um sehr 
interessante Serien handelte), wurden die Mittel nicht berechnet. Auf der ersten 
Tabelle sind Beobachtungen, die bis zum 14. Jahrhundert hinaufreichen.*) Indem 
man diese Tabelle prüft, bemerkt man, wie veränderlich an ein und demselben 
Orte die Zeit der Weinlese ist. So z. B. erntete man in Dijon den Wein im Jahre 
1420 am 25. -August und im Jahre 1816 am 28. Oktober, ein Unterschied von 
64 Tagen; in Salins am 6. September (1540) und im Jahre 1816 am O.November; 
Unterschied 65 Tage: in Lavaux den 9. Scptembep (1636) und im Jahre 1698 am 
19. November; Unterschied 71 Tage etc. Der Unterschied zwischen den äußersten 
Daten schwankt im Allgemeinen zwischen 65 und 70 Tagen. Diese Verschieden- 
heit kommt manchesmal sogar bei sehr naheliegenden Jahren vor. 

Angot berechnete in der Folge die Verschiedenheit der Epochen der Wein- 
lese, indem er den mittleren Unterschied derselben von einem zum folgenden Jahre 
nahm. Eine solche Berechnung wurde bei 15 Orten gemacht in einem Zeitraum 
von 80 Jahren (1800—1879); die Resultate davon sind in einer 3. Tabelle, auf 
welcher die zehnjährigen, mittleren Zahlen angegeben sind. Aus diesem Resultate 
ergab sich im Durchschnitt in Frankreich von einem Jahr zum andern ein 
Unterschied von ungefähr 11 Tagen; doch scheint es, daß im Süden die Ver- 
schiedenheit geringer sei. 

Indem Angot sich der 2. Tabelle bediente, berechnete er per Departement 
den mittleren Zeitpunkt der Weinlese für die Jahre 1860—79. Als es sich um 
Departements handelte, die wichtige klimatische Unterschiede boten, machte man 
die Berechnungen für „Arrondissement u ; im Gegentheil jedoch gruppirte man ge- 



>) Zur endlichen Vervollständigung dieser 2 Tabellen, die bis an GOG Serien erreichen, 
fügte Angot in der Folge noch andere Materialien (15 Serien» hinzu, die er in 2 andereu kleinen 
Tabellen veröffentlichte, als Atihang an die vorhergehenden. 

*) Die Epochen vor 1583 sind nach dem gregorianischen Kalender korrigirt. 



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250 



Agrar-Meteorologie : 



wisse Departements, deren klimatische Verhältnisse beinahe gleich sind oder keine 
hinreichenden Beobachtungen boten. Die Resultate sind auf einer 4. Tabelle 
dargestellt, die wir hier wiedergeben. 





.Nummer littl. 


Mitt- 


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(immer 


littl. 


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Seehöhe 


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Seebühe 


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92 


9^ R 




8 


208 


**1 t. 
Ol ,ö 


llautes-Pyrenees . . . . 


2 


250 


Hl (i 


Yonue, Nicvre (Clamecy) 


11 


206 


33,9 


Lot, Lot-et-Garonne . . 




167 


26 8 




8 


268 


26,2 




o 

w 


230 


28,0 


Haute-Saöne 


8 


273 


27,1 






168 


19,4 


Indre, Cher, Loiret (Or- 








Pyrenees- Orientales . . 


1 


30 


23,0 


leans) Nievre (Cosne, 










3 


40 


3,3 




13 


147 


25,5 




15 


752 


33,0 


Allier(Moulins,Montlucon) 


9 


251 


26,1 




6 


572 


31,9 


Allier (Uannat, laPalisse) 11 


340 


34,4 


Dröme, Vaucluse . . . 


7 


157 


23,8 


Puy-de-Döme (Clermont) 


26 


418 


88,2 


Bouches-du-Rhöne . . . 


8 


182 


15,3 


Puy-de-Döme (Issoir) . . 


16 


504 


39,3 




5 


177 


16,1 



Mittels der Zahlen dieser Tabelle stellt Angot den Beginn der Weinlese 
graphisch (in einer den Memoiren angehefteten Tafel) dar. Die verwickelte Form 
dieser Linien dürfte sowohl von der Verschiedenheit der gepflegten Weinsorten 
als von dem Einfluß der ITöhe herrühren. Aus Mangel an Beobachtungen, 
die in derselben Region, aber in verschiedenen Höben gemacht worden 
waren, konnte Angot die Curven nicht auf das Niveau des Meeres reduciren. 
Die wenigen Gruppen, mittelst deren Beobachtungen man eine solche Re- 
duktion machen konnte, gehören den Hoch- und Niedcralpen, dem Doubs und dem 
Puy-de-Döme an. Aus diesen Beobachtungen würde es scheinen, als ob die Ver- 



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Neue Litteratur. 



251 



spätuiig in der Zeit der Weinlese durchschnittlich 2—3 Tage sein müßte, bei je 
einer Zunahme von 100 m in der Höhe. 

Eine Frage, die eines besonderen Interesses Werth ist, und zu deren Er- 
forschung hauptsächlich das kostbar gesammelte Material diente, war die, an- 
zugeben, ob, wenn die durchschnittliche Zeit der Wehllese regelmäßige Ver- 
schiedenheiten für längere Perioden erleide, man dieselben der fortschreitenden 
Veränderung des Klimas zuschreiben könne. Zu diesem Zwecke berechnete 
Angot die Epoche der Weinlese für 15 der längeren Serien in einem Zeitraum 
von 10 und von 25 Jahren. Um die Resultate noch klarer wiederzugeben, drückt 
er mittelst Diagramme den erhaltenen relativen Durchschnitt dreier längerer Serien 
aus. Wir geben hier die Ziffern dieser letzteren wieder. 





1400-09 


10-19 


20-29 


30-39 


40-49 


50-59 


00-69 


70-79 




90- 99 


Dijon 




26 


16 


1 




29 




24 


3U 


27 


Salins 




» 


• 


» 


» 


» 


» 


» 






Aubonne 


» 


» 




» 


V 


» 






> 


» 




1600 - 09 


10—19 


20— 29 


30—39 


40—49 


50-5» 


60-69 


70-79 


80-89 


90 99 


Dijon 


25 


31») 


24 


26 


(82) 


25 


30 


2« 


29 


28 


Salins 


i 




s 


35 


s 


» 


» 


(45) 


45 


45 


Aubonne 


» 




V 


i 


» 


42 


47 


50 


42 


46 




1600—09 


10-19 


£0—29 


80-39 


40—49 


50-59 


60-69 


70-79 


80- 89 


90—99 


Dijon 


28 


26 


31 


20 


26 


25 


21 


24 


16 


28 


Salins 


44 


42 


47 


34 


44 


39 


34 


43 


35 


48 


Aubonne 


42 


39 


45 


41 


47 


42 


42 


5U 


52 


59 




1700 -09 


10-19 


20-29 


30-39 


40-49 


50-59 


60—69 


70—79 


80 89 


90—99 


Dijon 


25 


26 


• 

27 


2« 


34 


30 


30 


32 


28 


28 


Salins 


42 


39 


37 


39 


41 


41 


39 


43 


35 


36 


Aubonne 


Sri 


57 


56 


56 


63 


61 


56 


55 


48 


46 




1800—09 


10-1» 


20- 29 


30-3» 


40-49 


50—59 


60 — 69 


70-7» 






Dijon 


32 


36 


36 


32 


25 


29 


22 


29 






Salins 


37 


42 


41 


43 


43 


46 


40 


45 






Aubonne 


51 


54 


45 


45 


45 


47 


40 


(45). 







Aus dieser, wie aus der analogen Tabelle, welche die Mittel durch fünf- 
undzwanzigjährige Serien angiebt, schließt man, daß die Verschiedenheiten nicht 
von festgestellten Veränderungen in demselben Sinn, herkommen, wie diejenigen 
wären, welche von einem fortschreitenden Verfall des Klimas herrühren, sondern von 
Schwingungen. So rückt in Aubonne der durchschnittliche Zeitpunkt «1er Wein- 
erute in den Jahren von 1775—1875 um 10 Tage weiter vor, als im vorher- 
gehenden Jahrhundert, hat aber jedoch nur eine Verzögerung von 8 Tagen über 
die Epochen zweier Jahrhunderte vorher. Gegenwärtig ist es genau dieselbe Epoche 
wie am Ende des XVI. Jahrhunderts. Dasselbe kann man auch sagen von andern 

•) Obgleich Angot es nicht ausspricht, glaube ich doch, daß die unter Parenthese an- 
gegebenen Durchschnittszahlen von unvollständigen zehnjährigen Serien herrühren. 



252 



Agrar-Meteorologic : 



Curven. Von diesen Zahlen kann man auch ableiten, daß die langsamen 
Schwingungen dieser Erscheinung nicht den periodischen Veränderungen des 
Klimas zuzuschreiben sind. In der Thal sollten die drei obengenannten Stationen, 
welche nahe beisammen liefen, einen parallelen Gang zeigen, was jedoch nicht 
der Kall ist. Dassell* gilt auch für andere Serien, die von noch näher an- 
einanderliegenden Stationen herkommen. Diese Schlüsse, welche auf die 
Bi-tändigkeit des Klimas sich beziehen, bestätigen diejenigen, zu welchen 
auch andere Autoren, jedoch auf ganz verschiedenen Wegen gelangten. Was 
die Permanenz derselben Gattung an ein und demselben Orte anbetrifft, so er- 
kennt man aus der Beschreibung Columeüas, welche er uns von den Wein- 
bergen vou Gaule giebt, unter den andern Sorten ganz perfekt den Pinot, welche 
gerade die am meisten in Burgund gepflegte Pflanze ist. Aus Dokumenten, 
die man besitzt und die für Beaune bis zum Jahre 1330 und für Dijon bis 1480 
"zurückreichen, ist ersichtlich, daß jene Kultur nicht verändert worden ist; die 
Gattung, die Art der Pflege etc., alles ist dasselbe geblieben. Man weiß überdies 
noch von Gregor von Tours, d. i. aus dem 6. Jahrhundert, daß die Weinstöcke 
sich damals auf denselben Hügeln befanden, wie jetzt. Dieselben Pflanzen, irgendwo 
anders hin versetzt, sogar an Orte von gleichem Klima, brachten andere Produkte 
hervor. Man wird aus allem diesen schließen müssen, daß das Klima Burgunds 
seit zwölf Jahrhunderten sich nicht geändert hat. Die Veränderungen, die 
sich in langen Reihenfolgen ergeben, Veränderungen, die nicht einmal bei 
benachbarten Orten ähnlich sind, kommen daher nicht von dem Wechsel des 
Klimas, sondorn von rein lokalen Ursachen her, wie z. B: Veränderungen in den 
gepflegten Sorten, Versetzung der Heben, Zuwachs der Anzahl der Weinstöcke, 
Art des Weinbaues etc. Dieser Schluß, zu dem Angot gelangte ist der treffendste 
und wichtigste der ganzen Arbeit, denn nur auf diesem wahren und richtigen 
Wege können wir eine genaue Idee der klimatischen Verhältnisse der Vergangen- 
heit erhalten. 

Ehe Angot sich in die genauere Untersuchung der Beziehungen zwischen 
den meteorologischen Elementen und der Epoche der Weinernte einläßt, giebt er 
uns noch ein langes Verzeichniß, in welchem er uns von 1236—1879 (bis 1448 
mit Unterbrechungen, aber dann vollständig für alle Jahre) für jedes Jahr die 
Qualität und (Quantität der Weinlese anzeigt. Bis zum Jahre 1689 sind die Erträge 
aus dem Werke Schiiblcrs genommen: „Nachrichten über die Verhältnisse des 
Weinbaues in Württemberg" und beziehen sich ausschließlich auf die Weinberge 
dieses Landes. In der Folge nahm Angot auch noch zu vielen andern Quellen seine 
Zuflucht. Nachdem A. zwei Tabellen Schüblers angiebt, welche das Produkt der 
Weinberge Ilcilbronns (vom Jahre 1519 — 1N03), Besigheims (von 1711 — 1788) und 
von Stuttgart (von 17S8 — 1830) darstellen, liefert er uns auch noch zwei Tabellen, 
die das Weinprodukt in hl per ha von St. Georges (Cöte-d'Or) (von 1800—1859) 
und von Gruaud-Lorose (Medoc) (von 1820 — 1879) nachweisen. Auf Grund ferner 
gesammelter oben angeführter Angaben bezüglich der Qualität und Quantität der 
Weinlese führt Angot vom Jahre 1750 an diejenigen Jahre auf, in welchen 
Frankreich im Allgemeinen eine reiche Weinlese hatte. Solche Jahre sind: 1752, 
'54, '79, '81, '88, 1804, '27, '28, '40, '48, '75. Die Jahre, in denen die Ernte 
mager war, sind: 1789, 1809, '16, '17, '21, '30, '43, '54, '73 und '79. Die Jahre, 



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Neue Litteratur. 



253 



in welchen die beste Qualität hervorgebracht wurde, waren 1750, '53, '60, '62, 
'81, '88, '95, '98, 1802, '11, '22, '25, '34, '42, '46, '58, '65, '70 und '74. Die 
Jahre endlich, in denen der Wein schlecht ausfiel, immer von 1750 an gerechnet, 
würden also dann sein: 1754, '61, '63, '68, '76, '89, '99, 1816, '17, '21, '23, '29, 
'36, '43, '45, '53, '60, '66, '79. Indem sich Angot der gesammelten Serien be- 
diente, bestimmte er von 1750 an die charakteristischen Jahre für die Früh- 
reife und für die Verspätung der Weinlese in Frankreich. Die Jahre, in welchen 
man später erntete, waren 1805, 16, '21 79; das Jahr der spätesten Weinlese 
war im allgemeinen das Jahr 1816. Diejenigen, in welchen die Weinlese sehr 
früh stattfand, waren 1794, '98, 1811, '22, '34, '46, '65, '68; im Jahre 1822 
erntete man am frühesten. 

Angot suchte dann in der Folge die Beziehungen zwischen dem Zeitpunkt 
der Weinlese und dem jährlichen Gang der Witterung festzusetzen. Zu diesem 
Zwecke bediente er sich folgender periodischer Formel: 

t = t 0 4- a, sin x 4- b, cos x -f a 2 ' sin 2 x + b./ cos x 

wox die durchschnittliche Zeit im Winkel gerechnet, vom 1. Januar an, darstellt, 

(1 Tag = 0°, 9857), t 0 die mittlere jährliche Temperatur, a„ b„ a 2 , b, die 

Coeticienten , welche man bestimmen kann, wenn man die mittleren, monatlichen 
Temperaturen kennt. Aus einer noch nicht veröffentlichten Arbeit über das 
Klima Frankreichs zog Angot die zur Berechnung dieser Werthe nothwendigen 
Kiemente für 22 Gegenden 1 !, für welche das mittlere Datum der Weinernte auf 
der von uns angeführten Tabelle (Seite 250; wohl angemerkt und angezeigt ist. 
Angot giebt uns in einer Tabelle die Werthe für die 22 Regionen an. Setzt man 
diese in die oben angegebene Formel, so erhält man tür jeden Zeitpunkt des 
Jahres die mittlere tägliche Temperatur (abgeleitet vom Maximum und Minimum ohne 
Berechtigung). Herr Angot nahm nach De Gasparin und Ladreg 9° als die- 
jenige Temperatur an, in welcher sich die ersten Spuren der Vegetation iu dem 
Weinstock zeigen. So konnte er auf Grund dieser Formel für die 22 Regionen 
den mittleren Zeitpunkt berechnen, in welchem der Weinstock zu wachsen an- 
fängt, d. h. die Epoche x, in welcher die mittlere tägliche Temperatur den Werth 
von 9° erreicht. Auf solche W f eise konnte A. für Frankreich die Curven be- 
schreiben, die den Anfang der Vegetation des Weinstocks darstellen oder mit 
andern Worten den Gang der Isotherme 9° im Frühling. Die Curven dieser 
Tafel zeigen eine gewisse Aehnlichkeit mit jenen der anderen schon erwähnten, 
welche die mittleren Epochen der Weinlese darstellen. Nachdem er auf solche 
Weise die Anfangsepoche der Vegetation und der Ernte festgesetzt hat, erhielt 
Angot für jede Region die Totalsummc der zwischen den beiden Zeitpunkten 
von der Rebe empfangenen Temperaturgrade mittelst folgenden Ausdruckes 



zwischen den zwei angegebenen Grenzen. Diese Berechnung kann auf zwei verschie- 
dene Arten gemacht werden : entweder indem man jede Temperatur zu ihrem wirklichen 



') Viele von dicaen Gegenden umfassen mehrere naheliegende Kugionen der Tubclle 
tuf Helte »0 




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254 



Agrar-Metoorologie: 



Werthe annimmt (da alle Temperaturen unter 9° wie null gerechnet werden, 9* 
aber nach seinem wirklichen Werthe genommen wird); oder, indem man von allen 
Temperaturen die Zahlen unter 9° abzieht (in diesem Falle zählt 9° für 0°nnd 
10" für 1°). 

Es ist klar, daß man von der ersten Fläche, welche mit der ersten Summe 
übereinstimmt, zur andern übergeht, die mit der zweiten übereinstimmt, indem 
man das Produkt der Anzahl der Tage, welche zwischen dem Anfang des Wachs- 
thums und der Weinernte liegen, für die Temperatur, die als Ausgangspunkt 
genommen ist, d. i. 9° davon abzieht. Angot gibt in der Tabelle, die wir hier 
wiedergeben, für die 22 Regionen die Summe der Temperaturgrade an, die die 
Rebe vom Anfang des Wachsthums bis zur Ernte empfangen hat, nach den beiden 
Methoden berechnet, wie folgt: 

Summe berechnet über Summe berechnet über 





0» 


9o 






9* 




2431 


973 






1308 






1144 






1258 






1135 






1255 




2726 


110G 


Bourgogno 


2773 


1225 


Champagne (Rheims) . 


. 2691 


11 IG 


Mittel . 


. 2845 


1258 


Mittel . 


. 2723 


1125 






1388 




2K00 


1180 


Medoc 


. 3069 


1395 


Seine, Seine-et-Oisc . . 


. 279G 


11*5 


Mittel . 


. »054 


1389 


Champagne (Troyes) . . 


. 2734 


1159 Basscs-Pyrenees . . . 


. 3302 


1502 








. 3193 


1537 


Loire Inferieurc . . . 


. 2777 


1157 Herault 


. 3119 


1535 


Mittel . 


. 27W 


1173 Bouches-du-Rhone . . 


. 3146 


1.508 






1957 


Mittel . 


. 3190 


1530 


Suisse (Lausanne) . . . 


. 2859 


1221 









Wenn wir die Hochalpen, für welche die Zeit der Weinlese schlecht fest- 
zusetzen ist, nicht in Betracht, ziehen, ebenso auch Roussillon, dessen Zahlen nur 
von einer einzigen Station herkommen, so sehen wir, daß durchschnittlich im 
Osten Frankreichs der Wein reift, wenn der Weinstock, von dem Zeitpunkt an ge- 
rechnet, in welchem die mittlere Temperatur 9° übersteigt, eine Gesamintsumrae 
von 2720° Temperatur erhalten hat, wenn die Grade auf 0° berechnet werden, 
oder von 1130°, wenn man die Berechnung auf 9° macht. Die Weinstöcke der 
nördlichen Gegenden erfordern dementsprechend 2*00° oder 1170°; die in Mittel- 
frankreich 2*40° oder 1250°; die südwestlichen 3050° oder 1390° und die des 
Südens 3190° oder 1520°. Die von uns oben gegebenen, über 0° gerechneten 
Wärmesummen sind geringer, als die von Jk Gasparin angegebenen, welche 
wir früher erwähnten. Das ergiebt sich aus der Thatsache, daß De Gasparin 
zu dieser Berechnung die niedrigsten, unter einem Schirme beobachteten Tem- 
peraturen verwendete, die höchsten aber mittelst eines Thermometers, der im 
Mittelpunkt einer kupfernen, mit dünnen Wänden versehenen Kugel angebracht 
war, die außen schwarz angestrichen war und der Sonne ausgesetzt wurde. 



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Neue Litteratur. 255 

I>er Verfasser glaubt, daß die auf diese letzte Art berechneten Temperaturen sich 
weniger als die seinigen zu diesem Zwecke eignen. Er giebt an , daß die 
relativen Temperatursummen im Osten und Norden niedriger seien als in Wirk- 
lichkeit, weil man in diesen Gegenden früher zu ernten gezwungen sei, ehe die 
Trauben vollständig reif wären. Eine wichtige Lehre, die man aus vorhergehender 
Tabelle zieht, ist auch noch die, daß, je mehr man nach Norden geht, desto niedriger 
die Temperatursumme ist, welche der Wein braucht, um zu seiner Reife zu gelangen. 

Zuletzt wendete Angot seine Aufmerksamkeit auch noch auf die meteorolo- 
gischen Bedingungen derjenigen Jahre, in welchen bei der Weinlese besondere 
Umstände eintraten. Wir haben oben die Jahre angegeben, in denen von 1750 
bis 1879 am frühesten und am spätesten der Wein geerntet wurde. Angnt be- 
rechnete für Paris in all diesen Jahren (mit Ausnahme der Jahre 1794, '99 und 
1805, in denen die Beobachtungen fehlen) die Abweichungen von der Normal- 
zahl 1 ) der mittleren Temperaturen in den Monaten März und April. Aus der be-, 
züglichen Tabelle entnehmen wir nur die Mittel der Monate vom April bis August. 

Jahre von frühester Weinlese Jahre von spätester Weinlese 

Abweichungen für April Abweichungen für April 

bis August bis August. 

1811 + 1,°23 1816 - 2, ü 05 

1822 | 1,°60 1821 -0,74 

1834 • . . + 1,00 1879 - 1,77 • 

1846 + 1,88 

1865 + 1,48 

1868 + 1,65 

Vor allem fällt uns in die Augen, daß in den Jahren der Frühernte die 
mittlere Temperatur dieser Monate über die Normale hinausging, während sie in 
den Jahren, in denen spät geerntet wurde, unter derselben stand. Es scheint, 
daß ein Uebermaß der Temperatur im Frühling für die Frühreife günstiger 
ist, als in jeder andern Jahreszeit. Es ergiebt sich auch, daß die Zeit des 
Wachsens viel kürzer als gewöhnlich in den Jahren der Frühreife und viel länger 
in denen der Späternte ist. Angot berechnete auch für diese außergewöhnlichen 
9 Jahre das Fcbermaß der Wärmesumma über die normale vom 1. April bis 
31. August. 

1811 ... 4- 188° 1846 ... -I- 211» 1816 ... - 314° 

1822 . . . + 244 1865 . . . + 227 1821 ... - 113 

1834 . . . + 152 1868 . . . + 252 1879 . . . - 271 

Indem er für die mittlere Epoche der Weinlese in Paris (Ende September 
bis Anfangs Oktober) eine mittlere Temperatur von 13,5° annahm, berechnete 
Angot durch die oben erwähnte Methode, mit welchem Vorrücken und Rück- 
stand diese Differenzen correspondirten. Wenn man daneben noch die wirklich be- 
obachteten Epochen 4 ) stellt (auf Grund der ersten Tabelle), so erhält man: 



»l Diese Ist au» dem Mittel von 18G0 — TB entnommen. 

*) Die dazu gebrauchten Stationen waren Argenteuil (Scinc-et-Oise), 1c Kiccys <Aubc) und 
Vendüme <l,oire-ct-Cher). 



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256 



Agrar-Meteorologie: 



Vorrücken der Ernte Vorrücken der Ernte Verspätung der Ernte 

Berech- Beobach- Berech- Beobach- Berech- Beobach- 

net tot net tct net tet 

1811 14 Tg. 13 Tg. 1846 16 Tg. 17 Tg. 1816 23 Tg. 25 Tg. 

1822 18 » 26 • 1865 17 » 19 » 1821 8 » 17 , 

1834 11 » 14 » 1868 19 » 16 » 1879 20 » 19 > 

Diese Zahlen stimmen hinreichend überein, außer für die Jahre 1821 und 
'22. Was das Jahr 1822 anbetrifft, so muß man berücksichtigen, daß der Monat 
März ausnahmsweise heiß war, und daher das Wachsthum schon in diesem Mona: 
anfangen mußte, was noch mehr den Ueberschuß vermehrt, der dem übrigen Theil 
des Jahres zuzurechnen ist. Im Jahre 1821 war die erhöhte Temperatur der 
Monate August und September nicht genügend, um die schädliche Wirkung der 
niedrigen Temperatur der drei vorhergehenden Monate aufzuheben. Wieder- 
holt bemerkte man, daß die jährlichen Veränderungen in den Zeitpunkten 
der Weinreife ihre Erklärung in dem Gang der jährlichen Temperatur finden. 

Da Angot der Meinung ist, daß eine magere Ernte an vielen, schwer 
zu unterscheidenden Ursachen') (wie Frost im Frühjahr, Hagel, verschiedene 
Krankheiten etc.) abhängt, so wendete er seine Hauptaufmerksamkeit auf die 
Beobac htung der Beziehungen zwischen den meteorologischen Elementen und 
den weiter oben erwähnten reichen Erntejahren. Nur die fünf letzten wurden 
in Betracht gezogen, da für die vorausgehenden eingehendere Beobachtungen 
fehlen. Angot gibt für Paris in diesen Jahren die Abweichungen der Temperatur 
der Monate von März bis September über die normale an. Wir berechnen aus 
jenen folgende Mittel: 

März April Mai Juni Juli August September 
-0,°1 +0,°5 + 1,°8 +0,°5 -0,°4 4-0,°l +0, 4 8 

Auf diese Weise können wir sagen, daß eine hohe Temperatur bei Beginn 
des Wachsthums, besonders aber im Augenblicke der Blüthe, für die meisten 
Erzeugnisse des Weinstockes 2 ) sehr günstig wirkt. In Betreff derselben Jahre 
und der Monate vom August bis September berechnete Angot die Menge des 
gefallenen Regens, von welcher wir auch hier wieder das Mittel angeben 



») In diesem Punkte kann der Referent mit dem geehrt»«» Verfasser nicht übereinstimmt?! 1 . 
Ich glaube, daß auch ein Studium analog dem von ihm gemachten tu Hinsicht auf die nut>j. 
Erntejahre ebenso auf die schlechten gemacht werden könne. In meiner Abhandlung, be- 
titelt: „Beziehungen zwischen meteorologischen Elementen und den Ernteergebnissen Italiens*. 
Anraten des Centrai-Bureaus der Meteorologie. Serie II, 4. Bd.. Theil EL, Seite 117— W 
(siehe anch diese Zeitschrift Vol VIII. und „Das Wetter**, t. Jahrgang. Seit« S38— 24«) glaube 
ich gezeigt zu haben, wie die Temperatur des Winters, wenn dieselbe niedrig ist eüwn 
schädlichen Einfluß auf da* Produkt des Weinstockes hat. 

s l Dieses Resultat ist aualog demjenigen, das auch der Berichterstatter in dem schon 
angegebenen Aufsatz bezüglich der Verhältnisse zwischen der Witterung und dem Produkt 
des Weizens, Roggens und der Gerste gefunden bat, nämlich, daß eine hohe Temperatur 
während der Wachsperiode für die meisten Erzeugnisse sehr güuvtig ist, was sich aus 
jenen Oegcudeu des nördlichen Italiens ersehen läßt, wo daa Maximum für jetie Ele- 
mente im allgemeinen nicht erreicht wird. 



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Neue Litteratur. 257 

April Mai Juni Juli August September April-Septbr. 
mm 51 47 46 58 57 46 305 
Normalwerthe») » 38 49 51 51 49 50 288 



Daraus ergab sich, daß während dieser fünf guten Jahre der Regen in den 
heißen Monaten der Norm sehr nahe kommt oder nur ein wenig höher. 

In der Folge berechnete Angot auch die Abweichungen der normalen Tem- 
peratur in Paris für die Monate März bis September in den Jahren, die Wein 
von guter und von schlechter Qualität hervorbrachten. Dieselben sind von uns 
schon oben angegeben worden; diejenigen aber vor 1806 wurden wegen Mangel 
an Beobachtungen ausgelassen. Aus der Tabelle AngoVz berechneten wir folgende 
Mittel : 

März April Mai Juni Juli August Sept. Juni-Sept. 

Gute Jahre +0,°2 + 0,°5 +1,°1 +1,°9 + 0,°8 +0,°6 + 1,°2 +1,°1 
Schlechte » -0,°8 -1,°3 -0/8 -0,°4 -0,°5 -0,°8 -0,6 -0,8 

Aus diesem ersieht man, daß die Temperatur in den guten Jahren, be- 
sonders von Juni bis September, die Norm übersteigt, während sie in den 
schlechten unter derselben steht. Eine analoge Berechnung wurde dann für die 
zehn guten, sowohl auch für die elf schlechten Jahre iu Hinsicht des Regens 
gemacht. Die relativen Mittel würden folgende sein: 



Gute Jahre mm 
Schlechte » » 
Normale * 

Mau ersieht daraus, daß die Regenzeit in den schlechten Jahren über das 
Normale hinausging, während sie in guten etwas unter der Norm stand. 

Ehe Angot seine schöne Arbeit vollendete, wollte er endlich auch noch seine 
Aufmerksamkeit auf das Maximum und Minimum der berühmten Sonnenflecken 
wenden, für welche unnützerweise Ströme von Tinte geflossen sind, wie auch auf 
die analogen Nachforschungen über den Einfluß des Mondes auf die irdischen 
Phänomenen. Nachdem Angot vorher erwähnt, daß Tomascheck gefunden hat, daß in 
jenen Jahren, in welchen die Sonnenflecken zahlreich waren, sich durchschnittlich 
die Weinreife um fünf Tago verspätete, im Vergleich mit jenen Jahren, in denen 
die Flecken selten waren, während Fritz gerade das Gegentheil aufstellte, nämlich 
daß bei vielen Sonnenflecken der Wein durchschnittlich um einen Tag früher reife 
als bei wenigen, berechnete er einzeln für zehn Stationen von 1700— 1 S79 das 
mittlere Datum der Weinlese für die Jahre (nach H. Wolf) des Maximums der 
Sonnenflecken (1705, 17, '27, '38, '50, '69, '78, '88, 1804, '16, '30, '37, '48, '60 
'70, und für jene des Minimums. (1712, '23, '33, '45, '55, '65, '75, '84, '98, 1810 
23, '33, '43, '56, '67, '78.) Die durchschnittlichen Resultate würden folgende sein: 



Juli 


August 


September 


Totalsummc 


48 


45 


47 


140 


66 


54 


62 


182 


51 


49 


50 


150 



»J Erhalten ans der Epoche von 1801—70. 



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2r»8 



Agrar-Meteorologie: Neue Litteratur. 



Kürnbach 

Argenteuil 

Dijon 

Vollnay 

Beaune 



Jahre des 
Maximums. Minimums 



7. Okt. 
1. » 
29. Sept. 

27. » 
27. » 



6. Okt. 
26. Sept 

30. » 

26. » 

27. ■ 



Jahre dss 

Maximums Minimums 

Salins 13. Okt. 12. Okt. 

Lous-le-Saulnier 7. » 7. » 

Pichou-Lougueville 24. Sept. 2. r > Sept. 

Aubonne 24. Okt. 24. Okt. 

Lausanne 18. » 19. » 



Daraus wird uns klar, daß kein klarer Unterschied zwischen den beiden 
Serien der Ziffern besteht, und daher der vermuthete Einfluß absolut nichtig oder 
unschätzbar sei. Dr. Ciro Ferrari — Rom. 



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I. Physik des Bodens. 

Ueber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität 

und Durchlüftbarkeit. 

Von Professor Dr. R. Heinrieh in Rostock. 

Seit einer Reihe von Jahren habe ich mir die Aufgabe gestellt, die 
wissenschaftlichen Bodenuntersuehungen „ins Praktische" zu übertragen 
und die chemischen und physikalischen Bodenprüfungeu zur Gewinnung 
eine3 Maßstabes für die Güte der Bodenarten zu benutzeu. Unser Boden- 
bonitirungswesen liegt gegenwärtig noch sehr im Argen. Die Werth- 
schützung des Bodens nach dessen Fruchtbarkeit, diese so wichtige An- 
gelegenheit, welche das materielle Wohl und Wehe Einzelner so sehr 
berührt, wird zur Zeit in einer Weise gehandbabt, welche unserem heutigen 
wissenschaftlichen Standpunkt nicht mehr entspricht. Prüft man die 
verschiedenen Instruktionen für die Boniteure, so kann man sich der 
Ueberzeugung nicht verschließen, daß das Geschäft der Bonitirung — 
soweit es wenigstens die Beurtheilung der Fruchtbarkeit eines Bodens 
betrifft, — ganz auf dem sogen, „praktischen Gefühl" der betreffenden 
Taxatoren beruht. Würden die gewissenhaften Boniteure nicht die Vor- 
sicht gebrauchen in den einzelnen Fällen Sachverstündige herbeizuziehen, 
welche die Bodenarten auf Grund vieljähriger Erfahrungen zu be- 
urtheilen im Stande sind, so würden noch viel größere Ungenauigkeiten 
bei den Abschätzungen vorkommen, als sie bis jetzt thatsäeblich vor- 
gekommen sind. Die besseren Bonitirungssysteme (z. B. das sächsische) 
sind auch mehr beschreibender Art; sie ruhen aber nicht, wie man 
verlangen muß, auf Principien, aus welchen man eo ipso die Fruchtbarkeit 
ableiten kann l ). 

') Siehe hierüber: „Ueber Bodenbonitirung und Kartirung" in den Nachrichten 
aus dem Klub der Landwirtlie zu Berlin. Nr. 178 und 179, vom 7. Januar 1886. 
E. Wollny, Forschungen IX. 18 



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260 



Physik dos Bodens: 



Meine bisherigen Arbeiten haben mich zu der Ueberzeugung geführt, 
daß wir auf Grund der wissenschaftlichen Bodenprüfungen sehr wohl in 
der Lage sind, ein vollbegründetes und mit den praktischen Erfahrungen 
übereinstimmendes Urtheil über die Bonität eines Bodens abzugeben, 
wenn wir die Prüfungen der physikalischen Beschaffenheit der Bodenarten 
auf zweckentsprechende Weise modificiren. 

Von den physikalischen Bodenprüfungen haben, meiner Ansicht nach, 
die Bestimmungen der Wassel kapacität und Durchlüftbarkeit für die 
Werthschätzung der Bodenarten die bei weitem größte Bedeutung. Es 
sei mir in Nachstehendem gestattot die Methoden zu beschreiben, welche 
ich für Prüfungen der Bodenarten auf die genannten beiden Eigenschaften 
bisher mit Erfolg benutzte. 

a) Bestimmung der Wassorkapacität der Bodenarten. 

Wer mit aufmerksamem Blick die verschiedenen Bodenarten ver- 
gleicht, dem drangt sich sehr bald die Ueberzeugung auf, daß für die 
Praxi« die Wasserverhältnisse des Bodens ganz vorzugsweise den Werth 
bedingen. Die Erfahrung hat den praktischen Landwirth schon lange zu 
der Erkenntniß geführt, daß ein Boden mit günstigen Feuchtigkeits- 
verhaltnissen sich viel leichter in seinem Ertrage steigern laßt als ein 
trockener Boden. Zur Erzeugung einer gewissen Erntemenge gehört 
notwendiger Weise ein gewisses Wasserquantum, welches unter Um- 
ständen von dem Boden für die Pflanzen reservirt werden muß. Genügt 
die im Boden vorhandene Feuchtigkeit, um auf einer bestimmten Fläch* 
100 kg Pflanzenmasse zu erzeugen, so kann man noch so stark und 
dicht säen, es werden eben nicht mehr als 100 kg erzielt — voraus- 
gesetzt daß nicht günstiger Kegenfall die ungenügenden Wasserverhältnisse 
im Boden ausgleicht. — Aus diesem Grunde werden ganz allgemein 
diejenigen Bodenarten, welche größere Mengen nutzbares Wasser für die 
Pflanzen aus der Atmosphäre zurückhalten, höher bezahlt als die trockenen 
Böden. Der Werth der Thon- und Lehmböden übersteigt — namentlich 
in den Gegenden mit extensiver Wirthschaft — den Werth der trockenen 
Sandböden um das 4- bis 6 -fache. 

Und doch hat gerade in dieser wichtigen Frage die Wissenschaft 
dem Landwirth noch am wenigsten einen Anhalt darüber geben können, , 
welche Wassorkapacität ein Boden besitzen muß, um „ertragssieber" zu 



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Ueber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit. 261 

sein. Es ist noch nicht so lange her, daß man in den agrikulturchemischen 
Laboratorien allein nach der alten Schübler' sehen Methode die Wasser- 
kapacitäten prüfte, wobei man bekanntlich zu dem Resultat kommt, daß 
fast alle Bodenarten in gleichem Volumen dieselben Wassermengen 
zurückhalten. Erst die Arbeiten von Ad. Mayer 1 ) waren Veranlassung, 
daß man die Kapillarverhältnisse und die dadurch bedingten Erscheinungen 
bei der Wasserkapacitätsbestimmung mehr als bis dahin berücksichtigte. 
In Folge der hierdurch gewonnenen Einsicht, daß die Wasserkapacität der 
Böden abhängig ist von der Höhe der Erdsäule, also von der Mächtig- 
keit der betreffenden Erdschicht, stellte Mayer die Lehre von der „grüßten" 
und „kleinsten" Wasserkapacität auf; er nahm hierbei an, daß die 
„kleinste" Wasserkapacität für bestimmte Bodenarten eine unveränderliche 
Größe sei. Soweit meine Untersuchungen jedoch reichen, giebt es eine 
solche „kleinste" Wasserkapacität überhaupt nicht, wenn anders man sich 
nicht mit annähernd gleichen Zahlen begnügen will. Es gilt dies wenigstens 
für Bodensäulen bis zu 1 m Höhe. Von den an einem anderen Ort 2 ) mit- 
getheilten Versuchen führe ich die nachstehende Versuchsreihe als Beispiel 
hierfür an. Es wurden von 100 g trockenem Boden zurückgehalten: 
Hohe der Bodenschicht 



von unten 






00-93 cm, 


8,6 g 


Wasser, 


75-78 > 


11,3 » 


» 


60—63 » 


11,9 » 




45-48 » 


I3,r> > 




30—33 > 


15,9 > 




15-18 » 


17,3 » 




0- 3 » 


20,3 » 





Es ist dies also eine kontinuirliche Abnahme der Wasserkapacität 
bis zuletzt. — Auch die einschlagenden Versuche von Wollmj*) scheinen, 
bis auf einzelne wenige Unregelmäßigkeiten in den obersten Schichten, 
die obige Ansicht zu beweisen. 

Aber selbst wenn man die sogenannte „kleinste" Wasserkapacität 
Mayers (vielleicht nach der modificirten Methode von Wollny*) be- 

') Siehe landw. Jahrbücher, herausgegeben von //. Thiel 1*74. 8. 753. 
2 ) Siehe meine „Grundlagen zur Beurtlieilung der Ackerkrume". S. 115. 
») Forschungen auf dem Gebiete der Agrikulturphysik. VIII. 8. 188 und 191. 
*) Ebendaselbst S. 194. 

18» 



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262 



Physik des Bodens: 



stimmt) als konstante Größe annehmen wollte, so würde man doch durch Ver- 
suche im Laboratorium nicht Zahlen gewinnen, welche den natürlichen 
Verhältnissen, unter welchen der betreffende Boden lagert, entsprechen. 

Die Wasserkapacität der Böden ist bekanntlich nicht allein von der 
Mächtigkeit der Schicht abhängig, sondern es kommen hierbei noch 
andere sehr wesentliche Momente mit in Betracht ; im Ganzen wird die 
Wasserkapacität von folgenden Umständen beeinflußt: 

1. von der Mächtigkeit der Schicht, 

2. » » Korofeinheit, 

3. » dem chemischen Gehalt (namentlich dem Humusgehalt), 

4. » den Schichtungsverhältnissen des Untergrundes, 

5. » der Tiefe des Grundwasserstandes, 

6. » » Lagerung des betr. Bodens zur Umgebung. 

Die unter 1 — 3 genannten Verhältnisse würden für die Bestimmung 
der Wasserkapacität im Laboratorium nicht hindernd im Wege stehen. 
Der Ackerboden ruht aber auf dem Untergrunde, welcher — wie 
namentlich im norddeutschen Schwemmlande — durch seine verschieden- 
artigen Schichtenbildungen die Wasserkapacität des überliegenden Bodens 
in hervorragender Weise beeinflußt. Diese Schichten — die bald in ihrer 
Kornfeinheit von der überliegenden Schicht abweichen, bald (durch Kalk 
oder Eiseuverbindungen gebunden) in ihrer Durchlässigkeit für Wasser 
Verschiedenheiten zeigen, und die, an die Luft gebracht, ihren Zusammen- 
hang und ihre physikalischen Eigenthün.lickeiten vei ändern, — sind 
Bildungen, deren Einfluß man bei dem Versuch im Laboratorium nicht 
berücksichtigen kann. Ebensowenig kann man im Laboratorium den 
Einfluß in Rechnung ziehen, welchen das Grundwasser und die örtliche 
Umgebung auf die Wasserkapacität des Bodens besitzt. 

Um daher für die Wasserkapacität der Bodenarten Zahlen zu ge- 
winnen, welche der Wirklichkeit entsprechen, bleibt nichts Anderes übrig, 
als daß man die Untersuchungen mit dem Boden in seiner natürlichen 
Lagerung vornimmt und die betreffenden Arbeiten hinaus auf das 
Feld verlegt. 

In dieser Richtung habe ich verschiedene Verfahren geprüft, um 
die Wasserkapacitätsbestimmungen in einfachster Weise auf dem Felde 
ausführen zu können. Das nachbeschriebene Verfahren hat sich mir bis- 
her am zweckmäßigsten ergeben. 



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Heber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit 263 

Die Ackerkrume (die vom Pfluge bewegte Bodenschicht) wird bis 
zur vollen Tiefe ausgehoben und auf den Untergrund ein Blecbgeffcß 
ohne Boden, von ca. 20 cm Durchmesser und 40 cm Höhe, aufgesetzt; 
das Blechgefiiß wird sodann von außen mit soviel Erde beschüttet, daß 
es in der Ackerkrume eingegraben erscheint. Der Rest des ausgehobenen 
Ackerbodens, welcher dem vom Blechgefaß umschlossenen Räume ent- 
spricht, wird mit möglichst wenig Wasser 1 ) durch ein auf das Gefäß 
eingesetztes Sieb getrieben, welches letztere 4 Drahtftiden auf 1 cm 
besitzt. Es werden hierdurch alle gröberen Steine, Holzstücke und dergl., 
welche bei der spttteren Probeentnahme zur Wasserbestimmung stören 
könnten, beseitigt. — Bei Sandböden hat sich das überschüssige, vom 
Boden in Folge seiner Kapacität nicht zurückgehaltene Wasser bereits 
nach wenigen Stunden verlaufen; bei schweren Böden dauert dies aber 
länger, ein bis zwei Tage. Ist das überschüssige Wasser in den Unter- 
grund versickert, dann ist die weitere Abnahme des Wassers im Boden 
eine verhältnißmäßig sehr langsame, wenn man die Verdunstung durch 
Bedeckung des benetzten Bodens hindert. In den nachstehenden Tabellen 
theile ich die Ergebnisse einiger diesbezüglicher Versuche mit. 

A. Sandböden. 

a) Sehr lockerer, feiner Sandboden. 

Entnahme der Bodenproben von dem Ver- 100 g Trockensubstanz den Bodens ent- 
laufen des überstehenden Wassers an gerechnet: hielten an Wasser: 

sofort nach dem Verlaufen 24,0 g, 

nach 2 Stunden 1 5,4 » 

» 6 * 8,9 » 

» 17 > 8,9 > 

» 24 » 8,1 » 

b) Ein weniger trockener Sandboden, an verschiedenen Stellen. 

Entnahme der Bodenprobe von 100 g Trockensubstanz des „„ ... , „„,, 

dem Verlaufen des überstehen- Bodens hielten Wasser Wassergeöalt pro 1 Bodenraum 

n Wassers an gerechnet: zurück: d) 

im Rurchschu. Schwankungen im Durchschn. Schwankungen 

nach 4 Stunden 14*9 13,0- 16,8 201 198-204 

» 20 » 10,8 10,6-11,1 157 153-160 

» 24 » 11,4 10,6-12,1 151 145-157 

» 28 * 1 1,1 10,6- 11,5 149 143—155 

') Es ist nothwendig, daß die Erde mit nur soviel Wasser durch das Sieb 
getrieben wird, daß keine Sonderung der verschieden schweren Bestandteile 
(durch Sediment irung) stattfinden kann. 



•264 



Physik des Bodens: 



Entnahme der Bodenprobe von 
dem Verlaufen des überstehen- 


100 g Trockensubstanz des 
Bodens hfdten Wasser 


den Wassers an gerechnet: 


zurück : 

im Durchschn. Schwankungen 




S 


g 


naen _ lagen 


10,6 


1 i \ i Iii 

10,1 — 1 1,1 


» o » 


9J 


8,3—11,1 


> 4 » ; 


11,1 


11,0-11,1 


* 5 » 


10,6 


10,0-11,2 


» 6 » 


10,5 


9,9-11,0 


» 7 » 


9,6 


9,1 — 10,1 


* 8 » 


9,8 


9,2-10,4 



Wassergehalt pro 1 

t« d) 

Im Durchschn. Schwankungen 



157 
135 
164 
164 
150 
138 
135 



150-164 
126-153 
157-170 
164-164 
146-153 
137-139 
131-138 



100 g Trockensubstanz des Bodens hielte* 
Wasser zurück: 

Schwankungen 



Die Probeentnahme erfolgte von hier ab aus neuen Gefäßen, die ent- 
sprechend lange gestanden hatten, da die Gefäße die Entnahme nur einer be- 
schränkten Zahl Bohrproben zulassen. 

B. Bindigere Böden. 

c) Ein kalkhaltiger, lehmiger Boden mit viel feinem Sand: 

Entnahme der Bodenprobe von dem Verlaufen 
des überstehenden Wassers an gerechnet: 

nach 1 Tage 
2 Tagen 
3 
4 
5 
6 
7 
8 



d) Ein bindige 



im Durchschnitt 

26,9 g 

26,5 > 

24,2 * 

23.7 » 
23,0 » 
23,2 » 

21.8 » 
21,8 » 



24,4—29,9 g 

26.4- 26,6 > 

23.5- 24,8 » 
22,3-25,0 > 
22.0-23.9 . 

22.2- 24,2 > 

20.6- 23,0 > 

21.3- 22,7 » 



i roher Boden, durch Abschaufeln der tiberliegenden Acker- 



krume gewonnen, für die Vegetation nicht tauglich: 



Entnahme der Bodenprobe von dem Verlaufen 
de« überstehenden Wassers an gerechnet: 



100 g Trockensubstanz des Bodens 
Wasser zurück: 

Schwankungen 



nach 



1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 



Tage 
Tagen 



im Durchschnitt 

30,7 g 
26,2 » 
25,0 » 
26,2 » 



29,0-32.3 g 
25,6-26,7 » 
24,2-25,8 > 
25,2 -27,0 * 



25,4 » 25,2-25,8 > 

Da die Abnahme des Wassergehaltes im Laufe der Tage eine immer- 
hin beachtenswerthe ist, so muß die Zeit (vom Verlaufen des überstehen- 



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Ueber Prüfung der Bodenarten auf Wasscrkapacität und Durchlüftbarkeit. 265 

den Wassers an gerechnet), nach welcher man die Bodenproben zur 
Wasserbestimmung entnimmt, eine konventionelle sein. Für Sandböden 
würde die Zeit von 1 X 24 Standen vollkommen genügen, sie scheint 
aber flir die schwereren Böden nicht auszureichen und möchte ich im 
Hinblick auf die letzteren vorschlagen, die Erdproben zur Wasserbestim- 
mung nach 2 X 24 Stunden (von dem Verlauf des über dem Boden 
stehenden Wassers an gerechnet) zu entnehmen. 

Das Ausheben der Bodenproben bewirke ich vermittelst eines Hohl- 
bohrers von konischer Form, dessen unterer (engerer) Durchmesser 



von 1 qcm; indem man die Tiefe, bis zu welcher der Boden ausgehoben 
wurde, in cm mißt, kennt man gleichzeitig das Volumen der aus- 
gehobenen Erdsäule in ccm. Die konische Form des Hohlbohrers ist 
deshalb zweckmüßig, weil sich die in den Hohlbohrer eintretende Erd- 
säule bei der inneren Erweiterung des Bohrers weniger an den Wanden 
reibt; ist der Innenraum des Bohrers cylindrisch, so liegt die ausgebohrte 
Erdsäule den Wandungen des Bohrers überall an und gleitet schwerer 
weiter; man drückt unter diesen Umständen leicht die Erde unter dem 
Bohrer zusammen und die ausgehobene Erdsäule entspricht dann nicht 
der gebohrten Tiefe. Es empfiehlt sich auch bei dem konischen Hohl- 
bohrer nur 2 — 4 cm lange Erdstücke auf einmal auszuheben uud diese 
in dem bereit gehaltenen Trockengefäß zu sammeln, um ebenfalls ein 
Zusammendrücken zu vermeiden. Die entnommene Bodenprobe muß selbst- 
verständlich alle Schichten der eingeschwemmten Ackerkrume enthalten. 

Die Noth wendigkeit, den Wassergehalt des gesättigten Bodens auf 
Volumen zu berechnen, ist bereits von Ad. Mayer und noch jüngst von 
Woilny 1 ) hervorgehoben und an Beispielen erwiesen worden; ich halte 
die Berechnung auf Bodenvolumen da unerläßlich, wo es sich um den 
Vergleich der Wasserkapacität von Bodenarten mit verschiedenen Volum- 
gewichten handelt. — Es scheint mir aus anderen Gründen wünschenswerth, 
daß man den Raum eines Liters als Einheit setzt und die im 1 Bodenraum 
vorhandene Wassermenge als Wasserdichte (= d) im Boden bezeichnet. 
Es gewährt nämlich ein viel anschaulicheres Bild von dem Wasservorrath 



') Forschungen auf dem Gebiete der Agrikulturphysik VIII. S. 19G. 




beträgt. Es entspricht dies also einer Fläche 



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266 



Physik des Bodens: 



eines Boden?, wenn man die zurückgehaltene Wassermenge nicht nach 
Gewicht oder Volumen allein ausdrückt, sondern daß man, unter Berück- 
sichtigung der Ackerkrumentiefe, angiebt, welche Gesammtmenge von 
Wasser in der Kimme zurückgehalten wird. Nach Vorgang der Meteoro- 
logen habe ich an anderer Stelle 1 ) vorgeschlagen, die Kapaeität der ge- 
sammten Krume (Bodenfeuchtigkeit) in mm Wasserhöhe auszudrtickeD. 
Man berechnet dieselbe nach der Formel 

f = 100 - k ' 

wobei k die Krumentiefe in cm bedeutet. 

Die Größe von d wechselt nach meinen bisherigen Bestimmungen 
zwischen 86 und 386. Der geringe Wassergehalt von 86 g pro 1 
Bodenraum wurde auf einem Sandboden gefunden, welcher eine sogen. 
Brandstelle im Acker bildete. Die höchste W T asserdichte von 386 lieferte 
ein feuchter, als Wiese benutzter Torfboden. Es ist interessant, und für 
die Nothwendigkeit der vorgeschlagenen Kapacitätsbestimmungen beweisend, 
daß derselbe Uoden in verschiedener Lagerung abweichende Wasscr- 
kapaeität besitzt. Auf den Versuchsparzellen der Versuchsstation Rostock 
wurden folgende verschiedene Wasserkapacititten eines Sandbodens ge- 
funden, der sowohl nach seiner geologischen Entstehung als auch nach 
seinem äußeren Ansehen als gleichmäßig bezeichnet werden mußte. 





Wasserkapacität der 


Bodenarten 


Parzelle 


loo g trockenen Bodens hielten 
Wasser zurück 


d t= Wassergehalt pro 1 
Bodenraum 


E 8 


0,8 g 


86 g 


E 9 


8,2 » 


88 * 


1) 0 


10,0 . 


129 » 


D 9 


14,2 > 


179 > 


T 1*) 


18,5 » 


217 » 


*) Nach 1 m 


tiefem Rajolen. 





Solche Ergebnisse beweisen, daß die WasserkapacitätsbeatimmungeD 
im Laboratorium gar keine praktische Verwerthung finden können, — 
die sämmtlichen aufgeführten Bodenarten würden zweifellos im Labo- 
ratorium eine gleichmäßige Kapaeität für Wasser ergeben haben — , 
die Versuche beweisen aber ferner auch, daß die geologische Beurtheilung 



») „Grundlagen zur Beurtheilung der Ackerkrume". S. 118. 



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Ueber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit. 267 

des Bodens allein für die Praxis nicht die Beachtung beanspruchen kann, 
welche ihr von manchen Seiten zugeschrieben wird. 

In welcher Weise diese Versuchsergebnisse mit der Praxis überein- 
stimmen, mögen folgende Beobachtungen zeigen. 

Die Parzeile D 9 (4 Ar groß) ist seit dem Jahre 1876 vollständig 
gleichmäßig beackert, bedüngt und besät worden ; die verschiedene Wasser- 
kapacität des Bodens macht sich aber trotzdem jedes Jahr sehr entschieden 
bemerkbar. Im Jahre 1886 trug die Parzelle Roggen und erschien, von ferne 
gesehen, die trockene Stelle, in Folge der beträchtlich kürzer gebliebenen 
Roggenhalme, gleich einer muldenförmigen Vertiefung in dem Acker; 
nach der Blüthe des Roggens erschienen hier die Roggenhalme auch bereits 
heller gefärbt als die umgebenden Pflanzen, welche noch ein saftiges Grün 
zeigten. — Im Jahre 1883 trug die Parzelle Hafer; die in diesem Jahre 
während der Vegetationsperiode eingetretene trockene Witterung brachte 
den Nachtheil des trockenen Bodens besonders scharf zur Ansicht. Um 
die Vegetationsabweichungen der verschiedenen wasserhaltigen Boden- 
abtheilungen der Parzelle D 9 ziffernmäßig zum Ausdruck zu bringen, 
habe ich nachfolgende Bestimmungen ausgeführt. 

Parzelle D 9 
trockene Stelle bessere Stelle 

d == 129 = 179 



[Nutzungswasser 1 ) — 25 mm = 37,2 mm] 

im Mittel Schwankungen im Mittel Schwankungen 



Pflanzenstöcke auf 400 qcm 


6 


5- 


-7 


12 


11- 


-13 


Zahl der Halme > » i 


15 


13- 


- 18 


26 


24- 


-28 


Höhe der Pflanzen in cm 


:;:» 


30- 


-50 


90 


80- 


-100. 



Die Pflanzen auf der trockenen Stelle entwickelten zwar eine Rispe, 
setzten aber keine Körner an und erst im August, nachdem wieder reich- 
lich Regen gefalleu und der Hafer bereits gemäht war, wurde diese 
Stelle durch Bildung von Nebenhalmen wieder grün und entwickelte zum 
2. Mal eine Vegetation. — Es sei noch bemerkt, daß die verschiedenen 
Wasserkapacitäten des Bodens in so unmittelbarer Nähe in dem vor- 
liegenden Falle durch die Uutergrundsverhältnisse veranlaßt sind. Die 
einzelnen Schichten des Untergrundes wechseln hier in schroffer Weise. 
Die wasserarmen Stellen zeigen folgendes Profil: 30 cm humoscr Sand 

l ) l'eber „Nutzungswasser" siehe später. 



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268 



Physik des Bodens: 



(Ackerkrume), bestehend aus dem unterliegenden Sande, nur vermischt 
und dunkel gefärbt durch den Humus der Kultur; der Untergrund wird 
gebildet durch feinen hellgelben Sand (oberer Diluvialsand), bestehend 
fast ausschließlich aus Quarz, wenig Feldspath und vereinzelten Glimnier- 
blättchen. Dieser Sand scheint sehr tief zu gehen, und war sein Ende 
bei 2 m Tiefe noch nicht erreicht. — Die feuchtere Stelle ergab 
zunächst dieselben Schichten wie die wasserarme Stelle, in einer Tiefe 
von 50 — 55 cm aber findet sich ein stark gelb gefärbter, sandiger, kalk- 
haltiger Lehm (oberer Geschiebemergel), welcher eine Mächtigkeit von 
ca. 100 cm besitzt. Darunter befindet sich wieder ein etwas gröberer, 
scharfkantiger hellgelber Sand, welcher bis in größere Tiefe anhält. 

Ferner: Die Parzelle Tl der Versuchsstation besteht ebenfalls aus sehr 
leichtem trockenen Sande, in seiner mineralischen und geologischen 
Beschaffenheit durch nichts von dem Boden auf D9 unterschieden. Um 
hier dem kontinuirlichen Wassermangel der Pflanzen abzuhelfen, wurde 
die Parzelle im Jahre 1878 1 m tief rajolt und mit Stroh durchsetzt, 
aus dessen Verwesung sich Humus bilden sollte. Die dicht daneben 
liegende Parzelle T 2 ist von Natur etwas besser als T 1 ; sie erhielt 
zum Vergleich die nämliche Menge an Sticksteff, Pbosphorsäure und Kali 
in mineralischer Form wie T 1 in dem gegebenen Stroh erhalten hatte, 
nur wurde die mineralische Düngung für T 2 auf 3 Jahre vertheilt, 
weil angenommen werden konnte, daß die düngenden Bestandtheile in 
T 1 ebenfalls nicht früher zur Wirkung gelangen würden. Die späteren 
Düngungen waren für beide Parzellen die gleichen. Die nach der vor- 
beschriebenen Methode im Jahre 1885 ausgeführten Wasserkapacitäts- 
bestimmungen ergaben : 

Von 100 g Trockensubstanz des Bodens 
wurde Waaser zurückgehalten: 

Parzelle Tl 18,5 g 217 

T2 10,5 » 145 

Die Erträge in den verschiedenen Jahren von den 2 Ar großen Par- 
zellen waren folgende: 

1879: Roggen: 1880: Hafer: 1882: Hafer: 1883: Erbsen: 1884: Roggen: 
T 1 T 2 T 1 T 2 T 1 T 2 T 1 T 2 Tl T 2 
Stroh 80,7 59,0 84,0 53,5 84,0 13,0 63,7 22,1 91,5 37,5 kg, 

Korn 6,8 6,8 14,0 9,0 12,4 6,1 16,8 18,3 9,5 5,3 » 
Spreu 46,2 36,8 53,0 45,5 23,6 7,3 9,1 1,9 29,0 7,3 » 



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Ueber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit. 269 



In den Jahren 1881 und 1885 hatten die Parzellen Kartoffeln 
getragen. Die Ernte an Knollen betrug: 

\ im 1885 
T 1 541,5 417,0 kg 

T 2 383,0 169,3 » 

Diese zum Theil bedeutenden Ertragsverschiedenheiten können im 
vorliegenden Falle durch nichts Anderes erklärt werden als durch die 
verschiedenen künstlich beeinflußten Wasserkn pacitäten des Bodens. Die 
Menge des in beiden Fällon vom Boden reservirten Wassers wird nament- 
lich durch die verschiedene Mächtigkeit der Krume eine wesentlich andere. 
Nimmt man an, daß die Pflanzenwurzeln auf T 1 die ganze Tiefe (rajolt 
bis zu 1 m) gleichmäßig durchziehen (was wohl nicht ganz der Fall sein 
dürfte), dann würde sich die reservirte Wassermasse in der Krume beider 
Parzellen folgendermaßen berechnen: 

Tl (100 cm tiefe Krume) zu 217,0 mm Wasserhöhe, 

T 2 (25 » > » ) » 36,8 » 

Für die Beurtheilung der für die Pflanzen nutzbaren Wassermengen 
im Boden kommt noch in Betracht, daß die Pflanzen wurzeln nicht das 
sämratliche Wasser im Boden sich anzueignen vermögen; ein Theil des 
Wassers wird vom Boden so fest zurückgehalten, daß es nicht in die 
Pflanzen wurzeln einzudringen vermag. Eine verschiedene Fähigkeit ein- 
zelner Pflanzen, den Boden in höherem oder geringerem Maße an Wasser 
zu erschöpfen, habe ich nicht auffinden können. Aus einer größeren 
Reihe von Versuchen 1 ) glaube ich folgern zu können, daß die Pflanzen 
denjenigen Wasserrest, welcher ungefiihr das l'/t-fache des sogenannten 
hygroskopischen Wassers ausmacht, einem Boden nicht mehr entziehen 
können; hat der Boden soweit sein Wasser verloren, dann vertrocknen 
die Pflanzen. Mit den früher in kleinerem Maßstabe ausgeführten Ver- 
suchen stimmen auch meine Erfahrungen überein, welche ich späterhin 
bei den Feldkulturen sammeln konnte. Als im verflossenen Sommer in 
Folge lang ausgebliebenen Regens der Winterroggen stark von der Dürre 
litt, wurden zwischen den Roggenpflanzen Proben der Ackerkrume ent- 
nommen. Dieselben ergaben folgenden Wassergehalt: 

*) „Ueber das Vermögen, den Boden an Wasser zu erschöpfen." Landw. 
Annalen des mecklenb. patriotischen Vereins. 1*76. Nr. 45. u. 46. 



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270 



Physik des Bodens: 



auf 100 g Trocken- d 

Substanz des Bodens (= Wassergehalt 

berechnet: pro 1 Bodenraum) 

1. Versuch 2,3 g 43 

2. » 2,0 » 41 



Nach dreitägigem Stehen des trockenen Bodens in feuchter Luft 
zeigte die Erd probe an hygroskopischer Feuchtigkeit im Mittel 

auf 100 g Trockensubstanz a 
des Bodens berechnet: 

1,4 g Wasser 26. 

Der Wassergehalt der Ackerkrume war hiernach also bis zur Grenze 
der Möglichkeit, nämlich bis auf 1,4 X l»6 = 2,1 g Wasser, welche 
100 g trockener Boden festhalten, oder auf eine Wasserdichte von 
26 X 1.5 = 39 erschöpft. 

Jedenfalls wird man die einschlagenden Verhältnisse annähernd 
richtig beurtheilen, wenn man die Menge des für die Pflanzen verfüg- 
baren Wassers nach der von mir 1 ) gegebenen Formel 

d-hXl,5 

w = • k 

100 

berechnet, wobei w = Nutzungswasser im Boden, d = Wasserdichte, 
pro 1 Bodenraum, h = Hygroskopicität des Bodens und k Krumentiefe 
des Ackerbodens in cm bedeutet. • 

Die in dem Vorstehenden klargelegten Gesichtspunkte werden genügen 
um darzutbun, in welcher Weise die Wasserverhältnisse des Bodens für 
praktische Zwecke beurtheilt werden können, um vergleichbare Zahlen zu 
erhalten. Die Kulturwerthe der verschiedenartigen Thon-, Lehm- und 
Sandböden werden sich — soweit es den wichtigsten Unterschied, die 
Wasserkapacität , betrifft — nach den angedeuteten Prüfungen ziffern- 
müßig feststellen lassen. Ein Boden, der unter den norddeutschen klima- 
tischen Verhältnissen weniger als 55 mm Wasser reservirt (weniger als 
ca. 20 g auf 100 g Trockensubstanz) ist von dem jeweiligen Regenfall 
zu sehr abhangig und daher ein «unsicherer» Boden; bei günstiger 
(d. h. in diesem Falle regnerischer) Witterung braucht er einem 
Boden mit günstiger Wasserkapacität, gleichen Düngungszustand voraus- 
gesetzt, in seinen Erträgen nicht nachzustehen, aber auch nur unter 
solchen Verhältnissen. Bei der Beurtheilung der Wasserkapacität der 

l ) Siehe „Grundlagen" S. 120. 



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lieber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit. 271 

Bodenarten in Beziehung auf Fruchtbarkeit werden daher stets die 
klimatischen Verhältnisse in Rechnung gezogen werden müssen. In 
Rostock fallen im Durchschnitt der Beobachtungen (seit 1852) nur 
460,9 mm Niederschläge, während dieselben nach van Bebber für 
Deutschland durchschnittlich 709 mm betragen 1 ). In den für die Vege- 
tation der meisten Kulturpflanzen bedeutsamen Monaten Mai und Juni 
fallen in Rostock durchschnittlich 32,5 und 40,0, zusammen 73,1 mm 
Regen, oder 18°;o von der Gesammtsumme, während in Deutschland 
durchschnittlich in derselben Zeit 138 mm Regen oder 19,4 °/o der 
Gesammtsumme fallen. Es ist begreiflich, daß unter solchen Verhält- 
nissen, wie sie in Rostock vorliegen, die Bedeutung der Wasserkapacität 
der Bodenarten für die Vegetation sich besondere auffallend bemerkbar 
macht. In den Vogesen und im Elsaß, wo nach van Bebber drei Mal 
so viel Niederschlage fallen als in Rostock (nämlich 1360 mm), werden 
solche beträchtliche Vegetationsunterschiede, wie sie hier durch die Ver- 
schiedenheit der Wasserkapacitäten der Bodenarten hervorgerufen werden, 
unter gewöhnlichen Verhältnissen wohl nicht vorkommen können. 

Es sind dies klimatische Abweichungen, welche sämmtlich bei den 
Bonitirungen berücksichtigt werden müssen; noth wendig bleibt es unter 
allen Umständen, sich über die Bodenfeuchtigkeitsverbältnisse ein Urtheil, 
ein ungefähres Zahleuverhältniß zu schaffen, wie es durch das beschriebene 
Verfahren möglich ist. Es ist hierbei durchaus nicht erforderlich, daß 
eine große Reihe zeitraubender Wasserkapacitätsbestimmungen bei dem 
Bonitirungsgeschäft ausgeführt werden; sind von dem betreffenden Boniteur 
an einzelnen Musterstücken mehrere Wasserkapacitätsbestimmungen aus- 
geführt worden, dann wird es ihm leicht sein, die Wasserkapacitäten 
benachbarter Bodenarten zu schätzen, wenn er dabei die oben unter 
1 — 6 aufgeführten Verhältnisse, welche die Wasserkapacität beeinflussen, 
einer steten Berücksichtigung würdigt. 

b) Bestimmung der Durehlüftungsfähigkeit der 

Bodenar ten. 

Gegen die bis jetzt vorliegenden Durchlüftungsversuche ist der 
gleiche Einwand zu erheben, wie er gegen die jetzt üblichen Wasser- 

') van Bebber: „Die allgemeinen Niederschlagsverhältuisse mit besonderer 
Berücksichtigung Deutschlands", in Wollny's Forschungen auf dem Gebiete der 
Agrikulturphysik. Bd. 1 S. 341 u. 362. 



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272 



Physik des Bodens: 



kapacitätsbestimmungen erhoben wurde. Man hat die Versuche mit auf- 
gehobenem Boden im Laboratorium ausgeführt, wobei unmöglich die 
Verhältnisse, welche die Durchlüftung beeinflussen, so hergestellt werden 
können, um Resultate zu gewinnen, welche mit den natürlichen Ver- 
hältnissen übereinstimmen. Ich erinnere u. A. nur an die Umänderungen, 
welche die Humuskörper in ihren physikalischen Verhältnissen zeigen, 
wenn sie längere Zeit der Luft ausgesetzt oder gar getrocknet werden : 
ferner an die Eisenverbindungen, die in ihren verschiedenen Zuständen 
die schwer durchlüftbareu Bodenschichten namentlich charakterisiren, 
die sich aber in der Luft sehr rasch umwandeln und ihre physikalischen 
Eigenschaften verlieren. 

Die verschiedene Durchlässigkeit der Bodenarten für Luft ist in 
der weit überwiegenden Zahl der Fälle durch die Feuchtigkeitsverhältnisse 
des Bodens bedingt: durch Wasser wird der Boden von der Luft ab- 
geschlossen und das Eindringen der letzteren gehindert. Es ist daher 
auch selbstverständlich, daß man den Boden in denjenigen Feuchtigkeite- 
zustand versetzt, den er unter den natürlichen Verhältnissen einnimmt, 
wenn man die Durchlüftungsftthigkeit des^Bodens bestimmen will. Gleich- 
wie die Wasserkapacität so muß auch die DurchlüftungsfUhigkeit des Bodens 
mit dem letzteren in seiner natürlichen Lagerung vorgenommen werden. 

Ein Boden, welcher eine größere Wasserdichte als 250 besitzt, muß 
unter gewöhnlichen Verhältnissen als sogen. „Naßland 44 bezeichnet werden. 
Er eignet sich nur in wenig Fällen noch zur Feldkultur und wird zweck- 
mäßig als Wiese niedergelegt. Ein solcher nasser Boden ist auch schwer 
durchlüftbar und in Folge dessen zum Anbau unserer gewöhnlichen 
Kulturpflanzen nicht mehr zu verwenden. 

In vielen Fällen wird man aus dem Wassergehalt eines Bodens 
bereits einen Schluß auf dessen Dnrchlüftbarkeit ziehen können. 'Aber 
doch nicht immer. Eiuige Bodenarten setzen an sich dem Eindringen 
der Luft einen großen Widerstand entgegen; ich habe aber solche Boden- 
arten nur unter denjenigen gefunden, die man als nicht ,,gar" bezeichnet: 
es sind dies namentlich Böden des Untergrundes, welche der Luft noch 
nicht längere Zeit ausgesetzt worden waren, die aber nicht feucht oder 
naß zu sein brauchen. Bei dem Rajoleu eines Bodens war aus 1 m Tiefe 
ein Lehmmergel auf die Oberfläche gekommen, der sich 3 Jahre lang 
durch seine Unfruchtbarkeit auszeichnete. Ein ähnlicher Boden späterhin 



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t~eber Prüfung der Bodenarten auf Wasserkapacität und Durchlüftbarkeit. 273 

auf seine Durchlüftbarkeit untersucht, ergab, daß selbst bei einem Wasser- 
druck von 20 mm keine Luft durch denselben getrieben werden konnte. 
Jedenfalls war dieser Umstand die Ursache der Unfruchtbarkeit. 

Die Prüfung der Durchlüftbarkeit lasse ich gewöhnlich gleichzeitig 
mit den Wasserkapacitätsbestimmungen ausführen. Bevor die Ackerkrume 
in der früher beschriebenen Weise in den Blechcylinder durch das Sieb 
eingebracht wird, stellt man eine aus Messing gegossene Art Trichter- 
rohre mit der mundstückartigen Erweiterung auf den Boden (Untergrund) 
auf und befestigt sie in einem Tubus, der in der Mitte des aufzusetzenden 
Siebes angebracht ist vermittelst eines Korkes; (die Metalltrichterröhre 
hat eine runde OefTnung von 1 cm Durchmesser). Erst dann wird der 
Boden in das Gefäß eingeschwemmt. Bevor nuu die Bodenproben zur 
Wasserbestimmung entnommen werden, wird die Durchlüftbarkeit be- 
stimmt und das Metalltrichterrohr mit einem luftdicht geschlossenen 
Meßcylinder vermittelst Kautschuckschläuche und Glasröhren in Ver- 
bindung gebracht, in welchen durch Hobervorrichtung ein durch Schrauben- 
quetschhahn regulirbarer Wasserstrabi einfließt. Für das in den Meßcylinder 
einfließende Wasser muß (bei gleichbleibendem Druck) ein gleiches 
Volumen Luft durch den betreffenden Boden dringen. Der Druck, welcher 
erforderlich ist, um den Widerstand des durchfeuchteten Bodens zu über- 
winden, wird an einem gleichzeitig mit dem Meßcylinder in Verbindung 
stehenden Wassermanometer gemessen. 

Durch diese Vorrichtung ist man in den Stand gesetzt, nicht bloß 
den erforderlichen Ueberdruck, sondern auch die Zeit zu bestimmen, in 
welcher ein gewisses Quantum Luft durch den Boden bei einem be- 
stimmten Druck getrieben werden kann. 

Die gewöhnlichen Kulturböden zeigen eine leichte Durchlüftbarkeit 
bereits bei 2 cm Wasserdruck; sie lassen mindestens 40 — 60 cem Luft in 
einer Minute unter den beschriebenen Vorrichtungen hindurchstreichen. 
Böden, welche unter diesen Verhältnissen bei 20 cm Druck nicht oder 
schwer l ) durchlüftbar sind, taugen nicht mehr zu Ackerland. 

') Vollständig undurchlüftbar bei 20 cm Druck sind die Böden sehr selten; 
einzelne Tropfen Wasserzufluß sind unter solchen Verhältnissen immer erforder- 
lich , um den Druck auf dieser Flöhe zu erhalten, ein Beweis, daß eine geringe 
Menge Luft durch den Boden den Ausweg findet; ich habe z. B. 40 — 50 Tropfen 
Zufluß pro Minute bei derartigen Böden gezählt. 



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274 



Physik des Bodens: 



Bis heute haben wir nur geringe Kenntniß von der Große den 
Widerstandes, den unsere verschiedenen Kulturböden dem Durchdringen 
der Luft entgegensetzen. Es war mir bei meinen bisherigen Unter- 
suchungen interessant, die verschiedenen Ansprüche zu beobachten, 
welche unsere Kulturpflanzen in dieser Beziehung an den Boden stellen. 
Zucker- und Futterrüben, Erbsen und namentlich auch Kartoffeln gedeihen 
absolut nicht auf einem Boden, welcher bei 2 cm Ueberdruck nicht 
wenigstens 1 1 Luft in 25 Minuten (pro Minute 40 cem) hindurch- 
treten lUßt. Der Hafer ist weit weniger anspruchsvoll in dieser Beziehung, 
obgleich sein Ertrag in .schwer durchlüftbaren Böden sehr nachläßt. In 
den bei 20 cm Druck nicht durchlüftbaren Böden wachsen nur Schachtel- 
halm, Sumpfvergißmeinnicht und entsprechende Pflanzen, deren Athmungs- 
energie eine geringe ist. 

Größere Versuchsreihen in dieser Frage versprechen interessante 
Aufschlüsse über das Bedürfniß unserer Kulturpflanzen an Luft (Sauerstoff) 
zur At Innung der Wurzeln zu geben. Bisher ist diese Frage einer 
experimentellen Prüfung so gut wie gar nicht unterzogen worden. Wie 
maßgebend dieser Faktor für die Ptlanzenkultur ist, geht daraus hervor, daß 
man durch Veränderung der Durchlüft barkeit die Vegetation vollständig 
ändern kann. Ein Stück Torfwiese wurde mit einem schwer durchlüft- 
baren Mergelboden 2 — 5 cm stark während des Winters überkarrt; in 
dem darauf folgenden Sommer waren die vorhandenen süßen Wiesengräser 
vollständig verschwunden und der Bestand wurde ausschließlich von 
E(juisetum gebildet, das sich in üppigster Weise darauf entwickelte. 

Ich hoffe, daß die vorgeschlagene Methode das Mittel bietet, um 
über diese Fragen weitere Aufschlüsse zu erhalten. 




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Neue Litteratur. 



275 



Nene Litteratur. 

0. Marek. Ueber den Einfluß der Reiheurichtung auf die Wärme- nnd 
Feuchtigkeitsverhaltnisse des Bodens und die Entwlckelung der Pflanzen. 

Journal f. Landwirtschaft. Bd. XXXIII. 1885. Heft 3. 4. S. 357 —4(56. 

Das Resumc, welches Verf. aus seiner sehr umfangreichen, mit /ahlreichen 
Tabellen versehenen Abhandlung zieht, lautet wie folgt : 

1. Die von Nord nach Süd veranlagte Reihenrichtung zeigt unter gleichen 
Verhältnissen eine größere Erwärmung, wie die von Ost nach West verlaufende. 
Die größere Erwärmung erstreckt sich nicht nur auf die Reihen, in welchen 
sich Pflanzen befinden, sondern auch auf die dazwischen liegenden Furchen und 
Zwischenräume; sie ist größer auf Kämmen und geringer bei der Flachkultur, 
größer auf höheren, geringer auf kleineren Kämmen. Sie erstreckt sich auch auf 
die Reihenrichtung der Beete. Dieselbe ist bei allen Oberflächengestaltungen des 
Bodens zu konstatiren, welche nach der genannten Reihenrichtung veranlagt sind, 
gleichviel ob dieselben bepflauzt oder unbepflanzt sind. Die größere Erwärmung 
erstreckt sich daher auch auf in rauher Furche liegendes Land, auf Brachland, 
auf Kämme oder Balken, schmale und breite Beete u. s. w. 

2. Das Maß der größeren Erwärmung der Reihenrichtung Nord-Süd hängt 
von dem Jahrgang und der Temperatur in den einzelnen Monaten ab. Dasselbe 
ist größer in warmen Monaten, kleiner in Monaten mit geringer Temperatur. 
Im Mittel der angestellten Versuche schwankte dasselbe zwischen 0,47-0,53° R. 
auf den Kämmen und 0,20—0,26° R. in den Furchen. 

3. Die Summe dieser Mehrerwärmung fällt fast ausschließlich auf die 
Mittagstemperatur. 

4. Die Schwankungen der Morgen- und Mittagstemperatur sind bei der von 
Nord nach Süd verlaufenden Reihenrichtung größer als wie bei der Reihenrichtung 
Ost-West. Sie sind größer auf den Kämmen, kleiner auf den Beeten und dem 
flachen Lande, am kleinsten in den Furchen. Die größten zwischen der Morgen- 
und Mittagstemperatur zu verfolgenden Unterschiede sind an einzelnen Tagen 
wahrzunehmen und erreichen diese selbst die Zahl von 23° R. Kleiner sind die 
mittleren monatlichen Schwankungszahlen, am kleinsten die für die ganze Be- 
obachtungsdauer lautenden. Innerhalb der einzelnen Monate sind die Schwan- 
kungen in wärmeren Monaten größer, in kälteren kleiner. 

5. Die Unterschiede zwischen der Erwärmung der Beete und der Furchen 
sind bei der von Nord nach Süd verlaufenden Reihenrichtung größer als bei der 
Reihenrichtung Ost- West. Dieselbe Wahrnehmung ist auch bei den Kämmen .und 
Flachsaaten zu machen. Innerhalb derselben Reihensaat sind die Unterschiede 
am größten bei Kämmen, kleiner bei Beeten und am kleinsten bei den Flach- 
saaten, am größten an einzelnen Tagen (bis 10,2° R.), am kleinsten für das 
Mittel der ganzen Beobachtungsdauer. 

6. Des Morgens sind die Rücken der Beete wie die Firste der Kämme kälter 
als die denselben zugehörigen Furchen. An einzelnen Tagen betrugen die Differenzen 

E. Wollny, Forschungen IX. 19 



Di 



276 



Physik des Bodens: 



bis 3,70° R. und ist diese Erscheinung als eine Wirkung der nächtlichen Strahlung 
zu erklären. 

7. Die Reihenrichtung Nord-Süd ist unter gleichen Verhältnissen trockener 
wie die Reihenrichtung Ost-West. Die Unterschiede in den Feuchtigkeitsmengen 
erstrecken sich auf Kamm- und auf Flachsaateu. Sie sind auf die ungleichen 
Einwirkungen der Sonnenstrahlen zurückzuführen. Bei der Reihenrichtung Nord- 
Süd werden beide Seiten von der Sonne beschienen, Vormittags die ostliche, 
Nachmittags die westliche. Bei der Reihenrichtung Ost-West ist die nach Norden 
gedrehte Seite bei Kämmen weuiger oder gar nicht beschienen und bleibt in Folge 
dessen kälter und feuchter. Bei Pflanzenreihen auf flachem Lande bildet sich ein 
Beschattungsstreifen, der um so größer wird, je weiter die Vegetation und mit 
dieser die Blattentwickelung vorgeschritten ist. Es ist wohl selbstverständlich, 
daß solche Eigentümlichkeiten nicht ohne Einwirkung auf die Entwickelung der 
Pflanzen sind und sich je nach der Pflanzengattung auch verschieden aussprechen. 

8. Zuckerrüben in der Reihenrichtung Nord-Süd gesäet zeigen gegenüber 
Reihensaaten der Richtung Ost-West eine anfänglich geringere Entwickelung. 
Durstperioden, welche in diese Periode fallen, vermögen das Wachsthum dieser 
Reihenrichtung nicht wenig zu beeinträchtigen und selbst den Pflanzenstand lückig 
zu gestalten. Die Reihenrichtung Ost-West ist für solche regenlose Zeiträume 
günstiger und dem Wachsthum förderlicher. Doch hat die zweite Periode der 
Wurzelentwickelung diese Unterschiede regelmäßig ausgeglichen und am SchluG 
der Vegetation d. i. in der dritten Periode Rüben bei der Reihenrichtung Nord- 
Süd erzeugt, welche größer in der Wurzel, höher im Zuckergehalt, reiner in den 
Säften, aber geringer in der Blattentwickelung waren. Pro Hektar berechnet 
betragen diese Unterschiede für die Reihenrichtung Nord-Süd f 17,88 Ctr. Rüben 
— 25,62 Ctr. Blätter und Rübenköpfe und + 0,48°/o Zuckergehalt mit -f- 1,66 °'o 
im Reinheitsquotienten des Saftes. 

9. Bei Kartoffeln scheint die Reihenrichtung Nord-Süd ähnliche Erfolge auf- 
zuweisen wie bei der Zuckerrübe. Die Kammkultur gab durchwegs höhere Er- 
träge für die Reihenricbtung Nord-Süd; auf den Beeten ließ sich jedoch diese 
Wahrnehmung nicht machen. Es darf auch angenommen werden, daß unter 
gleichen Verhältnissen die Reihenrichtung Nord-Süd eine geringere Zahl von 
kranken Kartoffeln erzeugen wird wie die Reihenrichtung Ost-West. 

10. Bei der Lupine und Pferdebohne waren die Entwickelungsverhältnisse 
ungleich günstiger für die Reihenricbtung Ost -West. Höhe der Pflanze wie 
Massengewicht überwogen nicht wenig die Reihenrichtung Nord-Süd. Auch bei 
dem Mais ließ sich die ungleich günstigere Entwickelung der jugendlichen Pflanze 
bis zur Blütheperiode verfolgen. Ebenso hat die Lupine nicht nur größere Er- 
träge bis zur Zeit der Blüthe, sondern auch größere Quantitäten zur Zeit der 
Körnerernte für die Reihenrichtung Ost-West geliefert. 

11. Bei der Gerste lauteten die Versuche nicht einhellig. Von zweien der 
angestellten Versuche sprach sich der eine für die bessere Entwickelung der 
Reihenrichtung Ost- West aus. Es mochte dies im Jahrgang gelegen haben. Ein 
zweiter Versuch ergab dagegen eine größere Samenernte mit höheren Körner- 
qualitäten, aber geringeren Strohmengen für die Reihenrichtung Nord-Süd. Weil 
diese Resultate auch schon auf großen Flächen erzielt wurden, so darf ange- 



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Neue Litteratur. 



277 



nomraen werden, daß diese Wahrnehmungen der Drillsaaten mit der Reihen- 
richtung Nord-Süd in der größeren Zahl der Fälle gemacht werden dürften. 

12. Verf. glaubt, daß aus diesen Versuchen Analogien auf Verhältnisse der 
Praxis gefolgert werden können, obgleich für dieselben direkte Versuche nicht 
vorliegen. 

So dürfte beispielsweise anzunehmen sein, daß bei Handelsfrüchten, wie bei 
dem Hopfen, die Reihenrichtung Nord-Süd die günstigere Qualität erzeugen wird; 
dieselbe Wahrnehmung dürfte auch bei anderweitigen Früchten zu machen sein, 
bei denen das Bedürfniß für eine größere Wärmemenge naturgemäß vorliegt. 
Ebenso dürften Anlagen, bei denen ein größerer Grad von Trockenheit erwünscht 
erscheint, mit der Ausführung der Reihenrichtung Nord-Süd den beabsichtigten 
Zweck besser erreichen lassen. 

Dagegen dürfte in Fällen, bei welchen mehr trockene Verhältnisse vorliegen, 
sei es durch die Zahl der geringeren atmosphärischen Niederschläge, oder die 
Art des Bodenmaterials oder durch sonstige anderweitige Einflüsse, es gerathener 
sein, die Reihenrichtung Ost- West anzuwenden. Diese Reihenrichtung war der 
Erzeugung von größeren Blattmassen und Körnermengen bei den Hülsenfrüchten 
günstiger und dürften diese günstigen Einflüsse derselben auch bei Aussaaten von 
anderweitigen Futterpflanzen hervortreten. Diese Reihenrichtung dürfte sich auch 
für Hackfrüchte, namentlich für Rüben und Kartoffeln empfehlen und auch bei 
Forstanlagen zu beachten sein, die auf Sandboden oder südlich gelegenen 
Lehnen zu bewerkstelligen sind. Sie dürfte überhaupt bei mehr trockenen Lagen 
zu berücksichtigen und in der Mehrzahl der Saaten, wo Reihensaaten die Regel 
bilden, nach Thunlichkeit der Reihenrichtung Nord-Süd vorzuziehen sein. 

Den Gegensatz zu diesen Verhältnissen bilden die feuchten, an Untergrund- 
nässe leidenden und wegen Klima wie Bodenbeschaffenheit mehr für die Reihen- 
richtung Nord-Süd sich eignenden Lokalitäten, bei welchen nicht nur die Saaten 
dieser Reihenrichtnng zu Zwecken des besseren Gedeihens und der besseren 
Unkrautreinigung sich besser bewähren, sondern auch die Anlage von Gräben bei 
Meliorationen eine bessere Austrocknung bewerkstelligen lassen dürfte. Alles in 
Allem scheint der Einfluß der Reihenrichtung viel wichtiger zu sein, als man 
geueigt war bisher anzunehmen. 

Cr. Marek. Ueber den Einfluß der Bodenbeschaffenheit und der Kultur- 
niethode auf die Ausbreitung der Kartoflelkraukheit. Georgine. Jahrg. "j3. 
Nr. 41. 8. 343 -344. 

Bei dem Anbau von verschiedenen Kartoffelsorten auf verschiedenen Boden- 
arten betrug die Zahl der kranken Knollen im Durchschnitt: 

bei dem Sandboden 14,3 "; 0 

„ u Moorboden 26,1 °;o 

„ gekalkten Lehmboden . 33,2 °/ 0 
n n Humusboden .... 33,6 °/o 

„ „ Thonboden 36,1 °o 

„ „ Lehmboden 89,1 •/•. 

Verfasser suchte forner den Einfluß der von J. L. Jensen 1 ) zur Bekämpfung der 

•) ./. /.. Jemtn. Die KartolTtlkrankhelt kann tusk-gt werden durch eine einfache und 
leicht auszuführende Kulturmethude. Deutsch von Uay. Leipzig. lSsst. 

13* 



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278 



Physik des Bodens: 



Kartoffelkrankheit vorgeschlagenen Methode auf die Ausbreitung des Kartoffelpilzea 
im Vergleich zu dem gewöhnlichen Anhauverfahren zu ermitteln. In Bezug auf 
Ausführung jener Methode mögen folgende Bemerkungen gestattet sein. 

Jensen schlägt vor, die Kartoffeln auf dem zuvor gelockerten Boden in 
30 Zoll (1 Zoll = 2,6 cm) von einander entfernten Reihen zu kultiviren und die 
Reihen zunächst flach (etwa 4 Zoll hoch) zu behäufeln. Diese Arbeit kann, so- 
fern es als dienlich erachtet werden sollte, wiederholt werden. Die Schutzhäufelung, 
welche dazu dient, die Erkrankung der Knollen in der Erde hintanznhalten, wird 
ausgeführt, sobald sich Krankheitsflecke auf den Blättern zu zeigen beginnen» 
und zwar nur von einer Seite der Dämme, „indem man einen hohen Kamm mit 
einer bedeutenden Abschrägung der unteren Breite nach derjenigen Seite, von 
welcher die Häufelung ausgeführt wird, anhäufelt. Die hierdurch erzeugte Erd- 
decke oberhalb der obersten Fläche der zu oberst liegenden Knollen muß an- 
fänglich ca. 5 Zoll dick sein, da dieselbe durch späteres Zusammensinken und 
Heruntergleiteu in der Regel bis auf 4 Zoll reducirt wird. Zugleich mit dieser 
Häufelung wird dem Kartoffelkraut eine mäßige Neigung nach der entgegen- 
gesetzten Seite gegeben, und zwar derart, daß das Kraut eine wenigstens halb 
aufrechte Stellung erhält." 1 ) 

Die Versuche des Verf. mit vorstehend beschriebener und der gewöhnlichen 
Kulturmethode lieferten folgendes Resultat: 

Gewicht der er- 
Varietät krankten Knollen in °/o Stärkegehalt Ernte pro 0,25 ha 

Gewühnl. Jensen'sche Gewöhnt. Jensen'schc Gewöhn] Jensen'sch« 
Bchäufclnng Behäufelung Behäufelung 

1. Sächsische Bisquit: 59,7 51,9 15,3 15,0 131,4 94,5 

2. Alkohol: 40,1 14,1 18,8 15,3 221,4 161,4 

3. Richter's Edelstein: 22,9 54,5 16,2 16,2 136,2 132,7 

4. Richter's Schneerose: 46,2 17,1 15,8 16,6 85,8 161,6 

5. Magnum bonum: 1,7 0,1 13,8 14,0 127,5 118,8 



Mittel: 35,5 27,5 15,9 15,4 140,5 153,8. 

E. W. 

F,Xobbe. Ueber das Jensen'sehe Verfahren zur Besiegung der Kartoffel, 
krankheit. Sächsische landw. Zeitschrift. 18"6. Nr. 10 u. 11. S. 133—137, 
149—152 und Biedermann's Centralblatt für Agrikulturchemic. 1886. Heft VIII. 
S. 549—553. 

Auf Veranlassung des sächsischen Landeskulturraths hat Verf. bereits 1883- 
Feldversuche behufs Prüfung der Jensen'schen Schutzhäufelung 1 ) ausgeführt und 
hat ähnliche Versuche auch 18*4 und 1885. unternommen. 

Den Versuchsfeldern von 1883 war der „Kartoffelpilz" Phytophthora infestans, 
den es durch die Schutzhäufelung zu bekämpfen gilt, gänzlich fern geblieben; 
aus diesem Grunde und da sich durch die starke Anhäufelung einige für das 
Wachsthum der Kartoffelpflanze und für die Knollenbildung wirtschaftlich inter- 
essante Gesichtspunkte angedeutet hatten, wurden die Versuche auch 1884 und 
1885 wiederholt. 



•) Jtnte» hat zu diesem Zweck einen besonderen Häufelpflug konstruirt. 



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Neue Litteratur. 279 

Versuche von 1884. 

Als Versuchsfeld diente ein Sandboden und ein schwerer diluvialer Thon- 
boden, als Saatgut ein nicht näher bestimmter Abkömmling der „Sächsischen 
Zwiebel" mit hellgrünem Laube. Der Sohland'sche Schutzhäufelpflug war von 
der F irma Chr. Schubert & Hesse in Dresden dargeliehen worden. 

A. In Klotzsche — Sandboden — erfolgte die Anpflanzung am 3. Mai 
1884 in vier von Nord nach Süd laufenden Reihen zu je 100 Stöcken, denen vier 
gleiche in gewöhnlicher Weise behäufelte Zeilen zur Kontrole dienten. Die Schutz- 
häufelung erfolgte am 16. August. Die Ernte fand am 1. Oktober statt und ergab 
von je 100 Stöcken: 



a) Zahl der geernteten Knollen. 



Reihe 


bei gewöhnl. Behäufelung 


davon lieckig 


bei 8ehutzhäufelung 


davon fleckig 


1. 


1884 


17 


1736 


6 


2. 


1768 


27 


1968 


5 


3. 


1940 


16 


16*4 


22 


4. 


1846 


12 


1723 


14 


Mittel: 


1849 


18 


1778 


12. 




b) Gewicht der geernteten Knollen (kg). 




Reihe 


bei gewöhnl. Behäufelung 


davon fleckig 


bei Schutzhäuielung 


davon fleckig 


1. 


34,837 


0.20S5 


37,983 


0,0665 


2. 


34,064 


0,5480 


38,042 


0,0540 


8. 


33,540 


0,2100 


33,691 


0,3710 


4. 


35,642 


0,2940 


83,373 


0,1840 


Mittel: 


34,521 


0,3151 


35,772 


0,1690. 


Von der Schorfkrankheit waren 


die Kartoffeln 


frei, ebenso fehlte der 


Kartoffelpilz, 



der auch durch Züchtung unter den dazu vorgeschriebenen Maßnahmen an den 
fleckigen Knollen nicht zur Knt Wickelung zu bringen war. 

B. In Räcknitz — fruchtbarer Thonboden — fand die Auspflanzung am 
80. April statt. Die gesammte Knollenernte ergab auf je 100 Stöcke: 

bei gewöhnlicher Behäufelung bei Schutzhäufelung 

nach Zahl 1211 1331 

„ Gewicht (kg) . . 52,034 46,708 
mithin schutzbehäufelt ein Minus von 10,24 °/ 0 . 

Von den auf 100 Stöcke geernteten Knollen waren fleckig: 

bei gewöhnlicher Behäufelung bei Schutzhäufelung 

absolut in »o der Ernte absolut in v der Ernte 

nach Zahl 18 1,49 8,5 0,64 

„ Gewicht 0,868 1,65 0,218 0,47. 

Die Schorfkrankheit war 1884 auf dem Räcknitzer Thonboden an der größten 
Mehrzahl der Knollen stark vertreten, während der Kartoffelpilz gänzlich fehlte. 
Der Zahl nach betrug die Knollenernte von 100 Stöcken 

bei gewöhnl. Behäufelung bei Schutzhäufelung 



Sandboden Lehmboden Siindbodcu Lehmboden 

1883 1240 1087 1234 1027 

1884 1849 1211 1778 1331 



Mittel: 1575 1149 1506 1179. 



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280 



Physik des Bodens: 



Mittel des Sandbodens überhaupt 1526 Knollen, 
„ „ Lehmbodens „ 1164 „ 
Dem Gewichte nach wurden von 100 Stöcken geerntet (kg): 

bei gewöhnl. Behäufelung bei Schutzhäufelung 

gandbodeu Lehmboden Sandboden Lehmboden 

1888 15,633 57,490 19,162 44,248 

1884 34,521 52,084 35,772 46,708 

Mittel: 25,077 54,762 27,467 45,478. 

Mittel des Sandbodens überhaupt 26,272 kg, 
„ „ Lehmbodens „ 56,120 „ . 

Versuche von 1885. 
Die Wiederholung der Schutsh&ufelung im Jahre 1885 wurde auf den Rack- 
nitzer Lehmboden beschränkt. Die früheren Versuche hatten den Wunsch nahe 
gelegt, die Schutzhäufelung entweder möglichst spät oder möglichst früh ab- 
zuführen, um die Beschädigung der oberirdischen Organe durch den Pflug thun- 
lichst herabzumindern. Es fand daher im Juhre 1885 die Schutzhäufelung schon 
am 14. Juli statt. Die am 22. Oktober vollzogene Ernte ergab auf 100 Stöcke: 

bei gewöhnlicher Behäufelung bei Schutzhäufelung 

nach Zahl 1300 1114 

„ Gewicht (kg) . . 70,913 59,971. 
Die durch die Schutzhäufelung verursachte Depression der Ernte beträgt wiederum 
15,14 °io, bewirkt durch einen numerisch geringeren Knollenansatz. Fleckige und 
schorfige Knollen haben sich in geringer Menge ohne Unterschied der Behäufelungfl- 
art vorgefunden, dagegen ist von dem Kartoffelpilz keine Spur entdeckt worden. 

Die vorstehenden Versuche ergaben, dab die Schutzhäufelung einen Minder- 
ertrag im Gefolge hatte'). Diese Erscheinung findet ihre Erklärung in der 
durch den Pflug verursachten Laubzerstörung einerseits und in der Uebererdung 
eines erheblichen Theiles lebenskräftiger Mutter andererseits. Auf dem frucht- 
baren Lehmboden zu Räcknitz betrug die Abminderung des Ertrages durch die 
Schutzhäufelung 1883 23,03«/«, 1884 10,24 ° 0 , 1885 15,42°/o. Der Laubzerstörung 
durch den Schutzhäufelpflug wäre zu begegnen, wenn die Keihenweite noch gröber 
als 72 cm genommen würde. Neuerdings schreibt auch Jensen eine Zeilenentfernung 
von 78 cm vor. Außerdem wäre die Schutzhäufelung so frühzeitig auszuführen, 
daß noch ein starker Nachwuchs der Stamimheile möglich wäre. 

Auf Grund dieser Versuche glaubt Verf. schon jetzt den Landwirthen die 
versuchsweise Anschaffung des Schutzhaufelptluges und dessen Verwendung em- 
pfehlen zu können. 

C\ Reinl, l T nter>nchungeii Uber die physikalischen nnd antiseptiff-heo 
Eigenschaften verschiedener Torfsorten. (Aus: Vergleichende Untersuchungen 
über den therapeutischen Werth der bekanntesten Moorbäder Oesterreichs und 
Deutschlands). Präger medicinische Wochenschrift. 1886. Nr. 13 -15. 

Die Moore, die der Untersuchung unterzogen wurden, waren folgende: Moor 



«) Yergl E. Woüttjf. Saat und Pflanze der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Hand- 
buch für die Praxis. Berlin 1885. Paul Pany. 8. 78*. 



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Neue Litteratur. 281 

aus Bocktet- Kissingen, Cudowa, Elster, Franzensbad, Königswart, Marienbad, 
Neudorf, Pyrmont, Reinerz, Steben, Teplitz. 

Für die hygroskopischen Eigenschaften des Moores wurde der Ausdruck 
in jenen Wassermengen gesucht, welche die lufttrockene Substanz bei 100° verlor. 
Der Verlust an Wasser beim Trocknen betrug bei dem Torf von 











Marienbad . . 


. 28,80 o/o 






Franzensbad . . 


. 18,16<>/o 




. 18,12o/o 


Königswart . . 


. 17,39 o/o 




. 14,77 o/. 


Elster .... 


14,42»« 


Kissingen . . . 


. 13,85 o/o 


Pyrmont . . . 


. 12,47o/o. 



Bei Bestimmung der Wasserkapacität wurde ein gewöhnlicher Glas- 
trichter, dessen Oeffnung mit etwas Glaswolle verschlossen war, mit einer be- 
stimmten Quantität Moores gefüllt (50 g lufttrockenes Material). Um möglichst 
gleichmäßige und besser vergleichbare Resultate zu bekommen, wurden die Moore 
zuvor durch Sieben auf gleiche Feinheit gebracht. Auf den Trichter wurden be- 
stimmte Quantitäten kalten Wassers aufgegossen. Nach »Uesen Versuchen ge- 
staltete sich das Absorptionsvermögen der verschiedenen Torfsorten folgendermaßen. 

Aufgenommene« Wasser 100g ILO bedürfen zur völligen 
in Proeenten der Sättigung 
lufttrockenen Trocken- vom lufttrockenen von bei 100° 







Substanz 


Moor 


getr. Moor. 


Franzensbad 


. . . . 104 


195 


61 


51 


Marienbad . 


. . . . 160 


224 


00 


44 




. . . . 243 


277 


41 


36 




. . . . 173 


285 


57 


35 




. . . . 204 


319 


38 


31 




. ... 203 


321 


38 


31 




. ... 224 


344 


44 


39 






391 


33 


25 


Elster . . . 


. . . . .53IS 


394 


42 


25 


Teplitz . . . 


. . . . 530 


033 


35 


15 


Kissingen 


. . . . 874 


1013 


11 


9,8. 


eben sich als» 


» Schwankung 


en in der Absorptionsfä 


higkeit, 


die bis auf dj 


7-facbe sich e 


i st recken. D 


ie höchsten Grade erreiel 


licn Tep 


litz und Bockle 



Kissingen, welche das Doppelte der beim Minimum der Absorptionsfähigkeit ge- 
fundenen weit überschreiten. Alle übrigen Moorarten gehen in der Absorptions- 
fälligkeit nicht über's Doppelte hinaus. Am nächsten dem bei Franzensbad ge- 
fundenen Minimum tritt Marienbad. 

Hinsichtlich des Verhaltens der Moorarten gegenüber der Ent- 
W icke längs- und Lebensfähigkeit niederer Organismen hatte Verf. 
bereits früher nachgewiesen, daß das Franzensbader Moor im hohen Grade 



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282 



Physik des Bodens: 



hemmend auf die Entwickelung von niederen Organismen wirkt 1 ). Diese Versuche 
wurden neuerdings aufgenommen uud erweitert. 

Es wurde in erster Linie die etwaige Existenz von Organismen in den 
Mooren überhaupt zu eruiren versucht, und zwar in der Weise, daß einzelne 
Moorbröckel mit sterilisirter Niihrgelatine vermischt und einige Zeit beobachtet 
wurden. Das Resultat war bei allen Moorarten ein gleiches. Es entwickelten 
sich allenthalben in ziemlicher Menge Schimmelpilze, die rasch überwucherten, 
so daß Spaltpilze nicht zur Beobachtung gelaugten. 

In den Versuchen über das Verhalten von organischen, fäulnißfähigen 
Organismen in den Mooren wurden Cylindergläser bis zur Hälfte mit lufttrockenem 
Moor der verschiedenen Moorarten gefüllt und auf diese Moorlage gleiche Quantitäten 
(ca. 25 g) frischen Fleisches gelogt, jedoch so, daß das Fleisch nirgends mit der 
Wandung in Berührung kam. Alsdann wurde der Rest mit den Mooren eingeschüttet, 
derart daß das Fleisch ganz von Moor eingehüllt war. 

Von Zeit zu Zeit wurde geprüft, ob sich irgend welche Fäulnißgase ent- 
wickelten. In keinem einzigen der hier zur Untersuchung gelangten Moore trat 
dieser Fall ein. Die Gefäße wurden durch 6 Wochen beobachtet; nach Ablauf 
dieser Zeit wurde das oberflächlich aufgeschichtete Moor entfernt und das Fleisch 
hervorgeholt; dasselbe war allenthalben in eine außerordentlich feste, holzige 
Masse umgewandelt, die auch im Schnitte eine Art holzige Beschaffenheit zeigte 
und an der Oberfläche reichlich von Schimmelvegetationen durchzogen war, welche 
sich aber nicht tiefer in die Moorsehiehteu hinein erstreckten. Das Volumen des 
Fleisches war auch entsprechend dein vollst ündigen Wasserverlust um ein Be- 
deutendes reducirt. Es trugen zum Zustandekommen dieses Processes der Ver- 
wesung offenbar drei Faktoren bei, einmal da; hohe Absorptionsvermögen des 
Moores für Wasser, wodurch das für einen Fäulnißproceß notbwendige Substrat 
der Feuchtigkeit dem Fleisch allmählich von der Oberfläche her entzogen wurde, 
sodann auch wohl die Säurereaktion der immerhin oberflächlich am Fleische in 
Lösung übergehenden Auslaugungsprodukte der Moore, durch welche gleichfalls 
die Entwickelung von Fäulniß- und Spaltpilzen überhaupt gehemmt, dagegen die von 
Schimmelpilzen begünstigt wird; endlich der Reichthum der Moore an Schimmel- 
pilzen, die auch wieder durch die außerordentliche Porosität des Materials 
genügend Luft zu ihrer Entwickelung linden. Vielleicht spielt auch das Absorp- 
tionsvermögen der Moore für Gase insoweit eine Rolle, als der ganze Proceß 
geruchlos ablief. 

Mit Rücksicht darauf, daß eiu großer Theil der antimycotischen Wirkung 
des Moores den in Lösung übergehenden Bestandteilen desselben zuzuschreiben 
ist, wurde außerdem ein Versuch nach der Richtung angestellt, daß der Einfluß 
der Moorlaugen auf die Lebcnsthätigkeit und Proliferationsfähigkeit niederer 
Organismen untersucht wurde. Zu diesem Zweck wurde von jedem Moor eine 
bestimmte Quantität mit so viel Wasser, als dazu hinreichte, einen richtigen Brei 
herzustellen, angerührt, eine Stunde gekocht und sodann filtrirt. Unter Zusatz 
dieser Filtrate wurde Nährgelatine bereitet, und zwar bediente sich Verfasser der 
Fleischinfus-Pepton-Gelatine. 

>) Vcrgl. die Versuche von Gaffky (Archiv f. klin. Chirurgie. L>8. Bd. 3. Heft) nnd 
Xeuber (Ibid. 27. Bd. 4. Heft u. 28. Bd. 3. Heft). 



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Nene Litteratur. 



283 



Es zeigte sich, wie in früheren Versuchen des Verf., daß es vorwiegend die 
Säure sei, die ihren Einfluß auf die Pilze geltend macht, daß mit Abstumpfung 
dieser Säure auch die Wirkung aufgehoben wird. Die an Säure reichen Moor- 
arten von Franzensbad und Marienbad zeichneten sich deshalb besonders aus; 
sie vermochten das Wachsthum der Pilze, selbst bei Anwendung verdünnter Moor- 
laugen, vollständig zu hemmen. Was die anderen untersuchten Moore anbelangt, 
so verhielten sie sich ziemlich gleichmäßig und zwar in der Weise, daß sie sämmt- 
lich in ihren Verdünnungen die Entwicklung der Organismen auf größere oder 
kleinere Perioden verzögerten. E. W. 

a 

f. Baumann, lieber die Bestimmung des im Boden enthaltenen 
Ammoniakstickstoffs und über die Menge des assimüirbaren Stickstoffs im 
unbearbeiteten Boden. Habilitationsschrift. 1886. 

Ueber die Menge der Stickstotfnahrung der Pflanzen im Boden, d. i. über 
die Menge des Ammoniaks und der Salpetersäure ist in früheren Jahren eine 
größere Anzahl von Untersuchungen angestellt worden. Nachdem aber gegen 
die Richtigkeit der bei diesen Arbeiten angewendeten Methoden, vorzüglich der 
Ammoniakbestimmung, durch einzelne Beobachtungen der letzten Jahre gewichtige 
Bedenken sich erheben mußten, ist es vom Verf. unternommen worden, sowohl 
die zur Bestimmung des Ammoniaks angewandten Methoden einer Vergleichung 
zu unterziehen, als den Vorrath assimilirbaren Stickstoffes im Boden festzustellen. 
Hierbei wurde zunächst der unbearbeitete Boden in Betracht gezogen, weil nicht 
erwartet werden konnte, daß bei Untersuchung gedüngter Böden wegen des be- 
ständigen Wechsels, welchem der Gehalt an Ammoniaksalzen und Nitraten durch 
Zuführung thierischer Substanzen und deren Zersetzung unterliegen muß, allge- 
meine Gesichtspunkte über den Gehalt des Bodens an diesen wichtigen Nährstoffen 
zu gewinnen sind. 

In das Bereich der Untersuchung konnte als unbearbeiteter Boden auch der 
Waldboden gezogen werden, über dessen Gehalt und Wechsel an assimilirbarem 
Stickstoff sehr wenig bekannt ist. 

Die bezüglich der Bestimmung des Ammoniaks im Boden vom Verf. ange- 
stellten Versuche, weil rein chemischer Natur, tibergehend, mögen die Resultate 
jener Untersuchungen hauptsächlich hier eine Stelle finden, welche die Bestimmung 
des Stickstoffs als Ammoniak nnd Salpetersäure zum Gegenstand hatten. 

Die Böden, welche zur Ermittelung der Ammoniakmenge in ver- 
schiedenen Bodenarten benutzt wurden, waren folgende: 

1. Lehmboden, aus verwittertem Granit vom Fichtelgebirgc, 

2. Boden aus Gneiß verwittert, vom Fichtelgebirge, 
8. Boden aus Porphyr verwittert, aus der Rheinpfälz, 

4. Boden aus Kohlensandstein entstanden, ziemlich fruchtbar, 

5. Boden aus Basalt entstanden, von Unterfranken, 

6. Boden aus Melaphyr entstanden, aus der Rheinpfalz, 

7. Lehmboden von München, mit wenig Humus, 

8. Lehmboden ebendaher, mit 12,5°/t Humiisgebalt, 

9. Kalkboden mit 13°/o koblens. Kalk von München, 
10. Lößboden von München, ohne Humus, 



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284 



Physik des Bodens: 



11. Sandboden von Schrobenhausen, 

12. Moorboden von Aibling (Oberbayern), 

13. Thon- und kalkreicher Ackerboden, von Hersching am Ammersee. 

Die Bodenproben 1 — 11 wurden aus einer Tiefe von 2 bis 10 cm unter der 
Waldhumusdecke entnommen. Die Ammoniakbestimmungen sind auf den Fcin- 
erdegehalt berechnet. Unter Feinerde sind die Bodenbestandtheile verstanden, 
welche ein Sieb mit 0,5 mm Maschenweite passirt haben. 

Die folgende Tabelle enthält die Resultate der Analysen: 



Nummer der 
Bodenart 



Ammoniakstickstoff in 1 kg Boden 



Methode 

von 
Schlösing 



durch 
Destillation d. 
salzs. Auszuges 
mit Mg() 



azotometrisch 
im salzsauren 
Auszug 



1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 
11 
12 
13 



0,0448 
0,0168 
0,0336 
0,0056 
0.O28O 
0,01116 
0,0252 
0,0364 
0,0028 
0,0140 
0,0448 
0,1081 
0,0224 



0,02227 
0,01105 
0,01771 
0,00443 
0,02337 
0,01243 
0,01656 
0,01460 
0 

0.00658 
0,00223 

o,ooie»o 

0,01240 



0,02781 
0,01326 
0,02214 
0,00443 
0,02894 
0,01672 
0,01656 
0,01684 
0 

0,00658 



0, 0289 



Bei Feststellung der Menge des Ammoniaks in denselben Böden zu 
verschiedenen Zeiten und bei verschiedenem Gehalt an organischen 
Substanzen wurden Bodenproben im Freien (I) und im Walde (II u. III) aus 
dem Forstrevier Bruck bei München zu verschiedenen Terminen während des 
Sommers entnommen. Boden I hatte einen Humusgehalt von 0,34— 0,52°>, n 
einen solchen zwischen 4,45—5,83, III von 13,20— 15 ? 78°/o. Der Ammoniakstick* 
Stoff in 1 kg Boden, bestimmt durch Destillation des salzsauren Auszugs mit Magnesia 
und darauf folgender Zersetzung des Ammoniaks im Azotometer betrug: 



Boden I 
» II 
» III 



6. Juni 

0,016 
0,015 
0,016 



11. Juli 25. Juli 8. August 



0,014 
0,013 
0,012 



0,018 
0,018 
0,015 



0.016 
0,014 
0,014 



Die Menge des Ammoniaks in verschiedenen Tiefen desselben 
Bodens wurde in den mit I u. 11 bezeichneten Boden bestimmt, wobei sie* 1 
Folgendes herausstellte: 



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Neue Litteratur. 
Boden I. 



285 



Tiefe 
cm 


6. Juni 


11. Juli 


25. Juli 


8. August 


t- 5 
20-25 
40-45 
75-80 


0,010 
0,019 
0,009 
, 0,002 


0,014 
0,015 

0,008 
Boden II. 


0,018 
0,018 
0,010 
0.003 


0,016 
0.014 
0,006 


Tiefe ' 

cm 


' 6. Juni 


II. Juli 


25. Juli 


8. August 


1-5 ! 

20-25 
40 45 
75-80 


0,015 
0,012 
0,010 
0,004 


0,013 
0,010 
0,006 
0,002 


0,018 
0,016 
0,004 
0,002 


0,014 
0,014 
0,008 
0,004 



Verf. leitet aus den mitgetheilten Zahlen folgende Schlüsse ab: 

Der Ammoniakgehalt des unbearbeiteten Bodens ist ungleich in Böden ver- 
schiedener Art. Lehmböden enthalten am meisten Ammoniak, und es scheint, 
daß dessen Menge um so höher ist, je thonreicher der betreffende Boden ist. 

Kalk- und Sandböden sind arm an Ammoniak, doch sind im humusreichen 
Sandboden organische Körper vorhanden, welche sehr rasch durch Natronlauge 
in der Kälte unter Ammoniakabspaltung zersetzt werden. Diesen Substanzen ist 
eine viel wichtigere Rolle bei der Ernährung der Gewächse und bei der Beur- 
theilung des Bodens zuzuschreiben, als bis jetzt geschehen ist. Ein auffallendes 
Beispiel hierfür ist Boden 11, dessen Ammoniakgehalt (im salzsauren Auszug 
bestimmt) nur 3 mg im Kilo beträgt, welcher aber mit Natronlauge innerhalb 
48 Stunden 45 mg Ammoniakgas pro Kilo entwickelt. 

In dem Betracht, daß die Ammoniakmenge in demselben Boden mit 13— 15°/o 
Humus nicht höher befunden wurde als im Boden mit nur 0,5° <», scheint der 
Gehalt des Bodens an organischer (vegetabilischer) Substanz durchaus keinen 
Einfluß auf den wirklichen Ammoniakgehalt des Bodens auszuüben. Die Ammoniak- 
menge in dem unbearbeiteten und ungedüngten Boden scheint für die betreffende 
Bodenart vielmehr eine konstante Größe zu sein, denn durch Analyse desselben 
Bodens zu verschiedenen Zeiten und nach anhaltend feuchter oder trockener 
Witterung wurde fast genau dieselbe Ammoniakmenge gefunden. 

Es zeigte sich ferner, «laß der Ammoniakgehalt im Boden mit der Tiefe ab- 
nahm. Während in einer Tiefe von 1 — 25 cm die Ammoniakmenge nahezu gleich 
ist. wird bei einer Tiefe von 40-45 cm bereits eine beträchtliche Abnahme be- 
merkbar; bei ungefähr 80 cm sind nur Spuren von Ammoniak, selbst in ammoniak- 
reichen Böden vorhanden. Diese Erscheinung erklärt sich durch das Absorptions- 
vermögen des Bodens für Ammoniak, indem die oberen Bodenschichten die durch 
die Zersetzung organischer Stickstoffverbindungen entstandene Ammoniakmen^e 
festhalten. 

(Hinsichtlich der Bestimmungsmethode erkennt man aus den Analysen- 
resultaten mit verschiedenen Bodenarten, daß die ScWflwt^Bcbe Methode auch 



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2«6 



Physik des Bodens: 



bei nur 48 stündiger Einwirkung der Natronlauge zu hohe Resultate liefert, und 
daß sie bei Böden, welche viel organische Substanz enthalten, ganz unbrauchbar 
ist. Als völlig zuverlässig dagegen ist diejenige Methode zu bezeichnen, nach 
welcher man den salzsauren Bodenextrakt mit frisch geglühter Magnesia usta 
destillirt, das tiberdestillircndc Ammoniakgas vor jeder Berührung mit Kork oder 
Kautschuk schützt, durch verdünnte Schwefelsäure absorbiren läßt und das 
Ammoniak nach der Neutralisation der überschüssigen Schwefelsäure mittelst 
Magnesia usta azotornetrisch bestimmt. Die Resultate nYlen in den meisteu Fällen 
außerordentlich befriedigend aus. Nur bei Boden 11 und 12 konnte kein rich- 
tiges Ergebniß erzielt werden, indem das Auftreten eines stechend unangenehm 
riechenden Gases bemerkt wurde, welches das Analysenresultat völlig trüben 
mußte.) 

Die Menge der Salpetersäure im ungedüngten Boden wurde, um 
den Zufälligkeiten, welchen der Salpetergehalt des Bodens durch künstliche Zu- 
führung animalischer Stoffe unterworfen ist, zu begegnen, vorzugsweise in Wald- 
und unbebauten Böden,, welche mindestens 30 Jahre ohne jede Düngung geblieben 
waren, ermittelt. Der Einfluß der Witterungsverhältnisse aber wurde durch öftere 
Untersuchung eines Bodens von demselben Orte zu kompensiren versucht, indem 
die Bodenproben sowohl nach andauerndem Hegen als nach anhaltend trockenem 
Wetter genommen wurden. 

Als Bestimmungsmethode konnte Verf. die von Schlösing nur in wenigen 
Fällen anwenden, denn in einer größeren Quantität Boden (1 kg) konnten häutig 
nur Spuren von Salpetersäure aufgefunden werden und bei Bestimmung so geringer 
Mengen versagt fragliche Methode den Dienst. Der Gang der Untersuchung, 
welchen Verf. einschlug, war folgender : 

1000 g des lufttrockenen Bodens wurden mit ebenso viel W asser übergössen, 
daß dessen Menge mit dem im Boden enthaltenen Wasser 2000 cem betrug, und 
unter häufigem Umschütteln 48 Stunden digerirt. Hierauf wurde hltrirt, und das 
Filtrat sowohl mit Brucin als mit Diphenylamin auf Salpetersäure geprüft. Stellte 
sich keine Reaktion heraus, so wurde 1 1 des Bodenextrakies auf Zusatz von 
etwas Soda zum Trocknen verdampft, der Rückstand mit verdünntem Alkohol 
ausgekocht, filtrirt, die alkoholische Lösung abermals verdampft und der Rück- 
stand in 40 cem Vi asser gelöst. Es wurde nun wieder mit Brucin und Diphenylamin 
geprüft und falls die Reaktion deutlich genug ausfiel, in dem abgemessenen Rest 
der Lösung die Salpetersäure nach der Methode Marx-Tromm*dorf (Zeitschrift 
f. analyt. Chem. 1868. S. 412 u. 1870. S. 171) bestimmt, nachdem die noch vor- 
handenen organischen Substanzen mit' verdünnter Chamäleonlösung und Schwefel- 
säure zerstört worden waren. • 

Die Analysen führten zu folgenden »gebnissen: 

A. Lehmboden aus freiem Felde. Humusgehalt 0,34 -0,54 °/o. 

Salpetertäure in 1 kg Boden 
In einer Tiefe von 6. Juni 11. Juli') 25. Juli 8. Aug. 

1-5 cm 0,00278 0,00080 Spuren 0,0081 

15-20 , 0,00138 0,00053 „ 0,0006. 



') Nach heftigen Regengüssen. 



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Neue Litteratur. 



28? 



Außer diesem Lehmboden wurden noch untersucht : ein Quarzsandhoden aus 
der Oherpfalz, humusfrei; ebenso ein humusarmer Lößboden von München; ein 
Kalksandhoden und ein Moorboden aus der Umgegend von München; diese Boden- 
arten hefanden sich in Grubenvorrichtungen l ), welche zur Bestimmung der Sicker- 
wassers dienten. In diesen sämmtlichen Bodenarten konnte die Salpetersäure zwar 
nachgewiesen, aber nicht quantitativ bestimmt werden. 

B Waldboden. Der nämliche Lehmboden wie sub A. aus einem 40 Jahre 
alten Fichtenbestand entnommen, mit einer circa 2 cm tiefen Streuschicht aus 
Fichtennadeln bedeckt. Humusgehalt der oberen Bodenschichte 4 — 5°,'o, der 
unteren Bodenschichte 0,5— l°/o. Es konnte in 8, an verschiedenen Stellen und 
in einer Tiefe von 1—5 sowohl als auch in einer solchen von 25—30 cm unter 
der Streudecke entnommenen Bodenproben die Anwesenheit der Salpetersäure 
nicht einmal qualitativ konstatirt werden. 

C. Dasselbe Ergebniß wurde mit weiteren 8 Bodenproben erzielt, welche 
an den bezeichneten Tagen aus einem schlagbaren Fichtenbestand ausgehoben 
wurden. Weder in der oberen humusen Schichte mit einem Gehalt von 13 — 15°/o 
Huraussubstanz, % noch in einer Tiefe von 25 -30 cm konnte Salpetersäure nach- 
gewiesen werden. Aus diesen Besultaten mit 24 Bodenproben muß der Schluß 
gezogen werden, daß die Menge der Nitrate in unbearbeiteten ungedüngten Boden 
ungemein gering ist, daß insbesondere im Waldboden die Salpetersäure, wenn 
überhaupt, so doch nur in Spuren vorkommt. 

Die Ursache vorstehend charakterisirter Erscheinung beruht nach dem Verf. 
darauf, daß im Allgemeinen der Waldboden in Folge der dort herrschenden niederen 
Temperatur und geringen Bodenfeuchtigkeit, sowie in Folge der ungünstigen Er- 
näbrungsverhältnisse den Salpetersäure erzeugenden Organismen keinen passenden 
Wohusitz bietet. 

Wie gering die Salpeterbildung in Böden ist, welche thierische Substanzen 
gar nicht und andere organische Stoffe nur in geringer Menge enthalten, geht 
auch aus einer größeren Zahl von Sickerwasseranalysen hervor, welche Verf. im 
Jahre 1882 in den sub A. aufgeführten verschiedenen Bodenarten ausgeführt hat. 
W T erden die in den Sickerwässern gefundenen Stickstoffmengen pro ha und 1,2 m 
Bodentiefe berechnet, so ergibt sich ein Verlust 

für den an Nitratstickstoff (kg) 

Quarzsandboden 25,59 

Lehmboden 20,90 

Kalkboden . • 50,24 

Moorboden 4,17. 

Die Schlüsse, welche Verf. aus dem im letzten Abschnitt mitgetheilten Beob- 
achtungen ableitet, sind folgende: 

1. Der Salpetergehalt der ungedüngten, unbewachseneu Böden ist ein mini- 
maler. Die Salpeterproduktion beträgt in stark humoseu Böden viel weniger als 
in humusarmen Böden. Am meisten Salpetersäure bildet sich in humusarmen 
Kalkboden, weniger im Sand- und Lehmboden. 



') Eine Beschreibung dieser Lysimetcr befindet sich im IV. üd. dieser Zeitschrift, 
8. 294 unten. 



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288 



Physik des Rodens: 



2. In einem unbearbeiteten und mit Waldpflanzen bewachsenen Boden ist 
es nicht gelungen, Salpetersäure aufzufinden; es ist sehr wahrscheinlich, daß über- 
haupt Salpeterbildung im Walde nicht stattfindet, indem die Bedingungen für die 
Entwickeluug der Nitrifikationselemente fehlen; in diesem Falle wären die Wald- 
pflanzen auf das Ammoniak als Stickstoff angewiesen. 

Hiermit muß wenigstens für die Waldpflanzen die Ansicht fallen gelassen 
werden, als zögen sie ihren Bedarf an Stickstoff vorzüglich von der Salpetersäure. 
Im Gegentheil will es scheinen, als ob deu „aramoniakähulichen Körpern" im Roden 
eine bei weitem größere Rolle für die direkte Ernährung unserer Gewächse zu- 
geschrieben werden muß, als es bis jetzt geschehen ist. In manchen Sandböden, 
auch in den so fruchtbaren Ackererden Rußlands, finden sich oft nur Spuren von 
Ammoniak und Salpetersäure in kaum nachweisbarer Menge; dagegen sind solche 
Körper in größerer Menge vorhanden, welche mit Natronlauge in der Kälte ver- 
hältnißmäßig rasch Ammoniak abscheiden. Versuche habeu dem Verf. gezeigt 
daß ebenfalls erhebliche Ammoniakabspaltung stattfindet, wenn man die Boden- 
arten mit sehr verdünuter Salzsäure ca. 2 Stunden kocht, daß mithin im Hoden 
Substanzen vorliegen, welche mit den Amidoverbindungen die größte Achnlichkeh 
zeigen. Die durch Kochen mit sehr verdünnter Salzsäure erhaltene Ammoniak- 
menge übertrifft um das Zehn- und Zwanzigfache den wirklichen Ammoniakgehalt 
des Bodens. Ueber die Menge und Natur dieser Körper sollen weitere Unter- 
suchungen Auskunft geben. E. W. 

A. Ladureau. Nene Untersuchungen Über dag Ammoniakferment. 

Ann. agronomiques. Bd. XI. 1886. p. 522—525. 

Bei Fortsetzung seiner Studien 1 ) über das Ammoniakferment hat Verf. haupt- 
sächlich den Einfluß der Phosphorsäure im freien Zustande oder in Verbindung 
mit Kalk, des kaustischen Kalkes, des Eisensulphates, des Eisenchlorids, der 
Karbol-, Schwefel-, Bor- und Salzsäure auf die Thätigkeit des Fermentes ins 
Auge gefaßt. Er benutzte eine Lösung von 2 g Harnstoff in 100 cem Wasser, 
in welche ein wenig Gartenerde und von den angeführten Substanzen verschiedene 
Mengen eingeführt wurden. Die freie Phosphorsäure hatte, in geringen Quan- 
titäten angewendet, keinen Einfluß auf die Ammoniakbildung ausgeübt; dagegon 
wurde letztere nicht unwesentlich herabgedrückt, sobald die Pbosphorsäure in 
größeren Quantitäten (0,5 und 1 g pro 100 cern) zugeführt wurde. Der saure 
phosphorsaure Kalk, wie solcher in den Superphosphaten auftritt, hatte die 
Fermentation nicht beeinflußt. Der Kalk verhielt sich der Phosphorsäure ähnlich. 
Das Eisensulfat übte gar keine, die Karbolsäure und die Schwefelsäure eine 
schwach abschwächende Wirkung, entsprechend der zugeführten Menge, auf die 
Thätigkeit des Fermentes aus. 

Zur Prüfung der Wirkung der Borsäure benutzte Verf. frischen Urin (50 com), 
welchem er verschiedene Mengen Borsäure (0,05, 0,1 und 0,2 g) zusetzte. Nur 
in größeren Dosen zugesetzt, hatte das Mittel die Ammoniakbildung erheblich 
eingeschränkt. 

Im Großen und Ganzen hatte sich sonach das Ammoniakferment durch eine 
außerordentliche Widerstandsfähigkeit den verschiedenen, in Anwendung gebrachten 

>; Vergl diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1*85. 8. 10«. 



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Neue Litteratur. 



289 



Substanzen gegenüber ausgezeichnet. Es folgt daraus, daß es schwer sein dürfte, 
die Tbätigkeit des Fermentes in Fällen, wo dieselbe in der Praxis herabzusetzen 
wäre, zu beeinflussen. E. W. 

J. Soyka. Experimentelle Untersuchungen Ober die Verwendbarkeit 
des Torfes zu Zwecken der Absorption und Desinfektion. Präger medicin. 
Wochenschrift. 1886. Nr. 26 -28. 

W. Strecker. Die Bereicherung des Bodens durch den Anbau «be- 
reichernder- Pflanzen. Journ. f. Landw. Bd. XXXIV. 1886. S. 1-82. 

Braun. Ueber die Entstehung des sanren Humus oder Mulms der 

Wälder. Forstl. Blatter. 18*6. Juniheft. S. 184. 

¥ouqu& u. 31. L&ry. Versuche Uber die Fortpflanzungsgeschwindig- 
keit tou Schwingungen im Boden. Compt. rend. 1886. T. CIL p. 1290. 



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II. Physik der Pflanze. 

Ueher die Beeinflussung der Widerstandsfähigkeit der 
Kulturpflanzen gegen ungünstige Witterungsverhältnisse 

durch die Kulturmethode. 

Von Professor Dr. E. Wolbiy in München. 

Die vielfachen Schädigungen, welchen die Nutzpflanzen während ihres 
Wachsthums unter der Einwirkung verschiedener ungünstigen Witterungs- 
verhältnisse unterliegen, haben auf das Reinerträgniß der Ackerländereien 
einen so tief eingreifenden Einfluß, daß der Praktiker alle Veranlassung 
hat, auf die Anwendung solcher Hilfsmittel Bedacht zu nehmen, welche 
geeignet sind, derartige Unzuträglichkeiten zu beseitigen oder dieselben 
auf das t*unlichst geringste Maß zu beschranken. Es stehen zu diesem 
Zweck zwei Wege zur Verfügung, nämlich die Pflanzen durch geeignete 
Maßnahmen in einen solchen Zustand zu versetzen, daß sie den Unbilden 
der Witterung besser widerstehen, oder letztere selbst mehr oder weniger 
von den Pflanzen abzuhalten. Wenngleich bei zweckmäßiger Auswahl 
der zur Verfügung stehenden, im Großen anwendbaren Methoden nach 
beiden bezeichneten Richtungen sichere Erfolge in Aussicht gestellt werden 
können, so ist doch vor allem und zunächst der erstere Weg in das 
Auge zu fassen, weil auf demselben einer der hauptsächlichsten, an eine 
rationelle Ausübung der Pflanzenkultur zu stellenden Anforderungen 
Genüge geleistet wird, nämlich der Sicherstellung des Ertrages, und der 
beabsichtigte Zweck leichter erreicht werden kann als nach dem an 
zweiter Stelle genannten, mit meist viel größeren Schwierigkeiten ver- 
knüpften Verfahren. 

Nach den vorliegenden zahlreichen Beobachtungen kann angenommen 
werden, daß es den schädlichen Witterungseinflüssen gegenüber stets 



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Widerstandsfähigk. d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhältnisse. 291 



empfänglichere und widerstandsfähigere Varietäten und Individuen giebt. 
Die größere Empfänglichkeit ist in der Mehrzahl der Fälle durchaus kein 
an sich krankhafter Zustand, sondern liegt innerhalb der Breite der Ge- 
sundheit. Es ist nicht selten nur eine später vorübergehende Phase der . 
Kulturpflanze, welche, bedingt durch eine gewisse Stoff kombination, 
durch höheren Wassergehalt, durch eine eigenthümlich gestaltliche Modi- 
fikation oder auch durch noch unbekannte Ursachen dieselbe den An- 
griffen ungünstiger äußerer Einwirkungen mehr oder weniger zugänglich 
macht. So macht z. B. ein größerer oder geringerer Wassergehalt die 
Pflanzentbeile den schädlichen Einwirkungen niedriger oder höherer Tem- 
peraturgrade zugänglicher. Ebenso läßt sich nachweisen, daß z. B. 
durch größeren Wasservorrath die Reifezeit ziemlich beträchtlich hinaus- 
geschoben wird, derart daß die betreffenden Pflanzen und Pflanzentheilo 
durch Frostwirkungen in der vorgerückten Jahreszeit Schaden leiden, 
eine Thatsache, die man bei Obstbäumen nicht selten machen kann, in- 
sofern als das Fruchtholz bei feuchter Beschaffenheit des Erdreichs nicht 
ausreift und dann durch Fröste im Herbst leicht benachtheiligt wird. 

Im weiteren Verfolg derartiger Thatsachen läßt sich vielfach der 
Nachweis führen, daß diese prädisponirenden Zustände in ihrem Auf- 
treten oder in der Dauer ihrer Erscheinung von den Vegetations- 
bedingungen abhängig sind, unter denen die Pflanzen zur Entwickelung 
gelangen. Es kann schon jetzt auf eine ganze Anzahl von Forschungs- 
resultaten hingewiesen werden, welche darthun, wie auffallende stoffliche 
und gestaltliche Unterschiede sich bei derselben Species zeigen, je nach- 
dem dieselbe bei Lichtreichthum oder Lichtarmuth, bei Wasserüberschuß 
oder -Mangel u. s. w. zu wachsen gezwungen ist. 

Ohne auf Erschöpfung des Gegenstandes Anspruch zu erheben, will 
Referent versuchen in Folgendem nachzuweisen, in welcher Weise die 
Kulturmethode einen Einfluß auf die Wiederstandsfähigkeit der Kultur- 
gewächse gegen verschiedene schädliche Witterungsverhältnisso ausübt 
und welcher Mittel sich der Praktiker zu bedienen hat, um seine 
Gewächse auch nach dieser Richtung hin möglichst vollkommen auszu- 
bilden 1 ). 

') Hiernach siml die einen direkten Schutz gegen die bezeichneten 
Schädigungen gewährenden Kulturoperationen von vorliegender Besprechung aus- 
geschlossen. 

E. Wollny, Forschungen IX. 20 



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292 



Physik der Pflanze: 



1. Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Frost. 

Der Frost übt entweder direkt oder indirekt einen schädlichen Ein- 
fluß auf die Kulturen aus; im ersteren Falle dadurch, daß die frei ex- 
ponirten Pflanzen des Ackerlandes, wenn ihre Säfte zu Eis erstarren, in 
einem größeren oder geringeren Umfange zu Grunde gehen, im letzteren 
dadurch, daß die Pflanzen gefrieren, aber erst durch plötzliches Auf- 
thauen vollständig oder in einzelnen Organen getödtet werden (erfrieren), 
oder daß der Boden gewisse Veränderungen erleidet, welche mit Nach- 
theilen für die Vegetation verknüpft sind. Diese Veränderungen in der 
Beschaffenheit des Kulturlandes bestehen hauptsächlich darin, daß der 
Boden durch wiederholtes Gefrieren und Aufthauen eine abwechselnde 
Ausdehnung und Zusamraenziehung erfuhrt, durch welche die Pflanzen 
allmählich aus dem Erdreich gehoben werden, derart daß sie mit bloß- 
gelegten Wurzeln auf die Oberfläche des Ackers zu liegen kommen. 
Dieses sogen. Auffrieren oder Aufziehen der Saaten macht sich in schnee- 
losen Wintern auf allen stark wasserhaltenden, besonders thonhaltigen, 
am meisten auf den sehr humosen Bodenarten bemerklich, häufig in 
einem solchen Umfange, daß man, wie z. B. auf den Torf- und Moor- 
böden, von dem Anbau der Winterfrüchte vollständig absehen muß. 

Das Auftreten der Fröste ist nicht allein auf die Winterszeit be- 
schränkt, sondern dieselben kommen häufig noch nach dem Erwachen der 
Vegetation im Frühjahr (Spätfröste) oder im Herbst (Frühfröste) vor. 
und werden gerade in letzteren Jahreszeiten für die Gewächse verderblich, 
während ihre Wirkung im Winter mehr oder weniger durch eine Schnee- 
decke paralysirt wird. 

In dem Verhalten der Gewächse den Wirkungen des Frostes gegen- 
über bemerkt man auffallende Unterschiede zwischen verschiedenen Varie- 
täten derselben Species, sowie zwischen verschiedenen Individuen einer 
und derselben Varietät, indem gewisse Kulturformen und Individuen 
mehr wie andere beschädigt werden. Diese verschiedene Widerstands- 
fähigkeit ist theils durch innere, unbekanute Ursachen, theils durch 
äußere Ursachen bedingt. Zu letzteren ist hauptsächlich das Klima xn 
rechnen, welches auf die Widerstandsfähigkeit der Kulturpflanzen einen 
bestimmenden Einfluß ausübt. Wie nach den verschiedensten praktischen 
Erfahrungen geurtheilt werden darf, nimmt letztere von Süden nach 
Norden hin zu und erhält sich auch bei den Pflanzen, wenn sie aus 



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Widerstandsfähig^ d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhältnisse. 293 

einer Gegend in die andere versetzt werden. Man kann sehr häufig bei 
uns die Beobachtung mnchen, daß die Pflanzen aus Samen, welcher von 
Norden oder aus höheren Lagen (Gebirge) bezogen wurde, viel leichter die 
Unbilden der Winterwitterung ertragen als diejenigen, deren Saatgut aus 
wärmeren Klimaten stammt. Diese werden bei uns durch den Frost 
meist vollständig zu Grunde gerichtet. Aehnlich verhält es sich mit den 
Pflanzen, bei deren Anbau das Saatmaterial aus einem Insel- oder Ktisten- 
klima bezogen wurde. So vertragen z. B. die englischen und austra- 
lischen Getreidearten unsere Winter gemeinhin weit schlechter als die 
einheimischen Sorten. 

"Nach Vorstehendem besitzt der Praktiker in der Benützung 
frostharter Varietäten bei der Kultur der Gewächse zunächst 
ein Mittel zur Verminderung der Frostgefahr. Derartige Varie- 
täten können durch Bezug aus passenden Lokalitäten (nördlich oder höher 
gelegene Gegenden) oder durch Züchtung gewonnen werden. Letzteres 
geschieht in der Weise, daß man bei größeren durch den Frost bewirkten 
Verheerungen die übrig bleibenden kräftigsten Pflanzen zur Fortzucht 
benutzt und bei späteren ähnlichen Vorkommnissen in gleicher Weise 
verfährt. Auf diesem Wege gelingt es, aus den einheimischen Pflanzen 
eine Sorte herauszubilden, welche mit der zur Sicherstellung der Ernten 
erforderlichen Widerstandsfähigkeit gegen den Frost ausgestattet ist und 
welche überdies vor den fremden Sorten in der Mehrzahl der Fälle den 
Vortheil bietet, daß die aus derselben hervorgehenden Pflanzen, weil an 
die vorliegenden klimatischen und Bodenverhältnisse gewöhnt, vergleichs- 
weise sichere Erträge liefern. 

Unter sonst ganz gleichen Verhältnissen, also bei einem und dem- 
selben Saatmaterial, erweisen sich weiters die Pflanzen um so widerstands- 
fähiger gegen die Wirkungen des Frostes, je größer die Samen und 
Früchte waren, aus welchen sie hervorgegangen sind. Eine aus einem 
kleineren Samenkorn entwickelte Keimpflanze, welche sehr bald die 
Reaervestoffe aufgebraucht hat und nun von unmittelbaren Assimilations- 
produkten zehrt, ist ebensosehr von der Wörme wie vom Lichte und 
daher von dem jeweiligen Zustand der Witterung abhängig. Sie wird 
unter ungünstigen Verhältnissen in höherem Grade geschädigt als eine 
zu solcher Zeit noch mit ReserveHtoffen reichlich versehene Keimpflanze 
aus einem großen Korne, welche bei ungenügender Wärme und andauernd 



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Physik der Pflanze: 



umwölktem Himmel noch kräftig fortzuwachsen im Stande ist. In ana- 
loger Weise stellt sich das Verhalten der Pflanzen den Wirkungen des 
Frostes gegenüber, wie einige eklatante, vom Verf. beobachtete Falle 
darthun. Im Frühjahr 1874 wurden verschieden große Erbsen- nnd 
Ackerbohnenkörner, je 200 Stück, auf Parcellen von 8 qm zeitig (28. März) 
ausgesäet. Die normal und entsprechend der Saatgutqualität entwickelten 
Pflanzen wurden Anfangs Mai von starken Nachtfrösten heimgesucht, 
welche einen um so größeren Schaden anrichteten, je dürftiger sich die 
Pflanzen entwickelt hatten, d. h. je kleiner das Saatgut war. Es gingen 
nämlich zu Grunde: 

Erbsen Ackerbohnen 
Korngröße °/o Korngröße •'• 

100 Stück wiegen: 34,9 g 12 100 Stück wiegen: 83,3 g 3,5 

100 » y 26,3 » 20 100 » » 51,3 » 17,5 

100 » » 19,9 » 38 100 » » 29,6 » 23,0 
100 » » 14,6 » 52,5 

In einer zweiten Beobachtung wurde die Zahl der Roggenpflanzen 

ermittelt, welche während des Winters nbgestorben waren. Es stellt« 
sich hierbei ein Verlust heraus bei Pflanzen aus 

großen mittelgroßen kleinen 
Körnern Körnern Körnern 

100 Körner wiegen: 4,25 g 3,51 g 1,76 g 

von: 13 °/o 31 °;o 57 °/o. 

Diese Zahlen lassen mit voller Deutlichkeit erkennen, daß die 
Pflanzen eine um so größere Widerstandsfähigkeit gegen den 
Frost* besitzen, je größer das Saatgut war, aus welchem sie 
sich entwickelt hatten. 

In dem Betracht, daß die Menge der im Samenkorn abgelagerten 
Reservestofte, welche sich für das spätere Wachsthum von so maßgebendem 
Einfluß erweist, mit der Entwickelung der Reproduktionsorgane bis zu 
einem bestimmten Stadium (Gelbreife) zunimmt, wird nach dem eben 
Mitgetheilten ferner geschlossen werden dürfen, daß der Reifegrad des 
Saatgutes für die Größe der durch Frost hervorgerufenen Schädigungen 
von Belang sein werde. In der That ist dies der Fall, wie folgende 
Daten darthun. In einem mit Jerusalemer Staudenroggen ausgeführten 
Versuche wurde aus verschieden reifem Saatgut von je 100 ausgesäeten 
Kürnern folgende Pflanzenzahl gewonnen: 



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Widerstandsfähigk. d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhältnisse. 295 

im Herbst im Frühjahr 







noch vorhanden 


Griinreif 


97 


40 


Milchreif 


96 


88 


Gelbreif 


100 


100 


Vollreif 


100 


100 



Die Pflanzen aus unreifem Saatgut besitzen demnach eine 
geringere Widerstandsfähigkeit dem Froste gegenüber als 
jene, welche von vollkommen entwickelten Samen stammen. 

Für die Empfindlichkeit der Pflanzen gegen Frost zeigt sich auch 
die Saatzeit *) von wesentlichem Belang. Wenn hier von den Herbstsaaten 
ausgegangen wird, so handelt es sich bei diesen vor Allem um die Frage, 
in welchem Entwickelungsstadium die Pflanzen den schädlichen Wirkungen 
des Frostes am besten Widerstand leisten. Offenbar wird dies der Fall 
sein, wenn die Pflanzen möglichst kräftig entwickelt in den Winter treten, 
d. h. wenn sie möglichst frühzeitig im Herbst angebaut werden. Ihre 
Entwicklung findet dann unter den günstigsten Wärmeverhältnissen statt, 
sie haben Zeit, sich vor Eintritt des Winters gehörig zu bestocken und 
einen reichen Vorrath von Reservestoffen anzusammeln. Derartig starke 
Pflanzen sind, wie die Erfahrung hinlänglich lehrt, den Folgen der 
Beschädigungen durch den Frost in weit geringerem Grade ausgesetzt 
wie schwächere Pflanzen, und zwar weil im ersteren Falle bei einer 
Vernichtung eines Theils der vorhandenen Organe immer noch genug 
übrig bleiben, um die Ernährung der Pflanze zu besorgen, auch genug 
Vorrathsstoffe vorhanden sind, um neue Organe zu bilden, während bei 
den spät gebauten schwächlicheren Pflanzen bei derselben Frostwirkung 
nur wenig Organe übrig bleiben, die ganze Pflanze wohl gar zu Grunde 
gerichtet wird und die aufgespeicherten Bildungsstoffe zur Hervorbringung 
neuer Blätter und Wurzeln nicht genügen. Ebenso werden die mit einem 
reichen Wurzelgeflecht versehenen Pflanzen auf allen Bodenarten, die in 
Folge öfteren Gefrierens und Aufthauens große Volumänderungen erleiden, 
dem unter solchen Umständen eintretenden Aufziehen der Pflanzen einen 
weit größeren Widerstand entgegenstellen als die später entwickelten 
schwächlichen Saaten. 

Verspätete Saaten im Herbst sind auch insofern großen Gefahren 

») Zeitschrift des landw. Vereins in Bayern. 1883. Jan.- Märzheft. 



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Physik der Pflanze: 



ausgesetzt, als die Körner unter Umstünden wegen zu niedriger Tem- 
peratur gar nicht zum Keimen gelangen, oder gefrieren. In beiden 
Fallen geht ein großer Theil der ausgestreuten Samen zu Grunde und 
das Feld ist dann im nächsten Frühjahr so lückig bestanden, daß es 
umgeackert werden muß. Die Versuche von F. Haberlandt 1 ) lassen 
darüber keinen Zweifel aufkommen, daß die eingeweichten Samen bei 
längerem Verweilen unter einer Temperatur von 0° zum größten Theil 
ihre Keimfähigkeit einbüßen, und die von H. Jl. Göppert% F. Habcrfondt 1 ) 
und C. von Tantphoeus*) ausgeführten Versuche über den Einfluß des 
Frostes auf gequellte Samen haben zur Genüge gezeigt, daß nur wenige 
Individuen gegen niedrige Kältegrade unempfindlich sind. 

Durch diese Darlegung ist somit der Nachweis geliefert, daß eine 
frühzeitige Saat im Herbst die größte Gewähr für ein sicheres 
Ueberstehen der gefährlichen Winterperiode bietet. Eine ge- 
wisse Grenze wird jedoch auch hierbei inne zu halten sein, da bei einer 
übermäßig zeitigen Saat die Fortentwickelung der Pflanzen im Früh- 
jahr so zeitig beginnen kann, daß gewisse an dem Ertrage participirende 
Organe durch Frühjahrsfröste Schaden leiden können. So kann unter 
derartigen Umständen bei den Getreidearten die Aehrenbildung im Frühjahr 
so zeitig erfolgen, daß die Aohren von Spätfrösten (im Mai) afficirt werden. 
Aehnliche Beobachtungen kann man nicht selten bei zu zeitig an- 
gebautem Raps machen, dessen Blüthen unter denselben Verhältnissen 
beschädigt werden können. 

Bei dem Frühjahrsanbau hat man sich genau so wie bei der Herbst- 
saat zu verhalten und demgemäß einen möglichst zeitigen Termin für 
die Aussaat zu wählen, damit die Pflanzen sich genügend kräftig ent- 
wickeln, bestocken und einen genügenden Vorrath von Bildungsstoffen 
ansammeln können. Eine Ausnahrae von dieser Regel ist bei jenen Ge- 
wächsen zu machen, welche, wie z. B. Moorhirse, Hirse, Mais, Reu, 
Buchweizen, Kartoffeln, Lupinen, Runkelrüben, Stangenbohnen, Kürbisse, 

») Wissenschaftl.-prakt. Unters, auf d. Gebiete d. Pflanzenbaues. Bd. L 1875. 
S. 110-116. 

*) Ueber die Wärmeentwickelung in den Pflanzen, deren Gefrieren und die 
Schutzmittel gegen dasselbe. Breslau. 1830. S. 45—56. 
») Fühling's landw. Zeitung. 1874. S. 504-507. 

*) reber Keimung der Samen hei verschiedener Beschaffenheit derselben. 
Inaug.-Dissertation. München. 1876. 



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WiderstandBfähigk. d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhältnisse. 297 



Melonen, Gurken, Tabak u. s. w., keine Frühjahrsfröste vertragen und welche 
daher erst dann angebaut werden können, wenn zur Zeit, wo die Pflanzen 
aufgegangen sind, keine Frühjahrsfröste mehr zu befürchten sind, falls es 
nicht, wie bei den zuletzt angeführten Gewächsen, angezeigt erscheint, die 
Saat in Mistbeeten vorzunehmen und in diesen die Pflanzen vorzuziehen. 

Der Umfang, in welchem die Pflanzen durch den Frost geschädigt 
werden, ist schließlich iu hohem Grade von der Tiefe der Unterbringung 
des Saatgutes abhängig. Um dies zu verstehen, hat man die Entwicke- 
lung der Pflanzen aus verschiedenen Tieflagen der Samen näher ins 
Auge zu fassen. 

Aus den hierüber vorliegenden Untersuchungen l ) ergiebt sich zu- 
nächst im Allgemeinen, daß die Pflanzen sich um so schwächlicher ent- 
wickeln, je tiefer das Saatgut untergebracht wurde und daß eine schwächere 
Erdbedeckung des letzteren zur Hervorbriugung möglichst kräftiger 
Pflanzen am geeignetsten ist. Aus größeren Bodentiefen hervorgehende 
. Pflanzen verhalten sich gewissermaßen wie solche, welche zu spät an- 
gebaut worden sind, weil das Hervortreten derselben an der Boden- 
oberfläche bedeutend verzögert ist und die Wachsthumsfaktoren daher 
unter solchen Umständen nicht zur vollen Wirkung kommen können. 
Die in den «Samen und Früchten aufgehäuften Reservestoffe werden bei 
seichter Tieflage sofort zur Produktion von assimilirenden, das Ptlanzen- 
wachsthum fördernden oberirdischen Luftorganen verwendet, während 
dieselbeu bei größeren Tieflagen vor Allem zur Hervorbringung von unter- 
irdischen, für das spätere Leben der Pflanzen nutzlosen Stengel- und 
Blattorganen dienen. 

Angesichts dieser Verhältnisse wird nach Analogien die Schluß- 
folgerung gezogen werden dürfen, daß die Pflanzen dem Froste 
besser widerstehen, je flacher die Saat mit Erde bedeckt 
worden war. Bei der kräftigen Entwickelung, resp. Bestockung der 
Pflanzen aus geringer Saattiefe gewähren überdies die älteren heivor- 
stehenden Organe (Blätter) den jüngeren einen ergiebigen Schutz gegen 
das Erfrieren, und wenn ein Theil derselben zu Grunde gerichtet wird, 
so bleiben doch noch genug übrig, um den Fortbestand der Pflanze zu 

') K. Wollny. Untersuchungen über den Einfluß verschieden tiefer Unter- 
bringung des Saatgutes auf die Entwickelung und Erträge der Kulturpflanzen. 
Journ. f. Landwirtschaft. 1H84. 



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Physik der Pflanze: 



sichern, zumal auch genügende Mengen von Reservestoffen vorhanden 
sind, um neue Organe zu bilden. Die aus größeren Tieflagen entwickelten 
schwächlichen Pflanzen unterliegen ungleich leichter nachtheiligen Frost- 
wirkungen, weil sie bei lichterem Stande sich gegenseitig nur wenig 
schützen und ebenso die Organe einer und derselben Pflanzo wegen 
mangelhafter Ausbildung einander nur geringen Schutz gewähren können. 
Daher erfrieren solche Pflanzen in größerer Zahl als die üppig ent- 
wickelten flach gesäeten, und da sie einen geringeren Vorrath von 
Bildungsstoffen aufgespeichert haben, so sind sie nicht im Stande, bei 
theil weiser Beschädigung den Schaden so leicht auszubessern wie diese. 

Auf diese Verhältnisse wird die in einigen Versuchen des Referenten 
hervorgetretene Erscheinung, daß während des Winters ein um so größerer 
Procentsatz von Pflanzen (Roggen) zu Grunde gegangen war, je tiefer 
die Körner gelegt waren, zum Theil zurückgeführt werden können. Es 
betrug nämlich die Zahl der zu Grunde gegangenen Pflanzen: 

bei einer Saattiefe von 2,5 5,0 7,5 10,0 12,5 15 cm 

I. 11,0 11,3 13,1 12,2 44,4 72,7% 
bei einer Saattiefe von 2,5 5,0 7,5 10,0 cm 

II. 6,2 20,2 30,3 38,9 °/o. 

Die Ursachen der durch diese Zahlen charakterisirten Erscheinung 
sind nicht allein auf die direkte Wirkung des Frostes, sondern auch 
gleichzeitig auf jene Vorgänge zurückzuführen, welche mit dem sogen. 
Auswintern der Saaten verknüpft sind. Letzteres besteht hauptsächlich 
in dem sogen. Aufziehen der Saaten, welches dadurch herbeigeführt wird, 
daß die Pflanzen bei dem Gefrieren des Bodens durch die hierbei statt- 
findende Volumvermehrung desselben in die Höhe gehoben werden, 
wobei ein Theil oder alle Wurzeln abreißen, und daß sie, wenn die 
Erde beim Aufthauen sich senkt, nicht mehr zurück können. Die Wieder- 
holung dieses Vorganges bringt es endlich zu Wege, daß die Pflänzchen 
mit einem Theile der Wurzeln und dem Bestockungsknoten über die 
Erde gehoben werden und entweder ein kümmerliches Dasein fristen 
oder durch Vertrocknen der obenauf liegenden Wurzeln zu Grunde gehen. 

Offenbar werden die Pflanzen dem Auswintern um so besser wider- 
stehen, je kräftiger sie sich bewurzelt oder bestockt haben, weil sie da- 
durch einerseits der Kraft, welche sie aus dem Boden zu heben trachtet, 
eher das Gleichgewicht halten, andererseits den bei einem etwaigen Zer- 



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Widerstandsfähig^ d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhältnisse. 299 



reißen der Wurzeln entstandenen Schaden in Folge eines reicheren Vorratbes 
von Reservestoffen leichter repariren können. Ans diesem Grunde werden 
Pflanzen bei flacherer Unterbringung weniger der Gefahr des Auswinterns 
ausgesetzt sein als solche aus größeren Tieflagen des Samens, denn, wie 
durch zahlreiche Versuche festgestellt wurde, ist die Bewurzelung und 
Bestockung bei rechtzeitiger Ansaat in dem Maße eine bessere, als die 
Samen innerhalb gewisser Grenzen seichter untergebracht worden sind. 

Bei den Getreidearten kommt in Bezug auf das Auswintern noch 
ein Moment in Betracht. Bei flacher Lage des Samenkornes findet die 
Bewurzelung und Bestockung aus dem ersten sich entwickelnden Stengel- 
knoten statt, also in unmittelbarer Nahe der Getreidefrucht. Bei den 
tiefer liegenden Körnern findet eine bedeutende Streckung des unter- 
irdisch wachsenden Stengels statt und die Bestockung und spätere Be- 
wurzelung geht an demjenigen Knoten vor sich, der der Erdoberfläche 
am nächsten gelegen ist. Es bildet sieb demnach bei tiefliegenden Ge- 
treidefrüchten zwischen diesen und dem sogen. Bestockungsknoten ein 
Mittelglied, welches nun bei stärkeren Volumänderungen des Bodens 
leicht zerreißt, so daß die Keimpflanzen, welche bis dahin durch die aus 
dem Samenkorn entwickelten Wurzeln (Samen wurzeln) mit Wasser und 
Nährstoffen versehen wurden, nunmehr in Bezug hierauf auf das spärlich 
entwickelte Wurzelgetiecht am Bestockungsknoten (Kronen wurzeln) an- 
gewiesen sind. Da letzteres dem Aufziehen nur einen geringen Wider- 
stand entgegenstellen kann, so sind besonders solche Pflanzen am meisten 
der Gefahr des Zugrundegehens ausgesetzt. 

Daß auch die Entwässerungen und überhaupt alle Operationen, 
durch welche die Wasserkapacität stark wasserhaltender Böden, z. B. 
durch Einverleibung von Erdmaterialien entgegengesetzter physikalischer 
Beschaffenheit, herabgedrückt wird, zur Verminderung der Frostgefahr 
beitragen werden, läßt sich ungezwungen aus der Thatsache herleiten, 
daß der Frost auf wasserreichere Pflanzen nachtheiliger einwirkt als auf 
wasserärmere. 

2. Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Msse. 
Die Schädigungen der Pflanzen durch Nässe lassen sich nur dadurch 
abhelfen, daß geeignete Methoden zur Beseitigung von Ansammlungen 
größerer Wassermengen in Anwendung gebracht werden. Die Regulirung 
der Feucbtigkeitsverhältnisse der Ackererde kann geschehen durch Drai- 



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Physik der Pflanze: 



nage und Grabenentwässerung, oder dadurch, daß dem Boden grobkörnige 
Erdarten (Sand) zugeführt werden, durch welche dessen Wasserkapacität 
vermindert wird. Die Behäufelung stellt die Pflanzen dadurch sicher, 
daß das überschüssige Wasser abgeleitet wird und daß das in die Erde 
eingedrungene wegen der vergrößerten Oberfläche einer stärkeren Ver- 
dunstung unterliegt 1 ). Die Anlegung von Wasserfurchen bewirkt die 
Abfuhr des überschüssigen Tagwassers. Bei der Bearbeitung der be- 
treffenden meist bündigen Bodenarten ist darnach zu trachten, dieselben 
in einen krümeligen Zustand zu versetzen, wodurch die Wasserkapacität 
des Ackerlandes herabgesetzt und die Abwärtsbewegung des Wassers be- 
schleunigt wird*). 

3. Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Trockenheit 

Die zur Verhütung resp. Verminderung der durch Trockenheit her- 
vorgerufenen Nachtheile für das Produktionsvermögen der Gewächse ge- 
eigneten Maßnahmen sind denjenigen zur Beseitigung der Schädigungen 
durch Nässe gerade entgegengesetzt. Bei Wiesen geschieht die Abhülfe 
durch direkte Zufuhr von Wasser. Auf allen anderen Ländereien und 
besonders in trockenen Klimaten sind solche Mittel in Anwendung zu 
bringen, mittelst welcher der Boden die Fähigkeit erhält , einen größeren 
Theil des ihm zugefllhrten Wassers während der Regenzeit aufzuspeichern 
oder durch welche die Verdunstung aus dem Boden herabgedrückt wird. 
Zu den vorbeugenden Mitteln ist die ßrachehaltung zu rechnen. Durch 
die Brache wird nämlich im Vergleich zu dem bebauten Felde die Ver- 
dunstung aus dem Boden vermindert, derart daß im ersteren Fall Wasser 
angesammelt wird, während im zweiten durch die Transpiration der 
Pflanzen der Boden austrocknet 3 ). Ferner kann der ungünstige Feuchtig- 
keitszustand der Ackererde dadurch wesentlich verbessert werden, daß 
man derselben Substanzen beimengt, welche das Wasser gut zurückhalten 
(thonige und humose Stoffe). Im Uebiigen wird danach getrachtet 
werden müssen, durch geeignete Operationen die Verdunstung möglichst 
zu beschränken. Dies geschieht in der Weise, daß man die Bearbeitung 

Vergl. E. Wollny. Saat und Pflege der landw. Kulturpflanzen. Hand- 
buch für die Praxis. Berlin. 1*85. S. 754. 

*) Diese Zeitschrift. Bd. V. 1882. S. 140 u. Bd. VIII. 1885. S. 177. 

s ) E. WfAlny. Der Kinfluß der Pflanzendecke und Beschattung auf die 
physikalischen Eigenschaften und die Fruchtbarkeit des Bodens. Berlin 1877. 



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Widerstandsfähig^ d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhaltnisse. 301 



des Ackerlandes auf das absolut nothwendige Maß reducirt und für 
Ebenhaltung der Oberfläche Sorge trügt oder mittelst der Egge 1 ) die 
Erdoberfläche lockert. Indirekt kann auch der Feuchtigkeitsgehalt des 
Bodens durch Walzen desselben vermehrt werden, weil durch diese Ope- 
ration die Wasserkapacität des Erdreichs eine Erhöhung erleidet 2 ). 
Ferner wird man auf leichten Böden, auf welchen die Pflanzen am 
meisten durch Trockenheit Schaden leiden, ein kleines Aussaatquantum 
wählen müssen, weil bei lockerem Stande der Pflanzen die Verdunstung 
aus dem Boden geringer ist als bei dichtem. 

4. Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen das Lagern. 

Die Ursache der mit « Lagern * des Getreides bezeichneten Erschein 
nung wurde früher auf Mangel an Kieselsäure zurückgeführt, jedoch 
mit Unrecht, da es gelingt, Getreidepflanzen mit minimalen Mengen von 
Kieselsäure zu normaler Entwickelung zu bringen. Außerdem haben die 
Analysen von gelagertem gegenüber nicht gelagertem Getreide wenig 
Unterschied in dem Kieselsäuregehalt gezeigt. Das Lagern des Getreides 
wird vielmehr, wie experimentell von L. Koch 3 ) genau nachgewiesen ist, 
durch Lichtmangel hervorgerufen. 

Letzterer bewirkt zunächst eine bedeutende Streckung der Halm- 
resp. Stengelglieder (fnternodien), während Lichtzutritt gerade die ent- 
gegengesetzte Wirkung ausübt. Daher kommt es, daß die einzelnen 
Internodien um so mehr sich verlängern, je enger die Pflanzen stehen, 
je geringer also deshalb die auf sie einwirkende Lichtintensität ist. 
Folgende Zahlen liefern hierfür einen ziffermäßigen Beleg: 



Ucsamuitliüige 
der Pflanze 



Bohnen 
Erbsen 



Länge »1er Internodien 

1. 2. 3. 4. .">. 6. 

cm cm cm cm cm cm cm 

im Licht 2,2 1,6 1,9 2,2 1,6 0,6 10,1 

im Dunkeln 4 ) 4,4 7,2 8,7 10,5 5,7 0,7 37/2 

im Licht 0,8 0,3 1,0 1,4 2,3 1,9 7,7 

im Dunkeln 1 ) 1,6 0,9 2,6 2,5 4,5 2,8 14,9 



') Diese Zeitschrift. Bd. III. 1880. S. 325. 
s ) Ebenda. Bd. V. 1882. S. 2 u. Bd. VIII. 1885. S. 199. 
') L. Koch. Abnorme Aenderunßen wachsender rflanzenorgane durch Be- 
schattung. Berlin 1872. 

*) Die Pflanzen befanden sich vollständig in Dunkelheit. 



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802 Physik der Pflanze: 

Der Einfluß verminderter Lichtwirkung auf die Streckung der Inter- 
nodien tritt unter natürlichen Verhältnissen am untersten Theil des 
Stengels am sichtbarsten hervor, weil dieser am stärksten beschattet ist. 
Gleichzeitig mit diesen Veränderungen macht sich eine verminderte Ver- 
holzung der dem Licht entzogenen Steugeltheile bemerkbar, wodurch deren 
Festigkeit und Elastieität eine erhebliche Einbuße erleidet, derart daß sie 
dem geringsten auf sie einwirkenden Drucke nachgeben und sich umlegen. 

Es ergiebt sich somit aus diesen Darlegungen, daß die Ursache des 
Lagerns in einer Ueberverlängerung und verminderten Verdickung und 
Verholzung der Zellen und hierdurch bedingten Schwäche der untersten 
Internodien, hauptsächlich des zweiten Stengelgliedes, in Folge von Licht- 
mangel liegt. Hieraus kann ohne Weiteres die Schlußfolgerung gezogen 
werden, daß das Lagern der Getreid earten und anderer Früchte 
mittelst solcher Kulturmethoden beseitigt werden kann, durch 
welche die Belichtung der Gewächse gefördert wird. 

Von hervorragendem Einfluß auf die Zufuhr des Lichtes erweist sich 
die Standdichte der Pflanzen, welch letztere von der Saatmenge und dem 
Reichthum des Bodens an Wasser und Nährstoffen vornehmlich beherrscht 
wird. Bei sehr engem Stande der Pflanzen wird die Belichtung derselben 
wegen gegenseitiger Beschattung ganz außerordentlich und zwar um so 
mehr, je dichter sie stehen, herabgemindert. Daher sind die Feldfrüchte 
besonders bei dichter Ansaat dem Lagern ausgesetzt, denn bei sehr engem 
Stande werden die unteren Stengelglieder nicht mehr beleuchtet, in Folge 
dessen dieselben die oben geschilderte Streckung, verbunden mit einer 
mangelhaften Verholzung zeigen. Da die Einwirkung des Lichtes auf die 
unteren Internodien bei zu großor Standdichte bereits in frühen Stadien 
des Wachsthums beeinträchtigt wird, so wird das Lagern der Ge- 
wächse, wo es nicht selbst bei normal ausgebildeten Pflanzen durch Platz- 
regen, Hagel oder Stürme eintritt 1 ), einer fehlerhaften Bemessung 
des Aussaatquantums zuzuschreiben sein. Die Mittel der 
Abhülfe ergeben sich von selbst: eine dünnere Aussaat, und 
dadurch bedingte bessere Beleuchtung wird den Uebelstand 
vermeiden lassen. 

') Einzeln stehende Getreidepflanzen, wie solche zuweilen in Raps-, Hack- 
fruchtfeldern u. s. w. angetroffen werden, lagern sich selbst unter so ungünstigen 
Verhältnissen nicht, weil sie eben in sehr vollkommener Weise beleuchtet werden. 



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Widerstandsf&bigk. d. Kulturpfl. gegen ungünstige Witterungsverhältnisse. 303 



Nach Vorstehendem muß die vielfach verbreitete Ansicht, daß Stall- 
mistdüngungen oder Düngungen mit Fäkalien, überhaupt mit stickstoff- 
reichen Düngstoffen bei den Getreidearten direkt Lagert'rucht erzeugen, 
als eine irrige bezeichnet werden. Die betreffenden Düngemittel bedingen 
einen üppigeren Wuchs, besonders der Blätter, und führen dadurch 
indirekt eine stärkere Beschattung der Pflanzen herbei. Die Pflanzen 
zeigen daher, wenn sie bei demselben Saatquantum wie auf ungedüngtem 
Boden angebaut werden, alle Nachtheile eines zu dichten Standes. An 
dem Lagern ist also nicht der Stall- oder Fäkaldünger Schuld, sondern 
dem Uebelstande hätte durch dünneren Stand der Frucht (geringere 
Saatmenge) vorgebeugt werden können. 

Gegen das Lagern zeigt sich ferner das Drillen von nützlicher 
Wirkung. Die Belichtung der Pflanzen ist bei der Reihensaat eine voll- 
kommenere als bei der Breitsaat, wenn die Entfernung der Reihen nicht 
zu eng bemessen wurde. Der Reihenstand ermöglicht das Eindringen der 
Lichtstrahlen in die Pflanzendecke bis in größere Tiefen derselben, wäh-. 
rend bei den breitwürfig angesäeten Gewächsen wegen der durch den 
unregelmäßigen Stand hervorgerufenen gegenseitigen Beschattung der 
Pflanzen die Beleuchtung eine nicht unbeträchtliche Verminderung erleidet. 
Aus diesem Grunde sind die gedrillten Früchte, wie die Erfahrung übrigens 
hinlänglich gelehrt bat, weniger dem Lagern ausgesetzt als die breitgesäeten. 

Ist die Aussaat bereits geschehen und läßt ein dichter Pflanzenstand, 
üppige Entwickelung und feuchte Witterung ein späteres Lagern befürch- 
ten, dann muß danach getrachtet werden, durch Eggen, Walzen oder 
vorsichtiges Abweiden und Schröpfen einen Theil des Blattapparates zu 
entfernen, um dem Lichte möglichst genügenden Zutritt zu verschaffen. 



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304 



Physik der Pflanze: 



Neue Utteratur. 

II. Müller- Thurgau. üeber das Gefrieren o. Erfrieren der Pflanzen. 

Ii. Theil. Landwirtschaftliche Jahrbüclier. Bd. XV (1886). Heft 3/4. p. 453-609. 
Mit 4 Tafeln. 

Ueber Theil I. vergl. diese Zeitschrift Bd. III. p. 184-188. 

I. Die Eisbildung in gefrierenden Fflanzengetveben. 

a) Beobachtungen an Kartoffelknollen. Die Knollen wurden niederer 
Temperatur (—6°) ausgesetzt und danach längere oder kürzere Zeit im warmen 
Zimmer aufgethaut. Man sieht dann in denselben weiche, sich dunkelfärbende 
Flecke auftreten, zuerst in der Kambialzone und im Basaltheil der Knollen, also 
da, wo der Wassergehalt größer ist. An den erfrorenen Stellen waren Eisdrusen 
aufgetreten, die Zellen waren bis auf eine gewisse Entfernung von den Eisdrusen 
getödtet, im Uebrigen lebendig geblieben. Von diesen Stellen aus schreitet bei 
längerer Einwirkung der niederen Temperatur der Gefriervorgang auf die der 
Spitze näheren Kambiumtbeile, dann nach innen und außen fort, Letzteres zuerst 
in der Knollenbasis. Eigentümlich ist das Auftreten neuer Gefrierstellen zu einer 
Zeit, in der dort die Temperatur nicht unter —1° stand, obwohl zur Zeit der 
Ueberkältung (unter — 3°) kein Eis nachzuweisen war. „Wie aus den Versuchen 
hervorgeht, beginnt der Gefriervorgang in den Kartoffeln nicht überall gleichzeitig 
und schreitet auch nicht gleichmäßig und allmählich fort, sondern an einzelnen 
besonders hierzu geeigneten Stellen bildet sich zuerst Eis, hierdurch wird aber 
den in nächster Umgebung befindlichen Zellen sofort eine solche Menge Wasser 
entzogen, daß dieselben sich nach dem Auffhauen als getödtet erweisen; derselbe 
Vorgang wiederholt sich an anderen Stellen, bis die ganze Knolle gefroren ist.** 

b) Beobachtungen an Blättern. Auch diese müssen vor Eintritt des 
Gefrierens überkältet werden und beim Gefrieren steigt die Temperatur, wenn 
auch weniger Wärme frei wird und diese den Blättern weniger zur Erwärmung 
zu gute kommt. Beim Gefrieren lassen sich an den Blättern der meisten Pflanzen- 
arten Farbenveränderungen erkennen. Beim ersten Gefrieren treten auf der Fläche 
des Blattes oberseits oder unterseits hellere oder dunklere Flecken hervor, welche 
bei verschiedenen Pflanzen verschieden geformt sind. Die Lokalisirung des Er- 
frierens deutet auf bestehende Differenzen in den Blättern hin, welche den Ge- 
friervorgang verschieden rasch eintreten lassen. — Schon eine geringe Steigerung 
des Wassergehalts ermöglicht die Einleitung des Gefrierens bei weniger niedriger 
Temperatur. 

Beim weiteren Fortschreiten des Gefrierens entstehen meist keine neuen 
Flecken mehr, sondern die vorhandenen vergrößern sich, um schließlich mit einander 
zu verschmelzen. Die beim ersten Gefrieren eintretende Erwärmung verhindert 
die Entstehung neuer Flecken und bei erneuter Abkühlung schließen sich die 
gefrierenden Wassertheilchen leichter an die schon vorhandenen Eismassen an, 
als daß sich neue Eiskrusten bilden. Werden die Blätter nach Eintritt der ersten 



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Neue Litteratur. 



805 



Eisbildung aufgethaut, so zeigen sie ein verschiedenes Verhalten, bei den einen 
Pflanzen verschwinden die Flecken rasch, bei anderen ist das Zellgewebe abge- 
storben. Solche Blätter erscheinen demnach schon nach dem ersten Gefriervorgang 
mit abgestorbenen Flecken bedeckt. Solche Erscheinungen können auch in der 
freien Natur eintreten, wenn hier nicht bei fortgesetzter Abkühlung der Gefrier- 
vorgang fortschreitet, sondern selber rechtzeitig unterbrochen wird. 

II, Bestimmung der in gefrorenen Pjianzentheilen befindlichen 

Eismengen» 

Diese ergaben sich 

1. Bei voluminösen Pflanzentheilen (Aepfeln, Kartoffeln) aus der Temperatur- 
erniedrigung des Wassers, in welchem die gefrorenen Objekte aufthauten. 

Die gefrorenen Aepfel (und ähnlich die Kartoffeln) enthalten noch beträcht- 
liche Wassermengen in flüssigem Zustande, bei zunehmender Temperaturer- 
niedrigung gefrieren immer weitere Quantitäien. Selbst bei —15° war noch ca. 
'/i des Wassers ungefroren, es muß aber auch der Zellsaft zu dieser Zeit eine 
ganz bedeutende Konzentration besitzen. 

2. Bei Blättern aus dem Verlauf der Temperatur eines in einem kalten 
Räume befindlichen Blattes während der Abkühlung von 0° bis zum Ueberkältungs- 
punkte, im ungefrorenen Zustande, mit dem Verlaufe während des Gefrierens. 

Am raschesten geht die Eisbildung vor sich während des ersten Gefrierens, 
wenn die Temperatur bis. zum Gefrierpunkte steigt. Von da an nimmt der Ge- 
friervorgang erst langsam, dann schneller ab. Z. B. bei einem Kohlrabiblatt war 
die Eisbildung am ausgiebigsten etwa während der ersten 4 Minuten, in den 
folgenden 24 Minuten bildete sich pro Minute (pro 100 g Blattsubstanz) statt 
0,8 nur 0,7 g, in den folgenden 24 Minuten 0,48 g Eis. Im Ganzen entstanden 
bei der Abkühlung auf — 4,3« 41,32 g Eis, davon während des Steigens der 
Temperatur bis —1,2« 6,69, bis —1,5° 16,73 g. Als das Blatt auf —3° abgekühlt 
war, enthielt es 36,94 g Eis; von da bis zum Schluß des Versuchs bildeten sich 
nur noch 4,38 g. Bei stärkerem Abkühlen wird also fortgesetzt Eis gebildet. 

Das Aufthauen beginnt schon bei niederer Temperatur, am ausgiebigsten in der 
Zeit, in welcher die Temperatur des Kohlrabiblatts von —1,9 auf —1,1° stieg. 
Das Aufthauen geschieht also nicht erst bei 0°, je langsamer die Erwärmung 
stattfindet, bei um so tieferen Temperaturen werden bestimmte Grade des Auf- 
thauens erreicht. 

Bei todten Blättern liegt der Gefrierpunkt niedriger als bei lebenden. 

XTJ. Das Gefrieren von Holz und die Entstehung von Frostspalten» 

Im gefrorenen Holze finden sich Eisdrusen, wie in saftigen Geweben, nicht 
oder nur selten, dagegen läßt sich Eis in den Gefäßen und Holzfasern nachweisen. 

Die Entstehung von Frostrissen beruht der Hauptsache nach auf der stärkeren 
Zusammenziehung des Holzes in tangentialer gegenüber radialer Richtung, wobei 
gelegentlich die stärkere, frühere Abkühlung der äußeren Holzschichten mitwirken 
kann. Die stärkere tangentiale Zusammenziehung rührt von dem Wasseraustritt 
aus den Membranen bei der Eisbildung; wahrscheinlich machen sich besonders 
die Markstrahlen beim Zustandekommen der Frostrisse bemerklich, indem die- 
selben im gefrorenen Zustande weitaus schmaler sind als im ungefrorenen. — 



306 



Physik der Pflanze: 



Die Zusammenziehung des Holzes beginnt auch erst dann, wenn das Wasser der 
Innenräume gefroren und jenes der Membranen in die Eisbildung hereingezogen 
wird, deshalb erat bei verhältnißmäßig niedrigen Temperaturen. 

1 F. Bei welcher Temperatur findet da* Gefrieren und Aufthauen 

der rfianzen statt? 
Sämmtliche Pflanzentheile müssen überkältet werden, wenn in ihnen der 
Gefriervorgang eingeleitet werden soll. Die Bestimmung des Ueberkältungs- und 
Gefrierpunkts ist mit Schwierigkeiten verbunden. Der erstere ändert sich nach 
Individualität, Gesundheitszustand, Wassergehalt, Alter und anderen inneren 
Eigenschaften, auch zum Theil nach der Temperatur, durch welche das Erfrieren 
herbeigeführt wird. Es ist nicht möglich, für die verschiedenen Pflanzentheile 
den Ueberkältungspnnkt genau zu bestimmen. Ob die Abkühlung rasch oder 
langsam geschieht, hat auf Ueberkaltung und Temperaturverlauf beim Ge- 
frieren keinen wesentlichen Einfluß. Kühlt man die Pflanzen unter den Gefrier 
punkt, aber nicht bis zum Ueberkältungspunkte ab, z. B. Kartoffeln auf -2, 
Weintrauben auf —4,5°, junge Rebblätter auf —2°, so bildet sich auch in 
ihnen kein Eis, trotz längerer Einwirkung der niederen Temperatur, auf den 
Blättern treten auch die oben erwähnten Flecken nicht auf und sie bleiben un- 
versehrt. Blätter von Tulpen, Rosen, Bohnen, Maiglöckchen waren nach 8-stündigem 
Aufenthalte bei — 3° und noch tieferen Temperaturen unversehrt, da bei diesen 
Temperaturen der Ueberkältungspunkt nicht erreicht war, während der Gefrier- 
punkt bei —1° oder höher liegt. In einer Tabelle sind die Ueberkältungs- und 
Gefrierpunkte für eine Reihe von Gewächsen mitgetheilt: dieser seien die folgenden 
Beispiele entnommen. 

Ueberkältungspunkt Gefrierpunkt Temperatur der Umgebung 



Laubblätter von 


Grmd 


Grad 


Grad 


Begonia 


-4,6 


-1,4 


-7,0 


Cineraria 


-2,4 


-2,0 


-7,5 


Datura arborescens 


-4,3 


-1,25 


-5,5 


Fuchsia 


-6,8 


-1,5 


-11,5 


Heden 


—3,45 


-2,18 


-4,2 


Opuntia 


-1,16 


-0,15 


-4,5 


Phajus 


-6,8 


-1,45 


-8,0 


Phaseolus vulg. 


-5,6 


-0,9 


-7,5 


Zea Mais 


— 7,35 


-2,6 




Blüthenblätter von 








Cypripedium 


-4,5 


-1,1 


-7,0 


Phajus 


-6,0 


-0,58 


-7,3 


Früchte 








Trauben 


-7,85 


-3,1 


-12,0 


Aepfel 


-2,1 


-1,4 


-7,0 


Birne 


-3,25 


-1,6 


-7,0 


Reservestoffbehälter 








Zwiebel 


-3,5 


-0,9 


-5,0 


Kartoffel 


-3,0 


-1,0 





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Neue Litteratur. 



307 



lYbcrkaltungspunkt Gefrierpunkt Temperatur der Umgebung 



Grad Grad Grad 

Kartoffel lebend, nicht süli -5,1 -1,0 -9,0 

„ todt, „ . -8,5 -0,5 -9,0 

Holz 

Apfelstamm — 7,2 — —10,0 

Birne —3,9 -0,22 —7,4 

Altes Rebholz —0,05 -2,85 -9,6. 



Es ist schon erwähnt, daß es eine ganze Reihe von Umstünden ist, welche 
den Ueberkältungs- (zum Theil auch den Gefrier-) Punkt verschieben, und müssen 
sich diese Verschiedenheiten auch in der freien Natur bemerklich machen. Daß 
die Gefrier- (und meist auch die t'eberkültungs-) Punkte lebender Pflanzeutheile 
tiefer liegen als bei todten, stellte sich auch bei diesen Versuchen heraus. 

Auch die Temperaturverhültnisse während des Aufthauens resp. die schmelzen- 
den Eismengen wurden für mehrere PHanzentheile verfolgt. Das Aufthauen geht 
nicht mit der Gesetzmäßigkeit vor sich wie das Gefrieren, so daß sich allgemein- 
gültige Regeln hierfür schwer aufstellen lassen. Daß das Aufthauen schon unter 
0° geschieht und bei langsamem Aufthauen bis zur Erreichung eines bestimmten 
Temperaturgrades größere Eismengen schmelzen, ist oben schon angegeben. 

V. Worin besteht das Erfrieren der Pflanzen? 

Verf. scheidet die verschiedenen Folgen niederer Temperatur, welche auch 
zum Tode führen können, ab von dem eigentlichen „Erfrieren", der Todesart, 
welche die direkte Folge des Gefrierens (mit den bekannten Folgeerscheinungen) ist. 

VI. Was ist die Ursactie des Erfrierens? 

Der Tod des Protoplasmas (die Zerstörung des organisirten Aufbaus) könnte 
durch die niedere Temperatur als solche oder durch die Wasserentziehung beim 
Gefrieren oder durch die Vorgänge beim Aufthauen bewirkt sein. Auf Grund 
seiner Versuche, bei welchen die Pflanzen unter den Gefrierpunkt abgekühlt waren, 
ohne Schaden zu nehmen, während sie schon bei höheren Temperaturen getödtet 
werden, im Falle Gefrieren eintritt, ist Verf. der Ansicht, daß der Tod nicht 
durch die niedere Temperatur als solche, sondern erst durch das Gefrieren hervor- 
gerufen wird: ohne vorausgehendes Gefrieren kann kein Erfrieren stattfinden. 
Es fragt sich nun, wie es sich hierbei mit der Raschheit des Aufthauens verhält. 

Es ist nicht möglich, die ausführliche Diskussion, welche Verf. dieser wichtigen 
Frage widmet, im Einzelnen zu verfolgen. Wir müssen uns darauf beschränken, 
die Schlüsse anzuführen, zu welchen Verf. selbst gekommen ist. 

„Seit Jahren habe ich mich mit Lösung dieser Frage beschäftigt, viele Hunderte 
von Pflanzen bei den verschiedensten Temperaturen gefrieren und langsam auf- 
thauen lassen und niemals eine Pflanze durch langsames Aufthauen retten können, 
die bei schnellem Aufthauen zweifellos sich als getödtet erwiesen hätte." Viele 
hierher bezogene Erscheinungen leiden theils an Versuchsfehlern, theils sind sie 
anderweitig zu erklären, theils überhaupt unrichtig aufgefaßt, z. B. wenn angegeben 
wird, daß gefrorene Aepfel u. dergl. durch Verbringen in Wasser von 0" gerettet 
werden können in Folge langsamen Aufthauens, so stellt sich heraus, daß ein Apfel 
in Wasser von 0° zum vollständigen Aufthauen 3 Stunden 40 Minuten, in Luft 
E. Wollny, Forschungen 13?. *l 



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806 



Physik der Pflanze: 



von 5,2— 5,5 «beinahe die doppelte Zeit brauchte! „Ein Rückblick auf das in diesem 
Abschnitte Mitgetheilte zeigt, daß der Anschauung, das rasche Aufthauen gefrorener 
Pflanzen sei die Todesursache, stichhaltige Beweise fehlen; daß im Gegentheil vielfaltig 
und in verschiedener Weise ausgeführte Versuche geradezu die Unrichtigkeit der- 
selben darthun. Wenn es aber durch langsames Aufthauen nicht gelingt, Pflanzen- 
theile zu retten, die bei schnellem Aufthauen zu Grunde gingen, so fehlt vorläufig 
jeglicher Grund, den Moment des Absterbens in die Zeit des Aufthauens zu ver- 
legen. Vielmehr wird man zu der Ansicht gelangen, daß das Erfrieren durch das 
Gefrieren selbst verursacht wird und während desselben stattfindet. Für einzelne 
Fälle (Calanthc, Phajus) liegt ja ein direkter Beweis vor. Diesbezügliche Unter- 
suchungen haben nun dargethan, daß die wesentlichste Veränderung, welche beim 
Gefrieren vor sich geht, in einer Wasserentziehung aus den Zellen besteht, und 
ich sehe keinen Grund ein, warum man nicht diese Wasserentziehung selbst als 
die Todesursache betrachten soll. Mit dieser Anschauung stimmt recht gut über- 
ein, daß der Wassergehalt der Zellen die Gefahr des Erfrierens ganz wesentlich 
beeinflußt und sämmtliche das Erfrieren betreffende Tbatsachen sind mit dieser 
Anschauung leicht in Einklang zu bringen. Es wäre jedoch unrichtig, wollte man 
annehmen, der Wassergehalt eines Pflanzentheils bedinge allein die Gefahr des 
Erfrierens. Im Gegentheil sind andere Timstände, namentlich die sonstige Be- 
schaffenheit des Protoplasmas, in der Regel ausschlaggebend." 

VII. Schutz- und Heilmittel. 

1. Die inneren Eigenschaften der Pflanzen betreffende Schutz- 
maßregeln. 

In dieser Zusammenstellung der namentlich beim Obst- und Weinbau üb- 
lichen Schutzmittel stellt Verf. obenan die richtige Auswahl der Kulturpflanzen, 
nämlich solcher Varietäten, welche in Folge ihrer Herkunft als widerstandsfähig 
gegen Frost betrachtet werden können, dann die Neuzüchtung frostharter Varie- 
täten aus zufällig aufgetretenen frostharten Individuen. Ferner kann durch ge- 
eignete Kultur, richtige Ernährung tu s. w., überhaupt Alles, was die Pflanzen 
gesund und kräftig macht, die Frostgefahr vermindert werden, wofür die Er 
fahrungen der Frostjahre viele Belege geliefert haben. Sehr wichtig ist auch die 
Beförderung des Eintritts der Ruheperiode (Entblättern ist nach Verf. ohne Vor 
theil) und Erhaltung derselben durch Schutz der Pflanzen und des Bodens gegen 
zu frühzeitige Erwärmung. 

2. Aeußerlich angebrachter Schutz. 
Bedecken mit Erde, Schnee u. dergl. Räuchern der Weinberge. Diese 
letztere Maßnahme ist namentlich sehr ausführlich besprochen; ein besonderer 
Abschnitt enthält geschichtliche Darlegungen hierüber. 

3. Heilmittel (Behandlung frostbeschädigter Pflanzen). 

Es handelt sich hier im Wesentlichen um die weitere Behandlung theilweiser 
Frostschäden bei Holzpflanzen. Wir müssen bezüglich der von den Obstbaum- 
Züchtern angewandten Mittel, die wohl noch zum Theil erst der Aufklärung durch 
physiologische Untersuchung bedürfen, auf das Original verweisen. C. K. 

J. Schwendener. Untersuchungen über das Saftsteigen. Sitzungsber. 
d. k. preuß. Akad. d. Wissensch. zu Berlin. Sitzg. vom 8. Juli 1886. 42 8. 



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Neue Litteratur. 



309 



.Die Vertreter der neueren Auffassung (daß die Hohlräume der Tracheiden 
und Gefäße die Strömungsbahn der Wasserbewegung sind) haben es nicht an 
Versuchen fehlen lassen, welche darauf abzielen, das Zustandekommen der Be- 
wegung in den genannten Hohlräumen nach physikalischen Principien zu erklären. 
Wir besitzen bereits eine ziemliche Anzahl hierauf bezüglicher „Theorien" . . . 
Unser Wissen über die Vorgänge, welche im Holzkörper der Bäume sich abspielen, 
ist aber noch immer so lückenhaft, daß jede wirkliche Bereicherung nach dieser 
Seite hin werthvoll erscheint. Erst wenn die experimentelle Forschung die nöthigen 
Grundlagen geschaffen, kann der Aufbau einer wissenschaftlichen Theorie des 
Saftsteigens um einen Schritt weiter geführt werden." Diese Mittheilung liefert 
Beiträge zur Entscheidung verschiedener Vorfragen. 

J. Inhalt der Gefäße und Tracheiden des Holzkörpers, 

Entgegen der Auffassung, daß der Inhalt in Luft und Wasser bestehe, war 
behauptet worden, die wasserleitenden Organe enthielten entweder Wasser oder 
Wasserdampf, aber keine Luft. Speciclle Beobachtungen an unter Luftabschluß 
ausgebohrten Holzzapfen von Laub- und Nadelhölzern ergaben ausnahmslos, daß 
die erst erwähnte Ansicht die richtige ist: neben Wasser ist auch (von der Periode 
größter Saftfülle abgesehen) Luft in den Gefäßen und Tracheiden vorhanden, wo- 
bei die Luftblasen gewöhnlich im mittleren Theil der Zellen liegen. Nach den 
Messungen befand sich in jedem Gefäße der untersuchten Laubhölzer eine Jamin'sche 
Kette, deren Luftblasen (bei Atmosphärendruck) im Durchschnitt etwa eine Länge 
von 6,33 mm hatten, während die damit alterirenden Wassersäulen nur etwa 
6,14 mm lang waren. 

II. Verhalten der Jamin'schen Kette. 

Welche Bewegungsvorgänge finden in dieser Kette bei Druckdifferenzen statt 
oder, in Anwendung auf den Holzkörper und die Wasserbewegung, auf welche 
Strecke machen Saugwirkungen am einen Ende ihren Einfluß geltend? 

Der Druck, welcher nothwendig ist, um durch genügend safthaltige Holz- 
atücke eine Luftströmung hervorzubringen, giebt Aufschluß über die Größe des 
Widerstandes der Kette in den Gefäßen und, bei bekannter mittlerer Länge der 
Luftblasen und Wassersäulen, jeder einzelnen Wassersäule. Der Widerstand ist 
sehr erheblich; z. B. um durch frische Wurzelstücke der Rothbuche von 120 mm 
Luft zu treiben, war ein Wasserdruck von 1200 mm nothwendig. Aus den Ver- 
suchen berechnet sich pro Gliederpaar (je eine Luft- und Wassersäule zusammen) 
der Widerstand auf 5—10 mm Wasserdruck. Aus verschiedenen Gründen muß 
aber behauptet werden, daß dieser Widerstand gegen Verschiebung zu gering ist 
und thatsächlieh um das Mehrfache höher angesetzt werden muß. 

Nehmen wir an, an einem Ende einer aufrechten Kette mit 1 mm langen 
Luftblasen und Wassersäulen finde eine längere Saugwirkung statt. Der Wider- 
stand eines Gliederpaares betrug 9, der Gesammtwiderstand also 10 mm Wasser. 
Schon in der 1000. Luftblase abwärts müßte Atmosphärendruck herrschen, die 
Läage der Kette, soweit sie durch die Saugwirkung beeinflußt wird, betrüge 
3000 mm. Berechnet man die Kettenlünge für die Gefäße, so ergiebt sich nach 
Korrektur des Reibungswiderstaudes und auf Grund der Messungen der Glieder- 
längen nur ein Werth von 2-3 m: unter Annahme, daß keine osmotische Saug- 
st • 



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310 



Physik der Pflanze: 



Wirkung am oberen Ende stattfindet, kann die durch Transpiration bedingte Saug- 
wirkung in den Gefäßen nur auf die dünneren Aeste sich erstrecken, auf keinen 
Fall bis zu den Wurzeln eines höheren Baumes sich fortsetzen. Da der Saft- 
auftrieb von untenher in den Gefäßen bei entfalteten Blättern auch nur auf geringe 
Höhe geschehen kann, bleibt zwischen Saugung von oben und Druck von unten 
eine oft lange Strecke, in der die Fortbewegung durch anderweitige Kräfte ge- 
schehen müßte. 

III, Das IVassernetz im Tracheidetvsystem des Hohlkörpers. 

Ein zweites, Luftblasen und Wassertropfen enthaltendes, bei genügendem 
Wassergehalt zur kontinuirlichen Kette gereihtes System sind die ringsum ge- 
schlossenen Tracheidcn (und Libriformzellen), in welchen wegen ungleicher Permea- 
bilität der Zellmembran für Luft und Wasser nur letzteres sich fortbewegt, während 
erstere an Ort und Stelle bleibt, sonst aber wie in den Gefäßen durch Spannungs- 
änderungen aktiv auf die Wasserbewegung einwirkt. Wie weit wirkt Luftverdünuung 
in diesem System bewegend abwärts? 

Die Widerstände sind verschieden je nach dem Saftgehalte des Holzes. Bei- 
spielsweise vermochte ein Druck von 1,20 m in einem 10 m langen saftreichen 
Sproß (mit zusammenhängenden Wasserfäden) die Filtrationswiderstände zu über- 
winden, also ein Atmosphürendruck wäre im Stande, Wasser im Libriform unter 
der angegebenen Bedingung 8,80 m zu heben. Bei steigendem Luftgehalte wird 
immer größerer Druck erforderlich, um das Wasser in Tracheiden in Bewegung 
zu setzen. Und nach den bisherigen Erfahrungen enthalten die Stämme der 
meisten höheren Bäume während der Sommermonate keine zusammenhängenden 
Wasserfäden. 

lieber die faktische Tragweite der durch Verdunstung bewirkten Saugung 
gewähren die am lebenden Baum iu verschiedenen Höhen vorgenommenen Mano- 
meterversuche einige Fingerzeige. Z. B. eine junge Eiche zeigte am 7. Juni inner- 
halb der Krone lebhaftes Saugen; ein Manometer in mittlerer Höhe reagirte sehr 
schwach, ein zunächst der Basis befindliches zeigte gar keine Veränderung. Trotz 
warmer Witterung war die Saugwirkung kaum über die Mitte des noch jungen 
Stammes nach abwärts fortgeschritten. Sie dauerte am anderen Tage noch fort, 
obwohl es die ganze Nacht hindurch geregnet hatte. Erst nach einigen weiteren 
regnerischen Tagen zeigten sich im mittleren Stamm osmotische Wirkungen, 
während das Saugen aufhörte. Die Wasserbewegung in einem Baum muß hier- 
nach nur sehr langsam vor sich gehen, pro Sominertag vielleicht nur 3—5 m. 

Da nach den Erläuterungen des Verf. die eigentlichen Tracheiden (die hof- 
getüpfelten Zollen) als wasserleitende Organe bester Qualität zu bezeichnen sind, 
so hat es Interesse, das Fehlen oder Vorkommen solcher Zellenformen bei ver- 
schiedenen Gewächsen nachzuweisen. Es ist hier eine auszügliche Uebersicht der 
von E. L. Gregory diesbezüglich gemachten anatomischen Untersuchungen ein- 
geschaltet. 

Als Hauptresultat der Erfahrungen ScVa ist anzuführen, daß 
die Saugung der Krone im Verein mit dem Wurzeldruck und den in 
Gefäßen und Tracheiden wirksamen physikalischen Kräften nicht 
ausreicht, um das Saftsteigen in höheren Bäumen zu erklären. 



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Neue Litteratur. 



311 



IV. Kritische Bemerkungen. 

Diesem Abschnitte entnehmen wir die Darlegungen über das Verhältniß 
zwischen Kapillarität und Imbibition, w elche namentlich von Sachs als grundsätzlich 
verschieden hingestellt wurden. Verf. bleibt bei einer früheren Auffassung stehen, 
daß sich zwischen Kapillarität und Imbibition keine Grenzen ziehen lassen, weder 
hinsichtlich der Größe der Räume, in denen sich die Flüssigkeit bewegt, noch 
nach allenfallsigen Volumänderungen der festen Substanz. Das Volum kann ab- 
und zunehmen. Die Wassersäule trachtet die Wände, zwischen denen sie auf- 
steigt, einander zu nähern, erst wenn der Kanal so eng wird, daß die Anziehung 
zwischen fester Wandfläche und Wasser größer wird als der halbe Abstand der 
opponirten Wände, wird Volumzunahme eintreten. In Konsequenz dieser Auf- 
fassung muß selbstverständlich die Fortbewegung einer Flüssigkeit in recht engen 
Kanälen enorme Reibungswiderstände überwinden, also auch äußerst langsam vor 
sich gehen. Abgeschnittene Aeste, mit dem unteren Ende in Wasser gestellt, 
vertrocknen einfach von oben nach abwärts! 

Die Theorieen von Vesque, Böhm, R. Hart ig, Elf fing, Godletcski leiden 
sämmtlich an physikalischen Unmöglichkeiten. Verf. ist der Ansicht, daß die 
Parenchymzellen des Holzes zur Erklärung der Wasserbewegung beigezogen werden 
müssen, wenn auch zur Zeit noch keine befriedigende Einsicht in das Spiel der 
Thätigkeit dieser Zellen erlangt ist. C. K. 

G. Haberlandt. Ueber das Assimilationssystem. Berichte der deut- 
schen botan. Ges. Bd. IV (1886). Heft 6. S. 206-236. 

Während Stahl Form und Stellung der assimilirenden Zellen aus den Be- 
leuchtungsverhältnissen erklärt, sieht Verf. im anatomischen Bau das Princip der 
Oberflächenvergrößerung, namentlich aber jenes der Stoffableitung auf möglichst 
kurzem Wege befolgt. Für diese seine Ansicht bringt hier Verf. weitere Be- 
lege bei. 

1. Es ist richtig, daß bei einer Anzahl von Pflanzenarten die Chlorophyll- 
körner der Palissadenzellen der Lichtrichtung und den Lichtintensitäten ent- 
sprechende Stellungsänderungen vollziehen, so daß z. B. die Querwände der 
Palissadenzellen bei schwachem Lichte von Chlorophyllkörnern besetzt, im stär- 
keren Lichte davon frei sind. Indessen sind die Pflanzen mit solchen Stellungs- 
änderungen nicht häufig und es kommen Lagerungsverhältnisse vor, welche der 
.S'taM'schen Theorie widersprechen. In der weitaus überwiegenden Mehrzahl der 
Fälle wird durch einen Beleuchtungswechsel keine Aenderung in der Vertheilung 
und Orientirung der Chlorophyllkörner veranlaßt. Ferner giebt es zahlreiche 
Fälle (Blätter mit lockerem Bau des Palissadengewebes), in welchen die Quer- 
wände der Palissadenzellen auch dann stets von Körnern entblößt sind, wenn sie 
eine geneigte oder zur Organoberfläche nahezu senkrechte Stellung zeigen, während 
die Seitenwände trotz ungefährer Parallelität zur Organoberfläche mit Chlorophyll- 
körnern besetzt bleiben, l'ebrigens ist zu bemerken, daß das Licht beim Ein- 
dringen in ein Blatt durch Reflexion, Absorption und Zerstreuung rasch geschwächt 
wird, ferner in der freien Natur das Sonnenlicht niemals dauernd senkrecht auf 
die Laubblattfläche fällt. Für Chlorophyllkörner der tiefer liegenden Zellen fällt 



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312 



I 

Physik der Pflanze: 



• 

demnach jedenfalls die Veranlassung weg, in Profilstellung zu gehen, es kann 
demnach auch die bevorzugte Ausbildung der zur Organflache senkrechten Seiten- 
wände nicht den Zweck haben, die Profilstellung der Chlorophyllkörner zu ennog- 
lichen. Der Satz dagegen: „Im specifischen Assimilationsparenchym, dem Palissaden- 
gewebe, sind jene Zellwände, durch welche sich der Strom der auswandernden 
Assimilate bewegt, von Chlorophyllkörnern entblößt", gestattet, die anatomischen 
Verhältnisse in ihrer physiologischen Bedeutung zu verstehen, wie an verschiedenen 
Beispieleu neuerdings erläutert wird. 

2. Als Beleg der StahVschen Theorie war auch beigebracht worden, daß in 
den Blättern und assimilirenden Stengeln verschiedener Pflanzen die Zellen des 
Assimilationsgewebes in direkter Accomodation an die Beleuchtungsrichtung sich 
schief zur Oberfläche stellen. Diese Schiefstellung tritt aber auch unter Verbält- 
nissen auf, welche den Einfluß des Lichtes ausschließen (schon in ganz jungen 
Blättern in der Knospenlage oder unter der Erdoberfläche), auch können die 
Palissadenzellen in überhängenden Blättern spitzeinwärts gestellt sein und hier- 
durch in ganz „zweckwidriger - Lage sich befinden. Die Schiefsteilung ist nicht 
durch das Licht bedingt, sondern rührt von passiven Verschiebungen durch Wachs- 
thum und Streckung anderer Gewebselemente her. 

3. Auch der Umstand, daß bei Schattenblättern gegenüber Sonnenblättern 
der gleichen Art das Palissadengewebe sich weniger ausbildet, kann zur Erklärung 
der Form und Orientirung der Palissadenzellen nicht herangezogen werden. 
Palissaden entwickeln sich auch im Schatten und sogar auf der Unterseite von 
Schattenblättern; die Abnahme des Palissadengewebes braucht nicht mit Zunahme 
des Schwammgewebes verbunden zu sein, so daß also eigentlich nicht das Palissaden- 
gewebe im Schatten als das Schwammgewebe zunimmt, sondern nur das Palissaden- 
gewebe schwächer wird. Die Pflanze trägt wie überhaupt, so auch in diesem 
Falle bei der Ausbildung ihrer Apparate der Gunst oder Ungunst der äußeren 
Verhältnisse in einer für sie vortheilhaften Weise Rechnung. 

4. Die Bauprincipien des Assimilationssystems. In diesem Abschnitte sind 
verschiedene Einwürfe gegen das Princip der Stoffableitung auf möglichst kurzem 
Wege behandelt und weitere einschlägige Fälle beschrieben, denen entnommen 
wird, daß es bei der gestreckten Form der Assimilationszellen auf das Princip der 
Stoffableitung, nicht aber auf deren zur Organfläche senkrechte Stellung ankommt. 

C. K. 

Wortmann. Theorie den Winden*. Botanische Zeitung. 1886. 
Nr. 16—21. 

Während die Vorgänger des Verf. das Winden außer auf die revolutite 
Nutation und den negativen Geotropismus noch auf besondere mitwirkende Faktoren 
(durch die „Greifbewegung" bewirkte Spannungen; Reizbarkeit) zurückzuführen 
suchten, hält Verf. Nutation und Geotropismus allein für ausreichend, um die 
verschiedenen Windungsbewegungen aufzuklären. Reizbarkeit ist überhaupt nicht 
vorhanden, und die Greifbewegungen könnten nur als sekundär nützlich bei dicken 
Stützen in Betracht kommen, während sie bei dünnen Stützen, um welche am 
regelmäßigsten gewunden wird, nur verhältnißmäßig selten und höchstens mit ge- 
ringem Drucke zur Ausführung kommen. Bei sehr dicken Stützen wächst die 
Stengelspitze oft der Stütze stetig angedrückt weiter. 



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Neue Litteratur. 



313 



Wird der Stengel einer Windepflanze vor dem Umsinken seiner Spitze be- 
wahrt, so werden von dem Gipfel zunächst eine oder einige flach ansteigende 
Spiralen gebildet; unter fortwährender Neubildung solcher Windungen verengern 
die schon gebildeten ihren Durchmesser, der Stengel wird völlig gerade und vertikal. 
„Während ein gewöhnliches orthotropes Internodium geradlinig, in der Verti- 
kalen aufwärts wachsend sich streckt, findet, wenn das Umsinken des Stengels 
verhindert wird, die Streckung des Internodiums der Schlingpflanzen in Richtung 
einer Anfangs flachen, und steiler werdenden Schraubenlinie statt; der Schlußeffekt 
ist aber auch in diesem Falle derselbe, nämlich vertikale Richtung des aus- 
gewachsenen Internodiums. Diese Grundbewegung des wachsenden Internodiums 
der Schlingpflanzen ist der Schwerpunkt, von welchem man bei einer Erklärung 
des Windevorgangs auszugehen hat." In einer nicht näher erörterten Weise sieht 
Verf. in diesen schraubenlinigen Bewegungen das Ergebniß der Zusammenwirkung 
von negativem Geotropismus und kreisender Nutation, welche in jedem kleinsten 
Querabschnitt vorhanden sind; die Bedeutung der Stütze besteht nur darin, daß 
sie ein Hinderniß ist für die Geradstreckung des in schraubenliniger Bewegung 
begriffenen Stengels. Wie schon frühere Autoren findet auch Verf., daß bei Ver- 
wendung von dünnen Stützen erst flache freie Windungen entstehen, welche sich 
im Fortschreiten der bisherigen Wachsthumsbewegungen (nicht durch Geotropis- 
mus allein) allmählich verengern und um so früher der Stütze anlegen, je dicker 
diese ist. Die Streckung geht in der Schraubenlinie fort, wobei sich die Zahl 
der fertigen Windungen vergrößert. 

Die bei experimentellen Untersuchungen auftretenden verschiedenen Er- 
scheinungen sucht Verf. durch die schraubenlinige Bewegung zu erklären, so das 
Abwickeln beim Umkehren einer Windepflanze u. s. w. Bei der Rotation um 
eine horizontale Achse erlischt die rotirende Nutation, zufolge der „Rectipetalität" 
streckt sich der Stengel gerade. 

Wie schon für Sachs sind auch für den Verf. die ohne Stütze gebildeten, 
sogenannten freien Windungen von principieller Bedeutung, indem nämlich in 
ihnen die den Schlingstengeln eigenthümliche Wachsthumsweisc zum Ausdrucke 
kommt, anderen Auffassungen gegenüber, welche in diesen freien Windungen ein 
abnormes Verhalten ersehen wollen. Allerdings gelangen solche freie Windungen 
in der Natur nur in besonderen Fällen zur Beobachtung; ist der über die Stütze 
hinaus gewachsene Sproßtheil leicht und steif genug, um sich aufrecht zu erhalten, 
so bildet er auch freie Windungen, ebenso wenn Retardationen des Längenwachs- 
thums eintreten. Bei kräftigem Wachsthum verengern sich die flachen Windungen 
rasch, der Stengel bekommt eine langgezogene S förmige Gestalt, genauer fast 
gerade gestreckte Schraubenwindungen. Hängt der Sproß vollends über, so kommt 
er in Drehung, womit eine Bildung neuer Schraubenlinien unmöglich wird. Wird 
die Drehung verhindert, so tritt auch in diesem Falle schraubenlinige Aufrich- 
tung ein. 

Einen Umstand, der die klare Einsicht in die Windungsvorgänge erschwert 
und dazu veranlaßt hat, deu Hauptvorgang durch Nebensächliches zu verdecken, 
bilden die Torsionen der Schlingpflanzen. Die Ansichten über deren Richtung und 
Ursache sind verschieden, meist aber werden die homodromen aus inneren, die 
antidromen aus äußeren Ursachen erklärt. Nach Verf. sind die homodromen 



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314 



Physik der Pflanze: 



Torsionen nichts als eine fortgesetzte schraubenlinige Bewegung des wachsenden 
Stengels, so daß dieselben Ursachen, welche zum Winden führen, auch homo- 
drome Torsionen hervorrufen. Wenn die Torsionen zahlreicher sind als die 
Windungen, so erklärt sich dies daraus, daß auch die gerade gewordenen, noch 
wachsenden Stengel um sich selbst gedreht weiter wachsen. Die homodromen 
Torsionen bei horizontalliegenden Stengeln sind der Ausdruck des Bestrebens zur 
schraubenförmigen Aufrichtung, welches durch das Eigengewicht der Sprosse 
unterdrückt wird. Beim Winden um dünne Stützen beobachtete Verf., wenn nicht 
äußere Umstände hinzutraten, jedesmal das Auftreten homodromer Torsionen. Ist 
aber die freie Bewegung des Gipfels durch irgend welche äußere Ursachen gehindert, 
z. B. bei der Greifbewegung, so entstehen antidrome Torsionen. C. K. 

S. Schwendener. Zur Wortmann'schen Theorie des Winden*. Sitzungs- 
bericht d. k. pr. Ak. d. Wiss. zu Berlin. Sitzg. vom 22. Juli 1886. 

Verf. unterzieht die eben gegebene Darstellung Wortmanri* einer scharfen 
Kritik, die darin gipfelt, daß die durch die „Greifbewegung" bewirkten Spannungen 
zum Geotropismus und der rotironden Nutation nothwendig sich addiren müssen, 
um bleibende Windungen an der Stütze hervorzubringen 1 )- 

1. Die Greifbewegung braucht nicht auf den Bogen, dessen oberes Ende 
die Terminalknospe bildet, beschränkt zu sein, es ist bloß nöthig, daß ein be- 
liebiges, die Stütze etwa halb umfassendes Stengelstück nach Herstellung des 
Kontakts an den beiden Enden sich noch weiter zu krümmen strebt, es können 
auch gleichzeitig mehrere Bogen wirksam sein. Diese Greifbewegungen sind bei 
jeder Schlingpflanze innerhalb der nutirenden Strecke vorhanden. 

2. Die lockeren Windungen, welche der Sproßgipfel bei Anwendung faden- 
förmiger Stützen ohne alle Kontaktwirkung bildet, sind für das Winden entbehrlich. 
Oft kommen sie nicht zu Stande und wo sie entstehen, sind sie zum großen Betrag 
vergänglich und liegt keine Gewähr dafür vor, daß das, was an ihnen Bleibendes 
ist, das spätere Abgleiten oder Abwickeln von der Stütze zu verhindern vermag. 

3. Wenn Schlingstengel bei sehr dicken Stützen an der Oberfläche fort- 
wachsen, so spricht dies im Gegentheil gegen die Notwendigkeit der Greifbe- 
wegung. Gerade bei diesem „Greifen", welches dann allerdings ein „Festhalten" 
ist, kommt das Maximum der Arbeitsleistung der Greifbewegungen zu Stande. 

4. Wenn man einem Stengel, der um eine dicke Stütze gewunden hat, diese 
nimmt und eine dünne einschiebt, so legen sich die jüngeren Windungen unter 
Zunahme ihrer Zahl der neuen Stütze mehr weniger an. Dieser Vorgang kann 
aber mit dem freien Wachsthum des Sproßgipfels nicht verglichen werden, es 
handelt sich einfach um Ausgleich der Spannungen, wobei sich der Stengel 
nicht zu verlängern braucht, auch ist bei der raseben Abwickelung des Vorgangs 
Mitwirkung von Geotropismus und Nutation unwahrscheinlich. 

•V Wenn die freien Windungen, welche ohne Zuthun der Stütze durch 
Nutation und Geotropismus entstehen, auch nach Aufhören der Nutation noch 
eine Schraubenlinie bilden würden, so müßte diese eine ganz bestimmte, die loth- 
rechte, Stellung einnehmen. Wird aber eine Windeprlanze nach einer seitlichen 
Stütze abgelenkt, so bedarf es hierzu einer seitlichen, von Nutation und Geotropis- 
mus unabhängigen Kraft, als welche einstweilen nur die Greifbewegung übrig bleibt 

>) Vcrgl. diese Zeitschrift. Bd. V o. vüg -s7o. 



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Neue Litteratur. 



315 



„Die vorstehende Beweisführung kann jetzt auch folgendermaßen formulirt 
werden. Es ist Thatsache, daß unterhalb der freien Windung des Sproßgipfels 
noch wiederholte Greifbewegungen der nutirenden Internodien stattfinden und daß 
dadurch (neben der wirklichen antidromen Torsion) bleibende Krümmungen nach 
der Stütze hin zu Stande kommen. Erst durch diese neu hinzukommenden Dauer- 
krümmungen, die sich mit den eventuell gegebenen der freien Windung kombiniren, 
wird demzufolge der definitive Zustand hergestellt und natürlich ohne Ueberschuß. 
Daraus folgt aber, daß die freie Wendung für sich allein einen ausreichenden Betrag 
bleibender Krümmung nach der Stütze hin nicht zu liefern vermag, die Mitwirkung 
der Greifbewegung also durchaus nothwendig ist. Aber noch mehr: die freie Windung 
des Gipfels kann vollständig fehlen, ohne daß der Vorgang des WMndens dadurch 
gestört würde. Die Arbeitsleistung der Greifbewegung müßte vielleicht in diesem 
Falle etwas höher veranschlagt werden; dafür dauern aber auch die Notationen 
lange genug, um selbst beträchtlich erhöhten Anforderungen entsprechen zu können. 
Die Vorarbeit der freien W T indung ist also ganz und gar überflüssig. u C. K. 

J. Wortmann, Einige Bemerkungen zu der von Schwendener gegen 
meine Theorie des Windens gerichteten Erwiderung. Botan. Zeitung 1*86. 
Nr. 35. 

ad 2. Die freien Windungen, welche sich aus geotropischen und Nutations- 
krümmungen zusammensetzen, sind nicht vergänglich, da nicht allein der geo- 
tropische Antheil bleibend ist, sondern auch die Nutationsbewegungen fortdauern, 
so lange der Stengelabschnitt wächst. Die fortdauernde Kombination dieser beiden 
Bewegungsarten muß ein Anlegen an die Stütze zur Folge haben. — Nicht bloß 
der Sproßgipfel, sondern jeder Abschnitt des Stengels, so lange er überhaupt 
wächst, ist in der Windebewegung (schraubenliniger Streckung) begriffen. 

ad 3. Wenn auch beim Winden um dicke Stützen die Greifbewegungen 
sehr ausgiebig sind, so ist damit deren Notwendigkeit noch nicht bewiesen. 

ad 4. Verf. bleibt bei seiner Deutung, daß das Anlegen der um eine dickere 
Stütze gebildeten Windungen an eine dünnere ein Wachsthumsvorgang d. h. durch 
Wachsthum bewirkte Ausgleichung geotropischer und Nutationsspannungen ist. 
Auf die Angabe Schtrendener's, daß laut Messungen bei dieser „Streckung" die 
Internodien sich nicht verlängerten (Verf. leitet das Statthaben von Wachsthum 
bei diesem Vorgange aus allgemeinen Gründen ab), wird nichts bemerkt. 

ad 5. Die Zusammenwirkung von Nutation und Geotropismus genügt auch, 
das Winden um schräge Stützen zu verstehen, soweit die Kombination der ob- 
waltenden Verhältnisse das Winden überhaupt zu Stande kommen läßt. ('. K. 

G. Krabbe. Das gleitende Wach st hn in bei der Gewebeblldnng der 
Gefaßpflanzen. 100 S. mit 7 Tafeln. Berlin 1886 bei Gebr. Bornträger. 

Bekanntlich unterscheidet man eine unächte Gewebebildung und eine ächte; 
die erstere, welche bei den Thallophyten (Pilzen, Flechten, einem Theil der Algen) 
vorkommt, entsteht durch Verzweigung von Hyphen, deren Ausstülpungen sich 
zwischen die vorhandenen Elemente einschieben; die letztere kommt durch Zell- 
theilung zu Stande. Bei der unächten Gewebebildung gleiten demnach die Zell- 
äste auf den anderen Zellen fort. Auch bei höheren Gewächsen kennt man 
ähnliche Fälle, so bei den gegliederten Milchröhren, welche sich durch Verzweigung 
in der Pflanze ausbreiten. 



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316 Physik der Pflanze: 

» 

Indessen ist ein mit Gleiten verbundener Wachsthumsproceß (das gleitende 
Wachsthum) auch bei den Gefäßpflanzen weit verbreitet. Die Arbeit des Verl 
dreht sirh um den Nachweis, wie sich in einem durch Zelltheilung entstandenen 
Gewebe in der angedeuteten Beziehung die einzelnen Elemente bei ihrem Ver- 
größerungsbestreben verhalten. Es stellt sich heraus, daß durch das selbständige 
Wachsthum der Gewebeelementc nicht nur die räumliche Ausdehnung, sondern 
auch der Charakter bestimmt wird, durch welchen sich ein Gewebe im fertigen 
Zustande auszeichnet. In Folge des Vorkommens des gleitenden Wachsthums bei 
den höher organisirten Pflanzen und dessen Bedeutung für deren Gewebebildung 
läßt sich keine strenge Grenze zwischen Thallophyten und Gefäßpflanzen hin- 
sichtlich der Gewebebildung ziehen. 

Am deutlichsten zeigen sich die Erscheinungen des gleitenden Wachstliums 
bei der Gefäßbildung im Splinte der Laubbäume. Verf. hat diese Vorgänge 
anatomisch ausführlich verfolgt und beschrieben, wir müssen uns aber darauf 
beschränken anzudeuten, daß das wachsende Gefäß gleitend zwischen die (aus 
den Kambialtheilungen hervorgehenden) benachbarten radialen Zellreihen hinein 
dringt und deren tangentiale Trennungswände spaltet. Die anstoßenden Zellwände, 
welche der tangentialen Ausbreitung des Gefäßes entgegenstehen, werden nicht 
komprimirt oder verbogen, sie behalten ihre Länge und werden nur zur Ver- 
längerung anderer Wände ihrer Zellen aufgebraucht. „Die Gefäßbildung unserer 
Laubhölzer beruht darauf, daß während der Streckung der Radialreihen bestimmte 
Zellen durch gleitendes Wachstbum, zunächst in tangentialer Richtung, einen 
größeren Raum zu gewinnen im Stande sind, ohne deshalb die Nachbarzellen in 
ihrer Existenz zu beeinträchtigen; denn diese erfahren nur gewisse Formänderungen.* 
Bei fortgesetztem gleitenden Wachsthum eines Gefäßes werden nicht nur die beider- 
seitigen Radialreihen, sondern auch noch weitere durchbrochen, womit die Zellen- 
zahl in der Umgebung des Gefäßes eine Zunahme erfährt. Kommt zum gleitenden 
Wachsthum in tangentialer Richtung noch ein solches in radialer Richtung, so 
werden die Vorgänge sehr koraplicirt. Außerdem beschränken sich diese Ver- 
schiebungen nicht bloß auf das Gefäß und die unmittelbar angrenzenden Zellen, es 
kann auch gleitendes Wachsthum in Gewebezonen eingeleitet werden, welche mit dem 
Gefäße in keiner direkten Berührung stehen. Auch die Markstrahlen erleiden oft 
durch den Einfluß der Gefäße wesentliche Formänderungen der Zellen, wobei auch 
benachbarte Radialreihen beeinflußt und die Zellen einer Reihe weit von einander 
verschoben werden können. Die Annahme des gleitenden Wachsthums setzt eine 
besondere Struktur der Trennuugswände der Splintzellen voraus. Verf. nimmt an, 
daß diese Trennungswände nicht homogen sind, sondern aus zwei Lamellen bestehen. 

Aehnliche Erscheinungen wiederholen sich im Phloemtheile bei der Aus- 
bildung der Siebröhren, wobei die ursprüngliche radiale Anordnung der Elemente 
verwischt wird. 

In den besprochenen Fällen kommen die Verschiebungen auf dem Quer- 
schnitte zur Anschauung, weil das Wachsthum und Gleiten in den Querrichtungen 
geschieht. Aber auch mit der Längenzunahme der Zellen sind ähnliche und theil- 
weise noch viel ausgiebigere Verschiebungen verbunden. Solche lassen sich 
namentlich bei der Ausbildung der Tracheiden, Libriform- und Bastfasern der 
Dikotylen nachweisen. Diese Elemente haben oft eine viel beträchtlichere Lange 



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Neue Litteratur. 



31? 



als die Kambiumzellen, aus denen sie hervorgehen, und dies kann nur dadurch 
eintreten, daß die Enden sich aneinander und zwischen einander vorbeischieben» 
womit auch die Zellenzahl eines Querschnitts zunimmt, ohne daß Zelltheilungen 
stattgefunden haben. Querschnitte durch Splint und junge Kinde vieler Laub- 
bäume liefern entsprechende Bilder genug, die sich mit Hülfe des gleitenden 
Wachsthums der Zellfasern sehr wohl verstehen lassen. 

Auch bei den Monokotylen ist das gleitende Wachsthum allgemein verbreitet. 
In manchen Familien tritt dieser Wachsthumsproceß bei der Ausbildung gewisser 
Gewebe derartig in den Vordergrund, daß man an die Gewebebildung der Pilze 
und Flechten erinnert wird. So ist dies der Fall bei Monokotylen mit sekundärem 
Dickenwachsthum. Die Kambiumzellen, aus welchen die Gefäßbündelanlagen her- 
vorgehen, erleiden eine beträchtliche Verlängerung, in Folge deren die Zahl der 
Zellen eines Querschnitts beträchtlich zunimmt, ohne alle Zelltheilungen. Das ganze 
Xylem kann, was die Tracheiden betrifft, allein durch solch gleitendes Wachs- 
thum (in der Längsrichtung) entstanden sein. 

Bezüglich der Versuche des Verf., die Gestaltung der verschiedenen Gefäß- 
formen unserer Laubbäume zu erklären, müssen wir auf das Original verweisen, 
da ohne Abbildungen nur sehr große Ausführlichkeit sichere Vorstellung bringen 
könnte. Dagegen seien noch mehrere Schlußfolgerungen erwähnt, welche Verf. 
seinen Untersuchungen in physiologischer Beziehung entnimmt. 

1. Verf. ist der Ansicht, daß seiue Untersuchungen der 6'acft.s'schen Theorie 
von der Abhängigkeit des Flächenwachsthums der Zellmembranen vom Turgor 
widersprechen. Diese Theorie habe überhaupt verschiedene anderweitige Schwächen 
und dunkle Punkte, das Verhalten der Zellen, welche zu Gefäßen heranwachsen, 
widerspreche derselben direkt. Es könne sich hierbei nicht um höheren 
hydrostatischen Druck in diesen Elementen als Ursache ihres Heranwachsens zu * 
Gefäßen handeln, da solche sonst im Allgemeinen bei dem ringsum gleichen 
Gegendrucke kreisförmigen Querschnitt erhalten müßten, während sie im An» 
fang von ebenen Wänden begrenzt seien, die oft unter scharfen Winkeln an- 
einander stoßen; auch die spätere Umrißfonn und die Entstehung verschiedener Ge- 
fäßformen wäre nach der Suchs'schen Theorie unerklärlich. Bei manchen Gefäßen, 
bei welchen eine Turgorsteigerung während ihrer Ausbildung eintritt, komme der 
von den Gefäßen ausgeübte Druck nicht als solcher, sondern als Reiz zur Wirkung, 
welcher specifische Wacbsthumsprocesse bewirke. „Die gleitenden Wachsthums- 
erscheinungen beruhen auf einer specifischen Thätigkeit der Zellmembranen im 
Kontakt mit dem Protoplasma." (Gegenüber den vielen Vorkommnissen, welche 
sich als Stütze der &icA#'schen Theorie auffassen lassen und durch diese am ein- 
fachsten erklärt werden, ist natürlich erst noch eine ganz genaue kritische Be- 
handlung der Sache erforderlich, besonders da diese Theorie ja wohl Erweite- 
rungen zuläßt, durch die auch andere als die nächst ersichtlichen mechanischen 
Gesichtspunkte herangezogen werden können. Das Verhalten der Gefäße und ihre 
Formänderungen während des Wachsthums scheinen auch darauf hinzudeuten, daß 
eine höhere Turgescenz der zum Gefäße heranwachsenden Zellen sowohl nothwendig 
ist, als trotz der ebenen Begrenznngswände bestehen kann. D. Ref.) 

2. Während nach den neueren Anschauungen das Pflanzenindividuum als 
Ganzes aufgefaßt in den Vordergrund tritt, die Fächerung in Zellen für Wachs- 



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318 Physik der Pflanze: 

thum und Gestaltung des Ganzen mehr nebensächlich erscheint, sagt Verf., daß 
die Vorgänge des gleitenden Wachsthums darauf hinweisen, daß auch die IndWi- 
dualität der Zellen beachtet werden muß; ohne das selbständige Wachsthum der 
einzelnen Zellen müßte der innere Bau der Pflanze anders sein, als es thatsächlich 
der Fall ist — Die Kommunikation der Protoplasten benachbarter Zellen durch 
Verbindungsfäden kann keine allgemeine Erscheinung in den Pflanzen sein, da 
der Zusammenhang, wo solcher bestand, durch diese Wachsthnmsvorgänge auf- 
gehoben worden ist. 

JR. Hoffmann, Untersuchungen über die Wirkung- mechanischer 
Kräfte auf die Thcilnng, Anordnung und Ausbildung der Zellen beim Inf* 
bau des Stammes der Laub- und Nadelhölzer. Berliner Diss. Sondershausen. 
1885. 23 8L mit 4 Tafeln. Ref. Botanische Zeitung 1886. No. 26. 

Verf. hat den Versuch gemacht, der Lösung gewisser, das Dickenwachsthum 
der Laub- und Nadelhölzer betreffender Probleme näher zu treten. Es soll 
mechanisch erklärt werden, wie aus dem in den ersten Jahren häufig unregel- 
mäßig gestellten Holzquerschnitt allmählich der runde Querschnitt entsteht; es soll 
die Ablenkung der Markstrahlen bei einem gesteigerten Rindendruck erklärt, die Be- 
ziehung zwischen Rindendruck und Zellvermehrung geprüft und die Lage der durch 
das excentrische Dickenwachsthum abgelenkten Markstrahlen bestimmt werden. 

Die erste Frage wird unter Beiziehung der Wachsthumskraft, der Rinden- 
spannung und dem Rindendruck einerseits, dem Widerstand des Holzkörpers 
anderseits dahin beantwortet, daß au den konkaven Stellen der Holzkörper stärker 
wächst, weil der Rindendruck hier negativ ist; von den konvexen Stellen dagegen 
betrage er fi Atmosphäre, auf der Verbindungslinie der Konvexitäten sei er = 6. 
Dies sind die Ergebnisse von Berechnungen. 

Die Ablenkung der Markstrahlcn durch einen gesteigerten Rindendruck 
kommt in der Natur vor, wenn Bäume gegen Felsen, Wände oder Bäume wachsen. 
Von der Stelle des stärksten Druckes werden die Markstrahlen beiderseits abgelenkt 
und stellen sich etwa parallel zur Wand, welcher der Baum angeschmiegt ist. Diese 
Ablenkung ist nach Verf. das Ergebniß der nämlichen Kräfte, die schon bei der 
ersten Frage erwähnt sind und dazu des einseitig gesteigerten Rindendruckes. 

Von dem sonstigen Inhalte (der im Referate nur andeutungsweise behandelt 
wird) sei nur erwähnt, daß bei spiraliger Umschnürung der Stämme oder bei 
Verwundungen sich die Zellen in die „Richtung des veränderten Saftstroms - 
stellen, also von ihrer normalen Lage abgelenkt werden. 

W. Detmer. Ueber Zerstörung: der Molekularstruktur des Proto- 
plasmas der V flu ii zen /.eilen. Botanische Zeitung. 1886. No. 30. 

Die grünen Pflanzentheile erleiden beim Absterben mehr weniger auf- 
fällige Veränderungen, besonders deutlich sind sie bei Objekten mit säure- 
reichem Zellsafte, als welche Verf. besonders die Blätter von Begonia manicata 
empfiehlt. Dieselben werden bei der Tödtung gelbbräunlich, während gleichzeitig 
die bekannten anderweitigen Veränderungen eintreten. Diese Blätter wurden 
verschiedenen schädlichen äußeren Einflüssen ausgesetzt. 1. Einwirkung von 
Chloroformdämpfen tödtetc das Gewebe bei 15»— 20° C. oft schon innerhalb einer 
Stunde. 2. Leuchtgas machte die Blätter schon nach 7 Stunden mißfarbig. 
Wasserstoff erst viel später, nach 7 Stunden erst in Spuren. 3. In verdünnter 



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Neue Litteratur. 



Salzsäure werden Blattstücke rasch braun, in Kalilauge bleiben sie aus bekannten 
Ursachen auch beim Absterben grün. 0,2 procentige Salicylsäurelösung und solche 
von salzsaurem Chinin wirken tödtlich, erstere rascher. 4. Ein ziemlich starker 
Induktionsstrom tödtet die Blätter gleichfalls, ebenso mechanischer Druck 
(Quetschung), Injektion der Lufträume mit Wasser (bei mehrtägiger Wirkung), 
höhere (55° und darüber) und niedere Temperatur. Hierlassen sich mannigfache 
Modifikationen (über die vorher wirksamen Kältegrade, rasches und langsames 
Aufthauen) an den Blättern zur Anschauung bringen. Nach der Farbänderung 
sterben die Blätter von Begonia schon bei niedrigen Temperaturen ab, d. h. durch 
das Gefrieren, nicht erst beim Aufthauen. Andere PHanzentheile sind aber der 
Einwirkung niederer Temperaturen gegenüber weit widerstandsfähiger. — Stücke 
eines und desselben Begoniablattes kommen a) in Wasser von 15» C, b) in Wasser 
von 0,5 bis 2,0°, c) in verschlossene Gefäße, welche nur Luft enthalten und bei 
15° gehalten, d) ebenso, aber durch Eiswasser abgekühlt wurden. Die Blatt- 
stücke a) wurden erst nach 5 Tagen oder später, jene von b) nach 2—3 Tagen 
mißfarbig; c) und d) waren noch nach 8 Tagen grün und turgescent. Die Blätter 
starben also unter gleichen Verhältnissen in Wasser schneller ab als in Luft, 
mochten sie letzteren Falls bei 15° oder nur 0,5—2,0° gehalten werden. CA". 

Afausuke Nagamatsz. Beiträge znr Kenntniß der Ühlorophyll- 
fnnktion. Würzburger Diss. Würzburg. 1886. 30 S. 

1. Können Blätter von Landpflanzen unter Wasser assimilirenV 
Die Blätter verhalten sich in kohlensäurehaltigem Wasser verschieden, je 

nachdem sie vom Wasser benetzt oder mit einer Luftschicht bedeckt bleiben. 
Die letzteren bilden viel, die ersteren keine Stärke. 

2. Hat das durch ein assimilirendes Blatt hindurchgegangene 
Licht noch die Kraft, in einem zweiten Blatt Assimilation zu be- 
wirken ? 

Die geringe Dicke der chlorophyllführenden Schichten in Blättern und 
anderen assimilirenden Organen, dann die Erfahrung, daß das durch eine Chloro- 
phylllösung gegangene Licht nur in sehr geringem Grade die Fähigkeit besitzt, 
die Blätter von Wasserpflanzen zur Sauerstoffausscheidung zr veranlassen, läßt 
erwarten, daß die gestellte Frage verneinend zu beantworten sein wird; der 
direkte Versuch ergiebt, daß schon chloropbyllhaltige Gewebeschiebten von weniger 
als 0,2 mm Dicke im Stande sind, die Assimilationskraft der Sonnenstrahlen voll- 
ständig zu erschöpfen. 

3. Einfluß des Welkens auf die Stärkebildung durch Assi-. 
Dilation. 

Gewelkte Blätter erzeugen keine Stärke. C. K. 

K. Osterwald, Die » asseraulnahme durch die Oberfläche obei> 
irdischer Pflanzentheile. Wiss. Beilage zum Programm des städtischen Pro- 
gymnasiums. Ostern 188G. Berlin bei R. Gaertner. 29 S. 

Eine ausführliche Literaturzusammenstellung als Einleitung zu den noch 
nicht abgeschlossenen eigenen Untersuchungen des Verf. C. K. 

B. Wollny. Der Welnstock und die Bodenfeuchtigkeit. Allgem. Wein- 
zeituug. 1886. Nr. 25-27. 



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320 



III. Agrar- Meteorologie. 

Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck in Tyrol im 

September 1882. 

Von Dr. Breitenlohner in Wien. 



Der Ausfall an Niederschlägen im Herbst , Winter und Frühjahr 
von 1881 auf 1882 wurde mehr als reichlich im Sommer und Herbst 
•des letzteren Jahres hereingebracht. 

In der Zeit vom 25. Juli bis 9. August erlebte ich zu Tölz im 
"bayrischen Hochlande eine fast ununterbrochene Regenperiode mit mehr 
als 200 mm Niederschlag. 

Während auf der Südseite der Alpen die anhaltende Trockenheit 
sich zur excessiven Dürre steigerte, litt die Nordseite und das Vorland 
•der Alpen an triefender Nässe. Der Wasserstand der Flüsse erreichte 
eine bedenkliche Höhe, und die Seen füllten sich bis zum Rande, allein 
•es kam nirgends zu einer ernstlichen Ueberfluthung. 

Die extreme Witterung wurde diesseits und jenseits des Alpenwalles 
schwer «mpfunden. Von den Weidetriften der Nordalpen mußto der zeit* 
weiligen Schneefälle wegen das durch unaufhörlichen Regen bereits arg 
bedrängte Vieh wiederholt in die Thäler hinabrücken, wogegen es auf 
der Südseite aus Futtermangel, welcher schon kurz nach dem Auftriebe 
sich einstellte, in Nothlage gerieth. 

Die Centraikette spielte als wetterscheidende Wand eine äußerst 
wirksame Rolle. Das südliche Alpengebiet lag im Regenschatten der 
Leeseite. 

Von Tölz aus begab ich mich über den Fernpaß in den westlichen 
Theil des Oetzthalerstockes, erlebte jedoch im Pitz- und Kaunserthal 
•ebenso eine wechsolvolle, zumeist regnerische Witterung. Als ich endlich 



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Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck. 



321 



am 14. September im Oberinnthal die Reise bergwärts fortsetzte, fand 
ich die Gegenden nm Finstermünz und Nauders mit Schnee bedeckt. 
Es war eine stürmische Nachtfahrt durch Vintschgau. Der Regen rauschte 
in Strömen nieder. Die bislang herrschende Witterung schlug vollständig 
um; die Leeseite verkehrte sich zur Luvseite. Das südliche Alpen- 
gehänge erhielt nun ganz intensive Niederschlage. 

Wer das waldberaubte Vintschgau kennt, weiß sich wohl von den 
kolossalen Muhrbrüchen Rechenschaft zu geben, welche von jeher das 
linksseitige Gelände verwüsteten. Auch in dieser Nacht wurde die 
Poststraße an vielen Stellen zerstört. Allenthalben donnerten die Wild- 
bäche zu Thal. 

In Meran schienen die Schleusen des Himmels ganz aufgezogen, so 
heftig schüttete es aus den Wolken. Die Etsch war ziemlich ange- 
schwollen. In größter Eile konnte ich noch den nach Bozen abgehenden 
Zug benutzen. Von den Porphyrbergen polterten rothgefärbte Sturz- 
bäche nieder, und die Etsch spielte schon bedrohlich an den Bahn- 
damm heran. 

Noch war die Straße über Franzensveste in's Pusterthal frei, und 
unter unablässigem R«gen gelangte der Zug ungefährdet bis Bruneck. 
Die Rienz ging bereits hoch und war außerordentlich trüb. 

Tags darauf am 16. September, nachdem es die ganze Nacht hin- 
durch heftig geregnet hatte, begann für Bruneck die grauenvolle Wassere- 
noth mit dem Einstürze zahlreicher Stadthäuser. Stellenweise war auch 
die Bahn unter Wasser gesetzt, oder die Berglehnen rutschten unter 
dem Schienenstrang hinweg in die wild einherstürmende Rienz. Hiermit 
war Bruneck von jeglicher Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten. 

Auf meinen Ferienreisen im Hochgebirge vielfach mit der Unter- 
suchung der Wasser- und Schlammmengen der Gletscherbäche beschäftigt, 
glaubte ich meinen unfreiwilligen, längeren Aufenthalt in Bruneck dahin 
nutzbar machen zu sollen, indem ich mich nach Kräften bemühte, die 
während der Hochfluth unter so abnormen Umständen abgeführten 
Wasser- und Schlararaquantitäten wenigstens annäherungsweise fest- 
zustellen. 

Derartige Ermittelungen, welche mindestens sehr lehrreich und für 
manches Wissensgebiet nicht unerwünscht sind, liegen noch spärlich vor, 
und es ist zu beklagen, daß bei solchen Ereignissen gerade die berufensten 



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322 Agrar-Meteorologie : 

Leute es unterlassen, ein für praktische Zwecke gewiß nicht unwichtiges 
Material zu sammeln. Meines Wissens ist auch nirgends in den von der 
Ueberschwemmung betroffenen Alpenländern Oesterreichs eine darauf ge- 
richtete Beobachtung angestellt worden, denn man hätte sicherlich nicht 
verabsäumt, dieselbe der Oeffentlichkeit zu übergeben, was jedoch inner- 
halb vier Jahren nicht geschehen ist. 

In Brixen, am Zusammenfluß von Eisack und Rienz, haben, wie ich 
später in Erfahrung brachte, einige Ingenieure die Wassergeschwindigkeit 
zu konstatiren versucht. So sehr ich es mir aber persönlich und schrift- 
lich angelegen sein ließ, die Resultate dieser Messungen kennen zu lernen, 
ist selbst ein vierjähriges Zuwarten völlig erfolglos geblieben. Die Gründe 
dieser Verheimlichung sind freilich nicht so leicht erfindlich. 

Neben der momentanen Situation in Bruneck waren auch die lokalen 
Verhältnisse für das Gelingen meines Vorhabens nichts weniger als günstig. 

Im Flußlauf der Rienz wechseln Thalweitungen mit Thalengen. Aus 
der Thalenge unterhalb der Lamprechtsburg gewinnt die Rienz die an- 
sehnliche Thal Weitung vor Bruneck und erfährt beim Passiren der Stadt 
eine für dieselbe verhängnißvolle Einengung des Bettes. Hierbei be- 
schreibt der Fluß einen Bogen und wendet sich außerhalb des Weich- 
bildes, bevor sich der aus den hohen Tauern kommende Ahrenbach in 
die Rienz ergießt, wiederum in einem Bogen gegen das Bahnhofgebäude. 
Diese Krümmungen waren sowohl ein Hemmniß für den rascheren Ab- 
fluß des Wassers, als sie auch der hin und her geworfenen Fluth ebenso 
viele gefährliche Angriffspunkte boten. 

Zur Ermittelung der Wassergescb windigkeit stand bloß die Strecke 
zwischen der städtischen und äiarischeu Brücke zur Verfügung. Der 
Stromstrich der in dieser Krümmung stark eingezwängten Rienz hielt sich 
an der Stadtseite mit den hart an das Wasser vorgeschobenen Häusern. 

Die erste Beobachtung geschah am IG. September Nachmittags zur 
Zeit des höchsten Wasserstandes. Die Rienz glich einem wahrhaftigen 
Schlammstrome, so dickflüssig wälzten sich die mit allem möglichen 
Holzwerk beladenen, erdfarbigen Flutben heran. Im chaotischen Durch- 
einander trieben Baumstämme, Sägeklötze, Brückentrümmer, Dachbestaud- 
theile und sonstige demolirte Objekte. 

Als Schwimmer verwendete ich klobige Scheiter, welche, um inmitten 
der mannigfaltigen transportirten Gegenstände im ungemein schmutzigen 



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Die Hochwassurkatastrophe zu Bruneck. 



323 



Wasser auffällig zu sein, in helles, mit Bindfaden befestigtes Papier ge- 
wickelt waren. Ohne diese Emballage hätte mau in dem krausen Wirr- 
sal des Wogenschwalles unmöglich eine sichere Unterscheidung treffen 
können. Auf der unteren Brücke, von wo aus auf ein gegebenes Zeichen 
der Einwurf der Schwimmer ganz genau kontrolirt werden konnte, wurde 
die Zeitdauer der Scheiterfahrt fixirt, welche im Stromstrich auf eine 
Weglänge von mehr als 100 m bei drei Versuchen kaum um eine Sekunde 
variirte. 

Die in Folge der unausgesetzten heftigen Erschütterungen durch an- 
prallende Schutt- und Steinmassen, namentlich durch die schweren Stamm- 
hölzer der Brettersägen, kaum noch standfeste Stadtbrücke stürzte auch 
am darauffolgenden Tage in die Rienz. Für den zweiten Versuch am 
22. September wurde der verbliebene Brückenkopf benützt. 

Diese Messungen der Geschwindigkeit an der Oberfläche mußten mit 
Aufbietung aller Energie unter Schwierigkeiten ausgeführt werden, welche 
gerade von einer Seite bereitet wurden, von welcher man eher die weit- 
gehendste Unterstützung hätte erwarten sollen. 

Die Höhe und die Schwankungen des Wasserstandes ließen sich, da 
nicht einmal an der ärarischen Brücke ein Pegel sich befand, nicht un- 
mittelbar notiren. Ich hätte es auch gar nicht wagen dürfen, eine 
interimistische Maßlatte anzubringen, und mußte mich daher an gewisse 
Merkmale am Brückenkopfe halten, welche ich dann später mitsammt 
der Brücke photographiren ließ. 

Um die Dimensionen des Brückenprofils und die Weglänge von einer 
Brücke zur andern in authentische Erfahrung zu bringen, wendete ich 
mich, nach Wien zurückgekehrt, an die berufene Oberbehörde, unter ge- 
nauer Angabe dessen, was ich noch zu wissen brauchte. Ein hoher 
Auftrag wird wohl rasch ausgeführt, allein ich war von dem Inhalt nur 
zum Theil befriedigt. Es blieb mir sonach nichts übrig, als im nächsten 
Jahre geflissentlich nach Bruneck zu reisen und die noch fehlenden Er- 
hebungen selbst zu pflegen. 

Die Wasserproben zur Bestimmung der Schlammmonge wurden in 
den ersten vier Tagen dreimal des Tages zu je zwei Liter unterhalb der 
ärarischen Brücke, an einer günstigen, vom Stromstrich berührten Stelle 
geschöpft. Späterhin, als die Ilochfluth abgelaufen war und die Sicherungs- 
arbeiten oberhalb der Stadt die Trübungen beeinflußten, fing ich nur 
E. Wollny, Forschungen IX. SS 



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324 



Agrar-Meteorologie: 



einmal des Tages zu Mittag einen Liter Wasser beim Austritte der Rienz 
aus der Enge von Lamprochtsburg auf. 

Die Proben wurden, nachdem sich die erdigen Bestandtheile voll- 
ständig abgesetzt hatten, dekatttirt und in kleinere Glasgefäße überspült, 
gut verschlossen und eniballirt in eine Kiste verpackt und nach Wien 
expedirt. Auf dem Transporte, welcher gegen Franzensveste wegen der 
theilwei.se zerstörten Verbindung etwas schwierig war, ging erfreu- 
licherweise, Dank der sorgfältigsten Verwahrung, kein einziges Glas zu 
Grunde. 

Der Betrag an gelösten Stoffen ist bei der Natur des Materiales 
gewiß sehr beträchtlich. Die abfiltrirten Wasserportionen wurden zum 
Zwecke einer späteren Analyse zur Seite gestellt, harren aber zur Stunde 
noch der Untersuchung. 

Das Gewicht der Trübungen, bestehend aus sandigem Schlamm, be- 
zieht sich auf bei 100° C. getrocknete Substanz. 



SehlammfUhrniig der Rienz bei Bmneck im Pnsterthal während der erste« 

Ueberschwemmung im September 1882. 



Während der Hochfluth. 



Septem- 
ber 



16. 
17. 
18. 
19. 



Stunde 
der ge- 
schöpften 
Wasser- i 
probe 



12 
2 
6 

12 
4 

10 
8 

12 
6 

10 
2 
6 



Kilogramm Sedimente in 
1 Kubikmeter Wasser 



Einzeln 



Mittel 



26,694 
47,712 
57,382 
55,433 
75,544 
48,237 
56,028 
48,309 
39,213 
46,649 
31,744 
42,095 



Ii 



43,929 
59,738 
47,850 
40,163 



Nach der Hochfluth. 
Geschöpft um 12 Uhr Mittag. 



Septem- 
ber 



20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 



Kilogramm Sedi- 
mente in 1 Kubik- 
meter Wasser 



12,386 
12,343 
10,164 
7,928 
6,373 
5,825 
5,326 
4,069 
2,817 
2,836 
2,2*0 



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Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck. 
Schlamraführung einiger Zuflüsse. 



325 



Septem- 
ber 



Name 



Kilogramm 
in 1 Kubik- 
meter Wasser 



17. 

17. 
23. 
24. 



Reischachbach bei Bruneck 
Mühlgraben unterhalb Lorenzen 



104,92« 
145.107 
8,010 

0,298 



Taufererbach 



Die Thatsache, daß in den ersteren drei Tagen die Rienz augen- 
blicklich oft höher ging und noch dickflüssiger wurde, erklarte sich 
hinterher aus den unglaublichen Verwüstungen, welche die Hochfluth im 
Hauptthale und dessen Zuzügen anrichtete. Ab und zu verklausten sich 
die entfesselten Gießbäche, und plötzlich brach dann ein mit Bäumen, 
Holz und Schutt überladener, ungeheurer Wasserschwall, die Stein- 
Muhre, hervor. Ganze Bergvorsprunge und schuttreiche Lehnen sanken 
und zerflossen in der unbändigen, Alles überwirbelnden und verschlingenden 
Fluth. Die schmächtigsten Rinnsale bahnten sich, zu Wildbächen angewachsen, 
im tiefgründigen Ackerlande die nächstbesten Abflußwege und wühlten 
hierbei klaftertiefe und vielverzweigte Runsen auf. Mitten in den Wiesen 
und Feldern an den Berghängen schössen nicht selten an sonst bloß naß- 
galligen Stellen eruptionsartig die Wässer hervor und räumten in 
kürzester Frist breite Streifen Kulturboden bis an die felsige Unter- 



Derartige Zwischenfälle, welche vereinzelt unbeachtet geblieben 
wären, allein in der Lauflänge der Rienz mit ihren Zuflüssen sich häuften, 
erklären die zeitweilige, oft ganz kolossale Scblammführung mit zu- 
nehmendem Wasserandrang. An der Flußsohle knirschte und polterte 
das Geschiebe. 

Welche Bodenmassen die Rienz zu transportiren hatte, mag folgender 
Erhebung entnommen werden. * 

Baudirektor Prcnningcr von der Südbahn, deren überaus hart be- 
troffene Linien im Drau-, Rienz- und Etschthale jeder Beschreibung 
spotteten, berechnete das abgetragene Material einer einzigen Damm- 
abrutschung zwischen Olang und Bruneck mit mehr als 200 000 Kubik- 
meter. Für die (il Kilometer lange Strecke von Toblach bis Franzens- 
veste, übereinstimmend mit dem Flußlauf der Rienz vom Ursprung bis 



läge ab. 



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320 



Agrar-Meteorologic: 



zur Einmündung in den Eisack, wurde eine Kubatur von rund 
500000 Kubikmeter Material veranschlagt, wobei zu bemerken wäre, daß 
die ungleich günstigere Terrainbeschaffenbeit zwischen Bruneck und 
Franzensveste keine so wesentlichen Beschädigungen vorkommen ließ. 
Das vorgenannte Ausmaß entfallt sonach fast ausschließlich auf die 
30 Kilometer lange Strecke zwischen Toblach und Bruneck, wo die Bahn 
meistentheils als Lehnenbau geführt und im Gehängeschutt eingeschnitten 
ist. Diese halbe Million Kubikmeter abgebrochenes und fortgeschwemmtes 
Material repriisentirt in völlig wasserfreiem Zustande bei einer Dichte 
von 2,5 ein Gewicht von 1250 Millionen Kilogramm. Die beiden be- 
rüchtigten Wildbäche, der Sylvesterbach bei Toblach und der Gsieserbach 
bei Welsberg, konnten aber jeder für sich aus ihren weitgedehnten 
Sammelgebieten mindestens die gleiche Masse der Rienz zuwerfen. 

Harmlose Wasserrinnen, welche in normaler Zeit nothdürftig eine 
oberschlächtige Bauernmühle treiben, verwandelten sich in reißende Strome. 
Solche Zuflüsse, wie der Lorenzen- und Reischachbach bei Bruneck, waren 
breiartig verdickt. Die kostbarsten Feldgüter wurden eine Beute des 
fessellosen Elementes. 

Die geringe Trübung des wasserreichen Taufererbaches, welcher im 
Gletscherrevier der Dreiherrenspitze am Hauptkamme der Centraikette 
entspringt und auf seinem langen Laufe durch das Ähren- und Tauferer- 
thal zahlreiche, nichts weniger als muhrenfreie Nebenbäche aus zumeist 
begletscherten Sammelgebieten aufnimmt, erklärt sich aus dem Umstände, 
daß wohl noch das Taufererthal, weniger das gegen Nordost abbiegende 
Ahrenthai, als Fortsetzung des ersteren, von den Regenwinden bestrichen 
wurde. Gegen den Krimmler Tauern hin fiel, wie die Schafhirten beim 
Abtrieb der Herden versicherten, kaum knöcheltiefer Schnee. Dagegen 
wurden in der unteren Thalstrecke zwischen Taufers und Bruneck die 
Wiidbäche lebendig und richteten nicht unbedeutende Verheerungen an. 
Der Wasserstand des Taufererbaches, welcher bei Stegen nächst Bruneck 
der Rienz zugeht, war wohl höher' als sonst, führte aber auch in der 
kritischen Zeit keine so ungewöhnlichen Trübungen. Die Katastrophe der 
Umgebung von Bruneck wäre hochgradig verschärft worden, wenn auch das 
Ahrenthai, welches glücklicherweise zum größten Theile bereits außerhalb des 
Regenbereiches lag, seine grauenvolle Leistungsfähigkeit bethätigt hätte; denn 
solche Verwüstungen, wie selbe das schreckliche Elementarereigniß im August 



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Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck. 



327 



des Jahres 1878 anrichtete, kann sich selbst die ausschweifendste Phan- 
tasie nicht ausmalen. 

Da mir bekannt war, daß der Alpenverein seiner Zeit im Ahrenthai 
zwei Regenstationen ins Werk setzte, machte ich mich auf den Weg 
dahin, in der gespannten Erwartung, ob sich die Abnahme der Regen- 
menge von Taufers bis in den Hintergrund des Hochthaies ziffermäßig 
nachweisen lasse. Schon in Steinhaus wurde mir eröffnet, daß die Beob- 
achtungen höchst unregelmäßig oder gar nicht gemacht werden, und so 
kehrte ich unverrichteter Dinge wieder um, neuerdings in der Ueber- 
zeugung bestärkt, daß gegenüber der landläufigen Indolenz selbst die 
besten Intentionen zu Schandon werden. 

Es ist überhaupt nicht leicht, sich ein zutreffendes Urtheil über die 
im Quellenbezirke der Rienz gefallene Regenmenge zu bilden. Erstlich 
bestehen für das gesammte Niederschlagsgebiet im Ausmaße von 2240 
Quadratkilometer bloß drei Regenstationen, und dann war im Banne der 
Schreckenstage eine genaue und pünktliche Messung kaum zu gewärtigen. 
Fernerhin gestatten die Angaben der Thalstationen keinen sicheren Schluß 
auf die durchschnittliche Regenhöhe. Die Gruppirung und Richtung der 
Bergzüge beeinflußt in hohem Grade den Niederschlag. Der eine Wild- 
bach brachte viel, der andere hingegen unter scheinbar gleichen Verhält- 
nissen wenig Wasser. Aufzeichnungen der Niederschläge in höheren Lagen 
und in den hintersten Thalstufen fehlen gänzlich. Der Thatsache, daß 
die Hochregion vor Beginn der Regengüsse mit Schnee bedeckt war, wird 
meines Erachtens eine übertriebene Bedeutung beigelegt. Die Schneehöhe 
selbst hat Niemand gemessen, und auf vulgäre Schätzungen darf man 
kein Gewicht legen. Selbst eine fußhohe Schneelage mit darauf ein- 
fallendem Regen kann nicht jene durchschlagende Wirkung hervorbringen, 
welche gewöhnlich herangezogen wird, um durch Verdoppelung des Effektes 
für die zuschwellende Wasserfülle eine plausible Erklärung zu finden. 
Einzig und allein entscheidend war das luvseitige Verhalten breiter 
Gebirgsflanken zur herrschenden Luftströmung. 

Die Vertheilung des Luftdruckes läßt bei Betrachtung der bezüg- 
lichen Wetterkarten nicht entfernt die Vorgänge vermuthen, welche sich 
mittlerweile in den südlichen Alpen abspielten, auch wenn man zugieU, 
daß die Situation nicht so einfach lag. Es wehten thal- und gegend- 
weise Süd- und Südostwinde. Intensive Niederschläge stellten sich zunächst 



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328 



Agrar-Meteorologie: 



im Süden ein und überzogen nllmälig das ganze Alponrevier bis zum 
Centralkarame. Wahrhaft phänomenal waren die Niederschläge im Süden. 
Die folgende Tabelle enthalt eine Uebersicht der Septemberregen am 
Südfuß der Alpen, von Istrien an westwärts längs des Alpenwalles bis zu 
den grajschen und cottischen Alpen. 



Regenhühe im September 1882 
am Südfuß der Alpen. 



1 

Stationen 


I änilnt« 

i .armer 


Milli- 
meter 








472 


Pola 






210 




: :| 


Oesterreich 


331 






| Ungarn 


250 


Monfalcone 


• • 


271 








345 








485 








495 








633 








617 








692 






Nord- 
> italien 


S44 






340 
649 








334 








473 






• 










746 








633 



Ein Blick auf die Karte belehrt über die Rolle, welche Friaul, 
Venezien, Lombardei und Piemont gleichsam als Sackgasse der dampf- 
reichen Luftströmung zwischen Alpen und Apenninen spielten, sowie über 
die kondensirende Funktion der Gebirge. In den lepontinischen, pen- 
ninischen und grajschen Alpen steigerte sich die Regenmenge bis zu 
1200 Millimeter. Die eigentlichen Regenherde bildeten sich in den oord- 
italienischen Provinzen aus. Südtyrol, Kärnten und Krain Ingen schon 
in der Peripherie dieser Regenzone. Nur die grenznachbarlichen Distrikte 
weisen noch eine größere Intensität auf. Jenseits der julisehen .Alpen 
im Osten erscheinen die Regenmengen schon ziemlich abgeschwächt und 
verringern sich zusehends weiterhin gegen die Save und Kulpa. 



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Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck. 329 
Septemberregen in den Österreichischen AlpenlUndern. 




SUdtyrol 

Paneveggio 

Predazzo 

Tiient 

Lorenzo 

Ala 

Male 

San Michele .... 

Roveredo 

Pejo 

Faedo 

Coredo 

Riva 

Wllschnoven .... 

Cavalese 

Bozen 

Brixen 



Kärnten 



Cornat 
Raibl 



466 
466 
439 
431 
430 
428 
421 
420 
395 
391 
374 
373 
346 
319 
266 
202 



482 
441 



Kärnten 

Ober-Drauburg . . . . 

Saifnitz 

Bleiberg 

Tröpolach 

Berg 

Arnoldstein 

Möllbruck 

Sachsenburg 

Reichenau 

Hoch-Obir 

Klagenfurt 

Zwischenwässern .... 

Krain 

Veldes 

Gottschee 

Krainburg 

Rudolfswerth 

Laibach 



400 

355 
352 
339 
292 
248 
223 
206 
183 
172 
152 
147 



352 
285 
275 
246 
215 



Die Regenmenge nimmt, wie aus der Tabelle zu ersehen ist, gegen 
Osten und mit der Entfernung vom italienischen Grenzgebiet erheblich 
ab. Im Drauthale, wo doch die Hochwasser so verheerend auftraten, 
sind die Niederschläge verhilltnißmUßig gering und vermehren sich auch 
nicht jenseits der Wasserscheide im Rienzthale. 

Sommer- und Herbstregen im Flussgebiet der Rienz. 

Millimeter. 





See- 
höhe 








8 






Juni, Juli 


Stationen 


a 




gast 


£ 

S 


1 
© 

■— 


Jahr 


und August in 
Procenten der 




Meter 




"5 




s 

00 


M 
O 




Jahrcssumme 


Toblach . . 


1252 


139 


m 




| 285 




- 




Bruneck . . 


825 


123 


113 


120 


242 


153 


1037 


34,3 


Taufers . . 


8*5 


114 


138 


154 


238 


132 


1075 


37,8 


Brixen . . . 


570 


122 


85 


110 


201 


149 


936 


33,9 



Toblach und Brixen bezeichnen die Endpunkte des Rienzthales. 
Taufers liegt zwischen Mühlen und Sand im gleichnamigen Thale, welches 
rechts in das Rainthal, links in das Ahrenthai sich gabelt und für die 
Regenverhültnisse dieses Abschnittes wichtig ist. Leider wurde in Tau- 



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330 



Agrar-Meteorologie : 



fers wie in Bruneck die Regenmenge nicht Tag für Tag verzeichnet. 
Tägliche Regenmessungen stehen nur aus Toblach zu Gebote, geben aber 
für das obere Rienzthal ein vollständiges Bild der Regenvertheilung. 

Regenfall in Toblach. 
Millimeter. 



j September 


Regen 


September 


Regen 


1 

; September 


| Regen 


1. 


2 


11. 


1 


21. 


3 


2. 




12. 


1(5 


22. 


4 


3. 




13. 


31 


23. 




4. 




14. 


7 


24. 


2 


5, 


3 


15. 


38 


25. 


1 


6. 


5 


1(>. 


50 


26. 


8 


7. 


! 


17. 


48 


27. 


8 


8. 




18. 


42 


28. 


2 


9. 






10 


29. 




10. 


- 


i 20. 


5 


| 30. 


- 



Die eigentliche, fast ununterbrochene Regenperiode begann am 12. 
und endete am 22. September. In Bruneck stellte sich das Hochwasser 
bereits am 15. September ein. 

Wenn ich es nun unternehme, nach den gegebenen Anhaltspunkten 
die in der Zeit vom 16. bis 30. September abgeflossene Wasserniasse 
annäherungsweise in Ziffern auszudrücken, hauptsächlich zum Zwecke einer 
Kalkulation der transportirten Schlammmenge, so muß ich gestehen, daß 
ich hiebei, zumal mir hydrotechnische Spekulationen weniger geläufig 
sind, um so mehr die große Unsicherheit empfinde, welche überhaupt 
noch auf hydraulischem Gebiete herrscht. Jeder Flußlauf richtet sich nach 
besonderen Regeln und muß daher als Individuum exaiuinirt werden. 
Die Schwierigkeiten, selbst für normale Verhältnisse eine allgemein gültige 
Formel der Wasserbewegung, deren Gesetzmäßigkeit man dermalen noch 
nicht vollständig genug kennt, aufzustellen, häufen sich in so extremen 
Fällen einer Hochfluth mit Wildbachcharakter ganz außerordentlich. Die 
impetuose, sprunghafte Wasserbewegung in einem Wildbache wirft jede 
noch so gründlich abgewogene Formel über den Haufen. 

Jen« Strecke der Rienz, welche zur Berechnung herangezogen werden 
konnte, bot überdies eine Reihe von störenden Nebenumständen dar, wie 
unter Anderem die Krümmung des Flußbettes zwischen den beiden Brücken, 



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Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck. 331 

ferner den Bestand eines Ueberfalles kurz unterhalb der ärarischen 
Brücke nebst zwei Durchlaßöffnungen an der rechtsseitigen Brückenrampe. 
Der Ueberfall scheint nicht lange Stand gehalten zu haben, und die 
Durchlässe verstopften sich bald mit Anschwemmungen. Die wechselnde 
Ablagerung von Geschiebe an der Brücke verursachte bemerkbare Schwan- 
kungen im Wasserstande. Die Flußbettsohle erfuhr aber erst durch das 
Hochwasser im Oktober eine stärkere Hebung durch Aufschotterung. Der 
durch das bedeutende Gefälle in enger Passage erhöhte rollende Wogen- 
gang verlangt eine entsprechende Reduktion der Weglänge an der Ober- 
fläche. Auf die Geschwindigkeit des Wassers übte weiterhin der massenhafte 
Transport von schwimmendem Holzmaterial, womit die Oberfläche oft 
förmlich bedeckt war, einen nicht geringen Einfluß aus. Und in welchem 
Grade endlich wurde überhaupt die Geschwindigkeit des Wassers zu Folge der 
unglaublichen Schlammladung und der mächtigen Schotterabfuhr retardirt? 

Herr Forstmeister Förster in Gmunden, ein auf hydrotechnischem 
Gebiete sehr bewanderter Fachmann und insbesonders vertraut mit den 
Eigenthümlichkeiten der Gebirgswiisser, hatte die dankenswerthe Güte, 
auf Grundlage meiner Angaben unter Beachtung der besonderen Verhält- 
nisse die Wasserberechnungen auszuführen, welchen gegenüber meinem 
rohen Ueberschlag eine größere Wahrscheinlichkeit innewohnt. 

Die nach Küttens Formel aus dem Gefälle berechnete Geschwindig- 
keit eines gesehiebeführenden Baches stimmt sehr gut mit der von mir 
beobachteten Geschwindigkeit an der Wasseroberfläche überein, wofern 
man bei letzterer die von Brunnings aufgestellte Korrektur anbringt. 

Die folgende Tabelle enthält nach vier Zeitabschnitten eine appro- 
ximative Zusammenstellung der innerhalb fünfzehn Tagen durch die 
Kienz bei Bruneck abgeführten W asser- und Sehlammmengen. 

Wasser- und Schlammabfuhr der Rienz im l'rofil der 
ärarischen Brücke in Bruneck. 



Abgeflossenes W asser- Transportirtcs Schlamm- 
I Seuteinber Z 5 i quantuni in ehm. quantum. Wasserfrei. 

« * ; O bC — =i - - - : — -= ■=. 1 - ~ - — : _= — -~ r — ; 

% 1882 = £ I Durchschnitt). x . , Vi . ,.„„„„„ Kubikmeter. 
3| * faKesquantum lütal ^'«ranin, , )ichte 2/ , 



1. 
2. 
3. 
4. 



1(5. bis 19. 4 2ö,5<mi.sk; 102,303,204 4905,247,611 1,962,099 

20. » 22. 3 19,619,712 5S,*50,130 684,500,611 273,836 

23. » 26. i, 4 11,034,880 44,219.520 281,308,800 112,548 

27. » 30. 4 8,585,568 34,342.272 103,001,158 41,225 

"sümmT": IS ftofiff ^,26^86, 72,389,708 



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332 



Agrar-Meteorologie: 



Da die Rienz bereits einige Tage vor Beginn meiner Beobachtungen viel 
schlammiges Wasser führte, bedürfen die vorstehenden Quantitäten für die 
erste Ueberschweramung einer entsprechenden Ergänzung, wozu noch kommt, 
daß in den regnerischen Oktober hinein die Wasserstände der Rienz eine 
das gewöhnliche Mab übersteigende Höhe einhielten und zu Ende Oktober 
die zweite, ebenso bedrohliche Hochfluth hereinbrach, welcher im September 
und Oktober des vorigen Jahres eino dritte, folgenschwere Katastrophe folgte. 

Die in der zweiten Septemberhälfte 1882 abgetragene Schlamm- 
menge würde ausgebreitet allein eine Fläche von 717 Hektar mit reich- 
lich einen Schuh mächtiger, fruchtbarer Bodenkrumo bedecken. 

Mnn kann aus dieser Ziffer für die bloß 30 Kilometer lange Strecke 
zwischen Toblach und Bruneck ungefähr ermessen, welch' kolossale Massen 
Erdreich aus dem gesammten umfänglichen Inundationsgebiet von Tyrol und 
Kärnten dem adriatischen und schwarzen Meer zu wiederholten Malen zu- 
geflößt wurden und welch' unberechenbare Boden wertho den ohnehin so müh- 
sam zur Kultur gebrachten Alpenländern unwiederbringlich verloren gehen. 

Zur Berechnung des transportirten Gerölles fehlen alle Anhaltspunkte. 
Anschüttungen erfolgten bereits in den nicht selten beckenartigen Aus- 
weitungen im Thalwege der Rienz. Die Schotterfühl ung dieses Flusses 
hat das Eisackbett in Brixen um gewiß zwei Meter erhöht. Im Thal- 
kcssel von Brixen lagert ein beträchtlicher Theil des durch die Rienz 
herbeigeschleppten gröberen Materiales. 

lu Brixen an der Einmündung der Rienz in den Eisack, welcher 
sich diesmal weniger ungeberdig benahm, hätte sich eine schöne Gelegen- 
heit geboten, die Wassermassen des ersteren Flusses zu bestimmen und 
daraus die Konsumtion, nämlich das Verhältniß zwischen Regen- und 
Abflußmenge abzuleiten, um zugleich eine Kontrole nach beiden Be- 
obachtungsrichtungen hin zu gewinnen. 

Die Ausscheidung des Niederschlagsgebietes für den oberen Abschnitt 
bis Bruneck ist schwer durchführbar. Hinwieder lassen sich die Abfluß- 
mengen des Tauferer- und Gaderbaches, sowie des Lasankenbaches bei 
Brixen und der übrigen dazwischen liegenden kleineren Zuflüsse der Rienz 
ohne irgend welche Beobachtung gar nicht abschätzen. Der Taufererbach 
artete zwar nicht in heftige Schwellung aus, aber die Gader, welche 
ein sehr verzweigtes, tief in die Dolomiten eindringendes Flnßnetz im 
Rau- und Abteithal aufweist, wälzte aus Euneberg gewaltige Fluthen heraus. 



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Die tlochwasserkatastrophe zu Bruneck. 



333 



Veranschlagt man die mittlere Regenhöhe im September mit 
250 Millimeter, so erhält man für das Niederschlagsgebiet der Rienz im 
Ausmaße von 2240 Quadratkilometer 560 Millionen Kubikmeter Wasser. 

Unter gewöhnlichen Umständen nimmt man bei Gebirgsflüssen, welche 
im Unterlaufe größere Ebenen durchsetzen, etwa die Hälfte des Nieder- 
schlages als Abflußmenge an. Nach andauerndem Regen und noch inner- 
halb des Gebirgszwingers kann der Procentsatz eine ansehnliche Steigerung 
erfahren. Die Abflußmenge wird modificirt durch das Flußregime, näm- 
lich durch den allgemeinen Charakter eines Flusses, welcher aus dem 
Zusammenwirken einer Reihe physischer Faktoren hervorgeht, von welchen 
der Vegetationsdecke und den Kulturverhältnissen des Gebietes nicht die 
letzte Rolle zufällt. 

Konsumtion einiger Alpenflüsse nach PraMr . 

Procentc Procent e 

Etsch 50 Tagliamento 60 

Po 59 Bacchiglione 70 

Isonzo 00 Brenta bO 

Diese Flüsse, welche aus den Alpen dem adriatisehen Meer zuströmen, 
büßen um so weniger Wasser ein, je rascher sie ihre Mündung gewinnen 
und je kürzer der Weg durch die Ebene ist. 

In Anbetracht, daß der Boden bereits vor Eintritt der Regenperiode 
im September durchfeuchtet war, ist die Annahme einer Konsumtion von 
80 Procent auch für die Rienz zulässig. 

Von dem mit 560 Millionen Kubikmeter berechneten Niederschlage 
passirten 240 Millionen während der zweiten Septemberhälfte das Profil 
in Bruneck. Es verblieben sonach bei einer Konsumtion von 80 Procent 
noch 208 Millionen, welche auf den Beginn des Hochwassers in Bruneck 
und auf die sonstigen totalen Wasserzugänge zwischen Bruneck und 
Brixen zu vertheilen wären. Solche Berechnungen fußen auf sehr dehn- 
barer Grundlage. Zunächst läßt sich das wirkliche Niederschlagsgebiet 
nicht so genau abgrenzen, und sodann entpricht die gemessene Regen- 
höhe gewiß nicht dem Mittel aller Lagen. Ein Abgang von 1 cm 
Regenhöhe involvirt aber für das gesammte Niederschlagsgebiet schon 
einen Ausfall von 22,4 Millionen Kubikmeter Wasser. 

Im Anschlüsse an die obige Bemerkung wäre wohl Veranlassung 
gegeben, die Lückenhaftigkeit des meteorologischen Netzes in den Alpeu- 



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334 



Agrar- Meteorologie : 



ländern, in&besonders den Mangel von Regenstationen in den höheren 
Lagen, welche doch nicht selten bis nahe an die Baumgrenze besiedelt 
sind, einer sach- und zeitgemäßen Erörterung zu unterziehen, ginge diese 
Abschweifung nicht zu weit über den Rahmen dos behandelten Gegen- 
standes hinaus. Die Unzulänglichkeit und Dürftigkeit der einfachsten 
meteorologischen Beobachtungen wird noch übertroffen von der öden 
Brache des hydrologischen und hydrographischen Arbeitsfeldes. 

Es dürfte zuletzt am Platze sein, über das plötzliche und heftige 
Auftreten der Wildwässer eine kurze Diskussion beizufügen, um der all- 
gemein verbreiteten Anschauung zu begegnen, als ob in der That die 
Niederschlage allein die Katastrophe verschuldet hätten. Alle Milderungs- 
gründe, welche die Naturbeschaffenheit des Gebietes nahe legt, sollen ihre 
Geltung behalten. Diese Ungunst der physischen Verhältnisse trifft aber 
sogar noch schärfer in anderen, gleicherweise überregneten Gegenden zu. 
Abgesehen von Norditalien und Südtyrol verzeichnete man auch in Kärnten 
erheblich größere Regenmengen als im Pusterthal, und doch wurde gerade 
letzterer Landstrich so hart mitgenommen. 

Eingangs wurde erwähnt, daß während der Monate Juni, Juli und 
August in der Nordzone der Alpen bedeutende Niederschläge fielen, ohne 
daß es zu einer Wassersnoth gekommen wäre, welche man auch nur ent- 
fernt in Parallele zu derjenigen im Pusterthal bringen könnte. 

Die folgende Tabelle enthält eine Uebersicht der bezüglichen Regen- 
mengen längs des Alpensaumes von Wien bis Bregenz. 



Niederschläge in der Rnndzone der Nordalpen. 



Millimeter. 




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Die Hochwasserkatastrophe zu Bruneck. 



335 





































I 






Stationen 




Land 


oce- 
bohr 


's 




■«-» 


cy 

da 


ctober 


Jahr 








Meter 








« 


— *. 
c 




Innsbruck . . . 




Nordtyrol 


599 


114 


i 

96 1 121 


56 


83 


767 


Landeck . . . . 




759 


98 


81 


111 


95 


97 


735 






Vorarlberg 


580 


183 


167 


216 


122 


145 


1278 


Feldkirch . . . 




> 


455 


166 


127 


151 


139 


143 


1130 




1 


410 


255 


279 


176 


220 


138 


1588 



Greifen wir vier Stationen, welche nicht durch vorliegende Gebirge 
mehr oder weniger in Regenschatten gestellt waren, nämlich Windisch- 
garsten, Kremsmünster, Ischl und Salzburg heraus und vergleichen wir 
damit die Niederschlüge im Rienzthal. 

Mittlere Monatssummen. 
Millimeter. 





Stationen 


1 Juni | 


Juli 


August 


September 

i 
I 

Zusammen 


Nordalpen .... 
Rienzthal .... 

Rienzthal 4- 


4 
4 


148 
125 


272 
107 


252 
128 


88 j 760 
242 602 




23 | 165 


- 124 , 4- 154 | - 158 



In den Nordalpen war die Regenmenge während der Monate Juni, 
Juli und August bedeutend größer als zu gleicher Zeit im Rienzthal und 
übertraf sogar im Juli und August die so berüchtigten Septemberregen im 
Pusterthal. Auch die Intensität in den einzelnen Abschnitten, worauf 
es bei Inundationen hauptsächlich ankommt, war beträchtlich. Und 
trotz der ausgiebigen Dauerregen blieb jegliche Kalamität abgewendet. Im 
Pusterthal hätten die Regengüsse der Nordalpen bereits im August die 
schrecklichsten Folgen nach sich gezogen. 

Das ganze Unheil der Alpenländer wurde durch eine unvernünftige 
Raubwirthschaft in Wald und Weide heraufbeschworen und gezeitigt. 
Für das labile Gleichgewicht der arg zerrütteten Naturverfassung hätte 
auch ein schwächerer Anstoß genügt. 

Die Mißhandlung des Waldes ist in Tyrol eine althergebrachte 
Uebung. Von jeher besteht der grimme Kampf um den Wald und wurde 



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836 



Agrar-Meteorologie: 



jedesmal zu Gunsten seines Erbfeindes entschieden. Die schlimmste Zeit 
für diesen Schmuck und Schutz der Bergwelt brach aber vor einem Viertel- 
jahrhundert an, und seit diesem traurigen Wendepunkt schlug der Kampf 
um den Wald in einen Kampf gegen den Wald um. Mit der Auslieferung 
des Waldes an die begehrlichen Bauern nach der unglücklichen Schlacht 
bei Solferino und mit der Durchschienung von Kärnten und Tyrol war 
das Signal zur unsinnigen Waldverwüstung gegeben. Dazu gesellte sich 
eine maßlose Ausbeutung der Alpenweiden und Bergraähder zum Vor- 
theile der durch steigende Marktpreise sich immer rentabler gestaltenden 
Viehzucht. 

Die Waldfrage ist namentlich in Tyrol eine Lebensfrage für Land 
und Leute geworden. Tyrol und Vorarlberg unterstehen zwar einer 
und derselben Landesregierung, allein der Unterschied in Waldschutz und 
Ziegenpolizei dies- und jenseits des Arlberges springt in allen seinen 
Konsequenzen scharf in die Augen, mag man wo immer einen Grenz- 
paß überschreiten. Auch in Kärnten hat man nachgerade den Ernst 
der Situation in" strenger Durchführung der gebotenen Maßregeln erfaßt. 
Für Tyrol findet jedoch das Forstgesetz eine so mildo praktische Aus- 
legung, daß sich der Bauer fast als unumschränkter Herr des Waldes 
geberden kann. So gedieh der Waldjammer zum chronischen Verhängniß. 

Durch die stetig sich erneuernden Ueberfluthungen nichts weniger 
als gemahnt, brachte im vorigen Jahre anläßlich des Schützenfestes in 
Innsbruck eine Bauerndeputation in autochthoner Unverfrorenheit ein 
ganz ungeheuerliches Wald- und Ziegenanliegen vor. 

Wer das Pusterthal einmal befahren, wird erstaunt gewesen sein 
über den massenhaften Holztransport auf der Südbahn, sowie über die 
zahlreichen, meist großartigen Brettersägen im Drau- und Rienzthal. Die 
Ueberschwemmung von 1882 hatte wohl gründlich mit diesen Holz- 
veredlungsanstalten auch in den Seitenthälern aufgeräumt, aber phönix- 
artig erstanden sie alsbald aus dem Schutte und entwickelten eine um 
so regere Thätigkeit. Das größte Unglück für das Pusterthal, überhaupt 
für Tyrol, ist der wälsche Holzspekulant mit seiner verständnißinnigen 
Feinfühligkeit für die finanzielle Bedrängniß der etwas üppig sich 
gehabenden Bauernschaft. Der wälsche Waldverderber setzt, nachdem es 
jenseits der Grenzpfahle nichts mehr zu verwüsten giebt, im Nachbarlande 
das Vernichtungswerk mit viel Geschick und Vortheil beharrlich fort. 



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Die Hochwasserkatastrophc zu Bruneck. 



337 



lieber alle diese desolaten Zustände ist schon so viel geschrieben 
worden, daß man damit ganze Sehränke füllen könnte, aber bis zur 
Stunde hatten diese patriotischen Bemühungen keinen greifbaren Erfolg. 

Ist es nun mit der Waldwirtschaft in Tyrol, insofern es nicht 
Staats- und Fondsforste betrifft, überhaupt schlecht bestellt, so sieht es 
oberhalb der Baumgrenze in jener Region, auf deren weiten Räumen der 
Hauer unterschiedliches Vieh sömmert, womöglich noch klüglicher aus. 
Freilich entzieht sich diese Mißwirtschaft viel leichter als der Wald 
dem forschendem Blick. In dieser, auf alle mögliche Weise sehmählich 
geschundenen Hochregion entspringen, hervorgerufen durch Hochwetter mit 
Hagelschlag, welcher in den häutigsten Fällen eine Folge des abgeholzten 
Waldgürtels ist, außerdem begünstigt durch die weiche Schieferhülle der 
Bergflanken, die unbändigsten Wildbäche und gelangen bereits tiberladen 
mit Schutt und Schlamm in die Waldregion, welche, weil devastirt, schon 
beim ersten Anpralle nachgiebt. Die mit Glacial- und Gehängeschutt 
überlagerten Lehnen liefern weitere Zuschüsse. Der wuchtigen Stoß- und 
Schlagkraft einer solchen, noch mit Holzmassen befrachteten Wasserfluth 
ist das Flußthal mit seinen beweglichen Uferrändern widerstandslos 
preisgegeben. 

Die in Angriff genommenen Schutz- und Regulirungsbauten an den 
Wildbächen und Flüssen können sich erst dann in vollem Umfange 
behaupten, wenn in der Hoch- und Waldregion der unabweisbare Wandel 
geschaffen und so viel als möglich der ursprüngliche Zustand wieder 
hergestellt ist. Nur mit diesem Schlußring in der Kette der Maßnahmen 
kann der gänzliche Ruin des Gebirges aufgehalten werden. 



338 



Agrar-Meteorologie : 



Neue Litteratur. 

«7. Hann. Ueber den Einfluß de* Waldes auf die klimatische Tem- 
perator. Meteor. Zeitschrift. Bd. III. 1886. Heft 9. S. 412. 

In einer größeren Abhandlung: „Die Temperaturverhältnisse der österr. 
Alpenländer" hat Verf. Gelegenheit gehabt, verschiedenartige Lokaleinflüsse auf 
die Tcmperaturbestimmungen zu konstatiren. Ebenso wie über den Einfluß der 
Städte auf die Lufttemperatur') beabsichtigt Verf. in vorliegender kleinen Studie 
über den Einfluß des Wiener Waldes auf die Luftwärme die Ergebnisse der 
betreffenden Zusammenstellungen zu reproduciren. 

Die Temperatur in der Umgebung von Wien im freien Lande außerhalb des 
Waldgebietes zeigen folgende Orte mit längeren Beobachtungsreihen. Die Mittel 
sind sämmtlich auf die Periode 1851 SO redneirt, sowie auf die gleiche Seehöhe 
von 200 m. 





Jan. 


April 


Juli 


Okt. 


Jahr 


Hohe Warte 


-1,4 


9,6 


19,9 


10,1 


9,3 


Neue Sternwarte 


-1,5 


9,5 


19,8 


10,1 


9,2 


Modling 


-1,1 


9,8 


20,2 


10,4 


9,6 


Perchtolsdorf 


— 1,2 


9,6 


20,5 


10,4 


9,6 



Diese 4 Orte repräsentiren : die beiden ersten die kühleren Lagen, die zwei 
letzteren die wärmeren Lagen in der nächsten Umgebung von Wien im Freilande. 
Nimmt man die Mittel dieser Temperaturen, so darf man dieselben für die Um- 
gebung von Wien im Allgemeinen gelten lassen. 

Zum Vergleich zieht Verf. die Beobachtungen der Station Hadersdorf heran, 
welches nur 11 km von dem jetzigen meteorologischen Observatorium auf der 
hohen Warte entfernt liegt und in vollkommen verläßlicher Weise die Wärme- 
verhältnisse in den Tbälern des Wiener Waldes, in denen der Wald bis zur 
Thalsole herabreicht, repräsentirt. Der Höhenunterschied zwischen Hadersdorf 
und der hohen Warte beträgt nur 28 m, ist also in Bezug auf den Temperatur- 
unterschied fast zu vernachlässigen (mittlere Korrektion ca. 0,14° C). Die Thermo- 
meter der meteorologischen Centralanstalt sind im Nordschatten des Instituts- 
gebäudes in einem Jalousiehäuschen aufgestellt, jene in Hadersdorf in einer 
Blechbeschirmung vor einem Nordfenster. Daß dieser Unterschied der Aufstellung 
keinen merklicheu Einfluß auf die damit erlangten Mitteltemperaturen bat, bezeugt 
die große Uebereinstimmung der Temperaturmittel jener Stationen in der Um- 
gebung von Wien, welche ähnliche Lage haben. 

Es ergiebt sich daher folgender Vergleich der Temperatur innerhalb und 
außerhalb des Wiener Waldes in 200 m Seehöhe. 





Jan. 


April 


Juli 


Okt. 


Jahr. 


A. Freiland: wanne Lage: 


-1,2 


9,7 


20,3 


10,4 


9,6 


B. „ küblere Lage: 


-1,4 


9,6 


19,9 


10,1 


9,3 


C. Wiener Wald: küble Lage: 


-0.9 


8.7 


18,6 


9,3 


8,4 


C-H. 


-0,5 


-0,9 


-1,3 


-0,8 


-0,9 



') Diese Zeitschrift. Itd. IX. 1886. 8. 157. 



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Neue Litteratur. 



339 



Es ergiebt sich hieraus, daß die Waldtbfller des Wiener Waldes eine sehr 
erheblich niedrigere Temperatur haben als das freie Land am Rande desselben. 
Wie zu erwarten, ist der Einfluß imWinter am kleinsten, im Sommer am größten 
(Waldbestand: reiner Buchenwald). Man würde aber irren, wenn man daraus 
schließen wollte, daß die Temperaturdifferenz auch im täglichen Gange in analoger 
Weise am Nachmittage am größten sei. Dies ist nicht der Fall, wie folgende 
Differenzen zeigen. 

Hadersdorf - Hohe Warte 1875/84. Grade Celsius. 





7U. 


2U. 


9 11. 




7U. 


211. 


9U. 


Oktober 


-0,8 


-0,1 


-1,8 


April 


-0,9 


-0,4 


-1,5 


November 


-0,7 


-0,1 


-0,9 


Mai 


-1,2 


-0,2 


-2,0 


Deoember 


-1,0 


0,0 


0,6 


Juni 


-1,2 


-0,1 


— 2.2 


Januar 


-0,6 


0,1 


-0,7 


Juli 


-1,0 


-0,3 


2,5 


Februar 


-0,8 


0,1 


-1,1 


August 


-1,1 


-0,3 


-2,3 


März 


-1,1 


-0,3 


— 1,5 


September 


-1,1 


-0,4 


-1,9. 



Am geringsten ist der Temperaturunterschied in den wärmeren Stunden des 
Tages, am größten in den kälteren. Abends und am frühen Morgen ist der 
Einfluß des Waldes auf die Erniedrigung der Lufttemperatur am größten. Es 
stimmt dies völlig mit den unmittelbaren Eindrücken, die man von einem Aufenthalt 
in einem Waldthale empfängt. Um die Mittags- und Nachmittagsstunden spürt 
man am wenigsten von einer Abkühlung der Luft durch die umgebenden Wälder, 
am Abend und am frühen Morgen macht sie sich dagegen sehr empfindlich fühl- 
bar. Die Thaubildung ist in den Thälern des Wiener Waldes während des 
Sommers eine sehr reichliche und die nasse Kühle wird Abends nach Sonnen- 
untergang sehr unangenehm empfunden. Die Tempcraturdifterenzen um 7 U. 
Morgens sind deshalb auch im Sommer viel kleiner als jene um 9 U. Abends; 
jener Termin steht bloß 5 Stunden von Mittag ab, dieser 9 Stunden. Die Tem- 
peraturdifferenzen Wien, alte Sternwarte, gegen hohe Warte zeigten eine ganz 
analoge Erscheinung; sie waren Morgens und Abends am größten, Nachmittags 
2 U. am kleinsten. 

Für die Jahreszeiten stellen sieh die Temperaturdifferenzen wie folgt. Die 
Temperatur ist in Hadersdorf niedriger als auf der hohen Warte: 





7 U. Vorm. 


2 U. Nachm. 


9 U. Abends. 


Winter 


0,8 


0,0 


0,8 


Frühling 


1,1 


0,3 


1,7 


Sommer 


1,1 


0,2 


2,3 


Herbst 


0,9 


0,3 


1,4 


Mittel: 


1,0 


0,2 


1,6. E. W. 



L. Anderlind. Ueber den Einfluß der Gebirgswaldungeii im nördlichen 
Palästina auf die Vermehrung der wässrigen Niederschlüge daselbst. Zeit- 
schrift des deutschen Palästinavereins. VIII. S. 101 und „Der Naturforscher - 1886. 
Nr. 14. S. 155. 

Der Verf. theilt zunächst die nach zehnjährigen Erhebungen zwischen 1869 und 
1878 ermittelten Jahresdurchschnitte für den Regenfall in Jerusalem und Nazarcth 
mit: ersteres hat 57,0 cm, letzteres 61,2 cm, also dieses 4,2 cm — 7,3° ( o mehr. 
— Da aber Jerusalem im Mittel etwa 500 m höher liegt als Nazareth (266 m), so 
E Wollny, ForMchungen IX. 23 



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340 



Agrar-Mcteorologie: 



bedürfen diese Zahlen, um direkt vergleichbar zu werden, einer Korrektion, zu 
welcher uns Verf. durch die Angabe, daß in Jerusalem in einer 5jährigen Be- 
obachtungszeit 11 cm mehr Regen .jahrlich gefallen sei als in der nordwestlich 
am Meer gelegenen Stadt Jafa, eine immerhin brauchbare Basis giebt. Darnach 
würde in dortiger Gegend ein Unterschied von 100 m absoluter Erhebung einen 
um 1,4 cm stärkeren Regenfall verursachen und sollte demgemäß Jerusalem 
gegenüber von Nazareth 7,1 cm mehr haben, während es 4,2 weniger hat, so daß 
die wirkliche Differenz 11,3 cm = 20°/o betragen würde. 

Nun giebt Verf. ausführliche Darstellungen über die Bewaldung in den 
näheren und ferneren Umgebungen beider Städte und zeigt, daß Jerusalem auf 
45 — 75 km Entfernung eigentlich gar keinen Wald hat. Dagegen ist das 103 km 
nördlich von Jerusalem gelegene Nazareth „fast auf allen Seiten von ansehnlichen, 
zum Theil vollkommenen Waldungen umgeben", welche bis auf 3 km Entfernung 
an dasselbe heranrücken und einen doppelten Kranz darum bilden. 

Die Bestockung wird vorherrschend aus Laubholz gebildet, aus verschiedenen, 
theils immergrünen Straucharten und den beiden Eichenarten, der wintergrünen 
Kermes- (Quereus coccifera L.) und der sommergrünen Knopperneiche (Quereus 
aegilops L.), wozu noch der wilde Johannisbrodbaum (t'eratonia siliqua) kommt 

Der Verf. anerkennt selbst die Schwierigkeit einer genaueren Bestimmung 
des Bewaldungsprocentcs, da Detailvermessungen überhaupt nicht stattgefunden 
haben und deshalb die Flächen nur annähernd aus der Generalkartc von Palästina 
berechnet werden können. Daraus bestimmt er 258 qkm vollbestockte Waldtläche 
oder 6 °/o des ganzen Landes. Die Wirkung dieser verhältnißmäßig geringen 
Fläche wird dadurch verstärkt, daß der größere Waldkomplex auf der süd- 
westlichen Seite gegen das Meer vorliegt, so daß also dadurch die Abkühlung 
der Luft und die Verdichtung der Wasserdämpfe zu Regen für den gegebenen 
rückwärts gelegenen Beobachtungspunkt wesentlich gesteigert werdeu muß. 

Aber nicht bloß die Menge des jährlichen Regens, auch die Gleichmäßigkeit 
des Regenfalls ist in Nazareth merklich größer. Zu Jerusalem schwankte die 
Regenhöhe in genannten 10 Jahren zwischen 31,8 und 109,1, in Nazareth dagegen 
nur zwischen 37,4 und 89,6 cm. lieber die Vertheilung der Regenmenge auf die 
einzelnen Monate oder Jahreszeiten sind keine Materialien beigebracht, obgleich 
der Verf. anführt, daß eine Mißernte in sichere Aussicht zu nehmen sei, wenn 
zur Zeit der Körnerreife nur einige cm Regen zu wenig fallen. 

R. Aß manu. Der Einfluß der tiebirge auf das Klima von Mittel- 
deutschland. Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. Bd I. 18*6 
Heft «, und Meteor. Zeitschrift. Bd. III. 188«. Heft 9. S. 42«. 

In Folge der eigentümlichen Bodengestaltung, des raschen Wechsels von 
Hoch und Niedrig, gestaltet sich das Klima von Mitteldeutschland zu einem Bilde 
von „mosaikartiger Mannigfaltigkeit und scheinbarer Unentwirrbarkoit, bei welchem 
die Aussonderung der auf dieselbe Ursache zurückführbaren Erscheinungen erheb- 
lichen Schwierigkeiten begegnet". Den markantesten Faktor, den Einfluß der 
Bodenerhebungen von Fall zu Fall auszusondern und seine Wirkungen festzu- 
stellen, ist die Aulgabe, die der Verf. der vorliegenden Schrift sich gestellt hat. 

Das behandelte Gebiet umfaßt die Provinz Sachsen, die thüringischen Staaten, 
ferner Anhalt und Braunschweig. Ausgeschlossen werden mußte hingegen leider 



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Neue Litteratur. 



341 



„der in mancher Beziehung abweichenden Beobachtungsmethoden und- Zeiten" 
wegen das Königreich Sachsen. 

In der Einleitung wird in übersichtlicher Weise ein Bild der Bodengestaltung 
Mitteldeutschlands gegeben, das durch die vom Verf. entworfenen Höhenprofile, 
sowie durch die treffliche Uebersichtskarte, die gleichzeitig die Grundlage der 
klimatologischen Karten bildet, wesentlich vervollständigt wird. 

Die meteorologischen Resultate des Verf. an dieser Stelle wiederzugeben, 
verbietet der Raum ; es sei in Bezug auf Einzelheiten auf das Original selbst ver- 
wiesen. Doch möge es gestattet sein, auf einige Ergebnisse, die besonderes 
Interesse beanspruchen, aufmerksam zu machen. 

Auf Grund der einwurfsfreien Luftdruckbeobachtungen an 16 Stationen in 
den Jahren 1883 — 1885 entwirft der Verf. Isobarenkarten für das .lahr wie für 
die einzelnen Jahreszeiten und zeigt hierbei, daß nordöstlich des Harzes wie des 
Thüringer Waldes durch eine südliche, sehr erhebliche Ausbuchtung der Isobaren 
die Existenz zweier kleiner Theildepressionen angezeigt wird. Da diese Aus- 
buchtungen sich im Mittel zu allen Jahreszeiten zeigen und bei Reduktion der 
Barometerstände auf das Meeresniveau wie auch auf die Niveaufläche von 300 m 
Höhe in gleicher Lage auftreten, so dürfte an der Thatsächlichkeit dieser Er- 
scheinung nicht zu zweifeln sein, umsomehr als die vom Verf. gegebene Erklärung 
des Phänomens eine durchaus natürliche ist. Die deutschen Mittelgebirge erbeben 
Bich aus dem sanft vom Euße der Alpen nach Norden sich senkenden Gebiet und 
werden fortwährend von den Winden bestrichen, die den auf der Nord- und Ost- 
see dahinziehenden Depressionen zuwehen. Je größer die Rpibungswiderstände 
sind, die das Abfließen der Luft zu hindern trachten, desto größere Gradienten 
sind zu ihrer Ueberwindung nothwendig. Es werden sich daher im Gebiet eines 
Hindernisses, das sich der Luftabfuhr entgegenstellt, die Isobaren in Ausbuchtungen 
einander zu nähern suchen, während sie in Gebieten mit geringer Reibung sieb 
von einander entfernpn. In dieser Weise wird die Druckvertheilung abhängig 
von der Bndengestaltung ; der Druck wird auf einem Druckabhang, auf dem sich 
Gebirge senkrecht zur Richtung des Gradienten erheben, nicht gleichmäßig, sondern 
treppenförmig abnehmen, und in Lee der Gebirge werden sich Gebiete finden, 
welche sich, verglichen mit den Nachbargebieten rechts und links, denen Hinder- 
nisse fehlen, durch niedrigen Druck auszeichnen. Eine Bestätigung dieser Theil- 
minima nordöstlich des Harzes und Thüringer Waldes glaubt Verf. in den zweit- 
häuftigsten Windrichtungen zu finden. 

Bei Besprechung der Temperaturverhältnisse wird vor Allem die Bedeutung 
der Lokaleinflusse erörtert. Es werden die Mitteltemperaturen des Jahres und 
der Jahreszeiten mit Hilfe der Reduktionsgröße 0,5° pro 100 m auf das Meeres- 
niveau reducirt. Daß trotz dieser Reduktion die Höhen der Berge zu kühl 
bleiben, hängt natürlich davon ab, daß die gewählte Reduktionsgröße 0,-V kleiner 
ist als die empirisch fiir das Gebiet geltende. Letztere hat J. Hann für den 
Harz zu 0,58° gefunden. 

Aus einer Zusammenstellung der mittleren absoluten Maxima und Minima 
des Jahres leitet der Verf. ab, daß erstere höher in Lee der Gebirge sind als 
an deren Luvseite, die Minima in Lee des Thüringer Waldes niedriger als an 
dessen Südseite, ein Gegensatz, dtr am Harz fehlt und daher wohl weniger auf 

23* 



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342 



Agrar- Meteorologie: 



den Gegensatz von Luv* und Leeseite, als vielmehr auf die Gestaltung des 
Thüringer Beckens zurückzuführen ist, die nach den Ausführungen des Verf. für 
intensive Erkaltung mit Temperaturumkehr in der Höhe sehr günstig ist. — Die 
mittlere Jahresschwankung ist an der Luvseite der Gebirge erheblich kleiner als 
an deren Leeseite: „Die Gebirge Mitteldeutschlands verleihen den Temperatur- 
verhältnissen ihrer in Lee gelegenen Niederungen einen erheblich kontinentaleren 
Charakter." Im Winter äußert sich jedoch der Einfluß der Meeresnähe darin, 
daß zwar die Südseite des Thüringer Waldes wärmer ist als dessen Nordseite 
und die Südseite des Harzes wärmer als die letztere, gleichwohl aber kälter als 
die dem Meere so viel nähere Nordseite des Harzes. Einige Orte der Nordseiten 
beider Gebirge haben unter dem Einfluß föhnartiger Erscheinungen relativ hohe 
Wintertemperaturen. 

Im III. Abschnitt zeigt der Verf. die so enge Abhängigkeit der Hydro- 
meteore von den Bodenformen, der Bewölkung wie der Regenmenge, welche 
beide in Lee der Gebirge Minima aufweisen, während an der Luvseite die Er- 
hebungen durch Vermehrung der Hydrometeore sich bereits in großer Entfernung 
fühlbar machen. Daß der Harz gegenüber dem Thüringer Wald durch größere 
Bewölkung und größere Niederschläge sich auszeichnet, entspricht seiner exponir- 
ten Lage. Interessant ist, daß die Niederschlagshäufigkeit keine von den Gebirgen 
direkt abhängige Verthcilung zeigt, und in Folge dessen die mittlere Nieder- 
schlagsdichtigkeit an der Luvseite der Gebirge größer zu sein scheint als an 
deren Leeseite. 

Eine Schilderung der klimatischen Bezirke Mitteldeutschlands bildet den 
letzten Theil des Werkes, desseu Hauptergebniß Verf. in nachfolgendem Schluß- 
satz zusammenfaßt: 

„Der Einfluß der Gebirge auf das Klima Mitteldeutschlands äußert sich 
hauptsächlich in der Weise, daß die Luvseiten der Gebirge nächst ihrem nächsten 
Vorlande ein limitirtes, die Leeseiten bis auf weitere Entfernungen hin ein ex- 
cessiveres Klima erhalten. Das Binnenlandsklima wird daher in ein Küsten- und 
in ein verstärkt kontinentales Klima zerspalten ; die erheblich größere Wirkungs- 
sphäre der Gebirge nach ihrer Leeseite hin bedingt als allgemeines Resultat der 
Gebirgswirkung eine Vermehrung der Kontinentalität. Andererseits sind die Ge- 
birge selbst für die Regenbenetzung von erheblichstem Einfluß, indem sie gewisser- 
maßen Fangapparatc für den atmosphärischen Wasserdampf darstellen." 

M. r. E. Berthelot und Andr6. Ueber die stickstoffhaltigen Süd« 
stanzen Im Regenwasser. Compt. rend. T. CIL 1886. pag. 957, und „Natur 
wissenschaftliche Rundschau". 188«. Nr. 28. S. 256. 

Wie wichtig die Zufuhr stickstoffhaltiger Substanzen durch den Regen für 
den Boden, ist bekannt: aber die genaue und vollständige Ermittelung dieser Zu- 
fuhr bietet ganz besondere Schwierigkeiten. Meist begnügt man sich damit, den 
Stickstoff des im Niederschlagwasser frei oder gebunden vorkommenden Ammoniaks 
und den Stickstoff der Salpetersäure zu bestimmen; aber im Regeuwasser sind 
noch weitere stickstoffhaltende Substanzen in Form von Staubtheilchen enthalten, 
welche zuweilen dem Boden fast ebenso viel Stickstoff zuführen wie die Am- 
moniaksalze 1 ). 

») Vergl. die Untersuchungen von A. Uty. Diese Zeitschrift. Bd. VI. 1883. 8. 180 u. Iii. 



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Neue Litteratur. 



343 



Die Verff. haben dies in der Weise nachgewiesen, daß sie das Regenwasser 
filtrirten und nach der gewöhnlichen Analyse des Wassers auf seinen Stickstoff- 
gehalt, den mit unlöslichem Staube beladenen Filter auf Stickstoff untersuchten. 

Es wird hierbei darauf aufmerksam gemacht, daß die Analyse des Regen- 
wassers gleich nach dem Niederfallen ausgeführt werden muß, weil beim Stehen 
des Wassers sich aus den Luftkeimen bald Organismen entwickeln, die das 
Ammoniak und die salpetrige Säure umwandeln. 

Will man daher genau die Zufuhr des Stickstoffs durch die Niederschläge 
bestimmen, so muß man vier Bestimmungen ausführen: man hat den Stickstoff 
zu messen im freien Ammoniak, im gebundenen Ammoniak, in der salpetrigen 
Säure und im Staube. Die letztere Quelle ist besonders wichtig bei kurz dauern- 
dem Regen und bei Schneefällen. 

In der nächstfolgenden Sitzung der Pariser Akademie (C. r. III. 1001; trat 
Th. Schlösing diesen letzteren Angaben entgegen mit dem Hinweis darauf, daß 
nach seinen exakten Messungen die trockene wie die feuchte Ackererde der Luft 
Ammoniak entzieht, und zwar die feuchte Erde noch mehr wie die trockene, weil 
sich in der feuchten das Ammoniak in Nitrate verwandelt, und daher die Ammoniak- 
spannung in der feuchten Erde stets kleiner ist als in der Luft. 

In einer anderen kurzen Mittheilung an die Pariser Akademie behandeln 
dieselben Verfasser die Dosirung des Ammoniaks im Boden und Meisen ganz 
besonders die großen Verluste an Ammoniak nach, welche der Boden durch das 
Trocknen sowohl bei 100° als im Vakuum erfährt. Man muß daher den Boden, 
dessen Ammoniak man bestimmen will, niemals vorher austrocknen, sondern den 
Wassergehalt in einem besonderen Verfahren bestimmen. 

Die Verff. machen ferner darauf aufmerksam, daß der vom Regen durch- 
feuchtete Boden beim natürlichen Austrocknen gleichfalls Ammoniak verliert (?) 
und dieser Proceß geht in der Weise vor sich, daß die Ammoniaksalze mit den 
Alkalikarbonaten eine Doppelzcrsetzung eingehen, bei welcher sich kohlensaures 
Ammoniak bildet, das sich theilweise zersetzt, wobei Ammoniak in die Atmo- 
sphäre entweicht Wenn Karbonate im Boden fehlen, dann fällt auch die Zer- 
setzung der Ammoniaksalze und das Entweichen des Ammouiaks in die Luft aus. 

O. Kellner, Untersuchungen Aber den Gehalt der atmosphärischen 
Niederschläge an Stickstoffverbindungen. Landw. Jahrbücher. Bd. XV. 1886. 
S. 701—708. 

Die eigenartigen meteorologischen Verhältnisse in Japan gaben dem Verf. 
Veranlassung, im Anschluß an die in Europa angestellten Beobachtungen, solche 
auch für die dortige (»egend (Tokio) anzustellen. In Folge der Lage des Landes 
im nordöstlichen Theile des indo- chinesischen Monsungebietes sind während der 
heißesten Jahreszeit (Juni bis September; südwestliche, im übrigen Theile des 
Jahres nordöstliche Winde vorherrschend. Zur Zeit des Monsunwechsels, im 
Juni und September, giebt es alsdann sehr reichliche Niederschläge, die gewöhn- 
lich wiederkehren, bis der neue Monsun den alten verdrängt hat; so entsteht 
denn zweimal im Jahre eine 4— <"> wöchentliche Regenporiode. Aber auch die 
übrige Zeit ist keineswegs arm an Regen. — Gleichzeitig mit einer großen 
Feuchtigkeitsmenge führt der Sommermonsun dem Lande einen bedeutenden 
Wärmezuschuß aus den Tropen zu, wahrend im Winter die Kälte des Nordost 



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344 Agrar-Meteorologie : 

durch einen warmen, von den Küsten Chinas kommenden Meeresstrom, sowie 
durch die Wassermassen des stillen Oceans Oberhaupt, sehr gemildert wird. 

Die Salpetersäurebestimmungen in den Niederschlägen aus dem Jahre 
1883 '84 ergaben folgende Resultate: 

Zahl der „. . , . Mittlere Salpetersäure 
Regentage 18 ersc 1 a ^ Temperatur pro Liter pro ha. 

"C. vag g 



November 8 38,99 9,7 0,677 263,8 

December 8 35,05 4,9 ) Q m \ ^ 

Januar 8 42,38 2,o J 1 

Februar 8 52,82 2,6 0,504 263,6 

März 13 165,49 5,9 0,208 343,9 

April 12 235,78 11,5 0,192 452,6 

Mai 11 131,56 15,2 0,387 508,8 

Juni 13 203.11 19,5 0,191 387,6 

JiH W 111,60 23,3 ] AO , B | 



j 0,215 j 



August 12 84,70 23,8 

September 11 149,09 21,4 ' 0,336 ' 500,7 

Oktober 6 87,12 15,6 0,563 490,5 



Pro Jahr 113 1337,19 13,0 0,3285 4392,4 

Der im Vergleich zu den Resultaten anderweitiger Untersuchungen geringe 
Gehalt der Niederschläge an Salpetersäure erklärt sich aus den groben Nieder- 
schlägen, die namentlich während der Sommermonate und Regenperioden oft 
mehrere Tage anhalten und die Luft derartig von den an und für sich leicht 
auflöslichen Nitraten und Nitriten befreien, daß sich in dem am zweiten ond 
dritten Tage fallenden Regen von ihnen fast nichts mehr vorfindet. 

Dementsprechend waren die Niederschlüge im Sommer beträchtlich ärmer 
an Salpetersäure als im Winter; es beträgt nämlich der Gehalt pro Liter 

von September bis Februar 0,562 mg, 
» März » August 0,227 » . 

Die Ergebnisse der Ammoniakbestimmungen sind in folgender Tabelle 
enthalten: 

Zahl der . Mittlere Ammoniak 

Regentage ^ ,e<lersch,a g Temperatur pro Liter pro ha. 
18^5. mm °C. mg g 

Januar 2 23,1 1,7 0,561 129,6 

Februar 8 31,2 2,3 0,529 165,1 

März 10 89,5 4,7 0,240 214,7 

April 16 177,1 10,8 0,169 299,5 

Mai 10 70,7 15,1 0,167 118,4 

Juni 15 277,9 20,3 0,138 373,8 

Juli 8 269,4 23,0 0,076 204,0 

August 5 129,9 25,2 0,117 151,3 

September 11 71,4 21,9 0,250 178,2 

Oktober 14 272,9 16,0 0,075 205,7 

November 11 107,1 10,4 0,195 209,3 

December 3 60,5 5,9 0,284 171,7 

~Pro Jahr IÖÜT 1580,7 18,1 ~0,153" ~2421^r 



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Neue Litteratur. 



345 



Ebenso wie bereits hinsichtlich der Salpetersäure bemerkt wurde, ist die 
Koneeutration der Niederschläge während der Wintermonate höher als während 
der Sommerzeit, was auch hier auf rein ortliche Verhältnisse, nämlich auf die 
durch die beiden Monsunwechsel bedingte, ungemeine Intensität der Regengüsse 
während des Sommers znrückgeführt werden muß. 

Auf die Fläche von 1 ha sind in Tokio im Laufe eines Jahres herniedergefallen 
in Form von Salpetersäure 0,650 kg Stickstoff, 
» » • Ammoniak 1,994 » » 

insgesammt 2,644 kg Stickstoff. 
Trotzdem also hier die Regenhöhe doppelt so hoch ist als die von Rotliam- 
sted (876 mm), bleibt die Stickstoffmenge, welche alljährlich dem Boden durch 
die Niederschläge zugeführt wird, unter der für letzteren Ort ermittelten Zahl; 
es wurde nämlich dort gefunden: 

Stickstoff in Form von Salpetersäure: 0,829 kg, 
» » » » Ammoniak: 2,763 > 

insgesammt: 3,592 kg, 
wobei bemerkenswerther Weise das Verhältniß des Salpetersäurestickstoffs zu dem 
in Ammoniakform vorhandenen an beiden Orten fast das gleiche ist; dasselbe stellt 
sich nämlich für Tokio auf 1 : 3,00, für Rothamsted auf 1 : 3,33. 

Die Schlußfolgerungen aus vorsteh. Versuchsergebnissen präcisirt Verf. wie folgt : 

1. Der Gehalt eines atmosphärischen Niederschlags an Stickstoffverbindungen 
hängt vor Allem ab von der Intensität und Dauer desselben; je größer die Inten- 
sität und je länger die Dauer, desto geringer ist die Koneeutration. 

2. Selbst unter verschiedenen klimatischen Bedingungen bleibt sich die 
Koncentration der Niederschlüge gleicher Höhe im Durchschnitt einer großen 
Anzahl von Fällen annähernd gleich. 

3. Das Verhältniß des Stickstoffs in Form von Ammoniak zu dem in Form 
von Salpeter- und salpetriger Säure bleibt in den Niederschlägen selbst unter 
verschiedenen klimatischen Verhältnissen (Rothamsted und Tokio) sehr konstant. 

4. Die jährliche Niederschlagsmenge bietet gar kein Maß für die absolute, 
einer gegebenen Fläche zugeführte Quantität gebundenen Stickstoffs, sondern es 
kommt hierbei vor Allem auf die Intensität und zeitliche Vertheilung der einzelnen 
Niederschläge an, derart daß z. B. in Tokio bei einer jährlichen Niederschlags- 
menge von ca. 1500 mm nur 2,6 kg Stickstoff pro Hektar niederfallen, wogegen 
in Rothamsted bei der beträchtlich geringeren Regenhöhe von 780 mm mehr, 
nämlich 3,6 kg, in den Boden gelangen. K W. 

O. Kellner, üeber die Stickstoffmengen, welche dnreh verschiedene 
Absorptlonsflilssigkeiten der Atmosphäre entzogen werden »). Laudw. Jahr- 
bücher. Bd. XV. 1886. S. 709-711. 

Verf. beabsichtigte, das Maximum an gebundenem Stickstoff festzustellen, 
welches der Ackerboden der Atmosphäre zu entziehen vermag. In dem Betracht 
jedoch, daß diese Stickstoffmengen so gering sind, daß es unmöglich ist, dieselben 
nur annähernd genau zu ermitteln, nahm er seine ZuHucht zu anderen absor- 
birenden Mitteln. Er wählte eine 5 °/o Schwefelsäure für die Absorption des 

») Vergl. die Untersuchungen von R. «hurjVA. Diese Zeitsehrift. Bd. IV. 18*1. 8. 44«. 



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346 



Agrar-Meteorologie : 



Ammoniaks und eine ebenso hoch konzentrirte Lösung von Kalikarbonat für die 
Bindung der Salpeter- und salpetrigen Säure. Die Flüssigkeiten wurden in ein 
Gefäß von 26 cm Durchmesser und 200 ccm Inhalt gebracht und waren immer 
drei Monate lang der Luft ausgesetzt'). Die Ergebnisse waren folgende: 

Ammoniak Salpeter u. salpetrige 
rw.,»« Mittlere ahsorbirt 8aure absorbirt 

Uatum Temperatur pro ha pro ba 

November 1884 - Januar 1885 . . . 3,9 »C 1,672 kg 1,304 kg 

Februar bis April (1885) 5,9 „ 3,604 „ 1,685 , 

Mai bis Juli (1885) 19,5 „ 3,943 „ 0,824 , 

August bis Oktober (1885) 21,0 „ 4,958 , 1.204 n 

Im ganzen Jahr: — 14,308 kg 5,017 kg. 

Auf Stickstoff berechnet ergeben sich folgende Zahlen : 

in Form von Ammoniak 11,78 kg 

» » » Salpetersäure u. s. w. 1,30 » 

Gesammtstickstoff: 13,08 kg. 
Zählt man den Stickstoff der atmosphärischen Niederschlüge im Betrage von 
2,64 kg hinzu, so ergiebt sich eine Menge von 15.72 kg gebundenen Stickstoff 
pro Jahr und Ilektar. Weitere Uiitersuehungeu sollen darüber entscheiden, welche 
Abweichungen von diesem Maximum die verschiedenen Bodenarten aufweisen. 

E. W. 

PF« Köpjten, Luftfeuchtigkeit und Nachtfrost. Meteor. Zeitschrift. 
Bd. III. 1*86. S. 123 u. 124. 

Bekanntlich hatte C. Laruf 1 ) in einem die Prognose der Nachtfröste be- 
treffenden Aufsatz den Satz aufgestellt, daß Nachtfrost nicht eintritt, wenn der 
Thaupunkt der Luft über 0 Ü liegt, daß Nachtfrost dagegen zu befürchten ist, 
wenn der Thaupunkt unter den Gefrierpunkt sinkt. Hierbei ist aber, wie Verf. 
vorliegender Notiz bemerkt, stillschweigend vorausgesetzt, daß die, doch wohl in 
den Nachmittags- oder nicht zu späten Abendstunden zu machende Beobachtung 
Gültigkeit auch für die Zeit der kältesten Nachtstunden habe und die Dampf- 
spannung in dieser Zeit sich nicht wesentlich ändern werde. Dieselbe Voraus- 
setzung ist auch von anderen Schriftstellern über diesen Gegenstand gemacht 
worden, eine nähere Prüfung ihrer Richtigkeit dürfte indessen angezeigt sein. 
Es soll dabei zunächst von den gelegentlichen, unperiodischen Aenderungen der 
Duustspaunung abgesehen und nur ihre periodische Aenderungen ins Auge gefaxt 
werden. Hierzu gebricht es allerdings bis jetzt noch außerordentlich An Material. 
Aus Deutschland findet Verf. an Beobachtungen, welche die Dunstspannung auch 
für die Zeit des Temperaturminimums im Sommer angeben, nur jene vou München; 
nimmt man die Zahlen aus Lanp's Monographie des Klimas von München, ferner 
jene für vier russische Stationen ans der Abhandlung von H. Wild über den täglichen 

M Offen i können die mittelst der beschriebenen Versuchsmethode ermittelten Werth? 
nicht auf die Ackererde übertragen werden, weil sich diese in Bezug uuf die Absorption des 
Ammoniaks und der Salpetersäure wesentlich anders verhalt als die benutzten Absorption* 
mittel. Aus diesem Grunde hat auch lief, den Titel der Arbeit, welchen Verf. im Original 
auf die Absorption des gebundenen Stickstoffs durch die Ackererde bexog, abgeändert 
Der Ref. 

'■>) Diese Zeitschrift. IUI. VII. 1*81. S. t3S. 



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Neue Litteratur. 



347 



und jährlichen Gang der Feuchtigkeit in Rußland und endlich jene für Melbourne 
aus Neumayer: Discussion etc., so erhält man die folgende Uebersicht für denjenigen 
Monat, dessen Nachtfröste bei uns am meisten gefürchtet sind, den Mai (Melbourne 
November), wobei e die Dampfspannung in mm, T den Thaupunkt bedeutet: 



Es ist hiernach der normale Thaupunkt zur Zeit des nächtlichen Temperatur- 
minimums im Allgemeinen im Mai um 1° bis 2° niedriger als um 0 U. Abends, 
eine Differenz, welche zu beachten ist, wenn aus Feuchtigkeitsbestimmungen am 
Tage auf die Frostgefahr für die folgende Nacht geschlossen werden soll. K. W. 

A. Kammermann. Yorausbestimiiiuug des nächtlichen Temperatur- 
mlnimnms. Meteor. Zeitschrift. Rd. III. 188«. S. 124-128. 

Verf. hat in zwei, in den Archives des Sciences physiques veröffentlichten 
Arbeiten die auf dem Thaupunkt basirte und noch zwei neue Methoden der Vor- 
ausbestimmung des nächtlichen Temperatnrminimums untersucht und kommt dabei 
zu folgenden Resultaten. 

Es zeigte sich zunächst bei Anwendung erstercr Methode, daß in ungefähr der 
Hälfte der Fälle das nächtliche Minimum unter die am Abend bestimmte Temperatur 
des Thaupunktes sinkt. Die Differenz zwischen der um 9\i U. Abends ermittelten 
Temperatur des Thaupunktes und dem nächtlichen Minimum betrug (in Genf): 
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Septbr. Okt. Novb. Decbr. 



-1,8 -1,3 -0,1 0,0 -0,1-0,1-0,1-0,8 -1,2 -1,4 -0,4 -0.6. 



In den sechs Monaten März bis August wäre hiernach die tiefste Nacht- 
temperatur durchschnittlich fast genau dem Thaupunkt um 9 1 /« U. Abends gleich, 
in den sechs übrigen dagegen erheblich tiefer als dieser. Es scheint indessen, 
daß dieses Resultat von der Ungleichheit 'der Jahre beeinflußt ist, aus denen die 
Mittel der Temperatur und der Dunstsättigung abgeleitet sind, ganz abgesehen 
davon, daß der aus der mittleren Dunstspannung berechnete Thaupunkt, wie 
Weihrauch gezeigt hat, keineswegs dem arithmetischen Mittel der um 9 l 'a U. Abends 
beobachteten Thaupunkte entspricht. 

Für jeden Tag der Jahre 1882 bis Juni 188:» hat Verf. die Resultate dieser 
Methode (nämlich den Thaupunkt um 9 l /s U. Abends korrigirt um den Retrag der 
obigen normalen Differenz) sowie der gleich zu nennenden zweiten Methode mit 
dem wirklichen Nachtminimum verglichen; diese Daten sowohl als auch deren 
Differenzen theilt er in einer Tabelle in extenso mit; die Mittel der Abweichungen, 
ohne Rücksicht auf das Zeichen genommen, nimmt er als Maß für die Verläß- 
lichkeit der Methode an. 

Die erwähnte zweite Methode beruht auf der Voraussetzung, daß die zu 
erwartende Aenderung nach 10 U. Abends bis zum Minimum proportional *ei der 
stattgehabten Aenderung vom Maximum bis 10 U., daß also die unperiodisihen 



Tiflis 



München 





2 p 6 p 10 p J 



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348 Agrar-Meteorologie: 

Aenderungen und der Einfluß der Lokalität mehr die Amplitude als die Form 
der täglichen Periode beeinflusse. Nach vieljährigen Beobachtungen beträgt zu 
Genf die Aenderung nach 10 U. Abends in den einzelnen Monaten 56 (Okt.) bis 
74°'o (Jan.) — durchschnittlich rund "'s — der Aenderung von 10 U. Abends. 

Als „vorausgesehenes Minimum" bezeichnet Verf. das Mittel aus den beiden 
Bestimmungen: die Abweichung desselben vom wirklichen Minimum beträgt in 
47° • der Fälle weniger als 1°, in 80 0 ,o weniger als 2°, in 94°/o der Fälle weniger 
als 8<> und nur in 6°/o der Fälle mehr als 3°. Letztere Fälle fanden vorwiegend im 
Winter statt und nur je 1 mal im Lauf der 8 l /i Jahre in den praktisch wichtigsten 
Monaten April und Mai. Indessen war die Häufigheit der positiven und negativen Ab- 
weichungen keineswegs gleich, sondern überwogen die ersteren bei weitem, d. h. dt* 
vorausgesehene Minimum war gewöhnlich tiefer als das wirkliche, besonders im 
Winter; von den beiden Bestimmungsarten, welche zur Gewinnung der ersteren zu- 
sammenwirken, ist jene nach dem Thaupunkt, welche diese Einseitigkeit der Fehler 
zeigt, woraus hervorgeht, daß die an dem Thaupunkt nach den angeblichen Xornial- 
werthen angebrachten negativen Korrektionen die Werthe sehr ungüustig beeinflußt 
haben. 

Während die beiden bisher behandelten Methoden eine gute theoretische 
Begründung, aber eine durch die späte Abendstunde und das etwas komplicirte 
Verfahren, das sie voraussetzen, eingeschränkte praktische Verwendbarkeit besitzen, 
ist die dritte Methode eine rein empirische, aber vielleicht praktisch die werth- 
vollste, falls sie sich an anderen Orten ebenso bewähren sollte wie in Genf. 

Verf. fand nämlich, daß das Verhältniß der mittelst des Thermometers mit 
feuchter Kugel ermittelten Temperatur zum nächtlichen Minimum während des 
ganzen Jahres fast konstant bleibt, während der Unterschied zwischen Luft- 
temperatur und nächtlichem Minimum bedeutend variirt. Folgende Tabelle giebt 
für 1 U. Nachm. in den verschiedenen Monaten die Normalangaben der Luft- 
temperatur, der feuchten Kugel, des Minimums und endlich die Differenzen der 
beiden ersteren von dem letzteren, wie sie in Genf erhalten worden sind: 



Lufttemperatur Feuchte Kugd 
Lufttemperatur Feuchte Kugel Minimum Minimum Minimum 



Januar 


+ 1,9° 


4- 0,«o 




3,1° 


5,0° 


3,7« 


Februar 


- 4,1 


+ 2,3 




2,0 


6,1 


4,3 


März 


+ 7,6 


4- 4,9 


+ 


0,6 


7,0 


4,3 


April 


+ 12,2 


■f. 8,8 


+ 


4,2 


8,0 


4,1 


Mai 


J- 16,6 


4- 12,1 


+ 


8,0 


8,6 


4,1 


Juni 


+ 20,5 


4- 15,3 


+ 


11,3 


9,2 


4,0 


Juli 


4- 22.5 


4- 16,8 


+ 


13,1 


9,4 


3,7 
3,9 


August 


+ 21.7 


4- 16,4 


+ 


12,5 


9,2 


September 


4- 18,3 


4- 14,2 


+ 


10,0 


8,3 


4,2 


Oktober 


4- 12,9 


4- 10,3 


+ 


6,1 


6,8 


4,2 


November 


+ 6,7 


4- 5,0 


4- 


1,7 


5,0 


3,3 


December 


+ 2,5 


4- 1,3 




1,8 


4,3 


3,1 



Aus dieser Tabelle ersieht man, daß die Korrektion, welche an der Luft- 
temperatur anzubringen ist. um volle 5,1° im Laufe des Jahres variirt, während 
dieselbe für die feuchte Kugel nur um 1,2° differirt. Es ist wohl unnütz «u 



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Neue Litteratur. 349 

sagen, daß diese Beständigkeit der Korrektion für die feuchte Kugel nicht nur 
um 1 U. Nachm. stattfindet, sondern für eine beliebige Stunde. Ks wurde 1 U. 
Nachm. gewählt in der Annahme, daß von einem bestimmten Ort als Centrum die 
Prognosen auf Nachtfrost in benachbarte Dörfer zur richtigen Zeit noch versandt 
werden können. Es ist andererseits klar, daß die Bestimmung der tiefsten Nacht- 
temperatur um so genauer sein wird, je näher die gewählte Stunde der Nacht liegt. 

Eine Berechnung der mittleren Abweichungen nach den beiden Methoden, 
die der Verf. für die Monate April und Mai und für verschiedene Jahre angestellt 
hat, zeigte, daß durch eine einfache Subtraktion von der Temperatur, die die 
feuchte Kugel angiebt, das nächtliche Minimum ebenso sicher schon um 1 U. 
Nachmittags bestimmt werden kann, als mittels des Thaupunktes um 10 U. Abends. 

Was die Abweichungen der vorgeschlagenen Methode selbst betrifft 1 ), so 
waren von 71 Abweichungen, die während 244 berücksichtigter Tage 2° über- 
schritten haben, bloß 14 negativ, und bei diesen 14 negativen Werthen (wahres 
minus wahrscheinliches Minimum) sind 5, für welche die tiefste Nachttemperatur 
unter -f- 4° zu liegen kam. Es scheint dem Verf. nicht unnütz hervorzuheben, daß 
die vorausgesetzten Minima aufgestellt worden sind, ohne die Himmelsansicht oder 
die Windstärke u. s. w. zu berücksichtigen. Diese Methode, die sich durch Ein- 
fachheit auszeichnet, scheint also berufen, der Landwirthschaft in Bezug auf Frost- 
prognose wirkliche Dienste zu leisten. Es ist klar, daß die anzuwendende Kor- 
rektion für verschiedene Orte ebenfalls variiren wird ; doch die Konstanz derselben 
läßt vermuthen, daß es in geringerem Maße sein wird gegenüber der Tem- 
peraturänderung von einem Orte zum andern. JE. TP. 

J. Berthaid. Die Nachttemperatnr und das feuchte Thermometer. 
Meteor. Zeitschrift. Bd. III. 1886. S. 219 und 220. 

Angeregt durch den Kammermann' sehen Artikel untersuchte Verf. sofort die 
diesbezüglichen Data der von demselben verwalteten Station. Die Uebereinstimmung 
der beiderseitigen Resultate war frappant, da wegen der sprichwörtlich gewordenen 
„Abendkühle im Gebirge" in dortiger Gegend (Schneeberg) eine weit größere 
Differenz zwischen den Angaben der feuchten Psychrometerkugel (2 C. Nachm.) 
und denjenigen des Minimumthermometers erwartet werden mußte. Doch mögen 
die annähernd gleiche Seehöhe (410, 480) und völlige Uebereinstimmung der Jahres- 
schwankung der Temperatur (19°) beider Orte (Genf und Schneeberg) das ihrige 
dazu beigetragen haben, die Deckung der in Bede stehenden Resultate bis auf 
0,3° zu bewerkstelligen. 

Die Resultate waren folgende: 

I. Monatsmittel. 

Das nächtliche Minimum lag tiefer als die 2 IT.- Temperatur des feuchten 
Thermometers : 

Jan. Febr. März April Mal Juni Juli Aug. Sept. Okt. Novbr. Decbr. Jahr 
Mittel 4,1 3,8 4,5 4,5 4,ti 4,2 4,0 4,2 4,3 3,6 3.4 3,5 4,1 

Maximum 7,3 5,0 5,8 5,6 5,4 4,7 4,8 4,9 5,0 4,0 4,8 7,6 4,5 

Minimum 1,9 2,8 3,2 3,1 3,7 3.6 3,3 3,5 3,3 2,5 2,9 2,1 3,7 

Die Differenz ist > 

als in Genf 0,4 -0,5 0,2 0,4 0,5 0,2 0,3 0,3 0,1 -0,6 0,2 0,4 0,3 
«j 97 Abweichungen zwischen 0« u. 1°, 76 Abweichungen zwischen 1° u. 2«. 



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850 Agrar-Meteorologie: 

II. 

Da für die Praxis nur die Monate Mai, Juni und September von besonderer 
Bedeutung sind, untersuchte Verf. hiervon jeden einzelnen Tag rücksichtlich seiner 
Ucbereinstimmung mit dem zugeordneten Mittelwerthe aus I. Es stimmten überein 
(ohne Rücksicht auf das Zeichen) bis auf: 





0° 


i j ;,o 


] 


D/s 0 


2» 2 l /s° 3» 
im Mai 


3» i 


4° 


4>M> 


5° 


6° 


Fälle 


28 


42 


33 


27 


34 20 13 


13 


10 


8 


9 


3 


Procente 


12 


18 


14 


11 


14 8 6 
im Juni 


6 


4 


3 


3 


1 


Fälle 


21 


45 


52 


32 


20 28 13 


6 


7 


7 


4 


4 


Procente 


9 


19 


22 


13 


8 12 5 
im September 


3 


3 


3 


1"* 


l» 


Fälle 


24 


37 


81 


38 


27 11 21 


17 


18 


m 
i 


7 


2 


Procente 


10 


15 


13 


16 


11 5 9 
III. 


7 


8 


2«/ 2 


2«, 


1 



Von den von der Frost prognose abweichenden Fällen verdienen diejenigen 
besondere Aufmerksamkeit, deren Minimum unter das der Proguose fällt. 

Hiervon waren schaden- 

üesammtzahl solcher Um mehr als l°;o bringend (Lufttemp. + 2- 

Falle: fehlerhaft: und darunter): 

im Mai 117 Falle od.49»/ 0 76 Fälle oder 32«/o 20 Fälle oder 12' s °> 

„ .Juni 97 „ „ 40 „ 60 „ „ 25, 2 „ n */• - 

„ Sept. 101 „ „ 42, 78 r „82, 9 „ „ 6 , 

IV. 

Um endlich auch noch diese Fehler wie bei der Proguosenstellung vermeiden 
zu können, untersuchte Verf. sämmtliche unter III. verzeichneten Fälle hinsicht- 
lich ihres 2 II. Nachm. Feuchtigkeitsgehaltes, ihrer Bedeckung, Windrichtung und 
Windstärke. Es ergab sich: 

n) daß von obigen 76, 60 resp. 78 Fällen (III.) beziehentlich nur 15, 10, 15 
den Durchschnittsfeuchtigkeitsgehalt (für 2 U.) erreicht oder überschritten 
hatten; 

b) daß jedes Feuchtigkeitsmanko von 3° o die bei der Prognose benutzte 
Differenz \\.) um ca. l u vergrößert; 

c) daß der Prognosensleller diese Differenz noch weiter crfahrungsgemab 
vergrößern muß, sobald der Wind aus NW— O bläst, vorher starke 
Niederschlage fielen oder rasche Aufklärung erfolgte. 

Verf. glaubt, daß mau selbst im Mai 95°/o Treffer erzielen kann. 

A. Trotha. Znr Yorausbcstimmung des nächtlichen Minimum». 
Meteor. Zeitschrift. Bd. III. 1886. S. 415-417. 

Im Anschluß an die Aufsätze von Kammermann und Berthold macht Verf. 
einige Mittheilungen über Beobachtungen, welche er im April und Mai in Löb- 
schütz Schlesien behufs Vorausbestimmung des nächtlichen Minimums angestellt hat. 

Zunächst macht Verf. darauf aufmerksam, daß die von Kammermann ge- 
fundene Thatsache, wonach das nächtliche Minimum im Durchschnitt einer 



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Neue Litteratur. 



351 



längeren Beobachtungsreihe nahezu 4° C. unter den Stand des feuchten Thermo- 
meters am Nachmittag oder am Abend vorher herabgeht sich auf ganz natürliche 
Weise erklart und daß die darauf gegründete Vorausbestiminung nur eine ein- 
fache Variation der gewöhnlichen Thaupunktmethode ist. Wenn man nämlich 
irgend welche Psychrometertafeln zur Hand nimmt, so findet man, daß bei mitt- 
leren Feuchtigkeitsprocenten (50—70°» und bei mittleren -f Temperaturen das 
feuchte Thermometer stets nahezu 4° niedriger steht als das trockene. Anderer- 
seits ist schon seit lange bekannt, daß der Thaupunkt im Allgemeinen und im 
Mittel einer längeren Beobachtungsreihe um ebensoviele Grade unter dem feuchten 
Thermometer liegt, als letzteres seinerseits wieder niedriger steht wie das trockene, 
d. h. also: der Stand des feuchten Thermometers ist die mittlere Proportionale 
zwischen den Ständen des Thaupunktes und des trockenen Thermometers. Hieraus 
erfolgt aber, daß, wenn das feuchte Thermometer vom trockenen um 4° differirt, 
auch der Thaupunkt annähernd 4° unter dem feuchten Thermometer steht und 
speciell, daß, da an den meisten Orten das Jahresmittel der relativen Feuchtig- 
keit 70°/ 0 nicht übersteigt, und mithin im Durchschnitt das feuchte Thermometer 
ca. 4° niedriger steht als das trockene, ebenso im Durchschnitt auch der Thau- 
punkt 4° unter dem efsteren stehen muß. Darin allein liegt, nach des Verf. 
Meinung, die Ursache der von Kammermann gefundenen Thatsache, welche man 
auch einfach dahin fonnuliren könnte: der Thaupunkt liegt im Mittel einer 
längeren Beobachtungsreihe rund 4° unter dem Stande des feuchten Thermo- 
meters. 

In der kalten Jahreszeit verringert sich die Differenz, wie man sowohl aus 
den Tabellen von Kammermann und Berthold wie auch aus einer Psychrometer- 
tafel ersehen kann, je nach der Intensität der Kälte bis auf etwa 3°; das Jahres- 
mittel dürfte aber wohl überall nahezu an 4 ° # stehen. 

Dies vorausgeschickt giebt Verf. nachfolgend tabellarisch die Resultate, 
welche er im April und Mai L J. bei Vorausbestimmung des nächtlichen Mini- 
mums mit der Methode von Kammermann (I) einerseits und der gewöhnlichen 
Thaupunktmethode (II) andererseits erzielt hat. Die Beobachtungen wurden 
sämintlich um 6 U. Abends angestellt. Das wirklich eingetroffene Miniraum ist mit 
III. bezeichnet. 



April 


I. 


II. 


III. 


Mai 


I. 


II. 


III. 


1 


4,7» 


3,1° 


3,4° 


1 


- 0,8° 


0,4° 


2,7° 


2 


3,1 


1,6 


3,7 


2 


0,5 


1,5 


-1,0 


3 


8,0 


8.0 


7,2 


3 


~1,4 


0,8 


-0,8 


4 


9,3 


9,9 


10,0 


4 - 


0,1 


-1,2 


-i,o 


5 


9,9 


11,0 


10,9 


5 


2,0 


0,0 


-1,2 


6 


11,0 


10,6 


8,4 




-1.0 


1,2 


-1,0 


7 


0,9 


0,8 


2,0 7 
7,0 8 


-0,5 


1,2 


2,3 


8 


3,3 


3,6 


2,5 


4,7 


3,7 


9 


8,6 


8,9 


7,0 


9 


4,6 


2 2 


4,6 


10 


9,9 


9,0 


11,0 


10 


7,8 


6,5 


8,7 


11 


5,6 


.4,4 


6,7 


11 


8,5 


8,7 


9,3 


12 


7,7 


8,1 


5,0 


12 


10,3 


10,0 


9,0 



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352 



Agrar-Meteorologie: 



April 


1 

I. 


II. 


TIf 
III. 


Mai 


1 . 


TT 
II. 


TT ff 

III. 


18 


7,8 


8.3 


5,3 


13 


11,6 


12,0 


12,6 


14 


1,3 


3,7 


3,7 


14 


12,6 


13,2 


10.6 


15 


-0,8 


1,2 


3,2 


15 


7,8 


9,5 


8,2 


16 


4,3 


5,6 


3,3 


16 


. 4,3 


4,9 


4.4 


17 


9,4 


7,5 


5,5 


17 


7,2 


8,7 


11,5 


18 


9,2 


7,0 


7,3 


18 


12,6 


11.5 


11,3 


19 


9,0 


9,2 


3.7 


19 


11,9 


11,9 


13,2 


20 


5,6 


V> 


3,2 


20 


15,4 


13,2 


14,0 


21 


4,0 


3,2 


1,0 


21 


15,0 


J0.3 


15,6 


22 


4,4 


2,5 


2,8 


22 


18,0 


15.3 


16,2 


23 


5,6 


5,0 


3,7 


| 23 


17,1 


14,0 


15,6 


24 


5,4 


4,3 


3,7 


24 


16,4 


13,7 


16,3 


25 


9,7 


11,0 


3,6 


'_>« 


12,0 


11,2 


12,1 


26 


0,8 


6.2 


2,9 


13,7 


11,8 


12,8 


Ii 


1U,7 


9,6 


0,9 


27 


10,0 


2,2 


15,0 


28 


7,0 


2,0 


10,3 


28 


14,2 


13,7 


13« 


29 


• 8,2 


6,0 


5,7 


29 


13,7 


9,0 


15.4 


30 


-1,0 


0,3 


0,3 


30 
31 


15,7 
11,8 


15,0 
12.5 


16,3 
15,0 


Mittel: 


6,26« 


5,93« 


5,28<> 


Mittel: 


8,09» 


8,05« 


9,20" 


Verf. 


bemerkt 


hierzu, daG 


, wie die Zahlen zei 


gten, die 


Abwcicl 


ungen vc 



wirklichen nächtlichen Minimum (III) in den Mitteln unbedeutend sind'); sie be- 
tragen für April allein bei I + 0,98° und bei II + 0,65° C, für Mai allein 
— 0,51° resp. — 1,15», für beide Monate zusammen 4- 0,23° und resp. — 0,25°, also 
im Allgemeinen nur ± '/*° C. „Dieses Verhältniß ist um so zufriedenstellender, 
als in den beiden in Betracht gezogenen Monaten einige außerordentlich große 
Abweichungen von der gewöhnlichen Annäherung des Thaupunktes an das nächt- 
liche Minimum vorgekommen sind (28. April, 27. Mai).* E. W. 

A. Jb\ W. Schultz. Zur Voraussage de» nächtlichen Minimum». 
Monatsber. d. Ges. f. Erdkunde in Berlin. 1842. S. 29 u. 1845,46. S. 185. 
Bemerkungen zu dem Berichte über die Organisation eines meteorologischen Dienstes 
im Interesse der Land- und Forstwirtschaft. Berlin. 1879. Meteor Zeitschrift. 
Bd. III. 1886. 8. 417. 

Die Red. der meteor. Zeitschrift erinnert daran, daß schon vor 45 .lahren 
Verf. den mittleren Stand eines feuchten Thermometers zu .jeder Stunde des 
Tages für Rom nach zweijährigen und Berlin nach fünfjährigen eigenen Be- 

») Das Verfahre» des Verf.. ans den Mittelzahlen Reurtheilungsmomentc für die 
Brauchbarkeit der verschiedenen Methoden herzuleiten, ist jedenfalls »»statthaft, weil in 
Rücksicht a»f praktische Verhältnisse die Ergebnisse der Einzelbeobachtnngen hierbei allein 
als maßgebend angesehen werde» müssen. Zieht man letztere i» Betracht, so sieht man. 
wenn mun vorurteilsfrei ist, daß die vorausgesagten Minima von den wirkliche» so außer- 
ordentliche Abweichungen in fast allen Füllen zeigen, daß man geneigt sein könnte, den in 
Vorschlag gebrachten Methoden jede praktische Brauchbarkeit abzusprechen Mat hat eben 
verschiedene Punkte außer Acht gelassen, auf welche Ref. bei Tiner anderen Gelegenheit 
(diose Zeitschrift. 1884. S. 4S'.i) bereits hingewiesen hat. • I>. Rcf 



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Neue Litterat tu . 



353 



obachtungen ermittelt hat und denselben in der oben bezeichneten, im Jahre 
1879 erschienenen Schrift in direkte Verbindung mit der Nachtfrostfrage gebracht 
hat. Die betreffende Stelle lautet wörtlich, wie folgt: 

„Ich muß nach meinen eigenen Beobachtungen annehmen, daß der Stand 
des feuchten Psychrometers, mehr aber noch der des Tbaupunktes, einen Finger- 
zeig zu geben vermag, ob ein Nachtfrost zu befürchten steht." * 

„Aus meinen Beobachtungen, sowohl in Rom als auch hier, ergiebt sich, 
daß zur Zeit des Sonnenunterganges der Stand des feuchten Psychrometers sich 
mehr dem Minimum der Temperatur nähert, der Thaupunkt aber diesem Minimum 
noch näher liegt, es erreicht und zum Theil darunter geht. — Die nachfolgende 
Tabelle giebt die Mittel aus meinen stündlichen Beobachtungen für Korn und 
für Berlin zur Zeit des Sonnenunterganges für den Stand des feuchten Psychro- 
meters und des Thaupunkts, sowie für den Stand des Minimums 1 ;. 



Rom. 



I 



Berlin. 





Stand des 


Temperatur- 


Stand i 


les 


Temperati 


feucht. Therm. Thaupkt. Minimum 


feucht. Therm. Thaupkt. Minimm 


Jan. 


6,6» 


3,5« 


5,6" 


-0,5" 


--2.0° 


-1.8o 


Febr. 


7,6 


4,5 


5» 


-i,o 


-2,6 


-3,2 


März 


9,1 


6,0 


6,6 


1,9 


-0,5 


-0,5 


April 


10,0 


6,9 


7,9 


7,5 


3,5 


5,0 


Mai 


14,8 


11,8 


13,0 


11,1 


7,4 


8,6 


Juni 


18,2 


15,0 


17,6 


13,9 


10,6 


12,1 


Juli 


20,0 


16,9 


19,1 


15,1 


12.4 


13,8 


Aug. 


18,6 


15,0 


17,9 


15,8 


11,9 


14,4 


Septbr. 


17,9 


18,4 


16,1 


13,1 


9,5 


10,9 


Okt. 


15,0 


12,1 


11,8 


9,0 


6,9 


5,6 


Novbr. 


11,0 


8,4 


8,0 


4,8 


8,4 


3,6 


Decbr. 


7,9 


4,6 


6,0 , 


1,2 


0,1 


-0,2 


Jahr. 


13,2 


10,0 


11,2 


7,6 


5,0 


5,7 



„Aus dieser Tahelle ist ersichtlich, daß gerade iu den Jahreszeiten, in denen 
Nachtfröste am bedenklichsten sind, Frühling und Herbst, der Thaupunkt Abends, 
zur Zeit d^s Sonnenuntergangs fast ganz genau mit dem Temperaturminimum 
zusammenfällt. Die Uebereinstimmung dieses Verhaltens zwischen Rom und Berlin 
läßt annehmen, daß dasselbe nicht bloß ein für Rom und Berlin geltendes, an 
den bestimmten Breitegrad gebundenes, sondern ein Verhalten von allgemeiner 
Gültigkeit ist. Es wird zwar nicht immer zutretfen, daß ein Nachtfrost eintritt, 
wenn bei Sonnenuntergang der Thaupunkt unter dem Gefrierpunkt liegt, allein 
auch die allgemeinen Wetterprognosen tretVen nicht immer zu. Und dann scheinen 
mir noch zwei Momente der Erwähnung werth, weil ihre Beachtung für den Be- 
obachter am „Orte selbst u bezüglich der Wahrscheinlichkeit der auf den Stand 
des Thaupunktes zur Zeit des Sonnenunterganges gegründeten Prognose über den 

') Letztere Angabc bezieht sich nicht auf das absolute Minimum jeder Nacht, sondern 
auf die Temperatur der im Durchschnitt kältesten Stunde. Hin Minimum -Thermometer war 
nicht vorhanden. 



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354 



Agrar-Meteorologie : 



Nachtfrost nicht unerheblich sein dürfte. Es sind diese: der Abstand zwischen 
Thaupunkt und der gleichzeitigen Temperatur, und der Barometerstand. Je ge- 
ringer jener und je niedriger dieser, desto wahrscheinlicher wird das Eintreffen 
der auf den Stand des Thaupunkts gegründeten Prognose." 

L. Weber. Ergebnisse einer Untersuchung der Blitzschläge in Schles- 
"wig-Holsteln. Schriften d. nat.-wiss. Ver. f. Schleswig-Holstein. Bd. V. Heft 2. 
S. 9-65 u. Meteor. Zeitschrift. Bd. II. 1885. S. 418-422. 

Der Verf., welcher schon seit einer Reihe von Jahren mit der Sammlung 
und Bearbeitung der Berichte über recente Blitzschläge 1 ) in Schleswig- Holstein 
beschäftigt ist, hat die Resultate von sämmtlichen aus den Jahren 1879—83 vor- 
liegenden 406 Berichten in einer Abhandlung dargelegt, welcher das Folgende 
entnommen ist. 



1. Vertheilung der Blitzschläge nach Monaten und Tageszeiten. 
Es ergiebt sich folgende Zusammenstellung. 

Jahr Tageszeit März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dec. Summa 





3 h. a. -9 h. a. 






3 


3 


17 


8 




9 - 


1 


41 


1879 


9 h. a. - 3 h. p. 




2 


5 


7 


25 


18 


4 


7 - 




68 


bis 


3 h. p. - 9 h. p. 




1 


32 


30 


38 


29 


23 


13 2 




16»? 


1883 


9 h. p. 3 h. a. 


1 




7 


9 


83 


10 


4 


9 - 


1 


124 




? 






1 


1 




2 




1 




5 




Summa 


1 


3 


48 


50 


168 


67 


31 


39 2 


2 


4U6 



Die Häufigkeit der Blitzschläge hat hiernach bezüglich der Vertheilung auf 
Monate ein starkes Maximum im Juli, bezüglich der Vertheilung nach Tages- 
zeiten ein sehr deutlich ausgesprochenes Maximum für die Abendstunden, 3 U. 
Nachm. bis 9 U. Ab. 



2. Die Häufigkeit der Gewitter und ihre Heftigkeit. In nach- 
folgender Tabelle ist die Anzahl der Gewittertagc für die einzelnen Monate des 
beobachteten Zeitraumes 1879 — 1883 zusammengestellt. Dividirt man mit diesen 
Zahlen in die Anzahl der beobachteten Blitzschläge, so erhält man dadurch einen 
Ausdruck für die Heftigkeit der Gewitter unter der Voraussetzung, dab die vor- 
liegenden Berichte einen ungefähren Maßstab für die Menge der eingeschlagenen 
Blitze gewähren. 

März April Mai Juni Joli Aug. 8ept. Okt. Novbr. Decbr. Jthr 
Tage mit Gewittern: 1 3 11 15 32 18 11 10 2 1 K>4 
Summe der Blitzschläge: 1-3 48 50 163 67 29 39 2 2 404 
Blitzschi. p. Gewittertag: 1 1 4,4 3,3 5,1 3,7 2,6 3,9 1 2 3.9 
Hiernach ist der Juli nicht bloß am reichsten an Gewittertagen gewesen, 
sondern es haben auch die Gewitter desselben die größte Zahl der einschlagenden 
Blitze gehabt. 

3. Der Zug der Gewitter wurde in 362 Fällen notirt. Es kamen aus 
NNW. 3; NW. 20; WNW. 7; W. 76; WSW. 6; SW. 149; SSW. 13; S. 33; 
SSE. 2; SE. 29; ESE. 1; E. 16; ENE 1; NE 5; oder auf 8 Windrichtungen 
reducirt aus N. 2; NW. 24; W. 83; SW. 158; S. 41; SE. 30; E. 18; NE. 5. 

4. Der Regen zur Zeit des Blitzes. Die Frage, ob es vor oder nach 

M Vcrgl. die Unten, von W. ro» Btiotd. Diese Zeitschrift. Bd. VIII 1885. 8 336. 



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Neue Litteratur: 



355 



dem Blitze geregnet, wurde 363 mal beantwortet, und zwar hatte es 334 mal vor- 
und nachher geregnet; 12 mal nur nachher, 9 mal nur vorher, 8 mal weder vor 
noch nachher. Die Blitzschlage sind also mit geringen Ausnahmen immer bei 
schon vorher eingetretenen und nach dem Blitze anhaltenden Regenwetter gefallen. 
Ueber die Intensität des Hegens sind 21"» Beobachtungen gemacht worden. Da- 
nach ist der Regen 124 mal unmittelbar nach dem Blitzschlage und 48 mal un- 
mittelbar vorher stärker gewesen; 4 mal war das Maximum der Regenstärke 
gleichzeitig mit dem Blitze und 39 mal trat keine Aenderung ein. 

5. Vom Blitz getroffene Objekte. Von den 405 berichteten Blitzschlägen 
wurden 329 Gebäude, 40 mal Bäume, 11 mal andere leblose, im Freien befindliche 
Gegenstände, 24 mal auf der Weide befindliches Vieh, einmal eine im Freien 
befindliche Person getrofTen. Unter den 329 Blitzschlägen in Gebäude waren 15, 
in denen gleichzeitig Bäume, 52, in welchen gleichzeitig im Ganzen 91 Personen, 
28, in welchen gleichzeitig Vieh getroffen wurde. In Summa wurden getroffen 
338 Gebäude, 92 Personen, 121 Stück Vieh, 60 Bäume, 11 andere leblose im 
Freien befindliche Gegenstände. Unter den 338 Gebäuden sind 238 ländliche, 
50 städtische, 31 Mühlen, 15 Kirchen, 4 Schornsteine. 

Um hieraus einen Maßstab für die Gefährdung der einzelnen Arten von 
Gebäuden zu entnehmen, mögen die Schätzungen des Landesdirektorates benutzt 
werden, wonach 205000 ländliche Gebäude, 75 000 städtische, 430 Windmühlen, 
ttG3 Kirchen als vorhanden zu nehmen sind. Es entfallen demnach: 



Das Verhältniß der Gefahrdung städtischer Gebäude zu derjenigen der 
ländlichen stellt sich wie 1 : 1,8. 

6. Ort und Lage der getroffenen Objekte. Hierüber liegen 327 An- 
gaben vor. In der Ebene lagen 227, am Abhänge eines Hügels 17, auf einem 
Hügel 83. Der Boden wird 77 mal als feucht, 157 mal als trocken angegeben. 

7. Schutz durch überragende benachbarte Gegenstände. Von 
den getroffenen 338 Gebäuden wurden 66 durch unmittelbar (bis zu 10 m Ent- 
fernung) daranstehende Bäume, 14 durch benachbarte Häuser überragt. Der 
unzulängliche Schutz, welchen Bäume gewähren, findet also seine weitere Be- 
stätigung. 

8. Den Weg des Blitzes beeinflussende Gegenstände sind bei 
178 Blitzschlägen mit mehr oder weniger Deutlichkeit bemerkbar gewesen. Es 
zeigten sich als solche Schornsteine und Ofenrohre 84 mal, größere Metallgegen- 
stände (eiserne Anker, Ketten, Maschinen u. s. w.) 35 mal, Gas- und Wasser- 
leitung 7 mal, Dachrinnen 13 mal, Gipsdeckendrähte 38 mal, kleinere Metall- 
gegenstände 40 mal. Unter den 838 getroffenen Gebäuden befanden sich 75 ohne 
Schornsteine, in den übrigen 263 Füllen pa&sirte der Blitz mindestens 83 mal 
den Schornstein. 

9. Die Bedachung war 220 mal eine sogen, weiche (Stroh, Rohr), 105 mal 
E. Wollny, Forschungen IX. U 



auf je 100 000 
städtische Gebäude 
ländliche Gebäude 
Mühlen 
Kirchen 



pro 1879-1883 
116 
67 
7209 
2262 



pro 1 Jahr 



23 
13 
1442 
452 



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356 



Agrar-Meteorologie : 



eine harte (Schiefer, Schindeln, Ziegeln, Pappe), 8 mal theils weich, theils hart, 
und 5 mal war die Art derselben nicht angegeben. 

10. Einfluß der Drahtbefestigung der Dächer. Unter 89 Fällen be- 
fanden sich 41 Gebäude mit Drahtbefestigung, 48 Gebäude ohne solche. Eine 
Gefährdung der Gebäude in dem Sinne, daß durch die Metallkonstruktionen etwa 
die Zahl der Blitzschläge vermehrt würde, oder mit anderen Worten, daß ein 
mit Drahtbefestigung versehenes Gebäude einen Blitzschlag verursachte, der sonst 
nicht gefallen wäre, läßt sich aus den angegebenen Zahlen keineswegs entnehmen. 
Dagegen läßt sich zu Folge eines Berichtes nicht verkennen, daß durch <iie 
Drahtbefestigung ein Einfluß auf den Weg des fallenden Blitzes ausgeübt werden 
könne, so also, daß von zwei sehr nahe aneinanderliegenden Gebäuden dasjenige 
als das exponirte zu betrachten ist, welches mit Draht versehen ist. 

11. Schutz der Gebäude durch Blitzableiter. Unter den 338 ge- 
troffenen Gebäuden befinden sich 19, welche mit Blitzableitern versehen waren. 
In sieben anderen Fällen blieben die Gebäude unverletzt. In 10 Fällen war 
der Blitz im Wesentlichen der Ableitung gefolgt; er hatte dieselbe jedoch an 
solchen Stellen verlassen, welche durch offenbare Mängel der Leitung dazu prä- 
destinirt erschienen. Diese Mängel bestanden theils in fehlender oder sehr 
schlechter Erdleitung, theils in unvollständigen Anlagen. 

12. Zündung der Blitzschläge. Bei den 170 zündenden Blitzschlagen 
war die Bedachung 150 mal eine weiche, 12 mal eine harte, 8 mal gemischt resp. 
nicht zu ermitteln. Unter den 41 Gebäuden mit Drahtbefestigung des Daches 
wurden 32 oder 78 °/o entzündet, während von den 48 Gebäuden ohne Draht- 
befestigung nur 30 oder 62,5 °/o entzündet wurden. Obwohl die Gesammtzahl 
derjenigen Gebäude, bei welchen die Berichte Auskunft über das Vorhandensein 
der Drahtbefestigung geben, noch eine kleine ist, so bestätigt sich doch schon die 
früher vom Verf. ausgesprochene Ansicht, daß durch jene Konstruktionsweise die 
Zündung des Daches durch einschlagende Blitze befördert zu werden scheint. 
Speciell hierfür sprechen die detaillirteren Berichte 264, 281, 345, in denen eine 
innere Zündung des Daches beobachtet wurde, sowie 265, in welchem der Blitz 
durch ein nicht mit Draht befestigtes Dach ohne Zündung schlug. Diese leichtere 
Zündung der mit Draht befestigten Strohdächer würde nun, falls sie sich weiter 
bestätigen sollte, einen wenn auch kleinen Theil des außerordentlich großen 
Nutzens dieser Konstruktion illusorisch erscheinen lassen. Man wird indessen den 
erwähnten Uebelstand dadurch beseitigen können, daß man die einzelnen Draht- 
stücke, welche gewöhnlich ohne gegenseitige Verbindung quer durch das Dach 
laufen, etwa an den Enden und in der Mitte noch untereinander metallisch ver- 
bindet. Dadurch würde das Ueberschlagen des Blitzes zwischen den einzelnen 
Drähten verhindert werden. Das sicherste Mittel bleibt freilich die Anlage eines 
guten Blitzableiters. 

13. Blitzschläge in Bäume. Die Zerstörungen an Bäumen bestehen fast 
immer in Abschälungen der Rinde, was durch schnelle Dampfbildung innerhalb 
der Kambialschicht zu erklären ist. Nur da, wo die Rinde eine größere Festig- 
keit besitzt, entstehen Risse wie „mit scharfem Instrument* 4 eingeschnitten. Diese 
Wirkungen sind meist unterhalb der Krone am stärksten sichtbar, was dadurch 
erklärt wird, daß die Entladung eine durch die kleineren Zweige und Aeste ver- 



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Neue Litteratur. 



357 



theilte ist, welche deshalb im Zusammenfluß unterhalb der Krone mit verstärkter 
Intensität bei verhältnismäßig kleincrem Querschnitt der leitenden Schichten vor 
sich geht und die größere Wirkung hat. Die Annahme von Blitzen, welche nach 
der Erde zu stark verzweigt sind, ist bereits durch mehrere von Arugo gesammelte 
Fälle als zulässig erwiesen, und hat kürzlich durch die von Robert Haenael in 
Reichenberg in Böhmen hergestellten pbotographischen Darstellungen von Blitzen 
weitere Bestätigung erfahren. K. W. 

J. Freyberg, Die Blitzgefahr der sächsischem Schweiz. Jahrbuch des 
Gebirgsvereins für die sächsisch - böhmische Schweiz. 1885, und Meteor. Zeit- 
schrift. 1886. S. 95. 

Der Verf. benutzte für seine Zusammenstellungen die Akten der Landes- 
Immobiliar-Brandversicherungsanstalt für die Amtshauptmannschaft Pirna aus den 
Jahren 1859—1882. Kr rindet die Blitzgefahr id. h. die Zahl der von 1000 000 
getroffenen Gebäude) für die Amtshauptmannschaft Pirna zu 207, Bautzen zu 268, 
Dresden -Neustadt zu 402, Dippoldiswalde zu 560. Die geringe Blitzgefahr in der 
sächsischen Schweiz (A. II. Pirna) führt Verf. auf die Lage der Ortschaften in 
Thälern und den Waldreichthum zurück. Eine Zunahme der Blitzgefahr ist ent- 
gegen den in Nachbargebieten beobachteten Thatsachen hier nur in geringem 
Maß zu konstatiren. Das Verhältuiß der Blitzgefahr für städtische zu der- 
jenigen für ländliche Gebäude beträgt 1 : 2,25. Aeuberst ungünstig ist das 
Verhältniß der zündenden und kalten Blitze, da in Folge der vorherrschenden 
Strohdächer die Zahl der ersteren 64 °,'o der Gesammtzabl ausmacht. 

J. Freyberg. Zur Blitzgefahr im Königreich Sachsen. Elekrotechnische 
Zeitschrift. 1885. Septbr., und Meteor. Zeitschrift. 1886. S. 95. 

Verf. zeigt anschließend an seine frühere Arbeit (Zeitschrift d. österr. Ges. 
f. Meteor. 1885. S. 240) die Zunahme der Blitzgefahr im Königreich Sachsen, die 
viel merklicher ist als in Bayern und in der Provinz Sachsen. Die säkulare 
Aenderung der Blitzgefahr erfolgt hierbei in allen drei Gebieten völlig parallel. 
Nachfolgende Tabelle giebt im Auszug diese Aenderung der Blitzgefahr im König- 
reiche Sachsen wieder. 

ProccnUnthei! 



Blitzgofahr der Blitze 
1859-1868 130 60 «/o 

1869—1878 188 47 • 

1879-1884 278 33 » . 



Die Blitzgefahr hat sich demnach seit dem Anfang der sechziger Jahre mehr 
als verdoppelt und zwar zum größten Theil in Folge der Zunahme der kalten 
Schlage. Daneben ist sehr ausgeprägt das abwechselnde Zu- und Abnehmen der 
Blitze im Laufe der Jahre, welches jedoch hier keineswegs auf einen Zusammen- 
bang der Häufigkeit derselben zu derjenigen der Sonnenrlecken hinweist. 

I\ Andries. Ueber die Ursache der zunehmenden Zahl der Blitz- 
schläge. Petermann^ Mittheilungen. 32. 55, und „Der Naturforscher. 1**6. 
Nr. 11. S. 121 und 122. 

Der Verf. meint, daß als Flaupiursache der zunehmenden Blitzgefahr die in 
den letzten 50 Jahren stattgefundene enorme Vermehrung der Fabriken, Loko- 
motiven, Dampfschiffe, kurz aller Einrichtungen, die die Atmosphäre mit Rauch, 
Dämpfen und Staubtheilchen aller Art erfüllten, zu betrachten ist. — Nach den 

n* 



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358 



Agrar-Meteorologie: 



neueren Anschauungen über die Entstehung der Gewitterelektricität betrachtet 
man meistens die Reibung als Hauptquelle der Gewitterelektricität. Wirken bei 
dergleichen Reibungen zwischen verschiedenen in der Atmosphäre befindlichen 
Stoffen auch noch Staubtheilchen mit, so wird dadurch die Elektricitätsent Wickelung 
sehr gesteigert, wie dies am besten die Gewitter bei Vulkanausbrüchen beweisen 
wo neben dem Wässerdampf auch feine Aschenbestandtheile massenhaft aus- 
geworfen werden und wodurch die Gewitter einen außerordentlich heftigen 
Charakter annehmen. 

In Betreff dieser Reibung als Hauptquelle der Elektricität geht nnn Verf. 
mit Faye und Lurini noch weiter, insofern er bei den Gewittern auch eine 
Wirbelbewegung statuirt, die eben diese Reibung bei weitem intensiver und da- 
her viel wirkungsvoller macht als ohne diese Bewegung. (Eine Annahme, die 
auch von Anderen, z. B. Plante, schon früher ausgesprochen wurde.) 

Er behauptet, daß die ebenso rasche wie enorme und langdauernde Elektricitäts- 
entladung bei Gewittern ohne eine rein mechanische Ursache, d. h. Wirbelbewegung, 
nicht erklärt werden kann. 

Außer dieser Vermehrung der Elektricitätsmengen wirkt ein Staubgehalt 
der Luft aber noch in anderer Weise. Nahrwold hat nämlich nachgewiesen, dal) 
das Vorhandensein fester Körperchen in der Luft die Leitung der Elektricität 
sehr erleichtert. Es wird als«» auch der elektrische Funke leichter zur Erde über- 
springen, anstatt von einer Wolke zur andern. Es erklärt sich hieraus auch die 
schon in alten Zeiten bekannte Vorsichtsmaßregel, bei einem herannahenden Ge- 
witter das Feuer in den Herden und Oefen ausgehen zu lassen. 

Der obige Versuch einer Erklärung der größeren Heftigkeit der Gewitter 
und der zunehmenden Blitzgefahr findet eine Bestätigung in den Beobachtungen 
früherer Zeiten. Im Sommer 1783 war über ganz Europa ein dichter Staubnebel 
verbreitet, den man mit gutem Grunde mit den äußerst heftigen Vulkanausbrücben 
auf der Insel Island und in Kalabrien in Verbindung brachte. Man bemerkte 
allemal einige Abnahme des Nebels nach Gewittern, und glaubte ihn, wegen der 
zahlreichen und heftigen Gewitter, die sich durch häufiges Einschlagen auszeich- 
neten, elektrisch nennen zu können. 

Die größere Zahl und die Heftigkeit der Gewitter der Jetztzeit hat neben 
ihren mannigfachen üblen Folgen auch eine gute, nämlich die Reinigung der Luit 
von Staubtheilchen. Das Gewitter stellt gewissermaßen eine große Luftreinigungs- 
maschinc dar. 

Im vergangenen Jahr machte Ij>dge sehr interessante und wichtige Versuche 
über das Niederschlagen von Rauch in geschlossenen Räumen vermittelst Elektri- 
cität. Er füllte ein Gefäß durch Verbrennen eines Magnesiumdrahtes mit dichtem 
Magnesiarauch und ließ dann durch das Gefäß einen elektrischen Strom gehen. 
Der Rauch begann sofort herumzuzwirbeln und ballte sich dann zu großen Flocken 
und Ketten zusammen, die fast augenblicklich auf dem Boden und den Wänden 
des Gefäßes sich niederschlugen, so daß das Gefäß ganz frei von Rauch war. 
Während beim gewöhnlichen Verlauf verschiedene Stunden zum Niederschlagen 
des Rauchs erforderlich waren, erfolgte dieser Niederschlag vermittelst Elektricität 
in wenigen Sekunden. Der gleiche Erfolg fand statt, wenn das Gefäß mit irgend 
einer anderen Art von Rauch angefüllt war. Große mit dichtem Rauch angefüllte 



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Neue Litteratur. 



359 



Zimmer wurden auf obige Weise in kürzester Zeit von diesem Rauch vollständig 
gereinigt. 

Wir sehen also, daß die Natur im Gewitter gewissermaßen einen Regulator 
geschaffen, der die Aufgabe hat, die normalen Verhältnisse in der Atmosphäre 
immer wieder herzustellen; diese Aufgabe beschränkt sich nicht bloß auf den 
Niederschlag von Staub, sondern besteht auch in einer Ausgleichung anomaler 
Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse. 

C. /:. Ney. Ueber den Einfloß des Waldes anf das Klima. Deutsche 
Zeit- und Streitfragen. 1886. Neue Folge. Erster Jahrgang. Heft 5. 

Bühler. Der Einfluß des Waldes auf den Stand der Gewässer. Das 
Wetter. Meteorologische Monatsschrift von R. Assmann. 1886. S. 154 — 158. 

C. E. Ney. Der vegetative Würmeverbraueh und sein Einfluß auf die 
Temperaturverhältnisse. Meteor. Zeitschrift. 1886. S. 129. 

A. Woeikof. Die Schneedecke, deren Einfluß anf Klima und Wetter 
und die Hilfsmittel ihrer Erforschung. Sapiski der k. russ. geogr. Ges. 1885. 
XV. Nr. 2. (Russisch.) 

Th. Nönllinger. Die Beobachtnngszeiten für die täglichen Aufzeich- 
nungen au den forstlich - meteorologischen Stationen. Centralbl. f. d. ges. 
Forstwesen. 1886. S. 313—319. 

R. LatUerburg. Anleitung znr annähernden Berechnung der (Juellen- 
nnd Stromabflnßmengen aus der Größe und Beschaffenheit der bezüglichen 
Thalgebiete. Dritte Aufl. Bern. 1885. Huber & Co. (H. Körber). 



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I. Physik des Bodens. 

Mitthertungen aus dem agrikulturphysikalischen Laboratorium und Versuchs- 
felde der technischen Hochschule in München. 



XXXVm. Untersuchungen über die Wasserkapacität der 

Bodenarten. 

Von Professor Dr. K. »ollnv in München. 
(Zweite Mittheilung.) 



Während in der ersten Mittheilung 1 ) über obigen Gegenstand aus- 
schließlich der Einfluß des Gefüges auf die von dem Boden, bei homogener 
Beschaffenheit desselben, festgehaltenen Wassermengen berücksichtigt 
wurde, ist die vorliegende Abhandlung dazu bestimmt, die Wirkungen 
gewisser äußerer Faktoren (Wärrae und Frost) und der Beschaffenheit der 
tieferen .Schichten auf die Wasserkapacität der Oberkrume darzulegen. 
Wie im Voraus bemerkt sein mag, wurde in vorliegenden Versuchen, mit 
Ausnahme derjenigen der Reihe V, das Wasserfassungsvermögen der 
Bodenarten in der obersten 10 cm hohen Schicht einer 1 m hohen Erd- 
säule bestimmt nach der in der letzten Publikation des Referenten an- 
gegebenen Methode 2 ). Die Zahlen geben hiernach die kleinste Wasser- 
kapacität und zwar in Volumprocenten an. 

Versuchsreihe IV. 

Einfluß der Temperatur auf die Wasserkapacität der 

Bodenarten. 

Der Einfluß, den die Temperatur auf die Wasserkapacität des Bodens 
ausübt, war zuerst von F. Ilaberlandt*) untersucht worden und zwar 

>) Diese Zeitschrift Bd. VIII. 1885. S. 177-205. 
*) Ibid. S. 197. 

9 ) Wisseosch.-prakt. Unters, a. d. Geh. des Pflanzenbaues. Bd. I. 1875. S. 14. 
E. Wollny. Forschungen IX. 25 



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362 



Physik des Bodens: 



dadurch, daß mit sehr feiner Erde gefüllte Glascylinder mit ihrem unteren, 
durch Leinwand geschlossenen Ende einige Linien tief in Wasser getaucht 
wurden, dessen Temperatur in verschiedener Höhe konstant erhalten wurde. 
Die Gefäße wurden von der Wasserflache entfernt, nachdem das Wasser 
die Oberfläche der 6 — 8 cm hoben Erdsäule erreicht hatte. Die er- 
rüttelten Daten entsprechen sonach der größten oder vollen Wasserkapacität 
der betreffenden Erdart und sind in Gewichtsprocenten ausgedrückt. Es 
ergab sich 

bei 15 °C. eine Wasseraufnabme von 53,1 °/o, 
■ 20 » » » » 52,6 » 

y> 32 » » » » 51, S » 

» 50 * * » » 47,7 » 

» 100 * » » 46,2 > 

daher vom kochenden Wasser um 6,0 °/o weniger aufgenommen wurde 
als von dem, welches 15°C. zeigte. 

In einem anderen, mit humusreichem Lehmmergel und humusarmem 
Lehm -Kalkmergel angestellten Versuch 1 ) ergaben sich ähnliche Unter- 
schiede, wie folgende Zahlen darthun: 

Wasseraufnahme (Gew. - Proc.) 
Temperatur Lehmmergel Kalkmergel 

15 °R. 65,6 °/o 46,4 °/o 

60 * 47,2 » 33,8 * . 

13ei höherer Temperatur war also die Wasserkapacität der Erden 
um 18,4 resp. 12,6 °/o geringer. 

II. von Klotzt:*) führte seine Versuche ebenfalls in Glasröhren aus, 
ließ aber nicht das Wasser von unten nach oben kapillar aufsteigen, 
sondern führte dasselbe von oben her zu, bis dasselbe unten abtropfte. 
Er setzte ferner das Versuchsmaterial und das Wasser der betreffenden, 
auf konstanter Höhe erhaltenen Temperatur so lange aus, bis sie letztere 
angenommen hatten. Die Resultate (volle oder größte Wasserkapacität 
in Gewichtsprocenten) sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen: 



') Landw. Versuchsstationen. Bd. VIII. S. 458. 
s ) Landw. Jahrbücher 1£77. Heft l. 



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Untersuchungen über die Wasserkapacität der Hodenarten. 363 



Bodenart 


Korn- 
nim 


Fest eingefüllt 


Locker eingefüllt 


, bei 

v Vy • 

"... 


bei 


Differenz 


bei 

9 V. 


bei 


Differenz 

o/o 


Sandboden I. 


>6,75 


6,03 


4,12 


-1,91 


4,65 


4,00 


-0,65 


II. 


4,0 6,75 


12,15 


11,13 


-1,02 


12,02 


8,27 


-3,75 


» m. 


2,5-4,0 


24,61 


23,80 


-0,81 


27,90 


24,02 


-3,88 


IV. 


0,74-2,5 1 


25,48 


24,07 


—0,88 


29,14 


27,72 


-1,42 


V. 


0,3-0,74 ; 


27,53 


23,65 


—8,88 


1 29,44 


28,74 


-0,70 


Quarzsand II. 


4,0—6,75 ! 


14,85 


12,26 


—2,59 


12,42 


7,82 


-4,60 


III. 


2,5-4,0 


22,49 


21,45 


— 1,04 


26,60 


23,19 


—3,41 


IV. 


0,74-2,5 


24,01 


23,77 


—0,24 


28,08 


26,63 


— 1,45 


V. 


0,3-0,74 


26,34 


26,28 


-0,06 


28,91 


26,88 


-2,03 


Quarzpulver 


< M 


28,67 


27,36 


-1,31 


30,66 


29,26 


-1,40 


Kalksand V. 


0,3-0,74 


27,58 


27,54 


-0,04 


31,52 


30,37 


-1,15 


Marmorpulver 


<0,3 


26,08 


25,90 


-0,18 


29,59 


29,09 


-0,50 


Kaolin 


<0,3 


66,02 


62,93 


-3,09 


69,67 


65,97 


-3,70 


Torf 


<0,3 


118,18 


126,66 


+ 8,48 


158,65 


172,11 


+ 13,46 



Hiernach war im Allgemeinen die Wasserkapacität bei höherer Tem- 
peratur kleiner als bei niedriger; nur bei dein Torf fand das Umgekehrte 
statt. Auch scheint der geschilderte Einfluß der Temperatur sich bei 
lockerer Lagerung der Bodentheilchen in stärkerem Grade zu äußern 
als bei dichter. 

In den Versuchen des Referenten wurden je zwei Röhren mit der 
betreffenden Bodenart beschickt, von denen die eine in einem Keller bei 
4— 5° C. , die andere in einem gleichmäßig temperirten Zimmer bei 
26 — 28° C. aufgestellt war. Die Bestimmung der (kleinsten) Wasser- 
kapacität erfolgte nach dem früher beschriebenen Verfahren 1 ). Es wurde 
Folgendes ennittelt: 

Kleinste Wasserkapacität 
Bodenart in Volumprocenten 

bei 4-5» C. bei 26-28» C. Differenz 



Quarzsand, unveränderter .... 


5,35 


4,80 


0,55 


> 0,0—0,25 mm Korngröße 


11,13 


8,94 


2,19 


Kalksand, unveränderter .... 


18,13 


16,91 


1,22 


» 0.01 — 0,071 mm Korngröße 


36,51 


33,93 


2,58 


0,071— 0,114mm 


13,18 


11,23 


1,95 


> 0,114— 0,171 mm 


10,43 


8,45 


1,98 



») a. a. O. 



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364 Physik des Bodens: 

Kleinste Wasserkapacität 

Bodenart in Volumprocenten 

bei 4-6 • C. bei *6-W • C. Differenz 

Lehm, krümelig 23,47 20,48 2,99 

» pulverförmig 42,52 40,58 1,94 

Ackererde 1 ), krümelig 36,85 33,02 3,83 



^ pulverförmig .... 50,24 46,79 3,45. 

In üebereinstimmung mit den oben mitgetheilten Versuchsergebnissen 
ergiebt sich aus diesen Zahlen, daß die Wasserkapacität des Bodens 
um so geringer ist, je höher die Temperatur desselben. 

Die Ursache dieser Erscheinung beruht zunächst darauf, daß die 
Adhäsion, mit welcher die einzelnen Bodentheilchen das Wasser auf 
ihrer Oberfläche festhalten, mit steigender Temperatur abnimmt. Es 
wird daher das Wasser von dem Zeitpunkte ab abzufließen beginnen, 
von welchem an durch eine höhere Temperatur das Gleichgewicht zwischen 
der Flächenattraktion und der Schwerkraft zu Gunsten der letzteren auf- 
gehoben worden ist. Diese Störung des Gleichgewichtszustandes wird 
zuerst in den weitesten Hohlräumen eintreten, selbst bei einer geringeren 
Temperaturerhöhung, während sich derselben in dem Grade, als der Durch- 
messer der Hohlräume sich vermindert, um so größere Widerstände ent- 
gegenstellen oder eine um so höhere Wärmezunahme erforderlich ist, um 
eine gleiche Wirkung hervorzubringen. Hieraus wird gefolgert werden 
dürfen, daß die durch die Temperatur bewirkten Aenderungen in der 
Wasserkapacität der Böden um so stärker hervortreten werden, je grob- 
körniger der Boden ist. Einige Anhaltspunkte rinden sich hierfür in 
den oben mitgetheilten Zahlen. Setzt man in den Versuchen von H. v. 
Kieme und dem Referenten die Wasserkapacität bei niedriger Tempera- 
tur = 100, dann betrug diejenige bei höherer Temperatur: 





Korngröße 


feste lockere 




mm 


Einfüllung 


Sundboden I. 


> 6,75 


68,3 86,0 


» II. 


4,0—6,75 


91,6 68,8 


III. 


2,5—4,0 


96,7 86,1 


» IV. 


0,74—2,5 


94,5 95,1 


V. 


0,3—0.74 


85,8 97,6 



') Huraoser Kalksandboden. 



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Untersuchungen über die Wasserkapacitat der Bodenarten. 865 





ivorngrooe 


feste 


lockere 




mm 


Einfüllung 


Quarzsand II. 


4,0—6,75 


82,6 


62,9 


III. 


2,5—4,0 


95,4 


87,2 


IV. 


0,74-2,5 


99,0 


948 


» V. 


0,3-0,74 


99,7 


93,0 


Kalksand I. 


0,114—0,171 


81,0 




II. 


0,071-0,114 


85,2 




» III. 


0,010—0,071 


92,9 




Lehm 


krümelig 




87,3 


» 


pulverförmig 




95,4 


Ackererde 


krümelig 




89,6 




pulverförmig 




93,1 



Abgesehen von einigen Abweichungen 1 ) sprechen diese Zahlen deut- 
lich dafür, daß die durch höhere Temperaturen bewirkte Ver- 
minderung der Wasserkapacität des Bodens relativ in um so 
stärkerem Grade hervortritt, je gröber die Bodenporen sind. 

Zur Erklärung der oben näher charakterisirten Thatsache ist weiters 
der Umstand herauzuziehen, daß die einzelnen Bodentheilchen und das 
Wasser bei höherer Temperatur einer sehr ungleichen Volumveränderung 
unterworfen sind. Indem das Wasser sich verhältnißmäßig mehr ausdehnt, 
als die erdigen Bestandteile, muß hierdurch eine Erweiterung der 
Kapillarröhrchen und ein erleichterter Abfluß des in denselben mit ver- 
minderter Kraft zurückgehaltenen Wassers veranlaßt werden. In Ueber- 
einstimmung hiermit steht auch die von Haberlandt gemachte Wahr- 
nehmung, daß das überschüssige Wasser aus erwärmtem Boden rascher 
abläuft als aus nicht erwärmtem. 

F. Haberlandt legt der Aenderung der W T asserkapacität durch die 
Wärme einen wesentlichen Einfluß auf das Ptianzeuwachsthum bei, indem 
er annimmt, daß die Wurzeln der Landpflanzen das im Boden befindliche, 
unter dem Einfluß von Adhäsionskräften stehende kapillare Wasser, auf 

»J Diese Abweichungen sind dadurch bedingt, daß die Füllung der beiden 
Röhren, welche in jedem einzelnen Versuch in Vergleich gezogen wurden, bei 
größter Sorgfalt nicht so gleichmaßig erfolgen konnte, wie es zur Gewinnung ab- 
solut zutreffender Daten erforderlich gewesen wäre. Nichtsdestoweniger sind die 
mitgetheilten Zahlen wohl geeignet, die im Text aufgestellte Gesetxmäßigkeit zu 
begründen. 



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Physik des Bodens: 



welches sie angewiesen sind, um so leichter aufnehmen werden, mit einer 
je geringeren Kraft dasselbe festgehalten wird. 

«Wenn sich auch verschiedene Pflanzenwurzeln in dieser ihrer Leistungs- 
fähigkeit verschieden verhalten mögen, so folgt doch aus dem Früheren 
unzweifelhaft, daß sie dasselbe vollständiger aus einem erwärmten als 
einem kälteren Boden entnehmen können, daß sie in einem kalten Boden 
weniger Wasser in derselben Zeit werden aufzunehmen vermögen als ans 
einem wärmeren Boden desselben Feuchtigkeitsgehaltes. Es ist durch 
Versuche nachgewiesen worden, wie gewisse Pflanzen ohne eine Aenderung 
der Feuchtigkeitsverhäknisse des Bodens bei sinkender Bodentemperatur 
welken, bei steigender Bodenwärme wieder ihr frisches straffes Aussehen 
annehmen, und ist dabei gewiß die verschieden große Wasserkapacitat 
des kälteren und wärmeren Bodens nicht ohne Einfluß geblieben, wenn- 
gleich bei der Mittheilung dieser Versuche hierauf nicht ausdrücklich 
hingewiesen worden ist. Es ist keine Frage, daß diese in Rede stehende 
Eigenschaft des Bodens dem Pflanzenwuchse entschieden günstig ist. 
Gerade zur Zeit der lebhaftesten Vegetation, mit Beginn des Sommers, 
nimmt der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens in der Regel ab; indem nun 
seine Temperatur in dieser Jahreszeit in fortwährendem Steigen, seine 
Anziehungskraft gegeuüber dem Wasser daher in fortwährendem Sinken 
ist, wird es den Pflanzen um so leichter gemacht, den größeren Theil 
des kapillaren Boden wassers ihren eigenen Zwecken dienstbar zu machen.» 

Versuchsreihe V. 
Einfluß des Frostes auf die Wasserkanacitlit der Bodenarten, 

Ueber die Wirkung des Frostes auf die Wasserkapacität des Bodens 
liegt eine Beobachtung von J. Sachs 1 ) vor, nach welcher humoser .Boden 
durch Gefrieren und Aufthauen in bezeichneter Eigenschaft eine auffallende 
Veränderung erleidet. Völlig gesättigte Humuserde, welche vor ihrem 
Gefrieren nach stundenlangem Stehen in einer Temperatur von 0° keinen 
Tropfen Wasser mehr abgab, ließ eine nicht unbeträchtliche Menge Wasser 
aufs Neue abfließen, nachdem dieselbe eine Nacht hindurch dem Gefrieren 
ausgesetzt und hierauf in eine Temperatur von 10 — 12° R. zum Auf- 
thauen gebracht worden war 2 ). J. Sachs folgerte hieraus, daß sich die 

l ) Landw. Versuchsstationen Bd. II. S. 193. 

*) Der humose Boden enthielt hei 0° vor dem Gefrieren in 100 Theilen 



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Untersuchungen über die Wasserkapacität der Bodenarten. 367 



Wasserkapacität der Erde durch das Gefrieren vermindert habe und da- 
durch ein Theil des absorbirten Wassers bei dem Auftbauen abgestoßen 
worden sei. 

F. Hdberlandt 1 ) ist der Meinung, daß diese Erklärung des ge- 
schilderten Vorganges nicht zutreffend sei, insofern derselbe der Wirkung 
der höheren Temperatur bei dem Aufthauen ausschließlich zuzuschreiben 
sei, weil man die Sättigung bei niedriger Temperatur (von nahe 0°), das 
Aufthauen bei höherer Wärme bewirkt, und somit der Boden, nach den 
oben mitgetheilten Versuchsergebnissen im ersteren Fall an fcich, ohne 
das Hinzutreten des Frostes, eine höhere Wasserkapacität besessen habe 
als im letzteren. Es hätte sich daher ein ähnliches Resultat ergeben 
müssen, wenn man die bei einer Temperatur von 0° gesättigte Boden- 
probe ohne Weiteres in eine solche von 10— 12° gebracht hätte. 

Um die Richtigkeit dieser Anschauung zu prüfen, wurden im Winter 
1885/66 kubische Zinkgefäße von 1 Liter Inhalt mit verschiedenen Boden- 
arten im feuchten Zustande dem Frost und späterhin dem Aufthauen 
ausgesetzt. Die Versuchsanordnung war folgende. Der durchlöcherte 
Boden der Gefäße wurde vor dem Einfüllen mit grober Gaze bedeckt, 
um das Hindurchfallen des Bodenmaterials zu hindern. Letzteres wurde 
schichtenweise, im dichten Zustande bei den pulverförmigen, im lockeren 
Zustande bei den krümeligen Erdarten bis zum Rande der Gefäße ein- 
gefüllt und oberflächlich geebnet. Hierauf wurden die Apparate bei 
Zimmertemperatur (15 — 17° C.) auf eine Wasserfläche gestellt, so daß 
sich die Böden bis zur Oberfläche kapillar vollsaugen konnten, und in 
dieser Lage so lange belassen, bis durch eine öfters vorgenommene Wägung, 
nach dem Abtropfen des überschüssigen Wassers, eine Gewichtszunahme 
nicht mehr beobachtet werden konnte. Jedes Gefäß wurde alsdann auf 
einen unten und seitwärts geschlossenen, 5 cm hohen Zinkkasten, der 
sich mit seinen seitlichen etwas Ubergreifenden Rändern eng an die Außen- 
wand der Bodengefäße anschloß, gesetzt, oberflächlich zur Verhütung der 
Verdunstung durch überstehende Glasplatten bedeckt und im Freien 
während frostiger Witterung, geschützt gegen Schnee und Regen, aufge- 
stellt. Uni die Einwirkung des Frostes zu beobachten, wurden die 

Trockenraasse 108,8 Theile Wasser, nach dem Aufthauen enthielt er 102,8 Theile 
Wasser, demnach hatte sich die Wasserkapacität um 6 Procent vermindert. 
') Landw. Versuchsstationen. Bd. VIII. S. 462. 



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368 



Physik des Bodens : 



Apparate bei der beschriebenen Ausrüstung in das Zimmer gebracht, die 
nach dem Auftbauen (bei 15 — 17° C.) in das untergeschobene Zinkgefaß 
abgelaufene Wassermenge durch Wögen bestimmt und aus den Gewichts- 
bestimmungen die Verminderung der Wasserkapacität berechnet. Wie 
man sieht, war der von Haberlandt gerügte Fehler in den Sachs sehen 
Versuchen durch die gewählte Anordnung vollständig vermieden. 

Die erste Periode der Frostwirkung dauerte vom 2. — 8. Februar 1886. 
Nach erfolgtem Aufthauen und Abfluß des Wassers wurden die Apparate 
vom 10. — 20. Februar einer nochmaligen Frostwirkung ausgesetzt. Nach- 
dem nunmehr die Wasserkapacität festgestellt worden war, wurden die 
Böden neuerdings in der beschriebenen Weise mit Wasser gesättigt und 
während der Zeit vom 25. Februar bis 5. März ins Freie gebracht. 

Die Lufttemperatur während der Versuchsdauer stellte sich nach 
den Aufzeichnungen der meteorologischen Centraistation in München 1 ) 
wie folgt: 





Lufttemperatur (°C.) 


Datum 


8 h 


2 h 


, 

8 h 


Min. 


Max. 


Mittel aas 
beiden 


2. Februar 


, -0,4 


M 


—1,3 


-1,3 


3,9 


1,30 


3. 


1,6 


1,5 


1,7 


- 3,1 


2.3 


-0,40 


4. 


-2,9 


-0,7 


-2,7 


- 3,5 


-0,7 


-2,10 


5. 


-4,2 


-1,5 


-3,7 


- 6,9 


-0,3 


-3,60 


6. 


-5,5 


-4,0 


-4,7 


-6,2 


-2,9 


; -4,55 


7. 


-8,1 


-4,6 


-6,7 


- 9,9 


-4,1 


-7,00 
-7,05 

j — = — _= — 


8. 


-8,3 


-4,9 


7.:, 


10,0 


-4,1 


10. Februar 


-5,9 


-2,8 


— 5,5 


—9,0 


-2,5 


-5,75 


11. 


—4,4 


-2,5 


-3,7 


6,4 


-1,8 


-4,10 


12. 


-3,9 


-2,3 


-2,7 


-4.6 


-1,9 1 -3,25 


13. 


2.6 


-2,5 


-3,5 


3,7 


-2,3 


-3,00 


14. 


-4.1 


-2,9 


-2,9 


-5,0 


-2,6 f -8,80 


15. 


-5,5 


-2,5 


-3,7 


-6,5 


-2,2 


, 4,35 


16. » 


-2,9 


-0,5 


-0,7 


-4,6 


0,5 


-2,05 


17. 


-3,1 


-0,1 


-1,1 


-3,5 


0,5 


-1,50 


18. 


-2,5 


-1,1 


1,5 


- 3,2 


-0,8 


-2,00 


19. 


-2,1 


—0,3 


-1,5 


-3,3 


0.0 


—1,65 


20. 


-7,3 


-0,9 


-3.2 


| -8,8 


-0,5 


-4,65 

i 



*) C. Lang und F. Erk. Beobachtungen der met. Station, im Königreich 
Bayern. Jahrgang VIII. München 1886. 



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Untersuchungen über die Wasserkapacität der Bodenarten. 369 



] ) i tum 
1 'iH Ulli 






Lufttemperatur (°C.) 






8 h 


2 h 


8 h 


Min. 


1 

Max. 


Mittel aus 
beulen 


25. Februar 


-3,7 


3,7 


-0,1 


- 4,2 


4,2 

7 1 


0,00 


26. » 


-2,1 


5,9 


2,1 


- 4,0 


7,6 


1,80 


27. > 


—1,5 


1,3 


— U,o 


— <*,U 


2,1 


0,05 


28. 


-2,9 


-1,5 


-3,7 


- 4,3 


-0,3 


—2,30 


1. März 


-7,3 


-3,1 


-7,9 


8,2 


-1,9 


— 5,05 


2. > 


-7,9 


4,3 


2,7 


-11,0 


5,7 


- 2,65 


3. > 


4,9 


0,6 


-0,5 


-•0,5 


5,0 


2,25 


4. * 


-4,7 


-0,5 


-2,7 


- 6,8 


-0,1 


-3,45 


5. , 

i 


-6,1 


2,5 


-0,1 


9,2 


2,9 -3,15 



Die Bestimmungen der Wasserkapacität der Buden lieferten folgendes 
Resultat: 

I. 







Wasserkapacität (Vol.-Proc.) 




Bodenart 


Vor 


Xtuh 


Nach 


Diffe- 
renz 


Relative« Verhältnis 


dem 


dem I. 
Frost 
(2.-8./II) 


dem II. 
Frost 

(10.-20. n) 


▼or 
dem 

Frost 




Nach 
dem 
Frost 


i 

Kalksand, 0,071-0,114 mm 


40,40 


39,26 


39,13 


-1,27 


100 


96,S 


0,114-0,171 » 


41,43 


38,49 


38,33 


-3,10 


100 


92,5 


Quarzsand 


29,10 


27,67 


27,37 


-1,73 


100 


94,0 


Lehm, pulverformig 
> krümelig 


44,30 
37,40 


38,95 
28,29 


38,58 
28,19 


—5,72 
—9,21 


100 
100 


87,1 
75,4 


Aikcrerdo krümelig 


43,25 


42,41 


42,41 




,00 


98,0 



11. 

(25./II-5./III.) 



Kalksand, 0,071-0,114 mm 


I 

39,90 39,28 


•i •: 
0,62 


100 


98,4 


0,114-0,171 » 


39,38 


37,99 




100 


96,4 


Quarzsand 


29,20 


27,63 


-1,57 


100 


94,6 


Lehm, pulverförmig 


41,10 


39,90 


-1,20 


100 


97,1 


krümelig 


35,30 


33,58 


-1,72 


100 


94,8 


Ackererde, krümelig 


45,25 


43,90 


1,25 

ii l 


100 


97,0 



') Humoser Kalksandboden. 



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< 



370 Physik des Bodens: 

Sieht man zunächst von Nebenumständen ab, so vermitteln diese 
Zahlen die Thatsache, daß durch das Gefrieren des Bodens die 
Wasserkapaeität desselben herabgesetzt wird. 

Die Wirkung des Frostes auf den Boden ist zunächst darauf zurück- 
zuführen, daß das zu Eis gefrierende und sich hierbei ausdehnende Wasser 
die Bodentheilchen auseinander treibt und den Boden in einen Zustand 
des größeren Volumens versetzt, in welchem er auch nach dem Aufthauen 
in mehr oder minderem Grade verharrt. Die Bodenporen werden aUo 
erweitert und dadurch das Wasserfassungsvermögen des Erdreichs ver- 
mindert, weil, wie bei einer anderen Gelegenheit gezeigt 1 ), dasselbe inner- 
halb gewisser Grenzen in umgekehrtem Verhältniß zum Durchmesser der 
Poren steht. 

Es ist außerdem sehr wahrscheinlich, daß fragliche Erscheinung in 
Bezug auf die humosen und besonders thonigen Bestandteile des Bodens 
auf einer Molekularveränderung derselben beruht. Mit Sicherheit kann 
wohl angenommen werden, daß die koagulirbare Thonsubstanz durch das 
Gefrieren eine ähnliche Veränderung erleidet wie z. B. Stärkekleister, 
der bekanntlich nach dem Gefrieren und Wiederauftkaaen Wasser aas- 
scheidet, während die festen Theile ein Gerinnsel bilden. 

Von größerer Bedeutung für die Verminderung der WasserkapaciUt 
der Böden unter den hier vorliegenden Verhältnissen dürfte die in sehr 
feinkörnigen und vornehmlich thonigen Erdarten durch den Frost be- 
wirkte Krllmelbildung sein. Es ist den praktischen Landwirthen hin- 
länglich bekannt, daß der in rauher Furche dem Winterfrost ausgesetzte 
schwere Boden, selbst wenn er im Hersbt eine fest zusammenhängende 
Masse bildete, eine lockere, krümelige Beschaffenheit erhält, wie solche 
in gleicher Vorzüglichkeit sich mit den Ackerwerkzeugen nur äußerst 
selten herbeiführen läßt. Diese Beobachtung gelangt dadurch bei den 
Praktikern zum Ausdruck, daß sie sagen: «wenn der Boden nicht aus- 
friert, wird die Ernte nicht reich». 

Diese Förderung der Krümelbildung in thonigen oder thonhaltigen 
Böden läßt sich dadurch erklären, daß durch den Frost eine Schrumpfang 
der gerinnbaren Substanz eintritt, wobei, in ähnlicher Weise wie beispiels- 
weise unter dem Einfluß von Aetzkalk 2 ), die Bodentheilchen sich zn 

') Diese Zeitschrift. Bd. VIII. IW». S. 197. 
») Vergl. diese Zeitschrift. Bd. II. 1879. S. 441. 



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Untersuchungen über die Wasserkapacität der Bodenarten. 



371 



Aggregaten vereinigen. Da nun zwischen denselben größere, nicht 
kapillar wirkende Hohlräume entstehen, so erklärt sich die Herabminderung 
der Wasserkapacität durch den Frost in einfacher Weise durch das Auf- 
treten größerer, für die Festhaltung von Wasser ungeeigneter Lücken 
zwischen den sich bildenden Aggregaten 1 ). 

Der beschriebene Vorgang dürfte durch die Ausdehnung des Wassers 
bei dem Gefrieren insofern unterstützt und gefordert werden, als die 
Aufhebung des Zusammenbanges der Bodenmasse vornehmlich von den 
in den größeren Poren enthaltenen Wassermassen ausgehen wird, weil 
die Volumvermehrung und der dabei ausgeübte Druck um so ergiebiger 
sind, je größer die gefrierenden Wassormengen. Die Zerklüftung des 
Erdreiches in Krümel oder Bröckchen wird also von den in den gröberen 
Lücken befindlichen Wassermassen ausgehen, während in den zwischen 
letzteren liegenden Bodenpartien der Zusammenbang zwischen den Par- 
tikeln mehr oder weniger bestehen bleibt, weil hier der durch das ge- 
frierende Wasser ausgeübte Druck zu gering ist, und die gegenseitige 
Anziehung einen erheblichen Widerstand leistet. 

Aus dem Mitgetheilten lassen sich nunmehr die Details in den be- 
treffenden Naturerscheinungen sowohl als auch in den oben mitgetheilten 
Versuchsergebnissen leichter übersehen. 

Es ergiebt sich vor Allem aus diesen Darlegungen, daß die Frost- 
wirkungen bei denjenigen Böden am durchgreifendsten und von dauerndem 
Einfluß sein werden, welche die Neigung zur KrUmelbildung besitzen 
und den angenommenen Lockerheitszustand bewahren, während dieselben 
bei solchen Böden schwächer und nur von vorübergehendem Einfluß sein 
werden, welche nicht krümeln und nach dem Gefrieren in ihren ursprüng- 
lichen Zustand zurückkehren. Zu ersteren sind alle bindigen (thon- 
haltigen) und einige humusreichen, zu letzteren alle lockeren (sandhaltigen) 
und gleichzeitig humusarmen Böden zu rechnen. Beispiele hierfür liefern 
die mitgetheilten Versuchsergebnisse. Der Quarzsand war durch das 
Gefrieren in seinem Wasserfassungvermögen nicht geändert worden, denn 
er enthielt 

Wasser 

vor den eisten beiden Frostwirkungen 29,10 Vol. °/o, 

nach der hierauf folgenden Wiederanfeuchtung 29,20 » * 

') Diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1885. S. 198 u. 202. 



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372 Physik des Bodens: 

dagegen war die Wasserkapacität der beiden bindigen Bodenproben 
(krümeliger und pulverförmiger Lehm) in Folge der Frostwirkung dauernd 
vermindert, denn es betrug dieselbe 

Lehm 
krümelig pulverformig 
vor den ersten beiden Frostwirkungen 37,40 44,30, 

nach der hierauf folgenden Wiederanfeuchtung 35,30 41,10. 
Daß bei diesen thonhaltigen, krümelnden Böden (Lehm) der EinfluG 
des Frostes auf das Wasserfassungsvermögen überdies weit größer ist als 
bei dem lockeren, nach dem Gefrieren in den Zustand der Einzelkorc- 
struktur zurückkehrenden sandreichen Boden (Quarzsand), zeigt ein Ver- 
gleich der bezüglichen Werthe für die Wasserkapacitäten der Böden vor 
und nach sämmtlichen Frost Wirkungen. Es betrug die 

Wasserkapacität (Vol.-Proc.) 

Relatives Verhkltnüi 

Vor dem Nach dem Differenz vor dem nach dem 
Fro*t Frost 

Quarzsand . . . 29,10 27,63 - 1,47 100 94,9 
Lehm, krümelig . 37,40 33,58 — 3,82 100 ' 89,8 
Lehm, pulverig . . 44,30 39,90 —4,40 100 90,1. 
Die beiden sehr feinen Kornsortimente des Kalksandes zeigen be- 
züglich der hier in Rede stehenden Wirkungen ein den bisher betrach- 
teten Böden gegenüber mittleres Verhalten, weil sie wenig zur Krümel- 
bildung neigen, andererseits aber auch nicht so leicht in den Zustand 
der Einzelkornlagerung zurückkehren wie der grobkörnigere Quarzsand. 

Auffallend sind die bei dem humosen Kalksandboden ermittelten 
Werthe insofern, als im Gegensatz zu den bis dahin besprochenen Ver- 
suchsmaterialien die Wasserkapacität dieser Erdart nach den ersten beiden 
Frost Wirkungen eine Erhöbung statt einer Verminderung erfahren hatte. 
Indessen läßt sich diese Thatsache aus der sehr lockeren Zusammenlage- 
rung der die Krümel bildenden Bodentheilchen erklären. Die Aggregate 
waren so locker, daß sie bei Anwendung des geringsten Druckes in ihre 
Elemente zerfielen. Es läßt sich daher annehmen, daß, in Folge der 
geringen Bindigkeit des humosen Kalksandes und der überaus lockeren 
Beschaffenheit der Bodenbröckchen, durch den Frost eine theilvveise Zer- 
störung letzterer stattfand und ein Theil der nicht kapillaren Hohlräume 
in kapillare übergeführt wurde. Aus letzterem Grunde mußte bei der 
Wiederanfeuchtung des zuvor der Frostwirkung ausgesetzten Bodens eine 



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Untersuchungen über die Wasser kapacität der Bodenarten. 373 
Erhöhung der Wasserkapacität in die Erscheinung treten, weil dieselbe, 

» 

wie früher nachgewiesen, bei krümeligen Böden zunimmt, in dem Grade 
die nicht kapillaren Hohlräume durch äußere Einwirkungen zerstört 
werden 1 ). 

Der Umfang, in welchem die Wirkungen des Frostes in der ge- 
schilderten Weise hervortreten, dürfte außer von der Beschaffenheit und 
Menge der Bodenkonstituenten auch von dem Wassergehalt des Bodens 
wesentlich mit abhängig sein. Die Veränderungen in der Lagerung der 
Bodentheilchen, welche der Frost hervorruft, werden in um so größerem 
Maßstabe hervortreten, je größer die eingeschlossenen Wassermengen sind, 
weil die den Zusammenhang der Bodenmasse störenden, bei dem Ge- 
frieren des Wassers entstehenden Kräfte mit der Wassermenge an Inten- 
sität wachsen. Dazu kommt, daß eine Bewegung der Wassertheilchen 
nur bei einem höheren, über ca. 50°/o der vollen Sättigungskapacität 
liegenden Feuchtigkeitsgehalt stattfindet 1 ), woraus folgt, daß unter dieser 
Grenze die Zertrümmerung weit weniger durchgreifend sein wird als 
über derselben. 

Schließlich wird nicht außer Acht gelassen werden dürfen, daß die 
Art des Auftretens der Fröste selbst für vorliegende Erscheinungen maß- 
gebend sein wird. Ein öfterer Wechsel zwischen Frost und Aufthauen 
wird im Allgemeinen der Aufhebung im Zusammenhang der ganzen 
Bodenmasse förderlicher sein als ein während längerer Zeiträume an- 
dauerndes Gefrieren des Boden wassers, denn es ist wohl anzunehmen, 
daß im ersteren Fall die Eisbildungen und die durch dieselben veran- 
lagten mechanischen Wirkungen einem größeren Wechsel unterliegen und 
hierdurch nachhaltiger in den Zertrümmerungsproceß eingreifen werden, 
als dies unter letzteren Verhältnissen der Fall ist. Allein es bleibt zu 
berücksichtigen, daß Uber eine gewisse Grenze hinaus ein zu häufiger 
Wechsel zwischen Gefrieren und Aufthauen schließlich einen so weit 
gebenden Zerfall des Erdreiches herbeiführen kann, daß dasselbe In seine 
Elemente zerfallt 3 ), d. h. in den pulverförmigen Zustand übergeht und 
dadurch eine beträchtliche Erhöhung seiner Wasserkapacität erleidet. 



») Vergl. diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1S85. S. 199 u. 203. 
2 J Diese Zeitschrift. Bd. VII. 1884. S. 41. 
s ) Diese Zeitschrift. Bd. II. 1879. S. 450. 



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374 



Physik des Bodens: 



Bei Zusammenfassung sfimmtlicber Versuchsresultate und Erwägungen 
ergiebt sich: 

1. daß d ie Wasserkapacität der Böden durch das Gefrieren 
des Wassers in denselben im Allgemeinen vermindert wird; 

2. daß diese Wirkungen bei allen leicht in den Zustand 
der Einzelkornstruktur verfallenden, grobkörnigen, sand- 
reichen, humusarmen Bodenarten vorübergehend sind, bei 
allea zur Krümelbildung neigenden (feinkörnigen, thon- 
reicfien, humusreichen) Bodenarten dagegen die Beschaffen- 
heit des Erdreiches dauernd verändern; 

3. daß der Frost in der ad 1 geschilderten Weise seinen 
Einfluß in um so stärkerem Grade äußert, je größer der 
Wassergehalt des Bodens ist und je öfter derselbe innerhalb 
gewisser Grenzen mit Aufthauen wechselt; 

4. daß, in Bezug auf dauernde Wirkung des Frostes, bei 
krümeligen Böden unter Umständen eine Erhöhung der Wasser- 
kapacität in Folge des Gefrierens des Bodenwassers be- 
obachtet wird, wenn die Aggregate bei zu lockerer Lage- 
rung (geringer Bindigkeit des Erdreichs) oder bei zu 
häufigem Wechsel zwischen Frost und Thauwetter in ihre 
Elemente zerfallen. 

Versuchsreihe VI. 

Einfluß des Untergrundes auf die Wasserkapacität der 

Bodenarten. 

In dieser Versuchsreihe wurden Blechröhren von 4 cm Durchmesser 
und 70 cm Länge, deren oberes, 10 cm langes Stück abnehmbar war 1 ), 
mit einer und derselben Bodenart oder in der Weise gefüllt, daß in 
einer bestimmten Tieflage ein Material von entgegengesetzter physika- 
lischer Beschaffenheit und einer Mächtigkeit von 3 resp. 5 cm eingelagert 
wurde. Die Zufuhr des Wassers erfolgte von oben her und zwar so, 
daß man dasselbe in dünnem Strahl in ein auf das obere abnehmbare 
Köhrenstück aufgesetztes, sich an letzteres dicht anschließendes und zur 
Hälfte noch mit der betreffenden Erdart gefülltes, 10 cm hohes Glasrohr 
einführte. Mit der Zufuhr wurde aufgehört, sobald das Wasser anfing 

») Diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1885. S. 187. 



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Untersuchungen über die Wasserkapacität der Bodenarten. 



375 



unteo abzutropfen. Hierauf blieben die Apparate, nachdem dieselben 
zur Hintanhaltung der Verdunstung oben mit einer Glasplatte bedeckt 
worden waren, 36 Standen lang stehen, worauf das abnehmbare Röhren- 
stück abgenommen wurde, indem man den Boden an den beiden Enden 
mit einem scharfen Blech durchschnitt. Die Erde wurde hierauf bei 
105° C. getrocknet und der Wassergehalt (kleinste Wasserkapacität) da- 
nach auf das Volumen berechnet. 

Versuch I. 

Die Apparate wurden mit unverändertem Quarzsand 1 ) gefüllt und 
mit einer 3 cm starken Lage von Lehmpulver (0 — 0,25 mm) in ver- 
schiedenen Tiefen durchschichtet. In der folgenden Tabelle sind die 
Profile angegeben, von oben nach unten. 



Bodenart 


I 

cm 


II 

cm 


III 

cm 


IV 

cm 


V 


Quarzsand 

Lehmpulver 

Quarzsand 


10 

3 
57 


20 
3 
47 


30 
3 
37 


40 

3 
27 


| Quarzsand 
j (70 cm) 



Die kleinste Wasserkapacität des Quarzsandes stellte sich wie folgt: 
I. II. III. IV. V. 

32,28 16,73 10,37 6,63 4,53. 



Versuch II. 

In diesem Versuch wurde Lehmpulver (0 — 0,25 mm) mit einer 3 cm 
starken Lage vom grobem Quarzsand (1 — 2 mm) in verschiedenen Tiefen 
durchschichtet. Die Anordnung, resp. die Wasserbestimmungen sind 
folgenden Zahlen zu entnehmen. 



») Nach der mechanischen Analyse zeigte der Quarzsand folgende Zusammen- 
setzung: 

Maschenweite 
der Siebe 
Mittelkies 2,50 mm 0,15 °/© 
Feinkies 1,00 » 6,45 » 
Grobsand 0,50 » 40,40 » 



Maschenweite 
der Siebe 

Mittelsand 0,25 mm 42,15 °/o 

Feinsand — » 9,74 » 

Abschlämmb. Theile — » 1,11 » 



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376 Physik des Bodens: 



Profile (von oben nach unten). 



Bodenart 


I 

cm 


II 

cm 


III 

cm 


IV 
cm 


V 


Lehmpulver 

Quarzkies 

Lehmpulver 


10 
3 
57 


20 
3 
47 


30 
3 
37 


40 

3 
27 


( Lehmpulver 

(70 cm) 



Die kleinste Wasserkapacitttt des Lehms wurde wie folgt ermittelt: 

l n. in. iv. v. 

43,78 43,59 43,36 42,78 42,68. 

Versuch III. 

Profile 
(von oben nach unten). 



Bodenart 


I 

cm 


Bodenart 


II 

cm 


m - 


Quarzsami 

Lehmpulver 

Quarzsand 


32,5 
5,0 

32,5 


Quarzsand 
Eisenoxydhydrat l ) 
Quarzsand 


32,5 
5,0 
32,5 


Quarzsand 

(70 cm) 



Folgende Zahlen geben die Werthe für die kleinste Wasseikapa- 

citilt des Quarzsandes an: 

1. II. III. 

17,87 17,12 5,14. 



Versuch IV. 

Profile 
(von oben nach unten). 



Bodenart 


cm 


Bodenart 


II 


HI 


Kalksand') 
Quarzkies (1-2 mm) 
Kalksand 


32,5 
5.0 
32,5 


Kalksand 

Lehmpulver 

Kalksand 


32,5 
5,0 
32,5 


Kalksand 

(70 cm) 



Die Bestimmungen der kleinsten Wasserkapacität des Kalksandes 

lieferten folgendes Resultat: 

L II. III. 

^ 20,27 29,35 23,05. 

») Pul verförmig (0-0,25 min). 
l ) Pulverförmig (0-0,25 mm). 



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Untersuchungen über die Wasserkapacität der Bodenarten. 377 

Versuch V. 

Profile. 



Bodenart 


! I 

j 

cm 


Bodenart 


II 

1 cm 


III 


Lehmpulver 
Quarzkies (1-2 mm) 
Lehmpulver 


32,5 
5,0 
| 32,5 


Lehmpulver 
Quarzsand (0-0,5 mm) 
Lehmpulver 


32,5 
5,0 
32,5 


Lehmpulver 
(70 cm) 



In den beiden Parallelversuchen wurden die Werthe für die kleinste 
Wasserkapacität wie folgt ermittelt: 

L II. III. 

A. 42,24 41,89 41,36 

B. 43,30 42,77 42,62. 

In Ansehung der Versuche I und III ergiebt sich zunächst, daß 
die Wasserkapacität grobkörniger Böden (Quarzsand) durch 
Untergrundschichten, welche das Wasser nur langsam leiten 
(Lehm und Eisenoxydhydrat), selbst bei geringer Mächtigkeit 
letzterer (3 — 5 cm) beträchtlich erhöht wird, und zwar um so 
mehr, je näher jene Schichten unter der Oberfläche liegen. 

Diese Thatsache erklärt sich leicht dadurch, daß in dem grobkörnigen 
Boden das von oben zugeführte Wasser mit großer Schnelligkeit abgeführt 
und nur in verhältnißmäßig geringen Quantitäten festgehalten wird, 
während es bei dem Vorhandensein einer aus feinkörnigem Material be- 
stehenden Schicht in seiner Weiterbewegung gehemmt wird, weil letztere 
die Eigenschaft besitzt, das Wasser nur langsam zu leiten. Sie saugt 
sich mit Wasser voll und verlangsamt den weiteren Abfluß nach unten. 
Ein Theil des indessen weiter von oben her zufließenden Wassers sammelt 
sich daher auf der gesättigten Schichte an und erfüllt hier mehr oder 
weniger alle Hohlräume des Bodens. Je näher daher die feinkörnige 
Untergrundschichte zur Oberfläche liegt, um so stärker müssen die zu 
Tage tretenden Bodenpartien durchfeuchtet werden. 

Bemerkenswerth für die Beurtheilung vorliegender Verhältnisse ist 
der Umstand, daß die Beeinflussung der Wasserkapacität der 
Böden durch schwer durchlässige Untergrundsschichten um so 
größer, je größer die Differenz in dem Verhalten zum Wasser 
in den in Vergleich kommenden Bodenarten ist und umge- 
kehrt. Dies ergiebt sich deutlich, wenn man die bezüglichen Daten in 

E. Wollny, Forschungen IX. L'G 



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&78 Physik des Bodens: 

Versuch I Profil III Q. V mit denen in Versuch IV Profil II u. UI 
vergleicht. 

Quarzsand. 
Lehmsrhicht 

Homogen. in m cm Tjefe Relatives \erhältniß. 

Wasserkapacität: 4,53 10,37 1 : 2,29 

Kalksand. 

Wasserkapacität: 23,05 29,05 1 : 1,26. 

Die Wasserkapacität dos feinkörnigen Kalksandes hatte demnach eine 
sehr viel geringere Erhöhung durch die im Untergrunde befindliche Lehm- 
schicht erfahren als der grobkörnige Quarzsand. Es erklärt sich dies aus 
dem bei einer anderen Gelegenheit 1 ) ermittelten Gesetz, daß in geschichteten 
Böden der Uebertritt des Wassers aus einer Schicht in die andere um n 
mehr erschwert ist und um so eher aufgehoben wird, je weiter die über- 
einander gelagerten Schichten in der Feinheit ihrer Partikel und in ihren 
sonstigen Strukturverhältnissen von einander abweichen. 

Zieht man die Versuche IT, IV Profil I und Versuch V in Betracht, 
so ergiebt sich, daß ein durchlassiger Untergrund die Wasser- 
kapacität der darüberliegenden Schichten unmerklich erhöht, 
wenn letztere aus sehr feinkörnigem reap. thonigem Material 
bestehen, dieselbe dagegen herabsetzt, wenn die betreffenden 
Bodenpartien aus einer weniger feinen Erdart bestehen. Man 
bemerkt deutlich, wie der Lehm (Versuch II) durch Zwischenlagerang 
einer Quarzkiesschicht in seinem Wasserfassungsvermögen eine geringe 
Erhöhung erfahren hatte, die um so ergiebiger war, je näher der Unter- 
grund zur Oberfläche lag. Der bezügliche Einfluß war ferner um so 
geringer, je feinkörniger die Untergrundschichte war (Versuch V). Bei 
dem an sich gut leitenden Kalksand hatte der durchlassige Untergrund 
die entgegengesetzte Wirkung hervorgerufen, d. h. die W asser kapacitSt 
der oberen Bodenpartien vermindert (Versuch IV Profil I). 

Zur Erklärung dieser Erscheinungen ist wiederum das oben citirte 
Gesetz heranzuziehen, nach welchem der Uebertritt des Wassers aus einer 
Bodenschicht in die andere um so leichter von Statten geht, je geringer 
der Unterschied in ihren für die Wasser bewegung maßgebenden physi- 
kalischen Eigenschaften ist. 

>) Diese Zeitschrift. Bd. VITT. 1885. S. 218. 



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Neue Litte ratur. 



379 



M^ittcm tili*. 

E. Laurent. Die Mikroben des Bodens. Bulletin de PAcademie royale 
de Belgique. Ser. 3. T. XI. 1886. p. 128. 

Die Experimente des Verf. knüpfen sich an Beobachtungen, welche Duclaux 
über das Keimen pflanzlicher Samen in sterilisirten Nährstoffboden angestellt hat 
Säet man nämlich Erbsen oder Bohnen in einen Nährboden, welcher zuvor Ton 
Ammoniak, Salpetersäuren Salzen, vor Allem aber von Mikroben befreit ist, so 
findet kein Wachsthum statt, auch wenn man jenen sterilisirte Milch oder steri- 
lisirten Rohrzucker zur Nahrung bietet, also Stoffe, welche unter gewöhnlichen 
Bedingungen das pflanzliche Leben zu unterhalten wohl geeignet sind. Duclaux 
zieht aus diesen Versuchen den Schluß, daß die Pflanze allein nicht befähigt ist, 
so komplicirte Nährstoffe wie Milch oder Zucker zu ihrem Lebensunterhalte zu 
verwerthen, sondern daß zuvor die in jedem normalen Boden vorkommenden Mi- 
kroben diese in einfachere Körper, wie Kohlensäure, Wasser, Ammoniak, Salpeter- 
wie salpetrige Säure, zerlegen müssen, um sie in dieser einfachen Form für die 
Pflanzen verwerthbar zu machen. 

In den Untersuchungen des Verf. sollte bei dem Studium der Rolle, welche 
die Mikroben des Bodens bei der Ernährung spielen, jeder ungewöhnliche Um- 
stand vermieden werden und die Pflanzen ihren normalen Entwickelungs- und 
Ernährungsbedingungen unterliegen. 

Zu diesem Zweck wurde eine Reihe von Kulturtöpfen hergestellt, die, durch 
passendes Erhitzen sterilisirt, mit ebenso behandelten Deckeln verschlossen waren, 
durch welche eine Oeffnung für den sich entwickelnden Stamm, zwei für die Zu- 
fuhr von sterilisirtcm Wasser und zwei für die Zufuhr gereinigter Luft bestimmt 
waren; zu der durch Erhitzen auf 140° C. sterilisirten Gartenerde konnten keine 
Mikroorganismen von Außen dringen. Gleichzeitig wurden vier Versuchsreihen 
in Angriff genommen : In der ersten befanden sich die Versuchspflanzen in ge- 
wöhnlicher Gartenerde ; die zweite Reihe enthielt Versuche mit sterilisirtem 
Boden, der später mit Bakterien der gewöhnlichen Gartenerde geimpft wurde; es 
sollte durch diesen Versuch geprüft werden, ob der Proceß des Sterilisirens, das 
Erhitzen auf 140°, die Nährfähigkeit des Humus beeinträchtige. In der dritten 
Versuchsreihe wuchsen die Pflanzen in sterilisirtem Boden und in der vierten 
wurden dem sterilisirten Boden später chemische Dünger zugesetzt. Die Bedeu- 
tung der vierten Versuchsreihe liegt in dem Umstände, daß durch die Zufuhr des 
Mineraldüngers die Funktion der Bodenbakterien theilweise ersetzt wurde, indem 
diejenigen einfachen Nährstoffe, welche im Boden von den Bakterien aus den 
organischen Substanzen erst erzeugt werden, hier direkt zugeführt wurden. 

Die Versuche wurden mit Buchweizensamen angestellt. Sie waren erst 
durch eine Sublimatlösung sterilisirt, dann in Krystallschälchen unter möglichstem 

') Comptcs rendus. T. C. p. 66. 



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380 



Physik des Bodens: 



Abschluß der Luftbakterien zum Keimen gebracht und wurden beim Erscheinen 
der Würzelchen in die betreffenden Töpfe überpflanzt. Der Versuch begann am 
25. Juli; in der vierten Versuchsreihe erhielten die Pflanzen vom 15. August ab 
wöchentlich zweimal eine N&hrstofflösung, welche Kaliumnitrat, Calciumphospbat, 
Calciumsulfat, Magnesiumsulfat und Spuren von Eisensulfat enthielt. Die Ergeb- 
nisse dieser Versuche zeigen sich in folgender Uebersicht: 



Zahl Zahl Zahl- 

der Blatter der Blüthen der Früchte 

am 28. Aug. am 11. Sept. am 15. Sept. am «9. 8ept 



1. Reihe 


. 9 


15 


126,33 


94,67 


2. » 


. 6 


13,17 


128 


96 


3. » 


. 3,62 


6,62 


58 


23,5 


4. a 


. . 4,6 


19 


88,4 


66,75. 



Es ergiebt sich aus diesen Zahlen, daß die dritte Reihe allen anderen nach- 
steht, daß also ganz zweifellos die Thätigkeit der Mikroben in der Gartenerde, 
welche viel organische Substanz enthält, von großem Vortheile für die Pflanzen 
ist. Hierbei muß noch in Betracht gezogen werden, daß die im sterilisirten 
Boden wachsenden Pflanzen noch einen merklichen Theil der Produkte, welche 
die Bakterien im Boden vor ihrer Tödtung erzeugt hatten, vorfanden und zu 
ihrer Ernährung verwerthen kounten. 

P. IAboriu*. Beitrage znr Kenntniß des SanerstofTbedllrfnisses der 
Bakterien. Zeitschrift f. Hygiene. Bd. I. 1886. S. 115. 

In der eingehenden systematischen Untersuchung des Verf. über das Ver- 
halten verschiedener Bakterien gegen Sauerstoffmangel wurden die Bakterien 
nach dem jetzt allgemein üblichen Verfahren auf festem Nährsubstrat ge- 
züchtet und der Sauerstoff mittelst verschiedener, ausführlich beschriebenen 
Verfahren abgebalten. Die allgemeineren Resultate aus diesen Beobachtungen 
sind folgende : 

In Bezug auf das Sauerstoff bedürfniß hat man unter den Bakterien drei 
Klassen zu unterscheiden: 1. Obligate Anaerobien, welche für alle Leben>- 
funktionen auf die Abwesenheit von Sauerstoff angewiesen sind; einige unter 
diesen erregen Gährung, andere vermehren sich ohne Gährung; für erstere ist 
aber die Gährung keine unerläßliche Bedingung ihrer Vermehrung. Sauerstoff- 
zufuhr sistirt alle Lebensäußerungen dieser Bakterien. 2. Obligate Aerobien, 
welche unter allen Urnständen reichlicher Sauerstoffzufuhr bedürfen; wird 
diese erheblich beschränkt, so sistiren sämmtliche Lebensäußerungen; genauer 
studirte Gährungen sind von keiner dieser Bakterien bekannt. 3. Fakultative 
Anaerobien, die für gewöhnlich auf Sauerstoffzufuhr angewiesen sind, bei 
reichlichen Sauerstoffmengen am kräftigsten vegetiren. Dieselben können auch 
bei vollständiger Sauerstoffentziehung noch eine beträchtliche Konsumtion des 
Nährmaterials und eine bedeutende Vermehrung leisten, wenn auch bei Be- 
schränkung des Sauerstoffzutrittes eine Verlangsamung ihres Wachsthums ein- 
tritt. Zu dieser dritten Gruppe gehören namentlich alle untersuchten pathogenen 
Bakterien, wie die Bakterien des Milzbrandes, der Cholera, des Typhus u. s. w 
Auch unter diesen können mehrere Gährung erregen, aber sowohl mit als ohne 



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Neue Litteratur. 381 

Sauerstoff; nur eine Bakterie (Bac. prodigiosus) macht eine Ausnahme, indem 
hier Gährung nur in sauerstofffreien Kulturen eintritt. 

J. Uff'elmann. Ueber die Oxydation des Ammoniak» im Wasser nnd 
Boden. Archiv für Hygiene. Bd. IV. S. 82, und Chemisches Centraiblatt. 1886. 
No. 17. S. 312. 

Verf. lieferte den Beweis, daß die Oxydation des Ammoniaks, wenigstens 
bei starker Flächenattraktion, ohne Mitwirkung von Mikroben stattfinden kann. 
Versuche mit Quellwasser und mit dem Wasser der Rostocker Wasserleitung er- 
gaben, daß auch in nicht keimfreiem Wasser und in nicht keimfreien Gefäßen 
die Oxydation des Ammoniaks zum mindesten ungemein langsam und jedenfalls 
viel langsamer sieb vollzieht, als gewöhnlich angenommen wird. Es ergiebt sich 
ferner, daß die Absorption der salpetrigen Säure und des Ammoniumnitrites (aus 
der Luft) vom Wasser in sehr wesentlichem Maße die Menge des Ammonium- 
nitrites beeinflußt, welches wir in dem Wasser finden. Denn es zeigte sich, daß 
' da, wo diese Absorption ohne gleichzeitige Aufhebung des Sauerstoffzutrittes er- 
heblich beeinträchtigt wurde, auch das Ammoniumnitrit geraume Zeit fehlte. Bei 
einem Versuch, in welchem nicht keimfreies, ammoniakalisch gemachtes Wasser 
innerhalb eines mit Watte lose verschlossenen Glases aufbewahrt war, wurde 
jenes noch am 18. Tage frei von salpetriger Säure gefunden. Selbst nach Wochen 
wurde in ammoniakalischem Wasser trotz unbehinderten Zutrittes von Luftsauer- 
stoff die Anwesenheit von salpetriger Säure allemal dann vermißt, wenn keine 
Absorption derselben statthaben konnte und wenn überdies das betreffende 
Wasser sterilisirt, sowie vor der Verunreinigung mit Keimen aus der Luft be- 
hütet wurde. • 

Der Boden hat zweifellos die Fähigkeit, zum mindesten nach stattgehabter 
Anfeucbtung, salpetrige Säure aus der Luft zu absorbiren. Aber er vermag nicht 
Ammoniak zu oxydiren, wenn die in ihm vorhandenen Keime vernichtet sind und 
die Zufuhr neuer Keime verhindert wird, vermag dies auch dann nicht, wenn das 
Ammoniak in sehr starker Verdünnung ihm zugeführt und für ausreichende Durch- 
lüftung gesorgt wird. Boden und Wasser gleichen sich also in beiden Beziehungen. 
Die in ihnen gefundene salpetrige Säure kann absorbirt sein. Soweit dies aber 
nicht der Fall ist, verdankt sie ihren Ursprung einem biologischen Processe und 
nicht einer einfachen Aktion des Luftsauerstoffs. 

L. Adametz, Untersuchungen über die niederen Pilze der Acker- 
krume. Iuaugural-Dissertation. Leipzig. 1886. 

In Anbetracht, daß die im Ackerboden in so ungeheurer Menge auftretenden 
nichtpathogenen Pilze zum großen Theil Arten angeboren, von welchen die Um- 
setzung der für die Pflanzenernährung wichtigen, von Pflanzen und Thieren her- 
stammenden Ueberreste im Ackerboden hauptsächlich beherrscht wird, sowie daß 
genauere Angaben über diese Organismen zur Zeit fehlen , hat sich Verf. vor- 
liegender Arbeit veranlaßt gesehen, die gewöhnlichsten in der Ackerkrume be- 
findlichen Pilze näher zu bestimmen, und die von denselben hervorgerufeneu 
Processe mit besonderer Rücksicht auf die Nitrifikation zu prüfen. 

Verf. benutzte Erde vom Versuchsfelde des landw. Instituts in Leipzig, 



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382 



Physik des Bodens: 



welche im Oktober v. J. sowohl aus der obersten Schicht wie aus einer Tiefe von 
ca. 22 cm entnommen worden war. In beiden Schichten fanden sich Hefen- und 
Schimmelpilze in nicht gerade sehr beträchtlicher, Spaltpilze dagegen in un- 
geheurer Zahl. Unter Benutzung des Thotna'schen Zählapparats wurden die 
Spaltpilze, welche in 1 g Erde zugegen waren, auf etwa 500000 in der Oberfläche, 
und 460000 iu der tieferen Schicht geschätzt. Nach der Filtration wurde Züchtung 
mit JToc&'scher Plattenkultur und nachher Reinzucht mit Stich- und Stricbkultar 
auf verschiedenartigen Substraten vorgenommen, die, soweit es sich um Nährstoff- 
lösungen handelte, zum Theil erst in passender Form ermittelt werden mubten. 
Es wurden in solcher Weise gefunden: 

1. 6 Schimmelpilze (Penic. glaucum, Mucor mucedo, M. racemosus, M. stolonifer, 
Aspergillus glaucus, Oidium lactis); 

2. 4 Hefenpilze (Saccharomyces ellipsoideus, S. cerevisiae, S. glutinis, Monika 
Candida) und zwei bisher noch nicht beobachtete Arten von hefeähnlichen Zeilen 
Sie zeigen hefeähnliche Sprossung und Vakuolen, spalten Zucker, bilden aber 
Mycel wie Schimmelpilze; 

3. von Spaltpilzen 4 aus der Gattung Micrococcus (M. Candidus, M. luteus. 
M. aurantiacus, Diplococcus luteus); 4 aus der Gattung Bacterium (B. No. 1. 
B. No. 2, B. lineola, B. termo); 3 Arten von Bacillen (B. subUlis, B. No. 2, B 
butyricus); aus der Gattung Vibrio noch V. rugula. 

Im weiteren Verfolg der Untersuchung wurden nun Nährstofflösungen, wohl 
geeignet, eine üppige Entwickelung der Spaltpilze zu unterhalten, mit 0,01g 
Erde, und damit mit der Geaammtheit aller zur Untersuchung gekommenen Pilze 
beschickt. Der benöthigte Stickstoff war mit l /«°/ 0 weinsaurem Ammoniak ge 
geben, welches der analytischen Untersuchung wegen später durch »/i 0 /« essig- 
saures Ammoniak ersetzt wurde. Audi mit Reinkulturen von Spaltpilzen sind die 
Nährstofflösungen inticirt worden. Die Entwickelung erfolgte im Licht und in 
Dunkeln, bei verschiedener, bis zu 35° gesteigerter Temperatur. 

Die vom Verf. bezüglich der Salpeterbildung angestellten Untersuchungen 
ergaben folgende Resultate: 

1. Werden entsprechend zusammengesetzte, sterilisirte Nährstoff lösungen mit 
ganz kleinen Mengen einer Ackererde versetzt, so lassen sich in denselben ua. b 
Verlauf von 8—4 Wochen kleine, quantitativ nicht bestimmbare Mengen vob 
Salpetersäure nachweisen. Dieselben sind im Kontrolgefäß nicht vorhanden und 
müssen daher in irgend einer Weise mit der Entwickelung der niederen Pilze im 
Zusammenhang stehen. 

2. Die Salpetersäurespuren erfahren im Laufe der Zeit keine Zunahme, auch 
dann nicht, wenn eine dem Pilzwachsthum günstige höhere Temperatur in An- 
wendung gebracht wird. 

3. Erhöhte Temperatur (80»— 85« C.) hat zur Folge, daß sich die kleinen 
Salpetersäuremengen um einige Tage früher in den Kulturflüssigkeiten einstellen 

4. Die Nitrifikation wird verzögert, wenn durch die Flüssigkeiten mehrere 
Mal des Tages Luft hindurchgeleitet wird. 

5. Reinkulturen von den Bakterien: Bact. No. 1, Bart. No. 2, Bact. termo 
und Diplococcus luteus in den oben beschriebenen flüssigen Nährmedien zeigen 



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Neue Litteratur. 



3t>3 



nach 4—5 Wochen in der Mehrzahl der Fälle einen äußeret geringen Salpeter- 
säuregehalt. 

6. Ein Spaltpilz, welcher die Eigenschaft gehabt hätte, größere Mengen von 
Ammoniak in Salpetersäure zu verwandeln, «ein Salpeterferment», war in den 
beiden untersuchten Ackererden nicht aufzufinden. 

Die ferneren Untersuchungen des Verf. über die Spaltpilze als Ursache von 
Reduktionsprocessen ergaben, daß ein Gemenge verschiedener, die Ackererde be- 
wohnender Bakterien, in geeigneten Nährlösungen kultivirt, eine wahrscheinlich 
durch Keduktionsprocesse veranlaßte Ammoniakbildung verursacht. Im vorliegen- 
den Falle trat salpetrige Säure, wenigstens in nachweisbarer Menge nicht auf. 
Ks zeigte sich ferner, daß die Ammoniakproduktion unter sonst gleichen Um- 
ständen in jenen Lösungen früher beginnt, welche vor Luftzutritt bewahrt 
bleiben. 

Schließlich macht Verf. noch einige Angaben über das Auftreten der 
Schimmelpilze im Boden. Ks fanden sich in den beiden Bodenproben (Sand, 
Lehm) ca. 50 Sporen derselben, sowohl in den oberen wie unteren Schichten, be- 
rechnet auf 1 g Erde. Unter günstigen Umständen keimen diese Sporen und 
diejenigen von ihnen, welche sich, vom Zufall begünstigt, auf einem geeigneten 
Substrat befinden, entwickeln sich weiter zu einem Myccl, welches den Nährboden 
in einer für Schimmelpilze charakteristischen Weise zersetzt. Vou solchen Mycel- 
bildungen in der Ackererde überzeugte sich Verf. zu wiederholten Malen. 

Für das Auftreten der einzelnen Species erwies sich die Temperatur von 
größtem Eiufluß. Bei Temperaturen unter 12° C. wurden sowohl auf festen wie 
flüssigen Medien die Mucorineen durch Pen. glauc. überwuchert. Dieselben 
Nahrmedien bedeckten sich bei höherer Temperatur (20°— 25° ('.) mit einer 
üppigen Mucorvegetation. Neutrale Peptongelatine war speciell für Muc. muc. 
sehr geeignet. Hier schlug er in der Regel selbst bei niederen Tempera- 
turen Pen. glauc. aus dorn Felde. Pen. glauc. gelangte dann gewöhnlich erst 
später, wenn die Fruktifikation von Muc. muc. bereits vorüber war, zur Ent- 
wicklung. E. W. 

U. WaringUm. Ueber den Einfluß des Gipses auf die Salpeter- 
bildung. Ann. agronomiques. Bd. XI. 1885. p. 557. 

In früheren Untersuchungen 1 ) hatte Verf. den Nachweis geliefert, daß 
Alkalikarbonate, selbst in geringen Mengen, die Lebensthätigkeit des Salpeter- 
fermentes hemmen; dagegen wurde in Lösungen von Chlorammonium die Salpeter- 
bildung bei höheren Koncentrationen nicht beeinträchtigt. Es schien in Folge 
dessen wahrscheinlich, daß es möglich sei, auch in konceutrirteren Urinlösungen 
die Nitrifikation zu unterhalten, wenn es gelänge, die Anhäufung von Ammonium- 
karbonat hintanzuhalten. 

Um die Wirkungen eines Gipszusatzes *) zu prüfen, wurden vier Lösungen, 
deren Uringehalt 15, 20, 30 und 50 ° o betrug, mit bestimmten Gipsmengen ver- 
setzt (0,028 g pro 1 ccm). Die Lösungen, welche sich in mit Baumwollbausch 



') Diese Zeitschrift. Bd. Vitt 1885. 8. W. 
») Diese Zeitschrift. Bd. VII. 1884. 8. 339. 



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Physik des Bodens: 



verstopften Flaschen befanden, wurden mit je 1 g Erde versehen und dann unter 
häufigem Durchschütteln längere Zeit sich selbst überlassen. Der ungelöste Gips 
verschwand allmählich und es lagerten sich statt dessen kry stallin ische Massen 
(vermuthlich aus kohlensaurem Kalk bestehend) auf den Gefäßwänden ab. In 
dem Maße aber, wie die Salpeterbildung fortschritt, verschwanden auch diese 
Ablagerungen wieder. 

Hinsichtlich der Nitrifikation stellte sich heraus, daß dieselbe bei der ohne 
Gipszusatz gebliebenen, relativ schwach urinhaltigen Flüssigkeit, wie bei <leu 
früheren Versuchen, überhaupt nicht eintrat, wahrend sie in den mit Gips ver- 
setzten Losungen um so später begann, je mehr Urin dieselben enthielten. 

E. W. 

A. Levy. lieber die Zusammensetzung der Drainwässer der Pariser 
Rieselfelder. Annuaire de l'observatoire de Montsouris pour l'an 1884. Paris, 
p. 408. 

In Bezug auf die Umwandlung des in den Kloakenwässern enthaltenen 
Ammoniaks in Salpetersäure, wenn dieselben den Boden durchsickern, geben die 
Untersuchungen des Verf. werthvollc Aufschlüsse. In 1 Liter Flüssigkeit waren 
in mg enthalten: 



A m m o n i a k.s t ic ksto f f. 



1882 


März 

■ 


April 


Mai 


Juni 


Juli 


Aug. 


Sept. 


Okt. Mittel 

d 


Kloakenwasser 
Drain (Asnieres) 

» (Cases) 

» (Epinay) 

(Moulin de Cage) 


17,4 
0,9 

0,8 
0,8 
0,9 


20.7 
0,8 
0,8 
0,9 
0,8 


21,0 
0,8 
0,8 
0,9 
0,9 


28,7 
0,9 
0,8 
0,8 
0,9 


29,1 
0,9 

1,1 

0,8 

0,8 


32,6 
0,8 
0,9 
0,8 
0,8 


21,1 

0,8 
0,8 
0,8 
0,9 


- 24.4 

0,9 0.9 
0,9 0,9 
0,9 0,8 

0,91 0,9 

i. 



Salpeter Stickstoff. 



1882 


Marz 


April 


Mai 


Juni 


Juli 


Aug. 


Sept. 


Okt. 


Mittel 


Kloakenwasser 


1,4 


0.9 


To 


0,8 


1,1 


0,4 






i « 


Drain (Asnn-res) 


23.7 


24,8 


2:.,r, 


25,3 


23,9 


23,3 






24,4 


( Cases) 


27,9 


18,4 


22,9 


29,6 


32.5 


31,3 






27,1 


i Epinay) 


19,9 


22,9 


21,1 


19,0 


22,6 


23,2 


26,6 




22.2 


(Moulin de Cage) 


17,9 


20,6 


17,4 


19,2 


18,8 


19,9 


20,1 




19,1 



Aus diesen Zahlen läßt sich ohne Weiteres entnehmen, daß der in Form 
von Ammoniak dem Boden zugefübrte Stickstoff fast vollständig zu Salpetersäure 
oxytlirt wird, denn während die aufgegossene Flüssigkeit nur Ammoniak ond 
Spuren von Salpetersäure enthielt, trat in der durch den Boden gegangenen und 
abfließenden fast ausschließlich letztere Verbindung auf. In Uebereinstimmuug 



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I 



Neue Litteratur. " 385 

hiermit stehen die von Lowes , Gilbert und Warington 1 ) nachgewiesenen Stick- 
stoffverluste, welche das Ackerland durch die Drainwasser erleidet. E. W. 

A. Müller. Versuche Ober Harngährung. Landw. Versuchsstationen. 
1885. Bd. 32. S. 271. 

In den vom Verf. angestellten Versuchen wurde Harn von einem gesunden 
Manne bei regelmäßiger kräftiger Kost und reichlichem Wassergenuß, sowohl im 
frischen wie im vergohrcnen Zustande, in verschiedener Verdünnung, mit und 
ohne Zusätze verwendet. Verschiedene Versuche wurden dann mit kohlensaurem 
Ammoniak wiederholt. 

Von den wichtigsten Resultaten ist zunächst anzuführen, daß für die Energie 
der Harngährung die Reaktion der Flüssigkeit, ob sauer oder alkalisch, entschei- 
dend ist. Basische Zusätze mit Ausnahme koncentrirter Aetzlaugen wirken 
förderlich, saure in weit höherem Grade hinderlich. (In dieser Beziehung ver- 
halten sich demnach die niederen Organismen bei der Harngährung analog den 
bei den Oxydationsprocessen der organischen Stoffe betheiligten. D. Ref.) 

Unter den Säuren haben sich Schwefelsäure, Salpetersäure und Salzsäure, 
besonders schweflige Säure als kräftige Antizymotika erwiesen, während Oxalsäure 
und Essigsäure weniger nachhaltig wirkten, da sie allmählich von dem auftreten- 
den Schimmel aufgezehrt werden. Phosphorsäure hat die Harngährung auffallend 
wenig beeinflußt. Die Versuche mit Oxydationsmitteln lieferten kein sicheres Re- 
sultat. Das Kaliumpermanganat hatte die Gährung beschleunigt, das chlorsaure 
Kali verzögert. Der Chlorkalk hat es in überraschend hohem Grade gethan, trotz 
bewirkter Alkalescenz — wohl hauptsächlich als Specificum. Schwefelkohlen- 
stoff, Chloroform zeigten sich als vortreffliche Antizymotika; Alkohol und noch 
mehr der Aether standen in ihrer Wirkung diesen Zusätzen nach. Das Gemisch 
von Borsäure und Borax hat die Zersetzung nicht in erwartetem Maße aufge- 
halten. E. W. 

0. Kellner, lieber das Verhalten des Harnstoffs im Ackerboden. 

Landw. Jahrbücher. Bd. XV. 1886. S. 712-717. 

Verf. zieht aus seinen Untersuchungen folgende Sätze: 

1. Der Harnstoff wird als solcher vom Ackerboden nicht absorbirt, sondern 
bleibt in Lösung. 

2. Erst das Produkt der Umwandlung des Harnstoffs durch Mikroorganismen, 
das kohlensaure Ammoniak, tritt in Wechselwirkung mit dem Boden. 

3. Die Ueberführung des Harnstoffs in kohlensaures Ammoniak geht nur in 
den oberen Bodenschichten vor sich und findet selbst in porösen Bodenarten nur 
bis zu einer Tiefe von ca. 0,5 m statt. 

4. Da der wichtigste stickstoffhaltige Bestandtheil des frischen Harns im 
Boden eine Zeit lang in Lösung bleibt, so ist Gefahr vorhanden, daß derselbe 
durch Regen ausgelaugt und der Vegetation entzogen wird. Dies gilt sowohl für 
menschlichen wie für thierischen Harn. 

5. Die schädliche Wirkung auf die Vegetation, welche eine Düngung mit 
frischen menschlichen Exkrementen öfters äußert, erklart sich aus der Thatsache^ 



') Dicac Zeitschrift. Bd. V. 1882. 8. 231 u. 410. 



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886 



Physik des Bodens: Neue Litteratur. 



daß der Harnstoff in der Bodenflüssigkeit gelöst bleibt und die Koncent rat i«i 
daselbst so hoch steigert, daß die Diffusion des Wassers in die Wurzeln beein- 



A. Hlomeyer. Die Mikroorganismen und ihre Beziehung zu des 
Stlckstoffverbinduugen im Boden. Der deutsche Landwirth. 1886. No. 32. 

K. Wollny. Unterauel! nngen über die Zersetzung der organischen 
Substanzen. Journ. f. Landwirthschaft. Bd. XXXIV. 1886. S. 213-320. 

Qttantin. Sur la reduetion du sulfate de chaux par certains fenneats 
anaerobies. Ann. agronomiqnes. Bd. XII. 1886. p. 80—86. 

M. /*. K. Berthelot und Andrt. Bemerkungen zur Bestimmung des 

Ammoniaks im Boden. Comptes rendus. T. CIL 1886. p. 954— 956. 

M P. K. Berttielot, ( eher die Bestimmung von organischem Kohle u- 
stoff in den Böden, welche freien Stickstoff binden. Comptes rendus. T. CIL 

1886. p. 951—954. 



trächtigt wird und die Pflanzen in Folge dessen welken. 



E. W. 





387 



IL Physik der Pflanze. 



Mittheilungen der pflanzenphysiologischen Versuchsstation am Königl. 
pomologischen Institute zu Proskau. 



YJL Ueber GeMeckigkeit. 

Von Dr. Paul Sorauer. 



Bei einer großen Anzahl von Pflanzen, namentlich solchen mit lang- 
lebigen Blättern, stellen sich auf den Blattflächen gelbe Flecken ein. In 
vielen Fällen sind Pilze nachweisbar, deren Mycel in engumschriebenen, 
raeist kreisrunden Bezirken im Blattinnern angetroffen wird und als die 
Ursache der Verfärbung angesehen werden darf. 

Die nachstehenden Beobachtungen zeigen indeß, daß bei Pflanzen 
sehr verschiedener Familien auch gelbe Stellen entstehen können, welche 
nicht durch Parasiten veranlaßt werden, sondern auf ein Allgemeinleiden 
deuten, dessen Ursache in Wasserüberschuß bei ungenügender Assimilations- 
thätigkeit zu suchen ist. 

a. Bandanus javanicus. 

Eine sonst kräftige, 80 cm hohe Pflanze, zeigte seit längerer Zeit 
die sämmtlichen Blätter durch zerstreute, verschieden große, gelbe, nach 
dem Rande hin abblassende, bisweilen zusammenfließende Flecke marmorirt. 
Diese Flecke sind durchscheinend; ihre Vertfaeilung über die ganze Blatt- 
tläche ist ziemlich gleichmäßig, nur hier und da nach der Spitze hin zu- 
nehmend. Die jüngsten Stadien machen sich häufig auf der Oberseite 
früher als auf der Unterseite bemerklich; anfangs kreisrund, werden sie 
später länglich, da bei ihrer Ausbreitung die Blattnerven ein schwerer 
übersteigbares, seitliches Hinderniß darstellen. Während ihres Wachs- 



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388 



Physik der Pflanze: 



thums erhebt sich die mittlere Partie etwas schwielig, wobei die schwielige 
Auftreibung auf der Oberseite sehr wenig, auf der Unterseite mehr in 
die Augen springt. Ein noch fortgeschritteneres Stadium zeigt, daß die 
Centraipartie der Flecke auf der Unterseite sich zu bräunen anfangt 
und endlich eine Höhlung mit dunkelbraunen Rändern bildet, die sich 
bei der höchstgradigen Entwickelung zu einem feinen, das ganze Blatt 
quer durchsetzenden Loche ausbildet. 

Die durchlöcherte Stelle ist voll verkorkten, todten Mesophyllzellen 
ausgekleidet, unter welchen, der Wundfläche parallel, sich eine mehr- 
schichtige Zone wirklicher, tafelförmiger Korkzellen häufig befindet. 

Im Querschnitt erkennt man unter einer sehr derbwandigen, schnial- 
zelligen Epidermis, deren Zellen auf der Unterseite des Blattes etwas halb- 
kugelig nach außen vorgewölbt, auf der Blattoberseite dagegen mehr flach 
und tafelförmig erscheinen, eine ebenfalls noch dickwandige Zellenlage; ihr«? 
einzelnen Zellen erscheinen bei einem Querschnitt 4 — 6 mal so lang ah 
die Epidermiszellen, wogegen im Längsschnitt das Größenverbältniß zwischen 
den Elementen dieser beiden Zelllagen sich umkehrt. Weiter nach innen 
folgen 1 — 2 weitlumige, auch noch chlorophylllose Schichten, deren Zellen 
etwa rundlich- sechsseitig sind und zwischen denen die Hart bast stränge 
verlaufen, die nach der Oberseite hin stärker entwickelt sind und nnr 
selten noch in das darunterliegende, Chlorophyll führende Mesophyll reichen. 
Die Gefäßbündel, welche den Blattquerschnitt in annähernd gleich große 
Abtheilungen lächern, grenzen nach der Oberseite hin an die chorophyll- 
lose Zellenlage und sind nach der Blattunterseite zu nur von einer oder 
zwei schwach mit Chlorophyll versehenen Zellreihen gedeckt. 

Bei dem Auftreten der Gelbfleckigkeit zeigt sich eine Gewebeänderung 
in der zwischen zwei Gefößbündeln liegenden Mesophyllpartie, die nach 
der Oberseite hin den Charakter des Pallisadenparenchyms, nach der Unter- 
seite den des Schwammparenchyras aufweist, in der Mitte aber ans sehr 
zartwandigen, nahezu isodiametrischen, mit farblosem, wösserigem Inhalt 
erfüllten, etwa sechsseitigen Zellen besteht. In dieser innersten, farblosen 
Gewebegruppe beginnen die peripherischen, also dem chlorophyllführenden 
Mesophyll angrenzenden Zellen sich nach der Seite des geringsten Wider- 
standes, d. h. nach dem Centrum hin übermäßig zu strecken, wobei sie 
häufig die centralen farblosen Zellen zusammendrücken. Nicht selten er- 
folgt die Streckung nur in den direkt nach oben und nach unten ge- 



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Ueber Gelbfleckigkeit. 



3*9 



richteten, nicht an den seitlichen Zellen der zartwandigen Gruppe, und es 
entsteht dadurch in der zwischen zwei Blattrippen befindlichen Gewebe- 
gruppe eine eigentümliche Lagerung. Die centrale Partie des Gewebes 
besteht dann aus radial gestellten, schlauchförmig ausgezogenen, oft dick- 
wandiger gewordenen, inhaltlosen Zellen, die später braun werden und 
verkorken. Bei zunehmender Intensität wird das Schwammparenchym in 
diesen Streckungsproceß hineingezogen ; sein Inhalt zerfällt zu braunkörniger 
Substanz und damit wird die gelbe Färbung intensiver. Anfangs geht 
der Zerfall des Chlorophylls langsam vor sich und die Flecke erscheinen 
dann nur bei durchlallendem Lichte gelblich. Mit dem Hineinziehen des 
chlorophyllfuhrenden Gewebes in den Streckungsproceß erhebt sich die 
Blattoberfläche der Unterseite schwielenartig. Häufig bleibt nun mit der 
Verkorkung der gestreckten Zellelemente der Krankheitsproceß stehen. 
In solchen Fällen jedoch, in denen die Intensität der Krankheit bis zur 
Durchlöcherung fortschreitet, sieht man zunächst, daß die sich streckenden 
Zellen die Epidermis der Unterseite immer mehr spannen und endlich am 
Gipfel der Schwiele entzwei sprengen. Auf diese Weise entsteht ein dem 
bloßen Auge kenntliches, braun umrandetes, kleines Loch, das man recht 
leicht für einen Insektenstich halten kann. Später findet man auch das 
Pallisadenparenchym in den Streckungs- und Yerkorkungsproceß hinein- 
gezogen und die Epidermis der Oberseite ebenfalls gebräunt; schließlich 
können auch noch die Zellen der Gefäßbündelscheide unter Quellung ihrer 
Wandungen und folgender Bräunung sich strecken. Noch vor dem Auf- 
reißen der Schwiele stellt sich häufig, aber nicht immer eine das todte 
Gewebe umkleidende Zone wirklicher Korkzellen ein, welche nach dem 
Aufreißen emporgehoben wird und das darüberliegende, todte Gewebe als 
braunen, spröden Kraterrand mit über die Blattfläche erhebt. In dem 
abgestorbenen Gewebe siedeln sich Saprophyten an. Ein ähnlicher Vor- 
gang ist bei Pandanus reflexus von Bachmann beschrieben worden, da- 
bei aber auf die Korkbildung der Hauptwerth gelegt; im vorliegenden 
Falle ist die Korkbildung eine nicht immer auftretende Begleitserscbeinung 
des Hauptkrankheitsvorganges, der in einer abnormen Zellstreckung be- 
steht. Diese setzt eine erhöhte Wasserzufuhr voraus, aber ohne Er- 
höhung des plastischen Baumaterials; sonst würden sich neue Meristeme 
gebildet haben. Der Assimilationsproceß muß also in den gelbfleckigen 
Blättern ein geringer, die Wasserzufuhr dagegen eine abnorm hohe sein. 



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390 



Physik der Pflanze: 



Bei einer Sendung kranker Orchideen befanden sich wurzelkranke 
Cattleyen; die Species war nicht näher bezeichnet. Die lederartig dicken, 
sonst gesund grün erscheinenden Blätter zeigten auf der Oberseite zer- 
streute, aus sehr kleinen Anfängen bis zu 1 cm Ausdehnung sich ver- 
größernde Flecke. Dieselben waren in der Jugend grün und flach, aber 
bei zunehmendem Alter bildeten sie sich zu glänzend braunen, blasenartig 
kegelförmigen Auftreibungen aus. Die Erhebung beginnt durch eine 
Zellstreckung, welche die über einem Gefäßbündelzweige liegenden Zellen 
zuerst ergreift; am häufigsten zeigte sich die Erkrankung in einer Zellreihe, 
welche etwa die dritte oder vierte Reihe unterhalb der Epidermis der 
Oberseite bildete und um 1 bis 2 Lagen von den Zellen der GefUßbündel- 
scheide entfernt war. Die erkrankenden Zellen strecken sich senkrecht zur 
Blattfläche um das Doppelte bis Vierfache ihrer ursprünglichen Länge, 
ohne daß die Breite sich wesentlich änderte. Bei der Streckung ver- 
mindert sich der Inhalt bedeutend und die Wandungen bräunen sich. 
Entweder kann die Erkrankung in diesem Stadium stehen bleiben und 
die über den verlängerten Zellen befindlichen Zellreihen werden nur zu- 
sammengedrückt, oder aber die vorstehenden Zellen werden in den 
Streckungsproceß hineingezogen. In letzterem Falle kann der Vorgang 
eine solche Intensität erreichen, daß das gesammte Mesophyll eines Fleckes 
sich verlängert zeigt und damit die vorbeschriebenen, blasenartigen Auf- 
treibungen gebildet werden. Die Epidermis ist immer von der Ver- 
änderung ausgeschlossen; sie reißt nur schließlich an der höchsten Stelle 
der Auftreibung entzwei. Das vor den verlängerten Zellen liegende Ge- 
webe ist in Inhalt und Wandung dunkelbraun und trocken und zeigt 
feine, farblose MycelfÜden ; diese sind aber in den sich streckenden Zellen 
nicht zu finden. 

c. Cypripedium laevigatum. 

Im Anschluß an den vorigen Fall, der, wie bei Pontianus dadurch 
charakterisirt war, daß einzelne Zellgruppen in Ernährungsverbältnisse 
kamen, die eine abnorme Verlängerung, aber nicht eine Vermehrung von 
plastischem Baumaterial für neue Zellen veranlaßten, mag hier ein*r 
Erscheinung gedacht werden, bei der die ganze Blattfläche an hochgradigem 
Wasserüberschuß litt. Die ungemein saftigen Blätter zeigten an den 



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Ueber Gelbfleckigkeit. 



391 



gesunden Stellen keine von Vergleicbseaemplaren abweichende, grüne 
Färbung, aber sie besaßen auf der Oberseite mehr oder weniger reichlich 
unregelmäßige, manchmal die ganze Blattbreite einnehmende, braunüber- 
laafene, etwas eingesunkene, glanzlose Stellen. In den intensivsten Fällen 
kann durch Zusammenfließen einzelner Flecke mehr als die Hälfte des 
ganzen Blattes krankhaft verändert sein. Eine Regelmäßigkeit im Auf- 
treten und Ausbreiten der einzelnen Krankheitsbeerde ist nicht nachweisbar. 
Die Entstehung der eingesunkenen Stellen erklärt sich durch ein Zu- 
sammenfallen der Epidermiszellen. Diese sind auch im gesunden Blatt- 
theil verschieden groß; am Rande fast quadratisch werden sie nach der 
Blattmittelrippe bin immer länger, bis sie schlank cylindrisch und nach 
dem erkrankten Theile hin geradezu scblauchartig erscheinen. Eine solche 
schlauchförmige Ueberverlängerung ließ sich in den zur Vergleiehung 
zugänglichen (allerdings nur spärlichen) Blättern nicht konstatiren, so 
daß in dieser extremen Dehnung das krankhafte Moment gefunden werden 
muß. So lange das Blatt noch gesund ist, erscheinen die Wandungen 
der Epidermiszellen farblos und faltenlos; bei der Erkrankuug sinken die 
Zellen zusammen, wobei sich die Wandungen in schräge, annähernd 
parallele Querfalten legen und sich bräunen. Im Inhalt der gesunden 
Oberhautzellen zieht Glycerin zahlreiche Syruptropfen zusammen; nach 
der Erkrankung ist dies nicht mehr der Fall. Die braunröthliche 
Färbung der erkrankten Stellen wird aber nur zum Theil durch die 
Verfärbung der Wandungen hervorgerufen, die an den Seiten der Epi- 
dermiszellen überhaupt nur schwach auftritt, sondern mehr an der Ober- 
seite und zwar namentlich an dem Cuticularbelag derselben kenntlich ist. 
Viel mehr ins Gewicht fällt die Rothfärbung des Zellinhalts, der entweder 
als gleichmäßig geröthete Flüssigkeit erscheint oder aber auch farblos 
ist und den rothen Farbston' nur im körnig zerfallenden Nucleus ge- 
speichert zeigt. 

Die Blattunterseite ist meist gesund; nur hier und da sieht man 
in den gestaltlich nicht veränderten Zellen der Epidermis oder des darunter 
liegenden Gewebes den Inhalt zu körnigen Massen zusammengeballt und 
braunröthlich verfärbt; dann ist auch oft die cuticularisirte Unterwand 
der Spaltöffnungszellen leuchtend roth. Im gesunden wie im kranken 
Theile besitzt das cblorophyllführende Mesophyll Stärke und, wie es scheint, 
Oel tropfen. 



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392 



Physik der Pflanze: 



(L Aredia pal m ata. 

Die im December untersuchte Pflanze zeigte die Gelbfleckigkeit bis 
in die jungen Blatter hinein ausgebreitet. Die Flecke sind durchscheinend, 
meist rein gelb, jedoch wechselnd in der Intensität der Färbung, sowie 
in der Größe, Gestalt und Vertheilung über die Blattfläche. Man findet 
sie am zahlreichsten zwischen den Hauptrippen, seltener dicht daran, am 
seltensten direkt über denselben. An den gelben Stellen ist das Blatt 
meist ein wenig aufgetrieben, was von einer auf Kosten des Inhalts 
erfolgenden Längsstreckung einzelner Gruppen von Mesophyllzellen her- 
rührt. Im normalen Blatttheile erkennt man unterhalb der Epidermis 
der Oberseite eine deutlich charakterisirte Pallisadenparenchymschicht mit 
luftführenden Intercellularen von geringer räumlicher Ausdehnung; es 
folgen darauf eine oder zwei Lagen noch ziemlich dicht stehender, fast 
isodiametrischer Zellen und sodann das ächte Schwammparencbym, da» 
aus im Blattquerschnitt annähernd cylindrisch erscheinenden, quer, also 
parallel der Oberfläche gestreckten, etwas gekrümmten Zellen zusammen- 
gesetzt ist, welche nach der unteren Epidermis hin wieder etwas dichter 
zusammentreten. 

Die abnorme Streckung beginnt in der Regel in der nächsten Um- 
gebung der feinen Gefäßbündelverzweigungen, ergreift die Zellen der 
Gefäßbündelscheide und geht zunächst horizontal in der Mittellinie des 
Blattes weiter. Die vergrößerten Zellen erscheinen entweder allseitig 
gleichmäßig sackartig erweitert, so daß ihr Querschnitt eine annähernd 
kreisrunde Figur bildet, oder die Streckung erfolgt nur in einer Richtung 
und zwar radial zum Gefäßbündel, wobei die Intercellularräume geringer 
oder wohl auch gar von den Zellen ausgefüllt werden. Die Stärke, welcke 
zur Zeit der Untersuchung nur in den Gefäßbündelscheiden anzutreffen war. 
verschwindet ebenso wie das Chlorophyll bis auf wenige Körnchen bei 
der Streckung. In extremen Fällen können sämmtliche Mesophyllzelleo 
an einer gelben Stelle in den Streckungsproceß hineingezogen werden. 

c. Funaat arbareus. 

Aeltere Blätter zeigten verschieden große Tuschflecke von gelblicher 
Färbung mit verwaschenen Konturen, die bei dichter Lagerung der Flecke 
mit einander verschmolzen. Wenn man die Blätter gegen das Licht hält, 
bemerkt man in den verfärbten Stellen eine oder mehrere hellere Zonen, 
wie sie um eine Stichwunde vorzukommen pflegen. 



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Ueber Gelbfleckigkeit. 



393 



Den bellen Flecken entspricht eine meist nach der Blattunterseite 
hin hervortretende, seichte Auftreibung, wobei die Gegenseite flach oder 
bisweilen auch etwas erhöht erscheint. Eine Regelmäßigkeit in der Ver- 
theilung der Flecke lüßt sich nicht wahrnehmen. Ihr innerer Bau ist 
nicht überall derselbe; in der Mehrzahl der Fälle sind es einzelne, isolirt 
auftretende Zellen des mauerfÖrmigen, parallel zur Blattfläehe gelagerten 
Schwammparenchyms, welche schlauchartig sich vergrößern und dabei 
inhaltsarm werden. Bisweilen liegen diese Zellen ziemlich nahe der 
unteren Epidermis, deren Inhalt an der erkrankten Stelle trübkörnig 
gebrftunt erscheint und deren Wandungen ebenso wie bei den aufgetriebenen 
Schwammparencbymzellen sich gelb färben, oftmals auch quellen und ver- 
korken. In anderen Fällen sind es tiefer im Blattfleisch liegende Meso- 
phyllzellen (z. Th. in der Nähe der Gefäßbündel), welche aufgetrieben 
sich zeigen; dann ergreift die Streckung auch einzelne Zellen des Pallisaden- 
parenchyms, welche tonnenförmig breit und inhaltsarm werden und jeden- 
falls die Hauptursache der durchscheinenderen Zonen innerhalb der ver- 
färbten Blattflecke darstellen. 

Nicht zu verwechseln damit ist eine nur relativ selten beobachtete 
Erscheinung, welche in unmittelbarer Nähe der vorbeschriebenen Auf- 
treibungen sich zeigen kann. Man findet nämlich Stellen, die auch etwas 
erhaben, aber im Centrum ausgehöhlt sind und insofern eine gewisse 
Regelmäßigkeit in der Vertheilung erkennen lassen, als sie nach der 
Blattspitze hin reichlicher auftreten. Bei den in verschiedene Tiefe hinein- 
reichenden Höhlungen, deren Rand aufgeworfen erscheint, ist die Epidermis 
nicht immer gesprengt, sondern manchmal auch zusammengefallen, zerknit- 
tert und theilweise sammt dem darunterliegenden Hypoderm in körnigem 
Zerfall begriffen, wobei an den Wandresten Stäbchen bakterien bemerkbar 
waren. Als Abschluß gegen das lebende Gewebe zeigte sich eine uhrglas- 
förmige Lage von dickwandigen, im Bau den Korkzellen ähnlichen, aber 
ihre glänzenden Wandungen durch Chlorzinkjod schwach blau färbenden 
Zellen; diese nähern sich in ihrem Verhalten den Epidermiszellen und legen 
sich auch an diese an. Es scheint, als habe das Blatt in noch jugend- 
lichem Zustande um die beschädigte Stelle eine neue Epidermis gebildet. 

/. Hedera Helix. 

In einem Kalthause befand sich eine meterhohe Wand aus einer 

sehr großblätterigen, üppig gewachsenen Varietät des Epheus gebildet. 
E. Wolluy, Forschung*«! IX. X7 



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394 



Physik der Pflanze: 



Ziemlich zahlreiche Blätter besaßen nach der Spitze und dem Rande hin 
reichlicher auftretende, verwaschen gelbe Stellen von oft bedeutender 
Ausdehnung, in denen sich scharf umgreuzte, bis 1 mm große, rundliche, 
bei durchfallendem Lichte intensiv gelb erscheinende Flecke befanden 
Die Blattoberseite erschien glatt und innerhalb der vergilbten Kegion nur 
hier und da mit bräunlichen Tupfen besetzt. Diese und vereinzelte noch 
grüne kleine Stellen konnte man mit der Lupe als schwach schwielig ge- 
wölbt erkennen. Auf der Blattunterseite zeigen sich die erkrankten Fleck* 
als abgeflacht kegelförmige, drüsige Stellen, deren Färbung bald noch 
grün, bald gelb oder bräunlich auftritt und die je nach dem Ent Wickelung*- 
Stadium eine theils glatte, theils aber auch schon schorfig aufgerissene 
Oberfläche aufweisen. 

Eine starke Anschwellung, welche die doppelte Dicke des normalen 
Blattes besitzt, zeigte sich hervorgerufen durch eine Zellstreckung, die 
entweder um die GefÄßbündel herum beginnt oder vom Schwammparenchym 
ausgeht. Die Zellen erweitern sich allseitig unter Verlust ihres Chloro- 
phyllgehalts derart, daß die Intercellularräume ausgefüllt werden und die 
Zellen durch gegenseitigen Druck polygonal werden. Oft bleibt dabei 
die Zellwand ungefärbt; nur stellenweis tritt unter theil weiser Quellung 
der Membran eine Braunfärbung und Verkorkung derselben ein. Bei 
ganz hochgradiger Tumescenz wird die oberste Schicht des Pallisaden- 
parenchyra8 mit in die Streckung hineingezogen; die Epidermis scheint 
jedoch niemals davon berührt zu werden. Die Beobachtung fand im 
April statt. 

g. Camellia japonica, 

Blätter, die im November eingeschickt worden sind. Fast sämmt- 
liche Blätter sind oberseits gänzlich oder halb gelbgrün ; im letzteren 
Falle bildet die Mittelrippe die Halbirungslinie, die manchmal ganz schart* 
eine gesunde von der kranken Hälfte trennt. Wenn das ganze Blatt 
gelblich ist, bleibt die Mittelrippe selbst häufig grün, welcher Farben- 
unterschied namentlich auf der Blattunterseite scharf hervortritt, wo die 
gelbe Färbung durch eine bisweilen tiefe Bräunung gedeckt ist. I» 
Gegensatz zu der glänzenden Oberfläche, welche im normalen Zustande 
auch die Blattunterseite besitzt, ist das Aussehen an den braunen Stellen 
ein stumpfes; nur an der Mittelrippe und an den Hauptseitenrippen zieht 
sich ein schmaler Streifen von normalem Glänze entlang. Die stumpf 



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Ueber Gelbneckigkeit. 



895 



braune Färbung scheint dadurch erzeugt zu werden, daß die Zellen des 
Schwammparenchyms sich strecken, anscheinend hier und da sich noch 
einmal tbeilen, dabei die weiten Intercellularräume ausfüllen und unter 
Zerfall des Chlorophylls in Inhalt und Wandung eine gelblich braune 
Farbe annehmen. Die von Bachmann in Pringsbeims Jahrbüchern be- 
schriebenen Korkwucherungen finden sich sowohl auf den gesunden als 
kranken Blatttheilen in gleicher Ausbildung und sind nicht mit den vor- 
liegenden Erscheinungen in Zusammenhang zu bringen. Die Bräunung 
erfaßt zunächst die unmittelbar unter der Epidermis liegende Schwamm- 
parenchymschicht und geht bei verschiedenen Blättern verschieden tief, 
im Ganzen jedoch selten bis auf das Pallisadenparenchym. Noch seltener 
ist der Fall, bei welchem die letztgenannte Gewebeschicht gebräunt und 
das Schwammparenchyni gesuod ist. Zellstreckungen sind dann nicht 
wahrzunehmen und in den verfärbten Stellen ballen sich die Chlorophyll- 
körner und zerfallen sammt dem übrigen Zellinhalt zu braunkörnigen 
Massen. Da die gebräunten Zellwandungen der Schwefelsäure widerstehen, 
wenn die parenchymatiscben Elemente der Gefaßbündel und das Parenchym 
schon aufgelöst sind, so ist wohl mit der Bräunung eine Verkorkung an- 
zunehmen. Bemerkenswerth ist, daß in den erkrankten Blättern auch 
die Gefäßbündel in ihrem Spiralgefaßtheil gebräunt sind, welche Erscheinung 
ich bei andern Krankheitsfällen oft beobachtete und dieselbe als 
ein Symptom vom Vorhandensein eines Gesammtleidens betrachten ge- 
lernt habe. 



Die eben beschriebenen Fälle, an die sich noch ähnliche Vorkomm- 
nisse bei Myrtaceen und Leguminosen anschließen, haben als gemeinsames 
Merkmal das Auftreten von Zellstreckungen. Daß dieselben nach der 
Ausbildung des Blattes sich erst eingestellt haben, schließe ich daraus, 
daß das Material zu dem Zellwandwachsthum der eigene Zellinhalt her- 
geben mußte, dessen Chlorophyllkörper verschwinden. Wäre die Veran- 
lassung zur schlauchförmigen Zellverlängerung schon zur Zeit der Blatt- 
entfaltung dagewesen, wie dies bei Gallen und Pil/.ein Wanderungen manch- 
mal sich beobachten läßt, dann würden die gestreckten Zellen denselben 
Zellinhalt aufweisen wie die normalgebliebene Umgebung. Wenn nun 
aber im ausgewachsenen Blatte eine nachträgliche, bisweilen außerordent- 
lich starke Ausweitung sich einstellt, so muß der Turgor in diesen Ge- 
st? * 



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I 



396 Physik der Pflanze: 

webepartieu dauernd erhöht worden sein und diese Erhöhung auf eine 
Steigerung der Wasserzufuhr durch die Fibrovasalstränge zurückgeführt 
werden. Dafür sprechen erstens das Auftreten der Zellstreckungen in 
der Nähe der Geftißbündel, sowie die mehrfach beobachtete Betheiligung 
der Zellen der Gefäßbündelscheide und endlich die bei Camellia besonders 
bemerkenswerte Erkrankung der Spiralgefäße. 

Aus diesem Befunde entnehme ich, daß die in Gelbfleckigkeit 
sich äußernde Erkrankung, insoweit sie mit Zellstreckung verbunden, als 
ein Symptom eines Allgemeinleidens aufzufassen ist, das zu- 
nächst in einer Ernährungsstörung begründet liegt. Die Störung charak- 
terisirt sich durch das Vorhandensein einer reichlichen Wasserzufuhr zu 
den Blättern in einer Zeit, in denen ihnen nicht hinlänglich auch Gelegen- 
heit zu entsprechender Assimilationsthätigkeit gegeben ist. Dieses un- 
zuträgliche Verhält niß zwischen Wasserzufuhr und Assimilationsthätigkeit 
kann durch ganz verschiedene Einwirkungen herbeigeführt werden. Mir 
scheint aber die häufigste Veranlassung in relativ großer Bodenfeuchtig- 
keit zu einer Zeit zu bestehen, in welcher die Pflanzen durch niedere 
Lufttemperatur, geringe Lichtmenge oder eingetretene Ruheperiode u. 
dergl. an einer der Wasserzufuhr entsprechenden Erhöhung ihrer assimila- 
torischen Thätigkeit und Transpiration gehindert sind. 

Die Erfahrung bei der Kultur zeigt übrigens auch, daß eine weitere 
Ausbreitung der Gelbfleckigkeit zumeist vermieden wird, wenn die beiden 
genannten Funktionen bei einem erkrankten Exemplar wieder mehr in 
das richtige gegenseitige Verhältniß gebracht werden. Bei Pandanas hilft 
in der Regel ein wärmerer Standort; bei den Araliaceen und Leguminosen 
gelingt es, durch Aufstellen der Pflanzen an einen recht hellen und kühlen 
Standort und gleichzeitiger Einschränkung des Begießens die Zunahme 
der Gelbfleckigkeit zu verhindern. 



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Neue Litteratur. 



397 



Neue Litteratur. 

F. G. Kohl. Die Transpiration der Pflanzen und ibre Einwirkung 
auf die Ausbildung pflanzlicher Gewebe. 122 S. mit 4 Tafeln und 8 Holz- 
schnitten. Braunschweig 1886 bei H. Bruhn. 

I. Abhängigkeit der Transpiration von den Eigenschaften 

der Pflanzen. 

Die eigenen Versuche des Verf. setzen ein bei der Frage, wie das Benetzen 
der Blätter auf die Transpiration wirkt. F. Haberlandt und Wiesner hatten 
früher gefunden, daß abgeschnittene, vorher benetzte Blätter schneller welken als 
solche, bei denen die Benetzung unterblieb. Wiesner hatte hieraus geschlossen, 
daß das Wasser, welches im Freien den Blättern durch Regen und Thau zugeführt 
wird, denselben statt nützlich schädlich sein müsse, da jene Beschleunigung der 
Transpiration nach der Benetzung den Vortheil einer etwaigen direkten Wasser- 
aufnahme durch die Blätter oder den Vortheil einer Herabsetzung durch den 
größeren Feuchtigkeitsgehalt der Luft nach Regen und Thaufall mehr als aufhebe 
oder in Nachtheil umschlagen lasse. — Wenn Wasser auf die Blattfläche zu liegen 
kommt, so kann eine direkte Einwirkung auf den Mechanismus der Spaltöffnungen 
geschehen, die aber je nach den Eigenschaften der Epidermis verschieden sein 
kann: Ist die Blattfläche von einer nicht benetzbaren Cuticula bedeckt, so wird 
das Wasser nur von den Schließzellen aufgenommen und der Spalt öffnet sich, 
die Transpiration steigt. Kann aber das Wasser auch in die Epidermis selbst 
eindringen, so wird die starke Ausdehnung der Epidermiszellen in Folge der 
Wasseraufnahme die Spalte zusammendrücken; die Transpiration wird nach der 
Benetzung abnehmen. Nach den Versuchen des Verf. welkten bewurzelte Exem- 
plare von Mercurialis perennis nach dem Benetzen beträchtlich später als die 
unbenetzten. Eine normal transpirirende Pflanze transpirirt nach einer Benetzung 
zunächst beträchtlich langsamer; auch wenn die Blätter für das Auge bereits 
wieder trocken erscheinen, ist noch immer eine Verlangsamung der Transpiration 
zu erkennen, bis sich die letztere um vieles später wieder zur anfänglichen 
Intensität hebt, aber nicht dieselbe überschreitet. 

Die Bewegung der Schließzellen in der angegebenen Richtung, durch Be- 
setzung mit Wasser hervorgerufen, wurde an nicht abgetrennten Blättern verfolgt 
und hierbei, wie oben bemerkt, konstatirt, daß sich nach dem Bestreichen mit 
Wasser die Spaltöffnungen schließen oder offen bleiben, je nach der Ausbildung 
•ler Epidermis. Dagegen offnen sich mit wenigen Ausnahmen alle Spaltöffnungen 
bei Einwirkung des Lichts, wenn auch nicht alle mit gleicher Energie. Auch bei 
gleichzeitiger Einwirkung von Wasser kann Oeffnen durch Lichteinwirkung hervor- 
gerufen werden. Denn bei der Lichtwirkung steigert sich in Folge der Stoff- 
produktion die Turgescenz in den chlorophvllhaltigen Schließzellen über jene der 
anstoßenden Epidermiszellen. Die Verfolgung der Bewegungserscheinungen der 
Schließzellen an abgetrennten Hautstücken führt leicht zu falschen Vorstellungen. — 
Die Oeffnung durch direktes Sonnenlicht tritt auch ein, wenn aus diesem die 
Wärmestrahlen beseitigt werden, aber allerdings dann langsamer, so daß also auch 



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398 



Physik der P0anze: 



die in den Sonnenstrahlen enthaltenen Wärmestrahlen beschleunigend auf die 
Oeffhungsbewegung der Schließzellen einwirken. Diffuses Licht wirkt sehr lang- 
sam. Erhöhung der Lufttemperatur ist ohne Wirkung. Enthalten die Schließ- 
zellen wenig oder kein Chlorophyll, so ist die Schließzellenbewegung sehr trag 
oder sie unterbleibt ganz, was dafür spricht, daß das Licht in erster Linie die 
Schließzellen in Folge des Chlorophyllgehalts d. h. in Folge der zur Turgescenz- 
steigerung führenden Assimilation beeinflußt. 

Aus den Schließzellenbewegungen im Lichte kann man folgern, daß die 
mächtige Steigerung, welche die Transpiration grüner Pflanzen im Lichte erfahrt, 
hauptsächlich auf die Oeffnung des Spaltes im Lichte zu schieben ist. Indessen 
ergaben Versuche mit spaltöffnungsfreien grünen Objekten (Todea, Trichomanes 
radicans), daß auch bei ihnen Lichtwirkung die Transpiration steigert, demnach 
eine Beziehung zwischen Assimilationsthätigkeit des Chlorophylls und Transpiration 
existirt. Dasselbe läßt sich Versuchen mit grünen und chlorotischen Blätter» 
derselben Pflanze entnehmen; die weißen Blätter gaben weniger Wasserdampf 
ab als die grünen. Endlich ist die Transpiration geringer, wenn die Assimilation 
durch kohlensäurefreie Luft unterdrückt oder herabgesetzt wird. 

Wie scilon Sorauer fand, wird die von der Flächeneinheit eines Blattes ge- 
leistete transpiratorische Arbeit größer, wenn sich die Gesammtoberfläche der 
Pflanze (durch Entlaubung) verkleinert. 

Die Versuche des Verf. über die Periodicität der Transpiration sind noch 
nicht abgeschlossen ; das Bisherige scheint für das Vorhandensein einer Periodicität 
zu sprechen, man könnte sie auch an sich schon daraus erschließen, daß der 
Wurzeldruck eine ganz bedeutende Wirkung auf die Transpiration übt, der Wurzel- 
druck aber eine Periodicität aus inneren Gründen aufweist. 

II, Abhängigkeit der Transpiration von äußeren Verhältnissen. 

Die eigenen Versuche des Verf. beziehen sich: 1. Auf den Einfluß des 
weißen Tageslichts. In Uebereinstimmung mit Wiesner findet Verf., daß die 
Transpiration durch das Licht gesteigert wird und sich beim Uebergang von hell 
in dunkel sofort vermindert; anfangs ist sie im Dunkeln größer als später. Beim 
Uebergang von dunkel in hell steigt sie nicht sofort, sondern es tritt eine Nach- 
wirkung ein, indem die Transpiration erst noch weiter sich vermindert, um erst 
allmählich zu einer annähernden Konstanz sich zu heben. — Diese Sätze gelten 
auch für die etiolirten und andere nicht grüne Pflanzentheile. 2. Auf den Einfluß 
der Wärrae. Sowohl Zunahme der Luft- als der Bodentemperatur beschleunigt 
die Transpiration. 3. Auf den Einfluß von Erschütterungen. Verf. bestätigt, 
daß Erschütterungen die Transpiration erhöhen, findet aber (entgegen Barandzti), 
daß nach der Steigerung durch Erschütterung die Transpiration wieder auf die- 
selbe Höhe wie vor der Erschütterung und nicht unter diese zurückkehrt. 

III. Einfluß der Transpiration auf die Ausbildung der Gewebe 

und Gewebeelemente. 

Verf. ließ zum Vergleich Pflanzen bei sonst gleichen Verhältnissen in trockener 
und in feuchter Luft, bei trockenem uud feuchtem Boden wachsen und beobachtete • 
z. B. bei Tropaeolum majus Folgendes: 



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Neue Litteratur. 



399 



1. Boden feucht, Atmosphäre trocken. 

Dicke Cuticula, radialgestreckte Epidermiszellen mit verdickten Außen* 
wänden und zwei darunter liegenden Zellenreihen stark collenchymatisch 
ausgebildet. Blattgrößenverhältniß 4. 

2. Boden feucht, Atmosphäre feucht. 

Dünne Cuticula, tangential gestreckte Kpidermiszellen mit äußerst dünnen 
Außen- und Innenwänden; kein Collenchym. Blattgröße 5. 

3. Boden trocken, Atmosphäre trocken. 

Dicke Cuticula; sehr stark radial gestreckte Epidermiszellen; Collenchym 
weniger als bei 1. Blattgröße 1. 

4. Boden trocken, Atmosphäre feucht 

Dünne Cuticula, ungefähr kubische Epidermiszellen; Collenchym kaum 
vorhanden. Blattgröße 3. 

Aehnliche Abänderungen wurden auch bei anderen, theils künstlich ge- 
zogenen, theils entsprechenden Standorten im Freien entnommenen Pflanzen be- 
obachtet. Im Allgemeinen veranlaßt trockene Luft stärkere Wandverdickung und 
Verholzung, lückenlosen Aneiuanderschluß der Zellen, collenchymatische Aus- 
bildung der Wände, radiale Zellstreckung, stärkere Ausbildung der Xylemtheile, Zu- 
nahme der Zahl und Weite der Gefäße, der Zahl und Länge der Haare. Es 
sind dies lauter Veränderungen, welche sich als für die Pflanze nützlich gegen 
zu starke Wasserabgabe erweisen. Feuchte Luft bewirkt die entgegengesetzten 
Veränderungen. Oefter werden die vorhandenen Gewebe in trockener Luft nicht 
allein der Ausbildung nach geändert, sondern es können sich auch ganz neue 
Gewebe ausbilden oder vorhandene wegfallen z. B. Sklerenchymringe in trockener 
Luft, während sie in feuchter ganz fehlen. Die dickwandigen Gewebe können 
deshalb nicht allein als Festigungsmittel wirken, sondern auch durch Verminderung 
der Transpiration, womit auch stimmt, daß Wasserpflanzen, die ihre Stengel über das 
Wasser heben und große schwere Blätter tragen, der mechanischen Gewebe entbehren, 
während Landpflanzen mit kleineren Blättern bei geringerer Beanspruchung der 
Tragfähigkeit des Stengels mechanische Gewebe oft überreich produciren. 

Im Anhang sind die Versuche des Verf. über Wasserbewegung im Innern 
der Tracheen und Tracheiden besprochen, über welche wir schon referirt haben l ). 

C. K. 

L. Braase. Contrlbotion a 1 Vtude de la Migration den principe» 
hydrocarbones dans Porganisme veirHul. Accumulation du sucre de canne 
dans la partie souterraine de la betterave. Kxtr. des Annales agronom. T. XII. 13 S. 

Um die Zuckeranhäufung in der Zuckerrübe zu erklären, stellt Verf. folgende 
Hypothese auf. Der Zucker geht in der Hübe eine leicht zersetzbare Verbindung 
mit dem Protoplasma ein, wodurch er die DirTussionsfähigkeit verliert. Diese Ver- 
bindung unterliegt den Gesetzen der Dissociation, analog dem Verhalten von 
schwefelsaurem Kalium und Calcium bei Gegenwart von Wasser. Im Zustande 
des Gleichgewichts, wenn (in der Pflanze) weder Zucker gebildet noch verbraucht 
wird, häuft sich selber überall an, wo er die fragliche Verbindung eingehen kann, 
es wird zwischen der Zuckerlösung und der Verbindung ein bestimmte« Ver- 



>) Die* Zeitschrift Bd. Vllf. p. 397. 



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400 Physik der Pflanze: 

hältniß bestehen bleiben. Wird in den Blättern Zucker durch Assimilation ge- 
bildet, nimmt die Koncentration der Lösung hierdurch zu, so wird mit dem Leber- 
schreiten der zulässigen gelösten Zuckermenge der Ueberschuß in die Protoplasma- 
verbindung eintreten, umgekehrt, wenn Zucker z. B. zum Wachsthum verbraucht 
und hierdurch die Lösung verdünnt wird, wird sich die Verbindung zersetzen, 
bis die frühere Zuckermenge, die Dissociationstension. wieder hergestellt ist 
Aus Rübenstücken in reinem Wasser müßte demnach Zucker austreten (!}, in 
Zuckerlösungen je nach deren Stärke von der Rübe Zucker aufgenommen oder 
abgegeben werden. 

Als Rübenstücke 24 Stunden in Zuckerlösungen verschiedener Koncentration 
verbrachten, hatte die überstehende Lösung an Zucker etwas zugenommen, wenn 
die Koncentration geringer war, sonst abgenommen. Z. B. 

°/o Zuckergehalt der Lösung. 
Vorher 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5.0 
Nachher 0,72 1,13 1,5 1,95 2,36 2,9 3,4 3,8 4,3 4,6 
Differenz 4 0,21 4-0,13 +0 -0,05 -0,14 -0,10 -0,10 -0,20 -0,20 -0,40. 
Chloroformirte Rüben gaben nur Zucker ab und nahmen keinen auf. 
Weiter wurde der Zuckergehalt der Lösungen und der Rübenstücke vor und 
nach 24 stündigem Verweilen in den Zuckerlösungen bestimmt und das nämliche 
Resultat erhalten: • 

Zuckergehalt der Rübe 13,57 bis 14,58«/o. 
Koncentration der Lösungen (° 0 ). 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 
Zucker in den Lösungen in mg: 
Vorher 201 405 708 999 1120 1350 1572 1720 1983 2167 

Nachher 630 731 833 1055 1140 1233 1519 1720 1 831 2022 
Differenz 4315 +205 4125 440 420 —128 -53 -0 -152 —145. 

Zucker in der Rübe in mg: 
Vorher 2001 21*2 1978 21*9 2020 1703 1575 1758 1572 1722 
Nachher 1671 1908 1844 2129 2002 1874 1023 1763 1716 1859 
Differenz -390 - 275 -133 -00 - 24 41H 448 45 4-144 4137. 

C. K. 

J. H. Gilbert, Ueber die Bedingungen der Entwickelang und der 
Wirksamkeit des Chlorophyll«. The Gardeners Chroniclc. 1885. — Chemical 
News. Vol. LH. p. 203. - Biedermann'* Ccntralblatt für Agrikulturchcmie. 1886. 
S. 373. 

Es ist bekannt, daß die Pflanzen je nach der Art des Bodens, der Düngung 
u. dgl. ein verschieden lebhaftes Grün zur Schau tragen. Die Intensität dieses 
Grüns steht nach verschiedenen Beobachtungen, welche Verf. bei den Rothanv 
steder Feldversuchen zu machen Gelegenheit hatte, nicht in direktem Zusammen- 
hang mit der Größe der Kohlenstoffassimilation — wie man bisher wohl meistens 
angenommen hat — sondern weit eher mit der procentischen Menge des Stick- 
stoffes in der trockenen Pflanzensubstanz. 

Auf Anregung des Verf. unternahm W. J. Rüssel, welcher sich viel mit dem 
Chlorophyll beschäftigt hat, die Bestimmung dieses Stoffes in einer Anzahl von 
Heu-, Weizen- und Gerstenproben vom Rothamsteder Versuchsfelde, während die Be- 



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Neue Litteratur. 



« 

401 



Stimmungen der Trockensubstanz und des Stickstoffes vom Verf. ausgeführt 
wurden. Die Zahlenergebnisse dieser Untersuchungen sind in folgender Tabelle 
enthalten : 

, . _ Kohlenstoff assimilirt 

Proc . Rtickstoff Relative pro Acre und Jahr. 
In der Chlorophyll- ^ 



absolut. Differenz. 
II e u. 

Gramineen 1,190 0,77 — — 

Leguminosen.- 2,478 2,40 — 

Weizen. 

a) Gedüngt mit Ammoniaksalzen allein (1,227)') 2,00 1398 ) 

b) i mit Ammon.- u. Mineralsalzen (0,566) 1,00 2222 I 

Gerste. 

a) Gedüngt mit Ammoniaksalzen allein (1,474) 3,20 1403 ) 

b) » mit Ammon. U.Mineralsalzen (0,792) 1.46 2088 j 

Diese Zahlen zeigen zunächst, daß das Leguminosenheu einen bedeutend 
höheren Procentsatz an Stickstoff enthält als das Gramineenheu, und daß in 
gleicher Weise der Procentgehalt des Leguminosenheues an Chlorophyll sehr viel 
höher ist. Unter gleichen Verhältnissen assimiliren jedoch die Leguminosen nicht 
so grobe Mengen Kohlenstoff im Verhältniß zu Stickstoff als die Gramineen. 

Weiter ist zu ersehen, daß der mit Ammoniaksalzen allein gedüngte Weizen 
einen weit höheren Gehalt an Stickstoff und ebenso an Chlorophyll besitzt als der 
mit Ammoniak- und Mineralsalzen gedüngte Weizen. Trotzdem ist die Kohlenstoff- 
assimilation bei dem an Stickstoff und Chlorophyll reichen Weizen beträchtlich 
geringer gewesen. Dieselben Verhältnisse sind bei der Gerste vorhanden. Ks ist 
fconach klar, daß die Chlorophyllbildung im engen Zusammenhang mit der Menge 
des assimilirten Stickstoffs steht und daß die Kohlenstoffassimilation nicht im Ver- 
hältniß zu der Menge des gebildeten Chlorophylls steigt. 

C. Timirjaseff. Das Chlorophyll und die Reduktion der Kohlen- 
»Iure durch die Gewächse. Compt. rcml. T. CIL 18*6. p. 686—689. — Bieder" 
mann'* Centralbl. f. Agrikulturchemie. S. 375. 

Eine alkoholische Chlorophylllosung mit nascirendem Wasserstoff vorsichtig 
behandelt liefert ein strohgelbes Reduktionsprodtikt, wenn die Lösung dünn ist, und 
in koncentrirter Lösung ein braunrothes, das bei Lampenlicht rubinroth aussieht. 
Die reducirte Substanz hat ein deutliches Spektrum, welches hauptsächlich durch 
die Abwesenheit des Bandes I im Roth charakterisirt ist. Dieses Band wurde bisher 
als unveränderliches Kennzeichen aller Derivate des Chlorophylls betrachtet. Eine 
andere Eigeuthümlichkeit dieses Spektrums ist ein breites Band an der Stelle des 
Bandes II und der beiden Intervalle zwischen den Absorptionsbändern I und II 
und zwischen III und IV des Chlorophyllspcktrums. Die in Rede stehende Substanz 
oxydirt sich an der Luft außerordentlich schnell und bildet wieder Chlorophyll. 
Offenbar hat man es mit einem Körper zu thuu. der analog demjenigen ist, der 

») Die Zahlen in Parenthese reprttsentiren BestlmmODgea in nicht vollständig trockenen 
Prohen. . 



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402 



Physik der Pflanze: 



in den Pflanzen existiren muß, da z. B. etiolirte Pflanzen sich nur auf Kosten 
des Sauerstoffs der Luft grün färben. Verf. spricht ihn als ein Reduktionspro- 
dukt des grünen Princips im Chlorophyll an, welches er 1869 als Chlorophyllin 
beschrieh, und nennt ihn provisorisch Protophyllin. Dessen Lösung kann nur im 
zugeschmolzenen Kohr aufbewahrt werden, aber auch darin färbt sie sich im 
Sonnenlicht rasch grün, wenn Kohlensäure zugegen ist, während, im Dunkeln auf- 
bewahrt, die Farbe und das charakteristische Spektrum der Lösung unverändert 
bleibt. Enthält das Rohr Wasserstoff statt Kohlensäure, so ruft das Licht keine 
Aenderung hervor. Ob in jenem Falle die Oxydation auf Kosten der Kohlen- 
säure stattfand, ist ungewiß, da das in der Röhre bleibende Gas nicht unter- 
sucht wurde. 

Da eine Veränderung und zwar Oxydation des Chlorophylls sich im Spek- 
trum durch Aufhellung der beiden Intervalle (zwischen den Bändern I und II und 
III und IV) zu erkennen giebt, so meint Verf., daß das Protophyllin den Unter- 
schied zwischen dem Spektrum des frisch extrahirten und des durch Oxydation 
veränderten Chlorophylls verursacht. Denn gerade an der Stelle jener beiden 
Intervalle hat das Protophyllin ein breites Absorptionsband, und dieses würde 
sich mit Zerstörung oder Oxydation des Protophyllins aufhellen. 

G, Bonnier und L. Mangin. Die Thätigkeit des Chlorophylls Im 
ultravioletten Dunkel. Compt. rend. T. CIL 1886. p. 123 — 126. — Bieder- 
mann^ Centralbl. f. Agrikulturchemie. 1886. S. 314. 

Man weiß, daß die Thätigkeit des Chlorophylls im Lichte nur durch die 
Strahlengattungen bewirkt wird, welche jenes absorbirt, also durch diejenigen, 
welche den dunklen Streifen im Absorptionsspektrum des Chlorophylls ent- 
sprechen. 

Einer dieser Absorptionsstreifen liegt außerhalb der Grenze des für unser 
Auge sichtbaren Spektrums, derart daß ein Thcil des Streifens, der über die 
äußersten violetten Strahlen hinausreicht, für uns in Dunkel gehüllt ist. Die 
Strahlen, welche diesem unsichtbaren Theil des Streifens entsprechen, sind zwar 
ohne Wirkung auf das Auge, aber jedenfalls wirksam auf das sie absorbirende 
Chlorophyll. 

Die Verff. prüften, ob die Thätigkeit des Chlorophylls, für die ja die brech- 
barsten Strahlen des Spektrums die wichtigsten sind, auch im ultravioletten 
Dunkel vor sich geht. Die größte Schwierigkeit stellen bei dieser Prüfung die 
Athmungserscheinungen im Dunkeln entgegen, indem sie geeignet sind, die 
Thätigkeit des Chlorophylls zu verdecken. 

Nach Untersuchungen der Verff. über die Athmung ist das Verhältniß 
der ausgeathmeten Kohlensäure zum absorbirten Sauerstoff unabhängig von 
der Natur der die Pflanze treffenden Strahlen, während hiervon die Thätig- 
keit des Chlorophylls unmittelbar abhängt. Ist also in einem gegebenen Zeit- 

CO 

punkt für eine bestimmte Pflanze das Verhältniß— * < 1, so wird dieser Quo- 
tient, was auch die einwirkenden Lichtstrahlen für welche sein mögen, un- 
veränderlich bleiben, wenn die Athmung allein zur Geltung kommt. Ueber- 
wiegt aber die Thätigkeit des Chlorophylls die Athmungsmungserscheinungen, 



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Neue Litteratur. 



403 



so wird jener Quotient als Resultante zweier in ihren Wirkungen einander ent- 
gegengesetzten Vorgänge wachsen. Bringt man nun Pflanzen in den Theil des 
Spektrums, der den für unser Auge nicht mehr wahrnehmharen rothen Strahlen 
entspricht und hierauf in das ultraviolette Dunkel, so kann entweder jenes Ver- 
hältnis unverändert hleihen, und dann ist keine Thätigkeit des Chlorophylls vor- 
handen, oder sein Werth steigt merklich, dann bewirken die ultravioletten Strahlen 
Zersetzung der Kohlensäure. Die Verff. erhielten mit verschiedenen Pflanzen die 



nachstehenden Resultate : 

COs im gewöhn liehen im ultravioletten 

Dunkel. Dunkel. 

Picea excelsa 0,73 1,05 

Sarothamnus scoparius . . 0,66 0,84 

Pinus silvestris .... 0,85 0,99 

Erica cinerea 0,81 0,99 

Olex agnifolium .... 0,76 0,96 



Diese Versuche fanden im März statt, weitere im Juli zeigten noch größere 
Unterschiede. Das Ergebniß ist, daß die Thätigkeit des Chlorophylls im ultra- 
violetten Dunkel vor sich geht. 

G. Bonnier und L. Mangin. üeber die Athmoiig der Pflanzen. 

Ann. des Scienc. nat. Bot. II. 4—6 und «Der Naturforscher». 1886. Nr. 14. 
S. 153. 

Die Verff. haben kürzlich die allgemeinen Schlüsse, welche sie aus ihren 
zahlreichen Beobachtungen >) zu ziehen sich berechtigt glauben, in einer Ab- 
handlung zusammengefaßt. Derselben sind die folgenden Angaben entnommen. 

Die Athmung besteht bei den Pflanzen ebenso wie bei den Thieren in der Auf- 
nahme von Sauerstoff und der Abgabe der Kohlensäure. Für die Untersuchung der 
Pflanzenathmung sind am geeignetsten die chlorophyllfreien Pflanzen, wie z. B. die 
Pilze, ferner die keimenden Samen. Bei den grünen Pflanzentheilen muß der Assi- 
milationsproceß, der in eiuer Aufnahme von Kohlensäure und in einer Abgabe von 
Sauerstoff besteht, ausgeschlossen werden, am einfachsten durch Verdunkelung, da 
bei jenem Proceß das Licht ein nothwendig mitwirkender Faktor ist. Ein Haupt- 
gewicht bei der Untersuchung der Pflanzenathmung legten die Verff. auf eine mög- 
lichst umfassende Bearbeitung der Frage, ob überhaupt und unter welchen Bedin- 
gungen zwischen dem Volum des eingeathmeten Sauerstoffs und dem Volum der aus- 
gehauchten Kohlensäure ein bestimmtes Verhältniß herrscht. In der That zeigten 

CO 

die Versuche, daß die volumetrische Beziehung — für dieselbe Pflanze in einem 

gegebenen Moment eine sehr konstante Größe ist, welche bei sonst sich gleich 
bleibenden anderen Bedingungen in sehr weiten Grenzen unverändert bleibt, in 
welchem Mengenverhältnib die Gase in der Luft vorhanden sind. Ebenso wird 
mit verschiedener Höhe der Temperatur innerhalb der Grenze von 0» und 36° C. 
CO 

der Quotient — nicht verändert und er bleibt sich ferner gleich, ob die 
Versuchspflanzen im Dunkeln gehalten oder mit Licht verschiedener Intensität 
») Diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1885. 8. 130, S6S». 3S>5. 



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404 



Physik der Pflanze: 



beleuchtet werden. Dagegen variirt die Beziehung der ausgewechselten Gase bei 
derselben Pflanze mit der allmählichen Entwickelung der letzteren. Während 
der Keimung wird im Allgemeinen ein größeres Volum Sauerstoff aufgenommen, 

CO 

als Kohlensäure ausgeathmet wird, so daß der Quotient ( y' in diesem Lebens- 
stadium sein Minimum erlangt, welches besonders auffallend klein bei den öl- 
haltigen Samen ist, wie schon durch ältere Versuche bekannt war. Im Laufe 
der Kntwickelung von einjährigen Pflanzen wird von der Keimung an der Quotient 
allmählich größer, bis er zur Blüthezeit sein Maxiraum erreicht, um gegen den 
Herbst hin wieder abzunehmen. Als Beispiel mögen die Zahlen für Tabaks- 
pflanzen angegeben werden. Während der Keimung im Frühjahr ist der Quotient 

i- = 0,58; im Laufe des Sommers steigt er, um Ende Juli sein Maximum 

zu erreichen. In dieser Zeit ist er für die Blätter = 0,S7, für die jungen 
Früchte gleich 0.92. Am Anfang November ist er für die Blätter = 0,73. B*i 
Pflanzen mit immergrünen Blättern, z. B. bei dem Epheu erreicht der Quotient 
sein Maximum im Frühjahr; für die Blätter des Epheu wurde dasselbe am 
15. Mai = 1 gefunden, für Zweige der Roßkastanie am 22. April = 1,06. Im 
Allgemeinen sind die Fälle nicht häufig, wo selbst im Maximum der Quotient 
größer ist als 1. 

Eine zweite Reihe von Versuchen beschäftigte sich mit der Frage, in 
welcher Abhängigkeit die Intensität des Gaswechsels bei der Athmung von den 
Entwickelungszuständen, vor Allem von den äußeren Bedingungen, wie Wärme, 
Feuchtigkeit, Licht steht. Die Verff. bestätigten die schon früher bekannte That- 
sache, daß mit dem Steigen der Temperatur die absolute Menge des eingeathmeten 
Sauerstoffs und der ausgehauchten Kohlensäure kontinuirlich gesteigert wird. Im 
Gegensatz zu vielen anderen Lebensprocessen der Pflanze, wie z. B. Wachsthum, 
Bewegung u. s. w., für welche ein Temperaturoptimum existirt, über welches 
hinaus eine Steigerung der Temperatur wieder eine Schwächung des betreffenden 
Processes herbeiführt, M ächst die Intensität der Athmung fortwährend bis zu dem 
Moment, wo durch zu hohe Temperatur der Tod der Pflanze eintritt. Bisher 
nicht genauer untersucht war die Abhängigkeit der Athmung von den Feuchtig- 
keitsverhältnissen. Die Verff. fanden, daß mit der Veränderung des Feuchtig- 
keitsgehaltes der umgebenden Luft auch die Intensität der Athmung variirt in 
der Richtung, daß dieselbe zunimmt mit der Vermehrung der Feuchtigkeit. 
Ferner hat sich auch eine deutliche Abhängigkeit vom Lichte nachweisen lassen, 
insofern gegenüber der Dunkelheit die Beleuchtung die Athmung etwas herab- 
setzt und zwar wirkt in dieser Beziehung die weniger brechbare Hälfte des 
Sonnenspektrums f roth und gelb! stärker herabsetzend als die stärker brechbare 
(blau und violett). 

Die verschiedenen Entwickelungsstadien derselben Pflanzenart, die verschie- 
denen Organe desselben Individuums, wie Wurzeln, Stengel, Blätter, Blüthen, 
Früchte, verhalten sich, wie aus den früheren Arbeiten anderer Forscher bekannt 
ist, sehr verschieden in der Intensität ihrer Athmung. Hierauf gehen die Verff. 
nicht näher ein. Jedenfalls geben die Untersuchungen der Verff., die, wie ihre 
früheren Arbeiten zeigen, ihre Experimente mit Sorgfalt und Kritik ausgeführt 



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Neue Litteratur. 



405 



haben, für die Lehre von der Athmung eine sichere Grundlage von Thatsachen, 
von denen aus weiter gearbeitet werden kann. Was für chemische Processe 
zwischen der Einathmung des Sauerstoffs und der Ausbauchung der Kohlensäure 
in den lebenden Zellen vor sich gehen, ist noch vollständig unbekannt; auf die 
Hypothesen und Theorien, welche in der Litteratur darüber ausgesprochen worden 
sind, lassen sich beide Forscher ebenso wenig ein wie darauf, selbst eine neue 
Auffassung über das Wesen der Athmung zu liefern. 

G. Bonnier. Ueber die Wärmemengen, welche von den Pflanzen 
abgegeben und aufgenommen werden. Compt. rend. Fcvr. 1886, und Biolo- 
gisches tentralblatt. Bd. VI. 1886. Nr. 13. 

Indem Verf. die im Jahre 1879 begonnenen Versuche') über die Wärme- 
menge, welche von keimenden Samen abgeschieden wird, wieder aufnahm, be- 
mühte er sich in allgemeinerer Form die Unterschiede zwischen der Eigenwärme 
der Pflanzen und der äußeren Umgebung festzustellen. 

Man hat bisher niemals die Wärmemengen, welche von den Geweben der 
Pflanzen absorbirt und abgegeben werden, gemessen, und die Temperaturbeobach- 
tungen, welche von verschiedenen Forschern gemacht sind, erlauben nicht, die 
Menge der erzeugten Wärme zu berechnen, nicht einmal eine diesem Werth pro- 
portionale Zahl anzugeben. Und es ist doch, wie später gezeigt werden wird, vor 
Allem wichtig und interessant zu wissen, wieviel Kalorien von einem bestimmten 
Pflanzentheil in einem gegebenen Zeitpunkt seiner Entwickelung erzeugt werden. 

Verf. bat nach zwei verschiedenen Methoden gearbeitet, erstens mit dem 
Kalorimeter, zweitens mit Anwendung konstanter Temperaturen. 

Verf. bediente sich des Kalorimeters von Berthelot, wie man es gewöhnlich 
für das Studium langsam eintretender Reaktionen anwendet. Die dem Versuch 
unterworfenen Objekte wurden entweder direkt in Wasser gethan oder in luft- 
erfüllte Platinrecipienten, die untergetaucht werden konnten. 

Bei der zweiten Art der Versuchsanstellung benutzte Verf. das Kalorimeter 
von Rynault, indem er dabei die Methode der konstanten Temperaturen befolgte. 
Das RynaulVsche Kalorimeter ist bekanntlich ein Thermometer, in dessen Kugel 
sich ein kleiner Recipient befindet. Die in den letzteren gelegten Pflanzentheile 
befinden sich also in einer doppelten Glasumhüllung, welche Quecksilber oder 
Alkohol enthält. Bei dem Versuch bringt man das leere Kalorimeter in einen 
Raum von konstanter Temperatur, so daß der letztere und das Kalorimeter genau 
die gleiche Temperatur haben. Darauf führt man in den Recipienten des Kalori- 
meters die Versuchspflanzen oder Pflanzentheile ein, möglichst mit der gleichen 
Anfangstemperatur. Nach Verlauf einer gewissen Zeit zeigt, während die um- 
gebende Luft immer dieselbe Temperatur t, beibehält, das Kalorimeter Temperatur- 
steigerungen, die mit t 2 bezeichnet werden mögen. Ist der Unterschied zwischen 
diesen beiden Wärmegraden nicht zu groß, so kann man setzen 

q = k (t 3 - t,), 

wobei k eine Konstante ist und q die Menge der in einer Sekunde von den 
lebenden Geweben abgegebenen Wärme bedeutet. 



») Diese Zeitschrift. Bd. IV. 1881. 8. 82. 



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406 



Physik der Pflanze: 



Durch einen zweiten Versuch kann man k bestimmen, indem man von 
Minute zu Minute den Temperaturrückgang an dem dieselben Pflanzen enthalten- 
den Apparat beobachtet, nachdem sie vorher etwa durch Anästhesirung getödtet 
worden. Wenn « die Temperatur am Anfang der Minute ist und die Er- 
niedrigung während einer Minute, so hat man 

MAB = K (" ~ AH - t,) X 60, 

wobei M die Wärmemenge des Ganzen bedeutet, die in der gewöhnlichen Weise 
bestimmt wird. 

Die Versuche erstreckten sich auf folgende Pflanzen : Erbse, Kichererbse, Mais, 
Weizen, Bohne, Feldbohne, Ricinus, Kresse, Brunnenkresse, Lupine, Iris, Richardis.. 
Syringa, Robinia. Beide soeben angedeutete Methoden ergeben genügend über- 
einstimmende Resultate, um daraus die folgenden Ergebnisse ziehen zu dürfen. 

Die in gleicher Zeit von einem gleichen Gewicht pflanzlichen Gewebe« ab- 
gegebenen Wärmemengen sind sehr verschieden, je nach dem Entwickelungs- 
zustand der Pflanze und des Pflanzentheils. Die Zahl der Kalorien geht im All- 
gemeinen von einem Maximum zu einem Minimum über. Die höchsten Maxim a 
findet man beim Beginn der Keimung und während der Blüthezeit. 

Man beobachtet, daß diese beiden Perioden, während welcher die Wärme- 
abgabe die intensivste ist, zusammenfallen mit denjenigen, in denen die Intensität 
der Athmung die größte ist : aber man darf deshalb nicht ohne Weiteres schließen, 
daß zwischen beiden Erscheinungen eine direkte Beziehung besteht. 

Es wurde nämlich in einigen der erwähnten Versuche die von den Ver- 
suchsobjekten ausgeschiedene Kohlensäure gemessen und ebenso in einigen die 
Menge des absorbirten Sauerstoffs. Indem dann die Zahl der Kalorien berechnet 
wurde, die uöthig waren, nm die Quantität während de« Versuchs erzeugter 
Kohlensäure zu bilden, und dieselbe mit der beobachteten Zahl verglichen wurde, 
fand man niemals eine genaue Uebereinstimmung. Die ausgeschiedene Wärme- 
menge entspricht also nicht dcrjeuigen, welche die Verbrennung der vom Organis- 
mus verlorenen Kohle darstellen würde, eine Anschauung, die man früher hegte. 

Bei Beginn der Keimung findet man für die oben genannten Pflanzen die 
Zahl der abgegebenen Kalorien größer, als diejenige sein würde, welche die Bil- 
dung der producirten Kohlensäure ergeben hätte. So, daß ein Kilogramm keimen- 
der Erbsen, unter die angegebenen Bedingungen gebracht, in der Minute eine 
Kohlensäuremenge abgiebt, deren Bildung vier Kalorien berechnen läßt, während 
man unter den gleichen Bedingungen eine wirkliche Abgabe von 12 Kalorien in 
der Minute findet. Diese leiztere Zahl ist sogar noch größer als diejenige, welche 
sich ergeben würde bei der Verbindung der Kohle mit dem gesammten von dem 
keimenden Samen wahrend einer gleichen Zeit aufgenommenen Sauerstoff (7 Ka- 
lorien in dem citirten Versuche). — Dagegen läßt sich am Ende der Keimung 
oder für einen erwachsenen beblätterten Zweig gerade das Entgegengesetzte kon- 
statiren. Dasselbe gilt für aufgeblühte Blüthen und reifende Früchte, welche in 
den untersuchten Fällen stets eine geringere Wärmemenge abgaben als diejenige, 
welche die Bildung der ausgeschiedenen Kohlensäure ergeben hätte. 

Bekanntlich hat man es bei der Untersuchung lebender Gewebe nicht mit 
einfachen chemischen Reaktionen zu thun, mau mißt nur die Resultate verschie- 



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Neue Litteratnr. 



407 



dener gleichzeitiger Vorgänge. Um die letzteren von einander zu trennen, muß 
man zu Hypothesen schreiten. Die in dieser Notiz angedeuteten Thatsachen 
kommen einer der wichtigsten Hypothesen zu Hilfe, die über die inneren Vorgänge 
aufgestellt sind, der Hypothese nämlich, daß die nicht direkt assimilirbaren 
Reservestoffe sich im Allgemeinen im Organismus unter Wärmeabsorption bilden, 
während die Umbildung dieser Stoffe in assimilirbare Körper mit einer Wärme- 
abgabe verbunden ist. 

Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen kann man die Produktion der 
Kohlensäure betrachten, deren Bildung eine große Menge Kalorien erzeugt. So 
lange die untersuchten Gewebe in der Verzehrung einer begrenzten Reservestoff- 
menge begriffen sind, wie beim Reginn der Keimung, addirt sich gewissermaßen 
die durch die Umformung der Reservestoffe erzeugte Wärme zu derjenigen, 
welche die Bildung der Kohlensäure erzeugt Sind dagegen die betreffenden Ge- 
webe im Begriff, Reservestoffe zu bilden, wie bei den reifenden Früchten, dann 
subtrahirt sich die durch die Rildung dieser Substanzen absorbirte Kohlensäure 
von der durch die Atbmung frei gewordenen, und man mißt nur die Differenz 
zwischen diesen beiden Quantitäten. 

JF. Dartain und R. W. Phillips. Ueber den Transpirationsstrom in 

abgeschnittenen Zweigen. Proceedings of the Cambridge Philosophical Society. 
VoL V. 1885. p. 330, und Naturw. Rundschau. 1886. Nr. 24. S. 208. 

Zur Messung des Transpirationsstroraes bedienten sich die Verfasser eines 
eigenen Apparates, den sie Potometer nannten. Er besteht aus einem senkrechten 
Rohre, von dem ein in der Mitte abgehender Seitenast nach oben sich krümmt 
und den abgeschnittenen Zweig aufnimmt; das senkrechte Rohr ist beiderseits 
luftdicht verschlossen und hat im unteren Pfropfen ein offenes Kapillarrohr, das 
unten in einer Schale mit Wasser steht; die Röhren sind alle mit Wasser gefüllt, 
und der transpirirende Zweig muß seinen Bedarf durch die Kapillare aus dem 
unteren Gefäße entnehmen. Man läßt nun hin und wieder eine kleine Luftblase 
in die Kapillare von unten eintreten und mißt den Transpirationsstrom an der 
Bewegung der Luftblase. 

Dieser Apparat wurde verwendet, um den Transpirationsstrom an Zweigen 
zu messen, welchen in bestimmter Entfernung zwei tiefe Einschnitte an entgegen- 
gesetzten Seiten beigebracht waren, ferner an gebogenen und zusammengepreßten 
Zweigen. Die zahlreichen, in der Abhandlung mitgetheilten Versuche ergaben, 
daß ein Einschnitt den Transpirationsstrom wenig beeinträchtigt, sehr stark aber 
der zweite; gleichwohl hob der zweite Einschnitt, auch wenn jeder einzeln über 
die Mitte des Zweiges reichte, den Transpirationsstrom nicht ganz auf. Ganz so 
wie der Transpirationsstrom verhielt sich im Allgemeinen der Filtrationsstrom. 
Das Biegen der Zweige und ihr Zusammendrücken verminderte die Transpiration 
bedeutend, ohne sie aufzuheben. Die Verf. betrachten ihre Resultate als ent- 
schiedene Anzeichen dafür, daß der Saft der Pflanzen in den Hohlräumen der 
Zweige aufsteige. 

E. Godlewaki. l'eber die Imbibition des Holzes. Kosmos. Bd. IX. 

1885. Heft VII. S. 312—316, und Boten. Centraiblatt von 0. llihcorm. Bd. XXV. 

1886. Nr. 8. S. 236-238. 



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40S 



Physik der Pflanze: 



Da die von Sachs zuerst eingeführte und dann von Hartig adoptirte Me- 
thode der Bestimmung der Menge des von den Membranen des Holzes imbi- 
birten Wassers auf der Voraussetzung beruht, daß dureh das Austrocknen des 
Holzes bei 105» C. die molekulare Struktur der Membranen sich nicht verändert 
und daß das Wasser bei der darauffolgenden Aufnahme desselben in feuchter 
Atmosphäre von den Membranen in der nämlichen Menge imbibirt wird, in der 
es vor dem Trocknen in denselben enthalten war, — eine solche Voraussetzung 
aber keineswegs als bewiesen zu betrachten ist — , so stellte sich Verf. zur 
Aufgabe, eine andere zuverlässigere Methode zur Bestimmung des Imbibitions- 
wassers des Holzes ausfindig zu machen und zugleich zu erforschen, in wie weit 
durch das Austrocknen die molekulare Struktur der Holzmembranen eine Aen- 
derung erfährt. 

Die Methode des Verf. beruht nun darauf, daß er ein Stückchen Holz, dessen 
Gewicht und Volumen zuvor genau ermittelt wurden, zwischen zwei ührgläseben 
legt, um das Austrocknen möglichst zu verlangsamen und dann jede 24 Stunden 
die Gewichts- und Volumenbestimmung desselben vornimmt. Es ist nun ein- 
leuchtend, daß, so lange das Wasser in den Zellen selbst enthalten ist, das Volumen 
des Holzstückchens sich nicht verändern kann, da die Verdunstung der Membranen 
durch die Imbibition des Wassers aus den Zelllumina alsogleich gedeckt wird. 
Fängt nun das Holzstückchen sein Volumen zu verkleinern an, so läßt sich an- 
nehmen, daß dann nicht nur das gesammte Wasser der Zellen, sondern auch ein 
Theil des Wassers aus den Membranen verdunstet wurde. Jetzt wird das Holz- 
stttckchen in eine mit Dampf gesättigte Atmosphäre gebracht und in dieser so 
lange gehalten, bis sein Gewicht sich konstant erhält und das Volumen wenigstens 
annähernd dem ursprünglichen Volumen gleichkommt. In diesem Zustande be- 
findet sich in den Zellen selbst kein Wasser, nur die Membranen sind mit Wasser 
vollständig gesättigt. Der Unterschied zwischen dem anfänglichen und dem jetzt 
gefundenen Gewicht bezeichnet die Menge des in den Zellen und Gefäßen des 
frischen Holzstückchens enthaltenen Wassers. Ks erübrigt jetzt, das Holzstückchen 
bei 105° auszutrocknen und das Gewicht der trockenen Substanz des Holzes zu 
bestimmen. Die Differenz zwischen dem Gewichte des trocknen Holzstückchens 
und dem Gewichte desselben im mit Wasser gesättigten Zustande giebt die Menge 
des in den Zellmembranen enthaltenen Wassers, d. i. den Ausdruck für die Im- 
bibitionsgröße der Membranen an. Mit Hilfe dieser Methode bestimmte Verf. 
das Imbibitionswasser des Holzes von Cornus Alba auf 79,5—83,4, von Prunus 
Maheleb auf 90,1-92,5. 

Zur Beantwortung der Frage, in wie weit durch wechselnde Austrocknung 
und Imbibition die molekulare Struktur der Holzmembranen sich verändert, wurden 
Holzstückchen in mäßig feuchter und trockener Luft zuerst getrocknet, dann in 
dampfgesättigte Atmosphäre gebracht und dabei die Gewichts- und Volura- 
veründerungen derselben genau bestimmt. Aus diesen Bestimmungen und der 
gefundenen Trockensubstanz des Holzes wurde alsdann das Volumen der mit 
Wasser imbibirten Membranen und der Zelllumina berechnet. Diese Unter- 
suchungen führten zu folgenden Resultaten: 

1. Beim Trocknen des Holzes findet von dem Augenblick an, in welchem 
sämmtliches Wasser aus den Zelllumina verschwindet, eine Volumverminderung 



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Neue Litteratur. 



409 



desselben statt, welche beim vollständigen Austrocknen bis zu 20°/ 0 des anfäng- 
lichen Volumens betragen kann. 

2. Mit der Kontraktion des Holzes vergrößert sich die absolute Kapacität 
der Zellen, ein Umstand, der für eine stärkere Kontraktion der Membranen in 
radialer als in tangentialer Richtung spricht. 

3. Wenn die Austrocknung des Holzes nicht zu weit vorgeschritten war, so 
absorbiren die Membranen in mit Wasserdampf gesättigter Atmosphäre eben so 
viel Wasser, wie viel sie früher durch Verdunstung verloren haben, die Kapacität 
der Zellen vermindert sich und das Holz geht wieder in den Zustand über, in 
welchem es sich vor der Kontraktion befand. 

4. War das Austrocknen weiter vorgeschritten, so absorbirt es nach Ein- 
bringen in dampfgesättigten Raum weniger Wasser, als es vor Beginn der Kon- 
traktion enthielt ; trotzdem nimmt es sein anfängliches Volumen wieder an, so daß 
jetzt die Kapacität der Zellen wieder größer wird, ein Beweis, daß das imbibirte 
Wasser sich jetzt mehr in tangentialer als in radialer Richtung zwischen den 
Membranmolekülen lagert. 

5. Stark ausgetrocknetes und dann in feuchter Atmosphäre von Neuem ge- 
quollenes Holz kontrahirt sich bei der folgenden Trocknung weniger als ganz 
frisches Holz, zeigt aber ein größeres Volumen als frisches in gleichem Grade 
ausgetrocknetes Holz. 

6. Aus obigen Thatsachen ergiebt sich, daß beim schwachen Trocknen die 
molekulare Struktur der Wände keinerlei Veränderungen erleidet, daß aber sich 
solche einstellen, sobald die Austrocknung eine stärkere wird. Deshalb ist es 
unzulässig, aus der Imbibition eines bei 105° C. getrockneten Holzes auf die 
Menge des im frischen Zustande von den Holzmembranen imbibirten Wassers 
direkt zu schließen. Die von JH. Hartig gefundenen Zahlen des Imbibitionswassers 
für verschiedene Holzarten sind ungenau und erheischen eine Berichtigung. 

J. Sachs, lieber die Wirkung des durch eine Chininlösnug gegangenen 
Lichts auf die Bltithenbildung. Sitzungsber. d. Würzburger Phys.- med. Ges. 
1886. XV. Sitzung. 

Aus einer Reihe von Versuchen mit Tropaeolum majus, welche Verf. im 
Sommer 1883 und 1886 angestellt hat, geht die Thatsache hervor, daß Pflanzen, 
welche ihr Licht (von der Keimung an) durch eine hinreichend dicke und hin- 
reichend koncentrirte schwefelsaure Chininlösung ausschließlich erhalten, zwar 
ebenso kräftig vegetiren wie diejenigen Pflanzen, welche unter sonst gleichen 
Umständen von Licht getroffen werden, welches durch chininfreies reines Wasser 
gegangen ist ; dagegen bilden sich bei ersteren nur winzig kleine Blüthenknospen, 
welche nach einigen Tagen völlig verderben, während letztere schöne große, 
prachtvoll gefärbte und fruchtbare Blüthen erzeugen. 

Eine ausführliche Beschreibung dieser Versuche wird im 3. Heft des 
III. Bandes der «Arbeiten des botanischen Instituts in Würzburg» erscheinen. 
Verf. behält sich die weitere Untersuchung dieser Erfahrung in den nächsten 
Sommern vor. 

i . O, Kohl. Plasmavertheilung and Krummnngsersehelnungen in 

den Pflanzen. Wigands Botan. Hefte. 1885. S. 161. — Der Naturforscher. 
1885. S. 337. 

E. Wollny, Forschungen IX. 28 



» 



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410 



Physik der Pflanze: 



Schon Ciesiehki hatte im Jahre 1872 beobachtet, daß in positiv geotropisch 
gekrümmten, aus der horizontalen Richtung sich scharf in die senkrechte um- 
biegenden Wurzeln die Zellen an der konkaven Krümmung mit dichtestem Proto- 
plasma erfüllt sind, während die in der konvexen Schicht gelegenen einen klaren, 
fast wässrigen Inhalt führen. An positiv heliotropisch gekrümmten Pflanzentheilen 
stellte G. Kram eine ähnliche ungleichmäßige Vertheilung des Protoplasmas fest. 
Nach Ciesiehki entsteht die Krümmung dadurch, daß in einer horizontal liegenden 
Wurzel die untere Hälfte koncentrirtcres Protoplasma, die obere verdünnteres ent- 
hält, ersteres weniger Zellmembran ausscheiden kann als das obere und so die 
obere Seite stärker und sich krümmend weiter wächst. 

Verf. bestätigte CicsielH'a Beobachtungen an Maiswurzeln und suchte weiter 
festzustellen, ob eine ähnliche Vertheilung des Plasmas auch in anderen ge- 
krümmten Pflanzenorganen vorkomme. An dem einzelligen Fruchtträger von 
Phycomyces nitens, der auf alle Einwirkungen der Schwerkraft, des Lichtes und 
der Feuchtigkeit mit Krümmungserscheinungen leicht reagirt, zeigte sich, daß in 
gerade gewachsenen Fruchtträgern gleichmäßig vertheilte, der Längsrichtung 
parallele Stränge von Plasma die Innenseite des Schlauches umkleideten und 
einen centralen dünnflüssigeren Cylinder umgaben, daß dagegen in gekrümmten 
Objekten das Protoplasma an der konkaven, ein sehr dünnflüssiger Zellsaft an 
der konvexen Seite des Organs lagerte. 

Da es negativ und positiv heliotropisch sich krümmende Organe giebt, ist 
in den Zellen der entsprechenden Pflanzentheile verschiedenartiges Protoplasma 
als vorhanden anzunehmen, nämlich einmal solches, welches von der Lichtquelle 
sich fortbewegt, und ferner ein Plasma, welches in den positiv heliotropischen 
Organen derselben zustrebt. Da ferner Pflanzen bekannt sind, die in verschie- 
denen Entwickelungszuständen auf eine gleiche Lichteinwirkung verschieden ant- 
worten, so müßte man auch ein Plasma beobachten können, welches sein Ver- 
halten gegen den Lichtreiz mit der Zeit zu ändern vermag. Verf. studirte nun 
die Reaktionen des Plasma geschlossener Zellen gegen Lichtstrahlen und zwar in 
den vollkommen durchsichtigen Wurzelhaaren von Trianea Bogotensis, die ein in 
lebhafter Bewegung begriffenes Plasma enthalten. Dieses Plasma sammelte sich 
immer nur dort an, wo Licht auf das Haar fiel, während es sich von den nicht be- 
lichteten Stellen mehr und mehr entfernte. Dem entgegengesetzt verhält sich der 
plasmatische Inhalt von Haaren des Hypokotyls an Keimlingen von Sinapis alba. 
Diese Haare stehen, wenn der Keimling im Dunkeln gewachsen ist, rechtwinklig 
vom Stengel ab, und ihr Plasma wendet sich stets von der unmittelbar beleuch- 
teten Wandstelle weg und sammelt sich an den dunkeln Stellen an. Ließ man 
nun auf vorher im Dunkeln gewachsene Keimlinge einseitig Licht fallen, so 
sträubten sich an den jetzt der Lichtquelle zustrebenden Hypokotylen die Haare 
nach rückwärts. 

Da auch bei Krümmungen, welche Ranken, Stengel der Schlingpflanzen, 
Wurzeln u. s. w. in Folge einseitiger Berührung ausführen, Verf. eine einseitige 
Anhäufung von Plasma an der berührten, sich konkav krümmenden Seite fest- 
stellen konnte, so betrachtet er vorläufig das Protoplasma, das auf verschiedene 
Reize mit verschiedenartiger Vertheilung antwortet, als Ursache der Krümmungs- 
erscheinungen an Pflanzenorganen. 



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Neue Litteratur. 



411 



J. Wortmann. Ueber die Natur der rotirenden Notation der Schling- 
pflanzen. Botanische Zeitung. 1886. Nr. 36 — 40. 

Verf. kommt zu dem Schlüsse, daß die rotirende Nutation keine einheitliche, 
rein spontane Bewegung (die in Folge dessen auch anders, nämlich rotirende Be- 
wegung genannt wird), sondern eine Kombinationsbewegung ist, wobei einen Faktor 
der negative Geotropismus und einen zweiten eine eigentümliche spontane Krüm- 
mungsbewegung bildet. 

Ein aufrecht gestellter vertikaler Sproß einer Schlingpflanze, bei dem durch 
Drehung heliotropische Krümmung ausgeschlossen ist, krümmt sich bald mehr und 
mehr mit der Spitze horizontal. Diese Krümmung ist eine selbständige Wachs- 
thumserscheinung und rührt nicht etwa vom Eigengewicht des Sprosses; sie wird 
auch ausgeführt, wenn der Gipfel hierbei ein Gewicht zu heben hat. Später aller- 
dings, namentlich wenn sich die rotirende Strecke verlängert, kommt das Eigen- 
gewicht zur Geltung und verhindert die definitive Aufrichtung des Gipfels. 

Das nunmehr horizontale Stengelstück äußert die Eigentümlichkeit, daß 
es sich, wie BaraneteJd zuerst gefunden hat »), horizontal in Richtung der Nutation 
krümmt; je nachdem es eine rechts oder links windende Pflanze ist, verlängert 
sich hiebei die linke oder rechte Flanke. Diese Flankenkrümmung ist eine rein 
spontane Erscheinung, welche deshalb den Namen Flankennutation erhält. 
Inzwischen aber wirkt auf die Unterseite dieser Spirale der Reiz der Schwerkraft 
ein, die Folge ist, daß sie sich aufrichtet, der Bogen kommt, da die Aufkrümmung 
im älteren Theil sich zuerst vollzieht,' mehr oder weniger vertikal zu stehen. Hie- 
durch sind die Flanken vertauscht, die vorher (bei einer links windenden Pflanze) 
konvexe rechte Seite wird zur Oberseite, die Oberseite zur linken Flanke u. s. w. 
Bei dem so gedrehten Sprosse äußert sich die Flankenkrümmung, die rechte Seite 
wird konvex, die Spirale stellt sich wieder vertikal u. s. w. Das stärkste Wachs- 
thum umschreitet allmählich immer nach rechts zu den Stengelumfang. Das Er- 
gebniß der gleichzeitigen Wirkung der Flankenkrtimmung und des Geotropismus 
ist, daß die Spitze in einer linksaufsteigenden Schraubenlinie (bei einer rechts 
windenden Pflanze umgekehrt) empor geführt wird. Die rotirende Bewegung setzt 
sich demnach zusammen aus Flankennutation und negativem Geotropismus. 

Da bei frei rotirenden Stengeln zu diesen beiden Bewegungsursachen noch 
das Eigengewicht kommt, entstehen periodische Hebungen und Senkungen der 
Spitze, je nach dem Geotropismus oder Flankennutation und Eigengewicht über- 
wiegen, was so lange dauert, bis der überhängende Gipfel zu lang und zu 
schwer wird. 

Wenn man einen windenden Sproß um seine horizontale Achse dreht, ent- 
stehen keine Windungen, die rotirende Bewegung unterbleibt, weil die eine hiezu 
erforderliche Komponente wegfällt. Es treten unregelmäßige undulirende Nuta- 
tionen auf, welche aber zu keinen dauernden Krümmungen führen und durch 
die Rektipetalität der Stengel überwunden werden. Die gewöhnliche Flanken- 
nutation kann deshalb nicht eintreten, weil bei der Umdrehung die Seiten fort- 
während ihre Stelle wechseln, und kein bevorzugtes Wachsthum einer be- 
stimmten Seite eintreten kann. Die aus inneren Gründen angestrebte Krüm- 



«) Vergl. diese Zeltschrift. Bd. VII. S. 190-192. 



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412 



Physik der Pflanze: Neue Litteratur. 



mung kommt in der angegebenen unregelmäßigen Form zum Ausdruck. Die 
homodromen Torsionen, welche bei der Rotation am Klinostaten eintreten, erklart 
Verf. als das Ergebniß des Nutationsbestrebens, das sich bei der Rektipetalität, 
welche den Stengel gerade zu strecken strebt, in diesen Torsionen ausgleicht. 

Wenn durch eine Stütze oder sonstige Hilfe das Eigengewicht der SproG- 
gipfel aufgehoben und dadurch deren Ueberhängen und Umsinken verhindert 
wird, wird die durch Flankennutation bewirkte rotirende Bewegung unmittelbar 
zur Windebewegung. C. K. 

W. Detmer. Ueber die Einwirkung niederer Temperatur auf die 
Pflanzen. Sitzungsber. d. Jenaischen Ges. f. Med. u. Naturw. Nachtrag z. Sitz, 
v. 19. Febr. 1886. 

.F. Noll, Bemerkung zu Schwendener's Erwiderung auf die Wort- 
maun'sche Theorie des Windens. Botan. Zeitung. 1886. Nr. 43. 

J, Wiesner. Untersuchungen über die Organisarion der vegetabi- 
lischen Zellhaut. Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. XCIII. Bd. 1. Abtbg. 
Januar 1886. 

O. Kleb*. Einige kritische Bemerkungen zu der Arbeit von Wiesner : 
„Untersuchungen Über die Organisation der vegetabilischen Kellhaut«. Bio- 
logisches Centralblatt. VI. Bd. 1886. Nr. 15. 



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413 



III. Agrar- Meteorologie. 

Mittheilungen aus dem agrikulturphysikalischen Laboratorium und Versuchs- 
felde der technischen Hochschule in München. 



XXXIX. Untersuchungen über die durch die Hygroskopi- 
cität der Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 

Von J. 8. Slkorskl, 

Assistent an der landw. Hochschule In Dnblsny. 



Fast allgemein wird in der landwirtschaftlichen Praxis dae Ver- 
mögen der Ackererde, in trockenen Perioden Wasserdämpfe in ihren 
Poren zu verdichten, als eine für das Pflanzenwachsthum wichtige nnd 
nützliche Eigenschaft betrachtet. Eine wesentliche Stütze fand diese 
Anschauung durch die Ergebnisse jener Versuche, welche dafür zu sprechen 
schienen, daß die Transpiration sgröße der Vegetationsdecke sehr viel größer 
sei als die durch die atmosphärischen Niederschlage zugeführte Wasser- 
menge, und zwar insofern, als man hiernach zu der Annahme gezwungen 
war, daß das ganze große Deficit, selbst bei Berücksichtigung des Thaues, 
nur durch Kondensation Seitens der Ackererde gedeckt werde. 

Solchen Folgerungen steht indessen einerseits schon die durch bloßen 
Augenschein zu machende Beobachtung, daß der Zustand der Felder weit 
öfter ein derartiger ist, daß man ihm Verdunstung zuschreiben möchte 
als daß er für eine ergiebige Kondensation des Wasserdampfes geeigen- 
schaftet wäre, andererseits die von E. Wollny und F. von Uöhnel er- 
mittelte Thatsache gegenüber, daß die durch die atmosphärischen Nieder- 
schläge zugeführten Wassermengen zur Deckung der Transpirationsgröße 
der Gewächse vollkommen ausreichend sind. Außerdem haben Eisler, 



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Agrar-Meteorologie: 



R. Heinrich, A. Mayer und A, von Liebenberg durch verschiedene 
Versuche den Nachweis geliefert, daß die Pflanzen bereits bei einem 
Wassergehalt zu welken beginnen, der bedeutend über der Grenze liegt, 
welche der Boden in Folge seiner Hygroskopicität — und zwar unter 
den günstigsten Bedingungen, erreichen kann, woraus folgt, daß die 
Pflanzenwurzeln das hygroskopisch gebundene Wasser sich nicht anzueignen 
vermögen. 

Neuerdings hat Eng. W. Hilgard 1 ) der von letztgenannten Forschern 
gewählten Untersuchungsmethode die Beweiskraft abgesprochen, weil die- 
selbe sich auf Umstände bezöge, die mit der großen Praxis wenig gemein 
hatten. Er weist hierbei hauptsächlich auf den Unterschied zwischen 
Topf- und Feldpflanzen hin, der darin bestehe, «daß letztere ihren Wasser- 
bedarf zum großen wenn nicht größten Theil durch ihre Tiefwurzeln aus 
Bodenschichten beziehen, in denen stets kapillares Wasser enthalten ist 
und daß deshalb solche Pflanzen bei einem Feuchtigkeitszustand der 
Ackerkrume, bei dem Topfpflanzen längst welk sind, noch ganz ungestört 
ihre Vegetationsprocesse fortsetzen können». 

Es ist nicht gut einzusehen, wie dieses Beispiel als Argument für 
die Verwerthung der hygroskopischen Bodenfeuchtigkeit durch die Vege- 
tation dienen soll, denn wenn die Pflanzen bei Austrocknung der oberen 
Schichten das erforderliche Wasser mittelst ihrer Tiefwurzeln aus dem 
Untergrunde beziehen, so ist doch damit kein Beweis dafür geliefert, daß 
die Ackererde ihr KondensationsvermQgen zum Nutzen der Pflanzen geltend 
zu machen im Stande sei. Man wird eher vom Gegentheil tiber- 
zeugt, wenn mau die von Hilgard angeführte Thatsache 2 ), daß solche 
Pflanzen, deren Pfahlwurzel zur Zeit des Eintretens der Sommerdürre 
den Untergrund nicht erreicht haben, absterben, offenbar doch nur des- 
halb, weil sie die hygroskopische Bodenfeuchtigkeit, auf welche sie 
unter fraglichen Verhältnissen ausschließlich angewiesen sind, nicht ver- 
werthen können. 

Die von Hilgard dem kondensirten Wasser zugeschriebene Wirkung 
auf die Bodenerwärmung ist in Wirklichkeit eine so minimale, daß man 
von der Wichtigkeit jener Wassermengen im Boden keine große Meinung 



») Diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1885. S. 93-100. 
«) a. a. 0. S. 95. 



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lieber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasscrzufuhr. 415 

gewinnen kann. Die von E. WoUny mit lufttrockenen Böden an- 
gestellten Temperaturbeobachtungen 1 ) haben genugsam bewiesen, daß die 
Differenzen in der Erwärmung zwischen einem Boden von geringer 
Hygroskopicität (Quarzsand) und einem solchen von großem Kondensations- 
vermögen (Lehm) sehr gering sind, und daß selbst bei sehr großen 
Schwankungen in der Bodenfeuchtigkeit*) die durch letztere hervorge- 
rufenen Unterschiede in der Bodentemperatur sehr viel kleiner ausfallen 
als die von llilgard bezüglich der Erwärmung eines Saud- und Thon- 
bodens angegebenen (8 — 12°). So große Differenzen werden unter 
sonst gleichen Umständen nach allen bisher angestellten Beobachtungen 
höchstens an der Oberfläche trockener vegetationsloser Böden 3 ), aber 
sicherlich niemals in denjenigen Schichten des mit Pflanzen bestandenen 
Erdreiches gefunden, in welchen die Wurzeln sich ausbreiten. Angesichts 
dieser Thatsachen kann ich mich nicht der Annahme HilganVs anschließen, 
daß die hygroskopische Bodenfeuchtigkeit für die Erwärmung des Erd- 
reiches von wesentlicher Bedeutung sei und hierdurch eine nützliche 
Wirkung auf die Vegetation ausübe. 

Zur Klärung dieser Verhältnisse habe ich eine Reihe von Versuchen 
ausgeführt, um festzustellen, wie groß die durch die Kondensation von 
Wasserdampf Seitens des Bodens bewirkte ' Zufuhr im Vergleich zu der- 
jenigen durch die atmosphärischeu Niederschläge, und unter verschiedenen 
äußeren Einflüssen sei. Die bisher gewonnenen Versuchsergebnisse sind 
- für diesen Zweck insofern nicht verwerthbar, als sich dieselben auf ein 
vollkommen trockenes Bodenmaterial und eine mit Wasserdampf gesättigte 
Atmosphäre beziehen, während unter natürlichen Verhältnissen der Boden 
lufttrocken, d. h. mehr oder weniger mit hygroskopischem Wasser ver- 
sehen ist und die umgebende Luft in der Mehrzahl der Fälle einen ver- 
gleichsweise geringeren Feuchtigkeitsgehalt besitzt. 

Meine Versuche wurden im Laboratorium des Herin Professor Dr. 
WoUny in München ausgeführt, und spreche ich hiermit demselben für 
den mir gütigst ertheilten Rath meinen aufrichtigsten Dank aus. 

») Vergl. diese Zeitschrift. Bd. IV. 1881. S. 153. 16G-168. 170-171. Bd V. 
1882. S. 169 u. 170. 

») Diese Zeitschrift. Bd. IV. 1881. S. 147. 

8 ) E. WoUny. Der Einfluß der Pflanzendecke und Beschattung u. s. w. 
Berlin 1877. 



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416 



Agrar-Meteorologie: 



Versuchsreihe L 

Heber die Mächtigkeit der Wasserdampf absorbirenden 

BodenschicfUe* 

Zunächst suchte ich der Frage näher zu treten, bis zu weicher Tiefe, 
von der Oberfläche ab, in lufttrockenen Böden eine Kondensation von 
Wasserdampf aus der umgebenden Atmosphäre stattfinde. Die Boden- 
arten, welche ich zu den betreffenden Beobachtungen verwendete, befandeo 
sich in größeren, mit Pappdeckeln verschlossenen Glasgefäßen im luft- 
trockenen Zustande und waren wie folgt beschaffen: 

1. Torf, Moostorf aus Oldenburg, gepulvert (0,0 — 0,25 mm). 

2. Quarzsand Nr. I, aus Nürnberg (0,1—0,071 mm). 

3. Lehm, von Berg am Laim bei München, pulverförmig (0,0 bis 
0,25 mm). 

4. Lehmkrümel, aus demselben Material durch Siebe hergestellt. 
Nr. II (0,5—1,0 mm). Nr. III (1—2 mm). Nr. IV (2—4 mm). 
Nr. V (4—6,75 mm). 

Die relative Feuchtigkeit im Aufbewahrungsraum schwankte zwischen 
ca. 60-70°/o. 

Bei Ausführung der Versuche wurden die angeführten Bodenarten 
in Glasgefäße von 4 cm Durchmesser und verschiedener Höhe (0,5; 1,5; 
3; 4,5 und 6 cm) gefüllt und durch Aufstoßen der Gefäße auf den 
Tisch zu gleichmäßiger Schichtung gebracht, worauf die Oberfläche ge- 
ebnet wurde. Nach dem Abwischen des äußerlich anhaftenden Staubes 
wurden die Apparate auf einer feinen Analysenwage gewogen und in 
einen mit Wasserdampf gesättigten Raum übergeführt. Der letztere 
wurde mittelst einer Glasglocke hergestellt, welche mit ihrem eben ge- 
schliffenen Rande auf einer mit Vaselin eingefetteten Glasplatte aufruhte 
und oben mit einem Tubus versehen war, der während der Versuche 
durch einen mit einem Thermometer versehenen Kautschukpfropfen her- 
metisch verschlossen war. Um die Luft im Inneren feucht zu erhalten, 
brachte ich auf die Glasplatte drei übereinander liegende mit Wasser 
imprägnirte Scheiben aus starkem Fließpapier. Auf letzteres stellte ich 
einen Messingdreifuß, auf welchem eine zur Aufnahme der mit Boden 
gefüllten Gefäße dienende Glasplatte ruhte. 

Genau nach 24 Stunden wurden die Absorptionsgefäße aus dem 
feuchten Raum entfernt und gewogen. In den nachfolgenden Tabellen 



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Ueber die durch die Hygroskopicität «1. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 417 



habe ich die gewonnenen Resultate zusammengestellt, wobei ich bemerke, 
daß die vierte Rubrik die Menge des kondensirten Wassers in analoger 
Weise, wie dies bei Bemessung der Niederschlagsmenge in der Meteorologie 
üblich ist, zum Ausdruck bringt, und zwar so, daß die Höhe der Schicht 
angegeben wird, welche das absorbirte Wasser eingenommen haben würde, 
wenn es im flüssigen Zustand zugeführt worden und weder in den Boden 
ein gedrungen noch verdunstet wäre. Man erhält dadurch sofort einen 
Vergleich zwischen der durch Kondensation und der durch die gewöhn- 
lichen Niederschläge bewirkten Wasserzufuhr. 



Yersnch I. 

Oldenburger Torf. 
A. (Temp. 13,8° C.) B. (Temp. 14,2» C.) 



cc 
• 

o 

CO 

C 
& 


fei 

« 3 
ja 1 


Kondensirte 
Wassermenge 


Relatives 
Verhältniß 


; Nr. des Gefäßes 1 


«. i 

o> .3 

•e -= 

u 

II 

Ä 

cm 


Kondensirte 
Wassermenge 


Relatives 
Verhältniß 


absolut 
mgr 


Höhe 


Höhe 
der 
Boden- 
schicht 


Kon- 
den- 
sirte 
Waiwr- 
menge 


absolut 
mgr 


Höhe 
mm 


Höhe 
der 
Boden- 
schicht 


Kon- 
den- 
sirte 
Wimbt- 
menge 


I 


0,5 


| 77,5 


0,061 


1 


1,00 


I 


0,5 


70,0 


0,055 


l 

1 


1,00 


u 


1,5 


199,9 


0,159 


3 


2,57 


II 


1,5 


175,5 


0,189 


3 


2,50 


m 


3,0 


233,4 


0,185 


6 


3,01 


III 


3,0 


221,7 


0,176 


6 


3,15 


IV 


4,5 


246,1 


0,195 


9 


3,17 


IV 


4,5 


228,5 


0,181 


9 


3,26 


V 


6,0 


240,5 


0,195 


12 


3,18 


V 


6,0 

i 


236,5 


0,188 


12 


3,37 



Versuch II* 

Quarzsand I. 
A. (Temp. 14,0» C.) B. (Temp. 18,1° C.) 



■ 


0,5 


1 

12,0 


1 

0,009 j 


1 


1,00 


I 


0,5 


1 

2,8 


0,002 


1 , 


1,00 


II 


1,5 


28,5 


0,022 


3 


2,37 


II 


1,5 1 


22,0 


0,017 


3 


7,85 


III 


3,0 


43,4 


0,05*4 


6 


3,61 


III 


3,0 


37,4 


0,029 


6 


13,35 


IV 


4,5 


1 49,0 


0,089 


9 


4,08 


IV 


4,5 


47,0 


0,087 


9 


16,78 


v 


6.0 


| 57,0 


0,045 


12 

1 


4,75 


V 


6,0 


48,5 


0,039 


12 


17,32 



Versuch III. 

Lehmpulver. 
A. (Temp. 15,1 • C.) B. (Temp. 16,9° C.) 



I 


'0,5 


102,5 


0,081 


1 


1,00 


I 


0,5 


99,0 


0,072 


1 


1,00 


II 


1,5 


211,1 


0,169 


3 


2,05 


II 


1,5 


232,4 


0,184 


3 


2,34 


III 


3,0 


249,1 


0,198 


6 


2,43 


III 


3,0 


237,9 


0,188 


6 


2,40 


IV 


4,5 


252,0 


0,200 


9 


2,45 


IV 


4,5 


270,7 


0,215 


9 


2,73 


V 


6,0 

1 


,244,5 


0,194 

l! 


12 


2,38 


V 


6,0 


260,8 


0,207 12 


2,63 



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418 



Agrar-Meteorologie: 



Versuch IT. 

Lehmkrümel II. 
A. (Temp. 14,6« C.) B. (Temp. 16,7« C.) 



oo 

<x> 


*J 


Komlensirte 


Relatives 


oo 

9 




Kondensirte 


Relatives 


s 


der 
hicl 


Wassermenge 


, Verhältniß 

• 


■( 

B 




Wassermenge 


Verhältnis 


1 


| § 






| Höbe 


Kod- 


O 


J= e 




* 


Höhe 


Kon- 


9 
j 


3 § 

a i 


absolut 


Höhe 


der 


den- 
slrtc 


00 

o 


rr o 

2 «B 


absolut 


Höhe 


der 


den- 
sirte 










Boden- 


Watwer- 




n 


1 




Boden- 


Wt*«*r- 




cm 


mgr 


mm 


schicht 


menge 




cm 


mgr 


mm 


schicht 


menge 


I 


0,5 


71,7 


0,057 


I i 


1,00 


I 


0,5 


69,9 


0,055 


1 


1,00 


II 


1,5 


186,0 


0,148 


3 


2,59 


II 


1,5 


181,8 


0,144- 


3 


2,60 


III 


3,0 


200,4 


0,159 


6 


2,79 


III 


3,0 


212,5 


0.169 


6 


3,04 


IV 


4,5 


206,0 


0,162 


9 


2 87 


IV 


4,5 


220,1 


0,175 


9 


3,U 


V 


6,0 | 


204,5 


0,162 




2 ; 85 


V 


6,0 , 


204,5 


0,162 


1 12 


2,92 



Versuch V. 
Lehmkrümel III. 





A. (Temp. 19,05» C.) 

1 11 
0,5 89,5 0,071 1 






B. (Temp. 22,0° 


C.) 




I 


1.00 


I 


0,5 76,5 | 0,060 


i 1 


1,00 


II 


1,5 231,4 0,184 - 3 


2,58 


II 


1,5 204,0 0,162 


3 


2,66 


III 


3,0 285,4 0,227 ■ 6 


3,18 


III 


3,0 ; 264,5 | 0,210 


: 


3,45 


IV 


4,5 j 280,5 0,223 9 


3,13 


IV 


4,5 | 271,5 1 0,216 




3,54 


V 


6,0 286,4 0,228 ! 12 


3,20 


v 


6,0 275,5 0,219 

II 


12 


3,60 








i 






Versuch VI. 







Lehmkrümel IV. 
A. (Temp. 18,6° C.) B. (Temp. 19,0° C.) 





0,5 


100,9 


0,080 


1 


1,00 


I 


0,5 


101,2 


0,080 


i 


1,00 


II 


l$\ 


203,0 


0,160; 


3 


2,01 


II 


1,5 


209,5 


0,166 


3 


2.07 


III 


3,0 


235,8 


1,187 


6 


2,33 


III 


3,0 


240,5 


0,191 


6 


2,37 


IV 


4,5 


246,1 


0,195 


9 


2,43 


IV 


4,5 


j 249,8 


0,1« 


9 


2,46 


V 


6,0 


247,3 


0,1% 

Ii 


12 


2,45 


V 


6,0 


253,0 


H 


12 


2,50 



Versuch VII. 

Lehmkrümel V. 
A. (Temp. 17,0» C.) B. (Temp. 18,0° C.) 



I 


0,5 


104,5 


0,083 


1 


1,00 


I 


0,5 1 


106,0 


0,084 


1 


1,00 


II 


1*5 


245,6 


0,195 




2,34 


II 


1,5 


230,6 


0,183 


3 


2,17 


III 


3,0 


233,7 


0,186 


6 


2,23 


III 


3,0 


248,5 


0,197 II 


6 


2.34 


IV 


4,5 


i 283,0 


0,225 




2,70 


IV 


4,5 


268,0 


0,213 


9 


2,52 


v, 


6,0 


| 287,0 


0,228 


12 


2,74 


V 


6,0 


! 273,5 


0,217 




2,58 



üeber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 419 

Aus diesen Zahlen folgt, 

1. daß die Kondensation des Wasserdampfes der Luft durch 
den Boden sich durchschnittlich nur auf eine Tiefe von 
3 cm, höchstens auf eine solche bis zu 6 cm erstreckt, 
und dies nur bei den leicht durchlüftbaren Böden (Quarz- 
sand), 

2. daß auch im letzteren Fall die Ansammlung hygrosko- 
pischer Feuchtigkeit in ergiebigster Weise nur bis zu 
einer Tiefe von 3 cm erfolgt, 

3. daß die durch Kondensation des Wasserdampfes dem 
Boden zugeführten Wassermengen gegenüber den atmo- 
sphärischen Niederschlägen verschwindend klein sind, 
indem dieselben im günstigsten Fall ca. 1/4 mm betragen, 
während selbst schwache Regen dem Boden mindestens 
mehrere mm Wasser zuführen. 

In Ansehung dieser Thatsachen und besonders unter Berücksichtigung 
des Umstandes, daß der Boden nur selten in einen solchen Zustand ver- 
setzt wird, daß er zu einer ergiebigen Kondensation des Wasserdampfes 
geeigenschaftet wäre, kommt mun, ganz abgesehen davon, daß das 
absorbirte Wasser von den Pflanzenwurzeln wahrscheinlich nicht aufge- 
nommen werden kann, zu dem Schluß, daß die vermöge der Hygro- 
skopicität der Böden zngeführten Wassermengen für die Vege- 
tation bedeutungslos sind. 

Zu demselben Resultat gelangt man, wenn man die Wirkung der 
für die Kondensation der Böden maßgebenden äußeren Faktoren näher 
festzustellen versucht, wie dies in den nachstehend beschriebenen Ver- 
suchen geschehen ist. 

Versuchsreihe II. 

Einfluß der Luftfeuchtigkeit auf da» Kondensationsvermögen des 

Boden» für Wasser dampf. 

In den Versuchen über die Hygroskopicität des Bodens in verschieden 
gesättigter Luft benutzte ich durch Deckel verschließbare Holzkistchen, 
in welchen die Feuchtigkeit der Luft durch Einlegen, resp. Aufhängen 
einer größeren oder geringeren Zahl von Blättern feuchten Fließpapiers 
(100 u. 80°'o) oder durch Aufstellen von Gefäßen, welche mit Schwefel- 



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420 



Agrar- Meteorologie : 



säure allein (60°/o) oder mit letzterer und andererseits mit Chlorcalcium 
gefüllt waren, auf gewünschter Höbe gehalten wurde. Zur Kontrole dient« 
ein Procenthygrometer nach C. Koppe ans der Werkstatt von Hottinger 
und Comp, in Zürich. Neben den in Versuchsreihe I beschriebenen Boden- 
arten wurde Kaolin, fein geschlämmte Porcellanerde aus der Porcellan- 
fabrik in Nymphenburg bei München verwendet. 

Die Gefäße, welche mit den Erdarten beschickt wurden, besaßen eine 
Höhe von 6 cm und einen Durchmesser von 4 cm. Die in 24 Stunden 
von den Böden kondensirten resp. abgegebenen Wassermengen stellten 
sich wie folgt: 

Versuch I. Versuch II. 



Oldenburger Torf. Quarzsand I. 



Nr. des 


Tem- 
pera- 
tur : 

°C. 


Feuch- 
tigkeits- 
gehalt 
der Löft 


Hygroskopi- 
sches Wasser 


rsr. des 

UClaDcS 


Tem- 
pera- 
tur 

°c. 


Fencta- 
tigkeits- 

gehalt 
der Laft 


Hygroskopi- 
sches Wasser 


ffi 

L E 
N 'S 

D 

mgr 


i S 

< «3 

mgr 


- 1 
k = 

mgr 


• 

i B 
— M 

< 4 
g 

mgr 


• 


18,5 


40 




212,4 


i 

l 


15,4 


40 




3,2 


II 




GO 




59,8 


ii 


* 


60 




M 


III 




»0 


43,0 




III 


>> 


80 


5,0 




IV 


• 

i 


100 


219,4 | 




IV 

1 




100 


32,1 






Versuch III. 








Versuch IV. 






Kaolin. 








Leh 


mpulver. 




I 


20,0 


40 




150,0 


1 

I 


18,0 


40 




221,4 


II 


» 


60 




6,5 


II 




60 




47,2 


ni 


» 


80 


207,3 




III 


» 


80 


73,5 




IV 


» 


100 


258,4 




IV 


i 

1 


100 


328,5 






Versuch V. 








Versuch VI. 






Lehmkrümel II. 






Lehmkrümel 


III. 




i 


18,0 


40 




167,0 


I 


18,9 


40 




220,4 


ii 




60 




82,0 


u 


» 


60 




44,2 


in 


» 


80 


49,6 




III 


i 


80 


95,4 




IV 




100 


809,6 


1 


IV 


V 


100 


425,4 





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Ueber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 421 



Versuch TU. 

Lehmkrümel IV. 



Nr. des 
Gelaßes 


Tempera- 
tur 

•c 


FViichtia- 

keitsgehalt 
der Luft 

* 


' Hygroskopisches 

Wasser 

. 

. E . S 
s ^ * ja 
sj g < *« 
a a 


I 


22,5 


40 


_ 


171,0 


n 


» 


60 


_ 


53,9 


in 




80 


i 219,0 




IV 


» 


100 


373,8 





Wie man sieht, zeigen sämmtliche Versuche, daß bei einem rela- 
tiven Feuchtigkeitsgehalt der Luft von 60 und 40°/o eine 
Abnahme, bei einem solchen von 80 und 100°/o eine Zunahme 
der hygroskopischen Feuchtigkeit stattgefunden hatte, ent- 
sprechend der Verminderung resp. Vermehrung der in der 
Luft enthaltenen Wassermengen. 

Vom Standpunkt des hygroskopischen Gleichgewichts bietet die Er- 
klärung der Ursachen dieser Erscheinungen keine Schwierigkeiten. Die 
der Zimmerluft in den Aufbewabrungsgefttßen ausgesetzten Versuchsböden 
waren hygroskopisch bei einem Feuchtigkeitsgehalt der Luft von ca. 70°/o 
gesättigt und mußten deshalb bei einem niedrigen Gehalt der Luft an 
Wasserdampf Einbuße,, bei höherem eine Vermehrung der kondensirten 
Wassermengen erfahren. 

In Rücksicht auf praktische Verhältnisse sind die Ergebnisse dieser 
Beobachtungen insofern lehrreich, als sie zeigen, daß die Ackerböden zur 
Zeit der Trockenheit, während welcher eine Wasserzufuhr von wesent- 
lichem Belang wäre, von dem aus vorhergehenden Perioden aufgenommenen 
hygroskopischen Wasser ziemlich beträchtliche Mengen verlieren und zwar 
um so mehr, je trockener die Luft wird. Berücksichtigt man außerdem, 
daß nach den Versuchen von A. Mayer, R. Heinrich u. s. w. die Pflanzen, 
wenn sie nicht etwa mittelst ihrer Tiefwurzeln Wasser aus den unteren 
Erdschichten entnehmen, bei starker Austrocknung der Ackerkrume schon 
vor dem Zeitpunkt, wo der Boden auf dem Kondensationspunkt ange- 
kommen ist, zu wejken beginnen, so muß man auch von diesen Gesichts- 



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422 A grar-Meteorologie : 

• 

punkten aas zu der Anschauung gelangen, daß das Kondensat ionsvermögen 
der Ackererde für Wasserdarapf in Bezug auf die Pflanzenernährung ohne 
Belang ist. 

Versuchsreihe HL 

Einfluß des feuchten Untergrundes auf das KondensaHunsvermögen 
der oberen Bodenschichten für Wasserdumpf. 

In Rücksicht auf die vielfach ausgesprochene Meinung, daß die 
hygroskopische Feuchtigkeit in den oberen ausgetrockneten Erdschichten 
durch den aus dem feuchten Untergründe aufsteigenden Wasserdampf 
vermehrt werde, führte ich folgendes Experiment aus. 

Ein ca. 12 cm hoher Blechcylinder von 4 cm Durchmesser wurde 
bis zu einer Höhe von 5,5 cm mit feuchten Lehmkrümeln beschickt, 
worauf in den übrigen Baum ein sich an die inneren Wandungen des 
Geftlßes eng anschließender, 6 cm hoher, am Boden durch ein feines 
Drahtnetz verschlossener, mit lufttrockenen Lehmkrümeln (II) gefüllter 
zweiter Cylinder derart eingeschoben wurde, daß sich zwischen der Ober- 
fläche der feuchten Erdschicht und dem Boden des EinsatzgefUßes ein 
Zwischenraum von ca. 0,5 cm befand. Diese Vorrichtung hatte den 
Zweck, das kapillare Aufsteigen des Wassers zu verhindern, dagegen da* 
Aufsteigen von Wasserdämpfen aus der Tiefe in die oberen trockenen 
Schichten zu ermöglichen. Außerdem wurde ein Vergleichscylinder von 
6 cm Höhe und 4 cm Durchmesser einfach mit lufttrockenen Lehmkrümeln 
von derselben Korngröße gefüllt. Die Gefäße wurden in die in Versuchs- 
reihe II näher beschriebenen Holzkisten versetzt und in jedem Versuch 
24 Stunden darin belassen. Die Wägungen lieferten folgendes Resultat: 



Nr. des 
Versuchs j 


Tempera- 
tur 

•C 


Luftfeuch- 
tigkeit 

> 


Feuchter Untergrund 


Trockener Untergrand 




Hygroskopisches Wasser 




Zunahme 


Abnahme 


Zunahme 


Abnahme 


I 


19,0 . 






185,6 




208,5 


II 


20,0 


. 60 




97,5 




120,1 


III 


20,5 


80 


138,2 




138,2 




IV 


16,0 


100 


359,1 




339,0 





Sonach wurde bei feuchter im Vergleich zu trockener Beschaffenheit 
des Untergrundes die Abnahme der hygroskopischen Bodenfeuchtigkeit 



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Ueber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 423 

vermindert, die Zunahme derselben vermehrt, indessen war der hierdurch 
bedingte Gewinn, wie die Zahlen zeigen, kein bedeutender. 

Versuchsreihe IV. 

Einfluß der Temperatur auf da» Kondetisatietisvermögen 
de» Boden» für Wasserdampf» 

In dieser Versuchsreihe wurde in Rücksicht auf die natürlichen 

Verhältnisse das Kondensationsvermögen der Böden im lufttrockenen 

Zustande 

1. bei verschiedenen konstanten Temperaturen und bei dem diesen 
entsprechenden Sättigungsgrade der Luftfeuchtigkeit, 

2. bei verschiedenen konstanten Temperaturen und bei konstantem 
Feuchtigkeitsgehalt der Luft, 

3. bei wechselnder (sinkender) Temperatur und bei der hierdurch 
bedingten Aenderung in der Luftfeuchtigkeit 

festzustellen versucht. Die Versuchsanordnung war folgende. 

ad 1. Auf ein eisernes Gestell wurden drei Blechcylinder von 30 cm 
Höhe und 25 cm Durchmesser und in jeden derselben ein kleinerer Cylinder 
von 25 cm Höhe und 15 cm Durchmesser gestellt. Letztere ruhten auf einem 
Blechkranz von 5 cm Höhe und waren oben durch einen Deckel geschlossen, 
in dessen Mitte ein mit der Kugel in das Innere der Gefäße ragendes, 
mittelst eines Korkes befestigtes Thermometer angebracht war. Der Raum 
zwischen beiden Cylindem wurde mit Wasser angefüllt, dessen Temperatur 
durch eine mit Hilfe eines Soxhlct'schen Thermostaten regulirto Flamme 
auf konstanter Temperatur erhalten wurde. Auf den Boden der kleinen 
Cylinder wurde eine aus mehreren feuchten Fließblättern bestehende 
Schicht gelegt und auf diese eine Etagere gestellt, welche während der 
Versuche die Absorptionsgefäße aufzunehmen hatte. Letztere bestanden 
wie in fast allen übrigen Versuchen aus Glasgefaßen von 6 cm Höhe und 
genau 4 cm Durchmesser. 

In den Beobachtungen bei einer Temperatur von 10 °C. wurde die 
Versuchsanordnung in der Weise geändert, daß man einfach in dem Raum 
zwischen dem äußeren und inneren Cylinder Wasser aus der Wasserleitung 
cirkuliren ließ. Dasselbe besaß eine Temperatur von 10 — 12 °C. und wurde 
wenn nöthig, durch eingelegte Eisstückchen auf 10 °C. konstant erhalten. 

ad. 2. In der an zweiter Stelle angeführten Reihe von Versuchen 
war ' die Versuchsanordnung dieselbe wie in der vorigen, nur mit dem 



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424 



Agrar-Meteorologie : 



Unterschiede, daß das feuchte Fließpapier aas dem inneren Blechcylinder 
entfernt und durch diesen ein Strom von Luft, welche vorher in einem 
besonderen Apparat bei 0°C. mit Wasserdampf gesättigt worden war, 
langsam mittelst eines Aspirators geführt wurde. Letztere Vorrichtung 
war wie folgt beschaffen. 

In einem größeren, von schlechten Wärmeleitern umgebenen, mit 
Eis gefüllten Blechcylinder befand sich ein System von U- förmigen, 
mit einander kommunicirenden Röhren, welche feuchten Asbest enthielten. 
Dieselben waren durch einen Kautschukschlauch mit einer Glasröhre 
verbunden, welche durch den Deckel der inneren, zur Aufnahme der 
AbsorptionsgefUße bestimmten Blechcylinder luftdicht hindurchführte und 
in geringer Höhe über dem Boden der letzteren ausmündete. Außerdem 
war an dem durch Kitt luftdicht aufgesetzten Deckel der inneren Blech- 
cylinder eine zweite Glasröhre angebracht, welche mit einem Aspirator 
in Verbindung stand. 

Beim Oeffnen des Aspirators trat die Luft von außen in das System 
U- förmiger Röhren, sättigte sich in denselben bei 0°C. mit Feuchtigkeit 
und gelangte dann in die Cylinder, in welchen die mit Erde gefüllten 
Absorptionsgefäße standen, weiterhin in den Aspirator. 

ad 3. In den Versuchen bei sinkender Temperatur war die Ver- 
suchsanordnung dieselbe wie unter 1 angegeben. Die Böden wurden in 
dem inneren Blechcylinder einer Temperatur von 30° resp. 20° C. und 
einer bei diesen Temperaturen gesättigten Luft 12 Stunden lang aus- 
gesetzt, worauf eine Abkühlung des Erwärm ungswassers auf 20° resp. 
10°C. erfolgte, welche in den nächsten 12 Stunden andauerte. 

Die in folgenden Tabellen angegebenen Mengen des hygroskopisch 
aufgenommenen Wassers beziehen sich wiederum auf eine Versuchsdauer 
von 24 Stunden. 

1. Luft bei den betreffenden Temperaturen gesättigt. 





! 1 


Tem- 
peratur 


Kondensirte Wassermenge 


Bodenart 


Versuch, 


absolut 


Höhe 






Mittel 








•C 


tngr 


»Kr 


mm 


Oldenburger 
Torf 


a 
b 


10 
10 


191,6 
190,5 


191,0 


0,152 



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Ceber die durch die Ilygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 425 



Kondensirte Wassermenge 



Bodenart 


Versuch 


Tem- 

tiprflt h r 
aiui 




absolut 


Höhe 








Mittel 








»c. 




in ff r 


mm 


Oldenburger 


a 

b 


20 

» 


269,5 
242,6 


256,0 


0,203 


Torf 

> 


a 
b 


30 


523 1 

538,6 


530,8 


0,421 




: a 
b 


» 


218,G 
210,5 


214,5 


0,170 


Lehmpulver 


a 
b 


20 


274,4 
270,0 


272,2 


0,216 




a 
b 


30 ' 
» 


538 1 
513,5 


523,8 


0,415 




. 

b 


» 


123,5 
108,8 


116,1 


0,092 


Kaolin 


a 
|) 


20 


206,3 
183,0 


1W,6 


0,154 




a 
b 


80 1 
» 


318 7 
300,1 


309,4 


0,246 




a 
b 


10 i 
» 


32,3 
31,5 


81,9 


0,025 


Quarzsand I. 


a 


20 1 

i 


61,1 
44,8 


52,9 


0,W2 




f 
b 


30 ! 

• 1 


48,0 
30,4 




0,082 



2. Luft bei 0°C. gesättigt. 









Kondensirte 






Tem- 


Wassermenge 


Bodenart 


j Versuch 


peratur 


Zunahmen- 
Abnahme— 


Mittel 






«c 


mgr 


msr 


Oldenburger 


a 
b 
a 


10 

» 

20 


+ 17,7 
+ 18,6 
+ 0,2 


+ 18,2 
+ 1,2 


Torf 


b 


i> 


f 2,6 




a 

b 

i 


30 

• 


-24,6 
-29,8 


-27,2 



E. Wollny, Forachtingen IX. 



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426 Agrar-Mcteorologie: 







Tem- 


Kondensirte 
Wassermenge 


Bodenart 


Versuch 


peratur 


Zunahme + 
Abnahme— 


Mittel 






»c. 


mgr 


mgr 




a 

b 


10 

» 


+ 39,1 
+ 33,5 


+»6,0 

| WVJV 


Lehmpulver 


a 

h 


20 

» 


+ 29,6 
+ 12,5 


• 




a 

h 


30 

m 


8,9 
— 90 


-8,9 




a 

b 


10 

I 

» 


+25,5 
+27,9 


+26,7 


Kaolin 


a 
b 


1 20 


- 8,0 

— 2,9 


— 54 


— - — i 


a 
h 

U 


30 


- 50,2 

— 49,9 


-50,0 




a 

1> 


10 

» 


+ 7,6 
+ 4,6 


+6,1 


Quarzsand 1. 


a 

b 


20 


- 3,1 

- 0,4 


1,7 




a 
b 


30 


- 9,7 
-10,0 


-9,8 



3. Luft gesättigt. Temperatur sinkend. 









Kondensirte 


Bodenart 


, Versuch 


Tem- 


Wassermenge 


peratur 


mgr 


Mittel 
mgr 


Oldenburger 


Ii 


20-10 


239)1 2501 
261,2 Ä * M 


Torf 


a 

b 


30-20 

! ' 


329,6 
369,4 


349.5 


Lehmpulver 


a | 
b 
a 
b 


20-10 

1 

* 

30-20 

» 


269,5 
268,5 
381,1 
371,0 

i 


269,0 
876,0 



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» 



üeber die durch die Hygroskopicitat d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 427 



Bodenart 


1 

Versuch, 


Tem- 
peratur 

— *- 


- ■ ' ■ 

Kondensirtc 

Wassermenge 


m * T 


Mittel 


Kaolin 


a 
b 

a ! 

b J 


20-10 

» 

30-20 

» 


199,7 
186,5 
265,6 
256,0 


193,1 

260,8 


Quarzsand L 


1 

a 
b 
a 

1 b 


20-10 
» 

30—20 

1 * 


77,3 
59,2 
70,5 
78,6 


68,2 
74,5 



Zur Illustration des Einflusses sinkender Temperatur dürfte es zweck- 
mäßig sein, vorstehende Zahlen in Vergleich zu bringen mit jenen, welche 
bei Anwendung konstanter Temperaturen (sub 1) gewonnen wurden. 
Es ergiebt sich dann folgende Uebersicht. 

Kondensirte Wassermengen (mg) 
30 ü 20° 10° 

530,8 256,6 191,0 



Oldenburger Torf 



Lehrapulver 



Kaolin 



Qnarzsand I. 



konstante Temperatur 



(konstant 
sinkende 
| kc 
l sii 

\ sii 

I 



konstante 
sinkende 
konstante 
sinkende 
konstante 
sinkende 



349,5 250,1 
52ß,3 272,2 214,5 

376,0 269,0 
309,4 194,6 J16,l 
260,8 193,1 
39,2 52,9 31,9 

74,5 68,2 



Vorstehende Zahlen vermitteln zunächst die Thatsache, daß inner- 
halb der hier gewählten Grenzen das Kondensationsvermögen 
der Böden für Wasserdampf mit der Temperatur steigt, wenn 
die Luft bei den betreffenden Temperaturen gesättigt ist, daß 
dasselbe dagegen bei nur t heil weiser (und konstanter) Sättigung 
der Ät mosphäre mit zunehmender Erwärmung sich vermindert. 

Diese Ergebnisse stehen in voller Uebereinstimmung mit den von 
E. W. Hilgard 1 ) und G. Amnion 2 ) gewonnenen und weisen dadurch 



>) Diese Zeitschrift. Bd. VIII. 1885. S. 99. 
») Ebenda. Bd. II. 1879. S. 30. 



29* 



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428 



Agrar-Meteorologie: 



7,6 
12,1 

19,8. 



die Unrichtigkeit des von Schlösing 1 ) aufgestellten Satzes, daß «zwischen 
9 und 35 °C. bei einem und demselben Feuchtigkeitsgehalte der Luft 
die Erde fast eine gleiche Feuchtigkeit annimmt, unabhängig von Temperatur- 
schwankungen», nach. 

Die Thatsache, daß die Kondensation in gesättigter Luft mit 
steigender Temperatur zunimmt, erklärt sich durch den Umstand, daß 
hiermit gleichzeitig die von der Luft aufgenommene Wassermenge in 
beträchtlichem Grade erhöht wird, wie dies aus folgenden Zahlen er- 
sichtlich ist: 

Temperatur Wasserdampf in 1 cbm Laft Differenz 
0°C. 5,4 gr } 4> 3 

10 » 9,7 » 

20 » 17,3 » 

30 » 29,4 » 

40 » 49,2 » 

Wie man sieht, ist das Ansteigen der Luftfeuchtigkeit demjenigen 
der Temperatur nicht proportional, sondern erfolgt in stärkerem Grade 
als letzteres, d. h. während die Temperatur in arithmetischer Progression 
zunimmt, steigt die Luftfeuchtigkeit in geometrischer Progression. Nur 
hierdurch wird es verständlich, warum die durch den Boden kondensirten 
Wassermengen bei voller Sättigung mit der Temperatur zunehmen, denn 
aus der Thatsache, daß bei nicht gesättigter Atmosphäre das Umgekehrte 
stattfindet, d. h. daß unter sonst gleichen Verhältnissen mit der Temperatur- 
erhöhung das Kondensationsvermögen des Bodens abnimmt, wird geschlossen 
werden dürfen, daß in dem vorliegenden Fall das bedeutende Ansteigen 
der Luftfeuchtigkeit bei Erhöhung der Temperatur allein die Ursache der 
damit Hand in Hand gehenden Zunahme des Kondensationsvermögens des 
Bodens gewesen sei. 

Die sub 3 aufgeführten Versuche ergeben, daß die bei sinkender 
Temperatur kondensirten Wassermengen, im Vergleich zu den 
bei konstanter Einwirkung der Grenztemperaturen beobach- 
teten, eine mittlere Höhe erreichten. 

Die Ursache dieser Erscheinung beruht wahrscheinlich darauf, daß 
der hygroskopische Gleichgewichtszustand zur Zeit der Temperatur- 



') Ebenda. Bd. VII. 1884. S. 324. 



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lieber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 429 



erniedrigung noch nicht vollständig hergestellt worden war, so daß der 
Boden von der bei höherer Temperatur herrschenden größeren Luft- 
feuchtigkeit nur theisweise einen Nutzen ziehen konnte. Sonst hätte das 
Versuchsraaterial bei sinkender Temperatur mehr Feuchtigkeit als bei den 
bezüglichen konstanten Temperaturen aufnehmen müssen, weil anzunehmen 
ist, daß aus der gesättigten wärmeren Luft bei deren Abkühlung ein 
Theil des Wassers ausgeschieden wird. 

Natürlich lassen diese Versuchsresultate sich nicht ohne Weiteres auf die 
Vorgänge in der Ackererde übertragen, weil die Luft niemals oder doch 
nur in kürzeren Zeitabschnitten mit Wasserdampf gesättigt ist. Ge- 
wöhnlich nimmt die relative Luftfeuchtigkeit bei der Abkühlung zu, bei 
der Erwärmung dagegen ab. In welcher Weise hierdurch die Hygro- 
skopicität der Ackererde beeinflußt wird, weist folgender, im Freien an- 
gestellter Versuch nach. 

Versuchsreihe V. 
Das Kondensationsvermögen des Bodens für Wasserdampf unter 

Diese Versuche wurden im Freien im Hofe des landwirtschaftlichen 
Institutes an einer Stelle ausgeführt, welche allen atmosphärischen Ein- 
wirkungen zugänglich war. Die Absorptionsgefäße wurden in ent- 
sprechende Ausschnitte des Deckels einer bis zum oberen Rande in die 
Erde gegrabenen Holzkiste versenkt, so daß die Oberfläche des Versuchs- 
materials mit derjenigen des Kistendeckels eine Ebene bildete. Diese 
Vorrichtung hatte den Zweck, die seitliche Erwärmung der Apparate 
hintanzuhalten. Unmittelbar neben der beschriebenen Vorrichtung waren 
zwei Thermometer zur Bestimmung der Luft- resp. Bodentemperatur 1 ) 
in entsprechender Anordnung angebracht. Die Versuchsgefäße wurden 
alle zwei Stunden herausgenommen und gewogen. 

In der nachfolgenden Tabelle sind die Ergebnisse übersichtlich zu- 
sammengestellt. Die Zahlen geben die von einer Beobachtung zur anderen 
aufgenommene, resp. abgegebene Wassermenge an. 



») In 10 cm Tiefe gemesssen. 



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430 



Agrar-Meteorologie 1 



Zeit 



(5.-6. Juni) 



u 

1 



Tempe- 
ratur 



S 

§ 

•c. 



4) 
| 

u 
9 

i 

s 



Torf') 



Lehrnpulver; 1 kr ^JfeMH 



Quar«- 
sand I 



Qtiarz- 



Hygroskopisches Wasser 




Ha mprr mgr 



h 

6- 8 a. m. 

8-10 » 

10-12 » 

12- 2 » 

2- 4 » 

4- 6 » 

6- 8 • 

8-10 » 

10 12 i 
12- 2 p.m. 

2- 4 » 

4- 6 i 

6- 8 » 



h 

6 a. m. — 
G p. m. 



7221119,8 18,4- 
722 il8,0 15,0 
722il4,8|12,o: 

722 14,8 12,0 

723 |14,4i 12.2) 
723 14,2 15,0' 

723 15,2122,4 

724 18,2|24,2 
724 23,4 25,4 

723 27,6 32,0 
722 28,0 32,0 

724 25,8 25,0 
724 22,4 20,0, 



38,5 
36,0 
41,5 
12,0 
20,0 
16,0 

50 
46 - 
40 

29 — 
25 - 
46 16,6 
60 66.8 



72 
88 
90 
92 
96 

81 



- 50.0 

- .87,7 

- 44,8 

- 1,5 

- 17,5 

- 16,0 



4,8] 
137,4 
135.6 
10,7 
309,5 



9,5 - 



25,1 
67,5 



! i 



IS0.6M8.0 202.1 



55,5 I — | 8,8 
: 28,81 — |i 6,4 
I 41,8 - jl 1,0 
- 11,8 t 1,0 
15.7 - 1,2 
7,0, — ,2,8 
3,5 I - 11 3,0 
115,0. — 113,4 — 
134,01 - 112,0 — 
169,5 
51.0 



203,1 - 
70,4 - 



36,4; - 
67,6 - 



i M jl 

4W,5j(l8«,7frl0^81 ? 2»,»|j»,9 



7,5 

8,0 




Diese Zahlen lehren, daß der Boden während der Nacht 
Wasserdampf kondensirte, am Tage aber bei steigender Tem- 
peratur und Abnahme der relativen Luftfeuchtigkeit an 
(Jem hygroskopisch aufgenommenen Wasser einen Verlust er- 
litt, der beträchtlich größer war als der nächtliche Gewinn. 

Das Verhältniß zwischen der AufDahme zur Nachtzeit und der Ab- 
gabe während des Tages wird natürlich verschieden sein 2 ), je nach dem 
jeweiligen Zustande der Atmosphäre und der Länge der betreffenden 
Tageszeiten. In der Mehrzahl der günstigsten Fälle dürfte jedoch im 
Hinblick auf die hier hervorgetretenen Differenzen nur ein Ausgleich 
zwischen Einnahme und Ausgabe sich bemerkbar machen. Abgesehen von 
derartigen Details muß dem vorliegenden Versuchsergebniß für Be- 
urtheilung der Vorgänge in der Natur insofern ein besonderes Interesse 
beigemessen werden, als aus demselben hervorgeht, daß zu Trocken- 



l ) Oldenburger Torf. 

a ) Von meinem Vorhaben, diese Versuche in größerer Zahl auszuführen, 
mußte ich leider Abstand nehmen, weil bis zu meiner Abreise von München die 
Witterungsverhältnisse für Anstellung solcher Beobachtungen nicht günstig waren. 



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Ueber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 481 

Zeiten *), in welchen die Zufuhr von Wasser zum Boden für die Vegetation 
besonders erwünscht wäre, die Abgabe von hygroskopischem Wasser 
während des Tages die Aufnahme der Feuchtigkeit zur Nachtzeit bedeutend 
überwiegt und daß aus diesem Grunde, abgesehen von allem Anderen, der 
Verdichtung des Wasserdampfes durch den Boden in Bezug auf Wasser- 
versorgung der Pflanze keine Bedeutung zugeschrieben werden kann. 

Versuchsreihe VI. 

Einfluß des Luftdrucks auf das Kondensationsvermögen 
des Bodens für Wasserdampf. 

Zum Schluß theile ich zur Vervollständigung noch die Resultate einiger 
Versuche über den Einfluß des Luftdruckes auf die hygroskopische Boden- 
feuchtigkeit mit. Diese Versuche wurden unter dem Recipienten einer 
Luftpumpe angestellt, in welchem die Luft in der in obigen Versuchs- 
reihen beschriebenen Weise mit Wasserdampf gesättigt und die Absorp- 
tionsgeföße aufgestellt wurden. Die den Recipienten bildende Glasglocke 
war oben mit einem Tubus versehen, welcher durch einen Kautschuk- 
pfropfen dicht verschlossen war. Durch letzteren führte eine doppelt recht- 
winklig gebogene Glasröhre, deren kurzer Schenkel in das Innere der 
Glocke mündete, während der äußere lange, mit einer Skala versehene 
Schenkel mit seinem unteren Ende in ein mit Wasser gefülltes, auf dem 
Zimmerboden neben der Luftpumpe aufgestelltes Gefäß tauchte. Von dem 
zur Zeit des Beginnes der Versuche herrschenden Druck von 718 mm 
aasgehend, ' verminderte ich denselben in dem Recipienten durch Auspum- 
pen der Luft weiterhin auf 708, resp. 698 und 688 mm, indem ich 
hierbei die erforderlichen Regulirungen nach Maßgabe des Wasserstandes 
in dem langen Schenkel der aufgesetzten Glasröhre vornahm. 

Die in 24 Stunden von den Böden bei vollständiger Sättigung der 
Luft aufgenommenen Wassermengen stellten sieh wie folgt heraus: 



') Die Witterungsverhältnisse in dem angeführten Versuch entsprechen den- 
jenigen in Trockenperioden vollkommen, weshalb die gewonnenen Ergebnisse zur 
Beurtheilung der Vorgänge während solcher Zeiten mit Recht herangezogen 
werden dürfen. 



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432 



Agrar-Meteorologie : 



Bodenart 


Tem- 
peratur 

•C. 


Luft- 
druck 
min 


Kondensirte Wassermengen 


n 
« 

mf?r 


ii 
mgr 


Mittel 
tagt 


Oldenburger 
Torf 


20,25 
19,90 
21,10 
22,00 

1 


718 
708 
698 

! 688 


329,2 
362,8 
311,0 
297,0 


301,2 
307,7 
384,5 

305,5 


315,2 
335,2 
347,7 
301.2 


Lehmpulver 


20,25 718 
19,90 708 
21,10 698 
22.00 688 


320,0 
364,3 
332,0 
333,0 


317,0 318,5 
317,0 340.6 
311,5 321,7 
313,4 323.2 


Kaolin 


20,25 
19,90 
21,10 
22,00 


718 
708. 
698 
688 


. _ 
259,9 
252,7 
283,0 
237,9 


252,6 
204,6 
137,7 
235,0 


256,2 
228,6 
210,3 
236,4 


Quarzsand L 


20,25 
19,90 
21,10 
22,00 


718 
708 
698 
688 

i i 


82,0 
58,0 
85,6 
57,9 


65,0 
65,5 
66,5 
67,2 


^73,5 
61,7 
76,0 
62,5 



Von einigen unbedeutenden Schwankungen abgesehen, läßt sich aus 
diesen Daten ersehen, daß der Luftdruck auf das Kondensations- 
vermögen der Böden bei gesättigter Atmosphäre keinen Ein- 
fluß ausübt. Diese Verhältnisse werden sich bei nicht gesättigter Luft 
anders gestalten, insofern schon nach den bei dem Trocknen hygrosko- 
pischer Substanzen im luftverdünnten Raum gewonnenen Erfahrungen 
anzunehmen ist, daß die Hygroskopicität des Bodens unter letzteren Ver- 
hältnissen um so mehr abnehmen wird, je geringer der Luftdruck der 
Atmosphäre ist. Das in vorliegenden Versuchen gewonnene Ergebniß 
wird nur dadurch erklärt werden können, daß infolge der Abnahme des 
Luftdrucks die Verdunstung aus dem feuchten Fließpapier unter dem 
Recipienten, demgemäß die Luftfeuchtigkeit innerhalb des letzteren zu- 
nahm und dadurch die Wirkung der Luftverdünnung auf die Hygroskopi- 
cität wieder aufgehoben wurde. 

Als Endresultat ergiebt sich aus dem Mitgetheilten, daß die durch 
das Kondensationsvermögen Seitens der Böden bewirkte Was- 



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Ueber die durch die Hygroskopicität d. Bodenarten bewirkte Wasserzufuhr. 433 

serzufuhr für die Vegetation ohne Bedeutung ist, weil 1. die- 
selbe im Vergleich zu dem Wasserbedürfniß der Pflanzen, 
resp. zu den atmosphärischen Niederschlagen verschwindend 
klein ist, und sich nur auf die obersten zu Tage tretenden 
Bodenschichten (3 — 5 cm) erstreckt, 2. der Boden selten und 
nur vorübergebend in einen solchen Zustand geräth, daß er 
für die Kondensation von Wasserdampf geeigeuschaft et wäre, 
3. gerade in Trockenperioden, in welchen eine derartige An- 
feuchtung des Bodens wenn überhaupt einen Nutzen gewähren 
könnte, das Verdichtungsvermögen des Erdreichs infolge 
des niedrigen Feuchtigkeitsgehaltes der Atmosphäre und der 
herrschenden hohen Temperatur bedeutend vermindert ist und 
von dem in der vorhergehenden Periode kondensirten Wasser 
unter letzteren Verhältnissen sogar beträchtliche Mengen 
verloren gehen. 



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434 



Agrar-Meteorologie: 



Nene Utteratnr. 

f . Woeikof. Die Schneedecke, deren Einfluß anf Klima und Wetter 
nnd die Mittel zu ihrer Untersuchung. Meteor. Zeitschrift. 1886. S. 469. 

Der mächtige Einfluß des Vorhandenseins einer Schneedecke auf die Tem- 
peratur der untersten Luftschicht hat sich in neuerer Zeit an einer Reihe von 
Beispielen gezeigt, von denen der Verf. einige herausgreift. Im December 1877 
blieb der östliche Theil des europäischen Rußlands ganz oder fast schneefrei, 
während in der Mitte des Monats ziemlich tiefer Schnee etwa bis zum Meridian 
von Tambof fiel. Trotz der anhaltenden Herrschaft einer Anticyklone mit ruhigem, 
zum Theil heiterem Wetter und Barometerständen bis zu 796 mm im M. - Niv.. 
zeigte jener östliche Theil eine Mitteltemperatur des Monats, die in Kasan nur 
1,2° unter, in Nischnei - Nowgorod sogar 0,8° über dem vieljährigen Mittel lag, 
während sie in Moskau und Rjäsan 3,4° und 4° tiefer als normal war. Nament- 
lich die tiefsten Stände des Monats gingen dort nur bis 18 — 21 °, hier bis 23 bis 
27 0 unter Null herab. Zugleich herrschte in Westsibirien sehr strenge Kälte. Noch 
auffallender war bekanntlich der Gegensatz, der zwischen den Temperaturen der 
gleichen Gegenden Centraieuropas in den Hochdruckgebieten der Winter 1879 80 
und 1881/82 hervortrat, deren ersterer eine dicke, deren letzterer eine sehr un- 
vollkommene Schneedecke zeigte. Der Verf. schreibt diese Unterschiede direkt 
der starken Ausstrahlung und schlechten Wärmeleitung zu, welche eine Schnee- 
decke besitzt, besonders so lange sie dick, locker und gleichförmig ist. 

Weiter untersucht der Verf. die Wirkung der Schneedecke auf die Frühlings- 
temperatur und die Art ihres Aufthauens. Ist die Schneedecke nicht durch vor- 
hergehendes Thauen und Wiedergefrieren zu Eis verwandelt, so ist die direkte 
Wirkung der Sonnenstrahlen gering, da sie dieselben reflektirt und die Luft über 
ihr verhältnißmäßig frei von Wasserdampf, Kohlensäure und Staub ist. Das Thau- 
wetter wird daher, wie die Erfahrung lehrt, durch warme Luftströmungen aus 
sekneefreien Gegenden herbeigeführt, am wirksamsten, wenn diese mit Regen ver- 
bunden sind. So lange noch Schnee liegt, ist eine Erwärmung ruhender Luft 
über 0° sehr erschwert durch den Verbrauch der Wärme zum Schmelzen. 

Das Umgekehrte findet statt beim Eintritt der Fröste. So lange kein Schnee 
am Ort und in der Nachbarschaft liegt, sind die sich einstellenden Fröste von 
keiner Dauer, erst wenn der Boden mit Schnee bedeckt ist, erhalten sie Beständig- 
keit. Wegen der Bewegung der Luft ist aber dafür natürlich nicht der Zustand 
am Orte selbst entscheidend. Der Verf. meint, daß es von großer praktischer 
Bedeutung für ( entralrußland wäre, besonders wegen des Gefrierens der Wasser- 
straßen, im Herbst zu wissen, ob sich in Lappland einerseits und in Nordost- 
rußland andererseits die Schlittenbahn eingestellt hat. Der positive Nachweis 
dafür ist leider durch den Mangel an Daten noch nicht möglich. 

Der Verf. ist geneigt, auch die höheren Temperaturmaxima, durch welche 
sich bei gleichen Wintertemperaturen der Südosten Rußlands gegenüber dem 
Nordosten auszeichnet, auf Rechnung der mangelhaften Schneedecke des ersteren 



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Neue Litteratnr. 



435 



zu setzen; bei den normalen klimatischen Werth c n ist jedoch die Trennung der 
einzelnen Faktoren noch schwieriger als hei den Witterungsanomalien, da hei 
letzteren die Zahl der Kombinationen eine viel gröbere und die Elimination ein- 
zelner Kaktoren daher leichter ist. Beweisender und von großem Interesse sind 
daher seine Bemerkungen über den Einfluß des Schneereichthnms des Winters 
auf die Temperatur der Frühlingsmonate. Der außerordentlich warme April 1848 
folgte auf einen zwar kalten, aber äußerst schneearmen Winter, der extrem 
kalte Mai 1867 auf einen größtenteils wärmeren, aber sehr schneereichen Winter; 
die von der Wolga im Frühjahr abgeführte Wassermenge war so groß, daß die 
Oberflache des kaspischen Meeres um 2 Fuß stieg. Diese Wirkung der Schnee- 
menge macht sich indessen im Nordwesten Rußlands weniger bemerkbar als im 
Innern des Reichs, weil dort die Wirkung der Eismengen auf den Meeren und 
/ahlreichen Seen fast noch mehr in Frage kommt. 

Sehr wichtig sind die Bemerkungen des Verf. über die Wirkung der Schnee- 
decke auf die Vertheilung der Schmelzwässer nach Zeit und Raum. Bei starker 
und gleichmäßiger Schneedecke und langsamer Erwärmung findet das Thauen 
derselben mehr von unten als von oben statt, der Boden sattigt sich mit Wasser 
und erst durch das von den russischen Bauern sogen. «Erdwasser» steigen die 
Flüsse allmählich und nachhaltig; so war es 1883 und 1884, wo die Wolga den 
ganzen Sommer über einen guten Wasserstand für die Schifffahrt behielt; um- 
gekehrt war es 1880 und 1882, obwohl das Hochwasser 1880 hoch war, jedoch 
kurz. Das Hinderniß, welches ein tief gefrorener Boden der Wasseraufnahme 
bietet und das dadurch bedingte rasche Ablaufen der Schmelzwässer hat sogar in 
einer Bauernregel Ausdruck gefunden, wonach auf wenig Schnee hohes Hoch- 
wasser folgt — natürlich nur für kurze Zeit. Auf das langsame Ablaufen ist 
nicht allein die Dicke sondern auch die Gleichförmigkeit der Schneedecke von 
Einfluß, und diese hängt besonders von den Hindernissen für den Wind ab; 
Waldflüsse haben ein späteres Hochwasser als Feldflüsse, solche, die theils durch 
Wald und theils durch Felder fließen, wie die Moskowa, zwei partielle Hoch- 
wasser, die 10 — 15 oder mehr Tage auseinander liegen. 

Nach allem diesem wird man dem Verf. zustimmen, wenn er die große 
theoretische und auch praktische Bedeutung betont, welche Beobachtungen über 
die Schneedecke überhaupt, und besonders in Rußland, besitzen würden, und sein 
.Bedauern ausspricht, daß, obgleich seit 15 Jahren wiederholt die Aufmerksamkeit 
darauf gelenkt worden ist, noch so gut wie nichts für eine systematische Samm- 
lung und Verwerthung solcher Beobachtungen geschieht. Das Anzustrebende wäre 
namentlich die Angabe der augenblicklichen Ausdehnung der Schneedecke auf 
täglichen synoptischen Karten, mit einigen Abstufungen nach ihrer Dicke und 
Gleichförmigkeit. Das eigentliche Terrain für solche Studien ist Rußland und Nord- 
amerika; allein auch aus der Westhälfte Europas lassen sich mindestens werth- 
volle Ergänzungen zu dem Bilde liefern, dessen Hauptzüge wir von jenen Ländern 
zu erwarten haben. 

üf. F. Jordan, Zur Frage nach dem l rsprung der atmosphärischen 
ElektricltÄt. Meteor. Zeitschrift. Bd. II. 18*5. S. 400. 

Verf. veröffentlicht nnter obigem Titel eine kritische Besprechung der neuesten 
Hypothesen über die Entstehung der atmosphärischen Elektriritiit von K. Gerlnnd, 



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486 



Agrar-Meteorologie: 



L. Palmieriy E. Hoppe, L. Sohnke, P. Andrics und E. Holdinghausen, indem er 
seine eigenen Ansichten (Gaea 1885) festhält und weiter begründet. Er führt 
Folgendes aus: 

Zu einer klaren Anschauung über den Ursprung, der atmosphärischen 
Elektricität gelangt man durch Beachtung sämmtlicher systematisch geordneter 
Thatsachen und durch hieraus gefolgerte Schlüsse, die zum Theil empirisch ver- 
bürgt, zum Theil hypothetischer Natur sein werden. Der Versuch im Kleinen 
scheint von untergeordneter Bedeutung zu sein, weil das Experiment nicht ohne 
Weiteres dazu dienen kaun, das Gefundene auf die großartigen Erscheinungen in 
der Natur zu übertragen, denn hier können die bedeutendsten Wirkungen aus 
im Einzelnen unmerklichen, aber im großen Umfange und langer Aufeinander- 
folge sich abspielenden Vorgängen aufgebaut werden. 

In allen Arbeiten der genannten Verfasser findet sich im Ganzen eine Hin- 
neigung zu der Annahme, daß die Quelle der atmosphärischen Elektricität in 
Reibungsprocessen irgend welcher Art zu suchen sei. 

Nach Gerland und Palmieri bleibt es unentschieden, ob die Kondensation 
des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes oder die Reibung des letzteren an 
der Luft im Augenblick seiner Entstehung, oder die Reibung der durch Ver- 
dichtung gebildeten Wassertropfen beim Herabfallen durch die Luft als Elektricitäts- 
quelle aufzufassen sei. 

Dieser Standpunkt muß als ein einseitiger aufgefaßt werden, denn die 
Elektricität, welche wir an vulkanischer Asche oder an aufgewirbeltem Wüsten- 
staub beobachten, findet dadurch keine Erklärung und ebensowenig der Einfluß 
von Rauch und Staub auf den elektrischen Zustand der Atmosphäre. In der 
Kondensation des Wasserdampfes können wir um so weniger die Quelle der 
atmosphärischen Elektricität suchen, als für diese Annahme keinerlei bestätigende 
Versuche im Kleinen angestellt werden können, während das für die Hypothesen, 
die aus der Annahme von Reibung entwickelt sind, wenigstens im Allgemeinen 
der Fall ist. 

Hoppe verficht die Ansicht Winkler's, daß die bei der Verdunstung des 
Wassers durch Reiben an den festen Partieen der Erdoberfläche entstehende 
Elektrizität sehr wohl die Luftelektricität bilden könne. Die Wolkenelektricität 
läßt er durch Reibung entstehen, welche (bei den lokalen Gewittern) der auf- 
steigende Luftstrom an seiner Begrenzung erfährt, oder welche (bei den Depressions- 
oder Wirbelgewittern) vor sich geht, wenn ein warmer feuchter und ein kalter 
Luftstrom an einander hinstreichen. 

Dagegen ist vor Allem einzuwenden, daß man für den Fall einer bestimmten 
Annahme über jene die Gewitterelektricität erzeugende Reibung nicht in die 
Nothlage versetzt wird, die Entstehung der Luftelektricität in einem andern von 
jenem scharf geschiedenen Reibungsvorgang zu machen. Ferner ist zu bedenken, 
in welch' beschränkten Grenzen der Reibungsvorgang der aufsteigenden Dämpfe 
gegen die feste Erdkruste eingeschlossen bleibt; kann er doch nur eintreten am 
Ufer der Gewässer und an Gebirgsrändern, oder wenn ein mit Wasserdämpfen 
reichlich versehener Wind über die Erdoberfläche hinzieht. 

P. Andries betrachtet als Elektricitätsquelle die Reibung der in der Atmosphäre 
enthaltenen Wasserkügelchen an der feuchten Luft. Nach seiner Ansicht wäre 



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437 



der Wasserdampf positiv, ein solches Wasserkügelchen negativ elektrisch; die 
meisten Wolken nnd wässrigen Niederschläge hätten — E aufzuweisen, was der 
Beobachtung widerspricht, denn es ist ein allgemein gültiger Satz, daß das Auf- 
treten der + E an das atmosphärische Wasser geknüpft ist und sich um so stärker 
zeigt, je größer die Menge desselben wird. 

Sohncke erblickt die Quelle der atmosphärischen Elektricität ebenfalls in 
einem Reibungsproceß ; aber nach ihm soll es das flüssige atmosphärische Wasser 
sein, welches an dem in den höheren Luftgebieten befindlichen Eise diese Reibung 
vollführt. Auch diese Art der Reibung ist eine beschränktere als die fortwährend, 
überall und an jedem Wasserdampftheilchen gegen die Luft vor sich gehende. 
Sie erfolgt nur an den Seiten von Eis und Wasser führenden Luftströmen. Ferner 
müßte dann stets vor Eintritt eines Gewitters das Vorhandensein eines mächtigeren, 
mit Eistheilchen beladenen Luftstromes oder ebenso beschaffenen, mehr oder 
minder ruhenden Luftgebietes festzustellen sein. Außerdem spricht gegen frag- 
liche Hypothese der Umstand, daß die Luftelektricität wie die Elektricität der 
Wolken bei weitem überwiegend positiv ist; nach den Versuchen Sohnclt?* über 
die Art der Elektricität, welche bei der Reibung von Wasser und Eis sich bildet, 
wird aber das Eis + elektrisch, das Wasser —elektrisch. Daß trotzdem die Luft 
meist -f elektrisch ist, sucht Sohncke allerdings zu erklären, muß aber hierbei 
Zuflucht zu anderen Annahmen nehmen. 

Die eigene Ansicht des Verf. geht dahin, daß die Theilchen des atmo- 
sphärischen Wassers diejenigen Körper sind, welche auf ihrer mannigfaltigen 
Wanderung durch Reibung an den verschiedenen Stoffen Elektricität anhäufen, 
so daß es durchaus zugegeben werden kann, daß die Reibung an der festen Erd- 
oberfläche zu der Erzeugung dieser Elektricität mit beiträgt, ja sogar, daß sie 
bei gewissen Vorgängen, welchen (wie den vulkanischen Gewittern) eine Ausnahme- 
stellung zukommt, den hauptsächlichsten Antheil an der Erzeugung der dabei in 
Frage kommenden Elektricität hat. Aber im Allgemeinen und Großen ist es doch 
das atmosphärische Wasser, das mit der Luft in Reibung verwickelt, positiv 
elektrisch wird und die atmosphärische Luft negativ elektrisch macht. In diesen 
Reibungsvorgangen der Wassertheilchen gegen die Luft müssen wir die haupt- 
sächlichste und allgemeinste Quelle der atmosphärischen Elektricität erblicken. , 

Die Zuverlässigkeit dieser Hypothese soll in einem Falle geprüft werden, 
der allerdings noch der genauesten Untersuchung bedarf. — Gewöhnlich überwiegt 
bei heiterem Himmel die positive atmosphärische Elektricität beträchtlich; in 
einzelnen Fällen wird aber auch — E beobachtet, und dann tritt sie bei klarem 
Wetter viel stärker auf als die gewöhnlich beobachtete + E. Nach Pälmicri 
haftet diese — E nicht der Luft an, sondern ist Influenzelektricität, welche auf- 
tritt, wenn in einem engeren oder weiteren Umkreis ein starker Niederschlag vor- 
gekommen ist. 

Das Erzwungene und Unwahrscheinliche dieser Erklärung liegt offen zu 
Tage. Natürlicher ist es doch anzunehmen, daß die Luft selbst durch Reibung 
mit den aufsteigenden Wassertheilchen negativ elektrisch wird; als Isolator kann 
sie diese — E den Beobachtungsinstrumenten nicht mittheilen, während dies das 
atmosphärische Wasser wohl vermag. Daher wird sich die +E des letzteren 
sehr wohl bemerkbar machen, wenngleich abgeschwächt durch die — £ der Luft, 



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438 



Agrar-Meteorologie : 



da die Wassertheilchen mit derselben in Berührung sind und trotz aller weiteren 
Reibung von ihrer Elektricitätsmenge durch Ausgleich einbüßen. Wenn aber 
einmal eine Elektricitätsentwickelung durch die nach der Verdunstung aufsteigen- 
den Wassertheilchen stattgefunden hat, und nun eine schnelle Verdichtung des 
\Vasserdatnpfe8 und Weiterführung desselben durch einen höheren Luftstrom ein- 
tritt, dann wird die isolirt zurückgebliebene Luft mit — E geladen sein und die- 
selbe, sobald von Neuem ein wenig Wasserdampf in sie eindringt, den Apparaten 
sich mittheilen. 

Im Sommer, wo die Wasserverdunstung und damit die Bewegung der Wasser- 
theilchen durch die Luft eine gesteigerte ist, wird die Menge der — E größer 
sein als im Winter, und wird sich, ohne weitere beträchtliche Minderung durch 
die entgegengesetzte Elektricitat zu erfahren, im Durchschnitt viel starker be- 
merklich machen als die +E. Aber diese negative atmosphärische Elektricitat 
wird seltener auftreten als die + E, entsprechend dem selteneren Zusammentreffen 
aller ihrer Existenzbedingungen, und diese sind : schnelle Verdichtung des Waaser- 
dampfes, Fortführung der gebildeten Tropfen und Eindringen einer geringen 
Menge Wassers in das betreffende Luftgebiet. Ein solcher Zustand herrscht bei- 
spielsweise, wenn ein kälterer, verhältnismäßig trockener Wiud dieses Luft- 
gebiet trifft. 

./. Elster und H. Geitel. Ueber den elektrischen Vorgang in den 

Gewitterwolken. Annalen der Hydrographie. Jahrg. XIII. 1885. S. 125 u. 187. — 
Der Naturforscher. 1885. Nr. 25. S 233. 

Die ungemeine Empändlichkeit sich auflösender Flüssigkeitsstrablen, wie 
überhaupt aller in einem Luftstrome suspendirter, fester und flüssiger Partikelchen 
gegen elektrische Influenz führte die Verff. dahin, Iufluonzwirkungen analoger 
Art auch bei den Vorgängen anzunehmen, welche sich innerhalb einer Gewitter- 
wolke abspielen. Das Princip dieser Auffassung wird sich am besten aus nach- 
stehendem, leicht ausführbaren Versuch ersehen lassen. 

Ein beiderseits offenes, cylindrisches Metallrohr A ist an einem isolirenden 
Halter in vertikaler Kichtung frei schwebend befestigt. In dasselbe kann von 
oben an einem isolirenden Handgriffe ein kleines, ebenfalls cylindrisches Metall- 
gefäß B hineingeschoben werden, das unten verschlossen und mit einer engen 
Ausflußröhre versehen ist. Wird nun der Röhre A eine kleine elektrische Ladung 
+ E mitgetheilt, während das mit Wasser gefüllte Gefäß B isolirt vertikal darüber 
gehalten wird, so werden die Wassertropfen, negativ elektrisch, während sie durch 
die Köhre A fallen, ohne mit ihr in Berührung zu kommen. Dadurch wird B 
positiv, und zwar sehr schnell und zu einer Spannung, welche der von A nicht 
viel nachsteht. Senkt man nun B schnell in A und läßt B einen Augenblick die 
Innenwand von A berühren, so geht die Elektricitat von B vollständig auf A 
über. Zieht man B in seine ursprüngliche Lage zurück, so kann man diese 
Operation so oft wiederholen, bis A die Maximalgrenze seiner Ladung erhalten 
hat. Naoh 40 maliger Oscillation des Gefäßes B konnte der Röhre A ein Funken 
entzogen werden. 

Den Vorgang in einer Gewitterwolke kann man sich analog vorstellen. Man 
denke sich der unteren Schicht derselben an einer Stelle eine gewisse Ladung 
+ E mitgetheilt. So lange die Wolke nicht regnet, wird diese Elektricitat 



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439 



nahezu an derselben Stelle verharren oder sich langsam mit abnehmender Spannung 
über die ganze Wolke verbreiten, je uach dem Grade der Leitungsfähigkeit der 
Dunstmasse. Anderes dagegen tritt ein, sobald die Wolke zu regnen beginnt, wobei 
wohl mit Recht vorauszusetzen ist, daß die Tropfenbildung in den kalten, d. h. in 
den höheren Schichten eintreten muß. Soweit die Wolke regnet, wird sie positive 
Elektricität annehmen und zwar wenn die Regenbildung in nicht zu großer Höhe 
über der elektrischen Schicht beginnt, von nicht viel geringerer Spannung, als 
die der letzteren beträgt. Die negativ elektrisirten Tropfen fallen durch die untere 
influencirende Schicht auf die Erde herab. 

Nun aber muß, wie schon öfters hervorgehoben worden ist, die mit der 
Regenbildung verbundene Oberfläcbenkontraktion eine Steigerung der Spannung 
hervorbringen. Indem die ganze vorher positiv influencirte Wolkenmasse sich 
zusammenballt, und die einzelnen Dunsttheilchen zu größeren Tröpfchen zusammen- 
fließen, wird die Elektricitat mit wachsender Spannung auf einen kleineren Raum 
beschränkt und muß auf die unterdessen neu entstandenen Wolkenmassen von 
Neuem, aber kräftiger influencirend wirken. Sobald auch in diesen «die Regen- 
bildung beginnt, wiederholt sich derselbe Vorgang; durch weiteres Zusammen- 
ballen der Wolken tritt eine neue Spannungserhöhung ein. Man kann sich sehr 
wohl vorstellen, daß auf diese Weise die elektrische Spannung einer regnenden 
Wolke bis zur Blitzentladung gesteigert werden kann. 

In dem vorher beschriebenen Versuche soll das Gefäß A die untere, influen- 
cirende Wolkenschicht, B die oberen regnenden Theile derselben darstellen. Die 
Oberflächenkontraktion wird, wenn auch dem Vorgange in der Gewitterwolke wenig 
entsprechend, durch das Hineinführen des Gefäßes B in A wiedergegeben. 

Die Frage, woher die ursprüngliche Eigenelektricität der unteren Wolken- 
schicht stammt, wird nicht so leicht zu entscheiden sein. Jedenfalls reicht schon 
eine sehr geringe Spannung hin, um bei hinreichend kräftigem Regenfall binnen 
kurzer Zeit bis zu dem größten Betrage gesteigert zu werden. Vielleicht ist es 
die gewöhnliche Luftelektricität, die, auf die Wolken übergehend, an irgend einer 
Stelle eine lokale, größere Ladung hervorbringt. Ohne von Regenfall unterstützt 
zu werden, würde aber die stärkste Ladung nicht von Dauer sein können. Dit> 
Kondensation des Wasserdampfes an sich als Elektricitätsquclle anzusehen, scheint 
mißlich, da man nicht recht einsieht, in welcher Weise die Scheidung der Elek- 
tricitäten bei diesem Vorgange eintreten kann. Auch Reibungsvorgänge können 
wohl nur zur Erkläruug der Anfangsladung herangezogen werden; um so un- 
geheure Elektricitätsentwickelungen, wie sie hier in der Natur statttinden, zu ver- 
anlassen, dürften sie doch nicht ausreichen. Uebrigens könnte man dabei wohl 
nur an eine Reibung feinen Wasserdunstes an größeren Tropfen- resp. Eiskörnern 
denken. Daß der Unterschied der kapillaren Oberflächenspannung dieser kleinsten 
und größten Wassertropfen bei der Reibung eine Scheidung der Elektricitäten zu 
Wege bringt, ist an sich nicht unwahrscheinlich, jedenfalls ist eine derartige Er- 
regung mit Sicherheit noch nicht konstatirt. Gesetzt aber auch, sie sei vorhanden, 
dann ist die bei dieser Reibung verlorene, lebendige Kraft nicht hinreichend, das 
mechanische Aequivalent für die Entstehung auch nur eines Blitzes zu geben. 

Man könnte gegen die hier entwickelte Ansicht einwenden, daß die Volumen- 
kontraktion einer Wolke im Wesentlichen in dem Zusammenfließen der Dunst- 



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Agrar-Metcorologie: 



theilchen zu größeren Tropfen besteht, daß also auf den letzteren sich die Elek- 
tricität anhäufen und schließlich bei ihrem Herabfallen auch mit weggeführt werden 
muß. Dies ist auch unstreitig theilweise der Fall. Man bedenke aber, daß eine 
gewisse Zeit lang gerade die in der unteren Wolkenschicht sich bildenden Tropfen 
von dem aufsteigenden Luftstrom, dessen Intensität nach oben abnehmen muß, 
getragen werden, während die von der oberen kommenden Tropfen schon ohnehin 
mit größerer Geschwindigkeit in die untere Wolkenschicht gelangen und in Folge 
dessen leichter den Widerstand der aufsteigenden Luft überwinden. Ein Theil 
der Ladung geht auf diese Weise ohne Frage verloren, aber um so weniger, je 
kräftiger der aufsteigende Luftstrom ist. Außerdem findet ja durch die unaus- 
gesetzte Verdichtung ein fortwährender Ersatz statt. 

Bei feinem Staubregen, der sofort nach seiner Bildung zur Erde fällt, werden 
sehr starke Entladungen kaum zu erwarten sein. Jedenfalls kommt sehr viel auf 
die Schnelligkeit der Wolken - und Regenbildung an. Der einer Wolke entfallende 
Regen muß also die entgegengesetzte Elektricität der Wolke zeigen und kann 
natürlich auf eine zweite Wolke, die er durchsetzt und die ebenfalls regnet, in- 
fluencirend einwirken. Im Uebrigen wird nach jedem Blitzschlag der Rest der 
Wolkenelektricität bei genügendem Regenfall und der davon untrennbaren Volumen- 
kontraktion bald wieder zum Maximum vermehrt. 

Das Wesentliche der hier entw ickelten Ansicht liegt demnach darin, daß sie die 
Gewitterclektricität als Influenzelektricität, die Gewitterwolke als einen selbstthätigen 
Duplikator auffaßt. Der derselben entströmende Regen spielt die Rolle des 
Wasserstrahls beim Thomson 'sehen Tropfensammlcr, während die Steigerung der 
Spannung durch die immense Volumen - und Oberflächenkontraktion bewirkt wird 

Diese Theorie dürfte vor der bislang aufgestellten folgende Vorzüge besitzen: 

1. «Sie gestattet die Wolke als ein Aggregat diskreter Wassertröpfchen auf- 
zufassen. Eine derselben mitgetheilte elektrische Ladung verbreitet sich daher 
nicht durch Leitung, sondern, sobald die Wolke zu regnen beginnt, von Punkt 
zu Punkt durch Influenz. 

2. Sie bedarf nicht nothwendig der Elektrisirung durch Reibung. Es ist 
zwar nicht ausgeschlossen, daß Reibungsvorgänge die erste Erregung herbeiführen, 
diese werden aber im weiteren Verlauf der Erscheinung bedeutungslos. 

Sollte sich ferner, was nach einer großen Zahl von den Verff. angestellter 
Versuche noch nicht mit Sicherheit zu entscheiden ist, eine Elektricitätserregung 
durch Reibung von Wasserstaub an Wasser oder Eis experimentell nicht nach- 
weisen lassen, so genügt das Vorhandensein der Luftelektricität , um die Er- 
scheinung einzuleiten. 

8. Sie findet das Aequivalent für die zur Bildung der Potentialdiffe- 
renz verbrauchte Arbeit in der lebendigen Kraft der herabfallenden Wasser- 
tropfen.» 

In einer weiteren Mittheilung «über die Elektricitätsentwickelung bei der 
Regenbildung» führen die Verff. die hier kurz geschilderte Vorstellung von der 
Elektricitätsentwickelung durch Influenz in einer regnenden Wolke eingehender 
aus und bringen dieselbe mit den Beobachtungen der Wolkenelektricität durch 
Palmieri in Vergleich. Es muß hier wegen dieser zweiten Mittbeilung auf das 
Original verwiesen werden. (Ann. d. Physik. N. F. Bd. XXV. S. 116 u. 121). 



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441 



Einen gewissen Gegensatz zu der eben dargestellten Auffassung von Elek- 
tricität der Gewitterwolken bildet die gleichzeitig mit der vorstehenden publicirte 
Abhandlung von P. Andriat «Ueber Gewitter- und Hagelbildung». Von der Er- 
fahrung ausgehend, daß Gewitter und Hagelwetter stets von heftigen Wirbeln 
begleitet sind, nimmt er die letzteren, die er, im Anschluß an Faye, als von den 
oberen Regionen in die Tiefe sich niedersenkend ansieht, als die Ursache der 
Hagel- und Gewitterbildung an. Speciell in Betreff der Quelle der Gewitter- 
elektricität schließt sich Andries den Ansichten an, welche Luvini und Liebenote 
veröffentlicht haben. Er geht wie Letzterer in seiner Darstellung von der Arm- 
strong' sehen Dampfelektrisirmaschine aus und kommt auch für die Art und die 
Vertheilung der Elektricität in der Gewitterwolke zu ganz denselben Schlüssen 
wie Liebenow. Er unterscheidet sich in seinen Deduktionen von letzterem aber 
darin, daß er die mechanische Kraft, welche absolut noth wendig sei, um jene 
energische Reibung hervorzurufen, wie sie in der hydroelektrischen Maschine 
stattfindet, in den Wirbelbewegungen. bei Gewittern rindet. «Ohne diese Wirbel- 
bewegung würden die elektrischen Erscheinungen bei Gewittern nicht intensiver 
sein als überhaupt bei rascher Nebel-, Wolken- und Regenbildung; man würde 
höchstens eine Art Wetterleuchten wahrnehmen können.» 

Wie die Wirbelbewegung durch Reibung der Wassertropfeu an der feuchten 
Luft Elektricität erzeugt, so veranlaßt sie nach Andries auch die Hagelbildung. 
Die durch die elektrische Ladung beschleunigte Verdampfung und die durch 
Wirbelbewegung erzeugte Abkühlung an der Oberfläche der kondensirten Wasser- 
tropfen reicht aus, um die Tropfen zum Erstarren zu bringen und beseitigt die 
Hauptschwierigkeit in der Bildungsweise des Hagels. 

H. Fellat. Ueber die Ursachen der elektrischen Ladung der Ge- 
witterwolken. Journ. de Phys. Jan. 1885. III. Ser. Bd. IV. S. 15 — 25. — 
Zeitschrift d. österr. Ges. f. Met. 1885. Mai. 

Es darf wohl zur Zeit als Thatsache angesehen werden, daß bei heiterem 
Himmel die Erde eine negativ elektrische Ladung von geringer Dichte hat, selten 
bei bewölktem Himmel eine positive Ladung von noch geringerer Dichte. Aber 
auch im letztereu Fall wird die positive Ladung nur über eine geringe Oberfläche 
ausgedehnt sein, die Gesammtoberfläche der Erde stets einen Ueberscbuß von 
negativer Elektricität besitzen. Auch die Luftschichten nahe am Boden können 
negativ elektrisch sein, z. B. durch Uebertragung der — E eines Nebels, der die* 
selbe durch gute elektrische Verbindung mit dem Erdboden erhalten hat und 
nachher in etwas höheren Schichten verdunstet ist. .Aus dieser ständigen negativ 
elektrischen Ladung der Erde und etwa auch der unteren Luftschichten, die 
durch niederfallenden negativ elektrischen Regen stets erneuert wird, sollen sich 
die elektrischen Vorgänge der Atmosphäre vollständig erklären lassen. 

Ist die Erde — e, so müssen die oberen Luftschichten mit der Höhe wach- 
sende elektrische Spannung erhalten, wie sich aus der Potentialtheorie ableiten 
läßt und auch ohne Anwendung derselben aus unseren Vorstellungen von den 
Influenzvorgängen hervorgeht. Daß es in der That so ist, zeigen die Beobach- 
tungen. Ein in der Luft befindlicher Konduktor, z. B. eine Wolke muß noth- 
wendig durch Influenz elektrisch werden, und zwar an der Unterseite positiv 
elektrisch, an der Oberseite negativ elektrisch. Die Spannung der Elektricität 
E. Woll&y, Korachungen IX. SO 



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442 



Agrar-Meteorologie: 



wird von der Höhe über dem Boden abhängen und im Allgemeinen gleich sein 
der Spannung, die vorher an der Stelle herrschte, die nachher die Wolke einge- 
nommen hat. Man kann nun aus den Beobachtungen von Thompson und Joule 
entnehmen, daß die Spannung bei Erhebung um ein Meter um eine elektrostatische 
Einheit des C.-G.-S. Systems, d. h. um 1 Volt wächst. Eine auf die vorhin er- 
läuterte Weise durch Influenz elektrisch gewordene Wolke kann durch den Wind 
in eine untere positive und eine obere negative Wolke getrennt worden. In beiden 
Theilen herrscht von der Trennung nahezu gleiche Spannung, gleiches Potential. 
Wenn sie sich vor einander entfernen, entsteht eine Potentialdifferenz, auch ohne 
daß eine Höhenänderung stattfindet. Wenn aber z. B. die obere negative Wolke 
sinkt und die untere positive steigt, so wird die Potentialdifferenz beträchtlich, 
nämlich gleich der Differenz der Potentiale ihrer neuen Lagen ; also ist z. B. bei 
1000 m Höhenänderung der beiden Wolken die Potentialdifferenz 1000 Volts. Igt 
außer der Erde auch noch die untere Luft negativ elektrisch, so wird die Po- 
tentialdifferenz bei einem Meter Erhebung mehr als ein Volt betragen. Durch 
heftige Windstöße können die Theile der fraglichen Wolke noch weiter, als vor- 
hin angenommen, von einander entfernt werden und dadurch Potentialdifferenzen 
von mehreren Tausenden von Volts hervorgebracht werden, ausreichend um kilo- 
meterlange Blitze zu erzeugen. 

Um die Ergebnisse graphisch darzustellen, sind die Potentialdifferenzen als 
Abscissen. die zugehörigen Funkenlängen in Centimetern als Ordinalen aufzu- 
tragen. Die erhaltene Karre steigt sehr schnell an und scheint bei 500 — 600 
Volts Potentialdifferenz eine Asymptote zu haben, d. h. wenn man sich diesem 
Werth nähert, so steigt die Funkenlänge rasch ins Unendliche. Auch unter der 
Annahme, daß kilometerlange Funken erst bei weit mehr als 600 Volts Potential- 
differenz zu erhalten sind, würde die große Länge der Blitze erklärt werden 
können, da nach dem Obigen unter Umständen Potentialdifferenzen von Tausen- 
den von Volts erklärlich werden. Bei so enormen Konduktoren, wie die Wolken 
sie darbieten, ist es auch an und für sich klar, daß die zur Entladung in Form 
von intensiv leuchtenden Blitzen außer großen Potentialdifferenzen nöthige be- 
deutende elektrische Kapacität leicht vorhanden sein kann, da sie von der Grobe 
des Sammelapparats abhängig ist; mindestens kann sie sehr leicht größer werden 
als die unserer mächtigsten Batterien. 

L. I\ilmieri. Neuer Beweis für die Elektrlcitätsentwickelong bei« 
Kondensiren ron Wasserdfyiipfen. II nuovo Cimento. Ser. 3. Tomo XIX. p. 62. 
- Naturw. Rundschau. 18*6. Nr. 25. S. 213. 

Beobachtungen 1 ) der Luftelektricität, die sich jetzt bereits über 25 Jahre 
erstrecken hatten dem Verf. stärkste elektrische Spannungen der Luft beim Auf- 
treten des Regens, Anhalten derselben während seiner Dauer und gleichzeitiges 
Verschwinden beider mit solcher Regelmäßigkeit ergeben, daß er schon früh die 
nächste und unmittelbare Ursache für die atmosphärische Elektricität in der Kon- 
densation der Wasserdämpfe suchte. Bereits 1862 hat er diesen Schluß durch 
das Experiment zu beweisen gesucht; doch blieb dasselbe ohne entscheidenden 



«) Diese Zeitschrift. Bd. VII. 1S84. 8. 262. 



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Neue Litteratur. 



443 



Erfolg auf die Anschauungen der meisten Autoren. Verf. theilt nun ein neues, 
sehr einfaches Experiment als ferneren Beweis dafür mit, daß der Dampf der 
Luft, wenn er durch Temperaturerniedrigung sich zu Wasser kondensirt, positive 
Elektricität entwickelt. 

Er nimmt eine Platinschale von etwa 12 cm Durchmesser, isolirt dieselbe 
vollständig und verbindet sie durch einen Platindraht mit der unteren Platte des 
Elektroskop-Kondensators. Das Goldblatt des Elektroskops bleibt in Ruhe, sowohl 
wenn die Schale leer ist, als auch wenn dieselbe mit Wasser von der Temperatur 
der Umgebung gefüllt ist. Er füllt hierauf die Schale mit festem Schnee, hält 
wie gewöhnlich die obere Platte des Kondensators in Verbindung mit der 
Erde und hebt sie ab; das Goldblatt zeigt nun deutliche positive Elektricitat. 
Der Versuch gelingt noch besser, wenn man gleichzeitig mit dem Abheben 
der oberen Kondensatorplatte die Verbindung der unteren mit der Platinschale 
unterbricht. 

Dieser Versuch ist mehrere Male Ende August und in den ersten Tagen des 
September wiederholt worden, während die Temperatur der Umgebung zwischen 
28o und 240 variirte. 

/>. CoUadon. Ueber den Ursprung der GewltterelcktricitÄt. Comptes 
rendus. 1886. Nr. 15. 16. — Der Naturforscher. 1886. Nr 81. S. 820. 

Am 17. Juli und 6. August beobachtete Verf. in Genf zwei besonders inter- 
essante Gewitter, über die er der französischen Akademie einen Bericht ein- 
reicht, in welchem auch theoretische Betrachtungen • über den muthmaßlichen 
Ursprung der bei Gewittern auftretenden großen Mengen von Elektricitat ent- 
halten sind. 

Das Gewitter vom 17. Juli zeichnete sich einmal durch seine zahlreichen 
Blitze aus (45 — 50 in der Sekunde), dann aber auch dadurch, daß es, mit starkem 
Begen und Hagel verbunden, volle zwei Stunden an derselben Stelle verweilte, 
um alsdann mit ganz geringer Geschwindigkeit theils gegen Südosten, theils gegen 
Osten abzuziehen. In der Zeit, während der es stationär blieb, versendete es also 
eine solche Menge von Blitzen, daß eine ungeheure Eiektricitätsmenge auf einem 
sehr beschränkten Raum zum Ausgleich gelangt sein mußte. 

Palmieri sucht die Erregung der Elektrizität in den Gewitterwolken auf die 
Kondensation des Wasserdampfes zu Regentropfen zurückzuführen, so daß jede 
Regen aussendende Wolke eine Elektricitätsquelle ist; man kann jedoch Versuche 
anstellen, aus welchen zu schließen ist, daß bei der Verdichtung des Wasser- 
dampfes zwar Elektricitat auftritt, aber nicht in nennenswerthem Betrag. 

Im Gegensatz dazu findet Faye die Qnelle der Gewitterelektricität in dem 
Herabsteigen von höheren Luftschichten gegen die Wetterwolken hin und stimmt 
darin im Allgemeinen mit dem Verf. überein, nur schreibt ersterer die Veran- 
lassung des Herabsinkens von sehr hoch über den Wetterwolken liegenden Luft- 
massen einzig und allein den bei Gewittern zu beobachtenden gradlinig verlaufenden 
und wirbelnden Luftströmungen zu. Es ist jedoch wohl bekannt, daß es nicht 
bloß Gewitter mit ausgesprochener Wirbelbewegung giebt, sondern auch mindestens 
ebenso häufig solche, bei welchen die Gewitterwolke längere Zeit über demselben 
Orte verharrt und wo also das Herabsinken höher gelegener Luftmassen nur durch 

80 * 



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444 Agrar-Meteorologie : 



den Platzregen hervorgerufen wird, der somit augenscheinlich die einzige Ursache 
der Erneuerung der elektrischen Spannung und dann und wann auch der Bildung 
von Hagelkörnern ist. 

Luvini glaubt, daß bei derartigen Vorgängen als weiterer Faktor von wesent- 
licher Bedeutung der Reibungsvorgang der feuchten Luft an den Cirruswölkcben 
und den über den Wolken schwebenden Wassertheilchen eintrete. Aber diese 
Elektricitätserregung setzt in erster Linie niedersinkende Luftmassen voraus, dann 
ferner eine sehr lebhafte Bewegung solcher Luftschichten, um die sofortige Ver- 
einigung der durch den Reibungsvorgang getrennten elektrischen Medien zu ver- 
hindern. 

Verf. versucht, zum Theil in Uebereinstimmung mit den Ansichten von 
Talmieri, Faye und Luvini, eine von den Tbatsachen unterstützte genügende 
Erklärung für die starke, oft in unmittelbarer Folge aufgehobene und wiederher- 
gestellte elektrische Spannung der Gewitterwolken zu geben, indem er zunächst 
daran erinnert, daß jede fallende Wassersäule einen derselben folgenden Luftstrom 
verursacht, der bekanntlich dazu benutzt werden kann, Gebläse zu nähren. Bei 
Wasserfällen wird der Kaskadenwind zuweilen orkanartig. In derselben Weise 
verursacht jeder Regenguß einen niedersteigenden Luftstrom, der dort entsteht, 
wo sich die Regentropfen gebildet haben und da die Einwirkung des Regens auf 
die mitgeführte Luft erst an der Erdoberfläche aufhört, so kann letztere nur am 
Boden seitlich entweichen. In den Regionen, wo die Regentropfen sich bilden, 
entsteht also eine atmosphärische Depression, welche dadurch ausgeglichen werden 
kann, daß entweder Luft von den Seiten oder von oben her zuströmt. Im ersten 
Fall kann die Regenwolke keine große Ausdehnung haben; breitet sie sich 
jedoch sehr weit aus, so ist eine Ausfüllung der Depression im Innern des Regen- 
gebietes nur von oben möglich: es senken sich Luftmassen auf die Gewitter- 
wolken herab. 

Wenn die regnenden Wolken sehr dicht sind und in großer Höhe schweben, 
wie dies im Sommer gewöhnlich der Fall ist, so führen die durch den Regen von 
oben herab gesaugten Luftmassen beständig positive Elektricität, Eisnadeln und 
Wasserkügelchen im Zustand der Ueberkaltung mit sich. Das Geraenge von Eis- 
nadeln und Wassertheilchen, deren Temperatur unter Null Grad liegt, wird mehr 
als ausreichend sein, um die infolge vermehrter Dichte der herabsinkenden Luft 
auftretende Erwärmung zu kompeusiren, und daher kann die mittlere Temperatur 
der Gewitterwolken beträchtlich unter den Gefrierpunkt sinken. 

In allen Fällen, wo eine Wirbelbewegung nicht nachgewiesen werden kann, 
genügen diese theoretischen Betrachtungen, um auf einfache und natürliche Weise 
zwei meteorologische Erscheinungen zu erklären, deren Ursachen man schou lange 
nachgeforscht hat, nämlich I. die rasche Erneuerung der elektrischen Spannung 
in den meisten Gewitterwolken, welche trotz des beständigen Ausgleichs ihrer 
Elektricität gegen diejenige der Erde stattfindet, sei es, daß dieser Austausch durch 
Blitzschläge geschieht, oder unsichtbar vermittelt wird durch die mit Feuchtigkeit 
gesättigten unteren Luftschichten, und 2. die Bildung von Graupeln und Hagel- 
körnern, welche besonders auf die Monate Juli und August fällt, wo die Gewitter- 
wolken bei sehr großer Dichte eine Höhe bis zu 3000 m, ja sogar bis 5000 m erreichen. 
Uebcr die Art und Weise der Verbreitung der elektrischen Spannung auf 



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Neue Litteratur. 



der Grenzfläche und im Inneren der Wolken weiß man sehr wenig, und es ist 
wahrscheinlich, daß dieselbe je nach dem Grad ihrer Dichte und der Art 
ihres Aufbaues zwischen weiten Grenzen schwankt. Gewiß ist jedoch, daß die 
schwersten Gewitterwolken als wirkliche Konduktoren betrachtet werden können, 
obgleich sie aus Millionen kleiner, einzeln elektrisirter Centren bestehen, die aber 
in einem gewissen Moment gleichzeitig fast ihre ganze elektrische Spannung verlieren. 

Manchmal ist es leicht, die Beobachtung zu machen, daß schwere Gewitter- 
wolken sich nicht in ihrer ganzen Ausdehnung momentan elektrisch entladen, 
sondern man bemerkt statt eines einzigen Blitzes eine rasche Folge von Einzel- 
blitzen, die eine Art elektrisches Stakkato bilden. 

In den meisten Lehrbüchern der Meteorologie findet sich die Bemerkung von 
\\'h-iit>tnnr aufgeführt, daß die Dauer eines Blitzes ein Tausendstel einer Sekunde 
nie überschreite. Nach den Beobachtungen von Dufnur in Lausaune ist aber bei 
Gelegenheit von heftigen Gewittern die Zahl der Blitze durchaus nicht selten, 
welche eine meßbare Zeit dauern, die weit größer ist als die Dauer des Funkens 
einer Leydener Flasche. 

In den Jahren 1883 und 1885 sind von Hüntel in Reichenberg (Böhmen) 
Blitze photographirt worden, und solche Photographien lassen Einzelheiten er- 
kennen, deren Auffindung der unmittelbaren Beobachtung nie gelungen wäre. 
Es zeigen nämlich einzelne Blitze einen zur Erde gerichteten Ilauptast, mit welchem 
aus den verschiedensten Theilen einer Wolke Seitenäste sich vereinigen, so daß 
man einen solchen Blitz mit dem System eines Stromes und seiner Nebenflüsse 
vergleichen kanu. 

Die Beobachtung vom G. August 1885 bezieht sich gleichfalls auf ein Gewitter, 
das in der Nacht stundenlang über dem Genfer See und seinen Umgebungen ver- 
weilte. Eine lange schwarze Wolke war auf beiden Seiten mit einem stark 
leuchtenden Bande von Cirrusstreifen besetzt; zugleich war der im Bereich des 
Gewitters sich befindende Mont Saleve von einem lebhaft phosphorescirenden 
Schein übergössen; wegen der großen Entfernung vermochte der Beobachter nicht 
zu unterscheiden, ob die Erscheinung nur den Wolken angehörte, oder ob sie als 
Elmsfeuer die bewaldeten Hänge der Saleve sichtbar machte. 

An demselben Abend beobachtete F. Gartside südlich von Liverpool (1000 km 
von Genf entfernt) eine großartige Entwickelung der atmosphärischen Elektricität. 
Mächtige Wogen von Elektricität schienen sich während des Gewitters von der 
Erde zu den Wolken zu erheben und bedeckten die Spitze eines Hügels mit 
glänzendem Licht. 

Nach den von Bilhriller in Zürich entworfenen Karten vollzog sich von dem 
5. auf den 6. August 1885 ein Umschwung in dem atmosphärischen Gleichgewicht 
über Westeuropa. Der hohe Druck, welcher seit dem 20. Juli Großbritannien 
nicht verlassen hatte, war plötzlich warmen und sehr feuchten Südwestwinden 
gewichen. 

H. WÜd. Einfluß der Qualität und Aufstellung auf die Angaben der 
Regenmesser. Repertorium für Meteorologie. Bd. IX. Nr. 9. 

Bei Gelegenheit seiner Arbeit über die Regenverhältnisse im russischen 
Reich schien es dem Verf. räthlich, als Vorbereitung dazu eine Untersuchung 
über den Einfluß, welchen verschiedene Umstände auf die Angaben der Regen - 



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446 



Agrar-Meteorologie: 



messer ausüben, anzustellen. Offenbar muß nämlich bei der Beurtheilung der 
Güte und Vergleichbarkeit der Niederschlagsbeobachtungen an verschiedenen 
Orten auch dieser Umstand mit in Betracht gezogen werden, wenn man nicht 
riskiren will, beträchtliche Fehler zu begehen. 

1. Einfluß der Form und Qualität der Regenmesser. Die 4« «jährigen 
vergleichenden Versuche in Castle House, Calne 1 ) haben für die verhältnismäßigen 
Angaben gleich hoher runder und quadratischer Regenmesser Folgendes er- 
geben: 

Durchmesser der Kreisfläche. Seite des Quadrates. 

5" 8" 12" ' 24" 5" 10* 

99,6 103,6 100,0 100,0 97,1 98,3. 

Zweijährige Experimente in Strathfield Turgiss») führten zu folgenden 
Resultaten : 

Durchmesser der Kreisfläche. Seite des Quadrates. 

8' 12* 5* 10" 

99,1 100,0 97,5 93,9. 

Vergleichende Beobachtungen, welche in dieser Richtung im Jahre 1872 und 
1873 vom Verf. in Petersburg auf einem freien Platze mit einem runden Regen- 
messer mit 500 qcm Oberfläche und einem quadratischen mit 1115 qcm Oberfläche 
angestellt wurden, haben folgende Resultate ergeben: 

Regenmesser in 1 m Höhe über dem Boden. 
1872. 1873. 1872 u. 1873. 





Rund. 


Quadrat. 


Rund. 


Quadrat. 


Rund 


Quadrat. Verhaltniß. 












min 






Januar 


42,9 

28,0 


41,3 


45,5 


59,7 


88,4 


101,0 


1,142 


Februar 


28,1 . 


19,8 


16,2 


47,8 


44,3 


0,927 


März 


15,0 


16,4 


17,2 


10,2 


32,2 


26,6 


0,826 


April 


15,4 


19,2 


26,8 


28,5 


42,2 


47,7 


1,130 


Mai 


43,4 


"49,7 


102,7 


105,2 


146,1 


154,9 


1,060 


Juni 


80,5 


36,2 


77,5 


67,6 


108,0 


103,8 


0,961 


Juli 


38,4 


42,0 


29,9 


22,9 


68,3 


64,9 


0,950 


August 


82,2 


84,7 


109,2 


111,9 


191,4 


196,6 


1,027 


September 


92,2 


102,7 


28,2 


31,4 


120,4 


134,1 


1,114 


Oktober 


16,3 


19,0 


57,2 


67,9 


73,5 


86,9 
85,6 


1,182 


November 


40,5 


50,2 


36,3 


35,4 


76,8 


1,115 


December 


48,0 


49,8 


50.« 


50,5 


98,8 


100,3 


1,015 


Summe 


429,8 


539,3 


601,3 


607,4 


1093,9 


1146,7 


1,04*. 



Hiernach zeigt der quadratische (und zugleich doppelt so große) Regenmesser 
im Jahr nahe 4°; 0 mehr Niederschlag als der runde, und überdies ist das Ver- 
hältniß ein sehr schwankendes :±9°/o). Auch bei den englischen Beobachtungen 
schwankt das Verhältniß sehr, z. B. zwischen 0,82 und 1,01 für den quadratischen 
Regenmesser von 5 Zoll Seite in Calne; doch gaben dort in der Jahressumme 
die quadratischen Instrumente 2 — 6° o weniger Niederschlag als die runden. 

>) Report of the British Association for 1869. p. 388. 
») 8ymon'fl British Rainfall. 1868. p. 30 u. 1869. p. »3. 



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Neue Litteratur. 



447 



Da die runden Regenmesser untereinander viel besser stimmen, so ergiebt 
sich aus dem Vorstehenden jedenfalls das Eine mit Sicherheit, daß es der Ver- 
gleichbarkeit der Resultate halber besser ist, nur eine Form der Regenmesser 
und zwar die runde zu benutzen. 

Ein weiterer Versuch mit zwei gleichen und gleich hoch placirten Regen- 
messern aus Zink, von welchen der eine außen schwarz, der andere weiß ange- 
strichen war, zeigte, daß auch die Farbe — als die Strahlung und damit Er- 
wärmung moditicirend — keinen erheblichen Einfluß auf die Resultate hat. 

2. Eijifluß der Größe der Regenmesser» Aus den 4 1 /« jährigen Be- 
obachtungen in Castle House, Calne und den fast zweijährigen Vergleichungen in 
Strathfield Turgiss ergiebt sich im Jahresmittel folgendes Verhältniß der Angaben 
runder Regenmesser von 1 24 Zoll Durchmesser, die mit ihren Üeffnungen je 
1 Fuß hoch üher dem Hoden aufgestellt waren: 

Durchmesser: 1" 2" 4" 5" 6" 8" 12" 24" 
Calne 91,4 95,6 99,7 99,6 102,6 103,6 100,0 100,0 

Turgiss 96,1 97,8 100,2 97,8 100,9 99,1 100,0 101,3. 

Hiernach können die Ergebnisse runder Regenmesser, deren Durchmesser von 

4 bis 24 Zoll variiren, im Durchschnitt bis auf z 1 u 0 als identisch betrachtet 

werden. 

Dieses Resultat wird bis zu Regenmessern von 112,8 cm Durchmesser durch 
die Versuche des Verf. bestätigt: 

Oberfläche des Niederscblagssummen von 1872 — 1876. 

Regenmessers. Mai Juni Juli August September Oktober 

500 qcm 136,3 165,6 248,6 432,1 263,8 109,0 

1000O i 139,7 171,3 246,9 432,3 268,9 115,2. 

Die freilich bloß einjährigen Beobachtungen von Eastman in Washington 
an Regenmessern von 1 — 6 Zoll Durchmesser scheinen die obige Grenze der 
Sicherheit von + l p /o sogar bis 2,5 Zoll herunter auszudehnen. Wenn man in- 
dessen bedenkt, daß selbst bei einem Durchmesser von 4 Zoll oder einer Ober- 
fläche von 81 qcm eine Regenhöhe von 0,1 mm nur 0,* cem aufgefangenes 
Wasser im Regenmesser giebt, so wird man Angesichts der unvermeidlichen Ver- 
luste bei den Messungen es nicht gerathen finden, auf den meteorologischen Sta- 
tionen so kleine Regenmesser anzuwenden. 

3. Einfluß der Höhe der Begenmesser über dem Boden, Da 

dieser Faktor von viel beträchtlicherem Einfluß auf die Angaben der Regen- 
messer ist, so sind darüber auch viel mehr Untersuchungen als über die vorigen 
angestellt worden. 

Zu Castle House, Calne sind während 4' ji Jahren (1863— 1867) an 10 in 
verschiedener Hohe über dem Boden aufgestellten, gleich großen Regenmessern 
(8 Zoll Durchmesser' vergleichende Beobachtungen angestellt worden. Da bei 
dem Regenmesser im Niveau des Bodens hie und da ein Einfließen von Regen- 
wasser aus der Umgebung und auch bei dem in 2 Zoll Hohe eiu Hineinspritzen 
beobachtet worden war, so wurde vom Jahre 1865 au noch ein in einer Grube 
stehender Regenmesser, dessen Rand ebenfalls in das Niveau des sie umgebenden 
Bodens zu stehen kam, mitbeobachtet. Es ergaben sich folgende Verhältnilv.ablen: 



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448 



Agrar-Meteorologie: 



\Tnnnt 

1*1 Uli 41 1 


Grube 


Höhe des Standes über dem Erdboden. 


Durchmesser 

| 8 Zoll b Zoll 


0 


























1 0 ' 
v 


0 05 


0,15 


0,30 


0,61 


0,91 


1,52 3,05 


6 10 


6,10 


I 




tu 


m 


m 


m 


in 


m 


m 


in 


m 


m 


Januar 


1,000 


1,070 


1,000 


940 


885 


875 


865 


835 


810 


: 

810 ! 


785 


Februar 


i 1,000 


1,085 


1,000 


955 


915 


915 


900 


860 


840 


825 


810 


März 


1,000 
1,000 


1,115 


1,030 


980 


940 


925 


905 


890 


885 


855 


900 


April 


1,023 


1,003 


973 


960 


953 


947 


927 


920 


1 910 


870 


Mai 


1,000 


1.010 


0,990 


967 


967 


963 


963 


947 


937 


930 


880 


Juni 


1,000 


1,003 


0,993 


980 


980 


980 


980 


967 


957 


950 


913 


Juli 


1,000 


0,997 


0,990 


967 


967 


973 


970 


963 


943 


940 


903 


AUgUSt 




1,000 


0,990 


970 


977 


970 


970 


967 


957 


957 


930 


September 


1,000 


0,995 


0.995 


980 


970 


970 


970 


960 


950 


945 


920 


ijKtoner 


1,UUU 


, 1,000 


0,993 


983 


983 977 


973 


963 


957 


953 


923 


November 


1,000 


1,010 


0,980 


960 


960 


940 


933 


910 


883 


873 


853 


December 


1,000 


1,043 


1,020 

i 


973 


943 


927 


907 


890 

i 


870 


867 


853 


Mittel: 


1,000 

t 


1,025 999 


969 


954 


947 


940 


923 


909 


901 

l 


878 



Diese Beobachtungen zeigen, daß in der That bei den beiden niedrigsten 
Regenmessern in ihren Angaben Fehler durch Hineinspritzen von Wasser ent- 
standen sind, ferner daß bei hochgestellten Regenmessern die kleineren beträcht- 
lich weniger Niederschlag ergeben, endlich daß die von den Regenmessern auf- 
gefangene Regenmenge mit der Erhebung derselben über den Boden anfänglich 
rasch, dann langsamer abnimmt und daß diese Abnahme in den Wintermonaten 
eine viel beträchtlichere als in den Sommermonaten ist. 

In der betreffenden Abhandlung ist nachgewiesen, daß dies der größeren 
Windstärke und wohl auch gelegentlichem Schneefall in den Wintermonaten bei- 
zumessen ist. 

Es war also zu erwarten, daß an Orten mit anderen Windverhältnissen und 
mit häufigem Schneefall die Abnahme der Niederschlagshöhe etwas anders aus- 
fallen werde, weshalb Verf. diese Versuche mit Regenmessern von 25,23 cm Durch- 
messer wiederholte. Der Regenmesser im Bodenniveau wurde in eine entsprechende 
Grube gestellt. Die Versuche dauerten 10 Jahre (1873-1882). Die Monatsmittel 
sind in nachfolgender Tabelle im 10jährigen Durchschnitt zusammengestellt: 

St. Petersburg. 



1 

Höhe der u 
Auf- 5 
Stellung Ii a 

m Ii 


: Februar 


März 


• 
1 

< £ 


IM 

§ 
—> 


3 
•-3 


August 


£ 

C 

o 


1 ■ 

* i 1 

52,5 1 49,8 

45,8 1 36,7 

1 • 


g Jahr. 

E 

M 


0 

1 


37,1 
22,5 


34,0 
19.0 


32,7 
21.0 


25,2 51,9 

20,0 47,2 

I 


54,1 
M, 


83,7 
80,8 


85,6 
82,4 


49,9 
47,3 


41.9 598.4 

25,8 500,4 

ii 



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Neue Litteratur. 



449 



) 

II ': V. n Aar 

Auf- 
Stellung 

m 


Januar 


Februar 


März 


April 


"5 

«-< 


Juni 


• mm 


August 


1 

Septbr. 


' Oktober 


Novembr. 


<d Jahr. 

o 1 


2 


20,3 


17,1 


19,6 


19,4 


46,3 


51,0 


79,9 81.3 


46,8 


44,8 


35,0 


24,1 


485,6 


3 


18,0 


15,0 


18,1 


18,9 


45,8 


49,8 


78,9 


80,6 


46,2 


44,0 


33,0 


22.1 


470,4 


4 


16,6 


14,0 


17,5 


18,5 


45,5 


49,8 


78,2 


80,2 


45,6 


43,1 


32,1 


20,8 


461,9 


s 


15,8 


12,9 


16,5 


18,2 


45,2 


49,5 


77,8 


79,4 


45,2 


42,7 


31,2 


19,5 


453,9 


25 

1 


6,2 


4,8 


6,6 


11,5 


37,4 


43,8 


71,4 


72,1 


39,4 


32,3 


18,1 


8,5 


352,1 



Aus diesen Daten ergiebt sich für St. Petersburg eine im Allgemeinen und 
besonders in den Monaten December, Januar, Februar und März mit fast aus- 
schließlichem Schneefall sehr viel stärkere Abnahme der von den Regenmessern 
angegebenen Niederschlagshöhe mit der Höhe über der Erdoberfläche. In den letzt- 
erwähnten Monaten ist die Abnahme eine nahezu gleiche, so daß man sie ganz 
gut in eine Gruppe zusammenfassen kann, welche das Gesetz der Abnahme bei 
Schneefall darstellen kann. Die Monate April und November einerseits, sowie Mai 
und Oktober andererseits zeigen je wieder eine verwandte Abnahme mit der Höhe; 
erstere können die Jahreszeit mit gemischten Niederschlägen, letztere die mit 
seltenen Schneefällen repräsentiren. Endlich lassen sich die Daten für die Monate 
Juni bis September mit ausschließlich flüssigem Niederschlag auch in Bezug auf 
die Abnahme derselben mit der Höhe wieder ungezwungen in eine Gruppe zu- 
sammenfassen, in welcher diese ihr Minimum aufweist. 

Auch in den Beobachtungen des Verf. stellte sich heraus, daß nicht etwa 
nur der Aggregatzustand des Niederschlages das wesentlich Bedingende für die 
größere oder geringere Abnahme der Regenmesserangaben mit der Höhe ist, 
sondern auch die Geschwindigkeit des Windes dabei eine wichtige Rolle spielt. 
Sowohl bei vorwiegendem Regen als vorwiegendem Schneefall wurde die Abnahme 
der Regenmesserangaben mit der Erhebung über den Boden bei stärkerem Winde 
eine größere. 

Die Abnahme der von den Regenmessern angegebenen Niederschlagsmenge 
mit ihrer Erhebung über dem Boden wird durch das Herauswirbeln der Schnee- 
flocken aus den Apparaten durch den Wind einerseits, so wie durch die Ab- 
lenkung der Regentropfen oder Schneeflocken aus ihrem vertikalen Fall durch 
denselben andererseits erklärt werden können, wenn man bedenkt, daß die Ge- 
schwindigkeit des Windes in den unteren Luftschichten mit der Annäherung an 
den Erdboden rasch abnimmt. 

Die richtige Niederschlagsmenge wird nach dem Mitgetheilten offenbar der 
Grubenregenmesser geben, d. h. ein Regenmesser, dessen Oeffnung sich im 
Niveau des Erdbodens befindet und der durch eine umgebende flache Grube vor 
dem Hineinspritzen von Regen aus der Umgebung und vor dem Hineinwehen von 
Schnee geschützt ist. Kann ein solcher besonders wegen der letzteren Schwierig- 
keit nicht unmittelbar zu den Beobachtungen benutzt werden, so müssen die an 
höher gestellten Regenmessern beobachteten Niederschlagsmengen auf den Erd- 
boden reducirt werden. 



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450 



Agrar-Meteorologie : 



Zu letzterem Zweck zieht Verf. die Beobachtungen von einigen anderen 
Orten mit heran und bildet, ohne Rücksicht auf die Länge der Beobachtungs- 
perioden, einfache Mittelwerthe je für die Orte 9,1 bis 15,4, von 21,3 bis 34,1 
und endlich von 46,0 bis 79,2 m Höhe. Hierbei ergeben sich folgende durch- 
schnittliche Relativzahlen : 



Die mit '-_ bezeichneten beigesetzten Zahlen bedeuten die mittlere Ab- 
weichung der einzelnen Beobachtungsdaten der betreffenden Gruppen von einer 
Kurve, welche nach den vorstehenden mittleren Daten verzeichnet ist. 

Angesichts der beträchtlichen Differenzen, welche die Abnabme der Nieder- 
schlagsmengen mit der Höhe für verschiedene Orte mit differenten Windverhält- 
nissen und verschiedener Natur des Niederschlags zeigt, erscheint es schwierig, 
die Niederschlagsmengen auf die Mengen zu reduciren. Melche überall im Niveau 
des Bodens erhalten worden wären. Diese Schwierigkeit wird noch durch den 
ebenfalls nicht unerheblichen Einfluß vermehrt, welchen die Aufstellung des Regen- 
messers haben kann. 

4, Einfluß der Aufstellung der Regenmesser. Im Hinblick auf 
verschiedene Unregelmäßigkeiten in den Regenmessungen bei verschiedener Höhe, 
welche an verschiedenen Orten beobachtet wurden, sah sich Verf. veranlaßt, den 
Einfluß zu studiren, den die Aufstellung der Regenmesser auf die Beobachtungen 
auszuüben vermag. Er stellte einen Regenmesser in 3 m Abstand von dem Ob- 
servatorium 1,8 m hoch, und einen zweiten in 7,8 m Entfernung von letzterem in 
3,G m Höhe auf. Im Mittel der Jahre 1869 und 1*70 war das Verhältniß der 
jährlichen Niederschlagssnmme am geschützten Regenmesser in 1,8 m Höhe zu der 
vom freien Regenmesser in 3,6 m Höhe wie 1071:1000, wäbrend nach späteren 
Vergleichungen bei freier Exposition die Niederschlagsmengen in diesen beiden 
Höhen im Jahr sich verhalten sollten wie 1048 : 1000. — In einem zweiten Fall 
verhielt sich die Niederschlagshohe eines geschützten zu der eines frei aufgestellten 
Regenmessers, bei 1,8 resp. 1 m Höhe, wie 1062 : 1000, während bei gleich freier 
Lage das Verhältniß 975 zu 1000 sein sollte. Die große Differenz von 9° o spricht 
wieder für den bedeutenden Einfluß der geschützten Aufstellung. 

Um bei freier Aufstellung den störenden Einfluß des Windes durch Heraus- 
wehen insbesondere des Schnees aus dem Regenmesser geringer zu machen, hat 
Verf. in einen Regenmesser von 500 «jem Oberfläche zwei unter 90° sich schnei- 
dende vertikale Scheidewände aus Zinkblech einsetzen lassen, die oben bis zu 
ungefähr 5 cm vom Rande reichen, unten an den Boden anschließen und nur in 
der Mitte etwas ausgenommen sind, um dem Wasser den Abfluß in den unteres 
Theil des Regenmessers zu gestatten. Es stellte sich nun bei den betreffenden Ver- 
gleichungen Folgendes heraus: 



Höhe. 
0 m 



XicderftchlAgsverhälttiiß. 
100 



13 

26 

59 



75+4 
64 + 7 

58 - 6 



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Neue Litteratur. 



451 



St. Petersburg. Regenmesser in 2 m Höhe. 

1877. 1878. 1879. 







Ohne K. 


Mit K. Ohne K. Mit K. 


Ohne K. 


Mit K 


Jahr 




483,4 


493,3 601,5 608,3 


597,2 


605,0 


Okt- 


März 


148,8 


155.7 226,6 232,9 




195,9. 








Regenmesser in 5 m Höhe. 






Jahr 




460,8 


478,6 448,1 462,3 


361,1 


366,6 


Okt.- 


März 


180,7 


199,8 111,7 122,2 


107,0 


112,7. 



Aus dem Vergleich der Jahressummen ergiebt sich, daß im Mittel der 3 Jahre 
der Regenmesser mit Kreuz in 2 m Höhe bloß l,4°'o und der in 5 m Höhe 3,0°,o 
mehr Niederschlag lieferte als der ohne Kreuz. Beschränkt man aber den Ver- 
gleich auf die Monate Okt. — März mit vorwiegendem Schneefall, so findet man, 
daß in dieser Zeit die Regenmesser mit Kreuz in 2 m Höhe 3,5 »/o und der in 5 m 
Höhe gar 8.8 °/o mehr Niederschlag ergab. 

Da indessen der Einfluß des kreuzförmigen Einsatzes in der Jahressumme 
doch nicht so bedeutend erschien als derjenige der geschützten Aufstellung beim 
magnetischen Observatorinm , so ließ Verf. in einer Entfernung von 30 m von 
letzterem noch einen Roggenmesser in 1 m Höhe aufstellen, denselben aber zur 
Erzielung eines ähnlichen Schutzes gegen den Wind wie beim magnetischen Ob- 
servatorium mit einem massiven Bretterzaun von 2,5 m Hohe in nahe gleichem 
Abstand vom Regenmesser in der Mitte umgeben. Es ergab sich: 

1880. 1881. 1882. 

Frei Frei Frei 

Mit Zaun, ohne Kreuz. Mit Zaun, mit Kreuz. Mit Zuun. mit Kreuz. 

Jahr 552,7 507,0 521,9 500,9 400,2 388,8. 

Das Verhältniß beträgt — bei Reduktion des freien Regenmessers in den 
letzteren beiden Jahren auf einen solchen ohne Kreuz — zwischen der vom Regen- 
messer mit Zaun aufgefangenen Regenmenge zu der vom freien Regenmesser 
in derselben Höhe von 1 m über dem Boden angegebenen wie 1065 : 1000. Die 
schützende Wirkung des Zaunes ist also von gleicher Ordnung wie die der Haus- 
nähe. Sie wird wie diejenige des Kreuzes auffallender in den Wintermonaten und 
besonders dann, wenn Schnee bei Frost und heftigem Winde fällt. 

Schließlich hat Verfasser einen Regenmesser mit Schutztrichter nach Xii>her l ) 
von gleicher Größe wie die übrigen (500 qcm) einrichten und zum Vergleich mit 
den anderen in 3 m Hohe über dem Boden aufstellen lassen. Die vergleichenden 
Beobachtungen hatten folgende Daten ergeben: 



1885. 


Regenmesser in 3 m Höhe. 


i m hoch 




Gewühnl. 


Mit Kreuz. 


Mit Kchutztrubter. 


in Zaun. 


Januar 


20,3 


20,2 


28,7 


29,9 


Februar 


88,9 


41,0 


47,9 


43,s 


März 


8,0 


10,1 


12,3 


12,4 


April 


17,5 


18,9 


20,4 


21,1 


Summe 


84,7 


90,2 


109,3 


107,2. 


Der Regenmes>er mit Schutztrichter liefert 


e also in der Jahreszeit mit fast 



ausschließlich festen Niederschlägen auch bei einer Höhe von bloß 3 m über dem 
') Vergl. diese Zeitschrift. Bd. VII. 1&84 . 8. 457. 



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452 



Agrar-Meteorologie: 



Roden noch 29°/ 0 mehr Niederschlag als ein gewöhnlicher und 21°/o mehr als ein 
solcher mit Kreuz, dagegen nur 2°/o mehr als der mit einem Zaun umgebeue. 
Wenn also bloß die höchste Angabe als alleiniges Kriterium der Richtigkeit des 
Instrumentes aufzufassen wäre, so müßte unstreitig der Nipher'achen Konstruktion 
der Vorzug vor allen anderen bekannten gegeben werden. Wie indessen schon 
Börnstein bemerkt hat, tritt bei Schneefall häufig ein Hereinwehen des auf dem 
oberen Rande des Schutztrichters angehäuften Schnees in den Regenmesser selbst 
ein, was also allzugroße Angaben veranlassen kann und daher bis auf Weiteres 
doch noch Zweifel an der Richtigkeit des Instrumentes erwecken kann. 

Vergleicht man die Effekte der verschiedenen erwähnten Einflüsse auf die 
Angaben der Regenmesser, so erkennt man, daß die der Form, Qualität und Größe 
bedeutend hinter dem der Aufstellungsweise und der Höhe des Regenmessers über 
dem Boden zurückstehen und daß für größere Höhen der letztere Einfluß auch 
den der Aufstellungsart übertrifft. Behufs strenger Vergleichbarkeit der Resultate 
von Niederschlagsmessungen an ein und demselben Ort zu verschiedenen Zeiten 
oder gleichzeitigen Beobachtungen an verschiedenen Orten unter Anwendung 
diverser Instrumente und ungleicher Aufstellung derselben sollte man also, da der 
Effekt der letzteren selbst bei mäßigen Höhen leicht mehr als 10°,o betrageu 
kann, suchen, Korrektionen zur Reduktion auf angenähert gleiche Verbältnisse 
anzubringen. In einzelnen Fällen dürfte dies wohl angenähert auf Grundlage der 
mitgetheilten Erfahrungen geschehen können, weitaus in der Mehrzahl der Fälle 
wird man sich aber namentlich in Betreff des Effekts der Aufstellungsart, resp. 
der näheren und ferneren Umgebung so sehr im Ungewissen befinden, daß die 
Anbringung von Korrektionen als eine sehr gewagte erscheinen dürfte. Will man 
also auch nur relative Fehler bis zu 5»/o in den Jahressummen und von 10°;« 
und mehr in den Monatssuramen der Niederschläge von dieser Seite her vermeiden, 
so wird man sich durchaus über eine mehr konforme Höhe und Art und Weise 
der Aufstellung der Regenmesser einigen müssen. K. TT. 

C. Lang und J. Bauer. Verglelchung tob Regenmessern. Beobach- 
tungen d. met. Stat. im Königr. Bayern. VII. Jahrgang. 1885. S. XXX. 

Auf Veranlassung von C. Lang hat J. Bauer in Straubing vergleichende 
Beobachtungen mit dem Regenmesser von G. Ildlmann und W. von Bezold an- 
gestellt. Der Apparat von lhUmann ') besteht aus einem 45 cm hohen cylindrischen 
Gefäß aus Zinkblech, dessen > so qm große Auffangfläche von einem scharfkantig 
abgedrehten und auf dem meteorologischen Institute auf seine Dimensionen genau 
geprüften Messingringe umgrenzt wird, während der flach konisch zulaufende 
Boden in dem durch einen Drücker oder Schlüssel schließbaren Ausflußhahne 
endet. Ein in 15 cm Höhe vom Boden eingesetzter flacher Trichter (doppelter 
Boden) scheidet das eigentliche Auffanggefäß von dem unteren Sammelgefäß, in 
welchem das Wasser gegen Verdunstung möglichst geschützt ist. Bei dem 
v. Bctohl'schen Regenmesser besteht das Auffanggefäß aus einem Gefäß von 
starkem Zinkblech von 30 cm Höhe und 36 cm Durchmesser. Dasselbe ist oben 
und unten mit einem konischen Ansatz versehen. .Der obere Konus ist durch 



») Zeitschrift für Instrumentenkunde. 1886. 8. 8«. 



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Neue Littcratur. 



453 



mehrere Lagen von dickem Zinkblech verstärkt und dann auf der Drehbank ab- 
gedreht. Der Durchmesser der oberen Oeffnung beträgt 25,23 cm, so daß die 
Auffangfläche ! io qm = 500 qcm mißt. 

Soweit die vergleichenden Beobachtungen, vorbehaltlich ihrer kurzen Dauer 
jetzt schon zu einem Urtheile berechtigen, scheint es daß 

1. der Hellmann'sche Regenmesser im Allgemeinen um ca. 5 Procent der Ge- 
sammtsumme weniger Niederschlag mißt als der in Bayern eingeführte, 

2. diese Minderleistung bei geringer Niederschlagsdichtigkeit in größerem Maß- 
stäbe auftritt als bei erheblicher, und 

3. dies am schroffsten ist bei den in fester Form fallenden Niederschlägen. 

K W. 

Jt. Bergmann. Veber die Zuverlässigkeit der Haarhygrometer auf 

den meteorologischen Stationen in Rußland. Repert. f. Meteor. Bd. IX. Nr. 3. 

Aus den Zusammenstellungen des Verf. ergiebt sich vor Allem, daß ein 
Haarhygrometer alle 5 Jahr einer größeren Reparatur zu unterziehen ist, die nicht 
vom Beobachter selbst, sondern nur in einer mech. Werkstatt ausgeführt werden 
kann und ferner, daß es durchschnittlich einmal im Jahr einer kleineren Reparatur, 
hauptsächlich einer Zeigenerstellung ausgesetzt werden muß. 

Bezüglich der Beobachtungen selbst scheinen die Minima der relativen 
Feuchtigkeit unter 30 •/• durchschnittlich zu hoch und die Maxima über 90 °,o zu 
niedrig vom Haarhygrometer augegeben zu werden. E. W. 

Am Baudoin. Des influences nieteorologiques snr 1a coniposition du 
Tin. Ann. agronomiques. T. XII. 1886. Nr. 2. p. 86-88. 

E. Edlund. Sur l'origine de l'electricitl atmosphcrique, da tonnere 
et de l'aarore boreale. Stockholm. P. A. Norsted und Söhne. 1884 oder 1885. 

H, Wild, Nene Versuche Aber die Bestimmung der nähren Luft- 
temperatur. Rep. f. Meteor. Bd. X. Nr. 4. 

H. A. Hazen. Thermometer -Aufstellung. Meteor. Zeitschrift. 1886. 
Heft 8. S. 352. 

A. Woeikof. Die Klimate der Erde. Erster Theil. Jena. 1887. Her- 
mann Costenoble. 



Recension. 

Adolf Mayer. Lehrbuch der Agrikulturchemie in vierzig Vorlesungen 
zum Gebrauch an Universitäten und höheren landwirtschaftlichen Lehranstalten 
sowie zum Selbststudium. In zwei Theilen. Mit Holzschnitten und zwei litho- 
grapbirten Tafeln. Dritte verbesserte Auflage. Heidelberg. 1886. Carl 
Winter's Universitätsbuchhandlung. Preis 18 Mark. 

Der Verf. des vorliegenden wohlbekannten Lehrbuches nimmt unter den 
Vertretern der Agrikulturchemie insofern eine ganz eigenartige, originelle Stellung 
ein, als er, den in den betreffenden Kreisen fast allgemein eingenommenen ein- 
seitigen chemischen Standpunkt verlassend und unbekümmert um die künstlich 
gezogenen Grenzen seiner Wissenschaft, die ermittelten Thatsachen der gesammten 



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Agrar-Meteorologie: Neue Littcratur. 




Naturwissenschaften sowie der einschlägigen Gebiete der Volkswirtschaftslehre 
in logischer Aufeinanderfolge zu einem harmonischen Ganzen vereinigt und dadu 
auf breitester wissenschaftlicher Basis die Grundsätze ableitet, welche bei eint 
möglichst erfolgreichen Thätigkeit in der Pflanzenproduktion zu berücksich 
sind. In Rücksicht auf die mannigfachen Kombinationen, in welchen die 
schiedenen maßgebenden Wachsthumsfaktoren unter den jeweiligen lokalen 
hältnissen ihre Wirkung geltend machen, wird offenbar die Wissenschaft nur 
eine nützliche Verwerthung für die Praxis finden können, wenn sie alle Ums 
und Verhältnisse einer kritischen Untersuchung unterzieht, die für die physisc! 
und wirtschaftliche Seite der landwirtschaftlichen Produktion in Betracht kommen. 
In dem Bestreben, in dieser Kichtung nützliche Kenntnisse zu verbreiten, ist et 
dem Verf. gelungen, in vorliegendem Lehrbuch der Agrikulturchemie ein Wer 
zu schaffen, welches sowohl seinem Inhalte nach, als auch bezüglich der Di 
Stellung den Anforderungen der Wissenschaft gleichergestalt wie denjenigen 
Praxis in vollkommenster Weise gerecht wird und unstreitig als das beste 
auf dem in Bede stehenden Gebiete bezeichnet werden muß. In Betreff der An- 
ordnung des Stoffs ist die neue Auflage von den vorhergehenden nicht unte: 
schieden, dagegen hat Verf. die einzelnen Materien einer größeren Umarbeitung» 
entsprechend den in der Zwischenzeit gemachten Fortschritten in der Wissenschaft, 
unterzogen und den mehr praktischen Theilen der Agrikulturchemie, besonders 
der Bodenkunde und Düngerlehre, eine eingehendere Behandlung zu Theä 
werden lassen. 

Der Preis des Werkes muß in Ansehung der in Druck, Papier und Uli 
vorzüglichen Ausstattung als ein sehr mäßiger bezeichnet werden. E. W. 




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FORSCHUNGEN 



ACF DEM 



GEBIETE DER AGRIKULTURPHYSIK. 



UNTER MITWIRKUNG DER HERREN: 

Dr. J. van BEBBER ih Hamburg; Prof. Dr. A. BLOMEYER ih Leipzig; Prof. 
Dr. J. BÖHM in Wirr; Prof. Dr. J. BRE1TENL0HNER in Wik»; Pbof. Dr. W. 
DETMER ih Jena; Prof. Dr. E. EBERMAYER in Mönchen; Dr. C. FERRARI in 
Rom; Dr. J. FITTBOGEN in Dahme; Trof. Dr. E. GODLEWSKI in Düblany 
(Gauzikn); Dr. G. HAVENSTEIN in Bonn; Prof. Dr. R. HEINRICH in 
Rostock; Prof. Dr. E. HEIDEN in Pommritz; Prof. Dr. E. W. HILGARD 
ih Berkeley (Califorhibn U. S.); Prof. Dr. F. v. HÖHNEL in Wien; Phof. 
Dr. S. W. JOHNSON in New-Havrn (Connecticut U. S.); Prof. Dr. L. JUST 
in Karlsruh*; Prof. Dr. J. KÜHN in Halle a./S.; Dr. C. KRAUS in Triesdorf; 
Dr. C. LANG in Mönchbn; Prof. Dr. TH. LANGER in Mödlino; Dr. J. R. LORENZ 
von LIBURNAU in Wien; Phof. Dr. A. von LIEBENBERG in Wien; Prof. Dr. 
A. MAYER in Waobninoen (Holland); Dr. J. MÖLLER in Mariarritnn; Prof. 
Dr. A. MÜLLER in Berlin; Dr. n. MÜLLER-TIIURGAU in Geisenheim; Prof. 
Dr. J. NESSLER in Karlsruhe; Prof. Dr. A. ORTH in Berlin; Dr. R. PEDERSEN 
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Bonn; Dr. P. SORAUER in Proskau; Prof. Dr. J. SOYKA in Prag; Prof. Db. 
A. VOGEL in Mönchen; Prof. Dr. P. WAGNER in Darmstadt; Prof. Dr. 

G. WILHELM in Graz 

HERAU8GEOEBEN 

Mf 

VON 

Dr. E. W O L L N Y, 

PROFESSOR IN MÖNCHEN. 



NEUNTER BAND. VIERTES HEFT. 




HEIDELBERG. 

CARL. WINTER* S UNIVERS ITATSBLCHHANDLUNO. 

1S86. 



U N I VERSITY OF CALIFORNIA 
B RANCH OF THE COLLEGE OF AGRICULTURE 



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5m 8/28 



6344 



/orsuohuni^en auf dem 



S590 
— 
▼.9 



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6344- 

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