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Full text of "Caesars Gallischer krieg und theile seines Bürgerkriegs, nebst anhängen über das römischekriegswesen und über römische daten"

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VON eöLER 



CAESAÜS KEIEGB. 



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CAESARS 
GALLISCHER KRIEG 

UND ^-Cf H C^i 

THEILE SEINES BÜRGERKRIEGS 

NEBST ANHÄNGEN 

ÜBEH 

DAS ROnSGHS KRIlflSWESEN UND ÜBER ROUSCHE DATEN 



VON 



FREIHERRN AUGUST VON GÖLER-^ ^S»^.*.^^^^ 

OB0S8HERZ0OLICH BADI60HEM aSVEBALlCATOB 



ZWEITE DUBCHGESEHENE UND ERGÄNZTE AUFLAGE 

NACH DEM TODE DES YBRFASSEBS HERAUSOBOBBEN VON 

FREIHEBRN ERNST AUGUST VON «ÖLER 



ERSTER THEIL 



PREIBURG ra. UND TÜBINGEN 1880 
AKADEMISCHE VEBLAOSBUCHHANDLUNO VON J. C. B. MOHR 

(PAOL BIBBBOK) 



Dm EeM der Ü^ersetstmg in fremde Stachen behalt sich die Verlagshand' 

lung vor. 



Draok Ton H. Laupp in Tflbingta. 



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SEINER EXCELLENZ 



DEM HERRN GENERALFELDMARSCH ALL 



Grafen von Moltke 



DEUTSCHLANDS GROSSEH FELDHERRN DND SIEGER AUF GALLISOHEM BODEN 



WIDMET 



DIESES WERK ÜBER CAESARS FELDZÜGE IN GALLIEN 



IN TIEFSTER EHRFURCHT 



DER HERAUSGEBER. 



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Vorwort zur zweiten Auflage. 



Von den verschiedensten Seiten, insbesondere auch von her- 
vorragenden Fachmännern, wurde wiederholt der Wunsch nach 
einer neuen Auflage der Werke meines verstorbenen Vaters über 
Cäsars Feldzüge ausgesprochen. 

Gerne und freudig habe ich diesem Verlangen entsprochen und 
diese neue Auflage veranstaltet. Mein Streben ging bei dieser Ar- 
beit dahin, an dem ursprünglichen Texte möglichst wenig zu ändern, 
und dennoch dem Leser ein Bild des heutigen Standes der Forschungen 
auf dem betreffenden Gebiete zu entrollen. Zu diesem Zwecke musste 
ich nach zwei Richtungen eine Umgestaltung und Ergänzung ein- 
treten lassen. 

In den Jahren 1854 bis 1861 erschienen von meinem Vater 
folgende Schriften über Cäsars Gommeutarien : 

1. Die Kämpfe bei Dyrrhachium und Pharsalus nebst einem An- 
hang über kriegswissenschaftliche, philologische und geogra- 
phische Fragen; 

2. Treffen bei Ruspina; 

3. Cäsars gallischer Krieg in den Jahren 58 bis 53 v. Chr. 

4. „ „ „ im Jahre 52 v. Chr.; 

5. „ „ „ im Jahre 51 v. Chr. mit einem An- 
hang über das römische Kri^swesen zu Cäsars Zeit; 

6. Bürgerkrieg zwischen Cäsar und Pompejus im Jahre 50/49 
V. Chr. nebst einem Anhang über römische Daten, 



VI 

Zunächst galt es, bei der Bearbeitung der neuen Auflage 
dieser Schriften, dieselben zu einem Ganzen und zwar in der Reihen- 
folge umzuschmelzen , welche die Commentarien einhalten , so dass 
das Werk, mit welchem mein Vater seine Forschungen eröffnete, 
jetzt die Gesammtausgabe zu schliessen hat. Dies musste auf die 
Anordnung der Erläuterungen und der Anhänge selbstverständlich 
manchfach einwirken. Da aber mein Vater im Verlauf seiner 
Studien hin und wieder neue Anschauungen gewann, welche seine 
früheren theils ergänzten theils rectificirten , so mussten auch diese 
bei der Zusammenfassung seiner Schriften durchgehends verwerthet 
werden. 

Die wesentlichste Vermehrung erfuhr jedoch die neue Ausgabe 
durch die wissenschaftlichen Funde neuerer Forschungen auf dem 
gleichen Gebiete. Vielfach veranlasst durch die bahnbrechenden 
Arbeiten meines Vaters, in welchen er nachwies, dass man in der 
Verbindung von kriegswissenschaftlichen und sprachlichen Unter- 
suchungen an der Hand von Cäsars Commentarien manche seither 
dunkle Fragen in Bezug auf Oertlichkeiten , Heereseinrichtungen, 
verschiedene Lesarten u. s. f. zu beantworten vermöge, ist seither 
eine eigene Cäsarlitteratur aufgeschossen, welche durch ihren Reich- 
thum jeden Laien überraschen muss. Deutsche, Franzosen, Eng- 
länder, Italiener, Schweizer, Belgier und Niederländer, — Militärs, 
Philologen, Geographen, Historiker, Ingenieure, Astronomen, Ad- 
mirale bis hinauf zu Frankreichs Kaiser haben mit einem wahrhaft 
erstaunlichen Aufwände von Scharfsinn in Monographieen , in um- 
fassenden Werken und in Zeitschriften diesen Boden nach allen 
Richtungen durchforscht und mit Liebe und Eifer bebaut. Man ist 

versucht, mit dem Dichter auszurufen 

»Welch* reicher Himmel! Stern an Stern! 
»Wer kennet ihre Namen?« 
und kaum wage ich es, aus den langen Reihen dieser Schriftsteller 
die bedeutendsten Namen hervorzuheben. Von Deutschen sind vor 
Allen Köchly, Heller, Kraner, Dittenberger, Hofmann, 
V. Cohausen, Rüstow u, A. zu nennen. Von Franzosen de 



VII 

Saulcy, Creuly, Desjardins und vor Allen Napo leon IIL, 
welcher der Hauptsache nach gestützt auf die Vorarbeiten meines 
Vaters mit Benutzung von Mitteln, wie sie eben nur einem kaiser- 
lichen Schriftsteller zu Gebote stehen, insbesondere durch die gross- 
artigsten Nachgrabungen, der Wissenschaft in seinem im üebrigen 
politischen Tendenzwerke »Histoire de Jules Cesar« die werthvollsten 
Dienste geleistet hat. Dass er in demselben vielfach die Priorität 
meines Vaters verschwieg und sich dieselbe selbst zuschrieb, dient 
freilich nicht zur wissenschaftlichen Zierde seines sonst so hervor- 
ragenden Werks. Wir werden auf diese Schwäche noch mehrfach 
zurückzukommen haben. 

Wenn Angesichts einer so reichen und umfassenden Litteratur 
über Cäsars Feldzüge der erste Kenner derselben und der deutsche 
Altmeister auf diesem Gebiete, Herr Professor J. Heller, — 
welchem ich hier gerne meinen schuldigen Dank für mir freund- 
lichst ertheilte Bathschläge ausspreche — , in seinen werthvoUen 
und massgebenden Jahresberichten im Philologus von 1872 (XXX, 
542) schreiben kann : »Auf selbstständige Forschung dürfen natür- 
lich, seit Gölers Büchern, alle in Deutschland über diese Dinge er- 
schienenen Aufsätze keine Ansprüche erheben«, so liegt hierin nicht 
allein für mich als Sohn die Quelle freudiger Genugthuung, sondern 
auch die vollständigste Rechtfertigung einer neuen Auflage der 
Bücher meines Vaters. 

Die werthvollsten wissenschaftlichen Funde dieser reichen Lit- 
teratur wurden in den Anmerkungen dieser neuen Auflage nieder^ 
gelegt und auch auf den Karten und Tafeln berücksichtigt. Ebenso 
sind gewichtige Bedenken anderer Schriftsteller gegen die Ansichten 
meines Vaters offen ausgesprochen, wobei ich jedoch in den meisten 
Fällen es unterliess, als Sohn das Endurtheil zu sprechen. Soll 
doch diese neue Auflage der Schriften meines Vaters kein ab- 
schliessendes Buch, sondern nur eine Art von Sammelwerk der 
wichtigsten Anschauungen auf dem einschlägigen Felde bilden, 
auf welchem weiter gebaut werden kann. Sie soll die werthvoUe 
Arbeit eines tiefen deutschen Forschergeistes vor dem Untergange 



vni 

retten und deutscher Wissenschaft zur Forderung und zur Ehre 
dienen. 

Mog^ dieser Zweck erreicht werden und die Werke meines 
Vaters auch in dieser neuen Gestalt die freundliche Aufnahme finden, 
deren sie sich bei ihrem ersten Erscheinen erfreuen durften! 

Sulzfeld, im Sommer 1879. 

Der Herausgeber. 



Inhalt 



Seite 

Vorwort . III 

Erstes Bnch« Bas Jahr 58 t. €hr« oder 696 lu £• B* 

I. Feldzug gegen die Helvetier. 

1. Einleitung 1 

2. Kämpfe bei Genf 6 

3. Abmarsch der Helvetier an die Saone, Cäsar führt Verstär- 
kungen dahin 11 

4. Cäsar schlägt die Helvetier an der Saone 15 

5. Cäsar drängt die Helvetier gegen Norden 17 

6. Der Helvetier Niederlage in der Nähe von Autnn .... 28 

7. Bemerkungen über die Schlacht bei Autun 81 

8. Folgen der Schlacht bei Autun 84 

IL Feldzng gegen Ariovist. 

1. Einleitung 86 

2. Cäsars Marsch von Autun nadi Besan9on 43 

8. Meuterei zu Be8an9on • • 45 

4. Cäsars Abmarsch nach dem Bheinthal und Zusammentreffen 

mit Ariovist 46 

5. Die feindlichen Heere lagern bei Seimheim (Cemay) ... 50, 

6. Entscheidungsschlacht und Niederlage des Ariovist ... 55 

Zireites Bneh« Bas Jahr 57 t. Chr. od«- 697 n« £• B. 

L Feldzug gegen die Belgier. 

1. Einleitung 60 

2. Cäsar rückt von Besan9on an die Aisne vor 61 

3. Stellung an der Aisne 68 

4. Gefechte an der Aisne 69 

5. Der Belgier Abzug und Zersprengung 70 

6. Cäsars Zug an die Sambre 72 

7. Terrainbeschaffenheit an der Sambre nach dem Wortlaut der 
Commentarien , , « 75 



N 



X 

S«Uo 

8. Schlacht an der Sambre. 

a. Erster Moment 77 

b. Zweiter Moment ■ 78 

c. Dritter Moment * 85 

9. Grunde für die angenommene Oertlichkeit des Schlachtfeldes 

an der Sambre 87 

10. Zug gegen die Adiiatuker 90 

11. Cäsar erobert die Stadt der Äduatuker 96 

12. Cäsars Winterquartiere im Spätherbste 57 y. Ohr 100 

Drittes Bnoh* Bas Jalir 56 t. Ohr* oder 698 n. E« B. 

I. Feldzug gegen die Veneter 102 

11. Feldzug gegen die Üneller 106 

m. Feldzug in Aquitanien 108 

lY. Feldzug gegen die Moriner und Menapier . . 112 

Tiertes Bnoh. Bas Jahr 55 t. Ohr. oder 699 n. E. B. 

I. 1. Feldzug gegen die üsipet er und Tenchterer . . 113 

2. üeber die Oertlichkeit dieses Feldzugs 120 

II. Cäsars erster Bheinübergang 122 

III. Cäsars erster Einfall in Britanien. 

1. Concentrirung bei Wissant 126 

2. Ueberfahrt 128 

3. Landung 131 

4. Aufenthalt in Britannien 133 

5. Rückkehr nach Gallien 139 

Fttnftes Bnoh. Bas Jahr 54 y. Ohr. oder 700 n. E* E* 

I. Cäsars Thätigkeit im Winter dieses Jahrs . 141 

II. Cäsars zweiter Einfall in Britannien. 

1. Vorbereitungen zur Ueberfahrt . 145 

2. Ueberfahrt und Landung 146 

3. Operationen und Kämpfe 148 

4. Rückkehr nach Gallien 158 

5. Andere Schriftsteller über Cäsars Einöle in Britannien . 159 

III. Dislocirung der Legionen im Herbste 54 y. Chr. . 168 

IV. LagedeseburonischenAduatuca 172 

V. Aufstand der Eburonen. 

1. Des Titurius Niederlage 175 

2. Die yerbündeten Eburonen, Äduatuker und Nervier greifen 
Cicero*s Winterlager an 185 

3. Cäsar bricht auf und bringt Cicero Entsatz 194 

4. Cäsars Sieg über die Verbündeten 197 

VI. Aufstände derVölker yon Armorica, der Senonen 

undTreyirer 201 



XI 



« 



Sechstes Bnch. Bas Jahr 58 y. Ohr. oder 701 n. E. B. 

Seite 

LGäBarziehtTerstärkungenanBich 205 

II. ZuggegendieNervier 206 

in. Unterdrückung des Au fstandes der Senonen . . 207 

YLZuggegendieMenapier 208 

y. Labienus schlägt di e Trevir er 211 

VI. Cäsar s zweiter Rhein über gang 214 

Yn. Bachezug gegen Ambior ix 218 

Siebentes Bnoh. Bas Jahr 52 t. Chr. oder 702 n. E. B. 

1. Einleitung 231 

2. Ausbruch des gallischen Aufstandes 232 

3. Cäsars Demonstration in das Land der Arvemer .... 234 

4. Cäsars Eintreffen bei seinen Legionen in Mittelgallien . 236 

5. Cäsar zieht den Bojem zu Hilfe und erobert Yellaudunum, 
Genabmn und Noviodunum 237 

6. Die Lager bei Ayaricum und Eroberung dieser Stadt . . . 242 

7. Des Vercingetorix Verhalten nach dem Fall von Avaricum . 259 

8. Cäsar zieht nach Decetia und tagt daselbst 260 

9. Cäsars Zug nach Gergovia 262 

10. Gergovia*s Lage 265 

11. Cäsars Lager vor Gergovia 269 

12. Der Aeduer Verrath 273 

18. Cäsars misslungener üeberfall auf das g^allische Lager . 276 

14. Cäsars Abzug von Gergovia nach Noviodunum .... 288 
1$. Des Labienus Zug gegen die Parisier und seine Wiedervereinigung 

mit Cäsar 292 

16. Der gallische Aufstand gewinnt noch weitere Ausdehnung . 297 

17. Reitertreffen auf der Grenze des Lingonenlandes .... 299 

18. Terrainbeschaffenheit bei Alesia und dessen Berrennung . . 804 

19. Vercingetorix lässt durch seine Reiterei ein Entsatzheer herbei- 
rufen 306 

20. Nähere Beschreibung der römischen Blokadewerke .... 308 

21. Eintreffen des Entsatzheeree und darauf folgende Kämpfe . 314 

22. Der Gallier letzter AngiiS und Niederlage 820 

28. üeber die Oertlichkeit von Alesia 826 

Aohtes Bneh« Bas Jahr 51 y. Chr. oder 708 n. E. B. 

1. Winterquartiere von 52/51 v. Chr. 333 

2. Zug gegen die Biturigen 334 

3. Zug gegen die Camuten 336 

4. Zug gegen die Bellovaker 337 

5. Cäsar theilt sein Heer und übernimmt selbst die Verwüstung 

des Eburonenlandes 352 

6. Zug gegen den Andesfürsten Dumnacus 855 



Seit» 

7. Kämpfe bei Uxellodunum 357 

7. Einnahme der Stadt üxeUodunum 363 

8. Völlige Unterwerfung Galliens und Dislodrung der Legionen 

im Winter 51/50 v. Clir 368 

9. Unterwerfung des Atrebaten Commius 370 

10. Schluss 371 



Karten 

zum ersten Band gehörig Tafel I — XI. 



CÄSARS GALLISCHER KRIEG. 



Erstes Buch. 

(Das Jahr 58 v. Chr. oder 696 n. E. R.) 

I. Feldzug gegen die Helvetler. 

1. Yeranlassuiig. 

Cäsar gibt in. den Commentarien über seinen »gallischen Krieg,« 
welche übrigens nicht nur seine Feldzüge gegen die Gallier, son- 
dern auch die mit denselben in enger Verbindung stehenden Feld- 
züge gegen die Germanen und Britannier enthalten , eine kurze 
geographische Uebersicht von Gallien, und rechnet zu diesem Lande 
das heutige Frankreich, Belgien, die südlichen Niederlande, sämmt- 
liche auf dem linken Rheinufer liegenden deutschen Gebiete, einen 
Theil der Schweiz und Savoyens. 

Es war begrenzt : im Norden vom Kanal, von der Nordsee und 
dem Niederrhein, im Osten vom Rheine und den West- Alpen, im 
Süden vom mittelländischen Meere und den Pyrenäen und im Westen 
vom atlantischen Meere. Von diesem Ländercomplexe war bereits 
vor Cäsars Feldzilgen in Gallien die Gegend von Toulouse, das 
Küstenland von Narbonne, so wie der ganze Landstrich, welcher 
von dem Rhone, dem Genfer-See und den West- Alpen umschlossen 
wird, der romischen Herrschaft als »Provincia romana« auch »Gallia 
transalpina« einverleibt. Das übrige nicht römische Gallien zerfiel 
in drei Haupttheile: 1) in Aquitanien zwischen den Pyrenäen und 
der Garonne, 2) in Belgien zwischen der Marne, der Seine und dem 
Rhein gelegen , und 3) in das Land der Kelten , welche von den 

T. Qöler, Ctaan gallltohex Krieg. II. Aufl. 1 



Römern »Gallier« im engeren Sinne genannt wurden, zwischen den 
beiden vorigen Ländertheilen, also zwischen der Garonne, der Seine 
und Marne wohnten, und sich östlich so weit ausdehnten , dass sie 
auch die Helvetier noch in sich schlössen. 

Gallien war in viele Parteien gespalten, an deren Spitze die- 
jenigen standen, welche man für die Einflussreichsten und Tüch- 
tigsten hielt. Eine solche Persönlichkeit war bei den Helvetiern 
Orgetorix. Durch Reichthum und gewandtes Benehmen hatte er 
sich bei ihnen den überwiegendsten Einfluss verschafft und von 
Herrschsucht weiter getrieben, nach vorhergegangener Verständi- 
gung mit dem Adel des Landes, im Jahr 60 v. Chr. das ganze 
Volk zu dem Beschlüsse vermocht, mit allen Streitkräften in Masse 
den heimatlichen Boden zu verlassen und in .der Hoffnung, ganz 
Gallien zu unterjochen, gegen Westen zu ziehen. Sein Vorschlag 
hatte mn so leichter Eingang gefanden, als die Helvetier schon 
längst ihr Gebiet im Verhältniss zu ihrer Volkszahl, zu ihrem 
Kriegsruhm und ihrer Tapferkeit für zu klein ansahen, und ihre 
Kriegslust es sie bitter empfinden liess, dass die natürliche Be- 
schaffenheit ihrer Grenzen sie hinderte, freier umherschweifen und 
in die benachbarten Gaue leichter Einfalle machen zu können. 
Denn gegen Norden trennte sie der mächtige Rheinstrom von Ger- 
manien, gegen Westen der hohe und unwegsame Jura vom Lande 
der Sequaner *) , gegen Süden der Genfer-See und der Rhone von 
der römischen Provinz Gallia transalpina, im Osten aber thürmten 
sich die hohen Alpen auf. (Taf. L) 

Sie beschlossen, zum Aufbruch alle Anstalten zu treffen, so 
viel als möglich Zug- und Lastthiere sowie Wagen anzukaufen, so 
viel als möglich Feld zu bestellen, um sich für den Zug hinläng- 
lich mit Proviant versehen zu können, zugleich aber auch die 
nächstwohnenden Völkerschaften entweder zur Theilnahrae an ihrer 
Unternehmung zu bewegen, oder sich wenigstens des Friedens und 
der Freundschaft derselben zu versichern, um während der Rü- 
stungen keinen Anfällen ausgesetzt zu sein. 

Zu diesen Vorbereitungen hielten sie einen Zeitraum von zwei 
Jahren för genügend, und auf das dritte Jahr setzten sie den Auf- 
bruch fest. 



l) monte Jura altissimo, qui est inter Sequanos et Helvetios. I, 2. Die 
Sequaner wohnten zwischen der Saone und dem Jura, erstreckten sich südlich 
etwa bis Macon, nördlich etwa bis Beifort, und Vesontio war ihre Hauptstadt. 



Orgetorix, der die diplomatischen Verhandlungen mit den Nach- 
barstaaten über sieh genommen hatte, kam bald in den Verdacht, 
diese Gelegenheit zur Verwirklichung seiner eigenen herrschsüch- 
tigen Plane missbrauchen zu wollen. Deshalb vor Gericht geladen, 
erschien er zwar, jedoch umgeben von etwa 10,000 Anhängern, 
worauf das Volk entrüstet zu den Waffen griff, Orgetorix aber, wie 
die Helvetier behaupteten, sich selbst den Tod gegeben haben soll. 

Nach seinem Tode gaben übrigens die Helvetier den beschlos- 
senen Auszug nicht auf, sondern, als sie sich hinlänglich gerüstet 
glaubten, verbrannten sie alle ihre Städte, ungefähr 12 an der 
Zahl, 400 Dörfer und die Gehöfte, welche einzelnen Besitzern ge- 
hörten ^), sowie alles Getreide, was sie nicht mitnehmen konnten, 
um auf diese Weise sich der Möglichkeit einer Rückkehr nach 
Hause selbst zu berauben und um so entschlossener jeder Gefahr 
entgegenzutreten. Alle wurden angewiesen, Mehl verschiedener 
Art ') für drei Monate mit sich zu nehmen. 

Es gelang ihnen auch, ihre Nachbarn zur Theilnahme an dem 
Vorhaben zu bewegen, nämlich die Rauraker, welche in der Ge- 
gend von Basel wohnten, sowie die Tulinger und die Latobriger ^), 



1) privata aedifida I, 5. In Bezug auf Germanien und Gallien sind 
unter »aedificia« einzeln oder isolirt gelegene Gehöfte zu. verstehen, wäh- 
rend >vicu8« eine grössere Anzahl beisammenliegender , obschon nicht un- 
mittelbar sich aneinander anschliessender Hofraithen bezeichnet, — ein aus 
mehreren Höfen bestehendes Dorf, wie solche heutzutage noch auf dem Schwarz- 
walde und in der Schweiz gefunden werden. Oppidum entspricht ziemlich 
dem Begriff einer Stadt, befestigt zur Sicherung der Einwohner und ihres 
Eigenthums, sowie zur Aufnahme der Landeebewohner und ihrer Habselig- 
keiten in der Zeit feindlicher Einfalle. Castellum dagegen bedeutet einen 
befestigten Ort, vorzugsweise zu rein militärischen Zwecken bestimmt, der 
jedenfalls einen viel geringeren Umfang hatte, als eine befestigte Stadt — 
oppidum — was schon aus dem Ausdruck selbst hervorgeht, da castellum 
eigentlich ein kleines Lager heisst. Ueberreste solcher Castelle sind ohne 
Zweifel die noch sehr zahlreich vorhandenen sogenannten Heidenringe, z. B. 
der Heidenring auf dem Hardtgebirge bei Trier, jener auf dem Ottilienberge, 
einige Stunden von Strassburg, und namentlich die zahlreichen Steinwälle 
auf dem Taunus, welche eine ganze Linie von festen Punkten bildeten, und 
wahrscheinlich von den Gatten gegen das Vordringen des Drusus errichtet 
wurden. Solche Steinwälle, theils mit kreisförmigem, theils mit viereckigem 
Grundrisse, findet man zwischen Homburg und den Resten des Pfahl ^rabens, 
auf dem Gickelsberg, der Goldgrube, dem Altkönig und nicht weit davon die 
Althöfer Mauer. 

2) molita cibaria I, 5. 

3) Der Verfasser hat diese Schreibart als die gewöhnliche, statt der 

1* 



Bewohner des südlichen Schwarzwaldes, erstere aus der G^end von 
Thiengen und Stühlingen, letztere aus der Gegend von Donau- 
eschingen *) ; sogar die Bojer , die früher östlich von den vorge- 
nannten Völkern wohnend, in das norische Gebiet gezogen waren, 
kamen herbei, um sich den Helvetiem anzuschliessen. 

Es gab für ihren beabsichtigten Zug nur zwei Wege; der 
eine führte zwischen dem Juragebirge und dem Rhone hin ^), näm- 
lich längs des rechten Ufers dieses Stromes bis zum Einfluss der 
Semine, durch das untere Thal derselben nach dem Gebiete der 
Sequaner und von hier in das Gebiet der Aeduer, deren Haupt- 
stadt Bibracte war (s. Taf. I.). Dieser über den Jura führende 
Weg war eng und schwer zu passiren ') ; Wagen vermochten auf 
ihm nur einzehi hinter einander fahrend, und auch so kaum fort- 
zukommen«) und hohe Bergwände ragten über ihn herein, so dass 
er leicht von sehr Wenigen vertheidigt werden konnte*). 

Der andere Weg führte durch das Land der AUobroger, das 
grösstentheils auf dem linken Rhoneufer gelegen, erst kurze Zeit 
der römischen Herrschaft unterworfen war. Er war viel bequemer 
und fordernder *) ; denn der Rhone , welcher die Grenze zwischen 
den Helvetiem und AUobrogem bildete, konnte in der Nähe von 
Genf an einigen Stellen durch Furthen überschritten werden '), 
und von Genf selbst aus, der nördlichsten Stadt der AUobroger, 
führte eine Brücke über den Fluss. 

Die Helvetier hofften sich von den AUobrogern freien Durch- 
marsch erwirken zu können, um so mehr, als sie glaubten, dieses 



wohl richtigeren Form »Latoviker« beibehalten; ebenso später »Segnsianer« 
statt »Segasiaver.« 

1) Vergleiche Walckenaer »Geographie ancienne des Gaules« I, 58. und 
II, 559. Walckenaers Ansicht über die genannten Wohnorte dieser Yölker- 
stämme gewinnt an Wahrscheinlichkeit dadurch, dass Cäsar (nach I, 2.) der 
Helvetier Gebiet sich bis zum Rhein ausdehnen lässt, folglich ihre NachbarUi 
die Bauraker, oder wenigstens die Tulinger und Latobriger zu seiner Zeit 
auf dem rechten Bheinufer wohnen mussten. 

2) inter montem Juram et flumen Bhodanum. I, 6. 

3) angustum et diffidle. I, 6. Beschwerlich aber nicht unbrauchbar, wie 
Lossau (Ideale der Kriegführung. Berlin, 1836. I, S. 292.) anführt; denn er 
wurde ja, wie sich zeigen wird, von den Helvetiem zurückgelegt. 

4) Tix qua singuli carri dacerentur. I, 6. 

5) mons autem altissimus impendebat, ut fädle perpaud prohiberi pos- 
sent. I, 6. 

6) facilius atque expeditius. I, 6. 

7) isque nonnuUis locis vado transitur. I, 6. 



Volk sei den Romern noch nicht recht ergeben. Sollte ihnen aber 
der Durchmarsch verweigert werden, nun, so wollten sie ihn mit 
Gewalt erzwingen. 

Nachdem alle Vorbereitungen für den Auszug getroffen waren, 
bestimmten sie einen Tag, auf den sie sammtlich an den Ufern des 
Rhone bei Genf eintreffen sollten. Dies war der 24. März des 
Jahres 58 v. Chr. *), und folglich mussten die kriegs- und wander- 
lustigen Völker sich viel früher schon in Marsch gesetzt und noch 
früher beschlossen haben, wann ihr Marsch an den Rhone beginnen 
sollte «). 

2. Die Kämpfe bei Genf. 

Das Land der AUobroger, durch welches die Helvetier ihren 
Zug richten wollten, gehörte zur römischen transalpinischen Pro- 
vinz, und stand unter der Verwaltung Cäsars, dem damals auch die 
cisalpinische Provinz und lUyrien nebst einem Heere von vier Le- 
gionen zugetheilt war. Da von diesen eine Legion unter Labienus 
im transalpinischen Gallien Winterquartiere bezogen hatte , so 



1) a. d. V. Kai. Apr. L. Fisone A. Gabinio consulibus. I, 6. Hierfür 
stand in der ersten Auflage dieses Werks : »Dies war der 28. , vielleicht auch 
der 16. oder 17. März des Jahrs 58 v. Ch.« Nach den eingehenden spätem 
Forschnngen des Verfassers, welche der Anhang seines Bürgerkriegs im Jahr 
50/49 V. Chr. (Heidelberg 1861) in der Abhandlung »Heber römisdie Daten« 
enthält und welche in dieser Auflage in revidirter Gestalt den Anhang I. 
bilden, berechnet sich dieser Tag auf den 24. März. Der 1. Januar des Jahrs 
696 d. St. B. entspricht nämlich nach Beilage HI dieses Anhangs dem 7. 
December 59 v. Gh. nach dem Jul. System, und da nach Beilage I das Jahr 
696 ein Schaltjahr von 378 Tagen war, so fällt der Tag a. d. V. Kai. Apr. 
auf den 24. März unserer Zeitrechnung. 

2) Derartige einfache Betrachtungen werden wir noch mehrfach hervor- 
heben müssen , um die Zeitverhältnisse der folgenden Kämpfe richtig zu be- 
urtheilen; denn ihre Ausserachtlassung hat für das Verständniss der Com- 
mentarien schon viele ungegründete Anstände und Irrthümer hervorgerufen. 

Bosch sagt in dieser Beziehung in seinem gegen Wamery*s verunglückte 
Kritik gerichteten »Commentar über die Commentarien Cäsars« Seite 309 
ganz richtig : »Es scheint der Verfasser (Warnery) nahm manchmal die Folge 
der Begebenheiten nach der Erzählung, ohne in Betracht zu ziehen, dass 
viele Dinge, die zugleich geschehen sind, nur nach einander beschrieben wer- 
den kennen.« 

Cäsar gibt leider nur selten ein Datum an, und erzählt nicht nur Gleich- 
zeitiges nach einander, sondern holt oft, ohne den Leser in den Zeitverhält- 
nissen gehörig zu orientiren, auch schon früher Geschehenes erst nach, wenn 
ihm der Verfolg der Erzählung eben Gelegenheit dazu gibt. 



p* 



6 

musste Cäsar, obgleich er sich zu jener Zeit zu Rom aufhielt, 
durch seinen Legaten schon frühzeitig von jenen das römische Ge- 
biet bedrohenden Beschlüssen der Helvetier und ihrer G^iossen 
Meldung erhalten haben. 

Nach Einlauf derselben ') brach er schleunigst von Rom auf, 
und eilte in möglichst grossen Tagreisen nach Genf, wo er gewiss 
schon im Monat Februar eintraf. 

Weil nun damals in der transalpinischen Provinz nur jene 
eine von Labienus befehligte Legion stand ^), und die übrigen drei 
in Oberitalien dislocirten Legionen, wenn sie auch herbeigerufen 
worden wären, nicht mehr rechtzeitig in der Gegend von Genf an- 
langen konnten , so hob er im ganzen Umfang jener Provinz als- 
bald so viel als möglich Truppen aus, und Hess auch die Brücke, 
welche bei Genf über den Rhone führte, abbrechen. 

Auf die Nachricht von Gäsars Ankunft sendeten die Helvetier 
— offenbar zu einer Zeit, da ihre Völker noch nicht am Rhone 
concentrirt, sondern grösstentheils noch auf dem Marsch dahin be- 
griffen waren — Abgeordnete an ihn *), die aus den angesehensten 
Männern ihrer Völkerschaften bestanden, und deren Obmänner Nam- 
mejus und Verucloetius waren *). Diese sollten ihm vortragen, nur 
weil man einen andern Weg nicht wohl benützen könne, beabsich- 
tigten sie, durch die römische Provinz zu ziehen; sie würden sich 
jedoch gewiss jeder Gewaltthätigkeit und ünbilde enthalten *), und 
bäten daher, ihnen den Uebergang über den Rhone und den Durch- 
marsch durch das Land der Allobroger auf gütlichem Wege zu 
gestatten. 

In Erwägung aber, dass von den Helvetiern seiner Zeit, vor 
etwa 50 Jahren, der Consul Lucius Cassius getödtet, dessen Heer 
geschlagen und unter das Joch geschickt worden war *) , glaubte 



1) cam id nuntiatum esset. I, 7. 

2) erat omnino in Gallia ulteriore legio una. I, 7. 

3) Ubi de eius adventu Helvetios certiores facti sunt, legatos etc. I, 7. 

4) prineipem locum obtinebant. I, 7. 

5) sine ullo malefido. I, 7. 

6) sub jugum missum. I, 7. Unter das Joch schicken, war bei den Alten 
eine rachgierige Beschimpfung, welche sich der stolze Sieger gegen seinen 
überwundenen Feind erlaubte, um seinem Ehrgeiz ein Opfer zu bringen. 

Das sogenannte Joch bestand aus zwei, einige Schritte weit auseinander 
in die Erde gesteckten Spiessen, an welchen ein dritter ungefähr vier Fuss 
von der Erde querüber befestigt war. Den Ueberwundenen , welchen man 
unter der Bedingung, durch das Joch zu kriechen, Leben und Freiheit be- 



Cäsar dieses Ansinnen zurückweisen zu müssen. Auch bezweifelte 
er sehr, dass das feindlich gesinnte Volk, wenn ihm einmal der 
Durchzug durch die Provinz gestattet sei, sich der Excessen und 
Gewaltthätigkeiten enthalten werde. 

um jedoch Zeit zu gewinnen, bis die Truppen, die er im rö- 
mischen Gallien aufgeboten hatte, versammelt sein würden, ant- 
wortete er den Abgeordneten, er werde die Sache in Ueberlegung 
ziehen, und wenn sie dies wollten ^), so sollten sie auf den 9. April 
wiederkommen ^). 

Unterdessen Hess er durch die zehnte Legion, welche er bei 
sich hatte, und die Truppen, welche aus der Provinz daselbst ein- 
getroffen waren, eine 3*is geogr. Meilen oder 28 Kilometer lange 
VerschanzuDg aufführen, die aus einem 16' hohen Walle und einem 
Gräben bestand, und vom Genfer-See bis zum Jura reichte *). 



willigte, mussten ihre Waffen und Oberkleider ablegen und Mann für Mann 
zwischen den Spiesaen durchkriechen. 

Nach Florus (lib. I, c. 11.) soll Lucius Quinctius Cincinnatus, der be- 
rühmte Feldherr und Landwirth, nach seinem Siege über die Volscer diese 
Demüthigung zuerst in Anwendung gebracht haben, indem er die Besiegten 
wie Vieh unter das Joch zwang, um auch hierin ein Bild landwirthschaft- 
Hoher Beschäftigung zu geben. — >Ne quid a rustid operis imitatione ces- 
saret, victos more pecudum sub jugum misit.« 

1) Ich lese: si id vellent, da mir das si quid vellent (1, 7.) dem Sinne 
zu widerstreiten scheint, weil Cäsar den Wunsch der Helvetier bereits kannte. 

2) ad Idus Apr. I, 7. Hierfür stand in der ersten Auflage 1. April. Siehe 
Seite 5. Anmerkung 1. und Anhang I. 

3) milia passum decem norem. I, 8. Ein römischer Fuss ist = 0,2963 m. ; 
5 römische Fuss = 1 Passus und 5036 Passus = 1 geogr. Meile, (vergl. 
Marquardt*8 römische Alterthümer III. Th. S. 36.) 

Die hier in Frage stehende Verschanzung nennt Cäsar auffallender 
Weise weder »vallum« noch »munitiones,« sondern »murus« — eine Mauer. 
— Dass an dieser Stelle unter »murus« keine aus Stein erbaute Mauer zu 
verstehen sei, ist bereits allgemein anerkannt, und von Malzen in seinen 
»Monumens d'antiquit^ romaine« sagt hierüber pag. 5t : »II n'est pas k croire 
que ce mure ait ^i6 construit en ma9onnene, puisque dans ce cas Ic temps 
n*aurait pu en faire disparaitre les traces sur uno si vaste dtendue. II faut 
supposer plutöt que cette ligne de d<5fense n't^tait simplement qu'une leve'e, 
faite avec la terre qu'on sortait du fossö de cette ligne. De cette maniere 
le temps a trouvd plus de facilit^ pour niveler cet ouvrage, dont on ne dd- 
couvre plus aucune trace.« 

Auch der Ausdruck in den Commentarien »fossamque« — »also auch 
einen Graben« — weist darauf hin, dass der Graben das hauptsächlichste 
Material, nämlich Erde, zum Bau der Verschanzung lieferte. Der Grund 
aber, warum Cäsar das Remblai der Befestigung eine Mauer nannte, lasst 



8 

Diese Verschanzong leimte somit ihren rechten Flügel an 
die Stadt Genf, welche selbst schon durch den See und den Rhone- 
fluss geschützt war, und ihren linken Flügel an einen Punkt des 
linken Rhoneufers, der dem die Rhoneklause schliessenden Fort de 



sich nur auf dem Wege der Hypothese erklären, und ich kann mir eine solche 
aufzustellen nicht rersagen. 

Im Allgemeinen heissen Verschanzungen »munitiones,« sie mögen eine 
Form haben, welche sie nur wollen, und ihr Haupttheil ist in der Regel ein 
Wall mit aufgesetzter Brustwehre. Der Wallgang oder der Erdaufwurf, aus 
welchem dessen Koffer besteht, wird »agger« genannt (Caes. bell, civil, ni, 63). 
Auf dem Wallgang befand sich eine Brustwehr, die entweder aus dünnen 
Pallisaden — »valli« — bestand, oder aus einem mauerförmigen £ r d- 
und resp. Basenaufsatze, »murus« genannt. Um einen Wall in Be- 
zug auf seine Construction näher zu bezeichnen, nannten die Römer einen 
Theil für das Ganze — partem pro toto — den Wall mit einer Pallisaden- 
Brustwehre »vallum,« den Wall mit einer Erdbrustwehre dagegen »murus.« 

Eine solche Erdbrustwehre, welche der geringen Percussionskraft der an- 
tiken Geschosse wegen nicht mehr als zwei bis drei Fass Dicke nöthig hatte, 
konnte überall angewendet werden, wo die Erde hinlänglich Fettigkeit und 
Consistenz besass, oder wo hinlänglich Rasen zur Bekleidung vorhanden war. 

Mit Rasen wurde vorzüglich auch die äussere Böschung eines Walles be- 
kleidet, weil möglichste Steilheit desselben ein Haupterforderniss war, um 
das Ersteigen der Verschanzung zu erschweren. 

Endlich ist noch zu bemerken , dass auf dem Walle in gewissen Fällen 
auch eine Brustwehr aus Flechtwerk aufgesetzt werden konnte, welche sodann 
»lorica« heissen mochte. 

Nach Napoleon III konnte diese Verschanzung keine zusammenhängende 
Linie sein, weil das Terrain, welches sie vertheidigen sollte, von Bächen und 
Schluchten durchschnitten ist und die Rhoneufer fast überall so steil sind, 
dass ihre Befestigung unnütz erscheint. (Livre III, chap. III.) Rüstow 
stimmt dieser Ansicht mit der Bemerkung bei, dass diese Verschanzung in 2 
bis 3 Arbeitstagen hergestellt werden konnte, so dass sie vollendet war, als 
die Gesandten der Helvetier wiederkamen. 

Die aufgefundenen Erdarbeiten insbesondere bei den Dörfern Russin, 
Cartigny, Avulty, Chancy und Cologny weisen nach, dass der obere Theil 
des Abhangs steil abgegraben und dann ein Graben ausgehoben wurde, dessen 
Escarpe eine Höhe von 16 Fuss erhielt. Siehe Tafel II. Fig. 1. 

Heller bemerkt hierzu (Philologus XXVI, 656): »Man begreift wohl, 
dass Cäsar eine solche Befestigung nicht hat vallum nennen können, da die 
Erdaufhäufung sich auf dem vorderen Theil des Grabens, und hinter der 
steilen und hohen Wand desselben sich nur eine Abplattung des Bodens be- 
fand.« Und in Bezug auf die Stellen, wo eine Befestigung nöthig wurde, 
fährt er fort : >Oder sollte nicht vielleicht hier, an dem durchaus flachen Ufer, 
der Vorsicht halber, von Cäsar eine wirkliche Mauer aufgeführt worden sein? 
ein Unternehmen, das man der Zeit nach nicht für unmöglich halten kann, 
da jene Erdarbeiten nur zwei bis drei Tage erforderten.« 



CJnse*) gegenüberliegt. Sie zog daher auf dem linken Plnssufer 
hin, indem sie ein- und ausspringende Winkel bildete, welche durch 
die Detailbeschaffenheit der daselbst ausgebreiteten wellenförmigen 
Ebene bedingt wurden *). 

Die Lange des Rhonelaufes bis zum Fort de Gluse entspricht 
der von Cäsar angegebenen Länge seiner Yerschanzung , und auf 
dieser Strecke ist der Fluss auch schiffbar, wahrend seine Schiff- 
barkeit unterhalb jenes Forts auf eine 6 — 7 Stunden lange Strecke 
unterbrochen wird; da er, zwischen Montoni und den Inseln von 
Collonge von Felsen eingeengt, sehr reissend ist '). Daher war es 
den Helvetiem nur zwischen Genf und dem Fort de Cluse möglich, 
den Rhone, wie sie später thaten, zu überschiffen, nicht aber weiter 
unterhalb, und dies um so weniger, als sie in der Schifffahrt sehr 
unbewandert waren. Brachten sie doch, wie wir später sehen wer- 
den, zum üebersetzen über die Saone zwanzig Tage hin. 

Cäsar hatte daher das Land der AUobroger gegen das Ein- 
dringen der Helvetier gesichert, wenn er den Rhone zwischen Genf 
und dem Fort de Cluse in gehörigen Yertheidigungsstand setzte. 

Nachdem jene Yerschanzungslinie zu Stande gebracht war, 
stellte er an den entsprechenden Punkten Detaschements *) auf, und 
Hess daselbst Redouten aufwerfen ^) , um einen etwaigen Versuch 
der Feinde, den Durchmarsch zu erzwingen, desto leichter zurück- 
weisen zu können. 

Cäsar gibt zwar keine nähere Beschreibung dieser Yerschan- 
zungon, namentlich sagt er nicht, in welchem Yerhältnisse diese 
Redouten zur befestigten Linie standen, aber wir dürfen wohl an- 
nehmen , dass sie , wie jene bei Dyrrhachium , in der Linie selbst 
lagen, und gewissermassen die Bollwerke derselben bildeten ^). 



1] Nicht fort d^fiduse oder fort de T^cluse, sondern fort de Cluse möchte 
wohl zn schreiben sein, und dieser Name das frfihere »fortalidum clusae« 
bezeichnen. 

2) Vergl. bell. civ. III, 43. nt loci cninsque natura ferebat. 

3) Vergl. Rudtorffer's Militärgeographie S. 136. 

4) praesidia disponit. I, 8. 

5) castella communit. I, 8. Vergl. Anhang II, §. 70. 

6) Lossau a. g. 0. Bd. I. S. 294 sagt, es sei ein Glück gewesen, dass die 
Helvetier alle die Befestigungsanstalten ruhig bis zu dem anberaumten Tage 
(nach meiner obigen Auseinandersetzung dem 9. April) haben ausführen 
lassen, da die Arbeiten vor ihren Augen hätten unternommen werden müssen, 
und sie die Antwort daraus im Voraus hätten entnehmen können. 

Dieser Ausspruch Lossau^s ist einer der schon oben angedeuteten Irr- 



10 

Als der den helvetischen Abgeordneten bestimmte Tag heran- 
gekommen war, und sie wieder vor Cäsar erschienen, erklärte er, 
es sei Gebrauch und Herkommen beim römischen Volke, Nieman* 
den den Durchmarsch durch eine Provinz zu gewähren, und be- 
deutete ihnen, im Falle sie Gewalt anwenden wollten, würde er sie 
zurückzuweisen wissen. 

Da sahen die Helvetier wohl, dass sie auf dem Wege der 
Unterhandlung nicht zum Ziele kämen, und versuchten nunmehr 
einige Mal bei Tag, öfters aber bei Nacht, theils auf zusanunen- 
gebundenen SchifiFen und auf einer Anzahl zu diesem Zweck ge- 
fertigter Flösse, theils durch Furthen des Rhone, da wo er über- 
haupt die geringste Tiefe hat, den Fluss zu überschreiten, um 
Cäsars Stellung zu durchbrechen. 

Weil ihre Angriffe aber sowohl durch die passive Stärke der 
Befestigung ^) , als auch durch das energische Benehmen der Yer- 
theidiger, die sich nicht auf ein Beschiessen der Angreifer be- 
schränkten, sondern mit der blanken Waffe gegen sie rannten, 
folglich Ausfälle machten ^), stets abgewiesen worden waren, gaben 



thümer, hervorgerufen durch eine unrichtige Auslegung der Commentarien 
in Betreff der ZeitverhäUnisse. Cäsar nennt den Tag seiner Ankunft in Genf 
nicht, er war aber, wie bereits bemerkt wurde, offenbar schon vor dem Ter- 
min, auf welchen die Helvetier und ihre Genossen am Rhone cpncentrirt sein 
wollten, daselbst eingetroffen, und auch deren Abgeordnete waren schon vor 
jenem Termin — dem 24. März — bei ihm erschienen. Denn sie thaten je- 
denfalls wohl daran, ehe ihre Concentration bei Genf beendigt war, die £r- 
laubniss zum Durchmarsch bei Cäsar einzuholen, weil schon ihre mangelhaften 
Verproviantirungsanstalten , die wir später kennen lernen werden, nicht zu- 
liessen, dass sie längere Zeit auf einer und derselben Stelle versammelt stan- 
den. Bis ihre Concentrirung aber ausgeführt war, konnte Cäsar wenigstens 
die Hauptübergänge, namentlich die Furthen (vergl. I, 8. alii vadis) befestigt 
haben, und bis sie die nöthigen Vorbereitungen zum Ueberschiffen des Rhone 
getroffen hatten, (vergl. I, 8. navibus junctis ratibusque compluribus factis) 
war ihm sogar noch eine weitere Frist zur Vervollkommnung seiner Befesti- 
gung gegeben. 

Unter solchen Verhältnissen mochten die Helvetier es vorerst wohl ver- 
suchen, auf gütlichem Wege ihre Wünsche zur Erfüllung zu bringen. (Vergl. 
I, 8. ex spe deiecti.) 

1) operis munitione. I, 8. 

2) concursu et tolis. 1 , 8. Der Anmarsch eines Heeres gegen das 
feindliche war ein »progressus.c Wenn man sich aber auf ungefähr 250 
Schritte genähert hatte , so begann der A n r a n n ; man rannte f5rmlich 
gegen einander und warf während dieses Laufens die Wurfspiesse. Stürmten 
beide Gegner gegen einander, so war der Anrann ein »concursus«, erwartete 






u 

sie die Forcirung des Durchmarsches auf, und sahen sich nach 
einem andern Wege um. 

3. Abmarsch der flelvetier an die Saone, Cäsar führt Ver- 
stärkungen dahin. 

(Taf I.) 

Es blieb den Helvetiem nur der eine durch das Gebiet der 
Sequaner führende Weg zu nehmen übrig, der heutigen Tags von 
Fort de Gluse in das Semine-Thal und über Cfaatillon und Nantua 
nach Lyon und Macon führt, den sie aber nur mit Einwilligung 
der Sequaner zurücklegen konnten, weil er, wie bereits bemerkt, 
schwer zu passiren und der Defileen wegen leicht zu vertheidigen 
war *). 

Der Marsch von Genf bis zum Fort de Gluse auf dem rechten 
Ufer des Rhone ^in konnte den Helvetiern keine grosse Gefahr 
bringen, weil sie wegen der geringen Wurfweite der damaligen Ge- 
schosse Verwundungen vom jenseitigen Ufer aus nicht leicht zu 
fürchten hatten und gegen einen AngrifiP mit blanker Waffe durch 
die Terraingestaltung im Vortheil waren, auch über eine vielfiBUsh 
überlegene Truppenzahl verfügten. 

Da sie aber Anfangs die Sequaner zu jener Einwilligung nicht 
vermochten, so wendeten sie sich an Dumnorix, der bei diesem Volke 
in grossem Ansehen stand, ein Schwiegersohn des Orgetorix war, 
und aus Herrschsucht einer Umgestaltung der bisherigen Verhält- 
nisse nicht abhold sich möglichst viele Volksstamme zu verbinden 
trachtete. 

Dieser verschaffte ihnen die nachgesuchte Erlaubniss, und man 
gab sich gegenseitig Geiseln, damit die Sequaner Aem Durchmärsche 
keine Hindernisse in den Weg legten, die Helvetier dagegen sich 
wahrend desselben keine Gewaltthätigkeiten erlaubten. 



der Eine aber den Anrann des Feindes stehenden Fasses ab, so war er ein 
»incar8us.€ »Impetus« war der Angriff im Allgemeinen und speciell der Choc 
(Yergl. Yegetius Buch in. Kapitel 14.) Hiernach mussten hier Ausfälle statt 
haben, und es ist »concursu« dem »telis«, nämlich der Kampf mit der 
blanken Waffe dem Ferngefechte entgegengesetzt. 

1) qua Sequanis invitis propter angustias ire non poterant. I, 9. Rud- 
torffer sagt : die Querthäler des Jura bilden meistens nur enge, leicht zu ver- 
theidigende Pässe. Die Communicationen über dieses Gebirge seien daher alle 
sehr beschwerlich und leicht zu verderben. 



12 

Als C&sar die Meldung erhielt, die Helvetier beabsichtigten anf 
jenem Wege durch das Gebiet der Sequaner und das der Aeduer 
in das Gebiet der Santonen (Saintonge) zu ziehen, welches nicht 
weit von den Grenzen der zur römischen Provinz gehörenden To- 
losaten ^) entfernt .lag, so konnte ihm nicht entgehen, dass es sehr 
gefahrlich werden müsse, wenn jene kriegerischen und dem römi- 
schen Volke so feindlich gesinnten Stamme sich in der Nähe der 
offenen und getreidereichen Gegend der Provinz niederlassen würden. 
Deshalb stellte er, offenbar ohne den Abmarsch der Helvetier selbst 
abzuwarten, sondern als die Verhandlungen des Dumnorix wegen 
desselben begannen, die Verschanzungen an dem Rhone unter den 
Befehl seines Legaten ') Titus Labienus , und b^ab sich f(ir seine 
Person in grossen Tagreisen nach seiner Provinz Oberitalien (Gallia 
cisalpina). 

Hier angekonmien, ordnete er sogleich die Aushebung von zwei 
neuen Legionen, der IL und 12. an, und begab sich nach Aqui- 
leja '), von wo er die in der Umgegend in Winterlagern stehenden 
drei Legionen, die 7., 8. und 9. gegen Westen in Marsch setzte *). 

Jene Aushebungen waren Eilaushebungen oder »delectus tumul- 
tuariit und gingen ausserordentlich schnell von statten, so dass 
sich die neuen Legionen in wenigen Tagen nach und nach der Ko- 
lonne der alten Legionen während deren Marsch durch Oberitalien 
anschliessen konnten. Freilich waren sie als » milites subitarii « 
oder »tumultuariit ^) noch nicht geschult , und Cäsar liess sie des- 
halb auch während des nächsten Feldzugs , wie wir sehen werden, 
kaum am Kampfe Theil nehmen. Hat doch auch Napoleon I. im 
Jahr 1808 Murat mit einem Armeecorps in Madrid einrücken lassen, 
das zum Theil aus neuen, so wenig einexercirten Regimentern be- 
stand, dass sie auf die Spanier in der ersten Zeit einen nichts we- 
niger ab vortheilhaften Eindruck machten. 

Nur bei der Annahme eines so eiligen Verfahrens ist es mog- 



1) Die Bewohner der Gegend um Toulouse, welche damals dem narbo- 
nensischen Gallien einverleibt waren. 

2} üeber die Legaten siehe Anhang II. § 42. 

3) Aquileja im öster. Königreich Illyrien, Görzer Kreis, '/• Stunde vom 
adriatischen Meere, war damals eine blühende Handelsstadt am Ausflusse des 
Timavus und unter Marcus Aurelius die erste Festung des Reichs. «Wegen 
ihres Beichthums nannte man dieselbe Roma secunda. 

4) ex hibemis educit. I, 10. 

5) Vergl. Liv. III. 4. XXXV. 2. XL. 26. XLI. 5. 



13 

lieh, dass sich Cäsar bereits Anfangs Juni mit jenen fänf Legionen 
bei Lyon — Lugdanum — befand. Er marschirte mit diesen 
Truppen auf dem nächsten Wege über die Alpen dahin ^) , und 
zwar, nach dem Strassenzuge , welchen die Peutinger'schen Tafeln 
darstellen'), zu schliessen, über Altinum, Mantua, Cremona, Laus 
Pompeji, Ticinum, Augusta Taurinorum und Segusio. Zwischen 
letzterer Stadt und Ocelum — dem heutigen Exüles ') — auf dem 
ostlichen Abhänge der Alpen, hatten die Centronen, Grajoceler und 
Caturiger die Höhen besetzt ^) , um ihm den Uebergang über die 
Alpen zu yerwehren. Er warf sie aber in einigen Gefechten über 
den Ebufen, und rückte Ton Ocelum, der letzten Stadt des cisalpi- 
nischen Galliens , in einem Marsche von sieben Tagen ^) über die 
Alpis Cottia nach Brigantio, Stabatio, Durotincum, Mellosecum, 
Catorissum und Cularo — welche beiden letztem Städte an der 
nördlichen Grenze der Yocontier lagen % 

Von Cularo aus gelangte er, die Isara (Isire) überschreitend, 
in das Gebiet der AUobroger, und marschirte über Morgennum, 
Turrecionnum und Yienna in das Gebiet der am rechten Rhone- 
Ufer wohnenden Segusianer ^) nach Lugdunum, auf dessen Nord- 
seite zwischen dem Rhone und der Saone er ein Standlager schlug "), 
und wo, obgleich Cäsar es nicht erwähnt, nunmehr auch Labienus 
mit der 10. Legion von Genf aus eintreffen musste. 



1) qua proximtim iier in nlteriorem Oalliam per Alpes erat. I, 10. 

2) Diese Tafeln, welche aus einem Kloster am Oberrhein stammen, sind 
aus der Bibliothek Peutinger's in den Besitz des Prinzen Eugen von Sa- 
vojen übergegangen und von da in die kaiserliche Bibliothek zu Wien 
gelangt. 

3) Andere halten es für den Flecken Oulx. Napoleon III. bezeichnete es 
erst auf seiner Karte entschieden falsch als St. Ambroise, später in seinem 
Werke als das heutige üsseau. In der Augustnummer der Revue arch^l. 
vom Jahr 1870 sucht Desjardins der Ansicht 0. Promis* folgend darzuthun, 
dass Ocelum das heutige Drubinglio sei. 

4) locis superioribus occupatis. I, 10, 

5) die septimo. I, 10. Von Ocelum bis Cularo hatte Cäsar einen Marsch 
von 18 geogr. Meilen. 

6) Berghaus Bd. V. S. 16 sagt: »Die Passage über den Mont Genfevre, 
eine alteBömerstrasse, ist eine treffliche Chauss^ geworden, welche 
aus dem Durance-Thale ins Dorathal nach Susa fahrt, und das südliche 
Frankreich auf dem kürzesten Wege mit den Ebenen von Piemont verbindet.« 

7) Hi (Segusiani) sunt trans Bhodanum primi. I, 10. 

8) Von Aquileja bis Lyon hatte Cäsar einen Marsch von etwa 80 geogr. 
Meilen und wird hierzu ungeföhr vier Wochen Zeit gebraucht haben. 



14 

Bei dieser Stadt fand er, wenn auch keine stehende Brücken 
über die beiden Flüsse, so doch jedenfalls Material, um seinen 
Uebergang leicht zu bewerkstelligen. Die Stellung mit den Defi- 
l^n im Rücken betrachtete der romische Taktiker wegen der Stärke 
seiner Lagerverscbanzungen, die als Brückenköpfe dienten, durchaus 
nicht als nachtheilig. Cäsar stellte sich so vor der Schlacht bei 
Pharsalus am Apidanus auf, so gegen die Belgier an der Aisne ^) 
und ebenso verfuhr sein Legate Fabius bei Ilerda am Segre im 
Kriege gegen die Legaten des Pompejus. 

In strategischer Beziehung gewährte ihm die angef&hrte Stel- 
lung zwischen dem Rhone und der Saone den Vortheil, dass er von 
derselben aus entweder den ihm ergebenen Ambarren gegen die 
Helvetier schnell Schutz bringen oder den letztern den Weg ver- 
legen konnte, wenn sie nach Ueberschreitung der Saone sich in 
südwestlicher Richtung, also zunächst des narbonensischen Galliens 
durch die Gebiete der Vellauner, Gabaler, Caducer und Petrocorier 
in das Land der Santonen begeben wollten. Dass die Helvetier 
diese Marschrichtung beabsichtigten, bezeugt Livius in der Epitome 
zu seinem verloren gegangenen 103. Buch ^). 

Die Helvetier waren nämlich zu dieser Zeit auf dem schon be- 
zeichneten Wege durch die Defiieen des Jura und das Gebiet der 
Sequaner an die Saone gelangt '). Ein Theil derselben hatte be- 
reits diesen Fluss überschritten, und verwüstete das auf dem rechten 
Saone-Ufer liegende Gebiet der Aeduer. Da diese sich und ihr 
Eigenthum nicht mehr zu schützen vermochten, schickten sie Ab- 
geordnete an Cäsar, und baten um Hülfe, indem sie darauf hin- 
wiesen, sie hätten es wohl um das römische Volk verdient, dass 



1) flumem Azonam exercitum traducere matoravit atque ibi castra po- 
8uit. II, 5. vergl. Pr^is des gaerres de CMsar par Napoleon I. pag. 123 und 
Lo88au*8 Ideale der Ejiegfühning S. 330. 

2) Caesar Helvetios gentem vagam domuit, qnae sedem quaerens per 
provinciam Caesaris Narbonem iter facere volebat. 

3) In diesem verhältnissmässig späten Eintreffen der Helvetier liegt eine 
Andeutung, dass die Verhandlungen des Dumnorix, um ihnen den freien 
Durchzug durch das Land der Sequaner zu verschaffen, ziemlich lange ge- 
dauert hatten; ihr Abmarsch also erst begann, als sich Cäsar längst von 
Genf nach Aquileja begeben hatte. Denn seitdem waren etwa sieben Wochen 
verflossen, und obwohl sie, wie sich später zeigen wird, täglich nur l^/t geogr. 
Meilen zurückzulegen gewohnt waren, so konnten sie jene Zdt doch nicht 
gebraucht haben, um ihren höchstens 20 Meilen langen Marsch von Genf 
nach der untern Saone auszuführen. 



15 

nicht, beinahe unter den Angen seines Heeres, ihre Ländereien ver- 
heert, ihre Kinder in Sclaverei hinweggefuhrt und ihre Städte er- 
obert werden sollten. 

Zur nämlichen Zeit meldeten auch die Ambarren, Freunde und 
Stammverwandte der Aeduer, ihre Ländereien seien von den Hel- 
vetiem bereits verwüstet, und sie vermöchten kaum den Andrang 
dieser Feinde von ihren Städten fern zu halten. Ebenso flüchteten 
diejenigen Allobroger, welche auf dem rechten Rhone-Ufer Höfe 
und Ländereien besassen, zu Cäsar, und schilderten ihm ihre trau- 
rige Lage ; dass ihnen nämlich ausser dem Grund und Boden nichts 
mehr geblieben, alles tJebrige zerstört oder geraubt sei. 

Diese Verhältnisse veranlassten Cäsar, nunmehr einzuschreiten 
und nicht zuzusehen, bis die Helvetier alle Habe seiner Bundes- 
genossen an sich gerissen oder aufgebraucht und das Gebiet der 
Santonen erreicht haben würden. 

4. Cäsar schlägt die Helvetier an der Saone. 

(Tafel I.) 

Die Saone oder der Arar bildete die Grenze zwischen den 
Aeduern und den Sequanem, und hatte vor ihrem Einfluss in den 
Rhone damals — wie noch heutigen Tages — ein unglaublich ge- 
ringes Gefölle, so dass man daselbst auf den ersten Anblick nicht 
unterscheiden konnte, ob sie nördlich oder südlich fliesse ^). 

Dort, also nur wenige Stunden von Lyon, in der Nähe des 
heutigen Trevoux, wenigstens zwischen dieser Stadt und Yillefranche 
waren die Helvetier, wie bereits bemerkt wurde, im Uebersetzen 
über die Saone begriffen, mittelst Flössen und gekoppelten Kähnen '). 

1) in Rhodanum influit incredibili lenitate, ita ut oculis etc. I, 12. 

2) Macon ist, wie anderwärts geglaubt wird, jener üebergangspnnkt 
nicht, denn es liegt von Lyon zu fern, als dass Cäsar, wie wir sehen werden, 
um Mittemacht von Lyon aufbrechen und Morgens bei Macon auf die Hel- 
vetier stossen konnte. Auch Napoleon IIL nahm zuerst auf der Karte Maoon 
an, später schliesst er sich in seinem Werke der Ansicht des Verfassers an, 
freilich ohne denselben zu nennen. — Heller sagt in seinem Jahresbericht 
von 1867 (Pilologus XXVI 657): Den Ort der Schlacht gegen die Tiguriner 
hatte schon Göler zwischen Trevoux und Villefranche festgesetzt; jetzt er- 
fahren wir, dass die im Jahr 1862 zwischen Trevoux und Riottier ausgeführten 
Nachgrabungen keinen Zweifel über die Annahme zulassen; man hat hier 
nicht nur celtische und gallo-rOmische tumuli, sondern auch Beste von Back- 
ofen gefunden, und ähnliche Beste von Backöfen bezeichnen ausserdem auf 
dem ganzen linken Ufer der Aix die von den Helvetiem befolgte Strasse. 



16 

Sie hraucliten zu diesem Unternehmen aber äusserst lange Zeit, 
theils wegen ihrer geringen Fertigkeit hierin, theils ihrer grossen 
Zahl wegen; denn sie zählten 92,000 Bewaffnete und im Ganzen 
368,000 Kopfe. Um nur '/* derselben überzuschiffen , verbrachten 
sie 20 Tage Zeit >). 

Durch diesen Flussübergang bei Trevoux waren die Helvetier 
übrigens zunächst in eine der fruchtbarsten Ebenen gelangt. — 
Mylius sagt in seiner »Malerischen Reise durch das südliche Frank- 
reich«: »Trevoux beherrscht die schönste Landschaft der Welt; es 
gibt wohl wenig Städte in Frankreich, wo man einen fruchtbarem 
Boden, schönere und mannigfaltigere Partien zu sehen bekonunt. . . . 
Man sieht bei Trevoux noch einige Thürme, deren Erbauung man 
den Bömern zuschreibt. Reste des Alterthums, Münzen, Waffen, 
Gebeine, die man bei jedem Schritte auf der grossen Ebene ent- 
deckt, zeigen an, dass sie ehemals der Schauplatz blutiger, mörde- 
rischer Gefechte war. Nach der Geschichte war diese Ebene das 
Schlachtfeld, wo Kaiser Severus den Albin im Jahre 198 schlug.« 
— Dies letztere mag richtig sein, schliesst aber nicht aus, dass 
hier auch ein Kampf zwischen Cäsar und den Helvetiem stattge- 
funden habe. 

Cäsar erhielt von seinen Rekognoscirungstruppen ^) die Mel- 
dung, nunmehr seien bereits etwa Dreiviertheile des Feindes über 
die Saone geschifft und ungefähr ein Viertheil desselben befinde 
sich noch auf dem linken Ufer. 

Da schien es Cäsar zweckmässiger, zuerst diesen getrennten 
Theil aufzureiben und dadurch unter den andern auf dem rechten 
Ufer befindlichen Feinden Schrecken zu verbreiten, als abzuwarten, 
bis sämmtliche Streitkräfte der Helvetier übergesetzt wären; denn 
alsdann würde er es mit ihrer vereinten Macht zu thun gehabt 
haben, wenn er ihrem Vordringen gegen Süden entgegentreten 
wollte. 

Sogleich nach Mitternacht ^) brach er, unter Labienus die 
zehnte und die beiden neu aufgestellten Legionen zurücklassend, 
mit den drei andern Legionen — etwa 15,000 Mann stark — aus 
seinem Lager an der Nordseite von Lyon auf, und gelangte an den 
Theil der Feinde, welcher noch diesseits am linken Ufer der Saone 



1) quod ipsi diebus XX aegerrume confecenmt. 1, 13. 

2) per ezploratores. I, 12. Siehe Anhang II § 46. 

3) de tertia vigilia. I, 12. siehe Anhang II § 47. 



17 

lagerte, und etwa 23,000 Bewaffiiete zählte. Es war hierzu kein 
forcirter Marsch nöthig , wie Lossau ^) glaubt , sondern ein Marsch 
von etwa zwei geographischen Meilen, so dass Cäsar schon am 
frühen Morgen vor dem Feinde stehen konnte. Er überraschte ihn, 
griff ihn an, ehe er sich zam Kampfe ganz in Verfassung gesetzt 
hatte ') und machte einen grossen Theil desselben nieder '). Die 
übrigen ergriffen die Flucht und verbargen sich in die nächstge- 
legenen Walder. 

Dies waren gerade die Tiguriner, welche vor 50 Jahren den 
Consul Gassius erschlagen hatten und sein Heer durch das Joch 
kriechen liessen. 

6. Cäsar drängt die Helvetier gegen Norden. 

(Taf. I.) 

Um nach diesem Treffen mit überraschender Wirkung an die 
bereits auf dem rechten Ufer befindlichen Helvetier zu gelangen *) 
und diese Bewegung ihnen langer verbergen zu können, liess Cäsar 
einen Theil seiner Truppen einige Zeit auf dem Schlachtfelde am 
linken Ufer stehen, und zog mit dem übrigen Heereetheile eine 
Strecke südlicher, wo nunmehr wahrscheinlich auch Labienus mit 
den drei übrigen Legionen eintraf. Dort schlug er eine Brücke, 
fQhrte sein ganzes Heer über die Saone^) und stand südlich von 
den Helvetiem, indem er sie auf diese Weise von ihrer beabsich- 
tigten Marschrichtung abschnitt, und ihnen den nächsten Weg zu 
den Santonen verlegte. 

Sein unerwartetes Erscheinen auf dem rechten Ufer machte 
auf die Helvetier einen tiefen Eindruck •), denn zu dem Flussüber- 
gang, welchen sie in 20 Tagen kaum ausgeführt hatten, hatte 



1) A. g. 0. I. Seite 297. 

2) Eos impeditos et inopinantes adgressus. I, 12. 

8) Napoleon I. (a. g. 0.) nimmt an, diopee Treffen habe bei Chalons sur 
Saone statt gehabt. Eine solche Annahme ist aber nicht mOglich, weil die 
vor Cäsar zurückweichenden Helvetier, wie wir sehen werden, vom Punkte 
ihres üebergangs über die Saone bis in die Nähe von Antun 15 Tage 
marschirten, und Chalons doch nur sechs geogr. Meilen von Antun entfernt liegt. 

4) reliqaas copias Helvetiorum ut consequi posset. I, 13. 

5) pontem in Arare faciendum curat atque ita exercitium tradudt. 1. 13, 

6) Helvetii repentino eius adventu commoti. I, 13. 

T. Oöler, Gäsars gallUoher Kriog. II. Aufl. 2 



18 

Cäsar nur einen einzigen Tag gebraucht'). Deshalb schickten sie 
Parlamentare an ihn'), an deren Spitze sich der alteDivico befctnd, 
welcher schon im oben erwähnten Kriege gegen Gassius der Helvetier 
Feldherr war. Dieser erklärte zwar, wenn man sie im Frieden 
ziehen lasse, wollten sie gerne ihre neuen Wohnsitze nur in einer 
Gegend suchen, über die Cäsar mit ihnen einverstanden sei, fährte 
im Uebrigen aber eine drohende Sprache. Cäsar antwortete auf 
ähnliche Weise und die Unterredung zerschlug sich*). 

Einer Schlacht suchten die Helvetier, wie es scheint, ung'e- 
achtet des Divico trotziger Sprache auszuweichen ; denn auch ohne 
Friedensschluss zogen sie lieber nach einer andern Gegend, als dass 
sie sich mit Gewalt nach dem Süden Bahn brachen. Sie wandten 
sich nämlich in nordwestlicher Richtung über die Höhen von 
Charolais — die südliche Fortsetzung des Plateau's von Langres — 
nach der Loire*). 

Divico mochte ein solches Terrain gerne betreten, da er in 
seinen frühem Kämpfen gegen die Romer die Erfahrung gemacht 
haben musste, dass seine Völker im gebirgigen und coupirten Terrain 
gegen jenen Feind immer in günstigerem Verhältnisse kämpften, 
als in der Ebene, wo derselbe das wahre Feld seiner Taktik fand. 

Gleich den Tag nach der Unterhandlung des Divico brachen 
die Helvetier*) auf, und Cäsar ebenso, um ihnen zu folgen. Er 
sendete alle Reiterei, gegen 4000 Pferde, die er aus seiner Provinz, 
dem Lande der Aeduer und deren Bundesgenossen ausgehoben hatte, 
voraus, um durch sie recognosciren zu lassen, nach welcher Richtung 
die Feinde ihren Marsch nähmen. 

Diese Reiterei verfolgte die Nachhut der Helvetier ®) allzu hitzig, 
und Hess sich mit deren Reiterei auf einer ungünstigen Stelle ^) in 



1) illum uno die fecisse. 1, 13. 

2) legatoB ad eum mittunt. I, 13. 

3) Siehe I, 13 und 14. 

4) Vergleiche I, 16: iter ab Araro Helvetii averterant. Dass die nun 
folgenden Kämpfe im gebirgig^ Terrain stattfanden, geht aus dem Texte 
der Commentarien, wie wir sehen werden, deutlich hervor. 

5) postero die castra eo ex loco movent. 1, 15. 

6) novissimum agmen. I, 15. 

7) alieno loco — I, 15. — ist dem »suo loco« entgegengesetzt, und heisst 
nach Graevius »auf nachtheiligem Terrain.« 

Da aber der wesentliche Charakter eines Keitcrkampfes nicht im Schiess- 
gefecht und im Verbleiben in einer vortheilhaften Stellung besteht, sondern 
in der Beweglichkeit, bei welcher sich Freund und Feind mischt , und auf 



19 

ein Gefecht ein. Nach dem Texte der Commentarien lässt sich ver- 
muthen, dass es beim Debouchiren aus einem Defilee statt hatte. 

Weil in diesem Gefechte einige Gäsar'sche Reiter gefallen 
waren, so wnrden die Helvetier nm so übermüthiger, als sie mit 
nur 500 Reitern eine so zahlreiche Reiterei zurückgeschlagen hatten. 
Sie begannen daher kecker Stand zu halten, und mit ihrer Nach- 
hut die Romer sogar mehrfach anzufallen. CSsar hielt seine Truppen 
jedoch von einem ernstem Kampfe zurück, und begnügte sich für 
den Augenblick, die Feinde am Rauben, Verwüsten und Fouragiren 
zu hindern. 

So zog man ungefähr 15 Tage einher, und die romische Vor- 
hut blieb stets nicht mehr als eine starke geogr. Meile ^) (5000 bis 
6000 Doppelschritte) tou der feindlichen Nachhut entfernt. 

Während der Dauer dieses Marsches ^ verlangte Cäsar yon den 
Aednem dringend und taglich die Brodfrüchte ') , welche sie ihm 
m liefern versprochen hatten; denn auf den Feldern war das Ge- 
treide noch nicht reif, imd man hatte nicht einmal Futter in hin- 



ein und derselben Stelle sich tummelt, so sollte man glauben, auch bei den 
Alten sei das Terrain für zwei feindliche Beitereien gleich gewesen. Hätte 
C^Mar den Yortheil eines grösseren Choks auf sanft geneigter Abdachung im 
Auge oder vielmehr die nachtheilige Lage des dagegen bergan Chargirenden, 
so würde er dieses Terrain gewiss mit >looo iniquo« (siehe Anhang II. 
§ 61.) anstatt mit tloco alieno« bezeichnet haben. Möglicher Weise 
wird in Yorliegendem Falle mit »alieno loco« der Umstand bezeichnet, dass 
die helTetische Reiterei das Terrain schon kannte, weil sie es bereits über- 
schritten hatte, die Clisar'sche Reiterei aber nicht. Doch mag dies Reiter- 
gefeckt vielleicht stattgefunden haben, als die letztere gerade aus einem 
Defil^ debouchirte. Dann waren die Hei votier ebenfalls im Vortheil, ohne 
dass das Terrain im strengen Sinne des Wortes ein »locus iniquusc war, weil 
ihre Reiterei, obgleich nur 500 Pferde stark, die T§te der Gäsar'schen Reiterei 
omfusen konnte, diese sich aber nicht zu entwickeln vermochte. — Diese 
^rschrichtang, welcher auch Heller beistimmte, war von Greuly ange- 
griffen worden, welcher die Helvetier nach der Ansicht der französischen Ge- 
lehrten im Saonethal bis Ghallons marschiren lässt. Dennoch hat sich auch 
Napoleon der von Göler zuerst aufgestellten Meinung angeschlossen. Nach 
i^ zogen die Helvetier über Avenas, westlich vor Cluny vorbei auf St. Vallier, 
Ton wo er sie »auf der alten gallischen Strasse, in deren Richtung später ohne 
Zweifel die altrömische Strasse von Lyon nach Autun gebaut wurde, deren 
Sparen noch jetzt vorhanden sind«, weiter ziehen lässt Von der Bourbince 
mvsehirten die Helvetier nach Napoleon genau nach Westen. 

1) non amplins quinis aut senis milibufl passnum. I, 15. 

2) Interim. I, 16. 

3) frnmentnm. I, 16. 

2* 



20 

länglicher Menge >). Von jenen Brodfrüchten aber, welche auf der 
Saone zugeführt wurden, konnte er der grossen Entfernung wegen 
nur ziemlich wenig Gebrauch machen ; weil die Helvetier, denen er 
hart auf dem Leibe bleiben wollte, ihre Marschrichtung von der 
Saone entfernt hatten'). 

Da die Aeduer die Fruchtlieferung von Tag zu Tag verschoben, 
indem sie sagten, die Früchte würden gesammelt, herbeigefährt, 
seien da'), und CSLsar sah, dass man ihn beim Heranrücken des 
Termins, an dem den Soldaten ihre Fruchtrationen ausgetheilt werden 
mussten, zu lange hinhalte, so rief er die vielen hochstehenden Aeduer, 
welche sich in seinem Lager befanden, zu sich, unter ihnen Divitiacus 
und Liscus, welcher damals Vorstand ihrer obersten Behörde — 
nämlich Vergobret*) — war. Er fuhr sie hart an, beschuldigte 
sie geradezu, ihn nicht unterstützen zu wollen, während er in 
der Nähe des Feindes die nöthigen Lebensmittel weder kaufen, noch 
den umliegenden Ländereien entnehmen könne, und beklagte sich 
noch viel bitterer, dass sie ihn im Stiche liessen, nachdem er doch 
grösstentheils nur auf ihr Ansuchen den Krieg unternommen habe. 
— Da rückte Liscus endlich mit der Sprache heraus : Es gebe aller- 
dings Einige, deren Einfluss auf ihr Volk ausserordentlich gross 
sei, so dass sie in ihrer Privatstellung über dasselbe sogar mehr 
vermöchten, als die Behörden selbst. Diese schreckten durch auf- 
rührische und verwerfliche B.eden die Menge davon ab, das ihr 
auferlegte Getreidequantum abzuliefern. Auch wisse er zwar, dass 
dieselben mit dem Feinde im Einverständnisse seien, aber er habe 
die Macht nicht, sie zur B.echenschaft zu ziehen. 

Aus diesen Worten merkte Cäsar, dass Liscus unter jenen 
XJebelgesinnten hauptsächlich Dumnorix, des Divitiacus Bruder, 

1) Wenn wir hiernach die Zeit näher bestimmen wollen, in welche dieser 
Moment des Feldzuges fiel, so müssen wir wohl in Berücksichtigung ziehen, 
dass za Cäsars Zeit das Klima jener Gegenden vielleicht rauher war, als 
jetzt, dass daher das Getreide dort später reifte, als heutigen Tages, und 
es somit wohl Ende Juni gewesen sein konnte. Das Futter aber, was früher 
als das Getreide gedeiht, war rar, weil es die vorausziehenden Massen der 
Helvetier aufbrauchten, ehe Cäsar an dasselbe gelangen konnte. 

2) quod iter ab Arare Helvetii averterant, a quibus discedere nolebat. 1, 16. 

3) conferri, comportari, adesse. 1, 16. 

4) Nach Eöchly soll noch jetzt der Maire von Autun Vierg heissen, 
was aus dem mittelalterlichen Yigerius entstanden ist, wie man unter den 
Herzögen von Burgund den obersten Polizeioffizianten nannte. Es soll aus 
verg = efficax und bret= Judicium zusammengesetzt sein und wäre demnach 
mit »Gerichtsvollstrecker« zu übersetzen. (S. Glück. S. 131.) 



21 

verstehe *) , entliess daher die Aeduer , und erfuhr nun von Liscus, 
dass Dumnorix wirklich ein Verräther sei, der sich grosse Reich- 
thtimer erworben habe, und nun sogar nach der Oberherrschaft 
strebe; dass er auf seine eigene Kosten Reiterei unterhalte, die 
ihm überall folge, dass er auch auf die benachbarten Yolksstämme 
immer mehr Einfluss gewinne, und dass er Cäsar und die Romer 
bitter hasse. Den Helvetiern sei er sehr zugethan, weil seine Frau 
aus diesem Volke stamme, und er hofPe, wenn den Römern ein 
Unglück zustosse, durch die Helvetier zur Herrschaft zu gelangen. 

Auf weiteres Befragen erfuhr GaasLT femer, dass es Dumnorix 
gewesen, der bei dem unglücklichen ReitertreflFen vor einigen Tagen 
zuerst mit seinen eigenen Reitern die Flucht ergriffen und dadurch 
auch unter der' übrigen Reiterei Schrecken verbreitet habe. Er 
befehligte nämlich den Theil derselben, welchen die Aeduer zuge- 
stellt hatten. 

Zu diesen jedenfalls Verdacht erregenden Anschuldigungen 
kamen noch unläugbare Thatsachen ') , namentlich dass Dumnorix 
den Helvetiern während ihres Marsches durch das Gebiet der Se- 
quaner als Führer gedient hatte. 

Hiemach hätte Cäsar hinlängliche Veranlassung gehabt, ihn 
zur Strafe zu ziehen. Allein er nahm Rücksicht auf Divitiacus, 
dessen Ergebenheit und Treue er erprobt hatte. 

Divitiacus bat Cäsar unter Thränen, er mochte gegen seinen 
Bruder doch nicht allzuhart verfahren, sonst würde Jedermann 
glauben, dies sei auf seinen Wunsch geschehen, da er Cäsars 
Freundschaft in so hohem Grade besitze — und dann würden sich 
die Herzen aller Gallier von ihm abwenden. Hierauf liess Cäsar 
Dumnorix vor sich rufen, hielt ihm die gegen ihn vorgebrachten 
Anschuldigungen vor, und warnte ihn, fUr die Zukunft keinen 
Verdacht mehr auf sich zu laden, unter dem Bemerken, dass 
Divitiacus zu liebe das Vergangene vergeben sein solle. Er stellte 
ihn übrigens unter Aufsicht, so dass er stets wissen konnte, was 
jener that und mit wem er sich besprach. 

An dem nämlichen Tage erhielt C^sar von seinen Recognos- 
cirungstruppen die Meldung, der Feind habe sich, etwas weniger 
als drei Stunden vom römischen Lager entfernt, am Fusse eines 
Berges festgesetzt'). Er sendete daher Patrouillen ab, um zu 

1) Dnmnorigem . . . designari sentiebat. I, 18. 

2) cum ad has suBpiciones certissimae res accederent. I, 19. 

3) snb monte consedisse milia passuum ab ipsins castris octo. I, 21. 



22 

recognosciren, wie der Berg beschaffen sei, und ob er mittelst 
einer Umgehung, also auf der Rückseite der helvetischen Stellung, 
ei'stiegen werden könne. Es wurde zurückgemeldet, die Rückseite 
des Berges laufe sanft an ^). 

Cäsar ertheilte seinem Legaten Labienus um Mittemacht den 
Befehl, schleunig mit zwei Legionen aufi&ubrechen , und geleitet 
von den Leuten , welche den Weg recognoscirt hatten , den Berg 
zu umgehen und in aller Stille auf der Rückseite zu ersteigen. 
Er instruirte ihn zugleich, was er mit dieser Anordnung beab- 
sichtige ^). 

Wenn Labienus den Berg erstiegen hatte, so vermochte er 
nicht nur den Feind im Rücken anzugreifen, sondern hatte auch 
den in der Taktik der Alten besonders grossen Vortheil der höhern 
Stellung für sich »). 

Labienus konnte gegen 4 Uhr, also in jener Jahreszeit mit 
Tagesanbruch auf seinem Posten eintreffen. Cäsar selbst aber brach 
gegen zwei Uhr auf*), und marschirte auf dem nämlichen Wege 
gegen die Feinde, den diese selbst gezogen waren; seine ganze 
Reiterei hatte er an der Tete ^) , und liess sie als Vorhut einen 
Vorsprung gewinnen. Bei ihren Eclaireurs*) befand sich Paulus 
Considius, welcher für einen sehr kriegserfahrenen Mann galt, im 
Heere des Lucius Sulla und später im Heere des Marcus Crassos 
gedient hatte. 

Der Morgen dämmerte, Labienus hatte die Berghöhe bereits 
besetzt, Cäsar selbst war vom Lager der Feinde nicht mehr weiter 



1) Renuntiatum est facilem esse. I, 21. Napoleon IIL vermuthet in 
diesem Berge den Mont Tauffrin an der Somme. 

2) quid sui consilii sit, ostendit. I, 21. 

3) Darin liegt nämlich ein grosser unterschied zwischen der alten und 
der heutigen Taktik, dass im Alterthum eine hochgelegene Stelle mit steilem 
Abhänge vor der Front grosse Vortheile gewährte; weil — wie Vegetius 
(lib. in, cap. 13) sagt — auf die tieferstehenden Feinde die Geschosse kräf- 
tiger niederfallen, und der Angreifende, wenn er bergan stürmt, mit dem 
Terrain und dem Feinde zugleich zu kämpfen hat. Die Geschosse der heutigen 
Feuerwaffen haben dagegen genug Kraft, um keiner Yergrösserung derselben 
durch einen hohem Fall zu bedürfen, und es verlangt daher die rasante 
Bestreichung, welche durch steile Abhänge erschwert wird, die erste Be- 
rüchsichtigung. 

4) Ipse de quarta vigilia. I, 21. 

5) ante se mittit. 1, 21. 

6) cum ezploratoribus. I, 21. 



23 

als eine halbp Stunde Wegs^) entfernt, und, wie man später von 
Gefangenen erfuhr, war dazumal weder Cäsars noch Labienus An- 
rücken bekannt geworden ; da jagte plötzlich Considius spornstreichs 
an Cäsar heran, und meldete, der Berg, welchen Labienus besetzen 
sollte, sei vom Feinde besetzt, er habe dies an der Gallier Bewaff- 
nung an deren auffallendem Waffenschmucke ') , den Flügeln, 
Hörnern und was sie dei^leichen bekanntlich auf den Helmen 
trugen, erkannt^). 

Cäsar, des Considius Meldung Glauben schenkend, getraute 
sich nun mit seinen vier Legionen, worunter die beiden neuaus* 
gehobenen waren, nicht weiter vorzurücken, sondern beschloss, sich 
defensiv zu verhalten, führte seine Truppen auf den nächsten Hügel, 
und stellte sie, dessen Terrainvortheile benützend, in Schlachtordnung. 

Labienus war angewiesen, nicht früher zum Angriff zu schreiten, 
als bis er Cäsars Kolonne in der Nähe des feindlichen Lagers 
erblicken würde, damit der Angriff von allen Seiten zugleich be- 
ginne. Deshalb wartete er, nachdem er seine Höhe besetzt hatte, 
auf Cäsars Erscheinen, und liess sich in keinen Kampf ein. 

Es war schon heller Tag, als Cäsar durch seine Eclaireurs 
erfuhr, nicht die Helvetier, sondern Labienus stehe auf der Höhe 
des Berges, und die ersteren seien bereits weiter gezogen ; Considius 
aber habe — von Angst befallen — Dinge zu sehen geglaubt, die 
gar nicht vorhanden gewesen. 

An diesem Tage — es war ungefähr der zwölfte Tag seit dem 
üebergang über die Saone*) — folgte Cäsar in dem gewohnten 
Abstände dem Feinde, und schlug sein Lager eine Stunde Wegs^) 
von ihm entfernt. 

6. Der Helvetier Niederlage in der Nähe von Autun. 

(Taf. I. und IL) 

Die beiden Heere hatten nun, seitdem sie die Saone verlassen, 
etwa 20 geogr. Meilen, folglich täglich nicht viel mehr als IV« 
Meilen zurückgelegt, und sie standen jetzt in der Nähe des heutigen 
Chateau Chinon (Taf. L), nicht Über sechs Stunden •) von Bibracte, 
dem jetzigen Autun, entfernt. 

1) Don longius mille et quingentis passibus. I, 22. 

2) armifl atqne imignibus. I, 22. 

3) Die Römer zierten ihre Helme mit Büschen und Federn. 

4) Vergl. 1, 15 : drciter qiiindecim. 

5) milia passuum tria. I, 23. 

6) non amplius miUbos passuum XVIII. I. 28. 



24 

Die Annahme, isuBS diese Stadt das Bibracte der Aeduer war, 
ist bisher nicht durchgängig gebilligt worden. Bruzen de Martini^re 
hält eher das in der Nahe gelegene Beuvray dafür, Andere Beaune. 
Den von Cäsars Commentarien gegebenen strategischen Verhält- 
nissen sowie den römischen Itinerarien ^) entspricht aber Auton 
ganz gut. Es hiess Bibracte Augustodunum, und aus letzterem 
Worte ist wohl der Name Autun entstanden. Dass aber Autun- 
wirklich jene Hauptstadt der Aeduer gewesen, geht unwidersprech- 
lich daraus hervor, dass man eine alte römische Inschrift daselbst 
gefunden hat, in welcher die Worte »Deae Bibractit enthalten 
sind, sowie zwei marmorne und eine bronzene Platte, auf denen 
die nämlichen Worte standen^). 

Bibracte nennt Cäsar die bei weitem grösste und reichste Stadt 
der Aeduer, und dahin zog er am folgenden Tage, weil es nur noch 
zwei Tage waren, bis er seinem Heere wieder Proviant austheilen 
lassen musste. Dies geschah alle 15 Tage, und der Soldat erhielt 
für diese Zeit zwei Modien Weizen zu 25 Pfd. Gewicht'). Die 
letzte Austheilung hatte beim Abmarsch von der Saone statt. 

Um von Ghateau Chinon nach Bibracte zu gelangen, hatte 
CSaar südöstlich zu ziehen, so dass er sich von den Helvetiem ab- 
wendete und eine rückgängige Bewegung machte. Von diesem 
Umstände wurden die Helvetier durch CTeberläufer einer gallischen 
Beiterabtheilung, die Lucius Aemilius commandirte, in Eenntniss 
gesetzt, imd glaubten entweder, die Römer habe Muthlosigkeit be- 
fallen, schon Labienus habe nur aus diesem Grunde am vorherge- 
gangenen Tage trotz seiner vortheilhaften dominirenden Stellung ^) 
keinen Angriff gewagt, und Cäsar nunmehr ihre Verfolgung auf- 
gegeben ; oder sie trauten es sich nicht zu, die Römer von Bibracte 
abzuschneiden und sie an einer neuen Verproviantirung hindern zu 
können. Kurz sie änderten ihr bisheriges Verfahren, kehrten sogar 
um, und begannen Cäsars Nachhut zu verfolgen und da und dort 
anzufallen (Taf. U. Fig. 1. a. a.). 

Als Cäsar, der sich bei der Nachhut befand, dies wahrge- 



1) Vergl. Walckenaer a. g. 0. 

2) Vergl. Mylius malerische Fussreise. Band 1. Seite 100 — 104, wo auch 
die weitern Quellen: Ma£fei Gallicae antiquitatee ; Muratori antiq. ezpliq. eta 
angeführt Bind. 

3) Vergl. Sonklars Abhandlung über die Heeresverwaltung der Römer 8. 10. 

4) superioribus lods occupatis. I, 23. 



25 

nominen hatte '), so führte er sein Pussvolk — sechs Legionen — 
auf einen ganz in der Nähe gelegenen Hügel, nnd sendete seine 
Reiterei — etwa 4000 Pferde , gegen den Feind , um dessen An- 
dringen so lange zurückzuhalten, bis er die Legionen zur Schlacht 
geordnet haben würde (Taf. U. Fig. 1. b. b.). 

In der Mitte des Abhangs') jenes Hügels stellte er selbst 
indessen die vier alten Legionen — also die 7., 8., 9. und 10. — 
in drei Heeresabtheilungen gegliedert auf, so nämlich, dass eine 
Legion den rechten Flügel, zwei Legionen das Gentrum und eine 
Legion den linken Flügel bildeten, und jede ihren besonderen 
Commandeur hatte*) (Taf. IL Fig. 1. c. c). Ueber sich, oben auf 
den Hügel , postirte er die beiden erst kürzlich ausgehobenen 
Legionen, — die 11. und 12. — nebst sammtlichen Hilfsvölkem 
(Taf. n. Fig. 1. d.), so dass er den ganzen Hügel mit Menschen 
anfüllte^). Zwischen die oben aufgestellten beiden Legionen und 



1) Postquam id animum advertit. I, 24. Nach diesem Ausdrucke ge- 
wahrte Cäsar das Verfahren der Feinde, persönlich, und er muss sich daher 
wie auch für vorliegenden Marsch nicht anders zu vermuthen ist, bei der 
Nachhut aufgehalten haben. 

2) in coUe medio. I, 24. 

3) Triplicem adem instruxit. I, 24. Vergl. Anhang II. § 61 und Anhang 
TU. »Treffen bei Buspina«, sowie den Aufsatz hierüber von Ch. Bahr in den 
Heidelberger Jahrbüchern der Literatur Jahrgang 1856. Nr. 6. S. 85. 

4) Ita uti supra se in summo jugo duas legiones et omnia auxilia 

coUocaret ac totum montem hominibus compleret. Interea sarcinas in unum 
locnm conferri .... jussit, wie Grävius liest. Die Lesart, welche Nipperdei 
aufgenommen hat, der mit Hinweglassung des vorangehenden »ita uti supra« 
liest : »sed in summo jugo duas legiones .... et omnia auxilia conlocari ac 
totum montem hominibus compleri et interea sarcinas in unum locum 
conferri .... jussitc kann nicht richtig sein, denn Cäsar hat gewiss nicht 
befohlen, dass der Hügel mit Menschen »hominibus« angefüllt werde, weil 
sich dafür kein militärischer Zweck denken lässt; beabsichtigte er aber, dass 
der Hügel dicht mit Truppen besetzt werde, so hätte er nicht »hominibus«, 
sondern »copiis« geschrieben. Das Anfüllen des Hügels mit Menschen war 
nicht Absicht, sondern nur zufällige Folge, indem der Hügel für seine Stellung 
kaum ausreichte. Daher adem iustruxit ita, uti ... . collocaret ac compleret. 

Das »Interea« bei Grävius und »interea« bei Nipperdei muss unzweifel- 
haft getrennt, nämlich inter ea (seil, auxilia et duas legiones) gelesen werden. 
Denn das leichte Gepäck — jene die heutigen Tornister vertretenden sarcinae — 
wurden nicht während der Aufstellung der Truppen abgelegt, sondern 
vor derselben, und zwar zwischen die oben auf dem Hügel pladrten Truppen, 
welche zur Sicherung des Gepäcks sowie zur Aufnahme des Heeres im Falle eines 
Unglücks Lagerver^chanzungen auf zuwerfen hatten. (Taf. ILFig. 1. d.) 



26 

die Hilfs?51ker hinein liess er daes leichte Gepäck niederlegen, und 
um dasselbe eine Lagerverschanzung ziehen ^) (Taf. U. Fig. 1. d.). 

Das schwere Gepäck hatte bereits in der Richtung nach Bibracte 
einen Vorsprung gewonnen (Taf. IL Fig. 1. g.), sonst würde Cäsar 
nicht nur vom Umschanzen des leichten, sondern auch von einer | 

derartigen Sicherung des schweren Gepäcks sprechen. Die Helvetier 
waren dem römischen Heere mit allen Wagen und Karren gefolgt, 
und liessen dieselben zum Behuf einer Wagenburg sich auf einem 
Platze sammeln. Ihre Heeresabtheilungen , von den yerschiedenen 
Yölkerstämmen gebildet, hatten sehr enge an einander ange- 
schlossen *) , warfen Gäsars Reiterei zurück , formirten hierauf ihre 
Angriffscolonnen — in denen die ersten Glieder die Schilde vor 
den Leib und die nachfolgenden sie dachziegelförmig über die Köpfe 
hielten ') — und rückten gegen das römische erste Treffen heran ^) 
(Taf. n. Fig. 1. ee.). 

Cäsar erzählt, er habe nun zuerst sein Pferd und sodann auch 
die Pferde aller hohem Offiziere hinwegführen lassen, damit der 
Legionarsoldat sehe, dass sie in Bezug auf die Sicherheit durch 
eine etwaige raschere Flucht nichts vor ihm voraus hätten ^) ; dann 
mahnte er seine Truppen zur Tapferkeit und begann das Treffen. 

Ueber die Massregel des Zurückschickens der Pferde sind schon 
yerschiedene Conjecturen aufgestellt worden, namentlich glaubt 



1) Unter anderen Stellen der Commentarien zeigt auch diese, welche 
wichtige Rolle in der römischen Taktik die befestigten Lager spielten, und 
Sonklar sagt Seite 10 seiner Heeresverwaltung der Römer sehr richtig: >Die 
Natur der damaligen Waffen, welche in der Hauptsache blos für das Nabe- 
gefecht dienten, erforderte die freie, ungeschmälerte Beweglichkeit des Körpers, 
und eine Gewandtheit, die bei voller Packung nothwendig verloren gehen 
musste. Aus dieser Ursache liess der römische Soldat im Gefecht seinen 
Ranzen im Lager zurück, welches, wohl verschanzt und bewacht, ihn vor der 
Furcht schützte, das Seinige zu verlieren. Diese Rücksicht ist gewiss eine der 
Hauptursachen, weshalb die römische Kriegskunst so fest an ihrem Lager- 
system hielt (vergl. Anhang II. § 18). 

2) confertissima acie. I, 24. 

3) Phalange facta. I, 24. Die angegebene Formation der Angriffs- 
colonnen erklärt sich aus dem nachfolgendem Text. 

4) sup primam nostram adem. 1, 24. Die Ades tripiex theilte sich der 
Länge nach in ein Centrum, einen rechten und einen linken Flügel, der 
Tiefe aber nach theilte sich die Acies, sie mochte tripiex, duplex oder simplex 
sein, in ein erstes, zweites und drittes Treffen. 

5) Ut aequato omnium periculo spem fugae toUeret. I, 25. 



27 

Bosch (Seite 175), Cäsar habe seine ganze Reiterei absitzen lassen, 
weil er ihr, da sie aus lauter Galliern bestand, nicht habe trauen 
können. Ich kann dieser Ansicht nicht beipflichten, denn um un- 
treu zu werden und sich auf des Feindes Seite zu schlagen, dafür 
wäre schnell aufgesessen gewesen. Es handelte sich gewiss hier 
nur um die Pferde der hohem, berittenen Offiziere, der Commandeure 
der Legionen und des Commandeurs des aus zwei Legionen be- 
stehenden Centrums sowie der Kriegstribunen etc. In der Schlacht 
bei Munda stieg C^ar auch vom Pferde, um zu Fuss zu kämpfen 
und seiner Truppen Muth dadurch zu erhöhen (Florus lib. lY. 
cap. 2.). Wenn General von Lossau Seite 305 seiner Ideale etc. 
bemerkt, es sei ein solches Verfahren in Bezug auf die Taktik für 
uns schwer erklärlich, weil es den Commandirenden die Gefechts- 
übersicht erschwerte, und dieselben sich nicht schnell genug dahin 
begeben konnten, wo ihre Gegenwart nöthig war, so ist dies nur 
der Fall , wenn wir uns von dem Begriffe der heutigen Taktik, in 
die wir einmal eingelebt sind, nicht hinlänglich frei machen, und 
es heben gerade solche Darstellungsmomente den Unterschied der 
alten und der heutigen Taktik recht augenscheinlich hervor. Der 
Gefechtsmechanismus der Römer war viel einfacher, regelmässiger 
und auf allen Punkten homogener, aber auch gebundener als der 
jetzige; die ganze Schlacbtlinie der Legionen begann in der Regel 
den Angriff zu gleicher Zeit, und das Gefecht wurde gewöhnlich 
auf dem einmal ausgewählten, meist ebenen und wenig coupirten 
Kampfplatze entschieden, während in den heutigen Gefechten, die 
auf dem mannigfaltigst wechselnden Terrain stattfinden, jede Ab- 
theilung, der Specialität desselben angepasst, viel selbständiger und 
freier auftritt, aber eben deshalb auch von oben eine grössere 
üebersicht erforderlich ist, um die Detailiämpfe in taktischem 
Zusammenhange zum Siege zu leiten. 

Was den vorliegenden Fall betrifft, so ist noch hervorzuheben, 
dass hier die Römer auf einem Abhänge standen, und die Feinde 
von unten gegen denselben hinansttirmten ; die Gestaltung des 
Terrains daher an sich schon die üebersicht erleichterte, die ohne- 
dem bei den Alten durch keinen Pulverdampf beengt wurde. 

Wenn nun nach diesen Verhältnissen es sich erklärt, dass eine 
uns so auffallende Massregel in der Taktik der Alten durchaus 
weniger Nachtheile als heutzutage bringen konnte, so finden wir 
nach andern Schriffcstellen, dass es sogar ein hergebrachter Ge- 
brauch gewesen zu sein scheint, in Fällen, wo der Soldat einer 



28 

besonderen Ennuthigung bedurfte, in dieser Weise auf seine 
Stimmung einzuwirken ^). 

GSiaar befand sich bei Bibracte in einem ähnlichen Falle ; denn 
besonders in den ersten Feldzügen gegen die Gallier und Germanen 
hatten diese Volker für die Römer viel Schreckenerregendes; das 
gibt die Bestürzung des sonst so kriegstüchtigen Considius zu er- 
kennen, und der panische Schrecken, welcher, wie wir sehen werden, 
das romische Heer im Kri^e gegen Ariovist ergriff. 

Nach Plutarch hat Cäsar, als man ihm vor Beginn des Kampfes 
sein Pferd vorführte, geäussert: »das will ich nach errungenem 
Siege zum Nachsetzen gebrauchen«, und hierauf zu Fuss seine 
Truppen zum Angriff geföhrt. 

Ihre Wurfspiesse — Pilen genannt — fielen, da die Legionen 
ein den Feind dominirendes Terrain inne hatten, von oben, also 
mit um so grosserer Gewalt auf denselben herab, und so wurde 
der helvetische Phalanx leicht gesprengt '); worauf sich die Legionär- 
Soldaten mit dem kurzen sogenannten spanischen Schwerte') auf 
ihre Gegner stürzten. 

Weil ein und dasselbe Pilum oft mehrere der übereinander 
gehaltenen Schilde durchbohrt und zusanmiengeheftet hatte, waren 
die Gallier im Kampfe sehr gehindert; denn die in den Schilden 
steckenden eisernen Pilenspitzen hatten sich umgebogen^), und sie 
vermochten sie weder herauszureissen, noch ungehindert die Waffen 



1) Nach Frontin II, 8. 13. Hess D. Julius sein Pferd hinwegfuhren, und 
sprang zu Fuss in die vordere Linie. Die Soldaten schämten sich, den Feld- 
herm im Stich zu lassen, und stellten das Gefecht wieder her. 

Sallust (bell. cat. 59.) erzählt: Als Catilina zum Vormarsch blasen liess, 
und seine geordnete Abtheilungen in die Ebene führte, befahl er, Aller Pferde 
hinwegzubringen, damit ein Jeder gleiche Gefahr bestehe, und dadurch der 
Soldaten Muth erhöht werde. Er selbst stellte zu Fuss das Heer nach der 
Ausdehnung des Terrains und der Zahl seiner Truppen zur Schlacht auf. 

In der Schlacht der Allemanen gegen Julianus verlangten dieselben, dass 
ihre Prinzen von den Pferden stiegen und zu Fuss um sie blieben, »damit 
nicht im Falle einer Niederlage das arme Volk im Stich gelassen werde, sie 
aber entweichen könnten«. Ghnodomarius sprang sogleich vom Pferde etc. 
Ammian XVI, 12. (34). 

2) Milites e loco snperiore pilis missis fädle hostium phalangem per- 
fregenmt. I, 25. 

3) lieber gladius und pilum vergl. Anhang II. § 18. 

4) cum ferrum se inflexisset. I, 25. Da sich die Spitze der Pilen auf die 
genannte Weise umbiegen konnten, so müssen sie aus Stabeisen angefertigt 
gewesen sein. 



29 

zn führen, da sich ihre linke Hand nicht frei genug bew^en 
konnte ^). Viele zogen es daher vor , nachdem sie umsonst den 
linken Arm hin und her gezerrt hatten, die Schilde entgleiten zu 
lassen und ohne diesen Schutz zu kämpfen. 

Endlich wichen sie von Wunden erschöpft zurück, und be- 
gannen, da in der Entfernung von ungefähr 2000 Schritten') ein 
Berg lag, sich dorthin zurückzuziehen. (Taf. II. Fig. 1. h« h. u. 
Fig. 2, f f.) 

Als sie diesen Berg erreicht hatten, und die Römer gegen sie 
anrückten, sich folglich in dem zwischen beiden Anhöhen li^enden 
Thal be&nden, da griffen die Bojer und Tulinger (Taf. 11. Fig. 2. 
c. c), welche in einer Stärke von ungeföhr 15,000 Mann als Nach- 
hut an der Queue der feindlichen Colonne marschirt waren, und 
jetzt gerade auf dem Kampfplätze eintrafen'), die Römer in der 
offenen Flanke an, und begannen sie sogar auch im Rücken anzu- 
fallen. Wie nun die Helvetier, welche sich auf der Anhöhe zurück- 
gezogen hatten (Taf. IL Fig. 2. aa.), dies sahen, so drangen sie 
ebenfalls wieder heran, und erneuerten das Gefecht^). C^ar liess 
hierauf das Treffen kehrt machen, und nach zwei verschiedenen 
Seiten hin zum Angriff schreiten^), so nämlich, dass sein erstes 
und zweites Treffen (Taf. IL b. b.) sich den bereits besiegt und 
aus dem Felde geschlagen gewesenen Helvetiem entgegen stellten, 
sein drittes Treffen aber den Kampf gegen die ankommenden Bojer 
und Tulinger aufnahm®). 

Die beiden ersten Treffen hatten einen einfachen Frontalan- 
griff auszuführen. Es ist aber schwer zu bestimmen, ob sich das 
dritte Treffen ähnlich verhielt oder ob es in seiner rechten, frühern 
linken, Flanke bedroht, etwa abtheilungsweise halbrechts geschwenkt 
habe, und hierauf in Echelons vorgerückt sei. (Taf. II. Fig. 2. dd.) 

Sowohl in der Front als im Rücken ^) der Römer wurde lange 
und höchst erbittert gekämpft ; endlich aber vermochten die Feinde 
dem Andrang der Legionen nicht länger Stand zu halten. Die 



1) neque sinistra impedita satis commode pugnare poterant. I, 25. 

2) oirdter mille passuiun. I, 25. 

3) ex itinere. I, 25. 

4) instare et proelium redintegrare coeperunt. I, 25. 

5) conversa signa bipartito intulerunt. I, 25. 

6) prima et secimda ades, nt victia et summotis resisteret, tertia, ut 
venientis exdperet. 1, 25. 

7) ancipiti proelio. I, 26. 



30 

Helvetier zogen sich , wie sie früher begonnen hatten , auf jenen 
Berg, die Bojer und Tnlinger aber zu ihrem Gepäcke zurück 
(Taf. II. Fig. 2. h.), fär das sie ursprünglich (wahrscheinlich im 
Verein mit den Baurakem und den Latobrigern) als Bedeckung 
aufgestellt waren. 

Aber nicht in wilder Flucht, sondern nur allmählich wichen 
sie, und auch während der ganzen Schlacht — sie dauerte Yon ein 
ühr Mittags bis zum Abend *) — hatte man keinen Helvetier den 
Rücken wenden und die Flucht ergreifen sehen. Bei dem Gepäcke 
selbst musste noch bis spät in die Nacht hinein gekämpft werden, 
denn obschon es von keinem Walle umschlossen war, so waren 
anstatt dessen die Wagen um dasselbe aufgestellt^), auf welchen 
die Vertheidiger dieser Wagenburg standen, und von der Höhe 
herab ') um so wirksamer ihre Geschosse auf die anrückenden Römer 
schleuderten. 

Einige warfen auch schwere keltische Lanzen, von Cäsar Matarae 
und Tragulae benannt, mit Erfolg unten zwischen den Wagen und 
Rädern hindurch. 

Nach langem Kampfe bemächtigten sich die Römer endlich 
des Gepäcks und des Lagers. 

Hier wurden Tafeln aufgefunden und Cäsar überbracht, welche 
in griechischer Schrift eine namentliche AuMhlung enthielten, wie 
viele Waffenfähige, wie viele Kinder, Kreise und Weiber aus ihrer 
Heimath ausgezogen waren. Damach hätten sie: 

263,000 Helvetier, 
36,000 Tulinger, 
14,000 Latobriger, 
23,000 Rauraker, 
32,00 Bojer, 
zusammen 368,000 Köpfe gezählt, 
worunter 92,000 Waffenfähige. 

Ueber das weitere Verhalten der feindlichen Hauptmacht, näm- 
lich der Helvetier, welche sich nach der Entscheidung der Schlacht 
von ihrem Hügel höher auf den Berg zurückzogen , erwähnt Cäsar 
nichts. Wahrscheinlich behaupteten sie sich auf demselben bis zum 
Einbruch der Nacht, und traten hierauf, von der Dunkelheit be- 
günstigt, ihren weitem Rückzug an. 

1) ab hora septima ad vesperum. I, 26. 

2) propterea quod pro vallo carros objecerant. I, 26. 

3) e loco Buperiorc. I, 26, 



31 

Nach dieser ScUacht sollen, wenn die in den Commentarien 
enthaltene Zahl uns unverdorben überkommen ist, von der hel- 
vetischen und ihren verbündeten Stammen nur 130,000 Menschen 
übrig geblieben sein. Die Masse zog die ganze Nacht hindurch 
ohne auch nur einen Ruhehalt zu machen ^), gegen Nordosten, und 
gelangte am vierten Tage in das Gebiet der Lingonen, die Gegend 
von Langres. 

Die Römer aber folgten ihnen nicht, sondern blieben wegen 
der Pflege ihrer Verwundeten und der Beerdigung ihrer Gefallenen 
drei Tage am Ort und Stelle stehen. 

Die Rücksicht, welche Cäsar auf seine Verwundeten zu nehmen 
gewohnt war, geht auch aus den Commentarien über seinen griechi- 
schen Feldzug hervor*). 

7. Bemerkungen über die Schlacht bei Autun. ') 

Die Angabe Cäsars, dass auf. Seite seiner Feinde 130,000 
Menschen aus dieser Schlacht entkamen, gibt uns für ihren Verlust 



1) nullam partem noctis itinere intermisso. I, 26. Der französische Kaiser 
übersetzt dies mit einer gewissen üebertreibung »apr^s aiFt)ir march^ sans 
intermption jour et nuit arriv^rent la quatri^me jour« etc.; w&hrend hier 
nur von einer Nacht die Rede ist. 

2) Vgl. bellum dvile III, 75 und 78. 

3) Auch Napoleon III. hatte auf seiner Karte ursprünglich Bibracte 
als das heutige Autun bezeichnet, aber im Gegensatz zum Verfasser die 
Schlacht nach fiessy-en-Channes nordöstlich von Autun verlegt. In seinem 
spätem Werke verwirft er diese seine frühere Annahme, erkl&rt Bibracte als 
den Mont Beuvray, und vermuthet das Schlachtfeld südwestlich davon zwischen 
den Dörfern le Grand Marie und le Petit Marie. — Wieder anders combinirt 
Rüsto'w. Er geht mit Napoleon davon aus, dass Bibracte auf dem Mont 
Benvray seitab der grossen Strasse gelegen, die von Lyoa über das heutige 
Autnn gegen Nevers gezogen haben soll. Er lässt Gfisar bei seinem Marsch 
gegen Bibracte von dieser Strasse gegen Südosten abbiegen und die Helvetier 
ihm dahin folgen, während der Tross der letzteren mit den Bojern und 
Tulingern möglichst lange der Strasse folgt, wodurch diese später den Römern 
in die rechte Flanke fallen können. ^Latere apertoc übersetzt er nämlich 
wie LosBan und Napoleon mit »in die rechte — d. h. in die vom Schilde nicht 
gedeckte — Seite«; während der Verfasser, wie auch später Köehly »in 
die offene oder unbede ckte Flanke« übersetzt. — Nach Bull iot's 
interessanten Aufsätzen in der Revue arch^l. von 1869 u. 70 kann übrigens 
kaum mehr ein Zweifel darüber bestehen, dass Bibracte auf dem Berge 
Beuvray gestanden hat. Siehe hierüber auch Heileres Jahresbericht im 
Fhilologns XKI, 543. 



32 

an streitbarer Mannschaft keinen Anhaltspunkt; die Zahl ihrer 
Streiter an diesem Tage lässt sich jedoch annähernd bestimmen. 

Als die Helvetier und ihre Bundesgenossen an der Saone an- 
gelangt waren, zählten sie 92,000 Streitbare. Hiervon wurde der 
vierte Theil auf dem linken Saone-Ufer theils zersprengt, theils 
niedergemacht; folglich zogen nur etwa 69,000 gegen Bibracte, 
und ungelähr 65,000 mochten in dem dortigen Kampfe aufge- 
treten sein. 

Hiervon standen den vier alten Legionen, welche gegen 20,000 
Mann stark waren, etwa 40,000 Helvetier entgegen, 15,000 Bojer 
und Tulinger bildeten die Nachhut und 10,000 Mann aus Raurakem 
und Latobrigem bestehend, mochten, nach dem Vormärsche der 
Bojer und Tulinger, bei der Wagenburg geblieben sein. 

Cäsar gebot im Ganzen über sechs Legionon, die, da sie noch 
keine bedeutende Verluste erlitten hatten, nahezu 30,000 Legionar- 
soldaten zählten, und über seine Hilfsvölker, die gewöhnlich die 
gleiche Stärke wie die römischen Truppen gehabt haben sollen. 
Er war daher beinahe eben so stark als seine Feinde ^) , brachte 
aber nur etwa 20,000 Mann nebst seinen 4000 Reitern in's Gefecht. 

»Auffallend ist es«, sagt Lossau (Seite 325), »dass, während 
Cäsar die nach dem ersten Gefecht weichenden Helvetier bis auf 
die von ihnen vor der Schlacht besetzten (?) Anhöhen 
verfolgte und sie dort anfiel, er die beiden in der Reserve be- 
findlichen Legionen stehen liess. Diese hätten bei dem unerwarteten 
Angriff des Feindes in der Flanke und im Rücken gute Dienste 
leisten und das Gefecht wenigstens abkürzen können, bei welchem 
C^ar grosse Gefahr lief, die Schlacht zu verlieren. Es ist möglich, 
dass, weil er zu Fuss und mitten unter seinen Truppen war, er 
das Schlachtfeld nicht übersehen und die feindliche Bewegung gegen 
seine rechte (?) Flanke nicht zeitig genug gewahr wurde. Auch 
muss es ihm an berittenen Adjutanten gefehlt haben, um die Re- 
serve herbeiholen zu lassen, welche zur Deckung der Bagage nur 
wenige Truppen zurück zu lassen brauchte. Genug es scheint, dass 



1) Napol^n. Prdcis des guerres de Gdsar pag. 34. IIb (]es Helv^tiens) 
avaient donc 60,000 combattans au plus k la bataille. G^sar qui avait six 
l^gions et beaucoup d'auxiliaires avait une arm^ plus nombreuse. 

Unter den 92,000 Streitbaren der Helvetier waren nidit lauter in voller 
Kraft Btehende Männer begriffen, sondern alle, welche überhaupt schon oder 
noch die Waffen tragen konnten (qui arma ferre possent ad milia nonaginta 
duo. I, 29.) 



33 

Cäsar sich allein seinem Glücke anvertraut und weniger als späterhin 
alle Mittel benutzt habe, die den Sieg an seine Fahnen fesseln konnten.« 

In Bezug auf diese Betrachtung erlaube ich mir zu bemerken, 
dass in dem Texte der Commentarien keine Mittheilung enthalten 
ist, wonach die Helvetier schon vor der Schlacht eine Anhöhe 
besetzt gehabt hatten, und dass nach den von mir entwickelten 
strategischen Verhältnissen die Stellung der beiden Heere eine 
solche war, dass die Bojer und Tulinger den Römern nicht in die 
rechte, sondern in die linke Flanke fielen (Taf. II, Fig. 2. c. c). 
Lossau äussert nämlich in strategischer Beziehung die Ansicht, erst 
in dieser Schlacht seien die Helvetier von ihrer ursprünglichen 
Marschrichtimg abgedrängt worden, während dies, wie oben (Seite 
18) dargestellt wurde — gleich nach Cäsars üebergang über die 
Suone statt hatte. Durch diese irrthümliche Annahme lässt er die 
Schlacht zwischen der Saone und Autun, anstatt zwischen der Loire 
imd dieser Stadt geschlagen werden, und die Helvetier von Osten 
anstatt von Westen her angreifen. 

Was endlich den Umstand betrifft, dass Cäsar seine zum Ge- 
päck commandirten Truppen (Taf. IL Fig. 2. g.) den seinen Le- 
gionen b. b. in den Rücken fallenden Bojem und Tulingern nicht 
entgegenrücken liess, so liegt der Grund wohl darin, dass jene 
Truppen nicht als eine Reserve zu betrachten waren, deren Funktion 
hier, wie gewöhnlich, das dritte Treffen verrichtete. 

Die beiden neuen Legionen, welche bis damals noch mit keinem 
Feinde im Kampf gestanden hatten, und die Hilfsvölker waren blos 
mit der Bewachung des Gepäcks und der Befestigung des Lagers 
beauftragt, das der damaligen Taktik gemäss, auf den Fall eines 
für die Römer unglücklichen Ausgangs des Gefechts, denselben einen 
sichern Zufluchtsort gewähren sollte. Denn die Aufnahme eines 
geschlagenen Heeres war der Zweck des Lagers nicht minder, als 
die Sicherung des darin lagernden; und diese Wichtigkeit des 
römischen Lagers darf hier nicht ausser Acht gelassen werden. 
Wenn jene beiden frisch ausgehobenen Legionen aus dem Lager 
hinweggezogen worden wären, so würde dasselbe den gallischen 
Hilfstruppen allein anvertraut gewesen sein, und ob Cäsar auf deren 
unwandelbare Treue so sehr bauen konnte, dass er für den Fall 
einer Niederlage im freien Felde jenen allein seinen einzigen Rück- 
zugspunkt zu überlassen kein Bedenken tragen musste, das möchte 
ich sehr bezweifeln. 

T. O ö 1 e r, Cftsars gallischer Krieg. II. Aufl. 3 



34 

Auffallender ist es, dass Cäsar über eine spätere Verwendung 
seiner zahlreichen Reiterei nichts berichtet. Vorausgesetzt, dass 
das Terrain irgend dazu geeignet war, würde es ihre Aufgabe 
gewesen sein, den umgehenden Bojem und Tulingern in die rechte 
Flanke zu fallen (Taf. II. Fig. 2. e. e.). Möglicherweise konnte 
sie auch beim Zusammenstosse mit den Helvetiern im Beginn der ^) 
Schlacht so sehr gelitten haben, dass sie zu einem energischen Auf- 
treten im Kampfe nicht mehr fähig war, und sich als Bedeckung 
zum bereits gegen Bibracte weitergerückten schweren Gepäcke be- 
geben hatte. (Taf. H. Fig. 1. ff.) 

8. Folgen der Schlacht bei Autun. 

Als Cäsar Kenntniss erlangt hatte, dass die Helvetier sich nach 
dem Gebiete der Lingonen zurückzögen, sendete er aus seinem 
Lager bei Bibracte Boten und Briefe dahin ab^), und bedrohte 
diesen Volksstamm, ihn den Helvetiern gleich behandeln zu lassen, 
wenn er sich unterfangen sollte, dieselben mit Lebensmitteln oder 
andern Bedür&issen zu unterstützen. Die Helvetier geriethen da- 
durch in die höchste Noth, und sendeten nun Parlamentäre, um 
wegen ihrer Unterwerfung zu unterhandeln; da Cäsar am vierten 
Tage nach der Schlacht') zu ihrer Verfolgung aufgebrochen war, 
so trafen ihn die Parlamentäre auf dem Marsche, warfen sich vor 
ihm auf die Kniee, und baten in flehentlichen Worten und unter 
Thränen um Frieden. 

Sie erhielten den Bescheid, ihre Committenten hätten ihn an 
dem Orte, wo sie gerade stünden, zu erwarten. Die Helvetier ge- 
horchten, und als Cäsar bei ihnen eingetrofifen war, befahl er ihnen 
Geiseln zu stellen, die Waffen abzugeben und die zu ihnen über- 
gelaufenen Sclaven auszuliefern. 

Man begann jene Geiseln und üeberläufer herbeizubringen und 
die Waffen zusammenzusuchen, wurde in diesem Geschäfte aber 
von der Nacht unterbrochen *). Diesen umstand benutzten die 
Verbigener, verliessen beim Einbruch der Nacht*), ungefähr 6000 
Köpfe stark, das helvetische Lager, und zogen dem Rheine und 



1) Vgl. reiecto nostro equitatu. I, 24. 

2) Caesar ad Lingonas litteras nuntiosque misit. I, 26. 

3) triduo intermisso. I, 26. 

4) nocte intermiesa. I, 27. 

5) prima nocte. I, 27. 



35 

den Grenzen Oermaniens zu. Sei es, dass sie Alles daran setzten, 
zu entkommen, weil sie fürchteten, nach Ablieferung der Waffen 
über die E^linge springen zu müssen ; sei es, dass sie glaubten, von 
Nacht und Nebel begünstigt, sich der Verfolgung entziehen zu 
können, oder dass sie hofften, bei der Masse von Gefangenen werde 
ihr Abzug gar nicht bemerkt *). 

Cäsar erhielt aber Kenntniss davon, und stellte hierauf an die 
Bewohner jener Gegenden, nach welchen die Flüchtlinge ihren 
Weg genommen hatten, das Verlangen, dieselben aufzuspüren und 
zurückzufiihren, wenn sie nicht selbst strafbar erscheinen wollten. 

Die Verbigener, welche ihm ausgeliefert wurden, behandelte 
er als Feinde, die übrigen Helvetier aber nahm er, nachdem sie 
die verlangten Geiseln, Waffen und üeberläufer ausgefolgt hatten, 
als Schützlinge auf. 

Die Helvetier, Tulinger und Latobriger mussten in ihre Hei- 
math zurückkehren. Da sie aber vor ihrem Auszuge sich aller Er- 
zeugnisse ihres Landes entaussert und die Früchte, welche sie nicht 
mitnehmen konnten , sogar verbrannt hatten *) ; deshalb zu Hause 
nichts vorfanden, um den Hunger zu stillen, so befahl Cäsar den 
AUobrogern, ihnen ein Quantum Getreide abzutreten, und sie selbst 
mussten ihre abgebrannten Städte und Dörfer wieder aufbauen. Zu 
dieser Massnahme entschloss er sich, weil er besorgte, jene von den 
Helvetiem verlassene Gegend möchte, länger ohne Bewohner blei- 
bend, durch ihre Fruchtbarkeit die auf dem rechten Rheinufer 
wohnenden Germanen zu einer Ansiedelung daselbst verlocken, und 
dadurch dieses so kriegerische Volk der transalpinischen Provinz, 
nämlich der Allobroger, nächste Nachbarn werden. 

Die in ihr Land zurückgekehrten Helvetier betrugen nach 
einer auf Cäsars Befehl vorgenommenen Zählung 110,000 Köpfe. 

Die Aeduer, welchen die Bojer als besonders tüchtige Leute 
bekannt waren, erwirkten von Cäsar die Erlaubniss, diesem Volks- 
stamme Wohnsitze in ihrem Gebiete anweisen zu dürfen. Sie gaben 
ihnen Ländereien und später auch die gleichen Rechte und Frei- 
heiten, welche sie, die Aeduer selbst, genossen. 



1) quod in tanta multitudine dediticiorum suam fagam aut occultari aut 
omnino ignorari poBse existimarent. I, 27, 

2) Omnibus fructibus amissis. I, 28. vergl. I, 5. 



3 



36 
IL Feldzng gegen Ariovist. 

1. Einleitung. 

In diesem Feldzuge tritt Cäsar zum erstenmale einem gernia- 
nischen Heere, nämlich dem Heere des Ariovist, Königs der Sueven, 
gegenüber. Es mochte daher nicht unangemessen sein, über den 
Wohnsitz dieses Volkes und eine Anzahl anderer damit in Ver- 
bindung stehender geographischer Verhältnisse Germaniens einige 
Worte hier vorauszuschicken. 

Durch Gäsars Gommentarien sind uns zwei germanische Wald- 
gebirge: der Bacenis und der hercynische Wald bekannt. 
Aus welchen Gebirgen der letztere bestand, darüber herrscht wohl 
weniger Verschiedenheit der Ansichten, als über die Lage und 
Grösse des erstem , und es geht aus VI , 25. ^) klar hervor , dass 
die Germanen den jetzigen Schwarzwald und Odenwald als den An- 
&ng des hercynischen Waldes betrachteten, und dessen Breite 
nach der Ausdehnung dieser Gebirge bemassen; denn Cäsar sagt, 
er habe an den Grenzen der Helvetier, Nemeter imd Rauraker be- 
gonnen und sei so breit gewesen, dass ein nicht belasteter Mann 
neun Tage gebraucht habe, ihn in dieser Richtung zu durchwan- 
dern '). Dieser Maasangabe entspricht die Länge des Schwarzwaldes 
und Odenwaldes zusammengenommen vollkommen, denn sie beträgt 
36 geogr. Meilen. Als nächste Längenfortsetzung des hercynischen 
Waldes betrachteten die Germanen die rauhe Alp und den Böhmer- 
wald. Von dort aus wendete er sich links, vom heutigen Mährer- 
walde gebildet, und endete mit dem Mannharder Walde und den 
kleinen Karpathen '). Mit Recht lässt Cäsar die Länge des Schwarz- 
waldes und des Odenwaldes als die mittlere Breite des hercynischen 
Waldes gelten, da mit Ausnahme des Mannharder Waldes sich 
sämmtliche obengenannte Gebirgstheile nahezu in derselben Aus- 
dehnung wie der Schwarzwald und Odenwald von Süden nach Nor- 
den erstrecken. Dagegen bestehen verschiedene Ansichten darüber, 
welches Gebirge unter dem Bacenis (siehe VI, 10.) zu verstehen 
sei. Einige, z. B. Reichard, halten ihn für den Harz, und andere, 



1) oritar ab Helvetioram et Nemetum et Banracorum finibus. 

2) Hercyniae silvae latitudo novem dierum iter ezpedito patet. VI, 25. 

3) rectaque fluminis Danubii regione pertinet ad fines Dacorum et Anar- 
tium; hinc se flectit sinistrorsus diversis ab flumine regionibus multarumque 
gentium fines propter magnitadinem attingit. VI, 25. 



37 

wie Mannert) ftir den Thüringerwald. Die erstere Ansicht lässt 
sich wohl nicht rechtfertigen, wie wir näher gelegentlich der Be- 
schreibung Yon CStsars zweitem Rheiuübergange sehen werden, und 
die zweite Ansicht ist nur insofern richtig, als der Thüringerwald 
den Anfang des Bacenis bildete, folglich ein Theil des- 
selben war'). 

Den Bacenis setzt C^ar dem hercynischen Walde vergleichend 
gegenüber; ja, Ehrend er den letzem nur als ein grossen Wald 
beschreibt, sagt er von dem Bacenis, er sei ein Wald »von unend- 
licher Grösse gewesen« '). Dem Harze sowohl als dem Thüringer- 
walde konnte Cäsar nun unmöglich die Bezeichnung von — »un- 
endlicher Grösse« — geben, und man muss nach seinen Worten 
nothwendiger Weise schliessen, dass der Bacenis sogar grösser als 
der hercynische Wald war. Er bestand unzweifelhaft aus dem 
Thüringerwalde, dem fränkischen Landrücken, dem Fichtelgebirge, 
Erzgebirge, Riesengebirge, den Sudeten und den grossen Earpathen ; 
so dass die Germanen unter dem Bacenis und dem hercynischen 
Walde jene beiden grossen Gebirgszüge verstanden, welche ihr Land 
von den Ufern des Rheins in gewissermassen paralleler Richtung 
nach dem fernen Osten durchzogen. 

Vom westlichen Theile des Bacenis sich südlich ausbreitend, 
wohnten zu Gäsars Zeiten die Sueven, weitaus das grösste und 
kriegerischste Volk der Germanen '). Sie besassen nämlich das 
Land zwischen dem Thüringerwalde, dem fränkischen Landrücken, 
dem Fichtelgebirge, dem Inn und dem Schwarzwalde, einen Länder- 
eomplex, der das heutige Baiem, Württemberg, Sachsen -Coburg, 
Meiningen, und Weimar-Eisenach in sich schloss. Im Norden schied 
sie der Anfang des grossen Bacenis, nämlich der Thüringerwald 
von den Cheruskern^), und der fränkische Landrücken von den 
Usipetern und Tenchterern, die im heutigen Königreich 
Sachsen und den Reussischen Ländern wohnten; später jedoch, wie 
wir sehen werden, von den Sueven verjagt, andere Wohnsitze suchten. 



1) ad eius initium silvae. VI, 10. Napoleon III. folgt in der Beschreibung 
dieser beiden Wälder dem Verfasser nahezu wörtlich ohne Quellenangabe. 
(Liv. lU, chap. IV.) 

2) silvam esse ibi infinita magnitudine. IV, 10. 

3) Suevorum gens est longe majdma et bellicosissima Germanorum om- 
nium. IV| 1. 

4) Cheruscos ab Suevis, Suevosque ab Cheruscia iniuriis incursionibusque 
prohibere. VI, 10. 



88 

während ihr Land von den Siegern weithin in eine Wüste ver- 
wandelt wurde ^). 

Oestlich von den Sueven , im heutigen Böhmen , wohnten die 
Bojer, südlich ebenfalls Bojer, ferner Tulinger Latobriger; im 
Westen aber die Ubier*). 

Die Sueven sollen, was Cäsar jedoch selbst als Gerücht an- 
führt *), 100 Gaue gezählt haben, aus deren jedem sie jährlich 1000, 
also im Ganzen 100,000 Bewaffiiete auf Kriegszüge aussendeten, 
nicht nur um Beute und Erobenmgen zu machen, sondern auch 
um die nächstgelegenen Landstriche zu verwüsten, weil sie es für 
ruhmvoll hielten, wenn weit um ihre Grenzen Einöden lagen, da 
dies beweise, dass eine grosse Zahl von Völkern ihrer Macht nicht 
Widerstand zu leisten vermöge*). 

Jener Theil der Sueven, welcher zu Hause blieb, sorgte für 
seinen eigenen und der Ausgezogenen Unterhalt und Ernährung. 
Das nächste Jahr traten sodann die letztern unter die WafiPen und 
zogen aus, wähernd jene zu Hause blieben. 

So verlernten sie weder die Kenntniss und Uebung des Kriegs, 
noch den Ackerbau. Aber auch im Ackerbau waren sie unstäten 
Sinnes, und es gab bei ihnen weder gesonderte noch Privatländereien, 
noch war es erlaubt, des Ackerbaues wegen länger als ein Jahr 
an einem und demselben Orte zu verweilen; auch lebten sie mehr 
von Milch, Schlachtvieh und Wildpret, als von Getreide. 

Bei dieser Nahrimgsweise, bei ihrer täglichen Leibesübung und 
ihrem freien imd ungebundenen Leben wurden sie ausserordentlich 
gross und stark, und trugen trotz des sehr kalten Klimas nur 
Felle, die so klein waren, dass sie den Körper grösstentheils un- 
bedeckt liessen. 

Kauf leuten gestatteten sie Zutritt bei sich, aber mehr nur um 
ihre Kriegsbeute zu verwerthen, als dass sie nach fremdländischen 
Waaren Verlangen getragen hätten, und während die Gallier Zug- 
vieh und Pferde, an denen sie grosse Freude hatten, auch aus- 
wärts ankauften, bedienten sich die Germanen nur solcher Thiere, 



1) itaque una ex parte a Suevis circiter milia passiium sexcenta agri 
vacare dicuntur. IV, 3. Diese Ausdehnung ist wohl um Vieles übertrieben, 
und Cäsar selbst theilt diese Angabe nur als Gerücht mit, das liegt in dem 
— » dicuntur c. — 

2) Ad alteram partem succedunt übii. IV, 3. 

3) dicuntur. IV, 1. 

4) Publice maximam putant esse laudem etc. IV. 3. 



39 

die im eigenen Lande gezogen wurden, zwar klein und unansehn- 
lich waren , durch tägliche Uebung aber eine ausserordentliche 
Ausdauer erlangten. 

Die Einfuhr von Wein war bei den Sueven durchaus verboten, 
weil sie glaubten, er verweichliche und mache unfähig, Strapazen 
zu ertragen. 

In Reitergefechten sprangen sie oft von den Pferden und 
kämpften zu Fuss, indem sie dieselben so abgerichtet hatten, dass 
sie" — wahrscheinlich jedoch unter Beau&ichtigung einiger Pferde- 
halter — ihre Stelle nicht verliessen, bis sich die Reiter, etwa 
zum Rückzug genöthigt, wieder eilends zu ihnen zurückbegaben. 
Nichts hielten die Sueven für unwürdiger und weichlicher, als auf 
Sätteln zu reiten, und Reiter die auf Sätteln sassen, trugen sie 
kein Bedenken anzugreifen, mochten sie ihnen an Zahl auch noch 
so überlegen sein. 

Beinahe allgemein gilt die Ansicht, dass das Gebiet der Ubier 
zu Gäsars Zeiten sich nur vom Westerwalde bis zum Main er- 
streckte, und somit ungefähr in den Grenzen des Herzogthums 
Nassau lag. Aus den Oommentarien geht aber hervor, dass die 
Ubier ein viel grösseres Gebiet hatten; denn Cäsar nennt sie eine 
weit verbreitete imd blühende Völkerschaft ^) , die von den mäch- 
tigen Sueven lange Zeit bekriegt, doch nicht wie die Usipeter und 
Tenchterer aus ihren Marken vertrieben worden waren, wiewohl 
sie ihnen zinsbar wurden, und dadurch viel von ihrem Einfluss und 
Ansehen verloren. — Erst später, im Jahr 37 v. Chr., wurden sie 
von den Sueveu so gedrängt, dass sie sich von Agrippa auf das 
linke Ufer des Niederrheins fähren Hessen und dort die Stadt Köln 
gründeten % 

Zu Cäsars Zeit erstreckten sich die Ubier vom Westerwalde 
vielleicht bis zum Neckar, so dass sie eine sehr lange Strecke des 
rechten Rheinufers bewohnten, und mit Recht ihren Namen »Ubier«, 
das heisst »Strombewohner«, führten. Auch der Umstand spricht 
fGr ihre grössere Ausdehnung gegen Süden, dass Cäsar bemerkt, 
sie seien gebildeter, als die übrigen Germanen, und wegen ihrer 



1) civitas ampla atque florens, ut est captus Germanorum. IV, 3. Wenn 
Cäsar diese Angabe durch den Beisatz »nach den Begriffen der Qermanen« 
etwas beschränkte, so muss man bedenken, dass Cäsar im Vergleich zur Aus- 
dehnung der römischen Herrschaft spricht. 

2) Strabo IV. p. 194. Tadt. Germ. c. 28. 



40 

Nachbarschaft und ihres Verkehrs mit den Galliern an deren Sitten 
gewohnt gewesen*). 

Auf dem linken Ufer des Niederrheins wohnten aber Germanen, 

— die Eburonen — und die hierauf südlich folgenden Trevirer ^ 
konnten unmöglich auf die Sitten der Ubier mildernd und bildend 
eingewirkt haben ; denn das 25. Kapitel des VIII. Buchs der Com- 
mentarien sagt., die Trevirer seien wegen der Nähe Germaniens 

— der Sueven — täglich zu neuen Kämpfen genöthigt, und daher 
an Wildheit und Rohheit von den Germanen wenig verschieden 
gewesen. 

Daher konnte Cäsar unter den von ihm angeführten Galliern, 
welche die Kultur der Ubier hoben, nur die Sequaner, zu deren 
Gebiet vor Ariovist's Eroberungen in Gallien das Elsass gehörte, 
sowie die nahe wohnenden Lenker und Lingonen verstehen, und 
folglich mussten die Ubier sich weit südlicher als die Trevirer und 
bis zum Oberrhein ausgedehnt haben. Die germanischen Stämme 
der Tribocker und Vangionen siedelten sich bekanntlich erst später 
am linken Ufer des Oberrheins an *). 

Nördlich von den Ubiern zwischen dem Westerwalde und der 
Lippe wohnten die Sigambrer. Ihre Westgrenze bildete der 
Rhein, ihre Ostgrenze das Gebiet der Cherusker und nördlich 
von ihnen wohnten die Menapier des rechten Rheinufers. 

Einige Jahre vor Cäsars Erscheinen in Gallien stritten sich 
die Sequaner und Aeduer um das politische Uebergewicht über 
die Staaten des Gesammtvaterlandes. Es kam sogar zum Krieg 
zwischen ihnen, und die Sequaner, deren Grenzen den Oberrhein 
berührten, riefen den mächtigen Suevenkönig Ariovist zu ihrem 
Beistand herbei. Er entsprach ihrem Rufe, zog über den Rhein 
und schlug die Aeduer nach manchen weniger bedeutenden Treffen 
endlich entscheidend in der Schlacht bei Magetobria *). Sie wurden 
ihm tributpflichtig und mussten Geiseln stellen. 



1) ceteris humaniores ... et propter propinquitatem Gallids snnt moribus 
adsuefacti. IV, 3. 

2) Andere schreiben »Treverer«. S. Glück S. 155. 

3) Vergl. Walckenaer a. g. 0. II, 277. Die Yangionen mögen früher bei 
Hanau gewohnt haben. 

4) Die Lage von Magetobria oder Amagetobria ist wohl nicht mehr 
genau zu bestimmen. Die Einen halten es wegen der Aehnlichkeit des 
Namens für Broye les Pesme am Oignon, das nach E^ichard auf Karten auch 
als Madebroye und la Moigte de Broie vorkommt. Walckenaer (Bd. I. p. 320.) 



41 

Mit den Sequanem, deren Sache er bisher verfochten hatte, 
verfuhr übrigens Ariovist jetzt noch schlimmer als mit den Besiegten. 

Anfangs war er nur mit 15,000 Mann nach Gallien gekommen; 
da aber diese Naturmenschen an den gallischen Ländereien, ihrem 
Anbau und ihren reichen Hilfequellen Geschmack fänden , so 
rückten immer mehr Germanen nach, bis sich 120,000 derselben 
im nordwestlichen Theile des Sequanerlandes, dem heutigen Elsass, 
befemden. Diesen Landstrich, etwa V' des Gebiets der Sequaner, 
den fruchtbarsten von ganz Gallien, nahm für sie Ariovist vorn- 
weg in Besitz^), und als nun auch noch 24,000 Haruden herbei- 
zogen, verlangte er für diese sogar noch ein zweites Drittheil. 

So stand es zur Zeit, als Cäsar bei Bibracte die Macht der 
Helvetier vernichtete, und es ist daher nicht zu verwundem, dass 
sich nach deren Niederlage nicht nur die Aeduer, sondern auch 
die Sequaner und fast alle andern gallischen Volker in C&sars 
Arme warfen. Sie schickten ^Lmmtlich Gesandte nach Bibracte, 
wünschten ihm Glück und baten um Beistand gegen Ariovist. Cäsar 
nahm sie gütig auf, und dies um so mehr, als es zugleich in der 
Politik Roms lag, eine Niederlassung der kriegerischen Germanen 
in Gallien nicht zu dulden ; denn diese konnten von hier aus leicht 
in die romische Provinz und endlich wohl sogar, wie einst die 
Cimbem und Teutonen, selbst in Italien einzudringen suchen. 

Sei es nun, dass Cäsar wirklich durch Unterhandlungen Ariovist 
von einem weitem Umsichgreifen in Gallien abzuhalten hoffte, oder 
dass er nur Frist zur Ordnung und Erholung seines Heeres er- 
langen wollte; kurz er schickte von Bibracte aus an Ariovist Ge- 
sandte, mit dem Auftrage, den Suevenkönig aufeufordem, halbwegs 
zwischen ihnen beiden einen Ort zu bestimmen, an dem sie sich 
über die so wichtigen politischen Verhältnisse besprechen könnten. 



hält Amage am Flüsschen Brenchin zwischen Luzeuil und Fancogney dafür. 
Beide Annahmen sind strategisch möglich, wiewohl Walckenaer Magetobria 
offenbar mit dem Schlachtfelde verwechselt, auf welchem Ariorist nicht Sieger 
war, sondern von Cäsar geschlagen wurde (vergl. Walkenaer Bd. I. 319). 

Napoleon 1. erklärte nach seinem »PrdciB des geurres de C^sar« das 
heutige PontaiUier sur Saone für Magetobria — (»Pontarlierc scheint auf 
einen Druckfehler zu beruhen) — ; während es auf der Karte seines Neffen 
Napoleon III. als la Moigte de Broye eingezeichnet ist. — Glück schreibt 
»Magetobriga« und erklärt diesen Namen mit amplus coUis. 

1) Vergl. tertiamqne partem agri Sequani, qui esset optimus totius Galliae, 
occupavisset. I, 31. 



42 

Arioyist^s Antwort war kurz und schnöde: Wenn Cäsar etwas von 
ihm wolle, so solle er zu ihm kommen. Er werde nur an der 
Spitze seines Heeres sich in eine Gegend begeben, in der Cäsar 
gegenwärtig Herr und Meister sei. Sein Heer aber dort zu ver- 
sammeln verlange grosse Zufahren und mache bedeutende Kosten. 
Uebrigens sehe er überhaupt nicht ein, was Cäsar oder das romische 
Volk in seinem eroberten gallischen Gebiete zu schaffen habe. 

Da dieser Antwort zufolge die Mitte der Entfernung zwischen 
Ariovist und dem zu Bibracte befindlichen Cäsar, wenn auch nicht 
in dss Gebiet der Aeduer, so doch jedenfalls noch in das von C^ar 
bereits unterworfene Land der Lingonen oder Lenker fiel, so ist 
zu schliessen, dass sich Ariovist damals im westlichen Theil seines 
Reiches, im heutigen Württemberg aufhielt. Dass er aber damals 
schon, wenn er sich auch anders aussprach, sein Heer zusammenzog, 
um den Fortschritten des siegreichen Rönfers Einhalt zu thun und 
seine eigenen Eroberungen in Gallien zu sichern, das steht ausser 
allem Zweifel; denn bereits wenige Tage später war er nicht nur 
mit seinem altem Heere in vollem Anmarsch, sondern hatte auch 
schon neue Streitkräfte an den Rhein rücken lassen. 

Nochmals sendete Cäsar an Ariovist, und liess ihm nun die 
entschiedene Forderung stellen, keine neue Massen über den Rhein 
zu verlegen, die Geiseln der Aeduer frei zu lassen, und dieses Volk 
sowie ihre Bundesgenossen nicht mehr zu bekriegen, sonst würde 
er sich ihrer annehmen und sie zu schützen wissen. 

Darauf erwiderte Ariovist entrüstet: Als Sieger behandle er 
die Besiegten nur nach seinem eigenen Gutdünken, wie es auch 
die Römer nicht anders machten. Die Aeduer seien aber von ihm 
in offener Feldschlacht überwunden und zinsbar geworden ; so lange 
sie den Tribut richtig zahlen, und ihm überhaupt keinen Grund 
zum Krieg geben würden, hätten sie nichts zu fürchten. Wolle 
ihm Cäsar entgegentreten, so möge er nur kommen, und die Tapfer- 
keit seiner Germanen, die 14 Jahre lang kein Dach über sich ge- 
sehen, kennen lernen. 

Gerade als diese Antwort eintraf*), kamen Gesandte der Aeduer 
und Trevirer an. Die Ersteren klagten darüber, dass die von 
Ariovist kürzlich nach Gallien geführten 24,000 Haruden ihr Land 
verheerten, und dass sie nicht einmal nach Stellung ihrer Geiseln 
mit Ariovist den Frieden wahren könnten; die Trevirer aber mel- 



1) Haec eodem tempore Caesari mandata referebantur. I, 37. 



43 

deten, dass junge Mannschaft ^) aus den hundert Gauen der Sueven ') 
sich am Rhein aufgestelllt habe, und unter Nasua und Cimberius 
denselben zu überschreiten Anstalt mache. Dieser Uebergangs- 
pimkt kann nirgends anders, als bei Mainz, yielleicht auch bei 
Oppenheim — Bonconica — gesucht werden. Denn höchstens bis 
dahin erstreckte sich südlich das Trevirerland zu Gäsars Zeit, und 
die hier versammelten Sueven waren aus Franken an den Main 
gerückt , während das alte Heer unter Ariovist's personlicher 
Führung wahrscheinlich über Heilbronn durch den Eraichgau oder 
über Pforzheim — Porta Hercyniae — im Anzug war. Dieser 
ging wohl bei Selz — Saletio — oder bei Strassburg — Argento- 
ratum — über den Rhein *), um, wie wir sehen werden, im Elsass 
das Rheinthal aufwärts zu rücken. 

2. Gäsars Marsch von Autun nach Besannen. 

(Taf. I.) 

Die von den Aeduern und Trevirern gemeldeten Nachrichten 
machten Gäsar sehr besorgt^), und er glaubte keinen Augenblick 
mehr verlieren zu dürfen, sich auf Ariovist zu werfen, ehe derselbe 
seine alten Truppen mit den neuerdings am Main erschienenen 
verstärkt haben würde. Daher ordnete er so schnell als möglich 
das Lebensmittel- Verpflegungswesen *) , und rückte Ende Juli oder 
Anfangs August^) aus der Gegend von Bibracte in forcirten 

1) Yergl. I, 37. nova manuB etc. 

2) pagos centum Suevorum ad ripam Bheni consediase. I, 37. Grävias 
sagt : »Da es nar hundert saevische Gauen gab, so waren Einige der Meinung, 
das ganze Volk der Sueven habe am Rheine gestanden; das widerspricht 
aber wahrhaftig ihrer Gewohnheit«. Cäsar erwähnt lib. IV, b. g. c. 1.: 
»die Sueven sollen hundert Gaue zählen und aus einem jeden derselben jähr- 
lich 1000 Mann Bewaffnete des Kriegsführens wegen aus ihren Marken ziehen 
lassen. Die Uebrigen bleiben zu Hause und bebauen für sich und die andern 
das Land«. — Grävius glaubte daher, dass eben 100,000 Mann sich dem 
Lande der Trevirer gegenüber am Rheine eingefunden hätten, und dass Cäsar 
dem Worte pagus überhaupt eine andere Bedeutung gebe als Tacitus, der in 
seiner Germania Cap. 39 erzähle, die Semnonen, ein Theil der Sueven, hätten 
allein, 100 pagos ausgemacht; wo folglich pagus so viel als vicus bedeute. 

3) Nach Mannert Bd. II. S. 234 war Strassburg schon frühe eine fiaupt- 
passage über den Rhein, und nach StrobePs »Geschichte des Elsasses« Bd. I. 
8. 12 heisst Argentorat die Stadt der üeberfahrt. 

4) Quibus rebus Caesar vehementer commotus. I, 37. 

5) re fmmentaria. I, 37. 

6) jamque esse in agris frumenta matura. I, 40« 



44 

Märschen ^) Ariovist entgegen , der damals gerade am Ufer des 
Rheins eingetroffen sein musste. Denn als Cäsar nach einem Marsche 
von drei Tagen einige Stunden ostlich vom jetzigen Dijon ange- 
langt war, da wurde ihm gemeldet, Ariovist sei bereits drei Tage- 
märsche von seiner Grenze vorgerückt '), und suche mit der ganzen 
um ihn versanmielten Macht Vesontio, das heutige Besan9on am Doubs 
zu erreichen, um diese Stadt, die grosste der Sequaner, zu besetzen. 

Diese Besetzung glaubte Cäsar vor Allem yerhindem zu müssen ; 
denn Besan9on konnte in ausserordentlicher Menge alle Arten von 
Eriegsbedürfhissen liefern, und war zugleich durch seine natürliche 
Lage so fest, dass es eine tüchtige Operationsbasis bilden konnte *). 

Die in ihm aufgehäuften Yorräthe waren gesichert, von ihm 
aus konnte man sich mit gehörigem Nachschub der Eriegsbedürf- 
nisse vorwärts bewegen, sich auf dasselbe zurückziehen und sich 
daselbst in fester Stellung behaupten, und darin bestand, wie Cäsar 
sich ausdrückt, seine »facultas ad ducendum bellum«. 

Cäsars Beschreibung dieser Stadt passt noch heutigen Tags 
vollkommen auf ihr Terrain. Er sagt: »der Doubs zieht sich kreis- 
förmig um die Stadt herum und umschliesst sie beinahe ganz. An 
der Stelle an welcher der Fluss sie nicht umspült, und die eine 
Ausdehnung von nicht mehr als 240 Schritten hat^), liegt ein 
Berg in der Art, dass sein Fuss auf beiden Seiten den Fluss be- 
rührt, also die ümschliessung der Stadt ergänzt. Eine um den 
Berg geführte Mauer macht denselben zu einer Citadelle *) und 
setzt ihn zugleich mit der Stadt in Verbindungc. 

Nach Besan^on zog Cäsar in forcirten Tag- und Nachtmärschen % 
bemächtigte sich desselben und gab ihm ein Besatzung. 



1) magnifl itineribus. I, 37. Iter iustum ist ein gewöhnlicher oder massiger 
Marsch, welcher eine Wegstrecke von 6 — 7 Stunden nicht überschreitet. Iter 
magnum ist ein fordrter Marsch von 8 — 9 Stunden Wegs und iter maximum 
ist ein Eilmarsch. 

2) tridui viam a suis finibus profecisse. I, 38. Unter dieser Grenze kann 
wohl nur diejenige gemeint sein, welche die Sueven vom Lande der Ubier 
trennte und über den Schwarzwald hinlief. 

3) omnium rerum, quae ad bellum usui erant, summa erat in eo oppido 
facultas, idque natura loci sie muniebatur, ut magnam ad ducendum bellum 
daret facultatem. I, 38. Das »ducere bellum« heisst hier nicht den Krieg in die 
Länge ziehen, wie anderwärts übersetzt ist, sondern überhaupt den Krieg führen. 

4) pedum DG. I, 38. 

5) arcem efficit. I, 38. 

6) magnis nocturnis diurnisque itineribus. I, 38. 



45 

3. Meuterei za Besan^on. 

Während Cäsar hier einige Tage verweilte, um die Ver- 
pflegung mit Lebensmitteln und die BeischafiFung anderer Eriegs- 
bedürfnisse zu ordnen *) , wirkte das Gerede von der Germanen 
Furchtbarkeit so erschütternd auf die Römer, dass eine beinahe 
allgemeine Entmuthigung unter ihnen eintrat, und Einige sogar 
erklärten, sie würden einem Marschbefehle gegen Äriovist keine 
Folge leisten. — Da versammelte Cäsar nicht nur die Legaten, 
den Qaastor, die Tribunen und Centurionen erster Classe, welche 
in der Regel den Eriegsrath bildeten, um sich, sondern er zog 
auch die Centurionen aller übrigen Classen*) bei, und hielt eine 
energische Rede. 

Er erinnerte sie an die Siege des Marius über die Cimbern 
und Teutonen, und daran, dass die Germanen ja auch von den 
Helvetiern besiegt worden seien, die sie selbst erst kürzlich tiber- 
wunden hätten. Diejenigen, welche ihre Furcht mit der Schwierig- 
keit der Verproviantirung und der bevorstehenden Märsche bemän- 
telten '), handelten ^ehr vermessen, da sie durch solche Aeusserungen 
ihrem Feldherm entweder die pflichtgemässe Fürsorge absprächen 
oder ihm gar Vorschriften ertheilen wollten. Vorzusorgen und 
vorzuschreiben käme wohl ihm zu. Lebensmittel würden die 
Sequaner, die Lenker*) und die Lingonen herbeischafifen. Auch 
stehe bereits reifes Getreide auf den Feldern. Wie es sich nait 
dem bevorstehenden Marsche verhalte, würden sie bald zu beur- 
theilen bekommen. Endlich sei es nicht so weit gekonmien, dass 
er befürchten müsse, sein Heer werde nicht marschiren, wenn er 
den Befehl dazu ertheile, und er werde morgen früh um zwei Uhr 
abmarschiren ^). Sollte aber auch sonst Niemand ihm folgen, so 
werde er mit der 10. Legion allein aufbrechen, und diese, an deren 
Hingebung er nicht zweifle, zu seiner Garde erklären ^). 



1) rei framentariae commeatusque causa cap. 39. Forcellini sagt über 
>commeatus< : Saepe ita sumitar pro alimentis, ut frumentum non compre- 
hendat; significat autem cibos et alia usui neoessaria, quae secum milites 
hnmeris vel iumentis comportant. 

2) convocato condlio omniumque ordinum ad id concilium adhibitis oen- 
turionibus. I, 40. Vergl. Anhang II. § 19—27. 

3) in rei fmmentariae simulationem angustiasqne itineris oonferrent. I, 40. 

4) Nach Walckenaer a. g. 0. die Bewohner um Toul und Naix. 

5) de qnarta vigilia. I, 40. 

6) sibique eam praetoriam cohortem faturam, I, 40. 



46 

Diese Rede bewirkte eine wunderbare Umstimmung, und Alles 
war wieder bereit, willig und voll Kampflust. Zuerst brachte die 
10. Legion Cäsar ihren Dank dar für den guten Glauben , den er 
ihr schenke, und die übrigen Legionen baten ihn hierauf durch 
ihre Tribunen und Centurionen erster Classe *) , doch auch ihres 
Vertrauens und ihrer Ergebenheit versichert sein zu wollen, 

Cäsar nahm diese Versicherungen gnädig auf, und verhängte 
w^en des Vorgefallenen keine Strafen, weil, wie Lossau glaubt, 
er dazumal, nämlich vorzugsweise in seinen ersten Kriegen, alle 
Nachgiebigkeit und Festigkeit, die einen des Vertrauens würdigen 
Charakter bezeichnen, zeigen wollte, um das Unrecht seiner Wider- 
sacher in Rom klar an den Tag zu legen, und sein eigenes unbe- 
flecktes Recht zur Begründung der öffentlichen üeberzeugung her- 
vorzuheben. 

Mir scheint jedoch, dass er in seiner damals so kritischen Lage 
zunächst nur das Heer selbst im Auge hatte, das allein ihn und 
seine grossen Entwürfe retten konnte, das aus so vielen jungen 
Truppen bestehend nach seiner Eigenthümlichkeit behandelt werden 
musste, und dessen Muth und Hingebung er durch Ruhe, Hoch- 
herzigkeit und unerschütterliche Festigkeit mehr als durch schwere 
Strafen heben zu können glaubte. Wenn eine Meuterei, derjenigen 
zu Vesantio ähnlich, nahezu niemals ohne die strengste Bestrafung 
bleiben darf, so ist es eben gerade ein Merkmal des Genie's, die 
Zeit der Ausnahmen richtig zu erfassen und hiernach die Regel 
zu begrenzen. 

4. Cäsars Abmarsch nach dem ßbeinthal und Zusammentreffen 

mit Ariovist. 

Cäsar liess nunmehr durch Divitiacus, dem er unter allen seinen 
Galliern am meisten vertraute, die zweckmässigste Marschrichtung 
aufsuchen *) , brach sodann , wie er schon ausgesprochen hatte , um 
die vierte Nachtwache auf, und führte sein Heer, zwar auf einem 
Umwege von mehr als 16 geogr. Meilen ') , aber durch offene 
Gegenden Ariovist entgegen. 

1) per centuriones primonim ordinmn. I, 41. 

2) itinere exqnisito per Divitiacum. I, 41. 

3) milinm amplius XC circnita lods apertis. I, 41. In Betreff dieser 
Wegstrecke weichen die Lesearten von einander ab. Nach den Einen ist XL, 
nach andern L zu setzen. Da aber »drcuitus« nicht einen Umweg im Sinne 
des Mehrbetrags eines Weges gegen einen andern , sondern den ganzen 



47 

Den kürzesten Weg, um Ariovist in den flir die römische 
Taktik vortheilhaften Ebenen des Elsasses zu begegnen, hätte Cäsar 
das Doubsthal hinau&iehend gefunden. Er musste aber ein Zu- 
sammentreffen mit den Germanen in den Defileen und Wäldern 
jenes Thaies aus taktischen Rücksichten vermeiden ^), und deshalb 
zog er den durch offenere Gegenden führenden Umweg vor. Dieser 
Umweg musste von Besan^on gegen Norden ausbiegen, da er süd- 
lich ausbiegend Cäsar von den Hilfsquellen, welche ihm durch die 
Lenker und Lingonen ') zuflössen, allzuweit abgezogen und von 
Ariovist selbst entfernt haben würde. 

Sein Marsch ging wahrscheinlich über das heutige Yesoul, 
Lure und Beifort in das Rheinthal bis in der Gegend von Damer- 
kirch'). Ohne einen Rasttag zu halten, langte er am siebenten 
Tf^e dort an*) (siehe Taf. I.) 

Cäsar erhielt hier von seinen Recognoscirungstruppen ^) die 
Meldung , dass Ariovist's Streitkräfte noch acht Stunden Wegs ^) 



grössern, weniger geraden Weg bezeichnet, (vergl. circuitus solis. Cic. de 
nat. deor. cap. 19.) und Cäsar sieben Tage zur Zurücklegung seines Marsches 
bedurfte, so ist offenbar sowohl die Zahl XL als auch L zu gering, während 
die Leseart »milium aplius XC« gerade eine natürliche Marschgrösse von 
täglich etwa 2'/* geogr. Meilen gibt. — Napoleon hält die Zahl L fest 
und lässt Cäsar von Besan9on in einem Bogen über Pennesi^res, Yallerois le 
Bois und Villersexel nach Acey marschiren; dies macht gerade 50 römische 
Meilen. Von da lässt er ihn sodann in gerader Richtung über Beifort ins 
Rheinthal ziehen. Er versteht nämlich Cäaars Worte dahin, dass nicht zu 
dem geraden Weg durch den Umweg noch 50 Meilen gefügt worden seien, 
sondern dass der ganze bogenförmige Weg, als dessen Sehne das Doubsthal 
zu betrachten ist, diese Entfernung betrage. Heller billigt diese Erklärung -, 
während R ü s t o w diesen Marsch wieder auf andere Weise construirt ; alle 
gelangen aber schliesslich in den oberen Elsass, wohin Göler ihnen den 
Weg gezeigt. 

1) Von der Quelle bis Montbeiliard ist das Thal des Doubs überaus enge 
und felsig, oft von senkrechten Wänden gebildet, dann bis Be8an9on offener 
und stellenweise beschränkt. (Hahnzogs Militär - Geographie S. 651.) vergl. 
angustiasque itineris. I, 40. Die Meuterer setzten voraus, Cäsar beabsichtige 
durch das Doubsthal zu marschiren. 

2) Vergl. I, 40. 

3) Nahezu der Marsch des Generals von Werder im Januar 1871. — 
Napoleon III., welcher »millium amplius quinquaginta circuituc liest, lässt 
trotzdem Cäsar am siebenten Tag bereits bei Sennheim (Cemay) eintreffen. 

4) septimo die, quum iter non intermitteret. I, 41. 

5) ab exploratoribus. I, 41. 

6) XXIY miübos passuum. I, 41. 



48 

entfernt stünden — ungefähr bei dem heutigen Ensisheim (Taf III. 

Fig. 2.). 

Die Germanen marschirten ausserordentlich langsam, da sie Weib 
und Kind und einen yerhältnissmassig grossen Tross mit sich führten. 
Auch die Helvetier legten ja, wie aus dem oben beschriebenen Feld- 
zuge hervorgeht, täglich nur etwa zwei bis drei Stunden Wegs zurück. 

Als Ariovist erfuhr, dass Cäsar in seiner Nähe eingetroffen 
sei, liess er ihn zu einer Besprechung auffordern; QLsar nahm das 
Anerbieten an, und es wurde die Zusammenkunft auf den fünften 
Tag festgesetzt. Ariovist stellte dabei die Bedingung, dass sie 
beiderseits nur von Beitem begleitet erscheinen dürften, und Cäsar 
willigte hiezu ein, liess aber die 10. Legion die Pferde seiner etwas 
zweifelhaft gesinnten gallischen Hilfs-Reiterei — andere hatte er 
keine — besteigen, weil er dieser den Schutz seiner Person anzu- 
vertrauen nicht ftir gut fand. 

üeber die geographische Li^e des Orts, wo jene Unterredung 
und die darauf folgenden Kämpfe stattfanden, sind schon sehr ver- 
schiedene Ansichten aufgestellt worden, die ich alle anzufiihren 
und zu beimpfen mich nicht entschliessen kann; aber anzuführen 
kann ich nicht unterlassen, dass Napoleons I. Aeusserung über 
diesen Gegenstand das Resultat meiner Untersuchung wenigstens 
nicht ausschliesst , indem er sagt: »La bataille contre Arioviste a 
&^ donnee ... du cot^ de Befort«. Nur glaubte ich die Lage 
des Orts noch näher bestimmen zu können, habe mich deshalb auf 
das supponirte Terrain selbst begeben, dasselbe genau recognoscirt, 
mit Cäsars Commentarien verglichen, und seine taktischen Ver- 
hältnisse so gefanden, dass sie nicht nur zur Beschreibung der Be- 
gebenheit und Kämpfe daselbst vollkommen passen, sondern die 
Terrainbildung gerade durch ihre Eigenthümlichkeit ein oder das 
andere bisher unbegreiflich gebliebene Verfahren Cäsars natürlich 
machen. 

Cäsar sagt : »Es war eine grosse Ebene und auf derselben eine 
ziemlich grosse wellenförmige Erhebung des Terrains. Dieser Ort 
lag ungefähr auf halbem Wege zwischen dem Lager des Ariovist 
und demjenigen des Cäsarc ^). 

Wenn man sich nämlich von Damerkirch nach Ensisheim be- 
gibt, so findet man die erste Hälfte des Weges hindurch ein hüge- 



1) Planities erat magna et in ea tumulas terrenns satis grandis. Hie 
locus aequo fere spatio ab castris ArioTisti et Caesaris aberat. I, 43. 



49 

liges und ziemlich durchschnittenes Terrain ; nachdem man aber bei 
Niederaspach den dortigen in die Doller einmündenden Bach über- 
schritten hat, trifft man nur noch eine wellenförmige, etwa eine 
Viertelstunde lange und an jenem Bache hinziehende Terrain- 
erhebung. Ihre südliche Ansteigung erhebt sich uach mehreren 
hundert Schritten etwa 50 Fuss über das Bette des Baches, gegen 
Norden aber verläuft sie sich glacisförmig in die grosse Ebene von 
Sennheim (Cemay), deren ungefähre Mitte das >Ochsenfeld« heisst *) 
(s. Taf. UL) 

Auf jener Terrainwelle fanden sich der Suevenkönig und der 
römische Imperator zur Besprechung ein. Im Osten hatten sie den 
Feldberg, im Westen den Sulzer Beleben vor Augen und nordlich 
breitete sich die weite Rheinthalebene aus. 

Cäsar liess die Legion, welche er zu Pferde mit sich gebracht 
hatte'), 400 Schritte diesseits des Hügels, also gerade am Bache 
Halt machen. In gleicher Entfernung, aber jenseits des Hügels 
hielten die Reiter des Ariovist. Beide nahmen nur 10 Reiter mit 
sich zur Unterredung. 

Qisar verlangte von Ariovist von Neuem, er solle weder die 
Aeduer noch ihre Bundesgenossen mehr bekriegen, die Geiseln 
zurückgeben, und keine weitern germanischen Schaaren mehr über 
den Rhein ziehen lassen. Ariovist entgegnete, er sei von den 
Galliern in ihr Land gerufen worden, und könne seine Eroberungen 
nicht wieder herausgeben; mit den Römern habe er nichts zu 
schaffen. Er glaube, C^sar selbst beabsichtige, Gallien zu unter- 
jochen, und wenn er sich nicht zurückziehe, so werde er ihn feind- 
lich behandeln. 

Als Cäsar gerade im Begriff war, die Rechte der Römer auf 
Gallien hervorzuheben, da erhielt er die Meldung, dass die feind- 



1) An der Ostseite des Ochsenfeldes führen noch heutzutage die Spuren 
einer alten Bönierstrasse hin, und obgleich sie zu der Zeit, um die es sich 
hier handelt, noch nicht gebaut war, so ist doch nach ihrer Anlage zu ver- 
muthen, dass in dieser Richtung eine Hauptcommunication bereits statt hatte. 
Diese Römerstrasse wurde im 16. Jahrhundert aufgefunden und führte von 
Epamanduodurum nach Brisiacus — Breisach — vergl. Memoire sur les 
^tablisaements romains du Rhin et du Danube par M. de Ring. T. II. d. 98. 
Strasbuorg 1853. 

3) quam equis devexerat. I, 43. Dieser Ausdruck ist bezeichnend ; denn 
die Legionarsoldaten ritten nicht sowohl , als dass sie vielmehr auf Pferden 
an Ort und Stelle transportirt wurden. 

T. OOler, Cftsars gallischer Krieg. II. Aufl. 4 



50 

liehe Reiterei sich nähere, und sogar schon Pfeile und Steine gegen 
seine Leute geworfen habe. Er brach daher die Unterredung ab, 
begab sich zu seinen Truppen zurück *) , und befahl ihnen , auch 
nicht mit einem einzigen Pfeilwurf die Feindseligkeit zu erwidern. 
Denn obgleich er überzeugt war, seine auserlesene Legion würde 
sich ohne alle Gefahr *) mit der Reiterei in ein TreflFen einlassen, 
so glaubte er doch jeden Anlass zu der Nachrede vermeiden zu 
müssen, die Germanen seien in ihrem Vertrauen auf ihn ge- 
täuscht und in eine Falle gelockt worden. 

Lossau ist der Ansicht, Cäsar habe wirklich geglaubt, seine 
Legionarsoldaten hätten als plötzlich zu Pferde gesetzte Infanteristen 
mit Erfolg ein Reitergefecht liefern können, und will darnach auf 
die ünbeholfenheit der damaligen Reitergefechte schliessen. Dem 
ist aber nicht so, und die genaue Kenntniss des fraglichen Terrains 
zeigt, dass in der Beschaffenheit desselben Cäsars Sicherheit lag. 
Seine Legionarsoldaten mit ihren Pferden waren hart am Bache 
aufgestellt, hatten denselben wahrscheinlich mit geringer Ausnahme 
nicht einmal überschritten, und konnten, wenn auch ein Drittheil von 
ihnen zum Zurückbringen der Pferde verwendet wurde, zu Fuss ein 
Defensivgefecht jedenfalls mit Glück führen; jeder Schritt rückwärts 
brachte sie tiefer in das durchschnittene Terrain, und benahm der feind- 
lichen Reiterei immer mehr die Möglichkeit, mit Vortheil zu agiren. 

Nachdem es unter den römischen Soldaten bekannt geworden 
war, mit welcher Anmassung sich Ariovist benommen, und dass die 
germanische Reiterei sich während der Unterredung Feindseligkeiten 
hatte beigehen lassen, hob sich des ganzen Heeres Muth und Kampf- 
lust noch mehr. 

5. Die feindlichen Heere lagern bei S en nhe i m (C e rnay). 

(Taf. in.) 

Cäsar brach, die gute Stimmung des Heeres benützend, den 
andern Tag aus seinem Lager — beim heutigen Damerkirch — 
auf, und schlug nach einem Marsche von 5*2 Stunden Wegs sein 
Lager */2 Stunde östlich vom heutigen Sennheim an der Thur. 
Diesen Marsch hat Cäsar nicht ausdrücklich angeführt. Er musste 
aber noth wendig statthaben, weil andernfalls Ariovist, wie wir 
sehen werden, nach einem Marsche an die Vogesen, also zur Seite, 
nicht hätte nur zwei Stunden Wegs von Cäsar entfernt stehen können. 

1) seque ad snos recepit. 1, 46. 

2) sine ullo periculo legionis delectae. I, 46. 



51 

Zwei Tage später ') — also den Tag nach Cäsars Ankunft 
an der Thur — brachte Ariovist von Neuem eine Unterredung in 
Vorschlag. Cäsar ging jedoch nicht darauf ein, sondern sendete 
den Valerius Procillus und den Marcus Mettius, einen Gastfreund 
des Ariovist zu demselben. Als sie erschienen, rief ihnen Ariovist 
entgegen : ob sie etwa Spione seien, und Hess sie in Ketten werfen. 

Am nämlichen Tage brach der Suevenkönig aus seinem Lager 
bei dem heutigen Ensisheim auf, und setzte sich am Fusse der 
Vogesen, — an der Südseite des heutigen Städtchens Sultz — zwei 
Wegstunden von Cäsars Lager entfernt, fest*) (Taf. IIL Fig. 2.). 

Den folgenden Tag zog er sich südlich über die Vorhügel der 
Vogesen hin, nicht nur durch dieses Terrain, sondern auch durch 
das sumpfige linke Ufer der Thur gegen einen Anfall von Seiten 
der Römer gesichert, da deren Taktik ein solches Terrain vermeiden 
musste. Bei Alt-Thann überschritt er die Thur, und schlug sein 
Lager (Taf. UL Fig. 1. c.) an dem Bache, welcher durch Ober- 
aspach äiesst, und zwar in der Nähe dieses Dorfes. Er hatte also 
sein Heer an Cäsars Lager vorübergeführt, und sein neues Lager 
lag 4000 Schritte von Cäsar entfernt und oberhalb desselben, näm- 
lich das Rheinthal aufwärts. Durch diesen Marsch beabsichtigte. 
er CäsajT von den Zufuhren an Proviant und andern Kriegsbedürf- 
nissen abzuschneiden, welche demselben aus dem Lande der Sequaner 
und Aeduer zukamen''). 

1) Biduo post. I, 47. 

2) eodem die castra promovit et milibus passuum sex a CaesariB castris 
sab monte consedit. I, 48. 

3) Postridie eius diel praeter castra Caesaris suas copias traduxit et milibus 
paasnum duobus ultra eum castra fecit, eo consilio uti frumento commeatuque, 
qui ex Seqaanis et Haeduis supportaretur, Caesarem interciuderet. I, 48. 

Wenn verschiedene Militärschriftsteller , welche , wie General v. Lossau 
(a. g. 0. S. 322), ihre Darstellung der fraglichen Operationen auf kein specielles 
Terrain basiren, es auffallend finden, dass Cäsar seinen Gegner den Marsch 
am römischen Lager vorrüber ausführen liess, ohne ihn während desselben 
anzugreifen, so möchte es wohl sehr für die Richtigkeit der bei Sennheim ange- 
nommenen Oertlichkeit sprechen, dass gerade die Eigenthümlichkeit des dor- 
tigen Terrains nicht nur das, allgemein betrachtet, auffallende Verhalten 
Cäsars, sondern auch dasjenige des Ariovist erklärt. 

Ariovist durfte seinen Flankenmarsch im Vertrauen auf die Deckung 
wagen, welche ihm das Terrain auf dem linken Ufer der Thur bot, und er 
wusste wohl recht gut, dass er in bergigem und coupirtem Terrain die auf 
ein ebenes Schlachtfeld berechnete römische Taktik nicht zu fürchten hatte, 
ja seine kräftigen, gewandten und selbstständig zu kämpfen gewohnten Qer- 

4* 



52 

Cäsar war nun durch Ariovi^t^s Marsch umgangen und von 
seiner Operationsbasis al^eschnitten ; dennoch griff er noch nicht 
an, führte aber an jedem der fünf nächstfolgenden Tage seine 
Truppen aus dem Lager (Taf. III. Fig. 1. a.) und stellte sie vor 
demselben in Schlachtordnung, so dass, wenn Ariovist die Schlacht 
annehmen wollte, ihm Gelegenheit hiezu gegeben war '). 



manen dort sogar im Vortheile waren. Cäsar aber, der wohl die gleiche 
üeberzeugung hatte, durfte es nicht wagen, unter den geschilderten Verhält- 
nissen anzugreifen , wo regelmässige Gliederung und zusammenhängende 
Stellung unmöglich, der üeberblick des Führers gehemmt und die einzelnen 
Abtheilungen auf eine der römischen Taktik fremde Weise mehr auf sich 
selbst angewiesen waren. Diese Betrachtungen wurden aber um so wichtiger, 
als er immerhin noch den erschütternden Eindruck berücksichtigen musste, 
den erst kürzlich der Ruf jener Völker bei seinen Truppen hervorgebracht hatte. 
1) Napoleon III. adoptirt dieses vom Verfasser zuerst gefundene 
Schlachtfeld, lässt aber die Römer Front gegen Osten und die Germanen 
Front gegen Westen machen; indem er, wie auch bereits firüher Heller 
darauf aufmerksam macht, dass bei der von Göler angenommenen Stellung 
kaum ein Mann nach der Niederlage der Germanen nach dem Rheine hätte 
entkommen können. — R ü s t o w nimmt eine eigenthümliche Stellung in der 
'Frage über die Lage des Schlachtfelds ein. In seiner mit Eöchly 1857 heraus- 
gegebenen Einleitung zu Gäsars Gommentarien glaubt er dasselbe an der 
oberen Saar suchen zu müssen, weil er aus dem Umstände, dass die Sequaner, 
die Lenker und die Lingonen die Verpflegung liefern mussten, den Schluss 
zieht, Gäsars Marsch müsse mit Nothwendigkeit durch die Gebiete dieser 
Völkerschaften gegangen sein. Zehn Jahre später kritisirt er zwar in seinem 
Gommentar zu Napoleons Werk diesen wie den Verfasser vorliegenden Werkes 
im Tone eines unfehlbaren Professors unwissenden Schülern gegenüber, lässt 
sich aber doch herbei, das Schlachtfeld im Rheinthal, nur etwas nördlicher, 
zu suchen. So muss denn auch er , wie Napoleon , die vom Verfasser erst- 
mals aufgeftellte Ansicht acceptiren, dass die Schlacht gegen Ariovist im 
oberen Elsass geschlagen worden sei; der schweizer Oberst in etwas brutaler 
Weise, der französische Kaiser die Entdeckung als seinen Fund darstellend. — 
Für diejenigen, welche Rüstow's republikanische Schreibweise nicht kennen, 
können wir uns nicht versagen , eine kleine Stylprobe zu liefern. In hoher 
Zorneswuth darüber, dass der Verfasser einen Druckfehler* in Rüstows Werk 
nicht als Druckfehler erkannte, schreibt er : »Allerdings war nun niemals — 
auch von einem unerzogenen Schulbuben — ein Druckfehler leichter als 
solcher zu erkennen; aber Göler der uninformirte Professor, wegen seiner 
Stellung als Flügeladjutant des Grossherzogs von Baden von allen Professoren 
zu Heidelberg und Fieiburg und allen die es werden wollten »deutscher« 
Weise nach für eine militärische Autorität anerkannt — Gott weiss, wie 
man Leute, die dies thun konnten, noch für vernünftig halten durfte« u. s. w. 
Doch genug! denn später wirft er sogar mit »Esel« u. dgl. philologischen 
Titulaturen um sich! 



53 

Ariovist that dies vorerst nicht, sondern behielt an jenen 
Tagen sein Heer im Lager, liess sich jedoch taglich in Reiterge- 
fechte ein, die von den Germanen in folgender Weise geliefert 
wurden *) : Sechstausend Reiter und eben so viele ausserordentlich 
behende ') und tapfere Kämpfer zu Fuss hatten sich zusammenge- 
stellt, indem sich ein jeder Reiter aus den Letztem ein Soutien 
wählte '). Gemeinschaftlich mit diesen traten sie im Kampfe auf ^). 
Auf sie zogen sich die Reiter zurück, und sie liefen, wenn die 
Gefahr dringender wurde, den Reitern entgegen ^), um ihnen schneller 
zur Seite zu sein; wenn aber einer oder der andere der Reiter 
schwer verwundet vom Pferde sank, so 'umstanden und schützten 
sie ihn ; musste auf eine grössere Entfernung vorgerückt oder ein 
eiliger Rückzug angetreten werden, so hatten die zu Fuss Kämpfen- 
den durch viele üebung eine solche Gewandtheit erlangt, dass sie 
die Mähnen der Pferde ergriffen , und ihnen auf diese Weise im 
Laufe zur Seite blieben •). 

Als Cäsar sich überzeugt hatte, dass Ariovist sein Li^er nicht 
verlasse und eine Schlacht im freien Felde versage, so wählte er, 
am nicht allzulange von seinen Zufuhren abgeschnitten zu bleiben ^), 
thalaufwärts von dem Orte, auf welchem sich die Germanen ge- 
lagert hatten, und zwar ungefähr 1200 Schritte von ihnen entfernt, 
einen geeigneten Lagerplatz für zwei seiner Legionen aus (Taf. IIL 
Fig. 1. b.); offenbar auf der wellenförmigen Erhebung, auf welcher 
er sich vor einigen Tagen mit Ariovist unterredet hatte. Sodann 
rückte er mit sechs Legionen, die er in drei Heerestheile oder Di- 
visionen von je zwei Legionen formirt hatte *), nach jenem Lagerplatze. 

Wahrscheinlich führte er sein Heer vom Lager aus im Flanken- 



1) genus hoc erat pugnae, quo se Germani exercuerant. I, 48. 

2) velodssimi. I, 48. 

3) suae salutis causa delegerant. I, 48. 

4) cum bis in proeliis versabantur. I, 48. 

5) concurrebant. I, 48. 

6) Lossau bezieht diese Kampfweise nur auf ein Einzelgefecht. Doch 
scheint aus dem lateinischen Text der Gommentarien diese Beschränkung 
nicht hervorzugehen, und der Satz: »si quis graviore vulnere accepto equo 
dedderat, drcumsistebantc scheint ihr sogar geradezu zu widersprechen. Das 
aber möchte aus dem Texte zu ersehen sein, dass die germanischen Reiter 
nicht Knie an Knie geschlossen, sondern lockerer, mit kleinen Intervallen 
neben einander ritten. 

7) ne diutius commeatu prohiberetur. I, 49. 

8) ade triplid instructa. I, 49. 



54 

marscli südlich , bis seine Tete auf jener Terrainerhebung ange- 
kommen war, stellte durch eine Wendung rechts um! seine Front 
her, und rückte in Schlachtordnung so weit gegen das feindliche 
Lager vor, dass er den zum neuen Lager bestimmten Platz hinter 
seinen linken Flügel bekam. Dort wurde Halt! gemacht, das erste 
und zweite Treffen blieb unter den Waffen, das dritte aber wurde 
zur Befestigung des Lagers verwendet *). 

Nun entsendete Ariovist etwa 16,000 Mann in nur leichter 
Bewaffnung*), nebst seiner ganzen Reiterei, um den Römern Be- 
sorgnisse zu erregen und die Befestigung des Lagers zu verhindern. 
Cäsar aber liess, wie er es für diesen Fall schon vorher beschlossen 
hatte , durch seine beiden ersten Treffen den Feind zurückwerfen 
und durch sein drittes Treffen die Lagerbefestigung vollenden. 

Nachdem die Verschanzung dieses kleinen Lagers hergestellt 
war, besetzte es Cäsar mit einem Theil seiner Hilfsvolker und zwei 
seiner Legionen , unzweifelhaft mit denjenigen des linken Flügels, 
— der acies sinistra — und führte die übrigen vier Legionen in 
sein grösseres Lager (Taf. III. Fig. 1. a.) zurück. 

Jenes kleinere Lager deckte nunmehr die aus dem Lande der 
Aeduer und Sequaner, namentlich aber aus dem Waffenplatze Vesontio 
kommenden Zufuhren, während das grössere Lager die Zufuhren, 
welche von den Lingonen und Lenkern beigeschafffc wurden , zu 
schützen vermochte, zugleich aber dem Ariovist die Verbindung 
mit seinem Lande abschnitt. 

Am folgenden Tage liess Cäsar seinem bereits eingeleiteten 
Plane gemäss die Truppen seiner beiden Lager aus denselben aus- 
rücken, und stellte die vier Legionen des grossem Lagers, nachdem 
er sie eine kleine Strecke vorgeführt hatte, in Schlachtordnung, 
um dem Feinde die Schlacht anzubieten. Als er aber sah, dass 
dieser nicht einmal jetzt — wo er doch nur vier Legionen ver- 

1) priraam et secundaiu aciem in armis esse, tertiam castra munire jussit. 
I, 49. Die römischen Heere waren zwar gewöhnlich in mehrere Heeresab- 
theilungen gegliedert, die neben einander Htanden, und hiessen darnach acies 
triplex, duplex etc.; demungeachtet formirten aber die ersten Linien sämmt- 
licher Heeresabth eilungen zusammen nur ein Treffen, und analog die zweiten 
und dritten Linien das zweite und dritte Treffen, welche Treffen mit prima, 
secunda , tertia acies bezeichnet wurden , während man die einzelnen Heeres- 
abtheilungen nicht prima etc., sondern dextra, media und sinistra acies be- 
nannte. (VergL Anhang II, § 4 — 6.) 

2) hominium numero sedecim milia expedita. I, 49. (Vergl. Anhang 11. 
§ 42.) »Expeditus« ist zu unterscheiden von »velox« (I, 48). 



55 

einigt hatte*) — gegen ihn vorrückte, fahrte er dieselben etwa 
um Mittag wieder in's Lager. 

Dann endlich entsendete Ariovist einen Theil seiner Truppen, 
um das kleine Li^er b. anzugreifen. Ob die vor dessen Yerschanzung 
aufgestellten zwei Legionen bei Annäherung der Germanen sich, 
wie zu yermuthen ist, alsbald in das Lager zurückzogen, sagt Cäsar 
nicht, sondern nur, dass bis zum Abend heftig gekämpft wurde, 
und es beiderseits viele Verwundete gab. Bei Sonnenuntergang zog 
endlich Ariovist seine Schaaren in ihr Lager zurück. 

Hier lässt sich die Frage aufwerfen , aus welchen Gründen 
Cäsar mit seinen vier Legionen nicht aus dem grössern Lager wieder 
ausrückte, um die das kleinere Lager stürmende Germanen in Flanke 
und Rücken zu bedrohen , die Vertheidiger jener Yerschanzungen 
dadurch zu unterstützen, oder Ariovist in eiuen allgemeinen Kampf 
zu verwickeln. — Möglicherweise lagen die Gründe in Folgendem: 
Cäsars Legionen hatten von Morgens bis Mittags in Schlacht- 
ordnung gestanden, waren Nachmittags ermüdet im Lager wieder 
eingerückt, und erhielten, wenn sie auch bereits sich imd ihre 
Pferde durch Nahrung wieder erfrischt hatten, die Nachricht vom 
Angriff auf das kleine Lager so spät am Tage ') , dass Cäsar be- 
fürchten musste, mit ermüdeten Truppen in einen Nachtkampf 
verwickelt zu werden, wo die Einbildungskraft die Furchtbarkeit 
der Germanen vergrössert, und die römische Taktik ihr Ueberge- 
wicht verloren haben würde, — er einem höchst gefährlichen Rück- 
zug, einer Schlappe oder gar einer Niederlage ausgesetzt gewesen wäre. 

Cäsar fragte Gefangene, warum denn Ariovist keinen ent- 
scheidenden Kampf eingehe, und erhielt die Antwort, es sei bei 
den Germanen Gebrauch, dass die Frauen wahrsagten, ob man sich 
mit günstigem Erfolg in eine Schlacht einlassen werde oder nicht ; 
diesmal hätten sie erklärt : die Germanen könnten nicht siegen, wenn 
sie vor dem Neumonde den Entscheidungskampf beginnen würden. 

6. Entscheidungsschlacht und Niederlage des Ariovist. 

(Taf. III. Fig. 3.) 
Am folgenden Tage liess Cäsar in beiden Lagern eine ihm 
hinlänglich dünkende Besatzung, und stellte alle Hilfstruppen *) so 

1) ne tum quidem. I, 50. 

2) Der Angriff konnte in der Niederung des Baches, welcher an Aspach 
vorüberfliesst , unternommen werden, und somit dnrch die Terraingestaltung 
verdeckt , Cäsar längere Zeit unbekannt bleiben. 

3) omnes alarios. I, 51. 



1 



56 

vor dem kleinen Lager (b.) auf, dass sie Ariovist nothwendig sehen, und 
für Legionen halten musste. Cäsar suchte nämlich, weil er im Verhält* 
niss zur Zahl der Feinde allzuwenig Legionartruppen hatte, die Germa- 
nen in Betreflf seiner Stärke zu täuschen *) und hierdurch, wie wir sehen 
werden, Ariovist für dessen rechten Flügel Besorgnisse zu erwecken. 

Während Ariovist die Hilfsvölker für die zwei Legionen des 
kleinen Lagers ansah, waren diese zur Porta decumana hinaus- 
marschirend, und sich erst später links, nämlich nördlich wendend, 
ungesehen zu Cäsar gestossen ^) , welcher indessen mit zwei Le- 
gionen aus dem grössern Lager (a.) vorgerückt war, und nunmehr 
die sechs Legionen wiederum in drei Divisionen formirt bis zum 
feindlichen Lager heranführte. 

Nun konnten die Germanen, obschon es noch nicht Neumond 
war , es nicht mehr umgehen ') , die Herausforderung anzunehmen, 
rückten endlich mit allen ihren Streitkräften, aus Sueven, Haruden, 
Markomanen, Tribockern, Vangionen, Nemetem und Sedusiern be- 
stehend, aus dem Lager, und stellten sich, nach Yölkerstämmen 
geordnet und gleiche Litervallen *) zwischen sich haltend, in Schlacht- 
ordnung. Weil aber Ariovist die vor dem kleinen römischen Lager 
aufgestellten Hilfsvölker wirklich, wie Cäsar beabsichtigt hatte, f&r 
Legionen ansah, und befürchtete von ihnen in der rechten Flanke 
angefallen zu werden, so hatte er seinen linken Flügel geschvmcht, 
und viele Truppen desselben zur Verstärkung seines rechten Flügels 
hinweggezogen. Im Rücken der Schlachtreihe fuhren die Germanen 
ihre Wagen dd. auf, um sich jeder Möglichkeit der Flucht zu ent- 
äussem. Auf die Wagen setzten sich aber ihre Weiber, welche 
den zum Kampfe Vorrückenden mit fliegenden Haaren flehentlich 
zuriefen, sie doch nicht in der Römer Sclaverei fallen zu lassen. 

Cäsar stellte an die Spitze der Legionen ausnahmsweise Legaten 
und den Quästor, nicht aus taktischen Rücksichten, sondern nur 
zur Erhöhung des Ehrgefühls, damit, wie er sich ausdrückt, ein 
jeder Legionarsoldat einen solchen hochgestellten Offizier als Zeuge 

1) ut ad speciem alariis uteretur. I, 51. 

2) Ein hierzu dienender deckender Wald ist an jener Stelle längs der 
alten Römers trasse hinziehend jetzt noch vorhanden. 

3) necessario. I, 51. Die Nöthigung zum Kampfe , welche in diesem 
»necessarioc ausgesprochen ist, scheint darin gelegen zu haben, dass Cäsar 
bis an das feindliche Lager heranrückte, denn nach Frontin IL 1. § 16. war 
der Mond dazumal noch im Abnehmen, folglich dieses Binder niss, einen Haupt- 
kampf einzugehen, noch nicht gehoben. 

4) gener atimque (suas copias) oonstituerunt paribus intervallis. I, 51. 



57 

seiner Tapferkeit vor Augen habe ^). Er^für seine Person befand 
sich auf dem rechten Flügel, und führte dort selbst die Truppen 
gegen den Feind '), weil er gegen dessen linken Flügel, den er fiir 
den schwachem erkannt hatte, den Hauptschlag thun wollte. Nach- 
dem er mit der Feldhermfahne — dem Vexillum — das Signal 
zum Angriff gegeben hatte ") , führten die Legionen ihren Chock *) 
mit solchem ungestüm aus, und liefen auch die Feinde den Legionen 
so plötzlich und rasch entgegen, dass die Romer ihre Pilen nicht 
mehr in Anwendung bringen konnten^). Sie warfen diese Waffe 
von sich, und zogen das Schwert zum Kampfe Mann gegen Mann ®). 

Aber die Germanen bildeten, wie sie es im Gebrauch hatten, 
schnell ihre Phalangen, und empfingen so den Schwertangriff ^). 

In der Phalanx standen sie eng beisammen, und hielten im 
ersten Gliede ihre grossen Schilde geschlossen vor sich hin. Die 
rückwärtigen Glieder hielten sie horizontal über ihre Köpfe, so 
dass sich die Schilde dachziegelformig über einander schoben. 

Einige Römer sah man daher auf die Phalangen hinaufspringen, 
und den Feinden die Schilde auf die Seite reissend, ihnen von oben 
herab Wunden beibringen. 

Der linke Flügel der germanischen Schlachtlinie wurde ge- 
worfen*) und sogar in die Flucht gejagt, ihr von Ariovist ver- 
stärkter und dadurch übermächtiger rechter Flügel aber brachte 
die Römer sehr ins Gedränge'). 



1) nti eo8 testes suae qoisque virtutis haberet. I, 53. Cäsar setzte den 
sechs Legionen also fünf Legaten und den Quästor an die Spitze, während 
für gewöhnlich hiezu nur drei Legaten in Funktion gewesen wären, nämlich 
für jede Division Einer. Vergl. Anhang IL § 48. 

2) proelium commisit. I, 52. 

3) signo dato. I, 52. Vergl. Anhang IL § 55. 

4) impetum. I, 52. Vergl. Seite 10. Anm. 2. 

5) at spatium pila in hostes coniidendi non daretur. I, 52. 

6) cominus gladüs pugnatum est. I, 52. Dieses Schwert hatte eine Klinge 
von zwei Fuss Länge. Den Griff in diese Länge mit einzurechnen, wie häufig 
geschiehti ist unrichtig, was eine antike Statue, welche im Museum zu Mainz 
steht, erweist. Warum hätten die Römer ihr Schwert auch kürzer machen 
sollen, als nöthig war, um den auf den Leib gerückten Feind mittelst Zurück- 
ziehen der Hand durchbohren zu können. Vergl. Dr. Lindenschmit's Alter- 
tbümer unserer heidnischen Vorzeit, Band I. und Anhang IL unseres Werks 
§ 18 mit der dazugehörigen Abbildung. 

7) sua phalange facta impetus gladiorum ezceperunt. I, 52. 

8) pulsa. I, 72. 

9) vehementer . . . premebant. I, 52. 



58 

Sobald diese Gefahr von dem die Reiterei befehligenden jungen 
Publius Crassus , welcher noch nicht in das Gefecht gezogen , eine 
freiere Umsicht als die bereits in den Kampf verwickelten Kom- 
mandeure hatte ^), erkannt wurde, so schickte er das dritte Treffen 
dem bedrängten linken Flügel zur Hilfe. 

Ob unter dem Ausdruck »tertiam aciem« die Commentarien 
das dritte Treffen nur des linken Flügels verstehen, oder das des 
Centrums und des rechten Flügels, vermag ich nicht zu bestimmen. 
Doch halte ich das Letztere ftir wahrscheinlicher, weil das dritte 
Treffen des linken Flügels wohl keines&lls den Befehl des Keiter- 
commandanten abwartete, um den beiden vordem Treffen zur Zeit 
Unterstützung zu leisten ; wenn aber auch, so würde die Ertheilung 
eines solchen Befehls der Erwähnung kaum werth gewesen sein. 
Das ganze übrige dritte Treffen aber nach dem bedrohten Flügel zu 
fähren, die allgemeine Reserve ohne Cäsars Befehl auf eigene Verant* 
wortung zu verwenden, war eine Handlung von so viel Entschlossen- 
heit, dass sie der Nachwelt aufbewahrt zu werden, werth gewesen. 

Durch diese Massregel wxirde das Gefecht nicht nur wieder 
hergestellt, sondern alle Feinde ergriffen sogar die Flucht, und 
Hessen von ihr nicht früher ab, als bis sie zum Rheinstrom ge- 
langten, von dem der Kampfplatz ungefähr 2 Vs Stunden entfernt war. 

Die jetzige 111 bildete damals einen Rheinarm, und der Ueber- 
gangspunkt der flüchtenden Germanen war unzweifelhaft bei Mühl- 
hausen gelegen ^). (siehe Taf. I.) 



1) expeditior erat. I, 52. 

2) milia passuum ex eo loco ärciter quinque. I, 53. Nach Nipperders 
Ausgabe der Commentarien, S. 289 enthalten die »Codices Caesaris« »quinquec, 
während die spätem Texte nach Orosius die Zahl quinquaginta aufgenommen 
haben, aber gewiss sehr mit unrecht und mit dem unglücklichen Erfolge, 
dass man den fraglichen Kampfplatz immer zu weit westlich gesucht hat. 
Zwar sind es heutigen Tages von Sennheim bis an den Rhein nicht 5000 
Passus oder 2V/8 Stunden, soiylern etwa vier Stunden Wegs, aber nach einer 
titellosen als Manuscript gedruckten Brochüre über die Nothwendigkeit der 
Regulirung oder Rectificirung des Rheins von Tu IIa, dem Gründer der 
Rheindurchstiche , einer gewiss anerkannten Autorität, floss in früherer Zeit 
ein Arm des Stromes im jetzigen Gebiet der 111, und dieser Theil des Rheins 
war daher von Sennheim wirklich nur etwa 2'/i Stunden — circiter quinque 
milia passuum — entfernt. 

Tnlla sagt nämlich Seite 11: »Der Rhein theil te sich in den altern Zeiten 
oberhalb dem Kaiserstuhlgebirge in dreiXheile. Der eine ging links in dem 
jetzigen Gebiete der 111, der andere längs dem Kaiserstuhlgebirge an 
der linken Seite und der dritte rechts des Kaiserstuhles längs dem Fasse des- 



59 

Dahin flüchteten sie, wahrscheinlich auf dem rechten Ufer der 
Doller, einigermassen gegen die verfolgende Beiterei durch den 
Lauf dieses Baches und das dortige eoupirte Terrain begünstigt. 
Schon durch das Vordringen von Oasars rechtem Flügel waren die 
Germanen dorthin gedrangt worden, und als sie den Rhein erreicht 
hatten, schwammen einige derselben ihren Kräften vertrauend hin- 
über ; andere retteten sich in den aufgefundenen Kähnen — unter 
diesen Ariovist, der ein am Ufer angebundenes Schiffchen fand und 
entkam. Alle Uebrigen wurden von Cäsars Reiterei erreicht und nieder- 
gehauen. Auch die beiden Frauen des Ariovist, die eine ausdemSueven- 
lande, die andere aus Noricum gebürtig, kamen auf der Flucht um. 

Während Cäsar den Feind mit der Reiterei verfolgte, stiess er 
auf den Valerius Procillus, den seine Wächter auf der Flucht in 
dreifachen Banden mit sich schleppten. Er befreite ihn und auch 
den Marcus Mettius fand man auf und brachte ihn zu Cäsar. 

Zur Zeit als diese Schlacht geschlagen wurde, standen die Sueven 
des Nasua und Cimberius noch am Cfer des Rheines. Sie begannen 
nach Eiulauf der Unglückskunde umzuwenden und nach Hause zurück- 
zukehren. Die Ubier aber, welche zunächst am Rheine wohnten *) 
und von den durch ihr Land ziehenden Sueven geplündert worden 
waren ^) , verfolgten sie, und tödteten ihrer eine grosse Zahl. 

O&BBT hatte nun in einem einzigen Sommer zwei inhaltschwere 
Kriege beendigt, und führte sein Heer etwas früher, als es die Jahrszeit 
erforderte, in das Land der Sequaner, um daselbst die Winterquartiere 
zu beziehen. Zum Commandanten desselben ernannte er Labienus. 
Er selbst begab sich nach Oberitalien ^) , um dort seine Gerichts- 
sitzungen zu halten. 

Beiben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch. — Man 
wird den erstem den gallischen Rhein, den zweiten den grossen Rhein ohne 
Beinamen und den dritten den deutschen Rhein nennen können .... Die 
Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürfen auf dem linken Ufer desselben, 
und Strassburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten 
Gebirges erbaut ist, bei der Vereinigung des gallischen Rheines mit dem grossen 
Rheine stehen. Wann der gallische Rhein in einen Alt-Rhein überging, und ob 
er zur Zeit, als die Römer an den Rheinufem waren, schiffbar war, ist unbekannt.« 
Nach Cäsars Commentarien zeigt es sich, dass der gallische Rhein da- 
mals allerdings noch schiffbar war, und so bezeugen Cäsar und Tulla gegen- 
seitig die Richtigkeit ihrer Angaben, während des spanischen Mönches Orosius 
Angabe sich als irrthümlich erweist. 

1) übii qui proximi Rhenum incolunt. I, 54. 

2) Vergl. Drumann. Geschichte Roms S. 252. 

3) in dteriorum Galliam. 54. 



60 



Zweites Buch. 

(Das Jahr 57 v. Chr. oder 697 n. E. R.) 



I. Feldzug gegen die Belgier. 

1. Einleitung (Taf. I.) 

Die Belgier bestanden ans einer grossem Zahl Völker, welche 
folgende Wohnsitze inne hatten: 

Die Rem er (Reims) bewohnten die heutigen Departements 
der Ardennen, der Maas und der Marne. Die Suessionen 
(Soissons) den grössten Theil des Departementes der Aisne, dessen 
nördlicher Theil den Veromanduern (Vermandois) zugehörte. 
Im Departement der Oise wohnten die Bellovaker (Beauvais), 
im Departement der Nieder -Seine die Caleten (Caux) und die 
Velocassen, im Departement der Somme die Ambianer, im 
östlichen Theil des Departementes Pas de Calais und du Nord die 
Atrebaten (Arras), und im westlichen Theile dieses Departe- 
ments die Moriner. Auf dem linken Ufer des Niederrheins, vom 
Meere bis in die Gegend von Düsseldorf, wohnten dieMenapier; 
südlich an diese schlössen sich die £buronen, deren Grenze un- 
geföhr über Wessem oder Rörmonde an der Maas bis gegen Aerschot 
und von da über Tirlemont an die Maas zurücklief, so dass sie die- 
selbe beim Einfluss der Ambleve traf. Von hier aus zog die 
eburonische Grenze über das hohe Veen und die Ahrberge unge- 
fähr bei Remagen an den Rhein. Die Osi^renze der Eburonen 
endlich bildete der Rhein von Remagen bis Düsseldorf. 

Zwischen dem hohen Veen und der Ambleve wohnten die 
Segner, zwischen diesem Fluss und der Maas die Gondruser 
(Condros) und auf deren linkem Ufer, vom Einfluss der Amblöve 
bis in die Gegend von Namur die Aduatuker; ein, jedoch nnr 
kleines Gebiet, mag dieses Volk auch auf dem rechten Maasufer 
besessen haben. 

Der ganze von den obengenannten Völkern umschlossene Länder- 
complex gehörte den Nerviern. In denselben fallen die heutigen 
Städte: Brüssel, Tournay, Cambray, Landrecy, Dinaut und Namur. 

Im Süden endlich von den Eburonen, zu beiden Seiten der 
Mosel, und westlich an die Remer grenzend, wohnten dieTrevirer 
oder Treverer (Trier). 

\ 



61 

Die Wohnsitze einiger unbedeutenden Völker, welche sämmt- 
lieh unter der Schutzherrschaft des einen oder andern der genannten 
mächtigen Volker standen, sind kaum mehr zu bestimmen. 

Das Land aller belgischen Völker nennt Cäsar Belgica, während 
er unter Belgium blos die Gebiete der Bellovaker, Abianer und 
Suessionen versteht. (Vergl. Anmerkung zum fünften Buch, Ab* 
schnitt III. und Conunentarien V. 24.) 

Ein grosser Theil der Belgier, namentlich die Eburonen, Me- 
napier, Aduatuker, Condrusen und Segner waren germanischer Ab- 
kunft, und sogar die Nervier sollen sich derselben »gerühmte haben. 

Cäsar erzählt, jene Völker wären schon vor alten Zeiten auf 
dsuB linke Ufer des Rheins gezogen, hätten sich der Fruchtbarkeit 
seiner Landstriche wegen daselbst niedergelassen, imd nach und 
nach die Gallier aus ihren dortigen Wohnsitzen vertrieben; sie 
allein hätten auch, während ganz Gallien von den Teutonen und 
Cimbem schwer heimgesucht wurde, diese Horden von ihren Marken 
ferne gehalten ^). 

Jetzt nach den Niederlagen der Helvetier und des mächtigen 
Suevenkönigs machte das fernere. Verweilen des römischen Heeres 
in Gallien auch die Belgier für ihre Unabhängigkeit besorgt. Eine 
grosse Anzahl ihrer Völker schlössen daher gegen die Römer ein 
Bündniss und stellten sich als Unterpfand ihrer gegenseitigen Zu- 
sicherungen Geiseln. 

Als Cbssly in Oberitalien hiervon sichere Kunde und nament- 
lich von Labienus Meldung erhielt, hob er in jener Provinz zwei 
neue Legionen aus, und sandte sie Ende März*) des Jahres 57 
unter dem Commando des Legaten Quintus Pedius in das Gebiet der 
Sequaner^), so dass er fQr diesen Feldzug acht Legionen in 
Gallien vereinigt hatte. Er selbst traf, sobald es hinlänglich grünes 
Futter gab, bei dem Heere ein, das um Besan9pn stand ^). 

2. Cäsar rückt von ßesan9on an die Aisne. 

Als die Nachricht einlief, dass die Belgier bereits Mannschaft 
sammelten und ein Heer zusammenzögen *), ordnete er sein Lebens- 

1) Vergl. Bell. Gall. IL 4. 

2) inita aestate. II, 2. Aestas ist die Zeit vom Frühlingsäquinoetium bis 
zum Herbstäquinoctium. Vergl. Forcellini. 

3) in interiorem Galliam. 11, 2. 

4) Vergl. in hibema in Seqnanos exerdtam dednxit. I, 54. 

5) manus cogi, exerdtum in untun locum conducL 11, 2. 



62 

mittel- Yerpflegungswesen ^), brach aas der Gegend von Besan9on auf, 
und gelangte nach ungefähr füni^ehn ^) Tagen zum Gebiete der 
ßemer, welches, wie bereits bemerkt wurde, damals nahezu die 
heutigen Departements : der Ardennen , der Marne und der Maas 
umfasste, und von allen belgischen Yölkerschafteti Gallien im engem 
Sinne zunächst lag"). Cäsar hatte bis dahin einen Marsch von 
etwa 60 Stunden Wegs, legte daher, wenn er in den 15 Tagen 
drei Ruhetage hielt, täglich eine Strecke von fünf Stunden zurück ^), 
und traf so unerwartet bei den Remern ein, dass sie sich bestürzt 
sogleich unterwarfen, und Cäsar durch Gesandte versichern Hessen, 
sich sammt ihrem Eigenthume bereitwillig unter des römischen 
Volkes Schutz und Macht begeben zu wollen; mit dem Beginnen 
der Belgier seien sie nicht einverstanden, und hätten sich in keine 
Verbindung gegen die Römer eingelassen. Sie seien bereit Geiseln 
zu stellen, Gehorsam zu leisten, Cäsars Truppen in ihre Städte auf- 
zunehmen, und ihnen Lebensmittel und andere Bedürfnisse zu 
liefern; die übrigen Belgier seien allerdings alle unter den Waffen, 
und auch die Germanen des linken Rheinufers hätten sich mit den- 
selben verbunden ; ja die Aufregung sei so gross, so allgemein, dass 
sie nicht einmal die Suessionen, ihre Brüder und Blutsverwandte, 
die unter gleichen Rechten und Gesetzen lebten, und mit denen 
sie ein Gemeinwesen bildeten, von der Schilderhebung hätten ab- 
wendig machen können. 

Von den Remern erfuhr Cäsar hierauf auch, aus welchen Völker- 
schaften sein Feind bestehe, dessen Stärke und was ihm sonst zu 
wissen nöthig war. 

1) re frumentaria comparata. II| 2. 

2) diebus circiter quindecim. II, 2. 

3) qui proximi Galliae ex Belgis sunt. £1, 3. 

4) Aus allen von Cäsar geschilderten Märschen geht hervor, dass die 
Marschföhigkeit der Römer nicht grösser war als diejenige, welche man auch 
bei kriegsgeübten Truppen unserer Zeit findet, und die von Vegetius, Buch I. 
Kap. 9. gelegentlich der Beschreibung der Rekrutenübung gegebenen Marsch- 
distanzen von GVs Stunden, welche die Römer binnen 5 Zeitstunden, und von 
8 Wegstunden, welche sie in 8 Zeitstunden zurückgelegt haben sollen, er- 
scheinen jedenfalls übertrieben, oder sie beziehen sich nur auf Uebungs- 
märsche (ambulationes), auf forcirte Proben, die mit den eigentlichen Kriegs- 
märschen (itinera) nicht verwechselt werden dürfen. — In pace labore et in- 
commodis bellum pati jam ediscunt in armis deambulando. (Tertulliams vgl. 
J. Lipsius y. 14.) — Yergl. insbesondere im dritten Buch des Bürgerkriegs 
das zu cap. 76 Gesagte. Rüstow nimmt freilich obige Zahlen als Normal- 
märsche an. 



63 

• 

Es amfasste die feindliche Macht die Streitkräfte folgender 
Völkerschaften: ' 

I. Belgier. 

a. ßellovftker . . ^. . . . 60,000 

b. Suessionen 50,000 

c. Nervier 50,000 

d. Atrebaten 15,000 

e. Ambianer 10,000 

f. Moriner 25,000 

g.'Menapier 7,000 

h. Caleten 10,000 

i. Veromanduer und Velocassen 10,000 

IL Germanische Völker. 

a. Aduatucer 29,000 

b. Condrnser 



c. Eburonen 

d. Caeroeser 

e. Paemaner 



zusammen . 40,000 



im Ganzen 306,000 Mann. 

Den Oberbefehl über dieses Heer führte Galba, König der 
Suessionen. 

Cäsars acht Legionen konnten, da die sechs altern Legionen 
durch die vorangegangenen Kämpfe etwas gelichtet sein mussten, 
etwa 35,000 Mann betragen. Hierzu kamen seine gallischen Hilfs- 
völker, so dass er etwa über 70,000 Mann zu verfügen gehabt 
haben mochte. Ein Corps Aeduer hatte er jedoch unter Divitiacus 
nach dem Gebiete der Bellovaker detachirt, um deren Ländereien 
zu verwüsten, und durch diese Diversion die feindlichen Streitkräfte 
zu theilen, damit er es nicht mit einer so grossen Uebermacht auf 
einmal zu thun bekomme ^). 

3. Stellung an der Aisne. 

(Taf. IV.) 

Als Cäsar von seinen Recognoscirungstruppen. und von den 
Remern die Meldung erhielt, dass sämmtliche belgischen Streit- 
kräfte sich vereinigt hätten und nicht mehr ferne stünden, so be- 
eilte er sich, den Fluss Axona — die Aisne, — welche die West- 

1) ne cum tanta multitudine uno tempore confligendum sit. II, 5. 



64 

grenze der Bemer berührte ^) , zu überschreiten , und schlug sein 
Lager auf dem rechten Ufer des Flusses bei dem heutigen Dorfe 
Berrj au Bac, an der Strasse, welche von Reims nach Laon fährt. 

Nicht nur die strat^scha Lage des Terrains, sondern auch 
seine ganze Form und Beschaffenheit, welche auf Taf. lY. genau 
nach der grossen Karte des französischen Generalstabs eingezeichnet 
ist, entsprechen dem Texte der Gommentarien so vollkommen, dass 
an der Identität dieses Terrainabschnitts mit demjenigen, auf 
welchem Cäsar den Belgiern gegenüberstand , gar nicht gezweifelt 
werden kann «). 

Casars Lager hatte den Fluss im Rücken, und er selbst sagt 
hierüber, dass auf diese Weise durch die Flussufer die eine Seite 
des Lagers gedeckt und das in seinem Rücken gelegene Terrain so 
gesichert war, dass die Zufuhren, welche von den Remern und den 
andern verbündeten Völkerschaften geleistet wurden, ohne Gefahr 
anlangen konnten'). 

Aber nicht nur in dieser strategischen, sondern auch in takti- 
scher Beziehung war eine solche Stellung des Lagers — das Defilee 
rückwärts — der Kriegführung der Alten angemessen ; und Lossau 
sagt hierüber ganz richtig: 

»Hinter solchen Lagerverschanzungen hielt man sich im Alter- 
thum für unüberwindlich, und es finden sich nur selten Beispiele, 
dass sie forcirt worden wären. Dies mag in der Natur der da- 



1) in extremis Remorum finibus. II, 5. lieber extremus — äusserst, mit 
dem Nebenbegriff gegen den Feind hin — vergl. im 3. Buch des Bürgerkriegs 
die betreffende Anmerkung zu Abschnitt XII. 

2) Bevor diese Oertlichkeit vom Verfasser bestimmt wurde, hielt man 
gewöhnlich Pontavert für den Punkt von Gäsars Uebergang über die Aisne. 
Napoleon III. liess auf dem vom Verfasser bezeichneten Hügel Nachgrabungen 
vornehmen, und siehe da! es fand sich das römische Lager genau an der 
ski^gegebenen Stelle vor. Demgemäss folgt denn Napoleon in der Annahme 
dieser Oertlichkeit dem Verfasser , ohne jedoch dessen Priorität auch nur an- 
zudeuten, und R ü s t o w hat nachträglich an dieser Üebergangsstelle nie- 
mals gezweifelt, während er noch 10 Jahre vorher Cäsars Stellung »wahr- 
scheinlich im Flussbogen zwischen Pontavaire und Baurieux« mithin einige 
Stunden weiter westlich vermuthete. In dieser Weise wurden des Verfassers 
wissenschaftliche Funde von den genannten Schriftstellern annectirt und 
würde es zu weit führen, alle derartige Fälle wissenschaftlicher Ehrlichkeit in 
diesem Buche anzuführen. 

Auf der Tafel IV findet sich das römische Lager mit seinen Seitengräben 
genau nach den Ergebnissen der napoleonischen Ausgrabungen eingetragen. 

3) quae res et latus unum castrorum ripis fluminis munibeat, et etc. ü, 5. 



65 

maligen Fechfcart gelegen haben, bei welcher durch Geschosse wenig, 
dagegen durch die blanke Waffe Alles entschieden wurde. Dafür 
blieb ein solches Lager ein fester Rückzungspunkt , welcher, wenn 
nicht die Verwirrung sehr gross wurde, mit Sicherheit erreicht 
werden konnte. Unter solchen Verhältnissen, und insbesondere 
gegen die Barbaren, musste Cäsar eine Stellung auf dem rechten 
Ufer vorziehen, welche ihm den Vortheil gewährte, dem Feinde mit 
Leichtigkeit entgegen ziehen zu können« ^). 

Uebrigens war CSsars Stellung auf dem rechten Ufer der Aisne 
um so weniger bedenklich, als er eine schon damals über die Aisne 
führende Brücke ') durch einen Brückenkopf sicherte "), und ausser- 
dem den Legaten Titurius Sabinus mit sechs Kohorten auf dem 
linken Ufer daselbst postirte*), ohne Zweifel um den Fluss durch 
Piquets und Patrouillen oberhalb und unterhalb des Lagers zu be- 
obachten, damit der Feind ihn dort nicht imbemerkt überschreiten 
und die Zufuhren gefährden konnte. 

Das Lager hatte, — die vier Fuss hohe Brustwehr mitge- 
rechnet — einen Wall von 12 Fuss Hohe und einen Graben von 
18 Fuss Breite 5). 



1) Yergl. oben Seite 14. 

2) In eo flumine pons erat. II, 5. 

3) Ibi praesidimn ponit. II, 5. Praesidium ist am melBten dem 
deutschen »Posten« verwandt. Es bedeutet ein Detachement mit Beziehung 
auf das Besetzen einer Oertlichkeit, z. B. die Besatzung einer Stadt, einer 
Sdianze, auch den besetzten Ort selbst; ferner in Bezug auf das Verharren 
unmittelbar bei einem Gegenstande: die Bedeckung oder Escorte, z. B. 
des Gepäcks. Davon i8t»subsidium« zu unterscheiden, welches eine Truppen- 
abthteilong bezeichnet, die nur in der Nähe einer andern steht, daher Reserve. 

4) in altera parte fluminis. II, 5. Auf der andern Seite des Flusses, 
nämlich auf derjenigen, wo das Lager nicht stand. 

5) castra in altitudinem pedum XII vallo fossaque duodeviginti pedum. 
11, 5. Da Cäsar nur diese beiden Maasse nennt, so ist zu vermuthen, dass 
die andern Maasse einer Lagerumfassung auf gewisse taktische Erfordernisse 
gegründet, sich in der Regel gleich blieben, und nur dann von Cäsar be- 
sonders angeführt wurden, wenn sie, wie bell. dv. III, 63. ausnahmsweise von 
der gewöhnlichen Grösse abwichen. 

Diese Ansicht scheint mir wenigstens begründeter, als die Formel Rüstow*s 
in seinem »Heerwesen und Kriegführung Cäsars« S. 86. 

Auch bei Beschreibung eines Annäherungsdammes (bell. gall. VII. c. 24) 
gibt Cäsar nur die beiden Dimensionen, welche nach dem Terrain wechseln 
müssen, Länge und Höhe, an, aber nicht die obere Breite, welche jedesmal 
nur das Maas erhielt, das nöthig war, um den Wandel thurm darauf zu be- 

T. aoler, CA« an galUioher Krieg. II. Aufl. 5 



66 

Das Terrain vor dem Lager aber war für die Au&tellung des 
Gasar'schen Heeres wie geschaffen ; denn der Hügel auf welchem 
es lag, war nicht allzuhoch, und senkte sich in seiner Front all- 
mälich und sanft zur Ebene nieder, während seine beiden Seit.en 
aus ziemlich steilen Abhängen bestanden. Ausserdem hatte der 
Rücken des Hügels eine solche Länge (oder wie Cäsar sagt, eine 
solche Breite), dass sie Cäsars Schlachtlinie gerade besetzen konnte ^). 



wegen. Anstatt »aggerem latum pedes CCCXXX« soll es sicherlich, wie auch 
Rüstow a. g. 0. Seite 143 vermuthet, »aggerem longum etc.« heissen. 

Dem Wallgange gaben die Römer gewöhnlich 15 Fuss Breite, weil eine 
solche Breite die hinter der Brustwehr aufgestellten beiden Glieder der Manipel 
nöthig hatten, um für den Pilenwurf je 6 Fuss freien Raum vor sidi zu haben. 
(Vegetius Hb. HI. cap. 14.) 

Der in der Regel angewendete Graben, welchen Vegetius (I, 24.) »fossa 
legitima« nennt, erhielt nur 9 Fuss Tiefe, nicht nur, weil ein tieferer Graben 
unverhältnissmässig mehr Arbeit erfordert, sondern auch, weil eine dieses 
Maas nicht überschreitende Grabentiefe für Werke, die blos kurze Z&i aus- 
dauern sollen, bei nur einigermassen günstigem Boden sehr steile und selbst 
senkrechte Grabenböschungen zuliessen, ohne dass man dieselben bekleiden 
musste. Die äussere Böschung des Walles wurde dagegen in der Regel mit 
Rasen bekleidet und ebenfalls sehr steil gehalten. Dieser Steilheit wegen 
brauchen wir bei Berechnung der auszuhebenden Erde auf jene Böschung 
nicht Rücksicht zu nehmen, und wir erhalten demgemäss das auf Taf. IV. 
Fig. 3. gegebene Profil mit dem Remblai von 184 D', welch' letzterm be- 
kanntlich ein Deblai von 1620* gerade entspricht. 

Diese Zahlen entsprechen vollkommen den Massverhältnissen des ausge- 
grabenen Lagers. Napoleon sagt hierüber (Liv. III. chap. V.) »Les fouines 
exäcut^s en 1862, en faisant d^couvrir tous les foss^ du camp, ont monträ 
qu'ils avaient 18 pieds de largeur sur 9 ou 10 de profondeur. Si donc on admet 
10 pieds de largeur pour le terreplein du parapet, il aurait mesur^ 8 pieds 
de hauteur, ce qui, avec la palissade de 4 pieds, donnerait k la cr6te du parapet 
21 ou 22 pieds de commandement sur le fond de foss^«. 

Dass die Feldbefestigungen der Römer hauptsächlich mit Rasen bekleidet 
und dieser auch »aggerc benannt wurde, scheint mir am deutlichsten aus 
Tacitus Annal. I, 65. hervorzugehen: »Struendum Valium, petendus agger: 
amissa magna ex parte, per quae egeretur humus aut exdditur caespes«. 

1) loco pro castris ad aciem instruendam natura opportuno et idoneo, 
quod is collis , ubi castra posita erant , paululam ex planicie editus tantum 
ad versus in latitudinem patebat, quantum loci acies instructa occupare poterat 
etc. II, 8. Diese Beschreibung Cäsars bezeichnet den bei Berry au Bac zwischen 
der Aisne und der Miette gelegene Hügel so vollkommen, dass an seiner 
Identität mit dem in den Commentarien geschilderten Hügel gar nicht zu 
zweifeln ist. Die beschriebene Terraingestaltung ist auf dem nach der grossen 
französischen Karte gezeichneten Plane zu erkennen, und insbesondere trifft 
die Länge des Hügels mit dem Baum genau eusammen, den Cäsars Legionen 



67 

Von Cäsars Lager lag die remische Stadt Bibrax 2'/8 Stunden 
Wegs entfernt, an der Stelle des heutigen Beaurieux, nur mit dem 
Unterschiede, dass diese Stadt sich damals yermuthlich bis an das 
rechte Ufer der Aisne ausdehnte ^) (siehe Taf. IV. Fig. 2.). 

Als nun die belgischen Streitkräfte, welche sich wahrschein* 
lieh im Lande der Suessionen, deren König ja den Oberbefehl über 
sie f&hrte, gesammelt hatten, das Aisne-Thal aufwärts nämlich aus 
dem Westen Cäsar entgegen ziehend, vor Bibrax eintrafen, begannen 
sie, unmittelbar vom Marsche aus'), diese Stadt so heftig zu be- 
stürmen , dass sie sich an jenem Tage kaum zu halten vermochte. 

Die Gallier imd Belgier pfi^ten feste Plätze auf gleiche und 
zwar folgende Weise anzugreifen: da sie gewöhnlich sehr zahlreich 
waren, so umringten sie die ganze Stadt, warfen von allen Seiten 
Steine auf die Mauerumfassuug , yertrieben dadurch deren Ver- 
theidiger, und bildeten sodann mit über den Köpfen zusammen- 
gehaltenen Schilden sich einen Schutz gegen etwa erneuerte Würfe 
von Seiten der Belagerer '), steckten die Thore in Brand und unter- 



für ihre Frontlinie brauchten. Er Hess, wie wir sehen werden, zwei Legionen 
im Lager und stellte sechs Legionen in Front vor demselben auf. Sechs 
Legionen brauchten, wenn sie vollzählig gewesen w^en, 4200 Schritte und 
500 Schritte Intervallen, also zusammen 4700 Schritte Frontlänge (vergl. 
Anhang II. §§4, 11 u. 15.)» der Hügel aber misst 4500 Schritt Länge, und 
reichte daher für die etwas geschwächten Legionen Cäsars geradezu aus. 

1) Nur eine solche Lage der Stadt Bibrax macht es uns erklärlich, wie 
Cäsar sich durch Boten später mit ihr in Communication setzen und ünter- 
stützungstruppen in sie verlegen konnte, trotzdem dass sie von den bel- 
gischen Völkern wenigstens auf dem rechten Aisne -Ufer bereits berannt 
war. Das vorwärts im freien Felde gelegene ßi^vre, das gewöhnlich 
für Bibrax gehalten wird, wäre von dem Feinde sicherlich so umschlossen 
gewesen, dass jene Massregeln Cäsars dort unausführbar gewesen sein 
würden. — Napoleon erklärt, dass es sich heute nur noch um Beaurieux 
und Vieux-Laon handeln könne und entscheidet sich für letztern Platz. Er 
sagt: »Mais Beaurieux ne saurait convenir,. par la raison que, quand m6me 
r Aisne eüt pass^, lors de la guerre des Gaules, au pied des hauteurs oü la 
ville est situ^, on ne comprendrait pas comment les renforts envoy^ par 
C^sar auraient put traverser la rivibre et p^n^trer dans la place, que Tarm^e 
beige eüt certainement investie de tous oöt^s. Ce fait se con9oit facilement, 
au contraire, si Ton place Bibrax sur la montagne de Vieux-Laon, qui prösente 
vers le sud des escarpements inexpugnables. Les Beiges Tauront entour^e de 
toutes parts exoeptä au midi, et c^est par Ik sans doute que, pendant la nuit, 
les renforts de Cäsar seront entr^ dans la ville.« 

2) ex itinere. II, 6. 

3) teetudine facta. II, 6. 

5* 



68 

gruben die Mauer ^). Dies war sodann nicht schwer zu vollbringen ; 
denn unter einem solchen Hagel von Steinen und Geschossen konnte 
unmöglich Jemand auf der Mauer ausharren. 

Als die Nacht dem Angriffe auf Bibrax ein Ende gemacht 
hatte, liess der damalige Commandant dieser Stadt, Namens Iccius, 
ein Remer von hohem Adel und grosser Beliebtheit, Cäsar durch 
Boten melden : wenn keine Verstärkung nach Bibrax gesendet werde, 
so könne er sich nicht länger halten. 

Jene Boten mochten wohl von der Stadt aus sogleich über die 
Aisne gegangen, und durch diesen Fluss gegen die Belgier sicher 
gestellt längs seines linken Ufers ins römische Lager gelangt sein. 

Cäsar schickte hierauf noch mitten in der Nacht Numidier, 
kretische Bogenschützen und balearische Schleuderer, denen des 
Iccius Boten als Wegweiser dienten, der Stadt zur Hilfe. 

Diese Verstärkung hob den Muth ihrer Besatzung, und nahm 
den Belagerern die Hoffnung, sich der Stadt zu bemächtigen. Sie 
verweilten daher nur noch kurze Zeit um Bibrax, verwüsteten der 
Remer Ländereien, steckten alle Dörfer und Gehöfte, zu welchen 
sie gelangen konnten, in Brand, und rückten sodann mit ihrer 
ganzen Macht gegen Cäsars Lager. Nicht ganz viertausend Schritte 
von demselben') entfernt, schlugen auch sie ein Lager, das, wie 
aus dem Rauch und den Feuern zu erkennen war, in einer Länge 
von etwa 2'/4 Stunden') längs des rechten Ufers der Miette sich 
ausdehnte. 

Cäsar, der wegen der Uebermacht der Belgier und der einmal 
verbreiteten übermässigen Meinung von ihrer Tapferkeit sich vor- 
erst in kein allgemeines Gefecht einlassen wollte, suchte durch 
tägliche Reitergefechte nicht nur zu erproben, was sie mit jener 
Tapferkeit auszurichten vermöchten, sondern auch den Muth seiner 
eigenen Leute kennen zu lernen, und überzeugte sich, dass seine 
Truppen dem Feinde gewachsen seien. 

Unterdessen zog Cäsar auf beiden Abhängen des Hügels Quer- 



1) portas Buccendunt murumque subruunt. II, 6. Diese Lesart ziehe 
ich der Lesart »succedunt« vor. Cäsar erzählt , auf welche Weise die Thore 
und auf welche Weise die Mauern geöffnet wurden. Hätte Cäsar für nöthig 
gefunden, zu sagen, dass die Belagerer sich den Thoren näherten, so hätte er 
auch sagen müssen, dass sie sich den Mauern näherten. 

2) milibus passuum minus duobus. II, 7. 

3) amplius milibus passuum octo. ü, 7. 



69 

graben Fig. 1. bb. von bdlanfig 800 Schritten Lange'), senkrecht 
auf die Schlachtlinie, den einen vom Lager gegen die Miette, den 
andern gegen die Aisne. An den änssersten Enden dieser Graben 
erbaute er Redonten aa. *) und stellte Wurfgeschütze — tormenta — 
in ihnen auf, damit der Feind trotz seiner Uebermacht das Lager 
nicht umgehen könne. 

4. Gefecht an der Aisne. 
(Taf. IV. Fig. 1.) 

Nach Herstellung jener Verschanzungen liess Cäsar die beiden 
erst im Frühjahr ausgehobenen Legionen im Lager, so dass sie im 
Nothfall als Reserve aufzutreten vermöchten ') und stellte die sechs 
übrigen Legionen vor dem Lager in Schlachtordnung (cc). 

Die belgischen Völker rückten nun ebenfalls aus ihrem Lager, 
und ordneten sich zur Schlacht, warteten aber ab, ob die Romer 
das zwischen den beiden Heeren liegende — von der Miette ge- 
bildete — etwas sumpfige Terrain d. *) überschreiten würden. Diese 
blieben aber auch ihrerseits zwar kampfbereit, jedoch unbeweglich, 
unter den Waffen; denn sie hofften ebenfalls, dass sich ihr Feind 
zuerst in das ungünstige Terrain begeben werde, in welchem sie 
ihn augenscheinlich mit grossem Vortheile anfallen konnten. 

Indessen schlug sich die Reiterei zwischen den beiden Heeren 
wahrscheinlich auf dem, vor dem römischen rechten Flügel ge- 
legenen, ziemlich ebenen Ter^-ain ee. ; die belgische Reiterei mochte 
die Miette weiter oberhalb an nicht sumpfigen Stellen überschritten, 
die römische aber zwischen ihrem Lager und der Aisne debouchirend 



1) ab uiroqne latere ejus coUis transyersam fossam obduxit drciter passntun 
quadringentorum. II, 8. — Heller theilt im Philologua XXXI, 541 aus einem 
schweizer Programm von Thomann hierüber folgende Stelle mit: »Ueber den 
Sinn der Worte ab utroque latere ejus collis transversam fossam obduxit 
haben erst die Ausgrabungen endgültig entschieden. Sie beziehen sich näm- 
lich nicht anf den Ost- und Westabhang, wie kurz vorher ex utraque parte, 
sondern auf die Verbindung der Lageryerschanzung, theils nördlich mit dem 
von der Miette gebildeten Sumpfe, theils südlich mit der Aisne« ; und weiter : 
»was den alten Lauf der Aisne betrifft, so ist aus der Anlage des südlichen 
Grabens ein Schluss auf die Richtung des Flusses zu Cäsar's Zeit erlaubt und 
anzunehmen, dass der £ndpunkt des Grabens das Flussufer beinahe erreichte 
und nicht wie der Plan (Napoleon's) will, über 500 Fuss davon entfernt war«. 

2) ad extremas fossas castella. II, 8. 

3) subsidio dud possent. 11, 8. 

4) palus erat non magna. II, 9. 



70 

den Kampfplatz erreicht haben. Da nun diese ein ziemlich glück- 
liches Gefecht geliefert hatte ^) , und das feindliche Fussvolk das 
Ueberschreiten des sumpfigen Terrains ebenso consequent wie Cäsar 
selbst vermied, so föhrte er seine Truppen wieder in's Lager. 
Die Belgier aber rückten aus ihrer Aufstellung sogleich an die 
Aisne, und machten Anstalten, zwischen dem heutigen Pontayert 
und der Miettemündung einen Theil ihrer Truppen durch aufge- 
fundene Furthen auf das linke Ufer des Flusses zu führen, in der 
Absicht, wo möglich die Brücke, an welcher der Legate Q. Titurius 
commandirte, zu erstürmen und abzubrechen. Sollten sie jedoch 
den Brückenkopf *) nicht nehmen können, so wollten sie wenigstens 
Cäsar von seinen Zufuhren abschneiden und das südlich von der 
Aisne gelegene römische Gebiet verwüsten, dessen Hilfsquellen er 
zur Führung des Kriegs höchst nöthig hatte. 

Auf des Titurius Meldung hiervon führte Cäsar seine ganze 
Reiterei, die leicht bewaffneten Numidier, seine Schleuderer und 
Bogenschützen über die Brücke f. und rückte gegen den Feind an. 
Es kam zu einem heissen Gefechte. Die Römer, welche zum An- 
griff gelangten, als die belgischen Schaaren noch im Durchschreiten 
der Furthen begriffen und daher im Kämpfen gehindert waren *), 
machten eine grosse Zahl derselben nieder. Aber über die Leichen 
suchten muthvoll die üebrigen heranzudringen, bis sie Cäsar durch 
einen Hagel von Geschossen zurücktrieb. Die Vordersten aber, 
welche das linke Ufer erreicht hatten, umringte die Reiterei und 
hieb sie zusanmien. 

5. Der Belgier Abzug und Zersprengung. 

Als die Belgier sahen, dass sie weder Bibrax erobern, noch die 
Aisne überschreiten, noch die römischen Legionen verleiten konnten, 
zum Zweck einer Waffenentscheidung das nachtheilige sumpfige 
Terrain ^) zu betreten, dass ihnen selbst aber die Lebensmittel aus- 
gingen, hielten sie Kriegsrath, und fassten den Beschluss, es solle 
ein Jeder in seine Heimath zurückkehren ; würden die Römer aber 
in des Einen oder Andern Gebiet einbrechen, dann wollten sie von 
allen Seiten her zu dessen Vertheidigung zusammenzuströmen. Zu 



1) secundiore equitum proelio. II, 9. 

2) castellum. II, 9. vergl. Anhang II. § 70. 

3) hostes impeditos nostri in flumine aggressi. II, 10. 

4) in locum iniquiorem. II, 10. 



71 

diesem Beschlüsse bracHte sie einmal die Betrachtung, dass sie im 
eigenen Lande von ihren Lebensmittelvorräthen Gebrauch machen, 
und somit den Krieg leichter führen könnten; dann aber auch die 
bei ihnen eingelaufene Nachricht, dass Diyitiacus mit seinen Aeduem 
den Grenzen der Bellovaker nahe. Denn diese namentlich waren 
nun zu keinem längern Verweilen zu überreden, sondern bestanden 
darauf den Ihrigen zu Hilfe zu eilen. 

In Folge jener Beschlussfassung verliessen die belgischen Völker 
Abends 9 Uhr mit grossem Lärm und Getümmel ihr Lager; sie 
achteten weder auf Ordnung noch Commando, denn ein Jeder wollte 
auf dem Marsche eben an der Spitze sein^), um nur bald nach 
Hause zu kommen, so dass ihr Abmarsch einer Flucht ganz ähnlich sah. 

Cäsar erhielt hierüber von seinen Guiden *) zwar sogleich 
Meldung, behielt aber, einen Hinterhalt fürchtend, sein ganzes 
Heer — Fussvolk und Reiterei — im Lager; denn damals hatte 
er den Grund des feindlichen Abzugs noch nicht durchschaut, 
sondern hielt denselben für eine Kriegslist, die ihn das sumpfige 
Terrain zu betreten verleiten sollte. 

Als ihm aber bei Tagesanbruch jene Meldung auch von seinen 
Recognoscirungs-Patrouillen bestätigt wurde, sendete er schleunigst 
seine ganze Reiterei unter Pedius und Cotta voraus, um die hintersten 
Heerhaufen im Marsche au&uhalten, bis die nachfolgenden Le- 
gionen herankämen. Dem Legaten Labienus befahl er nämlich mit 
drei Legionen nachzurücken, und diese fanden auch noch Gelegen- 
heit, die hintersten Schaaren anzugreifen, viele Meilen weit zu 
verfolgen und eine grosse Zahl der Fliehenden niederzumachen. 
Denn wenn auch diejenigen, welche sich an der Queue des feind- 
lichen Zuges •) befanden und eingeholt wurden. Halt machten, und 
den Angriff der Römer standhaft aufnahmen, so suchten alle weiter 
vorwärts Befindlichen *) , sobald sie das beim Angriff gebräuchliche 
Schlachtgeschrei hörten, unter Auflösung aller Ordnung ihr Heil 
in der Flucht, und dachten nicht daran, der Queue Unterstützung 
zu leisten ; da sie vermöge ihres Vorsprungs schon ausser Gefahr 



1) primum itineris locum peteret. II, 11. 

2) per Bpeculatores. II, 11. Vergl. Anhang II. § 46. 

3) ab extremo agmine. II, 11. Agmen novissimnm ist bei einem ge- 
ordneten Marsche die ganze Nachhut, während agmen extremum nur die 
hintersten Glieder desselben bezeichnet. 

4) priores. II, 11. 



72 

zu sein glaubten, und weder durch Zwang der IJmsiSnde nocli 
durch ein Commando zusammengehalten wurden. 

Nachdem unter diesen Verhältnissen die Römer, ohne auch 
nur in eine bedenkliche Lage zu kommen, das Niedermetzeln den 
ganzen Tag über fortgesetzt hatten, zogen sie sich gegen Sonnen- 
untergang, ihrer Instruction gemäss, in^s Lager zurück. 

6. Gäsars Zug an die Sambre. 

(Taf. I.) 

Am folgenden Tage fährte Cäsar sein Heer, ehe die Feinde 
sich von ihrer Bestürzung erholt haben konnten, in das Gebiet der 
Suessionen, welche der Remer westliche Nachbarn waren, und kam 
nach einem forcirten Marsche von zehn Stunden Weglänge *) vor 
Noviodunum — dem heutigen Soissons — an. 

Wie sich aus seiner unten folgenden Relation abstrahiren lässt, 
marschirte er dahin, indem er seinen Brückenkopf bei Berry au 
Bac überschritt und das linke Aisne-Üfer, auf welchem jene Stadt 
liegt, hinabzog. Sogleich nach seinem Eintreffen vor derselben, 
vom Marsche aus, wie sich Cäsar ausdrückt, machte er Anstalt, sie 
zu erstürmen *), weil er horte, sie sei nur schwach besetzt ; konnte 
sie aber wegen der Breite ihres Grabens und der Höhe ihrer Um- 
fassungsmauer nicht nehmen, obgleich in der That nur wenige 
Yertheidiger auftraten. Deshalb liess er, als das Lager geschlagen 
und befestigt war, wie es scheint, noch in der Nacht, Laufgang- 
hütten gegen die Stadt schieben ^) und alles zu einer Belagerung 
Erforderliche in Stand setzen. 

In dieser Nacht sammelte sich indessen ^) die ganze zersprengte 
Masse der Suessionen in der Stadt. Daraus ist zu erkennen, dass 
Cäsar auf der Südseite der Stadt stand, und die an der Aisne 
liegende Nordseite nicht umschlossen oder berannt hatte, weil sonst 
die gegen Norden in die Flucht geschlagenen Suessionen nicht un- 
gehindert hätten über den Fluss setzen und in die Stadt ge- 
langen können. 



1) magno itinere. II, 12. Cäsar konnte diesen Marsch in etwa 14 Zeit- 
stunden ausführen, und wenn er mit Tagesanbruch abmarschirte , so ver- 
mochte er, da es in der Jahreszeit der längern Tage war, um 5 Uhr Abends 
vor Noviodunum einzutreffen. 

2) ex itinere oppugnare conatus. II, 12. 

3) yineas agere. II, 12. Vergl. Anhang II. § 89. 

4) interim . . . proxima nocte. II, 12. ' 



73 

Als des andern Tages die Laufganghütten schnell bis an den 
Stadtgraben ') voi^etrieben, über ihn ein Damm aufgeschüttet und 
Thürme errichtet waren, machte das Imposante der Belagerungs- 
arbeiten sowie die dabei entwickelte Schnelligkeit der Römer auf 
die Gallier, welche Aehnliches bisher weder gesehen noch gehört 
hatten, einen solchen Eindruck, dass sie Parlamentäre an Cäsar 
schickten, um zu capituliren. 

Auf die Fürbitte der Bemer, man möchte ihrer schonen, er- 
hielten sie Pardon ; jedoch mussten sie vorher die Yomehmsten des 
Volkes, hierunter sogar zwei Söhne des Königs Galba, als Geiseln 
stellen und sämmtliche in der Stadt befindliche Waffen abliefern. 

Von Noviodunum rückte Cäsar in das Gebiet der Bellovaker, 
nach Bratuspantium, dem heutigen Montdidier ^). 

Nach Bratuspantium hatten sich die Bellovaker mit all' ihrer 
Habe geflüchtet, und als Cäsar mit seinem Heere noch 1^/4 Stunden 
davon entfernt war, da kamen ihm alle älteren Leute aus der Stadt 
entgegen, und suchten ihm durch Handbewegungen und Zuruf zu 
verstehen zu geben, dass sie in Demuth sich seiner Macht unter- 
werfen und gegen das römische Volk nie wieder die Waffen er- 
greifen wollten. Auf die Fürbitte des Divitiacus gab ihnen Cäsar 
Pardon, liess sie aber im Verhältnisse zur bedeutenden Grösse ihrer 
Völkerschaft 600 Geiseln stellen und alle Waffen abliefern. 



1) ad oppidum. II, 12. 

2) D'Anville, und ihm folgend Napoleon III., hat sich bekanntlich dafür 
ausgesprochen, dass Bratuspantium in der Nähe von Breteuil gelegen habe, 
hauptsächlich weil eine Viertelstunde von dem Städtchen die Ruinen einer 
alten Stadt vorhanden seien, die nach der Denkschrift eines dortigen Geist- 
lichen von 1570 damals noch Bransuspans genannt wurden. Obgleich nun 
Walckenaer (a. g. 0.) weder hierauf, noch auf D'Anville's strategische Gründe 
etwas hält, so wäre es noch wahrscheinlicher, dass das alte Bratuspantium 
in der Nähe von Breteuil, als dass es, wie die meisten Gelehrten annehmen, 
an der Stelle von Beauvais gelegen habe, wenn auch letzteres unbezweifelt 
von den Bellovakern seinen Namen trägt. 

Beauvais Terrainbeschaffenheit ist nicht von der Art, wie sie die alten 
Gallier zur Anlegung einer Festung liebten, und jene Stadt liegt auch zu 
südlich , als dass Cäsar von ihr aus in einem gewöhnlichen Marsche, wie 
es nach seinen Worten doch der Fall war, in das Gebiet der Ambianer ge- 
langen konnte (ab eo loco in fines Ambianorum pervenit II, 15.). Am wahr- 
scheinlichsten ist die Annahme Achaintre^s (CoUections des auteurs classiques 
latins publice par Lemaire), dass Bratuspantium das heutige, nicht weit von 
Breteuil entfernte Montdiüier sei; dort stand auch Crassus im Herbste 54 v. Chr. 
im Winterlager, und Bratuspantium war nicht die Hauptstadt der Bellovaker, 
sondern eine an ihrer Nordgrenze gelegene Festung. 



74 

Von Bratuspantium aus gelangte Oasar in das Gebiet der Am- 
bianer ^) , und kaum hatte er es betreten , so ergab sieb ihm diese 
Volkerschaft mit ihrem ganzen Besitzthum ^). In der. Nähe Tom 
heutigen Fins zwischen Peronne und Cambrai berührten sich die 
Grenzen der Ambianer und der Nervier^), eines kräftigen und 
tapfern Volkes, das erklärt hatte, sich unter keiner Bedingung den 
Römern zu unterwerfen. 

Cäsar überschritt die Grenze der Nervier, und zog über Cama- 
racum (Gambray) nordöstlich. Als er im nervischen Gebiete drei 
Märsche zurückgelegt hatte ^), so gelangte er in die Nähe des 
heutigen St. Vaast-les-Bavay. Er hatte von der ambianischen Grenze 
aus 13 bis 14 Stunden Wegs zurückgelegt, was für drei Märsche 
nicht zu wenig ist, wenn man bedenkt, dass er eine Menge, wenn 
auch kleiner, Gewässer zu überschreiten hatte, die auf dem rechten 
Ufer der Scheide sich in diesen Fluss ergiessen und das Terrain 
sehr sumpfig machten. 

Nachdem er bei St. Vaast nur noch eine kleine Stunde von 
der nervischen Hauptstadt, dem alten Bagacum (Bayay), entfernt 
sein Lager geschlagen hatte, erfuhr er von Gefangenen, dass nicht 
weiter als drei starke Stunden •) von da die Sabis •) (Sambre) fliesse. 
Jenseits derselben, also auf dem rechten Ufer, hätten alle Nervier 
Stellung genommen, um der Römer Ankunft zu erwarten, und mit 
ihnen vereinigt seien ihre Nachbarn, die Atrebaten und die Vero- 
manduer; die Aduatuker (an der Mehaigne und Maas wohnend) 
seien aber bereits auf dem Marsche um ebenfalls zu ihnen zu stossen. 
Die Weiber, Kinder und Greise hätten sie an einem Orte unterge- 
bracht, an den ein Heer der Sümpfe wegen nicht vordringen könne ^). 



1) ab 60 loco in fines Ambianorum pervenit. II, 15. 

2) 86 suaqae omnia sine mora dediderunt. II, 15. 

3) eorum fines Nervii attingebant. II, 15. 

4) tridnum iter f6d88et. II, 16. 

5) non ampliu8 milia passaum X abesse. II, 16. 

6) Nach Buddeus allg. bist. Lex. wird die Sambre von einigen andern 
Schriftstellern nicht Sabis, sondern Savus genannt, und hat der Mönch Egrod 
vor etwa 1000 Jahren diesen Fluss zuerst Sambra g^heissen. 

7) Dieser Ort scheint einige Stunden abwärts der Sambre in der Gegend 
von Thuin oder auch östlich der nervischen Stellung zwischen Beaumont und 
Walcourt gesucht werden zu müssen, wo sich, wie auf der Karte von Jaillot 
noch deutlich zu ersehen ist, eine auffallende Menge von Sümpfen befand. 
Wenigstens geht aus II, 28.: »majores 'natu . . . hac pugna nuntiata . . . 
legatos ad Caesarem miserunt« hervor, dass die Weiber, Kinder und Greise 



75 

Auf diese Kachricht bin schickte Cäsar Recognoscirangspa- 
tronillen und Centurionen Tor, um einen geeigneten Lagerplatz 
au&usuchen. 

Von den bereits unterworfenen Belgiern, so wie von den übrigen 
Galliern war eine Anzahl dem Cäsar gefolgt und mit dem Heere 
gezogen '). Einige derselben hatten nun , wie man später von Ge- 
fangenen hörte, die in jenen Tagen eingehaltene Marschordnung 
des römischen Heeres genau erforscht '), sich Nachts zu den Neviern 
begeben, und sie belehrt, dass zwischen den einzelnen Legionen 
eine grosse Menge Lastthiere und Gepäckswagen ziehe, und es ein 
Leichtes sei, wenn die an der Tete marschirende Legion auf dem 
Lagerplatze angekommen, die übrigen Legionen aber noch weit 
zurück seien, die erstere, ehe sie ihre Gepäcksbündel abgelegt habe, 
anzugreifen^). Sei diese L^ion über den Haufen geworfen und 
das hinter ihr ziehende schwere Gepäck ausgeraubt, dann würden 
die übrigen Legionen nicht Stand zu halten wagen. 

7. Terrainbescfaaffenheit des Schlachtfeldes an der Sambre 
nach dem Wortlaut der Commentarien. 

(Taf. V.) 

Jener Vorschlag schien um so zweckmässiger, als eigenthüm- 
liehe Terraingegenstände des nerrischen Gebiets seine Ausführung 
sehr begünstigten. Die Nervier waren nämlich von Alters her an 
Reiterei nur schwach, und auch noch zu Cäsars Zeit beruhte alle 
ihre Stärke auf dem Fussvolke. Um nun der Reiterei ihrer Nachbar- 
völker, wenn diese beutegierig in das Land einbrachen, mehr Hinder- 
nisse in den Weg zu legen , hatten sie reihenweise junge Bäume 
gepflanzt. Einschnitte in dieselben gemacht, und sie znr Erde nieder- 
gebogen. Durch die nach der Seite hin reichlich henrorgewachsenen 
Aeste und durch dazwischen gesetzte Brombeersträuche und Dom- 
büsche hatten sie hierauf ein Gehäge hergestellt, dass gleich einer 



nicht in der nächsten Nähe der Stellung des nervischen Heeres untergebracht 
waren, denn sonst hätte ihnen der Ausgang der Schlacht nicht gemeldet werden 
mfissen, sie hätten ihn beobachten können und sie hätten keine Gesandten an 
Cäsar zu schicken nöthig gehabt, weil er zugegen gewesen wäre. — Napoleon III. 
sucht diesen Zufluchtsort bei Mons. 

1) cum . . . una iter facerent. II, 17. 

2) consuetudine itineris nostri exerdtus perspecta. II, 17. 
8) hanc snb sarcinis adoriri. II, 17. 



76 

Mauer Schutz gewahrte, und durch das man nicht einmal durch- 
sehen, geschweige durchdringen konnte '). 

Unter solchen Verhältnissen musste die Bewegung der Casar- 
schen Colonnen allerdings sehr gehindert werden; und die Nervier 
glaubten daher, jenen Vorschlag nicht unberücksichtigt lassen zu 
dürfen. 

Folgendes war die Beschaffenheit des Terrains, welches die 
Genturionen flir Gäsars Lager ausgewählt hatten : Ein Hügel senkte 
sich von seinem Rücken aus in gleichmSssiger Abdachung zur 
Sambre ^), und von diesem Flusse aus erhob sich dem erstem gerade 
gegenüber und parallel mit ihm laufend'), ein anderer Hügel, 
welcher die gleiche Abdachung hatte und dessen Fuss auf etwa 
400 Schritte ein offenes Terrain bot, weiter oben aber bewaldet 
nicht leicht eine Durchsicht gestattete. Innerhalb dieser waldigen 
Stellen hielten sich die verbündeten Belgier verborgen, aber auf 
dem offenen Ufer am Flusse hin sah man einige Reitervedetten ^). 
Die Tiefe des Flusses betrug ungefähr drei Fuss. 

Der hier beschriebene Terrainpunkt, an welchem Cäsar auf die 
Nervier traf, kann kein anderer sein als die beiden Hügel, welche 
sich zwischen Boussieres und Louvroil an der Sambre gegenüber 
liegen. Von den Wäldern, welche die Stellung der Nervier ver- 
hüllten, ist zwar nur noch das Gehölze von Quesnoy vorhanden, 
die ganze übrige Gestaltung des Terrains aber entspricht theils 
den Worten, mit welchen Cäsar die Schlacht an der Sambre 
schildert, theils den daraus zu abstrahirenden Verhältnissen voU- 



1) Diese Art vonGehägen ist zwar an der Sambre nicht mehr vorhanden, 
aber ich fand dagegen auf dem Schlachtfelde eine auffallende Menge von 
Hägen aus etwa 4 Zoll starken mannshohen fiainbnchenstämmen bestehend, 
die nicht nur in der Nähe der Dörfer, sondern auch im freien Felde Terrain- 
theile einzäunen und zeigen, dass sich in jener Gegend die Liebhaberei für 
derartige Pflanzungen bis auf heute erhalten hat. 

2) collis ab summo aequaliter declivis ad flumen Sabim. II, 18. 

3) adversus huic et contrarius. II, 18. »Contrarius« wird zwar gewöhn- 
lich mit »gegenüber« übersetzt, da aber »adversus« bereits diesen Sinn hat, 
so möchte »contrarius« hier die Eigenschaft des Hügels bezeichnen, dass er 
dem ersten Hügel in so ferne entgegengesetzt war, als seine vorspringenden 
Theile in die zurücktretenden des erstem sich erstreckten, und umgekehrt, 
folglich die Grundflächen der Hügel eine sich gerade entgegengesetzte Form 
hatten. Dadurch lief der Fuss des einen Hügels mit dem Fuss des andern 
parallel. 

4) paucae stationes equitum. II, 18. 



77 

kommen '). Daas dieses der Fall ist, kann aber, um die Erzählung 
nicht durch Beweise allzuhäufig zu unterbrechen, erst später gezeigt 
werden, wenn nach Beschreibung der Schlacht der Leser mit den 
thatnLchlichen Verhältnissen bekannt sein wird. Zum Verständ- 
nisse der Schlacht selbst aber wird die Terraindarstellung der an- 
geschlossenen Tafel V., welche der Karte des französisclien General- 
stabs entnommen und an Ort und Stelle mit dem Terrain verglichen 
wurde, vollkommen ausreichen. 

8. Schlacht an der Sambre. 

(Taf. V.) 

a. Erster Moment. 

üebersicht: Cäsars Beiterei überschreitet die Sambre and wirft die feindliche 
Beiterei zurück, seine sechs schlagfertigen Legionen beginnen die Be- 
festigung des Lagers. 

CSLsar hatte seine Reiterei vorausgesendet, und folgte mit allen 
seinen Truppen. Weil aber dieser Marsch einen andern Zweck 
als die letzten Märsche hatte, so war auch die Marschordnung 
nicht der Art , wie die übergegangenen Belgier den Nerviem be- 
richteten ^). Denn die Belgier hatten nur Märschen beigewohnt, 
die ausserhalb des feindlichen Bereichs zurückgelegt wurden, während 
CSsar jetzt, wo er in der nächsten Nähe des Feindes eingetroffen 
war, seiner IJebung gemäss sechs Legionen schlagfertig *) marschiren 
Hess. Hinter diesen hatte er das schwere Gepäck des ganzen Heeres 
folgen lassen; die beiden erst kürzlich errichteten Legionen aber 
schlössen die Golonne, und dienten dem Gepäcke als Bedeckung^). 

Die Reiterei begleitet von Schleuderen! und Bogenschützen 
setzte, sobald sie an der Sambre angekommen war, über den Fluss, 
und warf sich auf die feindliche Reiterei. Diese zog sich nun 
mehrmals in die Waldungen zu den Ihrigen zurück, und brach 
sodann plötzlich zum Angriff wieder hervor. 



1) Nachdem auf Befehl des Kaisers Napoleon IIL diese vom Verfasser 
aufgefandene Oertlichkeit durch den General Creulj und den H. Bertrand 
näher untersucht worden war, so wurde auch dieser wissenschaftliche Fund 
als kaiserlich französische Entdeckung dargestellt. 

2) sed ratio ordoque agminis aliter se habebat ac Belgae ad Nervios 
detulerant. II, 19. 

3) ezpeditas. 11, 19. 

4) totum agmen daudebant praesidioque impedimentiB erant. 11, 19, 



78 

C&sars Reiterei liess sich jedoch nicht verleiten, in das waldige 
Terrain einzudringen , gondem setzte ihre Verfblgong nnr bis zmn 
Saume desselben fort, und verblieb auf offenem Terrain. 

Während jenes Beitergefechts trafen allmahlig auch die sechs 
Legionen, welche vor dem Gepacke marschirten, an der Sambre 
ein, steckten südwestlich vom heutigen Nenf-Mesnil ein Li^er ab, 
und begannen dessen Verschanzungen aufzuwerfen ^). 

b. Zweiter Moment. 

Uebersicfat: Der Belgier ganze Macht wirft Cäsars Reiterei zurück und über- 
fällt dessen sechs Legionen. Ihr rechter Flügel wird hart bedrängt: 
Labienus aber erobert mit dem linken Flügel das belgische Lager. 

Die Feinde, welche sich hinter dem Walde gelagert hatten 
und von Cäsars Lagerplatz aus nicht gesehen werden konnten *), 
hatten, wie schon oben angedeutet wurde, verabredet, zum allge- 
meinen Angriff zu schreiten, sobald als CSLsars Gepäck bei seinem 
Lagerplatze eintreffen werde. Wie sie daher die ersten Transport- 
thiere und Wagen ansichtig wurden, so riefen sie einander Muth 
zu, brachen aus ihrer Aufstellung') im Walde jählings mit allen 
Streitkräften hervor, und stürzten sich zunächst auf Cäsars Reiterei. 
Nachdem sie diese leicht über den Haufen geworfen hatten, rannten 
sie mit unglaublicher Geschwindigkeit zur Sambre hinab, so dass 
sie beinahe in einem und demselben Augenblicke am Waldsaum, 
im Flusse und bereits auch in der Römer nächster Nähe*) ge- 
sehen wurden. 

Mit gleicher Geschwindigkeit stürmten sie den vor ihnen liegen- 
den Hügel hinan zum römischen Lager und gegen die mit seiner 
Befestigung beschäftigten Legionen. 

Nun musste Cäsar für Alles zu gleicher Zeit Sorge tragen ; 
durch Ausstecken der Feldhermfahne*) das Signal zum Ergreifen 
der Waffen geben, mit der Trompete die Soldaten von der Schanz- 
arbeit abrufen, und diejenigen, welche um Rasen zu holen sich 
weiter entfernt hatten, wieder einziehen lassen; er musste die 



1) opere dimenso castra munire coeperunt. II, 19. 
2} abditi latebant. II, 19. 

3) ut adem ordinesque constituerant. II, 19. wörtlich: wie sie ihre Schlacht- 
ordnung, nämlich ihre Heerhaufen, aufgestellt hatten. 

4) in manibus nostris. II, 19. 

5) vexillum proponendum. 11, 20. 



j 



79 

Schlachtordnung aufstellen, die Soldaten haraoguiren, das Zeichen 
zum Angriff geben ^). 

Ein grosser Theil dieser Anordnungen wurde durch die Kürze 
der Zeit und den Andrang der Feinde sehr erschwert. Zwei Dinge 
kamen jedoch CS.8ar in dieser Bedraugniss gut zp statten; einmal 
die Ausbildung und Erfahrung *) seiner Soldaten , weil sie durch 
die frühem Kämpfe geschult, auch ohne Befehl selbst schon wussten, 
was sie zu thun hatten; dann aber, dass Cäsar den Legaten ver- 
boten hatte, von der Schanzarbeit und den ihnen speciell unter- 
stellten Legionen') sich zu entfernen, ehe das Lager befestigt sei. 

Diese Legaten warteten in Berücksichtigung der Nähe und 
Raschheit der Feinde Cäsars Befehle nicht ab, sondern ordneten 
an, was sie nach ihrem eigenen Ermessen fär zweckmässig hielten. 

Als Cäsar die dringendsten Befehle ertheilt hatte, ritt er hin- 
weg, um diejenigen Truppentheile , auf welche er gerade traf, zu 
haranguiren , und gelangte so zur zehnten Legion ^) , welche auf 
dem linken Flügel stand. 

Er hielt hier kerne lange Rede, sondern ermahnte sie nur, ihrer 
alten Tapferkeit eingedenk zu sein , nicht aus der Fassung zu 
kommen und dem feindlichen Chok wacker Stand zu halten. 

Jetzt waren die Feinde bereits so nahe gekommen, dass man 
gerade noch die Wurfspiesse werfen konnte; daher gab er das 
Signal zum Beginn des Kampfes. 

Wie er sich hierauf nach dem andern — dem rechten — 
Flügel ^) begab, um den Muth seiner übrigen Truppen anzufeuern, 
traf er bereits auf Kämpfende. So kampflustig waren nämlich die 
Feinde herangestürmt, dass sie den Romern keine Zeit Hessen nur 
die Helme noch aufzusetzen, und von den Schilden die üeberzüge 
herabzunehmen, geschweige den Helmschmuck ^) aufzustecken. 

Auf welchen Punkt der Aufstellung von der Schanzarbeit ab- 
gerufen ein Jeder zufällig kam, oder welches Cohortenzeichen er 



1) Signum dandum. II, 20. Der Ausdruck »signuin dare« besagt: das 
Signal zum Angriff geben. Es wurde durch Schwingen der Feldherrnfahne 
— des Vexillums — ertheilt. Vgl. Anhang II. § 51. 

2) scientia atque usus militum. II, 20. 

3) ab opere singuUsque legionibus. II, 20. 

4) ad legionem decimam. II, 21. 

5) in alteram partem. II, 21« 

6) insignia. 11, 21. 



80 

gerade zunächst sah, da blieb er stehen, um mit dem Suchen des 
seinigen sich nicht aufzuhalten und zu spät zum Kampfe zu kommen. 
% Auf diese Weise war das Heer mehr nach der natürlichen Be- 
schaffenheit des Terrains, nämlich nach der Gestaltung und Grösse 
des von den Genturionen zum Lagerplatze ausgewählten Hügels ^) 
und nach dem Drange des Augenblicks aufgesteUt, als mit Berück- 
sichtigung des Gefechtsmechanismus und einer geordneten Glie- 
derung'); denn nicht zu einer und derselben Division gehörende 
Legionen ^) boten die eine da, die andere dort dem Feinde die 
Spitze, und die oben genannten dichten Gehäge erschwerten die 
Umsicht ; aus letzterm Grunde konnte man auch keine Brcserve auf- 
stellen, auf deren Unterstützung zu zählen gewesen wäre, noch die 
an jedem Punkte nöthigen Massregeln vorhersehen, noch konnte 
von einem Befehlshaber Alles geleitet werden. In so misslicher 
Lage spielte denn auch der Zufall eine grosse Rolle*). 

Gegen den linken Flügel der Römer stürmten die Atrebaten 
heran, und trafen, vom Laufen ermattet imd ausser Athem auf die 



1) delectus collis, nicht deiectus collis. 11, 22.; denn es liegt in diesem 
Ausdruck die Rückbeziefaung auf den Satz »locum idoneum castris deligant« 
n I 17. Die Abhänge des Hügels waren auch nicht steil genug , de mit 
»deiectus« zu bezeichnen, sondern sie waren decliyes. 

2) rei militaris ratio atque ordo. II, 22. 

3) diversae legiones. II, 22. Das »diversae« kann sich nur auf das taktische 
Verhältniss einer Legion zur andern beziehen, und nicht auf die Oertlichkeit 
ihrer Aufstellung , weil andernfalls in dem darauf folgenden »aliae alia in 
parte« ein bei Cäsar nicht zu Fermuthender Pleonasmus enthalten w&re 
Vergl. II, 23.: »Item alia in parte diversae duae legiones, undecima et 
octova etc.« 

4) Diese Stelle der Commentarien zeigt recht augenfällig, wie verschieden 
die Taktik der Römer von derjenigen der Neuzeit war. Während man heut- 
zutage die Heere in solche Hauptabtheilungen gliedert, dass sie unbeschadet 
des gemeinschaftlichen Zusammenwirkens selbstständig auftreten und sich dem 
verschiedenartigst gestalteten Terrain anpassen können, suchten die Römer 
stets ein für ihre Normalstellung passendes Terrain zu gewinnen, und ihre 
Gliederung in Divisionen zu je zwei Legionen hatte weniger seinen Grund, 
dass diese Abtheilungen selbstständiger wurden, als darin, dass die lange 
Schlachtlinie nicht von einem einzigen Commandeur gehörig überblickt werden 
konnte. (Vergl. Anhang III. Treffen bei Ruspina.) 

Die römische Schlachtordnung bildete ein für unsere heutigen taktischen 
Begriffe immerhin schwerfälliges Ganzes, und nur der Drang des Augenblicks 
führte in dieser Schlacht eine unabhängigere Aufstellung der einzelnen Di- 
visionen herbei. Bios der Umstand würde auch heutigen Tages Nachtheil 
gebracht haben, dass eine allgemeine Reserve fehlte. 



81 

neunte und zehnte L^on, die dort (a.) in der ScUachtordnung 
wacker zusammenstanden '). 

Diese warfen ihre Pilen, brachten den Feinden tüchtig Wunden 
bei, und trieben sie den Hügel hinab in die Sambre, verfolgten sie 
auch während sie erschöpft mit höchster Anstrengung den Fluss 
zu durchwaten begannen, und durchbohrten ihrer eine grosse Zahl 
mit dem Schwerte. 

Diese beiden Legionen besannen sich keinen Augenblick, den 
Fluss zu überschreiten; verfolgten den Feind auch jenseits, und 
stürmten den dortigen Hügel bergan. Da wollten die Atrebaten 
von ihrer hohem Stellimg Nutzen ziehen, machten Halt und er- 
neuerten das Gefecht (bei k). Die Legionen aber rückten ihnen 
trotz ihrer misslichen Verhältnisse ') rasch auf den Leib, jagten sie 
in die Flucht, und eroberten bald darauf sogar das belgische Lager. 

An einer andern Stelle (b.) waren zwei nicht zu einer und 
derselben Division gehörende Legionen — die eilfte und die achte *) — 
gegen die bergaufstürmenden Yeromanduer den Hügel herabge- 
rannt, hatten sie über den Haufen geworfen, und schlugen sich 
nun mit ihnen an den Flussufem selbst^). 

Gewöhnlich bildete das zur Schlacht ausgerückte Heer vor dem 
Lager^eine fortlaufende Linie, welche dasselbe so deckte, dass der 
Feind nur nach Durchbrechung dieser Linie oder einer sehr aus- 
gedehnten Umgehung es angreifen konnte. Dies verhielt sich in 
der vorliegenden Schlacht aber anders, indem die drei Divisionen, 
wie schon erwähnt, keine fortlaufende Linie formirten, sondern auf 
dem etwas ausgedehnten Schlachtfelde bedeutende Intervallen zwi- 
schen sich hatten, und namentlich die ziemlich in der Mitte ge- 
standene Division der achten und eilften Legion in der Verfolgung 
des Feindes vielleicht etwas zu weit nach dem linken Flügel ge- 
kommen, jedenfalls aber schon durch ihr rasches Vorrücken zwischen 



1) acie constiterant. II, 23. Forcellini sagt über confiistere: »eleganter 
ponitur pro firmum, stabUem, conatantem e88e.c 

2) in locum iniquum progressi. II, 23. 

3) diversae iegiones. II, 23. In der Schlachtordnung (ordre de bataille), 
welche je für einen Feldzug bestimmt wurde, formirte für jenen Feldzug die 
siebente mit der achten, die neunte mit der zehnten, und die eilfte mit der 
zwölften Legion je eine Division. 

4) Ich interpunktire : profligatis Veromanduis, quibuscum erant congressi 
ex looo Buperiore, in ipsis fluminis ripis proeliahantur. II, 23. 

T. 1 e r, OftsMB galliaoher Krieg. II. Aofl. ' Q 



82 

ihnen und dem stehen gebliebenen rechten Flügel eine grosse 
Intervalle entstanden war. So war das römische Lager des Schutzes, 
welchen ihm gewöhnlich die Schlachtlinie von aussen gewährte, 
entblöst, und so ist es zu verstehen, wenn die Commentarien sagen : 
»beinahe das ganze Lager, seine Front und seine linke Seite, sei 
blosgestellt gewesen« ^), während auf dem rechten Flügel die zwölfte 
und nicht weit davon die siebente Legion standen, und zugleich 
die rechte Seite des Lagers deckten.» Gegen diesen Punkt ^) rückten 
sammtliche Nervier unter ihrem obersten Anführer, dem Herzog 
Boduognat, vor, nachdem sie die Sambre und ihr, auf Taf. V. er- 
sichtliches, vor dem rechten römischen Flügel hinlaufendes hohes 
Ufer überschritten hatten '). 

Ein Theil derselben begann die beiden Legionen in der offenen 
Flanke (c.) zu umgehen, ein anderer zwischen der achten und 
zwölften Legion hindurch (bei h.) nach dem Lager vorzudringen, 
das auf dem höchsten Punkte des Hügels lag ^). 

Gerade in diesem Augenblick waren Cäsars Reiterei (d) und 
die ihr zugetheilten leicht bewaffneten Fusstruppen, welche, wie 
oben erzählt, beide beim ersten feindlichen Angriffe geworfen wurden, 
auf dem Rückzuge zum Lager begriffen. Sie hatten sich wahr- 
scheinlich zwischen der neimten und eilften Legion zurückgezogen, 
trafen nun zufällig auf die gegen das Lager anrückenden Nervier 
und flohen wieder nach einer andern Seite hin (e). Die Offiziers- 
diener und Pferdeknechte *) aber, welche von dem auf dem höchsten 
Punkte des Hügels gelegenen hintern Lagerthore*) (f) aus, die 
neunte und zehnte Legion siegreich den Fluss hatten überschreiten 
sehen , waren , um Beute zu machen , aus dem Lager weggelaufen, 
und überliessen sich nun jählings der Flucht, als sie sich umsahen, 
und die unterdessen herankommenden Nervier bereits im Lager er- 
blickten. Zugleich erhob sich auch Geschrei und Lärm bei den 
Leuten, welche mit dem schweren Gepäck — der Bagage — im 

1) ad totis fere a fronte et ab sinietra parte nudatis castris. II, 23. 
Wenn unter nudatis castris die Entblössung des Lagers von Vertheidigern 
in seinem Innern zu verstehen wäre, so müsste »defensoribus« dabei stehen. 
Vergl. III, 4. 

2) ad eum locum. II, 23. 

3) Vergl. transire latissimum flumen, ascendere altissimas ripas. II, 27. 

4) 170 Meter über der Meeresfläche und 41 Meter über dem Wasser- 
spiegel der Sambre. 

5) calones II, 24. Vergl. Frontin. IV, 1. 6. 

6) ab decumana porta. II, 24. 



X 



83 

Anzug waren ^), und sie liefen in höchster Bestürzung auseinander, 
der eine da, der andere dorthin. 

Dieses Alles machte auf die Trevirischen Reiter, welche bei 
den Galliem im Rufe ausserordentlicher Tüchtigkeit standen, und 
als Bilfscorps von ihrer Völkerschaft zu Cäsar detachirt waren, 
einen tiefen Eindruck, und da sie namentlich sahen, dass das Li^er 
von einer Masse Feinde erfüllt, die Legionen im Gedränge und bei- 
nahe umringt waren, die Reiterknechte, Reiter, Schleuderer und 
Numidier zersprengt und aufgelöst nach allen Richtungen flohen; 
da hielten sie Cäsar für verloren und zogen ihrer Heimath zu, das 
Gerücht verbreitend, die Römer seien nicht nur zurückgeworfen, 
und besiegt, sondern auch all' ihr Gepäck sei]erobert. 

Als C&sar bei Beginn der Schlacht die zehnte Legion haranguirt 
hatte, und hierauf nach dem rechten Flügel ritt, fand er seine 
Truppen hart bedrängt; bei der zwölften Legion waren nicht nur 
die Cohorten des zweiten, sondern auch des dritten Treffens freilich 
nicht regelrecht in das erste Treffen eingerückt, wodurch die 
Cohortenzeichen oder Fahnen in einer Linie '), die Soldaten aber 
so gedrangt standen, dass sie sich selbst im Kampfe hinderten. Die 
Centurionen der vierten Cohorte waren alle niedergestreckt, ihr 
Feldzeichenträger getödtet ^) , das Feldzeichen verloren , die Cen- 
turionen der übrigen Cohorten beinahe alle verwundet oder zu 
Boden gehauen, und unter diesen der Primipilus P. Sextius Baculus, 
ein sehr tapferer Mann, welcher sich, mit vielen Wunden bedeckt, 
bereits nicht mehr in die Höhe richten konnte. Die übrige Mann- 
schaft war erschöpft, nicht mehr recht bei der Hand; Einige im 
hintersten Gliede nahmen am Kampfe sogar nicht mehr Theil, und 
traten aus^), um den Geschossen auszuweichen. Die Nervier aber 



1) eomm, qui cum impedimentis veniebant. II, 24. Aus diesem Gegen- 
satze gegenüber der oben genannten »calones« ist zu ersehen, dass letztere 
nicht mit dem Gepäck zogen, sondern mit den Legionen, welchen ihre Offiziere 
zugetheilt waren. Sie waren daher keine Trossknechte, sondern Offiziersdiener 
und Pferdeknechte. 

2) signis in unum locum oollatis. II, 25. Gewöhnlich nahm einen »locum« 
das erste, einen »locum« das zweite und einen »locum« das dritte Treffen ein. 

Der häufig in Livius vorkommende Ausdruck »signis collatis deoemere« 
bezeichnet immer einen hartnäckigen Kampf, in dem zu seiner Entscheidung, 
wenn nicht das dritte, so doch das zweite Treffen in das erste Treffen vor- 
rücken musste. Yergl. Y, 35. locum teuere, in der Linie bleiben. 

3) Omnibus centurionibus occisis signiferoque interfecto. II, 25. 

4) nonnullos ab novissimis deserto proelio exedere. II, 25. 

6* 



84 

rückten unausgesetzt in der Front den Hügel herauf, und bedrohten 
zugleich beide Flanken '). Weil nun die Sache sehr übel stand, 
und auch keine Reserve herbeigezogen werden konnte^), nahm 
Cäsar, der ohne Schild gekommen war, den Schild eines Soldaten 
im hintersten Gliede, begab sich in die vorderste Reihe, rief die 
Centurionen bei Namen, feuerte die Soldaten an, befahl vorzu- 
dringen ') imd in den Manipeln seitwärts mehr Raum zu gewinnen ^), 
um das Schwert besser handhaben zu können. 

Cäsars Erscheinen hob der Soldaten Hoffnung und Muth — 
und da unter den Augen seines Imperators ^) ein Jeder aus eigenem 
Antrieb auch noch in der verzweifeltsten Lage seine Pflicht zu thun 
strebte, so wurde der Andrang des Feindes etwas gehemmt. 

Als Cäsar sah, dass die 7. Legion, welche mit geringer Inter- 
valle rechts neben der 12. Legion stand, sich ebenso wie diese im 
Gedränge befand, befahl er den Eriegstribunen, die beiden Legionen 
nach und nach zusammenzuziehen — hierbei die 7. hinter die 12. 
Legion zu führen, diese rückwärts Front machen zu lassen, und 
mit der zwölften nach vorwärts, mit der siebenten nach rückwärts 
auf den Feind einzudringen •). 

Wenn wir annehmen, dass sämmtliche Cohorten der beiden 
Legionen in eine Linie eingerückt standen, und hier bei dievorher- 
gegangenen Verluste mit in Betracht ziehen, so möchte die Front- 
länge einer jeden Legion sich auf etwa 800 Schritte belaufen haben. 
Daher hatte jede Legion mit Einrechnung der Intervallen nicht 
viel über 400 Schritte sich seitwärts zu ziehen, um das von Cäsar 
angegebene Verhältniss ihrer Stellung anzunehmen. Dieses unter 
dem Andrang der Feinde ausgeführte schwierige Manöver wurde 
wahrscheinlich durch die ausser Reih' und Glied fechtenden Ante- 
signanen geschützt oder wenigstens erleichtert ^). 



1) ab atroque latere instare. 11, 25. 

2) neque ullum esse subsidiom, quod submitti posset. II, 25. 

3) Signa inferre. II, 25. 

4) manipolos laxare. II, 25. Dieser Ausdruck zeigt, dass die Manipeln in 
den Cohorten hintereinander und nicht — wie Rüstow anführt — neben ein- 
ander standen, sonst würde Cäsar nicht »manipnlos« sondern »cohortes laxare« 
geschrieben haben. 

5) in conspectu imperatoris. II, 25. Ueber Imperator vergl. Anhang II. § 43. 

6) conversa signa inferre. II, 26. In einer ähnlichen Stellung des Titurius 
und Cotta gegen Ambionx bestand das Eindringen auf den Feind in ab- 
wechselnden Ausfällen der einzelnen Cohorten. Vergl. V, 35. 

7) Vergl. Anhang 11. g 57. 



85 

Kurz! dies Manöver gelang, und da durch die neue Stellung 
beide Legionen sich gegenseitig unterstützten, und keine derselben 
einen Angriff im Rücken mehr zu bef&rchten hatte ^), so behaupteten 
sie kühner ihren Platz und kämpften tapferer. 

c Dritter Moment. 

üebersicht : Die 13. und 14. Legion treffen auf dem Schlachtfelde ein, Labienus 
sendet die 10. Legion in der Neryier Rücken. — Niederlage der ver- 
bündeten Belgier. 

Bald sollte es nun auch auf C^ars rechtem Flügel besser 
werden. Denn plötzlich erblickten die Feinde auf dem höchsten 
Punkt seines Hügels (bei g.) die 13. und 14. Legion, welche die 
Nachhut und Bedeckung des schweren Gepäcks gebildet hatten, und 
vom gefährlichen Stande des Gefechts in Eenntniss gesetzt, in vollem 
Laufe zur Unterstützung herbeieilten. Das Eintreffen dieser frischen 
Kräfte war höchst nöthig ; aber von noch entscheidenderer Wirkung 
war, dass Labienus, der mit der 9. und 10. Legion das feindliche 
Lager erobert und von dessen Höhe herab ') gesehen hatte, wie es 
im römischen Lager stand, die 10. Legion den Nerviern in den 
Rücken sendete. Diese Legion hatte zur Erfüllung ihres Auftrags 
das hinter der Mitte und dem linken Flügel der Nervier hin- 
ziehende steile Felsenufer zu übersteigen nicht nöthig ; denn da die 
Veromanduer bereits völlig aus dem Felde geschlagen waren und 
von der 8. und 11. Legion verfolgt wurden, so konnte sie unge- 
hindert zwischen dem Gehölze von Quesnoy und Hautmont vor- 
dringen und östlich von jenem steilen Ufer die Sambre überschreiten. 
So gelangte sie auf dem nächsten Wege in den Rücken und die 
rechte Flanke der Nervier, und als sie während dieser Bewegung 
aus der Flucht der Reiterei und der Pferdeknechte den Übeln 
Stand der Schlacht erkannte, und in welch^ grosser Gefahr sich 
das Lager, die Legionen und der Feldherr befinde, liess sie es 
wahrlich an Raschheit nicht fehlen. 

Ihr Erscheinen brachte einen solchen Umschlag der Yerhält- 
hältnisse und der Stimmung hervor, dass römische Krieger, die 
von Wunden erschöpft zu Boden lagen, sich auf ihre Schilde 



1) timerent ne aversi ab hoste drcumvenirentur. II, 26. 

2) ex loco superiore. II, 26. Das Lager der Belgier, welches unzweifel- 
haft bei der Windmühle von Hautmont lag, überhöhte das römische Lager 
um 57 Fuss, den rechten Flügel Cäsars um 81 Fuss und das Bett der Sambre 
um 162 Fuss. Vergl. die grosse Karte des franz. Generalstabs. Blatt Maubeuge. 



86 

stützend Yon Neuem am Kampfe Theil nahmen, nnd die Pferde- 
knechte, wie sie des Feindes Bestürzung gewahrten, sich, obgleich 
ungewappnet, auf die wohlgerüsteten Nervier warfen *) ; die Reiter 
aber, um durch Tapferkeit die Schmach ihrer Flucht zu tilgen, es 
sogar den Legionarsoldaten zuvorthaten. Allein auch die Nervier 
bewiesen eine solche Tapferkeit, dass die Hintermänner sich auf 
die gefallenen Vordermänner stellten und von deren Leichen herab 
den Kampf führten. Wenn aber auch diese ge&llen waren, und 
sich Leiche auf Leiche thürmte, dann warfen sie von den Todten- 
hügeln herab ihre Geschosse auf die Römer, fingen deren Pilen 
auf, und schleuderten sie zurück. Doch. mögen sie sich noch bis 
zur Stelle des Gehölzes von Quesnoy zurückgezogen haben, denn 
dort scheint dieser Kampf, der letzte Act der blutigen Nervier- 
schlacht, ausgefochten worden zu sein. Noch fordert dort die Pflug- 
schar seit Jahrhunderten Waffen, Gebeine, Aschenkrüge und Grab- 
reste zu Tag, ja ganze Reihen von Gräbern, die nach ihren Kenn- 
zeichen Kri^em angehören, werden dort schon seit langen Zeiten 
angefunden ^. 

Mit Recht standen, wie Cäsar selbst ausspricht, die Nervier 
im Rufe höchster Tapferkeit, da sie es wagten, Angesichts des 
Feindes die sehr breite Sambre zu überschreiten, ihr sehr hohes 
Ufer zu erklimmen ^) und sich auf ein höchst nachtheiliges Terrain 
zu begeben, das sie bergaufwärts zum Angriff vorzugehen nöthigte. 
Die Grösse ihres Muthes hätte ihnen aber auch das Schwerste 
leicht gemacht. 

Auf die Nachricht vom Ausgang dieser Schlacht, in welcher 
Stamm und Namen der Nervier beinahe gänzlich vernichtet wurde, 
haben ihre bejahrteren Männer, welche mit den Kindern und 
Weibern hinter Sümpfen *) in Sicherheit gebracht waren, Parlamen- 
täre an Cäsar geschickt und sich unterworfen, und zwar im Einver- 
ständnisse mit den aus der Schlacht Entkommenen, weil sie die 
Ueberzeugung hegten , dass dem Sieger keine Schranken zu setzen 
und für sie keine Sicherheit mehr zu finden sei. Bei Schilderung 
ihrer traurigen Lage führten sie an, dass von 600 Mii^liedem ihres 



1) inermes armatis occurrerent. IT, 27. 

2) Vergl. Dinaux, lettre k TAcademie royale de Bruxelles, publice dans 
les archives bist, et litt, du Nord de la France et du Midi de la Belgique. 

3) transire lattissimum fiumen, ascendere altissimas ripas, subire iniquis- 
sirnum locum. II, 27. 

4) in aeetuaria ac paludes. 11, 28. 



87 

Yolksratlies *) drei , und von 60,000 Waffen&higen kaum 500 am 
Leben geblieben seien. 

Um an den Tag zu legen , dass er für Unglückliche und um 
Schutz Flehende Erbarmen hege, schützte er sie möglichst gegen 
alle Unbilden, Hess ihnen ihr Gebiet und ihre Städte, und be- 
deutete den Nachbarn, sich jeder Beleidigung oder Gewaltthätig- 
keit gegen sie zu enthalten. 

9. Gründe für die angenommene Oertlichkeit des 

Schlachtfeldes an der Sambre. 

Nachdem nunmehr nicht nur Cäsars Zug von Samarobriva 
nach der Sambre, sondern auch die Schlacht [an derselben ge- 
schildert und der Leser mit deren Thatsachen bekannt ist, sollen 
die Gründe angegeben werden, warum wir gerade in jener Weise 
den Text der Commentarien aufgefasst haben, da im Allgemeinen 
durchaus keine Einhelligkeit darüber herrscht, ob die belgischen 
Verbündeten auf dem rechten oder linken Ufer des Flusses, weiter 
aufwärts oder abwärts gelagert waren. Cäsar gibt zwar an, die 
Sambre habe am Kampfplatze eine Tiefe von ungefähr drei Fuss 
gehabt. Diese Angabe kann uns aber keinen sichern Anhaltspunkt 
zur Bestimmung der Lage des Schlachtfeldes geben, weil nicht nur 
die Witterung zur Zeit der Schlacht die Tiefe der Sambre ausser- 
gewöhnlich gross oder gering machen konnte, sondern auch jeden- 
falls mancherlei Umstände ihre Tiefe seit 1900 Jahren vielfach ver- 
änderten. Wenn die Ableitung der sogenannten »alten Sambre« 
(welche wohl früher als der Ursprung der Sambre betrachtet 
wurde) *), die Wassermenge des Flusses verringerte, so hat dagegen 
die Kultur sie sicherlich vermehrt. Die vielen Waldungen, welche 
der Kultur seitdem auf beiden Seiten der Sambre gewichen sind, 
entzogen durch ihren schwammartig aufsaugenden Boden dem Flusse 
eine Menge Feuchtigkeit, die jetzt ungehalten ihm zurinnt; und 
namentlich hat die Ganalisirung des Flusses zwar seine Breite ver- 
mindert, seine Tiefe aber vermehrt. In dieser Berücksichtigung werden 
wir daher keinen Anstand nehmen dürfen, die Gegend bei Haumont 



1) senatores. II, 28. 

2) Yergl. die Karte von Cassiiii Die Zeit der Ableitung der alten Sambre 
in die Oise ist nicht zuverlässig bekannt. Doch wird behauptet, sie datire 
von der Belagerung von Landrecj im J. 1712 her, indem damals durch sie 
die Inundation der Festung verhindert werden sollte. 



88 

— obschon die dortige Tiefe jetzt durchschnittlich wenigstens 4 
Fuss und die Breite 50—60 Fuss beträgt — als Schlachtfeld zu 
betrachten, wenn andere Factoren, die wir aufsuchen wollen, uns 
zu einer solchen Annahme berechtigen ^). 

Als Cäsar aus dem Grebiete der Ambianer aufbrach, um die 
Nervier zu unterwerfen, so hatte er nothwendig bereits ein be- 
stimmtes Operationsobject vor Augen, und er marschirte gewiss 
nicht nur aufs Geradewohl in ihr Land ein. 

Dies Object konnte nicht die Stellung der verbündeten Nervier, 
Atrebaten und Yeromanduer auf dem rechten Ufer der Sambre 
sein , da sie Cäsar bei seinem Abmarsch von Samarobriva ') noch 
nicht bekannt war, und er sie, erst in der Nähe des Flusses ein- 
getroffen, erfuhr, sondern sein nächstes Operationsobject war der 
Sammelplatz jener Verbündeten, die nervische Hauptstadt Bagacum, 



1) Dinaux (a. g. 0.) schreibt, indem er das Schlachtfeld zwischen St. Bemy- 
mal-bati und Hautmont legt , und Cäsar auf dem rechten anstatt auf dem 
linken Ufer sein Lager schlagen lässt: La rivi^re n^est pas assez avanc^e 
dans son cours pour ne point fournir un point oü Teau n'ait que trois pieds 
romains de profondeur. D'un autre oöt^, eile est assez large, surtout dans 
Tendroit quäable, pour märiter la qualification de »latissimum flumen«, que 
C^sar se plait k lui donner au moment oü il glorifie le courage de ses troupes 
en ^num^rant avec complaisance les difficult^s que pr^sentaient T^tendue de 
Teau ä franchir et la hauteur des rives k surmonter. En somme tout ce qu*il 
dit dans la relation de la bataüle, jusqu^ä la drconstance qui faisait que les 
l^gions se battaient s^par^ment et sans se voir k cause de bronssailles 
^paisses qui les s^paraient et les cachaient Tune k Tautre, tout se rapporte 
k point nomm4 au Heu que nous d^gnons comme le v^ri table theätre de 
cette lutte d^cisive, et IMtat des lieux, si ce n^est pas la profondeur des eauz 
modifi^e par la canalisation de la Sambre, n'est pas chang^ de nos jours. 

2) Das heutige Braye an der Somme. Bruzen de la Martini^re sagt: 
»Briva und Briga ist ein keltisches und gallisches Wort, welches Brücke be- 
deutet, wie man in Briva Isarae, Brivisara oder Pons Isarae — Pont-Oise — 
und in hundert Plätzen mehr findet. Mit Samarobriva ist es ebenso. Das 
ist Samarae pons, welches die Franzosen Sommepont oder Brücke an der 
Somme, heutzutage Amiens nennen könnten. Obgleich sonst alle Gelehrten 
einig sind, dass Samarobriva Amiens ist, so ist doch Ortelius geneigt zu 
glauben, es sei Braye-sur-Somme. Die Aehnlichkeit de« Worts scheint ihm 
günstig zu sein.c 

Der Meinung des Ortelius kann ich nur beipflichten, und auch Grävius 
sagt mit Recht: »Ambianum primum Sommonobriam dictam scribit Sigbertus : 
si Samarobrivam voluerit dicere, false, cum ex Caesar e et Antonio diversae 
esse urbes constet. 

Napoleon III. theilt diese Ansicht nicht, sondern hält es für das heutige 
Amiens. 



89 

wo sie sich, während er yon Soissons gegen die Belloyaker und 
Ambianer zog, vereinigt hatten. Damals wussten dieselben aber 
wohl noch nicht, ob sie anf dem rechten oder linken Ufer gegen 
Qksar Stellung nehmen würden , da er yon Samarobriva auf einem 
geringen ümw^e die Sambre überschreitend, ebensowohl auf dem 
rechten als auch auf dem linken Ufer sich ihnen nahem konnte. 
Erst als sie sichere Kunde erhielten, dass sich Cäsar auf dem 
linken Sambreufer über Gamaracum (Cambray) ihnen nähere, 
nahmen sie auf dem rechten Ufer dieses Flusses Stellung; und 
dass sie ihre Hauptstadt Bagacum dabei aufgaben, darf uns nicht 
sehr wundem, da jene Völker gewohnt waren, ihre Habseligkeiten 
mit sich zu führen, die Sfödte an sich keinen Werth hatten, und 
Bagacum wohl zu klein war, um den Nerviem sammt deren Ver- 
bündeten eine feste Stellung zu gewähren. 

W^enn ein Schriftsteller glaubt, Cäsar müsse während der 
Nerrierschlacht auf dem rechten Sambre -Ufer gestanden haben, 
weU seine trevirische Hil&reiterei , als das Gefecht übel für ihn 
stand, so schnell den Weg nach Hause eingeschlagen habe, so ist 
hierauf zu bemerken, dass sie, da sie auf Cäsars linkem Flügel 
focht, recht leicht von dort aus das linke Sambre-Ufer hinabreiten 
konnte, um sodann über Namur oder Dinant ihre Heimath zu er- 
reichen. Nicht einmal von den Nerviem hatten sie eine Verfolgung 
zu fürchten, da diese keine Reiterei besassen. Wenn somit jenes 
Moment meiner Annahme keine Schwierigkeit bereitet, so spricht 
dagegen sehr für sie, dass bei der von mir geschilderten Marsch- 
richtung C^sar von der ambianischen Grenze aus drei Märsche im 
Gebiet der Nervier zurücklegen konnte, ehe er in die Nähe der 
Sambre gelangte, (vergl. S. 74.) während, wenn er auf dem rechten 
Ufer derselben gegen die Nervier angerückt mLre, er die Sambre 
schon in der G^end von Landrecy hätte überschreiten müssen. 
Dies war aber nicht der Fall, denn sonst hätte er nicht erst in 
der Nähe des Feindes von Gefangenen erfahren können, dass die 
Sambre nur noch drei Stunden von seinem Lager entfernt sei *). 

Wenn nun kein Zweifel bleiben möchte, dass die Nervier- 
schlacht in der Nähe von Bavay geschlagen wurde, und uns schon 
die Besichtigung einer guten Karte die Hügel zwischen Boussieres 



1) Auch Napoleon I. nimmt die Stellung Cäsars auf dem linken Sambre- 
Üfer an, denn er sagt a. g. 0.: IIb (les peuples du Hainaut) dtaint camp^s 
8ur la rive droiie de la Sambre. 



eo 

und LoTivroil als das Schlachtfeld erkennen lasst, so ist mir yon 
der Richtigkeit dieser Ansicht die festeste üeberzeugung geworden, 
als ich die beste Karte, welche über jene Gegend wohl vorhanden 
sein möchte, nämlich das Blatt Maubeuge der Karte des französischen 
Generalstabs — (1 : 80,000 Verjüngung) — an Ort und Stelle mit 
dem Terrain verglich, und fand, dass Cäsars, wenn auch noch so 
kurze Worte , jenes Terrain in einigen Punkten characteristischer 
und richtiger bezeichnen, als wegen ihres zu vorliegendem Zwecke 
inuner noch zu kleinen Maasstabs jene Karte selbst. Nach ihr er- 
scheinen z. B. die Böschungen des Hügels unterhalb Boussi^es, 
also die des linken Ufers , auf welchem Cäsar stand , convex und 
daher nach der Niederung hin allzu steil. Jene Böschungen sind 
in der Wirklichkeit nicht convex, sondern sie fallen, der Angabe 
Cäsars entsprechend, gleichmässig gegen die Sambre hin ab; und 
während auf der Karte das »sehr hohe Ufere *), welches sich vor 
Cäsars rechtem Flügel befand, seiner verhältnissmässig geringen 
Anlage halber nicht zu ersehen ist, ist es auf dem Terrain selbst 
scharf ausgeprägt vorhanden. 

Diese Uferstrecke, welche die Nervier mit so grosser Tapfer- 
keit erklimmten, ist ein Theil des linken Ufers, und zieht 20 — 30 
Fuss hoch felsig und rauh etwa eine halbe Stunde lang von 
Boussieres gegen Hautmont hin. Der über ihr gelegene Hügel- 
theil ist daher nicht wie der übrige Hügel bis zum Wasserspiegel 
der Sambre , aber doch bis zur Kante jenes Felsenufers sanft ab- 
fallend. Das gegenüberliegende Ufer ist flach, und von ihm aus 
erhebt sich, ebenfalls der Beschreibung Cäsars entsprechend das 
Terrain nur sanft zu dem Hügel, auf dem das belgische Lager stand 
(siehe das Profil auf Taf. V.). 

10. Zug gegen die Aduatuker und Lage ihrer Stadt. 

Nach dem Siege über die Nervier und ihrer Verbündeten ent- 
sendete Cäsar den aus der Schlacht gegen Ariovist uns bekannten 
entschlossenen jungen Reitergeneral Publius Crassus mit der siebenten 
Legion südwestlich bis in die Bretagne, um die am atlantischen 
Ocean wohnenden Völkerstämme zu unterwerfen, oder sie wenigstens 
im Schach zu halten *) , und zog hierauf selbst mit den übrigen 
sieben Legionen das linke Ufer der Sambre und Maas entlang 
gegen die Aduatuker. 

1) Vergl. ascendere altissimas ripas. II, 27. 

2) Vergl. ni, 7. 



91 

Dies^ waren, wie schon erwähnt, damals im Anzuge, um als 
Hilfscorps zu den Nerviem zu stossen. Als sie aber die Nach- 
richt von deren Niederlage und dem Anrücken Gasars erhielten, 
kehrten sie unmittelbar vom Marsche aus *) nach ihrer Heimath 
zurück, liessen alle ihre Städte und festen Plätze im Stich*), und 
brachten e£Lmmtliche Habe in eine einzige durch ihre natürliche 
Lage äusserst feste Stadt, welche sich unzweifelhaft an der Maas, 
auf dem Huy gegenüberliegenden Berge Falhize befand. 

£s sind über die Lage dieser Stadt schon viele Hypothesen 
aufgestellt worden. Die Einen suchen sie in Namur, wie z. B. 
Gluver , Sanson , Ablancourt und in neuerer Zeit Kiehl ^) , Andere 
in Beaumont, in Douaj, und Napoleon l. (a. g. 0.) gibt im Ein- 
klang mit einer vielfältig verbreiteten Meinung Falais an der 
Mehaigne, ungefähr 2^9 Stunden von Huy, als solche an. Aber 
alle diese Städte entsprechen der so prägnanten Bezeichnung, wielehe 
die Ck)mmentarien enthalten, nicht, während der Berg Falhize durch 
seine characteristische Terrainbildung sich unzweifelhaft für die 
Lage der Stadt der Aduatuker erkennen lässt*). 



1) ex itmere. II« 29. 

2) cunctis oppidis oastellisque desertis. II, 29. 

3) Caesars veldtogten in Gallie, te Leyden gedruckt bij J. Q. La Lan. 
1853—1854. 

4) Auch auf der grossen »carte de la Gaule«, welche auf Befehl Na- 
poleon*8 nL gefertigt und 1861 vollendet wurde, ist der Mont Falhize als 
die Stadt der Aduatuker eingetragen. In seinem spätem Werke verwirft 
aber Napoleon diese Ansicht und erklärt die Gitadelle von Namur als den 
Punkt» der der Beschreibung Cäsars entspricht; weil Falhize nicht auf allen 
Stellen von Felsen umringt sei. Mit Recht bezeichnet aber Napoleon selbst den 
Baum des Gitadellenberges als etwas beschränkt. Für einen Mann der 60,000 
Aduatuker hätte er durchschnittlich kaum 40 Quadratfuss geboten; der Mont 
Falhize etwa 70 Quadratfuss. — Der General Creulj macht in einem Auf- 
satze der Revue archeol. vom Jahre 1866 darauf aufmerksam, dass Göler für 
die Contravallation am Mont Falhize eine Ausdehnung von nur 5 Stunden 
ansetze, während nach seiner sonstigen Rechnungs weise die Angabe Cäsars 
quindecim milia passuum zu TVs Stunden zu berechnen gewesen wäre. Creuly 
»erklärt sich nun die Worte quindecim milium nicht mehr durch Auslassung 
von passuum, sondern er ergänzt sich dazu das unmittelbar vorhergehende 
pedum. In der That, wenn man liest vallo pedum XII, in cireuitu XY milium, 
80 muss man mit dieser Auslegung, sobald sie gegeben worden ist, sogleich 
einverstanden sein; denn das Wort pedum ist zu absichtlich — gleichsam 
wie ein gemeinschaltBcherVactor — ' vorangestellt worden, um nicht auch zu 
quindecim milium hinzugezogen werden zu müssen. Creuly unterstützt diese 



92 

Oasar berichtet, diese Stadt sei auf allen Seiten von 
sehr hohen Felsen und jähen Abhängen umgeben ge- 
wesen, so dass sie nur von einer einzigen Stelle aus einen sanft 
ansteigenden Zugang von nicht mehr als 200 Fuss Breite be- 
halten habe^). 

Nachdem ich die Lage der Stadt nach den strat^schen Ver- 
hältnissen, soweit sich dieselben aus den Commentarien entwickeln 
lassen, möglichst genau bestimmt und die einschlaglichen in grosserem 
Maasstabe ausgeführten Karten fleissig durchforscht hatte, fand ich 
auf dem Blatte Huy der Karte von Vandermaelen den Berg Falhize 
trotz ihrer immerhin unvollkommenen Terraindarstellung ^ doch 
so gestaltet, dass ich in ihm den gesuchten Ort zu erkennen glaubte. 

Um nähere Aufschlüsse über diese Oertlichkeit zu erlangen, 
wandte ich mich hierauf an Herrn Major Meyers vom königl. 
belgischen Generalstabe, und dieser, der sich damals gerade auf 
Besuch in dem dem Berge Falhize naheliegenden Schlosse Ahin 



Auslegung aber auch noch durch militärische Betrachtungen. Er sagt, Cäsar 
umgab das viel grössere, beinahe die doppelte Menschenmenge aufhehmende 
Alesia, welches er noch dazu blos bloquiren wollte, mit einer Contravallation 
von 11,000 röm. Schritten, und er hätte das kleinere oppidum Aduatucorum, 
welchem er durch eine wirkliche Belagerung so nahe als möglich zu rücken 
beabsichtigte, durch einen Wall von 15,000 röm. Schritten einschliessen soUen? 
Da nach ihm bei der übrigen festen Lage des Platzes eine Gircumvallation 
nur den Norden zu umfassen brauchte, so würde dieselbe gerade die Länge 
von 15,000 röm. Füssen gehabt haben. Oreuly schliesst, dass Falhize in 
topographischer Beziehung durchaus und besser als Namur der Beschreibung 
der Commentarien entspreche. . . . Man findet in Namur durchaus nicht, 
sagt er, die Rampe von 60 Meter Breite, von welcher, als dem einzigen an- 
greifbaren Punkte, bei Cäsar die Rede ist ; . . . nach dem eigenen Geständniss 
des Kaisers ist die Oberfläche des Berges im Verhältniss zur Bevölkerung, 
die er aufzunehmen hatte, äusserst gering. Sodann würde, nach der Meinung 
Creuly's, da die Maas auch bei Namur als unübersteigliches Hindemiss zu 
betrachten sei, nur die linke Seite einer Contravallation bedurft haben; diese 
würde aber nicht mehr als 6600 Fuss gemessen haben, c Aus diesen Gründen 
kann auch Heller die Entscheidung Napoleons auf keine Weise gut heissen. 
(Philologus XXVI. 664.) 

1) quod, cum ex omnibus in circuitu partibus altissimas rupes despectusqne 
haberet, una ex parte leniter adclivis aditus in latitudinem non amplius du- 
centorum pedum relinquebatur. II, 29. 

2) Die Karte von Vandermaelen in 1 : 20,000 zu Bruxelles 1856 erschienen, 
gibt die Böschungen des Berges Falhize nicht steil genug, und hat trotz ihres 
grossen Maasstabs die Felsen jenes Berges nicht eingezeichnet, während die 
viel kleinere Karte von Capitaine sie wenigstens andeutet. 



93 

aufhielt, hatte die Güte, das einschlägliche Terrain zu reeognosciren 
und mir hierüber die werthvoUsten Notizen mitzutbeilen ^). 

Diese Mittheilungen waren von der Art, dass ich an der Iden- 
tität des Berges Falhize mit der Oertlichkeit der Stadt der Aduatuker 
nicht mehr zweifeln konnte, und es mich drängte, den geschicht- 
lichen Boden selbst zu betreten, über den ich nun theils nach 
meiner eigenen Anschauung, theils nach den angefürten Notizen 
Folgendes zu berichten habe: 

Der Berg Falhize, dessen topographische Lage auf Taf. VII. 
Fig. 1. zu ersehen ist, hat eine durchschnittliche Breite von 800 
Schritten und eine Lange von 2000 Schritten; er erhebt sich un- 

1) Ich kann es mir nicht versagen, einen Theil dieser Notizen hier wört- 
lich anzufügen: La cöte qui descend du plateau de Falhize vers le fond de 
Falhize et le ravin d'Acosse est tr^s escarp^e; cet escarpement continne ä 
rägner vers le Sud-ouest dans une direction k pen pr^s parallele h, la Meuse. 
Ces oötes sont ferm^es par des rochers calcaires assez accident^s et presque 
enti^rement nus. Au Sud-est les cötes sont beaucoup moins escarpees et 
caltiv^es en partie en vignobles. Au Nord-est le plateau se retient au point 
de ne plus avoir qu'environ 100 m^tres de largeur et se confond par une 
pente douce avec les hauteurs dites bois de Huy. 

La hauteur moyenne du plateau est d'environ 120 m&tres au-dessus du 
niveau de la Meuse. L*escarpement vers Vinalmont 4tant en grande partie 
ä pic, on a ^tablie sur la cr6te une lev^e en pierre s^ches, mais cette espbce 
de rempart est moderne et date de T^poque oü ]a partie la plus ^\ev6e du 
plateau — longtemps abandonnäe — a ätä remise en culture. II m*a et^ 
impoflsible de savoir si ant^rieurement il existait des vestiges de remparts le 
long de rescarpement. Vers le milieu du plateau on remarque des traces 
d'une lev^ en terre, ötablie en ligne droite dans une direction perpendiculaire 
k Taxe longitudinal du plateau. Le propri^taire de ce terrain pr^tend avoir 
vu parfaitementi ü v a quelques ann^es, le rempart et le foss^ de cette levde. 
(Le foss^ ^tait vers le Süd-ouest.) II prdtend aussi qu'il existait encore sur 
le plateau d'autres vestiges de m^me genre; la culture les a fait disparaitre. 

Je n*ai pu recueillir aucune tradition certaine sur des vestiges ou des 
trouvaüles d^antiquit^ relatives au mont Falhize. TJn ancien entrepreneur de 
travaux m'a dit y avoir trouv^ en assez grande quantitd des fers k cheval 
de petite dimension, mais il n'en poss^ait plus. 

Sur la partie la plus dtroite du plateau de Falhize, au Nord-est, se trouve 
un monticule dvidemment stabile par la main de Thomme; il a environ 6 
m^tres de hauteur, et avant 1793 la haute justice du prince-^vdque de Li^ge 
k Huj 8*exercait en ce lieu. Ce monticule ressemble beauooup a un tumulus ; 
il serait k däsirer qu'on püt y faire des fouilles, malheureusement il est oou- 
vert en ce moment d'une plantation d*agr^ment que le proprietaire n^est pas 
disposä k d^ranger. Une chauss^e romaine passe par Amay et Ombret en 
aval de Hny; il reste encore des vestiges du pont en bois qui €tait ^tabli 
sur la Meuse. 



94 

gefähr 350 Fuss über das Niveau der Maas, und auf allen seinen; 
Seiten treten mehr oder weniger die Kalkfelsen zu Tag, auf denen 
er ruht. An der Südwestseite, dem Einfluss der Mehaigne zunächst 
(von a bis b) steigt er in ununterbrochener senkrechter Felswand 
empor ; an der Kordwestseite dagegen (von b bis e) wird die Felfi- 
wand malerisch von einigen Schluchten durchbrochen, die theils 
mit Geröll gefüllt, theils spärlich mit Moos und magerem Basen 
bewachsen sind. Die Südostseite ist zwar zum Theil mit terrassen- 
förmig gepflanzten Reben bedeckt, und es treten dort Felsen nur 
selten zu Tag, ausser in den schroffen Schluchten bei g und f, sowie 
in der Nähe der Inseln Saron und Corphalie, wo vom Ufer der 
Maas senkrecht eine mächtige Felswand emporragt; immerhin ist 
jedoch auch diese Seite so steil und schwer zu ersteigen, dass sie 
zu ihrer Vertheidigung nicht einmal der Maas bedarf, von der sie 
bespült wird. 

An zwei Stellen wird der Berg voi> je zwei Felssf^hluchten 
auffallend stark eingeengt; bei c und g, sowie bei d und f. Dort 
können im Verhältniss zur Grösse des zu deckenden Flächenraumes 
mit geringer Arbeit fortificatorische Abschnitte hergestellt werden, 
und so zieht denn auch von der Schlucht c bis nach der Schlucht 
g in gerader Linie ein Erdaufwurf, der, obgleich ihn der Pflug 
schon sehr ebnete, doch noch beinahe durchgängig etwa 12 Fuss 
Höhe und 30—40 Fuss Basis zeigt. Er rührt offenbar von einer 
frühern Befestigung her, und es muss nur auffallen, dass der Graben 
auf seiner Westseite gelegen haben soll. Allerdings bemerkt man 
dort noch eine Senkung des Bodens ; da aber das Terrain von dem 
Aufwurfe an westlich ziemlich ansteigt, während es östlich abfallt, 
so kann die Befestigungslinie auch rückwärts eingeschnitten ge- 
wesen sein. 

Die Felsschluchten bei d und f verengen die obere Fläche des 
Berges bis auf 94 Schritte oder 235 Fuss, tmd dort befindet sich 
ein Erdaufwurf von 18 Fuss Höhe und einigen 20 Fuss Breite und 
Länge, der im vorigen Jahrhundert als Hochgericht gedient haben 
soll, dennoch aber der Rest einer frühem Verschanzung sein möchte, 
welche von einer der dortigen Schluchten zur anderen gezogen war, 
und deren Graben die Schluchten verband. Eine derartige ver- 
hältnissmässig so kurze Befestigungslinie sperrte die ganze westlich 
gelegene Bergfläche ab. 

Oestlich gegen das Gehölze von Huy hin (etwa bis e) senkt 
sich das Terrain um ungefähr 20 Fuss, und steigt von dort aus 



95 

wieder ebenso sanft zu jenem Gehölze an. Von ihm herab führt 
heutigen Tags eine breite chaussirte Strasse hart am obern Aus- 
gang der Schlucht f vorbei über die Höhe des Berges Falhize zur 
Vorstadt St. Pierre nieder. Ihre Anlage mag insbesondere auf 
dem dortigen schmalen Defile (df) manche Spuren des Alterthums 
verwischt haben. 

Wenn nun offenbar die Beschaffenheit des Beleges Falhize der 
kurzen , aber sehr bezeichnenden Beschreibung , welche Cäsar über 
die Lage der Stadt der Aduatuker uns mittheilt, schon im Allge- 
meinen entspricht, so muss uns vor Allem das Vorhandensein eines 
so eigenthümlichen Details, wie jener einzige schmale und sanft 
anlaufende Zugang, von der Identität der beiden Oertlichkeiten 
überzeugen; und wenn er statt 200 Fuss nunmehr 235 Fuss Breite 
misst, so hat innerhalb 1900 Jahren Witterung und Ausebnung 
durch Menschenhand — schon die Anlage der erwähnten am Rande 
der Höhe hinfuhrenden Strasse — leicht eine Erweiterung von 35 
Fnss bewirken können. 

Jener eine sanft ansteigende Zugang war von den Aduatukem 
durch eine sehr hohe doppelte Mauer befestigt ') , welche von d 
nach f lief, und auf diese Mauer hatten die Belagerten schwere 
Felsstücke und vorn zugespitzte Balken geschleppt, um sie auf die 
stürmenden Römer hinabzuwerfen. 

Der Graben, welcher von der Mauerbefestigung hinziehend, 
die beiden Schluchten verband, ist jetzt zugeworfen, aber aus seiner 
Ausfüllung sieht man noch einige Felsblöcke emporragen, und 
andere, von etwa 8 Cubikfuss Grösse liegen dort lose umher ; während 
ich dergleichen anderwärts auf dem Berge keine gesehen habe. 

Quellen befinden sich keine auf demselben, und es mögen daher 
längs der Schlucht f , sowie etwa an der südwestlichen Ecke des 
Berges, wo er beiderseits hart an die Maas tritt, parallele Stein- 
wälle gleich offenen Caponidren zum Flusse hinabgeführt haben, 
um das Wasserholen zu sichern, vielleicht auch um zugleich den 
Feind von dem zwischen dem Berge und der Maas gelegenen Terrain 
abzusperren. 

Solche parallele Steinwälle führen z. B. auch von der Ger- 
manenverschanzung auf dem Altkönig im Taunus zum »Heiden- 
trankbachle« hinab. 



l) quem locum daplid altissimo muro munierant. II, 29. (Yergl. Taf. YII. 
Fig. 8. a. b.) 



96 

Dass auch in strategischer Beziehung die Lage des Berges 
Falhize der Stadt der Aduatuker entspricht, das wird die nach- 
folgende Darstellung der spätem Casar'schen Feldzüge an's Licht 
stellen. 

Die Aduatuker stammten von den Gimbem und Teutonen ab. 
Als diese nämlich, um durch die romische Provinz Gallien nach 
Italien zu ziehen, auf dem linken Rheinufer angelangt waren, liessen 
sie die Habseligkeiten, welche ihren Tross allzusehr yergrosserten, 
und die sie deshalb nicht weiter mit sich schleppen wollten, da- 
selbst zurück, nebst einem aus ihren Stämmen gewählten Aufirichts- 
personal und einem Schutzcorps *) von 6000 Mann. 

Das Ansehen, in welchem die Oimbem und Teutonen standen, 
bewirkte, dass dies verhältnissmässig kleine Corps einige Zeit un- 
angefochten blieb; als jene beiden Völker aber durch Marius ge- 
schlagen und vernichtet waren '), da wurden die Eindringlinge von 
den umwohnenden Yölkerstämmen ange&llen. Sie wussten sich 
jedoch, theils sich vertheidigend, theils selbst angreifend, viele Jahre 
hindurch zu halten, bis endlich ein Friedensschluss zu Stande kam, 
und sie sich mit allgemeiner Zustimmung jenen Ort zum Wohn- 
sitze wählten. 

11. Cäsar erobert die Stadt der Aduatuker. 

(Taf. Vn. Fig. 1. und 8.) 

Sobald als das römische Heer vor der Stadt angekommen war, 
machten die Aduatuker häufige Ausfölle, und schlugen sich mit 
ihm in kleinem Scharmützeln. Nachdem Cäsar aber die Stadt mit 
einer fünf Stunden im Umfang messenden Contravallationslinie, 
deren Wall 12 Fuss hoch war, und mit einer grossen Zahl von 
Redouten umschlossen hatte ^), machten sie keine Ausfälle mehr, 

sondern blieben in der Stadt. 

Cäsar konnte wegen der Höhe und Steilheit der übrigen Seiten- 
abhänge des Berges Falhize nur an einem Punkte, an jenem von 



1) custgdiam ex suis ac praesidium. U, 29. 

2) post eorum obitum. II, 29. 

3) postea vallo pedum XII in drcuitu quindecim milium crebisque ca- 
stellis circummuniti. 11, 80. Die Hügel , welche auf beiden Seiten der Maas 
liegend, den Berg Falhize beinahe kreisförmig umgeben, sind so gelegen, dass 
Cäsar mit einer Contravallation von der angegebenen Ausdehnung seine Linie 
gerade über die vorliegenden Anhöhen der Hügel hinaufführen konnte, und 
Angriffe der Aduatuker von den Linien überall dominirt sein mussten. 



97 

dem heutigen Geholze von Huy sanft auflaufenden schmalen Zu- 
gange (Fig. 1. e.) seine Belagerungswerke vortreiben. An der 
Stelle jenes Gehölzes war unzweifelhaft Cäsars Belagerungsdepot, 
und von dort aus liess er Laufganggräben gegen die Stadt schieben 
(Fig. 8. cc), unter deren Schutz ein Damm (Fig. 8. d.) auf die 
bei g bannende sanfte Ansteigung aufbauen, um eine ebene Fläche 
zum Herbeischieben eines Wandelthurms (Fig. 8. e.) zu erhalten, 
der daselbst in einer solchen Entfernung yon der Stadtmauer er- 
richtet wurde, dass seine Herstellung ausserhalb ihres Schussbereichs 
statt haben konnte ^). Durch Ausfüllen des Grabens mittelst der 
Schütthütte (Fig. 8. h.) sollte sodann die obere Fläche des Dammes 
bis zur Stadtmauer selbst verlängert werden. 

Als die Aduatuker von ihrer Mauer herab die Erbauung des 
Thurmes sahen, konnten sie nicht begreifen, mit was fär Händen 
und Kräften die den Germanen verächtlich kleinen Romer eine 
solch' grosse und schwere Maschine aus der Ferne an die Mauer 
schieben wollten und brachen in lautes Hohngelächter aus. Wie 
sie sich aber überzeugten, dass der Thurm wirklich bewegt und 
der Stadt genähert werde, wurden sie über den neuen und unge- 



1) vineia actis, aggere ezstructOi turrim procul constitui. II, 30. Bei der 
geringen Abdachung, die der Berg an jener Stelle hat, und der geringen 
Wurfweite der damaligen Geschosse, war die Errichtung eines solchen Dammes 
keine so ausserordentliche Arbeit, als man etwa glauben könnte. Derartige 
Dämme erhielten nur so viel Breite, als nöthig war, um den Thurm darauf 
zu errichten tmd vorschieben zu können, wurden also oben schwerlich über 
20 Fuss breit gemacht; die Seiten aber wurden mit Holz verkleidet, und zwar 
diq'enigen hoher Dämme mit Stammholz: Lucan sagt Phars. III, 395 wört- 
lich: Haine fallen und Wälder werden der starken Stämme beraubt, damit, 
weil die innere Masse von weicher Erde und Strauchwerk zu locker ist, ein 
Seitendruck von gezimmerter Fügung den verankerten Aufwurf zusammen- 
halte und der Damm sich unter den Wandelthürmen nicht senke. 

Procumbunt nemora et spoliantur robore silvae, 
Ut, quum terra lenis mediam virgultaque molem 
Suspendant, structa laterum compage ligatam 
Artet humum pressus, ne cedat turribus agger. 
(Vergl. Ammian XX. 11. (23.) Ehe ich an Ort und Stelle war, habe ich 
geglaubt, unter jenem zwischen den Schluchten d und f befindlichen Erdauf- 
wurf einen Best des Cäsar'schen Annäherungsdammes vermuthen zu dürfen. 
Es ist dies jedoch nicht möglich, weil der Erdaufwurf dafür 10—12 Schritte 
zu westlich liegt, an der Stelle, wo die Mauerbefestigung der Aduatuker 
gestanden haben muss. 

Vergleiche Anhang II. § 86 — 94. 

▼. OOler, C&««r8 gallischer Krieg. II. Aufl. 7 



98 

wohnten Anblick so betroffen, daßs sie mit der Bitte um Frieden 
an Cäsar Parlamentäre schickten, die folgendermassen sprachen: 
Sie sähen wohl ein, dass die Romer unter der Götter Beistand 
Krieg fahrten, denn sonst könnten sie unmöglich solch' riesenhafte 
Bauten mit so grosser Schnelligkeit von der Stelle bewegen. Daher 
wollten sie sich und all' ihre Habe der römischen Macht unter- 
werfen. Nur darum bäten sie flehentlich, dass wenn CSsar sie 
etwa nach seiner Huld und Gnade als Volk der Aduatuker fort- 
bestehen lassen wollte, sie doch ihre Waffen , behalten dürften! 
denn fast aUe ihre Grenznachbam hätten sie zu Feinden, allen sei 
ihre Tapferkeit ein Dorn im Auge, und ohne Waffen könnten sie 
sich ja nicht vertheidigen. Es sei besser für sie, jedwedes Loos 
durch das römische Volk zu erleiden, als von Leuten zu Tod ge- 
martert zu werden, unter denen sie zu herrschen gewohnt gewesen. 

Darauf antwortete Cäsar: Mehr, weil es so seine Handlungs- 
weise sei , als dass sie es verdient hätten , wolle er sie als Völker- 
schaft fortbestehen lassen, jedoch nur, wenn sie sich ergeben würden 
bevor noch der Widder die Mauer berühre. Davon könne keine 
Rede sein, dass sie ihre Waffen nicht auslieferten; er wolle aber 
für sie thun, was er auch für die Nervier gethan habe, und den 
Grenzbewohnern bedeuten, dass sie sich hüten sollten, römischen 
Schutzbefohlenen Unbilden zuzufügen. 

Nachdem die Parlamentäre dies den Ihrigen berichtet hatten, 
erklärten sie, dem Verlangen Cäsars nachkommen zu wollen. Sie 
warfen auch eine so grosse Menge Waffen von der Mauer herab 
in den Graben, welcher an C^lsars Angriffspunkt vor der Stadt 
lag*)» ^ass die Waffenhaufen beinahe die Höhe der Mauer und 
also auch die des Dammes erreichten ^) , hatten aber dennoch , wie 
man später entdeckte, etwa Vs ihrer Waffen verheimlicht und in 
der Stadt zurückbehalten. Sie öffneten hierauf die Tbore und hielten 
den Tag über Frieden. 

Gegen Abend befahl Cäsar seinen Soldaten die Stadt zu ver- 
lassen, damit sie in der Nacht den Einwohnern gegenüber keine 
Excesse begehen konnten, und liess sodann die Thore schliessen. 



1) An allen andern Punkten war kein Graben, weil die steilen Seiten 
des Berges Falhize ihn unnöthig machten. 

2) sie ut prope summam muri aggerisque aititudinem aoervi armorum 
adaequarent. II, 32. Demungeachtet brauchte der Damm nicht so hoch wie 
die Mauer zu sein, denn der Waffenhaufen nahm gegen den Damm hin eine 
natürlich sich bildende Böschung an (Fig. 8. f.). 



99 

Die Aduatuker hatten geglaubt, wenn sie sich einmal unter- 
worfen hätten, würden die Römer entweder die an den Redouten 
ihrer Gontrayallationslinie postirten Detachements zurückziehen ^), 
oder wenigstens geringere Wachsamkeit entwickeln, und hatten 
darauf hin bereits einen Plan gefasst. 

Ausgerüstet zum Theil mit den verheimlichten Waffen, zum 
Theil mit Schilden aus Rinde oder Flechtwerk gefertigt und im 
Drange der Zeit mit Thierfellen überzogen, machten sie nämlich 
nach Mittemacht mit allen ihren Streitkräften einen Aus&U, und 
zwar auf derjenigen Seite, auf welcher ihnen der Zugang zu der 
Gontrayallationslinie ^) am wenigsten steil und schwierig zu sein 
schien. Die Contravallation lief nämlich, wenn ihre in den Com- 
mentarien angegebene Länge Yon 15 römischen Milien richtig und 
die Zahl nicht durch Abschrift yerdorben ist, über die Hügel hin, 
welche auf beiden Ufern der Maas befindlich den Berg Falhize um- 
schliessen, und der Ausfall mag gegen die sanft ansteigende Höhe 
von Vinalmont gerichtet gewesen sein. 

Schnell wurden, wie es C&sar für einen solchen Fall schon 
vorher angeordnet hatte, Feuersignale gegeben, und aus den nächst 
gelegenen Redouten eilten dem bedrohten Punkte Unterstützungen 
zu. Die Aduatuker kämpften wie kemhafte Männer, die wussten, 
dass es sich um ihr Alles handle, und dass nur Tapferkeit den 
politischen Fortbestand ihres Volkes und Namens aufrecht erhalten 
könne. Aber genöthigt, gegen die Contravallationslinie bergan zu 
stürmen ^), und von dem Wall und den Thürmen herab mit einem 
Hagel von Geschossen überschüttet, unterlagen sie. 

Gegen 4000 Mann blieben auf dem Platze, die Uebrigen wurden 
in die Stadt zurückgeworfen. 

Am folgenden Morgen erbrach man die Stadtthore, ohne auf 
ferneren Widerstand zu stossen. Cäsar rückte ein, und liess Allee, 
was sich in der Stadt befand, versteigern, nach Angabe der Käufer 
53,000 Köpfe. 

Gerade zur Zeit der Eroberung des Berges Falhize traf bei 
Cäsar die Meldung ein, dass Crassus, welchen er gegen die am 
atlantischen Ocean wohnenden Völkerschaften detachirt hatte, die- 
selben insgesammt, nämlich die Veneter, Uneller, Osismer, Curioso- 



1) praesidia deductoros. II, 33. 

2) ad nofltras munitiones ascensns. II, 33. 
3} iniquo loco .... pagnari debait. IX, 33, 






100 

liter, Sesuvier, Aulerker und Redoner ') unterjocht habe, und daraus 
lässt sich entnehmen, dass Cäsar mit der soeben geschilderten Be- 
lagerung, die in einem formlichen Angriff, einer »oppugnatio 
operibusc bestand, ziemlich lange zu thun gehabt haben musste. 

12. Cftsars Winterquartiere im Spätherbste 57 v. Chr. 

So war nun ganz Gallien unterworfen und zur Ruhe gebracht, 
und es hatte der soeben beendigte Feidzug auch auf entferntere 
Volker einen solchen Eindruck gemacht, dass sogar auf dem rechten 
Rheinufer wohnende Stämme an Cäsar Gesandte schickten, um ihn, 
mit dem Anerbieten Geiseln zu stellen, ihrer Ergebenheit zu ver- 
sichern. Es waren dies wahrscheinlich die Ubier, welche haupt- 
sächlich aus Hass gegen ihre Nachbarn, die Sueyen, den Römern 
bekanntlich sehr frühe willig entg^en kamen und treu blieben. 
Er beschied sie auf den Beginn des nächsten Frühjahrs sich wieder 
einzufinden, weil er in seine Provinz Oberitalien und lUyrien zu 
kommen, beeilt war, und dislocirte die Winterlager von sieben 
L^ionen in das Gebiet der Carnuten, welches die Diöcesen Chartres, 
Orleans und Blois umfasste, in das Gebiet der Anden, der Diocese 
Angers und in das Gebiet der Turonen *), der Diocese Tours. 

Diurch diese Dislocation blieben die Legionen dem Kriegsschau- 
platze ziemlich nahe ') , und lagen grosstentheils in fruchtbarer 
Gegend; denn insbesondere die Touraine ist seit den ältesten Zeiten 
dafür bekannt. Zugleich aber erleichterte die Loire den Nachschub 
der verschiedenen Bedürfhisse, welche die den Römern ergebenen 
Aeduer und Sequaner lieferten. 

Mit einer Legion, der zwölften, und einem Theil der Reiterei 
detachirte Cäsar bei seiner Abreise nach Italien den Legaten Servius 
Galba in das Gebiet der Nantuaten, der Veragrer und Seduner. 



1) Die Veneter waren die Bewohner der umgehend von Yannes. 
die U n 6 1 1 e r die der nordwestlichen Normandie ; die 8 i s m e r wohnten 
um Concarneau in der westlichen Bretagne; die Curiosoliter um das 
jetzige Dorf Corseult, zwischen Dinan und Lamballe in der nördlichen 
Bretagne ; die Sesuvier um Seez bei Alen^on ; die Aulerker um Argentan ; 
die Redoner um Rennes. Vergl. Walckenaer (a. g. 0.) I. S. 379 u. ff. 

2) Die Hauptstadt der Carnuten, das alte Oenabium ist das heutige 
Orleans, wie die Hauptstadt der Turonen Caesarodunum das jetzige Tours ist. 
Die Anden heissen auch Andecaven und ihre Hauptstadt Juliomagus ist das 
heutige Angers sur la Majenne. 

3} qnae dvitates propinquae his locis erant. II, 35. 



101 

Die Nantuaten wohnten in der savoyischen Provinz Faucigny, die 
Veragrer am grossen St. Bernhard und die Seduner bei Sitten *). 

Der Weg von Cäsars Winterlager nach Italien, der über die 
Alpenpässe jener G^end führte, war viel kürzer, als der Weg, den 
er im vergangenen Jahre mit seinen neu ausgehobenen Legionen 
über Segusio und Lyon nach Gallien eingeschlagen hatte, konnte 
aber damals von den Kaufleuten nur unter grosser Gefahr und Er- 
legung hoher Zölle zurückgelegt werden. Cäsar suchte daher durch 
Galba's Detachirung diesen kurzem Weg für sich und seine Boten 
zu sichern, und ermächtigte seinen Legaten, wenn er es für nothig 
halte, den ganzen Winter in jener Gegend zuzubringen. 

Galba lieferte einige glückliche Gefechte gegen die genannten 
drei Volksstämme, eroberte mehrere feste Plätze derselben, imd be- 
schloss, nachdem sie Geiseln gestellt und Frieden gemacht hatten, 
zwei Cohorten im Gebiete der Nantuaten zu lassen, för seine Person 
aber mit den acht übrigen Cohorten in einer Ortschaft der Veragrer, 
welche Octodurus genannt wurde, und an der Stelle des heutigen 
Martigny lag, sein Winterquartier aufeuschlagen. 

Martigny, rings von hohen Bergen umschlossen, liegt an der 
Dranse nicht weit vom Einfiuss derselben in den Rhone, und längs 
dessen rechtem Ufer hin breitet sich von jenem Städtchen eine 
nicht grosse Ebene aus ^). Wtfhrend übrigens Martigny ganz auf 
dem rechten Dranse -Ufer erbaut ist, lag Octodurus getheilt auf 
beiden Seiten des Flusses'). Den einen dieser Ortstheile überliess 
Galba den Galliern, den andern überwies er seinen Cohorten imd 
verschanzte ihn mit Wall und Graben. 

Die Seduner und Veragrer aber schöpften Verdacht, dass die 
Römer nicht einer bessern Wegverbindung halber, sondern um für 
ständig Herr der Gegend zu bleiben, auf ihren Alpen Stellung ge- 
nommen hätten, besetzten, ermuthigt durch die geringe Stärke der 
römischen Besatzung, allmählig die umliegenden Höhen und Wege, 
und griffen, von dem dominirenden Terrain begünstigt, Galba's 
Verschanzungen an. Sechs Stunden vertheidigte dieser seinen Posten 
standhaft; als er sich aber, nach Verbrauch aller Geschosse, gegen 
die isomer erneuerten Angriffe der Uebermacht nicht mehr länger 



1) ab finibus Allobrogum et lacu Lemanno et flumine Rhodano ad sammas 

Alpes. III, 1. 

2) non magoa adiecta planitie altissimis montibiis undique continetur. III| 1. 

3) cam in duas partes flumine divideretur. III, 1. 



102 

zu halten yermochte, brach er plötzlich durch alle Thore hervor. 
Ehe die überraschten Feinde recht begriffen, um was es sich handle, 
und sich sammeln konnten, war ihrer ein grosser Theil schon nieder- 
gehauen, und entsetzt ergriffen sie die Flucht. Sie sollen 30,000 
Mann stark gewesen und davon 10,000 umgekommen sein. 

Galba bezog seine Verschanzungen wieder, wollte jedoch, da 
er, abgesehen von seiner misslichen Stellung, auch an Proviant und 
andern Bedürfnissen Mangel litt, das Glück nicht von Neuem auf 
die Probe stellen. Er steckte Octodurus in Brand, kehrte mit seiner 
Legion ohne auf weitern Widerstand zu stossen, durch das Gebiet 
der Nantuaten in das Land der Allobrogen zurück, und blieb den 
Winter über dort stehen. 



Drittes Buch. 

(Das Jahr 56 v. Chr. oder 698 n. E. R.) 



L Feldzug gegen die Veneter. 

Als CShsar durch die Vertreibung der Germanen die Unter- 
jochung der Belgier und Besiegung der Seduner Gallien in jeder 
Beziehung für beruhigt hielt, und nach bereits eingetretenem Winter 
von 57 — 56 nach lUyrien abgereist war, um auch jene Völker auf- 
zusuchen und ihre Gegenden kennen zu lernen, da brach in Gallien 
der Krieg plötzlich von Neuem aus. Folgendes war die Veranlassung* 

Publius Crassus stand mit einer Legion — der siebenten — 
im Gebiete der Anden — beim heutigen Angers — also sehr nahe 
an der Küste des atlantischen Oceans im Winterquartier. Weil es 
nun in jener Gegend an Getreide fehlte, so sendete er der Ver- 
proviantirung wegen einige höhere Offiziere zu den benachbarten 
Völkerstammen unter andern : Terrasidius zu den Sesuviern, Trebius 
Gallus zu den Curiosoliten und Velanius mit SUius zu den Venetern ■). 

Diese Letztem standen unter allen am dortigen Meere hin- 
wohnenden Völkern bei weitem im grössten Ansehen, weil sie sehr 
viele Schiffe besassen, am meisten Kenntniss und Uebung im See- 
wesen hatten, und sogar bis nach Britannien überzuschiffen pflegten. 

1) Die Lage dieser Völker siehe Seite 100. 



:••• : : 



103 

Aueli waren ihnen beinahe Alle, die jenes Meer befahren, zinsbar, 
weil bei dessen freier und gewaltiger Strömung sie allein sich im 
Besitze der wenigen Yorhandenen Häfen befanden. Sie zuerst 
nahmen Silius und Velanius fest, und glaubten durch Auswechselung 
dieser beiden Offiziere ihre dem Ürassus gestellten Geiseln zurück- 
erlangen zu können. Ebenso verfuhren hierauf ihre Nachbarn mit 
Trebius und Terrasidius, und schnell verschworen sich Alle, das 
romische Joch abzuschütteln. 

Cäsar, durch Crassus davon in Eenntniss gesetzt, aber zu ent- 
fernt, um persönlich unverweilt einschreiten zu können, liess dem- 
selben den Befehl zugehen, auf der Loire einstweilen Kriegsschiffe ^) 
zu bauen, sie mit Ruderern aus dem narbonensischen Gallien^) zu 
bemannen, und Matrosen und Steuermänner aufzutreiben. 

Crassus hatte diesen Aufträgen in kurzer Zeit entsprochen, und 
Cäsar selbst eilte, sobald es die Jahreszeit erlaubte, zum Heere; 
die Yeneter und ihre Bundesgenossen aber, welche die sie bedrohende 
Gefahr nach der Grösse ihres Vergehens bemassen, rüsteten sich 
mit aller Energie zum Kampfe, und vertrauten dabei auf den Wider- 
stand, den die natürliche Beschaffenheit ihrer Gegenden dem Feinde 
in den Weg legen werde, indem seine Bewegungen zu Land durch 
Sümpfe gehemmt, und seine Bewegungen zur See durch den Mangel 
an Häfen um so schwieriger werden mussten, als er keine Orts- 
kenntniss besass ; auch rechneten die Yeneter darauf, dass ein 
romisches Heer schon wegen Mangel an Proviant nicht lange in 
ihrer Gegend verweilen könne, schafften daher das Getreide vom 
Lande hinweg in die Städte und befestigten sie. Weil sie endlich 
voraussahen , dass sich Cäsar zuerst auf die Yeneter werfen würde, 
brachten sie an deren Küste möglichst viele Schiffe zusammen, und 
riefen auch die Osismer, Lexovier'), Namneten, Ambialiter, die 
Moriner, die Diablinten, die Menapier und sogar die Bewohner der 
ihnen gegenüberliegenden britannischen Küste zur Theilnahme an 
diesem Kriege herbei. 

Cäsar kannte zwar die Schwierigkeiten recht gut, auf die er 
während des bevorstehenden Feldzugs stossen würde, fQhlte sich 
aber dennoch zur Unternehmung desselben aufgefordert, weil er die 



1) naves longas. III, 9. vergl. Anhang IL § 100. 

2) ex provincia. III, 9. 

B) Die Lezorier wohnten um das heutige LiBieux ; die Namneten um 
Nantes; die Ambialiter um Lamballe; die Diablinten um Jubleins, etwas 
östlich von Mayenne (vergl. Walds^aer a. g. 0.). 



104 

Pestnehmung jener römischen Ritter, die Schilderhebung nach bereits 
erklärter Unterwerfung, den Abfall trotz gestellter Geiseln und die 
Gesammtverschwörung so vieler Völkerschaften bestrafen zu müssen 
glaubte, hauptsachlich um die übrigen Völker von der Nachahmung 
eines solchen Beginnens abzuschrecken. Weil er femer wusste, dass 
der Gallier überiftupt zu Aufstanden geneigt sei und sich leicht 
zum Kriege aufstacheln lasse, so hielt er für gerathen, seine Streit- 
kräfte zu theilen, und durch eine ausgebreitete Machtentwickelung 
das Beitreten noch anderer Völker zu der Veneter Bündniss bei 
Zeiten zu unterdrücken. 

Labienus detachirte er mit einem Reitercorps zu den Tre- 
virem, um die Remer und die übrigen nahe wohnenden Belgier in 
Pflichten zu erhalten, sowie die Germanen, welche bereits von den 
Letztem zu Hilfe gemfen sein sollten, nicht über den Rhein setzen 
zu lassen. 

Crassus Hess er mit zwölf Legionarcohorten *) und vieler 
Reiterei nach Aquitanien abmarschiren , um den Galliern eine 
Unterstützung von dort aus zu benehmen. 

Titurius Sabinus entsendete er mit drei Legionen in das 
Gebiet der Uneller, Curiosoliter *) und Lexovier, also in die nord- 
westliche Normandie, um deren Streitkräfte getrennt zu halten. 

Dem jungen Decimus Brutus übergab er das Commando 
über die Flotte und die gallischen Schiffe, welche er aus dem ruhig 
gebliebenen Gebiete der Pictonen und Santonen — erstere auf dem 
linken Ufer der untern Loire in dem nach ihnen benannten Poitou, 
letztere ihre südlichen Nachbarn mit der Hauptstadt Mediolanum, 
dem heutigen Saintes — aufbringen und an die Küste der Veneter 
führen liess. Eben dahin rückte Cäsar selbst mit den übrigen Fuss- 
truppen, die aus unge&hr drei Legionen bestanden, vor'). 



1) cum cohortibus legionariis duodecim. in, 11. cohortes legionarii im 
Gegensatze zu den Hilfscohorten, den »cohortes auxiliariae«. 

2) Man hat westlich von der Stadt Dinan in einem Flecken Namens 
Corseult Spuren von einer alten Stadt gefunden, welche man für Ueberbleibsel 
der Hauptstadt der Curiosoliter hält. Vergl. Mannert S. 135. 

3) Cäsar hatte acht Legionen, davon standen: 

Im Gebiet der AUobrogen ... 1 Legion. 

In der Normadie 3 Legionen. 

In Anquitanien 1 Legion 2 Cohorten. 

Cäsar führte 2 Legionen 8 Cohorten. 

zusammen wieder 8 Legionen. 



105 

Der Veneter feste Plätze, wie das heutige Quiberon, lagen fast 
alle an der Spitze schmaler Landzungen und Vorgebirge, wodurch 
eine Belagerung derselben sehr schwierig wurde. Denn wenn man 
zn Lande gegen sie vorgehen wollte, so wälzte die Fluth alle zwölf 
Stunden ihre Wogen über die Angriffsarbeiten hin, und wenn man 
zu Schiffe angreifen wollte, so blieben diese beim Wiedereintritt 
der Ebbe auf den untiefen sitzen. Ja, wenn die Veneter durch die 
Grosse und Höhe der römischen Angriffsarbeiten auch manchmal 
überwunden schienen und sich bereits für verloren hielten, wenn 
nämlich ein Annäherungsdamm und seine Steinmassen die Fluth 
von der Ueberschwemmung der Landzuge abhielten ') und ein solcher 
Bau bis zu den Mauerzinnen reichte, so landete eine grosse Zahl 
Schiffe, auf denen sie mit Hab und Gut nach einer der nächsten 
Städte fuhren, um dort, von gleichen Terrain vortheilen begünstigt, 
neuerdings Widerstand zu leisten. 

Ein solches Verfahren konnten sie leicht einen grossen Theil 
des Sonmiers über fortsetzen, weil Cäsars Schiffe wegen Stürmen 
nicht herbeizukommen vermochten, [und für sie die Schifffahrt auf 
dem offenen und weiten Meere mit starker Brandung und wenigen 
Häfen höchst schwierig war. Der Veneter Schiffe hatten dagegen 
einen diesen Verhältnissen entsprechenden Bau. 

Als CSLsar mehrere Städte genommen hatte, aber sah, dass dies 
vergebliche Mühe sei, weil er nach deren Eroberung dem Entfliehen 
der Feinde nichts in den Weg legen, noch ihnen einen weiteren 
Verlust zufügen konnte, so beschloss er, die bisherige Angriffsweise 
aufisugeben und die Ankunft seiner Flotte abzuwarten. 

Sobald sie erschien, ging ihr der Feind mit 220 Schiffen ent- 



1) extniso mari aggere ac molibus. III, 12. Der Annäherungsdamm 
(Taf. Vn. Vig. 6. a.) wnrde hauptsächlich während der Ebbe längs der Küste 
hin zur Stadt c. geführt , indem man ihn jedoch an der tiefsten Stelle der 
Küste zuletzt verbaute, so dass, wenn der Damm beinahe vollendet war, 
mit der Ebbe dennoch alles Wasser abfloss und bis zum Wiedereintritt der 
Fluth der Danun völlig geschlossen sein konnte. War die gegenüberliegende 
Küste der Landzunge ebenfalls nieder und der Ueberfluthung ausgef>etzt, so 
musste dort ein zweiter Damm b. errichtet werden. Auf diese Art erhielt 
man zwischen beiden Dämmen ein trocken bleibendes Terrain, um auf dem- 
selben in grösserer Front, — etwa zur Leiterersteigung — vorrücken zu können. 
— Büstow nimmt dagegen an,, dass diese Annäherungswerke aus einem 
einfachen Damme bestanden haben. Napoleon III. gibt die Erklärung 
des Verfassers wieder und sagt dabei: »J'emprunte cette Interpretation des 
travaux des Romains au livre si instructif de gänäral de Goeler«. 



106 

gegen. Es kam zur Schlacht, die Yeneter wnrden besiegt, und da 
plötzlich Windstille eingetreten war, so gelangten nur wenige, sich 
rettend, an's Land '). 

Damit war der Krieg gegen die Veneter und die Bewohner 
der zunächst gelegenen Seeküste beendigt; denn ihre Flotte war 
vernichtet, und der grosste Theil ihrer tüchtigsten Mannschaft ge- 
fallen. Sie unterwarfen sich Gasar; dieser aber, um die Unver- 
letzlichkeit seiner Al^esandten für die Zukunft besser zu sichern, 
liess ihren ganzen »Senat« hinrichten und die Uebrigen öffentlich 
verkaufen. 

II. Feldzng gegen die üneller ^). 

Während dieser Ereignisse im Lande der Veneter war Titurius 
Sabinus mit seinen drei Legionen im Gebiete der üneller angelangt. 
Ihr Oberhaupt Viridovix, welcher auch die übrigen aufgestandenen 
Stänmie befehligte, hatte bereits viele Vorräthe zusammengebracht 
und ein Heer aufgestellt, dem sich auch eine Menge Gesindel aus 
ganz Gallien angeschlossen hatte, das beute- und kampflustig sich 
mit Ackerbau und alltäglicher Beschäftigung nicht abgeben wollte. 

Titurius stand unbeweglich in einem Lager, dessen Oertlich- 
keit in jeder Hinsicht vortheilhaft war. Es lag hoch und hatte 
vor sich auf 2000 Schritte ein sanft abfallendes Terrain"). 

Viridovix dagegen hatte 4000 Schritte vom römischen Lager 
Stellung genommen, überschritt auch sein ihm günstiges Terrain 
nicht, begab sich daher nicht auf das zu Titurius aufsteigende 
Terrain, führte aber dennoch seine Truppen täglich aus dem Lager, 
und forderte auf diese Weise zur Schlacht heraus. Da nun Titurius 
auf jene Herausforderung nicht einging, so glaubten die Feinde, es 

1 ) Nach einem ansführlichem Aufsätze des Schiffscapitän Grafen Grandprd 
soll diese Seeschlacht an der Küste von Sanseau — Quiberon gegenüber — 
stattgefunden haben. Siehe »M^moires et dissertations sur les antiquit^ 
nationales et ^trangbres, publikes par la soci^tä royale des antiquaires de 
France«. Tome 11, p. 325. — Auch nach Napoleon III. fand diese Seeschlacht 
bei Quiberon unter den Augen Cäsars statt, welcher mit den Landtruppen 
auf den Höhen von St. Gildas stand. 

2) Eöchly schreibt nach Glück »Veneller« statt »üneller«. 

8) Vergl. TU, 19. Locus erat castrorum editus et paulatim ab imo adclives 
drciter passus mille. — Napoleon III. nimmt an, dass dies Lager auf den 
Höhen zwischen der Säe und der Cälune, nördlich der Strasse von Avranches 
nach Mortain gestanden, wo noch heute Spuren eines Lagers unter dem 
Namen Du Chastellier sich finden. 



107 

fehle den Bomem an Muth; einige kamen bis an den romischen 
Wall heran und überhäuften des Titurius Soldaten — die sich 
übrigens selbst manche Bemerkung über ihres Feldherrn Unthätig- 
keit erlaubten — mit Spottreden. Titurius handelte jedoch nur 
deshalb so, weil er glaubte, als Legat und in Abwesenheit des 
Oberfeldberm gegen eine solche üebermacht nur auf günstigem 
Terrain, oder wenn sich irgend eine günstige Gelegenheit biete, 
auf eine entscheidende Schlacht eingehen zu dürfen. 

Als er sich überzeugt hatte, dass seine Unthätigkeit vom Feinde 
allgemein für Feigheit gehalten werde, versprach er einem ver- 
schmitzten Gallier, welcher unter den Hil&völkem diente, grosse 
Belohnung, wenn er sich für einen Ueberläufer ausgeben, zu den 
ünellem übergehen und nach Weisung handeln wolle. 

Dieser nahm den Auftrag über sich, kam zu Viridovix, spiegelte 
ihm nicht nur vor, seine Gegner seien voll Furcht, sondern theilte 
ihm auch mit, in welch' misslicher Lage sich Cäsar bei Vannes 
befinde, und dass Titurius in der nächsten Nacht sein Lager ver- 
lassen werde, um Cäsar Hilfe zu bringen. 

Nun schrie Alles zusammen, diese günstige Gelegenheit dürfe 
man nicht unbenutzt vorrübergehen lassen und müsse das Lager 
angreifen. 

Dazu ermunterten die Gallier übrigens nicht nur die Ver- 
sicherungen des vermeintlichen üeberläufers , indem sie, wie alle 
Menschen, was sie wünschten, auch gerne glaubten, sondern insbe- 
sondere das Ausgehen ihrer Lebensmittelvorräthe, deren fortlaufende 
Ergänzung sie zu lässig betrieben hatten. 

Deshalb Hess man Viridovix und die übrigen Führer den Kriegs- 
rath nicht eher verlassen, als bis sie ihre Zustimmung gegeben 
hatten, zu den Waffen zu eilen und das römische Lager anzugreifen. 
Fröhlichen Muthes, als wenn der Sieg gar nicht mehr zweifelhaft 
wäre, sammelten sie Reisig und Strauchwerk^) zum Ausfüllen der 
Gräben und rückten gegen das Lager. Nicht im Schritte, sondern 
um den Römern keine Zeit zu lassen, sich zu waffnen und sich zu 
sanmieln, legten sie im Laufe die 4000 Schritte zurück, und kamen 
athemlos gegen das römische Lager heran. 

Jetzt haranguirte Titurius seine Truppen, gab das Signal zum 
Kampfe, brach aus den Thoren des Lagers plötzlich hervor und fiel 
über seine Gegner her. Diese, ein grossentheils zusammengelaufener 



1) sarmentis virgultisque. III, 18. 



108 

ungeübter Haufen *), mit dem Material zur Ausfüllung des Grabens 
belastet und im Zustande völliger Erschöpfung wussten sich nicht 
zu helfen*), während die Römer, tapfer und geübt durch die vor- 
hergegangenen Kämpfe, sich auch noch im Vortheil des überhöhenden 
Terrains befanden. So hielten die üneller auch nicht einem An- 
griffe Stand, und wandten sich sogleich zur Flucht. Sich drängend 
und über die abgeworfenen Reisigbündel stürzend ') wurden sie von 
den Römern, welche bei frischen Kräften waren, verfolgt und 
grösstentheils niedergestreckt; den übrigen setzte die Reiterei nach 
und Hess nur wenige Flüchtlinge entkommen. 

Zu einer und derselben Zeit erhielt Titurius Meldung von Casars 
Seeschlacht und dieser vom Siege des Titurius. 

Alle Völkerstämme jener Gegend unterwarfen sich. 

III. Feldzug in Aquitanlen. 

Ungefähr zur nämlichen Zeit langte Publius Crassus, welcher 
nach dem Texte der Commentarien nur mit 12 Cohorten, also 
höchstens 6000 Mann römischer Krieger detachirt worden war, in 
der Nähe des heutigen Montauban — in Aquitanien an, das Cäsar 
sowohl rücksichtlich seiner Ausdehnung als seiner Bevölkerung fär 
den dritten Theil Galliens schätzte. 

Da Crassus in jenen Gegenden Krieg zu führen hatte, in denen 
vor wenigen Jahren der Legate Valerius Praeconinus geschlagen und 
getödtet wurde, und der Proconsul Mallius nach Verlust seiner 
Bagage die Flucht ergriff, so sah er ein, dass er grosse Energie 
entwickeln müsse ^). 

Nachdem er für das Verpflegungswesen Sorge getragen, Hilfs- 
truppen und Reiterei aufgestellt, und noch ausserdem viele tapfere 
Männer aus den nächstgelegenen römischen Gebieten Tolosa und 
Narbo namentlich zum Dienst aufgerufen hatte, rückte er westlich 
ziehend in das Gebiet der Sotiaten *), um das heutige Gabaret gelegen. 

Auf die Nachricht von seinem Anmärsche sammelten die Sotiaten 
eine grosse Macht, griffen mit ihrer Reiterei, an der sie sehr stark 
waren, die römische Marschcolonne an^, und lieferten zuerst ein 



1) Vergl. multitudo perditorum hominum latromimque. 111, 17. 

2) inscientia. III, 19. 

3) quos impeditos. III, 19. 

4) non mediocrem sibi diligentiam adhibendam. III, 20. 

5) Nach Walckenaer I, 283, im District Soe. 

6) in iÜDere agmen nostrom adorti. III, 20. 



109 

Reitergefecht. Als ihre Reiterei aber geschlagen und von den 
Römern verfolgt wurde, trat ihr Fussvolk, das in einem Thale im 
Hinterhalt stand, plötzlich hervor, griff die zerstreuten Verfolger 
an, und stellte das Gefecht wieder her. 

Es wurde lange und mit grosser Erbitterung gekämpft, denn 
die Sotiaten vertrauten auf ihre früher erfochtenen Siege, und 
glaubten, dass auf ihrer Kriegstüchtigkeit die Rettung von ganz 
Aquitanien beruhe; die Römer aber wollten zeigen, was sie auch 
ohne ihren Oberfeldherrn ') und ohne die übrigen Legionen unter 
ihrem jugendlichen Führer vermochten. 

Mit Wunden bedeckt, wandten sich endlich die Sotiaten zur 
Flucht. Eine grosse Zahl derselben wurde niedergemacht, und 
Crassos begann unmittelbar vom Marsche aus ihre Hauptstadt zu 
stürmen. Da sie aber tapfern Widerstand leistete, trieb er Lauf- 
ganghütten und Wandelthürme gegen sie vor. 

Die Belagerten versuchten einen Ausfall; dann trieben sie 
Minengange gegen den Annäherungsdamm und die Laufganghütten ^), 
um sie zu untergraben und einzustürzen. Denn in diesen Arbeiten 
waren sie sehr erfahren, weil sie viele Erzgruben besassen. Als 
sie aber sahen, daes der Römer Energie diese Unternehmungen ver- 
eiltelte, schickten sie Parlamentäre an Crassus, und baten, ihre 
Unterwerfung anzunehmen. Sie wurde ihnen gegen Ablieferung 
ihrer Waffen und gegen Geiselstellung gewährt. 

Von hier aus richtete Crassus seinen Marsch nördlich in das 
Gebiet der Vocaten und Tarusaten, nämlich in die Gegend des 
heutigen Bazas'). 

Da diese Völker vernahmen, dass Crassus schon einige Tage 
nach seinem Eintreffen vor der Hauptstadt der Sotiaten diesen durch 
Natur und Kunst festen Platz erobert hatte, sendeten sie ringsum 
Agenten aus, suchten unter gegenseitiger Stellung von Geiseln 
Verbündete zu gewinnen, und rüsteten ihre Streitkräfte. Auch zu 
den Volkerschaften des dem diesseitigen Aquitanien zunächst liegen- 
den Spaniens, schickten sie, riefen von dort Hilfstruppen und 
Führer herbei, und begannen, als diese wirklich eintrafen, den 
Krieg mit einer sehr starken Truppenmacht, die um so weniger 
gering zu achten war, als jene herbeigerufenen Führer in allen 



1) sine imperatore. III, 21. 

2) cunicalis ad aggerem vineasqne actis. III, 21. 

3) VergL Walckenaer I, 283. 



110 

Feldzügen des Sertorius mitgefochten hatten, und fBr höchst krieg»- 
kundig galten. 

Diese trafen die Anordnung, dass der Krieg ganz nach der Römer 
Art und Weise geführt werden solle, dass man wie jene Stellungen 
nehme, die Lager befestige und die feindlichen Zufuhren abschneide. 

Das Beischaffen der Lebensmittel und anderer Bedürfhisse wurde 
Crassus aber um so mehr erschwert, als die Feinde von Tag zu Tag 
zahlreicher wurden, und immer weiter umherstreiften und die Wege 
besetzen konnten, ohne deshalb ihr Lager unbesetzt lassen zu müssen, 
während er seine schon an sich geringe Truppenzahl nicht theilen 
durfte. Er hielt daher eine baldige Waffenentscheidung für durch- 
aus nöthig, rief einen Eriegsrath zusammen, und beschloss mit ein- 
helliger Zustimmung der beigezogenen Ofßziere den folgenden Tag 
eine Hauptschlacht zu liefern. 

Mit Sonnenaufgang rückte er aus dem Lager, stellte seine 
Legionartruppen in zwei Heeresabtheilungen , einem rechten und 
linken Flügel, auf, schob zwischen dieselben seine Hilfstruppen 
gleichsam als Centrum ein ^), und wartete in dieser Aufstellung, 
was die Feinde beginnen würden. 

Obgleich diese, 50,000 Mann stark, im Hinblick auf ihre üeber- 
macht, ihren alten Kriegsruhm und die geringe Stärke der Römer 
an einem glücklichen Kampfe nicht zweifelten, so hielten sie es 
doch für sicherer, durch Besetzen der Wege und Abschneiden der 
Zufuhren ohne Blutvergiessngen die Germanen 
ihrer Sitte gemäss von den Pferden, durchstachen die feindlichen 
Pferde von unten, warfen eine Anzahl Reiter zu Boden, und jagten 
die übrigen in die Flucht. Darauf trieben sie dieselben in solchem 
Entsetzen vor sich her, dass die Fliehenden erst unter den Augen 
der Hauptcolonne wieder Halt machten. Es waren 74 Reiter ge- 
fallen '). 

Nach diesem Gefechte glaubte Cäsar weder Parlamentäre an- 
hören, noch Bedingungen mehr annehmen zu dürfen von Leuten, 
die arglistig, wie er behauptet, zuerst um Waffenstillstand bittend, 
gleich darauf ohne Yeranlassung seine Truppen überfallen hätten; 
und geradezu widersinnig, sagt er, wäre es gewesen'), wenn er 
jetzt noch gar abgewartet hätte, bis die Germanen ihre Reiterei 
an sich gezogen und ihre Macht verstärkt haben würden. Zudem 
hatte er der Grallier Wankelmuth kennen gelernt, und fühlte recht 
gut, in welches Ansehen sich die Germanen bei ihnen durch dieses 
Treffen setzen mussten. Um ihnen daher keine Frist zu lassen, 
neue Plane zu schmieden, beschloss er den Angriff um keinen 



1) Nach Napoleon III. soll dieses Qefecht am Niers in der Ebene von 
Goch stattgefunden und Cäsar selbst bei Straelen gestanden haben. 

2) summae dementiae esse. IV, 13. 



118 

einzigen Tag mehr zu verschieben, und theilte diese seine Absicht 
den Legaten und dem Quästor mit. 

Da kamen schon am andern Morgen eine Anzahl Germanen 
ihre Fürsten und Senatoren an der Spitze zu Cäsar ins Lager, 
und entschuldigten sich, dass im Widerspruche mit ihrer eigenen 
Rede und ihrem eigenen Wunsche Tags zuvor ihre Reiter ein Ge- 
fecht geliefert hätten. Cäsar behauptet, es sei ihnen die Entschul- 
digung nicht ernst gewesen, und sie hätten nur auf listige Weise 
Waffenstillstand zu erlangen gesucht. Kurz, er benutzte mit 
Freuden') die Gelegenheit, sich ihrer zu versichern, und liess sie 
in Gewahrsam bringen. Hierauf rückte er mit allen seinen Streit- 
kräften aus dem Lager, formirte sein Heer in drei Divisionen, und 
behielt die Reiterei, weil sie vom letzten Gefecht her noch er- 
schüttert schien, hinter den Legionen. Schnell legte er 2'/« Stunden 
Wegs zurück*), und gelangte früher zum feindlichen Lager, als 
die Germanen nur merkten, was vorgehe. 

Bestürzt durch die Schnelligkeit, mit welcher das römische 
Heer vor ihnen erschien, und durch den Umstand, dass ihre Leute 
sich zum Theil da und dorthin zerstreut und vom Lager entfernt 
hatten'), dass sie weder einen Plan zu fassen, noch die Waffen zu 
ergreifen , mehr Zeit fanden , geriethen sie in die höchste Ver- 
wirrung. Sie wussten nicht, sollten sie dem Feinde entgegen rücken, 
das Lager vertheidigen, oder ihr Heil in der Flucht suchen. 

Ihr Lärm und wildes Durcheinanderlaufen verrieth, in welch' 
grosser Bestürzung sie sich befanden, und diesen gelegenen Augen- 
blick benützend , brachen die Römer voll Erbitterung über den 
Ueberfall *) des vorhergegangenen Tages in das Lager ein. 

Wer von den Germanen schnell noch die Waffen ergreifen 
konnte, hielt einige Zeit Stand, und vertheidigte sich zwischen den 
Karren und dem Gepäcke. Die übrige Masse aber, worunter die 
Kinder und Weiber, die alle mit über den Rhein gezogen waren, 

1) gavisus. IV, 13. 

2) Acie triplici inBtituta et celeriter octo milium itinere confecto. IV, 14. 
Auch diese Stelle gibt einen Beleg, dass unter »acies triplex« nicht eine 
Schlachtordnung in drei Treffen , sondern eine solche von drei Heeresabthei- 
lungen zu verstehen sei, um so mehr, als Cäsar diese acies triplex am Schlüsse 
von IV, 13. »agmen«, d. h. Colonne nennt. 

3) et discessu suorum IV, 14. Es bezieht sich dieser Ausdruck nicht auf 
die datachirte Reiterei, sondern er erklärt die daruaf folgende Angabe, dass 
keine Zeit mehr war, die Waffen zu ergreifen. 

4) perfidia. IV, 14. 



119 

begannen da- und dorthin zn fliehen. Cäsar Hess ihnen durch seine 
Reiterei nachsetzen. 

Als nun die noch Stand haltenden Germanen hinter sich den 
romischen Schlachtenruf hörten ') , und die Ihrigen niedermetzeln 
sahen, warfen sie die Waffen von sich, liessen ihre Feldzeichen im 
Stich und stürzten flüchtend aus dem Lager. 

Cäsar hatte seinen Feind das linke Moselufer hinabgedrängt, 
ihn dadurch von seiner über die Maas detachirten Reiterei immer 
mehr entfernt, und der soeben geschilderte Entscheidungskampf 
hatte höchst wahrscheinlich auf dem Mayenfelde in der Nähe von 
Coblenz statt. 

Von hier aus gelangten die Flüchtlinge an den Einfluss der 
Mosel in den Rhein, und da der letztere Fluss durch seine Beugung 
ein weiteres Entkommen gegen Osten und Norden, die Mosel aber 
eine Flucht gegen Süden hinderte (Taf. VIT. Fig. 3.) , so wurde 
ihrer ein grosser Theil niedergehauen; die Uebrigen stürzten sich * 
in die Wellen, und kamen dort von Furcht, Erschöpfung und der 
Gewalt der Strömung überwältigt, um. 

Die Römer zogen sich vollzählig bis auf den letzten Mann — 
nur Wenige waren verwundet — ins Lager zurück, nachdem sie 
kurz vorher noch dem Kampfe mit einem 430,000 Köpfe zählenden 
Feinde mit Besorgniss entgegen gesehen hatten. 

Cäsar gewährte denjenigen Germanen, welche er im Lager ge- 
fangen nahm, freien Abzug. Da sie aber fllrchteten, von den 
Galliern, deren Ländereien sie verheert hatten, zu Tode gemartert 
zu werden, so erklärten sie, lieber bei ihm bleiben zu wollen, und 
erhielten hierauf ihre Freiheit. 

Das Verfahren Cäsars gegen die Germanen, die Festnehmung 
ihrer Fürsten, als sie sich bei ihm einfanden, um den Angriff ihrer 
Reiterei zu entschuldigen, hat bis in die neueste Zeit gerechten 
Tadel erfahren, und schon zu Cäsars Lebzeiten ist insbesondere 
Cato deshalb auf das Heftigste gegen ihn aufgetreten, indem er 
sogar verlangte, man solle Cäsar als einen Verräther an die Ger- 
manen ausliefern, damit der Götter Zorn nicht über Rom herein- 
breche. Jedenfalls wird diese Handlung Cäsars auch von den 
eifrigsten Verehrern seiner Feldherrugrösse nicht gebilligt werden 
können ; denn nicht einmal seine eigene Relation scheint ihn völlig 
frei zu sprechen. Nach ihr selbst hatte der Angriff der Germanen 



1) clamore audito. IV, 15. 



122 

besser wissen müssen, als Dio; hier ist aber wohl der Ausspruch 
Rosch's am rechten Platze: »Cäsar wäre übel daran, wenn man ihm 
jeden Fehler seiner Copisten zur Last legen wollte« '). 



IL Gäsars erster Rheinübergang. 

Nachdem Cäsar den Krieg gegen die Usipeter und Tenchterer 
beendigt hatte *) , so beschloss er über den Rhein zu setzen , und 
zwar hauptsächlich um den Germanen, welche sich so leicht zu 
Einfällen in Gallien verleiten liessen, für ihre eigene Heimath Be- 
sorgnisse zu erregen. Sie {sollten sehen, dass das römische Heer 
diesen Fluss überschreiten könne, und davor keineswegs zurück- 
schrecke. 

üeberdies hatte die Reiterei der usipeter und Tenchterer, 
welche, wie oben bemerkt, der Fouragirung wegen auf das linke 
Maasufer detachirt war, und am Kampfe keinen Antheil genommen 
hatte, nach der Flucht ihres Volkes etwa bei Bonn über den Rhein 
setzend, sich in das Land der Sigambrer^) zurückgezogen und sich 
ihnen angeschlossen. 

Cäsar hatte die Auslieferung jener Reiterei yon den Sigambrem 
verlangt, aber die schnöde Antwort erhalten: Am Rheine höre der 
Römer Herrschaft auf. Wenn er es für unbillig finde, dass Ger- 
manen wider seinen Willen nach Gallien zögen, wie könne er Herr- 
schaft oder Gewalt in Germanien für sich in Anspruch nehmen. 
Endlich baten auch die Ubier, die unter allen Völkerschaften des 
rechten Rheinufers *) die Einzigen waren , welche an Cäsar Al^e- 
ordnete geschickt, ein Bündniss mit ihm geschlossen, und es durch 
Geiseln bekräftigt hatten, dringend, ihnen gegen die Sueven, die 
sie hart bedrängten, zu Hilfe zu ziehen. Für den Fall, dass er an 
dieser Hilfeleistung durch politische Gründe verhindert sein sollte, 
ersuchten sie ihn, mit dem Heere wenigstens über den Rhein zu 
setzen. Eine solche Demonstration würde ihnen schon genug Unter- 
stützung und eine bessere Zukunft bringen. Wenn es nur einmal 
bekannt geworden, dass sie in der Römer Schutz und Freundschaft 
stünden, so würden sie geborgen sein; denn so gross sei des römi- 



1) Commentar über die Commentarien des Cäsar. Halle 1788. S. 259. 

2) Germanico hello confecto. IV, 16. 

3) Vergl. oben S. 39. 

4) uni ex Transrhenanis. lY, 16. 



128 

sehen Heeres Ruf und Namen seit der Besiegung des Ariovist und 
in Folge des letzten Kampfes. 

Zum üebersetzen über den Rhein wollten die Ubier eine grosse 
Zahl Schiffe stellen. Cäsar nahm dies Anerbieten aber nicht an, 
weil er die Ueberschreitung des Flusses mittelst einer Brücke für 
sicherer hielt ; indem eine solche für den Vor- und Rückmarsch ihn 
weniger Zufälligkeiten aussetzte, namentlich sein Heer ungetrennt 
über sie rücken , und nicht ein bereits jenseits des Flusses ange- 
kommener Theil desselben von dem noch diesseits gebliebenen ab- 
geschnitten werden konnte. Auch erachtete er es seiner und des 
römischen Volkes Würde entsprechender, sogar den Schein zu 
meiden, als habe er der Ubier Unterstützung bedurft, um auf dem 
rechten Rheinufer Fuss zu fassen ; ja er wollte im Gegentheil durch 
einen grossartigen und schnell yoUbrachten Brückenschlag den ger- 
manischen Völkern möglichst imponiren, und wenn dieser nicht 
ausführbar sein sollte, den Rhein lieber gar nicht überschreiten. 

Die Merkmale, welche uns die Coramentarien über die Fluss- 
stelle geben, an der sich Cäsar damals befand, sind zu allgemein, 
als dass wir nach ihnen die Localitat näher bestimmen könnten. 
Sie sagen nur : die Breite, die rasche Strömung und die Tiefe haben 
den Brückenschlag ausserordentlich erschwert. Da die Commen- 
tarien aber keines Marsches erwähnen, welcher Cäsar vom Einfluss 
der Mosel in den Rhein irgend hinweggeführt hätte, sondern von 
der Darstellung der auf dem Mayenfelde stattgehabten Niederl^e 
der Usipeter und Tenchterer unmittelbar zur Beschreibung seines 
ersten Rheinüberganges übergehen, so ist kaum daran zu zweifeln, 
dass derselbe in der Nähe von Coblenz ausgeführt wurde, und zwar 
unterhalb dieser Stadt, da die den Rhein zwischen Coblenz und Bingen 
eng begrenzenden Höhen ein Terrain boten, dass der römischen Taktik 
durch seinen coupirten Charakter höchst gefährlich geworden wäre. 

Von Einigen wird der Standort dieser Brücke nach Andernach, von 
Andern nach Neuwied und wieder von Andern nach Engers verlegt *). 



1) Napoleon III. sagt, der Brückenkopf sei bei Bonn und keinenfalls 
oberhalb dieser Stadt zu suchen, weil da der Rhein in einem felsigen Bette 
laufe, welches das Einrammen von Pfählen nicht gestatte und weil sich da 
zwischen den bergigen Thalrändern kein günstiger üebergangspunkt finde. 
Röstow bemerkt hierzu, dass dieser Grund durchschlagend wäre, wenn es sich 
wirklich so verhielte, dass es sich aber thatsächlich nicht so verhielte, sondern 
dass man vielmehr oberhalb Bonn alte Phahlwerke im Rhein und in der Gegend 
zwischen Andernach und Engers taktisch günstige Uebergangspunkte finde. 



I 
/ 



124 

Bei Engers sollen auch nach dem schon oben berührten An&atze 
des Rheinischen Archivs noch vor etwa 100 Jahren Reste yon 
Mauerwerk hart am Ufer zu sehen gewesen sein, die man dazumal 
»Heidenmäuerchenc geheissen, und als von CSsars Brücke her- 
stammend angesehen habe. Welchen zureichenden Grund hatte 
man aber, jenem Mauerwerke gerade diesen Ursprung zuzuschreiben, 
da QLsars Brücke nicht einmal eines Mauerwerks bedurfte? Dass 
nicht bei Andernach, sondern im weiten Thalkessel von Neuwied 
die Uebergangsstelle zu suchen sei, das zeigt schon der erste Blick 
auf die Karte, geschweige die Betrachtung des Terrains selbst. 
Offen musste das Terrain der Uebergangsstelle sein, um gegen 
Ueberfölle zu sichern, und im Falle des Kampfes die römische 
Taktik znr Geltung zu bringen. Da nun aber Neuwied selbst sowie 
Engers diesen Bedingungen nur unvollkommen entsprechen, so halte 
ich das zwischen jenen beiden Orten gelegene Urmitz, wo das rechte 
Rheinufer viel freier ist, als bei Neuwied und Engers, und dessen 
grössere Insel den Brückenschlag begünstigte, für den gesuchten 
Uebergangspunkt (Taf. VIT. Fig. 3.). 

Die Brücke, welche dort geschli^en wurde — eine Jochbrücke — 
(Taf. VI.) hatte folgende Construction *) : Je zwei 1 */« Fuss dicke * 
Piloten a, welche unten zugespitzt waren, und eine der Tiefe der 
verschiedenen Flussstellen entsprechende Länge hatten, liess Cäsar 
mit zwei Fuss Abstand von einander zusammenstellen. Diese Piloten 
wurden auf Maschinen — auf zusammengekoppelten Schiffen *) — 
in den Fluss gebracht, und in den Grund des Bettes eingetrieben '), 
nämlich mit Zugrammen eingeschlagen ^), aber nicht lothrecht, wie 
Pfosten, sondern als Schrägpfähle dachsparrenförmig und nach der 
Stromrichtung geneigt ^). 

Diesem Pilotenpaar gegenüber wurde in einer Entfernung von 
vierzig Fuss flussabwärts ein ähnliches Pilotenpaar, jedoch gegen 
die Strömung geneigt, eingerammt, und beide Paare durch einen 
zwei Fuss ins Gevierte messenden Tragbalken*) bb. in der Art 



1) rationem pontis hanc instituit. IV, 17. 

2) machinaiionibns. IV, 17. Noch heutzutage nennen die Pontoniere 
solche zusammengekoppelte Schiffe vorzugsweise »Maschinen«. 

8) in flumen deßxerat. IV, 17. 

4) fistudsque adegerat. lY, 17. 

5) non sublicae modo directae ad perpendiculum, sed prone ac fastigate, 
ut secundum naturam fluminis procumberent. lY, 17. 

6) bipedalibus trabibus immissis. IV, 17. 



125 

Terbunden, dass man ihn zwischen den zwei Fu8S von einander ab- 
stehenden Piloten von oben herab einsenkte, und seine beiden Ende 
durch je zwei Spannriegel ') c c. an den Piloten so befestigte , dass 
deren Paare sich oben einander weder nahem, noch von einander 
entfernen konnten. Auf diese Weise erhielt das Joch in seinem 
Gefüge mn so mehr Schluss, je mehr es belastet wurde, und — wie 
Cäsar angibt — sogar je mehr der Strom anprallte. 

Nachdem eine Anzahl Joche ihre richtige Stellung neben ein- 
ander erhalten hatten, wurden Langhölzer') dd. auf sie gelegt, 
diese mit langem Reisig oder Streuhol2 ee. und Hürden") ff. be- 
legt, und endlich wahrscheinlich durch auf die Langholzer aufge- 
nagelte Latten gg. festgehalten^). 

Wiewohl durch obige Construction für die Haltbarkeit der 
Brücke hinlänglich gesorgt schien, so wurden dennoch an den 
stromabwärts stehenden Pilotenpaaren in schiefer Richtung Streben 
eingetrieben , welche die Piloten stützten , und die Widerstands- 
fähigkeit gegen die Strömung noch vergrössern sollten. In einiger 
Entfernung oberhalb der Brücke aber wurden Pfähle eingerammt, 
damit, wenn die Feinde Baumstämme oder Schiffe, um die Brücke 
zu zertrümmern , abwärts treiben lassen sollten , jene Estakade den 
Stoss der schwimmenden Gegenstände breche und unschädlich mache. 

Zehn Tage, nachdem die Herbeischaffung des Bauholzes be- 
gonnen hatte, war die ganze Brücke hergestellt. Cäsar fahrte sein 
Heer hinüber, legte auf beiden ufern Brückenköpfe an, die er 
stark besetzte^) und rückte in das Gebiet der Siganibrer, also 
nordöstlich. 

Diese hatten sich aber, sobald Cäsar den Brückenschlag be- 
ginnen Hess, zur Flucht angeschickt, auf Anrathen der Tenchterer 
und Usipeter, welche sich bei ihnen aufhielten, ihre Marken ver- 
lassen, und mit Hab und Gut in Einöden und Wäldern Sicherheit 
gesucht. 

1) binis utrimque fibulis ab extrema parte. lY, 17. 

2) materia injecta. IV, 17. 

3) longnriis cratibusquo. IV, 17. 

4) Napoleon III. construirt die Brücke in etwas abweichender Weise, 
indem er dem Worte »fibulaec einen andern Sinn gibt, wird aber von Rtistow, 
der hier fOr die Ansicht des Verfassers eintritt, grtlndlich widerlegt. 

5) ad ntramqae partem pontis firmo praesidio relicto. IV, 18. Zn einem 
festen Lager oder einem Brückenkopfe auf dem rechten Ufer war die Urmitz 
gegenüberliegende massige Terrainerhebung ganz geeignet (siehe Taf. VII. 
Fig. 3.). 



126 

OLsar verweilte nur wenige Tage in ihrem Gebiete, Hess die 
Ortschaften und Gehöfte niederbrennen, das Getreide abmähen, und 
begab sich hierauf zu den Ubiern zurück. 

Als er diesen für den Fall, dass sie von den Sueven bedrangt 
würden ^), Beistand versprach, theilten sie ihm Folgendes mit: Die 
Sueven hätten, durch ihre Kundschafter von Cäsars Brückenschlag 
in Kenntniss gesetzt, ihrer Sitte gemäss Eriegsrath gehalten, und 
in Folge dessen nach allen Richtungen Boten ausgesendet, mit der 
Mahnung, man solle die Städte verlassen, und Weib und Kind nebst 
allen Habseligkeiten in di^ Wälder flüchten; alle Waffenfähigen 
dagegen sollten sich an einem Punkte sammeln. Dieser Punkt 
sei ungefähr in der Mitte der den Sueven gehörenden Gegenden 
ausgeT^hlt worden *) , dort hätten sie beschlossen , der Römer An- 
kunft zu erwarten, und eine Entscheidungsschlacht zu wagen. 

Als Cäsar dieses vernahm, glaubte er den Zweck seines Rhein- 
übergangs erreicht, nämlich den Germanen Furcht eingejagt, die 
Sigambrer gezüchtigt, die Ubier von dem sie bedrohenden Angriffe 
befreit, und somit Alles gethan zu haben, was der Ruhm und Vor- 
theil des römischen Volkes verlangte. Er kehrte daher, nachdem 
er sich 18 Tage auf dem rechten Rheinufer aufgehalten hatte, 
nach Gallien zurück, und liess seine Brücke abbrechen. 

III. Cäsars erster Einfall in Britannien. 

1. Concentrirung bei Wissant. 

Olxschon der Sommer bald zu Ende ging, folglich für neue 
Operationen wenig Zeit mehr übrig blieb , so schickte sich Cäsar 
doch noch zu einer Landung in Britannien an, weil er wusste, dass 
von dorther die Gallier beinahe in allen ihren Kriegen gegen die 
Römer Unterstützung bezogen hatten. Für den Fall aber, dass 
ein früherer Eintritt des Winters einen formlichen Feldzug nicht 
mehr zulassen sollte , hielt er es für sehr erspriesslich , jene Insel 
wenigstens selbst betreten, ihre Bewohner kennen gelernt, und 
ihre Oertlichkeiten , ihre Häfen und Landungsplätze recognoscirt 
zu haben '). 

1) si ab Suevis premerentur. IV, 19. 

2) Jener Sammelplatz befand sich daher wahrscheinlich hinter der Regnitz 
in der Gegend von Nürnberg, uiid das Gebiet der Sueven dehnte sich damals, 
nach Vertreibung der Tenchterer und der Usipeter nördlich bereits über 
Sachsen und die reussischen Länder aus. 

3) si . . . . loca, portufi, aditus cognovisset. IV, 20. 



127 

Von den Galliern konnte er nur wenig Auskunft erhalten, da 
in der Regel nur ihre Kaufleute Britannien besuchten, und auch 
diese nur die Gallien gegenüberliegenden Küstenstriche zu sehen 
bekamen. 

Obgleich er solche Kaufleute von allen Seiten zu sich rufen 
liess, so konnte er doch nicht erfahren, wie gross die Insel sei, 
welche Yolkszahl, Kriegs- und Staatseinricfatungen die sie be- 
wohnenden Stämme hätten, und welche zur Aufnahme einer grössern 
Flotte taugliche Häfen vorhanden seien. 

um sich über alle diese Punkte vor Beginn der Unternehmung 
Aufklarung zu verschaffen, sendete er auf einem Kriegsschiffe vor- 
erst den Gajus Volusenus, welchen er zu einem solchen Auftrage 
für besonders geeignet hielt, mit der Weisung dahin ab, nach 
Vollendung seiner Recognoscirung sobald als möglich wieder zurück- 
zukehren. 

Cäsar selbst aber brach mit seinem ganzen Heere in das Land 
der Moriner auf, von wo die Ueberfahrt nach Britannien am 
kürzesten ist, nach dem Hafen von Wissant, 20 Kilometer nörd- 
lich von Boulogne. Dorthin liess er aus der ganzen Nachbarschaft 
Schiffe und auch die Flotte kommen, die im vergangenen Jahre 
für den Krieg gegen die Veneter erbaut wurde. 

Da unterdessen sein Vorhaben bekannt, und durch Kaufleute 
auch den Britanniern mitgetheilt worden war, so schickten mehrere 
Volksstämme der Insel Abgeordnete an ihn, mit der Erklärung, sich 
ihm unterwerfen und Geiseln stellen zu wollen. Cäsar hörte sie 
an, gab ihnen unter freundlicher Gewährung ihrer Bitte die Mah- 
nung, in dieser Gesinnung zu beharren, und liess sie nach ihrer 
Heimath zurückkehren, indem er den Commius mit ihnen sendete, 
den er nach Unterwerfung der Atrebaten zu deren Oberhaupt er- 
nannt hatte , der in jenen Gegenden in grossem Ansehen stand, 
und in dessen Tüchtigkeit, Umsicht und Ergebenheit er volles Ver- 
trauen setzte. Er ertheilte ihm den Auftrag, möglichst viele Ge- 
biete zu betreten, deren Bewohner aufzufordern, sich unter den 
römischen Schutz zu begeben, und ihnen Gäsars baldiges Erscheinen 
anzukündigen. Volusenus wagte zwar nicht zu landen und sich den 
Britanniern in die Hände zu geben , zog aber doch über alle jene 
Küstengegenden , so viel als unter den obwaltenden Umständen 
möglich war, Nachrichten ein, kehrte schon nach fünftägiger Ab- 
wesenheit nach Gallien zurück, und stattete Cäsar Bericht ab. 

Während Cäsar der Ausrüstung seiner Schiffe wegen an der 



128 

Küste der Moriner verweilte, trafen von einem grossen Theile der- 
selben Abgeordnete bei ihm ein, um sich wegen ihres frühem 
Verhaltens zu entschuldigen; nur als sehlichte Leute und unbe- 
kannt mit der Römer Gebräuchen hätten sie im verflossenen Jahre 
zu den Wafl;*en gegriffen, und wollten nunmehr Gäsars Befehlen 
gewärtig sein. 

Dies kam ihm zu sehr gelegener Zeit, denn er wollte keinen 
Feind im Rücken behalten , und doch erlaubte die vorgerückte 
Jahreszeit nicht, erst jenes Volk mit Gewalt zu unterwerfen, und 
in demselben Jahre auch noch nach Britannien überzusetzen. Keines- 
falls aber hätte Cäsar die Unternehmung gegen Britannien der 
Moriner wegen auf das nächste Jahr verschieben m^en. 

2. üeb er fahrt. 

Nachdem Cäsar für die üeberschiffung von zwei Legionen, die 
siebente und die zehnte, eine, wie er glaubte, hinreichende Zahl 
Transportschiffe, nämlich 80, aufgebracht und vereinigt hatte, theüte 
er die ihm zur Disposition stehenden Kriegschiffe d^n Quästor, 
den Legaten und hohem Äbtheilungscommandanten ') zu. Dazu 
kamen noch 18 weitere Transportschiffe, die im Hafen von Calais, 
2^/s Stunden nördlich von Wissant lagen ^), aber durch ungünstigen 

1) praefectisque. IV, 22. Da auf 80 Transportschiffen zwei Legionen oder 
20 Gehörten transportirt wurden , so kamen auf je eine Cohorte vier Trans- 
portschiffe , und zwar auf jeden Manipel eines , und das vierte verblieb für 
den Tross und für schweres Gepäck der Cohorte. Dass ein Transportschiff 
wenigstens 150 Mann aufnehmen konnte, ist aus den Commentarien lY, 37 
zu ersehen. 

2) In der Schrift, welche der Verfasser 1858 herausgegeben hat, waren 
nicht Wissant und Calais, sondern Ambleteuse und Wissant als die Häfen an- 
genommen , von welchen die Ueberfahrt ausging. Diese seine ursprüngliche 
Ansicht verbesserte er selbst im Vorwort zu der im Jahr 1860 erschienenen 
Abhandlung über den Gall. Krieg im Jahre 51 v. Chr. und haben wir deshalb 
die erst genannten Oertlichkeiten hier in den Text aufgenommen. Dass der 
Portus Itius Calais sei, begründet der Verfasser in jenem Vorwort mit Folgendem: 

»Drei Bedingungen, welche die Commentarien enthalten, bleiben ent- 
scheidend ; einmal, dass Cäsar seine Ueberfahrt aus einem Hafen machte, aus 
dem die Ueberfahrt die kürzeste war ; dann, dass die beiden Häfen, aus deren 
einem die Legionen, dem andern die Reiterei absegelte, 2*/$ Stunden (lienes) 
von einander entfernt waren ; endlich, dass der letztere Hafen von dem erstem 
nördlich lag, indem Cäsar den Hafen, aus dem seine Reiterei auslief, IV, 23 
mit »ulteriorem portumc und IV, 28 mit »ex superiore portu« bezeichnet. 

Schon die erste Bedingung schliesst Boulogne und Ambleteuse aus. Denn 
die Ueberfahrt ist von dort aus nicht die kürzeste. Von Boulogne ist es an 



129 

Wind sEurückgelialten , nicht in den letztem Hafen gelangen und 

die britische Küste 30 römische Milien, von Ambleteuse 27 Milien, von Wissant 
aber nnr 24 Milien oder 8 Stunden Wegs. 

In Bezug auf die zweite Bedingung liegt Boulogne von Ambleteuse nur 
2 Stunden oder 6 römische Milien, Ambleteuse von Wissant nur 2Ve Stunden 
oder 6'/i Milien entfernt, und nur die Entfernung zwischen Wissant und 
Calais entspricht dem von Cäsar (IV, 22) angegebenen Masse des Abstandes 
der beiden Häfen. Sie beträgt nämlich geradezu 8 römische Milien oder 2V8 
Stunden Wegs. 

Wenn Cäsar (V, 2.) erzählt: omnes ad portum Itium convenire iubet, 
quo ez portu oommodissimum in Britanniam traiectum esse cognoverat, 
8o bezieht sich diese Stelle darauf, dass er durch die Benützung des Hafens 
von Calais von Seiten seiner Kelterei die Erfahrung gemacht hatte, dass der- 
selbe zur üeberfahrt der bequemste sei. Denn das Missglücken ihrer üeber- 
fahrt war nicht durch den Hafen, ans dem sie auslief, veranlasst, sondern 
dorch einen plötzlich ausgebrochenen Sturm, als sie sich Britanniens Küste 
bereits nahe befand. (IV, 28.) 

Calais liegt endlich nahezu 10 Stunden Wegs — in gerader Richtung 
genau 9Vs Stunden oder 28 Milien von Walmercastle , wo Cäsar beidemal 
landete, entfernt, während Wissant von Walmercastle nur 87b Stunden oder 
25 Milien entfernt ist. 

Auch bezeugt Du Cange in seiner 28. Dissertation betitelt »Du port Itius 
DU Icdos« , obgleich er Wissant für den Hafen hält, — dass der Hafen von 
Calais schon sehr alt ist. 

Wenn Lewin Seite 14 anführt, dass der Hafen von Calais zu klein sei, 
als dass er 800 Schiffe Cäsar^s habe aufnehmen können, so irrt er; denn wir 
vermögen das Gegentheil mit Zahlen nachzuweisen. Die Einfahrt in den 
Hafen von 300' Fuss Breite und 6000' Länge ungerechnet, fasst derselbe vom 
Fort fiisban bis zum Fort Niculay 7,200,000 G' Fläche, indem er daselbst 
12000' lang und durchschnittlich 600' breit ist. Folglich hatte ein jedes 
Schiff durchschnittlich 9000 O' Hafenraum, der für Schiffe jener Zeit wahr- 
haftig überflüssig genügte, und dies um so mehr, als unter den 800 Schiffen, 
welche Cäsars Flotte bildeten, eine Menge kleiner Sehiffe waren. 

Der Hafen von Wissant, welcher zu Cäsars erster üeberfahrt diente, ist 
jetzt zwar, wie dies auch Lewin hervorhebt, äusserst unbedeutend, er war 
aber früher bedeutender, und ein Blick auf die dortige Terrainbildung zeigt, 
dass er einer grossen Versandung ausgesetzt war. Du Cange a. g. 0. beweist 
mit einer Menge von Citaten, dass Wissant früher ein sehr viel benutzter 
Hafen war, und beginnt die Reihe jener Citate mit der üeberfahrt des hei- 
ligen Wigan, der um das Jahr 560 bei Wissant landete. 

Ob die heutige Bezeichnung einer kleinen an der Ostseite von Wissant 
liegenden Anhöhe mit »camp de C^sar« sich auf das Lager Cäsars vor seiner 
ersten üeberfahrt nach Britannien bliebt, oder ob diese Bezeichnung nicht erst 
in Folge der gelehrten Untersuchungen über diesen Gegenstand, welche schon 
frühe begonnen haben, entstanden ist, möchte nicht mehr zu entscheiden sein«. 

Um die Darstellung nach den Commentarien nicht zu sehr zu unter- 

T. O 1 e r, Cftsars gallisoher Krieg. II. Aufl. 9 



130 

sich den übrigen Schiffen nicht anschliessen konnten. Cäsar theilte 
sie der Reiterei zu *). 

Das in Gallien verbleibende Heer liess Cäsar durch die Legaten 
Titurius Sabinus und Äuruncujelus Cotta in das Land der Menapier 
— etwa in die Gegend von Gent — und in diejenigen Bezirke der 
Moriner führen , welche noch keine Deputationen an ihn gesendet 
hatten. 

Der Legate Sulpicius Rufus hatte mit einem entsprechend 
starken Detachement den Hafen von Wissant zu besetzen. 

Als nach dieser Anordnung für die üeberfahrt günstiges Wetter 
eingetreten war, lichtete Cäsar ungefähr um Mitternacht*) die 
Anker. Der nach Britannien bestimmten Reiterei hatte er den 
Befehl ertheilt, nach dem Hafen von Calais zu marschiren, um sich 
dort einzuschiffen und ihm zu folgen. Während es jedoch damit 
nicht recht von statten ging — und wahrscheinlich ihre Ein- 
schiffung allzuviel Zeit in Anspruch nahm — war Cäsar selbst 
bereits gegen 10 ühr mit seinen ersten Schiffen vor der Küste von 
Cantium , der heutigen Grafschaft Kent , eingetroffen , und sah auf 
sämmtlichen dortigen Hügeln feindliche Streitkräfte unter den Waffen 
stehen. Es waren die Hügel, welche die Bucht von Dover um- 
geben, und Cäsar beschreibt diese Oertlichkeit mit der Bemerkung 
dass dort die Berge das Meer so eng einschliessen , dass man von 
ihren Höhen herab den Strand beschiessen konnte '). 

Obgleich Cäsar die dortige Bucht, wo der Feind ringsum den 
Vortheil einer höhern Stellung hatte, für die Ausschiffung seiner 
Truppen durchaus nicht für geeignet hielt, so blieb er daselbst 
doch bis 3 ühr Nachmittags vor Anker, um die Ankunft seiner 
übrigen Schiffe zu erwarten. 

Unterdessen rief er seine Legaten und Kriegstribunen zusammen, 

brechen, werden wir die Ansichten anderer Commentatoren über Cäsars beide 
Einfalle in Britannien in einem besonderen Abschnitt nach dem Abschnitte 
über die Rückkehr von der zweiten Expedition nach Gallien (siehe Seite 159) 
besonders wiedergeben. 

1) Für die zwei überznschiffendcn Legionen sind 600 Reiter zu rechnen, 
da in der Regel einer Legion 3()0 Reiter zugetheilt waren. Diese Zahl be- 
dingt, dass Auf jedes der 18 Transportschifie etwa 30 Pferde kamen, also 
auch hier wieder eine taktische Einheit, nämlich eine Turme, wie auf ein 
Transportschiff des Fussvolkes ein Manipel embarquirt wiirde. 

2) tertia ferre vigilia. IV, 23. 

3) cuius loci haec erat natura, atqiie ita montibus angustis mare contine- 
batur, uti ex locis superioribus in litus telum adigi posset. lY, 23. 



131 

theUte ihnen des Volusenus Recognoscirungsbericht mit, gab die 
nothigen Instructionen, und ermahnte sie, ihre Aufträge rasch und 
pünktlich zu vollziehen, weil der Seekrieg, wo die Bewegungen 
schnell und nicht immer zu beherrschen seien, dies ganz besonders 
erheische. 

Kaum hatte er diese Offiziere entlassen, da trat auch zu gleicher 
Zeit günstiger Wind und befördernde Strömung ein. Er gab das 
Signal zum Aufbruch, lichtete die Anker, schiffte ungefähr 2V8 
Stunden nordöstlich ') , und l^te die Schiffe an einem offenen und 
flachen Gestade — in der Nähe von Walmercastle — bei *). 

Die Feinde aber, welche von den Höhen herab die Abfahrt 
und Richtung der Flotte sehen konnten '), sendeten nach der näm- 
lichen Gegend ihre Reiterei und Wagenstreiter*), deren sie sich 
im Gefechte sehr viel bedienten, voraus, folgten mit den übrigen 
Truppen nach, und suchten der Römer Ausschiffung zu verhindern ^). 

3. Landung. 

Die Ausschiffung war mit bedeutenden Schwierigkeiten ver- 
bunden, denn die grossen Schiffe konnten ihres Tiefgangs wegen 
sich der Cüste nicht genug nähern , sondern mussten auf ziemlich 
hoher See bleiben ; die Soldaten aber waren, obgleich sie den Meeres- 
grund nicht kannten ^) , die Hände nicht frei hatten und schwere 
Rüstungen trugen, genöthigt, nicht nur von den Schiffen herab- 
zuspringen, sondern auch in dem Wasser erst festen Fuss zu fassen, 
und sodann mit Feinden zu kämpfen, die ihrerseits alle Glieder 
frei hatten, und vom Trockenen aus, oder nur wenig in das Wasser 



1) drciter milia passuum septem. IV, 24. 

2) aperto et piano litore. IV, 23. Für die Landung Cäsars zwischen 
Walmercastle und Deal (Dola) spricht auch die Bemerkung des DioCassius 
lib. 39. c. 51, welcher daselbst sagt: >£r umschiffte eine Landspitze«. Dies 
ist das Eck, welches die Küste nördlich von Dover bei South-Foreland macht. 
Wenn jenes Eck auch nicht öcharf hervortretend , sondern abgerundet ist , so 
liegt doch Dover an der Südküste, während Deal an der Ostküste liegt. 

3) At barbari consilio Bomanorum cognito. lY, 24. 

4) praemisso eqtiitatu et essedariis. IV, 24. 

5) Da, wie ein Blick auf die Karte zeigt, Cäsar die kreisförmig hervor- 
tretende Küste umschiffen musste , die Britannier aber durch offenes und 
ebenes Terrain sich auf der Sehne des Bogens an den Punkt der beabsich- 
tigten Landung begeben konnten, so vermochten ihre Reiterei und ihre Wagen- 
streiter leicht, wenn nicht früher, so doch mit Cäsar daselbst einzutreffen. 

6) ignotis locis. IV, 24. 

9* 



132 

hineingeritten, ihre Geschosse keck gebrauchten; ja mit dem dor- 
tigen Meeresboden wohl bekannt, sogar ihre Pferde, welche an der- 
artige Localitaten gewöhnt waren, tüchtig tummelten. Die Romer 
aber in einer solchen Pechtweise überhaupt neu und unerfahren 
waren sehr verzagt, und entwickelten jene Energie und Kampflust 
nicht, die sie in Gefechten auf dem festen Lande zu bewähren pflegten. 

Als Cäsar dies wahrnahm, Hess er die Kriegsschiffe, deren An- 
blick den Britanniem etwas Neues war, und die ihrem Zwecke 
entsprechend schneller bewegt und gewendet werden konnten, als 
die Transportschiffe, aus deren Linie ein wenig zurückziehen *), sie 
schnell nach der Seite rudern und auf des Feindes offener Flanke 
aufstellen, um ihn mit Schleudern, Bogen und Wurfmaschinen von 
dort hinweg und vor sich her zu treiben. 

Dieses Manöver war von grossem Erfolge, denn der gewaltige 
Bau der Kriegsschiffe, ihr imponirender Ruderschlag und ihre un- 
gewohnten Wurfmaschinen machten einen solchen Eindruck auf die 
Britannier, dass sie zuerst nicht weiter vorrückten und bald sich 
etwas zurückzogen. 

Weil nun die Soldaten namentlich wegen der Tiefe des Wassers 
noch zauderten, den günstigen Augenblick zu einem tüchtigen An- 
griffe zu benützen, so rief der Adlerträger der 10. Legion die Götter 
an, es möchte jener erste Erfolg seine Legion zum Siege fuhren *), 
und zu den Soldaten: »Herunter vom Schiffe, wenn ihr den 
Adler nicht dem Feinde preisgeben wollt. Ich wenigstens werde 
gegen das Vaterland und den Feldherrn meine Pflicht erfüllen!« 
Kaum hatte er dies mit lauter Stimme gerufen, so sprang er vom 
Schiffe, und trug den Adler gegen den Feind. 

Da feuerten sich die Soldaten des Schiffes gegenseitig an, solche 
Schmach nicht über sich kommen zu lassen, und sprangen sämmt- 
lich vom Schiffe herunter. Wie dies die Leute auf den nächst be- 
findlichen Schiffen sahen, thaten sie ein Gleiches, und alle rückten 
dem Feind zu Leib. Auf beiden Seiten wurde hitzig gekämpft. 
Die Römer geriethen jedoch in grosse Unordnung, weil sie weder 
Reih noch Glied halten, noch fest auftreten, noch den Feldzeichen 
folgen konnten, und ein Jeder sich eben der Abtheilung anschloss, 
auf die er gerade stiess. Die feindlichen Reiter aber, denen alle 
seichteren Stellen wohl bekannt waren, fielen mit verhängten Zügeln 



1) paulum removeri ab onerariis navibus. IV, 25. 

2) ut ea res legioni felidter eveniret. IV, 25. 



133 . 

über die Bomer her, wenn sie vom Ufer aus sahen, dass Einzelne 
ans einem Schiffe steigend nicht kampfbereit waren. Hier um- 
ringten Viele ein kleines Häuflein, und dort auf der offenen von 
den Kriegsschiffen nicht gedeckten Flanke warfen Andere ihre Ge- 
schosse ohne bestimmtes Ziel unter die Römer im Ganzen. 

Als dies Cäsar bemerkte, liess er die Boote der Kriegsschiffe 
und die Spähschiffe ^) bemannen , und schickte sie jenen Hartbe- 
drängten zu Hilfe. Dies half, bald waren die Legionarsoldaten 
sämmtlich herangekommen, und sobald sie sich auf dem Trockenen 
gesammelt hatten, gingen sie zu einem geordneten Angriffe über, 
und jagten den Feind in die Flucht; doch konnten sie ihn nicht 
gar weit verfolgen, weil die von Calais ausgelaufene Reiterei nicht 
im Stande gewesen war, ihre Schiffe in der beabsichtigten Richtung 
zu erhalten, und Britannien zu erreichen. Hierin allein war Cäsar 
sein altes Glück nicht treu geblieben. 

'4. Aufenthalt in Britannien. 

Sobald die geschlagenen Britannier nach ihrer Flucht zur Be- 
sinnung gekommen waren ^), sandten sie Parlamentäre an Cäsar, 
und boten Unterwerfung und Geiseln an. Mit ihnen kam der 
Atrebate Commius , welcher von Cäsar vorausgesendet worden war. 
Er hatte kaum das Land betreten und den Britanniem seines Ober- 
feldherm Vorschläge ans Herz gelegt, als sie ihn ergriffen und in 
Fesseln schlugen. Jetzt nach dem statt gehabten Gefechte gaben 
sie ihn frei, baten, ihnen ihr unkluges Benehmen zu verzeihen, 
und schoben die Schuld auf die Massen. 

Cäsar gab ihnen seine Entrüstung zu erkennen, dass sie wagten, 
ihn feindlich zu empfangen, nachdem sie doch unaufgefordert Ge- 
sandte nach Gallien geschickt und ihn um Frieden gebeten hätten. 
Er erklärte jedoch, mit ihrer Unüberlegtheit Nachsicht haben zu 
wollen, und gab ihnen auf, ihre Geiseln zu stellen. Einen Theil 
derselben stellten sie sogleich, die übrigen wollten sie erst aus eht- 
fernten Gegenden herbeiholen, und in einigen Tagen abliefern. 

Unterdessen befahlen sie ihren Aufgeboten nach Hause zu 
gehen, und von allen Seiten kamen Häuptlinge herbei, um sich 
und ihre Völker Cäsar zu empfehlen, der somit schon vier Tage 



1) Bcaphas longarum navium, item speculatoria navigia. IV, 26. 

2) 86 ex faga receperunt. IV, 27. 



134 

nach seinem Erscheinen in Britannien den Frieden erkämpft jxdA 
abgeschlossen hatte. 

Jetzt erst liefen jene 18 Transportschiffe, welche CSsars Reiterei 
an Bord hatten, endlich mit gelindem Winde aus dem Hafen Calais *) 
aus. Schon näherten sie sich der britannischen Küste, und wurden 
bereits vom dortigen Lager aus gesehen, da erhob sich plötzlich 
ein solcher Sturm, dass auch nicht eines der Schiffe seinen Lauf 
einhalten konnte, und sie theils nach ihrem Abfahrtsort zurück- 
getrieben, theils unter grossen Gefahren gegen die westliche Spitze 
Britanniens verschlagen wurden. Sie warfen zwar Anker, mussten 
sie aber bald wieder lichten, da die Schiflfe, vom Ankertau festge- 
halten, sich mit den unterlaufenden Wellen nicht heben konnten 
und von ihren Fluthen überströmt wurden. Trotz der Verderben 
drohenden Nacht suchten sie daher das hohe Meer auf, und schifiFlen 
von dort nach dem Continente zurück. 

In dieser Nacht — es war Vollmond — trat eine Springäuth 
ein, eine Naturerscheinung, von der die Römer noch keine Kennt- 
niss hatten. So wurden denn nicht nur die Kriegsschiffe, an deren 
Bord die höhern Offiziere die üeberfahrt des Heeres überwacht 
hatten *) , obgleich sie aufs Land gezogen waren , durch die Fluth 
mit Wasser angefiillt, sondern auch die vor Anker liegenden Trans- 
portschiffe vom Sturme übel zugerichtet. Unbekannt mit diesen 
Verhältnissen hatten die Römer weder Vorkehrungen treffen können, 
noch vermochten sie Hilfe zu bringen. 

Da nun einige Schiffe zerschellt, die andern durch Verlust des 
Tauwerks, der Anker und der sonstigen Ausrüstung unbrauchbar 
geworden waren, so gerieth das Heer natürlich in grosse Bestürzung. 
Andere Fahrzeuge, um damit nach Gallien zurückzukehren, waren 
nicht vorhanden; es mangelte an allem zur Wiederherstellung 
nöthigen Material, und weil man allgemein geglaubt hatte, in 
Gallien die Winterquartiere zu beziehen, so war man in Britannien 
für die Dauer des Winters nicht mit Proviant versehen. 

Als die britannischen Häuptlinge, welche nach dem Kampfe 
an der Küste sich vor Cäsar eingefunden hatten, von dem Unfall 
der Römer Kunde erlaugten , hielten sie Besprechungen unter ein- 

1) ex superiore portu. IV, 28. 

2) longas naves, quibus exercitum transportandum ciiraverat. IV, 29. 
Diese Kriegsschiffe hatten ausser einer Bemannung die höhern Commandeure 
an Bord, weil ihre grössere Beweglichkeit denselben die Ueberwachung der 
ihre Abtheilungen fuhrenden Transportschiffe erleichterte. Vergl. IV, 22. und 25. 



135 

ander; denn es war ihnen nicht entgangen, dass es dem Heere an 
Reiterei, Schiffen und Getreide fehle; auch hatten sie aus dem ge- 
ringen Umfang des Lagers auf die geringe Truppenzahl geschlossen. 
Es -WBX dasselbe nämlich um so enger beisammen, als Cäsar, — der 
ja eigentlich nur eine Becognoscirung Britanniens bezweckte — 
seine Truppen ohne Lastthiere und Karren übergeschifft hatte ^). 

Unter solchen Umständen hielten es jene Häuptlinge für das 
Beste, den Kampf wieder au£sunehmen, den Römern weder Getreide 
noch andere Bedürfnisse mehr zukommen zu lassen , und so die 
Sache bis in den Winter hinauszuziehen. Dabei waren sie von der 
Ansiebt durchdrungen, wenn sie einmal die Römer besiegt, oder 
ihnen die Rückkehr abgeschnitten hätten, würde wohl später Nie- 
mand mehr Britannien anzugreifen wagen. 

Daher schlössen sie von Neuem einen Bund unter einander, 
suchten allmahlig aus dem Lager hinwegzukommen, und auch ihre 
Unterthanen in aller Stille vom flachen Lande zu entfernen, theils 
zu deren Sicherheit, theils zur Au&tellung ihres Heeres. 

CSsar aber, obgleich mit diesen Planen noch unbekannt, ver- 
muthete doch, was sich vorbereitete, weil die Stellung der Geiseln 
ins Stocken gerieth, und er den Eindruck voraussah, den der Un- 
fall mit seinen Schiffen hervorrufen werde. Er traf daher Air alle 
lalle seine Vorkehrungen, liess t^lich von dem angebauten Lande 
Getreide ins Lager schaffen, das Holz und Erz der am meisten be- 
schädigten Schiffe zur Herstellung der übrigen verwenden, und was 
sonst noch zur Ausbesserung nöthig war, vom Gontinente herbei- 
bringen. Seine Soldaten gingen mit dem grössten Eifer an die 
Arbeit, und so brachte er es dahin, dass er durch Verwendung von 
12 Schiffen alle übrigen wieder in einen solchen Stand setzte, dass 
er recht gut mit ihnen in die See stechen konnte. 

Weil zur Zeit jener Arbeiten ein Theil der Britannier sich 
noch auf ihren Ländereien befand, ein anderer sogar häufig das 
Lager besuchte, so dachte man an keine Feindseligkeiten, und es 
wurde gewohnlich eine der beiden Legionen auf Verproviantirung 
ausgesendet. Als nun eines Tages die 7. Legion zu diesem Zwecke 
ausgezogen war, da wurde von den vor dem Le^er stehenden Vor- 
posten *) Cäsar die Meldung gemacht , man sehe in der Richtung, 



1) quod sine impediiaentifi Caesar legiones transportaverat. IV, 30. 

2) ii, qui pro portis castrorum in statione erant. IV, 32. Ueber staiiones 
yergl. Anhang II. § 62. 



136 

nach welcher jene Legion abmarschirt sei, eine anssergewohnlich 
grosse Staubwolke aufsteigen. 

Cäsar, der die wahre Sachlage, nämlich eine Schilderhebung 
der Britannier vermuthete , brach sogleich mit den auf Vorposten 
stehenden Gohorten nach jener Gegend hin auf, und befahl, dass 
dafür zwei andere Gohorten die Vorposten bezögen *). 

üeber die Linie der Vorposten etwas vorgerückt *) , fand er 
auch wirklich seine siebente Legion vom Feinde bereits eng zu- 
sammengedrängt , und von allen Seiten dermassen mit Geschossen 
überschüttet, dass sie kaum Stand zu halten vermochte. Da cim- 
lich nur noch an einem einzigen Orte Getreide stand, in der übrigen 
Umgegend aber alles schon abgemäht war, so konnten die Britannier 
leicht den Schluss ziehen, dass die auf Verproviantirung ausziehende 
Legion sich dort einfinden werde, und legten sich die Nacht vorher 
in einem an jenes Feld stossenden Walde in Hinterhalt. Als nun 
die Legion wirklich dort eingetroffen war, die zum Getreideschneiden 
beorderten Soldaten ihre Waffen abgelegt, und sich zur Arbeit 
zerstreut hatten, da fielen die Feinde plötzlich über sie her, tödteten 
Einige, und brachten die Uebrigen, die ihre Abtheilungen nicht 
gleich zu finden wussten, in grosse Verwirrung'); zugleich um- 
ringten sie die Römer mit Reiterei und Ws^enstreitem. 

Der Wagenstreiter Fechtweise war aber folgende (Taf. VII. 
Fig. 7): Zuerst umjagten sie die feindlichen Abtheilungen A. auf 
allen Seiten, warfen ihre Geschosse auf sie ab, und versetzten sie 
meistens schon durch das Rasseln der Räder und durch den Schrecken, 



1) Es scheint hiemach, dass für den Sicherheitsdienst in der Begel etwa 
Vio der Lagerbesatzung verwendet wurde. 

2) Cum paulo longius a castris processisset. IV, 32. Aus dem compara- 
tiven Ausdruck »paulo longius c ist zu ersehen, dass sich Cäsar bei seinem 
Abmarsch mit jenen Cohorten bereits in einiger Entfernung von seinem Lager 
befunden hatte, und dies bekräftigt, dass unter stationes Vorposten und nicht 
Thorwachen zu verstehen sind, da letztere sich unmittelbar am Lager be- 
funden haben wurden. Diese I)istinction hat insofern einigen Werth, als an 
den meisten andern Stellen schwer zu entscheiden ist, ob »stationes« mit 
»Vorposten« oder mit »Wache« übersetzt werden muss. 

3) incertis ordinibus. IV, 32. Es lässt sich mit Bestimmtheit annehmen, 
dass sich die Legion zur Arbeit nicht ganz auflöste, sondern dass von jedem 
Manipel, oder wenigstens von jeder Cohorte eine Abtheilung geschlossen bei- 
sammen blieb. Dies gebot nicht nur die Sicherung der abgelegten Waffen, 
sondern auch schon die taktische Vorsicht im Allgemeinen, und jene auf ver- 
schiedenen Punkten aufgestellten Abtheilungeu , welche die Soldaten nicht 
gleich zu finden wussten, werden unter incerti ordines verstanden. 



137 

welchen ihre Pferde verursachten, in Verwirrung; und wann sie 
sich sodann in die Intervallen aa. ihrer indessen herangekommenen 
Reitergeschwader B. zurückgezogen hatten, sprangen sie von den 
Streitwagen herab und kämpften mit den Reitern verbunden zu 
Fuss. Die Fahrer oder Wagenlenker fuhren unterdessen allmählig 
aus dem Bereich des Kampfes zurück, und stellten ihre Wagen 
rückwärts der Intervallen ihrer Reiterei (in bb.) so auf, dass wenn 
ihre zu Fuss kämpfenden Wagenstreiter von Uebermacht gedrängt 
wurden, dieselben sich — durch die Geschwader gedeckt — unge- 
hindert zurückziehen konnten ^). 

So suchten die Britannier die Beweglichkeit der Reiterei mit 
der Stätigkeit des Fussvolkes zu vereinigen, und durch tägliche 
Angewöhnung und üebung brachten sie es so weit, dass sie auf 
abschüssigem und steilem Terrain ihre Pferde in vollem Lauf vor 
dem Stürzen zu bewahren, schnell die Gangart zu verkürzen und 
zu wenden wussten *), 

Sie pflegten auf der Deichsel vorzulaufen, sich auf das Joch 



1) Der Satz: et cum se inter equitum tuTmas insinuaverunt etc. IV, 33. 
wird meistens, und so auch von Eöcbly und Büstow übersetzt »Haben sie 
sich so in feindliche Reiter eine Lücke gemacht«. 

Diese üebersetzung halte ich aber für unrichtig. Denn 1) heisst se 
insinuare nicht »sich eine Lücke machen«, sondern »sich irgendwo hinein- 
ziehen«; 2) hatten die Britannier in den hier beschriebenen Kämpfen keine 
feindliche Beiterei gegen sich, denn Cäsar hatte keine bei sich; und doch 
spricht er nicht von einem Manöver, das die Britannier nur häufig aus- 
führten, sondern von einem solchen, das sie gerade gegen ihn angewendet 
hatten, da er das nächste Kapitel, das 34. mit: »quibus rebus perturbatis 
notris« beginnt; 3) aber wäre es ein sehr unpraktisches, ja unausführbares 
Unternehmen gewesen, wenn die Wagenstreiter zwischen feindliche Reiterei 
hineinfahren, dort von den Wagen herabspringen, in der Mitte der feindlichen 
Reiterei ihre Wagen umkehren und zurückfahren lassen wollten, um im Noth- 
fall zu diesen zurückspringen zu können. Einer feindlichen Reiterei, die dies 
duldete, müssten wirklich weder Arme noch Beine zur Verfügung stehen. 

Nach meiner Auffassung ist unter »et cum se inter equitum turmas 
insinuaverunt« zu verstehen, dass die Wagenstreiter in die Intervallen ihrer 
eigenen Reiterei zurückfuhren. Die Wagen hatten also schon gekehrt, als 
sie dort ankamen, die Streiter sprangen hinten von ihren Wägen herab, und 
diese zogen sich etwas zurück. Den immerhin gefährlichen Moment des 
Herabepringens aber deckte die eigene Reiterei, wie heutzutage die Reiterei 
das Auf- und Abprotzen der ihr zugetheilten reitenden Artillerie deckt. 

2) uti in dedivi ac praecipiti loco incitatos equos sustinere et brevi mo- 
derari ac flectere . . . consuerint. IV, 33. 



188 

zu stellen, und sick von da ausserordentlich schnell in den Wagen 
zurückzuschwingen. 

Schon waren die Römer durch diese Manöver und diese neue 
Eampfweise in grosse Verwirrung gerathen ') , da brachte Gäsar 
noch zu rechter Zeit Hilfe. Denn sobald er auf dem Kampf- 
platz erschien, liessen die Feinde vom Angriff ab, und die siebente 
Legion gewann ihre Fassimg wieder. Immerhin hielt aber Oasu* 
nach diesem Vorgange den Zeitpunkt nicht ftlr geeignet, selbst an« 
zugreifen und ein Treffen zu liefern '), blieb auf günstigem Terrain 
in Stellung '), und f&hrte nach einer kleinen Weile seine Legionen 
ins Lager zurück. Während dieses geschah, bemächtigten sich die 
Britannier alles römischen Eigenthums, das des üeber&Us und 
eiligen Rückzugs wegen auf den Feldern zurückgelassen worden 
war, und gingen hierauf auseinander ^). 

Jetzt trat wahrend einiger Tage ein solches Unwetter ein, dass 
die Römer ins Lager gebannt und ihre Feinde von weitem An- 
griffen abgehalten wurden. Die Letztem benutzten indessen diese 
Zeit, nach allen Richtungen Boten auszuschicken, und ihren Lands- 
leuten laut die geringe Starke der römischen Truppenzahl und die 
herrliche Seltenheit verkünden zu lassen, Cäsar aus dem Li^er 
hinauszuschlagen. Beute zu machen, und für immer ihre Freiheit 
zu sichern. 

Auf diese Weise brachten sie schnell eine grosse Mafise Reiterei 
und Fussvolk zusammen, und rückten an das römische Lager. Ob- 
gleich Cäsar, dem es an Reiterei mangelte, wohl wusste, dass, wenn 
er auch den Feind zurückschlage, sich dieser, wie in den ersten 



1) quibus rebus perturbatis nostris novitate pugnae. lY, 34. 

2) Auch wenn er geeiogt haben würde, hätte er, da er keine Rdterei 
hatte, den Sieg nicht einmal vervollständigen können. Vergl. IV, 85: »Caesar, 
etsi idem, quod snperioribus diebus acdderat, fore videbat, ut, si essent 
hostes pulsi, oeleritate periculum effugerent 

3) se suo loco oontinuit. IV, 34. Vergl. Anmerkung zu. Seite 18. 

4) Die Texte haben: nostris omnibis occupatis, qui erant in agris reliqui 
discesserunt. IV, 34. Man mag diese Stelle Übersetzen wie man will, so wird 
man sich dieselbe doch nicht hinlänglich klar machen oder einen befriedi- 
genden Sinn in ihr finden können. Ich halte sie für verdorben, und erlaube 
mir die Lesart: nostris omnibus occupatis, quae erant in agris relicta, 
discesserunt. Die Römer hatten nicht nur das abgeschnittene Getreide nicht 
mit sich ins Lager nehmen können, sondern sie mussten des Ueberfalls wegen 
«ogar auch ihre zum Sohneiden und Sammeln desselben nöthigen Geräth- 
Schäften im Stiche lassen. 



139 

Tagen der Landung ^) , grösseren Yerlnsten durch schnelle Flucht 
entziehen werde, so stellte er dennoch seine Legionen vor dem 
Lager in Schlachtordnung'), weil seit jenen Tagen wenigstens die 
30 Reiter zu ihm gestossen waren, welche er mit dem Atrebaten 
Commius nach Britannien verausgeschickt hatte. 

Es kam zur Schlacht, und als sie einmal im Gange war, ver- 
mochten die Britannier dem Angriff der Römer nicht länger Stand 
zu halten, sondern wandten sich zur Flucht. Die Legionen ver- 
folgten sie, so weit es Athem und Kräfte gestatteten, tödteten 
einige, steckten weit und breit alle Gehöfte in Brand, und zogen 
hierauf wieder in ihr Lager zurück. 

5. Rückkehr nach Gallien. 

Noch an dem nämlichen Tage schickten die Britannier Par- 
lamentäre an Cäsar und baten um Frieden. Er verlangte nun, dass 
sie doppelt so viel Geiseln stellten, als ihnen früher aufgegeben 
war, mit der Weisung, ihm dieselben auf den Continent nachzu- 
schicken, weil er des herannahenden Aequinoctiums wegen seine 
Rückfahrt dahin beeilte, um sich mit seinen wenig haltbaren Schiffen 
der stürmischen Jahreszeit nicht aussetzen zu müssen. So wie daher 
geeignetes Wetter eintrat, Hess er kurz nach Mitternacht die Anker 
lichten, und erreichte mit allen Schiffen wohlbehalten das Festland. 
Nur zwei Transportschiffe vermochten nicht in die nämlichen Häfen 
wie die übrigen einzulaufen, sondern wurden etwas zu südlich ge- 
trieben, so dass sie wahrscheinlich erst in der kleinen Bucht von 
le Chatelet die gallische Küste erreichten, von wo aus die ungeßhr 
300 Soldaten, also zwei Manipeln, starke Bemannung ') der beiden 
Schiffe nach ihrer Landung dem römischen Lager zu marschirten. 

Die in jener Gegend wohnenden Moriner hatten sich, als Cäsar 
nach Britannien aufbrach, keine Feindseligkeiten mehr erlaubt, jetzt 
aber von Beutelust ergriffen, trat ein Haufe derselben den beiden 



1) superioribus diebus. lY, 35. Nur in den ersten Tagen der Landung 
waren die Britannier zurückgeschlagen worden. Vergl. IV, 26. neque longius 
proeeqoi potuerunt, quod equites .... insulam capere non potuerant. 

2) legiones in ade pro castris constituit. IV, 85. Cäsar sagt hier nicht, 
ob er mit seinem Heere eine »acies simplez, duplex« oder »triplex« formirte, 
weil es sich von selbst versteht, dass ein Heer von nicht mehr als zwei Le- 
gionen keine andere als eine acies simplex bilden durfte. Es waren aber 
demungeachtet jedenfalls drei Treffen aufgestellt. 

3) Yergl. Anmerkung Seite 128. 



140 

Manipeln auf ihrem Marsche entgegen, umringte sie, und drohte 
sie niederzuhauen, wenn sie die Waffen nicht strecken würden. An- 
fangs war ihre Zahl noch gering, als aber die Homer sich in ein 
Carr^ ') formirten und sich vertheidigten, da strömten schnell vom 
Kriegsgeschrei herbeigerufen 6000 Moriner zusanmien. 

Sobald Cäsar von diesem Vorfall Meldung erhalten hatte, schickte 
er den bedrängten Manipeln aus seinem — wahrscheinlich bei 
Wissant befindlichen — Lager die ganze Reiterei zu Hilfe. Bis 
zu deren Eintreffen, vier volle Stunden lang, hatten jene dem An- 
dränge der Uebermacht Stand gehalten, und auf das tapferste 
kämpfend, sogar eine Anzahl Feinde getödtet, während ihrer nur 
Wenige verwundet wurden. Jetzt als Cäsars Reiterei auf dem 
Kampfplatze erschien, warfen die Moriner die Waffen fort, ergriffen 
die Flucht, und viele wurden niedergehauen. 

Am folgenden Tage entsendete Cäsar Labienus mit den beiden 
aus Britannien zurückgekehrten Legionen gegen die treulos ge- 
wordenen Moriner, und diesmal wurde man ihrer beinahe sänunt- 
lich habhaft, weil die Sümpfe ihres Landes vom letzten heissen 
Sommer eingetrocknet waren, und ihnen keine sichere Schlupf- 
winkel, vne das Jahr zuvor, boten. 

Dagegen konnten Q. Titurius und K. Cotta, welche vor CSsars 
Abgang gegen die Menapier detachirt wurden'), derselben nicht 
habhaft werden, weil sie sich sämmtlich in die dichtesten Wälder 
geflüchtet hatten, und es mussten sich jene beiden Legaten darauf 
beschränken, während C^ars Abwesenheit deren Länder zu ver- 
wüsten, ihre Gehöfte in Brand zu stecken und ihr Getreide abzu- 
schneiden. 

Jetzt, nachdem Cäsar auf das Festland zurückgekehrt war, 
stiessen sie wieder zu ihm, und die Winterlager sämmtlicher Le- 
gionen wurden in das Gebiet der Belgier verlegt. 

Nur zwei britannische Völkerschaften schickten dorthin die 
Geiseln, welche sie versprochen hatten ; alle übrigen unterliessen es. 

Zu Rom wurde f(ir Cäsars Erfolge in diesem Jahre nach E^in- 
treffen seines Berichts ein zwanzigtägiges Dankfest gehalten. 



1) orbe facto. IV, 37. 

2) Vergl. IV, 22. Reliquum exercitum Q. Titurio Sabino et Lucio Aurunculdo 
Cotta legatis in Menapios ducendum dedit. Siehe oben Seite 128. 



141 



Fünftes Buch. 

(Das Jahr 54 v. Chr. oder 700 n. E. R.) 



I. Cäsars Thätlgkeit im Winter dieses Jahres. 

Als Cäsar im Spätherbste des Jahres 55 v. Chr. seine Truppen, 
die bereits ihre Winterquartiere bezogen hatten, verliess, um wie 
gewohnlich den Winter in Italien zuzubringen , befahl er den Le- 
gaten, welche Legionen commandirten , in dieser Zeit die alten 
Schiffe ausbessern und so viel als moglieh neue bauen zu lassen, 
über deren Construction und Grösse er besondere Weisung ertheilte. 
Sie sollten nämlich sämmtlich anstatt mit Segeln, mit Rudern ver- 
sehen werden, damit sie den Zufälligkeiten des Windes weniger 
ausgesetzt wären; und sollten niedriger, als die damals im mittel- 
ländischen Meere gebräuchlichen Schiffe gebaut werden, weil er in 
Erfahrung gebracht hatte, dass im Kanal wegen des häufigen 
Wechsels der Strömung die Wellen weniger hoch gingen ^) , und 
weil ein niederer Bord nicht nur die Anwendung der Ruder be- 



1) quod propter crebras commutationes aestuiim minus magnos ibi fiuctns 
cognoverat. Y, I. Erst vor einigen Jahren haben die Engländer über die 
verwickelten Verhältnisse der Strömungen, über Ebbe und Fluth, im Kanal 
ausgedehnte und kostspielige Untersuchungen anstellen lassen. Nach diesen 
Untersuchungen ist der rasche Wecbsel jener Strömungen in der auffallenden 
Erscheinung des im Kanal an gewissen Stellen alle sechs Stunden eintretenden 
Slack Wassers begründet. — Die sich im atlandischen Meer von Südwesten her 
England nähernde Fluth theilt sich nämlich an dessen südwestlicher Spitze, 
und während ein Theil derselben von dort aus östlich ziehend, in den Kanal 
eintritt, umströmt ein anderer Theil die Westseite England» und die Nord- 
spitze von Schottland, verbreitet sich von hier wieder südlich und begegnet 
jenem Theil der Fluth, welcher in den Kanal eingedrungen ist, oder ihn bereits 
durchzogen hat. Da wo die Begegnung statt hat, tritt durch die Interferenz 
der Wellen plötzlich Slackwasser, nämlich ein Umschlag der Stromrichtungen 
ein, indem von der Interferenzlinie aus die beiden Strömungen mit einem 
Male eine ihrer bisherigen Strömung entgegengesetzte Richtung annehmen. 
Siehe die Tafel VlIL, deren Mittheilung ich der Güte des Herrn Hofrath Eisen- 
lohr verdanke, und vergL Philosophical transactions for 1851. Beechj: Report 
npon tidal streams. 

Was jedoch die geringe Höhe der Wellen betrifft, so ist diese nicht eine 
Folge des häufigen Wechsels der Strömung, wie Cäsar anführt, sondern der 
geringen Tiefe des Kanals. 



142 

gQnstigt, sondern auch den Yortheil gewährt, dass man die Schiffe 
schneller beladen und leichter an das Land zu ziehen yermag. Da- 
gegen liess er sie aber etwas breiter anfertigen , als es sonst Ge- 
brauch war, um sie stärker belasten und namentlich mehr Trans- 
portthiere auf ihnen einschiffen zu können. 

Alles für die Ausrüstung nöthige Material sollte aus Spanien 
herbeigeschafft werden ^). 

Nachdem CS^ar in Oberitalien seine Gerichtstage gehalten hatte, 
begab er sich nach lUyrien, weil er hörte, dass eine jener Provinz 
zunächst gelegene Gegend von den Pirusten in räuberischen Ein- 
fallen verheert werde. Dort angekommen legte er den Völker- 
schaften die Stellung von Truppen auf, und bestimmte ihnen einen 
Sammelplatz. 

Als dies die Pirusten erfuhren, schickten sie GesanSte an Cäsar, 
die ihn versicherten, jene Feindseligkeiten seien durchaus nicht von 
der Allgemeinheit ihres Volkes ausgegangen, sondern seien nur das 
Werk Einzelner; sie wollten aber recht gern in jeder Beziehung 
Genugthuung geben. Cäsar hörte ihre Entschuldigung an, und be- 
fahl ihnen, auf einen bestimmten Tag Geiseln zu stellen, mit der 
Erklärung, dass er sie andernfalls feindlich behandeln würde. Die 
Geiseln trafen auf den festgesetzten Termin ein, und Cäsar ernannte 
hierauf ein Schiedsgericht, welches die Grösse des verübten Schadens 
zu schätzen und die hierfür zu leistende Entschädigungssumme zu 
bestimmen hatte. 

Nachdem diese Angelegenheiten geordnet waren, kehrte er 
nach Oberitalien zurück, und brach sodann zum Heere nach Belgien 
auf. Dort angekommen, inspicirte er sämmtliche Winterquartiere ■), 
und verfügte sich hierauf nach den verschiedenen Seehäfen. Die 
daselbst stationirten Truppen hatten, trotz grossen Mangels an 
allem zum Schiffbau nöthigen Material, es dennoch durch ihren 
ausserordentlichen Eifer dahin gebracht, dass ungefähr 600 Schiffe 
nach der vorgeschriebenen Art hergerichtet waren und 28 Kriegs- 
schiffe bereit lagen. Nur wenig fehlte noch, und man konnte sie 
schon nach einigen Tagen vom Stapel lassen. 

Er gab den Soldaten und dem Aufisichtspersonal seine Zu- 

1) Wahrscfaeiolich bestand dies Material aus verschiedenen Metallen und 
Pfriemengras» »fisparto« genannt, aus dem die Römer seit dem zweiten puni- 
schen Kriege die Schiffseile und das ganze Tauwerk anzufertigen pflegten. 
Yergl. Baumstarks üebersetzung. 

2) circuitis omnibus bibemis. lY, 2. 



143 

friedenheit zu erkennen, ertheilte seine weitern Instructionen und 
bestimmte zum allgemeinen Sammelplatze den Hafen Itius, indem 
er erfahren hatte, dass von diesem Punkte aus die Ueberfahrt nach 
Britannien am bequemsten sei, und nur ungefähr 10 Stunden Wegs 
betrage ^). Den Hafen Itius halte ich im Einklang mit Ortelius 
ftlr den Hafen Ton Galais. Er ist derjenige Hafen, aus welchem 
CSsar im Yorhergehenden Jahre seine Reiterei auslaufen Hess, wo- 
bei er die Erfahrung gemacht hatte, dass derselbe zur Ueberfahrt 
der bequemste sei; denn das Missglücken ihrer Ueberfahrt war 
nicht durch den Hafen, aus dem sie auslief, veranlasst, sondern 
durch den plötzlich auc^ebrochenen Sturm, als sie sich Britanniens 
Küste bereits nahe befanden^). Galais und Walmercastle liegen in 
Wirklichkeit auch, CSsars Angabe entsprechend, nahezu 10 Stunden 
W^p oder sechs geogr. Meilen, nämlich 30,000 römische Passus 
auseinander. 

Für die Sicherung der in den verschiedenen Häfen liegenden 
Schiffe, sowie für ihre Verbringung nach dem Hafen Itius Hess 
Cäsar die nöthige Truppenzahl an der Küste zurück ^) , und brach 
selbst mit vier Legionen und 800 Reitern , die jedoch sämmtlich 
kein schweres Gepäck — keine Wagen und keine Lastthiere — 
mit sich fahrten*), nach dem Gebiete der Trevirer auf, weil diese 
bei dem von ihm angeordneten Landtage nicht erschienen waren, 
keinen Gehorsam zeigten, und im Gegentheil — wie man sagte — die 
Germanen des rechten Rheinufers zum Aufstande au£sureizen suchten. 

Unter allen gallischen Volkerschaften hatten die Trevirer nicht 
nur die zahlreichste Reiterei, sondern sie stellten auch viele Fuss* 
truppen , und ihr Land erstreckte sich, wie oben bemerkt, bis an 
den Rhein. Bei diesem Volke stritten sich ehemals zwei Männer 
— Indutiomar und Gingetorix — um die höchste Gewalt. Letzterer 
fand sich auf die Nachricht von Cäsars und seiner Legionen An- 
kunft sogleich bei Cäsar ein, versicherte, er werde mit seiner ganzen 
Partei dem römischen Volke stets treu und ergeben bleiben, und 
theilte ihm sogleich Alles mit, was bei den Trevirern vorging. 

1) quo ex portu commodissimum in Britanniam traieetnm esse cognoverat 
drdter milium passnum triginta a contiiieiiti. V, 2. 

2) Siehe in dieser Beziehung die grössere Anmerkung auf Seite 128. Na- 
poleon III. nimmt für beide Ueberfahrten den Hafen von Boulogne an und 
verlegt die zweite auf den 20. Juli. 

3) huie rei quod satis esse visum est militum reliquit. V, 2. 

4) cum legionibus ezpeditis. V, 2. 



144 

Indutiomar aber rüstete sich zum Krieg, zog Reiterei und Fnss- 
volk zusammen, hiess Alle, welche Alters halber nicht waffenfähig 
waren, in den Ardennenwald flüchten, der von bedeutender Aus- 
dehnung war, und mitten durch das Gebiet der Tervirer hinziehend *) 
sich vom Rhein bis zur remischen Grenze erstreckte. 

Als indessen einzelne Fürsten, theils durch ihr FreundschaftsH 
yerhältniss zu Cingetoriz veranlasst, theils auch durch die Ankunft 
des romischen Heeres in Schrecken gesetzt, vor Cäsar erschienen, 
tind mit der Erklärung, daes sie ihren Völkern leider nicht zu 
rathen und zu helfen wüssten, in Betreff ihrer personlichen Ver- 
hältnisse Gesuche vorbrachten ; da befürchtete Indutiomar, er mochte 
jetzt ganz allein stehen, und schickte Gesandte an Cäsar, um ihn 
zu versichern, er habe nur deshalb seine Leute nicht verlassen und 
nicht auf den Landtag kommen wollen, um sein Volk leichter in 
Pflichten zu erhalten ; denn wenn der ganze Adel abwesend sei, 
könne das Volk aus Unverstand auf böse Wege kommen. Jetzt 
aber sei das Volk in seiner Gewalt, und mit Cäsars Erlaubniss 
werde er im römischen Lager erscheinen, um sein und seines Volkes 
Geschick unter dessen Schutz zu stellen. 

Cäsar wusste recht gut, warum Indutiomar also sprach, und 
was ihn von seinen Planen abbrachte. Da jedoch zu einem neuen 
Einfall nach Britannien bereits Alles vorbereitet war, wollte er den 
Sommer nicht im Gebiete der Trevirer verbringen müssen. Er 
machte daher Indutiomar die Auflage, mit 200 Geiseln, worunter 
namentlich sein Sohn und alle ^eine Verwandten begriffen sein 
mussten, sich bei ihm einzufinden; und als sie richtig eingetroffen 
waren, sprach er ihm Muth zu und ermahnte ihn treu zu bleiben. 
Dessen ungeachtet berief Cäsar die Fürsten der Trevirer zu sich, 
und bewirkte ihren Anschluss an Cingetorix, indem er jeden einzeln 
und insbesondere dazu aufforderte. 

Die Commentarien sagen, dies habe Cingetorix nicht nur ver- 
dient, sondern es habe auch in Cäsars eigenem Interesse gelegen, 
das Ansehen eines so bewährten Anhängers möglichst zu erhöhen. 
Indutiomar wurde hierüber aber äusserst erbittert, und wenn er 
schon vorher feindselig gegen Cäsar gestimmt war, so steigerte 
dieser Stachel seinen Hass noch mehr. 



1) per medioB fines Trevironim. V, 8. Scheller macht hierher die passende 
Bemerkung, dass unter »medius« nicht immer genau die Mitte zu ver- 
stehen sei. 



145 



II. Cäsars zweiter Einfall in Britannien. 

1. Vorbereitungen zur üeberfahrt. 

Cäsar marschirte hierauf mit seinen Legionen nach dem Hafen 
von Calais *). Hier erfuhr er, dass 60 im Gebiet der Melder — 
der Umgegend von Meaux — gebaute Schiffe vom Sturm verschlagen 
nicht eingetrolfen waren. Die übrigen aber fand er mit allem 
Nöthigen ausgerüstet und zum Auslaufen bereit. Auch seine ganze 
gallische Reiterei, 4000 Pferde stark, sowie Fürsten aus allen 
Völkerschaften trafen dort ein. 

Von den Letztern wollte er nur sehr wenige, in deren Treue 
er keinen Zweifel setzte, in Gallien zurücklassen, die übrigen aber 
als Geiseln mit sich nehmen ; da er besorgte, es möchte ohne diese 
Vorsichtsmassregel während seiner Abwesenheit zu einem Aufstande 
kommen. 

Insbesondere hatte Cäsar beschlossen, den Aeduer Dumnorix in 
seiner Nähe zu behalten; denn er kannte dessen unruhigen Geist, 
seine Herrschsucht, seinen Muth und grossen Einfluss auf die Gallier. 
Dazu kam noch, dass Dumnorix in der Versammlung der Aeduer 
erklärt hatte, ihm werde von Cäsar die Regierung seines Vater- 
landes übertragen werden. Diese Aeusserung verstimmte die Aeduer 
sehr, doch wagten sie nicht, Gesandte an Cäsar zu schicken, um 
ihn zu bitten , sie mit jener Persönlichkeit zu verschonen. Eine 
Thatsache, welche Cäsar von seinen Gastfreunden erfuhr. 

Dumnorix suchte zuerst alle mögliche Gründe hervor, warum 
er nicht mit nach Britannien gehen könne; als er aber sah, dass 
dies alles nichts helfe, begann er die anwesenden Fürsten aufzu- 
wiegeln, sie sollten den Continent ja nicht verlassen; Cäsar wolle 
sie nur deshalb nach Britannien schleppen, um sie daselbst zu 
todten. Im Angesichte Gallien 's wage er dies nicht. Endlich suchte 
er eine eidliche Verpflichtung unter ihnen zu Stande zu bringen, nach 
gemeinschaftlichen Beschlüssen die Interessen Gallien's zu fördern. 

Aus Rücksicht auf die ausgezeichnete Stellung, welche er dem 
Volke der Aeduer ertheilt hatte , wollte er Dumnorix auf jede nur 
mögliche Weise vom ferneren Erfolg seines Treibens abbringen und 
abschrecken ; als er aber sah, dass dessen Verfahrenheit immer weiter 
ging, musste er sich und das allgemeine Beste gegen Schaden sichern. 

1) ad portam Itium. V, 5. 

T. OOler, Cäsan gaUitoher Krieg. II. A^fl.. 10 



146 

25 Tage war Cäsar genothigt, im Hafen Itius liegen zu bleiben, 
weil der in jener Gegend gewöhnlich sehr lang andauernde Nord- 
westwind *) die üeberfahrt nach Britannien verhinderte. In dieser 
Zeit gab er sich alle Mühe, Dumnorix an sich zu fesseln, suchte 
jedoch zugleich auch dessen Absichten genauer kennen zu lernen. 

Endlich trat günstiges Wetter ein, und er befahl seinen Truppen 
sich einzuschiffen. Während nun aller Sinn und Gedanken nur 
auf die Einschiffung gerichtet war, und auch sämmtliche Reiter- 
abtheilungen zur Besteigung der Schiffe sich in Marsch setzten, 
wurde es Dumnorix möglich, mit der Beiterei der Aeduer ohne 
Gäsars Wissen anstatt den Weg nach dem Hafen, den Weg nach 
seiner Heimath einzuschlagen. 

Sobald Cäsar jedoch hiervon Meldung erhalten hatte, verschob 
er das Auslaufen der Flotte, und sendete einen grossen Theil seinei- 
Reiterei ab, um den Flüchtling zu verfolgen und ihn wieder ein- 
zubringen. Dumnorix wurde eingeholt, und da er sich zur Wehr 
setzte, niedergehauen; seine Reiter kehrten aber sämmtlich zu 
Cäsar zurück. 

Nunmehr beorderte (^sar seinen Legaten Labienus mit drei 
Legionen und 2000 Reitern auf dem Festlande zu verbleiben , um 
den Hafen zu schützen, den Nachschub an Getreide zu besorgen *), 
und ihn in steter Kenntniss von den Vorgängen in Gallien zu er- 
halten ; im üebrigen sollte er nach Zeit und Umständen seinen^ 
eigenen Ermessen gemäss handeln. 

2. üeberfahrt und Landung. 

Nun erfolgte die Üeberfahrt, welche die Commentarien nur 
mit kurzen Worten schildern, die aber so genau bezeichnend sind, 
dass, wenn man sie mit den *^'*^-ömungsverhältnissen des Kanals zu- 
' sammenhält, welche in der Anmerkung auf Seite 141 aufgeführt 
wurden, sich die üeberfahrt ohne Schwindelei folgendermassen näher 
beschreiben lässt: 

Cäsar selbst lichtete mit fünf Legionen und 2000 Reitern gegen 
Sonneuntergang zu Calais die Anker*); es mochte Abends 8 ühr 
und drei Stunden vor Hochwasser in Dover sein (siehe Tafel VIIL 
Fig. 6). Die Strömung ging unter diesen Verhältnissen in jener 



1) Corus ventus. V, 7. 

2) ut . . . . rem frumentariam provideret. V, 8. 
'd) ad soiis occasum naves solvit V, 8. 



147 

Stunde bei Calais von Nordost gegen Südwest und zugleich blies 
ein gelinder Südwestwind ^). Durch das Parallelogramm dieser beiden 
sich nicht direct entgegenwirkenden Kräfte wurden seine Schiffe nord- 
westlich gegen Britannien getrieben. Gegen Mitternacht aber, etwa 
um eilf ühr, trat Windstille ') und Slackwasser ein, nach welch' letz- 
terem sich die Strömung plötzlich in eine nordöstliche verwandelte 
(siehe Tafel VIII. Fig. 1.). Die Flotte konnte daher ihren nord- 
westlichen Lauf nicht mehr einhalten *) , sondern wurde ziemlich 
weit gegen Nordosten verschlagen, so dass sie mit Sonnenaufgang 
die britische Küste — Nordforeland — links hinter sich erblickte *). 
Morgens fünf Uhr aber trat wiederum Slackwasser ein, die Strom- 
ricbtung änderte sich ^) in eine südwestliche um, (siehe Tafel VIII. 
Fig. 7.) und dieser folgend erreichte die Flotte mit Hilfe der Ruder 
endlich jenen Punkt der Insel , welcher nach der Erfahrung des 
vorigen Jahres die beste Landung gewährte. 

Hier bewiesen die Soldaten, welche auf den schwerfälligen 
Lastschiffen •) fuhren , eine solche lobenswerthe Ausdauer , dass sie 
durch ununterbrochenen Ruderschlag sogar hinter den Kriegsschiffen 
nicht zurückblieben. 

Als die ganze Flotte gegen Mittag die britische Küste erreichte, 
waren dortselbst keine Feinde zu erblicken. Sie waren dort zwar 
in grossen Heerhaufen versammelt gewesen, hatten sich aber, vom 
Anblick der mächtigen Flotte erschreckt bereits landeinwärts ge- 
zogen, um in den höher gelegenen Gegenden Sicherheit zu suchen. 
Es kamen ihnen nämlich die Schiffe vom vorigen Jahre und solche, 
welche sich Einzelne zu ihrer Bequemlichkeit hatten bauen lassen, 
mehr als 800 Schiffe, gleichzeitig in Sicht. 

Cäsar schiffte sein Heer aus, und besetzte ein für das Li^er 
geeignetes Terrain ''). Dies kann nur der dünenartige Höhenrücken, 
gewesen sein, auf welchem gegenwärtig, ungefähr 1200 Schritte 
von der Küste entfernt, der Flecken Walmer erbaut ist ®). 

1) leni Africo. V, 8. 

2) media cirdter nocte vento intermisso. V, 8 
8) corsum non tennit. V, 8. 

4) orta luce sab sinistra Britanniam relictam conspexit. V, 8. 

5) Tum rursus aestus commatationem etc. Y, 8. 

6) vectoriis gravibusque navigiis. V, 8. 

7) loco castris idoneo capto. V, 9. 

8) Vergl. die grosse topographiscne Karte von Frankreich, Blatt Calais. 
Aach nach Die Gassius VL. 1, landete Cäsar nach seineu beiden Ueberfahrten 
an ein und derselben Stelle. 

10* 



148 



3. Operationen und Kämpfe. 

Nachdem Cäsar von Gefangenen die Oertlichkeit der feind- 
lichen Stellung in Erfahrung gebracht hatte, liens er 10 Cohorten 
und 300 Reiter als Bedeckung für die Schiflfe am Meere zurück*), 
und setzte sich mit den übrigen Truppen gleich nach Mittemacht *) 
gegen den Feind in Marsch. 

Für seine Schiflfe war er um so weniger besorgt, als dieselben 
an einem oflPenen und aus weichem Sande bestehenden Strande vor 
Anker lagen'), und nebst ihrer Bedeckung unter das Conmiando 
des Quintus Atrius gestellt waren. 

Cäsar rückte während der Nacht ungefähr vier Stun3en Wegs 
vor*), gelangte daher mit Tagesanbruch in der Nähe von Sturry 
an die grosse Stour ^) und wurde hier die Feinde ansichtig, welche 
mit ihrer Hauptmacht die waldigen Höhen auf dem linken Ufer 
jenes Flüsschens besetzt hatten. 

Von dieser hohem Stellung begünstigt unternahmen es die 
Britannier, ein weiteres Vorrücken der Römer zurückzuweisen, und 
engagirten das Gefecht, indem sie ihre Reiterei und ihre Wj^en- 
streiter gegen die Stour vorrücken Hessen ®). Sie wurden jedoch 
von der römischen Reiterei geworfen , und zogen sich in die auf 
den Höhen befindlichen Wälder zurück. Dort hatten sie ein Terrain 
erreicht, das nicht nur durch seine natürliche Beschaffenheit, sondern 
auch durch Verschanzungen ausserordentlich vertheidigungsfähig 



1) cohortibus decem ad mare relictis. V, 9. Cäsar scheint, nach dieser 
Ausdruckweise zu schliessen, von jeder seiner fünf Legionen je zwei Cohorten 
zurückgelassen zu haben; denn wenn jene zehn Cohorten gerade die einer 
und derselben Legion gewesen wären, so würde er gewiss »una legione relicta«, 
anstatt obigen Ausdrucks , gesetzt haben. Er mag bei dieser Gelegenheit 
wohl der Rücksicht, dass eine jede Legion bei Bewachung der Schiffe und des 
gemeinschaftlichen Eigenthums sich gehörig vertreten musste, die taktischen 
Rücksichten nachgesetzt haben. 

2) de tertia vigilia. V, 9. 

3) in litore molli atque aperto. V, 9. Diese Charakterisirung des Strandes 
passt gewiss nicht auf Dover, was gewöhnlich als Cäsars Landungsplatz an- 
geführt wird, sondern auf Walmercastle. 

4) ipse noctu progressus milia passuum cirdter XIL V, 9. 

5) Napoleon 11 [. nimmt dagegen Kingston an, weil Sturry 15 anstatt 
12 Meilen von der Küste entfernt liegt, und die grosse Stour an der be- 
treffenden Stelle für Reiterei zu schwer passirbar sei. 

6) ad flumen progressi ex loco superiore nostros prohibere et proelium 
committere coeperunt. V, 9. 



149 

war ') , und schon früher eines einheimischen Krieges wegen be- 
festigt worden zu sein schien ; denn alle Zugänge zu dieser Stellung 
waren durch dichte Verhaue verbarrikadirt ■). 

Nach dem weitem Inhalt der Commentarien lässt sich schliessen, 
dass der Saum des Waldes, wenigstens an den von Natur nicht 
festen Stellen, mit einem Walle umschlossen war'). 

Den befestigten Waldsaum hatten die Britannier in zerstreuter 
Aufstellung besetzt, warfen von dort aus ihre Geschosse, und Hessen 
die Körner in die Yerschanzungen nicht eindringen*). 

Nun formirten aber die Soldaten der siebenten Legion eine 
»Testudo«, tragen unter deren Schutz gegen den Wall einen Damm 
auf und bemächtigten sich der feindlichen Stellung^). 

Sie jagten hierauf die Britannier, ohne grosse Verluste zu er- 
leiden, aus dem Walde hinaus. Den Feind weiter zu verfolgen, 
gestattete Cäsar aber nicht, weil er über die Beschaffenheit des 

1) locmn nancü egregie et natura et opere munitum. V, 9. 

2) crebris arboribus succisis. Y, 9. 

3) Yergl. Y, 21. Oppidum Britanni autem vocant, cum silvas impeditas 
vallo atque fossa munierunt. 

4) ipsi ex silvis rari propugnabant , nostrosque intra munitiones ingredi 
prohibebant. Y, 9. 

5) testudine facta et aggere ad munitiones adiecto. Y, 9. Eine Testudo 
von Zimmerwerk anfertigen heisst: testudinem p arare. Wie durch Bildung 
einer Testudo und durch Aufwerfen eines Dammes die Eroberung einer Yer- 
schanzung besonders befördert wurde, darüber ist wohl keine authentische 
Angabe vorhanden. Als Hypothese möchte ich aber Folgendes aufstellen: 

Die Soldaten standen bekanntlich im Gliede nicht Arm an Arm ge- 
schlossen! sondern hatten sechzehn Zoll Intervalle unter einander, so dass im 
Kampfe durch diese Intervallen sich die Leute der hintern Glieder vor und 
wieder zurückziehen konnten. Zur Bildung der Testudo hielten die Soldaten 
ihre Schilde Über die Köpfe und deckten, da die Schilde vier Fuss lang waren 
nicht nur sich selbst, sondern auch die Intervalle zwischen sich und dem 
Nebenmanne. Durch diese gegen die feindlichen Geschosse gedeckten Inter- 
vallen liefen nun die zum Aufwerfen des Dammes bestimmten Arbeiter vor, 
und reichten sich die Rasen oder Reisigbündel, mit denen der Damm ge- 
bildet wurde, von Hand zu Hand, während die an der Queue befindlichen 
Arbeiter dieses Material von andern Arbeitern erhielten, welche sich ausser- 
halb der feindlichen Wurfweite befanden. (Yergl. S. 111.) Auf diese Weise 
konnte entweder blos der Graben der feindlichen Yerschanzung dammartig 
ausgefüllt oder auch der Damm sogar rampenartig so vor den Wall gelegt 
werden, dass dessen Ersteigung sehr erleichtert wurde. (Yergl Bartoli, 
Colonna Trajani Fl. 50.) Ammian XX. 11. (23) erzählt von einem Damm, 
welcher gegen Bezabde errichtet wurde, und zu dem man auch Baumzweige, 
Binsen und Schilf verwendete. 



150 

Terrains noch keine Kunde hatte, und der Tag schon so weit vor- 
gerückt war, dass er die übrige Zeit desselben für die Befestigung 
seines Lagers verwenden wollte, das in der Nähe von Canterbury 
und zwar etwa auf der Höhe nordöstlich von dieser Stadt gelegen 
haben mochte. 

In der Frühe des folgenden Morgens beorderte er seine Truppen 
— Fussvolk und Reiterei — in drei g'etrenn ten Colonnen ') zu 
einem Streifzuge, um den flüchtigen Feind zu verfolgen. 

Als seine Colonnen eine Strecke Weges vorgerückt waren, und 
man bereits die feindliche Nachhut ansichtig wurde, da trafen von 
Quintus Atrius gesendete Reiter mit der Meldung bei Cäsar ein, 
dass durch einen furchtbaren Sturm in der vergangenen Nacht bei- 
nahe alle Schiflfe beschädigt und an die Küste geworfen worden 
seien. Es hätten nämlich weder die Anker noch die Taue gehalten, 
noch seien die Matrosen und Steuerleute der Gewalt des Sturmes 
Meister geblieben, so dass durch das Anprallen der Schiffe an ein- 
ander die Flotte grossen Schaden erlitten habe. 

Auf diese Nachricht hin Hess Cäsar seine drei Colonnen — die 
Legionen und die Reiterei — zurückrufen, und zwar mit der Weisung, 
das Lager an der Stour nicht zu beziehen, sondern im Marsche zu ver- 
bleiben, bis sie den Landungsplatz erreicht haben würden. Er selbst 
kehrte für seine Person *), den Truppen vorauseilend, dahin zurück. 



1) tripartito. Y, 10. Hätten sich die drei Colonnen nicht auf verschiedenen 
Wegen, in taktischer Beziehung unabhängig von einander, in Marsch gesetzt, 
sondern wären die drei Heerestheile, wenn auch besondere Colonnen bildend, 
doch um sich gemeinschaftlich mit dem Feinde zu schlagen, während 
des Marsches in taktischer Verbindung geblieben, so würde Cäsar nicht den 
Ausdruck »tripartito« gewählt, sondern »acie triplici« gesetzt haben. Vergl. 
Anhang II. § 4. 

2) Die an dieser Stelle gebräuchliche Lesart: »legiones equitatumque 
revocari atque in itinere resistere (auch itinere desistere) iubet, ipse ad naves 
revertiturc V, 11. ist offenbar verdorben. Die Conjunction »atque« bezeichnet 
bekanntlich (vergl. Kärchers Lexicon), dass der nachfolgende Satz eine gewisse 
Steigerung des vorhergehenden enthält. In dem hier vorangehenden >revocare« 
liegt aber mehr, als in »resistere oder desistere«. Denn im Zurückrufen liegt 
bereits der Begriff, dass die Truppen nicht nur Halt machen oder den Marsch 
aufgeben, sondern dass sie sogar zurückmarschiren sollen. Das »in itinere 
resistere«, das Eöchly mit »etwaige Angriffe des Feindes nur abzuweisen, 
ohne den Marsch einzustellent gibt , ist wohl etwas zu frei übersetzt , denn 
es wird dadurch namentlich eine Beschränkung in diesen Satz gelegt, welche 
der lateinische Text nicht enthält. 

Auch würde Cäsar, wenn er den von Köchly aufgenommenen Gedanken 



151 

Hier überzeugte er sich, dass sich Alles uahezu so verhielt, 
wie es ihm durch die berittenen Ordonnanzen und die schriftliche 
Meldung des Atrius ') berichtet wurde, dass nämlich etwa 40 Schiffe 
wirklich zu Grunde gegangen waren, die übrigen jedoch, wiewohl 
mit grosser Arbeit, wieder hergestellt werden konnten. 

Die von Cäsar zurückgerufenen Truppen vermochten, da sie 
von der Stour bis zum Landungsplatz einen Marsch von nur vier 
Stunden hatten, noch am Abend des nämlichen Tages daselbst ein- 
zutreffen. Nach deren Ankunft zog er aus den Legionen die Werk- 
leute heraus *) und liess auch noch andere vom Continente herbei- 
kommen. Ferner schrieb er an Labienus, er solle von den unter 
seinem Commando stehenden Legionen so viel als möglich Schiffe 
ausrüsten lassen. Was ihn selbst betraf, so hielt er für das Zweck- 
massigste, vor einer grossen Arbeit und Mühe nicht zurückzu- 
schrecken , nämlich alle seine Schiffe aus dem Wasser ziehen und 
sie nebst dem Lager mit einer und derselben Yerschanzung ein- 
hätte ausdrücken wollen , sich nicht so unvollständig geäussert , sondern 
etwa: atque, cum hostes aggrederentur , non intermisso itinere resisterec ge- 
setzt haben. 

Da endlich aus dem spätem Inhalt der Erzählung mit Sicherheit zu 
schliessen ist, dass sämmtliche Legionen an den Strand zurückkehrten, die 
nothwendige ausdrückliche Angabe des Marsches dahin aber in den Commen- 
tarien nirgends zu finden ist , so glaube ich , dass diese Angabe in dem vor- 
liegenden verdorbenen Satze lag, und dilse Stelle ursprünglich folgender- 
masaen hiess: legiones equitatumque revocari atque in itinere persistere 
iubet ad naves, ipse revertitur. — Dittenberger schreibt in der Eraner*schen 
Ausgabe : et itinere desistere iubet, während Heller die Leseart »et in itinere 
resistere iubetc vertheidigt. Er sagt (Philologus XXX 536): Wenn die Le- 
gionen von den, wie Cäsar mit Recht vermuthen musste, sich aus der Flucht 
wieder sammelnden Feinden so schnell wie möglich zurückgegangen wären, 
ohne die Neckereien derselben zurückzuweisen, so würde das für die Britannier 
sehr ermuthigend gewirkt und ihnen einen um so grösseren Eifer im Wider- 
stand und eine um so grössere Hoffnung auf den schliesslichen Sieg einge- 
flösst haben. Deshalb befahl Cäsar, sie sollten, bei einem Angriff der Feinde 
sich nicht über Hals und Kopf, sondern immer fechtend in's Lager zurück- 
ziehen (etwa wie von der Tann vor Orleans); und das heisst in itinere resistere. 

1) ex nuntiis litterisque. ¥,11. 

2) ex legionibus fabros deligit. V, 11. Da Cäsar hier von mehreren Le- 
gionen spricht, während er 10 Cohorten, als die Stärke nur einer Legion 
bei den Schiffen zurückgelassen hatte, so geht daraus hervor, dass, wie wir 
soeben behaupteten, die Truppen, welche in drei Colonnen zur Verfolgung 
des Feindes abgesendet waren, nach ihrer Zurückberufung wirklich bis zum 
Meere zurückkehrten. Vergl. die in der Anmerkung 4. Seite 152 enthaltene 
Angabe des Dio Cassius. 



152 

schliessen zu lassen. Hierzu brauchte er zehn Tage Zeit, obgleich 
die Soldaten Tag und Nacht arbeiten mussten. 

Als die Schiffe auf das Land gezogen und nebst dem Lager ausser- 
ordentlich stark verschanzt waren, liess er die zehn C!ohorten, welche 
er schon beim ersten Abmärsche als Bedeckung der Flotte zurück- 
gelassen hatte ^), wieder daselbst zurück, und setzte sich von Neuem 
nach dem Flüsschen Stour in Marsch '). Dort angekommen , fand 
er bereits grössere Streitmassen der Britannier, die sich von allen 
Seiten her gesammelt und den Oberbefehl über ihre Macht dem 
Gassivellaunus übertragen hatten, dessen Gebiet durch die Themse 
von den Küstenländern getrennt wurde, und ungefähr 27 Stunden 
vom Meer entfernt lag'). 

Während des Marsches vom Landungsplatze an die Stour ^) 
schlugen sich die feindlichen Reiter und Wagenstreiter voll Er- 
bitterung mit der römischen Reiterei; doch behielt die letztere 
überall die Oberhand und trieb ihre Gegner in die Wälder jenseits 
der Stour und auf die dortigen Hügel zurück. Sie tödteten ihrer 
eine Anzahl; weil sie aber zu hitzig verfolgten, verloren auch sie 
Einige der Ihrigen. 

Als etwas später die Legionen auf dem linken Stour-Üfer ein- 
getroffen mit der Befestigung des Lagers beschäftigt waren, vielleicht 
nur die Verschanzungen ihres frühern Lagers daselbst wieder her- 
stellten und sich keiner Feindseligkeiten versahen^), stürmte die 
britannische Reiterei mit ihren Wagenstreitem plötzlich aus den 
Wäldern hervor, griff die vor dem Lager aufgestellten Vorposten 
an ®) und kämpfte mit grosser Erbitterung. 



1) easdem copias, quas ante. V, 11. 

2) eodem, unde r edier at. V, 11. 

3) circiter milia passuum LXXX. V, 11. Cäsar gibt liier nicht die directe 
Entfernung der Themse von dem Canal an, sondern die Länge des Weges, 
welchen er zurücklegte, um sie — wie später erzählt wird — za überschreiten. 

4) in itinere. V, 15. Cäsar hat im 12., 13. und 14. Kapitel der Commen- 
tarien eine Beschreibung Britanniens eingeschaltet, und kehrt erst im 15. 
Kapitel zur Erzählung der Kriegsereignisse zurück, ohne jedoch den Text an 
den vorhergehenden deutlich anzuknüpfen. Dio Cassius gibt (lib. XL. cap. 2) 
eine Ergänzung desselben, indem er erzählt: Cassivellaunus sei nach Cäsars 
Bückzug in sein Lager an der Küste gegen dasselbe angerückt, und Cäsar 
ihm sodann entgegen gezogen. 

5) intermisso spatio imprudentibus nostris atque occupatis in munitione 
castrorum. V, 15. 

6) qui erant in statione pro castris collocati. V, 15. 



153 

OUiar schickte zwei Cohorten und zwar die ersten Cohorten 
zweier Legionen *) seinen Vorposten zu Hilfe. Kaum aber hatten 
sich diese Cohorten mit ganz geringer Intervalle neben einander 
aufgestellt, da brachen feindliche Reiter und Wagenstreiter mitten 
durch sie hindurch, und zogen sich ohne Verlust wieder zurück. 
Da diese Kampfweise den Hörnern immer noch neu und ungewohnt 
war, so geriethen sie in grosse Bestürzung, und erst nachdem noch 
einige Cohorten am Gefechte Antheil genommen hatten, wurden 
die Feinde zurückgewiesen. 

Bei diesem Gefecht, das im Angesicht des ganzes Heeres und 
gerade vor dem Lager stattfand, trat es sehr deutlich hervor, dass 
die römischen Legionarsoldaten ihrer schweren Bewaffnung wegen 
einem derartigen Gegner gegenüber nicht recht brauchbar waren. 
Denn sie konnten dem flüchtigen Feinde, wenn er sich zurückzog, 
in geschlossenen Gliedern nicht folgen, und doch wagten sie es 
nicht, sich zu diesem Zwecke aufzulösen. 

Auch die römische Reiterei konnte nur in sehr nachtheiligeni 
Verhältnisse ^ den Kampf gegen die mit ihrer Reiterei verbundenen 
Wagenstreiter bestehen, da diese beiden Waffen sehr oft absichtlich 
wichen, und wenn sie die römische Reiterei von den Legionen hin- 
weggelockt hatten, die Wagenstreiter von ihren Wagen herab- 
sprangen und ihrer Reiterei als Fussvolk zur Seite standen. Indem 
sie auf diese Weise sich unterstützten, kamen ihnen die Vortheile 
eines Kampfes mit verbundenen Waffen zu gut*), während dieser 
Vortheil den von ihrem Fussvolke entfernten römischen Reitern 
al^ing. 

Dieses Zusammenwirken der Reiterei und der Wagenstreiter hat 
Cäsar wohl angedeutet, wenn er sagt: Der Gefechtsmechanismus 
der (britischen) Reiterei war aber der Fechtweise ihrer Wagen- 
streiter, ob sie wichen oder verfolgten, entsprechend (par) und brachte 
die römische Reiterei gerade in jenes nachtheilige Verhältniss *). 

1) atque bis primis legioniim duarum. V, 15. Die ersten Cohorten der 
Legionen zählten besonders tüchtige Leute, und ihnen war als Feldzeichen 
der Adler anvertraut. 

2) magno cum periculo. V, 16. 

8) pedibus dispari proelio contenderent. Y, 16. 

4) equestris autem proelii ratio et cedentibus et insequentibus par, atque 
idem periculum inferebat. V, 16. 

Aus obiger Darstellung geht wohl klar hervor, wie militärisch wenig 
richtig Vossius urtheilte, wenn er über diese Stelle sagt : > Ambigebat Glareanus 



1 



154 

Die Britannier traten auch niemals in Massen, sondern zer- 
streut in grossen Intervallen *) zum Gefechte auf, und hatten ünter- 
stützuQgstrupps ') hinter sich aufgestellt, so dass sie sich einander 
ablösten , und immer wieder frische und unermüdete Truppen an 
die Stelle der erschöpften traten. 

Tags darauf hatten sich die Britannier fem vom Lager, auf 
den gegenüber liegenden Hügeln aufgestellt, zeigten sich jedoch 
nur da und dort, und begannen die zu ihrer Beobachtung entsendete 
Reiterei, übrigens mit weniger Nachdruck, als Tags zuvor, zu 
harceliren *). Gegen Mittag aber, als Cäsar drei Legionen und seine 
ganze Reiterei unter dem Commando des Legaten Gajus Trebonius 
auf Fouragirung ausgesendet hatte, stürmten sie plötzlich von allen 
Seiten gegen die Soldaten, welche sich zum Einsammeln der Lebens- 
mittel zerstreuen sollten*), heran, so dass diese sich von ihren 
Feldzeichen oder Legionen nicht entfernen konnten *). 

Mit einem ungestümen Angriff trieben die Legionen den Feind 
zurück; während sie aber sonst die Vervollständigung des Sieges 
der Reiterei allein überliessen, rückten sie diesmal nach, und nahmen 
an der Verfolgung so lange Theil, bis ihre Reiterei voll Vertrauen 
auf ihre Unterstützung die Feinde kopfüber vor sich herjagte*). 



de Britannis, Romanis, an utrisque Caesar loqiiatur. Sed nuUa hie difficoltas 
est. Nam equestre proelium proprie hie aceipiendum : nempe nbi utrimqne 
equis coneurritur, alioque frustra bonum hie sensum quaeras. Saue sie et 
Graecus intellexit.« Aber auch bis in die neueste Zeit, auch von Köchly und 
Büstow, wurde dieser Satz wohl nicht richtig aufgefasst ; sie übersetzen : »Da 
aber der Feind auch die Unterst üzung seiner Kelterei hatte, so war fiir die 
unsrige die Gefahr immer dieselbe, mochte sie vorgehen oder zurückgehen.« 
— Unter den »cedentibus et insequentibus« können nur die Wagenstreiter 
verstanden werden. Vergl. Anm. S. 137. 

1) numquam conferti, sed rari magnisque intervallis. V, 16. 

2) stationes, V, 16. bezeichnet bier die Unterstützungstrupps, ähnlich wie es 
bei den Vorposten die Feldwachen und sodann auch die Vorposten selbst bedeutet. 

3) lenius quam pridie lacessere coeperunt. V, 17. 

4) ad pabulatores. V, 17. 

5) sie uti ab signis legionibusque non absisterent. V, 17. — Ditten- 
b e r g e r s Coigunctur »sie ubi ab signis legionibusque (non) absisterent« weist 
Heller mit Recht »als eine ganz unberechtigte Aenderung und sowohl der 
Sache als dem Ausdruck nach verfeblt« zurück. 

6) nostri acriter in eos impetu facto repulerunt, neque finem sequcndi 
fecerunt, quoad subsidio confisi equites, cum post se legiones viderent, prae- 
cipites hostes egerunt. V, 17. Onosander führt an, dass ein aus Reiterei und 
FussYolk bestehendes Corps vorwärts aufgestellt die Fouragirer zu decken 
habe. (Vergl. Guischard^s Uebersetzung.) 



155 

viele derselben niederhieb, und ihnen keine Zeit liess, sich zu 
sammeln , festen Fuss zu fassen oder von den Streitwagen herab- 
zuspringen. 

Unmittelbar nach dieser Flucht ') gingen sammtliche Hilfs- 
Yolker des Feindes, welche von allen Seiten zusammengeströmt 
waren, auseinander, und von jener Zeit an lieferte die vereinigte 
Macht der Britannier Cäsar kein Gefecht mehr. 

Sie hatten nämlich beschlossen, gegen Cäsar nur noch einen 
kleinen Krieg zu fahren, worauf dieser, der ihre Absicht bald erkannt 
hatte, sein Heer in das Gebiet des Cassivellaunus an die Themse 
fährte, welche zu Fuss nur auf einer Strecke, und dort kaum, 
Oberschritten werden konnte. Dort — unzweifelhaft bei Kingston *) 
— angelangt, bemerkte er auf dem jenseitigen Ufer eine grosse 
feindliche Streitmacht in Schlachtordnung aufgestellt. Das Ufer 
jener Flupsstrecke war, um ihre Ueberschreitung zu erschweren, und 
somit ihre Vertheidigungsfähigkeit dem Ufer des übrigen Flusses 
zu nähern , mit spitzigen Sturmpfählen *) verstärkt , und ähnliche 
Pfahle waren auch in das Flussbette eingetrieben, jedoch so, dass 
sie der Wasserspiegel bedeckte und dem Auge entzogt). 

Diesen Umstand erfuhr Cäsar von Gefangenen und Ueber- 
läufem. Er sendete daher zuerst seine Reiterei gegen den Feind, 
indem er sie an der zunächst gelegenen zwar tiefern, aber nicht 
verbarrikadirten Flussstelle schwimmend übersetzen, und durch ihren 
Angriff den gleich darauf begonnenen Uebergang der Legionen so 
protegiren liess, dass dieselben Zeit gewannen, jene Pfähle zu be- 
seitigen ^). 

Die Legionarsoldaten drangen, obgleich das Wasser ihnen bis 
an den Hals ging, dennoch mit solcher Schnelligkeit und solchem 
Ungestüm vor, dass die Feinde dem vereinten Angriff der Legionen 



1) ex hac fuga protinus. V, 17. 

2) Von der Stelle, an welcher Cäsar die Themse überschritten, behauptet 
Napoleon III., dass sie sich nicht bestimmen Hesse; vermuthet sie aber 
eher bei Sunbury, 6 Kilometer westlich von Eingston, weil an letzterem Orte 
niemals eine seichte Furt bestanden habe. 

3) acntis sudibus. V, 18. 

4) sub aqua defixae sudes flumine tegebantur. V, 18. 

5) Nnr auf diese Weise kann die Stelle der Gommentarien »praemisso 
eqnitatu confestim legiones subsequi jussit« verstanden werden. Denn über 
die Sturmpfähle und die Estakate konnte die Reiterei keineofalls hinweg- 
schwimmen oder gar hinwegsetzen. Vergl. Bösch's Commentar, S. 256. 



156 

und der Reiterei nicht Stand zu halten vermochten, sondern die 
Ufervertheidigung aufgaben, und sich der Flucht überliessen "). 

Nachdem Cassivellaunus alle Hoffnung, den Römern die Spitze 
bieten zu können, aufgegeben hatte, entliess er den grössten Theil 
seiner Truppen, behielt nur ungefähr 4000 Wagenstreiter, denen 
unzweifelhaft auch die dazu gehörende Zahl an Reiterei zugetheilt 
war, bei sich*), und beschrankte sich darauf, die Märsche Casais 
zu beobachten. Er bog von der Strasse etwas ab, und verbarg sich 
in coupirtem und. waldigem Terrain '), 

Dazu liess er in den Gegenden, durch welche den ihm zuge- 
kommenen Nachrichten gemäss Cäsar seine Marschrichtung nehmen 
wollte, das Schlachtvieh und sogar die Menschen von den Ländereien 
hinweg in die Wälder treiben; und wann sodann die römische 
Reiterei verheerend und Beute machend sich etwas dreister auf 
jenen angebauten Districten ausbreitete^), so brachen auf allen 
Wegen und Stegen seine Wagenstreiter aus den Wäldern hervor und 
stürzten über sie her. Da sich hiedurch die römische Reiterei jedes- 
mal in dem oben erläuterten nachtheiligen Eampfverhältniss befand ^), 
und auf diese Weise den Römern alle grossem Streifeüge unmög- 
lich wurden, so blieb Cäsar nicht« übrig, als seine Reiterei ziem- 
lich nahe bei seiner Legionscolonne zu behalten, und dem Feinde 
durch Verheeren und Niederbrennen eben nur so viel Schaden zu- 



1) Durch die Güte des ausgezeichneten englischen Ingenieurs »Lindley« 
habe ich die Mittheilung erhalten, dass die Themse zwar oberhalb der London- 
Brücke ungefähr 20 — 30 Fuss Tiefe habe, schon nach einer Strecke von einigen 
tausend Füssen sich aber bedeutend zu mindern beginne, so dass nur noch 
ein Schuten -Verkehr daselbst möglich sei, und die Tiefe bei Kingston nur 
3'/» bis 4'/* Fuss betrage. Dieses Maas stimmt daher mit der von Cäsar an- 
gegebenen Wassertiefe seines Uebergangspunktes überein, und auch die Länge 
des Weges von 27 Stunden (LXX milia passuum), welche Cäsar seinem Marsche 
vom Landungsplatze bis an den üebergangspunkt über die Themse gibt, 
spricht dafür, dass der letztere bei Kingston zu suchen ist. 

2) retentis. V, 19. (nach Scaliger). 

3) lodsque impeditis ac silvestribus sese occultabat. V, 19. Aus dieser 
Stelle , sowie aus der nachfolgenden Erzählung , ist zu schliessen , dass die 
Streitwagen der Britannier 1) sehr hohe Bäder hatten, um Unebenheiten leichter 
zu passiren, 2) dass sie sehr schmal construirt und 3) einspännig waren, oder 
höchstens von zwei Pferden, eines vor das andere gespannt, gezogen wurden, 
um auf den möglichst schmalen Wegen fortkommen zu können. 

4) se in agros effnnderet. V, 19. 

5) magno cum periculo nostrorum equitum cum iis confligebat. V, 19. 



\ 



157 

fügen zu lassen, als es das Fussvolk mittelst anstrengender Hin- 
nnd Hermärsche vermochte *). 

Indessen suchten die Trinobanten — die Völkerschaften von 
Essez und Middlessex — am Frieden nach. Cäsar gewährte ihnen 
ihre Bitte unter der Bedingung, 40 Geiseln zu stellen und Lebens- 
mittel zu liefern. 

Diesem Beispiele folgten mehrere benachbarte Völkerstämme, 
imd durch deren Abgeordnete erfuhr er, dass in der Nähe sich die 
von VTaldungen und Sümpfen gedeckte Stadt des Gassi vellaunus 
befinde, und dass ziemlich viele Menschen sich und ihre Heerden 
in dieselbe geflüchtet hätten. 

Die Britannier nannten nämlich einen schwer zu durchdringen- 
den, mit Wall und Graben umschlossenen Wald, der bei feind- 
lichen EünföUen als Zufluchtsort diente, eine Stadt '). 

Nach jenem Orte brach Cäsar mit den Legionen auf, fand ihn 
wirklich durch seine natürliche Beschaffenheit, sowie durch Ver- 
schanzungen ausserordentlich fest, und suchte ihn durch einen An- 
griff von zwei Seiten her zu erobern. Die Feinde konnten dem 
ungestümen Vordringen der Römer nur kurze Zeit Widerstand 
leisten, und flüchteten an einem andern, dem Angriffe entlegenen 
Punkte, aus ihrer sogenannten Stadt. Man fand eine grosse Menge 
Vieh daselbst, und viele Leute wurden auf ihrer Flucht erreicht 
und niedergemacht. 

Während Cäsar auf dem linken Ufer der Themse zu diesen 
Erfolgen gelangte, hatte er sich von seinem Landungsplatze so weit 
entfernt, dass bei seiner verhältnissmässig geringen Truppenzahl 
seine Rückzugslinie nothwendig gefährdet werden musste. Diesen 
Umstand suchte Cassivellaunus zu einer Diversion im Rücken C^ars 
zu benutzen, und schickte nach Cantium — der heutigen Grafschaft 
Kent — welche Cäsar durchzogen hatte, an die dortigen vier Häupt- 



1) noceretur, quantum labore atque itinere legionarü milites efßcere 
poterant. V, 19. Um die Yerwüstnng der zerstreut liegenden Ländereien, 
Ortschaften und Gehöfte auszufuhren, und von feindlichen Reitern und Wagen- 
streitem angefallen, ebenfalls verbundene Waffen entgegen stellen zu können, 
musste römisches Fussvolk während der Streifereien seiner Reiterei zur Seite 
bleiben, wodurch eben jene anstrengenden Märsche nöthig wurden. 

2) oppidum autem Britanni vocant. Y, 21. Nach der Configuration und 
Beschaffenheit des Terrains möchte jener Ort die etwa eine Stunde lange und 
eine halbe Stunde breite, zunächst der Südwestseite von Wendover gelegene 
Höhe sein. Napoleon ni. vermuthet diesen Ort bei St. Albans dem alten 
Venüamiom. 



158 

linge: Cingetorix, Carvilius, Taximagulus und Segovax den Befehl '), 
alle ihre Truppen aufzubieten, das römische Lager an der Küste ^) 
unversehens anzufallen und zu erobern. Als sie ab^r kaum dort 
eingetroffen waren, machte die Besatzung einen Ausfall, todtete 
ihrer viele, und zog sich ohne Verlust wieder ins Lager zurück. 

Cassivellaunus , der nun schon so viele Niederlagen erlitten 
hatte ^) , der sein Gebiet verwüstet und die benachbarten Stamme 
von sich abfallen sah, schickte auf die Nachricht vom unglücklichen 
Ausgang seiner Diversion Parlamentare an Cäsar, um durch die 
Vermittelung des Atrebaten Commius eine billige Kapitulation zu 
erhalten. 

Da Cäsar aus Besorgniss, es mochten in Gallien unerwartet 
schnell Aufstände ausbrechen, auf dem Festland zu überwintern 
beschlossen hatte, über Fortsetzung der Feindseligkeiten aber immer- 
hin leicht der kleine Rest des Sommers verstreichen konnte, so 
ging er auf des Cassivellaunus Vorschläge ein, forderte die Stellung 
von Geiseln, und bestimmte den Tribut, welchen die Britannier 
jedes Jahr dem römischen Volke entrichten sollten. 

Als die Geiseln gestellt waren, führte er sein Heer an die 
Küste zurück. 

4. Rückkehr nach Gallien. 

Cäsar fand die Herstellung seiner Schiffe beendigt, und liess 
sie ins Wasser. Weil er aber eine grosse Menge Gefangener hatte, 
und einige Schiffe durch den Sturm zu Grunde gegangen waren, 
so traf er die Anordnung, dass sein Heer mittelst zweimaliger 
üeberfahrt *) , also getheilt , nach dem Continent verbracht werde. 

Ein eigenthtimliches Ergebniss war es übrigens, dass, während 
von einer so grossen Zahl Schiffe nach so vielen Fahrten in diesem 
und dem vorhergegangenen Jahre auch nicht ein mit Truppen 
bemanntes Fahrzeug verloren ging, so viele leer fahrende den Ort 
ihrer Bestimmung nicht erreichten. Denn sowohl von den Fahr- 
zeugen des ersten Transportes, welche nach Ausschiffung ihrer 
Truppen zu Cäsar zurückgeschickt wurden, als auch von den 60 
Schiffen, welche Labienus erbauen liess, trafen nur sehr wenige 



1) atque bis imperat. Y, 22. 

2) castra navalia. V, 22. 

3) tot detrimentis acceptis. V, 22. 

4) duobus commeatibuB. Y, 23. 



159 



% 



bei C^ar ein, indem die übrigen beinahe sammtlich nach Gallien 
zurückgetrieben wurden. 

Nachdem Olrar auf diese Schiffe einige Zeit vergebens ge- 
wartet hatte, musste er beftirchten, ein längeres Verweilen möchte 
ihm, da das Aequinoctium mit seinen Stürmen nicht mehr fem 
war, die Rückkehr nach Gallien unmöglich machen. Nothgedrungen 
liess er daher für den zweiten Truppentransport die einzelnen 
Schiffe dichter bemannen, lichtete nach 9 Uhr Abends bei ausser- 
ordentlich ruhiger See die Anker, und erreichte bei Tagesanbruch 
mit allen seinen Schiffen wohlbehalten die gallische Küste. 

5. Andere Schriftsteller über Cäsars Einfälle in Britannien. 

Kein Theil von Cäsars .Commentarien hat eine so reiche ein- 
gehende Literatur erfahren, an keinem andern Abschnitte von 
CSLsars Feldzügen hat sich der Scharfsinn der verschiedensten Fach- 
manner mit gleichem wissenschaftlichen Aufwände versucht, als an 
den Expeditionen nach Grossbritannien '). Aus nahe liegenden 



1) Zum Belege dieser Behauptung lassen wir hier ein Yerzeichniss von 
Abhandlungen und Werken nur aus neuerer Zeit folgen, die sich mit diesem 
Gegenstände beschäftigen, ohne dabei im Geringsten Anspruch auf Voll- 
ständigkeit machen zu wollen: 

Beechey , Admiral : Report on Tidal Steams in Philosophical Transactions. 1851. 
Airy, Astronomer: On Caesar 's Invasion of Britain in Athenaeum. 1851. 
von Göler: Gallischer Krieg in den Jahren 58/53 v. Chr. 1858. 
Airy: Bemarks on Caesar *s Invasion in Athenaeum. 1859. 
von Göler: Vorrede zu Cäsar *8 Gallischem Krieg im Jahre 51 v. Chr. 1860^ 
F. de Saulcy: Les expäditions de Cösar en Grande-Bretagne in : Revue 

archälogiquc. 18(50. 
£. de Saulcy: Les exp^ditions de Cesar en Grande-Bretage in Campagnes 

de C^sar. 
Airy: On the Place of Julius Caesar *s Departure from Gaul in: Archaeologia 

or Miscellaneous Tracts. 1862. 
Th. Lew in: The Invasion of Britain hy J. Caesar. Second Edition, with 

Replics to the Bemarks of the Astronomer-royal etc. 1862. 
C a r d w e 1 1 : Remarks on J. Caesar 's Invasion of Britain in Archaeologia 

Cantiana abgedruckt bei Lewin. 
Becher: Caesar's Invasions of Britain. Nautical Conclusions on the Place 

of his Departure from Gaul and that of his Landing in Britain in 

Nautical Magazine. 1862. 
Haigner^: ßtude sur le portus Itius de Jules C^sar 1 862. 
Edwin Guest: J. Caesar's Invasion of England in Athenaeum 1863. 
Airy: On the Invasions of Britain by J. Caesar in Athenaeum 1863. 



160 

GrüDden sind es in erster Reihe Franzosen und Englander, welche 
die hier vorliegenden Fragen zu lösen versuchen. So mannigfaltig 
dieser Boden bebaut wurde, so mannigfaltig sind aber freilich auch 
die Ansichten und erst in neuster Zeit tritt für einzelne Punkte 
grössere üebereinstimmung hervor. 

Professor Heller hat in seinen unten aufgeführten zwei Ab- 
handlungen die Resultate der einzelnen Forscher einer durchaus 
objectiven Kritik unterzogen und erleichtert Jedem, der sich einen 
klaren Einblick in den Stand der einschlägigen Fragen erwerben 
will, das Studium dieser Aufsätze die sonst zu verwickelte schwierige 
Aufgabe. Wir drucken im Nachstehenden aus der zuletzt aufge- 
führten Abhandlung Helleres die hierher gehörigen Stellen ab. 
(Vergl. Philologus XXVI. 1867. S. 670 ff.) 

»Für die Ueberfahrt nach Britannien nimmt der Kaiser (Na- 
poleon IIL) Boulogne als Abgangshafen, Deal-Wolmer als Landungs- 
platz an. üeber den letzten Punkt habe ich zu meinen früheren 
Auseinandersetzungen (Philol. XXII. 301. Zeitschrift der allg. Erd- 
kunde XVIII. 81) nichts weiter hinzuzusetzen, als dass der Kaiser 
den 25. August 3*/s Uhr Nachmittags als die Zeit annimmt, in 
welcher bei der ersten Fahrt die Schiffe sich mit dem günstigen Strom 
gegen Norden in Bewegung gesetzt hätten. Diese Entscheidung 
des Kaisers hat, wahrscheinlich meistentheils wegen des auch nach 
meiner Ansicht zu früh gegriffenen Datums, in England vielfach 
Widerspruch erfahren ; in der archäologischen Gesellschaft hat man 
das System des Kaisers für unhaltbar erklärt; und eine Reihe von 



G. Long: Gaesar's Invasions of Britain in Reader. Sept. 1863. 

G. Long: Caesarea Landing in Reader. Sept. 1863. 

E. Guest: J. Caesarea Invaaion auf Britain in Athenaeum 1863. 

G. Long: J. Caeaar'a Invasions of Britain in Reader. Oktober 1863. 

E. Guest and Airj : J. Caesarea Invasions of Britain in Athenaeum 1863. 

C r e j 1 y , g^n^ral : La carte de la Gaule sous le proconsulat de C^sar 

Examen des observations critiques auxquelles cette carte a donne lien 

en Belgique et en Allemagne in: Revue arch^ologique 1864. 
H. Lempereur: Tancienne voie romaine d^Epehy in: L'Institut 1864. 
H. J. Heller: Cäsars Expeditionen nach Grossbritannien in Zeitschrift für 

allg. Erdkunde. 1865. 
Napoleon IIL: Historie de Jules C^sar. 1866. 
Rüstow: Geschichte J. Cäsars von Kaiser Napoleon III. 1867. 
Heller: Jahresbericht über Historie de J. Cäsar par Tempereur Napoleon III. 

in Philologus 1867. 
Mommsen: Römische Geschichte. 6. Auflage 1874. 



161 

Au&atzen im Reader bemüht sich, dasselbe zu widerlegen; kurz, 
soweit die Nachrichten reichen, ist man dort ziemlich allgemein 
überzeugt, dass wenigstens an dem von Cäsar angegebenen Tage es 
zu der vom Kaiser angenommenen Zeit unmöglich gewesen ist, mit 
dem Strom nach Norden zu fahren. Die von mir Philol. XXII, 
309 u. s. w. , wie ich noch immer glaube, mit Fug und Recht 
nachgewiesene Stunde des Aufenthaltes nach dem von Cäsar ange- 
gegebenen Zeitpunkt, welche der Kaiser nicht mit de Saulcj und 
mir hat annehmen wollen, scheint mir auch jetzt noch allen Ein- 
wendungen, welche gegen die am 27. August erfolgte ostliche 
Landung gemacht sind, ganz ausreichend zu begegnen. 

»Als Gründe, welche für die Abfahrt von Boulogne sprechen, 
fährt, neben der Autoritöt Mariette's, Lewin's und Haignerö's, der 
Verfasser der Geschichte Cäsars die folgenden Sätze an, welche ich 
mir erlaube mit meinen Gegenbemerkungen zu begleiten: 

»1. Der Hafen von Boulogne ist, unter dem Namen Gesoriacum, 
der älteste, den die Geschichtsschreiber erwähnen; schon unter 
Augustus liess Agrippa die Strasse von Lyon dorthin ausmünden 
u. 8. w. Wissant und Calais werden dagegen erst drei bis vier 
Jahrhunderte nach Cäsars Expeditionen als Häfen genannt. — Dass 
jedoch, wie der Kaiser meint, die alten Schriftsteller nur von einem 
Hafen der Britannien zunächst gelegenen Küste sprechen, .wird man 
ihm schwerlich gelten lassen: gerade dies ist der Punkt, den die 
Philol. XXII, 314 erwähnte Ausdrucksweise Strabo's: 6 tiXoö? Saxtv 
— änb Tö)v 6(iopo6vT(i>v tot^ Mevai^fot^ Moptvöv, Tiap' olg Sort xat 
xb "Ixtov, durchaus fraglich erscheinen lässt. Allerdings nennt jeder der 
alten Schriftsteller nur einen Hafen mit Namen, die Einen Gesoriacum, 
die Andern Itius ; aber keiner sagt ausdrücklich, dass im Lande der 
Moriner sich nur der eine von ihm genannte Hafen befinde. Ich 
würde gerade daraus, dass schon unter Augustus der Hafen von 
Boulogne unter dem Namen Gesoriacum mit so bedeutendem Rufe 
auftritt , den Schluss machen , dass er mit dem von Cäsar portus 
Itius genannten Hafen nicht ein und derselbe sein kann. 

»2. Cäsar sagt vor der Erzählung der zweiten Ueberfahrt, dass 
er den Hafen Itius als die bequemste ueberfahrt von Gallien nach 
Britannien kennen gelernt habe. Nun sei Boulogne dafür bekannt, 
den leichtesten Weg nach England hinüber zu bieten, weil dort die 
günstigen Winde häufiger sind als in Calais und Wissant. — Frei- 
lich aber konnte Cäsar, da er nur einen Hafen benutzt hatte, mit 

T. QOlor, Oäsarg gallischer Krieg. II. Aufl. 11 



162 

den andern keinen Vergleich anstellen, wie man es jetzt kann; 
daher wird man auch wohl commodissimum nicht als relativen, 
sondern als absoluten Superlativ zu fassen haben, in der Bedeutung 
»ganz bequem«. 

»3. Die Entfernung gibt Cäsar auf 30 romische Meilen an. Diese 
Angabe passt auf den Abstand von Boulogne nach Dover (welcher 
jedoch 32 röm. Meilen beträgt), nicht auf die Entfernung Wissant's 
von Dover, welche nur 20 (vielmehr 24) römische Meilen misst. — 
Es ist jedoch deutlich, dass C^sar keineswegs von der geographischen 
Entfernung, sondern vielmehr von der Länge der Ueberfahrt spricht 
— »trajectum« sagt er — ; welche, ^ie man aus Cäsars eigenen 
Berichten sieht, nicht eben in gerader Richtung erfolgte. In allen 
andern Fällen sieht doch auch der Kaiser die Entfemungsangaben 
Cäsar^s als nicht in gerader Linie gemessen an. 

»4. Im Norden und acht römische Meilen vom Hafen Itius ent- 
fernt befand sich ein kleiner Hafen, in welchem sich die Gavallerie 
einschiffte. Nun aber ist Boulogne der einzige Ort der Etiste, von 
welchem acht römische Meilen entfernt nach Norden zu ein anderer 
Hafen liegt, nämlich Ambleteuse. Im Norden von Wissant dagegen 
befinden sich nur Sangatte und Galais, d.'is erstere 6, da^indere 
11 römische Meilen von jenem entfernt. — Wie diesem Einwand, 
welcher gegen Wissant erhoben worden ist, auf das Wirksamste 
begegnet werden kann, hat der General Greuly, carte de la Gaule 
p. 64, gezeigt und kann man ausserdem Philol. XXII, 314 ersehen. 
Es ist doch, denke ich, fast selbstverständlich, dass man den Hafen 
Itius aus der Zeit Gäsars nicht gerade bei dem jetzigen Dorf Wissant, 
sondern unmittelbar an dem von Ptolomäus angegebenen *Ixtov dexpov 
zu suchen hat; und in dieser Lage kommt von diesem Hafen bis 
Sangatte gerade die Entfernung von acht römischen Meilen heraus. 

»5. Die achtzehn Schiffe des oberen Hafens wurden durch widrige 
Winde verhindert, die Flotte im Haupthafen zu erreichen. Man 
begreift, sagt der Kaiser, sehr wohl, wie diese Schiffe durch die im 
Ganal häufig wehenden Südwest- und Südsüdwestwinde in Ambleteuse 
zurückgehalten werden konnten. — Man begreift aber auch, dass 
sie durch dieselben Winde verhindert werden niussten, von Sangatte 
nach Wissant zu gelangen. 

»6. Auf keinen andern Punkt der Küste als Boulogne, sagt der 
Kaiser schliesslich, würde es möglich gewesen sein, eine Expedition 
gegen Britannien zu rüsten, da Boulogne der einzige Ort ist, welcher 
die unumgänglichen Bedingungen für die Ansammlung der Flotte 



163 

und die Einschiffung der Truppen vereinigt; es war ferner der 
einzige Punkt der Küste, wo Cäsar seine Vorräthe aller Art unter- 
bringen konnte. Die Anhöhen, welche den Hafen beherrschen, 
boten für das Lager der Truppen vortheilhafte Stellungen dar, und 
der kleine Fluss Linne erlaubte, auf leichte Weise das Holz und 
die Lebensmittel, deren man bedurfte, herbeizuschaffen. Bei Wissant 
hätte er nur Sand gefunden; auch würden dort die Schiffe ohne 
allen Schutz und am offenen Strand während eines ganzen Monats 
allem Ungemach des Wetters ausgesetzt gewesen sein. — Allerdings 
nimmt, wer für Wissant sich entscheidet, und mit gutem Grunde 
an, dass die dortige Küste erst seit den Zeiten Gasars versandet 
ist. Der Atlas des Kaisers geht überall auf die ehemalige Confi- 
goration der Küste, wie man sie voraussetzen zu müssen glaubt, 
zurück : Dieselbe Rücksicht finde ich im Text des Kaisers, Wissant 
gegenüber, nicht beobachtet. 

»Hiernach kann ich die Gründe, welche der Kaiser für Boulogne 
beibringt, zum mindesten für durchaus nicht entscheidend ansehen. 
Gegen Boulogne scheint mir dagegen der Umstand zu sprechen, 
dass von dort aus bei der zweiten Fahrt Cäsar nicht hätte an einen 
Punkt ^l^langen können, wo er die Küste Britanniens (das Cap 
North Foreland) hinter sich zurückgelassen zu haben glaubte (sub 
sinistra Britanniam relictam conspexit.). Dieser so malerische Aus- 
druck zwingt, nach meiner Ansicht, durchaus die Abfahrt von 
Wissant festhalten zu müssen , und mit dieser Entscheidung halte 
ich, jetzt mehr als früher, alle übrigen Umstände als völlig über- 
einstimmend. 

»Nach seiner zweiten Landung geht, in der Darstellung des 
Kaisers, Cäsar gerade westwärts auf Kingston an der kleinen Stour 
(einem Bache, der sich von rechtsher in die grosse Stour ergiesst). 
Man weiss, dass Göler die grosse Stour selbst, bei Sturry, für den 
von Cäsar erwähnten Fluss hielt. Diese Annahme verwirft der 
Kaiser, weil die Ufer der grossen Stour steil genug sind, um der 
Reiterei Cäsars beim Uebergang ernste Schwierigkeiten zu bereiten 
und von solchen Schwierigkeiten in den Commentarien sich auch 
nicht die geringste Andeutung vorfinde; auch sei die grosse Stour 
an dem genannten Orte nicht 12, sondern 15 römische Meilen von 
Deal entfernt. Ich sollte gerade meinen, dass die Britannier, nach 
deren Standort Cäsar, ohne eigene Wahl des Wegs und des Fluss- 
übergangs, geradezu losmarschirt, sich eine Stellung werden gewählt 
haben, die den Römern den Uebergang schwierig machen musste, 

11* 



164 

nicht dagegen einen Ort, wie ihn. G&sar, nm die Feinde leicht zu 
Tertreiben, sich nicht besser hatte wünschen können; nnd gegen 
den letzteren Einwand liegt das Zeugniss Gaest's vor (siehe Philol. 
XXII, 310), welcher die Entfemnng anf genau 12 römische Meilen 
angibt. Der von den Britanniem im Walde befestigte Ort, den 
die Soldaten der siebenten Legion erstürmten, könnte, bei der An- 
nahme des Gefechts an der kleinen Stonr, nach des Kaisers Ver- 
muthang, bei Bursted oder Upper-Hardres angesetzt werden. Die 
80 römischen Meilen, welche nach den Commentarien die Themse 
von der Küste entfernt sein soll, scheinen dem Kaiser das Maas 
des Weges auszudrücken, welchen Cäsar selbst vom Landungsplatze 
bis zu diesem Fluss zurücklegte. Den Uebergang über die Themse 
nimmt der kaiserliche Schriftsteller, nach den Ermittlungen der 
französischen Offiziere Stoffel und Hamelie, bei Sunbury an. Hier 
ist nämlich, nach ihnen, die günstigste der unter umstanden auf 
einer Fuhrt überschreitbaren Stellen der unteren Themse, ni^hrend 
bei Kingston (an der Themse), wohin Göler den uebergang setzt, 
überhaupt eine Fuhrt nicht vorhanden sei. Der Kritiker der 
Edinburgh Review (Vol. 124, nr. 254. oct. 1866) föhrt dagegen 
an, dass die Natur der Themse durch die angelegten Schleusen 
(locks) sich gegen früher durchaus geändert haben müsse; früher 
ein schneller und seichter Fluss hat sie seit der Anl^ung der- 
selben stellenweise eine teichartige Anstauung bekommen, oder sie 
sei gewissennassen eine Reihe von Teichen geworden. Er macht 
ferner aus Merivale's Geschichte, der sich auf Stellen der Commen- 
tarien (V, 24.) und der Briefe Cicero's (ad Q. fratrem II, 16. III, 1) 
beruft, darauf aufmerksam, dass der Sommer des Jalires 700 ausser- 
gcwöhnlich trocken und heiss gewesen sei, und dass auch aus dieser 
Ursache die Themse möglicher Weise Cäsars Uebergange nicht die 
Hindernisse in den Wog gelegt habe, die man jetzt wohl voraus- 
setzen könnte. Er citirt dann weiterhin die Worte Guest's im 
Athenäum vom 28. Juli 1866, der mit Recht dafür hält, dass an 
allen Orten, deren Namen auf die Endung ford ausgeht, wenigstens in 
früherer Zeit eine Fuhrt vorhanden gewesen sein müsse. Dem gemäss 
glaubt der Kritiker, dass Halliford, in der Nähe der vielbesprochenen 
Coway-stakes , mehr Anspruch habe als Sunbury, für den Ueber- 
gang Cäsars gehalten zu werden. Das oppidum des Cassivellaunus 
scheint dem Kaiser — in Uebereinstimmung mit den meisten Eng- 
ländern — bei St. Albans (Verulamium) gestanden zu haben. 

»Wie überall, wo hinreichende Angaben in den Commentarien 



165 

(oder auch in Cicero's Briefen) vorhanden sind, rechnet der Kaiser 
auch für die beiden Einfälle Gäsars in Britannien und die ausser- 
dem in diesen beiden Jahren stattgefundenen Unternehmungen die 
bezüglichen Daten aus. 

»Für die erste Expedition Cäsar^s ist durch den in den Commen- 
tarien erwähnten Vollmond, der nach den astronomischen Berech- 
nungen am 31. August 3 Uhr Morgens eingetreten ist, ein fester 
Anhalt gegeben. Man hat die Worte post diem quartum quam est 

in Britanniam ventum taute tempestas subito exorta est ... . 

Eadem nocte accidit ut esset plena luna bisher so erklärt, dass 
danach die Ankunft C&sar^s in Britannien auf den 27. August 
festgesetzt werden muss. 

»Der Kaiser selbst ist, wie man aus seiner Darstellung sieht, 
durchaus von der Ueberzeugung durchdrungen, dass eine westliche 
Landung (bei Hythe) unter den von Cäsar angegebenen Bedingungen 
eine Unmöglichkeit ist ; und für diejenigen, welche sie noch mochten 
aufrecht halten wollen , — namentlich in England ist ihre Zahl 
noch gross — , wiederhole ich kurz das diese Annahme peremptorisch 
widerlegende Argument, dessen ich mich Philol. XXII, 307 bedient 
habe : nach den Tabellen der Admiralität tritt vier Tage nach dem 
Vollmond die nach Westen gerichtete Strömung im Ganal bald 
nach 12 Uhr ein. Nun erzählt Cäsar, dass er vier Tage vor dem 
Vollmond günstigen Wind und günstige Strömung zu gleicher Zeit 
nach 3 Uhr Nachmittags bekommen habe. Hätte er die westwärts 
gehende Strömung gemeint, so hätte er unbedingt sagen müssen 
>Mittags« ; da er eine Zeit nach 3 Uhr angibt für den Eintritt 
der günstigen Strömung, so kann er nun und ninmiermehr den nach 
Westen gerichteten Strom meinen ; er kann nur auf der Ostseite 
geblieben sein. 

»Ist nun hiermit die östliche Landung unbedingt nothwendig, 
so haben doch die Zeitverhältnisse der völligen Aufklärung der 
Thatsache noch immer eine Schwierigkeit in den Weg gelegt. Um 
SV« Uhr Nachmittags darf man unter den günstigsten Umständen 
vier Tage vor dem Vollmond die Umkehr des Stromes nach Osten 
noch nicht voraussetzen. Dies ist der Grund, warum de Saulcy und 
ich bis zur wirklichen Abfahrt auf den Aeusserungen Cäsar's noch 
einen Aufschub von anderthalb oder wenigstens einer Stunde heraus- 
lesen; und ich habe mich namentlich bemüht, denselben als durch 
die Worte des Schriftstellers begründet nachzuweisen. Anders der 
Kaiser: um diesen Aufschub nicht nöthig zu haben, will er aus 



166 

dem Ausdruck post diem quartum ein anderes Datum als bisher 
allgemein geschehen war, herausbringen; er will für die Landung 
Cäsar's, welche bisher auf den 27. August angesetzt worden war, 
den 25. August annehmen. 

»Der Sachverständige übersieht sogleich, was er dadurch ge- 
winnt. Man erinnert sich, dass die Fluthveranderungen an jedem 
Tage um 50 Minuten früher eintreten , als am folgenden Tage. 
Geht man daher von dem Vollmond um zwei Tage weiter zurück, 
so tritt allerdings der östliche Strom mehr als IVs Stunde früher 
ein, als zwei Tage später, und am 25. August kann daher, wenn 
der Vollmond am Morgen zwischen dem 30. und 31. eingetreten 
war, der nach Osten sich richtende Rückschlag der Strömung bereits 
um 3 Vi Uhr Nachmittags eingetreten sein. 

»Der Kaiser sagt nun so: Septima post decimam bei Virgil 
(Georg. I, 284) bedeutet den siebzehnten Tag, post sexennium, bei 
Ciecero, in sechs Jahren, d. h. nach Verlauf von sechs vollen Jahren 
nach dem Augenblick, in welchem der Redner spricht. Folglich 
müsse, meint er weiter, »post diem quartum« von vier vollständig 
verflossenen Tf^en verstanden werden, in welche man den Tag der 
Landung nicht mit einzurechnen hat. Nun rechnet er aber ausser- 
dem auch den 30. als den Tag, an welchem der Sturm ausbrach, 
nicht mit ein, und indem er die Landung auf den 25. ansetzt, be- 
kommt er den 26., 27., 28., 29. als die vier Tage, nach denen, 
am 30. das Ungewitter zum Ausbruch kam. 

»Es thut mir leid, dass ich dieser grammatischen Auseinander- 
setzung des Kaisers gänzlich widersprechen muss. Aber die Gram- 
matik ist nun einmal die unumschränkte Herrin, unter deren Re- 
giment wir alle auf gleiche Weise stehen : ne Caesar quidem supra 
grammaticam. 

»Die Worte post diem quartum est in Britanniam ventum heissen 
dasselbe, was die quarto postquam in Britanniam ventum est heissen 
würde; und in diesem Ausdruck ist der Landungstag mit einge- 
rechnet. 

»In cap. 16 der Rede des Milo sagt Cicero : Vos ex M, Favonio 
audistis Clodium sibi dixisse , et audistis , vivo Clodio , periturum 
Milonem triduo. Post diem tertium gesta res est quam dixerat. 
Innerhalb dreier Tage, nachdem er es gesagt hatte, ist der Mord- 
anfall geschehen. In der Erzählung ist der Tag, an welchem die 
Ausführung versucht worden war, eingerechnet: die ganze Beweis- 
führung Ciecero's beruht eben darauf, dass die Zeitbestimmung »post 



167 

diem tertiumc noch in den umfang der mit »tridno« bezeiclineten 
Zeitdauer hineinfallt. Dass aber der oben angegebene der Sinn 
des Wortes »triduoc ist, gesteht der Kaiser stillschweigend selbst 
in seiner Uebersetzung des Wortes »biduo«, b. G. VII, 11 ein; 
er sagt dafQr dans deux jours und rechnet als diese beiden Tage 
denjenigen, au welchem er Abends vor Genabum ankommt. Folg- 
lich ist auch, nach Cäsar's obigem Ausdruck, der Sturm innerhalb 
der vier Tage, welche auf die Landung gefolgt sind, — den Tag 
der Landung so wie den Tag des Sturms dabei eingerechnet — 
erfolgt. Und mithin hat Gäsar's Landung am 27. August statt- 
gefunden. 

»Es wäre deshalb besser gewesen, wenn der Kaiser, statt ein un- 
richtiges Datum auszurechnen, lieber auf die doch jedenfalls nöthige 
Annahme eines Aufenthalts vor der wirklichen Abfahrt, wie sie 
von de Saulcj und mir vorgeschlagen worden ist, eingegangen wäre. 
Es ist eben nur der von dem Kaiser herausgebrachte falsche Landungs- 
tag, welcher den Einwendungen gegen die Landung bei Deal wieder 
neuen Vorschub geleistet hat. 

»Glücklicher als in der Berechnung des Datums der ersten 
Landung ist der Kaiser in der Feststellung des Tages gewesen, an 
welchem CSsar im zweiten Feldzug die Insel betrat ; imd wegen des 
bei dieser Auseinandersetzung aufgewendeten Scharfsinns kann ich 
mir nicht versagen, seine Beweisführung hier kurz zu wiederholen. 

»Es unterliegt keinen Zweifel«, sagt er etwa, »dass Cäsar bei 
seiner zweiten Fahrt nach Nordosten verschilfen wurde. Um seine 
Landung bewerkstelligen zu können, bedurfte er des westwärts 
fahrenden Stroms, welcher nach seiner Angabe bei Sonnenaufgang 
(d. h. um 4 Uhr Morgens) eintrat. Da man nun aus den Briefen 
Oicero's schliessen kann, dass die Unternehmung gegen Britannien 
am Ende des Juli's abgegangen ist, womit die Angaben der Com- 
mentarien übereinstimmen, so genügt es, nach dem Obigen, um den 
Tag der Landung zu ermitteln, die folgende Frage zu lösen: an 
welchem Tage des Monats Juli fing der nach Westen gehende 
Strom um 4 Uhr Morgens an sich bemerkbar zu machen? oder, 
da in jenen Gegenden dieser Strom um 4V« Stunde nach dem Hoch- 
wasser in Dover anhebt, an welchem Tage des Juli's war im Jahre 
700 V. Chr. Hochwasser in Dover um 11 Vs Uhr Abends? Da nun 
die Fluthenwechsel , welche dem Vollmond des Juli's 700, der auf 
den 21. fiel, denjenigen, welche dem Vollmond des 26. Julias 1856 
vorhergingen, entsprechen, so findet man daraus, dass 15 Tage oder 



168 

• — 

1 Tag vor dem 21. Juli 700, also am 6. oder am 20. Juli um 
11^2 ühr Abends Hochwasser in Dover stattfand. Die Landung 
traf also entweder auf den 7. oder 21. Nun weiss man aus Briefen 
Ciecero's an Atticus (IV, 15.), dass derselbe vor dem 26. Juli in 
Rom Nachrichten von seinem Bruder empfangen hatte, welche, da 
die Couriere 20 Tage brauchten (ad Q. fr. III, 1.), spätestens am 
6. Juli abgegangen sein mussten; in der Zeit, aus welcher die 
Nachrichten herrührten, war die Expedition noch nicht angetreten, 
sondern bevorstehend : mithin wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach 
am 21. Juli vor sich gegangen sein. Die Rückfahrt aus Britannien 
fand, dieses zweite mal, am 21. September statt (nach Leverriers 
Correction der Daten ; a. d. sextum Cal. Oct. heisst es Cic. ad Att. 
IV, 17.), kurz vor dem Aequinoctium, das auf den 26. September fiel.« 

ni. Dislocirung der Legionen im Herbste 54 v. Chr. 

Nachdem die Schiffe ans Land gezogen waren, berief Cäsar 
eine Tagfahrt der Gallier nach Samarobriva — dem heutigen Braye 
an der Sonmie ^) — um für die Verpflegung seiner Truppen die 
nöthige Weisung zu ertheilen. 

In Folge der stattgehabten Berathungen sah er sich genöthigt, 
seinem Heere andere Winterquartiere, als in den früheren Jahren 
anzuweisen, nämlich die Legionen in die Gebiete mehrerer Völker- 
schaften zu vertheilen, weil der verflossene Sommer wegen seiner 
Trockenheit in Gallien eine ziemlich geringe Ernte ergeben hatte, 
und er durch eine weitläufige Dislocirung am leichtesten den Mangel 
an Lebensmitteln weniger fühlbar machen zu können glaubte *). 



1) Brazen de la Martini^re sagt: »Briva und Briga ist ein keltisches und 
gallisches Wort, welches Brücke bedeutet, wie man in Briva Isarae, Brivisara 
oder Pons Isarae — Pont-Oise — und in hundert Plätzen mehr findet. Mit 
Samarobriva ist es ebenso. Das ist Samarae Pons, welches die Franzosen 
Sommepont oder Brücke an der Somme, heutzutage Amiens nennen konnten. 
Obgleich sonst alle Gelehrten einig sind, dass Samarobriva Amiens ist, so 
ist doch Ortelius geneigt, zu glauben, es sei Bray-sur-Somme. Die Aehnlich> 
keit des Worts scheint ihm günstig zu sein.« 

Der Meinung dos Ortelius kann ich nur beipflichten, und auch Gravius 
sagt mit Recht: »Ambianum primum Sommonobriam dictum scribit Sigbertus : 
si Samarobrivam voluerit dicere, false, cum ex Caesare et Antonino diversas 
esse urbes constet. Siehe die betreffende Anmerkung auf Seite 88. 

2) ad hunc modum distributis legionibus facillume inopiae frumentariae 
sese mederi posse existimavit. Y, 24. 



169 

Indessen kamen , roit Ausnahme einer Legion , welche Roscius in 
die ruhigste und friedlichste Gegend zu fOhren hatte, sämmtliche 
Legionen doch so zu liegen, dass eine jede derselben höchstens 100 
Millien oder 148 Kilometer zurückzulegen hatte, um zu ihrer nächst- 
stehenden Legion zu gelangen '). 

Turpin de Crisse *) und Lossau behaupten , Cäsar müsse sich 
bei dieser Angabe von 100 Millien geirrt haben. Ersterer sagt: 
>C^r n'avait pas la position des lieux bien presente«. Das ist 
aber nicht der Fall, und der Text der Commentarien ist auch an 
dieser Stelle ebenso klar als genau; das werden die nachfolgenden 
Zeilen beweisen. 

Cäsar nennt zwar grosstentheils nur die Gebiete, in welchen 
die einzelnen Legionen dislocirt wurden ; durch Reflexion und Ver- 
gleichung anderer einschlägiger Stellen lassen sich aber auch die 
Städte bestimmen, in deren Nähe die Winterlager standen. 

Erst kürzlich hatte Cäsar in Oberitalien eine neue Legion aus- 
heben lassen ^) , und sein Heer müsste demnach jetzt 9 Legionen 
gezählt haben ; er gibt aber nur die Dislocation von 8 Vs Legionen 
an, und sein Heer war, wie sich den spätem Ereignissen zufolge 
berechnen lässt, damals wirklich nicht stärker. Ohne Zweifel hatte 
er fünf Cohorten eingehen lassen , um mit ihrer Mannschaft die 
Lücken zu ergänzen, welche durch die vorangegangenen Feldzüge 
in seinen übrigen Cohorten entstanden waren*). 



1) atque harum tarnen omnium legionum hiberna praeter eam, quam 
L. Roscio in pacatissimam et quietissimam partem dncendain dederat, milibus 
passaum centum continebantur. V, 24. — Dies übersetzt Napoleon III.: 
»D*aillears, ces difförents qnartiers d'hiver, exceptö celui de L. Boscius, qui 
occupait la partie la plus paisible de la Gaule, dtaient tous renfermäs dans 
un cercle d'nn rayon de cent millesc; Rüstow verwirft mit Recht diese 
willkührlicbe Uebertragung und glaubt seiner Seits, die Stelle sei dahin zu' 
yerstehen, dass sämmtliche Winterquartiere, mit Ausnahme desjenigen des 
Rosdus, auf einen Raum von 100 Meilen Ausdehnung, in verschiedenen 
Richtungen gemessen, lagen, wobei man es übrigens mit den 100 Meilen 
nicht genau nehmen dürfe. Wir werden sehen, zu welch' verschiedenen Re- 
sultaten hierdurch die 3 Commentatoren gelangen. 

2) Les commentaires de C^sar par Turpin de Criss^, avec atlas. 1809. 

3) unam legionem, quam proxime trans Padum conscripserat. V, 24. Es 
war die Legion Nr. 15. Vergl. Anmerk. zu VI, 1. 

4) Die damalige Stärke des Heeres von 8'/« Legionen lässt sich mit Sicher- 
heit berechnen. Denn wie wir sehen werden, verlor Cäsar später von diesen 
8 Vi Legionen 15 Cohorten, welche Titurius Sabinus und Aurunculejus Cotta 
commandirten. Er hatte darauf also nur noch sieben Legionen. Hierzu kamen 



170 

Jene 8 Vs Legionen standen nach der neuen Dislocation folgender- 
niassen (siehe Taf. VII. Fig. 2.) : 

Drei Legionen in Belgium, nämlich: 

Eine Legion unter Trebonius bei Bray (Samarobriva), 

dem Hauptquartier Cäsars, im Gebiete der Ambianer. 

Eine Legion unter Crassus im Gebiete der Bellovaker 

bei Montdidier (Bratuspantium). 
Eine L^ion unter Manutius Plauens bei Soissons (No- 
viodunum) im Gebiet der Suessionen *). 
Eine L egion unter Gajus Fabius im Gebiete der Moriner, 
nämlich in der Nähe von Doulens. 

Eine Legion unter Lucius Roscius in dem Gebiete der 

Esuvier (vielleicht Sesuvier) bei dem heutigen Sees, einige 50 

Stunden südwestlich von Bray ^), und etwa 46 Stunden von Montdidier. 

Eine Legion unter Q. Cicero im Gebiete der Nervier, 

und zwar auf dem rechten Maas-Üfer bei Namur (Namurcum). 

Eine Legion unter Labienus im Gebiet der Bemer, 
zunächst der Trevirischen Grenze, bei dem heutigen Chiny an der 
Semoy, dem alten Meduantum ^). 

Eine und eine halbe Legion, worunter die neu ausge- 
hobene (15.) Legion, unter Q. Titurius Sabinus und L. Aurunculejus 
Cotta bei Aduatuca, nahezu auf der südlichen Grenze des 



im folgenden Feldzuge (nach VI, 1.) drei neue Legionen, welche das Heer 
dem klaren Ausspruche von VI, 32. und 33. zufblge auf jene 10 Legion^i er- 
gänzten, die er im Jahr 53 v. Chr. besass. 

1) tres (legiones) in Belgio conlocavit. V, 24. Unter Belgium will 
Walckenaer a. g. 0. 1. 240. das Gebiet der Bellovaker, der Ambianer und 
der Atrebaten verstanden wissen. Dies ist aber ein Irrthum, weil nach Cäsar 
y, 46. der Gommentarien nicht nur die bei Sees gestandene, sondern auch 
die dritte der in Belgium gestandenen Legionen von Bray zu entfernt war, 
um mit Cäsar nach dem Lager des Cicero zu dessen Ersatz aufzubrechen. 
(Reliquam partem exercitus, quod paulo aberat longius, non putat exspectan- 
dam.) Die drei Völkerschaften, welche Belgium bildeten, waren ohne Zweifel 
jene, die er nach dem Kampfe gegen die Belgier an der Axona zunächst ver- 
folgte und unterwarf, also die Suessionen, die Bellovaker und die Ambianer. 

2) Yergl. atque harum tarnen omnium legionum hiberna praeter eam, 
quam L. Roscius etc. V, 24. Es ist möglich, dass »Esuvii« nicht gleichbe- 
deutend mit »Sesuvü« angenommen werden darf; aber das ist nicht möglich, 
dass Roscius bei dem heutigen Esch an der Sure, 11 Stunden von Trier ge- 
standen hat, wie Walckenaer glaubt, da es Roscius mit den am atlantischen 
Meer gelegenen Armorischen Völkern zu thun bekam. 

3) in Remis cum Tito Labieno in confinio Trevirorum. V, 24. 



171 



Eburonenlandes, das von Aiubiorix und Gatuvolcus beherrscht 
wurde, und sich grösstentheils zwischen der Maas uu dem Kheine 
ausdehnte '). Aduatuca selbst aber lag in der Nähe des heutigen 
Limburg an der Vesdre »). 

Lossau tadelt diese weitläufige Dislocation und behauptet, Cäsar 
hätte besser gethan, durch Errichtung von Magazinen die Ver- 
pflegung zu sichern, als die Lager so weit aus einander zu legen. 
Dieser Vorwurf wird sich jetzt aber wohl nicht mehr stichhaltig 
begründen lassen, weil uns nicht mehr bekannt werden kann, welche 
Schwierigkeiten der Anlegung jener Magazine damals im Wege 
standen. — Jedenfalls konnte durch die Vertheilung des Heeres 
auf einen grössern Raum die Verproviantirung früher beendigt und 
leichter vollständig erhalten werden, als wenn es concentrirter stand. 
Ferner war ein Winterlager, wie aus Cäsar's Text selbst zu ent- 
nehmen ist, für die damalige Kampfesweise so fest, dass wenn es 
angegriffen wurde, es sich mit Sicherheit bis zum Entsätze halten 
konnte, der bei fraglicher Dislocation innerhalb einiger Tage ein- 
treten musste. Nur die Einschüchterung, welche Titurius über sich 
kommen liess, und sein unzweckmäsiges Verhalten konnte so viel 
Unglück über Cäsar bringen, wie die später folgenden Zeilen be- 
richten. 

Napoleon L spricht im Precis des guerres de Cesar über diese 
Dislocirung keinen Tadel aus. 

1) inter Mosam ac Khenum. V, 24. 

2) Wie bereits oben bemerkt wurde, nehmen Napoleon IIL und R ü s t o w 
aum Theil andere Oertlichkeiten für die Winterquartiere an, welche wir hier- 
mit übersichtlich zusammenstellen: 







nach Göler. 


nach Napoleon III. 


nach Büstow. 


Trebonius bei 


Samarobriva (Bray) 


Samarobriva 


Samarobriva 








(Amiens) 


(Amiens) 


Crassus 


»f 


Bratuspantium (Mont- 
didier) 


Montdidier 




Plancas 


»» 


Noviodunum (Soissons) 
Doulens 


ChampHen 




Fabius 


ff 


St. Pol 




Boscius 


11 


Sees 


Sees 




Cicero 


ff 


Namurcum (Namur) 


Cberleroy 


Bavay an der 
Sambre 


Labienus 


}f 


Medantuum (Chiny an 
der Semoy) 


La Vacherie an der 
Ourthe 


Sedan 


Titurius 


ff 


Aduatuca (Lupen) 


Tongern 


Namur 



Das Lager des Labienus bei La Vacherie will der Major Locqueyssie in 
den Resten dreiseitiger Gräben wiedergefunden haben. 



172 



IV. Lage des ebnronisclieü Aduatnoa. 

(Taf. VIT. Fig. 2.) 

Dass das Aduatuca der Eburonen mit dem Aduatuca Tongrormn, 
dem heutigen Tongern, nicht identisch ist, für das es lange galt ^), 
wurde neuerer Zeit unter andern von Drumann mit Recht hervor- 
gehoben, und nicht nur der von Letzterm angeführte Grund, dass 
die Sigambrer, als sie das romische Lager bei Aduatuca überfielen, 
die Maas nicht überschritten *} , spricht g^en die Identität jener 
beiden Aduatuca, sondern auch der Umstand, dass das Lager des 
Titurius, wenn es bei Tongern angenommen würde, vom Lager des 
Labienus zu weit entfernt gewesen wäre, als dass man hiermit die 
von den Commeutarien in V, 27. gegebene Entfernung »von wenig 
mehr als 17 Stunden« in Einklang bringen könnte. Um aber die 
Lage von Aduatuca auch positiv zu bestimmen, müssen wir auf die 
Dislocirung sämmtlicher Legionen einen Rückblick werfen; und da 
finden wir, dass Casars Lager zwei Gruppen bildeten, eine westliche 
aus den Lagern bei Bray, Montdidier, Doulens und Soissons, und 
eine ostliche aus den Lagern des Labienus im Gebiete der Remer, 
des Cicero im Gebiete der Nervier und des Titurius im Gebiete der 
Eburonen bestehend. Zur nähern Bestimmung der Oertlichkeit 
dieser drei letztem Lager müssen wir vor Allem untersuchen , wie 
der Ausspruch Cäsar*s in V, 24: »Dass mit Ausnahme des Lagers 
des Roscius sämmtliche Lager innerhalb einer Entfernung von 
100,000 Passus lagen«, zu verstehen ist. 

Da die Lager der westlichen Gruppe viel näher, als jenes Maas 
besagt, beisammen lagen, die grösste Entfernung, welche unter ihnen 
vorkommt, nämlich diejenige von Braj nach Soissons nur 42,000 
Passus beträgt, und da die Entfernungen der drei Lager der öst- 
lichen Gruppe unter sich nach V, 27. und V, 53. nur 50,000 Passus, 
60,000 Passus und wenig mehr betrugen, so können wir das von 
Cäsar angegebene Maas von 100,000 Passus nur auf die Entfernung 
der einen Gruppe von der andern beziehen. Diese Betrachtung 



1) Obige ZuBammenstcllung zeigt, dass auch Napoleon III. Tongern 
für Aduatuca nimmt; die Gründe, welche er dafür anführt, bezeichnet Rüstow 
als »ausserordentlich schwächlich«. Was letztern bewog, Aduatuca in der 
Gegend von Namur zu suchen, liegt in den Ereignissen des späteren Feld- 
zuges gegen Ambiorix, wo wir auf diese Frage zurückkommen werden. 

2) Die Maas ist schon bei Namur 400 Fuss breit, und ihre Brücke bei 
Mastricht 500 Fuss lang (vergl. liudtorffer a. g. 0. Seite 105.)* 



173 

gibt uns eiuen Anhaltspunkt an die Hand, um die Oertlichkeit 
der ostlichen Gruppe näher zu bezeichnen, und speciell für die 
Fixirung des Lagers des Labienus sind noch weitere Anhaltspunkte 
in den Commentarien enthalten. 

Labienus stand nämlich nach V, .24. auf remischem Gebiete, 
auf der Grenze der Trevirer, und nach V, 3. zog der Ardennen- 
wald mitten durch das LaAd der Trevirer zum Anfange des remi- 
schen Gebiets ; daher müssen wir auch das Lager des Labienus auf 
den südlichen Ausläufern der Ardennen suchen, die das rechte Maas- 
Ufer berühren, und nicht so unfruchtbar und unwirthlich sind wie 
andere Ardennen-Gegenden, so dass hier trotz des im Jahr 54 v. Chr. 
herrschenden Getreidemangels dennoch ein römisches Winterlager 
um so mehr supponirt werden kann, als die Nähe der befreundeten 
Remer etwa nöthige Zufuhren erleichterte. — In der Entfernung 
von 100,000 Passus vom östlichen Lager der westlichen Ginippe 

— von Soissons — gelangen wir in der genannten Gegend auf die 
alte Stadt Meduantum, die schon zu Cäsars Zeiten ziemlich viel 
Verkehr gehabt* haben mag, da über sie eine Römerstrasse von 
Reims nach Cöln geführt wurde, und in ihrer Nähe, bei Epusum 

— dem heutigen Espies am Chiers, von jener Strasse eine zweite 
Strasse über Oralaunum (Arlon) nach Trier ausbog '). Meduantum 
aber lag bei dem heutigen Ghiny an der Semoy. Von hier, dem 
Lager des Labienus, lag das Lager des Cicero (nach Y, 27.) 50,^00 
Passus oder 17 Stunden entfernt, und zwar nördlich davon, da es 
sich im Lande der Nervier befand. So tritt uns der für Cäsar 
strategisch so wichtige Punkt Namur (Namurcum) entgegen, und 
den oben (Seite 14 und 63) besprochenen Grundsätzen der römischen 
Lagerplacirung gemäss inuss Cicero auf dem rechten Maas-Ufer, der 
Sambre - Mündung gegenüber gestanden haben. (Namur ist von 
Bray 108,000 Passus entfernt). Das Thal der Sambre erleichterte 
die Ck>mmunication mit Cäsar^s Hauptquartier zu Bray, und das Thal 
der Maas stromaufwärts die Verbindung mit Labienus Lager, sowie 
stromabwärts diejenige mit dem Lande der Eburonen , wo Titurius 
stand. Durch die entwickelten Prämissen werden wir mit grosser 
Wahrscheinlichkeit auf die Oertlichkeit des Lagers des Titurius oder 
auf die Lage Aduatuca's geführt, da uns nach V, 27. die Entfernung 
dieses Lagers von Cicero in 50,000 Passus oder 17 Stunden genau 



1) Vergl. Dnfour's Karte zu Walckenaer. Nach Spruner's histor. geogr. 
fland-Atlas führte die Strasse von Meduantum direct nach Orolaunum, 



174 

gegeben ist, und wir es dem Lager des Labienus, soviel es der da- 
zwischen liegende Ardennenwald mit dem hohen Yeen erlaubt, 
möglichst nähern müssen, weil Cäsar sagt, es sei von Labienus 
Lager nicht viel mehr als von Cicero's Lager entfernt gewesen. 
Aduatuca muss daher in der Nähe des heutigen Eupen oder Lim- 
burg gelegen haben. Ja das auf hohem Felsen erbaute Gastell von 
Limburg mag yielleicht gerade auf der Stelle des alten Aduatuca 
liegen ^). Das Thal der Wetze oder Vesdre und das der Maas be- 
forderte die Gommunication mit Cicero's Lager, und das Land von 
Limburg oder Eupen abwärts gegen die Maas hin ist fruchtbar und 
reich an ergiebigen Wiesen (vergl. Rudtorffer S. 50), also auch in 
Bezug auf die Yerproviantirung der gestellten Hypothese ent- 
sprechend. 

Die Commentarien selbst enthalten zwar eine nähere Bezeich- 
nung der Lage von Aduatuca in VI, 32., indem sie anführen, es 
habe »fere in roediis Eburonum finibus« gelegen; was aber hier 
unter diesem Ausdrucke zu verstehen sei, darüber sind die Gelehrten 
nicht einig, und wenn ihn die Meisten kurzweg mit: »ungeföhr 
mitten im Eburonenlande« übersetzen, so können sie dies nur thun, 
weil sie eben auf die thati^hlichen Verhältnisse keine Rücksicht 
nehmen. Denn wenn wir eine solche üebersetzung als richtig an- 
nähmen, so wären wir gezwungen, Aduatuca viel nördlicher als 
Limburg , etwa bei Geilenkirchen zu suchen , da nach V, 24 ') das 
eburonische Gebiet zum grössten Theil zwischen der Maas und dem 
Rheine lag, seine Südgrenze anerkanntermassen über das Ahrgebirge 
und das hohe Veen an die Maas, und seine Nordgrenze etwa von 
Düsseldorf nach Wessem oder Roermunde zog. Die Lage von 
Aduatuca in der Gegend von Geilenkirchen, nämlich so sehr nord- 
lich anzunehmen, gestatten aber die Angaben der Commentarien 
V, 24. und V, 27. nicht, wonach Aduatuca von Samarobriva nicht 
mehr als 100,000 + 50,000 Passus oder 50 Stunden Wegs entfernt 
war, während Geilenkirchen von dem Samarobriva vertretenden 
Bray über 60 Stunden Wegs entfernt liegt. 

Wahrscheinlich in Folge einer ähnlichen Betrachtung ist auch 
schon die Meinung ausgesprochen worden , dass :»fere in mediis 
Eburonum finibus« sei mit: »ungefähr mitten auf der Grenze der 

1) Limburg soll von den Hunnen seiner Zeit zerstört und zu Zeiten 
Heinrichs III. von einem Grafen Solms wieder aufgebaut worden sein. Nach 
Andern wurde diese Stadt jedoch erst im Jahre 1271 angelegt. Vergl. Bruzen. 

2) EburoneS; quorum pars maxima est inter Mosam ac Bhenum. 



175 

Eburonenc zu übersetzen. Diese Uebersetzung scheint aber nicht 
zulässig, wie auch schon Walckenaer anfbhrt ') ; denn Cäsar würde 
wohl »ipsis« anstatt »mediis« geschrieben haben, und es bleibt uns, 
wie mir dünkt, nur die Wahl, unter »mediis finibus« die Binnen- 
grenze der Eburonen zu verstehen, welche deren Land in das des 
Ambiorix und CatuTolcus schied ') , und wahrscheinlich die Maas 
entlang lief; oder wir müssen uns hier, wie Cicero seiner Zeit über 
die uncorrecte Arbeit der Abschreiber beklagen, und >fere in 
meridianis finibus« lesen. Wenigstens lag Aduatuca oder die Gegend 
des .heutigen Limburg in der That nahezu auf der Südgrenze der 
Eburonen, dort wo sie dieselben von den Segnern schied. 



Y. Aufstand der Eburonen. 

1. Des Titurius Niederlage. 

Wenn Cäsar, wie bereits bemerkt, einerseits zu jener weit- 
läufigen Dislocirung seiner Legionen gezwungen war, so ist anderer- 
seits allerdings nicht zu verkennen, dass sie zunächst den Völkern 
Galliens den Muth gab, aufzustehen, um die einzelnen Winter- 
quartiere zu überfallen und zu vernichten, ehe ihnen Hilfe gebracht 
werden könnte. 

Cäsar selbst mochte «sich wohl in dieser Beziehung nicht ganz 
beruhigt fühlen, denn als seine Legionen nach ihren Winterquartieren 
aufbrachen, reiste er noch nicht nach Italien ab, sondern blieb in 
seinem Hauptquartier zu Samarobriva, um daselbst abzuwarten, bis 
er von sämmtlichen Legaten Meldung erhalten haben würde, dass 
die Legionen am Ort ihrer Bestimmung eingetroflfen seien und ihre 
Winterlager befestigt hätten. Da empfing er die Nachricht, Tas- 
getius, ein Mann aus edlem Geschlechte, den er seiner ihm ge- 
leisteten Dienste, sowie seiner Tüchtigkeit wegen den Carnuten') 
zum Herrscher gesetzt hatte, sei von seinen Landsleuten ermordet 
worden. Weil nun dieser Mord offenbar nicht das Werk Einzelner, 
sondern der Ausbruch einer ausgedehnten Verschwörung war, so 
besorgte Cäsar , es möchte das Land der Carnuten zum Abfall ge- 



1) Vergl. Walckenaer I. Bd. 503. und den Aufsatz von Professor Fiedler 
im Museum des Rheinisch-Westphälischen Vereins für Schulmänner II. Band. 

2) Vergl. V, 20. 

3) Die Carnuten waren die Bewohner der Gegend um Chartres. Vergl. 
Walckenaer I, 57. 



176 

trieben werden, und ertheilte daher dem L. Plauens den Befehl, 
mit seiner Legion von Noviodunum aus schnell in das Gebiet der 
Carnuten zu rücken, dort zu überwintern, und die des Mordes für 
schuldig Befundenen zu ergreifen und ihm zuzuschicken. 

Aber nicht nur im Süden Cäsars zeigten sich aufstöndische 
Bewegungen, sondern auch im Osten standen Völker auf, und hier 
sehr TerhängnissYoU. Es mochten etwa 15 Tage verflossen sein, 
seitdem Titurius Sabinus und Aurunculejus Gotta ihr Winterlager 
bei Aduatuca bezogen hatten, da gaben Ambiorix und Catuvolcus, 
die Beherrscher der Eburonen, plötzlich das Signal zum Aufstand 
und Abfall. Sie hatten zwar jene beiden Legaten an der Grenze 
ihres Gebietes ehrerbietig empfangen ') , und Lebensmittel in das 
Lager geliefert, sich hierauf aber mittelst Boten durch den Trevirer 
Indutiomar dermassen aufstacheln lassen, dass sie plötzlich ihr Volk 
in die Waflfen riefen. Unversehens erschienen sie mit zahlreichen 
Schaaren bei Aduatuca , überfielen die römischen Soldaten , welche 
mit Holzfällen beschäftigt waren, und rückten gegen das Li^er an, 
um es zu erstürmen. 

Schnell griffen die Römer zu den Waffen, besetzten den Wall- 
gang, und auf der einen Seite machte die spanische Reiterei einen 
so erfolgreichen Ausfall, dass die Feinde hoffnungslos den Angriff 
des Lagers aufgaben und ihre Schaaren zurückführten. 

Nun riefen sie wild durch einander, es sollten einige Römer 
Behufs einer Besprechung zu ihnen hinaus kommen , sie hätten in 
beiderseitigem Interesse Mittheilungen zu machen, durch welche 
sie die Feindseligkeiten hoffentlich beilegen könnten. 

Zu dieser Unterredung wurde Arpinejus, ein römischer Ritter 
und Vertrauter des Titurius, entsendet, sowie ein Spanier, Namens 
Junius, der schon früher in Aufträgen Cäsars mit Ambiorix häufig 
zusammengekommen war. Gegen diese äusserte sich Ambiorix etwa 
folgendermassen: Er gestehe offen, dass er Cäsar vielen Dank schuldig 
sei. Cäsar habe ihn von dem Tribut befreit, den er seinen Nach- 
barn, den Aduatukem zu zahlen verpflichtet gewesen sei. Er habe 
ihm seinen Sohn und seinen Neffen zurückgegeben , die beide den 
Aduatukem als Geiseln gestellt in Knechtschaft und Ketten ge- 
schmachtet hätten. Auch habe er in Betreff des Angriffs auf das 
römische Lager nicht nach eigenem Entschluss und Willen ge- 
handelt, sondern von seinem Volke dazu gezwungen; denn dieses 



1) qui cum ad fines regni sni Sabino Cottaeque praesto fuissent. V, 26. 



177 

habe eben so viel rechtliche Gewalt über ihn, den Herrscher, als 
er über das Volk. Er habe den Krieg begonnen, weil er sich von 
der plötzlichen Einigung sämmtlicher Gallier nicht habe ausschliessen 
können. Seine und seines Volkes verhältnissmässig geringe Macht 
könne den Römern gerade beweisen, dass ganz Gallien aufgestanden 
sei; denn er sei doch wohl zu erfahren, um sich einzubilden, mit 
seinen eigenen Streitkräften das römische Volk zu besiegen. Es 
hätten sämmtliche Gallier den Beschluss gefasst, an diesem einen 
Tage alle Winterquartiere zugleich anzugreifen, damit keine Le- 
gion der andern zu Hilfe eilen könne. Gallier hätten Gallier doch 
nicht im Stiche lassen dürfen, wenn es die Wiedererlangung der 
nationalen Selbstständigkeit gelte. Habe er seinen Landsleuten 
gegenüber nach Pflicht gehandelt, so wolle er nun aber auch den 
Dank berücksichtigen, den er Cäsar schuldig sei. Er bitte daher 
den Titurius eindringlichst, auf seine und seiner Soldaten Kettung 
Bedacht zu nehmen. Auch eine grosse Schaar Germanen habe sich 
gesammelt, und den Rhein bereits überschritten; in zwei Tagen 
würden sie eintreffen. Er nebst Catuvolcus gebe es daher den 
Römern zu bedenken, ob sie nicht, ehe die Nachbarn es merkten, 
ihr Winterlager verlassen und ihre Truppen zu Cicero oder La- 
bienus fuhren wollten, von welchen ersterer ungefähr 17 Stunden, 
letzterer etwas weiter entfernt stehe *). Er verspreche ihnen eid- 
lich, sichern Abzug über seine Grenze *) gewähren zu wollen, indem 
er damit einerseits sein Volk des römischen Winterlagers enthebe 
und andererseits Cäsar seinen schuldigen Dank abtrage. 

Nach dieser Rede ging Ambiorix hinweg, und Arpinejus und 
Junius statteten ihren Legaten von dem, was sie vernommen hatten, 
Meldung ab. Diese, überrascht und bestürzt, glaubten, obgleich 
jene Mittheilungen vom Feinde kamen, sie doch nicht unbeachtet 
lassen zu dürfen, weil es kaum glaublich schien, dass ein so unbe- 
deutendes Volk, wie die Eburonen, es wagen könnte, auf seine 
eigene Faust hin mit den Römern Krieg anzufangen. 

Sie hielten daher Eriegsrath , in dem viel hin und her ge- 
sprochen wurde. Aurunculejus Cotta und mehrere Kriegstribunen 
sowie die Centurionen erster Classe ') waren der Ansicht, man solle 



1) quormn alter milia passuum circiter quinquaginta, alter paulo amplius 
ÜB absit. V, 27. 

2) per fines. V, 27. 

3) compluresque tribuni militum et primorum ordinum centuriones. V, 28. 

T. QOler, Cftsars gaUitoher Krieg. II. Aufl. l'^ 



178 

ja nicht übereilt handeln, und ohne Cäsars Befehl das Ls^er nicht 
verlassen. Sie wiesen auch darauf hin, welch' einer grossen feind- 
lichen Macht, und wenn sie auch Germanen zähle, man in dem 
befestigten Winterlager Stand halten könne. Ein Beweis dafür sei, 
dass man ja nicht nur den ersten Angriff des Ambiorix tapfer ab- 
gewehrt, sondern ihm noch zudem grosse Verluste beigebracht habe. 
Mit Lebensmitteln sei man gut versehen, inzwischen würde aus dem 
nächsten Winterlager und von Cäsar aus Ersatz eintreffen, und was 
sei endlich leichtsinniger und schmählicher, als bei einer so wich- 
tigen Entscheidung sich durch den Rath des Feindes bestimmen 
zu lassen. 

Dagegen schrie Titurius, sie würden erst dann handeln wollen, 
wenn es zu spät sei, wenn noch grössere feindliche Massen und mit 
ihnen die Germanen herbeigekommen, und auch einem der nächsten 
Winterquartiere Unheil widerfahren sei. Da dürfe man sich nicht 
lange besinnen. Er glaube, Cäsar sei bereits nach Italien abgereist, 
denn sonst hätten die Carnuten es sich nicht einfallen lassen, Tas- 
getius umzubringen, noch würden, wenn der Oberfeldherr noch in 
Gallien wäre, die Eburonen mit solcher Geringschätzung der romi- 
schen Macht vor dem Lager erschienen sein. Er lasse sich nicht 
von des Feindes Rath, sondern von der Sachlage bestimmen. Der 
Rhein sei nicht ferne ; des Ariovist Tod sowie ihre früheren Nieder- 
lagen könnten die Germanen nicht verschmerzen, und Gallien nach 
so vielen Demüthigungen unter das römische Joch gezwungen und 
seines alten Kriegsruhmes verlustig, befinde sich in mächtiger 
Gährung. Wer könne endlich glauben, dass Ambiorix so weit ge- 
gangen sei, ohne einen sichern Rückhalt zu haben. Sein Vorschlag 
gewähre nach beiden Seiten hin Sicherheit. Stehe es nicht so übel, 
so würden sie ohne Gefahr zur nächsten Legion (zu Cicero) ge- 
langen) , habe sich aber ganz Gallien von den Germanen unter- 
stützt erhoben, so finde man Rettung nur in einem schleunigen 
Handeln. Welche Folgen würden dagegen Cotta's und der übrigen 
anders Denkenden Vorschlag haben? Wenn auch keine augen- 
blickliche Gefahr, so sei doch eine lange Belagerung und Hungers- 
noth zu befürchten. 

Nachdem lange hin- und hergestritten war, und Cotta und die 



Da IVt Legionen in diesem Winterlager standen, so umfasste der Kriegsrath 
zwei Legaten, nenn Eriegstribunen und fünfzehn Centurionen 1. Classe, also 
26 Personen. Vergl. Anhang IL § 19—27. 



179 

Centorionen erster Classe sich der Ansicht des Titarias durchaus 
nicht anschliessen wollten, rief dieser, und zwar so laut, dass es 
ein grosser Theil der Soldaten hören musste: »So behaltet denn 
Recht, wenn ihr es nicht anders haben wollt. Jch bin nicht der, 
der sich unter uns am meisten vor dem Tode scheut!« und auf die 
versammelten Offiziere zeigend, fiihr er fort: »Diese werden zur 
Einsicht kommen und von Dir, Cotta, Rechenschaft fordern, wenn 
das Unglück über uns hereingebrochen ist; denn nur Du trägst 
die Schuld, dass sie nicht schon übermorgen in dem nächsten Winter- 
lager angelangt '), mit ihren Kameraden den Kampf gemeinschaft- 
lich durchführen können, sondern von ihnen getrennt, in weiter 
Feme dem Schwert oder dem Hunger erliegen müssen«. 

Der Eriegsrath wurde aufgehoben, und die anwesenden Offiziere 
traten zu den beiden Legaten und beschworen sie, durch Uneinig- 
keit und Starrsinn die Sache doch nicht erst recht gefährlich zu 
machen. Es sei nicht viel zu befürchten, ob man nun bleibe oder 
abmarschire, so lange man im Einklänge handle; während Zwie- 
tracht nur Unglück herbeiführen könne. Es wurde noch bis Mitter- 
nacht hin- und hergestritten, da endlich reichte Cotta dem Titurius 
die Hand, und des Letztern Ansicht behielt Geltung. 

Nun wurde im Lager bekannt gemacht, dass man mit Tages- 
anbruch abmarschire. Alles war daher den übrigen Theil der Nacht 
auf den Beinen und jeder Soldat musterte seine Habseligkeiten, um 
auszusuchen, was er wohl mitnehmen könne, und was von seiner 
Winterausstattung zurückgelassen werden müsse. So zog man einer- 
seits alle Gründe in Erwägung, nach welchen das Verbleiben im 
Lager gefahrvoll sein sollte, während man doch andrerseits die 
Soldaten durch eine schlaflose Nacht ermüdete und somit die Ge- 
fahr nur vergrösserte ^). 

Mit Sonnenaufgang wurde also nach Cicero 's Winterlager auf- 
gebrochen. Die Colonne aber war sehr lang und mit ausserordent- 
lich vielem Gepäck beschwert, weil man den festen Glauben hatte, 
Ambiorix habe seinen Rath nicht als Feind , sondern als der beste 
Freund ertheilt. 



1) perendino die cum proximis hibemis conjuncti. V, 30. Titurius Lager 
war 12 Stunden von Cicero's Lager ertfernt. Man konnte daher in zwei 
forcirten Märschen dahin gelangen, oder den zweiten Tag Abends daselbst 
eintreffen. 

2) omnia ezcogitantur, quare nee sine periculo maneatur, et languore 
militom et vigiliis periculum augeatur. V, 3L 

12* 






180 

Die Eburonen hatten an dem nächtlichen Lärm und dem wachen 
Treiben ^) im Lager gemerkt, dass der Abmarsch statthaben werde, 
hatten sich in zwei Heerhaufen getheilt und sich, etwa ^/4 Stunden 
vom romischen Lager entfernt, an geeigneten und dem Auge ent- 
s&ogenen Waldstellen in Hinterhalt gelegt ^). 

Dort erwarteten sie die Ankunft der Romer, und als sich der 
grössere Theil der Colonne in einen grossen Thalkessel *) hinabge- 
senkt hatte, da erschienen sie plötzlich auf beiden Seiten des Kessels, 
und begannen die Queue der Colonnen zu drängen , der Tete aber 
das Ersteigen der gegenüber liegenden Thalwand zu verwehren, so 
dass sie den Kampf gerade an einer den Römern höchst nach- 
theiligen Stelle eröffneten*). 

Titurius, der für Nichts Vorsorge getroffen hatte, lief nun be- 
stürtzt umher, um den Cohorten ihre Stellung anzuweisen*), aber 
auch dies that er so unentschlossen, dass man ihm ansah, er habe 
völlig den Kopf verloren — wie es Leuten zu gehen pflegt, die 
erst dann zum Entschlüsse getrieben werden, wenn sie bereits 
handeln sollten. 

Cotta dagegen, der es sich gedacht, dass ein solcher Fall auf 
dem Marsche vorkommen möchte, und deshalb im Kriegsrathe vom 
Abmarsch abgerathen hatte, war überall thätig und hilfreich. Er 
vertrat in ermuthigendem Zuruf den Commandirenden, und leistete 
im Kampfe den Dienst des Soldaten. 

Da die beiden Commandeure wegen der Länge der Colonne 



1) ex notumo fremitu vigiliisque. V, 32. 

2) conlocatis insidiis bipertito in silvis opportuno atqiie occulto loco a 
railibus passuum circiter duobus. V, 32. 

3) in magnam convallem. V, 32. Forcellini enthält über »convallisc : 
o'jvdyxeta, planities ex omni parte comprehensa montibus collibusve, ut Festus 
docet: ita dicta a con et vallis, quasi plurium montiiim colliumve conjunctae 
valles ad planitiem constituendam«. Pz. sagt : »Kessel wird eine von allen 
Seiten durch Erhöhung begrenzte Vertiefuug des Bodens von rundlicher Ge- 
stalt genannt. Die Kessel unterscheiden sich von den Thalbecken hauptsäch- 
lich dadurch, dass sie entweder gar keinen oder doch nur einen einzigen 
Ausgang haben, die Sohle gewöhnlich Wasser (Seen) oder wenigstens Weich- 
land enthält, weil das von den Höhen ablaufende Wasser keinen Ablauf hatc. 

Der Unterschied z^dschen »vallis« und »convallis« ist in den lateinischen 
Wörterbüchern selten hervorgehoben und doch ist es für die Terrainbe- 
Schreibung so wesentlich. 

4) atque iniquissimo nostris loco proelium committere coeperunt. V, 32. 

5) cohortesque disponere. V, 33. Vergl. VI, 8. equites ad latera disponit 
und praesidia disponit. I, 8.) 



181 

nicht überall selbst herumkommen nnd das Nöthige verordnen 
konnten, so befahlen sie durch Passe-parole *), das Gepäck im Stich 
zu lassen und eine Carre zu formiren*). 

Cäsar spricht sich über das Aufgeben des Gepäcks folgender- 
massen aus: »Obwohl diese Massregel in einem derartigen Fall 
nicht zu tadeln ist, so schlug sie doch damals zum Unglück aus; 
denn unsere Soldaten wurden entmuthigt, die Eburonen dagegen 
um so kampflustiger, als ein solcher Entschluss durch die höchste 
Furcht und Verzweiflung hervorgerufen zu sein schien. Ferner 
war es nicht zu vermeiden, dass die Soldaten nicht da und dort 
von ihren Abtheilungen wegliefen, um von der Gepäckscolonne noch 
schnell zu holen und zu sich zu stecken,^was ihnen am meisten am 
Herzen hing«. 

Ueberall im römischen Heere war Geschrei und Jammern. Die 
Eburonen aber wussten, was sie zu thun hatten ') ; denn ihre Führer 
liessen im ganzen Heere ausrufen: Keiner dürfe seine Stelle ver- 
lassen, ihnen sei und bleibe ja, was die Römer im Stiche gelassen, 
und sie sollten doch bedenken, dass Alles auf dem Siege beruhe. 

Die Eburonen waren sowohl vermöge ihrer Tapferkeit als ihrer 
Anzahl dem Kampfe gewachsen *). Die Römer jedoch, obgleich sie 

1) jusserunt pronuntiare. V, 33. 

2) nt . . . in orbem consisterent. V, 33. Das Carr^ war gewiss kein 
volles, sondern ein hohles Carrd, ähnlich wie das belBnspina formirte; denn 
es mnsste in seinem Innern nicht nur für die Commandeure und den Stab, 
sondern auch für die Trossknechte, die Marketender etc. etc. und für die Ver- 
wundeten Raum sein. Das öepäck, welches zudem hier ungewöhnlich gross 
war und im Stiche gelassen werden musste, konnte nicht in das Carr^ auf- 
genommen werden, weil das Corps hiezu zu klein war. Das Aufnehmen des 
Gepäcks im Innern einer geschlossenen Stellung (agmen quadratum) war nur 
Corps von einer beträchtlichen Grösse* möglich , weil die Umfangslinie eines 
Flächenraums verhältnissmässig viel schneller abnimmt, als der von ihr ein- 
geschlossene Raum. 

Das Corps, welches bei Ruspina ein grosses Carr^ bildete, hatte kein 
schweres Gepäck bei sich, weil es keinen Marsch, sondern nur eine Fouragirung 
ausführte. (Vergl. Anhang III. Treffen bei Ruspina.) Ein volles Carre würde 
wohl eher mit »globis« als mit »orbis« bezeichnet werden. 

3) at barbaris consilium non defuit. V, 34. 

4) erant et virtute et numero pugnando pares ; nostr^ tametsi etc. V, 34. 
Die gewöhnliche Lesart, welche das Semicolon nach »nostrit setzt, ist 
nicht zulässig, da die Eburonen viel zahlreicher als die Römer waren. 
Nach Grävius will Phil. Beropildus und Joan. .Brantius das »pugnandoc aus- 
lassen. Dann wäre zu übersetzen: Die Eburonen waren eben so tapfer als 
zahlreich. — Auch Dübner (J. Caesaris comentarii etc. Annotatione critica 



182 

Yon ihrem Commandeur und von ihrem Kriegsglück im Stiche ge- 
lassen waren, suchten nur in der Tapferkeit Heil, und so oft eine 
Cohorte aus der Front des Carres hervorbrach ^), richtete sie unter 
dem Feinde ein grosses Blutbad an. 

Als dies Ambiorix bemerkte, Hess er durch die Sc.hlachtreihen 
hin ausrufen: Seine Truppen sollten die Römer nur aus der Ferne 
beschiessen, sich in kein Nahegefecht einlassen und, wo sie ange- 
fallen würden, sich zurückziehen. Vermöge ihrer leichten Bewaff- 
nung und ihrer täglichen Uebung in einer solchen Karapfesweise 
könnten ihnen bei diesem Verhalten die Feinde nichts anhaben *) ; 
wenn sich die Römer jedoch wieder in ihre Front ') zurückzögen, 
sollten sie sie verfolgen. 

Paris 1867) trennt pares und nostri und liest: esse et virtute et numero 
pugnantium pares. Nostri tamesti etc.; Heller bekälnpft diese Schreibweise 
und schlägt dagegen folgende Fassung vor : £rant et virtute et studio pugnandi 
pares nostri; tametsi ab duce et a fortuna deserebantur, tarnen omnem spem 
salutis in virtute ponebant. Zur Begründang dieses Vorschlags sagt er : 
»Zudem hat man gar nicht bemerkt, dass mit allen diesen Lesearten der von 
Cäsar so deutlich gemachte Gegensatz völlig verwischt vrird. Er fangt das 
Kapitel mit den Worten an : At barbiris cpnsilium non defuit. Auf der Seite 
der Barbaren machte sich die Klugheit der Führer geltend, die dagegen auf 
der Seite der Römer das Heer im Stich Hess (nostri — ab duce deserebantur). 
Die Gallier hatten ferner, ausser der selbstverständlichen Ueberzahl, die 
Stellung und den Umstand für sich , dass sie die auf dem Marsche befind- 
lichen Römer angriffen ^nostri — a fortuna deserebantur). Was konnte nun 
dieser Ueberlegenheit der Gallier, der Klugheit ihrer Führer und der für sie 
kämpfenden Gunst der Umstände auf Seiten der Römer allein ein Gegenge- 
wicht in die Wagschale werfen, so dass sie eine geraume Zeit ihren Gegnern 
gewachsen waren? Nur ihre Tapferkeit und ihr Kampfeseifer . . . . Uebrigens 
begreift man leicht, wie ein Abschreiber, der, mit Hinzuziehung des nostris 
zu tametsi, den Satz auf die Gallier deutete, numero hinzugeschrieben haben 
konnte, welches alsdann das ursprüngliche studio verdrängte«. {Philologus 
XXXI. S. 512.) 

1) quotiens quaeque cohors procurrerat. V, 34. 

2) levitate armorum et quotidiana exercitatione nihil iis uoceri posse. V, 34. 

3) se ad signa recipientes. V, 34. Unter signa wird hier die von sämmt- 
liehen Feldzeichen bestimmte Frontlinie verstanden. (Vergl. Anhang III, 
Treffen bei Ruspina.) Nach einer Stelle in Tacitus Annalen : »Plurimus circa 
aquilas labor, quae neque ferri adversum ingruentia tela, neque figi limosa 
humo poterant«. I, 65, scheint man die Adler und auch wohl die Cohorten- 
zeichen, wenn man, wie hier, stehenden Fusses focht, in den Boden gesteckt 
zu haben, vermuthlich weil auf diese Weise die Adler- und Feldzeichenträger 
sich durch Handhaben des Schildes besser decken konnten, vielleicht auch weil 
hierdurch die Cohorten um so strenger an Einhaltung ihrer Stellung ge- 
zwungen waren. 



183 

Diese Weisung wurde von den Eburonen pünktlich eingehalten, 
und sobald eine Cohorte aus dem Carre gegen sie hervorbrach *), 
flohen sie eiligst zurück. Indessen musste noth wendig an jener 
Stelle des Carres eine Lücke entstehen, und die hervorbrechende 
Cohorte in der vom Schilde nicht gedeckten rechten Flanke Schuss- 
wunden empfangen *). 

Wenn sich die Cohorte aber an ihre Stelle im Carre wieder 
zurückzog '), wurde sie nicht nur von den Feinden, welche von ihr 
zurückgewichen waren, sondern auch von den zunächst seitwärts 
befindlichen umringt. Wollten die Römer aber keine Ausfälle 
machen ^) , so konnten sie ihre taktische Ueberlegenheit nicht zur 
Geltung bringen ^) und in ihrer Massenstellung sich des Hagels 
von feindlichen Geschossen nicht erwehren ^). 

Obgleich diese Verhältnisse so ungünstig waren, und sie bereits 
eine Menge Verwundeter zählten, hielten sie dennoch einen grossen 
Theil des Tages, vom frühen Morgen bis Nachmittag 2 Uhr, wacker 
Stand, und hatten bis dahin ihrer Pflicht und Ehre vollkommen 
Genüge geleistet. Jetzt aber wurde dem Titus Balventius, welcher 
im vorhergegangenen Jahre Primipilus gewesen war '), einem tapfern 



1} cum quaepiam cohors ex orbe excesserat atque impetum fecerat. V, 35. 

2) eam partem nudari necesse erat, efc ab latere aperto tela recipi. V, 35. 
Die Lücke im Garr^ war nicht ohne alle Yertheidigung. Denn sie konnte 
wenigstens theilweise durch die Antesignanen besetzt werden oder durch das 
Deplojiren der nebenstehenden Cohorten. Auch erschwerte schon die vor- 
dringende Cohorte selbst einen Angriff auf die Lücke des Carräs. 

3) rursusi cum in emn locum unde erant egressi, reverti coeperant. Y, 35. 

4) sin autem locum teuere vellent. V, 35. 

5) nee virtuti locus relinquebatur. V, 35. unter »virtus« kann hier wohl 
nicht »die Tapferkeit c verstanden werden, da diese die Eburonen, wie oben 
angeführt, in hohem Maasse besassen, sondern es wird »virtust mit Kriegs- 
tüchtigkeit oder taktischer Ausbildung und beziehungsweise »Ueberlegenheit« 
zu übersetzen sein. 

6) conferti (Y, 35.) kann hier nicht die enge Stellung eines Mannes am 
andern bezeichnen, sondern nur das Beisammensein des ganzen Corps auf 
einem verhältnissmässig geringen Eaume. Ein Mann hatte vom andern die 
gewöhnliche, durch die Taktik bedingte Entfernung (vergl. Anhang IL § 15). 
Die Cohorten standen aber in der Front des Carres ohne Intervallen neben 
einander, und das Innere des Carres war durch die Commandeure, den Stab, 
die Nichtstreitenden und die Yerwundeten ausgefüllt. In dem nämlichen Sinn 
wie hier wird das fragliche Beiwort »confertam« bell. Afr. cap. 13 gebraucht. 
(Yergl. Anhang III. Treffen bei Euspina.) 

7) qui superiore anno primum pilum duxerat. Y, 35. Da er nicht zum 
Tribun avancirt war , so scheint er dazumal , nachdem er seine 20 Jahre der 



184 

Manne, ein Wurfspiess durch beide Schenkel getrieben. Quintus 
Lucanius, Yon demselben Bange, fiel tapfer kämpfend, als er seinen 
Yon Feinden umringten Sohn heraushauen wollte, und den Legaten 
Lucius Cotta traf ein Schleuderstein gerade in den Mund, als er 
sämmtliche Cohorten und Abtheilungen laut rufend zum Kampfe 
anfeuerte *). 

Diese Scenen machten auf Titurius einen solchen Eindruck, 
dass er, als er von weitem Ambiorix erblickte, der seine Truppen 
haranguirte, seinen Dolmetscher zu ihm sendete, um zu capituliren. 

Ambiorix erwiderte: Wenn er ihn sprechen wolle, so habe er 
nichts dagegen; er hoffe, es bei seinen Leuten dahin zu bringen, 
dass man den römischen Soldaten Pardon gebe, dem Titurius selbst 
solle kein Leid geschehen, dafür setze er sein Wort ein. Titurius 
theilte diese Antwort dem verwundeten Cotta mit, und fragte ihn, 
ob er nicht mit ihm den Kampf yerlassen und sich mit Ambiorix 



Militärpflicht zurückgelegt hatte, als Evocatus unter dem Vexillum der. Ver- 
teranen gedient zu haben. Vergl. Bell. civ. III, 91: »Erat Crastinus evocatus 
in exercitu Caesaris, qui superiore anno apud eum primum pilum in legione 
X duxerat.€ und Marquards römische Alterthümer. Bd. III, S. 338. 

1) omnes cohortes ordinesque adhortans. Y, 35. Ordo heisst ursprünglich 
in taktischer Beziehung »Reihe oder Gliedt, dann aber speciell das Glied, 
welches die halbe Centurie bildete, also auch diese Abtheilung selbst. Schon 
Scheller bemerkt ganz richtig; es heisse ordo, »weil vermuthlich jedes Glied 
eine Schaar oder Compagnie ausmachte, eine Schaar oder Compagnie«. 

Oft kommt aber, wie hier, ordo auch als genereller Ausdruck für alle 
Abtheilungen vor, und bezeichnet nicht nur die halben und ganzen Genturien, 
die Manipel und Cohorten, sondern auch die, den Cohorten nicht einTerleibten 
Abtheilungen, nämlich die Vexillen der Veteranen oder der Schleuderer und 
Bogenschützen. 

Das ganze Carre, sogar, wie im Treffen bei Ruspina, als Oblong ange- 
nommen, hatte eine Länge von etwa 500 Schritten, und somit konnte des 
Cotta Stimme , wenn er in der Mitte des Carres stand , ein kräftiges Organ 
hatte, und sich einmal rechts dann links wendete, beinahe von allen Ab- 
theilungen gehört werden. 

Auch in diesem Ruf an das ganze Corps hatte Cotta die Funktion des 
ersten Commandeurs Titurius übernommen, denn nur diesem kam eigentlich 
ein solch allgemeiner Zuruf zu. So erzählt Ammian XVI, 12. 29. In der 
Schlacht gegen die Allemannen sei Julianus haranguirend in den Schlacht- 
reihen umhergeritten und habe sie nicht alle zusammen angesprochen, einmal 
zwar weil sie zu weit ausgedehnt gewesen seien, dann aber hauptsächlich, um 
sich nicht den Anschein zu geben, als masse er sich an, was nur dem Kaiser 
gebühre. — In dieser Hinsicht scheint Cäsar besonders hervorzuheben, dass 
Cotta alle Abtheilungen zur Tapferkeit angefeuert habe. Vergl. in appellandis 
hortandisque militibus imperatoris et in pugna militis officia praestabat. V, 33. 



185 

besprechen wolle. Dieser aber erklärte, er begebe sieh zu keinem 
Feinde, so lange derselbe unter den Waffen stehe, und blieb auch 
bei dieser Weigerung. 

Titurius befahl hierauf den Kriegstribunen und Centurionen 
erster Klasse, die sich gerade um ihn befanden, ihm zu folgen. Als 
er Ambioriz nahe gekommen war, gebot man ihm, die Waffen ab« 
zulegen. Er that es, und hiess auch seine Begleiter das Gleiche thun. 

Während man nun über die Bedingungen der Capitulation 
verhandelte und Ambiorix absichtlich lange sprach, wurde Titurius 
allmälich umringt und niedergemacht. 

Jetzt erhoben die Eburonen nach ihrer Weise ein Siegesge- 
schrei oder vielmehr ein Brüllen und Heulen '), machten einen An- 
griff, und brachten die Abtheilungen des Carr^s in Verwirrung^). 

In diesem Momente fiel der Legate Gotta mit dem grössten 
Tbeil der Truppen. Die Uebrigen zogen sich in das Lager zurück, 
von dem sie in der Frühe ausmarschirt waren. Vor demselben 
angelangt, wurde der Adlerträger Petrosidius von einer Ueberzahl 
Feinde umringt. Er warf seinen Adler über den Wall ins Lager 
und fiel, sein Leben theuer verkaufend. Der üeberrest der Truppen, 
welcher noch in das Innere desselben gelangte, vermochte kaum, 
bis zum Einbruch der Nacbt sich gegen die stürmenden Feinde zu 
halten. In der Nacht aber brach Verzweiflung über sie herein, 
und alle bis auf den letzten Mann gaben sich selbst den Tod. 

Nur wenige, die schon während der Schlacht entschlüpft waren, 
gelangten über Stock und Stein durch den Ardennenwald irrend % 
in das Winterlager des Labienus und berichteten ihm, was vor- 
geixJlen war. Vx 

2. Die verbündeten Eburonen, Aduatuker und Nervier ^ 

greifen Cicero's Winterlager an. 

Vom Siege bei dem eburonischen Aduatuca begeistert, eilte 
Ambiorix sogleich mit seiner Reiterei durch das Thal der Vesdre 
und sodann das Maasthal aufwärts in das angrenzende Gebiet der 
Aduatuker, deren Stadt auf dem Berge Falhize erbaut, 12 Stunden 
vom Kampfplatze entfernt lag. Er setzte seinen Marsch die Nacht 

1) atque ululatnm tollunt. V, 37. Ein solches Siegs- oder Schlachtge- 
schrei beschreibt Ammian (XVI. 12, 43) etwas näher mit folgenden Worten: 
Es begann mit leiserem Brummen, allmälich lauter und lauter werdend, bis es 
dem Donner der Wogen gUch, wenn sie brandend an Klippen und Riffe schlagen. 

2) ordines perturbant. V, 37. 

3) incertis itineribus per Silvas. Y, 37. 



186 

selbst, in der er aufgebrochen war, sowie den folgenden Tag ohne 
Unterbrechung fort'), und hatte seinem Fussvolk den Befehl er- 
theilt, ihm nachzufolgen. 

Als er durch die Darstellung seines grossen Sieges auch die 
Aduatuker in Feuer und Flammen gesetzt hatte *), gelangte er am 
folgenden Tage in das Gebiet der Nervier, in die Gegend des heu- 
tigen Namur*), 

Auch dieses Volk stachelte er auf, die Gelegenheit, das Joch 
der Römer abzuwerfen und für so viele erlittene Demüthigungen 
Rache zu nehmen, nicht unbenutzt verstreichen zu lassen. Zwei 
Legaten seien getodtet und ein grosser Theil des römischen Heeres 
vernichtet. Jetzt sei es ein Leichtes, auch Cicero's Legion zu über- 
fallen und niederzumachen^), und er würde seinen Beistand dazu 
nicht fehlen lassen. / 

Durch solche Worte hatte er die Nervier schnell auf seiner 
Seite. Sie sandten alsbald Boten an verschiedene unter ihrer Herr- 
schaft stehende Völkerstamme: an die Ceutronen, Grudier, Levaker, 
Pleumoxier und Geidunner, deren geographische Lage mit Sicher- 
heit schwerlich mehr ausfindig zu machen ist ^) , zogen möglichst 



1) neque noctem neque diem intermittit. Y, 38. Ambiorix machte nur 
einen Nacht- und einen Tagmarsch. Hätte er mehrere Märsche gemacht, 
so würde dies mit nocturnis diurnisque itineribus bezeichnet sein. Yergl. I, 38. 

2) Aduaticisque concitatis. V, 38. 

8) posterio die in Nervios peryenit. V, 38. Namur — Namurcum — war 
jedoch nicht die Hauptstadt der Nervier, sondern das jetzige Bavay — Bagacum. 

Nach Walckenaer I. pag. 477. grenzten die Nervier gegen Süden an die 
Hemer und Yeromanduer, gegen Westen an die Scheide, welche sie von den 
Atrebaten und Menapiem schied, gegen Norden an die Menapier und gegen 
Nordosten an die Eburonen. 

Nach der obigen Darstellung von des Ambiorix Zug können wir nun mit 
Bestimmtheit ergänzen, dass die Nervier im Osten an die Aduatuker und die 
trevirischen Völker grenzten, und dass die das erstere Volk berührende Ost- 
grenze zwischen Namur und Huy zu suchen sei. 

4) subito oppressam legionem, qiiae cum Cicerone hiemet, interfici. V, 88. 

5) Roulez (M^moires sur les campagnes de C^sar en Belgique. Louvain 
1833) verlegt die Grudier nach Tirlemont, wo sich eine kleine Pfarrei Namens 
Grimpde befinde, welche in den altern Karten »Grunde« benannt wurde; die 
Levaker nach Läau, einer kleinen Stadt, zwei Stunden von Tirlemont; die 
Pleumoxier nach dem heutigen Dorfe Lumay, zwischen Jodoigne und Tirle- 
mont. Von den Ceutronen vermuthet Boulez, dass sie südlich von Gemblouz 
bei dem Dorfe Torbais-St. Tron zu suchen sein möchten; die Geidunner, oder 
wie er schreibt, »les Gordunii« aber bei dem Dorfe Gourdinnes, drei Stunden 
nördlich von Philippeville und */* Stunden von Walcourt. 



187 

viel Mannschaft zusammen, und erschienen plötzlich Yor Cicero^s 
Winterli^er, dem des Titurius Niederlage noch nicht einmal zu 
Ohren gekommen war. 

So konnte es sich nicht fehlen, dass auch hier, wie es einige 
Ti^^e zuvor bei Aduatuca der Fall war, eine Anzahl Soldaten, welche 
um Holz fär die Befestigungsarbeiten zu holen ^), in die Wälder ge- 
gangen waren, von ihrer Reiterei überrascht und aufgehoben wurden. 

Nachdem nun diese unschädlich gemacht waren, setzten die 
Eburonen, Nerrier und Aduatuker nebst allen ihren Bundesgenossen 
und Hörigen mit grosser Macht zum Sturm auf das Lager an. Die 
Römer eilten zu den Waffen und besetzten den Wall, konnten ihn 
aber an diesem Tage kaum halten ; denn gerade die ersten Angriffe 
waren die heftigsten, weil der Feind die feste üeberzeugung hatte, 
Yon überraschender Schnelligkeit hänge der ganze Erfolg seines 
Unternehmens ab, und wenn auch dieses Winterlager noch ge- 
fallen sein würde, werde die Vernichtung des ganzen römischen 
Heeres auf gallischem Boden verbürgt sein. 

Cicero sendete sogleich durch Boten, denen er grosse Beloh- 
nungen versprach, an QLsar schriftliche Meldung ; da aber Weg und 
Steg von den Verbündeten besetzt war, so wurden sie alle aufge- 
fangen. 

In der Nacht wurden auf dem Walle des Lagers aus dem für 
Befestigung zusammengebrachten Holze mit unglaublicher Schnellig- 
keit gegen 120 Thürme errichtet ^). Was an der Befestigung noch 
zu mangeln schien, wurde vervollständigt. 



1) lignationia munitionisque causa. Y, 89. 

2) turre« admodum CXX exdtantnr. V, 40. Es ist schon von vielen Seiten, 
auch von Drumman behauptet worden, 120 Thürme habe Cicero's Mannschaft 
unmöglich in einer Nacht erbauen können, aber mit Unrecht, und wohl nur 
deshalb, weil man sich von diesen Thürmen gewöhnlich einen zu grossen Be- 
griff macht. Wie die Abbildungen auf der Trajanssäule nachweisen, waren 
solche Thürme höchst einfach construirt, und wenn sie auch, wie Cäsars 
Thürme, welche im 9. Kap. 8. Buch der gallischen Kriege beschrieben werden, 
drei Etagen haben sollten, so waren sie doch nicht viel über 30 Fuss hoch, 
da die dritte Etage von der Plattform gebildet wurde. Es waren Holzbauten, 
denen ähnlich, welche heutzutage da und dort für die Uebungen der Feuer- 
wehrcorps errichtet werden, und sie vertraten die Bonnets der nenern Schanzen. 

Manchmal wurden die Thürme durch Brücken oder Gallerien mit ein- 
ander in Verbindung gesetzt, so dass der ganze Umfang des Lagers eine 
Etagenvertheidigung erhielt (bell. gall. YIII, 9.). 

Die Thürme mögen etwa 10' im Quadrat zur Grundfläche gehabt haben; 
mehr haben wenigstens im Lichten nicht einmal die auf der sogenannten 



188 

Den folgenden Tag zogen die Feinde noch mehr Streitkräfte 
an sich, rückten yon Nenem zum Angriff vor, und suchten den 
Graben auszufüllen, während die Romer in gleicher Weise wie Tags 
zuvor ihre Vertheidigung fährten. So ging es auch die folgenden 
Tage fort. Nicht einmal in der Nacht wurde die Arbeit auch nur 
eine Stunde lang ausgesetzt, und weder den Kranken noch den Ver- 
wundeten Ruhe gegönnt. Denn in der vorhergehenden Nacht wurde 
jedesmal, was zur Abwehr des Angriffs am konunenden Ti^ nöthig 
war, zurecht gerichtet, namentlich eine Menge vomen verkohlter 
Pfähle, bestimmt als Feuerbrande auf die Feinde geschleudert zu 
werden *), und eine grosse Zahl Mauerpilen *), die man gewöhnlich 
bei der Städte- Vertheidigung anwendete, die aber auch hier Yon 
den Thürmen herabgeworfen, durch ihre Schwere und den ziemlich 
hohen Fall sehr wirksam sein mussten. 

Die Thtirme wurden mit den Böden der Stockwerke versehen •) 
und Zinnen und Brustwehren aus Reisig geflochten angebracht^) 
(Taf. VII. Fig. 5.). 

Saalbarg bei Homburg ausgegrabenen Grundmauern der steinernen Thürme, 
die zu beiden Seiten der Thore jenes römischen Oastells errichtet waren. 

1) praeustae sudes. V, 40. Sie wurden in der Nacht getrocknet, und vom 
verkohlt, damit sie den andern Tag schnell in Brand gesetzt werden konnten. 

2) muralium pDorum. V, 40. , 

3) turres contabulabantur. V, 40. Es fragt sich, ob unter »contabulare« 
nicht nur die Herstellung der Böden der Thürme, sondern, wenn von mehreren 
Thürmen die Bede ist, nicht auf die Verbindung derselben durch leichte 
Brücken verstanden werden muss. Solche Brücken von den Commentarien in 
bell. gall. VIII, 9. beschrieben, förderten die von dem Thurme geführte Ver- 
theidigung sehr, weil man sich gegenseitig beispringen und mit Geschossen 
aushelfen konnte. Auch gewährten sie den Thurmvertheidigem eintretenden 
Falls einen geordneten Bückzug nach den zur Seite stehenden Thürmen. 

Im Sinne von »überbrücken« braucht Sueton das »contabulare« Cal. 19. 
und ähnlich braucht es Gurtius V, 7: »contabulato mari molibus«; Frontin. 

III, 9. 8: »binas naves contabulavit«, und Liv. XXIV. 34: »oontabulatas turres«. 

4) pinnae loricaeque ex cratibus attexuntur. V, 40. Lorica ist ein ziem- 
lich weiter Ausdruck, und bedeutet jede deckende Umschliessung, nämlich : 

1. £inen Panzer. 

2. Den Verputz an Gebäuden (Vitruv.). Daher wahrscheinlich auch: 

3. Die Bekleidung von Erdwerken. 

4. Die Einfriedigung eines Hauses oder eines Parks, einen Zaun (Apulejus 
Met. lib. VI. Ammian üb. XXV. 5. 2.). 

5. Eine aus Flechtwerk bestehende Brustwehr. 

6. Die Contravallationslinie gegen eine belagerte Festung errichtet (Veget. 

IV, 28.). 

7. Eine Stadtmauer mit ihren Thürmen (Veget. IV, 28.). 



189 

Cicero, obgleich er von schwächlicher Gesundtheit war, gönnte 
sich nicht einmal zur Nachtzeit Ruhe, so dass seine Soldaten aus 
freien Stücken zu ihm liefen und ihn dringend baten, er möchte 
sich doch schonen. 

Einige Fürsten und Führer der Nervier, welche in einer Art 
freundschaftlicher Beziehung zu ihm standen, schlugen ihm eine 
Besprechung Tor. Cicero ging darauf ein , und nun brachten sie 
das Nämliche vor, was auch Ambiorix dem Titurius vorgespiegelt 
hatte: ganz Gallien stehe in den Waffen, Germanen hätten bereits 
den Rhein überschritten, und Cäsars übrige Winterlager seien eben- 
falls blockirt ; weshalb Cicero von diesen keinen Ersatz hoffen dürfe, 
jedoch freien Abzug erhalten solle. Er liess sich aber nicht ein- 
schüchtern und verblieb im Lager. 

Nun imigaben die Nervier dasselbe mit einem Walle von 11 
Fuss Höhe und einem Graben von 15 Fuss Breite '). 

Dieses Verfahren hatten sie durch den Verkehr mit den Römern 
in den verflossenen Jahren kennen gelernt, und Hessen sich 
darin auch von einigen Gefangenen unterrichten. Weil sie aber 
nur wenig eisernes Arbeitsgerathe besassen ^) , so stachen sie die 

8. Die einer Stadtmauer nebst ihren Thürmen ähnliche Befestigung des 
Lagers aus Holzbauten bestehend, wie die im 9. Kap. des 8. Buchs der Com- 
mentarien beschriebenen. 

9. Endlich nennt Yegetius sogar eine befestigte Stadt selbst: Lorica. 
Zinnen (pinnae) wurden an den Brustwehren ier Plattform der Holz- 

thürme, vielleicht auch an den sie verbindenden Gallerien angebracht, aber 
wohl nnr selten an den Brustwehren der Erdwälle, weil hier der unbeschränkte 
Gebrauch der blanken Waffe, der zur Abwehr der Stürmenden an jedem 
Punkte nöthig war, durch Zinnen sehr verhindert worden wäre. Diese Rück- 
sicht war jedoch bei Vertheidigung der Thürme und Gallerien untergeordneter 
Art, da es hier weniger zum Kampfe mit der blanken Waffe kam, die Zinnen 
aber immerhin Deckung gewährten, und dem Werfen der Geschosse — von 
oben nach unten — nicht sehr hinderlich waren. 

1) vallo pednm XI et fossa pedum XV. V, 42. Angenommen, dass 

die Nervier den gewöhnb'chen römischen Graben nachahmten, so war er 9 

Fuss tief; daher das Deblai nahezu 15 . 9 = 135 O', und das Remblai 

= 135 + "*/• = 157 D'. Der 11 Fuss hohe Wall hatte nach Abzug der 

Brustwehrhöhe, einen Wallgang von 7 Fuss Höhe, und für die innere Böschung 

7 , 14 
— mit doppelter Anlage — brauchte man folglich — - — = 49 D'. Somit 

blieben filr den eigentlichen Wallgang (157 — 49) = 180Ü', woraus sich seine 
Breite zu 15 ' berechnet. Die äussere Böschung kann ausser Berechnung bleiben, 
da sie mit Basen bekleidet, sehr steil gehalten werden konnte. 

2) niilla ferramentorum copia, V, 42. 



190 

Rasen ') — zur Bekleidung der äussern Wallböschung — mit den 
Schwertern, hoben die Erde mit den Händen aus, und trugen sie 
in ihren Mänteln*) zum aufzuwerfenden Walle. 

Cäsar führt an, einen Schluss auf die grosse Zahl dieser Ver- 
bündeten könne man aus dem Umstände ziehen, dass sie in weniger 
als drei Stunden eine Contravallationslinie von 10,000 Doppel- 
schritten, also von 2^/8 Stunden im Umfang herstellten'). 

In den folgenden Tagen begannen die Verbündeten Wandel- 
thürme von der Höhe des römischen Walles — also nicht viel über 
12 Fuss hohe, zum Vorschieben eingerichtete Holzgerüste ^) — an- 

1) ceepites. V, 42. Nach Vegetius wurde der Rasen von den Körnern in 
Stücken von V«' Dicke, 1' Breite und IV«' Länge ausgestochen. 

2) sagulisque terram etc. V, 42. M. Le Deist de Botidouz a. g. O. sagt 
über diese Mäntel : Petit Manteau, que les Gaulois portaient h la gaerre. Le 
nom de sagum que lui donne Cdsar et que les B.omains avaient adopt^ poor 
däsigner le vetement court et flottant, qu'ils portaient par-dessus leurs armes, 
est un mot d'origine Geltique. Sad en bas Breton a conserv^ la mSme sign!- 
fication ; et je crois qu*on peut aussi bien ddriver de Sa^ que de sagum notre 
mot Saie. 

3) milium passuum X in circuitu. Y, 42. Nach unserer Berechnung hatte 
Cicero's Lager 700 Schritte Seitenlänge , und daher war — wenn man an- 
nimmt, dass die Contra vallation mit dem römischen Lagerwall parallel lief — 
diese Linie der Nervier etwa 2250 Schritte von Cicero's Lager entfernt (siehe 
Taf. VIT. Fig. 3.). Eine solche Entfernung ist aber ausserordentlich gross, 
denn die Contravallation , welche Cäsar bei Dyrrhachium gegen Pompejus 
aufwerfen liess, hatte nur 1200 Schritte Abstand von des Letztem Ver- 
schanzung. Nicht nur aus diesem Grunde ist die Leseart »milia X passuum« 
den andern, welche sogar »milia XV passuum« angeben, vorzuziehen, sondern 
auch deshalb, weil schon bei einem Umfang von nur 10,000 Passus die Be- 
lagerer wenigstens 200,000 Arbeiter in Thätigkcit setzen mussten, um die 
ganze Contravallationslinie in drei Stunden aufzuwerfen, denn die zu be- 
wegende Erdmasse betrug etwa 7,850,000 Kubikfuss. — Als nach Aufhebung 
der Belagerung die Verbündeten dem anrückenden Cäsar entgegengezogen, 
waren sie noch 60,000 Bewaffnete stark. (Vergl. V, 49.) 

Auch dem Kaiser Napoleon erscheint die Zahl von XV röm. Meilen 
»wenig glaublich«; er liest deshalb auch hier »pedumc statt »passuum«, wo- 
durch die Sache freilich eher als möglich erscheint. Dübner meint zwar, dass 
so grosse Angaben nie durch pedes, sondern stets durch passus gemacht 
würden ; Heller spricht sich aber günstig für diese Coiyectur aus, weil die Lese- 
art MDC pedum bereits in B. G. I, 38 als nothwendig anerkannt sei. In der 
Sache stimmen mithin Alle mit Göler darin überein, dass eine kleinere Aus- 
dehnung anzunehmen sei, nur dass dieser die Zahl XV zu ändern vorschlägt, 
während Napoleon und Heller das Wort passuum in pedum verwandeln. 

4) turres ad altitudinem valli. V, 42. Dass hier unter »turris« ein Ge- 
rüste von so geringer Grösse verstanden wird, darf nicht befremden , da ein 



191 

zufertigen , sowie Leitern und Bahnhütten ^) zur Herstellung eines 
Dammes über den Graben , auf weichem der Wandelthurm an den 
Wall geschoben wurde. Dies Alles hatten sie von ihren Gefangenen 
sich lehren lassen. 

Als sich am siebenten Tag der Belagerung ein sehr starker 
Wind erhob , warfen sie glühend gemachte Thonkugeln ^) mittelst 
Schleudern und Wurfspiesse, deren Metallspitzen ebenfalls glühend 
gemacht waren, auf der Römer Lagerhütten und Baracken, die nach 
gallischer Sitte Strohdacher hatten '). 

Die Baracken fingen schnell Feuer, und der starke Wind ver- 
breitete es bald im ganzen Lager, üeber diesen Erfolg ihrer 



solches Gerüste im Wesentlichen den hohen gegen feste Städte angewendeten 
Wandelthürmen ähnlich eingerichtet und gebraucht wurde, und es auf das 
HOhenmaas durchaus nicht ankommt. Die Thürme , welche von Elephanten 
getragen wurden, waren ja noch niederer, und wurden dennoch »turres« ge- 
nannt. (Vergl. Li vi US.) 

1) scalas testudinesque. Y, 42. Ich kann nicht umhin, hier tscalasc an- 
statt »falces« zu lesen. Denn Sicheln zum Einreissen der römischen Be- 
festigungen, die, wenn sie für ihren Zweck genug Stärke haben sollten, aus 
£isen sein mussten, verstanden die fraglichen Völker wenigstens in der Eile 
nicht anzufertigen. Auch spricht Cäsar in V, 43. vom Ersteigen des römi- 
schen Walles mit Leitern — scallis vallum ascendere coeperunt — während 
er der Anwendung von Sicheln keine Erwähnung thut. Ueber die Bahnhütten 
vergl. Anhang IL § 90. 

2) ferventes fusili ex argilla glandes. V, 43. Es wurde schon vielfach 
behauptet , unter diesem Wurfkörper könne man nicht einfache Thonkugeln 
verstehen, sondern sie müssen in thönernen Töpfen bestanden haben, die mit 
einem Brandzeug gefüllt gewesen seien. Ich habe mich jedoch durch Ver- 
suche überzeugt, dass etwa faustgrosse Thonkugeln bis zur Weissglühhitze 
gebracht, die Wärme lange genug hehalten, um sie werfen und mit ihnen 
noch Stroh anzünden zu können. Dass zu diesem Behuf die Schleudern mit 
Eisenblech belegt sein konnten, um ihr Anbrennen zu verhüten, hat schon Le 
D^ist bemerkt. — Vor dem Glühen müssen die Thonkugeln jedoch langsam 
getrocknet werden, weil sie sonst zerspringen. Nur ganz guter Thon ist zu 
solchen Kugeln hrauchhar, und es spricht für die richtige Annahme des Oicero- 
nischen Lagers bei Namur, dass sich in dessen Nähe ein solcher Thon vor- 
findet. Die Fayence - Fabriken des vier Stunden von Namur entfernten An- 
dennes sind bekannt. (Vergl. Berghaus Band III.'&,748.) 

Die einfachste Schleuder kann dadurch erhalten werden, dass man, ehe 
die Kugel geglüht ist, sie mit einem etwa 27t' langen Drahte durchsticht, 
der unter ihr umgebogen und mit ihr abgeworfen wird. — Napoleon erzählt, 
dass in Bretueil an der Oise, wie in den Buinen von Carthago, eine Menge 
eiförmiger Kugeln von gebranntem Thon gefunden worden sind. 

3) in caaaSy qnae more gallioo stramentis erant tectae. V, 43. 



192 

Schleuderer erhoben die Belagerer ein furchtbares Freudengeschrei, 
wie wenn sie den Sieg bereits in Händen hätten, schoben ihre 
Thürme und Bahnhütten herbei, und suchten den Wall zu ersteigen. 

Die Belagerten aber legten eine bewundernswerthe Tapferkeit 
und Geistesgegenwart an den Tag, denn obgleich sie von allen 
Seiten von Flammen umglüht und von einer ungeheuren Menge 
von Geschossen überschüttet wurden, und obgleich sie wuästen, dass 
air ihr Gepäck und somit all* ihre Habe in Flammen aufgehe, ver- 
liess doch nicht ein Einziger den Wall, um seine Habseligkeiten 
an einen andern Ort zu bringen, ja es sah sich kaum einer nach 
ihnen um, sondern Alle kämpften voll Muth und Tapferkeit. 

Dieser Tag war für die Römer bei weitem der härteste, hatte 
aber den Erfolg , dass eine Masse ihrer Feinde verwundet und ge- 
tödtet wurde; denn dicht vor dem Walle hatten sie sich so zu- 
sammengedrängt, dass die hinten Befindlichen den Vordem auch 
nicht einen Schritt rückwärts zu thun gestatteten. 

Als der Brand der Baracken wenigstens etwas nachgelassen 
hatte, und an einer Stelle ein Wandelthurm bis hart an den Wall 
geschoben war'), da führten die Centurionen der dritten Gehörte, 
welche dort die Brustwehr besetzt hielt, ihre Leute vom Walle 
zurück. Hierauf forderten sie die Feinde durch Winken und Zu- 
rufen auf, vom Thurme herab ins Lager zu kommen'), und da 
keiner es wagte, der Aufforderung zu folgen, so überschütteten sie 
dieselben von allen Seiten mit einem Hagel von Steinen, jagten 
sie vom Thurme hinab und steckten ihn in Brand '). 

Hier erzählen die Commentarien einen Vorfall, der, wenn auch 
nicht von allgemeiner Einwirkung auf die vorliegenden Kämpfe, 
doch zu charakteristisch ist, als dass ich ihn übergehen konnte. 

Es standen in Cicero's Lager zwei Centurionen, Namens Titus 
Pulio und Lucius Vorenus, die beide Aussicht hatten, bald in die 
erste Classe ihrer Charge befordert zu werden, sich stets stritten, 
wem der Vorzug gebühre, und alle Jahre im höchsten Grolle ein- 
ander vorankommen suchten. Als nun vor dem Walle mit ausser- 
ordentlicher Erbitterung gekämpft wurde, rief Pulio dem Vorenus 
zu: Nun, worauf wartest du noch, deine Tapferkeit beweisen zu 
können! Der heutige Tag soll unsem Streit entscheiden! Darauf 



1) qnodam loco turri adacta et contingente vallam. V, 43. 

2) si introire vellent, vocare coeperunfc. V, 43. 

3) turrisque succensa est. V, 43. Nipperdey liest »succisa estc 



193 

sprang er aus dem Lager, und stürzte sich auf den Feind, wo er 
am dichtesten stand. Vorenus aber liess sich solches nicht zweimal 
sagen, sondern folgte ihm vom Ehrgefühle getrieben alsbald nach. 
Unterdessen war Pulio einer Masse von Feinden nahe gekommen, und 
hatte einen derselben, der gegen ihn heranlief, mit dem abge- 
schlenderten Pilum durchbohrt. Den Niedergestreckten deckten 
seine Genossen mit ihren Schilden , warfen sämmtlich ihre Wurf- 
spiesse nach Pulio und schnitten ihm den Rückzug ab. Ein galli- 
scher Wurfspiess drang durch seinen Schild, und blieb im Wehr- 
gehange haften. Dadurch verschob sich die Scheide, und Pulio 
Ton Feinden umringt, vermochte im Augenblicke sein Schwert nicht 
zu ziehen. Jetzt eilte sein Nebenbuhler Vorenus hinzu, und kam 
dem Bedrängten zu Hilfe. Die ganze Menge wendete sich hierauf 
von Pulio ab und gegen Vorenus, weil sie den Erstem bereits für 
getödiet hielt. 

Vorenus setzt ihnen mit dem Schwerte zu, sticht einen nieder 
und treibt die Uebrigen etwas zurück ; während er aber allzu hitzig 
vordringt , fallt er einen Bain hinab ^) und wird selbst umringt. 
Ihm kommt jetzt Pulio wieder zu Hilfe, und beide kehren rühm- 
bedeckt ins Lager zurück. 

Ein grosser Theil der Mannschaft war durch Wunden kampf- 
unfähig geworden, und die Vertheidiger auf eine kleine Zahl zu- 
sammengeschmolzen, so dass der Dienst immer anstrengender und 
die Lage der Legion von Tag zu Tag bedenklicher wurde. Man 
sendete deshalb Boten auf Boten an CTäsar, von denen einige auf- 
gegriffen und vor der Homer Augen unter Martern hingerichtet 
wurden. Im Lager befand sich jedoch ein Nervier, Namens Vertico, 
der sogleich bei Beginn der Belagerung zu Cicero übergegangen 
war, und sich ihm stets treu erwiesen hatte. 

Dieser bewog einen seiner Sclaven durch das Versprechen der 
Freilassung und grosser Belohnung, eine schriftliche Meldung über 
den Stand der Belagerurg an Cäsar zu befördern. Der Sclave 
steckte das Schreiben in den ausgehöhlten Schaft eines Wurf- 
spiesses*), und gelangte damit glücklich an Cäsar, weil er, selbst 
ein Gallier, ohne aufzufallen unter den Galliern erscheinen konnte. 

Von ihm erfuhr Cäsar die Gefahr, in der sich Cicero und sein 
Lager befand. 

1) in locnm deiectns inferiorem concidit. V, 44. 

2) in iacnlo illigatas (litteras). V, 45. 

T. O Oler, CftaATs gallischer Krieg. II. Anfl. 13 






194 



3. Cäsar bricht, auf nnd bringt Cicero Entsatz. 

Ungefähr um fiinf Uhr ') Abends war Cicero's Bote im Haupt- 
quartier zu Samarobriva angelangt, und schnell entschloss sich Cäsar, 
zunächst mit zwei Legionen Cicero zu Hilfe zu eilen, nämlich mit 
der Legion des Trebonius, welche bei Samarobriva selbst stand, 
und mit der Legion, welche unter Gajus Fabius in das Gebiet der 
Moriner, 8 Stunden von Samarobriva, in der Nähe des heutigen 
Doulens dislocirt war. Er sendete daher an den letztem Legaten 
sogleich einen Boten, der demselben den Befehl überbrachte, augen- 
blicklich zu ihm zu stossen; jedoch nicht nach Samarobriva zu 
marschiren, sondern in der Richtung von Camaracum (Cambray) 
das Gebiet der Atrebaten zu durchschreiten, wo er mit ihm zu- 
sammentreffen wolle *) , da er — Cäsar selbst — ja doch ebenfalls 
durch das Gebiet der Atrebaten ziehen müsse, um zu Cicero zu ge- 
langen '). 

Ebenso sendete er alsbald einen Boten an den Quästor Crassus, 
der mit seiner Legion gleichfalls 8 Stunden von Samarobriva ent- 
fernt ^) im Gebiete der Bellovaker, wahrscheinlich bei Bratuspantium 
(Montdidier) stand, und ertheilte ihm den Befehl, um Mitternacht 
mit seiner Legion aufzubrechen und nach Samarobriva zu mar- 
schiren ^), daselbst die Commandantschaft zu übernehmen ^), und mit 
seinen Truppen das ganze Gepäck des Heeres, das Archiv, die Geiseln 
und das für den Winter aufgehäufte Getreide, welches sich Alles 
in dieser Stadt befand, zu decken. 

Dem Labienus — welcher bei Meduantum, in der Nähe vom 
heutigen Chiny stand — schrieb Cäsar, wenn es mit dem allge- 
meinen Besten vereinbarlich sei, solle er mit seiner Legion an die 
Grenze der Nervier — in die Gegend von Namur — rücken'). 



1) hora circiter XI diei. V, 46. 

2) ut in Atrebatum fines legionem adducat. V, 46. Der Umstand, dass 
Cäsar den Fabius ans dem Gebiete der Moriner herbeirief, zeigt, dass in Arras 
oder bei den Atrebaten keine Legion stand, sonst hätte er diese mit sich ge- 
nommen und nicht die entferntere. Plancus stand daher in Noviodaniun oder 
Soissons, und nicht bei Arras. (Vergl. die Anmerkung zu Seite 170. V, 24.) 

3) qua sibi iter faciendum sciebat. V, 40. 

4) milia passuum XXV. V, 46. 

5) media nocte legionem proficisci celeriterque ad se venire. V, 46. 
0) Crassum Samarobrivae praeficit. V, 47. 

7) ad fines Nerviorum veniat. V, 46. In der Nähe von Namur grenzten 
die Nervier an die Trevirer. 



195 

Die übrigen Corps glaubte Cäsar vor seinem Abmärsche nicht 
an sich ziehen zu können , da die Zeit drängte und jene Truppen- 
theile etwas zu entfernt dislocirt waren ^). Ungefähr 400 Reiter 
aber zog er noch aus dem Winterlager des Crassus an sich *). 

Der Bote, welcher zu Crassus gesendet worden war, konnte um 
10 Uhr Abends bei demselben anlangen, und unmittelbar darauf 
traf der Quästor die nothigen Anstalten und marschirte ab •). Als 
daher Morgens etwa um 9 Uhr die Spitzen von Crassus Vorhut bei 
Samarobriva eintrafen, und Cäsar durch ihre Meldung der Ankunft 
des Crassus versichert war *), brach er mit der Legion des Trebonius 
auf, und I^te an diesem Tage noch einen Marsch von beinahe 
sieben Stunden Wegs zurück *). 

Elr gelangte demnach bis zu dem heutigen Dorfe Bourcy, drei 
Stunden westlich von Carabray, und traf dort mit Fabius zusammen, 
welcher der erhaltenen Weisung gemäss, schleunig aus seinem 
Winterlager aufgebrochen und wacker vom Fleck marschirt war •). 

Dagegen erhielt Cäsar von Labienus die Meldung: nachdem 
des Titurius Sabienus Tod und die Niederlage seiner Cohorten be- 
kannt geworden ^), hätten sich die Trevirer mit allen ihren Streit- 
kräften gegen ihn in Bewegung gesetzt, und ihre Reiterei und ihr 
Fussvolk stünden bereits kaum mehr als eine Stunde Wegs von 
ihm entfernt. Er befürchte daher, wenn er, einem Fliehenden 



1) reliquam partem exercitas, qnod paulo aberat longius, non putat ex- 
Rpectandam. V, 46. Dies bezieht sich auf die Legion des Roscius, welche bei 
dem heutigen Sees und auf jene des Manutius Plancns , welcher von Novio- 
dunum nach Genabum oder Orleans im Gebiete der Carnuten detachirt worden 
war. (Vergl. S. 176.) 

2) equites circiter quadringentos ex proximis hibemis colligit. V, 46. 
Wenn die Legion des Trebonius und die des Fabius jede ebenfalls 400 Reiber 
zahlte, so hatte Cäsar etwa 1200 Reiter bei sich. 

3) Exit cum nuntio Crassus. V, 46. 

4) hora circiter tertia ab antecursoribus de Crassi adventu certior factus. 

V, 47. 

5) eo die milia passuum XX procedit. Y, 47. 

6) Fabius, ut imperatum erat, non ita multum moratus in itinere cum 
legione occorrit. V, 47. Cäsar mag, da er Morgens neun Uhr abmarschirte, 
und beinahe sieben Stunden zurücklegte, etwa um sechs ühr Abends mit 
Fabius zusammengetroffen sein. Dieser hatte von Doulcns bis Bourcj zehn 
Stunden Wegs, und wenn er ebenso wie Crassus um Mitternacht aus seinem 
Winterlager abmarschirt war, so hatte er zu seinem forcirten Marsche 18 
Stunden Zeit zu verw^den. 

7) interitu Sabini et caede cohortium cognita. Y, 47. 

13* 



196 

gleich, sein Winterlager verlasse, mochte er einem AngrifiT nicht 
Stand halten können ; da sich der Feinde Muth durch den neulichen 
Sieg ausserordentlich gehoben habe. 

Dieser Meldung fügte Labienus zugleich einen Bericht über die 
unglücklichen Vor^nge bei Aduatuca bei. 

Cäsar vermochte den Entschluss desselben nur zu billigen, ob- 
wohl sein Entsatzcorps wider Verhoffen anstatt aus drei, nur aus 
zwei Legionen bestand, und ein schnelles Erscheinen auf dem Kampf- 
platze für die Rettuug der Belagerten allzu nöthig war, als dass 
man eine entfernter liegende Legion vorher noch hätte an sich 
ziehen können. 

In forcirten Märschen traf er in dem Gebiet der Nervier ein *), 
und erhielt dort durch Gefangene nähere Kunde, in welch' gefahr- 
licher Lage sich Cicero befinde. 

Mittelst grosser Versprechungen überredete er daher einen seiner 
gallischen Reiter, die Beförderung eines Briefes an Cicero zu über- 
nehmen. Diesen Brief schrieb er mit griechischen Buchstaben da- 
mit sein Inhalt den Feinden unbekannt bleibe, im Falle sie ihn 
auch auffangen würden, und gab dem Gallier die Weisung, wenn 
er nicht selbst zu Cicero gelangen könne, den Brief am Wurfspiess- 
riemen befestigt*), über den Wall ins Lager zu werfen. In dem 
Briefe stand : Cicero solle in seiner alten Tapferkeit beharren, Cäsar 
selbst sei [mit den Legionen im Anmarsch und werde in kürzester 
Zeit eintreffen. 

Dem Gallier war , so lange er den Brief bei sich trug , nicht 
wohl zu Muthe, und er beeilte sich daher, ihn mit dem Wurfspiess 
ins Lager zu senden. Das Geschoss blieb aus Zufall an einem der 
hölzernen Thürme stecken, und ward daselbst zwei Tage lang nicht 
bemerkt; am dritten Tage aber wurde der Brief entdeckt, herab- 
genommen und Cicero überbracht. Er liest den Brief und theilt 
ihn sogleich den versammelten Soldaten mit. Unermesslicher Jubel 
erfolgt, und zugleich erblickt man auch in der Ferne von brennen- 
den Gebäuden aufsteigende Rauchsäulen, so dass die Ankunft der 
Legionen ausser allem Zweifel lag'). 



1) venit magnis itineribus in Nerviorum fines. V, 48. 

2) tragulam cum epistola ad amen tum deligata. V, 48. 

3) Cäsar scheint für den Marsch von Bray bis Namiir — einen Weg von 
36 Stunden oder 20 geographischen Meilen — fünf Tage gebraucht, also 
durchschnittlich ungefähr sieben Stunden Wegs täglich zurückgelegt zu haben ; 
und wenn jener gallische Reiter mit dem Schreiben an Cicero beim Beginn 



197 

Jetzt wurden auch die Gallier durch ihre Patrouillen von 
Gasars Erscheinen in Eenntniss gesetzt; sie hoben die Belagerung 
auf, und zogen mit ihrer ganzen Heeresmacht von etwa 60,000 Be«: 
waffheten ihm entgegen *). ( 

4. Cäsars Sieg über die Verbündeten. ■■ 

Von diesem Abzug der Verbündeten und ihrem Anmarsch gegen 
Cäsar wusste Cicero seinen Oberfeldherm durch ein Schreiben in 
Kenntniss zu setzen, welches wiederum ein Gallier und Sclave des 
oben erwähnten Vertico zu befordern übernommen hatte. 

Gegen Mitternacht gelangte jenes Schreiben an Cäsar. Er 
setzte seine Truppen sogleich davon in Kenntniss, und sprach ihnen 
zum bevorstehenden Kampfe Muth ein. Mit Sonnenaufgang brach 
er sodann auf, und war ungefähr */* Stunden Wegs vorgerückt, 
als er jenseits eines Thals, das ein Bach durchfloss, die feindlichen 
Massen erblickte'). 

Bb wäre sehr gewagt gewesen, mit einer so geringen Stärke 
— denn Cäsar's beide Legionen zählten damals nur 7000 Mann •) — 
auf einem Terrain, das den Römern nur Nachtheile bot *), zu einer 
Hauptschlacht zu schreiten. 

Denn sie hätten Angesichts des Feindes nicht nur den Bach 
überschreiten, sondern auch gegen die Gallier, welche die jenseitige 
Thalwand besetzt hatten, bergan stürmen müssen. Ausserdem 
aber war auch Cicero nicht mehr belagert und es kam deshalb 
nicht mehr darauf an, etwas früher oder später zu ihm vorzudringen. 

Cäsar machte daher Halt, und schlug an einem möglichst vor- 
theilhafb gelegenen Punkte sein Lager, ohne Zweifel auf der Höhe 
der diesseitigen oder westlichen Thalwand, so dass er deren Ab- 
hang vor sich liegen hatte. 

des zweiten Marsches vorausging, so musste derselbe vier Marschlängen oder 
28 Stunden in zwei Tagen aiirücklegen , lun einen solchen Vorsprung zu ge- 
winnen, dass sein Pfeil, als Cäsar ankam, bereits zwei Tage am Thurme 
hängen konnte. 

1) haec erant armata circiter milia LX. Y, 49, wie Dübner richtiger statt 
des gewöhnlichen »hae« liest. 

2) trans vallem et rivum multitudinem hostium conspicatur. V, 49. 
Jenen Bach halte ich für den Orneau, der bei Onoz drei Stunden westlich 
von Namur und eine Stunde östlich von Ligny ein verhältnissmässig breites 
Thal durchfliesst, und bei Monstier in die Sambre mündet. Einige Codices 
enthalten »trans vallem magnam etc.« 

3) viz hominum milium Septem. Y, 49. 

4) tantulis copiis iniquo loco dimicare. Y, 49. 



198 

Wiewohl dies LagiT für zwei so schwache Legionen schon an 
und für sich sehr klein werden musste, zumal sie kein schweres 
Gepäck mit sich führten, so zog er es dennoch durch schmale An- 
lage der Wege auf einen noch engem Raum zusammen, damit seine 
Truppenzahl dem Feinde ja recht verächtlich vorkommen mochte. 

Auch sendete er nach allen Seiten Guiden aus ') , um zu re- 
cognosciren, auf welchem Wege man das Thal am leichtesten über- 
schreiten könne. 

An jenem Tage wurde am Bache hin, wahrscheinlich des 
Wasserholens wegen*), einige kleine Reitergefechte geliefert, im 
Uebrigen blieben aber die beiderseitigen Heere ruhig in ihrer 
Stellung »), 

Die Gallier warteten noch auf weiteren Zuzug, der im An- 
märsche war, und CSsar hoffte durch erheuchelte Furcht die Feinde 
auf den vor seinem Lager liegenden Abhang locken zu können, der 
seinen Truppen im Kampfe den Vortheil der Ueberhöhung gewährte *). 

Sollten die Gallier sich aber nicht verleiten lassen, auf das 
ihnen nachtheilige Terrain vorzurücken, so wollte er den Angriff 
wenigstens so lange verschieben, bis die Wege aufgefunden und 
recognoscirt wären, auf denen er Thal und Bach unter günstigen 
Verhältnissen überschreiten könnte^). 

Gäsars Hoffnung ging jedoch in Erfüllung. Den folgenden 
Tag bei den ersten Strahlen der Morgensonne rückte die feindliche 
Reiterei gegen das römische Lager herauf, und scharmuzirte mit 
Gäsars Reiterei. Dieser ertheilte hierauf seiner Reiterei den Befehl, 
absichtlich zu weichen und sich ins Lager zurückzuziehen, liess 
den Lagerwall auf allen Seiten erhöhen, die Eingänge mit einer 
dünnen, nur aus einer Rasenschichte bestehenden Wand ver- 
bauen ®) , und bei allen diesen Arbeiten seine Leute recht unstät 
hin imd her laufen, als befanden sie sich in der grössten Angst. 

• 

1) speculatoribus in omnes partes diinissis. V, 49. Vergl. Anhang II. § 46. 

2) ad aquam. V, 50. 

3) Titrique sese suo loco contineni V, 50. 

4) si hostem in suum locum elicere posset. V, 50. Yergl. Anm. 7. S. 18. 

5) ut exploratis itineribus minore cum periculo vallem rivumque trans- 
iret. V, 50. 

6) portasque obstrui. V, 50. Vergl. ut obstructis in spedem portis singulis 
ordinibus cespitum. V, 51. Auch diese Anordnung musste den Schein grosser 
Furcht liefern, weil man sich das Ansehen gab, als habe man sogar auf jeden 
Ausfall verzichtet, um nur die immerhin schwächsten Punkte der Yerschanzung 
gesichert zu haben. 



199 

Die List that ihre Wirkung. Das gallische Heer rückte wirk- 
lich über den Bach, und stellte sich auf dem für sie höchst un- 
günstigen Terrain in Schlachtordnung^). 

Wie nun C^ar vollends seine Truppen vom Walle herab und 
in das Innere des Lagers zurücktreten liess, rückten sie näher und 
überschütteten die Yerschanzung von allen Seiten mit einem Hagel 
von Geschossen. Jetzt ritten Herolde rings um das Lager, und 
verkündeten laut: Wer vor neun Uhr Vormittags zu ihnen über- 
gehe — sei er Gallier oder Römer — dem solle kein Leid ge- 
schehen; für später gelte es nicht mehr. 

Die Gallier legten überhaupt eine ausserordentliche Gering- 
achätzung gegen die Römer an den Tag. Weil sie die Eingänge 
für massiv zugebaut hielten, und daher glaubten, man könne dort 
nicht in das Lager eindringen, so begannen die Einen den Wall 
— ohne Anwendung von Leitern — mit Hilfe der Hände zu er- 
klimmen '), Andere die Gräben auszufüllen. 

Jetzt brach Cäsar aus allen Eingängen, deren dünner Rasen- 
verschluss schnell umgeworfen war, nicht nur mit den Legionen, 
sondern auch mit der Reiterei^) plötzlich hervor, und verbreitete 
durch seinen unerwarteten Angriff unter den Feinden einen so 
panischen Schrecken, dass auch nicht Einer Stand hielt, sondern 
Alle ihre schweren Schilde von sich warfen ^) , und augenblicklich 
die Flacht ergriffen. 

Ein grosser Theil wurde niedergemacht ; auf eine weitere Ver- 
folgung wollte sich Cäsar aber nicht einlassen, weil man bald auf 

1) ademque iniquo loco constituunt. Y, 51. 

2) alii Valium manu scandere. V, 51. Die Lesart »manu scindere« ist 
unrichtig. Auch Grävius liest scandere und bemerkt mit Becht: »Scalarum 
ope non adjuti, quae in hunc usum adhibebantnr«. (Yergl. V, 42.) Aber 
was mir von noch mehr Gewicht erscheint» ist, dass Cäsar an andern Stellen 
far das Einreissen eines Walles sich nicht des Wortes »scindere«, sondern 
des Wortes »proruere« — (bell. dv. III, 68) oder »subruere« (bell, gall. II, 6) 
bedient. 

Ich kann mir nicht versagen, eine ganz ähnliche Stelle aus Thiers Ge- 
schichte des Gonsulats und des Kaiserreichs, Band 9, hier anzuführen, die von 
einem Sturm auf Saragossa handelt : Quarante voltigeurs polonais s'älanc^rent 
snr Touvrage, ils le gravirent rapidement les uns avec leurs mains, les 
aatres avec des dchelles. 

3) eruptione facta equitatuque emisso. V, 51. Dass die Nervier nur wenige 
und schlechte Reiterei hatten, ist schon oben Seite 75 gesagt. 

4) omnes armis ezuit. V, 51. » Arma« bezeichnet hauptsächlich die Schutz- 
waffen im Gegensätze zu »tela« den Angriffswaffen. 



200 

Wälder und Sümpfe gestossen und dadurch dem Feinde voraussicht- 
lich auch nicht der geringste Verlust zuzufügen gewesen wäre. 

Noch an dem nämlichen Tage traf Cäsar, ohne auch nur einen 
einzigen Mann verloren zu haben, bei Cicero ein. Die von den 
Galliern errichteten Wandelthürme, Schutthütten und Verschanzungen 
erregten seine Bewunderung, und als er die Legionen antreten 
liess *), überzeugte er sich, dass nicht der zehnte Mann ohne Wun- 
den war. Er belobte Cicero und die Legion nach Verdienst und 
ausserdem noch mit namentlichem Aufruf die Eriegstribunen und 
Centurionen, deren Tapferkeit Cicero besonders gerühmt hatte. lieber 
des Titurius und des Cotta Untergang erhielt er von den Ge- 
fangenen genaue Nachrichten. 

Den folgenden Tag versanunelte er das Heer, theilte ihm mit, 
was seit jenem Unglückstage Alles geschehen sei, und sprach den 
Soldaten Muth und Vertrauen ein: Sie sollten die durch des Ti- 
turius Fehler und Unbesonnenheit erlittene Schlappe nicht zu hoch 
anschlagen, da ja durch der unsterblichen Götter Gnade und ihre 
eigene Tapferkeit die Scharte wieder ausgewetzt sei. Mit des Fein- 
des Frohlocken habe auch ihr Schmerz zu schwinden. 

Die Kunde von Cäsars Sieg gelangte »mit unglaublicher Schnel- 
ligkeit« ^) , wie sich die Commentarien ausdrücken , von Ciceros 
Lager dnrch das Gebiet der ßemer, nämlich das Thal der Maas 
und Semoj entlang'), zu Labienus. Diese beiden Legaten standen, 
wie bereits angeführt wurde, 20 Stunden Wegs von einander ent- 
fernt*), und obgleich Cäsar erst nach drei Uhr Nachmittags bei 
Cicero eingetroffen war, so erhob sieh doch schon vor Mitternacht 
an den Thoren von Labienus Lager ein lautes Geschrei, das den 
Sieg verkündigen und Labienus den Glückwunsch der Remer dar- 
bringen sollte. 

Als diese Nachricht zu Indutiomar gelangte, der mit den Tre- 
virem am ' folgenden Tage des Labienus Lager angreifen wollte, 
machte er sich noch in der nämlichen Nacht auf, und führte sein 
ganzes Aufgebot nach Hause ^). 



1) legione producta. V, 52. 

2) incredibili celeritate. V, 53. 

3) per Remoa. V, 53. 

4) milia passiium LX. V, 53. 

5) copiasque omnes in Treviros roducit. V, 53. 



201 



VL Aufstände der Volker von Armorica, der Senonen niid Trevirer. 

Cäsar dislocirte seine Trappen nun folgendermassen : 

Fabius hatte mit seiner Legion das Winterlager im Gebiete 
der Moriner wieder zu beziehen *). Die Legion des Trebonius, so- 
wie die des Cicero, wurden in die Nähe von Samarobriva verlegt, 
so dass mit der Legion des Crassus, die sich bereits dort befand, 
drei Legionen bei jener Stadt in drei Winterlagern standen *). 
Labienus, Plauens und Roscius blieben in ihrer bisherigen Stellung. 

Cäsar selbst beschloss diesen Winter nicht, wie gewöhnlich, 
nach Italien zu gehen, sondern in Samarobriva zu verbleiben, weil 
sich in Gallien bedenkliche Bewegungen kund thaten'). Denn als 
des Titurius Sabinus Niederlage weit und breit bekannt geworden 
war, dachten fast alle gallischen Völker an Wiederaufnahme des 
Kampfes. Sie schickten nach allen Richtungen Boten und Agenten 
aus, um der Andern Gesinnung und Absicht kennen zu lernen und 
zu erfahren, wo der Krieg wieder losbrechen dürfte; auch hielten 
sie an abgelegenen Orten nächtliche Zusammenkünfte. Den ganzen 
Winter über verging beinahe kein Tag, an dem Cäsar nicht Ver- 
anlassung zu neuen Sorgen bekommen hätte, denn immer wieder 
gingen über Anschläge und Unruhen in Gallien neue Meldungen ein ^). 

Unter Anderm wurde er von Roscius, der mit der 13. Legion 
bei Seez stand, benachrichtigt, dass sich grosse gallische Heerhaufen 
aus den Völkerstämmen der heutigen Bretagne und Normandie, welche 
man die Armorischen nannte^), gesammelt hätten, luu sein Lager 
anzugreifen ; schon seien sie kaum drei Stunden Wegs ®) von ihm 
mehr entfernt gewesen; da hätten sie die Nachricht von Cäsars 
Sieg über die Nervier erfahren, und seien so eilig aus einander ge- 
gangen, dass ihr Abzug einer Flucht geliehen habe. 

Einen grossen Theil Galliens hielt Cäsar dadurch in Unter- 
würfigkeit, dass er die Fürsten verschiedener Völker zu sich entbot, 
und den Einen zeigte, dass er ihre Anschläge kenne, Andere aber 
yerwamte. Die Senonen jedoch, deren Hauptstadt Agendicum, das 



1) Fabiuxn cam sua legione remittit in hiberna. V, 53. 

2) ipse com tribus legionibus circum Samarobrivam trinia hibemis hiemare 
constitoit. Y, 53. 

3) quod tanti motus Galiläa exstiteranfc. Y, 53. 

4) quin aliquem de consiliis ac motu Gallorum nuntium acciperet. Y, 53. 

5) qnae Armoricae appellantur. Y, 53. 

6) neqne longius milia passnum octo. Y, 53. 



202 

heutige Sans war, eine besonders wehrhafte und in grossem An- 
sehen stehende Völkerschaft, hatten sich nicht gescheut, in einer 
gemeinsamen Versammlung die Hinrichtung des ihnen von Cäsar 
gesetzten Königs, mit Namen Cavarinus, zu beschliessen. Cavarinus 
erhielt von diesem Anschlage übrigens noch zu rechter Zeit Kennt- 
niss, und entfloh. Sie verfolgten ihn bis an die Grenze, und ent- 
setzten ihn seiner Herrschaft und seiner Güter, 

Hierauf schickten sie zwar eine Gesandtschaft an Cäsar, um 
ihr Verfahren zu rechtfertigen, gehorchten aber nicht, als er be- 
fahl, ihr ganzer Senat habe sich bei ihm einzufinden. Der Ent- 
schluss einiger hochgestellten Persönlichkeiten, an die Spitze der 
Schilderhebung zu treten, übte auf die Gallier einen solchen Ein- 
fluss, und brachte eine solche Sinnesänderung hervor, dass beinahe 
keiner Völkerschaft mehr zu trauen war. Nur die Aeduer und die 
ßemer wurden nicht wankend, zwei Völker, die Cäsar stets sehr 
in Ehren gehalten hatte ; die Erstem , weil sie von jeher uner- 
schütterlich treu geblieben waren, die Letztern, weil sie erst kürz- 
lich im gallischen Kriege treffliche Dienste leisteten. 

Was aber die Trevirer und namentlich Indutiomar anbelangt *), 
so sendeten diese den ganzen Winter über unablässig Agenten über 
den Rhein, um auch die Germanen zum Kriege gegen die Römer 
aufzufordern. Sie mussten jenen Völkern zugleich Subsidien ver- 
sprechen, und aussprengen, ein grosser Theil des römischen Heeres 
sei vernichtet, und nur der bei weitem kleinere Theil desselben 
noch übrig. Aber auch nicht ein einziger germanischer Völker- 
stamm Hess sich bereden , den Rhein zu überschreiten. Sie er- 
klärten: Im Kriege des Ariovist und gelegentlich des Rheinüber- 
gangs der Tenchterer, also bereits zweimal hätten sie ihre Erfah- 
rungen gemacht, und seien nicht gesonnen, ihr Glück noch einmal 
auf die Probe zu stellen. 

Obgleich somit die Hoffnung Indutiomar's auf eine germanische 
Unterstützung fehlgeschlagen war, so zog er dennoch ein Heer zu- 
sammen, übte es ein, und Hess in der Nachbarschaft Pferde auf- 
kaufen. Er gab hohes Handgeld, und suchte sogar Vagabunden 
und Verurtheilte aus ganz Gallien unter seine Fahnen zu locken. 

Immerhin fanden diese Rüstungen in den patriotischen Ge- 
sinnungen grossen Anklang, und sie setzten ihn in ein solches An- 
sehen, dass von allen Seiten her Abgeordnete bei ihm erschienen, 



1) Treveri vero atque Indutiomarus. Y, 55. 



203 

die theils von ganzen Stämmen, theils auch nur von Einzelnen ge- 
sendet, um seine Gunst und Freundschaft bitten sollten '). 

Als er nun sah, dass man sogar unaufgefordert sich ihm an- 
Bchloss, dass dort die Senonen und Carnuten vom Bewusstsein ihres 
feindseligen Auftretens zu weitern feindseligen Schritten getrieben 
wurden, hier die Nervier und Aduatuker sich zum Kriege rüsteten, 
und dass es ihm endlich auch an einem grossen Zulaufe von Frei- 
willigen nicht fehlen werde, wenn er einmal seine Grenzen über- 
schritten habe, so berief er einen bewaffneten Landtag zusammen. 
Damit pflegten nämlich die Gallier ihre Kriege zu eröffnen, und 
nach einem in ganz Gallien geltenden Gesetze hatten alle Er- 
wachsene daselbst bewaffnet zu erscheinen; wer aber zuletzt ein- 
traf, wurde vor Aller Augen unter allen möglichen Martern hin- 
gerichtet *). 

Auf jenem Landtage erklärte Indutiomar den Gingetorix, das 
Haupt der römisch gesinnten Partei — seinen eigenen Schwieger- 
sohn — für einen Feind des Vaterlandes und dessen Güter dem 
Staate verfallen. Dann machte er bekannt : er sei von den Senonen, 
den Camuten und mehreren anderen Völkerschaften Galliens bereits 
zu Hülfe gerufen, und werde zu ihnen stossen. Seinen Weg werde 
er durch das Gebiet der römisch gesinnten Bemer nehmen, zuvor 
jedoch das der remisch - trevirischen Grenze nahe gelegene Lager 
des'Labienus angreifen. Endlich ertheilte er die nöthigen Befehle. 

Jenes Lager war .übrigens durch Natur und Kunst so fest, 
dass Labienus für sich und seine Legion ausser Sorgen sein konnte, 
und nur darauf dachte, keine Gelegenheit zu einer glänzenden 
Waffenthat unbenutzt vorübergehen zu lassen^). 

Sobald er daher durch Gingetorix und dessen Anhang von der 
Rede, welche Indutiomar auf dem Landtage gehalten hatte, Kennt- 
niss erlangte, sendete er Boten an die zunächst gelegenen Gebiete *) 
und machte deren Völker die Auflage, Reiterei zu stellen, die auf 
einen bestimmten Tag bei ihm einzutreffen habe. 

Indessen umschwärmte Indutiomar mit seiner Reiterei beinahe 
täglich das Lager, einmal um dessen Terrain Verhältnisse zu recog- 
nosciren, dann wieder um Unterredungen anzuknüpfen oder auch 



1) ut . . . gratiam atque amicitiam publice privatimque peterent. V, 55. 

2) in conspectu multitudinis omnibus cruciatibus affectus necatur. V, 50. 

3) ne quam occasionem rei bene gerendae dimitteret. V, 57. 

4) ad finitimas civitates. V, 57. Diese Gebiete waren ohne Zweifel die 
der Bemer, Lingonen und Suessionen. 



204 

um einzuschüchtern ; wobei seine sämmtlichen Reiter ihre Wurf- 
spiesse in die Verschanzungen warfen. 

Labienus behielt seine Truppen im Lager, und suchte auf jede 
Weise sich das Ansehen zu geben, als fürchte er sich. 

Während sich nun Indutiomar von Tag zu Tag übermüthiger 
bewies, rückte die bei den benachbarten Völkerstämmen aufgebotene 
Reiterei in einer Nacht im römischen Lager ein, und Labienus 
hatte den Wachedienst so verschärft, dass auch nicht Einer seiner 
Leute das Lager verlassen konnte, um den Trevirern die Ankunft 
jener Reiterei zu hinterbringen. 

So kam Indutiomar, wie gewöhnlich, an das Lager heran, und 
verblieb dort einen grossen Theil des Tages. Seine Reiter warfen 
ihre Wurfspiesse, und forderten die Römer höhnend zum Kampfe 
heraus. Als sie aber keine Antwort erhielten, und dies Treiben 
genug hatten, gingen sie gegen Abend aus einander, und zerstreuten 
sich da und dorthin. 

Jetzt liess Labienus seine Reiter plötzlich aus zwei Thoren 
zugleich hervorbrechen, und hatte ihnen eingeschärft, wenn die 
Feinde — wie er voraussah — in panischem Schrecken die Flucht 
ergreifen würden, sollten alle nur Indutiomar beizukommen suchen, 
keine Wunde dürfe ausgetheilt werden, ehe jener gefallen sei; denn 
er wolle nicht, dass man sich mit den Andern aufhalte, und Indu- 
tiomar dadurch Zeit zum Entkommen gewinne. Zugleich versprach 
er demjenigen, der Indutiomar tödten würde, reichlichen Lohn. Der 
Reiterei liess er seine Cohorten als Unterstützung folgen. 

Diese Anordnungen hatten den gehoflften Erfolg. Alle Reiter 
suchten nur nach Indutiomar, der denn auch mitten in der Fürth 
eines Flusses — wahrscheinlich der Semoy — eingeholt und nieder- 
gehauen wurde. 

Erst auf ihrer Rückkehr fielen sie über die Fliehenden her, 
hieben derer so viel sie konnten noch nieder, und brachte Indu- 
tiomars Kopf in das Lager. 

Auf die Nachricht von Indutiomars Tod gingen sämmtliche 
Streitkräfte der Eburonen und Nervier, welche sich indessen bereits 
wieder gesammelt hatten, aus einander, und. Cäsar bekam in Gallien, 
wenigstens auf kurze Zeit, etwas mehr Ruhe. 



205 



Sechstes Buch. 

(Das Jahr 53 v. Chr. oder 701 n. E. R.) 



I. Cäsar zieht Verstärkungen an sicli. 

Aus vielen Anzeichen hatte Cäsar die Ueberzeugung erlangt, dass 
trotz seiner kürzlich erfochtenen Siege Gallien doch nicht lange ruhig 
bleiben werde und bedenklichere Aufstände zu erwarten seien. 

Da er von den 8Vs Legionen, die ihm nach seiner Rückkehr 
aus Britannien noch zur Verfügung standen, 15 Cohorten bei Adua- 
tuka verloren hatte, und seine Streitkräfte dadurch auf 7 Legionen 
zurückgeführt waren, so liess er durch^ die Legaten Marcus Silanus, 
Antistius Reginus und Titus Sextius eine neue Legion und Ersatz- 
mannschafb ausheben '), und ersuchte Cnejus Pompejus, ihm für den 
nächsten Feldzug auch jene beiden Legionen — die erste und die 
dritte — zur Verfügung zu stellen , deren neuen in Ober-Italien 
ausgehobenen Mannschaft er im vorhergegangenen Jahr als Pro- 
consul den Fahneneid abgenommen hatte ^), ohne dass sie damals 
bereits in Dienst gerufen gewesen wäre"). 

1) delectum habere instituit. VI, 1. 

2) consulis sacramento rogavisset. VI, 1. 

3) Drnmann (Geschichte Roms III. S. 313) behauptet: Plutarch irre sich, 
wenn er (in Cato 45 ; Pompejus 25 und Cäsar 25, 29) angebe, Pompejus habe 
zwei Legionen an Cäsar abgetreten und dieser nur eine Legion ausgehoben, 
indem Cäsar zwei ausgehoben, und Pompejus nur eine abgegeben habe. 
Plutarchs Angabe scheint aber richtig zu sein. Denn da die Legionen Nr. 1 
und Nr. 3 bisher nicht im Heere Cäsars standen, und vor Ausbruch des 
Bürgerkriegs von diesem an Pompejus zurückgegeben wurden (vergl. bell. civ. 
III, 88), 80 waren sie jedenfalls unter den drei Legionen begriffen, durch 
welche Cäsar im Jahre 53 sich verstärkte. Die Legion, welche Cäsar im Jahr 
53 ausheben liess, erhielt die Nr. 14, wie in IV, 32. geradezu ausgesprochen 
wird. (Praesidio impedimentis legionem quartam decimam reliquit, unam ex 
his tribus, quas proxume conscriptas ex Italia traduxerat.) 

Diese neu ausgehobene Legion scheint die Nummer derjenigen Legion 
erhalten zu haben, die Cäsar, wie bereits Seite 497 bemerkt wurde, zur Hälfte 
verwendete, um seine geschwächten liegionen zu ergänzen, zur Hälfte aber 
unter Titurius bei Aduatuka fiel. 

Die damals jüngste Legion, welche mit jenen fünf Cohorten bei Aduatuka 
aufgerieben wurde, führte unzweifelhaft die Nr. 15. Die 13. Legion stand 
zur Zeit dieser Niederlage mit Roscius im Gebiete der Esuvier, das wissen wir aus 
V, 53, und dass die 7., 8., 9., 10., 1 1. und 12. Legion noch in der Schlacht bei Phar- 
salus auf Cäsars Seite kämpften, geht aus der Beschreibung jener Schlacht hervor. 



206 

Cäsar begründete sein Ersuchen damit, dass Pompejns der 
obersten Leitung der Staatsgeschafte wegen ja ohnehin in der Nahe 
von Rom verbleiben müsse, und dass es audi für die Zukunft von 
Wichtigkeit sei, dep Galliern die üeberzeugung beizubringen, Italien 
sei mächtig genug, um erlittene Verluste schnell zu ersetzen und 
sogar noch stärker als vorher aufzutreten. 

Pompejus entsprach dem Wunsche Gäsars sowohl im Interesse 
des Staats als auch von Freundschaft geleitet, und noch vor Ab- 
lauf des Winters waren die drei Legionen nicht nur unter den 
Fahnen und abmarschirt, sondern sogar auf gallischem Boden ^). 

Die 15 unter Titurius eingebüssten Gohorten waren somit durch 
eine doppelt so grosse Zahl dem Heere Gäsars wieder ersetzt'), 
und die Schnelligkeit und Stärke dieses Ersatzes bewies den Galliern, 
was das römische Volk vermöge seiner Kriegsverfassung und seiner 
Hülfsqnellen zu leisten im Stande sei. 

II. Zug gegen die Nervier. 

Unterdessen hatten die Trevirer die Herrschaft über ihr Volk 
nach Indutiomars Tod auf dessen Verwandte übertragen. Diese 
suchten ohne Unterlass die benachbarten Germanen gegen die Römer 
aufzuwiegeln, und versprachen ihnen Subsidien. 

Als sie bei ihren nächsten Nachbarn^) — vermuthlich den 
Ubiern — kein Gehör fanden, so machten sie sich an die entfern- 
teren Stämme. Von ihnen Hessen sich endlich einige bereit finden ; 
man schwor sich unverbrüchliche Treue, und in Betreff der Geld- 
lieferungen wurden Geiseln gestellt. 

Mit dem Eburonenfürsten Ambiorix wurde ein enges Bündniss 
geschlossen, und überall zum Kriege gerüstet. Die Nervier, Adua- 
tuker, Menapier, sowie alle Germanen des linken Rheinufers standen 
unter den Waffen. Die Senonen aber waren ja bereits schon früher 
trotz Gäsars Befehl nicht vor ihm erschienen, sondern beratheten 
sich mit den Garnuten und ihren andern Grenznachbarn über ge- 
meinschaftlich zu nehmende Massregeln. — Unter solchen Verhält- 
nissen sah Gäsar, dass er auf die baldige Eröffnung eines neuen 
Feldzugs Bedacht nehmen müsse. 



1) Vergl. ad signa convenire et ad se proficisci juberet. VI, 1. 

2) tribus ante exactam hiemem et constitutis et adductis legionibus dupli- 
catoqne earum cofaortium numero etc. VI, 1. 

3) ab proximis. VI, 2. 



207 

Er ax)g daher noch vor Ablauf des Winters die vier zunächst 
stehenden Legionen, also die des Fabius, sowie die um Samarobriva 
liegenden Legionen des Grassus, Trebonius und Cicero zusammen ^) 
und brach mit ihnen ganz unerwartet in das Gebiet der Nervier 
ein, das er in einem Tagmarsch erreichen konnte. 

Bevor sich diese zusammenschaaren oder flüchten konnten, hatte 
er sich einer Menge Menschen und Vieh bemächtigt. Er überliess 
diese Beute seinen Soldaten, verheerte die Ländereien und zwang 
das Volk, sich zu unterwerfen und Geiseln zu stellen. 

Nach diesem raschen Erfolge führte er seine Legionen in die 
Winterlager zurück. 

IIL Unterdrückung des Aufstandes der Senonen. 

Als Cäsar mit Beginn des Frühlings seiner bisherigen üebung 
gemäss auch dieses Jahr für Gallien einen Landtag einberufen 
hatte *), trafen die Abgeordneten aller Völker, zu Samarobriva ein, 
mit Ausnahme jener der Senonen, Carnuten und Trevirer, die seiner 
Anordnung keine Folge leisteten und den Landtag nicht beschickten. 

CSsar sah dies Ausbleiben als den ersten Schritt des Abfalls 
und der Schilderhebung jener Stämme an, und verlegte, damit er 
nicht alle Sorge für die Verwaltung des übrigen Galliens dem Ein- 
schreiten gegen die Empörung nachzusetzen scheine ^), den Landtag 
nach Lutetia Parisiorura — dem heutigen Paris — nämlich in die 
Nähe der zu unterdrückenden Unruhen, so dass er vom Schauplatz 
der Operation gegen die Aufständischen aus den Gang des Land- 
tags im Auge behalten und lenken konnte. 

Denn die Parisier grenzten unmittelbar an die Senonen ^), und 
es hatten früher beide einen einzigen Staat gebildet. Man glaubte 
damals aber allgemein, dass sie dem Aufstand fremd geblieben waren. 

In öffentlicher Versammlung und von der Rednerbühne herab 
verkündete er den Stand der Dinge, brach noch den nämlichen Tag 

1) proximis quatuor coactis legionibus. VI, 3. Vergl. S. 201. 

2) Condlio Galliae primo vere .... indicto. VI, 3. 

3) De omnia postponere vidcretur. VI, 2. Nur diese Lesarfc scheint mir 
dem ganzen Sinne dieser Periode zu entsprechen , und das »utc anstatt »ne« 
verdächtig. Denn gerade der Umstand, dass Cäsar den Landtag nicht ver- 
schob , sondern ihn nur in eine andere Stadt verlegte , zeigt ja , dass er sich 
nicht das Ansehen geben wollte, als setzte er seinen Operationen Alles hintan. 
Warum sollte Cäsar gewünscht haben, durch den Aufstand beunruhigter zu 
scheinen, als er es war? 

4) oonfines erant hi Senonibus. VI, 8. 



208 

mit seinen Legionen nach dem Gebiete der Senonen auf, und ge- 
langte in forcirten Märschen dahin ^). Er hatte yon Samarobriya 
aus einen Marsch von ungefähr 38 Stunden Wegs zurückzul^en, 
und mochte hiezu fünf bis sechs Tage brauchen. 

Auf die Nachricht von seinem Anrücken befahl Acco, das 
Haupt der Verschwörung, den Landbewohnern, sich in die Städte 
zu flüchten. 

Da Cäsar aber früher eintraf, als jener Befehl in Ausführung 
gebracht werden konnte, so gaben die Senonen nothgedrungen ihr 
Unternehmen auf, schickten Gesandte an ihn und baten um Ver- 
gebung. Als Fürsprecher bedienten sie sich der Aeduer, die yon 
jeher den Römern treu ergeben waren. Cäsar gab den Bitten der 
Aeduer gerne Gehör , weil er die gute Jahreszeit *) für den bevor- 
stehenden Krieg und nicht für gerichtliche Untersuchungen ver- 
wenden wollte. Er liess sich 100 Geiseln stellen, und übergab sie 
den Aeduem zur Bewachung. 

Cäsar befand sich noch bei den Senonen, da kamen auch yon 
den Camuten Gesandte und Geiseln an. Dieser Volksstamm stand 
unter der Schutzherrschaft der Remer, und auf deren Fürbitte hin 
wurde ihnen ein gleicher Bescheid wie den Senonen ertheilt. 

Nun begab sich Cäsar nach Lutetia, hielt den Landt^, dessen 
Mitglieder sich daselbst indessen eingefunden hatten, ab, und be- 
befahl den Völkern Reiterei zu stellen^). 

IV. Zug gegen die Menapier. 

Nachdem in jenem Theile Galliens die Ruhe wieder hergestellt 
war, lenkte Cäsar seine ganze Aufmerksamkeit auf den Feldzug, 
den die Trevirer und Ambiorix nöthig machten, und da er als aus- 
gemacht annehmen durfte, dass Ambiorix sich in eine offene Schlacht 
nicht einlassen würde, so zog er in Ueberlegui)g, was derselbe sonst 
wohl im Schilde führen möchte*). 

Seine Nachbarn, die Menapier, welchen ihre zusammenhängen- 
den Sümpfe und Wälder jederzeit Schutz gewähren konnten *), waren 
das einzige gallische Volk, das bisher wegen Friedensunterhand- 
lungen an Cäsar noch keine Abgeordnete geschickt hatte. Dass 

1) magnisque itineribus eo pervenit. VIi 3. 

2) aestivuin tempus. VI, 4. 

3) Peragit concilium Caesar equitesque imperat civitatibus. VI, 4. 

4) reliqua eius coDsilia animo circumspiciebat. VI, 5. 

5) perpetnis paludibus silvisque muniii. VI, 5. 



209 

mit diesem Volke Ambiorix in Gastfreundschaffc stehe, wusste Cäsar, 
und hatte auch in Erfahrung gebracht, dass er durch Yermittelung 
der Trevirer mit den Germanen ebenfalls Freundschaft geschlossen 
hatte *). Die Unterstützung der Menapier, sowie jene der Trevirer 
glaubte Cäsar Ambiorix erst entziehen zu müssen, bevor er sich 
gegen ihn selbst wende, damit derselbe, wenn er sich nicht mehr 
anders zu helfen vrüsste, nicht bei den Menapiern eine bergende 
Zufluchtstätte suchen, oder sich mit den Germanen des rechten 
Rheimifers vereinigen könne. 

Cäsar traf daher folgende Anordnung: Zwei Legionen mit dem 
schweren Gepäck des ganzen Heeres sendete er zu Labienus, der 
nicht mehr an der remisch-trevirischen Grenze stand, sondern in- 
dessen sein Lager in das Gebiet der Trevirer selbst, wahrscheinlich 
nach Arlon verlegt hatte ^). Er selbst aber brach mit fünf Le- 
gionen ohne schweres Gepäck') gegen die Menapier auf, und Ca- 
varinus musste ihn mit der Reiterei der Senonen begleiten, damit 
nicht in Folge seiner Erbitterung gegen dieselben oder in Folge 
des Hasses, den sie auf ihn hatten, Unruhen entstehen mochten^). 

Cäsar gibt nicht an, welchen Weg er aus dem Lande der 
Senonen gegen die am Unterrhein wohnenden Menapier einschlug. 
Es lässt sich derselbe jedoch etwas näher bestimmen ; denn da Cäsar 
Ambiorix vorerst nicht angreifen wollte, so durfte er das zwischen 
der Maas und dem Rheine liegende Eburonenland noch nicht be- 
treten, sondern er zog durch das Gebiet der Suessionen, Veroman- 

1) item per Treviros venisse Germanis in amicitiam. VI, 5. 

2) impedimenta ad Labienum in Treviros mittit. VI, 5. Labienus stand 
im vorigen Jahre an der remisch-trevirischen Grenze , jedoch noch auf remi- 
Bchem Gebiete (in Remis V, 24.); im Jahr 53 aber rückte er in das Gebiet 
der Trevirer vor, wahrscheinlich weil nach Besiegung des Ambiorix und des 
Indutiomar eine isolirtere Stellung nicht mehr zu gewagt schien, und die treu 
ergebenen Remer der Last der Ernährung der Labien'schen Legion enthoben 
werden sollten. Arlon scheint nicht nur nach den strategischen Verhältnissen 
der folgenden Kämpfe, sondern auch nach seiner für ein römisches Lager 
taktisch besonders vortheilhafben Lage, von welcher ich mich durch den 
Augenschein überzeugt habe, als der Punkt angenommen werden zu müssen, 
wo Labienus im Jahr 53 stand. — Andere, so Napoleon und Köchly nehmen 
an, dass Labienus sein Winterquartier nicht verlegt habe; sondern dass das- 
selbe nach wie vor an der Grenze der Remer und Trevirer, vielleicht auf 
einem Gebiete, welches von beiden in Anspruch genommen wurde, geblieben sei. 

3) ipse cum legionibus expeditis. VI, 5. 

4) VergL S. 202. 

T. O01«r, Oftsari gaUifoher Krieg. II. Aufl. 14 



210 

duer und Nervier, also etwa über das heutige Soissons, St. Quentin 
und Brüssel an den Dyle-Fluss, welcher die Grenze der Menapier 

bildete *). 

Hier theilte Cäsar seine Truppen in drei Corps, das eine 
führte er selbst, das andere stellte er unter den Befehl des Legaten 
Fabius, und das dritte unter den des Quästors Crassus; es wurden 
Brücken geschlagen, und schnell hatten die drei Colonnen das me- 
napische Gebiet betreten^). 

Die Menapier hatten im Vertrauen auf die schützenden Terrain- 
yerhältnisse ihres Landes ^) keine Streitki-afte zusammengezogen, 
und flüchteten nun mit Hab und Gut in ihre Wälder und Sümpfe. 
Cäsar Hess daher ihre Höfe und Dörfer einäschern, und bemächtigte 
sich auch noch einer Menge Menschen und Vieh. Jetzt schickten 
die Menapier Parlamentäre und baten um Frieden. 

Gegen Stellung von Geiseln und unter der Bedrohung sie wieder 
feindlich zu behandeln, wenn sie Ambiorix oder dessen Agenten 
bei sich aufnehmen würden, wurde ihre Bitte gewährt. 

Cäsar Hess hierauf den Atrebaten Commius mit einem Reiter- 
corps zur üeberwachung der Menapier in ihrem Gebiete zurück^ 
und brach mit dem übrigen Heere nach dem Lande der Trevirer auf. 

Auch in Bezug auf den Marsch, welchen er nunmehr einschlug, 
gibt Cäsar nichts Näheres an. Aber auch dieser Marsch lässt sich 
durch Reflexion näher bestimmen. Da Cäsar nämlich nach diesem 
Marsche den Commentarien zufolge am Rheine auftritt, — und 
zwar unzweifelhaft bei Coblenz — auf dem Marsche dahin aber mit 
Labienus, der bei Arlon im Trevirischen stand, nicht zusammen- 
traf, so ist mit Sicherheit anzunehmen, dass er durch jenes Land 
seinen Weg nicht nahm , sondern einen andern Weg einschlug ; 
dass er sich nämlich nach Unterwerfung der Menapier östlich ge- 
wandt, etwa bei dem heutigen Roermonde die Maas überschritten 
habe, und hierauf über Cöln das linke Rheinufer entlang in das 
Gebiet der Trevirer gekommen sei. Diese Marschrichtung war die 
kürzeste und bequemste, berührte zwar das Gebiet des Ambiorix, 
aber erst auf seiner Ostgrenze, wo sich Cäsar bereits zwischen den 



1) Walckenaer sagt I. pag. 477 : Ainsi les Nervii avaient pour limiies .... 
au nord-est et ä Test la Dyle, qul les stSparait encore des Menapii et des 
Eburones, du temps de C^sar. 

2) Caesar partitis copiis cum Gaio Fabio legato et Marco Crasso quaestore 
celeriterque effectis pontibus adit tripertito. VI, 6. 

3} loci praesidio fireti. YI, 6. 



211 

Eburonen und Germanen des rechten Rheinufers befand, er Ambiorix 
Ton denselben abgeschnitten — und wie er beabsichtigte — ihre 
Yereinigiing unmöglich gemacht hatte. 

V. Lablenus schlägt die Trevirer. 

Zu dem oben beschriebenen Zuge mochte Cäsar gerade einen 
Monat Zeit gebraucht haben, und bei Labienus im Treyirerlande 
fiel indessen Folgendes vor ^) : Als Cäsar aus dem Lande der Senonen 
aufbrach, hatten die Trevirer bereits eine grosse Macht an Fuss- 
Tolk und Reiterei aufgeboten und rückten heran, um Labienus in 
seinem Winterlager bei Arlon anzugreifen. Schon hatten sie sich 
ihm bis auf zwei Tagmärsche genähert, und mochten etwa bei 
Grevenmachern stehen , da erfuhren sie , dass jene zwei L^ionen, 
welche Labienus zu verstärken hatten, bei ihm eingetroffen seien ^). 
Sie rückten zwar noch um einen Marsch vor, aber nicht weiter; 
schlugen fünf Stunden von Labienus entfernt ') , bei dem heutigen 
Luxemburg ein Lager, und beschlossen, daselbst die Ankunft ihrer 
germanischen Hüfstruppen zu erwarten. 

Labienus war der Grund dieses Zaudern bekannt geworden, er 
hoffte aber, ihr Mangel an Ruhe und Umsicht werde ihm Gelegen- 
heit geben, noch vor Ankunft ihrer Verstärkung einen entscheiden- 
den Kampf herbeizuführen. 

Er Hess daher nur fünf Cohorten mit dem grössten Theile des 
Gepäcks*) im Lager zurück, rückte mit den übrigen 25 Cohorten 
und zahlreicher Reiterei gegen den Feind, und schlug 2000 Schritte 
von ihm entfernt *) ein Lager. Zwischen den beiden Heeren be- 
fand sich ein Fluss, der steile Ufer hatte und schwer zu passiren 
war •) — wahrscheinlich die Alzette ^). Labienus wollte ihn nicht 
überschreiten, und glaubte auch nicht, dass der Feind es unter- 



1) dum haec a Caesare geruntur. VI, 6. 

2) Vergl. 8. 208. 

3) a milibus passuum XV. VI, 7. 

4) Einen Theil des schweren Gepäcks nahm Labienus mit, da er solches 
bei seinem spätem Scheinrückzuge mit sich fährte; siehe VI, 8. praemissis 
paulum impedimentis. 

5) mille passuum intermisso spatio. VI, 7. 

6) diffidli transitu flumen ripisque praeruptis. VI, 7. 

7) Da Napoleon III., wie wir oben zeigten, das Lager des Labienus 
nach La Vacberie an der Ourthe legt und daselbst verbleiben lässt, so er- 
blickt auch er in diesem Wasser den hier beschriebenen Fluss. 

14* 



212 

nehmen werde. Da nun von Tag zu Tag die Ankunft der feind- 
lichen Verstärkung näher bevorstand, so erklärte er im Kriegsrathe 
absichtlich ganz öjffentlich : Weil die Germanen bereits in der Nähe 
sein sollten, so wolle er sein und seines Heeres Geschick nicht auf 
das Spiel setzen, und mit Anbruch des Tages abmarschiren. 

Dieser Ausspruch wurde, wie Labienus gewünscht hatte, dem 
Feinde schnell hinterbracht ; denn es war ganz natürlich, dass unter 
der grossen Zahl gallischer Reiter sich einige befanden, die ihres 
Vaterlandes Interessen zu fordern suchten. 

In der darauf folgenden Nacht berief Labienus seine Kriegs- 
tribunen und Centurionen erster Classe zu sich, theilte ihnen seine 
wahre Absicht mit, und ordnete den Abmarsch an ; befahl aber zu- 
gleich mit mehr Lärm und Unruhe, als es sonst Gewohnheit war, 
dabei zu verfahren, damit man den Feind uin so leichter glauben 
mache, Furcht habe den Abzug bewirkt. So sah denn der Ab- 
marsch einer Flucht sehr ähnlich, und es war noch nicht recht 
Tag geworden, als der Feind, — weil sich die beiden Lager so 
nahe waren — durch seine Patrouillen hierüber bereits Meldung 
erhielt. Der römische Nachtrab hatte kaum seine Verschanzungen 
im Rücken, da entstand im gallischen Lager grosse Bewegung, und 
Einer rief dem Andern zu, man dürfe die schöne Beute nicht ent- 
wischen lassen; wozu wolle man denn noch lange auf die Ankunft 
der Germanen warten? Der Schrecken der Römer überhebe sie 
dessen, und es sei ihrer wahrhaftig nicht würdig, in solcher Ueber- 
macht eine so geringe, fliehende und von Gepäck beschwerte Schaar 
nicht anzugreifen. 

Sie brachen daher auf, überschritten den Fluss, und trugen 
kein Bedenken , auf einem sie sehr bena^htheiligenden Terrain den 
Kampf zu beginnen '). 

Dies hatte Labienus voraus gesehen, und damit alle Trevirer 
über den Fluss herüber kämen, setzte er seinen Scheinrückzug 
ruhig fort. 

Sein schweres Gepäck aber hatte indessen etwas Vorsprung 
gewonnen, und war auf einer kleinen Anhöhe aufgestellt. Jetzt 
wendete sich Labienus gegen seine Truppen und sprach : Soldaten ! 



1) iniquo loco proelium committere non dubitant. VI, 8. Das Terrain 
war ungünstig, einmal weil sie die westliche Thalwand bergaufsturmen 
mussten; sodann weil der in ihrem Bücken befindliche schwer zu passirende 
Fluss ihnen für den Fall eines Rückzugs höchst gefährlich werden masste. 



213 

die Gelegenheit zum Kampfe, nach dem ihr euch gesehnt habt, ist 
da. Ihr habt den Feind auf einem Terrain, das seine Bewegungen 
hindert und uns den Vortheil einer dominirenden Stellung ge- 
währt *). Seid heute so tapfer , als stehe der Oberfeldherr selbst 
an euer Spitze und sehe auf eure Thaten herab. 

Darauf liess er die Feldzeichen gegen den Feind kehren und 
die Schlachtlinie herstellen ^) ; einige Türmen wurden das Gefecht zu 
decken befehligt, die übrige Reiterei auf die beiden Flügel vertheilt '). 

Schnell erhoben die Legionen das Schlachtgeschrei und sendeten 
ihre Pilen in den Feind. Als nun die Trevirer die vermeintlichen 
Flüchtlinge plötzlich mit drohenden Feldzeichen gegen sich an- 
rücken sahen *), da veinnochten sie dem Choc der Römer nicht Stand 
zu halten, wurden im ersten Zusammenstoss ^) in die Flucht ge- 
worfen , und suchten eiligst die nächsten Wälder zu erreichen. 
Labienus setzte ihnen mit der Reiterei nach, machte viele Flücht- 
linge nieder, und eine Anzahl zu Gefangenen. 

Nach wenigen Tagen hatte er die ganze Völkerschaft zur 
Unterwerfung gebracht; denn als die Germanen, welche im Anzug 
waren, die Zersprengung der Trevirer vernahmen, kehrten sie in 
ihre Heimath zurück. 

In ihrer Begleitung verliessen auch Indutiomars Verwandte, 
die den Au&tand hervorgerufen hatten, das Land, und es wurde 
dessen Herrschaft dem Cingetorix übertragen, der von jeher den 
Römern treu ergeben war. 



1) hostem impedito atque iniquo loco tenetis. VI, 8. 

2) Signa ad hostem converti ademque dirigi jubet. VI, 8. 

3) reh'quos equites ad latera disponit. VI, 8. »disponere« z. B. cohortes 
disponere heisst nicht, wie Rüstow in seinem Heerwesen S. 66 anführt, die 
Cohorten entwickeln, sondern ihnen ihre Stellung in der Schlachtlinie an- 
weisen. Für entwickeln oder deployiren gebraucht Cäsar das Wort »explicare«. 
(Vergl. bell. dv. III, 93. se turmatim eicplicare coeperunt) und.'grössere Inter- 
Tallen nehmen heisst »laxare« z. B. manipulos (bell. gall. II, 25.) auch se 
extendere (bell. Afr. 14. subito cum extensis — nicht condensis — turmis. 
Vergl. Anhang III. Treffen bei ßuspina.) 

4) infeetis signis ad se ire viderunt. VI, 8. Das »infestis signis« ist wohl 
wörtlich durch »mit drohenden Feldzeichen« zu übersetzen, und dieser Aus- 
druck möchte sich dadurch besonders rechtfertigen, dass die Feldzeichen, unter 
dem Schutz der Antesignanen beim Angriff einige Schritte vor der Schlacht- 
linie kühn vorausgetragen wurden (vergl. Anhang II. § 57.). 

2) über »impetus« und »concursus« siehe S. 11. Anmerk. 2. 



214 



VI. Gäsars zweiter Rheinübergang. 

Als Cäsar nach seinem Zuge gegen die Menapier im Lande 
der Trevirer eingetroffen war *) , hatte Labienos bereits gesi^t, 
und die Germanen waren über den Rhein zurückgegangen. Damit 
begnügte sich Cäsar aber nicht, sondern beschloss zum zweitenmale 
über diesen Fiuss zu setzen, nicht nur, um die Germanen daf&r zu 
züchtigen, dass sie den Trevirern Hilfe zugedacht hatten, sondern 
auch damit Ambiorix in Germanien keine Zufiuchsstätte finde. 

Er liess daher etwas oberhalb der Stelle ^), an welcher er das 
erstemal sein Heer über den Rhein geführt hatte, eine Brücke 
schlagen. 

Die bisherige Entwickelung der strategischen Verhältnisse und 
der Märsche Cäsars zeigt wohl unzweifelhaft und zwar im Einklang 
mit der in neuerer Zeit beinahe allgemein geltenden Ansicht, dass 
dessen Rheinüber^änge in der Nähe von Coblenz stattgefunden haben. 
Nach der nun folgenden Schilderung des zweiten Ueberganges, 
namentlich aber der Befestigung seiner Brücke, als er auf das linke 
Ufer zurückkehrte, kann jene Brücke nur mit Benützung einer 
grossen Insel geschlagen worden sein, die in keiner andenij als in 
dem sogenannten Niederwerth , erkannt werden kann , und früher 
möglicher Weise mit dem »Graswerthc verbunden war*). (Taf. 
VI. Fig. 3.) 

Die Brücke kam in wenigen Tagen zu Stande, weil ihre Con- 
struction den Soldaten durcli den ersten Brückenschlag schon be- 
kannt und geläufig war, und sie bei der Arbeit einen ausserordent- 
lichen Eifer an den Tag legten. 

Im Lande der Trevirer, also auf dem linken Ufer, liess Cäsar 
bei der Brücke ein starkes Detachement ^) zurück, um sie gegen 
einen etwaigen plötzlichen Angriff von Seiten jenes Volkes sicher 
zu stellen, und ging mit seinen übrigen Truppen — Fussvolk und 
Reiterei — über den Fluss. 



1) Caesar postqnam ex Menapiis in Treviroa venit. VI, 9. 

2) paulum supra eum locum quo etc. VI, 9. 

3) Napolon III., welcher den ersten Eheinübergang bei Bonn sucht, 
begnügt sich bei der Bestimmung der Oertlichkeit für den zweiten Uebergang 
mit der einfachen Uebersetzung der Worte »paulum supra etcc — Ueber den 
Vortheil von Inseln bei üeberschreitungen von Flüssen vergl. Militäx. Convers.- 
Lexikon Artikel > Inseln c und Reichlin von Meldegg S. 252. 

4) firmo in Treviros ad pontem praesidio relicto. VI, 9. 



215 

Die der Insel Niederwerth gegenüberliegenden Höhen konnten 
GaiSAT für diesen Uebergang keine Besorgnisse erregen, da die 
Sueven ferne waren, und die dort wohnenden Ubier sich schon 
früher unterworfen und Geiseln gestellt hatten '). Ja die Letztern 
schickten sogar Abgeordnete, um sich bei Cäsar zu rechtfertigen 
und ihn zu überzeugen, dass ihr Staat selbst in keiner Weise die 
Treue yerletzt habe, und auch auf eigene Faust hin aus ihrem 
Lande Niemand den TreTirern zu Hilfe gezogen sei. Flehentlich 
baten sie Cäsar, ihrer zu schonen, und in seiner Erbitterung gegen 
die Germanen überhaupt nicht Unschuldige mit den Schuldigen zur 
Strafe zu ziehen; verlange er noch mehr Geiseln, so wollten sie 
dieselben stellen. Bei näherer Nachforschung erfuhr Cäsar, jene 
Hil&truppen seien von den Sueven gesendet gewesen. Er erklärte 
sich mit der Rechtfertigung der Ubier zufrieden, und zog Erkun- 
digung ein, wo und auf welchem Wege man den Sueven beikommen 
könne *). 

Nach einigen Tagen meldeten die Ubier, es seien die Sueven 
im Begriff ihre Streitkräfte zu concentriren '), und sie hätten sogar 
auch den Völkern, welche unter ihrer Oberhoheit stünden, geboten, 
mit Hilfstruppen an Fussvolk und Reiterei zu ihnen zu stossen. 

Darauf hin wählte Cäsar einen günstig gelegenen Lagerplatz 
aus, Hess daselbst einen hinlänglichen Yorrath von Lebensmitteln 
ansammeln *) und ertheilte den Ubiern die Weisung , ihre Heerden 
von der suevischen Grenze hinwegzutreiben ^) und alle ihre Habe 
in die Städte zu schaffen. Dadurch hoffte er die Sueven in Mangel 
zu versetzen und das rohe und wenig umsichtige Volk zu einer 
Schlacht unter ungünstigen Umständen zu verleiten. Zugleich 
mussten die Ubier nach allen möglichen Richtungen Kundschafter 
in das Suevenland senden, um zu erforschen, was irgend dort vor- 
gehe. Die Ubier thaten ihre Schuldigkeit, und meldeten nach 
wenigen Tagen : Die Sueven hätten sich, als ihnen über das römische 
Heer zuverlässige Nachrichten zugekommen wären, ganz an die 
äusserste Grenze ihres Reiches gezogen ^). Dort befinde sich ein un- 



1) qui ante obddes dederant atqne in deditionem venerant. VI, 9. 

2) aditus viasque in Suevos perquirit. VI, 9. 

3) omnes in unam locum cogere copiaR. VI, 10. 

4) rem fnunentariam providet. VI, 10. 

5) ut pecora deducant. VI, 10. 

6) Saevos .... penitns ad extremos fines se recepisse. VI, 10. »penitus« 
ist hier nicht mit »ins Innere«, wie Röchlj übersetzt, sondern mit »ganz« zu 



216 

geheuer grosser Wald, Bacenis genannt, der weit landeinwärts — 
also gegen Osten — ziehe *), und wie eine natürliche Scheidewand 
die Sueven vor den Cheruskern, so wie diese vor den Sueven schütze, 
so dass sie sich gegenseitig weder überfallen noch Gewaltthatig- 
zufügen könnten. 

Am Westende jenes Waldgebirges*), an der Werra, etwa in 
der Gegend von Meiningen, hätten sich nunmehr die Sueven auf- 
gestellt und beschlossen, dort der Römer Ankunft zu erwarten. 
Jener Landstrich begünstigte durch seine Berge und Waldungen 
der Sueven Defensive, und die Fruchtbarkeit des Werrathales, sowie 
die schönen Wiesen der Gebirgsthäler erleichterten den Unterhalt 
ihrer Streitkräfte'). Dass sich die Sueven nicht am Harze, wie 
vielfältig behauptet wird, sondern am Thüringerwalde, und zwar 
an dessen Südseite , aufgestellt hatten , geht auch noch aus andern 
strategischen Verhältnissen hervor. 

Die Stellung der Sueven war dem Lande der Ubier ziemlich 
nahe. Dafür spricht, dass Cäsar den Letztern den Befehl ertheilte, 
ihre Heerden von der Grenze hinwegzutreiben, damit sie dem Feinde 
nicht zur Beute werden, und ihm nicht als Nahrungsmittel dienen 
könnten, und dass er hoffte, die Sueven sogar zu einem unbesonne- 
nen Angriff auf sein Lager — in der Nähe von Ehrenbreitstein — 
verleiten zu können*). Der Harz aber lag von dem Lande der 
Ubier über 40 Stunden Weges entfernt. 

Aus Obigem geht zugleich hervor, dass das westliche Gebiet 
der Sueven sich zu Cäsars Zeiten nordwestlich nicht weiter als bis 
zum Thüringerwald erstreckte ^), und wollte man auch bei der irr- 
thümlichen Ansicht, dass sich die Sueven damals bis zum Harze 
ausdehnten, beharren, so würden sie wirklich am Harze die mög- 
lichst unvortheilhafbe Stellung gewählt haben. Sie würden durch 
eine solche Aufstellung sich so weit nördlich gezogen haben, dass 
ihr ganzes Land dem römischen Heere vollkommen preisgegeben 

übersetzen, und »extremi fines« ist die äusserste Grenze, aber nicht die ent- 
fernteste (ultimi). 

1) hanc longe introrsus pertinere. VT, 10. 

2) ad eius initium silvae. VI, 10. Nicht »am Eingange des Waldesc, wie 
Köchly übersetzt, sondern an seinem Ursprünge, und hier insbesondere »an 
seinem Westende«. (Vergl. S. 37.) 

3) Vergl. Ritters geogr. Lex. Art. »Meiningen«. 

4) ad iniquam pugnandi conditionem posse deduci. VI, 10. 

5) In Nordosten freilich hatten die Sueven ihr Gebiet, wie wir sahen, 
durch die Vertreibung der Tenchterer und üsipeter bis über Sachsen ausgedehnt 



217 

gewesen wäre, und Cäsar um so ungehinderter hätte vordringen 
können, als gerade die Passirung des Thüi:ingerwaldes den Sueven 
ein baldiges Erscheinen zum Schutze ihres verlassenen Eigenthums 
ausserordentlich erschwert haben würde. Denn nicht all ihr Volk, 
Weib und Kind, Hab und Gut hatten sie mit sich nach dem Ort 
ihrer Concentration genommen, sondern nur ihre sämmtlichen Streit- 
kräfte ^) hatten sie dort zusammengezogen. Nicht um Cäsar aus 
dem Wege zu gehen, und das Land ihm Preis zu geben, hatten sie 
sich am Bacenis concentrirt, sondern im Gegentheil, um ihm ein 
Vordringen in ihr Land zu verwehren; und das kriegserfahrene 
Volk hatte hierzu seine Stellung trefflich gewählt. 

Cäsar konnte aus der Gegend von Ehrenbreitstein entweder in 
südöstlicher Richtung nach dem Innern des Suevenlandes vordringen, 
dann war sein Rückzug höchst geföhrdet, wenn die Sueven in 
gerader Linie über Giessen und Limburg an seine Brücke vor- 
drangen, wo das gebirgige Terrain sie in grossen Vortheil setzte; 
oder Cäsar rückte auf jener Linie gegen ihre Stellung an , so bot 
ihnen der Thüringerwald und das nahe Rhöngebirge die trefflichste 
Zuflucht, und Gelegenheit, ungestraft die Römer auf ihrem Rück- 
marsche anzufallen. 

Wenn Cäsar (VI, 29) anführt, die Nachricht, dass sich die 
nicht zum Heere zählenden Bewohner des Suevenlandes in ihre 
Wälder zurückgezogen hätten, sowie die Besorgniss, er möchte in 
dem an Feldbau armen Germanien zu wenig Subsistenzmittel finden, 
habe ihn veranlasst, nicht weiter vorzudringen, so mögen demunge- 
achtet die soeben entwickelten strategischen Verhältnisse wenigstens 
eben so viel zum Aufgeben seines gegen die Sueven beabsichtigten 
Angriffs beigetragen haben. Jene Sitte der germanischen Völker, 
sich in die Wälder zu bergen, sowie die Hilfsmittel Germaniens, 
hatte er ja schon früher kennen gelernt, und konnte daher damals 
nicht davon überrascht worden sein ; sondern es scheint eher , als 
vermeide er das Zugeständniss, dass an der »Barbaren« Operationen 
sein Unternehmen gescheitert sei *). 

Wie dem aber auch sei, Cäsar beschloss, nicht weiter vorzu- 
dringen, und führte sein Heer auf das linke Rheinufer zurück. 



1) com Omnibus suis socioramque copiis. VI, 10. 

2) Eine ähnliche Bewandtniss hat es mit einer Stelle (bell. dv. III, 66)^ 
nach welcher Cäsar durch Pompejus überlistet worden zu sein scheint, und 
an^der es heisst: quibusdam de caiisis, quas commemorari necesse non est. 



218 

Um jedoch den Germanen für künftig die Lost zu benehmen, 
80 bereitwillig wie bisher den Galliern HilSsvolker zuzuschicken, 
suchte er sie einigermassen in der Furcht zu erhalten, später oder 
früher könne er doch wohl wieder zu ihnen zurückkehren ^). Zu 
diesem Zwecke brach er seine Rheinbrücke nicht ganz ab, sondern 
nur den Theil derselben, welcher dem Gebiete der Ubier, also dem 
rechten Ufer zunächst und 200 Fuss lang war. An dem nunmehr 
äussersten Ende der Brücke, auf der heutigen Insel Niederwerth, 
errichtete er hierauf einen yier Etagen hohen Thurm, umgab ihn 
mit ausgedehnten Yerschanzungen und legte in dieselben eine Be- 
satzung von 12 Cohorten unter dem Commando des jungen Gajns 
Volcatius Tullus «). (Taf. VI. Fig. 2.) 

VII. Rachezng gegen Ambioriz. 

Es war zur Zeit der herannahenden Ernte, als Cäsar aus der 
Gegend von Coblenz gegen Ambiorix aufbrach. Er zog, um zu- 
nächst nach dem Aduatuca der Eburonen zu gelangen, in westlicher 
Richtung über die Eifel, welche die Commentarien zum Ardennen- 
wald zählen , indem sie sagen , dieser grösste gallische Wald er- 
strecke sich in einer Länge von mehr als 50 Stunden, von den 
Ufern des Rheins nach dem Gebiete der Nervier'). 

Den Lucius Minucius Basilus sendete er an der Spitze der 
ganzen Reiterei voraus, in der Hoffnung, dass derselbe, von glück- 
lichen Umständen begünstigt, mittelst eines raschen Marsches des 
Ambiorix vielleicht habhaft werden könne. Damit aber sein Nahen 
den Eburonen nicht schon von ferne bemerkbar werde, verbot er 



1) ne omnino metum reditus sui barbaris tolleret atque ut eoram anxilia 
tardaret. VI, 29. 

2) Cäsar sagt zwar nicht ausdrücklich, dass die Brücke über eine Insel 
geschlagen gewesen sei. Aber alle die genannten Befestigungen bedingen 
das Vorhandensein einer solchen, und zwar einer grossen Insel , weil auf ihr 
12 Gehörten die Verschanzungen bezogen. (Vergl. S. 214.) 

3) milibus amplius centum et quinquaginta. VI, 29. Anders kann wohl 
nicht gelesen werden, da die Lesarten »quingentis« und »quinquaginta« dem 
thatsächlichen Verhältnisse durchaus widersprechen, während 150 Milien oder 
50 badische Wegstunden auch die neuere Geographie dem Ardennenwalde 
Länge gibt. So setzt Hahnz'og in seiner Militärgeographie das Westende des- 
selben noch Thuin an der Sambre, und nennt auch die Eifel einen Zweig der 
Ardennen. Von Thuin aus bis an das Ostende der Eifel, oder an den Rhein, 
ist es aber, die südliche Ausbeugung des Ardennenwaldes mit berücksichtigt, 
geradezu 50 Stunden, in schnurgerader Linie 45 Stunden. 



219 

ihm, im Lager Feuer anzünden zu lassen, und versprach selbst 
alsbald nachzurücken. 

Basilus kam dem Befehle pünktlich nach. Schnell und ganz 
unerwartet erschien er auf dem Gebiete der Eburonen , und griff 
ihrer yiele auf, ehe sie sich nach den Städten flüchten konnten ^). 
Dann wandte er sich nach der Gegend, wo der Aussage der Ge* 
fangenen zu Folge Ambiorix sich mit wenigen Reitern aufhalten sollte. 

Gerücht und Boten vorauseilend, traf er dort ein, und würde 
sich leicht desselben bemächtigt haben, hätte nicht die Lokalität 
der Wohnung seine Flucht noch ermöglicht. Sie lag nämlich — 
wie die Gallier überhaupt ihre Häuser, der Kühle wegen, gern in 
die Nähe von Wäldern und Flüssen bauten — rings von Wald um- 
schlossen, so dass seine Begleiter und Diener auf dem coupirten 
und beengten Terrain des Basilus Reiterei so lange aufhalten konn- 
ten, bis ihm ein Pferd vorgefahrt war«), auf dem er durch die 
waldige Gegend, die seine Flucht begünstigte, entkam; doch hatte 
er seinen ganzen Waffenvorrath , seine Karren und Pferde zurück- 
lassen müssen. 

Ob er seine Streitkräfte hierauf absichtlich nicht zusammen- 
zog, weil er überhaupt keine Schlacht mehr wagen wollte, oder ob 
er in der Voraussetzung, dass Cäsar seiner Reiterei mit dem übrigen 
Heere auf dem Fusse folgte, glaubte, er habe zur Sammlung der 
Aufgebote keine Zeit mehr, lässt sich nicht bestimmen. Das ist 
aber sicher, dass er durch Boten im Lande bekannt machen Hess, 
ein Jeder solle für sich selbst sorgen. 

Da floh ein Theil in den Ardennenwald , ein anderer in aus- 
gedehnte Moore. 

Jene Eburonen aber, die dem Meere am nächsten, nämlich im 
nordwestlichen Theile ihres Landes wohnten, flüchteten auf die 
Inseln, welche die Strömung zu bilden pflegt. So wanderten Viele 
aus und suchten bei den fremdesten Menschen Schutz für sich und 
ihre Habe. 

Catuvolcus, der die eine Hälfte der Eburonen beherrschte, wahr- 



1) mnltos in agris inopinantes deprehendit. VI, 30. 

2) his pugnantibus illiun in eqnam quidam ex suis intulit. VI, 80. Wört- 
lich : > Während des Kampfes setzte ihn Einer von seinen Leuten auf ein Pferd.« 
Da man nämlich zu jener Zeit keine Steigbügel hatte, so bot der Diener statt 
des Bügels die Rechte, und half dem Herrn auf diese Weise, sich auf das 
Pferd schwingen. Vergl. Ammian. lib. XXII, 1. (2.) : qui se insessurum equo 
deztra manu erexit 



220 

scheinlich die auf dem linken Maasufer wohnenden, und gemein- 
schaftlich mit Ambiorix den Aufstand hervorgerufen hatte, ver- 
mochte vor Altersschwäche sich weder den Drangsalen eines Krieges 
noch den Strapazen einer Flucht mehr zu unterziehen, stiess über 
Ambiorix, der ihn zur Schilderhebung verleitet hatte, die förchter- 
licfasten Flüche aus, und nahm Gift. 

Die Segner und Condrusen, zwei germanische Stämme, welche 
zwischen den Eburonen und Trevirern am rechten Maasufer wohnten '), 
und zwar erstere zwischen dem hohen Veen und der Arableve, 
letztere zwischen diesem Flusse und der Maas, schickten Gesandte 
an Cäsar und Hessen ihn bitten, er möchte sie doch nicht als Feinde 
behandeln und nicht glauben, dass alle Germanen des linken Rhein- 
ufers in des Ambiorix Aufstand verwickelt seien, Sie hätten an 
eine Schilderhebung nicht gedacht und Ambiorix keine Hilfstruppen 
gestellt. 

Nachdem Cäsar sich hierüber bei den Gefangenen erkundigt 
hatte, erwiderte er den Segnem und Condrusen, sie hätten aUe 
Eburonen, die sich zu ihnen flüchten würden, an ihn auszuliefern; 
unter dieser Bedingung wolle er ihres Landes schonen. 

Damals war Cäsar von Coblenz heranziehend in der Nähe vom 
heutigen Limburg eingetroffen. Er theilte daselbst sein Heer in 
drei Corps und liess die Fuhrwesens-Colonne sämmtlicher Legionen 
nach dem Caatell Aduatuca verbringen, das, wie wir schon früher 
erwähnt haben, nahezu auf der südlichen Grenze der Eburonen lag, 
dort wo Titurius und Cotta im Winterlager gestanden und aufge- 
rieben worden waren *). 



1) qui snnt inter Eburones Trevirosque. VI, 32. M. des Roches (vergl. 
Koulez: Memoire sur las campagnes de Cäsar. Louvain. 1832. page 42) glaubt 
wobl mit Recht, dass der Name »Segni« in Sougnez, einem Dorfe, zwei Stun- 
den von Spaa, sowie in Dessegne, einem andern Dorfe der nämlichen Gegendi 
wieder zu finden sei. 

Der Name der Condrusen aber ist noch in jenem des Dorfes Condroz ent- 
halten, das ebenfalls auf dem rechten Maasufer zwischen Huy und Lüttich liegt. 

3) Tum copiis in tres partes distributis impedimenta omnium legionum 
Aduatucam contulit. Id castelli nomen est. Hoc fere est in mediis Eburonum 
finibus, ubi Titurius etc. VI, 32. 

Auffallend erscheint das mehrfache Vorkommen des Namens Aduatuca. 
Es gab ein Aduatuca Eburonum, ein Aduatuca Tongrorum, und auch der 
Name des Volkes der Adnatuker ist damit gleichlautend, so dass man ver- 
sucht wird, Aduatuca für ein ursprüngliches nomen appellativum zu halten. 

Die Aduatuker waren, wie Cäsar (II, 29.) erzählt, von den Cimbern und 



221 

Jener Punkt war nicht nur in strategischer Beziehung als 
Centralpunkt der ferneren Operationen von besonderer Wichtigkeit *), 
sondern er gewährte auch noch den Vortheil, dass die Soldaten für 
seine Befestigung nur wenig in Anspruch genommen werden muss- 
ten, weil seine Verschanzungeu vom vorigen Jahre her noch in 
gutem «Zustande waren. 

Cäsar theilte der Fuhrwesen-Colonne die 14. Legion, welche 
eine ven jenen drei erst kürzlich aus Italien herbeigezogenen Le- 
gionen war, nebst 200 Reitern als Bedekung zu, und stellte das 
Li^er mit seiner Besatzung unter das Commando des Quintus Tullius 
Cicero '). 

Nachdem das Heer getheilt war, und Cicero sein Lager be- 
zogen hatte, beorderte Cäsar den Labienus mit einem der drei Corps, 
das aus drei Legionen bestand, nördlich in jene Gegend des Ebu- 
ronenlandes, welches an die Menapier grenzte, einen Streifzug zu 
machen ^). 

Den Gajus Trebonius sendete er ebenfalls mit drei Legionen 
ab, um jenen Theil des Eburonenlandes zu verwüsten, der dem Ge- 



Teutonen beauftragt, ihre Habseligkeiten aufzubewahren und zu beschützen, 
die sie, als ihrem Marsch allzu hinderlich zurückliessen , und ich möchte mir 
die Hypothese auszusprechen erlauben, dass sie deshalb von den umliegenden 
Völkerschaften »die Gutswächter« genannt wurden ; dass aber Aduatuca oder 
Advacca — wie Ptolomäus schreibt — etwa die Gutswache (Od-uuacka) die 
Burg oder ein Castell in der Sprache der Germanen bedeutet habe. Für mög- 
lich halte ich es, dass in dieser Richtung sogar der Ausspruch Cäsars in VI, 
32. zu verstehen ist, wo er sagt: Aduatucam contulit, id castelli nomen est. 
(Dies ist der — germanische — Ausdruck für »castellum«). 

Glück (Die in 0. J. Cäsar vorkommenden keltischen Namen. München 
1857.) behauptet, »Aduatuci« sei etwa so viel als »audaces«. 

1) hunc cum reliquis rebus locum jirobarat. tum etc. VI, 82. 

2) Der Umstand , dass ein Castell zu klein war, um jene Besatzung mit 
der Masse von Fuhrwesen und Gepäck in sich aufnehmen zu können, und 
dass die Römer ein besonderes Lager schlugen , deutet darauf hin , dass sie 
sich nicht in dem Castell selbst befanden, sondern nur in dessen Nähe. 
Diese Betrachtung möchte wohl die Ansicht des Hubert Leodius und des Abb6 
de Feller: es sei »ad Vatucam« anstatt »Aduatucam« zu lesen, einigermassen 
unterstützen. 

3) ad Oceanum versus in eas partes, quae Menapios attingunt. VI, 33. 
Wenn sich die Angaben Cäsars beinahe durchgängig als richtig erweisen, so 
scheint das jedoch unwidersprechlich festzustehen, dass er glaubte, der Ooean 
ziehe viel weiter östlich, als es der Fall ist. Er selbst ist nie an die Mün- 
dungen des Rheines gekommen. Vergl. oben »Einfall der Usipeter und 
Tenchtererc S. 121. 



222 

biete der Aduatuker zunächst lag. Es ist dies das Land zwischen 
der Maas und der Demmer, und Trebonius zog, um dahin zu ge- 
langen, ohne Zweifel das Thal der Yesdre hinab, und überschritt 
bei Lüttich die Maas. 

Gasar selbst beschloss mit den drei übrigen Legionen nach dem 
Einäuss der Sambre in die Maas zu ziehen, und somit in eine 
Gegend des Ardennenwaldes , die seinem Saume zunächst liegt '). 
Dorthin sollte sich Ambiorix geflüchtet haben, und die felsigen und 
zerklüfteten Hohen des Ardennenwaldes, welche von Huy bis gegen 
Namur die Maas berühren, konnten allerdings trefiOiche Schlupf- 
winkel bieten. 

Bei seinem Abmarsch versprach Cäsar nach sieben Tagen ') bei 
Aduatuca wieder einzutreffen , weil um diese Zeit die 14. Legion 
frisch verproviantirt werden musste'). 

Dem Labienus sowohl als auch dem Trebonius empfahl er, 
wenn sie es ohne den Zweck ihrer Entsendung zu verfehlen im 



1) ad Sabim (nicht Scaldim), quod influit in Mosam, extremasqne Ardennae 
partes. VI, 33. Dies ist die einzig mögliche Lesart. Napoleon III. liest 
»Scaldim« (Scheide). 

Der Einfluss der Sambre in die Maas ist 17 bis 18 Stunden von Adnatuca 
entfernt gewesen, und Cäsar legte diese Strecke, wie wir sehen werden, in 
drei Märschen zurück. An die Scheide hätte er einen Weg von 36 Stunden 
gehabt, und wenigstens sechs Märsche gebraucht, um ihn zurückzulegen. 
Einige Codices, sowie auch der griechische Metaphrast haben ebenfalls die 
Lesart »Sabin«. 

2) post diem septimum. VI, 33 : »Am Abend des siebenten Tags«, da die 
Kömer ihre Tage vom Beginne der vorhergehenden Nacht an rechneten. 

3) Aus der nachfolgenden Erzählung geht hervor, dass Cäsar deshalb zur 
Yerproviantirung wieder eintreffen musste, weil die eine Legion nicht stark 
genug war, um das Lager zu decken, und zugleich hinlänglich starke Ab- 
theilungen zum Bei treiben der Lebensmittel auszusenden. 

Da wir nach Seite 24 wissen, dass die Bömer je von 15 zu 15 Tagen die 
Rationen anstheilten, Cäsar aber bei seinem Abmarsch vom Rheine sicherlich 
sein Heer frisch verproviantirt hatte, so scheint er überhaupt für den Marsch 
vom linken Rheinufer über Limburg bis gegen Namur, und von da nach 
Limburg zurück nahezu 15 Tage gebraucht zu haben, etwa fünf Tage, um 
über die Eifel und das hohe Yeen vom Rheine bis nach Limburg zu gelangen, 
einen Rasttag daselbst, an dem er sein Heer theilte, und sieben Tage nach 
Namur, und von da wieder nach Limburg zurück. Daher traf er den 13. 
Tag nach Austheilung der Rationen bei Limburg oder Aduatuca wieder ein, 
und hatte den 14. Tag frei, um für Beischaffung und Anordnung der neuen 
Yerproviantirung Sorge zu tragen. 



223 

Stande wären, ebenfalls nach sieben Tagen bei Aduatuca wieder 
einzutreffen ^). 

Durch diese Züge mit den Verhältnissen des Feindes näher be- 
kannt geworden wolle er sich sodann von Neuem mit ihnen be- 
rathen , nach welchem Operationsplan weiter vorzuscbreiten sei '). 

Cäsar hatte es, wie gesagt, mit keiner Truppenmasse, die er 
da oder dort zu finden wusste^), zu thun, er hatte keine Stadt 
und keinen festen Posten, der es auf einen Kampf ankommen Hess, 
anzugreifen ; denn die Eburonen hatten sich nach allen Richtungen 
zerstreut. Sie hatten sich in versteckt liegende Thäler, waldreiche 
Gegenden oder schwer zugängliche Moore geflüchtet, je nachdem 
sie da oder dort Schutz oder Rettung zu finden hofften. Dem 
geschlossenen romischen Heere konnten sie zwar nicht gefährlich 
werden, aber es erforderte viele Vorsicht, zu verhindern, dass sie 
nicht von ihrer genauen Ortskenntniss begünstigt, einzelne Soldaten 
aufrieben, und auf diese Weise dem Heere dennoch einen fühlbaren 
Verlust beibrachten. Denn nicht nur verlockte Beutelust viele Sol- 
daten, sich weiter vom Heere zu entfernen, sondern man konnte 
auch der Waldungen wegen nicht in geschlossener Ordnung vor- 
dringen. 

Wollte Cäsar die Sache zu Ende führen, und den ganzen Stamm 
der Eburonen ausrotten, so musste er mehrere Colonnen bilden und 
seine Truppen allzusehr zersplittern. Denn gegen einen Angriff 
mit ganzen Cohorten *) wie es der Gefechtsmechanismus und die 
üebung romischer Heere verlangte, schützte das Terrain die Feinde, 
während es Einzelnen derselben nicht an Muth fehlte, Hintorhalte 
zu legen und von der Colonne abgckonunene Römer zu überfallen. 

Diese schwierigen Verhältnisse suchte Cäsar möglichst un- 
schädlich zu machen , und obgleich seine Soldaten vor Rachedurst 
brannten, so wollte er doch lieber dem Feinde nur einen kleinen 
Schaden zufügen, als einen grössern mit Truppen verlust erkaufen. 



1) Da in sieben Tagen jeder der beiden Legaten 36 Stunden, nämlich 18 
hin und 18 zurück zurücklegen konnte, so konnte Labienus bis iq die Höhe 
von DüBseldorf vordringen, wo sich ungefähr die nördliche Grenze der Eburonen 
befand, Trebonius aber bis gegen Aerschot oder Montaign. 

2) nt rursns commonicato consilio exploratisque hostium rationibus aliud 
initium belli capere possint. VI, 33. Düber bringt für »capere possintc mit 
Schneider und Frigell wieder »capere possentt in den Text. 

3) manuB certa nulla. VI, 34. 

4) si oontinere ad signa muiipnlos vellet. VI, 85. 



224 

Daher sendete er nocli vor seinem Abmarscli von Adoatuca in alle 
Nachbarstaaten Boten , und rief Alles , was Beute machen wollte, 
herbei, um die Eburonen zu plündern. Auf diese Weise gab er 
Gallier, anstatt seiner Soldaten der Gefahr des tückischen Terrains 
preis, und hoffte durch die Masse umherschwärmender Mordbrenner 
Stanmi und Name der Eburonen zu vertilgen. — Eine furchtbare 
Rache für die Niederlage bei Aduatuca. 

In unglaublich kurzer Zeit strömte yon allen Seiten eine un- 
geheure Menge Beutegieriger herzu. Denn noch ehe Cäsar nach 
Aduatuca zurückgekehrt war, also in weniger als sieben Tagen*), 
waren alle Eburonen zersprengt und in solche Furcht gesetzt, dass 
auch nirgends eine nur bemerkenswerthe Schaar mehr beisammen 
blieb. Ja^ zu den Sigambem, welche seiner Zeit die flüchtenden 
Usipeter und Tenchterer bei sich aufgenommen hatten, und am Ufer 
des Rheins wohnten ^), war der Ruf zur Plünderung nicht nur schon 
hindurch gedrungen, sondern sie hatten bereits 2000 Reiter ge- 
sammelt, und waren auf Schiffen und Flössen bei Bonn ') über den 
Rhein gesetzt. 

Bei Bonn waren sie schon auf eburonischem Boden ^) , zogen | 
sodann westlich und bemächtigten sich einer grossen Menge Viehes, 
auf das alle jene Völker sehr aus sind. Die reiche Beute lockte sie 
immer weiter vorwärts, und weder Sümpfe noch Wälder hemmten 
den Lauf der geborenen Krieger und Buschklepper^). 

Als sie nun gar in der Gegend des heutigen Aachen ange- 
kommen ^), bei ihren Gefangenen Erkundigungen einzogen, und man 
ihnen mittheilte, dass Cäsar ziemlich weit von Aduatuca hinweg- 
marschirt sei, und sein Heer sich überhaupt nach verschiedenen 
Richtungen zertheilt habe, da rief plötzlich ein gefangener Eburone : 
Warum verfolgt ihr denn uns '), eine so erbärmlich magere Beute. 
Euch steht ja bereits viel Besseres zu Gebot. In drei Stunden 



1) diesque adpetebat septimus. VI, 35. 

2) proximi Rheno. VI, 35. 

3) triginta milibus passuum infra eum locum, ubi pons erat perfectus 
praesidiumque ab Caesare relictum. VI, 35. Bonn liegt gerade 30 römische 
Millien oder zehn badische Wegstunden unterhalb Coblenz, und war im Alter- 
thum bekanntlich ein Hauptübergangsort. 

4) primos Eburonum fines adeunt. VI, 35. 

5) in hello latrocinüsque natos. VI, 35. 

6) Vergl. Tribus horis Aduatucam venire potestis. VI, 35. 

7) quid nos. VI, 35. nicht »vos«, sondern »nos« im Gegensatz zu den Römern. 



225 

könnt ihr zu Aduatuca sein. Dort findet ihr des romischen Heeres 
ganzen Reichthum, von so weniger Mannschaft gehütet, dass sie 
nicht einmal hinreicht, die Brustwehr ihres Lagers ringsum zu be- 
setzen '), geschweige, dass sich einer aus der Yersehanzung heraus- 
wagen sollte. 

Auf diese Aussicht hin liessen die Germanen ihre Beate, welche 
sie bereits gemacht hatten, in einem sichern Verstecke zurück, und 
ritten, jenen Gefangenen als Wegweiser benützend, gen Aduatuca. 

Cicero, der die ersten sechs Tage Cäsars Befehl gemäss seine 
Truppen mit aller Strenge im Lager behielt, ja nicht einmal einen 
Pferdeknecht den Bereich der Yersehanzung überschreiten liess, be- 
kam am siebenten Tage Zweifel, ob Cäsar wohl auf den versproche- 
nen Tag auch zurückkehren werde ^), da keine Kunde eintraf, dass 
er sich auf dem Rückmarsche befinde, und er im Gegentheil hörte, 
der Oberfeldherr sei noch weiter vorgerückt. 

Dazu blieben allerlei Reden auf Cicero nicht ohne Einfluss, 
z. B. die Aeusserung: Nach einem unthätigen Verhalten und nach 
dem Verbote , nicht einmal den Lagerwall zu überschreiten , sollte 
man glauben, rings von Feinden umlagert zu sein. Endlich hielt 
er es für unmöglich, dass ihm auf die Entfernung von einer Stunde 
vom Lager ein Unglück zustossen könne, zumal als den zersprengten 
und beinahe aufgeriebenen Eburonen neun Legionen und eine zahl- 
reiche Reiterei gegenüberstanden. 

Durch solche Betrachtungen liess sich Cicero verleiten, der 
Verproviantirung wegen fünf Cohorten nach den nächstgelegenen 
Fruchtfeldern zu senden, die nur durch einen einzigen Hügel vom 
Lager geschieden waren. 

Als Cäsar und seine beiden Legionen von Aduatuca abmar- 
schirten, war eine Anzahl Kranker der verschiedenen Legionen da- 
selbst zurckgeblieben ^). Ungefähr 300 derselben waren wieder ge- 
nesen, und wurden unter ein Fähnlein gereiht, gleichfalls zur Ver- 
proviantirung beordert. 

Ausserdem zog eine Menge von Pferdeknechten und Trans- 
portthieren, welche den detachirten Legionen angehörten, bei dieser 
Gelegenheit mit. 



1) ut ne murue qnidem dngi possit. VI, 35. Vergl. S. 9. 

2) septimo die diffidens de numero dierum Caesarem fidem servaturam. 
VI, 36. 

3) complures erant ex legionibus aegri relicti. VI, 36. 

T. Oöleri Cftsara gaUischer Krieg. II. Aufl. 15 



226 

Gerade zu dieser Zeit und unter diesen umstanden trafen die 
sigambrischen Reiter ein, und suchten sogleich, ohne dass sie auch 
nur ihre Marschrichtung, in der sie ankamen ^), zu ändern brauchten, 
an der Porta Decumana in das Lager einzubrechen. 

Da an der Bückseite des Lagers ein Wald die weitere Aus- 
sicht benahm, so wurden sie nicht eher erblickt, als bis sie so nahe 
waren, dass die Krämer, welche dort am Walle hin ihre Buden aufge- 
schlagen hatten, nicht einmal mehr in Sicherheit kommen konnten '). 

Das plötzliche Erscheinen der drohend daher trabenden Reiter- 
masse versetzte die nur noch aus fünf Cohorten bestehende Be- 
satzung in Bestürzung, und die auf Wache befindliche Cohorte ver- 
mochte kaum dem ersten Choc der Sigambrer Stand zu halten. Jetzt 
umritten dieselben auch die übrigen Seiten des Lagers, um wo mög- 
lich dort eindringen zu können, und nur mit Mühe wurden die 
Lagereingänge vertheidigt. Doch gelang es. Das Eindringen an 
einer andern Stelle liess aber schon die Terrainbildung und die Be- 
festigung nicht zu. Die ganze Besatzung lief jedoch ängstlich durch- 
einander, und Einer fragte den Andern, woher der Lärm. Keiner 
wusste, wohin er Front machen oder wo er sich aufstellen sollte. 
Die Einen schrien, das Lager sei bereits genommen, und Andere 
behaupteten, das Heer sei vernichtet und Cäsar gefallen, sonst wären 
die Barbaren nicht da. Sehr Viele brachten die abergläubigsten 
Ideen zum Vorschein : Aduatuca sei eben ein Unglücksort ; hier sei 
ja auch Titurius und Cotta zu Grunde gegangen. 

Die Bestürzung der Römer bestärkte die Sigambrer in ihrer 
Meinung, dass, wie jener Gefangene angegeben hatte, eigentlich gar 
keine Besatzung, sondern verhältnissmässig nur wenige Mannschaft 
im Lager sei. Mit aller Gewalt suchten sie daher durch die Ein- 



1) eodem illo, quod venerant cursu. VI, 37. Vergl. IV, 26. »carsum 
tenere non potiierant«. 

2) Nicht nur diese, sondern auch noch einige andere Stellen machen den 
Eindruck, als habe es mit dem Sicherheitsdienst in den römischen Heeren 
nicht zum Besten ausgesehen; doch muss wohl in Betracht gesogen werden, 
dass in damaliger Zeit die Ueherfölle leichter gelangen, als heutzutage, weil 
der Waffengehrauch von Seiten der Vorposten nicht wie das Gewehrfeuer 
weithin gehört, die Allarmirung begünstigte. Dass aber das römische Lager 
in der Nähe eines Waldes geschlagen war, entspricht jedenfalls nicht den 
taktischen Lehren, welche uns Hjgin mittheilt; denn er sagt von den Lager- 
plätzen: Sie sollen ein Gewässer oder eine Quelle in der Nähe haben, aber 
keinen Wald, der den Feind dem Auge entzieht (flumen sive fontem habere 
debent . . . . ne silva celatura bestes adjaceat.). 



227 

gänge in dasselbe einzudringen', sich gegenseitig ermunternd , den 
herrlichen Fang nicht aus den Händen zu lassen. 

Auch Bacolus, jener tapfere schon mehrfach erwähnte Centurio, 
hatte C^Lsar nicht folgen können, war krank im Lager bei Aduatuca 
zurückgeblieben, und hatte schon fünf Tage keine Nahrung zu sich 
genommen. Ohne grossen Glauben an seine und der Besatzung 
Rettung, trat er aus dem Zelte und sah, wie die Feinde immer 
mehr herandrangen, und die Gefahr auf das Höchste gestiegen war. 
Da entriss er den Nächststehenden dem Einen den Schild, dem 
Andern das Schwert, und pflanzte sich unter das Thor. Die Cen- 
turionen seiner Gohorte, welche auf Wache stand, thaten ein Gleiches, 
und brachten den Kampf zum Stehen. Baculus aber sank von vielen 
Wunden getroffen besinnungslos zu Boden, und wurde nur dadurch 
gerettet, dass man ihn an den Händen aus dem Getümmel zog ^). 
Unterdessen hatten sich die üebrigen so viel ermannt, dass sie sich 
wenigstens an die Brustwehr stellten, und Vertheidigern gleich sahen. 

Jetzt war das Getreidesammeln beendigt, und die ausgesendeten 
Truppen vernahmen von ferne das Schlachtgeschrei. Ihre Reiter 
jagten ') gegen das Lager voran, und von diesen erfuhren sie , wie 
gefährlich es stehe. Schrecken ergriff sie, da sie sich von der ber- 
genden Lagerverschanzung abgeschnitten sahen, und als unerfahrene 
Rekruten wussten sie nicht, was sie thun sollten, sondern blickten 
nur Alle nach den Tribunen und Centurionen, und harrten auf 
deren Befehl. 

Niemand ist so tapfer, — bemerkt Cäsar — dass er durch 
Ueberraschung die Geistesgegenwart nicht verlieren könnte, und so 
Hessen auch die Sigambrer von dem Angriffe auf das Lager ab, als 
sie jener Cohorte Feldzeichen erblickten; denn sie glaubten, eines 
der detachirten Corps sei zurückgekehrt. Erst als sie sich von der 
geringen Zahl der Cohorten überzeugt hatten, brachen sie von allen 
Seiten auf sie ein. Die Pferdeknechte waren, um das Lager zu er- 
reichen, nach dem nächstgelegenen Hügel vorgelaufen'), wurden 



1) per manu« tractus servatur. VI, 38. 

2) VergL Seite 121. 

3) Calones procurrunt. VI, 40. Das procurrunt ist verdächtig. Denn als 
die Sigambrer bereits von allen Seiten hereinbrachen, da liefen die Pferde- 
knechte nicht erst vor, sondern sie waren gleich auf die ünglücksbotschaft 
hin nach jenem Hügel gelaufen, um das Lager zu erreichen, und wurden 
durch den Angriff der Sigambrer wieder zurückgeworfen. Daher möchte wohl 
>procarreraiit« za lesen sein. 

15* 



228 

schnell von ibm herabgetrieben, und warfen sich auf die Oohorten 
und Manipeln. Dies brachte nur noch mehr Schrecken unter der 
jungen Mannschaft hervor. 

Die Einen wollten, man solle eine geschlossene Colonne bilden ^), 
und sich ohne Verzug nach dem Lager, das ja so nahe gelegen, 
durchschlagen ; denn wenn auch ein Theil abgeschnitten und fallen 
sollte, so wurden die Uebrigen doch sicherlich gerettet. Andere 
wollten auf der Höhe Stellung nehmen, und im Unglück beisam- 
men bleiben. Damit waren die älteren Soldaten nicht einverstanden, 
die unter einem I^hnlein zur Verproviantirung ebenfalls ausgerückt 
waren. Sie riefen sich gegenseitig Muth zu, brachen sodann von 
ihrem Gommandanten Gajus Trebonius geführt durch den Feind 
mitten hindurch, und gelangten, ohne auch nur einen einzigen 
Mann zu verlieren, glücklich ins Lager. 

Die jungen Cohorten aber, welche auf der Höhe Stellung ge- 
nommen hatten, wussten sich auch dort nicht zu helfen. Sie blieben 
weder- bei ihrem einmal gefassten Entschlüsse, sich auf der Höhe 
zu vertheidigen , noch wussten sie nach dem Beispiel ihrer altem 
Kameraden sich energisch und rasch Bahn zu brechen, sondern ge- 
riethen, als sie sich endlich nach dem Lager zurückziehen wollten, 
auf ein ungünstiges Terrain. Ihre Centurionen, von denen einige 
aus andern Legionen mit Rangerhöhung in diese Legion versetzt 
worden waren , fielen dort wacker kämpfend , um ihren früher er- 
worbenen Ruf nicht zu verlieren. Durch deren Tapferkeit gab es 
etwas Luft, und drei Cohorten gelangten wider alles Erwarten ins 
Lager, die Uebrigen aber wurden von den Sigambrem umringt und 
zusammengehauen ^). 

Unterdessen war der Wall des Lagers gehörig besetzt worden, 
und die Sigambrer konnten nicht mehr hoffen, dasselbe zu erobern ; 
sie zogen daher ab, holten die den Eburonen abgenommene Beute 
aus dem Verstecke hervor, und begaben sich mit ihr über den 
Rheine zurück. 

In welchem Ruf von Tapferkeit bei den Römern auch damals 
noch nach so manchen Siegen Cäsars die Germanen gestanden haben 
müssen, zeigt sich uns, wenn wir die Stärke der beiden Gegner in 
obigem Kampfe einander gegenüberstellen. 

Im römischen Lager hatte Cäsar eine Legion von etwa 4800 
Mann, ferner 200 Reiter nebst Kranken, wovon 300 bald genasen, 

1) cuneo facto. VI, 40. 

2) Vergl. VI, 44: duarum cohortium damno. 



229 

also 5300 Streitbare zurückgelassen. Gegen diese rückten 2000 
sigambrische Reiter an, und vermochten einen solch panischen 
Schrecken zu verbreiten. 

Ja selbst nach ihrem Abzug dauerte der Schrecken noch fort; 
denn als in der folgenden Nacht (jajus Yolusenus von C&iar, der 
bereits in der Nähe von Aduatuca eingetro£Fen war, mit der Reiterei 
vorausgesendet, vor Cicero's Lager erschien, da wollte ihm Niemand 
glauben, dass Cäsar und sein Heer unverletzt herankomme. So ein* 
geschüchtert war Alles, dass Manche ganz ausser sich, behaupteten, 
sämmtliche Legionen seien vernichtet, und nur die Reiterei habe 
sich durch Flucht gerettet, denn wenn dem Heere kein Unfall 
widerfahren wäre, würden die Germanen es sich nimmer haben ein- 
fallen lassen, das Lager erobern zu wollen. Endlich erschien C&aBi 
selbst und man athmete wieder frei. 

Qlsar, dem in vollem Maasse bekannt war, was für Wechsel- 
fälle der Krieg mit sich führe ^), rügte nur das Eine , dass Cicero 
seine Cohorten das sichere Lager verlassen liess, da er unter den 
damaligen Verhältnissen durchaus nichts aufs Spiel setzen durfte. 
Er wies daraufhin ^), dass das überraschende Erscheinen der Sigambrer, 
noch mehr aber der Umstand, dass sie bereits an den Wall und 
die Thore herangedrungen, wieder hätten abziehen müssen, so recht 
die Macht des Zufalls ans Licht stelle. Das Merkwürdigste jedoch 
bei dem Vorfall war , dass die Germanen den Rhein Überschritten, 
um des Ambiorix Land zu plündern, und zufällig zum romischen 
Lager gekommen, ihm den willkommensten Dienst erzeigen wollten. 

QLsar brach von Neuem auf, um mit Feuer und Schwert gegen 
die Eburonen zu wüthen, und sendete eine grosse Menge Plünderer, 
welche aus den Nachbarstaaten sich eingefunden hatten, nach allen 
Richtungen aus. Alle Dörfer, ja alle Gehöfte, deren man ansichtig 
wurde, wurden eingeäschert und überall Beute hinweggeschleppt. 
Das vorhandene Getreide wurde theils von der Masse von Menschen, 
Pferden und Transportthieren aufgezehrt, theils lag es von dem 
Platzregen, welche jenes Jahr mit sich brachte, zu Boden ge- 
schlagen. Wenn sich unter solchen Umständen auch Einer oder 
der Andere der Eburonen verborgen zu halten wusste, so musste 
er von allen Lebensbedürfnissen entblöst nach Abzug des Heeres 
dennoch zu Grunde gehen. 



1) ille eventus belli non ignorans. VI, 42. 

2) indicavit. VI, 42. nicht judicavit. 



230 

C&sars Reiterei durchstreifte das Land nach allen Richtungen, 
und oft war man Ambiorix so nahe gekommen ') , dass Eburonen 
im Augenblick ihrer Gefangennehmung sich nach ihm umschauten, 
weil sie ihn gerade noch auf der Flucht gesehen hatten, und dass 
sie behaupteten, er müsse noch im Gesichtskreise sein. Manche 
von Cäsars Leuten hofften ihn dann zu erreichen, und nahmen fast 
übermenschliche Anstrengungen über sich, um sich bei ihrem Ober- 
feldherm in Gunst zu setzen, aber immer fehlte noch etwas, des 
Hauptfeindes habhaft zu werden. Durch Schlupfwinkel, Wälder 
und Schluchten wusste sich Ambiorix stets- seinen Verfolgern zu 
entziehen, und eilte sodann von der Nacht begünstigt bald rechts, 
bald links nach andern Gegenden. Nur von vier Reitern, denen 
er allein sich anzuvertrauen wagte, war er noch begleitet. Im Jahre 
51 V. Chr. lebte indess Ambiorix noch, und Cäsar machte damals, 
um seiner habhaft zu werden, einen zweiten verheerenden. Zug durch 
das Land der unglücklichen Eburonen ^). 

Nach solchen Verheerungen ist es begreiflich, dass die Ubier 
14 Jahre später, wenigstens grösstentheils , von Agrippa auf das 
linke Rheinufer versetzt, im früheren Lande der Eburonen und 
Menapier Raum finden konnten. 

Als Cäsar seinen Rachezug beendigt hatte"), führte er sein 
Heer nach Durocortorum, der remischen Hauptstadt. Dorthin be- 
rief er einen Landtag der Gallier, und ordnete über die Verschworung 
der Senonen und Carnuten eine Untersuchung an. Acco, das Haupt 
der Verschwörung wurde zum Tode verurtheilt und nach alt galli- 
scher Weise hingerichtet. Einige andere, die sich aus Furcht vor 
dem Urtheilsspruche geflüchtet hatten, wurden in die Acht erklärt. 

Cäsar liess hierauf zwei Legionen an der trevirischen Grenze, 
zwei im Lande der Lingonen, und die sechs übrigen um Agejidicum^) 
(Sens), im Gebiete der Senonen Winterquartiere beziehen, und be- 
gab sich, nachdem er die Lebensmittelverpflegung geordnet hatte, 
zur Abhaltung seiner Gerichtstage räch Italien. 

1) ac saepe in eum locum ventuin est. YI, 43. 

2) Vergl. bell. gall. VIII, 24. 

3) tali modo vastatis regionibus. VI, 44. 

4) Nach Glück: Agedincum. 



231 



Siebentes Buch. 

(Das Jahr 52 v. Chr. oder 702 n. E. R.) 



1. Einleitung. 

Als (%sar im Spätherbst 53 y. Chr. durch seine Operationen 
ganz Gallien beruhigt glaubte, von seinen 10 Legionen 2 in das 
Gebiet der Remer, 2 in das der Lingonen, die übrigen 6 aber in 
die Umgegend von Agendicum — dem heutigen Sens — im Lande 
der Senonen in Winterquartiere gelegt hatte, und nach Oberitalien 
gegangen war, um daselbst seine Gerichtstage zu halten, so erfahr 
er die Ermordung des Glodius sowie den Senatsbeschluss , dass die 
sammtliche junge Mannschaft Italiens den Fahneneid zu leisten habe, 
und beschloss daher in seiner ganzen Provinz ebenfalls eine Aus- 
hebung anzuordnen. 

Diese politischen Verhältnisse wurden im transalpinischen Gallien 
bald bekannt, und die Gallier schmückten die einlaufenden Gerüchte 
noch weiter aus, und setzten hinzu, was ihnen dienlich schien. Sie 
sprengten aus : C^är werde durch Unruhen in Rom zurückgehalten 
und könne bei den herrschenden Zerwürfnissen sich nicht zu seinem 
Heere nach Gallien begeben. 

Diejenigen Gallier, welche schon vorher nur mit tiefer Betrüb- 
niss die römische Herrschaft ertrugen, begannen ziemlich rückhalt- 
los und keck für eine Schilderhebung zu wirken. Die gallischen 
Fürsten kamen in abgelegener Waldgegend zusammen, besprachen 
sich in höchster Entrüstung über Acco^s Hinrichtung, dessen Schick- 
sal ihnen zuletzt auch zu Theil werden könne, und beklagten tief 
ergriffen ihres gemeinsamen Vaterlandes trauriges Loos. Sie er- 
klärten, einer ihrer Stänmie müsse nunmehr den ersten Schlag 
führen ; misslinge der Aufstand, dann setze sich jener Stamm frei- 
lich dem Zorne Cäsars vorzugsweise aus, aber gross solle auch sein 
Lohn sein im Falle des Gelingens ; übrigens müsse, ehe noch ihre ge- 
heimen Berathschlagungen bekannt würden, C^ar der Weg zu seinem 
Heere abgeschnitten werden. Dies sei leicht, weil die Legionen, 
in Abwesenheit ihres Oberfeldherm ihre Winterquartiere zu ver- 
lassen, gewiss nicht wagen würden, noch der Oberfeldherr ohne Be- 
deckung zu ihnen gelangen könne. Endlich sei es besser im Kampfe 



232 

zu fallen, als den alten Eriegsruhm und die angeerbte Freiheit^) 
verloren zu geben. 

Darauf erboten sich die Camuten für das Gemeinwohl sich 
jeder Gefahr unterziehen und sich zuerst erheben zu wollen. Jedoch 
verlangten sie, man solle auf die feierlichste Weise — durch Eid- 
schwur vor versammelten Fahnen — sich verpflichten, nach der 
Schilderhebung sie auch kräftig zu unterstützen. Eine g^enseitige 
Sicherstellung durch Geiseln war in diesem Falle nicht möglich, 
weil hierdurch das Vorhaben allzu früh bekannt geworden wäre. 

Da wurde denn den Carnuten reiches Lob gezollt, von allen 
Anwesenden der verlangte Eid geleistet, und nachdem der Tag der 
Schilderhebung festgesetzt war, ging man auseinander. 

2. Ausbruch des gallischen Aufstandes. 

Am festgesetzten Tage wurde das Signal zum Aufstande ge- 
geben, die Carnuten eilten unter Führung des Cotuatus und Cone- 
todunus, zweier tollkühner Menschen, nach Genabum — dem heu- 
tigen Orleans *) — und erschlugen die römischen Bürger , welche j 
sich des Handels halber dort niedergelassen hatten; unter ihnen 
den Gajus Fusius Cita, der auf Cäsars Befehl die Verproviantirung 
des Heeres leitete. Nach der Ermordung jener Männer plünderten 
sie deren Habe. 

Das Gerücht hiervon wurde schnell bei allen gallischen Volker- 
stämmen bekannt. Denn wenn sich irgend ein wichtiger und Auf- 
sehen erregender Vorfall ereignete, so war es bei den Galliern Sitte, 
ihn durch Zuruf über die Fluren und Bezirke zu verkünden. Andere 
nahmen den Zuruf auf und theilten ihn den Nächsten mit. So ge- 



1) libertatem, quam a majoribus acceperint. VIT, 1. 

2) üeber die Oertlichkeiten in diesem Feldzuge weichen die Ansichten der 
Gelehrten mehr von einander ab, als über diejenigen, welche in andern Theilen 
der Commentarien erwähnt werden. So sucht Napoleon III. bereits Gena- 
bum nicht in Orleans, sondern in Gien an der Loire, nahezu neun deutsche 
Meilen oberhalb Orleans; indem er auf den grossen Umweg aufmerksam 
macht, welchen Cäsar über Orleans marschirend hätte machen müssen; die 
Lage des jetzigen Gien viel passender für ein oppidum hält, als Orleans u. s. f. ; 
lauter Gründe, die nicht neu sind und von Andern theils entschieden be> 
stritten wurden wie von d'Anville und Lancelot, theils als zweifelhaft be- 
zeichnet wurden, wie in neuerer Zeit von Heller, welcher zu dem Schlüsse 
gelangt: »Danach ist die Annahme des Kaisers, welcher Gien in dem cäsari- 
schen Genabum sucht, wenn auch nicht unmöglich, doch sehr fem von der 
GewiAsheit«. 



233 

schah es auch diesmal. Was bei Anbruch des Morgens zu Genabum 
vorging, vernahm man vor 9 Uhr Abends^) bereits im Lande der 
Arvemer, in einer Entfernung von etwa 53 Stunden '). 

Dort liess der Arverner Yercingetorix, ein junger Mann von 
sehr grossem Einflüsse, seine Hörigen zusammenrufen und setzte sie 
in Feuer und Flamme. Sobald sein Entschluss zur Schilderhebung 
bekannt geworden war, eilte Alles zu den Waffen. Sein Oheim 
Gobannitio und die übrigen Fürsten aber, welche das Wagestück 
missbilligten, widersetzten sich ihm, und er wurde aus Gergovia, 
der Hauptstadt der Arverner — in der Nähe vom heutigen Glermont* 
Ferrand gelegen — vertrieben. 

Er liess jedoch von seinem Vorhaben nicht ab, und zog auf 
dem Lande eine Schaar brodloser Leute und Gesindel an sich. An 
der Spitze derselben forderte er jeden Arverner, den er antraf, auf 
für die gemeinsame Freiheit die Waffen zu ergreifen und zwang 
ihn sich ihm anzuschliessen. — Auf diese Weise brachte er eine 
grosse Streitmacht zusammen, jagte seine Gegner, die kurz vorher 
ihn vertrieben hatten, aus dem Arvernischen Gebiete und legte sich 
den Königstitel bei. Hierauf entsendete er nach allen Richtungen 
Agenten, und liess die verbündeten gallischen Völkerschaften auf 
das Eindringlichste ermahnen, an ihrem Eide festzuhalten.' 

Schnell gewann er die Senonen, Parisier, Pictonen, Cadurker, 
Turonen, Aulerker, Lemoviken, Anden und alle Stämme, die am 
Ocean hin wohnten. Nachdem ihm mit Einhelligkeit der Oberbe- 
fehl übertragen worden war, befahl er allen jenen Staaten Geiseln 
zu stellen, und bestimmte die Starke der Contingente, welche ihm 
sogleich zuzuführen seien , wieviel ein jeder derselben zu Hause 
Waffen zu rüsten habe, und wann diese Rüstung beendigt sein 
müsse. Das Hauptgewicht legte er auf Reiterei. 

Er war ebenso thätig als streng im Commando, und unschlüssige 
wusste er durch grosse Strafandrohung zum Entschlüsse zu bringen. 
Denn wer sich ein bedeutendes Vergehen zu Schulden kommen liess, 
wurde mit dem Feuertode und allen möglichen Martern bestraft, 
und wer sich nur leichter verging, wurde mit abgeschnittenen Ohren 
oder einem -ausgestochenen AugQ nach Hause geschickt, damit er 
den Uebrigen zur Warnung diene. 

Durch dieses Schreckenssystem hatte er bald ein Heer beisam- 
men und sendete den Cadurker Lucterius, einen höchst verwegenen 



1) ante primam confectam vigiliam 3. 

2) miliun passuum drciter GLX. — 3. 



234 

Menschen mit einem Theil seiner Streitkräfte südlich in das Gebiet 
der Rutener — das heutige Departement des Aveyron *). — Er 
selbst brach gegen Norden auf, nach dem Gebiete der Bitnrigen — 
dem heutigen Departement des Gher und Indre. — Bei seiner An- 
kunft daselbst schickten die Bitnrigen an die Aeduer, unter deren 
Schutz sie standen, Gesandte und Hessen um ein Hilfscorps bitten, 
damit sie dem anrückenden Feinde eher gewachsen sein möchten '). 
Die Aeduer traten mit den Legaten, welche Cäsar beim Heere 
zurückgelassen hatte , in Berathung und schickten hierauf den Bi- 
tnrigen Reiterei und Fussvolk zu Hilfe. Als diese Truppen an die 
Loire gekommen waren, welche das Gebiet der Bitnrigen von dem 
der Aeduer schied^), blieben sie einige Tage dort unthätig stehen, 
und überschritten den Fluss nicht, sondern zogen wieder heim. Den 
römischen Legaten berichteten sie, sie hätten den Bitnrigen nicht 
getraut, da ihnen kund geworden sei, dieselben hätten sie nach 
Ueberschreiten der Loire von Norden her umstellen wollen, während 
die Arverner sie von der Südseite her umschliessen sollten*). — 
Ob dies der wahre Grund ihrer Umkehr gewesen, oder ob Treu- 
losigkeit gegen die Römer damit im Spiel war, konnten die Legaten 
mit Gewissheit nicht erfahren; jedoch haben sich nach dem Rück- 
zug der Aeduer die Bitnrigen mit den Arvemem sogleich vereinigt. 

3. Cäsars Demonstration in das Land der Arverner. 

Als Cäsar in Italien von diesen Ereignissen Kunde erhielt, 
waren Roms innere Verhältnisse durch das energische Auftreten 
des Pompejus bereits etwas geregelter, und er brach daher alsbald 
nach dem transalpinischen Gallien auf. 

Dort — und zwar wahrscheinlich zu Vienna *) — angekommen, 
befand er sich in grosser Verlegenheit, wie er zu seinen mitten in 
Gallien stehenden Legionen oder diese zu ihm gelangen könnten. 
Denn wollte er sie an sich ziehen , so wurden sie unzweifelhaft 
unterwegs — also in der kritischen Lage seiner persönlichen Führung 
entbehrend ®) — in Kämpfe verwickelt ; wollte er selbst aber sein 

1) Vergl. Mannerts Geographie der Griechen und B($mer Seite. 120, wo- 
nach das heutige Bodez der Rutener Hauptstadt war. 

2) subsidium rogatum, quo facilius hostium copias sustinere possint. 5. 

3) Qui cum ad flumen Ligerim venissent, quod Bituriges ab Aeduis dividit. 5. 

4) ut una ex parte ipsi, altera Arvemi se circumsisterent. 5. 

5) Vergl. cap. 9. 

6) se absente. 6. 



235 

Heer zu erreichen suchen, so sah er wohl ein, dass er in jener Zeit 
seine Person nicht einmal denjenigen gallischen Yolksstämmen in 
die JHände geben durfte, die damals dem Aufstand noch fremd zu 
sein schienen. 

Unterdessen gelang es dem Cadurker Lucterius, der von Ver- 
cingetorix zu den Ratenem gesendet war, auch diese Völkerschaft 
zum Anschluss an die Arrerner zu vermögen. Von dort zog er 
zu den Nitiobrigen und Gabalem, liess sich von ihnen Geiseln 
stellen, und unternahm hierauf mit einer indessen gesanmielten 
grossen Eriegerschaar in der Richtung von Narbo einen Einfall in 
die römische Provinz. 

Als dies Cäsar gemeldet wurde, glaubte er vor Allem sich in 
Person nach Narbo verfügen zu müssen. Dort angekommen er- 
muthigte er die Kleinmüthigen, und legte Besatzungen in die Gegen- 
den, welche sich dem Feinde zunächst befanden — nämlich in das 
Gebiet der zur römischen Provinz zählenden Rutener, in das der 
Arecomischen Volker und der Tolosaten sowie in die Umgegend 
von Narbo, Einen Theil der Truppen, die er im transalpinischen 
Gallien ausgehoben hatte, und einen Theil der Ersatzmannschaft, 
welche aus Italien angelangt war, instradirte er in das Gebiet der 
Heivier. 

Nachdem Lucterius durch diese Massregeln in seinen Ent- 
würfen gehemmt und von der Provinz abgewiesen war, weil er doch 
Bedenken trug zwischen die römischen Besatzungen vorzudringen, 
brach Cäsar auf, um durch das Land der Heivier in das Arverner- 
land zu ziehen. 

In jener äusserst rauhen Jahreszeit waren die Sevennen, welche 
das Gebiet der Heivier von dem der Arverner schieden, mit tiefem 
Schnee bedeckt, und die Wege, welche über sie führten, unzugäng- 
lich. Aber mit der äussersten Anstrengung schaufelten die römischen 
Soldaten den Schnee nach beiden Seiten sechs Fuss hoch auf, öff- 
neten den Weg , und Cäsar gelangte zu den Arvernern '). — Da 
in dieser Jahreszeit gewöhnlich die Fusssteige der Sevennen nicht 
einmal von einzelnen Wanderern begangen werden konnten, so hiel- 
ten sich die Arverner für so geborgen, als schütze sie eine unüber- 
steigUche Mauer, und waren daher über Cäsars Erscheinen nicht 



1) Cäsars Angaben über den Marsch sind unbestimmt; doch hat Napoleon*8 
Annahme hohe Wahrscheinlichkeit, nach welcher Cäsar über Aps, St. Cirgaes 
und le Puy marschirt wäre. 



236 

wenig überrascht und bestürzt. Dieser befahl nun seinen Reitern 
so viel als möglich umherzustreifen und möglichst viel Schrecken 
zu verbreiten. 

Gerücht und Meldung gelangte hiervon schnell zu Yercingetorix. 
— Alle Arverner, die um ihn waren, bestürmten und beschworen 
ihn, er möge doch, da jetzt der ganze Krieg über s i e hereinbreche, 
vor Allem für die Sicherung ihres Eigenthums sorgen ') und nicht 
dulden, dass sie geplündert würden. Er nahm auf ihre Bitten 
Rücksicht, brach mit seinem Heer aus dem Gebiete der Biturigen 
auf, und zog nach dem der Arverner, um diesem Volke den er- 
betenen Schutz angedeihen zu lassen. 

4. Gäsars Eintreffen bei seinen Legionen in Mittelgallien. 

Cäsar hatte in richtiger Beurtbeilung der Handlungsweise seines 
Feindes') vorausgesehen, dass seine Demonstration diese Wirkung 
haben, nämlich Yercingetorix in das Land der Arverner gezogen 
und dadurch von den Legionen und der Communicationslinie ent- 
fernt werde. Er verweilte daher nur zwei Tage im Arvernerlande 
und brach für seine Person unter dem Vorwande, Ersatzmannschaft 
und Reiterei zu sammeln, nach Vienna auf. Die Truppen, welche 
er verliess, stellte er unter das Commando des jungen Brutus, legte 
ihm ans Herz, seine Reiterei auch femer ja recht weit und breit 
streifen zu lassen, und versprach, wenn immer möglich längstens 
nach drei Tagen im Lager wieder einzutreffen. Hierauf beschleunigte 
er seine Reise dermassen, dass er wieder alles Yermuthen zu Yienna 
ankam '). 

Nachdem er die wahrscheinlich in Oberitalien frisch aufge- 
stellte Reiterei, welche schon viele Tage vorher nach jener Stadt 
instradirt war, an sich gezogen hatte ^), eilte er in ununterbrochenen 
Tag- und Nacht-Märschen durch das Gebiet der Aeduer, das rechte 
Saone-Ufer entlang, nach dem Lande der Lingonen, wo zwei Le- 
gionen im Winterlager standen. Die Schnelligkeit seines Marsches 
sollte die Aeduer, wenn sie etwa gegen seine Person etwas im Schilde 
führten, an dessen Ausführung verhindern. 



1) ut suis fortunis oonsulat. 8. 

2) de Veroingetorigis nsu. 9. 

3) quam maximis potoet itineribus Viennam pervenit. 9. 

4) Ibi nactus recentem equitatum. 9. 



237 

5. Cäsar zieht denBojern zuHilfe und erobertVellaudunum, 

Genabum und Noviodunum. 

Als er bei den genannten beiden Legionen glücklich einge- 
troffen war *) , sendete er den übrigen Legionen die nöthigen Be- 
fehle und bewirkte ihre Vereinigung bei Agendicum *), ehe die Ar- 
Temer nur Kunde erlangen konnten, dass er bei seinen Legionen 
eingetroffen sei. 

Nachdem Vercingetorix aber Kenntniss hiervon erhalten hatte, 
führte er sein Heer wieder in das Gebiet der Biturigen zurück und 
von da nach Gergobina, einer Stadt der Bojer, — dem jetzigen 
Guerche sur TAubois'), — denen die Aeduer nach der Schlacht 
bei Autun mit Casars Bewilligung Ländereien abgetreten hatten. 



1) Eo qaum pervenisset. 9. 

2) Agendicam wurde neuerer Zeit auch für das heutige Provins gehalten ; 
doch ist dies gewiss unrichtig, weil Provios von Orleans (n&mlich Genabum) 
30 Stunden Wegs entfernt ist, und Cäsar diese Entfernung ohne besondere 
Anstrengung, die er sicherlich erwähnt haben würde, nicht in 4 Tagen hätte 
zurücklegen können. Vergl. VII. 11. 

3) Die Codices nennen die Stadt grOsstentheils Gergobina, doch auch Gor- 
tone, Gergobia und Gergovia. Letzteres ist schwerlich richtig und wahr- 
scheinlich nur durch eine Verwechselung der Abschreiber mit Gergovia im 
Lande der Arvemer entstanden. Spruner legt Gergobina, mit dem Namen 
Gergovia bezeichnet, in seinem Atlas antiquus zu weit nördlich, nämlich einige 
Standen östlich von Genabum oder Orleans an die Loire, setzt aber mit Recht 
ein Fragezeichen dazu. Nach der unten folgenden Erzählung der Commen- 
tarien muss Gergobina südlicher gelegen gewesen sein, weil Vercingetorix, 
als er die Belagerung derselben aufgegeben hatte, erst bei Noviodunum — 
dem heutigen Nouan — auf Cäsar traf. Sanson hält Moulins am Allier für 
Gergobina und diese Annahme ist strategisch möglich. Wir möchten uns 
aber dennoch erlauben, die Hypothese auszusprechen, dass Gergobina in dem 
heutigen Guerche-sur-rAubois zu suchen sei. 

M. A. Fischer in seiner Broschüre »Gergovia« Leipzig bei Teubner 1855, 
Seite 18, hält Gergovina für ein Nomen appellativum , soviel wie Gergan, 
Wehrgau, Wehrplatz. Das häufige Vorkommen von Guerche oder Guierche 
könnte Aehnliches vermuthen lassen. Es gibt ausser dem oben genannten 
Guerche auch ein Guerche in Maine an der Sarthe, eines in der Bretagne bei 
Bannes, eines in der Touraine an der Creuse, und endlich kommt in Nivernois 
ein Flüsschen Guerchy vor, das sich bei Mesue in die Loire ergiesst (vergl. 
Bruzen de la Martini^re). 

Napoleon sucht Gergobina — oder Gergobina, wie er schreibt — 
zwischen Allier und Loire und zwar in dem heutigen St. Parize-le-Ch&tel , in 
dessen Nähe man Fundamente einer früherer Stadt findet. Heller bemerkt 
hierzu : Das von Göler angenommene Guerche glaubt er (Napoleon) haupt- 
sächlich mit dem Hinweis auf die Worte Cäsars, die Loire habe das Gebiet 



238 

unter diesen Verhältnissen den rechten Entschluss zn fiassen, 
war für Cäsar sehr schwer, denn wenn er für den Rest des Win- 
ters seine Legionen concentrirt behielt, so mosste er befürchten, 
dass jene unter dem Schutz der Aeduer stehende Stadt von Ver- 
cingetorix erobert werde. Ein solches Ereigniss hätte aber noth- 
wendig den Glauben verbreiten können, Cäsar sei nicht mehr im 
Stande, seine Anhänger zu schützen, und als Folge davon war der 
Abfall von ganz Gallien nicht unwahrscheinlich. Wollte er aber 
mit den Legionen die Winterlager vor Beginn des Frühjahres ^) 
verlassen, so konnte der Nachschub von Lebensmitteln allzu schwierig 
werden und sein Heer in grosse Noth gerathen. Indessen schien 
es immerhin besser zu sein, alle jene Uebelstände über sich zu 
nehmen, als am Ansehen zu verlieren und sich die Gemüther zu 
entfremden. Cäsar schärfte daher den Aeduern ein, für den Nach- 
schub der Lebensmittel gehörig Sorge zu tragen und liess den 
Bojem zu wissen thun, er werde ihnen nächstens Ersatz und Hilfe 
bringen ; er erwarte nur, dass sie in Treue verharren und dem An- 
drang der Arvemer einstweilen wacker Stand halten würden. 

Zwei Legionen und das schwere Gepäck des ganzen Heeres 
liess er in Agendicum, und mit den übrigen Legionen brach er 
nach dem Gebiete der Bojer auf, das südlich von Nevers zwischen 
der Loire und dem Aubois lag und vom Allier durchströmt wurde. 

Cäsar schlug jedoch nicht den kürzesten Weg dahin ein, sondern 
wandte sich von Agendicum aus westlich, um bei Genabum die 
Loire zu überschreiten, ehe Yercingetorix dort eingetroffen sein 
konnte. Hätte Cäsar den nächsten Weg eingeschlagen, um jenen 
Fluss südlich von Sens, etwa bei Nevers, zu passiren, so wäre ihm 
sicherlich Yercingetorix entgegengetreten, um ihm den üebergang 
zu verwehren. 

Am zweiten Marschtage nach dem Aufbruche von Agendicum 
erreichte Cäsar Vellaudunum, eine Stadt, welche noch im Gebiet 

der Aedaer und Biturigen getrennt, abweisen zu können. Diese Worte sind 
Göler gewiss nicht entgangen, aber aus ihnen darf sicherlich nicht geschlossen 
werden, dass auch der Allier die Grenze zwischen jenen beiden Völkern ge- 
macht habe, und Guerche liegt nicht westlich von der Loire, sondern westlich 
vom Allier. Wer bedenkt, wie viel näher und leichter Cäsar seinen Marsch von 
Sens über Noviodunum der Aeduer (Nevers) — wo er sicherlich eine Brücke 
zum üebergang der Loire fand — hätte nehmen können , wenn Gorgobina 
zwischen diesem Fluss und dem Allier gelegen hätte, wird es schwerlich an 
diesem Platze suchen. (Philologns XXYI, 680.) 
1) si maturius ex hibemis educeret. 10. 



239 

der Senonen lag, an der Stelle des heutigen Städtchens Ladon, 3 
Stunden westlich von Montargis, nämlich 12 Stunden von Sens und 
11 Stunden von Orleans *). 

Um keinen Feind im Rücken zu behalten und im Nachschub 
des Proviants weniger gehindert zu werden beschloss er Vellaudu- 
num zu nehmen und umzog es mit einer Contravallationslinie, mit 
der er in zwei Tagen zu Stande kam ^). 

Am dritten Tage kamen Parlamentäre aus der Stadt, um zu 
capituliren. Cäsar verlangte, dass die Waffen abgeliefert, die Pferde 
vorgefahrt, sowie 600 Geiseln gestellt würden, und liess den Le- 
gaten C. Trebonius daselbst zurück, mit dem Auftrage, für Ein- 
haltung der Gapitulationsbedingungen zu sorgen, weil er selbst un- 
verzüglich nach Genabum aufbrach, um möglichst bald Gergobina 
Ersatz zu bringen. 

Die Carnuten, welche gerade erst von der Einschliessung Vellau- 
donums Kunde erhalten hatten, und glaubten, es werde einen langem 
Widerstand leisten, waren im Begriff eine Besatzung auszurüsten 
und nach Genabum zu werfen, um diese Stadt zu halten. Da traf 
CSsar nach einem Marsche von 2 Tagen vor Genabum, das — ebenso 
wie das heutige Orleans — auf dem rechten Ufer der Loire lag, 
ein'). Er schlug sein Lager, verschob aber den Beginn der Be- 
lagerungsarbeiten — weil es schon zu spät am Tage war — auf 
den nächsten Morgen. Jedoch ertheilte er den Soldaten einstweilen 
die nöthigen Befehle, und liess zwei Legionen ausserhalb des Lagers 
unter den Waffen bleiben*), denn er fürchtete, die Genabenser 
möchten die Nacht zur Flucht benützen, da eine Brücke unmittel- 
bar von der Stadt aus über die Loire führte^). 



1) Vellaudunum, nicht VellaunoduBum, enthalten mehrere Codices. Nach 
Eisigen war es das heutige Chateau Landon; für Ladon spricht aber der 
Umstand, dass es besser in der Mitte zwischen Sens und Orleans liegt, als 
Chatean Landon, und die beiden letzten in cap. 11. genannten Märsche von 
hier bis Orleans etwas zu gross geworden wären. Napoleon findet diesen 
Ort, nachdem er, wie vir sehen, Genabum in Gien vermuthet, in dem heu- 
tigen Trigu^res an der Ouanne , welches von Sens nur 40 Kilometer entfernt 
ist, so dass Cäsar in 2'/^ Tagmärschen nicht mehr als diese kurze Entfernung 
zarQckgelegt hätte. 

2) oppugnare instituit idque biduo circumvallavit. 11. 

3) Huc biduo pervenit. 11. 

4) in armis excubare iubet. 11. 

5) quod oppidum Genabum pons fluminis Ligeris contingebat. 11. 
Nipperdej hat »continebat« anstatt »contingebat« in den Text aufge- 



240 

Abbrechen oder besetzen konnte Cäsar die Brücke nicht, weil 
sie durch die Stadt selbst wie durch einen Brückenkopf gedeckt 
war. Er musste sich darauf beschränken, sie beobachten zu lassen. 

Kurz vor Mittemacht verliessen in der That die Einwohner 
von Genabum ihre Stadt, und begannen auf das linke Ufer der Loire 
zu flüchten. Sobald CSLsar durch seine Patrouillen hiervon Meldung 
erhalten hatte ^) , benützte er die dadurch beurkundete Muthlosig- 
losigkeit des Feindes, liess die Thore in Brand stecken, seine beiden 
Legionen , welche gefechtsbereit waren *) , in die Stadt rücken und 
sich ihrer bemächtigen. Nur wenige Feinde entkamen , denn das 
enge Defilee, welches Brücke und Strasse bildeten, hinderte den 
Menschenknäul am Entkommen ^). 

Cäsar gab die Stadt der Plünderung preis, steckte sie in Brand 
und schenkte die Beute seinen Soldaten. Hierauf führte er das 
Heer über die Loire und gelangte in das Gebiet der Biturigen (Berry). 

Als Vercingetorix Cäsars Anrücken erfuhr, hob er die Be- 
lagerung von Gergobina auf, und zog ihm entgegen. Letzterer war 
indessen in zwei Tagmärschen bei dem 9 Stunden südlich von Ge- 
nabum gelegenen Noviodunum — dem heutigen Nouan le Fuzelier *) 
— das auf dem Wege nach Gergobina lag ^), angelangt, und hatte 



nommen, indem er sagt: »contingebat) quod recepissem, nisi ad »continebatc 
recte »cum altera ripa« cogitatione adici existimaremc. Es ist aber kein 
Grund vorhanden, hier von den Codices abzuweichen, denn contingebat gibt 
einen bessern Sinn. Die Genabenser hätten, weil die Brücke auf dem rechten 
Ufer die Stadt berührte, leicht unbemerkt über sie nach dem linken 
Ufer der Loire flüchten können, wenn sie Cäsar nicht durch Patrouillen und 
Posten seiner zwei bivouakirenden Legionen hätte beobachten und bewachen 
lassen. 

1) Qua re per exploratores nuntiata. 11. 

2) quas expeditas esse iusserat. 11. 

3) quod pontis atque itinerum angustiee multitudinis fugam inter- 
cluserant. 11. 

4) Je nachdem man unter Genabum Orleans oder Gien versteht, muss' 
man Noviodunum an einer andern Stelle suchen und so fand Napoleon 
dasselbe in Sancerre. Büstow »möchte seine Ueberzeugung dahin eu- 
sammenfassen, dass Cäsar wirklich bei Gien, nicht bei Orleans, die Loire über- 
schritt und dass Noviodunum daher auch wohl Sancerre sein konnte«. 

5) positum in via. 12. 

Lossau hält das Dorf Neuvy-sur-Barangeron f&r Noviodunum, und Spruner, 
wie es seiner Karte nach scheint, desgleichen. Dies liegt aber nur 6Vt Stunden 
(lieues) nordwestlich von Bourges oder Avaricum, folglich zu nahe an dieser 
Stadt, da Yercingetorix von Noviodunum wenigstens 2 Märsche südlich zog 
(vergl. cap. 16: Yercingetorix minoribus Csesarem itineribus subsequitur) und 



241 

seine Belagenmg bereits angeordnet. Da kamen Parlamentare aus 
der Stadt, und baten um Gnade und um Schonung ihres Lebens. 
um mit derselben Schnelligkeit, durch die er bisher das Meiste 
ausgeführt hatte, auch das Uebrige noch zu erreichen, befahl ihnen 
CSisar, wie vor einigen Tagen den Vellaudunern , ihre Waffen und 
Pferde abzuliefern und Geiseln zu stellen. 

Während nun ein Theil der Geiseln bereits gestellt, im üebrigen 
die Capitulationsbedingungen aber noch zu erfüllen waren, und sich 
namentlich Genturionen und eine kleine Zahl Soldaten in der Stadt 
befanden um die Waffen und Pferde in Empfang zu nehmen, da 
wurde in der Feme feindliche Reiterei erblickt, welche des Ver- 
cingetorix Vortrab bildete*). 

Sobald die Novioduner jener Reiterei ansichtig wurden, und 
auf Hufe rechnen konnten, griffen sie unter Eampfgeschrei zu 
den Waffen, und begannen die Stadtthore zu schliessen und die 
Maner zu besetzen. Die in der Stadt befindlichen Genturionen aber, 
als sie der Gallier Sinnesänderung und ihre feindlichen Absichten 
erkannten, postirten sich mit gezücktem Schwerte unter die Thore, 
bis sich ihre Leute sämmtlich unversehrt bei ihnen eingefunden 
hatten '). 

C&sar liess seine Reiterei aus dem Lager rücken und ein Reiter- 



hierauf doch noch 57» Stunden von Avaricam entfernt stand, (vergl. cap. 16: 
ab Avarico longe milia passunm XVT.) 

1) qui agmen Vercingetorigis antecesserat. 12r 

Ans der Zeitdauer der Märsche des Cäsar und jener des Vercingetorix 
können wir auf die Entfernung schliessen, in welcher Gergobina von Novio- 
dunum lag. — Da Cäsar von Noviodunum etwa 9 Stunden Wegs oder zwei 
Märsche hatte, so hatte auch die Waffenablieferung und das Erscheinen der 
gallischen Reiterei bei Noviodunum am dritten Tage nach dem Aufbruche 
Cäsars von Genabum stattgefunden, und es kann Gergobina von Noviodunum 
höchstens 20 Stunden entfernt gewesen sein, weil die Nachricht von Genabums 
Fall, welche Vercingetorix herbeirief, doch beinahe einen Tag nöthig hatte, 
um 29 Stunden zu durchlaufen, nämlich von jdner Stadt nach Gergobina zu 
gelangen, und weil des Vercingetorix Heer in 2 Tagen doch höchstens 20 
Standen zurücklegen konnte. (Dass der Bieiterei auch das übrige gallische 
Heer unmittelbar folgte, geht aus dem Satze >se ad agmen receperuntc des 
13. Capitels. hervor.) Jene Verhältnisse sprechen auch gegen die Annahme 
Sansons, als sei Gergobina das heutige Moulins gewesen, da Letzteres etwa 
30 Stunden von Nouan und 40 Stunden von Orleans entfernt liegt. Guerche 
sur TAubois ist von Nouan nur 20 Stunden südlich gelegen. 

2) snosque omnes incolumes receperunt. 12. 

T. GOler, Cia«ra g«Uiaolier Krieg. II. Aufl. 16 



242 

gefecht beginnen. — Schon befand sich diese im Gedränge, da sen- 
dete er ihnen 400 germanische Reiter zu Hilfe, die er von Anfang 
au um seine Person zu behalten beschlossen hatte '). Die Gallier 
vermochten deren ungestümen Angriff nicht Stand zu halten; sie 
wurden in die Flucht gejagt und zogen sich mit grossem Verluste 
zu ihrer Hauptcolonne zurück*). 

Nun bemächtigte sich der Novioduner wieder eine grosse Furcht ; 
sie ergriffen die Personen, welche das Volk aufgewiegelt haben 
sollten, lieferten sie an Cäsar aus und unterwarfen sich ihm. 

6. Die Lager bei Avaricum und Eroberung dieser Stadt. 

(Taf. IX. Fig. 1 und 2.) 

Nach so vielen aufeinander erlittenen Verlusten, nach dem Falle 
von VeUaudunum, Genabum und Noviodunum berief Vercingetorix 
seine Anhänger zu einem Eriegsrathe. In diesem setzte er aus- 
einander, dass der Krieg nunmehr ganz anders als bisher geführt 
werden müsse. Man müsse suchen, die Römer auf alle mögliche 
Weise am Fouragiren und an der Beifuhr von Lebensmitteln zu 
hindern. Dies sei leicht, weil man hierin von Ueberfluss an Reiterei 
und von der immer noch unwirthlichen Jahreszeit begünstigt werde '). 
Grün fouragiren ^) könne man noch nicht, folglich müsse der Feind 
sich zerstreuen , um das Futter aus den Gebäuden zu holen , und 
alle die hiezu abgesendeten Fouragirabtheilungen könne die gallische 
Reiterei täglich aufreiben. Ausserdem müsse man den Vortheil des 
Einzelnen dem Gemeinwohle hintansetzen, der Biturigen Dörfer und 
Gehöfte auf der Seite des Bojischen Gebiets, also östlich vom Kampf- 
plätze, wohin nur immer die Römer um zu fouragiren gelangen 
könnten *) , niederbrennen. Sie selbst hätten Futter und Proviant 



1) quos ab initio habere secum instituerat. 13. 
2] ee ad agmen reeeperunt. 13. 

3) quod equitatu ipsi abundent et quod anni tempore subleventur. 14. 

4) Pabulum secari. 14. 

5) hoc spatio a Boja quoquo versus, quo pabulandi causa adire posse 
videantur. 14. 

Scaliger hat »a Boja« eingeklammert, Pet. Ciacconius und Fulv. Ursinus 
setzen »ab hoste« anstatt >a Boja«. uns erscheint jedoch das »a Boja« nicht 
verdächtig, weil es militärisch betrachtet einen ganz richtigen Sinn gibt. 
Vercingetorix konnte sich nämlich, wenn er sich zurückzog, auf der Ostseite 
des Biturigen-Gebietes zwischen Avaricum und Qergobina nicht aufstellen» 
also die dortigen Vorräthe nicht benutzen, weil er sonst Cäsar im Westen 



243 

genug, weil sie immerhin durch die Yorrathe der Gebiete, in welchen 
der Krieg gerade geführt werde, unterstützt würden. So würden 
die Römer entweder dem Mangel erliegen, oder sich allzuweit vom 
Lager entfernend in bedenkliche Verhältnisse kommen. Es sei 
einerlei , ob man sie mit dem Schwerte vernichte , oder ihrer zur 
Beifdhr der Lebensmittel nöthigen Transportmittel beraube '), ohne 
die sie keinen Krieg fuhren könnten. Ferner müsse man alle Städte 
niederbrennen, die nicht durch Befestigung oder durch die natür- 
liche Beschaffenheit ihrer Lage vollkommen gesichert seien, damit 
sie weder Leuten, die sich dem Kri^sdienste entziehen wollten, zu 
Schlupfwinkeln dienten, noch den Römern Gelegenheit gäben, dort 
Subsistenzmittel und Beute zu holen. Wenn diese Maassregeln auch 
hart und drückend erschienen, so sei es doch wahrhaftig noch viel 
härter, Weib und Kind der Sclaverei und selbst dem feindlichen 
Schwerte verfallen zu sehen, was ja] im Falle des Unterliegens nicht 
ausbleiben werde. 

Dieser Vorschlag fand allgemeine Billigung ; an einem einzigen 
Tage wurden über 20 mehr oder weniger offene Städte der Bi- 
turigen in Brand gesteckt. Ebenso verfuhr man in den übrigen 
Gebieten und tiberall loderten Feuersäulen auf. Obgleich die Be- 
wohner diese Maassregel nur mit schwerem Herzen ertrugen, so 
trösteten sie sich doch , weil sie den festen Glauben hegten , dass 
der Sieg ihnen durch solche Opfer gewiss sei, und sie das Einge- 
büsste bald wieder gewinnen würden. 

In Betreff der Stadt Avaricum wurde in gemeinsamem Kriegs- 
rathe die Frage gestellt, ob dieselbe ebenfalls eingeäschert oder 
vertheidigt werden solle. Da baten die Biturigen die versammelten 
Gallier fassfallig, dass man sie doch nicht zwingen möge, ihre Stadt, 
wohl die schönste in ganz Gallien, den Schutz und die Zierde ihres 



behaltend, die Bojer in seinem Rücken gehabt hätte. Durch Gäsars Marsch 
aber, der, wie die weitere Erzähl ang darthat, an Vercingetoriz vorbeizog, so 
dass er südöstlich von diesem zu stehen kam, wurde die beabsichtigte Ver- 
heerung wenigstens zum Theil verhindert. Cäsar deckte durch seine Stellung 
bei Avaricum den Landstrich östlich von dieser Stadt. Oudendorp sagt : 
»Bojorum enim urbes et pabula non esse incensa patet ex cap. 17.« Hiezu 
erlauben wir uns zu bemerken, dass es sich gar nicht darum handelte, 
das Bojische Gebiet zu verheeren, sondern nur das an die Bojer s tossende 
Bitnrigische Gebiet. Die Bojer waren ja im Vertheidigungsstande und würden 
sich bei Cäsars Anmarsch die Niederbrennung ihrer Städte nicht so schnell 
haben gefallen lassen. 

1) impedimentisne exuant. 14, 

16* 



244 

Staats eigenhändig in Brand zu stecken. Sie behaupteten, sie durch 
die natürliche Beschaffenheit ihrer Lage leicht vertheidigen zu 
können, da sie beinahe auf allen Seiten von einem Flusse und von 
Smnpf umgeben , und ihr nur an einem einzigen sehr schmalen 
Punkte beizukommen sei. 

Vercingetorix wollte zuerst nicht darauf eingehen, endlich aber 
gab er aus Mitleiden mit dem Volke seinen Bitten nach, und man 
bestimmte eine zur Vertheidigung Avaricums geeignete Besatzung. 

Vercingetorix war, als Cäsar von Genabum aus gegen Novio- 
dunum zog, von Gergobina abmarschirt und hatte sich seinem 
Gegner von Südosten her genähert; nach seinem unglücklichen 
Reitertreffen stand er daher wahrscheinlich noch im Südosten von 
Noviodunum, bis zu dieser Zeit das an| das Bojische Gebiet grenzende 
Biturigen-Gebiet noch hinter sich, so dass er die dortigen biturigi- 
schen Städte (a Boja) noch niederbrennen lassen konnte. 

In diesem Zeitmomente brach CSsar nach Avaricum auf, das 
nicht eingeäschert war, viele Kriegsbedürfnisse enthielt und dem 
Bojischen Gebiete sehr nahe lag. Vercingetorix seinem Eriegs- 
systeme, die Entscheidung nicht durch das Schwert herbeizuführen, 
treu bleibend, griff ihn nicht an, sondern beobachtete ihn nur und 
folgte ihm in kleinen Tt^märschen ^). 

Er schlug hierauf sein Lager 5^9 Stunden von Avaricum ent- 
fernt, wahrscheinlich auf den Höhen von Vierzon-ville einem Terndn- 



1) Vercingetorix minoribus Caesarem itineribns subsequitur. VII, 16. — 
Napoleon lässt Vercingetorix seinen Rückzug zwischen dem Allier und 
Avaricum nehmen und Cäsar zur Belagerung dieser Stadt voraneilen. In 
diesem dem Bömerfeldherrn unterlegten Eriegsplan würde Heller eine grosse 
Schwäche finden. Cäsars Art hätte ihm geboten, den durch die Niederlage 
eingeschüchterten Gegner durch einen raschen Angriff sofort endgültig nieder- 
zuwerfen. »Wenn er es hier nicht thatc, fö^hrt Heller fort, »sondern sich zur 
Belagerung von Avaricum entschloss, so bleibt es für mich immer wahrschein- 
lich, dass Vercingetorix nach Göler's Annahme sich westlich hingeworfen und 

dadurch dem unmittelbaren Angriff Cäsars entzogen hatte Aber mit 

Sancerre als Noviodunum liess sich dieser Scitenmarsch , — wenn er nicht 
schon gleich nach Aufhebung der Belagerung von Gergobina ausgeführt war 
— vor Avaricum schwerlich ausführen. Bleibt aber Göler's Ansicht richtig, 
so fällt damit wohl iSancerre als Noviodunum ; es fällt in Folge dessen Gien 
als Genabum und Triguerbs als Vellaunodunum ; und das einzige Mittel, die 
Identität dieser Stadt zu halten, bleibt, anzunehmen, dass Vercingetorix schon, 
ehe er auf Noviodunum Cäsar entgegen ging, schon nach Westen hin ausge- 
wichen war, um nicht von den Römern abgeschnitten zu werden.« (Philologua 
XXVI, 684.) 



245 

punkte der im Süden, also gegen den Feind hin, von dem sumpfigen 
Thaignmd der Y^vre, auf seinen andern Seiten aber Yom Walde 
St. Laurent umschlossen, in Betracht der gallischen Eampfweise 
fest und geschützt war^). 

Dort Hess er sich zu verschiedenen Tageszeiten durch einen 
geregelten Patrouillengang von Allem, was bei Ayaricum vorging, 
Meldung machen ') und gab danach seine Befehle. Alle Fouragirungen 
und Getreidesammlungen der Römer beobachtete er und griff sie 
an, wenn sie sich zerstreut und weit von ihrem Lager entfernt 
hatten. So brachte er ihnen grosse Verluste bei, obgleich sie es 
möglichst an Vorsicht nicht fehlen Hessen-, namentlich zu unbe- 
stimmten Zeiten und auf verschiedenen Wegen auf Fouragirung 
auszogen. 

Cäsar schlug sein Lager an derjenigen Seite der Stadt Avaricum, 
auf welcher sie weder von dem Flusse noch von einem Sumpfe ge- 
deckt war, und wo sich der bereits erwähnte schmale Zugang be- 
fand *) — also südöstlich der Stadt , auf der niedern nur 30 — 40 * 
Mdtres hohen Terrainerhebung, welche im Norden von dem auch 
hier sumpfigen Thalgrund der Yevre, im Westen und Süden aber 
von dem Auron begrenzt wird*). 

Durch diese Stellung hatte er zwar seine Rückzugslinie über 
Noviodunum und Genabum aufgegeben, es stand ihm aber dafUr die 
kürzere Communication mit Agendicum und Bibracte, seiner Opera- 
tionsbasis, offen, nämlich die durch das Gebiet der Bojer. 

Cäsar traf Anstalt einen Angriffsdamm zu erbauen, Laufgang- 
hütten vorzuschieben und zwei Wandelthürme zu errichten ^). Denn 
die Terrainbeschaffenheit, die vielen bei Bourges sich vereinigenden 
Gewässer, nämlich ausser den beiden genannten Flüsschen, auch 
die Bäche Langis und Moulon mit ihrem bei der Stadt gebildeten 



1) locam castris deligit paladibus silvisque munitum, ab Avarico longe 
milia passuum XVI. 16. Napoleon III. lässt dagegen Verdngetorix im 
Südosten von Avaricum bei Dun-le-Boi sein Lager schlagen. 

2) Ibi per oertos exploratores in singula diei tempora, quae ad Avaricum 
agerentur, cognoscebat. 16. 

3) Castris ad eam partem oppidi positis, quae intermissa a flumine et a 
palude aditum, ut sopra dizimus, angustum habebat 17. — Durch die auf Be- 
fehl Napoleons ausgeführten Ausgrrabungen wurde auch dieses Lager theil- 
weise aufgefunden und misst eine Seite desselben ungeföhr 550 Meter. 

4) Der Thalgrund der Yfevre liegt 13Ö, derjenige der Auron 127 und der 
höchste Punkt jener Terrainerhebung 171 Meter über der Meeresfläche. 

5) turres daas eonstituere coepit. 17. 



246 

Sumpfboden gestatteten nicht eine Contravallationslinie zu ziehen '). 
Er liess nicht ab, die Bojer und Aeduer zur Lieferung von Lebens- 
mitteln anzutreiben'), von denen die Letztern nur wenig leisteten, 
weil es ihnen nicht darum zu thun war, die Ersteren aber als eine 
nur kleine und wenig vermögende Völkerschaft ihre Vorräthe schnell 
aufgebraucht hatten. Durch die Nachlässigkeit der Aeduer , die 
Dürftigkeit der Bojer und die Einäscherung der Gehöfte auf bitu- 
rigischem Gebiete *) gerieth das Verproviantirungswesen in den klag- 
lichsten Zustand. Es kam so weit, dass die Soldaten oft mehre 
Tt^e keine Brodfrüchte erhielten, und mit dem wenigen Schlacht- 
vieh, das aus allzu entfernten Ortschaften beigetrieben wurde, kaum 
den äussersten Hunger stillen konnten ^). Dennoch hörte man von 
ihnen auch nicht ein einziges Wort, das des römischen Namens 
und der bisherigen Siege unwürdig gewesen wäre. Ja, als Cäsar 
bei den Belagerungsarbeiten die einzelnen Legionen ansprach, und 
sagte, wenn ihnen die Entbehrungen allzu drückend würden, wolle 
'er die Belagerung aufheben, baten sie ihn sogar einstimmig, das 
möge er doch ja nicht thun. Sie hätten durch die unter seiner 
Führung hingebrachten Jahre wohl verdient, die Schmach nicht 
auf sich nehmen zu müssen, irgendwo unverrichteter Sache abzu- 
ziehen. Als eine solche würden sie es aber betrachten, wenn die 
einmal begonnene Belagerung aufgehoben würde. Lieber woUteu 
sie alle möglichen Drangsale erdulden, als dass sie nicht für die zu 
Genabum niedergemetzelten römischen Bürger Rache nehmen sollten. 

Das Nämliche erklärten sie ihren Centurionen und Kriegs- 
tribunen, damit es auch aufdem Dienstwege^) an Cäsar gelange. 

Als die beiden Wandelthürme sich bereits der Stadtmauer 
näherten, erfuhr Cäsar von Gefangenen, dass Vercingetorix , weil 
das um seine Stellung herum vorhanden gewesene Futter aufge- 
braucht war, Avaricum näher gerückt sei •) ; er selbst aber hierauf 
mit der Reiterei, und den zwischen ihr kämpfenden Leichtbewaff- 
neten ^) seine Hauptmacht verlassen habe ®) , um sich an einem 



1) nam drcumvallare loci natura prohibebat. 17. 

2) De re frumentaria Boios atque Aeduos adhortari son destitit. 17. 

3) tenuitate Boiorum, indiligentia Aeduonim, inoendiis aedifidorum. 17. 

4) pecore e losginquioribns vids adacto, extremam famem sustentarent. 17. 

5) per eo8. 17. 

6) Verdngetorigem, consumto pabulo, caeti'a movisse propius Avaricum. 18. 

7) expeditisqne, qui inter equites proeliari consuessent. 18. 

8) Vergl. cap. 20. Verdngetorix cum ad suos redisset. 



247 

Punkte in Hinterhalt zu legen, wo er glaubte, dass die Römer 
Tags darauf fonragiren würden. 

Die Hauptmacht scheint uns nunmehr auf den nördlich und 
zunächst Yon Mehun sur Yevre gelegenen Höhen gestanden zu 
haben *). Auf die Nachricht, dass sich Yercingetorix yon derselben 
entfernt habe *) , brach Cäsar um Mitternacht in aller Stille auf, 
und traf früh morgens dem gallischen Lager gegenüber ein. Yon 
der Südseite von Avaricum., wo C^ars Lager stand, hatte er bis 
zum feindlichen Lager SV» — 4 Stnnden Wegs, und wenn wir be- 
rücksichtigen, dass er hierbei wenigstens ein wenn auch nur kleines 
Flüsschen zu überschreiten und einen Nachtmarsch auszuführen 
hatte, so dürfen wir uns nicht wundern, dass er erst gegen Morgen 
bei dem heutigen Mehun eintraf. 

Die Gallier hatten von CStsars Anrücken durch ihre Patrouillen 
schnell Kunde erhalten ; sie bargen ihre Karren und ihr Gepäck in 
einen ziemlich dichten Wald — wahrscheinlich in den Wald nord- 
östlich von Mehun, von dem heutzutage ein Theil das Gehölze von 
Jarry heisst, — und stellten alle ihre Truppen auf einer offenen 
Anhöhe in Schlachtordnung^). 

Als Cäsar hierüber Meldung gemacht worden war, befahl er 
Rchleunig die Gepäckbündel ab und zusammen zu legen und die 
Waffen zum Gefecht bereit zu machen^). 

Die Anhöhe , auf welcher die Gallier standen , lief von ihrem 
Fusse ans sanft an ^), und wurde beinahe ringsum von einem schwer, 
zu passirenden und den Waffengebrauch hindernden Sumpf um- 
schlossen, der jedoch nicht über 50 Fuss breit war. Dieses An- 
näherungshindemiss mochte damals gebildet worden sein von den 
sumpfigen Ufern der Ydvre, des Baches Annain und jenes Baches, 
welcher in der Nähe von Vignoux sich in den Barangeon ergiesst. 

Die Yorhandenen Brücken hatten die Gallier abgebrochen, und 
beschränkten ihre Aufstellung, der natürlichen Vertheidigungsfähig- 
keit des Terrains vertrauend, auf die Anhöhe ^) , indem sie nur im 
Allgemeinen nach Stämmen getheilt die Furthen und leichter durch- 



1) Napoleon läset Yercingetorix von Dnn-le-Roi nördlich nach Chenevi^re 
im Osten von Gäsars Lager rücken. 

2) QnibtiB rebns cognitis. 18. 

3) copias omnes in loco edito atqne aperto instruzeront. 18. 

4) sarcinas conferri, arma expediri inssit. 18. 

5) CoUis erat leniter ab infimo acclivis. 19. 

6) Hoc se coUe Galli fidnoia loci continebat. 19. 



248 

m 

watbaren Brüche besetzt hielten *), bereit, den Rometn, wenn diese 
es untemehnien sollten über den Sumpf vorzudringen , und in ihm 
stecken blieben, von oben herab tüchtig zuzusetzen, Wer die ge- 
ringe Entfernung ihrer Stellung — es waren beide Gegner nur 
durch den schmalen Sumpf geschieden — allein in Betracht zog, 
konnte glauben , die Gallier seien entschlossen sich unter beinahe 
gleichen TerrainTerhaltnissen zu schlagen; wer aber durchschaute, 
wie naththeilig das Terrain für einen Angriff yon Seiten der Römer 
war, der musste erkennen, dass ihr Verhalten keinen besonderen 
Muth erheischte *). 

Casars Soldaten waren entrüstet darüber, dass der Feind ihren 
Anblick so ruhig ertragen konnte und ohne Scheu so dicht vor 
ihnen stehen blieb. Sie verlangten daher das Signal zum Angriff. 

Cäsar bedeutete ihnen aber, dass nur mit grossem Verluste und 
mit vieler tapferer Männer Tod unter den vorliegenden Verhalt- 
.nissen der Sieg erkauft werden könne, und wenn sie sich auch bereit 
zeigten für seinen Ruhm jedwede Gefahr über sich zu nehmen, so 
dürfe doch er sein Glück nicht höher als ihr Leben schätzen. 

So vertröstete er seine Truppen und führte sie am gleichen 
Tage wieder ins Lt^er bei Avaricum zurück, wo er AUeer was zur 
weitern Durchführung der Belagerung noch nöthig war, nunmehr 
in Stand setzen liess^). 



1) generatimque distributi in dvitates omnia vada ac saltos eins palndis 
obtinebant. 19. 

2) ut si eam paludem Romani perrumpere conarentur haesitantes premerent 
ex loco Buperiore: ut qui propinquitatem loci videret, paratos 
prope aequo Marte ad dimicandum existimaret. 19. 

Unter »ex loco superiore« dürfen wir hier nicht »von der Anhöhe 
herab« verstehen» sondern die Gallier standen am Fusse der AnhOhe and 
an dem Rande des Sumpfes; das liegt in »qui propinquitatem loci videret« 
und durch das Einsinken der Römer würden die (rallier eine dominirende 
Stellung erhalten haben. Der Sumpf oder Bruch war als solcher nicht leicht 
zu erkennen, er glich etwa einer Wiese, und deshalb sah es aus, als wollten 
sich die Gallier auf einem ebenen Felde und insofern »aequo Marte« schlagen. 
An dem Sumpf lief kein erhöhtes einem Winterufer vergleichbares Terrain 
hin, das sie zu einer dominirenden Stellung benützen können; denn es heisst 
cap. 19: »Collis erat leniter ab infimo acclivis«. 

8) Lossau (Ideale der Kriegführung S. 419.) macht Cäsar den Vorwurf, 
dass er die feindliche Stellung vor seinem Anrücken nicht habe recognosdren 
lassen, oder nicht selbst in Augenschein genommen habe, wodurch seiner 
Armee der Marsch erspart worden wäre. Cäsar hoffte aber während des Ver- 
cingetorix Abwesenheit die Gallier unvorbereitet überfallen zu können und 



249 

Wenn unsere Vermuthung, dass die Gallier beim heutigen 
Mehun snr Y^vre Stellung genommen hatten, wie kaum zu bezwei- 
feln ist, sich bewahrheitet, so legte CSisar an jenem Tage 7 Stunden 
Wegs zurück. 

Als Yercingetorix mit seiner Reiterei zu den bei Mehun stehen- 
den Galliern zurückkehrte , wurde er geradezu der Verrätherei be- 
schuldigt. Man frug, warum er denn das Lager den Römern näher- 
gerückt, warum er sich mit der ganzen Reiterei entfernt, warum 
er eine so grosse Truppenmacht ohne Commando gelassen habe, 
und warum die Römer gerade gleich nach seiner Entfernung so 
schnell und wie gerufen herbeigekommen seien ^). 

Sie behaupteten, zufällig und ohne angelegten Plan hätte dies 
Alles nicht so zusammentreffen können. Er wolle eben lieber mit 
CSsars Einwilligung über Gallien herrschen, als seine Macht nur 
ihnen zu danken haben. Auf diese Anklage erwiderte er : Aus der 
frühem Stellung habe er sie aufbrechen lassen, weil der Futter- 
mangel dazu nöthigte, und sie selbst hätten ihn ja dazu aufgefor- 
dert; den Römern aber habe er das Heer genähert, weil man da- 
durch einen passendem Lagerplatz gefunden habe, der sich durch 
seine feste Lage beinahe von selbst vertheidige, und auf jenem 
smnpfreichen Terrain hätten sie ihre Reiterei gar nicht yermissen 
können, während sie dort, wo er sie hinführte voraussichtlich hätte 
sehr nützlich werden müssen. Einen Obercommandanten habe er 
bei seinenci Abmärsche dem Heere nicht gegeben, damit sich ein 
solcher durch den blinden Eifer der Massen nicht zu einem ent- 
scheidenden Kampfe verleiten lasse; denn er sehe recht wohl ein, 
dass sich Alle nach einem derartigen Führer sehnten, weil sie aus 
Weichlichkeit die Strapazen nicht länger ertragen wollten. 

Wenn Cäsar zufallig gegen sie angerückt sei , so sollten sie 
dem Glücke und wenn ihn Jemand herbeigerufen habe, es diesem 
danken; denn dadurch hätten sie von der Höhe ihres Lagers herab, 
der Römer geringe Anzahl und deren geringe Tapferkeit kennen 
gelernt. Diese hätten ja nicht einmal anzugreifen gewagt, und sich 
schmäHch in ihr Lager zurückgezogen. Macht und Herrschaft, die 
ihm der Sieg geben könne, an dem weder er noch irgend ein Gallier 
mehr zweifle, woUe er wahrhaftig nicht durch Verrath erlangen. 

muBste daher auf die Meldnng über des Yercingetorix Abmarsch sogleich auf- 

lirechen. Die Wachsamkeit der gallischen Patronillen vereitelte den üeber- 

fall, sonst würde er die Furthen und Brüche weniger besetzt gefunden haben. 

1) quod eins discessu Romani tanta opportunitate et celeritate venissent. 20. 



250 

Er lege sein Commando nieder, wenn sie glaubten ihm damit mehr 
eine Ehre zu erweisen, als vom römischen Joche befreit zu werden. 
»Damit Ihr seht, dass ich die Wahrheit spreche«, sagte er endlich, 
»so hört darüber römische Soldaten«. 

Hierauf liess er römische Sdaven vorführen, die einige Tage 
vorher bei der Fouragirung aufgegriffen, durch Hunger und Ketten 
mürbe gemacht worden waren, und bereits Weisung bekommen 
hatten , was sie auf Befragen antworten müssten. Sie gaben sich 
für römische Legionarsoldaten aus und sagten, von Hunger und 
Mangel jeder Art getrieben, seien sie heimlich aus dem Lager ent- 
wichen, um auf dem Flachlande wo möglich etwas Getreide oder 
Fleisch zu finden. Casars ganzes Heer sei in kläglichem Znstande, 
völlig erschöpft und unfähig die Belagerungsarbeiten noch länger 
fortzufahren. Der römische Feldherr habe daher auch beschlossen^ 
wenn die Belagerung in längstens drei Tagen zu keinem Resultate 
führe, von Avaricum abzuziehen. 

»Seht diese Erfolge« — rief nun Vercingetorix — »verdankt 
Ihr mir, den Ihr des Yerraths beschuldigt. Ohne dass es £iuch 
einen Blutstropfen kostete, hat in Folge meiner Massregeln Hunger 
das grosse und sieggewohnte Heer beinahe aufgerieben, und dem 
schimpflich fliehenden Feinde wird kein gallischer Staat Aufenthalt 
oder auch nur Rast gewähren — auch dafQr habe ich gesorgt«. 

Jetzt brach die ganze umstehende Menge in lauten Beififtlls- 
sturm aus, lärmte mit den Waffen, und schrie durcheinander : Ver- 
cingetorix sei doch der erste Feldherr, die Aufrichtigkeit seiner 
Gesinnung unzweifelhaft, und einsichtsvoller als er könne keiner 
commandiren *). 

Da man der Ueberzeugung war, dass von der Behauptung 
Avaricums der glückliche Ausgang des Kriegs überhaupt abhängig 
sei, und dass man das Gesammtwohl denn doch den Biturigen nicht 
allein anvertrauen dürfe, so beschloss man aus der ganzen Streit- 
macht 10,000 tüchtige Krieger auszuwählen, und sie in die Stadt 
zu werfen. 

Den Erfolgen der ausgezeichneten römischen Kri^^üchtigkeit 
wussten jene Gallier alle mögliche Hindemisse in den Weg zu 
legen '). Denn dieses Volk war äusserst anstellig und hatte ein 



1) nee maiore ratione bellum administrari posse. 21. 

2) Singular! militum nostrorum virtuti consilia cuiosque modi Oallorain 
Qccurrebant. 22. 



251 

grosses Talent Alles nachzuahmen und auszuführen, was es yon 
irgendjemand überliefert bekam. Der Belagerer Mauersicheln wussten 
sie dadurch unwirksam zu machen '), dass sie dieselben mit Schlingen 
auffingen und sodann mit Winden in die Stadt zogen. Den An- 
griffsdamm aber untergruben sie durch Minengänge, und dies mit 
um so mehr Sachkenntniss, als sie grosse Eisenbergwerke besassen, 
wodnrcli ihnen der Minenbau bekannt und geläufig war. 
^ Auf der Stadtmauer hatten sie ringsum hölzerne Thürme er- 
richtet ^, und um deren Anzünden zu verhindern, mit frischen Thier- 
häuten bedeckt. Ferner machten sie häufig — bei Tag und bei 
Nacht — Ausfalle, legten dabei Feuer an den Angriffsdamm und 
überfielen die Belagerungsarbeiter. 

Dieser Damm scheint vor Avaricum rampenformig gegen die 
Stadt getrieben worden zu sein, so dass er, indem er sich derselben 
näherte, stets auch höher wurde. Die beiden Wandelthürme aber ') 
wurden successive auf dem Damm vorgeschoben und standen nach 
jeder Tagesarbeit auch etwas höher. (Siehe Taf. IX. Fig. 2.) So 
allein vermögen wohl die Worte der Gommentarien zu erklären 
sein: »Um wieviel die tägliche Dammarbeit die Wandelthürme in 
die Höhe trieb, um ebensoviel erhöhten die Belagerten ihre auf die 
Mauer gebauten Thürme durch Au&etzen neuer Balken« ^). 



1) Nam laqueis falces avertebant. 22. »averterec kann hier nicht das 
materielle :» Abwenden oder Ablenkenc bezeichnen, da man die Sicheln im 
Gegentheil fangen und festhalten wollte, um sie in die Stadt hinein zu ziehen 
(tormentis introrsus reducebant). 

2) Totum autem murum ex omni parte turribus contabnlaverant. 22. 
YergL den »gallischen Kriege v. 58 — 53. S. 188. Anmerk. 3. 

3) Vergl. cap. 17. turres duas constituere coepit. oben S. 245. 

4) et nostramm turrium altitudinem, quantum has quotidianns agger ex- 
presserat, commissis snarum turrium malis adaequabant. 22. 

Audi Lipsius. Poliorc lib. II. Dialog. III. glaubt, dass der Angriffsdamm 
vor Avaricum rampenf5rmig gestaltet gewesen sei. Er sagt: Didt (Caesar) 
quotidiano aggere turres exprimi ; in altum nempe, et id fiebat augmento illo 
et prolatione aggeris, qui oppidum versus crescebat. Seite enim tergum aut 
caudam aggeris humiliorem fnisse et in clivum, frontem versus, assidue ivisse. 
Qua in re interdam factum, nt agger si parum firmatus aut densatus prola- 
beretur in fossas (Liv. lib. X.). — Büstow, welcher anderer Ansicht ist, sagt: 
»Die Sache wird höchst einfach, wenn wir uns erinnern, dass »agger« eine 
mehrfache Bedeutung hat. »Agg^r« heisst keineswegs blos Approschdamm 
oder Damm überhaupt, sondern auch Material, welches zum Aufhäufen} 
zum Herstellen von Bauwerken gebraucht wurde, insbesondere auch Holz- 
material. In solchem Sinne ist unzweifelhaft hier das Wort agger zu ver- 



252 

Die Wandelthürme mussten jedoch um, wenn sie vor- und auf- 
wärts geschoben wurden, in senkrechter Stellung zu bleiben, an 
ihrem Fusse eine geeignete Vorrichtung haben; entweder die hintern 
Walzen oder Bäder im Yerhältniss der Steigung der Rampenober- 
fläche hoher als die vordem, oder die untersten den Fuss des Thurmes 
bildenden Balken nach hinten gesenkt sein. (Taf. IX. Fig. 2). 

Dass der Angriffsdamm nicht nur aus Erde, sondern auch und 
zwar grossentheils aus Holz bestand, ist bekannt^). Namentlich 
waren die Seitenboschungen und die Gänge (f h), welche in der 
Masse des Dammes tunnelartig gegen die Stadtmauer führten, um 
dieselbe einbrechen oder untergraben zu können, mit Holz be- 
kleidet '). Solche Gänge, die man mit der Verlängerung des Dam- 
mes gleichzeitig verlängerte, hatte auch der Damm vor Avaricum, 
und sie waren, so lange der Damm die Stadtmauer noch nicht er- 
reicht hatte, und sie von dieser selbst geschlossen wurden, vomen 
oder gegen den Feind hin (bei h) offen. Gegen diese Oeffnungen 
schleuderten die Belagerten vorn angekohlte und zugespitzte Balken, 
siedendes Pech und sehr grosse Steine ; dadurch verzögerten sie die 
Verlängerung der Gänge und verhinderten ihre Weiterführung bis 
an die Stadtmauer '). 

Beinahe alle gallischen Festungen hatten folgende Construction 
(Taf. IX. Fig. 3.) : auf der Längenrichtung der Mauer senkrecht und 
in ununterbrochener Reihe, dazu gleich weit und zwar zwei Fuss 
von einander entfernt, wurden Balken (aa.) auf den (geebneten) 
Boden gelegt *). Hierauf wurden sie nach innen — gegen die Stadt- 
stehen. Die Bömer bauten ihre Thfirme stockwerksweise, allmälig, wie 
recht deutlich aus der Beschreibung hervorgeht, die C&sar in den Ck>nunen- 
tarien über den Bürgerkrieg von dem Bau des Steinthurmes vor Massilia gibt. 
Es war offenbar leichter, einen Holzthurm hoch hinaufzubauen und ihn dann, 
wie schwer er sei , auf ebener Bahn vorwärts zu führen , — als ihn 10 oder 
20 Fuss niedriger zu halten und ihn dafür den Berg hinaufzuschiebenc 

1) Vergl. Rüstow's Heerwesen und Kriegführung G. J. Gäsars. Gap. 4. §. 83. 

2) Vergl. Bartoli, Golonna Traiana. Giac. de Bossi in Roma. Bi. 91. 

3) et apertos cuniculos praeusta et praeacuta materia et pjce fervefacta et 
maximi ponderis sazis morabantur moenibusque appropinquare prohibebant. 22. 

4) Trabes directae perpetuae in longitudinem, paribus intervallis, distantes 
inter se binos pedes in solo coUocantur. 23. Vergl. einen Aufsatz von Heller 
im »Philologusc 13. Jahrgang. 3. Heft. S. 590. Es heisst perpetuae: die Balken 
wurden ohne Unterbrechung gelegt, so dass nicht etwa auf 50 oder 100 Schritt 
einmal die Balken ganz unterblieben und an einer andern Stelle wieder an- 
fingen, sondern so, dass sie in Zwischenräumen von 2 zu 2 Fuss durchgängig 
und ununterbrochen gelegt wurden. Auch die perpetuae vigiliae stationeaque 



253 

Seite hin — verankert, und ebendaselbst mit einer Masse Erde und 
Rasen bekleidet, wodurch man nicht nur die Verankerung sicherte, 
sondern zugleich auch eine die Besteigung der Mauer erleichternde 
Rampe erhielt ^). 

Die Zwischenräume (bb.) der Balken fällte man mit Steinen 
aas (c c.) und zwar an der Aussenseite der Mauer mit grossen ^), so 
dass sie nm so weniger vom Feinde herausgerissen werden konnten, 
als sich die Zwischenräume nach vomen, die Balken aber nach 
hinten verjüngten. Wenn die erste Schichte gelegt und gefügt 
war, so kam eine zweite in der Art darüber^), dass eben jener 2 
Fnss breite Abstand eines Balkens vom andern eingehalten wurde, 
und die Balken der neuen Schichte die der untern Balken nicht 
berührten, also auch zu den untern Balken nicht quer, sondern 
paralld lagen ^). In ihrem gleichen Abstände wurden die einzelnen 
Balken durch die eingeschobenen Steinlager unverschiebbar festge- 
halten ^). So wurde die ganze Mauer aufgebaut, bis sie die rechte 
Höhe hatte. — Durch die wechselnde und gradlinigte Aneinander- 
reihung von Balken und Steinen war . ein solches Bauwerk ganz 
schön anzusehen ^), und ausserordentlich zweckmässig, nicht nur in 
Bezug auf den Nutzen, den sie den Städten im Allgemeinen ge- 
wahrten , sondern insbesondere auch für deren Vertheidigung ^) ; 
denn g^en den Brand schützten die Steine und gegen den Sturm- 
bock die Balken, welche mittelst anderer — quer und in fortlau- 
fender Linie liegender — Balken (dd.) meistens 40 Fuss einwärts 
der äussern Mauerfläche verankert waren ^), und weder durchbrochen 
noch auseinander gerissen werden konnten. 



(b. dv. I. 21.) standen keineswegs so, dass die Wachen einander mit den 
Schaltern und Armen berührten. 

1) hae revinciuniur introrsus et multo aggere vestiantur. 23. 

2} Eaautem, qnae diximus, intervalla grandibus in fronte saxis effar- 
GLontar. 23. 

S) bis conlocatis et coagmentatis alias insaper ordo adiidtar. 23. 

4) at idem illad intervallam servetar neque inter se contingant trabes. 23. 

5) sed paribns intermissae spatiis singulae singulis saxis interjectis arte 
contineantar. 23. 

6) Hoc cam in spedem varietatemqiie opns deforme non est, alternis 
trabibas ac saxis, qaae rectis lineis suos ordines servant. 23. 

7) tarn ad atilitatem et defensionem nrbiam summam habet opportani- 
tatem. 23. 

8) qaod et ab incendio lapis, et ab ariete materia defendit, quae perpetais 
trabibas pedes qnadragenos pleromque introrsus revincta 23. Heller bemerkt 



254 

Obgleich die römischen Soldaten durch so yiel derartiges im 
Fortschritt der Belagerung gehemmt und auch die ganze Zeit über 
durch Kälte und andauernde Regengüsse aufgehalten waren, so über- 
wanden sie diese Hindemisse dennoch durch unablässige Anstrengung, 
erbauten in 25 Tagen einen Angrififsdamm von — wie die Com- 
mentarien gegenwärtig enthalten — 300 Fuss Breite und 80 Fuss 
Höhe '). — Es möchte übrigens kaum zu bezweifeln sein, dass diese 
Stelle durch Abschreiber verdorben worden und »longum« anstatt 
»latum« zu lesen ist. Da Cäsar nur zwei Dimensionen des Dammes 
angibt, so müssen wir uns die ausgelassene dritte als diejenige 
denken, welche sich von selbst verstand ^). Diese ist aber die Breite, 
indem die Römer schon wussten, wie breit man den Damm für 
einen und wie breit für zwei Wandelthürme machen müsse. Anders 
verhält es sich mit der Länge und Höhe des Dammes, welche der 
zufällig wechselnden Beschaffenheit des Terrains und der Höhe der 
feindlichen Stadtmauer entsprechen und danach sich ändern mussten. 
Auch an der Richtigkeit der Zahl 80 können wir nicht umhin sehr 
zu zweifeln, denn gegen die Annahme, dass der Damm 80 Fuss hoch 
gewesen sei, spricht der Umstand, dass Avaricum auf keiner An- 
höhe lag und die Mauern der Stadt gewiss keine 80 Fuss Höhe 
hatten. Anstatt LXXX möchte ich lieber XXXX lesen, welch' 
letztere Schreibart anstatt XL in den altern Handschriften bekannt- 
lich die geläufige ist "). 

Ais der Damm beinahe bis an die Stadtmauer vorgetrieben 
war ^), und Cäsar, der wie gewöhnlich sich die Nacht über bei den 
Arbeitern aufhielt, seine Soldaten gerade aneiferte, doch ja ununter- 
brochen fortzuarbeiten, da wurde — es war kurz vor 3 Uhr Mor- 
gens ^) — bemerkt, dass der Angriffsdamm rauche. Die Belagerten 



a. g. 0. S. 592 ganz richtig: »Es können die Worte quadragenos pedes nicht 
zu trabes sondern nur zu introrsus revincta gehören«. 

1) diebus XXV aggerem latum pedes CCCXXX, altum LXXX ezstroxe- 
runt. 24. 

2) Vgl. »Cäsars gall. Krieg in d. J. 57 v. Chr.« S. 65. 

3) Dieser Auffassung gegenüber halten Napoleon undRüstow an den 
alten Zahlen fest, indem sie ein System von drei Dämmen neben einander an- 
nehmen, welche zusammen eine Breite von 330 Fuss gehabt haben sollen; 
die Höhe Ton 80 Fuss scheint ihnen aber als die höchste Höhe des Dammes. 
K ö c h 1 j aber sagt : »Die beiden Zahlenangaben sind ohne Zweifel verdorben, 
können aber durch keine wahrscheinliche Vermuthung Ler^cstellt werden. 

4) Cum is murum hostium paene contingeret. 24. 
5j paulo ante III vigiliam. 24. 



255 

hatten ihn nämlich durch einen Minengang untergraben und von 
unten angezündet ^), indem entweder einer der mit Holz bekleideten 
durch den Damm hinführenden Gänge oder die Holzverkleidung der 
Seitenboschungen des Dammes in Brand gesteckt worden war ^). 

Zugleich mit dem Aufsteigen des Rauchs erhob sich auf der 
Stadtmauer ein Kriegsgeschrei und aus beiden Stadtthoren, welche 
rechts und links you den auf dem Damm errichteten Wandelthürmen 
lagen, wurde ein Ausfall gemacht^). Ein Theil der Belagerten 
schleuderten von der Stadtmauer Kienfackeln, trockenes Holz, Pech 
und andere lebhaft brennende Körper auf den Damm, so dass die 
Belagerer kaum wussten, wo sie sich zuerst dem Feinde entgegen- 
werfen *) oder wo Hilfe bringen sollten. Weil jedoch nach Cäsar's 
Anordnung zwei Legionen ständig vor dem Lager campirten, und 
mehrere Legionen in Ablösungen*) sich bei der Arbeit befanden, 
so machte es sich schnell, dass die Einen sich dem Ausfall, welcher 
aus zwei Thoren geschah ^) , gegenüberstellten , und Andere die 
Wandelthünne auf dem Damm zurückschoben und — wie sich die 
Commentarien ausdrücken — denselben unterbrachen und trennten '). 
Eine solche Unterbrechung wurde am schnellsten und zweckmässig- 
sten wohl dadurch bewirkt, dass man sowohl die obere als auch 
die Seiten-Verkleidung der tunnelartigen Gänge an einer geeigneten 
Stelle einriss oder unterbrach. Diese stellenweise Einreissung der 
Verkleidung machte die über ihr liegende Erde des Dammes ein- 
rutschen, und diese Erde schloss zugleich den rückwärts liegenden 
Theil der Gänge von dem vordem, brennenden Theil derselben ab ; 
hemmte folglich die Fortpflanzung deä Brandes. 

Bereits war es Tag geworden**) und immer noch dauerte der 
Kampf auf allen Punkten fort. Immer wieder erwuchs den Be- 
lagerten neue Siegeshoffnung und dies um so mehr, als sie sahen, 
dass die Deckschirme der Thürme niedergebrannt waren ^), und als 

1) quem cuDiculo hostes succenderant. 24. 

2) Vergl. Cöflars gall. Krieg in d. J. 57. S. 97. 

3) duabus portis ab utroque latere turriiim eruptio fiebat. 24. 

4) quo primum occurreretur. 24. 

5) partitis temporibus. 24. 

6) eruptionibuB. 24. 

7) aggeremque interscinderent. 24. 

8) consumta iam reliqua parte noctis. 25. 

9) eo magis, quod deustos pluteos tnrrium videbant. 25. Diese an den 
Tbürmen angebrachten Deckscbirme bestanden wahrscheinlich aus Hürden und 
waren gegen das Anbrennen mit frischen oder rohen Häuten überzogen. So 



256 

sie es sich nicht einfallen Hessen, dass man, um zu helfen, die ihrer 
Schirme entblössten Thürme leicht zurückschieben, folglich ans dem 
Bereich der Brandgeschosse und von dem brennenden Theile des 
Dammes entfernen könne ^). 

Stets lösten frische Truppen ihre ermüdeten ab, und sie glaub- 
ten, vom Ergebniss dieser Stunde hänge es ab, ob Gallien frei sein 
werde oder nicht. 

Mit welcher Hartnäckigkeit sie kämpften, zeigt folgender Vor- 
fall : Vor dem Stadtthore und einem der Wandelthürme gegenüber- 
stehend warf ein Gallier aus Talg und Pech gefertigte Kugeln, die 
man ihm von Hand zu Hand reichte, in den Brand des Dammes. 
Er wurde mit dem Pfeil eines Scorpions durch die rechte Seite ge- 
schossen und fiel entseelt zusammen. Da schritt ein Anderer yon 
den Zunächststehenden über den Gefallenen hinweg und übernahm 
'dessen Function. Als er ebenfalls von einem Scorpion niederge- 
streckt war, trat ein Dritter an dessen Stelle. Ein Vierter endlich 
ersetzte den Dritten, und nicht eher blieb jener Punkt von solchen 
Vorkämpfern unbesetzt, als bis der Damm gelöscht, der Ausfall 
zurückgeschlagen und der Kampf beendigt war. 

Als die Gallier nach allen möglichen Versuchen keinen nach- 
haltigen Erfolg erreicht hatten, fassten sie den folgenden Tag, der 
Aufforderung und dem Befehle des Vercingetorix gemäss den Ent- 
schloss, die Stadt zu verlassen und zu flüchten. Sie hofften in der 
Stille der Nacht ohne grossen Menschenverlust diesen Vorsatz aus- 
führen zu können, weil das Lager des Vercingetorix von der Stadt 
nicht ferne lag, und das ununterbrochen fortlaufende sumpfige Terrain 
der Teyre, die an der Nordseite von Avaricum, wie heutzutage an 



sagt Isidorus: Plutei sunt crates corio crudo intentae, quae in opere fadendo 
hosti obiiciuntur (vergl. Lipsius.) Köchly bemerkt zu dieser Stelle: »Die 
plutei turrium können unmöglich die an den Thürmen selbst angebrachten 
Brustwehren oder Deckschirme sein, wie man allgemein annimmt; sondern es 
sind vielmehr die theils vor, theils seitwärts von dem Damme aufgestellten 
Frontschirme, welche zur Deckung der Arbeiter und zur Aufnahme der 
Bedeckungsmannschaft dienenc. 

1) Die bisherige Lesart dieser Stelle heisst: nee fädle adire apertos 
ad auxiliandum animadvertebant. 25. Es war mir nicht möglich, in ihr einen 
den Militär befriedigenden Sinn zu finden. Die Stelle ist offenbar verdorben 
und wird sicherlich ursprünglich gelautet haben: necfacile reduci apertas 
(sc. turres) ad auxiliandum animadvertebant. Sie bezieht sich auf den Satz 
des vorhergehenden Capitels: »alii turres reducerentc. vergl. promota turri. 
cap. 27. 



2S7 

Bonrges vorüberfloss, die Römer von ihnen trennten und an einer 
raschen Verfolgung verhindern werde ^). 

Schon war die Nacht angebrochen und sie rüsteten sich zum 
Aufbruch, da liefen die Weiber plötzlich auf die Strassen, warfen 
sich wehklagend ihren Männern zu Füssen, und baten sie um Alles, 
sie und ihre gemeinsamen Kinder der Wuth des Feindes doch nicht 
preis zu geben. Sich der Flucht anzuschliessen , seien sie ja beide 
zu schwach. Als sie aber sahen, dass die Männer mehr der Gefahr 
als dem Mitleid Rechnung tragend auf dem Abzüge beharrten, er- 
hoben sie ein gellendes Geschrei und suchten dadurch die Römer 
auf die beabsichtigte Flucht aufmerksam zu machen. Da bef&rch- 
teten die Gallier, die Wege von römischer Reiterei besetzt zu finden, 
und standen von ihrem Vorhaben ab. 

Am nächstfolgenden Tage, als bereits einer der Wandelthürme 
wieder vorgeschoben ') und die Werke , deren Anlage Cäsar unter- 
nommen hatte, namentlich der Damm, auf welchem der Thurm be- 
wegt wurde, fortgesetzt und gegen die Stadt hin verlängert worden 
waren'), trat ein heftiger Regen ein, den er für sehr forderlich 
hielt, gegen Avaricum einen Schlag zu führen; denn er sah, dass 
man die Wachen auf der Stadtmauer etwas sorgloser aufgestellt hatte. 

Er befahl — ohne Zweifel, damit es den Galliern scheine, als 
seien auch die Römer gerade weniger zu einem Unternehmen auf- 
gelegt — dass auch seine Leute in der Arbeit weniger Eifer an 
den Tag legen sollten ^), und theilte ihnen mit, was er mit diesem 
Befehle bezwecke. 

Die Legionen, welche sich indessen ohne Aufsehen zu erregen 

1) et paluB, quae perpetua intercedebat , Romanos ad insequendum tar- 
dabat. 2G. 

2) promota turri. 27. vergl. cap. 24 : alii turres reducerent. 

3) Die Neuern lesen: directisque operibus, quae facere instituerat. 27. 
Die bessern Handschriften, d. h. der Parisinus pr. und Vossianus pr. 

schreiben: derectisque, die übrigen meistens perfectisque , das dem im Texte 
folgenden: >in opere versari iussit« widerstrebt. Die Lesarten der geringeren 
Codices nämlich »erectisque« und sogar »derelictisque« scheinen frühe aber 
misslungene Versuche zur Verbesserung dieser Stelle zu sein. 

Es ist kein Zweifel, dass hier ein dem Abschreiber unverständliches por. 
rectisque« herzustellen ist, ein Wort, das auch bell. gaJl. II. 19. von Cäsar 
gebraucht wird. VergL belL afr. 17: aciem in longitudinem porrigi, und 
ähnlich ebendaselbst 60. 

4) BUGS quoque languidius in opere yersari iussit. 27. 

T. O 1 e r I C&sars galliioher Krieg. II. Aufl. 17 



258 

kampfbereit gemacht hatten, ermunterte er '), nach so grossen MüIi- 
Seligkeiten sollten sie den Sieg und seinen Preis einmal erfassen ^), 
und wer die Mauer zuerst e'tstiegen haben werde '), der solle reichen 
Lohn erhalten. Darauf gab er das Signal zum Angriff. Die Sol- 
daten stürmten plötzlich gegen die Stadt, und hatten schnell ihre 
Mauer besetzt. 

Die Feinde überrascht und bestürzt, wurden von der Mauer 
und den Thürmen hinabgejagt ; schaarten sich aber auf dem Markte 
und den freieren Plätzen in dichten Massen wieder zusanmien und 
waren entschlossen, wenn sie von irgend einer Seite angegriffen 
würden, den Kampf geordnet auszufechten. Als sie aber sahen, 
dass vorerst kein Römer die Mauer verliess , um das ebene Terrain 
der Stadt zu betreten ^), sondern dass sich dieselben auf der Mauer 
ringsum nach und ^ach ausbreiteten, fürchteten sie zur Flucht 
keinen Ausgang mehr zu behalten. Sie warfen daher die Waffen 
weg, und liefen in einem Athem^) nach den entferntesten Theiien 
der Stadt. Dort im engen Thorweg sich drängend wurde ein Theil 
durch die Legionarsoldaten niedergemacht, ein anderer Theil aber, 
der das Thor und das sumpfige Terrain bereits hinter sich hatte, 
und sich im freien Felde befand, von Beiterei niedergehauen. 

An Plünderung dachten die römischen Soldaten nicht, aber 
wegen des Blutbads zu Genabum Bache schnaubend und ergrimmt 
durch die Drangsale der Belagerung, schonten sie weder des ge- 
brechlichen Alters, noch der Weiber und Kinder. 

Von ungefähr 40,000 Menschen, die sich in Avaricum befunden 
haben mögen, gelangten kaum 800, die schon beim ersten Kampf- 
geschrei die Stadt verlassen hatten, unversehrt zu Vercingetorix. 

1) Legiones intra vineas in occnlto expeditas cohortatur. 27. üeber diesen 
Satz führt Oadendorp eine Menge yerschiedener Lesarten an, welche die Codices 
enthalten, namentlich aber wechselt das Wort »vineas« mit dem Worte »castra«. 
Deshalb scheinen sie mir beide zweifelhaft und als wenig umsichtiger Ein- 
Schub zu betrachten zu sein, dadurch hervorgerufen, dass intra gelesen wurde 
anstatt >interea«. Ich halte »Legiones, interea in occulto expeditas, cohortatur« 
für die richtige Lesart. 

2) ut , . . . fructum victoriae perciperent. 27. 

3) »escendissent« ziehe ich »adscendissent« vor, weil mir in der erstem 
Lesart mehr der Begriff des Emporkommens über die Mauer, in der letztern 
aber mehr nur das Emporsteigen a n der Mauer zu liegen scheint. Es stiegen 
viele Soldaten zu gleicher Zeit an der Mauer empor, aber nur einer war der 
erste auf der Mauer. 

4) neminem in aequum locum sese demittere. VII, 28. vergl. Seite 18. Amn. 7. 

5) continenti impetu. 28. 



259 



7. Des Vercingetorix Verhalten nach demFall v on Avaricum. 

Vercingetorix besorgte, wenn die Flüchtlinge in einem Haufen 
vor seinem Lager eintreffen würden, möchte das Mitleid der Menge 
einen Aufstand erregen. Sie durften sich daher bei Tag noch gar 
nicht vor dem Lager blicken lassen, und erst in später Nacht wur- 
den sie so still als möglich in dasselbe aufgenommen. Zu diesem 
Zwecke hatte er nämlich bei Zeiten auf dem nach Avaricum führen- 
den Wege und fern vom gallischen Lager vertraute Männer und 
Stammesfürsten aufgestellt, welche die in Masse Ankommenden 
theilen unditso gesondert gleich nach den Lagerbezirken führen 
lassen mussten, die den betreffenden Stämmen von Anfang an zu- 
gewiesen waren. 

Tags darauf berief Vercingetorix einen Kriegsrath, in welchem 
er tröstete und ermahnte, den Muth nicht sinken und sich durch 
die erlittene Schlappe nicht beirren zu lassen. Nicht durch Tapfer- 
keit, noch in offener Feldschlacht hätten die Römer diesen Sieg er- 
rungen, sondern durch ihre überlegene Fertigkeit in der Belage- 
rungskunst '), von der man freilich in Gallien noch nicht viel ver- 
stehe. Wer sich einbilde, im Kriege inmaer nur glückliche Erfolge 
erwarten zu dürfen, der irre sehr. CFebrigens wüssten sie ja, dass 
er die Vertheidigung von Avaricum niemals gebilligt habe, und 
sie hätten daher den Unfall nur dem Unverstände der Biturigen 
und der allzugrossen Nachgiebigkeit der übrigen Stämme zuzu- 
schreiben. £r werde jedoch den Verlust durch um so grössere Er- 
folge bald wieder ausgeglichen haben; denn in Folge seiner Be- 
mühungen werde es ihm gelingen, auch diejenigen gallischen Stämme, 
welche sich bis jetzt noch nicht herbeigelassen hätten, für das ge- 
meinschaftliche Unternehmen zu gewinnen. Wenn aber einmal ganz 
Gallien zusammenstehe , so vermöge ihm der ganze Erdkreis nicht 
Widerstand zu leisten, und seine Vereinigung sei nahe. Des all- 
gemeinen Besten wegen müssten sie jetzt aber auch ihr Lager mit 
Wall und Graben verschanzen *) , um einem feindlichen üeberfalle 
besser Widerstand leisten zu können. 



1) sed artifido quodam et scientia oppugnationis. 29. 

2) nt castra munire instituerent. 29. 

Die Gallier hatten sich bisher nur mit ihren Wagen, anstatt mit Schanzen 
umgeben. Yergl. cap. 18. carros impedimentaque sua in artiores silvas abdi- 
demnt. EEinter dem sumpfigen Terrain bedurften die Gallier keiner Wagen- 
burg, und das Einwegbringen derselben gab ihnen das Ansehen grösseren Muthes. 

17» 



260 

Diese Bede gefiel den Galliern, hauptsächlich weil Vercingetori 
trotz der Unfälle den Muth nicht sinken liess, frei herrortrat und 
sich den Augen der Menge nicht entzog. Sie. hielten ihn aber auch 
für um so umsichtiger und scharfblickender, als er zu rechter Zeit 
für die Einäscherung und später für das Aufgeben Avaricums ge- 
stimmt hatte. So stieg das Ansehen Vercingetorix von Tag zu Tag, 
während sonst Unglücksfälle das Ansehen des Feldherrn verringern. 

Man begann an die verheissene Einigung Galliens zu glauben, 
und machte sich damals zuerst daran, das Lager zu befestigen. 
Obgleich diese ungewohnte Arbeit ihnen sehr schwer wurde, ao 
setzten sie in ihren Führer nunmehr doch ein solches Vertrauen, 
dass sie auch Alles, was sein Befehl ihnen auferlegte, über sich 
nehmen zu müssen glaubten. 

Vercingetorix bot, wie er versprochen hatte. Alles auf, den 
Beitritt der übrigen Stämme zu bewirken. Er suchte sie durch 
Geschenke und Versprechungen willfahrig zu machen, und wählte 
zur Durchführung seiner Absicht Leute aus, die durch Red^ewandt- 
heit und ihre Freundschafts- Verbindungen besonders geeignet waren, 
sich Anhang zu verschaffen. Er sorgte für neue Bekleidung imd 
Bewaffnung der Avaricischen Flüchtlinge und legte zum Ersatz der 
eingebüssten Mannschaft den Stämmen die Stellung gewisser Con- 
tingente auf. Diese sollten alle auf einen festgesetzten Tag in seinem 
Lager eintreffen und unter ihnen hauptsächlich alle Bogenschützen, 
die in Gallien sehr zahlreich waren, begriffen sein. 

Indessen traf auch Teutomatus, König der Nitiobrigen ^), dessen 
Vater vom römischen Senate seiner Zeit mit dem Titel »Freunde 
beehrt worden war, bei ihm ein, mit einer grossen Zahl Reiter 
theils aus Leuten seines eigenen Stammes bestehend, theils aus 
solchen, welche er aus Aquitanien an sich gezogen hatte. 

8. Cäsar zieht nach Decetia und lagt daselbst. 

Cäsar verweilte mehrere Tage zu Avaricum, weil sich daselbst 
ein sehr grosser Vorrath an Getreide und sonstigen Bedürfhissen 
vorgefunden hatte, so dass sich das Heer von seinen Anstrengungen 
und dem erduldeten Mangel erholen konnte. 

Schon war der Winter beinahe vorüber und die Jahreszeit selbst 



1) Auch Straho, lib. 4. und Ptolomaeus lib. 2. cap. 7. erwähnen die Ni- 
tiobrigen und letzterer gibt ihnen als Hauptstadt Aginnum, das heutige Agen 
an der Garonne. vergl. WalGkenaer, B. I. S. 359 o. Maonert. S. 115. 



261 

forderte zur Kriegführung auf. Er hatte beschlossen, gegen den 
Feind zu rücken, um ihn entweder aus seinen Sümpfen und Wäl- 
dern heraus zu manöveriren ^), oder ihm durch eine Einschliessung 
zuzusetzen. Da kam eine Abordnung aus Aeduerf ürsten bestehend, 
und bat Cäsar, er möge doch ihrem höchst bedrängten Staate zu 
Hilfe ziehen, denn sie befänden sich in grösster Gefahr. Es sei 
bei ihnen nämlich von Alters her Brauch, jährlich einen obersten 
Beamten zu wählen, der auf ein Jahr königliche Gewalt besitze. 
Nun seien aber im Augenblicke zwei Männer vorhanden, von denen 
ein jeder behaupte , gesetzlich zu jener Stelle gewählt worden zu 
sein. Der Eine heisse Convictolitavis , ein einflussreicher und vor- 
nehmer junger Mann , der Andere , einer sehr alten Familie ange- 
hörend, heisse Cotus, besitze durch seine ausgedehnte Verwandt- 
schaft ebenfalls grossen Anhang, und sein Bruder habe im ver- 
gangenen Jahre eben jene hohe Stelle begleitet. Durch diese Ver- 
hältnisse stehe nun ihr ganzer Staat unter den Waffen, und der 
Staat sowie das Volk, theils zu des Einen theils zu des Andern 
Anhang gehörend, befänden sich in Spaltung. Wenn dies noch 
länger so fortgehe, würde es unfehlbar zu einem Zusammenstoss 
und Bürgerkriege kommen. Nur Cäsars Ansehen und Energie ver- 
möge ein solches Unglück zu verhüten. 

Obgleich Cäsar in Betracht zog, dass es nicht vortheilhaft sein 
könne, wenn er den Verfolg des Kampfes gegen Vercingetorix 
vorerst aufgebe und sogar von seinem Feinde hinwegziehe'), so 
konnte ihm doch nicht entgehen, welch' schädliche Folgen solche 
Spaltungen gewöhnlich mit sich brächten. Er glaubte daher 
ins Mittel treten zu müssen, damit ein so grosser dem römi- 

1) sive eam ex palndibus silvisque elicere. 32. 

2) a bello atqne hoste discedere. 33. 

Wir können hier nicht wie Köchly und Riistow übersetzen: »den Krieg 
und den Feind einstweilen sich selbst überlassen« als wäre Cäsar nur für seine 
Person hinweggegangen; denn der Kampf gegen Vercingetorix hörte vorerst 
auf, und Cäsar zog mit seinem ganzen Hieere von Avaricum ab und in das 
Aeduerland. Diese Behauptung wird durch das cap. 34 gerechtfertigt, da 
dasselbe anführt, dass Cäsar im Aeduerlande seine 10 Legionen theilte : exer- 
citum in duas partes divisifc, quatuor legiones in Senones Parisiosque Labieno 
ducendas dedit, sex in Arvernos etc. Auch hätte Vercingetorix später nicht 
alle Brücken des Allier abbrechen können, wie das Kapitel 34 einzahlt, wenn 
er nicht Herr des linken Allierufers, folglich Cäsars Heer von dort entfernt 
gewesen wäre. — In der zweiten Auflage des gall. Krieges übersetzt auch 
demgemäss Köchly: »den Krieg einstweilen aufzugeben und den Feind sich 
selbst zu überlassenc. 



262 

sehen Volke verbündeter Staat, den er bisher irümer gehegt und 
gepflegt hatte, nicht unter sich selbst zu Gewaltthätigkeiten schreite, 
oder gar diejenige Partei, welche sich für die schwächere halte, 
sich von Vercingetorix Hilfe erbitte. Weil aber nach dem Gesetze 
der Aeduer ihre obersten Beamten das Land nicht verlassen durften, 
und Cäsar nicht den Schein auf sich laden wollte, als thue er 
ihrem Recht und Gesetz irgend Abbruch, so beschloss er, un- 
zweifelhaft über Gergobina, in das Land der Aeduer abzumarschiren '), 
und entbot deren ganzen Senat und alle am Streite zunächstbethei- 
ligten zu sich nach Decetia — dem heutigen Decize — dem Ein- 
flüsse des Arron gegenüber auf einer Insel der Loire gelegen. 

Fast der ganze Stamm der Aeduer war hier vertreten, und sie 
trugen Cäsar vor: die Gesetze verböten, aus einer Familie einen 
obem Beamten [zu wählen, wenn aus derselben ein Mitglied eine 
solche Stelle bereits bekleidet habe und noch lebe; ja! im Senate 
dürften nicht einmal zugleich zwei Mitglieder einer und derselben 
Familie sitzen. Nun aber sei zu ungesetzlicher Zeit und an un- 
gesetzlichem Orte eine aus nur wenigen Gesinnungsgenossen be- 
stehende Versammlung zusammenberufen und gar vom Bruder die 
Erwählung des Bruders verkündet worden. 

Cotus musste hierauf seine Stelle niederlegen und sie dem Con- 
victolitavis überlassen, der dem Herkommen gemäss von den Priestern 
unter Beizug der Beamten zum Vergobrat gewählt worden war *). 

Die Aeduer aber ermahnte Cäsar, ihre Zwistigkeiten zu ver- 
gessen und vor Allem ihn nunmehr im Kampfe gegen Vercingetorix 
kräftig zu unterstützen. Wenn der gallische Aufstand unterdrückt 
sei, sollte ihnen der Lohn für ihre Dienste nicht entgehen ; vorerst 
aber hätten sie ihn schleimigst ihre ganze Reiterei und 10,000 Mann 
Fussvolk zu stellen, um dieselben zur Sicherung seiner Lebensmittel- 
Verpflegung verwenden zu können. 

9. Cäsars Zug nach Gergovia. 

Cäsar theilte nunmehr sein Heer in zwei Theile : mit vier Le- 
gionen Hess er Labienus aus dem Aeduerlande in das Gebiet der 
Senonen und Parisier rücken, und er selbst führte die sechs übrigen 



1) in Aeduos profidsci statnit. 33. 

2) qoi per sacerdotes, more civitatis intromissis (oder intermissis) magistra- 
tibua esset creatus. 33. Vergl. Gudendorp. 



263 

Legionen yon Decetia aus südlich nach der Stadt Gergovia, im Lande 
der Arvemer^). 

Weil Cäsar durch seinen Abmarsch von Avaricum nach Decetia 
das linke Loire- und AUierufer verlassen hatte, so konnte Ver- 
ciugetorix, bei dein eine grosse Zahl vöii Verstärkungen eingetroffen 
war*), eine seKr ausgedehnte Stellung nehmen. Er besetzte das 
linke AUierufer mit einer langen Beobachtungslinie und liess die 
Brücken dieses Flusses abbrechen ^) , wahrscheinlich indessen auch 
sein verschanztes Lager bei Gergovia in Stand setzen *). Sein Gros 
konnte er in der früheren Stellung bei Mehun schon deshalb nicht 
stehen lassen, weil es in jener verheerten Gegend an allen ünter- 
haltsmitteln gebrach; er führte daher seine Hauptmacht südlich 
und nahm rückwärts seiner Beobachtungskette eine Centralstellung, 
um einem bedrohten Punkte möglichst schnell Unterstützung bringen 
zu können. 

Cäsar war von Decetia aus wahrscheinlich nach dem heutigen 
Moulins marschirt , um dort den AUier zu überschreiten , hierauf 
aber längs dem Flusse thalaufwärts gezogen ^) , weil er die dortige 
Brücke abgebrochen und den Fluss besetzt fand, vielleicht auch 
weil er hoffte.^ ihn weiter oberhalb bei geringerer Breite rasch über- 
schreiten und Vercingetorix von Gergovia abschneiden zu können. 

Vercingetorix hatte aber von C&(ars Anrücken und Marsch- 
richtung schnell Eenntniss erhalten ^), sich mit seiner Hauptmacht 
ebenfalls an den AUier begeben, und begann auf dessen anderm — 
dem linken Ufer — auch thalaufwärts zu ziehen '). 

Da nun die beiden Heere sich einander ansichtig blieben und 
ihre Lager beinahe einander gerade gegenüber schlugen, auch die 
gallischen Beobachtungscorps so aufgesteUt waren, dass die Römer 



1) VI ipse in Arvernos ad Gergoviam secundum flumen Elaver duxit. 34. 
Gergowia lag V/i Stunden südlich vom heutigen Clenuont-Ferrand auf 

dem linken Ufer des Allier. 

2) Vergl. S. 260. 

3) Omnibus interruptis eins fluminis pontibus. 84. 

4) Vergl. cap. 46. A medio fere colle in longitudinem ex 

grandibus saxis sex pedum murum praeduxerant Galli. Zur Auf- 
führung jener Mauer brauchte man mehr Zeit, als dass sie in längstens 2 
Tagen hergestellt sein konnte, und Vercingetorix gelangte höchstens 2 Tage 
vor Cäsar bei Gergovia an. 

5) secundum flumen Elaver. 34. 

6) Qua re cognita. 34. 

7) ab altera fluminis parte iter faoere coepit. 34. 



264 

nirgends eine Brücke schlagen und über den Fluss rücken konn- 
ten '), so war Cäsar in grossen Sorgen, er möchte den|gr5ssten Theil 
des Sommers über durch den Fluss, dessen Furten vor dem Herbste 
kaum zu benützen waren , aufgehalten , den gallischen Au&tand in 
jenem Jahre nicht mehr unterdrücken können *). 

Um diesem üebel$tand vorzubeugen, verfuhr er folgender- 
massen: Er schlug sein Lager in einer waldigen Gegend einer von 
Vercingetorix' abgebrochenen Brücke gegenüber") — wahrscheinlich 
in der Nähe des heutigen Varennes*)* — 

Des andern Tags suchte er Vercingetorix glauben zu machen, 
er sei mit allen seinen Truppen abmarschirt, während er in Wirk- 
lichkeit mit zwei Legionen in einer den Augen seines Gegners ent- 
zogenen Stellung jener abgebrochenen Brücke gegenüber stehen blieb, 
und nur die vier andern Legionen nebst allem schweren Gepäck in 
gewöhnlicher Marschordnung*) weitör ziehen liess. Von diesen 
Legionen mussten jedoch einige Cohorten in kleinere Abtheilungen 
getheilt*) marsohiren, so dass aus der Entfernung eine Cohorte 



1) Qutim uterque utrique esset exercifcus in conspectu, fereque e regione 
caatria castra poneret, dispositis |exploratoribu8 necubi effecto ponte Bom&ni 
copias traducerent. 35. 

2) ne maiorem aestatis partem flumine impediretur, quod non fere ante 
autumnum Elaver vado transiri solet. 35. 

3) silvestri loco castris positis e regione unius eorum pontium etc. 35. 

4) Vergl. cap. 36 : Caesar ex eo loco quintis castris Gergoviam pervenit. 
Dieser Uebergangspiinkt, sowie die Marschrichtung über Moulins wurden von 
Napoleon und Büstow adoptirt. 

5) ut consuerat. 35. In gewöhnlicher Marschordnung, damit Vercingetorix 
keinen Verdacht schöpfte, Cäsar habe etwas Besonderes vor. 

6) carptis (nicht captis) quibusdam cohortibus ist unzweifelhaft an dieser 
Stelle zu lesen, weil nur durch die Theilung einiger Cohorten so viele Ab- 
theilungen oder scheinbare Cohorten gebildet werden konnten, dass Vercingetorix 
die 40 Cohorten für 60 Cohorten oder 6 Legionen ansehen musate. Wenn 
man im Flankenmarsch die halben Cohorten weniger Glieder als gewöhnlich 
formiren liess, so konnten sie leicht aus der Entfernung so stark wie die ganzen 
Cohorten erscheinen. Diese Theilung konnte aber keine Gefahr bringen, auch 
wenn die CoJonne vom Flusse her nicht gedeckt gewesen wäre, weil die Co- 
hortentheile gerade hintereinander marschirten und daher nöthigen Falls 
augenblicklich wieder zusammenstossen konnten. Rüstow (Heerwesen Cäsars 
Seite 105) liest »captis« und behauptet, Cäsar habe von jeder der 6 Legionen 
je 3 Cohorten im Verstecke behalten. Cäsar sagt aber, er sei mit zwei Le- 
gionen und nicht mit 18 Cohorten dort stehen geblieben, hatte auch gar 
keinen Grund, seine sammtliche Legionen so auffallend zu zerstückeln. Aehn- 
lich verhält es sich mit Drumanns Ansicht. (Geschichte Roms. 3. Theil. 



265 

zwei Cohorten darstellen konnte, und dadurch die Golonne aus sechs 
Legionen zu bestehen schien *). 

Den vier abmarschirenden Legionen befahl Cäsar, soweit als 
möglich Yorzurüdten *) , ura Vercingetorix , der ja Cäsars Märschen 
stets zur Seite blieb '), soweit als möglich von den beiden im Ver- 
steck befindlichen Legionen hinwegzulocken.' 

Als Cäsar nach der Tageszeit schliessen konnte, dass seine vier 
Legionen und Vercingetorix um ihre Lager zu schlagen halt ge- 
macht haben würden, begann er auf den Pfählen jener abgebroche- 
nen Brücke, deren unterer Theil unversehrt stehen geblieben war *), 
die Ueberbrückung wiederherzustellen. Dieselbe war bald zu Stande 
gebracht ; er führte seine beiden Legionen auf das linke Ufer, suchte 
einen geeigneten Lagerplatz aus, und rief auch die vier vorgerückten 
Legionen zurück. 

Nachdem Vercingetorix hiervon Kunde erlangt hatte, befürch- 
tete er gegen seinen Willen zu einer entscheidenden Schlacht ge- 
nSthigt zu werden *) und suchte in forcirten Märschen nach Gergovia 
hin einen Vorsprung zu gewinnen*). 

10. Gergovia's Lage. 
Dass das alte Gergovia IV« Stunden südlich vom heutigen 
Clermont-Ferrand gelegen gewesen sei, wird jetzt wohl nicht mehr 
bestritten, auch die grosse vom französischen Generalstab heraus- 
gegebene Karte bezeichnet die obere Fläche des dort gelegenen 
Berges mit »Gergovia, oppidum Gaulois« und wohl am gründlich- 
sten hat in der letzten Zeit noch M. A. Fischer diese Lage in einer 
Broschüre »Gergovia« betitelt nachgewiesen '). 

Königsberg 1837, Seite 346.) Vergl. Livius 26, 38: »in multas parvasque 
partes carpere exerdtum«. — Auch Köchly hat diesen Gründen gegen- 
über seine frühere Uebersetznng geändert und tritt in der zweiten Auflage 
der Ansicht des Verfassers bei , dass der Text verdorben sei ; glaubt aber, 
dass der Sinn schwerlich durch die blosse Conjectur carptis statt captis herge- 
stellt werden könnte, und sagt: »vielleicht schrieb Cäsar partibus quibusdam 
cohortiboB«. 

1) uti numerus legionum constare videretur. 35. 

2) quam longissime progredi. 35. 

3) Vergl. Quum uterque ntrique esset exerdtus in conspectu. 35. 

4) iiadem suplicis, quarum pars inferior integra remanebat. 35. 

5) ne contra suam voluntatem dimicare cogeretur. 35. 

6) magnis itineribus antecessit. 35. 

7) Gergovia. Zur Erläuterung von Caesar de hello gallico VII. 35 — 51. 
Leipzig bei Teubner 1855. — Die Untersuchungen Napoleons lassen vollends 



266 

Wenn wir auch mit einigen taktischen Ansichten über Cäsars 
Angriff auf Gergoyia, die in jener Broschüre enthalten sind, nns 
nicht ganz einverstanden erklären können, so können wir uns doch 
nicht versagen, aus der Beschreibung der Terrains, welche uns der 
gelehrte Verfasser nach persönlicher Besichtigung gibt, das Haupt- 
sächlichste wörtlich anzuführen, indem dies zur Orientirung viel 
beitragen wird. Er sagt: 

»Von der Hochebene, auf welcher sich die Piks der niederen 
Auvergne in der Richtung des Meridians erheben, (der Puy de Dome 
bis zu einer Höhe von 1476 Metern über dem Meere) laufen Berg- 
züge nach Osten, Seitenbassins ^u dem weiten Allierthale bildend. 
Die Enden dieser Züge sind durch besondere, längliche, scharf ab- 
gegrenzte Plateaux bezeichnet, welche so in ihrer parallelen von 
West nach Ost sich erstreckenden Lage die Zinken eines Hufbisens 
darstellen, das die geräumigen Thalgründe einfasst. So Ghanturgues 
und Gergovia nördlich und südh'ch von Clermbnt. Die Niederung 
ist von wellenförmigen Aufwürfen durchfurcht. Hierzu gehört der 
Bühel, um den die heutige Stadt Clermont, das alte Augustonemetum, 
erbaut ist«. 

»Das hervorragendste jener Plateaux ist der Ger go via, aus 
weiter Ferne sichtbar, wie die meisten jener Gebilde ein Basaltfluss 
über Kalkschichten ergossen. — Der Gipfel liegt 761 ') Meter über 
der Meeresfläche und ist fast horizontal. Er bildet ein ziemlich 
regelmässiges Rechteck, dessen grössere Seiten in der Richtung von 
West nach Ost 1500 Meter und dessen kleinere von Nord nach 
Süd 600 betragen. Der Berg fällt sehr steil von der Spitze ab, 
doch mit mehreren grossem und kleinern Absätzen. Hart unter 
der Kante ist zunächst eine fast ebene Stufe gebildet, die wie ein 
Band von wechselnder Breite, fast um den ganzen Berg herumläuft. 
Dieses Band ist auf der südlichen Seite am gleichförmigsten, durch- 
gängig 12 — 15 Schritt breit und oft nur auf zwei Manneslangen 

keinen Zweifel über diese Oertlichkeit mehr aufkommen. Cäsars beide Lager 
Bind hierbei aufgedeckt worden, und liegt das grosse derselben bei dem alten 
See von Sarli^ves, und das kleine auf der Roche blanche, mitbin genau an 
den Stellen, die der Verfasser für dieselben bestimmt hatte. Diese schöne 
Bestätigung der wissenschaftlichen Arbeit des Verfassers durch die Wirklich- 
keit wird im Napoleon'schen Werke verschwiegen, denn der französische 
Kaiser will an so wichtigen Stellen dem deutschen Gelehrten die Priorität 
nicht einräumen ; uns scheint es aber im Interesse der deutschen Wisaenschafb 
zu liegen diese Thatsachen hervorzuheben. 

l) Nach der Karte des franz. Generalstabs nur 744 Meter. 



307 

unter der Spitze. Auf der Nordseite ist dasselbe häufiger von Fels- 
bangen durchbrocben und tiefer herabsinkend ; auf der Ostseite ist es 
wenig bemerkbar, und verschwindet ganz an der nordwestlichen Ecke. 
Hier bildet das Gestein zirkelformige Terrassen, ein geologisches 
Phänomen, das durch die langsame Abkühlung flüssiger Basalt- 
massen erklärt wirdc. 

»unter dem geschilderten Bande gewinnen die Abhänge an 
Steile, und fallen theils plötzlich, theils mehr stufenweise auf grossere 
Ablagerungen, die zu ausgedehnten Plateaux von 120 bis 150 Me- 
tern Breite anwachsen, und ungefähr die Mitte der ganzen Ab- 
dachung einnehmen. Von da sinkt die Nordwest- und die Nord- 
seite rasch gegen die Dörfer Remagnat und Elein-Perignat ab, und 
ist mit einigen flachen Yorhügeln wie Besance und Pradt umsäumt«. 

»Die Ostseite bietet schrofl^e Felsvorsprünge gegen die Höfe 
Bonneval und Gergovia und sendet drei tiefe Schluchten senkrecht 
auf die Strasse von Issoire. Nach Süden verlieren sich, mit Aus- 
nahme der Felsklüfte bei dem Dorfe Merdogne, die Abhänge sanfter 
in das Thal und die anstossende Ebene, welche sich durch einige 
Erdwälle unterbrochen, bis zu dem eine Stunde entfernten AUier 
ausdehnt, und gerade in der Richtung des Fleckens Cournon einen 
ganz freien Zugang von diesem Flusse her gestattet. 

»An der Südwestecke des Gergovia senkt sich das zuerst be- 
sprochene Band allniälich auf einen schmalen und ebenen Rücken, 
der die Wasserscheiden zwischen zwei Schluchten bildet, von denen 
die eine nördlich gegen Romagnat sich entlädt, die andere südlich 
dem Auzon-Bach einen Zufluss sendet. Dieser Rücken geht in ein 
breites Plateau von ziemlich unregelmässiger Form und mehreren 
Einschnitten über das Plateau von Jussac oder Juillac genannt, er 
ist mit einzelnen Hügelspitzen besät, rundum steil abgeschnitten; 
nur auf der Westseite gibt es sanfte Steigungen und ebene Ab- 
lagerungen. Dort hängt es auch durch das Defil6 von Opme mit 
dem Puy Giroux zusammen. Ein zweiter Wasserweg auf der Süd- 
seite des Gergovia geht von den obersten Abhängen selbst aus, 
bildet hier zwar keine so tiefe Schlucht als die erste, aber doch 
eine noch merkliche Klinge, wendet sich dann gegen Osten und 
verliert sich in die Ebene.« 

»Zwischen diesen Thalabschnitten erhebt sich nun hart am 
Fusse des südlichen Gergovia -Abhangs und nur durch ein kleines 
Defile getrennt, ein scharf individualisirter Hügel von massigem 
Umfang, die sogenannte Roche-blanche, ein weisser Kalkfelsen,« 



9»»>'\* 



268 

»Im Süden wird der ganze Gergoviaberg von dem Anzon, 
einem NebenflQsschen der AUier der Länge nach bespült. Jenseits 
desselben erstreckt sich in gleicher Richtung von Westen nach 
Osten der hohe und lange Bergrücken La Serre gleichfalls ein 
Basaltfluss , der sich zuletzt in ein etwas niedrigeres Plateau , den 
Crest, endigt.« 

»Wasser wird vom Gergo viaberge selbst nach mehreren Rich- 
tungen entsendet. Am nördlichen Abhänge beim Pradt entspringen 
gute kalte Quellen, die sich in die Sarlieve oder dessen Abzugs- 
graben ergiessen. Andere Rinnsein eilen dem Artieres-Bache 
zu. Seine Wassermasse ist sehr schwach. Beträchtlicher und dem 
Gergovia näher ist der Auzon, der vom La Serre-Gebirge kom- 
mend, längs diesem Bergrücken hinfliesst, zwischen ihm und den 
Gergovia-Hügeln ein tiefes Thal bildet. Seine Breite beträgt 2*/« 
Meter, seine Tiefe 15 bis 20 Gentimeter im Sommer.« 

»Was die Spuren menschlicher Thätigkeit angeht, so ist die 
Oberfläche des Gergovia mit dem Pfluge angebaut, die Abhänge 
sind vorherrschend mit Reben besetzt und die Thalgründe Wiesen ; 
Einiges ist bewaldet. Besondere Aufmerksamkeit erregen aber die 
zahlreichen Ungeheuern Steinhaufen, die sich stellenweise auf dem 
Gipfel oft bis zu 7 Fuss Höhe aufgeschichtet finden, fast die ganze 
Kante des Plateaus umgeben, und sich tief herab auf die Hälfte 
des Abhangs erstrecken.« 

»Das Plateau ist von Norden nach Süden von geraden, brei- 
ten, geplatteten oder gepflasterten Strassen durchschnitten, die noch 
jetzt als Ausfuhrwege dienen. An zwei Stellen der Südseite und 
auf der Mitte der Ostseite sind alte Burgwege, Aufgänge zu Tboren 
unverkennbar. Alles berechtigt zu dem Schluss, dass die Höhe 
einst bewohnt, Mittelpunkt einer grossen Menschenansammlung ge- 
wesen sei.« 

Die mannigfaltigen Angaben der Commentarien, ihre Erzählung 
des Angriffs von Gergovia passen , wie wir sehen .werden , auf das 
geschilderte Terrain so sehr, dass wir gar nicht mehr zweifeln 
können, auf ihm die Lage des alten Gergovia gefunden zu haben *). 



1) Wir bemerken hiezn, dass die Broschüre Fischers noch andere höchst 
interessante Mittheilungen namentlich in Bezug auf die an Ort und Stelle 
aufgefundenen Alterthümer macht. Der Situationsplan, welcher der Broschüre 
angeheftet ist, harmonirt jedoch an einer oder der andern Stelle, welcher der 
Verfasser für seine Erklärung der Kampfe bei Gergovia nicht für wesentlich 
hielt, mit der grossen französchen Karte nicht vollkommen. So stellt jener 



269 

11. Cäsars Lager vor Gergovia. 

(Taf. IX.) 

Von seinem üebergangspunkte über den AUier, der wie wir 
angaben wahrscheinlich bei Varennes statt hatte , langte Cäsar am 
5. Marschtage vor Gergovia an *). Er hatte hiezu zwar nur einen 
Weg von etwa 18, nach Fischer von 20 Stunden zurückzulegen; 
wenn wir aber bedenken, dass er zum üebergang über den Fluss 
wenigstens einen Tag brauchte, da er auch im Kriege gegen die 
Helvetier, um mit nur 4 Legionen über die Saone zu setzen, einen 
ganzen Tag nöthig hatte, und dass er in Feindes Land marschirend 
und alle Bedürfhisse nachführend verhältnissmässig nur kleine Märsche 
machen konnte, so ist diese Wegstrecke gewiss der ganzen ange- 
gebenen Marschdauer vollkommen entsprechend. 

Am Tage seines Anlangens vor Gergovia lieferte er ein leichtes 
Beitertrefifen , und recognoscirte die Oertlichkeit der Stadt, von 
welcher die Commentarien melden , sie habe auf einem sehr hohen 
Berge gelegen*) und nur schwierige Zugänge gehabt, so dass sich 
Cäsar überzeugte, diese Stadt mittelst einer Belagerung nicht nehmen 
zu können •). Zu einer Blokade wollte er aber erst dann schreiten, 
wenn seine Lebensmittel -Verpflegung einmal gehörig im Gange 
war *). Ueber den Punkt, an welcher er sein Lager schlug, sprechen 
sich die Commentarien direct nicht aus, und es sind deshalb hierüber 
schon viele Hypothesen aufgestellt worden. Unter allen mir be- 
kannt gewordenen hat mir keine genügen können ; ich werde jedoch 
das ermüdende Geschäft, sie einzeln widerlegen zu wollen, nicht 
über mich nehmen, sondern nur einige berühren und zeigen, welche 
Annahme des römischen Lagerplatzes alle Angaben Cäsars möglich 
macht, und zugleich den kriegswissenschaftlichen Anforderungen 

Plan zum Beispiel den Arti^resbach viel zu bedeutend dar, und scheint wegen 
der Begrenzung der Zeichnung den Hügel Montrognon vom Gergoviaberge 
völlig zn trennen, während jener Bach bei Cldmensat entspringt, folglich bei 
Romagnat noch kaum bemerkbar ist, und der üügel, auf welchem Gergovia 
lag, der Puj Giroux und Montroguon ein Ganzes bilden, mit einer geringen 
Einsattlung bei Opme und einer noch sanfter abfallenden bei Cl^mensat. 

1) Caesar ex eo loco quintis castris Gergoviam pervenit. 36. 

2) quae posita in altissimo monte. 36. Nach der französischen Karte lag 
die Stadt 744 Meter über der Meeresfläche und 377 Meter über der gegen 
Osten zunächstliegenden Ebene. 

8) de expugnatione desperavit. 86. 

4) de obsessione non prius agendum constituit, quam rem frumentariam 
expedisset. 36. 



270 

entspricht. Mehrere Schriftsteller glauben, dessen Lager müsse auf 
einem stark hervortretenden Hügel gelegen haben. Dies ist aber 
unrichtig, denn die Römer liebten es im Gegentheil, in nicht rein 
defensiven Verhältnissen vor ihrem Lager nur sanftere Abhänge zu 
haben, die den Vortheil der dominirenden Stellung mit der Be- 
günstigung des Manöverirens vereinigten. 

Cäsar hatte sein Lager A. sicherlich auf der unbedeutenden 
zur Ebene gerechneten Terrainerhebung zwischen den heutigen Ort- 
schaften le Gendre und Orcet, welche die umliegende Ebene nur 
um etwa 30 Meter dominirt. Der das Wasser liefernde Auzon- 
bach floss auf der südlichen Flanke und im Rücken des Lagers, 
und nördlich war es vom damaligen Morast von Sarlieve gedeckt, 
welcher nach Fischers »Gergovia« (S. 12) im Jahr 1610 oder 1629 
durch das Haus Strada, Besitzer von Cournon, soll ausgetrocknet 
worden sein. Dies Terrain bot hinlängliche Vertheidigungsfähig- 
keit um einem Ausfalle und Angriff der Gallier beruhigt entgegen- 
sehen zu können, auch schützte seine Besetzung die römische Ope- 
rationslinie, namentlich die Zufuhren aus dem Aeduerland, die doch 
allzusehr preisgegeben gewesen wären, wenn Cäsar — wie M, A. 
Fischer und nach ihm Rüstow glaubt — sein Lager auf der Höhe 
>le Crest« geschlagen hätte. 

Köchly und Rüstow machen in ihrer: > Einleitung zu den 
Commentarien über den gallischen Krieg« S. 139 die Bemerkung: 
Cäsar habe, wie er sich bisher auf das Land der Aeduer stützte, 
sich jetzt auf die römische Provinz gestützt. Davon ist aber in 
den Commentarien nichts zu finden, und im Buch VH. Kap. 55 
erzählt Cäsar im Gegentheil, dass er in Noviodunum und Agendicum, 
also in Nevers und Sens seine Hauptdepots hatte. Femer deuten 
die Commentarien es klar an, dass Cäsars Lager in der Ebene lag, 
denn indem sie im 46. Kap. den Kampfplatz zwischen dem Lager 
und der Stadt beschreiben, sagen sie: »Die Stadtmauer war von 
der Ebene 2400 Schritt entfernt*), nach Kap. 51 gelangten die 
vom Gergoviaberge hinabgeworfenen Legionen zuerst in die Ebene 
und dann erst in ihr Lager zurück. Den Thalgrund des Auzon 
zwischen dem Crest und dem Gergoviaberge werden wir doch wohl 
nicht als eine Ebene bezeichnen dürfen, wie es bei Annahme des 
römischen Lagers auf dem Crest nöthig wäre. Endlich dürfen wir 
dem Zeugniss des Cassius Dio nicht allzu wenig Werth beilegen, 



1) oppidi murus ab platinie .... MCC passus aberat. 36. 



271 

der ausdrücklich berichtet'): >Cäsar lagerte in der Ebene; denn 
es stand ihm kein geschützter — schon von Natur fester — Ort 
zu Gebot«. Wenn hiergegen eingewendet wird: Erhabene Plätze 
biete die Umgegend doch genug? so müssen wir bemerken: aber 
nur solche, die entweder zu steil oder zu klein waren um 6 Le- 
gionen in einem Lager aufisunehmen, oder kein Wasser boten, 
oder endlich strategisch nicht brauchbar waren, weil sie die Ope- 
rationsbasis preisgaben. 

Der Yon uns bezeichnete Lagerplatz deckte Cäsars Verbindung 
mit dem Allier, auf dessen rechtem Ufer seine Zufuhren aus dem 
Aeduerlande herbeikamen. 

Vercingetorix befand sich für seine Person in der Stadt, und 
um ihn her, vor der Stadt*) lagerten die Contingente seiner ein- 
zelnen Völkerschaften in massigen Intervallen von einander geson- 
dert (G, D, etc.), so dass alle Hügel, auf welche man von der Stadt 
aus hinabblicken konnte ') (die ausgedehnten Plateaux, welche Seite 
267 erwähnt wurden) besetzt waren. 

Die grosse Zahl von Lagern bot einen wahrhaft imposanten 
Anblick dar^) und täglich mussten die Stammesfürsten , welche 
Vercingetorix zu Mitgliedern seines Kriegsraths erwählt hatte, schon 
bei Tagesanbruch sich bei ihm versammeln, damit er ihnen seine 
Mittheilungen machen und seine Befehle geben konnte. 

Fast kein Tag verstrich, an dem er nicht durch Angriffe seiner 
Reiterei mit eingeschobenen Bogenschützen zu erfahren suchte, was 
er von seiner Leute Muth und Kampffähigkeit zu erwarten habe ^). 



2) castris pro oppido positis. 36. Diese Lesart anstatt »castris prope oppi- 
dum in monte positis« enthalten mehrere Codices, »pro oppido« scheint den 
Ortlichen Verhältnissen zu entsprechen und »in monte« ein überflüssiger Ein- 
schab zu sein. Vergl. Oudendorp. 

3) qua despid poterat. 36. 

M. A. Fischer bezieht das Hinabblicken auf Cäsars Lager, von dem 
hier jedoch nichts die Rede ist, und aus dieser, wie wir glauben, unrichtigen 
Yoranssetzung scheint sodann die Ansicht entstanden zu sein, Cäsars Lager 
habe auf dem Crest gelegen, und von dort aus habe man auf die von 
den Galliern besetzten Abhänge und Yorhügel hinabsehen können. Yergl. 
a. g. 0. 8eite 25. Nach der Karte des franz. Generalstabs überhöht übrigens 
der von den Galliern besetzt gewesene Theil des Gergoviaberges den Crest 
um etwa 30 Meter. 

4) horribüem spedem praebebat. 86. 

5) qoin eqnestri proelio interiectis sagittariis, quid in quoque esset animi 
ac virtutifl saorum p^riditaretur. 36. 



272 

• 

Von Gäsars Lager aus gesehen, der Stadt gegenüber und auf 
dem Fusse des Gergoviaberges selbst lag ein Hügel — die heutige 
Roche-blanche ^). — Wenn die Römer diesen ausserordentlich festen 
und auf allen Seiten jäh und schroff abfallenden Hügel ^) in Besitz 
bekamen, so konnten s\e den Feind offenbar am Wasserholen und 
freien Fouragiren grossentheils verhindern'^), denn sie beherrschten 
alsdann den Auzonbach, und dessen Thal mit seinem reichen Wiesen- 
grunde. Wohl gibt es noch andere Quellen und Bäche in Gergovia, 
sie sind aber für die Bedürfhisse einer grossen Armee zu schwach 
oder zu entfernt*). 

Die Roche-blanche war aber von einem, wie zu erwarten stand, 
starken gallischen Detachement besetzt ^). Dennoch bemächtigte 
sich Cäsar dieses Hügels, indem er in aller Stille Nachts aus dem 
Lager rückte ^) und seine Besatzung aus ihrer Position hinausschlug, 
noch ehe sie aus der Stadt hatte Unterstützung erlangen können. 

Jetzt besetzte er die Roche-blanche mit zwei Legionen, die da- 
selbst ein kleineres Lager schlugen, und li^s von demselben zimi 



1) Erat e regione oppidi collis sub ipsis radicibus montis. 36. 

Wenn, was gewiss ist, und auch schon von Fischer anerkannt wurde, 
dieser Hügel die Roche-blanche ist, so kann Cäsars Lager nicht auf dem Crest 
gelegen haben, sonst müssten die Commentarien anstatt : Erat e regione oppidi 
collis sagen: Erat inter Caesaris castra et oppidum collis (rergl. Taf. IX.); 
denn alsdann wäre das römische Lager, die Roche-blanche und die Stadt in 
einer Linie gelegen gewesen. 

2) egregie munitus atque ex omni parte drcumcisus. 36. Die Formation 
der Roche-blanche entspricht dieser Beschreibung vollkommen. Sie überhöht 
den Auzonbach um durchschnittlich 140 Meter oder 460 Fuss, und ist, wie 
Fischer (S. 23.) anführt »allein so völlig isolirt und für den spätem Sturmlauf 
passend«. 

3) et aquae magna parte et pabulatione libera prohibituri hostes vide- 
bantur. 36. 

4) Vergl. Fischer a. g. 0. Seite 13 und 23. 

5) sed is locus praesidio ab iis nimirum firmo tenebatur. 36. Die Les- 
arten variiren in diesem Satze sehr: sie geben: non nimis firmo» non minus 
firmo, nimis firmo. Diese alle erscheinen aber unzulässig, weil die Besatzung 
der Roche-blanche stark sein musste, indem alle Handschriften »Tarnen.... 
potitus loco etc.« darauf folgen lassen. Die Besatzung kann in den Com- 
mentarien auch nicht »allzustark« genannt werden, weil sie ja aus ihrer 
Position vertrieben wurde. Aus diesen Gründen und weil das »non« erst 
später eingeschaltet wurde (vgl. Oudendorp : Recte iam olim Ursinus monuit, 
inducendum x6 non) scheint es mir, dass diese Stelle ursprünglich »nimirum 
firmo« geheissen habe. 

6) Tarnen silentio noctis Caesar ex castris egressus .... potitus looo. 36, 



273 

grösseren Lager einen doppelten Graben (M. M.) von je 12 Fuss 
Breite ziehen ^) , so dass selbst einzelne Leute zwischen den beiden 
Lagern, gegen einen plötzlichen feindlichen Anfall sicher gestellt, 
verkehren konnten. 

Unter diesem > doppelten Graben« ist wahrscheinlich ein unserer 
heutigen »offenen Caponniere« ähnliches Werk zu verstehen. (Taf. 
IX. Fig. 6.) 

12. Der Aeduer Verrath. 

Zur Zeit als sich dieses vor Gergovia ereignete, wurde der 
Aeduer Convictolitavis , dem Cäsar in seinem Vaterland die oberste 
Gewalt übertragen hatte, von den Arvemem durch Geldbestechung 
gewonnen. Er setzte sich mit einigen jungen Männern von ange- 
sehenen Familien, insbesondere mit Litavicus und dessen Brüdern 
in Verbindung, theilte das empfangene Geld mit ihnen, und stellte 
ihnen vor , jetzt gebiete es die Pflicht , dass sich das Aeduerland 
dem übrigen Gallien endlich anschliesse, und zur Befreiung des ge- 
meinsamen Vaterlandes ebenfalls gegen die Römer erhebe. Man 
kam überein , dass Litavicus die 10,000 Mann , welche Cäsar ver- 
sprochen worden waren, demselben zwar zuführen, und seine Brüder 
zu ihm vorauseilen sollten, setzte aber bereits auch fest, wie man 
dann weiter verfahren wolle. 

Litavicus marschirte ab, machte jedoch etwa 10 Stunden Wegs 
von Gergovia entfernt (wohl bei Serbannes) Halt, und spiegelte 
nun seinen Truppen vor, er habe plötzlich die Nachricht erhalten, 
dass auf Cäsar's Befehl Alles, was von der Aeduer Adel um ihn 
verweilte, darunter Eporedorix und Viridomarus, sowie ihre Reiter 
ermordet worden seien. Er führte sogar Zeugen vor, welche seine 
Angaben mit Zusätzen bestätigen mussten. Seine Soldaten Hessen 
sich hierdurch leicht bethören, und ermordeten die Römer, welche 
kein Unheil ahnend, mit der Colonne gezogen waren. Litavicus 
aber liess durch Eilboten die Lüge von Cäsars Grausamkeit im 
ganzen Lande verbreiten. 

Eporedorix und Viridomarus, letzterer von Divitiacus empfohlen, 
hatte Cäsar namentlich zu sich berufen, und sie standen, in der 
Reiterei dienend, mit vor Gergovia^). Der eine suchte für Con- 
victolitavis, der andere für Cotus zu wirken. 



1) fossamque duplicem duodenum pedum a maioribuB castris ad minora 
perduxit. 36. 

2) in eqaitum nnmero convenerant nominatizn ab eo evocati. 39. 
T. eoier, Cftiars gallUcher Krieg, n. Aufl, 18 



274 

Als Eporedorix des Litavicus Beginnen erfuhr, eilte er mitien 
in der Nacht zu CSäsar und hinterbrachte ihm die schlinune Bot- 
schaft;. Da brach Cäsar ohne Zaudern mit vier schlagfertigen Le- 
gionen und der ganzen Reiterei auf, und nahm sich in Rücksicht 
auf die Dringlichkeit der Sache nicht einmal die Zeit das Lager 
vorher concentrirter zu ordnen^), weil ihm aller Erfolg von einem 
raschen Handeln abzuhängen schien. Die beiden übrigen Legionen 
stellte er unter das Gommando des Legaten Gajus Fabius, der mit 
diesen yerhältnissmässig so wenigen Truppen beide Lager zu schützen 
hatte. — Die Brüder des Litavicus, welche man sogleich festnehmen 
wollte, waren bereits entflohen. 

Cäsar ermunterte seine Truppen den bevorstehenden forcirt^i 
Marsch, den der Drang der umstände verlange, wacker aoszu- 
dauern '). Sie legten in bester Stimmung 8 \% Stunden Wegs zurück. 
Jetzt erblickte Cäsar (wahrscheinlich bei Randan) die Marschcolonne 
der Aeduer, warf ihr sogleich seine Reiterei entgegen, und Ter- 
zögerte und hemmte ihr Weiterrücken; jedoch gab er den Befehl 
Niemand zu tödten. Die beiden Todtgesagten, Eporedorix und Viri- 
domarus, mussten mit der Reiterei vorgehen, und aus deren Reihen 
sich ihren Landsleuten durch Zuruf zu erkennen geben. So er- 
kannten die Aeduer, dass sie von Litavicus belogen waren; gaben 
Zeichen der Unterwerfung, streckten die Waffen und baten um Gnade. 

Litavicus flüchtete mit seinen Hörigen zu Vercingetorix, Cäsar 
aber sandte Boten nach Bibracte und liess den Aeduem bedeuten, 
wie mild er gegen ihre Truppen verfuhr. Seinem Heere gönnte 
er drei Stunden Ruhe^) und trat sodann seinen Rückmarsch nach 
Gergovia an. Als er ungefähr vier Stunden, die Hälfte des Rück- 
wegs *), zurückgelegt hatte, erschienen von Fabius abgesendete Reiter, 
und meldeten, dass sich derselbe in höchster Bedrängniss befinde, 
dass die ganze feindliche Macht gegen das römische Lager ange- 
rückt sei, und in häufigen Ablösungen immer wieder mit frischen 

1) nee fuit spatium tali tempore ad contrahenda castra. 40. 

2) Adhortatus milites, ne necessario tempore itineris labore permoveantur. 40. 

3) tribus horis (noctis) exercitui ad quietem datis. 41. Das Wort »noctisc 
scheint eine verunglückte sinnentstellende Glosse zu sein. Auch Kdchly und 
Rüstow haben es in ihrer üebersetznng mit Recht — wie wir sehen werden — 
unterdrückt. — In der zweiten Auflage seiner üebersetzung sagt hierüber 
Köchly: »das Wort noctis, welches gewöhnlich nach tribus horis steht, hatten 
wir schon in der ersten Bearbeitung stillschweigend beseitigt. Jetzt hat 
y. Göler nachgewiesen, dass es eine sinnentstellende Glosse ist«. 

4) Medio- fere itinere. 41. 



275 

Kräften stürme. Dagegen kämen des Fabius Truppen wegen der 
unverhältnissmässig grossen Ausdehnung des Lagers nicht vom Walle 
herunter, und seien durch die fortwährende Anstrengung bereits 
der Erschöpfung nahe. Viele seien durch einen Hagel von Pfeilen 
und allen möglichen andern Geschossen verwundet. Doch hätten 
gegen diese Art von Angriff die römischen Wurfgeschütze vortreff- 
liche Dienste gethan. Nach dem Abzug der Gallier habe Fabius 
nur zwei Lagerthore — ohne Zweifel das nördliche und das öst- 
liche — zum Durchgang geöffnet gelassen, die übrigen aber ver- 
barrikadirt; ferner habe er Deckschirme auf den Wall gesetzt^) 
und sich auf den nächsten Tag auf einen wiederholten Sturm ge- 
rüstet. 

Auf diese Nachricht hin setztep Cäsar seinen Marsch nothge- 
drungen fort, und weil seine Truppen vom besten Willen erfüllt 
waren, gelangte er noch vor Sonnenaufgang in sein Lager ^. 

Dieser Marsch war wohl einer der stärksten, die Cäsar jemals 
gemacht hatte, forcirter als jener, den er zur Berennung von 
Dyrrhachium ausführte. Dort legte er in 2 Tagen und 2 Nächten, 
wovon die eine Nacht zur Buhe verwendet wurde, auf freüich sehr 
schlechten Wegen, 16 Stunden Wegs zurück, hier aber in 1 Tage 
und 2 Nächten — oder da es Sommer gewesen^) und daher die 
Nächte kurz waren — in etwa 26 Stunden mit einer nur drei- 
stündigen Buhe, 16^8 Stunden. Diese dreistündige Buhe konnte 
aber nicht in der Nacht statt haben — trotz dem »tribus horis 
noctis« weil sie nach den Commentarien vor dem Aufbruch zum 
Bückmarsch gegeben wurde, und wenn sie auch schon um 8 Uhr 
begonnen haben würde also um 11 Uhr beendigt gewesen wäre, 
Cäsar doch unmöglich von Abends 11 Uhr bis etwa Morgens 4 Uhr 
(vor Souuenaufgang) hätte SVs Stunden Wegs zurücklegen können. 

Mit dem Marsch mag es sich folgendermaassen verhalten haben : 
Da Cäsar um Mitternacht von Litavicus Anschlag Eenntniss er- 
hielt, kann er um 2 Uhr Morgens aufgebrochen und um Mittag 
vor Litavicus eingetroffen sein ; nach beendigter Unterwerfung der 
Aeduer, etwa 2 Uhr Nachmittags gab er seinen Truppen Buhe bis 
Abends 5 Uhr, und trat hierauf den Bückmarsch an. Um 11 Uhr 
mögen des Fabius Beiter erschienen sein und um 4 Uhr Morgens 
langte Cäsar vor Gergovia wieder an. 

1) obstruere ceteras (portas) pluteosque vallo addere. 41. 

2) ante ortum solis in castra pervenit. 41. 

3) Vgl. Seite 75. cap. 35: ne maiorem aestatis partem flumine impediretur. 

18* 



276 

« 

Beim ersten Erscheinen der Eilboten des Litavicus, welche 
dessen erdichtete Angaben von Casars Grausamkeit im Lande der 
Aeduer verbreiteten *), liessen sich diese zum Nachdenken und Er- 
kennen der Unwahrheit jener Verläumdungen keine Zeit, sondern 
habsüchtig und unbesonnen fiel man über die römischen Bürger 
her , plünderte und ermorderte die Einen, und machte die Andern 
zu Sclaven. Convictolitavis schürte noch die Flamme der Leiden- 
schaft, und brachte die Masse zur Wuth, um sie in ihren Excessen 
so weit zu treiben, dass sie wohl nicht mehr zur Vernunft zurück- 
könnten. Als aber die Nachricht eintraf, dass alle ihre Truppen 
sich Cäsar unterworfen hätten, und in seiner Gewalt seien , wollte 
Convictolitavis von jenen Dingen nichts mehr wissen, sondern ord- 
nete wegen der Plünderung eine strenge Untersuchung an, zog die 
Güter des Litavicus ein, und schickte Gesandte an Cäsar um sich 
zu rechtfertigen. Dies Alles geschah aber nur um die Truppen 
wieder zu erhalten. Denn schuldbewusst und vielseitig durch die 
geplünderten Güter befangen ^), auch aus Furcht von Cäsar bestraft 
zu werden, fassten sie gleichzeitig im Geheimen den Beschluss sich 
dem gallischen Aufstande anzuschliessen, und forderten durch Agen- 
ten auch die übrigen Völkerschaften dazu auf. 

Cäsar empfing, obgleich er die Sachlage recht gut durchschaute, 
die Gesandtschaft dennoch mit Milde, und gab ihr die Zusicherung, 
er werde den Unverstand und die Leichtfertigkeit des Pöbels nicht 
den ganzen Staat entgelten lassen, und ihm sein Wohlwollen nicht 
entziehen. 

13. Cäsars misslungener üeberfall auf das gallische Lager. 

(Taf. IX. Fig. 5.) 

Lnmerhin schienen Cäsar die soeben berichteten Vorfalle ein 
weiteres Umsichgreifen des gallischen Aufstandes anzuzeigen, in 
dessen Folgen er sich leicht bald von allen Seiten angegriffen sehen 
konnte. 

Er trug sich daher mit dem Plane, die Belagerung von G^r- 
govia aufzugeben, von da abzuziehen und sich mit Labienus zu 
vereinigen, damit die sämmtlichen 10 Legionen wieder zusammen- 
stünden. Nur war dies Alles der Art einzuleiten, dass der durch 
die Rücksicht auf den Operationsplan im Allgemeinen hervorge- 

1) primis niiDciis ab Litavico acceptis. 42. 

2) sed contaminati facinore et capti compendio ex direptis bonis. 43« 



277 

mfene Abzug von Gergovia nicht so angesehen werden konnte, als 
weiche man vor Vercingetorix zurück. 

Während nun Cäsar diesen Gedanken nachhing, schien sich 
ihm eine Gelegenheit darzubieten, jener Rücksicht gehörig Rech- 
nung zu tragen '). 

Als er nämlich eines Tags zur Besichtigung der Arbeiten in 
das kleinere Lager auf der Roche-blanche gekommen war, bemerkte 
er, dass auf der Anhohe, auf welcher sich die gallischen Lager 
C. D. 0. befanden *) , und die bisher von einer Menge Menschen 
beinahe ganz überdeckt gewesen. Niemand zu erblicken war ^). 

Er verwunderte sich darüber und erkundigte sich bei Ueber- 
läufem , von denen sich täglich eine grosse Zahl bei ihm einfand, 
nach der Ursache dieser Veränderung. Aller Aussagen stinunten 
darin überein — was Cäsar übrigens bereits durch seine Recognos- 
cirungstruppen erfahren hatte — dass der Rücken des Gergovia- 
berges beinahe eben, aber dort wo sich ein Zugang zu der andern 
— nämlich nordlichen Seite der Stadt — befinde, waldig und schmal 
sei *). Unter jenem Rücken (dorsum) versteht Cäsar den Höhenzug, 



1) Haec cogitanti acddere visa est facultas bene gerendae rei. 44. 

2) animadvertit oollem, qui ab hostibus tenebatur. 44. Yergl. cap. 36: 
»atque omnibus eius iugi collibus oecupatis«. 

3) nudatum homimbus. 44. — Unbegreiflicher Weise identificirt Napoleon, 
wie es schon Fischer gethan hatte, diesen Abhang mit dem nachher zu 
nennenden Höhenrücken von Risolles. 

4) dorsum esse eius iugi prope aequum, sed silyestre et angustum, qua 
esset aditas ad alteram oppidi partem. 44. Nach dem cod. Havnieus : pr. und 
der vnlg. Andere Codices enthalten : sed hunc silvestrem etc , wonach >dor8um< 
mit dem in der altern Sprache gebräuchlichen Nominativ dorsus gedacht wäre. 
Vergl. Plautus, miles glor. 397. Anstatt »hunc« möchte das von Oudendorp vorge- 
schlagene »hinc« zu lesen sein. — D ü bn er gibt die gewöhnliche Lesart : dorsum 
esse eius iugi prope aequum, sed hunc silvestrem et angustum, qua esset aditns 
ad alteram partem oppidi, bezeichnet sie aber durch einen vor hunc gesetzten 
Stern als verdorben In den Anmerkungen erwähnt er Davius Conjectur hac 
und Oudendorp's hinc. Hierzu macht Heller (Philologus XXXI, 523.) fol- 
gende klare , durchschlagende Bemerkung : Wer eine sorgfältige Karte des 
Plateau*8 von Gergovia und der Umgegend .... vor sich hat, muss augen- 
blicklich sehen, dass unter dorsum eius iugi prope aequum die in ihren hervor- 
ragenden Punkten zwischen einer Erhebung von 692 bis 723 Meter schwankende 
Bergfläche zwischen dem jetzigen Dorf Opme und dem altan oppidum Gergovia 
gemeint ist. Einmal auf den Höhen von Risolles , welche zwischen den ge- 
nannten Orten liegen , angelangt , hätte das römische Heer in der That auf 
ziemlich ebenem Terrain Jbis dicht unter die Mauern von Gergovia heran- 
rücken können; man hatte dabei allerdings eine enge Stelle zu passiren, 



278 

der, wie wir bereits angedeutet haben, den Montrognon mit der 
Höhe von Opme und dem Puy Giroux verbindet, so dass der letz- 
tere als der Scheitel eines Gebirgswinkels betrachtet werden kann, 
dessen Schenkelspitzen das Plateau von Gergovia und der Mont- 
rognon vertreten. Dieser Gebirgswinkel umschliesst die hochliegen- 
den Dorfer Romagnat und Clemensat. Die Einsattlung des Höhen- 
rückens zwischen Opme und dem Montrognon ist sehr gering — 
prope aequum. — Opme hat eine Höhe von 678, Clemensat von 
560 und der Motrognon von 573 Meter. Der Theil des Bergrückens, 
welcher zwischen Opme und dem Gergoviaplateau liegt (a. a.) ist 
schmal, und an seinem nördlichen Abhang hin führte wahrschein- 
lich der Weg zur Nordseite von Gergovia, ähnlich wie dort noch 
heutzutage ein Weg von Clemensat nach dem Plateau zieht. (b,b.) 
Ferner gaben jene Gefangenen an, dass die Gallier in Bezug auf 
genannten Höhenrücken sehr in Sorgen seien, und nicht daran 
zweifelten, wenn sie nach dem bereits eingetretenen Verluste der 
Roche-blanche nunmehr auch jenen den Gergoviarücken schliessen- 
den Hügel Montrognon verlieren würden, dass sie sich beinahe als 
blokirt und von jeder Fouragirung und Verbindung nach Aussen 
abgeschnitten betrachten müssten '). Und um jenen Höhenrücken 



welche, wenngleich die Handschriften in den Worten sed hiinc silvestrem et 
angnstum einen Fehler haben müssen , in Casars Worten ganz unverkennbar 
bezeichnet wird. Der Fahrweg zwischen Opme und Merdogne geht, wie die 
Karte deutlich zeigt, auf dieser engen Stelle zwischen 2 Schluchten entlang, 
welche dieselbe bis auf 100 Meter einengen. Der später unternommene Schein- 
angrifP sollte jenes oben erwähnte Plateau zwischen Opme und Gergovia, 
welches die Gallier durch Verschanzungen zu sichern bemüht waren, be- 
drohen: einen ernsten Angriff jedoch glaubte Cäsar, wegen eben jener engen 
Stelle nach Gergovia zu, nicht machen zu können. In Betracht dieser Terrainver- 
hältnisse wird man in beiden obenerwähnten Conjecturen, hac sowohl wie hinc, 
verständlich und völlig zutreffend finden. Nach den Handschriften zu ur- 
theilen hat Cäsar hinc geschrieben, welches in den lacunosis durch ein Ver- 
sehen in hunc überging; und diese Verwandlung zog dann das Masculinum 
silvestrem ganz natürlich nach sich; die interpolirten Handschriften liessen 
es aus, behielten aber eben deshalb auch das ursprüngliche Neutrum silvestre, 
welches denn doch wohl bei dorsum nötbig scheint, bei. Im Hinblick auf die 
Karte und meine -Auseinandersetzung wird man dagegen die von Hoffmann 
»re altius perpensa« vorgeschlagene Aenderung : dorsum esse eins iugi silvestre 
et angustum, sed hinc prope aequum qua etc., welche Dübner für eine Emen- 
dation hält, ganz verkehrt finden ; beide, Hoffmann und Dübner, können von 
der Terrainbeschaffenheit keine Kenntniss genommen haben. 

1) vehementer huic illos loco timere nee iam aliter sentire uno coUc ab 



279 

durch Schanzen zu sichern, sei von Vercingetorix Alles nach dem 
Montrognon beordert worden ^). 

Eine mit hinlänglicher Besatzung versehene Befestigung des 
Montrognon schützte allerdings gegen einen Yon Bomagnat und 
Clemensat aus nach der Nord- oder vielmehr Nordwestseite der 
Stadt gerichteten Angriff. Denn der Angriff wurde im Bücken 
genommen. Wenn di^egen die Bomer Herr dieses Hügels gewesen 
wären, so hätten die Gallier ohne ständige Kämpfe weder aus dem 
Artiereshache mehr Wasser holen noch das Futter seines Thaies 
sich aneignen können. Auch würden das grosse und das kleine 
Lager, nebst einem dritten auf dem Montrognon, Gergovia, der An- 
gabe der Commentarien entsprechend, beinahe von allen Seiten um- 
schlossen haben ^). 



Romanifl occupato, si alterum amisissent, quin paene circamvallati atque omni 
exitu et pabulatione interclusi viderentur. 44. 

1) ad hnnc muniendum omnes a Vercingetorige evocatos. 44. 

Üeber den Angriff von Nordwesten her theilt uns M. A. Fischer S. 27 
mit: »Dies ist auch, wie Hauptmann Vial (Memoire sur Gergovia, Seite 226) 
sich ausdrückt, der wahre Angriffspunkt. Wenn Cäsar, f&hrt derselbe fort, 
seiiie Kraft nicht hierher gerichtet hat, so kannte er wahrscheinlich die Gegend 
nicht genau, und mochte auch nicht sich tiefer in das Auzonthal fresp. Arti^res- 
thal) einlassen, mitten unter einer feindlichen Bevölkerung, wobei Gergovia 
zwischen ihm und seiner Rückzugsiinie, die dem Allier entlang lief, geblieben 
wäre.« Wir sind überzeugt, dass Cäsar die Beschaffenheit der Gegend genau 
kannte (vergl. perspecto urbis situ cap. 39) aber die oben S. 36 angeführte 
strategische Betrachtung in Betreff seiner Operationslinie musste für ihn über- 
wiegend sein, und nicht nur die Pladrung eines Lagers bei Clemensat oder 
Opme, sondern auch jene auf dem Crest verbieten, abgesehen davon, dass bei 
den genannten drei Orten auch die taktischen Verhältnisse für ein Lager un- 
günstig gewesen wären. 

2) Ueber die Stelle, welche Yercingetoriz zu befestigen sich beeilte, 
weichen die Ansichten der anderen Commentatoren wesentlich von der des 
Verfassers ab. Napoleon, und mit ihm Köchlj und Rüstow, sowie auch vor 
ihm Fischer, erblicken sie nämlich in jenem Theil der Höhen von Risolles, 
welche Opme gegenüber, diese Höhen mit dem G ergo viaberge verbindet, weil 
Truppen diesen Rücken nur von Westen her nehmen konnten. Die Höhe von 
Montrognon erscheint insbesondere Napoleon zu weit abgelegen, als dass die 
Gallier ihr Lager vor der Stadt zu ihrer Befestigung zu verlassen hätten 
wagen dürfen. Dem entsprechend lässt sodann Napoleon die römischen Reiter 
und die Trossknechte nicht von Norden und Nordosten her die Stadt um- 
gehen, sondern von Süden durch das Defile von Opme die Gallier bei ihrer 
Arbeit beunruhigen, wodurch diese Reiter wie die einzelne Legion mit Cäsar 
und dem Lager in mehr Fühlung blieben. Diese Annahme ist zweifellos 
die richtige. 



280 

Nachdem Cäsar von obigem Sachverhalte Kenntniss bekommen 
hatte, entsandte er aus seinem grossen Lager gleich nach Mitter- 
nacht um die Ost- und Nordseite des Gergoviaberges herum gegen 
jenen Höhenrücken hin eine Anzahl Schwadronen (c. c.) und befahl 
ihnen, mit ziemlichem Lärmen von ihrem Wege aus nach allen 
Seiten hin zu streifen ^). 

Mit Tagesanbruch liess er hierauf eine Menge Zug- und Pack- 
thiere sowie Maulesel, jedoch ohne Packsättel, aus dem Lager fuhren, 
und die Trossknechte Helme aufsetzen, damit sie aus der Feme 
für Reiterei angesehen werden konnten *). 

Er wies sie (d.d.) an, die Hügel des Gergoviaberges ebenfalls 
zu umreiten und gab ihnen einige Reiter mit, welche zur Unter- 
stützung der beabsichtigten Täuschung Aufsehen erregen und gegen 
den Feind hin, also in ihrer linken Flanke, weiter vorstreifen sollten, 
als die Trossknechte selbst *). Alle jene Reiter und Trossknechte 
sollten aber auf ihrem weiten Umwege nach einer und derselben 
Gegend — nämlich dem Montrognon — ziehen *), denn Cäsar wollte 
durch dieses Manöver den Feind glauben machen, er beabsichtige 
einen Angriff auf die dort im Werke befindlichen Schanzen. 

Von der Stadt aus sah man diesen Abmarsch, weil man von 
Gergovia auf das römische Lager hinabsehen *) , wiewohl der ziem- 
lich grossen Entfernung wegen nichts sicher erkennen konnte. Nach 
der nämlichen Seite hin (eodem illo), so dass sie dem Feinde für 
die Nordwestseite Gergovia's ebenfalls Besorgnisse erregen musste, 
entsandte Cäsar auch eine Legion ®). 



1) mittit complures equitum turmas eo de media nocte, iis imperat etc 45. 
Diese Lesart nach Scaliger und vnlg. ist offenbar die richtige und die Lesart 
» . . . turmas, eis de media nocte imperat« nicht zu rechtfertigen. Cäsar hat 
die Schwadronen nicht abgesendet, und ihnen sodann um Mitternacht befohlen 
umherzuschweifen, sondern er hat sie um Mitternacht abgesendet, und ihnea 
dabei befohlen etc. 

2) equitum specie ac simulatione. 

3) qui latius ostentationis caussa vagarentur. 45. 

4) Longo circuitu easdem omnes iubet petere regiones. 45. 

5) ut erat a Gergovia despectus in castra. 45. 

6) Legionem unam eodem iugo mittit. 45. M. A. Fischer sagt S. 25: 
»Mit dem eodem iugo haben sich die Erklärer vielfältig abgequält. Man 
verstand : an denselben Hügel, von dem Cäsar zuvor gesprochen , den er von 
Feinden entblöst gesehen hatte, oder wo sich Vercingetorix verschanzte. Wie 
man aber auch der Grammatik Gewalt anthun mag, so kann eodem iugo 
nimmermehr gleichbedeutend mit ad idem iugum sein, und Kraner's Aus- 
kunftsmittel das Wort iugo als Glosse einzuklammern hilft nichts; denn der 



281 

Als die Legion aber eine Strecke — vielleicht bis in die Nähe 
von St. Perignat (dort wo der niedrigste in Betracht kommende 
auf der grossen franz. Karte mit nur 367 Meter Höhe bezeichnete 
Terrainpunkt ist) — vorgerückt war, und von Gergovia aus in ihrer 
Marschrichtung bemerkt worden sein musste, liess sie Cäsar, um 
seine Streitkräfte nicht zu sehr zu zersplittern, in einer Terrain- 
senknng und vom Wald dem Auge des Feindes entzogen Halt 
machen'), (e.) Dadurch behielt Cäsar seine Legion in der Nähe, 
während die Besatzung von Gergovia glaubte, sie sei, gleich den 
vorausgerückten Schwadronen, noch auf dem Marsch nach der Nord- 
westseite der Stadt, könne aber des verschleierten Terrains wegen 
nicht mehr wahrgenommen werden. 

Offenbar wurden die Schwadronen schon um Mitternacht, die 
Trossknechte und die Legion erst bei Tagesanbruch detachirt, da- 
mit die Schwadronen Morgens schon Soweit um die Nordseite des 
Gergoviaberges herum vorgerückt sein konnten, dass die Gallier 
beim Abmarsch der Legion in Besorgniss geriethen, die ganze Be- 
wegung gelte ihren neuen Verschanzungen. (N.) 

Diese Demonstration machte auf die Gallier in der That einen 
gewaltigen Eindruck, ihr Verdacht es gelte den neuen Schanzen, 



folgende Satz beweist es ja gerade, dass diese Legion nicht bis dorthin ge- 
gangen, sondern dass sie nach kurzem Vorrücken an einem tiefer liegenden 
Platze aufgestellt und im Walde versteckt worden ist. Man halte sich ein- 
fach an den grammatischen Sinn: er lässt sie auf demselben Bergrücken 
(nämlich dem an den Crest anstossenden) eine Weile fortgehen und dann an 
einer tiefern Stelle Halt machen, c — 

Aber auch diese Deutung von eodem iugo erscheint grammatikalisch etwas 
gezwungen und ist, was noch schlimmer, sowohl mit dem vorhergehenden 
Texte als mit den sachlichen Verhältnissen gar nicht Vereinbar. Die Com- 
mentarien sprechen in den zunächst vorhergehenden Sätzen — was eodem 
iugo doch bedingen würde — von gar keinem Hügel oder Bergrücken , son- 
dern von der Art und Weise, wie Cäsar behufs einer Demonstration seine 
abmarschirenden Schwadronen instruirte, sowie von der Gegend oder der Seite, 
nach welcher sie sich wenden sollten. Die betreffende Stelle ist sicherlich 
verdorben, und sie hiess möglicher Weise ursprünglich eodem modo mit Be- 
rücksichtigung, dass Cäsar aucli an andern Stellen das »mittere« absolut ge- 
braucht. (Vergl. reliquas copias . . . misit. VII, 35.) Aber für noch viel 
wahrscheinlicher, ja beinahe für gewiss halten wir es, dass eodem illo 
»nach eben jener Seite hin« anstatt eodem iugo zu lesen ist. (Vergl. bell, 
gall. IV, 11. »eodem illo pertinere.«) In der Majuskel war es sehr leicht 
möglich , dass ein Abschreiber iugo anstatt illo las und schrieb , um so mehr 
als er in »eodem illo« einen Pleonasmus vermuthen konnte. 

^] et paulum progressam inferiore constituit loco silvisque oocultat. 45. 



282 

-wuchs immer mehr *) und Vercingötorix führte alle seine Truppen 
sogleich zu denselben hinüber ^). 

Wie nun Cäsar die feindlichen Lager fast unbesetzt sah , liess 
er zur Einleitung eines Ueberfalls von der Roche-^blanche aus seine 
Soldaten in kleinen Abtheilungen durch die Caponiere {M. M.) aus 
dem grossen in das kleinere Lager (B.) hinüberführen, sie hierbei 
ihren Helmschmuck bedecken und ihre Feldzeichen so tragen, dass 
sie von der Stadt aus nicht bemerkt werden konnten *). 

Die Stadtmauer (f. f. f.) war von der Ebene, und zwar vom 
Fuss der Ansteigung in gerader Richtung — nämlich ohne den 
Umweg zu rechnen, den man behufis eines bequemen Aufeteigens 
nehmen musste *) — 2400 Schritte entfernt ^). Etwa auf der Inütte 
des Abhangs und den ganzen Gergoviaberg umziehend hafcten die 
Gallier im Anschluss an seine Terrainbildung ^) von grossen Steinen 
eine 6 Fuss hohe Mauer *(g* S* g*) au%esetzt , um einen etwaigen 
Angriff zu erschweren und aufzuhalten. Den ganzen unterhalb 
dieser Trockenmauer liegenden Abhang hatten sie |frei gelassen, 
den obem Theil aber bis zur Stadtmauer hinauf (wie bereits oben 
Seite 271 erwähnt wurde) mit Lagern dicht besetzt^). 

Als C^ar seine zum Handstreich auf diese Lager bestimmten 
Legionen im kleineren Lager versammelt hatte, instruirte er seine 



1) Augetar Gallis sugpicio. 45. 

2) omnes illo ad munitionem copiae traducuntur. 45. Wir nehmen keinen 
Anstand, hier illico anstatt illo zu lesen ; das 7. Bach der Commentarien ent- 
hält 80 viele Verderbnisse, dass man zu Conjeeturen genöthigt wird. 

3) tectis insignibiis suornm occultatisque signis militaribns ... ne ex 
oppido animadverterentur. 45. Auch diese Stelle zeigt, dass das grosse Lager 
Cäsars nicht auf d*em Crest gestanden habe. Denn die nach der Bodie- 
blanche fahrende Gaponibre wäre in diesem Falle auf der Südseite der Stadt 
senkrecht gelegen gewesen, und folglich von Gergovia aus leicht der ganzen 
Länge nach eingesehen worden ; während bei der Lage, welche wir dem grossen 
Lager gegeben haben, die Caponiere mit der Südseite der Stadt nahezu parallel 
lief, und ihre nördliche Brustwehre die hinter ihr herschreitenden Soldaten 
verdeckte, so dass sie die Feldzeichen durch ein gesenktes Tragen leicht ver- 
bergen (occultare) konnten. 

4) quidquid huc circuitus ad molliendum clivum accesserat, id spatium 
^tineris aagebat. 46. 

5) MCC passus. 46. Diese Entfernung trifft mit der Darstellung der 
grossen französischen Karte vollkommen überein. 

6) in longitudinem, ut natura montis ferebat. 46, 

7) superiorem partem coUis usque ad murum oppidi densissinns castris 
compleverant. 46. 



283 

Legaten , welche die einzelnen Legionen befehligten , und forderte 
eie insbesondere auf, ihre Soldaten beisammen zu halten *), damit sie 
sich durch Kampf- oder Beutelust nicht allzuweit vorwärts reissen 
liessen. — Die Nachtheile, welche für sie im Terrain lägen, könn- 
ten nur durch Schnelligkeit unschädlich gemacht werden *) , indem 
das ganze Unternehmen beendigt sein müsse, ehe des Vercingetorix 
Truppen in ihr Lager zurückkehrten. Es handle sich hier nicht 
darum, eine Schlacht zu liefern, sondern nur eine günstige Gelegen- 
heit schnell auszubeuten®). 

Nachdem Cäsar diese Verhältnisse gehörig hervorgehoben hatte, 
gab er das Zeichen zum Angriff*), der unzweifelhaft auf den Theil 
der Trockenmauer (g. g.) gerichtet war, welcher zwischen dem heu- 
tigen Dorfe Merdogne und der Schlucht westlich von Roche-blanche 
lag und zunächst die Lager 0, C und D deckte. 

Zu gleicher Zeit lendete er seine Aeduer nach der rechten 
Flanke ab, um auf einem andern Punkte gegen die gallischen Lager 
anzusteigen*), (h.) Ob sie ebenfalls aus dem kleinen Lager ab- 
marschirten oder ans dem grossen, das sagen die Commentarien 
nicht. Wir glauben, dass ihr Abmarsch aite dem grossen Lager 
Statt hatte, weil sie andernfalls selbst zu sehr mit den Legionen 
im Contact geblieben wären, um später bei ihrem Erscheinen über 
die Römer Schrecken zu verbreiten, wie es der Fall war*). 

Die Legionen rückten durch das nördliche Thor aus dem kleinen 
Lager, und drei ^) derselben eilten, nachdem die Tuba zum Angriff 
gerufen hatte, zur Trockeumauer. Schnell war sie überstiegen, und 
schnell hatten sie sich dreier Lager, das Lager 0. C. D., bemächtigt *). 

Dies Alles war die Sache eines Augenblicks, so überraschend 
schnell ausgeführt, dass Teutomatus, König der Nitiobrigen, der im 
Zelte gerade sein Mittagsschläfchen machte, nur halb angekleidet 
und auf verwundetem Rosse , kaum den plündernden Römern noch 
entrinnen konnte. 



1) nt contineant milites. 45. 

2) hoc una celeritate posse vitari. 45. 
8) occasionis esse rem, son proelii. 45. 

4) His rebus expositis Signum dat. 45. 

5) ab dextra parte alio ascensu eodem tempore Acduos mittit 45. 

6) Diese Zahl werden wir am Schlüsse dieses Abschnitts begründen. 

7) Auch Napoleon nimmt an , dass die Aeduer vom grossen Lager aus- 
marschirten. 

8) celeriter ad munitionem perveniunt, eamque transgreasi trinis castris 
potiuntur 46. 



284 

Da Cäsar mit diesem Erfolge, was er wollte, erreicht hatte, 
liess er zum Rückzug blasen ^) uud die Abtheilungen der 10. Legion, 
bei der er sich selbst befand, und die östlich der Schlucht von 
Merdogne gegen das Lager E. vorgegangen zu sein scheint. Halt 
machen ^). Dies geschah wahrscheinlich in der Nähe der dortigen 
Trockenmauer, noch ehe die Legion sie überstieg. 

Aber die Soldaten der übrigen Legionen hörten wegen der da- 
zwischen liegenden Schlucht — jener bei Merdogne — den Ruf der 
Tuba nicht '). Ihre Kriegstribunen und Legaten suchten sie zwar, 
Cäsars Befehl entsprechend, zurückzuhalten, aber von Stolz auf ihre 
frühem Erfolge und von Hoffnung auf einen neuen raschen Sieg 
erfüllt, Hessen sie sich durch die Flucht der wenigen L^^erverthei- 
diger zu dem Glauben hinreissen, dass ihrer Tapferkeit auch Nichts 
unerreichbar sei. Sie setzten die Verfolgung der fliehenden Feinde 
bis in die Nähe der Stadtmauern und derÄ Thore fort. 

Jetzt erhob sich in allen Stadttbeilen der Stadt ein lärmen, 
und wer sich in einem entfernten Stadttheile befand, glaubte, die 
Römer seien bereits innerhalb der Thore, und flüchtete aus der 
Stadt in höchster Bestüraung. Die Weiber und Kinder warfen 
Kleider und Silber von der Mauer herab, beugten sich mit der Brust 
über sie hin, flehten mit ausgestreckten Armen um Schonung, und 
baten, man möchte doch nicht, wie zu Avaricum, selbst Weiber 
und Kinder umbringen. Einige Hessen sich sogar an den Händen 
von der Mauer herab, und übergaben sich den Soldaten. 

Ein Centurio der achten Legion, Lucius Fabius, hatte an diesem 
Tage seinen Kameraden mehrfach geäussert, ihn locke der Preis, 
der dem ersten Ersteiger der Stadtmauer von Avaricum zu Theil 



1) Consecutus id, quod animo proposaerat, Caesar receptui cani inssit. 47. 

2) legionisque (nicht legionique) decimae , quacum erat , oontintio (nicht 
contionatus) signa constituit. 47. Es ist merkwürdig, dass sich in den Codices 
anstatt »continuo« die Lesart »contionatus« einschleichen konnte. Nach den 
Commeutarien hatte Cäsar damals keine Veranlassung eine Bede an die 10. 
Legion zu halten. Hätte eine solche dennoch stattgefunden, so würde er die 
Legion zuerst haben Halt machen lassen, während in »contionatus signa con- 
stituit« gerade das Gegentheil liegt. Der Text hebt hervor, dass die ent- 
fernteren Legionen sich trotz des Rückzugssignals weiter zersplitterten, die 
10. dagegen alsbald (continuo) Halt machte. — Diese Conjectur erscheint 
Köchly als wahrscheinlich , und Dübner hat sie in den Text seiner Ausgabe 
der Commentarien aufgenommen; während sie andererseits Heller »als eine 
iu keiner Weise zu rechtfertigende Lesart« bezeichnet (s. Philologus XXVI, 689.) 

()) magna valles intercedebat. 47. 



285 

geworden sei , und er werde der erste auf der Mauer Gergovia's 
sein. Von drei Soldaten seiner Manipel emporgehoben, erstieg er 
die Mauer; dann gab er diesen nacheinander die Hand, und zog sie 
gleichfalls hinauf. 

Unterdessen hatten die Gallier, welche auf Vercingetorix Be- 
fehl an die andere Seite der Stadtmauer gekommen waren, um dort 
die Schanzarbeit schnell zu vollenden ^) zuerst Geschrei und dann 
auch Botschaft auf Botschaft erhalten: Die Stadt sei von den Romern 
bereits besetzt. Sie stürmten daher — ihre Reiter (i. i.) voran — 
in eiligstem Laufe dahin. Sowie Einer ankam, postirte er sich an 
den Pubs der Mauer (f. f.)? iind schloss sich den Vertheidigern an. 
Bald war auf diese Weise eine grosse Masse beisammen, und die 
Weiber, welche eben erst noch von der Mauer herab nach den 
Römern die Hände ausgestreckt hatten, begannen nuu, nach galli- 
scher Sitte, auf ihr gelöstes Haar und ihre herbeigeholten Kinder 
zeigend, die Männer um Schutz und Hilfe anzuflehen. 

Jetzt hatten die Römer, sowohl durch die Uugunst des Terrains, 
als auch durch ihre Minderzahl einen ungleichen Kampf); ausser- 
dem durch Laufen und die Ausdehnung des Gefechtes ermüdet, ver- 
mochten sie nicht leicht den immer frisch zuströmenden Truppen 
Stand zu halten, und ein grosser Theil derselben wurde unzweifel- 
haft von den Lagern 0, C und D bis nach E gedrängt. 

Da Cäsar für seine Legionen sehr besorgt gewesen , weil das 
Terrain ihnen so nachtheilig war, und sich die feindlichen Streit- 
kräfte noch stets vermehrten, so sandte er dem Legaten Titus 
Sextius , welcher die aus einigen Cohorten der 13. Legion ') be- 
stehende Besatzung des kleinen Lagers (B.) commandirte, den Be- 
fehl, er solle seine Cohorten ungesäumt aus dem Lager führen und 
am Puss der Roche-blanche, des Feindes rechter Flanke gegenüber 
(bei 1.) Stellung nehmen *). Wenn er sehe, dass die Legionen (k.) 
von der Höhe herabgeworfen würden, solle er dem Feinde zu im- 
poniren suchen und ihn in der Verfolgung behindern*). 



1) Interim ü, qui ad alteram partem oppidi .... munitionis causa con- 
venerant. 48. Vergl. S. 281. 

2) Erat Romanis nee loco nee numero aequa contentio. 48. 

3) Yergl. cap. 51: XIII. legionis cohortes. 

4) ut cohortes ex castris celeriter educeret et sub infimo coUe ab dextro 
latere hostium constitueret. 49. 

5) ut, si nostros loco depulsos yidisset, quo minus libere hostes inse^ 
qnerentur, terreret. 49. Irrthümlich bezeichnet Eöchlj die Ansicht, dass die 



286 

Cäsar selbst marschirte mit der 10. Legion etwas von jenem 
Orte, wo er (nach oben Seite 284) Halt gemacht hatte, zurück, um 
den Ausgang des Kampfes in Reseryestellung (bei m) abzuwarten ^). 

Während noch auf das Hartnäckigste gekämpft wurde, die 
Gallier ihr Vertrauen auf den Vortheil des Terrains und auf ihre 
Uebermacht setzten, die Römer aber ihrer Kriegstüchtigkeit ver- 
trauten , sahen die Letztern auf ihrer rechten , offenen Flanke ^) 
plötzlich die Aeduer (h), welche, um die Aufmerksamkeit der Gallier 
zu theilen und ihre Concentrirung zu verhindern, von Cäsar nach 
rechts detachirt worden waren , und auf einem andern Weg gegen 
die feindlichen Lager ansteigen sollten^). 

Ihrer gallischen Bewaffnung wegen hielten die Römer sie für 
Feinde, und geriethen dadurch in grosse Bestürzung. Man be- 
merkte zwar, dass sie die rechten Schultern blos trugen, was als 
das Zeichen der Verbündeten galt ; die Legionarsoldaten argwöhnten 
aber, der Feind habe, um zu täuschen, jenes Zeichen angenonunen *). 

Nun wurde den Legionen von allen Seiten hart zugesetzt ^), sie 
verloren 46 Centurionen *) imd wurden den Abhang hinabgeworfen. 

Doch that die 10. Legion, die als Reserve auf etwas günstigerem 
Terrain stand ') , der ungestümen Verfolgung des Feindes einigen 



Stellung am Fuss der Boche-blanche gewesen sei, als unrichtig, indem er sie 
mit Fischer an den Südwestabhang der Höhe von Hisolles verlegt; während 
Napoleon in diesem Punkte der Annahme des Verfassers folgt. 

1) Ipse paulum ex eo loco cum legione progressus, ubi constiterat, even- 
tum pugnae exspectabat. 49. Das progressus ist sicherlich durch regressus 
zu ersetzen, denn um in Reserve den Gang des Kampfes abzuwarten, musste 
Cäsar, da er nach cap. 47 die 10. Legion zwar hatte Halt machen lassen, die- 
selbe aber gleich den übrigen vorgerückt war, mit ihr zurück und nicht vor- 
gehen. Das 9 ex eo loco, ubi constiterat« bezieht sich auf den Satz im cap. 47 : 
legionis decimae .... signa constituit. — Büstow verwirft diese Gozijectur, 
welche andererseits von Napoleon gut geheissen wird. 

2) ab latere nostris aperto. 50. 

3) quos Caesar ab dextra parte alio ascensu manus distinendae causa 
miserat. 50. 

4) Eine auf dem Gergoviaberge gefundene Silbermünze mit dem Namen 
des Arvernerhäuptlings Epaduactus zeigt auf der Rückseite einen völlig ge- 
waffneten Krieger in ganzer Figur, das Haupt und eine Schulter entblösst. 
Fischer S. 19. 

5) cum undique premerentur. 51. 

6) Nach Anhang II. § 20 ff. zählten 3 Legionen 360 Centurionen, und es 
blieb also von den 3 bei Gergovia stürmenden Legionen je der 8. bis 7. Centurio 
auf dem Platze. 

7) quae pro subeidio pauIo aequiore loco constiterat, 51. 



287 

Einhalt, und als auch sie sich zurückziehen musste, wurde sie von 
den Cohorten des Sextius aufgenommen , die indessen auf einer 
höhern Terrainstelle, wahrscheinlich auf der Anhöhe (bei n) Stellung 
genommen hatten^). 

Als die Legionen jedoch die Ebene wieder erreicht hatten '), 
machten sie augenblicklich Halt und wieder Front gegen den Feind. 

Darauf ging Vercingetorix zu keinem weitern Angriff über, 
Bondem fiihrte seine Schaaren vom Fuss des .Gergoviaberges wieder 
in ihr Lager zurück. 

Die Römer vermissten an jenem Tage 700 Mann. 

Gsiaajr soll selbst bei dieser für ihn ungünstigen Schlacht sich 
einen Augenblick in der Gefangenschaft befunden haben. Nach 
Flutarch zeigten die Arvemer noch später den ihm abgenommenen 
Degen in einem ihrer Tempel. Als Cäsar ihn dort sah und auf- 
gefordert wurde, denselben zurückzunehmen, lachte er und sagte, 
der Degen sei jetzt ein Heiligthum geworden. Cäsar unterschied 
sich hierdurch vortheilhaft von Cicero, welcher heimlich aus dem 
Gapitol die Erzplatte entfernte, auf welche das Gesetz über seine 
Verbannung eingegraben war. 

Wir haben oben die Annahme gemacht, dass nur drei Le- 
gionen den Ueberfall ausführten und gründen dieselbe darauf: Im 
Ganzen hatte Cäsar bei Gergoyia 6 Legionen vereinigt, davon scheint 
1 Legion zur Bewachung der Lager verwendet gewesen zu sein 
einige Cohorten für das grosse, einige fürs kleine Lager; 1 Legion 
war zum Scheinangriffe detachirt und im Walde verborgen*). 1 
Legion wurde von Cäsar selbst geführt und folglich überfielen 3 
Legionen die Lager 0, C und D. 

Des andern Tags berief Cäsar das Heer zu einer Versammlung 
und verwies den Legionarsoldaten nachdrücklichst ihre Unbesonnen- 
heit und Beutegier; dass sie nach eigenem Ermessen vorrücken und 
verfahren zu dürfen glaubten , ja sogar auf das Haltsignal nicht 
stehen geblieben seien und sich von ihren Kriegstribunen und Le- 



1) locum ceperant snperiorem. 51. 

2) Legiones, ubi primum planitiem adtigerunt. 51. Wenn das römische 
Lager, wie anderwärts behauptet wird, auf dem Plateau le Crest gelegen ge- 
wesen wäre, so würden die sich nach ihrem Lager zurückziehenden Römer 
in keine Ebene, sondern in den Thalgrund des Auzonbaches gekommen sein. 

3) Ohne Zweifel wurde diese Legion, als einmal das Gefecht begann 
Euruckgeriifen und befand sich während desselben auf dem Rückmarsch ins 
grosse Lager. 



288 

■ 

gaten nicht hätten zurückhalten lassen. Er hob hervor, welch' 
grossen Einfluss ein ungünstiges Terrain habe, und mit wie schwerem 
Herzen er in der Nähe von Avaricum auf den Sieg verzichtete, der 
ihm durch sein plötzliches Erscheinen vor dem Feinde, während 
dessen Führer und Reiterei abwesend waren, gesichert zu sein schien. 
Nur der Verlust, den das dortige ungünstige Terrain hätte herbei- 
führen müssen, habe ihn zu jenem Verzichte vermocht. So sehr er 
ihren Heldenmuth, der sie über Lagerverschanzung , Berge und 
Stadtmauer führte, bewundere, eben so sehr müsse er ihnen ander- 
seits aber auch ihren Schwindel und ihre Anmassung zum Vorwurf 
machen, mit der sie den Weg zum Siege besser als der Feldherr 
selbst beurtheilen wollten. Der Soldat dürfe nicht weniger Gehor- 
sam und Selbstbeherrschung, als Tapferkeit und Muth besitzen. Am 
Schluss dieser Rede ermuthigte er seine Truppen jedoch wieder, 
die erlittene Schlappe nicht allzu hoch anzuschlagen, und die Wirkung 
des ungünstigen Terrains nicht für die Wirkung der feindlichen 
Kriegstüchtigkeit zu halten. 

Immer noch in der Absicht sich vor dem bevorstehenden Ab- 
marsch von Gergovia beim Feinde in Respect zu setzen ^), bot ihm 
Cäsar nunmehr eine Schlacht an. Er führte seine Legionen aus 
dem Lager und stellte sie auf geeignetem Terrain in Schlachtord- 
nung. Da aber Vercingetorix trotz der Herausforderung nicht in 
die Ebene herabrückte ^) , so kam es nur zu einem für die Römer 
günstig ausgefallenen leichten Reitertreffen, nach welchem Cäsar 
sein Heer wieder in die Lager rücken liess. 



14. Cäsars Abzug von Gergovia nach Noviodunum. 

Nachdem Cäsar am zweiten Tage nach dem missglückten üeber- 
falle Vercingetorix nochmals eine Schlacht angeboten hatte, glaubte 
er für die Herabstimmung der gallischen Prahlerei und Hebung 
des Muths seiner eigenen Truppen genug gethan zu haben, und 
schritt nun zum Abmarsch nach dem Aeduerlande '). 

Auch jetzt blieb Vercingetorix unverrückt in seiner Stellung, 
und verfolgte die Römer nicht. Nachdem sie zwei Tage marschirt 
waren, gelangten sie zu einer zerstörten Brücke des Allier, stellten 



1) eadem de profectione cogitans, quae ante senserat. 53. 

2) in aeqnum lociim. 53. 

3) in Aeduos movit castra. 53. 



289 

sie am dritten Tage her, und überschritten den Fluss etwa beim 
heutigen Vichy ^). 

Hier liessen sich die Aeduer Viridomarus und Eporedorix bei 
ihm melden und zeigten ihm an, dass Litayicus an der Spitze der 
ganzen Reiterei abgezogen sei, um ihre Landsleute zum Abfall und 
Aufstande zu bringen. Er mochte ihnen doch Urlaub ertheilen, da- 
mit sie die Umtriebe des Litavicus vereiteln könnten. 

Obschon Cäsar ihnen nicht traute, wollte er sich weder Arg- 
wohn noch Befürchtungen anmerken lassen, und hielt sie deshalb 
nicht zurück, sondern begnügte sich damit, ihnen bei ihrer Ent- 
lassung anzudeuten, wie viel die Aeduer ihm zu danken hätten; 
dass er ihnen aus den yerkommendsten Zuständen zu Ansehen, 
Macht und Wohlfahrt verholfen habe. 

Nevers, das alte Noviodunum (Nevirnum) liegt auf dem Ab- 
hang eines Hügels am rechten Ufer der Loire. Die Gommentarien 
berichten , diese Stadt der Aeduer sei günstig gelegen gewesen ^), 

1) tertio die ad fluinen Elaver pontem refecit atque exercitum trans- 
daxit 53. Anf seinem Marsche gegen Gergovia (ygl. cap. 35) setzte Cäsar 
weiter unterhalb über den AUier, weil er an jener Stelle durch die Terrain- 
verhältnisse unterstützt den Vercingetorix in Betreff seines Uebergangspunktes 
tauschen konnte. Jetzt aber, wo er sich weder verfolgt sah, noch einen Gegner 
vor sich hatte, der ihm den Uebergang streitig machte, that er klug, den 
günstigen Augenblick um so mehr zu benützen, als der Fluss weiter oberhalb 
auch weniger Breite bot. Auch Napoleon nimmt diese Uebergangsstelle an. 

Erst zur Zeit der Kaiser führten die römischen Heere Brückenequipagen 
standig mit sich. Früher, und also auch zu Cäsars Zeit, musste das Brücken- 
material erst an Ort und Stelle beigeschafft werden, und man passirte die 
Flüsse, wenn es irgend thunlich war, durch Furthen. — Vegetius beschreibt 
Buch III, 7 das Verhalten bei einem solchen Flussübergang übereinstimmend 
mit den Andeutungen , die Cäsar hierüber (Bürgerkrieg I, 64) gibt , auf fol- 
gende Weise: Wenn man die Fürth untersucht hatte, und das Wasser nicht 
zu tief befunden worden war, wurden in entsprechender Entfernung zwei Ab- 
theilungen Heiter, welche ausgesucht starke Pferde ritten, die einen an der 
oberen und die andern an der unteren Seite der Fürth aufgestellt, so dass 
zwischen ihnen hiedurch das Fussvolk und das Gepäck den Fluss überschreiten 
konnte. Die obere Reiterabtheilung brach die Gewalt der Strömung, die 
untere fing diejenigen Leute auf, welche von derselben umgeworfen und fort- 
gerissen worden waren. Wenn aber das Wasser tiefer war, so dass sich 
weder ein Breiter noch ein Fussgänger darin aufrecht erhalten konnte, der 
Fluss sich jedoch durch eine Ebene .ergoss , nämlich auf den beiderseitigen 
Ufern das Terrain nicht zu schnell anstieg, so zog man mehrfache Gräben, 
die gleichsam kleine Flussarme bildeten. Auf diese Weise theilte man die 
Wassermenge, und konnte den Uebergang sodann leicht bewerkstelligen. 

2) ad ripas^Ligeris opportuno loco positum. 55. 

T. aoler, C&aan gaUisoher Krieg. II. Aufl. \^ 



290 

und wir können hierunter eine günstige Lage nicht nur in takti- 
scher Beziehung verstehen, insofern ihr Hügel in Verbindung mit 
der Loire gute Defensivstellungen gewährte, sondern auch in stra- 
t^ischer Beziehung, weil Noviodunum einen sehr zweckmässigen 
Hauptetappenort zwischen Gergovia und Agendicum abgab, ebenso 
wie Decetia einen solchen zwischen Gergovia und Bibracte. In 
Noviodunum hatte Cäsar sämmtliche gallische Geiseln, seine Lebens- 
mittelvornlthe , seine öffentlichen Gassen und einen grossen Theil 
seines eigenen Gepäcks, sowie das seines Heeres untergebracht. 
Hierher hatte er ferner eine grosse Zahl von Pferden bringen lassen, 
die er für diesen Feldzug in Italien und Spanien aufgekauft hatte. 

Eporedorix und Yiridomarus hatten sich, von Cäsar entlassen, 
zunächst nach Noviodunum begeben, und hier erfahren, wie es im 
Aeduerland stehe : Bibracte habe dem Litavicus die Thore geoffiiet, 
Convictolitavis und ein grosser Theil des Senats sich vor ihm ein- 
gefunden, und man habe bereits von Staatswegen an Vercingetorix 
Abgeordnete gesendet, um Friede und Freundschaft mit ihm zu 
schliessen. 

Eine so günstige Gelegenheit glaubten sie nützen zu müssen: 
Sie überfielen das römische Schutzdetachement , welches zu Novio- 
dunum lag, und machten es nebst den dort befindlichen römischen 
Geschäftsleuten und Reisenden nieder ^) , vertheilten das Geld und 
die Pferde unter sich, Hessen die Geiseln der verschiedeneu galli- 
schen Stämme nach Bibracte verbringen, und steckten hierauf No- 
viodunum in Brand, damit es Cäsar keinen Vortheil mehr biete. 
Denn sie selbst glaubten es nicht halten zu können '). Von 
den Getreidevorräthen führten sie so viel als möglich zu Schiffe 
hinweg, und warfen den Rest theils in die Ijoire, theils verbrann- 
ten sie ihn. Dann begannen sie aus der Umgegend Truppen zu- 
sammen zu ziehen, Detachements und Posten an der Loire hin auf- 
zustellen, und überall Reiterei zu zeigen, um Furcht und Schrecken 
zu verbreiten. Auf diese Weise hofften sie den Römern eine neue 
Verproviantirung unmöglich zu machen oder sie durch Mangel zum 
Rückzug in die Provinz zu zwingen ^). In dieser Hoffnung be- 
stärkte sie der umstand, dass die Loire vom Schmelzen des Se- 

1) interfectis Noviodoni cnstodibtis, quique eo negotiandi aut itineris 
causa convenerant. 55. 

2) quod ab se teneri non posse iudicabant. 55. 

8) ei ab re framentaria Romanos exdudere aut adductos inopia in Pro- 
vindam repellere posaent. 55. Vergl. Oudendorp. 



291 

vennen-Schnees angeschwollen war, und ihre Furthen nicht wohl 
passirt werden konnten. 

Als CSsar, der sich bereits auf dem rechten AUierufer befand, 
von diesen VorßUen Kenntniss erhielt, beschloss er seinen Marsch 
nach Noviodunum zu beschleunigen ^) um für den Fall, dass er den 
Brückenschlag und Uebergang über die Loire erzwingen müsse, bei 
jener Stadt anzulangen und den Feind niederzuwerfen, noch ehe er 
bedeutendere Streitkräfte bei ihr vereinigt haben würde '). Da- 
mals glaubte zwar Jedermann Cäsar müsse seinen Plan ändern und 
den Rückzug nach der Provinz, dem transalpinischen Gallien, an- 
treten ; davon hielt ihn aber sein Ehrgefühl , sowie die üble Be- 
schaffenheit der Wege über das Sevennengebirge und endlich vor 
Allem der umstand ab, dass er den nach dem Lande der Senonen 
detachirten Legaten Labienus nicht im Stiche lassen durfte. Er 
machte daher ziemlich grosse Tag- und Nachtmärche und gelangte 
ganz unerwartet Noviodunum gegenüber an '). 

Hier hatten seine Reiter in der Loire bald eine Fürth aufge- 
funden, um welche man, obgleich die Fusstruppen beim Uebergange 
nur Arme und Schultern über dem Wasser behielten, der dringen- 
den Umstände wegen damals recht froh sein musste. Man konnte 
wenigstens die Waffen trocken hinüber bringen, und um gegen die 
Gewalt der Strömung zu schützen, stellte Cäsar seine Reiterei 
oberhalb der übergehenden Fusstruppen im Flusse auf*). 

Ehe sich der Feind von seiner ersten Bestürzung erholen konnte, 
war Cäsars Heer bereits auf dem rechten Ufer der Loire und zwar 
ohne irgend einen Verlust erlitten zu haben. — Auf den dortigen 
Ländereien fand er Getreide und eine Menge Vieh, verproviantirte 
sein Heer reichlich damit, und lenkte seinen Marsch hierauf nach 
dem Lande der Senonen*). 

1) Qaibufl reboB cognitis Caesar maturandum sibi censuit. 56. 

2) fli esset in perficiendis pontibus periditandum , ut prius, qnam easent 
majores eo coactae copiae dimicaret. 56. 

3) contra omnium opinionem ad Ligerim venit. 56. 

4) Vergl. Seite 289. Anm. 1. 

5) Napoleon lässt Cäsar ohne Noviodunum zu berfhren die Loire bereits 
bei Bouxbon-Jiuncy überschreiten. Zur einzigen Unterstützung dieser Hypothese 
bemerkt er : »De t.out temps il a existä un gu4 k Boubon-Lancy«. Ob jene 
von Cäsar beschriebenen Eigenschaften der von ihm benutzten Fürth so be- 
quemer und einladender Art waren , dass diese Stelle sich ständig als Fürth 
anempfahl, möchten wir freilich bezweifeln. Auch Rüstow spricht sich ent- 
schieden gegen diesen von Napoleon angenommenen Uebergangspunkt aus. 

19» 



292 



15. Des Labienus Zug gegen die Parisier und! seine 

Wiedervereinigung mit Cäsar. 

Labienus war indessen nicht mehr bei den Senonen. Er hatte 
zur Zeit als Cäsar von Gergovia aufbrach *) eine kurz vorher aus 
Italien bezogene Ersatzmannschaft als Bedeckung für das Gepäck 
in Agendicum zurückgelassen, und war mit seinen vier Legionen 
das linke Ufer der Tonne und Seine hinab *) nach Lutetia — Paris — 
abmarschirt. 

Die Ausdehnung der Stadt Paris beschränkte sich nach den 
Gommentarien damals auf die Insel, auf welcher heutzutage die 
Kathedrale Notredame erbaut ist*^). 

um Paris versammelte sich auf die Nachricht von des Labienus 
Anmarsch eine grosse Truppenmacht der benachbarten Völker- 
stämme. Der Oberbefehl wurde dem Aulerker Gamulogenus über- 
tragen, welcher zwar ein hoch betagter Greis gewesen, aber in Be- 
tracht seiner ausgezeichneten Kriegserfabrung dennoch zu dieser 
Stelle berufen wurde. 

Behufs einer geeigneten Defensivposition richtete er sein Augen- 
merk auf einen Sumpf, der in seiner ganzen Ausdehnung ohne 
Unterbrechung sich erstreckte, bis zu einem gewissen Niveau in 
die Seine abfloss und sich damals wahrscheinlich in dem Thalgrund 
der bei Corbeil in jenen Fluss mündenden Essone gebildet hatte*). 
Hinter diesem Sumpfe, welcher für das ganze südlich von Paris be- 
findliche Terrain gegen einen Angriff von Osten her ein tüchtiges 
Annäherungshinderniss abgab ^), nahm er eine Stellung, um den 
Römern das Vordringen zu wehren. 

Labienus suchte zuerst mittelst Anwendung von Laufganghütten 
(vineis) und von Hürden, sowie durch Aufschütten eines Dammes sich 
über den Sumpf einen sichern Weg zu bahnen ; als es damit aber nicht 
recht von Statten ging, brach er in aller Stille, etwa um Mitternacht ^ 
aus seinem Lager auf und gelangte auf dem nämlichen Wege, auf dem 

1) Dum haec apud Caesamm geruntur. 57. 

2) Vergl. Einleitung zu Cäsars Gommentarien über den gallischen Krieg 
von Köchly und RüstoW. Gotha 1857. 

3) Id est oppidum Parisiorum, quod positum est in insula fluminis Se- 
quanae. 57. 

4) Köchly und Rustow a. g. 0. Seite 142. 

5) Is quum animum advertisset, perpetuam esse palndem, quae inflaeret in 
Sequanam atque illum omnem locum magnopere impediret. 57. 

6) tertia vigilia. 58. 



293 

er gekommen war, Melodunum — dem heutigen Melun — gegen- 
über an. Diese Stadt gehörte den Senonen, und lag gleichwie 
Lutetia auf einer Seineinsel ^). Dort bekam er schnell ungefähr 
50 Schiffe in seine Gewalt. Er Hess sie sogleich zusammenkoppeln, 
schiffte damit seine Truppen nach der Insel über, und bemächtigte 
sich der Stadt ohne Schwertstreich; weil die Einwohner sich in 
höchster Bestürzung befanden, und eib grosser Theil derselben unter 
des Camulogenus Fahnen gerufen, Melodunum verlassen hatte. Jetzt 
wurde eine in den letzten Tagen von den Senonen zerstörte Brücke, 
welche von der Insel nach dem rechten Seineufer geführt hatte, 
wieder hergestellt. Labienus marschirte auf dieser mit seinem 
Heer über den Fluss, und sodann das rechte Seineufer entlang nach 
Lut-etia , um diese Stadt nunmehr von der Nordseite anzugreifen '). 
Als Camulogenus durch Melodunum's flüchtende Einwohner 
hiervon Eenntniss erhalten hatte, Hess er Lutetia in Brand stecken, 
und die Brücken, welche jetzt etwa durch den Pont de Notredame 
und den Pont d'Arcole vertreten sind, abbrechen. Dann gab er 
seine Stellung hinter dem Essonesumpfe auf, und bezog eine Stellung 
am linken Seineufer, der Stadt und dem römischen Lager gegen- 
über (in der Gegend des heutigen Hotel de Cluny). Das römische 
Lager befand sich, wo jetzt St. Germain-FAuxerois liegt. 

Bereits hörte man, dass Cäsar von Gergovia abmarschirt sei, 
bereits verbreitete sich das Gerücht, auch die Aeduer seien abgefallen, 
und die gallische Schilderhebung gewinne taglich neue Erfolge. Ja, 
die Gallier versicherten gesprächsweise, Cäsar sei von seinem Marsch- 
objecte Agendicum, wo er sich mit Labienus habe vereinigen wollen, 
(vergl. S. 262 u. 276) abgeschnitten, könne nicht einmal die Loire 
mehr überschreiten, und habe wegen Getreidemaogels bereits seinen 
Rückzug nach der römischen Provinz angetreten ^). Die Bellovaker 
aber begannen auf die Nachricht von der Aeduer Abfall Truppen 
zusammenzuziehen, und sich unverhohlen zum Kriege zu rüsten. 

Unter diesen so veränderten Verhältnissen sah Labienus, dass 
er seine bisherigen Absichten aufgeben, und einen andern Operations- 
plan fassen müsse. Er konnte nicht mehr daran denken, angriffs- 
weise etwas ausrichten zu wollen, sondern mnsste froh sein, wenn 
er sein Heer nur ohne Verlust nach Agendicum zurückzuführen 

1) id est oppidum Senonum in insula Sequanae poeitum. 58. 

2) et secando flumine ad Lutetiam iter facere coepit. 58. 

3) Interclusum itinere efc Ligeri Caesarem inopia frumenti coactum in 
Provinciam contendisse. 59. 



294 

vermöchte; denn im Rücken oder von Norden her bedrohten ihn 
die kriegerischen Bellovaker ^), und gegenüber stand ihm Gamulogenns 
an der Spitze eines wohlgerüsteten und gut geschulten Heeres •) ; 
ausserdem war er durch einen bedeutenden Fluss — die Marne — 
von seiner Besatzung zu Agendicum und seinem dort gelassenem 
Gepäck getrennt und abgeschnitten ^). Da galt es einen entschei- 
denden Entschiuss. 

Gegen Abend versammelte er einen Eriegsrath um sich, er- 
mahnte zu pünktlicher Befolgung seiner Befehle, theilte je einem 
römischen Ritter eines der Schiffe zu, die er von Melodunum mit- 
gebracht hatte, und befahl ihnen nach Ablauf der ersten Nacht- 
wache*) in aller Stille 8000 Schritte, also IV» Stunde Wegs, die 
Seine stromabwärts zu fahren, um ihn dort — in der Nähe des 
heutigen Issy — zu erwarten. Fünf Cohorten , die er für die 
wenigst kampftüchtigen hielt, Hess er als Besatzung im Lager, und 
den fünf andern Cohorten der betreffenden Legion befahl er gleich 
nach Mittemacht ^) mit grossem Lärm stromaufwärts — also gegen 
die Marnemündung zu rücken. Auch liess er Kähne herbeischaffen, 
und entsendete sie mit lautem Ruderschlag in der nämlichen Rich- 
tung. Er selbst marschirte mit den drei übrigen Legionen etwas 
später in aller Stille nach jener Stelle, wo er den Rittern zu landen 
befohlen hatte. 

Als man dort angelangt war, konnte man von einem plötz- 
lichen Unwetter unterstützt, die feindlichen Vorposten, die am 
ganzen Ufer zu patroulliren hatten*), ungeahnet überfallen und 
niedermachen, und bald war durch die zweckmässigen Anordnungen 
der römischen Ritter Fussvolk und Reiter auf das linke Ufer über- 
gesetzt. Gegen Morgen liefen bei Camulogenus fast zu gleicher 
Zeit [die Meldungen ein: im römischen Lager gehe es ausserge- 
wöhnlich lärmend zu, eine starke Golonne ziehe den Fluss auf- 



1) Namque altera ex parte Bellovaci .... instabant. 59. 

2) parato atque instructo exercitu. 59. 

3) tum legiones a praesidio atque impedimentis interclnsas maximum 
flumen distinebat. 59. Der Umstand, dass die Bellovaker — welche nördlich 
von Lutetia wohnten, auf der einen und Camulogenus auf der andern Seite 
LabienuB bedrohten, beweist, dass .sich Letzterer auf dem rechten Seineufer 
befand, und der »flumen maximum« war daher die Marne. 

4) prima confecta vigilia. 60. Zur damaligen Jahreszeit wird die erste 
Nachtwache etwa um 10 Uhr beendigt gewesen sein. 

5) de media nocte. 60. 

6) exploratores hostium. 61. 



295 

warts ') , nach der nämlichen Richtnng hin höre man einen lauten 
Raderschlag , und etwas stromabwärts von Lutetia setzen römische 
Truppen auf Schiffen über den Fluss. 

Auf diese Meldung hin glaubte Camulogenus die Legionen 
überschritten an drei Punkten die Seine ^); er theilte seine Streit- 
knfbe ebenfalls') in drei Theile; indem er einen Theil als Beob- 
achtungsposten dem römischen Lager ^) gegenüber Hess, ein kleines 
Detachement in der Richtung gegen Melodunum entsandte, mit der 
Weisung nicht weiter als die römischen Schiffe oder vielmehr Kähne 
selbst vorzurücken, und seine übrigen Streitkräfte stromabwärts 
g^en Labienus führte. 

Mit Tagesanbruch waren dessen Truppen — bei Issy — sämmt- 
lich auf das linke Seineufer übergeschifft ; aber jetzt wurde man 
auch bereits der gallischen Schlachtlinie ansichtig '^). Labienus rief 
seinen Soldaten zu , ihrer erprobten Tapferkeit und ihrer ruhm- 
reichen Tbaten zu gedenken, und während des Kampfes Gäsars Bild 
vor Augen zu behalten, der sie schon so oft zum Siege geführt 
habe. Dann gab er das Signal zum Angriff. 

Im ersten Zusammenstosse wurden auf dem rechten Flügel, 
wo die siebente Legion focht ^) die Gallier in die Flucht gejagt. 



1) magnam ire agmen ad veno flumine. 61. 

2) Wie hätte Camnlogenns voraassetzen kOnnen, »die Römer ergriffen in 
höchster Bestürzung die Flacht« — »atque omnes perturbatos defectione 
Aednorum fugam parare«, wenn er zugleich glaubte» sie seien im Begriff 
mit nur einem Theil ihrer Truppen bei Lutetia, Angesichts seiner ganzen 
Macht, den üebergang über die Seine zu forciren! Wenn man solche Wider- 
sprüche findet, müssen denn doch auch die strengsten Teztvertheidiger er- 
lauben, in denselben hie und da einen Zweifel zu setzen. — Deshalb hat 
denn auch Napoleon dem Beispiele des Verfassers folgend die Worte »fugam 
parare« nicht übersetzt; während Rüstow den Text wohl scharfsinnig, aber 
doch sehr gekünstelt zu vertheidigen sich bestrebt. 

3) suas quoque oopias in tres partes. 61. Labienus hatte 1) fünf Ge- 
hörten im Lager gelassen, 2) fünf Gehörten stromaufwärts geschickt und 
war 3) mit den übrigen Truppen stromabwärts marschirt ; er hatte sein Heer 
also ebenfalls in 3 Theile getheilt, wollte aber dennoch nur an zwei Punkten 
übergehen. 

4) nam et praesidio e regione castrorum relicto. 61. Auch das >e regione« 
ist offenbar als übel angebrachte Glosse eingeschoben, wenigstens wäre der 
Beisatz e regione höchst überflüssig , weil wir ja bereits wissen, dass sich die 
beiderseitigen Lager einander gegenüber lagen. Vgl. cap. 58. 

5) et hostium acies cernebatur. 62. 

6) ab dextro cornu, ubi septima legio constiterat. 62. 



296 

Aber dem römischen linken Flügel gegenüber, den die zwölfte Le- 
gion einnahm, hielten die Gallier wacker Stand, und auch nicht 
Einer schien an Flucht zu denken, trotzdem dass ihre Tordersten 
Glieder bereits durchbohrt am Boden lagen. Camulogenus, der sich 
dort befand, feuerte seine Truppen zu Muth und Tapferkeit an. 

Noch schwankte der Sieg, als den Tribunen der siebenten Le- 
gion gemeldet wurde, wie es auf dem linken Flügel stehe. 

Nun führten sie ihre Legion, der ja kein Feind mehr ent- 
gegenstand, in den Rücken des feindlichen rechten Flügels, und 
griffen ihn an. Aber auch jetzt noch wich dort kein Gallier vom 
Platze, und umringt fielen sie alle. Camulogenus theilte ihr Schicksal. 

Als das Detachement, welches derselbe dem Lager des Labienus 
gegenüber zurückgelassen hatte ^), vernahm, dass es bei Issy zum 
Kampfe gekommen , zog es seinem Hauptcorps zu Hilfe *) und be- 
setzte einen Hügel — wahrscheinlich eine jener Terrainerhebungen, 
welche sich zwischen Pt. Montrouge und Vanvres befinden. (Nach 
Napoleon der Hügel von Vaugirard.) Sie vermochten jedoch dem 
Andrang der siegreichen Römer nicht Stand zu halten, wurden in 
die Flucht ihres geschlagenen Flügels mit hineingerissen, und da 
weder Wälder noch bergiges Terrain ihnen Schutz gewährte, so 
erlagen sie alle dem Schwerte der römischen Reiterei. 

Nach diesem Siege marschirte Labienus nach Agendicum zurück, 
wo er sein Gepäck gelassen hatte, und gelangte von da mit allen 
seinen Truppen wieder zu Cäsar, der wahrscheinlich bei dem spätem 
Augustobona, dem heutigen Troyes Stellung genommen hatte').' 



1) At ii, qui praesidio contra caatras Labieni erant relicti. 62. Es läsat- 
sich zwar das »contra castra Labieni« ohne sinnverderbend zu werden über- 
setzen; wir halten es aber dennoch für eine unnöthige Glosse, von einer und 
derselben Person herrührend, die jenes »duobus« in »tribus« (cap. 61) verwan- 
delte , das »e regione« einschob, und nun ihre Ansicht oder vermeintliche 
Correctur rechtfertigen wollte. 

2) Auch diese Bewegung ist ein Anzeichen, dass die Gallier eine Forcirung 
des üebergangs bei Lutetia nicht vermutheten. Denn sie marschirten ab, ehe 
es noch übel um ihr Hauptcorps stand, sondern als sie hörten, das dass Ge- 
fecht begonnen habe (quum proelium commissum audissent, subsidio suis 
ierunt. 62.) 

3) Inde cum omnibus copiis ad Caesarem pervenit. 62. Das >Inde« be- 
zeichnet, dass Cäsar und Labienus sich nicht bei Agendicum, sondern anderswo 
vereinigten. Da Napoleon Cäsar nicht nach Nevers marschiren läset, so nimmt 
er auch einen andern Vereinigungspunkt und zwar südwestlich von Troyes 
bei Joigny an. Rüstow sucht ihn östlich von Joigny und südlich von Troyes 
auf der Strasse, die Cäsar früher benutzte und die von Agendicum auf Langree 



297 

Wir können die Frage aufwerfen: warum setzte Labienus, da 
er doch nur ohne Verlust von Lutetia nach Agendicum zurück ge* 
langen -wollte, zu diesem Zwecke auf das feindliche Ufer über? — 
Die Commentarien schildern die Marne als einen bedeutenden Fluss, 
aber immerhin hätte Labienus denselben, da er von keinem Feind 
besetzt war, voraussichtlich leichter müssen überschreiten können, 
als die Seine in der Nähe des Feindes. Es bleibt uns daher nur 
die Vermuthung, dass die Befürchtung von Norden her von den 
Belloyakem angegriffen zu werden, Labienus zum Uebergang über 
die Seine bestimmt, und dass er hierdurch zugleich noch moralisch 
auf Freund und Feind wirken wollte. 

16. Der gallische Aufstand gewinnt noch weitere Ausdehnung. 

Nach dem Abfall der Aeduer nahm der Krieg einen grossem 
Character an. Dieselben schickten nach allen Richtungen Agenten 
aus , und setzten Alles daran , was sie an Einfiuss , Geld und An- 
sehen vermochten, die übrigen Yölkerschafben aufzuwiegeln. Da sie 
im Besitz der Geiseln waren, welche Cäsar ihnen anvertraut hatte, 
schreckten sie die Unschlüssigen mit der Drohung, die denselber 
zugehörenden Geiseln hinzurichten, und luden hierauf Vercingetc 
ein, zu ihnen zu kommen und ihnen seine Ansichten mitzuthf^ 
wie der bevorstehende weitere Krieg geführt werden solle. 

Als Vercingetorix kam, entstand aber Streit, weil die Aeduer 
die obere Leitung des Kriegs für sich in Anspruch nahmen. Zur 
Entscheidung hierüber wurde für ganz Gallien eine Versammlung 
nach Bibracte ausgeschrieben ; eine grosse Menge Gallier strömten 
daselbst zusammen, und alle wählten Vercingetorix zu ihrem Ober- 
feldherrn. Nur die Remer, Lingonen und Trevirer wohnten der 
Versammlung nicht bei. Die beiden erstem, weil sie ihrem Freund- 
schaftsbündniss mit den Römern treu geblieben, die Trevirer aber, 
weil sie zu entfernt wohnten und gerade von den Germanen hart 
bedränjjft wurden. Dies war auch die Ursache, dass sie am Kriege 
überhaupt keinen Theil nahmen, sondern neutral blieben. 

Die Aeduer empfanden es schmerzlich, dass ihnen die erste 
Bolle' zu spielen nicht beschieden war, und sehnten sich in ihr 
früheres Verhältniss zu Cäsar zurück; wagten jedoch nicht, nach- 
führt, bei Tonnerre, und begreift nicht, aus welchen Gründen Cäsar bis in 
die Gegend von Troyes ausgebogen sein soll ; er yergisst hierbei , dass Cäsar 
die bei der Bheinbrücke gelassenen Cohorten wieder an sich ziehen musste. 



298 

dem der Krieg einmal beschlossen war, sieb von ihren Landsleaten 
wieder zu trennen. — Eporedorix und Viridomams, jene hoch- 
strebenden jungen Männer, stellten sich besonders ungern unter 
Vercingetorix. 

Dieser befahl den Staaten, welche sich dem Au&tande neu an- 
geschlossen hatten, auf einen bestimmten Tag Geiseln zu stellen, 
und ordnete an, dass sammtliche Reiterei — 15,000 Pferde stark — 
sich eiligst zu sammeln hätte. Fussvolk, erklärte er, habe er mehr 
nicht nöthig, als ihm bereits zur Verfügung stehe; denn er wolle 
das Kriegsglück nicht versuchen und sich in keine entscheidende 
Schlacht einlassen '), sondern, weil er an Reiterei dem Feinde über- 
legen sei, werde er ihn mit Leichtigkeit an der Beischaffung seiner 
Lebensmittel und an den Fouragirungen hindern. — Sie sollten nnr 
getrost ihre Getreidevorräthe vernichten und ihre Gebäude in Brand 
stecken, denn mit diesen Privatopfem würden sie ja für immer des 
Vaterlands Freiheit und Unabhängigkeit gewinnen. 

Nach dieser Aufforderung legte er den Aeduem und den Se- 
gusianem, den nächsten Nachbarn der römischen Provinz, die Ver- 
pflichtung auf, 10,000 Mann Fussvolk zu stellen, und wiess diesem 
Corps 800 Reiter zu. Einen Bruder des Eporedorix ernannte er 
zum Gommandeur desselben und befahl ihm, die Allobrogen, welche 
bereits zur römischen Provinz zählten, anzr^reifen. 

Anderseits entsendete er die Gabaler und die den Arvernem 
zunächstwobnenden Gaue gegen die Heivier, und ebenso die Rutener 
und Cadurker gegen die der'Arecomischen Völker, mit dem Be- 
fehle, deren Gebiet zu verwüsten. Ausserdem schickte er geheime 
Botschaften und Agenten zu den Allobrogen, um sie gegen CSsar 
aufzuwiegeln; denn er glaubte sie hätten den frühern Krieg noch 
nicht vergessen '). Ihren Fürsten versprach er Geldlieferungen und 
dem Lande die Hegemonie über die Völker der ganzen römischen 
Provinz. 

Gegen alle diese Diversionen hatte Cäsar nicht mehr als 22 
Cohorten zu verwenden, welche der Legate Lucius Cäsar in der 
Provinz selbst zusammengebracht hatte, und nun damit nach allen 
Seiten Front machte. 

Die Heivier, welche ohne CSLsars Aufforderung sich den Ga- 
balern entgegengestellt und im Kämpfen gemessen hatten '), wurden 

1) neque fortunam temptatumm aut in ade dimicatunim. 64. 

2) Vgl. 1.6: quod nondum bono animo in populam Bomanuxn viderentur. 

3) sua sponie com finitimis proelio oongressi. 65. 



299 

geschlagen und in ihre festen Städte getrieben. Die AUobrogen 
aber stellten am Rhone eine dichte Postenkette auf, und schützten 
ihr Gebiet voll Umsicht und Energie. 

CSLsar wurde indessen durch die Ueberlegenheit der feindlichen 
fieiterei, und durch den Umstand, dass ihm alle Strassen, auf 
welchen er aus der Provinz und Italien hätte Unterstützung be- 
ziehen können, verlegt waren, gezwungen, über den Rhein nach 
Germanien zu schicken, und von den Völkern, die er sich früher 
unterworfen hatte '), Reiterei an sich zu ziehen, nebst leichtbewaff- 
netem Fussvolk, das zwischen den Reitern zu fechten verstand. 
^piese Reiterei traf richtig ein, war aber mit so geringen Pferden 
versehen, dass Cäsar Kriegstribunen, römischen Rittern und Evo- 
caten Pferde abnahm und sie den Germanen zutheilte. 

Unterdessen sammelten sich auch die gallischen Truppen aus 
dem Lande der Ärvemer und die Reiter, welche ganz Gallien zu 
stellen hatte. 

17. Reitertreffen auf der Grenze des Lingonenlandes. 

(Taf. X. Fig. 1 u. 2.) 

Es folgen nun Oertlichkeiten , deren Fizirung schon so viele 
Discussionen und gelehrte Abhandlungen hervorgerufen hat, dass 
wir eine Berücksichtigung auch nur des Hauptsächlichsten hier 
nicht in den Text der Begebenheiten einfliessen lassen können, weil 
die Darstellung derselben allzu oft durch Betrachtungen unter- 
brochen werden müsste. Wir wollen daher die Ereignisse erzählen, 
wie wir sie nach den Commentarien aufgefasst haben, und erst 
später in einem besondern Abschnitte ihre Rechtfertigung und ihr 
Yerhältniss zu Anderer Ansichten behandeln. 

Yercingetorix hatte Bibracte mit seiner Hauptmacht verlassen, 
war Cäsar, der, wie bereits bemerkt, beim heutigen Troyes an der 
Seine stand, näher gerückt, und hatte einige Stunden nordöstlich 
von Alesia — dem heutigen Alise St. Reine — etwa bei Aigny 
le Duc zwischen der Seine und dem Brevon drei Lager bezogen *). 
Er mochte durch jenen Vormarsch und jene neue Stellung auf seine 
Truppen ermathigend wirken, die Cäsar ergebenen dem Mandubi- 

1) Unzweifelhaft sind die Ubier gemeint. 

2) trinis castris consedit. YII, 66. -> Napoleon, welcher Alesia ebenfalls 
in Alise St. Reine erkennt, verlegt die gallischen Lager nach Thil Chatel, 
mithin gegen 40 Kilometer weiter östlich als der Verfasser. 



300 

sehen Gebiet znnächstwohnenden Lingonen einschüchtern und na- 
mentlich dessen Verbindung mit seiner an das Sequanerland gren- 
zenden Provinz abschneiden wollen. Denn in der That führt, wie 
ein Blick anf die Karte zeigt, von Troyes nach Be8an9on der kürzeste 
und praktikabelste Weg in der Nähe von Alise St. Reine vorbei. 

Unterdessen Hess Yercingetorix jedoch zugleich Alesia selbst 
verschanzen und verproviantiren, indem er auch ftir einen unglück- 
lichen Fall einen gesicherten Zufluchtsort bereiten wollte. 

Da brach Cäsar von Troyes auf, um über Chatillon sur Seine, 
Thil-Chatel und Gray, wo sich über die Saone drei breite Furthen 
befinden ') oder auch anstatt an letztern Ort von Thil-Chatel aus 
über Dijon (Dibio) nach Besan^on zu ziehen , das er schon mehr- 
fach als Waffenplatz und Operationsbasis benützt hatte. Von dort 
aus konnte er, der römischen Provinz näher stehend, ihr leichter 
Unterstützung bringen, als wenn er nordlich im Lande der Senonen 
blieb ') ; und hatte auf diese Weise Gallien wenigstens nicht ganz 
geräumt. Als nun Cäsar Chatillon passirt hatte und von dort aus 
das Seinethal nicht weiter aufwärts gegen die drei gallischen Lager 
vorrückte, sondern östlich ausbiegend auf der Südwestgrenze des 
Lingonenthales hinraarschirte ^) und etwa bei dem heutigen Recey 
angelangt war^), da machte seine Marschrichtung den Eindruck 
als weiche er aus. 

Yercingetorix versammelte deshalb seinen Kriegsrath um sich, 
und erklärte den Reitercommandanten, die Zeit des Sieges sei her- 
beigekommen, die Römer befänden sich auf der Flucht nach ihrer 
Provinz und sie würden bald ganz Gallien geräumt haben. Dies 
genüge zwar, Galliens Freiheit für den Augenblick, nicht aber für 
immer zu sichern ; denn die Römer würden den Kampf nicht auf- 
geben, sondern mit verstärkten Kräften wiederkehren. Man müsse 
sie daher auf dem Marsche — wenn sie nicht schlagfertig seien *) — 

1) Vergl. Helleres Aufsatz im »Philologus«. 1«3. Jahrg. 3. Heft. Seite 597. 

2) quo facilius subsidium Provindae fern posset. (jf). Zytsl Codices haben 
ferre anstatt ferri. 

3) cum Caesar in Sequanos per extremos Lingonum fines iter faceret. 66, 
Heller a a. 0. S. 595 behauptet, der Ausdruck per extremos Lingonum 

fines könne nur die Nordost- oder Ostgrenze bedeuten« da Cäsar von der Pro- 
vinz aus rechne, und verweist deshalb auf bell. gall. I. 1. 6. Wir glauben 
jedoch, dass Cäsar Helleres Deutung mit per Ultimos Lingonum fines be- 
zeichnet haben würde. 

4) Vergl. drciter X milia passuum ab Romanis trinis castris consedit« 66. 

5) agmine impeditos. 66. 



301 

angreifen. Wollten sodann die Legionen die Gepäckscolonnen und 
ihre Habseligkeiten schützen *) , ao könnten sie den Marsch nicht 
fortsetzen, würden sie aber, wie zu yermuthen, das Gepäck im Stiche 
lassen ') und nur auf ihre Bettung Bedacht nehmen , so verlören 
sie mit den Heeresbedürfnissen auch ihren Kriegsruhm. — Von 
Casars Reitern aber, davon dürften sie überzeugt sein, werde auch 
nicht Einer aus der Colonne hervorzubrechen wagen, und sie könn- 
ten mit ihren eigenen Beitern um so kecker angreifen, da er seine 
ganze übrige Macht von den drei Litern im freien Felde behalten, 
und nothigenfalls dem Feinde zu imponiren wissen werde'). 

Nach dieser Ansprache schrieen die Reiteroffiziere zusammen: 
man müsse sich eidlich verpflichten, dass Keiner weder unter Dach 
treten, noch Eltern, Frau oder Kinder sehen wolle, der nicht zwei- 
mal durch die feindliche Marschcolonne hindurchgebrochen sei. Mit 
solcher Begeisterung wurde der Vorschlag des Vercingetorix auf- 
genommen, und sämmtliche Reiter schworen den Eid. 

Am folgenden Tage brach die gallische Reiterei in drei Schlacht- 
hänfen getheilt auf, trabte drei Stunden Wegs nordöstlich und er- 
wartete Cäsar, der von Recey heranzog, beim heutigen Beneuvre, 
das Ton letzterm Orte 2'/« Stunden entfernt ist. (Taf. X. Fig. 1.)*) 



1) si suis auxilinm ferrent. 66. 

2) Yergl. V, 33: »iusserunt pronuntiare, ut impedimenta rclinquerent at- 
qae in orbem conBisterent.« 

3) et terrori hosiium non defuturum. 66. 

4) Nach Napoleon trafen die feindlichen Heere 24 Kilometer weiter gegen 
Osten an dem Flutschen Yingeanne auf einander. Er begründet diese Ansicht 
damit, dass im Umkreis von 9 deutschen Meilen nach Norden und Osten von 
Alesia sich keine Ebene be6nde, auf welcher eine Bei terschl acht zwischen 
20 — 25000 Mann hatte geliefert werden können, dass sich auf der Ebene von 
Yingeanne eine Menge von tumuli befanden und dass man daselbst viele Huf- 
eisen noch mit Nägeln und Nieten versehen gefunden habe. Die beiden 
letztern (xründe können aber kaum in die Wagschale fallen , weil die tumuli 
und die Hufeisen auch aus einer andern Zeit stammen können. In Betreff 
des ersten Punktes spricht sich Heller folgendermaassen aus (Phil. XXYI, 
698): »Das angebliche Schlachtfeld an der Yingeanne ist von Alesia 10 deutsche 
Meilen entfernt. Cäsar konnte von ihm Alesia, nach der Ansicht des Kaisers 
erst am dritten Tage nach der Schlacht, — den Tag, an welchem sie ge- 
liefert wurde, mit eingerechnet — erreichen. Er schiebt denn auch diesen 
Sinn dem Ausdruck der Commentarien aitero die unter. Nun habe ich oben 
aus Cäsars eigenem Sprachgebrauche — (siehe den gleichen Jahrgang des 
Phil. 6h3) — unwidersprechlich nachgewiesen, dass aitero die genau dasselbe 
was postere die ist, und dass Cäsar demnach schon am folgenden Tage nach 
der Schlacht Alesia erreicht hat. Entweder hat Cäsar also in zwei Tagen 



802 

Als fiie die römische Marschcolonne ansichtig wurden, zeigte sich 
der eine Sdilachthaofen (Taf. X. Fig. 2 a.) in der rechten , der 
andere (b) in der linken römischen Flanke, und der dritte Schlacht- 
haufen (c) begann den Marsch der Tete zu henunen '). Nachdem 
Cäsar vom Eintreffen der feindlichen Reiterei Meldung erhalten 
hatte, theilte er seine Reiterei ebenfalls in drei Schlachthaufen 
(d b u. f ) und Hess sie gegen den Feind vorgehen *). So kam es 
auf allen drei Seiten zugleich zum Gefecht; die Colonne machte 
Halt und das Gepäck (g) wurde vom Fussvolk (h h) in die Mitte 
genommen, so dass letzteres gewissermaassen ein Garr^ bildete. 

Wenn da oder dort die romische Reiterei den Kurzem zu 
ziehen oder hart gedrängt zu werden schien, so befahl Cäsar, dass 
dorthin eine Abtheilung (z. B. i) des das Gepäck umschliessenden 
Fussvolks zum Angriffe vorgehe'), und dass zur Schliessung der 
dadurch entstandenen Lücke (k) sich die Schlachtlinie wieder an- 
einander reihe ^). Jene Maasregel hielt die feindliche Reiterei in 
der Verfolgung der römischen Reiterei, wenn diese wich, auf, und 
gab der Letztern wieder Muth, da sie sich unterstützt sah. 

Endlich gewannen die Germanen (d d) auf der rechten , also 
der gegen des Vercingetorix Stellung nach Aigny hinsehenden 
römischen Flanke, den Rücken eines Hügels (11) und jagten die 
gallischen Reiter von ihm hinab ^). Sie verfolgten sie bis zu dem 

eine Schlacht geliefert und ausserdem mehr als zehn Meilen zurückgelegt, 
oder aber die Schlacht kann nun und nimmermehr an der Yingeanne ge- 
liefert worden sein«. 

1) in tres partes distributo equitatu, duae se ades ab duobus lateribus 
ostendunt: una a primo agmitie iter impedire coepit. 67. 

2) contra hostem ire iubebat. 67. 
8) eo Signa inferri. 67. 

4) Die Codices enthalten theils die Lesarten aciemque conferri, theils 
ademque converti, theils aciemque constitui. — Wir erlauben uns, aciemque 
conseri vorzuschlagen, weil uns in der That nur diese Lesart einen in mili- 
tärischer Beziehung klaren Sinn zu geben scheint. Die der Lücke zimächst- 
stehenden Abtheilungen konnten, um die Schlachtreihe wieder aneinanderzu- 
reihen, gegen einander deployiren und so die Lücke in weniger tiefer Stellung 
ausfallen, bis die ausgefallene Truppenabtheilung der Reiterei ihre Unter- 
stützung gebracht hatte, und wieder an ihren Platz in der Schlachtreihe 
zurücktrat. Aehnlich , wenn auch mit unglücklichem Erfolge , verfuhren die 
ROmer unter Titurius Sabinus gegen Ambiorix. (Vergl. Y, 34. quotiens quaeque 
cohors procurrerat und Q. Gurtius V, 3. 12. scutis super oapita consertis.) 

5) Dieser Hügel ist vermuthlich jene Anhöhe, die sich von der Westseite 
Beneuvre*s etwa Vt Stunde südlich zieht;, sich etwa 80 Meter über das um- 
liegende Terrain erhebt, und den Weg nach Aigny riegelartig absperrt. 



Flfiflschen BreTon, an welchem Verdngetorix mit seinem Fnssyolke 
Yor dem Lager Stellung genommen hatte ^) und hieben eine Anzahl 
der Fliehenden nieder. 

Als die übrigen gallischen Reiter, welche die romische Vorhut 
und die linke Flanke der Marschcolonne überfallen hatten, diese 
Wendung des Kampfes wahrnahmen, fürchteten sie, abgeschnitten 
zu werden, ergriffen ') gleichfalls die Flucht und erlitten grosse Ver- 
luste. Drei vornehme Aeduer wurden gefangen vor Cäsar geführt: 
Cotus, der Reitercommandant, Cavarillus, der nach dem Abfall des 
Litayicns das Fussvolk befehligte, und Eporedorix, unter dessen 
Führung — ehe Cäsar in Gkülien erschienen war — die Aeduer die 
Sequaner bekriegt hatten. 

Vercingetorix trat, als er seine ganze Reiterei geschlagen sah, 
mit seinen Truppen, in der Verfassung, wie er sie vor seinen Lagern 
angestellt hatte — nämlich ohne Gepäck') — den Rückzug an, 
und begann alsbald — ohne vorher in sein Lager zu rücken — 
nach Alesia, einer Stadt der Mandubier^), abzumarschiren, indem 
er das schwere Gepäck gleich darauf aus dem Li^er abziehen, und 
den Truppen folgen Hess ^). Cäsar aber liess sein schweres Gepäck 
— seine Fuhrwesen - Colonne — auf einen nahegelegenen Hügel 
bringen, gab ihm zwei Legionen als Bedeckung und folgte mit den 
übrigen, so lange es die Tagesdauer gestattete, Vercingetorix nach. 
Dem gallischen Nachtrab wurden etwa 3000 Mann getödtet. 

Den folgenden Tag traf Cäsar bei Alesia ein und schlug dort 
sein Lager*). Er hatte von Recey bis Beneuvre 2^'2 und von da 
bis Alesia ungefähr 8, also in zwei Tagen zwischen 10 und 11 
Stunden Wegs zurückgelegt. 



1) nsqae ad flumen, abi Yerdngetoriz cum pedestribus copiis consederat. 67. 
CSäsar gebraucht 9flumen« oft für »Fluss« und oft für »Bach« , überhaupt für 
fliesaendes Wasser. Yergl. Bürgerkrieg IIT, 49. 

2) ne drcumyenerentur, veriti. 67. 

3) copias ut pro castris conlocaverat , reduxit. 68. »ohne Gepäck« yergl. 
das nachfolgende: impedimenta so subsequi iussit. 68. 

4) Die Bewohner der Diöcese D^on. Yergl. den Schluss des 23. Ab- 
schnitts: »üeber die Oertlichkeit von Alesia«. 

5) Dieser Satz zeigt, dass das vorangehende »reduzit« nicht den Begriff 
»in castra« in sich schliesst, wie anderwärts Übersetzt wird, sondern blos ein 
Zurückführen der Tmxypen in Bezug auf die Stellung des Feindes. 

6) altero die ad Alesiam castra fedt. YII, 68. Die Worte altero die yer- 
steht Napoleon dahin, dass Cftsar zwei Tage zu marschiren gehabt habe, um 
Tom Schlachtfelde aus vor Alesia einzutreffen. Da auch für ihn das heutige 



304 

18. Terrainbeschaffenheit beiAlesia, und dessenBerennnng. 

(Taf. X.) 

Nachdem Cäsar die Lage von Alesia recognoscirt hatte ^), ord- 
nete er sogleich die Umschliessung der Stadt mittelst einer Contra- 
vallationslinie an, und ermunterte seine Soldaten zur Arbeit, um 
zu deren Ausführung die damalige Bestürzung des Feindes über die 
unerwartete Niederlage seiner Hauptwaffe — der Reiterei — mög- 
liebst zu benützen. 

Alesia lag auf der Kuppe eines ziemlich hohen Hügels *) — 
des heutigen »Mont Auxois« — der etwa eine halbe Stunde lang, 
und 2300 Schritte breit ist, das umliegende Terrain aber um durch- 
schnittlich 150 Meter überhöht, so dass Cäsar die Stadt nur mittelst 
einer Blockade erobern zu können glaubte^). 

Der Hügel wird auf zwei Seiten von Flüsschen bespült, nörd- 
lich umfliesst ihn die Oze und südlich der Qzerain ^) , beide auf 
dem St. Martin entsprungen, und sich unterhalb des Hügels in die 
Brenne ergiessend, die ihrerseits in den Armancon mündet. (Taf. X- 
Fig. 1.) Vor der Stadt dehnte sich auf der einen Seite eine unge- 
fähr eine Stunde lange Ebene aus. Sie wird heutzutage »Plaine 
des Laumes« genannt und befindet sich auf der Westseite des Mont 
Auxois ^). Auf allen andern Seiten und nur in massiger Entfernung 
umschlossen gleich hohe Hügel die Stadt ^). Es sind dies die Hügel, 
auf welchen Menetreux , Savoigny , Plevenel und Lombard liegen. 
Der niedrigste unter ihnen erhebt sich 401, der höchste 429 Meter 
über die Meeresfläche, und sie haben daher Cäsars Angabe ent- 
sprechend einen verhältnissmässig geringen Höhenunterschied. Die 

Alisa St. Reine das alte Alesia ist, so miisste er das Schlachtfeld einen Tag- 
marsch weiter von dieser Stadt suchen, und gelangt iti die Gegend von 
Prauthoy an der Strasse nach Di jon ; er glaubt es um so mehr hier suchen zu 
müssen, als das Terrain zwischen der Vingeanne und Alesia für ein Reiter- 
gefecht zu coupirt und bergig erscheint, während es sich bei Prauthoy mehr 
öfiPnet. — Eöchly übersetzt dagegen »altero die« wie der Verfasser, »am fol- 
genden Tage«. 

1) Perspecto urbis situ. 68. 

2) Ipsum erat oppidum in coUe summo admodum edito loco. 69. 

3) ut nisi obsidione expugnari non posse videretur. 69. 

4) cuius collis radices duahus ex partibus flumina subluebant. 69 

5) Ante id oppidum planities cirdter tria milia passuum in longitadinem 
patebat. 69. 

6) reliqiüs ex omnibus partibus coUes mediocri interiecto spatio pari alti- 
tudinis fastigio oppidum eingebaut. 69. 



305 

Bänder dieser umschliessenden Hügel sind in gerader Linie ge- 
messen durchschnittlich 1800 Schritt vom Bande des Mont Auxois 
entfernt, die Hügel selbst aber werden durch die Thäler des Babutin, 
der Oze und des Ozerain von einander getrennt. 

Die gallischen Streitkräfte hatten zunächst der Stadtmauer den 
ganzen östlichen Theil der Kuppen des Mont Auxois besetzt, und 
diese Stelle durch einen Graben und eine Lehm- oder Pis^mauer 
von 6 Fuss Höhe umgeben. Die Stadt Alesia hatte die Kuppe des 
Mont Auxois nicht ganz eingenommen, sondern nur den westlichen 
Theil desselben , auf welchem heutzutage Alise erbaut ist , und es 
war Alesia ursprünglich keine gallische Festung, sondern Vercinge- 
torix fand nur ihre Lage der Art, dass er schon vor seinem Bück- 
zag dahin ihr ein verschanztes Lager vorbereiten liess *). Die Con- 
travallationslinie, deren Erbauung Cäsar bereits angeordnet hatte, 
erhielt einen Umfang von 22,000 Schritten oder SVs Stunden^). 
Die römischen Lager waren an geeigneten Stellen auf den Hügeln 
angelegt ^) und 23 Bedouten bei denselben erbaut. Bei Tag be- 
ÜEmden sich Wachen in diesen Bedouten, damit man durch keinen 
Ausfall überrascht werden konnte, und bei Nacht bivouakirten 
starke Detachements in denselben ^). Eine zusammenhängende Ver- 
schanzungslinie war, wie es scheint, noch nicht in Angriff ge- 
nommen, sondern nur die Lager mit ihren Bedouten nahmen die 
den Mont Auxois umschliessenden Hügel ein, so dass Alesia vor- 
erst nur berannt worden war , und dies , wie wir sehen werden, 
sehr unvollständig. 

Als die Schanzarbeit in Gang gebracht worden war ^), kam es 
in der Ebene von Laumes zu einem Beitergefechte , in welchem 



1) Biib muro, qoae pars collis ad orientem solem spectabat, hunc omnem 
locum copiae Gallorum compleyerant fossamque et maceriam sex in altitn- 
dinem pedum praeduxerant. 69. 

2) £iu8 munitionis, quae ab Eomanis instituebatur , circaitus XI milia 
pa88uum tenebat. 69. Wir haben bei der Entwerfung der Tafel X. diese 
Contravallationslinie vorerst ohne Berücksichtigung der von Cäsar angegebenen 
Länge, blos wie es die Terraingestaltung nach der römischen Taktik uns zu 
verlangen schien , eingezeichnet. Dass sie auf diese Weise aber die ent- 
sprechende Länge erhielt, ist wohl ein unwidersprechliches Zeichen, dass die 
Oertlicbkeit Ton Alise mit der des alten Alesia identisch ist. 

3) Castra opportunis locis erant posita. 69. Cäsar hatte hier wie bei der 
Blockade von Dyrrhachium nicht ein, sondern mehrere Lager. 

4) haec eadem noctu excubitoribus ac firmis praesidiis tenebantor. 69. 

5) opere instituto. 70. 

▼• aoier, CAsarB gaUisoher Krieg. II. Aufl. 20 



906 

beiderseits mit grosser Erbitterung gelolmpfl; tmrd^, und die B5mer 
ins Gedränge geriethen, so dass Cäsar ihnen seine germanische 
Keiterei zu Hilfe schicken musste. Die Legionen aber stellte er Yor 
den Lagern auf, damit durch diese drohende Stellung das gallische 
FussYolk abgehalten würde, der römischen Reiterei plötzlich in die 
Flanke zu fallen ^). Da die letztere sah, dass die Legionen, wenn 
auch nur indirect, zu ihrer Unterstützung bereit standen'), hob 
sich ihr Muth. Die gallische Reiterei wurde in die Flucht gejagt, 
ihrer Masse wegen waren sich die Abtheilungen überall selbst im 
Wege, und besonders zwischen den etwas engen Thoren der Stadt 
und der Yerschdnzungsmauer keilten sie sich förmlich ein ') um 
so hitziger setzten die Germanen ihre Verfolgung bis zum Graben 
und zu der gallischen Verschanzung ^) fort, und richteten ein groftses 
Blutbad an. Einige sprangen sogar von den Pferden, Hessen sie 
stehen ^) und suchten zu Fuss über den Graben und die Lehm- 
Mauer zu gelangen *). 

Jetzt liess Cäsar seine Legionen gegen den Mont Auxois etwas 
vorrücken, und setzte dadurch auch die innerhalb ihrer Verschanzung 
befindlichen Gallier in die grösste Verwirrung ; sie glaubten alsbald 
auch von den Legionen angegriffen zu werden und riefen zu den 
WafPen. Einige warfen sich in äusserstem Schrecken sogar in die 
Stadt. Vercingetorix liess die Stadt-Thore schliessen, damit sein 
verschanztes Lager nicht von Vertheidigem entblöst werde. Die 
Germanen aber zogen sich , nachdem sie viele Feinde getödtet und 
eine Anzahl Pferde erbeutet hatten, wieder zurück. 

19. Yercingetorix lässt durch seine £eiter ein Ersatzheer 

herbeirufen. 

Vercingetorix beschloss, noch ehe die römische Contravallation 



1) ne qua subito irruptio'ab hostium peditatu fiat. 70. 

2) Praesidio legionum addito. 70. 

Die Legionen traten nicht als Reserye auf, sonst würden die Ck>mmen- 
tarien subsidio anstatt praesidio sagen. Sie wirkten nur durch ihre drohende 
Stellung, welche bewirkte, dass das gallische Fussvolk, einen Sturm befürch- 
tend, Alesia und seine Verschanzung nicht zu verlassen wagte. 

3) atque angustioribus portis (relictis) coartantur. 70. 

Wir sind mit Oudendorp einverstanden, dass das Wort relictis zu streichen 
sei, indem ein nachlässiger Abschreiber dasselbe aus der nächsten Zeile, welche 
»equis relictis« enthält, auch in diese übertragen habe. 

4) usque ad munitiones. 70. 

5) equis relictis. 70. 

6) foBsam transire et maceriam transscendere coiiantur. 70. 



907 

vollendet, namentlich auch die Ebene Ton Laumes gesperrt und er 
Yon Aussen völlig abgeschlossen wäre, seine ganze Bedterei unter 
dem Schutze der Nacht zu einer Entsendung zu verwenden. Sämmt- 
liehe Reiter sollten sich nämlich in ihre Heimathsorte begeben, 
und dort alle Waffenfähigen ndthigen, am Kampfe Theil zu nehmen. 

Beim Abmarsch hielt er ihnen vor Augen, was ei* bereits Alles 
für sie gethan habe, und beschwor sie, nunmehr auch seiner zu 
gedenken, und ihn, der sich für des Vaterlandes Befreiung doch 
wahrlieh keine geringen Verdienste erworben habe, nicht im Stiche 
au lassen, so dass er zuletzt von Feindeshand den Martertod leiden 
müsse. Wenn sie ihre Schuldigkeit nicht thäten, ^rde er mit 
seinen 80,000 (^) ^) auserlesenen Kampfgenossen zu Grunde gehen. 
Nach aufgestellter Berechnung hätten sie kaum auf 30 Tage Lebens- 
mittel, durch Verringerung der Rationen könne man vielleicht noch 
ein wenig weiter reichen. Nach diesen Worten liess er sie über die 
Ebene von Laumes hin, wo noch keine Contravallationslinie aufge^ 
worfen war *), um die zweite Nachtwache in aller Stille abmarschiren. 

Nun befahl er^ alle vorhandenen Lebensmittel an ihn abzu- 
liefern ; wer diesem Befehle nicht nachkomme, werde mit dem Tode 
bestraft werden. Er liess das Schlachtvieh, welches die Mandubier 
in grosser Menge nach Alesia zusammengetrieben hatten, nach der 
Kopfzahl seiner Truppen und Einwohner vertheilen , und die Brod- 
früchte nur sparsam und auf kurze Termine abgeben. Alle seine Trup- 
pen, die er. vor der Stadt aufgestellt hatte, zog er in dieselbe zurück ^). 



1) Ob nicht 40,000 anstatt 80,000 zu lesen ist, darüber ygl. Anm. 3. 

2) qua erat nostrum opus intemussum. 71. 

3) copias omnes, quas pro oppido collocaverat, in oppidum recipit. 71. 
Wir müssen die Frage aufwerfen, ob Alesia gross genug sein konnte, um 

80,000 Manif anfztinehmen. Der Herzog von Aumale hält nach seinem Auf- 
satze in der Revue des deux mondes, 15. Band von 1858, pag. 117 u. 120, 
diese Zahl für zu gross, und möchte sie auf die Hälfte reducirt wissen. Wenn 
wir dieser Hypothese beitreten, so müssen wir im cap. 70 der Commentarien, 
wie es der alten Schreibart entspricht, XXXX anstatt LXXX lesen, und ebenso 
im cap. 77, wozu man um so mehr Veranlassung hat, als zwei Codices (vgl. 
Oudendorp) an letzterer Stelle eine abweichende Zahl, nämlich LXXXX ent- 
halten, folglich überhaupt keine Üebereinstimmung hierin herrscht , und des*- 
halb die Zahl jedenfalls verdächtig ist. Es ist auch in der That nicht recht 
begreiflich, dass Vercingetorix, wenn er noch 80,000 Mann zur Verfügung ge- 
habt hätte, in Folge eines verlorenen Reitertreffens so rfehr sollte entmuthigt 
gewesen sein, ttm bereits von Gefangenschaft und Martertod zu sprechen, 
(^sars Heer zählte schwerlich 80,000 Mann. Denn nach den Kämpfen und 
Strapazen dieses Feldzugs waren die Legionen gewiss auf je 4000 Mann oder 

20* 



808 

20. Nähere Beschreibung der römischen Blockadewerke ^). 

Auf diese Weise setzte sich Vercingetorix in Verfassung, das 
gallische Ersatzcorps zu erwarten und den Krieg weiter zu führen. 



noch weniger redudrt. Sextas Bufns (Festus), welcher gegen Ende des 4. 
Jahrhunderts lebte, berichtete: Caeterum Caesar cum decem legionibus, qnae 
quaterna milia militum Italorum habuerant, Galliam subegit. Cäsars 
HilfsYÖlker mögen sein Heer vor Alesia auf eine Gesammtstärke von etwa 
70 — 80,000 Mann gebracht haben. 

Nach Napoleon I. (Pr^cis des guerres de G^sar) hat der Mont Auxois 
8000 Toisen, also ungeföhr 7000 Schritte umfang, nach der Karte des fran- 
zösischen Generalstabs etwas weniger, so dass wir in Bundzahl 6000 Schritte 
oder 1 Stunde (lieue) Umfang annehmen können; berechnen wir, die Kuppe 
des Berges als Trapez betrachtend, deren Flächeninhalt, so erhalten wir für den- 
selben 1,500,000 dSchritt oder 10,655,000 DFuss, welche nahezu 96 Hectare aus- 
machen. Quicherat gibt nach der Messung Du Mesnil's 100 Hectare an, undCojnart 
bemerkt (nähere Bezeichnung ihrer Schrift siehe im 23. Abschnitt), dass man 
zu den 100 Hectaren des Plateaus 50 Hectare hinzurechnen dürfe, welche zwar 
abhängend lägen, aber sich doch noch oberhalb des Felsengürtels befanden. 

Auf diesem Baum hätte allerdings in gedrängter Lagerung ein Heer von 
80,000 Mann noch Platz gefunden , sicherlich aber nicht in der Stadt allein, 
die auch ihre Einwohner beherbergen musste. Ja die Stadt allein mochte 
wohl nebst ihren Einwohnern nicht einmal 40,000 Mann haben aufnehmen 
können, und wir glauben nicht, dass die Commentarien mit den Worten: 
»copias omnes, quas pro oppido collocayerat« sagen wollen: Vercingetorix 
habe alle Truppen, welche er innerhalb der Yorschanzungsmauer zunächst 
und östlich der Stadt gelagert hatte, in diese zurückgezogen, sondern Yer- 
cingefcorix habe alle Truppen, welche er vor der Stadt im freien Felde als 
Vorposten und Beobachtungsdetachements aufgestellt hatte, in die Stadt zurück- 
gezogen. Würde Cäsar unter den zurückgezogenen Truppen diejenigen ver- 
standen haben, welche innerhalb der Yerschanzung campirten, so würde er 
wohl »intra munitionesc anstatt »pro oppido« geschrieben, oder den im cap. 
69 gebrauchten Ausdruck »sub muro« wieder gebraucht haben, mit dem bei 
ZurückverweisuDgen von ihm beliebten Beisatzte: »ut demonstravimus«. — 
Köchly und Büstow vertheidigen dagegen die Zahl »80,000« , indem sie be- 
haupten, dass nicht bloss das Plateau, sondern auch die Abhänge des Berges 
in die Befestigungen hineingezogen waren und die Gallier enge campirten. 

1) Es gehört zu den freundlichsten Triumphen der Wissenschaft, wenn ihre 
rein auf speculatiyem Wege gefundenen Besultate durch die Wirklichkeit 
später bestätigt werden. Wir sahen, wie durch die auf Befehl Napoleon's IIL 
ausgeführten Ausgrabungen das römische Lager an der Aisne und die beiden 
Lager nebst den Blockadewerken vor Gergovia genau auf den Stellen aufge- 
deckt wurden, welche vom Verfasser erstmals daselbst vermuthet wurden. 
Aehnlich verhält es sich mit den hier beschriebenen Blockadewerken von Alesia; 
die napoleonischen Ausgrabungen haben aber nicht blos die Angaben der 
Commentarien bestätigt, sondern auch in vielen Einzelheiten näher bestimmt. 
Um nun die Darstellung der Blockade nicht zu häufig durch Anmerkungen 



309 

Cäsar erhielt von des Vercingetorix Massnahmen durch Ueber- 
lanfer und Gefangene Kenntniss, und weil er in dem Umstände, 
dajss Vercingetorix seine ausserhalb der Stadt gestandenen Truppen 
in sie zurückzog, zugleich dessen Einschüchterung erkannte, so ord- 
nete er Verschanzungen an, die dem Mont Auxois ausserordentlich 
nahe lagen, und in Folgendem bestanden : 

Er zog zunächst in der Ebene von Laumes einen 20 Fuss 
breiten Graben mit senkrechter Escarpe und Gontreescarpe ; denn 
wenn er genöthigt war, einen so sehr grossen Raum zu umschliessen, 
und daher seine sammtlichen über Thal und Hügel hinlaufenden 
Werke nicht leicht mit einer fortlaufenden Reihe von Vertheidigem 
besetzen konnte , so musste er Sorge tragen , dass der Feind nicht 
entweder bei Nacht die Linien in Massen zu überrumpeln oder bei 
Tag auf die Schanzarbeiter seine Geschosse zu schleudern vermochte ^). 

Dieser Graben ist in seiner ganzen Ausdehnung aufgedeckt 
worden. Senkrecht auf dem Lauf der Ose und des Oserain gezogen, 
sperrt er die Ebene von Laumes ab, ohne den Berg Auxois zu um- 
ziehen. Seine Tiefe betrug nur, wie der Verfasser richtig vermuthete, 
gegen 9 Fuss. (Taf X. Fig. 3 ff.) 

400 Fuss hinter diesem Graben liess er die Contravallations- 
linie errichten, indem er zwei gleich tiefe Graben von 15 Fuss aus- 
heben und den der Stadt nächstliegenden mit Wasser aus dem 
Oserainbache speisen liess. Auch diese beiden Graben lassen sich 
noch über die ganze Breite der Ebene vom einen Flüsschen zum 
andern verfolgen. Sie hatten nicht das gleiche Proül, indem der- 
jenige, welcher dem Berg zunächst lag, eine etwa 6 Fuss breite 
Sohle besass; der andere dagegen mit seinen Seitenwänden unten 
spitz zulief. Ihre Tiefe betrug 8—9 Fuss ^. (Taf. X. Fig. 4.) 

Am linken Ufer des Oserain durchschneidet die Linie in einer 
lünge von 800 Meter die Ausläufer. des Berges von Flavigny; so- 
dann folgt sie, nur mit einem Graben versehen, den Lauf des 
Flüsschens bis zur Mühle von Chantrier, zieht von hier sich gegen 
Norden wendend über die westlichen Abhänge der Höhe von Plenne- 

onterbrechen zu müssen, werden wir im Gegensatze zu der bisher von uns 
eingehaltenen Methode, die Erfände der Ausgrabungen sogleich im Texte ver- 
werthen; im Uebrigen aber den Gang der Erzählung, wie er sich in der 
1. Auflage dieses Werks findet, beibehalten. 

1) Also nicht einmal 400 Fuss oder 160 Schritte weit reichten die Geschosse. 

2) Man fand in diesen Gräben Knochen, Nägel und Waffen; unter Anderm 
einen schönen Degen. Ein Weinberg, in dessen Nähe man grosse Mengen von 
Gebeinen fand, heisst heute noch nach dem Gatasterplane »laCuisinedeC^sar«. 



810 

velle iwiaehen dem Oserain und der Ose, folgt dem reebten üfcr des 
letzteren Fluases langst den Hängen des Bnssyberges and erreicht end- 
lich wieder das XiSger am Reaberge. Auf der ganzen Lange dieser 
Linie hatten die Römer nahezu überall den Yortheil des hohem Terrains. 

Hinter diesen Griben errichtete Cäsar als die eigentliche Con- 
tra vallationslinie einen Wall von 12 Fuss Höhe nnd bekleidete die 
Pallisadirung dieses Walls (Fig 3. bc) mit Zinnen (ab), nämlich mit 
über dieselbe kervorrageuden oben zugespitzten Stangen ^). Die 
Brustwehr — lorica — bestand aus einzelnen von Reisig geflocb- 
tenen Stücken oder Hürden — plutei — und von der Grabensofale 
e bis hinauf, wo die HOrd^ auf dem Walle au&assen (ad conor 
missuras), bis d oder c, standen gross» gabelförmige Stangen oder der- 
artige dünnere Baumstämme (grandes cervi) empor '). Je eine Amaili] 
derselben erhielt durch ihre Gabel d eine Querstange, die ihrenseits im 
Damme mit einer starken Weide f verankert war. Diese Stammholz- 
yerkleidung, welche bis zur Berme reichend, heutzutage bei provisori- 
schen Befestigungen angewendet wird, erschwerte die Ersteigung sehr '). 

Den ganzen Wall versah C^r mit hölzernaa Thürmei, welche 
80 Fuss von einander entfernt standen, und da die IJuige oder der 
Umfang der Contravallation ungefähr 2V« Stunden b^rug, so waren 
zu ihrer Besetzung etwa 400 Thürme nöthig ; wenn wir annehmen, 
dass dieselben 10 Fuss Breite hatten^). 

Während diese grossen Schanzarbeiten ausgeführt wurden, muss- 
ten die Römer zu gleicher Zeit nicht nur das nöthige Holz, sondern 
auch Lebensmittel zur Yerproviantirung weit herbeischleppen, so 



1) loricam pinnasque adiedt. 72. Es scheint uns, als habe eine theil- 
weise Erhöhung der geflochtenen Brustwehr in Form von Mauerzinnen für die 
Yertheidignng nicht vortheilhaft sein können, weil sie den Gebranch von Hand- 
waffen hätte allzusehr unterbrechen müssen, und wir glauben daher die Er- 
klärung , welche Gräyius Ton diesem pinnae gibt , hier aufführen au dürfen. 
Er sagt nämlich in seiner Anmerkung zur betreffenden Stelle: »Nimirom 
pinnae directae stabant in supremo loricae, ut hodieque sepibus aliisque id 
genus ferreas piimas imponi videmus adversum transcensiones«. Vgl. auch 
über die Bedeutung von pinna die empfehlungswerthe üebersetzung des Vegetiua 
von Lipowsky. Sulzbach 1827. Die Anmerkung zu lib. III. cap. 8. 

2) grandibus cervis eminentibus ad commisauras pluteorum atque aggeris. 
72. Yon andere Seite werden die grandes cervi als »grosse Sturmpfähle« be- 
zeichnet. Diese hätte Cäsar aber wohl grandes stipites genannt. Grävius 
sagt hierüber: at cervi sunt, autore Servio, furcae, quae figuntur ad casae 
Bustentationem , quae dictae erant cervi ad similitudinem cornuum oervorum, 

3) qui adsensum hostium tardarent. 72. 

4) Vergl. Anmerkung zu V, 40. 



311 

da» die Zahl der Schanzarbeiter und ihrer Deckungstmppen sehr 
▼erriogert war; und doch brachen die Gallier häufig aus mehreren 
Thoren der Stadt herror, und suchten mit grösster Kraftentwick- 
lung die Belagerungsarbeiten zu zerstören oder zu hindern. 

Caaar glaubte daher seine Annäherungshindemisse von Neuem 
vermehren zu müssen, um die Contravallation mit um so weniger 
Truppen vertheidigen zu können. 

Er Hess Baumstrunke (Aeste mit einem Theil des Stammes) 
oder auch starke Aeste von grössern Bäumen hauen, und — damit 
die schwanken Zweige hinwegkommen — ihre Enden einkürzen 
und zuspitzen ^) ; hierauf aber ununterbrochen fortlaufende Gräben *) 
von je 5 Fuss Tiefe ziehen, die wahrscheinlich nur etwa IV« Fuss 
Breite hatten, um gerade zum Ausgraben und Einsetzen eines Baum- 
strunkes oder Astes hinlänglich Platz zu haben ; denn in diese Gräben 
wurd^i nie eingesenkt, und die in einem und demselben Graben 
neben einander stehenden unten aneinander befestigt, damit einer 
den andern festhielt, und man sie nicht herausreissen konnte. Die 
zugespitzten Aeste und Zweige aber standen über den Boden empor. 
Fünf solch* schmaler Gräben wurden neben einander gezogen, dann 
5 Seihen der Baumstrunke und Aeste nebeneinander hingeführt ") 
und ineinander verschlungen und verbunden, so dass, wenn sich 
Jemand hineinwagte', er sich an den scharfen Spitzen schwer ve^<- 
letzte. Dieser eigenthümliche Verhau mochte etwa 25 — 30 Fuss 
breit gewesen sein, so dass man ihn selbst mit Hilfe einer Spring- 
stange nicht überspringen konnte. DieEömer nannten ihn ?cippi€ 
— Grenzsäulen oder Leichensteine ^). (Taf. X. Fig. 4.) 

Vor diesem Annäherungshindemiss wurden in schachbrettför- 

1) tnmciB arborum aut admodum firmis ramis absdsis atque horum dola- 
braÜB ac praeacatis cacomimbas. 73. Dies ist die Lesart der Codices und wie 
wir wenigstens glauben, kein Grmid vorhanden das aut zu unterdrücken oder 
in »haod« su verwandeln, sowie »delibratis« anstatt »dolabratis zu lesen, wie 
Ni]^>erdey und Andere. Coluxaella gebraucht lib. Y. cap. 6 delibrare in der 
Bedeutung von »die Rinde abschälen« und dies passt hierher wahrlich nicht. 

2) perpetuae fossae. 73. Zu bemerken ist, dass Cäsar jene 15' tiefe Gräben 
mcht »perpetuae« neimt. 

3) Quini erant ordines (sc. truncorum). 73. 

4) Vgl. Anmerkung in Oudendorp: »Nisi forte Caesar respexit ad alteram 
notionem vocis »cippus« nimirum fcodoxdxnjv : quia inquit induebant se acu- 
tissimis vallis. Certum nodoxdxTjv quoque cippum nptare sive lignum bipatens» 
quo sontium pedes includuntur. ünde haud dubie hodieque vox »dppier« 
remansit, quae carceris custodem notat.« Sed non arbitror tarnen hoc Caesarem 
voluisse. Voss. »Cappos« erat a manu emendatrice in Torrentü codice Lovaniensi. 



312 

miger Ordnung Graben angelegt von 8 Foss Tiefe und nach nnten 
sich allmälig Terengend. In sie setzte man runde Pfilhle yon der 
Dicke eines Schenkels oben zugespitzt und angekohlt. Diese Pfihle 
standen nur 4 Zoll über den Rand der Grube hervor, und waren 
unten, damit man sie nicht berausreissen und auch nicht zur Seite 
drücken konnte ^) einen Fuss hoch mit Erde umstampft. Von dieser 
Erde aufwärts wurde die Grube mit Reisig und Strauchwerk be- 
deckt, um ihre Geföhrlichkeit dem Auge des Feindes zu entziehen ^). 
Es waren 8 Reihen solcher Gruben angelegt, und sie lagen 3 Fuss 
von einander entfernt. Dieses unsem heutigen Wol&gruben ahn* 
liehe Annäherungshindemiss nannten die Römer seiner Gestalt wegen 
Linie'). (Taf. X. Fig 4 u. 5.) Vor sie wurden einen Fuss lange 
Holzchen, aus denen kleine eiserne Widerhaken herausstanden, so 
in die Erde eingesetzt, dass sie von einer dünnen Schichte Rasen, 
Haidekraut etc. ganz bedeckt waren und die kaum bemerkbaren 
Haken über den Boden emporragten. Dieses Annaherungshinder- 
niss wurde in massigen Abstanden ringsum überall angebracht. Man 
nannte sie »Stimuli c Stacheln oder Fussangeln. 

Nachdem auf solche Weise die Contravallation hergestellt war, 
schritt Cäsar die gleiche Befestigungsart beibehaltend auch zum 
Bau einer Circumvallation. Er erbaute nämlich diese Verschanzung 
von der ersten abgewendet d. h. nach Aussen gerichtet, indem er 
bei ihrer Anlage dem Terrain folgte, das ihm nach seiner ortlichen 
Beschaffenheit in taktischer Beziehung möglichst Yortheilhafb war *). 
So lief sie in der Ebene von Laumes und an den Hängen des Berges 
von Flavigny parallel mit der Contravallation und in einer Ent- 
fernung von 200 Meter von dieser. Sie besass nur einen Graben, 

1) confirmandi et stabiliendi causa. 73. 

2) reliqua pars scrobis ad occnltandas insidias yiminibus ac virgultis 
integebantur. 73. 

3) Id ex similitudine floris Lilium appellabant. YII, 73. — Dans la pleine 
des Laumes, au sommet de la drconvallation et tont pr^ du bord ezt^rieur 
du fossil on a comptd plus de cinquante trous de loup, sur cinq rangto. 
D^autres ont ^t4 d^blay^s sur les hauteurs, neuf entre le catnp A et le es- 
carpemeuts, vingt-sept sur la montagne de Bnssy, prbs du castellum 15: ils 
Bont creus^ dans le roc, et leur ^tat de conseryation est tel qu^ils semblent 
fait d*hier. Au fond de quelques-uns de ce derniers on a recuilli 15 pointes 
de flache. Tous ces trous de loup ont 3 pieds de profondeur, 2 pieds de 
diambtre en haut et un peu moins de 1 pied dans le fond. (Napol^n. II, 322.) 

4) regiones secutus quam potuit aequissimas. 74. Wir übersetzen »quam 
aequissimas« nicht mit »möglichst eben«, weil gerade eine hohe Lage hier 
Vortheile bieten musste. 



313 

dessen Wände in der Ebene nahezu senkrecht waren, um einen 
hohem Wall zu erhidten, während sein Durchschnitt im üebrigen 
ein Dreieck bildete. An den steilen Stellen des Berges von Flavignj 
setzte die Linie gänzlich aus, weil sie hier unnöthig wurde. Auch 
sie war so gefährt, dass ihre Yertheidiger den Yortheil des höhern 
Terrains genossen. Die Circumvallation hat einen umfang von 20 
Kilometern (4^/i Stunden), was ziemlich genau den Angaben des 
Textes entspricht ^) und sie sollte bewirken, dass nicht einmal eine 
grosse üebermacht, — wenn sie durch den Abmarsch der gallischen 
Reiter wirklich herbeigeführt werden sollte, — die einzelnen Posten 
der Contravallation oder die Lagerbesatzungen, umringen konnte '). 

Die in den Jahren 1862 bis 1865 vorgenommenen Ausgrabungen 
weisen 4 Infanterie- und 4 Cayallerie-Lager nach. Zwei der ersteren 
lagen auf dem Berge von Flavigny und ihre Gestalt passt sich in 
der Weise dem Terrain an, dass die Yerschanzungen möglichst das 
davor liegende Land beherrschten. An der Südseite, wo das Lager 
A leicht angreifbar war, besass es sehr starke Yertheidigungswerke, 
unter Anderen einen dreifachen Graben. Das dritte Lager war auf 
dem Berge von Bussj, das vierte auf dem unteren Abhang des 
R&berges. Die 4 Cavallerie-Lager waren in der Nähe von Wasser, 
3 in der Ebene von Laumes, das vierte im Rabutinthale. Von den 
23 Redouten (castella) liessen sich nur 5 auffinden. 

Damit er endlich nicht genöthigt werden könne, seine Yer- 
schanzungen unter ungünstigen umständen verlassen zu müssen, be- 
fahl er auf 30 Tage Lebensmittel und Fourage herbeizuschaffen. 



1) XIV milia passuum complexas. 74. 

2) contra exteriorem hostem perfedt, ut ne magna qiiidem multitudine, 
si ita accidat, eins discessu munitionnm praesidia drcumfundi possent. 74. 
Dass »eins discessu« keinen hinreichenden Sinn gibt, wird vielfältig, auch von 
Nipperdey anerkannt, und er schlägt vor eins accessu zu lesen. Ich glaube 
dass »equitum discessu« (mit Auslassung des Comma*8 nach acddat) zu lesen 
ist, da die gallischen Beiter abmarschirt waren, um ein Ersatzheer herbeizu- 
führen. — Während Dübner diese Gonjectur beachten swerth fand, wird sie 
von Heller (Philologus XXI, 525) bekämpft, weil man damit Cäsar sagen 
liesse, »dass er annahm, es könnte eintreten, was er durch die Anlage der 
äusseren Linien unmöglich machen wollte«. Heller nimmt an, dass ein Yerbum 
fehlt, auf welches »si ita accidat« allein seine Beziehung haben könne und 
glaubt, dass ursprünglich in Cäsar's Text sich die Worte befunden haben : ut 
ne magna quidem multitudine, si ita accidat, artius obsessa, munitionum 
praesidia circumfundi possent : die Lager und die Castelle, auch wenn sie noch 
80 eng vom Feinde bloquirt wurden, sollten auch von der grössten Menge 
nicht umzingelt werden können. Dann geht si ita accidat auf artius obsessa. 



814 

21. Eintreffen desfirsataheeres und daraaffolgendeK&mpfe. 

Während vor Alesia die so eben beschritbenen Arbeiten aus- 
geführt wurden *) , traten die gallischen Fürsten in einem Kriegs- 
rathe zusammen, einem jeden Staate die Stellung eines bestimmten 
Contingents aufeugeben, nicht aber, wie Vercingetorix wollte, alle 
Wa£Penf ähigen zum Heere zu ziehen ; denn sie fürchteten eine allzu 
grosse ungeordnete Masse weder gehörig lenken und getrennt halten, 
noch hinlänglich mit Lebensmitteln versorgen zu können. Es hatten 
zu stellen: 

1) Die Aeduer und deren Schutzgenossen, die Se- 
gusianer, Ambilareter, die brannovicischen Au- 
lerker und die Brannovier 35,000 Mann. 

2) Die Arvemer mit den eleutherischen Cadurkem, 
den Gabalem und Vellariern, welche unter 

ihrer Herrschaft standen 35,000 „ 

3) Die Sequaner, Senonen, Biturigen, Santonen, Ru- 

tener und Camuten je 12,000 M. also zusammen 72,000 „ 

4) Die Bellovaker 10,000 „ 

5) Die Lemoviker 10,000 „ 

6) Die Pictonen, Turonen, Parisier und Arvier 

(nicht Heivier) je 8000 Mann 32,000 „ 

7) Die Suessionen, Ambianer, Mediomatriker, Pe- 
trocorier, Nervier, Moriner und Nitiobrigen je 

5000 Mann 35,000 „ 

8) Die Cenomanisehen Aulerker 5,000 „ 

9) Die Atrebaten 4,000 „ 

10) Die Velocassen, Lexovier und eburonischen Au- 
lerker je 3000 Mann . , 9,000 „ 

11) Die Rauraker und Bojer 4,000*) „ 

12) Alle Staaten, welche am Ocean lagen und die 
Armorischen genannt wurden, unter ihnen die 
Curiosoliten, Redonen, Ambibaren, Galeten, 

Osismer, Veneter und üneller') ..... 30,000 „ 

im Ganzen . 281,000 Mann. 

1) Diun haec ad Alesiam geruntnr. 75. 

2) Nach anderer Lesart, die auch von Napoleon angenommen wurde, 
6000 Mann. 

3) Die meistens hier genannten » Lemoviker c streichen Pet. Ciacoonias und 
Scaliger mit Hecht, nicht nur, wie sie anführen, weil sie schon weiter oben 
anfgetsählt sind, sondern audi weil dies Yolk nicht am Ocean wohnte. 



815 

Diese Gontingente wurden jedoch nicht vollzählig gestellt, nnd 
die Bellovaker insbesondere wollten gar keine Truppen abgeben, 
indem sie sagten, sie würden in ihrem eigenen Namen, sowie nach 
eigenem Ermessen die Römer bekriegen, und keinesfalls sich dabei 
irgend Jemanden unterordnen. Nur auf Zureden des Atrebaten 
Gommins stellten sie endlich 2000 Mann. 

Im Qanzen kamen anstatt obiger 281,000 nur ungefähr 250,000 
Mann und 8000 Heiter') zusammen. Im Aeduerlande wurden sie 
gemnstert, abgezahlt und ihre Commandeure ernannt. Die oberste 
Leitnng erhielten der Atrebater Commius, die Aeduer Viridomarus 
und Eporedorix, und der Aryerner Vercassilaunus, ein Verwandter 
des Yercingetorix« 

Alles rückte kampflustig und roll Zufriedenheit vor Alesia, 
und man hätte glauben sollen, die Romer würden schon beim An- 
blick einer solchen üebermacht nicht Stand halten, zumal sie nun 
nach zwei Seiten hin Front machen') — nicht nur die Ausfalle 
aus der Stadt, sondern auch die Angriffe des gewaltigen Ersatz- 
heeres abschlagen mussten. 

Von air diesen Vorgängen im Lande der Aeduer erfuhren die 
Blokirten nichts. Als daher der Tag abgelaufen war, auf den sie 
die Ankunft ihres Ersatzheeres erwarteten und alle ihre Proviant- 
Torräthe aufgezehrt hatten, rief Vercingetorix einen Eriegsrath zu- 
sammen, um in der verzweifelten Lage einen letzten Entschluss zu 
fassen. Einige stimmten für üebergabe. Andere für einen Ausfedl, 
um sich durchzuschlagen, und Critognatus, ein vornehmer Arverner 
sprach : Man habe ganz Gallien zum Beistande aufgerufen und müsse 
nun auch ausdauern. Wenn keine Lebensmittel mehr vorhanden 
seien, so möge man gleich den Ahnen im Kriege gegen die Cimbem 
und Teutonen mit dem Fleische derjenigen das Leben fristen, die 
ihrem Alter nach nicht mehr waffenfähig seien. Endlich wurde 
beschlossen, dass wer unter dieser Kategorie gehöre oder wer krank 
sei'), die Stadt verlassen müsse, weil man vorher wenigstens alles 
versuchen wolle, ehe man auf des Critognatus Vorschlag eingehe. 
So wurden denn die Mandubier, welche des Vercingetorix 
Truppen in die Stadt hatten aufnehmen müssen, gezwungen sie mit 



1) Da nach cap. 64 Verdngntorix sdion 15,000 Eeiter besass, so wäre 
die gallische Reiterei nach dem Eintreffen des Ersatzheeres vor Alesia unge- 
fähr 23|000 Pferde stark gewesen. 

2) praesertim ancipiti proelio. 76. 

3) qni valetudine aut aetp.te inutiles sui^t hello. 78. 



316 

Weib und Eind zu verlafisen. Weinend kamen sie zu den römi- 
schen Yerschanzungen, und baten, man mochte ihnen doch zu essen 
geben, sie wollten ja gerne Scalven werden. Cäsar aber liess Wachen 
auf dem Walle aufstellen upd sie zurückweisen. 

Unterdessen traf das ganze Ersatzheer vor Alesia ein, und 
schlug seine Lager auf einem höchstens 2000 Schritte von der Cir- 
cumvallation entfernt liegenden Hügel ^). Für diesen Hügel werden 
gewöhnlich die Höhen angesehen, welche südwestlich von Alise 
zwischen den Ortschaften Yenarej, Mussj-la-Fosse und Massignj- 
les-Semur liegen. — Wir glauben von dieser Ansicht abweichen zu 
müssen, und halten den Hügel südlich von Pouillenaj für den Ort 
der gallischen Lager. Seine ganze Formation, seine steilen Seiten* 
böschungen von Flüsschen bespült machte ihn für jene Zeit zu einer 
festen Stellung , und auf ihm befanden sich viele Quellen , was das 
in der Nähe des Feindes ofb so gefahrliche Wasserholen unnöthig 
machte. Auch lag dieser Hügel, der Angabe der Commentarioi 
entsprechend, von der Circumvallation gerade 1000 Passus entfernt. 
Die Höhen bei Venarey und Mussy bilden dagegen im Widerspruch 
mit den Commentarien nicht einen, sondern zwei Hügel und wären 
zu klein gewesen um ein Lager von 250,000 Mann anzunehmen. 
Der Hügel von Pouillenay — welcher auf der Tafel X. nur zum 
Theil Platz fand — ist aber P/s Stunden lang und eine halbe 
Stunde breit, folglich gross genug um ein Heer von der genannten 
Starke zu fassen ^). 

Den Tag nach ihrem Eintreffen auf diesem Hügel liessen die 
Gallier ihre Reiterei aus dem Lager rücken, und die ganze Ebene 
von Laumes von ihr erfüllen'). Ihr Fussvolk stellten sie etwas 
von dort entfernt, durch deckende oder verschleiernde Terraintheile 
dem Auge der Römer entzogen auf hochgelegenen Punkten auf — 
ohne Zweifel auf den Höhen von Venarey und Mussy, die noch 
heutigen Tags bewaldet sind, und Gelegenheit boten, wenn sich die 
Gallische Reiterei nach dem Lager zurückzog, die verfolgenden 
Römer in der rechten Flanke anzugreifen*). 



1) et coUe exteriore occupato, non longius mille passibus ab nostris 
munitionibus considunt. 79. 

2) Napoleon will diesen Hügel in der Höhe von Mnssy-la-fosse erkennen. 

3) Postero die equitatu ex caatris educto omnem eam planitiem, quam in 
longitudinem tria milia passuum patere demonstravinius, complent. 79. 

4) pedestres copias paulum ab eo loco abdifcas in locis soperioribus con- 
stituunt 79. 



317 

Die Blokirten konnten yon Alesia aus anf das freie Feld hinab- 
sehen; daher liefen sie, als sie das Entsatzheer erblickten, zusam- 
men, wünschten sich gegenseitig Glück und waren yoll Hoffnung 
und Freude. Ihre Truppen rückten aus der Stadt, stellten sich vor 
derselben auf, und begannen den zunächstliegenden, also den 20^ 
breiten Graben mit Erde auszufüllen und mit Hürden zu überdecken, 
indem sie sich zu einem Ausfalle und auf alle möglichen Fälle in 
Verfassung setzten ^). 

Cäsar wies den Truppentheilen seines ganzen Heeres allsogleich 
ihre Plätze sowohl an der Contravallationslinie als auch an der 
Circumvallationslinie an, damit eintretenden Falls ein jeder sich 
schon an Ort und Stelle befinde und die Beschaffenheit seines Ver- 
theidigungsobjects bereits kenne. Darauf liess er seine Reiterei 
ihre Lager verlassen , und zum Angriff gegen die auf der Ebene 
von Laumes verbreitete gallische Reiterei vorgehen. 

Man konnte aus allen Lagern, welche ringsum auf den höchsten 
Punkten geschlagen waren, nach der Ebene hinabsehen, und alle 
Soldaten warteten mit gespannten Blicken auf den Erfolg des An- 
griffs. Die Gallier hatten da und dort zwischen ihre Reiter Bogen- 
schützen und Leichtbewaffnete eingeschoben, welch* Letztere zu 
dieser Eampfesweise auch ihre Schilde abgelegt hatten'), da diese 
sie gehindert haben würden, rasch genug zu laufen und sich dabei, 
wie es Gebrauch war, an den Mähnen zu halten. Die Bogenschützen 
und Leichtbewaffneten sollten ihren Reitern, wenn sich diese zurück- 
zogen, zu Hilfe eilen, und den Andrang der römischen Reiterei 
aufhalten. Es wurden von ihnen eine Anzahl Römer auch wirk- 
lich verwundet, so dass sie den Kampfplatz verlassen mussteu. Dies 
machte auf die Gallier den Eindruck , als seien sie Cäsars Reiterei 
überlegen , und als sie sahen , dass dieselbe durch die feindliche 
üebermacht in der That ins Gedränge kam, da erhoben nicht nur 
die Truppen des Entsatzheeres, sondern auch die blokirten ihr 
brüllendes Kampfgeschrei. 

Weil Alles diesem Gefechte zusehen konnte, und weder eine 
muthige noch eine feige That unbemerkt blieb, so spornte Ehrgeiz 
und Furcht vor Schmach die beiderseitigen Gegner zu grosser 



1) seqae ad eraptionem atque omnes casus comparant. 79. 

2) expeditosqtte levis armaturae. Vgl. I, 48 und Bürgerkrieg I, 84. Dass 
die Bogenschützen keine Schilde führten, beweist eine Stelle in Veget. IIb. I. 
cap. 20: Quid enim pedes sagittarius sine oataphracta, sine galea, qai cum 
arca b c a t a m tenere non potest^f adat ? 



S18 

Tapferkeit an. Unentschieden wogte der Kampf ron Mittag bei- 
nahe bis zum Sonnenuntergang; da stürmten die Germanen anf 
einem Punkte in dichten Schwadronen gegen den Feind an, warfen 
ihn in die Flucht, umringten sodann seine Bogenschützen und mach- 
ten sie nieder. Jetzt drangen Cäsars Truppen auch auf den übrigen 
Punkten vor, und setzten, als der Feind wich, die Verfolgung bis 
zu dessen Lager unablässig fort, dass er keine Zeit fand, sieh 
zu sammeln. Die Blokirten aber, welche aus Alesia gegen die 
Contravallation vorgerückt waren, hatten nunmehr beinahe alle 
Siegeshoffnung yorloren, und zogen sich niedergeschlagen in ihre 
Stadt zurück. 

Den nächsten Tag liess sich das Entsatzheer in keinen Kampf 
ein, sondern fertigte Hürden und Faschinen, Leitern und eine An- 
zahl Wallhaken an. Um Mittemacht aber rückte es in aller Stille 
aus dem Lager gegen die in der Ebene gelegene Circumvallations- 
linie vor ^). Dort erhoben seine Truppen plötzlich ein Kri^sge- 
schrei um den Blokirten von ihrem Anrücken Kenntniss zu geben. 
Jetzt warfen sie ihre Hürden und Faschinen vor sieh nieder, um 
die Hände frei zu bekommen, vorerst mit Schleudern, Pfeilschüssen 
und Steinwürfen die römischen Wachposten vom Walle hinabzu- 
jagen '), und was sonst zum Sturme nöthig war, ins Werk zu richten *). 

Die Römer rückten schleunig wie in den vorhergegangenen 
Tagen an ihre Linien, ein jeder Abtheilungsconunandant an die 
Stelle, die ihm bereits angewiesen war, und setzten den Gridliem 
mit pfundigen Schleudersteinen ^), Pföhlen, welche sie in den Werken 
zurecht gelegt hatten , wacker zu ^). Doch fielen auch auf der 
römischen Seite viele Wunden, weil die Dunkelkeit den Umblick 
raubte, folglich das Pariren der Würfe mittelst des Schildes hin- 
derte. Die Legaten Marcus Antonius und Gajus Trebonius aber. 



1) ad campestres munitiones aocedunt. 81. 

2) crates proiicere, fundisi sagittis, lapidibus nostros de vallo detarbare. 81 
8) reliquaque, quae ad oppu^^iitionem pertinent, admicistrare. 81. Vgl. 

Oudendorp. 

4) Solche Schleudersteine wurden in grosser Anzahl und in den verschie- 
densten Grössen in den Grftben aufgefunden. 

5) »perterrentc ziehen wir dem gleichfalls vorkommenden proterrent vor, 
weil aus dem darauf folgenden Satze hervorgeht, dass die Gallier noch nicht 
Eurückgeworfen wurden , sondern der Kampf um den Wall noch fortdauerte, 
bis Antonius und Trebonius Unterstützungen an sich gezogen hatten, ja, dass 
die Gallier sogar während dieses Kampfes ihr HeranrQcken nodi eine Zdt 
lang fortsetzten. (VgL cap. 82 : Dum longius ab mnnitioiie abera&t Galli) 



'^ 



819 

welchen die Yertheidigung des angegriffenen Theik der Linie an- 
vertraut war, zogen aus den entfernter liegenden Redouten Ver- 
stärkungen an sicli, und sendeten sie als Unterstützung nach den 
Punkten, an denen sie ihre Truppen im Gedränge wussten. 

So lange die Gallier von den römischen Linien entfernter waren, 
richteten sie mit ihrer üeberzahl von Geschossen noch etwas mehr 
aas ; als sie aber einmal näher gerückt waren , traten sie unver- 
sehens in die Fussangeln ^) , fielen in die Wolfsgruben, und spiess- 
ten sich oder sie wurden vom Walle und den Thürmen aus mit 
Mauerpiken durchbohrt. Nachdem sie endlich überall eine Menge 
Verwundeter hatten, und der Wall g^en Tagesanbruch noch nir- 
gends forcirt waK, fürchteten sie in ihrer offenen — linkeü — 
Flanke durch einen Ausfall aus dem hochgelegenen — auf der Hohe 
Rea geschlagenen Lager umgangen zu werden und zogen sich in 
ihre Stellung zurück^). 

Vercingetorix hatte indess, sobald er das Kriegsgeschrei des 
vor der Circumvallation eingetroffenen Entsatzheeres vernahm, Allarm 
blasen und seine Truppen aus der Stadt rücken lassen. Während 
dieselben (interiores) aber das auf seinen Befehl für einen Ausfall 
angefertigte Material herbeitrugen, und ihre vordersten Abthei- 
lungen (priores) den 20 Fuss breiten Graben ausfüllten, hielten sie 
sich mit diesen Arbeiten zu lange auf, und wurden den Rückzug 
des Entsatzheeres gewahr, noch ehe sie an die eigentliche Contra- 
vidlationslinie gelaugt waren'). Da kehrten sie unverrichteter 
Dinge in ihre Stadt zurück. 



1) Be stimulis i&opina&tes indnebant. 82. 

2) Wir verstehen unter dem Ausdruck ex superioribn« castris (82) das 
Lager auf dem Hfigel Rea, weil die rechte gallische Flanke durch ihr Lager 
und die dort gewiss zurückgelassene Besatzung gedeckt war. 

8) At interiores, dum ea, qnae a Vercingetorige ad eruptionem praeparata 
erant, profenmt, priores fossas explent etc. 83. Das »prioresc beziehen wir 
nicht» wie Kfkdily und Rüstow, die es mit »ftusserste« fibersetzen, auf fossas, 
sondern verstehen darunter die priores der interiores, weil von keinen vordem 
Graben die Rede sein kann, da die Gallier nicht an die Contravallation selbst 
und zu dem dazugehörenden 15' breiten Graben, ja nicht einmal zu den Fuss- 
angeln etc. gelangten (prius saoe discessisse cognoverunt , quam mnnitiones 
appropinquarent). Nur den 20' breiten Graben füllten sie aus , und anstatt 
fbssas ist gewiss fossam zu lesen. Diesen Graben z&hlte Cäsar nicht zur 
eigentlichen Befestigungslinie, ftondem er hatte ihn, wie wir im 72. cap. hörten, 
aushebeh lai^sen, nur um wfthrend der Arbeiten, die nnnmehr vollewiet waren, 
weniger leidit ftberfallen wenden zu können« (Yergl. bell. gall. lib. II. cap. 11; 
»priores, quod absesse a periculo viderentorc.) 



320 

22. Der Gallier letzter Angriff und Niederlage*). 

Nachdem nunmehr die Gallier zweimal mit grossem Verluste 
zurückgeschlagen worden waren , beriethen sie sich , was weiter zu 
beginnen sei , und erfuhren durch Ortskundige die Terrainverhält- 
nisse eines der hochgelegenen Lager und der dortigen Circnm- 
yallationslinie *). 

Gegen Norden — streng genommen gegen Nordwesten — be- 
fand sich ein Hügel, den die Römer wegen der Grösse seines Um- 
fangs und der Entfernung vom Mont Auxois mit ihrer Circum- 
vallationslinie nicht recht umfassen konnten. Es war dies der Mont 
Rea, welcher noch über 2000 Meter von Alesia entfernt liegt. 
Wollte Cäsar diese Anhöhe noch in seiner Circumvallationslinie 
einschliessen , so wurde diese von der Contravallation zu weit ent- 
fernt, als dass man sich bei Yertbeidigung beider Linien gehörig 
hätte unterstützen können. Durcb diesen umstand waren die Römer 
genöthigt, ihr dortiges Infanterielager auf beinahe ungünstigem 
und ansteigendem Terrain anzulegen^). 

In dem dortigen Lager standen die beiden Legaten Gajus An- 
tistius Reginus und Gajus Caninius Rebilus mit zwei Legionen, 
und dort beschlossen die Führer des Entsatzheeres die Circum- 
vallation anzugreifen. Demzufolge Hessen sie jene Gegend recognos- 
ciren, wählten aus ihrer ganzen Streitmacht von den Contingenten, 

1) Der Verfasser sprach in der 1. Auflage dieses Werks seine Ansicht da- 
hin aus , dass der Hauptschaaplatz dieses Angriffs die Anhöhe zwischen Rue 
du Chateau und Darcej gewesen sei. Diese Ansicht wurde unterdessen durch 
die grossartigen Ausgrabungen Napoleon's widerlegt und wird deshalb auch 
hier der Text nach dem neuesten Stand der Wissenschaft; verbessert gegeben. 

2) ex bis superiorum castrorum situs munitionesque cognoscunt. 83. 

tS) necessario paene iniquo loco et leviter dedivi oastra feceront. 83. Wir 
wollen zwar die Behauptung nicht gerade aufstellen, dass hier aoclivi anstatt 
declivi zu lesen sei; aber ein Terrain konnte nicht durch ein Abfallen, sondern 
nur durch ein Aufsteigen vor dem Lager für dasselbe ungünstig sein. Man 
kann wohl sagen, ein Terrain, welches abfüllt, steigt, von der andern Seite 
betrachtet, auch an. Heutzutage müsste aber von einem Offider ein vor dem 
Lager gegen den Feind hin ansteigendes Terrain gewiss mit accHvis und nicht 
mit declivis bezeichnet werden. (Vgl. Vll, 19: Collis erat leniter ab infimo 
acclivis.) Bei den Römern scheint jedoch allerdings eine derartige Präcision 
in der militärischen Schreibweise nicht gebräuchlich gewesen zu sein, da die 
Commentarien bei aller sonstigen Prädsion den Ausdruck, doch auch z. B. 
zwischen mens und collis, sowie zwischen flumen und rivus nicht consequent 
unterschdden , . und abwechselnd oft das eine Wort auch für das andere ge- 
brauchen. 



321 

welche sie für die tapfersten hielten, 60,000 Mann aus, und ver- 
einigten sich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, über die 
Art und Weise, wie sie das Unternehmen ausführen wollten*). 
Der Befehl über jene 60,000 Mann wurde dem Arverner Vercassi- 
launus übertragen mit der Bestimmung, dass der Angriff um die 
Mittagszeit des andern Tags zu beginnen habe. 

Er rückte um die erste Nachtwache — da es die Zeit der 
langen Tage war — etwa zwischen 8 und 9 Uhr Abends aus dem 
Lager, und war gegen Tagesanbruch — gegen 4 Uhr Morgens an 
Ort und Stelle gelangt. Damit der Marsch am nicht zu vermei- 
denden Geräusche von der Circumvallation aus nicht bemerkt wer- 
den konnte^ musste Yercassilaunus von den römischen Yerschanzungen 
eine gute Strecke entfernt bleiben, und auf grossen Umwegen aus- 
beugend nach dem Angriffspunkte ziehen. Wahrscheinlich mar- 
schirte er über die Höhen von Grignon und machte hinter dem 
Mont Rea verborgen Halt *), um seine Truppen sich von dem Nacht- 
marsche erholen zu lassen'). 

Als aber nach dem Stande der Sonne Mitttag heranzukommen 
schien, führte er seine Fusstruppen den Abhang herab gegen das 
Lager des Reginus und Rebilus vor, und zu gleicher Zeit — sie 
war ja im Kriegsrathe vorher schon bestimmt ^-^ rückte die gallische 
Reiterei gegen die in der Ebene gelegene Circumvallation an*). 
Die Fusstruppen aber, welche bis jetzt im Lager auf dem Hügel 
Mu8sy-la-fosse geblieben waren, nahmen vor dem Lager eine weit- 
hin sichtbare Stellung, um auch einen Angriff auf der Südseite der 
Circumvallation vermuthen zu machen*). 

Wie Vercingetorix von der Burg Alesia's herab seine verbün- 
dete Reiterei herankommen sah % rückte er aus der Stadt, und liess 
seine Hürden, Faschinen, Stangen, Schütthütten, Wallsicheln und 
was sonst noch für einen Ausfall hergerichtet worden war, gegen 
die Contravallation herantragen. Es wurde nun an deren ganzem 
Umkreise gekämpft, und die höchste Erafbanstrengung entwickelt; 



1) quid quoque pacto agi placeat. 83. 

2) post montem se occaltavit. 83. 

3) militesque ex nocturno labore sese reficere iossit. 83. 

4) ad campestres munitiones. 83. 

5) pro castris sese ostendere coeperunt. 83. 

6) ex arce Alesiae suos conspicatus. 84. Das suos kann sich nur auf die 
gallische Reiterei beziehen, weil die Aufstellung der Fusstruppen zu entfernt 
von ihm war, als dass er sie mit unbewaffneten Augen erblicken konnte. 

T. aoler j Cftsan gallUohar Krieg. II. Anfl, 21 



322 

den anscheiuend schwächsten Punkten galt aber der Angriff haupt- 
sächlich, und gegen sie drang Vercingetorix in Massen vor^). 

Der Römer Truppenabtheilangen konnten wegen des verhält- 
nissmässig grossen ünifangs ihrer Linien nur zersplittert auftreten, 
und nur schwer an mehreren Punkten sich dem Feinde in grössern 
Massen entgegenstellen ^). Ausserdem wirkte das Kriegsgeschrei 
der Gallier auf die Römer um so nachtheil ger, da sowohl die Yer- 
theidiger der Contravallation als auch diejenigen der Circumvallation, 
dasselbe nicht nur vor sich, sondern auch im Rücken hörten, und 
von letzterer Seite ihre Sicherheit nicht auf ihrer eigenen, sondern 
auf der Tapferkeit Anderer beruhte. 

Cäsar hatte sich auf eine Stelle, wahrscheinlich auf den nord- 
westlichen Ausläufer der Anhöhe von Flavigny, begeben, die ge- 
eignet lag, den Stand der Dinge auf den verschiedenen Punkten zu 
überblicken und seinen Truppen, wo sie im Gedränge waren, Unter- 
stützungen zuzusenden. 

Freund und Feind war es klar geworden, dass es jetzt die Ent- 
scheidung gelte. Die Gallier waren überzeugt, dass, wenn sie dies- 
mal die römischen Linien nicht durchbrächen, an keine Rettung 
mehr zu denken, die Römer aber, dass, wenn sie diesmal noch Stand 
hielten, das £nde aller ihrer Drangsale und Fatiguen herbeige- 
kommen sei. 

In der übelsten Lage befanden sich die Römer hinter den Yer- 
schanzungen am Abhänge des Mont Rea, weil die dominirende 
Stellung des Feindes ihm einen grossen Vortheil verschaiFte *). Ein 
Theil der Gallier schoss aus der Ferne seine Geschosse ab, ein 
andrer Theil rückte in Sturmcolonne oder verschilderter Masse*) 
an, und stets lösten frische Truppen die ermüdeten ab. Von der 
Gesammtmasse aber wurde Dammmaterial auf die Annäherungs- 
hindernisse geworfen ^) und dadurch nicht nur Fussangel , Wolfs- 
grube und Verhau überdeckt, sondern auch ein Damm durch den 



1) quae minime visa pars firma est, huc concurritur. 84. 

2) nee facile pluribus lods occurrit. 84. 

3) Iniquum loci ad declivitatem (oder acclivitatem ; der Codex Egmondanns 
enthält adscensam) fastigium magnum habet momentum. 85. Vergl. paene 
iniqiio loco et leniter declivi. 83. Anstatt des »Iniquum« , was die Codices 
enthalten, »exiguum« zu lesen, wie vielfältig geschieht, dafür scheint kein 
Grund Torhanden zu sein. 

4) testudine facta. 85. Vergl. Köchly's und Büstow's Uebersetznng. 

5) Agger ab universis in munitionem coniectus. 85. 



323 

Graben gelegt , über den die Stüriuenden auf den Wall gelangen 
konnten *). 

Schon gebracH es den Vertheidigern an Waffen und Kräften; 
da sendete Cäsar, nachdem er hievon Meldung erhalten hatte'), 
Labienus, der sein Lager auf der Anhöhe von Bussy hatte, den Be- 
drängten mit 6 Gohorten zu Hilfe, und ertheilte ihm den Befehl, 
wenn er den angegriffenen Punkt nicht halten könne, mit den de- 
tachirten Gohorten einen Ausfall zu machen ^). Doch sollte er ohne 
Noth nicht zu diesem Ausfalle schreiten. 

Cäsar begab sich nun zu den übrigen Truppen, wahrscheinlich 
zunächst zu denen des Antonius und Trebonius in die Verschanznng 
der Ebene hinab, und feuerte sie zur Ausdauer und Tapferkeit an ; 
denn der Preis aller bisherigen Kämpfe beruhe auf dem Erfolg 
dieses Tages, ja! dem dieser Stunde. Jetzt verloren die Truppen 
des Vercingetorix, welche die dortige Gontravallation angriffen, wegen 
der Stärke ihrer Verschanzung alle Hoffnung sie zu forciren *), rich- 
teten ihren Angriff gegen die auf den jähen Abhängen gelegenen 
Linien und suchten sie zu erklimmen ^) , nachdem sie das angefer- 
tigte Belagerungsmaterial dorthin gebracht hatten. Mit einer Un- 
zahl von Geschossen trieben sie die auf den Thürmen postirten 
V^ertheidiger von denselben hinab, füllten die Gräben mit Faschinen 
und Hürden aus, stellten damit einen Zugang zum Walle her, und 
rissen mit Wallsicheln dessen Brustwehr nieder. Dieser Angriff 
war wahrscheinlich gegen den Hügel von Flavigny gerichtet, der der 
Ebene zunächst lag, und dorthin sendete Cäsar als Unterstützung 
zuerst den jungen Brutus mit 6 Gohorten und später den Legaten 

1) et ascensum dat Gallis et ea, quae in terra occultaverant Bomani, 
contegit. 85. 

2) His rebus cognitis. 86. 

3) deductis cohortibas eruptione pugnaret. 86. Von Köchly und Rüstow 
wird das »deducere« mit »von dem Walle zurücknehmen« übersetzt. Wir 
glauben jedoch, dass hier deducere das hinwegführen aus dem Lager des La- 
bienus bezeichnet. (Vgl. cohortes quatuor ex proximo castello deducit. cap 87.) 
Beim Eintreffen in der Nähe des bedrängten Angriffspunktes konnte Labienus 
möglicher Weise schon beurtheilen, ob er den Sturm noch abschlagen könne. 
Hielt er es nicht mehr für ausführbar, so durfte er seine 6 Gohorten nicht 
erst in den dortigen Kampf verwickeln, sondern er musste schon in einiger 
Entfernung zum Ausfall die Linien überschreiten und den Stürmenden in die 
Flanke fallen. 

4) Interiores desperatis campestribus locis propter magnitudinem muni- 
tionum. 86. 

5) loca praerupta ex ascensu temptant. 86. 

21* 



324 

Fabius mit 6 weitern Gohorten. Zuletzt als mit höchster Erbitte- 
rung gekämpft wurde, führte er selbst frische Truppen, die noch in 
keinen Kampf verwickelt gewesen waren, zur Unterstützung herbei *). 

Als das Gefecht wieder hergestellt und Vercingetorix zurück- 
geschlagen war, eilte Gasar nach dem Angriffspunkte des Entsatz- 
heeres, wo er zu An&ng schon Labienus hinbeordert hatte ^. Aus 
der zunächst gelegenen Redoute nahm er 4 Gohorten mit sich, und 
befahl einem Theil seiner Reiterei ihm zu folgen, dem andern Theil 
aber aus der Circumvallation , wohl aus dem Lager bei Gresignj, 
zu debouchiren und die stürmenden Truppen des Yercassilaunus ini 
Rücken anzugreifen '). 

Als weder Graben noch Wall den Sturm des Yercassilaunus 
mehr aufhielt, sendete Labienus, dem es geglückt war 39 Gohorten 
aus den nahegelegenen Redouten zu vereinigen, Gasar Ordonanzen 
entgegen, und Hess ihm melden, dass er einen Ausfall machen werde. 
Da beschleunigte Gasar seinen Marsch, um zum Gefecht noch zu 
rechter Zeit an Orb und Stelle zu sein. 

Von der Anhöhe hatte man sein Nahen an dem weithin sicht- 
baren rothen Feldherrnmantel, den er während der Schlacht zu 
tragen pflegte, bereits erkannt, und auch die Reitergeschwader und 
Gohorten gesehen, welche ihm folgten. Nun ging Labienus zum 
Angriff über. 

Von beiden Seiten erhebt sich Schlachtgeschrei, und es wird 
von dem Wall aus die ganze Verschauzungslinie entlang erwidert. 
Die Römer werfen ihre Pilen bei Seite und greifen zum Schwerte ; 
plötzlich erscheint auch die römische Reiterei im Rücken der Stür- 
menden, und neue Gohorten rückten herbei. Nun ergreifen die 
Gallier die Flucht. Den Flüchtenden wirft sich aber die römische 
Reiterei entgegen und richtet ein fürchterliches Blutbad an. Se- 
dulius, Fürst und Führer der Lemoviker, bleibt auf dem Platze, 
Yercassilaunus geräth in Gefangenschaft, und Gäsar werden 74 er- 
beutete Fahnen überliefert. Yon den 60,000 Galliern gelangten 
nur wenige unverletzt in ihr Lager*). 

1) integros subsidio adducit. 87. Die Gohorten des Brutus und Fabius 
waren wahrscheinlich keine »integric , sondern hatten in der Ebene bereits 
mitgefochten. 

2) eo quo Labienus miserat. 87. 

3) circumire exteriores munitiones et ab tergo bestes adoriri. 87. 

4) In dem Graben von Mont R^a fand man eine Menge interessanter 
Gegenstände, insbesondere 600 römische und gallische Münzen, römische und 
gallische Degen, Lanzen und andere Waffen, Gebeine u. s. f. 



325 

Von Alesia ans hatte man Flucht und Niederlage des Entsatz- 
heeres überschauen können. Jetzt hatten die Blokirten auch ihre 
letzte Hoffnung auf Rettung yerloren, und sie zogen ihre Truppen 
▼on den Linien zurQck. Auch im gallischen Lager ergriff man die 
Flucht, als die Unglücksbotschafb eintraf, und wenn die römischen 
Soldaten durch die vielen Hin- und Hermärsche, welche sie um sich 
gegenseitig zu Hilfe zu eilen machen mussten, und durch die An- 
strengung des ganzen Tages nicht allzu ermüdet gewesen wären, 
hatten sie die gesammte feindliche Macht vernichten können. Um 
Mitternacht wurde jedoch die Reiterei zur Verfolgung entsendet. 
Sie erreichte noch den gallischen Nachtrab, hieb einen grossen Theil 
desselben nieder, und machte viele Gefangene. Die Uebrigen zer- 
streuten sich in ihre Heimath. 

Am folgenden Tage berief Vercingetorix einen Eriegsrath, und 
erklärte: nicht wegen persönlicher Bedrängniss, sondern der Be- 
freiung des Vaterlandes wegen habe er den Krieg begonnen, und 
weil man seinem Verhängnisse sich ergeben müsse, stehe es ihnen 
frei, durch seinen Tod den Römern Genugthung zu leisten, oder 
ihn auch denselben lebendig auszuliefern. Man schickte deshalb 
Parlamentäre an Cäsar. . Er befahl die Waffen zu strecken und 
die gallischen Fürsten vor ihn zu führen. Darauf nahm er seinen 
Sitz vor seinem Lager innerhalb der Linie, vermuthlich in dem 
Lager A auf der Höhe von Flavigny. Dort wurden die Fürsten 
vor ihm gebracht, Vercingetorix ausgeliefert^) und die Waffen 
gestreckt. Jedem Soldaten seines ganzen Heeres theilte er einen 
Gefangenen als Beute zu , nur die gefangenen Aeduer und Ar- 
vemer behielt er zurück, in der Hoffnung, dadurch jene beiden 
Völker wieder für sich zu gewinnen. Nach diesen Erfolgen rückte 
er ins Aeduerland, und nahm dessen Unterwerfung entgegen. Dort- 
hin kamen auch Gesandte der Arvemer, und versicherten ihn ihres 
unbedingten Gehorsams. Er gab den Aeduem und Arvemern 20,000 

1) Mommsen a. g. 0. Seite 273 sagt hiezu nach Plutarch, Dio und Floms : 
Die gallischen Officiere lieferten ihren von der ganzen Nation feierlich er- 
wählten Feldherm dem Landesfeind zu geeigneter Bestrafung aus. Hoch zu 
Ro88 und in vollem Waifenschmucke erschien der König der Arvemer vor dem 
römischen Proconsnl, und umritt dessen Tribunal; darauf gab er Ross und 
Waffen ab, und liess schweigend auf den Stufen zu Cäsars Füssen sich nieder. 
Fünf Jahre sp&ter ward er im Triumph durch die Gassen der italischen Haupt- 
stadt geführt und als Hochverräther an der römischen Nation , während auf 
der Höhe des Capitols sein üeberwinder den Göttern derselben den Feierdank 
darbrachte, an dessen Fuss enthauptet. 



326 

Geiangeiie zoröckf und sendete seine Legionen in die Winterquar- 
tiere , den Labienns mit zwei Legionen in das Land der Seqnaner, 
den C. Fabins und L. Minndns Basilns mit zwei Legionen zn den 
Remem , nm sie gegen einen Einfall der Bellovaker zn schützen, 
den Antistins Reginns zn den Ämbilaretem ^) , den T. Seztios zu 
den Bitorigen, den Caninios Bebilos zn den Rntenem mit je einer 
Legion. Tollins Cicero mit der 14. nnd L. P. Sulpicins mit der 
6. Legion worden beide ins Äednerland an der Saone nämlich nach 
Cabiilo nnd Matisco, dem heutigen Chalons nnd Macon, dislocirt, 
nm dort zugleich ffir die Verproviantirung der Legionen zn sorgen. 
Für seine Person beschloss Cäsar den Winter in Bibracte zuzubringen. 
In Rom wurde auf dessen Bericht ein 20tagige8 Dankfest an- 
geordnet. 

23. üeber die Oertlichkeit von Alesia'). 

Es ist ziemlich allbekannt, dass über die Lage von Alesia sich 
in den letzten Jahren ein heftiger Streit erhoben hat, indem man 
dem in Bnrgund gelegenen Ort Alise St. Reine, das mit Recht seit- 
her für Alesia galt, seine historische Bedeutung nehmen und sie 
auf den Ort Alaise in der Franche-Comte übertragen wollte. 

Eine vorzügliche Besprechung der Schriften über Alesia gibt 
uns M. A. Fischer, dessen Forschungen über Gergovia wir schon 
mit so grossem Vortheile benützt haben, in den »Heidelberger 
Jahrbüchern der Literatur« Nr. 41 und Nr. 42 von 1867, und die 
beste Beleuchtung über die Lage yon Alesia, vom militärischen 
Standpunkte ans, verdanken wir dem gediegenen und geistreichen 

1) Die Ambilareter wohnten wahrscheinlich zwischen den Mandubiem 
und den Senonen, da wo Spninner die Vadicasser bin verlegt, und wo heut- 
zutage sich noch nur wenige Stunden von einander entfernt zwei Städtchen 
Namens Ambillj befinden. Das nördliche mit dem Beinamen »le sec« liegt 
etwa 3 Stunden südwestlich von Chatillon sur 6eine. Für diese Lage des 
Ambilaretenlandes spricht insbesondere der CTmstand, dass die Entfernung von 
Bibracte bis Reims so gross iRt, dass Cäsar seine zwei zu den Remem ent- 
sendeten Legionen zu sehr isolirt haben würde, wenn er nicht zwischen ihnen und 
Bibracte noch eine Legion dislocirt haben würde ; imd diese Legion stand im 
Lande der Ambilareter. Die Vadicasser aber wohnten an der Oise, und ge- 
hörten wahrscheinlich zu den Bellovakem. (Vergl. Walckenaer IT, 269.) 

2) Napoleon III. sagt hierüber: Alise-Sainte^Reine, dans le departement 
de la Cöte-d'Or, est, saus ancun doute, 1* Alesia des Commentaires. L'examen 
des raisons strat^giques qui ont däterminä la marche de C^ar, la jaste inter- 
pr^tation da texte, enfin les fooillei faites r^emment, tout coneourt k le 
prouver. 



327 

An&atze des Herzogs von Anmale in der »Revue des denx mondes« 
15. Band, Jahrg. 1858. 

Die beiden letztem Arbeiten iveisen evident nach, dass Alesia 
an der Stelle des heutigen Alise in Burgund lag. Wenn wir uns 
auch nicht durchgängig mit den Behauptungen des Herzogs ver- 
einigen können, so enthalten sie doch so viele, unsere oben ge- 
gebene Darstellung berührende, ja beweisende Betrachtungen, dass 
wir uns nicht versagen können, einige derselben wörtlich hier auf- 
zunehmen, indem wir über jene Punkte, in denen unsere Ansicht 
abweicht, die nöthigen Bemerkungen hinzufügen wollen. 

Wenn Alaise das alte Alesia wäre, so hätte sich Yercingetorix 
von Autun aus, als Cäsar noch im Lande der Senonen war, bereits 
an den Doubs , in die Nähe von Besan9on , begeben müssen , um 
dort den Römern, im Falle sie nach der Provinz zurückmarschiren 
wollten, in den Weg zu treten. Der Herzog von Anmale sagt hier^ 
über pag. 84 seines Aufsatzes: 

Yercingetorix savait ä quel capitaine il avait affaire; il avait 
appris par sa propre exp^rience que son adversaire ^tait Thomme 
aux r^solutions promptes et inattendues; il ne voulait rien donner 
au hasard. En allant se poster pr^maturement au fond de la S^ 
quanie, il d^couvrait Autun, qui 6tait non seulement sa base 
d'op^rations , oü les contingens des diverses tribus continuaient 
d^affluer, mais le grand centre politique de la Gkule, d'oü partaient 
les ordres, oü arrivaient les nouvelles. Le proconsule pouvait par 
une marche rapide fondre sur cette ville, peut-§tre Tenlever par 
un coup de main, pent-etre dätacher du parti national les Eduens 
m^contens. En tout cas la position excentrique prise par Tarm^e 
gauloise aurait laiss6 le champ libre au genie de G&ar, si fecond 
en combinaisons , et Vercingötorix eut ^te bien outrecuidant de 
tenter ainsi la fortune. Und pag. 99: 

Noufi avons reconnu qu'il eüt it6 la (dans TAlaise sequane) en 
dehors de toutes les lignes d'operations. II n'y pouvait venir qu'avec 
Tintention de barrer la route k Cesar, ce qui #tait contraire ä ses 
r^solutions hautement annonc^s. Dans ce cas meme et en supposant 
que lea Romains dussent forcement passer par la Sequanie, il #tait 
mal place a Alaise, car la ligne de retraite des l^ions etait par 
la vall^ de la Saöne et non par le Jura. II inllait enoore ad- 
mettre que CĻr n*eut tir^ aucun parti de la faute commise par son 
adversaire en se postant d'une fafon aussi excentrique. Seite 94 werden 
die Yorfheile einer Stellung des Yercingetorix bei Alise geschildert: 



328 

n reste ä Autun, entoure des deputä de la Gaule enti^re, ex- 
pediant partout des ordres, dirigeant les attaques prescrites oontre 
la Provinee, recevant chaque jour de nouveaux detachemens ^ or- 
ganisant son armee. Quelques marches seulement le separent du 
territoire ennimi ; mais ä mesure que ses forces grossissent , il se 
touve trop loin des Romains, trop Ignorant de leurs mouvemens. 
La ville meme d'Autun lui semble trop exposee, et puis le terrain 
qui Tentoure est peu propre ä Temploi de sa cavalerie , dont il 
compte surtout se servir. II est la comnie enyeloppe par les nion- 
tagnes du Morvan et de la Cote-d'Or. Or du point de jonction de 
ces deux chatnes se detache une sorte de promontoire qui s^avance 
au milieu d'un pajs relativement plat et decouvert. Ce päte mon- 
tagneux, oü se cachent les sources de la Seine, appartient aux tribus 
conföd^rees et forme comme une enclaye dans le pays des Lingons '). 
II se termine par une position naturellement forte, qu'on appelle 
aujourd'hui le Mont Auxois, et oü se trouve la petite ville d'Alise, 
que nous considerons en ce moment comme TAlesia de Cesar. 

Vercingetorix dut reconnaitre dans cette position des avantages 
divers qui devaient et seduire un chef barbare et frapper un esprit 
aussi eleve que le sien. Elle etait peu eloignee d'Autun (dix huit 
lieues). Avec quelques travaux on pouvait en faire un lieu presque 
imprenable et y assurer, en cas de revers, un asile sür a des troupes 
nombreuses, qui sans peril pour elles-memes y attireraient Tatten- 
tion de l'ennemi et y retiendraient ses forces. Tout autour se 
croisaient les routes que pouvait suivre Cesar: au sud et a Touest 
la vall^e de TTonne et de ses affluens : au nord-ouest et au nord 
le plateau ondul6 sur leqnel coulent les eaux naissantes de TAube 
et de la Seine; ä treize lieues dans Test, derri^re un rideau qui 
est peut-etre le point le plus bas de Tepine dorsale de TEurope, la 
yallee de la Tille et de la Saone. Enfin il n'^tait pas de Situation 
oü Tarm^ gauloise put etre mieux placee pour attentre en sürete, 
couvrir toutes les routes, observer les Eomains, et, quelle que fiit 
la direction qu*ils prissent, s'approcher d'eux pour commencer le genre 
de guerre adoptee. Que Ton jette les yeux sur la carte, que Ton 
suppose C^ar plac^ en un point quelquonque d'un triangle dont 
les sommets seraient ä Sens, Vitry et Langres : je ne crois pas qne 
Ton puisse trouyer une position qui reunisse mieux qu'Alise toufces 
les conditions que nous venons d'indiquer. Und schon p^. 85: 

1) Wie wir S. 832 sehen werden, war das Mandubiergebiet keine Enclave 
der Lingonen. 



329 

J^inclinerai menie a croire que le plateau d'Alcsia, quel qu^en 
fut remplacement , avait ^te dispose d'ayance pour recevoir Tarmee 
ganloise en cas de revers; car lorsque cette position fut reconnue 
par Gesar, les troupes ennemies etaieot etablies sous le mur oriental 
de la ville et couvertes par un fosse et un mur de grandes pierres 
Seches haut de six pieds. Comment 8upposer qu\m pareil travail 
eut ^te ez^ut^ daus cette seul matin^? D'autre part aurait il pu 
^tre accompli en pr&ence de Tarmee romaine et si aucun ouvrage 
ne prot^ait les Gaulois quand Cäar parut devant Alesia, celui-ci 
ne le aurait-il immediatement attaques, dans Tetat de profonde 
terreur oü les ayait jet& la deroute de leur cavalerie. Enfin est-il 
Yraisemblable que les habitants de cette bourgade aient eu dans leurs 
cabanes assez de yivres pour faire subsister pendant plus d'un mois 
80,000 assi^ges, 40,000 meine, si Ton veut reduire de moiti^ le 
chiffre donne par les commentaires, ou qu'une si vaste quantite de 
grains ait pu etre introduite dans la place, une fois Tinvestissement 
commence? La longue duree de la resistance n'indique-t-elle pas 
assez que les approvisionnemens avaient ^te reunis avant le si^e? 
Fortifications, subsistances , tout semble avoir ete pr^vu et pr^pare 
d^avance. 

Femer pag. 98 : Nous avaii^s trouve que politiquement et mili- 
tairement, il (C^r) etait mieux place sur TAube ou sur la Marne 
que yers Sens ou Langres, qu'il j etait mieux «n mesure de re- 
poser et de r&)rganiser son armee, de contenir dans Tobeissance les 
tribus qui n avaient pas encore fait defection, de communiquer avec 
Te Rhin. 

Der Herzog lässt Cäsar demzufolge nach seiner Vereinigung mit 
Labienus bei Vitry Stellung nehmen (pag. 78), und von dort aus 
seinen Marsch nach dem Sequanerlande antreten: (pag. 95.) Cesar 
qnitte son camp situe vers Vitry, et s'achemiüe par la vall^ de 
TAube ; c'est la route la meilleure et la plus directe qu*il puisse 
prendre pour gagner Dijon, derni^re place lingonne ') et de la pe- 
n^trer en Sequanie (in Sequanos). Marchant dans un pays, d^ 
couyert et ami, il fait facilement sept Heues par jour. Son troi- 
si^me bivouac est ä environ trois lieues au sud de la Ferte-sur- 
Aube, pres de la frontiere lingonne (extremos fines Lingonum), 
decoupee de ce cot6 par Tenclaye mandubienne. Avec le Systeme 
de signaux que poss^aient les Gaulois on peut admettre que le 



1) Dass D^on oder Dibio nicht zum Lande der Lingonen gehörte, siehe S. 832. 



830 

soire meme du jour oü Cesar s'efcait mis en mouTement, Ver- 
cing^torix en fut inform^. Ayant dejä sous la main des forces im- 
posantes, il aura quitte Alesia des le lendemain et sera venu camper 
sur la Seine un peu au-dessus de Chätillon. Le second joar, oon- 
naissant la direction que suivait C^sar, il aura appuyä vers Test et 
sera venu se poster sur TOurce. Les feux de ses birouacs, ^tablis 
derriere cette riviere, entre Brion et Prusly, sont apper9ti8 par les 
Romains qui terminaient en m^me temps leur troisieme joumee de 
marche et s'arretaient sur TAube ä dix milles des Gaulois environ. 

C*est le lendemain , entre Montigny et Louesme ^) dans nne 
plaine onduläe fermee par TAube, TOurce et de coUines bois^s, 
qu'aurait en Heu la rencontre des deux arm^. 

pag. 87 Pour atteindre le but qu'il (C&ar) se propo- 

sart, porter secours (ferre subsidium) ä la Province, la meillenre 
(quo facilius), presque la seule route qu'il put suivre, 6tait la sni- 
vante: descendre la yallee de la Tille, passer ä Dijon, demiep point 
important du pays lingon (?) , traverser la Saone pres de Saini- 
Jean-de-Losne, le Doubs entre Navilly et Chaussin, la Seille vers 
Louhans, puis fiier entre le Jura et les marais (aujourd'hui trans- 
formes en etangs) du pays de Dombes pour franchir TAin ä Ponfc- 
d*Ain et le Rhdne a Lagnieux. II n'^tait pas de voie plus directe 
pour gagner la plus menacee, la plus essentielle a conserver des 
frontieres romaines, celle qui ^tait confi^e aux Allobroges. G'etait 
la plus courte pour aller repousser les attaques dirig^es contre Touest 
de la Province. 

Wir können nur anerkennen, dass eine Stellung bei Vitry 
Cäsar viele Vortheile bot; haben auch oben gezeigt, dass Cäsar 
nicht bei Sens mit Labienus zusammentraf, und die Behauptung 
aufgestellt , dass beide Feldherm mit sämmtlichen Truppen nach 
ihrer Vereinigung bei Troyes standen. Eine Stellung bei Vitry 
würde Cäsar für die damaligen Verhältnisse allzu weit von seiner 
Provinz entfernt und ihn einem strategischen Flankenangriff der 
Bellovaker ausgesetzt haben. Auch hatte er sich durch seine Stel- 
lung bei Troyes den befreundeten Remem und Lingonen hinläng- 
lich genähert , um sie schützen und Proviant von ihnen beziehen 
zu können. Die Oermanen aber konnten auch bei Troyes unge- 
hindert zu ihm stossen, weil die Remer auf Seite Cäsars waren. 



l) Montigny liegt 2 Stunden nördöstlicli und Louesme, V/i Stunden süd- 
östlich von Brion. 



331 

Das Reitertreffen, in welchem Cäsar Vercißgetorix nach Alesia 
zurückwarf, ist, wie wir glauben, schon deshalb nicht an den rom 
Herzog bezeichneten Punkt zu legen, weil Cäsar denselben zur Zeit 
des Treffens längst musste überschritten haben, um sich östlicher 
zn wenden, so dass es ausgesehen hatte, als weiche er vor Yer- 
cingetorix aus. Vergl. Seite 800. 

Den Ort Beneuvre haben wir nicht willkürlich angenommen, 
sondern in Betracht des Terrains. Von Chatillon bis über Recey 
hinaus ist dasselbe noch jetzt so waldig und coupirt, dass Reiterei 
dort nicht zu ausgedehnter Verwendung kommen konnte. Erst 
gegen Beneuvre lichtet sich die Gegend so, dass sie für einen Reiter- 
kampf praktikabel ist. 

Endlich glauben wir nicht, dass Oisar beabsichtigte über Dijon 
nach Lagnieux zu ziehen. Zu dieser letztern Annahme scheint der 
Herzog von Äumale durch die, wie wir glauben, unrichtige Aus- 
legung von »cum Caesar in Sequanos per extremos Lingonum fines 
iter faceret, quo fiicilius subsidium provinciae ferri posset« cap. 66 
verleitet worden zu sein. Wir erkennen darin nicht, dass Cäsar 
bereits auf dem Wege war, der Provinz, etwa den Allobrogen, 
Hilfe zu bringen *), sondern er war vorerst auf dem Wege in das 
Land der Sequaner, um dort Stellung zu nehmen, und von dort aus 
— wenn nöthig — die Provinz leichter (»facilius«) unterstützen 
zu konneu. 

' Unserer Ansicht nach wollte daher Cäsar, als er in die Lingonen- 
grenze hinabzog, vorerst nicht weiter als in das Sequanerland, 
nämlich nach Besan^on marschiren, Gallien aber nicht verlassen. 
Dort blieb er durch das Doubs- und Saonethal in Verbindung mit 
Lugdnnum (Lyon) und Vienna. Wurde Cäsar bei Besan9on von 
Vercingetorix angegriffen, so befand er sich dort in einer sehr festen, 
die Kriegführung begünstigenden Stellung (vgl. I, 38) und wandte 
sich der Arverner südlich, um mit Umgehung Cäsars die Provinz 
anzugreifen, so bedrohte Cäsar dessen Flanke und Rücken, nament- 
lich das Aeduerland als damaligen Haupt- und !\Iitteldunkt des 
gallischen Aufetandes. 

Als ein weiteres strategisches Element für die Bestimmung 
der Lage von Alesia haben wir zu untersuchen, wo die Grenze und 
zwar die Süd- oder vielmehr die Südwestgrenzc der Lingonen lag. 
D'Anville stellte bekanntlich die Behauptung auf, dass die Diöcesan- 

1) Vergl. S. 330: »Pour atteindre le but qu'il se proposait« etc. 



332 

EintheiliiDg Frankreichs so ziemlich den Grenzen der früheren galli- 
schen Yolksstamme entsprochen habe. In der Regel wird nnn zum 
Lande der Lingonen nicht nur die Diocese Langres, sondern auch 
die Diöcese Dijon gezahlt. So sagt Walckenaer I, 417 : Le dioctee 
de Langres, avant qu'on en eut demembre celui de Dijon (ce qni 
n'eut lieu que sous Louis XV. en 1721) nous repr&ente Fetendue 
et les limites de Tancien territoire des Lingones. Demnach hatte 
zu dem Lande der Lingonen zu Cäsars Zeit nicht nur etwa das 
heutige Departement der obem Marne, sondern auch das Departe- 
ment Gote d'Or gehören müssen, dessen Südgrenze von Autnn 
höchstens 5 Stunden entfernt liegt. Weil aber die Helyetier nach 
ihrer Niederlage bei Autnn (vgl. bell. gall. I, 26) nach einem un- 
unterbrochenen Nachtmarsche noch vier Tage brauchten um von 
hier die Grenzen der Lingonen zu erreichen, so genügt diese Ent- 
fernung nicht und zwar um so weniger, als die Helyetier auf der 
Flucht begriffen, jedenfalls grosse Märsche machten; daher müssen 
wir die Südgrenze der Lingonen wenigstens 20 Stunden, ja vielleicht 
noch weiter, von Äutun nördlich verlegen. Die Diöcese Dijon hat 
daher zu Cäsars Zeit nicht zum Lande der Lingonen gehört, sondern 
sie bildete damals das Land der Mandubier, und Dijon oder Dibio 
war wahrscheinlich deren Hauptstadt. Die Südgrenze der Lingonen 
fallt nahezu auf die Linie, welche wir Seite 300 als Cäsars Marsch- 
richtung angegeben haben. Um von ihr aus nach Alaise zu ge- 
langen, hätten die Römer von einem Tag auf den andern drei 
Flüsse, die Saone, den Ognon und den Doubs passiren und wenig- 
stens 15 Stunden Wegs zurücklegen müssen, was kaum möglich 
gewesen sein möchte. Mit dieser Behauptung stimmt freilich Strabos 
Angabe, nach der die Mandubier Nachbarn der Arverner gewesen 
wären, nicht überein. Dies kann uns aber nicht irre machen^ wie 
auch Walckenaer zugibt, der Tom. L pag. 330 seiner Geographie 
ancienne des Gaules sagt: S'il est vrai, comme le dit Strabon, qne 
les Mandubii etaient voisins des Averni, ces derniers doivent avoir 
usurpe sur les Aedui, alors leurs rivaux, un territoire considerable, 
et ce qui semblerait justifier Strabon, c'est le choix que fit Ver- 
cingetorix — chef des Arverni — de la ville d'Alesia pour s'y 
renfermer; peut-etre aussi est-ce ce choix meme qui a fait com- 
mettre ä Strabon une erreur. 



333 



Achtes Buch. 

(Das Jahr 51 v. Chr. oder 703 n. E. R.) 



1. Winterquartiere von 52/51 v. Chr. 

Im letzten Gapitel des 7. Buches seiner Commentarien gibt 
Cäsar eine nur allgemeine Andeutung über die Verlegung seiner 
Legionen in die Winterquartiere, welche er ihnen nach Nieder- 
ksmpfung des grossen gallischen Aufstands unter Vercingetorix 
angewiesen hatte. Ein genaues Studium der Begebenheiten des 8. 
von Hirtius geschriebenen Buchs aber setzt uns in den Stand fol- 
gende nähere Darstellung der Winterquartiere zu geben, die nicht 
nur die Zahl der Legionen sondern auch ihre Nummern enthalten. 
Wenn wir hierbei ausser den von Cäsar genannten Gebieten, in 
welchen seine Legionen stationirt waren, auch Städte nennen, so 
geschieht dies, weil es wahrscheinlich ist, dass sie bei den Haupt- 
städten jener Gebiete standen, und weil wir dadurch zur Ueber- 
sicht der Entfernung der Winterquartiere von einander bestimmtere 
Punkte erhalten. Es standen 

bei Besan9on (in Sequanis) unter Labienus die 3. ') 

(nach Napoleon die 15.) und 7. Legion ... 2 Legionen 
bei Reims (in Remis) unter Fabius die 8. und 9. *) 2 „ 
bei Ambilly in der Nähe von Chatillon sur Seine (in 

Ambilaretis) unter Reginus die 11.^) .... 1 „ 
bei Bourges (in Biturigibus) unter Sextius die 13. *) 1 „ 
bei Rhodez (in Rutenis) unter Rebilus die 15. (nach 

Napoleon die 1.) 1 „ 

bei Chälons sur Saöne (Gabilloni) unter Cicero (nach 

Napoleon unter Sulpicius) die 14. ^) .... 1 „ 
bei Macon (Matiscone) unter Sulpicius (nach Napo- 
leon unter Cicero) die 1. •) (nach Napoleon die 6.) 1 „ 

1) Vergl. VIII, 24. und 54. 2) Vergl. VIII, 8. 3) Vergl. VIII, 2. 
4) Vergl. jni, 2. 5) Vergl. VIII, 4. und VI, 42. 

6) Vergl. VIII, 4., wo anstatt »legiones XIIII et VI.c zu lesen ist >legione8 
XIIH et I.« Denn eine legio VI. stand nicht in Cäsars Heer, aber eine legio I. 
(Vergl. bell. gall. civ. III, 88.) 



3S4 

in Autun (Bibracte) in Cäsars Hauptquartier unter 

M. Antonius die 10. und 12. ^) 2 Legionen. 

Cäsar hatte also damals 1 1 Legionen zu seiner Verfügung, und 
nicht nur 10 Legionen , wie häufig geglaubt wird ; denn es lässt 
sich das damalige Vorhandensein einer jeden obiger Legionen in 
Cäsars Heer aus den Commentarien nachweisen. 

2. Zug gegen die Biturigen. 

In den bezeichneten Winterquartieren wollte Cäsar, nachdem 
ganz Gallien unterworfen, und seit dem vorjährigen Sommer *), dem 
des Jahres 53. v. Chr., der Krieg ununterbrochen angedauert hatte, 
seine Truppen sich von so grossen Strapazen erholen lassen ; da 
liefen Nachrichten bei ihm ein, nach denen mehrere Staaten Galliens 
damit umgingen, den Krieg zu erneuern, und deshalb mit einander 
in Verbindung getreten waren. Als wahrscheinliche Veranlassung 
zu diesen Aufstandsplänen wurde angeführt, dass die Gallier zu der 
üeberzeugung gelangt seien, sie könnten zwar, auch wenn sie noch 
so grosse Truppenmassen versammelten, dem vereinigten römischen 
Heere nicht die Spitze bieten , wenn aber mehrere Stämme in ver- 
schiedenen Gegenden gleichzeitig zu den Waffen griffen , so würde 
das römische Heer weder Zeit noch Truppen genug haben, um 
überall zur Hand zu sein. Kein einzelner Staat aber dürfe vor 
Opfern zurückschrecken, wenn er die römischen Streitkräfte an sein 
Gebiet .fesselnd *) den übrigen Staaten die Freiheit erringen könne. 

Damit diese Ansicht sich nicht noch mehr verbreite, übergab 
Cäsar die beiden Legionen seines Hauptquartiers dem Quästor M. 
Antonius. Er selbst brach am 2. Dez. 52 v. Chr. *) mit einer aus 
Reiterei bestehenden Eskorte von Autun zur 13. Legion auf, die er 

1) Vergl. VIII, 24. in Betreff der 12. Legion; die 10. Legion galt be- 
kanntlich als Cäsars Garde. 

2) a superiore aestate. VIII, 1. Es kann unter aestas superior hier nicht 
der letztvergangene Sommer, welcher noch in das laufende, wiewohl sich 
seinem Ende nähernde Jahr 52 v. Chr. gehörte, sondern nur der Sommer des 
Jahres 53 v. Chr. verstanden werden. Denn thatsächlich hatte der Krieg seit 
dem Frühjahr oder Beginn der guten Jahreszeit (aestas) des Jahres 53 his in 
den Herbst 52 also 1 '/t Jahr beinahe ununterbrochen angedauert. Kaum hielte 
nämlich Cäsar im Spät-Herbste 53 seine Legionen in die Winterquartiere ge- 
legt und sich nach Italien begeben, so brach der grosse Aufstand des Ver- 
cingetorix aus. Vergl. Oudendorp. 

3) tali mora. 1. 

4) pridie Kai. Januarias. VIII, 2. vergleiche Anhang L Beilage lU. 



335 

unter Regmus nicht weit von der Grenze der Aeduer, also in der 
Nähe von Avaricum oder dem beutigen Bourges, in das Gebiet der 
Biturigen dislocirt hatte. Zu diesen Legionen zog er sodann noch 
die 11. heran, welche zunächst stand, nämlich beim heutigen Am- 
billy, an der obem Seine. 

Für die Bewachung des Gepäcks Hess er von jeder der beiden 
Legionen je zwei Gehörten im Winterlager der 13. Legion zurück, 
und führte das übrige Heer (16 Cohorten) in die ausserordentlich 
frnchtbaren Landstriche der Biturigen, welche, deren nordwest* 
liches Gebiet umfassend, an die durch ihre Fruchtbarkeit berühmte 
ehemalige Provinz Touraine sich anschlössen. Die Ausdehnung des 
Gebiets der Biturigen und seine ziemlich grosse Zahl von Städten 
gestattete nicht, dass man diesen Volksstamm mit dem Winterlager 
einer einzigen Legion von Kriegsrtistungen und geheimen Umtrieben 
zurückhalten konnte. 

Das plötzliche Erscheinen Cäsars hatte den Erfolg, den es auf 
die unvorbereiteten und nicht gesammelten Biturigen haben musste. 
Die Leute auf dem Lande, die sich nichts Arges versahen, wurden 
von der Reiterei überrascht, ehe sie sich in die Städte flüchten 
konnten. Denn Cäsar hatte befohlen keine GeHude anzuzünden, 
deren Feuersäulen in der Regel das Nahen eines Feindes verkünden, 
damit die Biturigen einmal nicht aufgeschreckt würden, und es ihm 
zweitens bei einem weitern Vorrücken nicht an Proviant und Futter 
gebreche. Viele Tauseude wurden gefangen, diejenigen aber, welche 
beim ersten Nahen der Römer aufgeschreckt, entkommen konnten, 
flüchteten in benachbarte Staaten ; theils auf ihre dortige Privat- 
verbindungen, theils auf ihre gemeinsamen Pläne vertrauend. Dies 
half ihnen jedoch nichts; denn durch forcirte Märsche war ihnen 
CSsar überall im Wege, und Hess keinem Staate Zeit an etwas 
anderes als an seine eigene Sicherheit zu denken. Durch dieses 
rasche Vorgehen erhielt er sich die treugesinnten Anhänger, setzte 
Schwankende in Schrecken und brachte sie zur Unterwerfnng. Als 
die Biturigen sich in dieser Lage sahen, und in Betracht zogen, 
dass die benachbarten Staaten ohne vorhergegangene Züchtigung 
Geiseln gestellt und von Cäsar in Gnaden wieder aufgenommen 
worden waren, ihnen selbst aber seine Milde, die Rückkehr zur fried- 
lichen Ausgleichung ebenfalls offen lasse, da unterwarfen auch sie sich. 
Cäsars Truppen hatten während der so äusserst schwierigen 
Märsche in diesen unausstehlich kalten Wintertagen mit unbedingter 
Ergebung ausgedauert. Für diese Anstrengung und Ausdauer ver- 



836 

sprach er ihnen als Bentegeld je 200 Sestertien dem Soldaten und 
je 2000 Sesfcertien dem Centnrionen *). Die 13. Legion sendete er 
hierauf wieder in ihr Winterquartier bei Bourges, die 11. in das- 
jenige bei Ambilly zurück *). Er selbst begab sich 40 Tage nach 
seinem Abgang von dort, also den 9. Jan. 51 v. Chr. wieder 
nach Bibracte. 

3. Zag gegen die Oarnuten. 

Während CSlsar zu Bibracte Gerichtstage hielt, erschienen Ge- 
sandte der Biturigen vor ihm , beklagten sich über die Camnten, 
von welchen sie angegriffen worden wären , und baten um Hilfe 
gegen dieselben. 

Wiewohl er erst seit 18 Tagen wieder in seinem Winter- 
quartiere verweilt hatte, liess er dennoch auf diese am 27. Januar 
eingelaufene Nachricht hin die beiden Legionen, welche zur Sicherung 
der Zufuhren an den Arar dislocirt waren (VII, 90), nämlich die 
14. Legion unter Cicero von Cabillo und die 1. Legion ■) unter 
Sulpicius von Matisco, sogleich aufbrechen und marschirte an ihrer 
Spitze gegen die Carnuten. 

Nach ihrer Niederlage im vorhergegangenen Jahre hatten die 
Carnuten eine ziemlich grosse Zahl ihrer Städte eingebüsst *), und 
deshalb schnell aus geringen Häuschen Dörfer und Städte erbaut, 
um darin wenigstens nothdürfkig überwintern zu können. Als sie 
nun vom Anmärsche des römischen Heeres Ku^de erhielten, trat 
ihnen das Missgeschick der übrigen Gallier vor Augen, und sie 
liessen jene neue Ansiedelungen im Stich, um da und dorthin zu fliehen. 

Da Cäsar der in jener Jahreszeit meist eintretenden höchst 
rauhen Witterung — man stand in der Mitte des Februar '^) — 

1) 200 Sestertien = 32 Mark. Nach Köchly wäre das Beutegeld der 
Oenturionen wahrscheinlich nicht richtig angegeben, da diese sonst nor das 
Doppelte der Gemeinen za erhalten pflegten. 

2) legionibusque in hiberna remissis. 4. 

3) Vergl. oben Seite 333. 

4) complura oppida amiserant. 5. Nach Cujac. MS. nnd Scaliger anstatt 
dimiserant. 

5) ernmpentes eo maxime tempore acerrimas tempeatates. 5. Am 27. 
Januar erhielt Cäsar in Autun die Nachricht vom Aufistande der Carnuten, am 
29. konnte der Befehl zum Abmarsch der Legionen in Chälons \md Macon 
eingetroffen sein. Am 31. Januar marschirten sie wahrscheinlich ab, und 
hatten über Autun und Orleans einen Weg von 50 Stunden zurückzulegen, 
wozu sie mit den Ruhetagen etwa 15 Tage brauchten, und daher ungefähr 
den 15. Februar in Orleans anlangten. 



337 

seine Truppen nicht aussetzen wollte, so liess er sie in der Caniuten- 
stadt Genabum Quartier nehmen, und legte sie theils in die Woh- 
nungen der Gallier theils in Hütten, die aus Stroh errichtet wor- 
den waren, das man, als ein Verbleiben in Genabum noch nicht 
beschlossen war, zur Deckung der Zelte schnell zusammengebracht 
hatte *). 

Seine gallischen Reiter und Hilfsvölker zu Fuss schonte er 
weniger, und sendete sie nach allen Richtungen, welche die fliehen- 
den Camuten eingeschlagen haben sollten — und nicht ohne Er- 
folg, denn jene Truppenabtheilungen kehrten selten ohne grosse 
Beute zurück. 

Das Ungemach der kalten Jahreszeit und Furcht vor dem sieg- 
reichen Feinde hatte den Garnuten alle Haltung genommen. Von 
Haus und Hof getrieben, wagten sie nirgends länger zu verweilen, 
und auch den Schutz der Wälder konnten sie bei dem ausserordent- 
lich rauhen Wetter nicht aufsuchen. Zersprengt und nach grossen 
Verlusten zerstreuten sie sich in die Nachbarländer. 



4. Zug gegen die Bellovaker. 

Da Cäsar ein Auseinandertreiben sich sammelnder Schaaren für 
genügend ansah ') , jedweden Aufstand im Keime zu ersticken, und 
nach aller Berechnung auch überzeugt sein konnte, dass auf den 
Sommer kein allgemeiner Krieg ausbrechen werde, so liess er in 
dieser höchst unwirthlichen Jahreszeit G. Trebonius mit den 2 Le- 
gionen, welche er bei sich hatte, der 1. und 14., zu Genabum im 
Winterquartier. Er selbst wurde hinweggerufen, indem von den 
Remern wiederholt die Meldung eingelaufen war, dass die kriegs- 
tüchtigen Bellovaker und ihre Nachbarvölker unter Führung des 
Bellovakers Correus und des Atrebaten Commius Truppen aushöben 
und sie auf einem Punkte concentrirten , um mit ihrer ganzen 
Macht in das Gebiet der Suessionen einzufallen, welche den Remern 
zugetheilt waren. Aus dem Zusammenhang der ganzen folgenden 
Darstellung lässt sich durch Vergleichung des Terrains und der 
bezüglichen Entfernungen mit Sicherheit erkennen, dass jener Sam- 
melpunkt die Höhe war, welche östlich vom heutigen Pierre- 



1) partim quae collectis (anstatt conjectis) celeriter stramentis tentoriorum 
integendorum gratia 5. 

2) quam satis haberet convenientes manus dissipare. 6. 

T. Oder, CUkn gaUitoher Krieg. U. Aufl. 22 



338 

fonds am Walde von Compiegne liegt*). Cäsar war der Ansicht, 
nicht nur sein Ansehen, sondern auch seine Sicherheit verlange, 
diese Bundesgenossen, welche sich um Rom vor Allen verdient ge- 
macht hatten , gegen Unbilden schützen zu müssen. Er sendete 
daher der unter Reginus beim heutigen Ambilly stationirten 11. 
Legion den Befehl ihr Winterlager wieder zu verlassen und heran- 
zurücken, und an Gajus Fabius, welcher bei Reims stand, den Be- 
fehl mit seinen beiden Legionen — der 8. und 9. — in das Gebiet 
der Suessionen einzurücken; auch rief er eine Legion des Labienus 

— die 7. *) — von Besanjon herbei. So suchte er , insoweit die 
strategisch günstige Lage der Winterquartiere und das Verhältniss 
des Kriegs es gestattete**'), die Legionen abwechselnd zu den 
Strapazen der Expeditionen beizuziehen. Er selbst war ununter- 
brochen angestrengt. 

Nachdem Cäsar die genannten 4 Legionen — wahrscheinlich 
beim heutigen Chäteau Thierry — gesammelt hatte*), rückte er 
gegen die Bellovaker vor, imd schlug auf ihrer Grenze sein Lager 

— etwa auf der Höhe von Cugny les Ouches, welche nach ihrer 
Beschaffenheit eineni römischen Lager eine vortreffliche Position 
bot. Um über die Plane des Feindes Nachrichten erlangen zu kön- 
nen, sandte er hierauf zur Einbringung von Gefangenen nach allen 
Richtungen Reiter aus. Diese thaten ihre Schuldigkeit und mel- 
deten, sie hätten in den Gehöften nur wenig Leute angetroffen, 
und diese seien nicht der Feldbestellung wegen zu Hause geblieben 

— denn die Auswanderung sei allgemein — sondern man habe sie 
zum Kundschaften zurückgeschickt. Als sie Cäsar darüber ver- 
nahm, wo das Heer der Bellovaker Stellung genommen habe, und 

1) »Napoleon versetzt die ersten Ereignisse des Feldzugs gegen die Bello- 
vaker , wie schon Göler vor ihm gethan , in den Wald von Compiegne , auf 
ein Terrain, welches ihm von seinen Hofjagden her genau bekannt sein muss.« 
(Rüstow. S. 556.) Obiges Lager verlegt er auf- die Höhe von St. Marc (Taf. XI. 
Fig. I. 0.) 

2) Vergl. cap. 8. 

3) quantum hibernorum opportunitas bellique ratio postulabat 6. Diese 
bisher gebräuchliche Lesart ist unmöglich richtig. Denn die günstige d. h. 
nähere Lage eines Winterlagers konnte nicht erheischen, dass Cäsar die 
Truppen eines andern weniger günstig gelegenen Winterlagers zum Kampfe 
zog; musste er doch auch die IL Legion, welche kaum wieder in das Lager 
bei Ambilly eingerückt war, blos weil sie dem Operationsobject zunächst 
stand, von neuem beiziehen (legionem ex hib. evocat rursus XI). Es ist 
wohl anstatt »postulabat« zu lesen »permittebat«. 

4) His copiia coactis. 7. 



339 

was deren Plan sei, erfuhr er: Alle waffenfähigen Bellovaker, sowie 
die Ambianen, Aulerker, Caleter, Vellocassen und Atrebaten hätten 
sich concentrirt, zu ihrem Lager (Taf. XL Fig. 1. B.) einen in 
waldiger Gegend hochgelegenen und von Sumpf umgebenen Punkt 
gewählt , ihr Gepäck aber alles in entferntere Wälder geschafft *). 
Dieser Ortsbeschreibung entspricht die genannte Höhe bei 
Pierrefonds auffallend, (siehe die genannte Fig.) ; sie ist noch heute 
vom Walde von Compiegne, jenem zwischen dem Mont Berny und 
St. Etienne sowie von dem waldigen Höhenzuge südlich von Rethueil 
umgeben, und von den Thalgründen des Vandybaches sowie des 
Baches, an dem Pierrefonds liegt, umschlossen, welche früher selbst- 
verständlich noch sumpfiger als heutzutage waren. Dass das Lager 
nicht unmittelbar von Wald umschlossen sein konnte, geht 
schon daraus hervor, dass, wie wir sehen werden, C^ar seine Reiterei 
gegen den Feind verwendete. (Vergl. Gap. 15: equites frenatis 
equis in statione disponit und Cap. 16: Equites quum intrare 

summum iugum timerent.) Wenn man aber hieran dennoch 

Anstoss nehmen wollte, so ist zu bemerken, dass Oudendorp an- 
führt: abest vulgo: »in silva«. 

Weiter erfuhr Cäsar, mehrere Fürsten hätten die Schilderhebung 
bewirkt, die grosse Masse aber höre vorzugsweise auf Correus, weil 
ihnen sein glühender Hass gegen die Römer bekannt sei. Vor 
einigen Tagen sei der Atrebate Commius aus jenem Lager aufge- 
brochen, um Hilfstruppen der Germanen herbeizuführen. Unter 
diesen sind die Condruser, Eburonen, Cäröser, Pämaner und Adua- 
tuker, deren letzterer Grenze vom Lagerplatze ungefähr 36 Stunden 
entfernt lag *) , verstanden. . Ihre Gesammtbevölkerung war ausser- 
ordentlich zahlreich. 

Endlich erfuhr Cäsar auch, auf leidenschaftliches Verlangen 
des Volks hätten alle Führer der Bellovaker zugestimmt, dass man 
wenn Cäsar wirklich, wie man sage, mit nur 3 Legionen anrücke, 
ihm eine Entscheidungsschlacht anbieten solle, um nicht gezwungen 
zu werden, später vielleicht in misslicherer und härterer Lage sich 
mit dem ganzen römischen Heere messen zu müssen. Wenn er mit 
grösseren Streitkräften erscheine, wolle man in der gewählten Stel- 
lung beharren, und die Römer am Einbringen des Futters, welches 

1) locam castris excelsum (in silva) circumdatam (oder circumdata) palade 
delegisse. 7. Vergl. Oudendorp. 

2) Vergl. bell. gall. II, 4. 

22* 



340 

überhaupt nur in geringer Menge vorhanden und zudem nur an 
zerstreuten Punkten zu finden war, sowie an der Beifuhr von Ge- 
treide und andern Bedürfnissen dadurch hindern, dass man ihnen 
Hinterhalte lege. 

Da Cäsar diese Aussagen durch ihre mehrseitige Ueberein- 
stimmung für zuverlässig erkannte, und sich die ihm mitgetheilten 
feindlichen Pläne als sehr klug und frei von aller jenen Völkern 
sonst eigenen Unbesonnenheit darstellten, so beschloss er Alles auf- 
zubieten, dem Feinde den Glauben beizubringen, seine Truppenzahl 
sei gering, um ihn so zur Schlacht zu verlocken. Denn die 7-, 8. 
und 9. Legion, welche er bei sich hatte, waren ausserordentlich 
kriegstüchtig. Die 11. Legion freilich, im Jahre 58 v. Chr.*) aus 
auserlesenen jungen Männern gebildet und zu den grössten Hoff- 
nungen berechtigend, auch schon 8 Dienstjahre zählend, hatte sich 
doch einen Ruf von Erfahrung und Kriegstüchtigkeit, welcher dem 
der andern zu vergleichen gewesen wäre, noch nicht erworben. Er 
berief daher einen Kriegsrath und liess durch dessen Officiere mit- 
telst geeigneter Auseinandersetzung der erlangten Nachrichten den 
Muth des Heeres kräftigen. 

In der Hoffnung, dass er vielleicht den Feind, wenn er ihm 
zunächst nur drei Legionen zeige, zu einer Hauptschlacht verlocken 
könne, ordnete er seine Marschcolonne so, dass die 7., 8. und 9. 
Legion ohne Gepäck vorauszogen, und hinter ihnen der gesammte 
Train folgte, der übrigens bei solchen voraussichtlich kurzen Zügen ^) 
massig zu sein pflegte. Erst hinter diesem folgte die 11. Legion. 
Auf diese Weise konnte der Feind beim Anmarsch der Römer keine 
grössere Zahl von Legionen überblicken, als mit der er sich zu 
messen leidenschaftlich wünschte. In der Marschcolonne verblieb 
Cäsar ohne Zweifel von seinem Abmärsche bis dahin^ wo er in den 
Gesichtsbereich des Feindes kommen musste. Dort liess er seine 
3 vordem Legionen in Linie aufmarschiren und erschien mit ihnen 
beinahe ohne dass sie an Richtung oder Intervallen verloren hätten ^) 
vor dem Feinde, ehe dieser es sich versah. 

1) Vergl. I, 10 : in Italiam magnis itineribus contendit duasque ibi legiones 
conscribit. 

2) in expeditionibus 8. 

3) paene quadrato agmine instructo 8. Ueber agmen quadratum 6iehe 
Anhang IL die Erläut. über das röm. Kriegsw. § 61. Die Formirung dieses 
»agmen quadratum« hat wahrscheinlich hinter den Höhen, auf welchen der 
Pachthof Pouy liegt, stattgefunden. Dort blieb die 4. Legion zurück und 
hielt sich verborgen. 



341 

Als nun die Gallier plötzlich die Legionen wie zur Schlacht 
geordnet im Gleichschritt anmarschiren sahen, so rückten sie — im 
Widerspruch mit der Nachricht, dass sie fest entschlossen seien eine 
Anzahl von nicht mehr als 3 Legionen anzugreifen — von ihrer 
hochgelegenen Stellung nicht herab, sondern begnügten sich ihre 
Streitkräfte vor dem Lager aufeustellen, sei es dass sie einen Ent- 
scheidungskampf doch nicht wagten, oder dass sie durch die plötz- 
liche Ankunft der Römer überrascht waren, oder endlich erst ab- 
warten wollten, bis sich deren Absicht mehr kundgegeben hätte. 

Obgleich Cäsar eine Schlacht gewünscht hatte, griff er doch 
erstaunt über die so grosse Menge der Feinde nicht an, sondern 
schlug deren Lager gegenüber das seinige (Taf. XI. Fig. 1. A.); 
zvnschen beiden lag ein Thal, das mehr tief als breit war ^) — 
das Thal des heutigen Baches Yandy, der sich bei Lamotte in die 
Aisne ergiesst. Es hat eine mittlere Breite von etwa 1000 Schritt 
und jähe, etwa 200 Fuss hohe Wände *). 

Das Lager liess Cäsar mit einem 12 Fuss hohen Walle be- 
festigen, und auf demselben, dem nachgenannten Wesen und Zweck 
der Yerschanzung entsprechend, eine Brustwehr aufsetzen*). 

Er liess sogar einen doppelten Graben von je 15 Fuss Breite 
mit senkrechter Es- und Goutrescarpe ziehen, in geringen Abständen 
von einander dreistöckige Thürme auf dem Walle errichten, die- 
selben mit Gallerien verbinden, und der letztern Frontseiten mit 
einer Brustwehr von geflochtenem Reisig versehen, damit der dop- 
pelte Graben von einer doppelten Reihe Vertheidiger gegen den 
Feind geschützt werden konnte ^), der äussere Grabentheil nämlich 

1) valle intermissa magis in altitadinem depressa quam late patente. 9. 

2) Cäsars Lager sucht Napoleon auf der Höhe von St. Pierre, welche von 
der Höhe von St. Marc durch den Grund des Bemebachs geschieden ist. Auf 
dieser Höhe ist der Umzug eines römischen Lagers gefunden worden, dessen 
Grundriss und Profil wir auf Taf. XI. Fig. 2 mittheilen. 

3) Wir lesen: loricam pro hac ratione eius munitionis inaedificari. 9. 
Die Lesart: loricam pro hac ratione eius altitudinis inaedificari ist nach Ouden- 
dorp beinahe in allen Codices enthalten, und sie wurde sicherlich nur da- 
durch unklar, dass die Abschreiber unter »pro hac ratione« ein Grössenver- 
hältniss verstehen wollten, und deshalb das ursprüngliche »munitionisc in 
»altitudinisc verdarben, während »ratio eius munitionisc das Wesen und den 
Zweck der Verschanzungen bezeichnet, nämlich die Vervielfältigung ihrer Be- 
festigungsgegenstände durch den doppelten Graben, durch Thürme und Gal- 
lerien und den Zweck, dem Feinde Furcht zu heucheln. (Siehe cap. 10.) 

4) ut ab hostibus duplex fossa duplid propugnatorum ordine defendere- 
tur. 9. (Siehe Erläut. Anh. IL § 67.) 



842 

von den auf der Gallerie Stehenden, welche um so unerschrockener 
und weiter ihre Gaschosse zu werfen vermochten, je mehr sie durch 
ihren hohen Standort gesichert waren, der innere Grabentheil aber 
von jenen , welche dem Feinde näher auf. dem Walle selbst aufge- 
stellt waren, und durch die üallerien gegen die von oben herab- 
fallenden Geschosse gedeckt wurden. Die Eingänge des Lagers ver- 
sah er mit Thoren und Thürmen, welche höher als die übrigen waren. 

Bei dieser Befestigung hatte Cäsar zweierlei im Auge: einmal 
hofifte er nämlich die Grösse der Arbeiten und die durch sie ge- 
heuchelte Furcht werde den Feind zuversichtlich machen, dann aber 
sollte auch das Lager schon durch seine Festigkeit um so mehr 
von einer kleinen Truppenzahl vertheidigt werden können, als man 
Futter und Proviant aus ziemlich weiter Ferne herbeiholen musste. 

Indessen brachen kleinere Abtheilungen häufig von beiden Seiten 
gegen einander hervor, und es wurde, weil ein Sumpf zwischen den 
beiden Lagern war, mit Geschossen also aus der Ferne gekämpft *) ; 
doch haben diesen Sumpf einigemal auch die gallischen und ger- 
manischen Hilfsvölker des römischen Heers tiberschritten, und dem 
Feinde tüchtig zugesetzt — dann gingen auch wieder die Bellovaker 
über den Sumpf und drängten die Römer zurück. 

Da das Futter aus den wenigen und weit auseinander liegen- 
den Gehöften herbeigeholt werden musste, so konnte es bei den 
täglichen Fouragierungen nicht fehlen , dass an einzelnen Orten *) 
die in nur geringer Zahl beisammen befindlichen Fouragirer aufge- 
hoben wurden. Wenn die Verluste an Transportthieren und Sclaven 
auch unbedeutend waren, so stachelten sie eben doch den Dünkel 
der Gallier auf, und dies um so mehr als Commius, welcher ger- 
manische Hilfsvölker herbeiliolte, mit einer Schaar Reiter wirklich 
eingetroffen war. Sie zählte zwar nicht mehr als 500 Pferde, aber 
dennoch wurden die Bellovaker durch ihre Ankunft viel zuver- 
sichtlicher. 

Da die Feinde bereits eine ziemliche Anzahl Tage ihr durch 
Sumpf und die übrige Terrainbeschaffenheit festes Lager nicht ver- 
liessen, und ein Sturm darauf nur mit schweren Verlusten auszu- 
führen war, auch der Ort ihres Lagers nur von einem grössern 



1) Wir glauben dass vor »contendebatur« (10) ein »telisc entweder ein- 
zuschalten oder doch hinzuzudenken ist, weil sich sonst keine wortgenaue und 
dennoch dem Sinne nach befriedigende üebersetzung geben lässt. 

2) diversis locis 10. (nach dem Codex Bongarsianus tertius.) 



343 

Heere mit ContravallationsHnien hätte umschlossen werden können, 
so schrieb Cäsar an Trebonius — welcher mit der 1. und 14. Le- 
gion zu Genabum stand — er solle so rasch als möglich die im 
Gebiet der Bitnrigen unter Sextius stehende 13. Legion an sich 
ziehen und mit den genannten 3 Legionen in forcirten Märschen 
zu ihm stossen '). 

Cäsar hatte eine grosse Zahl Reiterei an sich gezogen ; von 
dieser detachirte er abwechselnd einmal remische, dann lingonische 
und dann wieder solche aus andern Staaten, um die Four^irungen 
zu decken, und dabei vorkommenden feindlichen Ueberf allen die 
Spitze zu bieten. 

Da solche Fouragirungen täglich stattfanden, und die Wieder- 
holung, wie es nach und nach zu geschehen pflegt, die Pünktlich- 
keit des Dienstes verringerte, so legten sich die Bellovaker, als die 
cäsarische Reiterei die gewöhnliche Aufstellung ihrer Vorposten 
vernachlässigt hatte*), an waldiger Stelle nciit einer auserlesenen 
Schaar Fussvolks in Hinterhalt. 

Dorthin sendeten sie den folgenden Tag auch Reiterei, welche 
die Fouragirungseskorte zuerst in den Hinterhalt locken *) und wenn 
ihr vom Fussvolk der Rückweg vertreten sei, sie angreifen sollte. 
In diese Falle geriethen die Remer, welche an jenem Tage den 
Dienst hatten. Als dieselben nämlich plötzlich die feindliche Reiterei 
gewahr wurden, der sie an Zahl weit überlegen waren, setzten sie 
ihr allzu hitzig nach, und wurden vom Fussvolk umringt. Dadurch 
geriethen sie in Bestürzung und zogen sich mit Verlust ihres Führers 
und Fürsten Vertisco, schneller als es bei Reitergefechten gewöhn- 
lich war, zurück. Vertisco konnte sich seines hohen Alters wegen 
kaum mehr zu Pferde halten, dennoch wollte er nach gallischer 
Sitte weder dem Commando entsagen, noch im Kampfe fehlen. Dies 
glückliche Gefecht, in dem der Remer Fürst und Befehlshaber auf 



1) Zum Heranziehen der 13. Legion nach Genabum brauchte TreboniuB 
wenigstens 3 Tage, für den Marsch von Genabum zu Cäsar — etwa 42 Stunden 
Wegs — ungefähr 6 Tage, so dass von Ablassen des Briefes an Trebonius 
Cäsar immerhin wenigstens 12 Tage auf das Eintreffen desselben warten musste. 

2) Die gewöhnliche bisher nicht bezweifelte Lesart »cognitis stationibus 
quotidianis« (12.) scheint uns keine hinlängliche Beziehung auf das voran- 
gehende »consuetudine diligentia minueretur« zu enthalten, und es ist wahr- 
scheinlich anstatt cognitis zu lesen omissis. Auch vergl. das Ende des 12 
Clapitels: nostri detrimento admonentur, diligentius exploratis locis 
stationes disponere. 

3) elicerent nostros in insidias. 12. Vgl. Oudendorp: »vulgo in insidiasc. 



344 

dem Platze blieb, machte die Bellovaker aufgeblasen und übennüthig; 
die Cäsarianer wurden aber durch ihre erlittene Schlappe gemahnt, 
fleissiger zu patrouUiren und Vorposten aufzustellen, auch dem Feinde 
mit mehr Umsicht, als in letzter Zeit, nachzusetzen. 

Unterdessen verstrich kein T^, an dem nicht an den Furthen 
und Uebergängen des Sumpfes im Angesicht beider Lager Schar- 
mützel statt hatten. Bei einer solchen Veranlassung gingen einmal 
die Germanen, welche Cäsar hatte über den Rhein kommen lassen, 
damit sie unter die Reiterei gemischt und diese unterstützend kämpfen 
sollten ^) , in Masse und mit Entschlossenheit über den Sumpf. 

Eine kleine Zahl Feinde, welche Stand hielt, machten sie nieder, 
und verfolgten mit Nachdruck die übrigen. Panischer Schrecken er- 
griff nicht nur die, welchen man rasch auf den Leib gerückt war, oder 
die mit Geschossen verwundet wurden, sondern auch sogar die ent- 
fernter stehenden Reserven, und sämmtlich flohen sie schmählich. 
Wiederholt unterdessen sie dominirende Punkte zu benützen *) und 
setzten ihre Flucht ununterbrochen fort, bis sie entweder das Lager 
erreichten, oder auch von gar keiner Scham beherrscht, sogar noch 
weiter flohen "). 

Diese Schlappe wirkte auf ihre ganze Streitkraft so erschüt- 
ternd, dass kaum zu beurtheilen ist, ob sie durch die kleinsten Er- 
folge übermüthiger , oder durch auch nur massiges Missgeschick *) 
eingeschüchterter wurden. 

Nachdem die Bellovaker ihr bisheriges Lager mehrere Tage 
nicht mehr verlassen hatten, und erfuhren, dass die Legionen unter 
C. Trebonius, — welche Cäsar auf 7 Legionen verstörkten — ziem- 
lich nahe gerückt waren, fürchteten ihre Führer, es möchte ihnen 
eine Blokade derjenigen bei Alesia ähnlich bevorstehen und be- 
schlossen ihre Stellung zu verlassen '^j. Sie Hessen daher in der 
Nacht alle, welche in Folge ihres Alters oder ihrer Leibesbeschaffen- 
heit weniger kräftig waren, ferner diejenigen^ welche keine Waffen 
hatten, und zugleich mit ihnen den übrigen Tross abziehen. 

1) Vergl. bell. gall. I, 48. VH, 18. 

2) saepe omissis (anstatt amissis) saperioribus locis 13. nach dem Codex 
Lov. Dorv. 

3) Anstatt aut nonnulli xDudorc coacti 13. ist unzweifelhaft zu lesen: 
aut n n u 1 1 o pudore coacti. 

4) utrum secundis minimis rebus insolentiores aut adversis mediocribuiS 
timidiores essent 13. vergl. Oudendorp. 

5) Dass sie nicht nur den Tioss abschicken, sondern selbst mit abziehen 
wollten, geht aus »ne prius Bomani se persequi inciperent« hervor. 



n 



345 

Da die Gallier aber, selbst wenn sie kampfbereit marschirten, 
eine grosse Menge Karren mitzuführen pflegten, so kam jener Tross 
in Unordnung und Verwirrung, und ehe sie ihn gehörig im Gange 
hatten, überraschte sie das Tageslicht. Sie stellten daher ihre be- 
waffnete Macht vor dem Lager auf, damit die Römer es erst dann 
unternehmen könnten, sie bei ihrem Abzüge zu verfolgen'), wenn 
ihr Tross bereits einen Vorsprung gewonnen habe. 

C^ar aber glaubte, so lange die Bellovaker in ihrer Stellung 
verblieben, wegen der starken Ansteigung des Hügels, auf dem sie 
standen, sie nicht angreifen zu dürfen, ihnen mit seinen Legionen 
aber jedenfalls so nahe rücken zu müssen, dass sie die Legionär- 
Soldaten auf den Fersen habend nur in nachtheiligem Verhältnisse 
abmarschiren könnten '). 

Da nun Cäsar in Betracht zog, dass die beiderseitigen Lager 
durch den schwer zu passirenden Sumpf von einander getrennt 
waren (welche Uebergangs - Schwierigkeit eine rasche Verfolgung 
des abziehenden Feindes verzögern könnte), und dass zudem (adque 
id) ein Höhenzug — der jenseits des Sumpfes sich beinahe bis zum 
feindlichen Lager erstreckte — nur durch eine massige Terrain- 
senkung von jenem Lager geschieden wurde ^), so liess er den Sumpf 
überbrücken, führte seine Legionen hinüber, und gelangte schnell 
auf. die obere Fläche jenes Höhenzugs, der durch steile Abdachung 
auf zwei Seiten schwer zu ersteigen war. 

Jener Höhenzug ist unzweifelhaft derjenige, welcher vom heu- 
tigen Walde von Villers Cotterets westlich bis Palenne sich er- 
streckt, und durch die Terrainsenkung zwischen Palenne und Chäteau 



1) ne prius Romani persequi se (cedentes) incipereot. 14. Hierher möchte 
der Deutlichkeit wegen das »cedenteac eher gehören, als in den folgenden 
Satz >neque resistentes adgrediundos neque cedentes etc.« wie einige Codices 
enthalten (vergl. Oudendorp). Denn wenn wir jenes »cedentesc nicht wenig- 
stens dem Sinne nach suppliren, so ist im vorliegenden Capitel gar unvoll- 
ständig bezeichnet, dass die Bellovaker, wie es doch der Fall war, nicht nur 
den Tross wegschicken, sondern mit ihrer ganzen Macht abziehen wollten. 

2) At Caesar neque resistentes aggrediandos tanto collia ascensu iudicabat 
neque usque eo legiones admovendas ut etc. 14. 

3) Ueber die bezügliche Textstelle sind viele Varianten vorhanden und 
Oudendorp sagt: »Intricatior locus e^t nee ut videtur sine mendo«. Wir 
glauben dass diese Stelle heissen müsse : Itaque, (nach Ortelins) quam palude 
impedita (so alle Codices bis auf einen) a castris castra dividi videret , quae 
traoseundi difficultas celeritatem insequendi tardare posset, — adque id (Cod. 
Paris, pr.) iugum animum adverteret. 14. 



346 

Retheuil von der Höhe geschieden ist, auf welcher die Bellovaker 
ihr Lager hatten *). 

Als Cäsar auf jenem Höhenzug angekommen war, liess er seine 
Legionen aufinarschiren *) , gelangte an den äussersten oder ent- 
ferntesten Punkt des Höhenzugs, und Hess seine Schlachtlinie an 
dieser Stelle (Taf. XI. Fig. L D.) — also diesseits der Terrain- 
senkung — halt machen, damit er von dort die etwa gegen ihn 
heranrückenden feindlichen Schlachthaufen mit grobem Geschütz be- 
schiessen könne. 

Während die Bellovaker im Vertrauen auf ihre günstige Stel- 
lung •) (Taf. XI. Fig. 1. C.) kein Bedenken trugen, wenn die Römer 
es wagen sollten den Hügel gegen sie herauf zu rücken, den Kampf 
aufeunehmen, es aber nicht wagten, ihre Truppen in einzelnen Ab- 
theilungen nach und nach abmarschiren zu lassen *), damit sie nicht 
gelockert und ohne Zusammenhang über den Haufen geworfen werden 
könnten *), so blieben sie Cäsar gegenüber in Schlachtordnung stehen. 

Als Cäsar sah, dass sie bei diesem Verhalten beharrten, liess 
er unter dem Schutze von 20 Cohorten, seiner halben Legions- 
stärke ^), an jenem Punkte — auf der Höhe vom heutigen Lessart 
TAbesse — ein Lager abstecken und es sodann befestigen. Nach 
Vollendung dieser Schanzarbeiten stellte er seine 4 Legionen zu- 
sammen vor dem Lager in Schlachtordnung Und liess seine Reiter 
mit dem Befehl nicht abzuzäumen, die Vorposten beziehen. 

Wie nun die Bellovaker — es war indessen der Abend heran- 
gerückt — die Römer zur Verfolgung bereit sahen, und doch ohne 
Nahrung — die bereits vor Tag mit dem Trosse weggeschickt war 
— in ihrer Stellung (Taf. XI. Fig. l. C.) die Nacht über oder gar 
länger nicht bleiben konnten '), so ergriffen sie zur Sicherung ihres 
Rückzugs folgendes Mittel. 



1) Da Napoleon das gallische Lager auf den Mont St. Marc verlegt, so 
erblickt er in diesem Höhenzug den Mont Collet. (Taf. XI. Fig. 1. Q.) 

2) Jbi legionibus instructis 14. 
8) conBsi loci natura 15. 

4) paulatim copias distributas dimittere non auderent 1 5. Mehrere Codices 
enthalten »auderent« anstatt »possent«. (Vergl. Oudendorp.) 

5) ne dispersi proturbarentur. 15. Das »perturbarent« ist mit Unrecht 
anstatt »proturparentur« aufgenommen worden. Letzteres gibt einen viel 
klareren Sinn und ist in mehreren Codices enthalten. 

{)) Trebonius war noch nicht eingetroffen. 

7) neque pernoctare aut diutius permanere sine cibariis (anstatt sine 
periculo) eodem loco possent. 15. 



347 

Gerade so wie sie Posto gefasst hatten *) — nämlich ohne ihre 
Stellung zu ändern — gaben sie sich von Hand zu Hand Stroli- 
und Reisigbündel, von denen ein äusserst grosser Vorrath im Lager 
war, schichteten dieselben vor ihrer Front auf und zündeten sie, 
als die Nacht einbrach , auf ein gegebenes Zeichen gleichzeitig an. 
Hinter dieser ununterbrochenen Feiierwand konnten ihre sämmt- 
liche Truppen von den Römern plötzlich nicht mehr erblickt wer- 
den , und diesen Moment benützend , machten sich die Bellovaker 
auf, und entflohen in eiligem Laufe nach der Richtung ihres voraus- 
gezogenen Trosses, nämlich zwischen dem heutigen Pierrefonds und 
St. Etienne hindurch in das Aisnethal hinab. 

Wenn auch der ausgedehnte Brand Cäsar den Abzug der Feinde 
nicht wahrnehmen Hess , so vermuthete er doch , dass diese Maass- 
regel ihr Entkommen decken sollte, führte seine Legionen vor, und 
entsendete seine Reitergeschwader zur Verfolgung. 

Er rückte jedoch nur langsam vor, denn er fürchtete eine 
Kriegslist: dass nämlich der Feind in der Nähe seiner bisherigen 
Stellung halt gemacht haben möchte *) und ihn nur auf ein un- 
günstiges Terrain locken wolle — wozu die durchschnittene Gegend 
zwischen Pierrefonds und der Aisne hinlänglich Gelegenheit gegeben 
haben würde. 

Die Reiter scheuten sich, in den fortwährenden Rauch und die 
dichte Flamme einzudringen ^), und wenn es auch einige voll Eifer 
ausführten, so konnten sie kaum die Vordertheile ihrer Pferde mehr 



1) uti consederant (nicht consueverant) 15. Denn der Beisatz, daas sie 
ihre Stellung dabei nicht verliessen, oder schwächten, ist nöthig, um anzu- 
führen, auf welche Weise sie sich stets auf einen Angriff der Eömer gefasst 
machten. Der hier gewöhnlich folgende Satz: »namque in acie sedere Gallos 
consuesse superioribus commentariis Caesaris declaratum est« ist, wie beinahe 
allgemein anerkannt, ein ungeschickter Einschub. (Vergl. Baumstarks üeber- 
setzung.) 

2) in eodem loco subsisteret 16. Nach M. S. Norvic. und Beroald. (Vgl. 
Oudendorp.) 

3) intrare fumum iugem (anstatt summum iugum) et flammam densisei- 
'»am 16. (vergl. Oudendorp.) Denn: 

1. passt das Wort intrare zu summum iugum nicht. 

2. muss der nachfolgende Satz: si qui cupidius intraverant , vix suorum 
ipsi priores partes animadverterent equorum eine hinlängliche Er- 
klärung haben, und Rauch nur konnte das Nichtsehen der Pferdelvöpfe 
bewirken. 

o. Endlich ist jene Höhe kein »iugum« sondern ein »collis« (vergl. tanto 
colli 8 adscensu. cap. 14.) 



348 

sehen, fürchteten daher einen Hinterhalt, und die Bellovaker ver- 
mochten sich ungehemmt zurückzuziehen. 

Auf diesem Rückzug, bei dem sie eben so viel Furcht als Schlau- 
heit zeigten, legten sie, ohne irgend einen Verlust zu erleiden, nicht 
mehr als 37« Stunden *) zurück, und schlugen auf einem von Natur 
ausserordentlich festen Punkte ihr Lager — auf dem heutigen Mont 
Ganelon. Er liegt 7« Stunde nördlich von Compiegne und in der 
genannten Entfernung von 3V« Stunden von Pierrefonds, hat rings- 
um sehr steile Abdachung und wird auf drei Seiten von der Oise 
und Aronde bespült *). Vom Mont Ganelon aus entsendeten sie 
bald da bald dorthin Reiterei und Fussvolk, die sich in Hinterhalt 
legten, und den Römern bei ihren Fouragirungen vielen Abbruch 
thaten. 

Als sich dies bereits mehrfach wiederholt hatte, erfuhr Cäsar 
endlich von einem Gefangenen, Correus der Oberfeldherr der Bello- 
vaker habe 6000 Mann seines tapfersten Fussvolkes und 1000 aus 
seiner ganzen Reiterei ausgewählt, um sie an einem Orte in Hinter- 
halt zu legen, an den, wie er vermuthe, die Römer des dort vor- 
handenen vielen Getreides und Futters wegen entsendet werden 
würden. Auf diese Mittheilung hin rückte Cäsar, bei dem nun auch 
Trebonius eingetroffen war, mit mehr Legionen als gewöhnlich aus, 
und schickte die Reiterei, welcher er nach Gewohnheit die Deckung 
der Fouragirer zugewiesen hatte '), durch Leichtbewaffnete verstärkt, 
voraus. Er selbst näherte sich mit den Legionen dem Fouragirungs- 
punkte so sehr, als die Rücksicht, dem Feinde verborgen zu bleiben, 
es gestattete *). 

Die Feinde hatten sich bereits in ihre Hinterhaltsstellen ver- 
theilt *) und zu ihrem beabsichtigten üeberfall ein Feld ausgewählt, 
das nach allen Richtungen hin nicht mehr als 2000 Schritte mass, 
und theils von Wäldern, theils von einem sehr schwer zu passiren- 
den Flusse umschlossen war®). Diesen Ort umstellten sie mit 



1) milia non amplius X progressi. 16. 

2) Auch Napoleon sucht das zweite Lager der Gallier auf dem Mont 
Ganelon, und »folgt hier einfach der Spur Gölers«, wie R ü sto w sich ausdrückt. 

3) equitatumque, quem consuetudine pabulatoribus mittere praesidio c o n- 
stituerat (anstatt consueverat) 17. 

4) quam potest maxime appropinquabat. 17. 

5) Hostes in insidiis dispositi. 18. 

6) silvis undique aut impeditissimo flumine munitum. 18. (vergl. Oudendorp : 
Reliqui Codices tum aliorum tum mei et Edd. primae.) 



349 

Hinterhalten, ähnlich wie man bei einem »eingestellten Jagen« 
gegen das Wild verfährt *). 

Jenes Feld liegt heutzutage zwischen Trosly-Breuil und Lamotte 
an der Aisne, von diesem Flusse, dem »Bois de Cuise« und dem 
»Mont CoUet« umschlossen; misst auch durchschnittlich nach allen 
Richtungen 2000 Schritte *). Der Römer Reiterei, welche die Ab- 
sicht der Feinde genau kannte, war zum Kampfe mit Sinn und 
Waffen bereit, und scheute nicht, sich in ein entscheidendes Ge- 
fecht einzulassen , da die Legionen ihr auf dem Fusse folgten. So 
ritt sie geschwaderweise, wahrscheinlich über die Höhe zwischen 
Cuise- Lamotte und Couloisy, in das Thal der Aisne und auf jenes 
Feld hinab. Bei ihrem Erscheinen glaubte Correus, jetzt sei der 
Augenblick des Handelns gekommen, zeigte sich zuerst an der 
Spitze einer kleinen Schaar und stürzte sich sogar mit ihr auf die 
nächsten Schwadronen der Römer. Diese nahmen den Angriff der 
Bellovaker standhaft auf, liessen sich aber nicht verleiten, sich an 
einen Punkt zusammenzuziehen, wie es bei Reitertreffen aus einem 
ängstlichen Trieb meistens geschieht, und wodurch ein Gedränge 
entsteht, das nur Nachtheile herbeiführen kann. Während man 
sich so mit Correus herumschlug und die Truppen derart geordnet 
blieben, dass sie abwechselnd in zerstreuter Fechtart kämpfen und 
Umgehungen ihrer Flanken verhindern konnten, brachen die übrigen 
Reiter des Correus aus den Wäldern hervor. 

Jetzt wurde an verschiedenen Punkten mit grosser Erbitterung 
gekämpft, und als es längere Zeit zu keiner Entscheidung kommen 
wollte, rückte allmälig die ganze Masse des Fussvolkes kampfge- 
ordnet aus den Wäldern — dem Walde des »Mont CoUet« und 
dem »Bois de Cuise« hervor. Diese 6000 Mann brachten die cäsari- 
schen Reiter zum Weichen. Da eilte das leichtbewaffnete Fussvolk, 
das, wie erwähnt, vor den Legionen abmarschirt war, ihnen zu 
Hilfe, reihete sich zwischen die Türmen ein und brachte das Ge- 
fecht zum Stehen. Eine Zeit lang wurde mit beiderseits gleichem 
Eifer gekämpft; dann aber wurden diejenigen, welche den ersten 
Anfallen des Hinterhalts die Spitze geboten hatten — wie es das 
Wesen eines solchen Kampfes mit sich bringt ') — schon dadurch 



1) velat indagine hunc insidiis circumdederunt. 18. 

2) Nach Napoleon wäre dieses Feld dem Mont Ganelon näher, beiChoisy- 
aa-Bac gelegen gewesen. 

3) deinde, ut ratio postulabat (vielleicht ferebat) proelii, 19. vergl. VIII, 
36. bell. dv. I, 51. b. g. VI, 7. 



350 

als die Sieger angesehen, dass sie besonnen waren und yoro Hinter- 
halte keinen Nachtheil erlitten. 

Indessen rückten die Legionen näher, und zu gleicher Zeit kam 
Bote auf Bote zu den Römern sowie zu den Bellovakern mit der 
Nachricht, Cäsar sei mit kampfgerüsteten Truppen zur Stelle. Nun 
fochten die Reiterei und Leichtbewaffneten voll Vertrauen auf den 
Schutz der Cohorten mit äusserster Wuth, damit sich die Ent- 
scheidung des Sieges nicht verzögere, und es den Anschein gewinne, 
als hätten sie dessen Ruhm mit den Legionen zu theilen. 

Da sank den Feinden der Muth, und sie sahen sich auf ver- 
schiedenen Wegen nach der Möglichkeit einer Flucht um *). Ver- 
gebens, denn durch die nämlichen Terrainschwierigkeiten, welche 
den Römern jeden Ausweg versperren sollten , sahen sie sich jetzt 
selbst festgebannt. Als sie jedoch besiegt und über den Haufen 
geworfen waren *j und einen grossen Theil ihrer Beute verloren 
hatten, da flohen sie in höchster Bestürzung, wohin sie der Zufall 
führte; theils liefen sie nach den Wäldern, theils nach der Aisne, 
wurden aber von den ^hitzig verfolgenden Römern niedergemacht. 
Correus indessen bot all seinem Unglücke Trotz und Niemand ver- 
mochte ihn zu bewegen, dass er den Kampfplatz verlasse um sich 
in die Wälder zu retten, oder dass er sich auf die Aufforderung 
der Römer ergebe. Er setzte den Kampf auf das Tapferste fort, 
theilte rechts und links Wunden aus, und zwang so die ergrimmten 
Sieger, ihn mit einem Hagel von Geschossen zu überschütten. 

Da Cäsar nach diesem Erfolge voraussah, dass die Hauptmasse 
der Feinde, welche auf dem Berge Ganelon stand, und an dem 
Kampfe keinen Theil hatte, vom Eindruck ihres so grossen Miss- 
geschicks überwältigt sein werde ^), so rückte er sogleich vom 
Kampfplatze weiter vor, indem er das linke Ufer der Aisne hinab- 
zog. Hier erhielt er in der That die Nachricht, die Bellovaker 
wollten ihr Lager auf dem Ganelon, der von dem Kampfplatze bei 
Trosly-Breuil nicht mehr als ungefähr 2^/3 Stunden entfernt lag, 
verlassen *). 

Obgleich Cäsar über die Oise einen schwierigen Uebergang vor 



1) atque itineribus diversis fugam quaenint. 19. Sie flüchteten noch nicht; 
— nur 80 lässt sich das nachfolgende Victi tarnen etc. erklären. 

2) propulsique (nicht perculsique) 19. (Vergl. Oudendorp.) 

3) quam victos tanta calamitate existimaret hostes. 20. 

4) locum castrorum relicturos, quae non longius ab ea caede abesse plus 
minus octo milibus passuum dicebantur 20. 



351 

sich hatte, führte er sein Heer dennoch — zwischen Compiegnc 
und Clairoix — über den Fluss und rückte gegen das feindliche 
Lager an. Aber die Bellovaker und ihre Verbündeten hatten wider 
alles Erwarten durch die Wenigen , welche , obgleich verwundet, 
unter dem Schutze des Waldes dem Blutbad entronnen bei ihnen 
eintrafen, ihre Niederlage erfahren — dass es ganz unglücklich um 
sie stehe *), dass Correus gefallen, und sie ihre Reiterei sowie den 
Kern des Fussvolkes eingebüsst hätten. Sie dachten es sich, dass 
die Römer anrücken würden, versammelten auf der Stelle mit Trom- 
petenschall einen Kriegsrath und schrieen, man solle Parlamentäre 
und Geiseln an Cäsar schicken, der nach Uebersch reitung der Oise 
unzweifelhaft dem Ganelon gegenüber auf der Höhe von Margnv 
ein Lager bezog. 

In Folge dieses einmüthigen Beschlusses, floh der Atrebate 
Conunius zu jenen Germanen, bei denen er für diesen Krieg Hilfs- 
reiterei geworben hatte *). Die übrigen schickten ihre Parlamen- 
tare augenblicklich an Cäsar und baten ihn: er möge sich mit der 
über sie gekommenen Züchtigung begnügen, die ja so empfindlich 
sei , dass er nach seiner Gnade und Milde ihnen eine solche nie 
auferlegt haben würde, wenn sie nicht gekämpft und keinen Ver- 
lust erlitten hätten. Die Macht der Bellovaker sei in diesem Reiter- 
treffen gebrochen worden, viele 1000 Mann auserlesenen Fussvolks 
seien umgekommen, und kaum so viel übrig geblieben, um flüch- 
tend den Ihrigen die Niederlage zu melden. Doch hätten die Bello- 
vaker bei diesem grossen Unglück wenigstens den Trost, dass 
Correus, der Wühler und Anstifter des Kriegs auf dem Platze ge- 
blieben sei; denn so lange er lebte, sei der Senat stets vom uner- 
erfahrenen Pöbel beherrscht worden. 

Cäsar erinnerte die Parlamentäre daran, dass die Bellovaker 
im vergangenen Jahre sich zu gleicher Zeit wie die übrigen Völker- 
schaften gegen ihn erhoben, und dass gerade jene am hartnäckigsten 
von Allen in ihrer feindseligen Gesinnung verharrt hätten, ja dass 
sie nicht einmal durch die Unterwerfung der Uebrigen zur Ver- 
nunft gekommen wären. Er wisse wohl, dass es sehr leicht sei, 
Todten die Schuld aufzubürden , aber Niemand habe einen solchen 
Einfluss, dass er blos von dem unzuverlässigen Haufen des gemeinen 



1) Anstatt »Omnibus adversis, cognita calamitate« kann wohl nur cognita 
calamitate omnibus adversis zu lesen sein, (vergl. Oudendorp.) 

2) Vergl. cap. 8 : »cum equitibus venerat.« 



352 

Volks unterstützt einen Krieg erregen und fuhren könne, wenn die 
Fürsten nicht wollten, der Senat sich dagegen erkläre, und alle 
Gutgesinnten dagegen aufträten; aber dennoch wolle er es bei der 
Strafe bewenden lassen, die sie sich selbst zugezogen hätten. 

In der folgenden Nacht berichteten die Parlamentäre Cäsars 
Antwort den Ihrigen , und brachten die Geiseln zusammen. Nun 
fanden sich auch Parlamentäre der übrigen Völkerschaften ein, die 
nur auf den Erfolg der Bellovaker gewartet hatten, stellten Geiseln 
und unterwarfen sich. Commius allein machte hiervon eine Aus- 
nahme, der eingeschüchtert durch einen frühern Vorfall sich Nie- 
mand anvertrauen wollte. Im vorhergegangenen Jahre nämlich, 
als Cäsar in Oberitalien Gerichtstage hielt, hatte Labienus in Er- 
fahrung gebracht, dass Commius die Völkerschaften aufwiegle, und 
eine geheime Verbindung gegen Cäsar in's Leben rufe. Er war 
der Meinung, seinem Gewissen nicht zu nahe zu treten, wenn er 
den Ungetreuen meucheln lasse. Weil er nun voraus sah, dass 
wenn er ihn in's Lager bescheide, er nicht erscheine, wohl aber 
um so vorsichtiger werden würde, so sendete Labienus den Volusenus 
Quadratus ab, mit dem Auftrage, zu thun als wolle er sich mit ihm 
besprechen, und ihn bei dieser Gelegenheit ermorden zu lassen. Er 
wählte Centurionen aus, die sich dazu gebrauchen liessen und gab sie 
Volusenus mit. Als man sich nun zur Unterredung zusammenge- 
funden hatte, fasste dieser der Verabredung gemäss, die Hand des 
Commius. 

Der betreffende Centurio, sei es dass ihm eine solch eigenthüm- 
liche Dienstfunction doch etwas ungewohntes war, oder dass er 
von des Commius Vertrauten gehindert wurde, brachte ihm zwar 
mit dem ersten Schwerthiebe eine schwere Kopfwunde bei, ver- 
mochte ihn aber nicht zu tödten. Jetzt zogen beide Theile das 
Schwert, doch mehr in der Absicht auseinander zu kommen als um 
zu kämpfen. Denn Volusenus mit seinen Helfern glaubte des Com- 
mius Wunde sei tödtlich. Die Gallier aber fürchteten, als sie die 
Hinterlist sahen, noch Weiteres. Nach diesem Vorfall soll Commius 
sich vorgenommen haben , einem Römer sich nie mehr zu näherp. 

5. Cäsar theilt sein Heer und {Ibernimmt selbst die 
Verwüstung des Eburonenlandes. 

Nach der Unterwerfung der Bellovaker und ihrer Verbündeten 
scheint Cäsar sein Lager auf der Höhe von Margny verlassen, und 
den Lagerplatz seiner überwundenen Feinde auf dem Berge Ganelon 



353 

bezogen zu haben. Noch heutigen Tages heisst ein Theil der Ober- 
fläche jenes Berges »camp de Cesar« ^). 

Dort traf er folgende Anstalten : 

In Berücksichtigung, dass nach Besiegung der kriegerischsten 
Stämme, wohl keine andere Völkerschaft ihm mit den WafiFen mehr 
Widerstand leisten werde, Einige aber, um der neuen Herrschaft 
zu entgehen, aus den Städten abzogen oder von den Ländereien 
hinweg flüchteten, beschloss Cäsar sein Heer zu theilen und nach 
verschiedenen Richtungen zu entsenden. 

Den Quästor M. Antonius, welcher mit der 10. und 12. Legion 
zu Bibracte stand, zog er mit der 12. Legion an sich *). 

Den Legaten C. Fabius entsendete er mit 25 Gohorten nach 
einer ganz entgegengesetzt liegenden Gegend Galliens, wahrschein- 
lich nach Lutetia und von dort gegen die Völker des untern linken 
Seineufers, weil er vernahm, dass jene unter den Waffen stünden. 
Dadurch näherte sich Fabius zugleich dem im Gebiete der Rutener 
stehenden Rebilus, dessen beide Legionen — die 15. und der grösste 
Theil der 10. — Cäsar nicht für stark genug hielt, um einen so 
weiten Raum in Schach zu halten'). 

Labienus, der beim Wiederausbruch des Kriegs mit der 3. und 
7. Legion bei Besan9on im Winterlager stand, hatte zur Expedition 
gegen die Bellovaker (vergl. Cap. 8) bereits die 7. Legion an Cäsar 
abgegeben, so dass ihm dort nur die 3. Legion verblieben war. Er 
wurde für seine Person — ohne Legion — au Cäsar berufen*). 
Die 3. Legion aber wurde nach Oberitalien dislocirt *), um die dor- 



1) Vergl. die Karte des fr. Generalstabs Section Soiasons. 

2) cum legione XII sibi coniungit. 94. Beinahe alle Codices und die ersten 
Ausgaben enthalten duodecima oder XII. Der Zweifel Oudendorps, welcher 
XI lesen will, ist unbegründet, und rührt offenbar daher, dass er dass >eique< 
in cap. 2. auf »Antonium« bezieht anstatt auf >legionem XIII. c Die 11. Le- 
gion war damals nicht bei Antonius, sondern marschirte mit Cäsar ins Ge- 
biet der Biturigen. 

3) neque C. Caninium Rebilum legatum, qui in illis regionibus erat, satis 
firmas duas legiones habere existumabat. 24. Nach VII, 90 hatte Rebilus 
D'^r eine Legion bei sich. Es wird von Hirtius nicht erwähnt, welche weitere 
Legion ihm seit dem Wiederbeginn des Kriegs zugewendet wurde. Die Ver- 
muthung Rüstows aber, dass die 10. Legion, welche bei Bibracte gestanden 
Itatte, zu ihm sjiiess, ist unzweifelhaft richtig. Sie war schwach, weil sie ein 
starkes Detachement in Bibracte zurücklassen musste; die 15. Legion aber, 
▼eil sie aus jungen Soldaten bestand. 

4) T. Labienum ad se evocat. 24. v 

5) Anstatt »legionem autem XII oder XIV c , wie die Codices enthalten, 

▼. GOler, Cäaar« gaUiaoher Krieg. II. Aufl. 23 



354 

feigen Bürgercolonien vor einem ähnlichen Ueberfall der Alpen- 
völker zu schützen, wie jener war, welcher im vergangenen Sommer 
die Tergestiner (Bewohner der Gegend um Triest) heimgesucht hatte. 

Cäsar war in seinem Laiger auf dem Berge Ganelon einschliess- 
lich der 3 Legionen des Trebonius, 7 Legionen stark (vergl. S. 348), 
die 12. Legion zog er, wie eben gesagt, an sich, und 25 Cohorten 
detachirte er. Es verblieben ihm also 5V« Legionen. Er brach 
auf, um das Gebiet des Ambiorix zu plündern und zu verwüsten. 
Wenn er sich auch kaum Hoffnung machen konnte, den einge- 
schüchterten Flüchtling in seine Gewalt zu bekommen, so glaubte 
er doch, sein Ansehen erfordere es wenigstens, die Bewohner, Ge- 
höfte und Heerden dessen Gebiets so zu vertilgen, dass wenn auch 
noch durch Zufall eine Zahl Einwohner übrig bleiben sollten, diese 
aus Hass gegen den Anstifter so grossen Jammers ihn nicht zurück- 
kehren lassen würden. 

Nach allen Gegenden des eburonischen Gebiets sandte er theils 
Legionen, theils Hilfsvölker, die mit Schwert, Brand und Raub 
Alles verwüsteten. Eine grosse Zahl Menschen wurde getödtet oder 
gefangen. 

Wie viele Legionen Cäsar zu diesem Rachezuge verwendete, 
wird nicht angegeben, jedoch scheinen es vier gewesen zu sein *), 
nach Beendigung desselben aber sandte er Labienus mit zwei Le- 
gionen ins Gebiet der Trevirer. Dieses Volk, vermöge der Nach- 
barschaft mit den« Germanen an täglichen Kampf gewöhnt, stand 

oder ferner anstatt »legionem autem IVc, wie Ciacconius und ürsinus lesen» 
oder endlich anstatt legionem autem XV (vergl. über diese verBchiedenen 
Zahlen Oudendorp) ist »legionem autem III« zu lesen. Vergl. cap. 54, 
wonach die nach Oberitalien detachirt gewesene Legion von Cäsar an Fompejas 
abgetreten wurde und nach bell. civ. III, SS auf dessen Seite bei Pbarsalus 
focht. Möchlicher Weise hätte zwar die nach Oberitalien detachirte Legion 
auch die 1. sein können, weil auch sie nach bell. civ. 111, bS an Pompejus 
abgetreten war und der Pharsalischen Schlacht anwohnte, aber für die Lese- 
art legionem autem III spricht der umstand , dass man in cap. 54 liest , die 
XV. Legion habe in Oberitalien gestanden, und III leichter in XV verdorben 
werden konnte als I. 

1) Im Anfang des 38. Capitels heisst es : Antonium quaestorem cum cohor- 
tibus XV in Bellovacis relinquit. Die Angabe Drumanns (Gesdiichte Roms III. 
S. Ö7ü und 371), nach der Cäsar nur 2 Legionen hiezu verwendete, scheint 
auf einem Irrthum zu beruhen. Denn das folgende: »Labienum cum duabus 
legionibus« (25.) bezieht sich nur auf den Zug des Labienus gegen die Tre- 
virer, der erst nach Beendigung des Zugs gegen Ambiorix statt hatte. Jeden- 
falls war weder die 11. noch die 15. Legien darunter begriffen. 



355 

in der Wildheit seiner Sitten jenen nicht viel nach, und hatte auch 
stets nur dann Gehorsam geleistet, wenn es durch die Nähe eines 
römischen Heeres nicht anders sein konnte. 

6. Zug gegen den Andesfürsten Dumnacus. 

Unterdessen hatte der bei Rodez stehende Legate Rebilus durch 
Brief und Boten des Duratius, Fürsten der Pictonen, die Nachricht 
erhalten , in seinem Gebiete hätten sich beträchtliche feindliche 
Schaaren gesammelt. Duratius war, obwohl sogar ein Theil seiner 
Völker abgefallen war, den Römern unverbrüchlich treu geblieben, 
imd Rebilus rückte daher nach der Stadt Lemonum — dem heuti- 
gen Poitiers. Als er sich der Stadt näherte, und von Gefangenen 
die bestimmtere Nachricht erhalten hatte, Dumnacus — Heer- 
führer des Andes — habe Duratius in Lemonum eingeschlossen 
und belagere ihn, da hielt sich Rebilus mit seinen beiden Legionen 
— der 10. und 15. ') — für zu schwach sich mit dem Feinde zu 
messen, und schlug auf einem von Natur festen Punkte ein Lager. 
Dumnacus dagegen brach auf die Nachricht von des Rebilus An- 
rücken mit allen seinen Streitkräften gegen diesen auf, und traf 
Anstalt das römische Lager anzugreifen. Nach mehreren Tagen 
vergeblichen Stürmens und nachdem er trotz schwerer Verluste die 
Verschanzungen dennoch nirgends hatte durchbrechen können, kehrte 
er wieder zur Blokade von Lemonum zurück. 

Zur gleichen Zeit hatte der Legate G. Fabius eine Anzahl 
Stänune zur Unterwerfung gebracht, und sich durch Geiseln der- 
selben versichert; da wurde er durch ein Schreiben des Rebilus 
von den Vorgängen im Gebiete der Pictonen in Kenntniss gesetzt, 
und brach auf, um Duratius Entsatz zu bringen. Er war mit seinen 
25 Cohorten etwa beim heutigen Tours bereits über die Loire ge- 
zogen, und als Dumnacus seine Annäherung erfuhr, glaubte er sich 
verloren, wenn er in den Fall käme, dem vielleicht vereinigten Ent- 
satzcorps des Fabius und Rebilus die Spitze bieten , und gleich- 
zeitig auch die Belagerten im Auge behalten und fürchten zu 
müssen. Dumnacus zog sich daher mit seinen Streitkräften von 
Lemonum in nördlicher Richtung zurück, und hielt sich nur dann 
für gesichert, wenn er die Loire einmal hinter sich hätte, die ihrer 
Breite wegen nur auf der einen vorhandenen *) Brücke zu über- 
schreiten war. 



1) Vergl. Anmerkung S. 353. 

2) Vergly das im nämlichen Cap. 27 folgende >ad eundem pontem«. 

23* 



356 

Fabius war zwar noch nicht in den Gesichtsbereich der Feinde 
gekommen, und hatte sich auch mit Kebilus noch nicht vereinigt; 
nach den Mittheilungen über die Terrainverhältnisse, welche er von 
Ortskundigen erhielt, gewann er aber die üeberzeugung, Dumnacus 
wende sich eingeschüchtert zur Ueberschreitung der Loire nach einem 
Punkte, nach dem er in der That auch zog. Dies war eine Brücke 
entweder beim heutigen Saumur oder bei Angers, dem spätem 
Juliomagus, damaliger Hauptstadt des Dumnacus. Fabius bog da- 
her westlich ein, und marschirte nach eben diesem üebergangs- 
punkt, indem er seine Reiterei den Legionen soweit vorausziehen 
liess, das9 sie, ohne die Pferde allzusehr zu ermüden, sich in das 
Lager der Legionen zurückziehen konnten. Ohne sich weiter als 
vorgeschrieben von den Legionen zu entfernen *) erreichte die Reiterei 
die Marsch-Colonne des Dumnacus, drang in sie ein, und fiel über 
die auf dem Rückzug befindlichen , erschütterten und vom Gepäck 
beschwerten Feinde, her *) , machte daher grosse Beute und todtete 
ihm eine Menge Leute. Nach diesem gelungenen Handstreiche be- 
gab sie sich ins Lager zurück. 

Schon in der folgenden Nacht sandte Fabius seine Reiterei 
wieder voraus, mit der Bestimmung die ganze feindliche Colonne 
durch Angriffe so lange aufzuhalten, bis er sie mit den Legionen 
eingeholt habe. 

Um dem Befehle zu entsprechen , ermahnte der Befehlshaber 
der Reiterei, Q. Attius Varus ein Mann von ausgezeichnetem Muth 
und grosser Umsicht, vor Allem zur Tapferkeit, und als er die 
feindliche Colonne eingeholt hatte, stellte er einen Theil seiner 
Türmen an geeigneten Punkten auf, mit dem andern Theile griff 
er an. Da die feindliche Reiterei wusste, dass das Fussvolk ihr 
nachrücke und ihr mit seiner ganzen Colonne zur Seite stehend, 
Hilfe bringen werde ^) , so hielt sie wacker stand *) , und es ent- 
spann sich ein hartnäckiges Gefecht. Des Fabius Reiter nahmen 
auch den Kampf mit dem indessen eingetroffenen Fussvolke auf 
das Tapferste auf; denn im Gefühle ihrer Ueberlegenheit über den 
gestern geschlagenen Feind, und im Bewusstsein, dass ihre Le- 
gionen auf dem Fusse nachfolgten , schämten sie sich zu weichen, 



1) ut erat praeceptum. 27. 

2) Die üebersetzung von in itinere (27) ist bereits in dem Worte »Marsch- 
colonne« enthalten. 

3) ferant (anstatt ferunt) auxilium 28. 

i) Conaistit (anstatt confligit) audaciiis equitatus hostium 28. 



357 

und brannten vor Begierde, auch ohne Beistand derselben den Kampf 
auszuf echten. 

Die Feinde aber glaubten, ihrer Wahrnehmung vom vorherigen 
Tage entsprechend, daSs Fabius keine weitere Truppen ins Gefecht 
bringen werde, und wollten die Gelegenheit zur Vernichtung seiner 
Reiterei benützen. 

Als man bereits eine Zeit lang mit höchster Anstrengung um 
den Sieg gerungen hatte, ordnete Dumnacus seine Schlachtlinie so, 
dass sie abwechselnd ihrer Reiterei als Bedeckung dienen konnte. 
— Er stellte sein Fussvolk wahrscheinlich mit Intervallen auf, 
durch die sich seine Reiterei zurückziehen, und nachdem sie wieder 
zu Athem gekommen, von Neuem vorbrechen konnte. — Da er- 
schien plötzlich die Masse der Legionen. Ihr Anblick wirkte nieder- 
schmetternd auf des Feindes Reitergeschwader, seine Gepackcolonne 
gerieth in höchste Verwirrung, und die Schlachtline seines Fuss- 
volks stob mit lautem Geschrei auseinander da und dorthin fliehend. 
Die Reiterei der Römer aber, welche sich kurz vorher mit ihrem 
standhaltenden Gegner tapfer herumgeschlagen hatte, erhob von 
Siegeslust hingerissen überall einen weithinschallenden Jubel, um- 
ringte die Weichenden, und hieb sie zusammen, so lange ihre Pferde 
zur Verfolgung und ihre Arme zum Hauen noch Krafk hatten. 

So wurden mehr als 12000 Bewaffnete oder Solche, welche im 
Schrecken die Waffen von sich geworfen hatten, niedergemacht, und 
der ganze Tross fiel in die Hände der Römer. 

5. Kampfe bei üxellodunum. 

Ein gewisser Senone Namens Drappes hatte gleich im Anfange 
des gallischen Aufstandes vom vorhergegangenen Jahre überallher 
Gesindel gesammelt, Sclaven zur Freiheit aufgerufen, Landesflüchtige 
aller Staaten an sich gezogen, sogar Wegelagerer bei sich aufge- 
nommen, und mit diesem Haufen nicht nur Gepäckcolonnen sondern 
auch Zufuhren aller Art aufgefangen. Dieser Drappes war eben- 
falls unter den Fliehenden , hatte aber als solcher eine Schaar von 
höchstens 2000 derselben um sich gesammelt, und man wusste, dass 
er mit ihr nach dem narbonensischen Gallien ziehe, und im Ein- 
verständniss mit dem Cadurken Lucterius einen Einfall in jenen 
Provinzen beabsichtige. Drappes musste nach der Schlacht süd- 
westlich — also gegen die Seeküste hin ausweichend — durch das 
Gebiet der Santonen und Pictonen in das der Cadurker gelangt 



/ 



y 



368 

Bein und auf diese Weise den nunmehr vereinigt gewesenen ^) Corps 
des Fabius und Rebilus entkommen sein; da brach der Legate Re- 
bilus mit seinen beiden Legionen ^) zur Verfolgung dieses Gesindels 
auf, um der Schmach vorzubeugen , dass die Provinz durch den 
Raubzug desselben etwa in Schaden und Schrecken versetzt werde. 

Fabius machte sich nun mit seinen 25 Cohorten gegen die 
Carnuten und die übrigen Völkerstämme auf, deren Truppen, wie 
er wusste, in dem mit Dumnacus stattgehabten TrejBFen empfind- 
liche Verluste erlitten hatten ^). Denn er war überzeugt , dass sie 
nach dieser Niederlage ziemlich demüthig sein würden, dass sie aber 
wenn man ihnen Zeit lasse, durch Dumnacus wieder aufgestachelt 
werden könnten. Die Unterwerfung dieser Völkerschaften bewirkte 
Fabius eben so glücklich als schnell. Denn die Carnuten*) stellten 
Geiseln, und unterwarfen sich, und auch die in den äussersten Gegen- 
den Galliens am Atlantischen Meere gelegenen armorischen Staaten 
folgten dem Beispiele der Carnuten und leisteten, so bald die Le- 
gionen des Fabius erschienen, Gehorsam. Dumnacus, von Allen 
verlassen, musste landesflüchtig umherirrend, in den entlegensten 
Gegenden Galliens Verborgenheit suchen. 

Als unterdessen Drappes und Lucterius die Kunde erhielten, 
Rebilus stehe ihm mit seiner Legion im Nacken, glaubten sie, von 
diesem Corps verfolgt, ohne ihren sichern Untergang in die Pro- 
vinz nicht eindringen, ja nicht einmal ihre Streifereien und Raub- 
züge fortsetzen zu können, und machten daher im Gebiete der Ca- 
durker Halt. 

Dort wo Lucterius, schon ehe die Römer in's Land gekommen 
waren, einen grossen Einfluss und als unruhiger Kopf viele An- 
hänger hatte, warf er sich im Verein mit den Schaaren des Drappes 
in die Stadt üxellodunum, deren Schutzherr er war, und die 
eine von Natur ausserordentlich feste Lage auf dem an der Süd- 
seite der heutigen Stadt Luzech vom Lot umflossenen Berge hatte. 
Die Einwohner schlössen sich ihm an. 

Für das alte üxellodunum (Taf. XI. Fig. 3. u. 4) sind schon 



1) DasB nach der Schlacht an der Loire die Vereinigung stattfand, scheint 
aus dem Ausdruck »cum reliquo exerdtu« (31) hervorzugehen. 

2) cum legionibus duabus. 30. mit der 10. und 15. (vgl. Anm. 3. S.^53.) 

3) copias esse accisas sciebat. 31. 

4) Üeber den Beisatz des Hirtius »qui saepe vexati nunquam pacis fecerant 
mentionem« (31) verweist Vossius auf VI, 4, wonach die Cärnuton bereits im 
Jahre 53 t. Chr. also schon 2 Jahre früher Geiseln stellten. 



359 

manche Orte, z. B. Capdenac, Puy d'Issoly, üsseldun und Cahors 
ausgegeben worden; diese alle aber entbehren des von Hirtius in 
Cap. 41 gegebenen charakteristischen Merkmals, dass der Fluss den 
Berg, auf welchem üxellodunum lag, so umfloss, dass er an einer 
Stelle nur auf eine Strecke von nicht mehr als 300 Fuss vom Flusse 
nicht umflossen war, indem jene Strecke bei den genannten vier 
Städten viel grösser ist. Diese Entfernung von 300 Fuss kann 
aber auch bis auf den heutigen Tag sich nur wenig verändert 
haben, weil die nach Cap. 40 an den Fluss ganz nahe herantreten- 
den Berge eine nennenswerthe Aenderung des Flussbettes nicht zu- 
liessen. Daher tritt uns vor Allem und wohl einzig jener Berg 
bei Luzech, dessen Lage auch den strategischen Bedingungen ent- 
spricht, als der Punkt des alten üxellodunum entgegen. Zugleich 
gibt uns die Formation jenes Berges die Anleitung an die Hand, 
warum Hirtius in 40. Cap. die Stadt, nicht aber den Berg »prae- 
ruptum« nennt Der Berg ist zwar überall etwas steil, sehr steil 
aber erhebt er sich nur beim heutigen Hofe La Pistoule, nämlich mit 
seiner Kuppe, welche üxellodunum einnahm. Die steilen Böschungen 
der Kuppe mochten (wie die germanischen Heidenringe) mit ur- 
sprünglich vorhandenen, oder daselbst steil aufgethürmtem Fels- 
blöcken (praeruptissimis saxis. cap. 33, — nicht rupibus) um- 
schlossen gewesen sein , so .dass sie gleichsam eine an den Grund 
angebaute colossale Trockenmauer bildete, somit zugleich als ein 
Theil der Stadt betrachtet und daher die Stadt selbst »praeruptum« 
genannt werden konnte. Der umfang von üxellodunum war sehr 
klein '). 

1) Vergl. S. 361. Anin. 2. ~ Köchly sagt (Gall. Krieg. S. 243): >v. Göler 
bat das Verdienst, an der allerdings ebenso genauen als charakteristischen 
Beschreibung das alte üxellodunum auf dem Berge erkannt zu haben, wel- 
cher südlich von dem Städtchen Luzech sich erhebt und ganz in ähnlicher 
Weise auf 3 Seiten vom Lot, wie Besan^on vom Doubs umflossen wird. Na- 
poleon ist daher mit Becht auch hier Göler gefolgt«. Die letzte Bemerkung 
bezieht sich auf die grosse Karte von Gallien , welche auf Napoleons Befehl 
im Jahr 1801 herauskam. In seinem 5 Jahre später erschienenen Werke verlässt 
der Kaiser diese Ansicht und erklärt als über jeden Zweifel erhaben, dass Üxello- 
dunum nördlich der Dordogne auf dem Puy d'Issolu gelegen habe. Er wird 
hierzu hauptsächlich durch die Ausgrabungen bestimmt, welche 1865 daselbst 
stattfanden. Wir theilen seinen Bericht über dieselben hier wörtlich mit: 

»Le Pay d'Issolu est une haute montagne situ^e non loin de la rive 
dioite de la Dordogne, entre Vayrac et Martel; eile est isolöe de tous les 
cöt^s, except^ vers le nord, oü eile se relie, par un col de 400 m. de 
largenr (le col de Ronjou) , k des hauteurs appel^es le Pech Demont. Son 



360 

Rebilus war unmittelbar darauf vor Uxellodunum eingetroffen, 
überzeugte sich aber, dass die Stadt auf allen Seiten durch so steil 
aufgethürmte Felsblöcke gesichert war , dass man , sogar wenn sie 
nicht vertheidigt würde, bewaffnet nur schwer an sie heranklettern 
könne ; dagegen schien ihm der Tross der Städter so gross, dass er 
bei einem Versuch, ihn heimlich zu flüchten, der Reiterei, ja nicht 
einmal den Legionen zu entwischen vermöchte. 

Unter diesen Verhältnissen theilte er sein Corps in drei Theile, 
und liess sie an sehr hoch gelegener Stelle drei Lager schlagen. 
Von diesen Lagern aus wollte er allmälig — wie es eben mit der 
vorhandenen verhältnissmässig geringen Truppenzahl ausführbar 
sein würde — ganz um die Stadt einen Wall ziehen, und legte 
deshalb vorerst ringsum Redouten an *). 

Als die in der Stadt Befindlichen diese eine Blokade bezeich- 
nenden Anstalten bemerkten , fürchteten sie , es möchte ihnen wie 
seiner Zeit Vercingetorix zu Alesia ergehen, und kamen in grosse 

plateauy que couronne une ceinture de rochers k pic, domine, presque de 
toutes parts, le terrain bas environnant.« Weiter führt Napoleon ans, dass 
die Quelle , welche Cäsar ableiten liess , diejenige von Louli^ sei. Das in- 
teressanteste Ergebniss der Ausgrabungen ist aber die Auffindung der unter- 
irdischen Gallerie, welche die Römer ausführten, um diese Quelle abzuleiten. 
Diese Qallerie ist nicht in gerader Linie, sondern in unregelmassigen Zickzacks 
gefuhrt, je nachdem es die Felsarten, auf welche man stiess, am zweckmässig- 
sten erscheinen Hessen. Ausserdem hat man an dem Abhang von Louliö viele 
gallische Töpfer waaren und deutliche Spuren eines Brandes gefunden, welchen 
Napoleon mit dem von Cäsar beschriebenen Brand der römischen Werke iden- 
tifidrt. Heller bemerkt hierzu (Philol. XXVI, 696), dass trotz aller ge 
wichtigen Einwendungen gegen den Puy dlssolu nun dennoch die Ansprüche 
dieses Bergs besonders durch Cessac's Bemühungen gesiegt hätten. Allerdings 
geräthe aber hierdurch die Interpretation der betreffenden Stellen in eine ganz 
unhaltbare Lage; denn man habe aus der Beschreibung des Hirtios allge- 
mein angenommen , dass der Berg von Uxellodunum durch einen engen Hals 
von 300 Fuss mit dem übrigen Lande in Verbindung stand, dass der Fluss, 
ebenso wie das Thal, den ganzen Berg bis auf jene Strecke umgab, und dass 
endlich die Quelle auf diesem Halse gesucht werden müsse. Eine andere 
Erklärung Hessen die lateinischen Worte durchaus nicht zu. Das Alles sei 
jedoch bei dem Puy d'Issolu ganz anders. Sei deshalb wirklich dieser Berg 
das alte Uxellodunum, so folge unwidersprechlich , dass die Beschreibung des 
Hirtius in den wichtigsten Punkten völlig unrichtig sei , und dass er allen- 
falls nur nach Hörensagen diese Schilderung gegeben haben könne. Oder 
aber, wir hätten in dem aufgefundenen Gange nur eines der vielen Bergwerke 
der Gallier des Südens , in deren Anlegung sie , nach der Aeusserung Cäsars. 
eine ausserordentliche Geschicklichkeit an den Tag legten. 

1) Vergl. expeditionibns nocturnis castella nostrorum adoriontur. cap. 34. 



361 

AufregUDg. Vor Allem ermahnte Lncterius, der jene traurige Ka- 
tastrophe mit durchgelebt hatte, nunmehr für Verproviantirung 
Sorge zu tragen; und sie beschlossen einstimmig, eine kleine Be- 
satzung in üxellodunum zu lassen , im Uebrigen aber schlagfertig, 
zwar mit Packthieren, aber ohne Karren '), aufzubrechen, um Pro- 
viant beizuschafiPen. Demzufolge Hessen sie 2000 BewafiFnete zurück, 
und zogen unter Drappes und Lucterius aus ^). In wenigen Tagen 
brachten sie aus dem Gebiete der Cadurker, welche sie theils gerne 
unterstützten , theils die Requisition nicht hindern konnten , eine 
Menge Proviant zusammen; auch griffen sie einigemal zur Nacht- 
zeit die Redouten des Rebilus an. Da dieser nun nicht nur die 
Besatzung gegen sich hatte, sondern auch durch die ausgezoge- 
nen Streitkräfte von aussen angegriffen wurde, stellte er den Bau 
seiner Contravallationslinie ^), welche zwischen die Redouten einge- 
fügt werden sollten, vorerst ein ; denn er hätte ohne Circumvallation 
die Contravallation doch nicht schützen, oder beide Linien, wenn 
sie auch ausgeführt gewesen wären *), an den meisten Punkten nur 
allzu schwach besetzen können. 

Als Drappes und Lucterius eine grosse Menge Proviant zu- 
sammen gebracht hatten, nahmen sie nicht weiter als 3^3 Stunden 
von üxellodunum entfernt Stellung, um von dort aus den Proviant 
nach und nach in die Stadt zu bringen. Die Ausführung dieses 
Unternehmens theilten sie unter einander : Drappes mit einem Theil 
der Streitkräfte als Lagerbesatzung blieb in jener Stellung, und 
Lucterius übernahm es, einen Zug Packthiere nach der Stadt zu 
führen. In der Nähe derselben angelangt °), stellte er zur Deckung 
seines Zugs Truppen auf, und begann etwa Morgens 4 Uhr®) auf 
waldigen und schmalen Wegen seinen Proviant in die Stadt zu 
schaffen. Nachdem durch das unvermeidliche Geräusch die römi- 
schen Nachtposten aufmerksam geworden waren , und die ausge- 



1) Vergl. agmen iumentorum. 35. 

2) Aus dieser geringen Anzahl Vertheidiger geht hervor, wie klein die 
Stadt üxellodunum — der Kuppe bei La Pistoule entsprechend — war. Wenn 
wir nur eine einfache Besetzung der Stadtmauer und eine einfache Ablösung 
der Vertheidiger annehmen, so konnte die Mauer höchstens 3000' oder 1200 
Schritte Umfang haben. 

B) munitiones 34. 

4) opus effectum 34. (vergl. cap. 37: Externo hoste deleto, cuius timore 
antea augere praesidia et munitione oppidanos circumdare prohibitus erat.) 

5) ibi. 35. 

6) hora noctis drciter decima 35. 



362 

sandten Patrouillen den Vorgang gemeldet hatten, liess Rebilns die 
Cohorten der nächsten Redouten schnell zu den Waffen greifen, 
und gerade als der Tag anbrach, über die Führer der Proviant- 
colonne herfallen. Diese geriethen durch den unerwarteten Schlag 
in höchste Bestürzung, und stoben nach ihren Deckungstruppen 
auseinander; die Römer aber, beim Anblick der Bewaffneten noch 
mehr in Wuth gebracht, gaben auch Keinem Pardon. Lucterins 
mit einer kleinen Anzahl seiner Leute entfloh, und zwar ohne in 
das Lager des Drappes zurückzukehren. 

Durch diesen glücklichen Erfolg erfuhr Rebilus von Gefangenen, 
ein Theil der feindlichen Schaaren stehe mit Drappes noch in dem 
nicht mehr als SVs Stunden von üxellodunum entfernten Lager*). 

Wenn ihm auch nach dieser von mehreren Seiten vernommenen 
Nachricht nicht entgehen konnte, dass, während der eine Führer 
auf der Flucht sei, man die Truppen der andern leicht (durch plötz- 
liches Erscheinen) in Schrecken setzen *) und überwältigen könne, 
so glaubte er doch, es gehöre seiner Seits viel Glück dazu, wenn 
keiner der Versprengten ins Lager des Drappes zurückgekommen 
sei und die erlittene Niederlage demselben berichtet habe. Da Re- 
bilus aber in dem Versuche eines Ueberfalls keine Gefahr sah, so 
sandte er seine ganze Reiterei und germanisches Fussvolk, äusserst 
behende Leute, nach dem feindlichen Lager voraus, liess eine Legion 
als Besatzimg seiner drei Lager zurück, und rückte mit der andern 
Legion nach. 

Als er den Feinden ziemlich nahe gekonmien war, wurde ihm 
durch seine Recognoscirungs-Patrouillen gemeldet, des Drappes Li^er 
sei nach der Gewohnheit jener Völker nicht auf den Höhen, sondern 
unten am Ufer des Flusses — und die Germanen nebst den Reitern 
seien wider alles Erwarten der Feinde plötzlich über sie hereinge- 
brochen und befänden sich bereits im Gefecht. 

Auf diese Meldung hin liess Rebilus seine Legion sich zum 
Kampfe fertig machen, führte sie vor^) und besetzte auf ein ge- 
gebenes Signal plötzlich die rings um das Lager liegenden Höhen. 
Als die Germanen und Reiter die Feldzeichen der Legion erblickten, 
drangen sie mit äusserster Heftigkeit auf den Feind ein ; unmittel- 
bar darauf schritten auch die Cohorten von den Höhen herab zum 



1) in castris milibus non amplius X, 86. (nach Scaliger.) 

2) perterritos. 36. 

3) legionem armatam instructamque adducii. 36. 



863 

Angriff, machten Alles nieder oder gefangen und bemächtigten sich 
grosser Beute. Drappes selbst fiel in Gefangenschaft. 

7. Einnahme der Stadt üxellodunum. 

Nach dieser glücklichen Waffenthat, die Rebilus kaum einen 
Verwundeten kostete, kehrte er zur Blokade der Stadt üxellodunum 
zurück. Da er keinen äussern Feind mehr zu fürchten hatte, konnte 
er jetzt seine Truppen theilen und die Contravallation ausführen. 
Daher liess er auf allen Punkten die Arbeit beginnen. Am Tage 
darauf traf Fabius mit seinen 2*/« Legionen ein, und übernahm die 
Blokade eines Theils der Stadt, vor der jetzt 4V« Legionen ver- 
sammelt standen. 

Während der Kämpfe gegen den Andesfürsten Dumnacus und 
der bisherigen Kämpfe bei üxellodunum hatte Cäsar seinen Zug 
gegen Ambiorix ausgeführt, Labienus gegen die Trevirer de- 
tachirt, und M. Antonius mit 15 Cohorten auf df^m Berge Ganelon 
im festen Lager stehen lassen , damit die Belgier sich keine neue 
Schilderhebung in Sinn kommen Hessen. 

Er selbst durchzog mit zwei Legionen *) die übrigen Staaten, 
und liess sich eine ziemliche Anzahl Geiseln stellen, suchte aber zu- 
gleich überall die Gemüther zu beruhigen. So kam er auch zu den 
Carnuten , die im vorhergegangenen Jahre den Anfang des von 
Vercingetorix geleiteten grossen Aufstandes gemacht hatten. Als 
er bemerkte, dass man hier im Bewusstsein jener Schuld besonders 
ängstlich war, so wollte er die Völkerschaft möglichst bald von 
ihrer Furcht befreien, und verlangte nur die Auslieferung des An- 
tifters Gutruatus, um ihn zu bestrafen. Dieser wagte zwar nicht 
einmal seineu Landsleuten sich anzuvertrauen, wurde aber dennoch 
unter allgemeinem Zusammenwirken schnell aufgesucht und in's 
Lager gebracht. Da liefen die Soldaten, welche alle Gefahren 
und Verluste jenes Kampfes Gutruatus zuschrieben, massenhaft zu- 
sammen , und Cäsar musste ihn zu Tode prügeln und ihm sodann 
den Kopf abschlagen lassen. 

]) Uebersicht des damaligen Standes der Legionen: 

Unter Cäsar 2 Legionen, 

„ Antonius V/% „ 

„ Labienus im Trevirerland . . 2 „ 

„ vor üxellodunum 47*»» 

„ in Oberitalien 1 „ 

Zus. 11 Legionen. 



364 

Hier erhielt Cäsar von Rebilas mehrfach schriftliche Meldungen 
über die Besiegung des Drappes und Lucfcerius, aber auch über den 
fortgesetzten Widerstand der in üxellodunum Belagerten. Wenn 
auch diese geringe Schaar keine Besorgnisse erregen konnte, so 
glaubte Cäsar doch ihre Hartnäckigkeit streng bestrafen zu müssen, 
damit die übrigen Gallier nicht auf die Meinung yerfallen möchten, 
es habe ihnen nicht an der nöthigen Kraft zum Widerstand gegen 
die Römer gefehlt, sondern nur an der Ausdauer, und damit nicht 
nach dem Beispeile der Cadurker auch andere Völkerstämme im 
Vertrauen auf feste Plätze sich um so mehr unabhängig erklären 
würden, als es in ganz Gallien bekannt war, es sei der letzte Som- 
mer von Cäsars Proconsulat herbeigekommen, und wenn sie ihm in 
dieser Zeit noch die Spitze böten, hätten sie für die Zukunft nichts 
mehr zu fürchten. Er übergab daher dem Legaten Q. Calenus das 
Commando seiner beiden Legionen, mit dem Befehle, ihm in ge- 
wöhnlichen Tagemärschen zu folgen, während er selbst mit der 
ganzen Reiterei in Eilmärschen nach Üxellodunum zog. 

Als Cäsar wider alles Erwarten vor der Stadt eintraf, fand er 
sie von der Contravallationslinie bereits eingeschlossen. Er glaubte 
jedenfalls mit förmlichen Belagerungsarbeiten vorgehen zu müssen, 
und begann, weil er von üeberläufern erfuhr, dass die Stadt wohl 
verproviantirt sei ^) , mit einem Versuche , ihr das Wasser abzu- 
schneiden. Das Thal des Lot ist das Hauptthal in der dortigen 
Gegend und somit auch das tiefste Thal (infima vallis), da die aus 
seinen Nebenthälern zufliessenden Gewässer naturgemäss ein höheres 
Niveau haben müssen *). Dieses Thal umzieht beinahe den ganzen 
Berg, auf dem die nach allen Seiten steil emporragende Stadt er- 
baut war '). Die BeschaiBFenheit des Terrains verhinderte die Ab- 
leitung des Flusses, denn er floss so über den Fuss der hart zu- 
sammenfliessenden Thalwände hin *) , dass man nach keiner Seite 
Abzugsgräben ziehen konnte. Der Berg selbst, auf dem üxello- 
dunum lag, war wie gesagt nicht steil ; der Niedergang von seinem 
Fuss (Fig 7. c.) aber über das tief eingeschnittene Ufer hinab zum 
Wasser war so unwegsam und jäh, dass die Belagerten, wenn 



1) Trotzdem, dass die Verproviantirung , welche Drappes und Lucterius 
beabsichtigten, vereitelt war, konnten die Vorräthe fiir die übrig gebliebene 
geringe Besatzung doch bedeutend sein. 

2) fiumen infimam vallem dividebat. 40. 

3) in quo positum erat praeruptum undique oppidum. 40. 

4) sie emm in imis radicibuB montis ferebatur. 40. 



365 

ihnen die Römer in den Weg traten, unverwundet und ohne Lebens- 
gefahr weder an das Wasser gelangen, noch das steile Ufer wieder 
hinaufkommen konnten ^). 

Cäsar hatte bald diesen für die Belagerten schwierigen Um- 
stand erkannt, und stellte deshalb auf dem linken Ufer — die Stadt 
lag auf dem rechten — Bogenschützen und Schleuderer, an einigen 
Orten, welche den gangbarsten Stellen des rechten Ufers gegenüber 
lagen , sogar Wurfraaschinen auf, und verhinderte auf diese Weise 
die Belagerten am Wasserholen. Von da an fand sich Alles , was 
in der Stadt war, um Wasser zu holen, nur noch an einem 
Punkte ein ') ; nämlich bei einer starken Quelle , die unmittelbar 
vor der Stadtmauer zu Tag kam ^) , und zwar auf der Nordseit# 
derselben, wo der Berg in einer Ausdehnung von etwa 300 Fuss 
vom Fluss nicht bespült wurde. 

Allgemein war es der Wunsch der Belagerer, den Zugang zu 
dieser Quelle verwehren zu können, Cäsar allein aber sah, dass dies 
in der That ausführbar war. Er begann nämlich der Quelle gegen- 
über Laufganghütten gegen den Berg vorschieben und einen An- 
näherungsdamm ^) erbauen zu lassen, jedoch mit grosser Anstrengung 
und unter beständigen Gefechten, denn die Belagerten stürmten von 
oben herab, unterhielten ohne alle Gefahr ein Fernegefecht und 



1) Nur wenn die Wasserholenden bereits an dem Ufer des Lot ange- 
kommen waren, vermochten die Römer sie zu beschiessen. So lange sie sich 
noch anf dem Abhang des Berges befanden, waren sie bei der Beschaffenheit 
der damaligen Femewaffen ausser dem Schussbereiche, und schon deshalb 
kann sich das difficilis et praeruptus descensus (40.) nicht auf den ganzen 
Berg, sondern nur auf den Punkt zunächst am Flusse, also auf das Ufer be- 
ziehen. Der Lotfluss wird bei Cahors, 3 Stunden oberhalb Luzech, jedoch nur 
durch Schleusen, schiffbar, sein Lauf ist reissend, sein Bette felsig und er hat 
eine mittlere Breite von 300 Fuss. (vergl. Rudtorfer's Milit. Geographie.) 

2} quorum omnis postea multitudo aquatnm unum in locum conveniebat. 41. 

3) Sub ipenm enim oppidi murum magnus fons prorumpebat ab ea parte, 
qnae fere pedum CCC intervallo fluminis drcuitu vacabat. 41. (vgl. Ouden- 
<lorp.) Napoleon übersetzt diese Stelle: »Les assi^gäs alors n'eurcnt d'autre 
moyen pour se procurer de Teau, que d'aller puiser k une source abondante 
qui aortait du rocher au pied de la muraille, k trois cents pas du cours 
de la Tourmente«. Lässt sich sprachlich gegen diese Uebersetzung und 
i^ach anderen Erfahrungen auch dagegen nichts einwenden, dass er »passuum« 
anstatt »pedum« liest, so geht aus seiner weitem Ausführung doch hervor, 
dass die Quelle Ton Loaliä nicht 800 sondern 220 Doppelschritte von dem 
Fluss entfernt ist. 

4) aggerem (nicht aggeres) 4L 



\ 



366 

verwundeten viele Romer, die ihnen hartnäckig zu Leib gingen. 
Dadurch liessen sich die Letztern jedoch nicht abhalten, ihre Lauf- 
ganghütten vorzuschieben und durch ihre Belagerungswerke die 
Terrainschwierigkeiten zu besiegen. Zu gleicher Zeit trieben sie 
verdeckte Stollen oder Gänge (Taf. XI. Fig 4. eg) von den Lauf- 
ganghütten (i i) gegen die Felsenspalten (e f ) , welche der Quelle 
das Wasser zuführten , vor '). Diese Arbeit konnte ohne alle Ge- 
fahr und ohne beim Feinde den mindesten Verdacht zu err^en, 
ausgeführt werden ; denn die Oeffnung des Stollens blieb durch die 
auf dem Annäherungsdamm (h) vorgeschobenen Laufganghütten (i i) 
verdeckt. Dieser Graben lief unzweifelhaft gegen den Berg rampen- 
f örmig , ähnlich jenem von Avaricum , und zwar bis zu 60 Fuss 
Höhe «). 

Auf dem Damme wurde ein Thurm (gl) von 10 Stockwerken, 
also von etwa 100 Fuss Höhe errichtet, welcher zwar nicht gleiche 
Höhe mit der Stadtmauer erreichte (denn dies wäre durch keine 
Werke zu erreichen gewesen), aber doch die Quelle überragte'). 
Von diesem Thurme aus wurde der Zugang zur Quelle mit Wurf- 
maschinen bestrichen, so dass die Belagerten nur mit grosser Ge- 
fahr Wasser holen konnten, und nicht nur das Schlachtvieh und die 
Lastthiere, sondern auch eine Menge Menschen verdursteten. 

Diese Noth brachte die Belagerten zur Verzweiflung; sie füll- 
ten Fässer mit Talg, Pech und Holzspähnen, steckten sie in Brand 
und liessen sie auf die Belagerungswerke herabrollen. Zu gleicher 
Zeit machten sie einen Ausfall und kämpften mit äusserster Kraft- 
anstrengung, um die Römer durch den drohenden Charakter des 
Kampfes *) vom Löschen abzuhalten. 

1) cuniculos tectos ab vineis agunt ad caput fontia. (vergl. Digesta 4^5, 
20, 1. § 8. Caput aquae ilhid est, unde aqua nascitur.) 41. Da die Kupp« 
des Berges, auf welcher [Jxellodunum lag, zu klein ist, als dass von ihr aus 
zur Speisung der Quelle hinlänglich Wasser niedersinken konnte, so muss das 
Wasser hiezu durch Spalten , welche mit den umliegenden höhern Bergen in 
Verbindung standen, emporgestiegen sein, und deshalb konnte Cäsar mit einem 
ganz horizontal geführten Stollen die Spalte treffen, und ihr Wasser durch 
den Stollen selbst ableiten (vergl. cap. 43. cuniculis venae fontis intercisae sunt). 

2) Exstruitur agger in altitudine pedum LX. 41. Einige Codices haben 
die Zahl IX oder auch VI anstatt LX. (vergl. Oudend.) LX ist aber sicher- 
lich die richtige I denn sonst wäre die Quelle beinahe am Fasse des Bergen 
hervorgesprungen and nicht an der Stadtmauer. 

3) Hiernach muss die Quelle gegen 150 Fuss über dem Wasserspiegel des 
Lot gelegen hahen. 

4) dimicationis periculo. 42. 



367 

Plötzlich schlug aus den Belagerungswerken selbst eine mäch- 
tige Flamme empor, denn alle Brandkörper, welche von dem jähen 
Umschluss der Stadt herabgerollt wurden, wurden von den Lauf- 
ganghütten und dem Damme aufgehalten und steckten nun die 
Hemmnisse selbst in Brand. 

Obgleich der Kampf schon durch die herabrollenden Brand- 
körper für die Römer besonders gefährlich war, und sie auf nach- 
theiligem Terrain kämpften, so traten sie doch all' diesem auf das 
Muthigste entgegen. 

Man schlug sich nämlich auf einem sehr hochgelegenen Punkte 
— in der Nähe der Quelle, oder wenigstens beim Angriffsthurme — 
unter den Augen des ganzen römischen Heeres und unter lauterti 
Zuruf von beiden Seiten. Aus je weiterer Ferne daher einer er- 
kannt werden konnte, desto mehr setzte er sich den feindlichen Ge- 
schossen und den Flammen aus, um seine Tapferkeit dadurch recht 
ans Licht zu bringen. 

Als Cäsar sah, dass seine Leute ziemlich viel Wunden erhielten, 
Hess er auf allen Seiten der Stadt Cohorten den Berg hinanröcken, 
und überall ein Kampfgeschrei erheben, als wenn sie die Stadt- 
mauer erstürmen wollten. 

Diese Massregel setzte die Belagerten in Bestürzung und be- 
denkliche Zweifel, weil sie nicht wussten, was an den andern Punk- 
ten geschehe '). Sie riefen daher ihre Kampfgerüsteten vom An- 
griff auf die Belagerungswerke zurück und vertheilten sie auf der 
Stadtmauer. Nachdem auf diese Weise der Kampf beendet war, 
bewältigten die Römer den Brand der Belagerun gs werke theils durch 
Löschen, theils' durch Einreissen derselben. 

Die Belagerten leisteten trotzdem noch hartnäckigen Wider- 
stand und beharrten in ihrem Entschlüsse, auch als bereits ein 
grosser Theil ihrer Leute dem Durst unterlegen war. — Endlich 
wurde durch einen der vorgetriebenen Stollen die Spalte des zur 
Quelle aufsteigenden Wi^ssers erschlossen und dasselbe durch den 
Stollen hindurch abgeleitet. 

Da versetzte das plötzliche Versiegen der Quelle, die bisher 
Jahr aus Jahr ein nicht vertrocknete, die Belagerten in vollkommene 
Hoffnungslosigkeit, sie glaubten nicht menschliches Beginnen, son- 
dern der Götter Wille habe solches vollbracht, und nothgedrungen 
ergaben sie sich. — Cäsar liess allen, welche Waffen getragen 



1) oppidani, quum, quid ageretur in locis reliquis, essent ignari, suspenai. 43 



368 

hatten, die Hände abhauen, schenkte ihnen aber das Leben, damit 
diese Bestrafung zum abschreckenden Beispiel um so mehr in Er- 
innerung bleibe. Wie auch Hirtius die That zu beschönigen sucht, 
sie und jene hinterlistige Gefangennehmung der germanischen Fürsten 
im Jahre 55 v. Chr. — beide nicht Resultate der Leidenschaft, 
sondern kalter Berechnung — werden auf C^ar's Charakter stets 
einen Schatten werfen, den sogar der hellste Glanz seiner Feld- 
herrngrösse nicht zu beseitigen vermag. 

Der von Rebilus gefangene Drappes ") nahm mehrere Tage 
keine Speise zu sich, und brachte sich so ums Leben, sei es dass 
ihm die Schmach der Ketten unerträglich war, sei es, dass er fürch- 
tete, Cäsar würde ihm wie jenem Gutruatus einen noch schreck- 
licheren Tod anthun. Der flüchtige Lucterius war in die Hände 
des Arverners Epasnactus, eines eifrigen Anhängers der Römer, ge- 
fallen , und wurde von diesem in Ketten geworfen und an Cäsar 
ausgeliefert. Sein wahrscheinlich höchst beklagenswerthes endliches 
Schicksal verschweigt uns Hirtius. 



8. Völlige Unterwerfung Galliens und Dislocirung der 

Legionen im Winter 51/50 v. Chr. 

Unterdessen hatte Labienus im Trevirerlande ein glückliches 
Reitertreffen geliefert, den Trevirern und Germanen, welche jeder- 
zeit bereit waren gegen die Römer Hilfstruppen zu stellen, ziem- 
lich viel Leute getödtet und ihre Fürsten lebendig in seine Gewalt 
gebracht. Da Cäsar nach Einlauf dieser Nachricht sah, dass es in 
allen Theilen Galliens ohne Ausnahme nach Wunsch gehe, so 
glaubte er, dass es durch die bisherigen Feldzüge nunmehr völlig 
besiegt und unterworfen sei. 

Nach dem von Crassus nur zum Theil unterjochten Aquitanien 
war Cäsar selbst niemals gekommen, und er brach daher mit 2 Le- 
gionen auf, um dort den Feldzug jenes Sommers zu beschliessen. 
Auch hierin war er so rasch und glücklich als sonst. Denn alle 
Aqnitanischen Völkerstämme schickten Parlamentäre und stellten 
Geiseln. Er begab sich hierauf von einer Reiter- Eskorte begleitet 
nach Narbo , und befahl den Legaten das Heer in die Winter- 
quartiere zu führen. 



1) vergl. Cap. 36. 



369 

Folgendes war die Dislocation: 

in Belgiuxn, wahrscheinlich bei Nemetocenna , dem 
heutigen Beanvais ^), nnter Antonius, Trebonios 
und Vatinius 4 Legionen; 

im Aeduerlande, das in ganz Gallien im höchsten 

Ansehen stand 2 Legionen ; 

im Lande der Turonen, zunächst der Grenze der Gar- 
nuten (etwa bei Amboise) 2 Legionen, 

um die ganze dortige Gegend bis zum Meere 
im Zaume zu halten; 

im Gebiete der Lemoviker, nicht weit von den Aver- 
nem, wahrscheinlich beim heutigen Argentat 
im Süden des Departement Corrdze ') ... 2 Leonen ; 

hiezu die in Oberitalien gestandene 3. Legion gerechnet 1 Legion, 

erhalten wir wieder zusammen 11 Legionen, 
von welchen die ersten zehn ganz Gallien beherrschen konnten, in- 
dem ihre 4 Winterlager so dislocirt waren, dass sie die Winkel- 
punkte eines Rechtecks bildeten, dessen Seiten nicht mehr als 60 
Stunden lang, und auch je eins von diesen Winterlagern nicht mehr 
als etwa 60 Stunden vom entlegensten Grenzpunkte Galliens ent- 
fernt war. 

C^sar selbst blieb noch einige Tage in der Provinz, indem er 
schnell alle Gerichtssprengel durchreiste, über Streitigkeiten der 
dortigen Völkerschaften entschied, und diejenigen, welche sich um 
ihn verdient gemacht hatten, belohnte. Er hatte nämlich gerade 
bei dem vorjährigen Aufstande von ganz Gallien, in dessen Unter- 
drückung ihn die Provinz treu unterstützte, die beste Gelegenheit 
gehabt, seine Leute kennen zu lernen. Als er sein Geschäft hier 
beendigt hatte, begab er sich zu seinen Legionen nach Belgium 



1) Nemetocenna ist der alte aber latinisirte gallische Namen von Bean- 
vais and nicht zn verwechseln mit Nemetacnm, das Ptol, auch Metacmn hiess 
und nach Itin. Ant. das heutige Arras ist. (vergl. Mannert.) Nemetocenna 
erhielt später den Namen Cäsaromagns und nach der Bömerherrschaft den 
Namen Beauvais. — Auch Napoleon verwechselt Nemetocenna mit Nemetacum, 
indem er ersteres für Arras erklärt. Vergl. S. 145. Anmerk. 2. 

2) Der nördliche Theil des Depart Corrfeze ist zwar rauh, öde und un- 
fruchtbar , der übrige Theil jedoch fruchtbar und seine Viehzucht bedeutend. 
Daher konnte ein Winterlager dort immerhin seinen Unterhalt finden, zumal 
als die damalige Demüthigung jenes Theils von Gallien und die Nähe der 
römischen Provinz die Zufuhren leicht machten. 

T. OöUr, OasATs gAllitohev Krieg. U. Aufl. 24 



370 

zurück, und brachte den Winter zu Nemetocenna, der Hauptstadt 
der eben erst besiegten Bellovaker zu^). 

9. Unterwerfung des Atrebaten Commius. 

Zu Nemetocenna erfuhr Cäsar, dass der Atrebate Commius seiner 
Keiterei — welche zur Deckung der Zufuhren und Fouragirungen 
detachirt war — ein Gefecht geliefert habe. Als Antonius näm- 
lich sein Winterlager im Lande der Bellovaker bezog, war der 
(nahegelegene) Staat der Atrebaten ruhig geblieben. Commius aber, 
der seit er so meuchlerisch angefallen worden war, seinen Mit- 
bürgern, wenn es Unruhen galt, jederzeit zur Hand war, damit es 
den Kampflustigen niemals an einem Unternehmer und Führer 
fehle — dieser machte, obgleich sein Staat den Romern unterwürfig 
blieb, mit seiner Reiterei den Wegelagerer und bereicherte so sich 
und seine Leute. Auch mehrere Zufuhren , welche auf dem Wege 
nach dem römischen Winterlager waren, hob er auf. ^ 

Als Commandeur der Reiterei war dem Antonius C. Volusenus 
Quadratus zugetheilt, und befand sich bei ihm im Winterlager. 
Diesen entsendete Antonius mit dem Auftrage, des Commius Reiter 
aufzusuchen. Volusenus verband mit seiner unvergleichlichen Tapfer- 
keit einen glühenden Hass gegen Commius; desshalb war ihm der 
Auftrag um so willkommener. Er legte sich mehrmals in Hinter- 
halt, fiel über seines Feindes Reiter her und achlug sich mit Glück. 
Als sie das letztemal zusammengeriethen , und mit grosser Heftig- 
keit aufeinander eindrangen , Volusenus aber voll Begierde den 
Commius selbst zu fangen, mit einigen Reitern unablässig hinter 
ihm her war*), floh Commius rasch zurück, und lockte dadurch 
Velusenus ziemlich weit von seinen Leuten hinweg. Plötzlich rief 
nun Commius seinen Reitern zu: »Bleibt treu mir zur Seite und 
rächt meine meuchlerische Verwundung« ^). Damit wandte er sein 

1) faibernatque Nemetocennae. 46. Die Codices enthalten auch Nemeto- 
cernae, Nemotocennae, Nemocetennae und Nemetecennae. 

2) quum . . . pertinacius eum cum pauds insecutus esset. 48. 

3) quum . . . ille autem fuga vehement! Volusenum longius produxisset, 
repente suorum invocat fidem atque auxilium, ne sua vulnera perfidia imposÜA 
paterentur inulta; conversoque equo, se a ceteris incautius permittit in prae- 
vectum (nicht praefectum) 48., diese Wortstellung wurde trotz ihrer Ündeut- 
lichkeit angewandt, weil : »se in a ceteris incautius praevectum permittit« des 
Wortlauts wegen vermieden werden musste ; denn wir können das »incautius« 
nicht auf Commius, sondern nur auf Volusenus beziehen, da ersterer sehr um* 
sichtig verfuhr. 



371 

Pferd und stürzte sich auf den allzu unvorsichtig vor die übrigen 

hervorgejagten Volusenus. Alle Reiter des Commius thaten ein 

Gleiches, warfen sich auf die schwache Begleitung des Volusenus, 

und setzten hinter ihnen her. Des erstem Pferd, die Sporn in den 

Flanken, rennt mit dem des Quadratus zusammen, während Commius 

dem Gegner die eingelegte Lanze mitten durch die Hüfte treibt. 

Da machten die römischen Reiter, als sie den Führer verwundet 

sahen, ohne Zaudern Halt, wieder Front und trieben die Feinde 

zurück. Jetzt von dem mächtigen Chok durchbrochen *) wurde 

eine ziemliche Zahl derselben verwundet, ein Theil auf der Flucht 

niedergemacht, ein Th^il gefangen. Diesem Loos entging Commius 

durch die Schnelligkeit seines Pferdes. Der Sieger Volusenus wurde, 

wie es schien lebensgefährlich verwundet, in's Lager zurückgebracht; 

Commius aber, sei es weil er an seinem Feinde Rache genommen, 

sei es weil er einen grossen Theil seiner Beute eingebüsst hatte, 

sandte an Antonius Parlamentäre, und versicherte ihn durch Stellung 

von Geiseln, dass er sich künftig nur an einem bezeichneten Orte 

aufhalten und sich seinen Befehlen fügen wolle. Nur bat er darum, 

insoweit seiner Besorgniss Rechnung zu tragen, dass er mit keinem 

Römer zusammenkommen müsse. Da Antonius diese Besorgniss 

nicht unbegründet erschien, so bewilligte er das Gesuch und nahm 

die Geiseln in Empfang. 

10. Schluss. 

Cäsar machte es sich während seines Winteraufenthaltes zu 
Beauvais zum Hauptgeschäfte, die Völkerstämme friedlich gesinnt 
zu erhalten, und ihnen weder Aussicht noch Anlass zu Aufständen 
zu geben. Es hätte ihm natürlich nichts unerwünschter kommen 
können, als kurz vor seinem Rücktritt vom Proconsulate sich in die 
Nothwendigkeit eines neuen Feldzugs versetzt zu sehen, und bei 
seinem Abmarsch einen Aufstand hinter sich zu lassen, an dem sich, 
im Hinblick auf das Femestehen einer Gefahr gerne ganz Gallien 
betheiligt haben würde. Daher führte er im Verkehr mit den 
Völkerstömmen eine rücksichtsvolle Sprache, machte den Fürsten 
sehr grosse Geschenke, legte keine neue Lasten auf, und hielt das 
von so vielen Niederlagen erschöpfte Gallien ohne Mühe in Ruhe, 



1) Die Codices yarüren mit >pul8i< und »perculsic 48. Beide Worte 
pftssen hier nicht, and wir glauben dafür »percossic vorschlagen zu müssen. 



372 

indem er ihm den Zustand seiner Unterwürfigkeit ziemlich leicht 
machte '). 

Beim Anbruch des Frühlings brach Cäsar gegen seine Ge- 
wohnheit, und zwar in möglichst grossen Tagreisen, nach Ober- 
italien auf, um die Municipalstadte und Colonien personlich anzu- 
sprechen und ihnen die Bewerbung seines Quästors Antonius um 
das Augurat zu empfehlen. Er wurde daselbst von Allen mit un- 
glaublicher Verehrung und Liebe aufgenommen. War er doch seit 
dem Au&tande des Vercingetorix, an dem ganz (jallien Theil ge- 
nommen hatte, nicht mehr bei ihnen gewesen. AUe Thore, Strassen 
und Orte , die Cäsar betrat , hatte man auf die sinnreichste Weise 
herausgeschmückt. Die ganze Bevölkerung, Jung und Alt, zog ihm 
entgegen , überall wurden Opferthiere geschlachtet , und auf den 
öffentlichen Plätzen und vor den Tempeln Göttermahle hergerichtet, 
als wenn man die Freude des so ersehnten^) Triumphes schon im 
Voraus geniessen könne. So gross war der Prachtaufwand der 
reicheren, und die Begeisterung der niederen Klassen. 

Cäsar besuchte rasch alle Gegenden Oberitaliens') und kehrte 
so schnell als möglich zu seinen bei Beauvais stehenden 4 Legionen 
zurück. Er beschied hierauf die Legionen aller Winterlager in das 
Gebiet der Trevirer, reiste selbst dahin und hielt dort eine grosse 
Musterung seines Heeres. Den Labienus setzte er über Oberitalien, 
damit dasselbe durch wirksamere Empfehlung für seine Bewerbung 
um das Consulat gewonnen werde. Er selbst machte Reisen, so 
viel er glaubte, dass Luftveränderung der Gesundheit zuträglich 
sei. Auf diesen Reisen hörte er häufig, Labienus werde von seinen 
Feinden bearbeitet, und erhielt auch die Kunde, es geschehe dies 
in Folge der Absicht einiger Leute, ihm durch einen Senatsbe- 
schluss einen Theil seines Heeres zu entziehen. Dennoch liess er 
sich gegen Labienus kein Misstrauen aufkommen, konnte auch niclit 
dazu gebracht werden, gegen den Senat au&utreten. Denn er 
glaubte, bei einer freien Entscheidung der Senatoren würde seine 
Sache keine Gefahr laufen. Es hatte nämlich der Volkstribun C. 
Curio es über sich genommen, Cäsars Sache und Ansprüche zu ver- 
theidigen, und dem Senate mehrmals vorgeschlagen, wenn irgend 
Jemanden Cäsars Heer Besorgniss errege, so sollten, da ja auch des 



1) conditione parendi meliore. 49. 

2) exspectatiüssimi triumphi. 52. 

3) Gailiae Togatae. 52. 



373 

Pompejus überwiegender Einfluss und Truppen auf dem Forum nicht 
geringere Besorgniss verbreite, beide entwaffnen, und ihre Heere 
entlassen. Dadurch werde der Staat frei und selbststandig sein. 
Curio Terbürgte nicht nur Cäsars Bereitwilligkeit hiezu, sondern 
beantragte auch ohne Weiteres ') eine Abstimmung hierüber ; die 
Consuln und Freunde des Pompejus liessen sie aber nicht zu, und 
gingen sogar, um auf diese Weise der Sache ein Ziel zu setzen, 
hinweg *). 

Dies war ein bedeutsames auch das frühere Handeln des Senats 
bezeichnendes Zeugniss. Denn als im yorhergegangenen Jahre Mar- 
cellus das Ansehen Cäsars herabzusetzen suchte, hatte der Senat 
gegen das Gesetz des Pompejus und Crassus vor der Zeit über 
Cäsars Proconsulat Bericht erstattet, und nachdem hierüber be- 
rathen war, beantragte Marcellus, der durch Verkleinerung Cäsars 
Ansehen gewinnen wollte, Abstimmung, und der zahlreich yer- 
sammelte Senat war ganz anderer Meinung, als bei dem Antrage 
des Curio — weil dieser für und jener gegen C^ar sprach'). 

Durch ein solches Verhalten des Senats wurde der Muth der 
Feinde CSsars freilich nicht gebrochen ^) , sondern angeregt , ihre 
Verbindungen weiter auszudehnen, um den Senat zu zwingen, ihre 
Entwürfe zu Beschlüssen zu erheben. 

Endlich kam der Senatsbeschluss zu Stande, dass zum Parthi- 
schen Kriege eine Legion von Pompejus und eine von Cäsar ab- 
gegeben werden müsse. Offenbar wurden dadurch diese beiden Le- 
gionen Cäsar allein entzogen. Denn Pompejus gab die Legion 
Nr. 1, welche er aus Cäsars Provinz ausgehoben und dann an ihn 
abgetreten hatte ^), so ab, als gehörte sie unter der Zahl seiner 
eigenen Legionen, 

C&BBx war über die Absicht seiner Feinde vollkommen im 
Klaren ; nichtsdestoweniger schickte er Pompejus diese Legion zurück, 
und gab dem Senatsbeschluss zu Folge für seinen Theil auch die 
3. Legion ab, welche damals in Oberitalien stand '). 

An ihre Stelle sandte er die 13. Legion nach Placentia in Italien, 



1) per se. 52. ohne Weiteres oder ohne die Geschäftsordnimg einzuhalten. 

2) atqne ita rem moderando discesserant. 52. 

3) senatus freqnens in alia omnia transiit 53. 

4) Qnibus non frangebantnr animi etc. 53. 

5) Vergl. VI, 1. 

6) sno nomine XU (nicht XY) quam in Gallia dteriore habnerat. 54. 
(Vergl. oben Seite 355.) 



374 

um jene Standquartiere zu beziehen, welche die 3. Legion verliess. 
Cäsar behielt hiernach in Gallien nur folgende 8 Legionen: Die 7., 
8., 9., 10., 11., 12., 14. und 15., undmusste die bisherige Dislocation 
ihrer Winterquartiere abändern. Unter C. Trebonins blieben zwar 
4 Legionen in Belgium , die 4 andern Legionen wurden aber unter 
G. Fabius im Gebiete der Aeduer vereinigt. Denn er glaubte sich, 
der Ruhe am besten zu versichern, wenn die Belgier als der tapferste 
Volksstamm und die Aeduer als der einflussreichste, von seinen 
Heeren im Zaume gehalten würden. 

Hierauf ging Cäsar f&r seine Person nach Italien. 



VON OÖLES 



CAJESAitS KREEaE. 



n. 



CAESARS 
GALLISCHER KRIEG 



UND 



THEILE SEINES BÜRGERKRIEGS 

NEBST ANHÄNGEN ^ 

DAS RÖnSGHI KRII08WESEN UND ÜBER RdllSCHE DATEN 



VON 



FREIHERRN AUGUST VON GOLER 

OR088HSRZOQLICH BADI8CHEM OEVERALMAJOB 



ZWEITE DURCHGESEHENE UND ERGÄNZTE AUFLAGE 

NACH DEM TODE DBS YEBFASSERS HERAUSGEGEBEN VON 

FREraERRN ERNST AUGUST VON 6ÖLER 



ZWEITER THEIL 



PREIBURG I/B. UND TÜBINGEN 1880 

AKADEMISCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG VON J. C. B. MOHR 

(FAUL BUBBSOK) 



VI 
IL Die Kämpfe bei DyTrhaobiiuii lud FliarsAliig im Jahr 48 y. Cflir. 

Seite 

1. Emleitang und Machtverhältniss zwischen Cäsar und Pompejos . 78 

2. Cäsar setzt nach Griechenland über. — Die beiderseitigen Streit- 
kräfte für diesen Feldzng 79 

3. Cäsar und Pompejns lagern am Apsus 81 

4. Verhalten im Standlager am Apsus 82 

5. Antonius landet in Lissus. — Pompejus und Cäsar brechen vom 
Apsus auf 84 

6. Marsch der beiden Heere: Cäsars Vereinigung mit Antonius und 
Lager bei Asparagium 85 

7. Die Ereignisse im Innern von Macedonien, in Thessalien und bei 
Oricum 88 

8. Marsch Cäsars und Pompejus nach Djrrhachium . . . • 90 

9. Gegend um Dyrrhachium. — Via Egnatia 92 

10. Cäsar und Pomp^ns nehmen bei Djrrhachium feste Stellung. — 
Verproviantirung 95 

11. Pompejus wird Ton Cäsar blokirt. — Des Erstem Gegenanstalten 96 

12. Kampf der neunten Legion um den Besitz eines Hügels 101 

13. Eigenthümlichkeit der Blokade. — Verpflegungsverhältmsse . 104 

14. Cäsars Vorkehrungen um dem Feinde das Trinkwasser abzuleiten 106 

15. Cäsars defectes fünfzigstes Kapitel 109 

16. Muthmasslicfaer Inhalt des verloren gegangenen Textes: die Rei« 

terei des Pompejus sucht bei Dyrrhachium durchzubrechen . • 110 

17. Des Pompejus AngrifiP und Bückzug in sei^ Lager . . . 113 

18. Cäsar sucht Pompejus zur Schlacht zu verleiten, und tri£Pt Vor« 
kehrungen gegen einen etwaigen neuen Ausfallsversuch der Pom- 
pejischen Beiterei 118 

19. Gleichzeitige Ereignisse in Aetolien, Aoamanien, Amphilochien und 
Achaja 120 

20. Der Allobroger Bosdllus und Aegus Verrath an Cäsar 121 

21. Des Pompejus nächtlicher üeberfall und Durchbrechung der Linien 
Cäsars. — Dimensionen der letztem 128 

22. Cäsars Angriff und grosse Niederlage 129 

23. Cäsars Verlust an diesem Tage 134 

24. Eindruck dieses Treffens auf das Heer des Pomp^us . . . 135 

25. Cäsar hebt die Blokade auf imd hält an seine Truppen eine An- 
sprache. — Stimmimg derselben 136 

26. Cäsars Bückzug über Asparagium nadi ApoUonia. — Pompejus 
verfolgt ihn 139 

27. Der beiderseitigen Feldherren neue Kriegsplane .... 142 

28. Cäsar vereinigt sich mit Domitins 143 

29. Cäsar und Pompejus treffen auf den Pharsalischen Feldern ein 145 

30. Lage des Schlachtfeldes von Pharsalus 150 

31. Die Tage vor der Pharsalischen SchUcht 154 

32. Schlacht bei Pharsalus: 

erster Moment 160 

zweiter Moment 16? 



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^tter Moment . ^•**« 

vierter Moment ^'^^ 

175 

• ;_ 177 

• • 181 

» m- Sw*![2!r" *"r *" '<"°^J>« Kriegswesen zu Citaari Zeit 209 
E«^ ''""^^"' ^"P'« «* *ripl« "»<! da« Treffen bei 

Beigefügt rind" * ' 265 

Erl&atenuigen sa Tafel I— XVH. 

Karten 

«nm «weiten Band gehörig Tafel Xn-XVIL 



Bürgerkrieg 

zwischen Cäsar und Fompejns. 

I. Feldzug im Jahre 705 d. St. oder 50|49 v. Chr. 

Nach C^ars bell. cir. lib. I. 



1. Ausbrach des Kriegs. 

Die rahmreichen Thaten und Erfolge C&iars erwarben ihm 
einerseits hohe Bewunderung, grossen Anhang und Macht, ander- 
seits aber zogen sie ihm auch naturgemäss Neid, Missgunst und 
Feindschaft zu, und sein Charakter liess mit Recht befürchten, dass 
er auf Kosten der damaligen römischen Staatsverfassung seine Macht- 
stellung noch zu erhöhen suchen werde. 

Um solche Befürchtungen zu Rom niederzuschlagen, versicherte 
der C^ar ergebene Volkstribun Curio, wie das 52. Capitel des 8. 
Buchs des gallischen Kriegs anführt, den Senat mehrfach, Cäsar 
werde sein Heer entlassen, wenn Pompejus ein Gleiches thue, und 
Cäsar selbst bestätigte diesen Ausspruch in einem Schreiben an 
den Senat, mit dem Beisatze jedoch, dass, wenn Pompejus hierauf 
nicht eingehe, er des Vaterlandes und sein eigenes Interesse wahren 
werde ^). Trotz der grössten Bemühungen der Volkstribunen wurde 
dieser Brief von den Consuln im Senate kaum zur Verlesung ge- 
bracht, geschweige Vortrag über ihn erstattet ^), und Scipio — des 
Pompejus Schwiegervater — stellte den Antrag, man solle Cäsar 
kurzweg auffordern , in bestimmter Frist sein Heer zu entlassen, 
oder man werde ihn als Feind des Vaterlandes betrachten. 

Immer feindseliger wurde gegen Cäsar und dessen Anhänger 
aufgetreten, und am 19. Nov. 50 ^) ein Senats-Beschluss ausgefertigt, 



1) Appian. B. C. II., 32. 

2) üt vero ex litteris ad senatum referretur, impetrari non potuit. 1. 

3) Sämmtliche Daten wurden nach dem revidirten Anhang I. neu berechnet. 

T. Göler, GAiari gAlUaoher Krieg. 11. Aafl. II. 1 



wonach die Behörden wachen sollten, dass der Staat keinen Schaden 
nehme ^). Pompejus aber wurde zum Feldherm der Republik er- 
nannt. 

Er h&tte damals über 10 Legionen zu yerfägen, aber nur 3 
jener Legionen standen in Italien selbst, nämlich die beiden von 
Cäsar an Pompejus abgetretenen — die 1. und 3. Legion*) — und 
eine Legion unter Domitius ; 7 Legionen standen in Spanien '). Da- 
her wurden in Italien aufs Eifrigste Truppen ausgehoben, so dass, 
als Cäsar nach Verfluss von 13 Tagen zum Angriffe vorrückte, 
Pompejus in Italien allein 95 Cohorten, also 9V9 Legionen hatte ^); 
im Oanzen war er aber damals immerhin 16Va Legionen stark. 
Aus dem Staatsschatze wurde ihm Geld angewiesen; dem Scipio 
Syrien und dem L. Domitius Gallien als Provinzen zuerkannt. End- 



1) ne quid respublica detrimenti capiat. Haec senatusconsulto perscribun- 
tur a. d. YII. Id. Jan. (7Q5 a. u.) 5. Mithin bereits unter den neuen Consuln. 
Yergl. den Anhang über die ZurückfÜhrung der Daten. 

2) Vergl. bell. gall. VI, 1. und VIII, 54. 

3) Domitius hatte zu Corfinium damals 12, wie wir am Schluss des Ab- 
schnitts 2. S. 8. zeigen werden, wenn auch nicht alte, doch bereits ausge- 
hobene und aufgestellte Cohorten, unter denen sich viele Evocaten befanden 
(vergl. aetatis excusationem nihil valere. cap. 85.), und diese konnte Pompejus 
als seine 10. Legion rechnen. Desshalb halten wir die Copjectur Nipperdey's : 
es sei cap. 6. legiones habere sese (Pomp.) paratas novem anstatt decem, 
wie die Codices enthalten, zu lesen, für unnöthig. Auch Hofmann h&lt in 
der Eraner'schen Ausgabe (Berlin 1878) die Zahl X. aufrecht. 

4) Vergl. unten Abschnitt 5. — Mommsen sagt über die Armee des 
Pompejus (Böm. Geschichte. 3. Bd. S. 382. Berlin 1875): »Die Armee, über die 
Pompejus verfügte, bestand hauptsächlich in den spanischen Truppen, 7 krieg- 
gewohnten und in jeder Hinsicht zuverlässigen Legionen, wozu weiter die in 
Syrien, Asien, Makedonien, Afrika, Sicilien und sonst befindlichen, freiHch 
schwachen und sehr zerstreuten Truppenabtheilungen kamen. In Italien stan- 
den unter den Waffen zunächst nur die 2 von Cäsar kürzlich abgegebenen 
Legionen, deren Effectivbestand sich nicht über 7000 Mann belief und deren 

Zuverlässigkeit mehr als zweifelhaft war Allein abgesehen davon, 

dass die spanischen Truppen mit dem Frül^jahr entweder auf dem Landwege 
durch Gallien oder zur See in Italien eintreffen konnten, konnten in Italien 
die Mannschaften der von den Aushebungen von 699 noch übrigen 8 Legionen, 
so wie das im Jahr 702 in Pflicht genommene italische Aufgebot aus dem 
Urlaub einberufen werden. Mit Einrechnung dieser stellte sich die Zahl der 
Pompejus im Ganzen zur Verfügung stehenden Truppen, ohne die 7 Legionen 
in Spanien und die in den andern Provinzen zerstreuten zu rechnen, blos in 
Italien auf 10 Legionen oder gegen 60,000 Mann, so dass es eben keine Ueber- 
treibung war, wenn Pompejus behauptete, nur mit dem Fusse stampfen zu 
dürfen, um den Boden mit Bewaffneten zu bedecken.« 



lieh worden sogar die Cäsar ergebenen Volkstribunen auf eine Weise 
bedroht, dass sie sich genothigt sahen, aus Rom zu flüchten. Sie 
schlugen den Weg zu Cäsar ein, der sich damals in Ravenna be- 
find, wo er beim Ausbruch der Unruhen die 13. Legion, aus ihren 
(Tamisonen in Oberitalien herbeigezogen, um sich vereinigt hatte ^), 
Als Cäsar von den Vorgängen zu Rom in Eenntniss gesetzt 
war'), hielt er an die Legion eine Ansprache, schilderte ihr das 
gegen ihn und die Volkstribunen eingehaltene gesetzwidrige Ver- 
fiJiren, und forderte sie zur Vertheidigung der Würde ihres Feld- 
herm auf. Da riefen die Soldaten, sie seien bereit, ihn und die 
*" Volkstribunen gegen Unrecht zu schützen. 

2. Cftsars üebergang über den Bubicon und Marsch nach 

Oorfinium. 

Cäsar schob nun die 13. Legion^), die ihre Gesinnung so un- 
zweideutig ausgesprochen hatte, bis an den Grenzfluss Rubicon vor ; 
er selbst blieb noch in Ravenna. Am Abend des 1. Dez. jedoch, 
nach Fechterspiel und Gastmahl, entfernte er sich, ohne Aufsehen 
zu erregen, in kleiner Begleitung aus der Stadt, traf noch vor Son- 
nenaufgang des 2. Dez. bei seiner Legion ein, überschritt mit ihr 
den Rubicon und besetzte das 3 St. Wegs entfernte Ariminum (Ri- 
mini) ^), wo er die geflüchteten Volkstribunen fand. 

Hier stellte sich nun auch Lucius Cäsar, dessen Vater ein Le- 
gate Cäsars war, bei ihm ein, und trug vor, er habe von Pompejus 
ausseramtliche Aufträge an ihn. Jener wünsche bei Cäsar nicht in 
dem Lichte zu stehen, als habe er, mit den Schritten, die er für 
die Republik gethan, Cäsar beleidigen wollen, und dieser möge doch 
im Interesse seiner eigenen Würde seine Hitze und Gereiztheit zum 
Besten des Vaterlandes unterdrücken — und dergleichen mehr. Auch 
der Prätor Roscius, der frühere Legat bei Cäsar, behauptete, dass 
ihm Pompejus das Nämliche geäussert habe. 

Diese Mittheüungen konnten zwar das Cäsar zugefügte Un- 
recht nicht weniger verletzend machen, aber immerhin glaubte der- 
selbe , jene beiden Männer möchten geeignet sein , Pompejus von 
seinen Ansichten in Eenntniss zu setzen, da Letzterer sie ja auch 



1) Is 60 tempore erat Bavennae. 5. 

2) Qtiibus rebus cognitis. 7. 

8) üeber die Stärke (5000 Mann) vergl. Drumann's röm. Geschichte S. 402. 
4) Vergl. Sneton. Caes. cap. 81. und über die beiden Daten: Anm. 1. S. 5. 

1* 



au ihn als Unterhändler gewiesen hatte ^). Er bat sie daher, auch 
seinerseits Auftrage an Pompejus zu übernehmen, indem sie durch 
diese kleine Bemühung die grossen Zwistigkeiten vielleicht beseiti- 
gen und ganz Italien von seiner Furcht befreien könnten ; sie moch- 
ten Pompejus mittheilen: Auch dem Cäsar habe die Würde des 
Vaterlandes stets mehr als Alles, selbst als das Leben gegolten. 
Wehe thue es ihm aber, dass seine Feinde, die ihm Tom Volke ge- 
währte Vergünstigung, sich abwesend um das Consulat bewerben 
zu dürfen , entwinden , ihm die Kriegsgewalt für das weitere halbe 
Jahr entreissen, und ihn nach Rom zurücknothigen wollten. Dennoch 
habe er die Schmälerung dieses ehrenvollen Rechtes ruhig hinge- 
nommen. Als er an den Senat schriftlich das Verlangen gestellt 
habe, ein Jeder solle von seinem Heere zurücktreten, habe er nicht 
einmal dies durchgesetzt. In ganz Italien hebe man Truppen aus, 
und behalte die zwei Legionen zurück, welche man ihm unter dem 
Verwände des Kriegs mit den Parthem entzogen habe. Das ganze 
Vaterland stehe unter den Waffen. Wohin ziele dies Alles, wenn 
nicht ihn zu vernichten. Dennoch wolle er sich Allem fügen und 
für das Gemeinwohl Alles erdulden. Pompejus solle sich aber in 
seine Provinz begeben, und er, sowie Cäsar, sein Heer entlassen. 
In Italien solle man entwaffnen. So würde das Vaterland von seinen 
Befürchtungen befreit, auch die Volksversammlung frei, und die 
ganze Staatsverwaltung wieder in die Hände des Senats gelegt 
sein. Um dies um' so leichter, auf bestimmte Bedingungen hin zu 
bewirken und zu beschwören, möge entweder Pompejus zu Cäsar 
kommen, oder sich einverstanden erklären, dass Cäsar zu ihm komme. 
Durch eine persönliche Besprechung würden alle Zwistigkeiten bei- 
gelegt werden können. 

Roscius und Lucius Cäsar übernahmen es, Pompejus diesen 
Auftrag zu überbringen, und fanden ihn den 5. Dez. mit den Con- 
suln in Teanum ^). Pompejus theilte den Consuln Cäsars Vorschläge 
mit, worauf sie dieselben beriethen, und schriftlich im Wesentlichen 
antworteten: Cäsar solle nach Gallien zurückkehren, Ariminum 
räumen und sein Heer entlassen. Sobald dies geschehen sei, werde 
Pompejus nach Spanien abgehen. Sollte Cäsar das von ihm Ver- 
langte versprechen , so würden die Consuln und Pompejus jedoch 
indessen mit den Aushebungen so lange fortfahren, bis Sicherheit 



1) quoniam Pompeii mandata ad se detulerint. 9. 

2) Nach Cicero in Teanum, nach den Commentarien in Capua. 



g^eben sei, dass Cäsar auch seinem Versprechen nachkomme. Schon 
am Abend des 5. Dez. mnss L. Cäsar Teaniim wieder verlassen, und 
als Courier reisend am Abend des 7. Dez. bereits wieder bei Cäsar 
eingetroffen sein, weil es Cäsar andernfalls nicht möglich gewesen 
wäre, an dem nns von Cicero überlieferten Datum vor Corfinium 
anzulangen ^). 

1) a. d. VIII. kal. Febr. = 5. Dez. 50 (Cic. ad Att. VII, 18.) sah Cicero 
den L. Cäsar zu Minturnä, und noch am nämlichen Tage (Cic. ad Att. VTI, 
14.) übergab dieser die Vorschläge Cäsars an Pompejus. Wenn nun L. Cäsar 
mit der Antwort sogleich zu Cäsar zurückkehrte^ so konnte er in zwei Tagen 
und zwei Nächten, also am 7. Dez. bei demselben in Ariminum wieder ein- 
treffen, nnd wenn er bei der Hinreise zu Pompejus, was vorauszusetzen ist, 
sich ebenso beeilte, als bei der Bückreise zu Cäsar, so war er den 2. Dez. 
Abends von Cäsar abgegangen und dieser hatte am Morgen des 2. Dez. den 
Bubicon überschritten. Dass L. Cäsar die Antwort persönlich überbrachte, 
sagen die Commentarien nicht , aber Cicero sagt es in seinen Briefen an At- 
ticus. (VII, 16 und 17.) In der Versammlung zu Capua am 7. Dez. (a. d. 
VI. Kai. Febr. Cic. ad Att VII, 15) wurde über die an Cäsar ertheilte Ant- 
wort verhandelt, dieselbe aber nicht erst beschlossen. Auf den ersten Blick 
mag es auffallend erscheinen, dass Cäsar, nachdem er einmal die Grenze über- 
schritten hatte, auf die Mittheilungen, welche ihm am 6. Dez. L. Cäsar, der 
nach Cic. ad Att. VII, 13. wenig Ansehen genoss, über des Pompejus Gesin- 
nung machte, noch so viel Bücksicht nahm, nicht alsbald von Ariminum wei- 
ter vorzurücken, sondern bis zur Bückkunft des L. Cäsar daselbst zu bleiben. 
Wir glauben aber, trotz seiner widersprechenden Aeusserungen , dass er Frie- 
den weder anstrebte, noch hoffte, und dass er gerade um ihn zu erschweren, 
die Grenze bereits überschritten hatte. Das Verbleiben aber in Ariminum 
trug zu dem Scheine bei , als wünsche er den Frieden , während er hiedurch 
eigentlich nur bezwecken wollte, dass sich ihm indessen seine entfernteren 
Legionen mehr nähern konnten. 

Zu andern Besul taten gelangen M o m m s e n und H o f m a n n , welche 
unter sich übereinstimmen. Letzterer bemerkt in der £raner*6chen Ausgabe: 
»Uebrigens vernachlässigt Cäsar, vielleicht um Zusammengehöriges nicht zu 
zerreissen, vielleicht auch um seine Mässigung mehr in's Licht zu stellen, in 
dem [Bericht über die Unterhandlungen die Zeitfolge der Ereignisse offenbar 
nnd so sehr, dass er mit sich selbst in Widerspruch geräth ; denncap. 10. sagt 
er, der von ihm beauftragte Bosdns hätte Pompejus und die Consuln in Capua 
getroffen, und cap. 14 , Pompejus und die Consuln hätten Bom verlassen, erst 
nachdem er auf die durch Bosdus erhaltene ungenügende Antwort weiter 
vorgerückt wäre. Nach den genauen Angaben in Cicero^s Briefen war die 
Zeitfolge der einzelnen Ereignisse diese: am 19. Jan.« — (nach dem nicht 
berichtigten Kalender) — »verliessen die Consuln, am 20. die übrigen Pompe- 
janer Bom (ad Att. 0, 10, 4 : App. b. dv. 2, 37) und zwar auf die Nachricht, 
dass Cäsar Ariminum, Pisaurum, Ancona und Arretium besetzt hätte (ad fam. 
16, 12, 2). Eine glaubwürdige Nachricht davon konnte erst 3 Tage nachher 
in Bom eintreffen (App. b. dv. 2, 32); gldchfalls waren 3 Tage erforderlich, 



Cäsar glaubte auf die Vorschläge des Pompejus nicht eingehen, 
auf keinen Frieden mehr hoffen zu können, und liess nun den 8. 
Dez. M. Antonius mit 5 Cohorten von Ariminum über Penna und 
Tifernum Tiberinum nach Arretium — Arezzo — vorrücken^). 
Dies war ein Weg Ton 20 Stunden; er wurde in 3 Tagen zurück- 
gelegt, und am 10. Dez. traf Antonius daselbst ein. Vermuthlich 
wollte Cäsar durch diesen Marsch beim Feinde die Befürchtung her- 
vorrufen, er rückte von Ariminum geraden W^s auf Rom zu. 

Cäsar blieb mit zwei Cohorten noch zu Ariminum^) und ord- 
nete eine Truppenaushebung an. Pisaurum wurde am 8., Fanum 
am 9. und Ancona am 10. mit je einer Cohorte besetzt. 

Unterdessen erhielt Cäsar die Nachricht, (j4ss der Prätor Ther- 
mus mit 5 Cohorten zu Iguvium — jetzt Gubbio — 23 Standen 
von Ariminum entfernt, stehe, und die Stadt verschanze, während 
deren Einwohner aber ihm — dem Cäsar — sehr ergeben seien. 
Dorthin entsendete er nun Curio mit den 2 Cohorten, welche er 
bei sich in Ariminum hatte, und mit jener, welche zu Pisaurum 
stand — also mit 3 Cohorten ^). Jene 2 Cohorten marschirten den 
9. Dez. von Ariminum nach Pisaurum, und mit ihnen rückte die 
dort gestandene Cohorte über Calis nach Iguvium, wo sie den 12. 
Dez. ankamen. 



von Ariminum ans die genannten Ortschafton zu besetzen: es ist also Cftaar 
in der Nacht vom 12. zum 13. über den Rubicon gegangen und an den Iden 
früh in Ariminum eingetroffen (App. b. dv. 2, 35). Der Unterhändler L. Gfisar, 
denn dieser, nicht der Prätor Rosdus, tritt bei Cicero in den Vordergrand, 
war mit Cftsar's Aufträgen am 25. Januar bei Pompejus in Teanum und er- 
hielt 7on diesem Bescheid (ad Att. 1, 14, 1), musste aber jedenfalls mit der 
Rückreise warten, bis auch die anderen Führer der Partei sich über Gftsar's 
Yorsdiläge ausgesprochen hatten, was am 27. in Capua geschah (ad Ait. 7. 
15, 2). Schon am 3. Febr. erfuhr dann Cicero, dass die Unterhandlungen 
fruchtlos sein würden (ad Att. 7, 19) und am 5. war diess in Capua all- 
gemein bekannt (ad Att. 7, 21, 1). Redinet man nun von hier zurück, 
so muss L. Cäsar am 20. Januar bei Cäsar in Ariminum gewesen und späte- 
stens am 16. von Rom entsendet worden sein, Cäsar die offidelle Mittheilung 
über die gegen ihn gefassten Beschlüsse zu überbringen. Die Beschlüsse selbst 
aber, die von Cäsar cap. 6. angeführt sind, müssen am 8. und 9. Jan. gefasst 
sein, da Cäsar erst auf die Kunde hiervon den Rubioon überschreitetc Nach 
Hofmann und Mommsen wäre der Uebergang über den Grenzfinss somit 7 
Tage früher, als der Ver^ser annimmt, erfolgt. 

1) Itaque abArimino M. Antonium cum cohortibus V Arretium mittit. 11. 
Vergl. über die Märsche von Ravenna bis Brundusium die Beilage. 

2) Cum duabus cohortibus subsistit. 11. 

3) cum tribus cohortibus, quas Pisauri et Arimini habebat. 12. 



Als Thermus deren Anrücken erfuhr, yerliess er, da er der Ge- 
sinnung der Stadt selbst nicht trauen konnte, mit seinen Gehörten 
Igavinm, und begann sich eilig zurückzuziehen. Während des Mar- 
sches aber liefen seine Soldaten von ihm weg in ihre Heimath. 

Unter diesen Verhältnissen glaubte Gäsar sich auf die Gesin- 
nung der Landstädte verlassen zu können, liess daher sämmtliche 
Cohorien der 13. Legion — aus Arretium, Fanum, Ancona und 
IguTium nach Auximum, das Attius, im ganzen Picenischen Ge- 
biete durch umhergesendete Senatoren Truppen aushebend, mit eini- 
gen Gehörten besetzt hatte, vorrücken, und begab sich von Arimi- 
num selbst nach Auximum — jetzt Osimo ^). 

Antonius hatte , wahrscheinlich noch auf seinem Marsche von 
Ariminum nach Axiretium, den Befehl erhalten, von da sogleich 
nach Auximum weiter zu marschiren, und konnte in 4 Tt^en, also 
am 14. Dez. über Galis daselbst eintreffen, die übrigen Gohorten 
um so leichter, weil ihr Marsch nach Auximum kürzer war^). 

Als die Gemeindevorsi^nde von Auximum das Anrücken Gäsars 
erfuhren, kamen sie einmal über das andere zu Attius, und erklär- 
ten, sie hätten nicht darüber abzuurtheilen , welche Partei recht 
habe, aber sie und eben so wenig ihre Mitbürger dürften dulden, 
dass ein um das Vaterland so hochverdienter Feldherr wie Gäsar, 
der so Grosses geleistet habe, von Stadt und Mauer ausgeschlossen 
werde. Er möge daher, so lange es noch Zeit sei, seiner gefahr- 
drohenden Lage Rücksicht tragen. Diese Reden machten einen 
tiefen Eindruck auf Attius, er verliess mit seiner Besatzung die 
Stadt, und trat einen eiligen Rückzug an; wurde aber, wenn auch 
nur von einer kleinen Anzahl Truppen, welche sich an der T^te 
der Gäsarischen Golonne befanden °) , erreicht, und Halt zu machen 
gezwungen. Kaum hatte ein Gefecht begonnen, da wurde Attius 
von seinen Leuten im Stiche gelassen; ein nicht unbeträchtlicher 



1) Caesar cohortes legionis XIII ex praesidiis dedudt Auximumque pro- 
ficiscitar. 12. Dass Cäsar zu Auximum sämmtliche Truppen vereinigte, geht 
aus cap. 15: »interea legio XII Caesarem consequitur. Cum his duabus 
Asculum Pioenum profidscitur« hervor. 

2) Antonius hatte von Arretium bis Auximum 27 St. Wegs, Curio von 
Iguvium bis dahin 16 St, die Cohorten zu Fanum 12, und jene zu Anoona 4 
St. Wegs. Mit der 12. Legion, welche Cäsar bei Auximum erreichte, waren 
hier nun 2 Legionen vereinigt. 

3) ex primo ordine. 13. Hof mann erklärt diese Worte als: die erste 
Centurie der ersten Cohorte. 



8 

Theil seiner Soldaten lief nach Hause, die Uebrigen kamen zu Cäsar, 
und zu gleicher Zeit wurde der Primipilus Pupius, welcher bereits 
im Heer des Pompejus diese Charge begleitet hatte, gefangen Tor 
ihn geführt. Es war dies das erste Gefecht in diesem Kriege. 

C^Lsar gab ihn frei, belobte die Leute des Ättius, dankte den 
Einwohnern von Auximum, und versprach ihres Verhaltens einge- 
denk zu bleiben. 

Die Nachricht von diesen Vorgängen, welche durch reitende 
Eilboten in 24 Stunden, vom 14. Mittags bis 15. Mittags nach dem 
50 Stunden entfernten Rom gelangte , verbreitete dort einen so 
grossen Schrecken, dass der Gonsul Lentulus, der sich in die Schatz- 
kammer begeben hatte, um für Pompejus nach dem Senatsbeschluss 
Geld zu holen , auf der Stelle aus der Stadt ei^tfloh — sogar den 
innersten Theil der Schatzkammer offen stehen iiess, und schon am 
16. Dezember, wiewohl spät in der Nacht ^) in dem 36 Stunden 
entfernten Gapua eintraf. Es hatte sich nämlich zu Rom das falsche 
Gerücht verbreitet, Cäsar sei bereits in der Nähe, ja! seine Reiterei 
schon sichtbar. 

Dem Lentulus folgten sein Amtsgenosse Marcellus und die 
meisten Staatsbeamte. Pompejus war den Tag vorher (am 15. Dez.) ') 
aus Rom zu den beiden Legionen abgereist, die er von Cäsar er- 
halten und in Apulien in Winterquartiere gelegt hatte. Mit den 
Truppenaushebungen, welche um Rom angeordnet waren, hatte es 
jetzt ein Ende, und allgemein hielt man diesseits Capua nichts mehr 
für sicher. Erst zu Gapua ermannte und sammelte man sich, und 
ordnete eine Truppenaushebung unter den Colonisten an, die in 
Folge des Julischen Gesetzes nach Capua übei^esiedelt worden waren. 
Lentulus aber Iiess die Gladiatoren, welche Cäsar dort in einer 
Fechterschule hatte, nach dem Forum bringen, stellte ihnen Frei- 
lassung in Aussicht, gab ihnen sogar Pferde, und forderte sie auf, 
ihm zu folgen. Da er jedoch von seinen Freunden aufmerksam ge- 
macht wurde, dass dieses Verfahren allgemein missbilligt werde, so 
vertheilte er die Gladiatoren, um ihrer sicher zu sein, unter die 
römischen Familien des Bezirks. In Auximum wurde den 15. Dez. 
Ruhetag gehalten, denn Antonius war 7 Tage ununterbrochen auf 
dem Marsche gewesen. 

Von Auximum aus durchzog Cäsar das ganze Picenische Ge- 



1) Cic. ad Att. VII, 20 : >ad Nonas Febr. . . . sero.« 

2) Pompeius pridie eins diei ex urbe profectus. 14. 



biet, wurde von allen Ortschaften jener Gegend *) auf das freudigste 
empfangen, und seinen Truppen auf alle Weise Vorschub geleistet. 

Auch von Cingulnm — dem heutigen Cingoli — einer von 
Labienus gegründeten und auf dessen Kosten erbauten Stadt, kamen 
Abgeordnete mit dem Versprechen , seinen Anordnungen auf das 
Eifrigste nachkommen zu wollen. Er verlangte Soldaten, und sie 
schickten sie. Unterdessen traf auch die nachgerückte 12. Legion, 
die wahrscheinlich (siehe Beilage) am 8. in Gervia angelangt war, 
den 14. in Auximum bei ihm ein. Mit ihr und der 13. Legion 
brach er jetzt (den 16. Dez.) nach Asculum, im Picenischen Ge- 
biete gelegen, auf, wo er über Fimium, nach einem Marsche von 
17 Vs St. Wegs den 18. Dez. ankam, und es von Lentulus Spinther 
mit 10 Gehörten besetzt fand. Bei der Nachricht von Gäsars An- 
rücken wollte Lentulus Spinther seine Geborten mit sich hinweg- 
führen, wurde aber von einem grossen Tbeil seiner Soldaten im 
Stiche gelassen, und ergriff sodann die Flucht. Nur von Wenigen 
begleitet traf er auf seinem Wege mit VibuUius Rufus zusammen, 
welchen Pompejas nach dem Picenischen Gebiet geschickt hatte, 
um die dortige Bevölkerung sich treu zu erhalten. VibuUius vom 
Stand der Dinge im Picenischen in Kenntniss gesetzt, nahm die 
Soldaten des Lentulus unter seine Truppen auf, ihn selbst entliess 
er, und zog noch aus den nächsten Gegenden von den Aushebungen 
des Pompejus so viel als möglich Gehörten an sich, namentlich auch 
den Lucilius Hirrus, welcher sich mit der 6 Geborten starken Be- 
satzung von Gamerinum auf dem Rückzuge befand. 

So hatte er sein Gorps auf 13 Gehörten gebracht, an deren 
Spitze er in forcirten Märschen ') zu Domitius Ahenobarbus ') nach 
Gorfinium (jetzt Pentina bei PepoH) gelangte, und diesem meldete, 
Cäsar sei mit 2 Legionen ganz in der Nähe. Domitius hatte zu 
Gorfinium zuerst nur 12 Geborten (Gic. ad Att. VIII, 12.) (Pomp. 
Lent.) stehen, nach Alba aber ^), aus den Gebieten der Marser, Pe- 
ligner und den nächsten Gegenden, 19 Gehörten zusammengezogen. 



1) Cunctae earum regionom prefectnrae. 15. Praefecturae waren die dritte 
Classe dej italienischen Städte mit vollem Bürgerrechte von den Munidpien 
nnd Colonien dadurch verschieden, dass sie statt der duamviri jnri dicundo, 
welche von den Decurionen gewählt wurden, einen in Rom ernannten prae- 
fectns jnri dicundo hatten. 

2) magnis itineribus. 15. 

3) Dem designirten Nachfolger Gäsars in der Statthalterschaft Gkilliens. 

4) drdter XX cohortes Albam (anstatt Alba) . . . ooegerat. 15. 



10 

Von diesen 19 Cohorten hatte er sodann 6 zu Alba gelassen *), 
7 nach Sulmo verlegt^), 6 aber nach Corfinum gezogen. 

Bei Corfinum waren daher vereinigt: 12 + 6 = 18 C!ohorten, 
+ 13 Cohorten des Vibullius, also im Ganzen 31 Cohorten oder 
rund 3 Legionen, welche nach der Capitulation von Corfinium zu 
Cäsar übergingen, und von diesem nach Sicilien beordert wurden *). 

3. Cäsar vor Corfinium. 

Nach der Unterwerfung der Stadt Pirmum (am 16. Dez.) und 
der Vertreibung des Lentulus Spinther aus Asculum *) (am 17. Dez.), 
befahl Cäsar, die Soldaten, welche von jenem weggelaufen waren, 
zu sammeln und liess eine Aushebung anordnen. Den 18. Dez. von 
Firmum aus, nach einem Marsche von 7 Stunden Wegs, zu Asculum 
angelangt, verweilte er den 19. Dez. daselbst w^en der Verpro- 

1) vergl. cap. 24. Manlius Alba cum cohortibus VI. profugit. 

2) vergl. cap. 18. qui id oppidum VII cohortium praesidio tenebant. 

3) vergl. cap. 25. u. cap. 30. Mit dieser unserer Berechnung stimmt auch 
der Brief Cio. ad Att. VIII, 11. (Pomp. Cic.) überein, wenn wir das dort 
stehende XL : »Domitium cum suis cohortibus XI.,« was ohnehin, dem in Cic 
ad Att. VIII, 12. (Pomp. Lent) stehenden »suas XII cohortes« widerspricht, 
als »XIIc lesen. Die in letzterem Briefe genannten 19 Cohorten bestanden 
aus den im Briefe VIII, 11. genannten 14 Cohorten des Vibullius und den 5 
Cohorten des Hirrus. Dieser scheint 1 Cohorte damals an Vibullius abge- 
geben zu haben. 

Zu diesen Zahlen bemerkt Hofmann in der Kraner'schen Ausgabe: 
ȟeber die Zahl der Pompejanischen Truppen in und bei Corfinium stimmen 
Cäsar und Pompejus nicht ganz überein. Nach Cäsar hatte Domitius unge- 
fähr 20 Cohorten, Vibullius 7, Hirrus 6, diese beiden also zusammen 13. Nach 
Pompejus (Cic ad Att. 8, 11 A. und 8, 12 A. 1) hatte Domitius 12 Cohorten, 
Vibullius 14, Hirrus 5, diese beiden also zusammen 19, welche Pompejus als 
ihm gehörig in Anspruch nimmt. Pompejus wusste also nicht, dass Domitina 
durch die Ankunft des Attius (cap. 18.) seine Truppen bis auf ungefilhr 20, 
oder genauer 19 gebracht hatte; bei den 19 ihm gehörigen Cohorten sind die 
6 Cohorten des Prätor L. Manlius in Alba (cap. 24.) zugerechnet. Es waren 
also in und um Corfinium concentrirt im Ganzen 88 Pompejanischen Cohortenc. 

4) Recepto oppido expulsoque Lentulo. Ib. Hier will Hof mann nach 
der LA der Aldina »recepto Asculo Lentuloque expulso« lesen; wird aber da- 
mit von Hei 1er in Pilolog. XXII, 326. schlagend zurückgewiesen, wobei letz- 
terer seine Auseinandersetzung mit den Worten schliesst: »Die aus Cic ad 
Att. VIII, 12, B angeführte Stelle stützt die Lesart Firmo vollständig; und 
wenn nun noch dazu kommt, dass Göler den Marsch über Firmum nach As- 
culum und von da nach Corfinium für den geeignetsten hält, so wird der 
Handschriften Lesart von nun an wohl nichts weiter in den Weg gelegt werden.« 



11 

viantirung ') ; den 20. Dez. aber brach er wieder auf, zog über Ha- 
dria und Pinna (jetzt Atri und Ciyita di Penna), und traf am Vor- 
mittag des 24. Dez. ungefähr eine Stunde ') nördlich von Corfinium 
am rechten Ufer des Flusses Aternus ein. Dort dem heutigen Pe- 
poli gegenüber fand er 5 Ton Domitius detachirte Cohorten, damit 
beschäftigt, die Brücke abzubrechen. Gasars Vorhut griff sogleich 
an, und jene Gehörten zogen sich in die Stadt Gorfinium zurück, 
worauf Gäsar seine Legionen über den Fluss führte, bei der Stadt 
Halt machte, und dicht an ihrer Mauer sein Lager schlug. 

• Nun schickte Domitius Leute, welche die Gegend genau kann- 
ten, so dass sie auf Schleichwegen C^ars Patrouillen entgehen konn- 
ten, anter grossen Versprechungen mit einem Schreiben an Pompe- 
jus, der sich zu Luceria^) in Apulien befand, um ihn dringend zu 
bitten, ihm zu Hilfe zu kommen. Das Schreiben wurde Pompejus 
den 28. Dez. übergeben ^) und enthielt : Mit zwei Heeren sei es ein 
Leichtes, Clsar die dortigen Engwege zu verlegen, und ihn an der 
VerproYiantirung zu hindern. Wenn dies Pompejus unterlasse, so 
komme er mit mehr als 30 Gohorten und einer grossen Zahl Sena- 
toren und Ritter in eine gefahrliche Lage. Unterdessen sprach er 
seinen Leuten Muth zu, liess auf der Stadtmauer Wurfmaschinen auf- 
stellen, und wies einem jeden seiner Abtheilungscommandanten einen 
bestimmten Theil der Stadt zur Ueberwachung zu; .den Soldaten 
aber versprach er in einer allgemeinen Versammlung Landereien 
aus seinen eigenen Besitzungen, einem jedem vier Morgen und nach 
Verhältniss den Genturionen und Evocaten. 

Mittlerweile erhielt Gasar Nachricht, dass die Bewohner von 
Sulmo — jetzt Sulmona — das nur 2V8 Stunden von Gorfinium 
südlich lag^), sich ihm anschliessen wollten, aber durch den Sena- 
tor Quintus Lucretius und durch Attius Pelignus, welche mit 7 Go- 
horten die Stadt besetzt hatten, daran verhindert würden. Er sen- 



1) Ipse diezn imum ibi rei framentariae causa moratus. 16. 

2) milia passuum cirdter III, 16. Die oben genannte Marschrichtung 
können wir mit Gewissheit annehmen, weil jener Weg der kürzeste nach Cor- 
finium war, und Cäsar zugleich auf diesem Wege ganz Picenum durchzog. 
(Yergl. cap. 15.) lieber Amiternum wäre der Weg weiter gewesen, und er 
hätte nicht ganz Picenum durchzogen. 

3) Cic. ad Att. Vni, 1. 

4) Cicero ad Att. YIII, 6: Cicero sendet die Abschrift eines Briefes des 
Pompejus an Atticus , in welcher es heisst : Litterae mihi a L. Domitio a. d. 
Xm. Kai. Hart, allatae sunt. 

5) quod oppidum a Corfinio YII milium intervallo abest. 18. 



1 



o 



dete daher den M. Antonius mit 5 Cohorten der 13. Lgion ^) nach 
Sulmo. Sobald die dortigen Einwohner Cäsar's Feldzeichen erblick- 
ten, öffneten sie die Thore und strömten, Bürger wie Soldaten, in 
Masse Antonius entgegen, um ihn zu beglückwünschen. Lucretios und 
Attius aber sprangen von der Stadtmauer herab. Als Attius festgenom- 
men und zu Antonius geführt worden war, verlangte er zu OSsnT 
gebracht zu werden, und Antonius langte in Begleitung des Attius 
und mit dessen 7 zu Sulmo übergegangenen Cohorten den näm- 
liclien Tag, an welchem er von Corfinium abmarschirt war, daselbst 
wieder an. Cäsar reihte jene 7 Cohorten seinem Heere ein^), und 
entliess Attius, ohne dass demselben ein Leid zugefügt worden 
wäre. In den ersten Tagen liess er sein Lager mit grossen Schanz- 
arbeiten befestigen, aus den nächsten Landstädten Lebensmittel bei- 
schaffen, und beschloss, in seiner Stellung auf das Eintreffen der 
übrigen Truppen zu warten. Binnen drei Tagen trafen denn auch 
die 8. Legion, 22 in Oberitalien*) neu ausgehobene Cohorten, so- 
wie etwa 300 Reiter vom König von Noricum*) ein. Nach der 
Ankunft dieser Truppen liess er ein zweites Lager auf der andern 
Seite der Stadt schlagen, zu dessen Commandanten Curio ernannt 
wurde ; an den darauffolgenden Tagen aber begann er die Stadt mit 
einer Contravallation, aus Linien und Redouten bestehend, zu um- 
schliessen. 

Der grösste Theil dieser Verschanzungen war bereits vollendet, 
da kamen die von Domitius an Pompejus gesendeten Eilboten zurück, 
indem sie sich an einer Stelle, wo die Contravallation noch nicht 
ausgeführt war, in die Stadt schlichen. 

Nachdem Domitius das Antwortschreiben des Pompejus gelesen 
hatte, erklärte er im Kriegsrathe, des Briefes wahren Inhalt ver- 
heimlichend, Pompejus wolle rasch zur Hilfe kommen, forderte die 
Officiere auf, den Muth nicht sinken zu lassen und zur Verthei- 
digung der Stadt, was irgend Vortheil bringen könne, vorzukehren. 
Im Geheimen aber besprach er sich mit einigen Vertrauten, und 
beschloss zu fliehen. Da seine Mienen mit seinen Worten jedoch 
nicht im Einklang standen, sein Benehmen dui;chgehends unsicherer 
und ängstlicher war, als in den vorhergegangenen Tagen, da er 

1) cum legionis XIll. cohortibiis quinque. 18. 

2) Caesar eas cohortes cum exercitu suo comuiudt. 18. 

3) Gallia (nämlich cisalpina) cap. 18. 

4) Noricum grenzte an den nordöstlichen Theil von Gallia dsaipina. Es 
ist diess vielleicht der B. 6. 1, 53 erwähnte König Yoccio. 



13 

gegen Gewohnheit, um sich zu berathen, viel mit seinen Freunden 
zusammentrat, dagegen keinen Kriegsrath hielt und offene Ver- 
sammlungen mied, so konnte der wahre Sachverhalt nicht länger 
verborgen bleiben. Pompejüs hatte ihm nämlich geantwortet, er 
wolle nicht Alles auf das Spiel setzen, und Domitius habe sich 
gegen seine Absicht und seinen Willen nach Corfinium geworfen; 
wenn es ihm möglich sei, so solle er mit allen seinen Truppen zu 
ihm stossen. Dies Hess aber die Einschliessung der Stadt und die 
Contravallation nicht mehr zu. 

Als des Domitius Intrigue bekannt wurde, rotteten sich die 
Soldaten zu CJorfinium mit einbrechender Dunkelheit zusammen, und 
sprachen durch ihre Tribunen, Centurionen und die Angesehensten 
aus ihrer Mitte etwa folgendermassen zu einander: Sie seien von 
Cäsar blokirt, dessen Belagerungswerke und Schanzen beinahe fertig. 
Ihr Führer Domitius, auf den hoffend und vertrauend sie bisher 
ausgeharrt hätten , habe jetzt Alles aufgegeben und wolle fliehen. 
Nun müssten sie an ihre Sicherung denken. Anfangs wollten die 
Marser, welche unter ihnen waren, nichts davon wissen, und be- 
setzten den Theil des Platzes, welcher für den festesten galt ; ja der 
Zwiespalt unter ihnen war so gross, dass sie aneinander geriethen, 
und mit den Waffen die Sache ausmachen wollten. 

Durch Hin- und Hersenden von Unterhändlern erfuhren jedoch 
auch bald die Marser des Domitius Absicht zu fliehen, die ihnen 
bisher unbekannt geblieben war. Da wurden sie gleichen Sinnes, 
man holte ihn auf die Strasse, umringte und bewachte ihn, und 
sandte Parlamentäre an Cäsar, mit der Erklärung: man sei bereit, 
ihm die Thore zu offnen, seinen Befehlen gewärtig zu sein, und 
Domitius lebend in seine Hände zu liefern. 

Obgleich Cäsar viel daran liegen musste, sich so bald als mög- 
lich Corfiniums zu bemächtigen und die Cohorten des Domitius in 
sein Lager überzuführen, damit sie nicht durch Geschenke, Zureden 
oder falsche Gerüchte ihre Gesinnung ändern möchten, weil im 
Kriege oft ein geringer Umstand grossen Umschlag der Verhält- 
nisse bewirkt, so besorgte er eben doch, wenn er mit seinen Truppen 
gleich in die Stadt rücke, so möchte die Nacht, in der die Disciplin 
weniger gehandhabt werden kann ^), eine Plünderung herbeiführen. 
Er belobte daher vorerst die Abgeordneten nur, und schickte sie 
wieder in die Stadt, indem er sie die Thore und Mauern bewachen 



1) militum introitu et nocturni temporis licentia. 21. 



u 

hiess. Seinerseits stellte er auf der ganzen Gontravallationslinie, 
deren Bau er unternommen hatte, seine Truppen, nicht wie bisher 
in durch bestimmte Intervallen von einander getrennten Abthei- 
lungen, sondern in einer ununterbrochenen Linie Ton Posten und 
Wachen auf ^), so dass Mann an Mann stand. Die Kriegstribunen. 
und Abtheilungscommandanten hiess er fleissig die Ronde machen, 
und ermahnte sie, nicht nur gegen Ausfalle auf ihrer Hut zu sein, 
sondern auch zu sorgen, dass sogar Einzelne nicht unbemerkt die 
Stadt verlassen könnten. Und in der That waren alle seine Leute 
so wachsam und stets bei der Hand, dass auch nicht einer dersel- 
ben, selbst nicht die vom Posten Abgelösten, sich in jener Nacht 
Ruhe gönnten. Alle waren so sehr auf die Entscheidung gespannt, 
dass ihr Sinnen und Trachten auf .das Verschiedenste gerichtet war : 
wie es den Gorfiniern, wie es dem Domitius, Lentulus und den übri- 
gen ergehen, und welches Schicksal ein Jeder haben werde. 

Etwa um 4 ühr Morgens ^) rief Lentulus von der Stadtmauer 
den vorgeschobenen Pikets ^) zu: Er wünsche, wo möglich, zu C&sar 
zu gelangen. Nach erhaltener Erlaubniss wurde er von den Sol- 
daten des Domitius aus der Stadt gelassen, von denselben aber so 
lange begleitet, bis sie sich überzeugt hatten, dass er von den Vor- 
posten übernommen, vor Cäsar geführt werde, und nicht entfliehe. 

Als er daselbst um Pardon nachsuchte, und flehentlichst bat, 
man möchte seiner schonen, auch erwähnte, C&asx sei ja früher 
sein Freund gewesen, und habe ihm schon so viel Wohlthaten er- 
zeugt, so unterbrach ihn Cäsar: Er sei nicht in böser Absicht aus 
Gallien herbeigezogen, sondern nur um dem schmählichen Ver- 
fahren seiner Feinde ein Ende zu machen, um die aus ihrer amt- 
lichen Stellung vertriebenen Volkstribunen in ihre Würde wieder 
einzusetzen, um für sich und das römische Volk die Freiheit wie- 
der zu gewinnen, welche durch die Intriguen einer nur kleinen 
Partei niedergetreten worden sei. Lentulus wurde aber durch diese 
Worte beruhigt, und bat in die Stadt zurückkehren zu dürfen; 
denn die Schonung, welche er gefunden habe, werde auch den Uebri- 
gen Trost und Hoffnung gewähren. Einige seien in so verzweifel- 
ter Stimmung, dass sie daran dächten, selbst Hand an sich zu l^en. 
Er erhielt die Erlaubniss und entfernte sich. 



1) perpetuifl vigiliii statiombnsque. 21. 

2) Quarta vigiHa. 22. 

8) cam vigiliis castodibusque nostria colloqoitur. 22. 



15 

Sobald es Tag wurde — am 31. Dec. 50 v. Chr. ^) — liess 
Cäsar alle Senatoren und deren Kinder, sowie die Eriegstribanen 
und römischen Ritter aus der Stadt vor sich führen. Es waren 
L. Domitius, P. Lentulus Spinther, L. Vibullius Rufus, der Quästor 
Sex. Quintüius Yarus und L. Rubrius aus dem Senatorenstande; 
ferner der Sohn des Domitius und noch eine Anzahl anderer junger 
Manner, sowie viele römische Ritter und Decurionen, welche Domi- 
tius aus den Landsiadten zu sich berufen hatte. Cäsar schützte 
die Erschienenen sämmtlich vor Misshandlung und Scheltworten 
Seitens der Soldaten, bemerkte ihnen aber in kurzen Worten, sie 
hatten ihm seine grossen Wohlthaten schlecht gedankt, und ent- 
liess sie hierauf, ohne dass ihnen ein Leid zugefügt worden wäre. 

Sechs Millionen Sestertien ^egen 1 Million Mark), die Domi- 
tius mit sich gebracht und in der Gemeindekasse zu Corfinium nie- 
dergelegt hatte, gab Cäsar, als der Gemeindevorstand jener Stadt, 
sie ihm überbracht, an Domitius zurück, obgleich dies wirkliche 
Staatsgelder waren, die Pompejus zur Soldbezahlung bestimmt hatte. 
Er wollte den Schein vermeiden , als sei er in Betreff des Geldes 
weniger enthaltsam, als er Menschenleben schone. Die Truppen des 
Domitius mussten ihm aber den Fahneneid leisten. 

Noch an dem nämlichen Tage — Nachmittags*) — nachdem 
er im Ganzen 7 Tage vor Corfinium verweilt hatte, trat er seinen 
Marsch nach Brundusium an. 

4. Des Pompejus Bückzug nach Brundusium. 

Pompejus stand, wie bereits erwähnt wurde, bei Luceria^). 
Von allen Seiten her hatten die neuausgehobenen Truppen bei ihm 
einrücken müssen; er hatte Sclaven und Hirten bewaffnet, einem 
Theil ;derselben Pferde zugetheilt, und so etwa 300 Reiter aufge- 
bracht *). Er hatte femer bei Luceria die 1. und 3. Legion nebst 
14 Cohorten^), im Ganzen also etwa 16,500 Mann daselbst ver- 
sammelt. 

Von dem Gang der Dinge bei Corfinium den 28. Dez. 50 in 



1) ubi luxit 23. Yergl. Amn. 5 Seite 16 und Anhang I. g 13. 
.2) Cic ad Att. VIII, 14.: »poßt meridiem«. 

3) Siehe Seite 10. 

4) ex bis drdter CCC equites confidt. 24. 

5) Cic. ad Att. VIII, 12. (Pomp. Domit.) Itaque non amplius XIV co- 
hortis Luceriam coegi. 






16 

Kenntniss gesetzt ^) , trat er bereits den 29. Dez. seinen Rückzug 
nach Brundusium an*), weil er, wie er an Domitius schrieb*) — 
besorgte, mit Gasar einmal verwickelt, nicht mehr von ihm los- 
kommen zu können , und weder die Jahreszeit noch die ünzuyer- 
lässigkeit seiner Soldaten ^) ihm gestatte, sich in einem Lager fest- 
zusetzen. Femer hielt er es nicht für rathsam , die Besatzungen 
aus allen (auch den rückwärts gelegenen) Städten an sich zu ziehen, 
weil er befürchtete, dadurch seine Rückzugslinie preis zu geben und 
von Cäsar umgangen werden zu können. In Brundusium einge- 
troffen, hatte er eine feste Stellung und den Rückzug nach Griechen- 
land gesichert. Am 28. Dez. kam er zu Arpi — zwei Stunden 
nördlich vom heutigen Foggia am Flüsschen Cesone — am 29. Dez. 
zu Salapia (Salpi), am 30. zu Ganusium (Canosa) an ; den 31. rückte 
er von da nach Rubi (Ruvo)*) den 1. Jan. 49 nach Barium (Bari), 
hielt den 2. einen Ruhetag, kam den 3'. nach Turres (Polignano), 
den 4. nach Egnatia (bei Monopoli), den 5. nach Spelunc» (Ostuni), 
und langte den 6. zu Brundusium an®). 

6. Cäsars Marsch von Corfinium nach Brundusium. 

Cäsar, am Nachmittag des 31. Dez. von Corfinium aufge- 
brochen ^) , kam , das Gebirge der Majella umgehend , Abends bis 
Interbromium (8. Yalentino), 4 Stunden von Corfinium entfernt und 
im damaligem Gebiete der Marruciner gelegen ®). Am 1. Jan. ge- 
langte er nach Anxanum (Lanciano Yecchio), am 2. nach Histonium 
(Yosta d'Ammone), den 3. nach Buca (Termoli), drei Städte im 6e- 

1) Vergl. Seite 12. 

2) Luceria (Pomp.) proficiscitur Canusium atqne inde Brundusium. 24. 

3) Cic. ad Att. Vin, 12. C. 

4) Besonders die von Cäsar an ihn abgetretene 1. und 3. Legion. Vergl. 
Cic. ad Att. VIII, 12. (Pomp. Lentulo.) 

5) Cic. ad Att. IX, 1. »nam Canusio IX. Eal. (Mart.) profectus erat 
Cnaeuac was mit der Angabe (Cic. ad Att. VIII, 14.) übereinstimmt, wo es 
heisst: Eodem enim die video Caesarem a Corfinio post meridiem profectnin 
esse, id est, Feralibas, quo Canusio mane Pompeium. Denn die Feralien 
wurden immer den 9. Tag vor dem 1. März (IX. Kai. Mart.) gefeiert. Dies 
war im Jahr 705 d. St. der 20 B'ebr. — auf dem Jul. Kalender reducirt der 
81. Dez. 50 y. Chr. Vergl. Anhang I. Beilage III. 

6) Cic. ad Att. VIII, 11. D. . . . litteras . . . quas cum accepissimus a. d. 
III. Kai. Mart., non dubitabamus, quin tu iam Brundusium pervenisses. 

7) Cic. ad Att. VIÜ, 14. und IX, 1. 

8) iustum iter confidt. 23. Vergl. bell. civ. III, 76., wo ein Marsch Ton 
4 Stunden ebenfalls »iustum iterc genannt wird. 



17 

biete der Frentaner; am 4. durchzog er das Gebiet der Larinaten, 
and traf diesen Tag in der ersten Apulischen Stadt, in Teanum 
(Ciyitate), ein. Hier hatten die Legionen den 5. einen Ruhetag. 
Den 6. zog er nach Forum Gomeli (S. Severo), den 7. nach Arpi 
und den 8., obgleich erst yor 2 Tagen Ruhetag war, blieb er da- 
selbst ^) , wahrscheinlich , weil er an diesem Tag mit Truppen des 
Pompejus zusammentraf, die zu ihm übergingen, und f&r deren Ein- 
reihung er Sorge zu tragen hatte. Der Prator L. Manlius hatte 
sich nämlich von Alba aus, wohin er Ton Domitius mit 6 Cohorten 
postirt worden war ^)> und der Prätor Rutilius Lupus mit 3 Cohor- 
ten von Tarracina aus gegen Brundusium zurückgezogen^). Bei 
Arpi, wo die aus dem Westen kommende und zuletzt Luceria be- 
rührende Via Minutia^) in die Arpi-Brundusische Strasse einmün- 
dete, scheinen sie auf Casars Colonnen gestossen zu sein. Als sie 
dessen Reiter unter des Yibius Curius Commando von ferne erblick- 
ten, Hessen sie den Prator im Stich, zogen zu Curius, und gingen 
über. Auf ähnliche Art trafen auf den noch übrigen Märschen 
nach Brundusium ^) einige Cohorten mit der Colonne Casars, andere 
mit dessen Reiterei zusammen. 

Von Arpi aus gelangte Cäsar den 10. bis Salapia, den 11. nach 
Canusium, den 12. nach Rubi, den 13. nach Barium, den 14. war 
Ruhetag. Den 15. erreichte er die Gegend zwischen dem heutigen 
Poliguano und Monopoli, den 16. Speluncä. Ais er sich den andern 
Tag der Stadt Brundusium näherte, wurde N. Maginus aus Cremona, 
der wahrscheinlich auf Recognoscirung befindliche Commandant von 
des Pompejus technischen Truppenabtheilungen (Chef der Ingenieure), 
auf der Strasse gefangen genommen ^), und zu Cäsar geführt. Die- 
ser sendete ihn nach Brundusium zurück, mit dem Auftrage, Pom- 
pejus vorzustellen : Weil es bis jetzt, sich persönlich zu besprechen, 
nicht habe schicken wollen, und er doch nun im Begriff sei, selbst 
nach Brundusium zu kommen, so liege es im Interesse des Vater- 
landes und ihres beiderseitigen Wohles, dass er mit Pompejus zu- 
sammentrete. Denn wenn man in grosser Entfernung von einander 



1) Cic. ad Att. IX, 3. Kai. (Mart.) Arpis manserat. 

2) Cic ad Att. VIII, 12. (Pomp. Lentulo.) 
8} Vergl. cap. 24. 

4) Cic. ad Att iX, 6. 

5) Item reliquis itineribus. 24. 

6) deprensiis ex itinere N. Magius Cremona, praefectus fabrum Pompeü 24. 

T. OOler, G&sart gallitoher Krieg. II. Anfl. II. 2 



18 

und durch Dritte yerhandle, so sei dies in der That nicht so ge- 
deihlich, als wenn man alle Bedingungen persönlich bespreche. 

Diesen Auftrag gab Cäsar dem Magius, und traf darauf mit 6 
Legionen , drei alten und den drei andern , welche durch die neu- 
ausgehobenen und zu ihm übergegangenen Truppen gebildet and 
während des Marsches complet gemacht worden waren, vor Bmn- 
dusium ein ^), am 17. Jan. 49 ^). 

Cäsar hatte nämlich vor Brundusium an alten Legionen die 8., 

12. und 13. = 30 Cohorten, 

von Lentulus (cap. 15) . 10 „ 

von Lucretius und Attius (cap. 24) .... 7 „ 

von Manlius (cap. 24) 6 „ 

von R. Lupus (cap. 24) 3 „ 

weiter »reliquis itineribus« (cap. 18) ... 4 „ 

zus. 60 Cohorten 
oder 6 Legionen; die 22 Cohorten aus Gallien (Oberitalien) (cap. 
18) waren wahrscheinlich als Besatzung nordlich gelegener Städte, 
vielleicht in Rom selbst, verwendet. Rechnen wir hiezu die 3 Le- 
gionen des Domitius, welche von Corfinium aus sofort nach Siciüen 
beordert wurden ^) , und die 6 Legionen , welche noch in Gallien 
standen, so hatte CSLsar damals über 15 Legionen und 22 Cohorten, 
die nicht in Legionen eingetheilt waren, zu verfügen. 

Die so glänzenden bisherigen Erfolge verdankte Cäsar einer- 
seits seinem entschiedenen und raschen Vordringen, andererseits dem 
Umstände, dass Pompejus sich nicht concentrirt au£stellte und (Ssar 
Gelegenheit gab, sich der vereinzelten Corps nach einander zu bemäch- 
tigen. Pompejus hätte folgende Streitkräfte vereinigt haben können : 

Die Cohorten, welche zu Corfinium capitulirten 31 Cohorten. 

Die Cohorten des Lentulus, Lucretius, Manlius 

Lupus etc 30 „ 

Die 1. und 3. Legion 20 „ 

Die 14 Cohorten, welche mit diesen beiden Le- 
gionen bei Luceria standen ^) 14 „ 

zus. 95 Cohorten 

oder 9V2 Legionen; hatte aber nur 50 Cohorten. 

1) His datis mandatis Brundusium cum legionibus VI pervenit. 25. 

2) Nach Cic. an Att. IX, 13. (Caes. Oppio) langte Cäsar a. d. VIT. Id. Mart. 
705 d. St. Yor Brundusium an. Dieses Datum redudrt sich auf den 17. Jan. 49. 

3) Domitianas enim cohortes protinus a Gorfinio in Sidliam miserai 25. 
4} (Siehe Seite 13.) 



19 

Dieser Macht, worunter 2 alte Legionen, nämlich die 1. und 
3., hatte Cäsar vorerst nur seine 3 Legionen und die 22 in Ober- 
italien frisch ausgehobenen Gehörten entgegenführen können, und 
würde folglich nichts weniger als leichte Arbeit gefunden haben. 

Pompejus hätte sich daher jedenfalls concentrirt aufstellen sollen, 
und zwar wie Napoleon L (Pr^is de guerres de Gesar. pag. 121.) 
ausspricht, bei Rom selbst. Eine concentrirte Stellung bei Corfi- 
nium wäre einer solchen bei Luceria noch Yorzu2dehen gewesen ^), 
weil, im Falle sich Cäsar direct gegen Rom gewendet hätte, erstere 
dessen Verbindung mit seiner Provinz Gallien und seinen von dort 
nachrückenden Legionen bedroht, dem Feinde nicht vornherein so 
viel Land preisgegeben und die Stimmung nicht so sehr herabge- 
drückt haben würde, als eine Stellung bei Luceria, während sie 
eben so gut als Letztere die Rückzugslinie nach Brundusium sicherte. 
Wenn aber Pompejus einmal die Concentrirung bei Luceria be- 
fohlen hatte '), so musste Domitius gehorchen, oder wenigstens seine 
ganze Macht bei Corfinium vereinigen, anstatt sie grossentheils co- 
hortenweise in den Landstädten zu vertheilen. 

6. Cäsar vor Brundusium. 

Vor Brundusium erfuhr Cäsar, dass die Consuln mit einem 
Theil des Heeres nach Dyrrhachium — jetzt Durazzo — abgesegelt 
seien ^), Pompejus aber mit 20 Cohorten sich noch in Brundusium 
befinde. Er konnte jedoch mit Sicherheit nicht ermitteln, ob jener 
durch sein Verbleiben daselbst Brundusium behaupten wolle, um 
80 vom südlichen Italien und Griechenland aus das ganze Adriatische 
Meer zu beherrschen und von beiden Ländern aus den Krieg zu 
führen, oder ob er nur aus Mangel an Schiffen — wie Dio bestä- 
tigt — in Brundusium geblieben sei. Indem Cäsar aber besorgte, 
Pompejus glaube in Italien Fuss behalten zu müssen, ging er daran, 
das Auslaufen aus dem dortigen Hafen und dessen Gebrauch zu 
hemmen. Die Werke, durch welche er dies erreichen wollte, waren 

1) Diese Ansicht bestand dazumal vielfach. Cic ad Att. VIII, 11. D. ent- 
l^t: »in eadem opinione fai, qua reliqui omnes, te (Pomp.) com omnibus 
copiis ad Corfinium esse ventuinim. 

2) Cic ad Att. VIII, 12. A. u. C. 

3) Nach Cic. ad Att. IX, 6. sollen- sie bereits am 15. Jan. die Schiffe be- 
stiegen haben, aber durch Nordostwinde mehrere Tage am Auslaufen ver- 
hindert worden sein. — »Durch Absendung der Consuln hatte Pompejus nach 
Ciäero's ürtheil die Hoffnung auf friedliche Beilegung gänzlich vernichtet.« 
(Üofmann.) 

2* 



s. 



20 



folgender Art : An der sehr engen Hafenmündung liess er von bei- 
den Seiten des Ufers, weil das Meer an diesen Punkten seicht war, 
Steinmassen und Dammmaterial in dasselbe werfen. Als die beiden 
Theile des Dammes aber ziemlich weit gegen einander vorgetrieben 
des tiefem Wasserstandes wegen nicht mit einander verbunden wer- 
den konnten ^), so brachte er an den sich gegenüberliegenden Enden 
des Dammes, Doppelflösse — nämlich je zwei zur Vermehrung ihrer 
Tragfägigkeit übereinander befestigte Flosse — in das Wasser^), 
die 40 Fuss in's Gevierte massen^). Sie wurden, damit sie der 
Strömung Stand hielten, an ihren vier Ecken, ein jeder mit vier 
Ankern, festgehalten. 

Als die beiden Flösse hergestellt und im Wasser waren, f&gte 
man der Reihe nach weitere Flösse von gleicher Grosse an sie an ; 
die beiden Flossreihen aber wurden mit Erde und dem zum Danmi- 
baue gebräuchlichen Holze überdeckt, damit man sie ungehindert 
betreten und zur Yertheidigung herbeieilen konnte. Dings der 
Front, und zwar gegen den Hafen und gegen das Meer zu*) wur- 
den sie mit Flechtwerk und Schienen gedeckt, und je auf dem vier- 
ten Flosse zwei Stockwerke hohe Thürme errichtet, um sie leichter 
gegen einen Angriff der Schiffe und gegen eine Brandlegung sichern 
zu können. 

Um diesen Anstalten zu begegnen, rüstete Pompejus grosse 
Transportschiffe aus, die er im Hafen gefunden hatte. Auf sie 
setzte er drei Stockwerke hohe Thürme, versah sie reichlich mit 
Wurfmaschinen, sowie mit allen möglichen Geschossen, und liess 
sie gegen CSLsars Arbeiten antreiben, um die Flösse zu durchbrechen 
und die auf denselben befindlichen Schanzwerke zu zertrümmern *). 

Man beschoss sich täglich mit Pfeilen und andern Geschossen. 
CSasar verfuhr dabei aber so, dass er einen Friedensschluss immer 



1) cum agger altiore aqua contineri non posset. 25. 

2) rates duplices. 25. 

3) Die Lesart pedum KXX. kann nicht richtig sein, da dieses Maas zu 
gering ist, als dass die Flösse hätten mit Thürmcn versehen, nach beiden 
Seiten Brustwehren erhalten, und zur Yertheidigung hinlänglich Mannschaft 
aufnehmen können, und wir möchten, wenn nicht »pedum LXXX«, nach Sca- 
liger und der Ed. Yen., doch wenigstens »pedum X XXX.« für richtigerhalten. 
— Hofmann hat in der Kraner*Bchen Ausgabe pedum XXX. beibehalten und 
erklärt : »30 Fuss im Quadrat betrugen die beiden Flösse sosammen (jedee 
15 Fuss breit und 80 Fuss lang)«. 

4) atque ab utroque latere. 25. 

5} ut rates perrumperet, atque opera disturbaret. 26. 



21 

noch für möglich halten konnte, und obgleich er es sehr auffallend 
fiEuid, dass Magins von Pompejus nicht zurückkehrte, auch die oft 
wiederholten Versuche Friedensverhandlungen zu Stande zu bringen, 
seine Thatkraft und seine EntSchliessungen hemmten, so glaubte er 
doch in jeder Hinsicht auf seinem eingeschlagenen W^e beharren 
zu müssen. 

Ejr schickte desshalb den Caninius Rebilus ^), einen Freund und 
Verwandten des Scribonius Libo zu demselben, um eine Besprechung 
mit Pompejus herbeizuführen, und trug ihm auf, Libo dringend zur 
Forderung eines Friedensschlusses au&ufordem. Vor Allem ver- 
langte CSsar mit Pompejus selbst zusammenzutreten, und sprach 
seine grosse Zuversicht aus, dass wenn darauf eingegangen würde, 
man sicherlich unter billigen Bedingungen die Waffen niederlegen 
werde. Die ruhmvolle Anerkennung eines solchen Erfolgs werde 
grossen Theils auf Libo fallen, wenn auf seine Veranlassung und 
sein Betreiben der Friede erlangt worden sei. Nachdem Caninius 
den Libo gesprochen hatte, ging dieser von ihm, und begab sich 
zu Pompejus. Bald darauf machte er die Mittheilung : da die Gon- 
suln abwesend seien, könne man unmöglich über eine Beilegung 
verhandlen. Jetzt glaubte Cäsar seine wiederholt erfolglos geblie- 
benen Versuche endlich einmal aufgeben und ernstlich an den Krieg 
denken zu müssen. 

7. Pompejus gibt Brundusium auf, und setzt nach 

Dyrrhachium Über. 

Als die Hafenmündung durch Gasars Werke nach 9 Tagen Ar- 
beit beinahe zur Hälfte geschlossen war^), so langten die Schiffe, 
welche den ersten Theil des Heeres nach Dyrrhachium gebracht 
hatten, durch die Gonsuln von dort zurückgeschickt, zu Brundusium 
den 26. Jan. 49") wieder an. 

Pompqus traf nun , sei es , dass er die gänzliche Absperrung 
des Hafens fürchtete ^), oder dass er schon anfangs beschlossen hatte, 
Italien zu verlassen, Anstalten zu seiner Abfahrt. Um, wenn Cäsar 
einen Sturm unternehmen sollte, dessen Erfolg leichter so lange 

1) Derselbe war l J. 52 Legat Cäsars in Gallien. 

2) Prope dimidia parte operis a Gaesare effecta diebusque in ea re con- 
BiuntiH IX. 27. 

3) Den 17. Jan. war Cäsar vor Brundusium eingetroffen, den 18. begann 
er die Belagerungsarbeiten und folglich langten die Schiffe den 26. Abends an. 

4) operibus Caesans (ermotus. 27. 



^2 

verzögern zu können, dass die Stürmenden nicht gerade wahrend 
seiner Einschiffong in die Stadt einbrachen, liess er deren Thore 
verbauen , die Quartiere und Strassen verbarrikadiren , Quergraben 
über die Wege legen, und in dieselben oben zugespitzte Pfahle und 
Baumstamme einsetzen ; die Graben aber mittelst übergelegtem leich- 
tem Flechtwerke und auf dasselbe geschüttete Erde dem übrigen 
Boden wieder gleich machen. Endlich wurde der Zugang zum Ha- 
fen, und namentlich die beiden Strassen, welche ausserhalb der 
Stadtmauer zum Hafen führten, mit sehr grossen oben zugespitzten 
Balken verpallisadirt. 

Nach diesen Vorbereitungen befahl Pompejus, dass seine Trop- 
pen sich in aller Stille einschiffen sollten, und stellte Posten ohne 
Bepackung, aus den Evocaten, Bogenschützen und Schleuderem ge- 
wählt, an einzelnen Punkten der Mauer und auf den Thürmen auf. 
Er ordnete an, wenn sämmtliche Truppen eingeschifft seien, sie auf 
ein bestimmtes Signal zurückzurufen, und liess zu ihrer Aufnahme an 
einer Stelle, welche schnelle Einschiffung und Abfahrt zuliess ^), 
schnellsegelnde Schiffe bereit legen. 

Die Einwohner von Brundusium waren von Pompejus mit Ge- 
ringschätzung behandelt worden, hatten von dessen Soldaten manche 
Beleidigung erdulden müssen, und waren dadurch für CS.sar ge- 
stimmt. Als sie des Pompejus Aufbruch erfuhren, die Soldaten 
sich fertig machten und durcheinander liefen, gaben sie daher den 
Cäsarianern allenthalben von den Dächern aus Zeichen. Cäsar ver- 
stand deren Bedeutung, liess Leitern rüsten, und seine Truppen 
unter die Waffen rufen, damit keine günstige Gelegenheit unbe- 
nutzt bleibe. 

Mit einbrechender Nacht — den 27. Jan. 49 — lichtete Pom- 
pejus die Anker ^). Die auf der Mauer angestellten Posten wur- 
den mit dem bezeichneten Signal zurückgerufen, und liefen auf den 
ihzien bekannten Wegen zu ihren schnellsegelnden Schiff^i ; Gäsars 

1) expedito loco. 27. vergl. cap. 28 : notisque itineribus ad nayes decummt. 

2) Pompeius sub noctem naves solvit. 28. Da die Schiffe erst den 26. 
Abends oder gar erst den 27. Morgens yon Dyrrhachium surückkamen (siehe 
Anmerk. Seite 21) so konnte Pompejus nicht früher als am Abend des 27. 
von Brundusium absegeln, und es ist desshalb die Lesart in : Cic. ad Att. IX, 
15, nach welcher Pompejus a. d. XVI Kai. April, abgesegelt wäre, unrichtig; 
denn dieses Datum reducirt sich auf den 25. Jan. Zwischen YU Id. Mari., 
an welchem Tage Cäsar in Brundusium ankam (Cic. ad Att. IX, 13) und XVI. 
Kai. April, liegen nur 7 und nicht 9 Tage. Daher muss (Cic. ad Att IX, 15.) 
XIV Kai. April, anstatt XVI Kai. April, gelesen werden. 



23 

Trappen aber legten die Sturmleitern an, erstiegen die Mauer, 
machten jedoch dort, von den Einwohnern vor den mit Pallisaden 
Tersehenen überdeckten Graben gewarnt^). Halt, und Hessen sich 
von jenen auf weiten Umwegen zum Hafen führen. Dort waren 
zwei bemannte Schiffe an Gäsars Damm hängen geblieben, sie mach- 
ten sich in Booten und Kähnen über sie her, und bemächtigten sich 
derselben. Am folgenden Tage, den 28. Jan., rückte CTäsar in die 
Stadt, hielt eine Rede an die Bürger, und trat hierauf seine Reise 
nach Rom an^). 

8. Cft>#ar beschliesst des Pompejns Heer in Spanien anzu- 
greifen, beordert Yalerius nach Sardinien, Curie nach 

Sicilien und Afrika. 

Obgleich Cäsar überzeugt war, dass er am besten zum Ziele 
gelangen würde, wenn er Pompejus über das Meer folgen könne, 
ehe dieser durch die Hilfsmittel, welche ihm Griechenland und der 
Orient boten, zu Kraft komme, so hatte eben Pompejus eine schleu- 
nige Verfolgung unmöglich gemacht, weil er alle vorhandenen Schiffe 
an sich gezogen hatte. Andere Schiffe aber beizuschaffen hätte zu 
viel Zeit in Anspruch genommen. Es wäre hiezu nichts übrig ge- 
bUeben, als auf die Schiffe zu warten, welche an der Küste von 
Oberitalien und Picenum, sowie in der Sicilischen Meerenge lagen. 
Aber auch dieser Ausweg schien der Jahreszeit wegen zu zeit- 
raubend und mit vielen Schwierigkeiten verbunden zu sein; und 
femer wollte Cäsar verhüten, dass, während er in Griechenland 
stehe ^), die in Spanien befindlichen 7 gedienten Legionen dies ganze 
Land, dessen nordostlichen Theil sich Pompejus ohnehin durch 
grosse Wohlthaten sehr verpflichtet hatte, demselben fest verbän- 
den; dass dort Hilfsvölker und Reiterei aufgestellt, und von dort 
aus Gallien und Italien einem Angriffe ausgesetzt werde. 

Er gab daher für den Augenblick die Verfolgung des Pompejus 
auf, und beschloss nach Spanien zu ziehen. Den Behörden aller 
Landstädte befahl er, Schiffe aufzubringen, und sie nach Brundu- 
sium zu schaffen. Den Legaten Yalerius detachirte er mit einer 
Legion nach Sardinien, den Proprätor Curio mit 4 Legionen — 
worunter die 3 des Domitius waren — nach Sicilien, und gab ihm 



1) ut vallnm caecom fossasque caveant. 28. 

2) die. ad Att. IX, 15. 

3) 86 abseilte. 29. 



24 

den Auftrag, wenn er sich dieser Insel bemächtigt habe, solle er 
sein Heer sogleich nach Afrika übersetzen. 

Sardinien verwaltete damals M. Gotta, Sicilien M. Gato mid 
Afrika sollte Tubero ^) verwalten. Schon auf die blosse Nachricht, 
dass Valerius nach Sardinien gesendet werde — er hatte Italien 
noch nicht verlassen — trieben die Einwohner von Caralis — dem 
heutigen Cagliari — auf eigene Faust Gotta aus der Stadt. Dieser 
floh bestürzt, denn er sah ein, dass seine ganze Provinz ebenso ge- 
stimmt sei, nach Afrika. 

Gato liess in Sicilien alte Kriegsschiffe wieder in Stand setzen, 
und legte den Gemeinden die Lieferung neuer auf. Er war voll 
Eifer. In dem Sicilien gegenüber liegenden Lucanien und im Ge- 
biete der Bruttier liess er durch seine Legaten unter den dortigen 
römischen Bürgern Truppen ausheben, und sich von den Gemeinden 
Siciliens eine bestimmte Zahl Reiterei und Fussvolk stellen. Schon 
war er mit seinen Anordnungen beinahe zu Stande gekommen, da 
wurde ihm Gurions Anrücken gemeldet. Jetzt bekli^e er sich in 
einer allgemeinen Versammlung, er sei von Pompejus im Stiche ge- 
lassen und verrathen. Dieser habe, ohne dass irgend die erforder- 
lichen Rüstungen stattgehabt hätten, unnöthiger Weise den Krieg 
begonnen, und im Senate von ihm und den üebrigen hierüber be- 
fragt, geradezu versichert. Alles sei zum Kampfe gerüstet und vor- 
bereitet. Kaum hatte er diese Klage in der Versammlung vorge- 
bracht , so entfloh er (den 3. März) ^) aus seiner Provinz und ging 
über Gorcyra zu Pompejus. 

Als mit ihren Heeren Valerius nach Sardinien und Gurio nach 
Sicilien kamen, waren beide Provinzen ohne Proconsuln '). Tubero 
hatte bei seiner Ankunft in Afrika den Attius Varus dort als Statt- 
halter angetroffen, der, wie oben erwähnt, bei Auzimum seine Ge- 
hörten verloren, und fliehend nach Afrika gekommen, die von Con- 
sidius Longus verlassene Verwaltung dieser Provinz auf seine eigene 
Faust hin übernommen, Truppen ausgehoben, und zwei Legionen 
aufgestellt hatte. Weil er nämlich vor wenigen Jahren, unmittel- 
bar nach der Prätur, dieselbe Provinz verwaltete, besass er, L^^ 
und Leute kennend und überall wohl bewandert , Alles , was zu 



1) Als gewesene Prätoren hatten diese am Anfange des Jahrs die genann- 
ten drei Provinzen erhalten. 

2) Cic. ad Att. X, 18 : >ante diem VIII Kai. Maias.« 

3) Nacti yacuas ab imperüs etc. 31. 



25 

solchem unternehmen nothig war. Als nun Tubero mit seinen 
Schiffen bei ütica anlangte, verwehrte ihm Attius den Hafen und 
die Stadt, und zwang ihn weiter zu segeln. 

9. Cäsar nach Bom. 

Nachdem C&bbjp dies Alles vollbracht, den Pompejus vertrieben 
und sich Italiens 'bemächtigt hatte ^), wollte er seinen Legionen Zeit 
zur Ebrholung lassen, und dislocirte sie in die nächsten Landstädte, 
und zwar je eine Legion nach Brundusium, Tarentum und Sipon- 
tum (Va Stunde südlich vom heutigen Manfredonia) ^) , die übrigen 
in Italien befindlichen weiter nordlich. Er selbst reiste, wie bereits 
enrahnt, den 28. Jan. nach Rom ab, und nach Cicero erwartete 
man ihn den 2. Febr. in Beneventum, den 3. in Capua, den 4. in 
Sinuessa, wo er einen Tag verweilte, und längstens am 8. traf er 
vor Rom ein, indem er am 9. Senatssitzung hielt ^). 

Dieser Versammlung schilderte er alle Unbilden, welche er von 
seinen Feinden bisher erfahren habe, und versicherte, dass er nach 
keinen aussergewöhnlicben Ehren strebe, sondern die für die Wie- 
derbewerbung um das Consulat gesetzlich bestimmte Frist abwar- 
tend, mit dem zufrieden sei, auf was alle Bürger Anspruch hätten. 
Er sei freiwillig in Betreff seiner Würde und Stellung zu einem 
Opfer bereit gewesen ; denn der Vorschlag zur Entlassung der Heere 
sei von ihm ausgegangen. Aber seine erbitterten Feinde verweiger- 
ten ihrerseits Alles, was sie von Andern forderten; wollten lieber 
Alles in Verwirrung sehen, als dass sie Heer und Eriegsgewalt auf- 
gäben. Er hob sodann besonders hervor, wie ungerecht man ihm 
zwei Legionen entzogen, mit welcher Härte und mit welchem Ueber- 
muthe man die Volkstribunen bei Seite gesetzt, wie oft er Friedens- 
vorschläge gemacht, wie man die von ihm dringend verlangten Be- 



1) HiB rebus confectis. 32. Dieser Ausdmck besieht sich auf Alles, was 
C&sar seit dem üebergang über den Bubicon vollbracht hatte, nicht aber auf 
die Ankunft des Yalerius in Sardinien und des Curio in Sidlien, welche er in 
der Erzählung vorausgreifend cap. 31. nur gelegentlich erwähnt. Denn Cato 
war ja noch bis zum 3. März in Sidlien, und Cäsar hatte gleich nach der 
Eroberung von Brimdusium — schon Anfangs Februar — seine Truppen in 
die Landstädte verlegt. 

2) Gic. ad Att. IX, 15.^ 

S) Gic ad Att. IX, 15, 16 und 17. Vergl. Anhang L Beil. HL ~ Er 
mustte diese Sitzung ausserhalb der Stadt halten, weil er als Inhaber des 
Imperium Rom nicht betreten durfte. Aus diesem Grunde reiste er nach cap. 
32. auch nicht in nrbem, sondern ad urbem. (Siehe Hof mann.) 



26 

sprechungen verweigert habe. Dafür ermaiine er sie nan und ver- 
lange, dass sie «ich der Staatsverwaltung unterzogen, und deren 
Leitung gemeinschaftlich mit ihm übernähmen. Scheuten saß sich 
davor, aus Furcht vor Pompejus, so wolle er sie nicht damit be- 
lästigen und die Regierung für sich allein führen. Man müsse des 
Friedens wegen Commissäre an Pompejus schicken; denn er befilrchte 
nicht, was dieser kürzlich im Senate g^ussert habe, dass man dem- 
jenigen, an welchen man Abgeordnete sende, die Macht zugestehe 
und ihn fürchte. Das wäre albern und schwach. Er wolle in 
Wahrheit, wie er durch Thaten Andern voranzugehen strebe, auch 
durch Gerechtigkeit und Billigkeit sie übertrefiFen. 

Der Senat erklärte sich zwar mit der Absendung von Abge- 
ordneten einverstanden, aber Niemand wollte sich unt^ denselben 
befinden; haupt^^hlich aus Furcht vor Pompejus, der bei seinem 
Abgang aus Kom im Senate erklärt hatte, wer in Rom bleibe, den 
werde er ebenso betrachten, als sei er in Gäsars Lager. 

So ging mit Hin- und Herreden und Entschuldigungen der 9., 
10. tmd IL Februar hin ^), und wurde L. Metellus von Gäsars Fein- 
den angestiftet, die Sache in die Länge zu ziehen, und alle Mass- 
regeln Gäsars zu hindern. 

10. Cäsar begibt sich von Born nach Massilia. 

Nachdem C&iar diese paar Tage rein verloren und des Me- 
tellus Plan durchschaut hatte, wollte er nicht noch mehr Zeit ver- 
lieren, gab was er in Rom zu bewirken beabsichtigte auf, reiste 
den 12. Februar^) von Rom ab, und gelangte mit Ende dieses Mo- 
nats nach Massilia — Marseille — im jenseitigen Gallien'). 

Bei seinem Erscheinen daselbst erfahr er, dass Pompejus den 
y ibuUius Rufus, welcher kurz vorher ^) in Goriinium von Gäsar ge- 
fangen , aber wieder freigelassen worden war , nach Spanien ge- 
schickt habe, und dass ebenso Domitius, in der Absicht Massilia zu 

1) Sic tridnum disputationibiis ezcusationibusqae extrahitnr. 38. 

2) Cicero, welcher damals 44 Standen Wegs von Rom entfernt sich in 
Comä anfhielt, stellte »a. d. VII. Id.« (Apr.), (den 15. Febr.) in seinem Bxiefe 
an Atticus (X, 3.) die Frage: ob Cäsar von Born bereits abgereist sei. 

3) ab urbe proficiscitur atque in ulteriorem Galliam pervenit. 3S. Nadi 
Cic. ad Att. X, 8. schrieb Cäsar auf der Reise nach Massilia XY. Kai. Maias 
(den 24. Febr.) einen Brief an Cicero, den dieser erst a. d. VI. Non. Maias 
rden 11. März) orhielt. Hienach moss Cäsar am 24. Febroar bereits in der 
Nähe von Massilia eingetroffen gewesen sein. 

4) Yergl cap. 23. 



27 

besetzen , mit 7 schnelkegelndeii Schiffen auf dem Wege sei. Er 
habe jene Schiffe auf der Insel Igilium — jetzt Giglio — und in 
der Gegend von Cosa einzelnen Privatleuten abgenommen und mit 
Sclayen, Freigelassenen und seinen Pächtern ^) bemannt. Auch habe 
Pompejus bei seiner Abreise von Rom junge Adelige von Massilia 
nach dieser ihrer Vaterstadt vorausgesandt, mit der Mahnung, die 
Massilier sollten durch die neuern Verbindlichkeiten, die sie für 
CSsar hatten, das Andenken an seine früheren Wohlthaten nicht 
yerwischen lassen. 

In Folge dieser Aufforderung hatten die Massilier Gasar ihre 
Thore yerschlossen. Die Albiker, rohe Bewohner des Gebirges, 
welches sich bei der Stadt erhebt, die Ton alten Zeiten her ihre 
Sehutzverwandte waren, hatten sie herbeigerufen, aus der umlie- 
gwden Gegend und den dortigen festen Plätzen Lebensmittel zu- 
sammengehäuft , Waffenschmieden errichtet, und die Ausbesserung 
der Mauern und Thore sowie der Flotte begonnen. 

Cäsar berief die 15 Vorstandsmänner aus Massilia zu sich, und 
sagte ihnen, ihre Stadt möge doch keinen Kampf heraufbeschwören, 
und sie möchte doch lieber dem Beispiele von ganz Italien folgen, 
als sich dem Willen eines Einzigen fügen. Auch erwähnte er noch 
Anderes, mit dem er sie zur Vemunlt zu bringen hoffte. Jene 
Männer berichteten diese Worte zu Hause, und brachten als Be- 
Tollmächtigte ihrer Mitbürger die Antwort : Sie wüssten recht wohl, 
dass das römische Volk in zwei Parteien gespalten sei, aber weder 
ihrem Richterstuhle, noch ihren geringen Streitkräften käme es zu, 
zu entscheiden, wer Recht habe. Pompejus und Cäsar seien beide 
ihrer Stadt Beschützer, Letzterer habe ihr Ländereien der arecomi- 
scben Volker und der Helvier zu Staatseigenthum gegeben, Ersterer 
aber die besiegteü Sallier zugetheilt, und ihre Einkünfte vermehrt. 
Dessbalb müssten sie beiden Männern gleich ergeben sein, und kei- 
nem gegen den andern durch Aufnahme in ihren Hafen oder ihre 
Stadt Vorschub leisten. 

Aber noch waren diese Unterhandlungen im Gange'), da traf 
Domitius mit seinen Schiffen vor Massilia ein, und sie nahmen ihn 
in die Stadt auf, übertrugen ihm das Commando und die ganze 
Leitung des Kriegs. Auf seinen Befehl sendeten sie ihre Flotte 



1) colonis cap. 34. Hof mann sagt: »nicht Leute, denen er von seinen 
Ländereien im Cosanisehen geschenkt hatte« sondern »Pächter«. Hör. Sat. 

2) Haec dam inter eos agantur. 86. 



28 

nach allen Bichtungen, rafften, wo nur möglich, Transportschiffe 
zusammen, und brachten sie in ihren Hafen ; diejenigen, welche an 
Eisen, Holz oder Takelwerk schlecht bestellt waren, wurden zur 
Ausrüstung und Ausbesserung der übrigen verwendet. Alles Ge- 
treide, das man vorfand, kam in öffentliche Verwahrung, und die 
übrigen Waaren und Bedür&isse hoben sie für den Fall einer Blo- 
kade eben&lls auf. 

Auf solch feindliches Verfahren hin zog Cäsar von seinen 6 
in Gallien stehenden Legionen^) 3 an sich, und begann die Be- 
lagerung der Stadt, indem er Wandelthürme und Laufganghütten 
gegen sie vortreiben, auch in Arelate — Arles an dem Rhonefluas 
— 12 Sjriegsschiffe bauen liess, die nach 30 Tagen, vom fallen 
des Holzes an, (da Cäsar bereits Ende Februar bei.Massilia eintraf 
wahrscheinlich schon in den ersten Tagen des April) fertig und 
ausgerüstet waren ; worauf sie nach Massilia gebracht wurden. CBsar 
stellte sie unter den Befehl des D. Brutus; den Legaten C. Tre- 
bonius aber liess er bei den Belagerungs-Arbeiten. 

11. Cäsar entsendet Fabius nach Spanien. 

Zur Zeit dieser Vorbereitungen und Anordnungen — als die 
Schiffe noch lange nicht fertig waren — sicherlich gleich nach 
seiner Ankunft vor Massilia, in den ersten Tagen des Sförz, sendete 
CSLsar den Legaten C. Fabius mit 3 Legionen, die er beim Aus- 
bruch der Feindseligkeiten nach Narbo und in dessen Umgegend 
dislocirt hatte ^), nach Spanien voraus, mit dem Befehle sich schnell 



1) Er hatte im Herbste 50 in Gallien 9 Legionen. Davon rückten 3 (nach 
cap. 25.) nach Italien, und 6 blieben in Gallien. 

2) qoas Narbone drcumque ea looa hiemandi causa disposuerat. 37. Es 
waren 3 von den 6 in Gallien gebliebenen Legionen, die C^lsar, als er gegen 
Born vorrückte, gegen Spanien vorschob, um die Provinz Gallien gegen einen 
Einfall der in Spanien stehenden Legionen des Pompejus zu sichern. Das 
hiemandi causa scheint allerdings, wie Kran er anführt, ein fremder ZusatE 
zu sein; aber auch das nachfolgende: quae longius hiemabant von unge- 
schickter Hand anstatt quae longius aberant aufgenommen worden zu sein. 

Im Gegensatz hierzu vertheidigen Hof mann und Heller hiemandi 
causa. Hof mann sagt hierüber: »Bedenkt man, dass C&sar in der Mitte 
des November 50 in Italien ankam und dass damals der römische Kalender 
der wahren Zeit um 49 Tage voraus war, so müssen jene Anordnungen schon 
Ende September getroffen sein, also zu einer Zeit, wo weder Cäsar den Aus- 
bruch des Krieges mit Bestimmtheit vorhersehen konnte, noch die Jahreszeit 
so sehr vorgerückt war, dass eine definitive Anordnung der Winterquartiere 



29 

der Pyrenaenpässe zu bemächtigen, welche Truppenabtheilungen des 
L. Afranius besetzt hielten. 

Da nun unter Trebonins und Fabius zusammen 6 Legionen 
verwendet waren, so blieben noch 9 Legionen übrig (vergL S. 18). 
Yen ihnen hatte aber eine Yalerius, und 4 Curio zugetheilt er- 
halten (cap. 30), die übrigen 4 Hess Gasar, als er den 12. Februar 
Yon Rom nach Massilia abreiste, — nachdem sie etwa 14 Tage in 
Landstädten Süditaliens gelegen waren — aufbrechen, um sich 
Spanien auf dem Landwege ^u nahem; wären sie erst später auf- 
gebrochen, so hätten sie — wie eA doch geschah — nicht mehr 
rechtzeitig bei Uerda (Lerida) eintreffen können. Diesen 4 Legionen, 
welche sich bereits seit Mitte Februar auf dem Marsche, aber noch 
ziemlich entfernt von Massilia befanden, Hess er nun Befehl zu- 
gehen, bei Massilia nicht Halt zu machen, sondern dem Fabius 
successiye , eine jede für sich , nach Spanien nachzurücken ^). Die 
entfernteste, zu Tarentum gelegene, Legion hatte von da bis Ilerda 
einen Marsch von 350 Stunden, und konnte ihn in 70 Tagen zurück- 
l^en, also den 22. April daselbst eintreffen. 



nothwendig war. Rechnet man hinzu, daas jene Anordnung beim Ausbruch 
des Krieges notorisch modificirt worden ist, ... so wird es sehr wahrschein- 
Uch, dass Cäsar seine Disposition, noch bevor die Armee definitiv die Winter- 
quartiere bezog, dahin abänderte, dass Trebonius mit 3 Legionen im Gebiete 
der Häduer, Fabius ebenfalls mit 3 Legionen, als Deckung gegen die Pompe- 
janer in Spanien, in der Gegend um Narbo überwintern sollte.« 

1) Reliqnas legiones, quae longius aberant (nicht hiemabant), subsequi 
iubet. 37. Cäsar nennt hier die Zahl der nachrückenden Legionen nicht. Dass 
es vier waren, lässt sich nach andern Angaben der Commentarien bestimmen, 
und dies ist wohl gerade der Grund, wesshalb ihre Zahl nicht spedell ange- 
gegeben ist. Zusammen verwendete nämlich Cäsar in Spanien nicht 6 Le- 
gionen — wie bisher angenommen wurde — sondern 7 Legionen. Dies geht 
daraus hervor, dass er (nach cap. 42) 3 Legionen zur Herstellung der Be- 
festigung von 3 Seiten seines Lagers beordert, und weitere 3 Legionen vor 
demselben aufgestellt hatte, während zu gleicher Zeit noch 6 Cohorten im 
frühem Lager bei der nähern Brücke (vergl. »propriore ponte« 40.) zurück- 
gelassen waren, (ponti castrisque praesidio sex cohortes reliquit. 41.) 

Cäsar zählt also (cap. 41 und 42) 6 Legionen und 6 Cohorten auf. Die 
Verwendung der 4 weitem, die 7 Legionen ergänzenden, Cohorten führt er 
2war nicht an, nothwendiger Weise musste aber auch die entferntere Brücke 
(vergl. In Sicore flumine (Fabius) pontes effecerat duos 40.) ebenfalls einen 
Brückenkopf mit einer Besatzung haben, und Letztere bestand unzweifelhaft 
aus den genannten 4 Cohorten. — Auch gegen diese Conjectur spricht sich Hof- 
mann aus und erkennt in diesen Legionen, diejenigen 3 Legionen, welche 
unter Trebonius die Winterquartiere bezogen hatten. 



30 

Die nicht in Legionen formirten 22 Gehörten Gallier waren 
wahrscheinlich als Besatzungen in Italien geblieben, da« keinen- 
falls Yon Truppen ganz entblöst werden durfte. 

Fabius warf, wie ihm befohlen war, in raschem Vordringen die 
feindlichen Detachements von den Höhen des Gebiigs hinab, und 
zog in forcirten Märschen gegen des Afranius Hauptmacht. 

Aus den strategischen und taktischen Momenten der nun fol- 
genden Kämpfe bei Ilerda, wie sie die Gommentarien darstellen, 
lässt sich mit Sicherheit ableiten, d%ss Fabius, sowie Cäsar und 
dessen Nachschub nicht längs der Küste, nämlich nicht bei Juncaria 
(Junquera) über die Pyrenäen nach Barcellona und yon da erst, 
sich westlich wendend , nach Ilerda zog , sondern dass jener Weg 
eingeschlagen wurde, der von Perpignan das Thal des Tetflusses 
(Tetis) aufwärts zieht, über Livia (Julia Libyca) führend den Pass 
von Puycerda überschreitet, und von dort sogleich in das Thal des 
Segre (Sicoris) tritt ^). Dieses Thal abwärts berührte der Weg 
Orgella (Urgel) und führte wahrscheinlich beim heutigen Pons auf 
das rechte Segre-Ufer und nach Ilerda. 

Der beschriebene Weg ist von Perpignan bis ürgel zwar schmal 
und steinig , yon da jedoch besser ^) , und während der Weg über 
Barcellona und Ceryera nach Lerida 72 Stunden beträgt, misst jener 
nur 52 Stunden (lieues)^). 

12. Die beiderseitigen Streitkräfte in Spanien. 

Afranius stand schon Anfangs mit 3 Legionen im nordöst- 
lichen Spanien ^), Yarro mit 2 Legionen yom Castulonischen Wald- 
gebirge, dem Oebirgsstocke zwischen den Quellen des Quadalquiyir 
und dem Quadiana, bis zu diesem Flusse, und Petrejus mit 2 
Legionen yom Quadiana ab, im Lande der Yettonen (Salamanca und 
Estremadura) und in Lusitanien — Portugal*). 



1) Dort wohnten die Gerretani (Cerdagne). 

2) Der Segre ist bis Basella an beiden Seiten von Gebirgen eingeechlossen, 
fliesst aber schon von ürgel ab in einem erweiterten sehr fruchtbaren Thale, 
und wird bei Lerida, wo man neuerer Zeit durch angelegte Seitencan&le seinen 
(Jeberschwemmungen Einhalt zu thun gesucht hat , schiffbar. (Budtorffer^s 
MiHt. Geogr. Seite 24.) 

8) Eine weitere Begründung siehe Abschnitt 16. 

4) Hispaniam citeriorem . . . obtinebat. 38. 

5) Kran er bemerkt eu cap. 88 mit Recht, dass das »alter« auf Yarro, 
das >tertias« auf Petrejus besogen werden müsse« 



> 31 

Nach der Ankunft des Vibullius Rufus, den, wie erwähnt, Pom- 
peju8 nach Spanien schickte, kamen die drei Legaten desselben 
unter sich überein, es solle Petrejus mit allen seinen Truppen aus 
Lusitanien durch das Land der Vettonen zu Äfranius stosseu, Varro 
aber mit seinen beiden Legionen ganz Spanien südlich vom Iberus 
(Ebro) decken. Petrejus legte hierauf ganz Lusitanien, Afranius 
aber den Geltiberiem , den Cantabrern und allen an der Nordwest- 
küste Spaniens wohnenden Völkern die Stellung von Reiterei und 
FussYolk auf. 

Nachdem die Truppen beisammen waren, stiess Petrejus, in 
schnellem Marsche durch das Land der Vettonen ziehend, zu Afra- 
nius, und diese beiden Legaten fassten nach gemeinschaftlicher Be- 
rathung den Entschluss, die Gegend um Uerda, welche ihnen be- 
sonders günstig schien, zum Schauplatze des Kampfes zu machen. 
Afranius und Petrejus hatten nun zusammen , ausser ihren 5 
Legionen^), noch ungefähr 80, theils schwer beschildete, theils 
leichtbeschildete Hilfscofaorten und etwa 5000 Reiter. 

CSlsar hatte, ehe er selbst nach Spanien ging, 7 Legionen da- 
hin geschickt, wo?on die letzte, wie erwähnt, etwa den 22. April 
bei Ilerda eingetroffen war ; femer noch einige tausend Mann Hilfe- 
truppen zu Fuss^), 8000 Reiter, welche alle schon seine letzten 
Feldzüge mitgemacht hatten, und eine gleiche Zahl Reiter aus dem- 
jenigen Theil Galliens, den er selbst besiegt hatte ^) — Männer, 
die er aus allen Völkerschaften, immer die Angesehensten, nament- 
lich zu sich berief, desshalb auch solche, welche dem ausserordent- 
lich tüchtigen Menschenschlag der an die narbonensische Provinz 
grenzenden Aquitaner und Bergbewohner angehörten^). 



1) Eranti nt supra demonstravimua, legiones Afranii tresi Petreii duae. 39. 

2) Wie viele tausend es waren , ist aus der verdorbenen Stelle nicht zu 
erkennen. Nipperdey glaubt, dass es 5000 Mann waren. 

8) Die Provinda und die AUobroger (Gallia transalpina) war bekanntlich 
schon vor Cäsar Rom unterworfen worden. 

4) Wir lesen aus den bereits S. 29, Anmerk. 1. gegebenen Gründen: Caesar 
legiones in Hispaniam praemiserat VII, auxilia peditum ? miUa , equitum III 

milia, quae omnibus snperioribus bellis habuerat, et huc optimi 

generis hominum ex Aquitanis montanisque, qui . . . attingnnt. (ohne das ein- 
geschobene »adiecerat«.) 89. Das quae ist zwar nur im Codex Cuiadanus ent- 
halten, muss aber hier stehen, weil ohne dasselbe diese Stelle einen Sinn geben 
würde, der mit dem übrigen Texte der Commentarien nicht in Einklang zu 
bringen ist. Cäsar hatte in seinen Gallischen Feldzügen nicht immer eine 
gleiche Zahl Reiter, sondern im vorliegenden Jahre eben 3000, die seinen letz- 



82 

Diese vielen und tüchtigen Trappen sendete er nach Spanien, 
weil er gehört hatte, Pompejus segle ^) mit seinen Leonen bereits 
längs Mauritanien — « jetzt Fez, Marokko und Algier — hin, and 
werde unverzüglich in Spanien anlangen ^). 

Zugleich entlehnte er von seinen Kriegstribunen und Centnrio- 

ten Feldzügen bereits beigewohnt hatten. — Die »Aquitaner und Bergbe- 
wohnerc müssen aber zur Reiterei eingetheilt gewesen sein, weil Cäsar andern- 
falls nach den Worten dieser Stelle nicht angeben würde, in welcher Waffe 
sie dienten. 

1) Dass unter »iterc (cap. 39.) kein Landmarsch, sondern eine Seefahrt 
zu verstehen sei, ist unzweifelhaft ; denn ein solch* nnzweckmässiges Yer&hren 
konnte man Pompejus wohl nicht zutrauen, dass er zuerst von Griechenland 
nach Afrika übergesegelt wäre, um dort einen langen Landmarsch zu machen , 
und sich sodann von Neuem einschiffend, nach Spanien überzusetzen. 

2) Mag »Audierat Pompdum per Mauritaniam cum legionibus iter facere 
oonfestimqne esse ventumm« (89.) in Parenthese zu setzen sein , wie es ge- 
wöhnlich geschieht, oder mag anstatt des zwischen »attingunt« und »audierat« 
gewöhnlich eingeschobenen »adiecerat« vielleicht ein »quia« zu setzen sein, 
immerhin können wir nicht glauben, dass, wie Nipperdey (Seite 139) will, 
der mit audierat beginnende Satz weiter vorzusetzen und auf A&anius und 
Petrejus zu beziehen, audierat daher in audierant zu verwandeln seL — N ip» 
p e r d e 7 behauptet : 1. wenn Cäsar geglaubt hätte , Pompejus käme herbei, 
so müsste er mehr Legionen nach Spanien geschickt haben, und 2. sei es nicht 
wahrscheinlich, dass er einem solchen Gerüchte Glauben geschenkt hätte, weil 
er ja gewusst habe, dass Pompejus, um alsbald durch Mauritanien Spanien zu 
Hilfe zu kommen, nicht nach Griechenland, sondern nach Afrika hätte übersetzen 
müssen. — Aehnlich spricht sich Hof mann in der Kraner'schen Ausgabe aus. 

Die erste Behauptung widerlegt sich dadurch, dass, wie wir sahen (vergl. 
Anmerk. Seite 29) Cäsar alle disponiblen Legionen nach Spanien schickte. 
Was aber die zweite Behauptung betrifft, so wäre es recht gut möglich ge- 
wesen, dass Pompejus, als er zu Dyrrhachium erfuhr, Cäsar rücke nach Spa- 
nien, sich mit seinen, wenn auch wenigen Legionen in jener Stadt einschifiPte; 
nicht um nach Afrika überzusetzen, sondern um längs der Nordküste von 
Afrika, nach Carthago nova in Spanien zu segeln, und von dort aus zu Land 
zu Afranius und Petrejus zu stossen. Ueber ein Absegeln des Pompejus von 
Dyrrhachium, wenn er sich von der italienischen Küste möglichst fern hielt, 
konnte Cäsar wenigstens nicht so bald Sicheres erfahren, da er bei ßrundu- 
sium keine Schiffe zur üeberwachung des Meeres hatte (vergl. cap. 29.); und 
Pompejus konnte zur See leicht vor Cäsar, dessen Legionen auf einem langen 
Landmarsche grosse Gebirge zu überschreiten hatten, in Spanien eintreffen. 

Mit den Schiffen, auf welchen Pompegus 2 Legionen von Brundusium nach 
Dyrrhachium übersetzte (vergl. cap. 25. u. 27.), konnte er auch wenigstens 2 
Legionen nach Spanien führen, und sein dortiges Heer — die 80 Gehörten 
Hilfsvölker ungerechnet — auf 9 Legionen bringen, so dass er um 2 Legionen 
stärker als Cäsar auf jenem Kriegsschauplätze gewesen wäre. 

Die Rüstungen im Oriente konnte Sdpio übernehmen. 



33 

nen Geld, imd vertheilte es unter die Soldaten. Dadurch erreichte 
er den doppelten Vortheil, dass er durch dieses Pfand einerseits die 
Centurionen an sein Interesse fesselte , und andererseits sich durch 
eine solche Freigebigkeit die Zuneigung seiner Soldaten erwarb. 

13. Fabius steht bei Ilerda Afranius und Petrejus 

gegenüber. 

(Taf. XII. Fig. 1 und 3.) 

Fabius suchte durch Briefe und Boten die Stimmung der be- 
nachbarten Völkerschaften zu gewinnen. — Er befand sich auf dem 
rechten Ufer des Segre und hatte zwei Brücken über denselben ge- 
schlagen , die 1 Vs Stunden von einander entfernt waren ^). üeber 
diese Brücken sendete er seine Fouragierer, weil er die Yorrathe 
diesseits des Flusses bereits aufgebraucht hatte. Ebendasselbe und 
aus gleichem Grunde thaten auch die Legaten des Pompejus; wo- 
durch es häufig zu Reitertreffen kam. 

Eines Tages (den 29. April) ^) waren, wie gewöhnlich, zwei 
Legionen des Fabius zum Schutze der Fouragierer ausgerückt, und 
hatten auf der näher gelegenen Brücke (Fig. 1. b.) den Segre be- 
reits überschritten, während die Transportthiere und Karren, sowie 
die ganze Reiterei folgte^). Da wurde plötzlich durch die Gewalt 
des Windes und die Wassermasse die Brücke entzweigerissen, und 
der übrige noch diesseits befindliche Theil der Reiterei abgeschnitten. 

Von diesem Vorfall erhielten Petrejus und Afranius durch das 
Holz und namentlich durch das Flechtwerk, welches den Segre herab- 
schwamm, Kenntniss. Schnell führte daher Afranius auf seiner 
Brücke, welche sich bei der Stadt Ilerda und also auch bei seinem 
Li^er befand (Fig. 1. g.) drei Legionen und die ganze Reiterei 
über den Fluss, und gegen die zwei Legionen des Fabius. 

Auf die Meldung von diesem Anrücken besetzte L. Plauens, 
welcher die beiden Legionen commandirte, nothgedrungen eine An- 
höhe (auf der jetzt Alcoletge erbaut ist), und stellte sie nach zwei 
Richtungen hin (nach aa und bb Fig. 2.) mit Front vorwärts und 

1) distantes inter se milia passnom quatuor. 40. 

2) Dieser Jahrestag ergibt sich dadurch, dass C&sar nach cap. 41 (vergl. 
S. 34) zwei Tage hernach bei Derda ankam, und dessen Ankunft, wie die 
jenem Capitel beigesetzte Anmerkung nachweist, den 1. Mai statt hatte. 

3) egreesae pabulatoribus praesidio propriore ponte legiones etc. — Hof- 
mann schreibt egressis (zu pabulatoribus Dativ); diese Aenderung hält aber 
Heller für entschieden unrichtig. 

T. 00 lex, CAtMn g»Uiioher Krieg. II. Aufl. II. 3 



34 

rückwärts auf, so dass sie gewissermassen ein hohles quadratisches 
Carr^ bildeten, und ron der Reiterei nicht im Rücken angegriffen 
werden konnten ^). So hielt er, obgleich er sich gegen eine üeber- 
macht schlug, dennoch den heftigen AngrifPen der feindlichen Le- 
gion und Reiter Stand, und als sich ein besonderes Reitergefecht 
entsponnen hatte, wurden yon beiden Parteien in der Feme die 
Feldzeichen zweier Legionen erblickt, welche G. Fabius über die 
entferntere — den Segre aufw&rts geschlagene — Brücke (Fig. 1. a.) 
den Seinigen zu Hilfe geschickt hatte. Denn er hatte es geahnet, 
dass die feindlichen Legaten die Gelegenheit und Gunst des Zufalls 
benützen würden, um wo möglich seine durch den Fluss ron ihm 
getrennten Truppentheile niederzuwerfen. Beim Erscheinen dieser 
Legionen wurde das Gefecht abgebrochen, und beiderseits in die 
Lager wieder eingerückt. 

14. Cäsar trifft bei Ilerda ein. 

Zwei Tage nachher^), am 1. Mai, langte CSsar mit 900 Rei- 
tern, welche er nicht mit den übrigen nach Spanien vorausgeschickt, 
sondern zu seiner Bedeckung zurückbehalten hatte, im Lager an'). 
Die Brücke, welche der Sturmwind zerrissen hatte, war beinahe her- 
gestellt, und er befahl, sie noch in der Nacht zu vollenden. Nach- 
dem er persönlich die Beschaffenheit der Gegend recognoscirt hatte, 
liess er zum Schutze der Brücke und des Lagers 6 Gohorten nebst 
dem gesammten Trosse, 4 weitere Gehörten wahrscheinlich bei der 
entfernteren Brücke, zurück ; brach am folgenden Tage (den 2. Mai) 
mit allen übrigen Truppen — 6 Legionen — in drei Corps oder 
Divisionen formirt, auf, und stellte sich unter dem Lager des Afra- 



1) diversamque adem in diias partes constitnit, ne ab equitata dream- 
veniri posset. 40. Da die Legionen zwei Fronten (diversam adem) bildeten, 
und zwar zwei Fronten auf einer Linie von Osten nach Westen und zwei auf 
einer Linie von Norden nadi Süden (in dnas partes), so bildeten sie vier 
Fronten. Hatten die beiden Legionen Rüdcen an Rtidcen stehend im Ganzen 
nur zwei Fronten gebildet, so hätte die fdndliohe Reiterei in ihre Flanken 
einbrechen können. 

2) Eo biduo. 41. 

8) Nach dem Kalender, welcher sich auf dnem im Jahr 1547 zu Rom 
ausgegrabenen Marmor befindet, hatte die Capitulation des Afranius und Fe- 
trejus den 2. Aug. (Sezt.) statt, welches Datum sich auf den 10. Juni des 
heutigen Kalenders redudrt; und da nach bell. dv. 11, 32. vom Eintreffen 
Gäsars bd Ilerda bis zu jener Capitulation 40 Tage Yerflossen , eo beredmet 
sich sein Eintreffen bei jener Stadt auf den 1. Mai. 



35 

nins in Sehlachtordnofig. Es lag nämlioh auf dem Hügel de« heu- 
tigen Fort Garden, und zog sich unsweifelhaft bis sum Segre hinab, 
weil jener Hügel allein für ein Lager yon 5 Legionen zu klein ge- 
wesen wäre. (Taf. XHL Fig. 1.) Indem er in jener Stellung eine Zeit 
lang anter den Waffen blieb, gab er Afranius Gelegenheit zu einer 
Schlacht unter gleich günstigen TerraiuTerhältnissen. Afranius 
fährte seine Truppen zwar aus dem Lager, machte aber mitten auf 
dem Abhang des Hügels, seinem Lager ganz nahe, Halt, so dass 
Cäsar erkannte, sein Gegner wolle eine Waffenentscheidung rer^ 
meiden. Er beschloss nun 800 Schritt vom Fusse des Hügels ent* 
fernt ein Lager zu schlagen. Damit aber von der Sehanzarbeit 
Afranius nichts merke, und seine Soldaten während derselben durch 
keinen Ueberfall in Schrecken gesetzt und an ihrer Arbeit gehin- 
dert würden, verbot er den Wall aufzuwerfen, weil ein solcher seiner 
Hohe wegen aus der Feme hätte wahrgenommen werden müssen; 
aber er Hess auf der gegen den Feind zu liegenden Front einen 
Graben yon 15 Fuss (Breite) ausheben, und die Erde einstweilen 
yertheilen. Das 1. und 2. Treffen blieben, so wie sie von Anfang 
aufgestellt waren, unter den Waffen, und hinter ihnen, den Augen 
des Feindes entzogen, wurde von dem 3, Treffen der Graben aus- 
gehoben. So war er vollkommen hergestellt, ehe Afranius erkannte, 
dass Cäsar ein Lager schlage. Gegen Abend führte Letzterer seine 
Legionen hinter den Graben zurück und bivouakirte die Nacht 
über unter den Waffen. 

Am folgenden Tage (den 3. Mai) behielt Cäsar sein ganzes 
Heer hinter dem Graben, und weil das Bau- und ßeisigholz weit 
hergeholt werden musste, liess er vorerst die Schanzarbeit in ähn- 
licher Weise fortsetzen ; theilte jeder der drei noch mit Gräben zu 
versehenden Seiten des Lagers eine Legion zu, und befahl, diese 
Graben ebenfalls 15 Fuss breit zu machen ; die übrigen 3 Legionen 
stellte er unter den Waffen und ohne Gepäck dem Feinde gegen- 
über auf. 

Afranius und Petrejus führten nun ihre Truppen bis unten an 
den Fuss ihres Hügels herab und machten da und dort Angriffe, 
um den CSisarianem Besorgnisse zu erregen und deren Schanzar- 
beiten zu erschweren. Trotzdem liess Cäsar aber diese nicht unter- 
brechen; denn er vertraute dem Schutz der drei Legionen und der 
Deckung, welche sein Graben gewährte ^). Auch rückten die Feinde 



1) confisus praesidio legionum III et mnnitione fbssae. 42. 

3* 



86 

nicht vom Fasse ihres Hügels yor, blieben sogar nur kurze Zeit in 
ihrer dortigen Stellung und kehrten bald in ihr Lager zurück. 

Am dritten Tage (den 4. Mai) versah Cäsar sein Lager mit 
einem Walle ^) und zog auch die übrigen Cohorten , welche er im 
frühem Lager (Taf. XIL Fig. 1. c.) und an den Brücken zurückge- 
lassen hatte ^), nebst dem Trosse an sich. 

Das neue Lager lag — wie jenes vor Gergovia — auf keinem 
Hügel , sondern auf wellenförmigem Terrain , und ein kleines Ge- 
wässer durchfloss es. Lucan's Pharsalia enthält IV, 17: »und nicht 
auf dem kleinern Hügel« — dem heutigen Sierra Gannelin ') — 
»schlug Cäsar sein Lager, sondern mitten durch seine Zeltreihen 
floss ein Gewässer^)«. 



16. Cäsars Kampf, um seine Gegner yon Ilerda und dessen 

Brücke abzuschneiden. 

(Taf. XIII. Fig. 1.) 

Zwischen der Stadt Ilerda und dem nächsten Hügel , auf dem 
Afranius und Petrejus ihr Lager hatten ^) , befand sich eine Ebene 
von etwa 600 Schritt Ausdehnung ^) , und ungefähr mitten in der- 
selben eine etwas bedeutendere Terrainerhebung. (F.) Cäsar war 
überzeugt, dass wenn er diese besetzt und befestigt haben würde^ 
er die Feinde von der Stadt, deren Brücke und allen Kriegsvor- 
räthen, welche sie in Ilerda aufgehäuft hatten, abschneiden könne. 

In dieser Absicht führte er den 5. Mai 3 Legionen aus dem 
Lager, stellte sie auf geeigneten Punkten (A. B. C.) in Schlacht- 
ordnung, und befahl den Antesignanen — dem vordersten Treffen 



1) Tertio die Caesar vallo castra communit. 42. 

2) Yergl. cap. 41. 

d) Vergl. cap. 64. ez superioribus locis , quae Caesaris castris erant oon- 
iuncta. Abschn. 21. 

4) nhc Caesar coUe minori castra levat; medias dirimit tentoria gurge», 
und lY, 87: lam naufraga c a m p o Caesaris arma nätant, impulsaqne gurgite 
multo castra labant ; alto restagnant flamina vallo. Dieses Gewässer, welchee 
dazumal so sehr anschwoll, ist auf Taf. XIII. eingezeichnet und dem Plan Nr. 4 
der Memoiren Sucfaet^s entnommen. 

5) Der Hügel , auf welchem das heutige Lerida heg^ , überragt das Ufer 
des Segre um 260 Fuss, und der Hügel, auf dem Afranius lagerte und jetzt 
das Fort Oarden erbaut ist, um 160 Fuss. (Vergl. Taf. 4 zu den Memoiren 
Suchet's.) 

6) planides drciter passuum CCC. 48. 



87 

— der 14. Legion^) (C), welche auf dem linken Flügel stand*), 
hervorzubrechen und jene Terrainerhebung (F.) zu besetzen. 

Als dies die Pompejaner bemerkten, wurden schnell die Go- 
horten des Afranius, welche vor dessen Lager auf Vorposten stan- 
den (E. E.), nach eben jener Terrainerhebung gesendet, und kamen, 
da sie ihr näher waren, vor Cäsars Antesignanen dort an^). 

Man schlug sich um den Besitz der Terrainerhebung ; weil aber 
die Afranianer zuerst daselbst eingetroffen, von ihrer dominirenden 
Stellung begünstigt waren, so wurden die Antesignanen zurückge* 
worfen, und als von Seite der Feinde noch Unterstützung anlangte, 
genSthigt, kehrt zu machen und sich auf das Gros der Legionen 
zurückzuziehen ^). 



1) VergL cap. 46. 

2) Yergl. cap. 44. 

3) breviori itinere. 48. Yergl. das darauf folgende »quod prins in tumu- 
lum Afraniani Tenerant«. 48. 

4) Wir sind früher in Bezug auf die Antesignanen der beinahe allgemein 
geltenden Ansicht, dass dieselben ein besonderes in die Cohorten nicht einge- 
theiltes Ck>rps gewesen seien, gefolgt, und haben erst später das kennen ge- 
lernt, was über diese Truppen Zander in seinen »Andeutungen zur Ge- 
schichte des römischen Kriegswesens«, Ratzeburg bei Frejstatzkj 1859, schrieb. 
Zander beweist dort unserer Ansicht nach unwiderleglich, dass unter den 
Antesignanen das erste Treffen der römischen Schlachtordnung zu verstehen 
sei, und sagt namentlich (Seite 30) über das uns Torliegende Gefecht bei Ilerda : 

»Im 44. Cap. entschuldigt Cäsar die Niederlage seiner Leute durch die 
»eigenthümliche Eampfart der Feinde, welche diese im Kriege mit den Lusi- 
»taniem und den Übrigen Barbaren sich zu eigen gemacht hätten. Wozu be- 
»durfte es dieser Entschuldigung der Seinigen, wenn er die Anhöhe nur von 
»300 Mann (nach Rüstow^s Ansicht) angreifen Hess; es war gewiss nichts 
»natürlicher und bedurfte keiner rechtfertigenden Worte, wenn jene 300 Mann 
»Yon den feindlichen Cohorten (ihre Zahl wird nicht angegeben) und deren 
»anderweitiger Unterstützung, mithin von überlegenen Kräften, geworfen und 
»zum Bückzuge gezwungen wurden. Aber noch mehr. Cäsar sohliesst seinen 
»Bericht mit den Worten: Itaque, perturbatis antesignanis, legio, quae in eo 
»comu constiterat , locum non tenuit etc. (cap. 44) ; bezeichnet wird hier un- 
»streitig die Legion, deren Antesignanen vorgegangen waren, und welche 
»darauf die Fassang verlor. Diese Worte geben Aufschluss. Es können näm- 
»lich die angegebenen Antesignanen unmöglich nur ein Detachement von 800 
»Mann gewesen sein, denn wäre auch dieses von dem überlegenen Feinde ge- 
»Bchlagen, wie konnte darüber die Legion ihre Haltung verlieren ? Es müssen 
»daher nach Allem, was bisher über diese Stellen beigebracht ist, jene Ante- 
»flignanen stärker als 800 Mann gewesen sein ; es scheinen also die 4 Cohorten, 
»welche in der ersten Linie der Legion standen, mit dem Namen Antesignanen 
»bezeichnet zu sein. Lasse man sich nur nicht durch Cäsars Worte : »legio .... 



B8 



Die Fechijweise jener Truppen ^mr der Art, daas sie zneirt in 
hefbigem Anrann faenrorbrachen, eine kühne Stellung naiunen, und 



»locam non tenuit etc.« täuschen, denn darunter ist das Qros der Legion, die 
»übrigen sechs Oohorteii, zn verstehen.« 

Diese wohlbegründeten Schlüsse können wir aber noch dadurch ontv- 
stützen, daoB Cäsar cap. 56 erwähnt: »Nostri in primo congressa — beim 
Kampf um jene AnhOhe; denn dort war der erste Zusammenstoss — circiter 
LXX cedderunt, in his Q. Fulginius ex primo hastato legionis XIIII.« Hier- 
nach zählte der dritte Manipel der 1. Gehörte zu den Antesignanen , die des- 
halb kttn besonderes Corps bildeten , sondern aus den 4 Gehörten des ersten 
Treffisns bestanden. 

Daraus aber, dass gewisse Gehörten, auch wenn sie nicht in Schlachtord- 
nung standen, mit »antesignani« bezeichnet wurden, — vergl. Livius XXVII, 18: 
In eas (stationes equitum) velites antesignanique et qui primi agmims erant, 
advenientes ex itinere, priusquam castris locum caperent .... impetum 
fecerunt — geht hervor, dass deren Anzahl bestimmt war. Es waren die 
Ti«er <Cohorten, weldie in der ßcblachibordnung das erste Treffen bildeten. 
Wäre nun unter acies duplex — was wir stets bestiitten haben — eine 
Schlaohtordnnng von 2 Treffen zu vN:«tehen, so hätten die Antesignanen ein- 
mal 4 und das andermal 5 Cohorten ausgemacht, ja in einer ades dniplex 
hätte es nur Antesignanen gegeben. — Hierin glauben wir eine neue Bestä- 
tigung «KU teden, dass die ROmer ihre Schlachtordnung regelmässig in 3 
IVeffen aufstellten, und dass unter acies triplez, duplex, simplex eine Schlacht- 
ordnung aus 8, 2 oder 1 Heeresabtheilung zu verstehen ist. Da ades triplez etc. 
ein den ROmern bekannter technischer Ausdruck war, so konnte er von 
ihnen nie mit tres etc. ades verwechselt werden , und während die drei 
ständigen Treffen der Scdilacbtordnrnng mit ades prima , secunda , tertia be- 
«eiohn€ft wurden , wurden die drei Heeresabtheilungen der adee triplex mit 
oomn dextrom, media acies und cornu sinktriim bezeichnet. 

Wir haben wohl alle auf die Antesignanen liezüghchen Stellen (idmM 
Livius IV, 87. IV, 47. VII, 88. VIII, 38. Vin, 89. IX, 89. X, 27. X, 41. XXU, 
B. XXm, t9, XXIV, 88. XXVII, 18. XXXIII, 88. XXXVIII, 18. Caesar bell. 
cirv. I, 48. f, 44. I, 57. III. 75. III, 84. Prontinus Strat. II. 3, 17. Cicero 
Phil. V. 'S, 12.) verglichen, und de sämmtlidi der von Zander au^esteliten 
Behaupttmg durdiaus entsprechend gefunden. 

In Bezug auf die Stelle Gicero*s : Antedgnanos et manipulares hatten 
wir noch ZwdfeA, ob in ihr nicht »antesignanos« dem »manipulares« entgegen- 
gestellt, also Eines vom Andern verschieden sei. Aber auch diesen Zweifel 
hat uns Zander durch folgende Mitthdlungen benommen: 

»Anlangend die Stelle ^Cioero^e (Phil. V, 5.)-: Antesignanos et manipulares 
»et Alaudas: so ist damit zu vergleichen Phil. I, 8.: addo etiam indiceemani- 
»pulares ex legione Alaudarum, woHi^ei antesignani nicht genannt werden. Die 
»Sache betrifft die römischen Gerichte, und bezieht dch zurück auf die lex 
»judidaria des Prätors Aurelius Gotta im Jahr 684, nach weldier die (Jeridite 
»aus den Senatoren , Rittern und Tribunen des Schatzes besetzt werden soll- 
»ten. Cäsar hatte die letztem ausgestossen , Antonius führte wieder eine 



80 

ihre Güedeixuag nioht yiel beachteteu, sondiBni in kleinen Abthei- 
langen und zerstreuter Ordnung kämpften. Wenn sie aber ins 6e- 
diunge kamen, so hielten sie es nicht für unehrenhaft, zu weichen 
und ihre Stellung wieder aufzugeben. Diese Taktik hatten sie sich 
durch ihr Zusammenkommen mit den Lusitaniern und den übrigen 
spanischea Völkerschaften zu eigen gemacht , wie denn auf jeden 
Soldaten die Gewohnheiten eines Landes, in dem er lange gestanden 
hat, einen grossen Einfluss üben. Durch solche fremdartige Manö- 
ver worden die Gasarianer in Verwirrung gebracht; denn wenn 
auch nur Einzelne ihrer Gegner in der offenen Flanke ^) herror- 
brachen , so glaubten sie schon , sie würden umgangen. Sie selbst 
hielten es für durchaus nöthig. Reih' und Glied zu wahren'), und 



>dritte Decurie au8 dem Volke ein, wobei die Aufnahme nicht von dem Yer- 
»mögen abliieng. Daher brachte er Genturionen hinein; allein nach Cicero 
>(an der angeführten Stelle) war Geaindel darin, gemeine Soldaten, Verbannte, 
»Griechen, besonders Soldaten ans der Legio Alandarum. Nimmt man nun 
»noch Phil. II, 29. hinzu, wo Cicero vom Antonius sagt: Gustaras dvilem 
»sangninem vel potius exsorbueras ; f neras in ade Pharsalica antesignanns, so 
»will dieses Wort hier nidits Anderes sagen, als: Du warst immer voran, 
»oder : Du warst iauner in den vordersten Reihen, nämlich um Bürgerblat tsa 
>vergie8Bea. — Demzufolge kann man in Phil. V, 5. »antesignani et manipu- 
»lares« nur für eine rhetorische Floskel halten , und »antedgnanic soll eben 
»nur die kecksten, verwegensten von den gemeinen Soldaten, die Antonius su 
»Richtern bestimmte, bezeichnen.« 

Onosander cap. 22. spricht nicht von Antesignani, sondern von einer 
Reserve oder einer Art Ojffensiv-Flanken. 

1) Die offene Flanke der 14. Legion war ihre linke Flanke, weil ,die rechte 
von der 9. Legion leicht Schutz erhalten konnte. 

2) ipsi autem suos ordines servare neque censuerant opor- 

tere. 44. Wir können nicht umhin, die Lesart »censuerant« der Codices, gegen 
den Vorschlag Nipperdey^s, welcher censuerant anstatt censuerant lesen 
will, in Schutz zu nahmen, und wenn Er an er um Nipper dej's Vorschlag 
zu unterstützen sagt: »Da hier die bei den Römern gewöhnliche Art zu 
»kämpfen dem barbarischen Gebrauche entgegengesetzt wird, k^n von einer 
»Ansicht, welche die Soldaten hatten, fügUjch nicht die Rede sein,« so können 
wir uns auch damit nicht einv^standen erklären: Das censuerant oportere 

wird nichts anderm als dem vorhergehenden »ut non tvirpe ezistima- 

rsnt« entgegengesetzt; wäjirend die Soldaten des Airanius es nicht für un- 
ehrenhaft hielten, nach Art der Lusitaaier zu kämptoif wuasjben die Oftsarianer 
luchts anderes, als das, was ihnen gelehrt worden war. Sie sprachen darüber 
keine Ansicht aus, sie hatten aber eine Ansicht^ die sich durdx Lehre und 
^lAbung bei ihnen festgesetzt hatte. (Vergl. Lezic v. Klotz, oenseo, II, 1. e.) 
— In der neuesten Auflage der Kraner*sdien Ausgabe hat Hofmann sich 
£^ c^nswpraft ^nt««)üed^n, w^s auch Heller anßmpfi^Ut. 



40 

weder sich von der AbtheiluBg zu entfernen, noch ohne gemchtige 
Ursache einen einmal besetzten Punkt aufzugeben. 

Unter solchen Verhältnissen hielt die 14. Legion ^), als sie ihre 
Antesignanen ausser Fassung sah, ebenfalls nicht Stand, und zog 
sich auf einen zunächstliegenden Hügel (H.) zurück. Dieser über- 
raschende und ungewöhnliche Vorgang ^) verbreitete beinahe in der 
ganzen Schlachtlinie Cäsars grossen Schrecken. Er haranguirle sie 
daher, und führte die 9. Legion (B.), welche rechts an der 14. stand, 
dieser zu Hilfe. Sie fiel dem hitzig verfolgenden Feind (bei R.) in 
die linke Flanke, that ihm Einhalt, zwang ihn kehrt zu machen, 
und sich (über ab) gegen die Stadt Ilerda hin zurückzuziehen, wo 
er sich in der Nähe der Stadtmauer (oberhalb no) aufstellte. 

Aber die Soldaten der 9. Legion, voll Eifer die von den Ante- 
signanen der 14. Legion erlittene Schlappe auszuwetzen, verfolgten 
den fliehenden Feind mit zu wenig Umsicht, rückten hart an den 
Berg hinan, auf dem Ilerda lag, und kamen auf den dominirten 
Punkt no^). VSTie sich die Legion wieder zurückziehen wollte, 
setzten ihr die Feinde von oben herab tüchtig zu. 

Der Terrainpunkt no, eine Art Terrasse, ist nämlich rück- 
wärts gegen b hin sehr abschüssig, auf beiden Seiten — rechts und 
links — von steilen Abhängen begrenzt*) und nur so breit, dass 
drei aufgestellte Cohorten ihn ausfüllten *) und weder von den Sei- 



1) legio, quae in eo comn constiterat. 44. Yergl. Seite 36. 

2) quod praeter opinionem consuetndinemque aodderat. 45. 

3) in locum iniqaum progreditmtur et sub montem, in quo erat oppiduxn 
positum Ilerda, snccedunt. 45. 

4) Praeruptus locus erat, utraque ex parte directus. 45. Der Plan zur 
Belagerung von Lerida in: M^moires du mar^hal Suchet sur des campagnee 
en Espagne depuis 1808 ju8qu*en 1814. stellt diesen Terrainpunkt deutlich dar. 

5) Der Punkt no hat 175 Meter = 281 Schritt Länge. Es hatte daher 
1 Oohorte 192 Fuss = 77 Schritt Frontlänge. Eine complete Gehörte hatte 
— in 6 Gliedern aufgestellt — 96 Schritt, eine solche in 9 Grliedern formirt, 
66 Schritt Länge. Die Cohorten der 9. Legion scheinen dazumal , anstatt im 
completen Stand mit 480 , wegen bis dahin erlittenen Abgangs nur su 385 
Mann ausgerückt gewesen zu sein. Nach einem Marsche von einigen 100 
Stunden Wegs, nach dem Verluste in den Gefechten imd mit Berücksichtigung 
des Krankenstandes erscheint ein solcher Abgang nicht als zu gross. (Yergl 
Anhang IL Erläut. über das röm. Kriegswesen § 12.) 

Eüstow in seinem Heerwesen etc. Gotha 1855, Seite 86, sag^, dass Cäsar 
die Front jener drei Cohorten nur zu 3 . 120 = 360 Fuss rechne, weil er 
wahrscheinlich annimmt, dass sie auf dem dammähnlichen Ausläufer ab 
unterhalb no gestanden seien. Dies konnte aber nicht der Fall sein, 1) weil 



41 

ien ihBen Unterstütssong geschickt, noch Reiterei den Bedrängten 
nützlich werden konnte. Von der Stadt aas lief das Terrain (mit 
Ansnahme der starken Senkung zwischen n o und b) in sanfter Ab- 
dachung abwärts, auf eine Länge von etwa 800 Schritten, näm- 
lich Ton h bis a ^). In dieser Richtung (von b nach a) musste sich 
die 9. Legion wieder zurückziehen, weil sie von blindem Eifer ge- 
trieben dorthin allzu unbedacht vorgedrungen war. 

üebrigens wurde auf der Terrasse ud^) gekämpft, obgleich 
Gäsars Truppen ungünstig standen, der beschränkte Raum nämlich 
keine Eraftentwicklung zuliess, und sie hart am Fusse des Berges 
kein feindliches Oeschoss verfehlte. Voll Tapferkeit und Ausdauer 
hielten sie aber Stand, und ertrugen muthig jede Verwundung. Die 
Zahl der entgegenstehenden Feinde mehrte sich jedoch, und nament- 
lich wurden mehrfach aus dem Lager des Afranius Gehörten durch 
die Stadt jenen zu Hilfe geschickt. Diese Unterstützungen rückten 
unzweifelhaft in der Richtung efg längs des rechten Segreufers, 
gedeckt durch die Position, welche die Afranianer zu Anfang des 
£ampfe8 auf der Terrainerhebung F nahmen und von dort an be- 
setzt hielten ^), den Fluss aufwärts, und auf der Südseite des Berges 
zur Stadt. — Auch Cäsar musste Unterstützungen nach eben jenem 
Punkte senden, um mit frischen Gehörten die erschöpften abzulösen. 

Nachdem ein solcher Kampf ohne Unterbrechung 5 Stunden 
lang fortgesetzt worden war *), die Oäsarianer allzusehr von Ueber- 
macht bedrängt wurden, und alle ihre Geschosse aufgebraucht hatten, 
drangen sie mit gezogenem Schwerte berganstürmend auf die Feinde 

nach cap. 45 die Pompejaner unmittelbar unter der Mauer (sub muro) und 
die Oäsarianer unmittelbar unter dem Berge (sub montem), auf dem Ilerda 
lag, Stellung genommen hatten ; 2) weil die Seiten des Punktes, auf welchen 
Gäsars Gehörten standen , so steil waren , dass keine Reiterei sie erklimmen 
konnte (neque equites laborantibus usui esse possent), während die Beiterd, 
als die Gehörten sich etwas zurückgezogen hatten, den dammähnlichen Aus- 
läufer ab von beiden Seiten hinaufritt (Elquitatus autem noster ab utroque 
latere .... in summum iugum virtute connititur cap. 46.), daher jener »locus 
ntraque ex parte directus« cap. 45. und jenes »iugum« cap. 46. zwei verschie- 
dene Oertlichkeiten waren, und Gäsars Gehörten oberhalb des »iugum« ge- 
standen haben müssen. 

1) Ab oppido autem declivis locus tenui fastigio vergebat in longitudinem 
passnum cirdter GOGG. 45. 

2) hoc loco 45. mit Beziehung auf das vorangehende »praeruptus locus, 
utraque ex parte directus«. 

3) vergl qnod .... im'tio locum tumulumque tenuissent. 47. 

4) Hoc cum esset modo pugnatom continenter horis quinqne. 46. 



42 

eia, vtffen Einige ileiselbao nieder, und aekbgigm die Uebrigen (in 
der Richtung von no nach h) in die Flucht Jetzig da die feind- 
lichen Gehörten hart an die Stadtmauer ^rückgedrangt , ja, zun 
Theil ToU Sehrecken in die Stadt aelbet getrieben waren« hatten 
die Cfiaarianer Raum gewonnen , aich losgemacht und konnte den 
Rückzug antreten. Die Reiterei aber, in der Niederung (bei m 
und k) aufgestellt, erklimmte dennoeb muthig den nuoipenformigen 
Rücken ab, von beiden Seiten, die weniger ateil als jene der 
Terraaee no eind. Zwischen den beiderseitigen gchlaehtlinien hin- 
und herreit^id erleicherten und sicherten sie ihren Gehörten den 
Rückzug. So schlug man sich unter wechaelnden G^echteyerhalt- 
nissen ^). 

Auf Gaaars Seite fielen bom ersten Zoeammenstoese (bei der 
Anhöhe F) etwa 70 Mann, unter ihnen Q. Fulginiue, Centurio der 
Bastaten in der 1. Gehörte der H. Legion^). Mehr als 600 Mann 
wurden verwundet. Von d^ Trupp«! des Afranius fielen der Pri- 
mipilus T. Gaecilius, 4 weitere Genturionen und mehr als 200 Soldaten. 

Ueber den Erfolg dieses Tages machte aich auf beiden Seiten 
die Meinung geltend, daes man gesiegt habe^). Gasar eagt: Ob- 
gleieh seine Gegner nach dem allgemeinen Urtheile für besiegt ge- 
golten, hätten sie sieb dennoch den Sieg zugeschrieben, weil so 
lange Mann gegen Mann gestand^, dem Angriffe der Gasarianer 
die Spitze geboten , von Anfang an die Stellung auf d^ Anhohe, 
welche die Veranlassung zum Kampfe war , behauptet , und jene 
Anteaignanen beim ersten Zuaammenstoaae in die Flucht geschlagen 
hätten. Gäsars Truppen aber hielten sich für die Sieger, weil sie 
auf ungünstigem Terrain, und in der Minderzahl sieh schlagend, 5 
Stunden Stand gehalten, mit gezogenem Schwerte bergauf gestürmt, 
die Gegner aus ihrer dominirenden Stellung vertrieben, und in die 
Stadt gedrängt hätten. 

Uns erscheint Gäsar an diesem Tag als besiegt; denn er hatte 
seinen Zweck, den Feind von der Stadt und ihrer Brücke abzu- 
schneiden, nicht erreicht; er musste, wenn auch nach einem wirk- 
samen Ausfall, vor seinen Gegnern sich zuletzt doch zurückziehen, 
und hatte viel mehr Mannschaft als diese verloren. 



1) Ita vario certamine pugnatum est. 46. Vergl. cap. 51 > WA mit >pvi 
oertamine« ein Gefad)ik von Beiterei mit Reiterei obme FusBvolk be^seidmet wird. 

2) Fulginuis ex primo hastato legionis XIV. 46. Vergl. Anm. Seite 37. 

3) Sed haec «ins diei praefertur opinio, nt se utrique anpeiaores disoessisse 
ezistimarent. 4.7. 



4B 

16. ProTi«Bt-y>«rfafiItii]88e der beiderseitigdB Heere. 

An ein Abschneiden des Fdndes von der Stadt and ihrer Brücke 
konnte jetzt CS^ar nicht mehr denken, denn A&anius hatte die An- 
hebe F, nni wdche gekämpft worden war, mit grossen Schanzen 
versehen und eine Besatzung hinein gelegt. Zugleich brach zwei 
Tage nach dem beschriebenen Treffen (den T. Mai) über die Oa- 
fsarianer plötzlich eise grosse Bedrangniss herein ^). Es trat näm- 
lich ein so fürchterliches Regenwetter ein, dass man sieh in jenen 
Gegenden grosserer Wasser gar nicht erinnern konnte. Auf allen 
Spitzen der hohen Pyrenäen schmolz der Schnee, der Segre trat 
hoch über die Ufer, und riss die beiden Brücken, welche von Fa^ 
bius geschlagen waren, entzwei. 

Dadurch kam Gäsaan Heer in eine sehr bedenkliche Lage. Denn 
da sein Lager sich zwischen den Flüssen Segre und Oinga befand, 
die beide nicht mehr überschritten werden konnten, so war er noth- 
vrendiger Weise auf den zwischen ihnen liegend^i verhältoissmässig 
engen Raum von kaum 10 Stunden Breite^) eingeschränkt. Die 
Y5ikerschafken, welche zu Cäsar hielten, konnten keine Lebensmittel 
herbeischaffen, die Fouragierer, welche sich weiter entfernt hatten, 
durch die üeberschwemmungen abgeschnitten , nicht mehr zurück- 
kehren, und die grossen Transporteolonnen, welche aus Italien und 
Gallien kamen, nicht in's Lager gelangen. Es war aber in Be- 
tracht der Verproviantirung gerade die schwierigste Jahreszeit ; suf 
den Speichern kein Getreide mehr, und das auf dem Felde stehende 
noch lange nicht reif ^) ; zudem waren die diesseits des S^re wohnen- 
den Völkerschaften ausgesogen^); denn Afranins hatte schon ehe 



1) Acddit etiam repentinum incommodum biduo, quo haec gesta sont. 40. 

2) spatio milinm XXX. 48. Ton Lerida bis Monzon an der Omga ist es 
10 Stunden Wegs. 

Ji) quo neqae fhunenta in hibernis erant segetesqne mnltiiin a matturitate 
aberant. 48. 8t»fct dosaen liest Hof mann »ipro neque fhuneni» in aoarris 
erant neque multum a maturitate aberantc, weil hier weder von Winter- 
quartieren nooh von Sohennen die Bede sein könne, indem im folgenden Satze 
gesagt wird , dass Iceine Yorräthe mehr vorhanden gewesen seien. Es könne 
deashalb nur das Getreide auf dem Felde gemeint sein, welches man zum 
Trocknen auf den Dreschplätzen zusammenbraobte. Dann iflb der Sinn: Das 
Gketieide stand weder auf Haufen, dass man hätte idie Homer ifebrauchen 
können, noch war es weit genug vor der Reife, dass man es hätte iQttem 
können. 

4) ac dvitaftes (citeriores) eximanitae. 48. »eiteriovee« sdieint durch die 
Abschreiber fikr ein wiederholtes eivitates ^fehalten und >aiuiga]aaBen *^(»den 



u 

Oäsars Legionen Tor Ilerda eintrafen, beinahe alles Getreide in dieser 
Stadt aufgehäuft, und was er übrig liess, hatte CSsar in der letasten 
Zeit aufgebraucht. Das Schlachtvieh, welches in zweiter Reihe der 
Noth hätte steuern können, hatten die benachbarten Volkerstamme 
des entbrennenden Eri^es wegen weit hin weggetrieben , und wenn 
cäsarische Abtheilungen Futter oder Getreide zu sammeln auszogen, 
so wurden sie von den leichtbewaffneten Lusitaniem und den der 
Gegend kundigen Leichtbeschildeten des diesiseitigen Spaniens eifrig 
verfolgt. Für diese war es nämlich ein Leichtes, über die Flüsse 
zu schwimmen, da es bei ihnen allgemein Gebrauch war, nie ohne 
Schläuche in's Feld zu rücken. 

Dagegen hatten des Afranius Truppen an Allem üeberfluss^). 
Sie hatten, wie erwähnt, schon früher grosse Getreide-Vorräthe zu- 
sammengefahren , und sich wohl versorgt; auch stand ihnen Futter 
in Menge zu Gebot, denn das linke Segreufer war beinahe noch 
unberührt, und sie konnten es ohne alle Gefahr über die hochge- 
sprengte steinerne Brücke^) bei Ilerda erreichen, während Cäsar 
der Zugang zu demselben durchaus unmöglich war. Da die üeber- 
schwemmung mehrere Tage andauerte'), suchte (%sar zwar trotz 
derselben seine Brücke wieder herzustellen, aber theils die Grosse 
des ausgetretenen Flusses, theils die an seinem linken Ufer aufge- 
stellten feindlichen Cohorten liessen ihre Vollendung nicht zu, — 
denn dies war ihnen ein Leichtes, einmal wegen der starken Strömung *) 
und der Grösse der Wassermasse, dann auch weil sie von der ganzen 
Uferstrecke aus auf den beschränkten Raum des Brückenschlags den 
Wurf ihrer Geschosse concentriren konnten, während es schwer war, 
im reissenden Strom die Brücke vollends herzustellen, und sich zu- 
gleich gegen die Geschosse zu decken^). 

Nun — gegen die Mitte des Mai — wurde Afranius gemeldet, 



zu sein. Denn es kann hier nnr von den Völkerschaften anf dem rechten 
Ufer des Segre die Rede sein, weil im cap. 49. folg^ »et loca trans flnmen 
integra«. 

1) At exerdtus Afranii omnium remm abundabat copia. 49. 

2) Vergl.^ Lucan. IV, 15. Saxeus ingenti quem (Sicorim) pons ampleo- 
titnr arca. 

3) Hae permanserant aquae dies complures. 50. 

4) tarn fluminis natura. 50. Vergl. Ende .dieses Capitels: rapidissimo 
flumine. 

5) Cäsar scheint hiemach die Brücken zwar nahe bis znm jenseitigen 

Stinken) Ufer zu Stande gebracht zu haben, aber ihre Verbindung mit diei^eni 
fer, die Legung der Landschwellen daselbst, gelang ihm nicht. 



45 

dass grosse Züge von Truppen und Eriegsbedürfnissen ^), welche zu 
Cäsar stossen wollten, am Flusse Segre ständen. Es waren näm- 
lich Bogenschützen aus dem Gebiete der Rutener und Reiterei aus 
dem übrigen Gkülien angelangt ; nach gallischem Gebrauch mit vie- 
len Karren und grossem Gepäck. Ausserdem zogen etwa 6000 
Menschen aller Art nebst Gesinde und Kindern mit; aber ohne 
Ordnung und sichere Leitung. Ein jeder handelte nach Gutdünken ; 
ohne Vorsichtsmassregeln zogen sie einher, ungebunden, wie sie es 
bisher auf ihren Märschen gewohnt waren, üebrigens waren einige 
angesehene junge Männer dabei, Sohne von Senatoren und Rittern, 
auch Gesandte von Völkerschaften, und Agenten Cäsars. Alle 
diese konnten der Ueberschwemmung halber den Segre nicht über- 
schreiten ^). 

Auch sie waren, wie Fabius und Cäsar selbst, unzweifelhaft 
den Pass von Puycerda nach Spanien gezogen; denn da Afranius 
Herr des linken Segreufers war^), ist es nicht abzusehen, wie sie, 
nach einer Ueberschreitung der östlichen Pyrenäen, vom Meere bis 
an eine Stelle, die nur 2.2 Milien oberhalb Lerida lag ^), hätten ge- 
langen können, ohne dass Afranius früher von ihrem Anzug Eennt- 
niss bekonmien, und sie schon auf ihrem Marsche angegriffen haben 
würde. 

Um sie zu überMlen , brach Afranius auf jene ihm zugekom- 
mene Meldung hin mit seiner ganzen Reiterei und 3 Legionen noch 
während der Nacht auf, ging über die Brücke bei Ilerda, sendete 
die Reiterei voraus, und liess sie die Gallier, die von dem Anrücken 
eines Feindes keine Ahnung hatten, angreifen ^). Allein die galli- 
schen Reiter waren schnell kampfgerüstet und lieferten ein Treffen, 
in welchem ihre geringe Zahl, so lange ihr nur Reiterei entgegen- 
stand*), der grossen Masse Feinde die Spitze hielt. Als sich aber 
die Legionen nahten, zogen sie sich mit geringem Verluste nach 
den nächsten Bergen zurück. Diese gehörten wohl zur Sierra de 



1) magnos commeatus. 51. 

2) Hob omnes flumina continebant. 51. flumina kann hier allerdings — 
wie K r a n e r anführt — nicht NebenflfiBse des Segre bezeichnen, sondern nur 
(Gewässer — Wasserfluthen. Cäsar gebraucht dieses Wort ebenso : bell. dv. III, 49. 

3) Vergl. cap. 49. 

4) Vergl. cap. 54: milia passnum a castris XXII. 

5) imprudentesque ante missis equitibus aggreditnr. 51. 

6) dam pari certamine res geri potnit. 51. (Vergl. Amnerk. zu cap. 46.) 



4« 

Almenara ^) und das Gefecht Iiatte wahrscheinlich in d«r Ebene bei 
dem heutigen Kloster D. Juani, Balaguer gegenüber, statt, etwa 6 
Stunden oberhalb Lerida. 

Der Widerstand der gallischen Reiterei brachte dem übrigen 
Theil des Gäsarischen Zuzugs den Yortheil, dass er Zeit gewann, 
und sich ebenfalls auf Hohen zurückgehen konnte. Man yemiisste 
etwa 20.0 Bogenschützen, eine kleine Anzahl Reiter und Tross- 
knechte nebst einigem Gepäck. 

Wenn dieser Verlust aber auch nicht bedeutend war, so stieg 
eben doch die Theuerung der Lebensmittel auf dem rechten Segre- 
ufer bei Gasar immer mehr ^), nicht nur, wie es zu gescheh^i pflegt, 
durch den bereits vorhandenen Mangel, sondern auch durch Furcht 
vor der Zukunft. Bereits kostete ein ScheiFel Getreide 50 Denare '), 
die Kräfte der Soldaten nahmen wegen unzureichender Nahrung 
ab, und täglich wurde die Bedrängniss grösser. Es war in wenigen 
Tagen ein grosser Umschlag der Yerhäliaiisse eingetreten, und das 
Glück hatte sich gewendet. Die Cäsarianer hatten mit grossem 
Mangel an allen Bedürfnissen zu kämpfen, während ihre Gegner im 
Ueberfluss lebten, und bereits für Sieger gehalten wurden. Cäsar 
befahl den Völkerschaften, welche zu ihm hielten, weil sie wenig 
Getreide hatten, Schlachtvieh zu liefern, sendete Trossknechte auch 
zu ziemlich entfernten Stämmen, und suchte auf jede mögliche 
Weise der Noth zu steuern. 

Diese Zustände berichteten Afrauius und Pompqus sowie deren 
Freunde ausführlich, ja sogar mit Uebertreibungen, ihren Ange- 
hörigen in Rom, und das Gerücht setzte noch so Vieles hinzu, dass 
man dort den Krieg bereits nahezu für beendigt hielt. In Masse 
begab man sich daselbst, um seine Glückwünsche darzubringen, 
nach dem Hause des Afranius; Viele reisten aus Italien zu Pom* 
pejus, theils um die ersten zu sein, die ihm diese Nachrichten 
brächten, theils damit er nicht glauben könne, sie seien von Allen 
zuletzt zu ihm gekommen, und hätten vorher den Ausgang des 
Kriegs abwarten wollen. 



1) Der spätere üebergang über den Segre hatte etwas wdter aufv&rts 
statt. Vergl. cap. 54 : Has perfectas (naves) carris iunctis devehit noetn ndlia 
passuum a castris XXII. 

2) His tarnen omnibns annona crevit. 52. 

8) Ein Denar = 4 Sestertien = 66 Pfennige ; es wihn hiernach 1 preossi- 
scher Sdieffel attf nahesn 200 Mark gekommen. 



47 

17. Cäsar fübrt den am Segro eingetroffenen Nachsehnb 

über den Fluss. 

Da bei dieser Bedrangniss Afranius auch noch alle Wege mit 
Fusstruppen und Reiterei abgesperrt hatte, und man die begonne- 
nen Brücken nicht zu Stande bringen konnte, liess Cäsar seine 
Soldaten Schiffe bauen, wie er deren seiner Zeit in Britanien ken- 
nen gelernt hatte. 

Zuerst wurden aus leichtem Hohe die Kiele und Rippen an- 
gefertigt ^) , dann aber wurde der übrige Körper der Schiffe aus 
Weiden geflochten, und mit Häuten überzogen. Diese leichten 
Schiffe wurden Nachts auf je zwei Karren (auf dem einen ruhte 
das Yordertheil, auf dem andern das Hintertheil eines Schiffes), 
7Vs Stunden Wegs das rechte Segreufer aufwärts 'gebracht *) , also 
bis zum heutigen Orte Llorens. Dort liess Cäsar auf den Schiffen 
Truppen über den Fluss setzen, unversehens den daselbst an das 
linke Ufer stossenden Hügel in Besitz nehmen^), und ihn schnell, 
ehe die Feinde es merkten , befestigen *). Auf eben diesen Hügel 
setzte er sodann eine ganze Legion über, ordnete einen von beiden 
Ufern aus beginnenden Brückenschlag an, und kam mit der Brücke 
in zwei Tagen zu Stande. 

Jetzt zog er die aus Gallien eingetroffenen Zuzüge, welche auf 
den H5hen 4ler Sierra de Almenara standen '^), sowie seine auf Ver- 
proviantirung ausgezogenen Leute *) ohne Gefahr . an sich , und be- 
gann das Verpflegungswesen wieder in geregelten Gang zu bringen. 

An dem nämlichen Tage liess er auch noch einen grossen Theil 
seiner Reiterei den Fluss überschreiten^), und des Afranius Fou- 
ragierer, die sich ganz unbesorgt zerstreut hatten, überfallen. Die 
Reiter bemächtigten sich einer grossen Zahl Menschen und Trans- 



1) Carinae primum ac statnmina ex levi materia fiebant. 54. Wir kön- 
nen TUM der Ooivjeotiir Nipperdey*«: prima anstatt primum zu lesen» nicht 
antichliesseni und glaaben, dass der Gegensatz zu »primum« in »reliquum 
corpus« hinlänglich enthalten ist. — Hofmann schreibt »prima statumina« 
und übersetzt: »Die ersten Unterlagen«. 

2) Has perfectas carris iunctis devehit noctu milia passuum a castris XXII. 54. 

3) continentemque ripae collem improviso occupat. 54. Dieser Hügel ist 
auf Plan Nr. 3 zu den Memoiren des Marschall Suchet deutlich zu erkennen. 

4) Diese Befestigung gab einen Brückenkopf ab. 

5) Tergl. Seite 4b. 

6) qui framenti causa processerant. 54. Vergl. cap. 48: qni p»bnlatnm 
longins progressi erant. 

7) Eodem die equitum magnam partem flanten Inrieeit. 55. 



48 

portthiere, und als leichtbeschildete Cohorten den Ihrigen zn Hilfe 
kamen, theilten sie sich geschickt in zwei Theile, Der eine Theil 
musste die Beute schützen, der andere dem vorrückenden Feinde 
die Spitze bieten, und ihn zurückschlagen. 

Eine jener Cohorten, welche unbesonnen aus ihrer Schlaclit- 
linie Torausgestürmt war, wurde umringt und niedergehauen ; CSsars 
Reiter aber kehrten mit Beute beladen, unversehrt über die Brücke 
(bei Llorens) in ihr Lager zurück 

18. Gleichzeitige Ereignisse bei Massilia. 

Zur Zeit als dies bei Ilerda vor sich ging ^) , machten die 
Massilier nach Anweisung des L. Domitius 17 Kriegsschiffe flott, 
von denen 11 mit Verdeck versehen waren. Dazu fügten sie noch 
viele kleinere Fahrzeuge, um den C^arianem schon durch ihre grosse 
Zahl zu imponiren, und theilten der Bemannung viele Bogenschützen 
und Albiker zu, deren Eifer sie durch Geschenke und Yersprecfaungen 
angefeuert hatten. Eine grosse Zahl Schiffe liess sich Domitius aus- 
schliesslich übergeben und bemannte sie mit seinen Ansiedlem und 
Hirten, welche er mit sich gebracht hatte. So rückte der Massilier 
Flotte, in jeder Beziehung wohl ausgerüstet, mit grosser Zuversicht 
gegen Cäsars, von Brutus befehligte, Schiffe vor, die bei einer 
Massilia gegenüberliegenden Insel — jetzt die Insel Ratoneau — 
vor Anker lagen. 

An Zahl der Schiffe war Brutus viel schwächer; aber Cäsar 
hatte ihm aus allen seinen Legionen ausgewählte besonders tapfere 
Männer zugetheilt, Genturionen aus Cohorten der Antesignanen '), 
die sich zu diesem Dienst meldeten. Sie hatten sich mit Enter- 
haken, theils (zum Werfen) an Ketten, theils an Stangen befestigt '), 
ferner mit einer grossen Menge Pilen und gallischer Wurfspiesse 
sowie mit andern Geschossen versehen. 

Als sie vom Anrücken der Massilier Kunde erhielten, verliessen 
sie ihren Hafen, und griffen Letztere au. Von beiden Seiten wurde 
aufs Tapferste gekämpft, and insbesondere gaben die Albiker, hand- 
feste und kampfgeübte Gebirgsbewohner, den Cäsarianer an Tapfer- 
keit nichts nach. Sie hatten, kaum von Massilia ausgelaufen, die 



1) Dum haec ad nerdam geruntor. 56. 

2) fortiflsimos viros, antesignaDos centuriones. 57. (Vergl. Zander : An- 
deutungen tur G^ch. des röm. Eriegswesens. Seite 81. Batseburg bei Frej- 
statzky 1859.) 

S) manus ferreas atque harpagones. 57. (Vergl. Kraner.) 



49 

ihnen dort gemachten Versprechungen noch in frischem Andenken, 
und die Hirten des Domitius, als Sclaven von Hoffnung auf Frei- 
lassung beseelt, wollten unter den Augen ihres Herrn zeigen , was 
sie leisteten. Die Massilier selbst, der Schnelligkeit ihrer Schiffe 
und der Geschicklichkeit ihrer Steuermänner vertrauend, verleiteten 
ihre Gegner zum Ausstoss, und wichen ihnen sodann aus^); und 
^vreil sie mit ihrer Ueberzahl ^) an Schiffen einen grössern Raum 
besetzen konnten ^) , dehnten sie ihre Schlachtlinie mehr in die 
Lfänge ^) , und suchten so des Brutus Flotte (in den Flanken) zu 
umgeben ^) oder sich, mehrere zusammen , auf einzelne Schiffe der- 
selben zu werfen, oder endlich im Vorüberfahren deren Ruder ab- 
zustreifen. Wenn man sich hiezu nothwendiger Weise zu nahe ge- 
kommen war, um aus Steuerkunst und Finten Vortheil zu ziehen, 
so machten sie die Tapferkeit ihrer Bergbewohner geltend. 

Des Brutus Ruderer waren wenig geübt, und seine Steuerman- 
ner ziemlich unerfahren; denn man hatte sie in aller Eile den 
Transportschiffen entnommen. Sie kannten nicht einmal die Be- 
nenungen der Eriegsschiffausrüstung , und zudem hinderte sie die 
geringe Beweglichkeit und Schwerfälligkeit ihrer Schiffe, die ge- 
schwind aus noch grünem Holze angefertigt worden waren, ebenso 
schnell, als die Massilier zu manovriren. Daher war es den Gä- 
sarianem gerade recht, wenn Gelegenheit zum Entern und zum 
Kampfe Mann gegen Mann gegeben wurde. Je ei n Schiff legte sich 
zwischen zwei feindliche, warf die Enterhaken und hielt beide fest. 
Dann sprangen sie , nach beiden Seiten hin kämpfend , auf deren 
Bord, und machten eine grosse Zahl Albiker und Hirten nieder. 
Ein Theil der Schiffe wurde versenkt, ein Theil sammt Bemannung 
genommen, die übrigen aber in ihren Hafen zurückgetrieben. Die 
Massilier verloren an jenem Tage — die genommenen eingerechnet 
— neun Schiffe *). 



1) noBtros eludebant impetusque eorum dedpiebant. 58. 

2) Yergl. cap. 57: Erat multo inferior numero navium Brutus. 

3) Wir lesen: quod licebat latiore uti spatio. 58. nach MS. Ursini et 
editiones vett. (Vergl. Oudendorp.) 

4) Wir lesen: porrecta (anstatt producta) longius acie. 58. Ein Vor- 
rücken der Schlachtlinie gab keine Gelegenheit, die feindliche Flotte zu um- 
gehen, sondern ein Verlängern der Front. Vergl. über porrecta: bell. Afric. 
cap. 17: aciem in longitudinem quam maximam porrigi und ebendaselbst cap. 
60: aciem .... porrexerat. 

5) drcumvenjre nostros. 58. 

6) »Brutus siegte durch dasselbe Verfahreui welches er im Veneterkriege 

T. OOler, Cttaars gaUIsoher Krieg. U. Anfl. II. 4 



l 



50 

19. Cäaärs verbesserte Lage bei I.lerda. 

Die Meldung von diesem Siege war die erste, welche von 
Massilia bei Cäsar einging, und langte gerade an, als auch seine 
Lage bei Uerda durch Vollendung der Brücke beim heutigen Llorens 
sich wesentlich gebessert hatte. Die Truppen des Afranius, von 
Cäsars tapferer Reiterei ausserordentlich eingeschüchtert, streiften 
nicht mehr so frei und keck umher. Das eine Mal entfernten sie 
sich nicht weit von ihrem Lager, um nöthigenfalls sich schnell da- 
hin zurückziehen zu können, und brachten daher nur spärlich Futter 
zusammen, das andere Mal suchten sie auf grossen Umwegen die 
Wachen und Posten der Gäsarischen Reiterei zu vermeiden, und 
wenn sie gar Etwas abbekommen hatten , oder auch nur die Bei* 
terei von Weitem erblickten, da warfen sie mitten auf dem Wege 
ihre Fouragierbtindel weg, und ergriffen die Flucht. Endlich ver- 
fielen sie sogar darauf, mehrere Tage auszusetzen und gegen alle 
Gewohnheit Nachts auf Futterholen auszugehen. 

Unterdessen trafen Abgeordnete der Bewohner von Osca (jetzt 
Huesca) und der mit ihnen verbündeten Stadt Calagurris (jetzt 
Lahorre) bei Cäsar ein, und versprachen Unterwerfung. Ihrem Bei- 
spiele folgten die von Tarraco, die Jacetaner und Ausetaner, und 
wenige Tage nachher die Ulurgavoner , welche am Ebro wohnten. 
Von allen diesen verlangte er Getreidelieferung. Sie versprachen 
dieselbe, und brachten das Getreide auch auf allerwarts requirirten 
Transportthieren ins Lager. Auch die Cohorte Ulurgavoner, welche 
in Afranius Heer stand, ging, als sie den Entschluss ihres Volker- 
stammes erfahren hatte, von den Vorposten weg zu CSUar über. 

Schnell hatte sich Alles geändert. Die Brücke (bei Llorens) 
stand fertig da , fünf grosse Völkerstämme waren Verbündete ge- 
worden, das Verpflegungswesen befand sich in gutem Gange, nnd 
das Gerücht, dass Pompejus Legionen längs Mauritanien als Unter- 
stützung herbeiführe, verstummte. Jetzt fielen auch noch viele ent- 
fernter wohnende Stämme von Afranius ab, und schlössen sichCSsar an. 

20. Cäsar stellt über den Segre eine Fürth her. 

Da durch diese Verhältnisse die Feinde sehr eingeschüchtert 
waren ^), folglich Arbeiten Cäsars weniger störten, so suchte er da- 



(b. g. 3, 14 — 15) anwendete, und dessen sich die Römer auch gegen die 
Carthager mit Erfolg bedient hatten.« (Hof mann.) 
1) Quibus rebus perterritis animis adversariorum. 61. 



51 

für zu sorgen, dass seine Reiterei, mn anf das linke Segreufer zu 
gelangen, nicht den grossen Umweg über die 7 Stunden Wegs ent« 
femte Brücke zurückzulegen hatte. Er fand nämlich 1 Stunde auf- 
warte seines Lagers ^). (Taf. XII. Fig. 1. zwischen h und i) eine Stelle, 
die geeignet war, durch mehrere 30 Fuss breite Gräben, einen Theil 
des Segre abzuleiten und in ihm eine Fürth zu bewirken. 

Dies konnte nur dadurch geschehen, dass man an einer Fluss«- 
stelle, die möglichst viel Fall hatte ^), und zwar an ihrem flussauf- 
wärts liegenden Endpunkte h (Taf. XII. Fig. 4) die Gräben so zog, 
dass sie dort so tief gemacht wurden , als das Flussbett h i bei i 
war, wo die Gräben wieder in den Fluss einmündeten. Während das 
Flussbett hi Fall hatte, liefen die Sohlen der Gräben xi (wenig- 
stens möglichst) horizontal, und an der Ausmündung der Gräben 
aus dena Flusse (bei h) entstand ein Wasserfall hx, durch welchen 
das Wasser des Segre aus dessen Bett in die Gräben abstürzte, um 
sich unterhalb der Flussstrecke (bei i) wieder in dasselbe zu er- 
giessen. Man hatte nun das Flusswasser zwar nicht ganz beseitigt, 
sondern in den Gräben; diese waren aber ihrer geringen Breite 
halber leicht zu überbrücken, da auf die 30 Fuss Breite ein einziger 
Balken reichte, und kein Joch zu seiner Unterstützung nöthig war. 
In der Ausführung dieser Arbeit wurde C&sar nicht gestört, 
einmal wegen der bereits erwähnten Einschüchterung der Feinde, 
dann aber auch weil ihr die Verschanzungen des Lagers c Deckung 
gewahrten. 

21. Des Afranius und Petrejus Abzug in der Richtung 

nach Octogesa. 

(Taf. XII. Fig. 3.) 

Als die Ableitungsgräben am Segre beinahe fertig waren, ge- 
riethen Afranius und Petrejus in grosse Besorgniss, sie möchten 
durch Caaars überlegene Reiterei von dem linken Segreufer, wo noch 
Lebensmittel und Futter zu finden waren, völlig abgeschnitten wer- 
den. Sie beschlossen daher die Gegend bei Ilerda selbst zu yer- 



1) vergl. cap. 64 : milium sex ad iter addito circuitu magnaqne ad vadum 
flumimB mora interpoeita. Wenn Gäsars Truppen, aus dem Lager d über die 
Fürth zwischen h und i rüekeud, zur Verfolgung der Flussabwärts ziehenden 
Feinde 6 Milien oder 2 Standen Umweg hatteni so musste die Fürth 1 Stande 
obevhalb ihres Lagers d liegen. 

2) nactus idoneum locom. 61. 

4* 



52 

t 

lassen und den Kriegsschauplatz nach Geltiberien ^) zn verlegen. 
Far diesen Plan sprach auch der Umstand, dass von den seiner Zeit 
sich feindlich gegenübergestandenen Stammen, diejenigen Staaten, 
welche im Kriege mit Sertorius (80 — 72 v. Chr.) auf dessen Seite 
waren, als Besiegte den Namen und die Macht des Pompejus fürch- 
teten, und jene, welche treu geblieben waren, ihn liebten, weil sie 
ihm viel zu danken hatten. Gäsars Name dagegen war bei diesen 
Völkern wenig bekannt. Dort hofften Afranius und Petrejus sich 
mit viel Reiterei und vielen Hil&truppen zu Fuss verstarken und 
in jenem Landstrich, der sie auf jede Weise begünstigte, den Krieg 
bis in den Winter hinausziehen zu können. 

In Folge dieses Entschlusses Hessen sie am ganzen Ebro Schiffe 
zusammensuchen und nach Octogesa bringen. Octogesa, 10 Stunden 
Wegs vom Lager des Afranius und Petrejus entfernt ^) , war das 
heutige Almatr^t, das am linken Ebroufer und am Fuss des hohen 
Berges »Maneu montanac liegt. Sie gaben Befehl dort über den 
Ebro eine Schiffbrücke zu schlagen, führten sodann zwei Legionen 
über die steinerne Brücke bei Uerda auf das linke Segreufer, und 
liessen daselbst (bei b) ein Lager, das als Brückenkopf diente, mit 
einem 12 Fuss hohen Walle befestigen. 

Als QLsars Recogposcirungspatrouillen hievon Meldung gemacht 
hatten, liess er seine Soldaten alle Kräfte aufbieten, durch unaus- 
gesetzte Tag- und Nachtarbeit die Ableitung des Segre zu vollen- 
den, und man war bereits so weit mit ihr zu Stande gekommen, 
dass es seine Reiterei wagte über den Fluss zu setzen. Sie fand 
dabei jedoch sehr grosse Schwierigkeit, und das Fussvolk, das nur 
mit den Schultern und dem obersten Theil der Brust über das 
Wasser hervorragte, konnte dieser Tiefe sowie der reissenden Strö- 
mung wegen nicht übergehen. Aber endlich wurde doch eine Fürth 
gewonnen, als beinahe zu gleicher Zeit die Nachricht eintraf, dass 
die Schiffbrücke über den Ebro nahezu fertig sei. Um so mehr 
glaubten Afranius und Petrejus ihren Abmarsch nun beschleunigen 



1) vergl. cap. 38. 

2) milia passunm a castris aberat XXX. 61. Bisher wurde XX gelesen. 
Da aber der Lerida am nächsten liegende Punkt des Ebro, das heutige Me- 
quinenza schon 27 römische Milien oder 9 Stunden Wegs von Lerida entfernt 
liegt, 80 kann die Zahl XX nicht richtig sein, und wir müssen XXX lesen, 
wodurch wir für Octogesa das heutige Almatröt erhalten, dessen Lage, wie 
wir sehen werden, der Relation der nachfolgenden Operationen vollkommen 
entspricht. — Dieser Lesart schloss sich Hofmann an. 



53 

zn müssen. Sie Hessen zwei Cohorten Hilfstruppen in Ilerda als 
Besatzung zurück, zogen den 1. Juni ^) mit allen übrigen Truppen 
über den FIuss, und vereinigten ihr Lager mit demjenigen der be- 
reits in den letzten Tagen über den Segre gegangenen beiden Le- 
gionen (bei g). 

Da nun Gasar sein Fussvolk der gefabrlicben Fürth auszu- 
setzen Anstand nahm ^) , und eine Passirung der 7 Stunden ent- 
fernten Brücke einen zu grossen Umweg nöthig gemacht haben 
würde, als dass der Feind auf seinem viel kurzem Wege nicht un- 
erreicht hätte zum Ebro gelangen können, so blieb ihm nichts übrig, 
als demselben mit seiner Reiterei tüchtig zuzusetzen, und ihm da 
und dort Verluste beizubringen. Er sendete daher seine Reiterei 
ab, und sie ging über den FIuss'). Während nun Afranius und 
Petrejus, welche am 2. Juni gleich nach Mittemacht ^) aufgebrochen 
waren, sich auf dem Marsche nach Octogesa befanden, zeigte sie 
sich plötzlich in grossen Massen bei deren Nachhut, und begann 
sie aufzuhalten und am Weitermarsche zu hindern. 

Sobald als es Tag geworden war, sah man von den Gäsars Lager 
zunächst gelegenen Höhen — wahrscheinlich insbesondere von der heu- 
tigen Sierra de Cannelin — aus (Taf. XIII. Fig. 1.), die Reiterei, wie 
sie der feindlichen Nachhut tüchtig zu Leib ging, der enhinterste Ab- 
theilungen manchmal Stand hielten und durchbrochen wurden, dann 
wieder die Nachhut mit allen Gehörten einen Angriff machte, und 
die Reiterei zurücktrieb ^) , worauf diese , wenn die Cohorten kehrt 
gemacht hatten, sie von neuem verfolgte. 



1) Die Commentarien bezeichnen von hier an bis zur Capitolation der 
Legaten des Pompejns, welche (siehe Anmerkung Seite 84) den 10. Jani statt 
hatte, die Anzahl der Tage durch : eodem die, postridie, biduo etc. so genau, 
dass dieses Datum des üebergangs über den Segre keinem Zweifel unter- 
liegen kann. 

2) Yergl. cap. 64. etsi timebat tantae magnitudini fluminis ezercitum 
obiicere. 

3) E!qnites ab eo missi Humen transeunt. 63. 

4) de tertia vigilia. 63. 

5) ac nonnunquam sustinere extremnm agmen (die Queue der Nachhut 
im Gegensatz zu novissimi: die Nachhut) atque interrumpi. 64. Wir kOnnen 
die Ton Nipperdey vorgeschlagene Teztänderung der Codices, inrumpi an- 
statt interrumpi zu lesen, nicht für nöthig halten. Denn die Queue der Nach- 
hut konnte Stand halten oder den Angriff aufnehmen, und durchbrochen wer- 
den, ohne desshalb von der durchgebrochenen Reiterei umzingelt zu werden, 
"^6 Nipperdey glaubt. Wenn auch da und dort Reiterabtheilungen die 
Qusue der Nachhut durchbrochen hatten, so trafen sie auf das Grros derselben, 



54 

In Cäsars Lager standen die Soldaten überall znsammen und 
bedauerten, dass man den Feind entscblOpfen lasse, und so der Krieg 
ohne Noth in die Länge gezogen werde. Sie wandten sieb an die 
Gentarionen und Eriegstribunen, und baten sie dringend, CSsar zn 
sagen : Er möge ibnen jede Anstrengung und Gefahr znmuthen, sie 
seien bereit den Fluss dort, wo die Reiterei übergesetzt sei, eben- 
falls zu überschreiten; sie hätten den Muth dazu, und konnten es 
auch. Durch ihren Eifer und ihre Bitten angeregt, glaubte GSsar, 
obgleich er Bedenken trug, dass Heer einem so grossen Flusse aus- 
zusetzen, dennoch es unternehmen oder wenigstens versuchen zu 
müssen. In dieser Abeicht wurden sodann aus allen Genturien die 
Soldaten, welche nicht genug Muth oder Körperkraft zu haben 
schienen, ausgeschieden, und nebst einer Legion als Lagerbe- 
satzung zurückgelassen, mit den übrigen 6 Legionen aber — jedoch 
ohne Gepäck — nach der Fürth abmarschirt. Dort angekommen 
stellte Gasar oberhalb und unterhalb derselben eine grosse Zahl 
Pferde auf ^), und führte zwischen ihnen hindurch seine Colonne 
über den ßegre. Einige Soldaten wurden Yon der Strtomng zwar 
fortgerissen, von den unterhalb stehenden Reitern aber aufgefangen, 
und über dem Wasser erhalten, so dass keiner ums Leben kam. 

Nachdem das Heer auf diese Weise ohne Verlust das linke 
Ufer erreicht hatte, ordnete Gäsar seine Truppen, deren Abthei- 
lungen auseinandergekommen waren, wieder, und begann in drei 
Gorps von je 2 Legionen formirt weiter zu ziehen '). und so gross 
war der Eifer der Soldaten, dass trotz des Umwegs von 2 Stunden, 
nämlich 1 Stunde zur Fürth flussaufwärts und 1 Stunde wieder 



das de in Masse angriff und zurückwarf (alias inferri signa et aniTersarom 
cohortiam impetn nostros propelH). Ein Durchbrechen der Reiterei ffihrt nicht 
immer zu grossem Erfolge. Die französischen Cürassiere durchbrachen bd 
Waterloo die englische Aufstellung bis zum dritten Treffen, dass bereits Tross- 
knechte und Reiter bis Brüssel flohen , und dennoch mussten sie sich mit 
grossem Verluste wieder zurückziehen. 

1) Vergl. bell. gall. VIF, 56: disposito equitatu, qui vim fluminis refrin- 
geret und die Anmerkung 1. Band I. Seite 289. 

2) copias instruit, triplioemque adem dncere incipit. 64. Er hatte von 
hier aus, bis er Afranius erreichte (siehe cap. 65), einen Marseh von 5V« Stun- 
den Wegs. Auch diese Stelle seigt, dass acies triplex nidit die Formirung 
in 8 Treffen bezeichnet, und um so mehr, als im nächsten Kapitel folgt: 
oonstitit ademque instruit; wonach Cäsar seine drei Corps erst als er dem 
Feinde nahegekommen war, ihre 8 Treffen formiren, n&mlidi die Schlachtlini^ 
bilden liess. 



65 

flussabwärts ^), und trotz des grossen Aufenthalts, den die Passirung 
der Fürth veranlasste, man dennoch schon vor 10 Uhr Vormittags 
die nach Mittemacht abmarschirten Feinde einholte^). 

Der Afranianer Marsch ging über das heutige Montalius und 
Aspa,*). Als sie etwa Va Stunde diesseits (nördlich) von Grannena 
angelangt waren, kam Oasars Golonne in ihren Gesichtsbereich, und 
durch deren Anblick überrascht und bestürzt, machten sie auf einer 
Anhohe der Westseite des dortigen Gebirgsknotens Halt, und stell- 
ten sich in Schlachtordnung^). 

Cäsar liess sein Heer in dem davorliegenden Felde sich erholen, 
um es nicht rom raschen Marsche erschöpft einem Kampfe auszu- 
setzen. Wie die Feinde wieder weiter zu ziehen begannen, ver- 



1) Vergl. Anmerknng 1 Seite 51. 

2) Die Lesart : ante horam diel Villi (nonam) 64. scheint uns verdächtig, 
nnd es ist wahrscheinlich IUI anstatt Villi za lesen. Da im Jani bereits 
zwischen 2 und 3 ühr Morgens der Tag graut, konnte Cäsar gegen 6 Uhr 
die Fürth überschritten haben. Von da an hatte er bis dem Punkte nördlich 
Yom heutigen Grannena, wo er den Feind einholte und sein Lager (a Taf XII. 
Fig. 3.) schlug, 4Va Stunden (lieues) Wegs, und konnte daher diesen Marsch, 
der von der f^urth an durch nichts erschwert und ohne Gepäck ausgeführt 
wurde, gegen 10 Uhr Vormittags (ante horam Till) beendigt haben. Wenn 
wir »ante horam Villi« für richtig ansehen, so müssten wir annähmen, dass 
Cäsar durch die Fürth 6 Stunden aufgehalten war. Er hätte zur Zurück- 
legung seines im Ganzen 5Vs Stunden langen Weges die Zeit von Morgens 

3 ühr bis Nachmittags 8 ühr gebraucht, und dieser Marsch wäre wahrhaftig 
nicht, wie Cäsar anführt, sehr eifrig zurückgelegt worden ; seine Gegner aber 
wären 15 Zeitstunden lang unausgesetzt im Marsche begriffen gewesen, um 

4 Stunden Wegs zurückzulegen. 

3) Nicht nur aus dem ganzen Zusammenhang der bezüglichen in den 
Commentanen enthaltenen Relation, sondern auch aus dem speciellen um- 
stände, daes Afranius und Petrejus auf dem spätem Bückmarsche nach Derda 
die Gegend am Segre nicht kannten (vergl. cap. 81 : neque ad ezplorandum 

idonenm locum castris data facoltate natura iniquo loco 

castra ponunt) geht hervor, dass sie ihren nach Octogesa gerichteten Marsch 
nicht am Segre hin, sondern in der bezeichneten Richtung genommen hatten. 
Wenn Guischard (M^moires sur plusieurs points d'antiquit^s militaires, 
Berlin 1778) Afranius und Petrejus am Segre hinaufziehen liess, so wurde er 
zu dieser Annahme nur durdi die für jene G^egend, insbesondere bezüglich der 
Qebirgsformation, ganz unrichtige Karte : >A new military map ofSpaln and 
Portugal b/ Bon68el,€ und »Carte gän^ale des monts Pyren^ et partie des 
royaumes de France et d^Espagne« verleitet; während uns die vorzügliche 
Karte: »Carte de la partie nord-est de TEspagne, ex^cut^e au D^t g^n^al 
de la guerre pendant les annto 1822 et 1823« zu Gebot stand. 

4) (Afranius cum Petreio) consistit aeiemque instruit. 6b. 



56 

folgte er sie, und hielt sie auf, so dass sie notbgedrangen früher, 
als sie beschlossen hatten, ihr Lager (b) schlugen. In einer Ent- 
fernung von Vis Stunden Wegs, bei Llardecans, tritt nämlich der 
von Granadella westlich ziehende Gebirgsrücken, mit jenem, weicher 
den Segre entlang zieht, nahe zusammen, und sie bilden ein drei 
Stunden langes Thal — einen Engpass, welcher sich bis zum "Ebro 
erstreckt; die ihn durchziehenden Wege waren beschwerlich und 
eng ^). Zwischen jene beiden Gebirgsrücken noch an diesem Tage 
zu gelangen , wünschten sie sehnlichst ^) ; denn dort konnten ihnen 
Cäsars Reiterei nichts mehr anhaben, sie aber konnten durch in dem 
Engpasse (in angustiis) aufgestellte Posten den Weitermarsch des- 
selben hemmen, und durch diese im Rücken, durch die Gebirgszüge 
in den Flanken gedeckt, ohne Gefahr und Besorgniss ihre Truppen 
über den Ebro führen. 

22. Lager bei Grannen a. 
(Taf. XII. Fig. 3.) 

Dies mussten sie allerdings anstreben und auf jede nur mög- 
liche Weise auszuführen suchen. Aber von ihrem Kampfe mit C5- 
sars Reiterei, welcher bis dahin, den ganzen Tag über, gedauert 
hatte ^), und von den Strapazen des Marsches erschöpft, verschoben 
sie den Weitermarsch auf den folgenden Tag. Auch CSsar schlug 
nun sein Lager, und zwar auf dem ihm zunächst gelegenen HOgel, 
der wie jener des feindlichen Lagers sich an den Gebirgsknoten 
von Grannena anschloss (bei a). 



1) Suberant enim montes atqae a milibus passunm qninqae itinera diffi- 
cilia atque angusta ezcipiebant. 65. Lucanus, ein gebomer Spanier, war 
wohl an Ort und Stelle, und beschreibt (Phars. lY, 155.) den Engpass n&her: 
Attolunt campo geminae gnga saxea rupes valle cavae media; tellns hinc 
ardua celsos continuat colles, tutae quos inter opaco amfraetn latuere viae. 
Diese Beschreibung passt auf die von uns bezeichnete Localität vollkommen, 
denn auch nach ihr bestand der Engpass (angustiae) nicht in einem kuTEen 
üebergang über ein Gebirg, sondern in einer langen Thalenge. 

2) Hos montes intrare cupiebant. 65. Diese von Nipperdey vorge- 
schlagene Lesart anstatt: Hos montes intra se recipiebant« scheint unzwei^- 
haft richtig zu sein. 

3) Auch wenn wir ante herum Villi (64.) beibehalten würden, so w&re 
der Tag im bezüglichen Momente noch lange nicht abgelaufen gewesen , und 
wir können daher hier (cap. 65.) unter dem Ausdnick: »totius diei pugna« 
nur einen Kampf verstehen , der von Morgens bis zu der nunmehr eingetie- 
nen Stunde unablässig gedauert hat. 



57 

Ungefähr uro Mittemacht erfuhr Cäsar von Leuten des Afranius, 
die sich um Wasser zu holen allzuweit von ihrem Lager entfernt 
hatten, und von Reitern aufgegriffen worden waren, dass seine 
Gegner in aller Stille aus dem Lager rückten. Da liess er das 
Signal zum Aufbruch geben, und nach Kriegsgebrauch zum Packen 
rufen. 

Als die Feinde diesen Ruf hörten, befürchteten sie, sie moch- 
ten zur Nachtzeit und unter der Last des Gepäckes zum Schlagen 
gezwungen oder von Cäsars Reiterei, wie am abgelaufenen Tage, 
in steter Bedrängniss gehalten werden ^). Sie gaben daher den Ab- 
marsch auf, und blieben im Lager. 

Auf einem Wege, der ihn den Blicken Cäsars entzog, brach 
Petrejus den folgenden Tag — den 3. Juni — auf, um die Gegend, 
welche das Heer von seinem Lager aus zu durchziehen bekam, zu 
recognosciren. Das Nämliche geschah von CSsars Lager aus, indem 
Decidius Saxa mit einigen Leuten entsendet wurde, um die Terrain- 
beschaffenheit zu erforschen. Beide brachten den Ihrigen die gleich- 
lautende Nachricht, dass man die nächsten Vis Stunden durch eine 
Ebene — heutzutage La Gariga (vergl. Taf. XIL Fig. 7.) genannt — 
zu marschiren habe, dann aber rauhes und gebirgiges Terrain an- 
treffe. Wer den dortigen, zwischen Llardecans und La Granja zum 

1) ne ab equitatu Caesaris in angustiis tenerentur. 66. Obgleich bald 
nach diesem Satze, mit Bezug auf »loca aspera et montaosa« ein >ha8 anga- 
stiasc folgt, so können wir dennoch hier unter »in angustiisc nicht einen Eng- 
pass verstehen, weil nicht einzusehen ist, wie die Afranianer hätten glauben 
können, dass sie von Cäsars Beiterei in dem Engpasse etwas zu befOrchten 
hätten. Sie konnten etwa durch jene Reiterei von dem Engpasse abg^eschnit- 
ten aber nicht darin festgehalten werden, denn dazu hätte die Beiterei und 
zwar in der Nacht den Engpass passiren , und jenseits desselben eine Auf- 
stellung nehmen müssen, um des Feindes Debouchiren zu hindern — eine An- 
nahme, die uns unmöglich scheint, da der genannte Engpass sidi bis zum 
Ebro hinzieht, und auch dort keine der Reiterei günstige Ebene ist. Das aber 
konnten die Afranianer furchten, dass sie während ihres Nachtmarsches, ehe sie 
den Engpass erreichten, wie am abgelaufenen Tage, stets und von allen Seiten 
harcelirt und bedrängt würden. (Vergl. cap. 67. drcumfundi noctu equitatum 
Caesaris.) Nur darüber könnte etwa ein Zweifel entstehen, ob unter vor- 
liegender Stelle nicht zu verstehen ist, dass die Afranianer fürchteten, sie 
möchten beim Debouchiren durch die engen Ausgänge des Lagers von der 
Reiterei angegriffen und durch Kämpfe festgehalten werden. (Vergl. bell, 
dv. in, 69: Equitatus Caesaris, quod angusto itinere per aggeres ascendebit, 
und gleich darauf militis veriti ne angustiis intercluderentur.) Wir glauben 
aber, dass sich Cäsar, wenn er dies hätte sagen wollen, deutlicher ausge- 
drückt haben würde. 



58 

Ebro binzieh^den Engpass (siehe Taf. XII. Fig. 8.) zoerst besetze, 
der könne den Feind leicht an einem weitem Vordringen Terhindem. 
Afranius und Petrejus verhandelten in einem Eriegsrathe über 
die Zeit, wann man aufbrechen solle. Die Meisten waren der An- 
sicht, man müsse Nachts abmarschiren , denn so könne man den 
Engpass erreichen, ehe es vom Feinde bemerkt werde. Andere 
hielten einen heimlichen Abmarsch für unmöglich, weil ja auch in 
der verflossenen Nacht, als man abmarschiren wollte, augenblicklich 
in Gasars Lager zum Packen gerufen worden sei. Nachts verbreite 
sich auch ringsum Qusars Reiterei, besetze die ganze Gegend und 
namentlich die Wege ^). Nachtgefechte müsse man vermeiden, weil 
in Bürgerkriegen der Soldat, wenn er einmal eingeschüchtert sei, 
mehr der Furcht als seinem Eide Rechnung trage. Dagegen be- 
wirke schon das Gefühl, von Allen gesehen zu werden, viel, und 
viel, dass die Eriegstribunen und Centurionen sfihen, was um de 
vorgeht , und zur Hand sein könnten. Dadurch pflegten die Sol- 
daten beisammengehalten zu werden, und müssten ihre Schuldig- 
keit thun. Daher müsse man. Alles erwogen, bei Tag sich durch- 
schlagen. Leide man auch einigen Verlust, so könne doch die 
Masse des Heeres den ersehnten Engpass in gehöriger Verfassung 
erreichen^). Diese Ansicht behielt im Eriegsrathe die Oberhand, 
und es wurde beschlossen, mit Anbruch des nächsten Tages au&u- 
brechen. 

23. Cäsars Stellung bei Llardecans and sein Verhalten 

daselbst. 

(Taf. Xn. Fig. 3.) 

Cäsar, der indessen die Gegend genau kennen gelernt hatte'), 
kam seinen Feinden jedoch zuvor. Den 4. Juni, als der Morgen 
graute, führte er alle seine Truppen au« dem Lager, und zog in 
einem grossen Bogen — links , nämlich östlich ausbrechend ^) — 
über Stock und Stein weiter ; denn die Wege, welche an den Ebro 
nach Octogesa führten, waren durch die feindliche Lager abgesperrt. 
Er musste also durch die grossen und unwegsamen Thäler des sfid- 



1) Gircumfandi noctu equitatum Oaesaris atqne omnia loca atque itiiien 
obsidere. 67. Dies konnte Reiterei nur in der £bene, aber nicht im Gebirge. 
Vergl. Anmerkung Seite 57. 

2) tarnen summa exercitus salva locam, quem petant, capi posse. 67. 
8) exploratifl rsgionibiu. 68. 

4) Vergl. Seite 59. Anmerk. 3. 



59 

oBtlich von seinem Lager, zwischen Grannena und Soleras, befind- 
lichen Gebirgsknotens dringen, und an vielen Stellen machten schroffe 
Felsblöcke seinen Marsch so schwierig, dass man genöthigt war, 
sich die Waffen von Hand zu Hand zu reichen, da die Soldaten 
einen grossen Theil des Wegs nur ohne Schild und andere die 
H&nde in Anspruch nehmende Waffen, sowie sich gegenseitig unter- 
stützend zurücklegen konnten. Aber sie unterzogen sich diesen An- 
strengungen bereitwilligst, weil sie glaubten, dass es die letzen sein 
-würden, wenn sie im Stande wären, den Feind vom Ebro abzu- 
schneiden und ihm den Weg nach den dortigen Getreidevorrathen 
zu verlegen. 

Anfangs liefen die Soldaten des Afranius neugierig und froh- 
lockend vor ihr Lager, und sendeten ihnen Spott und Hohn nach: 
Der Hunger treibe sie zurück nach llerda. Gasar wendete sich 
nämlich — wie schon angedeutet — zuerst nach einer andern Seite, 
als wo sein Marschobject lag, und er schien gerade in entgegenge- 
setzter Richtung abzumarschiren ^). Er marschirte wahrscheinlich 
durch die porta dextra des Lagers in der Richtung nach llerda 
den Hügel hinab, konnte aber unten angekommen, von dem Hügel 
selbst gedeckt, sodann unbemerkt östlich ziehen. Die feindlichen 
Führer priesen ihren Entschluss, das Lager nicht verlassen zu haben 
und in ihrem Irrthum, dass Cäsar von Mangel an Lebensmittel zur 
Umkehr gezwungen werde, wurden sie dadurch sehr bestärkt, dass 
sie ihn ohne Lastthiere und schweres Gepäck abmarschiren sahen '). 

Als sie aber C&sars Marschcolonne allmlhlig wieder rechts 
(westlich) einbiegen sahen"), und bemerkten, dass deren TSte — 
bei Grannena eingetroffen — das Afranische Lager bereits um- 
gangen hatte, da war Keiner so langtsam oder lässig, dass er nicht 
glaubte, alsbald müsse aus dem Lager aufgebrochen und der Um- 
gehung vorgebeugt werden *). 

Sie riefen zu den Waffen, liessen nur wenige Cohorten als 
Lagerbesatzung zurück, rückten aus, und traten in schnurgerader 
Richtung ihren Marsch nach dem Ebro an *). Jetzt lag die Ent- 



1) Erat enim iter a proposito diversam, contrariamque in partem iri 
videbahir» 69. 

2) Vergl. cap. 64. reliquas legiones ezpeditas edudt. 

3) Sed ubi patilatim retorqueri agmen ad dextram oonspexerunt. 69. 

4) atque occurrendum putaret. 69. 

5) rectoqne ad Hiberum itinere ocmtendunt. 69. Des Aframos Lager lag 
in der Yerlängerang des Engpasses, so dass er allerdings MnalM in sdmar- 



60 

Scheidung, wer zuerst den Engpass und die Berge besetze, nur in 
der Schnelligkeit. C%sar's Heer wurde durch schlechte Wege auf- 
gehalten, des Afranius Truppen aber durch Gasar's sie verfolgende 
und harcelirende Reiterei, und sie waren nothwendiger Weise in 
die Lage gekommen, dass, wenn sie auch die Berge, denen sie zu- 
eilten , zuerst erreichten , und der 6e£EJir vom Ebro abgeschnitten 
zu werden, entgingen, sie immerhin das ganze Gepäck ihres Heeres 
und die im Lager zurückgelassenen Gohorten nicht retten konnten ; 
denn diese waren sodann durch CSsars Heer von ihnen abgeschnit- 
ten , so dass sie denselben auf keine Weise Hilfe bringen konnten. 
Cäsar gelimgte jedoch zuerst an das Ziel. Nach üeberschreitung 
grosser Felsen gewann er die Ebene La Gariga, machte diesseits 
des Engpasses Halt, und stellte sich dem nachfolgenden Feinde 
gegenüber (bei e) in Schlachtordnung. 

Da Afranius seine Nachhut von C&sars Reiterei bedrängt, vor 
sich aber dessen Legionen sah, nahm er auf einem Hügel, den er 
gerade erreichte (bei d), Stellung. 

Von diesem Hügel aus sendete er 4 leichtbeschildete Gohorten 
nach einem Berge (c), der hoch vor aller Augen lag, und zu jenem 
Gebirgszuge gehört, auf dem heutigen Tags Llardecans erbaut ist. 
Jene Gehörten sollten sich in raschem Laufe auf dem Berge fest- 
setzen, worauf Afranius mit allen seinen Truppen sich ebenMls 
dahin wenden wollte, um, seine Marschrichtung ändernd, Octogesa 
nicht durch den Engpass, sondern über den Gebirgszug von Llar» 
decaus und über den Höhenzug, welchel* sich vom Berge Manen 
gegen Venibre erstreckt, zu erreichen ^). Wie Gäsars Reiterei (f) 
aber die Leichtbeschildeten querfeldein ^) nach dem Berge eilen 
sah, warf sie sich auf dieselben. Diese vermochten ihr auch keinen 
Augenblick die Spitze zu bieten, und wurden im Angesicht beider 
Heere zusammengehauen. 

Jetzt wäre Gelegenheit gewesen, einen entscheidenden Schlag 
zu führen, und in der That wusste Cäsar recht wohl, dass das 
feindliche Heer erschüttert durch die grosse vor Aller Augen er- 
littene Schlappe nicht würde Stand halten können, zumal es auf 
allen Seiten von Gäsars Reiterei umstellt war, und man sich auf 
ebenem und offenem Terrain geschlagen haben würde. Allseits 

gerader Richtung marschirend an den Ebro gelangen konnte. (Siehe Taf XII. 
Fig. 3.) 

1) uti . . . mntato itinere iugis Octogesam perveniret. 70. 

2) obliqoo itinere. 70. 



61 

wurde Cäsar auch dazu aufgefordert. Die Legaten, Centurionen 
und Kriegstribunen bestürmten ihn, doch unverzüglich zum Kampfe 
zu schreiten — alle Soldaten seien in der besten Stimmung, Eh- 
rend die Feinde vielfach Zeichen von Furcht gegeben hätten. Sie 
seien ja ihren Leichtbeschildeten nicht zu Hilfe gekommen, ver- 
liessen ihren Hügel nicht, hielten kaum den Angriffen der Reiterei 
Stand, und standen Treffen an Treffen angedmngt dicht gedrängt 
beisammen ^) , weder ihre selbständigen Abtheilungen — nämlich 
die Vexillen der Leichtbewaffneten, der Schleuderer und Bogen- 
schützen — noch ihre Cohorten gehörig gesehieden ^) ; wenn Cäsar 
aber Bedenken trage, den Feind in seiner dominirenden Stellung 
anzugreifen^), so würde es ja Gelegenheit geben, sich auf einem 
andern — ebenen — Terrain zu schlagen ^) , weil Afranius jeden- 
falls Yon seinem Hügel herabrücken müsse , da er ohne Wasser 
nicht dort bleiben könne. 

Cäsar hoffte aber