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Full text of "Charité-annalen"

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UNIVERSmr OF CALIFORNIA 

MEDICAL CENTER LIBRARY 

SANFRANOSOO 




Medical Society of the Co. 
Kings and Acad. of Medio ine 

of Brooklyn Library 



1^ 



J 



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; v:v/- 



CHARITE ■ annalen. 



HERAUSGEGEBEN 



VON DER 



DIKECTION DES KÖNIGL. CHAKITE-KEANKENHAUSES 

IN BEELIN. 

VON 

DEM AERZTLICHEN DIRECTOR 

Db. mehlhausen, 

GBNBRAL-ARZT ERSTER CLASSE ▲ LA SUITE DES SANITiBTS- CORPS UND GEH. OBER - HBD. • RATH. 



IX. JAHRGANG. 



MIT 8 LITHOGBÄPHIRTßN TAFßLK UND TABELLEN. 






BERLIN 1884. 
VERLAG VON AUGUST HIBSCHWALD. 

N.W. UNTER DBN UNDBN <8. 



Inhalts - Verzeichniss. 



Seite 

I. Statistik, bearbeitet yon Dr. Mehlhaasen 1—103 

n. Kliniiien. 

Medicinisohe Univenitätsklinik. 

I. Zar Kenntniss des acuten Milztumors, von Prof. Dr. Ehrlich 

107—114 
II. Ueber Erythema insbesondere bei Infectionskrankheiten, von 

Prof. Dr. L. Brieger 115—153 

ni. Ein Fall von Encephalopathia satumina mit generalisirter 

Bleiläbmung, von Kronig 154 — 163 

Aus der n. medicinisohen XUnik. 

I. lieber die Arseniktherapie bei Lungentuberculose, von Prof. 

Dr. B. Leyden 164—178 

n. üeber einen Fall von Nierencyste, von Dr. A. Fraenkel. 179—183 
III. Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis, von Stabs- 
arzt und Privatdocenten Dr. A. Hiller 184—282 

ly. Untersuchungen über die Respiration bei Emphysema pul- 
monum, von Dr. Geppert 283—293 

VebenabtheUimg für innerlich kranke Känner. 

Einige Bemerkungen zur Diagnose der Herzklappenfehler, von 

Prof. Dr. Oscar Fraentzel 294—310 

Vebenabtheilnng für innerlich kranke Franen. 

Ueber Pleuritis im Gefolge von Unter leibsaffectionen, namentlich 
im Gefolge von subphrenischen Abscessen, von Prof. Dr. H. 
Senator 311—332 

Aus der gynäkologischen Klinik. 

I. Ueber die Entfernung kleiner Geschwülste des weiblichen 
Geschlechtsapparates bei gleichzeitig bestehenden Entzün- 

dungszustanden im Becken, von Prof. Dr. A. Gusserow . 333 — 348 
II. Ein Fall von Extrauterinschwangerschaft (Graviditas tubo- 

abdominalis), von Stabsarzt Dr. Richard Rosenthal. . 349 — 357 

III. Eine Laparotomie bei Schwangerschaft, von Demselben . . 358—362 

lY. Grosses Fibrom der Bauchdecken, von Demselben .... 363—365 



138004 



IV Inhalts -Verzeiohnias. 

Ans der ohirnrgiiohaii XUnik. 

I Bericht über die chirurgische Klinik des Prof. Dr. Barde- 
leben pro 1882, Yon Stabsarzt Dr. Zwicke 368-~466 

IL Mittheilnngen über allgemeine Wundbehandlang, von Stabs- 
arzt Dr. Alberti 467—496 

in. Details zur neueren Wundbehandlung. Nach einem Vor- 
trage in der Berliner militar-ärztlichen Gesellschaft, gehal- 
ten yon Oberstabsarzt Dr. Starcke 497-^515 

Abtheilnng für Angenkranke. 

Beitrag zur Behandlung einer Form der concentrischen Gesichts- 
feld-Einengung, yon Oberstabsarzt Dr. Max Burchardt . 516 — 523 

Ans der psychiatrischen Xliidk. 

Statistisches und Klinisches über Alcoholismus , yon Dr. G. 

Moeli 524—548 

Ctoburtshilfliche iniwik. 

Jahresbericht über die Entbindungsanstalt pro 1882, von Stabs- 
arzt Dr. Hümmerich 549—590 

Ans der Kinderklinik. 

Mittheilungen aus dem Gebiete der Neryenpathologie , yon 

E. Henoch \ . , . . 591-618 

Ans der Klinik für Syphilis nnd Hantkrankheiten. 

Studien über die bei halbseitigen Atrophien und Hypertrophien, 
namentlich des Gesichtes, vorkommenden Erscheinungen, 
mit besonderer Berücksichtigung der Pigmentation , von 
G. Lewin 619—704 

III. Pathologische Anatomie. 

I. Ueber eine seltene Form von Ringgeschwüren des Dünn- 
darms, von Dr. 0. Israel 707—711 

II. Bericht über das Leichenhaus des Gharit6krankenhauses für 

das Jahr 1882, von Rudolf Vir chow 712—716 



I. 



Statistik 



bearbeitet 



Dr« niehlhauseii« 



ClutfiU*A]iBalea. DL Jahrg. 



Am Schlüsse des Jahres 1881 waren im Bestände verblieben: 

männl., weibl. Kranke, in Summa 



869 


651 


1520 


9285 


7724 


17009 


515 


485 Kinder 


1000 



8062 


6851 


14913 


692 


589 


1281 


1112 


718 


1830 


13 


— 


13 



Neu aufgenommen wurden im Jahre 1882 
In der Anstalt wurden lebend geboren 
In ärztlicher Behandlung befanden sich 

mithin im Jahre 1882 ... . 10669 8860 19529 

Von diesen wurden entlassen: 

geheilt resp. gesund oder gebessert 

angeheilt . 

es starben ........ 

Sterbend eingeliefert wurden .... 

Verlegt wurden währed ihres Aufent- 
haltes im Krankenhause von einer 

Abtheilung zur andern .... 935 874 
Am Schlüsse des Jahres 1882 blieben 

im Bestände 790 702 

Die sammtlichen 19529 Kranken und neugeborenen Kinder erforderten 
549578 Verpflegungstage, woraus sich ergiebt, dass der durchschnittliche 
Aufenthalt im Krankenhause für die einzelne Person 28,09 Tage, gegen 
28,5 im Jahre zuvor, betrug. 

Im Durchschnitt wurden taglich 1506 Kranke verpflegt. 

Die höchste Tages-Krankenzahl betrug 1747 — am 17. Februar — 
gegen 1745 — am 13. Februar 1881; die niedrigste 1282 — am 26. August 
— gegen 1318 — am 8. Juni und 2. October vorigen Jahres. 

Es bestätigte sich mithin auch in diesem Jahre die seit längerer Zeit 
gemachte Erfahrung, dass der Monat Februar für die Klasse der Bevölkerung» 
welche auf öffentliche Krankenhäuser angewiesen ist, in sanitärer Beziehung 
als der ungünstigste angesehen werden muss. 



1809 



1492 



Die Zahl der neu aufgenommenen Kranken hat sich in dem Berichtsjahre, 
trotz der stetig wachsenden Bevölkerung Berlins fast auf gleicher Höhe er- 
halten wie in den letzten Jahren zuvor. Sie betrug 

1880:17263 
1881:17218 
1882:17009 

Diese Erscheinung darf aber nicht zu Gunsten der allgemeinen Gesund- 
heitsverhältnisse der Stadt gedeutet werden, sie wird vielmehr dadurch be- 
dingt, dass das Charit6-Krankenhaus in den Monaten, in welchen der Zu- 
fiuss an Kranken am staerksten ist, also in den Wintermonaten, die äusserste 
Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht hat. Zahlreiche Kranke mussten 
hier ab und anderen Krankenhäusern zugewiesen werden und nicht selten 
verursachte die Unterbringung einzelner nicht abweisbarer Patienten recht 
erhebliche Schwierigkeiten. 

Von den Infectionskrankheiten ist Variola, resp. Variolois nur in 
4 Fällen vorgekommen, die sämmtlich günstig verliefen; Typhus exan- 
thematicus wurde nur 5 mal, Typhus recurrens nur in einem Falle beob- 
achtet. — Scarlatina, Morbilli, Dysenteria und auch Typhus abdominalis 
waren \n geringerer Zahl vertreten, als im Jahre zuvor. Eine Steigerung 
erfuhreron: Febris piierperalis (37 Fälle gegen 30 i. J. 1881), Erysipelas 
(85 Fälle gegen 59) und in sehr bedenklicher Weise die Diphtheritis. 

Wegen dieser letzten Krankheit fanden in unserer Anstalt Aufnahme: 
i. J. 1876: 14 männl., 8 weibl. Kranke; in summa 22; 

» » » » 'o; 

) » » » *^«; 

► » » » o • 5 

► » » » loy; 

► » » » 189; 
Von diesen 189 Kindern starben 97, also über 50 pGt. 

Bei Weitem der grösste Theil sämmtlicher Fälle gehörte der Kinder- 
klinik an, nämlich 134, von denen 93, also über 69 pCt. letal endeten. 

Bei der Gesammtzahl 189 sind ausser Rechnung geblieben die zahl- 
reichen Fälle in denen andere Krankheiten, namentlich Scarlatina und Mor- 
billi, durch Diphtheritis complicirt und in ihrem Verlaufe nachtheilig beein- 
flusst wurden, sowie auch diejenigen, auf der Kinderklinik beobachteten Fälle, 
in denen bei Reconvalescenten oder sehr geschwächten atrophischen Kindern 
in der Anstalt Diphtheritis zur Entwickelung gelangte. 



1877: 22 


» 


29 


1878: 33 


ff 


45 


1879: 19 


» 


33 


1880: 36 


1» 


51 


1881: 69 


» 


70 


1882: 78 


» 


111 



Die Krankheit herrschte in intensiver Weise während des ganzen Jahres 
Die zahlreichsten Aufnahmen fanden jedoch im Frühjahr, die wenigsten im 
Sommer statt. Es entfielen nämlich von den 189 neu aufgenommenen 
Kranken auf den Monat 

December 16 Fälle 

Januar 17 „ 

Februar 22 ,> 



auf den Winter: 55 = 29,0 


Maerz 


24 Fälle 


April 


18 „ 


Mai 


26 „ 




Frühling: 62 = 32,8 


Juni 


13 Fälle 


Juli 


10 „ 


August 


10 „ 




Sommer: 33 = 17,6 


September 


16 Fälle 


October 


11 „ 


November 


12 „ 



Herbst: 39 = 20,6 » 

Auch die Zahl der wegen Syphilis aufgenommenen Personen hat wiederum 
eine Steigerung erfahren. Die Zahl derselben belief sich auf 4391 (gegen 
3969 im Jahre 1881) und erreichte somit die grösste bisher beobachtete 
Höhe, abgesehen von d. J. 1877, in welchem die Zahl 4811 betrug. 

Eine bemerkenswerthe und sehr bedauerliche Steigerung der Kranken- 
zahl machte sich auf der Abtheilung für Deliranten geltend. Die Zahl der 
neu aufgenommenen Kranken betrug im Jahre 

1877 — 415 

1878 — 385 

1879 — 473 

1880 — 421 
1881—417 
1882 — 536 

Die Frequenz der Abtheilung für Augenkrankc hat aus den, in dem 
vorigen Jahresberichte angegebenen Gründen, eine weitere Reduction er- 
fahren. Die Zahl der neu aufgenommenen K^s^nken betrug 131 gegen 
204 i. J. zuvor. 



In dem Personal der dirigirenden Aerzte ist in sofern eine Aenderung 
eingetreten, als der Ober'-Stabs>Arzt Dr. Starcke sich aus Gesundheits- 
rücksichten veranlasst fand, das Amt des stellvertretenden dirigirenden 
Arztes auf der Abtheilung für ausserlich Kranke, welches er seit d. J. 1871 
mit grosser Liebe und erfreulichem Erfolge bekleidet hatte, im Februar 
1883 niederzulegen. Die vakante Stelle wurde im Juli 1883 dem Stabs- 
Arzt Dr. Koehler übertragen, nachdem dieselbe inzwischen von dem Ober- 
Stabs- Arzt Dr. Wolff verwaltet worden war. 



TJebersicht 

des 

summarischen Zu- und Abganges an Kranken, sowie der erfolgten 
Todesfalle während der einzelnen Monate des Jahres 1882. 



Januar 

Februar 

März ....... 

April 

Mai. ....... 

Juni ....... 

Juli 

August 

September 

October 

November 

December 

Summa 



Z n g a n g. 



M&nner. Weiber. Summa. 



1020 
891 
842 
793 
826 
808 
808 
798 
776 
746 
736 
756 

9800 



740 
714 
731 
645 
720 
682 
694 
708 
671 
670 
632 
602 

8209 



1760 
1605 
1573 
1438 
1546 
1490 
1502 
1506 
1447 
1416 
1368 
1358 

18009 



Abgang. 



Entlassen. 
Miuner. Weiber, 8umma. 



824 
847 
842 
695 
819 
693 
736 
739 
685 
697 
550 
627 

8754 



581 
635 
743 
571 
696 
614 
650 
683 
589 
585 
538 
555 

7440 



1405 
1482 
1585 
1266 
1515 
1307 
1386 
1422 
1274 
1282 
1088 
1182 

16194 



Gestorben. 

Minner. ' Weiber. Suroma. 



92 

130 

93 

98 

84 

105 

90 

91 

80 

100 

70 

92 



70 
55 
71 
61 
77 
60 
43 
61 
51 
52 
58 
59 



1125 718 



162 
185 
164 
159 
161 
165 
133 
152 
131 
152 
128 
151 

1843 



TJebersicht der Bewegung im Erankenbestande 



Bez^cbnung der einzelnen Abthei- 

limgen'und Namen der betreffenden 

dirigirenden Aerzte. 


Bestand 
am 31 De- 


Z u IC> a. n |C>. 


Sumqia 


cember 
1881. 


Neu 
aufgenom- 
men. 


Verlegt. 


des Bestandes 
und Zuganges. 




m. 


w. 1 Sa. 


in. 


w. 


Sa. 


m. ' w. 1 Sa. 


m. 1 w. 1 Sa. 


Medicinische Universitäts-Klinik. \ 

6eh.0ber.Med.Rftth a. Prof. Dr. F r e r i e h s/ 


101 


33 


134 


898 


795 


1693 


45 


1 
43 88 


1044 


871 


19i:> 


Zweite mediciniscbe Klinik. \ 
e«h. M«d..Rath n. Prof. Dr. Leyden. / 


67 


54 


.121 


749 


681 


143ü 


56 


40 96 


872 


775 


1647 


1. Nebenabtheilung für innerlich^ 
kranke Männer. > 

Ob«i^Sub8ftrst Q. Prof. Dr. FraentseL 


163 


— 


163 


1035 


. — 


1035 


72 


— 


72 


1270 


— 


1270 


2. Nebenabtheilung für innerlich] 
kranke Frauen. } 

Prof. Dr. Senator. j 


— 


51 


51 


2 


538 


540 


— 


41 


41 


2 


630 


63-' 


Gynäkologische Klinik. \ 

Geh. Med.-Rath u. Prof. Dr. u s s e r o w.J 


1 


40 


41 


— 


262 


262 


— 


137 


137 


1 


439 


440 


Nerven-Klinik. \ 

.Geh. Med.-Rath ü. Prof. Dr. WestphaL? 


32 


19 


51 


57 


37 


94 


63 


58 


121 


152 


114 


266 


Psychiatrische Klinik. 

Geh. Med.-Rath n. Prof. Dr. Westphal. 


























I. Abtheilung für Geisteskranke . 


54 


53 


107 


464 


342 


806 


86 


38 


124 


604 


433 


1037 


II. Abtheilung für Krampfk^nke . 


4 


9 


13 


150 


117 


267 


23 


20 


43 


177 


146 


323 


III. Abtheilung für Deliranten . . . 


16 


l 


17 


406 


20 


426 


92 


18 


110 


514 


39 


553 


Chirurgische Klinik und Nebenab-^ 
theilung für äusserlich Kranke f 

General-Arxt, Geh. Ober- Med.-Rath und) 

Prof. Dr. Barde leben. \ 

Obcr-SUbsarxt Dr. Starke. J 


219 


49 


268 


1632 


572 


2204 


193 


104 


297 


2044 


725 


2769 


Augen-Klinik \ 

ohardt. J 


19 


11 


30 


78 


53 


131 


25 


16 


41 


122 


80 


202 


Kinder-Klin^ \ 

Geh. Med.-Rath u. Prof. Dr. Ben och. f 


30 


34 


64 


477 


491 


968 


34 


25 


59 


541 


550 


1091 


Klinik für syphil. Krankheiten. \ 

Prof. Dr. Lewin. f 


119 


231 


350 


2172 


2219 


4391 


139 


152 


291 


2430 


2602 


5032 


Klinik für Hautkrankheiten. \ 

Prof. Dr. Lewia. j 


24 


6 


30 


1119 


397 


1516 


95 


34 


129 


1238 


437 


1675 


Abtheilung für Gefangene. \ 

Prof. Dr. Lewin. j 


4 


6 


10 


33 


74 


107 


12 


41 


53 


49 


121 


170 


Entbindungs- Anstalt. \ 

Geh. Med..Reth u. Prof. Dr. Gnsaerow./ 


16 


43 
11 


43 
27 


515 
13 


1126 
485 


1126 

Mooo 

•13 


— 


107 


107 


531 
13 


1276 
496 


1276 
1027 

13 


Aufnahme-Stube. 


Summa 


869 


651 


1520 


9800 


8209 


18009 


935 


874 


1809 


11604 


9734 


21338 



rohrend des Jahres 1882 auf den einzelnen Abtheilungen. 


A. l> IC a. n a:. 


Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 




(Jeheilt 

revp. 

:-bcsi?ert. 


üngehtjilt 


Verlegt. 


Gestorben. 


Bemerkungen. 


n. «18«. 


m. 1 w. 1 


Ba. 


m. 1 w. 1 8a. 


m. w. 1 6a. 


m. 


w. 


8a. 




^•Ti) 508 


1178 


24 


23 


47 


108 


197 


30:. 


152 


113 


265 


90 


30 


120 




5:.3 4S2 

i 


1035 


41 


55 


96 


71 


106 


177 


144 


80 


224 


63 


52 


115 




1 
74 ; - 

1 


741 


41 


-- 


41 


128 


— 


128 


209 


— 


209 


151 


— 


151 




•2i 3S4 

t 


386 




45 


45 


— 


54 


54 


- 


92 


92 


— 


55 


55- 




1 313 


314 


- 


30 


30 


— 


45 


45 


— 


16 


16 


- 


35 


35 




n 40 


83 


32 


19 


51 


36 


29 


65 


10 


7 


17 


31 


19 


50 




131 


8i 


216 


334 


263 


597 


25 


13 


38 


. 46 


21 


67 


68 


51 


119 




W' 47 


141 


44 


65 


109 


22 


20 


42 


10 


6 


16 


7 


8 


15 




m- 10 


302 


— 


2 


2 


156 


25 


181 


57 


2 


59 


9 


— 


9 




i 

m^ 506 


2100 


34 


20 


54 


148 


80 


228 


101 


47 


148 


167 


72 


239 




^\ 61 

1 


141 


13 


4 


17 


7 


6 


13 


— 


1 


1 


22 


8 


30 




m 231 


429 


8 


12 


20 


7 


4 


11 


304 


259 


563 


24 


44 


68 




illV2271 


4389 


115 


35 


150 


90 


62 


152 


1 


6 


7 


106 


228 


334 




IH>} 373 
1 


1473 


5 


3 


8 


101 


54 


155 


3 


1 


4 


29 


6 


35 




'S 61 


90 


1 


5 


6 


9 


37 


46 


7 


6 


13 


3 


12 


15 




-11068 
416 411 


1068 

827 


— 


7 

1 


7 

1 


27 


116 
26 


116 
53 


68 


20 

41 


20 
109 


20 


65 
17 


65 
37 


*) Zugang darch Geburt. 


- - 


-- 


— 


— 


— 


-- 


— 


— 


13 


— 


13 


— 


— 


— 


*) Sterbend eingeliefert. 


^JP26851 


14913 


692 


589 


1281 


935 


874 


1809 


1125 


718 


1843 


790 


702 


1492 


1 



10 



üebersicht der Krankheiten, woran die sämmtlichen während 





Bestand 
am ^1 ^^' 


Z 11 ic> a 11 


«• 




Name der Krankheit. 


( 

m. 


5ember 
1881. 

w. 1 6r. 


au 

m. 


Neu 
fgeno 
men. 

w. 


m- 

8». 


Verlegt. 

m. 1 w. 1 8a. 


I. Allgemein-Erkrankungen. 
1 . Variola resp. Variolois 


4 
3 
1 

2 
13 

6 
36 

1 

104 

2 

1 
2 

18 
2 

47 

1 






7 

55 

17 

42 

78 

156 

3 

1 

36 

24 

129 

34:^ 

5 

1 
4 

523 

1 
2 
8 

1 

774 

31 

l 

1 

1 

46(' 

1 

63 

10 

4 

508 
3 


4 

3 

58 

16 

43 

111 

93 

2 

17 

21 

37 

77 

88 

36 

1 

1 

2 

229 

2 

4 

3 

2 

2 

914 

4 

'^ 

1 
l 

!4 

61 
6 

1 

367 


4 

10 

113 

33 

85 

189 

249 

? 

53 

45 

37 

2« '6 

481 

41 

1 

2 

6 

752 

3 

6 

U 

2 

3 

1688 

35 

2 

1 

1 

1 
1 
1 

480 
1 

124 
16 

. 5 

875 
3 


2 
3 
5 

1 
7 

9 

15 

1 

1 

1 
58 

79 

6 
2 

114 
4 


3 
3 
5 

3 
4 

3 

U 

1 

l 
12 

1 

86 



G 

1 
9 

1 

54 


5 

6 

10 

1 
10 

4 

\2 
2B 

2 

1 

3y 

1 
1 
1 

144 

85 
1 

1.1 
3 


2. Varicellae 







3. Scarlatina 


2 
4 

2 
i> 

4 

1 
2 
2 
9 
2 


6 
7 
3 
4 
17 

1 

9 

8 

'45 

2 

1 


4. Morbilli 


5. Erysipelas ' .. 


6. Dipbtberitis : 


7. Typbus abdominalis 


8. Typhus exantbematicus 


9. Typbus recurrens 


10. Febris intermittens 


1 1 . Dysenteria 


12. Febris puerperalis 

13. Rheumatismus ari^iculorum acutus 

14. Rheumatismus articulorum chronicus et muscul... 

1 5. Anaemia resp. Chlorosis 


1^. Trichiniasis 


1 7. Echinococcus .• . 


18 Tuberculosis miliaris acuta 

1 9. Tuberculosis resp. Phthisis pulmonum 


23 


197 


20. Scrophulosis 


2 4 

2^ 3 

137 203 

_ 2 


21 . Rachitis 


22. Diabetes 


23. Purpura haemorrhagica 

24. Arthritis deformans 


25. Syphilis constitutionalis 


26. Intoxication durch Blei 


27. Intoxication durch Kohlenoxydgas 

28. Intoxication durch Oxalsäure 


29. Intoxication durch Schwefelsäure 


2 
49 


20 
2 

96 
1 


X.O. Intoxication durch Kali chromicum 

31. Intoxication durch Liq. amoniac. causticus 

32. Ichorrhaemia acuta 


33. Alcoholismus 

34. Morphinismus 


35. Atrophia infantum resp. Debilitas univ. neonator . 

36. Marasmus senilis 


37. Inanitio 


IL Krankheiten des Nerven-Systems. 
1 . Alienatio mentis 


2. Delirium febrile •. 


-! .| 




Latus 


309 


245 


554 


3299 


2223 


5622 


332 


204 


53« 



11 



des Jalires 1882 behandelten Kranken gelitten haben. 











A. l> ic> a n 1 


IT- 






Bestand 




Summa 
















am 


^\ Dft- 




des Bestandes 




Geheilt 












cember 


• 


und Zuganges. 




resp 




Ungeheilt. 


Verlegt 


Gestorben. 




1882. 








gebessert. 




















m. i ir. 


8a. 


m. 


w. 


Sä. 


m. 


w. 1 8a. 1 


m.*|w. 1 


8a. 


m. 1 w. 


: 8a. 


IB. 


1 ^• 


fia 




7 


4 
3 


4 
10 


5 


4 
2 


4 

7 














2 


1 


3 








I. 

1. 
2. 


61 


63 


124 


36 


41 


77 


1 


— 


1 


— 


.— 


— 


19 


13 


32 


5 


9 


14 


3. 


20 


20 


40 


12 


15 


27 


— 


— 


— 


1 


— 


1 


5 


4 


9 


2 


1 


3 


4. 


46 


48 


94 


32 


33 


65 


— 


— 


— 


5 


6 


11 


7 


'6 


13 


2 


3 


5 


o. 


80 


113 


193 


33 


51 


.84 


2 


— 


2 


1 


3 


4 


'44 


53 


97 


— 


6 


6 


6. 


174 


102 


276 


123 


72 


195 


— 


1 


1 


1 


7 


8 


35 


16 


51 


15 


6 


21 


7. 


3 


2 


5 


— 


2 


2 


2 


— 


2 


— 


— 


— 


1 


— 


1 


— 


— 


— 


8. 


1 


— 


1 


1 


— 


1 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


9. 


37 


17 


54 


35 


15 


50 


— 


— . 


— 


1 


1 


2 


— 


1 


1 


1 


— 


1 


10. 


31 


25 


56 


18 


19 


37 


— 


— 


— 


5 


2 


7 


7 


4 


11 


1 


— 


I 


11. 


— 


43 


43 


— 


12 


12 


— 


— 


— 


— 


2 


2 


— 


28 


28 


— 


1 


1 


12. 


144 


82 


226 


125 


59 


184 


— 


1 


1 


10 


6 


16 


1 


4 


5 


8 


12 


20 


13. 


394 


108 


502 


323 


80 


403 


3 


4 


7 


28 


15 


43 


1 


— 


1 


39 


9 


48 


14. 


6 


39 


45 


3 


33 


36 


— 


— 


— 


— 


3 


3 


1 


— 


1 


2 


3 


5 


15. 


— 


1 


1 


— 


— 


— 


— 


1 


1 


— 


— 


— 


— 


— 





— 


— 


—- 


16. 


2 


1 


3 


2 





2 




















_ 


1 


1 








„^ 


17. 


4 


3 


7 


1 


— 


1 


— 





— 


— 


— 


— 


3 


3 


6 


— 


— 


— 


18. 


654 


264 


918 


232 


69 


301 


28 


29 


57 


20 


6 


26 


273 


131 


404 


101 


29 


130 


19. 


1 


2 


3 


■ — 


1 


1 


1 





1 


— 





— 


— 


~~" 


— 


— 


1 


1 


20 


2 


4 


6 


1 


2 


3 


— 


1 


1 





— 


^ — 


1 


1 


2 


— 


— 





21. 


11 


5 


16 


. 5 


1 


6 


3 


• 1 


4 


— 


— 


* — 


3 


2 


5 


— 


1 


1 


22. 


— 


3 


3 


— 


1 


1 


— 





— 





1 


1 


— 


1 


1 


— 


— 


— 


23. 


3 


4 


7 


2 


1 


3 


— 


2 


2 


1 





l 











— 


1 


1 


24. 


898 


1137 


2035 


737 


939 


1676 


58 


16 


74 


42 


74 


116 


13 


6 


19 


48 


102 


150 


25. 


33 


4 


37 


28 


4 


32 


— 


— 


— 


2 


— 


2 


3 


-r 


3 


— 


— 


— 


26. 


— 


2 


2 


— 


2 


2 


i_ 


— 


— 








— 











_^ 








27. 


— 


1 

1 


i 


— 


1 


1 


— 


— 


— 


— 


~ 


— 


— 


1 


1 


— 


— 


— 


28. 

29. 

■ 30. 


1 


I 

1 


1 


. 


1 




















__ 


„^ 








1 


— 


1 


1 


— 


1 


— 


— 


— 


— 


— 


— 








— 


— 


— 


— 


31. 


1 


— 


1 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


1 





1 


— 


— 


— 


32*. 


563 1.22 


585 


351 


11 


362 


2 


.^ 


2 


140 


10 


150 


54 


1 


55 


16 


— 


16 


33. 


i.' ^ 


2 


1 


1 


2 


— 


— 


— 


— 





— 







— 


— 


— 


— 


84. 


69 i 70 


139 


4 


2 


6 


— - 


— 


— 


6 


7 


13 


58 


58 


116 


1 


3 


4 


35. 


141 7 


21 


5 


1 


6 


2 


2 


4 


2 


— 


2 


5 


4 


9 


— 


— 


— 


36. 


4 


1 


5 


2 


1 


3 








2 




2 














37. 
IL 


669 


470 


1139 


117 


87 


204 


348 


271 


619 


92 


35 


127 


49 


24 


73 


63 


53 


116 


1. 


5 


— 


5 


2 


— 


2 


— 


— 


— 


1 


V 


1 


2 


— 


2 


— 


— 


— 


2. 


3940 


2672 


6612 


2238 


1562 


3800 


450 


329 


779 


360 


178 


538 


588 


363 


951 


304 


240 


544 





12 



Name der Krankheit. 



Ucstand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

8a. 



Z it H: a, it CS'. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

'. I 8a. 



Verlegt. 

. I Sa. 



Transport 

3. Delirium uraemicum 

4. Hysteria 

5. Agrypnia 

6. Syncope 

7. Coma 

8. Apoplexia cerebri 

9. Alalia post apoplexiam cerebri 

10. Commotio cerebi resp. cerebi et medullac spinalis 

11. Compressio medullae spinalis 

12. Encephalitis .* 

13. Abscessus cerebri 

J4. Hydrocephalus 

15. Meningitis 

1 6. Scierosis cerebri et medullae spinalis 

17. Myelitis et Myelomeningitis 

18. Ralway spine 

19. Tabes dorsualis 

20. Poliomyelitis 

21. Epilepsia 

22. Eclampsia 

23. Trismus et Tetanus 

24. Chorea 

25. Convulsiones 

26.. Spasmi musculorum 

27. Vertigo 

28. Hemicrania resp. Kephalalgia , 

29. Neuralgia nervi trigemini 

30. Neuralgia occipitalis 

31. Neuralgia plexus brachialis 

32. Neuralgia intercostalis 

33. Neuralgia ischiadica ....^ 

34. Neuralgia nervi cruralis 

35. Coxalgia 

36. Neur^gia nervi ulnaris 

37. Neuritis multiplex 

38. Angina pectoris 

39. Gastralgia 

40. Paralysis agitans..... 

41. Paralysis spinalis spastica 

42. Paralysis infantum 

43. Paralysis nervi oculomotorii 

44. Paralysis nervi facialis 

45. Paralysis glottidis 

40. Paralysis nervi axillaris 

47. Paralysis nervi ulnaris 

48. Paralysis nervi radialis 

49. Paralysis nervi peronei 

. 50. Paralysis brachii 

Latus .... 



309 

1 
1 



245 



554 

1 

9 



3299 



2223 



1 

1 

356 



286 



1 
1 
1 

642 



9 
1 
1 

1 
9 
1 

8 
1 
4 

2 

11 

11 

6 

3 

21 

125 

1 
9 

I 
5 

8 



3 

18 



59 

1 
2 
5 



10 
1 

91 
7 
5 

18 
2 
4 
3 

11 
4 
5 
1 

10 
1 



5522 



332 



204 



68 
1 

2 
3 

14 
1 
8 
3 
5 
1 
4 

17 

14 
9 
3 

31 

1 

216 

7 

6 

27 
3 
9 

11 

24 
9 
5 
1 
3 

28 
1 



22 



21 



4 
3 
3608 



2504 



4 
17 

5 
11 

1 
1 
5 



536 



— I 1 
3 



6112 



4 

1 

409 



24 



1 
i:. 

1 

40 

9 



280 689 



13 



Summa 
•Its Bestandes 
und Zuganges. 

«• I ^. I Sa 



A. l> n: a, n CT. 



Geheilt 

resp. 

gebessert. 

w. 6». 



Ui) geheilt. 



Verlegt. 

m. w. I Sa. 



Gestorben. 

m. w. f 8a. 



Bestand 

am31.De- 

cember 

1882. 

Sa. 



I - 

121 89 

1 - 

1 1 

II I 8 



I 



4 

IT 



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4 

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I' 5 

13 2:, 



G612 

1 
101 



2238 



1562 



3800 



450 



329 



779 



360 



178 



16 16 

^ 6 

2 5 

1' 1 

n 15 

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19 

1 

8 

4 

6 

2 

4 

19 

24 

21 

4 

05 

3 

274 

9 

6 

38 

3 

11 

13 

32 

14 

7 

2 

3 

39 

4 

2 

1 

1 

9 

17 

6 

20 

1 

1 

6 

I 

1 

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2 

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1 

20 



43 



6 
1 

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3 
1 

15 
1 
1 
1 

12 
4 
4 



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2 



11 



27 



6 
2 

15 

l 

115 

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3 

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1 

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2 
2 

1 



2 

2 

2 

12 

36 



2 

5 

2 

16 



55 



91 



21 



1 
10 

1 



538 



588 



363 



951 



301 



30 



38 
3 



14 
2 
5 
2 
2 
3 



240 



544 



2 

10 
2 
1 

15 
2 

16 



3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
85. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 



:♦ "3 3070i 7443 



2442 17241 4166 



519 418 937 



432 255 687 



629 



395 1024 361 1 278 | 629 



14 



Name der Krankheit 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

8a. 



Z u n: a. u ip. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

Sa. 



Verlegt. 



. Transport 

51. Paralysis muscul. antibrachii praecipue flexorum 

52. Paresis musculi extensor. digit. commun. 

.53. Paraplegia extremitatum. inferiorum 

54. Paresis cruris ex fractura femoris 

55. Hemiplegia dextra 

50. Hemiplegia sinistra 

57. Hemiplegia utriusque lateris < 

58. A.phasia 

59. Atrophia musculorum progressiva 

60. Atrophia muscul. humeri 

61. Contractura musculorum • 

.62. Hemianaestbesia 

63. ' Anaesthesia lateris sin. faciei 

64. Anaesthesia antibrachii 

65. Dipsomania 

66. Affectio pontis 

.67. Affectio medullae spinalis 

68. Tumor cerebri 



III. Krankheiten der Respirationsorgane 

1. Defectus nasi 

2. Perforatio septi narium 

3. Epistaxis 

4. Coryza 

5. Ozaena. 

6. Laryngitis 

7. Stenosis laryngis 

8. Corpus alienum in larynge 

9. Perichondritis laryngea 

10. Croup 

11. Tussis convulsiva '. 

12. Catarrhus bronchialis ; 

13. Bronchiectasi^ 

14. Asthma bronchiale 

15. Pneumonia resp. Pleuropneumonia 

16. Pleuritis et quae sequuntur 

17. Pneumothorax .,. 

18. Pyopneumothorax .'. 

19. Haemoptoe 

20. Emphysema pulmonum 

21. Gangraena pulmonum 

22. Abscessus pulmonum .' 

23. Oederaa pulmonum 

24. Struma .' 



356 



286 



642 



2 

46 

4 

2 

19 

20 

2 

1 
7 
2 



3608 

1 
1 



2504 



14 

19 

3 

2 

1 



b 

163 

3 

11 

143 

125 

5 

1 

22 

55 

6 



Latus 



465 



310 



775 



4222 



6112 

1 
1 
7 



20 

4 
2 
6 

1 
1 



69 
2 
5 

56 

32 

1 

5 
14 



1 
3 
2 
2 

16 
2 

1 

5 

8 

232 

5 

16 

199 

157 

6 

1 

27 

69 

6 



2729 6951 



489; 



15 



Sumnaa 


A. i> a: a. 11 


IT- 




Bestand' 




des B^tandes 








am 31. De- 
cember 




Geheilt 














(iQd Zuganges. 


resp. 


üngeheilt. 


Verlegt 


Gestorben. 


1882. 






gebessert. 
















B. V. 


8a. 


m. 1 w. 1 8a. 


ra. 


w. 18a. 


m. 1 w. 


8a. 


m. |w. 


Sa. 


m. 


w. 


1 8a. 




4373 3070 


7443 


2442 


1724 


4166 


519 


418 


937 


432 


255 


687 


629 


395 


1024 


351 


278 


629 




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4 


2 





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1 


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64. 
65. 


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66. 


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12 


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12. 


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14. 


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15. 


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16 


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1 


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22 


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25 


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17. 


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18. 


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19. 


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23. 


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24. 


*•- 3349 


8525 


2934 


1896 


4830 


556 


433 


989 


496 


281 


777 


753 


440 


1193 


437 


299 


736 





16 



Name der Krankheit. 



I Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

Sa. 



Z 11. iC a, n K*. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

8a. 



Verlegt 



1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8: 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 



l: 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10, 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
Ifi. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 



Transport 
IV. Krankheiten der Circulationsorgane. 

Pericarditis 

Endocarditis 

Myocarditis , 

Cor adiposum 

Vitia valvulamm et ostiorum 

Cyanosis congenita 

Hypertrophia et Dilatatio cordis , 

Palpitationes cordis , 

Delirium cordis 

Debilitas cordis , 

Aneurysmata , 

Phlebitis et Thrombosis , 

Arteriosclerosis ^ 

Varices 

Teleangiectasia 

Lympbangitis 

Lymphadenitis 

V. Krankheiten der Digestionsorgane. 

Labium leporinum et Palatum fissum 

Stomatitis.. 

Glossitis 

Perforatio palati duri 

Parotitis 

Angina tonsillaris 

Hypertrophia tonsillarum 

Angina Ludowici 

Pharyngitis 

Strictura oesophagi 

Catarrhus gastricus 

Ectasia ventriculi 

Ulcos ventriculi .". 

Catarrhus intestinalis resp. gastrointestinalis 

Koprostasis 

Incontinentia alvi 

Typhlitis et Perityphlitis 

Colitis 

Proctitis et Periproctitis 

Strictura recti resp. ani 

Haemorrhois 

Fistula ani resp. reoti 

Fissura ani 

Plicae ani hypertrophicae 

Polypus recti 



405 



310 



Latas 



518 



775 



11 

1 

1 
2 



14 

3 
15 

1 

1 



4222 



2 
5 

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1 
46 
1 
2 
2 
3 

3 
2 
5 
4 

7 
63 



4 

56 

1 

• 1 

6 

2 

177 

9 

7 

81 

13 

15 



10 
17 



2729 



34 

1 
2 

1 
2 



7 

1 

2 

20 



1 
5 

1 

4 

56 

2 

4 

2 

123 

30 

73 

6 

4 

1 
1 
13 
12 
8 
6 
3 



6951 



7 

6 
1 
1 

80 
1 
3 
4 
3 
1 
5 
6 
5 

11 
1 
9 

83 



6 

11 

1 

1 

8 

112 

1 

3 

10 

4 

300 

9 

37 

154 

19 

19 
1 

4 

13 

22 

25 

6 

3 

2 



330 



848 4785 3164 



7949 



17 



Summa 


A. l> 


IT a n ar. 






Bestand 

am 31. De- 

cember 




des Bestandes 
und Zuganges. 


Geheilt 
resp. 


Ungebeilt. 


Verlegt. 


Gestorben. 






gebessert. 














1882 






B. ' V. 1 8a. 


m. 


w. 


8*. 


m. 


w. 


8a. 


m. 1 w. 1 Sa. 


m. 


1 w. 


8a. 


m. 1 w. 


1 8a. 




5176 


3349 


8525 


2934 


1896 


4830 


556 


433 


989 


496 


281 


777 


753 


440 


1193 


1 
437 299 


736 






































- 


IV. 


3 


5 


8 


3 


3 


6 





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2 


2 











1. 


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2 


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2. 


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1 
1 


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1 


— 


1 


1 


— 


1 


3. 

4. 


59 


42 


101 


24 


12 


36 


3 


6 


9 


3 


5 


8 


15 


13 


28 


14 


6 


20 


5. 


1 


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1 


— 


1 


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— 


— 


— 


— 


— 


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6. 


3 


1 


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1 


1 


11. 


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1 


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1 


13 


4 


9 


13 


4 


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9 


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— 


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2 


2 


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1 


1 


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1 


1 


14. 


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1 


1 


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1 


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15. 


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1 


1 


2 


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— 


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— 


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— 


16. 


79 


23 


102 


66 


18 


84 


1 


1 


2 


5 


2 


7 


4 




4 


3 


2 


5 


17. 

V. 


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1 


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2 





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1 





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1 

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1 


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1 

1 
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3 


1 
3 











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2 


1 





1 





1 


1 


60 


61 


121 


57 


56 


113 


1 





1 


1 


4 


5 





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— 


1 


1 


2 


6. 


2 
1 


2 

4 


2 


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1 
4 


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2 

7 


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1 


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7. 

8. 
9. 


1 

7 


1 
3 











3 


1 
3 


1 





1 











2 


3 


5 


1 


1 


2 


1 





1 


— 


1 


1 


— 


1 


1 


— 





— 


10. 


197 


130 


327 


168 


111 


279 


1 


9 


10 


16 


9 


25 


1 


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1 


11 


1 


12 


11. 


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1 


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1 


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1 


2 


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2 


12. 


8 


34 


42 


7 


25 


32 


1 


1 


2 


— 


2 


2 


— 


2 


2 


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4 


4 


13. 


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87 


191 


39 


39 


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2 


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2 


9 


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14 


52 


43 


95 


2 


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2 


14. 


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19 


11 


4 


15 


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2 


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2 


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2 


15. 


1 


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1 


1 


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1 


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— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


16. 


16 


4 


20 


14 


4 


18 


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— 


— 


— 


— 


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1 


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1 


1 


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1 


17. 


-1 1 


1 


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1 


1 


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18. 


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19. 


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14 


14 


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1 


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3 


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2 


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2 


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20. 


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11 


11 


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1 


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1 


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23. 


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25. 


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3844 


9648 


3403 


2237 


5640 


572 


454 


1026 


543 


322 


865 


842 


50i> 


1350 


480 


323 


803 





Wit^Aanalaa. IX. Jahrg. 



18 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



Z u n: a n ip. 



Neu 
aufgenom- 
men. 



Verlejrt. 



n. I w. Sa. 



Transport 



518 



330 



26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 



Prolapsus ani resp recti 

Hemia libera . 

Hemia incarcerata 

Incarceratio interna 

Helminthiasis 

Peritonitis 

Icterus catarrhalis 

Icterus neonatorum 

Hyperaemia hepatis 

Abscessus hepasti 

Hepatitis syphilitica 

Cirrhosis hepatis 

Perihepatitis 

Hepar adiposum 

Tumor hepatis 

Cholelithiasis 

Tumor lienis chronicus ... 

Tumor in abdomine 

Hydrops ascites 



VI. Krankheiten der Harn- und Geschlechts- 



organe. 



1. 
2. 
3. 
4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
II. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 



Nephritis 

Degeneratio amyloidea renum 

Ren mobilis 

Morbus Addisonii 

Gystitis resp. Catarrhus vesicae urinariae 

Ectopia vesicae , 

Fistula vesicovaginalis 

Ischuria 

Polyuria 

Haematuria 

Incontinentia urinae 

Retentio urinae 

Lithiasis 

Strictura urethrae 

Fistula urethrae 

Phimosis et Paraphimosis 

Prostatitis 

Orchitis et Epididymitis 

Pollutiones . 

Spermatorrhoea 

Hydrocele 

Hacmatocele 

Sarcocele 

Mastitis 

Kolpitis 



II 



Latus . 



552 



352 



848 

2 
1 



4785 

2 

16 
5 
1 
1 
13 
17 
3 

l 

I 

12 



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2 

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1 

18 

4 

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1 



64 



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1 



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8 
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2 
12 

2 
16 

2 

1 
14 

1 

3 



48 



7949 

4 

19 

14 

6 

2 

31 

21 

5 

1 

1 

1 

16 



537 



21 

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904 15063 3346 



350 88' 



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2 
7 
2 
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112 



7 

2 

53 

1 



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2 
1 
3 
2 
9 

26 
2 

12 
2 

16 
2 
1 

14 
1 
3 

21 
7 



13 



8409 



J57l|885 95«! 



lÖ 



Samma 
des Bestandes 
und Zuganges. 

m. I w. I 8a.• 



A. l> n: a 11 HT. 



Geheilt 

resp. 

gebessert. 



Sa. 



Ungeheilt. 



m. w. I Sa. 



Verlegt. 



m. w. Sa. 



Gestorben. 



I w. I Sa. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 

m. I n 



5840 

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2 
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17 
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2 

4 

12 

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1 

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6 



9 

1 

12 

8 



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7 

1 

25 

1 
4 



26 
10 



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4 

21 

21 

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2 

41 

26 

6 

1 

1 

3 



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7 
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1 

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2 
1 
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3 

12 

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2 

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2 

16 
2 
1 

17 



26 
10 



1 
25 



1 

1 
1 
5 

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1 

12 
1 

12 
2 
1 

14 
1 
2 



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1 

4 
4 
4 

1 
8 



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6 

18 



19 

8 



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2 

19 

8 

5 

2 

13 

20 



572 



454 



2 

1 
1 
6 

1 
7 
6 



59 
1 
6 

43 



5 
2 
1 
4 
1 
6 

24 
1 

12 
1 

12 
2 
1 

14 
1 
2 

19 
8 



1026 



543 



322 



865 



842 



31 



508 



1350 



480 



10 
1 



22 
3 
6 



24 



55 



10 



5965 



585 



465 



1050 573 353 



926 



924 562 



1486 



507 



323 

1 
2 



803 

1 
1 



13 



335 
2* 



842 



26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 



VI. 

1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
IG. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 



20 



Name der Krankhett. 



Transport 

26. Atresia vaginae 

27. Ruptora vaginae et recti 

28. Prolapsus vaginae 

29. Fluor vaginalis resp. uterinus 

30. Fistula rcctovaginalis 

31. Abscessus glandularum Bartholini 

32. Amenorrhoea 

33. Dysraenorrhoca - 

34. Oophoritis • 

95. Tumor ovarii • 

36. Deviatio uteri 

37. Hypertrophia portionis vaginalis 

88. Stenosis orificii uteri 

39 Portio vaginalis erosa . . . i • • • • 

40 Ectropium 

41. Molimina graviditatis, Graviditas et Puerpenum.. 

42. Abortus • 

43. Retentio placentae 

44. Metritis 

45. Endometritis 

46 Perimetritis 

47. Parametritis • 

48. Haemorrhagia uteri 

49. Infarctus chronicus uteri 

50. Syphilis blennorhoica 

51 Syphilis primaria ulcerosa 

VII. Krankheiten des Ohres. 

1. Otitis externa 

2 Otitis media 

3. Perforatio membranae tympani 

4. Abruptio partialis conchae auris sin 

VIII. Krankheiten des Auges. 

1 . Morbi palpebrae 

2. Morbi organorum lacrymalium 

3. Morbi orbitae 

4. Morbi conjunctivae 

5. Morbi corneae 

6. Morbi iridis 

7. Morbi choroideae 

8. Morbi retinae 

9. Morbi nervi optici 

10. Morbi lentis et corporis vitrei 

11. Morbi musculorura 

12. Morbi refraotionis 

Latus . . . 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



»■i 



552 



352 



630 



35 



566 



8«. 



904 5063 



3 
• 1 
18 

2 
46 



5 
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12 
4 
2 

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Neu 
aufgenom- 
men. 



3346 

2 

1 

16 

33 

2 



78 
614 



11 

3 

26 

35 

13 

l. 

5 

5 

2 

5 

1 



1196 6584 



1 

13 

6 

15 

86 

4 

2 

7 

4 

1183 

32 

10 

64 

86 

112 

62 

33 

1 

452 

911 



3 
2 
2 
33 
43 
7 
1 
3 
5 
4 



6593 



Sa. 



Verlegt. 



w. I 8>. 



8409 

2 

1 

16 

33 

2 



571 



385 



1 

13 

6 

15 

86 

4 

2 

7 

4 

11.S3 

32 

10 

64 

86 

112 

62 

33 

1 

1239 

1525 



3 

10 



14 

4 

.') 

59 

78 

20 

2 

8 

10 

f. 

7 



1 

1 

7 

27 

2 

1 



130 
3 
2 
6 

10 

17 

8 

6 

27 
30 



13177 



668 



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21 



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Summa 






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Bestand 
'am 31 De- 






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Geheilt • 




1 










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und Zuganges. 


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Verlegt. 


Gestorben. 




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gebessert. 






















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VII. 




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4. 






































VIII. 




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685 


1330 


936 


603 


1539 


593 


591 


1184 





22 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. Dc- 

ceraber 

1881. 

w. I Sil 



Z u IS* a n ip. 

Verlegt. 



Neu 
aufgenom- 
men. 



Sil 



Transport . . . 

13. Laasioncs bulbi 

1 4 Morbi accomodationis 

IX. Krankheiten der Haut und des Unterhaut- 
Bindegewebes (oxcl. der syphilitischen Formen). 

1 . Acne 

2. Molluscum cutauQum 

3. Sycosis 

4. Erythema 

5. Urticaria 

6. Phlegmone 

7. Furunculus 

8. Carbunculus 

9. Herpes 

10. Eczema 

1 1 . Pemphigus 

12. Impetigo 

13. Bcthyma 

14. Rupia 

15. Prurigo 

16. Psoriasis 

1 7. Liehen 

18. Scleroderma 

19. Ichthyosis 

20. Elephantiasis 

21. Framboesia 

22. Lupus 

23. Scabies 

24. Pityriasis 

25. Favus 

26. ülcera 

27. Abscessus 

28. Oedema crurum 

29. Clarus 

30. Onychia 

31 . Panaritium 

32. Gangraena resp. Decubitus 

33. Cicatrices dolentes , 

X. Krankheiten der Knochen, der Muskeln und 

Sehnen excl. Verletzungen. 

1. Ostitis et Periostitis 

2. Exostosis 

3. Osteomyelitis 

4. Carics 

5. Necrosis 



630 

1 



566 



Latus . . . 



762 



600 



1196 

1 



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4 
2 



668 



703 



1371 



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2 

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98 

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14 

4 



17 

2 

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30 

19 



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1 
3 



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22 

25 

3 



II 
2 



786 



1619 



23 





Summa 




A. l> IT a n ar* 






Bestand 

am 31. De- 

cember 






des Bestandes 


Geheilt 


Un- 












und Zuganges. 


resp. 
gebessert. 


geheilt. 


Verlegt. 


Gestorben. 


1882. 








m. 1 w. 


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m. 1 w. 


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645 


685 


1330 


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15159 


593 


591 


1184 






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13. 




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14. 

IX. 




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11. 




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12. 




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2 




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1 


13. 




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14. 




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15. 




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16. 




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17. 




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1 


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1 
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1 
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18. 
19. 
20. 




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— 


21. 




11 


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1 


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— 


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2 


1 


3 


22. 




1071 


363 


1434 


959 


325 


1284 


— 


— 


— 


97 


34 


131 


1 


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1 


14 


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18 


23. 




4 


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24. 




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— 


— 


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— 


25. 




370 


129 


499 


297 


101 


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2 


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25 


10 


35 


3 


3 


6 


38 


13 


51 


26. 




80 


52 


132 


64 


33 


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1 


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1 


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10 


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4 


5 


9 


27. 




59 


19 


78 


54 


14 


68 


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3 


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— 


— 


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1 


3 


28. 




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2 

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1 


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2 

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30. 
31. 




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32. 
33. 

X. 




15 


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13 


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18601 


6781 


6096 


12877 


675 


526 


1201 


830 


769 


1599 


977 


628 


1605 


687 


632 


,1319 





24 



Name der Krankheit. 



Bestand 
am 31. Dc- 

cember 
1881. 

m. i «. I Sa. 



Z u a;- a 11 a;-. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. I w. I 8a. 



Verlegt. 



m. I V. j Sa. 



Transport 

6. Spondylitis 

7. Arthrophlogosis 

8. Hydrarthrosis 

9. Haemarthrosis 

10. Ankylosis 

1 1 . Pseudarthrosis 

12. Torticollis 

13. Genu valgum 

14. Genu varum 

15. Pes planus 

1 6. Pes varus 

1 7. Pes equinovarus 

1 8. Tendovaginitis 

19. Bursitis 

XL Verletzungen, (cfr. No. X.) 

1 . Erosio et Excoriatio 

2. Gontusio 

3. Vulnus 

4. Corpus alienum in musculis abdominis 

5. Distorsio 

6. Luxatio 

7. Fractura 

8. Conquassatio 

9. Abscisio pbalangum digitorum 

10. Combustio 

1 1. Congelatio 

XII. Neubildungen. 

1. Haematoma 

2. Lymphomata 

3. Atberoma 

4. Fibroma .* 

5. Fibroadenoma 

6. Myoma et Fibromyoma 

7. Polypus narium 

8. Polypus laryngis 

9. Polypus uteri 

10. Papilloma 

11. Angioma cavemosum 

12. Lipoma 

13. Myxoma 

14. Encbondroma 

15. Sarcoma 

16. Osteosarcoma 

17. Carcinoma faciei 

Latus . . . 



762 

3 

10 



600 1362 



11 

n 

4 

5 

26 

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3 
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12 
11 



10 

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1 

28 

19 

160 

8 

3 

33 

12 



1473 



1 
2 

1 

1 
1 
5 
2 

1 

9131 



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2 

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1 



6 
23 
12 

1 
14 

5 
34 

1 
18 



18 

1 
1 



7496 



15620 833 



5 
116 

10 

1 

8 
7 



9 

. 3 

3 

6 

10 



16 

223 

184 

2 

42 

24 

194 

8 

4 

51 

12 



18 



16627 



918 



786 

1 
18 

1 



1619 

3 

41 

6 



15 
14 



13 



r 



827 



1745 



25 



Summa 




A. l> IT a. x& IT. 






Bestand 

am 31. De- 

cember 




des Bestandes 


Gebeilt 












und Zuganges. 


resp. 


Ungeheilt. 


Verlegt. 


Gestorben. 


1882. 






gebessert. 














m. 1 w. 


B«. 


m. 1 w. 1 Ba. 


m. 


w. IBa, 


ID. w. 1 Ba. 


m. 1 w. 


Ba. 


m. 1 w. 1 8a. 




995018651 


18601 


6781 


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12877 


675 


526 


1201 


830 


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628 


1605 


687 


632 


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6. 


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62 


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18 


15 


33 


3 


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5 


7 


15 


22 


7. 


14 
1 


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16 

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12. 


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13. 


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14. 


12 


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14 


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197 


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41 


236 


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26 


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2 


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12 


4 


16 


17 


4 


21 


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7. 


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20 


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10. 


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XII. 





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10. 


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11. 


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12. 


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13. 


1 


2 


3 


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14. 


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15. 


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17. 


10897 


8948 


19845 


7530 


6290 


13820 


687 


534 


1221 


904 


805 


1709 


1014 


645 


1659 


762 


674 1 


1436 





26 



Name der Krankheit 



Bestand 

am 31. De- 

cembcr 

1881. 



■I' 



I 8». 



Z u s* a 11 ar* 



Neu 
aufgenom- 
men. 



Verlegt 

w. 8a. 



Transport ... 848 

18. Carcinoma linguae 

19. Carcinoma labii inferioris 

20. Carcinoma mandibulae 

21. Carcinoma parotidis 

22. Carcinoma mammae , 

23. Carcinoma penis 

24. Carcinoma pulmonum 

25. Carcinoma oesophagi 

26. Carcinoma ventriculi resp. ventriculi et hepatis.... 

27. Carcinoma peritonei 

28. Carcinoma omenti 

29. Carcinoma recti 

30. Carcinoma ovarii 

31. Carcinoma vesicae urinariac 

32. Carcinoma uteri 

33. Carcinoma vaginao 

34. Carci<Loma ad crus sinistrum 

XIII. Missbildungen. 

1. Defectus maxillae sup. utriusque 

2. Defectus extremitatum omnium 

XIV. Selbstmordversuche. 

A. Darch Vergiftung. 

1. Durch Phosphor 

2. Durch Schwefelsäure 

3. Durch Salpetersäure 

4. Durch Arsenik 

5. Durch Oxalsäure 

6. Durch Carbolsäure 

7. Durch Chloroform 

8. Durch Linimentum saponato-ammoniatum 

B. Durch Ertränken 

C. Durch Erhängen '. 

D. Durch Erschiessen 

E. Durch Schnittwunden 

Simulatio 

In der Anstalt wurden geboren 

Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kranken Mütter resp. 
gesunde Mütter in Begleitung ihrer kranken Kinder, 

Aufnahme-Stube 

Summa .... 



625 



869 651 



1473 



9131 

2 
4 

1 
1 



2 
27 



1520 



7496 
3 



14 



1 

16 
1 

2 
1 

1 

119 

2 



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3 

10 



53 
515 

28 
13 



9800 



16627 

5 
4 



14 

1 
1 
6 
32 
1 

5 

1 

1 

119 



10 

1 

12 



10 
485 

32 



8209 



918 



63 
1000 

60 
13 



18009 



827 



12 

1 
1 

16 
3 
10 1 



13 



11 



1745 



935874 



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27 





A. l> g CL Wk fg. 






Bestand 




Summa 








am 31 De- 




des Bestandes 


Geheilt 










oember 




und Zuganges. 


resp. 


Ungeheilt. 


Verlegt 


Gestorben. 


1882. 






gebessert. 














m. w. 


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a. 


w. 8a. 1 


m. 


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m. 


w. 


Sa. 


m. w. 


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«. I w. 


Sa. 




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19845 


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687 


534 


1221 


904 


805 


1709 


1014 


645 


1659 


762 ' 674 


1436 




2 3 


5 





1 


1 


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1 


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1 


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18. 


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19. 


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21. 


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16 


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23. 




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24. 
25. 


17, 19 


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26. 


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2 


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1 


1 


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27. 


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1 





1 


1 





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28. 


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29. 


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1 


30. 


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2 


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31. 


- 154 


154 


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61 


61 


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40 


40 


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34 


34 


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16 


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3 


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32. 


- 2 


2 


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1 


1 


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1 


1 


33. 


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1 




1 








34. 
XIII. 


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1 

1 


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1 


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1. 
2. 

XIV. 
A. 


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1 


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1. 


1 2 


3 


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1809 


1125 


718 


1843 


790 


702 


1492 





28 



Medicimsche 

Dirigirender Arzt: Geh. Ober-Medicinal-Raihl 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

m. < 1 



Z 11. a;* a u ar« 



Neu 

aufgenom' 

men. 

n. I w. 8a. 



Verlegt. 



in. I w. 8a. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 

m. I w. ' St 



I. AlIgemem-ErkrankungeD. 

1 . Scarlatina 

2. MorbüU 

3. Erysipelas 

4. Diphtheria 

5. Typhus abdominalis 

• 

6. Typhns ezanthematicos 

7. Typhus recurrens 

8. Pebris intermittens 

9. Dysenteria 

10. Febris puerperalis 

11. Rheumatismus articulorum acutus.... 

12. Rheumatismus articulorum chronicus 
et muscul 

13. Anaemia resp. Chlorosis 

14. Echinococcus 

15. Tuberculosis miliaris acuta 

16. Tuberculosis resp. Phthisis pulinonum 

17. Diabetes mellitus 

18. Diabetes insipidus 

19. Purpura haemorrhagica 

20. Arthritis deformans 

21. Sjrphilis constitutionalis 

22. Intoxication durch Blei 

23. Intoxication durch Kohlenoxydgas .... 

24. Intoxication durch Oxalsäure 

Latus .... 



14 



35 



10 



15 



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3 

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26 

15 

1 
1 



303 I 697 



Universitäts-Klinik. 

und Professor Dr. Freriehs. 



29 



A. l> IS* n. n IT* 



«leheilt 

rcsp. 

^t;bessert. 

B. ■ w. I Sa. 



Ungeheill. 



m. w. I 8a. 



Verlegt. 



m. I w. 8a. 



Gestorben. 



m. I w. 8a. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 

JSa, 



Bemerkungen. 

Complleationen r«cp. Krankheiten, die 
Im Krankenhaote hinsutraten. 



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36 



10 



17 



12. 



13. 

14 
15 
16. 

17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 



24. 



46 



1) Conamen •olcldli, Saltua e fenestra. 
2) Je 1 mal Phlegmone colli, Babo 
axillarit, Carles, Seabiet u. OraTl- 
diUe. 

1) AbBceaaot in regione inframaxUlari. 
9) Je 1 mal Hjpertrophla tonalllarit 
u. Stmma. 

1) Smal Endometritis, Je 1 mal Syphilit 
u. AbseeMat ad mlTam. 9) 8 mal 
Pneamonia. 

i) naeh d. Baraekeniacareth in Moabit. 



1) Je 1 mal Atheroma ad faeiem and 
ConiunetiTitit. 9) Abeeetiut hepatla 
Q. Dytenteria. 

1) Je 1 mal Careinoma labil infer. und 
Luea. 3) aar Abtheilung t Gefangene. 



1) Smal GraTiditat, Je Imal Det trem., 
Irlüt, Perioatitis, SyphUla a. Anky- 
loils humeri. 9) Oangraana brachii 
u. Bmbolia art. brachialii. 



1) Je Imal Paychotli, Hemipareeis, Con- 
JunctiTitii, Tumor alb.« Syphllia, 
Diatortio pedia. 1 Kind cur Kinder- 
Klinik. 

1) Je 1 mal Anaemla progreaBiva pemi* 
cloaa u. Anaemia poat partum. 



1) Je 1 mal Del. trem. , Perioatitia und 
Keratitis parenchymatoaa. 



1) Partnriens. S) Septieaemla. 



1) Cataracta traumatica. 9) Gangraena 
pulmon. ain. u. Abaceasua multipL 
eerebri. 



30 



Name der Krankheit 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

I 8*. 



Z u a;- a. UL IS*. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

8a. 



Verlegt. 



B. I w. I 8a. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 

m. i w. I St. ^ 



Transport 

25. Intoxication durch Schwefelsäure 

26. Intoxication durch Kali chromicum... 

27. Intoxication durchLiq. ammoniac. caust. 

28. Ichorrhaemia acuta 

29. Alcoholismus 

30. Atrophia infantum 

31. Marasmus senilis 

32. Inanitio 

IL Nerven-System. 

1. Alienatio mentis 

2. Hysteria 

3. Agrypnia 

4. Coma 

5. Apoplexia cerebri 

6. Commotio cerebri 

7. Encephalitis 

8. Meningitis 

9. Sclerosis cerebri et medullae spinaiis 
10 Myelitis 

11. Tabes dorsualis 

12. Epilepsia 

13. Vertigo 

14. Eclampsia 

15. Trismufl et Tetanus » 

16. Chorea 

17. Spasmus glottidis 

18. Cephalalgia 

19. Neuralgia nervi trigemini 

20. Neuralgia nervi occipitalis 

21. Neuralgia ad humerum 

22. Neuralgia nervi ischiadioi 

23. Neuralgia intercostalis 

24. Neuralgia nervi cruralis 

25. Cardialgia 

26. Angina pectoris 

27. Paralysis agitans 

28. Paralysis spinaiis spastica 

29. Paralysis nervi oculomotorii 

30. Paralysis nervi facialis 

31. Paralysis nervi ulnaris 

32. Paresis extremitatum inferiorum 

33. Hemiplegia dextra 

34. Hemiplegia sinistra 

35. Aphasia 

36. Atrophia musculorum progressiva .... 

Latus . . . 



35 



11 



45 



13 



46 



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estand 
31. De- 
ember 
1882. 

w. 1 8a. 




Bemerkungen. 

Complicatioiien resp. Krankheiten, die 
im Krankenhause hinzutraten. 


Geheilt 

resp. 

^rebessert. 

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geheilt. 

w. 1 8a. 


Verleg 

m. I w. 


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1 

1 
2 

1 


25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 

II. 

1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 

13. 

14. 

15. 

16. 

17. 

18. 

19. 

20. 

21 

22. 

23. 

24. 

25. 

26. 

27. 

28. 

29. 

30. 

31. 

32. 

33. 

34. 

35. 

36. 


1) Strietara pylori u. Sctasla Tentricull 
pennagna. 

1) PhCfaiais pulmonum. 

1) 2 mal Otitis Ichorosa. 

1) 9 mal Del. trem., Imal AbieesiUB 
croris. ») s&mmtlich «ur Nerren- 
Klinik. 

1) Hytteiia. 

1) Marasmus senilis. 
1) Iroal Del. trem. 


liJ? 240; 


549 


14 


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23 


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69 


119 


78 


65 


143 


44 


16| 


59 







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Name der Krankheit 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

8a. 



Transport 

37. Anaesthesia lateris sinistri faciei 

38. Tumor cerebri 

III. Respirationsorgane. 

1. Coryza 

2. Laryngitis 

3. Stenosis laryngis 

4. Catarrhus bronchialis 

5. Bronchiectasia 

6. Asthma bronchiale 

7. Pneumonia et Pleuropneumonia 

8. Pleuritis 

9. Pneumothorax 

10. Haemoptoe 

11. Emphysema pulmonum 

12. Oedema pulmonum 

13. Struma 

IV. Circulationsorgane. 

1. Pericarditis 

2. Endocarditis 

3. Myocarditis 

4. Cor adiposum 

5. Vitia valvularum et ostiorum 

6. Hypertrophia et Dilatatio cordis 

7. Palpitationes cordis 

8. Aneurysma aortae 

9. Thrombosis venae femoralis 

10. Lymphadenitis 

V. Digestionsorgane. 

1. Stomatitis 

2. Parotitis 

3. Angina tonsillaris 

4. Pharyngitis 

5. Stenosis oesophagi 

6. Carcinoma oesophagi 

Latus . . . 



45 



79 



22 



58 



11 



101 



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Neu 
aufgenom- 
men. 



429 

1 



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20 



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1 
2 



4 
2 

38 



5 
100 



50 



16 



38 



5 
39 



1137 



Verlegt. 

I 8*. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 



21 



22 



40 27 



43 



495 

1 



1 

1 

2 

42 

4 

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4 

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26 

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22 

2 

2 



67 



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Gebeilt 

resp. I üngeheilt 
gebessert. 

8a. 



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Verlegt. 

Sa. 



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148 



Gestorben. 

w. I Sa. 



78 



65 



129 83 



143 



19 



212 



'^^«•AnBalca. IX. Jahrg. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 

m. I V. I 8g. 



44 



10 



72 



15 59 

i 



28 



13 



95 



Bemerkungen. 

Complieationen re&p. Krankheiten, die 
Im Kranlcenhanse hlnintraten. 



37. 

38. 

III. 

1. 
2. 
3. 
4. 

5. 
6. 

7. 



IV. 



1) Delirium tremeni. 



1) Cataracta iraiimatica. 2} je Imal 
Carcinoma ventriculi u. Dilatatlo 
cordis et Hydrothorax. 

1) 1 mal Plenritia. 

1) .Imal Del. trera., 1 mal Psoriaeii. 
2) Je 1 mal Del. acutum n. Mastitis. 
H) 3 mal Del. trem., 9 mal Phthisis 
pulmon., Imal Gangmena crurum. 

1) je 1 mal Mehincliolla a. Qraviditss, 
4 Fälle von Bmpyema cur ehirurg. 
Klinik. 2) 3 mal Phthisis pulmon., 
Imal FIbromyoma uteri. 

1) Luxatio hnmeri. 3) Lues. 

l) Ulcus crurls. 2) Je Imal Hyper- 
trophia et Dllautio eordis. Hydrops 
universalis n. Atrophia renum. 

l) cur cliirurg. Klinik. 



1) Hydrops perleardii u. Hydrothorax. 



1) Je 1 mal Pityriasis tabescens und 
Syphilis. 



1) Je Imal Hypertrophia tonsiUarum u. 
Infaretns uteri. 

1) Tuberculosis pharyngis. 



34 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1880. 



. I w. 



Sft. 



Z n HP a. n ar- 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. I w. Sa. 



Verlegt. 

m. I w. I Sa. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 



Transport . . . 

7. Catarrhus gastricus 

8. EJctasia ventriculi 

9. Ulcus ventriculi 

10. Carcinoma ventriculi 

11. Catarrhus intestinalis resp. gastro- 
intestinalis 

12. Coprostasis 

13. Colica stercoralis 

14. Typhlitis et Perityphlitis 

\b. Proctitis 

16. Polypus recti 

17. Haemorrhois 

18. Hemia incarcerata 

19. Incarceratio interna 

20. Peritonitis 

21. Icterus catarrhalis 

22. Hyperaemia hcpatis 

23. Cirrhosis hepatis 

24. Abscessus hepatis 

25. Perihepatitis 

26. Carcinoma hepatis 

27. Carcinoma omenti 

28. Cholelithiasis 

29. Tumor in abdomine 

30. Hydrops ascites 

VI. Harn- und Geschlechtsorgane. 

1. Nephritis 

2. Ren mobilis 

3. Cystitis resp. Catarrhus ve.sicae 

4. Ischuria 

.0. Retentio urinae 

6. Incontinentia urinae 

7. Polyuria 

8. Calculi renales 

9. Strictura urethrae 

10. Hypertrophia prostatae 

11. Orchitis et Epididymitis 

12. Pollutiones 

13. Fluor vaginalis 

14. Mastitis 

15. Prolapsus vaginae 

16. Amenorrhoea 



22 



101 

7 



2 

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Bestand 




Bemerkungen. 




Geheilt 

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Verlegt. 

n. 1 w. 1 8a. 


Gestorben. 

m. 1 w. 1 8a. 


C( 
1 
m. 


jmber 
1882. 

w. > 8a. 


Complicationen reap. Krankheiten, die 
im Kranlnenhaaite hinsutraten. 


1 


496 320 
65 35 



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2 

1 
1 

1 
2 

3 

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1 


7. 

8 

9. 

10 

11. 

12. 

13. 

14. 

15. 

16 

17. 

18. 

19. 

20. 

21 

22. 

23 

24. 

25. 

26. 

27. 

28. 

29. 

30. 

VI 

1. 

2. 

3. 

4. 

5 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12 
13. 
14. 
15 
16 


1) Je Imal Ptyelioaia, Hernia incarcP- 
rata, Vulnus ietam u. Absoensu* ole- 
eraui. 2) Je Innal Morphinismns, 
Chorea n. OraTidiUs. 

1) Oedema palmonum. 

1) beide Male Epilepsla. 

1) 3 Kinder cur Kinder-Klinik, Imal 
Ulcus crarle. 

1) Hamorrhois. 

l) Perforatio processuR vermiformifl, 
Peritonlti«. 

l) Je Imal Carrlnoma uteri u.Oravidiua, 
1) Parotiti«. 

1) Phthisis pulmonum. 

1) Je 1 mal Carcinoma hepaUs., C. Ven- 
trieuli« C. peritonei u. Phthisis pulm. 
ulcerosa. 

l) Strictura urethrae. 

1) Hypertrophia prostatae. 

1) Prolapsns uteri. 


' 


p>432 


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Bestand 
am 31 ^'*- 


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Summa 


Name der Krankheit. 


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Verlegt. 

m. V. 1 8a. 


des 
und 

m. 


Bestandes 
Zuganges. 

w. 6a. 


Transport 
17. Dysmenorrhoea 


99 
2 


31 

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1 


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45 


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18. Tumor ovarii 


19. Carcinoma ovjirii 


20, Deviatio uteri 


21. Molimina graviditatis 


22. Puerperium 

23. Abortus 


24 Retentio placentae post abortum 

25. Metritis 

26. Endometritis 


27. Perimetritis 


28. Parametritis 


29. Haemorrhagia uteri 


30. Pibromyoma uteri 


31. Carcinoma uteri 


32. Syphilis blennorrhoica 


33. Syphilis primaria ulcerosa 


VII. Hautkrankheiten. 
1 . Ery thema nodosum 


2. Urticaria 


3. Phlegmone 


4. Furunculus 


5. Herpes zoster 


6. Eczema 


7. Scabies 


VIII. Verschiedene äussere Krank- 
heiten 


IX . Sei bstmord versuche. 
A. Verffiftunff 


1. durch Phosphor 


2. durch Schwefelsäure 


3. durch Salpetersäure 


4. durch Oxalsäure 


5. durch Carbolsäure 


l 


6. durch Chloroform 


1 


7. dnrchLinimentum saponato-ammoniatum 
B. durch Erhängen 


1 
2 


C. durch Ertränken 


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Simulatio 


•> 


Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mütter 


1 

5; 4 


9 






Summa 


101 

1 


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134 


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43 


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1915 



37 



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A. l> IT fi. 11 IC. 


Bestand 
am 31 Da- 




Bemerkungen. 






Geheilt 
resp. 


Ungeheilt. 


Verlegt. 


Ciestorben. 


cember 
1882. 




Complicatioiicn resp. Kraiikheilen, 
im Kraiikeiihaiise hiiisiitraten. 


die 




gebessert. 


















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17. 
18. 
19. 








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1) Hiimmtlirli rartiirieiitei. 






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31. 
32 








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B. 
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1) snr Kinder-Klinik. 




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23 


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108 


197 


305 


152 


113 


265 


90 


30 


120 









38 



Propädeutische 

Dirigirender Arzt: Geh. Medicinalrath 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



z 11 «r a 11 «:• 



Neu 

aufgenom- 
men. 

B. I w. t Sa. 



Verlegt 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 

m. t V. ! 8a. 



I. Allgemein-Erkrankungen. ' 

1. Scarlatma 

2. Morbilli 

3. Erysipelas ,. 

4. Diphtheria 

5. Typhus abdominalis 

6. Febris intermittens 

7. Dysenteria 

8. Febris puerperalis 

9. Rheumatismus articulorum acutus ... 

10. Rheumatismus articulorum chronicus 
et muscul 

11. Anaemia resp. Chlorosis 

12. Trichiniasis 

13. Tuberculosis miliaris acuta 

14. Tuberculosis resp. Phthisis pulmonum 

15. Diabetes mellitus 

16. Diabetes insipidus 

17. Arthritis deformaus 

18. Syphilis constitutionalis 

19. Intoxicatio satumina 

20. Alcoholismus 

21. Morphinismus 

22. Intoxication durch Kohlenoxydgas .... 

23. Atrophia infantum 

24. Marasmus senilis 

II. Nerven-System. 

1. Alienatio mentis 

2. Hysteria 

3. Syncope 

4. Apoplexia cerebri 

5. Gommotio medullae spinalis 

6. Compressio medullae spinalis 

7. Encephalitis 

8. Sclerosis cerebri et medullae spinalis 

9. Railway spine 

10. Tabes dorsualis 

11. Epilepsia 

12. Eclampsia « 

13. Trismus et Tetanus 

Latus . . . 



25 



53 



347 



6 

4 

17 

13 
78 
13 
15 
4 
45 

123 

11 

1 

1 

146 

5 

1 



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11 
14 
1 
4 
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1 

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222 569 



24 



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10 10 



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22 



89 



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11 

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15 



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1 

657 



39 



imd Professor Dr. 


Leyden. 




















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A. l> IS* a n IT* 


Bestand 
am ^1 T)p. 




Bemerkungen. 


Geheilt 

resp. 

gebessert. 

DL V. 8«. 


üngeheilt. 

m. 1 »-. > 8a. 


V 

m. 


erlegt. 

w. 18a. 


Gestört 

m. 1 w. 


)en. 

8a. 


m. 


8mb( 
1882 


31 
8a. 


CotnpUeationon resp. Krankheiten, die 
im Krankenhauie liinsutraten. 


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2. 
3. 

4. 
5. 
6. 

7. 
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10. 

11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22 
23. 
24. 

Fl. 

1. 
2 
3. 
4. 
5 
6 
7. 
8. 
9. 

10. 

11. 

12. 

13 


1) AUseetras a4 hnmerum. 

1) Je Imal Delirium tremens u. Pcri- 

chondrUis laryngis. 9) PneumoDla. 

3) Puerperium. Degencratio amyloidca 

renum, Henii, hopatia. 
1) Corobustio cmrii et tnanus dcxtrac. 

2) Decubitus. 

1) Epilepsla. 

1) Hydropa genu. 

1) 2mal Syphilis, Je Imal Aleoholismus* 
Vertigo und Hcmiplcgia. 2) Psydiosis* 

1) Hysteria. 9) AnaemU unlTersalis. 
Hydrothorax duplex, Uypcrtrophia 
et DUatatio cordis totins. 

1) Parturiens. 

1) Bronchitis et Macies universalis. 
2) Phthisls pulmonum. 

1) Haeraorrhagia interrocningealis. 
1) 3 mal Del. trcm. 2) Pucumonia. 

1) Dementia. 2) Je Imal Carcinoma 
vcntriculi u. Empyema. 

1) 2 mal Gravidität, Imal Iritis. 

1) Delirium acutum. 
1) Paraplegia. 


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390 


20 


23 


43 


28 


21 


49 


73 


48 


121 


26 


28 


54 







40 



Name der Krankheit. 



Transport . 

14. Chorea 

15. Cephalalgia 

16. Vertigo 

17. Neuralgia nervi trigemini 

18. Neuralgia nervi occipitalis 

19. Neuralgia intercostalis 

20. Neuralgia ischiadica 

21. Neuralgia nervi cruralis 

22. Coxalgia 

23. Neuritis multiplex 

24. Angina pectoris 

25. Gastralgia 

26. Paralysis spinalis spastica 

27. Paralysis nervi radialis utriusque 

28. Paresis nervi peronei 

29. Hemiplegia dextra 

80. Hemiplegia sinistra 

31. Paraljsis extremitatum omnium . 

32. Atrophia musculorum progressiva 

33. Tumor cerebri 

III. Respirationsorganc. 

1. Epistaxis 

2. Laryngitis 

3. Gatarrhus bronchialis 

4. Bronchitis putrida 

5 Asthma bronchiale 

6. Pneumonia et Pleuropneumonia . . 

7. Pleuritis 

8. Pneumothorax 

9. Pyopneumothorax 

10. Haemoptoe 

1 1 . Emphyscma 

12. Gangraena pulmonum 

13. Abscessus pulmonis 

14 Carcinoma pulmonis 

15. Oedema pulmonum 

IV. Circulationsorganc. 

1 . Endocarditis 

2. Pericarditis 

3. Yitia valvulanim et ostiorum . . . 

4. Cyanosis congenita 

Latus 



Bestand 

am 31. De- 

oember 

1881. 

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Summa 
des Bestandes 
und Zuganges 

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622 



41 



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Besiaiid 




Bemerkungen. 

CompHcationen resp. Krankheileo, die 
im Kankenhause hinsatrat^n. 


•icheilt 

resp. 

gebessert. 

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15. 
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17 
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19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
38. 

IIT. 

1. 
2. 
3. 

4. 

5. 
*6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 

IV. 

1. 
2. 
3. 
4. 


l) sur Kinder-Künlk. 

1) 2 malKndocarditU iileeroaa. 3)Tlu'om- 
b «lis aortao abdoraioalis. 

1) beide Vale Liiea eorebri. 

1) Iroal Embolia art. carotld. dexlr. 

1} 2 mal naeli Diphtlieria. 

1) behufs Tamponade s. chlrurg. Klinik. 

1) Sroal Psychosis, Iroal DIeas eruris. 

9) Je Inal Marumus senilis uitd 

Hydrops iinlTersalis. 
1) Qangraena palmonuin. 

t)anial Del. trcm., 1 mal Fractura 
costae IV. 2) Smal Del. trem., 1 mal 
Decubitns permagnns. S) Imal Pncr- 
periam. 

1) beide Male Phthisis pulmonum. 
1) Resectio costae VII. 
1) Parturicns 

1) Parturiens. 2) 2 mal Pneumonia, 
Imal Nepliritis. 3) Imal Endometritis. 


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13 


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Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

ccmber 

1881. 



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Neu 

aufgenom- 

mea. 

m.i w. I 8*. 



Verlegt. 



m,'K. I 6a. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 

m. i w. I 6«. 



Transport 

5. Hypertrophia et Dilatatio oordis .... 

6. Palpitationes cordis 

7. Delirium cordis 

8. Debilitas cordis 

9. Aneurysma arcus aortae 

10. Arteriosclerosis 

11. Thrombosis 

V2. Yarices 

V. Digestionsorgane. 

1. Stomatitis 

2. Angina tonsillaris 

3. Pharyngitis 

4. Angina Ludowici 

5. Strictura oesophagi 

6. Carcinoma oesopl^i 

7. Gatarrhus gastricus 

8. Ectasia ventriculi 

9. Ulcus ventriculi 

10. Carcinoma ventriculi 

11. Gatarrhus intestinalis resp. gastro- 
intestinalis 

12. Typhlitis resp. Perityphlitis 

1 3. Koprostasis 

1 4. Helminthiasis 

15. Strictura ani 

16. Carcinoma recti 

1 7. Haemorrhois 

1 8. Peritonitis 

1 9. Carcinoma peritonei 

20. Icterus catarrhalis 

21. Hepatitis syphilitica 

22. Cirrhosis hepatis 

23. Hepar adiposum 

24. Carcinoma hepatis 

26. Cholelithiasis 

2C\. Tumor in abdomine 

27. Hydrops ascites 

VI. Harn- und Geschlechtsorgane. 

1 . Nephritis 

2. Dcgeneratio amyloidea reuum 

3. Cystitis resp. Catarrhus vesicae 

4. Carcinoma vesico vaginalis 

5. Incontinentia ujinae 

Latus . . . 



46 36 

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Bestand 
am Äl Dft- 




Bemerkungen. 


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im Krankenbause hlitautraten. 


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10. 

11. 

12. 
13. 
14. 
15. 
16 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 

VI. 

1. 
2. 
3. 

4. 
5. 


1) Hypcrtrophia et Dilatatio cordis, Kit- 
doearditia 

1) «ur Kiiider-Kllnlk. 
l) Mania. 2) PartuiienH. 
l) Dementia paralytie«. 
1) aar chirurg. Klinik. 

1) 2 mal Del. trero., t mal riiychoaia. 
3) Je Imal Glancoma, PityriaNis, 
Abacessiis pelvia n. Fluor albus. 3} 
Pnenmonia fibrino«. 

1) Impetigo. 2)GravidtU8. 3) Je Imal 
Marasmus senilis u. Tuberculovi» 
miliaris «caU. 

1) Favaa. 

1) 1 mal Fractura peUls et Ruptura 
▼esieac. 2) Je 1 mal Absccssns snb- 
phreiiicus u. Tumor OTarii carcino» 
matosus. 

1) Je 1 mal DeL trem. und Neuralgia 
uccipitalls. 2) 1 mal Peritonitis tu- 
berculosa. 

1) ClrrhoMS hepatis. 

1) Ulcus cruris. 2) Strabismus conver- 
gens. 

1) Je 1 mal (ionorrhoea, Orchitis, Incon- 
* tineutia urinae u. Graviditas. 


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S46 


41 


43 


84 


51 


49 


100 


142 


77 


219 


63 


44 


107 




• 



44 



Name der Krankheit 



Transport 

6. Uaematuria 

7. Ischuria 

8. Lithiasis 

9. Strictora urethrae 

10. Atresia vaginae 

11. Fluor vaginalis resp uterinus 

12. Prolapsus vaginae 

13. Dysmenorrhoea 

14. Oophoritis 

15. Tumor ovarii 

16. Deviatio uteri 

17. Hypertiophia cervicis uteri 

18. Stenosis orificii uteri 

19. Molimina graviditatis et Puerperium. 

20. Abortus 

21. Metritis 

22. Endometritis 

23. Perimetritis 

24. Parametritis 

25. Haemorrhagia uteri 

26. Adenoma uteri 

27. Carcinoma uteri 

28. Infarctus chronicus uteri 

29. Syphilis blennorrhoica 

30. Syphilis primaria ulcerosa 

VlI. Verschiedene äussere Krank- 
heiten 

VIII. Selbstmordversuche. 

1. Vergiftung durch Schwefelsäure 

2. Vergiftung durch Arsenik 

3. Vergiftung durch Oxalsäure 

Durch Ertränken 

Simulatio 

Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mütter 

Summa... 



Bestand 

am 31. De- 

oember 

1881. 

m. I «. . 8a. 



66 



43 



109 



67 



54 



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men. 

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4 

5 

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3 



Verlegt. 



w. Sa. 



56' 32 



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Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 



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121 749 



681 



1430| 



50 40 



88 



826 530 



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Geheilt 
resp. 

jrebessert 

•■. w. I 8a. 



Ungeheilt 



m. I w. I 8a. 



Verlegt. 



m. I V. I 8a. 



51 49 



Gestorben. 



gestand 

am 3l.De> 

cember 

1882. 

8a. 



fiemerkungen. 

Complleattoiian rtap. Krankhviteii, dt« 
im Krankanhanii« hinautraten. 



529 317 846 



41 43 



84 



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1, - 



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13, 
1 
7 
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5 
11 
9 
32 
23 
15 



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25 



107 



6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 



VII. 

VIIl 
1. 



1) 3 mal Parturi«0t«s, l mal 8rabie«. 
t) Perltonlftt. 



l) Abortus inclpians. 



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41 55 



96 



71 106 

I 



177 



144 



80 



224 



63 



52 



115 



u 



Neben -Abtheilnng für 

Dirigirender Arzt: Ober- Stabsarzt! 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am31.De- 

cember 

1881. 

m. I w. Sa. 



z u «r a 11 «r. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

■I. I w. I 6a. 



Verlegt. 



m. IV I Sa. 



Summa 
des Beslamlcs 
und Zuganges. 



I. AUgemein-Erkrankungen. 

1. Soarlatina 

2. Eryslpelas 

3. Diphtheria 

4. Typhus abdominalis 

5. Typhus exanthematicus 

6. Febris intermittens. 

7. Dysenteria 

8. Rheumatismus articulorum acutus.... 

9. Rheumatismus articulorum chronicus 
et muscul 

10. Anaemia 

1 1 . Tuberculosis miliaris acuta 

12. Tuberculosis resp. Phthisis pulmonum 

13. Diabetes insipidus 

14. Arthritis deformans 

15. Syphilis constitutionalis 

16. Intoxicatio satumina 

1 7. Alcoholismus 

18. Marasmus senilis 

19. Inanitio 

II. Nerven - System. 

1. Alienatio mentis 

2. Hysteria 

3. Apoplexia cerebri 

4. Alalia post apoplexiam cerebri 

5. Gompressio medullae spinalis 

6. Meningitis cerebro- spinalis 

7. Sclerosis cerebri et medullae spinalis 

8. Myelitis 

9. Tabes dorsualis 

10. Epilepsia 

11. Spasmi musculorum 

12. Vertigo 

13. Cephalalgia 

14. Neuralgia ischiadica 

15. Coxalgia 

1 6. Paralysis agitans '. 

17. Paralysis spinalis spastica 

18. Paralysis chordae vocalis 

19. Paresis nervi facialis 

Latus . . . 



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47 



ümerlich kranke Männer. 

und Professor Dr. FrMntzel. 



* 


A l> IT a n IC* 






Bestand 
am ^1 1)^' 




Bemerkungen. 




(ieheiit 

resp. 

irebesscrt. 

m. w. 8a. 


m. 


feheilt. 

w. 18a. 


Verleg 


t. 
8a. 


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Sa. 


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m. 


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1882 

w. 


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8a. 


CoinpHcationen resp. Krankheiten, die 
im Krankenhante hinsutraten. 


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I. 

1. 
2. 
3. 
4 

5. 

6. 

7. 
8. 

9 

10 
11. 
12. 

13. 
14 
15. 
16. 
17 
18. 
19. 

11. 

1. 
2. 
3 
4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 


1) cur Abthcilnng für Rutirkranke. 
1) 2n»al Scabies, 1 mal Coxitis thron. 

1) ."imal GoBorrhoea, 2 mal D«i. trem.. 
Je 1 mal Djseuteria, Lues, Psychosia, 
Myelitis, Iritis, Abseeasiis n. Luxatlo 
roanas. 2) Phthisis pulmonum. 

1) 2 mal Psychosis, Je Imal Bpilepsia. 
CaUraeta traumatica , Periostitis, 
Conjunctivitis, Strictiira urethrae. 

1) Iritis. 

l) Pareais braehii, cur Nerven -Klinik. 
t) 4 mal Del. trem., 1 mal Bpilepsia. 
1} Dementia. 

t) Paralyils splnaiis spastica. 
1) Dysenteria chronica. 

1) Ulcus cruris. 


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17 


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17 


67 


- 


»57 


170 


__ 


170 


109 


— 


109 







48 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



Z 11 nT ci n IC* 



Nca 
aufgenom- 
men. 

8«. 



Verlegt 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 

IB. I W. ' S 



Transport 

20. Paresis nervi radialis 

21. Paresis brachii 

22. Paresis m. extensor. digitor. commun. 
28. Anaesthesia antibrachii 

24. Uemiplegia dextra 

25. Hemiplegia sinistra 

26. Atrophia musculomm progressiva .... 

27. Tumor cerebri 

III. Respirationsorgane. 

1. Ozaena 

2. Laryngitis 

3. Perichondritis laryngea 

4. Catarrhus bronchialis 

5. Bronchitis putrida 

6. Asthma bronchiale 

7. Pneumonia et Pleuropneumonia 

8. Pleuritis 

9. Pyopneumothorax 

10. Haemoptoe 

11. Emphysema pulmonum 

12. Gangraena pulmonum 

IV. Girculationsorgane. 

1. -Vitia valvularum et ostiorum 

2. Palpitatio cordis 

3. Phlebitis 

4. Arteriosclerosis 

5. Varices 

6. Lymphangitis 

7. Lymphadenitis .'... 

V. Digestionsorgane. 

1. Stomatitis 

2. Glossitis 

3. Parotitis 

4. Pharyngitis 

5. Angina tonsillaris 

6. Hypertrophia tonsillarum 

7. Carcinoma oesophagi 

8. Catarrhus gastricus 

9. Ectasia ventriculi 

10. Ulcus ventriculi 

11. Carcinoma ventriculi 

12. Catarrhus intestinalis resp. gastro-in- 
testinalis 

Latus . . . 



110 



110 



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65 



65 



1180 



49 



A l» IS* a. n ip. 


ßestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 

m. 1 w. i 8a. 




Bemerkung e.n 


Geheilt 

resp. 

gebessert. 

m w. 1 S». 


Ungebeiit. 

m. w. 1 8a. 


Ve 

m. 


rlegt. 

w. 8a. 


Gestorben. 

m. 1 w. 1 8a. 


Coinplicationen rcsp. Krankheiten, die 
im Krankeniiause hinzutraten. 


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1 

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1 

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1 
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3 

1 


21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 

III. 

\ 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 

VI. 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 

y. 

1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 

12. 


1) 2 mal Psychosia, je 1 mal Dol. trem. 
11. Kczoma capitis. * 

1) Domuntia. 2) Marasmus senilis. 
1) beide Male Del. treiü. 2) 3 mal 

Phth!sis pulmonum. 
1) J» 1 mal Syphilis u. Bubo axillaris. 

1) Je 1 mal Del. trem. , Paralysis pro- 
gressiva, Heniia Incarcerata u. Bro- 
siones femoris amputat. 

1) Zwangsvorstellungen. 
t) Bubo inguinaÜR. 

1) Del. treraons. 

l) AbscessiM ad pharyngem und Neuro- 
retinitis. 

l) Luxatio humerl. 


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700 


35 


— 


35 


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98 


202 


1 — 


202 


145 


— 


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"- Annale II. l\. .labrK. 



50 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. Dc- 

ccmbor 

1881. 

la. «-. I Sa. 



Z IE AT A n IT* 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. ' V. 1 Sil. 



Verlegt. 



m. w. 8». 



Summa 
des Bestand«^ 
und Zugani«-^. 



Transport 

13. Incontinentia alvi 

14. Koprostasis 

15. Typhlitis et Perityphlitis 

16. Peritonitis 

17. Icterus catarrhalis 

18. Girrhosis hcpatis , 

19. Tumor hepatis 

20. Tumor lienis chronicus 

21. Tumor in abdomine ', 

9 

VI. Harn- und Geschlechtsorgane. 

1. Nephritis 

2. Calculi renales 

3. Morbus Addisonii 

4. Cystitis 

5. Polyuria 

6. Strictura urethrae 

7. PoUutionea 

8. Syphilis blennorrhoica — 

9. Syphilis primaria ulcerosa 

VIT. Verschiedene äussere Krank- 
heiten 

VIII. Selbstmordversuche. 

1. durch Ertränken 

2. durch Erhängen 

Summa . . . 



157 

1 



103 



157 

1 



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^ 1> AT A n fiT« 


Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 




Bemerkungen. 


«leheilt 

rt^sp. 

gebessert. 


üngehciU. 


Verlegt. 


Gestorben. 




Coroplicatlonen r«tp. Krankhetton, dl» 
im Kraiikenhaime hincatratcn. 


BL i V. ) Sa. 


«ul w. 1 


8a. 


m. 1 w. 1 8a. 


m. 1 w. 1 8a. 


m. 


w. ' 6a. 1 






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15. 




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21. 

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4. 

5. 




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VII. 




























VIII 




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1. 




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2. 




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41 


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128 


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— 


209 


151 




1 
151 







52 



Neben-AbtheiluDg itir 

Dirigirender Am: 



Name der Krankheit. 



Bestand 
dm 31. De- 
co mber 
1881. 

n. ; w. I Sa. 



Z ia IP a ■& ip« 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. I w. t 8a. 



Verlegt 



des Bestands 
und Zu^ange<> 



I. Allgemein-Erkrankungen. 

1. Scarlatina 

2. Erysipelas 

3. Diphtheria 

4. Typhus abdominalis 

5. Dysenteria 

f>. Febris puerperalis 

7. Rheumatismus articulorum acutus.... 

8. Rheumatismus articulorum chronicus 
et muscnl 

9. Chlorosis 

10. Tuberculosis resp. Phthisis pulmonum 

11. Scrophulosis 

12. Syphilis constitutionalis 

13. Intoxicatio saturnina 

14. Alcoholismus 

15. Marasmus senilis 

IL Nerven-Systcm. 

1. Alienatio mentis 

2. Hysteria 

3. Apoplexia cerebri 

4. Absccssus cerebri 

5. Meningitis cerebro-spinalis 

6. Tabes dorsualis 

7. Cephalalgia • — 

8. Neuralgia ischiadica 

9. Paralysis agitans 

10. Paralysis nervi peronei 

11. Paraplegia extrcmitatum inferioram . 

III. Respirationsorgane. 

1. Laryngitis 

2. Fistula laryngis 

3. Gatarrhus bronchialis 

4. Pneumonia resp. Pleuropneumonia ... 

5. Pleuritis 

6. Uaemoptoe 

7. Emphysema pulmonum 

8. Gangraena pulmonum 

Latus . . . 






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22 



22 



59 



innerlich kranke Frauen. 

I'rofcssor Dr. Senator. 





A. l> ip a n ST. 






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am 31 T^'»- 




Bemerkungen. 




Geheilt 

resp. 

gebessert. 

m. «. 8a. 


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Verleg 

m. 1 w. 


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w. 1 8a. 


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1882 

m. 1 w. 


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Coiuplicatioite» rc»p. Krankheilcn. die 
im Kranke iihause htnsutrateii. 


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I. 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 

II. 

1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 

III. 

1. 
2. 
3. 
4. 

5. 
6. 
7. 
8. 


l) CoxHis. 

I) Eiiducarditiü. 

l) 2 mal Paychosw, je Imnl Bubo Ingiii- 
nali» n. Parturiens. 

1) Je Imal Fistula ani ii. GravidiUu. 

• 

1) Parturiens. 3) Imal Ostooaarcoma 
manabrii sterni. 

1) Parturiens. 




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17 


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32 


32 







54 



Name der Krankheit. 



Kestaiid 

am 31. De- 

ecmber 

1881. 

ro. i ^. I 8«. 



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Neu 
aufgenom- 
men. 

m. w. 8a. 



Verlegt. 

8a. 



Summa 
des Ikhlau'l«- 
und Zugaii;:' V 

m. I m. ' 81. 



Transport . . 

VI. Circulationsorgane. 

1. Palpitationes cordis 

2. Vitia yalTularum et ostiorum 

3. Tbrombosis venae fcmoralis 

4. Varices 

V. Digestionsorganc. 

1. Stomatitis 

2. Parotitis 

3. Angina tonsillaris 

4. Pharyngitis 

5. Catarrhos gastricus 

fi. Ulcos ventricali 

7. Catarrhas intestinalis rcsp. gastro- 
intestinalis 

8. Typhlitis 

9. Strictura recti 

10. Haemorrhois 

11. Hernia incarcerata 

12. Incarceratio interna 

13. Peritonitis , 

14. Icterus catarrhalis 

15. Cirrhosis hepatis 

16. Carcinoma* hepatis 

17. Cholelithiasis , 

18. Tumor in abdomine 

VI. Harn- und Gcschlechlsorganc. 

1. Nephritis 

2. Ren mobilis 

3. Morbus Addisonii 

4. Cystitis 

5. Strictura urethrae 

6. Mastitis 

7. Catarrhus uterinus rusp. vaginalis.... 

8. Prolapsus vaginae 

9. Haematoma vaginae 

10. Abscessus glandul. Bartholini 

11. Dysmenorrhoea 

12. Oophoritis 

13. Tumor ovarii 

14. Deviatio uteri 

15. Hypertrophia port. vaginal 

16. Stenosis orificii utfcri 

Latus . . . 



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rcsp. 

gebessert. 

B. •. Sa. 


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Uugehciit. 

m. w. 8a. 


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Vüilcjjt. 
in. ; w. .S«. 


Gestorben. 

m. ! i\. , Sa. 


Bestand 

am31.De- 

ccmber 

1882. 

in. l w. 1 8a. 




H e ra c r k u 11 g e n. 

Cutiipli«atioiicii re»p. Krankheilen. die 
im Krankcnhaiikc UInxulrateii. 


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4 


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1 
1 

4 


IV. 

1. 

2. 
3. 
4. 

V. 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 

VI. 

1 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 


1) Del. ircmciic. 3) H>drops unlversaUs. 

1) Hysteria. 

1) je 1 mal McuinRitH tubcrculuüa und 
Peritonitis ex pcrforalionc. 

l/Reüoilis albuminurica. 2)Parturiens. 
l) Hystcro-Epilcpsia. 

1) Bubo inguinalis. 

l) »Äramtlich »ur gynnekol. Klinik. 

l) j« IiuhI Hystcria, EKphmitiasia tuI- 
vac u. ÜIcuB carcinomat. cervicis 
uteri. 


^ 


-•257; 257 


— 


26 


26 


— 


37 


37 


— 


T. 


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44 


44 







56 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



Z 11 IS* a. 11 s*. 



Neu 

aufgenom-. 

men. 

m. 1 w. i 8a. 



Verlegt. 



w. I Riu 



Summa 
des Bt:staudo 
und Zugaii<);cs. 



Transport 

17. Portio vaginalis erosa 

18. Molimina graviditatis et Puerperium. 

19. Abortus . 

20. Retentio placentae 

21. Metritis 

22. Endometritis 

23. Perimetritis 

24. Parametritis 

25. Metrorrhagia 

26. Myoma uteri 

27. Carcinoma uteri 

28. Syphilis blennorrhoica 

29. Syphilis primaria ulcerosa 

VII. Verschiedene äussere Krank- 
heiten 

VIII. Selbstmordversuch durch: 

1. Vergiftung mit Oxalsäure 

2. Ertränken 

Simulatio 

Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mütter 

Summa . . . 



40 40 



- 51 



374 

5 

7 

12 

2 

26 

30 

20 

9 

5 

4 

25 

1 



51 



538 



334 

5 

7 

12 

2 

26 

30 

20 

9 

5 

4 

25 

1 

1 



540 



36 



36 



41 



41 



450 

7 

7 

12 

2 

27 

31 

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7 

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1 

1 



450 



630 632 



57 





A. l> IIP a n ip. 






Bestand 

am 31 . De- 

cember 

1882. 

m. 1 w. 1 8a. 




Bemerkungen. 




M'heill 
rcsp. 
bessert , 

V. 1 8*. 


Uii-uheilt. 

m. 1 \v. 1 8a. 


Verleg 

m. w. 1 


t. 

8a. 


(iestorbeii. 

in. 1 w. , Ka. 


GoRipUeatlonen resp. Krankheiten, die 
im KrankeiihauHc hlnsutraten. 


2 


257 

7 

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11 
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24 

26 
21 



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12 




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2 

1 

1 


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1 

2 
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2 

1 
1 


17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26.. 
27. 
28. 
29. 

VII. 

vm 

1. 
2. 


1) Je 1 Kranke aar Kntbindtiiiga-AuaUll 
n. cur Abtheilutig für Gefangene. 


•1 


S84 


i336 

1 





45 


45 


— 


54 


54 


— 


92 


92 


— 


55 


55 




• 



58 



Gynäkologische 

Dirigirendcr Ar/.i: 





B 

um 

( 

m. 


t'stand 
i 31 De- 




z 


u 0^ a. 11 AT. 




Summa 
des Bestandes 
und Zuganges 

m. 1 w. l 8a. 


Name der Krankheit. 


zember 
1881. 

w. 8a. 


Neu 
aufgenom- 
men. 

m. «. 1 8a. 


Verlegt. 

m. w. 8a. 


1. Vuluus laceratum labii majoris 

2. Cystitis 




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21 


3. Incontinentia urinae 


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1 


4. Carcinoma vesicae ... .. 


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1 
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d. Kolpitis 

6. Fistula vesicovaginaLis 


7. Prolapsus vaginae 


8. Carcinoma vaginae 


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- 14 

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1). Haematoma vulvae 


10. Carcinoma vulvae 


11. Metritis 


12. Metritis et Endometritis 

13. Metritis ei Parametritis 


14. Metritis et Perimetritis 


15. Endometritis 


16. Portio vaginalis erosa 


17. Anteflexio uteri 


18. Anteflexio et Retropositio uteri 

19. Anteflexio et Dextroversio uteri 

20. Anteversio uteri , 


21. Anteversio et Retropositio uteri 

22, Retroflexio uteri 


23. Retroversio uteri 


24. Retropositio et Retroversio uteri 

25. Mobilitas uteri , 


26. Descensus resp. Prolapsus uteri 

27. Subinvolutio uteri 


28. Metrorrhagia post abortum 

29. Metrorrhagia ex aliis causis 

30. Hypertrophia portionis vaginalis 

31. Ectropium 

32. Myoma uteri 


33. Fibromvoma uteri ...,-,. 


34. PoivDus uteri 


35. Sarcoma uteri 


36. Carcinoma uteri 


3 

1 


3 
1 


37. Carcinoma uteri, vaginae et recti . . . 

38. Oophoritis 


39. Carcinoma ovarii 

40. Tumor ovarii 

41. Perimetritis 

42. Perimetritis et Parametritis 

43. Parametritis : 


I. l 
1 1 

B (; 
1 1 

3 3 


Latus . . . 


— 


34 


34 


— 


232 


232 


— 


|l20 


120 


— 


386 


386 



59 



Klinik. 

Professor Dr. Giisserow. 



A. Y> fg a, tM. ^. 


Bestaud 

am 31. De- 

cember 

1882. 

m. w. |8a. 




ß c m e r k u 1) g e 11. 


Geheilt 

resp. 

L'•'bes^ert. 

m. w. ' 8a. 


Uugeheilt. 

m. • %v. , Sa. 


Verlegt. 

ni. >t. Sa. 


(iestorben. 

m. 1 V. i Sa. 


Complicalioneii re^p. Krauklieiteu. dio 
im Kranke II liauüe hinsutraten. 


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4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 

12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24, 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 


I) Neiiralgia ischiadica. 
l) Delirium tremens. 

D Je 1 mal Hysteria und Phlhisis pul- 
inoDunK 

1) Je Imal Mauia, Atrophia mu-«culo- 
mm, Haematemeids ii. Strielura 
recti. 

1) Je 1 mal Syphilis n. Phthi*tis ptilmoii. 

l) Neurorctiniti». 

1) Je Imal Hysteria, Ncuralgia cruris 
u. Vitium cordiit. 

1) Je 1 mal Hysteria, Deliria, EpUepiiia, 
Catarrh. bronchialis, CaUrrh. intes- 
tinalis n. Iritis. 

1) Tabes dorsualis. 

1) Je Imal PsTchosis, Lues, Uracinis, 
2 Kranke zur Abtheiluug für Gc- 
faDgciie. 

1) Je Imal Purpura liaemurrhagica u. 
Lues, 2 mal Bronchitis. 

1) Je Imal l>phus abdominalis u. Gra- 
vidius. 


-279 

1 


279 


— 


28 


28 


— 


35 


35 


— 


11 


11 


— 


33 


33 







60 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

ccmber 

1881. 

ID. «. «Sa. 



Z u ip a. lA OT* 



Neu 
aufgenom- 
men. 

n. «r. R«. 



Verleibt. 
tu. « . S«. 



Summa 
des B»'staii'1'N 
und Zuganii • 



Transport 

44. Hacmatoma ligamenti lati 

45. Haematocele rctrouterina 

46. Peritonitis purulenta 

47. Carcinoma peritonei 

48. Abortus 

49. Rctentio placentae 

50. Febris puerperalis 

51. Auaemia ex puerperio 

52. Eclampsia puerperalis 

53. Typhus abdominalis 

54. Hysteria 

55. Angina pectoris 

56. Angina tonsillaris 

57. Strictura recti 

58. Carcinoma recti 

59. Tumor in abdomine 

60. Molimina graviditatis 

61. Kcthyma capitis 

62. Syphilis primaria ulcerosa 



34 34 
4 4 



—'232 232 



-| 



Intoxication durch Chloroform .. 



Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mütter 



Summa 



40 



41 



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I 



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439 440 



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A. l> ip a. n ip. 


Bestand 

am 31 . De- 

cember 

1882. 

m. 1 w. 1 8«. 




Bemerkungen. 

Compllcatloiifn resp. Krankheiten, die 
Im Krankenhaus«! hlnsutraten. 


«ribcilt 
resp. 

iTt'bf-ssert. 
-. w. s.. 


CngchoiU. 

m. 1 w. 1 8a. 




erlegt. 

w. i 8a. 


Gestorben. 

m. 1 w. 1 8a. 


- 279 279 

- 10 10 

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- 1 1 

- 1 1 

- 1 1 

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44. 
45. 

46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
51. 
52. 
53. 
54. 
55. 
56. 
.•>7. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 


1) A Seite«. 

\ 

l) Partnrlene. 

1) Wirterln d^r AbtheHnng-Conamen 
»ttlcidil. 


i:)13 314 

1 


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30 


30 


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45 


45 


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16 


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35 


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62 



Nerven- 

Dirigirender Arzt: GeL 



Bestand 

am 31 . De- 

cember 

1881. 

in. : w. Sa. 



Name der Krankheit 



Z u ip a n £;>. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. ! tr. Sa. 



Verlegt. 



Sumiua 
des Bestandes 
und Zuganjrc'i 

m. I w. I Sa 



1. Affectio pontis 

2. Tumor ad ohiasma nerv, opticorum . 

3. Tumor cerebri 

4. Abscessus cerebri 

5. Compressio medullae spinalis 

6. Apoplexia cerebri .'.... 

7. Encephalopathia satumina 

8. Gephalalgia 

9. Epilepsia 

10. Hystero-Epilepsia 

11. Spasmus musoulorum idiopathicus . . . . 

12. Vertigo 

13. Hemiplegia resp. Hemiparesis dextra. 

14. Hemiplegia dextra cum Aphasia 

15 Hemiplegia sinistra 

16. Hemiplegia utriusque lateris 

17. Aphasia 

18. Myelitis 

19..Railway spine 

20. Tabes dorsualis 

21. Poliomyelitis 

22. Chorea , 

23. Paralysis agitans 

24. Paraplegia extremitatum inferionim. . 

25. Paralysis spiualis spastica 

26. Affectio medullae spinalis 

27. Sclerosis cerebri et medullae spinalis 

28. Hypochondria 

29. Verwirrtheit 

30. Dementia 

31. Paralysis progressiva 

32. Alcoholismns 

33. Hysteria 

34. Neuralgia nervi trigemini 

35. Neuralgia nervi ischiadici 

Latus . . . 



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63 



Einik. 

He-L-Rath Professor Dr. 'Westphal. 



A. Y> ip n n 


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Bestand 
am ^1 r)*^- 




Bemerkungen. 


«u- heilt 
;.- b^s>ert. 

a. ' T. ' 8a. 


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m. 


geheilt. 

w. Sa. 


Vorlegf. 

n. 1 w. ; 8a. 


m. 


torbcn. 

w. 8a. 


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1 

m. 


3rab( 
882 

w. 


8a. 


Complieationen resp. Krankheiten, die 
im KranlcrnhanR« htncntratrn. 


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1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

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9. 
10. 
11. 
12. 

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14. 
15. 

16. 
17. 
18. 

19 

20 

21 

22. 

23. 

24. 

25. 

26. 

27. 

28. 

29. 

30. 

31. 

32. 

33. 

34. 
35. 


1) Je lioal Gummata, AtropUa Mlvariaft 
u. Cyatiecrcns In ventrioalo qaartn. 

1) Flatnla ani. 2) MaraBmns •enilia. 
l) Plenrirta »eroaa. 

aIh. 9) Apoplexia aanR. in ventrlculo 

sin. cerebri. .1) beide Male Gnce- 

phalomalacl». 
l) Sarcoma medulläre lobuH oceipiati Hin. 
1) 9 mal DeUria, 1 mal Liiee. 9) Je l mal 

ParalyMls progreRsiva ii. Gravidität. 

.1) Gncephalomalaria flava corporis 

Htriati. 

l) PKyehoaifl. 

1) 3 mal PhthlalB pulmonum. 2) Je 1 mal 
Syphilis eonstltatlonalis. Decubitus 
multiplex. Araehnitis tuberenlosa 
pnrulenU baailariR. Spondylitis ca- 
seosa neerotica vertebrarum VI 11 
bis XII. 

l) Typhus abdominalis. 2) 3 mal De- 
wentia paralytiea, 1 mal l>eltrinm. 
3) Tuberculosis peritonei. 
» 

l) Fraotura colli femoris. 

1) sur Kinder-Künik. 

l) TiibereiiloHii pnlmon. et perltonei. 

l) Psychosis. 

1) Dementia paralytlra. 

1) 2 mal Del. tremens, Je tmal Ulcus 
eruris, Catarrhua intestinalis u.Rheu- 

1) Hypoohondria. 2) 2 mal BpUepsia, 
Je Imal Paranoia, Ulcus ventriculi, 
Parametritls u. QravidiUs. 

1) Rheumatismus articulorum. 


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29 


17 


46 


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22 


51 


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17 


26 


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64 



Name der Krankheit 



Bestand 

am 31. De- 

oember 

18S1. 

w. I 8a. 



Z u HT A n ip. 



Neu 

aufgenom- 
men. 

m. I w. 8a. 



Verlegt. 

n. w. I 8a. 



Samma 
des Bestand* : 
and Zugangs 



Transport 

36. Nearalgia craralis 

37. Neuralgia plexos braehialis 

38. Neuralgia nenri ulnaris 

39. Angina pectoris 

40. Hemianaesthesia 

41. Paralysis resp. Paresis brachii 

42. Paralysis nervi facialis 

43. Paralysis nenri radialis 

44. Paralysis satumina 

45. Paralysis musculomm antibracbii prae- 
cipue flexorum 

46. Paralysis nervi peronei 

47. Atrophia muscalorum progressiva.... 

48. Lues cerebri 

49. Rheumatismus chronicus 

50. Morphinismus 

51. Pneumonia 

52. Angina tonsillaris 

53. Catarrhus gastricus 

54. Incontinentia urinae 

55. Ankylosis humeri 

56. Vulnus capitis 

57. Fractura femoris 



24 



17j 41 



I — 



1 1 



50, 33 

I 



83 



53 49 I 102 



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Summa . 



32 



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152 



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114 266 



65 



A. l> ip a n ip. 








Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 

in. w. 1 Sa. 




Bemerkungen. 

C^plieatfoiien wsp. Krankheiten, die 
tm Kankruhaiue hinstitraten. 

• 


Geheilt 
resp. 

gebessert. 
B. T. , Sa. 


Un- 

geheilt. 

ni. 1 w. 1 Sa. 


Verlegt. 

m. w. |Sa. 


Gestorben. 

m. l w. 1 8a. 


33 36 

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1 - 

1 - 

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1 - 

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1 
1 

1 
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2 

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17 




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2 

l 

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17 

1 

1 


43 
2 

2 

1 
l 

1 


36. 
37 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 

45. 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
51. 
52. 
53. 
54. 
55. 
56. 
57. 


1) lni«I AiikylosiH liumeri. 

1) Je Imal AnkyloMiii g«nu u. Pes equh 
niid. 2) PartiirleiiN. 


43 40 


83 


32 


19 


51 


36 


29 


65 


10 


' 


17 


31 


19 


50 







'«"»'Ai.haU,,. IX. Jahig 



66 



Fäyohiatrische 

Dirigirender Arzt: Geh. Med.-Rath 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



Z u nf a n Hf • 



Neu 
aufgenom- 
men. 

n. I w. I 8a. 



Verlegt. 



. 1 w. I 8a. 



Summa 
des Bestandes 
und Zugange^ 

m. I w. Sa. 



I. Abtheilung für 



1. Melancholia resp. Hypochondria 

2. Mania 

3 Secundäre Seelcnstörung 

4. Paralysis progressiva resp Dementia 
paralytica 

5. Epilepsia mit Irrsein 

6. Hystero-Epilepsia 

7. Imbecillitas 

8. Idiotismus 

1). Alcoholismos 

10. Epilepsia 

11. Hysteria 

12. Apoplexia cerebri •.. 

13. Delirium febrile 

14. Delirium uraemicum 

^ 15. Coma 

* 16. Hemiparesis dextra 

17. Syphilis constitutionalis 

15. Combustio faciei, colli et antibrachii 
utriusque 

11). Nicht geisteskrank 

Simulatio 

Summa. . . 



9 7 

S' 5 

11 2'? 



12 11 

li 2 

- 3 

2 1 



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1 - 



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13 

33 



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3 

3 
3 



201 261 46 
43 40. 83 



123 



129 

38 



54' 53' 107 

i 

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165: 288 



49 178 

201 58 

33| 92 

4' 9 

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20 46 



10 48 
1 6 



3' 14 
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1! 1 



464|?42| 806 



86 



31 1 :u ß:> 

54 . 46 100 



160 



179 
44 



72 

6 

42 



207 ■ 36T 



70 24i» 
23 BT 



37 

4 



109 
10 
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381 124 



604 4.^3 lOOTj 

I I 



67 



KMk. 

Professor Dr. Westphal. 

A 1> |gf fi, 11 läT- 






Ungeheilt. 

TD, I W. I S*. 



VerJtgt 
m. I T*. [ fi>. 



Gestorben 



am SL Uli- 

oembi.T 

1882. 

nk w, Sil 



ß e m u r k u n g e IL 

Im Krankfiuh&ue htniulntcir« 



Geisteskranke. 



16 12 


28 


7 


9 


16 


1 


3 


•4 


3 


11 


41 


4 


9 


13 


1. 


1) 2 mal PhthUU pulmouam, Je Imal 




















1 










Insuff. et Stenosis valvnlae mitralis 






























u. Hydrops genu. 


25; 24 


49 


7 


13 


20 





»2 


2 


»8 


1 9 


14 


6 


20 


2. 


1) Je 1 mal Nephritis und Perimetritis. 
























1 






2) Je 2 mal Phlhisis pulm. u. Arach- 
































nitis, 1 mal Encephalitis. 3) Embo- 
































lia art. pulm. dextrae. 


24 39 


63 


107 


132 


239 


»3 


»2 


5 


7 


8 


15 


19 


26 


45 


3. 


1) Je Imal Alcoholismus, Necrosis tibiae 
u. Phlegmone femoris. 2) Je 1 mal 
Poliria alroholica u. Endometritis. 


9 1 


10 


132 


53 


185 


M 


__ 


1 


19 


8 


27 


18 


8 


26 


4. 


1) Uernia inearcerata. 


Ib 3 


21 


17 


17 


34 


5 


2 


«7 


2 


1 


3 


2 


^~ 


2 


5. 


1) .*) Paüenten zur AbtheUuug fQr 
Krampflcranke, Je Imal CIrrhosis 
hepatis u. Vulnus capitis. 


- 2 


3 


— 


1 


. 1 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


6 




8 2 


10 


57 


33 


90 


*3 


— 


3 


2 


2 


4 


2 


— 


2 


7. 


1) simmtlich zur Merven-Klinik. 


_ _ 


— 


5 


4 


9 


»1 


— 


1 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


8. 


l) zur Kinder-Klinik. 


■n 1 


25 


1 




1 


8 


9 


MO 


3 


" 


3 


6 


— 


6 


9. 


l) 8 Patienten zur Abtheilung «ir 
Krarapfkranke, Je Imal Pneumonia 
u. Vulnus ad antibraehiam. 


1 - 


1 


1 


— 


1 


M 


— 


1 


— 


— 


— 


2 


— 


2 


10. 


l) Lucs. 


— 


— 


— 


1 


1 


— 


1 


1 


— 


— 


— 


— 


1 


1 


11. 
12. 
13. 




— -_ 










M 





1 














. 





1) zur Abtheilung fflr Delirauten. 


- — 


— 


— 


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1 


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I 


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14. 




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1 


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1 


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15. 




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1 


1 


16. 




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1 

1 


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1 


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1 


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— 


— 


17. 




- -_ 








1 





M 


1 


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__ 





18. 


1) Couamen suicidii. Patieutin hatte 


3 - 


3 
























19. 


j*lch mit Petroleum bogoHHcn und 






























dieses angezQndet. 


3 1 

1 


4 


— 


— 


— 


— 


— 


— 




— 


~ 


1 


— 


1 






131 85 


216 


334 


263 

1 


597 


25 


13 


38 

r 


46 


21 

i 


67 


68 


51 

1 


119 







m 



Name der Krankheit. 


itm t^h \h- 
1831 


Hm 

rnen. 


ü u fr* 

Vorlegt - 

m. 1* ?lii 


SumiD« ' 



II. A b t h e i 1 u n g für 



1. Epilepsia 

2. Epilepsia mit Seelenstorung 

. 3. Alcoholismas 

4. Alcoholismns cum Epilepsia 

5. Hystcro-Epilepsia 

6. Eclampsia 

7.- Spasmi musculorum 

8. Apoplexia 

9. Syncope 

10. Hypochondria 

11. Acute Verwirrtheit 

12. Secundäre Seelenstorung 

13. Hysteria 

14. Lues cerebri 

15. Chorea 

16. Vertigo 

17. Cephalalgia 

18. Hemiplegia sinistra 

19. Neuralgia nervi quinti 

20. Inanitio post typhum abdominalem 

21. Delirium febrile 

22. Retroflexio uteri 

Simulatio 

Neugeborenes Kind , 



Smnma . , 



31 4 7 J02 72 174 18! 14| 32 123 1»0 XI 



1 1 



— 4 



4 J> 13 



10 



14 

10 

14 
12 



150 117 267 



1 1 

1 

1 



23 20 43 



11 ' 5 

10 1 

ir> — 

3 14 

— ' 4 

I 



22 



1 

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1 . — 

— 1 



1 — 



I 
177 I 1-ir, 3-23 



69 



A. 1> IT a. u n:* 



resp. 
gebessert. 



Ungeheilt. 

n. , w. 8a. 



Verlegt. 

I. w. 8a. 



Gestorben. 

m. ! «. I Sa. 



Bestand 

am31.De- 

cember 

1882. 

u. . w. 8a. 



Bemerkungen. 

Complicationeii resp. Krankheiten, die 
im Kranltenliaiise iiiniutraten. 



Krampfkranke. 



<^5| 211 8(> 

1 - 1 
N l 9 

11 -. 11 
3 8 11 

- 1 l 

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1 — 1 

I. I, 2 

2 13 15 

- 1 1 

1 

1 -- 1 


35 

8 

1 


49 

5 

4 

5 

1 
1 


84 

13 

1 
4 

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5 

1 
1 


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3 

1 
1 

2 

1 


«9 

1 
»3 

1 

1 

2 

1 

'1 

1 

1 


18 

2 
2 

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1 

1 
3 

1 
1 

2 
1 

1 
1 


7 

1 

1 
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1 

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1 


7 

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1. 

2. 
3. 
4. 
5. 

6. 

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9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 


l) 2 mal P.yclionis, Je 1 mal Tabes dor- 
8uaU8,»,CataiTh. broneli., Angina, Ca- 
tarrfa. intest., Kenititia nleeroaa, Ulciiii 
erurisju. (jouitis. 2) Je 2 mal Pay- 
clioaia ii. GravidiUs, Je Imal CaUrrli. 
bronrli., Pleuritla, Careiooroa ventri- 
culi und Abscesaus. l Kiod aiir 
Kindor.KlinllK. 3) 3 mal Cysticercua 
lobi front, Iroal Tumor lobi front. 

1) Hsyclioala. 

1) Je Imal Pneumonia u. Contuslo crurU. 

l)lGttmma in der hintersten linlEen Cen- 
tralwindnnf?. 

1)^2 mal K. gravidarum, Imal iu piter- 
perio. 

l) Parturicns. 
l) Pneumonia. 


1 : 

:'4 47 141 

1 

■ i 


44 


65 


109 


22 


20 


42 


10 

1 


6 


16 


7 


8 

1 


15 







70 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cembcr 

1881. 

m. I V. 1 8a. 



Z n ^ a n 



Neu 

aufgenom- 
men. 

ou j w. 1 8a. 



Verlegt. 

m. } w. , 8a. 



Samma 
des Bestände:^ 
und Zuganges. 

m. I w. fit. 



1. Alcoholismus 



2. Melancholia 

3. Mania.. 

4 . Secundäre Seelenstorung 

5. Paralysis progressiva resp. Dementia 

6. Imbecillitas 

7. Epilepsia mit Seelenstörung 

8. Epilepsia 

9. Hystero-Epilepsia 

10. Dipsomania 

11. Delirium febrile 

12. Chorea 

13. Hemiplegia dextra 

14. Inanitio 

Summa .... 



III. Abtheilung für 

10 - 10 365 10 375 70 4 74 445 14! 459 



16 



- 1 

~l 1 



17 



— ! 1 



1 — 
~! 1 

l! - 



406' 20 



16 

14 
4 



426 



92 



I 

l! 3 
3; 5 



15 

7 
4 



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18 



110 



19 



514 



71 



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A. t> K CL n §g» 



Geheilt 

resp. 

gebessert. 

m.1 V Sa. 



üngehoilt. 

m. I V. 1 8a. 



Verlegt 

in. I w. j 8a. 



Gestorben. 

m. I w. ; 8a. 



Bestand 

am 31. De- 

oember 

1882. 

m. I V. I 8a. 



Bemerkungen. 

Complicationen retp. Krankheiten, die 
im Kranlcenliause liinsntraten. 



Deliranten. 



m 


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— 


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•104 


*8 


112 


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— 


49 


8 





8 


1. 


1) :ilmal Contusionen, Wunden, Ge- 
»chwnre, Phlegmonen. 17 mal Pnen- 




, 


1 1 
























roonia, 7mal Psychosen« 5roal Phthisls 






! 1 






















pulmonum, Je 4 mal Bronehltis und 




' 


1 
























Catarrh. Intestinalis, 3 mal Icterus, 




' 




























Je '2 mal Rhcnmatismns, liuos, Tabes 
































dorsualls, Vertigo, Pleuritis, Psoriasis. 
































Distorsio pedis u. Scabies; Je Imai 
































l^rjsipelas, Typhus abdominalis, 






: 1 






















t'ommotio roedullae spinalis, Heml- 






1 






















plegia sin., Sclerosis multiplex, Epi- 




























lopsla, Haemoptoe, Bmphysema pul- 
























■ 1 




raon., Adeniti«, Febril gaatriea, Hae* 




























inatomesis, Cirrhosis hepatis. Ectro- 






1 






1 






1 




pium palpebr. Infer., Panophthalmitls. 






1 






1 






1 




Opacitates corporis ritrei, ^^raetura 




























radii u. Fract. eostamm. 2) Smal 




























nronchttis, 2 mal Psychosis, Je 1 mal 






























Catarrhns gastricns, Psoriasis und 






1 
























% Corobustlo colli et brachil. 


1 


- 1 




^ 


12 




2 




* 1 


1 


1 




1 


2. 


1) Je Imal Psychosis u. Vnluus sclo- 


1 














1 






petar. ad tempora. 2) Pleuritis. 


l 


1 2 


— — 


— 


*2 


»3 


.5 


32 


— 


2 


— 


— 


— 


3. 


1) Je 1 mal Abscessus cerebri n. Pharyn- 
gitis. 2) Je 1 mal Psychosis, Eclamp- 






1 










1 






: 




sia pnerp. u. Retroflexio uteri. 3) Je 






' 




1 
















Imal Phthisls pnim. u. Erysipeias 












1 












rapitls tranmaticum. 


i 


1 3 


- 2 


2 


15" 8 


•23 


«2| '1' 3 


— 


— 


— 


4. 


1^ 8ämmtlichsur Abtheilung für Geistes- 
kranke. 2) Je 1 mal Delirium pota- 














1 








torum u. Ifarasrans nenilis. 3) Bron- 










1 




1 












chitis ciironiea. 


- 


- — 


— . — 


— 


•22 2 '24 
6 1 '7 

1 


M| - 


1 
1 


- 




— 


5. 
6. 


1) sämmtliehxurAbthi>ihing ffir Geistes- 
kranke. 2) Euceplialitlü. 
s&mmtlich cur Abtheilung fDr Geistes- 
















kranke. 2) Encephalitis. 


- 


1 1 


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1 


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7. 


1) Je l mal Psychosis, Phthisis pulmon. 
n. Fractura malleoli ext. 2) Ulcus 


_, 


1 i 


1 














8 


cruris. 3) Knt'cphalitis. 







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1 __ 





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9. 


l) «ur Abtheilung für Krampf kranke. 


1 


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1 





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10. 




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1 1 


11. 


1) Typtiuü abdominalis. 





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, 


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1 


12. 


\) Psyrliosis. 


1 


- 1 


1 


*1 — ! 


1 


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13. 


l) Apoplexia cerebri. 






— — 


— 


M - 1 

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14. 


1) Krxema sordidum. 


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2 


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156 


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57 


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72 



Chirurgische 

Dirigirende Aerzte: Gencral-Arat 



EUnik und Neben- 1 

und Geh. Mediciiialrath 



Name der Krankheit. 



I. Verbrennung 

II. Erfrierung 

III. Brand. 

1 . Gangraena digitoram manus resp. pedis 

2. Gangraena manus sinistrae../ 

3. Gangraena cutis abdominis 

4. Gangraena senilis 

5. Decubitus 

VI. Contusion excl. Contusion der 
Gelenke 

V. Abscessus 

VI. Krankheiten der Haut und des 
Unterhaut-Bindegewebos. 

1. Acne 

2. Molluscum cutaneum 

3. Erythema ....[ 

4. Erysipelas 

5. Phlegmone 

6. Furuncul us 

7. Carbunculus 

8. Eczema 

9. Herpes 

10. Pemphigus 

11. Impetigo 

12. Rupia 

13. Prurigo 

1 4. Psoriasis 

1 5. Scleroderma 

16. Elephantiasis 

17. Framboesia 

18. Lupus 

19. Scabies 

Latus . . . 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



w. I 8a. 



1 - 



1 — 



30 



r. 36 



Z u IC* a n ip. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. ! V. I Sa. 



14 44 
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4 
2 



1 
3 
13 11 



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93 
80 



1 

5 

24 

61 



27 

7 
20 

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1 
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111 416 



Verlegt. 



«. 8a. 



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39 



8 
24 



22 61 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 



33 
12 



93 
71 



2 
16 

62 



27 

8 
18 



374 139 513 



73 



abtheilimg für äusserlich Kranke. 

Professor Dr. Bardeleben und Ober -Stabs -Arzt Dr. fiitarcke. 



A l> nf a n nf» 



Gebeilt 
resp. 

gebessert. 

p- i y- I 8». 



Ungeheilt. 



TO. , w. ' Sa. 



Verlegt. 



m. I w. I 8a. 



Gestorben. 



m. I w. 8». 



Bestand 

am 31. Dc- 

cember 

1882. 

m. I w. I 8a. 



Bemerkung e.n 

Coraplicationen roip. Kraukheitcii. die 
im Krankeiiliause hlnsutratcn. 



24 13! 37 

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19 



l. 

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III. 

1. 

2. 
3. 

4. 
5. 



IV. 
V. 

VI. 

1. 
2. 
3. 
4. 



7. 

8. 

9. 
10. 
Ih 
12. 
13 
14. 
15. 
16. 
17, 
18. 
19. 



1) 2mal I>eliriiim treineus, IraalTjrphni 
abdominal!«. 



1) In beiden Fällen Kndocarditis ulce- 
rosa, 
l) Ablatio humeri. 



1) Je 1 mal Epilopsla u. Oravidlta«. 



I) 2 mal Del. trem.. Je I mal Psychosis, 
Epilepaia, Bronchitis und Pleuritis. 
2) Myelitis ascendeiis traumatica. 

t) Je 1 mal Tabes dorsualis n. Atrophia 
nervi optici. 2) 2 mal 8ep8is pner- 
peralis, Je Imal Lues, Epilepsia, 
Scabies und Gravldltas. 3) 2 mal 
Plitbisls polmonnm. Je 1 mal Carles 
vertebrar. dors.« Peritonitis iehorosn 
universalis u. Coxitis purnlenta. 



1) Broncliitis. 

l) Je 1 mal Hcmiplegia c. Apliasia und 

Deliria. 
1) beide Ifmle Delirium tremens. 2) Je 

2 mal Sepsis a. Del. trem. , Je 1 mal 

Febris pnerperalts, Peritonitis, Ne* 

phritis u. Cor adiposum. 

1) Diabetts mellitus. 2) 2 Monate altes 

Kind, 
l) Catarrh. bronohialis. 2} 9 Patienten 

nur Abtheilang f. HautliranlLe, 1 mal 

Cataracta congenita, 

1) aar Abtheilung fnr Hautkranlte. 
1} aur Abtheiluiig für Hantliranlto. 



1) sur Abtheilang (ur Hautltraulce. 

1) Syphilis. 

l) Bur Abtheilung fQr Hantliranitc. 



28 



74 



Name der Krankheit. 



Hestand 

am 31. De- 

oember 

1881. 

w. I Sa. 



Z u ^ a n AT« 



Neu 

aufgenom- 

mea. 



Verlegt. 



m. m. I 8a. 



Summa 
des Bestandes 
und Zugan<;os. 

■. I w. I Si. 



Transport . . . 

20. Dlcera excl. Ulcera crurum et pedum 

21. Pityriasis 

22. Erosio et Excoriatio 

23. Cicatrices dolentes 

VII. Krankheiten der Gefassc. 

1. Varices 

2. Aneurysma traumaticum anms volaris 
manus 

3. Teleangiectasia 

4. Phlebitis et Thrombosis 

5 . Ly mphangitis 

6. Lymphadenitis resp. Hyperplasia glan- 
dul. lymph 

VIII. Krankheiten der Nerven. 

1. Tabes dorsualis 

2. Sclerosis multiplex medullae spinalis 

3. Spasmus musculorum 

4. Neuralgia nervi quinti 

5. Neuralgia occipitalis 

6. Neuralgia ischiadica 

7.' Paresis nervi axillaris 

8. Paralysis nervi radialis 

9. Paresis nervi ulnaris 

10. Hemiplegia sinistra 

11. Paresis cruris ex fractura femoris.... 

12. Atrophia musculorum humeri 

IX. Krankheiten der Knochen. 

1. Ostitis et Periostitis 

2. Exostosis : 

3. Osteomyelitis 

4. Caries 

5. Necrosis .' 

6. Fractura calvariae 

7. ^ baseos cranii 

8. y, ossium nasal 

9. „ maxillae superioris 

10. „ mandibulae 

11. f, vertebrarum 

12. „ ossium pelvis 

JMxkB . . . 



57 



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9 



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18 



111 



10: 4 
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75 



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A. l» K a. n AT* 


)en. 

6a. 


Bestand 




Bemerkungen. 

Complicationen retp. Krankheiten, die 
im Krankeuhaune hiiisutraten. 


lieheilt 

resp. 

gebessert. 

m.|w. 1 Sa. 


ün 


geheilt 

w. 1 Sa. 


Verlegt. 

m. 1 «. |8a.. 


Gestört 

m. 1 w. 1 


auD 
C( 

m. 


jmber 
1882. 

w. < 8a. 


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1 

1 
1 
1 

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1 

2 

1 

4 

2 


28 
5 

1 

5 

1 

1 
8 

5 


20. 
21. 
22. 
23. 

VII. 

1. 

2. 
3. 
4. 
5. 

6. 

VIII 

1. 

2. 
3. 
4 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 

IX, 

1. 
2. 
3. 
4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 


1) J« Imal CaUrrh. bronch., Nephritis 
u. Iritis. 2) Cariea vertcbr. dorsal.. 
Ileopsottis apostematosa. 

l) ßmphysom« pnlni. 1») Febris piier- 
pcnüts. 

1) 2mal SjpbliisOe linalCatarrh.broncli., 
Catarrh. gastriciu n. Paralyais ehordae 
vocalis. 2) 2 mal Phthisis palmon., 
Imal Strletora oesophagi. 

s. Nervendehuung aufgenoininen ; wurde 
nicbt operirt. 

1) Phthisis pulmonum. 
1) Neuralgia nervi ulnaris. 

1) Imal Phtliists pulmon., 1 Kranlicr 
. sur Abtheilung f. Gefangene. 2)2mal 

Caries oss. petrosi, l mal Caries oss. 

ethraoid. 

l) Scrophuloftis. 2) Necrosis stcnii, 
Tnbercalosis miliaris acuta. 

1) Fraetura calrariae et femoris. 
2) Fracturajorbitae, Panophthalralti.«* 
et Encephalitis apostematosa. 


mm 


612 


11 


5 


16 


40 


23 


63 


88 


21 


59 


34 


20 


54 







76 





Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

m. w. , 8ik. 


Z u AT 


a ] 


II IT. 

erlegt. 

w. 8a. 


Summa 
des Bestands 
und Zugani:*^ 

». m. 8*. 


Name der Krankheit. 


Neu 
aufgenom- 
men. 

m. w. 1 8a. 


V 

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Transport 
13. Fraciura claviculae 


57 

1 
1 

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1 

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1 

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1 
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1 
1 

1 


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10 

3 

11 
22 

11 
18 
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1 
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1 
1 

1 

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14 

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1 

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1 
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17 

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1 
1 


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4 

13 

11 

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17 

18 
21 
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14. ^ scapulae 


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2 - 

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7 7 


15. „ costarum 


16. „ hameri 


17. „ ulnae 


18. « radii 


19 „ antibrachii 


20. „ ossium metacarpi 

21. „ complicata digitorum manus 

22. „ colli femoris 


23. , femoris 

24. , tibiae 

25. „ fibulae 


26. „ cruris 


27. ^ ossium tarsi et metatarsi... 

28. y, phalang. dig. ped. complicata 

29. „ patellae 


30. Couquassatio digitorum manus 

31. „ femoris 


32. „ cruris dextri 


33. n digitorum pedis 

X. Krankheiten der Gelenke. 
I . Arthrophlogosis humeri 


2. „ cobiti 


3. ^ manus 


4. „ coxae 


5. n genu 

6. „ pedis 

7. Arthritis deforraans 

8. Hydarthrosis genu 

9. „ pedis 


25 

8 

1 

6 

1 
l 


21 

1 
1 

1 

1 


10. Haemarthrosis genu 

11. Ankylosis humeri 

12. „ cubiti 


13. „ manus 


1 4. „ genu 

15. Pscudarthrosis claviculae 


2| 1 

1 - 
-' l 

2j - 


1 


16, „ antibrachii 


1 


17. ^ femoris 

18. „ cruris * 


2 










Latus . . . 


93 


29 


122 


659 


246 


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102 


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77 



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n AT. 


Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 

m. , w. ; 8a. 




Bemerkungen. 

Coinplicationen resp. Krankheiten, die 
im Kninlienhanie hfnxntraten. 


iieheilt 
resp. 

zehassert 

B. V. 1 Sa. 


ün 


gehe 


ilt 

Sa. 


Verlegt. 

m. 1 w. 8ai 


Gestorben. 

m. 1 w. ; Sa. 


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13. 
14. 
15. 
16. 

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19. 
20. 
21. 
22. 
23. 

24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 

32. 
33. 

X. 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 

6. 
7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 


1) ;e 1 mal 8earlatiiia u. Catarrh. bron- 
ehialis. 

1) Delirium tremens. 

l) Scariatina. 2) Apoplexia cerebri. 

1) Dcl. tremens. 2) Commotio cerebri. 

t) Del. tremens. 3 mal Fract. compli- 
cata, Imal Fract, antibrachii et pa- 
tellae. 

\) Paralysls ai;itans. 

t) je 1 mal Del. tremens u. Tabes dor. 

Bual. 2) Je 1 mal Apoplexia cerebri, 

Commotio cerebri n. Del. tremens. 

.1) Fractnra ufrinsqne ferooris roro- 

plicata. 

1) Delirium tremens. 

l) BpUepsia. 2) Delirium tremens. 

l) Del. trem. 2) 1 Kind lur Kinder- 

Klinik u. Imal Dementia. 3) Del. 

treni. 4) sterbend eingeliefert. In 

8 Fällen waren die Fracturen eom- 

plldrt. 

1) GleicIiaeitiK Fract. compl. oommi- 

nuU cruris sin. u. Fract. eubitl. 
l) KndocardItiR vejrucosa. 

1) Plithisis pulmonum. 

l) Syphilis. 2) Parturienle«. 

l) Deliria. ^ 

1) l mal Paralysis n. peronei, l Kranker 
anrAbtheilnng rnr Gefangene. 2} Je 
Imal Scabies, QnTidiUs u. ttheu- 
raatis. chron. 3) Puerpera. 

1) Je Imal Del. trem. u. Phtbiais pulra. 
2) Phthisi« pnimon., Ablatio cruris 
utriusqne sanaU. 

l) Syphilis. 2) Partnriens. 

l) Partnriens. 

1) Paralysis nervi peron«»!. 

t) Amputatio cruris. 


^'?.224 877 


15 


9 


24 


56 


35 


91 


54 


24 


78 


76l 


40 


116 







78 



Name der Krankheit 



Bestand 
am 31. De- 

cember 
1881. 

. , 8«. 



Z u «r a n AT- 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. , tr ' Sa. 



Verlegt. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges 

m. I ^- I {^ 



Transport 

19. Pseudarthrosis tibiae 

20. Spondylarthrocace 

21. Contusio artiouli humeri 

22. „ cubiti 

23. „ manus et digitonim 

24. „ coxae 

25. „ genu 

26. „ pedis 

27. Distorsio humeri 

28. „ manas 

29. ^ poUicis 

30. , genu 

31. „ pedis 

32. Luxatio humeri 

38. „ antibrachii 

34. , manus 

35. „ pollicis 

36. ^ phalangum digitonim manus 

37. „ femoris 

38. „ pedis 

39. Rheumatismus articulorum acutus . . . 

40. „ „ chronicus 

XI. Krankheiten der Muskeln, 
Sehnen und Schleimbeutel. 

1. Tendovaginitis 

2. Hursitis olecrani 

3. ^ praepatellaris 

4. „ trochanterica 

5. Genu valgum 

6. ^ yarnm 

7. Pes equino - varus 

8. „ varus 

9. « planus 

10. Rheumatismus musculorum 

XII. Krankheiten des Kopfes incl. 
Ohr und Nase. 

1 . Apoplexia cerebri 

2. Commotio cerebri 

3. Vulnus ictum resp. incisum 

4. „ contusum resp. laceratum . . . 

5. „ morsum 

6. „ sclopctarium 

7. Atheroma ad faciem 



Latus . 



29 



127 30 



122 

1 
3 



659 



246 905 



102 



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18 

10 

17 

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1 

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1 

2 

28 

17 

1 

1 
1 
2 
2 
12 
8 



57 
1 



1 
1 

3 

2 

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23 



4 

28 

33 



159 



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7 
15 

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18 

9 
20 
40 

4 

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2 

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2 
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9 

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953 290 



1223 



131 



64 195 



1211 384 



79 



A. l> nf 1« n 


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am 
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1 


istand 

31 Hn- 




Bemerkungen. 

Compllcationen resp. Kraiikheitau, die 
Im Krankenhanse hlnsntrateii. 


'icheilt 
resy. 

uvbessert. 

B. V. 1 Sa. 


In 


geheilt. 

V. 8a. 


Verleg 


t. 

8a. 


(icstorhen. 

m. t w. 8n. 


882 


8a. 


B53 224 877 

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• 1 

1 
1 


19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 

XL 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 

XII 

1. 
2. 
3. 

4. 

5. 
6. 
7. 


1) snr Kliider-KUnik. 
1) D«Uriuni tremens. 

1) beide Male Del. trem. 9} Je 1 mal 
Del. trem. ii. Tritmiis. 

1) C'atanrlius gaatricut. 
radlalle. 

1) Drnibitua. 

l) PareftU nervi peronei. 

1) Je Imal Del. tremens, Pivohoaia ii. 
Scabies. 

1) 5 mal Del. trem., l mal TyphnH ab- 
dominalis. 2) Apoplexia rerebri. 
3) Coramotlo cerebri. 

In allen F&llen 8uicidlum,resp. Conanen 
suicidii. 


|*V;i>.:äii^i5 


16 


1» 


25 


• 8r. 


41 


124 


64 


25 


89 


95 


1? 


142 







80 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

in. , w. , Sa. 



Z u «r a n «T. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

n. I w. ! 8«. 



Verlegt 



Samma 
des Bestandes 
and Zuganges. 

n. I *. I 8«> 



Transport 

8. Lipoma äd regionem supramaxiilar. . . 

9. Sarcoma in cayo naso-pharyng. per- 
magnum 

10. Sarcoma mandibulae 

1 1 . Carcinoma faciei 

12. Angioma cavernosum ad frontem 

13. Otitis externa : 

14. Otitis media " 

15. Perforatio membranae tympani 

16. Abruptio partialis conchae auris sin. 

17. Epistaxis 

18. Ozaena 

19. Polypus narium 

20. Perforatio septi narium 

21 . Defectus nasi 



127 



30 157 



9531290 1223 131 



I 
64: 195 



12111 384 '1595 



1 - 



XIII. Krankheiten des Mundes, 

Schlundes, der Speiseröhre und 

Parotis. 

1 . Stomatitis 

2. Carcinoma linguae 

3. Ranula 

4. Labium leporinum et Palatum fissum 

5. Angioma labii superioris 

6. Papilloma ad labium superius 

7. Carcinoma labii inferioris 

8. Carcinoma mandibulae 

9 Carcinoma parotidis 

10. Yulnus laccratum labii superioris . . . 

1 1. Perforatio palati duri 

12. Angina tonsillaris 

13. Strictura oesophagi 

14. Parotitis 

XIV. Krankheiten des Halses. 

1. Stenosis laryngis 

2. Polypus laryngis 

3. Fistula laryngis e traoheotomia . . . J . 

4. Corpus alienum in larynge 

5. Angina Ludowici 

6. Vulnus caesum ad collum 

7. Vulnus sclopetarium ad latus colli.. 

8. Lymphomata ad collum 

9. Athcroma ad collum 

10. Struma 



— 1 

— 1 

— 1 
l — 

1 — 
1, — 

- - 

11 — 

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1 

1 

2 1 
1 



Latus . 



133 31' 164 



5 - 



992 307 1299 



140 



69 



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1 - 

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81 



A. l> er a n flp. 



'teheilt 
n;sp. 

rcbessert. 

. y. I Sa. 



Ungeheilt. 



m. xe. I 8a. 



Verlegt. 



m. I w. I Sa. 



Gestorben. 

m. I n-. ' 8a. 



Bestand 

ani31.De- 

cember 

1882. 

m. I w. I Sa. 



Bemerkungen. 

Complicitionoii ro^p. Krankheiten, die 
im Kranlc<*nhauMP hinxntratrn. 



m 262 1215 
- I 1 



16 



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25 



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10 29 

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41 



87 41 



124 



64 25 



128 



71 



27 



89 



9.5 471142 



98 



102 



8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 



XIII 

1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 

XIV 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 



1) Meniii)({tiii. 



1) In beiden Pillen Ueniiigitls aeutn. 



1) Bronehitia. 



t) Epilepala. 2) Pneomouia. 



.1 Patienten linmen nur zur Anatalt, nm 
eine neue Trachealranrile xnerhfllt«>u. 



1) Suicidiun 



48 150 



"-»n^.Aanaleo. IX. Jahrg. 



di 



IM|9^M« 



Name der Krankheit. 



fsttmmmm 

Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 



Z 11 fl^ a n 



Neu 
aufgenom- 
men. 

Sa. 



Verlegt. 

m. I w. } ga 



Samma 

des Bestandes 
and Zuganges 

■■ i w. I 8a. 



Transport . . . 

XV. Brustdrüse und Thorax. 

1. Mastitis 

2. Fibroma mammae 

3. Fibroadenoma mammae 

4. Carcinoma mammae 

5. Sarcoma ad thoracem 

6. Pistuia thoracis 

7. Gumma ad pectus 

8. Empyema 

9. Vulnus sclopetarium 

XVI. Bauchhöhle und Bauchdecken. 

1. Hemia libera 

2. Hemia incarcerata 

3. Incarceratio interna 

4. Vulnus laceratum 

5. Vulnus ictum pcrforans abdomin 

6. Corpus alienum in musculis abdominis 
resp. in abdomine 

7. Echinococcus 

8. Atheroma ad abdomen 

9. Tumor in abdomine 

XVII. Mastdarm. 

1. Periproctitis 

2. Strictura recti resp. ani 

3. Fistula recti resp. ani 

4. Fissura ani 

5. Haemorrhois 

6. Plicae ani hypertrophicae 

7. Polypus recti • 

8. Prolapsus recti resp. ani 

9. Carcinoma recti 

10. Vulnus laceratum ad anum 

XVIII. Harnröhre, Harnblase und 
Prostata. 

1. Strictura urethrac 

2. Fistula urethrae 

3. Cystitis 

4. Ectopia vesicac 

5. Retentio urinae 

6. Ischuria 

Latus . . . 



133 



31 



164 



2 2 
2 2 



149 39 



992 



307 



1299 



140 C9 



1 
1 
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1881106 



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11 



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1 
1 
5 



1507 



1 

1 

163 



209 



90 



253 



1265 407 1672 



10 

5 



17 

8 



1 

22 

12 

1 
1 
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29 

2 
25 

2 

1 
5 

1418 



sa 





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a, n or* 


Bestand 

am 31. De- 

oember 

1882. 

in. 1 w. ' 8a. 




Bemerkungen. 

Complic-ationen resp. Kranklieiten, die 
im Kraiik«iiiiauf)e hinxutraten. 


Geheilt 

resp. 

gebessert. 

la. «. . Sa. 


Ungeheilt. 

m. 1 V. ' 8a. 




jrlegt. 

w. 1 Sa. 


Ges 

IB. 


torben. 

w. 1 8a. 


986 

1 

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15 

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18 
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1 
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2 

12 
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5 
21 
3 
1 
1 

23 

1 
22 

1 
4 


19 

1 

1 

1 

1 


10 

2 
3 

1 
2 


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1 
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1 

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2 

2 

1 
3 

1 


XV. 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 

XVI 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 

6. 
7. 
8. 
9. 

im. 
1. 

2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 

xvni. 

1. 

2. 
3. 

4. 

5. 
6. 


1) Plitliisia piilinoniim. 

1) AbscefiHiis piilm., Conameu auiridii. 

1) BroiicIiitiN. 
1) PArtiirieiia. 

1) Peritonitis 

1) Keratitis. 

1} Hemiplegia. 2) In beiden F&llen 
Phtlilsis pulmonum. 

1) Cardlalgia. 

1) Je 1 mal Phthisia pnlmon., Marasmus 
uniTersalis, Abscessus perinei und 
Peritonitis universalis, Peritonitis u. 
Perineplirltis apostematosa. 

1) Je Imal Del.trem., Dysenteria, CaUrrti. 
gastr. u. SypliUis. 2) Parametritis. 
9) In einem Falle MorbilU. 

1) R«troflexlo uteri gravtdi. 

1) Je l mal Febri« intermittens, Pbthisis 
pulm. u. Rheumatismus. 


1091 


366 


1457 


23 


18 


41 


96 


1 ^^ 


144 


86 


43 


129 


122 


55 


177 







84 



Name der Krankheit. 



3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 



Transport 

Liihiasis 

Prostatitis 

XIX. Geschlechtsorgane. 

Orchitis et' Epididymitis 

Sarcoma testiculi 

Hydrocele 

Sarcocele 

Haematocele 

Phimosis et Paraphiraosis 

Carcinoma penis 

Cystovarium 

Fistula rectovaginalis 

Syphilis blennorrhoica 

XX Extremitüten. 

Oedema inflammatorium 

Clavus 

Onychia 

Panaritium 

Ulcera cruriim et pedum 



6. Vulnus punctum resp. incisum 



7. Vulnus contusura resp. laceratum ... 

8. Vulnus sclopetarium 

9. Vulnus morsum 

10. Papilloma 

11. Fibroma » 

12. Sarcoma ; 

13. Enchondroma 

14. Myxosarcoma 

15. Osteosarcoma 

16. Carcinoma ad crus sin 

17. Abscisio digitorum 

XXI. Verschiedene nicht chirur- 
gische Krankheiten 

Simulatio 

Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mütter resp. gesunde Mütter in 
Begleitung ihrer kranken Kin der .... 

Summa. . . 



Bestand 

am 31. Dc- 

cember 

1881. 



149 



219 



39 188 






- 1 

— I 1 



49 



1 



268 



Z u AT a, la o^ 



Neu 
aufgenom- 
men. 

8a. 



1106 

6 

1 



15 
3 

12 
1 

1 

11 
1 



42 

5 
2 

21 
268 



41 



31 
2 

11 
1 
2 
2 
1 
1 
2 
1 



31 
2 



1632 



401 



572 



1507 

6 

1 



15 

3 

12 



58 

2 

33 

367 



45 



32 
2 

12 
3 
2 
2 
2 
1 
2 
1 
4 



58 
3 



2204 



Verlegt. 

m. I «r. Sa. 



163 

1 



193 



253 
2 



104 



19 



29'3 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 



Uisl 530 1 1948 

7' 1 S 
1 — 1 



15 

3 

15 

1 

1 

14 

2 



1 
2 
6 — 



45 
5 
2 

23 
341 



47 



32 
2 

11 
1 
2 
3 
1 
1 

2 
1 
3 



34 
2 



2044 



17 

1 

12 

114 



SO 
1 



725 2769i 



85 



1 






A. 1 


b fl^ a n 


AT 








Bestand 
am 31 De- 




Bemerkungen. 

Compitcationeii resp. Krankheiten, die 
im KrankeiihauKe hinxutraten. 




Geheilt 

resp. 

^bessert. 

BL w. ! 8a. 


Unj 
m. 


5eh 

w. 


eilt. 

Sa. 


Verlei 

m. 1 w. 




Gestört 
m. ; w. 


eil. 
8a. 


cember 
1882. 

m. I w. 1 8a. 


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1 

1 

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1 
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13 

1 

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2 

1 

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2 

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1 

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370 

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2 

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2 
1 

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3 

15 
3 

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23 
2 

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1 


18 

1 

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41 

2 



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19 


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6 


122 

2 
1 

1 

1 

3 

34 

1 
1 

1 


55 

1 

2 
12 

1 
1 


177 

2 
1 

2 

1 

5 

46 

l 

1 

1 

2 


7. 
8. 

XIX 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 

XX. 

1. 

2. 
3. 
4. 
5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 

XXI. 


I) beide Maie Gonorrhoen. 
1) beide Male Syphilid. 

1) Je 1 mal Phthi^i» pulm.. Nephritis u. 
StrabismuM convergenii. 

1) 4 mal AlroholiMnuü, 3 mal Phthisiti 
pnlro.. Je 3 mal Catarrh. bronehialis, 
PiK'umonia. Nephritis n. Scabie», Je 
Iraal HemipIeKia, Bmphyiiema pulm., 
Cardial((tn. Catarrh. gastr. n. Albu- 
minurie, t») 3 mal (JravidiUa, 2 mal 
Chlorosifi, J»- l mal Melancholia, Pso- 
riaHi» u. Luc». 3) Pneumonia und 
Intoxication dnrrh Acid. carbol. 4) 
Sepsi« acuta. 

1) beide Male Delirium tremen». 2) Imal 
Vulnus ictnm ad regionem »analem. 
MeningitiM spinalis purnlenta. Imal 
Vulnus ictum pulmon. sin. perforauM 

1) Pharyngitis. 

1) Amputatio femoris. 


f 


506 


2100 


34 


20 


54 


US 


80 


228 


101 


47 


148 


167 


72 


239 







86 



Dirigirender Arat: Ober- Stabsarzt 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

ni. I w. I 8a. 



Z u AT a II AT* 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. I y. I Sa. 



Verlegt 

B. ' V. Sa. 



des Bestand«' 
und Zuganges 



1 . Tumor cystious ad palpebram 

2. Distichiasis 

3. Contusio palpebrarum 

4. Teleangiectasia ad palpebram 

5. Entropium 

6. Ectropium 

7. Blepharitis 

8. Occlusio ductus lacrimalis 

9. Panophtbalmitis resp. Atropbia bnlbi 

10. Cyclitis 

11. Conjunctivitis catarrbalis 

12. Coi^junctivitis tracbomatosa 

13. Conjunctivitis blennorrhoica 

14. Conjunctivitis gonorrhoica 

15. Keratitis phlyctaenulosa 

16. Keratitis superficialis 

17. Pannus trachomatosus 

18. Keratitis parenchymatosa 

19. Keratitis ulcerosa 

20. Keratitis marginalis 

21. Leucoma adhaerens 

22. Staphyloma 

23. Iritis simplex 

24. Iritis traumatica 

25. Iritis syphilitica 

26. Choroiditis 

27. Retinitis 

28. Neuro -Retinitis 

29. Atropbia nervi optici 

30. Embolia arteriae ophthalmioae 

31. Glaucoma 

32. Cataracta senilis matura 

33. Cataracta secundaria 

34. Luxatio lentis 

35. Strabismus convergens 

36. Strabismus divergens 

37. Opacitates corporis vitrei 

38. Hyperopia 

39. Astigmatismus 

40. Trauma bulbi 

41. Exophtbalttius 

42. Neuralgia nervi supraorbitalis 

Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mütter 



Summa . 



19 



II 30 



78 



53 



131 



2 — 
1 — 



1 — . l 

2 1 3 
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1 
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14 
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15 
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13 
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10 

1 

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1 
4 

3 

I 
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6 

I 
I 



80 202 



87 



Onik. 

und Privatdoceut Dr. Burehardt. 



.^ l> Or a. n fl^« 


Bestand 
am 31 T^- 




Bemerkung e'n. 


Geheilt 

resp. 

gebessert. 

■. ' V. I 8«. 


Ungehe 

n..|w. 


ilt. 

Sil 


Verlegt. 


Ges 

m. 


torb 

w. 


en. 

Sa. 


cembc 
1882 

m. w. 


Sa. 


Coroplicatioticn renp. Krankheiten, di« 
im Krankenhaute hinintraten. 


1 

2 

1 

1 

1 
1 

2 

2 
1 
3 
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1 

2 

1 

2 

1 

6 

3 
2 

1 

2 

1 

1 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
85. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41 
42. 


1) Hemipli'gia. 

1) PhthlHi« pulmonum. 
1) Fiatula ani. 

1) 2 mal Strictnra recti, Imal Lumbago. 

Phthisitf pulmonum. 

1) P«ycho»is. 

1) Mara«mu« «eniliit. 

1) Melaiicholia. 

1) Atrophia musculorum antibrachii. 

1) Ha«moptoe. 

1) Tab«» dorauüis. 

1) Catarrhus bronchialii». 


N) 


6i 


141 


13 


4 


17 


7 


6 


13 


— 


1 


1 


22 


8 


. 30 







88 



EindeH 

Dirigircnder Arzt: Geh. Med.-RatH 



Name der Krankheit. 



Bestand 
am 31. De- 

cember 
1881. 

m. ; w. I Sa. 



Z UL AT a n fl^. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. < «-. I Sa. 



Verlegt. 



w. I Sa. 



Summa 
des Bestand« 
und Zugang» ^ 



1. Variolois 

2. Varicellae 

3. Scarlatina 

4. Morbilli 

5. Erj'sipclas 

6. Diphtheria 

7. Typhus abdominalis 

8. Tuberculosis miliaris acuta 

9. Tuberculosis pulmonum resp. Broncho- 
pneumonia 

10. Dysenteria 

11. Kheumatismus articulorum chronicus. 

12. Scrophulosis 

13. Rachitis 

14. Diabetes mellitus 

15. Lues congenita 

16. Lues acquisita 

17. Atrophia infantum resp. Debilitas 
universalis neonatorum 

18. Idiotismus 

19. Commotio cerebri 

20. Hydrocephalus 

21. Meningitis 

22. Encephalitis 

23. Convulsiones ...., 

24. Poliomyelitis 

25. Epilepsia 

26. Eclampsia 

27. Trismus et Tetanus 

28. Chorea 

29. Spasmus glottidis 

30. Cephalalgia 

31. Paralysis spinalis spastica 

32. Paralysis essentialis infantum 

33. J^araplegia extremitatum inferiorum . 

34. Contractura musculorum femoris utri- 
usque 

35. Laryngitis 

36. Croup 

37. Tussis convulsiva 

38. Bronchitis 

39. Pneumonia et Pleuropneumonia 

40. Pleuritis 

41. Endocarditis.... 

42. Vitia valvulanim et ostiorum cordis. 



Latus . . 



15 



2| 3 



14 



29 



306 



3 
3 
47 
11 
1 
77 
14 



311 



3 

10 
89 
18 

5 

134 

32 

1 

38 
6 
1 
2 
6 
1 

24 



112 

6 
1 
4 

10 
1 
3 
1 
4 
1 
1 

13 
4 
1 
1 
1 
1 

1 
1 

5 

8 

42 

14 

6 



617 



11 3 



13 



10 



4 

48 
8 
4 

59 

19 

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14 

3 

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1 
2 
1 
14 



1 
3 
2 
5 
32 
11 
3 
1 
1 



26 



334 338 6721 



89 



Klinik. 

und Professor Dr. Henoeh. 



A. 1> AT a n er. 



Ungeheilt 



Verlegt. 

m. I w. 8a. 



Gestorben. 



Bestand 

am31.De- 

cember 

1882. 



Bemerkungen. 

Coroplteationen r«ap. Krankheiten, die 
im Kranketihaaae binau traten. 



— 1 



— 1 



14 



V2 20 
2 3 



57 



207 



186 



18 



114 



393 



16 



1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13 
14. 
15. 
16 

17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 

34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 



1) Je 1 mal Bronchopeumonia u. Gastro- 
enteritis. S) Nephritis. 

1) 4 mal Dipbtberia, Imal Pneumonia. 
1) Je 1 mal Atrophla, Necrosis scroti, 
u. Jlbscessus ad nucham. 

1) 2 mal Diphtheria. 



1) Dysenteria. 

1) Parotitis; sur chii^rg. Klinik. 



1) Tuberculosis universalis. 



1) Scarlatina u. Croup. 

1) sur Nerven-Klinik- 
1) Idiotismus. 



1) Je Imal Scarlatina n. Tussis convul- 
siva. 



90 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

oember 

1881. 



Z a fl^ a, n fl^. 



Neu 
aufgenom- 
men. 

, ! 6«. 



Verlegt. 



Summa 

des Bestandes 
und Zuganges. 



Transport 

43. Lymphadenitis 

44. Stomatitis 

45. Angina tonsillaris 

46. Striotoia oesophagi 

47. Catarrhus gastricus 

48. Catarrhus intestinalis resp. gastro- 
intestinalis 

49. Hemia umbilicalis 

50 Prolapsus ani 

51. Icterus neonatorum 

52. Tumor lienis 

53. Ascites 

54. Nephritis 

55 Phimosis 

56. Mastitis 

57. Fluor albus 

58. Kolpitis 

59 Ruptura vaginae et recti 

60 Atresia vaginae et ani 

61. Otitis media 

62. Erythema 

63 Phlegmone 

64 Eczema 

65. Furunculosis 

66. Pemphigus 

67. Impetigo 

68. Psoriasis 

69. Lupus 

70. Scabies 

71. Favus 

72. Absoessus 

73. Periostitis 

74. Osteomyelitis 

75. Caries 

76. Arthrophlogosis coxae 

77. Arthrophlogosis genu 

78. Ankylosis humeri 

79. Ankylosis cubiti 

80. Spondylarthrocace 

81. Bursitis praepatellaris 

82 Pes varus 

83. Fractura humeri 

84. Fractura femoris 

85. Fractura cruris 

86. Combustio 

87. Yulnus contusum 



15 



14 



39 






Latus . 



26 



11 



306 

1 
4 

1 
5 

52 

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2 

11 



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1 
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12 

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6 



25 51 



435 



435 



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1 
3 
11 
1 
8 

102 

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2 
14 



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2 

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29 

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1 

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11 



13 



10 
2 
5 

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7 

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1 



13 



26 



12 



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1 
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1 
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1 

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1 
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2 



870 



30 19 49 



491 



91 





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1 

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31 Ha. 




Bemerkungen. 


Geheilt 

resp. 

gebessert. 

■. V. 8«. 


Unj 


geheilt. 

w. 1 Sa. 


Verleg 

m. 1 w. 


8«. 


Gestorben. 

n. «'. . 8«. 


3mb< 
882 

w. 


3r 

8a. 


Complieationen rotp. Krankheit«», die 
im Kranlcenliauae binsatrater. 


102 

1 

4 

1. 

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2 


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2 
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M 

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M 

1 


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1 

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1 

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2 

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41 

1 

1 

1 

1 

1 
5 

1 

2 
2 

2 

1 


43. 
44. 

45. 
46. 
47. 

48. 
49. 
50. 
51. 
52. 
53. 
54. 

55. 
56. 
57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
6?. 
64. 

65. 
66. 
67. 
68. 
69. 
70. 
71. 
72. 
73. 
74. 
75. 
76. 
77. 
■78. 
79. 
80. 
81. 
82. 
83. 
84. 
85. 
86. 
87. 


1) Atrophia. 

1) Phimoeia, aar chirurgischeD Klinik. 

t) in 8 FftUen Nephritis scariaUnosa 
9} 9 mal Diphtheria, Je Imal Dyaen- 
Uria, Pnenm. tt. Bmpyema. 

1} Atrophia. 

1) Stoprum. 
8tuprum. 

1) aar chinirg. Klinik. 

1) 4 mal Atrophia, 9 mal Bronchopneu- 

1) beide Male Atrophia. 
1) Diphtheria. 

1) Bronchopneiimonia. 

1) Meningitis. 

1) Scarlatina. 9) Phlegmone c«Ui. 

1) sur cbimrg. Klinik. 2) Morbilli. 

1) snr chirnrg. Klinik. 

1) aar chinirg. Klinik. 
l)Je 1 mal Diphtheria, Atrophia und 
Pnenmonia. 


162 


I88j 350 


8 


10 


18 


7 


3 


10 


292 


241 


533 


22 


37 


59 







92 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

8a. 



Z UL CT a» la CT* 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. > w. I 6a. 



Verlegt. 



I w. I 8a. 



Summa 
des Bestandes 
und Zuganges. 

m. w. i Sa. 



Transport 

88. Erosiones ad vulvam 

89. Defectus maxillae superioris utriusque 

90. Defectus extremitatum omnium 

91. Struma permagna congenita 

1 . Blepharitis 

2. Dacryocystitis 

3. Fistula sacci lacrimalis 

4. PanOphthalmitis 

5. Conjunctivitis catarrhalis 

6. Coi^unctivitis blennorhoica 

7. Conjunctivitis neonatorum 

8. Coiyunctivitis diphtheritica 

9. Keratitis phlyctaenulosa 

10. Keratitis profunda 

11. Keratitis ulcerosa 

12. Maculae resp. Opacitates corneae . . . 

13. Leucoma adbaerens 

14. Staphyloma 

15. Prolapsus iridis 

16. Strabismus convergens 

Gesunde Kinder, die von ihren kranken 
Müttern nicht genährt werden konnten 

Simulatio 



26 



25 



51 



435 



435 

1 



Summa. 



30 34 



2 

:i 1 

i 5 

4 6 

4| 3 

1 2 

9! 12 



64 



4771491 



870 

1 

1 
I 

5 

1 

1 

1 

12 

10 

7 

3 

21 

3 
1 
3 
2 
2 
2 
4 



30 19 

I 



49 

1 



491 

1 

1 



479 



97Ö 



— 1 

— 1 



2 
l 
1 
1 

13 
8 
8 
2 

13 

2 

1 
3 



968 



34 25 59 



541 



550 lÜlU 



Ueberaioht des Alten und der TodesfUie der Bämmtlichen im Jahre 1881 





Zahl der 


Alter. 






Kinder. 


1—10 Tage 


30 


11-20 


4$ 


20—30 , 


49 


1—2 Monate 


hi 


2-3 


bü 


3-6 


M 


6-12 • 


14A 


1-2 Jahre 


125 








m 


2—3 


86 


3-4 


67 


4—5 r 


63 


h—li 1 


294 








Mt) 








8a. IWl 



93 



A, l> AT a. n AT« 








Bestand 

^IQ !)1 Vit*. 




Bemerkungen. 


iieheilt 

resp. 

gebessert. 

m\^. \ 8«. 


r 

Ün 

m. 


gehe 


ilt. 

8a. 


Verlegt. 

m. 1 w. 1 8a. 


Gestorben. 

m. 1 V. 1 8a. 


CK 
m. 


>mber 

L882. 

w. 1 8a. 


im KrankenhaiiMe hlnsutraten. 


- I 

:'. 1 
1 — 

- 1 

- l 

4 S 

:; 4 

- 3 

- 1 

7 9 

1 — 

- 2 

- 1 

- 1 

ii 

12 7 

I — 


3aO 

l 

4 
l 
1 
1 

12 
7 
3 
1 

16 

1 
2 

1 

1 1 
1 
6 

19 

( 
1 


8 


10 

1 

1 


18 

1 
1 


7 


3 
1 


10 

1 


292 

M 

1 

l 
5 
1 
2 

'1 


241 

1 

M 

3 
4 
1 
2 

•2 
•1 
M 

•1 


533 

1 

1 
l 

1 

1 
4 
9 
2 
U 

2 

1 
1 

1 
1 


22 

1 
1 


37 

1 

4 

1 

l 




59 

4 

2 

1 

1 


88. 
89. 
90. 
91. 

1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 

10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 


Stupnim. 

1) CaUrrb. gastro-intostinalii». 

1) OIpbtberia. 

1) Atrophia. 

l) Je 1 mal 8carlatina, Tuberealovi« 
pulm., Pneumonia u. Febria gaatrica. 
1) Je 1 mal Atropbia u. Pneumonia. 
1) Qaatro-EnteritiB. 
1} Luea congenita. 

1) Atropbia. 

1) CaUrrhuii inteKtinalia 


!:♦•; 231 


429 


8 


12 


20 


7 


4 


11 


304 


259 


563 


24 


44 


68 







behandelten, sowie der Behandlnngsdaner der gestorbenen Kinder. 



Hiervon 


Dmner der Be- 


Zahl der 


sind 


handlung der 
▼erstoTbenen 


Ver- 


gestorben. 


Kinder. 


storbenen. 


u 


bis 94 8tanden. 


81 


w 


1-9 Tage. 


hB 


31 


2—3 M 


3.1 


49 


3-7 „ 


90 


41 


Lingere Zeit. 


301 


S7 




:»<>3 


ST 






12 




411 


Von 581 Kindern unter 9 Jahren 




nUrben 411 = 70,7 pCl. 


41 




3P7 




n 

:.8 




1» 


von 510 Kindern über 9 Jahre 


■ ^l 


•tarbeo 159 = 


= 99,8 pCt. 



94 



Mnik fbr 

Dirigirender Arzt: 



Name der Krankheit. 



BesUnd 

am Sl. De- 

camber 

1881. 



Z 11 n: a» n CT* 



Neu 
aufgenom- 
men. 

8ik 



Verlegt, 



Summa 
des Bestandeb 
und Zuganges 

w. i w. I 8a. 



I. Syphilis blennorrhoica 

II. Syphilis primaria ulcerosa 

IIL Syphilis constitutionalis 

Syphilidophobia 

IV. Verschiedene nicht syphilitische 
Krankheiten 

Gesunde Kinder in Begleitung ihrer kran- 
ken Mutter 

Summa . . . 



38 



35 



73 



769 



450 



1219 



51 



IG 



64 



63 



134 



78 



198 



730 



905 



846 



1513 



1576 



22 



60 



15 



75 



119 



231 



350 2172 



2219 



4391 



139 



27 



78 



858 512 1370 



30 



85 



52 



142 



646 



851 



63 



13 



997 



1005 



1643 



1916 



— 3 



19 



152 



291 



2430*2602 



83 

18 
5032 



9& 



Dr. Lewin. 









■H^ 


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Al, 1> AT a n fl^. 


Bestand 






Geheilt 

resp. 

jjebessert. 


Uli 








ftm 


31. De- 
ember 
1882. 




Bemerkungen. 

Complicatlonen resp. Krankheiten, die 
im Krankenhanse hinsntraten. 


geheilt. 


Verlegt. 


Gestorben. 


c 


■.1 w I 8«. 


B. 


w. 


8a. 


m.|w. 


|8>. 


m. 


w. 


L- 


m. 1 w. 1 8«. 






^426 1189 


30 


7 


37 


•23 


M3 


36 




M 


I 


42 


65 


107 


I. 


NenralgU Ischiadtca, CaUrrh. broneh., 
CaUrrh. Rastricus, Nephritis, Peri- 

Carcinoma peuis. J) 6mal Oraviditas, 
Je Imal Bheumatismus chron., Laryn- 
gitU, Lymphadenitis, Oophoritis, Por- 
tio vaginalis erosa, Carcinoma uteri 
u. Keratitis diffusa. S) Typhus ab- 
dominalis. 


S.^9IÜ 


1498 


26 


14 


40 


M4 


*9 


23 




•1 


1 


18 


63 


8) 


IL 


1) 9mal Scabies; 3mal Lymphadenitis, 
Je Imal Dysenterla, Phthisis pulmon. 
u. Pleuritis. 2) 5 mal GravidtUs, Je 
Imal Phthisis pulmonum, Nephritis, 
Arthrophlogosis genu u. Ulcera cruris. 
3) Typhus abdominalis. 


^^1 918 1639 

i 

1 


57 


13 


70 


'27 


»34 


61 




•1 


1 


46 


99 


145 


III 


1) 17 mal Scabies, 2mal Catarrh. bronch.. 
Je imal Dysenteria, Rheumatismus 
chronicus, Phthisis pulmonum, Iritis, 
Ecsema, Panaritlum u. Defectus nasi. 
9) 34 mal Oraviditas, Je 2 mal Stric- 
tura recti n. Elephantiasis, Je Imal 

u. Abscessus. — 2 Kranke wurden 
aur Abtheilung für Qefsngeue verlegt. 

lienis, et hepatis, Pneumouia iuter- 
Btitialis. 


3-1 3 


— 


— 


— 


— 


— 


"— 


•~~ 


"— 


— 


— 


— 


— 






54 9! 48 


3 


1 


3 


26 


6 


32 


1 


3 


4 


— 


— 


— 






? 8J 17 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


1 


1 






m22ii 


4389^ 


115 


35 


150 


90 


62 


162 


1 


6 


7 


106 


22S 


334 







EUnik ftkr Haut- 

Dirigirender Arzt: 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am 31. De- 

cember 

1881. 

I Sa. 



Z u IT a. n ir- 

Verlegt 



Neu 

{lufgenom 

men. 



Sa. 



Summa 
des Bestand«: 
und Zuganp > 



1. Acne 

2. Sycosis 

3. Erythema 

4. Urticaria 

5. Furuncalosis 

6. Eczema 

7. Pemphigus 

8. Impetigo 

9. Kcthyma 

10. Rupia 

11. Psoriasis 

12. Liehen 

13. Prurigo , 

14. Ichthyosis 

1 5. Elephantiasis 

16. Lupus 

17. Sarcoma melanodes 

18. Scabies 



Summa . 



19. Pityriasis 

20. Favus .-. 

21. Ulcus cruris , 

22. Abscessus 

23. Variolois 

24. Syphilis constitutionalis. 

25. Ozaena 

26. Lymphangitis 

27. Lymphadenitis 

Nihil 



24 



40 



6 
3 
2 
3 
121 



38 
4 
3 
2 



24 



3 
969 





1 
307 



8 

1 

1276 



22 



2 — 



18 



- 4 



1 
2 

96 



1 
6 
2 
2 

4 

94 



40 

3 

1 
1 
8 

1055 



30 



U19 



397|1516 



95 



34 



129 



1238 



l 

4 
137 



1 
1 

43 

I 

I 

2l 
7 

9 

1 1 

10 50 

3 4 

1 i 

1 i 

5i n 

1 

331 13Sß 



1 
2 
4 

1 

1 

17 

I 

1 
1 



437 



16: 



97 



loaokheiten incl Erätze. 

Professor Dr. Lewin. 



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B^ 


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M^H 


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^1.^» 




^ b tf a. n IT. 


Bestand 

„«« Ol TX^ 




Bemerkung e.n 

CompUcatlonen resp. Krankheiten, die 
im KranltenliauRe liinstttratcn. 


Gehe 
resp 

gebes» 


ilt 

. 
ert. 


Ungebe 

«.I w. 


ilt. 

8a. 


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w. 


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8a. 


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1882 

w. 


8a. 


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1 


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30 

16 
M 


MB 
2 

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1 
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1 

17 

1 






1 

2 

l 


8 

1 
5 

1 
14 


1 
1 

4 


9 

1 
5 

2 
18 


1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 

7. 

S. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16 
17. 
18. 

19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 

26. 
27, 

28. 


1) «mal Syphilis, Je Imal ficarlattna 
Psychosts, Plenritis, Haemoptoe, Ca- 
Urrh. intestinalis. 2 Kranice aur 
KtnderKlinilc. 

1) Nephritis haemorrhagira. 

1} J6 Imal 8yphilts u. Dlstiehlaais. 

1} Alcoholismus. 9) llarasmat senilis. 

1) aur Chirurg. Klinik. 
1) aur ehirnrg. Klinik, 
l) aur Chirurg. Klinik. 

1) 71 mal Syphilis, 3 mal Ulens cmris. 
Je 2 mal Rheumatism. u. Catarrh. 
gastric. Je 1 mal Neuralgia Ischiadica, 
Pneiimonia, Lymphadenitis, Coniunc- 
tivltis, Vulnus Ictum, Combnstio, Ab- 
scisio digiti indicis., S Kinder wegen 
Eciema lur Kindei^Klinik. 2) 18 mal 
Syphilis, Je 2 mal Vitia yalvul. cordis 
u. Nephritis, Je Imal Erysipelas, 
Dysenteria, Phthisis pnlm., Puerpe- 
rium, Oonltis u. Lymphangitis. — 
2 Kinder xur Kinder-Klinik. 

1) Vitium cordis. 2) Caries columnae 
vertebrmrum. 

1) Syphilis. 


IM 373 


'U73 


5 


3 


8 


101 


54 


155 


3 


1 


4 


29 


6 


35 







^Tis^Aaaatea. IX. Jahiff 



98 



Abtheilnng 

Dirigirender Arzt: 



Name der Krankheit. 



Bestand 

am31.De- 

cember 

18S1. 

IB. %: I 8». 



Z n IT a. n IT« 



Neu 
aufgenom- 
men. 

m. I w. Sa, 



Verlejft 



Samma 
des Bestandes 
und Zugange>. 



Sa. 



1. Erysipelas 

2. Dysenteria 

3. Tuberculosis resp. Phthisis pulmonum 

4. Rheumatismus articulorum acutus.... 

5. Rheumatismus articulorum chronicus 
et musculorum 

G. Alcoholismus 

7. Atrophia universalis 

8. Sjrphilis constitutionalis 

9. Hysteria 

10. Apoplexia cercbri 

11. Meningitis 

12. Myelitis 

13. Epilepsia 

1 4. Ilemicrania 

15. Tabes dorsuali^ 

Ifi. Cardialgia 

17. Catarrhus bronchialis 

IS. Pneumonia resp Pleuropneumonia ... 

19. Pleuritis 

20. Emphysema pulmonum 

21. Yitia valvularum et ostiorum cordis. 

22. Lymphangitis 

23. Lymphadenitis 

24. Catarrhus gastricus 

25. Ulcus ventriculi 

26. Koprostasis 

27. Peritonitis 

28 Strictura recti 

29. Haemorrhois 

30. Fistula ani 

31. Nephritis 

32. Urethritis 

33. Mastitis 

34. Carcinoma mammae 

35. Erosiones ad portionem vaginalem. . . 

36. Fluor vaginalis 

37. Molimina graviditatis 

38. Puerperium 

39. Abortus 

40. Metrorrhagia 

41. Carcinoma uteri 

42. Syphilis primaria ulcerosa 

43. Conjunctivitis blennorrhoica neonat. . 

44. Iritis 

Latus . , . 



4 
H 

10 
2 



-\ 1 
1 
1 

1 
1 
1| - 

i; — 



4, 3 

5: I 

1 - 

1! 1 



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1 
l 



27 



3 

1 
2 
2 

1 

1 
1 
1 
l 
1 
1 
l 
1 
21 



67 



l - 



94 



4 
20 



1 
l 

30 



4 
20 



4 

2 I 



1 I 

1 

1 

1 I 
— I 
1 
2 
5 
G 
2 
1 
1 



33 



99 



for befangene. 

Professor Dr. Lewin. 





A. t> IT a n IT. 


Bestand 




Bemerkungen. 


Geheilt 

resp. 

gebessert 

■. V. , Sa. 


IB. 


w. 8«. M. 1 w. 1 8a. 


Ges 

m. 


torben. 

w. |8a. 


am 

1 

m. 


Ol. ue- 
jmber 

882. 

w. 8a. 


CompHcatioiieu re«p. Krankheiten, die 
im KaiilienlianBc liin antraten. 


:i5 

_ 2 

2 _ 

1 3 

- 1 

-' I 

- 2 

1; - 

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4 - 
1 - 

1 - 
1 - 
•2 1 

- 1 
- 2 

- l 

- 1 

~ 1 

- 1 
-. 2 
-'20 

- 1 

- 1 
-, 1 

- 1 


2 
2 
2 
2 

4 
1 

I 

1 

3 
3 

4 
1 

l 
l 
3 
1 
2 
1 

l 

1 

1 

1 
1 
1 


1 


1 

1 
1 


1 

1 

1 


1 

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2 

1 


1 

1 

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»1 

l 

1 

1 
2 

1 

1 

•21 

1 

2 

1 


1 
1 

1 
1 

1 
1 

1 
3 
l 
2 

1 
1 

21 

1 

2 

1 


2 

l 
1 

l 

1 


M 

1 
1 

2 

1 


1 

1 
3 

1 

2 

1 

1 

1 


2 

1 


1 

2 

1 

1 

1 

1 
3 


3 

2 

1 

2 

1 

1 
3 


1. 
2. 
3. 

4. 

5. 

6. 

7 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13 
14. 
15 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
S4. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 


1) Marasmu« «enilis. 
1) sur Kinder-Klinilc. 

1) Dclirinm tremens. 

1) simmUtch sur Entbindangs-AnsUlt. 


1* 48 


66 


1 


3 


4 


5 


35 


40 


6 


6 


12 


3 


10 


13 







100 





Bestand 
am 31 De- 


Z u n: a u ir- 


Summa 


Name der Krankheit 


•cember 
1881. 

m. I w. 1 Sa. 


au 


Neu 
fgenom- 
men. 

w. ( 8a. 


Verlegt. 

m. ' w. I Ra. 


des Bestandes 
und Zugänge^! 

m. i w. 1 f«. 


Transport 
45. Cataracta incipiens 


4 


5 

1 


9 

l 


27 

1 
1 
1 

1 
2 


67 

1 


94 


2 

1 

l 

1 

7 


1 
30 32 

1 1 

— , 1 

- 1 


33 

1 
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46. Ery thema 


47. Phlegmone 


48. Fumnculus 


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49. Ulcus cruris 


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50. Lupus faciei 


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52. Arthrophlogosis genu 


53. Vulnus incisum 


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54. Caries 


55. Combustio 


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56. Contusio 


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resp. 

gebessert. 



Ungcheilt. 



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Verlegt. 

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Gestorben, 

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Bestand 

am 31. De- 

cember 

1882. 



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Sa. 



Bemerkungen. 

Compllcatlon«n resp. Krankheiten, die 
im Krenkenhauie hinintraten. 



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46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
51. 
52 
53. 
54 
55. 
56. 



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rthrend des Jahres 1882 siehe unter ,,Nlillik/* 



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Kliniken. 



Aus der medicinischen Universitäts-Klmik. 

Unter LeiiuDg des Geh. Ober-Medioinalraths und Prof. Dr. Frerichs. 



I. 

Zor KenntDiss des aenten ]llilztanor& 

Von 
Prof. Dr. Khrllch. 



Wenn ich in Folgendem eines der Momente, die an der acuten Schwel- 
lasg der Milz betheiHgt sind, einer Besprechung unterziehe, so werden 
wenige einleitende Worte genägen, um den Ausgangspunkt meiner Beob- 
achtungen klarzustellen. 

In einer Zeit, in welcher der bacteritische Standpunkt im Centrum des 
medicinischen Denkens steht, dürfte es sicher äberflfissig erscheinen, über 
die Bedeutung des Gegenstandes an und für sich viel Worte zu verlieren, 
da dieser gerade das Symptom umfasst, welches schon seit langen Zeiten 
als das feinste Reagens infectiöser Erkrankungen gilt und verwerthet wird. 
Noch von einem anderen, mehr theoretischen Gesichtspunkte aus dürfte dieses 
Thema ein gewisses Interesse beanspruchen können. Wie bekannt, ist die 
Physiologie der Milz ein zwar viel, aber mit wenig Erfolg bebautes Gebiet, 
so dass kaum eine ihrer Functionen mit Sicherheit erkannt ist 

In der letzten Zeit schien allerdings in dieser Richtung ein immerhin 
erheblicher Fortschritt gemacht zu sein, indem italienische Autoren in dem 
Umstände, dass bei anamisch gemachten Thieren kernhaltige rothe Blut- 
körperchen in der Milz auftauchten, den directen Beweis für eine blutbil- 
dende Eigenschaft derselben zu finden glaubten. Ohne die Richtigkeit der 
einzelnen Angaben bestreiten zu wollen, kann ich die Berechtigung, Erfah- 



108 Ehrlich, 

rangen, die aif einzelnen Thierspecies gewonnen, ohne Weiteres za verall- 
gemeinern, gerade für dieses Organ durchaus nicht anerkennen. In der 
That zeigt die Milz als Ort der Hämatopoiese bei den verschiedenen Thier- 
klassen ein höchst abweichendes Verhalten. Im Allgemeinen ist die blut- 
bildende Eigenschaft dieses Organes bei den niederen Wirbelthieren^ wie bei 
Fischen, Fröschen, Schildkröten, sogar bei Vögeln eine ausgesprochene und 
bedeutsame; anders verhält to sich bei Säugetbieren, indem solches zum 
Theil überhaupt nicht, zum Theil in einem recht reducirten Massstabe nach- 
weisbar ist. In relativ grosser Menge fanden sich kernhaltige rothe Blut- 
körperchen in der Milz normaler Mäuse, spärlicher und leicht übersehbar 
in der von Kaninchen. Beim Hunde treten sie dagegen nach den An- 
gaben der Autoren nur dann auf, wenn durch Aderlässe eine Anämie 
bewirkt wurde, während sie in der Norm fehlen. In der menschlichen Milz 
habe ich dagegen weder im normalen Zustande noch auch bei Fällen 
schwerer Anämie kernhaltige rothe Blutkörperchen finden können *) und 
glaube ich daher auf Grund dieser seit Jahren gesammelten Beobachtungen 
schiicssen zu müssen, dass beim Menseben die hämatopoietische Rolle der 
Milz gleich Null zu setzen sei. 

Bei dieser Unsicherheit unserer Kenntnisse lag es nahe, die Erfahrun- 
gen der Pathologie zu Hülfe zu ziehen, und schien insbesondere der acute 
Milztumor es zu sein, der über gewisse Fragen der Physiologie Auüschluss 
geben könnte. Konnte man doch annehmen, dass die Yergrösserung dieses 
Organs derart zu Stande käme, dass unter dem Einfluss der Erkrankung 
die Milz ihre Thätigkeit in gesteigertem Masse ausübe und demnach die 
Schwellung der Ausdruck einer übernormalen Leistung sei. War dies der 
Fall, so wies der Umstand, dass bei der Steigerung der Thätigkeit eine 
Volumzunahme erfolge, ohne Weiteres darauf hin, dass hierbei von der Milz 
gewisse Substanzen aufgenommen würden, die der Sache nach nur aus dem 
Blute dahin gelangt und wohl auch nur korpusculärer Natur sein konnten. 
In der That haben uns nach dieser Richtung hin die letzten Jahre eine 
Reihe sicherer Aufschlüsse gebracht. Seitdem Marchand das Wesen der 
Kali chloricum -Vergiftung aufgedeckt, seitdem er gezeigt, dass hierbei die 
rothen Blutkörperchen in ausgedehntem Masse zu Grunde gingen und sich 
mit deren Trümmer die Milz lade und so anschwelle, hat man bei den 
verschiedenartigsten Fällen von Haemoglobinurie, resp. von Haemoglobin- 
ämie die gleiche, höchst pathognomonische Milzscbwellung wiederfinden 



') Im Gegensatz bienu findet man bei Leukämie diese Gebilde relativ häufig. 



Zar Kenntniss des acuten Milztumors. 109 

köDDeo. Fast alle Gifte, die, wie die PyrogaUussäure, das Naphthol, die 
Nitropbenylpropiolsäare, das Gift der frischen Morcheln, Tolyendiamin, eine 
massenhafte Zerstörung der rothen Blutkörperchen bedingen, haben eben 
den gleichen bämoglobinämischen Milztumor zur Folge. 

So interessant auch diese Erfahrungen sind, so genügen sie doch nicht^ 
um die Natur des Milztumors, der am häufigsten zur klinischen Beob- 
acbtoDg kommt, desjenigen bei infectiösen Erkrankungen zu erklären. Es 
weisen alle Erfahrungen darauf hin, dass der besprochene hämoglobin- 
ämische Milztumor eng an den Untergang relativ grosser Partien der Blut- 
scheiben gebunden ist, wie sich ein solcher klinisch durch das Symptom 
der Hämoglobinurie markirt; derartiges ist aber bei Infectionskrankheiten ein 
überaus seltenes Vorkommen, und sind wir daher g&zwungen, bei der acuten 
infectiösen Milzschwellung nach anderen Erklärungsmomenten zu suchen. Zu- 
nächst konnte man ja verrouthen, dass es die eigentliche Materia peccans, 
die Bacterien selbst wären, die sich in der Milz anhäuften und entweder 
direct oder im Verein mit consecutiver Entzündung die acute Schwellung 
bedingten. Eine derartige Annahme lag um so näher, als gerade für eine 
der längst und bestgekannten Infectionskrankheiten, den Milzbrand, es für 
festgestellt galt, dass sich hierbei die Milz reichlicher als andere Organe 
Yon Bacillen durchsetzt fände. In der That hat es auch nicht an Ver- 
suchen gefehlt, in diesem Sinne zu verallgemeinern; und war es besonders 
Birch*Hirschfeld, der bei septischem Milztumor reichlichste Coccenein- 
lagerungen gefunden haben wollte. So plausibel an und für sich derartige 
Befunde, haben sie dennoch in der späteren Zeit von keiner Seite Bestäti- 
gung, von mancher (Sokoloff) directe Anfeindung erfahren. Auch ich 
selbst habe bei meinen diesbezüglichen Untersuchungen, die mit den neue- 
ren microscopischen Untersuchungsmethoden angestellt wurden, nur spär- 
liche Bacterien in der Milz nachweisen können, und glaube ich daher, dass 
die excessiven Befunde Birch-Hirschfeld's auf Fehlern der Beobachtung 
beruhen, die um so verzeihlicher, als zur Zeit, da Birch-Hirschfeld seine 
Beobachtung veröffentlichte, noch nicht die neueren bacterioscopischen Me- 
thoden, die wir in erster Linie Koch verdanken, bekannt waren. 

Ich selbst habe meine Untersuchungen an Trockenpräparaten gemacht 
Qod das Material zu denselben unmittelbar nach dem Tode durch Function 
mittelst eines dicken Troicarts gewonnen. Breitet man den hierbei gewonnenen 
Saft auf einen Objectträger aus, so kann man ohne Weiteres mittelst Na- 
deln aus ihm kleine Milzfragraente isoliren, die man zwischen die Branchen 
einer Klemmpincette fixirt. Führt man über sie gleichmässig mit Vermei- 



110 Ehrlich, 

düng von jedem Druck Deckgläser, so bleiben an diesen alle Elemente des 
Milzparenchyms in dünner, gleicbmässiger, für die Untersacbung geeigneter 
Lage zarück. Die so gewonnenen Trockenpräparate werden erhitzt und mit 
verschiedenen Tinctionsmitteln behandelt, insbesondere den basischen Pig- 
menten, die Bacterien erkennen lassen, und neutralen Farbstoffen, d. h. 
solchen, die durch Combination von Farbsäure mit Farbbasen entstehen. 
In einem früheren Aufsatz habe ich gezeigt, dass die hierbei entstehenden 
Combinationsfarben neue, von denen der einzelnen Constituenten abweichende 
tinktorielle Eigenschaften besitzen. Ganz characteristisch ist es für neutrale 
Farbkörper, dass sie die Körnung der Leucocyten, die ich als die neutro- 
philo bezeichnet habe und die sich weder in sauren noch in basischen Far- 
ben tingiren, auf das lebhafteste anfärben. In einer früheren Publication 
habe ich ein Gemisch von Methylenblau und Säurefuchsin für diese Zwecke 
empfohlen; in neuerer Zeit wende ich jedoch ein Gemenge an, das zwei 
saure Farbkörper, das rosanilinsulfosaure Natron (Säurefuchsin) und Orange 
G ^), die Sulfosäure eines Azokörpers neben einem basischen, dem krystalli- 
sirten Methylgrün, enthält. Ich menge 125 Gem. der gesättigten wässrigen 
Orangelösung mit einer ebenfalls gesättigten 20proc. Alcohol enthaltenden 
Säurefuchsinlösung, füge 75 Gem. absoluten Alcohol und dann allmälig unter 
Umschütteln 125 Gem. einer gesättigten wässrigen Methylgrünlösung hinzu. 
Die Lösung ist unmittelbar nach ihrer Bereitung nicht verwendbar, da sich 
noch innerhalb der ersten Tage Niederschläge bilden, die sich auf den Prä- 
paraten fixiren und deren Untersuchung erschweren, resp. unmöglich machen. 
Man ist daher gezwungen, die Lösung längere Zeit stehen zu lassen; es 
scheidet sich dann der gebildete Niederschlag zu einem Theil am Boden 
oder an der Wand der Gefässe ab, während er zum anderen Theil die Ober- 
fläche der Flüssigkeit als eigenthümlich glänzende Haut überzieht. Filtriren 
nützt hier wenig, da dasselbe einerseits die Zusammensetzung der Farbe 
ändert und andererseits das einmal erlangte Gleichgewicht der Lösung stört 
und so neue Niederschläge hervorbringt. Folgender kleine Kunstgriff fuhrt 
dagegen zu einer klaren, zum Färben geeigneten Flüssigkeit. Man führt 
eine Pipette in die Mitte der Flüssigkeit und entnimmt dann so beliebige, 
niederschlagsfreie Quantitäten. Pipette und Färbegefässe müssen absolut 
trocken sein, da Anwesenheit von Wasser die homogene Lösung wiederum 
trübt. 



^) Von der Berliner Actien-Gesellscbaft für Anilinfabricatiou zu beziehen. 



Zar Kenntniss des acuten Milztamors. 111 

Wenn so auch die Anwendung der Flüssigkeit gewisse Vorsichtsmass- 
regeln erheischt, so wird man für diese Mühe durch die schönen und über- 
zeugenden Bilder, die dieselbe liefert, reichlich entschädigt. Alles, was 
Hämoglobin enthält, färbt sich orangegelb, die Kerne grünlich, die neutro- 
phile Körnung intensiv violet und die eosinophile Körnung tief dunkel. 
Behandelt man nun Trockenpräparate von Milztumoren — und ich habe 
insbesondere die von septischen Zuständen, sowie von Phosphorvergiftung 
hierzu verwandt — so sieht man, dass die eigentlichen Milzzellen frei von 
neutrophiler Körnung sind, während diese sich in den polynucleären Zellen, 
die den Blutgefässen entstammen, in dichtester Anordnung deutlich vor- 
findet. Untersucht man dagegen die zwischen den Zellen gelegenen Schich- 
ten, die den Milzsaft xa?" i^oxi^p (im angetrockneten Zustand) repräsentiren, 
so findet man hier eine dichte, ganz gleichförmige Durchsetzung mit neu- 
trophiler Körnung, die dem Milzsaft ein ganz eigenthümliches chagrinirtes 
Aussehen verleiht. Ab und zu findet man auch kleine rundliche, meist die 
Grösse der rothen Blutkörperchen lange nicht erreichenden Häufchen, die 
eine dichte neutrophile Körnung, aber keinen Kern erkennen lassen. 

Welche Bedeutung ist diesen Befunden zuzumessen? 

Zunächst ist der Einwand, dass etwa zerdrückte Leukocyten an die- 
sem Befunde die Schuld trügen, ohne Weiteres von der Hand zu weisen. 
Schon der Umstand, dass die Körnung eben vollkommen gleichmässig in 
dem intercellulären Saft vertheilt ist, spricht dagegen. Zerdrückte neutrophile 
Leukocythen — ich habe sie unzählige Male bei der Herstellung dünnster 
Blatschichten beobachtet — repräsentiren sich ganz anders; hier findet man 
neutrophile Körnung stets in einem meist rundlichen Fleck, der der aus- 
geplatteten Zelle entspricht, und in dessen Centrum dann ebenfalls die Beste 
des grossen, weil dünnen Kernes nachweisbar sind. Ich meine daher, dass 
die im Milzsaft gefundene Körnung kein Artefact, nicht durch Zerdrücken 
Ton Zellen entstanden, sondern dass sie schon intra vitam zwischen den 
Zellen des Milzparenchyms gelegen sei. 

Wie ich schon erwähnte, enthalten die Milzzellen keine neutrophile 
Körnung und müssen wir uns daher nach anderen Dingen umsehen, die 
das Auftreten der neutrophilen Körnung im Milzsaft bewirken können. Nur 
ein Element ist es, welches hierfür in Betracht gezogen werden kann, der 
oeatrophile, polynucleäre Leukocyth, dessen Zerfallsproducte und Residuen 
eben die in der Milz gefundene neutrophile Körnung darstellen. In welcher 
Weise weisse Blutkörperchen inj^erhalb der Circulation zerfallen, davon habe 
ich mich einigemale an Blutproben von hochfieberhaften Patienten über- 



112 Ehrlich, 

zeugen können. Besser und leichter findet man diese Form, wenigstens za 
einem Theil, in Exsudaten, am schönsten im Inhalt frischer Vesicatorblasen. 
Wenige Worte werden genügen, den hierbei statthabenden Modus zu erörtern. 
Wahrend der neutrophile Leukocyth den bekannten eigenthamlich einge- 
bogenen und verschränkten Kemstab besitzt, tritt bei der Reizung zunächst 
eine Theilung dieses Kemstabes in drei bis vier, auch mehr runde Kerne 
ein. An diese Kerntheilung, die ich als directe, durch einfache Zerreissung 
des Kemstabes bedingte, ansehen muss, schliesst sich ein Theilungsprocess 
des Protoplasmas, der bewirkt, dass die Zelle, entsprechend der Zahl der 
Kerne, in drei bis vier kleine Zellen zerfallt. Dieselben ähneln im Allge- 
meinen sehr den Lymphocyten, besitzen wie diese einen grossen rundlichen 
Kern und eine schmale Protoplasmaschale. Auch färbt sich ihr Kern wie 
der der Lymphocyten leicht und intensiv in den betreffenden Farbstoffen. 
Der Umstand jedoch, dass in den hier beschriebenen Zellen eine dichte neu- 
trophile Körnung vorhanden ist, die jedoch den Lymphocythen natürlich 
fehlt, unterscheidet beide Elemente aufs schärfste von einander. In diesen 
Zellen treten nun weitere Veränderungen ein, indem sich der Protoplasma- 
hof in Form kleiner, von dichter neutrophiler Körnung erfüllten Kugeln 
vom Kern ablöst, der schliesslich infolge dieses Processes als vollkommen 
freies, nacktes Gebilde zurückbleibt. Was aus ihm werde, habe ich mit 
Sicherheit nicht eruiren können; möglich und nicht ganz unwahrscheinlich 
ist es, dass der frei gewordene Kern innerhalb der Blutbahn wiederum Pro- 
toplasma ansetze und so eine neue Zelle reproducire ^). 

Glücklicher war ich bei Verfolgung des zweiten Productes der mit 
neutrophiler Körnung erfüllten Protoplasmakugeln, indem ich diese ohne 
weiteres mit den in der Milz von mir gefundenen rundlichen Gebilden identi- 
ficiren konnte. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass zunächst diese 
Zerfallsproducte der weissen Blutkörperchen, die neutrophilen Kömchen- 
haufen, als solche von der Milz aufgenommen werden — ob passiv unter dem 
Einfluss der Stromverlangsamung oder unter Concurrenz einer activen Ein- 
wanderung, mag unentschieden bleiben — um dann hier durch eine Art Histo- 



^) Aehnliches habe ich an gewissen Kernen beobachten können. Ich hatte früher 
schon angegeben, dass ich nach meinen Erfahrungen die von Rindfleisch gemachte 
Beobachtung, dass die Kerne der kernhaltigen rothen Blutkörperchen aus denselben 
ansgestossen würden, bestätigen könnte. Häufig habe ich im anämischen Blute die freien 
Kerne der Normoblasten auffinden können, die durch ihre kugelrunde Gestalt und ihr 
ganz ausnahmsweises Färbungs vermögen so leicht zu erkennen sind. Später habe ich 
mich davon überzeugt, dass diese freien Kerne alftnälig wiederum ein zunächst homo- 
genes Protoplasma erzeugen, über dessen Eigenschaften ich später berichten werde. 



Zar Kenntniss des acuten Milztamors. 113 

lyse^ durch die Lösung des intergranalären Protoplasma, zu zerfallen. Auf 
diesem Wege entsteht die diffuse gleichmässige Durchsetzung des Milzsaftes 
mit neutrophiler Körnung, wie ich sie schon geschildert habe. 

In Vorstehendem glaube ich gezeigt zu haben, in welcher Weise die 
reifen, weissen Blutkörperchen zerfallen, und den Nachweis erbracht zu 
haben, dass die Milz, ebenso wie sie die Trümmer der rothen, so auch die 
Reste der weissen Blutkörperchen in sich aufnehme. Nach meinen Beob- 
achtungen findet bei septischen Zustanden constant ein mehr weniger aus- 
geprägter Zerfall der weissen Blutkörperchen statt, und bin ich geneigt, 
die hierbei statthabende Hilzschwellung zu einem Theil von diesem Um- 
stände abhängig zu machen. Als eine weitere nicht infectiöse Erkrankung, 
die häufig mit einer ausgedehnten Zerstörung weisser Blutkörperchen ein- 
hergeht, möchte ich die acute Phosphorvergiftung bezeichnen, bei der ja 
bekanntlich zumeist eine nicht sehr hochgradige Schwellung der Milz beob- 
achtet zir werden pflegt. In zwei Fällen erhob ich hier in der Milz ganz 
analoge Befunde wie bei Sepsis und Pyämie. 

In welcher Weise bei Sepsis die weissen Blutkörperchen zu Grunde 
gehen, ob etwa direct durch die Anwesenheit von Microbien, oder durch 
Vermittelung eines giftigen, von Bacterien gelieferten Stoffes oder etwa 
eines Blutferments, kann zunächst gleichgültig sein. Auf jeden Fall sind 
die weissen Blutkörperchen weit empfindlicher gegen solche Verunreinigungen 
des Blutes als die rothen; und zweifle ich nicht, dass bei den Infections- 
krankheiten im Allgemeinen ein mehr weniger reichlicher Zerfall der weissen 
Blutkörperchen sich wird nachweisen lassen, dem zur Erklärung der hierbei 
vorkommenden Milzschwellung wohl eine gewisse Rolle zuerkannt werden 
muss. Selbstverständlich sind hierbei die einzelnen Krankheiten gesondert 
zu untersuchen und durfte insbesondere die Malariaerkrankung hier be- 
merkenswerthe Resultate ergeben '). 

Zum Schluss noch einige Worte über die Art, in welcher Weise diese 
pathologischen Erfahrungen für die Physiologie der Milz verwerthet werden 
können. Es hat sich gezeigt, dass dann^ wenn unter krankhaften Ein- 
flüssen grosse Mengen weisser oder rother Blutkörperchen untergehen, es 
die Milz ist, die deren Trümmer aufnimmt. 



') Mit meinen microscopischen Befanden stehen die experimentellen Nachweise von 
Alexander Schmidt in Dorpat und seinen Schülern im besten Einklang. Diese fan- 
den, dass nach Injection putrider Flüssigkeiten die Zahl der weissen Blutkörperchen 
abnähme, die Menge des Fibrinfermentes dementsprechend sich vergrösserte. Es spricht 
dies dafür, dass hierbei ein Untergang weisser Blutkörperchen stattfindet. 

Charit^Annaleiu IX. Jahrg. g 



114 Ehrlich, 

Auch in der Norm gehen, wie bekannt, stets, wenn auch in geringem 
Maass ein Theil der Elemente des Blates zu Grunde, und wird man wohl 
kaum fehlgehen, wenn man annimmt, dass auch in der Norm die Milz die 
Stelle sei, welche die im Blut kreisenden Ueberbleibsel fixirt. Es stellt 
mithin sozusagen die Milz eine Leichenst&tte dar, an der sich alles fixirt, 
was physiologisch im Blute zu Grunde geht. Zweck dieser Einrichtung 
ist es, dass hier die Schlacken der Blutzerstömng wenigstens zu einem Theil 
wiederum resorbirt werden und so' ein gewisses Quantum des hochoigani- 
sirten Materials dem Organismus von Neuem gewonnen werde. 



II. 
üeber Erytheme insbesondere bei Infectioiiskranltheiten. 

Von 

Prof. Dr. Wa. Brleffer, 

AMUtenton d«r L ai«d. KlinllL 



Der sich stets gleich bleibende Symptomencomplex, sowie der typische 
Verlauf, welchem wir bei allen Infectionskrankheiten begegnen, .weist darauf 
hin, dass jeder dieser Krankheiten stets das gleiche ätiologische Moment 
za Gmnde liege. Dnd zwar müssen wir nach dem heutigen Stande der 
Wissenschaft unbedingt für jede Infectionskrankheit die Invasion stets iden- 
tischer Species von Bacterien als Ursache derselben verantwortlich machen, 
wenn auch vorläufig für den grösseren Theil der infectiösen Krankheiten 
der Befund specifischer Bacterien noch aussteht. Damit nicht in Einklang 
zu bringen sind die krankhaften Erscheinungen in der Haut, welche wir 
bei vielen Infectionskrankheiten oft in äusserst variabler Form und Gestal- 
tung sich vollziehen sehen. Gewissen Krankheiten, wie Scharlach, Masern, 
Typhus exantheroaticus, Variola, wird allerdings durch den typisch ablau- 
fenden Process in den Hautdecken der characteristische Habitus aufgedrückt; 
indessen werden bei einer ganzen Reihe anderer infectiöser Krankheiten pa- 
thologische Veränderungen auf den Hautdecken sichtbar, die so mannigfal- 
tige und so abwechselnde Bilder gewähren, dass es schwer fallt, ihre Be- 
ziehungen zu dem Grundleiden ohne Weiteres zu erkennen. Es darf daher 
uns nicht Wunder nehmen, wenn man zur Erklärung dieser so auffälligen 
Erscheinungen eine Reihe von zum Theil ganz divergenten Hypothesen auf- 
gestellt hat. , Die meisten derselben haben sich nur wenige Anhänger er- 
werben können, desto mehr Anziehungskraft hat aber die eine derselben 

8.* 



116 Brieger, 

und zwar auf die Dermatologen ausgeübt Romberg und v. Bärensprang 
fassten nämlich zuerst die Dermatonosen in beschrankter Weise als Angio- 
neurosen auf, eine Anschauung die dann von Köbner,' Auspitz, Lewin, 
Schwimmer acceptirt, erweitert und nach Möglichkeit zu motiviren versucht 
wurde. Als Stutze hierfür wurden ins Feld gefiihrt-die wenigen und theilweise 
auch noch nicht fest fundirten angezweifelten Thatsachen, welche die Physio- 
logie und Pathologie erbracht haben zur Begründung einer Beeinflussung des 
Tonus der Gefässe durch gefasserweiternde und gefässverengernde Nerven. 
Nur darüber konnte noch keine Einigung erzielt werden, ob die Erschlaffung 
der Vasoconstrictoren oder die Reizung der Vasodilatatoren diese neuro- 
pathischen Dermatonosen inscenire. Wird auch diese Hypothese von ihren 
Interpreten mit grossem Eifer und Wärme vertheidigt, so ist derselben ge- 
genüber sicher noch eine gewisse Reserve am Platze, bevor nicht das 
allgemeine Vorhandensein von Vasomotoren durch wohl erhärtete patholo- 
logische und physiologische Thatsachen begründet ist und alsdann der ex- 
perimentelle Nachweis geliefert worden ist, dass durch Einwirkung aut 
die Vasomotoren in der That Exantheme hervorgerufen werden können. 
Es lässt sich zwar nicht leugnen, dass die durch Beeinflussung der 
Psyche und durch directe Hautreizung ausgelösten Erytheme in irgend 
welchem Zusammenhang mit den Geiassen, resp. deren nervösen Motoren 
stehen, doch leitet sich daraus noch immer nicht die Berechtigung her, 
für die auf dem Boden infectiöser Krankheiten entstehenden Erytheme, 
die gleichen Unterlagen direct vindiciren zu wollen. Sind doch die Autoren 
noch nicht einmal darüber einig, ob das bei diversen Infectionskrankheiten 
und besonders das beim Puerperalfieber zur Beobachtung kommende Ery- 
them ein Krankheitsbild sui generis und nur in Beziehung zum Grundleiden 
zu bringen ist, oder ob dasselbe einfach nur als Scharlach, aufgepfropft 
auf den schon anderweitig inficirten Körper, angesprochen werden muss. 
Die eben erörterten Fragen, besonders für die Erytheme, nach Möglichkeit zu 
entscheiden, bezwecken diese Zeilen. Ich habe in folgendem eine Anzahl 
von Erythemen bei Infectionskrankheiten gesammelt, in der Absicht daraus 
die eventuell characteristischen Eigenschaflen zu bezeichnen, welche für die 
selbständige Existenz dieser Erytheme sprechen und in Verbindung damit 
den Versuch zu unternehmen, einiges Licht auf das Wesen dieser Erytheme 
zu werfen. 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankbeiten. 117 

Erster Fall. 

Louise St., 29 Jahre alt, Arbeiterfrau, früher vollkommen gesund, 
regelmässig menstruirt, hat 4 normale Geburten durchgemacht 3 Tage 
nach der letzten, am 9. März stattgehabten Entbindung erkrankte Patientin 
mit Frost und Hitze, übelriechendem Ausfluss aus den Genitalien, heftigen 
Leibschmerzen, zu denen sich in der letzten Zeit vor ihrer Aufnahme noch starke 
Diarrhoe nnd Husten mit schleimig-eitrigem Auswurf gesellten. Der Schüttel- 
frost, welcher die Erkrankung eingeleitet, hat sich bis zu der am 21. März 
1882 erfolgten Aufnahme der Patientin in die Klinik fast täglich wiederholt. 

Status praesens. - Patientin ist eine gut gebaute kräftige Person 
mit reichlichem Panniculus adiposus. Abdomen massig aufgetrieben, im 
rechten Parametrium ist ein sehr druckempfindliches ziemlich umfangreiches 
Exsudat nachzuweisen. Der Uterus, etwa 3 Pinger breit über der Sym- 
physe zu fühlen, ist fixirt. Putrider Ausfluss aus den Genitalien. 

In den hintern untern Partien beider Lungen Pfeifen und Schnurren, 
spärliche Rasselgeräusche. Herztöne rein. Temperatur 40,2 Puls 120, sehr 
klein, weich. Respiration 30. Milz vergrossert, unter dem Rippenrand fühl- 
bar. Leber nicht vergrossert. Urin von normaler Beschaffenheit. 

Es wurde sofort eine Ausspülung des Uterus mit 5% GarboUösung 
vorgenommen; Patientin erhielt ausserdem 1,0 Chinin, sulf. und eine Eis- 
blase aafs Abdomen. Bei der Ausspülung entleerten sich in jauchiger 
Flüssigkeit einige Gewebsfetzen. 

Die Ausspülungen wurden täglich 2 Mal wiederholt nnd 3 Gr. Chin. 
refract. dos. verabfolgt. Bis zum 28. März hat der Verlauf der Krankheit 
nicht viel Bemerkenswerthes. In den hintern untern Partien der rechten 
Lunge bildete sich eine täglich intensiver werdende Dämpfung, über welcher 
abgeschwächtes Athmen, spärliches Rasseln zu hören waren. 

Am 28. März indessen trat eine schwere Complication auf. Das rechte 
obere Augenlid war am genannten Tage stark ödematös geschwollen, die 
Hornhaut schien rauchig getrübt, die Iris schmutzig verfärbt. 

Patientin lag stertorös athmend, apathisch da, ausserdem bestand starke 
Schwerhörigkeit. Eine ophthalmoscopische Untersuchung lieferte wegen der 
stark getrübten Medien kein Resultat. 

Gleichzeitig mit dieser PanOphthalmitis trat massige Sehwellnng des 
linken Ellenbogengelenkes mit Schmerzhaftigkeit desselben auf. Daneben 
zeigt sich am linken Vorderarm an der Radialseite desselben eine V-Mark- 
stack grosse erysipelatöse Röthung, von der aus ein rother harter Strang 



118 Brieger, 

nach dem Ellenbogengelenk hinzieht. Eine ahnliche streifenlormige schmerz 
hafte Röthung erstreckt sich am linken kleinen Finger entlang bis fast zum 
Handgelenk hin. An der Vorderseite des linken Unterschenkels zeigen sich 
einzelne mit eitrigem Inhalt gefüllte schlaffe Blasen von der Grösse einer 
Erbse bis Taubeneigrösse. Kleinere Blasen von gleichem Aussehen and In- 
halt erheben sich an beiden Ellenbogengelenken, dicht unterhalb der Con- 
dylen des Oberarms. 

Das Sensorium war dabei vollkommen klar, wenngleich Patientin fast 
fortwährend schlief. Am Herzen schwaches systolisches Blasen hörbar. 
Die PanOphthalmitis verursachte der Patientin offenbar keine Schmerzen. 

Die Eruption der Pemphigusblasen machte in der nächsten Zeit schnelle 
Fortschritte. Es traten nach einander an den Oberarmen, Brust, Ober- 
schenkeln, der Stirn neue Eiterblasen auf, wahrend die früher schon vor- 
handenen theils bis zur Wallnossgrösse anwuchsen und einen gerotbeten 
Hof zeigten, theils auch schon, ehe sie diese Grösse erreicht hatten, ein- 
trockneten und bräunliche Schorfe bildeten, die ohne Substanzverlust zu 
hinterlassen allmählich von selbst abfielen. 

Beide Ellbogengelenke und beide Fussgelenke wurden allmählich von 
der ursprünglich nur im linken Ellbogengelenk bestehenden schmerzhaften 
Schwellung ergriffen. Das Sensorium war trotz grosser Schlummersucht unge- 
trübt, Temperatur andauernd hoch (39,5—40,3® C), mit geringen Morgen- 
remissionen. Das entzündete rechte Auge secernirte reichlich eitriges Secret. 

Der Pemphigus machte indessen fortwährend neue Nachschübe. So 
hatte sich am 4. April eine etwa V- Markstückgrosse mit Eiter gefüllte 
Pemphigusblase an der rechten Schulter entwickelt. Neben dem Pemphigus 
trat nun noch ein neues, aus- sehr zahlreichen kleinen bis linsengrossen, 
etwas erhabenen, rosarothen Flecken bestehendes Exanthem auf, welches 
sich von seiner Ursprungsstelle am linken Vorderarm aus schnell über den 
linken Oberarm, den rechten Arm, Brust und Epigastrium verbreitete. Da- 
neben entwickelten sich reichliche Sudamina mit Eiterinhalt auf Brust, 
Schultern und Hals. Auch der Rücken erschien bald von dem erwähnten 
rosigen Flecken*£xanthem überzogen. Dieses eigenthümliche Flecken-Exan- 
them breitete sich in wenigen Tagen über den ganzen Körper aus; auch 
das Gesicht blieb nicht verschont; an einzelnen Körperstellen, wie an der 
Beugeseite der Oberarme hatten sich grössere Flecken etwa von dem Um- 
fange eines 10 Pfennigstückes etablirt, die allmählich confluirten. Daneben 
bestand die Pomphiguseruption in voller Blüthe. Theils schon geplatzte,' 
ihren wässrigirüben Inhalt entleerende, theils noch mit grünlichem in 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infeotionskrankbeiien. 119 

2 Schichten gesonderten, fleckig eitrigem Inhalt gefüllte Blasen bedeckten 
die verschiedensten Stellen des Körpers. Die Ellbogen-, Fuss- und Kniege- 
lenke erschienen dabei ziemlich stark geschwollen und druckempfindlich. 
Bis zum 10. April hatte die Haut ein intensiv geflecktes, sehr an Masern 
erinnerndes Aussehen. Von jenem Tage an beginnt, ohne dass das Flecken- 
exanthem irgend eine Aenderung ihres intensiv rosenrothen Colorits einging» 
eine reichliche Abschuppung, die sich über den ganzen Körper verbreitet, 
dabei aber in eigenibümlicher, von der gewöhnlichen Desquamation total 
abweichender Weise sich vollzieht, indem die Epidermis in grösserem oder 
geringerem Umfange an einer Stelle zu einer mit seröser Flüssigkeit ge- 
füllten Blase sich erhebt, welche nach ihrer Eintrocknung als dünne Epider- 
misschicht von der Unterlage abgestossen wird. Während der Desquamation 
entwickelte sich am linken Knöchel an einer früher von einer Pemphigusblase 
eingenommenen Stelle ein schnell in die Tiefe greifendes Decubitusgeschwür, 
in dessen Tiefe bald die Sehne des Peroneus longus sichtbar wurde. Der 
Entzondungsprocess am rechten Bulbus schien mittlerweile seinen Abschluss 
erreicht zu haben. Die Lichlempfindung schien vollkommen verloren ge- 
gangen zu sein, die Iris zeigte verwaschene schmutzig trübe Färbung und 
verschiedene Synechien. Ein die vordere Augenkammer früher einnehmen- 
des Hypopyonexsudat hatte sich völlig zurückgebildet. 

Bisher war das Sensorium der Patientin ziemlich ungetrübt geblieben. 
Jetzt aber vom 17. April an, trat leichte Benommenheit ein, als deren 
Aeusserung eine sich jetzt bemerkbar machende Urinretention betrachtet 
werden darf, welche an dem gedachten Tage zum ersten Mal eine künst- 
liche Entleerung des Harns, die von nun an regelmässig vorgenommen 
werden musste, erforderte. Der jetzt entleerte Urin wurde allmälig, trotz 
aller Sorgfalt trübe, roch stark ammoniakalisch und enthielt sehr viel Eiweiss. 
Neben reichlichen Eiterkörperchen waren aber darin keine anderen morpho- 
tischen Elemente zu constatiren. 

Die Weichtheile der äusseren Genitalien zeigten dabei starke ödema- 
tose Anschwellung und intensive Röthung. 

An beiden Armen, besonders an der äusseren Seite derselben, ent- 
wickelte sich inzwischen eine rasch anwachsende Schwellung, während an 
der Aussenseite der beiden Oberschenkel eine sehr druckempfindliche, ge- 
röthete Infiltration des Unterhautzellgewebes zu Tage trat. Links erstreckte 
sich die Schwellung von der Vulva aus längs der Inguinalfalte und unter- 
halb derselben in einer Ausdehnung von etwa 3 Querfinger breit bis auf 
die äussere Seite des Oberschenkels und zog sich von hier aus als ein etwa 



120 Brieger, 

2 Qaerfinger breites Band bis zar Kniebeoge hin. Am rechten Oberschenkel 
hingegen zeigte sich nor in der Gegend des Trochanter eine etwa hand- 
tellerbreite schmerzhafte Schwellung. Die Abschuppong bestand za dieser 
Zeit am ganzen Körper gleichmassig in der schon oben beschriebenen eigen- 
thümlichen Weise. 

Die Temperaturcarven bewegten sich andauernd über der Norm (bis 
40,5^ G.)- Dieser Zustand hielt nun unverändert an bis zum 21. April, an 
welchem Tage Pat. Morgens todt im Bette vorgefunden wurde. 

Obduction (Dr. Grawitz): 

Eine ziemlich grosse, kräftig gebaute weibliche Leiche mit etwas auf- 
getriebenem Abdomen. Die Haut ist an den obern und untern Extremi- 
täten stark ödematös, besonders an den Knöcheln und am Handrucken. 
An den abhängigen Theilen liyide gefärbt, namentlich in den beiden Ueo- 
lumbalgegenden. An den Vorderflächen sieht man an zahlreichen Stellen 
umschriebene rundliche, von Markstäckgrösse bis beinahe zum Umfang eines 
Handtellers variirende Flecken, innerhalb deren die Epidermis theils in 
Form von Borken aufsitzt, theils in kleienähnlichen Schüppchen abgeschil- 
fert ist; der Rand besteht aus grösseren Epidermisfetzen, die sich leicht 
ablösen lassen. Beim Einschneiden solcher Stellen ist in der Lederhaut 
nichts Abnormes zu bemerken. Nach Entfernung der Borken sieht man 
das feuchte Rete freiliegen. 

Bei Eröffnung der Bauchhöhle drängt sich eine stark aufgetriebene 
Colonschlinge vor; auch in der rechten Regio iliaca prominirt ein stark auf- 
getriebener Dickdarmtheil. Die Oberfläche der vorliegenden Schlingen so- 
wohl des Dick- wie des Dünndarms ist grauweiss, glatt und glänzend. An 
der vorderen Bauchwand, an. einer Stelle, die ungefähr der Spin. ant. sup. 
entspricht, sieht man einen Theil des grossen Netzes angewachsen. Ebenso 
ist der Blinddarm und die Dünndarmschlinge, welche in den Blinddarm 
einmundet, im Bereich der letzten 6 Ctm. daselbst verwachsen und mit der 
Bauchwand fixirt 

Das Herz ist von normaler Grösse, im Herzbeutel etwas klare Flüssig- 
keit. Die Herzhöhle enthält reichliches geronnenes Blut. Die Herzwan- 
dungen sind schwach, biass^ die Herzklappen zart und dünn. Zwischen 
dem hinteren und mittleren Segel der Mitralis sitzt eine kleine, kaum 
stecknadelgrosse Excrescenz. Die Mitralis ist zart, das Herzfleisch blass- 
roth, getrübt. Die linke Lunge ist an der Oberfläche ziemlich glatt, der 
Durchschnitt überall lufthaltig, anämisch. Rechts stösst man an der Basis 
auf einen eingekapselten, zwischen Lunge und Diaphragma gelegenen Eiter- 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 121 

herd, welcher mit einem dicht oberhalb liegenden circumscripten, gangränös 
gewordenen Infarct zusammenhängt. Der Rest des Langengewebes ist laft* 
baltig, ödematos. Die oben erwähnte stark dilatirte Diokdarmschlinge ge- 
bort der Flexar an; von ihr aus erstreckt sich Dilatation anf den ganzen 
Dickdarm. Beim Abtrennen der Verwachsang entleerte sich an der Ad- 
häsionsstelle zwischen Eierstock und Dickdarm gelber, dickflüssiger Eiter. 
Beim Herausnehmen der Blase stösst man links im losen Gewebe des 
Beckens auf eine ziemlich umfangreiche Eiterung, die sich bis zum Foramen 
obturat. erstreckt und ca. 100 Gern. Eiter enthält. Die Harnblase ist ziem- 
lich weit, im Fundus besteht eine unregelmässigc, streifenförmige, circa 
4 Glm. lange und 1 Ctm. breite, lebhaft gerothete Stelle, innerhalb deren 
die Schleimhaut oberflächlich necrotisch und ulcerirt ist. Der Uterus ist 
unvoIlstiLndig zuräckgebildet, Höhle 10 V^ Ctm. lang, Wand V/i—2 Gtm. 
dick, sehr schlaff, die Innenfläche glatt, von einer weissen, nur an der 
vorderen Wand von einer lebhaft injicirten Schleimhaut ausgekleidet. Wand 
ist schlaff, sonst durchaus intact. Im rechten Lig. lat. in den tieferen 
Abschnitten normales Gewebe. In der Umgebung der Tuben liegt ein 
an Umfang und Ausdehnung dem Ovarium entsprechender Körper, welcher 
aaf dem Durchschnitte sehr reichliche Eiterpfropfe aus dem Gewebe vor- 
quellen lässt. 

Das linke Ovarium ist derb und klein, enthält kein Corpus luteum. Die 
äusseren Schamlippen stark ödematos, am Introitus einzelne flache Narben. 

Die Milz ist ziemlich beträchtlich geschwollen, misst 14, 10, 4V2, 
Schnittfläche weich und roth. 

Die linke Niere ist ziemlich gross, Oberfläche glatt, das ganze Organ 
geschwollen, auf dem Durchschnitt Trübung der Rinde, in einigen Mark- 
kegeln eine gleichmässige Infiltration, die sich in gelben radiären Streifen 
bis gegen die Rinde erstreckt, an anderer Stelle sieht man kleine , gelbe 
Biterherdchen in der Marksubstanz zerstreut. Kelch und Becken lebhaft 
injicirt mit trüben Inhalt. 

Die rechte Niere zeigt ebenfalls gleichmässige Trübung mit kleinsten 
gelben Herden. 

Die Yen. cava ist von der Einmündungsstelle der Ven. spermat. dextr. 
an bis in die Höhe der Nierenvene mit bröckligen, entfärbten, theil weise 
adhärenten Thromben gefüllt. Die Leber ist klein, zeigt sehr grosse trübe 
Acini, glatt. Mageninhalt riecht sehr stark sauer, Magenschleimhaut ist 
blass. Im Darm dünner übelriechender Inhalt, Schleimhaut blass. 

Die Aorta ist ziemlich eng, dünnwandig, Innenfläche intact. 



122 Brieger. 

Anatomische Diagnose« Febris paerperalis in der 6. Woche, Para- 
metritis, Oophoritis apostematosa dextra, Thrombophlebitis Venae cavae iaf., 
Fneamonia metastatioa gangraenosa, Pleoriüs paroienta circumscripta dextra, 
Hyperplasia lienis, Femphigas, PanOphthalmitis dextra, Oystitis diphtherica, 
Pericystitis apostematosa, Nephritis parenchymatosa et Pyelonephritis apo- 
stematosa, Hepatitis parenchymatosa, Aorta angnstior, Hydrops anasarca. 



Zweiter Fall. 

Pauline Kr., eine 17 Jahre alte Plätterin, hat als Kind Masern und 
Scharlach überstanden. Am 12. Januar 1883 wurde Pat. mit Hülfe einer 
Hebamme von einem ausgetragenen Kinde leicht entbunden. 2 Tage darauf 
erkrankte sie plötzlich mit Frösteln und Hitzegefiihl und liess sich deshalb 
am 15. Januar in die Charit^ aufnehmen. 

Status praesens. Patientin, eine mittelgrosse, kraftige, gut ent- 
wickelte Person, trägt Zeichen der eben überstandenen Schwangerschaft an 
sich; doch ist ausser einem kleinen Eioriss in der hinteren Goromissur Nichts 
von normalen Wochenbettserscheinungen Abweichendes an den Genitalion 
wahrzunehmen. Die Brust- und Abdominalorgane verhalten sich normal. 
Es besteht hohes Fieber: Morgens 89,6, Abends 40,3. Auch die Puls- 
frequenz ist erhöht: Morgens 96, Abends 120. 

16. Januar. Morgens T. 40,2, P. 120, R. 18, 

. Abends ^ 39,4, » 120, , 18. 

17. Januar. Wiederholt treten kurz dauernde Schüttelfröste auf. Das 
Gesicht der Patientin erscheint leicht geröthet. An Brust, Bauch und Ober- 
schenkel zeigen sich zehnpfennigstuck- bis wallnussgrosse, unregelmassig 
configurirte, rosaroth gefärbte, erythemartige Flecke, die nicht das Haut- 
terrain überragen. Auf Druck schwindet die Böthung, um bald wieder zum 
Vorschein zum kommen. Diese rosarothen Flecke ändern aber häufig ihr 
Colorit, bald blassen sie etwas ab, bald zeigen sie sich in tiefstem Purpur- 
scharlach, ohne dass sich eine sichtbare Ursache far diesen auffälligen 
Farbenwechsel kundgäbe. Zugleich konnte eine beträchtliche Vergrösserung 
der Milz constatirt werden. 

Morgens T. 39,3, P. 108, R. 24, 

Abends „ 39,5, „ 120, ^ 24. 

18 Januar. Morgens « 39,4, „ 108, ^ 24, 

Abends » 40,3, ^ 120, ^ 24. 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 123 

Die erythemartigen Flecke an Brust, Bauch und Oberschenkel sind zu- 
sammengeflossen uud haben nun die genannten Eörperpartien eine gleich- 
massig scharlachähnliche Röthung angenommen, die da, wo sie an gesunde 
Haatahschnitte anstösst, sich in unregelmässig gezackten Grenzen davon 
absetzt An den bisher freien Armen werden im Laufe des Tages grosse, 
bald confluirende scharlachrothe Flecke sichtbar, deren Farbenintensität 
zeitweilig wechselt. Hals, Gesicht und Unterextremitäten bleiben yöllig frei, 
Hand- und Bachenschleimhaut sind in keiner Weise krankhaft afficirt. Die 
Schüttelfröste wiederholen sich öfter und können, trotz grosser Dosen 
Chinin, nicht coupirt werden. Auch beeinflusst Chinin nicht im Mindesten 
die Temperaturbewegungen. 

19. Januar. Morgens T. 38,2, P. 96, R. 18, 

Abends idem. 
Das Erythem beginnt abzublassen; nur die Gegend der Mammae, des 
Ellenbogens und der Innenseite der Oberschenkel ist noch intensiv gerothet. 

20. Januar. Die Temperatur bleibt yon nun an normal; auch das 
Erythem ist von nun an völlig abgeblasst und ist nirgends eine Desqua* 
mation eingetreten. Die Kranke befindet sich relativ ganz wohl. Ihr Zu- 
stand der Euphorie dauerte bis zum 23. Januar. An diesem Tage wird 
Patientin wiederholt von Schättelfrösten heimgesucht und steigt auch die 
Temperatur rasch wieder über die Norm an. Es hat von nun an das Fie- 
ber den Character einer Intermittens quotidiana, begleitet von zahlreichen 
Schüttelfrösten. Auch die Milz, welche sich während des Stsidiums der 
Euphorie wieder zuräckgebildet hatte, wird bald wieder palpabel, die Lo- 
chien, welche bisher stets normale Beschaffenheit zeigten, bleiben vollkom- 
men geruchlos. R. H. U. Dämpfung, krepitirende Rasseigerausche. An der 
Streckseite der Oberextremi taten , besonders in der Nähe der Gelenke, ist 
plötzlich ein fleckiges Erythem, das sehr rasch, theilweise schon während der 
Untersuchung confluirt, so dass beide Arme sehr bald intensiv gerothet er- 
scheinen. Dieses Erythem ist am folgenden Tage wieder verschwunden, ohne 
dass es auch jetzt zur Desquamation gekommen wäre. Am übrigen Körper 
sind derartige Phänomene nie zu beobachten gewesen. Patientin collabirte 
von nun an von Tag zu Tag; begünstigt wurde dieser Collaps noch von 
Diarrhoen, welche allen Obstipantien widerstehen; hierzu kam noch in den 
letzten Tagen ihres Lebens eine starke Empfindlichkeit des Leibes, beson- 
ders der Parametrien, herrührend von einer derben Infiltration derselben. 

Am 2. Februar erfolgt der Tod der Patientin unter Dyspnoe, Cyanose 
und Delirien. 



124 Brieger. 

Obdnctionsbericht. 

Mittelgrosse, ziemlich kräftige weibliche Leiche. Haut und Conjunctiva 
sind wj3iss gefärbt, nirgends Abschuppung oder abnorme Röthang wahr- 
nehmbar. Abdomen aufgetrieben. Bei Eröffnung der Bauchhöhle entleert 
sich etwas gelber Eiter. Das Netz ist eitrig infiltrirt. Die Bauchlingen 
und Baucheingeweide sind durch eitriges Exsudat verklebt. Zwechfellstand 
beiderseits im vierten Intercostalraum. Herz ziemlich gross; Oberfläche mit 
ziemlich reichlicher Fettschicht bedeckt. Fericard glatt, glänzend. Das 
linke Herz ziemlich stark contrahirt. Musculatur hellroth, von guter Con- 
sistenz, etwas blass, Klappen zart. Anfangstheil der Aorta 5V2 Ctm., in- 
tact. Linke Lunge frei beweglich, nur an der Basis etwas verwachsen. 
Oberfläche hellroth. Das Parenchym ist lufthaltig, massig blutreich. Rechte 
Lunge ist von etwas eitriger Flüssigkeit umgeben, lieber den ganzen Unter* 
läppen ein gleichmässiger eitriger Belag. Das Parenchym des rechten Unter- 
lappens verdichtet, im Stande schlaffer Hepatisation. Der Rest lufthaltig. 
Die Milz von eitrig fibrinösem Exsudat umgeben, sehr weich, grauroth. Der 
Uterus liegt in gleicher Höhe mit der Symphyse. Er ist mit seiner Um- 
gebung, namentlich der Blase ziemlich fest verklebt, steilenweise schon in 
Reorganisation begriffen. Die derbe eitrige Infiltration erstreckt sich vor- 
wiegend auf beide breite Mutterbänder, welche derb und ödematös sind. 
Auf dem Durchschnitt lassen sich zahlreiche Eiterpfropfe herausdrücken. 
Auch die beiden Ovarien sind im Zustande phlegmonöser Schwellung. Im 
linken ein grosses Corpus luteum. Scheide stark gerunzelt, ohne grössere 
Einrisse. Die Innenfläche des Uterus von gutem Aussehen. Die Placentar- 
stelle an der hinteren Wand fast ganz zurückgebildet. Nieren anämisch, 
ohne Trübung. Im Duodenum gelblich gefärbter Epithelbelag. Das Rectum 
ist im untersten Theil durch galligen Koth etwas dilatirt. Schleimhaut 
blass, dilatirt. Magen bedeckt von einer gleichmässigen Schleimschicht an 
der Oberfläche. Seine Wand verdickt. Schleimhaut desselben von graa- 
röthlicher Farbe. Die Leber zeigt schwache periphere Fettinfiltration. 

Anatomische Diagnose. Status puerperalis. Parametritis und Peri- 
metritis. Oophoritis phlegmonosa. Peritonitis purulenta universalis. Pleu- 
ritis purulenta dextra. Pneumonia hypostatica dextra. Hyperplasia lienis. 
Gastroenteritis catarrhalis. 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 125 

Dritter Fall. 

Bertha Seh., eine 32jäbrige Frau, hat vor 2 Jahren ein gesundes Kind 
geboren und vor 8 Monaten zum letzten Male menstruirt. Am 1. Novem- 
ber 1882 erkrankte sie unter Kopfschmerzen, allgemeiner Mattigkeit und 
Fieber. Den 7. November wird Pat. in die Charite transferirt. 

Status praesens. Patientin, eine mittelgrosse, gut genährte Frau, 
die nach dem Stande des Uterus gerechnet, im 9. Monat schwanger ist, 
zeigt die SchwangerschaftserscheiTiungen sehr deutlich. 

Auf der Brust und an dem aufgetriebenen Bauche reichliche Roseola. 
Lippen trocken, Zunge belegt. Reichliche Diarrhoen. Die Kranke ist leicht 
benommen. Die Milz ist percussorisch vergrössert, die Vergrösserung aber 
nicht durch Palpation nachzuweisen. Puls 120, sehr klein. Febris continua« 

Die vordersten Theile der Vorderarme und zwar besonders die Streck- 
seite derselben ist von einer scharlachahnlichen Röthung eingenommen, die 
aus confluirenden grösseren oder kleineren Flecken gebildet wird und zwar 
derart, dass sie beim Zusammenfliessen noch einzelne Stellen gesunder Haut 
zwischen sich lassen. Die erythemartigen Flecke nehmen auch den Hand- 
rücken ein. Die geröthöten Hautstellen sind nicht erhaben, nicht schmerz« 
haft und fühlen sich sehr heiss an. In den nächsten 2 Tagen verschwindet 
allmälig das Exanthem ohne nachfolgende Desquamation vollständig. Am 
10. November tritt dann die Geburt eines Kindes ein, wobei die Temp^ 
ratur von 40,0 auf 34,2 fällt, nach einigen Stunden aber sogleich dieselbe 
Höhe wieder erreicht. Am nächsten Tage fühlt sich Patientin anfanglich 
wohl, bald aber beginnt die Temperatur unter heftigem Schaudern und 
Frösteln von 34 auf 42^ G. zu steigen, um innerhalb weniger Stunden unter 
Ausbruch klebriger Schweisse wieder auf 36 zurückzusinken. Von nun an 
wiederholen sich täglich diese Schüttelfröste und die Fiebercurve bietet voll- 
standig das Bild einer Intermittens quotidiana. Die Patientin coUabirt von 
Tag zu Tag mehr, ihr Sensorium umhüllt sich allmählig; von Seiten der 
Lunge treten katarrhalische Erscheinungen sehr in den Vordergrund. An 
den Genitalien ist zu keiner Zeit etwas Pathologisches zu entdecken ge- 
wesen, die Lochien waren jederzeit geruchlos. Am 30. Novbr. erscheinen 
die Oberarme von einer intensiv dunklen Röthung, welche sich brennend 
heiss anfühlt y übergössen. Innerhalb weniger Stunden verbreitet sich von 
da aus das Erythem, ohne dass sich in der Temperatur irgend eine Beein- 
flussung kundgiebt, über Vorderarme, Brust und Bauch. Nach 24 stündigem 
Bestehen desselben blasst es allmälig mnerhalb 2 Tagen, ohne dass es je 



126 Brieger, 

zur Abschuppang kommt, ab. Vom 3. December ab gehen die übrigen 
allgemeinen Erankheitserscheinangen allmalig zarück, die Schättelfiröste 
lassen allmalig nach; der intermittirende Character des Fiebers verliert 
sich; in lang dauernder Reconvalescenz erholt sich Patientin allmalig, so 
dass sie am 12. Janaar 1883 geheilt entlassen werden kann. 



Vierter Fall. 

Clara G., ein 22 Jahre altes Dienstmadehen, hat als Kind Scharlach 
und Masern überstanden und vor 5 Jahren einen schweren T3rphas darch- 
gemacht, fühlt sich seit 18. Februar 1883 unwohl, klagt über ziehende 
Schmerzen in den Gliedern, Frostgefühl und Hitze und ist seit dem 23. Fe- 
bruar bettlägerig. Das zart gebaute, aber gut genährte Mädchen bietet bei 
ihrem Eintritt in die Klinik am 28. Februar alle Erscheinungen eines Typhus 
abdom. dar. Sparsame Roseola, Milztomor, Ileocoecalschroerz, Temperatur- 
steigerung bis 39,8 mit morgendlichen Remissionen. Am 2. Tage ihrer 
Aufnahme in die Charit^ schiesst plötzlich auf den Rückenseiten beider 
Oberarme ein punktförmiges, das Hautniveau nicht überragendes, hellrothes 
Erythem auf, das im Laufe von 2 Tagen den ganzen Körper bedeckte. Nasen- 
und fiachenschleimhaut sind in keiner Weise afficirt Auch der Fiebergang 
weicht von dem der vorhergehenden Tage nicht wesentlich ab. Das Ery- 
them blieb in seiner vollen Intensität 24 Stunden bestehen und glich in 
seinem Habitus vollkommen der Scharlachröthung; in den nächsten 2 Tagen 
blasste das Erythem unter kleienformiger Schuppung ab. Urin war jeder- 
zeit normal. Der Typhus nahm seinen normalen Verlauf, während die Ab- 
schuppung noch einige Zeit anhielt. Vom 15. März ab trat Patientin in 
das Stadium der Reconvalescenz. Im Laufe derselben bildeten sich in bei- 
den Achselhöhlen und in der rechten Inguinalfalte Schwellungen der Lymph- 
drüsen heraus, die schnell in Eiterung übergingen und erst nach wieder- 
holten Incisionen der Heilung entgegengefuhrt wurden. 



Fünfter Fall. 



Anna D., 19 Jahre altes Dienstmädchen, erkrankte 8 Tage vor ihrer 
Spitalaufnahme, die am 10. Januar 1883 erfolgte, tnit Erbrechen, Durch- 
fallen und anhaltendem Fieber. Patientin zeigte bei ihrer Aufnahme das 



Ueber Erytheme insbesondere bei InfectionsVrankheiten* 12T 

7ollstandig aasgesprochene Bild einer typhösen Erkrankung. Das Fieber 
bewegte sich von Anfang an innerhalb hoher Grade, von 39 bis 39,8; 
aach war das Sensorinm von Anfang an sehr benommen, doch vermochten 
kalte B&der sowohl eine Rückkehr der Besinnlichkeit und eine prompte 
Temperaturherabsetzung, wenn auch immer nur für kurze Zeit, zu veran- 
lassen. Das Roseolaerythem war bereits schon im Abblassen begriffen, als 
am 23. Januar sich plötzlich an den Händen und dem Vorderarme eine 
scharlachahnliche Röthe entwickelte, die rasch über die Brust herübergriff 
und innerhalb eines Tages sich auch noch über die Bauchwand hin erstreckte. 
Weder Rachenaffection, noch eine neue Beeinflussung der Typhuscurve waren 
mit dieser Hautaffection verbunden. Nach 2 tagigem Bestehen des Exan- 
thems blasste dasselbe ab und ging in 2 Tagen ohne Abschuppung zurück. 
Trotzdem dauerte das hohe Fieber, sowie die schwere Benommenheit fort 
und erforderten taglich wiederholt Bäder. Am 10. Februar trat Remission 
des Fiebers ein. Auf dem rechten Glutaus hatte sich im Laufe des Re- 
missionsstadiums allmalig ein Abscess gebildet, nach dessen Entleerung und 
Heilung Fat. vollkommen fieberlos wunde, so dass sie Anfang März geheilt 
Atlassen werden konnte. 

Die fänf hier geschilderten Fälle betreffen sämmtlich weibliche Indi- 
viduen, von denen 2 an Septicopyämie im Puerperium und 3 an Typhus 
erkrankt waren. 

Die erste der Patientinnen zeigte bei ihrer Aufnahme neben den 
schweren Localerkrankungen des Uterus und seiner Adnexe eine rechtsseitige 
Pleuritis. Die hohe Körpertemperatur, sowie die sich täglich wiederholen- 
den Schüttelfröste und die sich bald hinzugesellende PanOphthalmitis Hessen 
keinen Zweifel obwalten, dass es sich hier um einen schweren Fall von 
puerperaler Septicopyämie handle. Bald hinzutretende Lymphangitiden am 
linken Arme gaben auch noch Zeugniss von der Schwere des Falles. Zu- 
gleich mit dieser eben erwähnten Affection findet eine Pemphiguseruption 
statte die anfanglich nur den linken Unterschenkel und die beiden Ellbogen- 
gelenke ergreift; innerhalb kurzer Zeit aber breiten sich neue Pemphigus- 
blasen von verschiedener Grösse, Erbsen- bis Taubeneigrösse, über die ganze 
Körperoberfläche aus. Während ein Theil der bestehenden Pemphigusblasen 
theils durch Aufplatzen und Entleerung ihres flockig eitrigen Inhaltes, theils 
durch Eintrocknen ohne Hinterlassung eines Substanzverlustes irieder ver- 
schwinden, schiessen daneben immer wieder neue Blasen auf. Innerhalb 
iet Perioden der Florition des Pemphigus, bricht ein masemahnliches Exan- 



128 Bri6ger« 

them aas, das von seiner Ursprangsstelle, vom Vorderarm ans, siob rasch 
über den ganzen Körper hinzieht. Diese Flecken fliessen bald zusammen, 
lassen aber noch theilweise freie Hantstrecken zwischen sich. Mit Eiter 
gefällte Sudamina,- welche sich bald auf diesem Flachenexanthem etabliren, 
tragen dazu bei, den Hautdecken ein eigenthämliches marmorirtes und ge- 
schecktes Aussehen za verleihen. Nach sechstagigem Bestehen des bald 
theilweise confluirenden Exanthems, wahrend dasselbe sich noch in der 
vollen Bläthe befindet, erhebt sich die Epidermis in Form von, mit seröser 
Flüssigkeit gefüllten grossen Blasen ab, die bald platzen und dann als Haut- 
fetzen herabhängen. Wahrend dieses Abschuppungsstadiums verstarb Pa* 
tienlio. Bei der Section wurden die oben näher ausgeführten, far die puer- 
perale Septicopyämie characteristischen Befunde erhoben. 

Die zweite Patientin, die ebenfalls eine Puerpera war, mit ausge- 
sprochener allgemeiner Infection, wird unter Schüttelfrösten am dritten Tage 
nach ihrer Erkrankung von einem sich schnell über den ganzen Körper 
ausbreitenden Fleckenexanthem befallen, das schnell zusammenfliesst und in 
seiner Farbennuancirung häufigen Wechsel zeigt. Nach 2 Tagen blasst das 
Exanthem ab und verschwindet nach 3 Tagen ohne Desquamation vollstän- 
dig. Der septische Process, welcher kurze Zeit eine Wendung zum Bessern 
erwarten Hess, exacerbirt rasch wieder und damit tritt wiederum, auf der 
Streckseite der Oberextremitäten ein Fleckenerythem auf, das bald conflui- 
rend über beide Arme sich erstreckt, um nach 24 Stunden spurlos zu 
verschwinden. Auch in diesem Falle ergab die Section die, die puerperale 
Septicopyämie beweisenden Befunde. 

Die letzten drei Patientinnen waren Typhuskranke, bei denen der ty- 
phöse Process einen typischen mit Genesung endenden Verlauf nahm. Die 
beiden ersten dieser Patientinnen wurden noch während des Bestehens der 
Roseola an den Armen von einem fleckigen Erythem befallen, das bei der 
einen Patientin nach zweitägigem Bestehen wieder spurlos verschwindet, 
während es bei der anderen innerhalb der gleichen Zeit den ganzen Körper 
bedeckt und durch 24 Stunden hin denselben scharlachroth färbt. Das 
Abblassen des Erythems dauerte 2 Tage und ist verbunden mit kleienfor- 
miger Abschuppung. Das Fleckenerythem, welches bald in ein gleiohmässi- 
ges Scharlachroth übergeht, erscheint nochmals für Tagesdauer bei der 
letzten dieser Patientin, zu einer Zeit, wo dieselbe nach überstandenem 
Abort zugleich auch noch septisch erkrankt ist. Bei der dritten, der Ty* 
phuspatientinnen war das Roseolaexanthem schon völlig abgeblasst, als der 
Ausbruch eines scharlachähnlichen Erythems, an Händen und Vorderarmen 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 129 

beginnt Nachdem innerhalb 24 Stunden der ganze Körper von dieser 
Scharlachröthe überzogen war, blasste das Erythem nach zweitägigem Be- 
stehen ab und bildete sich, innerhalb Tagesdauer ohne Abschuppung völlig 
zurück. Bei vorerwähnten Typhuskranken hatte sowohl der Ausbruch als 
auch das Bestehen des Erythems keine auffallige Abweichung weder in dem 
Verlaufe noch in der characteristischen Temperaturcurve des Typhus zur 
Folge. — 

Alle fünf Patientinnen, durch welche zwei differente Krankheitsgruppen 
vertreten sind, besitzen das Gemeinsame, dass sich bei ihnen auf dem 
Höhestadium des krankhaften Processes Erytheme entwickeln. Ueber die 
Natur dieser Erytheme Aufschluss zu geben, wäre nun die nächste Aufgabe 
und wurde deshalb hier die Frage zu erörtern sein, ob dieselben als eigen- 
artige Dermatitis aufzufassen sind oder ob sie der Gruppe der bekannten 
Hautkrankheiten einzureihen sind. Bekanntlich neigen sich die Meinungen 
dahin, die im Verlaufe des Puerperalfiebers auftauchenden Erytheme als 
echte Scarlatina im Wochenbett zu erklären. Besonders in England, wo 
derartige Affectionen häufiger wie in anderen Ländern zur Beobachtung ge- 
langen, wird diese Ansicht fast allgemein acceptirt, und auch in Deutschland 
hat sich dieselbe Dank der eifrigen Fürsprache Olshausen's^) viele An- 
hänger erworben. Dieser einseitigen Auffassung sind besonders entgegen- 
getreten Thomas^), Schröder'), Winckel*) und Litten*), welche 
neben der echten Scarlatina im Wochenbett noch ein Puerperalscharlach, 
abhängig von dem puerperalen Processe, annahmen. Als prägnante Unter- 
schiede zwischen echtem Scharlach und sogenanntem Puerperalscharlach 
werden besonders das Fehlen der Hautaffectionen, sowie die tief purpurrothe 
Färbung des Exanthems bei der letzten Affection geltend gemacht. Auch 
das blitzartige Auftreten, sowie die kurze Dauer der einzelnen Perioden 
werden nach zu Gunsten der letzten Annahme verwerthet. 

Zunächst geht aus unseren Fällen hervor, dass Erytheme nicht nur 
beim Puerperalfieber sondern auch bei Typhus entstehen können. Alle 
diese Erytheme zeichnen sich durch ihr plötzliches Auftreten und ihre ra- 
pide Verbeitung aus, sodass die einzelnen Stadien der Entwicklung und des 
Verlaufes des Erythems sich häufig garnicht genau verfolgen lassen. Ein 



Arch. f. Gynäkol. Bd. 9. 

^) V. Ziemssen's Sammelwerke. II. 2. 

^ Lehrbach der Gehartshülfe. 

^) Pathologie und Therapie dos Wochenbettes. 

') Ueber septische Erkrankungen. Zeitschr. f. klin. Med. Bd. II. Heft 2 u. 3. 

CkaiUc-AttDalen. IX. Jahrg. g 



ISO Brieger, 

Umstand, dem bisher noch keine Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, 
tritt bei unseren Fällen äusserst scharf in den Vordergrund ; es ist dies die 
Entwickelung des Erythems. Bei den ersten vier Fällen wurden zunächst 
isolirte rothe Flecke bemerkt, welche schnell sich yergrSssern, confluiren 
und durch ihre Verschmelzung allmälig den von ihnen bedeckten Flächen 
ein gleichmässiges scharlachähnliches Aussehen gewähren. Diese Genese 
des Erythems unterscheidet es in fundamentarer Weise von echtem Schar- 
lach, der ja immer sofort über eine grosse Fläche verbreitet zu Tage tritt. 
Zu bemerken wäre noch, dass im Gegensatz zum echten Scharlach die Ery- 
theme häufig von den Oberextremitäten aus ihren Ursprung nehmen und 
von dort aus erst auf die benachbarten Körpertheile übersetzen. Als ein 
wesentliches Differenzstück ist ferner hervorzuheben das häufige Verschwin- 
den des Erythems ohne nachfolgende Desquamation. Von den von mir ge- 
schilderten Fällen zeigen Fall 1 und 5 ein abweichendes Vorhalten, l)ei 
Fall 5 schilfert sich die Haut beim Abblassen des Erythems kleienfor- 
mig ab, während beim ersten Fall die Epidermis in dem Momente, wo das 
Erythem noch in voller Blüthe sich befand, durch serösen Ergass theilweise 
losgelöst und auf diese Weise abgestossen wurde. Doch auch diese Art 
der Abschuppung unterscheidet sich wesentlich, von dem bei Scharlach be- 
kannten Vorgange der Desquamation, welche constant immer in Form einer 
Abschilferung der Haut in grösserem Haassstabe vor sich geht. Gegen die 
Identität der in Rede stehenden AfFection mit Scharlach spricht insbeson- 
dere noch das sowohl von anderer Seite als auch in unseren Fällen con- 
stantirte Fehlen von Mund- und Rachenerkrankung. 

Einen weniger durchgreifenden Unterschied durfte man aber in den 
Abstufungen des Farbentones der Scharlachröthe, also des gesättigten Roth 
suchen, da wir gleichfalls bei einer grösseren Anzahl von Scharlachkranken 
den verschiedensten Farbennuancirungen vom hellen Rosa bis zum gesättigten 
Purpurroth begegnen. Wie wenig Bedeutung überhaupt der Tinction beizu- 
messen ist, lehrt unser zweiter Fall, bei dem innerhalb kurzer Zeit wieder- 
holte Aenderungen im Colorit des gleichen Erythems vor Augen treten. 
Eines Umstandes, der bisher noch nicht hier erörtert wurde, muss ich noch 
gedenken. Das Erythem lässt sich nämlich nur als eine auf die Haut 
localisirt bleibende Erkrankung ansprechen, da irgend welche Symptome, 
welche beim Bestehen des Erythems eine Alteration des allgemeinen Zu- 
standes der Patientinnen zur Folge haben, stets ermangeln. Selbst jener 
feine Indicator, welcher uns am subtilsten krankhafte Aenderungen im 
Organismus anzeigt, das Thermometer, verändert während des Erscheinens 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskranklieiten. 131 

and Bestehens des Erythems nicht im Mindesten den gerade innehabenden 
Stand. 

Dem Gesagten zu Folge dürfte der Schluss gestattet sein, dass die 
Erytheme bei Infectionskrankheiten als ein eigenartiges Krankheitsbild za 
betrachten sind, das sich von der Scarlatina wesentlich different verhält, 
sodass von einer Identificirang damit keineswegs die Rede sein kann. Er- 
wähnenswerth ist noch, dass das gleiche Erythem zweimal in kürzester 
Frist dasselbe Individaum befallen kann (3. Fall). 

Dass in der That echte Scarlatina sich za Wocheabetterkrankangen 
hinzugesellen kann, ist nach diesen Erörterungen nicht ausgeschlossen, und 
dürfte eine Berücksichtigung der hier discutirten Differenzpunkte genügen, 
um einer Verwechselung von Scarlatina mit Erythem vorzubeugen. 

Wir müssen jetzt hier die Erörterung der Frage anknüpfen, durch 
welche Momente das Zustandekommen der Erytheme bei Infectionskrank- 
heiten herbeigeführt wird. Ich habe bereits oben die Bedenken ausge- 
sprochen, welche der Annahme des angioneurotischen Ursprunges der Ery- 
theme entgegenstehen. Wir sind in Folge dessen gezwungen, auf eine 
andere Quelle der Entstehung dieser Erytheme zu recurriren. Der erste 
der von mir geschilderten Fälle scheint ein Hinweis zur Deutung der Ge- 
nese dieser Art der Exantheme zu geben. Es spielen sich auf den äusseren 
Integumenten der ersten Patientin zwei Hautkrankheiten — Pemphigus und 
Erythem -^ neben einander ab. In dem Inhalt der Pemphigusblasen wies 
die microscopische Untersuchung zwei differente Arten von Bacterien nach; 
kleine dicke, noch einmal so lange als breite Stäbchen, die zu Ketten ver- 
eint waren; und lange isolirte Stäbchen, deren Längsdurchmesser etwa das 
Vierfache ihres Breitendurchmessers betrug. Die zu Ketten vereinten Stäb- 
chen Hessen sich leicht auf der Koch'schen Pepton-Nährgelatine rein züch- 
ten, während mir dies bei den isolirt vorkommenden Stäbchen nicht gelang. 
Die zu Reinculturen herangezüchteten kettenbildenden Bacterien riefen, bei 
Kaninchen und Meerschweinchen eingeimpft, keine Alteration hervor, wäh- 
rend der Inhalt der Pemphigusblasen, derartigen Thieren injicirt, eitrige 
Absonderungen an der Injectionsstelle mit nachfolgenden metastatischen 
Abscessen zur Folge hatte. Da nun der Pemphigusinhalt nur die beiden ge- 
schilderten Formen der Bacterien enthielt, so lässt sich daraus vielleicht 
der Schluss ziehen, dass jene langen, isolirt vorkommenden Stäbchen, welche 
auch im Abscesseiter der jüngsten Thiere sich vorfanden, als Ursache der 
Abscedirungen angeschuldigt werden können. 

Der Befund der bei den wohl charakterisirten Arten von Bacterien in 



132 Brieger, 

den Pemphigusblasen, welcher in anderen Körpertheilen nicht erhoben wer- 
den konnte, bildet eine Analogie za den Erfahrungen, welche Ehrlich and 
ich*) über das Auftreten des malignen Oedems bei Typhaskranken ge- 
sammelt haben. Wir müssen ans vorstellen, dass es sich hier ebenfalls 
um eine Hischinfection handelt, in der Art, dass durch das Bestehen 
des Puerperalfiebers erst jene Wucherung der Pilze in den Pemphigusblasen 
ermöglicht wurde. Auf gleiche Weise können wir auch das Erythem, 
welches auf durchseuchtem Boden aufschiesst, als eine Mischinfection in 
dem von Ehrlich und mir ausgeführten Sinne auffassen. Der typhöse 
und septische Process befähigen eben gewisse Bacterienspecies, die sonst 
den gesunden Organismus nicht zu schädigen vermögen, sich auf dem schon 
inficirten Körper anzusiedeln und alsdann ihre eigenartige Wirkung zu ent- 
falten. Dass in der That das Erythem kein directes Symptom des Grund- 
leidens darstellt, lehrt schon sein klinischer Verlauf. Allerdings muss zu- 
gestanden werden, dass parasitäre Wesen, durch die das Erythem ver- 
schuldet sein konnte, vorläufig nicht nachweisbar waren, denn der von mir 
dabei constatirte Befund von Micrococcen, die häufig in Diplococcenform 
sich präsentirten, ist ganz bedeutungslos, da man derartigen Funden bei 
allen Leuten, deren Hautcultur nicht penibel betrieben wird, begegnet. 
Und doch ist dem ganzen Wesen dieses Erythems gemäss die Vermuthung, 
dass auch hier eine parasitäre Hautkrankheit vorliegt, wohl gerechtfertigt. 
Der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen, dass hier ähnliche Ver- 
hältnisse obwalten, wie bei den septischen Hautsugillationen, bei denen 
man häufig von Micrococcenballen erfüllte Gefasse nachgewiesen hat. 

Der Lehre von dieser embolischen Natur gewisser Exantheme hat man 
bisher nur sehr wenig Beachtung zugewendet, trotzdem in der Literatur 
Fälle sich verzeichnet finden, in denen unzweifelhaft das daselbst beob- 
achtete Exanthem aus Hautembolien hervorgegangen ist. Allerdings sind 
derartige Fälle äusserst selten (cf. Edler, Inauguraldissertation, Berlin 
1872). Darum dürfte es angezeigt sein einen derartigen, allerdings nicht 
auf infectiösem Boden sich abspielenden Fall, den Herr Dr. Leopold be- 
reits auf meine Veranlassung hin zum Gegenstand seiner Inauguraldisser- 
tation gemacht hat, hier noch anzufügen. Die grosse Seltenheit derartiger 
Beobachtungen rechtfertigt die ausführliche Reproduction unseres Falles. 

Alwine J., eine 32jährige Tischlerfrau, wurde am 22. August 1882 der 
ersten medicinischen Klinik der Charite übergeben. 



Berl. klin. Wochensohr. 1882. S. 661. 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 133 

Die Patientin war bei ihrer Aafnahme bei vollem Bewasstsein, jedoch 
bestand absolute Aphasie und rechtsseitige Hemiplegie mit linksseitiger 
Facialisparalyse. 

Anamnestisch liess sich vorläufig nichts aus der Kranken herausbringen, 
da sie auf alle an sie gerichteten Fragen nur mit unarticulirten Lauten: 
,Ah, Ah" antwortete. 

Nach mancherlei von der Pat. theils mit Nicken, theils mit Kopf- 
schütteln, nach einigem Zögern beantworteten Fragen gelang es, vorläufig 
festzustellen, dass Pat. vor etwa 14 Tagen in ihrer Wohnung plötzlich be- 
sinnungslos vom Stuhle gefallen sei. 

Später liessen sich von ihrem Hanne folgende anamnestische Daten 
erniren. Pat. stammt von gesunden Eltern; Hautkrankheiten sind weder 
in der Familie der Frau früher vorgekommen, noch soll sie selbst jemals 
Hautausschläge gehabt haben. Pat. ist Mutter zweier gesunder Kinder, 
weder sie selbst noch ihr Mann haben je an syphilitischen Affectionen ge- 
litten. Während fräher die Menses regelmässig und schmerzlos geflossen, 
seit 2 Jahren indessen von heftigen Kopfschmerzen eingeleitet und begleitet 
waren, hatten dieselben seit etwa 2 Monaten vor dem Beginn der Erkran- 
kung plötzlich zu fliessen aufgehört. Die, die Menses früher begleitenden 
Kopfschmerzen sollen dagegen bis zu der Katastrophe am 8. August un- 
unterbrochen angedauert haben. Gleichzeitig litt Pat. an lästigem Herz- 
klopfen und öfteren leichten Schwindelanfallen. Weder bei dem Manne, 
noch bei der Pat. selbst war irgendwelcher Anhaltspunkt für Lues zu 
finden. Am 8. August war die bis dahin , die erwähnten kleineren Uebel- 
stände abgerechnet, vollkommen gesunde Frau plötzlich im Wohnzimmer 
besinnungslos vom Stuhle gesunken, hatte längere Zeit ohne Bewusstsein 
gelegen und nach ihrem Erwachen aus dem Coma die Zeichen einer rechts- 
seitigen Hemiplegie, linksseitigen Facialisparese und absoluter Aphasie dar- 
geboten. 

Status praesens. Die Kranke ist eine grosso, schlank gebaute Frau, 
von ziemlich starkem Knochenbau, dürftiger Muscuiatur und atrophischem 
Fettpolster. 

Durch mimische Bewegungen deutete Pat. an, dass sie Schmerzen im 
rechten Arm und Bein habe; sonst bestanden anscheinend keine weiteren 
Beschwerden. Der rechte Arm und das rechte Bein befinden sich im Zn- 
stande völliger Paralyse, sie fallen von ihrer Unterlage aufgehoben und 
losgelassen, sofort, wie todte Körper, schlaff auf das Bett zurück. Der 
linke Mundwinkel hängt tiefer als der rechte, der Unke Nasenflügel er- 



134 Brieger, 

scheint schlaffer als rechts, und das linke Nasenloch ist beträchtlich gegen 
das der anderen Seite verengert. 

Dabei ist die linke Nasolabialfalte fast ganzlich verstrichen. Fat. 
speichelt viel, and der Speichel fliesst bei dem halb offen stehenden Mande 
vorzugsweise aas dem linken Mnndwinkel ab. 

Die Zunge liegt vollkommen bewegungslos am Boden der Mundhöhle; 
die Uvula hängt nach links hinüber, die Gaamenbögen, sowie das Velum 
hangen schlaff gegen die hintere Pharynxwand. Die Mundhöhle enthält 
zähen, schmierigen Schleim, der auch Zunge und Zähne dick überzieht. 
Das Schlingen ist entschieden erschwert; Pat verschluckt sich beim Trinken 
leicht und lässt einen Theil des Genossenen sofort wieder aus dem halb 
geöffneten Munde abfliessen. Dem Anschein nach liegt das Haupthinder- 
niss des Schlingens in der Lähmung der Zunge und Rachenmusculatur. 
Die Mundschleimhaut und die der Fauces ist ziemlich lebhaft gerSthet, 
aber frei von jedem Belag. 

Spuren von Verletzungen sind am Körper nicht zu entdecken. x\n 
beiden Unterschenkeln besteht in der Knöchelgegend massiges Oedem der 
Haut, welches sich am rechten Bein auch noch höher hinauf bis in die 
Gegend des Knies erstreckt. 

Der Gesichtsausdruck [der Pat. bietet durchaus nichts Charakteristi- 
sches, erscheint sogar eher etwas apathisch; bei Fragen indessen, welche 
an sie gerichtet werden, beleben sich ihre Zöge, und ist Pat. sichtlich mit 
Anspannung aller geistigen und körperlichen Kräfte bemüht, sich durch 
Sprechen verständlich zu machen, ohne indessen irgend einen anderen Laut, 
als „Ah^ hervorzubringen. Es besteht also absolute Aphasie. 

Die Pupillen sind von gleicher Weite und zeigen normale, wenn auch 
etwas träge Reaction. Die ophthalmoskopische Untersuchung ergiebt einen 
normal gefärbten Aügenhintergrund mit sehr stark geschlängelten und er- 
weiterten Venen, neben deren Contouren streckenweis ein schmaler rother 
Saum zu verlaufen schien. • Keine Stauungspapille. Die Sehfahigkeit ist 
augenscheinlich auf beiden Augen gleich und in keiner Weise herabgesetzt. 
Die Sensibilität, Schmerzgefühl, Temperatursinn, Drucksinn, Ortssinn, Mus- 
kelgefühl ist auf der gelähmten Körperhälfte entschieden bedeutend herab- 
gesetzt, ohne indessen an irgend einer Stelle ganz aufgehoben zu sein. 
Denn es bedarf sehr energischer Reize auf der gelähmten Seite, ehe Pat. 
Empfindungs- und Schmerzensäusserungen kundgiebt. 

Der Spitzenstoss ist im 4. Intercostalraum links in der Parasternal- 
linie zu fühlen; an der Herzspitze, sowie, wenn auch bedeutend schwächer, 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 135 

an der TricQspidalis, am unteren Ende des Sternuro, hört man ein ziemlich 
lautes systolisches Blasen; der 2. Pulmonalton ist etwas verstärkt und 
klappend. Eine Vergrösserung der Herzdämpfung ist nur nach rechts hin 
um 1 Vs Ctm. zu constatiren. 

Der Puls an der Radialarterie, welche sich nicht rigide oder geschlän- 
gelt anfühlte, war ziemlich niedrig, die Arterie wenig gespannt, die Welle 
langsam ansteigend und ablaufend, ausgesprochener Pulsus tardus. Frequenz 
84 Schläge in der Minute. Temperatur der Achselhöhle 37,4^ C. 

Die Respiration von vorwiegend costalem Typus, von etwas über mitt- 
lerer Frequenz, 22 in der Minute; die Athemzüge sind flach, wenig ergiebig, 
ohne dass gerade Dyspnoe vorhanden gewesen wäre. Vorn am Thorax hört 
man normalen Lungenschall und etwas abgeschwächtes, rauhes Vesiculär- 
athmen. Hinten unten rechts besteht schwache Dämpfung, hier hört man 
andeutlich spärliches Rasseln; da Pat. indessen oft stöhnt und zu tiefen 
Inspirationen gar nicht zu bringen ist, bleibt der auscultatorische Lungen- 
befund vorläufig zweifelhaft. 

Die Leberdämpfung beginnt auf der Höhe der ß. Rippe, überschreitet 
den Rippenrand in der Mamillarlinie um etwas über 1 Ctm. Das rechte 
Hypochondrinm ist bei etwas kräftiger Palpation empfindlich. Milzdämpfung 
etwas grösser als normal. Urin entleerte Pat. von selbst), und war der- 
selbe frei von abnormen Bestandtheilen. 

Auf Grund dieses objectiven Befundes blieb nur die Annahme übrig, 
dass es sich um eine an Endocarditis sich anschliessende embolische Herd- 
erkrankung des Gehirns, also um eine Embolia arteriae fossae Silvii 
sinistrae handle. 

Am folgenden Morgen, dem 15. Tage nach dem apoplectiformen In- 
halt, war in dem Allgemeinbefinden der Patientin keine wesentliche Aende- 
rung eingetreten. Nur nahmen ihre Gesichtszüge allmälig einen stupide 
staunenden Ausdruck an. 

Am. 24. August, dem 16. Tage nach, dem Aufall, bot sich bei der 
Morgenvisite eine sehr 9bmerkenswerthe Erscheinung dar. Ohne dass Fieber 
oder erhöhte Pulsfrequenz bestanden hätte, oder sonstige Störungen des 
Allgemeinbefindens vorhanden gewesen wären, zeigte sich ein alle 4 Extre- 
mitäten überziehendes, besonders aber die linke gesunde Körperhälfte ein- 
nehmendes Exanthem, welches augenscheinlich starkes Jucken und Brennen 
verursachte. Der Rumpf und das Gesicht waren vollkommen frei davon. 
Dasselbe bestand aus grösseren und kleineren, flach über das Niveau der 
gesunden Haut hervorragenden, blassrothen, von mehr weniger breiten dun- 



136 Brieger. 

kelrosarothem Saum umgebenen Prominenzen, bot also in seinem Aussehen 
die characteristischen Kenntzeichen einer Urticaria dar. 

Es ist hier zu bemerken, dass Patientin weder irgendwelche gemeinig- 
lich als Urheberin der Urticaria verrufene Speise genossen hatte, noch dass 
irgendwelche äusseren Irritamente auf ihre Haut eingewirkt hatten. 

Dabei bestand ziemlich bedeutende ödematöse S(*.hwellung des linken 
oberen Augenlides, in geringem Maasse auch des unteren; die Gonjonctiva 
des linken Auges war massig stark injicirt, die Thränensecretion etwas ver- 
mehrt. Patientin hatte geringe Lichtscheu und wie es schien, das Gefühl 
von schmerzhafter Spannung im linken Auge. Die Stirnhaut aber dem er- 
krankten Auge war in Querfalten in die Höhe gezogen, die, wenn man sie 
durch Ausstreichen zu glätten suchte, trotzdem immer wieder deutlich her- 
vortraten, augenscheinlich eine Wirkung der krampfhaften Contractur des 
Muse, frontalis. 

Diese Symptome liessen auf den ersten Blick an eine beginnende 
schwere Erkrankung des linken Auges in seiner Totalität denken. Sie 
verloren indessen bald ihren besorgnisserregenden Character, als sie nach 
Anwendung von Bleiwasserumschlägen, Absperrung des Lichts nach einigen 
Tagen allmälig, ohne irgend welche Störungen zu hinterlassen, verschwanden. 

Die- von dem Exanthem befallenen Arme und Beine der Patientin wur- 
den in 2procentige Carbolcompressen gehüllt, wodurch das vorher sehr 
lästige, quälende Jucken nachzulassen schien. 

Die Carbolumschläge wurden nach 2 Tagen wieder fortgelassen. 

Patientin wurde fernerhin nur noch symptomatisch mit Narcoticis etc. 
behandelt. 

Am 25. war auch das Gesicht von dem Exanthem befallen. Am Kinn 
und den unteren Partien beider Wangen präsentirten sich rosarothe, etwas 
diflfus in die gesunden Hautpartien übergehende, leicht infiltrirte, schwach 
erhabene Flecke, welche ebenfalls heftig juckten. Das ganze Gesicht war 
dabei ödematös geschwollen. 

An den Extremitäten sind die erwähnten Flecke bereits eine Farben- 
veränderung eingegangen. Sie haben sich in hell gelbbraune circumscripte 
und diflfuse Plaques verwandelt, welche der Patientin nur noch sehr wenig 
Beschwerden machen. 

Während bisher an den Ober- und Unterschenkeln die Flecke im 
Grossen und Ganzen eine mehr weniger scharfe Begrenzung gezeigt hatten, 
waren sie jetzt auf der Haut der Glutäalgegend, auf welcher bei der halb- 
sitzenden Lage der Patientin die Hauptlast des Körpers aufruhte, zu aus- 



lieber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 137 

gebreiteten gelbbraunen difFasen Plaqaes verschmolzen , welche fast ohne 
jede Unterbrechung die ganzen Glutaeen überzogen. 

Nachdem das Exanthem, einen frischen, in der Nacht entstandenen Aus- 
brach im Gesicht abgerechnet, am 26. und 27. August ohne Aenderung 
bestanden, präsentirte sich am folgenden Morgen ein ganz neues Krankheitsbild. 

Im Gesicht, besonders an der Nasenwurzel und nebem dem rechten 
Auge, sporadisch auch den Oberarmen, wobei sich wieder die linke Seite 
als Prädilectionsstelle erwies, waren auf den Rändern der jetzt auch im 
Gesicht zum Theil zu gelbbraunen, mit hellerem Centrum versehenen Pla- 
ques umgewandelten Quaddeln kleinere und grössere, zum Theil bis linsen- 
grosse, mit trübem gelblichen Inhalt gefüllte Blasen aufgeschossen. Die 
Blasen bildeten bei ihrer Anordnung auf den Rändern der rundlichen Pla- 
ques Ereisfiguren und mannigfach geschlängelte Linien. Man hatte so eine 
Art von exquisitem Herpes circinatus vor sich, ja, an einzelnen Punkten 
war das Exanthem entschieden als Herpes Iris anzusprechen, indem in der 
Mitte des Bläschenringes wieder ein kleines Bläschen oder wenigstens dessen 
Anfang, ein rother erhabener Fleck mit etwas vesiculöser Kuppe, sichtbar 
wurde. 

Unterarme und Beine waren von diesen Blasen fast ganz frei. Nur 
hier und da bestanden an ihnen kleine, kaum das Hautniveau überragende, 
blassroth gefärbte Knötchen, die ihrer Gruppirung nach, wohl als im Ent- 
stehen begriffene Herpesblasen zu deuten waren und sich in den nächsten 
Tagen auch zu grösseren und kleineren Bläschen umwandelten. Dagegen 
zeigte sich am rechten Vorderarm, der etwas ödematös geschwollen war, 
ein neues Krankheitsbild, dessen zierliche regelmässige Zeichnung fast den 
Glauben an ein Kunstproduct hätte erwecken können. 

Auf dem rechten Handrücken, unmittelbar oberhalb des Gelenks, traten 
zahlreiche kleine Kreise hervor von 1 — IV2 Ctm. Durchmesser, welche aus 
ringförmig angeordneten, sehr dicht stehenden dunkelbraunrothen kleinen 
Flecken bestanden, die auf Druck nicht verschwanden, und anscheinend der 
Patientin keinerlei Beschwerden machten. 

Im Centrum eines jeden dieser Kreise zeigte sich ein etwa stecknadel- 
kopfgrosser oder etwas kleinerer, ebenfalls rothbrauner Fleck. Diese Flecke 
vergrösserten sich, einmal entstanden, nicht mehr und verschwanden sehr 
allmälig wieder unter langsamem Verblassen der Farbe, ohne irgend ein 
Zeichen ihres früheren Bestehens zu hinterlassen. 

Im Gesicht und am Rumpf traten derartige Kreisfiguren nicht auf. 
Am rechten Unterschenkel waren vereinzelte zu sehen, welche indessen die 



138 Brieger, 

schöne regelmissige Form sieht in so prägnanter Weise zar Anschaaung 
brachten, wie am rechten Vorderarm. Die gleiche Neigung zu confloiren, 
wie an den Glutaen und dadurch grosse diffuse Plaques zu bilden, zeigten 
die urticariaartigen Flecke von jetzt an auch an den Ober- und Unter- 
schenkeln, besonders an der Streckseite derselben. Auch hierbei trat in 
der linken Unterextremitat die Erscheinung besonders deutlich hervor. 

Die einzelnen Plaques, zwischen denen man an manchen Stellen aber« 
haupt keine Grenzen mehr zu bestimmen vermochte, welche in fast unun- 
terbrochener flachenhafter Ausdehnung beinahe das ganze linke Bein über- 
zogen, hatten hier ein eigen thümliches, transparentes Aussehen. Die 
Centren der Flecke waren bedeutend heller als die wallartig aber die Um- 
gebung hervorragenden dunkel gelbbraun gefärbten Rander. Bei einem am 
rechten Oberschenkel um diese Zeit gerade frisch auftretenden Exanthem- 
nachschub, der aus besonders grossen, im Gentrum blassen, mit dunkel- 
rosarothen wallartig erhabenen Bandern versehenen Flecken bestand, gewann 
man bei öfterer genauerer Beobachtung den Eindruck, als breiteten sich 
die einzelnen Plaques gleich einem Erysipelas migrans ziemlich schnell 
flächenhaft aus, indem der wallartige Rand, hinter sich ein immer grösser 
werdendes blasses Gentrum zurücklassend, seine rosige Infiltration immer 
weiter, nach allen Richtungen hin, ziemlich gleichmässig verschob. 

Am 29. August, 22 Tage nach Eintritt der Lähmung, war zum ersten 
Male bei den stammelnden Lauten, die Patientin von sich gab, eine leichte 
schleudersrtige Bewegung, der bis dahin vollständig gelähmt gewesenen 
Zunge als erstes Zeichen einer wiederkehrenden Motilität derselben zu be- 
merken. 

Die bisher aufgeschossenen Herpesblasen begannen jetzt einzutrocknen. 
Es bildete sich an ihrer Stelle ein gelblicher Schorf, nach dessen Abfallen, 
nach einigen Tagen, nur noch ein kleiner leicht roth gefärbter Fleck von 
dem früheren Sitz der ECfiorescenz Kunde gab. Inzwischen brachen überall 
im Gesicht, an Uals und Ohren frische Exanthemgruppen hervor. Auch 
an der linken Hand besonders an den Streckseiten der Phalangen der Fin- 
ger, zeigten sich jetzt punktförmige, zum Theil einzelstehende, bis steck- 
nadelknopfgrosse, zum Theil zu groschengrossen kreisförmigen Figuren con- 
fluirte Hämorrhagien respective Pigmentablagerungen in die Gutis. 

Die Herzgeräusche, welche jeden Tag sorgfältig kontrolirt wurden, 
zeigten keine Abweichung von dem gleich anfangs constatirten Verhalten. 

Eine Temperaturerhöhung war weder bisher zu beobachten gewesen, 
noch wurde sie jemals im weiteren Verlauf der Krankheit constatirt. Ausser 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 139 

zeitweilig auftretenden, heftig ziehenden Schmerzen in dem gelähmten rech- 
ten Beine, zu deren Bekämpfung wiederholt subcutane Injectionen von Mor- 
phium erforderlich waren, hatte Pat. anscheinend weiter keine Beschwerden. 

Bis zum 7. Septbr. waren ziemlich alle vorher entstandenen Bläschen- 
gruppen zu braungelben Krusten eingetrocknet. 

Hier und da am Körper, besonders im Gesicht, an den Armen, waren 
in uuregelmässigen Intervallen neue Nachschübe entstanden, welche indessen 
lange nicht die Intensität und Extensität der anfänglichen Eruptionen er- 
reichten. Auch die ursprünglich so schön zur Erscheinung kommende Cir- 
cinatns- und Irisform der Herpesblasen war jetzt an den neu hervor- 
brechenden nicht mehr zu sehen, wenn auch die Tendenz, sich in Kreisen 
anzuordnen, immer noch etwas hervortrat. 

Die Bläschen standen im Allgemeinen jetzt mehr vereinzelt und ohne 
bestimmte Ordnung. Dagegen begann nun, etwa wie nach überstandenem 
Scharlach, eine reguläre Desquamation der befallen gewesenen Hautstellen, 
welche sich in exquisit kleienförmiger Abschuppung der Epidermis vollzog. 

Aid 7. Septbr. präsentirte sich bei der Morgenvisite wieder eine neue 
Erscheinungsform des Exanthems. Durch lebhafte Schmerzgeberden der 
Kranken aufmerksam gemacht, fand man auf der Haut der Unterextremi- 
täten verstreut zahlreiche Papeln, welche nur wenig über das Niveau der 
gesunden Haut hervorragten, etwas blasser waren als die normale Haut, 
und auf ihrer Kuppe fast alle einen kleinen Blutschorf trugen, der augen- 
scheinlich durch Zerkratzen der Spitze der Papel seitens der Patientin ent- 
standen war. 

Diejenigen Knötchen, welche noch unversehrt waren, zeigten auf ihrer 
Spitze eine leichte Depression mit dunkler Färbung. So machte das Exan- 
them fast den Eindruck des als Prurigo bekannten Ausschlages. 

Auch an den Armen konnte man bei genauerem Zusehen ähnliche 
Efflorescenzen, aber in bedeutend geringerer Zahl erkennen. 

Was den Fortschritt, resp. die Besserung in den übrigen Krankheits- 
erscheinungen angeht, so trat immer entschiedener eine Wendung zum 
Besseren ein. 

Patientin konnte jetzt schon einige Worte, allerdings noch lallend, her- 
vorbringen, verwechselte dabei aber die Begriffe, kurz, während die moto- 
rische Aphasie sich mehr und mehr zurückbildete , trat immer mehr eine 
anamnestische und intellectuelle in den Vordergrund. 

Auch im Zustande der Paralyse der Extremitäten trat um diese Zeit 
eine, wenn auch schwache Besserung ein. Patientin war jetzt schon im 



140 Brieger. 

Stande, das gelähmte rechte Bein um ein Geringes von der Unterlage za 
erheben; auch leichte spielende Bewegungen der 2iehen waren schon wieder 
möglich. 

Auch konnte Patientin schon seit mehreren Tagen die Zange, allerdings 
mit der characteristischen Abweichung nach der gelähmten Seite heraas- 
strecken. Aber auch im Geisteszustand der Patientin vollzog sich jetzt eine 
bedeutende Aenderung. 

Es begann jetzt ein auffallend leichter Stimmungswechsel sich bemerk- 
bar zu machen; Patientin, welche soeben sich noch aber die fortschreitende 
Besserung gefreut hatte, weinte in der nächsten Minute ohne irgendwelche 
erkennbare Ursache. 

Einige Tage nach dem Ausbruch des Enötchenausschlsges an den Beinen, 
und zwar während er hier noch in vollster Entwicklung begriffen war, trat 
derselbe auch an den Oberextreroitäten auf, wieder zunächst und vorzugs- 
weise an der linken. Auch hier verursachte dieses lichenartige Exanthem 
anscheinend quälendes Jucken, und es waren bald die Hautpartien, welche 
Patientin mit ihrer linken Hand erreichen konnte, mit Striemen form igen 
Kratzspuren bedeckt. 

Auch dieses papulöse Exanthem hinterliess nach seinem Verschwinden 
— es bestand etwa 8 Tage lang — eine ziemlich lebhafte Desquamation, 
welche an den Unterschenkeln, dem Ort des ersten Entstehens, begann und 
successive höher hinaufräckte. 

Während nun noch immer in Zwischenräumen von 3 — 6 Tagen etwa, 
bald hier, bald dort wieder neue Bläscheneruptionen auftraten, welche jetzt 
zum Theil auch auf der Basis der vorher beschriebenen Papeln sich ent- 
wickelten, trat ganz in derselben Reihenfolge, welche die verschiedenen 
Exanthemformen bisher immer beobachtet hatten, auch die Lichenform am 
Rumpfe zuletzt auf. 

Auch der Rücken zeigte sich in seiner ganzen Ausdehnung mit mannig- 
faltigen Efflorescenzen überzogen. 

Besondere Prädilectionsstellen des Exanthems waren die Seitenwände 
des Thorax unterhalb beider Scapulae, die Glutäalgegend und die Haut über 
dem Kreuzbein. Es bestanden hier zwar keine neuen Formen des Aus- 
schlages, aber die Efflorescenzen boten in ihrer Gesammtheit gleichsam 
eine hübsche Musterkarte aller bisher an der Patientin beobachteten Exan- 
themformen. 

Neben grösseren und kleineren, mit trübem Serum gefüllten Bläschen 
sah man Prurigo und lichenartige Papeln, daneben, besonders nach den 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankbeiten. 141 

Glataen zu, gelbbraane Plaques mit hellerem Gentram, welche wohl aus 
confluirenden Urticariaquaddeln hervorgegangen waren. Frische Urticaria- 
flecke oder frisch aufgeschossene Blasen waren nicht zu sehen. 

Auffallend and interessant war es, dass die einzelnen Knötchen und 
Bläschen, sowie eina^lne kleinere Plaques, in Reihen angeordnet, dem Ver- 
laufe der Intercostalräume folgten und so von der Wirbelsaale aas, wie 
Reifen ein Fass, den Thorax mit ihren Reifen umfassten. Man konnte so 
wohl 6—8 deatlich von einander zu scheidende Colonnen zählen. In den 
Weichen verwischten sich die Linien, die einzelnen Grappen flössen mehr 
ineinander. Ueber dem Kreuzbein dagegen strahlten die einzelnen Exanthem- 
reihen, welche hier wieder za fast parallelen Streifen angeordnet waren, 
nach beiden Seiten fächerförmig auseinander. 

Von den Schulterblättern aus konnte man ein/eine Züge der Efflore- 
scenzen bis auf die hintere äussere Seite der Oberarme verfolgen. 

Nach dem Eintrocknen and Verschwinden der letztgenannten Eruption 
war die Hautaffection im Grossen und Ganzen als abgelaufen zu betrachten. 

Nur noch eimal, in den ersten Tagen des Octobers erschienen am rech- 
ten Vorderarm exquisite Herpesblasen , nach deren Eitrocknen eine weitere 
Eruption nicht zu verzeichnen war. Dagegen lenkte gerade in diesen Tagen 
der allmäligen Defervescenz der Dermatose eine andere, ebenfalls sehr be- 
achtenswerthe Erscheinung die Aufmerksamkeit auf sich. 

Schon früher auf der Höhe der Dermatitis war es einmal aufgefallen, 
dass Patientin nur auf der rechten Hälfte des Gesichts Schweiss secernirte. 

Am 4. October kam dieses Phänomen in äusserst prägnanter Weise 
wiederum zur Beobachtung. Es zeigte sich nämlich, dass während Patientin 
auf der rechten Seite des Gesichts und des Halses reichlichen Schweiss ver- 
goss, die linke Seite fast vollkommen trocken blieb. 

Am ganzen übrigen Körper war die Schweissabsonderung während dieser 
Zeit gering; die Haut hatte fortdauernd eine sehr spröde Beschaffenheit 

Dagegen konnte man keine Verschiedenheit in der Intensität der Schweiss- 
secretion zwischen der rechten und linken Körperhälfte vom Halse an ab- 
wärts constatiren. Es scheint diese halbseitige Schweisssecretion, welche 
ja schon öfters beobachtet wurde, gerade in diesem Falle etwas sehr Be- 
merkenswerthes gegenüber der nahezu gleichmässig über den ganzen Körper 
verbreiteten Hautaffection za sein. 

Im Uebrigen bietet, im vorliegenden Falle wenigstens, die Kranken- 
geschichte der Patientin weiter kein Interesse. 

Patientin verliess am 13. November auf ihren Wunsch bedeutend ge- 



142 Brieger, 

bessert die Anstalt. Eine leichte Aphasie bestand bei der Entlassung noch, 
und eine gewisse heitere Demenz bildete den Grundzag ihres Seelenlebens. 
Ihre früher gelähmten Extremitäten konnte sie, wenn auch noch unbeholfen 
und in beschränktem Masse, wieder gebrauchen. Von einem Exanthem war 
keine Spur mehr zu entdecken. Nur vereinzelte blassrothe Flecken auf 
etwas deprimirter Basis zeugten von dem fräheren Vorhandensein derselben. 

Wichtig ist noch der Umstand, dass eine kurz vor der Entlassung Yor- 
genommene Untersuchung des Herzens kaum noch eine Spur von den früher 
geschilderten Greränschen nachweisen konnte. Die Dämpf an gsgrenzen waren 
natürlich dieselben geblieben. 

Recapituliren wir in Kürze die Hauptdaten des eben geschilderten 
Krankheitsbildes, so war am 24. August 1882, etwa 16 Tage nach 
dem apoplectiformen Insult, das urticariaartige Exanthem iaufgetreten ; am 
28. August, 4 Tage nach dem Ausbruch desselben, erhoben sich auf den 
wallartigen Randern der zu grossen braungelben Plaques umgewandelten 
Urticariaquaddeln Herpesblasen : zugleich zeigten sich die eigenthümlichen, 
besonders an den Fingern sich deutlich präsentirenden kreisförmigen Figuren 
von Blutextravasaten oder capillären Blutungen, mit punktförmigem hämor- 
rhagischem Centrum. 

Am 7. September erschienen, während eine lebhafte Desquamation an 
den vorher befallenen Partien der Haut im Gange war und während gleich- 
zeitig in mehr weniger langen unregelmässigen Intervallen immer wieder 
neue Nachschübe von Herpes, zum Theil auch von Urticaria, an den yer- 
schiedensten Körperstellen auftraten, die Prurigo oder Liehen ähnlichen 
Efflorescenzen. 

Seit dem 5. October war keine neue Eruption mehr zu verzeichnen ge- 
wesen, und es hatte somit der ganze Krankheitsprocess, soweit er sich 
eben auf der äusseren Haut abspielte, nach etwa 40tägiger Dauer sein 
Ende erreicht. 

Das vollständige Verschwinden der Dermatitis fiel mit dem Zeitpunkte 
zusammen, wo Pat. ihre ersten Gehversuche machte, wo die Sprache zwar 
noch scandirend und etwas lallend war, aber doch vollkommen verständlich 
wurde, und wo schliesslich die Herzgeräusche immer leiser und leiser wur- 
den, bis sie endlich fast ganz verschwanden. 

Da weder Dyscrasien noch arzneiliche oder irritative äussere Reize vorhan- 
den waren, welche die beobachteten Dermatopathien zu Wege gebracht haben 
können, andererseits der angioneurotische Ursprung der Exantheme doch auf 
mancherlei Bedenken stösst, so bleibt bei dem Bestehen der Endocarditis hier 



Ueber Erytheme insbesondere bei Infectionskrankheiten. 143 

nichts anderes übrig, als die vorliegenden Exantheme auf embolische Processe 
zurückzuführen. Allerdings ist es frappirend, dass nur Gehirn und Haut 
von Embolien betroffen wurden, während die drüsigen Organe, die Prädi- 
lectionsstellen der Embolien, verschont geblieben sind. Verstandlich wird 
aber der Vorgang, wenn man berücksichtigt, dass nur capilläre Embolien 
in den Hautterritorien sich abgelagert haben können, und demgemäss auch 
in die parenchymatösen Organe nur kleinste Thromben geschleudert wurden, 
die naturgemäss hier keine Störungen weiter veranlassten, lieber die Art 
und Weise der Entstehung der einzelnen Exantheme aus den Hautembolien 
lassen sich natürlich nur Hypothesen aufstellen, auf die ich hier näher ein- 
zugehen nicht beabsichtige. 



m. 
Beiträge zur Keniitniss der Pathogenese des Ileus. 

Von 

Demselben. 



Die Verschliessung des Darmrohrs raft bekanntlich stets den gleichen 
als Ileus bezeichneten Symptomencomplex hervor. Die Gausalmomente 
dieser eigenthumlichen Erscheinungen richtig zu «rkennen ist für die thera- 
peutischen Massnahmen von der grössten Bedeutung. In Folge dessen hat 
man auch alle jene einzelnen Kennzeichen, welche die Passageverletzung 
der Darmlichtung charakterisiren , genau und eingehend erörtert. Indessen 
sind damit die Schwierigkeiten der diesbezüglichen Diagnostik keineswegs 
behoben, da, wie die beiden folgenden Fälle illustriren, auch Verhältnisse 
obwalten können, für die sich in der Literatur Anhaltspunkte überhaupt 
gar nicht finden. In Zukunft dürften denn auch die den hier geschilderten 
Fällen zu Grunde, liegenden ätiologischen Momente unter Umständen in 
Betracht zu ziehen sein. 

Erster Fall. 

Auguste Gr., eine 34jährige Arbeiterfrau, früher stets gesund, leidet 
seit Jahren zeitweise an hartnäckiger Stuhl Verstopfung, die oft mit sehr 
heftigen Schmerzen in der rechten Weichengegend einherging. Seit Anfang 
August 1883 stellten sich Leibschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindelgefuhl 
und allgemeine Mattigkeit ein. Seit dem IL August bestand hartnäckige 
Stuhlverstopfung, gegen welche Fat. wiederholt Abführmittel, und zwar an- 
geblich Sennainfuss in Anwendung zog. Starke Diarrhöen waren die Folge 
dieser Therapie. 



Beiträge zur Kenntniss der Pathogenese des Ileus. 145 

Am 16. August, dem Tage vor der Aufnahme der Pat. in die Charit^, 
traten nach heftigem Erbrechen grössere Mengen gelblich-grun gefärbter 
äusserst widerlich riechender Massen hinzu. 

Status praesens. Patientin, eine knochig gebaute aber wenig mus- 
culöse Person, ist bei freiem Sensorium, jammert, ächzt und stöhnt, hat 
die Beine an den Leib herangezogen und klagt aber heftige Schmerzen im 
Leibe. Gesicht eingefallen, Gesichtsfarbe gebräunt, Gesichtsausdruck leidend 
und collabirt. Haut am ganzen Körper gebräunt, fühlt sich trocken und 
heiss an. Am Epigastrium einige spärliche Petechien, reichlicher sind die- 
selben an Knie- und Ellenbogenbeugen ; nirgends sind aber Rose olaflecke zu 
entdecken. Zunge stark blass und trocken, Zahnfleisch mit schmutzig 
grauen Borken bedeckt; es besteht grosser Durst, Appetitlosigkeit, Diar- 
rhöen, aber kein Erbrechen ; die Fäces sind dünnflüssig von hellgelber Farbe. 
Thorax gut gebaut; die von ihm eingeschlossenen Organe zeigen ausser 
dem Herzen, wo leichtes systolisches Blasen zu hören ist, nichts Besonderes. 
Respirationsfrequenz 22, Puls 72 Schläge in der Minute, leicht dicrotisch, 
Pulswelle mittelhoch, Radialarterie von geringer Spannung. Leib stark 
aufgetrieben, überall auf Druck äusserst empfindlich. Man sieht deutlich 
über den ganzen Leib, besonders energisch in den Hypochondrien, die peri- 
staltischen Bewegungen der Därme sich an der dünnen Bauchwand ab- 
zeichnen. Leber normal, Milz vergrössert, unter dem linken Rippenrand 
bei tiefer Inspiration deutlich fühlbar, üeber die bei der Krankheit ob- 
waltenden Temperaturverhältnisse giebt die beifolgende Temperaturcurve 
Aufschluss. 



I^MBMBMMMliMgMgMBMBMgMEMgMMJI 







Vom 18. August ab wurde Patientin sehr stark benommen, die Diarrhoen 
wurden immer heftiger, Patientin erbrach sich jeden Tag wiederholt, das 
Erbrechen roch intensiv faculent und enthielt gelblich -grüne, mit Speise- 
resten vermengte Massen. Im rechten Hypochondrium trat allmälig ein 

Charite-Anualeu. IX. Jahrg. iq 



146 Brieger, 

grosses Convolut sich bin und her windender Darmschlingen vor Aagen. 
Trotz aller Medication war das Erbrechen nicht za stillen und die abnorm 
peristaltischen Bewegungen nicht zu massigen. Patientin coUabirte von Tag 
zu Tag immer mehr und mehr und starb in tiefster Benommenheit am 
27. August. 

Obductionsprotocoll (Dr. Jürgens). 

Grosse weibliche Leiche von atrophischem Fettpolster, rother Mus- 
culatur. 

Im Herzbeutel wenig seröse Flüssigkeit; Herz von normaler Grösse, 
Musculatur etwas braun. Auf dem freien Rande der Mitralis zahlreiche 
blassgraurothe, bis hirsekorngrosse Vegetationen. 

Linke Lunge im hinteren Umfange verwachsen, im Ganzen atelectatisch. 
Rechte Lunge blutreich, zeigt sonst denselben Befund. 

Bei Eröffnung der Bauchhöhle zeigen sich die Darmschlingeu überall 
mit der Bauchwand durch leichtes fibrinöses Gewebe verwachsen. 

Ungefähr 1 M. oberhalb der Bauhin'schen Klappe liegt ein 
5 Ctm. langes, an der Basis 7 Gtm. breites Divertikel. Dasselbe 
zeigt zwar ein sehr schmales, aber dickes und fast bis zur Spitze 
hinaufreichendes Mesenterium, welches eine Strecke weit für 
sich auf das anstossende untere Stück des Dünndarmes sich 
fortsetzt, und zwar entgegengesetzt dem Mesenterialansatze, 
also auf der Höhe des*Gyrus bleibt und an der breitesten Stelle 
2 Ctm. misst, darauf plötzlich nach abwärts zieht, die eine 
Hälfte der Darmwandung überbrückt, dann in 2 Schenkel aus- 
läuft, dessen einer aus gelbem Fettgewebe besteht und sehr 
kurz ist, während der zweite und längere ein derbes Binde- 
gewebe darstellt und noch eine Strecke weit nach abwärts und 
isolirt am Mesenterialansatz verläuft. Durch diese abnorme 
Stellung des Mesenteriums erhält das an dem Ventrikel liegende 
untere Stück des Ileum zwei Mesenterialansatze, welche beide 
das Darmstück zwischen sich fassen und an der Stelle, wo sie 
sich vereinigen, zugleich eine Axendrehung und eine Verenge- 
rung des ganzen Darmstückes hervorbringen. Wesentlicii ver- 
stärkt wird diese anormale Bildung durch die in Folge der 
chronischen Peritonitis entstandene Induration der Theile. 
Letztere ist besonders stark an der Vereinigungsstelle beider 
Mesenterien. 



Beiträge zar Kenntniss der Pathogenese des Ileus. 147 

Zahlreiche Dünndarmschlingen liegen, zum Theil verwachsen, zum Theil 
frisch verklebt in der Beckenhöhle, zum Theil in der rechten Regio in- 
guinalis. 

Der an der Axendrehung liegende Theil des Dünndarms zeigt nur 
leichte Dilatation und Verdickung der Wandungen. An sehr vielen Stellen 
findet sich ausserdem eine starke fibröse Induration am Darmansatz. Der 
Processus vermiformis ist kurz und liegt leicht verwachsen am Ileum. 
3 Ctm. entfernt von der Bauhin'schen Klappe liegt im Ileum eine Perfo- 
ration, ans der dünnflüssige Fäces fliessen. 

Bei Eröffnung des Dünndarms zeigt sich im oberen Theile des Jeju- 
nams eine reichliche Quantität gallig gefärbter dünnflüssiger Fäces, welche 
im unteren Theil und im Ileum geringer wird. Der unterste Theil des 
Ileum ist fast leer, nur kurz vor der Bauhin^schen Klappe liegen spärliche 
dünnflüssige, stark gallig gefärbte Fäces. Der Dickdarm ist zwar auffal- 
lend weit, enthält jedoch nur geringe Mengen sehr dünnflüssiger gelber 
Massen. Ueberall im Dickdarm wie Dünndarm besteht eine starke schlei- 
mige flockige Absonderung. 

Das Rectum ist leer und findet sich nur ein dünnflüssiger, schmutzig 
grauer Belag mit kleienartigen Beimischungen. Die Schleimhaut zeigt 
Schwellung, Röthung, punktförmige Hämorrhagien , zahlreiche oberfläch- 
liche, unregelmässig geformte Substanzverluste auf der Höhe der Haustera- 
falten. Daneben finden sich zahlreiche diphtherische FoUikelgeschwüre, be- 
sonders zahlreich am Uebergang des Rectums in die Flexura. Weiter hinauf 
zeigt die Schleimhaut das Colon minder starke Schwellung, aber auch hier 
besteht eine ziemlich starke trübe Infiltration, stellenweise mit kleienarti- 
gen Abschürfungen. In der weiten Flexura lienalis besteht starke Röthung, 
Schwellung und einzelne Hämorrhagien. 

Das Colon transversum zeigt schwache diphtherische Infiltration, stär- 
ker wird sie an der Flexura hepatica. Hier besteht eine starke Röthung, 
liegen zahlreiche kleine Geschwüre. Das Coecum zeigt starke diphtherische 
Infiltration. 

Unmittelbar an der Bauhin'schen Klappe liegen auf den grossen Peyer- 
schen Haufen grosse Geschwüre, welche zum grossen Theil die Drüsensub- 
stanz eingenommen haben. 

Die vorhin erwähnte Perforation geht von einem solchen Geschwüre 
aus. Einzelne Abschnitte der Peyer'schen Haufen zeigen noch frische mar- 
kige Schwellung, einzelne Reste liegen inselartig mitten auf grossen Ge- 
schwüren. Die Ränder der Geschwüre sind stellenweise tief unterminirt, 

10» 



148 Brieger, 

der Grand derselben zum Theil blass, zum Theil stark gerothet, vascalari- 
sirt, hier und da daneben punktförmige Hamorrhagien. Viele Geschwüre 
reichen bis tief in die Muscularis. Der Grund desjenigen Geschwüres, wel- 
ches perforirte, zeigt nur noch dünne Lagen von Muskelsubstanz. In der 
Umgebung der Perforation ist die Serosa entblösst und missfarbig infiltrirt. 
Im weiteren Verlaufe nach oben nehmen die Geschwüre an Zahl zu. Im 
Ileum starke Faltenbildung der Schleimhaut, auch sieht man kleinere und 
kleinste Geschwüre, daneben einzelne markige Schwellungen der Solitar- 
foUikel. Auch im unteren Theile des Jejnnums liegen noch kleinere Ge- 
schwüre und markig geschwollene SolitärfoUikel. Ganz vereinzelt trifft man 
gallig imbibirte Schorfe auf dem Grund der Geschwüre. Auch in dem Di- 
vertikel liegen Geschwüre von derselben Beschaffenheit. Nirgends besteht 
im DünndaroQ diphtherische Infiltration der Schleimhaut, noch der Geschwüre. 
Starkes Oedem der Wandungen des ganzen Jejunums, starke Röthung und 
Schwellung der coecalen Drüsen. Eine Drüse enthält eine kirschkerngrosse 
verkalkte Substanz. 

Milz sehr gross, an der Kapsel Fibrinauflagerungen. Pulpa blauroth 
und ausstreichbar. 

Leber misst in der Höhe 16 Gtm. rechts, 17 Ctm. links; 
in der Dicke 7 Ctm. rechts, 3 Gtm. links; 
in der Breite 24 Ctm., davon 6 Ctm. auf den linken 
Lappen. 
Glatte, leicht getrübte Kapsel; schlaffes, stark getrübtes Parenchym mit 
grossen Acinis, deren Peripherie mattgrau, deren Centra dunkelroth er- 
scheinen. 

Gallenblase weich, gross, erfüllt von reichlicher, schleimiger, gelber 
Galle, in der ungefähr 100 bis kirschkerngrosse Gallensteine suspendirt 
sind. An der üebergangsstelle der Blase in den Ductus cysticus wird der 
Durchgang durch einen fast haselnussgrossen Gallenstein von schwärzlich- 
brauner Farbe erschwert. 

Anatomische Diagnose. Stenosis ilei ex volvulo. Typhus abdo- 
minalis. Ulcera typhosa ilei permagna. Peritonitis universalis purulenta 
ichorosa e perforatione ulceris typhosi. Peritonitis chronica fibrosa. Diver- 
ticulum ilei. Colitis diphtherica levis ulcerosa. Hyperplasia lienis et glan- 
dularum mesaraicarum. Hepatitis et Nephritis parenchymatosa. Endocar- 
ditis chronica et recens mitralis. Hydrops vesicae felleae. Cholelithiasis. 
Endometritis et Colpitis chronica fibrosa. 



Beitrage znr Kenntniss der Pathogenese des Ileus. 149 



Zweiter Fall. 

Anamnese. Lnise Seh., eine 70jährige Maurer wittwe, will in ihrer 
Jagend an paroxysmen weise auftretenden, krampfartigen Schmerzen in der 
Magengegend gelitten haben, denn aber längere Zeit frei von Beschwerden 
geblieben sein. Vor ungefähr 12 Jahren stellten sich jene Attaquen wieder 
ein, die besonders heftig wurden bei Einfahrung flüssiger oder fester Nah- 
rung. In Folge des geringen Nahrungsbedärfnisses und der unzureichenden 
Nahrungseinfuhr nahmen die Körperkräfte der Patientin immer mehr und 
mehr ab. Die Schmerzen wurden seit Februar 1883 intensiver, breiten sich 
allmälig über den ganzen Unterleib aus» welcher auf Druck empfindlich 
wurde. Bald gesellte sich Erbrechen hinzu. Die erbrochenen Massen rochen 
exquisit faculent. Da die erwähnten Beschwerden in der letzten Zeit noch 
heftiger wurden, liess sich Patientin am 16. Juni 1883 in die Gharit6 auf- 
nehmen. 

Status praesens. Patientin ein mittelgrosses, knochiges, sehr abge- 
magertes Individuum, mit schlaffen Hautdecken, runzlichem Gesicht, hervor- 
stehenden Backenknochen, erbricht sich sehr häufig. Die gelbgrau gefärb- 
ten, erbrochenen Massen, enthalten faculent riechende Ballen, welche sich 
nach ruhigem Stehen sedimentartig auf den Boden des Gefässes sacken. 

Das Sensorium ist vollkommen frei, Kopfschmerz nicht vorhanden; 
Schlaf häufig unterbrochen. Sie klagt über Leibschmerzen und starke 
Schweissabsonderungen, welche sich besonders des Nachmittags']]einzustellen 
pflegen. Die Haut der Patientin ist sehr schlaff, aufgehobene Falten gleichen 
sich sehr langsam aus; die Schleimhäute sind blass. Die Extremitäten und 
Prominenzen des Körpers fühlen sich kühl an und sind mit klebrigem 
Scbweiss bedeckt. Das Abdomen ist stark aufgetrieben, Druck auf dasselbe 
ist nicht empfindlich. Die Peristaltik der Därme zeichnet sich auf den 
Bauchdecken nicht ab. Die Inspection des Rückens ergiebt eine leichte 
Eypho-Scoliose nach rechts. 

Ueber den Lungen hört man besonders rechts oben crepitirende Rassel- 
geräusche; den Herzstoss fühlt man im fünften Intercostalraum. Die Herz- 
dämpfung liegt innerhalb der normalen Grenzen. Die Herztöne sind rein. 
Die obere Grenze der Leberdäropfung beginnt am oberen Rande der fünften 
Rippe, die untere Grenze lässt sich nicht genau bestimmen, die Dämpfung 
zieht sich bis zum Nabel hin. Die Milzdämpfung beginnt im achten Inter- 
costalraum und reicht bis zum unteren Rande der elften Rippe. 



150 Brieger. 

Der Urin wird spärlich gelassen, ist dunkel gefärbt und enthält sehr 
viel Jodoxyl. So ergiebig auch die Entleerungen des Danninbaltes auf 
widernatürirchem Wege vor sich gehen, so hartnäckig zeigt sich die Ver- 
stopfung des Stuhlganges. 

18. Juni. Patientin erhält wiederholt Eingiessungen, worauf massi- 
ger Stuhlgang erfolgt. Innerlich wird Opium in grösseren Gaben] ver- 
abreicht. Das Erbrechen von Eothmassen besteht fort und zwar in reich- 
licherem Maasse, wie gestern und vorgestern. Sie liegt stupide da und 
klagt über Durst, Leibschmerzen und allgemeines Schwächegefuhl. 

19. Juni. Die Schmerzhaftigkeit des Leibes ist bei Berührung erhöht. 
Stuhlgang spontan nicht erfolgt. 

20. Juni. Der Leib ist stärker aufgetrieben als gestern. Patientin 
erbrach im Laufe des Tages grosse Mengen kothiger Massen. 

21. Juni. Heut besteht fortwährendes Erbrechen fäculenter Massen. 
Durch Eingiessungen wird nur geringer Stuhlgang erzielt. 

Dieser Zustand blieb trotz energischer Medication bis zum 26. unver- 
ändert. Unter CoUapserscheinungen trat am Nachmittag des genannten 
Tages der Exitus letalis ein. 

Sectionsbericht. Mittelgrosse, weibliche Leiche, von stark senilem 
Habitus. Das Abdomen ist etwas aufgetrieben. Haut schmutzig weiss mit 
zahlreichen Schwangerschaftsnarben. 

Bei Eröffnung der Bauchhöhle sieht man eine Anzahl prall gefüllter 
röthlich grauer unregelmässig flockig injicirter Dünndarmschlingen vorliegen, 
die etwas trocken, leicht getrübt sind, hier und miliare, linsengrosse, graue 
Knötchen enthalten. Sehr zahlreiche, ähnliche Knoten von mehr grauröth- 
licher Farbe oder markig weissem Aussehen befinden sich auf dem Perito- 
neum parietale, im Netz und im Mesenterium, wo sie stellenweise zu grossen 
flachen Verdickungen zusammengeflossen sind. Die Leber ist mit ihrer Um- 
gebung so stark verwachsen, dass man überall derbe Adhäsionen durch- 
trennen muss. Die rechte Lunge vollständig verwachsen, die linke ist frei, 
ihre Pleura verwachsen glatt. Die Alveolen sehr gross, in dem inter- 
lobulären Gewebe zahlreiche kleine Knötchen. Das Gewebe der linken 
Lunge durchweg lufthaltig. Die rechte Lunge ist nur mit grosser Mühe 
herauszubringen, ihr unterer Lappen ist etwas zusammengedrückt, lufthaltig 
und ein wenig ödematös. Die Pleura diaphragmatica ist in eine dicke, 
theils fibröse, theils krebsige Schwiele verwandelt. 

Das Herz ist von mittler Grösse, mit reichlichem Fettgewebe umgeben ; 



Beiträge zur Kenntniss der Pathogenese des Ileus. 151 

die Höhlen massig weit. Wandangen dünn, braun; der Arcus aortae fühlt 
sich von aussen wie ein starres, beim Anschlagen mit dem Messer klingen- 
des Bohr an. Mitralis zackig und hart, Ostium aoftae verengt. Beim 
Hineinfassen weiten sich die Klappensegel scharf und hart, als wenn man 
Glasplitter anfühlt. Die Milz ist gleichfalls überall verwachsen. Der Ma- 
gen ist vollständig leer, flihlt sich äusserlich weich und dünnwandig an. 
An seinem Pylornstheil geht er in einen sehr derben Geschwulstknoten über, 
welcher die ganze Gegend der Gallenblase, Flexura coli dextra und den 
oberen Iheil des Colon ascendens einnimmt. 

Bei der Herausnahme trifft man auf den cystisch erweiterten Ductus 
choledochus, welcher theils mit eingedickter Galle, theils mit steinigen Con- 
crementen gefällt ist. Das Colon ascendens ist untrennbar mit der unteren 
Fläche der Leber verwachsen. Dicht über die Ileocoecalklappe sieht man 
eine tiefe und ringförmige Strictur im Coecuro, in deren Bereich eine wink- 
lige Knickung des Darmes und ein ausserhalb der Serosa liegender, vom 
Coecum abgekapselter Abscess gefunden wird. Die Wand des Coecum zeigt 
blasse Schleimhaut. An einer Stelle ist die Wand des Blinddarms sehr 
derb und angelöthet an die vorerwähnte Geschwulstmasse. Der Anfang 
des Colon ist noch einmal blinddarmähnlich erweitert, dann aber so eng, 
dass man kaum mit der Fingerspitze den weiteren Weg finden kann. Die- 
ser Weg nimmt zwei verschiedene Richtungen, einmal führt ein kurzer kaum 
2 Ctro. messender Gang nach dem Pylorus, während nach üeberschreitung 
einer längeren Strictur ein zweiter Canal sich in das Lumen des Colon 
transversum fortsetzt. Am Pylorus besteht ein ringförmiges Krebsgeschwür, 
durch welches man einerseits in das Duodenum, andererseits in der erwähnten 
Weise in's Colon gelangt. 

Der Dünndarm ist massig dilatirt, enthält dünnen, sehr übelriechenden 
Koth, die ganze Wand etwas verdickt. Die Schleimhaut schiefrig. 

Die Leber ist atrophisch, ohne Metastasen. Die Nieren gross, blut- 
reich, etwas faulig, rechts eine haselnussgrosse Cyste. Rindensubstanz 
schwach gefärbt. 

Der Magen ist erweitert, seine Schleimhaut gleichmässig geröthet; an 
der vorderen Wand sitzt ein sehr weiches, halbkugliges, gegen die Umge- 
bung scharf abgesetzes Carcinom, an dessen Oberfläche beim Aufgiessen weiche 
Geschwulstfetzen sich erkennen lassen. Weitere Metastasen sind nirgends 
aufzufinden. 

Diagnose. Ulcus carcinomatosum pylori perforans colon transversum. 
Carcinoma metast. ventriculi. Peritonitis chronica et Pleuritis Carcinoma- 



152 Brieger, 

tosa duplex. Oedema pulmonum. Endartritis calcificans. Atrophia hepatis. 
Dilatatio ilei. 

Bei der ersten Patientin, welche, wie sich aus der etwas unvollstän- 
digen Anamnese mit grosser Wahrscheinlichkeit entnehmen liess, wieder- 
holte Attaquen von Perityphlitis überstanden hatte, treten auf der Höhe 
des typhösen Processes die Erscheinungen des Ileus mit ausserordentlicher 
Heftigkeit auf. Hierbei zeigt sich nun eine gewisse Beeinflussung auf die 
Temperaturcurven, insofern als dieselben zwar einen ausgesprochenen remit- 
tirenden Character tragen, aber stets uur um Weniges die normalen Aus- 
schläge überschreiten. 

Die hier beobachteten Erscheinungen des Ileus Hessen sich am unge- 
zwungensten durch die Annahme erklären, dass durch die früher über- 
standenen Perityphlitiden Patientin Adhäsionen am Abdomen zurückbehalten 
hätte, welche nun die in Folge des typhösen Processes succulente Darmwand 
umschnürten. Durch diese Absperrung des Darmrohrs müsste es alsdann 
zur Drehung desselben um seine Längsaxe kommen. Nach Grawitz^) 
spielt sich dieser Vorgang in der Weise ab, dass, sobald ein Querverschluss 
im Darm geschaffen, die von oben kommenden Inhaltsmassen desselben 
direct gegen dieses Septum andrängen. Bei genügender Länge und Beweg- 
lichkeit des Mesenteriums des Darmstückes, welchem die Membran ange- 
hört, kann nun sehr leicht ein Ausweichen jenes angefüllten Darmstückes 
in der Richtung des Druckes und die Bildung einer Darmschlinge vor sich 
gehen. Dieser Process musste nun in unserem Falle im rechten Hypochon- 
drium seinen Sitz haben, wenigstens Hessen die daselbst in heftigster Peri- 
staltik begriffenen Darmconvolute dies vermuthen. 

Bei der Obduction fanden sich allerdings zahlreiche Adhäsionen der 
Därme unter einander. Damit in directem Zusammenhange stand jedoch 
nicht der Yoivulus, sondern derselbe war durch die oben eingehend be- 
schriebene, bisher noch nirgends beachtete Missbildung eingeleitet worden. 
Der Umstand, dass sich eine Yerbindungsbrücke zwischen dem Mesenterium 
des Divertikels und dem des Ueum über die Wand des Darmrohres hinüber- 
schlug, hatte schon an und für sich eine Einengung der Darmlichtung an 
dieser Stelle herbeigeführt. Dass diese Umschnürung des Darmes schliess- 
lich in eine totale Stenose überging, wurde durch den Indurationsprocess 
im Gefolge der chronischen Peritonitis und durch die Zunahme der Succulenz 



^) Vircbow'a Archiv. Bd. 68. 



Beiträge zur Kenntniss der Pathogenese des Ileus. 153 

des Darmes in Folge des Typhas vermittelt. Der Yolvulas dürfte dann 
gemäss der von Grawitz vertretenen Theorie, zu Stande gekommen sein. 
In Verbindung mit diesem Volvulus ist auch die Darmperforation zu brin- 
gen, da eben die durch Geschwäre verdünnten Darmwandungen dem durch 
die erhöhte Peristaltik vermehrten Innendrucke nicht widerstehen konnten. 
In dem zweiten Falle zeigte sich, dass ein Magencarcinom indirect das 
arsächliche Moment für die Erscheinungen abgab. In Folge peritonitischer 
Entzündung hatten sich Verlöthungen gebildet, welche im Ijaufe der Zeit 
Lageveränderungen der mit einander verwachsenen Theile bewirkten. Auf 
diese Weise war auch der Anfangstheil des Dickdarms dislocirt und dadurch 
eine winklige Knickung des Darmes bewerkstelligt worden. Das Kotherbre- 
cben, welches in diesem Falle die Haupterscheinung bildete, war nicht blos 
aaf die Stenosirung des Darmlumens zurückzuführen, sondern beruhte auch 
auf äusserst selten zur Beobachtung kommenden pathologischen Verände- 
rungen. Das Magencarcinom war nämlich sowohl nach dem Colon als dem 
Duodenum durchgebrochen und hatte so eine freie Communication zwischen 
Magen und diesen Darmabschnitten hergestellt, so dass ohne Weiteres die 
Danncontenta in den Magen hineinfliessen konnten. 



IV. 

Ein Fall von Eueephalopathia satnrnina mit generali- 

sirter Bleilähmnng. 

Von 
Dr. Krlnlff, 

AMl«t«ns«nt an d«r L med. Klinik. 



Der 25 jähr. Patient, C. Becker, hereditär in keiner Weise belastet, hatte 
in seinem 8. Jahre die Masern, im 10. Jahre ein 2 Monate andauerndes 
Wechselfieber durchzumachen. Im Jahre 1871 trat er bei einem Stuben- 
maler in die Lehre, überstand hier 4 Jahre darauf, nach Vorausgang der 
gewöhnlichen Prodromal-Erscheinungen innerhalb von sechs |Wochen zwei 
typische Anfälle von Bleikolik, die von Erbrechen und Stuhl Verstopfung 
begleitet waren. Nichtsdestoweniger setzte er sein Malerhandwerk fort, 
wurde in den folgenden 7 Jahren von zwei weiteren Anfällen heimgesucht 
und liess sich im Juli dieses Jahres (1883) wegen eines fünften Anfalls ia 
in die Königl. Charit^ aufnehmen, die er nach Ablauf von 14 Tagen als 
geheilt verliess, freilich um sie vier Wochen darauf wegen erneuter Kolik- 
schmerzen abermals aufzusuchen. 

Die Schmerzen waren diesmal von solcher Heftigkeit, dass Pat. nicht 
mehr zu gehen vermochte, sondern sich in einer Droschke hierher fahren 
liess. Während der Fahrt will er sich öfter erbrochen, zu gleicher Zeit die 
rasendsten Kopfschmerzen empfunden haben und dabei zu wiederholten 
Malen von Schwindel befallen worden sein. Pat., der weder in alcoholicis, 
noch in venere excedirt zu haben versichert, giebt an, vor anderthalb Jahren 
einen Schanker, sowie Feigwarzen am After gehabt zu haben, von denen 
er nach einundzwanzig Sublimateinspritzungen vollkommen geheilt worden 
sei; Hautausschläge stellt er mit Bestimmtheit in Abrede. 



Ein Fall von Encephalopaihia saturnina. 155 

Bei seiner am 4. August erfolgte Aufnahme wurde folgender Status 
erhoben : 

Mittelgrosscr, leidlich gut genährter Mann von schlaffer Musculatur, 
blassem cachectischem Aussehen. Ein angcborner, horizontaler Nystagmus 
beider Augen, lässt den Blick etwas unstät erscheinen. — Der Gesichts- 
ausdruck leidend, verräth auf den ersten Blick, dass Fat. von den heftigsten 
Schmerzen geplagt wird ; Wangen geröthet, die sichtbaren Schleimhäute der 
Conjunctiven und der Lippen ausgeprochen anämisch. Die Haut des Ge- 
sichts ist trocken, fühlt sich kühl an. Die Pupillen beiderseits gleich und 
von mittlerer Weite, reagiren auf Licht, wie auf Convergenz gleich gut. 
Die Zunge wird gerade herausgestreckt, zittert dabei deutlich, ist weisslich 
belegt, die Oberfläche von geringer Feuchtigkeit. Zahnfleisch gewulstet, 
von exquisitem Bleisaume eingefasst. Zähne schlecht erhalten, mit schmie- 
rigem, grauen Belag bedeckt; starker Foetor ex ore. Um die Lippen herum 
hier und da ein leichtes Zucken wahrzunehmen, das besonders beim Sprechen 
in die Erscheinung tritt. Die Sprache klanglos, häsitirend. Pharynx und 
Larynx ohne Abnormität. Der Thorax von mittlerer Länge, zeigt leidlich 
gute Wölbung, ausgiebige Athmungsexcursionen ; über den Lungen voller 
Percussionsschall, normales vesiculäres Athmen, nirgends abnorme Geräusche; 
die Herzdämpfung nicht vergrössert; der Spitzenstoss im fünften Intercostal- 
räum innerhalb der Mamillarlinie, massig hebend; leichte anämische Blasen- 
geräusche an der Spitze, sowie in den grossen Gefässen, zweiter Aortenton 
am ein weniges stärker als der zweite Pulmonalton und schwach klappend; 
Puls an der Radialis 74 in der Minute, hart und gespannt, Welle von mitt- 
lerer Höhe. Das Abdomen deutlich eingezogen, spontan, wie auf Druck 
äusserst empfindlich. Die Schmerzen strahlen mitunter bis in die Schenkel- 
und die Blasengegend aus, ohne indess von Strangurie oder Ischurie be- 
gleitet zu sein. 

Leber- und Milzdämpfung von normalem Umfang. 
Extremitäten: Die rechte obere zeigt eine geringe Schwäche der 
£xten8oren des Handgelenks, wie der Finger, indess keine deutliche Vo- 
iamensverroinderung gegenüber den normal functionirenden des linken Vorder- 
arms. Elektrische Prüfung an diesem Tage aus äusseren Gründen nicht 
vorgenommen. Die unteren Extremitäten bieten nirgends Erscheinungen von 
Schwäche, geschweige von Lähmung dar. Massiger Tremor in den Fingern 
beider Hände, rechts etwas stärker als links. Kniephänomene normal, Haut- 
reflexe, besonders über dem Abdomen erhöht, Gremasterreflex fehlt. Sensi- 
bilität (Tast-, Temperatur- und Schmerzgefühl) überall normal. Keine 



156 Krönig, 

Schmerzen, weder in den Gelenken , noch in den Maskeln, Sehnen oder 
Knochen. 

Hautdecken ohne Besonderheiten. Die Lymphdrüsen der Schenkel- 
beuge massig vergrössert; Cubital-, Cervical- oder Occipitaldrnsen nicht zu 
fühlen. Capillitium gut entwickelt. Appetit gering, kein Erbrechen. Crin 
von röthlich gelber Farbe, normaler Quantität Spec. Gew. 1015; frei von 
Sediment und Eiweiss. Microscopischer Befund negativ. Stuhl angehalten, 
Fäces nicht vorhanden. Temperatur 37,0. Fat. klagt über heftige Leib- 
schmerzen, sowie über Druck im Kopfe nebst Schwindel. Ordination: 
Strenge Diät. Opium tinctur. Warme Bäder; Eisblase auf den Kopf 

5. August. Nachts wegen andauernder Leibschmerzen nicht geschlafen. 
Im Verlauf des Vormittags tritt plötzlich, ohne vorhergegangene Aura ein 
typischer, beide Körperhälften gleichmässig betreffender und mit tiefer Be- 
wusstlosigkeit einhergehender epileptischer Anfall auf. Einem etwa eine 
halbe Hinute andauernden tonischen folgte ein fünf bis sechs Minuten langes 
clonisches Stadium, an welches letztere sich ein mehrstündiger Schlaf an- 
schloss, aus dem Fat. mit einer Farese der ganzen rechten oberen 
Extremität erwacht. An den übrigen Extremitäten nicht die Spur einer 
Lähmung. Facialis beiderseits intact. 

Am Nachmittag ein neuer Anfall, wobei die Gonvulsionen sich derartig 
steigerten, dass Fat. aus dem Bette fiel. Ordin.: Bromkali in grossen Dosen. 

6. August. Fat. ist Nachts sehr unruhig gewesen, hat sich im Bette 
hin und her geworfen und fortwährend unverständliche Laute vor sich hin 
gesprochen. Bei der Morgenvisite zeigt sich das Sensorium stark benommen. 
Urin und Stuhl werden ins Bett entleert. 86 kleine, aber regelmässige Fulse. 

Ophthalmoscopischer Befund (Dr. Uhthoff). Links: temporale Hälfte 
der Fapille auffallend weiss, scharf begrenzt, sectorförmig, der übrige Theil 
leicht getrübt und verwischt (Neuritis im Ablauf). Massige Kurzsichtigkeit. 
Bechts: Fapille in toto etwas blasser als normal, geringe Uebersichtigkeit 
— Bei der Abendvisite liegt Fat. ruhig im Bett, schläft viel, moussitirt 
vor sich hin. Fupillen mittelweit, reagiren auf Licht. Innervation der 
Gesichts- und Augenmuskeln normal. Der Tremor der Zunge, sowie der 
Lippen und der Finger zeigt deutliche Zunahme, ürinmenge aus oben an- 
geführten Gründen nicht zu beurtheilen. Die aufgefangene, etwa 200 Com. 
betragende Quantität enthält weder Eiweiss, noch morphotische Elemente. 

7. August Fat. hat heute Morgen abermals einen epileptischen An- 
fall, welchem nach etwa halbstündigem soporösen Nachstadium ein zweiter 
und dritter folgten; an diese schlössen sich im Verlaufe des Tages noch 



Ein Fall von Encephaiopathia satarnina. 157 

zehn weitere Anfalle, die sämmtlich fast die gleiche Intensität und Dauer 
des ersten zeigten. Am Abend ausser der Parese der rechten oberen Ex- 
tremität noch eine totale Parese der rechten unteren zu constatiren. 
Fadales unbetheiligt. 

Ordination: Permanente Eisblase auf den Kopf, sowie mehrere Brom- 
kaliklystiere. 

8. August. Nachts geschlafen, heute Morgen das Sensorium etwas 
freier. Am Abend auch die linke untere Extremität gelähmt Knie- 
phiinomene beiderseits stark herabgesetzt, besonders rechts. 

Sensibilität dem Sensorium des Pat. entsprechend. 
Urin frei von Eiweiss. Temp. Abends 38,0. 

9. August. Die Nacht wieder etwas unruhig verbracht. Nystagmus er- 
heblich gesteigert. Zu den bisher geschilderten Paresen gesellt sich nunmehr 
heute auch linkerseits eine Lähmung des Deltoides, sowie der Hand- 
gelenks- und Fingerextensoren, während die Function der Beuger und 
Strecker des Vorderarms erhalten bleibt. — Pat. sieht den Arzt erstaunt 
an, verfolgt jede seiner Bewegungen, ist indess nicht im Stande, zu fixiren; 
redet fortwährend wirres Zeug. Die Zunge auf Verlangen herausgestreckt. 
Sensibilität ausserordentlich herabgemindert. Kniephänomeneerloschen, 
directe mechanische Muskelerregbarkeit entschieden gesteigert. 

10. August. Pat. ist Nachts sehr unruhig gewesen, hat fortwährend 
laut delirirt — Am folgenden Morgen Pulsfrequenz 128. Welle niedrig, 
schwache Spannung. Die Unruhe dauert fort, sodass gepolsterte Schutz- 
bretter zu den Seiten des Bettes angebracht werden. ' Pat. scheint von 
schweren Träumen geplagt zu werden, hat einen ungemein ängstlichen Ge- 
sichtsausdruck. Der linke Vorderarm wird — vielleicht als äusserer Ausdruck 
der lebhaften, vor der Seele des Kranken sich abspielenden Vorgänge — 
alle Augenblicke in die Höhe geschnellt, während der rechte ruhig liegen 
bleibt, keine Mitbewegungen macht. Sensibilität fast ganz aufgehoben. Nur 
bei intensivem Kneifen äussert Pat, ohne offenbar einen der Energie des 
Reizes adäquaten Schmerz zu empfinden: «das beisst*^. 

12. August. Sensorium heute ziemlich frei. Delirien treten nur noch 
zeitweise ein. Beine im Kniegelenk schwach flectirt, können indessen passiv 
leicht gestreckt werden. Kniephänomene fehlen andauernd. Bei Beklopfen 
des Quadriceps cruris entstehen beiderseits knotenförmige Erhebungen, die 
?erhältnissmässig schnell auftreten, um sich langsam wieder auszugleichen. 
Es zeigt sich diese Erscheinung nicht allein über dem Unterschenkelstrecker, 
sondern auch an den Streckmuskeln auf beiden Vorder- und Oberarmen, 



158 Krönig, 

indess hier nicht in der Deatlichkeit und Stärke, wie an erstgenanntem Orte. 
Wird Pat. aufgefordert, den rechten Oberarm in die Höhe zu heben, so hebt 
er die entsprechende Rumpfhälfte, der Arm selbst bleibt — im Ellbogen- 
gelenk schwach gebeugt — matt auf der Brust liegen, während linker- 
seits eine geringe active Beweglichkeit im Schultergelenk möglich ist. Der 
Händedruck rechts schwächer als links, indessen auch hier weit unter der 
Norm. Ausgesprochene Flexionsstellung der Finger. Pat. liegt still im 
Bett. Puls von guter Beschaffenheit. Ordination: Bromkaliklystiere nur 
noch Morgens und Abends, sonst keine Aenderung. 

14. August. Pat., der im Verlauf des gestrigen Tages wieder heftig 
delirirt hat, zeigt heute ein völlig freies äensorium und giebt auf die ver- 
ständigste Weise auf die an ihn gerichteten Fragen Antwort; er erzählt viel 
von seinen Träumen, die in der Mehrzahl schaurigen Inhalts, die Bedrohung 
seines Lebens zum Gegenstande haben. Urin frei von Eiweiss und morpho- 
tischen Elementen; Temperaturen schwankten (Morgens zwischen 36,8 — 37,6, 
Abends zwischen 37,4 und 38,5). 

17. August. Die Parese des rechten Vorderarms erheblich geringer, 
so dass Pat, wenn auch noch sehr ungeschickt, doch schon selbst den 
Löffel zum Munde zu fuhren im Stande ist. Patient, dessen Sensoriam 
andauernd frei, schläft des Nachts ruhig, ohne von Träumen belästigt zu 
werden, lässt nicht mehr unter sich. Sein Aussehen etwas besser, obwohl 
noch immer sehr blass. Bromkaliklystiere und Eisblase ausgesetzt, dafür 
innerlich Jodkali. 

19. August. Geringe active Beweglichkeit der Beine, bei andauernd 
aufgehobenen Kniephänomenen; auch ist bereits im linken Schulter- 
gelenk eine geringe Besserung der Lähmung zu constatiren. Der Tremor 
der Zunge, sowie der Extremitäten hat an Intensität entschieden nachge- 
lassen. Opium ausgesetzt. 

23. August. Während die Besserung der Parese an den unteren Ex- 
tremitäten ausserordentliche Fortschritte macht, lässt sich an den Ober- 
extremitäten kaum ein nennenswertlier Nachlass der Lähmung verzeichnen. 

2. September. Patient schläft dauernd gut; die Delirien, sowie die 
beängstigenden Träume haben vollkommen aufgehört. Das subjective Be- 
finden des Pat. ist vortrefflich, derselbe isst und trinkt mit grossem Appetit; 
Sedes von normaler Beschaffenheit und Menge; Urin stets frei von Eiweiss 
und Cylindern. Bleisaum etwas schwächer wie früher. Die Lähmung der 
Unterextremitäten hat sich bereits soweit gebessert, dass Pat. aufzustehen 
und — wenn auch noch langsam und beschwerlich — durch das Zimmer 



Ein Fall von Encepbalopathta satarnina. 159 

za gehen vermag. Die oberen Extremitäten dagegen zeigen in ihrem Ver- 
halten kaum einen Unterschied gegen früher. Kniephänomene noch 
nicht zurückgekehrt. 

8. September. Die heute vorgenommene electrische Untersuchung ergab 
rechterseits in den Extensoren des Vorderarms allgemein herabgesetzte 
directe faradische und galvanische Erregbarkeit, und in einzelnen derselben 
eine Umkehr der Formel für den galvanischen Strom, während linker- 
seits einzig und allein eine Herabsetzung der directon faradischen Erreg- 
barkeit zu constatiren war. Fat. wurde von jetzt an demgemäss theils 
faradisirt, theils galvanisirt, eine Behandlung, unter welcher in verhältniss- 
mässig kurzer Zeit die Lähmungserscheinungen soweit zurückgingen, dass 
linkerseits wieder vollkommen normale Erregbarkeit erzielt wurde, während 
rechts die Entartungsreaction verschwand und nur noch eine Verminderung 
der faradischen Erregbarkeit restirte. Leider musste Fat. aus Pamilien- 
rücksichten die Anstalt früher verlassen, so dass wir nicht in der Lage 
waren, das Endresultat der Behandlung abzuwarten. Bei seiner, Mitte No- 
vember d. J., erfolgenden Entlassung bot derselbe, abgesehen von der eben 
erwähnten Störung, durchaus normale Verhältnisse dar. An Stelle früherer 
Blässe war eine frische und gesunde Gesichtsfarbe getreten; der Bleisaum 
bis aufspüren verschwunden; die Sprache wieder kräftig, ohne von Zittern 
der Lippen begleitet zu sein. Das Herz durchaus frei von Geräuschen, der 
Puls von normaler Grösse und Frequenz. Beide unteren Extremitäten, so- 
wie die linke obere wieder vollkommen functionstüchtig, nur die rechte 
obere noch etwas schwach und matt in ihren Bewegungen. Die Kniephä- 
nomene, die übrigens ebenso wie die directe mechanische Muskelerregbarkeit 
schon im Verlaufe des September allmälig wieder zurückgekehrt, zeigten 
durchaus normales Verhalten. Der Tremor vollständig beseitigt, Appetit 
und Stuhl Hessen nichts mehr zu wünschen übrig. Vor allem aber waren 
die Colikschmerzen andauernd Verschwunden, ebenso Kopfschmerzen und 
Schwindel. Psyche durchaus intact, Schlaf vortrefflich und frei von störenden 
Träumen, so dass Pat. in dieser Hinsicht als vollkommen geheilt zu be- 
trachten ist, eine Heilung, die vermuthlich auch in der Zukunft andauern 
dürfte, da derselbe sein Malerhandwerk definitiv aufzugeben gewillt ist und 
somit den Gefahren, welche das erreichte Resultat wieder in Frage zu 
stellen vermöchten, für immer aus dem Wege gehen wird. 



160 Krönig. 

E p i c r i s e. 

Es handelt sich also im vorliegenden Fall um eine durch chronische 
Bleiintoxication hervorgerufene Störung der Hirnfunctionen, die sich vorzogs- 
weise in epileptischen Convulsionen , aber auch in Delirien und Somnolenz 
charakterisirte. 

Auf die früher überstandene Syphilis des Fat. als mögliche Quelle 
dieses Symptomencomplexes zu recurriren, verbietet sich aus folgenden 
Gründen: Dank einer sofort eingeleiteten energischen Behandlung gestaltete 
sich der Verlauf der damals acqairirten syphilitischen Infection derart gan- 
stig, dass, abgesehen von dem nur kurze Zeit andauernden Auftreten der 
Condylome am After, keine sonstigen Symptome, weder von Seiten der 
Haut, noch von Seiten der Knochen oder der parenchymatösen Organe zam 
Ausbruch kamen. Wäre nun zwar a priori gleichwohl die Möglichkeit einer 
syphilitischen Genese nicht von der Hand zu weisen, so sprechen doch fol- 
gende drei Momente entschieden dagegen: 

Einmal wäre schon bei einer gewöhnlichen, mittelschweren Form der 
Syphilis das Auftreten cerebraler Symptome nach nur IVs jähriger Dauer 
ihres Bestehens als ein auffallend frühzeitiges — wenn auch wohl hin und 
wieder beobachtetes — Ereigniss anzusehen, desto auffallender also bei einer 
so ausserordentlich glücklich ablaufenden Form, wie wir sie hier vor uns 
haben. 

Zweitens aber würde der Umstand, dass eine derartig tiefgreifende Be- 
einträchtigung der Hirnfunctionen, wie sie uns der beschriebene Fall deutlich 
genug vor Augen fahrt, ohne specifische Therapie nicht blos vorüber- 
gehend, sondern dem ganzen Anscheine nach sogar dauernd geheilt wird, 
wohl als ein ausreichender Beleg für den nicht specifischen Charakter des 
Hirnleidens anzusehen sein. Dagegen wollen wir nicht in Abrede stellen, 
dass das Moment der immerhin vorhanden gewesenen Syphilis eine Prä- 
disposition für das Auftreten cerebraler Erscheinungen gesetzt, und somit 
wenigstens als ein indirecter Factor bei Entstehung der Krankheit mit> 
gewirkt haben könnte, wofür sich ja in der Pathologie des Nervensystems 
zahlreiche Analogien finden. 

Drittens schliesslich bietet Pat. gegenwärtig nicht die geringste An- 
deutung noch bestehender Syphilis dar, so dass wir also aus diesen Gründen 
vollberechtigt sein dürften, dieselbe von der Liste der hier in Frage kom- 
menden ätiologischen Momente zu streichen. 

Recapituliren wir zum Ueberfluss noch, dass eine hereditäre Belastung 



Ein Fall von Enoephalopathia satumina. 161 

nicht vorliegt, dass Fat. nicht potator, dass selbst die genaueste Körper- 
ontersuchung nicht den geringsten Anhaltspunkt für eine Erklärung obiger 
nervöser Störungen bietet, dass vor allem ein älteres Hirnleiden des Fat 
nicht zu Gonstatiren ist, berücksichtigen wir dagegen andererseits, dass Fat. 
seit 12 Jahren das Malerhand werk betreibt, dass er wiederholt an Blei- 
coliken gelitten, dass er mit manifesten Erscheinungen der Bleiintoxication 
hier zur Anstalt kam, so kann äberhaupt kein Zweifel mehr in Betreff der 
rein toxischen Natur der cerebralen Erscheinungen bestehen, d. b. also kein 
Zweifel in Betreff unserer Auffassung der Krankheit als einer sog. Enoepha- 
lopathia satumina. 

Vergegenwärtigen wir uns nunmehr in den Hauptzügen noch einmal 
den gesammten Krankhei tsverlauf, so entrollt sich folgendes interessante 
Bild: Ein mit den markantesten Symptomen chronischer Bleiintoxication 
behafteter Maler kommt wegen heftiger Colik, die von Kopfschmerz und 
Schwindel begleitet ist, zur Anstalt. Hier bildet sich in Kurzem ein Status 
epilepticus aus, begleitet von Delirien und Somnolenz; zu gleicher Zeit treten 
nacheinander Lähmungen in allen 4 Extremitäten auf, wobei sich im Speciellen 
folgende Anordnung in Bezug auf Succession, wie auf Art der Lähmungen 
beobachten lässt: Totale Farese der ganzen rechten Oberextremität; totale Fa- 
rese beider unteren mit Fehlen der Kniephänomene; lähmungsartige Schwäche 
des linken Deltoides neben Farese der Streckmusculatur des Vorderarms 
derselben Seite, bei Freibleiben, sämmtlicher Beuger, sowie des Triceps. 
Nach Ablauf des Status epil., der Delirien und Somnolenz beginnt die 
Rückbildung der Lähmungen, die sämmtlich bis auf eine übrig bleibende 
Schwäche der Extensoren des rechten Vorderarms vollkommen wieder ver- 
schwinden. 

Gehen wir jetzt auf die einzelnen Erscheinungen etwas ausführlicher 
ein, so haben wir in erster Linie die Genese der Encephalopathie näher 
ins Auge zu fassen. Dass dieselbe in unserem Falle rein toxischer Natur, 
haben wir ja bereits oben des Breiteren erörtert. Das Wesen dieser toxi- 
schen Natur ist uns heule leider noch ebenso verschlossen wie früher; selbst 
die neueren Untersuchungen Harnack's*), wonach weder üraemie noch Ver- 
änderungen im Gefässsystem den Erscheinungen der saturninen Encephalo- 
pathie zu Grunde liegen, sondern dieselben lediglich als Effect einer directen 
Einwirkung des Blutes dieser Kranken auf die motorischen Centren aufzu- 



') Arch. f. experim. Pathologie und Pharmacologie. Bd. 9. Heft 3 u. 4. 

Charlt^Annftlen. TX. Jahrg. n 



162 Krönig, 

fassen sind, sowie die aliernenesten Untersuchungen R. Maier's'), welcher 
ausgebreitete Bindegewebs*Wacherungen in der Hirnrinde mit consecutiver 
Verengerung der Geßisse gefunden, sind im Stande, dieses Dunkel auf- 
zuhellen. 

Mit Sicherheit können wir in unserem Falle nur das Eine anfahren, 
dass wir es nicht mit einem urämischen Symptomencomplex zu thnn 
haben, da ja der Urin öfter untersucht, sich constant frei von Eiweiss, wie 
von morphotischen Elementen zeigte. Das Bild der Encephalopathie, wie 
es sich hier präsentirte, ist das gewöhnliche; interessant allein ist das 
intensive und zugleich sehr kurzandauernde, den ganzen Reigen encepbalo- 
pathischer Erscheinungen eröffnende Auftreten der epileptischen Convulsionen. 
Die Delirien, welche, gepaart mit Somnolenz, in abwechselnder Intensität 
etwa acht Tage lang andauerten, waren theils stiller, theils aufgeregter 
Natur, ihrem Charakter nach vorzugsweise Persecutionsdelirien, bedingt durch 
schreckhafte Träume und Gesichtshallucinationen. 

Interessant vor Allem gestaltete sich das Verhalten der Lähroungs- 
erscheinungen. 

Einer, in unmittelbarem Anschlüsse an den ersten epileptischen Anfall 
auftretenden, totalen Parese der ganzen rechten oberen Extremität folgt nach 
anderthalb Tagen eine gleichfalls totale Lähmung der rechten unteren. 

Dieses merkwürdige halbseitige Auftreten liess an eine, sei es durch Blu- 
tung, sei es durch Erweichung bedingte link^eitige Rindenlähmung denken, die 
immerhin noch am leichtesten das Ausbleiben einer gleichzeitigen Facialisparese 
zu erklären vermöchte. Allein schon am folgenden Tage geseilte sich hierzu 
auch linkerseits eine complete Lähmung des Beines und kurz darauf 
eine partielle, nur auf die Schulter- und die Streckmusculatur des Vor- 
derarms beschränkte Parese mit abermaligem Verschontbleiben der Faciales. 
Wenn nun das verhältnissmässig schnelle Nacheinander-Befallenwerden aller 
vier Extremitäten an und für sich schon begründete Zweifel an einen cere- 
bralen Ursprung erweckten, so roussten sich diese Zweifel noch vermehren, 
als die Kniephänomene vollkommen erloschen und gleichzeitig die directe 
mechanische Muskelerregbarkeit beider Unterschenkelstrecker sich ausser» 
ordentlich zu steigern begann. Dabei stellte sich im weiteren Verlaufe die 
merkwürdige Thatsache heraus, dass, während nach etwa zehn Tagen — 
innerhalb welcher Zeit übrigens keine Abmagerung in letztgenannten Muskeln 



2) Experitn. Studien über Bleivergiftung. Arch. f. path. Anat. u. Physiol. Heft .3. 
S. 455. 



Ein Fall von Encephalopathia saturnina. 163 

zu constatiren gewesen — die Parese der Beine bereits einen deutlichen Rück- 
gang anzeigte, in dem Verhalten der Kniephänomene gleichwohl keine 
Aenderang eintrat, dieselben vielmehr erst vierzehn Tage später, als die 
Functionstüchtigkeit der Beine schon eine in jeder Beziehung masterhafte 
genannt werden konnte, den langsamen Beginn einer Rückkehr zur Norm 
erkennen Hessen. 

Ist nun der peripherische Ursprung der Oberextremitätenlähmung durch 
die electrische Untersuchung gesichert, so muss einmal die Analogie dieses 
Befundes, zweitens aber das langandauernde Fehlen der Kniepfaanomene bei 
Fortbestehen gesteigerter directer mechanischer Muskelerregbarkeit, 
sehr zu Gunsten der Annahme eines saturninen Ursprungs auch für die 
Parese der unteren Extremitäten sprechen. 

Drittens endlich besitzen wir in dem Verhalten eines der directen 
Untersuchung zugänglichen Nerven, wie hier des linken Opticus, ein Moment, 
das ganz besonders geeignet erscheinen durfte, auf den Chararacter der letzt- 
besprochenen Lähmung ein helles Licht zu werfen und auch sie zu einer 
peripherischen zu stempeln. 

Es handelt sich in unserem Fall also um die immerhin seltene Gom- 
plication einer generalisirten Bleilähmung mit cerebralen Erscheinungen, 
welche letztere sich theils in der motorischen, theils in der rein psychischen 
Sphäre abspielten. 



IP 



Aus der H medicinischen Klinik. 

Unter Leiiang dt$^ Geh. Medicinabaths und Prof. Dr. Leyden. 



I. 

üeber die Arseniktherapie der Luiigentnbercnlose. 

Von 
Prof. Dr. E. Iiejrdeil« 



Obgleich es der internen Medicin auch in den letzten Jahrzehnten an 
wichtigen Eroberungen und Entdeckungen auf dem Gebiete der Therapie 
nicht gefehlt hat, ja obwohl die neueste Zeit soviel davon aufzuweisen hat, 
wie kaum eine andere Zeit, so bleibt das alte Lied von der Unzulänglichkeit 
der Therapie doch alltäglich im Mnnde der Aerzte und Laien. Der fromme 
Wunsch und die Ungeduld möchten täglich deutliche Fortschritte und Ent- 
deckungen zu verzeichnen haben, um so mehr, als alle neuen Erwerbungen 
sich ihrer Einfachheit wegen schnell einbürgern und als selbstverständliches 
Gemeingut gering geschätzt werden. Man vergisst, dass in einer Disciplin, 
welche, wie die Heilkunst, seit Jahrtausenden die erfinderischen Köpfe zahl- 
reicher scharfsinniger Menschen beschäftigt, der Boden erschöpft ist und 
nicht mehr so leicht eine reiche Erndte giebt, wie die erst seit kurzer Zeit 
bebauten Felder, dass also nnr langsam und sparsam die Fruchte der internen 
Therapie reifen können. 

Die Folge solcher Unzufriedenheit und Ungeduld ist es, dass man in 
dem rastlosen Suchen nach neuen Schäl zen und Heilmitteln sich über- 
stürzt und, indem man den Wunsch für die Wirklichkeit nimmt, sich der 



ücber die Arseniktherapie der Lungentuberculose. 165 

lllusioB hingiebt, den Stein der Weisen gefunden zu haben — bis man er- 
kennt, es war wieder nichts. Solcher Illusion geben sich in grossem Mass- 
stabe die Laien, in kleinem, aber immer noch fiir die Wissenschaft zu 
grossen Massstabe die Aerzte selbst hin. 

Die vorstehenden Bemerkungen, welche auf weitere Gebiete der Medicin 
angewendet werden können, finden ihre Illustration in besonders prägnanter 
Weise in den Wandlungen, welche die Therapie der Lungenschwindsucht in 
den neuesten Zeiten durchgemacht hat. Gewiss ist nichts mehr berechtigt, als 
der Wunsch, eine Waffe zu finden, um diesen mörderischen Feind der Men- 
schen zu bekämpfen. Nichts ist berechtigter als die Klage, dass wir ihm 
fast wehrlos gegenüber stehen. Hieraus ergiebt sich das fortdauernde un- 
ermüdliche Suchen nach immer neuen Mitteln. Von Zeit zu Zeit taucht 
Jemand auf, der das Wundermittel gefunden haben will: Alle Aerzte wie 
Laien greifen begierig nach demselben — bis jetzt hat sich aber Alles 
als Täuschung ergeben. 

Vor einigen Jahren machten die Theerkapseln die Runde, alle Brust- 
kranken gebrauchten sie, aber nur kurze Zeit dauerte ihr Ruhm, sehr bald 
verschwanden sie von der Schaubühne. Dann folgte die kurze Blutheperiode 
des Natron benzoicum. Als nun vor zwei Jahren die Entdeckung der Tu- 
berkelbacillen die Anschauungen von der Tuberculose wesentlich umgestal- 
tete, knüpfte sich an diese, soviel Aufsehen machende Entdeckung der 
natürliche Wunsch, sie auch für die Therapie nutzbar zu machen. Alle 
Mittel, welche pflanzliche (pathogene) Parasiten abzutödten oder abzu- 
schwächen geeignet scheinen, wurden zu therapeutischen Versuchen heran- 
gezogen. 

Es ist zu bemerken, dass auch schon vor der Entdeckung der Tuberkel« 
bacillen therapeutische Versuche mit dergleichen Mitteln gemacht waren, man 
hatte sie bereits zu Inhalationen und zu innern Medicamenten angewandt. 
Diese Versuche blieben beschränkt und unsicher, da der Glaube an die pa- 
rasitäre Natur der Tuberculose nur eine Hypothese war, welche noch viel- 
fach Widerspruch fand. Seit der Entdeckung der Tuberkelbacillen sind 
solche Versuche, mit allen möglichen parasitentödtenden Mitteln in viel 
grösserer Ausdehnung angestellt worden. Man weiss, dass bis jetzt noch 
kein nennenswerthes Resultat zu verzeichnen ist. Auf dem 2. medicinischen 
Congress zu Wiesbaden haben 0. Fräntzel und Hill er über zahlreiche 
methodisch angestellte Versuchsreihen berichtet, aber sie haben kein posi- 
tives Ergebniss vorfuhren können, und noch kurzlich ht^t Fräntzel, nach- 



166 Layden, 

dem er seine Versuche weiter fortgesetzt hatte, in einem Vortrage ^) dasselbe 
Resum6 ziehen müssen. Dies Geständniss mag deprimirend sein, aber 
die Wissenschaft verlangt in erster Linie Wahrheit, sie weist alle iUasioDen 
von sich, von welchen die Praxis gar oft mit Geschick und Glück Gebraach 
macht Ausser den antiparasitären Mitteln hat man, wie auch in früheren 
Zeiten, nach Specificis gegen die Tuberculose gesacht, allein ebenso wenig 
mit Erfolg. Denn die Anpreisung des Hellenin hat bisher wenig Glauben 
gefunden, obgleich Brehmer, wie es scheint, Hoffnungen daraufgesetzt hat. 

Einen anderen Weg hat vor kurzem H. Buchner eingeschlagen. Ein 
neuer Weg hat viel Verlockendes: vielleicht ist er der richtige, der zum Ziele 
fuhrt. H. Buchner hat in diesem Jahre in einer Anzahl von Publicationen 
Ansichten und Vorschläge zur Therapie der Phthise vorgetragen, welche 
nicht nur wegen des überaus wichtigen Gegenstandes, sondern auch durch 
ihre Neuheit und den Enthusiasmus, mit welchem sie vorgebracht wurden, in 
der medicinischen Welt Aufsehen erregen mussten. Zuerst setzt uns B. aas* 
einander, dass der Weg, den wir bisher gewandelt, ein ganz falscher war. 
Ein directes Einwirken auf die Bacterien, welche die Ursache der Phthisis 
bilden, auf dem Wege der internen Therapie, eine innere Antisepsis überhaupt, 
sei eine Unmöglichkeit. Dagegen bestehe die einzig rationelle therapeuti- 
sche Aufgabe, welche noch übrig bleibt, darin, die Widerstandsfähigkeit des 
Organismus, resp. des lebenden Gewebes gegenüber den Spaltpilzen zu er- 
höhen: hierdurch allein (?) könne die Vermehrung und weitere Ausbreitung der 
Spaltpilze behindert, die Vernichtung und Elimination der bereits vorhande- 
nen erreicht werden. Als Stoffe, welche geeignet sind, die Widerstands- 
fähigkeit des Organismus zu erhöhen, bezeichnet B. den Arsen, den Phos- 
phor und das Antimon. Die Wirkungsweise dieser Mittel sei eine rein 
dynamische (?), worunter B. versteht, dass sie „die Widerstandsfähigkeit 
der Gewebe und Zellen erhöhen''. In erster Linie empfiehlt ß. den Arsenik, 
„weil er erfahrungsgemäss eine Bacterienkrankheit, die Malaria, zu heilen 
vermag, und weil er die Ernährung der Gewebe und die Leistungsfähigkeit 
der Nerven erhöht" (?). 

Der erste Thoil dieser Deductionen, nämlich dass eine innere Antisepsis 
unmöglich sei, ist bereits von Binz (Antiseptica zu innerer Anwendung. 
Centralbl. f. klin. Med. 1883. No. 18) kritisirt und meines Erachtens auch 
vollkommen widerlegt, indem B. nachweist, dass eine innere Antisepsis 



*) Wie weit können wir den Nachweis von Tuberkelbacillen bis jetzt practisch ver* 
werthen? Deutsche militärärztl. Zeitsobr. 1883. Heft 8. 



Ueber die Arsen iktherspie der Longen tu berculose. 167 

nicht nur möglich ist, soudera thatsachlich in einer Anzahl von Krankheiten 
tberapentisch erreicht wird. Für die zweite Reihe der Deductionen wird 
man auch mehr Gründe verlangen, als die mit grosser Zuversicht vorge- 
tragene Ueberzeugung des Autors. Nun bat allerdings der Autor seine 
.'iprioristischen Deductionen durch therapeutische Beobachtungen gestützt, 
auf welche wir noch zurückkommen werden, von denen wir aber doch sagen 
müssen, dass sie den von einer wissenschaftlichen Kritik zu stellenden An- 
sprüchen nicht genügen. 

Es ist begreiflich, dass der Arsenik in Folge der vielversprechenden 
Anpreisung Buch n er 's von den Aerzten mit Eifer aufgenommen wurde 
und gegenwärtig in der Phthisistherapie eine grosse Rolle spielt. Selbst 
diejenigen Aerzte, welche nicht ohne weiteres glaubensselig sind, werden 
leicht darauf eingehen, ein noch so zweifelhaftes neues Mittel anzuwenden, 
welches durch die bekannt gewordene Anpreisung den Muth und die Hoff- 
nung der Kranken von neuem belebt. In einer Krankheit, welche soviel 
Anspräche an den Arzt macht, bei welcher sich alle Heilmittel bisher als 
vollkommen unwirksam erwiesen haben, thut es auch keinen Schaden, wenn 
man sich eine Zeit lang der Illusion hingiebt, ein Heilmittel zu besitzen, 
falls dasselbe nur ohne Gefahr angewendet werden kann. Und das kann 
man ja von dem Arsenik behaupten, über dessen Anwendung den Aerzten 
genügende Erfahrung zur Seite steht. Insofern ist diese Anpreisung, auch 
dann, wenn sie sich nicht bestätigen sollte, eine unschuldige. Dennoch halte 
ich es nicht für überflüssig, sie auf ihren thatsächlichen Werth zu prüfen. 
Wir können die Augen nicht dagegen verschliessen, dass es doch bedenklich 
ist, wenn diese und ähnliche Anpreisungen von Heilmitteln ohne die Con- 
trole der Erfahrung, nur auf aprioristische Wahrscheinlichkeiten oder Mög- 
lichkeiten gestützt, an die Oeffentlichkeit treten. Nicht nur werden die 
Aerzte dadurch verwirrt, sondern, wenn sich die Sache schliesslich als Illusion 
erweist, das Ansehen der wissenschaftlichen Medicin geschädigt. Am gefahr- 
lichsten sind derartige Illusionen dann, wenn sie in ein wissenschaftliches 
Gewand gekleidet und mit dem Gewichte wissenschaftlicher Autorität vor- 
getragen werden. 

Der Arsenik ist bekanntlich kein neues Medicament, auch in der 
Therapie der Phthise bekannt, aber auch seit langer Zeit verlassen. Der 
Ruf, welchen der Arsenik als Heilmittel geniesst, basirt hauptsächlich auf 
zwei in der Medicin angesehenen Namen, dem alten Heim in Berlin und dem 
Franzosen Isnard. Es ist bekannt, wie hier in Berlin unter den zwei zu 
ihrer Zeit grössten medicinischen Autoritäten eine entschiedene Differenz der 



168 Leyden, 

Ansichtea bestand, zwischen Heim, welcher den Arsenik als Heilmittel sehr 
hoch stellte, und Hufeland, welcher ihn mit aller Entschiedenheit verwarf. 
Bei aller Verehrung für Heim*s practische Begabung wird man doch Hufe- 
land's Widerspruch nicht vernachlässigen können. Heim hat im Jahre 
1812 eine kleine Schrift über den Arsen als Fiebermittel (Erfahrungen über 
den Nutzen und Anweisung zu einer zweckmässigen Anwendungsart des- 
selben) veröffentlicht, in welcher er den Werth desselben sehr hoch aaschlägt. 
Seither ist der Arsenik als Fiebermittel in Gebrauch, auch von Isnard als 
solches anerkannt. Man wird sich hierbei aber mehr auf den practischen 
Blick Heim 's verlassen müssen, als dass man wirkliche Beweise in seiner 
Schrift fände; den Krankengeschichten, welche er beibringt, fehlt doch die 
wissenschaftliche Genauigkeit und Exactheit. Jedenfalls documentirt der 
Widerspruch Hufeland 's soviel, dass die Wirksamkeit des Arsens gegen 
Wechselfieber keine unbestrittene war. 

Auch Isnard, welcher den Arsenik in einer Monographie behandelt, 
rühmt seine Wirksamkeit im Wechselfieber, wobei er sich auch auf die gün- 
stigen Erfahrungen anderer Aerzte beruft. Bei alledem ist einzuwenden, 
dass Isnard in seinem Werke einer streng wissenschaftlichen Kritik ebenfalls 
nicht genügt und dass so prompte Wirkungen auf das Wechselfieber vom 
Arsen nicht gerühmt werden können, wie vom Chinin. Ich selbst habe 
mehrere schwere Wechselfieberepidemien beobachtet, in denen die Recidive 
häufig waren und auch das Chinin öfters im Stich liess: damals habe ich 
auch den Arsenik gebraucht, mich aber nirgends von seiner entschie- 
denen Wirksamkeit überzeugen können. Ich führe diese Bedenken und Er- 
fahrungen deshalb an, weil Buchner die Wirksamkeit des Arsenik gegen 
eine Bacterienkrankheit, die Malaria, als unzweifelhaftes Factum hinstellt und 
seine weiteren Deductionen zum Theil darauf aufbaut. Ich kann diese 
Wirkung des Arsenik keineswegs als unzweifelhaftes Factum acceptiren. 

Gegen die Lungentuberculose scheint der Arsenik zuerst von Isnard 
in grösserer Ausdehnung angewandt zu sein, und zwar rühmt derselbe von 
diesem seinem Lieblingsmittel ausserordentliche Erfolge. „Zuerst werden die 
Fieberanfälle schwächer, abgekürzt und gehoben. Diese Wirkung erfolgt 
unmittelbar in den ersten Tagen der Behandlung und das Fieber vermindert 
sich, bleibt demnächst aus; die Nach tsch weisse, der allgemeine Erethismus 
und die Schlaflosigkeit nehmen einen gleichen rückgängigen Verlauf. — - 
Nach Massgabe des Zurückweichens des Fiebers erwacht der Appetit, die 
Verdauungskraft, die Nutrition mit einer überraschenden Energie, das Er- 
brechen, die Piarrhoe und die Verstopfung verschwinden. Pie Frische und 



Ueber die Arseniktherapie der Lungentaberculose. 169 

Färbung der Gewebe, die Kräfte oud die Abrundung des Körpers kehren 
wieder, die ganze Physiognomie erhält einen anderen Ausdruck. — Und 
diese Veränderungen treten schon am Ende der ersten Woche hervor und 
wachsen jeden Tag. — Eine allgemeine Umgestaltung erfolgt im Laufe des 
zweiten Monats der Behandlung, setzt sich dann fort und dauert eine längere 
oder kürzere Zeit, im Allgemeinen mehrere Monate. Dann scheinen die 
Individuen zum Leben zurückgekehrt zu sein** etc. 

Trotz dieser glänzenden Empfehlung hat sich der Arsenik in der 
Therapie der Phthise nicht eingebürgert, erst zur Zeit, da die Tuberculose 
nach und nach als parasitäre Infectionskrankheit erkannt wurde, bekam 
der Gedanke 9 dass der Arsenik in Wirklichkeit durch seine Einwirkung 
auf die Parasiten heilsame Wirkungen entfalten könne, einen festeren Bo- 
den. Dazu kamen die von mehreren Seiten bestätigten günstigen Erfolge 
des Arsengebrauchs gegen die Lymphadenome. Dies forderte noch mehr 
zur Wiederholung der von Isnard gemachten therapeutischen Versuche auf. 
0. Fräntzel giebt (1. c.) an, dass er schon vor Jahren Arsenik versucht, 
ihn aber wirkungslos befunden habe, auch Hiller erklärt in seinem bereits 
erwähnten Berichte auf dem 2. Gongress f. inn. Medic, dass er mit dem 
Arsenik Versuche angestellt habe, jedoch ebenfalls ohne Erfolg. 

Die Anpreisungen von Büchner haben dem Mittel wieder neues Leben 
eingehaucht« Den Effect der Behandlung schildert B. ähnlich wie Isnard. 
«Zuerst verschwinden die heftigen Schweisse, anfangs die nächtlichen, später 
die unter Tags auftretenden, alsdann ermässigt sich das Fieber, und die bis 
dahin regelmässigen Frostanfälle verschwinden. Diese Wirkung tritt schon 
bei verhältnissmässig geringen, aber täglich wiederholten Gaben, schon bei 
7—10 Mgrm. arseniger Säure per Tag und gleich in der ersten Woche 
der Behandlung auf. Zugleich werden die Kranken lebhafter, der Blick 
freier. Die Athembeschwerden vermindern sich. Hasten und Auswurf werden 
merklich geringer. Gleichzeitig cessirt das quälende Erbrechen, und bald 
darauf pflegt sich Appetit einzustellen, der meist schnell zu wahrem Hunger 
heranwächst ''. — Dieses mit den rosigsten Farben geschminkte Urtheil hat 
der Verf. aus 6 mit Arsenik behandelten Fällen von Phthise gewonnen. 
Hiermit, sagt B., ist der Beweis, den ich erstrebte, geliefert. Es ist nach- 
gewiesen, dass dem Arsenik in der That heilende Wirkungen gegenüber der 
Lnngentuberculose zukommen (p. 75). „Ein Zweifel ist hier meines Er- 
achtens vollständig ausgeschlossen'' (p. 100). 

Der kritische Leser wird vielleicht doch nicht der Ansicht sein, dass 
ein Zweifel vollkommen ausgeschlossen ist. Zum mindesten sind weitere 



170 Leyden, 

Prüfungen des Mitteli» und Veröffentlichungen darüber auch von anderer Seite 
erforderlich. Bisher sind bereits mehrere Stimmen laut geworden, welche 
theils für, theils gegen die Resultate ßuchner^s in die Wagsehale fallen. 

Dr. G. Kempner hat in der Berl. klin. Wochenschrift, 1883, No. 31 
(Ueber die Behandlung der Tuberculose mit Arsen) einige Beobachtangen 
mitgetlieilt, nach welchen er sich, ohne die theoretischen Raisonnements von 
Buchner zu acceptiren, hinsichtlich der therapeutischen Bedeutung des 
Arsens in der Phthise im Ganzen auf seine Seite stellt Er hat 12 Fälle 
von Tuberculose mit Arsenik behandelt, zum Theil über einen Zeitraum von 
8—9 Wochen ausgedehnt. In zwei von diesen Fällen waren am Schluss 
der Behandlung günstige Veränderungen der physikalischen Erscheinungen 
zu constatiren, in den anderen Fällen nicht In allen Fällen besserte sich 
das Allgemeinbefinden, ohne dass das Fieber von dem Mittel d^tlich beein- 
flusst wurde. Das weitaus auffälligste Symptom war ein überaus kraftiges 
Erwachen des Appetits. Mehrmals bewirkte der Arsenik nach einiger Zeit 
der Anwendung Störungen des Appetits, Durchfall, welche Symptome aber 
nach dem Aussetzen des Mittels leicht wichen. Der Einfluss der Therapie 
auf die Ernährung war ein sehr günstiger, indem die meisten an Gewicht 
zunahmen (nur 2 haben während der 2 monatlichen Kur an Gewicht ver- 
loren). In 4 von den Versuchsfallen trat der Tod ein. — Wenn der Autor 
sein Urtheil über die Arsentherapie dahin zusammenfasst, dass das Mittel 
den Vergleich mit den bewährtesten und kostspieligsten hygienischen Kuren 
anscheinend nicht zu ^^cheuen braucht — so erscheint dasselbe gegenüber 
den sorgfältig und objectiv angefahrten Erfolgen doch zu rosig geßurbt 
Wir können nicht mehr darin erkennen, als solche Schwankungen des Be- 
fundes, wie sie im Verlaufe der chronischen Phthise nicht selten sind, und 
solche vorübergehende Besserungen, wie sie beim Beginn neuer Kuren durch die 
frisch belebte Hoffnung leicht zu Wege gebracht werden. Uebrigens soll zu- 
gegeben werden, dass der Arsenik mitunter eine günstige Wirkung auf den 
Appetit hat. In Frankreich wird er vielfach in dieser Indicatibn bei dyspep- 
tischen Beschwerden gegeben und soll sich bewährt haben. Obwohl ich aus 
meiner eigenen Erfahrung eine solche Wirksamkeit nicht bestätigen kann, so 
will ich sie doch auch nicht abläugnen im Hinblick auf die entgegenstehenden 
Erfahrungen Anderer. 

Fast ebenso günstig ist das Urtheil, welches Dr. Lindner, Arzt am 
Diakonissenkran kenhause zu Ludwigslust, über die Arsentherapie der Tuber- 
culose fällt (Deutsche med. Wochenschr., No. 34, 1883). Auch L. giebt an, 
keine wesentliche Veränderung des Localbefundes, dagegen deutlichen, und 



lieber die Arseniktherapie der Lungentuberculose. 171 

zwar günstigen Einfluss auf Qualität und Quantität des Sputums gesehen 
za haben, indem sieb, statt des copiösen eitrigen, ein mehr schleimiger, zeit- 
weise fast rein schleimiger Auswurf einstellte, und die Menge desselben 
meist schon nach kurzem Arsengebrauch auf die Hälfte bis ein Viertel 
der froheren Menge sich verminderte. Was das Allgemeinbefinden betraf, 
so fand L. in Uebereinstimmung mit Kempner's Beobachtungen: keine Beein- 
flussung des Fiebers, wenigstens nicht so, dass von einer direct antipyre- 
tischen Wirkung die Rede sein konnte; dagegen constatirt L. ebenfalls die 
Thatsache, dass der Appetit sich ausserordentlich hob und dass in Folge 
der gesteigerten Nahrungszufuhr eine deutliche Zunahme der Körperkräfte 
sich constatiren liess. Die Nachtschweisse wurden nur langsam beeinflusst, 
schwanden aber allmälig ganz. »Freilich*, sagt L., »muss ich nach meinen 
bisherigen Erfahrungen annehmen, dass die vorstehend geschilderte günstige 
Beeinflussung einiger besonders hervortretender Symptome der Krankheit 
keine anhaltende sei, nach einer längeren oder kürzeren Reihe von Wochen 
treten trotz consequenter Fortsetzung des Arsengebrauchs wieder Ver- 
schlimmerungen auf, so dass es sich doch wohl nur um eine bald vorüber- 
gehende Einwirkung handelt**. 

Strenger ist das Urtheil, welches Dr. R. Stinzing nach den auf der 
medicinischen Klinik zu München gemachten Erfahrungen fällt (Centralblatt 
f. klin. Med., 1883, No. 32). Seine Beobachtungen erstrecken sich auf 
22 Fälle, von denen 16 unzweifelhaft tuberculöse Individuen betrafen. Zeit- 
weise musste die Dosis von 2 — 10 Mgrm. verringert oder das Medicament 
selbst ausgesetzt werden. Einzelne Kranke vertrugen die Maximaldose von 
10 Mgrm. täglich ohne Störung längere Zeit hindurch bis zu sechs Wochen. 
Von den 16 genannten Fällen verliefen während der Arsenikkur 2 letal. 
In 3 Fällen zeigt die Temperatur eine vorübergehende Herabsetzung, Puls- 
und Respirationsfrequenz blieben unverändert. Das Körpergewicht nahm 
nur 2 mal zu , jedoch in Folge von eintretendem Hydrops; meist nahm es 
ab und blieb zuweilen auf der ursprünglichen Höhe. Die physikalische 
Untersuchung ergab nach Beendigung der Arsenikkur unter 14 Fällen nie- 
mals eine Rückbildung des Lungenprocesses, in 10 Fällen sogar ein deut- 
liches Fortschreiten. Ebenso wenig liess sich ein deutlicher Einfluss auf das 
Vorkommen und die Menge von Bacillen im Auswurf constatiren, nur in 
einem Falle verschwanden sie,^ aber erst, nachdem mehrere Wochen kein 
Arsenik mehr gegeben war. „ Diese Beobachtungen dürften also nicht gerade 
für die Wirksamkeit des Arsenik bei Lungenphthise sprechen*. 

Buchner hat auf diese von seinein Angaben abweichenden Resul- 



172 Leyden, 

täte Stinzing's erwidert und eingeworfen, Si's entgegenstehende Beob- 
achtungen bewiesen nichts mehr, als dass der Arsenik von manchen Kranken 
nicht vertragen werde, und da er nicht vertragen wurde, so habe er als 
Gift gewirkt. Inzwischen ist von Stinzing in einer kleinen Monographie 
(Beitrag zur Anwendung des Arsenik bei chronischem Lungenleiden, ins- 
besondere bei der Lungentuberculose. München 1883) eine ausfuhrliche Dar- 
legung seiner in der medicinischen Klinik gemachten Beobachtungen aber 
die Arsentherapie veröffentlicht worden. Die Begründung und die Schlosse 
stimmen mit der ersten Publication überein. 

Der Arsenik kam in 22 Fällen zur Anwendung, von denen 16 un- 
zweifelhafte Lungentuberculose waren. Von diesen 16 starben 2 während 
der Arsentherapie, welche in einem Falle 11 Tage, im anderen 3 Wochen 
zur Anwendung gekommen. Das Fieber blieb in 8 Fällen unbeeinflusst, 
zeigte 4 mal eine nicht einmal prägnante Herabminderung; die Pulsfrequenz, 
die A thembeschwerden wurden nicht merklich beeinflusst. Von wesentlicher 
Bedeutung ist, dass eine Hebung des Ernährungszustandes nicht ein ein- 
ziges Mal stattfand. Physikalisch liess sich niemals ein Rückschritt^ aber 
11 mal ein deutlicher Fortschritt des Processes nachweisen. In 3 Fällen 
schien der Process still zu stehen. Die Untersuchung des Auswurfes auf 
Bacillen liess ebenfalls keine Besserung erkennen, 3 mal sogar eine Zunahme 
der Menge. 

Nach Darlegung des Standes der Arseniktherapie bei Phthise gehe ich 
zur kurzen Darlegung meiner eigenen Erfahrungen über. Ich halte es nicht 
für überflüssig, dieselben mitzutheilen, nicht nur, weil die bisher publicirten 
Anschauungen der Autoren, obgleich sie doch sämmtlich auf Beobachtungen 
am Krankenbette beruhen, sich widersprechen, sondern auch, weil thera- 
peutische Fragen, die eben so leicht zu Irrthümern und Illusionen, wie zu 
vorzeitig absprechenden Urtheilen Veranlassung geben, erst vielseitig geprüft 
werden müssen, elie ein abschliessendes Urtheil möglich ist. 

Meine Erfahrungen habe ich sowohl in der Privat-, wie in der Hospital- 
praxis gesammelt. Auf einen Theil derselben bezieht sich das von Hiller 
in seinem Bericht über die Phthisiotherapie auf dem zweiten medicinischen 
Congress zu Wiesbaden gegebene kurze Resurae, dass wir von Arsenik keine 
Erfolge gesehen hatten. Dieser Fassung entsprechen auch die von mir in 
der Privatpraxis erhaltenen Resultate. Die Patienten vertrugen meist den 
* Arsenik nur kurze Zeit, man musste auf kleinere Dosen zurückgehen oder 
das Mittel aussetzen. Nicht nur bei diesen, sondern auch bei anderen 



Ueber die Arseniktherapie bei Lungentaberculose» 173 

Patienten, welche das Mittel gut vertrugen, konnte niemals ein günstiger Ein- 
fluss auf den Krankheitszustand oder den Krankheitsprocess constatirt werden. 

Nachdem Bachner 's Empfehlung des Mittels in die Oeffentlichkeit 
trat, war es nöthig, die therapeutischen Versuche nochmals aufzunehmen und 
in der von Büchner als zweckmässig hingestellten Weise anzustellen. Auf 
der Klinik wurden nun die Beobachtungen genauer angestellt und notirt, 
es kam theils die Solutio Fowleri, theils das Acidum arsenicosum in Dosen 
von 1 Mgrm. zur Anwendung, mehrmals am Tage gegeben bis zur Höhe 
von 10 Mgrm. Die Resultate der Beobachtung sind in der folgenden Ta* 
belle zusammengestellt, sie ergeben, dass das Mittel vielfach nicht vertragen 
wurde, dass aber doch eine Reihe von Patienten es wochenlang in einer ziem- 
lich grossen Dose fortnehmen konnte. Dass diese Patienten, welche offenbar 
einen sehr guten Magen hatten, sich momentan gut befanden, ist leicht be-» 
greiflich, indessen auch bei ihnen ist in keinem Falle eine nennenswerthe 
Besserung und ein deutliches Rückschreiten des Processes constatirt worden. 
Hier, wie in den übrigen Fällen, verlief die Krankheit mit individuellen 
Schwankungen, aber in denjenigen Grenzen, wie man sie bei jeder Therapie 
beobachtet. Ich halte es nicht für erforderlich, das Verhalten der einzelnen 
Symptome, wie Fieber, Puls, Athemfrequenz etc. zu analysiren. Da die 
Phthise keinen regelmässigen Krankheitsverlauf zeigt, so haben solche 
Schwankungen überhaupt keinen Werth. Wichtig und entscheidend ist nur 
das Allgemeinbefinden und der Ernährungszustand einerseits, der physika- 
lische Zustand der Lungen und das Verhalten des Answurüs andererseits. 
In Bezug auf diese beiden Punkte muss ich behaupten, dass in keinem 
Falle ein Resultat beobachtet wurde, welches auch nur mit Wahrscheinlich- 
keit als günstiger Erfolg der Arsentherapie verzeichnet werden konnte. 

Ich muss mich also nach meinen bisherigen Erfahrungen durch- 
aus auf die Seite von Stinzing stellen und erklären, dass ich einen reellen 
Werth der Arsentherapie bei Lungentuberculose bis dato nicht zuerkennen 
kann. Ich verkenne nicht, dass es misslich ist, ein negativ absprechendes 
Urtheil über den therapeutischen Werth von Medicamenten abzugeben. Von 
Rechtswegen ist es die Aufgabe derer, welche Behauptungen au&tellen, sie 
auch zu beweisen, und zwar so bestimmt, dass sie anerkannt werden müssen. 
Allein gerade in der Therapie werden solche Beweise nur selten geliefert 
und es bleibt immer noch Anderen überlassen, die Zuverlässigkeit der auf- 
gestellten Behauptungen zu prüfen. Die vielseitige Erfahrung ist das Ent- 
scheidende, und diese ist bis jetzt zu Ungunsten der Arsentherapie zusammen- 
zufassen. 



174 Leyden, 



Uebersicht der beobachteten Falle. 

1. Ernestine Koch, Sattlerfraa, 32 Jahre alt, aufgenommen am 2. Jani 
1888. Hasten besteht seit der letzten, vor drei Jahren eingetretenen Ent- 
bindung. Ausgedehnte phthisische Erkrankung beider Lungen. — Nacht- 
liche Seh weisse. Unregelmässige, hohe Fiebertemperaturen. Im Sputum 
sehr reichliche Bacillen. — Arsenikgebrauch: Acid, arsenic. in Pillen ä 0,001, 
1. Juli 5 Pillen, 2. Juli 1 Pille; 2 Tage. Gesammtsumme: 6 Pillen s= 0,006 
Acid. arsenic. — Verlust des Appetits; Stuhl wird diarrhoisch und bleibt 
es auch noch mehrere Tage nach dem Aussetzen der Pillen. — 2. August 
entlassen als ungeheilt auf Wunsch. 

2. Marie Wolf, Arbeiterfrau, 29 Jahre alt, aufgenommen am 29. Jani 
1883. Husten besteht seit 19 Wochen, seit dieser Zeit bemerkt sie starke 
Abmagerung. Tumor albus beider Kniegelenke, angeblich seit 5 Monaten. 
Vorgeschrittene phthisische Veränderungen beider Lungen. Anhaltendes 
hohes Fieber. Urin eiweisshaltig. — Arsenikgebrauch: Acid. arsenic. in 
Pillen a 0,001, 5 Pillen taglich; 3 Tage. Gesammtsumme: 15 Pillen gleieh 
0,015 Acid. arsenic. Collaps. Am 3. Juli 1883 gestorben. 

3. Mathilde Pietz, Dienstmädchen, 28 Jahre alt, aufgenommen am 
29. Mai 1883. Im December a. p. mit Husten und Bmststichen erkrankt. 
Nachtsch weisse, hochgradige Abmagerung. Ausgedehnte phthisische Er- 
krankung beider Lungen. Hohes abendliches Fieber. Im Sputum sehr reich- 
liche Bacillen. — Arsenikgebrauch: wie oben; 22. Juni 5 Pillen, 23. Juni 
3 Pillen; 2 Tage. Gesammtsumme: 8 Pillen = 0,008 Acid. arsenic. Starker 
Durchfall — 26. Juni 3 Pillen, 27. Juni 5 Pillen, 28—30. Juni 8 Pillen, 
1. Juli 10 Pillen, 2. Juli 2 Pillen; 7 Tage. Gesammtsumme: 44 Pillen 
= 0,044 Acid. arsenic. Appetit verloren. Am 16. Juli gestorben. 

4. Schuster, Schlossermeistertochter, 16 Jahre alt, aufgenommen am 
14. Mai 1883. Vater brustleidend, Mutter an Phthisis gestorben. Vor 
2 Jahren Haemoptöe, seit dieser Zeit besteht Husten. — Bei der Aufnahme: 
leichte Dämpfung über der rechten Lungenspitze; daselbst abgeschwächtes 
Athmen mit klanglosen Rasselgeräuschen. Im Interscapularraum links 
knarrende Rasselgeräusche. — Anämie der Haut und sichtbaren Schleim- 
häute. — Im Sputum Bacillen. — 24. Mai 5 Pillen, wie oben, aUmälig 
steigend bis auf 8; 10 Tage. Gesammtsumme 59 Pillen = 0,059 Add. 
arsenic. 3. Juni Erbrechen, Diarrhoe, Verlust des Appetits. — 10. Juni 



Ueber die Arsen ikiherapie der Lungentuberculose. 175 

10 Pillen, wi« oben; 1 Tag. Gesamnitsamroe: 10 Pillen = 0,010 Acid. 
arsenic. 8. Juni Diarrhoe, welche erst am 11. Juni cessirt. 14. Juni auf 
Wunsch entlassen. 

Bei der Entlassung: Dämpfung über der rechten Spitze; aber beiden 
vSpitzen klanglose Rasselgeräusche: dieselben finden sich hinten links bis 
zur Mitte der Scapula; rechts sind sie über den ganzen Thorax verbreitet, 

5. Stange, Rohrleger, 29 Jahre alt, aufgenommen am 27. September 
1883. Seit einer Erkältung im Jahre 1880 besteht Husten. 1882 Hae- 
moptoe. Deutliche Abmagerung. Doppelseitige Spitzenaifection, geringes 
linksseitiges pleuritisches Exsudat. Im Spatuni sehr zahlreiche Bacillen, 
Arsenikgebrauch: 5 Pillen täglich, wie oben; 13 Tage. Gesammtsumme: 
65 Pillen = 0,06ö Acid. arsenicos. Erbrechen und Magenbeschwerden. 
17. October 1883 auf Wunsch entlassen. 

Bei der Entlassung Zeichen vorhanden, die auf eine Caverne in der 
rechten Spitze hindeuten. 

6. Knausdorf, Bierbrauer, 35 Jahre alt, aufgenommen am 6. September 
1883. Husten seit Mai a. c. in Folge einer Erkältung« Abmagerung und 
Nachtschweisse. Doppelseitige Affection; rechts ausgedehnter und weiter 
vorgeschritten, als links. Im Sputum elastische Fasern und Bacillen. — 
Arsenikgehcanch: wie oben, 5— 6 Pillen täglich; 20 Tage. Gesammtsumme: 
109 Pillen = 0,109 Acid. arsenic. Verlust des Appetits. 9. October 1883 
auf Wunsch entlassen ohne jede Besserung. 

7. Bademacher, Stuckateur, 35 Jahre alt. Vater an Phthisis gestor- 
ben; will seit 10 Jahren an Husten und Auswurf leiden. Abmagerung, 
liachtschweisse. Doppelseitige Spitzenaffection. Im Sputum spärliche Ba- 
cillen. — Arsenikgebrauch : wie oben, 5—7 Pillen täglich; 20 Tage. Ge- 
sammtsumme: 110 Pillen = 0,110 Acid. arsenic. 4. Obtober 1883 auf 
Wunsch entlassen. — Keine Besserung. 

Die Arsenikkur musste einmal auf zwei Tage wegen Erbrechens aus- 
gesetzt werden. 

8. Schmiel, Milchhändler, 36 Jahre alt, aufgenommen am 22. Juni 
1883. Vor 8 Wochen Haemoptoe; seit dieser Zeit Husten, Abmagerung, 
Nachtschweisse. Doppelseitige Spitzenaffection, rechts weiter vorgeschritten 
als links. Im Sputum Bacillen. Während der Behandlung Pleuritis dextr. 
hinzugetreten. — Arsenikgebrauch: wie oben, 5—9 Pillen täglich; 44 Tage. 
Gesammtsamme: 362 Pillen = 0,862 Acid. araenic. Verlust des Appetits. 
2. October 1883 auf Wunsch entlassen. 

Im localen Befund bei der Entlassung keine wesentliche Aenderung; 



176 Leyden, 

Allgemeinbefinden hat sich subjectiv gebessert, Ernahrongszustand sichtlich 
gehoben. 

9. Karl Peter, Gärtlergeselle, 22 Jahre alt, aufgenommen am 20. Januar 
1883. Im Februar a. p. geringe Haemoptoe. Seit April a. p. besteht Husten, 
Nachtsch weisse, Abmagerung; später trat Heiserkeit hinzu. Bei der Auf- 
nahme linksseitige Spitzenaifection, die während der Krankenhausbehandlung 
weiter um sich greift und auch auf die rechte Spitze übergeht. — Arsenik- 
gebrauch: wie oben, 5 Pillen täglich; 7 Tage. Gesammtsumme: 35 Pillen 
= 0,035 Acid. arsenic. 31. Mai 1883 auf V¥unsch entlassen. 

10. Karl Manthey, Bureauvorsteher, 35 Jahre alt, aufgenommen am 
18. December 1882. Hat im Jahre 1871 Typhus überstanden und leidet 
seit dieser Zeit häufig an Leibschmerzen, Diarrhoe und Appetitlosigkeit. 
Nach einer 14 Tage vor der Aufnahme erlittenen Erkältung hat sich das 
Leiden verschlimmert, es sind Husten und Stiche, besonders in der linken 
Brustseite hinzugetreten. Ausgedehnte phthisische Erkrankung; am 12. Ja- 
nuar trat eine Haemoptoe ein. — Arsenikgebrauch : wie oben, 5 Pillen täg- 
lich; 10 Tage. Gesammtsumme: 50 Pillen = 0,050 Acid. arsenic. CoUaps. 

2. Juni 1883 gestorben. 

11. Franz Pehlke, Tischlergeselle, 26 Jahre alt, aufgenommen am 

3. Februar 1883. Husten besteht seit November a. p. Abmagerung, Nacht- 
schweisse sind hinzugetreten. Ausgedehnte phthisische Erkrankung beider 
Lungen. — 27. März Fistula ani incompl. ext, die am 13. April mit denn 
Thermocauter operirt wird. — Arsenikgebrauch: wie oben, 5 — 6 Pillen täg- 
lich; 10 Tage. 51 Pillen = 0,051 Acid. arsenic. 31. Mai 1883 gestorben. 

12. Kempin, Gärtner, 28 Jahre alt, aufgenommen am 1. Juni 1883. 
Seit 3 Wochen besteht Mattigkeit und Appetitmangel, seit einigen Tagen 
Bruststiche und Husten. Diffuse Bronchitis, rechtsseitige Spitzenaffection. 
Im Sputum zahlreiche Bacillen. — Arsenikgebrauch: wie oben, 5 Pillen tag- 
lich; 4 Tage. Gesammtsumme: 20 Pillen = 0,020 Acid. ars. Uebles Auf- 
stossen. 24. Juni 1883 auf Wunsch entlassen. 

13. Gustav Algner, Arbeiter, 53 Jahre alt, aufgenommen am 12. Fe- 
bruar 1883. Anfang Februar erkrankt mit fast täglich zu unregelmässigen 
Zeiten auftretendem Frost mit nachfolgender Hitze und nächtlichem Schweiss. 
Bei der Aufnahme: Vergrösserung der Milzdämpfung, etwas eingesunkene 
Fossae supraclav., keine Dämpfung am Thorax, kein Husten. — Chinin, 
Atropin ohne Erfolg gegeben. 12. April Sol. Fowleri. 21. Mai starker 
Husten. 22. Mai: H. L. von der Mitte der Scapula Dämpfung mit abge- 
schwächtem Athemgeräusch. 6. Juni: V. R. 0. Pfeifen und sparsames, klang- 



Ueber die Arseniktherapie der Lungentaberoulose. 177 

loses Rasseln. 12. Juni: Rasselgeräusche in beiden Spitzen; Dämpfung 
H. L. U. vermindert. 15. Juni im Sputum Bacillen. — Medication: Zuerst 
Sol. Fowleri 1,0, Aq. Amyad. am., Aq. dest ana 2,5, von 12 auf 24 Tropfen 
steigend, vom 12. — 26. April, 16. Mai 3mal täglich 5 Tropfen; vom 19. Juni 
Acid. arsenicos. in Pillen: 5—8 Pillen täglich, wie oben; 10 Tage. 6e- 
sammtsumme: 6 Flaschen = 6 Grm. Sol. Fowleri; 71 Pillen = 0,071 
Acid. arsenicos. Am 27. April heftiges Magendrücken und Augenschmerzen. 
27. Mai Diarrhoe und Ck)njunctivitis. Verlust des Appetits, Aufstossen. 
18. Juli 1883 gestorben. 

14. Hörn, Dienstmann, 47 Jahre alt, aufgenommen am 29. Juni 1883. 
1874 Haemoptoe. Seit 4 Jahren besteht Mattigkeit und Abmagerung, seit 
14 Tagen Eurzfithmigkeit bei jeder Bewegung und Bruststiche. Bei der 
Aufnahme diffuser Gatarrh und Dämpfung über der rechten Spitze. Im 
Sputum sehr reichlich Bacillen. — Arsenikverbrauch: vom 9. Juli bis 
26. August 5—8 Pillen täglich, 17 Tage; 124 Pillen = 0,124 Acid. arsenic. 
Vom 31. Juli bis 8. August 5—6 Pillen täglich, 8 Tage; 42 Pillen = 0,042 
Acid. arsenic. Gesammtsumme: 166 Pillen = 0,166 Acid. arsenic. Wieder- 
holtes Aufstossen und Uebelkeit. Der phthisische Process in der rechten 
Lunge schreitet fort, auch in der linken Lunge lassen sich Verdichtungen 
nachweisen. Zunehmender Kräfteverfall, hochgradige Macies. 

15. Martin Petrantzki, Gerber, 26 Jahre alt, aufgenommen am 9. August 
1883. Vor 2 Jahren Haemoptoe; seit dem Frühjahr 1883 Nach tsch weisse 
und Amagerung. Bei der Aufnahme vorgeschrittene Erkrankung der rechten 
Lunge, Gatarrh der linken Spitze. Im Sputum Bacillen. — 18. August 
starke Haemoptoe, die sich am 3. September wiederholt. 19. September 
Infiltration der linken Spitze constatirt. 6. October im Sputum sehr zahl- 
reiche Bacillen und elastische Fasern. — Arsenikgebraucb: vom 30. Oc- 
tober 5—6 Pillen täglich; 12 Tage. Gesammtsumme: 70 Pillen gleich 0,070 
Acid. arsenic. Ausgesetzt wogen starker Hämoptoe. 

16. Nicrösel, Arbeiter, 39 Jahre alt, aufgenommen am 1. October 
1883 wegen Haemoptoe. Seit Frühjahr d. J. bestehen* Luftmangel, Brust^ 
Stiche und Auswurf. 9. October im Sputum elastische Fasern und spär- 
Uche Bacillen gefunden. Doppelseitige Spitzenaffection , diffuser Gatarrh. 
29. October: Periproctitischer Abscess. — Arsenikgebrauch: vom 28. Oc- 
tober 5—6 Pillen täglich; 7 Tage. Gesammtsumme: 38 Pillen = 0,038 
Acid arsenic. Verlust des Appetits. 5. November auf Wunsch entlassen. 

17. Heinrich Hansemann, Schuhmachergeselle, 32 Jahre alt, aufge- 
nommen am 28. September 1883. Im Frühjahr 1882 rechtsseitige Pleu- 

Chuitf-ABBal«D. IX. Jahrs. 12 



178 Leyden, Ueber die Ärseniktherapie der Langentubercolose. 

ritis, seit dieser Zeit besteht Hasten, der sich seit 3 Monaten verschlimmert 
hat. Abmagerung, Nach tsch weisse. Doppelseitige Äffection, rechts weiter 
vorgeschritten als links. Im Sputam sehr reichlich Bacillen. — Arsenik- 
gebrauch: vom 29. October ab taglich 5—6 Pillen, am 5. November auf 

2 Tage unterbrochen wegen Druck in der Magengegend und Appetitmangel ; 
14 Tage. Gesammtsumme: 69 Pillen = 0,069 Acid. arsenic. Bitteres 
Aufstossen, Uebelkeit, Magenbeschwerden. 

18. Lehmann, Buchbinderlehrling, 16 Jahre alt, aufgenommen am 
5. November 1883. Seit 14 Wochen bestehen Stiche in der linken Seite, 
Husten, Auswurf und Abmagerung. Äffection der oberen Lappen beiderseits. 
Im Sputum sehr reichliche Bacillen. — Arsenikgebrauch: 2 — 5 — 7 Pillen 
den Tag; 10 Tage. Gesammtsumme: 57 Pillen = 0,057 Acid. arsenic. 
Erbrechen. 

19. Rössler, Hausdiener, 20 Jahre alt, aufgenommen am 24. September 
1883. Leidet seit dem 6. Lebensjahre angeblich in Folge eines Schrecks 
an Chorea. Seit Mitte Juli d. J. besteht Husten und Auswurf; im Sep- 
tember d. J. trat Haemoptoe ein. Doppelseitige Spitzenaffection , rechts 
weiter vorgeschritten als links. Im Sputum elastische Fasern und reichlich 
Bacillen. — Arsenikgebrauch: Sol. ars. Fowl., Aq. Amygd. am. ana 7,5, 

3 mal täglich 6 Tropfen, allmälig steigend; vom 25. September bis 2L Oc- 
tober wegen Erbrechen und Diarrhoe ausgesetzt. Gesammtsumme: 11 Grm. 
Sol. Fowleri = 0,11 Grm. Acid. arsenic. verbraucht. Vom 28. October bis 
17. November: Acid. arsenic, täglich 5—8 Pillen; 22 Tage. Gesammt- 
summe: 133 Pillen = 0,133 Acid, arsenic. 

Die Pillen sind bis zum 17. November gut vertragen. Der phthisische 
Process schreitet fort; die Kräfte haben sehr abgenommen. Gebraucht die 
Pillen noch weiter. 

20. Wienecke, Commis, 20 Jahre alt, aufgenommen am 30. August 
1885. Seit 1879 besteht nach einer Erkältung Husten. Abmagerung und 
Nachtschweisse haben sich hinzugesellt Äffection beider oberen Lappen. 
Im Sputum reichlich Bacillen. — Arsenikgebrauch: täglich 5—8 Pillen, und 
zwar 5—7 Pillen täglich vom 12. September bis 3. October, 22 Tage 
(130 Pillen = 0,130 Acid. arsenic), und täglich 6—8 Pillen vom 17. Oc- 
tober bis incl. 18. November, 33 Tage (241 Pillen = 0,241 Acid. arsenic). 
Gesammtsumme: 371 Pillen =: 0,371 Acid. arsenic. 11. October Magen- 
beschwerden. 

Der phthisische Process schreitet fort; das Allgemeinbefinden, der Er- 
nährungszustand ist leidlich. Pat. gebraucht die Pillen fort. 



II. 
Heber einen Fall Ton Niereneyste. 

Von 

Dr. A. FraenkeL 



Das Vorkommen von Cysten in den Nieren gehört bekanntlich zu den 
nicht gerade seltenen Sectionsbefunden. Meist werden dieselben nur zufällig 
angetroffen, ohne dass irgend welche Erscheinungen zu Lebenszeiten der 
Patienten ihre Anwesenheit verrathen hätte. Dagegen ist es jedenfalls eine 
Rarität, dass diese Gebilde durch fortschreitendes Wachsthum und eine mehr 
and mehr zunehmende Grösse der Ausgangspunkt wirklicher Krankheits- 
erscheinungen und damit Gegenstand ärztlicher Behandlung werden. Ein 
solcher aussergewöhnlicher Fall von Nierencystenbildung wurde auf der 
IL medicinischen Klinik im vergangenen Sommersemester beobachtet. Er 
scheint auch deshalb der Mittheilung werth, weil die Diagnose hier intra 
vitam mit nahezu absoluter Sicherheit gestellt werden konnte. 

0., ein 51 jähriger Gutsbesitzer, welcher bis auf einen im Jahre 1860 
aberstandenen lleotyphus sich stets der vollsten Gesundheit erfreut haben 
will, giebt an, dass sein jetziges Leiden sich schleichend und allmälig wäh- 
rend der letzten 10 Jahre entwickelt habe. Vor ungefähr 15 Jahren bekam 
er einen Hufschlag in die rechte Nierengegend und hat seit dieser Zeit fast 
andauernd ein Gefühl von Druck in der rechten Lende verspürt, welches 
ihn verhinderte, sich gewissen körperlichen Anstrengungen und Bewegungen, 
z. B. dem Fahren und Reiten, zu unterziehen. Zur Zeit des Schlages bestand 
I Haematurie. Gegenwärtig klagt Pat. über Athembeschwerden und ein Ge- 
fühl von Druck in der Magengegend. Dieselben bestehen bereits seit einem 
halben Jahre und haben sich Hand in Hand mit der sich allmälig stei- 
gernden Umfangszunabme des Abdomen zu der jetzigen Höhe entwickelt. 

12* 



180 Fraenktl, 

Der am 11. Juli aufgenommene Status praesens ergiebt folgendes: 
Patient ist ein sehr kräftig gebauter, grosser Mann von normaler Färbung 
der Haut und sichtbaren Schleimhäute, an welchem ausser einer gewissen 
Kurzathmigkeit nichts weiter aufifallt, als die ausserge wohnliche Auftreibang 
des Abdomens. Diese ist so beträchtlich, dass der Nabel die Stemalebene 
um ca. 4 Querfinger überragt. An der Auftreibang ist die rechte Seite 
mehr betheiligt als die linke. Nirgends besteht eine Empfindlichkeit aaf 
Druck; dagegen ist deutliche Fluctuation vorhanden. Beim Palpiren con- 
statirt man rechts, besonders an den abhängigen Partien, eine etwas stärkere 
Spannung als links und hat das Gefühl, als wenn eine prall gespannte 
Blase unter den Bauchdecken ballotirt. Auf der linken Seite des Abdo- 
mens besteht in dem bei weitem grösseren Umfange normaler Darmschall, 
welcher zwar an den abhängigsten Partien gedämpftem Platz macht; rechts 
dagegen herrscht überall Dämpfung, auch ist hier die Percussion (trotz 
mangelnder Empfindlichkeit bei der Betastung mit dem Finger!) entschieden 
schmerzhaft. Die Dämpfung reicht in der Nabelhöhe noch etwa eine Hand 
breit über Mittellinie nach links hinüber, so zwar, dass ihre Grenzlinien 
eine mit der Convexität nach links gerichtete Gurve beschreibt, weiche die 
Linea alba dicht unterhalb des Processus xiphoideus, unten dagegen etwa 
3 Zoll unterhalb des Nabels schneidet. Besondere Schalldifferenzen sind 
im Bereiche der Dämpfung nicht wahrnehmbar, abgesehen davon, dass die- 
selbe nach links etwas an Intensität abnimmt. Beim Sitzen erscheinen 
die Dämpfungsgrenzen noch etwas markirter, ohne sich zu verschieben. 
Auch Lagerung auf die linke Seite ist von wenig Einfluss, nur dass dabei 
die Dämpfung in toto eine geringere Verschiebung nach abwärts, d. h. gegen 
die Symphyse erfährt. 

Der Thorax ist sehr geräumig und bietet allenthalben normale Schall- 
verhältnisse dar. Kein Spitzenstoss fühlbar, Herzdämpfung wenig ausge- 
prägt und sich nach links bis zur Farasternallinie erstreckend. Töne rein. 
Athemgeräusch normal; nur an den abhängigsten Partien der hinteren 
Thoraxfläche spärliches kleinblasiges Rasseln. Kein Milztumor. Die 24 stün- 
dige Harnmenge beträgt (im Mittel und am heutigen und den acht nächst- 
folgenden Tagen) = 1500 Ccm. mit 1020 spec. Gew. Der Urin selbst ist 
goldgelb, klar und enthält keine Spur von Eiweiss. 

Am 12. Juli wurde behufs Sicherstellung der Diagnose die Punction 
vorgenommen und hierbei ca. 400 Gem. einer Flüssigkeit entleert, welche 
sich in ihrem äusseren Verhalten: Farbe, specifisches Gewicht in nichts vom 
wirklichen Urin unterschied. Sie war durchaus klar, liess nach dem Fil- 



üeber einen Fall von Nierencyste. 181 

triren von geformten Elementen nur einige spärliche Rondzellen erkennen, 
and zeigte weder beim Erhitzen, noch bei Salpetersaarezusatz eine Trübung. 
Desgleichen konnte Zucker nicht nachgewiesen werden. Beim Eindampfen 
auf dem Wasserbade entwickelte sich ein deutlich urinöser Geruch, so dass 
ein Zweifel darüber, dass es sich wirklich um Harn handelte, nicht auf- 
kommen konnte. Um indess einen ganz sicheren Beweis hierfür zu liefern, 
wurde die Flüssigkeit bis zur Syrupsconsistenz eingedampft, hierauf mit 
Alkohol extrahirt, das Extract von dem Rückstand abfiltrirt, abermals ein- 
geengt und nach dem Erkalten mit Salpetersäure versetzt, wobei ein dicker 
krystallinischer Niederschlag entstand. Dieser wurde in bekannter Weise 
durch Auflösen in Wasser, Eintragen von kohlensaurem Baryt in die Lö- 
sung, nochmaliges Abdampfen nach dem Filtriren und Zusatz von Salpeter- 
säare von allen anhaftenden Farbstoffen befreit, und so schliesslich eine 
nicht unbeträchtliche Menge von einem krystallinischen Pulver gewonnen, 
welche sich microscopisch und chemisch als reiner salpetersaurer Harnstoff 
erwies. 

War es somit klar gestellt, dass die Geschwulst des Pat. in der That 
von der linken Niere ausging, so erhob sich nunmehr die Frage, wel- 
ches ihre nähere Beschaffenheit und wie ihre Entstehung zu denken sei. 
Handelte es sich wirklich um eine grosse Nierencysto, deren Umfang mehr 
als kindskopfsgross angesehen werden muss oder lag eine Hydronepbrose, 
vielleicht durch Verschluss des linken Ureters bedingt, vor? Ich bemerke 
gleich hier, dass eine befriedigende Lösung dieser Frage uns nicht ge- 
langen ist. 

Schon oben wurde erwähnt, dass Nierencysten von ähnlichem Umfange, 
wie ihn der Tumor unseres Pat. darbot, zu den grössten Seltenheiten ge- 
hören. Man begegnet ihnen in der Literatur hauptsächlich nur in einer 
Form, nämlich als sogenannte angeborene Cystenniere. Charakteristi- 
sche Fälle derart sind u. a. früher von Virchow, Siebold und Heusinger 
mitgetheilt worden. Gewöhnlich finden sich dabei beide Nieren befallen. 
Dieselben können in ein derartiges Gystenconvolut umgewandelt sein, dass 
von dem eigentlichen Parenchym nur noch geringe Reste vorhanden sind 
und das Ganze bei oberflächlicher Betrachtung den Eindruck macht, welchen 
eine erophysematös degenerirte Lunge gewährt, nur dass die einzelnen durch 
dünne Bindegewebsbalken getrennten oder mit einander verschmolzenen 
Blasen von einer durchsichtigen, hamartigen Flüssigkeit erfüllt sind. 

Die Ursachen dieser eigenthümlichen Degeneration scheinen bisher nicht 
ganz klar gestellt zu sein. In einigen der von Virchow berichteten Fälle 



182 Fraenkel, 

handelte es sich um vollständige Atresie des Nierenbeckens und der Pa- 
pillen. Dabei war die eigenthümliche Thatsache za constatiren, dass mehrere 
Kinder derselben Matter die gleiche Anomalie darboten. Andere Male ist 
die Ursache in der Verschliessung der gröberen Hamwege, namentlich der 
Uretheren za suchen. In noch anderen Fällen endlich durfte eine anomale 
vorzeitige Abscheidung harnsaurer Niederschläge zur Stauung des Urins und 
damit zur cystischen Erweiterung der Harncanälchen fuhren. Virchow 
macht darauf aufmerksam, dass der congenitale Hydrops renalis nicht selten 
mit anderweitigen Bildungsfehlern complicirt ist. So fand sich in den von 
ihm untersuchten Fällen einmal Hydrocephalus, zwei Mal Hydrencephalocele, 
zwei Mal eine verschrumpfte und verbildete Harnblase, ein Mal Hufeisen- 
niere. Aehnliche begleitende Missbildungen sind von Schupmann, Heu- 
singer und Siebold verzeichnet worden. Practisch sind diese Fälle inso- 
fern von Wichtigkeit, als die Degeneration der Nieren einen solchen Umfang 
erreichen kann, dass daraus wirkliche Hindemisse für die Geburt resultiren, 
oder eine derartige räumliche Beengung der Unterleibshöhle stattfinden 
kann, dass die respiratorischen Bewegungen des Zwerchfells gehemmt sind 
und der Tod des Kindes nach der Geburt unter allen Umständen erfol- 
gen muss. 

Wesentlich anders liegen die Verhältnisse bei der Cystenniere des Er- 
wachsenen. Zwar kommen auch hier Fälle wirklicher Degeneration vor, 
bei welchen, ebenso wie in den vorher angeführten, das Nierenparenchym 
gewissermassen von einem cavernösen Cystengewebe ersetzt ist und die se- 
cernirenden Organbestandtheile auf das denkbar geringste Mass reducilrt 
sind. Aber jedenfalls nur ausnahmsweise erreichen die entarteten Organe 
dabei einen Umfang von mehr als Kindskopfgrösse. Die meisten der vor- 
handenen Cysten werden nicht viel über erbsen- bis wallnussgross und nur 
gelegentlich begegnet man solchen von Gänseei- oder Faustgrösse. Die 
Genese dieser totalen Cysten förmigen Degeneration der Niere des Erwachsenen 
ist noch weniger klar, als die der Neugeborenen. Vielleicht handelt es 
sich nur um die Weiterentwicklung einer aus der Fötalperiode herrührenden 
Anomalie. — In der bei weitem grösseren Mehrzahl der Fälle aber trifft 
man, worauf hier kaum hingewiesen zu werden braucht, gar nicht diese 
totale Entartung, sondern nur vereinzelte seröse oder mit coUoidem Inhalt 
gefüllte Blasen in der Niere des Erwachsenen. Am häufigsten kommen 
dieselben bei Nierenschrumpfung vor und sind hier jedenfalls aus der Ab- 
schnörung einzelner noch secretionsfähiger Harncanälchen durch das schrum- 
pfende Bindegewebe hervorgegangen. 



lieber einen Fall Ton Nierencyste. 183 

Sprechen nun diese Erfahrangen ohne weiteres gegen das Vorhanden- 
sein einer Nierencyste und zu Gnnsten der Annahme der Hydronephrose 
bei anserem Patienten? Wir glauben nicht, und zwar mit Rücksicht auf 
die Entstehung des Leidens. Diese ist ohne Zweifel auf das vor 15 Jahren 
erfolgte Trauma zurückzuführen , welches nicht nur unmittelbare Erschei- 
nungen hervorrief, die auf eine Lasion der linken Niere hindeuteten, son- 
dern bei dem Kranken ein dauerndes Gefühl von Druck in der betroffenen 
Seite hinterliess. Entweder muss also im Anschluss an den erwähnten Huf- 
schlag das Organ selbst, resp. die hamleitenden Wege oder das Bindegewebe 
in der Umgebung derselben in einen Zustand chronischer Entzündung ver- 
setzt worden sein. Die Folge dieser Entzündung aber kann ebenso gut 
eine Atresie des gesammten Nierenbeckens und der Papillen mit consecutiver 
cystischer Erweiterung der Harncanälchen, als Verengerung des linken 
Ureters und dadurch bedingte Hydronephrose gewesen sein. Jedenfalls muss, 
wie aus der Beschaffenheit des Inhalts der Cyste hervorgeht, die Secretion 
der linken Niere noch bis in die letzte Zeit, wenngleich vielleicht in sehr 
vermindertem Masse, fortgedauert haben. 



j 



III. 
Heber Lnngensyphilis lud syphilitische Phthisis. 

Von 

Dr. Jk, Hlller, 

Stabtarst ond PriTatdoeenL 

(Hierzu Taf. I und H.) 



Unsere Eennntnisse über die Syphilis der Eingeweide sind in den 
letzten Decennien ausserordentlich erweitert und gefordert worden. Nament- 
lich seitdem die pathologische Anatomie, an ihrer Spitze Virchow, die 
Eigenthümlichkeiten des syphilitischen Processes in den Geweben, das Cha- 
racteristische der syphilitischen Neubildung (Syphiloma, Gummi oder Gamma 
syphiliticum) und den Sitz bezw. den Ausgangspunkt derselben in den Or- 
ganen (das bindegewebige Stroma derselben) genauer kennen gelehrt hatte, 
^st die casuistische Literatur dieser Disciplin ganz ungewöhnlich angewachsen. 
Aus dieser erweiterten Kenntniss der Verbreitung der syphilitischen Processe 
in inneren Organen erklärt sich ohne Zweifel auch zum grossen Theil das 
in neuerer Zeit so auffällig hervortretende Bestreben der Aerzte, alle mög- 
lichen Krankheiten, deren Ursache man im Augenblick noch nicht kennt, 
auf Syphilis zurückzurdhren, z. B. die Tabes dorsalis, den Diabetes mellitus, 
den Morbus Brightii, die progressive Paralyse der Irren und zahlreiche andere 
Erkrankungen, insbesondere der nervösen Centralorgane. 

In jüngster Zeit hat namentlich die Syphilis der Respirationsorgane 
ein besonderes Interesse für sich in Anspruch genommen. Zwar sind die 
syphilitischen Affectionen der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes schon 
ziemlich lange bekannt; doch sind analoge Processe in der Trachea und in 
den Bronchen bis hinab in das Lungenparenchym erst innerhalb der letzten 
25 Jahre nachgewiesen worden. 

Man fand in den unteren Abschnitten der Luftwege ganz dieselben 
Ulcerationen und Gewebszerstörungen, dieselben Wucherungen des sub- 



Ueber Langensypbilis and syphilitische Phthisis. 185 

macosen und interstitiellen Bindegewebes und dieselben tiefgehenden defor- 
mirenden Narben, welche man schon lange in der Nasenhöhle, am Gaumen 
und im Rachen Syphilitischer durch unmittelbare Wahrnehmung kannte. 
Als scheinbar Neues, jedoch nur Accidentelles, kam nur hinzu, dass diese 
syphilitischen Narben in dem weit verzweigten Röhren^ystem des Respirations- 
tractus eine erst in neuerer Zeit studirte, unheilvolle Wirkung im Gefolge 
haben, nämlich zu sehr erheblichen und dauerhaften Stenosen der 
Trachea, der grösseren und selbst der kleineren Bronchien fahren 
können, welche heftige inspiratorische Dyspnoe, quälende asthmatische 
Beschwerden und selbst Erstickungsgefahr mit nicht selten tödtlichem Aus- 
gange zur Folge haben. In der That ist die Literatur der syphilitischen 
Tracheal- und Bronchialstenosen in den letzten Jahrzehnten ziemlich 
umfangreich geworden und hat auch in die meisten Lehrbücher über die 
Krankheiten der Respirationsorgane bereits Eingang gefunden. Sehr gute 
and erschöpfende Darstellungen darüber findet man in der Arbeit von 
C.Gerhardt (1867)') und in der Abhandlung von Fr. RiegeP) über die 
Krankheiten der Trachea und der „Bronchien*' in v. Ziemssren's Handbuch 
der speciellen Pathologie. 

Weit schwieriger war die Erkenntniss derjenigen Veränderungen, welche 
man in den Lungen Syphilitischer fand. Aeusserte doch selbst der com- 
petenteste Beobachter aof diesem Gebiet, R. Virchow, noch im Jahre 1859 
in seiner oft citirten, grundlegenden Arbeit „über die Natur der Con- 
stitutionen syphilitischen Affectionen*') über die Schwierigkeit der 
Diagnose sich also: „Man muss hier erwägen, dass die Lunge für die 
Erkenntniss des feineren Herganges der meisten pathologischen Processe 
fast das schwierigste Organ ist, und dass bei einem Processe, der an sich 
so streitig ist, wie die constitutionelle Syphilis, diese Schwierigkeit noch 

bedeutend gesteigert wird So wenig ich daher vor der Hand ein 

bestimmtes Kriterium weiss, woran der syphilitische Character einer solchen 
Pneumonie zu erkennen sein könnte, so unsicher bin ich in Bezug auf die 
käsigen und narbigen Zustände, von denen ich es für sehr möglich halte, 
dass ein gewisser Theil wirklich der Syphilis zugehört. Seitdem ich mich 



*) C. Gerhardt, üeber syphilitische Erkrankungen der Luftröhre. Deutsch. Arch. 
f. klin. Med. Bd. IL 1867. S. 535— 549. 

*) Fr. Riegel, Krankheiten der Trachea und Bronchien, v. Ziemssen's Hand- 
buch der speciellen Pathul. u. Therapie. Bd. IV. Abth. 2.. S. 203 u. 206. 

')R. Virchow, Ueber die Natur der constitutione!! syphilitischen Affectionen. 
Arch. f. patbol. Anat. u. Physiol. Bd. XVI. S. 217— 335.. 



186 Hiller, 

äbergeagt habe, dass das Gebiet der eigentlichen Tubercnlose in der Lunge 
sehr za beschränken ist, und dass nicht alle schiefrigen oder schwieligen 
Narben, nicht alle käsigen Knoten aus geheilten Tuberkeln hervorgehen, 
finde ich die Möglichkeit einer Lungensyphilis sehr viel naher geräckt*. 

Nicht lange nach diesen beachtenswerthen Ausfuhrungen des bis heute noch 
massgebenden pathologischen Anatomen wurden dann von einer ganzen Reihe 
theils klinischer, theils anatomischer Beobachter bestatigopde Befunde von Sy- 
philis in den Lungen mitgetheilt, so von E.Wagner, Oppolzer, Pleischl und 
Klob, Hutchinson und Jackson, Mozon, Colomiatti, Lancereaux, 
Cornil, Meschede, C. Gerhardt, Henop, Yierling, Ramdohr, Schnitz- 
ler, Beger, Sacharjin, Fawlinow und einigen anderen. Man fand mehr 
oder weniger ausgebreitete Wucherungen des interlobulären und inter- 
alveolären Bindegewebes, welche zu starker Verbreiterung des intersti- 
tiellen Grewebes, zur Verdichtung der ganzen Lunge, zum allmäligen Unter- 
gang der Alveolen, kurz zur Induration und Sclerosirung ganzer 
Lungenabschnitte fuhren. Es ist dies derselbe Frocess, welcher von vielen 
Autoren als syphilitische interstitielle Pneumonie bezeichnet wird. 
Diese Bindegewebshyperplasie nimmt fast regelmässig ihren Ausgang von 
dem peribronchialen Bindegewebe und wird daher bei der Section vor- 
zugsweise in der Umgebung der grösseren Bronchien, also in den cen- 
tralen, dem Hilus zugelegenen Partien gefunden, weshalb manche Autoren 
deshalb auch von centraler Induration sprechen. Auch in der Um- 
gebung grösserer Lungengefasse, hier wahrscheinlich von der Adventitia der- 
selben ihren Ausgangspunkt nehmend, sind solche syphilitischen Binde- 
gewebswucherungen beschrieben worden. Es ist nach den mitgetheilten 
Befunden, so weit es sich bis jetzt übersehen lässt, sehr wahrscheinlich, 
dass diese interstitiellen Wucherungsprocesse in der Mehrzahl der Fälle 
nicht primär in dem Bindegewebe entstehen, sondern sich secundär an sy- 
philitische Processe in der Wand der benachbarten Bronchien oder Gefisse 
anschliessen; denn regelmässig wird gleichzeitig das Vorhandensein einer 
fibrösen, proliferirenden Bronchitis und Peribronchitis oder einer syphili- 
tischen Arteriitis bezw. Endarteriitis beschrieben. 

Diese neugebildeten Bindegewebsmassen in der Lunge, welche also das 
eigentliche Parenchym derselben Schritt für Schritt verdrängen und oft in 
breiten, von dem Hilus radiär zur Peripherie ausstrahlenden Zügen sich 
finden^ manchmal auch isolirt einzelne Lobuli oder einen ganzen Lobus durch- 
setzen, gehen allmälig weitere Veränderungen ein. Sie fuhren,- wie wir 
das von anderen Bindegewebsneubildungen, z. B. vom Narbengewebe wissen, 



Ueber Lungensyphilis und syphililische Phtbisis. 187 

im weiteren Verlauf zu Schrumpfungen und Verdichtungen des Ge- 
webes, wodurch dasselbe ein mehr weissliches oder gelbes, derbes Aus- 
sehen bekommt and so die Beschaffenheit von Schwielen und wirk- 
lichen Narben annimmt. Die Farbe derselben ist natürlich nicht immer 
weiss oder gelb, sondern je nach dem ursprünglichen Gehalt der Lunge an 
schwarzem Pigment, das dann von dem Narbengewebe eingeschlossen wird, 
mehr schiefergrau, bläulich oder selbst schwärzlich. So liest man häufig 
in den Sectionsberichten syphilitischer Personen von alten, schiefergrauen, 
indurirten Narben oder von harten Bindegewebsschwielen, Befunde, welche 
früher häufig für die Residuen geheilter Tuberculose gehalten sind. 
Ich werde später in der Sectionstabelle einige solcher Fälle mittheilen, in 
denen diese Deutung wahrscheinlich ist. — Eine andere Wirkung dieser nar- 
bigen Schrumpfung, welche für die syphilitische J^unge characteristisch 
ist, besteht in Retractionen und Einziehungen der Lungenober- 
fläche, wodurch dieselbe ein gelapptes oder höckeriges Aussehen erhält 
(gelappte Lunge); selten kommt es zu vollständigen Schrumpfungen 
ganzer Lappen. Es sind hier also sowohl die Processe, als auch ihre 
Wirkungen in der Lunge ganz dieselben, wie wir sie an der Leber kennen; 
auch hier ist, abgesehen von der Bildung von Gummiknoten, die interstitielle 
Bindegewebshyperplasie mit nachfolgender Schrumpfung und Lappung der 
Leber (Lebercirrhose, gelappte Leber) die häufigste Form der Syphilis. 

Neben diesen interstitiellen und peri bronchialen syphilitischen Processen 
hat man in der Lunge vielfach auch circumscripte, derb elastische, binde- 
gewebige Tumoren gefunden, welche theils vereinzelt, theils in grösserer 
Anzahl von Hanf körn- bis Erbsen-, ja bis zu Gänseeigrösse (Klob, 
Henop, Pawlinow) in der Lunge vorkommen und ihrem microscopischen 
Verhalten nach den von Virchow beschriebenen Gummigeschwülsten gleich 
oder doch sehr ähnlich sind. Virchow selbst hat als einer der Ersten 
solche Gummata der Lunge beobachtet und in seinem Buche über „Die 
krankhaften Geschwülste prägnant beschrieben. Diese Gummata unter- 
scheiden sich nach ihm von den Tuberkeln der Lunge weniger durch ihre 
Grösse, da auch sehr kleine, fast miliare Gummata vorkommen können, 
als durch Farbe und Consistenz, durch die geringere Anzahl der Knoten 
und durch den häufig nur einseitigen Sitz, gewöhnlich im mittleren und 
unteren Lungenlappen, selten in der Spitze. Für eine sichere Diagnose des 
Gumma syphiliticum ist jedoch, wie Virchow hervorhebt, ausser den ge- 
nannten Kriterien stets noch die Coincidenz anderer, unzweifelhaft syphili- 



188 Hiller, 

tiseher analoger Processe und vor Allem der Nachweis einer binde- 
gewebigen Matrix des Gummiknotens erforderlich. 

Das Vorkommen solcher syphilitischen Nachbildungen in der Longe ist 
ausser von Yirchow noch von Depaul, Lebert, Lancereaux^ Pleischl 
und Klob, Fournier, Gornil, Henop und Pawlinoff beschrieben worden. 
Sie gleichen in ihrem histologischen Verhalten vollkommen den Gammi- 
geschwulsten der Leber und des Gehirns. Wie diese, ^ehen sie ursprünglich 
aus neugebildetem Granulationsgewebe hervor, d. h. aus einer sehr zellen- 
reichen, meist aus Rundzellen gebildeten, dem jungen Narbengewebe sehr 
ähnlichen Masse, welche zwar ursprunglich den syphilitischen Infiltraten in 
andern Organen, z. B. in der Cutis und den Schleimhäuten (harter Schanker, 
breite Condylome) sehr ähnlich ist, aber nicht wie diese in schwieliges 
Bindegewebe sich unowandelt, sondern allmalig abstirbt und nach dem Ein- 
tritt der Necrobiose (fettig-käsige Degeneration) eine geschwulstartig vom 
Parenchym sich abhebende gelbliche Masse von eigenthämlich zäher, trocken 
elastischer, oft sogar lederartiger Beschaffenheit bildet. Auf Durchschnitten 
erscheint daher ein Gumma macroscopisch und microscopisch sehr ver- 
schieden, je nach dem Alter der Neubildung. Frische Neubildungen haben 
ein fleischrothes oder graurothes Aussehen und zeigen microscopisch das 
zellenreiche Granulationsgewebe, welches meist in concentrischen Schichten 
um die Scheiden kleinerer Gefasse herum angeordnet ist. Ein älteres Gumma 
hat auf dem Durchschnitt ein mehr gelbliches oder gelbweisses, trocknes 
Aussehen und lässt bei roicroscopischer Betrachtung oft keine Spur von 
Zellen mehr erkennen, sondern statt dessen eine unregelmässig netzförmige 
Grundsubstanz aus starken Fasern, welche wiederum ganz characteristische 
concentrische Anordnung um die Scheiden verödeter oder zusammengefallener 
Gefässe herum zeigen; dazwischen Fett- und Eiweissmoleköle in Reihen oder 
dichten Gruppen. An der Peripherie geht dieses todte Gummagewebe ent- 
weder allmalig in zellenreiches frisches Granulationsgewebe über, das sich 
diffus nach allen Seiten weiter in das Organ hinein verbreitet, oder es wird 
direct von narbigem Bindegewebe umgeben, aus welchem das Gumma nach 
dem Schnitte sehr stark herausragt. Die Gummigeschwulst unterscheidet 
sich also dadurch von anderen syphilitischen Wucherungsprocessen, dass sich 
das neugebildete Gewebe nicht in Bindegewebe (Narbengewebe) umwandelt^ 
sondern jene todte, gummiartige Beschaffenheit annimmt. «Diese eigen- 
thümliche Umwandlung hat für die syphilitische Wucherung, zusammen mit 
der zähen, nicht brüchigen, bröckelnden Consistenz des necrobiotischen Gre- 
webes und dem scharfen Hervortreten der Gefässe in letzterem, mit mar- 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthlsis. 189 

kirter Anordnung des Gewebes am diese, etwas sehr characteristisches, so 
dass wir ans diesem Gesammtbilde die syphilitische Ursache der Verände- 
rang mit allergrösster Wahrscheinlichkeit schliessen dürfen" (Perls). 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch circumscripte Bindegewebs- 
Wucherungen um kleinere Bronchen herum, namentlich wenn letztere gleich- 
zeitig durch fibröse Bronchitis verdickt und in ihrem Lumen verengt sind, 
roacroscopisch das Bild von Tumoren und gummaahnlichen Knoten hervor- 
bringen können. Es spricht dafür die Beschreibung mancher Autoren, 
welche von , knotigen Verdichtungen des Parenchyms'' (A. Vogt 
und Pawlinoff) oder „knotiger Infiltration'' (E. Wagner) und 
von «knotiger Bronchopneumonie'' (Beger, Huber) sprechen. Auch 
sind auf den Durchschnitten solcher Knoten häufig Bronchiallumina an- 
getroffen, was für diese Genese zu sprechen scheint. 

Ob ganz diffuse syphilitische Infiltrationen einzelner Lungenlappen, 
ähnlich der Pneumonie, vorkommen, wie manche Autoren behaupten, 
scheint mir vor der Hand noch zweifelhaft. Jedenfalls dürfte die in den 
casuistischen Hittheilungen vielfach in diesem Sinne angeführte „syphi- 
litische Pneumonie (Grandidier, Sacharjin, Schnitzler, Pan- 
kritius, Kopp u. A.) bei dem Mangel einer genaueren anatomischen Be- 
schreibung in den ^meisten Fällen zu beanstanden sein. 

Dagegen scheint eine andere Form der Pneumonie der Syphilis eigen- 
thümlich zu sein, wenn sie auch wohl nicht als specifisch „syphilitische 
Pneumonie" zu bezeichnen ist, sondern nur als eine durch die Syphilis mo- 
dificirte Form der catarrhalischen Pneumonie. Dieselbe kommt in 
zwei Arten vor, nämlich als sogenannte weisse Hepatisation und als 
gelatinöse Infiltration. 

Die erste ist mehrfach bei neugeborenen Kindern gefunden und als 
ein Symptom der congenitalen Syphilis beschrieben worden. Auch bei Er- 
wachsenen kommt sie vor. Sie besteht in einer diffusen, über mehrere 
Lobuli und selbst ganze Lappen sich erstreckenden zelligen Infiltration 
der Alveolarsepta und der Alveolarräuroe, wodurch dieser Lungenabschnitt 
luftleer und anämisch wird und ein derbes, weissliches Aussehen bekommt, 
letzteres infolge Gompression der Capillaren und kleineren Gefasse durch 
das Infiltrat. Die zellige Infiltration des Gewebes ist unzweifelhaft syphi- 
litischer Natur, während die die Alveolen ausfüllenden Massen denjenigen 
bei der Catarrhal- Pneumonie gleichen, d. h. fast ganz aus gewucherten 
AWeolarepithelien bestehen, welche sehr leicht einer fettigen Metamor- 
phose verfallen. Diese Affection wurde zuerst von Virchow und Weber 



190 Hilier, 

beschrieben and spater von Heck er als die Folge von intrauterin erworbener 
Syphilis nachgewiesen. 

Die zweite Form verhält sich augenscheinlich sehr ähnlich. Aach sie 
stellt eine eigenthümliche Form der catarrhalischen Pneamouie dar, welche 
in einem bereits durch interstitielle Bindegewebswucherung verdichteten und 
gleichzeitig ödematös durchtränkten Gewebe ihren Sitz hat. Der ganze 
Lungenlappen erscheint hierbei sehr derb und schwer, vollkommen luftleer, 
eigenthämlich blass oder grauröthlich und auf dem Durchschnitt von glän- 
zender, fast homogener, eigenthämlich sulziger und gelatinöser Beschaffenheit. 
Auf der Schnittfläche lässt sich aus dem sulzigen Gewebe eine zähe, 
coUoide und zellenreiche Flüssigkeit ausdrucken. Diese eigenthfimliche 
Pneumonie hat bereits Laennec als »gelatinöse Infiltration* be- 
schrieben und als eine Folge von Tuberculose aufgefasst. In der Literatur 
der Lungensyphilis habe ich mehrere Fälle gefunden, in welchen ganz ähn- 
liche Veränderungen in den Lungen beschrieben worden sind. Ich selbst 
habe einen sehr prägnanten Fall dieser Art beobachtet, welcher weiter 
unter beschrieben werden wird. Wahrscheinlich gehören auch mehrere von 
denjenigen Fällen hierher, welche von den einzelnen Autoren als «catarrha- 
lische Pneumonie", ^lobuläre Bronchopneumonie^, »Schluckpneumonie* oder 
»Fremdkörperpneumonie*" (Beger, Ramdohr) bezeichnet worden sind. 

Wie diese eigenthümliche sulzige Infiltration zu Stande kommt, kann 
man sich so erklären, dass die zellige Infiltration der Alveolen und der Al- 
veolarsepta, sowie die Verbreiterung des interalveolären Bindegewebes eine 
Compression der Capillaren und kleineren Lungengefässe zur Folge hat, 
was ja bei länger bestehenden Infiltraten gewöhnlich der Fall ist. Das 
ganze Gewebe wird dadurch blass und anämisch, während gleichzeitig in 
Folge der Blutstauung in den Gefässen Serum aus denselben austritt and 
den ganzen infiltrirten Lungenabschnitt allroälig durchtränkt. Es kommt 
dadurch die eigenthämlich saftige, sulzige Consistenz zu Stande, welche 
für diese Afiection characteristisch ist. Das specifisch Syphilitische bei 
dieser Form von Pneumonie besteht also nur in der interstitiellen Wuche- 
rung und der zelligen Infiltration des ganzen Gewebes, wie wir sie auch 
bei anderen syphilitischen Processen der Lunge antreffen. Ob die gleich- 
zeitige Anfällung der Alveolen bis zur vollkommenen Atelectase noch als 
specifisch syphilitisch aufgefasst werden muss oder einer selbständigen, nur 
in einer syphilitischen Lunge etablirten catarrhalischen Pneumonie zugehört, 
lässt sich vor der Hand nicht entscheiden. Auch die ödematöse Durch- 
tränkung und die dadurch bedingte gelatinöse Beschaffenheit kann nicht als 



tJeber Langensyphilis and syphilitische Phthisis. 191 

etwas specifisch Syphilitisches hierbei betrachtet werden; denn dieselbe 
kommt aach bei der einfachen catarrhalischen Pneumonie vor und führt 
hier namentlich in dem Stadium, wo das Gewebe noch hyperämisch ist, zu 
jener bekannten, milzahnlichen Beschaffenheit, welche man Splenisation 
nennt. Auch die Anämisirung der infiltrirten Lunge kommt bei länger be- 
stehenden catarrhalischen Infiltraten vor. „Es scheint, als ob durch das 
weitere Wachsen der serösen Ergiessung dem Blute der Zugang zu dem 
splenisirten Herde je länger, je mehr erschwert werde, ein Verhältniss, wie 
es bei allen pneumonischen Infiltrationen vorkommt; das Infiltrat, welches 
nicht ausweichen kann, weil es sich in einem abgeschlossenen und nicht 
in infinitum dehnbaren Raum befindet, verdrängt das Blut, welches aus- 
weichen, d. h. andere Bahnen, als gerade die durch den Infiltrationsherd 
führenden, einschlagen kann. Letzterer schwillt noch etwas mehr an, währ 

rend er zugleich blasser wird Die grosse Blässe und die eigen- 

thümlich sulzige Beschaffenheit dieser Herde contrastirt sehr auffallig mit 
dem oft sehr lebhaften Roth der Umgebung, welches noch durch die col- 
laterale Fluxion gehoben wird" (Rindfleisch). 

Welche weiteren Veränderungen die infiltrirte Lunge bei der „gelati- 
Dösea Pneumonie*' erleidet, lässt sich mit Sicherheit noch nicht angeben. 
In den meisten Fällen tritt diese Pneumonie erst gegen das Ende des 
Lebens auf und pflegt dann bei den cachectischen Individuen sehr bald tödt- 
liehen Ausgang herbeizuführen. So war es auch in unserem Falle. Von 
einigen anderen Beobachtern dagegen wird manchmal der Befund von „Ga- 
vernen*' oder richtiger abnormen Hohlräumen inmitten der pneumo- 
nischen Herde angegeben, was auf eine Tendenz der „gelatinösen Pneu- 
monie* zum Gewebszerfall und zur Ulceration schliessen lässt. In diesem 
Sinne spricht sich namentlich Mac Lane-Tiffany aus (vergl. unten die 
Tabelle). In den von Beger, Ramdohr u. A. mitgetheilten Fällen scheint 
es sich um gangränöse Höhlen in Folge von Schluckpneumonie zu han- 
deln;, es war hier z. B. ein in die Trachea perforirendes Oesophaguscarci- 
nom oder ein in den Oesophagus perforirendes Ulcus syphiliticum der 
Trachea die Ursache der Schluckpneumonie und wahrscheinlich auch die 
Ursache der Gangrän. 

Einer anderen Gattung von „Cavernen*' sei hier ebenfalls gedacht, 
welche in syphilitischen Lungen ziemlich häufig vorkommt. Es sind dies 
die aus Bronchiectasien hervorgegangenen Hohlräume. Es ist ja be- 
kannt, dass überall da in dem Trachealsystero, wo eine dauerhafte Stenose 
sich ausbildet, sei es durch Compression von aussen durch Geschwülste 



19^2 Hiller, 

oder durch chronische Verdickungen der Wandung oder durch Narbencon- 
striction, welche letzteren beiden Processe ja bekanntlich gerade bei der 
Syphilis so überaus häufig die Ursache der Bronchostenose sind, sich ober- 
halb der Einschnürung Erweiterungen ausbilden, welche entweder eine 
grössere Strecke des Bronchus einnehmen und dann mehr cylindrisch sind, 
oder nur einen kleinen Abschnitt desselben betreffen und dann sackförmig 
erscheinen. An den kleinsten Bronchen kommt es in syphilitischen Lungen 
ausserdem auch zu einer Erweiterung unterhalb der stenosirten Bronchial- 
äste, augenscheinlich dadurch, dass nicht nur der Eintritt von Laft in 
die terminalen Aeste bezw. in die Alveolen, sondern gleichzeitig auch die 
Entleerung der letzteren bei der Exspiration erschwert ist, wodurch der 
Luftdruck innerhalb der kleinsten Bronchien bei der Ausathmung über 
die Norm erhöht wird. Welche Ausdehnung derartige Erweiterungen an 
grösseren Bronchien erreichen können, ist ja aus der Pathologie hinlänglich 
bekannt; sie kommen in der Grösse von kleinen Erben bis zu Wallnuss- 
und selbst Mannsfaustgrösse vor, haben vollkommen glatte, mit etwas Secret 
bedeckte Wände und sind von allen glattwandigen phthisischen Cavernen 
oft nur schwer zu unterscheiden. Ich führe dies, obwohl diese Verhält- 
nisse ja bereits hinlänglich bekannt sind, hier nur deshalb an, weil bron- 
chiectatische, und zwar sowohl cylindrische als sackartige, Erweiterungen 
gerade in syphilitischen Langen besonders häufig angetroffen werden und 
hier von ungeübten Beobachtern, wie es scheint, nicht selten für ulceröse 
phthisische Cavernen gehalten worden sind. Man hat daraus wei- 
terhin die meines Erachtens ganz irrthümliche Meinung abge- 
leitet hat, dass die Syphilis in der Lunge zu ganz ähnlichen 
Zerstörungen des Parenchyms führen könne, wie die Tuberculose, 
mithin — dass es auch eine syphilitische Lungenschwindsucht 
(Phthisis syphilitica) gebe. 

In der That ist diese Ansicht, namentlich innerhalb der letzten De- 
cennien, von einer .-ganzen Reihe von Aerzten geltend gemacht und mit 
entsprechenden Krankengeschichten, zum Theil jedoch von sehr zweifelhaftem 
Werthe, belegt worden. Man stützte sich hierbei hauptsächlich auf gewisse 
klinische Symptome der Lungensyphilis, welche wohl eine entfernte 
Aehnlichkeit mit denjenigen bei der Lungenschwindsucht zeigen können, 
also Z./B. die Cachexie, welche Personen mit inveterirter Syphilis und 
vollends mit amyloider Degeneration innerer Organe in gleichem Masse 
darbieten können, wie Phthisiker, also die fahle Blässe der \Haut, die 
fortschreitende Abmagerung, den Kräftemangel und die Hinfallig|Leit, viel- 



lieber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 193 

leicht auch Fieber, dazu Athembesch werden, Kurzathmigkeit, Hasten und 
selbst blutiger Auswurf. Diese Synaptome haben naturlich für die „Tuber- 
culosen' an und für sich noch nichts charakteristisches, selbst nicht die 
letztgenannten, sondern es sind mehr allgemeine Symptome eines schwe- 
ren chronischen inneren Leidens, wie sie bei sehr verschiedenartigen chro- 
nischen Krankheiten (z. B. dem Carcinom) vorkommen. Auf das Hin- 
siechen allein kommt es bei der Diagnose nicht an, sondern stets auf 
solche Symptome, welche auf ein bestimmtes Organleiden hinweisen. Spe- 
ciell die Phthisis anlangend, so können doch bekanntlich sehr verschieden- 
artige Krankheiten der Brustorgane die oben angegebenen Athembeschwerden 
(Kurzathmigkeit, Husten und bisweilen Auswurf) machen, z. B. ein einfacher 
chronischer Bronchialcatarrh, das Lungenemphysem mit und ohne Catarrh 
und endlich Circulationsstörungen im kleinen Kreislauf in Folge von Herz- 
fehlern. Es ist ferner ganz klar, dass alle diese Zustände auch einmal bei 
ganz heruntergekommenen, cachectischen Leuten vorkommen können. Um 
hier aber eine „Phthisis pulmonum" anzunehmen, dazu gehört offenbar mehr, 
namentlich die physicalische Untersuchung der Brustorgane, der Nachweis 
von localisirten Herden, besonders in den Oberlappen, continuirliches oder 
remittirendes Fieber und die genaue Untersuchung des Auswurfs (eiterige 
geballte Sputa, Nachweis von elastischen Fasern in denselben). 

Wenn man mit Beziehung hierauf nun die seit 2 Dccennien immer mehr 
anwachsende Literatur der „syphilitischen Phthisis" durchmustert, so muss 
man geradezu staunen über die Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit, mit 
welcher hier die Diagnose einer anscheinend neuen und so bedeutungsvollen 
Krankheit gestellt worden ist. In der Regel genügt den Autoren der Nach- 
weis syphilitischer Symptome an einem Individuum oder auch nur der 
Nachweis, dass das Individuum früher einmal syphilitisch gewesen ist, 
und das gleichzeitige Vorhandensein von Krankheitserscheinungen seitens 
der Brustorgane, namentlich Dyspnoe, Husten und Auswurf, mit oder ohne 
Zeichen von Abmagerung, um die Annahme einer „syphilitischen Lungen- 
schwindsucht** für bewiesen zu halten. Manche Autoren halten überhaupt 
gar nicht einmal den Nachweis einer wirklich constitutionellen und gleich- 
zeitig visceralen Syphilis für noth wendig, sondern begnügen sich einfach 
mit der Angabe, dass der Patient vor etwa 15 — 20 Jahren an einem, viel- 
leicht weichen, Schanker oder selbst nur Tripper gelitten hat (Pankritius 
Q. A.). Viele von den Autoren haben sich auch gar nicht die Mühe ge- 
nommen, die Brustorgane physicalisch zu untersuchen und die Ergebnisse 
der Percussion und Auscultation in Betracht zu ziehen; und vollends von 

C1ia(U«-Aniia]en. IX. Jahrg. jq 



194 Hiller. 

einer genauen Beschreibung des Auswurfs, geschweige denn von einer mi- 
croscopischen Untersuchung desselben ist nur bei Wenigen die Rede. 

Man könnte über alle diese Lücken in den klinischen Mittheilungen 
Ja hinwegsehen, wenn in den genannten Fällen wenigstens durch die 
Section die Diagnose der Syphilis und der „syphilitischen Phthisis pul- 
monuna" sicher gestellt worden wäre. Die Autopsie liefert ja stets die 
exacteste Diagnose einer Erkrankung, hinter welcher die klinische Unter- 
suchung immer zurückbleiben wird. Eine Durchsicht der ganzen Literatur 
der Lungensyphilis auf diesen Punkt hin ergiebt aber die höchst merkwürdige 
Thatsache, dass gerade in den zur Section gekommenen Fällen von 
Lungensyphilis fast ausnahmslos andere Veränderungen gefun- 
den wurden, als bei der Phthisis pulmonum, und mithin die 
Autoren hier einfach von einer „Lungensyphilis* reden; wäh- 
rend andererseits fast in sämmtlichen als „Phthisis syphylitica" 
beschriebenen Fällen es gar nicht zur Section kam, sondern 
durch die eingeschlagene antisyphilitsche Medication Heilung 
oder Besserung erzielt wurde. 

Man könnte diese ganze Frage vorläufig noch als eine offene und rein 
wissenschaftliche Hypothese betrachten, so lange bis durch eine genugende 
Anzahl von Sectionsergebnissen bei syphilitischen Phthisikern die Frage end- 
giltig entschieden ist. Allein die ganze Angelegenheit hat meines Erachtens 
noch eine viel dringlichere practische Seite. Es liegt auf der Hand, dass, 
wenn die Thatsache einer syphilitischen Lungenschwindsucht oder einer der 
Lungenschwindsucht ähnlichen syphilitischen Erkrankung der Lunge, anato- 
misch und klinisch festgestellt ist, für den Arzt daraus die Nothwendigkeit 
erwächst, bei jedem seiner Phthisiker sorgfältig auf das Vorhandensein 
von syphilitischen Symptomen oder auf vorangegangene Lues zu forschen 
und nöthigenfalls eine antisyphilitische Cur in Anwendung zu ziehen. Ja, 
es würde sogar, je mehr diese Erfahrung zur Kenntniss der verschiedenen 
Bevölkerungsschichten gelangt, jeder Brustkranke schliesslich, der früher 
einmal an Syphilis gelitten hat oder, wie so oft, daran gelitten zu haben 
glaubt, mit dieser Diagnose selbst zum Arzte kommen und verlangen, anti- 
syphilitisch behandelt zu werden. 

Dies ist aber an und für sich gar keine gleichgiltige Sache, zumal bei 
zweifelhafter Syphilis, da jede antisyphilitische Medication erfahrungsge- 
mäss mehr oder weniger eingreifend ist. Es gilt dies namentlich von der 
Anwendung des Quecksilbers, sei es in Form der Schmiercur oder der 
subcutanen Injectionen, welches stets eine gewisse Widerstandsfähigkeit und 



Üeber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 195 

guten Ernährungszustand des Patienten voraussetzt , aber von herunter- 
gekommenen schwächlichen Individuen bekanntlich sehr schlecht vertragen 
wird. Ich habe am ersten Sitzungstage des diesjährigen zw^eiten Con- 
grosses für innere Medicin am 18. April 1883 *) zu Wiesbaden in der Dis- 
cussioQ über «Tuberculoso'' Mittheilung gemacht über eine grössere Anzahl 
von therapeutischen (antiparasitischen) Heilversuchen bei Phthisikern. Es 
befanden sich darunter ausgedehnte Versuche mit der Sublimat behand- 
lang bei 44 Kranken der zweiten medicinischen Klinik, welchen das 
Mittel theils subcutan, gerade wie bei der Syphilis, theils in Form von 
Inhalationen, theils auch in Form von directen parenchymatösen Injectionen 
in die erkrankte Lunge hinein beigebracht worden war. Ich hatte beson- 
ders hervorgehoben, dass das Sublimat von den Phthisikern im Allgemeinen 
sehr schlecht vertragen wird. Bei den 44 Kranken konnte nur etwa 
in der Hälfte der Fälle die Cur bis zu Ende (40 Injectionen) durchgeführt 
werden; ia der anderen Hälfte musste die Cur schon nach 3 bis zu 20 In- 
jectionen unterbrochen werden, weil das Sublimat allerlei üble Nebenerschei- 
nungen erzeugte oder den Kräfteverfall beförderte. Neben Stomatitis und 
Speichelfiuss waren es besonders Störungen der Verdauung: als Appetit- 
losigkeit, schlechter Geschmack, Diarrhöen, ferner Muskelzittern, allgemeine 
Abgeschlagen heit und Schlaflosigkeit, Symptome, welche eben so oft zum 
Aussetzen der Cur zwangen. Ja in einigermassen vorgeschrittenen 
Fällen von Phthisis, namentlich bei solchen Patienten, welche 
andauernd zu Bett lagen und fieberten, wirkte das Sublimat 
geradezu deletär; es beförderte hier den Verfall der Kräfte und 
trug, wie ich in mehreren Fällen mich überzeugte, nicht un- 
wesentlich dazu bei, den tödtlichen Ausgang der Krankheit zu 
beschleunigen. 

Die Autoren, welche über geheilte Fälle von „syphilitischer Phthisis** 
berichten, haben auch zum grössten Theil mildere Mittel in Anwendung ge- 
zogen, namentlich Jodkalium und gewisse schwefelhaltige alkalische Wässer 
(Weilbacher und Neundorfer Brunnen). Es scheint mir jedoch sehr zweifel- 
haft, ob man durch derartige Mittel allein immer im Stande sein wird, eine 
alte inveterirte Lues, welche überdies durch phthisische Zerstörungen der 
Lungen das Leben der Patienten in unmittelbare Gefahr setzt, wirklich zu 
heilen. Die uralten und wohl hinlänglich feststehenden Erfahrungen der 



') Verhandlungen des Congr. f. innere Medic. Bd. II. Wiesbaden 1883. Ablh. 1. 
S. 57 u. 62. 

13* 



196 Hiller. 

Syphitistherapie sprechen dagegen. Man würde also doch in diesem oder 
jenena Falle von «syphilitischer Phthise" ohne Zweifel immer wieder zum 
Quecksilber greifen müssen. Ja ich bin sogar geneigt, aus dem Umstände, 
dass in den mitgetheilten Fällen schon durch eine Brannencar in Nenndorf 
oder durch längeren Gebrauch von Jodkaliam Heilung erzielt wurde, den 
Schluss zu ziehen , dass es sich in diesen Fällen überhaupt gar nicht um 
nPhthisis pulmonum'' und vielleicht auch nicht einmal um Lungensyphilis 
gehandelt hat. Welche Wirkung aber die mitgetheilten »Heilungen von 
Lungenschwindsucht'' auf das Publikum gehabt haben, beweist am besten 
der Umstand, dass z. B. Grandidier in Nenndorf im Jahre 1875 bereits 
über 30, innerhalb weniger Jahre erfolgreich behandelte Fälle der Art, 
und im Jahre 1881 F. W. T. Pankritius (Berlin) in einem 295 Seiten 
starken Buche sogar schon über 108 grösstentheils geheilte Fälle 
berichten konnte, — eine Thatsachc, die keines Commentars bedarf. Wohin 
soll es führen, wenn ein Arzt auf blosse Vermuthungen oder unerwiesene 
Combinationen hin „syphilitische Phthisis'' diagnosticirt und nun wunder- 
bare, früher nie gekannte Heilerfolge erzielt! 

Eine ganz andere Frage ist die, ob nicht bei syphilitischen Personen 
auch echte tuberculöse Phthisis pulmonum vorkommen könne. Es 
liegt bis jetzt nicht der mindeste Grund vor, dieses Vorkommen zu be- 
zweifeln. Ja, wohl jeder beschäftigte Arzt wird solche Fälle in seiner 
Praxis erlebt haben, dass Personen, z. B. in hereditär belasteten tubercu- 
Jösen Familien, welche früher einmal syphilitisch gewesen sind und vielleicht 
noch gegenwärtig Symptome constitutioneller Syphilis haben, gleichzeitig an 
echter Lungen tuberculöse erkranken. Wir werden in der nachfolgenden Sections- 
tabelle eine ganze Reihe solcher Fälle von gleichzeitiger Syphilis und Phthisis 
verzeichnet finden. Auch Virchow*) sagt in dieser Beziehung sehr treffend : 
^Die blosse Coincidenz mit anderen syphilitischen Producteu kann hier nicht 
entscheiden; denn warum sollte nicht ein Syphilitischer Langen- 
tuberculöse und käsige Pneumonie bekommen? und warum sollte 
nicht ein Phthisiker syphilitisch werden?"* Ich halte es also für sehr 
wohl möglich, dass ein Syphilitischer, der vielleicht gegenwärtig noch an 
Lues behandelt wird, gleichzeitig Symptome von Phthisis pulmonum dar- 
bietet, ohne dass nun daraus geschlossen werden darf, dass diese Phthisis 
die Folge der Lues wäre. Es ergiebt sich daraus zugleich, dass die Frage 
der ^syphilitischen Phthisis" durch die blosse klinische Beobachtung über- 



^) R. Virchow, Die krankhaften Geschwülste. Bd. 2. S. 465. 



lieber Langensyphilis und syphilitische Phthisis. 197 

haupt sehr schwer zu entscheiden sein wird, dass hier vielmehr erst der ana- 
tomische Nachweis derselben ausschlaggebend sein kann. 

Von den Anhängern der Lehre von der „Phthisis syphilitica*' wird 
in der Regel geltend gemacht, dass schon die älteren Aerzte im Mittelalter 
mehrfach dieser Krankheit in ihren Schriften Erwähnung thuen. Pankri- 
tius^) namentlich führt eine ganze Schaar von alten Schriftstellern für 
diese Lehre ins Feld, z. B. Paracelsus, Peter Pinctor (1499), Schenk 
von Grafenberg (1594), Caesalpinus (1601), H. Boerhave (1715), 
Astruc (1740), Daniel Turner (1754), Schaarschraidt (1750), Mor- 
gagni (1766), Rosen- von Rosenstein (1793), und aus dem Anfang 
dieses Jahrhunderts Portal, J. P. Frank, Bonorden, Joseph Frank, 
G. A. Richter, L. W. Sachs u. A. Alle haben gelegentlich einmal von 
einer „Phthisis pulmonum in Folge von Syphilis** oder ganz offen 
von einer „Phthisis a lue venerea** oder einer „Phthisis pulmo- 
num syphilitica* gesprochen. Mit dieser Au&ählung älterer Autoren ist 
natürlich, wie leicht ersichtlich, für die Entscheidung der vorliegenden Frage 
gar nichts gewonnen; denn der Umstand, dass jene Autoren bereits die in 
Rede stehende Krankheitsbezeichnung gebraucht und auch möglicher Weise 
schon dieselbe Auffassung von dem genetischen Zusammenhange zwischen 
Syphilis und Phthisis gehabt haben, beweist doch noch nicht, dass sie von 
dieser Krankheit bereits irgend welche genauere Kenntniss hatten oder 
dass die „syphilitische Phthisis ** bereits zu jener Zeit wirklich nachgewiesen 
war. Es erscheint dies um so unwahrscheinlicher, als jede genauere Be- 
schreibung dieser Krankheit aus jener Zeit fehlt, und als überhaupt 
bis in den Anfang dieses Jahrhunderts hinein die Anschauungen über das 
Wesen der Lungenschwindsucht noch sehr unklare und verworrene waren. 

Es war daher kein Wunder, dass der verdienstvolle Reformator der 
Lehre von der Lungenschwindsucht Laennec (1781 — 1826), und mit ihm 
Baillie und Andral, welche die unter dem Bilde der Lungenschwindsucht 
verlaufenden, früher für anatomisch und ursächlich verschieden gehaltenen 
destmctiven (phthisischen) Krankheitsprocesse der Lunge auf eine ein- 
heitliche Ursache, die Lungentuberculose, zurückführten, auch die 
alte Anschauung von der syphilitischen Ursache der Phthisis vollständig 
verwarfen. Unter dem Einflnss der in der Folgezeit herrschenden patholo- 
gischen Anatomie, insbesondere Rokitansky's und Virchow's, welche 



') F. W. T. Pankritius, lieber Lungensyphilis. Erfahrungen aus der Praxis. 
Berlin 1881. S. 8. 



198 Hiller, 

das Vorkommen syphilitischer Processe in der Lunge überhaapt theils nodi 
bezweifelten, theils bis etwa zum Jahre 1860 für sehr selten and jedenfalls 
schwer anatomisch nachweisbar hielten, hat dann anch die Literatur über 
die «Phthisis syphilitica^ Decennien hindurch vollständig geschwiegen. Erst 
in der neuesten Zeit, als durch die pathologisch-anatomische Forschung das 
Vorkommen von visceraler Syphilis auch in der Lunge immer mehr zur 
Gewissheit und zu grösserer Klarheit gebracht wurde, traten auch die ca^ 
suistischen Mittheilungen über die syphilitische Phthise anfanglich etwas 
schüchtern und spärlich, jedoch allmälig immer zahlreicher auf. 

Ich habe die gesammte einschlägige Literatur, soweit mir dieselbe zu- 
gänglich war, auf Fälle dieser Art durchforscht und glaube, dass mir nicht 
viele derselben entgangen sind. Ich muss über eine Reihe derselben zur 
Erläuterung des Gesagten hier kurz referiren. 

Der erste Autor, welchen ich in der Literatur gefunden habe, äussert 
sich noch sehr vorsichtig über obige Frage, nämlich W. Taussig^): »Sy- 
philis universalis sub forma phthiseos"" (1847). Ein 25jähriger 
Mann, welcher ^oft an Tripper und Schanker gelitten hatte**, erkrankte 
mit Brustschmerzen, trockenem Husten und Abmagerung. Die Percussion 
und Auscultation ergab keine Anomalie. Gebrauch von Jodkaliom 
0,25 pr. d., mehrere Monate; Heilung. (Sehr illustrativ für das oben Gesagte!) 

In den nächstfolgenden 20 Jahren noch schweigt die Literatur über 
«Phthisis syphilitica«. Erst im Jahre 1867 theilte H. Gintrac*) einen 
zweiten Fall dieser Art mit. Ein 43jähriger Blechschmidt, welcher vor 
15 Jahren syphilitisch inficirt wurde und seitdem mehrfach Recidive von 
Syphilis (Psoriasis, Defluvium capillorum, Geschwüre im Kehlkopf, breite 
Condylome, Dolores osteocopi) gehabt hatte, erkrankte mit Brustschmerzen, 
zeitweisem Fieber und Husten, welcher anfangs trocken, später mit reich- 
lichem eitrigen Auswurf verbunden war. Massige Abmagerung, niemals 
Haemoptoe. Die Percussion ergab an dem sonst normal gebildeten Thorax 
L. V. über der Brustwarze eine kleine circumscripte Dämpfung; da- 
selbst hörte man ^cavernöses Blasen*" (amphorisches Athmen?), Schleim- 
rasseln und Pectoriloquie. Beide Lungenspitzen vollkommen intact. — 
Pat. erhielt Jodkalium in allmälig steigender Dosis, von 0,25 — 2,0 Gr., und 
wurde nach 2 Monaten geheilt. Keine Dämpfung mehr; man hörte nur 



^) Oesterreiohische med. Wochenschr. 1847. No. .32. 

^) H. Gintrac, Observations de phthisie sypbilitiqae. Joam. de m^d. de Bor- 
deaux 1867. No. 4. 



(Jeber Lungensypiülis und syphilitische Phthisis. 1 99 

L. V. in der Mitte ein „Blasen*" (Stenosengeräosch?). Der Verfasser be« 
zeichnet diesen Fall als „syphilitische Phthise", stellt aber selbst bei 
der Untersachung die Diagnose: „Gumma syphiliticam pulmonis si- 
nistri**, welche Diagnose offenbar objectiv richtiger ist. 

Im Jahre 1868 theilte sodann Dufoar^) gleichfalls einen durch Queck* 
silberbehandlung geheilten Fall von „syphilitischer Lungeutuberculose*" 
mit. Die Krankheitsgeschichte ist in der Ueberschrift enthalten. 

F. Jordan^) spricht sich in einer wesentlich theoretischen, aber an- 
geblich auf eigene Beobachtungen gestützten Arbeit gleichfalls für den ur- 
sächlichen Zusammenhang zwischen Syphilis und Phthisis aus, welchen er 
für „erwiesen"" hält. Die Beobachtungen an syphilitischen Familien Hessen 
darüber keinen Zweifel. Die Kinder syphilitischer Eltern werden nach ihm 
stets phthisisch (?); auch bei Erwachsenen folgt häufig der Syphilis die 
Phthisis nach. Ja, er geht sogar noch weiter und nimmt mit Jenner einen 
syphilitischen Ursprung der Tuberculose, der Scrophulose, der Caries und 
der Rhachitis an. 

Vecchi^) theilt mit, dass er einmal bei einem Constitutionen Syphili- 
tischen am Thorax eine circumscripte ellipsoide Dämpfung herauspercutiren 
konnte, welche nach dem Gebrauch von Jodkalium nach einiger Zeit ver- 
schwand; jedoch erwähnt er hierbei nichts von phthisischen Symptomen. 

Unendlich viel reichhaltiger ist die Literatur des letzten Decenniums, 
etwa vom Jahre 1870, ganz besonders aber vom Jahre 1875 an. 1870 er- 
zählt Lindseth^) folgenden Fall: Ein 21 jähriger Mann, weicher seit drei 
Jahren an „Lungenschwindsucht** litt und sehr heruntergekommen war, 
zeigte bei der Untersuchung eine ausgebreitete Dämpfung V. R. in 
der Infraclavicularregton und die Erscheinungen der Bronchitis, da^ 
neben unzweifelhafte Symptome von Syphilis^ nämlich Defecte des weichen 
Gaumens, Perforation des harten Gaumens, Ulceration der Epiglottis und 
Geschwüre im Kehlkopf. Pai soll in der Kindheit durch die syphilitische 
Pflegerin angesteckt worden sein. Die Behandlung mit Mercur und Jod- 



^} Dafour, Laryngite syphilitiqne, signes de tubercules pulmoniqaes; souffle ca- 
yernenx, trachöotomie, traitement mercarial, ga^rison. Union m^dicale. 1868. No. 62. 

') Furneaux Jordan, Syphilis and Struma. — Is phthisis a syphiiitic disease? 
Med. Times and Gazette. 1868. No. 1. p. 23. 

') Qiornaie italiano d. malatti vener. e dolla pelle. 1869. 

*) Lindseth, Phthisis syphilitica laryngis et pulmonum. Nordisk Magaz. for Lä- 
geyidensk. XXIV. p. 89— 91. 



200 Hiller, 

kalium beseitigte nach and nach sowohl die Dämpfung, als auch die Em- 
pfindlichkeit des Kehlkopfs und den Husten. 

In einer bemerkenswerthen Epicrise zu diesem als »Phthisis syphilitica 
laryngis et pulmonum" bezeichneten Fall bestreitet A. Oewre*) mit zu- 
treffenden Gründen die Richtigkeit dieser Diagnose, ja sogar die syphiliti- 
sche Natur der Lungenaffection, da die Coincidenz mit anderen syphilitischen 
Symptomen und die blosse Conclusio ex juvantibus hierfür nicht aus- 
reichend sei. 

Sehr bemerkenswerth ist der von MacSwiney') im Jahre 1870 mit- 
getheilte Fall von ^»syphilitischer Phthisis**. Ein kraftiger Mann aus 
gesunder Familie inficirte sich und seine Ehefrau syphilitisch, erkrankte an 
Haut- und Schleimhautaifectionen, denen bald Knochenschmerzen nachfolgten. 
Nach mehreren Jahren relativen Wohlbefindens bekam er eine Ozaena und 
Otitis specifica, welche hochgradige Knochenzerstörungen anrichteten. Er 
magerte ab und wurde anämisch. Bald danach stellten sich Brustschmerzen 
und ein quälender trockener Husten ein; niemals erfolgte Haemoptoe. 
Nach seiner Aufnahme ins Krankenhaus constatirte Verfasser auf der linken 
Brustseite ein Infiltrat mit Höhlensymptomen. Ausserdem wurde 
amyloide Degeneration der Nieren und syphilitische Erkrankung der Le- 
ber angenommen. Die Diagnose wurde auf „ulceröse Lungensyphilis*^ 
gestellt. Bei dem Gebrauch von Quecksilber trat anfänglich Besserung ein, 
dann jedoch wieder Verschlimmerung und tödtlicher Ausgang nach 6 Wochen. 
Die Section konnte leider nicht gemacht werden. 

Aus demselben Jahre stammen noch zwei französische Arbeiten über 
„Phthisis syphilitica* von Lacaze*) und Landrieux*), welche ich jedoch 
originaliter nicht habe auffinden können. Dasselbe gilt von der Mittheilung 
von James Prosser (1872)'). 

Sehr bezeichnend für die Täuschung des Beobachters in Bezug auf die 
Diagnose von Lungenphthisis bei der Syphilis ist der Fall von Lance- 
reaux'). Eine Frau, die von syphilitischen Eltern abstammte und seit ihrer 



^) A. Oewre, Bemaerken i Anledning of Dr. Lindseihs Meddelelse. Ibidem. 
No. 7. p. 359—65. 

^) Mac Swiney, A case of syphilitic phthisis. Dabl. Journ. Bd. LX. S. 456. 
(Centralbl. f. d. med. Wissensch. 1877. S. 318.) 

^) Essai sur la pbtbisie sypbil. 1870. 

*) De Pneumopathie syphilitique. 1870. 

^)J. Prosser, Sypbilis of the tbroat. Med. Press, and Circular. 1872. 10. Jan. 
und 28. Febr. 

*) Lancereaux, Tiaite pratique et historique de la Sypbilis. 1873. 



Ueber Langensyphilis and syphilitische Phthisis. 201 

frähesten Kindheit Symptome 70a Laes gezeigt hatte, erkrankte in ihrem 
40. Lebensjahre an Haemoptoe, welche anter den gewöhnlichen Er- 
scheinungen der Phthisis nach einigen Monaten zum Tode fährte. 
Bei der Section fand man an der Iris und an der Tibia „characteristische 
Veränderungen, wie sie der Syphilis eigenthümlich sind"". Die linke Lunge 
war ziemlich normal, die rechte im mittleren und unteren Lappen verdichtet 
und von breiten fibrösen Strängen durchzogen. In dem verdichteten Ge- 
webe fanden sich einzelne harte scharf umschriebene Knoten von ver- 
schiedener Grösse (Gummata), ebenso einzelne glattwandige 
Höhlen, welche jedoch nach Verf. von den Cavernen, die man 
bei Tuberculose findet, völlig verschieden (!) waren. Lancereaux 
schliesst daraus merkwürdiger Weise auf eine spät zum Ausbruch gekommene 
»hereditär syphilitische Phthise«. Wie die Section ergiebt, handelt 
es sich hier um einen typischen Fall von Lungensyphilis (fibröse 
Verdichtung, Gummata, Bronchiectasien). 

Viel weiter noch als alle bisher aufgeführten Autoren, welche wesent- 
lich eine klinische Aehnlichkeit des Krankheitsbildes der Lungensyphilis mit 
der Phthisis pulmonum annehmen, geht Aufrecht^), welcher im Jahre 1874 
sogar «zwei Fälle von syphilitischer Miliartuberculose" beschreibt. 
In dem ersten dieser Fälle handelt es sich um eine 21jährige Aufwärterin, 
welche ohne voraufgegangene Erscheinungen von Lues mit Oedemen der 
Fasse, einem maculösen Exanthem der Haut, flachen Condylomen an den 
Labien, Fieber und Albuminurie erkrankte. An Lunge und Herz war nichts 
abnormes zu constatiren. Es traten Ascites und nach 3 Monaten urämi- 
sche Anfälle hinzu. Nach 6 Monaten erfolgte der Tod. Bei der Section 
fand sich „das ganze Peritoneum parietale et viscerale mit einer Unzahl 
weisslich aussehender, stecknadelknopf- bis hirsekorngrosser Knötchen be- 
setzt, welche sich microscopisch als Tuberkeln auswiesen^. — Im anderen 
Falle war ein 27 jähriges Mädchen, das vor 2 Jahren syphilitisch inficirt 
wurde und ein Recidiv mit Knochenaffection gehabt hatte, unter ähnlichen 
Erscheinungen, nämlich mit Oedem der Füsse und Ascites erkrankt; der 
Harn war eiweissfrei. Bei der Aufnahme bestanden Ulcera im Pharynx 
and Heiserkeit. Später gesellte sich Catarrh in beiden Lungen mit reich- 
lichen Rasselgeräuschen und schleimig-eitrigem Auswurf hinzu. Unter Zu- 



*) Aufrecht, Zwei Fälle von syphilitischer Miliar tuberculose. Deutsche Zeitschr. 
f. pract. Medicin. 1874. No. 26. S. 223. Von diesen Fällen, in welchen wahrschein- 
lich eine Combination der Syphilis und der Miliartuberculose vorliegt, wird später noch 
die Rede sein. 



202 Hiller, 

nähme der Athemnoth erfolgte nach einiger Zeit der Tod. Bei der Seo- 
tion fanden sich Geschwöre im Rachen and an den Stimmbändern, »zahl- 
reiche derbe, blassgelbe Knoten (Garn m ata) in der Leber. Auf nnd in 
dem serösen Ueberzuge der ganzen unteren Hälfte, sowie der Vorder- und 
Hinterfläche der Leber sass eine grosse Zahl theils rein grauer, theils weiss- 
lich grauer Knötchen unter Stecknadelknopfgrösse"* (Tuberkeln). 

Ausführlich und zugleich monographisch verbreitet sich über die «sy- 
phitische Lungenschwindsucht'' Fournier^) in einem akademischen 
Vortrage, in welchem er die fragliche Krankheit als erwiesen annimmt und 
ihre Symptome schildert. Derselbe theilte einige Jahre später noch einen 
eclatanten FalP) dieser Art mit, in welchem eine tief cachectische Frau 
mit phagedänischer Zerstörung der Zehen und anderen syphilitischen Sym- 
ptomen mit den ausgesprochenen Zeichen der gewöhnlichen Lungenschwind- 
sucht (Husten, eitriger Auswurf, Dämpfung V.R. und Höhlensymptome) er- 
krankte und durch eine antisyphilitische Cur angeblich geheilt wurde. 
Leider sind auch hier nur die allgemeinen Symptome der Lungenschwindsucht 
berücksichtigt worden; es fehlt jede genauere Angabe über solche Symptome, 
welche auf einen destructiven Frocess in den Lungen, ohne welchen doch eine 
»Phthisis pulmonum*' schlechterdings nicht anzunehmen ist, schliessen lassen 
(Cavernensputum, Nachweis von elastischen Fasern im Auswurf u. dergL) 

Eine sehr gute Arbeit über Lungensyphilis veröffentlichte £. Rollet^) 
im Jahre 1875. Rollet erkennt die Thatsache des Vorkommens von Sy- 
philis in der Lunge vollkommen an und giebt zugleich eine anatomische 
Uebersicht über die Erkrankungsformen der Lunge. Er unterscheidet aber 
ganz bestimmt die durch Syphilis hervorgerufenen Krankheitssymptome von 
den durch die Lungenschwindsucht bedingten. Charakteristisch sind nach 
ihm für Syphilis der Lunge namentlich der vollkommen fieberlose Ver- 
lauf, die Dyspnoe, die sich häufig bis zur Orthopnoe steigert, Druckgefühl 
auf der Brust, quälender trockener Husten, zuweilen mit Blutspeien; erst 
in den späteren Stadien soll das Sputum dem bei der Fhthisis ähnlich 
werden. Bei der objectiven Untersuchung findet man nach ihm Dämpfung 
am Thorax, am häufigsten in den mittleren Regionen. Das stete Frei- 



^) Foarnier, De la pbtbisie syphilitique. Le^ons recneilles et redig^es par le Dr. 
Sohwartz. Gaz. hebdom. de mäd. et chir. 1875. No. 48, 40, 51. 

^) Foarnier, Phagödönisme tertiaire da pied. Phthisie syphilitique Simu- 
lant la phthisie commane. Traitement sp6cifique. Qa^rision. Ball, de Tacad. 
de med. 1871. No. 47. 

^) Rollet, Ueber LuDgensyphilis. Wien. med. Presse. 1875. No. 47. 



Ueber Langensyphilis und syphilitische Phthisis. 203 

bleiben der Lungenspitzen ist nach ihm von grosser differentiell- 
diagnostischer Wichtigkeit. Die Auscultation soll, wieder angiebt? 
fast dieselben akustischen Zeichen geben, wie die Phthisis. Die Diagnose 
wird nach ihm gesichert durch die Anamnese (frühere syphilitische Infec- 
tion), durch die Gegenwart bestimmter syphilitischer Erscheinungen, durch 
das Fehlen des Habitus phthisicus und der erblichen Disposition, und end- 
lich durch den Erfolg der antisyphilitischen Behandlung. 

Fast mit derselben Bestimmtheit, mit welcher Rollet die Verschie- 
denheit der Symptome von Phthisis und Syphilis der Lunge hervorhebt, 
lehrt Grandidier^) (1875) in seiner schon oben angedeuteten Arbeit die 
Identität derselben. Derselbe berichtet summarisch aber 30 in Bad Nenn- 
dorf behandelte Kranke, bei welchen eine syphilitische Erkrankung der 
Lungen »wahrscheinlich"* war. Dieselbe manifestirte sich theils als «syphi- 
litische Pneumonie oder Gumma syphiliticum'', theils als «syphi- 
litische Lungenphthise'' (!). Sämmtliche Patienten waren fräher sy- 
philitisch inficirt gewesen. Bei den meisten fanden sich Syphiliden der 
Haut, der Schleimhaute, Exostosen der Knochen, in einzelnen Fällen Gum- 
mata der Zunge, sowie Symptome visceraler Syphilis der Leber und der 
Gohims. Häufig war nur einfache Anschwellung der Leber und der Milz 
vorbanden. Die Symptome der Erkrankung der Bespirationsorgane be- 
standen in Kurzathmigkeit , asthmatischen Beschwerden, Schmerzen in der 
Brost bei tiefer Inspiration und bei der Percussion. Daneben war meist 
trockener Husten vorhanden, nur zuweilen verbunden mit reichlichem, auch 
wohl mit Blut untermischtem Auswurf. Fieber fehlte bei Allen. — Die 
physicalische Untersuchung der Brustorgane ergab bei den Kranken der 
ersteren Gategorie nur die Symptome der Lungeninduration (chronische 
Pneumonie, gummöse Infiltration), bei den Patienten der zweiten Gruppe 
dagegen neben den Zeichen der Infiltration reichliche Rasselgeräu- 
sche mit Höhlensymptomen, aus welchen Verf. auf einen „Erweichungs- 
nnd Zerfallsprocess mit Gavernenbildung*' schloss. In 27 Fällen war der 
rechte mittlere Lungenlappen, in 2 Fällen die rechte Lungenspitze und nur 
in einem Falle die linke Lunge der Sitz der Affection. — Sämmtliche 
Kranken wurden in Nenndorf mit den dortigen Schwefel wässern in Form 
von Trink-, Bade- und Inhalationscuren behandelt; daneben wurde Jod- 
kaliam und in einzelnen Fällen auch Quecksilber (Schmiercur) verordnet. 



')6randidi6r, Ueber Lungensyphilis und ihre Heilbarkeit durch die Schwefel- 
bäder ?on Nenndorf. Berl. klin. Wochenschr. 1875. No. 15, 



204 Ililler. 

Der Verlauf war in allen Fällen ein günstiger und führte in der Mehrzahl 
derselben zur Heilung. 

Es ist nur zu bedauern, dass der Verfasser in keinem dieser Fälle 
Gelegenheit hatte, die Section zu machen, um die Richtigkeit seiner Dia- 
gnose zu erhärten und auch Anderen die Möglichkeit zu gewähren, über die 
Richtigkeit derselben sich ein Urtheil zu bilden. Es ist sehr schwer, aus 
dieser rein klinischen, noch dazu summarischen Mittheilang ein Urtheil zu 
gewinnen, ob es sich in dem einzelnen Falle vielleicht um reine phthisische 
Erscheinungen, unabhängig von der Syphilis, oder auch nur um einen ein- 
fachen Catarrh, oder wirklich um syphilitische Erkrankungen der Lunge ge- 
handelt hat. Ich wenigstens muss bekennen, dass diese Mittheilungen für 
mich noch nicht überzeugend sind, einen mit allen bisherigen Ergebnissen 
der pathologischen Anatomie im Widerspruch stehenden „syphilitischen Er- 
weichungs- oder Zerfallsprocess mit Gavernenbildung*" (!) anzunehmen. 

Weit vorsichtiger als der vorgenannte Autor äussert sich Rühle<) über 
die Frage der „syphilitischen Phthisis*, und zwar in seiner Abhandlung über 
die „Lungenschwindsucht'' in dem grossen Sammelwerke von v. Ziemssen 
über die specielle Pathologie und Therapie. Er giebt zu, dass Kehlkopf- and 
Lungensyphilis zuweilen unter dem Bilde der Phthise verlaufen können, 
unterscheidet dieselbe jedoch von der eigentlichen tuberculösen Phthisis 
pulmonum. Die Diagnose kann nach Rühle manchmal erschwert werden 
durch Spitzeninfiltrate, welche syphilitischer Natur sind, und auch wohl 
durch hectisches Fieber; jedoch ergiebt gewöhnlich die laryngoscopischc 
Untersuchung bestimmtere Anhaltspunkte für die Diagnose. Auch ihm ge- 
lang es in einem Falle, eine 35jährige Frau mit syphilitischen Rachen- und 
Kehlkopfsaffectionen, welche gleichzeitig Symptome von Lungeninfiltration, 
hectisches Fieber und starke Abmagerung zeigte, durch eine Quecksilbercur 
zu heilen. 

Thiry^) theilte im Jahre 1876 einen neuen Fall mit. Es handelte 
sich um einen Mann, welcher früher syphilitisch inficirt gewesen war und 
gegenwärtig die Symptome allgemeiner Abmagerung, fahle Blässe der Haut, 
multiple Drüsenschwellung, Liehen ruber, Orchitis chronica und Plaques 
muqueuses darbot. Dazu gesellten sich trockener Husten und Athem- 



V. Ziemssen's Handbach der spec. Path. u. Ther. Bd. 5. II. p. 68. 

^) Thiry, Syphilig constitutionelle remontante a dix ans. — Chloroanemie. — 
Orcbite syphil. double. — Engorgement dare et cbroniqae a la partie superieure du 
poumon droit. — Diagnostic difförentiei de la tuberculose et de la sypbilis. — La Presse 
m6d. Beige. 1876. No. 51. 



Ueber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 205 

beschwerden, letztere besonders nach Anstrengungen. Die Percussion 
ergab nichts abnormes. Bei der Auscultation hörte man nur R. 0. 
weniger deutliches Vesiculärathmen, sonst nichts abweichendes. Der klinische 
Verlauf soll nach Verf. eine gewisse „Aehnlichkeit mit Tuberculosen dar- 
geboten haben. Durch Anwendung von Quecksilber in Pillen wurde Besse- 
rung erzielt. Uebrigens macht auch Thiry einen Unterschied zwischen Sy- 
philis und Tuberculose der Lunge. 

F. Robinson') unterscheidet drei Formen der Lungensyphilis, 
nämlich: 1) die gummöse Form, bei welcher Gummiknoten circumscript in 
der Lunge auftreten, 2) eine mehr diffuse, im Verlaufe der chronischen 
Pneumonie ähnliche Affection, welche von der Basis aus nach oben hin 
fortschreitet, und endlich 3) eine auf die Lungenspitzen beschränkte 
Erkrankung. Bei der 2. Form ist nach Verf. das Fieber sehr gering, 
das Allgemeinleiden wenig intensiv; Dyspnoe tritt nur bei Anstrengung ein, 
Sputa fehlen. Die 3. Form dagegen hat die grösste Aehnlichkeit mit der 
chronischen Tuberculose, weicht jedoch in manchen Punkten von derselben 
ab. Namentlich ist die (Constitution der Kranken eine andere, die Brust 
gut entwickelt und der Ernährungszustand meist ein befriedigender. Das 
Fieber ist gering; Husten, Diarrhoe und Nach tsch weisse fehlen. Die Spitzen- 
dämpfung ist wenig ausgesprochen. Häufiger werden beide Spitzen und 
zwar gleichzeitig befallen. Dabei fühlen sich die Kranken wohl, verrathen 
aber durch ihre Blässe das Vorhandensein einer Kachexie. Ueber die Häu- 
figkeit der Haemoptoe unter diesen Umständen fehlen dem Verf. die Er- 
fahrungen. Uebrigens soll es bei dieser Form der Lungensyphilis nur selten 
zu schweren phthisischen Allgemeinleiden kommen. Die Prognose ist meist 
eine günstige. 

Shepherd^) fuhrt in einer Arbeit über Lungenschwindsucht nur kurz 
an, dass gewisse Fälle von galoppirender Phthisis auf Syphilis zurückzu- 
fuhren sind. 

Dagegen will Goodhart') von einer syphililitischen Phthisis im Ge- 
gensatz zu S. nichts wissen, giebt jedoch zu, dass die Lues pathologische 
Processe in den Bronchien und Lungen (Bronchitis und Pneumonie) modi- 
ficiren könne. Namentlich erkennt er die interstitiellen Bindegewebswuche- 



*) F. Robinson, Notes on syphilitic phthisis. The Lancet. 1877. I. No. 18. 

^) Shepherd, Further remarks on the natural history of pulmonary consumption. 
British med. Journ. 1877. 1. Sept. 

*) J. F. Qoodhart, Note on fibroid ohanges in the lang and their relation to 
Syphilis. Brit. med. Journ. 1877. 15. Sept. 



20ß Hiller, 

rangen und die fibrösen Entartungen der Bronchialschleimhaat als specifisch 
syphilitisch an, und bringt dieselben in Parallele mit den gummösen Neu- 
bildungen in der Lunge. 

Im Jahre 1878 berichtet R. Thompson*) fiber 12 Falle von „syphi- 
litischer Phthisis"*. Es handelte sich um 2 Manner und 10 Weiber, sammt- 
lieh zwischen 22 und 46 Jahren, bei welchen vor Jahren syphilitische la- 
fection stattgefunden hatte. Nur in 4 Fällen war heredit&re Disposition 
für Fhthisis nachweisbar. Die klinischen Symptome waren bei allen ziem- 
lich gleichartig: es bestand allgemeine Kachexie, Abmagerung, oliven- oder 
bronzeartige Färbung der Haut, Dyspnoe, Husten mit oder ohne Auswurf, 
je nach der Anwesenheit einer complicirenden Bronchitis, und meist auch 
Haemoptoe, bald spärlicher, bald reichlicher. In 11 Fällen waren beide 
Lungenspitzen, nar in einem Falle die rechte allein der Sitz der 
Affection. Das Athmungsgeräusch war in allen Fällen ein bron- 
chiales, rauhes und trockenes, ähnlich dem Knistern des Pa- 
piers. Niemals fand sich feuchtes Rasseln, so dass Verfasser 
das Fehlen von Schmelzungserscheinungen (!) als characteristisch 
für Langensyphilis ansieht, und die zuweilen vorkommende Ca- 
vernenbildung nur als secundären Process auffasst. (Wie oben 
angeführt, giebt Grandidier als characteristisch für die „syphilitische 
Phthisis'', im Gegensatz hierzu, das vorzugsweise Befallensein der rechten 
Lunge und zwar des rechten Mittellappens — in 27 von 30 Fällen — , 
femer gerade das Vorhandensein von Schmelzungserscheinungen, nämlich 
reichlichen, mit Blut vermischten Auswurf, feuchte Rasselgeräusche 
und Höhlensymptome an.) Durch eine antisyphilitische Behandlang 
wurden auch hier gute Erfolge erzielt. 

Poterin du Mörtel*) beobachtete folgenden Fall von „syphili- 
tischer Tuberculosen^. Ein 35jähr. Mann, welcher an constitutioneller 
Syphilis litt und mehrmach Recidive davon gehabt hatte, erkrankte an 
Nasenaffectionen und Bronchitis. Dazu gesellten sich Dyspnoe, häufige 
starke Hustenanfälle, Beschleunigung des Pulses, reichlicher eiteriger Aus- 
wurf, nächtliche Schweisse und Abmagerung. Die physikalische Unter- 
suchung ergab feuchte, grossblasige Rasselgeräusche, besonders über beiden 
Lungenspitzen. Nach einer Gonsultation mit Bouillaud wurde die Dia- 



*) Thompson, Reginald, On sypbilitio phthisis. The Lancet. 1878. 13. April. 
^) Poterin du Mörtel, Sur la tubercnlose syphilitiqae. Lettre adressie k Rio- 
cord. L'Union m^dic. 1878. No. 143. 



Ueber Lungensypbilis and syphilitische PhthisiM. 207 

güose auf „vereiternde Gumraata in den Lungen* (!) gestellt. Die 
Therapie bestand in der Darreichung von Eselmilch und Jodkalium. Es 
erfolgte vollständige Heilung. — Was den Verfasser hier berechtigte, „sy- 
philitische Tuberculose der Lungen" und »vereiternde Gumraata'' anzuneh- 
men, ist aus der Mittheilung gar nicht ersichtlich. 

Ganz ähnlich ist der von Eoränyi*) mitgetheilte Fall. Ein 40jähr., 
kräftig gebauter Mann, welcher vor 4 Jahren antiseptisch behandelt worden 
war, erkrankte mit Heiserkeit, Geschwüren und Catarrh im Kehlkopf. 
Andere syphilitische Erscheinungen fehlten. Die Symptome bestanden in 
starkem Husten mit Auswurf, Fieber, Diarrhoe und Schweissen. Die phy- 
sicalische Untersuchung ergab über der rechten Lungenspitze Däm- 
pfung, rauhes Athemgeräusch und kleinblasigo Rasselgeräusche. 
Nach dem Gebrauch von Jodkaliam trat auffallend rasche Besserung ein, 
und nach 2 bis 3 Wochen waren die Dämpfung und die Rasselgeräusche 
verschwunden. 

Ich halte die angeführten Argumente nicht für stringent genug, um hier 
eine constitutionelle Syphilis, geschweige denn eine ^syphilitische Phthisis*" 
anzunehmen; denn das einzige angeführte Symptom, welches für Lues 
sprechen könnte, nämlich die Heiserkeit und die Geschwüre im Larynx, 
kommt bekanntlich auch bei der gewöhnlichen Phthisis pulmonum vor. 
üebrigens dürften tuberculose Ulcerationen im Kehlkopf bei der laryngo- 
scopischen Betrachtung von syphilitischen Geschwüren nicht immer mit 
voller Sicherheit zu unterscheiden sein. 

Ganz ähnlich scheint es sich in dem Falle von Gougenheim.^) zu ver- 
halten. Es handelt sich um einen 45jähr. Mann, welcher noch vor einem 
Jahre an syphilitischen, serpigtnösen Geschwüren behandelt worden war 
und , unter den Erscheinungen rechtsseitiger Lungenphthise*" erkrankte. Der 
Mann starb. Bei der Section fand man in der rechten Lunge tuberculose 
Infiltration, in der linken Lunge Cavernen verschiedener Grösse (nach Verf. 
aus der Schmelzung von Gummata hervorgegangen !), Bronchiectasien, sowie 
peribronchitische und interstitielle Frocesse, ausserdem beiderseits ein pleu- 
ritisches Exsudat. Andere, präcise Symptome von Syphilis sind nicht an- 
gegeben. Der Fall ist sehr zweifelhaft. — 

Eine klare und ziemlich erschöpfende Uebersicht der bisherigen Er- 



^} Kordoyi, Phthisis syphilitica. Pester medic. und ohirug. Presse. (Sitzungen 
d. k. Ges. d. Aerzte in Budapest am 24. Mai 1879.) Wien. med. Presse. 1879. No. 25. 
^) Gougenheim, Phthisie syphilitique. Gazette des höpitaux. 1879. No. 96. 



208 Hiller. 

fahrungen über die Lungensyphilis gab J. Schnitzler*) 1880, in welcher 
die Geschichte, die pathologisch-anatomischen Ergebnisse, die Symptome, 
die Diagnose und die Therapie dieser Krankheit erörtert werden. 

Diese Arbeit hat namentlich dadurch einen besonderen Werth, dass in 
Form einer kritischen Beleuchtung die früheren Anschauungen etwas geklärt 
werden und die klinische Diagnose der Lungensyphilis durch Zuhilfe- 
nahme der laryngoscopischen Untersuchung zu viel grösserer Wahrschein- 
lichkeit gelangt, als in den meisten früheren Fällen. 

Sechs eigene, ausfuhrlich mitgetfieilte Krankheitsfälle von Syphilis dos 
Larynx, der Trachea und der Lungen, zum Theil mit der Phthisis ähnlichen 
Symptomen, dienen zur Illustration seiner Ausführungen. Bezüglich der 
Frage der »syphilitischen Phthisis** äussert er sich vorsichtig. Er giebt zwar 
zu, dass eine gewisse äusserliche Aehnlichkeit des Krankheitsbildes zwischen 
Phthisis und Syphilis der Lunge bestehen könne, unterscheidet jedoch beide 
Processe ganz bestimmt und giebt eine Reihe differentiell diagnostischer 
Kriterien an (S. 48 und 49), an welchen die syphilitische Natur des Lun- 
genleidens zum Unterschiede von der Tuberculose erkannt werden kann. 
Vor Allem ist nach ihm der Verlauf der Lungensyphilis weit langsamer 
und der Gesammtorganismus wird in weniger auffälliger Weise in Mitleid 
gezogen, als bei der Phthisis. Die Körperconstitution kann dabei vollkommen 
kräftig sein; hereditäre Anlage und Habitus phthisicus fehlen meist. Der 
Sitz der Affection ist meist der mittlere und untere Lappen. Fieber kann 
vollkommen fehlen, ist nie bedeutend. Die Sputa bieten nichts charac- 
teristisches, sind aber im Allgemeinen spärlicher, als bei der Phthisis. Hae- 
moptoe kann vorkommen. Der Husten ist häuGg trocken und steht nicht 
immer im geraden Verhältniss zur Schwere der Erkrankung. Die Dyspnoe 
pflegt bei Lungensyphilis grösser zu sein und ist oft abhängig von der Aus- 
dehnung der physicalisch nachweisbaren Lungenaffection. Endlich findet man 
in den meisten Fällen laryngoscopisch specifisch syphilitische Veränderungen 
im Pharynx und Larynx. Bezüglich der von den früheren Autoren in der Regel 
als massgebend für die Diagnose nPhthisis"" angegebenen Symptome (Husten, 
Brustschmerzen, Athembeschwerden und Fieber) giebt auch Schnitzler an, 
dass sie ebenso beim Bronchialcatarrh, bei der C/atarrhalischen und croupösen 



^) J. Scbnitzler, Die Lungensyphilis und ihr Verhältniss zur Lun(i;enschwind- 
sucht. Wien 1880. 60 SS. Ursprünglich erschienen in der Wien. med. Presse 1879. 
No. 11, U, 15, 19, 21, 27, 32, 34, 35. 38, 41. 



Ueber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 209 

Pneumonie vorkommen, mithin nichts characteristisches fiir die Lungen- 
syphilis haben. 

Bemerkenswerth ist noch, dass er die durch die physikalische Unter-r 
SQChung nachweisbare syphilitische Infiltration der Lungen, wie auch andere 
Autoren vor ihm und nach ihm (Sacharjin, Moxon, Golomiatti, Fankri- 
tias, Kopp), als „syphilitische Pneumonie" bezeichnet, ein Ausdruck^ 
der vielleicht anfechtbar ist, weil man durch die Untersuchung niemals er- 
mitteln kann, ob es sich um ein Gumma, resp. chronische Induration oder 
um wirklich pneumonische Infiltration handelt. Ich würde daher für alle 
derartigen Fälle einfach die Bezeichnung „syphilitische Infiltration" 
vorziehen. 

Einiges Aufsehen erregte in ärztlichen Kreisen der von Langerhans ^) 
mitgetheilte Fall, hauptsächlich deswegen, weil L. Traube den Fall.theil- 
weise mitbeobachtet hatte und über die Diagnose längere Zeit in Zweifel 
war. Ein 17 jähr, junger Mann, bei dem eine voraufgegangene syphilitische 
Infection nicht nachweisbar war (Fat. hatte nur vor einiger Zeit eine links- 
seitige Leistendrüsenanschwellung gehabt), erkrankte an Lungenspitzenr 
catarrh, welcher übrigens schon seit mehreren Jahren bestand, mit zeitweid 
leicht blutig gefärbtem Auswurf. Nach einem längeren Aufenthalt im süd* 
liehen Klima und alsdann folgender antisyphilitischer Behandlung (subcutane 
Sablimatinjectionen) trat Besserung ein. Fat. blieb während der nächsten 
2—3 Jahre, während welcher er übrigens wiederum klimatische Kurorte 
besuchte, anscheinend gesund. Diesen hinsichtlich der Diagnose doch wohl 
sehr zweifelhaften Fall glaubt Langerhans als «Fhthisis syphilitica** 
auffassen zu müssen. 

Viel sicherer in Bezug auf die syphilitischen Symptome ist der Fall 
von Lutz'). Ein 34 jähr. Mann, welcher seit 10 Jahren an Syphilis litt, 
aber niemals eine regelrechte Cur gebraucht hatte, erkrankte mit Heiser- 
keit, Husten, spärlichem Auswurf und Abmagerung, wozu sich Parese der 
Unterextremitäton, besonders der linken Seite, und später ein Exanthem 
am Kopf and an den Händen hinzngesellten. Die Untersuchung des Thorax 
ergab Dämpfting V. L. 0. , daselbst Bronchialathmen und Rasselgeräusche. 
Nach Gebrauch von Jodkalium trat nach 6 Wochen Besserung ein; die 
Dämpiung verschwand fast gänzlich, Husten, Heiserkeit und Auswurf nahmen 



>) Virchow's Archiv. Bd. 75. S. 184. 

') Latz, Lungen- und Räokenmarkssyphiliä. Bairisohes ärztl. Inteliigenzblatt. 
1881. No. 50. 



210 Hillor, 

ab. Einen Monat später von neuem Verschlimmerung, Jodkaliaro, Sublimat* 
inbalalionen, Einreibungen mit grauer Salbe. Während der Cur trat Hae- 
moptoe auf; 2 Monate später hustete Patient „rothe fleischähnliche 
Massen aus, die wie Granulationsgewebe, nur dichter und härter 
aussähe n**. Nach im Ganzen 12 Monaten verschwanden die Dämpfung, 
das Bronchialathmen und die Rasselgeräusche. 

Ganz ähnlich war der Verlauf in dem von v. Oube*) (1881) mitge- 
theilten Falle. Derselbe betraf einen Mann von 34 Jahren, welcher früher 
syphilitisch inflcirt gewesen war und seit 2 Jahren an einer chronischen 
Lungenaffection litt (Abmagerung, Brustschmerzen, Husten und Auswurf). 
Die Symptome sollen denjenigen der chronischen Lungenschwindsucht ausser- 
ordentlich ähnlich gewesen sein. Die Untersuchung ergab circumscripte In- 
filtration im mittleren und unteren Lappen der rechten Lunge, bei voll* 
kommenem Frei bleiben der Lungenspitzen. Laryngoscopisch fanden sich 
Ulcerationen und papillöse Wucherungen im Kehlkopf. Auch in diesem 
Falle wurden von dem Fat. consistente fleischähnliche Gewebsfetzen ausge- 
hustet, welche v. Cube auf Grund der microscopischen Untersuchung für 
Theile einer gummösen Neubildung ansieht. Durch wiederholte Schmiercur 
wurde Heilung erzielt. 

Die umfangreichste Mittheilung über die Lungensyphilis bildet, wie 
schon erwähnt, das von F. W. T. Pankritius*) im Jahre 1881 ver- 
öffentlichte Buch, in welchem derselbe mit ebenso grosser Bestimmtheit wie 
Ausführlichkeit (ur die Existenz einer „Phthisis syphilitica*' eintritt. 
Aehnlich wie Grandidier unterscheidet er klinisch zwischen der sog. 
„syphilitischen Pneumonie'' und der ^syphilitischen Phthisis'', 
welche letztere jedoch aus der ersteren hervorzugehen pflegt. Die syphili- 
tische Pneumonie tritt nach ihm zuerst in dem Bindegewebe der Lunge 
auf, ist also ursprünglich ein rein interstitieller Process, welcher 
aber „im Fortschreiten des pathologischen Processes zur parenchymatö- 
sen Pneumonie wird, ähnlich wie bei parenchymatöser Hepatitis, Nephritis, 
Lienitis, Orchitis. Es werden die specifischen Gewebselemente in den Kreis 
der Erkrankung gezogen, es bilden sich Exsudationen in das Parencbym 
hinein; das Gewebe wird succulenter, und je nachdem die lymphatischen 
und drüsigen (!) Elemente prävaliren, bilden sich die verschiedenartigsten 



^) V. Gabe, Ein Beitrag zur Lungensyphilis. Virchow's Arch. Bd. 82. S. 516. 
2) F. W. T. Pankritius, Ueber Lungensyphilis. Erfahrungen aus der Praxis. 
Berlin 1881. Aug. Hirschwald. 



lieber Langensyphilis and syphilitische Phthisis. 211 

und zum Theil sich widersprechendsten morphologischen Gestaltungen der 
syphilitischen Pneumonie mit dem passiven destructiven Charakter 
aas, um dem ganzen Organe den Stempel des Verfalls aufzudrücken'' (sie!). 
„In diesem letzteren passiven Stadium der syphilitischen Pneumonie tritt 
das Gemeinsame hervor, dass die Formelemente umgewandelt oder gänzlich 
zerstört werden, und so finden wir auch in den Lungen die den binde- 
gewebigen Formationen gleichartigen Processe (!), und zwar 

1) Fettige Entartung, vorzüglich des neugebildeten (embryonalen) 
Gewebes, 

2) Verkasung, 

3) Schiefrige (Pigment-) Induration, musculäre (!) speckige 
Cirrhosis, 

4) Glasige Verquellung, amyloide Degeneration, 

5) Allgemeiner Detritus, 

6) Syphilitische Phthisis.** 

»Im späteren Stadium dieser parenchymatösen Pneumonie tritt nicht 
selten eine fibrinöse und putride Peribronchitis (!) hinzu.* 

^Diese verschiedenartigen Ausgänge dieses chronischen entzündlichen 
Processes kommen nicht selten in einer und derselben Lunge zu gleicher 
Zeit vor, wozu sich zuweilen auch hämorrhagische Knoten und Er* 
weichungen und die specifisch syphilitischen Geschwülste und Neu- 
bildungen, wie Gummata und die weisse syphilitische. Pneumonie 
gesellen. ** 

Ich habe diesen ganzen Abschnitt aus dem Buche von Pankritius 
(p. 30) wörtlich citirt, weil ich, wie ich bekennen muss, ausser Stande bin, 
diese gelehrten pathologischen Deductionen zu verstehen; ich habe aber 
andererseits dem Leser doch die Möglichkeit nicht vorenthalten wollen, sich 
selber ein Verständniss dieses wirren Durcheinander von Processen zu ver- 
schaffen und gleichzeitig des Genusses dieser pathologischen Stilblüthen 
ZQ erfreuen. 

Was im Besonderen die n syphilitische Phthisis"" anbelangt, so hält es 
Fanckritius (p. 1) für erwiesen, dass es „Lungenphthisen giebt, die allein 
darch Syphilis bedingt sind*", und zwar, wie er p. 13 angiebt, „in über- 
reichem Masse*". Ja er behauptet (p. 16) geradezu, dass „das männ- 
liche Geschlecht und bei diesem die blühende Jugend und das 
erste Mannesalter durch Lungensyphilis — in Form von Phthisis 
syphilitica — decimirt werden". (!) Der nachfolgende grössere Theil 
seines Buches giebt donn auch den besten Beweis hierfür durch die Auf- 

14* 



212 Hiller, 

Zählung von 106 Krankengeschichten, in welchen es Pankritius jedoch 
gelungen ist, bei weitem die Mehrzahl der Patienten vor diesem Schicksal 
zu bewahren and zu heilen. 

Geht man nun an die Lecture der einzelnen Krankengeschichten, so 
muss man wirklich staunen, mit welcher Willkärlichkeit und Leichtigkeit, 
ja auf wie unsichere Symptome hin Pankritius bei seinen Patienten con- 
stitutionelle Syphilis diagnosticirt, selbst dann, wenn bestimmte syphilitische 
Symptome vollkommen fehlen und jede Infection geleugnet wird. So sind 
z. B. in seineu 106 Fällen von Lungensyphilis nicht weniger als »43pCt. 
nach einem Ulcus moUe mit nur externer Behandlung und schneller 
Vernarbung entstanden** (! p. 18). 

Ich will nur ein einziges Beispiel aus den vielen im Buche enthaltenen 
herausgreifen, um das bisher Gesagte zu bekräftigen, und zugleich die Art 
der wissenschaftlichen Beobachtung von Pankritius zu illustriren. 

Fall 5 (p. 90). „Ein 26jähriger Buchhalter, ein schöner, kräftiger 
Mann, von gesunden Eltern stammend, bekam 1852 Roseola syphilitica in 
Folge eines weichen Schankers, der extern behandelt wurde. Durch Berg- 
sche Cur Genesung. Stat. praes. 1854 Athembesch werden, Brustschmerzen, 
recidivirte Haemoptoe, wogegen Digitalis, Plumbum aceticum und Opium. 
Diagnose: Tuberculosis der rechten Lunge in Folge von Syphilis, 
obgleich die Tuberkelinfiltration woniger in der Spitze, als vielmehr in der 
Lungenmitte .constatirt wurde." Guren in Ems, Salzbruun, sowie Leber- 
thran ohne Erfolg. Hochgradige Chlorose und Asthma. — „1855 de- 
structiver Process der rechten Lunge; der rechte Thorax vorn in 
der Mitte eingefallen, Dämpfung vorn und hinten, Rasselgeräusche, Husten 
mit reichlichem Auswurf. Leber- und Milzhypertrophie. Die im Laufe 
der Krankheit auftretende Exostose des rechten Stirnbeins und die gegen 
das Ende der sogenannten (!) tuberculösen Phthisis sich manifestirenden, 
der Syphilis verdächtigen Dlcera im Halse (tuberculosa? Ref.) be- 
stätigten natürlich die Diagnose der Tuberculosis durch Syphilis 
und hatten auf die damalige Construclion der Schwindsucht (!) und deren 
Behandlung keinen Einfluss. — 1856 trat Anasarka und Albuminurie ein 
und starb Patient an allgemeinem Zerfalle der rechten Lunge". (Wörtlich!) 

Der Fall spricht für sich selbst. Solcher Beispiele enthält das Buch 
noch sehr viele. Auch in der nachfolgenden Sectionstabelle werden wir 
•auf ähnliche »exacte'' Beobachtungen stossen. 

Mit diesen Mittheilungen könnten wir die Literatur über die «syphili- 
tische Phthisis'' würdig schliessen. In der allerjängsten Zeit ist jedoch noch 



Ucber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 213 

eine neue, gleichfalls sehr bestimmt für die j^laetische Phthisis" eintretende 
Arbeit erschienen von Sokolowsky *), was um so merkwürdiger ist, als 
darch die inewischen erfolgte Entdeckung der Tuberkelbacillcn als Ur- 
sache der gewöhnlichen Phthisis pulmonum und durch den Nachweis des 
«onstanten Vorkommens der Parasiten in dem Auswurf der Phthisiker die 
Diagnose der tuberculösen Lungenschwindsucht und ihre Unterscheidung 
von anderen, namentlich syphilitischen Processen in der Lunge bekanntlich 
zu einer viel grösseren, ja fast absoluten Sicherheit gebracht worden ist. 

Nach Sokolowsky soll die luetische Phthisis in ihrem Verlaufe 
mit der vulgaren Lungenschwindsucht übereinstimmen (hochgradige Abzeh- 
rung, Husten, Diarrhoe, Albuminurie), sich jedoch von derselben durch das 
Fclilcn von Fieber und Nachtsch weissen, durch die Seltenheit von Haemoptoe, 
und durch die zuweilen sehr bedeutende Kurzathmigkeit unterscheiden. Er 
theilt zum Belege 3 Fälle mit, von denen namentlich der erstere sehr genau 
beobachtet worden ist. 

Ein 42jähriger Beamter, der vor 16 Jahren syphilitisch krank war, 
aber seitdem keine Recidive hatte, erkrankte mit Heiserkeit, Dyspnoe, sich 
steigernd bis zur Orthopnoe, trockenem, würgendem Husten und zeitweise 
blutigem Auswurf. Starke Abmagerung, bedeutender Kräfteverfall, kein 
Fieber. V. L. 0. und R. H. 0. Dämpfung, unbestimmtes Athmen und 
trockenes Rasseln, hinten auch Bronchophonie und klingendes Rasseln. Im 
Kehlkopf bedeutende Zerstörung der wahren und falschen Stimmbänder, 
zahlreiche Narben und polypöse Wucherungen auf der Schleimhaut. Durch 
Sublimatinhalationen und Jodkalium anfänglich Besserung. Nach 3 V2 Mo- 
naten wieder Verschlimmerung und nach 5 Monaten Tod. Die Section 
ergab: Laryngitis ulcerosa necrotica; Pncumonia interstitialis chronica und 
amyloide Degeneration der )lilz. »Der linke Oberlappen war durch 
mehrere, 1 — 5 Ctm. grosse Geschwulstknoten verdichtet. Die 
knotigen Geschwülste selbst waren aus grauer, narbenartiger 
Substanz gebildet, in welche die Bronchien hineindringen, eben- 
falls von narbigem Gewebe umfasst.^ In beiden Oberlappen findet 
sich ausserdem je eine 8 — 5 Ctm. im Durchmesser grosse Caverne mit 
glatten Wänden und schmutzig grauem Inhalt, deren innerer Raum höckerig 
I und mit zahlreichen Bindegewebsbündeln durchstreift ist. Eine dritte Ga- 



I 



*) A. Sokolowsky (Warschau), Ueber syphilitische Lungenschwindsucht. Gazeta 
Itkarska. 1882. No. 11 — 15. — Centralbl. f. klin. Med, 1883. No. 17. 

Ders., Ueber die luetische Phthise. Deutsche med. Wochenschr. 1883. No. 37—39. 



2U Hiller, 

verne im rechten Oberlappen. Im linken Unterlappen finden sich gleichfalls 
noch mehrere Geschwulstknoten der beschriebenen Art. Die Bronchien ver- 
härtet, trocken, in den grösseren Aesten ohne Spur eines Schleimhaut- 
Überzuges. 

In der That liegt hier wohl unzweifelhaft ein echter Fall von Lungen- 
syphilis vor, der auch anatomisch vollkommen typisch und gut characteri- 
sirt ist. Das scheinbar abweichende sind nur die ^Gavemen^, welche So- 
kolowsky für ulceröse, phthisische hält. Bei den ausgedehnten interstitiellen 
Veränderungen und narbigen Verdichtungen, ja bei dem Fehlen anderer 
ulceröser Erscheinungen bin ich jedoch geneigt, diese Hohlräume für bron- 
chiectatische Cavernen zu halten, welche ja, wie bereits früher ausge- 
führt wurde, gerade in der syphilitischen Lunge in Folge der Bronchostenosea 
und der schwieligen Verdichtungen des Gewebes gar nicht selten vorkommen. 
Andererseits kann man auch die Möglichkeit wohl zulassen, dass tuber- 
culöse Phthisis hier mit Syphilis complicirt war, aber wegen der fibrösen 
Entartung in der Lunge vielleicht an dem weiteren Fortschreiten verhindert 
wurde. Es ist allerdings weder von käsigen Processen, noch von Tuberkeln 
etwas erwähnt; auch auf Tuberkelbacillen scheint nicht untersucht zu sein. 

Im zweiten und dritten Falle, welche beide klinisch ähnlich und beide 
fieberlos verliefen, fanden sich gleichfalls neben anderen Zeichen von Lues 
(Larynxgeschwüre, amyloide Degeneration) in den Lungen chronische Peri- 
bronchitis und Induration, ansehnliche zerstreute Bindegewebsneubildung, na- 
mentlich an den Bronchien, und wiederum i>Gavernen^ verschiedener Grösse 
in beiden Spitzen, ohne deutliche Ulcerations- und ZerfaUserscheinungen. 
Für die Deutung dieser Fälle gilt das beim ersten Fall Bemerkte. 

Soweit die Literatur der syphilitischen Phthisis. Man wird aus der- 
selben ohne Zweifel den Eindruck gewonnen haben, dass hier sehr viele 
Fälle von anscheinend ganz leichten Lungenaffectionen oder auch von fri- 
schen syphilitischen Infiltrationen der Lunge als Lungenschwindsucht aus- 
gegeben worden sind, die mit derselben auch nicht den geringsten Zusammen- 
hang, im günstigsten Falle nur eine sehr entfernte klinische Aehnlichkeit 
mit derselben besitzen. In den meisten Fällen wurde »Phthisis* schon an- 
genommen, wenn gewisse klinische Symptome, die der Lungenschwindsucht 
eigen thömlich sind, vorhanden waren, also Abmagerung, Abnahme der 
Kräfte, Husten, Athmungsbeschwerden, Brustschmerzen, auch wohl blutiger 
Auswurf. Manche fugen auch noch gewisse physicalische Symptome hinzu, 
nämlich Dämpfung und Rasselgeräusche am Thorax. In vielen Fällen 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phihisis. 215 

ist aber auch hiervon gar nicht die Rede, und vollends von einer microsco- 
pischen Untersuchung des Auswurfs schweigen fast sämrotliche Autoren. 
Es liegt aber auf der Hand uud ist schon mehrfach in dieser Arbeit 
hervorgehoben worden, dass die genannten Symptome für die Lungenschwind- 
sucht nicht characteristisch genug sind, da sie auch bei anderen Krankheits- 
Processen der Lunge vorkommen können. Die syphilitische Natur dos 
Lungenleidens ferner wird in den mitgetheillen Fällen oft nur durch die 
Anamnese, nach welcher syphilitische Infection früher voraufgegangen war, 
namentlich aber durch den Erfolg der antisyphilitischen Behandlung, also 
durch das Schwinden der Brustsymptome nach der Anwendung von Jod- 
kalium und Quecksilber, diagnosticirt. Nur wenige Autoren geben zur Zeit 
die Krankheit bestehende und unzweifelhafte Symptome constitutioneller Sy- 
philis an. Ja einige, wie z. B. Langerhaus und Pancritius, nehmen 
sogar Syphilis an, wenn bestimmte Symptome derselben vollständig fehlen 
uud überhaupt jede specifisch syphilitische Infection (einen Tripper oder ein 
Ulcus moUe wird heut zu Tage wohl Niemand mehr als specifisch syphili- 
tisch betrachten) in Abrede gestellt wird. 

Ich komme also zu dem Schluss, dass in den bisher mitgc- 
iheilten Fällen von »syphilitischer Phthisis« weder der Nachweis 
des wirklich phthisischen (destructiven, ulcerösen) Characters 
der Lungenaffection, noch auch immer der Nachweis des syphili- 
tischen Ursprungs der Lungenaffection mit hinreichender Sicher- 
heit geführt worden ist, mithin, dass es eine wissenschaftlich 
über allen Zweifel sicher gestellte »syphilitische Lungenschwind- 
sucht« bis jetzt noch nicht giebt. Die scheinbar durch die Autopsie 
gestützten oben mitgetheilten Fälle von Aufrecht, Gougenheim und So- 
kolowsky lassen, wie bereits angegeben, noch eine andere Deutung zu; 
Dämlich entweder handelt es sich hier um eine Combination von constitu- 
tioneller Syphilis mit echter Tuberculoso, wie namentlich in den 2 Fällen 
von Aufrecht wahrscheinlich ist, oder es sind die gefundenen «Gavernen'' 
nicht phthisischer, sondern bronchiectatischer Natur gewesen. 

Bei diesem Stande der Sache war es mir von grossem Interesse, dass 
ich selbst während meiner Thätigkeit als Assistent der zweiten me- 
dicinischen Klinik im Winter 1880/81 Gelegenheit hatte, zwei sehr 
typische und durch die Section vollkommen legitimirte Fälle von Syphilis 
der Lunge zu beobachten. Ich habe dieselben ganz kurz bereits in meinen 
»klinischen Beobachtungen« im 7. Bande der Charite-Annalen (Berlin 1882) 
erwähnt und lasse sie nunmehr ausführlich folgen. 



216 . Hiller, 

Der erste Fall betrifft ein 4 5 jähriges Dienstmüdclien, Minna Kroger, welches der 
Frauenabtheilung am 22. Decerober 1880 mit Klagen über Hasten und lebhafter Dy- 
spnoe zuging. Fat. litt angeblich seit vorigem Winter an einem quälenden trockenen 
Husten mit meist fehlendem oder sehr geringem Auswarf und Beschwerden beim Athem- 
holen, welche seitdem fast unvermindert fortbestanden haben. Vor einem halben Jahre 
expectorirte sie zeitweise Blut. Seit dieser Zeit haben der Husten, die Dyspnoe and an- 
geblich auch der Auswarf bedeutend zugenommen. Gleichzeitig stellte sich Mattigkeit 
und in letzter Zeit auch Oedem der Füsse ein. 

Stat. praes. am 22. December. Fat. ist eine mittelgrosse, schwächlich gebaute, 
ziemlich stark abgemagerte Person mit schlaffen , sehr blassen Hautdecken und gelblich 
weisser Gesichtsfarbe. Lippen und Obren leicht cyanotisch. Der Gesichtsaasdruck ist matt, 
etwas mürrisch. An den unteren Extremitäten findet sich von der Mitte der Unter- 
schenkel abwärts leichtes Oedem. An der linken Schulter sieht man nahe am oberen 
Schulterblattrande eine etwa 3 Ctm. lange, tief eingezogene, dem Knochen adhärente 
Narbe. Kleinere Hautnarben meist ohne Adhärenz finden sich vorn auf der Brust. Die 
Venen am Halse und auf der Brust sind erweitert und treten ziemlich stark hervor. 
Es besteht ziemlich lebhafte Dyspnoe mit starker Betheiligung der Halsmuskeln; zeitweis 
sitzt Fat. aufrecht im Bett, die Hände auf die Bettkanten gestemmt and muhsani ath- 
mend. Die physikalische Untersuchung des Thorax ergiebt vom überall lauten Lnngen- 
schall, hinten in beiden unteren Partien Dämpfung; bei der Auscultation ziemlich laates, 
scharfes, mit einem pfeifenden Geräusch verbundenes Vesiculärathmen. Hustenreiz zur 
Zeit massig, Auswurf nicht vorbanden. Temp. 37,1. Puls 1 16. Resp. 36. Urin spär- 
lich, von dunkler Farbe, eiweissfrei. Ther. : Expectorantia, Morphium und Wein. 

Am 23. und 24. December war der Zustand ziemlich unverändert. Fat. klagt 
nur über Schlaflosigkeit und zeitweis auftretende heftige Athemnothanfälle. D.as 
Sputum ist massig reichlich, schaumig, sciileimig-eitrig. Kein Fieber. Am 24. December 
hat die Dyspnoe erheblich zugenommen. Vormittags 10 Uhr erfolgte ein sehr heftiger 
Athemnothanfall: Orthopnoe, Cyanose des Gesichts, lebhaftes Angstgefühl, stöhnende, 
zeitweis schluchzende, höchst angestrengte Respiration (48), ErstickungsgefühL Un- 
föhigkeit zu sprechen; Patientin deutet auf Befragen mit den Händen stöhnend auf die 
Brust. Nach Anwendung von Morphium und einem Senfteig ging der Anfall vorüber. 
— Am 25. December immer noch sehr heftige Athemnoth; doch ist ein Erstickungs- 
anfall nicht wieder vorgekommen. Bei äusserst geringer Nahrungsaufnahme und wenig 
Schlaf nimmt der Verfall der Kräfte rapide zu. Den 26. December Mittags I Uhr 
wird Pat., nachdem nach Aussage der Wärterin wieder ein heftiger Erstickungsanfall 
voraufgegangen war, durch den inzwischen herbeigerufenen Unterarzt todt gefunden. 

Sectio n am 28. December (Herr Dr. Jürgens): Leiche von mittlerer Grösse, 
ziemlich gut genährt. Die Haut zeigt auf der linken Schulter eine 50pfennigstückgrosse 
Narbe; die Haut ist hier mit der Spina scapulae fest verwachsen. — Herz von mitt- 
lerer Grösse, intact. — Die linke Lunge von sehr kleinem Volumen, fest mit der 
Thoraxwand verwachsen, besonders an der Basis. Die interlobulären Septa des 
ünterlappens sind ziemlich stark verdickt. Das Lungenparenchym sehr blass, 
lebhaft schief rig gefärbt; es bestehen hier ziemlich ausgedehnte Ateleotasen. 
Der Oberlappen massig lufthaltig, zeigt kleine sc hie fr ige Indura^t innen. Die 
Bronchien erster und zweiter Ordnung sind sehr eng; die Stenose nimmt 
nach oben hin zu und ist am stärksten an der Bifnrcation. Die Schleim- 
haut überall schwielig verdickt. Die anstossenden Lymphdrüsen ver- 
grössert, stark schiefrig gefärbt und indurirt, eingehüllt von einer der- 
ben Bindesubstanz; an einzelnen Stellen derselben starke kirschkerngrosse Intu- 



Ueber Langensyphilis und syphilitische Phtbisis. 217 

mescenzen. Die Bronchien dritter und vierter Ordnung sind von normaler Weite, leer; 
Schleimhant blass. 

Die rechte Lunge ist im Umfang des Oberlappens in grösserer Ausdehnung mit 
dem Thorax verwachseo, auf dem Diirchniit gleichfalls sehr blass. Der Unterlappen 
zeigt in seiner ganzen Ausdehnung eine eigenthiimliche grauweisse, ge- 
latinöse Infiltration. Die Consistenz ist gummiartig, elastisch; das Par- 
enchym yollkommen luftleer. Auf Druck lasst sich aus der Schnittfläche 
eine trubgrane, zähe, fast coUoide Flüssigkeit aasdrficken. — Während 
der linke Hauptbronchus kaum für eine Gänsefeder durchgängig ist, be- 
sitzt das Lumen des rechten noch die Weite eines kleinen Fingers. — Im 
unteren Theil der Trachea beginnen grosse, unregelmassig formirte, meist flache Qe- 
schwäre, nach oben hin mit glatten, scharf abgeschnittenen Rändern; stellenweis dringen 
die Geschwüre bis auf die Knorpel, welche hier und da freigelegt sind. Das peri- 
bronchiale Gewebe stark verdickt. — An der Bifurcation liegt ein zehn- 
pfennigstückgrosses Geschwür, welches die ganze Wand zerstört hat und 
sich noch eine Strecke weit bis in die verengten Bronchien hinein fortsetzt. Der Grund 
ist gebildet von einem schwieligen Gewebe und von den hier anstosseoden , stark ver- 
grSsaerten, schwieligen Drüsen. Dieses Geschwür ist durch eine schmale Schleimhaut- 
brucke von einem grofiseien, auf der inneren Trachealoberfläche gelegenen getrennt. 
Sämmttiche Geschwüre haben callös verdickte, schwielige Ränder. Die ganze Schleim- 
haut der Trachea, ebenso die des Pharynx, ist massig geröthet und verdickt. 

Die Epiglottis durch alte geheilte Ulcerationen fast auf die Hälfte reducirt; ihr 
freier Rand gezackt, höckrig und narbig. Die Ligamenta epiglottica enorm verdickt. 
Die Tonsillen indurirt. Auf der inneren Oberfläche der Epiglottis finden sich mehrere 
cailös wulstige Prominenzen, die bis auf die wahren Stimmbänder reichen;. von ihnen 
gehen strahlige Narbenzüge nach allen Seiten hin, besonders aber nach den Ligg. ary- 
epiglottica. Die Stimmbänder selbst sind indurirt und retrahirt. Die ganze Schleim- 
haut des Larynx zeigt beim Einschneiden derb fibröses Gewebe. 

Am weichen Gaumen und auf der hinteren Pharynxwand strahlige Nar- 
benzüge, die bis zu den Choanen hinaufreichen. 

Bei Herausnahme der Nase zeigt sich eine fast bohnengrosse Perforation des 
Septum narium; das Loch ist jedoch noch von Schleimhaut überzogen. ,Die rechte untere 
Muschel fehlt vollständig. Die Nasenschleimhaut stark indurirt, mit zahlreichen strahli- 
gen Narbenzügen. Die Tabula externa und interna cranii im ganzen Umfange stark 
verdickt. Auf der äusseren Oberfläche des rechten Scheitelbeins sitzt eine markstück- 
grosse Narbe. — Alles übrige ist in der Diagnose enthalten. 

Diagnose: Syphilis constitutionalis. Laryngitis syphilitica defor- 
mans. Bronchitis syphilitica fibrosa retrahens. Stenosis tracheae et 
bronchi utriusque. Peribronchitis et Peritracbeitis fibrosa ulcerosa. 
Pneumonia gelatinosa d extra et fibrosa interstitialis chronica, praecipue 
lobi inferioris sinistri. Pleuritis adhaesiva fibrosa. Lymphadenitis 
bronchial is gummosa. Perisplenitis adhaesiva fibrosa. Hepatitis et Peri- 
hepatitis (gummosa) fibrosa. Hyperostosis interna et externa cranii. 
Garies sicca ossis parietalis dextri. Ozaena syphilitica chronica perfo- 
rans septum. Atrophia levis linguae. Cicatrices cutaneae. Periostitis 
sanatascapulae sinistrae. Gastroenteritis catarrhalis. 

Es liegt hier also ein ganz eclatanter Fall von constitutioneller 
und visceraler Syphilis vor, in welchem die Diagnose in keinem Augenblick 



218 HiUer, 

zweifelhaft sein kann. Der Fall ist auch dadurch noch ganz besonders 
ausgezeichnet, dass hier die syphilitischen Affectionen, so multipel sie auch 
in den verschiedenartigsten Organen des Körpers auftreten, doch ganz über- 
wiegend im Respirationsapparat sich localisirten und daher auch in 
dem klinischen Krankhcitsbilde fast ausschliesslich Krankheitssymptome von 
Seiten dieses Organs hervorriefen. Auch die Gachexie und der allgemeine 
Kräfteverfall war in diesem Falle so vollkommen ausgesprochen, wie nur 
irgend denkbar. Man sollte daher meinen, dass, wenn es überhaupt eine 
„syphilitische Phthisis« gäbe, sie in diesem Falle von Lungensypbi- 
lis, in welchem die Krankheit offenbar schon seit vielen Jahren unge- 
stört im Körper ihre Wirkungen entfaltete, doch sicherlich einmal hätte 
zum Vorschein kommen müssen. Aber trotzdem erinnerte weder das kli- 
nische Bild an Fhthisis pulmonum, noch ergab auch die Section irgend 
etwas derselben ähnliches. Es fanden sich auch in diesem . Falle wie- 
derum nur diejenigen anatomischen Veränderungen, welche wir in der Ein- 
leitung als die bisher anatomisch festgestellten Wirkungen des syphilitischen 
Processes in der Lunge kennen gelernt hatten. 

Im zweiten Falle handelt es sieb um eine 52 jährige Näherin. Augusle Gosse 
(früher puella publica), welche gleichfalls mit zeitweisor Alhemnolh und cardialgischcn 
Beschwerden am 21. Deceniber 1880 — also fast an demselben Tage (Duplicität der 
Fällel) — der Abtheilung zuging. Auch hier sind die ursprünglichen anamnesti- 
schen Angaben sehr unvollständig, da die Wichtigkeit des Falles erst viel später, fast 
sub finem vitae, einleuchtete. Die Erhebungen beziehen sich daher fast nur auf die 
Athenibeschwerden. Danach bemerkte die Pat. erst etwa seit 2 Monaten (?) Husten und 
eigenthümliche Anfälle von Dyspnoe. Zugleich verschlechterte sich zunehmend der 
Appetit und stellte sich wiederholtes tägliches Erbrechen ein. Pat. hatte nach jeder 
Mahlzeit Druck in der Magengegend, Gefühl von üebelkeit und bittei-en Geschmack, 
manchmal auch koliltartige Schmerzen. Stuhlgang angeblich normal. Zeitweis sollen 
ihr die Beine ödematös angeschwollen sein. — Einige Wochen später, als bei mir die 
Diagnose der „visceralen Syphilis** immer mehr zur Gewissheit wurde, gestand sie, 
vielleicht unter dem Einfluss ihres immer mehr Gefahr drohenden Leidens, auf Befragen 
unumwunden zu, dass sie seit etwa 30 Jahren an Lues leide und daran früher wieder- 
holt in der Charit^ behandelt worden sei. lieber die Art der Infection und die Krank- 
heitsformen vermag die Pat. nichts mehr anzugeben. Sie will seit etwa 20 Jahren ohne 
ärztliche Behandlung gewesen sein. 

Ein eigentlicher Status wurde bei der Aufnahme . da der Fall unbedeutend er- 
schien und Weihnachtsferien waren, nicht aufgenommen. Dagegen lässt das Kranken- 
journal folgendes ersehen: Patientin war andauernd fieberfrei, hatte durchschnittlich 
einen Puls von 80 — 88 Schlägen und eine Resp. von 32 — 40. Ihre Klagen bezogen 
sich überwiegend auf Störungen des Appetits und der Verdauung. Fast täglich erlolgte 
1 — 2 Mal Erbrechen. Die Zunge war massig geröthet. das Abdomen aiifgclrieben, 
weich, in der Magengegend empfindlich. Daneben bestand massiger Hustenreiz mit spär- 
lichem schleimig eitrigem Auswurf, auch geringe Dyspnoe. Die am 23. Pe comb er 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 219 

ausgeführte gynäkologische Untersaohung^ ergab nur senile Atrophie des Uterus 
und geringen Fluot albus. 

In den nächsten Wochen änderte sich wenig in dem Zustande. Das Erbrechen 
war zeitweis gallig; dabei traten die respiratorischen Beschwerden mehr und 
mehr in den Vordergrund. Am 6. Januar 1881 wird Zunahme der Dyspnoe con- 
statirt. Bei der Inspiration lauter Stridor nasalis et trachealis. Am 13. Januar: 
Die Athmung ist mit sehr lautem, die Zimmernachbarn störenden Schnaufen in der Nase 
verbunden. — 17. Januar: Erbrechen, Dyspnoe und Schuaufen bestehen fort, ebenso 
die Magenschmerzen. Die heute vorgenommene rhinoscopische Untersuchung er* 
giebt: Zahlreiche Narben in der Umgebung des Mundes. An der äusseren Nase zeigt 
sich der knorpelige Theil leicht eingesunken. Das Septum narium ist in dem vorderen 
Theile in grosser Ausdehnung zerstört, so dass beide Nasenräume durch ein etwa höhnen^ 
grosses Loch commiiniciren. Die ganze Schleimhaut ist sehr Mass und trocken, mit 
festen eitrigen Krusten bedeckt, welche die vollständige Uebersicht erschweren. In den 
einzelnen Nasengängen sind zahlreiche strahlige Narben sichtbar. Fötide Exhalationen 
aus der Nase. Der Pharynx anscheinend frei. 

Dia Dyspnoe nahm von Tag zu Tage in bedenklichem Grade zu. Am 23. Januar 
wird die Respiration förmlich schnarchend; gleichzeitig tritt Heiserkeit und Somnolenz 
hinzu. Husten spärlich, mit geringem Auswurf. — Seit dem 24. Januar wird die 
Fat. ungemein schwach ; sie erbricht alles und ist andauernd somnolent. 

Am 27. Januar ist vollständiges Coma eingetreten. Fat. liegt regungslos, mit 
kühlen Extremitäten, Cyanose des Gesichts und der Hände, laut stönend und schlurfend 
da. Die Respiration ist dyspnoisch (Frequenz 28) und von lautem Trachealrasseln be- 
gleitet. Die Jugularvenen sind stark hervortretend. Die Fercussion des Thorax er- 
giebt V., R. und L. überall vollen lauten Lungenschall, hinten in der reehten Fossa 
supraspinata weniger lauten Schall als links. Bei der Auscultation hört man überall 
am Thorax scharfes Vesiculäratbmeu mit lautem, weit verbreiteten Schnurren und Pfeifen. 
Puls frequent, 128, von geringer Spannung. Massiges Oedem am ganzen Körper. Am 
Abend desselben Tages erfolgte der Tod. 

Section am 28. Jan uar (Dr. Grawitz): 

Grosse weibliche Leiche, von kräftigem Körperbau. Die Haut am ganzen Körper 
ist von extremer Blässe, an den Extremitäten ödematös. Fettpolster prall, dick. Mus- 
culatur massig bläulich roth, schlaff, sehr feucht. Die Nase ist am Uebergange ihres 
knöchernen zum knorpeligen Theil eingesunken; Septum narium perforirt, so dass man 
bequem eine dicke Sonde hindurchführen kann. Narben oder dergleichen fehlen. 

Nach Entfernung des Sternum sieht man den grösseren Theil des Herzbeutels 
von den sehr anämischen, weissen, durch Kohlenpigment schwarz besprenkelten Lungen- 
rändem bedeckt. Die letzteren sinken nicht zurück, auch nicht, nachdem die strang- 
förmigen Adhäsionen, die namentlich links bestehen, dorchtrennt sind. 

Das Herz ist klein, von reichlichem Fettgewebe umwachsen, Musculatur dünn und 
schlaff, von blassbrännlicher Farbe. Aortenklappen sind zart und dünn, Aortenostium 
7 Ctm. weit. Die Valv. mitralis trägt am freien, dem Vorhof zugekehrten Rande 
einzelne stecknadelkopfgrosse, übröse Verdickungen; sonst ist sie ebenfalls zart und 
schlussfähig. 

Die linke Lunge ist auf der Oberfläche überall spiegelnd glatt; man sieht die 
Alveolen als feinschaumige Bläschen durchschimmern, die deutlich erweitert sind. Das 
Gewebe selbst ist weniger elastisch als normal, überall blutarm und weich knisternd. 
Die Arterien unverändert. Die rechte Lunge bietet äusserlich dasselbe Bild dar. Die 
Hauptbroncbien beider Lungen sind stark verengt, bei Weitem aber am 



220 rtiller, 

stärksten der Bronchus der linken, dessen Lumen im Durchmesser 6 Mm. 
misst. Die Verengernng beruht auf einer dicken fibrösen, schwieligen 
Neubildung, welche rings um den unteren Theil der Trachea gelagert 
ist und sich längs beider Bronchien in den Hilus der Lunge selbst er- 
streck i. Beim Aufschneiden zeigt sich, dass auch die Aeste 1. und 2. Ordnung 
von d ieser schwieligen, rein weissen Masse eingeschlossen werden, die 
sich erst gegen die weiteren Verzweigungen verdünnt und allmälig verliert. Im Gegen- 
satz zu den grösseren Bronchialästen sind daher die mittleren Köhren etwas über 
die Norm erweitert. In der Mitte des rechten Oberlappens findet sich 
eine alte, strahligo, weisse Narbe, mit Deformation und Einziehung der 
Lungenoberfläche (gelappte Lunge). Auf dem Durchschnitt zeigt das etwas 
derbe Parenchym inselförmig zerstreute, kleine, hier und da conflai- 
rende Verdichtungen, welche besonders in derNähe der stark verdickten 
Bronchialäste liegen, das Gewebe an diesen Stellen vollkommen luftleer 
machen und von gleichmässig graugelber, derber Beschaffenheit sind. 
Bei Lupenbetrachtung treten diese inselförmigen Verdichtungen des 
Parenchyms noch viel deutlicher hervor. (S. Taf. L Fig. 2 und Taf. IL Fig. 1.) 

Im harten Gaumen narbige Defecte. Der Larynx ist ganz intact. Unter- 
halb der Stimmbänder beginnt in der Trachea an der hinteren Flache 
eine breite, fast die halbe Ci reu mferenz einnehmende Ulceration, welche 
sich durch die Schleimhaut bis in die Submucosa erstreckt. Sie besteht 
aus zahlreichen bohnengrossen Binzelgeschwuren mit verdicktem Grund 
und zottigen, etwas gewnisteten, lebhaft gerötheten Rändern. Nach ab- 
wärts werden dieGeschwure flacher, sie reichen jedoch noch eine Strecke 
weit in die beiden Hauptstämme der Bronchien hinein. (S. Tafel L Fig. 1.) 

Die Milz ist klein (9,5, 3,5), derb, hellroth; Follikel klein, sehr deutlich. Auf 
Jodzusatz nehmen sie eine lebhafte Bräunung an. 

Beide Nieren sind sehr klein, änsserst derb; ihre Oberfläche ganz gleich- 
mässig granulirt. Die Granula, vom Caliber feinen Hasenschrotes, sind gelbrosa 
gefärbt; das Parenchym zwischen ihnen rein weiss. Auf dem Durchschnitt findet sich 
eine sehr starke Trübung der Rinde und sehr starke Amyloidveränderung der 
Gefässe und Glomeruli. 

Die Leber lässt auf der convexen Oberfläche mehrfache kleinere Narben 
und zwei tiefere strahlige Einziehungen erkennen. Auch der freie Kand ist 
unregelmässig narbig retraliirt. Auf dem Durchschnitt sieht man an den tieferen Nar- 
ben feine, fibröse Streifen in die Substanz hineingehen , welche circa 5 Ctm. unter der 
Oberfläche in einem fibrösen, theils käsigen Kerne endigen. Die Lebersubstanz 
giebt sehr intensive Amyloidreaction. (S. Tafel II. Fig. 2.) 

Im Anus allgemeine Anämie und Amyloidreaction. die Scheide sehr glatt, 
der Uterus in seiner Substanz derb, etwas elongirt. Die Ovarien zu kleinen fibrösen 
Körpern geschrumpft. 

Diagnose: Syphilis constitutionalis. Ulcera syphilitica traoheae. 
Peritracheitis et Peribronchitis syphilitica fibrosa. Pneumonia inter- 
stitialis chronica fibrosa. Cicatrix lobi sup. pulmonis dextri. Perfo- 
ratio septi narium. Perihepatitis et Hepatitis gummosa. Degeneratio 
amyloidea hepatis. lienis. renum, intestini. Atrophia granularis re- 
num. Hydrops anasarca. Anaemia uni versalis. 

Die microscopische Untersuchung von in Alkohol gehärteten Stöcken der 
rechten Lunge ergab bei schwachen Vergrösserungen ähnliche, aber noch präcisere Bil- 



(Jeber Lnogensyphilis und syphilitische Phthisis. 2*21 

der, wie bei der Betrachtung mit der Lupe. Die kleineren und kleinsten Bronchien 
treten dabei — wie es auch die nach einem solchen Präparat aufgenommene Zeichnung auf 
Tafel II. Fig.l erkennen lässt — auf Durchschnitten sehr scharf hervor, sind an 
einzelnen Stellen unregelmässig verengt, an anderen wieder cylindrisch oder varicös er- 
weitert, und durchweg von einersehr breiten Zone weissen, derben, schwie- 
ligen (peribronchialen) Gewebes umgeben, welches eben die Contouren der 
Bronchien von dem umgebenden Parenchym scharf abliebt. Auch die innere Schleim- 
hautoberfläche ist stellen weis gewulstet, uneben und höckerig, wodurch 
auch in den meisten Fällen die Verengerung des Lumens zu Stande kam. — Neben 
diesen bronchialen und peribronchialen Veränderungen sah man das eigentliche Paren- 
chym der Lunge, entsprechend den oben erwähnten inselförmigen Verdichtungen, auf 
ganze Strecken hin in eine fast gleichmässige, weissgraue, dichte Ge- 
websmasse verwandelt, in welcher die normale alveoläre Structur voll- 
ständig zu Grunde gegangen war und nur ganz vereinzelte kleinere Ge- 
fässe und Bronchien sichtbar waren. Vielfach schloss sich diese parenchymatöse 
Verdichtung unmittelbar an die oben beschriebene breite, peribronchiale Zone (der Bron- 
chien 4. und 5. Ordnung) an. Eine bestimmte lobuläre Anordnung dieser parenchyma- 
tösen Infiltration war jedoch nicht zu erkennen; vielmehr war dieselbe anscheinend 
zremlich regellos, in Form von unregelmässig begrenzten kleineren Inseln — möglicher- 
weise stets um einen, inzwischen verödeten Bronchiolus herum — zerstreut. Es Hess sich 
daher auch nicht mehr feststellen, ob immer diese insulare Verdichtung, wie ursprüng- 
lich wahrscheinlich war, von der Wucherung des peribronchialen Gewebes ihren Ausgang 
nahm. — Bei stärkeren Vergrösser ungen zeigten sich die peri bronchialen Ver- 
dickungen aus einem derben, faserigen, fast narbenähnlichen Bindegewebe 
gebildet, mit meist zahlreichen, stellenweis spärlichen, zwischen die Fasern eingelagerten 
spindelförmigen Zellen. An den peripheren Abschnitten ging das Gewebe- in eine mehr 
kleinzellige, meist aus dicht gelagerten Rundzellen gebildete Anhäufung über. Aus 
einer ebensolchen massenhaften kleinzelligen Infiltration zeigten sich auch die oben er- 
wähnten „Verdichtungen^ zusammengesetzt; die Rundzellen waren hier meist so 
dicht aneinander gelagert, von einer nur spärlichen netzförmigen Grundsubstanz durch- 
zogen, dass von der normalen Structur des Gewebes, dem alveolären Bau und den 
Capillaren nichts mehr zu erkennen war. An den Grenzen zwischen dieser Infiltration 
und dem Lungenparenchym sah man, dass die Rundzeiien zuerst das interalveoläre 
und interiobuläre, stark verbreiterte Bindegewebe durchsetzten und theiiweise auch die 
Hohlräume der noch wohl erhaltenen Alveolen ausfüllten. Gefüsse waren nur spärlich 
auf dem Durchschnitte zu erkennen, meist verödet und zusammengefallen; an einzelnen 
Stellen, besonders in der Randzone, war deutliche Verdickung der Wandung 
zu constatiren. — Das microscopische Bild war mit wenigen Veränderungen überall 
dasselbe: massenhafte kleinzellige Infiltration des interalveolären und 
alveolären Gewebes und der Alveolarräume, mit theils noch erhaltener, 
theils völlig untergegangener normaler Structur des Parenchyms. Nir- 
gends war fettige oder käsige Degeneration, nirgends Gewebszerfall (im phthisischen 
Sinne) oder etwas der Tuberculose ähnliches wahrzunehmen. 



Ueberblickeo wir diesen anatomisch genau beobachteten Fall, so ist 
auf den ersten Blick klar, dass auch hier, trotzdem es sich um eine aus- 
gesprochene und mindestens seit Monaten bestehende syphilitische Erkrankung 
des Respirationsapparates handelt, doch weder hinsichtlicli des klinischen 



222 Hiller. 

Verlaufs, noch auch hinsichtlich des postmortalen anatomischen Befundes 
irgend welche, auch nur entfernte Aehnlichkeit mit Phthisis pulmonum 
vorhanden ist. Auch hier war Cachexie, Athemnoth, Brustbeschwerden, 
Husten, sogar blutiger Auswurf und langsamer Krafteverfall vorhanden, 
und dennoch war das Krankheitsbild, wie selbst eine nur oberflächliche 
Beobachtung constatiren konnte, von demjenigen bei der Lungenschwindsucht 
ganz und gar verschieden. Es war mir dieser Fall mit Räcksicht auf die 
vorliegende Frage von ganz besonderem Interesse, weil ich hier schon wäh- 
rend des Lebens die Diagnose auf „Lungensyphilis" mit einiger Sicherheit 
stellen konnte. 

Ob diese Kranke durch eine antisyphilitische Cur noch hätte geheilt 
resp. gebessert werden können, erscheint mehr als zweifelhaft, da bereits 
aroyloide Degeneration fast sämmtlicher inneren Organe eingetreten war. 

Noch einen dritten Fall hatte ich auf der Abtheilung zu beobachten 
Gelegenheit, in welchem jedoch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit die 
Diagnose auf Syphilis des Respirationsapparats, und zwar syphilitische 
Bronchostenose, gestellt werden konnte, dagegen eine Erkrankung der 
Lunge nicht nachweisbar war. £s handelte sich um einen 30jährigen 
früheren Dienstknecht, welcher vor etwa 10 Jahren Syphilis gehabt haben 
will und angeblich seit 2 Jahren an Brustschmerzen und Husten litt, wozu 
sich allmälig Athemnoth gesellte. Einige Wochen vorher hat er sogar (auf 
der Nebenabtheilung für innerlich kranke Männer) Blut ausgehustet, sonst 
aber fast keinen, jedenfalls nur spärlichen schleimigen Auswurf gehabt. 
Ausser indolenter Lymphdrüsenschwellung und Narben im Rachen waren 
syphilitische Symptome nicht nachzuweisen. Seit 8 Wochen eitriger Aus- 
fluss aus dem linken Ohre. — Das einzige hervorstechende Symptom bei 
der Aufnahme war Dyspnoe. Fat. athmete angestrengt, mitactiver 
Betheiligung der Scaleni, leichtem Herabziehen des Unterkiefers 
und Hebung der Nasenflügel: die Exspiration, welche gleich- 
falls forcirt und mit Contractionen der Bauchmuskel vor sich 
ging, war mit einem lauten giemenden, manchmal pfeifenden 
Geräusch verbunden. Cyanose war nicht deutlich vorhanden. Zeitweis 
bestand geringes Fieber; auch enthielt der Urin vorübergehend Spuren von 
Eiweiss. Die physikalische Untersuchung der Brustorgane ergab 
weder in den Lungen, noch am Herzen irgend welche krankhafte 
Veränderung. Das Allgemeinbefinden im übrigen gut. 

Die Behandlung bestand, da die Diagnose lange zweifelhaft war, in 
der Darreichung milder Narcotica und Expectorantia. Später, als mir die 



Ueber Langensyphilis und syphilitische Phthisis. 223 

Annahme einer syphilitischen Bronchostenosc (in Folge voraufgegangener 
L'lcera) inamer wahrscheinlicher wurde, erhielt Fat. Jodkaliura, danach sub- 
cutane Subliroatinjectionen. Der Zustand besserte sich etwas, so dass Fat. 
ohne Beschwerde umhergehen konnte; die Dyspnoe und das pfeifende Ex- 
spirationsgeräusch blieben jedoch unverändert bestehen. Fat. wurde nach 
etwa 2V, Monaten auf seinen Wunsch entlassen. 



Die vorstehend mitgetheilten Fälle gaben mir die Veranlassung, noch 
weiter in der Literatur nach ähnlichen Beobachtungen, womöglich mit 
Sectionsergebnissen, zu forschen. Ich wurde darin auch durch meinen 
verehrten Lehrer und Chef, Herrn Geheimrath Leyden, der sich für die 
Frage der „Lungensyphilis** bezw. der »syphilitischen Fhihisis" gleichfalls 
sehr interessirte, in erfreulicher Weise unterstützt. 

Ich Hess es mir zunächst angelegen sein, sämnrtliche in der Literatur 
mitgetheilten Fälle von Lungensyphilis, in welchen das Frgebniss der Section 
roitgetheilt und mithin die Art der Lungenerkrankung deutlich erkennbar 
ist, zu sammeln und nach einem einheitlichen Frincip geordnet tabellarisch 
zusammen zu stellen. Es sind mir nicht alle einschlägigen Fälle im Ori- 
ginal zugänglich gewesen; ich habe mich daher mehrfach mit Referaten 
begnügen müssen, solche aber nur dann benutzt, wenn in denselben der 
Lungenbefund angegeben war. 

Schon bei dieser ziemlich umfangreichen Sammelarbeit — sie erstreckt 
sich auf 87 Fälle von Lungensyphilis mit Sectionen — gewann ich 
von Neuem eine Bestätigung der bereits oben bei Besprechung der Li- 
teratur über „syphilitische Fhthisis" mitgetheilten Wahrnehmung," 
dass es sich bei der Mittheilung von „syphilitischer Lungen- 
schwindsucht'' fast immer nur um solche Fälle handelt, bei denen 
es nicht zur Section kam, während fast alle übrigen Autoren, 
welche die Section zu machen Gelegenheit hatten — in 80 von 
87 Fällen! — diesen Ausdruck in der Regel ganz vermeiden 
und nur einfach von „Lungensyphilis** reden. Nur Fancritius, 
Aufrecht und Sokolowski machen hiervon eine Ausnahme. 

Diese Thatsache ist höchst bemerkenswerth. Es wäre doch gewiss 
sehr wunderbar, wenn bei der relativ grossen Häufigkeit der „syphilitischen 
Phthisis**, welche man nach den Mittheilungen der oben aufgeführten Auto- 
ren und namentlich von Fankritius annehmen muss (nach Letzterem 
wird die blähende Jugend durch Fhthisis syphilitica geradezu decimirt!), 
nicht auch anderen, competenteren anatomischen Beobachtern ein Mal eine 



224 HiUer, 

solche »Phthisis pulmonum syphilitica" zu Gesicht gekommen wäre. Da 
nach Pankritius und Anderen die „syphilitische Phthisis*' gerade die 
deletärsto Form der Lungensyphilis bildet, welche also, sich selbst über- 
lassen, unfehlbar zum Tode fuhrt, so hätte man a priori erwarten sollen, 
dass bei der Section sowohl von Syphilitischen, als auch von Phtbisikern 
diese Form^ganz besonders häufig vertreten sei. Die bisherige Erfahrung 
lehrt aber, wie die nachfolgende Tabelle erweist, das gerade Gegentheil. 

Ich habe die zusammengestellten 87 Fälle von Lungensyphilis zunächst 
chronologisch geordnet. Es zeigte sich dabei, dass diese anatomischen 
Beobachtungen der Zeit nach mit den oben referirten klinischen Mitthei- 
lungen über «Phthisis syphilitica^ vollkommen übereinstimmen. Sie begianen 
etwa mit dem Jahre 1850, werden dann vom Jahre 1866 an etwas zahl- 
reicher und am zahlreichsten seit dem Jahre 1873, so dass mehr als drei 
Viertel aller Mittheilun^en in das letzte Decennium fallen, 
also genau in denjenigen Zeitraum, in welchem auch die Lehre von der 
„syphilitischen Lungenschwindsucht ** immer mehr Anhänger unter den 
Aerr.ten gewann. 

Bei genauerer Durchsicht des Einzelfalles stellte sich ferner heraus, 
dass der Werth der einzelnen Mittheilungen fär die vorliegende Frage 
durchaus nicht immer gleich war. Es bezieht sich dies sowohl auf die 
Genauigkeit und Vollständigkeit der gemachten Mittheilungen, als auch 
ganz besonders auf die Deutung des Beobachteten (Pankritius). Es 
ist manches in den beschriebenen oder auch nur angedeuteten Verände- 
rungen der Lunge als „syphilitisch'' von diesem oder jenem Autor an- 
gegeben worden, was dieses offenbar gar nicht ist oder für dessen syphili- 
tische Natur noch vollständig der Beweis fehlt; ich erinnere nur an die 
„syphilitische Miliartuberculose'' (!) von Aufrecht, an den «all- 
gemeinen Detritus** und die „hämorrhagische Erweichung'' von 
Pankritius. So ist z. B. eine ganze Reihe von Fällen von „Lungen- 
syphilis'' mitgetheilt, in welchen es sich augenscheinlich nur um eine Com- 
bination von echter Lungentuberculose mit constitutioneller 
Syphilis, ja einige Male sogar ganz allein um die gewöhnliche Phthisis 
pulmonum handelt, ohne die Spur einer unzweifelhaft syphilitischen Ver- 
änderung in den Lungen oder überhaupt im Körper. 

Ich habe daher alle diese Fälle — in welchen also theils die Diagnose 
der Syphilis in der Lunge oder im Körper überhaupt zweifelhaft ist, theils 
eine Combination mit gewöhnlicher Phthisis pulmonum bezw. mit Tubercu- 
lose und Krebs wahrscheinlich ist — um zu möglichst sicheren Schluss- 



üeber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 225 

folgerungen zu gelangen, aus der Gesamratheit der Fälle herausgelöst und 
gesondert als Gruppe A ^Zweifelhafte Fülle von Lungensyphilis" 
in der Tabelle vorangestellt. Als Gruppe B folgen dann „die unzweifel- . 
haften Fälle von Lungensyphilis**, und zwar mit 2 ünterabtheilungen, 
nämlich a) typische Fälle und b) atypische (abweichende) Fälle. 
Als „typische Fälle" habe ich diejenigen bezeichnet, in welchen sich die 
bereits in der Einleitung beschriebenen, für die Syphilis der Lunge 
und die Syphilis überhaupt characteristischen Veränderungen 
fanden — also z. B. Stenosen und Erweiterungen der Bronchien, fibröse 
Peribronchitis und „knotige Bronchopneumonie" (Virchow), interstitielle 
ßindegewebswucherung in der Lunge (sog. interstitielle Pneumonie), Schwie- 
lenbildung und Induration des Lungengewebes, gummöse Neubildungen, 
Narben und narbige Schrumpfungen und endlich auch mehr diffuse, lobuläre 
Verdichtungen des Lungenparenchyms. Als „atypische (abweichende) 
Fälle* habe ich solche bezeichnet, in welchen zwar die Diagnose der 
Longensyphilis unzweifelhaft ist, aber neben einzelnen der soeben als 
typisch beschriebenen Veränderungen (die manchmal auch fehlen 
oder nicht erwähnt sind) sich noch gewisse parenchymatöse Verän- 
derungen vorfinden, insbesondere catarrhalische Pneumonie (Schluck- 
pneumonie), gelatinöse Pneumonie, selbst nur einfache Splenisation oder 
Carnification einzelner Lungenabschnitte, von welchen Processen es mindestens 
noch zweifelhaft ist, ob sie specifisch syphilitisch sind oder nur Complica- 
tionen der Syphilis bilden. 

Von jedem einzelnen Falle habe ich, soweit es möglich war, Namen 
des Beobachters, Art und Zeit der Mittheilung, Namen, Alter und Stand 
des Patienten, die Dauer der Syphilis, die zur Zeit der Erkrankung be- 
stehenden syphilitischen Symptome, vor allem die klinischen Symptome der 
Lungenaffection , den Verlauf und die Behandlung des Falles und endlich 
möglichst ausführlich das Ergebniss der Section aufgezeichnet. Leider ist 
mir dies nicht in allen Fällen mit der wünschenswerthen Vollständigkeit 
gelangen; namentlich die klinischen Notizen zeigen viele Lücken, Es erklärt 
sich dies einestheils aus der ünvollständigkeit vieler Mittheilungen, beson- 
ders hinsichtlich der Krankengeschichten, anderntheils aus dem Umstände, 
dass ich bei mehreren Arbeiten, welche mir im Original nicht zugänglich 
waren, Referate zu benutzen gezwungen war. Stets aber ist der anatomi- 
sche Befund mit der möglichsten Genauigkeit in der Tabelle mitgetheilt 
worden. 

C'haiite-AnnaicD. IX. Jahrg. i ' 



Tabellarisclie Uebersiolit ftber dicgenigen f Ule Ton Lungen 

Crappe A. ZweifelhtAe Klle TtM UiBgeMjphUii. (Entweder reine Tuberculosis 



xNo. 



Beobachter. 



Alter, 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



Dittrich. 30 jährige , 

Prag. Vierteljahrs- Magd. ' 

Schrift f. d. ges. 
HeUkunde. 1849. 
Bd. I. S. 23. 



3. 



4. 



5. 



7. 



Derselbe. 
Ebenda S. 25. 



Derselbe. 
Ebenda S. 26. 



Derselbe. 
Ebenda S. 26. 

Derselbe. 
Ebenda S. 28. 



Derselbe. 
Ebenda S. 28. 



Derselbe. 
Ebenda S. HO. 



46jähriger 
Tagelöhner. 



71 jähriger 
Pfründner. 



5 5 jähriger 
Batterhänd- 

1er. 
24jähriger 
Stadent. 



o 9 jähriger 
Schreiber. 



18 jähriges I 
Mädchen. ' 



Abmagerung, Hydrops, Ra- 
chengeschwüre. Narben. 
Caries. 



Abmagerung; Narben im 
Gaamen und Phaiynx. 
Schrumpfung des Kehl- 
deckels; Schleimhaut- 
hypertrophie. 



Allgemeine Lues. 



Abmagerung, Hydrops, sy- 
philitische Narben am 
Gaumen u. im Pharynx; 
Verengerung derFauces. 
Tiefe Erosionen und Ge- 
schwüre am Kehldeckel 
und der Zungenwurzel. 



Syphilis, von welchen der Sectionsbefiind mitgetheüt ist 

resp. Phthisis pulmonum oder Syphilis, combinirt mit Tuberculose und Krebs.) 



Klinische Symptome 

der 

Laogenaffection. 



Behandlang 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Gewöhnliche, in letz- 
ter Zeit rascher ver- 
laufende Lungen- 
lubercalose. 



! Lebersyphilis. Nierenschrumpfang. 

1 ^Geringe Tuberculose im rechten 

I Ober- Lungenlappen, im Zustande der 

heginnenden Obsolescenz. '^ 
I (Sehr kurz beschrieben; ebenso die 

folgenden Fälle des Verfassers.) 
Narben und Lappung der Leber. 

„Obsolescenz des ganzen linken un- 
teren Lungenlappens mit Bronchial- 
erweiterung und consecutiver Hyper- 
trophie der rechten Herzhälfte." 
Syphilis des Gaumens, Pharynx und La- 
rynx. Lebernarben. Amyloidentartung. 
„Obsolete I^ungen - Tuberculose.** 
Schlaffe Pneumonie beider Unterlappen. 
Wie vorstehend. 

„Obsolete Tuberculose der Lungen." 

Syphilitische Narben und tiefe Einziehun- 
gen der Leber. Tuberculose der Lungen. 
(Angaben nicht genau.) 

Tuberculose der Lungen, des Darmca- 
nals, des Kehlkopfes, der ^Nieren, mit 
tuberculöser Meningitis basilaris. Sy- 
philitische Lebereinziehungen und Nar- 
ben. 

Intensiver Bronchialkatarrh mit zerstreu- 
ter, lobulärer Pneumonie in beiden ün- 
terlappen. Käsige, tuberculose Infil- 
tration der Bronchialdrüsen. Ein hirse- 
korngrosser, gelblicher Tuberkel in der 
Milz; mehrere in der Leber. Zahlreiche 
syphilitische Lebernarben. Niereri- 
schrumpfung. Tuberculose Periosytiii. 



Ib* 



228 



Hiller, 







Alter. 






No. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
SUnd der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


8. 


E. Wagner. 


5 8 jähriger 


Unbekannt. 


Psoriasis, Stricturen der 




Arch d. Heilkde. 


Mann. 


Wiederholle Reci- 


Urethra. Hydro ^ele. Pa- 




1863. Bd. IV. 




dive. 


pulösesSyphilom desLa- 




S. 221. 






rynx; Narben im Pharynx 
und auf den Tonsillen. 
UIcera specifica in U- 










rynx und Trachea. 


9. 


Tärck. 


32 jährige 


Geleugnet. 


Narben im Gaumen u. Pha- 




Klinik der Krank- 


Köchin. 




rynx, Defect der Uvula 




heiten des Kehl- 






und des Kehldeckels. 




kopfs n. der Luft- 






Stimmbänder sind nar- 




röhre. Wien 1866. 






bige Stränge. Hochgra- 




S. 256. 






dige Narbenstenose des 
Kehlkopfes. Gonslringi- 
rende Narben d. Trachea. 


10. 


Oedmansson. 


43 jährige 


6 Jahren. Recidive. 


Seit 2 Jahren UIcera im 




Nordisk med. Ar- 


Frau. 




Rachen, Gaumen, Larxux 




kiv. I. 4. — Vir- 






und in der Trachea. 




chow-Hirsch, Jah- 










resber. 1869. 11 










S. 560. 








11. 


Aufrecht. 


21 jähriges 


Unbekannt. (Vor 1 


Breite Condylome an den 




Dtsch. Zeitschr. f. 


Mädclien. 


Jahr entbunden.} 


Labien ; Roseola. Hy- 




pract.Med. 1874. 






drops anasarca (iüter- 




No. 26. S. 223. 






stitielle Nephritis). 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phtbisis. 



229 



Klinische Symptome 

der 

LangenafTection. 



Behandlang 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



llusieii seit 3 Jah- j Nach ein bis 1 ^/'-^ Jahren 



ren; seit 4 Mona- 
ten Heisericeit und 
Aphonie. 



„tuberculöse Infiltra- 
tion beider Oberlap- 
pen''. Zunahme der 
Stenose u. Atheninoth, ; 
daher Tracheotoniie 
Nach % Jahren t »' 
Tuberculose. 



Pharynx und Ijiirynx wie nebenstehend 
beschrieben. Die ganze übrige Larynx- 
schleimhaut mit grauweissen, bis V3 
Linie grossen Tuberkeln besetzt. In 
der r. Lungenspitze eine eigrosse Ab- 
scesshöhle mit übelriechendem Inhalt; 
im übrigen Gewebe zahlreiche kleine, 
feste, graue Tuberkel, sowie ein Netz- 
werk von schwieliger und pigmentirter 
Substanz. Im r. Mittel- und ünterlap- 
pen neben herdweiser, graurother In- 
filtration einzelne. kirschkerngrosseAb- 
scesse. L. Ober-Lungenlappen zeigt 
schwieliges, pigmentirtes. indnrirtes 
Gewebe und mehrere, bis kirschkern- 
grosse Höhlen; daneben zahlreiche Mi- 
liartuberkeln. Im ünterlappen gleich- 
falls stellenweis braune Infiltration. 
Ferner Bronchiectasien und Bronchitis. 
Circumscriptes Syphilom des Magens. 

Pharynx. Larynx und Trachea wie neben- 
stehend. Ulcera und Narben in den 
Bronchien. „Tuberculose Lungenpbthi- 
se**. Tuberculose des rechten Nieren- 
beckens und der Urethra. Interstitielle 
Hepatitis. Narben in der Vagina. 
(Lungenbefund ungenau.) 



' Syphilitische Ulcera und Narben im La- 
rynx und in der Trachea. In beiden 
Lungen fand sich Tuberculose. 



üeiinges Fieber, 
Blässe. „An Lunge 
und Herz war nichts 
Abnormes zu con- 
•slatiren. 



Schwitzbäder. — Nach 
4 Wochen Roseola u. 
Condylome geschwun- 
den. Darauf stärkeres 
Oedem , Diarrhoen. 
Ascites. Nach 3 Mona- 
ten urämische Anfalle, 
nach 6 Mon. f. 



Interstitielle Nephritis und Hepatitis. 
Hochgradige Miliartuberculose des ge- 
gesammten parietalen und visceralen 
Peritoneums. (Micr.: Die Knötchen be- 
stehen ganz aus kleinen runden Zellen, 
welche hier und da um ein Centrum 
dunkler Zellen von grösserem Volumen 
liegen; an anderen ist das Centrum eine 
dankelkörnige Masse.) 



230 



Hiller. 



No. 



Beobachter. 



Alter, 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



12. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



223. 



2 7 jähriges 
Mädchen. 
Unyerehel. 



2 Jahren; nach IV 
Jahren Recidive. 



13, 



H. Ramdohr. 
Aroh. d. Heilkde. 
1878. Bd. XIX. 
S. 410—424. 



14. 



40jähriger 
Mann. 



1 3 Jahren, 
dive. 



Reci- 



Derselbe. 
Ebenda. 



Gummala am Stirnbein, 
linken Oberarm, linken 
Ellenbogen, der rechten 
Tibia, z.Th.nlcerirt. Ul- 
cera im Pharynx und an 
den Stimmbändern. (Hei- 
serkeit.) Ascites. Oedeni 
der Fasse. 



Exanthem. Geschwüre im 
Rachen. Epileptiforme 
Anßille. Aphasie. Psy- 
chische Zerrüttung. 



60jähriger 

Mann. 
(Nähere Da- 
ten fehlen.) 



Ueber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 



231 



Klinische Symptome ; 
der 
Lungenaffection. 



Behandlang 

and 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Caiarrh mit reich- 
lichen Kasselgeräu- 
schen in beiden 
Longen. Dyspnoe. 
Spärliches, schlei- 
mig-eitriges Spa- 
toro. 



I 



Aniisyphiiitisch. Zu- 
nahme der Athemnoili. 



«In den letzten Mo- 
naten Entwickelung 
einer chron. Ent- 
zündung in beiden j 
oberen Lungenlap- ' 
pen.»* 



Unbekannt, f. 



Zahlreiche hasel- biswallnussgrosseGum- 
mata in der Leber. Ulcera im Larynx. 
Narben in der Vagina. Auf dem se- 
rösen Ueberzuge der ganzen Unter-, 
Vorder- und Hinter fläche der Leber in 
grosser Zahl miliare Knötchen. (Sonst 
nirgends Tuberkeln!) Lungen durchweg 
lufthaltig. (Micr. : Alle Formen des ge- 
wöhnlichen Taberkels, zellige, reticu- 
lirte und einfach fibröse; die letzteren 
am zahlreichsten. Riesenzellen spär- 
lich.) 

Narbe am Schädeldach. Atrophie einzel- 
ner Hirngyri. Narben an Tonsillen und 
Larynx. „Tuberculose oder Syphilis 
der Lunge, der Leber, des Darms (Ge- 
schwöre im Ileum).** L. Oberlappen 
zeigt Pigmentinduralion. narbij^e Ein- 
ziehung an der Spitze, Bronchiectasien, 
schwache pneumonische Infiltration ; 
stellenweis Gruppen von grauen bis 
erbsengrossen Knoten, die zum Theil 
wieder von kleinen Knötchen durchsetzt 
sind. Dieselben Knötchen reichlich im 
1. Unterlappen; daneben frische pneu- 
monische Infiltration. R. Lunge ebenso. 
Pleura besetzt mit miliaren Knötchen. 
Peribronchitis fibrosa. Endarteriitis. 
(Micr.: a) ächte Tuberculose, Faser- 
tuberkeln, b) interstitielle Pneumonie.) 

Krebs des unteren Oesophagus, verjau- 
chend, mit Uebergang auf beide Haupt- 
bronchien : Krebs der Bronchialdrüsen. 
In beiden Unter-Lungenlappen eigen- 
thümliche Lappungen (interstitielle 
Pneumonie). Frische pneumonische In- 
filtration und Pleuritis. (Micr.-. In den 
Unterrlappen breite Bindegewebsschwie- 
lec, derbfaseriges, reich vascularisirtes 
Bindegewebe und kleinzellige Infiltra- 
tion.) 



232 



Hiller, 



No. 



Beobachter. 



Alter, 

Geschlecht, 

Stand der 

Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



15. 



Derselbe. 
Ebenda. 



16. 



Derselbe. 
Ebenda. 



17. 



Derselbe. 
Ebenda. 



öOjähriger 
Lobnkellner. 
(Klin. Daten 
fehlen.) 



2 8 jähriger 
Knecht. 



8 Jahren. Wieder- 
holte Recidive. 



llhypia syph. Ostitis des 
Schädeldaches. 



I 



24jähriger Unbekannt. 
Kunstreiter. 



I 



Exanthem, Kopfschmerz. 
1 Monat später apoplec- 
tischer Anfall mit schwe- 
ren Hirnsymptomen. 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 



233 



Klinische Symptome 
der I 

LungenafTection. ; 



I 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befand. 



•Seit ^ 2 Jahre Brust- 
affection. Seit 12 
Tagen zunehmende 
Larynxstenose. 
(Ungenau.) 



Starb in voller Gesund- 
heit an Hämoptoe. 



Unbekannt. 



Kurzer Spitalaufenthalt 
Suffocation. f. 



Unregelmässig granulirte Nieren: Hyper- 
trophie des linken Ventrikels. Schleim- 
haut des Larynx, der Trachea und der 
grossen Bronchen normal; nur am lin- 
ken Stimmband V2 ^^"^- lange Narbe. 
In beiden Oberlappen Induration des 
Lungengewebes, tiefe Narben und un- 
regelmässig zackige, bis kirschkern- 
grosse Cavemen und käsige Herde. 
Einige enthalten necrotisches Lungen- 
gewebe. Zerstreut einzelne miliare Tu- 
berkeln. Peribronchitis; Endo- und 
Periarteriitis. (Micr. : Lobuläre Des- 
quamativ - Pneumonie mit centraler 
Verkäsnng. 
ülcera und Infiltrationen am Gaumen, 
den Tonsillen, im Larynx, Trachea und 
Oesophagus. Apfelgrosse alte Gavorne 
im r. Ober-Lungenlappen; sehr zahl- 
reiche miliare Tuberkel in beiden Un- 
terlappen, circumscripte Herde bil- 
dend. Im l. Unterlappen interstitielle 
Pneumonie mit narbigen Einziehungen 
; der Oberfläche. Bronchitis und Peri- 
bronchitis. (Micr.: „Starke kleinzellige Infiltration in der Wand 
der kleinsten Bronchien, z. Th. in bindegewebiger, schwieliger 
Umwandlung, z. Th. tuberculös infiltrirt. Starke kleinzellige In- 
filtration des umliegenden interstitiellen Gewebes, mit der Ten- 
denz, sioh in festes Bindegewebe umzuwandeln. Stellenweise 
dichte Gruppen von Tuberkeln, mit Riesenzellen, auch Verkäsung 
und Cavernenbildung. Endarteriitis der kleinen Gefässe.'*) 

Unbekannt. Chronische interstitielle Orchitis. Syphi- 

litische Infiltration des I. Nerv, oculo- 
motor., der Gehirnarterien; Thrombus 
der I.Art. foss.Sylv.. Gehirnerweichung. 
Narben in beiden Lungenspitzen; lobulär pneumonische ältere 
und frische Herde (Catarrh-Pneumonie) im r. Ober- u. Mittellap- 
pen, vereinzelt im Unterlappen: im Oberlappen ein haselnuss- 
grosser Brandherd mit bräunlichem, schmutzigem Secret. Im 1. 
Oberlappen 3—5 pneumon. Herde. (Micr. : Tuberkeln mit Rie- 
senzellcn in der Wand der Bronchien und der kleinen Gefasse: 
daneben diffuse tuberculöse Infiltration. Endarteriitis.) 



234 



Hillar, 



iNü 



Beobachter. 



Alter, 

Geschlecht, 

Stand der 

Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



18. 



Gougenheini 
Gaz.deshopitaux. 
1879. No. 96. 



45jährtger 
Mann. 



Unbekannt. 



Vor einem Jahre serpigi- 
nöso syphil. Geschwöre. 



19. 



Pancritius. 
Die Langen syplii- 
lis. Berlin 1881. 
S. 98. 



31 jähriger 
Kaufmann. 



Vor 4 Jahren wei- 
cher Schanker, 
der mit externen 
Mitteln behandeil 
wurde. 



Keine. Später ein schup- 
pendes Exanthem. Drti- 
senschwellongen und Ex- 
ostosen der Schienbeine. 



20. 



21. 



Derselbe. 
Bbenda S. 118. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



128. 



36jähr. Fran ' Infectiongeleagnet. Kleine ^verdächtige** ül- 
aus guter , cera an der Zunge. Exo- 

Familie. ' stosen des Stirnbeins. 



5 monatiges j Hereditär. (?; 
Kind. I 



Keine. 



lieber Lungensyphilis unci syphilitische Phthisi««. 



235 



Klinische Symptome 

der 

LungenafTection. 



Behandlang 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Betund. 



Seit einem Jahre 
^rechtsseitige Lun- 
genphthisis*. 



Kurzaihmigkeit. 
Druckgefühl in der 
r. Brust. Husten mit 
reichlichem . eitri- 
gem Auswurf, der 
später ranzigen und 
fauligen Geruch an- 
nahm. Infiltration 
der r. oberen Longe 
mit Höhlensympto- 
men. Fieber, Ab- 
magerung. 

Asthma seit mehreren 
Jahren in abendl. 
Anfallen: Kurzath- 
migkeit, Husten m. 
spärlich. Auswurf. 
Dämpfung V. R. 0. 
im IL J. C. R. 

Husten, beschleunig- 
tes Atbmen. Fieber. 
V. R. 0. im IL und 
IIL J. C. R. Dam- 
pfung und gross- 
blasiges Rasseln. 



Antisyphilitisch, mit gu- 
tem Erfolg. Behand- 
lung unterbrochen. Er- 
neuter Ausbruch der 
Lungenphthisis, mit 
Ausgang in Tod. 



Behandlung symptoma- 
tisch. Fortschreitender 
Kälteverfall. Hämop- 
toe. Epileptischer An- 
fall. Tod. 



Anfangs symptomatisch, 
später Jodkalium, Zu- 
nehmende Dyspnoe; 
quälender Husten. Ca- 
chexie. Allgemeiner Hy- 
drops, Albuminurie. 
Tod. 



Symptomatisch, f 
2 Monaten. 



nach 



Die r. Lunge ist der Sitz einer tubercu- 
lösen Infiltration ; an ihrer Basis findet 
sich eine zerreibliche, kalkige, in ihrem 
Centrum erweichte Masse (nach G. ent- 
weder regressive Metamorrphose eines 
Gumma oder Verkreidung eines abge- 
kapselten pleuritischen Exsudats). Die 
1. Lange ist der Sitz syphilitischer Pro- 
cesse: Cavernen verschiedener Grösse, 
theilweise aus der Schmelzung von 
Gammata, theilweise aus der Erweite- 
rung von Bronchien hervorgegangen. 
Starke Bindegewebswucherung (inter- 
stitielle Pneumonie). An der Basis 
ebenfalls ein pleiiritischer Entzün- 
dungsherd m. milchig-käsigem Exsudat. 

Rechtsseitiges Empyem (!). Spitze der r. 
Lunge frei; die gan/.e übrige r. Lunge 
geschrumpft, fibrös, durchsetzt mit kä- 
sigen, erweichten Massen. In der 1. 
Lunge mehrere erbsen- bis wallnuss- 
grosse käsige Knoten; im Unterlappen 
eine gänseeigrosse „weisslich-gelbe He- 
patisation, eine Gummosität von ziem- 
derber Structur** (?). — Speckige De- 
generation der Leber, Milz und Nieren. 



^Die r. Lung^e zeigt überall, besonders 
im Mittellappen ein verfilztes (?) Ge- 
webe. ** L. Lunge hyperämisch und 
derb. Narben in der Leber und in der 
Milz. Atrophie der Nieren. Speckleber 
und Milz. (Ungenau.) 

In beiden Lungen disseminirte käsige 
Herde, „festes, filziges Gewebe*. In 
der r. Lunge eine walin ussgrosse Ca- 
veme. Speckleber und Speckmilz. 
(Amyloidreaction scheint weder in die- 
sem, noch in den anderen Fällen, in 
welchen Verf. von speckiger Entartung 
redet, gemacht worden zu sein !) 



236 



rniier. 



Xu. 



Beobachter. 



I Alter, 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtig« 
syphilitische Symptome. 



22. 



Derselbe. 
Ebenda S. 202. 



23. 



Derselbe. 
Ebenda S. 223. 



24. 



Derselbe. 
Ebenda S. 247. 



4 5 jähriger j Etwa 20 Jahren, i Cachexie; s^päier Leber- 
Rechnungs- mit wiederholten cirrhose. 
rath. Recidiven. 



2 5 jähriges 

Fräulein, 

Tochter 

eines Gym- 

nastiicers. 



40jähriger 
Ritterguts- 
besitzer. 



üeber 3 Jahren. Keine 
(Vateru.2Schwe- ' 
Stern starben an 
Phthisisl) 



I 



I 



I 22 Jahren (?). Sehr Keine, 
zweifelhaft. — Nie i 
Recidive. 



25. 



Derselbe. 
Ebenda S. 257. 



8 2 Jähriger 
Lehrer. 



8 Jahren. Keine 
I Recidive. Ein { 

Bruder starb an 
Phthisis. 



Keine. 



lieber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 



237 



Klinische Symptome | 
der 
Lungen nfTection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Grosse Athembe- 
schwerden, Asthma 
in den Abendstun- 
den. Brustschmer- 
zen , Husten mit 
spärlichem Aus- 
warf. R. 0. Däm- 
pfung bis zur IIL 
Rippe und klein- 
blasiges Rasseln. 
Schlaflosigkeit. Ab- 
magerung. 

Abmagerung. Brust- 
schmerzen , Dys- 
pnoe. Fieber, Hu- 
sten mit eitrigem 
Aaswurf. L. 0. 
Dämpfung, unbe- 
5timmtes und bron- 
chiales Athmen und 
Rasselgeräusche ; 
später Höhlensym- 
ptome. 

Kurzathmigkeit, an- 
•lauemder Husten. 
R. 0. Dämpfung, 
Bronchialalhmen n. 
Rasselgeräusche. 



ßri^tschmeraen, 
trockener Husten, 
Heiserkeit; Catarrh 
niit Verdichtung im 
L. Oberlappen. 



Jodkalium; Bad Nenn- 
dorf ; sonst symptoma- 
tisch. Allmälige Stei- 
gerung sämmtlicher 
Symptome ; hochgra- 
diges Fieber und reich- 
liche, übelriechende, 
zeitweise blutige Sputa. 
Erscheinungen einer 
Stenose derValvula mi- 
tralis. Lebercirrhose. 
f nach 14 Monaten. 

Weilbacher Brunnen ; 
später Jodkalium und 
Jodeisen. Anhaltende 
Durchfälle, Albumi- 
nurie, fortschreitender 
Verfall .Jer Kräfte, f 
Ufich 5 Monaten. 



Molken- und Trauben- 
cur; später Weilbacher 
Brunnen; Mentone. 
Ilämorrlioidal - Be- 
schwerden schon vor 
Beginn der Luugenaf- 
fection. Fortschrei- 
tende AfTection beider 
0. L. -Lappen mit Fie- 
ber, Nachtsch weissen 
und eitrigen, später 
übelriechenden Sputis. 
Geschwür im Rachen. 
Albuminurie, f nach 
2 Jahren. 

Weilbacher Brunnen; 
Obersalz- Brunnen, Le- 
berthran, Emser Brun- 
nen etc. Zunahme der 
Athembeschwerden ; 



L. Lunge normal, ebenso di& r. Spitze; 
in der Mitte des r. Oberlappens „meh- 
rere weissgraue, feste Stellen, wie ver- 
fitztes Gewebe ''. Im r. Mittellappen ein 
wallnussgrosser ^hämorrhagischer Er- 
weichungsherd** (?). — Mitralstenose 
mit Herzhypertrophie. Narben in der 
Leber. „Milz speckig ''. 



R. Lunge normal. Diffuse Infiltration 
des l. Oberlappens, mit eingestreuten, 
weissen Knötchen (Tuberkeln?). Das 
Gewebe glasig verquollen; gänseei- 
grosse Caverne. — „Entschiedene Fett- 
leber und Fettmilz.*' 

(Tuberculosel) 



Leichter Icterus, Hypertrophie der Leber, 
mit ^Cirrhose des linken Lappens**. 
Schuppendes Exanthem an den Unter- 
schenkeln (syphilitisch ?;. Kässigo Pneu- 
monie beider Lungen, mit zahlreichen 
kleineren und grösseren Cavernen in 
in den Oberlappen; um diese herum 
,.graues, fibröses Gewebe, darin einge- 
streut kleine, feste Knoten**. 
(Tuberculosel) 



R. Lunge grau weiss, blutarm; das Ge- 
webe „wenig elastisch , fest, verfilzt, 
sebnenartig**. Im 1. Oberlappen „faust- 
grosse Caverne mit gezackten Rändern; 
in diese ragen einzelne weisse Stränge 



288 



Qillar. 



No 



Beobachter. 



Alter, 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



Derselbe. \ 4 3 jähriger 

Ebenda S. 261. Beamter. 



27. 



Derselbe. 
Ebenda S. 265. 



3 9 jähriger 
Restaura- 
teur. 



I 



Geleugnet. (Ulcus J^©»"«- 
rooUe vor 20 J.) 



Zweifelhaft. (Ulcus 
moUe vor 19 J.) 



Anfänglich keine; später 
„intensive Roseola sy- 
philitica von gelblich- 
brauner Farbe " auf dem 
ganzen Körper. 



Ueber Langensyphilis und syphilitische Phthisis. 



239 



Klinische Symptome 

der 

Lunge naffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Schmerz in der lin- 
ken Brust. Massiger 
Husten. Hämoptoe; 
Dämpfung und ab- 
geschwächtes Alh- 
men . L. H. neben 
der Scapula. Kein 
Fieber. 



Athembeschwerden. 
fPat. war von be- 
deutender Cor|>u- 
lenz, wog über 200 
Pfd. und hatte her- 
kulischen Brustka- 
sten.) H.R. undL. 
an der Basis scapu- 
lae Dämpfung, aber 
normale Respira- 
tion. ^Vollstän- 
dige Bleichsucht.'' 



zeitweise asthmatische 
Anfälle, spärlicher Aus- 
wurf. Verdächtiges Ex- 
anthem auf d. Rücken u. 
Geschwür a. d. Zunge. 
Grosse Athemnoth, be- 
sonders beim Liegen 
und Sprechen. L. 0.- 
Höhlensymptome. Al- 
buminurie, f nach 1 1 
Monaten. 

Symptomatisch; später 
Nenndorfer Brunnen 
und Jodkalium. Letz- 
teres wegen Gelenk- 
schmerzen an den Ex- 
tremitäten und, wegen 
^Gnmmata an den 
Schienbeinen" (?). Zu- 
nehmendeDyspnoe.Ca- 
chexie. Albuminurie 
und Oedeme. Exsudat 
im 1. Thorax, f nach 
6 Monaten. 

Nenndorfer Brunnen, 
.Jodkaliara u. Jodeisen. 
Abnairme des Körper- 
gewichts mit subjecti- 
Ter Erleichterung, Bes- 
serung der Hautfarbe. 
— Später gastrische 
Erscheinungen. Eczem 
am ganzen Körper. Ver- 
fall der Kräfte. Tu- 
moren im Abdomen, 
Athembeschwerden, 
Erbrechen, f nach 3 
resp. 20 Monaten. 



hinein, mit zahlreichen kleinen Knöt- 
chen besetzt" (Tuberkeln?). Bronchien 
blass, mit zähem Schleim bedeckt. — 
Leber und Milz „speckig* (ohne Reac- 
tion!). — Resume: „Die rechte Lunge 
cirrhotisch, sclerotisch, die linke eben- 
falls sclerotische Processe mit Detritus, 
Caverne in der Mitte." 

(Tuberculose !) 



Jauchiges Empyem links. Garies der 5. 
und 6. Rippe. L. Lunge ateleclatisch, 
. durchsetzt mit käsigen Knötchen. Die 
r. Lunge gut lufthaltig, zeigt einge- 
sprengt weisse, käsige, erbsen- bis 
wallnussgrosse Knoten und „ Erwei- 
chungsherde ". Leberoberfläche glatt, 
das Parenchym „spricht für Fettleber''. 
Milz und Nieren „atrophisch''. (Keine 
Spur von Syphilis! Ref.) 



Carcinom des Pylorus (Virchow). Beide 
Lungen gut lufthaltig, das Gewebe von 
derber Structur, blutleer und fibrös. 
Syphilitische Symptome fehlen voll- 
ständig (!). 



240 



Hiller, 



Nö. 



Beobachter. 



Alter, 

Geschlecht, 

Stand der 

Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



28. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



291. 



I 27jährige 
I Kaufmanns- 
I frau. 



29. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



210. 



4 8 jähriger 
Buchhalter. 



8 Jahren. (Ehe- • 
gatte constitation. ' 
syphilitisch; wäh- 
rend der Ehe drei , 
Kinder geboren, , 
die kurz nach der ^ 
Geburt starben.) i 



Keine. 



Ulcus (?)Tor 20 J 
(Zweifelhaft.) 
Keine Recidive. 



Exostosen beider Schien- 
beine; hochgradige Le- 
berhypertrophie; Albu 
niinurie: Cachexie. 



Ueber Langensyphilis und syphilitische Phthisis. 



241 



Klinische Symptome 
der 
Lungenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Seit 2 Jahren Athem- 
beschwerden , die 
aaf zunehmende 
Corpolenz u. Herz- 
Terfettung bezogen 
vurden. 



Grosse Athemnoth, 
Brustschmerzen, 
quälender Husten 
mit eitrigem, ran- 
zig schmeckendem 
Auswurf. Kein Fie- 
ber. R. 0., beson- 
ders im II. und III. 
Intercostalraum 
Dämpfung, klein- 
blasiges Rasseln u. 
Höblensymptome. 



PlötzlicherTod an Herz- 
lähmung. 



Ferrum jodat. sacchar. 
Reichenhall. Hydrops 
anasarca, Fieber, 
Durchfalle. Nach drei 
Monaten f „ durch Su f- 
focation". 

(L. Traube, wel- 
cher consultirt war, er- 
klärte den Fall für Tu- 
berculosis !) 



Herzverfettung und Stenose des Ostium 
venös, sin. In der Musculatur des 1. 
Ventrikels stecknadelkopfgrosse, stern- 
förmige Narben. Im Unterlappen der 
1. Lunge eine hühnereigrosse, indnrirte 
Stelle, in deren Mitte das Gewebe mit 
trockenen, gelblichen, verkästen Massen 
durchsetzt war, während die Peripherie 
Yon stark entwickeltem Narbengewebe 
gebildet wurde. Milzvergrösserung. Le- 
ber, Nieren, Darmcanal intact. (Alter 
Infarct oder Syphilis der Lunge?) 

In der 1. Lunge „käsige Knötchen von 
von Erbsengrösse", das Gewebe sonst 
normal. In der r. Spitze „verfilztes Ge- 
webe''; in der Mitte des Oberlappens 
eine faustgrosse Gaverne, um diese 
herum viele käsige Herde. Speckige 
Entartung von Leber, Milz und Nieren. 
(Eine ganz gewöhnliche Phthisis pul- 
monum!) 



Charia knntlm. TX. Jahrg. 



16 



242 



HilUr, 



«nppe 1. üuwdrdkafte 

a) Typische 



No. 



Beobachter. 



Alter, 

Geschlecht, 

Stand der 

Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 

syphilitische Symptome. 



30. 



31. 



32. 



33. 



Dittrich. 
Prag.Vierteljahrs- 
schrift f. die gcs. 
Heilkunde. 1849. 
S. 19. (Die klini- 
schen Daten sind 
hier, wie in ande- 
ren rein anatomi- 
schen Mittheilun- 
gen sehr unvoll- 
stäüdig.) 



Derselbe. 
Ebenda. 



Derselbe. 
Prag. Vierteljahrs- 
schrift. 1850. 



R. Virchow. 
Arch. für pathol. 
Anatom. Bd. 'XV. 
S. 250—312. 



24jähriger , Unbekannt. 
Bürgersohn. 



28jähriger 
Fabrikant. 



27 jährige 
Frau. 



2 2 jähriges 
Dienstmäd- 
chen. 



Unbekannt. 



3 *, 2 Jahren. 



Abmagerung. Nase ein- 
gesunken; Scheidewand 
fehlt. Narben in der 
Haut, im Schlünde, in 
der Zunge und im La- 
rynx. 



Abmagerung. Hydrops. 
Narben in der Zunge, im 
Pharynx und Larynx. 



Constitutionelle Syphilis. 



„Verdächtiges Exanthem.'' 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 



243 



Rlle TM UDgeuyphilia. 

Fälle. 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Geisteskrank, f. 



Schmerzen in der rechten 

BrasthäUte. Broncho* 

j poeomonie rechts un- 

, ten, später links unten. 



Ileotyphus. f. 



Ärayloid-Entartung fast sämmtl. inneren 
Organe. „Alte eingesackte Tuberculose, 
Narben und Schrumpfung des rechten 
obera Lungenlappens; pneumonische In- 
filtration desUnterlappens, stellenweise 
mit tnberculösem Character.* (D. hat 
die narbigen, schwieligen Zustände in 
der Lunge für geheilte Tuberculose ge- 
halten, da er Lungensyphilis noch nicht 
kannte. Es fehlen jedoch sonstige Sym- 
ptome der tödtlichen Lungentnbercu- 
lose, während die Syphilis unzweifel- 
haft ist.) 

Amyloid -Entartung. „Geringe obsolete 
tuberculose Ablagerung in der Lungen- 
spitze." (Es gilt auch für diesen Fall 
das im Vorstehenden Gesagte. Wahr- 
scheinlich gehören auch die Fälle 1 — 4 
der Gruppe A. hierher!) 

Tiefgreifende, ästige, schiefergraue Nar- 
ben mit massenhaftem Callusgewebe in 
dem linken unleren Lungenlappen, ne- 
ben anderen Symptomen visceraler 
Syphilis. 

Entzündliche Atrophie der Schädelkno- 
chen. Abgelaufene partielle Peritonitis. 
Narben im Cervicalcanal mitLeukorrhoe. 
Knotige Bronchopneumonie. „Das Pa- 
renchym beider Unlerlappen fast luft- 
leer, ödematös, schwer, verdichtet, mit 
weisslichen, von aussen durchschim- 
mernden, knotigen Infiltrationen durch- 
setzt, aus denen sich beim Anschneiden 
eitrige Flüssigkeit ausdrücken lässf 
Bronchitis. Nodulus (syphil.?) auf der 
Wand der Lungenarterie. 



16^ 



244 



Hiller, 







Alter, 






No. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


34. 


Vidal. 


45jährige 


Seit 13 Jahren Re- 


Ekthyma und Rypia. 




Bull, g^neral de 


Nähterin. 


cidiye. 






Th^rap. Janvier, 










1855. (CansUtt's 










Jahresber. Bd. IV. 










S. 313.) 








35. 


Derselbe. 


32jährige 


Seit 1 4 Jahren. Als 


Anfänglich Geschwüre an 




Traite de malad ies 


Frau. 


Amtne durch ein 


den Brustdrüsen 2 Jahre 




venöriennes. 1855. 




syph. Kind inficirt. 


später Haut- u. Knochen- 




(Nach Schniizler, 






syphilis in ziemlich hef- 




Lungensyphilis. 






tigem Grade. Schmier- 




S. 43.) 






kur. Nach 14 J. Reci- 
dive m. Brustsymptomen. 


36. 


R. Virchow. 
Sein Arch. 1 859. 
Bd. XV. S. 273. 


44 jähriger 
Kutscher. 


Unbekannt. 


Lebercirrhose und Ascites. 


37. 


Derselbe. 
Ebenda, S. 283. 


4 7 jähriger 
Knecht. 


14 Jahren. 





Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 



245 



Klinische Symptome 

der 

Lnngenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Heftige Äthembeschwer- 
den; seit 4 Wochen 
Beklemmung. Starke 
inspiratorische Dys- 
pnoe. Auf beiden Sei- 
ten, besonders rechts. 
leererPercussionsschall 
und bronchiales Ath- 
men. Vor 4 Wochen 
Blntspnren i. Auswurf. 
Nie Husten , Fieber, 
Nachtschweisse. Keine 
Abmagerung, keine he- 
reditäre Disposition für 
Tubercnlose. 

Atbembeschwerden, 
schnell zunehmende 
Dyspnoe, Husten mit 
blutigem Auswurf. 



Pleuritis sicca. Dyspnoe. 



Jodkali um. Antispas- 
modica. Starb nach 
4 Tagen unter den 
Erscheinungen der 
Asphyxie. 



Bald Ausgang in 
Tod. 



Hydrops Ascites und 
Anasarca. f. 



Grosse Dyspnoe bei leich- Symptome einesHerz- 



tem Oedera der Unter- 
schenkel, ftubiginöse 
Sputa. Livor des Ge- 
sichts und der Extre 
mitaten. 



leidens (Mitralisin- 
sufficienz). f nach 
3 Tagen unter den 
Erscheinungen der 
Dyspnoß. 



Die hinteren Bronchialäste der beiden un- 
teren Lungenlappen beim Einschneiden 
von einer indurirten, biäuliohgrauen 
Masse umgeben, welche das Lungen- 
parenchym gänzlich verdrängt hat; sie 
ist sehr resistent bei Druck, ähnlich wie 
eine Periostose. Die übrige Lunge ist 
normal. Nirgends im Körper eine Spur 
von Tuberkeln. 



Chronisch - syphilitische interstitielle 
Pneumonie; fibröse Induration, ohne 
jede Spur von Tuberoulose. 



Entzündliche Atrophie, Hyperostose und 
Solerose am Schädeldach. Quinmnta der 
Hirnhaut und Pachymeningitis. Pleuri- 
tis tuberculosa. „In beiden Lungen alte 
narbige Massen mit grauen Knoten im 
Umfange. * Hepatitis chron. gummosa. 
Indurirter Milztumor. Atrophie der Nie- 
ren. Tuberkel in den retrobronchialen 
Lymphdrüsen. 

Myo-, Peri- und Endooarditis gummosa. 
Insufficientia valv. mitralis. Milztumor. 
Orchitis Simplex et gummosa. Drüsen- 
Schwellung. Garnification und Narben- 
bildung in den Lungen. Das Paren- 
chym beider Lungen sehr derb und ver- 
dichtet ; im 1. Oberlappen alte schiefe- 
rige Narben, mit einzelnen käsigen 
Einsprengungen, in der Mitte des Unter- 
lappens eine sehr umfangreiche sohiefe- 
rige Narbe. Die Bronchien eng and 
sehr verdickt. 



246 



Hiller, 







Alter, 






No. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


38. 


Derselbe. 


42jährige 


Unbekannt. 


Syphilitische Stenose des 




Ebenda, S, 299. 


Frau. 




Larynx mit tbeilweiser 
Zerstörung des Ring- 
knorpels and fungöser 
Granulation im Grande. 
Narbe in der Vagina. 


39. 


Derselbe. 
Ebenda, S. 308. 


— 


— 


— 


40. 


Pleischlu.Klob. 


45jähriger 


Wahrscheinlich seit 


Abmagerung ; leichter Icte- 




Wiener med. Wo- 


Beamter. 


12 Jahren. 


rus. Spurenweises Exan- 




chenschr. 1860. 






them der Haut. Leber 




No. 8, 9 u. 10. 






u. Milz beträchtlich ver- 
grössert. Hydrops asci- 
tes. Diarrhoen. Narben 
im Rachen und an den 
äusseren Genitalien. 


41. 


E. Wagner. 


4 3 jähriger 


20 Jahren. Wieder- 


Papulös - squamöses Exan- 




Archiv der Heil- 


Mann. 


holt Recidive. 


them der Haut. Macies 




kunde. 1863. IV. 






und Cachexie. Hyper- 




Jahrg. S. 227. 






ostose der Tibia. Narben 
u. Osteophyten am Schä- 
deldach. Narben am Zun- 
gengrund und im Pha- 
rynx. 



Uober Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 



247 



Klinische Symptome 

der 

Longenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Kräftiger Körper. Er- 
scheinung hocligradi- 
ger Laryngostenose. 



f ziemlich ra^ch un- 
ter siiffocatorischen 
Erscheinungen. 



Mehrfache Narben und Stenosen des La- 
lynx, der Trachea und der Bronchien. 



„Der r. Bronchus an und über seinem 
Abgange bedeutend stenotisch und auf 
dem Querschnitt von mehr dreieckiger 
Form; sein Durchmesser '/4''- t)er 1. 
Bronchus zeigt eine ähnliche, noch 
stärkere Stenose (bis zu Vg'M) dicht 
hinter seinem Abgange und ist hier mit dem Oesophagus durch dichtes sehniges Gewebe 
verbunden.* Rechts setzt sich die Verdickung und Verengerung der Bronchien noch 
eine Strecke weit in die nächst abgehenden Aeste fort. Bronchitis und Bronchectasie 
der kleineren Bronchien. In beiden ünterlappen der sonst intacton Lungen starke Ver- 
dichtung des Gewebes, namentlich in der Umgebung der erweiterten Bronchien. 



Erscheinungen wie 
vorigen Falle. 



Die Percussion und Aus- 
cuUation der Lungen 
zeigt nichts abnormes. 
Zeitweis Anfalle von 
»Athembeklemmung* 
mit Herzklopfen. Zu- 
letzt Catarrh. 



Allgemeiner Hydrops 
anasarc.'i. Kräfte- 
verfall. Somnolenz. 

t- 



Zahlreiche Narben an den Tonsillen, im 
weichen Gaumen und im Pharynx, mit 
Stenose der Choanen. Larynx u. Tra- 
chea vollkommen frei. In den tieferen 
Bronchien mehrere strahHge, harte Nar- 
ben, mit starker schieferiger, meist cen- 
traler Induration des Lungengewebes. 
Im rechten ünterlappen eine g&gen hüh- 
nerei grosse, vom übrigen Lungenparen- 
chym scharf abgegrenzte, unregel- 
mässige, mit stumpfen Fortsätzen in 
das Parenchym greifende Masse; der 
Durchschnitt derselben sehr gleichför- 
mig, völlig glait nnd eben, gleichförmig blassgelb gefärbt, 
derb elastisch, ohne Spur einer Lungentextur (Gummikno- 
ten). Ober- und Mittellappen leicht ödematös. — Bronchial- 
drüsen indarirt. Gummata in der Leber und in den Hoden. 
Ichthyosis der Haut. Pachymeningitis interna. 

Wie nebenstehend. Larynx und Trachea 
normal. Die untersten 2^' der Trachea 
zeigen zahlreiche unregelmässige, netz- 
förmige, z. Th. stark vorspringende Narben; im 1. Haupt- 
bronchus und in den Bronchien 1. Ordnung mehrere linsen- 
grosse flache Narben, mit starker Schrumpfung der Schleim- 
haut, so dass 2 Semilunarknorpel übereinander geschoben 
sind. In den grösseren Bronchien r. noch ausgedehntere Nar- 
ben als ].; in einem Bronchus sogar ein halblinsengrosses 
Loch, welches in eine ausgehöhlte cavernöse Bronchial- 
drose führt. Die kleineren Bronchien beiderseits intact. Das 
Lungenparenchym stark indurirt, schwielig, blutarm und 



248 



Hiller, 







Alter, 






No 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symplome. 


42. 


F. Meschede. 


3 6 jähriger 


2 Jahren. 


Macies, pallor. Syphili- 




Virchow's Archiv. 


Tiscbler- 




tische Geschwüre an bei- 




Bd. XXXVII. H. 4. 


geselle. 




den Unterschenkeln. Ro- 




S. 566. 






seola. Gastrodynie. 


43. 


Türck. 


3 5 jähriger 


Seit vielen Jahren. 


Ausgebreitete Geschwüre 




Klinik der Krank- 


Mann. 




und Narben im Kehlkopf 




heiten des Kehl- 






u. der Luftröhre. Necrose 




kopfs u. der Luft- 






u. Entblössung des Ring- 




röhre. 1866. S. 






knorpels. Tumoren in der 




253—411. 






Leber und im Hoden. 


44. 


H.Weber. 


28jähriger 


Unbekannt. 


Cachexie. Cerebralerschei- 




Transact. of the 


Schiffs- 




nungen: Kopfweh, spä- 




Pathological So- 


zimmermann. 




ter Coma, rheumatoide 




ciety of London. 






Schmerzen in den Extre- 




1866, No. 8. (2 






mitäten, tonische Kräm- 




Tafeln.) 






pfe der ganzen Körper- 
musculatur von 20 Mi- 
nuten Dauer: später Läh- 
mungen. 



Ueber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 



249 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befnnd. 



Keine. 



Seit 4 Jahren Husten und 
Heiserkeit. Sputum 
spärlich, eitrig. Zeit- 
weis Dyspnoe in An- 
fallen. Am Thorax aus- 
gebreitete , grossbla- 
sige Rasselgeräusche. 

Keine. 



Sublimat, f an Pleu- 
ropneumonia dextr. 



stark pigmentirt; in der r. Spitze eine 
ca. 1 Linie tiefe Narbe. — Herzhyper- 
trophie mit Insufficienz u. Stenose der 
Mitralis. Leber gelappt, narbig. Nar- 
ben in den Nieren. Amyloid der Leber, 
Milz und beider Nieren. 
Pleuritisches Exsudat rechts. In der r. 
Lunge Carnification des unteren und 
pneumonische Infiltration der beiden an- 
deren Lappen mit Oedem. ^Sowohl in 
den öderoatösen, als auch in den infiU 
trirten Partien liegen zerstreut einige 
weiche , durchschnittlich haselnuss- 
grosse Knoten von homogenem, gallert- 
artigem Aussehen und zäher Besohaf- 
fenheit, kurz — gummaähnlich." 
Ulcera und zahlreiche Narben in Laryux 
und Trachea; grosse Schleimhantde- 
fecte. Pleuritis sero-punilenta. Der 
linke Unterlungenlappen luftler, indu- 
rirt, von einer blassgelben Schwiele 
durchsetzt. — Leber gelappt, narbig. 
Narben in der Milz. 
Arachnitis des Schädels. Syphilitische 
Veränderungen in den meisten Organen. 
„Beide Lungen schwerer und derber als 
im Normalzustande. Auf dem grössten 
Theil ihrer Oberfläche, besonders in der 
Nähe der Ränder, sind die Verzweigun- 
gen der Lymphgefässe sehr ausgedehnt 
und mit einer rahmähnlichen Flüssigkeit 
gefüllt. Beim Einschneiden erscheinen 
allenthalben zahlreiche blassgelbe, her- 
vorragende Flecke, beinahe Miliartuber- 
keln gleichend, aus denen sich mit dem 
Messer die halbgeronnene Lymphe der erweiterten Saugadern 
ausdrücken lässt" (Lymphangitis nodosa). — Daneben inter- 
stitielle Wucherungen in der Lunge, welche nach W. im wei- 
teren Verlaufe zur „Cirrhose oder fibrösen Entartung" geführt 
haben würden. — Die Bronchialdrüsen bis taubeneigross ; die 
von der Lunge zu diesen führenden Lymphgefässe ebenfalls 
ansehnlich erweitert. 



Steigerung der dys- 
pnoischen Anfalle. 
Stridor. Laryngo- 
toinie; nach 8 Ta- 
gen t. 



Fortdauer des Coma. 
f nach 3 Wochen. 



250 



HilUr. 







Alter, 






Nu. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
SUnd der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


45. 


Moxon. 

Transact. of pa- 
thologic. Society. 
Vol. XXII. 1871. 
p. 38. — Auch 
Guy*s Hospital- 
Rep. 1867. III. 
Ser.Vol.l3.(Nur 
im Referat be- 
kannt.) 








46. 


C. Gerhardt. 


40jähriger 


Unbekannt. 


Narbe am Penis und mul 




Deutsch. Archiv f. 


Schreiber. 




tiple Lymphdrüsen- 




klin. Med. Bd. 11. 






Schwellung. 




1867. S. Ö41. 








47. 


Derselbe. 


24jährige 


4 Jahren (durch ih- 


Abmagerung, Blässe, Hei- 




Ebenda. 


Frau. 


ren Mann inficirt). 


serkeit. Multiple Lymph- 
drüsen Schwellung. Ste- 
nose im unteren Theil 
der Trachea. 


48. 


Oedmansson. 


33jähr.Mann, 


13 Jahren. Fast all- 


Narben, Cachexie. Sonst 




Nordisk med. Ar- 


Potator. 


jährlich Recidive. 


unbestimmt. 




Idv. I. p. 98. 






^ 




(Virchow- Hirsch, 










Jahresber. 1869. 










II. p. 560.) 









Ueber Lungensyphilis und syphililische Phthisis. 



251 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlang 

and 

Verlauf derselben. 



Sections-Befand. 



Pat. magerte ab, hastete 
viel. zeigte ausgedehnte 
Verdichtung der rech- 
ten Lungenspitze. 



Syrup. ferri jod. und 
Terpenthin-Inhala- 
tionen. Mehrtägi- 
ges, zuletzt profuses 
Blutspeien (Arro- 
sion eines Astes der 
Aorta pulmonalis) 
führte den Tod her- 
bei. 



Seit längerer Zeit trock- 
ner Husten. Dyspnoe', 
Stridor; ein Mal Aus- 
warf zweier kleiner 
Koorpelstückchen. In 
letzter Zeit Erstickungs- 
anfalle; angestrengte 
In- und Exspiration. 
Cyanose. Abmagerung. 
Appetit- and Schlaflo- 
sigkeit. Blat und Eiter gang, 
war nie im Auswurf. Bei der Auscultation 
der Longen überall Vesiculärathmen , links 
schwächer als rechts. 

Im Leben keine. Chroni- 
sche Nephritis; allge- 
meiner Hydrops. 



Jodkalium. Anfangs 
Besserang, später 
rasche Verschlim- 
merung. Schwere 
sufTocatorische An- 
fälle bis zar Be* 
wusstlosigkeit, von 
•/4 — V4 Stunden 
Dauer; einer mit 
tödtlichem Aus- 



M. beschreibt bei einer Syphilitischen 
eine chronische interstitielle Pneamo- 
nie, welche zurBildung fibröser Schwie- 
len führte. — Auch fand er in den Lun- 
gen erwachsener Syphilitischer eigen- 
thümliche, graaweisse, pneumonische 
Infiltrationen, welche der „weissen 
Pneumonie" syphilitischer Neugebore- 
ner ähnlich waren. 

Chronisch -pneumonische Induration des 
r. oberen und mittleren Lungenlappens, 
mit zahlreichen, bis wallnussgrossen 
Bronchiectasien. Der r. Bronchus und 
einer seiner Aeste waren von einem V 
langen Qeschwür eingenommen, dessen 
Qrund eine Reihe entblösster Knorpel- 
ringe und ein aus einem eröffneten Pul- 
monalanerienaste heraushängendes Ge- 
rinnsel bildeten. Trachea frei. 

Narbe am 1. Gaumenbogen. Narbige Ver- 
engerung der Trachea oberhalb der Bi- 
furcation bis zu Federkiel weite (iCtm. 
Durchm.). Beide Bronchien mitSchleim 
▼erstopft, normal weit. In den Lungen 
„zerstreute pneumonische Herde in bei- 
den Unterlappen ; geringe, sackförmige 
Bronohiectasie im rechten Unterlappen ; 
Verdichtung des Bindegewebes.'' 



Hydrops ascites und anasarca. Amyloid- 
Entartung der Nieren und der Milz. 
Lebercirrhose. Chronische Aortitis und 
Arteriitis. Fettige Entartung des Her- 
zens. Hyperostosis cranii. Narbenbil- 
dungen in der einen Lungenspitze, wel- 
che auf Gummata bezogen werden. 



252 



IliUer, 



No. 



Beobachter. 



Alten 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptoo 



49. 



50. 



51. 



52. 



Derselbe. 
Ebenda. 

Wilks. 

Schmidt's Jahrb. 

1864. Bd. 123. 

S. 178 (Referat) 
Schüppel. 

Archiv d. Heilkde. 

Bd. I. 

H. Hertz. 
Virchow's Archiv. 
1873. S. 421. 



2 Kinder im 
1. Lebens- 
jahre. 



Neugeborenes 
Kind. 



34 jährige 
Frau. 



Lues hereditär. 



Lues hereditär. 



Seit 2 — 3 Jahren. 



53. 



Lancereaax. 
Traite pratique et 
historique de la 
Syphilis. 1873. 



40jährige 
Frau. 



Blässe und Abmagerung. 
Haculöses Exanthem auf 
der Haut. Auflagerung 
an der linken Crisla ti- 
bi ae. Rechtsseitige He- 
miplegie mit linksseiti- 
ger Gesichtslähmung. 



Symptome hereditä- 
rer Syphilis seit der 
frühesten Kindheit. 



Ueber Lnngensyphilis und syphilitische Phthisis. 



253 



Klinische Symptome 

der 

Langenaffectioti. 



Behandlung 

and 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Narcotica.Retro-pha- 
ryngeal - Abscess. 
Zn nehmende Dys- 
pno(i und Gyanose. 
Lungenödem, f. 



im Thorax die Sym- 
ptome eine3 Aneurysma 
der Aorta ascendens 
resp. des Arcus aortae 
(mitGehirnembolie und 
Compression d. A. pul- 
monalis). Daneben aus- 
gebreitete Bronchitis, 
chronisch pneumoni- 
sche Infiltration der r. 
Lunge im ganzen un- 
teren und z. Th. auch 
im oberen Lappen ; be- 
ginnende Infiltration 
im rechtenUnterlappen. 
(L. V. Vesiculär- bis 
anbestimmtes Athmen 
mit klein- and gross- 
hlasigen, z. Th. klin- 
genden Rasselgeräa- 
schen; L.H. Bronchial- 
athmen mit zahlreichen 
Rasselgeräuschen; Bronchophonie und ver- 
stärkter Pectoralfremitus.) — Sehr quälen- 
der Hasten, fast ohne Auswurf. Heiserkeit 
Dyspnoe. 



t nach kurzer Zeit. 



Todtgeboren. 



Abmagerung, Kräfte ver- 
fall. Husten, Athem- 
beschwerden. 2^itweis 
Hämoptoe. (Wurde für 
Phthisis gehalten.) 



f nach einigen Mo- 
naten. 



Typische Gummition der einen Lunge; 
haupisächlich in dem interstitiellen Ge- 
webe entwickelt. 

W. fand bei der Seclion Syphilitischer 
Gummata in der Lunge, theilweise im 
Zustande gelber centraler Erweichung. 

Mehrere Stellen der Lange befanden sich 
im Zustande der diffusen syphilomatö- 
sen Infiltration. Dieselbe Infiltration 
in der Leber. 

Ciroumscripte Necrose der Schädelbasis. 
Pleuritisches Exsudat links. L. oberer 
Lungenlappen durchsetzt von zahlrei- 
chen hirsekorn- bis erbsengrossen, un- 
regelmässig begrenzten, grauen und 
weissen , selbst schwärzlichen , derben 
Knoten; an der Basis mehr diffuse, grau 
durchschimmernde Verdichtung. Im Un- 
terlappen ähnliche, herdweise Infiltra- 
tion mit gelber centraler Erweichung, 
von derben, festen Bindegewebszügen 
durchzogen; daneben zahlreiche derbe, 
grauweisse Knoten. In der rechton Lunge 
dieselben herdartigen Verdichtungen mit 
käsigem Gentrum; die Oberfläche hat 
eine ungleichmässige, höckerige, den 
erwähnten Knoten entsprechende Be- 
schaffenheit. In beiden Lungen Oedem. 
Micr.: In den grauen derben Herden 
homogenes oder fibriUäres Bindegewebe 
mit zahlreichen runden, stem- n. spin- 
delförmigen Zellen, am häufigsten un- 
mittelbar in der Umgebung der mitt- 
leren und feineren Bronchien. (Knotige 
Bronchopneumonie ?) 

L. Lunge normal. Die r. Lunge im mitt- 
leren und unteren Lappen verdichtet, 
von breiten fibrösen Strängen durchzo- 
gen. In dem verdichteten Gewebe ein- 
zelne harte, scharf umschriebene Knoten 
von verschiedener Grosse. Daneben ein- 



254 



Diller, 







Alter, 






No. 


Beobachter. 


GesohlMht, 
SUnd der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


54. 


H. Eppinger. 
Prag.Vierteljahi-s- 
sohrift f. d. pract. 
Heilkunde. 1875. 
Bd. 126. p. 4. 


42jähriger 
Mann. 


— 


— 


55. 


W.S.Greenfield. 


1 2 monatiges 


Wahrscheinlich he 






Transact. of tbe 


Mädchen. 


reditär. 






patholog. Society. 










Bd. XXVII. (Vir- 










chow-Hirsch, Jah- 










resbericht. 1876. 










Bd. II. S. 171.) 








56. 


Lancereaax. 


58jähriger 


Syphilitische Infec- 


Cerebralerscheinungen : 




Qaz. des hopitaux. 


Mann. 


tion geleugnet. 


Kopfschmerzen, Betäu- 




1877. No. 125. 






bung, Schwindel und 
hartnäckiges Sohlacb- 
zen, Sehstörungen, spä- 
ter Erblindung, Parese 
und später rollständige 
Lähmung der rechten 
Körperhälfle. 



Ueber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 



255 



Klinische Symptome 

der 

Langenaffection. 



Behandlung 

nnd 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



War unter Ijähmangser- 
scheinungen zu Grunde 
gegangen. 



Seit kurzer Zeit krank, 
starb plötzlich in den 
Armen der Multer. 



Kurzathmigkeit beim 
Gehen und Treppen- 
steigen. Husten und 
schleimig-eitriger Aus- 
wurf seit 1 Monat. 



zelne, scharf umschriebene, glattwan- 
dige Höhlen, — beides nach L. von 
Tuberkeln und phthisischen Cavernen 
verschieden. (Bronchiectatisclie Gaver- 
nen und knotige Bronchopneumonie.) 
Ausserdem syphilitische Iritis und Exo- 
stosen der Tibia. 
Gitronengrosses Gumma im Hinterlappen 
der 1. Grosshirnhemisphäre. Garies und 
Auflagerungen am Schädeldach, Peri- 
cranium und Dura mater. ^In der lin- 
ken Lunge nicht nur frische syphili- 
tische Knoten, sondern auch nebenbei 
aus ihnen entstandene eitrige Zerstö- 
rungen." 
L. Lunge intact. R. Lunge durchsetzt von 
Strängen fibrösen Gewebes (interstitielle 
Pneumonie); das Parenchym im Zu- 
stande weisser Hepatisation. Micr.: 
Starke Bindegewebshyperplasie. Alveo- 
len spärlich, theilweise comprimirt, 
theilweise mit gewucherten Epithelien 
angefüllt. Getasswandungen und Bron- 
chien überall stark verdickt. 
Syphilis des Gehirns und der Hirnhäute. 
Linker unterer Lungenlappen verdich- 
tet, von derben Faserzugen neugebilde- 
ten Bindegewebes durchsetzt, die strah- 
lenförmig von einem Gentrum ausgehen, 
daneben zahlreiche haselnuss- bis kirsch- 
grosse gelbliche Knoten (Gummata). 
Kleinere Bronchien erweitert. Die r. L. 
znigt denselben Process in einem vor- 
gerückteren Stadium; die Sclerosirang 
des Gewebes war umfangreicher, die 
Knötchen zeigten Zerfallserscheinungen. Ectasie einer grösse- 
ren Anzahl von Bronchien. Herde lobulärer Pneumonie. — 
Micr.: Starke, zellige Infiltration des interalveolären Ge- 
webes, reichliches, narbenähnliches, fibrilläres Bindege- 
webe, starke Rundzellen^nhäufung um die Gefässe. End- 
arteriitis. 



Jodkalium. Haarseil. 
An fangs Besseining, 
danach wieder Ver- 
schlimmerung. De- 
lirien, Schluchzen, 
Bewusstlosigkeit, 
vollständige Läh- 
mung und Tod. 



256 



Hiller, 







Alter, 






No 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


57 


Mac Lane - Tif- 


Bericht über 




• 


bis 


fany. American 


denSections- 


. 




61. 


Jonrn. of medical 
science. 1877. 
July. (CentralbL 
f. d. medic. Wiss. 
1877. S. 926.) 


befund in 5 

Fällen von 

Langen- 

Syphilis. 






62. 


Beger. 


3 3 jähriger 


Gelengnet. 


Narbe am Penis. Lymph- 




Deutsch. Archiv f. 


Böttcher- 




driisenschwellung. 




klin. Medicin. Bd. 


geselle. 








XXIIL S. 608. 




• 




63. 


Derselbe. 


3 5 jähriger 


Seit vielen Jahren. 


Specifisches Ulcus am Tho- 




Ebenda. S. 614. 


Gärtner. 


(Pat. stammt aus 
einer tuberculösen 
Familie; mehrere 
Geschwister sind 
an Phthisis ge- 
storben.) 


rax, das erst nach inner- 
lichem Gebraach von 
Jodkaliam heilte. — 
Lymphdrüsenschwellung, 
Knoohenaaftreibangen an 
beiden Tibiae. 



Ueber Lnngensyphilis and syphilitiscbo Phthisis. 



257 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlang 

and 

Verlaaf derselben. 



SectioDS-Befund. 



Hasten seit 2 Monaten, 
anfangs trocken, spä- 
ter mit catarbalischem 
(schleimig - eiterigem) 
Auswarf, der stets frei 
blieb von elastischen 
Fasern. Nur einmal 
wurde ein halb linsen- 
grosser Gewebsfetzen 
(aas der syphilitisch 
infiltrirten Tracheal- 
scbleimhaat stammend) 
expectorirt. — Anfangs 
fieberlos; in den letz- 
ten Wochen zwischen 
38,8 and 39,8« C — 
Am Thorax nirgends 
Bei der Aascaltation 
Rasselgeräasche mit 
— Athmang freqaent. 

Dyspnoe; massige Cya- 
nose. Fieber (39,80). 
Pharynx-, Larynx- und 
Trachealschlei mbaut 
roth and theilweise ge- 
schwollen. Parese des 
1. Stimmbandes. Kein 
Stridor. Respiration 
beschleunigt. Die phy- 
8ical.Unt6r8ttobttng er- 

CteriU-ABBalan. IX. Jahrg. 



In sämmtlichen 5 Fällen vorzugsweise in- 
terstitielle Processe (Induration). Da- 
neben Ablagerung gummöser Neubil- 
dungen. Regelmässig Verdickungen der 
Wand der Bronchien und Blutgefässe 
innerhalb der afficirten Partien, mit Verengerung des Lumens 
(Peribronchilis fibrosa und Arteriitis chron. obliterans). Stel- 
lenweise erbebliche Bronchostenose. Dabei häufig eine spe- 
cifische, gleichmässig graue Infiltration der Lunge, besonders 
der centralen und mittleren Abschnitte, mit Tendenz zur 
Necrotisirung und Höhlenbildung. In seltenen Fällen Ver- 
narbung. In keinem Falle wurden Tuberkel in den Lun- 
gen gefunden. 

Schluckpneumonie im 1. Untorlappen; 
mitten in den graurothen Partien sitzen 
weisse Punkte und Striche von 1 — 1,5 
Mm. Durchmesser in der Umgebung 
kleinster Bronchien, die auffallend weit 
erscheinen. Dasselbe in der r. Lunge, 
deren Qrundsubstanz ein beileres, graues 
Aussehen hat; die weissen Stellen sind 
hier grösser ond an den Rändern ver- 
schwommen (Peribronchitis fibrosa). — 
Bronchialdrüsen geschwellt. Beträcht- 
liche Stenose derTrachea in der Gegend 
der Bifurcation und des Anfangstheils 
der Bronchien. Mehrfache Ulcerationen 
der Trachea mit höckrigen, unebenen, 
schwieligen Rändern. — Oberhalb der 
Trachealstenose ein kirschengrosses 
Gumma mit Perforation der Tracheal- 
wand. 



Heftiger , qualvoller 
Hustenreiz. Zuneh- 
mende Atbemnoth. 
«Laut rasselnde 
Respiration. " Zu- 
nehmende Cyanose 
des Gesichts. Er- 
stickungsanfälle. 
Zuletzt Schluck- 
pneumonie des lin- 
ken Unterlappens. 
Tod. 



abnorme Dämpfung. 

reichliche trockene 

vesicttlärem Athmen. 



Ernährung per Clys- 
ma. Inhalationen. 
Sublimat 0,01 sub- 
cutan. — Anfangs 
Besserung, dann 
Schluckpneumonie. 
Starke Cyanose, 
Trachealrasseln, 
Lan genödem. Tod. 



Syphilitische Veränderungen an den Ton- 
sillen, im Rachen, an den Tibiae, Cla- 
viculae und an beiden Hoden. Ulcus 
syphiliticum Tracheae mit Perforation 
in den Oesophagus. Fremdkörperpneu- 
monien in beiden Lappen. „Die Unke 
Lunge ist durchgängig sehr schwer, im 
unteren Lappen fest infiUrirt in Form 
verschiedener, nicht über haselnuss- 
grosser, vielfach confluirender Knoten 

17 



258 



HilUr, 



No. 



Beobachter. 



Alter, 

Geschlecht, 

Stand der 

Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



64. 



W. Henop. 
Deutsch. Arch. f. 
kün. Med. 1879. 
Bd.XXlV.S.250. 



1 8 jähriger 
Schiffer- 
junge. 



65. 



H. Ramdohr. 
Arch. d. Heilkde. 
1878. Bd. XIX. 
S. 410—424. 



2 2 jähriges 
Mädchen. 



8 Monaten. Plaques muqaenses am Gau- 

men. (Pat. war 8 Mo- 
nate vorher in demselben 
Hospital an constitutio- 
neller Syphilis behandelt 
worden.) 



«Genaue Krankengeschichten fehlen meist, da 
dem Tode beobachtet wurden.* Die anato 

grösstentheils von 



66. 



Derselbe. 
Ebenda. 



28jährige8 
Mädchen. 



67. 



Derselbe. 
Ebenda. 



50 jährige 
Frau. 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 



259 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



giebt nur: intensiven 
BroDchialcatarrh , so- 
wie die Symptome einer 
Communication zwi- 
schen Oesophagus und 
Trachea. 

Fieber (bis 40,6 0C.). 
Husten. Wiederholt 
Durchfalle. Ueber den 
Langen kleinblasige, 
stellen w. crepitirende 
Rassel gerausctie, aber 
nirgends Dämpfung. — 
Später linksseit. Pleu- 
ritis. 



die Kranken gewöhnlich nur wenige Tage Yor 
mischen und microscopischen Befunde rühren 
C. Wagner her. 



Jodkalium. Anfangs 
Besserung, dann 
Verschlechterung. 
Tod nach 2 Mona- 
ten. 



von meist braunrother Farbe." In der 
rechten Lunge dieselben Verhältnisse; 
die lobulären Infiltrate haben theilweise 
bereits eine graugelbe, käseähnliohe 
Beschaffenheit angenommen. Schwel- 
lung der Bronchialdrüsen. — (Knotige 
Broncliopneumonie? Ref.) 
Schwielige Verdickung der Bronchial- 
wände, sowohl peripherisch, als auch 
concentrisch (Verengerung). Daneben 
sind beideLungen durchsetzt von massig 
zahlreichen erbsen- bis bohnengrossen, 
gelblich- weissen Knoten (Gummata), 
welche theils in der Nähe von Bron- 
chien, theils um solche herum sitzen. 
^Ein eiteriger oder käsiger Zerfall ist 
nicht zu bemerken.** 
Ulcera (tuberculosa?) im Coecum, Ileum, 
im Rectum und am After; flache Defecte 
im Larynx. Chron. Nephritis. L. Lun- 
genoberlappen sehr derb, frisch pneu- 
I monisch infiltrirt, von zahlreichen 
kleinen grauen Knötchen durchsetzt; Bronchiectasien. R. Mittellappen frisch pneu- 
monisch infiltrit. In beiden Unterlappen Oedem. — Micr.: Hochgradige, interlobuläre 
Verdickungen, Qewebe schwielig; an den Rändern der Bindegewebszüge kleinzellige 
Infiltration, welche sich auf das interalveoläre Gewebe fortsetzt und bei einzelnen Lo- 
bulis so stark und gleichmässig ist, dass man eine «weisse Pneumonie** vor sich zu 
haben glaubt. Stellenweise pneumonische Infiltrate der Alveolen mit Neigung zur Ver- 
käsung. Keine Tuberkeln. 

Syphilis der Nase. Lupus mehrerer Ge- 
lenke. Syphilitische Processe in der 
Schleimhaut des unteren Dünndarms 
und des oberen Dickdarms. In beiden Lungenspitzen eigenthümliche Narben, starke, 
Interlobuläre Bindegewebshyperirophie und einzelne graugelbe, gallertige oder käsige 
Herde. Peribronchitis fibrosa. Amyloidentartuug der Leber, Milz und Nieren. Endo- 
carditis. — Micr.: Starke, kleinzellige Infiltration, theils mit Umbildung in derbes, fase- 
riges Bindegewebe, theils mit Uebergang in Verkäsung. Stellenweise starke Epithel- 
WQcherung. 

Vielfache Schädelnarben und Hyperostose 
beidel* Tibiae. Ausgedehnte Narben in 
der Schleimhaut des Larynx. Speck- 
leber und Speckmilz. Allgemeiner 
Hydrops. L. Longe stark geschrumpft, 

17* 



260 



Hiller, 







Alter. 






No 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


68. 


Derselbe. 
Ebenda. 


60jähriger 
Mann. 


— 




69. 


Sacharjin und 


3 2 jähriger 


7 Jahren. Nach 2 


Schlechter Appetit, Durch- 




Paviinoff. Berl. 


Gutsverwal- 


Jahren Recidive. 


fall, Ascites u. Oedeme. 




klin. Wochenschr. 


ter. 




Leberdämpfung verklei- 




1878. No. 3. -- 






nert. Albuminurie. Apho- 




Virchow's Archiv. 






nie; starke Schwellung 




1879. Bd. 75. 






der Stimmbänder und 




S. 162-17G. 






der Larynxschleimhaul; 
später Ulcerationen. 


70. 


F. W. T. Pancri- 
tius. lieber Lun- 
gensyphiiis. Ber- 
lin 1881. S. 86. 


4 5 jähriger 
Buchhalter. 


8 Jahren. Recidive. 


Keine. 



üeber Liingcnsyphilis und syphilitische Phthisis. 



261 



Klinische Symptome 

der 

Longenaffeciion. 



Behandlang 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befand. 



namentlich im Unterlappen, Ober- 
lappen eraphysematös. Pleura ver- 
dickt; an einer Stelle eine breite 
Narbe. Lungenparenchym stark indurirt und schwärzlich pigmentirt; an zwei Stellen 
Narben mit strahligen, nach allen Richtungen ausstrahlenden Bindegewebszögen. Peri- 
bronchitis fibrosa. Periarteritis. — Micr.: Wie früher; auch hier geht die zollige Infil- 
tration und Verschwielung von den Adventitien der Gefasse und Bronchien, von den in- 
terstitiellen Bindegewebszägen und von der Pleura aus. Lumina der Alveolen erfüllt 
mit Epithelien. 

Vielfache Schädel narben. Narben im 
Zangengrund. Geschwür am linken 
Stimmband. Narben in der Leber und 
in beiden Nieren. Eigenlhümlich^ Tumoren in Leber und Milz (Gummala?). Speckmilz. 
L. 0. Lungenlappen durchsetzt von zahlreichen kleinen, pigmentindurirten Stellen und 
von tuberkelähnlichen Knötchen. Aehnlich im r. Oberlappen; hier auch oberflächliche 
Narben. Auch der I. Unterlappen durchsetzt von zahlreichen erbsengrossen , grau- 
weissen, dicht nebeneinanderliegenden Massen, die verschieden von Tuberkeln sind. 
Microscop. : Zellige Hyperplasie, mit Ausgang in Schwiclenbildung oder Verkäsung. 
fKnotige Bronchopneumonie oder Gummata?) 



Kurzathmigkeit, beson- 
ders bei Bewegungen. 
Husten; das Sputum 
schleimig, wenig eite- 
rig, mit Blutstreifen. 
Bei der Percussion 
V. R. 0. bis zur 3. R. 
Dämpfung, ebenso in 
der Achselgrube und 
binlen neben dem 
Schulterblatt; V. L.O. 
ober- und unterhalb 
d. Schlüsselbeins Däm 
pfung. Bronchialath- 
men mit Pfeifen und 
Rasseln innerhalb der 
Dämpfungsgrenzen. 



f in Folge eines Ery 
sipelas. 



I 



Beide Lungen sehr gross, bedeckt von 
fleckweisen Wucherungen der Pleura. 
I Die äussere Oberfläche der linken Lunge 
I grobgelappt, durch breite, retrahirte 
I Wucherungen des interstitiellen Gewe- 
j bes. Hanfkorn bis haselnussgrossekno- 
I tige Verdichtungen desParenchyms, von 
grauer und gelbweisser Farbe, weiche in der Nähe der ver- 
dickten Bronchialwand oder um diese herum ihren Sitz ha- 
ben und hinsichtlich ihres histologischen Verhaltens mit 
Gummiknoten identisch sind. Im Oberlappen der r. Lunge 
Erscheinungen einer chronisch-parenchymatösen Entzündung 
und in der Spitze zwei bronchieclalische Höhlen. In beiden 
Unterlappen gleichmässige difTuso Verdichtung, bedingt durch 
kleinzellige Infiltration des peribronchialen and alveolären 
Bindegewebes. — Geschwüre und Narben in Bronchien und 
Kehlkopf. Amyloidentartung der Milz und Nieren. Narben 
undCirrhose der Leber. Periostitis osjificans am r. Schienbein. 



Residuen einer abgelau- 
fenen Pleuritis rechts. 
Kurzathmigkeit u. Hu- 
sten ; zuweilen Abends 
asthmat. Anfälle. Kein j 
Fieber, guter Appetit. | 



Weilbacher Brunnen. 
Allmäl. Steigerung 
der Dyspnoe. Star- 
ker Husten mit ge- 
ringem Auswurf. 
Albaminnrie. Am 



Lebercirrhose. Speckmilz. Atrophie der 
1. Niere. Fettige Degeneration des 
Herzmuskels. L. Lunge gut lufthaltig, 
im Oberlappen sechs erbsen- bis hasel- 
nussgrosse , theils hämorrhagische, 
theils käsige Knoten. R. Lunge: Ad- 



262 



lliller, 



No. 



Beobachter. 



Alter, 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 



71. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



114. 



72. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



131, 



73. 



Derselbe. 
Ebenda S. 175. 



3 2 jäh rigor 
Maler. 



4 8 jähriger 
Mus'k- 
Diieclor. 



4 2 jähriger 
Rechtiungs- 
rath. 



8 Jahren. (Angeb- 
lich Ulcus moiie.) 



Gumma der Zunge. Ge- 
schwür an der rechten 
Mandel. Sonst keine. 



20 Jahren. Ausser- 
dem Potator. 



Geschwür im Rachen. Exo- 
stosen an beiden Schien- 
beinen. Schwindel-An- 
fälle. 



Etwa 10 Jahren. 



Hyperostosen am linken 
Schienbein. Schuppen- 
des Exanthem am linken 
Oberschenkel und am 
Scrotnm. 



üeber Lungensyphilis und sypliililische Phthisis. 



263 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlung 

and 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Mattigkeit, Brust- 
scbmenen , Abmage- 
rung, gestörte Verdau- 
ung, Alhembeschwer- 
den beim Gehen u. ge- 
ringes Hüsteln. Däm- 
pfung V. R. 0. im IL 
Intercostalraum. 



Husten mit reichlichem, 
eiterigem Auswurf, 
zeitweilig blutig. V. 
R. 0. Dämpfung und 
Bronchialathmen, spä- 
ter «Respiratio caver- 
Dosa**. 

Seit 3 Jahren Dyspnoe 
und asthmatische An- 
falle. Kein Husten. 
K. H. 0. Dämpfung 
and abgeschwächtes 
Athemgenosch. 



Thorax V. R. 0. 
Dämpfung u. klein- 
blasige Rasselge- 
räusche. Später Qe- 
schwäre a. d. Zunge 
u. im Rachen. Star- 
kes Fieber, grosse 
Athemnoth, quälen- 
der Husten m. eite- 
rigem Auswurf; am- 
phorisches Athem- 
geräusch R. 0. f 
durch Suffocation. 

Nenndorfer Brunnen, 
Schwefelbäder,Jod- 
kalium. — Gumma 
des I.Scheitelbeins. 
Fortschreitende Ab- 
magerung, häufiges 
Erbrechen. Asthma 
beim Gehen. Albu- 
minurie a.Oedeme; 
f nach wenigen Mo- 
naten. 

Schmierknr, später 
Jodkalium. Zeit- 
weise Besserung. 
Fortdauernder Hu- 
sten. Apoplecli- 
forme Anfälle. Nach 
beinahe 2 Jahren 
Tod. 

Weilbacher Brunnen 
u. Jodkalium; dar- 
nach Besserung; 
später Wiederkehr 
der Erscheinungen. 
Kur in Nenndorf 
m. Jodkalium. Fast 
Töllige Herstellung. 
Starb an einem Gar- 
bunkel. 



häsive Pleuritis; im Oberlappen cen- 
trale Induration von schiefergrauer 
Farbe, in deren Mitte verschiedene erb- 
sen- bis wallnussgrosse Cavernen lie- 
gen; im Mitteliappen einige „hämor- 
rhagische Knoten im Znstande der Er- 
weichung**. (Diagnose: „ Syphilitische 
Pneumonie. **) 



,In den oberen Lappen beider Lungen 
kleine, umschriebene Infiltrate, ohne 
Tnberkelbildung; die Lungen im Gan- 
zen wenig lufthaltig.'' Die Spitzen der 
Lungen intact. Strahlige Narben in der 
Leber. Nieren yergrössert, ebenso die 
Milz. Amyloide Degeneration nicht 
sicher festgestellt. 

(Ungenau.) 



Sehr starker Panniculus. Im Oberlappen 
der r. Lunge zwei tiefgeliende, weisse 
Bindegewebsnarben von 1 V2 — ^ '^^^^ 
Länge; im Mittellappen „hämorrhagi- 
sche Erweichung'' (?); im Unterlappen 
braune Hepatisation. — Narben und 
Girrhose in der Leber. Schädel nicht 
eröffnet. 

Narbige Einziehungen an den Spitzen 
beider Lungen. Narbige Atrophie der 
linken Niere. Milzschwellung; Icterus. 
(Ungenau.) 



264 



Hiller, 







Alter, 






No 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


74. 


Derselbe. 


26jähriger 


8 Jahren. Recidiye. 


Cachexie, Heiserkeit, Gum 




Ebenda S. 281. 


Kaufmann. 




mala der Zunge. 


75. 


Derselbe. 


3 3 jähriger 


? 


Nicht bekannt. Angeblich 




Ebenda S. 283. 


Eisenbalin- 
beamter. 




wegen ^ unheilbarer Kno- 
chensyphilis'* vor 4 Jah 
ren vom Militair ent- 
lassen. 


76. 


Ä. Sokolowski. 


42jähriger 


iß Jahren. 


Heiserkeit. Chronische 




Deutsche medicin. 


Beamter. 




Pharyngitis und Laryn- 




Wchenschr.1883. 






gitis. Ulceröse Zerstö- 




No. 37-39. — 






rung der Stimmbänder. 




Gazeta lekarska. 






Zahlreiche Narben und 




No.l 1-15. (Pol- 






polypöse Wucherungen 




nisch.) 


• 




im Larynx. 



Ueber Longensyphilis and syphilitische Phthisis. 



265 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Kanathmigkeit, Brnst- 
schmerzen. Kein Fie- 
her. Objectiy nichts 
Krankes nachweisbar. 



Palient soll an Phthisis 
pulmonum gelitten ha- 
ben und daran gestor- 
ben sein. 



Lebhafte Dyspnoe ; 
trockener, würgender 
Husten. Erbrechen 
nach jeder Mahlzeit 
Krafte?erfall. Kein 
Fieber. — V.L. 0. und 
H. R. 0. Dämpfung bis 
zur 3. Rippe, bezw. 
Mitte derScapula. In- 
nerhalb dieser Partien 
unbestimmtes Alhmen 
und trockenes Rasseln ; 
hinten bronchiales Ex- 
spirium, Bronchopho- 
nie und klingendes 
Rasseln. — Sputum 
nicht beschrieben. 



R. Oberlappen derb, aber lufthaltig. Der 
Hilus fest, knotig, „mit grau weissen 
Massen durchsetzt und in diesen Eiter- 
punkte. Das Lungengewebe in der Mitte 
leberähnlich, musculäre (?) Cirrhose, 
fest, verschiedene hämorrhagische Kno- 
ten mii käsigem Zerfall. '^ (Unverständ- 
lich!) L. Lunge ähnlich. Leber und 
Milz „speckig^. Rechte Niere atro- 
phisch. 



Nenndorfer Brunnen. 
Jodkalium. Besse> 
rung der syphilit. 
Symptome und der 
Kurzathmigkeit. — 
Heiserkeit und Hu- 
sten. R. 0. u. L. 0. 
Dämpfung, Vesica- 
lärathmen u. knar- 
rende Rasselgeräu- 
sche. Eiteriger 
Auswurf. Nacht- 
sch weisse, f nach 
7 Mon., resp. 3 J. 
Unbekannt. Starke Abmagerung. Herz fettreich. 

Rechtsseitiges Empyem (!). R.Lunge im 
Unterlappen von fester Structur, durch- 
setzt mit gelben Knötchen; oberer Lap- 
pen atelectatisch. Im 1. Oberlappen eine 
gänseeigrosse Caveme; daneben zahl- 
reiche „tuberculöse^ Infiltrationen von 
Erbsen- bis Bohnengrösse. Amyloid- 
Leber; Sagomilz. Chronische Nephritis. 
(Nach Buhrs Bericht keine Tubercul.) 

Ulceröse Zerstörung der Stimmbänder; 
Ulcera laryngis mit Entblössung der 
Aryknorpel. — Der 1. obere Lungen- 
lappen durch 1 — 5 Ctm. grosse Ge- 
schwulstknoten verdichtet, welche aus 
grauer, narbenartiger, je einen Bron- 
chus umhüllender Gewebssubstanz be- 
stehen. Die Bronchien sind verhärtet, 
trocken, in den grösseren Aesten ohne 
Spur eines Schleim h au tüberzuges. Daneben eine 3 — 4 Ctm. 
grosse Caverne mit höckeriger, bindegewebiger Oberfläche u. 
grauem Inhalt. Am vordem u. hintern Lungenrande je ein IV , 
Ctm grosser, graugelber Tumor (Gumma syphil.). Aehn liehe 
im Unterlappen. — In der r. Lungenspitze ein 4 — 5 Ctm. im 
Durchm. grosse Caverne mit glatten Wänden, unterhalb dieser 
eine grössere, 8 Ctm. messende Caverne ,.mit gezerrten, unebe- 
nenWandfiächen." Pleurit. Adhäsionen. Schwellg. d. Bronchial- 
drüsen. — (Die geschilderten Cavemen sind der Beschreibung 
nach höchstwahrscheinlich bronchiectat. Cavernen gewesen.) 



Sublimat innerlich 
und als Inhalation; 
Jodkalium. Dar- 
nach merkliche Bes- 
serung. Nach 2 Mo- 
naten Verschlimme- 
rung. Tod nach 5 
Monaten. 



266 



Hiller, 







Alter, 






Nu. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


77. 


Derselbe. 


47jäbriger 


15 Jahren. 


Zeitweise Knochenschmer- 




Ebenda. 


Beamter. 




zen. — Heiserkeit. Epi- 
giottis und Kehlkopf- 
sohleimhaut geröthet. 
Geschwüre auf i. Stimm- 
bändern. Das linke fal- 
sche Stimmband ist ver- 
dickt. — Greisenhaftes, 
verkümmertes Aussehen. 


78. 


Derselbe. 


2 9 jähriger 


3 Jahren. 


Diarrhoe (syphilit.?). Sonst 




Ebenda. 


Postbeamter. 




keine. 


79. 


C. Kopp. 
Deutsches Archiv 
für kiin. Medicin. 
Bd. XXXII. Heft 
3 u. 4. 


33jähriger 
Mann. 


6 Jahren. 


— 



Ueber Longensyphilis und syphilitische Phthisis. 



267 



Klinische Symptome 

der 

Lungenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Vorgeschrittene Entkraf- Fieber (Ab. 38 5^C,). 
tung. Kein Fieber. Zunehmender 
Spärlicher eiter. Aus- Kräfteverfall. Tod 
wurf bei nicht zu hau- nach 1 Monat, 
figem Hustem. Alhem- 
beschwerden (seit 2 
Jahren). Ueber beiden 
Lungenspitzen Däm- 
pfung; I, daselbst, besonders rech terseits vorn, 
vernimmt man bei der Auscultation bedeu- 
tende Zerstörungen in den Lungenspitzen (I), 
— cavernöse Respiration, laute Rasselge- 
räosche'*. „In den ganzen Lungen hört man 
bei der Respiralion deutliche bronchiale Ex- 
spiration. * 

llaemoptoe. Wachsartige Fortschreitender 
Hautblässe. Kein Fie- Kräfteverfall. Tod 
ber. — Husten. „An 
dem sonst gut ent- 
wickelten Thorax giebt 
die Percussion an bei- 
den Lungenspitzen 
einen bedeutend ge- 
dämpften Ton ; da- 
selbst hört man auch 
unbestimmte Respira- 
tion mit wenigen lau- 
ten Rasselgeräuschen." 
Sputum spärlich. 



Husten, später in hefti- 
gen Paroxysmen auf- 
tretend; reiciilicher 
eiteriger Auswurf, frei 
von elastischen Fasern. 
Abmagerung. Abend- 
liches Fieber. Dys- 
pnoe, sich steigernd 
bis zu Erstickungsan- 
fallen. 



nach I 'A Monaten. 



Schmierkur, Jodka- 
lium. Tod nach 9 
Monaten. 



„ Beide Langen stark angewachsen. Beim 
Durchschnitt mehrere Cavernen ver- 
schiedener Grösse in dem oberen Lun- 
genlappen. Im Rest der Lungen an- 
sehnliche, zerstreute Bindegewebsneu- 
bildung, namentlich an den Bronchien, 
wodurch die Lungen eine harte, fase- 
rige Consistenz besitzen. Nirgends trifft 
man auf lobuläre, bronchopneumoni- 
sche Herde.** — Schwellung der Bron- 
chialschleimhaut. — Insufficienz und 
Stenose der Valvula mitralis. In der 
Aorta zahlreiche Verknöcherungen. Die 
Milz yerhärtet. Im Ileum ein Geschwür. 

Ausgedehnte Adhäsionen beider Langen. 
In beiden Oberlappen Induration des 
Gewebes und peribronchitische Ver- 
dickungen; daneben „mehrere kleine, 
keinen Gentimeter messende Cavernen, 
inmitten dichten Lungengewebes ein- 
gelagert". In den unteren Lappen zer- 
streute, hart anzufühlende Entzün- 
dungsherde, „in welchen auf grauem 
Boden eine gelbliche Masse eingelagert 
liegt (Bronchopneumonia nodosa)". — 
Kehlkopf und grosse Bronchien frei. 
Amyloide Degeneration von Leber, Milz 
und Nieren. Zahlreiche Narben und Ge- 
schwüre im Colon. 

Ulcerationen und starke Stenose der Tra- 
chea dicht oberhalb der Bifurcation; 
beide Bronchien stark stenosirt, der 
rechte bis zur Federkieldicke. Erheb- 
liche bindegewebige (fibröse) Entartung 
der Schleimhaut. — In beiden Lungen 
interstitielle Bindegewebswucherung ; 
der 1. Unterlappen hepatisirt. „In den 
verdichteten Lungenlappen , entspre- 
chend den interlobulären Bindegewebs- 
zügen, bis 3 Mm. dicke, derbfaserige 
Bindegewebszüge mitBinla^emng lym- 



268 



Hiller, 



No. 



Beobachter. 



Alter, 
Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 



Syphilis seit? 



Gegenwärtige 
syphililische Symptome. 



80. 



A. Hiller. 
In dieser Arbeit. 
S. 216, 



4 5 jähriges 
Dienstmäd- 
chen. 



81. 



Derselbe. 
Ebenda S. 



218. 



52jährige 
Näherin 

(früher Puella 
publica). 



Unbekannt. 



Seit etwa 30 Jah- 
ren. Wiederholte 
Kecidive. 



Ozaena syphilitica. Per- 
forirendes Ulcus am Sep- 
tum nariam. Adhärente 
Narbe am linken Schul- 
terblatt. Oachexie. 



Gachexie. Ozaena syphi- 
litica. Perforation des 
Septum narium. Narben 
und Geschwüre in der 
Nase. Cardialgische Be- 
schwerden; Erbrechen. 



Ueber Lungensyphilis and syphilitische Phthisis. 



269 



Klinische Syinplome 

der 

LungenafTection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Angeblich seit I Jahre 
Hasten und Alhem- 
beschwerden. Zuneh- 
mende Dyspnoe, spä- 
ter Orthopnoe und Er- 
stickangsan fälle. Zeit- 
weise geringe Haemo- 
ptoe. Bei der Aascul- 
tation äberall scharfes 
Vesiculäratbmen; bei 
derPercassion nur hin- 
ten beiderseits, beson- 
ders rechts, Dämpfung. 



Angeblich seit 2 Mona- 
ten Husten mit spär- 
lichem Auswurf und 
Anfälle von Dyspnoe. 
— Gegenwartig con- 
tiniiirliclie, schnell 
zunehmende Dyspnoe, 
mit schnaufender, spä- 
ter giemender u. pfei- 
fender Exspiration. 
Kein Fieber; spärli- 
cher, schleimig-eiteri- 
ger Auswurf. 



Symptomatisch. 
Patientin starb we- 
nige Tage nach der 
Aufnahme in einem 
befugen Athem- 
nothsan falle. 



phatlscher Zellen, von gleicher Beschaf- 
fenheit wie die in der Trachea gefun- 
denen. Die Induration und Wucherung 
ist am stärksten in der Umgebung der 
grossen Qefässe. Das Lungengewebe 
war an vielen Stellen ganz zu Grunde 
gegangen. 
Zahlreiche Narben und ausgebreitete Ge- 
schwüre im Larynx, in der Trachea und 
in den Bronchien. Hochgradige Broncho- 
stetiose. besonders an der Bifurcation. 
Peribronchitis u. Peritracheitis fibrosa 
chronica. — Im 1. oberen Lungenlappen 
kleine schieferige Indurationen; im Un- 
terlappen interstitielle Bindegewebswu- 
cherung und fibröse Induration. — Im 
r. Unterlappen totale, sehr typische ge- 
latinöse Infiltration (cf. Text) u. gleich- 
falb interstit. Hyperplasie. — Schwel- 
lung der Bronchialdrüsen. — Hepatitis 
und Perihepatitis gummosa, fibrosa. 
llyperostosis crauii und Carles sicca des 
Scheitelbeins (Siehe Protokoll.) 
Ausgebreitete syphilitische Ulcera und 
Narben an der Trachea und in den 
Bronchien. Erhebliche Bronchostenose, 
besonders an der Bifurcation, bis in 
die Hauptbroricliien hinein. Dicke, 
schwielige, fibröse Peritracheitis und 
Peribronchitis. — Grosse strahlige, 
weisse Narbe im rechten Oberlappen, 
mii Deformation und Einziehung der 
Oberfläche (gelappte Lunge). Starke 
interstitielle Bindegewebswucherung, 
vom Hilus in derben Strängen zur Peripherie ausstrahlend. 
Zerstreute lobuläre Verdichtungen des Parenchyms. Amyloid- 
Entartung der wichtigsten inneren Organe. — Microscop.: 
Massenhafte peribronchiale, fibröse Bindegewebsnenbildung. 
Diffuse, kleinzellige Infiltration der alveolären Scheidewände 
und Hohlräume in den inseiförmigen lobulären Verdichtungen. 



Schnell zunehmen- 
der Kräfte verfall. 
Albuminurie und 
Hydrops. — Be- 
handlung sympto- 
matisch. — Tod 
nach 4 Wochen un- 
ter tiefem Coma. 



270 



Hiller, 



b) Abweichende Fälle (Vergleiche hierzu 







Alter, 






No. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
Stand der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
syphilitische Symptome. 


82. 


Oedmansson. 


5 4 jähriger 


üeber 20 Jahren. 


Cachexie; ulceröse und ta- 




Nord. med.Arkiv. 


Officier. 




berculöse Syphiliden der 




Bd. I. (s. oben.) 






Haut. Perlostitides. 


83. 


M. V. Cornil. 
L'Union medicale. 
1874. No.81.— 
Virchow - Hirsch, 
Jahresbericht pro 
1874. II. S. 205. 


Nar Allgemei- 
nes über ana- 
tomische Be- 
funde in den 
Langen bei 
visceraler 
Syphilis. 


— 


— 


84. 


A. Vierling. 


44 jähriger 


22 Jahren. Seit 


Defecte in der Nase; La- 




Arch. f.klin.Med. 


Cafetier. 


6 Jahren Ozaena; 


rynx frei; sonst keine. 




1878. Bd. XXI. 




seit 4 J. Athem- 






S. 325. 




beschwerden. 





U«ber Lungensyphilis aod syphilitisch« Phthisis. 



271 



auch Fall 37, 42, 44, 55, 62, 65, 66, 81.) 



Klinische Symptome 

der 

Laogenaffection. 



Behandlung 

und 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Hochgradige Dyspnoe, 
Erstickungsan falle, 
lauter Stridor bei In- 
nnd Exspiration. Hü- 
ten; Auswarf frei ron 
Blut und elastischen 
Fasern. Bei der Per- 
CQssion keine Verän- 
derung; Auscu Ration 
erschwert. 



Im Spital; nach 5 
Monaten f. 



Schmierkur; Jodka- 
lium; Morphium. 
Später Tracheoto- 
mie. Keine Besse- 
rung, reichl. Aus- 
wurf. Zuletzt Däm- 
pfung im r. Unter- 
lappen. Tod durch 
Erschöpfung, resp. 
Erstickung. 



Ausgebreitete Kuochensyphilis; syphilit. 
Synovitis. Eigenthümliche Pneumonie, 
den Uebergang zwischen einer gewöhn- 
lichen Catarrhalpneumonie und einer 
gummösen Geschwulst bildend (gelati- 
nöse Pneumonie?). Endocarditis und 
Aortitis, Lebercirrhose u. interstitielle 
Splenitis. 

C. fand bei yisceraler Syphilis häufig Af- 
fectionen der Lymphgefasse der Lunge, 
ähnlich wie sie yon Raynaud, För^ol 
und Troisier beim Garcinom beobachtet 
sind, nämlich eine chronische Lymphan- 
gitis, characterisirt „durch Schwellung 
und Proliferation der Endothelzellen, 
und reichliche Anwesenheit vonLymph- 
körperchen im Lumen ^ (Lymphangitis 
nodosa? cf. Weber, Fall 44). Gleich- 
zeitig will 0. in der Lunge eine Dege- 
neration der elastischen Fasern gefun- 
den haben, bestehend in glasiger Auf- 
quellung und moleculärem Zerfall. 

Zahlreiche Geschwüre und Narben in der 
Trachea mit Entblössung der Knorpel, 
abwärts bis in die Bronchien IL u. III. 
Ordnung. Stenose der Trachea oberhalb 
der Bifurcation; zahlreiche Stenosen in 
den Bronchien. Röthung u. Schwellung 
der Schleimhaut; Verdickung d. Wände. 
Beide Unterlappen der Lunge und r. 
Mittellappen zeigen lobuläre, weissliche 
Infiltration. — Micr. : Starke zellige In- 
filtrat., besonders um die Gefässe; ähn- 
lich der M weissen Pneumonie* der Neu- 
geborenen. 



272 



Hiller, 







Alten 






No. 


Beobachter. 


Geschlecht, 
SUnd der 
Patienten. 


Syphilis seit? 


Gegenwärtige 
sypb i 1 (tische Symptome. 


85. 


Beger. 


42jährige 


Seit mehreren Jah- 


Cachexie; Macies. Zahl- 




Deutsches Archiv 


Handarbei- 


ren. 


reiche Defecte im Ra- 




für klin. Medicin. 


terin. 




chen, an der £piglottis; 




Bd.XXIIL S.618. 






Narben. — Aaftreibao- 
gen der Tibia. 


86. 


Pancritius. 


22jähriger 


6 Jahren. 


Cachectisches Aussehen, 




a.a.O. S. 219. 


Bachhalter. 




Nasen- und Rachenge- 
schwüre, Heiserkeit, pa- 
pulöses Exanthem. 


87. 


C. Kopp. 


65jährige 


Unbekannt. 


Heiserkeit. Narben u. Ge- 




Deutsches Archiv 


Frau. 




schwüre im Larynx. 




für klin. Medicin. 










1883.Bd.XXXlI. 










Heft 3 and 4. 










(3. Fall.) 









Ueber Lungensypbilis und syphilitische Phthisis. 



273 



Klinische Symptome 

der 

Langenaffection. 



Behandlang 

and 

Verlauf derselben. 



Sections-Befund. 



Hasten und Athembe- 
schwerden. Sehr starke 
Dyspnoe, zeitweise Or- 
thopnoe. Cyanose. Lau- 
ter, weithin hörbarer 
Stridor. — Fieber. 
Stimme heiser. Bron- 
chitis. 



Brustschmerzen , Hü- 
steln. Spater V. L. 0. 
Dämpfung und abge- 
schwächtes Yesicuiär- 
athmen. Abmagerung. 
Kein Fieber. 



Seit 2 Jahren Schwer- 
athmigkeit, Husten u. 
Heiserkeit. In den letz- 
ten Wochen starke Dys- 
pnoe, Halsschmerzen, 
Schlingbeschwerden u. 
reichlicher Auswurf, 
hifiltration des linken 
Unterlappens. 



Erstickun gsanf all . 
Tracheotomie. An- 
fänglich Erleichte- 
rung ; alsdann Tod 
durch Schluckpneu- 
monle. 



Weilbacher Brunnen, 
später Jodkalium. 
Steiger. derAthem- 
noth und des Hu- 
stens, Albuminurie 
und Oedeme. Tod 
nach 11 Monaten. 



Cricotracheotomie. 
Vorübergehende Er- 
leichterung. Gol- 
laps. Tod. 



Bedeutende Verengerung beider Haupt- 
bronohien; der 1. ist kaum für einen 
Rabenfederkiel , der r. kaum für einen 
Qänsefederkiel durchgängig. Bronchieo- 
taaie oberhalb u. unterhalb. Die Wand 
der Bronchien ist verdickt undyon einer 
derben bindegewebigen Masse stark ge- 
schwellt. — In den oberen Lungen- 
lappen pralles Oedem, in den unteren 
„grössere und kleinere Verchluckungs- 
pneumonien". Im 1. Unterlappen eine 
fast g&nseeigrosse Caverne mit miss- 
farbigen, schwarzröthlichen Wänden 
(Gangrän?). Im r. Oberlappen eineboh- 
nengrosse Oayeme (Bronchiectasie?). 

R. Lunge normal. In der 1. Spitze „ho- 
mogenes, durchfeuchtetes Gewebe, an 
mehreren Stellen wie glasig^. In der 
Mitte des Oberlappens eine bedeutende 
Höhle. „Allgemeiner Eindruck: Fetti- 
ger Detritus der 1. Lunge, fettige De- 
generation der Leber, Milz und Nie- 
ren« (!). 

Ulcera auf den Stimmbändern und im 
Larynx, mit Entblössung der Knorpel. 
Ulceröse Perforation der Trachea ; peri- 
trachealer Abscess. Der Anfang beider 
Hauptbronchien stark verengt. — Sple- 
uisation beider unteren Lungenlappen ; 
in den Bronchien eiteriges Secret. Mi- 
oroscopisch ähnlich wie Fall 79 (Bron- 
chitis u. Peribronchitis ohron. äbrosa). 



Chvh^-ABn«l«u. IX. Jahrg. 



18 



274 enier, 

Von den mitgetheilten 87 Fällen sind also nur 58 Fälle als ver- 
hältnissmässig reine Fälle von Lungensyphilis anzusehen. In den 
übrigen, in der Tabelle vorangestellten 29 Fällen dagegen ist, wie aus den 
einzelnen Daten leicht ersichtlich, entweder die Diagnose der Syphilis über- 
haupt oder doch für die Veränderungen in der Lunge zweifelhaft, oder es 
liegt eine Gombination mit echter Tuberculose bezw. Krebs vor. Nur die 
erstgenannten 58 Fälle können also zu Schlussfolgerungen über diejenigen 
Veränderungen, welche der syphilitische Krankheitsprocess in 
der Lunge bewirkt, verwerthet werden. 

Ich habe zu diesen auch 2 Fälle von Dittrich (No. 30 und 31) ge- 
rechnet, in welchen ganz kurz von ^obsoleter Tuberculose in den 
Lungen* berichtet wird; strenge genommen gehört auch Fall 1 — 4 des- 
selben Autors mit der gleichen Diagnose hierher. Ich bin der Ansicht, 
dass es sich hier lediglich um Narben oder schwielige Veränderungen 
der Lunge handelt, welche Dittrich, da man im Jahre 1849 von dem 
Vorkommen syphilitischer Processe in der Lunge noch nichts wusste, für 
Residuen ngeheilter«* Tuberculose ansah. Aber einerseits ist eine so häufige 
spontane Heilung (Vernarbung) der Tuberculose nach unseren heu- 
tigen Erfahrungen höchst unwahrscheinlich; andererseits handelt es sich in 
diesen Fällen durchweg um Individuen, bei welchen auch in anderen Or- 
ganen, namentlich in der Leber, unzweifelhafte syphilitische Processe ge- 
funden wurden. 

Die anatomischen Ergebnisse in den übrigen 56 Fällen von Lungen- 
syphilis lassen sich in folgender Uebersicht kurz zusammenstellen. 

Es wurden gefunden: 

1. Narben (alte, ästige oder strahlige, graue, schiefrige, harte, mit 
Callusgewebe) in 13 Fällen, nämlich von Dittrich (Fall 32), Virchow 
(Fall 36, 37 und 39), E. Wagner (Fall 41), Oedmansson (Fall 48), 
Ramdohr (Fall 66, 67 und 68), Pancritius (Fall 72 und 73) und 
Hiller (Fall 81 und 82) — vergl. Tafel L Fig. 2. 

2. Interstitielle Bindegewebswucherung (interstitielle Pneumo- 
nie, interlobuläre Verdickungen, breite fibröse Stränge und Schwielen, Ein- 
ziehungen der Oberfläche, Lappung der Lunge) in 25 Fällen, nämlich von 
Vidal (Fall 35), Virchow (Fall 37), Türck (FaU 48), H. Weber (Fall 
44), Moxon (Fall 45), C. Gerhardt (Fall 46 und 47), Oedmansson 
(Fall 49), H. Hertz (Fall 52), Lancereaux (Fall 53 und 56), Green- 
field (Fall 55), MacLane-Tiffany (Fall 57—61), Ramdohr (Fall 65, 



Ueber Langensyphilis und syphilitische Phthisis. 275 

66 und 67), Sacharjin und Paulinoff (Fall 69), Sokolowsky (Fall 77), 
Kopp (Fall 79) und Hiller (Fall 80 und 81). 

3. Chronische Induration des Lungengewebes (fibröse Indura- 
tion, centrale, schiefrige Induration, Sclerose des Lungengewebes), und zwar 

a) peribronchiale Bindegewebswucherung der kleineren Bron- 
chien (Peribronchitis fibrosa, Verbreiterung des peribronchialen Bindegewebes, 
peribronchiale Induration, meist mit Bronchostenosen verbunden — siehe 
Taf. IL Fg. 1.) in 21 Fällen, nämlich von Vidal (Fall 34), Virohow (Fall 
38), Hertz (Fall 52), Mac Lane-Tiffany (Fall 57—61), Beger (Fall 
62 und 85), Henop (Fall 64), Ramdohr (Fall 66 und 67), Sacharjin 
und Paulinoff (Fall 69), Pancritius (Fall 70), Sokolowski (Fall 77 
und 78), Kopp (Fall 87), Hiller (Fall 80 und 81) und Vierling (Fall 84). 

b) circumscripte, knotige, peribronchiale Induration („kno- 
tige Bronchopneumonie** — Virchow; zahlreiche derbe und grauweisse 
Knoten, die meist um die kleineren Bronchien herumsitzen; erbsen- bis 
haselnussgrosse fibröse Knoten) in 8 Fällen, nämlich von Virchow (Fall 
33), H. Hertz (Fall 52), Lancereaux (Fall 53), Beger (Fall 63), Ram- 
dohr (Fall 65 und 68), Sacharjin und Paulinoff (Fall 69) und Soko- 
lowski (Fall 76); 

c) diffuse, lobuläre, meist an die Bronchien sich anschlies- 
sende Verdichtung des Parenchyms (diffuse syphilomatöse Infiltration, 
diffuse lobuläre Gummition, gleichmässige graue Induration, microscopisch 
diffuse kleinzellige Infiltration der alveolaren Scheidewände und Hohlräume 
— siehe Taf. IL Fig. 1.) in 14 Fällen, nämlich von Virchow (Fall 38 
und 39), E. Wagner (Fall 41), Türck (Fall 43), Oedmansson (Fall 49), 
Schüppel (Fall 51), H. Hertz (Fall 52), Mac Lane-Taffany (Fall 57 
bis 61), Ramdohr (Fall 67) und Hiller (Fall 81). 

4. Gummata (Gummiknoten, Syphilome, syphilitische Neubildungen, 
circumscripte weissgelbe, derb elastische Tumoren) in 9 Fällen, und zwar 
von Virchow (Lehre von den Geschwülsten), Pleischl und Kl ob (Fall 40, 
1 hühnereigrosses), Meschede (Fall 42, mehrere haselnussgrosse), Wilks 
(Fall 50), Eppinger (Fall 54), Lancereaux (Fall 56, haselnuss-biskirschen- 
gross), Beger (Fall 62, kirschkcmgross), Henop (Fall 64, erbsen- bis gänseei- 
gross) und Sokolowski (Fall 76, haselnussgross, 1 V2 Ctm. im Durchmesser). 

Die syphilitischen Erkrankungen der Bronchien — Geschwüre 
und Narben, Schwellung, schwielige Verdickung der Schleimhaut, Broncho- 
stenose und Bronchiectasie — habe ich, obwohl fast stets mit Lungen- 
syphilis vereint, hier unberücksichtigt gelassen. — 

18* 



276 Hiller, 

Alle diese Zahlen haben naturlich keinen absoluten Werth über die 
Häufigkeit der einzelnen Krankheitsformen, sondern nur einen relativen, 
da eben die einzelnen Fälle nicht gleichmässig genau beobachtet oder gleich 
vollständig mitgetheilt sind. Immerhin gestatten die Frequenzzahlen doch 
gewisse Schlüsse auf die grössere oder geringere Häufigkeit dieser und 
jeuer Form der Syphilis. Es sind hiernach, abgesehen von der Erkrankung 
der grösseren Bronchien, am häufigsten interstitielle Bindegewebs- 
wucherungen in der syphilitischen Lunge; demnächst folgen peribron- 
chiale fibröse Indurationen des Lungengewebes — beide Pro- 
cesse fast in allen genauer mitgetheilten Fällen von Lungen- 
syphilis. Dazu gesellen sich mit absteigender Häufigkeit die diffuse 
lobuläre Verdichtung des Parenchyms (kleinzellige Infiltration, meist 
von den kleinen Bronchien ausgehend), das Gumma syphiliticum und 
die circumscripte (knotige) peribronchiale Induration (sog. knotige 
Bronchopneumonie). 

Hiermit könnte ich die Reihe der typischen Veränderungen bei 
der Lungensyphilis schliessen. Ein Blick auf dieselben genagt, um zo 
erkennen, dass dieselben mit denjenigen Veränderungen, welche wir an 
anderen Organen, z. B. an der Leber, bereits kennen, und welche £. 
Virchow als charakteristisch für viscerale Syphilis kennen gelehrt hat, 
im Wesentlichen übereinstimmen. Auch in der Lunge sind es Frocesse, 
welche, wie in der Leber und in anderen Organen, ihren Ausgangspunkt 
nehmen in den bindegewebigen Bestandtheilen des Organs, also 
besonders im peribronchialen, interstitiellen und alveolären Binde- 
gewebe der Lunge, ja vielleicht auch — was durch die bisherigen Beobach- 
tungen noch nicht genügend erhärtet ist — im perivasculären Binde- 
gewebe, wofür die Beobachtungen von Kopp (Fall 79) und Ramdohr 
(Fall 67) bestätigende microscopische Angaben enthalten. 

Diesen Ergebnissen gegenüber muss es befremden, dass Sokolowski 
und stellenweis auch Pancritius inmitten ausgesprochen syphilitischer, 
meist interstitieller Veränderungen in den Lungen, von nCavernen*" mit 
glatten, bindegewebigen Wänden sprechen, welche sie für „phthisische*, 
d. h. also ulce rose Hohlräume halten und als wesentliche Anhaltspunkte 
£Ür ihre Diagnose der ^syphilitischen Lungenschwindsucht'' benutzen, 
obwohl sonst jeder Charakter einer phthisischen (ulcerösen) Erkrankung 
der Lunge fehlt (vergl. Fall 75, 76, 77 und 78). Ich habe schon in der 
Tabelle bei Gelegenheit des am ausführlichsten mitgetheilten Falles No. 76 
meine Ansicht dahin ausgesprochen, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit 



üeber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 277 

nach nur um bronchiectatische Cavernen handelt, welche in syphili- 
tisch veränderten Lungen mit Bronchostenosen, interstitiellen und peribronchi- 
tischcn ßindegewebswucherungen so häufig angetroffen werden. Es lässt sich 
aus der gegebenen Beschreibung nicht iramer mit Sicherheit, wohl aber mit 
einiger Wahrscheinlichkeit schliessen, dass es nicht tuberculöse (phthi- 
sische), ulceröse Höhlen sind, da jedes andere Zeichen von Tuberculöse 
in der Lunge fehlt, sondern nur bronchiectatische Erweiterungen. Dass letz- 
tere ganz erhebliche, den phthisischen Cavernen ähnliche Dimensionen an- 
nehmen können, ist ja hinlänglich bekannt. Auch in der vorstehenden 
Tubelle finden sich solche Fälle verzeichnet So berichtet C. Gerhardt, 
ein anerkannt sachkundiger guter Beobachter, im Falle 46 und 47 über 
^isick förmige" und «zahlreiche, bis wallnussgrosse" bronchiectatische Caver- 
nen, sowohl im Unterlappen, als auch im Oberlappen der Lunge. Auch 
Sacharjin (Kliniker in St. Petersburg) erwähnt in dem von Paulinoff 
raitgetheilten Falle 69 „zwei bronchiectatische Höhlen*' in der einen Lungen- 
spitze. Spätere anatomische Beobachter werden hierauf, mit Rücksicht 
auf die Frage der ^syphilitischen Phthisis", voraussichtlich noch mehr ihr 
Augenmerk richten. — 

Was endlich die als „atypisch" bezw. „abweichend" bezeichneten 
Fälle der Gruppe B, b anbetrifft, so handelt es sich hier entweder um 
rein zufällige Complicationen, welche mit der Syphilis an sich nichts 
zu thun haben, wie z. B. bei der Schluckpneumonie in Folge von Per- 
foration der Trachea und des Oesophagus, oder es sind entzündliche, 
auch sonst vorkommende Processe des Lungenparenchyms, welche 
nur durch die gleichzeitigen syphilitischen Veränderungen die- 
ses Parenchyms in ihren Erscheinungen verändert werden. Meistens 
handelt es sich hier wohl um einfache acute Catarrhal-Pneumonie, um chro- 
nisch catarrhalische Infiltration des Parenchyms mit oder ohne käsige Me- 
tamorphose des Infiltrats, um Oedem, Hyperämie und Hypostase, welche 
in einem bereits durch interstitielle Wucherung und zellige Infiltration der 
Alveolarwände verdichteten Parenchym auftreten und so die Erscheinungen 
der rothen und weissen Hepatisation, der graugelben gallertigen 
Infiltration (gelatinösen Pneumonie), endlich der Carnification 
und Splenisation hervorzurufen. Das genauere histologische Studium 
dieser Veränderungen, das bis jetzt allerdings noch fehlt, wird ergeben, ob 
diese meine Auffassung die richtige ist. 

Es wurde gefunden, eingerechnet die gleichen Beobachtungen in den 
früheren Fällen der Gruppe B. a.: 



278 Hiller, 

1. Frische rothe Hepatisation, meist in den Unterlappen (acute 
Catarrhalpneamonie, Schluckpneumonie, lobuläre Pneumonie, zerstreute pneu- 
monische Heerde) wohl durchweg als zufällige, nicht specifische Compli- 
cation in 7 Fällen, nämlich von Meschede (Fall 42), Gerhardt (Fall 
47), Lancereaux (Fall 56), Ramdohr (Fall 65), Beger (FaU 62, 63 
und 85). 

2. Sogenannte weisse Hepatisation (diffuse syphilomatöse Infiltra- 
tion, diffuse lobuläre kleinzellige Infiltration des Parenchyms mit Anämisirung 
desselben), bei neugeborenen syphilitischen Kindern schon früher yon 
Virchow, Hecker u. A. beschrieben, bei Erwachsenen in 5 Fällen 
dieser Tabelle beobachtet, nämlich von Mason (Fall 45, eigenthümliche, 
grauweisse pneumonische Infiltration, ähnlich der „weissen Pneumonie* sy- 
philitischer Neugeborner); von Greenfield (Fall 55, Parenchym im Zu- 
stande „weisser Hepatisation*, starke Bindegewebshyperplasie, Alveolen 
spärlich, theils comprimirt, theils mit gewucherten Epithelien angefallt); 
von MacLane-Tiffany (Fall 57—61, häufig specifische, gleichmässig graue 
Infiltration der Lunge); von Ramdohr (Fall 65, starke kleinzellige Infil- 
tration des interstitiellen Gewebes, welche sich auf das interalveoläre Ge- 
webe fortsetzt und bei manchen Lobulis so stark und gleiclimäs:sig ist, 
dass man eine «weisse Pneumonie'* vor sich zu haben glaubt); von Vier- 
ling (Fall 84, starke zellige Infiltration, besonders um die Gefässe, ähnlich 
der „weissen Pneumonie** der Neugeborenen). 

3. Gelatinöse Infiltration (gelatinöse Pneumonie, gallertige oder 
glasige Infiltration) in 4 Fällen, nämlich von Ramdohr (Fall 66, ein- 
zelne graugelbe gallertige Herde), von Hill er (Fall 81, typische, den ganzen 
rechten Unterlappen einnehmende, granglänzende, gelatinöse Infiltration), 
von Oedmansson (Fall 82, eigenthümliche Pneumonie, den üebergang 
zwischen einer gewöhnlichen Catarrhal-Pneunionie und einer gummösen Ge- 
schwulst bildend), und vielleicht auch von Pancritius (Fall 86, homogenes, 
durchfeuchtetes, wie glasiges Gewebe). 

4. Carnification der Lunge (Hyperämie und Verdichtung des Par- 
enchyms) in den Unter- und Mittellappen von Virchow (Fall 317) und 
Meschede (Fall 42). 

5. Splenisation der beiden Unterlappen (Hypostasen) von Kopp 
(Fall 87). 

Hieran schliesst sich, als eine wahrscheinlich specifisch syphilitische 
Affection, die 



üeber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 279 

6. Erkrankung der Lymphgefässe der Lunge (proliferirendo Lyra- 
phangitis, Lymphangitis nodosa, fibröse und bisweilen knotige Verdickung 
der Gelasswände mit Proliferation der Endothelien) in 2 Fällen, näm- 
lich von H. Weber (Fall 44) und Cornil (Fall 83). Diese Affection hat 
augenscheinlich grosse Aehnlichkeit mit der Lymphangitis tuberculosa 
nodosa (Rindfleisch, Path. Gewebelehre, 1869, S. 251—253). 

Zum Schluss noch einige Worte über die Diagnose der Lungensyphilis. 
Dieselbe ist meines Erachtens während des Lebens immer nur bis zu einem 
gewissen Grade von Wahrscheinlichkeit, niemals aber mit absoluter Sicher- 
heit möglich. Denn die klinischen Symptome, welche die syphilitischen 
Veränderungen der Lunge hervorrufen, — die Athembeschwerden, die Dyspnoe, 
der Husten, der spärliche, manchmal blutige Auswurf, die cachectischen Er- 
scheinungen — sind so vieldeutiger Natur, dass daraus noch nicht auf die 
syphilitische Natur des Leidens geschlossen werden darf. Auch die 
physikalische Untersuchung der Brustorgane ergiebt in der Regel sehr 
wenig bestimmte oder überhaupt gar keine Anhaltspunkte, höchstens die 
Zeichen von Catarrh, manchmal auch wohl Bronchialathmen über verdich- 
teten Abschnitten des Parenchyms, nur sehr selten, häufiger sub finem 
vitae, ausgesprochene Dämpfung (pneumonische Infiltration). Ob ein wall- 
nussgrosses Gumma in der Lunge wirklich, wie einige Autoren erzählen, 
ara Thorax herauspercutirt werden könne, möchte ich nach meinen Erfah- 
rungen stark bezweifeln; dagegen gebe ich unbedenklich zu, dass grosse 
bronchiectatische Cavernen, z. B. in der Lungenspitze, bei der Untersuchung 
Höhlensymptome machen und so leicht „Phthisis'* vortäuschen können 
(Sokolowski u. A.). — Fieber, welches bei eigentlicher Lungenschwind- 
sucht nie fehlt, pflegt bei der Lungensyphilis nur selten vorhanden und 
dann stets durch gleichzeitige entzündliche Coraplicatioucn (Catarrhe, Pneu- 
monie) bedingt zu sein. Der Kräfte- und Ernährungszustand kann bei 
der Lungensyphilis, wie leicht ersichtlich, vollkommen gut erhalten sein; 
vorhandene Cachexie oder schweres Allgemeinleiden scheint immer 
auf einer gleichzeitigen Erkrankung anderer wichtiger Organe (amyloider 
Degeneration, syphilitischer Erkrankung des Ernährungsapparates) zu be- 
ruhen und giebt dann stets eine sehr ungünstige Prognose. 

Die wichtigsten Stützen für die Diagnose liefern die Anamnese, 
das Vorhandensein anderer unzweifelhafter Symptome von 
constitutioneller Syphilis und die laryngoscopische Unter- 
suchung. 



280 Hiller, 

Die Anamnese muss natürlich sorgfaltig sein and sichere Daten 
ergeben. Es genügt hierbei durchaas nicht die Angabe, dass der Patienj 
an einem Ulcus moUe oder an einem Tripper gelitten hat (wie so oft bei 
Pancritius, — 43 pCt. aller Fälle!), sondern es mass die frühere spezi- 
fische syphilitische AUgemeininfection des Körpers sicher nachgewiesen sein 
oder — was stets anzustreben ist — durch das gegenwärtige Vorhanden- 
sein anzweifelhafter Symptome von constitationeller Laes erweisbar sein. 
Za den letzteren „unzweifelhaften Symptomen" rechne ich allerdings nicht, 
wie wieder Pancritias so oft thut, beliebige Verdickungen am Siimbein 
and an den Schienbeinen, ohne andere Zeichen von Laes. 

Für sehr wichtig in diagnostischer Beziehung halte ich, in üebcreinstim- 
mang mit Schnitzler, die laryngoscopische and rhinoscopische 
üntersnchung der Patienten. Es ist mir aufgefallen bei meinen Literatur- 
studien, dass in fast allen Fällen, in welchen Syphilis der Langd durch die 
Section constatirt wurde, sich gleichzeitig syphilitische, meist ältere, also 
der Zeit nach yoraafgegangene Erkrankangen der oberen Abschnitte 
des Bespirationsapparates, der Nase, des Pharynx, des Kehlkopfs, der 
Trachea und der Bronchien fanden, nämlich Defecte, Ulcerationen, tief- 
gehende Zerstörungen, Narben, Wacherangen und Stenosen im Larynx und 
in der Trachea, welche durch die directe laryngoscopische Eetrachtnng naeist 
anschwer erkannt werden können. Man hat mit solchen wohlcharakterisir- 
ten Befunden, wie Schnitzler treffend an seinen mitgetheilten 5 Fällen 
illastrirt, immer sehr wer th volle Anhaltspankte, um ein vorhandenes 
Langenleiden mit Wahrscheinlichkeit als ein syphilitisches zu betrachten. 
Es war dies ja auch in dem zweiten der unserigen Fälle der Fall. Ich 
rathe daher dringend, in keinem derartigen zweifelhaften Falle die laryn- 
goscopische and rhinoscopische Untersuchung zu antarlassen. 

Was insbesondere nan die Unterscheidung der ^Lungensyphilis*^ von 
der eigentlichen „Phthisis palmonam*" anbetrift, so halte ich dieselbe 
in der That für nicht so schwer, als man nach den früheren zahlreichen 
Mittheilungen übcfr sog. „syphilitische Phthisis*" glaaben sollte. Eine sorg- 
faltige Anamnese, die Constitution des Kranken, der ganze Krankheits- 
verlaaf, das Resultat der objectiven genaaen üntersuchang des Körpers 
(woza natürlich anch die laryngoscopische Untersuchung and die microsco- 
pische Untersuchung des Aaswarfs gehört), wird sicherlich in der Mehrzahl 
der Fälle im Stande sein, zwischen beiden, in ihren Ursachen und ihren 
Wirkungen im Organismus so verschiedenen Krankheitsprocessen zu unter- 
3cheiden. 



Ueber Lungensyphilis und syphilitische Phthisis. 281 

Die neueste Zeit hat uns noch mit einem anderen Hälfsmittel bekannt 
gemacht, die Diagnose der tuberculösen Lungenschwindsucht über allen 
Zweifel hinaus sicher zu stellen, nämlich mit der microscopischen Un- 
tersuchung des Auswurfs nicht blos auf den Gehalt an elastischen 
Fasern, sondern auch auf die Anwesenheit von Tuberkelbacillen. 
Das Vorkommen der letzteren ist, wie ja nunmehr durch vielfältige über- 
einstimmende Erfahrungen hinlänglich festgestellt ist, für die Tuberculose 
der Lunge so charakteristisch, dass man durch diesen Nachweis allein 
schon im Stande ist, syphilitische, vielleicht ebenfalls unter dem Bilde 
der „Phthisis** verlaufende Processe in der Lunge auszuschliessen. Ich 
zweifele nicht daran, dass, je mehr diese letztere Untersuchungsmethode 
zum Gemeingut der practischen Aerzte geworden ist, um so mehr auch die 
»Phthisis pulmonum syphilitica" aus der Literatur wieder verschwin- 
den wird. 



Erklärung der AbbildnngeiL 

Tafel I. Fig. 1. Kehlkopf, Luftröhre und Bifurcation der Trachea von 
Fall 2 (Seite 218 — 220). a. a. die verdickten Ligg. ary - epiglottica; 
b. grosse syphilitische Geschwüre unterhalb der Stimmbänder; c. zahlreiche 
kleinere Geschwüre , auf der Trachealsohleimhaut zerstreut; bei 0|. mit 
Bloslegung eines Knorpelringes ; d. schwielige, narbige Stellen der Schleim- 
haut; e. das schwielig verdickte peritracheale Bindegewebe; f. stenosirte 
Stelle der Trachea; g. die fibrös entartete und schwielig verdickte Wand 
der beiden Hauptbronchien, unmittelbar unterhalb der Bifurcation ; h. ver- 
engter rechter Hauptbronchus; i. erhebliche, unregelmässige Stenose des 
linken Hauptbronchus; k. frisches Geschwür am Eingang des letzteren. 

Fig. 2. Die rechte Lunge desselben Falles, längs durchschnitten 
und auseinandergeklappt, a. grosse, strahlige Narbe in der Spitze, 
mit derben Bindegewebszügen zur Oberfläche, welche bei b. Einziehungen der 
Oberfläche bewirken (gelappte Lunge); o. grössere Bronchien am Hilus 
der Lunge, grösstentheils mit verdickten Wänden; d. kleinere Bronchien, 
gleichfalls mit poribronchialen Verdickungen; e. centrale, indurirte, stark 
schiefrig pigmentirte Stellen des Parenchyms; f. starke interstitielle Binde- 
gewebshyperplasie, breite und derbe, vom Hilus radiär zur Oberfläche ver- 
laufende Faserzüge bildend. 



282 Hiller, lieber Lnngensyphilia and syphilitische Phthisis. 

Tafel n. Flg. 1. Qaerschnitt durch das Langenparenchym (Stack aus dem 
rechten Mittellappen, in Alcohol gehärtet), mit der Lupe betrachtet, 
2 mal vergrössert. a. unregelmässig yerengte und erweiterte, kleinere 
Bronchien; b. erhebliche peribronchiale fibröse Verdickungen, stellenweise 
derbe, weisse Schwielen bildend; c. schiefrig pigmentirte, indorirte (nar- 
bige) Stellen; d. fast normales Lungenparenchym, mit noch erkennbarer 
alveolärer Structur, die alveolären Scheidewände jedoch bereits deutlich 
verdickt; e. diffuse inselförmige Verdichtungen des Parenchyms, bedingt 
durch massenhafte, gleichmässige, kleinzellige Infiltration des alveolären 
Gewebes und der alveolaren Hohlräume, mit völligem Verschwinden der 
normalen Structur; f. Lungenparenchym im Zustande beginnender syphilo- 
matöser Infiltration, mit eben noch erkennbarer alveolärer Structur. 

Fig. 2. Leber desselben Falles, in ausgezeichneter Weise das Bild der 
„gelappten Leber' zeigend, a. Narben an der Oberfläche, von resor- 
birten Gummiknoten restirend; b. tiefe ausgebreitete, narbige Einziehungen 
der Oberfläche. 



IV. 



Viitersnchniigen fiber die Respiration bei Emphysema 

pnlmonnm. 



Von 

Dr. deppert, 

AMistent a. d. IL medidniMhen KUnik. 



Dass Erkrankungen der Lunge einen sehr wesentlichea Einfluss auf 
die Respiration ausüben^ ist eine der bekanntesten Thatsachen. Weniger 
stadirt schon ist die Frage, ob derartige pathologische Vorgänge in der 
Lunge auch auf die Kohlensäureausscheidung und Sauerstoffaufnahme einen 
Einfluss haben. Am auffälligsten ist aber, dass an Kranken eine verhält- 
nissmässig leicht zu bestimmende Grösse fast nie studirt ist: ich meine die 
procentische Zusammensetzung der Exspirationsluft. Und doch ist diese 
ein wichtiger Factor, denn sie giebt uns einen Anhalt zur Beurtheilung 
der Frage: Wie verhalten sich die Gase des arteriellen Bluts? Wächst oder 
sinkt die CO2- resp. 0-Menge in demselben? 

Speciell diejenige Krankheit, über die in Folgendem einige vorläufige 
Daten in der angedeuteten Richtung mitgetheilt werden sollen: das Em- 
physema pulmonum, ist bisher, soweit mir bekannt, nur einmal in den Kreis 
der genauen Untersuchung gezogen worden, und zwar von Moeller in sei- 
ner Abhandlung: Kohlensäureausscheidung des Menschen bei verkleinerter 
Lungenoberfläche *)• 

Moeller untersuchte die Kohlensäureaasscheidung eines Emphysema- 
tikers. Die Daten, die er erhielt, sind folgende: 

Patient, 63 Jahre alt, ziemlich gross, sehr breit, von gut entwickelter 
Musculatur, wohlbeleibt. 28 Resp. p. Min., 84 Pulse; scheidet aus in 



')Zeitachrift für Biologie. Bd. 14. 



284 Geppert, 

6 Stunden 192 Grm. COj, demnach p. Kilo in 6 Stunden 2,70 Grm. CO,. 
Gesunde dagegen schieden aus p. Kilo in 6 Stunden 2,92, 3,77, 3,81. 

Nach diesen Zahlen könnte es scheinen, als ob die CO^- Ausscheidung 
bei Emphysema pulro. geringer wäre, als normal. Indess machte H. mit 
Recht darauf aufmerksam, dass nicht ohne weiteres gesunde, bei guter Kost 
lebende mit kranken, unter Spitaldiät sich befindenden Personen verglichen 
werden können. 

Der einzige unter Spitaldiät sich befindliche, aber gesunde Mann ist 
der, von dem das erste niedrige Datum (2,92) stammt, und dieses weicht 
so wenig von dem auch bei Emphys. pulm. erhaltenen . Werth ab, dass 
daraufhin keine wesentliche Abnormität zu constatiren ist. 

Wenn nun auch die oben angeführte Beobachtung in der That die ein- 
zige ist, die wir in der hier interessirenden Richtung direct über das Lungen- 
emphysem besitzen, so sind doch einige andere Angaben noch in Betracht 
zu ziehen, die wenigstens einen Einblick in den Einfluss gewisser Theil- 
erscheinungen des Emphysem, nämlich des Bronchocatarrhs, gestatten. 

Hannover*) untersuchte die Kohlensäureausscheidung von 2 Männern 
mit chronischer Bronchitis und fand, dass sie Kohlenstoff auf 1 Kilo Kör- 
pergewicht in einer Stunde ausschieden: 0,14454 und 0,15519, während er 
für gesunde Männer im Mittel 0,137 (bei einer Schwankung zwischen 0,1218 
bis 0,16147) findet. Auch nach diesen Daten also scheint die Bronchitis 
keinen wesentlichen Einfluss auf die COs^Ausscheidung zu besitzen. 

Bisher ist demnach, wie aus dem angeführten ersichtlich, verhältniss- 
mässig nicht sehr viel 2) über die uns hier interessirende Frage bekannt, 
nämlich nur einige Daten über die COa - Ausscheidung. Will man aber 
sämmtliche wichtige Factoren des respiratorischen Gasaustausches kennen, 
so sind nach dem in der Einleitung angedeuteten genau zu stndiren: 

1. Die Ventilationsgrösse der Lungen. Unter dieser verstehe ich die 
nach Litern gemessene Luftmenge, welche in der Zeiteinheit die Lungen 
passirt. 

2. Die Respirationsfrequenz. 

Aus diesen beiden Factoren ergiebt sich durch einfache Division 

3. Die mittlere Grösse des einzelnen Athemzuges: die Respirationstiefe. 



*) De qaantitate relativa et absoluta acidi carbonici ab homine sano et aegroto 
exhalati. Hauniae 1845. 

^) Auffallender Weise bat nicht einmal Regnard in seinem weiter unten zu er- 
wähnenden Werk Daten über die Respirationsgrösse bei Emphysem gegeben , trotzdem er 
Athemcarven desselben gezeichnet hat. 



üeber Respiration bei Emphysema palmonam. 



285 



4. Die Zusammeosetzang der Gase der Exhalationsluft. 

5. Die CO^-Ausscheidung und 0-Aufoahme. 

Die Methoden, diese Grössen sämrotlich auf einmal zu messen, sind 
von Zuntz und mir gelegentlich experimenteller Untersuchungen an Thieren 
gefunden und werden an anderer Stelle ausfurlich veröffentlicht werden. In 
Bezug auf die Methodik des Arbeitens am Menschen behalte ich mir genauere 
Mittheilungen für eine spätere Publication vor. Zum Verständniss des fol- 
genden sei nur erwähnt, dass, ähnlich wie bei Regnard's, Voit's*) u. s. w. 
Methode durch sehr leicht gehende Ventile und eine Gasuhr geathmet wurde. 
Die Zusammensetzung der Exspirationsgase wurde nach den von mir ange- 
gebenen Methoden ^) analysirt. Die Kohlensäure wurde mit 3 pGt. Kalilauge 
absorbirt, der Sauerstoff mit Wasserstoff verpufft. 

Es fragt sich nun zunächst, welches sind die normalen Werthe fSr 
die oben angeführten Grössen'). Zunächst die Respirationsfrequenz. Als 
normal nimmt man bekanntlich gewöhnlich 12 — 16 p. Min. an. Diese Zahl 
ist eine nur ungefähr richtige. 

Quetelet^) hat eine Tabelle nach etwa 300 Beobachtungen aufgestellt, 
die^ soweit sie hier interessirt, mitgetheilt werden soll: 



Alter. 


Athe 
Maximum. 


mzöge in 1 H 
Minimum. 


inate 
Mittel. 


20—25 J. 
25—30 J. 
30—50 J. 


24 
21 
2» 


14 
15 

n 


18,7 
16,0 
18,1 



Wie man sieht ist die Respirationsfrequenz im Alter und in den Jugend- 
jahren höher. Dies Factum interessirt hier speciell, da die meisten Em- 
physematiker dem höheren Alter angehören, und also die Zahl von 18 Respi- 
rationen als normales Mittel jedenfalls nicht zu niedrig gegriffen sein durfte. 

Schwieriger schon ist die durchschnitttiche Respirations- und Yen- 
tilationsgrösse zu bestimmen. Wenn im Folgenden nur die nach einiger- 



*) H. Lossen, Ueber den Einflasss der Zahl und Tiefe der Atbembewegangen 
auf die Ausscheidang der Kohlensäure darch die Lungen. Zeitschr. f. Biologie. Bd. 2. 

')J. Geppert, Eine Verbesserung der gasanalytischen Methoden. Berichte der 
deutschen chemischen Gesellschaft. Jahrgang 15. Heft 15. 

') Im Folgenden sind selbstverständlich stets nar Ruhewerthe berücksichtigt. 

^)Qaetelet, Ueber den Menschen. Deutsch von Rieke. S. 395. Stuttgart 
bei Schweizerbart. 1838. 



286 



Oeppert, 



massen zayerlässigen Methoden gemessenen Zahlen angefahrt werden sollen, 
so stellt sich das Verhältniss etwa folgendermassen : 

Die zuverlässigste Angabe stammt von Vierordt^). Er fand bei 
11,9 Athemzügen in der Minute, also einer unier dem Mittel stehenden 
Zahl die Respirationstiefe = 507 Gera, (auf 37» C. und 758 Mm. Druck 
reducirt). Die höchsten Werthe Vierordt's betrugen im Mittel 699 Gem., 
die niedrigsten 367. 

Edw. Smith^) fand als Grenzen 354 — 666 Gem., also eine ähnliche Zahl. 

Eine grosse Reihe endlich von Versuchen hat Regnard*) angestellt 
Er giebt an, dass ein Gesunder von 1,60 m. Höhe und 60 K. Gewicht 
550 — 600 Liter Luft in der Stunde respirirt. Nimmt man nach der oben 
gegebenen Tabelle an, dass die durchschnittliche Respirationsfrequenz bei 
Regnard's Versuchen etwa 17 ist (Regnard hat seine Zahlen grössten- 
theils an jüngeren Leuten, Studenten erhalten), so würde die durchschnitt- 
liche Tiefe etwa 590 sein. Es ist sehr zu bedauern, dass die vielen Werthe, 
die Speck in seinen Arbeiten an sich selbst gewonnen hat, hier nicht ver- 
wandt werden können. Aber er giebt ein ganz abnorm niedriges Mittel 
der Respirationsfrequenz, nämlich 6,3 an; demgemäss gestaltet sich auch 
die Respirationstiefe ganz abnorm, nämlich 1031 — 1195 Gem.*). 

Es würden nach den oben gegebenen Daten demnach etwa 500 bis 
600 Gem. die normale Respiratioustiefe und 500—600 L. pro Stunde (dem- 
nach 8,3—10 L. pro Min.) die normale Ventilationsgrösse der Lunge sein. 

Ueber die normale Zusammensetzung der Exspirationsluft besitzen wir 
eine Reihe werthvoUer Daten von Vierordt, Speck, Valentin und 
Brunner"). Danach gestalten sich die Werthe folgendermassen: 



COj 



N 



0-Def.«) 



4,5-4,1 
4,21 
4,38 



16,29 
16,033 



79,49 
79,587 



4,84 
5,123 



Vierordt. 

Speck. 

Valentin und Branner. 



^) Karl Vierordt, Physiologie des Athmens. S. 255. Karlsruhe 1845. 

^) Edw. Smith, Lancet etc. p. 480. 1857. May 9. 

') Regnard, Reoherches expörimentales snr les variations pathologiques des com- 
bustions respiratoires. p. 135 etc. Paris 1879. 

^) Speck, Untersnchangen über Sauerstoffverbranch und Kohlensäareansathmang 
am Menschen. S. 31. Cassel 1871 und Arohiv für experimentelle Pathologie a. Phar- 
makologie. XII. S. 1 (19). 

^) Valentin und Branner. Roser u. Wunderlioh's Archiv. II. p. 372. 

^) Das Sauerstoffdeficit ist selbstverständlich nach dem dem Stickstoffgehalt der 



Ueber Respiration hei Emphysema palmonam. 287 

Die Werthe von Valentin und Brunner sind Mittelwerthe aus 34 Ver- 
suchen an erwachsenen Männern, dürften demnach wohl für den vorliegen- 
den Zweck den grössten Werth besitzen, zumal sie mit den andern Daten 
gat stimmen. Es ist diese Uebereinstimmung, namentlich mit den Anga- 
ben von Speck, um so höher anzuschlagen, als doch Speck, wie oben 
angeführt, unter sehr abweichenden Respirationsbedingungen seine Werthe 
erhielt. 

Wenn wir nunmehr zur Bestimmung der letzten von uns angeführten Grössen 
uns wenden, nämlich zu der Bestimmung des mittleren Sauerstoflfverbcauchs 
und der mittleren Kohlensäureausscheidung, so muss freilich constatirt werden, 
dass zur Zeit noch ein Mittel für die Sauerstoffbestimmung nicht gefunden 
ist. Denn es giebt hier so wenig sichere Daten, dass aus diesen ein Mittel- 
werth kaum abzuleiten ist. Die zuverlässigsten Werthe hat entschieden 
Speck an sich selbst erhalten. Zuntz') hat eine Tabelle aus seinen Ar- 
beiten zusammengestellt, aus der wir hervorheben wollen, dass der Oj- Ver- 
brauch, auf 1 Kilo Körpergewicht und 1 Stunde berechnet, zwischen 277 
und 420 Ccm. schwankt, und dass der niedrigste Werth (277 Ccm. im 
Mittel aus 6 Versuchen) morgens nüchtern erhalten wurde. 

Die COj- Ausscheidung bestimmten Voit und Pettenkofer auf 0,41 
bis 0,61 Grm. (210—810 Ccm.) p. 1 Kilo Körpergewicht und eine Stunde 
berechnet 

Wenden wir uns nunmehr zu den an Emphysematikern angestellten 
Versuchen. 

Mir standen 2 Patienten (N. und H.), die die bekannten emphysema- 
tischen Erscheinungen darboten, zur Verfugung. N. ist ein grosser, 77,5 Kilo 
schwerer Mann von 48 Jahren. Das Fettpolster ist gering, Pat. ziemlich 
heruntergekommen. Am Thorax die bekannten emphysematösen Verände- 
rungen, Auswurf täglich etwa 150 Ccm. Die Füsse des Pat. zeigen na- 
mentlich Abends ein leichtes Oedem. Es wurden an Patienten an 3 Tagen 
die bezüglichen Bestimmungen gemacht: am 13., 14. und 18. Dec. 1883. 
Während dieser Zeit nahmen die Beschwerden des Pat., namentlich Husten 
und Auswurf zu, so dass er in Folge derselben die Nacht vom 17. zum 
18. December nicht schlief. 



Eispirationslaft (auf atmosphärische Luft bezogen) normal entspreobenden Saaerstoff- 
gehalt berechnet. Die Zusammensetzung der atmosphär. Luft ist stets zu 20,96 pCt. 
und 79,04 pCt. N angenommen. 

^) Zuntz, Hermann's Handbuch der Physiologie : Blutgase und respiratorischer 
Gaswechsel. S. 144. 



288 Geppert, 

Die Wertbe, die ich erhielt, sind folgende: 

1. Versuch am 13. December 1883. Barom.*) = 750. Temp. = 16 <^ C. 
Respiration 19 — 19,5 p. Min. 

„ .. Liter') in 1 Min., darch 

die Lunge gehend. 



9,15—20 


10,1 


20—26 


8.8 


25—30 


9,0 


30—35 


8.2 


35—40«) 


6,6 


40—45 


8,8 


45—50 


8,6 



Die Bestimroung der Sauerstoffaufnahme und Kohlensaureauscheidung 
fand dieses Mal nur 5 Minuten lang, von 9 Uhr 45 Min. bis 9 Uhr 50 Min., 
statt. Exspirationsluft besteht aus: 

CO, = 2,609 

=17,48 

N = 79,91 
Demnach 

G-Deficit = 3,76 

Q (respirator. Quotient) = 0,693. 

Durchschnitt Ton 9 Uhr 20 Min. bis 9 Uhr 50 Min. 

hei heobachteten Barometerstand und auf 76 Ctm. Druck, 0^ und Trocken- 

Temperatur etc. heit reducirt 

p. 1 Min. Ventilation 8,33 Liter. 7,603 Liter. 

1 Respiration = 450,0 Gern. 410,6 Gem. 
19,25 Respirationen. 

CO2 ausgeschieden 0, aufgenommen 

auf die Stunde berechnet: bei 0^ 76 Ctm. Druck und Trockenheit 

12287,0 Com. 17708,0 Gem. 

pro Kilo 158,5 Gem. 228,5 Gem. 

2. Versuch am 14. Decemher 1883. Barom. = 747. Temp. = 16 ^ G. 
Ventilationsgrösse ^). Resp. 18,5 — 19,5 p. Min. 



') Die Barometerstände sind nicht auf ® reducirt. 

') Die ersten Zahlen fallen in Folge der Versuchshedingungen stets etwas zu hoch 
aus, werden in Folge dessen bei der weiteren Berechnung nicht berücksichtigt. 

') Ursprünglich wurde die Ventilationsgrösse p. Minute bestimmt. Da indess die 
Anführung einer solchen Tabelle zu viel Raum wegnehmen würde, so sind hier die aus 
je 5 Min. für 1 Min. gezogenen Mittel angegeben. 

*; Die ursprünglichen Werthe waren hier pro Min. 9 — 6 — 6 — 6 — 6. 

") In dieser wie in den folgenden gleichartigen Tahellen ist stets die binnen der 
angegebenen Zeit (2 Min.) durch die Lunge gegangene Anzahl Liter, nicht mehr Mittel- 
werthe, wie in dem yorigen Versuch, angegeben. 



Ueber Respiration bei Emphysema palmonnm. 289 

Zeit^) Liter p. 2 Min. Zeit Liter p. 2 Min. Zeit Liter p. 2 Min. 

9 26 II 23 25 21 

23 ll 47 l' Panse 

" 25 *^ 20 ^^'^2 23 

27 II 51 20 j^ 23 

29 ;* 53 ^' Pause 

3^ 19 ^^ ♦ 20 *^'^^ 20 

35 22 5» 8 20 je 

37 22 jQ^jj 8 22 18 

39 *" 03 ^^ 24 ''^ 

Zusammensetzung der Exspirationsluft: 



f'^äil O-Deficit = 3,07 

N = 79,47 



Q = 0,81. 



Durchschnitte während der Zeit von 9,31 — 10,9 and 10,18—22^ für 1 Minute: 
bei beob. Druck etc. bei 0^76 Ctm. u. trocken. 
Vent. 10,28 9,944 

Resp. Tiefe 541,0 Com. 491,8 

19 Respir. im Mittel. 
Sauerstoffaufnahme und Kohlensäureaasscheidung während der Zeit von 9,31 bis 
10,09 und 10,18—10.22: 

. CO2 

auf die Stunde berechnet bei 0^76 Ctm. Druck und Trockenheit. 
13525 Com. 16743 Com. 

p. 1 Küo 177,5 „ 216,03 „ 

3. Versuch am 18. December 1883. Barom. = 762. Temp. = 16^C. 
Ventilationsgrösse. Resp. 21,5;— 19 p. Min. 

Anzahl der Liter Anzahl der Liter Anzahl der Liter 

Zeit. in der angegebenen Zeit, in der angegebenen Zeit, in der angegebenen 

Zeit. Zeit. Zeit. 

9.16 938 2 10,00 

^^ 32 ^^ 20 ^2 II 
2^ 26 ' ^2 ^0 ^^ 26 

22 ^ 25 ^^ • 11 Öö 27 

2« 2J ' ^^^ 22 '^ 26 

28 II 50 II 12 26 

30 ^l 52 ^l Pause 

32 22 ^^ ■ 23 ^^'^^ 28 
3^ 23 ^^ 2I ^« Is 



38 ^ 10,0 "'' 22 

• ' . . 24' 



25 



') Kei dieser wie bei den folgenden Tabellen bedeutet die neben und zwischen je 

Charit^- Annaleo. IX. Jahrg. in 



290 Oeppert, 

Zasammensetzung der Exspirationsluft: 

^'^ilil O-Deficit = 2.62 

Durchscbnitte während der Zeit von 9,22 — 10,12 and 10,22—10,24: 
bei beob. Drock bei 0^76 Ctm. Drack 

und Temp. und trocken. 

Vent. p. 1 Min. 11,76 10.88 

Hesp.-Tiefe 560 Ccm. 518,2 

21 Respir. in 1 Min. 

SauerstofTaufnahme and Kohiensriareaasscheidung während der Zeit von 9.52 bis 
10.12 und 10,20—10,24: 

COj 

bei 0^76 Ctm. und trocken aut 1 Stunde. 
16208 Ccm. 18304 Ccm. 

p. Kilo 209,13 , 236,17 , 

Patient H., 87,5 Kilogrm. schwer, mittelgross, hat die bekannten em- 

physeniatösen Erscheinungen, namentlich einen exquisit fassformigen Thorax. 

Beschwerden hat zur Zeit Fat. verhaltnissroässig geringe, so dass er die 

Anstalt zu verlassen und wieder zu arbeiten gedenkt 

Versach am 22. December 1883. Barom. = 755,0. Temper. = 18 5 ^'C. 
Resp. = 18.5—19.5 p. Min. 



Zeit. 


Liter in 2 Min. Zeit. Liter 


in 2 Min. Zeit 


Litei 


- in 2 Min. 


11,27 


23 "'11 


17 


11,55 




16 


29 


20 il 


22 


57 




18 


31 
■33 


20 

19 .L 


13 
16 


59 
12.01 




16 
17 


35 


19 t? 


17 


03 




18 


37 
39 


9 ^^ 
9 11 


17 
17 


05 
07 




17 
21 


41 


55 




09 






Zusammensetzung der Exspirationsluft 


: 










COj = 3.28 


O-Deficit = 4.21 








= 16,99 
N = 79,75 


Q 


= 0,78 






Durchschnille während der Zeit von 11,29 


— 12.09: 








bei beob. Druck 




bei 0^76 Ctm. Druck 






und Temp. 




und trocken. 








Vent. p. 1 Min. 8,95 




8,12 








Resp.-Tiefe 471,05 




427,4 








19,0 Resp. in 1 Mii 


). 









zwei Zeitangaben stehende Zahl die Zahl der während der angegebenen Zeit darcbge- 

9 15 
gangenen Liter, z. B. ' - 29 bedeutet: von 9 Uhr 15 Min. bis 9 Uhr 17 Min. pas- 

sirten 29 Liter Luft die Lunge. 



Ueber Respiration bei Bmphysema pulmonam. 291 

Saaerstoffaufnahme and Kohlensäareausscheidang bestimmt während der Zeit yon 
11,59 bis 12,09, auf eine Stande berechnet: 

COj 

aaf 0^76 Ctm. Druck und Trockenheit. 
15901,0 Gem. 20410,0 Gem. 

p. 1 Kilo 181,72 „ 233,24 „ 



Gehen wir nunmehr zur Betrachtung der Versuchsresultate über, so 
beginnen wir am zweckmässigsten mit den Zahlen, die über die Lnngen- 
yentilation gegeben sind. Zunächst sei hervorgehoben, dass niemals die 
Respirationsfrequenz bei meinen Versuchen erheblich die Norm überstieg. 
Während wir oben 18 p. Hin. etwa als die für Leute dieses Alters normale 
Zahl annehmen, so schwanken die Respirationsziffern unserer Fat. zwischen 
1^ — 22, zeigen also eine nur geringe Vermehrung. Zu bemerken ist, dass 
Fat. N. in den Versuchen am 13. und 14. Dec. im Mittel eine Respirations- 
frequenz Yon 19,25 resp. 19, nach Zunahme seines Gatarrhs am 18. Dec. 
eine Respirationsfrequenz yon' 21 hatte. 

Interessantere Daten ergiebt die eigentliche Ventilationsgrösse. Sie be- 
trägt bei Pat. N. 8,88—10,28—11,76 Liter p. Min. und die Respirations- 
tiefe 450,0—541,0—560,0; bei Pat. H. 8,95 Liter p. Min. bei einer Tiefe 
?on 471,05 Ccm. 

Da wir oben 8,88—10 Liter als normale Ventilationsgrösse und etwa 
Vj Liter als normale Respirationstiefe annehmen, so geht aus diesen Zahlen 
hervor, dass die beiden Emphysematiker jedenfalls in dieser Beziehung ziem- 
lich normale Werthe besitzen, ein Verhältniss, das bei der ünbeweglichkeit 
des emphysematischen Thorax keineswegs von vornherein anzunehmen war. 
Ferner aber teigt sich, dass bei Pat. N. unter dem Einfluss des zunehmen- 
den Gatarrhs Respirationstiefe und Ventilationsgrösse zunehmen. Anzufahren 
ist ausserdem, dass während die Respirationsfrequenz nur von 19 auf 21, also 
am etwa lOpGt. steigt, die Ventilationsgrösse yon 8,38 auf 11,76 sich 
hebt, also um 40pCt. 

Die interessantesten Daten hat die chemische Untersuchung der Exspi- 
rationsluft ergeben. Die Werthe lagen sämmtlich unter dem oben ange- 
fahrten Mittel. 'Während normal der CO2 -Gehalt 4,21—4,38 und das 
Sauerstoffdeficit 4,84—5,12 beträgt, schwanken die bei Pat. N. erhaltenen 
Werthe für CO2 zwischen 2,609—2,48—2,32 pCt. und für das Sauerstoff- 
deficit zwischen 3,76—3,07—2,62, und bei Pat. H. betragen sie für 00, 
= 3,28 pCi und für das Sauerstoffdeficit = 4,21. 



292 Geppert, 

Es sind dies Verhältnisse, wie man sie physiologisch aar bei ange- 
strengter Respiration (also bei Muskelarbeit, bei sensibeln Beizongen, bei 
willkürlich forcirter Athmung) findet und es stechen diese abnormen Werthe 
sehr scharf gegen die vorher betrachteten, ziemlich normalen Ventilations- 
grossen ab. Für die Erklärung kommen offenbar eine Reihe von Momenten 
in Betracht. 

Zunächst ist ersichtlich, dass auch diese Zahlen in Beziehang zam za- 
nehmenden Catarrh stehen, denn die Abnormität wächst, d. h. Kohlensäure- 
Spannung und Sauerstoffdeficit sinken. Es ist also wahrscheinlich, dass aach 
der Catarrh überhaupt in irgend einer Weise an diesen Veränderungen schuld 
ist. Und zwar ist hier zweierlei zu berücksichtigen: erstens reizt der Ca- 
tarrh die Bronchialschleimhäute, könnte also durch sensibele Irritation eine 
forcirte Athmung zu Stande bringen. Dann aber verstopft das Secret eine 
Anzahl kleinerer Bronchien mehr oder minder vollständig, und die zu diesen 
Bronchien gehörigen Alveolarbezirke werden mangelhaft ventilirt, die Saaer- 
stoffspannung in ihnen sinkt, die Kohlensäurespannung steigt, das Blut 
fliesst ungenügend arterialisirt ab. Es resultirt aus diesem Verhältniss ein 
durchschnittliches Sinken des Blutsauerstoffs und Steigen der Blotkohlen- 
säure, Veränderungen, die dann ihrerseits das Athmongscentrum in be- 
kannter Weise zu vermehrter Thätigkeit reizen. Indess diese verstärkte 
Athemthätigkeit kommt den vorher schlecht ventilirten Bezirken nur 
sehr wenig zu gute, da die Widerstände, welche das Secret dem Luft- 
Strom entgegensetzt, jedenfalls sehr bedeutende sind; daher werden die 
an und für sich schon gut ventilirten Partien noch besser ventilirt, und 
es resultirt so das eigenthümliche Verhältniss, dass derjenige Theil der 
Lunge, in welchem hauptsächlich der Luftstrom circnlirt, forcirt athroet, 
während ein anderer Theil gewissermassen in Unthätigkeit verharrt. Da 
nun aber die Athemgase hauptsächlich aus dem forcirt athmenden Theil 
stammen, so haben sie auch die Zusammensetzung des Exspirationsgases 
bei Ueberventilation, d. h, Sauerstoffdeficit und Kohlensäurespannung sinken. 
Es giebt aber noch ganz andere Einflüsse, die auf einen gleichen Effect, 
nämlich auf forcirte Athmung drängen, das sind die verminderte Elasticität 
des Lungengewebes und die am rechten Herzen auftretenden Veränderungen. 
In Folge des ersteren Einflusses steigt der Druck im Thorax, der venöse 
Abfluss in demselben wird gehindert und eine Stauung des Blutes in den 
Körpervenen ist die Folge. Am rechten Herzen bilden sich Dilatation und 
Hypertrophie aus, und da alle Einflüsse, welche zu derartigen Veränderungen 
führen, auch in weiterer Folge eine Insufficienz der Herzthätigkeit hervor- 



Ueber RMpiration bei Empbysema palmonam. 293 

rufen, so kann es anter ungünstigen Umstanden zu einer Goropensations- 
störnng, in letzter Instanz also wieder zu einer Stauung im Körpervenen- 
system kommen Wird die Stauung bedeutender, so treten Oedeme auf, 
wie wir sie so häufig bei Emphysem treffen und wie sie einer der Pa- 
tienten (N.) bietet. Der Einfluss dieser Stauungen bewirkt eine mangel- 
hafte Ernährung des Athemcentrums und consecutiv dann wieder die for- 
cirte Respiration. 

Welcher von allen diesen Einflüssen im einzelnen Fall prävalirt, das 
durfte wohl schwer zu entscheiden sein, der Endefifect ist der, dass der 
yentilationsfahige Theil der Lunge äberventilirt wird. 

Zum Schlüsse möchte ich noch der absoluten Sauerstoff- und Kohlen- 
saurewcrthe gedenken, die ich oben gegeben. Sie stehen auffälliger Weise 
unter dem niedrigsten Mittel. Es ist aber zu berücksichtigen, dass im 
Alter überhaupt die COj-Ausscheidung und Sauerstoffaufnahme sinkt, und 
es wäre demnach erst dieses ohnehin nur vorläufige Resultat durch Mes- 
sungen an Leuten gleichen Alters zu controUiren. 



Nebenabtheiluug für inuerlich kranke Männer. 



Einige Bemerkungen znr Diagnose der Herzklappen- 
fehlen 



Von 

Oscar Fraenteel. 



Wenngleich von yielen Seiten behauptet wird, dass die Diagnose eines 
Uerzklappenfehlers jetzt ziemlich leicht für jeden practischen Arzt, ja selbst 
für einen Studenten der Medicin zu stellen sei, so sehen wir immer wieder 
von Neuem, dass doch grosse Uebung und Erfahrung dazu gehört, um in 
der Erkennung der Herzklappenfehler Sicherheit zu erlangen. Hierzu ge- 
nügt meiner Ansicht nach gewöhnlich nicht das Studium auf der Universität, 
ja selbst nicht die Erfahrung eines beschäftigten und strebsamen Arztes, 
sondern nur ein längeres Studium im Krankenhause, wo die intra vitam 
gestellte Diagnose post mortem durch die Autopsie genau controlirt wird. 
Gerade bei letzterer Gelegenheit lernt der Vorschnelle Zurückhaltung, der 
Aengstliche Sicherheit gewinnen. 

Mit vorstehenden Behauptungen stütze ich mich auf meine eigenen 
Erfahrungen. Ich habe weder als Student, noch während der 5 Monate, 
als ich als Charit6-Unterarzt unter der unmittelbaren Leitung Traube's 
thätig war, noch endlich in einer darauf folgenden 6jährigen practischen 
Thätigkeit das Gefahl der erlangten Sicherheit in der Diagnose der Herz- 
klappenfehler gehabt, aber dieselbe auch wirklich nicht besessen. Erst als ich 
später schon längere Zeit hindurch Assistent an der Traube'schen Klinik war, 
gelangte ich zu der Ueberzeugung, Klappenfehlern gegenüber Herr der Situa- 
tion zu sein, nicht ohne dass mich wahrend dieser Zeit manchmal eine unan- 



Einige Bemerkungen zur Diagnose der Herzklappenfehler. 295 

genehme Empfindung der Scham beschlich, wenn ich noch damals manchmal 
eine Stunde und länger zum Stellen der richtigen Diagnose bedurfte, wäh- 
rend dann mein Lehrer und Chef den Fall nach einer, wenige Minuten, ja 
oft noch kürzere Zeit dauernden Untersuchung auf das exacteste erkannte. 
Seit jener Zeit ist es mir klar geworden, dass man nach Anhalts- 
punkten suchen muss, welche dem Ungeäbten die Diagnose wesentlich er- 
leichtern, resp. ihn yor gefahrlichen Irrthumern schätzen. Ich pflege daher 
meinen Schulern schon in der Studienzeit einige Regeln auf den Weg zu 
geben, welche in den Handbüchern, ja selbst im klinischen Unterricht selten 
und dann viel zu wenig betont werden. Seit einer Reihe von Jahren hebe 
ich dies in meinen Vorlesungen sowohl den jungen Commilitonen, als auch 
den erfahrenen Aorzten gegenüber hervor, welche ich alljährlich zu unter- 
richten die £hre habe, und gerade von letzteren habe ich wiederholt erfahren, 
wie werthvoU für sie in der weiteren Praxis diese Regeln geworden sind. 
Ihr Wunsch ist es wesentlich, welcher mich veranlasst, den Gegenstand 
einmal ausfuhrlicher zu erörtern. 

Bei der Diagnose der Herzklappenfehler hüte man sich zunächst sub 
finem vitae ein bestimmtes Urtheil über die vorliegende Herzkrankheit ab- 
zugeben. Denn kurz, d. h. wenige Wochen vor dem Tode ändern sich die 
Drockverhältnisse im Herzen resp. in seinen einzelnen Abschnitten so be- 
deutend, dass vorher hörbar gewesene Herzgeräusche verschwinden, resp. 
speciell systolische auftreten können, welche den Diagnostiker nur irre 
fuhren müssen. Als exquisites Beispiel diene die Stenosis ostii venosi sin. 
Dieselbe kann bestehen, ohne dass ein diastolisches Geräusch vorhanden ist, 
wenn nämlich der Druck, mit welchem das Blut aus dem- linken Vorhof 
in den linken Ventrikel fliesst, zu gering ist, um Strom wirbel und damit 
ein Herzgeräüsch, das natürlich diastolisch sein müsste, wie wir später noch 
ansfohrlich erörtern wollen, hervorzurufen. In solchen Fällen ist der un- 
erfahrene Anatom und vielleicht auch der unerfahrene Kliniker bei der 
Section erstaunt, dass die Diagnose nicht gestellt worden ist. Wer sich des 
Satzes bewusst geblieben ist, sub finem vitae keine bestimmte Diagnose 
eines Herzklappenfehlers zu stellen, wird intra vitam in Bezug auf die Dia- 
gnose ,non liquet" sagen, bei der Autopsie eines solchen Falles aber nie- 
mals enttäuscht oder gar compromittirt sein. 

Als zweiten Satz möchte ich folgenden hinstellen: n Klappenfehler des 
rechten Herzens und in specie durch Endocarditis bedingte gehören im extra- 
uterinen Leben zu den grössten Seltenheiten.*" Während im Uterus die En- 
docarditis der Frucht keine seltene Erkrankung ist, bleibt dieselbe fast 



296 Fraeotzel, 

stets dabei auf das rechte Herz, welches ja zu dieser Zeit bei der Circulation 
am energischsten betheilt ist, beschränkt. Wir sehen deshalb todtgeborene oder 
in der Gebart resp. bald nachher gestorbene Kinder nicht selten mit Klappen- 
fehlern des rechten Herzens behaftet. Je alter aber das Individaum wird, 
desto seltener beobachten wir Erkrankungen an den Klappen des rechten 
Herzens. Manche Kinder werden wohl ausnahmsweise mit einer Insnfficienz 
der Pulmonalarterienklappen oder auch mit einer Stenose des Ostium der 
Pulmonalarterie, bedingt durch fötale Endocarditis, 8, 10, ja 12 Jahre alt, 
aber fast immer weiss man von ihnen, dass sie schon seit der Geburt herz- 
krank sind, und betrachtet ihr Zugrandegehen nur als eine Frage der Zeit 
Aeusserst selten findet man dagegen, dass nach der Geburt sich am 
rechten Herzen Klappenfehler in Folge von Endocarditis entwickeln. Am häu- 
figsten geschieht dies noch am Klappenapparate des Ostium der Pulmonalarterie 
durch die sog. Endocarditis ulcerosa. Dann kommen aber oft die Eischeinun- 
gen des Klappenfehlers wenig oder gar nicht in Betracht: der Kranke geht 
rasch unter dem allgemeinen Bilde einer Infectionskrankheit zu Grunde. Wei- 
terhin werden ja sogenannte relative Insufficienzen der Tricuspidalklappe nicht 
selten secundär in Folge von gewaltigen Erweiterungen des rechten Ventrikels 
beobachtet, wo dann der Klappenapparat an und für sich intact geblieben ist, 
aber die einzelnen Segel sich wegen zu grosser Erweiterung der Ventricular- 
höhle nicht mehr an einander legen können. Meist fuhrt ein endocarditischer 
Process am Mitralklappenapparat, eine InsufGcienz der Mitralis oder eine 
Stenose des linken Ostium atrioventriculare zunächst zu gewaltigen Stauungen 
im kleinen Kreislauf und dann zu einer sich immer mehr und schliesslich 
soweit steigernden Dilatation der rechten Herzhöhle, dass der Mitralklappen* 
apparat in der erwähnten Weise insufficient wird. Ausnahmsweise kann aber 
auch einmal ohne gleichzeitige Erkrankung am linken Herzen, sondern nur 
in Folge eines Lungenleidens (hochgradiges Lungenemphysem mit jahrelangem 
chronischen Bronchialcatarrh) eine solche relative Insnfficienz der Tricuspi- 
dalis sich entwickeln. Andere durch Endocarditis veranlasste chronisch ver- 
laufende Klappenfehler am rechten Herzen beobachtet man nur äusserst selten. 
Eh6 ich bei einem erwachsenen Menschen, der im Zimmer oder auch über- 
haupt sich frei bewegt und fieberlos ist, einen solchen Klappenfehler dia- 
gnosticire, überlege ich mir meine Diagnose noch zehn, noch zwanzig Mal. 
Denn a priori weiss ich, auf meine Erfahrungen am Leichentische gestützt, 
dass sie wahrscheinlich falsch ist. Wer darauf hin (und dies geschieht so 
häufig), dass man ein diastolisches Geräusch lauter über dem Ostium der 
Pulmonalarterie als über dem Ostium der Aorta hört, sofort eine Insnfficienz 



Einige Bemerkangen zur Diagnose der Herzklappenfehler. 297 

der PalmoDalarterienklappen annimrot, wird fast regelmässig bei der Aatopsie 
seinen schweren Irrthum erkennen. Ich habe mich daher seit langer Zeit 
daran gewöhnt, bei chronischen Herzkranken von vornherein anzunehmen, 
dass die Diagnose eines rechtsseitigen, durch Endocarditis bedingten Klappen- 
fehlers falsch ist, und lasse mich erst nach langer genauer Beobachtung 
aller einzelner kleiner Nebensymptoroe dahin bringen, in gewissen Ausnahme- 
fällen, wie sie ja vorkommen, das Vorhandensein dnes solchen rechtsseitigen 
Klappenfehlers zuzulassen. 

Auf diese Weise habe ich in den letzten Jahren nach dieser Richtung 
hin diagnostische Irrthümer ganz vermieden, und auch noch intra vitam 
manche verfehlte Diagnose Anderer in die richtigen Wege geleitet. Je mehr 
Autopsien der einzelne College gesehen hat, je mehr wird er durch eigene 
Erfahrungen belehrt sein und meinen Auseinandersetzungen zustimmen. 

Je weniger man aber Gelegenheit hat, seine Betrachtungen durch Sec- 
tionen zu controliren, desto mehr wird man nicht bloss versucht sein, 
Klappenfehler des rechten Herzehs, sondern auch complicirte Klappenfehler 
zu diagnosticiren. Auch hiervor kann der üngeübie nicht eindringlich genug 
gewarnt werden. Gar nicht selten kommen einfache Klappenfehler zur 
Beobachtung, bei denen irgend ein Symptom mehr vorhanden ist, als zur 
Begründung einer bestimmten Diagnose nothwendig ist. Wenn man nun 
gleich versuchen will, dieses Symptom besonders zu beröcksichtigen und 
auf dasselbe womöglich das Vorhandensein eines zweiten Klappenfehlers aufzn* 
bauen, dann wird man meist bei den Sectionen sich auf schlimme Enttäu- 
schungen gefasst machen müssen. Am häufigsten gelangt man auf solche 
Irrwege, wenn man auf das Vorhandensein von systolischen Geräuschen 
einen besonderen Werth legt und glaubt, dieselben mässten bei jedem vor- 
handenen Klappenfehler einen gewissen pathologischen Werth haben. Des- 
halb lautet mein vierter diagnostischer Warnungssatz: »Bei der Diagnose 
der Herzklappenfehler soll die Beachtung der Herzgeränsche die untergeord- 
netste Rolle spielen.'' 

So paradox diese Behauptung auf den ersten Blick und bei den ge- 
wöhnlichen Schulanschauungen erscheint, so glaube ich doch dieselben sicher 
vertheidigen zu können. Zunächst muss man berücksichtigen, dass es bei 
stärmischer Herzthätigkeit sehr schwierig wird, systolische und diastolische 
Geräusche von einander zu unterscheiden. Die alte Erfahrung, dass es 
dem Menschen schwer wird, verschiedene Sinneseindrucke zeitlich mit ein- 
ander zu vergleichen, findet auch hier ihre Bestätigung. Deshalb war auch 
daa Instrument von H. J^icobson, in welchem der Garotidenpuls jedes 



298 Fraenlzel, 

Mal einen Fühlhebel hebt, der ein eleciiisches Glockenspiel in Function 
setzt, recht sinnig erfunden: es setzte eben den Gefahlseindruck in einen 
Gehörsei ndrack um. Practisch lässt sich ja der Apparat nicht verwerthen, 
denn wir können denselben nicht leicht in der ambulatorischen Praxis be- 
nutzen. Immer bleibt die Schwierigkeit bestehen zu entscheiden, ist überhaupt 
ein Geräusch am Herzen vorhanden und zweitens ist es systolisch oder diar 
stolisch. Schon erstere Frage ist nicht selten schwer zu beantworten, wie 
jeder erfahrene Arzt weiss: es giebt Geräusche von sehr geringer Intensität, 
die sehr leicht überhört werden können. Zweitens ist es aber z. B. bei 
Insufficienz der Aortenklappenklappen, wo der Puls in den peripheren Ar- 
terien auffallend viel später wahrnehmbar ist, als die Systole der Ventrikel 
erfolgt, durchaus nicht leicht zu bestimmen, ob ein Geräusch systolisch oder 
diastolisch ist. Dann aber giebt es sehr eigenthümliche, namentlich diastoli- 
sche Geräusche bei der Stenosis ostii venosi sin., welche nur bei langer 
Erfahrung richtig erkannt und diagnostisch verwerthet werden können. 

Am besten wird man sich immer erst nach den anderen Symptomen, 
welche ein Klappenfehler liefert, umsehen: dann kommt man oft zu einer 
bestimmten Diagnose, ohne auch nur das Stethoscop an das Herz angesetzt 
zu haben. Die am meisten characteristischen Beispiele hierfür liefern prototype 
Fälle von Insufficienz der Aortenklappen bei jugendlichen Individuen. Gre- 
rade jetzt, während ich dies schreibe, befindet sich ein ISjähriger Maler auf 
meiner Abtheilung, welcher vor 2 Jahren einen acuten Gelenkrheumatismus 
überstanden hat und seit dieser Zeit über Luftmangel und Herzklopfen klagt 
Vor 4t Wochen kam er mit einem neuen Schub einer Polyarthritis rheumatica 
auf meine Abtheilung in der Charit^, jetzt ist er fieberlos, verlässt täglich 
auf mehrere Stunden das Bett und klagt nur, dass er bei rascheren Bewe- 
gungen im Zimmer und bei geringen anderweitigen Anstrengungen ein lästi- 
ges Herzklopfen empfindet. Fasst man nur nach seinem Badialpuls, so ist 
dieser schon für unsere Diagnose characteristisch. Mit dem Moment der 
Systole wird die Wand der Radialis dem zufühlendeu Finger so zu sagen 
entgegengeworfen, um sofort wieder zu verschwinden. Um diesen Pulsus 
altus und celer zu erkennen, braucht es keiner sphygmographischen Curve, 
bedarf es nicht der Erwägung, dass bei fieberhaften Zuständen auch ohne 
einen Klappenfehler zuweilen ein Pulsus altus und celer zu rühleu ist. 
Wenn gleichzeitig selbst Fieber bestände, würde dieser ganx characteristische 
Puls doch nur auf eine Insufficienz der Aortenklappen zurückzuführen sein. 
Hier ist am Ende der Diastole der Druck im Aortensystem äusserst gering, 
da ja während der Diastole dfts Blut durch die ipsufficienten Aortenklappen 



Einige Bemerkungen zur Diagnose der Herzklappenfehler. 299 

in den linken Ventrikel zarückströrot. Im Moment der Systole wird in das 
wenig gespannte Aortensystem eine abnorm grosse Blntmenge, d. h. das 
Blnt, welches aus dem linken Vorhof, und das Blut, welches aus dem 
Aortensystem in den linken Ventrikel geflossen war, gepresst, dadurch 
mnss eine rapide und hoch ansteigende Pulswelle erzeugt werden, welche 
aber unmittelbar nach der Systole steil absinkt, weil sofort das Regur- 
gitiren des Blutes in den linken Ventrikel von Neuem beginnt. 

Untersucht man die Schenkelarterie, so weist auch ihr Verhalten mit 
Nothwendigkeit darauf hin, dass eine ausgesprochene Insufficienz der Aorten- 
klappen besteht. Der Puls in der Schenkelarterie ist ganz auffallend hoch, 
der zufuhlende Finger empfindet mit jeder Systole einen starken Schlag, aber 
in demselben Moment verschwindet der Puls auch wieder. Setzt man das 
Stethoscop ganz leicht auf die Cruralarterie auf, so hört man einen lauten 
starken systolischen Ton, ja derselbe ist schon zu hören, wenn man das 
Stethoscop noch 2 Gtm. von der Haut des Oberschenkels entfernt hält In 
der letzten Zeit^hat man mit Unrecht diesen Phänomenen in der Schenkel- 
arterie viel weniger Werth beigelegt, wie sie es verdienen. Es ist ja richtig 
und seit langen Jahren bekannt, dass man bei fiebernden Kranken sehr oft, 
wenngleich nicht ganz regelmässig, einen systolischen Ton in der Crural- 
arterie hört und dass derselbe zuweilen auch bei anderen Klappenfehlern 
wahrgenommen wird. Für diese beiden Gruppen von Fällen hat man bis 
jetzt noch keine ausreichende Erklärung, dagegen wissen wir, dass der 
systolische Ton in der Schenkelarterie, je stärker er ist, ein um so sicheres 
Symptom der Insufficienz der Aortenklappen neben anderen sein wird, na- 
mentlich bei fehlendem Fieber. Bei gesunden Menschen ist ja an der 
Scbenkelarterie kein Ton zu .hören (dass bei Druck auf die Schenkelarterie 
ein systolisches Geräusch entsteht, ist selbstverständlich), während man an 
der Carotis einen deutlichen systolischen Ton wahrnimmt. 

Neben letzterem hört man an der Carotis unter normalen Verhältnissen auch 
einen diastolischen Ton. Diesen betrachten wir als von den Aortenklappen 
fortgeleitety denn wenn an letzteren kein diastolischer Ton gebildet wird, hört 
man auch niemals einen solchen an der Carotis. Anders stehen die Sachen mit 
dem systolischen Ton : derselbe kann an der Carotis fehlen resp. durch ein 
Geräusch ersetzt sein, während ein solcher überall am Herzen vorhanden 
ist und umgekehrt. Wir müssen daher den systolischen Ton an der Carotis 
als an derselben selbst gebildet ansehen, indem plötzlich im Moment der 
Systole des Ventrikels durch das Einströmen des Blutes in das Aortensystem 
die Membran der Carotis stark gespannt wird und die Differenz zwischen 



300 Praentzel, 

dieser durch die Systole des Ventrikels bedingten und der wibrend der 
Diastole vorhanden gewesenen Spannung gross genug ist, einen Ton zu er- 
zeugen. Da nun die Cruralarterie viel weiter vom Herzen abliegt, wie die 
Carotis, so wird dort die Spannungszunahmie in der Wand bei der Systole 
und die Spannungsabnahme bei der Diastole des linken Ventrikels viel ge- 
ringer sein, wie hier, und damit auch die Spannnngsdifferenz zwischen beiden 
Zeitmomenten nicht genügen, om einen Ton zu erzeugen. 

Anders gestalten sich die Verhaltnisse, sobald die Aortenklappen in- 
sufficient werden: dann regurgitirt ein Theil des Blutes aus dem Aorten- 
system durch die insufflcienten Klappen in den linken Ventrikel, die Span- 
nungsabnahme in der Membran der Arterien, also auch der Schenkelarterie 
wird beträchtlich grösser, ebenso ist die Spannnngszunahme im Momente 
der Systole erheblich vermehrt, weil jetzt eine abnorm grosse Blatmenge, 
die aus dem linken Vorhof und aus dem Aortensystem in den linken Ven- 
trikel ergossene, in die Körperarterien gepresst wird. Dadurch wird in der 
Schenkelarterie die Spannungsdifferenz so gesteigert, dass nunmehr hier 
bei der Systole ein Ton gebildet wird. 

Je geringer nun bei einer Insnfficienz der Aortenklappen die Spannungs- 
differenz zwischen Diastole und nächster Systole ist, desto weniger macht 
sich der systolische Ton in der Schenkelarterie bemerkbar. Wenn z. B. 
in Folge einer längere Zeit bestehenden Arterioscierosis dadurch, dass die 
Endarteritis auf die Aortenklappen übergreift, hier entweder Verdickungen, 
Retractionen der Klappen oder dergleichen und in Folge dessen eine In- 
snfficienz der Klappen sich entwickelt, so wird, falls letztere unbedeutend 
bleibt, bei der erkrankten unelastischen Arterienwand die Spannungszu- 
nahme im Moment der Systole nur geringfügig sein können, und deshalb 
der systolische Schenkelarterienton nur sehr schwach, zuweilen gar nicht 
wahrnehmbar sein. Je intacter die Wand der Körperarterien, je stärker 
die Insuificienz der Aortenklappen, desto lauter der Ton, desto höher der 
Puls in der Arteria cruralis. Ja dann macht sich oft der schnellende Puls 
und auch der systolische Ton bis in die feinen Arterienäste der Hände und 
Fasse, selbst der Finger und Zehen bemerkbar und unter den Fingernägeln 
erkennt man deutlich den sogenannten Capillarpuls. Alle diese Erschein 
nungen liefert uns der schon oben erwähnte Fall. Unter Berücksichtigung 
dieser Symptome (wir können die immer etwas umständliche, aber ein sehr 
characteristisches Zeichen, den Venenpuls, liefernde Untersuchung des Augen- 
hintergrundes mittelst des Augenspiegels ganz unterlassen) allein ist man 
zur Diagnose einer Insuf&cienz der Aortenklappen vollkommen berechtigt 



Einige Bemerkangen zur Diagnose der Henklappenfebler. 801 

Und wahrlich es gehört wenig Uebang and Erfahrung dazu, um den hohen 
hfipfenden Puls in der Radialis, in der Cruralis, in allen peripheren Arte- 
rien, den Capillarpuls unter den Fingernageln, den systolischen Ton in der 
Scheokelarterie und in den kleineren Arterienstämmen wahrzunehmen. 

Lehnen wir uns an unsere in die Besprechung gezogene Beobachtung 
Yon Neuem an, so bauen sich leicht weitere und weitere Stützen für die 
Diagnose auf. In der Carotis muss, wie wir schön oben aufeinander gesetzt 
haben, der diastolische Ton verschwinden, weil er nicht mehr an den Aorten- 
klappen gebildet wird. Er kann durch das jetzt hier erzeugte diastolische 
Geraasch ersetzt werden. Da aber Geräusche viel schlechter fortgeleitet werden 
wie Töne, so hört man gewöhnlich mit der Diastole an der Carotis nichts. 
Auch bei unserem jugendlichen Kranken ist nur ein lautes kurzes systoli- 
sches Geräusch, mit der Diastole gar nichts wahrnehmbar. Legt man die 
Finger auf die Carotis, so fühlt man sogar mit der Systole ein deutliches 
Schwirren. Das Phänomen ist leicht zu erklären. Dafiilr dass eine Mem- 
bran, wenn sie plötzlich aus dem Zustand niederer in den höherer Spannung 
geräth, tönt, ist nicht nur nothwendig, dass die Spannungsdifferenz eine 
gewisse Grösse erreicht, sondern dass auch die Anfangsspannung eine ge- 
wisse Höhe hat. Ist die Spannung im Anfang nicht gross genug, so entp- 
stehen keine regelmSsaigen, sondern nur unregelmässige Schwingungen und 
damit kein Ton, sondern nar ein Geräusch. Wenn nun bei InsufQcienz der 
Aortenklappen am Ende der Diastole ein mehr weniger grosser Theil des 
im Aortensystem enthaltenen Blutes in den linken Ventrikel regurgitirt ist, 
dann wird die Spannung in der Carotis zu dieser Zeit sehr gering sein, 
wovon man sich in den betreffenden Fällen durch die Digitaluntersuchung 
überzeugen kann. Gelangt nun im Moment der Systole eine abnorm grosse 
Menge Blutes in das Aortensystem, so wird zwar die Spannungsdifferenz 
zwischen Diastole und nächster Systole sehr gross, aber trotzdem kein Ton, 
sondern nur ein Geräusch wahrzunehmen sein, weil die Carotis während 
der Diastole zu sehr entspannt war und daher bei der plötzlichen Spannungs- 
zouahme nor anregelmässige Schwingungen macht. 

Auch der Spitzenstoss zeigt in solchen Fällen ein sehr charakteristi- 
sches Verhalten. Er ist abnorm breit, abnorm hoch, abnorm resistent; oft 
bat er eine Breite von 7 — 8 Ctm., oft ist er in zwei Intercostalräamen gleich- 
zeitig wahrzunehmen, oft reicht er bis in die Achselhöhle nach aussen, oft 
in den 6. oder 7. Intercostalraum nach abwärts. 

Man sagt oft statt „Spitzenstoss«" Herzstoss, und, wie ich glaube, mit 
grossem Unrecht. Denn als Herzstoss pflegt man nicht bloss den Spitzen- 



302 Fraentsel, 

stoss, sondern auch den Klappenstoss and endlich aaoh die allgemeine He- 
bung der Regio cordis zu bezeichnen. Namentlich anglöcklich erscheint mir 
z. B. die Bezeichnung «der Herzstoss ist hebend*. Eigentlich niemals habe 
ich gefunden, dass sich der junge Arzt, wenn er diesen Ausdruck gebraucht, 
eine bestimmte Vorstellung davon macht, was er damit wirklich sagen will. 
Und ich selbst wurde, wenn ich diesen Ausdruck, der in der letzten Zeit 
wenigstens bei ups in Berlin üblich geworden ist, ohne dass ich den eigent- 
lichen Autor desselben kenne, nicht genau zu definiren wissen, was man 
darunter verstehen soll. Ich selbst wärde daher den Namen «Herzstoss* 
perhorresciren, weil unter demselben verschiedene Erscheinungen zusammen- 
gefasst werden, und zwar erstens die systolische Hebung der Regio cordis. 
Bei besonderer Erregung des vasomotorischen Nervensystems wird ja unter 
ganz normalen Verhältnissen eine starke systolische Hebung der gesammten 
Regio cordis wahrgenommen. Dieselbe ist ohne jede diagnostische Bedeu- 
tung. Verhält sich dagegen der Kranke ruhig, liegt er womöglich seit Tagen 
im Bett und bemerkt man dann eine solche systolische Hebung, so hat sie 
immer einen besonderen Werth. Wird die Gegend zwischen dem linken 
Sternalrand und der Linea mammillaris sin., resp. werden die auch noch 
über dieselbe nach aussen hinaus liegenden Theile des Brustkorbes systolisch 
gehoben, so schliessen wir auf eine Dilatation des linken Ventrikels, wird 
dagegen nur der untere Theil des Brustbeins in dieser Weise gehoben, so 
nehmen wir eine Erweiterung des rechten Ventrikels an. Breitet sich die 
systolische Hebung vom rechten Sternalrande bis zur linken Mammillarlinie 
aus, so sind wir berechtigt auf eine Erweiterung beider Ventrikel zu 
schliessen. In der Regel ist damit auch eine Hypertrophie der betreffenden 
Ventricularwand verbunden. Trotzdem dürften wir diesen Schluss nicht ohne 
Weiteres machen, da auch ohne Hypertrophie derartige systolische Hebungen 
beobachtet sind. Zweitens verdient der Klappenstoss des Herzens auch eine 
besondere Erwähnung, weil auch dieser als Herzstoss beschrieben wird. 
Wenn wir die Schwingungen der Klappensegel, welche einen Herzton er- 
zeugen, beim directen Anliegen des Hensens an die Thoraxwand fühlen, so 
sprechen wir von einem Klappenstoss. Der systolische starke Schlag, wel- 
chen wir in einer Reihe von Fällen von Stenosis ostii venosi föhlen, ist 
ein auffallend starker und für die Diagnose wichtiger Klappenstoss. Der 
sogenannte diastolische Schlag der Pulmonalarterienklappen , welchen wir 
bei linksseitiger Lungenschrumpfung im zweiten linken Intercostalraum füh- 
len, gehört ebenfalls zu den besonderen Erscheinungen des Klappenstosses. 



Einige Bemerkangen zur Diagnose der Herzklappenfebler. 803 

Drittens ist der Spitzenstoss von besonderer diagnostischer Bedeutung. 
Auch er wird ort mit dem Namen i>Herzstoss^ bezeichnet In Ermangelung 
einer besseren Erklärung betrachten wir ihn als einen Reactionsstoss, der 
natärlich um so grösser sein muss, je stärker der Druck ist, mit welchem 
das Blut aus dem linken Ventrikel in das Aortensystem getrieben und je 
geringer der Widerstand in diesem letzteren ist. Deshalb wird bei Insuf- 
ficienz der Aortenklappen der Beactionsstoss besonders stark sein. 

Liegt der letztere dabei ausserhalb der linken Mammiilarlinie und 
unterhalb der 6. Rippe, ohne dass andere Grande für eine Verdrängung 
des Herzens nach links und unten sprechen und während die Percussion 
direct beweist, dass die Herzdämpfung nach links und unten an Ausdeh- 
nung zugenommen hat, indem die Grenzen nach rechts und oben unverändert 
geblieben sind, so haben wir zunächst auf eine Dilatation des linken Ventri- 
kels zu schliessen und damit noch eine weitere Stätze für die Annahme einer 
Insufficieuz der Aortenklappen gewonnen. Dieselbe ist jetzt so sicher geworden, 
wie wir sie überhaupt stellen können, da wir ja naturlicher Weise nicht ma- 
thematisch sichere Diagnosen haben. Dabei haben wir die auscultatorischen 
Erscheinungen am Herzen ganz unberücksichtigt gelassen. Wir setzen als 
selbstverständlich voraus, dass wir ein diastolisches Geräusch am Herzen 
hören müssen, das gewöhnlich entweder rechts vom Sternum am Sternal- 
rande oder links vom Brustbein auf der Höhe des 5. linken Rippenknorpels 
am lautesten zu sein pflegt, und werden es nie vermissen. 

Wie anders gestalten sich unsere gesammten Anschauungen, wenn wir 
in einem Fall, wie dem vorliegenden, mit der Auscultation am Herzen be- 
ginnen. Auch in diesem ist das diastolische Geräusch über den Pulmonal- 
arterienklappen sehr laut. Wie leicht ist ein Irrthum namentlich fiir den 
Anfänger möglich: er hält das Geräusch für lauter als über den Aorten- 
klappen und gelangt ohne weiteres zu dem Schluss, dass neben der Insuf- 
ficienz der Aortenklappen noch eine solche der Pulmonalarterienklappen 
bestände. Und in der That ist die Intensität des Geräusches zuweilen bei 
reiner Aortenklappeninsuffidenz über den Pulmonalarterien am lautesten, 
so dass auch Geübtere, welche die oben von mir aufgestellten Sätze, nament* 
lieh die Untersuchung der Körperarterien nicht berücksichtigten, in Bezug 
auf diesen Punkt schwer irren müssen. 

Weiterhin ist ja in vielen Fällen von Aortenklappeninsufficienz am 
ganzen Herzen ein systolisches Geräusch zu hören. Dasselbe dient als ge- 
nügender Anhaltspunkt Pur die Annahme einer gleichzeitigen Stenose des 



804 Fraentsel, 

Ostiaro aortae ') — and mit vollem Unrecht. Ich will hier nicht noch ein- 
mal auf die allgemein anerkannte Thatsache zaruckkommen, dass in proto- 
typen Fällen von Insufficienz der Aortenklappen an der Mitralis äberfaaapt 
kein systolischer Ton gebildet wird. Hierauf stützt sich ja wesentlich die 
Opposition der Kliniker gegen die Behauptung Einzelner, dass der systoli- 
sche Ton ein Muskelton sei. Als diese Frage in der zweiten Hälfte der 
60er Jahre lebhaft und warm discutirt wurde, betonte man gleichzeitig, 
dass in manchen Fällen der systolische Ton durch ein Geräusch ersetzt 
würde, und dass schon seit langer Zeit bekannt sei, wie am ganzen Herzen, 
zuweilen aber auch nur über dem Ostium aortae bei insufificienten Aorten- 
klappen laute systolische, ja selbst musicalische Geräusche zu vernehmen 
wären, ohne dass später bei der Autopsie irgend eine Klappen Veränderung 
sich nachweisen Hesse, welche das Zustandekommen eines solchen Geräu- 
sches erklärte, am allerwenigsten aber eine Stenosis ostii aortae. 

Letztere würde ich als in Verbindung mit einer Insufficienz der Aorten- 
klappen vorhanden dann anerkennen, wenn nicht bloss ein systolisches Ge- 
räusch am lautesten über dem Ostium aortae hörbar neben dem diastoli- 
schen vorhanden ist, sondern wenn audi ein systolisches Fr^missement rechts 
vom Brustbein im zweiten Intercostalraum deutlich fühlbar, der Spitzenstoss 
trotz der zweifellos vorhandenen lusufBcienz der Aortenklappen aufiFallend 
niedrig ist, das Tönen in der Schenkelarterie und in den kleineren Arterien 
fehlt oder wenn überhaupt nur in der Schenkelarterie und auch in dieser 
wenig ausgesprochen erscheint. 

Man muss eben, wie aus diesen Erörterungen hervorgeht, den Geräu- 
schen am Herzen selbst nur "wenig Werth beilegen und sich gewöhnen, sie 
im Gegensatz zu den Symptomen des Gefässapparats, dem Spitzenstoss etc. 
als weniger massgebend anzusehen, wenn man sich vor schweren Irrthumern 
schützen will. Diese fürchtet derjenige am meisten, welcher gewohnt ist, 
stets am Krankenbett umgeben von älteren und jungten Collegen und Kri- 
tikern zu verkehren und vor ihnen seine Rechtfertigung am Leichentisch zu 
suchen und zu finden. Ein solcher Mann fürchtet, bis er gelernt hat, dass 
man das Krankenbett genau wissen muss, wie wert man mit der Diagnose 
geben kann. Weiss er dies aber, so scheut er sich nicht mehr, in manchem 
Falle in Bezug auf die Diagnose ein «non liquet** auszusprechen^ gewöhn- 



*) Der ganz ungerechtfertigte Schlendrian von einer Stenose and Insufficienz 
der Aortenklappen zu sprechen, verdient stets eine ernste Rüge, denn es sind eben 
nicht die Aortenklappen, sondern es ist das Ostium aortae stenosirt. 



Einige Bemerkungen zur Diagnose .der Ilerzklappenfehler. 305 • 

lieh aber an der Leiche eines Herzklappenkranken mit Ruhe and Bestimmt* 
heit za sagen: ^dieser Klappenfehler muss gefunden werden*'. 

Während flir die Fehler an dem Apparat der Aortenklappen nament- 
lich das leicht zu prüfende Verhalten der Körperarterien wichtige Anhalts- 
punkte giebt, müssen wir uns zur Diagnose von Affectionen an dem Mitral- 
klappenapparat nach arUderen Hilfsmitteln umsehen, da an den Körperarterien 
wenig charakteristische Merkmale zu erkennen sind. Zwar sind die Radial- 
arterien meist schon bei Mitralinsufficienz, aber noch mehr bei der Stenosis 
ostii venosi sin. eng und wenig gespannt, aber hieraus allein ist ebensowenig 
wie aus anderen, allen Herzerkrankungen gemeinsamen Symptomen etwas be* 
sonderes zu schliessen. Auch der Spitzenstoss ist in der Regel wenig verändert. 
Dagegen macht sich bei schwereren Erkrankungen schon dem Ungeübten 
ganz deutlich eine sieht- und fühlbare Hebung des unteren Theils des Ster- 
nums bemerkbar. Wir schliessen, um es noch einmal zu wiederholen, daraus, 
wenn wir sie in der ruhigen Bettlage und bei einem nicht unmittelbar vorher 
erregt gewesenen Menschen, der sich ausser Bett befunden hat, wahrnehmen, 
dass eine Dilatation des rechten Herzens besteht. Gewöhnlich geht damit 
eine Hypertrophie des rechten Ventrikels Hand in Hand; da aber ausnahms- 
weise dieselbe bei der systolischen Hebung des unteren Theils des Sternums 
fehlen kann, so ist der zweite Schluss nicht ohne Weiteres gerechtfertigt; 
wenn jedoch zugleich der zweite Pulmonalarterienton stärker und klingender 
wie der zweite Aortenton ist, dann ist jedenfalls der rechte Ventrikel hyper- 
trophisch. Zunächst gestattet erfahrungsgemäss die Verstärkung des zweiten 
Pulmonalarterien- oder Aortentons ja nur den Schluss auf einen abnorm 
hohen Druck in dem betreffenden Arteriensystem. Da wir nun wissen, dass 
wenn der betreffende Ventrikel Wochen lang den abnormen hohen Druck 
gut überwinden kann, derselbe hypertrophisch werden muss, so werden wir 
zunächst nur befugt sein, eine Hypertrophie des zugehörigen Ventrikels anzu- 
nehmen, wenn die Verstärkung des zweiten Tones 6, 8 Wochen resp. 3 Mo- 
nate hinter einander von uns gehört wurde, meist aber ist bei einem solchen 
Kranken, von dem wir wissen, dass er seit Monaten leidend ist, der direote 
Sprungschluss aus dem Vorhandensein des zweiten Tons auf eine Hypertrophie 
des zügehörigen Ventrikels gestattet. 

Haben wir nun das Vorhandensein der Hypertrophie und Dilatation des 
rechten Ventrikels festgestellt (und auch der Nachweis der Verstärkung des 
zweiten Pulmonalarterientons erfordert keine besondere Erfahrung und Hebung), 
so bedarf es zunäolist der Untersuchung des Respirationsapparats, welcher 
bekannter Weise nicht selten in ^oJge der in den Lungen erfolgenden Stauung 

CkariK^-Annalan. IX. Jahrg. 20 



ä06 PraenUel, 

in der Circulation zu dem geschilderten Zustand am rechten Herzen fuhrt. 
Lässt sich keine derartige AIToctiou der Lungen noch weisen, so muss die 
Rückstauung nach dem rechten Ventrikel durch eine Erkrankung am Herzen 
veranlasst sein. Am Klappenapparat und dem Ostiura der Pulraonalarterie ge- 
bören, wie wir schon oben erwähnt haben, im extrauterinen Leben überhaupt alle 
Erkrankungen zu den grössten Seltenheiten und zeigen, wenn sie vorhanden 
sein sollten, so frappirende Symptome, dass dieselbe selbst von ungeübten 
und unerfahrenen Aerzten nicht übersehen werden können. Fehlen beson- 
dere Symptome, so ist die Hypertrophie und Dilatation des rechten Ventri- 
kels durch eine Erkrankung des Mitralklappenapparates bedingt. Insufli- 
cienzen der Mitralklappe characterisiren sich durch ein systolisches Geräusch, 
das gewöhnlich an der Herzspitze am lautesten und zuweilen auf diese be- 
schränkt zu hören ist. Ganz ausnahmsweise erscheint es über dem Ostium 
der Pulmonalarterie am lautesten. Der systolische Ton über dem Ostium 
der Pulmonalarterie ist oft sehr schwach, zuweilen gar nicht wahrnehmbar. 

Anders liegen die Verhältnisse bei einer Stenosis ostii venosi sin. 
Hier nehmen die auscultatorischen Erscheinungen zuweilen einen charoäleon- 
artigen Character an und nur der eben erwähnte Weg, der Nachweis einer 
Hypertrophie und Dilatation des rechten Ventrikels bei Fehlen eines Lungen- 
leidens und eines systolischen Geräusches führt mit einer gewissen zwingen- 
den Noth wendigkeit zur Annahme einer Verengerung des linken venösen 
Ostiums. 

Wie wir schon oben erwähnt haben, beoachten wir zuweilen, nament- 
lich sub finem vitae, dass bei diesem Klappenfehler ein diastolisches Ge- 
räusch ganz fehlt. Wenn wir annehmen, dass die Herzgeräusche bei Klappen- 
fehlern durch Stromwirbel erzeugt werden, so wird es leicht erklärlich, dass 
sub finem vitae, wo die Leistungsfähigkeit der Vorhöfe und der Ventrikel, 
mit welcher sie das Blut nach vorwärts treiben, immer mehr nachlässt, 
und der Druck, mit welchem das Blut aus dem linken Vorhof durch das 
stenosirte Ostium in den linken Ventrikel getrieben wird, zu gering wird, 
um noch nennenswerthe Stromwirbel und damit ein Herzgeräusch zu erzeugen. 

Umgekehrt hören wir bei sonst normalen Druckverhältnissen, d^iss wenn 
in Folge einer Stenose des linken venösen Ostiums Stromwirbel bei Durch- 
tritt des Blutes aus dem linken Vorhof in den linken Ventrikel bedingt 
werden, an Stelle des diastolischen Tons ein diastolisches Geräusch. Aber 
nicht selten ist am Schluss der Diastole der linke Ventrikel noch nicht ge- 
nügend mit Blut gefüllt, dann fliesst auch zur Zeit der Pause in der Herz- 
thätigkeit das Blut weiter in den Ventrikel über die Zeit der Systole des 



Einige Bemerkungen zur Diagn(fse der Herzklappenfehler. 307 

Yorliofs hinaus bis zu dem Moment, wo die Gontraction des Ventrikels dem 
weiteren Einströmen von Blat ein Ende macht Wenn wir uns dem ent- 
sprechend ein Schema zeichnen, in welchem die geraden Linien die Zeit der 
einzelnen Herzgeräusche, und die Lücken die Zeit der Pause zwischen den 
einzelnen Tönen und Geräuschen bezeichnen, so haben wir folgendes Schema 
der normalen Heraaction: 

S. D. S. D. S. D. 

Die Zeit der Pause zwischen Systole und Diastole verhält sich zur Zeit 
der Pause zwischen Diastole und nächster Systole wie 2 : 3. Diese längere 
Pause lernt das Ohr des Auscultirenden sehr leicht als Ruhepunkt auf- 
fassen und beurtheiit von dieser Pause aus, welches Phänomen mit der 
Systole der Ventrikel, welches mit der Diastole isochron sei. Wenn nun 
bei der Stenosis ostii yen. sin. an Stelle des diastolischen Tons ein dia- 
stolisches Geräusch auftritt und mit der Diastole des Ventrikels endet, so 
erscheint dies schematisch folgendermassen: 

s. _5:_ & _.5x^ s. _5:u^ 

Dieses diastolische Geräusch nennen wir das »einfach diastolische". 
Dauert das Geräusch dagegen, wie wir oben erwähnt haben, bis zum Beginn 
der nächsten Systole so ist das Schema folgendes: 

S. D. S^ D. S. J5u^ 

Dieses diastolische Geräusch, welches die Zeit der sonstigen Herzpause 
mit ausfüllt, hat schon Traube „modificirt diastolisch'' genannt Hierbei 
wird es den Ungeübten sehr schwer, sich auscultatorisch zu orientiren: sie 
glauben zunächst fast regelmässig ein systolisches Geräusch und einen dia- 
stolischen Ton wahrzunehmen, weil jetzt ihr Ohr an der nunmehr einzigen 
Pause einen Ruhepunkt findet und sie diesen natürlich als den gewohnten 
längeren, nach der Diastole eintretenden, betrachten. 

Die Modificationen in den auscnltatorischen Erscheinungen bei der Ste- 
nosis ost. ven. sin. gehen aber noch weiter. Nicht selten ist beim Beginn 
der Diastole der Druck, mit welchem das Blut aus dem linken Vorhof in 
den linken Ventrikel fliesst, so gering, dass aus den oben angeführten 
Gründen kein Geräusch entsteht. Wenn aber unmittelbar vor der Systole 
zur Zeit, wenn der linke Vorhof sich contrahirt, dieser Druck einen nennens- 
werthen Zuwachs erfährt, dann entsteht nicht selten noch ein Geräusch 
Wir nennen es gewöhnlich „präsystolisch^; es ist eine Art des „modificirt 
diastolischen«", wenn wir unter letzterem, wie ich vorschlage, alle diejenigen 
Geräusche verstehen wollen, welche in der Zeit vom Schluss der Diastole 
bis zum Beginn der nächsten Systole wahrzunehmen sind. Für diese „prä- 

20* 



308 FrMntxel, 

systolischen Geraasche* ist das Schema, je nachdem der diastolische Ton 
fehlt oder vorhanden ist, folgendermassen asu gestalten: 

S. D. S. D. S. D. S. 

oder 

S. D. g. D. S. P. S, 

Der systolische Ton erscheint in solchen Fällen meist aoflEallend stark ' 
und klingend. Man erklärt dies daher, dass, da am Ende der Diastole 
abnorm wenig Blut im linken Ventrikel sich befände, also die Spannung 
der Mitralklappensegel auflfallend gering wäre und im Moment der Systole 
die gewöhnliche Spann angszanahme erfolge, die Spannangsdifferenz eine auf- 
fallend grosse und somit der systolische Ton ein auffallend starker sein 
müsste. 

Nun giebt es noch eine weitere Modification. Im Moment der Diastole 
ist der Druck, mit welchem das Blut aus dem linken Vorhof in den linken 
Ventrikel durch das verengte Ostium fliesst, gross genug, um Stromwirbel 
und somit ein Geräusch zu erzeugen, wenn aber der Durchfluss des Blutes 
eine gewisse Zeit angehalten hat, muss der Druck sinken und schliesslich 
so gering werden, dass die Geräusohbildung aufhört. Wenn dann aber 
durch die Contraction des linken Vorhofs der Druck wieder steigt, macht 
sich das Geräusch von Neuem bemerkbar. In unserem Schema macht 
sich dann folgende Erscheinung bemerkbar: 

s. _£:_ a ^^S:^^ s. _Di^ s. 

Hier stösst die richtige auscultatorische Wahrnehmung auf die aller- 
grössten Schwierigkeiten. Wer einmal diesen ganz eigenthümlichen Rhyth- 
mus genau gehört und richtig analysirt hat, dem wird er immer wieder 
charakteristisch erscheinen und in seiner Eigenthumlichkeit besonders ins 
Ohr flallen, namentlich weil der systolische Ton nicht selten aufikllend accen- 
tuirt ist. Wer sich aber bei der Diagnose der Herzklappenfehler ausschliess- 
lich oder wenigstens in erster Linie auf die Herzgeräusche verlassen will, 
der wird gerade in diesen Fällen am leichtesten fehlgehen, zumal wenn 
auch noch statt des systolischen Tones ein Geräusch zu hören ist. 

Ich möchte das Phänomen als « abgesetzt modificirt diastolisches Gt^ 
rausch*" bezeichnen und nur denjenigen Untersucher für sicher in der Dia- 
gnose der Herzklappenfehler erklären, welcher dieses abgesetzt modificirt 
diastolische Geräusch mit Leichtigkeit erkennt 

Nicht gerade selten unterstützt hier die Palpation die auscultatorisch 
wirklich schwierige Diagnose. Man fühlt mit der Systok einen starken 
systolischen Schlag, vor demselben und zwar besonders deutlich an der 



Einige Bemerkungen zur Diagnose der Herzklappenfehler. 309 

Herzspitze ein Pr6missement, und kurz nach dem systolischen Schlag, 
also mit dem Beginn der Diastole, wieder ein sehr deutliches Schwirren. 
Hier haben wir dann das abgesetzt modificirt diastolische Geräusch deutlich 
als Schwirren fühlbar. Oft ist sogar die Diagnose durch die Palpation leich- 
ter ZQ stellen, wie durch die Auscultation. 

Damit sind aber die anscultatorischen Erscheinungen, welche bei der 
Verengerang des linken venösen Ostiums beobachtet werden, noch nicht er- 
schöpft Schon Bouillaud hat darauf hingewiesen, dass hier zuweilen an 
Stelle eines diastolischen Geräusches ein diastolischer Doppelton wahrge- 
nommen wird. Derselbe ist auf die Gegend der Herzspitze beschränkt oder 
wenigstens hier am lautesten zu hören. Gleichzeitig bestehen die Zeichen 
einer vorhandenen Hypertrophie und Dilatation des rechten Ventrikels. 
Analysiren wir nun den diastolischen Doppelton genauer, so stellt sich bei 
wiederholter Untersuchung, namentlich wenn der Kranke sich unmittelbar 
vorher etwas stärker bewegt, heraus, dass derselbe entweder aus einem Ton 
und einem nachfolgenden, also einem modificirt diastolischen Geräusch oder 
aus xwci diastolischen Geräuschen besteht. Letztere sind dann als ein ab- 
gesetzt modificirt diastolisches Geräusch aufzufassen. Diese Art des diasto- 
lischen Doppeltons ist schon dadurch, dass derselbe auf die Herzspitze be- 
schränkt oder wenigstens hier am lautesten zu hören ist und sehr leicht 
an seiner Stelle eventuell ein oder zwei Geräusche erscheinen, von jenem 
Phänomen zu unterscheiden, welches wir Galopprhythmus am Herzen nennen: 
hier werden die Töne nie durch Geräusche ersetzt und immer ist der dia- 
stolische Doppelton über der ganzen Regio cordis gleich stark zu hören. 

Auch der sogenannte «gespaltene*" oder „gebrochene'' zweite Pulmonal- 
arterienton hat mit dem diastolischen Doppelton bei der Stenose des linken 
venösen Ostiums nichts zu thun. Da über denselben in den gebräuchlichen 
Lehrbüchern wenig bemerkt ist möchte ich mir erlauben, auf denselben 
mit einigen Worten einzugehen. Gewöhnlich hört man den 2. Ton über 
dem Ostium der Aorta und über dem der Pulmonalarterie gleich stark, 
obgleich der Druck in beiden Arteriensystemen sehr wesentlich verschieden 
ist. Wenn nun der 2. Ton über einem der beiden Ostien auffallend stärker 
und klingend wird, dann schliessen wir mit Recht auf einen gesteigerten 
Druck in dem betreffenden Arteriensystem. Bei linksseitiger Lungenschrum- 
pfung und der durch sie bedingten Drucksteigerung im Pulmonalarterien- 
system wird nun oft der Anfangstheil der Pulmonalarterie, der unter nor- 
malen Verhältnissen unter dem Sternum gelagert ist, nach links verzerrt. 
Dann macht sich links vom Brustbein im 2. Intercostalraum nicht bloss 



310 Fraentzel, 

bei der AuscQltation eine Verstärkung des 2. Pulmonalarterientons, sondern 
auch bei der Palpation ein deutlicher diastolischer Schlag, der diastolische 
Schlag der Pulmonalarterienklappen bemerkbar. Aascultatorisch hört sich 
dieser verstärkte diastolische Ton nicht selten so an, als wenn er gespalten, 
oder dem Gehörseindruck folgend, richtiger gesagt, gebrochen wäre. Sectionen 
ergeben für diese eigenthumliche auscaltatoriscbe Erscheinung keine beson- 
deren Anhaltspunkte. Man muss sie daher von dem diastolischen Doppelton 
als ein unwesentliches Symptom trennen, das yielleicht darin seine Erklä- 
rung findet, dass bei der abnorm hohen Spannung im Pulmonalarterien- 
System durch den Bückstoss des Blutes nicht alle drei Semilunarklappen 
gleichzeitig abnorm stark gespannt werden und dann die eine oder andere 
Klappe, um es allgemein verständlich auszudrücken, nachklappt Der ver- 
stärkte und gebrochene diastolische Ton ist also nur eine unwesentliche 
Modification des einfach verstärkten. 



NebeimbtheiluDg für innerlich kranke Frauen. 



Ceber Plenritis im tiefolgc von Uiiterleibsaffectioneii, 
namentlich von subphrenischen ibseessen. 



Von 
Prof. Dr. H. Senator» 



In der Aeiiologie der Pleuritis wird im Allgemeinen von den Affectionen 
der Abdominalorgane nur wenig gesprochen, und allerdings nehmen diese 
Affectionen unter den Ursachen der Pleuritis bei Weitem nicht die erste 
Stelle ein. Aber eine gewisse Bedeutung kommt ihnen dabei doch zu und 
in manchen Fällen kann die Erkenntniss dieses Zusammenhanges für die 
Diagnose und für das hierauf zu begründende therapeutische Verfahren sogar 
von der allergrössten Wichtigkeit werden, wofür einige später mitzutheilende 
Beispiele den Beweis liefern können. 

Wenn wir von den F'ällen absehen, in welchen eine irgendwie geartete 
Pleuritis, eine exsudative oder adhäsive, ein- oder doppelseitige, neben einer 
Abdominalaffection vorkommt, ohne deren directe Folge zu sein, sondern 
als mehr zufällige Complication, so sind diejenigen Vorgänge, welche von 
den Bauchorganen aus zu einer Pleuritis fuhren, von dreierlei Art. Am 
einfachsten ist der Hergang in jenen Fällen, in welchen in Folge von trau- 
matischer Verletzung oder von einer Geschwärsbildung eine Durchbrechung 
des Zwerchfells mit Erguss reizender Substanzen, wie Eiter, Magen- und 
Darminhalt u. s. w., stattfindet. Diese Fälle sind am längsten bekannt und 
machen dem Verständniss, soweit die Entstehung der Pleuritis in Frage 
kommt, keine Schwierigkeit; sie bedürfen keiner weiteren Besprechung. 

£ioe »weite Kategorie bilden jene Fleuritidea, welche als metasta- 



312 Senator, 

tische bezeichnet werden. Auch diese sind keine Seltenheit und ihre Ent- 
stehung durch Verschleppung inficirter Thromben aus dena Bereich der Bauch- 
organe in die Brusthöhle ist heutzutage ebenfalls aufgeklärt. Zur Entzün- 
dung der Pleura kommt es in der Mehrzahl dieser Fälle erst auf dem 
Umwege durch die Lungen, indem eine in dieser angefachte (embolische) 
Entzündung auf jene übergreift, zuweilen aber wird die Pleura auch ohne 
dieses Zwischenglied der Sitz einer metastatischen Entzündung. 

Seltener als diese beiden Arten und daher in der Literatur bis jetzt 
wenig berücksichtigt sind diejenigen Fälle von Pleuritis, welche neben Ent- 
zündungsherden oder Geschwülsten in der Bauchhöhle gefunden werden, 
ohne dass ein Durchbruch durch das Zwerchfell stattgefunden 
hat und ohne dass ein embolischer Vorgang anzunehmen ist, 
während doch die Entwickelung der Pleuritis, der klinische Verlauf und 
der Mangel irgend eines anderen ursächlichen Momentes auf einen Zusammen- 
hang der Erkrankung des Brustfells mit der im Bauchraum vorhandenen 
Affection hinweisen. Nach der Nomenclatur der alten Medicin würde man 
diese Fälle als durch Continuität oder Contignität entstanden 
beziehen können. 

Die Weiterverbreitung des entzündlichen Processes geschieht auf ver- 
schiedenen Wegen, je nachdem der Ausgangspunkt innerhalb oder ausser- 
halb des Peritonealsackes gelegen ist. Im ersteren Falle, bei intraperi- 
tonealen Entzündungsherden, geschieht sie auf dem Wege der Lymph- 
bahnen zu beiden Seiten des Zwerchfells, welche, wie Ludwig und 
Schweigger-Seydel gezeigt haben*), eine directe Ueberfuhrung nicht nur 
gelöster, sondern auch aufgeschwemmter corpusculärer Stoffe aus der Bauch- 
höhle in die Brusthöhle vermitteln. Da diese Lymphbahnen in der serösen 
Auskleidung des Zwerchfells gelegen und zumal auf der Bauch fellseite nach- 
gewiesenermaassen durch offene Mündungen (Stomata) mit der Bauchhöhle 
in Verbindung stehen, so wird natürlich das Peritoneum selbst fast aus- 
nahmslos bei der Entzündung mitbetheiligt sein müssen, mag der ursprüng- 
liche Herd auch weit ab vom Peritoneum und tief im Inneren eines Organes 
gelegen sein. Eine circamscripte oder diffuse Peritonitis wird also in sol- 
chen Fällen fast immer der Pleuritis vorausgehen^ sei es, dass das Bauch- 
fell überhaupt das primär erkrankte Organ ist, oder dass es selbst erst 
secundär in Folge einer anderweitig im Bauchraum vorhandenen Entzündung 
ergriffen worden ist. Je heftiger und ausgebreiteter die Peritonitis ist, um 



*) Sitzungsber. der Sachs. Ges. der Wissensch. 1866. S. 247. 



Ueber Pleuritis im Gefolge von UnterleibsaiTectionen. 313 

SO grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Pleuritis nach sich 
zieht. Diese bleibt bei beschränktem, einseitigem Sitz des abdominalen 
Herdes meist aaf dieselbe Seite beschrankt, oder tritt wenigstens hier zu- 
erst und in stärkerem Maasse auf. 

Bei extraperitonealen Affectionen findet die Fortleitung der Ent- 
zündung vom Abdomen in den Thorax hinein durch das Bindegewebe statt, 
welches die Zwischenräume zwischen den Zacken des- Zwerchfells und die 
Lücken, welche den durchtretenden Gebilden gelassen werden^ ausfüllt. 
Auf diese Weise gesellt sich eine Pleuritis zu den an und neben der Niere 
gelegenen Entzündungsherden, der Paranephritis (Perinephritis), weit 
seltener zu anderen extraperitonealen Abscessbildungen, wie z. B. zu Peri- 
typhlitis. Von einer eingehenderen Besprechung dieser Fälle muss ich 
Abstand nehmen, da sie gewöhnlich schon im Beginn, oder doch sehr früh- 
zeitig, jedenfalls, sobald eine ausgedehnte Abscessbildang yermuthet oder 
sicher nachgewiesen ist, in chirurgische Behandlung übergehen. So viel 
kann man aber auch vom nichtcbirurgischen Standpunkte aus sagen, dass das 
Hinzutreten einer Pleuritis zu diesen Affectionen dieselbe Bedeutung hat, 
wie bei den gleich zu besprechenden rein intraperitonealen Affectionen, d. h. 
bald eine ganz gleichgültige Zugabe darstellt, wenn es sich nur um einen 
geringen serösen Erguss oder um leichte Adhäsionen handelt, bald eine 
schwere, die Prognose wesentlich verschlimmernde Complication bildet, wenn 
es zu einem massenhafteren eiterigen oder gar putriden Erguss gekommen ist. 
Zu acuter diffuser Peritonitis tritt Pleuritis einseitig oder doppel- 
seitig sehr häufig hinzu, ja nach Laroyenne') soll Pleuritis diaphragma- 
tica eine regelmässige Complication jeder acuten Peritonitis sein. Indessen 
gehört nicht jede von einer Peritonitis abhängige Pleuritis hierher, sondern 
ein Theil der Fälle ist den beiden vorher genannten Kategorien, nament- 
lich der embolischen (metastatischen) Form zuzurechnen. Es liegt übrigens 
auf der Hand, dass in den meisten Fällen von acuter diffuser Peritonitis 
die Weiterverbreitung der Entzündung auf die Pleura auf beiden Wegen, 
dem der Blutgefässe und der Lymphbahnen erfolgt, so dass es sich um 
Verbindung von embolisch-metastatischer und in der Continuität fortschrei- 
tender Entzündung handelt und die besondere Wirkung jeder einzehien im 
gegebenen Falle nicht immer festzustellen ist. 

Eine grosse practische Bedeutung kommt hier der Pleuritis, wenn es 
sich nicht ausnahmsweise um ein sehr beträchtliches Exsudat handelt, nicht 



») Lyon mM, 1877, No.l, nai* Virehow-Hirsoh's Jahresb. 1877. II, S.164. 



314 Senator, 

zu, denn die Gefahr einer acuten diffusen Peritomtis ist schon an und fär 
sich so gross, dass sie durch das Hinzutreten einer Pleuritis nicht mehr 
viel gesteigert werden kann. Deshalb hat auch die Behandlung auf diese 
Complication nur wenig Rücksicht zu nehmen, ausser eben in dem Falle, 
dass durch ein grösseres Exsudat die ohnedies gewöhnlich schon yorhandene 
Athemnoth bis zur Erstickungsgefahr gesteigert wird, in welchem Falle 
durch Fortschaffung des Exsudats der Indicatio yitalis genügt werden muss. 

Seltener als die diffuse fuhrt die circumscripte Peritonitis zu 
Entzündung der Pleura, weil bei ihr die Bedingungen für die Ausbreitung 
der Entzündung in der Gontinuität oder für Verschleppung durch die Gc- 
fasse weit weniger gunstig sind. Den circumscripten Entzündungen liegen 
ja meistens weniger bösartige, vor Allem weniger infoctiöse Schädlichkeiten, 
welchen die Neigung zur Weiter Verbreitung so eigonthümlich ist, zu Grunde 
und eben diesem Umstände ist ja ihre Umgrenztheit zuzuschreiben. Sie 
fuhren ferner sehr gewöhnlich nur zu Bindegewebs -Neubildung, oder wenn 
es zur Eiterabsetzung kommt, ist diese eben durch solche bindegewebige 
Adhäsionen eingeschlossen und von der Nachbarschaft durch Schwarten ab- 
gekapselt, welche einen mehr oder weniger dichten Wall gegen das Woiter- 
greifen der Entzündung bilden. Und endlich kommen für die Pleura von 
allen circumscripten Peritonitiden häuptsächlich nur dicjenigeu in Betracht, 
welche in deren nächster Nähe sich befinden. Es wird sehr selten und nur 
unter ganz aussergewöhnlichen Umständen vorkommen, dass von einer 
circumscripten Entzündung der in den unteren Partien des Bauchfells ge- 
legenen Organe aus ohne Dazwischenkunft einer diffusen Peritonitis die 
Pleura in Mitleidenschaft gezogen wird. 

Viel günstiger sind dafür die Bedingungen bei Eiterungen im oberen 
Bauchraum, vor Allem bei subphrenischen Abscessen im engeren Sinne, 
d. h. solchen, welche unmittelbar unter dem Zwerchfell so gelegen sind, 
dass dieses selbst eine Wand des Abscesses bildet, dann aber auch bei 
anderen, zwar ebenfalls unterhalb des Zwerchfells gelegenen, aber nicht bis 
an dasselbe hinanreichenden Abscessen, bei Leberabscessen, welche, auch 
wenn die Oberfläche der Leber noch nicht durchbrochen ist, sehr häufig von 
einer Pleuritis begleitet sind durch Vermittelung einer Perihepatitis, ferner 
bei Abscessen der Milz und wohl auch des Pancreas, was freilich bei 
deren Seltenheit mehr vermuthet, als beobachtet werden kann. 

Wie bei den extraperitonealen Eiterungen, so entsteht, nur noch häu- 
figer, bei den zuletzt genannten abgekapselten intraperitonealen Abscessen 
.durch d^ {{ipzatretea eines ^össeren Pleuraergusses oine Complication^ 



Ueber Pleuritis im Gefolge von Unterleibsaffectionen. 315 

welche far die Diaguose und Therapie grosse Schwierigkeiten schafft und 
welche darum etwas ausfuhrlicher besprochen werden soll. 

Hauptsachlich kommen liier, wie gesagt, die subphrenischen Abscesse 
(iiu engeren Sinne) in Betracht. Es ist Leyden's Verdienst, auf diese bis 
dabin wenig gewürdigte Affection die Aufmerksamkeit gelenkt und ihre 
Diagnostik festgestellt zu haben. In seiner Abhandlung hierüber^) hat er 
zwar vorzugsweise die lufthaltigen Abscesse (^Pyopneumothorax 
sabphrenicus"*) im Auge gehabt, indessen behalten seine Bemerkungen 
und die von iiim aufgestellten diagnostischen Sätze, soweit sie sich nicht 
eben auf den Luftgehalt beziehen, grösstentheils auch far die nicht luft- 
haltigen Abscesse ihre Gültigkeit; mit ihrer Hälfe gelingt es und ist es 
seitdem in mehreren Fällen gelungen, diese Abscesse von Pleuraergüssen zu 
unterscheiden. Allerdings aber wird die Diagnose der nicht lufthaltigen 
subphrenischen Abscesse dadurch, dass die vom Luftgehalt abhängigen 
Zeichen wegfallen, schwieriger. 

Von den 8 Punkten, auf welche nach Leyden die Diagnose des Pyo- 
pneumothorax subphrenicns sich zu stützen hat, bleiben dann nur noch die 
folgenden 6 zu verwerthen: 1) Die Bntwickelung der Krankheit, nachdem 
die Erscheinungen der allgemeinen (Perforations-) Peritonitis, oder Eiter- 
entleerungen durch den Darm vorangegangen sind. 2) Die Bildung eines 
Exsudates im unteren Theil der (rechten oder linken) Thoraxpartie unter 
entzündlichen Erscheinungen (Schmerz, Fieber). Dabei wenigstens für längere 
Zeit das Fehlen von Husten und Auswurf. 8) Symptome, welche beweisen, 
dass oberhalb des Exsudates die Lunge intact und ausdehnbar ist, dass sie 
bd tiefer Inspiration herabsteigt. Unterhalb der Glavieula ist das Athmungs- 
geräusch vesiculär, der Fremitus erbalten bis zur 8. oder 4. Rippe. Bei 
tiefer Inspiration aber erstreckt sich das normale Athmungsgeräusch herab 
bis zur 4. oder 5. Rippe, während sogleich unter dieser Grenze jedes Ath- 
mungsgeräusch scharf abgeschnitten aulhört. 4) Die Zeichen des gleich- 
massig vermehrten Drucks im Pleuraxaum fehlen» oder sind nur wenig aus- 
geprägt Die entsprechende Thoraxhälfte ist kaum ektatisch'), die Inter- 
costalräume eben verstrichen, das Herz nur wenig nach der anderen Seite 



Zeitsehr. f. kUn. Med. L S. 330. 

') Kach meinen Beobaobtungen kann ein snbphrenischer Absooss allerdings eine 
deutliche Herrortreibnng der unteren Rippenwand henrorbringen , die bei gleichzeitiger 
Anwesenheit von Lnft wohl noch deatlicher werden wird, wie denn auch in dem Fall 
von Pfuhl und einem Fall ?on Leyden (8) die betreffende Brnstseite starker ausge- 
dehnt gefuiden wurde. 



316 Senator, 

hinübergedrängt. Dagegen ragt die lieber tief in das Abdomen hinein bis 
zur Höhe des Nabels oder noch tiefer, wo ihr unterer Rand deutlich zu 
fühlen ist. 5) Im weiteren Verlaufe kann die drohende oder eintretende 
Perforation in die Luftwege mit plötzlichem massenhaften Auswurfe von 
jauchigem Eiter noch die Diagnose^ falls sie noch zweifelhaft geblieben sein 
sollte, vollkommen sicher stellen. 6. Endlich kann auch die Manometrie 
der Pleura (Plcurometric) zor Sicherung der Diagnose herbeigezogen wer- 
den. PfuhP) hatte bereits bemerkt, dass die mit der Punction verbundene 
Maoometermessung, wenn sich die Canule in einer Höhle unterhalb des 
Zwerchfells befindet, bei der Inspiration eine Steigerung, bei der Exspiration 
eine Verringerung des Drucks ergeben müsste, umgekehrt wie im Pleurasack. 

Es thut der Bedentang dieser Kriterien wenig Abbruch, dass sie, wie 
von manchen Seiten eingewendet worden ist^ nicht in allen Fällen sub- 
phrenischer Abscesse voUst&ndig vorhanden sind, denn sie haben mit an- 
deren, ja mit vielen unserer diagnostischen Kriterien eben Das geraein, dass 
ihr Fehlen eine Aifection nicht ausschliesst. Für welche ihr Vorhandensein 
spricht. Ein subphrenischer Abscess kann so klein und so verborgen ge- 
legen sein, dass er sehr heftige Beschwerden machen kann und doch ausser- 
lieh durch nichts sich zu erkennen giebt. 

Wichtiger aber ist, worauf man bisher noch gar nicht hingewiesen hat, 
dass die angeführten Zeichen, welche zur Unterscheidung jenes Abscesses 
von Pleuraergüssen dienen, nicht vor Verwechselung mit einer anderen 
Affection, nämlich mit Peripleuritis und peripleuritischem Abscess 
schützen. Wie aus den Beschreibungen von Wunderlich, Billroth, 
Bartels, RiegeP) hervorgeht und wie mich eine eigene Beobachtung ge- 
lehrt hat, zeigt diese AfToction eine gewisse Aehnlichkeit mit eitrigen Pleura- 
ergüssen, und Bartels hat deshalb eine Reihe diagnostischer Anhaltspunkte 
zur Unterscheidung dieser beiden AflPectionen gegeben, welche, wie leicht 
ersichtlich, zum Theil sich mit denjenigen decken und decken müssen, welche 
Lcyden als unterscheidwid zwischen Pleuraerguss und subphrenischem 
Abscess bezeichnet hat. Es ist ja auch klar, dass ein am unteren Theil 
des Thorax z. B. in der linken Seite gelegener peripleuritischer Abscess 
durch die Hervorwölbung der betrefifenden Partie, durch die unregelmässige 
Dämpfung, die nachweisliche Integrität def Lunge, die fohlende Verschiebung 
des Herzens unter Umstanden noch mehr Aehnlichkeit mit einem subphre- 



>) Berliner klin. Wochenschr. 1877. No. 5. 

^) S. Deutsches Archiv für klin. Med. XIX. S. 551. 



Ueber Pleoritis im Gefolge Ton Unterleibsaffeotionen. 317 

niscb^n Abscesi«, üls. mit einem Empyem bekommen kann. Ja Bartels 
hat auch sogtur die Spannnngsverhältnisse in einem solchen Abscess, aller- 
dings ohne manometrische Melangen, in Betracht gezogen und findet sie 
freilich auf Grund nicht unbedingt zulässiger Voraussetzungen, verschieden 
von den Spannungsv^rhältnissen bei grossen Pleuraei^ussen, welche die 
Rippen vordrangen. Letztere, meint Bartels, stehen unter einem so hohen 
Druck, dass die inspiratörische Wirkung der gesunden (nicht nach abwärts 
gedrängten) Zwetchfellshalfte auf die Spannungsverb&ltnisse der gesammten 
Brusthöhle keinen bemerkbaren Einfluss auf den hydrostatischen Druck in 
der leidenden Pleura auszufiben iib Stande ist Im Gegensatz dazu hatte 
er \m Periplenritis ein Erschlaffen der Absoesswand mit der Inspiration 
und ein Prallwerden derselben bei jeder Exspiration bemerkt. Gerade um- 
gekehrt haben Pfuhl und Leyden auf die inspiratorische Abnahme des 
Drucks bei Pleuraergüssen zur Unterscheidung von subphrenischen Abscessen, 
wo inspiratorische Zunahme des Drucks stattfinden soll, Werth gelegt: 
Indessen ist nach der einen, wie nach der anderen Seite hin die manome- 
trische Messung im Ganzen doch nicht von so grosser Bedeutung, weil unter 
pathologischen Vernältnissen die Bedingungen Tür die Drucksohwankungen 
oberhalb und unterhalb des Zwerchfells so wechselnd werden können, dass 
selbst eine Umkehr des normalen Verhaltens eintreten kann, dass wenig« 
stens im Abdomen keine inspiratorische Zunahme des Drucks eintritt^). 
Nur in dem einen Fall, dass eine solche inspiratorische Zunahme eintritt, 
ist man zu der Annahme berechtigt, dass die mit dem Manometer ver- 
bundene Gannle sich in der Bauchhöhle befindet, alle anderen Ergebnisse 
der Druckmessung sind nicht beweisend, oder doch hur unter Berücksichti- 
gung noch anderer Momente, der Ausdehnung und Ausdehnungsfähigkeit 
des Brustkastens, des Athmungstypus u. s. w. Uebrigens ist nicht selten 
der aspirirte Inhalt der Spitze iso dickflüssig oder gerinnend, dass er Ober- 
haupt durch die Athmungsschwankungen nicht- in Bewegung gesetzt wird. 
Es wird aus dem Vorstehenden wohl ersichtlich sein, dass, wenn auch 
die Diagnose der lufthaltigen subphrenischen Abscesse nach den Angaben 
von Leyden sehr erheblich gefördert ist, doch die Erkennung der nicht- 
lufthaltigen Abscesse immer noch ihre sehr grossen Schwierigkeiten hat. 
Vollends aber steigern sich diese Schwierigkeiten bis zur Unüberwihdlich- 
keit, wenn sich ein grösseres pleuritisohes Exsudat auf der Seite des 



«) Vergl. Starcke, Gharit^<Annalen. VIII. 1882. S. 623 and namentlich J. 
Schreiber, Deatsches Archiv for klin. Med. 1883. XXXIII. S. 485. 



318 Senator, 

Abscesse^ hinzagesellt. Flearitis ist ja überhaupt, wie idi achon hervor- 
gehobeu habe, eine gewöhnliche Coiaplication jener Abscesse, aber es kommt 
dabei nicht immer zur Bildung eines erheblichen Exsudates ans uns aabe- 
kannten Gründen, manches Mal vielleicht nur deshalb, weil der Tod schon 
vorher eintritt» Wie oft etwa ein grösseres pleoritisches Exsudat hinzutritt, 
lässt sich bei der genügen Zahl vcrwerthbarer Beobachtungen nicht sagen, 
doch scheint es, wenn nicht in der überwiegeaden Mehrzahl, so doch jeden- 
falls in einem ansehnlichen Bruchtheil aller Pälle vorzukommen. Unter 
5 subphrenischen Abscossen meiner eigenen Beobachtung, deren Diagnose 
durch die Autopsie auf dem Operationstisch, oder auf dem Leichenlisch 
sichergestellt wurde, gingen 3, welche unten mitgethoilt werden, mit einem 
beträchtlichen Pleuraerguss einher. 

Durch diese Complication werden alle jene Symptome, wenigstens alle 
physicalischen und sichersten Zeichen, welche zur Unterscheidung eines 
unterhalb des Zwerchfells gelegenen Ergasses von einem oberhalb derselben 
gelegenen dienen sollen, unbrauchbar. Es werden dadurch vielmehr die 
dem Pleuraerguss allein zukommenden Zeichen eher noch dckitlicher aus- 
geprägt sein, als es sonst der Fall wäre, so die Dämpfung, die mangelhafte 
Ausdehnung der betreffenden Lunge, die Abschwächung der Athemgeraosche 
und der Stimmvibrationen, die Versdiiebung des Herzens oder der Leber etc., 
kurz fast Alles, was oben (S. 315) als Anhalt für die Diagnose eines sub- 
phrenischen Abscesses nach Leyden angegeben worden ist. Audi Husten 
und Auswurf, die bei letzterem fehlen sollen, können bei einer Complication 
mit Pleuritis vorhanden sein und endlich ist auch die Perforation in die 
Luftwege mit plötzlichem mastonhaften Auswurf von jauchigem Eiter ein 
Zufall, der bei einem eitrigen Pleuraexsudat mindestens so oft vorkommt, 
wie bei einem subphrenischen Abscess. Es ist daher kaum denkbar, dass 
in derartigen Fällen der Pleuraerguss übersehen wird, wohl aber ist es be- 
greiflich, dass darüber die Primäraffection, der subphrenische Abscess, der 
Diagnose entgeht, wenn nicht durch ganz besondere Umstände die Aufmerk- 
samkeit erregt wird. Und auch dann wird man gewöhnlich nicht über den 
blossen Verdacht, dass dabei noch eiti subphrenischer Abscess vorhanden sei, 
hinauskommen, es wäre denn, dass der Pleuraerguss erst später hinzutr^e, 
nachdem die Anwesenheit des Abscesses bereits festgestellt ist 

Yen allen oben aufgezählten 6 Punkten bleibt alsdann nur ein einziger 
übrig, welcher das ätiologische Moment, gewisse voraufgegangene 
Krankheiten und die Entwickelung des Leidens betrifft. In dieser 
Bc/Jehung steht meiner Meinung nach unter allen ACfectionen, die zu sub- 



üeber Pleuritis im Oefolge fon Unterleibsaffectionen. 319 

phrenischon Abscessen führen, obenan das chronische Magengeschwür, 
sodann, aber weit hinter diesem zurückbleibend, die Para- (Peri-) Ty phlitis 
und andere Verschwarungsprocesse des Darmes, die zum Durchbruch und 
ciicnmscripter Peritonitis geführt haben, dann Leberabscesse (und in 
Eiterung übergegangene Echinococcus-Säcke). Wo also die Anamnese dafür 
spricht, dass eine dieser Affectionen, namentlich aber ein Magengeschwür, 
dem Auftreten der Pleuritis (insbesondere einer linksseitigen Pleuritis bei 
Magengeschwür) kürzere oder längere Zeit voraufgegangen ist, da wird man 
an einen subphrenischen Abscess als das Mittelglied zu denken haben. Was 
sich ausser diesem anamnestischen Moment sonst noch zu Gunsten der Ver- 
muthung eines subphrenischen Abscesses bei nachweislicher Pleuritis an- 
führen lässt, das ist, soweit ich meinen eigenen Beobachtungen und der 
Durchsicht einschlägiger in der Literatur niedergelegter Fälle entnehme, 
etwa Folgendes: 1) Heftige Schmerzen, welche vorzugsweise im 
Epigastrium und in einem Hypochondrium ihren Sitz haben und von 
da nach dem Rucken zwischen die (regend der Schulterblätter ausstrahlen. 
2) Schmerzhaftigkeit und Steifigkeit im Bücken beim Versuch sich 
aufzusetzen, ähnlich wie bei Affectionen der Wirbelsäule, oder bei Menin* 
gitis spinalis. 3) Schmerzhaftes Aufstossen und Schluchzen. Alle 
diese Erscheinungen, die wohl durch die Entzündung des peritonealen oder 
pleuralen Zwerchfellüberzuges bedingt sind, haben eine gewisse Aehnlichkeit 
mit den von den alten Aorzten der Zwerchfellentzündung (Diaphragmitis, 
Paraphrenitis) zugeschriebenen fiilde und es mag wohl mancher von ihnqn 
hierher gerechnete Fall von eiteriger Infiltration oder Abscessen im Zwerch* 
feil vielmehr ein subphrenischer Abscess gewesen sein. 4) Die Lage des 
Kranken auf dem Rücken bei erheblichem Pleuraerguss kann ferner einiger- 
roassen von Bedeutung erscheinen, weil sonst bei einem starken einseitigen 
Pleuraerguss gewöhnlich die Lage auf der erkrankten Seite eingehalten wird. 
In meinen hierhergehörigen Fällen vermieden die Patienten dieSeitenlago 
and nahmen beständig eine stark erhöhte Rückenlage ein. Endlich möchte 
ich nicht unerwähnt lassen, 5) ein mehr oder weniger starkes Oedom in 
der unteren seitlichen und hinteren Thoraxwand bis in die Lenden- 
gegend hinab, welches in keinem meiner Fälle fehlte und auch in einigen 
von Anderen beobachteten Fällen erwähnt wird. 

Es bedarf keiner Auseinandersetzung darüber, dass kein einziges dieser 
5 Zeichen auch nur mit einiger Sicherheit einen subphrenischen Abscess be- 
weist, dass der Sitz des Schmerzes, die Lage des Kranken nichts weniger 
als characteristisch ist, dass Oedem am Thorax gerade auch bei Empyemen 



320 Senator, 

vorkommt, wenn auch nicht in der Häufigkeit, wie früher vielfach geglaubt 
wurde, aber in ihrer Gesammtheit werden sie sich bei Empyemen oder über- 
haupt bei pleuritischen Ergüssen wohl sehr selten in der Art vereinigt finden 
und deshalb wohl die Vermuthung, ich sage nicht die Diagnose, eines sub- 
phrenischen Abscesses rechtfertigen. 

Als letztes diagnostisches Mittel bleibt endlich noch die Probepunction 
zu besprechen. Ich habe oben schon angeführt, dass sie, wenn gleichzeitig 
eine Druckmessung der austretenden Flüssigkeit vorgenommen wird, für die 
Diagnose mir in dem Fall, dass bei der Inspiration ein Druckzawachs statt- 
findet, mit Sicherheit verwerthet werden kann. Hieran ändert auch die Com- 
plication mit einem gleichzeitigen Pleuraerguss nichts. Und da ein irgend 
erheblicher Pleuraerguss, wie gesagt, wohl immer mit Sicherheit diagnosti- 
cirt werden kann, so häbec wir hier den Fall, wo beide Ergüsse, der ober- 
halb und unterhalb der Pleura befindliche, sicher diagnosticirbar sind. Aber 
es ist dies auch der einzige und gewiss äusserst seltene Fall, selten des^ 
wegen, weil bei einem beträchtlichen Pleuraerguss das hierdurch schon nach 
unten gedrängte Zwerchfell keine ausgiebige Abwärtsbewegung zumal auf 
der afficirten Seite machen und daher keine deutlichen Manometerschwan- 
kungen bewirken kann. In allen anderen, man kann wohl sagen, den 
meisten Fällen wird auch eine Punotion, wenigstens eine einmalige, die 
Zweifel, ob neben dem Pleuraerguss noch ein subphrenischer Abscess vor- 
handen ist, nicht lösen. Dennoch wird sie wohl in jedenr Fall gemacht 
werden und schon aus therapeutischen Rücksichten gemacht werden müssen, 
denn das begleitende Pleuraexsudat wird unter solchen Umständen wohl 
immer ein operatives Einschreiten erfordern. 

Ergiebt die Probepunction einen eiterigen Erguss, so wird über das 
einzuschlagende operative Verfahren insofern kein Zweifel bestehen^ als die 
Eiterhöhle jedenfalls durch den Schnitt zu entleeren ist, mag sie oberhalb 
oder unterhalb des Zwerchfells gelegen sein. Hierüber wird sich der Ope- 
rateur nach der Eröffnung in der Regel wohl mit Leichtigkeit unterrichten 
können und er wird im Anschluss daran eine zweite Probepunction zu 
madhen haben '), um sich über einen etwaigen Erguss in der anderen Höhle 



Ob diese (zweile) Probepunction ebenfalls von aussen her zu machen ist, oder 
besser von der schon eröffneten Höhle aus durch das Zwerchfell hindurch gemacht wird, 
ist eine chirurgische Frage, deren Beurtbeilung mir nicht zusteht. In einem metner 
Fälle (5), wo bei Verdacht auf subphrenischem Abscess die yon mir gemachte ProJbe- 
punction Eiter ergeben hatte, wurde durch den nur ganz wenig entfernt von der Punc- 
tionsstelle angelegten Schnitt die Pleurahöhle eröffnet, ein seröses Exsudat entleert 



lieber Plearitis im Qefolge von Dnterleibsafifectionen. 321 

za vergewissern and danach sein weiteres Verfahren einzurichten, d. h. wenn 
aach diese Function Eiter zu Tage fordert, eine zweite Incision zu machen, 
wenn sie aber ein seröses Exsudat anzeigt, dieses durch Function mit oder 
ohne Aspiration zu entleeren. Das letztere Verfahren wird natürlich nur 
für die Fleurahöhle in Anwendung kommen, da subphrenische Ergüsse nie- 
mals serös, sondern immer eiterig sind. Nur bei der gewiss ungemein sel- 
tenen, aber immerhin denkbaren Combination eines Empyems mit einem 
Echinococcus oder einer anderen Cystengeschwulst im oberen Bauchraum 
könnte die nach Eröffnung der Fleurahöhle vorgenommene Frobepunction des 
Abdomens keine eiterige, sondern eine seröse, oder wässerige Flüssigkeit 
liefern. Was in einem solchen Fall weiter zu geschehen hätte, das zu be- 
sprechen gehört nicht hierher. 

Wenn aber die erste Frobepunction einen serösen Erguss ergiebt, die 
Functionsnadel also mit oder ohne Absicht in die Fleurahöhle eingeführt 
ist, so wird man, auch mit Verdacht auf einen daneben bestehenden sub- 
phrenischen Abscess, zuerst den Fleuraerguss (durch Function und Aspira- 
tion) zu entfernen haben und wenn die objective Untersuchung auch' unter 
den nun veränderten physicalischen Bedingungen den Verdacht bestehen 
lasst, durch eine zweite Frobepunction möglichst sich Gewissheit darüber zu 
verschaffen. Findet sich der Verdacht bestätigt, so ist ja selbstverständlich 
die operative Behandlung des Abscesses angezeigt. Ich brauche aber kaum 
noch ein Mal daran zu erinnern, dass auch die Frobepunction im Stich 
lassen kann, d. h. dass auch sie über einen wirklich vorhandenen sub- 
phrenischen Abscess nicht immer Auüschlnss giebt, sondern dass erst die 
Leichenöffnung ihn entdeckt. 

Schliesslich bemerke ich, dass, was hier über die Schwierigkeiten der 
Diagnose und der Therapie der mit Fleuraerguss complicirten subphrenischen 
Abscesse im engeren Sinne gesagt ist, im Grossen und Ganzen auch von 
jenen ebenfalls unterhalb des Zwerchfells, aber im Inneren der Organe der 
Oberbauchgegend gelegenen Abscessen gilt, deren oben (S. 314) gedacht 
wurde. Die Schwierigkeiten sind hier eher noch grösser, höchstens würde 
beim Leberabscess neben den sonstigen Zeichen noch der Icterus für die 
Diagnose vonWerth sein, wie es in dem letzten der hier mitzutheilenden Fälle war. 
Aber bekanntlich ist der Icterus kein beständiges Symptom der suppurativen 
Hepatitis und wenn diese deswegen und wegen der Unbeständigkeit der an- 



und nun mittelst der durch das Zwerchfell hindarchgestossenen Pravaz'schen Spritze 
der Eiter gefunden. 

Chariie-Auualeu. IX. Jahrg. 91 



322 Senator, 

deren Symptome schon für sich allein der Diagnose Schwierigkeiten machen 
kann, so werden diese durch die Gompiicaiion mit einem rechtsseitigen pleu- 
ritischen Ergass noch erheblich gesteigert 

Fall I. 

Chronisches Magengeschwür, subphrenischer Abscess. Links- 
seitiges Empyem, geringer rechtsseitiger seröser Pleura- 
erguss. 

Das 24jährige Dienstmädchen Fauline L. wurde am Abend des 6. No- 
vember 1875 in das Augusta-Hospital aufgenommen. Sie gab an, seit 
langer Zeit an Verdanungsbeschwerden und Magenschmerzen nach dem Essen 
zu leiden und deswegen vielfach ärztlich behandelt worden zu sein. Vor 
12 Tagen (26. Oct.) habe sie sich stärker unwohl gefühlt, vor 4 Tagen 
(2. Nov.) Frost und Stiche in der linken Seite bekommen, zu denen Athem- 
noth, Schlaflosigkeit etc. hinzugetreten sei. 

Sie ist kräftig gebaut, mit starkem Fettpolster, äusserst blass. Die 
Untersuchung ergiebt ein linksseitiges pleuritisches Exsudat, welches im 
Sitzen eine Dämpfung bis zum unteren Drittel des Schulterblattes bewirkt. 
Magengegend auf Druck schmerzhaft. Herztöne rein. Verstopfung. Urin 
ohne Abnormität. Temperatur am Abend der Aufnahme 88,9 (in axilla). 
In den folgenden Tagen erreichte die Temperatur nur ein Mal 39,4 und 
hielt sich sonst zwischen 37 und 39 ^ Husten und Auswurf fehlen. 

Am 12. Nov. wurde auch rechts ein pleuritischer Ergnss mit einer 
Dämpfung von ungefähr Handbreite gefunden. Links reicht der Erguss vorn 
bis zur 4. Rippe, die Seitenwand ist ganz gedämpft. Herz ganz unter das 
Sternum verschoben. Fat. kann nur auf dem Rücken liegen und klagt viel 
über Magen- und Seitenschmer/en. Kein Husten. 

17. Nov. Fat. klagt beständig über den Magen. Das Epigastriam 
ist stark kugelig hervorgewölbt, auf Druck sehr empfindlich und giebt 
einen lauten tympanitischen Ton. Aufstossen ist sehr empfindlich. 
Leib im Uebrigen nicht schmerzhaft, kein Erguss. 

18. Nov. Der linksseitige Erguss hat erheblich zugenommen, die Däm- 
pfung reicht in der erhöhten Rückenlage bis zur Clavicula, geht nach rechts 
bis 3,5 Ctm. über das Sternum hinaus, hier fühlt man deutliche Herzpul- 
sation. Hinten links Dämpfung bis zur Mitte der Scapula. Herztöne rein. 
Dyspnoe hat sehr zugenommen. 

Nachmittags coUabirte Fat. bei einer hastigen Bewegung ganz plötzlich 
und starb sehr schnell. 



lieber Plearitis im Oefolge von Unterleibsaffectionen. 323 

Die SectioD ergab einen sehr beträchtlichen eitrigen Erguss im linken 
Brustfellsack, welcher die Lunge ganz nach der Wirbelsäule hingedrängt 
hatte, einen geringen serösen Erguss in der rechten Pleura, ebenso im Herz- 
beutel eine geringe Menge seröser Flüssigkeit. Linke Lunge auf der Ober- 
fläche mit fibrinös-eitrigen Beschlägen, Gewebe luftleer, übrigens gesund, 
rechte Lunge ohne Abnormität. Herz stark fettnmwachsen, übrigens normal. 
Bei der Eröffnung der Bauchhöhle gelangte man sogleich im Epigastrium 
in eine mit grünlichem Eiter gefüllte Höhle, welche vorn mit den Bauch- 
decken verwachsen ist. Letztere sind auch nach rechts hin mit dem linken 
Leberlappen durch strangförmige Adhäsionen verwachsen. Die Höhle hat 
fast die Grösse eines Kinderkopfes, ihre Wände werden nach oben und hinten 
vom Zwerchfell, nach unten von der oberen Fläche des linken Leberlappens, 
nach vom von der hinteren Fläche des Magens, nach links von dem oberen 
Ende der Milz, welche ebenfalls in die Verwachsung hineingezogen ist, ge- 
bildet. Die Wandung ist innen mit einer dicken Pyogen-Membran ausge- 
kleidet. Vorn steht die Höhle mit einem Geschwur in der hinteren Magen- 
wand, welches etwa den Umfang eines Fingers hat, in Verbindung*). 

Fall IL 

Chronisches Magenleiden (Ulcus ventriculi?). Rechtsseitige ge- 
ringe Pleuritis, dann linksseitige Pleuritis mit starkem 
Erguss. Eröffnung durch Schnitt, Entleerung serösen Ex- 
sudats und dann vom Zwerchfell aus eines subphrenischen 
Abscesses. 

Anna W., Hausmädchen, 26 Jahre alt, am 22. August 1882 in das 
Aogasta-Hospital aufgenommen, hat seit langer Zeit an Magenbeschwerden 
gelitten, seit 6 Wochen öfters gebrochen, jedoch kein Blut und leidet seit 
3 Wochen an Schmerzen in der linken Lendengegend, zu denen sich seit 
2 Tagen auch Stiche in der rechten Seite hinzugesellt haben unter Frost 
und nachfolgender Hitze. Kein Husten. Menstruation war immer regel- 
mässig, Stuhlgang träge. 

Sie ist gut gebaut und in ziemlich gutem Ernährungszustande, mit 
blasser Haut und Blässe der sichtbaren Schleimhautabschnitte, zeigt keine 
Drüsenschwellnngen, kein Oedem, keine Exantheme, keine Abnormität am 
Circulationsapparat. Hinten rechts unten von der Mitte des Schulterblattes 
ab Dämpfung und abgeschwächtes Athmen, sonst über den Lungen keine 



*) Die weiteren Notizen über den Sectionsbefand fehlen. 

21^ 



324 Senator, 

Abnormität. Der Leib auf Druck überall empfindlich, Zunge stärk belegt, 
Urin hochgestellt, trübe von [Traten und schleimigen Beimengungen, filtrirt 
schwach eiweisshaltig. Temp. Abends 38,3" in ax. 

In den folgenden Tagen nahm das rechtsseitige pleuritische Exsudat 
allmälig ab, auch das, übrigens sehr massige Fieber (höchste Temp. Abends 
38,5") Hess bald nach, so dass sie nach einer Woche ganz fieberfrei war. 

Gleichwohl erholte sich Pat. nicht. Der Appetit blieb schlecht, Pat. 
klagte beständig über Schmerzen im Leibe, ohne jedoch eine bestimmte Stelle 
angeben zu können, öfters trat Erbrechen nicht characteristischer Massen 
ein. Urin wurde klarer und war frei von Eiweiss. 

Gegen die Mitte des September, nach 3 wöchentlichem Aufenthalt im 
Krankenhause, fing Pat. wieder an zu fiebern, die Temperatur betrug in den 
Abendstunden 38,5 — 39,1", zugleich klagte sie über Schmerzen in der linken 
Brustseite und man fand hinten links unterhalb des Schulterblattes Dämpfung 
mit^ganz schwachem Bronchialathmen, während rechts sich überall normale 
Verhältnisse zeigten. Unter dem Gebrauch von Natron salicylic. nahm das 
Fieber nach einigen Tagen ab. 

Am 24. September begann unter Frost das Fieber von Neuem und stieg 
sofort auf 39,7 ". Der linksseitige Erguss hat etwas zugenommen. Nach 
5 Tagen war das Fieber wieder geschwunden, das Befinden etwas besser ge- 
worden, nur die Appetitlosigkeit und die Verdauungsbeschwerdien blieben 
unverändert. Das Exsudat linkerseits schien bald ab-, bald zuzunehmen. 

In dieser Weise blieb der Zustand unter geringen Schwankungen bis 
zum 19. October. An diesem Tage begann das Fieber von Neuem mit 
Frost und Temperatursteigerung bis auf 40,1 ", die Milzgegend wurde stärker 
schmerzhaft, die Dämpfung in der Seitenwand wieder stärker, ebenso hinten 
links. Die Gegend der 6.-9. Rippe ödematös. Urin hochgestellt, leicht 
getrübt, ohne Eiweiss. 

20. Oct. Temp. Morgens 38,3", Abends 40,1". 

21. . • 

22. , , 

23. t» » » 

24. , , 
erheblich zugenommen. 

Eine Probepunction im 7. Intercostalraum in der Axillarlinie ergiebt 
leicht jauchigen Eiter. Urin trübe, mit schwachem Eiweissgehalt zeigt im 
Sediment Plattenepithel, Eiterkörperchen und Schleimzellen, sowie einzelne 
feinkörnige Cylinder. 



39,8«, 


39,1» (nach Chinin). 


37,0«, 


» 39,5» 


39,6», 


, 38,7». 


38,0», 


39,8». Das Exsudat hat 



üeber Pleuritis im Gefolge von ünterleibsaffectionen. 325 

Pat. wird mit der Diagnose: Pleuritis exsudativa sinistra et verisimi- 
Hter Abscessus subphrenicus auf die chirurgische Abtheilung verlegt. 

Hier wurde am 27. October ia der Gegead der 7. Rippe hinter der 
Axillarlinie incidirt, die Rippenresection gemacht, die Pleurahöhle eröffnet, 
wobei sich ein reichlicher seröser Erguss ergab. Nach dessen Entleerung 
wurde durch das Zwerchfell hindurch eine Probepunction gemacht und Eiter 
gefunden, darauf vom Zwerchfell her incidirt und ein etwa nussgrosser (?) 
Abscess mit stinkendem Eiter entleert. Danach liess das Fieber etwas 
nach, ohne ganz zu schwinden, stieg mehrmals hoch an bis über 40 ^ wes- 
halb mehrmaliger Verbandwechsel nothwendlg wurde. Endlich trat am 
12. November der Tod ein. 

Die Section wurde leider nicht gestattet. 

Fall m. 

Chronische Magengeschwüre, subphrenische Abscesse (in der 
Milz und linken Nebenniere). Linksseitige (und rechtssei- 
tige?) seröse Pleuritis, Eiterige Pylephlebitis. 

Auguste Seh., ein 24 jähriges Dienstmädchen, kam am 11. Oct. 1882 
auf meine Abtheilung des Charite- Krankenhauses. Sie gab an, früher 
bleichsüchtig gewesen zu sein und vor 3 Jahren ein Kind geboren zu haben, 
welches sie selbst nährte, bis es im Alter von 2 Monaten am Brechdurch- 
fall starb. Sonst war sie seit ihrem 18. Jahre regelmässig menstruirt, aber 
immer mit geringem Blutverlust. Ihr Vater lebt, ihre Mutter soll an 
Lungenentzündung gestorben sein. 

Vor ungefähr 3 Wochen, während sie gerade menstruirt war, erkrankte 
sie eines Abends plötzlich mit Frost, Erbrechen und heftigen Leibschmerzen, 
welche das tiefe Athemholen verhinderten. Sie fieberte darauf noch mehrere 
Tage, erhielt auf ärztliche Anordnung kalte Umschläge auf den Leib und 
Einreibungen und fühlte sich nach 8 Tagen wieder so gut, dass sie das Bett 
verliess und zu arbeiten anfing. Dabei erkrankte sie von Neuem und bekam 
namentlich Stiche in der linken Lendengegend und an der hinteren 
Thoraxwand. 

Pat. ist gracil gebaut, mager, mit blasser Haut und anämischen Schleim- 
häuten. Respiration ziemlich beschleunigt, stark costal. Am Herzen keine 
Abnormität, ebenso vorn über den Lungen, sowie hinten rechts. Dagegen 
ist links hinten von der Höhe des VII. Proc. spinosus dorsalis Dämpfung, 
welche nach unten an Intensität zunimmt und sich in die Seitenwand er- 
streckt^ wo sie an der VI. Rippe beginnt. Die Percussion ist hinten links 



326 Senator, 

und in der linken Seitenfläche schmerzhaft. Die Aascaltation über der ge- 
dämpften Partie ergiebt auf der Hohe der Inspiration bei den ersten Athem- 
zugen feinblasiges Rasseln, welches nachher verschwindet, das Athemgeräosch 
ist abgeschwächt, unbestimmt. Kein Husten. 

Zunge roth, glatt, wenig grau belegt, Lippen trocken, etwas borkig. 
Abdomen etwas eingezogen, weich, auf Druck im Allgemeinen nicht schmerz- 
haft, nur im linken Hypochondrium empfindlich. Lebergrenzen normal. Die 
Milz nicht fühlbar, ihre Dämpfung geht nach oben in die der linken Seiten- 
wand über und reicht nach unten bis zur DC. Rippe, nach vorn 1 Ctm. über 
die vordere Axillarlinie (in der Rückenlage). Eine Verschiebung der 
Dämpfungsgrenzen mit der (sehr oberflächlichen) Athmung ist nicht deutr 
lieh nachzuweisen. 

Sexualorgane ohne Abnormitäten. Urin hochgestellt, ohne Eiweiss. 

12. Oct. Morgens Temp. 38,0», P. 84, Abends Temp. 38,5o, P. 92. 

13. . „ « 38,P, , 96, , , 38,7«, „ 104. 

14. . « « 37,0«, , 78, , , 37,5«, , 84. 
Stuhl durch Eingiessungen einen Tag um den anderen erzielt. 

In den folgenden Tagen änderte sich der Zustand nicht wesentlich, nur 
liessen die Schmerzen unter Gebrauch hydropathischer Umschläge etwas 
nach und traten nur beim Aufrichten ein. Das Fieber hielt sich in 
massigen Grenzen, die Morgentemperatur betrug 37,0 — 37,5, die Abend- 
temperatur 38,0—38,8. Die Dämpfung blieb unverändert. 

Am 17. October trat Nachmittags Frost ein, dem Hitze und Seh weiss 
folgten. Dies wiederholte sich am 18. und 19. regelmässig Nachmittags. 
Am 18. October wurde im VIII. Intercostalraum in der Linea axill. sinistra 
med. eine Probepunction gemacht und seröses Exsudat, welches 
unter dem Mikroskop eine geringe Beimengung rother Blutkörperchen zeigte, 
entleert. 

20. Oct. M. T.39,5«, P. 96, R.28, Ab. T.38,7«, P.76, R.28. Früh Morgens Frost 

21. „ „ . 37,5«, n 72, « 20, , « 37,8«, . 80, « 28. \ . 

22. , , , 36,9«, . 72, , 28, , , 37,3«, , 66, „ 24. / ^*'*'''''- 

Von nun ab trat trotz Chininbehandlung ab und zu, jedoch- nicht täg- 
lich, ein geringer Frost mit leichten Temperaturerhebungen ein. Erst am 
26. wieder mehr Hitze (bis 40,4«). Pat. klagt über Schmerzen in der 
Herzgrube. Die Untersuchung ergiebt auch hinten rechts unten geringe 
Dämpfung und abgeschwächtes Athmen. Die linksseitige Dämpfung reicht 
bald höher, bald tiefer. 



Ueber Pleuritis im Gefolge von UnterleibsaffectioneD. 327 

30. October. Fat. klagt jetzt beständig über Schmerzen in der Gegend 
des Proc. xiphoideus. Leberdämpfang in der Mammillarl. vom unteren Rand 
der VI. Rippe bis zum Rippenrand, in der Mittellinie vom Proc. xiphoid. 
bis 3. Qaerfinger aber den Nabel. Der halbmondförmige Raum von- der 
VI. Rippe an gedämpft, in der linken Seitenwand Dämpfung vom un- 
teren Rand d^ VI. Rippe, hinten links vom VII. Proc. spin. dors. ab 
Dämpfung, üeber den gedämpften Partien abgeschwächtes Athmen. Die 
Dämpfung hinten rechts unten wieder geschwunden. Eine Probepunction 
im VII. und eine im VIII. Intercostalraura in der linken Axillar- 
linie ergeben nur blutige Flüssigkeit. 

31. October. Nachts heftige Schmerzen, Klage über quälende Blähungen. 
Unter dem linken Hypochondrium anscheinend ein Tumor zu fahlen, der 
aber sehr empfindlich ist 

S.November. Fieber stärker, häufiges schmerzhaftes Aufstossen 
und öftere Beklemmungsanfalle. Dämpfung vorn und seitlich von der 
V. Rippe an beginnend. Herz nach rechts verschoben. Die An- 
schwellung im linken Hypochondrium nicht mehr so deutlich. 

7. November. Heute ist der Percussionsschall im 1. Hypochondrium 
tympanitisch. 

9. November. Hinten beiderseits in der Nierengegend Oedem 
und anscheinend in der Tiefe Fluctuation. 

11. November. Pat. fiebert jetzt beständig, hat Nachts Delirien. Die 
linke Lumbaigegend erscheint deutlich geschwollen und ödematös, eine 
Probepunction zwischen VII. — VUI. Rippe giebt wieder nur etwas 
Blut, keinen Eiter. Dasselbe Resultat haben 2 Probcpunctionen, 
welche in den folgenden Tagen noch etwas tiefer (im IV. luter- 
costalraum) gemacht werden. Pat. wird somnolent, macht sich 
ganz steif beim Aufrichten. 

Am 15. November Abends trat im Coma der Tod ein. 

Die Temperatur war in den letzten Tagen zwischen 39,5 und 40, P 
geblieben. 

Die Section (Dr. Grawitz) ergab'): Ziemlich grosse, schlank ge- 
baute Leiche. Peritoneum glatt, glänzend, in der Milzgegend feste 
Verwachsung aller Organe. Nach umständlicher Präparation zeigt sich 



*) Der Sectionsbericht findet sich auch abgedruckt in der Inaug.-Dissertat. von 
F. Bertbold, Statistische Beiträge zur Kenntniss des chron. Magengeschwürs. (Aus 
den SeoUonsprotokoUen des pathol. Instituts zu Berlin 1868—1882.) Berlin 1883. 



328 Senator, 

daselbst ein abgekapselter Eiterherd, weicher durch ein Ulcus rotundum 
mit dem Magen in Verbind ang steht und ausser Eiter fauligen Speisebrei 
enthält. 

Die Lungen sind lufthaltig. Die weitere Eröffnung der Brusthöhle 
ist nicht gestattet. 

Milz stark geschwollen, enthält nur sehr wenig normale rothe Sub- 
stanz, da sie an ihrem oberen und unteren Ende von nahezu faustgrossen 
Abscessen eingenommen wird. 

Fettkapsel der linken Niere stark verdickt, nach oben zu eiterig in- 
filtrirt. Die ganze linke Nebenniere in einen Abscess verwandelt. 

Leber lässt schon auf der Oberfläche kleine gelbe Eiterherde durch- 
schimmern, beim Einschneiden finden sich im Verlauf der grossen Pfortader- 
äste zahlreiche Eiterungen, welche vielfach mit gelber Galle untermischt 
sind. Die Lymphdrüsen um die Porta und die epigastrischen Drusen stark 
geschwollen. Die pleurale Seite des Zwerchfells vollständig glatt glänzend. 

Magen ziemlich stark conü'ahirt, seine Innenfläche gewulstet, Schleim- 
haut schieferig. An der kleinen Curvatur nahe der Insertion des Oesophagus 
befindet sich ein kreisrundes perforirtes Geschwür, welches in die erwähnte 
Abscesshöhle fuhrt; ein zweites gleichfalls tiefes, aber durch feste Ver- 
wachsung der Magenserosa gegen den Bauchraum abgeschlossenes Magen- 
geschwür liegt an der hinteren Wand, etwa in der Mitte der kleinen Curvatur. 

Anatomische Diagnose: Ulcus chron. ventriculi perfor. Peritonitis in- 
capsulata regionis hypochondr. sin. Splenitis et Perisplenitis apostematosa. 
Pylephlebitis apostematosa et hepatitis parenchj^at. Lymphadenitis epi- 
gastrica. 

Fall IV. 

Rechtsseitige Pleuritis, Leberabscoss, Operation, linksseitige 
Pleuritis, eiterige rechtsseitige Parotitis. 
Herr Georg St., Kaufmann, 48 Jahre, trat am Nachmittag des 19. Juni 
1883 in die Privatabtheilung des Augusta- Hospitals ein. Seiner Angabe 
nach ist er immer gesund gewesen und hat nur in der letzten Zeit unbe- 
deutende vage Schmerzen bekommen, wegen deren er vor 4 Wochen zu einer 
Badekur nach Teplitz ging. Hier traten gegen Ende der Kur Schmerzen in 
der rechten Seite auf, weshalb er sich auf den Rückweg machte, unterwegs 
bekam er am 18. einen Schüttelfrost mit Steigerung der Schmerzen, ohne 
Husten und ein Arzt constatirte eine rechtsseitige Brustfellentzündung, 



Ueber Plenrilis im Gefolge von Uriterleibsaffectionen. 3*29 

Pat. ist ein kräftig gebauter Mann, mit massigem Fettpolster und 
massig kräftiger Musculatur, stark gebräunter Gesichtsfarbe, aber ohne 
Icterus. Das Sensorium ist frei. Die Untersuchung ergiebt hinten unten 
rechts am Thorax geringe Dämpfung mit Reibegeräusch und abgeschwächtem 
Athmen, sonst an Lungen und Herz nichts Abnormes, kein Husten. Leber 
nicht empfindlich, ihre Dämpfung nicht vergrössert, auch sonst am Abdo- 
men keine Abnormität. Stuhl angehalten. Urin etwas hochgestellt klar, 
ohne Eiweiss. Temp. Abends 37,8® (in ax.). 

20. Juni. Temp. Morgens 38,4, Abends 38,9. 

21. , „ . 37,7, , 39,7. 

22. . ^ „ 88,8, « 39,4. 

23. , « „ 37,9, « 39,5. 

24. , . , 37,8, , 40,1. 

25. , , „ 37,7, „ 89,4. 

Die Nachtruhe muss stets durch Chloral oder Morphium erzielt werden. 
Pat empfindet kaum noch Schmerzen in der Seite, (uhlt sich nur matt. 

Die Dämpfung hinten links ist etwas gestiegen, das Athemgeräusch 
daselbst ganz aufgehoben, ebenso der Fremitus pectoralis, ab und zu hört 
man feinblasiges Rasseln. Heute fällt auch eine ganz leicht icterische 
Färbung der Conjunctiven auf. Die Leberdämpfung beginnt oben an nor- 
maler Stelle, überragt in der Mammillarlinie den Rippenbogen um 2 Quer- 
finger, Leber nicht schmerzhaft, weder subjective noch objective Dyspnoe, 
ganz wenig Husten, ohne Auswurf. F. 88. 

26. Juni. Temp. Morgens 38,0, Abends 38,8 (Chinin). 

27. , „ 

28. . „ 

29. »1» 9 

30. , » 

1. Juli. „ 

2. » ft VI 

3. » » j, 

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6* « » n 

■• » w « 

Fat. klagte nur über Mattigkeit und Schlaflosigkeit. Der Conjunctival- 
icteros ist bald stärker, bald schwächer, auch die Dämpfung hinten rechts 
?on wechselnder Ausdehnung. F. yon 88—104 (Abends), Besp. lg — 32. 



87,2, 




89,2. 


88,2, 




89,5. 


37,8, 




39,8 (Chinin). 


88,1, 




39,8 (Chinin). 


37,0, 




89,2. 


37,6, 




39,8. 


36,9, 




39,0. 


37,5, 




39,8. 


37,7, 




39,2. 


38,5, 




88,9 (Chinin). 


38,2, 




38,6 (Chinin). 



330 Senator, 

8. Jali. Die liebergegend stark aafgefrieben und druckeropfindlicb, 
Icterus unverändert, im Urin keine Gmelin'sche Rcaction, kein Eiweiss. 
Dämprungsverhältnisse wonig verändert. Ueber der gedämpfton Partie hohes 
BronchialatbmeQ und einzelne Rasselgeräusche. 

8. Juli. Temp. Morgens 37,7, Abends 39,9. 

9. „ . . 38,0, , 38,1 (Mittags 40,2). 
10. . , r, 38,2, , 39,8. 

11 . . . 37,6, , 39,1. 

12. . , , 39,1, „ 36,9 (Chinin). 

13. „ , , 37,5, . 38,7 (Mittags 39,3). 

Fat. collabirt etwas. Im Urin schwache Galienfarbstoffrcaction. Scn- 
sorium öfters benommen. Oefters Frösteln. 

14. Juli. Der Icterus ist jetzt deutlicher. Lebergegend auf Druck sehr 
empfindlich. Unterer Leberrand überragt in der Mammillarlinie den Bippen- 
rand um 2 Querfinger, schneidet die Mittellinie in der Mitte zwischen Proc. 
xiphoid. und Nabel und überragt die Mittellinie nach links um 3 Ctm. 

14. Juli. Temp. Morgens 36,2, Abends 38,8 (Chinin). 

15. „ . „ 38,3, „ 39,8. 

16. , . , 38,5, . 40,2. 

17. , . . 37,6, „ 38,6 (Chinin). 

18. . . , 37,8, « 38,6 (Chinin). 
• 19. . n . 38,0, r 39,0. 

20. , „ „ 38,4, „ 38,0. 

21. n f) n 37,4, fi 

Puls zwischen 96 und 116, von wechselnder Spannung, öfters dicrot. 
Leberdämpfung hat zugenommen, unterer Rand überragt den Thorax um 
3 Querfinger. Abdomen sehr empfindlich. Milz nicht vergrössert. 

Eine am 19. Juli in der hinteren rechten Axillarlinie im 
VIU. Intercostalraume vorgenommene Probepunction ergiebt eine 
geringe Menge eiteriger Flüssigkeit, welche unter dem Microscop 
Eiterkörperchen und fettigen Detritus zeigt. Eine zweite Probepunction 
zwischen vorderer Axillar- und Mammillarlinie im VII. Intercostalraume 
ergiebt nur Blut. Ein Einfluss der Athmung oder des Hustens auf die 
Flüssigkeitssäule in der Spritze ist nicht bemerkbar. Am 21. glaubte man 
im rechten Hypochondrium auch Fluctuation zu fühlen. 

Pat. wurde nunmehr mit der Diagnose Pleuritis exsudativa dextra und 
Leberabscess zur operativen Behandlung auf die chirurgische Station verlegt. 
Aus dem hier geführten Krankenjournal entnehme ich Folgendes; 



lieber Plearitis im Gefolge von Unterleibsaffectionen. 331 

Am 23. Jali wird nach einer vorgängigen Probepunction, welche Eiter 
geliefert hat, durch einen Schnitt 3 Querfinger breit unter dem Rippenrand 
die Bauchhöhle eröffnet, wobei sich die Leber nicht verwachsen mit der- 
selben zeigt und aus der Punctionsstelle Eiter ausfliesst. Zwischen Leber 
und Bauch wand wird Jodoforrogaze eingelegt. 4 Tage später Incision des 
Abscesses, wobei der dicke, stinkende Eiter nur langsam aus der Tiefe der 
buchtigen Höhle hervordringt. Mit dem Finger lässt sich die Höhle nicht 
abreichen. Die Leber wird mit Catgutnähten mit der Haut vernäht, ein 
Drain eingelegt und ein Jodoformgaze -Verband gemacht. Am 2. August 
wird ein rechtsseitiger Parotisabscess geöffnet, die ganze Parotis zeigt sich 
eiterig infiltrirt. Ausschabung, Chlorzink, Jodoformgaze -Verband. Aus der 
Leberwunde kommt kein Eiter mehr, sondern nur noch massenhaft Galle, 
der Drain wird bedeutend verkürzt. Am 4. August trat unvermuthet und 
plötzlich der Tod ein. Fieber war seit der Oeffnung des Abscesses nicht 
mehr aufgetreten. 

Aus dem Sectio nsbe rieht hebe ich das Folgende hervor: Bei Er- 
öffnung der Bauchhöhle liegt die Leber in grosser Ausdehnung zu Tage, 
ihre Verklebung mit der Bauchwand ist nur auf die obere Circumferenz be- 
schränkt, während der untere Rand vollkommen verschieblich erscheint. 
Der Leberäberzug zeigt an einzelnen Stellen einen geringen, fibrinös eiteri- 
gen Belag, ist aber im Uebrigen glatt, glänzend. Der übrige Theil des 
Peritoneums ist ebenfalls frei von entzündlichen Erscheinungen, nur im 
kleinen Becken sind sämmtliche Darmschlingen (Rectum und Dünndarm) 
innig mit einander verlöthet und eiterig belegt und die Verlöthungsstellen 
von missfarbigem Aussehen, die Umgebung sehr stark geröthet, dem ent- 
sprechend ist auch das Innere der betreffenden Darmschlingen stark injicirt 
und ecchymosirt. 

Die Leber ist im rechten Lappen nach allen Richtungen hin von Ab- 
scesshöhlen durchsetzt, die durch theils enge, gewundene, theils grosse, 
weite Oeffnungeu communiciren, reichlichen Eiter enthalten und gegen das 
umgebende Gewebe scharf abgegrenzt sind, indem an das gesunde Paren- 
chym eine 2 Mm. dicke, schwarze Schicht anstösst und nach einwärts von 
dieser eine schmutzig gelbgrüne folgt, welche eine unebene Oberfläche hat 
und die Innenwand des Abscesses darstellt. Der linke Lappen ist frei und 
zeigt nur, wie der Rest des Parenchyms im rechten Lappen, trübe Schwel- 
lung. Gallenblase reichlich mit Galle gefüllt. Nierenkapsel adhärent, 
Rinde etwas schmaler als normal, kein Amyloid. 



332 Senator, 

Pleurahöhle beiderseits von hämorrhagischem, dännflüssigero Exsudat 
erfüllt, die Pleurablätter mit reichlichen Ecchymosen besetzt Rechte Lunge 
fast volJkommen luftleer, blutarm, serös durchfeuchtet, linke pneumonisch 
infiltrirt in beiden Lappen, sehr brüchig, sehr stark ödematös. Herzbeutel 
ebenfalls viel blutig tingirte Flüssigkeit enthaltend. Herzfleisch braun atro- 
phirt, dünn, schlaff, Klappen intact. 

Rechte Parotis und Umgebung in eine Eiterhöhle umgewandelt — 
Die Ursache des Leberabscesses ist sonach nicht aufgeklärt worden. 



Aus der gynäkologischen KliniL 



Heber die Entfernniig kleiner Geschwülste des weib- 
lichen Geschlechtsapparates bei gleichzeitig bestehenden 
Entzflndangsznständen im Becken. 



Von 

Am OiMser#w« 



Je mehr die heutige Gynäkologie fast ausschliesslich zu einem Abschnitt 
der Chirurgie sich entwickelt, je mehr die rein technische Seite des Faclies 
Besprechung findet, um so mehr erscheint es mir Aufgabe der Gynäkologen 
zu sein, auch die Indicationen zu den verschiedenen operativen Eingriffen 
immer wieder zur Discussion zu bringen. Im Folgenden will ich in aller 
Kurze meine in verhältnissmässig kurzer Zeit gesammelten Erfahrungen über 
einen operativen Eingriff mittheilen, über dessen Bedeutung resp. Berechti- 
gung die Ansichten noch wenig geklärt sind. 

Unter dem Namen Lawson Tait's Operation geht in Amerika und 
England ein Verfahren, bei dem es sich um die Entfernung beider Ovarien 
wegen chronischer Erkrankung derselben und ihrer Umgebung handelt. 
Wenn nun ohne Zweifel Hegar das Verdienst gebührt, dieses Verfahren 
zuerst angegeben und ausgeführt zu haben, so gebührt ihm ferner das Ver- 
dienst, auch zuerst darauf hingewiesen zu haben, dass unter den Begriff 
resp. die Indication dieser Operation bis jetzt eine Menge der verschieden- 
sten Zustände und Eingriffe zusammengeworfen sind, und dass es gerade 
Aufgabe weiterer sorgfältiger Beobachtungen sein müsse, hier Klarheit zu 



334 Gasserow, 

schaffen. Besonders wird immer noch mit dem Bagriff der chronischen 
Oophoritis sehr willkürlich verfahren, es werden kleine Geschwülste der 
Ovarien, hochgradige Entzündungszustande des Beckenperitonäams (Perioopho- 
ritis) mit hinzugerechnet — ebenso wie Betentionscysten der Tuben. Hegar 
weist im Jahre 1881 *) auf diese Momente hin, findet es aber noch nicht 
an der Zeit, Unterscheidungen hier eintreten zu lassen, da es sich noch 
mehr um die Technik des Verfahrens handele. Er hebt besonders noch 
hervor^), wie schwer es ist, «die Degeneration des Eierstocks nebst Ent- 
zündungszuständen und die Affectionen des Uterus oder Tuboovarialcysten 
und Entzündungszustande auseinanderzuhalten.'' Andere (A. Martin, Berl. 
klin. Wochenschr. 1883. No. 10- Prochownik, Deutsche med. Wochen- 
schrift. 1883. No. 37.) trennen schon mit grösserer Bestimmtheit die Ent- 
fernung der Tubarcysten bei chronischer Perimetritis unter dem Namen der 
Salpingotomie ab. Bei den meisten Beobachtern aber, besonders aber in 
der ausländischen Literatur, wird die Entfernung der Ovarien wegen , chro- 
nischer Oophoritis* „Perioophoritis*, kleiner Geschwulste (wirkliche Neu- 
bildungen) derselben, Tubencysten u. s. w. zusammen unter dem Kapitel 
der Castration abgehandelt, ohne dass irgend wie auf die anatomischen 
Veränderungen oder die klinisohen Erscheinungen, die zu dem Eingriff Ver- 
anlassung gegeben haben, näher eingegangen wird. Ein Verfahren, das 
allerdings seine Erklärung darin findet, dass sehr häufig die anatomischen 
und pathologisch -anatomischen Verhältnisse in diesen complicirten Fällen 
sich oft genug sowohl klinisch an der Kranken, als auch während, ja selbst 
nach der Operation an dem entfernten Object nicht einmal immer klar beur- 
theilen lassen. Allgemein werden jedoch diese Zustände immer nur bei der Ca- 
stration besprochen, während es sich keineswegs dabei immer um Entfernung 
beider Ovarien handelt, und nur dieser Eingriff darf doch als Castration 
bezeichnet werden. Zu wenig Berücksichtigung hat meiner Meinung nach 
bisher die Complication einseitiger kleiner Ovarientumoren (sowohl Neubil- 
dungen als chronische Schwellung) und Tubencysten mit chronischer Peri- 
metritis und die operative Behandlung dieser Zustände gefunden. Im Fol- 
genden will ich zunächst den Versuch machen, das Krankheitsbild, um 
welches es sich handelt, vom klinischen Standpunkte zu schildern. Ich 
verzichte um so mehr darauf, dasselbe durch eine Reihe von Kranken- 
geschichten zu belegen, als einmal dadurch die Schilderung eine unnütze 



Operationslehre. S. 325. 
^) Ebendas. S. 378. 



lieber Entfernang kleiner Geschwülste des welbl. Geschlecbtsapparates etc. 335 

Breite erhalten würde, und ausserdem das Bild jedem erfahrenen Arzte 
mehr oder weniger bekannt sein därfte. Nor die relati? wenigen Fälle, 
die Veranlassung zum operativen Eingreifen gegeben haben, werde ich ganz 
kurz in Form einer Krankengeschichte schildern. Bei der in Rede stehen- 
den Krankheitsform handelt es sich um Individuen in den besten Lebens- 
jahren (zwischen 20 und 30), welche oft ohne alle nachweisbare Veranlas- 
sung (unzweifelhaft darunter nicht selten gonorrhoische Infection) oft in 
Anschluss an eine Geburt oder einen Aortus unter den bekannten Erschei- 
nungen einer Perimetritis erkrankt waren. Von dieser Erkrankung schein- 
bar ganz genesen, haben sie doch mehr oder weniger im Anschluss an die- 
selbe zu leiden. Fortwährende abnorme Empfindungen im kleinen Becken 
belästigen die Kranken. Das Gefühl von Druck und Schwere verlässt sie 
niemals. Dazu gesellen sich bald Schmerzen, die abwechselnd in ihrer 
Intensität meist an einer bestimmten Stelle des Unterleibs rechts oder links 
(selten gleichzeitig in beiden Seiten) vorhanden sind, von wo sie in das 
Bein der betreffenden Seite meist ausstrahlen. Alle die genannten Be- 
schwerden steigern sich zur Zeit der Menstruation meist bedeutend, obwohl 
selten es dabei za Exacerbationen mit Fieberbewegung kommt. Die Kranken 
sind von den genannten Beschwerden meist so gepeinigt, dieselben steigern 
sich bei jeder anhaltenden Körperbewegung (Arbeit, Gehen, Stehen, Fahren 
oder dergl.) meist so, dass sie gezwungen sind, so viel wie möglich in 
liegender Stellung zu verweilen, und dass sie vollständig arbeits- resp. 
leistnngsunfahig werden. Es gesellen sich oft nur in Folge des anhaltenden 
Liegens Verdauangs- und Ernährungsstörungen hinzu. Die Patientinnen 
werden cblorotisch-anämisch , verstimmt, nervös und in einigen, allerdings 
seltenen Fällen, wirklich hysterisch. Je nach der socialen Stellung der 
Kranken werden sie erwerbsunfähig, zu längerdauerndem Spitalsaufenthalt 
immer wieder gezwungen, oder in den besseren Ständen sich und ihrer Um- 
gebung zur Last. Während soweit das Krankheitsbild sich kaum von dem 
der chronischen Perimetritis oder Parametritis zu unterscheiden scheint, geht 
doch meist schon aus den Symptomen und aus dem Krankheitsverlauf ein 
characteristischer Unterschied gegenüber dem gewöhnlichen Verlauf der 
chronischen Entzündungen des Beckenperitonäums oder des Beckenzellgewebes 
hervor. Die Kranken klagen gewöhnlich ausser den mehr unbestimmten 
Druck- und Schmerzempfindungen im kleinen Becken über einen ganz be- 
stimmten heftigen Schmerz meist an einer von ihnen ganz genau bezeich- 
neten Stelle, meist über dem einen oder anderen horizontalen Schambeinast. 
Weiter ist characteristisch , dass selbst im Anfang der Erkrankung oft ge- 



336 Gasserow, 

nug, besonders aber im weiteren Verlauf, alle Erscheinungen der acaten 
Entzündung (Fiebers besonders) meistens fehlen, dass aber trotzdem die 
Krankheitserscheinungen zur Zeit der Regel ungemein häufig exaoerbiren 
und überhaupt allmälig constant zunehmen. Letzteres tritt besonders auf- 
fallend hervor, wenn die Kranken, wie meist der Fall, schon Monate, ja 
Jahre lang alle möglichen Curen gegen die chronischen Entzundnngszustande 
im Becken ohne allen Erfolg durchgemacht haben. Trotzdem sie in die 
möglichst günstigen äusseren Verhaltnisse gesetzt, zweckmässige Bade- und 
andere Allgemeincuren durchgemacht, oft genug örtlich behandelt sind, — 
die Krankheitserscheinungen nehmen mehr und mehr zu, statt ab. Es ist 
gerade letzterer Umstand sehr auflfallend, denn man kann wohl sagen, dass 
bei chronischer Peri- und Parametritis meist immer, wenn auch nach noch 
so langer Zeit bei geeigneter örtlicher und Allgemeinbehandlung, besonders 
bei guter Pflege, gunstigen äusseren Verhältnissen eine vollständige Gene- 
sung oder wenigstens eine andauernde Besserung, eine Verminderung der 
Beschwerden eintritt, so dass die betre£fenden Kranken doch allmälig we- 
nigstens in einen erträglichen Zustand kommen (natürlich immer die 
geeignete Lebensweise dabei yorausgesetzt) und mindestens zeitweise als 
ganz genesen gelten können. Nichts von alledem, wie gesagt, in den uns 
hier beschäftigenden Fällen. Die Kranken verlieren nie ganz ihre Be- 
schwerden, ihre Schmerzen, im Gegentheil, dieselben steigern sich trotz 
aller Behandlung im Verlauf von Monaten mehr und mehr. Die Kranken 
leiden, wie schon gesagt, in ihrer ganzen Ernährung trobs aller Pflege. 

Untersucht man nun derartige Kranken, so findet man zunächst leicht 
deutliche Exsudationsmassen im kleinen Becken, Adhäsionen der Becken- 
organe untereinander oder an die Beckenwandungen, Fixation des Uterus 
u. s. w. ^- kurz erhält die gewöhnlichen Befunde der chronischen Peri- 
und Parametritis, und sehr häufig sind hierdurch Aerzte in ihrem Urtheil 
über den betreffenden Fall irre geführt. Wenn man nämlich wiederholt 
sorgfältig die doppelte Untersuchung in Narcose vornimmt, so entdeckt man 
fast immer in solchem Falle neben den^ Uterus eine mehr oder weniger 
prall-elastische kleine Geschwulst, deren Beweglichkeit sehr verschieden ist 
Jo grösser die Geschwulst, je weniger umgeben dieselbe von Exsudaüons- 
massen, je weniger fixirt, um so leichter ist sie natürlich aufzufinden, je 
leichter lässt sich meistens die Diagnose auf Ovarialtumor stellen. Wenn 
die Geschwulst klein, sehr eingebettet in Exsudationsmassen, sehr fixirt ist, 
lässt sie sich schwerer auffinden, ihr Gharacter bleibt unsicherer. Beson- 
ders ist es mir mehrere Male nicht möglich gewesen, zu entscheiden, ob es 



Üei>er Entfernung kleiner Geschwulste des weibl. Gfeschlec^tsapparates etc. 3^3? 

sich um eine Hydrosalpinx oder am einen Ovarialtumor handelte. Die eigen- 
thümliche, langgestreckte, warstförmige Gestalt, die elastische, fast flac- 
tnirende Beschaffenheit sprechen allerdings in vielen Fällen mit grosser 
Sicherheit fdr Retentionscyste der Tuba, aber es bleiben manche Fälle bis 
zur Operation zweifelhaft. 

Bei den von mir operirten 7 Fällen derart handelte es sich einmal 
am eine kleine Ovarialcyste mit Hydrosalpinx, 4 Mal um cystisch degene- 
rirte Ovarien, einmal um einen Pyosalpinx und einmal wahrscheinlich um 
eine kleine Cyste des Ligamentum latum. 

Nicht ganz leicht dürfte es sein, sich eine bestimmte Vorstellung über 
den Zusammenhang zwischen diesen Geschwülsten und den perimetritischen 
Vorgängen zu bilden. Das nächstliegende und für die meisten Fälle auch 
wohl zutreffende ist die Annahme, dass die Geschwülste das primäre sind 
und allmälig in ihrer Umgebung chronische Entzündungszustände hervor- 
gerufen haben. In nicht wenigen Fällen spricht aber dagegen die Anamnese 
und besonders die directe Beobachtung. Es wird nicht selten der Beginn 
der Perimetritis bestimmt an ein Wochenbett angeschlossen, oder die Krank- 
heit ist bei völligem bisherigen Wohlbefinden in so acuter Form aufgetreten, 
dass man kaum eine schon bestehende kleine Geschwulst als Ursache an- 
nehmen kann. Ferner hat man oft genug Gelegenheit zu bemerken, wie 
bei bestehendem Exsudat die Geschwulst selbst allmälig deutlich wächst, 
ja das Exsudat sich dabei verkleinert. Für eine gewisse Reihe von Fällen 
(die mit Hydro- oder Pyosalpinx complicirten) ist es ebenfalls nicht schwer, 
einen umgekehrten Zusammenhang anzunehmen, dass nämlich durch die 
primär vorhandenen periraetritischen Zustände ein Verschluss eines Tubar 
ostioms eingetreten und nun die Retentionscysten der Tube sich entwickelt 
haben. Ob aber nicht auch durch die veränderten Circulations- und Er- 
Dährungsverhältnisse der Ovarien bei bestehenden chronischen Entzündungs- 
zustanden im Becken sich allmälig in diesen sich Cysten entwickeln können, 
muss dahingeslellt bleiben, da ein positiver Beweis dafür schwer zu führen 
sein dürfte. Die Möglichkeit eines solchen Vorganges muss aber wohl zu- 
gegeben werden. 

Unzweifelhaft steht in allen diesen Fällen die betreffende Geschwulst 
in einem engen Zusammenhang mit den perimetritischen Vorgängen und den 
parametrischen Exsudaten. Abgesehen von den anatomischen und anam- 
nestischen Gründen für diese Annahme lehrt dies der Verlauf und die Re- 
sultate der Behandlung. Während, wie schon oben auseinandergesetzt, peri- 
metritische und parametritische Vorgänge unter geeigneter Behandlung, bei 

durlt^Anoalen. IX. Jahrg. 22 



838 Oasserow, 

günstigen äusseren Verhältnissen, bei dem richtigen diäteti^ichen Verhalten 
fast immer heilen oder wenigstens in hohem Masse bessemngsfiLhig sind, 
spotten die hier uns beschäftigenden Erankheitszastände jeder Behandlang, 
die Kranken bekommen nach jeder vorübergehenden Besserung neae Rück- 
fälle, sie siechen dahin unter fortwährenden Beschwerden und Schmen- 
anfallen. Sie werden zu jeder Leistung unfähig, in den unteren Standen 
erwerbsunfähig, unfähig dem Haushalt vorzustehen, und, wo die socialen Ver- 
hältnisse beides nicht von ihnen verlangen, bleiben sie elende, nervöse, hy- 
sterische Geschöpfe, die sich und Anderen zur Last ein kränkelndos Dasein 
von einem Bad ins andere, von einem Arzt zum anderen schleppen. Dass 
in solchen verzweifelten Fällen die Entfernung der Geschwulst nicht nur 
berechtigt, sondern sogar dringend indicirt sein kann, dürfte wohl nicht mehr 
ernsthaft bezweifelt werden. 

Es mögen zunächst in ganz kurzer Darstellung die 7 Fälle derart 
folgen, in welchen ich mich in den letzten Monaten zu einem operativen 
Eingriff entschloss. 

L 

A. K., 33 Jahre altes Dienstmädchen, seit ihrem 14. Jahre regelmässig 
menstruirt, hat 3 Mal leicht geboren, zuletzt 1881. 

Nachdem dieselbe schon längere Zeit an Schmerzen im Unterleib (an- 
geblich Folge einer «Erkältung*') gelitten, tritt sie am 19. October 1882 in 
das Krankenhaus mit allen Erscheinungen einer circumscripten acuten Peri- 
metritis (Fieber bis zu 39,8^). Nachdem die heftigen acuten Erscheinungen 
geschwunden, lässt sich bei genauer Untersuchung rechts und hinter dem 
Uterus ein grosser fester Tumor, der in die Beckenwandungen äbergeht, 
constatiren (Exsudat). Der Uterus ist nicht vergrössert, liegt vor dem Tumor 
und ist ziemlich fest mit ihm verbunden. Links neben dem Uterus eine 
kleine, über wallnussgrosse, pralle Geschwulst, die gestielt am Uterus an- 
sitzt, massig leicht an demselben beweglich ist (Ovarialtumor). Der Zu- 
stand der Kranken blieb trotz aller Behandlung während der Monate Octo- 
ber, November und December ziemlich gleich. Fortwährende Schmerzen, 
besonders zur Zeit der Menstruation, Unfähigkeit aufzusitzen oder zu stehen. 
Hin und wieder leichte Fieberbewegungen. Das Exsudat blieb ziemlich un- 
verändert gleich, wurde höchstens härter und fester. Der linksseitige Ova- 
rialtumor schien zu wachsen, wurde auf Druck immer empfindlicher und 
weniger beweglich. Die Kranke kam sichtlich herunter und verlangte drin- 
gend eine Abhülfe. Am 4. Januar 1883 wurde die Bauchhöhle unter den 



Ueber Entfernang kleiner Geschwülste des weibl. Geschlechtsapparates etc. 339 

gewöhnlichen cintiseptischen Vorsichtsmassregeln eröffnet, und es zeigte sich 
nun eine grosse prallelastische Geschwulst, die links von dem Uterus aus- 
gebend das ganze Becken ausfüllte und auch nach hinten nach dem Dou- 
glas'schen Räume hinging. Der Hauptsache nach schien es sich um eine 
Infiltration des linken breiten Mutterbandes zu handeln, da die Geschwulst 
deutlich vom Peritoneum überkleidet war und den ?entonealüberzug des 
Beckens abgehoben hatte. Ausserdem bestanden aber zahlreiche feste alte 
und frische perimetritische Adhäsionen, so dass die Orientirung äusserst 
schwer war. Das Ovarium konnte rechts nicht aufgefunden werden. Der 
linksseitige Tumor war das vergrösserte, cystisch degenerirte Ovarium, wel- 
ches durch ältere und frische perimetrische Verklebungen mehr fixirt war, 
als es bei den vorangehenden Untersuchungen geschienen hatte. Von einer 
Entfernung des linksseitigen Exsudats konnte, wie zu erwarten, nicht die 
Rede sein, — obwohl es manchmal bei den wiederholten Untersuchungen 
geschienen hatte, als wenn neben dem Exsudat auch rechts noch eine be- 
sondere in dasselbe eingebettete Geschwulst existirte. — Die linksseitige 
kleine Ovarialgeschwulst konnte verhältnissmässig leicht aus ihren Ver- 
wachsungen ausgeschält und entfernt werden- Nach diesem Eingriff machte 
Patientin eine ungestörte Reconvalescenz durch (einmal stieg die Tempe- 
ratur auf 38,2), und am 25. Januar war die Wunde vollkommen verheilt. 
Die Beschwerden der Kranken, soweit sie von dem Exsudat ausgingen, 
blieben natürlich die gleichen, und es war eine entschieden günstige Wen- 
dung, dass, wie scheint, im Anschluss an die Operation (vom 29. Januar 
an) allmälig abendliches Fieber sich einstellte, die Geschwulst schmerzhafter 
und etwas weicher wurde, — kurz eine Eiterung in dem Exsudat eintrat. 
Am 8. März konnte von der Scheide aus eine Incision gemacht und eine 
massige Menge übelriechenden Eiters entleert werden. Von nun ab war 
die Genesung ungestört, so dass Patientin am 28. April geheilt entlassen 
werden konnte. Der Uterus war frei beweglich, links und hinter ihm waren 
strangartige Massen durchzufühlen. Das rechte Ovarium war nicht deutlich 
durchzufühlen, war aber jedenfalls nicht vergrössert. 

n. 

Sch., 34 Jahre alt, Nähterin, wird am 9. November 1882 in die Cha- 
rite aufgenommen. Patientin ist seit dem 14. Lebensjahre regelmässig 
menstruirt und hat nach ihrer Beschreibung schon wiederholt an heftigen 
perimetritischen Zuständen, besonders der rechten Seite, gelitten und deshalb 



Ha äassefo^, 

schon wiederholt ferankenanstalten aufgesucht. Im Anfang August stellten 
sich während der Periode wieder heftige Schmerzen rechts und im Kreuz 
ein, so dass die Kranke gezwungen war, das Bett zu hüten. Bei ihrer Auf- 
üahtüe fieberte die Kranke nicht und hatte auch im weiteren Verlauf selten 
eine! geringe Temperatursteigerung des Abends. Bei wiederholten Unter- 
suchungen war der Befund annähernd stets der gleiche: der Fundus uteri 
undeutlich fühlbar, nach rechts verlagert. Der Douglas'sche Raum ist links 
nicht ganz, rechts bis zur Beckenwand durch eine feste, auch von den Bauch- 
decken aus palpabele Masse ausgefällt. Links im Douglas'schen Räume 
und in der Gegend des linken Parametrium, vom Uterus nicht deutlich ge- 
stielt abzugrenzen, aber durch eine seichte Furche von ihm zu trennen, 
findet sich eine über apfelgrosse, prall elastische Geschwulst, die auch von 
den Bauchdecken, etwa handbreit über dem horizontalen Scharobeinast aus 
fühlbar ist. Dieselbe reicht bis nahe an die linke Beckenwand, ist aber 
an ihr wie am Uterus beweglich. Die Diagnose wurde auf ein peri- und 
parametritisches Exsudat gestellt im Zusammenhang mit einer linksseitigen 
Ovarialgeschwulst oder einer Tubencyste. 

Da unter der gewöhnlichen Behandlungsweise (ruhige Lagerung, Jod- 
bepinselungen, Bädern, hydropathischen Umschlägen u. s. w.) der Zustand 
sich in keiner Weise besserte, wurde am 13. Januar 1883 die Bauchhöhle 
unter den gewöhnlichen Cautelen eröffnet. In die Bauchwunde drängte sich 
sofort der lebhaft geröthete elastische Tumor, der deutlich Fluctuation 
zeigte. Bei dem ersten vorsichtigen Versuche, ihn etwas mehr in die Wunde 
hineinzuziehen, platzte die äusserst zerreissliche Wand und in einem starken 
Strahle entleerte sich eine grosse Menge stinkenden Eiters, von dem auch 
etwas in die Bauchhöhle kam. Der Sack fiel nun vollständig zusammen 
und ging so tief in das Ligamentum latum hinein, war ausserdem mit den 
Beckenwandungen und dem geschilderten Exsudat hinten und links ver- 
wachsen, dass es unmöglich war, ihn in toto auszuschälen, um so weniger, 
als bei allen Versuchen hierzu die mürben Wandungen einrissen und nicht 
unbedeutend bluteten. Es wurden die Ränder des Sackes in den unteren 
Winkel der Bauch wunde eingenäht, sonst die Bauch wunde geschlossen und 
in gewohnter Weise ein antiseptischer Verband angelegt. Schon bei der 
Operation und auch bei der anatomischen Untersuchung der entfernten 
Stücken der Wandung zeigte es sich, dass es sich um eine Pyosalpinx 
handelte. 

Die Hellung ging ohne alle Störung vor sich (die höchste Temperatur- 
steigerung betrug einmal 38.3). Am 9. Februar war die ganze Bauchwunde 



Ueber Entfernung kleiner Geschwülste des weibl. Gesohlechtsapparaies etc. 341 

verheilt, der Sack im unteren Wandwinkel war durch Granulationen aus* 
geheilt. Durch eine doppelseitige Otitis, an der Patientin schon früher ge- 
litten^ wurde ihre Entlassung aus dem Erankenhause verzögert. Als sie am 
16. April endlich vollkommen geheilt entlassen werden konnte, hatten sich 
schon lange alle Beschwerden verloren, die Menstruation war regelmässig 
schmerzlos eingetreten. Der Uterus war in Anteflexionsstellung ziemlich 
fixirt durch narbige Stränge. Im Douglas'schen Räume waren die Reste 
des Exsudats noch als kleinfaustgrosse, harte Massen zu fühlen. 

m. 

A. K., Dienstmagd, 29 Jahre alt, wird am 20. October 1882 auf- 
genommen. Seit ihrem 17. Jahre regelmässig alle 4 Wochen menstruirt, 
wurde sie 1879 mittelst der Zange entbunden und machte im Wochenbett, 
der Beschreibung nach, eine schwere Farametritis durch, die sie 9 Monate 
an's Bett fesselte. Seit dieser Zeit traten alle 14 Tage starke, langandau- 
ernde Blutungen aus dem Uterus auf, mit heftigen Leib- und Kreuzschmerzen 
verbunden. Ausser dieser Zeit leidet Patientin ausserdem sehr häufig an 
kolikähnlichen, anfallsweise auftretenden heftigen Leibschmerzen mit Uebel- 
keit, zeitweise mit Erbrechen verbunden. Die Kranke ist zu jeder Arbeit 
unfähig. Der Uterus ist etwas vergrössert, ein wenig nach links verlagert. 
Links hinter dem Uterus eine diffuse, bis beinahe zum Nabel hinaufrei- 
chende, sehr empfindliche, von der Gebärmutter nicht abgrenzbare Schwel- 
lung. Rechts vom Uterus, deutlich von ihm abgrenzbar, breitbasig mit ihm 
zusammenhängend ein prall elastischer, etwa zweifaustgrosser Tumor, dessen 
Contouren sich nach oben und nach den Beckenwandungen deutlich um- 
schreiben lassen und der leicht frei nach oben und unten verschiebbar ist. 
Diagnose: Linksseitiges peri- und parametritisches Exsudat, rechts Ovarial- 
tumor. Da zunächst alle Beschwerden auf das Exsudat bezogen werden 
mussten, wurde eine monatelange Behandlung desselben in der üblichen 
Weise durchgeführt. Wenn dabei das Exsudat auch allmälig schrumpfte, 
so blieb der Gesammtzustand der Kranken gleich schlecht, und dieselbe war 
nach wie vor leistungsunfähig. Am 13. März .1883 wurde zur operativen 
Entfernung des Ovarialtumors geschritten. Derselbe zeigte sich als etwa 
zweifaustgrosse Cyste, die nach unten weit in das Ligamentum latam resp. 
das Beckenzellgewebe hineingewachsen war, ausserdem durch die vorhan- 
denen Exsudatmassen so fixirt war, dass nach langen, schwierigen Versuchen 
die vollständige Entfernung aufgegeben werden musste und der Rest der 
Cyste in den unteren Wundwinkel eingenäht wurde. Die Heilung ging ohne 



342 Gasserow, 

alle Störungen von Statten. Am 19. April war die Wunde vollständig ge- 
schlossen. Der Sack war durch Granulationen bis anf eine kleine Stelle 
verheilt. 

Die Kranke war frei von Schnaerzen, leistungsfähig und musste als ge- 
heilt betrachtet werden, trotzdem natürlich bei der inneren Untersuchung 
noch Residuen des Exsudates sich constatiren liessen. 

Da Patientin an epileptischen Anfällen schon seit ihrer Jugend litt, 
wurde sie auf ihr Verlangen nach der Nervenabtheilung verlegt. 

IV. 

Frau Er., 34 Jahre alt. Aufgenommen am 22. Hai 1883. Patientin 
ist bis auf Bleichsucht in ihrer Jugend gesund gewesen, vom 16. Jahre an 
regelmässig menstruirt, ohne wesentliche Beschwerden. Mit 21 Jahren ver- 
heirathet, erlitt Patientin bald danach eine Fehlgeburt im 4. Monat. Von 
da ab datiren Beschwerden, die als perimetritische gedeutet werden müssen. 
Heftige Schmerzen im Becken, besonders zur Zeit der Regel, so dass Pa- 
tientin wiederholt wochenlang das Bett hüten musste und jahrelang den 
verschiedensten Behandlungen sich unterzog. Bei der Untersuchung fühlte 
man neben dem Uterus links einen kaum apfelgrossen Tumor, der kuglig, 
glattwandig war und sich einigermassen im Becken bewegen Hess, wenn er 
auch sehr nah mit dem Uterus zusammenhing. Rechts föhlte man eine 
feste, derbe Resistenz, die dififus in die Beckenwandungen übergehend alle 
Charactere des alten Beckenexsudates darbot. In den festen, den Uterus 
umgebenden und ihn fixirenden Massen konnte man auch das rechte Ova- 
rium entdecken. Bei der am 2. Juni vorgenommenen Eröffnung der Bauch- 
höhle zeigte sich nun der linksseitige feste Ovarialtumor so tief in das 
breite Matterband eingelagert und so fest durch Adhäsionen mit den Becken- 
wandungen verwachsen, dass von einer Entfernung desselben Abstand ge- 
nommen und die Bauchwunde geschlossen wurde. Die Genesung kam ohne 
alle Zwischenfälle zu Stande und Patientin wurde am 11. Juli entlassen. 
Merkwürdiger Weise zeigte sich das rechtsseitige Exsudat bei der Ent- 
lassung wesentlich verkleinert, so dass das rechte Parametrium und der 
Douglas'sche Raum fast ganz frei erschien. Der Uterus war vergrössert 
und entschieden beweglicher als vor der Operation. Der linksseitige Tumor 
erschien dagegen mehr fixirt als früher. Die Beschwerden der Kranken 
waren augenblicklich verschwunden, so dass sie sich für geheilt ansah. 

Schwer zu erklären ist in diesem Falle die Abnahme des rechtsseiti- 
gen Exsudates. Das Nächste wäre natürlich anzunehmen, dass die ruhige 



Ueber Entfernang kleiner GeschwüUta do6 weibl. Geschleohtsapparates eto. 343 

BetÜage nach der Operation diesen Effect herbeigeführt, ~ allein Patientin 
hatte schon wiederholt Wochen und Monate lang (in Krankenanstalten, auch 
in der Charit^) wegen des perimetritischen Exsudates das Bett gehütet und 
war in der geeigneten Weise behandelt worden. Man muss wohl glauben, 
dass die Trennung vieler Adhäsionen bei dem Versuch, den kleinen Tumor 
zu entfernen, der dabei stattgefundene Blutverlust einen directen Einfluss 
auf die Ernahrungsverhaltnisse des Exsudates gehabt hat. 

V. 

St., Aufwarterin, 34 Jahre alt, unverheirathet, aufgenommen am 9. No- 
vember 1882. Patientin ist seit ihrem 16. Lebensjahre regelmässig men- 
stmirt, hat im Jahre 1877 einmal leicht geboren u^d ein normales Wochen«* 
bett durchgemacht 

Im August 1882 bekam Patientin wahrend der Regel unter Frost und 
Hitze heftige Schmerzen im Kreuz und in der rechten Seite, die mit gerin- 
gen Unterschieden in der Intensität bis jetzt fortdauerten, besonders aber 
zur Zeit der Regel, die seitdem viel profuser geworden, heftiger sind. Die 
Kranke hat seit der Zeit nicht mehr ordentlich arbeiten können, sondern 
mit wenig Unterbrechungen das Bett hüten müssen. 

Der Uterus ist in normaler Lage, schwer beweglich. Links von dem- 
selben, mit ihm breitbasig zusemmenhängend ein kaum hühnereigrosser, 
derber Tumor, hinter welchem, deutlich von ihm abgrenzbar, eine wurst- 
förmige, prallelastische Geschwulst fahlbar ist, die nach links weiter diffus 
in die Beckenwandungen übergeht. Rechts und hinter dem Uterus, in engem 
Zusammenhange mit demselben, lasst sich eine derbe, etwa faustgrosse Ge- 
schwulst abtasten, die mit dem Uterus mitbeweglich ist, soweit derselbe 
überhaupt zu bewegen ist. Von den Beckenwandungen lasst sich dieser 
rechtsseitige Tumor auch nicht deutlich abgrenzen, sondern erscheint wie 
in eine feste Masse eingegossen. Unter geeigneter monatelanger Behandlung 
hatten sich die Exsudationsmassen im kleinen Becken entschieden verrin- 
gert, so dass die beiden Geschwülste deutlicher und etwas freier beweglich 
erschienen, sie wurden beiderseitig für Ovarialgeschwübte angesehen. Die 
Bewegung derselben verursachte der Patientin stets Schmerzen, ausserdem 
war die Kranke auch sonst fast nie ganz frei von Schmerzen^ so dass sie 
jede Bewegung fürchtete und fast stets das Bett zu hüten gezwungen war. 
Jedenfalls war sie ausser Stande irgend eine Tbätigkeit auszuüben. 

Zur Zeit der Menstruation exaoerbirten die Schmerzanfälle im Unterleib 
jedesmal erheblich und der rechtsseitige Tumor schien dann an Grösse zu- 



344 Gusserow, 

zanehroen, während die ExsadationsmasseQ im Becken jedesmal starker ge- 
schwollen erschienen. 

Trotz der sorgfaltigsten und consequentesten Behandlung im Spital 
besserte sich der Zustand in keiner Weise, und so wurde am 22. Juni die 
Laparotomie vorgenommen. Die rechtsseitige (kaum faustgrosse) grössere 
Geschwulst erwies sich als Cystovarium, war aber, wie zu erwarten, der- 
artig mit den Beckenwandungen verwachsen and so nach abwärt» zwischen 
die Blätter des breiten Mutterbandes entwickelt, während das breite Matter- 
band selbst sich nicht aus den Exsudationsmassen isoliren liess, dass von 
einer totalen Exstirpation Abstand genommen werden musste. Die Cyste 
wurde eröffnet, es entleerte sich eine ziemlich klare Flüssigkeit und dann 
wurde so viel als möglich von der Cystenwand excidirt, der zurückbleibende 
Stumpf in den unteren Wundenwinkel eingenäht. Die linksseitige kleine 
Geschwulst war das vergrösserte Ovarium und konnte in keiner Weise aas 
den Adhäsionsmassen entwickelt werden. 

Die Heilung erfolgte ohne alle Zwischenfalle und am 23. Juli konnte 
Patientin als genesen entlassen werden. Dieselbe war zunächst frei von 
allen Beschwerden und Schmerzen und fühlte sich zu jeder Arbeit fiihig. 
Die Regel war nach der Operation am 10. Juli eingetreten und schmerzlos 
verlaufen. Die Exsudatmassen waren entschieden kleiner geworden, Uteru^ 
freier beweglich. 

VI. 

Frau B., 34 Jahre alt, aufgenommen am 13. Juni 1883. Patientin 
litt in ihrer Jugend an Unregelmässigkeiten der Menstruation, die aber mit 
ihrer Verheirathung im 24. Jahre aufhörten. Sie hat 3 mal abortirt, ohne 
die Veranlassung dazu angeben zu können. Vor einem Jahre stellten sich 
nach einer stärkeren Menstruationsblutung heftige Unterleibs- und Kreuz- 
schmerzen ein, verbunden mit Urindrang. Es wurden ihr Bäder verordnet. 
Im Ganzen besserte sich danach der Zustand, doch war Patientin nie ganz 
frei von Schmerzen und empfand stets Druck, Schwere, Völle im Becken. 
Vor 14 Tagen wiederholten sich bei der Regel die geschilderten Erschei- 
nungen in solcher Intensität^ dass Patientin die Charite aufsuchte. 

Bei der Untersuchung fühlt man den Uterus nach hinten gedrängt, bei 
der doppelten Untersuchung zeigte sich ein ziemlich grosser, prallelastischer, 
etwas höckeriger Tumor links am Uterus fest anliegend und denselben nach 
hinten verdrängend. Die Geschwulst ist mit dem Uterus in so engem Zu- 
sammenhang, dass man sie gar nicht deutlich von ihm trennen kann, eben- 



Ueber Entfernang kleiner Geschwülste des weibl. Geschlechtsapparates etc. 345 

sowenig lässt sich die Geschwulst im Becken irgendwie bewegen. In der 
rechten Beckenhälfte ist eine nicht deutlich abgrenzbare, diffase Infiltration 
an den Utems ebenfalls dicht herangehend und in die Beckenwandungen über- 
gehend. Diagnose: Perimetritisches Exsudat mit einer Ovarialgeschwulst (?). 

Die Kranke wünschte dringend von ihren Beschwerden durch die Ope- 
ration befreit zu werden, und so wird am 3. Juli die Laparotomie vorge- 
nommen. Die linksseitige Geschwulst erweist sich als Cyste von prall- 
elastischer Beschaffenheit, die breitbasig in den Uterus übergeht, auf ihrer 
Höhe eine kleine Geschwulst, die als Ovarialtumor gedeutet werden konnte 
und auch spater bei der Untersuchung als solcher sich erwies, so dass die 
Cyste wohl eine Cyste des breiten Mutterbandes war. Dieselbe war wiederum 
allseitig so im Becken fixirt, dass sie sich nicht in toto entfernen Hess, 
sondern in die Bauchwunde eingenäht und der über den Wundrand hervor- 
ragende Cystensack abgetragen wurde. Der Inhalt der Cyste war wasser- 
klar, ging leider bei der Operation verloren. 

Die Heilung schritt ohne Störung voran, wenn auch im unteren Wund- 
winkel von der granulirenden Cystenwand ausgehend längere Zeit als ge- 
wöhnlich ein Defect bestand. Anfangs August konnte Patientin voll- 
standig genesen die Klinik verlassen. 

vn. 

E. D., 24 Jahre alt, Dienstmagd, aufgenommen den 16. Januar 1883. 
Die Patientin, seit ihrem 16. Lebensjahre regelmässig menstruirt, leidet 
seit 4 Jahren an Magenbeschwerden und chlorotischen Zuständen. Im Ja- 
nuar 1883 gebar sie ohne Kunsthölfe ein lebendes, ausgetragenes Kind. 
Sie hütete 8 Tage lang das Bett. Sie will damals massige Schmerzen in 
der rechten Seite gehabt haben, die bald wieder verschwanden. Ende April, 
Anfangs Mai stellten sich zur Zeit der etwas* profusen Menstruation heftige 
Schmerzen im Kreuz und Unterleib ein, welche sie seitdem nicht vollständig 
verlassen haben und sie zu jeder Arbeit unfähig gemacht haben. 

Bei der Untersuchung ist Patientin vollständig fieberlos. Der Uterus 
ist etwas gross, etwas nach rechts gelagert, beweglich. Im Douglas'schen 
Räume eine ziemlich starke Druckempfindlichkeit. Im rechten Parametrium 
eine strangartige, harte Infiltration zu constatiren. Im linken Parametrium 
bemerkt man einen etwa gänseeigrossen Tumor, der vom Uterus abgrenzbar 
ist, aber durch einen ziemlich breiten und dicken Stiel mit ihm zusammen- 
hängt. Die Geschwulst ist massig beweglich, geht nicht in die Becken- 
wandungen über. 



346 Gasserow, 

Bei der am 12. Jali vorgenommenen Laparotomie gelingt es nur mit 
Mühe unter Entgegendrängen von der Scheide aus, den langgestreckten, 
etwa grosshähnereigrossen Tumor, der massig adhärent war, in die Bauch- 
wunde zu bringen. Nachdem die Geschwulst ausgesch&lt war aus den Ad- 
häsionen, wurde der breite Stiel mehrfach durchstochen und unterbonden 
und nach Abtragung der (Jeschwulst wie gewöhnlich versenkt. Die Geschwulst 
besteht aus einer fast wallnussgrossen Ovarialcyste und der stark dilatirten 
Tuba, deren Wandungen dabei verdickt waren. Die Heilung erfolgte ohne 
allen Zwischenfall, ohne jegliche Temperatursteigerung. Bei der Entlassung 
der Kranken war auch die Infiltration des rechten Parametriums &st ganz 
geschwunden. 

Aus diesen Krankengeschichten geht zunächst hervor, dass alle sieben 
Kranken die Operation ohne allen Nachtheil fiberstanden, und da dies über- 
haupt sämmtliche derartige von mir operirten Fälle sind, so möchte ich 
dieses günstige Moment besonders betonen. Ferner hat der Eingriff sämmt- 
lichen Kranken genutzt, die meisten sind von oft Jahre langen Leiden gans 
befreit, andere wesentlich gebessert worden. Auffallend ist letzteres be- 
sonders bei dem Fall IV., dem einzigen, wo die beabsichtigte Operation, 
die Entfernung des kranken Ovariums, gar nicht gelang. Es weist dies, 
wie bei Fall IV. auch schon angegeben, darauf hin, dass bei der in Rede 
stehenden Operation, abgesehen von der Hauptsache, der Entfernung der 
betreffenden Geschwulst, unter Umständen noch ein weiterer Einfluss auf 
die Exsudatmassen ausgeübt wird, wie dies auch noch aus dem Verlauf des 
Falles I. hervorgeht, wo das alte chronische Beckenexsudat nach der Ope- 
ration in Eiterung überging. Dass die technischen Schwierigkeiten bei der 
Operation dieser Fälle gross sind, ergiebt sich auch aus den geschilderten 
Fällen. Einmal gelang es, wie schon angegeben, in keiner Weise den be- 
treffenden Tumor zu entfernen, von den anderen 6 Fällen war es nur zwei- 
mal möglich, die Geschwulst herauszubefordern , in 4 Fällen musste ein 
Verfahren eingeschlagen werden, wie es bei grossen, unentfernbaren Ovarial- 
tumoren schon längst üblich (von mir schon im Jahre 1868 — auch von 
Anderen vielfach angewandt und besonders von Schroeder auf der Mün- 
chener Naturforscherversammlung empfohlen) gewesen, nämlich den entleer- 
ten Sack der Geschwulst in die Bauchwunde einzunähen. Wenn dieses Ver- 
fahren bei unseren heutigen antiseptischen Massregeln bei Weitem nicht 
mehr die grossen Gefahren hat, wie in früherer Zeit, so kann doch nicht 
geleugnet werden, dass dasselbe nur ein unvollkommenes ist. Es steht auch 



Ueb«r Entfernung kleiner Geschwülste des weibl. Geschlechtsapparates etc. 347 

wohl zu hoffen, dass, so gut wie wir gelernt haben, die grossen, scheinbar 
unentfern baren Ovarialgeschwülste doch aus dem Beckenzeilgewebe auszu- 
schälen, dies bei zunehmender Erfahrung auch bei den in Rede stehen- 
den kleinen Tumoren der Fall sein wird. Trotzdem aber wird die Zahl 
der Fälle, wo die vollständige Entfernung unmöglich ist, eine sehr grosse 
bleiben, und ich mochte an dieser Stelle vor zu energischen Versuchen dazu 
nachdrucklichst warnen. Die uns hier beschäftigenden kleinen Geschwülste 
der Ovarien oder der Tuben sind zunächst, wie alle kleinen Geschwulste 
derart, in das Zellgewebe der breiten Mutterbänder mehr extraperitoneal 
weiter nach unten gewachsen, — erst bei grösserem Wachsthum in die 
Bauchhöhle hinein erfolgt die Auszerrung des breiten Uutterbandes, die 
eigentliche Stielbildung. Es würde dieser Umstand^ dem wir bei den kleinen 
Eierstocksgeschwülsten ohne gleichzeitige chronische Entzündungsvorgänge 
im Becken ja oft genug begegnen, noch kein Hinderniss ihrer totalen Ent- 
fernung darstellen. Solche Geschwülste kann man aus dem Beckenzellge- 
webe ausschälen und manchmal sogar eine peritoneale Bedeckung der Wund- 
höhle durch die Naht schaffen. In unseren Fällen ist dies nun aber mei- 
stens unmöglich, einmal, weil so häufig dabei im Beckenzellgewebe der 
breiten Mutterbänder und ihrer Umgebung eine derb^ Infiltration (para- 
metritisches Exsudat) sich findet, und andererseits, weil in allen diesen 
Fällen perimetritische Verklebungen und Verwachsungen der breiten Mutter- 
bänder mit den Beckenwandungen vorhanden sind, deren Lösungen oft 
sehr schwierig sind, besonders im Hinblick auf die Sicherheit der Blut- 
stillung dabei. 

Diagnostisch nicht uninteressant ist es, wie trotz dieser Verwachsungen 
doch eine gewisse Beweglichkeit der Geschwülste mit sammt ihrer Adhä- 
sionen besteht, so dass man gar nicht selten vor der Operation geneigt ist 
anzunehmen, die totale Entfernung müsse sehr leicht sein. Da die Ge- 
schwulste wesentlich im breiten Mutterband sitzen, so gelingt es oft genug, 
die Adnexa des Uterus in toto in die Höhe zu drängen, indem die oft 
flachen und breiten Adhäsionen einer gewissen Dehnung bei der doppelten 
Untersuchung fähig sind, und nach Eröffnung der Bauchhöhle erkennt man 
erst die Festigkeit und Ausdehnung der Verwachsungen. Allerdings lässt 
sich diese relative Beweglichkeit oft genug bei der Operation verwerthen, 
indem man durch einen Assistenten von der Scheide aus sich die Geschwulst 
in die Höhe drängen lässt und so leichter die Ausschälung oder wenigstens 
grössere Lostrennung derselben erreicht. 

Zum Schluss möchte ich nur noch einmal besonders darauf hinweisen, 



348 Gusserow, Ueber Entfernung kleiner Geschwülste etc. 

«dass es sich bei dem hier geschilderten Verfahren zunächst in keiner Weise 
mm eine Castration handelt, — es ist immer nur das wirklich erkrankte 
(Organ entfernt, resp. zerstört worden. Somit sind in einigen Fällen beide 
«Ovarien, in den anderen eines wenigstens zurückgeblieben. Ich lege hierauf 
'^besonderes Gewicht, damit das von mir eingeschlagene Verfahren nicht auf 
eine Linie gestellt wird mit der Entfernung beider Ovarien bei sogenannter 
„chronischer Oophoritis'' mit chronischer Perimetritis, — eine Operation, 
die ich zunächst nicht discutiren will, zu deren Berechtigung aber wenig- 
stens noch ausgedehntere Erfahrungen gemacht und genauere anatomische 
Untersuchungen angestellt werden müssen. Ebensowenig handelt es sich 
aber in den hier beschriebenen Fällen um einfache Laparotomie zur Ent- 
fernung kleiner Eierstocksgeschwülste oder um die sogenannte »Salpingo- 
tomie**, — sondern ich möchte diese Gruppe von Fällen als etwas Beson- 
deres von all den genannten Zuständen und Eingriffen abgetrennt wissen, 
einmal, weil anatomisch und klinisch dieselben ein einheitliches Krankheits- 
bild darstellen, und weil die Indication zu dem von mir vorgeschlagenen 
Verfahren eben meiner Auffassung nach in dem ursächlichen Zusammen- 
hang zu suchen ist, der in diesen Fällen zwischen der chronischen Entzün- 
dung im Becken und den betreffenden Geschwülsten besteht. 



Während des Druckes vorstehender kleinen Arbeit habe ich noch in 
zwei Fällen der geschilderten Art operirt. Beide Male handelte es sich 
um kleine Ovarialtumoren bei hochgradig perimetritischen Zuständen. Ein- 
mal gelang es die Geschwulst ganz zu entfernen, das anderemal musste 
dieselbe wieder in die Bauchwunde eingenäht werden. Die Frauen genasen 
beide sehr schnell. 

In Bezug auf den von mir ausgesprochenen Gedanken, dass kleine 
Ovarialtumoren möglicherweise in Folge einer Peritonitis pelvica entstehen 
könnten, muss ich nachträglich darauf hinweisen, dass schon Olshausen 
denselben im Aschluss an N6grier, Kiwisch und Veit geäussert und 
durch eine ausführliche Beobachtung zum mindesten sehr wahrscheinlich 
gemacht hat. (Olshausen, Krankheiten der Ovarien. 1877. S. 79u. %0.) 

G. 



n. 

Ein Fall von Extranteriiischwaiigerschaft (Graviditos 
tnbo -abdominalis). 

Von 
Stabsarzt Dr. Riehard Rosenthal« 



Am 18. September d. J. wurde auf die gynäkologische Abtheilung eim 
Frau B. aufgenommen, welche sich schwanger glaubte, ihre Niederkunft seife 
einigen Wochen erwartete, indess bei anhaltenden wehenartigen Schmerze» 
den Eintritt des Geburtsactes vermisste. 

Die Anamnese ergab Folgendes: 

Die 30 Jahre alte Patientin, welche angeblich nie krank war, men- 
struirte in ihrem 16. Jahre zum ersten Male und seither regelmässig und 
ohne Beschwerden alle 4 Wochen drei Tage lang bis zu ihrem 22. Lebens- 
jahre. Zu dieser Zeit machte sie eine regelrechte Schwangerschaft durch,, 
wurde in der Entbindungsanstalt in Dresden von einem ausgetragenen leben- 
den Kinde entbunden und verliess am 9. Tage das Bett, um ihrer gewohnten 
Beschäftigung nachzugehen. Ungefähr nach Verlauf von sechs Wochen ver- 
spürte sie Stiche in der linken Seite des Unterleibes, welche vier Wochem 
anhielten, jedoch nicht so heftig waren, dass sie ärztliche Hülfe ge« 
sucht hätte. 

Darauf fühlte sie sich vollkommen wohl, nur beim Eintritt der Pe- 
riode bekam sie im Gegensatz zu früher häufig Brechneigung, auch war der 
Blutfluss erheblich reichlicher und hielt einige Tage länger an. 

Seit dem Jahre 1881 vcrheirathet, vermisste sie Mitte December 1882 
den Wiedereintritt der Menses, hatte indess bis Weihnachten keinerlei Un- 
behagen. Bei einem Spaziergange traten plötzlich heftige Schmerzen auf, 
es war ihr «als ob Alles unten hinausgepresst würde** und nur mit Mühe 
vermochte sie nach halbstündiger Wanderung ihre Wohnung zu erreichen. 



350 Rosenthal, 

Nach Bähungen mit Ghamillen verloren sich während der Nacht die Be- 
schwerden; am nächsten Morgen hatte sich völlige Euphorie eingestellt. 
Erscheinungen von Seiten des Darms oder der Blase bestanden dabei nicht. 

Solche Zufälle wiederholten sich nunmehr zunächst Anfangs Januar 
und sodann in unregelmässigen Intervallen häufiger und hielten gewöhnlich 
einen Tag an. Die Periode stellte sich nicht wieder ein, wohl aber be- 
merkte Patientin Schwellung der Brüste, Zunahme des Fettpolsters um die 
Hüften etc. 

Mitte März setzten die Schmerzen plötzlich heftiger wie je zuvor ein 
und hatten einen ausgesprochen wehenartigen Character; Blutabfluss zeigte 
sich nicht. 

Ein Arzt, der zu Rathe gezogen wurde, sprach den Zustand für einen 
beginnenden Abort an und tamponirte wiederholt die Scheide, wies jedoch 
die Kranke, da eine Wirkung nach keiner Richtung hin erzielt wurde, schliess- 
lich an eine gynäkologische Poliklinik. Nach Narcoticis, welche hier ver- 
ordnet wurden, trat alsbald Besserung ein. 

Im April wurden zum ersten Male Kindesbewegungen verspürt; die- 
selben erregten keinerlei unangenehme Empfindungen. 

Für die Folge erfreute sich die Patientin fast absoluten Wohlbefindens, 
die einzige Klage bezog sich auf den retardirten Stuhlgang, der unter regel- 
mässiger Einverleibung von Abführmitteln nur mit Mühe erzielt wurde. 

Ende August, dem Zeitpunkt, wo Frau R. die normale Beendigung der 
Schwangerschaft erwarten durfte, stellten sich abermals heftige wehenartige 
Schmerzen ein, die zur Herbeirufung einer Hebeamme Anlass gaben. Diese 
wurtete vierzehn Tage; da indess bei anhaltenden Wehen die Geburt nicht 
erfolgte, die Herztöne, welche sie nach ihrer Angabe bestimmt gehört hatte, 
schwanden, die Kreissende Leben nicht mehr verspürte, so sandte sie in die 
diesseitige geburtshülfliche Poliklinik, wo der Fall als Graviditas extrauterina 
angesprochen und zu weiterer Behandlung in die Charit^ verwiesen wurde. 

Hier ergab die in Narcose ausgeführte Untersuchung folgenden Befund: 

Die massig gut genährte Patientin zeigt am Respirations- und Circu- 
lationsapparat krankhafte Veränderungen nicht. 

Der Bauch ist stark vorgewölbt, namentlich linkerseits, die Linea alba 
i^nd die Warzenhöfo der massig geschwollenen Brüste sind dunkel pigmentirt, 
die Montgomery'schen Drüsen stark entwickelt. 

Die Palpation ergiebt im Abdomen einen grossen, prallelastischen Tu- 
mor, welcher die ganze linke Seite vom Os pubis bis zur Regio hypochon- 
driaca einnimmt, die Mittellinie nach rechts hin um 5 Ctm. überragt und 



Ein Fall von Extranterinsohwangersohaft. 351 

nur wenig beweglich ist. In dem Tamor verschiebbar lässt sich links oben 
ein compacter Körper constatiren, der bei Druck Pergamentknistem zeigt; 
rechts unten fühlt man, ebenfalls beweglich, kleine Theile. Herztöne und 
Uteringeräasch sind nicht zu hören. 

Die interne, resp. combinirte Untersaohang sseigt die Scheide weit und 
schlaff, feucht, die Portio gross, weich, den Muttermund stark erweitert, so 
dass man bequem mit zwei Fingern eingehen kann. Das Cavum uteri ist 
ausgekleidet von einer weichlichen Masse, die, entfernt und microscopisch 
untersucht, sich als Decidualgewebe documentiri Der Uterus ist vergrössert, 
etwa 12 Ctm. lang, der Fundus vorn hinter der Symphyse deutlich zu füh- 
len, nach rechts abgedrängt, dem Tumor dicht anliegend, welcher auch das 
linke Parametrium und den Douglas einnimmt und letzteren etwas verwölbt 

Nach diesem Ergebniss, zusammen mit den anamnestischen Daten, 
konnte kein Zweifel obwalten, dass wir es mit einer bis über das normale 
Ende gediehenen Extrauterinschwangerschaft zu thun hatten, dass der Tu- 
mor den Frachtsack, die in demselben befindlichen, beweglichen Geschwulst- 
theile das abgestorbene Kind repräsentirten. Das Pergamentknistern wurde 
durch die gegen einander verschieblichen Kopf knocken hervorgebracht, so 
dass die Lage des Kindes für eine Längslage, deren Achse sich von links 
oben nach rechts unten erstreckte, angesprochen werden musste. 

Dass ein operatives Verfahren indicirt sei, erschien nicht zweifelhaft; 
es konnte sich nur um den Zeitpunkt und die Art der Operation, ob Ga- 
strotomie, ob Extraction von der Scheide aus, handeln. 

Der Umstand, dass letztere und der Douglas nicht besonders vorgewölbt 
waren, der Fruchtsack aber den Bauchdecken dicht anlag, ausserdem im 
Bereiche der Linea alba überall eine gleichmässige elastische Consistenz 
zeigte, so dass mit grosser Wahrscheinlichkeit die Insertion der Placenta an 
dieser Stelle ausgeschlossen werden konnte, liess von vornherein die Lapa- 
rotomie als das geeignete Verfahren erscheinen. 

Die Wahl zwischen primärer und secundärer Gastrotomie kam nicht in 
Betracht, da das Kind mit Sicherheit abgestorben war, und so wurde der 
Entschluss gefasst, ein exspectatives Verfahren einzuschlagen und das mütter- 
liche Befinden zum massgebenden Factor für den Zeitpunkt des Eingreifens 
zu machen, um so mehr, als die Gefahr der Berstung des Fruchtsackes, 
nachdem derselbe den Expulsivbewegungen bereits einige Wochen Stand ge- 
halten hatte, in den Hintergrund trat, die Chancen eventueller Verklebung 
zwischen Fruchtsack und Bauchwand hingegen, sowie möglichster Thrombo- 
sirung der Placentargefässe erheblich in 's Gewicht fielen. 



352 Rosentlial, 

Es wurde ein€ sytDptomatische Behandlang eingeschlagen, der Patientin 
ruhige Lage anempfohlen und bezuglich der z^ar seltener, aber mit Heftig- 
keit auftretenden wehenartigen Schmerzen und der Empfindlichkeit des Leibes 
Morphium und Eis verordnet. 

Lange liess indess die Nothwendigkeit einer Encheirese nicht auf sich 
warten. 

War die Temperatur, bei normalem Verhalten am Morgen, abendlich von 
38,4 allmälig auf 38,9 angestiegen, so trat am Abend des 22. September 
plötzlich ein einständiger heftiger Schüttelfrost auf mit Temperaturerhöhung 
auf 40,5® bei einer Pulsfrequenz von 120. 

Am Morgen des 23. September subnormale Temperatur (36,0), am 
Abend Steigerung auf 39,7; die Empfindlichkeit des Abdomens nahm gleich- 
zeitig linkerseits zu. 

Es konnte danach nicht zweifelhaft sein, dass der Fruchtsack sich durch 
den Reiz des macerirten Kindes entzündet hatte, das Fruchtwasser sich eitrig 
resp. jauchig zu zersetzen begann und bereits eine Resorption des putriden 
Inhalts angefangen hatte. 

Für den 24. wurde die Gastrotomie angesetzt, welche von Herrn Ge- 
heimrath Gusserow ausgeführt wurde. 

Nach Durchtrennung der Bauchdecken in der Linea alba konnte das 
Peritoneum in einer Falte hochgehoben, gespalten und auf dem in den Pen- 
tonealsack eingeführten Finger in der ganzen Ausdehnung der Wunde, welche 
etwa 16 Ctm. betrug, eingeschnitten werden. Eine Verklebung der vorderen 
Wand hatte also nicht stattgefunden. Der Fruchtsack trat in der klaffen- 
den Wunde zu Tage, erschien ausserordentlich dönn wandig, prall gespannt 
und war von zahlreichen starken Venen durchzogen. 

Von einer event. partiellen Exstirpation wurde von vornherein abge- 
sehen, vielmehr die Fixirung des Sackes in der Wunde und möglichster Ab- 
schluss der Bauchhöhle in's Auge gefasst. 

Zu diesem Zweck wurde durch sieben starke Seidennähte, davon je 
eine im oberen und unteren Wundwinkel, der Sack mit den Bauchwandun- 
gen vernäht. Die aus den Stichcanälen dringende, äusserst fötid riechende 
Flüssigkeit gab Zeugniss von der fortgeschrittenen Zersetzung des Inhaltes 
und liess den Abschluss der Bauchhöhle in dem weiteren Verlaufe der Ope- 
ration um so peinlicher beobachten. 

Nach Spaltung des Sackes, wobei die Blutung eine geringe war, stürzte 
das jauchige Fruchtwasser, mit necrotischen Eihautfetzen vermischt, heraus, 
und zugleich fiel ein stark macerirter Arm des Kindes vor. Herr Geheimrath 



Ein Fall von Extrautdrinsetwangerschaft. 353 

Gusserow ging nunmehr mit der Hand ein, ergriff die Fasse und begann 
vorsichtig, während zu grösserer Sicherheit Wand and Bauchdecken mit den 
Fingern an einander gedruckt wurden, die Extraction. 

Nach der Abnabelung, wobei ein Ziehen an der links hinten sitzenden 
scheibenförmigen Flacenta sorgfältig vermieden wurde, wurde der Sack mit 
Sablimatlösung (1,0:1000,0) so lange ausgespült, bis die Flüssigkeit voll- 
kommen klar zuruckfloss, sodann auch die Umgebung gesäubert, mit der 
gleichen Lösung übergössen und nunmehr zur Stillung der Blutung, die sich 
fast auf den unteren Wundwinkel beschränkte, geschritten. Es geschah dies 
durch Suturen, deren noch im ganzen Bereiche der Wunde 21 angelegt 
wurden. Der Abschluss zwischen Wund- und Peritonealhöhle wurde da- 
durch zugleich zu einem vollständigen gemacht. 

Nach Vernähung des oberen Winkels in Ausdehnung von 4 Ctm. und 
nochmaliger gründlicher Ausspülung wurde Jodoform eingepudert, ein Drain- 
rohr eingeführt, der ganze Sack mit feuchter Garbolgaze ausgestopft, darüber 
ein Salicylwatteverband gelegt. 

Das vollständig entwickelte Kind war männlichen Geschlechts, 51 Ctm. 
lang und wog ungefär 2670 Grm. *) 

Eine Stunde nach der Operation betrug die Temperatur 37,3® bei 80 
Pulsen und lebhafter Schmerzempfindung und ging auch am Abend nicht 
über 37,4® hinaus, zeigte also einen Abfall gegen die vorige Abendtempe- 
ratur von 2,5®. 

Die weitere Behandlung der Wunde, um dies vorweg zu erwähnen, ge- 
schah den allgemein giltigen chirurgischen Principien gemäss unter mög- 
lichster Antiseptik. Bei der geringsten Durchtränkung des Verbandes wurde 
der letztere, ob zur Tages- oder Nachtzeit anter ausgiebiger Spülung der 
Wände und vorsichtiger Entfernung der necrotischen Placentarfetzen erneuert, 
so dass innerhalb 24 Standen oft vier, auch fünf Verbände angelegt wurden. 
Von weiterer Jodoformbehandlung wurde vorläufig abgesehen, Garbolgaze 
zum Ausstopfen der Wundhöhle weiter angewandt, der Drain am 8. Tage 
entfernt. 

Schon am 4. Tage war, durch die Ausdehnung der Därme befördert, 
eine deutliche Hebung des Wundgrundes zu constatiren, welche täglich zu- 
nahm und wodurch zunächst der rechte Rand, sodann fast die ganze Pla- 



Die Wägung wurde erst vorgenommen, nachdem das Kind einige Wochen in 
Alcohol gelegen hatte. 

ChuriU* Annale D. IX. Jahrg. 23 



354 Rosenthal, 

ccntarfläche zwischen die Wandränder geschoben wurde. Im untern Winkel 
schien der Sack seine ursprüngliche Tiefe behalten zu wollen. 

Es war dies der Wundbefand am 10. Tage nach der Operation. 

Was das Allgemeinbefinden der Patientin bis zu diesem Zeitpunkte 
anbelangt, so blieb zwar die Temperatur normal, jedoch bestanden heftige 
Schmerzen fort; zu ihnen gesellte sich noch während der ersten 3 Tage p. o. 
die Unbehaglichkeit häufigen Erbrechens. 

Am 4. Tage trat neben einer leichten, entzündlichen Infiltration des 
linken Wundrandes und seiner Nachbarschaft eine starke meteoristische 
Hervorwölbung der rechten Bauchseite auf; zugleich stellte sich Icterus ein, 
während die ersten Flatus abgingen und in Folge einer Eingiessung der 
erste Stuhl erfolgte. Spontane ürinentleerung hatte schon am Tage zuvor 
stattgefunden. 

Unter schneller Zunahme des Icterus, so dass die Haut und die Sclerae 
eine saffrangelbe, der Urin eine schwarzbraune Färbung annahm^ stellten 
sich am 9. Tage leichte Durchfälle von äusserst fStidem Geruch ein. Die 
Patientin war zwar matt, klagte über Schmerzen im Rücken und an der 
Operationsstelle, war aber sonst guter Dinge. 

Am folgenden Tage wurde ein warmes Vollbad von 27* verordnet, 
welches gut vertragen wurde; freilich stieg die Temperatur am Abend (5 Uhr) 
auf 38,9 ^ fiel jedoch gegen 9 Uhr auf 38,2 <» ab. 

Auf Bitte der Kranken erhielt sie am 11. Tage abermals ein Bad; 
bei dem Verbände wandten wir sodann zum ersten Male wieder Jodoform 
an. Einige Stunden darauf trat eine leichte Blutung auf, die durch einen 
Gompressivverband gestillt wurde. 

Am 12. Tage wiederholte sich dieselbe and zwar mit einer solchen 
Heftigkeit, dass in kürzester Frist der Verband völlig durchtränkt war und 
das Blut unter demselben hervorfloss. Nach schleuniger Entfernung der 
Verbandstücke zeigte sich als Quelle der Blutung die Placentarstelle, aus 
der das Blut formlich hervorsprudelte. Da bei sehr schwachem Pulse sich 
bereits Inanitionserscheinungen, wie Gähnen, Ohrenklingen, Ohnmacht, ein- 
gestellt hatten und mir die einfache Tamponade einen sichern Erfolg nicht 
zu versprechen schien, griff ich zu styptischer Watte (lOproc. Liq. ferri), 
welche wir zur Stillung von heftigen parenchymatösen Blutungen bei Car- 
cinom etc. auf der Abtheilung vorräthig haben, tamponirte, legte darauf 
einen Gompressivverband und erzielte das gewünschte Resultat Wenn ich 
mir auch bewusst war, dass ich mich mit diesem Verfahren von dem Bo- 
den strenger Antiseptik entfernte, so liegt die Entschuldigung darin, dass 



Ein Fall von Extranterinsohwangerschaft. 355 

der Zustand der Patientin als erste Indication des Handelns eine umgehende 
Blutstillung gebieterisch verlangte. 

Eine üble Nachwirkung trat dann auch nicht auf; die Temperatur blieb 
normal, eine Blutung stellte sich nicht wieder ein; Patientin fühlte sich bei 
gleichzeitigem Schwinden des Icterus allmälig kräftiger. 

Am 22. Tage p. o. (15. Oct.) konnte durch seitlichen Druck auf den 
linken Wundrand der letzte Rest der gelösten Placenta entfernt werden, 
und es zeigte sich nun der ganze Fruchlsack mit kräftigen Granulationen 
bedeckt, an den Wundrändern von Epidermis bereits überkleidet, im untern 
Winkel aber in Gestalt eines Trichters tief nach Innen gezogen. 

Seitdem ist die Heilung ungestört fortgeschritten; Patientin bekommt 
ein gesundes, frisches Aussehen und nimmt körperlich zu; Darm und Blase 
functioniren gut. 

Am 63. Tage p. o. war der Befund folgender: Auf dem Abdomen be- 
steht in der Linea alba eine flache Wunde von 11 Ctm. Länge und 1 Ctm. 
Breite, die von gesunden Granulationen bedeckt und im unteren Winkel 
etwas vertieft ist. Die Scheide ist weit und schlaflF, die Portio derb, zapfen- 
forraig, mit narbigen Einkerbungen versehen, der Muttermund für die Finger- 
spitze passirbar. Der Uterus zeigt sich wenig vergrössert, frei hin und 
her beweglich, der Fundus ist deutlich abzupalpiren. Während das rechte 
Parametrium frei ist, fühlt man im Douglas eine massige, diffuse, auf Druck ' 
nicht schmerzhafte Geschwulst. Im linken Parametrium zieht neben dem 
Uterus von der Bauchwunde nach dem Douglas, der beschriebenen trichter- 
förmigen Einziehung des Wundsackes entsprechend, ein derber, dicker Strang. 

Der vorliegende Fall ergänzt insofern die durch bisherige Erfahrung 
constatirten Thatsachen, als er eine Mehrgebärende betrifft und der Frucht- 
sack seinen Sitz in der linken Seite hatte. 

Aefiologisch wichtig erscheinen die Schmerzen, welche die Patientin 
nach der ersten Entbindung hatte; dieselben dürften als perimetritische 
Reizungen aufzufassen sein, wodurch Anomalien in den anatomischen resp. 
topographischen Verhältnissen der Sexualorgane bedingt wurden, namentlich 
da sich seit jener Zeit der Menstruationscharacter änderte. 

Die siebenjährige Sterilität vor der letzten Conception kann als Ana- 
logen zu anderen Fällen nicht herangezogen werden, da Patientin vor zwei 
Jahren erst heirathetc. 

Was die Unterbringung des Falles unter eine der Arten von Graviditas 
extrauterina anbelangt, so bietet dies einige Schwierigkeiten; bringt doch 

23* 



356 Rosentbal, 

die NecTopsie darüber häufig nicht völlige Klarheit, jedoch scheint es sich 
hier aus folgenden Gründen uro eine Graviditas tubo-abdominalis zu handeln: 

Der Fruchtsack zeigte vom eine dünne Wand mit glatter Oberfläche, 
welche mit Bauchwand und Nachbartheilen Verwachsungen nicht eingegan^ 
gen war, so dass man dieselbe als das Froduct physiologischer Weiterent- 
wickelung eines präformirten Gebildes — in unserem Falle wahrscheinlich 
der Tube — ansehen muss. Nach hinten und unten zu schien derselbe, 
soweit die vorsichtige Betastung von Innen her ein Urtheil gestattete, mit 
den anliegenden Unterleibsorganen allseitig eng verbunden und durch fibri- 
nöse Ausschwitzungen der Serosa gebildet zu sein. 

Für die starke Adhäsion des unteren Theiles mit der Beckenwand 
dürfte die trichterförmige Gestalt der Wundhöhle, wie sie sich lange wäh- 
rend des Heilungsvcrlaufes verhielt und welche dadurch entstand, dass, 
während der übrige Theil des Sackes allroälig in die Höhe gehoben wurde, 
die untere Fläche tief im Becken niedergehalten wurde, sprechen. 

Ziehen wir den Symptomencomplex, wie ihn der Verlauf der Schwanger- 
schaft darbot, herbei, so könnte nach neueren Anschauungen der beinahe 
gänzliche Mangel quälender Erscheinungen für eine Graviditas ovarica 
sprechen, jedoch sind auch einige Fälle veröiFentlicht, z. B. der von 
Gusserow-Hess*), wo bei absoluter Sicherung der Diagnose durch Au- 
topsie und Mikroskop die Eierstocksschwangerschaft starke Molimina be- 
dingte, so dass deren Fehlen resp. Vorhandensein endgiltig beweisend nicht 
sein kann. 

Betreffs der Operation ist zu erwähnen, dass dieselbe in Anbetracht 
des mütterlichen Gesundheitszustandes nicht, wie es Volkmann für gewisse 
Fälle angab, in zwei Sitzungen, um durch mechanische Beizung eine Ver- 
klebung zwischen Sack und Bauch wand herbeizuführen, erfolgen konnte, 
sondern hintereinander vollendet werden musste. Es lässt sich der grosse 
Vortheil, den das genannte Verfahren gerade in den Fällen, wo der Inhalt 
des Fruchtsackes voraussichtlich aseptische Eigenschaft nicht hat, bietet, 
nicht erkennen; um so instructiver ist der vorliegende Fall dafür, was eine 
sorgfältige Vernähung des Sackes mit der Bauchwand für den Abschluss 
der Peritonealhöhle leisten kann. Dass dieser ein absoluter gewesen sein 
muss, geht daraus hervor, dass beim geringsten Eindringen der äusserst 
putriden Flüssigkeit, eine septische Peritonitis nicht ausbleiben konnte. 

Mit diesem Verfahren wird gewissermassen auch die Frage über die 



Berl. klin. Woolienschr. 1869. No. 34. 



Ein Fall von Extrauterinschwangerschaft. 357 

Zweckmässigkeit der totalen resp. partiellen Exstirpation des Fruclitsackes, 
wie sie Spiegel berg*) bei der primären Gastrotomie befürwortet, berührt. 

Es lässt sich nicht leugnen, dass die gänzliche Entfernung des Frucht- 
sackes ein erstrebenswerthes Ideal ist; leider wird sich dasselbe nur in den 
allerseltensten Fällen erreichen lassen. Bei der theilweisen Entfernung aber 
durfte leicht eine Spannung und Zerrung des Placentartheiles zu Stande 
kommen und dadurch die Gefahr einer Blutung bedingt werden. Dabei 
scheint selbst bei minutiöser Beobachtung aller Gautelen die Gefahr nicht 
ganz ausgeschlossen zu sein, dass beim Herausbefördern des Kindes heterogene 
Bestandtheile des Fruchtwassers, wie Lanugo etc., in den Peritonealsack 
gelangen und die Gefahr peritonitischer Reizung involviren, während ein Ver- 
nähen des ganzen Sackes vor seiner Eröffnung neben dem erwähnten Vortheil 
vielleicht den einzigen Nachtheil einer etwas längeren Heilungsdauer bedingt. 

Es ist ja die Yernähung von Geschwulstsäcken mit den Bauchwan- 
dungen in der Chirurgie nichts Neues , und auch hier auf der Abtheilung 
sah sich Herr Geheimrath Gussero w mehrere Mal bei Ovarialcysten, einmal 
bei Pyosalpinx mit foetidem Inhalt veranlasst, die ganzen Säcke mit der 
Wunde zu vereinigen, da dieselben theils breitbasig aufsassen, theils mannig- 
fache Adhäsionen eingegangen waren; alle Fälle heilten ohne Zwischenfall 
und üble Folgen. 

Aus dem Verlaufe und der Behandlung des Falles möchte ich namentlich 
hervorheben, dass die Drainage des Sackes nach der Scheide hin nicht 
gemacht wurde. Dieselbe wurde zwar, wenn erforderlich, noch nachträglich 
ins Auge gefasst, jedoch trat bei der sorgfaltigen Spülung mit antiseptischer 
Flüssigkeit und der constanten Tamponade mit ebensolchen Verbandmitteln 
die Indication nicht an uns heran, so dass auch unter den obwaltenden Ver- 
hältnissen, wo eine Partie necrotisirendcn Gewebes auf der Wundfläche sich 
befand, die Drainage als eine Conditio sine qua non nicht zu betrachten ist. 

Besonders zu berücksichtigen scheint mir der Umstand, dass, nachdem 
mindestens fünf Wochen nach Absterben des Kindes verflossen waren, die 
Application eines Bades von einer Blutung aus der Placentarstelle gefolgt 
war. Zwar wurde zufällig gleichzeitig Jodoform über den ganzen Bereich 
des Wundsackes gestreut, indess sehe ich nicht ein, wie diesem Umstände 
eine ätiologische Bedeutung beizumessen wäre und glaube vielmehr, dass durch 
Umspülen des Wassers eine Lockerung der Thromben stattgefunden hat, eine 
Erfahrung, die mir wenigstens für spätere Fälle zur Warnung dienen wird. 

Lehrbach der Qebartshülfe. 1882. S. 304. 



HL 

Eine Laparotomie bei Schwangerschaft 

Von 

Demselben« 



Unter den im Verlaufe von 13 Monaten auf der gynäkologischen Ab- 
theilung gemachten 31 Laparotomien wurde eine bei gleichzeitig bestehen- 
der Schwangerschaft ausgeführt. In Rücksicht auf die Wichtigkeit, welche 
bei der bisher nur kleinen Statistik jeder einzelnen Erfahrung in der noch 
nicht ganz geklärten Frage über das zweckmässigste Verhalten resp. Ver- 
fahren bei Complication der Gravidität mit Ovarialcystomen beizumessen ist, 
möge dieser Fall hier seine Besprechung finden. 

Frau S., 30 Jahre alt, ist seit ihrem 15. Lebensjahre in dreiwöchent- 
lichen Intervallen regelmässig, ziemlich reichlich und unter massigen Be- 
schwerden, die sich in Unbelkeit, Kopf- und Kreuzschroerzen äusserten, 
menstruirt. Im Februar 1878 gebar sie nach regelrecht vollendeter Schwan- 
gerschaft ein gesundes, kräftiges Kind leicht, ohne Kunsthilfe; desgleichen 
im August 1879. Im Februar 1881 erfolgte ein Abort (IL M.). Seit die- 
ser Zeit will die Patientin eine eigenthümliche Schwere im Leibe verspürt 
haben, welche namentlich bei anstrengender Beschäftigung mit ziehenden, 
drängenden Schmerzen verbunden war; zugleich hat sie häufiger das Gefühl 
gehabt, als ob ihr bei Lageveränderungen ^im Leibe etwas hin und her 
fiele". Eine Volumzunahme ihres an und für sich starken Leibes hat sie 
dabei nicht beobachtet bis zum Mai d. J. In diesem Monat war die Pe- 
riode zum letzten Male aufgetreten, Frau S. hielt sich für schwanger und 
bemerkte nunmehr mit einer gewissen Besorgniss eine im Vergleich zu den 
früheren Schwangerschaften unverhältnissmässige Zunahme ihres Leibesum- 
fanges; zu gleicher Zeit stellte sich die Empfindung starker Spannung im 
Abdomen und lebhaftes Drängen nach unten, sowie hartnäckige Stuhlver- 



Eine Laparotomie bei Schwangerschaft. ^ 359 

stopfung ein.* In den ersten Tagen des August, wo diese Beschwerden schon 
einen ziemlich hohen Grad erreicht hatten, gesellten sich Brustbeklemmun- 
gen hinzu, zunächst bei Anstrengungen. Anfangs September wurden die- 
selben constant, Patientin vermochte nicht mehr ausgiebig zu athmen, 
konnte sich nur langsam und mit Mähe fortbewegen und die horizontale 
Bettlage nicht mehr ertragen. Unter progressiver Zunahme dieser Er- 
scheinungen war sie Mitte September fast in das Stadium der Orthopnoe 
eingetreten, als sie sich entschloss, zunächst eine Hebamme zu Rathe zu 
ziehen, welche die Patientin, „da ihr noch etwas anderes fehle **, an einen 
Arzt verwies. Dieser diagnosticirte neben bestehender Gravidität einen 
Ovarialtumor und veranlasste die Aufnahme in's Cbarit6krankenhaus, welche 
am 24. September erfolgte. 

Die am nächsten Tage vorgenommene Untersuchung lieferte folgenden 
Befund: 

Patientin ist eine gut genährte Trau mit blasser Hautfarbe. Die Linea 
alba ist stark pigmentirt, desgleichen die Warzenhofe der prallen Brüste, 
die Montgomery'schen Drüsen stark entwickelt; aus den Warzen quillt bei 
Druck Colostrum. Das Abdomen ist sehr stark vorgewölbt; in demselben 
ist durch die Bauchdecken hindurch ein prallelastischer Tumor zu fühlen, 
welcher sich breitbasig von der Höhe der Symphyse in die Regio epigastrica 
zieht, die linke Bauchseite ganz einnimmt und über die Linea alba etwa 
handbreit hinüberragt. Die Oberfläche ist uneben, höckerig, mit grösseren 
Einschnürungen verseben; eine Verschiebung gelingt nur schwer in massigen 
Grenzen. 

Ein Tumor, dem viermonatlich gravidem Uterus entsprechend, ist durch 
die Palpation nicht zu constatiren. 

Die innere resp. combinirte Untersuchung, welche bei den starken Bauch- 
decken der Patientin schwierig war, zeigte die Scheide feucht, gelockert, 
die Portio geschwollen, weich, den Muttermund weit, für den Finger be- 
quem durchgängig. Der Fundus uteri war nicht zu fühlen; man konnte 
constatiren, dass die Gervix in einen weichlichen Tumor, in dem sich an- 
scheinend ein kleiner, fester, langgestreckter befand, und welcher sich quer 
unter der grossen Geschwulst hinzuziehen schien, überging. Auch das 
Herabziehen der Portio mit der Muzeux 'sehen Zange änderte an diesem 
Befunde nichts. Eine deutliche Abgrenzung beider in Frage kommenden 
Tumoren gelang nicht; es konnte jedoch nicht zweifelhaft erscheinen, dass 
der kleine weichliche für den graviden Uterus, der grössere prallelastische 



360 , Rosenthal, 

für eine Neubildung und zwar nach der Anananese für eine Ovarialge- 
schwulst anzusprechen war. 

Der Zustand der Patientin schloss nicht nur ein exspectatives Verfah- 
ren aus, sondern drängte zu einem Eingri£fe; es konnte sich nur um die 
Function oder Exstirpation handeln. Von ersterer, dem älteren Verfahren, 
wurde abgesehen, um so mehr, als wir es in diesem Falle, nach der höcke- 
rigen Beschaffenheit der Oberfläche zu urtheilen, mit einer multiloculären 
Cyste zu thun, also mehrfache Functionen in Aussicht zu nehmen hatten. 
Sodann war der Tumor augenscheinlich sehr schnell gewachsen; die An- 
füllung desselben würde voraussichtlich nicht lange gewährt und abermalige 
Eingriffe erfordert, letztere aber durch Schaffung von gunstigen Vorbedin- 
dungen für adhäsive Entzündungen eine über kurz oder lang unbedingt noth- 
wendige Radicaloperation zwecklos erschwert haben. Die Laparotomie, wie 
sie auch Schröder*) nach den von ihm selbst gemachten Erfahrungen und 
den von Olshausen veröffentlichten statistischen Erhebungen als das rich- 
tige Verfahren empfiehlt, wurde am 27. September ausgeführt. 

Nach Eröffnung der Bauchhöhle drängte sich die Wand des grossen 
Tumors in die Wunde hinein ; dabei erblickte man im unteren Wundwinkel 
ein schlauchförmiges, schlaffes Gebilde mit rother, gefässreicher Wand, 
welche mit der grauweissen Farbe der Geschwulst grell contrastirte, unter 
der letzteren, augenscheinlich durch deren Gewicht in diese Form gezwängt. 
Es war dies der Uterus, wie wir ihn nach den Ergebnissen der Unter- 
suchung erwarten durften. Herr Gebeimrath Gussero w schnitt sodann die 
vorliegende Wand ein, ging, da sich nur ein Theil des weisslichen, zäh- 
flüssigen Inhaltes entleerte, mit der Hand ein und eröffnete unter allmä- 
ligem Hervorziehen von Innen her mit den Fingern die einzelnen Kam- 
mern. Nach Herausbeförderung des Tumors, welche bei Fehlen von Adhä- 
sionen glatt und leicht von Statten ging, zeigte sich rechts vom Uterus 
ein sehr kurzöt Stiel, der in Folge dessen ganz knapp an dem ersteren 
abgebunden werden musste. Selbst bei grösster Vorsiehst war eine Zerrung 
dieses Organes nicht ganz zu vermeiden. 

Dabei war es sehr interessant zu beobachten, wie dasselbe von dem 
auf ihm lastenden Drucke befreit, unter unseren Augen seine normale, 
birnförraige Gestalt annahm. Der Stiel wurde versenkt, die Bauch wunde 
in der üblichen Weise geschlossen. 



*) Zeitschr. f. Gebartsh. u. Gyn. V. Bd. 2. H. Die Laparotomie in der Schwan- 
gerschaft. 



Eine Laparotomie bei Schwangerschaft. 361 

Die beiden ersten Tage hatte Patientin neben den nach Eingriffen am 
Peritoneum gewöhnlichen Beschwerden über ausgesprochen wehenartigen 
Schmerzen zu klagen. Dieselben Hessen am 3. Tage nach, traten in- 
dess im weiteren Heilungsverlaufe periodisch wieder auf und wurden zu- 
weilen so heftig, dass sie mit grösseren Dosen Morphium bekämpft werden 
mussten. 

Am 5. Tage p. o. wurde der Urin spontan entleert; am Tage darauf 
gingen die ersten Flatus ab. 

Am 6. October (10. Tage p. o.) wurden die Nähte entfernt; die Wunde 
war gut verheilt. 

9. October (13. Tage p. o.). Der Kranken wurde auf ihr dringendes 
Bitten die Erlaubniss ertheilt, ausserhalb des Bettes im Lehnstuhl zu 
sitzen; sie machte auch die folgenden Tage davon Gebrauch und hatte 
keine Beschwerden. 

15. October (19. Tage p. o.). Patientin schlief während der Nacht 
unruhig, hatte lebhafte, wehenartige Schmerzen. Gegen Mittag erfolgte Abort 
einer etwa fünfmonatlichen Frucht, der ohne Blutung von Statten ging. 

24. October. Patientin konnte als geheilt entlassen werden. 

Der Fall ist also wieder ein Beweis, dass die Gravidität an sich für 
das Gelingen der Laparotomie ungünstige Chancen nicht bietet, geschweige 
denn eine Contraindication abgiebt. Zwar trat Abort ein, iudess bleibt es 
dahingestellt, ob die Punction, die bei dem enormen Wachsthum des Tu- 
mors und der noch restirenden zweiten Hälfte der Schwangerschaft vor- 
aussichtlich häufiger wiederholt werden musste, denselben hintangehalten 
halte. Durch die mit der Entleerung der Flüssigkeit verbundenen Druck- 
schwankungen in den Gefassen der Sexualorgane wären jedenfalls ungün- 
stige Vorbedingungen geschaffen. Die directe Ursache zur Entstehung des 
Abortes sehe ich in der Kürze des Stieles und der dadurch bedingten, 
trotz aller Vorsicht nicht zu vermeidenden Zerrung am schwangeren Uterus. 
Wahrscheinlich hat sich derselbe allmälig vorbereitet, und wird die Thä- 
tigkeit der Gebärmutter illustrirt durch die geschilderten wehenartigen 
Schmerzen, die nach der Operation auftraten. Das Ei hat dann, schon ge- 
löst, längere 'Zeit im Uterus gelegen, bis es am 19. Tage p. o. zur Aus- 
stossung gelangte. Dafür dürfte das Fehlen jeglichen Blutabganges bei 
derselben sprechen. 

Hervorzuheben scheint mir noch die Thatsache zu sein, dass der Tu- 
mor zwei Phasen schnellen Wachsthums zeigte, die genau mit den Zeiten 



362 Roseothal, 

der Gravidität zusammenfielen , während in der Zwischenzeit ein Stillstand 
eintrat. Die erste betrifft die zweimonatliche Schwangerschaft im Jahre 
1881. Während Patientin bis dahin keinerlei Beschwerden gehabt hatte, 
so traten nach derselben Symptome auf, die auf das Vorhandensein eines 
Tumors schliessen lassen. Trotzdem die Aufmerksamkeit der Frau aaf 
dieselben gerichtet war, konnte sie in den nächsten zwei Jahren eine we- 
sentliche Aenderung nicht bemerken, bis nach Eintritt der nächsten Con- 
ception eine derartige Vcrgrösserung der Geschwulst eintrat, dass sie die 
Excursionen des Zwerchfells hemmte. 



IV. 

Grosses Fibrom der Banchdeeken« 

Von 

Demselbeii« 



Die Literatur, Fibrome der Bauchdecken betreffend, ist nicht umfassend; 
dieselbe ist neuerdings in einer Arbeit von Herzogt) zusammengestellt 
und beweist das seltene Vorkommen dieser Geschwälste. 

Die Entstehungsarsache, ob in foetaler Implantation, traumatischem 
Reiz oder in dem Zusammenwirken beider zu suchen, ist wie bei allen 
Neubildungen, dunkel. Dass die Cohnheim'sche Theorie ungemein viel 
Wahrscheinliches und Bestechendes hat, lässt sich nicht leugnen, indess ist 
die Zahl der Beobachtungen, welche anscheinend das Gegentheil beweisen, 
nicht klein, und so wird eine Uebereinstimmung der Ansichten in diesem 
Punkte kaum je eintreten, da nach Lage der Dinge ein überzeugender Be- 
weis auch mit Beihälfe des Experiments wohl niemals beigebracht werden wird. 

In Bezug auf die characteristischen Eigenthämlichkeiten unserer Ge- 
schwulstart entnehmen wir aus den veröffentlichten Beobachtungen folgendes: 

Die Bauchdeckenfibrome haben ihren Lieblingssitz an zwei Stollen und 
zwar im Bereiche des Musculus rectus abdominis und in dem oberen Theile 
der Leistengegenden. Dieselben bevorzugen das weibliche Geschlecht, treten 
gewöhnlich jenseits der zwanziger Jahre auf und betreffen meistens Frauen, 
die geboren haben. 

Ihr Wachsthum finde ich fast durchweg als langsam oder sehr langsam 
angegeben, wenngleich in der Mehrzahl der mir zugänglichen Fälle die 
Tumoren in einem Zeitraum von 1 — IV2 Jahren von Haselnuss- bis zu 
Mannskopfgrösse und darüber gediehen waren; im gewöhnlichen Sinne eine 



lieber Fibrome der Bauchdecken. München 1883. 



364 Rosenthal, 

nicht eben lange Zeit. Will man daher die langsame Weiterentwickelung 
als Regel gelten lassen, so treten die Ausnahmen stark in den Vordergrund, 

Die Vergrösserung der Fibrome geschieht nicht durch Assimilation des 
umliegenden Gewebes, sondern sie wachsen central und bringen mittelst des 
Constanten Druckes, welchen sie ausüben, das letztere zum Schwund. Sie 
liegen in Folge dessen in dem Nachbargewebe wie in einer Kapsel und 
lassen sich nach deren Durchtrennung leicht mit stumpfen Instrumenten 
herausschälen. Ihrer Natur nach sind sie gutartig und frei von Recidiven. 

Im Juli d. J. wurde von Herrn Geheirarath Gnsserow eine derartige 
Geschwulst auf der Abtheilung exstirpirt. 

Die Patientin war 33 Jahre alt, angeblich nie krank gewesen und hatte 
5 Mal geboren, zuletzt vor 6 Jahren. Im Januar vorigen Jahres bemerkte 
sie oberhalb der rechten Leistenbeuge eine haselnussgrosse, schmerzlose 
Geschwulst, welche ohne nachweisbare Veranlassung entstanden war, sich 
hart anfühlte und frei hin und her schieben liess. Schmerzen traten auch 
für die Folge nicht ein, jedoch wurde die Frau durch das continuirliche 
Wachsthum des Tumors bald in ihren häuslichen Verrichtungen behindert 
und suchte deshalb ärztlichen Rath nach. Achtzehn Monate nachdem sie 
die Geschwulst zuerst bemerkt, kam sie in die Gharite. 

Status: An der rechten Bauchseite bemerkt man eine feste, in ihren 
Contouren sich scharf abhebende Geschulst. Dieselbe reicht vom vorderen 
Rande des Darmbeins, den Winkel zwischen ihm und dem horizontalen 
Schambeinaste ausfüllend und nach oben die Crista übeiragend, nach links 
hin etwa 5 Ctm. über die Linea alba hinaus. Ihre Form ist die eines 
Ovals, und zwar steht ihr langer Durchmesser senkrecht zur Längsaxe 
des Körpers. 

Die vordere Fläche zeigt keine Unebenheiten und hängt mit der Haut 
fest zusammen; die Rückseite dagegen, welche nur in ihrer linken Hälfte 
durch starkes Eindrücken der Bauchdecken zu palpireu ist, lässt einen faust- 
grossen Auswuchs, der von scharf umschriebener Basis kuppelformig in die 
Bauchhöhle hineinragt, erkennen. In der Gegend der Crista sitzt die Ge- 
schwulst fest; von der Darmbeingrube kann man dieselbe nicht abgrenzen, 
während sie sich vom Schambein etwas in die Höhe drängen lässt. 

Bei der inneren Untersuchung fühlt man den Tumor deutlich durch das 
vordere Scheidengewölbe hindurch; derselbe hat den Uterus nach hinten ge- 
drängt und hängt augenscheinlich mit den Unterleibsorganen nicht zusammen. 

Die Diagnose wurde auf ein Fibrom der Bauchdecken gestellt und die 
Exstirpation beschlossen. 



Grosser Fibrom der Baucbdecken. 365 

Operation am 7. Juli. 

Um das Gebiet, wo der Tumor dem Darmbein dicht anlag, möglichst 
zugänglich zu löachen, wurde ein 20 Ctm. langer, medianwärts etwas con- 
caver Schnitt, parallel dem vorderen Darmbeinrande gemacht und zur Aus- 
schälung geschritten, welche mittelst der Finger leicht von Statten ging. 

Die Geschwulst lag zwischen den schrägen Bauchmuskeln, die zum Theil 
bindegewebig entartet waren, wie in einer Kapsel. Nur an der Hinterfläche 
bestand, der beschriebenen Hervorwölbung entsprechend, eine feste Verwach- 
sung mit dem Bauchfell, so dass dieses in der Ausdehnung eines Hand- 
tellers mit entfernt werden musste. Da der vordere Theil der Kapsel von 
zahlreichen, stark erweiterten Gefässen durchzogen war, die indess in die 
Geschwulst nicht hineingingen, war die Blutung im Beginn der Operation 
eine ziemlich bedeutende, später kaum nennenswerth. 

Der Defect im Peritoneum wurde vernäht, die Hautwunde mit Ein- 
legung eines Drains geschlossen. 

Die Heilung ging ohne jegliche Störung vor sich, so dass die Patientin 
am 10. August als geheilt entlassen werden konnte. 

Durch die microscopische Untersuchung wurde die Diagnose betreffs 
der Qualität des Tumors bestätigt; es handelte sich um ein fasciales Fibrom. 
Das Gewicht betrug SVj Pfund. 



Aus der chirurgischen Klinik. 



Bericht über die chirurgische Kiiiiiii des Professor 
Dr. Bardeieben pro 1882. 



Von 
Stabsarzt Dr. Zivleke. 



In der Methode der Wundbehandlung Hess Herr Geheimrath Dr. Bar- 
deleben einige Modificationen eintreten, welche im Wesentlichen eine aus- 
gedehntere Anwendung des Quecksilberchlorids bezwecken; hierüber, sowie 
über die hinsichtlich der Wundinfectionskrankheiten geroachten Beobachtun- 
wird von Stabsarzt Dr. Alberti im Besonderen berichtet. 

Narben-Tetanas, Heilung. 

Eine 2 Ctm. lange, 0,5 Ctm. breite Narbe hatte ihren Silz in der Haut unterhalb 
der Unterlippe, in der Gegend des linken Foramen mentale, war mit dem Unterkiefer 
nicht verwachsen und nicht schmerzhaft; dieselbe stammte von einer Quetschwunde, 
welche die 39jährige Patientin dadurch erlitten haben wollte, dass sie 3 Wochen vor 
ihrer Aufnahme in die Klinik von einem Wagen überfahren und dabei von einem Rade 
an der Wange gestreift wurde; anderweitige Verletzungen hatte Pat. ihren Angaben zn 
Folge nicht erlitten; die Wunde war angeblich nach 8 Tagen geheilt. Wenige Tage 
später will Pat. ziehende „st rammende ** Schmerzen in den Schläfen verspürt haben, 
bald darnach wurde das Schlucken schmerzhaft, „ bei jedem Schluck schoss es der Pat. 
durch den Mund"; das Sprechen wurde erschwert, indem die Zunge an die Zähne an- 
stiess; während der drei letzten Tage vor der Aufnahme vermochte Pat. angeblich auch 
den Mund nicht zu öffnen, so dass sie mit den Händen den Unterkiefer herabzog, wenn 
sie sprechen oder etwas essen wollte, dabei musste sie sich auf flüssige Nahrung be- 
schränken; beim Einschlafen sollen öfter plötzlich zuckende Schmerzen aufgetreten sein, 
welche von den Schläfen aus durch das Gesicht schössen, dabei wurden die .Zahnreihen 



Bericht pro 1882. 367 

angeblich zusammengepresst und floss reichlioh Speichel aus dem Mande; während der 
letzten beiden Tage empfand Pat. angeblich auch Steifigkeit im Nacken. — Bei der 
Ankunft in der Klinik zeigte Pat. einen starren Qesichtsansdruck , Stirnhaut in quere 
Falten gelegt, Mund anscheinend in die Breite, Mundwinkel nach unten gezogen, Hals- 
und Nackenmuskeln fühlten sich hart an , insbesondere waren die Kopfnicker stark ge- 
spannt; durch Zug am Unterkiefer Hessen sich die Zahnreihen auf 0,4 Ctm. Ton ein- 
ander entfernen; Foetor ex ore; Pat. vermochte augenscheinlich nur sehr mühsam zu 
schlacken; die übrige Musculatur war intact, Pat. vermochte die Arme frei zu bewegen 
und unbehindert umherzugehen ; am Körper keine Wunde oder anderweitige Verletzung 
ausser der Eingangs beschriebenen Narbe, an den inneren Organen keine Abnormitäten 
nachweisbar; Körpertemperatur subnormal, 36,9, Pulsfrequenz bei wiederholter Palpa- 
tion gesteigert, bis 90 in der Minute. Bei zeitweilig auftretenden Hustenanfallen klagte 
Pat. über krampfhafte Zusammenschnürung der Brust; das Sprechen fiel der Pat. sicht- 
lich schwer; bei längerer Beobachtung sah man in unregelmässigen Intervallen Zuckun- 
gen der Gesichtsmuskeln auftreten, welche der Pat. augenscheinlich schmerzhaft waren, 
da sie bei jedem derartigen Anfalle nach dem Gesicht fasste. Bei dem Gebrauche von 
Ghloralhydrat allein, von welchem innerhalb der ersten 36 Stunden 10 Grm. in refracta 
dosi per os verabreicht wurden, trat keine Besserung ein; Pat. schlief in der Nacht 
ziemlich ruhig, im Uebrigen blieb der Zustand unverändert, das Sprechen schien sogar 
mühsamer zu sein; als dann täglich ein Klysma von 5 Grm. Ghloralhydrat mit 15 Tropfen 
Tinct. Opii angewandt wurde, war bereits nach 3 Tagen ein Weicherwerden der Nacken- 
musculatur zu constaliren, der Gesichtsausdruck weniger starr, nach weiteren 2 Tagen 
vermochte Pat. ohne Beschwerden zu schlucken und den Mund so weit zu öffnen, dass 
sie ein Stückchen Zwieback kauen konnte; gleichwohl währte es im Ganzen 11 Tage, 
ehe die Schmerzen beseitigt waren, erst nach 4 Wochen war alle Muskelsteifigkeit ge- 
schwanden. Während der ganzen Behandlungsdauer blieb die Temperatur subnormal, 
am Morgen und Abend zwischen 36,7 — 37,1 schwankend; die Pulsfrequenz bewegte 
sich zwischen 80 — 90. 

Heber einen Fall von geheiltem Trismus und einen weiteren Fall von Tetanus 
mit letalem Ausgange vergl. „Untere Extremitäten*. 



Verletzungen durch ätzende Stoffe. 

Verletzung durch Schwefelsäure, Anätzang der Luftwege, 

Tod nach 48 Standen. 

Dem 35jährigen Pat. war Abends 10 Uhr auf der Strasse von einer Person, 
welche auf ihn losstürzte, Vitriol aus einer Flasche in das Gesicht geschleudert worden; 
Pat. sank sofort vor Schmerz um. — Nach Ankunft in der Klinik, gegen Mitlernacht, 
brach Pat. wiederholt gelb-grünliche Massen aus, kein Blut; über Schmerzen in der 
Magengegend klagte er nicht, dagegen über brennende Schmerzen im Hals und im 
Kehlkopf, welche durch Druck auf denselben vermehrt wurden. Die Haut des Gesichts 
von der Stirn bis znm Hals war mit einem weiss-gelblichen Aetzschorf bedeckt, an der 
linken Ohrmuschel war die Cutis in einen schmierigen Brei umgewandelt, der äussere 
Gehörgang mit der gleichen Masse angefüllt; beide Corneae milchig getrübt; Nasen- 
und Hundschleimhaut in ihren vorderen Theilen angeätzt, die Zunge vornehmlich an 
den Rändern; auch an der Ulnarseite des linken Vorderarmes, der augenscheinlich zur 



368 Zwicke, 

Abwehr emporgehoben worden war, befanden sich klefne Aetaschorfe; Pols beschleanigt 
(100 — 110); Atbmang nnbehindert, an den Lungen aasser spärlichem feinblaaigem 
Hasseln nichts Abnormes nachweisbar; — Eispillen, Auswaschen der Augen, Atropin- 
Instiliationen, Eisumscbläge. — Auch im weiteren Verlaufe klagte Fat. fast aasschüess- 
Hch über Schmerzen im Halse; die Herzaction blieb beschleunigt; die Körpertemperatur 
betrug am Morgen 38,2. am Abend 37.6^ C. ; im Urin trat ziegelmehlrotbes Sediment 
auf, beim Kochen klärte sich der Urin vollständig, dann schied sich Albumen in unge- 
mein reichlicher Menge aus. Am zweiten Tage begann Fat. über Luftmaogel zu klagen. 
ohne dass an den Lungen ausser spärlichen Rasselgeräuschen krankhafte Veränderungen 
sich nachweisen Hessen; Athmungsfreqnenz 20 in der Minute; die Stimme klang heiser, 
das Sprechen war sichtlich schmerzhaft; die Zunge erheblich geschwollen; trotz Schling- 
beschwerden nahm Fat. flüssige Nahrung zu sich; Temperatur am Morgen 37,2; Puls- 
frequenz 108; bis zum Abend blieb der Zustand unverändert, als gegen 10 Uhr Fat. 
plötzlich sehr unruhig wurde , die Respirationsfrequenz stieg auf 28 in der Hinute, 
Fuls 140, klein; zusehends wurde die Athmung mühsamer, ohne dass Gyanose auftrat, 
allmälig stellte sich Tracheal rasseln ein. Trotz halbstündlicher subcutaner Injeetioneu 
von 3 — 4 Grm» Aether und 2 maliger Inject ion von 1 (jrm. Oleum camphoratum nahmen 
die Erscheinungen des Collaps zu, bis gegen 2 Uhr Morgens der Tod erfolgte. — Ulce- 
ration der Hornhaut war nicht aufgetreten. 

AnszQg aus dem gerichtlichen Obductionsprotocoll: 

Am Gesicht ist die Haut nur an wenigen Stellen in ihrer ganzen Dicke corrodirt; 
das Epithel der Lippen, des Mundes, des Rachens fehlt zum grossen Theil; wo solches 
vorhanden, ist es grasgrünlich, sehr leicht ablösbar; die Schleimhaut stark geröthet und 
geschwollen; nur an wenigen Stellen greift die Necrose in die oberflächlichen Schichten 
des bindegewebigen Theils der Mucosa. Croup des Larynz. Fartielle Aetzung 
der Schleimhaut der Trachea, und zwar die hintere Wand einnehmend; Aetzungen 
der Bronchien, zum Theil über die ganze Innenfläche und durch die ganze Wand 
sich erstreckend, zum Theil auf einen Abschnitt der Schleimhaut beschränkt. Multiple 
fibrinöse Fneumonien, namentlich in den unteren Lappen, Fieuritis sicca partialis 
multiplex, Myocarditis parenchymatosa recens. — Oesophagus intact; Magen zeigt 
nur an der Fortio pylorica Spuren der Schwefelsäure-Einwirkung, hier 
eine th al er grosse , hämorrhagisch infiltrirle Fartie der Mucosa, deren Oberfläche Sub- 
stanzverluste aufweist. Enteritis catanhalis chronica. Nephritis parenchymatosa 
duplex recens; Leber, Milz und Organe der Schädelhöhle ohne Abweichungen. 



Verletzung durch gebrannten Kalk, auf die Haut des Fussrückens be- 
schränkt; Reinigung der Wundfläche, prolongirte Fnssbäder Verband mit Bor- Vaseline, 
nach 6 Wochen Vernarbung; Behinderung beim Gehen. 

Verbrennungen. 21 Fälle. 

Die Verbrennungen — hervorgebracht durch Einwirkung von Flammen 
5 Mal, von kochendem Wasser 6 Mal, Wasserdampf 2 Mal, erhitzter Maische 
1 Mal, von brennendem Petroleum 4 Mal und von glühendem Metall 3 Mal, 
— hatten in allen Fällen Blasenbildung, in einzelnen Necrose der Haut in 
ihrer ganzen Dicke bewirkt. Die oberen Extremitäten waren, wie im ver- 
gangenen Jahre, zumeist betroflfen, dann die unteren Extremitäten, dann 
Kopf und Rumpf, fast in der Hälfte der Fälle mehrere Körpertheile zu- 



Bericht pro 188^. 369 

gleich. In zwei Fällen von ausgedehnter Verbrennung wurden in den ersten 
Tagen subnonnale Temperaturen, 36,3 — 35,8 ®C., beobachtet, beide endeten 
tödtlich; meist erfuhr die Körpertemperatur während der ersten 6 Tage 
eine Steigerung, welche selbst in zwei Fällen von Verbrennung des Fuss- 
rückens allein, trotz antiseptischer Behandlung, 38,9—39,8** C. erreichten. 
In frischen Fällen wurde eine 2proc. Silber- Nitratlösung aufgetragen; zu 
den Verbänden wurde Bor -Vaseline (4 — lOproc.) und Watte benutzt; am 
Tage wurden prolongirte Bäder mit Thymolzusatz (V5 — V3 p. M.) in Ge- 
brauch gezogen. 

1) 18 jähriges männliches Indi?idaum. — Verbrennung I. and IL Grades über den 
grossten Theil des Rückens durch kochendes Wasser; Febris continua während der 
ersten 4 Tage, Temp. 38,0— 39,2 <» C; Puls 110. — Täglich zweimaliger Verband- 
wechsel; Thymolvollbäder. — Nach 14 Tagen zum grossten Theil ?ernarbt. 

2) 41 jähriger Arbeiter; Verbrennung darch Wasserdampf; an beiden Füssen, 
dem linken Bein und linken Arm ausgedehnte Brandblasen und Hautnecrose; am 3. bis 
5. Tage Abendtemperataren bis 38,9 ^ C. — Heilung nach 14 Tagen. 

Als Complication traten auf: 1) Delirium tremens bei einer 
27 jährigen Frau am 3. Tage nach Verbrennung 2. Grades am Hals 'und 
Oberarm; 2) Ileotyphus bei einem 32jährigen Manne in der zweiten 
Woche nach Verbrennung 2. und 3. Grades an einem Unterschenkel und 
beiden Hunden; die typhösen Erscheinungen währten 9 Tage; dann blieb 
Pat. fieberfrei. 

Vier Fälle endeten letal. 

1} IV4 jähriges atrophisches Kind, angeblich an Krämpfen leidend; mehrfache 
Blutanterlaofangen an Kopf und Rumpf; Verbrennung 2. Grades durch kochendes 
Wasser an beiden Füssen bis zur Mitte der Unterschenkel. — Bepinselang mit 2procent. 
Argent. nitric.-Losung. — Am 3. Tage unstillbare Durchfalle; am folgenden Tage Tod 
durch Erschöpfung. 

2) 35 jähriger Arbeiter; Fall in einen mit erhitzter Maische gefüllten Bottich, 
sogleich mit ßrandliniment behandelt. Bei der Aufnahme am 4. Tage nach der Ver- 
letzung bestanden ausgedehnte Brandblasen und Hautnecrose am linken Bein» am Unter- 
leih , an den Genitalien , am unteren Theil des Rückens und am linken Arm bis hinauf 
zur Schalter; sehr heftige Schmerzen; Abendtemperatar 38,7^ C; Pols sehr klein, 
94; keine Albuminurie. An den folgenden drei Tagen war die Körpertemperatur am 
Morgen normal, 37,2—37,5, am Abend 38,4—38,9; Thymolbäder; reichliche Schweiss- 
secretion ; trotz Morphium hielten die Schmerzen in hohem Maasse an ; der Puls wurde 
stetig schwächer, 117. Am 7. Tage trotz Aetherinjectionen Tod an Herz- 
lähmung. 

3) 29jährige Schneiderin; durch eine glühende Kohle war das Kleid in Flammen 
gerathen ; an beiden Unterschenkeln bis zum Knie , am Gesäss und an der linken Hand 
Brandblasen und Hautnecrose; Pat. wurde in äusserstem Schwächezustande aufge- 
nommen, welcher wiederholte Aetherinjectionen, die Anwendung von Wärmflaschen und 
Wein erforderte; während der ersten 4 Tage schwankte die Körperwärme 

Chmrit^-Annalen. IX. Jahrg. 24 



870 Zwiokd, 

zwischen 36,3 — 36,5^0.; der Pols war kaam fühlbar, 110—140; anhaltendes 
Erbrechen; heftige Schmerzen, grosse Unruhe; — prolongirte warme Vollbäder. Am 

5. Tage stieg die Körpertemperatur am Morgen auf 37,1 und erreichte am Abend 38,3; 
Puls 120; das subjecti?e Befinden besserte sich, das Erbrechen wurde seltener; am 

6. und 7. Tage Temp. 38,3 — 39,0. Am 8. Tage trat von Neuem heftiges Erbrechen 
auf, am 9. Tage stellten sich plötzlich Athemnoth und Krämpfe ein, Orthopnoe, Tod 
nach 10 Minuten, vermuthlich durch Lungenembolie. 

4) 44jährige Zeitungsbotenfrau, welche nach ihrer eigenen Angabe in selbst- 
mörderischer Absicht sich mit Petroleum begossen und d^selbe angezündet hatte, „weil 
es mit ihr Kopfe nicht richtig sei". Beide Vorderarme und Hände^ der ganze Hals und 
der grösste Theil des Gesichts waren mit Brandblasen bedeclct, an der linken Hand tief- 
gehende Necrose der Weichtheile; Körpertemperatur 35,8 "C. — Prolongirte warme 
Thymol Vollbäder; troiz der grössten Vorsicht bei der Lagerung bildete sich Decubitus 
am Kreuzbein und an den Schultern; während die Körpertemperatur normal blieb und 
die Eiterung eine massige war, traten in der 4. Woche Durchfalle auf, der Kräftezustand 
nahm sichtlich ab, die Körperwärme sank auf 36,4 — 35,9; Tod am 44. Tage nach 
der Verletzung an Entkräftung. — Die Section wurde leider in keinem dieser 
Fälle zugelassen. 

Frostgangraen; Septico-Pyaemie. 

* Bei dem 46jährigen Pat., einem Tagelöhner, fanden sich bei der Aufnahme in die 
Klinik: feuchte Gangrän der Zehen des linken Fusses, eine Geschwürsfläche mit 
schmutzig-grauem Belag am linken Hallux und auf dem rechten Fussrücken, abscedirende 
Phlegmone am rechten Daumenballen und am linken Handrücken. Körpertemperatur 
38,7 C, Pulsfrequenz bis 100 i. d. M. beschleunigt; Singultus, subjectives Befinden 
relativ gut. Seinen Angaben zufolge hatte Pat. längere Zeit vor seiner Aufnahme, Anfang 
Februar, mit nassen Stiefeln gearbeitet und seit 4 Tagen eine blaue Verfärbung und 
Anschwellung der Zehen am linken Fusse und schmerzhafte Anschwellung am linken 
Handgelenk bemerkt. — Nach Exartioulation der brandigen Zehen, mehrfachen Incisionen 
in die phlegmonösen Gewebe, wobei am linken Handrücken etwa 100 Ctm. Eiter ent- 
leert wurden, Desinfection mit 5procent. Carbolsäurelösung — stieg die Temperatur am 
ersten Abend zwar nicht über 37,9^ C. , erreichte jedoch schon am nächsten Morgen 
wieder 38,5 und blieb von jetzt ab febril, nur am 2. Tage trat gleichzeitig mit inten- 
siver Carbolurie vorübergeiiend am Morgen ein Abfall auf 36,7^0. ein; die Puls- 
frequenz blieb ununterbrochen bis auf 100 — 110 gesteigert; Singultus bestand fort, 
trotz Eispillen und Tinct. Opii spl. — ; dabei war Pat. zunächst frei von Beschwerden, 
die Heilung der Operationswunde am linken Fuss nahm ungestörten Fortgang, am 
8. Tage war Vernarbung per primam erfolgt^ auch der phlegmonöse Process am linken 
Handrücken und am rechten Daumenballen machte vorerst keine Fortschritte. Indess 
nach wenigen Tagen bildete sich am linken Ellen bogen gelenk ödematöse Schwellung 
sowie auf dem rechten Fussrücken von der Geschwürsfläche ausgehende diffuse Phleg> 
mone; am 6. Tage Kachmittags Horripilationen , kein Schüttelfrost, Temperatnrsteige- 
rung bis 39,3® C, in der Folgezeit Status gastricus, am rechten Fussrücken reichliche 
übelriechende Secretion. trotz prolongirter Tbymolbäder; am 11. Tage Icterus, Druck- 
empfindlichkeit in der Lebergegend, abendliche Temperaturerhöhung bis 40,0^0.; 
allgemeines Schwächegefühl; am 12. Tage mehrmaliges Erbrechen, Sedes inscii, am 
folgenden Tage Benommenheit des Sensorium, Temperatur 41,8 ^G., Pulsfrequenz 
110 — 132. in der Nacht Tod. Inzwischen war am linken Handgelenk die Kapsel ge- 



äericlit pro 188^. 371 

öffnet, die untere Epiphyse der Ulna blosgelegt; am rechten Fassracken lagen Sehnen 
and Periost frei zu Tage; die Secretion war während der letzten Tage auffällig gering, 
die Wandflächen fast trocken. Die Verbände bestanden aus Bruns^schen (carbo- 
lisirten) Compressen. Sectionsbefand: Endocarditis ulcerosa aortioa, Semi- 
lanarklappen des linken Ventrikels vielfach zerrissen, ans flottirenden Fetzen bestehend, 
an der äusseren Klappe ein erbsengrosses Aneurysma; Infarctus pulmonis dextri, 
Plearitis partialts fibrinosa; Infarctus lienis, Milz stark vergrössert, 18, 12 und 
8 Ctm.^ Palpa zum grössten Theil eingenommen von einem im Centrum erweichten 
Inf&rct, Perisplenitis partialis fibrinosa. In der linken Niere fanden sich mehrere, bfs 
haselnossgrosse, an der Peripherie eitrige In farcte, während die rechte Niere anver- 
ändert war. Hepatitis parenchymatosa; Pachymeningitis partialis pseudomem- 
branacea, Hydrops yentriculorum cerebri, Arachnitis purulenta haemorthagica, 
Pia an der Conrexität getrübt, salzig infiltrirt, an einzelnen Stellen gelblich verfärbt, 
Arachnoidea über dem Wurm des Kleinhirns eitrig infiltrirt; an der Basis haemorrha- 
gische Infiltration der Pia ohne Betheiligung des Gehirns. — (Erbsengrosser Phlebolith 
in einer paravesicalen Vene.) 



!• ICopf und Ohi*. 

A. TerletiangeiL 

Abgebrochene Messerspitze in der Schädelbasis; Extraction 

nach 9 Monaten. 

22 jähriger Bäckergeselle, angeblich am 17. August 1881 mit einem Taschen- 
messer in das linke Auge gestochen, am folgenden Tage in einer Augenklinik Enucleatio 
bolbi , nach 2 '/s Monaten Vernarbung. Bald darnach soll am linken inneren Angen- 
Winkel Eiterung aufgetreten sein, welche bislang andauerte; auch will Pat. seitdem 
5 Mal von Krämpfen befallen worden sein. Bei der Untersuchung am 29. April 1882 
warde am 1. inneren Augenwinkel ein schwärzlicher, 1 Mm. weit hervorragender, quer- 
gestellter, metallischer Fremdkörper vorgefunden; nach Aussage des Pat. war die Ex- 
traction desselben vor 14 Tagen in einer anderen Klinik versucht worden. Hit einer 
Flachzange gelang es, den Fremdkörper herauszuziehen, welcher sich als das 6 Va Ctm. 
lange Endstück einer Messerklinge mittlerer Grösse erwies. Dieselbe war in transversaler 
Richtnng nach der Schädelbasis zu einwärts gedrungen. Nach 10 Tagen verliess Pat. 
bei vollkommenem Wohlbefinden das Krankenhaus. 

Wunden. 

Mit Ausschluss der Schussverletzungen kamen 35 Fälle von Kopf- 
wunden zur Behandlung, von welchen die Hälfte in der Scheitelgegend, die 
iibrigen fast gleich häufig an der Stirn und am Hinterhaupt sich befanden. 
In einem Viertel der Fälle waren 2 und mehr Wunden, bis zu 6, gleich- 
zeitig vorhanden. Die überwiegende Mehrzahl (27) waren Quetschwunden, 
die übrigen Hieb- (5) und Stichwunden; von den Quetschwunden waren 10 

24* 



372 Zwicke, 

durch Fall auf den Kopf verursacht, fast ausschliesslich in epileptischen 
Anfällen. Die Länge der Wunden schwankte zwischen 2 — 10 Centimeter; 
in 8 Fällen waren die gequetschten Wunden Lappenwunden, zum Theil mit 
zerrissenen Rändern; 3 Mal bestand Ablösung des Periost; in 5 Fallen war 
die Lamina externa oberflächlich beschädigt. — Zur Reinigung der Wunden 
wurde 5proc. Carbollösung oder 1 p.M. Sublimatlösung benutzt; in 21 Fällen 
konnten die Wundränder durch Nähte (Seide oder Catgut) vereinigt werden; 
in 9 Fällen wurden weniger als 5, in 6 Fällen mehr als 10 Nähte, in 
1 Falle, bei einem 5jährigen Knaben, 18 Nähte angelegt Arterielle Blu- 
tung erforderte 3 Mal die Ligatur. Kleinere Wunden wurden mit Jodoform- 
coUodium bestrichen; zu den Verbänden, welche stets den ganzen Kopf be- 
deckten, wurden trockene Sproc. Carbolcompressen benutzt. Die Wandhei- 
lung erfolgte in der grössten Mehrzahl der Fälle, darunter die Knochen- 
wunden, ohne Eiterung; Erysipelas capitis et faciei bullosum gesellte sich 
zu einer Quetschwunde mit zerrissenen Rändern und oberflächlicher Knochen- 
fissur; die Wunde war mit 5proc. Carbollösung gereinigt, eine Naht nicht 
angelegt; am 4. Tage 'nach der Verletzung, nachdem Tags vorher eine 
durchaus antiseptische Sondirung der Wunde vorgenommen worden war, 
trat die Rose hinzu, dauerte aber nur 4 Tage mit einem Temperatur- 
Maximum von 39,4® C. 

Quetschwunden der Ohrmuschel, 4 Fälle; in einem Falle war 
die obere Hälfte einer Ohrmuschel von der Kopfhaut abgerissen, zwei Mal 
war die Ohrmuschel in ihrer ganzen Dicke quer durchtrennt; nach Abtra- 
gung der gequeschten Ränder Vereinigung durch 5 — 7 tiefgreifende Nähte; 
Vernarbung unter geringer Eiterung. 



Brüche der Schädelknochen; 7 Fälle. 

Bruch der Schädelbasis. Heilung. 

2 5 jähriger Arbeiter R. S. Sturz aas 5 Meter Höbe. Fat. schlug mit dem Kopfe 
aaf eine steinerne Treppenstufe auf und blieb besinnungslos liegen ; Blatang aus Mand 
und Nase. Bei der Aufnahme am nächsten Tage Sensorium benommen, dauerndes Aus- 
sickern von Blut aus beiden Nasenlöchern, wiederholtes Erbrechen blutiger Massen; 
Blutbeale an der linken Stimhälfle, Blntanterlaufung an beiden Augenlidern links; 
Körpertemperatur 36,8 — 37,5^ C. , Puls 58. Eisblase auf den Kopf. Am folgenden 
Morgen dentliche Facialisparese links; Motilität und Sensibilität am übrigen Körper in- 
tact; Sensorium freier, Kopfschmerz; zeitweilig warf Fat. blutiges Sputum aus, „welches 
ihm im Munde zusammengelaufen war"; eine Verletzung in der Mund Rachenhöhle 
fand sich nicht. Während der nächsten Tage wurde der Kopfschmerz geringer, Erbrechen 
wiederholte sich nicht, die Facialisparese trat zurück. Die Schwellung der Augenlider 



Bericht pro 1882. 373 

nahm ab , und zeigte sich in der jetzt sichtbaren Conjanctiva bulbi beträchtliche Blut- 
unterlaafang; Sehstörungen nicht vorhanden. Nach 14 Tagen konnte Pat. das Bett ?er- 
lasseo. Die PalsfreqaeDZ blieb bis Ende der 3. Woche auf 56 — 72 herabgesetzt and 
unregelmässig. Die Temperatur schwankte während der ersten 8 Tage zwischen 36,6 
bis 37,3^0. Urin frei von fremden Bestandtheilen. Sieben Wochen nach der Ver- 
letzung yerliess Pat. das Krankenhaus bei vollständigem körperlichen Wohlbefinden. 
Seine geistige Fähigkeit fand er selbst etwas abgeschwächt. 

Bruch der Schädelbasis mit nachfolgender chronischer Hirn- 
erkrankung. 

Der 30jährige Arbeiter A. B. veranglackte am 21. Juni 1881 Abends, indem er 
bei einem Neubau sammt einer Leiter, auf der er stand, aus einer Höhe von drei Stock- 
werken herabfiel und mit der rechten Seite des Kopfes und Rumpfes aufschlug. Besin- 
nungslos wurde er zur nächsten Sanitätswache getragen, von da am andern Morgen zur 
Klinik. Gleich nach dem Fall soll sehr starkes Nasenbluten eingetreten sein. Als Pat. 
nach einigen Stunden aus der Bewusstlosigkeit erwachte , soll er sogleich über dumpfe 
Schmerzen im ganzen Kopfe geklagt haben. — Bei der Aufnahme war die Sprache 
zitternd und unsicher, Tremor der Zunge, des Unterkiefers und der Hände beim Aus- 
strecken; Ecchymose unter der Conjunctiva bulbi an der Aussenseite des linken Auges; 
Papillen eng, ohne merkliche Differenz. Radialpuls Yon mittlerer Spannung, 64, Resp. 
14, Temp. 37,6. — Pat. klagte über sehr heftige Schmerzen im Kopfe. Zeichen äusse- 
rer Verletzung bestanden nicht; im Laufe des Tages viermaliges Erbrechen blutiger 
Massen. Eisblase auf den Kopf. — Während der nächsten 8 Tage blieb der Zustand 
im Wesentlichen derselbe; wegen dreitägiger Stuhl Verstopfung erhielt Pat. Calomel 0,25, 
welches reichliche Ausleerungen bewirkte. Zu den andauernden Kopfschmerzen gesellte 
sich zeitweilig Seh windeige fühl. Das Erbrechen hörte am 6. und 7. Tage auf, wieder- 
holte sich indess am 8. Tage mehrere Male. Pat. wurde mürrisch; die Pupillen waren 
mittelweit, die linke enger als die rechte; während die Temperatur zwischen 36,5 bis 
36,3® C. schwankte, blieb die Pulsfrequenz auf 48 — 62 herabgesetzt, Resp. 16. Urin 
frei von fremden Bestandtheilen. Am 9. Tage nach der Verletzung bekam Pat. Nach- 
mittags im Zwischenräume von 2 Stunden Anfalle von heftigen Zuckuugen in der Magen- 
and Herzgegend; nach dem ersten Anfalle war das Sensorium benommen; Motilitäts- 
oder Sensibilitätsstörungen waren mit Sicherheit nicht festzustellen; nach dem zweiten 
Anfalle erfolgte mehrmaliges Erbrechen ; die linke Pupille blieb aber dauernd bedeutend 
enger, als die rechte; Puls 44 — 56, klein. — Während der nächsten Tage trat noch 
einmal Erbrechen auf, das Zittern der Zunge währte fort, Kopfschmerz und Schlaflosig- 
keil blieben unverändert; während die Pulsfrequenz 52 nicht überschritt, wurde die 
Respiration auf 18 — 28 in der Minute beschleunigt. Die Stuhlverstopfung wurde so 
hartnäckig, dass ausser Ol. Ricini auch Calomel mit Jalape und Eingiessungen ange- 
wandt werden mussten; trotzdem erfolgte nur zweimalige Entleerung. Vom 20. Tage 
ab liessen die Kopfschmerzen, das Zittern der Zunge und der Hände nach, die Pupillen 
wurden gleioh weit, die conJVinotivale Ecchymose war geschwunden, Pat. klagte über 
Benommenheit des Kopfes und Unsicherheit in den Bewegungen der Hände. Am 25. und 
26. Tage viermaliges Erbrechen, heftige Kopfschmerzen; am 28. Tage Nasenbluten; 
am 29. Tage Abends ein ähnlicher Anfall wie am 9. Tage; Pat. begann zu stöhnen, 
verlor das Bewusstsein, zitternde Bewegungen der rechten Extremitäten, linke Pupille 
nicht mehr so viel enger, als die rechte. Nach Rückkehr des Bewusstseins klagte Pat. 
über heftige Schmerzen in der linken Schläfengegend, Sprache unsicher, erneuter Tremor 
der Zunge und Hände. Am 34. Tage wiederholte sich ein gleicher Anfall. In dei Folge- 



374 Zwicke, 

zeit bildete sich ein periodischer Wechsel im Befinden des Kranken heraus. Nach Inter- 
vallen von 1 4 Tagen bis 3 Wochen, in welchen Fat. ausser KopCschmerzen von wechseln- 
der Intensität sich relativ wohl fühlte und allmälig ausser Bett sein konnte, stellte sieh 
unter Zunahme der Kopfschmerzen, Druckschmerz im linken Auge, Schwind elgefuhl und 
Zittern der Gliedern, sowie Erbrechen ein, welches taglich mehrere Male sich wieder- 
holte und anfanglich 4 — 6 Tage, später 2 — 3 Tage anhielt; die ophthalmoscopische 
Untersuchung ergab ein negatives Resultat; die Pulsfrequenz blieb 4 Monate lang her- 
abgesetzt auf 60 — 72, während die Körpertemperatur subnormal 36,6 — 36,9 ®C. 
verblieb. Als Fat. nach längerem Gebrauche von Jodkali 7 Monate nach der Verletzung 
das Krankenhaus verliess, war keine wesentliche Veränderung seines Befindens einge- 
treten; es bestand jedoch weder Pupillendifferenz, noch irgend eine anderweitige Stö- 
rung der Motilität oder Sensibilität. Bei der physikalischen Untersuchung der Brust- 
und Unterleibsorgane Hessen sich krankhafte Veränderungen nicht nachweisen. — Vor 
dem Anfalle war Fat. angeblich gesund. 

Bei zwei Patienten, welche nach einem Sturz aus beträchtlicher Höhe 
bewusstlos zur Klinik gebracht wurden und innerhalb der ersten 24 Stunden 
unter den Erscheinungen einer Fractur der Schädelbasis starben, fanden sich 
in der Scheitel beingegend 2—9 Ctm. lange Quetschwunden der Weichtheile 
mit umfangreichen Blutergüssen zwischen Kopfschwarte und Knochen, ohne 
dass eine Continuitätstrennung des Schädeldaches nachweisbar war; Obduc- 
tions-Berichte liegen nicht vor. 

Fractura orbitae sinistrae; PanOphthalmitis et Encephalitis 
apostematosa. 

Die 16jährige Patientin wurde Abends in so kraftlosem Zustande zur Klinik ge- 
bracht, dass sie sich kaum aufrecht halten konnte; sie klagte über Eingenommenheit 
des Kopfes; den Angaben zufolge war sie vor 5 Wochen (26. Augost) aus massiger 
Höhe mit dem Kopf auf einen Wagen aufgeschlagen; nach dem Falle soll anfanglich 
unbestimmter Kopfschmerz und Schwindelgefühl , bald darnach andauernder heftiger 
Schmerz im linken Auge unter schneller Abnahme des Seh?ermögens und Schlafsucht 
sich eingestellt haben. 

Bei der Untersuchung war eine äussere Kopfverletzung nicht nachweisbar; das 
linke obere Augenlid war in hohen Grade entzündlich geschwollen , der linke Augapfel 
im Zustande vorgeschrittener Panophthalmitis; zunächst wurde eine Bisblase auf den 
Kopf gelegt. Am folgenden Morgen lag Pat. in tiefem Sopor, reagirte in keiner Weise 
auf Fragen oder Nadelstiche , fast ununterbrochen traten Zuckungen der rechtsseitigen 
Gesichtsmuskeln und des Armes auf, während die unteren Extremitäten ruhig lagen; 
Pat. Hess Koth und Urin unter sich; Temp. 36,4^ C, Puls 64; im Laufe des Vor- 
mittags wurden die Extremitäten kühl, der Pols unregelmässig. Von einem operativen 
Eingrifif wurde Abstand genommen, da der Tod offenbar nahe bevorstand. Sie starb am 
nächsten Morgen unter den Erscheinungen eines Lungenödems. 

Bei der Autopsie fand sich der linke Augapfel völlig vei'eitert. Im linken Or- 
bitaldach bestand ein glattrandiger, für den Zeigefinger bequem durchgängiger Defect; 
am Rande desselben schien ein kleines Knochenblättchen angeheilt zu sein. Im linken 
Stirnlappen war eine geräumige, mit grünem Eiter gefüllte Abscesshöhle , ausgekleidet 
mit einer glatten, rothbraunen, 1 — 2 Mm. dicken Membran, welche sich etwas derber 



Bericht pro 1882. 375 

anfählie als die angrenzende Uirnsubstanz; in nächster Umgebung punktförmige Blut- 
ergüsse. Die linke Hemisphäre erschien ödematös, die Seitenventrikel waren mit klarer 
Flüssigkeit gefallt. In der Oeffnung zwischen Schädel- und Augenhöhle fanden sich Eiter, 
zertrümmerte Gehimsubstanz und Knochenpartikelcben. 

In einem anderen Falle musste es dahin gestellt bleiben, ob eine Prac- 
tur des rechten Orbitaldaches vorlag. Der 20jährige Patient war von 
einem 4 Meter hohen Geräst herabgestürzt; die oberen und unteren Augen- 
lider zeigten beiderseits starke Sugillationen, die Bulbi waren anscheinend 
unverletzt; über dem rechten oberen Augenhöhlenrande befand sich eine 
3 Ctm. lange, glatte Hautwunde; Temperatur und Respiration normal, Puls* 
frequenz auf 53 i. d. M. herabgesetzt; am folgenden Tage wurde vollstän- 
dige Amaurose des rechten Auges constatirt, die ophthalmoscopische Un- 
tersuchung ergab eine Netzhautablösung mit reichlicher Retinalblutung. Die 
Stirn wunde heilte nach Anlegung von 4 Nähten per primam, die Schwel- 
lung der Augenlider nahm ab, die Amaurose blieb unverändert; als Pat. 
nach 6 Tagen das Krankenhaus verliess, bestand Glaskörpertrübung. 

Stichverletzung des linken Auges, Durchbohrung des Or- 
bitaldaches, Heilung. 

Die Verletzung war mit einer Mistgabel geschehen. Der Erzählung zufolge stand 
Pat., ein 23jähriger Kutscher, neben einem Bekannten, welcher mit dem Stiel einer 
Mistgabel ein Pferd antreiben wollte. Das Pferd schlug mit einem Hinterfuss aus und 
traf die Mistgabel so, dass die Spitze einer Zinke in das linke Auge des Pat. gestossen 
wurde. Die Blutung war angeblich nicht erheblich, Ohnmacht oder Erbrechen trat nicht 
auf. Bei der Ankunft in der Klinik am Tage nach der Verletzung war Pat. bei Be- 
sinnung, klagte über heftige Kopfschmerzen, war unruhig und mürrisch, das Sensorium 
schien nicht intact. Das linke obere Augenlid war beträchtlich geschwollen, blutunter- 
laufen, in der Nähe des inneren Winkels befand sich eine I Ctm. lange, tief eindringende 
Wunde, Bulbus zwischen die Lider gedrängt, gleichfalls sugillirt, soweit er zu übersehen 
war. Jeder operative Eingriff wurde vom Pat. zurückgewiesen, daher nur antiseptiscbe 
Reinigung, kalte Umschläge, Abendtemperatur 38,5^0., Pulsfrequenz 96; in der Nacht 
ein Anfall von klonischen Zuckungen der Extremitäten, stertoröses Athmen. Nach 
Morphium ruhiger Schlaf. Am nächsten Morgen Temp. 38,4 ^C, Allgemeinzustand 
unverändert, Klagen über die heftigsten Kopfschmerzen , Wiederkehr der Krämpfe , Ver- 
lust des Bewusstseins, Schwellung des Auges gesteigert. 

Die Befürchtung einer Verletzung des Bulbus und des Orbitaldaches und die 
septischen Eigenschaften des verletzenden Instrumentes forderten dazu auf, das obere 
Augenlid durch Incisionen zu entspannen und durch Spaltung des äusseren Augenwinkels 
Einsicht über den Zustand des Bulbus zu gewinnen. Derselbe erschien durch Blutunter- 
laufung und Entzündung dergestalt verändert, dass mit seiner Entfernung nicht gezögert 
wurde, obwohl an seiner vorderen Fläche eine Wunde nicht vorhanden war. An der 
oberen Wand des enucleirten Bulbus fand sich jedoch eine schmale Streifwunde in den 
Augenhäuten. Am Orbitaldach schien in der Nähe des Foramen opticum eine Impression 
von grösserem Umfange zu bestehen. Um Qewissheit darüber zu erlangen , wurde vom 
Ofbitalrande her das Periost abgehoben und fand sich in der That im hinteren Theile 



376 Zwicke, 

des Orbitaldaches ein Defect, in welchem die Kappe eines Zeigefingers bequem Platz 
fand, die Ränder der Knochenwunde waren unregelmässig gezackt. Die Blutung bei 
den operativen Eingriffen war unbedeutend. Die Orbitalhöhle wurde sorgföUigst mit 
Iprocent. Sublimatlösung ausgespült, ein Drain bis in die Tiefe eingeführt und ein 
trockner Garbolverband angelegt. 

Unter diesen Umständen war eine Verletzung des linken Stirnlappens kaum zu 
bezweifeln. Offenbar hatte die Zinke der Mistgabel nach Durcbtrennung des oberen 
Augenlides den Bulbus gestreift, dieser war möglicherweise ausgewichen und durch seine 
Elasticität einer vollständigen Durchbohrung entgangen, dann war die Spitze der Zinke 
durch das Orbitaldach durchgedrungen. — Nach dem Erwachen aus der Narcose traten 
bei dem Pat. weder Erbrechen noch Krämpfe auf, dagegen kehrte das Bewusstsein 
zurück. Er klagte über Schmerzen im ganzen Kopfe. Pulsfrequenz 76 — 80, Athmnng 
20, Temp. 38,1 ^ C. Während der nächsten 4 Tage war Pat. abwechselnd sehr un- 
ruhig, dann wiederum einige Stunden somnolent, in der Folgezeit zeigte sich das Sen- 
sorium völlig intact, die Kopfschmerzen wurden täglich geringer, um nach 14 Tagen 
gänzlich aufzuhören. Pat. schlief ohne Narcotica. Während dieser Zeit wurde Pat. 
ein Mal, am 11. Tage nach dem operativen Eingriffe, Morgens früh Yon Krämpfen be- 
fallen, 5 Minuten lang bestanden klonische Zuckungen an den Extremitäten, Yomehmlich 
an den unteren. Pat. gab an, dass er dabei im linken Arm ein Gefühl des Eingeschlafen- 
seins verspürt habe, dann begann der Arm zu zucken, ohne dass er denselben halten 
konnte. Ob das Bewusstsein dabei erlosch, ist nicht mit Sicherheit constatirt. Die 
Pulsfrequenz, anfänglich unregelmässig und bis 64 i. d. M. gesunken, schwankte bis 
gegen Ende der 3. Woche zwischen 92—80 am Morgen, am Abend zwischen 124 — 100, 
dann verharrte dieselbe im Laufe des Tages zwischen 82 — 92. Die Körpertemperatur 
war nach dem operativen Eingriff des Morgens annähernd normal, bis zum 18. Tage 
indess des Abends dauernd gesteigert, öfters bis 39,5^0. Die Athmungsfrequenz Hess 
keine Irregularität erkennen, 16 — 20 i. d.M. — Die Vernarbung erfolgte unter geringer 
Secretion ohne Zwischenfall. Am 20. Tage nach der Verletzung war in der Tiefe der 
mit Granulationen ausgefüllten Augenhöhle noch Rauhigkeit am Orbitaldache mit der 
Sonde nachweisbar. Genau 4 Wochen nach dem operativen Eingriffe konnte jeder Ver- 
band weggelassen werden. Pat. verliess das Krankenhaus bei vollkommenem psychischen 
und somatischen Wohlbefinden. 

Schassverletzungen, 5 Fälle. 

In zwei Fällen handelte es sich um Gehirnschüsse durch die 
Stirn; beide Patienten wurden moribund zur Anstalt gebracht, der Tod 
erfolgte innerhalb 2 Stunden; bei beiden lag Selbstmord vor. 

1) Gehirnschuss durch die linke Hemisphäre. Eingangsöffnung links 
von der Glabella, an der Grenze des Haarwuchses, kreisrund, von 7 Mm. Durchmesser, 
Umgebung geschwärzt, mit Pulverkörnchen durchsetzt; nach abwärts zum oberen Augen- 
höhlenrand Haematom von der Grösse einer Billardkugel. Aus der Wunde quillt Gehirn- 
Substanz und Blut von arterieller Farbe hervor. — Antiseptischer Verband. — Puls 
unregelmässig, 88 — 120, Cheyne-Stokes'sches Respirationsphänomen ; beide Pupillen 
verengt, linke etwas weiter, reactionslos , Strabismus divergens, andauernde klonische 
Krämpfe, Reflexerregbarkeit völlig erloschen; Bewusstlosigkeit. 

Bei der Obduction fand sich ausser dem hämorrhagischen Infiltrat der Weich- 
theile in der Umgebung der Wunde ein zweiter handtellergrosser Blutergusa In der 



Bericht pro 1882, 377 

linken Schläfengegend, von jenem darch einen intaoten Abschnitt des Schläfen muskels 
getrennt; nach Entfernung der Weichtheile sah man eine Fissur in der linken Schläfen- 
schappe, welche sich bis in den grossen Keilbeinflügel and in das Scheitelbein verfolgen 
Hess. Beim Abheben des Schädeldaches entleerte sich flüssiges Blut aus dem Zwischen- 
raam zwischen der knöchernen Kapsel and Dura. Im Umkreise der Eingangsöflfnang 
war die Lamina interna in Markstückgrösse zersplittert; Splitter sassen in der Dura. 
Das Geschoss, eine cylindrische, in ihrer Form fast unveränderte Revol- 
verkagel lag dicht neben dem Torcular im linken Sinus trausversus, 
dessen Wandung darchgeschlagen war, frei beweglich; der Knochen war an der ent- 
sprechenden Stelle unverletzt.* Der Schusscanal verlief geradlinig durch die linke Hemi- 
sphäre von der Stirn bis zum medialen Abschnitte des Hinterhauptlappens , ausgefüllt 
mit Blut und zertrümmerter Hirnsubstanz; der linke Seiten Ventrikel war im Hinterhorn 
geöffnet, der äussere Abschnitt des Streifenhügels zertrümmert. Brust- und Bauchorgane 
ohne nennenswerthe Abweichungen. 

Der Bruch der linken Sohläfenschuppe war wohl durch einen Fall nach der That 
entstanden. 

2) Gehirnschuss durch beide Stirnlappen. EingangsöfFnung von 8 Mm. 
Grosse an der Auss^nseite der rechten Stirnhälfte, 1 V2 ^^^' i^ber dem oberen Augen- 
höhlenrand, Wundrand zerrissen; Wundfläche mit geronnenem Blut bedeckt; rechts Ex- 
ophthalmus; Pupillen reactionslos; Puls 66 — 72; Trachealrasseln; Bewusstlosigkeit. 

Obductionsbefund : Schädelknochen ungewöhnlich dünn, 9 Mm. weite Eingangs- 
öffnung am rechten Scheitelbeine, dicht an der Frontalnaht, an der entsprechenden 
Stelle links ausgedehnte Fractur des Os frontis und Os parietale, fast 
parallel der Sagiltalnaht bis zur Lambdanaht verlaufend. Oberhalb der Fractur Zer- 
reiSBung der Dura. Reichlicher Blutergnss zwischen Dura und Pia beiderseits. Der 
Schusscanal durchsetzte den rechten Stirnlappen und, etwas nach der Convexität anstei- 
gend, den linken; Himsubstanz in weitem Umkreise zertrümmert. Die Kugel lag 2 Ctm. 
vom äusseren Rande des linken Stirnlappens entfernt; der übrige Theil des Schusscanals 
war durch ein mit zahlreichen Knochenpartikelchen vermengtes Blutgerinnsel ausgefüllt. 

Gehirnschuss durch beide Schläfenlappen. 

In der Mitte der rechten Schläfengegend über dem Jochbogen linsengrosse Ein- 
gangsöffnung mit verkohlten glatten Rändern, aus welcher wenige Tropfen Blut l^er vor- 
quollen ; in der Umgebung der Wunde Bluterguss. Die vorsichtig eingeführte Sonde 
traf in 2 Ctm. Tiefe auf Widerstand. — Patient war vollkommen besinnungslos. Jac- 
tationen, laute Delirien. Vorwiegend bewegte er die linke obere und untere Extremität, 
während die rechten Extremitäten paretisch und merklich kühler erschienen; bei Haut- 
reizen auch auf der rechten Seite reagirten die linken Extremitäten; Pupillendifferenz zu 
Gunsten der rechten Seite, Reaction auf Lichtreiz; Facialisparese nicht sicher erkennbar. 
Keine Blutung aus Mund, Nase oder Ohr. Pulsfrequenz unregelmässig, 72; Athmung 
regelmässig, T. 37.1 ^ C. — In den nächsten 40 Stunden bis zum letalen Ausgange 
traten klonische Krämpfe der rechten Körperhälfte auf, Zuckungen in der rechten Ge- 
siohtshälfte , bald darnach rechtsseitige Facialisparese, Paralyse des rechten Armes, 
Sedes inscii. Die Pulsfrequenz hob sich bis zu 200, während die Körpertemperatur, 
allmälig ansteigend, kurz vor dem Tode 39,8^ C. erreichte. 

Eine vollständige Obduction warde nicht zugelassen, nur die Eröffnung des Schä- 
dels gestattet. Im linken Schläfenlappen lag eine 5 Mm. starke Kugel, der Schusscanal 
verlief darch den rechten Schläfenlappen dicht über dem 3. Ventrikel, durch beide 
Seitenventrike] bis in den linken Schläfenlappen. 



378 Zwicke, 

Sctiusswunde in der rechten Schläfe, Fractur des Orbital- 
daches, Retention der Kugfei, Heilung. 

37 jähriger Kaufmann. Coramen suicidii. Eingangsöffauug von 0,75 Ctm. Durch- 
messer im oberen vorderen Theil der rechten Schläfengrube, Wundrändsr glatt, Umge- 
bung blutunterlaufen, eine Conlinuitätstrennung der knöchernen Unterlage nicht nach- 
zuweisen; rechter Bulbus protundirt, Sugillationen der Augenlider und Conjunctiva 
bulbi; bei Betastung des Auges gab Pat. Schmerzen säusserungen zu erkennen und 
wurde sehr unruhtg; linkes Auge intact, Pupillen reaction normal; Lähmungen nicht 
nachweisbar; Sensorium anscheinend benomnren, bei den«diagnostischen Manipulationen 
am ersten Tage, bald nach der Verletzung, machte Pat. mehrere Male die Bemerkung: 
„Lassen Sie mich doch, Herr Doctor'^ , an den nächsten Tagen aber sprach er nicht, 
sondern machte sich durch Geberden verständlich; Athmung regelmässig, 18 in der Mi- 
nute, Pulsfrequenz am Morgen und Abend zwischen 68 — 88 schwankend, Temperatur 
am Abend auf 38,0 ^ G. erhöht. Innerhalb der ersten 3 Tage bildete sich rechterseits 
PanOphthalmitis aus, während an den linken Augenlidern gleichfalls Sugillationen auf- 
traten; am Abend des 3. Tages stieg die Temperatur auf 40,2^ C, während die Puls- 
frequenz 64 sank. Bei der am folgenden Morgen vorgenommenen Enucleatio bulbi fand 
sich eine Zertrümmerung der Orbital wand, namentlich des oberen Theils, 3 losgelöste 
Knochensplitter wurden extrahirt, Gehirnsubstanz kam nicht zum Vorschein; durch eine 
Lücke in der inneren Orbitalwand liess sich eine Nelaton'sche Kugelsonde in der Rich- 
tung nach dem linken Oberkiefer vorschieben, hier fand sich ein Widerstand, anschei- 
nend das Geschoss; Extractionsversuche mit einer Kugelzange blieben erfolglos; nach 
dem Erwachen aus der NarcQse war Pat. sehr unruhig, am Abend stieg die Temperatur 
auf 39,8^ C, die Pulsfrequenz auf 120. Vom nächsten Tage ab blieb Pat. fieberlrei, 
Irregularitäten der Athmung und Herzaction stellten sich nicht ein, nach 2 Tagen gab 
Pat. vollkommen vernünftige Antworten, an der Eingangsöffnung entwickelte sich eine 
geringe Eiterung; nach 4 Wochen war der Stumpf in der Orbita ohne Zwischenfall ver- 
narbt; Pat. klagte jedoch dauernd über sehr heftige Kopfschmerzen; als dieselben nach 
4 Wochen anfingen sich zu mildern, wurde von Neuem unruhiges Wesen und öfteres 
Irrereden bei dem Pat. auffällig, so dass behufs Beobachtung seines psychischen Zu- 
standes die Verlegung zur Abtheilung für Geisteskranke geboten erschien ; hier wurde 
das Benehmen des Pat. alsbald wieder ruhig, eine psychische Störung schien nach vier- 
wöchentlicher Beobachtung ausgeschlossen; 10 Wochen nach der Verletzung schied Pat. 
bei vollkommenem Wohlbefinden aus der Behandlung. 



Contourschass (Conamen suicidii); die Eingangsöffnung befand sich 
auf dem rechten Tuber frontale, die 9 Mm. -Revolverkugel war unter der 
der Galea 5 Ctm. weit vorgedrungen; Excision. Knochen unverletzt; keine 
Cerebralsymptome; Heilung ohne Zwischenfall 

Ueber einen weiteren Fall von Schädel -Schuss Verletzung vergl. Verwundungen 
am Halse. 

B. Entztiidiuigen. 

Erysipelas traumaticum capitis et faciei, von einer eiternden 
Weichtheilwunde am Hinterkopf ausgehend; das Erysipel hielt 7 Tage an 



Bericht pro 1882. 379 

mit initialem Temperatar-Maximum von 39,4 ^ G. and dehnte sich über das 
gesicht aus; nach 11 Tagen Recidiv, auf die rechte Gesichtshälfte be- 
schränkt, 4 Tage anhaltend, T. 38,3. 

Septische Fhlegnaone, ausgehend von einer 6 Ctm. langen, ge- 
quetschten Lappenwunde oberhalb des Hinterhauptshöckers. 

Der 58jäbrigd Fat. hatte die Verlelzang angeblich durch Fall auf das Trittbrett 
eines Omnibus erlitten; die Wunde soll yon einem Barbier gereinigt, genäht und bereits 
nach 5 Tagen scheinbar vernarbt gewesen sein, als sie von selbst wieder aufbrach und 
stinkender Eiter hervorquoll; gleichzeitig will Fat. Kopfschmerzen und Uebelkeit em- 
pfunden haben; Abusus spirit. wurde in Abrede gestellt. Bei der Aufnahme — 12 Tage 
nach der Verletzung — war die Kopfschwarte am Hinterhaupt in eine Eitertasche ver- 
wandelt, im Bereich der Weichtheiiwunde bestand oberflächliche Necrose des Knochens; 
Augenlider ödematös; Sensorium benommen, Jactationen, Zunge trocken, braun belegt, 
Puls klein, 116; Temp. 38,3^ C. am Morgen; 6 Incisionen, Ausspülung zunächst mit 
5 procentiger Carbolsaurelösung, dann auch noch mit 1 pro mille Sublimatlösung, Drai- 
nage und Verbände mit feuchten Sublimatcompressen genügten nicht, einen aseptischen 
Zustand zu erzielen; die Phlegmone wanderte über den Scheitel bis zur Stirn; schliess- 
lich war das Schädeldach in grösstem Umfange blossgelegt, nur über dem rechten 
Scheitelbeine adhärirten die Weichtheile am Knochen. Am 2. Tage Somnolenz, zeit- 
weilig unterbrochen von lauten Delirien; im Urin Eiweiss in geringer Menge; vom 
4. Tage ab stieg die Pulsfrequenz bis 124 und darüber, während die Körpertemperatur, 
am Morgen subnormal, 36.2 — 37,3, am Abend 38,4^0. nicht überschritt; Sedes inscii; 
am 8. Tage Tod unter Lungenödem. — Section verweigert. 

C. HenbildniigeiL 

Cholesteatoroa proc. mastoidei dextri, Caries ossis petrosi 
et squamae occipitalis, Arachnitis basilaris ichorosa, Throm- 
bosis sin. transversi, Encephalitis apostematosa cerebelli. 

Die 26 jährige Patientin hatte angeblich schon vor 2 Jahren (1880) an einer 
Entzündung des rechten Ohres mit eitrigem Ausfluss gelitten; 3 Wochen vor der Auf- 
nahme will sie von Neuem von Ohrschmerzen und eitrigem Ohrfluss befallen worden 
sein ; unter Fiebererscheinungen nahm die Schmerzhaftigkeit stetig zu. Bei der Auf- 
nahme fand sich ein phlegmonöser Abscess, welcher sich von der rechten Ohrmuschel 
über den Warzen fortsatz bis zum Hinterhaupt ausdehnte; starke Benommenheit des 
Sensoriums, T. 39,2 ^^ C, Puls klein, 132 i. d. M. — Nach Incision des Abscesses 
entleerte sich reichlich jauchiger, äusserst übelriechender Eiter; die Oberfläche des 
Proc. mast. , der Pars squamosa und des angrenzenden Occiput war rauh, der unter- 
suchende Pinger gelangte nach vorn bis zum Kiefergelenk, nach rückwärts bis zum 
Hinterhauptshöcker; eine tiefer gehende Caries des Warzen fortsatzes Hess sich nicht 
nachweisen. Perforation des Trommelfells war nicht sichtbar; Meatus andit. externus 
frei; — Gegenöffnung, Ausspülung mit 5procent. Garbol- und Iprocent. Sublimat- 
lösung; Carbol verband. Am folgenden Morgen klagte Pat. über Stiche in der Brust; 
die physikalische Untersuchung ergab eine rechtsseitige Pleuritis. Trotz wiederholter 
Ausspülungen mit obengenannten Wundwässern und täglichem Verbandwechsel behielt 



380 Zwicke, 

der Eiter seine jauchige Beschaflfenheit; das AUgemeinbefioden verschlechterte sich, laute 
Delirien, Coma, Sedes inscii, T. 40,2—39,6; PulsfrequeuÄ 132; Tod am 4. Tage. 

Obdactionsbefund : Ein grosser Theil der äusseren Fläche der Hinterhautsschuppe 
necrotisch; das rechte Felsenbein im Bereich des Sinus petrosus zerstört, übelriechende 
Jauche enthaltend; von der Durchbruchsstelle aus gelangt man in eine weissliche, 
schmierige Masse, welche in dem Warzenfortsatz gelegen ist und daselbst eine Höhle 
von 2 Ctm. Länge, 1,5 Ctm. Tiefe und gleicher Breite einnimmt; jene Hasse lässt sich 
als ein Ganzes aus der Höhle herausheben und wird microscopisch als Cholesteatom 
(Perlgeschwulst) erkannt; die Höhlenwandung ist von einer zarten, glatten, fein vascula- 
risirten Membran ausgekleidet. Eine Communication der Höhle mit dem äusseren Gehör- 
gang ist nicht erkennbar, wohl aber besteht eine Communication zwischen den äusseren 
jauchig infiltrirten Weichtheilen und der cariösen Stelle des Felsenbeins, so dass eine 
Sonde von aussen unmittelbar in die hintere Schädelgrube gelangt; Pia mater an der 
Convexität und Basis schmutzig grau-gelblich gefärbt, Gefasse stark gefüllt; die Gegend 
des Infundibulum eitrig infiltrit; Kleinhirn von einer beträchtlichen Eiterschicht über- 
zogen, an der Peripherie der rechten Kleinhirnhemisphäre im Bereiche des Sinus trans- 
versus ein kirschgrosser Jaucheherd , aus einer gelblich-grünen puriformen Masse be- 
stehend; der rechte Sinus transversus mit puriformer Thrombusmasse gefüllt; die Ober- 
fläche beider mittlerer Schädelgruben mit einer dicken Schicht jauchigen Eiters bedeckt; 
Dura ungewöhnlich leicht abziehbar. — Pleuritis fibrlnosa purulenta dextra. 

Carcinom des äusseren Gehörganges und der Schädelbasis; 
Bell'sche Lähmang; halbseitige Giottislähmung. 

32 jähriger, schlecht genährter Arbeiter, angeblich seit mehreren Jahren an 
eitrigem Ausflüsse aus dem rechten Ohre leidend; seit 8 Wochen schmerzhafte An- 
schwellung hinter dem rechten Ohre, seit 14 Tagen Heiserkeit; Brustbeschwerden be- 
standen nicht. 

Der rechte äussere Gehörgang war mit übelriechendem Eiter gefüllt und durch 
entzündliche Schwellung so verengt, dass die Einführung eines Ohrtrichters unmöglich 
war; hinter dem rechten Ohre bestand eine pralle Infiltration der Weichtheile bis zum 
Unterkieferwinkel herab, über dem Warzen fortsatz Röthnng der Haut und Fluctuation; 
die Kopfknochenleitung war rechterseits aufgehoben; ausserdem waren Erscheinungen 
einer mimischen Lähmung der rechten Gesichtshälfte vorhanden: Lagophthalmus. 
Schiefstellung des Mundes, Deviation der Zunge; beim Schlucken gelangte ein Theil 
des Bissens in die Nasenhöhle; die Geschmacksempfindung der rechten Zungenhälfte 
für saure, süsse und bittere Stofife war aufgehoben; die Sensibilität des weichen Gau- 
mens and der Rachenwandung so abgeschwächt, dass bei der laryngoscopisohen Unter- 
suchung nicht die geringste Würgebewegung auftrat. Der Kehldeckel erschien stark 
geröthet, das rechte Stimmband bei Intonation unbeweglich. 

Eine Incision über dem Proc. mastoid. entleerte jauchigen Eiter; der Knochen 
erschien necrotisch; nach Abtragung der erkrankten Theile mit dem Meisel drang eine 
dickere Sonde durch den Rest des Warzenfortsatzes ohne Hinderniss in den äusseren 
Gehörgang. 

Im Anschluss an den operativen Eingriff erfolgte jauchiger Zerfall der infiltrirten 
Weichtheile und des Knochens, welche trotz Anwendung von öprocent. Carbollösung 
und Jodoform unaufhaltsam von der Wunde um sich griff unter steter Steigerung der 
Schmerzen; nach 10 Wochen starb Pat. an Erschöpfung; die Körpertemperatur war 
während der letzten Tage auf 36,6 — 36,0 herabgesunken, bis dahin normal gewesen; 



ßericlit pro 1 882. 381 

die Palsfreqnen« schwankte zwischen 60 — 104. Der Urin war frei ton fremden Be- 
standtheilen. 

Bei der Section fand sich ein zum grossen Theil verjauchtes Epithelialcarcinom, 
welches vom äusseren Gehörgang aus nach dem Proc. mastoid. zu und nach dem Halse 
herab gewuchert war; der äussere Gehörgang war durch verjauchte Geschwulstmassen 
zerstört; im Bereich der rechten mittleren Schädelgrube waren Knochen und Dura- 
Ueberzng gleichfalls krebsig entartet; die Hirnhäute waren an der entsprechenden Stelle 
nnrerändert geblieben; Clivus Blumenbachii derart erweicht, dass er mit dem Messer 
durchschnitten werden kann. Gehirn ödematös; in den Hirn höhlen hjdrocephalischer 
Ergass. — Bronchitis chronica et Bronchopneumonia catarrhalis. 



II« Oesicbt, IVasen- iind Afundliölile« 

i. Wunden. 

Unter 9 Fällen von Verwundungen des Gesichts waren, wie im Berichts- 
jahre 1881 , der Zahl nach überwiegend Quetschwunden ara Supraorbital- 
rande (6); in einem dieser Fälle bestand eine Absplitterang des Knochens 
im Zusammenhang mit dem Weichtheillappen, die Heilung erfolgte unter 
geringer Eiterung; in der Mehrzahl der Fälle konnte die Naht angewandt 
werden; zur Bedeckung der vereinigten Wundflächen wurde (10 proc.) Jodo- 
formcoUodium angewandt. — Als Complication trat Delirium tremens auf 
bei einem Patienten mit einer Stichwunde am oberen Angenlide. 

B. KnoGhenbrUche. 

a) Qaerbruch beider Nasenbeine, 3 Fälle; 2 waren angeblich 
durch Fall, 1 durch Faustschlag verursacht; trotz bedeutender Sugillation 
war Crepitation und abnorme Beweglichkeit zu constatiren; in einem Falle 
setzte sich die Fractur bis auf die Nasenfortsätzte der Oberkiefer fort, in 
ausgiebigem Maasse konnten beide Nasenbeine nach der Stirn zu und seit- 
lich verschoben werden; beiderseits waren die Augenlider, Schläfen- und 
Wangengegend sugillirt. Die Heilung erfolgte ohne Dislocation in 14 Tagen. 

b) Bruch des Oberkiefers. Der Bruch betraf den Körper des rech- 
ten Oberkiefers und war angeblich dadurch entstanden, dass beim Fall von 
einem Wagen das Vorderrad über die rechte Gesichtshälfte ging. Starke 
Blutunterlaufung, vornehmlich am Auge; am unteren Augenhöhlenrand war 
Crepitation und Dislocation nachweisbar, das äussere Bruchstück stand er- 
beblich unter dem inneren; durch manuelle Coaptation konnte die Niveau- 
Differenz bis auf 3 Mm. ausgeglichen werden. Heilung ohne Zwischenfall. 



382 Zwicke, 

c) Complicirte Fractur des Unterkiefers, darch Hafschlag ent- 
standen; die Bruchlinie verlief fast vertical durch das Mittelstück des Un- 
terkiefers zwischen linkem äusserem Schneidezahn und Eckzahn; geringe 
Verschiebung des vorderen Bruchstückes nach unten; zugleich bestand eine 
Läsion des rechten Unterkiefergelenkes, welche sich durch Schmerzhaftig- 
keit und Schwellung der Weichtheile in den nächsten Tagen kundgab; 
abendliche Temperatursteigerung bis 38,3° C. — Geringe Eiterung an der 
Bruchstelle, Exfoliation eines kleinen Sequesters. Der antiseptische Ver- 
band genügte auch zur Retention. Mit Beginn der Consolidation nach drei 
Wochen verliess Pat. das Krankenhaus. 

C. Entitndiuigei. 

Carbunkel an der Oberlippe, 2 Fälle; ausgedehnte Infiltration; 
nach Ausführung mehrerer tiefer Incisionen liessen die heftigen Schmerzen 
nach; mehrfache necrotische Pfropfe in der Tiefe; kein Fieber. 

Syphilitische Verschwärangdes knöchernen Nasenrückens mit Fistalbildang; 
Besserung bei Gebrauch ron Jodkali; die völlige Heilung wurde nicht abgewartet. 

Hypertrophie der Mandeln, 3 Fälle; Tonsillotomie mit dem Blandin'scben 
Messer. Heilang ohne Zwischenfall. 

Parulides, 10 Fälle; Temperatursteigerangen bis 38,7^0. vor der Incision. 

Necrosis superficialis mandibnlae mit Pistelbildung an der Wange, 
3 Fälle; veranlasst durch cariöse Backzähne; Abtragung der necrotischen Tbeile; in 
einem Falle Erysipelas faciei buUosum von der Wunde am 8. Tage beginnend and 
11 Tage andauernd; Temperatur - Maximum 38,9 ^C; der Verband bestand aus 
lOprocent. Salioylwatte und 8procent. frisch bereiteten trockenen Garbolcompressen. 

Erysipelas, l)traumaticam faciei, augenscheinlich von einer kleinen Wunde 
am Nasenflügel ausgegangen; bei der Aufnahme war bereits das ganze Oesicht ergriffen; 
5 Tage vorher sollte die Rose begonnen haben; während der ersten 6 Tage Febris 
continua, 38,3 — 40,2° C, am 9. Tage Rückbildung mit Hinterlassung maltipler 
Zellgewebs-Abscesse an den Augenlidern, der Scheitelgegend, Wange und am 
Hals. — 2) — idiopathicum migrans mit tödtlichem Ausgange; bei der 
Aufnahme des Pat., eines 5G jährigen Arbeiters, war die Rose, welche bereits 5 Tage 
bestand, schon über das ganze Gesicht ausgedehnt; von hier wanderte dieselbe inner- 
halb 5 Tage über den Rücken, die Brust, den rechten Arm bis zur Hand und über den 
linken Oberarm; 4 Tage lang bestand Febris continua, 39,0 — 40,4° C, mit Steige- 
rung der Pulsfrequenz bis 120, starker Benommenheit des Sensoriums; nachdem am 
6. Tage das Erysipel Stillstand gemacht, fiel am nächsten Morgen die Körpertempe- 
ratur auf 36,8^ C. und erreichte am Abend 37,5 ^ während die Pulsfrequenz zwischen 
76 — 96 schwankte; das Sensorium blieb indess benommen; in der Nacht trat GoUaps 
ein. Bei der Section fand sich beginnende fibrinöse Pneumonie im rechten Unterlappen. 



ÖeriGht pro 1^82. 3d3 



D. Geschwlllste. 

Angioma cavernosum fissurale frontfs et palpebrae. Heilung 
mittelst Galvanocaustik und Alcoholinjectionen. 

Das linke obere Augenlid und die linke Stimhalfte nach oben bis zur Grenze des 
Haarwuchses , nach unten bis zur Schläfen gegen d , war von einer dnnkelbraunrothen, 
annähernd rundlichen, höckrigen, weichen Geschwulst eingenommen; die darüber liegende 
Cutis schien verdünnt; die Geschwulst liess sich auf dem Knochen verschieben; bei auf- 
rechter Haltung des Kopfes überragte die Geschwulst an der Stirn die angrenzende 
Hautoberfiäche um 4 — 5 Mm., das linke obere Augenlid war um das Drei- bis Vierfache 
starker als das rechte; durch massigen Druck mit der Hand liess sich die Geschwulst 
merklich verkleinern; bei forcirter Exspiration unter Verschluss der Nasen- und Mund- 
höhle schwell die Geschwulst an, bei stärkerem Herabsenken des Kopfes wölbte sich 
dieselbe bis zu Kindesfaustgrösse kugelig vor und nahm prall-elastische Consistenz an; 
dabei empfand Fat. Schmerzen in dem Tumor und hatte Schwindelgefuhl ; wurde hinter 
dem äusseren Augenwinkel dicht über dem Jochbogen ein stärkerer Druck mit einem Finger 
gegen die knöcherne Unterlage ausgeübt und liess man dann den Fat. sich bücken, so 
schwoll der Theil der Geschwulst, welcher der Stini angehörte, zwar gleichfalls an, aber 
in merklich geringerem Grade; Fulsation und auscultatorische Fhänomene fehlten. 

Der Träger der Geschwulst war ein sonst gesunder, kräftiger Schustergeselle im 
Alter von 21 Jahren; nach seiner Aussage bestand von Geburt an über dem 1. Auge 
ein blaner Fleck, welcher sich bis zum 7. Lebensjahro langsam, dann schneller ver- 
grösserte ; seit dem 1 2. Lebensjahre, als bereits Stirn- und Schläfengegend von der Ge- 
schwulst ergriffen waren, pflegte Fat. die beim Bücken auftretende Schwellung der Ge- 
schwulst durch Druck mit der Hand zu beseitigen ; vor Jahresfrist soll das 1. obere 
Augenlid dermassen angeschwollen gewesen sein, dass das Oeffnen und Schliessen des 
Auges sehr behindert war; Fat. unterzog sich in einer Augenklinik einer Operation, nach 
welcher er das Auge besser zu öffnen vermochte; indess bereits nach einem halben Jahre 
begann das Augenlid von Neuem anzuschwellen. 

Mit Hülfe der Galvanocaustik und subcutaner Injectionen von SOprocentigem Al- 
kohol gelang es, die Geschwulst zu beseitigen. Zunächst wurde das erkrankte Augenlid 
in Angriff genommen ; mit einem feinen, schlingenförmig gebogenen Flatindraht wurden 
4 — 5 Mm. tiefe, strichformige Cauterisationen durch das ganze Lid gemacht; aus jeder 
einzelnen Brandwunde entstand sofort eine ziemlich reichliche Blutung, welche durch 
einen Compressiv verband aus Salicylwatte und Flanellbinden gestillt wurde; unter ge- 
ringer Eiterung war nach 4 Wochen Vernarbung erfolgt, das erkrankte Augenlid nur 
noch um weniges stärker als das rechte, beim Bücken schwoll es nicht mehr an. Aus 
dem der Stirn angehörigen Theile des Angioms wurden mittelst einer Fravaz*sohen 
Spritze aus diagnostischem Interesse zuvörderst 2 Gem. Blut ausgesogen, unmittelbar 
darauf 1 Grm. SOprocentiger Alkohol injicirt; Fat. empfand dabei nur geringen Schmerz, 
batte indess etwa V, Stunde nach der Einspritzung das Gefühl der Trunkenheit, welches 
ungefähr 1 Stunde anhielt. Nach 3 Tagen wurde die Einspritzung wiederholt; die 
Schmerzen waren etwas lebhafter, das Gefühl der Trunkenheit stellte sich gleichfalls 
wieder ein. In der Folgezeit wurden im Zwischenraum von 3 — 4 Tagen die Injectionen 
fortgesetzt, vom oberen Augenhöhlenrand beginnend und nach dem medialen Rande der 
Geschwulst fortschreitend; die Schmerzen nach der Einspritzung wurden stetig geringer, 
ebenso das Gefühl der Trunkenheit. Nachdem innerhalb 8 Wochen 16 Alkoholipjeotionen 



S84 Zwicke, 

vorgenommen waren , hatte sich das Gewebe der Geschwulst in dem Grade verdichtet, 
dass beim Senken des Kopfes nur noch eine geringe Anschwellang stattfand; es bleibt 
hinzuzufügen , dass während der Zeit der Injectionen Fat. dauernd einen antiseptischen 
Compressivverband um den Kopf trug. — Nunmehr wurde der äussere Rand der Ge- 
schwulst an der Schläfen gegend in Angriff genommen; die Schmerzen bei der Injection 
steigerten sich jedoch an dieser Stelle in dem Maasse, dass nur die Hälfte der Alkohol- 
menge, V2 Grm., an ein und demselben Punkte eingespritzt werden konnte, die zweite 
Hälfte wurde bald darauf an einem benachbarten Punkte iigicirt; nach der 26. Injection 
bildete sich oberhalb des äusseren Augenwinkels ein kleiner Abscess, welcher eine vier- 
wöchentliche Unterbrechung der Injectionscur bedingte; mittlerweile liess sich eine stär- 
kere Schwellung bei gesenktem Kopfe constatiren; nach weiteren 12 Injectionen bildete 
sich abermals ein kleinerer Abscess; nach 3 Wochen wurde von Neuem mit den Injec- 
tionen begonnen ; schon nach 3 Injectionen innerhalb 9 Tage wiederum Abscessbildang 
an der Einspritzungsstelle ; es wurde nun zunächst von einer Fortsetzung der Injectionen 
Abstand genommen; im Ganzen waren innerhalb 7 Monate 41 Einspritzungen vorge- 
nommen worden und so viel erreicht, dass bei tiefem Senken des Kopfes auf 1 Minute 
und darüber zwar eine dunkele Röthung am Sitz der Neubildung auftrat, eine Anschwel- 
lung aber nicht mehr erfolgte; bei aufrechter Haltung des Kopfes fand man an Stelle 
der Geschwulst verdichtetes Narbengewebe. Schon waren 18 Tage nach der leisten In- 
jection verflossen, als Pat. von Erjsipelas befallen wurde, welches von der leisten, 
noch nicht vollständig ausgeheilten Injectionsstelle ausging, innerhalb 4 Tagen unter 
Temperatursteigerungen bis 40,8 ® C. über das ganze Gesicht bis zum Hinterkopf sich 
verbreitete und 14 Tage bestehen blieb. Nach Ablauf des erysipelatosen Processes war 
eine Veränderung des früheren Zustandes am Orte der Geschwulst nicht wahrnehmbar. 
Die Reconvalescenz ging schnell ungestört in völlige Euphorie über. Als Pat. 2 Monate 
nach Ablauf des Erysipels aus der Behandlung schied, war das gewonnene Resultat un- 
verändert, an Stelle der Geschwulst bestand etwas bläulich gefärbtes, dem Knochen 
dicht anliegendes Narbengewebe , das Auge konnte hinreichend geöffnet und völlig ge- 
schlossen werden; subjective Beschwerden bestanden nicht, selbst wenn Pat. in gebückter 
Stellung häusliche Arbeiten verrichtete. 



Angioma simplex labii superioris bei einem 1jährigen Kinde; die Geschwulst 
nahm ein Drittel der Lippe ein; Cauterisationen mit der Paquelin'schen Nadel führten 
innerhalb 4 Wochen zur Heilung ohne störende Narbenbildung. 

Atheroma in der Regio parotidea bei einem 32jährigen Mann, angeblich seit 
1 Jahr bestehend und bis zur Grösse eines Taubeneies herangewachsen; Spaltung der 
Geschwulst, Exstirpation des Balgs, Heilung unter geringer Eiterung. 

Nasenrachenpolypen, 2 Fälle; in beiden Fällen wurde, nachdem der Versuch, 
eine galvanocaustische Schlinge umzulegen, nicht gelungen war, bei herabhängendem 
Kopfe die Abdrehung mittelst einer Polypenzange vorgenommen, während der linke Zeige- 
finger vom Choanenraum aus die Geschwulstmassen vordrängte; der eine Fall verlief 
ohne jegliches übeles Ereigniss; in dem anderen Falle, in welchem beide Nasenlöcher 
mit Polypen so angefüllt waren, dass eine erhebliche Verdrängung der knöchernen Wan- 
dungen bestand, hielt die Blutung mehrere Stunden nach der Operation an, jedoch in 
so geringem Maasse, dass eine Tamponade nicht nothwendig erschien; nach dem Er- 
wachen aus der Narcose klagte Pat. über heftige Kopfschmerzen; im Laufe der nächsten 
24 Stunden bildete sich eine Blutunterlaufung am linken inneren Augenwinkel; am 
2. Tage wurde das Sensorium benommen, Fat. liess Urin und Faeces unter sich; am 



Bericht pro 1882. 385 

3. Tage grosse Unmhe, linksseitige Facialisparese, Schiefstand des Mandes; Erbrechen; 
am 4. Tage laute Delirien, Jactationen, am 5. Tage Coma, am Nachmittage klonische 
Krämpfe am ganzen Körper, bald darnach Tod; die Pulsfrequenz steigerte sich von Tag 
zu Tag bis zu 168 und wurde zuletzt unzählbar; die Körpertemperatur schwankte zwi- 
schen 38,5 — 40y3; Respiration 32 — 40. Die Behandlung bestand in Anwendung einer 
Eisblase auf den Kopf, energischen Einreibungen der Kopfschwarte mit Ungt. cinereum 
und mehrmaligen Oaben ?on Colomel 0,25 pro dosi. — Bei der Obduction fand sich, 
dass beide Laminae oribrosae fehlten und die Dura am medialen Theiie des 1. Stirn- 
lappens durchbrochen war, die angrenzende Himsubstanz befand sich im Zustande der 
rothen Erweichung; punktförmige Uämorrhagien reichten bis zum Ependym des 1. Seiten- 
Tentrikels; die Schleimhaut der Choanen, der Stirn- und Keilbein höhlen, ebenso die 
beiden Highmorshöhlen waren dicht mit Schleimpolypeu besetzt. Dura und Pia zeigten 
im Uebrigen keine Veränderung. 

Papillomalabii inferioris; haselnussgrosse , dicht neben der Mittellinie mit 
breiter Basis an der Vorderseite der Unterlippe aufsitzende Geschwulst mit sammtartiger, 
gerötheter, leicht ulcerirter Oberfläche , weder spontan, noch auf Druck schmerzhaft; 
nach Erzählung des 33 jährigen Patienten begann die Entwicklung des Tumors vor etwa 
6 Monaten , nachdem Pat. seit 2 Jahren an derselben Stelle wiederholt Wundsein der 
Lippe bemerkt hatte. Weitere anamnestische Daten waren nicht zu eruiren. Keilförmige 
Excision ; Heilung per primam. — Microsoopisch waren Carcinom-Elemente nicht nach- 
weisbar. 

Fibroma mandibulae; kirschgrosse, mit breiter Basis der äusseren Oberfläche 
des Unterkiefers im Bereich der drei letzten Backzähne aufsitzende Geschwulst mit 
glatter Oberfläche, von weicher Consistenz, undeutlich fluctuirend; nach Aussage der 
23jährigen Patientin hatte sich die Geschwulst nach Extraction eines der hinteren 
unteren Backzähne innerhalb 3 Monate unter zeitweiligen massigen Schmerzen ent< 
wickelt. 'Nach Durchschneidung des Zahnfleisches liess sich der Tumor in toto mit einem 
breiten Elevatorium heraushebeln. — Heilung ohne Zwischenfall. 

Sarcoma mandibulae; bei der 45jährigen Patientin fehlten die unteren 
Schneidezähne; an ihrer Stelle befand sich eine Geschwulst von der Farbe der Mund- 
schleimhaut, wallnussgross , rundlich, mit glatter Oberfläche, von massig harter Con- 
sistenz, mit dem Knochen innig zusammenhängend. Die Entwickelung der Geschwulst 
hatte angeblich vor 8 Monaten an der Innenseite des Mittelstückes des Unterkiefers 
begonnen; das weitere Wachsthum veranlasste Pat. sich die unteren Schneidezähne 
ausziehen zu lassen; einige Zeit später liess Pat. sich einen Theii der Geschwulst ab- 
binden ; es fiel angeblich ein ziemlich grosses Stück ab , der Rest wucherte aber von 
Neuem und erreichte bald eine solche Grösse, dass das Sprechen behindert wurde. Zeit- 
weilig soll die Geschwulst ohne nachweisbare äussere Ursache geblutet haben. — Nach 
Extraction der angrenzenden Zähne wurde mit der Liston^schen Zange die Geschwulst 
mit dem angrenzenden Theiie des Alveolarfortsatzes bis in das gesunde Gewebe ent- 
fernt; die Continuität des Bogens konnte erhalten werden. Die Blutung war so be- 
deutend, dass der Paquelin'sche Thermocauter applicirt wurde. — Die microscopische 
Untersuchung ergab die Structur eines Riesenzellen-Sarcoms. Nach 3 Wochen 
vollkommene Vernarbung ohne Nachblutung, Fieber oder sonstigen Zwischenfall. 

Carcinoma linguae. 3 Fälle. 

Die erkrankten Individuen waren 2 Frauen im Alter von 49 und 51 Jahren und 
ein 59 jähriger Mann; in 2 Fällen begann die Entwickelung der Geschwulst mit Bil- 

Charit^-Annalen. IX. Jahrg. 25 



386 Zwioke, 

dang eines am Rande der Zunge befindlichen, von Anfang an schmenhaften Gesohwürs, 
im 3. Falle mit Bildung einer Blase am Zungenrand, welche sich vergrdsserte und ver- 
härtete. Bei der 49 jährigen Patientin machte das Wachsthum der Qesohwalst lang- 
same Fortschritte, so dass innerhalb Jahresfrist nicht mehr als ein Drittel des Zangen- 
randes ergriffen and in ein callöses Ulcus carcinomatosum verwandelt wurde; in den 
beiden anderen Fällen nahm die Geschwulst, den Angaben zufolge, innerhalb 3 Monate 
mehr als die Hälfte des Zungenrandes fast bis zur Mittellinie ein: beide Patienten zeigten 
bereits Symptome der Krebscachexie. Infiltration der regionären Drüsen war nnr bei 
dem 59jährigen Patienten nachweisbar; bei der 49jähngen Frau stellte sich indess 
2 Monate nach der operativen Entfernung des Zungenkrebses Schwellung einer Druse 
auf der gleichen Seite des Halses ein; bei der Excision fand sich dieselbe dicht auf der 
Gefässscheide der Carotis communis; der microscopische Befund der Drüse ergab 
Carcinomzelleo. Nach Heilung der Operationswande entzog sich Fat 4er weiteren 
Beobachtung. 

Die Exstirpation des Carcinoms wurde in allen 3 Fällen mittelst der 
galvanocaustischen Schlinge ausgeführt; mit einer entsprechend star- 
ken Nadel wurde die Platinschlinge nach innen von der hinteren Grenze 
der Geschwulst durch das gesunde Gewebe durchgeführt und die Trennung 
unter Anwendung mittlerer Glühhitze (Säule aus 2 Paaren) zunächst in der 
Längsrichtung von der Basis nach der Spitze der Zunge vorgenommen, dann 
der losgelöste Theil mittelst einer Hakenzange genügend hervorgezogen and 
nunmehr die Trennung von der Mittellinie nach dem Rande der Zunge ver- 
vollständigt; die Blutung unmittelbar nach der Operation war minimal. 

Bei dem 59jährigen Patienten jedoch, bei welchem nach Exstirpation der Uals- 
drüse die Hälfte der Zunge bis in die Zungenwurzel entfernt werden musste, stellte sich 
am 3. Tage nach der Operation eine parenchymatöse Nachblutung aus der Tiefe der 
Zungenwurzel ein, welche nach Compression der Carotis communis zum Stillstand kam; 
bei dorn vorgeschrittenen Marasmus erschien aber sofortige definitive Hülfe nöthig und 
wurde desshalb von dem wachhabenden Arzte sofort die Unterbindung der Carotis 
communis ausgeführt. Nach dem Erwachen aus der Narcose (wenige Gramme Chloro- 
form hatten genügt) klagte Pat. über Sausen im Kopfe; trotz reichlicher Analeptica 
trat nach 2 Tagen Tod durch Erschöpfung ein, ohne weitere Cerebralerscheinungen. 
Die Obdaction musste sich auf die Halsorgaiie beschränken; beiderseits von der Ligatur 
war das Lumen derCarotis thrombosirt; aus der granulirenden Wundfläche ragte zwischen 
den Fleischwärzchen die durch Verschwärung getrennte Art. lingualis hervor. 

Bei der öl jährigen Patientin entwickelte sich in der Operationswunde nach der 
Zungenwurzel hin ein continuirliches Recidiv unter gleichzeitiger Infiltration der zuge- 
hörigen Halsdrüson; als in der 3. Woche nach der Exstirpation die operative Entfernung 
des Recidivs vorgenommen werden sollte, starb Pat. bei Beginn der Chloroform narcose 
anscheinend an Herzlähmung, nachdem sie etwa 15 Gramm Chloroform inhalirt hatte. 
Die unmittelbar nach derSyncope ausgeführte Tracheotomie blieb ebenso wie alle übrigen 
Wiederbelebungsversuche erfolglos. Die Luftwege erwiesen sich frei. — Bei der Section 
fand sich, dass die Zungenmuskulatur bis herab zum Zungenbein carcinomatös infiltrirt 
war; auf der ilerzoberfläche lag eine 4 Mm. dicke Fettschicht; der rechte Ventrikel 
war vollständig schlaff, die Muskulatur von hellbraun lieber Farbe; der rechte Vorhof 
reichlich mit dünnflüssigem dunkelrothem Blut gefüllt. Die Muskulatur des linken Ven- 



Bericht pro 1S82. ^87 

trikels von märber Consistenz, die Papillarmnskeln an der Spitze sehnig entartet; im 
linken Ventrikel sehr wenig, fast wässeriges Blat. Beide Lungen hlass, sehr trocken, 
von verminderter Elasticitat. Qehirn, Pons und Medulla von mittlerem Blutgehalt, ohne 
macroscopische Abnormitäten. 

Carcinoma labil inferioris. Ghiloplastik. 

Das ulcerirte Epithelialearcinom nahm bis auf ein etwa 1 V2 Ctm. grosses intactes 
Stuck am rechten Mundwinkel die ganze Unterlippe des 82jährigen Patienten ein; 
angeblich begann die Entwickelung der Geschwulst vor ungefähr Jahresfrist mit Bildung 
eines Knotens in der Unterlippe. Das erkrankte Lippenstück wurde in Gestalt eines 
Oblongum mit drei rechtwinklig auf einander stossenden Schnitten entfernt. Für den 
Ersatz der Unterlippe wurde nach der Methode von Bruns der angrenzende Theil der 
linken Wange benutzt. Die Anheilung des Ersatzlappens erfolgte perprimam; die neu- 
gebildete Lippe besass einen hinreichenden Schleimhautsaum und hatte sich kosmetisch 
tadellos configurirt. 

E. Fomfehler und lissbildiiiigeii. 

Schiefstand des Septum narinm; der knorpelige Theil des Septum ragte 
firstartig in das rechte Nasenloch hinein, so dass der obere Theil des letzteren fast völlig 
verlegt war; das Gefühl der Verstopfung der Nase und zeitweiliger Luftmangel erregten 
bei dem 16 jährigen Pat. den Wunsch nach einem operativen Eingriff; die Deformität 
war angeblich nach einer Fractur des Seplum cartilagineum zurückgeblieben. — Da 
Zurückbiegung nicht gelang, wurde nach Ablösung der Schleimhaut der hervorragendste 
Theil des Knorpels mit einer Scheere abgetragen. — Vorderer Tampon ; Heilung zur 
Zufriedenheit des Pat. , unter geringer Eiterung und unter Zuröcklassung eines kleinen 
Defectes. 

Einfache Hasenscharte, 2 Fälle; Operation nach Mirault, 1) bei einem 
9jährigen Knaben, Heilung per primam, 6 Knopfnähte. 2) 9 tägiger Knabe, am 4. Tage 
Brechdurchfall, an welchem Pat. nach 2 Tagen verstarb; während dessen war an der 
Operationswnnde Eiterung eingetreten. 

Ectropium palpebrae inferioris in Folge von Lupus an der Wange, Ope- 
ration nach Dieffenbach mit bestem Erfolge. 

Partielle Rhinoplastik, 2 Fälle, wegen Defects des knorpeligen Theils der 
Nase, in Folge von Lupus bei einem 16 jährigen und einem 25 jährigen männlichen 
Individuum; bei Ersterem wurde der vorhandene Rest der knorpeligen Nase mit einem 
queren Schnitt durch die ganze Dicke von der knöchernen Nase abgetrennt und zur 
Bildung der Spitze und der Flügel benutzt, der Defect durch einen mit Periost ver- 
sehenen Stimlappen gedeckt. — Im zweiten Falle. wurde zunächst ein «federnder" 
Lappen gebildet und der das Periost enthaltende Stimlappen gerade abwärts geklappt 
(vgL Bardeleben, Lehrbuch der Chirurgie. Vlll. Auflage. Band III. S. 235); das 
Septum konnte aus der Oberlippe gebildet werden , während die Nasenflügel durch Um- 
säumung des Ersatzlappens hergestellt wurden. In beiden Fällen war das Resultat ein 
durchaus befriedigendes, in dem letzteren Falle (Fentzlau) nach Excision der Brücke 
(6 Wochen nach der ersten Operation) geradezu von kosmetischer Wirkung. — Zur 
Unterhaltung der Chloroformnarcose während der Operation erwies sich der Junke rasche 
Apparat von grossem Nutzen; die Ghloroformdämpfe wurden durch einen Gummischlauch 
in den Mund geleitet (vgl. L c. Band I., S. 42). 

2b* 



388 Zwioke, 



ULI« Hals und Nacken. 

A. Wnndei. 

Stichwunde am Halse; das verletzende Messer war dicht über 
der linken Artic. steno-clayicular. eingedrungen; bei vorsichtiger Son- 
dirung konnte der Stichcanal 5 Ctm. tief nach der Hittellinie verfolgt wer- 
den; eine beträchtlichere Blutung hatte nicht stattgefunden; Verschluss der 
Wunde durch drei Seidennähte; Heilung per primam ohne Zwischenfall. 

Schussverletzung; Pat. wurde ohne weitere anamnestische Angaben in be- 
wusstlosem Zustande zur Klinik gebracht; Eingangsöffnung an der rechten Seitedes 
Halses, sehr wenig blutend; massige Blutung aus dem rechten Nasenloch; bei vor- 
sichtiger Einführung drang die Sonde nach links und oben in der Richtung nach der 
Schädelbasis vor. — Anfanglich war Pat. äusserst unruhig, verfiel jedoch nach wenigen 
Stunden in Coma. Bei der Section des Schädels fand sich eine Fractur der Hinter- 
hauptsschuppe; die Kugel lag am linken Felsenbein unmittelbar am Sinus semi- 
lunaris. — Encephalomalacia rubra. Haemorrhagia extrameningeal. occipital. et inter- 
et intrameningeal. convexitat. hemisphaer.; Haemorrhag. punctatae multipl. cerebri. 

B. Entxtndaiigeii. 

Carbi! nkel im Nacken, von Hühnereigrösse , bereits offen; nach Angabe des 
GO jährigen Pat. hatte sich die Geschwulst innerhalb 8 Tagen unter heftigen Schmerzen 
und wiederholten Schüttelfrösten gebildet; Febris conti nua, T. 38,1 — 38,4. — Kreuz- 
schnitt, antiseptische Reinigung; am 2. Tage fieberfrei. Heilung nach 4 Wochen. 

Phlegmone, 9 Fälle; darunter 5 circumscripte abscedirende Phleg- 
monen in der Submaxillargegend bei männlichen Individuen im Alter von 
24 bis 42 Jahren, 2 Mal von Caries dentium ausgehend, 1 Mal im An- 
schluss an Erysipelas faciei et capitis, 2 Mal ohne nachweisbare Ursache 
entstanden. Temperatursteigerung bis 40,0*^ C; die Abscesshöhle reichte 
in einem Falle bis zum vorderen Rande des M. cucuUaris. Nach Ausfüh- 
rung von Incisionen und Gegenöffnungen Heilung ohne Zwischenfall inner- 
halb 12 Tagen bis 3 Wochen. 

4 Fälle von Phlegmone profunda diffusa bei Individuen im Alter 
von 17—28 Jahren, zwei weiblichen, zwei männlichen Geschlechts; in zwei 
Fällen fand sich trotz der ausgedehnten prallen Infiltration von der Man- 
dibula abwärts bis zur Clavicula bei wiederholten, schichtweisen, tiefen In- 
cisionen wenig Eiter, aber necrotisches Gewebe; in den beiden übrigen 
Fällen, in weichen heftige Schluckbeschwcrden bestanden, hatte sich ein 
Abscess zwischen dem inneren Rande des M, sternocleidomastoideus und der 



Bericht pro 1882. 389 

Trachea unterhalb des M. omohyoideas gebildet, der sich nach oben bis 
zaiD Rachen hin abtasten liess. Heilung ohne Zwischenfall innerhalb 
3 Wochen. 

Lymphdrüsen-Abscesse, 7 Fälle; einer dieser Abscesse hatte Gänseeigrösse 
erreicht and war angeblich im Ansohlass an Gesichtsrose entstanden. 

Entzündung der Unterkiefer-Speicheldrüse. Der 70jährige Pat. kam 
wegen Speichelflusses zar Klinik; pro die wurden 600 Gern. Speichel und mehr aufge- 
sammelt; die rechte Sabmaxillardrüse war beträchtlich angeschwollen und schmerzhaft; 
Schlackbeschwerden, massige Pharyngitis; unter Anwendung von Wassernmsch lägen 
und eines Gargarisma von Kali chlorio. nahm die Speichelsecretion allmälig bis zum 
physiologischen Masse ab unter gleichzeitiger Rückbildung der Drüsenschwellung. Pat. 
gab an , während der letzten Jahre wiederholt in gleicher Weise erkrankt zu sein. — 
Intoxication war auszuschliessen. 

Thyreoideitis acuta suppurativa. 

Die 18jährige Patientin war auf einer inneren Station des Gharite-Krankenhauses 
10 Tage lang an Rachendiphtherie behandelt worden; 3 Tage darnach trat eine schmerz- 
hafte Anschwellung an der rechten Seite des Kehlkopüs auf. Bei ihrer Ankunft in der 
Klinik hielt Pat. den Kopf nach rechts gebeugt; unterhalb des Schildknorpels, ent- 
sprechend dem rechten Lappen der Schilddrüse, bestand eine spontan und bei Druck 
sehr schmerzhafte Anschwellung im Umfange eines Hühnereies; Pat. klagte über Athem- 
beschwerden. — Unter der Anwendung ?on Wasserumschlägen nahm die Geschwulst 
nicht ab, vielmehr trat unter Röthung der Haut Fluctuation so deutlich auf, dass 
am 7. Tage eine Incision gemacht wurde, aus welcher 50 Gem. guten Eiters sich ent- 
leerten; ohne Zwischenfall erfolgte innerhalb 16 Tagen Yernarbung; Pat. war dauernd 
fieberfrei. 

Dysphagie (Strictura oesophagi?) bei einer 32jährigen Frau, welche an- 
geblich vor 16 Jahren Kalilauge untergeschluckt hatte; der Erzählung gemäss hatte Pat. 
seit 8 Tagen keine Nahrung zu sich nehmen können, selbst Flüssigkeiten, in etwas 
grösserer Menge genossen, wurden sofort ausgebrochen; auf einer inneren Klinik war 
mit der Schlundsonde eine Verengerung in der Speiseröhre gefunden worden. Bei der 
ungemein grossen Reizbarkeit des Schlundes wurde in der Ghloroformnarcose, bei deren 
Beginn Krämpfe auftraten, bei etwas herabhängendem Kopfe zunächst eine feine, dann 
stärkere Sonden bis zu mittlerer Dicke ohne Hinderniss in den Magen eingeführt, wel* 
eher zur Gontrole aufgeblasen warde. Unter dem Gebrauche von Tr. Valerianae mit 
Tr. Gastorei milderten sich die Schluckbeschwerden , so dass Pat. nach 8 Tagen Nah- 
rung aller Art zu sich nehmen konnte. 

C. Cresohwtkte. 

Neuroma am hinteren Rande des 1. Kopfnickers ungefähr in der Mitte desselben; 
kirschkerngrosser, harter Tumor, mit der Haut verschiebbar, gegen Druck sehr empfind- 
lieh, wobei die Schmerzen angeblich nach der linken Schläfengegend ausstrahlten. Der 
55 jährige Pat., ein Schneidergeselle, gab an. seit 5 Wochen auf die Geschwulst dadurch 
aufmerksam geworden zu sein, dass er von dort aus nach dem linken Ohr und der Stirn 
hin ausstrahlende Schmerzen empfände , welche beim Bücken und beim Liegen auf der 



890 Zwicke, 

linken Seite zunähmen. Nach der Ezcision war Pat. frei von Schmerzen; Heilang per 
primam. Bei der microscopischen Untersnohang erwies sich die Geschwulst als Neu- 
roma fibrillare myelinicum. 

Hypertrophie der Lymphdrüsen, 17 Fälle; die betreffenden Indi- 
viduen standen zumeist im Alter von 18 — 24 Jahren und waren zu zwei 
Drittel männlichen, zu einem Drittel weiblichen Geschlechts; die Drfisen- 
packete hatten zum Theil die Grösse eines Gänseeies; in 7 Fällen, in wel- 
chen die Drüsenerkrankung zum Theil seit der Kindheit bestand, war käsige 
Erweichung eingetreten; bei einem 40jährigen Manne handelte es sich um 
Drüsen-Sarcom, welches angeblich innerhalb 2 Jahren zu beiden Seiten 
des Halses aufgetreten war und eine Geschwulstmasse von Mannsfaustdicke 
darstellte. Die Exstirpation schien in allen 17 Fällen geboten; behufs 
ihrer Ausführung genügten meist zwei Längsschnitte an der inneren und 
äusseren Seite des Eopfnickers; in der Mehrzahl der Fälle musste bis zu 
den grossen Gefässen vorgedrungen werden; bei einem 6jährigen Knaben 
war eine käsig entartete Drüse so innig mit der Vena jugularis interna ver- 
wachsen, dass die Loslösung ohne Verletzung der Venenwand nicht möglich 
gewesen wäre; es wurde deshalb die doppelte Unterbindung der Vena 
jugularis interna und die Exstirpation des dazwischen liegenden Stückes 
ausgeführt; nachtheilige Folgen traten nicht auf. — Die Vernarbung erfolgte 
zum grössten Theil per primam; Eitersenkungen erfolgten nicht. 

Tuberkelbacillen wurden von dem Entdecker selbst in 3 Fällen 
nachgewiesen; in 2 Fällen waren die Drüsen käsig entartet, die betreffen- 
den Individuen, im Alter von 20 — 24 Jahren, waren anscheinend sonst 



Der dritte Fall betraf einen 3 7jährigen Koch, bei welchem angeblich seit Jahres- 
frist eine stetig zunehmende Schwellung der rechtsseitigen Hals- und Achseldrusen be- 
stand; Pat. war blass und abgemagert, so dass der Verdacht einer ienchämischen Erkran- 
kung entstand ; die Untersuchung des Blutes ergab keine Zunahme der Leucocythen. — 
Der Vater des Pat. war an chronischer Lungenschwindsucht gestorben. — Bei längerer 
Beobachtung des Pat. liess sich Catarrh und Infillration der rechten Lungenspitze 
constatiren. 

Polypen im Larynx; spontane Rückbildung nach Tracheotomie. 

Die 66jährige Patientin gab an, in früheren Jahren gesund gewesen zu sein; vor 
2 Jahren überstand sie angeblich eine Lungenentzündung; vor 3 Monaten wurde ihr der 
linke Bulbus exstlrpirt, — der Erzählung zu Folge wegen Glaucom. Vor 2 Monaten 
soll sich Heiserkeit eingestellt haben, die seitdem anhielt; gleichzeitig verspürte Pat. 
Äthembeschwerden , die sich während der letzten Wochen wiederholt bis zu vollständi- 
gem Luftmangel gesteigert haben sollen. — Symptome von Lues waren nicht nach- 
weisbar; Infection wurde in Abrede gestellt; die Untersuchung der Lungen ergab einen 



Bericht pro 1882. 391 

Catarrh der grösseren Bronchien. Bei der laryngoscopischen Untersuchung fanden sich 
ausser einer erheblichen Schwellung der falschen Stimmbänder vier Excrescenzen an 
den leicht gerötheten wahren Stimmbändern; die grösste derselbe, anscheinend von dem 
Umfange einer Erbse, sass breitgestielt am unteren Rande des linken Stimmbandes 
neben dem Giesbeckenknorpel, zwei kleinere in der vorderen Hälfte des linken, die vierte 
an der vorderen Grenze des rechten Stimmbandes, alle vier dunkelrotb, mit glatter 
Oberfläche. — Die Dyspnoe war so gross, dass zuvörderst die Ausführung der Tracheo- 
tomie als das Rathsamste erschien; nach Durchschneidung der oberen Tracheairinge 
wurden zähe, schleimige Massen herausgeschleudert; während der ersten vier Tage war 
die Schleimsecretion sehr reichlich; bis zum 11. Tage hatte sich das Befinden der Fat. 
so gebessert, dass eine nochmalige laryngoscopische Untersuchung ohne Beschwerden 
vorgenommen werden konnte; dieselbe ergab das auffällige Resultat, dass die Excre- 
scenzen an den Stimmbändern bis auf eine kleine Unebenheit an der hinteren Grenze 
des. linken Slimmbandes geschwunden waren. Ausser einem Decoct. Senegae war kein 
Medicament angewandt worden; nach weiteren 14 Tagen, während welcher Fat. Jodkali 
einnahm, konnten Abnormitäten an den Stimmbändern nicht mehr wahrgenommen wer- 
den; die Heiserkeit war geschwanden. Ende der 4. Woche wurde die Canüle entfernt, 
6 Tage später war Vemarbung erfolgt und Fat. wurde geheilt entlassen. 



IV. Wirbelsäule. 

i. TerletzmigeiL 

Erschütterung des Rückenmarks; Myelitis; Tod nach zehn 

Wochen. 

Die 20jährtge Fatientin war angeblich aus einem 2. Stockwerk auf Steinpflaster 
gestürzt and vermochte nicht sich aufzurichten. — Am Rücken und in der rechten 
Hüftgegend fanden sich vielfache Blutunterlaufungen und Hautabschürfungen; eine 
Verletzung der Wirbelsäule war nicht nachweisbar; Farese der unteren Extremitäten, 
Gefühl des Taubseins in beiden Füssen; Retentio urinae; vom 7. Tage ab Incontinentia 
alvi; in der 3. Woche vierstündiger Schüttelfrost, schmerzhafte Schwellung der In- 
guinaldrüsen, Febris continua (40,4® C), nach 3 Tagen Erysipel am linken Ober- 
schenkel; dasselbe dehnte sich über den Rücken und den rechten Oberschenkel aus und 
blieb 12 Tage bestehen; nach einem 14tägigen fieberfreien Intervall Recidiv, Schüttel- 
frost, T. 40,4^0.; auch dies Mal begann das Erysipel am linken Oberschenkel, 
wanderte um das Becken nach dem rechten Bein und blieb 12 Tage bestehen. In- 
zwischen war trotz grösster Vorsicht und prolongirter Vollbäder Decubitus am Kreuzbein 
und an den Hüften eingetreten; nach Ablauf des Erysipels blieb continuirliches Fieber 
trotz des Gebrauches von Chinin bestehen (39,5 — 40,1), catarrhalische Cystitis stellte 
sich ein, die Entleerungen wurden diarrhoisch; Fat. begann über krampfartige Schmer- 
zen io den Beinen zu klagen und schrie oft laut auf; die Schmerzen zogen sich an- 
geblich vom unteren Theile des Rückens nach dem Nacken hin; in der 10. Woche Tod 
an Erschöpfung. — Section konnte nicht stattfinden. 



392 Zwicke, 

Bräche der Wirbelsäale. 

Fractura proc. spin. dorsal. VIIL, durch Fall auf eiaen scharf- 
kantigen Balken entstanden; handtellergrosse Blutunterlanfung am Dorsal- 
theil, der Dornfortsatz des 8. Rückenwirbels liess sich unter Crepitation 
verschieben, Bruchschmerz; keine Innervationsstörungen. — Heilung nach 
23 Tagen. 

Fractura vertebrae IV. cervicalis. 

Der 25jährige Fat. war der Erzählung gemäss etwa 5 Treppenstufen herunterge- 
fallen und mit dem Kopfe gegen eine Mauer angeschlagen; mehrstündige Bewusstlosig- 
keit, Klagen über Kopfschmerz und Schmerzhaftigkeit im Nacken bei Bewegungen; 
active Bewegungen des Kopfes behindert; Druckempfindlichkeit und deutliche Crepi- 
tation am 4. Halswirbel bei Bewegung, namentlich Drehung des Halses. Keine Inner- 
vationsstörungen. Eisblase, Papp-Cravatte. Heilung nach 6 Wochen ohne wesentliche 
Behinderung der Beweglichkeit. 

B. EntxftiidaBgeB. 

Eyphosis traumatica, 3 Fälle, bei Männern im Alter von 26-^33 
Jahren; die Gibbosität befand sich im Bereich der unteren Brust- und zwei 
oberen Lendenwirbel; zwei dieser Patienten, bei welchen die Erkrankung 
2 Monate, bezw. 2 Jahre bestand, vermochten nach Anlegung eines Gips- 
corsets unbehindert zu stehen und zu gehen, was sie vorher nur mühsam 
auf kurze Zeit leisten konnten; der dritte Fall, in welchem die Verletzung 
vor 1 V2 Jähren stattgefunden hatte, nahm einen letalen Verlauf; ausser an 
Lähmung beider unterer Extremitäten und der Sphincteren litt Fat an Cy- 
stitis und Diarrhoen; am Kreuzbein und an beiden Fersen bestand Decu- 
bitus; hektisches Fieber; Tod an Erschöpfung nach 4 Monaten. 



Scoliosis dorsalis sinistro-conveza rachitica bei einem IV« jährigen 
Mädchen; rachitischer Rosenkranz; die Erkrankung war angeblich gegen Ende des 
1. Lebensjahres entstanden; grösste Convexitat in der Höhe des V. — VIII. Brustwirbels; 
Besserung durch Beely'sches Filzcorset. 

Destructive Wirbelentzündung. 

1) 5 jähriges Mädchen ; Beginn der Erkrankung angeblich vor Jahresfrist; Gibbus 
an der Grenze des Dofsal- und Lumbaltheiles ; bereits offener Gongestionsabscess in der 
linken Schenkelbeuge; während fünfmonatlicher Behandlung gelang es, einen aseptischen 
Zustand zu erhallen ; trotz andauernder Eiterung war das Allgemeinbefinden gut. 

2) 3 7 jähriger Krankenwärter; seit einigen Monaten bemerkte Pat. ein Tiefer- 
stehen der rechten Schulter; seit 6 Wochen stetig wachsende, schmerzlose Geschwulst 
in der Kreuzbeingegend ; nur beim Heben mit dem linken Arm Schmerzen in der Ge- 



Bericht pro 1882. 393 

schwulst. — Scoliosis lumbo-dorsalis sinistro-coDTeza; Congestionsabscess in der 
Höhe des letzten Lendenwirbels von 10 Ctm. Darchmesser und 7 Ctm. 
Höhe; durch Incision wurden 300 Gern. Eiter entleert; die Grenze der Abscesshöhle 
war mit dem Finger nicht abzureichen, rauher Knochen nicht fühlbar; Fat. bleibt fieber- 
frei; nach 4 Wochen profuse Nachtschweisse , durch Atropin nicht beeinflusst; nach 
3 Monaten Rauhigkeiten an der 12. Rippe rechts fühlbar; reichliche ßitersecretion, keine 
Albuminurie; nach 4 Monaten Oedem beider Beine; leichte abendliche Fieberregungen; 
Tod an Erschöpfung nach 8 Monaten. 

Obductionsbefund: Garies der unteren Wirbelkörper; der linke Psoas- 
muskel in eine grosse Abscesshöhle umgewandelt. Tbrombosis venae femo- 
ralis sinistrae. Degeneratio amyloides intestini et renum. 

3) 40jährige Frau, welche 6 normale Geburten, die letzte vor 6 Jahren über- 
standen hat; Yor 10 Jahren angeblicli syphilitisch inficirt (Roseola) und Schwitzcur; 
seit 6 Monaten stetig zunehmende, schmerzlose Anschwellung in der rechten Leisten- 
gegend mit spontanem Aufbruch, dauernde Eiterung. — Indolente Schwellung der 
Inguinal- und Gervicaldrüsen; rechtsseitiger offener Ileo - Femoralabscess. Kypho- 
Scoliosis in der Höhe des 9. — 11. Brustwirbels. Dilatation der Fistelöffnung, inner- 
licher Gebrauch von Jodkalium; ununterbrochen reichliche Eiterung; unter heftigen 
Schmerzen Bildung eines Gongestionsabscesses am Rücken in der Höhe der 
oberen Lendenwirbel; Incision; in der Tiefe der Abscesshöhle rauher Knochen fühlbar; 
nach 2 Monaten Oedem der Beine; trotz andauernder Eiterung keine Albuminurie; 
Diarrhoeen; leichte abendliche Fieberbewegungen; nach 5 Monaten Tod an Erschöpfung. 

Obductiosbefund: Die Körper des VIL — XL Brustwirbels sind in grossem 
Umfang zerstörl; die Intervertebralscheiben durch eine grünliche Eiiermasso ersetzt; 
der rechte Psoasmuskel in eiT)e Abscesshöhle umgewandelt, von welcher aus die Fislel- 
öffnungen erreichbar sind; zwischen den Fistelöffnungen in der rechten In- 
guinalgegend und am Rücken, dicht unterhalb des rechten Rippenrandes besteht 
ein ununterbrochener, an der Innenfläche des Darmbeines verlaufender 
Canal von 32Gtm. Länge. — Degeneratio amyloides intestini. Keine Zeichen 
von Lues. 



Vm Brast und Rtkcken. 

i. TerletznngeB. 

Stichwunde des Herzens und der Lunge. Fat. wurde bewusstlos, am 
ganzen Körper leichenblass zur Klinik gebracht. In der Axillar- und ParaSternallinie 
des 3. linken Intercostalraumes 2 glattrandige, 1 — 2 Gtm. lange, penetrirende Wunden, 
aus welchen schaumiges hellrothes Blut hervordringt; Athmungsfrequenz 60 — 65, 
Puls 140. — Nahtverschluss. — Tod nach 4 Stunden. Bei der gerichtlichen Ob- 
duction fand sich linksseitiger Haemopneumoihorax , Verletzung des 1. oberen Lungen- 
lappens, Durchbohrung des rechten Ventrikels. 

Schusswunden. 

Gontourschuss. Eingangsöffnung im 2. rechten Intercostalraum in der Mitte 
zwischen Axillar- und Mammillarlinie ; keine blutigen Sputa, kein Hautemphysem; All- 



394 Zwicke, 

gemeiDbeiinden ungestört; die Sonde drang nach oben bis zum Schlüsselbein vor, ober- 
halb desselben war unter der Haut ein runder Fremdkörper, anscheinend das Geschoss 
deutlich fühlbar. Nach Durchtrennung der Haut und Fascie war das yermeintlicbe 
Geschoss plötzlich nicht mehr zu fühlen und auch nicht aufzufinden. — Nahtverschluss; 
Heilung per primam. Der Schuss war den Angaben zufolge aus grösserer Entfernung 
abgegeben. 

Lungenschüsse, 2 Fälle, Retention des Geschosses, Heilung. 
In beiden Fällen lag Selbstmordversuch vor. 

1) Pistolenschuss, Kugel von mittlerer Grösse; löjähriges männliches Individuum; 
EingangsöflTnung in der ParaSternallinie des 3. linken Intercostalraumes, geringe Blutung, 
Hautemphysem in kleinem Umkreise, keine Ausgangsöffnung; linkerseits Inter- 
costalräume verstrichen, tympanitischer Percussionsschall , Pneumothorax, Athmungs- 
frequenz 56; Herztöne deutlich hörbar, normal. Pulsfrequenz 108; Hustenreiz, Sputum 
nicht blutig. Antiseptischer Verband. Vom 3. Tage ab Pulsfrequenz normal, Athmung 
28 — 20; Körpertemperatur dauernd normal; am 8. Tage waren die Erscheinungen 
des Pneumothorax geschwunden; bei der Entlassung am 10. Tage bestand völliges 
Wohlbefinden. 

2) Revolverschuss; angeblich starke Blutung ohne Verlust des Bewusstseins; 
Eingan gsöffhung von 5 Mm. Durchmesser fast genau in der Mammillarlinie des 5. linken 
Intercostalraumes , in dem verkohlten Wundrande zahlreiche Pulverkörner, Blutung 
gering, keine Ausgangsöffnung. Herztöne im 2. linken Intercostalraum hörbar, 
aber nur undeutlich. Radialpuls kaum zu fühlen, etwa 150; Respirationsfrequenz 66 
i. d. M., 38,2^ C. Wegen der grossen Schwäche des Pat. musste die physikalische 
Untersuchung der Lungen während der ersten Tage auf die vordere Brustwand be- 
schränkt bleiben , linkerseits war Dämpfung von der Axillarlinie bis zum 2. Intercostal- 
raum nachzuweisen. Antiseptischer Verband. Im Lauf der nächsten Tage warf Pat. 
spärliche blutige Sputa aus , die Dämpfung stieg nicht; bis zum 8. Tage blieb trotz 
Digitalis die Herzaction erheblich gesteigert, auch die Temperatur blieb bis dahin erhöht 
(40,5® C); die subjectiven Störungen beschränkten sich auf Brustbeklemmungen. Am 
17. Tage Erysipelas faciei et nuchae, 14 Tage anhaltend, Temperatursteigerung bis 
41,0® C; Abscessbildung am linken oberen Augenlid. — Die Reconvalescenz blieb 
fernerhin ungestört; Herzdämpfung und Herztöne wurden allniälig normal; an der linken 
hinteren Thoraxwand war noch nach 5 Monaten Dämpfung vom Schulterblatt abwärts 
nachweisbar, weiter aufwärts tympanitischer Schall; Athmungsgeräusch von der linken 
Scapula abwärts abgeschwächt, nach den unteren Rippen hin gänzlich fehlend; spär- 
liche kleinblasige Rasselgeräusohe. 

Brüche der Rippen. 

10 Fälle, wie im vorigen Berichtsjahre ausschliesslich bei männlichen 
Individuen im Alter von 34—57 Jahren. In der Hälfte der Fälle waren 
mehrere Rippen derselben Seite zugleich gebrochen, am häufigsten die 5. 
bis 8. Rippe (5 Fälle), die übrigen von der 2. — 11. Rippe nur je in einem 
Falle; die Bruchstellen lagen im Bereich der grössten Convexität. Veran- 
lassung war: Fall 6 Mal, Ueberfahren 2 Mal, Schlag gegen die Brust und 
Quetschung zwischen Waggon-Paffern je 1 Mal. Die Diagnose stützte sich 



Beriohtpro 1882. 395 

mehrfach wesentlich auf den firuchschmens; war Crepitation von vorn- 
herein nicht deutlich wahrnehmbar, so wurde auf den Versuch genauerer 
Peststellung verzichtet. 
Ci)mplicationen: 

1) Verletzung innerer Organe bei Fractur der 2. — 11. Rippe links durch 
Ueberfahren; Fat. wurde sterbend eingebracht; Obductions-Bericht liegt nicht vor. 

2) Lungen Verletzung, a) Bruch der 5. — 7. Rippe links in der Axillarlinie 
durch Ueberfahren, mehrtägige blutige Sputa, b) Bruch der 5. — 6. Rippe rechts 
durch Fall; Bruchschmerz, Crepitation; Pneumothorax, Hauterophysem , tympaniti- 
scher Percussionsschall, Athembewegungen der rechten Thoraxhälfle fast ganz aufge- 
hoben; Rasselgeräusche; bis zum 3. Tage Steigerung der Temperatur auf 39,7^ C, 
Pulsfrequenz 120; Zunahme der Rasselgeräusche, trotz Campher und Benzoe keine 
Sputa; am 4. Tage Collaps; Obductionsbericht liegt nicht vor. Der 45jährige Pat. war 
Potator strenuus. 

3) Fractura Spinae scapulae; abnorme Beweglichkeit und Crepitation; Bruch 
der 2. — 3. Rippe derselben Seite; Quetschung zwischen zwei Waggonpuffern. Heilung 
nach 6 VTochen. 

4) Caries der Bruchstücke; Pat. wurde mit einem bereits ausserhalb punk- 
tirten Abscess in der Axillarlinie zwischen 3. — 5. Rippe aufgenommen, nachdem er den 
Angaben zu F'olge 4 Wochen vorher einen Rippenbrucb erlitten hatte und an Delirium 
tremens erkrankt war. Nach Entleerung der Absoesshöhie war an der 4. Rippe Crepi- 
tation fühlbar; die Bruchenden konnten zum Theil mit den Fingern losgelöst werden; 
Costalpleura abgehoben; T. 39,0 ®C. — Resectio coxae partialis. — Fieberfreier Ver- 
lauf; Vernarbung unter geringer Eiterung innerhalb 4 Wochen. 

Die Behandlung beschränkte sich im Allgemeinen auf ruhige Lage und Eisappli- 
cation während der ersten Tage; die Behandlungsdauer schwankte zwischen 2 bis 
4 Wochen. 

B. KntittBdiiiigeD und deren Ausginge. 

Erysipelas migrans von der Brust über den rechten Arm, Nacken, 
Rücken und das ganze Gesicht innerhalb 11 Tagen sich ausdehnend ;^Febris 
continua, Temperatur-Maximum 40,6 ^ C. ; Pat. litt an einem, angeblich seit 
6 Wochen offenen Abscess der linken Milchdrüse; das Erysipelas war von 
der rechten Brust ausgegangen; bei der Aufnahme hatte dasselbe bereits 
die rechte Achselhöhle überschritten. 

Abscesse. 

Milchdrüsen- Abscesse, 9 Fälle; 7 bei nährenden Frauen, 1 im 
3. Monate der Schwangerschaft, 1 bei einer 26jährigen Virgo aus unbe- 
kannter Ursache entstanden. Nach Ausführung radiärer Incisionen verlief 
die Heilung ungestört; die entleerten Eitermengen beliefen sich bis auf 
300 Ccm.; die Verbände bestanden aus lOproc. Salicylwatte, trockner Carbol- 
gaze und Chlorzink-Flanellbinden. Behandlungsdauer 4—8 Wochen. 



396 Zwicke, 

Traumatischer Abscess in der rechten Mamma, angeblich nach Faustschlag 
entsUnden; T. 39,2 » C. 

Abscesse aus unbekannter Ursache bei anscheinend sonst gesunden männlichen In- 
dividuen im Alter von 21 — 33 Jahren: a) über dem linken Sterno-claTicular- Gelenk 
ohne Betheiligung desselben, b) über dem 1. Schulterblatt, handtellergross . •) in dec 
rechten Lumbaigegend. Nach Incision fieberfreie Heilung. ^ 



Carl es des Brustbeins, des Stemo-Clavicular-Gelenks, sowie der 1. und 
2. Rippe mit multipler Fistelbildung bei einem Lungenphthisiker; Febris 
hectica. Bei der Section fand sich im Mediastinum eine abgekapselte 
Eiterhöhle hinter dem Sternum und der 2. — 6. Rippe bis an die Knochen- 
knorpelgrenze, communicirend mit den oberen Lappen beider Lun- 
gen; von der linken Lungenspitze aus liessen sich mehrere kleine, von der 
rechten zwei über Gänsekielfeder grosse Bronchien bis in die Eiterhöhle 
verfolgen; beide Lungen von äusserst dicht stehenden, theil weise verkästen 
Tuberkeln durchsetzt. Herz intact. 



Caries costae superficialis, 3 Fälle, bei anscheinend sonst gesunden Män- 
nern im Alter von 41 — 44 Jahren, angeblich nach Stoss gegen die Brust entstanden; 
partielle Resection; Heilung. 

Empyem. 3 Fälle. 

1) 9 jähriger Knabe; Beginn der Erkrankung angeblich vor 12 Wochen; spon- 
taner Aufbruch nach Aussen in der Linea axillaris anterior des linken 7. Inter- 
costalranmes wenige Stunden vor der Aufnahme in die Klinik. Dilatation der 
Fistel, Entleerung von 1000 Com. missfarbiger, braungelber eitriger Flüssigkeit; 
Ausspülung mitThymol (1: 1000), Verband mit Salicylwatte und trockener Gar- 
bolgaze. Während der ersten beiden Tage wurden die Thymolausspülungen täglich 
2 Mal erforderlich, dann verringerte sich die Secretion in dem Maasse, dass bis zum 
14. Tage täglich 1 Mal, von da ab jeden 2. Tag, nach 4 Wochen nur jeden 5.-6. Tag 
Ausspülungen vorgenommen wurden; in der 9. Woche konnte der Drain weggelassen 
werden. Mit Ablauf der 10. Woche, als Pat. aus der Behandlung schied, war fast völlige 
Ausheilung erfolgt; die ganze linke Thoraxhälfte betheiligte sich bei der Athmung, wenn 
auch in geringem Maasse; abgeschwächtes vesiculäres Athmungsgeräiisch, geringe Däm- 
pfung, leichte Scoliose. — Während der ganzen Behandlungsdauer war Pat. fieberfrei ; 
der Kräftezustand hatte sich erheblich gebessert. 

2) Bei dem 24jährigen Pat. waren bereits auf einer inneren Klinik des Charite- 
Krankenhauses vor 8 Wochen mittelst Function und Aspiration 1300 Gem. eines 
grüngelben, serös-eitrigen Exsudats aus der linken Pleurahöhle entleert worden. In der 
Folge nahm das Exsudat von Neuem zu, an der Punctionsstelle im 5. Intercostalraum 
bildete sich entzündliches Oedem; starke Dyspnoe. Zunächst wurde eine Incision im 
5. Intercostalraum etwas hinter der Linea axillaris posterior gemacht; nach Durchtren- 
nung einer fingerdicken pleuritischen Schwarte stürtzte bräunlich-gelbe, eitrige Flüssig- 
keit hervor, von welcher etwa 3 Liter entleert wurden. Ausspülung mit 3 pro mille 
Salicylsäurelösung, Einlegung einer silbernen Canüle, trockener Garbolverband. Die 



Bericht pro 1882. 397 

Rippen näherten sieh bald in dem Maasse, dass nur eine dünne Canüle Raum fand; das 
Secret blieh sehr reichlich nnd enthielt ungemein viel dicke Gerinnsel; um eine gena- 
gende Ausspülung zu ermöglichen, wurde 14 Tage nach der Incision die Resection 
eines 2 Ctm. langen Stückes der 5. Rippe ausgeführt. Wiederum erfolgte eine schnelle 
Verengerung der Brustfistel, so dass bei der andauernd reichlichen Secretion nach sechs 
Wochen die Resection eines 5 Ctm. langen Stückes der 6. Rippe erforderlich er- 
schien; die Plenra costalis war über 1 Ctm. dick. Allmälig wurde das Secret geringer 
und dünnflüssiger; nach weiteren 10 Wochen war unter tiefer Einziehung der erkrankten 
Thoraxhälfte Yernarbung eingetreten. — Pat. war meist fieberfrei ; zeitweilig erhob sich 
die Abendlemperatur bis 39,5, anscheinend im Zusammenhang mit Secretverhaltung. 
— Zu den Ausspülungen wurde abwechselnd mit Salicylsänrelösung Thymol (1 : 1000) 
benutzt. 

3) 24 jähriger Arbeiter, zugestandener Maassen starker Potator; den Angaben zu 
Folge war Pat. vor 3 Monaten an rechtsseitiger Pleuritis erkrankt, und bereits 3 Punc- 
tionen vorgenommen worden; bei der 1. Punction sollen 1100 Ccm. rein serösen Er- 
gusses, bei der 2. Punction nach etwa 5 Wochen 1300 Ccm. eitriger Flüssigkeit, bei 
der 3. Punction nach 4 Wochen 1250 Ccm. grüngelben, eitrigen Exsudats entleert 
worden sein. Als Pat. etwa 14 Tage nach der letzten Punction zur {{linik gebracht 
wurde, war die rechte Pleurahöhle augenscheinlich aufs Neue mit einem Exsudat an> 
gefüllt; das Phänomen des Platsch erns war vorhanden, Athmungsgeräusche fehlten, vom 
3. Intercostalraum abwärts war der Percussionsschall stark gedämpft; Respirations- 
frequenz 30; Puls klein, 108; Cyanose; Ernährungszustand äusserst dürftig. Man ent- 
schloss sich zur Eröffnung des Thorax durch Schnitt in der AxiUarlinie des 4. Inter- 
costalraumes; Entleerung von 2500 Ccm. eitrigen Exsudats; Ausspülung mit Salicyl- 
Säurelösung; Einführung einer silbernen Canüle; trockener antiseptischer Verband. Die 
Operation hatte einen sehr günstigen palliativen Erfolg; die Eiterung blieb jedoch sehr 
reichlich; ohne dass heciisches Fieber auftrat, starb Pat. nach 8 Wochen an Erschöpfung. 
Obductions-Bericht: Rechte Lunge auf Faustdicke geschrumpft; Pleura mit Gra- 
nulationen bedeckt; Nephritis parenchymatosa. 



Veraltete Brustfisteln mit Caries der Rippen nach Empyem -Operationen, 
2 Fälle.; Resectio costae partialis; üeilung. 



C. Geschwfllste. 

Neabildungen der Milchdrüse. 

Fibroma mammae, 3 Fälle; 1) 19jährige unregelmässig menstruirte Virgo; 
haselnussgrosser, schmerzhafter Knoten im oberen äusseren Quadranten der 1. Mamma. 
Excision; Heilung per primam. — 2) 32jährige Frau, welche innerhalb der letzten 
8 Jahre 2 Mal eine linksseitige abscedirende Mastitis überstanden hat; seit der letzten 
Erkrankung vor Jahresfrist harter Knoten in der 1. Brustdrüse, seit einigen W^ochen 
spontan schmerzhaft, hühnereigross. — Exstirpation ; Heilung per primam. Die micro- 
scopische Structur erwies sich lediglich als die indurirten Bindegewebes. — 3) 42jäh- 
rige Frau, 1 Mal Puerpera vor 14 Jahren; seit 2 Jahren stechende Schmerzen in beiden 
Brästen bei Eintritt der Menstruation; zwei wallnussgrosse Knoten in der rechten Mamma, 
bei Druck nicht schmerzhaft; Achseldrüsen nicht geschwollen; Exstirpatio mammae. — 
Bei der microscopischen Untersuchung fanden sich keine carcinomatösen Elemente. 



398 Zwioke, 

Fibroadenoma; 28j&hrige Frau; 7 Gebniien; selbstnShfend ; seit 3 Jahren 

schmerzloser, harter Knoten, zar Zeit von Mannesfanstgrosse, höckerig. Exstirpatio 
mammae. Heilang ohne Zwischenfall zam grössten Theil per primam. 

Carcinoma mammae. 8 Fälle. 

Primärer Scirrhus, 5 Fälle, bei Frauen im Alter von 26, 34, 37, 43 
und 55 Jahren; 3 Mal rechterseits , 2 Mal linkerseits; Hereditat war bei 
keiner der Fat. nachweisbar. Die 26jäbrige Fat. hatte die Entwicklung der 
Geschwulst angeblich drei Monate vor der Aufnahme bemerkt, indem die 
befallene Brustdruse im Ganzen anschwoll ; innerhalb dieses Zeitraumes war 
aus einem haselnussgrossen Knoten, ein mannesfaustgrosser, knolliger, 
schmerzhafter Tumor geworden; Infiltration der Acbseldrnsen war nicht nach- 
weisbar. In den übrigen Fällen bestand die Geschwulst l~lV4Jahr; in 3 
derselben war bereits Ulceration des gänseeigrossen Tumors eingetreten, ohne 
dass jedoch eine Infiltration der Achseldrüsen bei der äusseren Untersuchung 
nachweisbar war. Bei allen 5 Patientinnen wurde die Totalexstirpation der 
Milchdrüse, 2 Mal mit gleichzeitiger Ausräumung der Achselhöhle, ausge- 
führt. In den übrigen Fällen wurde die Achselhöhle zwar geöffnet, da aber 
Drüsen in derselben nicht zu entdecken waren, wieder geschlossen. Die 
Zahl der Ligaturen belief sich bis auf 19. Zur Vereinigung der Wundrander 
wurde wiederholt die sog. Matratzennaht mit gutem Erfolge benutzt. Die 
Vernarbung erfolgte durchweg zum grössten Theil per primam innerhalb 
14 Tagen bis 4 Wochen. 

Recidiv-Geschwülste, 3 Fälle; 2 rechterseits, 1 linkerseits. 

1) 35jährige Frau; vor 10 Monaten Totalexstirpation der rechten Mamma und 
Ausräumung der Achselhöhle auf der Bardeleben'schen Klinik; Heilung per primam. 
4 Monate nach der Operation Beginn des Recidirs in der Narbe an der Brust; zur Zeit 
mehrere kleinere Knoten daselbst, ein wallnussgrosser Knoten in der Achselhöhle, ein 
haselnnssgrosser Knoten über dem rechten SiernoclaYiculargelenk. Exstirpation. Heilung 
unter geringer Eiterung. Microscopiscber Befand: reichliches feinfaseriges Bindegewebe 
mit disseminirten Krebsnestern, sowie Randzellen and grossen Spindelzellen. 

Als Pat. nach 10 Wochen ans der Behandlung' schied, klagte aie über quälenden 
Husten , ohne dass bei der physikalischen Untersuchung der Brust krankhafte Verände- 
rungen nachweisbar waren. 

2) Continuirliches Recidiy. Infiltratio carcinomatosa sabcutanea 
et muscularis. Pleuritis carcinomatosa. 60jährige Frau, im August 1881 
Exstirpation der rechten Mamma und infiltrirter Achseldrüsen; Heilung Anfang Septem- 
ber; bereits im November, etwa 10 Wochen nach der Operation, Bildung mehrerer 
Knoten in der Brustnarbe. Excision der Narbe weit im Gesunden; Heilung der Ope- 
rationswunde per granulationem. Nach 3 Wochen Klagen über Bruststiche; nach 
4 Wochen Knotenbildung in der Achselhöhle und in der Brustwand ; rechtsseitige Pleu- 
ritis, schleimig -eitriger Auswurf; Erbrechen; hectisohes Fieber; 8 Wochen nach der 



Beriobt pro lSd2. 399 

Operation Tod durch Erschöpfanfi:. Sectionsbefand: In der wallartig aufgeworfenen 
Narbe zahllose confluirende Krebskuoten; die Hautdecke, die ganze Brustmuskulatur 
und die sämmtlichen Intercostalräume der rechten Brusthälfte mit Einzelknoten dicht 
besetzt. Die rechte Lunge im vorderen Theile mit der Thoraxwand fest verwachsen, 
gleichfalls von Krebsknoten durchsetzt; im übrigen Pleuraraum mehrere Liter hell- 
gelber, klarer Flüssigkeit; Lungenoberfläche mit einem fibrinösen Belage überzogen; 
Lunge retrahirt, atelectatisch. Atrophia fusca cordis, Endoaortitis deformans, Atro- 
phia lienis. 

3) Zweimaliges Recidiv. 70jährige, ungewöhnlich corpulente Frau; an- 
geblich im December 1880 Exstirpation der linken Mamma; Excision eines Narben- 
recidivs im Mai 1881; nach 3 Monaten Schwellung der Achseldrüsen ; zur Zeit — 
6 Monate nach der 2. Operation — über mannsfaustgrosser Tumor in der linken Achsel- 
höhle. Exstirpation; der Tumor hatte die Achselgefässe dicht umwachsen; 30 Untor- 
bindungen. Die ersten 5 Tage nach der Operation fieberfrei, Euphorie; am G. Ta<;(^ 
Erysipelas von der Wunde ausgehend, T. 39,2^ G. , nach weiteren 5 Tagen Lungen- 
ödem. Die Obduction unterblieb auf Wunsch der Angehörigen. 

Hinsichtlich des Sitzes der Mammacarcinome erscheint es bemerkenswerth , dass 
von den während der Jahre 1880 bis incl. 1882 zur Beobachtung gekommenen Fällen 
fast zwei Drittel die rechte Milchdrüse betrafen. 

1880 3 rechts, 2 links, beiderseits, 

1881 7 , 2 „ 1 „ 

1882 4 , (nach Ausschluss eines Reoidivs), 3 „ „ 

14 rechts, 7 links, 1 beiderseits. 



Sarcom der Brustwand. Handtellergrosse, kugelige, weiche Geschwulst an 
der Vorderfläche der linken Brusthälfte oberhalb der Brustdrüse bei einer anscheinend 
sonst gesunden 34jährigen Frau; Hautdecken geröthet; Achseldrösenschwellung nicht 
nachweisbar. Der Tumor begann sich angeblich im 18. Lebensjahre zu entwickeln, 
wuchs anfänglich sehr langsam, in den letzten Monaten schneller und wurde schmerz- 
haft. Nach Durchtrennung der Haut und der Pasern des Pectoralis quoll eine weiche, 
bröckliche, sehr blutreiche Geschwulstmasse hervor, welche vom 2. bis 4. Intercostal- 
raum herabreichte; da der Tumor von Innen her durch die Brustwand hindurchge- 
wachsen zu sein schien, wurde nur der hervorragende Theil abgetragen. Nahtver- 
schluss; Vernarbung unter sehr geringer Eiterung innerhalb 14 Tagen. Fat. fühlte 
sich bei der Entlassung vollkommen wohl; an der Stelle der Geschwulst waren krank- 
hafte Veränderungen nicht mehr nachweisbar. Fat. ist später noch wiederholt gesehen 
und untersucht worden, ohne Krankheitserscheinungen darzubieten. 

Tumor mediastini bei einem 5jährigen Mädchen; auf der Mitte des Brustbeins 
sass eine harte, halbkugelige, etwa 1 Vj Ctm. hohe, die beiden Ränder des Sternum 
überragende, nicht pulsirende, auf der Kuppe leicht ulcerirte Geschwulst, welche der Er- 
zählung zufolge bei dem sonst gesunden Kinde vor 1 V2 Jähren sich zu entwickeln be- 
gonnen hatte; Erscheinungen von Rachitis bestanden nicht; das Allgemeinbefinden war 
gut. Nach Durchtrennung der Haut fand sich das Sternum kugelig vorgewölbt und 
wurde, nach Abhebung des Periost in kleinem Umfange trepanirt; die Dicke desselben 
betrug etwa 0,5 Ctm., seine Structur erschien unverändert. Von einem weiteren opera- 
tiven Eingriffe wurde Abstand genommen. Die Operationswunde vernarbte unter geringer 
Eiterung; als Fat. nach mehrmonatlicher Beobachtung das Krankenhaus verliess, hatte 
sich der Tumor um Weniges vergrössert. 



4O0 Zwick6, 



VI. Untei^leib. 

L BauolLdeokexi und Bauoliliölile. 
A. Tarletiugan. 

Gontusio abdominis. 39 jähr. Kutscher, angeblich ?on einem 23 Centner 
tragenden Lastwagen überfahren. Pals fadenförmig, 100, T. 36,5; Erbrechen. — 
Tod vor Ablauf von 24 Stunden. — Obductionsbefund: hämorrhagisch-eiterige 
Peritonitis. 

Oberflächliche, 2 Gtm. lange Stichwunde der Banchwand; Heilung per 
primam. 

Penetrirende Bauchwunde, Ruptur des Uterus gravidus, 
Abortus, Tod nach 26 Stunden. 

Die 28 jährige, ihrer Angabe nach bisher gesunde, im 8. Monate schwangere 
Patientin stärzte der Erzählung zufolge des Morgens 5 Uhr von einem hohen Lastwagen, 
wobei sie sich an einem Nagel des Wagens die Bauchwand verwundete; Pat. ging 
sofort ohne Hülfe nach ihrer etwa 100 Schritt entfernten Wohnung, legte sich zu Bett 
und wurde alsbald nach der Klinik transportirt, woselbst sie 2 Stunden nach der Ver- 
letzung eintraf; die Blutung soll nicht erheblich gewesen sein, Erbrechen trat an- 
geblich nicht auf, hingegen stellten sich heftige, „wehenartige*' Leibschmerzen ein. — 
In der rechten unteren Bauchgegend fand sich eine ca. 20 Ctm. lange, etwas nach links 
und oben von dem Nabel beginnende und in der Richtung der Spina ant. superior ver- 
laufende Wunde mit unebenen Rändern, aus deren Mitte ein handtellergrosses, frisch aus- 
sehendes Netzstüok hervorragte; keine Blutung. Abdomen stark gewölbt, Fundus uteri 
zwei Querfinger unter dem Schwertfortsatze, aus den Genitalien kein Blutabgang, Mutter- 
mund geschlossen; T. 36,5® G.; P. 88, R. 25; Klagen über Kreuzschmerzen. — 
Nach Desinfection des vorgefallenen Netzes, der Wunde und ihrer Umgebung mit 1 p.m. 
Sublimatlösung wnrde der obere Wundrand aufgehoben und zeigte sich nun , dass die 
Wundflächen schräg durch die Bauchmuskulatur verliefen und zwar so, dass die inneren 
Wundränder etwa eine Handbreit höher lagen als die Hautwunde und im Bereiche des 
M. rectus eine 6 Gtm. lange Spalte bildeten; der im Wundcanal liegende Theil des 
Netzes schien mit der Umgebung bereits locker verklebt; Darmschlingon lagen nicht 
vor; an der vorderen Fläche des Uterus war eine Wunde nicht zu oonstatiren, wohl 
aber eine Delle fühlbar, in welche die Kuppe des untersuchenden Fingers hineinglitt. 
Nach nochmaliger sorgfältigster Desinfection wurde das vorgefallene Netzstück reponirt, 
die Muskelwunde in der Tiefe durch 4 Gatgutnähte geschlossen und dann die Hautwunde 
durch 17 Nähte genau vereinigt. Trotz zweistündlicher Gaben von 0,02 Extract. Opii 
und subcutaner Injection von O.Ol Morphin nahmen die wehenartigen Schmerzen zu, 
wiederholt stellte sich Erbrechen ein, so dass die Verlegung der Pat. nach der geburts* 
hülf liehen Klinik des Gharit^-Krankenhauses geboten schien; hier erfolgte gegen 2 Uhr 
Nachts die Ausstossung einer todten Frucht. Bei der Section fand sich ausser eitriger 
Peritonitis eine für eine stärkere Sonde bequem durchgängige Rupturstelle in der vor- 
deren Wand der Gebärmutter; augenscheinlich hatte sich dieselbe bei Lebzeiten in Folge 
der Gontraction des Uterus der Wahrnehmung entzogen. — Wegen des Näheren vgl. 
den Jahresbericht über die Entbindungsanstalt. 



Beriebt pro 1882. 401 



B. Hernien. 23 Fälle. 

Unter 23 eingeklemmten Unterleibsbrüchen befanden sich 16 Leisten- 
brache, 6 Schenkelbrüche, 1 innere Einklemmung. 

Unter den mit Leistenbrüchen behafteten Individuen waren 4 Frauen 
im Alter von 36—54 Jahren; von den 12 männlichen Individuen standen 

2 im Alter von 16 — 19 Jahren, 2 zwischen 20—30, 2 zwischen 30—40, 

3 zwischen 40 — 50, je 1 im 54., 65. und 66. Lebensjahre. Zwei Drittel 
der Leistenbrüche sassen auf der rechten Seite; (bei den 4 Frauen war 
der Bruch 3 Mal rechterseits). — Die Taxis gelang in 9 Fällen, darunter 
2 innere Leistenbrüche. Bei 3 Patienten bestand der Bruch angeblich schon 
seit der Kindheit, bei den übrigen 1 — 6 Jahre. Einklemmungserscheinungen, 
Schmerzen in der Bruchgeschwulst, Stuhlverstopfung und Erbrechen waren 
in mehreren Fällen vor 1 — 3 Tagen, in je einem Falle vor 6 und 9 Tagen 
aufgetreten. Ohne Narcose wurde die Taxis nur 1 Mal bewerkstelligt. Nach 
Ausführung der Taxis erfolgte der Tod in 2 Fällen. 

1) Bei einer 45jährigen Frau, welche seit 6 Tagen an Einklemmangserscheinan- 
gen (Kothbrechen) litt, war die Taxis des tauben ei grossen äusseren Leistenbruches in 
der Narcose ohne erhebliche Schwierigkeiten gelangen ; einige Zeit nach dem Erwachen 
aas der Narcose , etwa 2 V2 Standen nach der Taxis , plötzlicher GoUaps. Bei der Ob- 
daction zeigte sich, dass es sich um einen Darmwandbruch (Littre'sche Hernie) ge- 
handelt hatte und Perforation des gangränösen Darmwandstüokes eingetreten war; 
Peritonitis diffusa parulenta. 

2) Bei einem 1 6jährigen jungen Menschen, welcher seit Kindheit an rechtsseitigem 
äasseren Leistenbruch litt und diesen in den letzten Jahren wiederholt selbst reponirt 
hatte, waren bereits ausserhalb der Klinik kurze Zeit nach dem Auftreten der Eioklem- 
mnngaerscheinungen erfolglose Taxisversuche gemacht worden; die Brachgeschwulst 
hatte die Grösse eines Gänseeies, war prall- elastisch und gab bei der Poroassion leeren 
Sehenkelschall. Die Hautdecke über der Geschwulst und in ihrer nächsten Umgebung 
war etwas geröthet und geschwollen. Da der Taxis in der Narcose sich Schwierigkeiten 
entgegenstellten, wurde die Pnnction des anscheinend stark gefüllten Brnchsackes 
mittelst eines Troicarts kleinsten Galibers vorgenommen , nachdem zuvor durch Probe- 
ponction mit einer Pravaz'schen Spritze seröse, leicht blutig gefärbte Flüssigkeit ent- 
leert worden war. Während seröse Flüssigkeit allmälig aussickerte, Hess sich der weitere 
Brachinhalt ohne forcirten Druck in die Bauchhöhle zurückschieben ; darnach war der 
Leistencanal für den eingeführten Finger frei darchgängig. Antiseptischer Relentions- 
verband. Zunächst fühlte sich Pat. frei von Schmerzen. Am folgenden Tage trat mehr- 
maliges Erbrechen grünlich-gelber Flüssigkeit auf, während der Leib weich, auf Druck 
nicht schmerzhaft war; am 2. Tage wiederholte sich das Erbrechen, Pat. klagte über 
Magenschmerzen; Körpertemperatur 37® 0.; trotz Opiate steigerte sich am 3. Tage das 
Erbrechen, Pat. klagte über ruckweise Schmerzen in der Magengegend, während die In- 
gm'nalgegend schmerzfrei war; beim Verbandwechsel wurde weder stärkere Schwellung 

Charit^AnnaleB. IX. Jfthng. 26 



402 Zwicke, 

der Ijeistengegend, neoh die Anwesenheit eines Braches im Leistencanal constatirt; am 
Abend Collaps. Die Ob d actio n belehrte, dass eine bei Lebzeiten anerkannt gebliebene 
Scheinredaction durch unvollkommene Taxis stattgefunden hatte. Im Brach- 
sackhalse lag eine schwarzblau gefärbte, niiigends perforirte Darmschltnge eng omschn&rt; 
eine zweite gleichfalls schwarzblao gefärbte Dänndarmschlinge lag dicht hinter dem 
hinteren (inneren) Leistenringe derart verwachsen , dass aach sie dem früheren Bruche 
angehört zu haben schien. Die Darmschlingen gehörten dem untersten Tbeile des Ileam 
an, so dass der Wurmfortsatz dicht an der Bruchpforte gelagert war. Der obere Dönn- 
darmtheil stark ausgedehnt. Peritonitis fibrinosa purulenta incipiens. 

Die Schenkelbrüche gehörten ausschliesslich Frauen im Alter von 
40 — 69 Jahren an und sassen zu zwei Drittel (4) linkerseits, zu einem 
Drittel (2) rechterseits. Die Taxis gelang nur in einem Falle. 

Hernia cruralis reposita sinistra, Hernia omentalis accreta; 

Thrombosis venae femoralis sinistrae, Embolia arteriae pulmo- 

nalis utriusque. 

Die betreffende Patientin stand im 49. Lebensjahre, war früher angeblich stets 
gesund, hatte 6 normale Geburten überstanden, litt aber seit 3 Jahren an einem leicht 
reponiblen linksseitigen Schenkelbruch; während der letzten 12 Tage hatten sich Stahl- 
verstopfung, Unterleibsschmerzen und Uebelkeiten in steigendem Maasse eingestellt. In 
der Narcose gelang die Taxis der buhnerei grossen Bruchgeschwulst ohne Schwierigkeit. 
Innerhalb der nächsten 24 Stunden erfolgte spontan reichliche Stuhlentleerung. Wegen 
Appetitstörung blieb Pat. noch 1 2 Tage in der Klinik und wurde bei Tölliger Euphorie 
entlassen. Auf dem Rückwege in ihre Behausung fiel sie im Charite-Garten piötxlich am 
und blieb bewusstlos liegen. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. 
Bei der Obduction fand sich in der Bauchhöhle kein fremder Inhalt. Die Darm 
schlingen, namentlich des Dünndarms, ziemlich stark erweitert, von rosarother Farbe; 
der Dickdarm dagegen eng, seine Schleimhaut dünn und blass. Eine Stelle des Netzes 
mit der linken Leistengegend verwachsen; eine Darmschlinge mitten im Dünn- 
darm zeigte deutliche Spuren von früherer Incarceration, schwarzgraa ver- 
dickte Serosa, einige Haeraorrhagien im angrenzenden Mesenterial- Ansatz. Im linken 
Schenkelcanal ein hühnereigrosses angewachsenes Stück Netz, das an- 
mittelbar den grossen Gefassen auflag; letztere in ihrem Lumen durchgängig, nament- 
lich die Vene bis zu ihrer Einmündung in die Hohlvene vollständig frei. Bei 
weiterer Verfolgung der linken Vena femoralis fand sich tndess in der Höhe der A. 
profunda ein wandständiger Thrombus, festsitzend, bröckelig, von rother Farbe. 
Am linken Unterschenkel Varicon, aus welchen sich beim Einsohneiden flüssiges Blut 
entleert. Das Lumen der ganzen rechten Lungenarterie war mit derben Goa- 
gulis vollständig ausgefüllt, während in einem Hauptaste der linken Langen- 
arterie ein ziemlich weicher Embolus sass, in Farbe und Gonsistenz dem 
Thrombus der Vena femoralis vollkommen entsprechend. Luftgelialt beider Lungen etwas 
vermindert; Hyperaemia et Oedema pulmonum. Herz klein, Höhlen von mittlerer Weite, 
Musculatur atrophisch, aulTallend braun, Herzklappen zart und intact. 

Herniotomien, 12 Fälle. 

Leistenbrüche; innerer Bruchschnitt; 7 Fälle; davon wurden 
geheilt 2; tödtlich verliefen 5, unter diesen 2 Fälle, von Darmresection 



Bericht pro 1882. 403 

und 1 Fall von Bildung eines Anus praeternaturalis; der Sections- 
befund ergab purulente Peritonitis, in einem Falle nachträgliche Perforation 
der reponirten Darmschlinge. Der Tod erfolgte in den beiden Fällen von 
Darmresection innerhalb 12 Stunden nach der Operation, in dem Falle von 
Anlegung eines widernatürlichen Afters 15 Stunden nach der Operation, in 
den zwei übrigen Fällen am 3. und 14. Tage nach dem inneren Bruch- 
schnitte. Die Einklemmungserscheinungen hatten bis zu sieben Tagen be- 
standen, die Patienten kamen mit Eothbrechen und GoUapserscheinungen 
zur Operation. 

1) 26 jähriger Fat, seit Kindheit an einer Brachgeschwulst leidend; seit 2 Tagen 
Stuhlverstopfung, vorher schon Uebelkeiten and Erbrechen. — Rechtsseitiger änaserer 
irreponi hier Leistenbruch. — Herniotomia interna; Catgutligatar um den Brachsackhals 
nach Reposition der Darmschlinge. — Nahtverschlass. — Fieberfreier Verlauf; Heilung 
der Operationswunde unter geringer Eiterung; am 7. Tage Stuhlentleerang nach Ein- 
giessung; 5 Wochen nach der Operation geheilt entlassen, ohne dass der Brach bis da- 
hin wieder entstanden war. 

2) Hernia processus vaginalis. Entero-Epiplocele, Repo- 

sitio ilei, Ligatura et Excisio partis omenti permagnae, (Radi- 

cal-) Heilung. 

Der 47jährige Fat. machte die Angabe vor etwa 30 Jahren durch Heben einer 
schweren Last sich einen Bruch in der rechten Leistengegend zugezogen zu haben ; ein 
Brachband trug er erst seit den letzten 5 Jahren. Die schon oft ausgetretene Bruch* 
geschwnlst will er sich stets selbst reponirt haben ; vor 2 Tagen, während Fat. schwere 
Arbeit verrichtete, trat der Bruch von Neuem aus und konnte weder von dem Patienten, 
noch von dem herbeigerufenen Arzte zurückgebracht werden. Seitdem empfand Fat. 
Schmerzen in der Bruchgeschwulst, ohne dass jedoch Uebelkeiten oder Erbrechen auf- 
traten; reichliche Stahlen tleerung war seitdem bis zur Aufnahme in die KKnik 3 Mal 
erfolgt. — Die Bruchgeschwulst nahm den ganzen Leistencanal mit der entsprechenden 
Scrotalbälfte ein; Percassionsschall leicht tympanitisch; der anscheinend normale Hode 
Hess sich isoliren; in dem oberen Theile der Geschwulst konnte man durch Falpation 
Darmschlingen unterscheiden, die auch fast dem Auge schon erkenntUch waren; ohne 
Hindemiss liessen sich dieselben in der JNarcose in die Bauchhöhle zaräckbringen; dar- 
nach blieb jedoch in der betreffenden Scrotalbälfte eine prall-elastische, scheinbar fluc< 
luirende Geschwulst zurück; dieselbe liess sich nach dem Leistencanal bin verschieben; 
erwies sich als durchscheinend und gab vollständig gedämpften Percassionsschall. In 
der Annahme, es läge eine Hydrocele des Samenstranges vor, wurde zunächst von einem 
weiteren operativen Eingriffe Abstand genommen; Retentionsverband. Fat. hatte nach 
dem Erwachen aus der Narcose reichliche Stuhlentleerung, sein Allgemeinbefinden blieb 
ungestört, nur blieb trotz Bettrohe Schmerzhaftigkeit in der zurückgebliebenen Geschwulst 
bestehen; nach 5 Tagen wurde deshalb eine Incision unternommen; nach Durchschnei* 
dang der Haut schien die Tunica vaginalis zum Vorschein zu kommen; dieselbe wurde 
mit der Spitze des Hessers punctirt; in' hohem Bogen ergoss sich eine braangel bliche 
Flüssigkeit; nach Erweiterung der Einstichsöffnung quollen gallertige, braungelbe Massen 
hervor; die nähere Untersuchung ergab die Anwesenheit eines grösseren Convoluts auf- 
gequollenen Netzes im Brachsacke — ohne gleichzeitiges Vorliegen von Darmschlingen. 

26 • 



404 Zwicke, 

Das entartete Netz wnrde an der sehr engen Brachpforte mit Gatgat anterbnnden und 
abgeschnitlen ; die Brachpforte selbst war darch das zarfickgebliebene Netastück fast 
Tollständig zagepfropft; das Gewicht des abgetragenen Netzes belief sich auf 
150 Gramm. Nachdem zur Vorsorge ein Theil des am das Netz heramge fahrten Cat* 
gntfadens aas der äasseren Wände herausgefahrt war, warden die Wandrander nach 
Art' der Hydrocelennaht amsäarat, ein kleinfingerdickes Drain eingeführt und ein Ver- 
band aas Salioylwatte and trockener Garbolgaze angelegt; Tinct. Opii spl. innerlich. 
Nachdem die Nachwirkung des Chloroforms, welche sich in mehrstündiger Neigang zum 
Erbrechen äasserte, überwanden war, klagte Pat. über geringe Schmerzen in der In- 
guinalgegend ; dieselben rerminderten sich indess von Tag za Tag; am 5. Tage nach 
dem operativen Eingriffe fühlte sich Pat. vollkommen wohl; Temperatarsteigerang war 
nicht aufgetreten; am 10. Tage erfolgte nach Eingiessungen und einer Gabe Senna- 
Infos reichliche Siuhlentleerung ; die Operationswande vernarbte innerhalb 4 Wochen 
unter geringer Eiterung. Als Pat. 7 Wochen nach der Operation aus der Behandlung 
schied, bestand noch eine winzige grannlirende Fistel, aus welcher der zurückgelassene 
Gatgulfaden hervorragte; auf leichten Zug wollte derselbe nicht folgen; die Bruchpforte 
schien vollkommen solide verschlossen; selbst bei starken Hustenstössen trat nirgends 
eine Hervorwölbung auf. Subjectiv bestanden nicht die geringsten Beschwerden. (Trotz 
anscheinender Radicalheilung der Hernie wurde das Tragen eines Bruchbandes dringend 
empfohlen.) 

3) Hernia Littrica; Tod an septischer Peritonitis am 14. Tage 

nach dem inneren Brachschnitte. 

6 6 jähriger, äusserst decrepider Mann; seit 5 Tagen Stahlverstopfang and Er- 
brechen; am 2. Tage wurdeh angeblich von ärztlicher Seite Versuche gemacht, eine 
rechtsseitige Bruchgeschwnlst, an welcher Pat. früher nicht gelitten haben will, zurück- 
zubringen und Abführmittel verabreicht; die Beschwerden steigerten sich, seit 2 Tagen 
Erbrechen schwärzlicher, übelriechender Massen. — Wallnussgrosse , äussere Inguinal- 
Hernie, Haut geröthet, Epidermis in Blasen abgehoben; T. 36,3^ G. , P. 72. — Her- 
niotomie; kein Bruchwasser; bohneng^osser Darmwandbrach; das eingeklemmte 
Stück der Darmwand zeigte dunkelblaurothe Färbang, der angrenzende Theil der her- 
vorgezogenen Darmschlinge gesundes Aussehen; nach Reposition des Darmes Ligatur 
des Bruchsack Iialses mit Gatgut, Ezcision des vorliegenden Brachsackes; Nahtverschluss 
mit Drain; antiseptischer Verband; nach der Operation T. 36,2® G.; P. 60. — Tinct. 
Opii innerlich. Während der ersten 9 Tage nach der Operation subjectives Wohlbefinden, 
keine Schmerzen, keine Uebelkeiten, Abgang von Winden, kein Fieber, geringe Eiterung 
der Operationswunde. Am 10. Tage nach Eingiessung zweimalige Stuhlentleerung; am 
Abend Frostanfall, T. 38,7; P. 104; am folgenden Tage Uebelkeiten und Erbrechen, 
in der Wunde keine Schmerzen. Wundsecret übelriechend, Necrose der Wandränder, 
Abend temperatur 39.9; P. 132. Am 13. Tage fleckweise Röthung am rechten Ober- 
schenkel, phlebitische Streifen bis zur Ferse; Icterus, T. 39,5; am 14. Tage Collaps 
trotz reichlicher Analeptica. — Obductionsbefund: Haut leicht icterisch, an beiden 
Unterschenkeln starke Yaricen mit Thrombosen und diffuser Röthung der Umgebung. 
Operationswunde mit schlaffen Granulationen bedeckt, Samenstrang auf 8 Gtm. Länge 
freiliegend, eitrig inGltrirt. Unmittelbar hinter dem Leistencanal liegt eine mit der 
Blase verwachsene Darmschlinge, welche auf 10 Gtm. Länge dunkel-blauschwarze Ober- 
fläche zeigt und mit frischer Fibrinschicht überzogen ist; die übrigen Darmschlingen 
getrübt, unter sich verklebt; Blase mit dem inneren Leistenringe verlöthet, bei der Los- 
trennung ergiesst sich Eiter. Peritonitis regionis inguinalis incapsulata, fibroso-parulenta 



Bericht pro 1882. 405 

nniversalis ; Leber geschwollen, stark getrübt, mit schwaohem centralen Icterus. Atro- 
pbia fusca cordis, Emphysema pulmonum, Nephritis chronica. 

Zur Erklärung dieses unerwarteten Ausganges muss man wohl an- 
nehmen, dass bei der Defaecation durch Verunreinigung des Verbandes 
septische Sto£fe in die Wunde gelangt sind, welche trotz der alsbaldigen 
Erneuerung des Verbandes und Ausspülung der Wundhöhle mit Sprocentiger 
Carbollösung zur Wirkung kamen. 

4) Perforatio gangraenosa ilei post herniotomiam. 

65 jähriger, geisteskranker Mann; angeblich seit mehreren Tagen Stuhlverstopfung, 
seit 8 Stunden faeculentes Erbrechen; Pat. stöhnte vor Schmerzen; taubeneigrosse 
Brachgeschwulst in der rechten Leistengegend: unbeweglicher innerer Leistenbruch; 
Hautdecke nicht geröthet; grosse Druckempfindlichkeit. — Herniotomie; kein Bruch- 
wasser; pflaumengrosse Darmschlinge, bläulich gefärbt, deutlicher Einklemmungsring 
von dunkelblaurother Farbe, der angrenzende Theil von gutem Aussehen. Spaltung der 
Brachpforte, Ligatur und partielle Exstirpation des Bruchsackes. — Nahtverschluss mit 
Drain. — Nach der Operation Körpertemperatur 35,6, Puls 102; Klagen über Leib- 
schmerzen, nach einigen Standen diarrhoische Stuhlentleerung, Singultus. Am nächsten 
Morgen T. 36,4; am Nachmittage heftige Leibschmerzen, Puls fadenförmig, 
176, kalter Schweiss; Erbrechen und Singultus hören auf, Leib gespannt, Puls- 
frequenz sinkt aaf 118, während die Körpertemperatur auf 37,4® C. sich erbebt; am 
nächsten Tage CoUaps. Obductionsbefund: Bruchsack gegen die Bauchhöhle völlig 
abgeschlossen; die Darmschliugen durch dankelgelbe, nach Koth riechende Eitermassen 
untereinander verklebt; reichliche Eitermenge in der Bauchhöhle. Der gangränöse 
Theil der Darmschlinge ist nicht länger als 1 Ctm., Serosa theilweise losgelöst; an der 
Uebergangsstelle des dunkelblauen Darmstöckes in den normal aussehenden Theil — 
am Einklemmungsring — eine 5 Mm. grosse Oeffnung in der Darmwand. Peritonitis 
stercoracea universalis. 

5) Hernia inguinalis externa, Verdrängang der Brnchge- 

schwulst hinter die Brachpforte, Resectio ilei, Tod nach 12 

Standen. 

Der 54jährige Pat. gab an, seit vielen Jahren an einer reciitsseitigen Bruchge- 
schwubt zu leiden, die bei schwerer Arbeit öfters hervortrat und von ihm selbst zurück- 
gebracht, auch fär gewöhnlich darch ein Bruchband zurückgehalten wurde. Seit 2 Tagen 
heftige Schmerzen in der rechten Leistengegend, seit 24 Stunden Erbrechen , Stuhlver- 
haltung. — Bei der Untersuchung erwies sich der rechte Leistencanal frei durchgängig, 
die ganze Leistengegend jedoch äusserst schmerzhaft, die Percussion ergab bis zur 
Darmschaafel circumscripte absolute Dämpfung. In der Narcose wurde der Leistencanal 
gespalten und der innere Leistenring freigelegt; dieser war für den Finger durchgängig, 
hinter ihm aber stiess man auf die Brachgeschwulst; es gelang den Bruchsack bis zu 
seinem Hals and einen Theil des Brachinhaltes hervorzuziehen; der mit Klemmpincetten 
fixirte Brachsack wurde eröffnet und in ihm eine mit Pliterflocken belegte, braun ver- 
färbte Darmschlinge vorgefunden; nach Spaltung des eng zusammengeschnürten Bruch- 
sackhalses und seichten Einschnitten in die Brachpforte liess sich die Fortsetzung des 
Darmstäckes bis zur Grenze des gesunden Darms hervorziehen. Die eingeklemmte 
Darmschlinge war besonders am Strangalationsring derart gangränös, dass auf eine 



406 Zwicke, 

Reposition yerzichtet werden musste ; man entscbloss sich zar ReseotioR, bei welcher ein 
12 Ctm. langes Darmstück mit dem angrenzenden Mesenterium entfernt werden musste; 
nach Unterbindung von 8 Mesenterialgefässen wurde das Mesenterium und dann die 
Darmenden durch 15 Lembert'sche Seidennähte vereinigt und die Haltbarkeit und Durch- 
gängigkeit durch Invagination beider Darmenden mit dem Zeigefinger geprüft; der 
Darminhalt Hess sieb aus dem oberen Theile des Darmes in den unteren fortschieben. 
Nach sorgfältigster Desinfection mit 5procent. Carbolsäurelösung wurden zunächst 
Bruchsack und Bruchpforte unler sich sowie mit der Hautdecke fest zusammengenäht 
und dann die Hautwunde für sich durch Nähte geschlossen; trockner Carbolverband ; 
nach Vollendung der Operation T. 38,2; P. 110; am Nachmittage desselben Tages 
trat Erbrechen auf, Pat. klagte dauernd über Leibschmerzen, gegen Abend sank die 
Temperatur auf 37,6^0.; unter sichtlichem Kräfteverfall erfolgte in der Nacht der 
Tod; die innerliche Behandlung bestand in der Darreichung von Tinct. Opii, Eispillen 
und Sherrywein. — Bei der Obduction fand sich eine ausgedehnte haemorrhagische 
Infiltration zwischen der oberflächlichen Bauchfascie und der angrenzenden Baucbwan- 
dung, von der Schenkelbeuge bis zum unteren Rippenrand; die Nahtstelle lag 15 Ctm. 
oberhalb der Einmündungsstelle des Ileum in das Coecum; beim Eingiessen von 
Wasser erwies sich die Nahtstelle selbst unter hohem Druck durchaus 
schlussfähig; die Darmschlingen von Gas aufgetrieben, Serosa getrübt, mit Fibrin- 
flocken besetzt, die nächste Umgebung der Nahtstelle grünlich-gelb verfärbt; mehrere 
Stellen des Dünndarms durch fibröse Bindegewebszüge des Mesenteriums zu Schlingen 
fixirt; Peritonitis fibrino-purulenta recens, partialis fibrosa; in der Bauchhöhle kein 
fremder Inhalt; Peritonealhöhle im Bereich der Wunde vollständig verschlossen. 
Obesitas cordis. 

6) Hernia inguinalis externa, Hernio-Laparotomia, Resec- 
tio ilei. Collaps nach der Operation. 

Die 36jährige Pat. empfand angeblich vor 5 Tagen plötzlich stechende Schmerzen 
im Leibe und bemerkte alsbald eine kleine, schmerzhafte Geschwulst in der rechten 
Leistengegend; Stuhlverhaltung , seit 2 Tagen Erbrechen; von ärztlicher Seite sollen 
erfolglose Taxisversnche gemacht worden sein. Rechtsseitige unbewegliche äussere 
Inguinalhernie, Hautdecke stark geröthet. Herniotomie; nach Eröffnung des Bruchsackes 
kam eine blaurothe bis schwarzblaue Darmschlinge zum Vorschein; als nach Spaltung 
des einklemmenden Bruchsackhalses die Reposition der Darmschlinge versucht wurde, 
erfolgte eine Perforation und übelriechender Darminhalt floss durch die Bruchpforte in 
die Bauchhöhle. Durch einen auf den schon vorhandenen Hautschnitt nach dem Nabel 
zu senkrecht geführten Schnitt durch die Bauch wand wurden die eingeklemmten Darm- 
schlingen hinreichend freigelegt und der gangränöse Theil in der Länge von 22 Ctm. 
resecirt; 20 Lembert'sche Nähte. Reinigung der Peritonealhöhle mit Salicylsäurelösung; 
Nahtverschlttss mit Drain. 

Das Allgemeinbefinden der an und für sich schwächlichen Pat war schon bei 
Beginn der Operation wenig günstig; durch erwärmte Decken wurde von vornherein 
jede Abkühlung zu vermeiden gesucht; während der dreistündigen Operation waren nur 
15 Qrm. Chloroform zur Erhaltung einer tiefen Narcose nothwendig gewesen; Pat. 
erholte sich nur unvollkommen; nach wenigen Stunden erfolgte Herzlähmnng. — 
Obdnctionsbefund : Peritonitis fibrino-purulenta partialis; die Nahtstelle lag 10 Ctm. 
oberhalb der Ileocoeoalklappe , die Naht erwies sich als wasserdicht; die angrenzenden 
Darmtheile missfarbig, mit kleinen Haemorrhagien und fibrinösen Flocken bedeckt. 



Bericht pro 1882. 407 

7).Heriiia ingainalis interna; vollständige Continuit&ts- 

trennnng des Darmrohrs am Einklemmungsringe; Anlegung 

eines Anus praeternaturalis. Tod nach 15 Stunden. 

54 jährige Frau, angeblich seit vielen Jahren an einer rechtsseitigen Bruchge- 
schwnlst leidend^ ohne ein Brachband zu tragen; seit 7 Tagen Schmerz in der rechten 
Leistengegend, seit 6 Tagen Erbrechen, wogegen von ärztlicher Seite Chloroform- 
Einreibungen und Eispillen verordnet worden sein sollen; am 6. Tage der Erkrankung 
angeblich missglückte Taxisversuche; bei Ankunft in der Klinik Kothbrechen; unbe- 
weglicher innerer Leistenbruch rechts; Hautdecke entzündlich infiltrirt; sofortige 
Herniotomie. Nach einem seichten Einschnitte in die Hautdecke entleerte sich bereits 
übelriechende, faeculente Flüssigkeit; nach Erweiterung des Schnittes erkannte man, 
dass der Bruchsack mit def Haut verwachsen und bereits eröffnet war; die vorliegende 
Darmschiinge gangränös; der innere Schenkel im Bereiche des fest umschnürenden 
Bruchsackhalses vollkommen abgetrennt, necrotisch; eine zweite Perforation an der 
grossten Convexität der Darmschlinge; nach Excision des brandigen Darmtheiies liessen 
sich die beiden Darmenden in der Bruchpforte bequem nebeneinander legen; nach 
Prüfung der Durchgängigkeit wurden dieselben unter sich und an den Hautwund rändern 
durch Nähte befestigt; während dieser Manipulationen flössen dauernd faeculente 
Massen aus dem nach aussen gelegenen Darmende; Desinfection mit 5procent. Carbol- 
sänrelösnng; Verband aus Massen von Salicylwatte und Chlorzinkjute. — Nach dem 
Erwachen aus der Narcose wiederholt faeculentes Erbrechen, Klagen über heftige 
Schmerzen im Unterleib, Puls klein, 144, T. 36,2; nach «twa 15 Stunden Collaps. — 
Obductionsbefund; Darmschlingen durch Gas stark aufgetrieben; in der Bauchhöhle 
schmutziggelbe Jauche in sehr geringer Menge (etwa 40 Ccm.)i das ganze Peritoneum 
stark injicirt, die Darroschlingen vielfach mit eitrig- fibrinösem Belag überzogen (Peri- 
tonitis fibrino-purulenta universalis); die oberen, stark aufgetriebenen Dünndarmschlin- 
gen enthalten sehr reicblich dünnflüssigen, galligen Koth. Etwa 30 Ctm. oberhalb der 
Einroündungssteüe des Ileum in das Coeoum tritt eine Dünndarmsclilinge durch den 
hinteren (inneren) Leistenring in die Operationswunde, während ein zweites Darmstück 
oberhalb des ersten zum Coecum verläuft. Durch die Fixirnng beider Schenkel in der 
Wunde ist eine halbe Achsendrehung des Darms zu Stande gekommen , welche jedoch 
auf das unmittelbar betroffene Stück beschränkt bleibt; die dem oberen Darmtheile 
angehörige Darmschlinge ist im rechten Wundwiokel, die andere im linken fixirt, so 
dass die erste unter der zweiten verläuft und etwas comprimirt wird. Beim Eingiessen 
von Wasser erweist sich der Nahtverschluss haltbar. — Cicatrix ventriculi , Atrophia 
lienis, Nephritis et Hepatitis pareochymatosa; Fibromyomata uteri parva ; Hypertrophia 
ventriculi utriusque cordis; Bronchitis catarrhalis, Oedema pulmonum; Scoliosis; 
Polysarcia. 

Schenkelbrüche; 5 Fälle, darunter 2 Darm wandbräche; innerer 
Bruchschnitt; Heilung erfolgte in 3 Fällen, ein Mal nach spontaner Bil- 
dung und spontanem Verschluss einer Darmfistel; tödtlich verliefen^zwei : 
1) am 5. Tage nach der Operation in Folge von Perforation der reponirten 
Darmschlinge (Hernia Littrica) nnd eitriger Peritonitis; 2) am 14. Tage 
nach der Operation; vor derselben bestand bereits Albuminurie; [bei der 
Obduction fand sich Bildung einer Darmfistel mit circumscripter eitriger 



408 Zwioke, 

Peritonitis an der Operationsstelle, ausserdem amyloide Degeneration der 
grossen Unterleibsdrüsen und des Darmes^ sowie sarcomatöse Neubildung 
in der rechten Niere. 

1) Obstructio herniae femoralis. 

57jährige Pat. — angeblich seit 15 Jahren an rechtsseitigem Schenkelbroch lei- 
dend, der allmälig die Grösse von 2 Mannesfausten erlangte, für gewöhnlich durch ein 
Bruchband zurückgehalten und wiederholentlich von der Pat. selbst reponirt wurde. Am 
Morgen des 3. November hob Pat. einen schweren Kinderwagen und empfand bald dar- 
nach heftige Schmerzen in der Schenkelbeuge, obwohl sie das Bruchband trog; der 
Bruch war hervorgetreten und Pat. vermochte ihn nicht zurückzubringen; es stellten 
sich Uebelkeiten ein; Stuhlgang war kurz vor dem Unfall erfolgt; ärztlicherseits wurde 
am Nachmittage die Taxis versucht; am Abend bei der Ankunft in der Klinik fand sich 
ein rechtsseitiger Schenkelbruch von Kindskopfgrösse, bei Berührung sehr schmerzhaft, 
im Allgemeinen weich anzufühlen, unterhalb des Ligament. Poupartii aber Hessen sich 
harte Darmschlingen durchfühlen. Hautdecke geiothet; da Taxisversuche in der Narcose 
missglückten, wurde mit der Herniotomie nicht gezögert. Nach Spaltung des Bruch- 
sackes entleerten sich etwa 2 Esslöffel Bruchwasser; der übrige Bruchinhalt bestand 
aus einem grösseren Gonvolut collabirter Darmschlingen von gesundem Aussehen und 
einer sehr stark aufgeblähten Darmschlinge, welche augenscheinlich das Repositions- 
hinderniss abgegeben. Ohne Schwierigkeit Hessen sich die ersteren unter gurrendem 
Geräusch in die Bauchhöhle zurückschieben; die aufgeblähte Darmschlinge — von 
blassrother Farbe, nicht ödematös, nicht verfärbt — konnte erst reponirt werden, nach- 
dem der Schenkelring durch 2 seichte Einschnitte erweitert war; die Gase Hessen sich 
nicht ausdrücken; der Bruchsackhals wurde mit der Bruchpforte durch 2 Gatgutnähte 
geschlossen, von der Exstirpation des grossen Bruchsackes Abstand genommen, die In- 
cisionswunde gleichfalls durch Nähte vereinigt und an der Basis des Bruchsackes eine 
Oeffnung zur Einführung eines Drains angelegt. Verband aus trockner Garbolgaze. Die 
Heilung erfolgte ohne Zwischenfall, ohne Temperatursteigerung; die Secretion im 
Bruchsack war anfänglich reichlich, später schrumpfte derselbe beträchtHch zusammen ; 
6 Wochen nach der Operation war Vernarbung eingetreten; Pat. wurde mit einem Brach- 
bände entlassen. 

2) Hernia Littrica. 

Die 69jährige Pat. gab an, bereits seit mehreren Jahren an einer Bruchgescfawulst 
zu leiden ; bis vor Kurzem habe sie dieselbe für eine geschwoUene Drüse angesehen und 
kein Bruchband getragen; die AnschweHung sei zuweilen kleiner geworden und beim 
Husten stärker hervorgetreten ; seit einigen Tagen empfindet Pat. Schmerzen in der Ge- 
schwulst; ein Arzt soH versucht haben, dieselbe zurückzubringen, was indess nicht ge- 
lang; seit 2 Tagen Erbrechen; die Untersuchung ergab eine taubeneigrosse, linksseitige, 
unbewegliche Femoralhernie; Taxisversuche in der Narcose erfolglos; Herniotomie; 
Bruchsack dunkelblauschwarz; nach Spaltung des einklemmenden Brnchsackhalses fand 
sich ein Darmwandbruch, das eingeklemmte Stück von dunkelblauer Farbe; Reposition; 
Ligatur des Bruchsackhalses, Exstirpation des vorliegenden Bruchsacks; Nahtveischluss 
mit Drain. Verband aus trockner Garbolgaze. Während der ersten 3 Tage Tinct. Opii 
simpl. 2 — 3stündlich 15 — 10 Tropfen; die Heilung erfolgte ohne Störung, ohne 
Fiebererscheinuogen. Am 5. Tage nach Eingiessung breiige Stuhlentleernng. Nach 
4 Wochen war die Vernarbung voUendet. 



Bericht pro 1882. 409 

3) Herniotomie, spontane Bildung und spontaner Verschluss 

einer Darmfistel. 

52jährige Pat., seit mehreren Jahren rechtsseitige Brachgeschwulst; ein Brach- 
band wurde nicht getragen; seit 2 Tagen heftige Leibschmerzen, Stnhlverhaltong, Er- 
brechen; ausserhalb der Klinik sollen bereits in Chloroformnarcose Taxisversuche ohne 
Erfolg angestellt worden sein. Wegen starker entzündlicher Schwellung in der Schenkel- 
beuge bis zum Labium majus wurde von nochmaligen Taxisversuchen Abstand genom- 
men. Herniotomie. Brucbsack schlaff, donkelblauroth ; nach Spaltung desselben ent- 
leerten sich etwa 2 Esslöffel blutig gefärbten Serums; die eingeklemmte Darmschlinge 
dunkeJblauroth , aber nicht missfarbig; Reposition nach Spaltung des Schenkelringes; 
um den Brnchsackhals wurde eine Gatgutligatur gelegt, der Rest des Bruchsackes exstir- 
pirt; Verschluss der Wunde durch Catgutnähte. Verband aus trockner Garbolgaze und 
Chlorzinkjute. Nach dem Erwachen aus der Narcose fühlte Fat. sich frei von Schmer- 
zen; wiederholentlich Abgang von Flatus; Tinct. Opii spl. 3 stündlich 15 Tropfen wäh- 
rend der 3 ersten Tage. Trotz des relativen Wohlbefindens bestand während der näch- 
sten 6 Tage Temperaturerhöhung, am Morgen bis 38.4^0., am Abend bis 39^0. 
Vom 3. Tage ab klagte Fat. zuweilen über Kreuzschmerzen ; wegen starker Auftreibung 
des Leibes wurde am 6. Tage eine Eingiessnng in das Rectum yorgenommen; sofort 
gingen reichlich Flatus ab; bald darnach äusserte Fat. die Empfindung, „dass sich in 
der Wunde etwas geöffnet habe". — Beim Verbandwechsel fanden sich neben reich- 
lichem Eiter fäculente Massen in der Wunde; am selbigen Abend stieg die Temperatur 
nicht über 37,6^ C; Fat. blieb von jetzt ab fieberfrei und schmerzfrei; während der 
nächsten 4 Tage entleerte sich viel Darminhalt aus der Wunde; durch Anwendung von 
Acet. plumbi wurde eine stärkere Erosion der Hautdecke verhütet; am 8. Tage wurde 
ein Spulwurm aus der Darmfistel entfernt; gegen Ende der 3. Woche erfolgte spontan 
Kothentleerung durch den After, während aus der Darmfistel nur geringe Mengen Darm- 
inhalt sich entleerten; die Entleerungen per anum erfolgten von nun ab jeden 2. t)is 
3. Tag; in der 5. Woche waren fnculente Massen in dem Wundsecret nicht mehr be- 
merkbar. Ende der 8. Woche war feste Vernarbung erfolgt; wenige Tage später verliess 
Fat das Krankenhaus. 

4) Hernia Littrica, Herniotomia, Perforatio ilei repositi. 

40jährige Frau: Brachgeschwulst angeblich seit 6 Jahren; zeitweilig wurde ein 
schlecht passendes Bruchband getragen ; vor 4 Tagen trat bei einem Fall der Bruch 
hervor und konnte nicht — was früher wiederholt Fat. selbst gelungen war — vom 
Arzte zurückgebracht werden; seit 2 Tagen Stuhhrerstopfung, mehrmaliges Erbrechen, 
Schmerzhaftigkeit der Bruchgeschwulst. Hernia femoralis sinistra immobilis; Taxisver- 
suche in der Narcose missglückten ; Herniotomie. Nach Spaltung des Bruchsacks lag 
blanrother Darm vor; nach Spaltung des Brnchsackhalses und der Brnchpforte durch 
mehrere seichte Incisionen Hess sich der Darm ohne Schwierigkeit hervorziehen und war 
nunmehr erkennbar, dass nur ein Theil der Darmwand bis auf mehrere Millimeter vom 
Mesenterialansatze entfernt circumscript blauroth verfärbt war; Reposition des Darmes, 
doppelte Gagutligatur um den Brucksackhals, Exstirpation des vorliegenden Bruchsackes, 
Nahtverschlttss, Drain, Verband aus Salicylwatte , trockner Garbolgaze und Ghlorzink- 
jute. Bald nach der Operation erfolgte breiige Stuhlen tleernng; trotz Opium stellten 
sich am nächsten Tage Schmerzen im Unterleib ein, diarrhöische Entleerungen wieder- 
holten sich, mehrmaliges Erbrechen gesellte sich hinzu mit abendlicher Temperaturstei- 
gerung bis 38,6^ G. bei 120 Pulsfrequenz; am 4. Tage hörten die Schmerzen 



410 Zwicke, 

auf, Erbrechen trat nicht mehr ein, auch die Stahlentleerungen blieben 
aus. Während Fat. subjecti? sich besser fühlte, stieg die Pulsfrequenz bis 144, 
die Temperatur sank auf 37,0, die Extremitäten wurden feucht und kalt, trotz Ana- 
leptica Collaps. 

Obductionsbefund: Darmschlingen durch Gas sehr stark aufgetrieben, durch 
frische Fibringerinnsel verklebt , stark geröthet und getrübt. 1 Clm. oberhalb der 
Bauhin'schen Klappe findet sich eine fast die ganze Circumferenz des Darmes 
umgreifende Nee rose von 5 Gtm. Durchmesser; in der Umgebung des Mesenterial- 
ansatzes ist nach beiden Seilen hin ein schmaler, 0,7 Gtm. breiter Saum von der Necrose 
verschont geblieben; an einer ungefähr 2 Gtm. langen Stelle ist Gontinaitäts- 
trenn ung entstanden, so dass Darminhalt heraustritt; im Umfang de3 necrotischen 
Stückes besteht dunkelblaue hämorrhagische Röthung; Darmschleimhaat dick belegt 
mit fibrinösen Pseudomembranen. Peritonitis .universalis fibrino-purulenta. Mesenterial- 
drüsen geschwollen; in den übrigen Organen nichts Abnormes. 

5) Hernia ferooralis sinistra, Herniotoroia; Peritonitis cir- 
cumscripta adhaesiva, Gangraena partialis ilei, Fistula ilei, 
Thrombosis venae femoralis sinistrae. 

53jährige Frau; die Bruchgeschwulst bestand angeblich schon seit vielen Jahren; 
seit V4 J&hr faustgross, stets leicht zu reponiren. Vor 3 Tagen trat die Bruchgeschwulst 
stärker hervor, als bisher, und konnte selbst von ärztlicher Seite nicht zurückgebracht 
werden; Schmerzen im Unterleib, seit 24 Stunden Erbrechen faeculenter Massen. — 
Faustgrosse Femoralhernie; Hautdecke geröthet; der Tumor wölbt sich über das Ltg. 
Poupartii nach oben. — Starkes Oedem beider Beine; kein Herzfehler nachweisbar; 
Urin reich an Eiweiss. Taxisversuche in der Narcose ohne Erfolg; Herniotomie; 
sanduhrförmiger Bruchsack; der Bruchsackhals Hess sich stumpf genügend erweitem: 
Darm blauroth; Reposition. Doppelte Gatgutligatur um den Bruchsackhals, Exstirpation 
des vorliegenden Bruchsackes. Nahtverschluss mit Drain ; Jodoformverband. Am Abend 
nach der Operation Erbrechen grunschwarzer faeculenter Flüssigkeit; Leibschmerzen; trotz 
Opium bestehen die peritonitisohen Erscheinungen weiter bei subnormaler Temperatar 
(36,4 ®G.) und gesteigerter Pulsfrequenz (116); Leib stark aufigetrieben; Singultus; 
im Urin viel Eiweiss. Am 5. Tage hörte das Erbrechen auf; Abgang von Flatus; am 
Abend T. 36.0, P. 125, klein; am folgenden Tage erste, reichliche, breiige Stnhlent- 
leerung, dieselbe wiederholte sich fast an jedem der folgenden Tage mehrere Male; 
Leib aufgetrieben, wenig schmerzhaft; Eiterung in der Operationswunde; keine faeca> 
lenten Beimengungen; Temperatur dauernd subnormal 36,7 — 36,1 ; Puls 130 — 100 ; 
trotz des sichtlichen Gollaps und Zunahme der Oedeme, welche auch an den Händen 
auftraten, fühlte sich Pat. am 11. Tage nach der Operation snbjectiv besser; das 
Schluchzen sistirte am 12. Tage; in der Nacht vom 13. — 14. Tage Tod. Ob- 
ductionsbefund: In der linken Beckenhälfte, in Gommunioation mit der Operations- 
wunde, findet sich eine etwa faustgrosse Jauche höhle, welche durch vollständige 
Verwachsung der Dünndarmschlingen gegen die Bauchhöhle abgeschlossen 
ist. Eine der Darmschlingen ist auf mehrere Gentimeter necrotisch, derart dass die 
Darmwand bei Aufgiessen von Wasser wie ein dünner, gelber Schleier flotlirt und das 
Lumen des Darms frei in die Jauchehöhle einmündet; dabei tritt der Inhalt aus 
dem oberen Darmtheile ungehindert in das abwärts gelegene Darm- 
stück, ersterer ist nicht dilatirt. Das Bauchfell ist im Uebrigen schmutzig-grau, glatt 
und glänzend , nur in der Nähe der Adhäsionen besteht särkere Ii\jection der Serosa. 



Bericht pro 1882. 411 

Milz bis zu 14,8 und 4Va.Ciin. Tergrössert, exquisite Sagomilz. Linke Niere amyloid. 
Rechte Niere etwa auf das dreifache vergrössert durch Entwicklung eines Liposar- 
coma mjxoDiatodes. Amyloid -Entartung des Darmes und der Leber. Emphysema 
pulmonum. — Linke Sohenkelvene unter dem Lig. Poupartii durch einen 
6 Ctm. langen Thrombus verschlossen. 



Innere EinklemmuDg (Torsio ilei ad axin), Laparotomia; 

Collapsas. 

40 jähriger Schneidergeselle, welcher den Angaben zufolge vor Jahren einen 
rechtsseitgen Leistenbruch acquirirt hat; in letzter Zeit soll die Bruchgesohwulst bei 
schwerer Arbeit häufiger hervorgetreten sein. Seit 8 Tagen vollständige Stuhlverhaltung, 
seit einigen Tagen Erbrechen galliger Massen, Schmerzen im Unterleibe, namentlich in 
der rechten Unterbauchgegend ^ nach Eingiessungen in das Rectum war während der 
letzten 24 Stunden Entleerung breiiger Kothmassen erfolgt; das Erbrechen hielt trotz- 
dem an. Bei der Aufnahme war der Leib stark aufgetrieben, auf Druck namentlich in 
der recbien Leistengegend sehr empfindlich; beiderseits war der Leistenoanal sowie der 
innere Leistenring für den Finger frei durchgängig; die Percussion ergab Dämpfung 
in der rechten Leistengegend, tympanitisohen Schall am übrigen Theil des Abdomen; 
Gesichtsfarbe bleich, Puls klein, beschleunigt; häufige übelriechende Ructus; Brech- 
neigung. — Laparotomie. — Zunächst wurde der rechte Leistenoanal freigelegt und die 
innere Leistenöffnung aufgesucht; beide waren frei von fremdem Inhalt; nach Spaltung 
des Bauchfells entleerten sich etwa 2 Ltr. einer braanrothen Flüssigkeit (peritonitisohes 
Exsudat); zugleich drängte sich eine Darmschlinge von blaurother Farbe hervor; dieselbe 
wurde hervorgezogen und liess zunächst keine Einklemmnngserscheinungen erkennen, 
vielmehr zeigte der Darm nach einer Seite hin normales Aussehen; nach Erweiterung 
der Bruchpforte in der Richtung nach der Spina anter. superior wurde die Darmschlinge 
nach der anderen Seite hin weiter hervorgezogen und zeigte die Fortsetzung des Darmes 
auf eine Länge von 1 12 Ctm. gleichmässig braunrothe Färbung bis an eine Stelle, an 
welcher das Darmrohr eine Aohsendrehung zeigte; die beiden Schenkel der Darm- 
schlinge waren hier vollständig umgeknickt und unwegsam. Oberhalb 
dieser Stelle war das Darmrohr von normaler Beschaffenheit. Die Einklemmung wurde 
durch Zurückdrehen beseitigt und die freie Durchgnngigkeit durch Invagination der 
angrenzenden Theile mit dem Finger geprüft; die umschnürte Stelle erschien nicht 
schiefrig verfärbt, die Continuität der Darmwandung nicht beschädigt. Nach Desinfection 
mit erwärmter 5procent. Carbollösung wurde der Darm reponirt, das Peritoneum durch 
Catgutnähte dicht vereinigt und die Hautwunde mit carbolisirten Seidenföden geschlossen 
unter Einführung eines kurzen Drains. Antiseptischer Verband. Während der Operation 
war der Unterleib mit warmen Tüchern bedeckt; nach Beendigung der Operation wurde 
Fat. in ein erwärmtes Bett gelegt und warmer Wein eingeflösst; T. 35,7, P. 128. 
Nach Verlauf weniger Stunden erfolgte eine wässerige , blutig gefärbte Entleerung per 
anum; nach 6 Stunden trotz reichlicher subcutaner Aetherinjectionen Exitus letalis. — 
Obductionsbefund: In der Bauchhöhle finden sich etwa 50 Gem. blutiger, trüber 
Flüssigkeit; die Dünndarmschlingen stark aufgetrieben, Bauchfell grünlich grau gefärbt. 
Beim Ablösen des Dünndarms vom Coecum aus zeigt sich das Darmrohr auf 50 Ctm. 
Länge ziemlich eng; Serosa glatt, von grauer Farbe; dann beginnt mit ziemlich scharfer 
Grenze eine Erweiterung des Darmrohrs mit haemorrhagischer Infiltration der Darmwand 
und des Mesenterium, Serosa getrübt, theilweise fast necrotisch; nach einer Länge von 



412 Zwicke, 

etwa 125 Gtm. nimmt das Darmrohr mit scharfer Begrenzung normale Weite an. — 
Eine äussere Ursache für eine Einklemmung ist nicht zu finden. — Bruchpforton beider- 
seits normal eng. — Der Inhalt des Darms ist vom Duodenum abwärts haemorrhagisch, 
einen dünnen theerähnlichen Brei darstellend. — Die Schleimhaut im unteren Ab> 
schnitt des Deum diffus blutig, im erweiterten Theile schwarzroth, im oberen Abschnitte 
gleichfalls blutig imbihirt. (Peritonitis haemorrhagioa universalis.) Schenkelkanäle und 
Foramina obturat. geschlossen. — Anaemia renum et hepatis. 

Auf Grund der, freilich lückenhaften, Anamnese könnte man annehmen, 
dass vor der Aufnahme in die Klinik eine Brucheinklemmung bestanden 
habe, welche durch Taxis beseitigt worden war, mittlerweile aber zur Achsen- 
drehung Veranlassung gegeben hatte. 

C. Bawhdeckei-ibgcess. 

Oberflächlicher Bauchdeckenabscess oberhalb der Leistengegend bei einer 
Puerpera; vielfache Sinuositäten machten wiederholt Spaltungen und Gegenöffnungen 
nothwendig, so dass die Heilung 3 Monate erforderte. 

D. GaschwUste. 

Atherom an der linken Seite der Bauchwand, hühnereigrosse, fluctuirende Ge- 
schwulst mit geröthetem Hautüberzuge; nach Incision entleerte sich grünlich -gelber 
Eiter mit Grützbrei; Exstirpation des Balges; Heilung unter geringer Eiterung innerhalb 
14 Tage. Nach Aussage des 56jährigen Pat. bestand die Geschwulst seit vielen Jahren, 
blieb lange Zeit erbsengross, wuchs dann in den letzten Jahren sehr schnell. 

4 

Kothgeschwulst bei einem 16jährigen Buchdrucker; einem Neoplasma ähn- 
lich erhob sich die harte, etwas höckerige, bei Berührung wenig schmerzhafte Geschwulst- 
masse aus dem kleinen Becken ; von der Grösse einer Mannesfaust füllte sie die Blasen- 
gegend aus und reichte bis in die Fossae iliacae. Pat. klagte über massige Schmerzen 
im Unterleib, vomehmlich über Urinbeschwerden, indem er sehr oft, aber immer nur 
sehr wenig Urin unter Schmerzen lassen konnte; die Leibesöffnung war öfter unregel- 
mässig gewesen, aber noch vor 3 Tagen hatte Stuhlentleernng stattgefunden; Uebel- 
keiten oder Erbrechen traten nicht auf. Bei der Untersuchung per rectum fand sich 
dieses frei, der Finger stiess jedoch auf einen harten Tumor in der Blasengegend, ein 
silberner Catheter Hess sich ohne Hindemiss in die Blase einführen, aber nicht frei be- 
wegen, sondern begegnete nach allen Seiten hin einem höckerigen Widerstand; das 
Lumen der Blase schien erheblich verkleinert; Urin wurde fast nur tropfenweise entleert. 
Keine Fiebererscheinungen. — Nach Gebrauch von Ol. Kicini erfolgten bald ausser- 
ordentlich reichliche Entleerungen, die Spannung des Unterleibs, die Urinbeschwerden 
Hessen nach, die Kothgeschwulst verlor sich innerhalb weniger Tage vollständig. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Bleiwirkung vorlag; anderweitige Erschei- 
nungen von Blei-lntoxication bestanden jedoch nicht. 



Bericht pro 1882. 413 



Leber-Echinococcen. 2 Fälle. 

1) Incision eines Echiuococcussackes; Extraction der Mutter- 
blase; Heilang. 

10 jähriger Görilersohn aus Sagan begann nach Aussage der Matter etwa 3 Monate, 
be?or sie ihn zur Klinik brachte, zu klagen, dass er beim Laufen häufig stechende 
Schmerzen in der Seite empfände und schnell ermüdete; bald darnach bemerkte die 
Matter bei dem Knaben eine Anschwellung in der rechten Unterleibsgegend,- welche 
auf Druck schmerzhaft war; dieselbe vergrösserte sich während der nächsten 6 Wochen 
nur wenig, nahm aber dann aufTällig an Umfang zu; der Knabe magerte dabei ab, ob- 
wohl er leidlichen Appetit hatte und das Genossene anscheinend gut verdaute. — Bei 
der Ankunft in der Klinik sah der Knabe recht elend aus, an Rumpf und Gliedern ab- 
gemagert. Die Lebergegend, das Epigastrium und das linke Hypochondrium bis zur 
Mammillarlinie waren stark bervorgewöibt; bei der Percussion fand sich in der rechten 
Mamniiilariinie von der 5. Rippe abwärts bis auf etwa 1 1 Gtm. absolute Dämpfung 
(Schenkelschall), vom Proc. xiphoid. gleichfalls Dämpfung nach abwärts bis auf 13 Gtm., 
in der linken Mammillarlinie vom 4. Intercoslalranme abwärts auf 8 Ctro., der sagittale 
Durchmesser betrog 32 — 36 Gtm.; bei der Palpation war im Bereiche des gedämpften 
Percussionsschalles ein Tumor zu fühlen, von glatter Oberfläche, kugelig, prall-elastisch, 
anscheinend fluotuirend, nicht schmerzhaft. — Respirations- und Girculationsapparat 
liessen keine krankhaften Veränderungen erkennen; Verdauung nioht gestört; Urin frei 
von fremden Bestand theilen. — In gut verlaufender Narcose wurde auf der Höhe der 
Geschwulst, 2 Gtm. unter dem rechten Rippen rande die Bauch wand durch einen horizon- 
talen. 8 Gtm. langen Schnitt schichtweise dnrchtrennt; das Peritoneum erschien weiss- 
glänzend, mit der Bauch wand und dem sich hervorwölbenden Tumor innig verwachsen, 
so dass mit einer Incision in den letzteren nicht gezögert zu werden brauchte ; ein leichter 
Zug mit dem Scalpell, — und wasserhelle Flüssigkeit stürzte hervor, etwa 800 bis 
1 000 Gom. ; nach Einführung des Zeigefingers quollen Echinococcusblasen in grosser 
Zahl heraus; beim Abtasten der Gyste gelang es Herrn Geheimrath Dr. Bardeleben 
die Gystenwand zu fassen nnd durch behutsamen Zug die Mutterblase in toto heraus- 
zuziehen, — ein Sack von 1000 Gem. Inhalt, die Wand glänzendweiss , 2 — 3 Mm. 
dick. Durch Balg und Wundränder wurden aus Vorsicht 14 Seidennähte gelegt; von 
einer vollständigen Entleerung und Ausspülung der Höhle wurde zur Verhütung einer 
Uaemorrhagie Abstand genommen; Einfügung eines Drains, Verband aus lOprocentiger 
Salicylwatte, trockener Garbolgaze und Ghlorzink- Flanellbinden. Die Heilung verlief 
ungestört; 'das Beeret war während der ersten Tage blutig gefärbt; trotz seiner geringen 
Quantität wurde anfangs der Verband täglich gewechselt; vom 6. Tage ab wurde nur 
jeden 2., später jeden 4. bis 6. Tag Verbandwechsel nothwendig, und dabei jedes Mal 
eine Ausspülung mit 3 pro mille Salicylsäurelösung vorgenommen. — Pat. klagte an- 
fänglich über Schmerz in der Operationswunde; sein Allgemeinzustand besserte sich von 
Tag zu Tag; die Körpertemperatur war an einigen Abenden der ersten 12 Tage bis 
38,6 und 39,7 erhöht, ohne dass ein Grund dafür objectiv nachweisbar war. Am 
42. Tage nach der Operation war die Wundhöhle soweit ausgeheilt, dass ein Drain nicht 
mehr Platz fand; nach weiteren 14 Tagen konnte Pat. geheilt entlassen werden. In 
der rechten Mammillarlinie begann die Leberdämpfong jetzt am unteren Rande der 
5. Rippe und reichte abwärts bis 1 Gtm. unter den Rippenrand, in der Medianlinie 
reichte die Dämpfung von der Fossa cardiaca 6 Gtm. abwärts. Lungenschal] durchweg 



414 Zwioko, 

normal, nur rechts ron der Höhe des 11. Bnistwirbeis abwärts leicht gedampft; die 
Auscaltation ergab keine Abnormitalen. — Der Knabe ist zur Zeit ganz gesand. 

2) Biloculäre Echinococcen-Geschwulst mit eitrigem In- 
halte; Incision; Peritonitis purulenta universalis. 

Die 49jährige Fat., Brieflrägersfrau aas Berlin, gab an, im Allgemeinen gesand 
gewesen zu sein, drei normale Wochenbetten äberstanden za haben, jedoch seit längerer 
Zeit an hartnäckiger StuhWerstopfang za leiden; seit etwa 6 Monaten empfand sie 
Drack im Unterleib ; vor 2 Monaten , nachdem Fat. mehrere Tage gewaschen hatte, 
stellten sich so heftige Schmerzen im Unterleibe ein, dass Fat. das Bett böten masste; 
seitdem fahlte sie sich andaaemd anpässlich and bemerkte gleichzeitig eine stetig zo- 
nehmende Anschwellang des Leibes ; Appetit gat, kein Erbrechen, Urinsecretion normal. 
— Die obere Hälfte des Abdomen war beträchtlich her?orgewölbt und von einem Tumor 
aasgefallt; die Oberfläche desselben war gleichmässig glatt, in derRichtung der 
Linea alba war ein härterer Theil durchzufühlen, während za beiden Seiten 
in den Hypochondrien Fluctuation nachweisbar war; die Falpation Terarsaohte keine 
Schmerzen; Hautdecken weder geröthet noch ödematos; abwärts von der Geschwulst 
waren weiche Darmschlingen zu fahlen; die Leberdämpfung begann im 5. Intercostal- 
raum. Eine Frobepunction lieferte eitrigen Inhalt, in welchem Detritas, aber keine 
specifischen Bestandtheile aufgefanden worden. Während dreitägiger Beobachtung 
war Fat. fieberfrei.. An den Brustorganen und im Urin nichts Abnormes. Man ent- 
schloss sich zu einer schichtweisen tncision auf der Höhe der Geschwulst unterhalb des 
rechten Rippenbogens; die Bauchmuskulatnr zeigte sich gesund, das Feritoneam ?er- 
dickt und mit der Nachbarschaft fest verwachsen; in die 5 Ctm. lange Wunde wölbte 
sich eine prallelastische Geschwulst herror, nach deren Oeffnung durch einen seichten 
Messerzug eitrige Flüssigkeit und Echinococcusblasen zum Vorschein kamen. Die Menge 
der allmälig entleerten eitrigen Flüssigkeit betrug mehrere Liter. Nach Anlegung ?on 
Seidennähten durch die Wundränder und Geschwulstkapsel Ausspülung mit 3 pro mille 
Salicylsäurelösung, Einfügung eines doppelten Drains, Verband aus trockner Garbolgaze 
mit Flanellbinden. — Im Laufe der nächsten 24 Stunden trat mehrere Male Erbrechen 
ein, das subjective Befinden war befriedigend; auffällig war die dauernd bis 120 
i. d. M. gesteigerte Fulsfrequenz bei einer Temperaturhöhe von 36,5 — 37,6^0. — 
Die Secretion blieb eitrig und so reichlich, dass täglich zwei Mal Verbandwechsel statt- 
finden musste; jedes Mal wurde dabei mit Salicylsäurelösung ausgespült, bis die aus- 
fliessende Flüssigkeit wasserhell war; ohne dass Fiebererscheinangen sich einstellten, 
zeigte am 6. Tage die Conjunctiva und das Gesicht icterische Färbung; vom 9. Tage 
ab musste wegen Urinverhaltung catheterisirt werden, am 13. Tage stellten sich Horri- 
pilationen ein, T. 38.8® C; die Zunge wurde trocken, Oedem der Beine, allgemeines 
Schwächegefübl, Klagen über ziehende Schmerzen im Unterleibe; zwei Tage später 
CoUaps. Die Temperatur hatte 38,3® G. nicht mehr überschritten, während die Puls- 
frequenz unzählbar wurde. — Bei der Sectio n gelangte man von der Operationswunde 
aus in eine mannsfaustgrosse Eiterhöhle, welche zum grössten Theile im Bereich des 
linken Leberlappens lag, dessen Parenchym völlig geschwunden war. Der rechte Leber- 
lappen war 31 Ctm. hoch, 12 Ctm. breit; unter dem Ligament. Suspensorium fand 
sich, von der vorerwähnten Eiterhöhle durch eine derbe Bindegewebs- 
kapsei vollständig getrennt, eine zweite, mit necrotischen Echinococcusblasen 
angefüllte, kindskopf grosse Höhle; nach Entleerung des Inhaltes zeigten sich an der 
unteren Fläche der Höhle weingelbe Incrustationen; Vena portae frei. Im Uebrigen 
war die Leber mit der angrenzenden Brustwand und der kleinen Curvatur des Magens 



Bericht pro 1882. 415 

fest verwachsen and zeigte im ganzen Umfange eine starke Verdickang der Kapsel mit 
eitriger Infiltration. Der Magen lag bedeutend abwärts gedrängt in senkrechter Richtung. 
Beide Blätter des Peritoneum mit eiterigem , leicht icterischem Secret bedeckt. Beide 
Pleurahöhlen leer, rechte Lunge mit der Brustwand verwachsen; Lungen von normalem 
Laftgehalt; am unteren Lappen der linken Lunge geringer eitriger Belag. — Im Herz- 
beutel eine geringe Menge (ungefähr ein Theelöffel voll) leicht icterisch gefärbter, 
wässriger, klarer Flüssigkeit; Herz fettreich; Muskulatur braun, wie gegerbtes Leder. 
In der linken Nebenniere ein hellbraun gefärbtes bohnengrosses Concrement. Perisplenitis 
adhaesiva fibrosa. 

Ovarialcysten. 

Colloidgeschwulst, Ovariotomie, Heilung. 

37jährige Frau, angeblich im October 1881 ohne Kiinsthülfe entbanden; das 
Wochenbett verlief ohne Fiebererscheinungen, indess blieb eine Anschwellung des Unter- 
leibs bestehen, welcher bald einen grösseren Umfang erreichte, als am Ende der Schwan- 
gerschaft; Anfang des Jahres 1883 wurde von einem Arzte eine Punctio abdominis 
vorgenommen und eine weissliche, dem Höhnereiweiss ähnliche Flüssigkeit entleert; 
der Umfang des Leibes nahm bald wieder zu, Pat. fühlte sich täglich schwächer und 
magerte ab. Als dieselbe Anfang Juni 1883 zur Klinik kam, sah sie verfallen und vor- 
zeitig gealtert aus, konnte nar mit Unterstützung sich fortbewegen; der Umfang des 
Leibes belief sich auf 106 Gtm. bei mittlerer Körpergrösso ; der grösste Theil des Ab- 
domen war von einem aus der Beckenhöble emporsteigenden, prall - elastischen Tumor 
eingenommen. Laparotomie, intraperitoneale Exstirpation des Ovarialtumors nach der 
Methode von Spencer Weils (s. Bardeleben, Chirurgie, Vlll. Auflage, Bd. IV, 
S. 504). Nach Eröffnung der Bauchhöhle entleerte sich Ascites-Flüssigkeit in reichlicher 
Menge; der Tumor erwies sich über Mannskopfgross; Verwachsungen mit der vorderen 
Baachwand verhinderten, die Geschwulst vorzudrängen; nach Function mit einem dicken 
Troicart entleerte sich zunächst nur eine geringe Menge weisslicher, gelatinöser Flüssig- 
keit; in der Erkenntniss, dass es sich um eine multiloculäre Golloidgeschwulst handelte, 
wurde mit der in die erstgeöffnete Cyste eingeführten Hand ein Theil der Cysten ge- 
sprengt, bis so viel Raum gewonnen war, dass die flach in die Bauchhöhle eingeführte 
Hand den Tumor in grösserer Ausdehnung abtasten und die Verwachsungen mit der 
vorderen Bauchwand lösen konnte; vielfache feste Adhäsionen mit den Darmschlingen 
boten neue Schwierigkeiten ; an einigen Stellen mussten beim Abpräpariren Theile der 
Cystenwand zurückgelassen werden, um die Geschwulst überhaupt herausbefördern zu 
können; der Stiel wurde mit einer doppelten Catgutligatur unterbunden. — Die Ge- 
schwulst gehörte dem linken Ovarium an und wog nach der Herausnahme (3900 Grm.) 
rund 4 Kilo. Die Bauchwand war so schlaff und übermässig reichlich, dass es zweck- 
mässig erschien, nach Vereinigung der Wunde in der Richtung der Linea alba eine 
Falte emporzuheben , an ihrer Basis 3 Steppnähte durchzniegen und die abgehobene 
Falte mit der Operai ionswunde nach der linken Seite der Bauchwand umzulegen. — 
Die Heilung verlief ungestört; der nach der Operation angelegte, aus Salicylwatte, 
trockener Carbolgaze und Chlorzinkflanellbinden bestehende Verband wurde am 10. Tage 
entfernt, die Wunde war in ganzer Ausdehnung per primam , buchstäblich ohne einen 
Tropfen Eiter vernarbt; am 16. Tage verliess Pat. das Bett, am 28. kehrte sie bei 
bestem Wohlbefinden mit verjüngtem Aussehen in ihre Familie zurück. 



416 Zwicke, 

Unmittelbar nach der Operation mosste die Prognose als valde dubia 
bezeichnet werden; die Loslosang des Tumors war ohne starke Zermng der 
ünterleibseingeweide nicht ausführbar gewesen, der Vorderarm des Opera- 
teurs musste fast in ganzer Lange in die Bauchhöhle eingeführt werd«i, 
um die hinteren Begrenzungen der Geschwulst ausfindig zu machen. So 
ereignete es sich, dass gegen Ende der fast zweistündigen Operation Col- 
lapserscheinungen in sehr bedenklichem Grade auftraten; die Blutung war 
an einzelnen Stellen zwar recht schwierig durch Ligatur zu stillen, blieb 
aber im Ganzen gering; zwei Stunden nach der Operation betrug die Kör- 
pertemperatur trotz künstlicher Erwärmung nicht mehr als 35,1 • C. — 
30,0 Grm. Aether und 8,0 Grm. Campheröl subcutan injicirt, reichliches 
Einträufein von Sherrywein beseitigten die drohende Gefahr der Syncope; 
gegen Abend, etwa 8 Stunden nach der Operation, begann Pat. ihre Um- 
gebung wieder zu erkennen; die Temperatur stieg auf 36,3® C. und er- 
reichte bald die normale Höhe; am 5. Tage Euphorie; die Nachbehandlung 
beschränkte sich auf Darreichung von Tinct. Opii spl. 2— 4 stündlich 5 Tropfen 
während der erst^en Tage. — Patientin hat seitdem ein gesundes Kind 
geboren. 

Intraperitoneale Ruptur einer Ovarialcyste. 

51 jährige Arbeiterfrau, im äassersten CoUaps zur Klinik gebracht, Gesicht 
cyanotisch, Pulsfrequenz 120, nach Kurzem nicht mehr fühlbar. Leib ungleichmässig 
aufgetrieben, bei Berührung sehr schmerzhaft; Percussionsschall in unregelmässiger 
Vertheilung tympanitisch und gedämpft. Eine Bruchgeschwulst war nicht nachweisbar 
ebensowenig Zeichen einer äusseren Verletzung. Anamnestisch war nur festzustellen, 
dass Pat. seit 4 Wochen zeitweilig über Schmerzen im Unterleib und starke Äuftreibung 
desselben geklagt habe; seit 4 Tagen bestehe Stuhl Verstopfung und Erbrechen. — Pat. 
verschied in kürzester Frist. — Obductionsbefnnd: Bei Eröffnung der Bauchhöhle 
entleeren sich ca. 500 Ccm. milchig getrübter Flüssigkeit, welche sich im unteren 
Theil des Abdomen angesammelt hatte; der obere Theil des Abdomen, durch Ver- 
wachsungen des Netzes von dem unteren Theile getrennt, enthält dickflüssiges, trübes, 
gelbliches Exsudat; das Netz, fettreich, stark geröthet und getrübt, ist mit einem sack- 
förmigen Tumor verwachsen, der auf dem Coecum liegt und hrer leicht verklebt ist. 
Die Geschwulst hat Kind köpf grosse; aus einem federkielgrossen Loche in ihrer Wandung 
entleert sich die gleiche milchige Flüssigkeit, welche in der Bauchhöhle sich vorfindet. 
Die Geschwulst erweist sich als eine Cyste des linken Ovarium und sitzt mit einem drei 
Finger dickem Stiel an dem Ligament, latum und dem Ligament, ovarii; seitlich davon 
erstreckt sich eine kurze pseudo-ligamentöse Verbindung zum S romanum, welches wie 
die Geschwulst nach rechts dislocirt ist. Die Rupiurstelle der Cyslenwand hat scharfe 
Ränder; in weiterer Umgebung ist die Wand gerölhet, schiefrig gefleckt, mit eitrigem 
Exsudat bedeckt. — Rechte Tube und Ovarium intact. Endometritis chronica. 



Bericht pro 1882. 417 



IL Reotuni. 



Gerissene Wunde am Anus, bis in die Mastdarmschleimhaut hinein- 
reichend, durch Auffallen auf einen zersplitterten Pfahl entstanden; Heilung 
ohne Zwischenfall unter Jodoform-Aufstreuungen. 

Perineale Abscesse, 7 Fälle, darunter 2 periproctitische; bei 
einem der letzteren bestand Communication der gänseeigrossen Abscess- 
höhle mit dem Rectum, eine eLastische Ligatur trennte unter unbedeutenden 
Schmerzen die Rectalwand innerhalb 7 Tagen; Heilung unter dem Gebrauche 
von Sitzbädern innerhalb 6 Wochen; im zweiten Falle wurde der periproc- 
titische Abscess, welcher nach Typhus abdominalis entstanden war, 
durch eine 7 Ctm. lange Incision gespalten; trotz grosser Ausdehnung der 
sinaösen Abscesshöhle erfolgte unter Anwendung von Sitzbädern und 
Jodoformstäbchen ohne 'Durchschneidung des Sphincter Heilang innerhalb 
4 Wochen. 

Hastdarmfisteln, 8 Fälle, bei (5) männlichen und (3) weiblichen 
Indiriduen im Alter von 24 — 58 Jahren ohne sonstige Krankheitserschei- 
nungen; die Fisteln waren zur Hälfte complete, zur Hälfte incomplete 
äussere; die Einmündungsstelle im Mastdarm lag bei den completen bis zu 
4 Ctm. über der Afteröffnung; zumeist waren dieselben aus tiefen peri- 
nealen A bscessen hervorgegangen; in 4 Fällen wurde die elastische Liga- 
tur, in 3 Fällen die galvanocaustische Schneideschlinge angewandt, 
1 Mal die Spaltung mit dem Messer vorgenommen. Die Schmerzhaftigkeit 
bei der elastischen Ligatur war nicht erheblich, die Durchtrennung erfolgte 
durchschnittlich in 6 — 7 Tagen. 

Prolapsüs ani, 2 Fälle, 1) bei einem 1 VsJährigen Kinde, 2) bei einer 28jähr. 
Näherin, angeblich nach der Entbindung entstanden; Reposition. 

Piicae hypertrophicae ad anam, 2 Fälle, galvanocaustische Abtragung. 

Hämorrhoidalknoten, 13 Fälle; fast durchweg waren 2 — 3 Knoten 
bis zu Mandelgrösse und darüber vorhanden ; die Pat. standen im Alter von 
18 — 96 Jahren; in 9 Fällen wurde die Abtragung mit der galvanocau- 
stischen Schlinge, in 1 Fall die Excision vorgenommen; die Heilung er- 
folgte in 14 — 21 T^gen ohne ZwischenfalL — Entzündung eines wall- 
nussgrossen Knotens wurde bei einer 24jährigen Arbeiterfrau beobachtet; 
T. 39,2 ^^ C, sehr heftige Schmerzen, spontane Oeffnung unter geringer 
Eiterung. 

CkAric^ADnaleo. IX. Jahrg. 27 



418 Zwioke, 



Gangränöse Hämorrhoidalknoten; Sepsis; intraperitonealer 
Blaterguss ans den Tnben und einem Oyarinm. 

22j&hr. Arbeiierfraa, angeblich seit 3 Wochen Blntangen aas dem After, seit STagen 
starker Darcbfall, seit 5 Tagen unertrilglicher Gerach, Ton hervorgetretenen Hämorrhoidal- 
knoten aasgehend. Pat. war bei der Aafnahme äasserst blass, Facies Hippocratica, Benom- 
menheit des Sensoriams, Milzrergrösserang, Palsfrequenzl44, Abendtemperatar 38,6® C. 
An der Afteröffnung dunkelbraune, missfarbige Haemorrhoidalknoten, 
aas haften Gestank verbreitend; Thymolaasspälangen des Mastdarms, Jodoform- 
aufstroaungen. Trolz reichlicher Analeptica erfolgte der Tod vor Ablauf von 24 Stunden; 
mehrere unfreiwillige, blutig gefärbte Entleerungen aus dem Mastdarm waren noch er- 
folgt, Blutabgang aus den Genitalien hatte nicht stattgefunden. — Obdactions- 
Befund nach 24 Stunden: Grosse, kräftig gebaute, weibliche Leiche, mit sehr blassen 
Todtenflecken , namentlich am Nacken; an den Unterschenkeln zahlreiche kleine 
rothe Pünktchen. Nach Oeffnung der Bauchhöhle zeigen sich die Darme mit einer 
dünnen Schicht Blut bedeckt, im kleinen Becken dickflüssiges, locker ge- 
ronnenes Blut, von welchem etwa 100 Com. sich bequem ausschöpfen lassen. Im 
retroperitonealen Gewebe beider Region, iliacae diffuse hämorrhagische Infiltration, an 
der Oberfläche der Flexura sigmoid. viele punktförmige Haemorrhagien. Adnexa des 
Uterus durch bindegewebige Adhäsionen vielfach verwachsen; Taben stark geschlängelt, 
die Abdominalenden beider beträchtlich erweitert, mit hämorrhagischer Flüssig- 
keit angefüllt; Haematosalpinx. Das rechte Ovarium bildet eine über hühnerei- 
grosse Geschwulst und enthalt zwei nach aussen geplatzte Blutcysten; das Blut 
innerhalb der Cysten ist geronnen, schwarzroth, die Gerinnsel hängen aus den Perfora- 
tionsöffnungen hervor und sind mit den Cysten Wandungen leicht verklebt. Linkes Ova- 
rium von Wallnussgrösse, in junges Bindegewebe eingehüllt, enthält eine glatt wandige 
haseinussgrosse Cyste mit frisch geronnenem Blut. — Schleimhaut des Uterus ge- 
schwollen, indurirt; Uterushöhle von einem dunkelrothen Thrombus ausgefüllt. — In 
der Blase 50 Grm. gelben trüben Urins. — Milz vergrössert (16,5 — 8,5 — 5 Ctm.), 
Pulpa graupth, von breiiger Consistenz. — Herzbeutelflüssigkeit blutig gefärbt, unter 
dem Pericard stecknadelkopfgrosse Blutergüsse, Musculatur grauroth, in den 
Herzhöhlen speckige Gerinnsel. — In der linken Pleura pnlmonalis zahlreiche kleine 
Blutergüsse. — An der Oberfläche beider Nieren Venen stark gefüllt, Nieren - 
Substanz getrübt, anämisch. — An der rechten Seite der Afteröffnung missfarbige 
Geschwürsflächen bis zur Grösse eines 5 Markstückes, Schleimhaut des Rectum kaffee- 
braun, getrübt, lleum zeigt stark geschwollene Follikel, Schleimhaut intact. 

Mastdarm-Polyp; taubeneigrosser, harter Tumor mit leicht ulcerir- 
ter, bluroenkohlartiger Oberflache, 1 Gtm. über der Afteröffnung mit einem 
dünnen Stiel aufsitzend. — Der 42jährige Patient bemerkte die Geschwulst 
angeblich seit 10 Jahren, in letzterer Zeit stärkeres Wachsthum und Irre- 
ponibilitat. Abtragung mit der galvanocaastiscben Schlinge; Yernarbung 
nach 9 Tagen. Der Tumor erwies sich als ein sehr blutreiches Fibrom. 

Mastdarmkrebs, 2 Fälle, bei Frauen im Alter von 44 und 57 Jahren; seit 
mehreren Monaten , bezw. 1 y^ Jahr bestanden Blutungen aus dem Mastdarm neben 



ßerioht pro 1882. 4l9 

grosser Sobmerzhaftigkeit; die Krebsknoten reicbten in der Mastdarmwand so weit 
hinauf, dass ihre Grenze mit dem Finger nicht abzutasten war; gleichzeitig bestand 
krebsige Uiceration an der hinteren Soheidenwand, sowie Infiltration der Portio nnd der 
Parametrien. Von einem operativen Eingriffe wurde Abstand genommen. 



Stricturen der Harnrohre, 6 Fälle. 

Die Stricturen sassen in der Pars membranacea; in einem Falle be- 
stand zugleich eine Verengerung in der Pars cavernosa; sie waren sämmt- 
lich gonorrhoischen Ursprungs; die betreffenden Individuen standen im Alter 
Yon 23--44 Jahren. * In 3 Fällen mnsste die Spaltung der Harnröhre von 
Aossen her vorgenommen werden. 

Urethrotomia externa, 3 Fälle. 

Heilung erfolgte in einem Falle, in welchem neben der Hamröhren- 
verengerung ein ausgedehnter Harnabscess und Erkrankung eines Hoden 
bestand; una sede kamen Boutonniere und Castration zur Ausfuhrung. 
Zwei Fälle verliefen tödtlich: 1) durch Collaps wenige Stunden nach der 
Operation; bei der Obduction fanden sich falsche Wege und diffuse Harn- 
Infiltration; 2) 10 Tage nach der Operation; die Strictur war mit Blasen- 
blennorrhoe nnd hoher Temperatursteigerang complicirt; bei der Section 
wurden neben chronisch -ulceroser Cystitis eitrige Pericystitis und Peri- 
nephritis, sowie parenchymatöse Nephritis gefunden. 

1) 4 7 jähriger Schuster; angeblich vor 19 Jahren Gonorrhoe; vor 10 Jahren Urin- 
beschwerden und Abscessbiidang am Hodensack; seitdem dauernd Strangnrie und Dys- 
urie; vor 14 Tagen in Folge starker Erkältung bei nächtlichem Vagabondiren heftige 
Schmerzen im Damm lyid Anschwellung des Scrotum. — Neben entzündlicher Schwel- 
lung des Hodensackes fand sich eine fluctuirende Geschwulst am Perineum vor, Haut- 
decke leicht geröthet; ein silberner Catheter stiess, in der F. membranacea angelangt, 
auf Widerstand und machte eine Linksschwenkung; dabei entleerte sich Eiter aus dem 
Catheter. Nach einer Incision in der Raphe perinei strömte Eiter hervor, die Corpora 
cavernosa waren an ihrer Wurzel vollständig von Eiter umspult, die Abscesshöble reichte 
bis hinter die Symphyse und nahm die ganze linke Scrotalhälfte ein , der linke Hode 
selbst war erweicht; durch eine Incision in die 1. Scrotalhälfte wurden Testikel und 
Samenstrang genügend freigelegt und die Castration ausgeführt; necrotisches Gewebe 
am Perineum und Scrotum wurde in grösseren Fetzen entfernt. Das centrale Ende der 
Harnröhre war sehr schwierig zu finden. Reinigung der Abscesshöble mit öprocentiger 
Garbollösung , Ausspülung der Blase mit 2procentiger Carboliösung, Einführung einer 

27 • 



420 Zwioke, 

Glasröhre dareh die Perinealwande in die Blase. Der Yerlaaf der R e il a ng war f i eb er- 
frei; die Gastrationswunde war nach 16 Tagen yemarbt. Die Ableitang des Urins 
duroh die Perinealwande mosste 8 Wochen fortgeführt werden; Versuche, einen mittel- 
starken Catheter durch die Harnröhre einzuführen, misslangen wegen schmerzhaften 
Widerstandes in der Pars ca^ernosa; in der Narcose Hessen sich die narbigen Stricturen 
leicht überwinden und blieb nun der Catheter einige Tage liegen. Nach 4 Monaten 
schied Pat. aus der Behandlung mit einer winzigen Fistel, während der Urin auf natur- 
lichem Wege entleert wnrde. 

2) 33 jähriger Arbeiter, angeblich seit 10 Jahren nach Gonorrhoe Urinbeschwerden, 
seit 4 Tagen Anschwellung des Unterleibs und zunehmende Schmerzen in der Blasen- 
gegend; Pat. gab an, dass der Urin fortwährend tropfenweise abfloss, während er dem 
Drängen zum Wasserlassen nicht genügen konnte (Ischuria paradoxa). Bei der Auf- 
nahme zeigte die Conjunctiva leichte icterische Färbung; der Unterleib war stark her- 
vorgewölbt, die Bauchwand etwas gespannt, die Blase als kindskopfgrosser prall- 
elastischer Tumor abzutasten; ein dicker ebenso wie ein schwächerer silberner Catheter 
stiessen in der Pars membranacea auf Widerstand; schon bei dem ersten vorsichtigsten 
Einführen des Calheters floss Blut ans; forcirtes Vordringen wurde durchaus vermieden. 
Inwieweit vorher Versuche des Catheterismns misslungen waren, ist nicht eruirt. Un- 
mittelbar nach der Herausnahme des Catheters flössen etwa 400 Com. blutig gefärbten 
Urins unbehindert ab; allmälig sammelte sich eine Quantität von 1600 Com. trüben, 
gelben Urins an; die Blase war merklich kleiner und weicher geworden; T. 38,0® C. 
Nachdem unter Benutzung der Leitungssonde die Pars membranacea freigelegt und die 
verengte Stelle derselben scheinbar ausfindig gemacht worden war, gelang es von der 
vermeintlichen Strictur aus mit einer geknöpften Hohlsonde in der Richtung der Blase 
vorzudringen und den centralen Theil der Verengerung mit einem geknöpften Messer zu 
spalten, sowie einen geraden silbernen Catheter einzulegen; obwohl so der Weg nach 
der Blase gefunden und frei zu sein schien, floss Urin nur bei Druck auf die Blase»- 
gegend ab; ohne Hühwaltung Hess sich nun auch vom Orificium urethi-ae aus ein 
dickerer elastischer Catheter in die Blase vorschieben, welcher als Dauercatheter 
zunächst liegen blieb; Ausspülung der Blase mit V4 pro mille lauwarmer Sublimat- 
lösung. — Temperatur nach der Operation 35,8, Pulsfrequenz 56. — Patient 
erwachte alsbald aus der Harcose, erbrach mehrere Male und klagte über Kälte- 
empfindung im Unterleib. Nach etwa 5 Stunden war die Temperatur auf 36,0 ge- 
stiegen, der Puls hatte sich etwas gehoben, Patient war, nachdem er eine Tasse CafFee 
getrunken, seinem Wunsche gemäss, in die Seitenlage gebracht worden, da verfiel er 
plötzlich in Collaps und verschied trotz Analeptica nach wenigen Minuten. — Ob- 
ductionsbefund nach 36 Stunden: Am Perineum eine 4 Ctm. lange Wunde mit 
glatten Rändern, ohne Reactionserscheinungen ; von der Wunde aus gelangt man in die 
Blase. — Bei EröiTnung der Bauchhöhle entleeren sich etwa 3O0 Grm. einer schmutzig- 
kaffeebraunen , geruchlosen Flüssigkeit. Dünndarmschlingen injicirt, zum Thetl mit 
abstreifbaren dünnen Lagen flüssigen Blutes bedeckt, auch in der Serosa kleinste flache 
llaemorrhagien; das Mesenterium geschwollen, schmutzig gelb. — Leberüberzug schwach 
getrübt, enthält einzelne Haemorrhagien , leichte Fettinfiltration des Parenchyms; 
.Gallenblase stark gefüllt, Gallenwege durchgängig; Milz minimal geschwollen , sehr 
blutreich, mit zahlreichen haemorrhagischen Flecken durchsetzt. — Beim Abtrennen 
des Darms stösst man in der Umgebung der Nieren auf sulziges, wässrig infiltrirtes, 
blutig gefärbtes Fettgewebe. Nieren selbst von normaler Grösse, etwas anämisch, im 
Uebrigen ohne wesentliche Veränderung. Die erwähnte Infiltration erstreckt sich auf 
die vordere Bauchwaud bis tief zwischen die Muskeln und nimmt nach der Blase hin 



Bericht pro 1882. 421 

an Umfang anerheblich zu. — Der Penis ist an seiner Wurzel im subcutanen Gewebe 
blutig infiltrirt; derselbe wird sammt der Blase herausgenommen; beim Aufschneiden 
der Urethra gelangt man mit der Scheere ohne Schwierigkeit längs des Verlaufes der 
Harnröhre in die Blase; dabei zeigt sich aber, dass dieser Weg nicht die eigentliche 
Urethra ist, sondern ein falscher Weg, in welchen auch die Operationswunde 
einmündet. Im Beginn der Pars membranaoea ist die Urethra narbig verengt, 
dergestalt, dass die Spitze einer dünnen Stricknadel kaum durch- 
dringen kann. Die verengte Stelle ist V2 ^^°^* ^^^^^ hinter derselben mündet die 
Urethra in normaler Weite in die Blase ein. Die Umgebung des falschen Weges ist 
blutig infiltrirt. Im Bereich des linken Plexus pampiniformis finden sich neben Harn- 
infiltration umfängliche, schon in brauner Umwandlung begriffene Haemorrhagien. 

— Prostata stark geschwollen, Drüsengänge dilatirt, zum Theil Eiter enthaltend. 

— Die Blase zeigt eine Hypertrophie der Muscularis auf mehr als 1 Ctm. , so 
dass sie die Consistenz eines schwangeren Uterus angenommen hat; in der Blasen- 
schleimhaut reichliche Haemorrhagien. — Ureteren eng, völlig intact. — Leichte Hy- 
pertrophie des Herzens; Emphysem der Langen. — Im Wesentlichen also: Infiltratio 
urinosa et haemorrhagica telae adiposae pelvis et retroperitonealis; 
Peritonitis haemorrhagica recens. — Der objective Befund bei der Aufnahme 
(beginnender Icterus, Temperatarsteigerung, Starrheit der Bauchwand) sowie der 
Obductionsbefund sprechen dafür, dass bereits längere Zeit vor der Operation Ham- 
infiltration bestanden hatte; bei der grossen Vorsicht, welche bei Einführung des Ga- 
theters beobachtet wurde, musste der nachfolgende Abfluss von Blut aus dem Catheter 
höchst auffdllig erscheinen; das Vorhandensein eines falschen Weges wurde um so 
wahrscheinlicher, als gleich nach Entfernung des Gatheters Urin abfloss, möglicherweise 
nach Entfernung eines obturirenden Blutgerinnsels. Das Vorhandensein des in die Blase 
führenden, auch bei der Section Anfangs für die Harnröhre gehaltenen falschen Weges 
erklärt das Verfehlen der ausserordentlich verengten wirklichen Harnröhre. 

3)41 jähriger Arbeiter, angeblich vor 20 Jahren Gonorrhoe, seit 3 Jahren Dysurie ; 
in der Pars cavernosa eine massige, in der Pars membranaoea eine nur für feinere 
Boagies durchgängige Strictur von rauher Oberfläche; Urin stinkend, dick-eitrig; bei 
mehrtägiger Beobachtung dauernde Temperatarsteigerung zwischen 38,6 — 39,6 ^G. 

— Urethrotomia externa, bei deren Ausführung sich die Strictur als callöse erweist und 
eine Vessie ä colonnes entdeckt wird. — Blasenausspülungen mit 1 VsP^^'^n^- Garbol- 
lösang; dauernd ungehinderter Abfluss des Urins durch eine, in der Perinealwunde 
liegende Glasröhre mit Abflussrohr von Gautschuk; gleichwohl bleibt Temperatursteige- 
rang bestehen; der filtrirte Urin reich an Eiweiss; vom 7. Tage ab Klagen über Druck 
ond Schmerzen im Unterleib, Kräfteverfall, am 10. Tage Tod. Die Operationswunde 
dauernd von gutem Aussehen. Obductionsbefund: Dünndarmschlingen in den 
anteren Partien mit Blase und Rectum innig verwachsen; umfänglicher, den 
ganzen Beckenraum ausfüllender Eiterherd, mit stinkendem Eiter gefüllt; 
einzelne abgekapselte Eiterherde zwischen Blase und Symphyse; Harnblase sehr eng, 
Wand stark verdickt, Scbleimhautfläche ulcerirt, mit ockergelben Fetzen bedeckt, Inhalt 
eitrig; Umgebung der Blase schwielig verdickt. Rechtersei ts erstreckt sich der Eiter- 
herd bis zur Niere hinauf, dergestalt, dass auch diese gross tentheils von Eiter umspült 
ist; beide Nieren geschwollen, stark getrübt. Milz stark geschwollen. — Der Tod 
war mithin durch die Operation nicht abzuwenden. 



422 Zwicke, 

Vollkommene Harnröhrenfisteln am Damm, 3 Fälle; bei 2 Pa- 
tienten in den vierziger Jahren, war angeblich yor 6 — 8 Jahren wegen Ver- 
engerung der Harnröhre die Spaltung derselben von Aussen her vorgenommen 
worden; beide waren seitdem frei von Hambesch werden, bis sie vor V^ — 1 
Jahr in gleicher Weise von Schmerzen an der Operationsstelle befallen wur- 
den, bald folgte daselbst Entzündung, Eiterdurchbruch mit Fistelbildung; 
bei beiden Patienten fanden sich entsprechend der äusseren Fistelöffnung 
derbe Stricturen der Pars membranacea, nur für Catheter kleineren Calibers 
durchgängig. In beiden Fällen wurde zunächst durch Bougies eine allmä- 
lige Erweiterung der Strictur bewirkt; bei einem der Pat. blieb wegen reich- 
licher Eiterung der Fistel drei Wochen lang ein Nela tonischer Catheter 
liegen. Die Behandlung der Fistelöffnung beschränkte sich auf Jodoform- 
Application. Einer der beiden Pat. entzog sich der weiteren Behandlung, 
als er nach 3 Wochen den Urin frei durch die Harnröhrenmündung entleeren 
konnte, während aus der fast vollkommen verschlossenen Fistel nur wenige 
Tropfen herausquollen; bei dem anderen Pat. war nach 6 Wochen voll- 
kommene Vernarbung und unbehinderter Abfluss des Urins durch die Ure- 
thra erreicht. 

Der dritte Fall gewann besonderes Interesse durch das Auftreten einer Koth- 
fistel; es handelte sich am eine Urethralfistel mit und archgängiger Strictur nach 
Traama