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Full text of "Clara Michelson Collection"

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Der General. 



ITovelle 



von 



Clara Mlohelson« 



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Der General 
Wieder «|$$CW^ die herrlichen iVintertage in Kisslawodsk,wie 
General Bojarinoff sie noch aus früheren Jahren her kannte, da er 
seine kurzen Erholungsreisen mit Vorliebe nach diesem gottbegna- 
deten Höhenkurort richtete. Aber diesos Mal schien die Sonne auf ei- 
ne ganz verkehrte Welt.^Vie ein schleichendes Gift hatte der Bolsche- 
wismus nun auch den nördlichen Teil des Kaukasus ergriffen, das 

c 
Land der Ter-und Kubankosaken.iTie das geshehen konnte, war garnicht 

zu begreifen. In dem übrigen Russland hatte es fast überall schwe- 
re Kämpfe gegeben, und gerade hier, wo man so sicher zu sein geglaubt, 
wie ein Kind an der Mutterbrust, da sah man eines Tages, dass die Seu- 
che schon da war, ohne dass man ihr Kommen bemerkt hätte. Die zuverJ- 
lässigsten Stützen des Zarentrones waren doch immer die Kosaken ge- 
wesen, Sicher und tapfer hatte ihre Hand zugeschlagen, wo die liänpö- 
rung ihr Haupt zu erheben gewagt. Des Zaren treueste Leibwache hat- 
ten sie geliefert. Und was hatten auch die kaukasischen Gebirgsvöl- 
ker,die Kabardinen,die Karatschaitzen,die Lesginen,die nachbarlich 
in den Bergen wohnten, und die an ihrer patriarchalischen Geschlechts- 
ordnung festhielten, mit Sozialismus zu tun? 

Und doch war die bolschewistische Herrschaft gekommen/ 
Vorläufig rührte das Gesindel niemand an, aber man konnte es nicht 
wissen, was für Ueberraschungen der kommende Tag bringen würde. Kan 
hatte das ungemütliche Gefühl, als lauerte still eine Giftschlange, 
um SU erspähen, wie sie am besten zupacken könnte. Die ganze Verwal- 
tung des Ortes war in bolschewistische Ht-nde übergegangen.Älle 
Kanzleien waren von ihnen besetzt. Die Prinzen und lünister,die Feld- 
herrn und Pinanzmänner,die so überrumpelt worden waren, wandelten 
nach wie vor auf den 7/egen des Parkes und Hessen sich nicht mer- 
ken, wie unerwünscht die neuen Hörren ihnen waren. Aber einem guten 
Beobachter konnte es doch nicht entgehen, dass sie stiller und un- 
auffälliger geworden waren. Sie trugen den Kopf weniger hoch wohl 



- 2- 



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wohl eigentlich seit dem Tage, da der goldene Zarentron^morscher Lehm 
zusammengebrochen war und sie damit das Zentrum verloren hatten, von 
dem aus ihnen Sinn und I^Jichtigkeit zugeströmt war. 

Es war nicht mehr schön zu leben. General Bojarinoff fühlte sich 
in jederx Hinsicht bedrückt.Man war in Kisslowodsk schon lange nicht 
mehr zu Hause wie in alten Zeiten, da man überall ausschliesslich un- 
ter sich war: in der Wandelhalle, im Kurhaus, auf den Wegen des Parkes. 
Aus dem ganzen weiten Beiche war hiener zusammengeströmt .Man war 
immer gewiss einen guten alten Freund zu treffen, den man schon ganz 
aus den Augen verloren hatte .Und wie erheiternd und belebend hatte 
solch ein überraschendes I7iedersehen mit Personen gewirkt, mit denen 
man zusammen was erlebt hatte, das zu vergessen man im begriffe war. 
Und auch neue Bekanntschaften, die man seit langem zu machen ge- 
wünscht, hatten sich in der allernatürlichsten .Teise anknüpfen las- 
sen. Man konnte sich damals ruhig einen Ultz erlauben, wie er einem 
gerade in den Sinn kam, ohne sich umsehen zu müssen, ob jemand, dem 
nicht zu trauen, zuhörte. Die ileltordnung war erschüttert. Doch Gene- 
ral Bojarinoff wollte nicht murren/. Er war ein strenggläubiger Christ. 
Wenn es so gekommen war, so musste es wohl sein. Es war eine Fügung 
Gottes. Ohne Gott geschieht nichts. Er suchte in einen tiefern Sinn 



der Dinge garnicht einzudringen. Er nahm sie so, wie er kx 
es gewohnt war sie seit seiner Kindheit aufgefasst zu sehen. Seit 
Verstand lührte nicht daran, und die Sicherheit seines Instinktes 
spiegelte ihm den //ahrheitswert seiner Ueber Zeugungen vor/So un- 
terlag es für ihn keinem Zweifel. dass in allem, was des Reiches Grö- 
se beeinträchtigte, sei es Hungersnot, Revolution, Teuerung oder ver- 
lorerier Krieg, die Schuld bei den Juden zu suchen sei. Sie waren auch 
für ihn der alte Sündenbock, Dieiwar einer der Grundpfeiler seiner 
Weltanschauung, und er kam garnicht auf den Gedanken, den Satz die- 
ser endlosen Schuld nachzuprüfen. 



- 5 - 

in 
Jeden Morgen ging er die Kirche und dankte 



Gott und dankte Gott 






für alles, was geschah« " Dein Wille geschehe! "betete er demütig mit 
gesenktem Haupt .Aber dass er tagsüber sich doch über vieles är- 
gerte und der Kamm ihm anschwoll, war unvermeidlich^Er konnte sich 

morgens noch so früh in den Park begeben, um von der herben Bergluft 
die Lebenskräfte anregen zu lassen, sie sassen schon da breit auf 
den Bänken, die 31« schwarzen und rothaarigen Juden und redeten laut 
in ihrem abstossendenDialekt,ohne sich im geringsten um den Eindruck 
zu kümmern den ihr Gebahren bei höherwertigen Menschen auslöste. 
Aber auch dazu musste man schweigen, Man war machtlos geworden.Man 
war abgetan. Wollte Gott, Er dehnte diese Strafe nioht auf zulange Zeit 
aus.» General Bojarinoff Wusste nicht, worin die Schuld bestand. Doch " 
ohne Schuld war kein LIens eh. Gewiss hatten auch sie sich irgendwie 
versündigt , und Gottes yifalten war unermesslich. Hatte Er schon in der 
Bibel s^<jne Lieblinge nicht gedemütigt? General Bojarinoff hätte frü- 
her sich nicht vorstellen können, dass er zu solch einem Treiben um 
ihn herum gezwungen sein könnte zu schweigen. Prüher hatte er solchen 
Leuten ander» geantwortet. '.Vie hingen da am Galgen die jüdischen Bur- 
schen, die man zu ihm geschleppt hatte: Deserteure. Spione, Wucherer. Da 
hatte er keine langen Geschichten gemacht .Koch hinhören, was das Ge- 
würm ihm vorlügt? "Hängen". Und damit basta.Und er konnte ruhig am 
Penster sitzen, seinen Tee trinken u zuschauen, ob es auch richtig ge- 
macht wurf'e. 

Jetzt war es klüger zu schweigen. Am Ende hatte man diese 
Halunken mit den angefüllten Taschen noch nötig i Seine 4000 Rubel 
konnten auf die Dauer nicht langen, und das Silber in der Petrograder 
Bank war sicher verloren.Auch die Papiere hatten keinen Wert mehr., 
und von dem Gut seiner Prau in der Ukraina war wohl außer dem Schrift- 
stück nichts übrig geblieben.lian mußte sich rechtzeitig nach einem 



- 4 - 



neuen Einkommen umsehen. 



Wie vmnde bar seine Frau Hatalia Arkadiewna sich auch den vdr- 
änderten Verhältnissen anpasste,wie sparsam u tüchtig sie auch war, 
indem sie selbst alles ausbes erte, Kleider für sich u die kleine Ljelja 
nähte, das Geld ging weg. Und wenn man auch annehmen konnte, daß die 
alten Verhältnisse in einigen Monaten wieder hergestellt sein würden, 
so mußte m8,n doch alles tun, 4m im schlimmsten Falle nicht ganz hilf- 
los dazustehen. Eine leichte Sache war es freilich nicht, in einem über- 
entsprechende 
füllten Kurorte eine Beschäftigung zu finden, u im besonderen, wenn mÄn 

sein Leben lang nichts anderes als das Kriegshandwerk geübt hptte. 
Ein wehig von seinem Stolze musste man schon hergeben.Da war ei- 
ne kleine Jüdin, die im selben Hotel ihm gegenüber wohnte und verbrei- 
tete Beziehungen unter ihren Stammesgenossen zu haben schien.Natalja 
hatte sie schon einige Male angeredet. Sie war liebenswürdigen Wesens 
und nicht ungebildet. Vielleicht wäre es möglich mit ihrer Hilfe 
eine Verwgilterstelle oder einen andern Vertrauenspostea zu erlangen 
oder für Natalja in einer Familie eine Uachmittagsbeschäftigung zu 
finden, bei der Ljelja auch dabei sein könnte. Wie abstossend die Ju- 
denpack auch war, es würde sich zur Ehre rechnen mit einem General 
oder seiner Frau zu tun zu haben, und man könnte immerhin eine gute 
Behandlung von ihnen erwarten. Anders wie auf eine Sache brauchte man 

auf die Leute nicht zu sehen: solange man sie braucht, tut man herab- 

si ixd, 

lassend, und sie nicht mehr von Kutzen,giebt man ihnen einen Fusstritt, 

Tatenlos und einförmig flossenJ±K die Tage General Boja- 
rinoffs dahin. Er verrichtete jetzt die häusliche Arbeit, die frü- 
her seinem Burschen oblag, denn auch hierin äusserte sich der Wan- 
del ÄKixfaHtBi"der Zeiten. Das Dienstpersonal des Hotels war nun ton- 
angebend; es leistete seine Arbeit wie und wann es ihm passte,und 
man tat vieles lieber selbst, als dass man sich von der Laune der Be- 
dienten abhängig machte. General Bojarinoff bürstete am Morgen 8el¥6t 



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-5- 

selbst seine Kleider und Stiefel, trug die vollen Waschtischeimer hin- 
aus, holte das ./asser für den Thee und bemühte sich noch um manches 
andere, was den Aufenthalt billiger und angenehmer gestaltete. 

Zarentum und russisches Volk waren ein unauflöslicher Begriff 
für ihn.Wur solche verdammten jüdischen Agitatoren konnten das leicht- 
gläubige unerfahrenBKVolk zu seinen wahnwitzigen Entschlüssen ver- 
leiten.Aber weil es falsch war, trug alles ,was geschah, den Vernich- 
tungskeim in sich. Gott liess es als das Böse zu, das zur Prüfung der 

Guten dienen sollte. 

Wie sein Verhältnis zu Gott und dem Zaren das des Knechtes 
zu seinem Herrn war und er deshalb die über ihn verhi:ingten Mgungen 
ohne Murren hinnahm,so waren für ihn die Menschen, die sozial tiefer 
standen als er ,nur da um ihm und seinesgleichen zu dienen, und so 
konnte der Freiheitskampf für ihn nichts anderes sein, als ein Auf- 
stand blinder, vom Bösen verlockter Knechte. Er war garnicht imstande 

h 
die Beziehungen der Menscen untereinander von einem andern Gesichts- 
punkt aus zu betrachten. Wenn Gott ihm nur Leben und Gesundheit schen- 
ken wollte, so hoffte er,dass seine Augen noch den Triumph der Ge- 
rechtigkeit sehen würden.Sr betrachtete sich selbst als einen der 
wenigen Männer, wie sie sein sollten, der eisernen Männer alten Schla- 
ges/ Man hatte sich oben auf ihn verl- ssen ktlnnen.Die paar Jahre, da 
er Oberst in dor berühmten Ochrana war, hatten ihn zur Genüge ge- 
zeigt .Nun aber war das einzige ,was ihra zu tun übrig blieb, still zu 
sein, von der Politik fortzugehen, den alten Mann zu spielen, der sei- 
ne Augen nur auf das Jenseits gerichtet hlllt und den die Dinge die- 
ser iJelt wenig angehen.Dafür aber, wenn der Zorn Gottes vorüber sein 
und der Tag der Erhöhung kommen sollte, dann ,wie alt er auch sein 
würde, wollte er mithelfen das elende Ge\'7ürm,das nun den Herrn spiel- 
te, zu zerstetmpfen* Schon allein diese Gedanken weckten das Kraftge- 
fühl der fillheren Jahre, dem er sich so restlos hingegeben hatte, dass 



-6- 

dass nie ein Bedauern seine Seele gestreift. 

Ivlit tiefer Genugtuung konnte er sich der Tage erinnern, wel- 
che auf die Revolution von 19o5 gefolgt waren.Er war da oft Richter 
in Feldgerichten gewesen.Solche Tage würden viiederkehrei^^aber noch 
erbarmungslos er, noch vernichtender würde sein Richterspruch lauten. 
Ein rechter Mann kann alles in sich vereinigen. Was manche von den 
jüngeren Kollegen von Menschenliebe und Menschenrechten zu faseln 
angefangen hatteJ Als ob eines was zum andern hätte. Als ob man nicht 
stark sein könnte ,wo man stark sein muss,und weich ,wo man weich 
sein kann, und demütig, wo man demütig sein soll. Hatten vielleicht 
seine Natalja oder die Kinder über etwas zu beklagen? i7ar er nicht 
der liebevollste und fürsorglichste Gatie und Vater? Er hatte Ka- 
talja aus Liebe geheiratet .Wenn er auf Reichtum und Familie gesehen 
hätte, so hutte er eine viel glänzendere Heirat machen können. Doch 
er hatte seine Wahl niemals bedauert .Natalja machte ihn glücklich, 
undÄ er wusste in seinem ganzen Kreise keine so glückliche Ehe wie 
die siftnige. Als er damals mit seinen fünfunddreissig Jahren sich 
so über Nacht in das lebhafte dunkeläugige Geschöpf verliebt hatte, 
da hätte man annehmen können, dass Nataljapich nach vollzogener Hei- 
rat so entwickeln würde wie alle Frauen ihrer Umgebung, dass sie ganz 
im gesellschaftlichen Treiben aufgehen würde .Aber er war selbst er- 
staunt gewesen zusehen, wie alle früheren Interessen von ihr ab- 

ande're 
fielen, wie keine Freundschaft und keine andere Liebe mehr in ihr K/Oaaaw 

hatten neben der völligen Hingabe an den Gatten und die Kinder. Er 



i 



erinnerte sich mit Rührung seiner ersten Shejahro in dem liTaldhaus 
anÄKX der preussischen Grenze, wo sie von aller V/elt abgeschnitten 
und dabei so zufrieden gewesen waren, dass sie sich nichts Besseres 
zu wünschen gev/usst hatten, //ie schön waren die traulichen Abende 
gewesen, da sie zusammen musizierten, da seine Stimme noch hell und 
geschmeidig war und nichts von dem rauhen Bierfasston hatte, zu dem 
sie sich allmählich ausgeschrieen. Sie waren sich selbst so genug 



-7- 

genug gewesen, drss sie garkein Verlangen nach der grossen 7/elt ge- 
spürt hatten. Ale er dann einige Jahre später Oberst in der Ochrana 
geworden war^ und sein Dienst ihn veranlasste gesellschaftliche 
Pflichten auszuüben, da hatten sie auch diose äusserlich glanfevol- 
le Zeit als treue Kameraden genossen. 

iiYas seine beiden Kinder anbetraf, den grossen Sohn und das klei- 
ne Töchterchen, so war auch da bis zu den letzten unglücklichen Er- 
eignissen alles nach Wunsch gegangen. Sie hatten sich anfangs einen 
Sohn I einen Hamens träger. gewünscht, und der Sohn traf ein und hntwi ekel- 
te sich zu einem schönem kräftigen Knaben .Als er in seinem zehn- 
ten Lebnsjahre in die vornehmste Kadettenschule abgegeben worden 
war, da hatten sie sich ein Püppchen ge^jninscht,ein kleines zierliches 
Mädchen zum Verhätscheln , und da kam auch das Püppchen. Es hiess Lje- 
Ija und war jetzt neun Jahre alt, war unzertrennlich mit ihnen, ass 
mit ihnen , schlief mit ihnen, redete altklug in alle Entschlüsse hin- 
ein, machte alle Sorgen mit und war in allen Sorgen ein richtiger Son- 
nenschein. Andrjuscha konnte jetzt dreiundzwanzig Jahre alt sein'- 
wenn er am Leben war — ,aber wer wusste das?Ja,bei Andyjuscha fing 
der grosse Kummer und das Herzeleid an. Zehn Monate waren seit der 
grossen Februarrevolution vergangen ,und seit zehn Llonaten v;ar man 
ohne Nachrichten von Andrjuscha/ Alle Erkundigungen waren vergeblich. 
Lebte Andrjuscha oder war er tot? Und da anzunehmen war,dass er 
bei den vielen Zusammenstössen und Kämpfen getötet sein konnte, so 
bemühten sich Gejaeral Bojarinoff und seine Frau zuletzt um die Er- 
forschung seines Schicksals nicht mehr. und fanden es Erträglicher 
eine winzig schwache Hoffnung als eine schreckliche Gewissheit zu 



haben. 



Oh, und zu dem allen musste man gute Miene machentSie tru- 
gen ja alle die geballlte Faust in der Tasche. Sie wussten es genau , 
wenn sie sich auf ihren Spaziergengen oder in den engen schlecht- 
gelüfteten Speisehüusern trafen, dass dort im freundlichen jungen 



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1 

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-8- 

jungen llachbar oder in der verlockenden Schönen ein Spitzel lauerte 
und sich ein böses Lachein merken würde. Ilan musste sehr auf der Hut 
8eiB-j:iVände hatten Ohren, Bäume hatten Ohren, einsame Bänke hatten Ohren. 
Wenn man Oberst in der Ochrana gewesen ist, weiss man es am besten, 
was für harmlose Dinge zu Verrätern werden können, und Lehrer wer- 
den meist von Schülern übertroff en.Aber es gab doch Augenblicke, da 
einem die Gjtlle überfloss und man einen unvorsichtigen Fluch aus- 
stiess.Weh ihnen, wenn der Tag der Abrechnung kommen würde !Und wenn 
es der eigene Sohn wäre, der dort auf Seiten der Verhassten stände. 
Das war beim General Bojarinoff ein spielerischer Gedanke, ein Gedan- 
ke,mit dem seine Wut zu jonglieren liebte. Dass irgend etwas von 
seinem Fleisch und Blut die kleinen mageren jüdischen Frechlinge 
und die aufsässigen russischen Knechte , denen man früher nur mit 
der Kagaika geantwortet hatte , nicht ebenso verachtete wie er selbst, 
das war über jeden Zweifel erhaben. Das wäre als erhebe sich die rechte 
Hand gegen die linke/ 

So waren jLIonate dahingegangen. Der Frühling waf dagewesen mit 
Regen und Stürmen, und es standen heisse schwüle Somraertage.Kein Wind- 
hauch regte sich in den Tälern zwischen den Höhenzügen. Bleiern lag 
die Luft auf Brust und Gliedern, ^d in die Schwüle der Sommergluten 
mengte sich der Atem aufs äusserste gespannter Leidenschafte hinein. 
Alles -war wie zusammengepresst und zusammengeballt , stand regungslos, 
und man fühlte, dass es nur eines kleinen '//indstosses bedurfte, um die 
verhaltenen Energieen zur Entladung zu bringen. 

Da hörte man eines Tages ein fernes Rattern und Grollen in 
den Bergen; das Echo brachte es vielfältig gebrochen TttsAsx nä- 
her .Man stutzte und horchte hin. Die alten Generäle und die Offiziere 
hoben das Haupt. Glockentöne ! Fernes Rufen »Ging Licht auf?Kam Er- 
lösung? Kamen Boten Gottes? 

Das Rattern und Grollen kam näher/ und näher ,es berührte 
fast die Stadt. Sie wagten sich kaum noch auf die Strasse hinaus, dass 



-9- 

dass man ihnen die Hoffnung nicht vom Gesichte abläse.Aber da antwort- 
tete es auch schon aus der Stadt eine drohende verhasste Antwort, 
die jenen unbekannten Rettern zu denken geben musste,wie sie hier 
ohnmächtig und erniedrigt waren.Da zog sich das Grollen und Knattern 
in die Berge zurück, doch es hallte noch lange wieder und klang wie 
ein Gruss und ein Versprechen, dass der Kampf nicht aufgegeben sei. 
General Bojarinoff war ruhig. Er wusste jetzt ,dass sein Tag 
nicht fern war, und er verurteilte jene Unbeherrschten und Kurzsich- 
sichtigen, die unvorsichtige Worte mit ihrem Leben bezahlen mussten. 

Der Sommer ging zu 3nde,die Gluten wichen.Nebel stiegen aus 
den T&lern empor. Das Laub im Park wurde bunt »Aus der Höhe ^^^ Zarenterasse 
leuchteten die satten Farben des wilden A'eins. 

General Bojarinoff war geduldig und wartete und war fügsam 
und demütig. Sr ertrug in Ruhe die verschärften Massnahmemi der Bol- 
schewisten,er legte bereitwillig bei den endlosen Hausuntersuchungen 
seine Papiere und Sachen vor. Er gab Kleider und Tasche ohne Wider- 
spruch hin,d4* als überflüssig für seine Person befunden wurden. Sr 
tat es in dem wollüstigen Vorgefühl der Vergeltung, die bald in sei- 
ne Hand gelegt sein w^rde .Er schaute jeden Llorgen nach einem Zei- 
chen aus und horchte hin auf Reden und Bewegungen und lernte Äus- 
serungen verstehen von Nervosität und Unsicherheit und sah mit heim- 
lichem Triumph wie letztere sich mehrten und seine Stunde kündig- 
ten. 

Und richtig erklang in einer späten Abendstund^nerwartet und 
für viele unverständlich ein Zapfenstreich, der die roten Soldaten 



x±x 



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und als er am nächsten Morgenn als einer der Ersten in die Strasse 
hinaustrat in den neuen leuchtenden Tag, da sah er das Bild, das sein 
Herz ersehnt hatte: zerschlagene Fensterscheiben, auf gebrochene Türen, 
erschlagene i7ächter,Ueberreste von Plünderungen, Spuren einer eiligen 
Flucht. Und aus den Bergen kameiWon hier und dort 



^i^rTtgr:. »^— »» .^■■'-a'^ir»'^ T*T^Z^.r • ' • ''^!S**** - 



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dort auf flinken kleinen Rossen Kosakentrupps mit weissen Bändern 

an den schwarzen Fellmützen. 

Bojarinoff bekreuzigte sich dreimal und stürzte in die Kir- 
che um Gott zu danken für die Gnade .Alles war wie es nach seinem Ge- 
rechtigkeitsgefühl hatte kommen müssen. Die erniedrigten Lieblinge 
Gottes kamen an ihren alten Platz. 

Der Jag wurde ein Pesttag.Aus Ecken und Enden sammelten sich 
frohe Gestalten.L'an sah , wieviel vornehme reiche Menschen noch da 
waren. Ein ganzes Regiment zog feierlich hinter der alten dreifarbi- 
gen Fahne ein.Man begrüsste die Ankömmlinge mit Jubel, man zog den 

n 
Hut vor ihnen,man rief ihne lautes »Willkommen zu. Ein Oberst mit ha- 
gerem Gesicht und weissem Schnurrbart und mit einem grossen hell- 
roten Baschlik über der grauen Tscherkesska hielt sein Pferd an und 
sagte ein paar ?/orte.Sie wurden nur von den Nächst stehenden gehört, 
aber sie wurden von I^Iund zu Mund herumgetragen wie Glück spendende 
Verheissungen.Sie besagten, dass nicht nur Kisslowodsk, sondern der 

ganze Kaukasus binnen kurzem infLen Händen der alten treuen Monar- 

s 
chisten sein würde, und das es die ersten gltjcklichen Schritte zur 

Rückeroberung des Reiches von fremdem Gesindel seien. 

General Bojarinoff hatte Tränen in^en Augen. So schnell und 
so gnadenvoll hatte er sich die Erhebimg aus der Erniedrigung nicht 
gedacht, und bei dem grossen Dankgottesdienst, das noch am selben Tagw 
in der Kirche stattfand, schwor er, der heiligen Sache mit allen ihm 
zu Gebote stehenden Kräften zu dienen . 

Wieder hatte das in den Laubgängen des Parkes wandelnde Publi- 
kimi sein Gesicht verändert. Die alten Feldherrn, Offiziere,Minister 
und Liillionärejc trugen hoch den Kopf wie einst. Hein, noch höher! 
Man wieder Herr ,und ein Herr, der schwere Schuld zu verrechnen hatte. 
Wer nun sein Urteil erwarten konnte, verschwand aus dem Gesichtskreis, 
verkroch sich in Schlupfwinkel oder setzte eine Maske auf ,in der 
Hoffnung nur diese letzten Zuckungen einer ersterbenden Herrschaft 



'M 



-11- 

Herrschaft aushalten zu müssen,um die Zukunft als ihm gehörig zu 
begrüssen.Es verschwanden die selbstbewussten Gstalten der Roten Sol- 
daten und ihrer in kostbare , ersichtlich nicht für sie bestimmte 
Gewänder gehüllten Mädchen und die trotzige herausfordernde Jugend 
die alle ;/eisheit des Lebens sum ersten Mal und ffir alle Zeiten ge- 
funden zu haben glaubte. Es verschwanden die nach der Tagesarbeit sich 
ausschüttenden Massen des Volkes, die mit lautem Sprechen, Lachen und 
Johlen die Luft erfüllt hatten.Es wurde beinahe so,wie es einst ge- 
wesen war.Vielleicht war alles feindliche Element garnicht in dem 
Wasse verschwunden ,wie es den Anschein hatte. Vielleicht war es bloss 
unauffälliger geworden,wie sie es selbst vor kurzem noch gewesen wa- 
ren,und vielleicht sah man es nicht, weil man sich so sehr im Sieges- 
rausch gefiel. 

Als die erste Freude vorüber war, da musstoMman doch anfangen 

an die praktische Ausgestaltung der Befreiung zu denken, da musste 
man trotz aller glänzenden Hoffnungen und Versicherungen etwas tun, 
um eine Wiederholung der eben überwundenen Lage zu verhindern. Und 
da Kisslowodsk so abseits von aller Jelt in den Bergen lag und man 
selbst in den näahstgelegenen Ort nur unter Gefahren undÄmit grössten 
Schwierigkeiten gelangen konnte und man keine irgendwie verbürg- 
ten Nachrichten über das hatte,wa3 ringsum vorsieh ging,so glaubte 
man nur aus diesem abgelegenen Srdenwinkel herauskommen zu müssen, 
um Frieden und Gerechtigkeit zu finden. 

Alle Kriegsfähigen Elemente, denen der Bolschewismus verhasst 
war und deren lebendigste Interessen mit seiner Vernichtung ver- 
knüpft waren, Hessen sich ohne Zögern in die Reihen der Kämpfer 
eintragekan genoss wieder den Anblick glänzender Uniformen, die aus 
ihren Verstecken hervorgeholt wurden. 

Die vielen gewonnenen neuen Kräfte machten sich bald fühlbar. 
Ein starker und erfahrener Gegner er wuchs den Bolschewisten.Man 
griff sie an vielen Stellen zugleich an und schob sie in einer breiten 



"■'«»<-. 






i 



ver- 



- 12 - 

breiten Linie nach Norden zurück. 

General Bojarinoff war einer von den Tüchtigen und Unerbitt- 
lichen .Frau und Kind zogen mit ihm mit. 

In einer Nacht wurde eine kleine Gruppe von ICavaleristen,die 
anscheinend den Späherdienst ausgeübt hatten, gefangen genommen und 
am nächsten Morgen vor General Bojarinoff geführt. 

(fier General sass in seinem Kabinet, das in der guten Stube ei- 
nes Bauernhauses hergerichtet war. Er blickte! flüchtig auf, als die 
Gefangenen unter schwerer Bewachung zu ihm hineingeführt wurden. Zwei 
junge Juden standen im Vordergrund/ Der General erkannte die ihm 
hassten Physiognomien sofort/Sie regten ihn auf/ 

" Hängen !" rief er, ohne noch ein Mal zu den Gefangenen hin- 
zublicken/. 

" Vielleicht untersuchen Sie erst unsere Sache", sagte da einer 
aus der Gruppe/ Er sprach mühsam, als fiele ihm das Reden schwer. 
Der General zuckte zusamnien.Diese Stimme! ,tie kam wie aus einer an- 
dern //elt.Sr erhob sich schwerfällig und trat der Gruppe näher. Er 
schaute die Leute der Reihe nach an. Da erkannte ihn trotz der fahlen 
Blässe, trotz der veränderten Kleidung, trotz der reifer gewordenen 
Züge. Er ballte die Hllnde und fuhr sich an4ie Kehle ,um den Aufschrei 
zurückzuhalten, der aus ihm hervorbrechen wollte. Beinahe schwan- 
kend ging er auf seinen Platz zurück^und machte ein Zeichen mit der 
Hand,dass man sie hinausführe. 

Als sie draussen waren, wandte er sich an den diensttuenden 
Offizier. 

"Den ii»J&a& im hellgrauen Mantel bringe man mir!" 
In einigen Minuten war der Befehl ausgeführt. Der General winkte, 
und der Offizier liess ihn mit dem Gefangenen allein. 

Sie waren beide aschfahl , Vater und Sohn. i ■ 
General Bojarinoff riss an seinem Kragen, als «W^jw^erT 

-"iiHtajLonHtes- 






- 13 - 

• "Wie konntest Du das tun ?"fragte er tonlos ."Du von meinem Blut?" 

Wie ein Schauer ging es über den Körper von Andrej Bojarinoff 

üfaU 

"Und wenn ich musste ,und wenn mir keine blieb?"sagte er leise 
und unsicher. 



hin. 



es 



"Was bedeutet das?Ich verstehe nicht] "Der General tr-at einen 
Schritt auf ihn zu^^Kämpfat Du nicht mit diesen Hunden Seite an Seite?" 

Ein paar Sekunden lang stand Andrej Bojarinoff unbeweglich 
da und sah mit verlorenem Blick vor sich hin. Seine Gestalt schien 
in sich zusammenzusinken. Dann raffte er sich mit einem Euck empor. 

"Ich kämpfe für die Wahrheit, "öagte er fest. 
Der wankte von zurück. 

"Andrjuscha!" schrie er auf. "Wie kannst du mit ihnen zusammen- 
gehen?Hält dein adliges Blut dich nicht zurück vor der Gemeinschaft 
mit dem Pöbel und den Juden?" 

Andrej Bojarinoff machte eine müde Handbewegung. "Noch immer 
das alte Lied, Vater. Damit gewinnt man eine verlorene Sache nicht 
wieder. Darf ich dich als dein Sohn um eine Gunst bitten?Gieb mir 
deinen Revolver »Es ist so schrecklich gehängt zu werden.Und der 



Llutter sage 
chen. 



" er wandte sich ab, er konnte nicht weiter spre- 



General Bojarinoff stöhnte laut auf. Es klang fast wie 

s 
ein Schrei .Aber dann faste er sich und raffte sich mit einem Bück 

zusammen, wie es sein Sohn getan hatte. "Ich werde der lütter 
sagen, dass du schon lange tot bist. Sie soll für deine Seele beten." 

Er nahm seinen Revolver aus der Tasche und reichte ihn 
dem Sohn. Dann läutete er . 

Sie sahen sich beide nicht mehr an. Die Wache kam und 
führte Andrej Bojarinoff hinaus. 



■f. 



). 



- 14- 
Der General stand unbeweglich und horchte. Als draussen ein Schuss 
fiel, erzitterte er und fuhr mit den Händen durch die Luft, als suche 
er einen Halt. 

Ihm geschah was Furchtbares, etwas ,was er noch nie empfunden 
hatte. Zum ersten ilal stürzte ihm seine 'lielt zusararaen.Ss blieb nicht 
mehr der Glaube an eine Strafe, die einst aufgehoben wtlrde. Jetzt, 
da sein Fleisch und Blut sich von ihm abwandte und in den Tod ging 
für sie, die Gehassten,da war das etwas anderes als der Zusammenbruch 
des Zarentrones,als die Verarmung und Demütigung der Lieblinge Gottes. 
Jetzt ging alles ,was Je für ihn dagewesen war an Hoffnung, an Glaube, 
an Lebens-fundament, inÄ die Brüche und zerbarst. 

In sein Lebensmark war er getroffen, Er brüllte auf, wie ein 
auf den Tod verletztes Tier. Seine Augen wurden blutunterlaufen, seine 
Stirnadern schwollen an. Eine grenzenlose Wut und ein gewaltiger Hass 
überkamen ihn und überfluteten alles, was an anderen Trieben in ihm 
lebte. Nichts mehr wurden ihm Frau und Kind , nichts mehr Kirche und 
Reich. Nur nach Rache schrie es in ihm. 

"In den Kampf! Tod ihren Säuglingen, Tod ihren Frauen, Tod ihren 
Greisen, Tod ihnen allen!"' 



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Chaim Rublr). 



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Das Meer umachlang im Oeteu und Süder. die Stadt, urd 
was die törichten MeBeclx«) auch täte», es trieb eein Spiel 
ruhig weiter, -^icseit tau senden von Hahren. Bald lag es 
still und unbeweglich,u^d seine türkisblaue Flut echien 
unschuldig, wie das lächelnde Antlitz eines klein« Kindes, 
oder CS stürm>^e in wilder Lust mit weissen Wellen auf 
das steinige Ufer und spritzte weit seinen Gischt über die 
Böscluing. Oder seine leicht gewellte Fläche erglänzte ira 
fahlen Morg» licht wie ein schimmernder Opel. Dann aber 
war es plötzlich von einem satten tief« Grün mitten am 
T«« und erz ählte von Meer.jungfr aien mit sterblicher Seele 
und Königtmien in weiseeo Palästen. Oder ee wurde laxnisch 
ohne jeden Grund und grollt«. Tag und Nacht, Tag und Nacht 
schlug es dann gleichmässig alle 10 Sekunden Iwg an die 

Küste mit d€m immer gleichen Laut, dii ss es -aulT die Nerven 

dl« 
wirkte. Aber was gingen »«»Menschen das Meer aa? Sie 

hatt«n es «ine Zeit lang mit Minen gefüllt, um einander um- 
zubringen, und das Meer zog nur seine Fleche fort und . 
sagte: „Tut es/" ^rfetzte Menschenleiber flü^in on oc m e» 
Crup d unr: elendes Urack schwammTluf seinen Wellen. Was ging 
es das Meer aa? Oder si e kamen in Reih und Glied auf 
grauen Schiffen an die Stadt herao und schössen aus schweren 
Geschütz« auf daß ur)b©f estlgte Ufer. Was gii5g ee das 
Mear an? „Tut ee nur ! •• Was eiüd sie dem Meer? Ein Wellen- 
schlag, und alles ist v^^gessen. Da wer auch eine Zeit , ale 
tobende Haufen einzelne Menschen ergriffen und in die Wel- 
ten schleuderten, und die Opfer 8chri/#n und kämpften und 
in die Tiefe versanken • Was geht es das Meer anl 



/ 



> 



2. 



Jetzt standet» di • Jol«chewlet«n zum zweiter Male 
4n der me er umspülten kleinen Südatadt, und 10.1» ^ie wieder 
ari" lösten und zerstörten, was a|tr festem Bauwerk von der 
alten Kultur übrig geblieben war, <0w schufen sie helle le«rii- 
tende weite liaft Schlösser für die Aerasten , für eile. 

Es war 5 Uhr nachmittags an einem sonnendurchglühten 
Msiemtage. In d«n Saale der früheren Bildergalerie, an deren 
Wänden wie aufgerissene Rachen 1 eer e Rahmen gähnten, stand 
dicht aneinander gedrängt ein bunt gewürfeltes Publikum: 
Matroser, Soldaten, Arbeitervolk, Dienstmädchen, Kleinbürger, 
Hier und da verrieten [trotz der vereinfachten Kleidun§)die 
ftAnSKiZüge und die Art sich zu haltenZ/^inBürger oder die 
Bürgerin. Es war das erste grosse M«^»ting-Konzer t in dieser 
Stadt. Berühmte Gros estadtkünstler, die Hunger und aa dere 
Not an diesen entlegenen Or t geführt hatten, traten auf. Der 
Saal war überfüllt trotz der drückenden Schwüle des Tages, 
und man laischte mit angehaltenem Atem und mit vorgestrecktem 
Kopfe den noch nie gehörten Lauten. Nur zuweilen klang da- 
zwischen der Aueruf eines Kindes vom Arm einer Mutter oder 

eines Vaters her. 

Als der musikalische Teil vorüber waV , erschien 

> 

auf dem i'odiam der Held des Tages dieser Stadt, Chaim 
Rubin, der junge Jude mit dem feinen dunklaa Dichterkopf. 
Händeklatsch« empfing ihn. Er trat naher und grüsete die 
Me'nge mit seinem b ^ei st erten guten Gesicht und seinem 
Atollen Lächeln. Als es still wurrde, begann er zu sprechen. 
Die Tore haben wir Euch aifgetan in das 7/underreich 
der Kunst. Wandelt auf ihren klingenden, leuchtenden 
Wegen und vergesst, was gewesen ist, vergesst, was mai Euch 
angetan hat! Lasst mich Eu^ weinende Seele frei küssen 
zu Fr aide und Schönheit, BuefeSeete , die Sorge und Müh- 
Fei gebunden hdoe»! Macht auf is.uer Auge und Eu ar Ohrl 
Euer öchritt wird schwanken auf dem ungewohrter Bocen ur u 

ii-UteT ;a;6<? p;fcbltrrc.<(?t ^eir vor d«-^r Fülle c'efj Llci-^teF., Jlo cSh 



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3. 



I 



wir g«h*t3 mit Buch,, wir Btützen Buch. Euer Weg iet eß und 
Euer Licht, die wir Euch wiedi^rgeb^ü , und dHI- man Euch 



geraubt hat hunderte und hunderte von Jahre^ilang. Fireter- 
niß undITot hat mar zu EuereitHauee gemacht, La^Bt mich Euife 
Seele frei -'küi^Ren zu/ Freude und Schönheit! •• 



Er hielt ein#n Augenblick inne, Peine eigene Bewegt- 
heit üb ^wältigte ihn. ^,6eht, wer heute zu Euch gekommen ist, 
um Euch eelne Gabe zu bringen: die aif dem Gipfel der Kunst 
»tehen •.>n ! Nur vop den Reichen und Mächtigen der Welt erklan- 
gen bisher ihre Saiten. Wer hat es träumen können, daaa sie 
zu Euch kommen |f#»*flCUnd fragt rI e nur: ist ee nicht grÖRfiereß 
Glück ijäKKt- vor Euch mit Eu^er verschmachteten Schönheit sdursti- 



gen Seele zu singen und zu Bpi#lec, elB vor ihnen, ti^n Ueber- 






ratten, den geistig Ar«^n vor Sattheit.. .•••• .J' Er pprsch^^anj 

in ihnen alle Vi, die ihn hörten, lag aufge- , ' 
wühlt es Land, lagen aufgeworfen e Er dkl ob ee, schmachtend 



n^ch neuem Samen ^ um frische Frucht zu trag« . und er streute 



Samen a uf f ru eh tb ar e Er de . 



MjA 



B^^lla Scher, die junge Studentin, lehnte/mit weisr-em 
Gesicht und mit weiten glänzenden Augen an die Wand . Rot- 
blonde Locken fielen aus dem grünseidenen Kopfturh auf 
Stirn und Wao gen . Sie bebte. Sie bebte vor dem Glück dieser 
Stunde, die so viel Schönheit barg, die so hohe weite Wege 
zeigte. Di RBen gpizen Feiertag war sie auf den Füssen und war 
Chaim Rubin nachgegangen, Chaim Rubin, der Seele des Festes. 
Zum dritt« Male hörte sie ihn heute. Am Morgen hatte er die 
Schulkinder vom Balkon des Hotelr aus begrüest, und um die 
Mittagsstunde hatte er eine Ansprache auf dem grosBen Platz, 
dem sogenannten Heumarkt ff eh$fl.ten . Sie liebte eeine bilder- 

reiche Sprache voll Farlie und ^lUt, und es schier ihr, dass 

« 
ni enarxi iho so gut befeifeitfen könnte ^wie slie . 

Als (Shaim Rubin endete, war alles still. Alles hielt 







3. 




wir g€h#r mit Buch,, wir »tütz^ti Buch* Euer W^g iet eu und 
Euer Licht, die wir Buch wiedergebe», und dMt man Euch 
geraubt hat hunderte und hunderte von Jahrefilang. Fineter- 
niß un d ITot hat mar zu EuerwuHause gemacht. Lap.ßt mich Euife 
S^ele frei^küeßen zu/ Freude und Schönheit! •• 

Er hielt einen Augenblick inne, Beine eigene Bewegt- 



heit üb*wältigte ihn. ^^ßeht, 



heute zu Euch gekommen ist, 



um Euch seine Gebe zu bringen: die aif dem Gipfel der Kunet 
»tehen .;M:j ! Nur vor den Reichen und Mächtigen der Welt erklan- 
gen bisher ihre Saiten. Wer hat es träumen können, daes sie 
ZU Euch kommen |f#wliflcUnd fragt rI e nur: ist es nicht grösaeree 
Glück J|i|(|f- vor Euch mit Eut^er verschmachteten Schönheit sdursti- 
gen Seele zu singen und zu spielen, als vor ihnen, den Ueber- 




ani 




Ratten, c'en geistig Araoen vor Sattheit^...,.,," Er sprach 

in ihnen alle Vi, die ihn hörten, lag aufge- / 



f 



wühlt es Land, lagen aufgeworfer» © Erdklöep-e, schmachtend 



nach neuem Samen^ um frische Frucht zu tra'g« • und er streute 

Samen b uf f ru ch tb ar e Er de . 




B€^lla Scher, die junge Studentin, lehntemit weisr.em 
Gesicht und mit weiten glänzenden Augen an die Wand . Rot- 
blonde Locken fielen aus dem grünseidenen Kopftuich auf 
Stirn und Waagen. Sie bebte. Sie bebte vor dem Glück dieser 
Stunde, die so viel Schönheit barg, die so hohe weite Wege 
zeigte. Diesen gBic;en Feiertag war sie auf den Füssen und war 
Chaim Rubin nachgegangen, Chaim Rubin, der Seele des Festes* 
Zum dritten Male hörte sie ihn heute. Am Morgen hatte er die 
Schulkinder vom Balkon des Hotels aus begrüsst, und um die 
Mittagsstunde hatte er eine Ansprache auf dem grosser Platz, 
dem sogerDannten Heumarkt gehalten. Sie liebte seine bilder- 
reiche Sprache voll Farfee und ^lUt, und es schien ihr, daas 
ni enard iho so gut befe/eiiifen könnte^ wie süe. 

Als Cöiöim Rubin endete, war all^rs still. Alles hielt 



^ 



4. 






fr 



».ob u.d Bicl. ZU. a.*.. w».t., brach «^«u» «1. .i>^ ^"..1- 
.tur». .00. i. Ba™. d.. Bn^t«. Xi »srB.ua Sohar »aoha- 

« Amm Saal 8Chl»t«t). In d*m s chinal«r 
riach vor der M#nge auiT d.m Saal ecnx 

. .«n, Auscwg blieb eie steh« . E« überkam sie 
Korridcr vor dem AUBgprjg «^-k-»- 

p.S..lloh der wunaoh. 1^ »1^ Paar «orte fUr aU daa Out. zu 
.3,a.. da. « .ab. U. .a«i.ar Zu«-i»d wa«. u. ihr hai.aaa 

^ r.H ihr# Kleider biß auf di e «hitzteu 
aeeicht ur)d drang durch ihre Jueia 

■I «.,«. T»tzte Saumselige zoger- 
Glieder. Der Saal war beirre leet . Letzte 

4„ 1 a,t#r Gesellipchaft. Er sah 
ten plaudernd. Brdlich kam, er ir lauter Gesel 

^ ^ta«v,te sich mit eirem durkel gerai:- 
rot urd aufgeregt aue urd wibehte eich mi 

V, ^^Aaio-fi. Stire. Bella Scher machte 
m — .väv^+mpV, die schweijielge öt-i«-. -^ 
f'erter TaaaBheriuon tu. i? o «- 

^ ^ vn A stehet). Mit eir v«rig 
eire« Schritt auf ihr zu. ur d er bli * 

..regerer Gebärd, streckte sie ihm die Hard hin. 

Worte, sonst nichts,« sagte si e einfach . 

..r freudiger gcheir ging Über ^x sein Gesicht. 



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^irdarkenj 



V, +^o-*n Ta«. Sr 4«t der schönste in 
Ihnen allen, für den heutigen Tag. --r 



meinem Leb» ." 



.r tief den Hut vor ihr und ging mit d« 
Danr zog er tl ei awu 

arideren weit er . ^ „j 

. .. v.it von der Chaim Rubins Worte und 
DiF Starke Freudigkeit, von 

.... ....«e. »r... wae«a. ... .-u. .roha .a.^aaU»un« 

,. 3.ua scher, u. d ai. war ih.au. da«r --; ^ " 
.,. ei. mr.r der Orta«as... a. a«. «iXa- Kaohe.eaohr.i d . 

. P^=«nt«ll alles dazu tat, 
,er zeit rieht taHr-ahm, so.d.rr im G.g.rt.il 

ai. lo^.la.a.re. In.ti.Kt. zu h^dig.». wie ei. .r- 
löaarder I.terval klarger aein.B.d.. 1«» 

c ..1. ala «Ssliob -oUt. B.Ua Sch.r »te sioh 

Chaos • So wemg ^-lp m^^xx 

, ^„».. N.... ei. h«U,da.. « i^.«'*-» »^" '~^^'' 

entgehen Ueesen . Yferi) 

j -u«. v^^ r.vi+. zu versäumen, 
„aoht. ale sich fr.i, u:. ih. .ioht 

^^^^i^-Ä+itiff war eltt Vortrag 
Bimige Tag© VBcn a«n xvu 



5. 






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mit Diskussion in dem Verband der pr of eEfiion«ll«ri V*r«iri- 
gungan aiqg«kÜDdi«t . Se hl »88, dees auch Chaim Rubin sein 
Erecheinen zugesagt hätte. Bella Scher war unter den erst 
Gästen. Selbst in den vorderen Reihen waren nur wenige Stühle 
besetzt. Sie nalrm in der Höhe des Rednerti sches P&*z und 
sah zu, wie der wei 8 ege tünchte einfache Saal eich langsam 
füllte. Von Bekannten war nianand da. Das g* ihr ein Gefühl 
der Befriedigung. Sie hatte keine Lu etj den Eindruck , den 
Chaim Rubin auf sie aueübte, zu besprecher) , el« könnte ihr 
dadurch e^was genommen werden, was ihr Eigenes war. Es war 
ein eeltaemee Gefühl, über das sie selbst lächeln musste. 
Das Glockenzeichen hi ese endlich alle persönlichen Betrach- 
tungen abbrechen und die Aufmerksamkeit einem dürren, hohl- 
wangigen^ Jungen Me^ftchen zuwenden, der eich vor die anejruchs- 
volle Aufgabe Reetellt hatte, den nächsten Weg der Ereignisse 
in dem schier unübereehb tren ViTirrwarr zu bez*t»hnen. Er spraii 
mit einem wilden monotonen Pathos, den eine werfende Bewe- 
gung «meiner langen Arme begleitete. Seine Rede war duTflltfloch- 
tei von krassen Ausfällen gegen das Bürgertum. Der eintönige 
Lärm seiner Worte und di e Monotoni e seiner heftigen Bewegungen 
wirkten Bella Scher baldauf dieFerven. Schon schwankte sde 
zvd sehen der Absicht, den Raum zu verlassen und dem Wunsche, 
Chaim Rubin wiederzusehen, als sich geräuechios eine Seiten- 
tür öffnete, DTK* der Erwartete leise eintrat und sich an die 
nächste Wand stellte, um den Redner nicht zu stören. Doch 
die Menge^imraer e igenwillig wi e ein Kind unterbrach mit Hände- 



klatschen den Vortrag, um ihren Liebling zu begrüssen. Chaim 
Rubin vpmeigte sich und blieb im Hintergrund, Erst als der 
Bedner zu Ende war, kam er vor. Seine Augen ttli^t» über die 
Anwesenden hin. Er sammelte ^iilsh. Es schien fast, als oähe 
man, wie die Gedank«n ihm zuströmten, wie sie auf eeinem Ant- 
litz aufleuchteten und hinaus^-drängte» . Und er sprach. Wie ein 
Dichter, der die Menschen in »in schönes Iftiantasi eland führt. 



Und 80 stark war di e Gewalt seiner Gabe, dess man ihm glauben 






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gfauben musate, was f>V da «rzahlt» vor nahender gut«r 
Zeiter, ur d da an man die hart© blutige Wirkldchlslt unter 
dem wogenden blumigen Gewebe vergase, daß er über sie 



breitete . . 

waren 
Und wie immer, stBBrwxalle still und erfüllt von 

einer verechämten Rährung, äL e er zu Ende war. Es sollten 
noch andere Redner auftreten, aber für Bella war der Abend 
zu Ende. Sie erhob sieh und girg hinaus. Ein weicher stiller 
Maienab^nd empfing sie und verstärkte die Stimmung XBöüf von 
Erwartung und Sehnsucht, in die Chaim Rubin sie gebracht 
hatte. Die Straeae war menschenleer un d unbeleuchtet , doch 
der Vollmond hirg wie eine rieeengrosee elektrische Bogen- 
lampe dicht über den Häusern. Ein leichter Wind trug den 



SU 



üsn« Duft von Akazien und abgerieeene Töne eines Volks- 



liedes her, das eine hohe Mädchen sti^nme sang. Da hörte 
eie eilig* Schritte. Sie sah sieh um und frrkamte von wei- 
tem die Silhouette Chaim Rubins an dem langen Schatten, der 
auf den Fahr dämm fiel, aei-^en kxacKx breitrandigen weichen 
Filzhut und die langen gleichmäesig verschnittenen Haare. 
Unwillkürlich beschleunigte sie ihrer Gang, aber er hatte 
sie rasch eingeholt. Er grüeste sie und reichte ihr die 
Hand, als wären sie gute Bekannte. yRSxx 

Fürchten Sie sich nicht, allein zu gehen?" fragte 
er ohne j ede andere Einführung. 

Ich bin esro gewöhnt," erwiderte si e u"d dachte: 
wie Belbstver ständlich und einfach doch das Glück ist. 
Geht er neben mir her, als wäre es die natürlichste Sache 
von der Welt. - 

« 

Sie kamen g<?r8de auf den Katharinenprospekt 
hinaus, die cchön«?te Strasse der Stadt. Auf der einen Seite 
lag das in Stein gefasste Meerufer und auf der andern stan- 
den prachtvolle villenartige Bauten, die in der verhält- 
nismässig kleinen Stadt überraschend wirkten. 



MkMHMhAtnMalMMMBMtklk- .*•' •*'-^ 



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7. 




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^Wie wandelbar das Glüok iet," sagt« Bella und 
zeigte auf die Häuserreihe. „Jetzt aiiDd sie leer utxi Ihre 
Besitzer quälen eich irgendwo ir überfüllten Räumet). Viel- 
leicht sind manche noch pbdachloe . Maw e^t, (kee viele 

. „ ... -, -.. . ^ti(My 

i« früheren GerangnisBeu untergebracht w w i dm i «^ä, weil 

ei e sonst nirgends Platz gefunden Ält^, " 

„la," antwortete Chaim Rubin, „jetzt eind\-Tir 
oben auf . Man muss nicht weiter denken und das Glück ge- 
ni essen, aolwge man es hat. Acii, ist der Abend schön! Das 
Meer ist heute wie ein silberner Spiegel. Noch nie habe ich 
es 80 still gesehaa, Hören Sie hin: es gi^ kein«« Laut von 
sich. Ich habe zwar versprocher, noch heute an einer Stelle 

« 

zu sein, iibe r ich will nicht. Solch eine schöne Nacht hat 
ihr Recht und unsere Jugend aich. Wollen wir nicht den 
Quai hinuntergehe, bis ao das Enda, Ich bigleite Sie spä- 
ter nach Hauue. Wollen Sie?" 

Ob 8le wolltel Als ob sie sich gleich etwas 
Schöneren ausdenken konnte als mit Chaim Rubin in einer 
wundervollen Mainacht am Meere ertlang geher, den süsBen 
Duft der Akazien, di e am Wegrande standen, einatmen und 
ai f das weite, blanke^ ruhen de Wasser hi-^ausschauen. Sie 

fühlte, wie er sie von der Seite betrachtete, 

Haben 

,,lÄii«zr Sie nicht auch das Gefühl, als wären wir 
alte Bekannte, und als wäre dies Zuj^am/nenaein schon lange 
vorbereitet?" 

Bella Scher konnte kaum antworten. Es war so uner- 
mrtet viel auf einmal, und besonders dieses, dass sie ihm 
•0 nahe stand, ohne es zu ahnen • Wa: sie doch immer nur eiw 
von Hunderten der Menge vor ihm gewese» und hatte nicht 
mehr von sich 0^mMm/i als die paar Worte an jenem Nach- 
mittag. Alles das erfüllte sie mit einem urge kannten 
Glücksgefühl, Aber sie scgte nur wenige schlichte Worte. 

^.DasB ich Sie keone, ist nicht erstaunlich. Wer 



8. 



^ 



T 



k«Bnt Sie nicht ir der Stadt? Aller Auger slrd auf Sie 
gerichtet. Aber daßs Si# mich k«Dn«n, ißt üb «rr aöch^rdj^ 
Ich bin doch rur «Lue vod Viel an." 

^,Pür daD,der kaina Augen hat P' erwiderte ev leb- 
haft, „ich habe Sie schon längst bemerkt!" 

„Wann denn? Wannhaben Sie dazu Zeit gehabt?" fr^te 
sie, mit glücklichem Staunen. ^Wenn Sfi« da^etehen und 
Sprech«!, da »eheint ee, da<=is alles von Ihnen so weit ist, 
dte ganze Wirklichkeit." 

„Das ist wahrl Ss iat so, währaid Ich spreche. 
Aber in den ersten Minuten, da idx noch nicht weise, was 
ich reden werde und in der letzten, wenn ee vorüber ist, da 
bin ich frei. Doch bleiben wir bei Ihn«. Erzählen Sie mir, 
was Bie tun, wer Ihre Freunde sind. Ich habe mir manches Mal 
auszumalen versucnt, wie Ihr Leben aussehen müsste ." 

Da erfuhr er, daes sie Studentin der LTedizin wäre, 

* 

aber jetzt Stunden gäbe, seitdem «J^^ dlmoh der Bürger kri^s^e 
von d-er Universitätsstadt abgeschnitten, und dann, wie sie 
den Vat^r früh verloren hätte und wie die Mutter mit zwei 
Kindern in dfirft igen Verhältnis sen zurückgeblieben war e^ 
und daes der Tod nach wenigen Jahren auch den Bruder, 
einen gedankenvollen kleinen Jungen, genoromen hätte. Las 
wäre ihr erster harter Schmerz gewesen. Chaim Rubin s * , 
wie das schöne weisse Gesicht mit schwerem Ernst auf die 
silbern schimmernden Fluten hinschaute, und er fühlte, 
dass der Hauch jugendlicher Sdr glosigkeit ihrem Wesen schon 
genommen war, 

,, Jetzt sind wir beide allein, die Mutter und loh," 
fuhr sie nach einer kleinen Pause fort, ^Aber die Mutter 
macht es mir nicht schwer, daes ich ihre ganze Hoffnurg und 
ihr einziger Trost bin. Sie ist klug und gut. Es ist se^ 
viel, wenn man eine gute und kluge ilutter hat," Sie wandte 
sich ihm wieder ganz zu und auf ihrem Antlitz sträilte jetzt 



\ 



9. 



I 
I 



l 



«in f»iD»8 glückliches Lächeln, der Widerschein dieser 
StutJde. Er sah mit Entzücken, wie beredt ihr Gesicht war^ 

„Wir wollen uns wieder treffen , immer wieder," 
sagte er hlngerlsnen • 

„Sie sind doch so in Anf3i>ruch genommen mit 
t aasend Dingen," erwiderte sie still mit gesenktem Kopfe. 
Er ergriff inre Hand, „Ich werde- schon Zeit finden. Und 
Sie müssen immer da sein, wenn ich rede. Ich werde mf Sie 
schauen, und ich werde so sprechen, wieyl nie zuvor. Ich 
weiss es. Wollen Sie, ja?" 

„Ja, ich will," erwiderte sie noch leiser. So 
trat Chaim Rubin in das Leben yon Bella Scher. 

Er ,'^ab ihr seine freie Zeit und seine freien Ge- 
danken. Er sandte Boten zu ihr mit Bri efer und Blum« und 
schönen Gedichten. Gegen Ab «cd nach Vollendung ihrer Ta- 
gesarbeit !?tand Bella Scher vor dem grossen weissen Hotel 
indem sich sein ©Kanzlei befaadund \iartete auf ihn. Wenn 
er Zeit hatte, gingen sie den Quai hinunter bis zu der 
Stelle, wo der W«b in die Steppe auslief und sandig und 
uneben wurde. Sie schauten auf Hiamel und Wasser und be- 
sprachen alles, was in ihre Herzelt aafsti «g . 

Acht Tage waren nur seit jenem ersten Abend ver- 
gaagen und so durchwoben war ihr ganzes Sein von ihm, dass 
sie es gar nicht mehr zu fassen vermochte, wie ihr Leben 
hatte ar anzig Jahre lang be8t<Äien können ohne ihn.. Nur etwa* 
legte eich manchmal in vorüberhuschenden Augenblick« wie 
•in Schatten auf ihre hellen Stunden: das war, wenn er sie • 
Wrührte, wenn er nach ihr fasste, Sie spürte da dunkel ei»e 
verhaltene, ihr mch fremde Begigrde. 

Sie etaid wieder aa ein«n Spätnachmittag^und 
wartete. Seine Arbeitsstunde war länget zu Ende, und er 
kam noch immer nicht. Da ging sie über den Pahrdamm an s 
Meerufer und lehnte sich an di e steinerne Brüstung. Der 
Wind kräuselte die saphirfarbaae Flut zu kleinen weissen 



8chäum«den Wellen, und der Hin,n,el lag - rhwcr darauf ",1t 



10. 



'* 






^. 



vjolattgrau«» goldumrärderta» Wölk«. Auf dar Berg« Im 
Westaü fl#l zwlecher tiefer Schatte» ein e chmaler'rötlloli 
leuchtender Scheir, ohne daes die Sonne zu sehen war . Fah 
ao einander gelMmtM ßchl«)en Waeser, Himmel und Berge, und 
voll tiefer Schauer war die seltsame Bewegtheit der Natur. 
Da fühlt» Bella eira9 leichten Schlaf auf die Schulter. 
Cha im Rubin stand neben ihr und sah ihr ins Gesicht. Er 
nahm ihr das grünseidene Kopftuch ab und sagte: „Man konnte 
glaaben, Sie wären dem Meere entstiegen mit Ihren rotblonden 
Locken und dem weissen Gesicht !•• ütod er ergriff fest ihr« 
Arm und zog sie fort. „Wohin?" fragte sie. ^,Zu mir,** erwi- 
derte er. „Sie sind doch noch nicht ein Mal bei mir ge- 



wesen . 



ff 



„Wollen wir nicht lieber am Meere entlang gehen?- 
Sehen Sie, wie es heute aus sieht. •• 

„Das können wir nachher. Ich mus s Ihn« heute was 
sagen, Bella. Bei mir sind wir ungestört .♦• 

Sie gingen schweigend. Bella fühlte den festen 
Druck seines Armes an ihrem Körper. Er wohnte in einer 
Nebenstrasse in einem weissen zweistöckigen Hause. Schlanke 
hellgrüne Akazien, so hoch wie das Haus, standen davor voll 
weisser Blüten. Er liess sie nicht einen Augenblick frei. 
Er zog sie die Treppe hinauf und läutete, indem er den 
linkin Arm mit der grossen Ledermappe hob. 

Bella lachte. „Ich kann ja läuten.** 

Aber er wehrte hastig . „Nein, nein, es geht doch 
auch 80, wie Sie seheb.** 

Ein grosses hübsches Mädchen mit dunklen Haa-ren 
und dunklen Augen ±i öffnete, j, Guter Abend, Dora," sagte 

Chalm Rubin. Las Mädchen blieb an der Türe stehen und sah 
ihnen nach. 

„Was hat das Mädchen?«« fragte Bella. .Sie ist 



11. 



I 



I 



eehr hübsoll. War ist sla?" Er lachte aif. „FiDdÄU Sie? 
Slö ist dl • Tochtsr dsr Wirtlia . Ja, sis ist hübsch^* 
Und er lachta wiadar. ^Doch «ibs gdat sls uz38 ac. Kommsx} Sis, 
Bella. ITshmsiD Sis slId.^ 

Er hatte eirj freurtdLi ches vierecktges ZliDmer . Ar 
den Wärdeu hiiage» Drucke und Photographie» bekaurter Bilder 
UT3d Statuen vod Repio, Antokolsky, uwd im Zimmer sah es auch 
sonst sauber und ordentlich aus. Sin grosses altmodisches 
Mahagoni so pha stand zwifchen zwei F^nsstern und davor ein 
Tisch, und auf die weisse gehäkelte Tischdecke w« eine Vaee 
mit Wiesenblumen gestellt. 

% 

^Aoh, wi. Vit •• b.i limm aussl.ht," sagt. B«lli. 

^Ich hatte noch keine Zelt, Unordnung zu machen. 
Ich war den ganzen Tag über nicht da. Das ma:kt man. Ich 
hätte ein bestadetee Talent zur Unordnurigr; s?agt Dora immer.** 
Er naiim ihr den Mantel ab und griff nach ihrem Kopftuch, 
daß f7i e ßich. wieder limgebunden hatte. 

^Dae mache ich selbst, Rubin." 

„Nein, Ich will es,** beharrte er. „Erlauben Sie 
doch, Bella.** Er lieee sie niöit einen iiugenblick frei von 
seimer Berührung. „Wie schnn ist doch Ihr Haar>jp Bella,** 
rief er, als die befreiten rotblonden Lockep hervorquollen. 
„Und wie weiss Ihre Haut ist! Sie Bind ein richtiges Meer- 
mädchen. Und Ihre Augen: grau, blau grün I *» Er schleuderte 
das Kopftuch und den Mantel auf die weispe, frißchgebügelte 
Piqu*decke neines Bettes. ^jWie kann man nur so?" lachte 
Bella. „Ach v;as ! •• erwiderte «r . „Jetzt kommen Sie!** Und er 
zog sie auf da^ weiche rote Mahagoni sopha. Er netzte sich 
dicht dabei und legte den Arm um sie. Sie wehrte sich 

mit einer leisen Bewegung. „Laeeen Sie dochl Warum wollen 
Sie nicht, Bella?*» bat er. „Man musß rieht gleich so, Rubin, 



3L.. w , . ^^■\ • . jL*«ll*k^ *- ^- *»i^- ^ 






\ 



I 



bitte rieht." „Werum Ö0rm nicht, Bella?« erwidert« er mit 
leisem Vorwurf. „Hast Du mich den» nicht lieb?" Muse man 
gleich damit anfang«, bitte, Rubin, noch nicht." wenn 
Sie nicht wollen, Bella, dann gewies nicht," sagte er 
etwas gereizt. Er erhob sich und eetzte eich auf den nach- 
st« LÄiratuhl. Sie war beschämt. Sie kern eich un^lenk . 
und kirdisch vor. „Bubin, Heber," bat sie weich und er- 
griff eeiTie Hand. .Verstehen Sie mich öochlSeien Sie nicht 
bÜs ajf micäi." Da setzte er sich wieder zu ihr und umfaeete 
eie. Sein heisser Atem lag «if ihrem Geeicht. „Ach, 1 di 
sehne mich nach Dir, Bella. Warum tust Du nur so? Was ist 

* 

es? Wir sind doch beide weit von alten dummen Vorurteil«?" 
«Ach. Rublr, Lieber, es ist doch kein Vorurteil. Bs ist ganz 
was anderes. Warum verstehen Sie mich nicht?" 

Ach, ele Jiebt« ihn. Wenn er nur wüsste, wie sie 
ihn ;iebte. Aber das Eine, des Letzte, das konnte eie ihm 
nodi nicht gekn . IToch war sie nicht reif dazu. Eine cUnkle 
unerklärliche Bangigkeit hielt eie vor dieeem »tzten zurück, 
das Ihr vorkam wie das Meer, vjenn ee stürmte und brauste, 
massloe, gierig, Ärausig in seiner Gewalt. 

„Bella, Teuere, sieh, niansKid hat Hsare, wie Du, 
glänzende, goldblonde üppige We Her . Lass fle mich etrti- 
cheln. lese sie mich streicheln. Memard hat Augen, wie Du, 
tiefe echimnernde Märchenaugen. Läse mich Deine Augen küs- 
sen, Bella. Und w^r hat d nen Mund wie Du mit einer süss« 
schwellenden kleinen Unterlippe. Lass mich trinken von Dei- 
nem Munde, Bella, lass mich trinken. Niemand hat Glieder wie 
Du, weisBe feine keusche Mädchenglieder , lass sie mich fas- 
sen, Bella, läse sie mich fscsenl" 

Sie hielt still, und er küsste Tdt versengender 
Glut ihre Haare, ihre Augen ucd ihren Mund, und er umfaeste 
ihren gaizen Körper und preette ihn an sich. Da machte sie 
sich frei und lie es sich, vor ihm auf die Kniee nieder un.d • 



13. 



fleht«. „Läse mir Zeit, Lieber, daec loh ee Dir gebe mit 
freiem Willen utid^voller Seele, Läse unsere LiÄe so »chön 
bleiben, wie Du schöm das Leben umechaffe» willst .. Reise 
mir rieht zu früh meine Blätter vom Baume. Sieh, was ich in 
mir trage, ist doch auch Liebe, starke Liebe, öie ir mir 
wächst, wie eir Baum mit tiefer Wurzel» und festem Stamm. 
Lasß unf^ere Liebe so rein bleibe», wie Jaae Träume und 
jene Sehrieucht, die Du selber in die Seelen gÄegt hast. ' • 
Werde Dir selbet nicht zum Räuber, fhaim Rubin!" Chaim 
Rubin aber begriff nicht, umwa?. sie bat. So angewachsen 
war seine Glut! Äs schien ihm, als sei da doch nur ein 
Rest alter gezüchteter falscher Abwehr, und im Zuge des 
Niftderreissens glaubte er ai ch eic Eecht zu haben, dies 
niederzureiseen . „Du liebst mich rsicht , Bella. Ni c±Lt so, 
wie ich will. Das ist es. Ficht Deine Blätter und Blüten 
11 Ich Dir rauben," sagte er mit mühsamea Atem. „Jene 



wi 



Schlirjgpflaozen, die Deinen Baum umranken, jene Parasiten 
von falschen Inetinkteo, die, ihn nicht wachsen lassen ,mÖch' 
te ich wohl zerstöre». Denk doch, was ist unser Leben, 
Bella! Heute leben vdr! Was wissen wir, was morgen ist. 



UM Du?« 



Er warb weiter, er zog sie zu sich hinauf und 
«Ägte sich dscn silbst vor ihr auf die Eniee ni^er und 
vergrub sein Gesicht in ihren Häuden . Ein wehes Gefühl 
erfaeste sie, db se er sie nicht begreifen wollte. Sie ent- 
zog ihm ihre Hände, bedeckte ihr Antlitz und weinte. Das 
brach seine Stimmung und ernüchterte ihn. Er erhob sich 
und trat von ihr fort. „Wie Du wLllst, Bella Scher, mit 
Gewalt nehme ich nichts von Dir." Ein Schwelgen entstand 
zwischen ihnen. Als sie ruhiger wurde, stand Bella auf, 
ffesete wieder seine Hstade und sagte; „Rubin, Liäser, lass 
mich jetzt zu meiner Mutter g<hen. Bei der Mutter ist ee 
still und gut sich zu sammeln .Wenn ich mit mir f artig bin, 
irill ich Dich rufen. Nur auf ein« Ta« komme dann zu mir 



A 



14. 



V 



dahin, EIdäo Tag ^^d^et Du mir doch schÄnken koDr«n , w«r» 
ich Dir wert bin." Er antwortete erst rieht und sah mit 
erwachendem Groll von ihr fort; wie er aber der bittajden 
Stimm» nachgab una eich ihr langsam wi«d«r zuwendet« und^slkh 
in ihrer jungen unberülxriken Schönheit, da ahnte ee ihm von 
den Koetbarkeitan , di« da noch unerechloeseu in der Tiefe 
lagen und geweihter Hände bedurftaa, um eie zu heb^n. Wie- 
der hingerieeen fühlte er, dase sie all^r Opfer wert war , 



un 



d er rief; ^ Ich werde kornmen, wenn Du rufet, Bella!" 
Bella S<]feer war im kleinen Ort bei der Mutter 



Die Frau hatte in ihren^ Leiden ein reiches Mass an Lebens- 
Weisheit geea.mmelt. Bei ihr war für Bella immer ein gutes 
Ausruhen vor Fähroiepen und Müdigkeiten und ein gutes V/ach- 
reo für neue Ansprüche. Jetzt war Bellas ganzes Wesen auf 
etn Ziel gerichtet: das war Ch a im Rubin . In der Ferne 
verlor ?ein Bild die dirklen, pie manchmal beängstige n-fen 
Flecken. Sie verwischten s ich für den Blick ir der Entfer- 
nung, und nur das Strahlende seiner Erscheinung blieb leben-, 
dig. Es schwand der Zweifel und das Zagen, die fu f dem 
Grunde ihrer Seele gesesfen und das freie Hinfliessen ih- 
res Gefühls gedämmt hatten. Sie moirde wie ein Bergeee im 
Frühlirs, de»! von allen Seiten, aus allen (iuel l«n rauschend, 
plätschernd urd klingend, dineh Geröll und durch Dickicht 
r^ich Pfade schaffend, über abschüssige WändÄ eich übers tür- 
z»d, Wässer zuflieesen, dass er voll wird bis an den Äand 
und üb er zuf Hessen droht. Solch ein Bergeee wurde Bella 
Scher.. Sie blühte zusehends auf in diesen stillen Sommer- 
tagen bei der Mutter. Ihre Waiag« röteten sich, ihre Biu st 
hob sich und üppiger wurden ihre Hüften. Es schier, als 
würde sie grösser und stärker. Was konnte die Mutter, deren 
Klugheit Güte war, noch sagen, nach eo viel Gutemund 
Uebergutem, aus dem die Tochter di e Gestalt Chaim Rubins 






15. 



aufbaut«?- ^Mein Kind, es iet ein b dursrer Weg mit eir«n, 
der 80 hohe Weg^ geht. Ist ee Gottee Wille- uüd ziäit 
Dein Herzo^sel mein Segei) mit Dir." 

Bella setzte sich hi» und echrieb ihm eineo Brie f. 
In dief?en Brl^f legte sie den gewonnen» Frieden ihr» e Her- 
zens und den Ruf der Mutter. Er hatte nur wenig Worte. 
„Komm, komm zu mir. Wir erwarten Dich, Lie%er, Guter !•• 

Sie wartete^und jeder Tag, der sie seiner Gegen- 



W' 



art näher brachte, lie.^s tiefer und tiefer in ihrer Seele 



die Wtrrzeln ihrer Liebe greifen. Sie wartete - bis das War- 
ten gespannt wurde, und in das Wartao hinein wie ein Blitz ^ 
der ^chrecldiche Gedanke schlig : „Es ist da was. Ee iet 
viÄleicht umsonst, daes iali wartest." Da b dcam Bella Scher 
wieder ein weisr.ee Gesicht , und sie aegte garnichts. Sie 
packte ihre Sachen ein. Auch die Mutter s^te nichts. Und 
sie fuhr zurück zu ihm in die Stadt. Sie legte im Zimmer, 
das pie beibehalten hatte, ihre Sachen ab, machte eich zu- 
recht und begab eich zu Chaim Rubin T'Dae selbe grosse junge 
Mädchen mit den dunklen Haara lieäe pi e ein, undeie sah, 
wie eine tiefe Bestürzung sich unzweideutig auf ihrem Ge- 
picht malte. Und auf Bellas Frage, ob Chaim Rubin zu Hause 
müve, antwortete sie sonderbar ur^sidher, dass rie es nicht 
wisse und erst nachsehen müsse. In der Gespanntheit und 
UngewiF^ßheit, in der Bella sich befand, schien es ihr, dass 
das Mädch« endlos lange fortblieb, und wie sie auf ihr 
Kommen hinhtrchte, hörte sie einen Stimmenwechsel, der an- 
WTÜhhs. Sie erkannte Rubins tönende Stimme, die wie be- 
schwichtigend klang. Als das Mädchen endlich wi ed er kam, hatte 
es ein gerötetes und erregtes Gesicht . Bella Scher j^ ^^"'.. 
gerte einen Augenblick, sie äinte: hier war was, lind sie 
suchte gleichsam ihre Ktaft dafür zu sammeln. Als sie die 



16. 



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Tür öffret«, stand Cha Im Rubin sufgerichttt 1b dar Mitte 
d#8 Ziimers, wie.irer, der .irttn Arrtuttn auszuhalt.r hat. 
«Guten T^. Bella Scher." sagte er mit einer kalten, fremden 
Stimme. Bella fühlte, idw ihr das Blut unter diesem Blick 
2u Bis gefror. ITur einen Augenblick Img, ^taxiv erfüllte sie 
vdeder die Glut ihres angewachsajen Gefühls. * 

„Chaira," rief sie urd etreckte ihm di e Hand mit 
einer schmerzvollen Gebärde hin, ,eag, wa« hat das alles zu 
bedeuten? Warum bist Du nicht gekommen? Ich h^e so ^ehr auf 
Dich gewartet ." 

Br zuckte kaum merklich zusammen und a:bleichte 
leicht bei dieeem Angriff verhaltener Liebe und weher Ent- 
täuechung. „Ich kann aus der Ferne nicht lieben!« sagte er. 
jedes wort betonend ur^d richtete sich vi eder gerade auf. ab»r 
sein Blick hatte schon die frühel-e Festigkeit verloren und 
irrte von ihr fort. „Ich habe Dich gÄeten, hier mein zu 
sein. Du bist fortgefahrer. Jal" 

„Und des Mädchen hier! Das Mädchen?» fragte Bella, 
mit erloschener Stimme. 



„Das Mädchen ist meine Braut," sagte er auch fast 



tonlos. 



Bella Scher stützte eich schwer mit beiden Händen 
auf den Rücken des roten Lehrstuhles, dann griff sie nach 
ihrem Herzen. Eine Stille richtete sich z;d sehen ihnen auf 

so tief, (fess es schien, als höre man das Klopf« ih» r 
Herzen. Chalm Rubin verlor sich immer mehr. Unelcher teh er 
räch ihr hir , 

„Darr kann ich gehen." sagte sie mühsam. v;ie ge- 
brocherj urd wandte sich schwerfällig der Türe zu. Aber wie 
eie schon die KLinke in der Hand hatte, um das Schloss au«- 



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* 



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17. 



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zudrack«o, da etürzt« «r zu ihr hin. ^Bella," rief er aoget- 

voll mit einen Mal. „Geh bo »icht fortl" Sie blieb stehen. 
„Was willet Du noch von mir?" fragte sie, „Bella, geh nicht' 
fortiyf" wiederholte er. Er fiel vor ihr auf die Kniee nie- 

... . • 

der. hI^^ liebe doch rur Dioli. Hut das ist wahrl Eb ist doch 
rur, weil Du fortgingst und ich rieht geglaubt habe, daßs Du 
7.4 eöerkoinmet) würdast . Ich war verletzte Ich wak wahnsinnig. 
Was weiss ich, was ich war. Ich lisbe doch nur Dich!" • 

Er umfasete ihre Kjoiee und küeste ihre lose her- 

* 

abhängenden Hände. Bie wehrte ihm nicht, eie stand gefühl- 
los da, wie aus Stein. Er erhob sich, legte seinen Argi um 
sie und zog sie an sich. Und wie sie ßeinen heissen Atem 
fühlte und die wieder erwachende Gier nach ihren Haaren, 
ihren Händen, da erst machte sie sich frei. Sie «Bhob ihn 
langsam fort und fuhr sich dann mit der Hand über die StirOj 
als müsBte sie sich vergeg aiv/ärtigen , w as das alles yräre, 



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d was es bedeutete. Er griff wieder nach ihrer Hand.ater 



TnC « 



Sie entzog sie ihm hastig. „Hast Du kein Wort für mich? 
fr^te er vorwurfsvoll. Sie sah ihn freud an. „Nein," er- 
widerte sie, „ich weise nicht, was ich noch sager soll. Lass 
mich gehen." „Bella," rief »f» er wieder tönend, ftii a:höfce 
er eich aus seiner Hilflosigkeit, „Liebe kann verzeihen, • 
Liebe ist grossmütig. Du hast mich nie geliöst!» Da eäa. sie 
ihn an mit einftm Blick so voll wehea Schmerze^tf, dass er 
still wurde. „Aber varzeiMün kann man doch," sagte er leise. 
„Verzeih«?" wiederholte sie, „was ist verzeiheo . Was 
kommt darauf an? Es ist so weh, dass ich verzeihen könnte, 
ä5 er es würde dadurch nicht besBer." 



« 



Ich bin nicht so scjxild, Bella, mich reiset immer 



etwas hin, was ausser mir ißt," rief er ...it einen armseligem 



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da rshm MinnH Si-y;«! ihn ir» aller liuhe ötj , .»/ie e\xy^ oach^, 
aie ;aan erwartet ^ un il die» ^ineiü ricntio" j;")a r^ütwepoif;c ^*- 
BCjieint. Deit eineui halViön Jahr wtir aii? im IJau Be de« alten 
Marnee i^a lei. tete* den iiauBiialt. üeine Frfiu war ecnor seit 
zf^hn Jalirer. tot, und di # letztt? von e einen fünf Töchtern 
/v8tt«r gerade kurz Vüriier ^trieiratet riß .v.inna bep;v^l zu ihm 
in dar-. Haue K^^iretet' wF*r . jNJatan 8caapiro -^ar sejoir reich, 
•ein Vi-r^tiöger^ vr^r kaum «bzuechatzen , da es in alk n u^^clurch- 
dri nglibcnerj ^Valcern oeetard , die er zura Teil r^eloat c-rwor- 
ben , zurc. proarten Teil jedoch von Beirj<:rn Vater ^.ferbt hatte* 



Er T^x ein schlichter fclt^noaiacher iwarn an c. mf-cnte rjelbst 
^'enicr Grebrf?uch von e elrero frroe-nen Ueicutunr;. £r unterhielt 
pire .Vohnunf.!, von fiir-f Zimrti^rn ir* einctu ^uter Vlt^rtel der 
frros'^en litauiscnen Gouverneinent^Btadt , hatte eine hübsche 
jsiinri (;nt ar g, di ** ht f!ic)i gv-rade ürgehX'tiairt hatte, als «eine 
Töchter }ifc»i r atf^rähif? zu tvi^rden f^nfinfren urd die ii.hekar.didÄ- 
te n ii/a Kf^ua nielaoen werucrn r^uot^teri. Von aeinei eelin;en Frau 



\ 



erz''tiilve rann nich, cla!?r r^ifi 5. ehr ff:ei..if3; und zänkisch ^e^e- 
sen w4 und i^^atan o'-.h^pito daher kein leichteß Leben ^:ehabt 



hHute . hr erwahr^Le jetzt ?such ?)ur «elten cen Namen Bein? r 
V erbli';:hen«r) 1 ari^j ahrigan Leb er.ö^s*^ fähr tin, el« verknüpi'ter 
nicn aamit iür ihn unl leb 3ane iirinnf runf;en , und eR echier , 
t d 8 hatte er auch Peine zv^ite Tochter Berthe, von der man 
aa^te, dasö Pi.e der .\utter aehr ahnlich »^ , wniß;er lieb, 
al8 di e »dem • 

Minna be^yal war vor zwei Jahren fcue dem kleiner 



ätadtch#n .s^cekoinrnen ^ v«o sie ihre p^anze Kindheit und Jugend 



v 




2* 



I 




verbracht hattt* Sl€? hatte dort in ci«»r letzt» Zeit allein 
mit dem alten kränklichen Vater gelebt und den klein« 
Koloni alwar »handel ^^elcitet, der ihnen die Mittel zum Le* 
ben gab. Ler Vctf*r und Liinne virrren au« der zal^^.lreioWen 
eegalsichei» Far.ilie cie letzten, die i.:: Qlridtcnen zurück- 
fi;eV>lifben ^sswev . Di e vv-rBct/ii euerer Unk^l, Tßrteo, Couainen 
und CouPine natten Bi oh ;t»ll:r ähli cii raah f^ö?;^^eren ^tfidta^ 
vprzoset), zurueint wohl nach »: . . A^^-lcheB dr-r nächete leb- 
haftere^ Ort v^^r . •i;inirt;e UüuB:n& x;ciov ßo.^ar n ?U3h Liüdafrika 
und nach Ain-^-riki^ [;eg«rrk*an, -df e^ r.erR5e u;ti j^np Zeit 
üblich Tör . r^e ^o?i3e ^oogal 30h f Fsnillp ^ar in dem Stadt- 
cnen cie an^f-^eh^) sue unt<^i* aller jüdischen Farrilien piewe- 
r,en uri hielt ^icu für ^ehr vorn^hi;. Sinen besonderen Grund 
gf.o ef3 dafür freillcrt nicr-t, ?^i e ee IVi^ ^^elten in ähnlichen 
Fallen it.ibt. Loch kai-.r ^fatgt i^frdf-, diie«5 cie an ständige 
ehrlich«- Leute ^.fren urc i^ir *.\utf»^ r taprig er» AusBehen Viat- 
ten . ii.3 -^ren Gtataltwj vor i%*lnem }'roo>i6nbru Tiit 8chraa- 
len ki.av;0n Geajcht-rn. ..ucO. '.'inra vri^r vor feiner, wenn 



aac 



h nicht :^ro8n*:*r Q^^^liiilt. Uopoi/Jjes braunes li&ar lag in 



vollen Siechten urn aen Kopf. In di>rri 7-arten Gefdcht fielen 
cie ^roneen vjr ^ohv^-^vzon Virap ern ir^fa^^ten yraublaien Augei 

s 

8uf, C iM einer, ©i ^ent uaiiich l«-ift «>«:oen ßli ck hatten, und in 
c-er.&u dlürn uoa wErin fin kurist-s I,«n« nt «sV^ufeprüiite ^wad 
joH ^^. ' Ir w «» :;rcn d*»8 Vist«T>-: Toc> hjlfrlt, Rjch sie nichts mehr 
in den klc-ir«^^r Kfst zurück und eIp folct* ohne -«eiteree der 
Aüflorderung drr r*-ich k\PTOr'<vv^v Verfiardtechaf r , nach .V. 

übt^rzue j. fceln . 

In oem jw,8 nze n Vrr^'-irct <*r;?.:r sd pf^ ^•^ar r»an über 
MiTiniiT, ocJiTi^t e.ipört, ..«jn Iscj.t^lt«^ p:erinf;?3chäjrtzip:, man 
zuckt i? clie Acliv'^lr; • Ue Konnte «3'i oh ein !ucchen von 27 
Jaiirer an einen «1 Len Vann v fc-rgobr'Tfi^ .0 pross ^ar ihre 
Hot doch niciit. Ab*^r ro rrr wohl mehr d ef Uerger darüber, 
daae man von der p rraen Verwandten, di e man Iv ^leiren Ard s 



au 



ffr.enomrrieo, um die man sich bo lelhaft geöorpt und der 



w-f 



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tB^5*S'^, 



3. 



man ctooh die Sttlle bei Natso bchapiro verschafft hatte, 
80 uberp;anger worden war, duse sie ohne um Tiat und Teinunp; 
zu befragen, plötzlicn mit der Machricnt aufp-etreten ^ar : 
„Ich habe :aich heute jät Natan .^chapiro v^rloi^t," Ivit 
eineiTi LChlage war inra jegal nic/il ratF-hr die arme Ver- 
umndte, nn drf ./.ar i-eirer ü.dal:;;at KuelaariT konnte, über 
derer t>chickötJl i-b Bich eo crefiiütiich beim Machmi t tagekaf fee 
oder beiji eotr^^dli Cue r« Ire verhandeln liesti. ^,.5? war viele© 



B 



8 



chon «c fein eing€ facielt >^order, urr. Minna an «drft? an- 
tnndi;->:<?n janpeu iienecncn ^u VMVaeirfcten* L?^ 'mv ein Iro - 



vi« or fuf äem t-Äi5de, ü^r kein^ groi^H'sn ii^nBpracue «teilte, 
dort *iix) Dcrri^iab xi l -/.uter ?raxld, nur df.as «^r etwep stot- 
tarto, fe^ors- hhtte Ja ciuc'fi er rranz •<72'? i^rderea verlangen 
können, fi li) i?io krme« ^^ndchen aus der KlelnHtaüt, Und 
«cnlie .'jBlich '.^ar dM auch ^in jungrr i-'fe raeiiändler , der 
ühiie 2'.7td fei gr ö ^^c^ er t?» An«]) rüoni^ iiaclM-^n kO'inte. Abp r Ihn 
lockt/^ die '-,ute ?a!aiiif^. ^li^ ykiflute iri^ti '^'Oiil , rait cien Se^.als 
V€n^v:fc«r. :i L zu v-erdi?»» . i/nd ra»*« iia^Lle ^ 1fr einer: Strien durch 
«iied-rzte' iu^ci-nut^^fc gv^nji- ol^t • j an It-' i^s/j^cha hatte docVv so gern 
einen 'iei'l ai*r Be tt^^'aöcy)♦^ geapendet urxi Tun*- e (Jhaie df * 8 
Küchcnr.eGcinirr , und tou^Ufe l^anny, g1 e reicnßte von ihnen 
feilten, iialte wicüani^-r aüiaru t'^;ö Lrf^nen berei: erklärt, 
ui p aocliZtt it ir; ihrer -VourunK auezu ricr.t an . und run war 
dfit nies unnütz, und ^^i h v.f^ren <?ittiich entrüstet, "de 
ein jan^';fö LÄcdtiev viu tuf üelu h*\l^^,at*r^ sonnte, und sie, 
die alle Tünchen voll hi^ttr.i, ^^'a^cn *ib erzeugst, da^e nie es 
vyohl ni^-nölö getan hatten» 

AO'^r für \:innfe. rar di e<de ints cnlie egung '/ar kein 
fc>pr.nf? ir» *int^ aridere ^^tw.e, sondern ^^ur ein 'eit erschrei - 
ten r.uf ct^rt-'-el'w.en üa^i.»* Tn d er Iftjre , in a er nie ?=?ich be- 
fand, ^^-rr:» o}iif*n es ihr i^ 1h d'^n //atiirlicnste, die Frau des 
alten Is^annee zu wercen , welcher der .^Jinzige war, der ihr 
wirklich .Värrr.e entgegenbrachte. Und vielleicht a ucli des- 



halb, dass ei e viele Jnhre um ihren alter; kr jrk*^ i chi^n v?.-^«^ 



» 






l 



geweBen war und ihn in SÄin^r l»Dß«i echwerer xvrsnknelt 
gepfls'gt, hatte der sehczigj at.r ig© Watar» Sciiapiro für 
•!• nichts Ab8t08B#nceB . ./iinna Se^al hatta noch kfin» 
Li'bf g«*ifibt. Hir G«?müt la« trota ihrf^r sieben und zv?an2ig 
Jehr'? ßtill und unberührt da. und in aller Uewi sBetsruh*- 
korntp Ri? «tan Schapiro als Gagengaba für ein f<o rg*nlc3B ee 
undbK:U«"npp T.pbffn dieb«?eten Ab8icht#n »^r/tKeKen bringe». 



ihr eine treue ivc fürßorgli clie Frau zu werden 



r 



e c i e 



Vermn>dt3criaft über sie dachte, war ihr gl t4ch.7.ülti g, arnßo 
mr-nr cle fie urabhänsrio- von ihr wurae, Sie liatte eich nie 
in die Rolle der armer. Verwandter ilnden künnc-n, die Qan 
freundlich nit «ivü\ Blick ubt-r die bc/ialt«^r faulTürdf^rt, zu 
üö.'Jt ?.u kO'r-ir>er unn der mao ein iraeid älterer, DatumB arbie- 
tet, dftnit bA b in Oer.ellBChef t ricnt zu nenr yov t e» andern 
ßta'^eche. ?.'innH Se^al hatte Ki ch überraaciit-nd nohtiell 
jen .fi;rö«<?eren Verheltni ssen der Jouv ernenn er. tee taut »rige- 
papet, Eb hätte niems-d, der es nic^t Rer aae Reruest, m- 
rehner y^ör^rf^r , deee fli e ihr Leben bläfier aus nohli essli d:i in 
einen kleinen litauischen Nest zugebracht. 2^b ev die reichen 
Tanta^ und Coueirep verprasRen ea nicht, & at- R ie ru r eine 
arrae Ver~'r>dte war und hüteten ängstlich ci f lichra^ken. 
die ihre üchönh'^-lt unc ihr Geist zu z «--^rbreci-en arohter^. 



i^.8 {T, 



ab ihr ai Jüchen bitteren Aup;enblick zu fühlen: du 



bißt richte, c^ein Fame Minna t>er;8l kllnp;t nicht. Du biet 
'«enif?ier rln ?iie alle, als Chaie i^puf «istei r; und Tioa 
>'i'^cli«3H0ff und ' OBcha Se>;al u*ia Fried« begal undeo -fi- 
ter und oo weiter, und ducn zu wiasen: du biat nicht Gieri- 
ger ale BiP, nicwt en KligiieJt , nlch t an Viaeet», nicht 



^■0 Schönheit oder Güte. In inrer aller Auc^v tont des 



MetRll niXt , 



df/s «ie besitzen. Urd die Vohltat, an einen 



kl 



einen Corn.Tle oOer stotternden Centlßt«rj ooer an einen 



groben J ferdehördler verheiratet zu werden,- lockte Bie 
ricJit. Es lockte sie nicnt, das g«rze leben zwin chen Kin 
dergenchrei , Küche und elender kleinen Sorgen zu ver- 



i 



brlrgtT urd sich d«b» 1 «ufzurHlb«. lr.,n^r vor «e^ohloa- 
8«n»n Tür»r) zu 8t*h»n. Inmer nur zuzuechftu»», wi«. r-naere 
.feb«»n. ;;c»»rieeseo und eich putaw. und i.nmer «1 lea vor 
»«'iteiunar ^u Ix^-t rächten i Urd da (i.rr «ILä .vfwir rr.it den 
zl ttc-rociPr. HfxKler u.u «i*> ^«rb. aa ,^;u rue ^i *• ohne -eit«-*>e 
e«»! nt» Irau . 

« 

(Jl*-i chf ör^DiK fJoai'e-it.re 7f'...Tft »-un dariin. Sie 
wu9f!t.e: ee T-ßr di,8 .f3*..tfr. "i^p dfet, ipbe- inr hatl- brlnr;«i 
könner, uro Pi? v^ r ec..«^uc.,te Ci<. Jede-Ker, di fr iiferan rüt- 
tein mite-, ^i.^ «,ar j>t^.t Orr ^oj«-rr «'be-r.bür tig. Lie 
ertr.» Ver-pndtc ^-sr v.?.t^«s^*o. arH, -^i*. tßt j8^.B.?lbe>, was 
di«. nndern tatun : Vii.rlt ihr lUa^ io Ord-anff. machte i3e- 



eucna anc b t>€f ca af t i -r ■<. • 



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körnet^ '^'-purfe-eöCjileacHVt una i 



tJ olnen tötüf, 



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A.ari.p 1 e v ü b t er^ und z 



tö xü>.rte, v^rliee« die atatt^r, w 
:, eicji in r ooi) arjbi-rüVir t<H Bezirke 



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dir oh cen .VarRel 



üp VetüClt fr^, iru (-1?^ 1)1 ^ r 



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gel »n Mfihrunc^^xnii ttelT. avc 



He izjn^r.nu4»^ri al 



fcf-Rch\?fi-rlich ••iwrc.e, MuCütet 



e f r , »n I- V i fi e 



cep elchw 



ar>d Reich'^jUr, i- ci^ ertU-K^^au kf^akf-f isc/ier Kurorte. 
wo rifcn i- Beceioii^ der ^^o^t eo vef ür ch t^^ teo Kosaken u^ti 
uer ::.oate!a#Utnißchen G^ti TRevöUer %! Patte, wüal aufe^eho-- 
ben zu seiDa 



6. 



•^UfKi «i»rvoll evBcnievev Auch die ereten Tef;e in 
cev Kaukerl ßchan 'Inercilbäd *^rn nßch dem kälten eorner Iocöd 

i^fOTder uDd nanu d ^r ?.ohv\J f rivirer t nc:f--l prp:e n Rrifte. Ss 



tr» 



ar '^i p ^ine p arz neu» .'if^lt für ''irr a, Z»^'::! e rntirr :.:r1 in 



.^inre/;^ l.eopn H^h ".i€ ;äf^rp:<F', urc' ül (=^ ^rr^fckt^r 5r Ihr ein 
8eltvörr.<-8 urb'eschreibll cl;f»e u«? fühl . 'ü p r,i e de fvaff^g richtet 
«terd*-,'!, brt'it, <irfcu, ritn-i^ urC EtuniT., hat t er. Bie *»tT««8 
Bt»druc<e'f.-jea ürä Bt?c?rüti(r nders . .'jar:- eb^r o-i r^ f:^ vor» ihren 
F.f;>2 arrrrartct cuv ricv -n^ eir Huf©« nrd I.ocle«r : i^£»h, 
dahinter ist c^e! Jrd da^rl ^j^r «, rech bleich «.in Vor^rthal- 
tf-n um. \>rf!r^-er. d^r vap rar es, rbe «1 c- fcnd? iin«. 

^-r .. B.m. und .l...:u«.t. plötzlich b1 tt.r ^.iren. ü..aeV 
oi. .u.«t. 3n ii.., .,„,,, ,,,,,, ,^,^ ...u.ri.. ... 4,. 
80 t^raohüttt-rte vi*, c»} .-ee B.?rir*= i'., • 

^tort* ..:, ,or.,.nlanci d., .o.rIc..>cli .,^ ,efuia . 
«1« v«rt. Hl», nach ©ir^r 1«)^-. •. 

^••i^..n... a.n. hi.ei..ubMo.en. u.. .« ,o.i ^ i,, .,3 

muefit*. Bie V.S5J Verw^nütr-e ^,v,d v^^.^, .. 

° '^^'•^•■^'•t'.»"^ -•-K-^o.^rrindep. sie 
«?rlrnprtp sich -»^r . r, - 

..r .cr.^^.iar.i«cher ::^^ronvr, ,i. «i^ in 

irüb.r Klrdh.lt e.l^e» ,,Ptl. „., ,.. .rc. . , 

" c. c.a«# «-rf tfc-r dunkler^ Ah- 

'-•t'f'i., ciP Fl f. f.-frrcl;t und die 

Asche, in c l^ r^£:Y» ^^- l ^ 

Ptr^^at t« .^.nnj fi el ihm 

»^«T und W»cker ntünr- ^^ • 

^«.t-r otana er xjiiTier vor Inr ?;*v>^^ > 

j/ir. jJeben dtrr. Hotel 



# 



r 




7. 




1 «g der üt«d.tg«rt*D . B« v»r echon Anfws Oktober, ab*r 



I 



die laft war wel oh und livö ^Ic- er eir^m ric}iti|ii:©n Lai- 
tap.ii • Jun^e ^/Jadchen pin/o^i^r mit ^ro9?cn 31u.ii p^ö träuöeen 
in d#D Händen und junr^e blaa'ja Cffisi^«» beur^an öi oü zu 
ihnen herab und DÜPt^rtf-n ihrt^ püs t- Ivir^;^ zu. Lima 
Sr>iäplro fühlt p ?4cl» wie hprR^jp=^r€* ob^r pup crl r f r /rra uen 
und schweren /ll täfrli Grikej t urxi hl^^-ei rvi^r«(»t2t in ein L«od, 



ftuf düB tastende Ahrun^';e n ni np, cirieii tf^ t hattj^n, Li«8e Arinun- 
pr^^r verdichteter ^ch jetzt, stierer «uf \f 1 e htiö?e unter- 
irdlBChe Dämpfe jina durchbrcch ••>« '^en .'/nBt, d '^v üb^r inr^en 
f5ufp*ehaaft 1 s^^ * 7enn '3^ tan SchajjJlro rr f'acr .ni ttaR räraite, 

KciJ5C'nuk liiraaf* Df-r -^r •''*• r ^f^i^t elnnpn. T.i e ::onre fiel 
durch di e fcBicMic icshlen f^tr Sucher . i;r t^r ihrer Füssen ra- 
schelten üie lii&rbatblatter , ul*^ ptir^ iTr^^r l^ch^r and 
höher • and ^^ ac]ile'"> Ihr, f 1^ ermcnte ri (* f j.r einet 



du pfen und anhweren Bet^^ubwinfr jp c^er i-^i i^ l^rre, lange 
Jaiire frelebt natte, C'H trifte i>» iar ^Tcirückt jnd erschla- 
gen raren. Und "»/ie nie oben fiuf der Höhe '^ti^nd , da schien 
es i nr , Jil pi mürate c'ort hintf^f den bl ej en in Tvvn<3tc:? Vf^r- 
BCiiwi r ('€-ndei^ i:.er<:^ ketten df^^^. Tand der iTi-.zQv undlrinzee- 
Binren ^e.in, urv' «l^ zpT,-? Bi e in 551 ch r on aü;i-^t?rj3 cnwülen 
Atern dunkler noch in^r rVn^t pt pr I»» Idonr oh afte'^ el n , aen aer 
Wind vov dorther 'ib^r i;uOi)rn und T?l^r /u truR . 



r«tan öchf.piro w^rde n ;3clr kxirzpr Z^it des l/angela 
ap Bekannten und der buf «^tchli *^rb1 ü ch «n GeR<^>l 1 Bc|iaf t meiner 
eünderbar und f^ch^vpi.^Qem s?-frorder>en "elahrtln üherdrüaBlfi;, 
uro er be Rcl^ilo j^p , höher in die H»-rp:e, i t^ c r*n berühmte 
Klß^-'l Q'^udJ'.k zu .o:t=V)Pc. inrc» eti.l•'^te ohr*^ '.^rfjtfrfB bei • 
Ei e hoffte, da *^i8 ein neu<^r v>rt cU<^ »^le bei ^j; ern :'cn Gedanken 
und Stirri-^iUnfTien verscheucher wür^^e, Ir "^f^r er'f'ter Ta;::en 
ecni «? e6 auch so* i-i e ütaot bot einen «iberraBch enden 
/^nblick, Ler erate i.in druck hatte et -aß Groc^ar ti^f^R : 



* 



8 



\ 



I 



I 

I 



^•vilcer.i '.ein uriiCpoüret-er liorridor zritdivt} z^ei ün^gwacd«», 
7or tieri*r cie ^ir'e rechte if der i:itte vor br€»i ten 
Tr ej.»;. r^nttuftr unt ivTb rocher w^.'r . liiroe i:tjiier führt«»r zur 
Höhe, v'O ^/ioiitiß. urd breit l.^d i.urhfcjs iiul' Oie bt«dt iiiniib- 
k^5iM . ijli^ «'^rir: r^eit^r Vi^-x. :lo r; ß-ri ;:.o^ unH-rtglen iiinRi^nr; zuir 
A'i*r (Wii>aJ. Jf> vorbei u'-d Lur 1 a^r ^i:er ötolzen I tpp tlfr] lee . 
Ur-d o^ '^-^ berze , ri rp-eurnlif^r jOergi 1 Crd eir Leomi irr* '^ armen 
rröulichtn tor?- ^/rechein , clr ob allifo l.Bcne^- uva allf^ 
Sor^^-l^^ei «:-;i:€'l t tp.lCii cjfj d«in weiten ueiorne aihcnev rre il'lcntet 
hat i er ! ibtr far Vinrs. !7«r dos alle^»». rur eirfe karr^ie 3e- 
täiibar.T;, u.Ti ojch 7'c=hcr di -.e^^^lberJ i:fiii:a^v^^v zu <^inoriT)d«n . 

iw'it' ofittirn in Ol r:6*.a ^ro^ji-it-r. üotel irattt-p ir der 
Ti^ r^ c»^v Stodt i^,€f!:en ein^ hohe ßeatf^Ci/angEEiLi.'ü^, ci e 
cii-r ho v,e Luie*'» er v<^r.lar:g, t }irtte. ^vi r üor''if,eii Zi^fiatr p;e- 
f ^r der^ . Apur''> rl icri ^avi^r Lire Tfc^gf: i^lt ich.^a- «»i^ and 
rahifr;, "i»^ rip' zuvor. Je'.en :,er,ce*^ ?in^: r.i €» zJr^ jJdi^oh«) 
ri fif;>:*-»r , -j^r auch Fiu-^^nt llr ^c au» dfr- Anri if-clurn\Hr ayon ^var • 
Kr ViÄire er !3 b^?oti' Ir*;;! ir« dt^r üt^t^ciL-* ;wir*ra tiul* a«i cTt 
vu ^z' l^'chf» ia'i a toicrßtirrrr » ci t zu/;ur<ß tc^n dtfr ,'.ei.lJ r<er» 
Kur ^t Vif rkf» irr^t» iVor.'e igur;: gr^Ä'er all '*n . J ddi iu;h e db<-r^vür>der • 
Efinp ^ji f»R ^:^i«^ üum ".•Firkt urd kaaite zun/ I-runstuck uro Abtr d- 

« • 

l rot elr , ffvt iN'itfcr; £;crupiro beti-orderü Ktrrrr a«^.: '^«^ure 
l>alr'r «^j ^^Fi^-i'c^r KrHc* u^d li&di^'^ r.Ciafw- • iCrcyi c.^iii rTünetuck 
girger «1 t* in ce^^i larX zur -/utlk. Dfrr w&r aaCii b&ld die 
Zfe=i t c' f-ö i t ta^^vaj^ ens da. Jö, dr? Ji J.bßge*=;-f^n ^r der 
L'Ch »f'-rpurkt dea l\^-^ge:5=t i/a^r ;Tiu?eL<? zt^i L i^ in deir kleinen 
koso'neran ..^Bt«ur»nt d& peir, aorst '-«^ar cU*f ft^st*? vi^gf^e- 
fl:#tl«#n t urd 80 b^mühtep «i Gii »11«? , d€>r'i'i' c^s Qh koscherem 
Eö'^c-n &^l^>iZ^ '^Är , di ö i^^r el »> zu Qt-iD. j-ir.f Fjlgf» üavor 
wtir, & fi^ fille, die ftuf Gar j!j /.alkulriner urd g^iiiiicki.i leb^r 
Arpprucne erhob mn , sich f^l ei ciizeitl/; v rrrsÄ^iniel t#-n, lanpie 
hevor dii» p;pn8nnter Jlerrli (iikei ten in fn'.'^b«:r#r Zustand 
p;elenfrt warer. Es heri\ioiilen hier die In koscheren Lpei^e- 



-*^«|r4 




9. 



£j 1^ Zu p:l^icoer /f'4»l rrraeten a»"'J. eirk^r ^er an eiern zu 
üoerBcnrei ei: eich birniühtt^t -.-"ilur w^r »b^-r c m3 i:.s>'»€rt) r.ut, • 
ir^cri d^in ,u-i f. i?g*-^fer. ra/ü-e man ^j b und u:a vi pt Uhr ^irg 
Gfjfio v/ifrcle-r z^r VuBlii, urc "^err oi e zu brije ^'»^r, durkelt# 
if- ö ü ci* ci 1 1 . :*; i: i* £.i ?'J c. r r c ii i • -:. u Bf , b ^ i; 1 e .! i t e ü i t 1 e ^m» - 
r>CiAitJO, cuB Zu iJüi-isu, ur?c: c^r Tpg r^tv za .'w'.t?c>» Sie hfctL» 
rt'CJ:* kuX'^t-f Zi i l virle Bekürrte. Es ^:orr:te xrivnt andere 
i.tir, ai. inai cici. urri ui ^3 vi ex .usl taglich tr^f. f'fc'iet 



.4 .•..*? 



-wt t t c. '"ar < r'-'tr.uT 1.; (.:i: 



/lucl'it i.ir/i;je ruh ut^::, okirupie-iter i ol «-»i ur-ci liUue^fi vje k 
rill b^.-k*rri.f7. Niv.e-r.. Ii.l...Ur ^.roc-i-r Li;ur- ur u La tikhausc-r . 

< ' -t-r tJS-'ii r^icj-.t 9ir haltifs Jahr 

Minh iiier B-nor eine fcrtf- Cr -.^i ,;..e rfhilcl^t. cie über 
v.^rhaitr:it»ah::Hi,r .TOS-. Jültrl v .-fi.u.t. . V.a r, hatt^ vor 
aiU^f für ,..ifj^,,,, j.-;<^i^e:iei7 Tri fdhof --j <-ori^pn, jjiriit rieht 
r.ur die T.»?b..-.idlr.-ür! ...ÄKk-rn s,uOa JifrVat.r.' wi. erluvfr^ter 
Vuh>.rHO}it :}*»bi'^ii.t!ii jiüoii«, könnt «r. Urc! 9o er" Uta nd in 
utii-' H.-r f«rrun) Stielt» «ine Zelle J ,u'i ^clu-r Oe^rtdr'öelehoxTO 
nit r,ii He^iTien .t,iii:crme:.t.«n; : -.A^-m r.<iu.,>r u-a hhrf^ tittel-l ung en , 

:.r d ':o nicnt .jt'b r-ka nn t ■^öin kootilw. schufen ijuiiurc! 
iie-ir.ryv :;fettio frir.? g® ,-< c.h t «-t »- Ctt'llar.p . Ihr«-- Gt^iellnchoft 



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i*r p Pi:u cht unc") i-*rli»«it. .vf-ni ara Vorüt, r.«ß ^^^ Lom^e 



ßCniftn , M«« rührt c..a 1' uem «.".covr.-* » r^iiücr) Platz i t. Fftrk 
3-ispchen der 'u^^i ktr.ue chel ur^c a et '.an u*-ihfille und eonnt« 
«"ich . R^jc nlrchf ;.rirtoAr «Len , alte Otrerale mit ihr«n 
Prpuic «in*?«: en üirKäri vorüber, rumpl't^r die Na««, mur- 
melte etwas in ^en Bart und zuckten die Achseln über c«, 
eclirecklic h«3 Wendel jd(-r Zeiter. 



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10. 



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Uod dlf^eea gemütlich#, ruhig#, 8orglo8e L#b#n 
lag auf L^inpa Schapiro wie aipe achwera, echl^r uner» 
träglloha Laat« «ar ea daari nicht daa, waa sie eratrabt 
hatta, &l9 sla Natao taliaplro'a Frai wurdet «varr die 
Frau an fraundlioh auf ei e zukatnao und ela fragtan, ula 
ihr da a Seaan gaaohmaokt haba , und ob ai a aa nicht auch 
vortailhafter fanda, ain viertal O^na zu nahmao, ala daa 
gabackana Huhn, an dam doch niohta daran 8 ai ^ da hätte» aia 
aufachraian könna« vor Schmer a, und ea koateta aia i:üha 
zu sotwortan. 

Netan Schapiro dagagan fühlte sich ao wohl, wie 
noch nie* Die warma Südaonna tat seinen alten rhatttnati* 
BChan Qli^eriQ wohiyut}d er komite atundaolang in der 
Sonne aitzae und weiter niohta wünachan« Sr bildete eine 
atärdiga Gruppa mit dam rothaarigen Bankier Horwitz aia 
Wilna, dem klelngewacheenen u«d grosaköpfigan Spitzen* 
fabrikanten Mazur 6ua Kaliach und dem blaasen glattraoler-* 
ten Teehändler Beakin aua :/iOekau» aen man giit für einen 



Pastor haltan konnte, solange man Ihn nicht 



X reden 



I 



hörta. /ifann diese Herren zuBammankaman^ beaprf.chen sie 
zuerst die politischen Ereigniasa, und nachdam jeder von 
ihnen aal n e Ansiohtan und Vermutungao ausgeaprochan , gin- 
gen aia zu den Gameindeangeleg« haitan über, di e dan gross* 
ten und l^hafteeten Bestandteil Ihrer Unterhaltungen bll* 
detan, und war auch dl eaes reiche Thema erschöpft, so war- 
Tm sla nach einer kleinen Pause anfapga gerlngachätzlg 
und abgatorochan ein paar Bemerkungen über ihre kulira- 
ri sehen iürl^bniaae hin, um dann mit einem versteckten Va^- 
gnUgen eilsgeAend dieaan Stoff zu behandeln, von dem ihre 
Frauen am auagiabigaten Oebraich machten« Die letzteren 
fanaen ea natürlich, eine gleiche atändige Gruppe zu 

bilden und einen intimaran Ton unt ereinancfer 
anzuschlagen • Die regaamsta unter Ihnen war Frau Beskin« 




mm 



11. 



I 



i 






San erzählt» «loh von d»r Beskir'«, das« sie in ^ockau 
auf RTOsaan Fuaa Rel<?bt und ao^ar «Inan Dimnev iv Livree 
g«4iÄteo hätte». Äeuw man Frau Beskin v*r Augen hatte, 
kOüPte iu«u eich das ein wenig 8cbwt*r vorstellep. Sie 
hatte eipen Oarg, »la hätte aie immer zu «roece Schuhe 
oder Galoaohen a» . Ba 8Chlütt*-rte beständig etwas »u. 6A^^ 
ihren Füaae». Auch hatte aUe die Gewohnheit, einem eehr 
jDahe Ibs Geeicht zu rüokao. wenn man mit ihr sprach, 
und eine Reihe aufeinander folgender Fragen zu »teilen, 
deren Zwtok einem ni öit »oo der lieh atnl atchtete. ^'Sev 
hat Ihn«^ di taen Hut gemacht? «tieviel Ärachin Band ist 



aaf^egangenV Wie teuer iat ein Ar achin? Gl»ubeij Sie wirk- 
lich, daae eo viel aufgegangen iat?« Oder: „Haben Sie 
h«ite ein Bad genorom««? Vleviel Grad hktt» es? '"iie weit 
war Ihnen daa *?a8ser? !,:it waa für einem Laken haben Sie 
sich abgerieben? Können Sie seibat eich auch gut den 
Rücken abreiben?" Und es »chien, daaa dieee Fragen eich 
ins jindlofee tiuedehnan würde», wäre ea nicht die Bestim- 
mung alles Irdischen auf diese oder j et^e Weise ein Ende 

zu haben . 

Krau ilazur aus Kali seh sprach dagegen wenig. 

nie war niittelgross und mager. Alles an ihr war cerade 



UD 



d eCkig. Ba war keine einzige runde Linie er ihr. 



weder im Geeic^it, noch in ihren Bfwe^ngen : die Tipp« 
warer; gercde und schmal, di e Jiaae gerade und spitz, auch 
die Augenbraue» über den ectmalen längliche» Augen saae« 
wie ein gerader Strien, und wenn sie saas und ging, stell- 
ten ihre Glieder nur g«ede Lini«o und Eclten dar. Label 

Ja 
»ar sie g an »gutmütig, das hei est, dass man sie nach dem 

ilndruok des Spitz« und Gerade» a» Ihr, si » bei näiiar er 
Bekanntschaft angeneJimer fand, als man es erwartete. Da- 
für konnte daa Auge angenehm ander blonden rundlichen 
Frau Kor Witz aus .Vi Ina entschädigt werden. Sie war die 



] 




12. 



Gutmütigkait selber: eowlt ee ßich w#ri«Bt#r8 um 8Ü«8# 
Worte hend8lt#, so war »t« es gcwlae; die echiüttete 8ia 
In Geberlaune nach rechte und linke, daes ee eine Freude 
war. Jjt:Jüei verechwammen ihre kleinen ^üngrauen Augen 
und der kleine Mund VfT«og eich z<i^ einem süeelichen Lächeln. 



^Aoh. r-fi e elnd Sie heute reizend!** „ ¥ie entzückend ^leidet 
Sio aer Hut !'• ,.v/ie ßut Sie «Ind, Liebe!" ^vViehat Ihr 
Mann eben klug q:eredet I •• Und wenn Frau Mazur mit ihrem 
apitzeri lächeln hinter Frau Beakin'e Rücken bemerkte: 
^Hat sie r\icjnt schon Herrn Schwarzbart gefragt , wieviel 
Plomben er im Munde hat. oder: Kann sie eich denn nicht 
ein paar Stiefel für ihren Fuse bestellen? -und wenn 
Frau Beekin hinter Frau Wazur^a Rücken üi e Füsse weit 
auß ei nand er B teilend. ba:nerkte: il^ieviel Ellenmaase hat sie 
denn eigentlich verpchiuckt?" eo sagte Frau Horwitz immer 
f?:utmütifr beschwichtigend und ihre o:rünlichen Aug« hoben 
eich dabei, daes das Veieee am unteren Lid Bichtbar wurde; 
JjJan muee übersehen. Es hat doch ein jeder seine liigenheiten.«' 
rirna ffegenüber ^K^TBr die drei Frauen gewiss sehr freund- 
lich. Df><^fi aber hier und da ein Wörtchen über «ie fiel. 
daB ^^v kaim zu bezweifeln, verstand ei e doch so gut 
Jede^ Hineinlauern in verborgenes Erleben mit einem Blick 
und eir^'^^r Her dDeif»egung a bzu «schnei den . • 

iinee Abends hatte Ivlinna für ihren llmr^ etwas in 
der Apotheke zu besorgen. Es war dunkel und nebelig, und 
Minna eilte, ohne sich umzuschauen, geradewegs naöi 
Hau*^e* Urreit ihres Hotels hörte sie plötzlich an ihrer 



« . fi 



teite ei ce L'annerstimme eagen : ^Larf loh BJe begpLeitenV 
3i e ''7encu^te erstaunt den Kopf und sah eine schlanke Ge- 
stall ip rrrauer Tscherkeeka. Sie warer ^erride vor ihrer 
Hoteltüre. „Nein,*» sagte sie, ^das lohnt wohl nicht. Ich 
bin schon zu Hause. •* Und damit trat sie ins Haus. 



f 



i 



13. 



Bie Tag« flosa^r gltdchmftsaiK dahin. Ein« ]3#l»burR 
bracht» io dan klalnan Krei« dar Zank mit dam Inhaber 
d«8 kOBChara» Haatauraot«. Sia war«? alla ao auf««"«i?t , 
Frauan und .Männer über diesa Grobhait, üb^r di eaa Unver- 
achamthait dea Menaoher. der ihnan zu Bank v*TpflioJ:»tat ^ ar . 
llattan aia ihm dooh allaa aingarichtat , io dam eie mit Geld 
und Hat ihm De ig aat and an, hatten ihm Gäat© zusetührt. Und 
ao grdb zu werden! '.■»eahalb «ann? iJi e Frau kazur liet nur 
einmal ein ateifea Geeicht. Hat aber aolch ein Kerl eich 
auch zu beleidigen? Und warn Frau ^fazur iHnm auch die 

I 

Bemerkung gemacht )KWkm hat, daas man aie baaa«r zu bedi««j 
hättä, tat d»8 ein Grund, über d fia ^»nze Zimmer zu achreien: 

Waa weil an Sie von mir? «aa bin ich für Sie? Ve« trinken 
Sie mein Blut?" Minna hörte dae allea rait einem gequälten 
Oeaicht ao . Sie etand wie aua 8 erhalb . Sie echaute in einer 
dumpfen Ver«weif lung zu den achneebedecktan Berge pitzan auf, 
die aia lockten, ala gaben;^ aie die ürlöaung vor eil ihrer 

•r 



i< 




ie stand plötzlich mitten in der Rede dar 



S 



aufceragten Frau Mazur auf und eagte ohne Zusammenhang 
und ohne Aufforderung ^ni t ihr zu gehen: „Ich will ein ^«r ig 
nach oben . Segen Si» meinem Mann, dasa ich bald fieder 

zurück bin ." 

Dae Wetter war unruhig. Die Sonne schien und 
achwand, üeber der aüdlichen Bergkette aaramelten aioh 
■!?olken. Die Weg» im far|:. die in die Roten. Grauer uftd 



Blauen B^rge führt«, waren verlaaaan. Nur verairzelte 
junge Pfiare waran hier und da zu treffen, "inna s^etzte aioh 
oben auf der kais erlichan Platte auf eine Bank, iiin junger 
liiaiiAnxicxkmttaftKx aohlanker Orient al« in grauer TadiPr- 
kaeka mit Dolch und'Ja^^u^UAw.gii'g •" Ih^ vorübar, sah aie 
80. hieUwinW Augaa blick inne, grüaete tief und ging 

* 

-weiter. Wer iat eeV " dachte sie überrascht. „Wer kann es 



.^.ftt^kib 



■ I ^r^TTWS 



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t^ 



14. 



doch 8#in?*' K« fiel Ihr pichiö »i«. Cif erhob sich und 
e»tzt. ihr.t) w.« fort. /^ ^d0 d^s l»r%lter »ber)»« FahrwfpB, 
«o Ti«»h vlel»n Seit»r. hin Pfad» iv di« 3eTR» sich «baweiR- 
t«. et«.d der jur)«e 0ri»rt»l6. Sl«»«irs «" Ihra vorbei, 
den Kopf d»r « ntg#«eDge8©tzti»ri Richtung zug 



. Vor ihr 

1« die Hoch#b»i»», umgürtet von Höhenzug«». Auf den Gipfeln 
waren dichte weisse •.Volkeorüfcssen . Breit und einsam stand 
Inder Ferne sufnier Höhe der „Tempel der Tuff, ein 
weisser von Stiule» getragener Vavillon. der so banannt 
wurde. Der ?/ind spielte um ihn mit den wogenden üebel- 
masaen. f/i • hfcuohwolken ballten aie sich zu^asien . Ibflxw 
eich wieder. v«»rdlohteten eidnvön nrnaem-au «cliwerer ??asae , 
hoben sich in ^velligem Bande jn die Tuft empor und" sanken 
zurück. ?'inra wenaerte so Ranz liingf^^eben dem Bpi^l der 
luft um ihren Xempel. i;er herbe Atem der B^rpe urdÄasche 
Gan« weckten ^ärme und Treudif?keit . truff«^ sie gleichsam 
Piner noch unbewussten Hoffnung entg«;en. TosF.elöst ^ on 
ihr weit und fremd war df^s koechere Spolsehaus. Frau Vazur, 
Prai Beskin, Fr ai Horwltz und alles, was im Tal war. Sie 
ging allein zwischen wallencen Nebeln und in wallenden 
Gedanken einem unbekannten Ziele au. 

Äin Schritt war dioht hinter ihr hörbar. Sie 
zuckte zusammen. Der junge Grientale karn "leder an ihr 
vorbei. B.r sah »ie dieses ^.al nicht w. '^r stieg vor Ihr 
den A'eg zum Tempel auf.öiine «chlanke Gestelt schl« bieg- 
sam wie eine Ä'eidengorte. Sie Rah ihn iuimer vor sich. Ea 
war, als sch-^ebte er üb *r dem Boden mit seinen weichen wie 
genden Schritten. In kurze-r Zeit w«r er ihr reit voraus. 
ET stieg immer höher zum Te-apel hinauf und stand bald oben 



zwischen den weiseen Säulen im Tiebel . l;ann stieg er nieder 
und kam ihr entgegen. Der Pfad war echmal . Kh konnten zwei 



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i«iOTM«|HP1|pi 



DW^mummntft^ j wnw i K " >» j i f* fl 



15. 




Mwach«) D»ben«lD8Bder nicht g»h#t» . Sr schritt von Pf«de 
ab upd blieb wartend «t«n#o . Ale nie dicht vor ihicwar. 
l«gt» er die Hund an die rund» braun« Schef sfelbaütz» und 
grüeat* nieder tief. Gie -^rf ihm eirar erstaunten Blick 
zu. «Sie erkennen ni m niohtV" tragt e er in einem Ton, der 
welch und wie^pnd war, wie sein Gang. „Nein," nö*?t« sie 
uro hob sbvvei8«^nd den Kopf. ^ loh k »«ine Sie nicht." Und in 



de 



-nflelben Augenblick erksmte «lelhn. Er hatte eie vor 



dem Hotel sn einem Abend anperedet. £ie nei5;te leloit d«j 
Kopf und schritt weiter . /.bfr ihre üti.iniur^ wftr unterbrochen. 
Sie fühlte eich r&üae und wollte urake&ten , doch mochte eie 
dem Junge » MenßcnctJ nicht nochmel e begegnen . Si<^ setzte 
sich suf eint iicnk u>)0 ruhte aas. Sa vyar so etill um e^e 
her. lUchts, Rarnicbta war hörbar, nicht ras! dfls ferne 

Bellen ei nee Hundee. 

Nfltsn Schapiro, den eie unten auf dera Rroßsen run- 
den Platz in aeiner üblichen Gesellschaft antraf, "-ar un- 
ruhig y/e^ren inrea langen PortDl«dbenß geworden und lufichte 
ihr Vor^*üTfe, oöbs aie prera de c«nn ir die Berge p;ehen 



mu 



ßfle, --enn ee sonat ktsinerc !,;en8Clien einfalle. Als sie am 



Ilacmitteg zur ! uei k eaaaen , erblickt eL'irnt fiuf der Seiten- 
bank in ihrer Nüheden junsren Orientalen. Ihre Blicke tra- 
fen ßloh. In derselben üekunce wandte sich Vinna von ihm 
ab, aber si e lühlte, daae seine Augen unverw»ndt auf sie 
gerichtet wnren . , vVi e fleltsam, " dachte eie, ^wan will er 
gerade von mirVBB sind düch u'^zahliffe «ndere ''ädchen und 
Frauen da. üie garniohta ««Ren ein Spiel mit ihiu hiitter.** 
Jetzt, da sie auf ihn aufmerksam gewordtfn «»ar. bem^^rkte, 
sie, cb 88 er fftot iminer um «ie war, doch ir einnr iveiae , 
daßs *-B einem ünei nfie weihten nicht auffallen konr.te. l'ur 
wenn eie alleip war, grus«te er oi « tief untf ehrerbi etig . 
Eie lächelte anfange spötticch über di «?sev(t)ial.loe* Huldi- 



gung, aber ganz unbev'7UQet begann eie einen ei«renep heiz 



16. 



i 



d»rln zu finden, dft 96 Jemand zu Jeder Zeit auf «3ie wartete. 

H'it der ?#armep v/itterun« war e« eines Ta«^8 zu 
iiWie^ Der Cktobor schwarz kte nooh* -^ind und Sonre kämpf ten 
gegen eir aöder. Volker) trieben in Elle am Hl^ntnel her, als 
hRtten sie unauf eohiebbar e üinse vor. Die Sonne rrschl« 
auf einen Augenblick zwis<5hen den Wolken unu verach^vand 
tvieder, als Bei ade plötzlich mit irgend etwas Beeon der em 
bi^^echaltigt • Reger acJiauer fielen nieder, ri ^aen die letzten 
widerspenstigen Blätter von den Aasten. Und dann war es 
wieder warra und trocken, und es schien^ als wollte die 
Sonne jetzt sagen: ^Ich bin jada.ixSi weiss Ja, was ich 

zu tun habe. " 

Aber der IToveraber rmrate endgültig mit der Illu- 



ei 



0- auf, d£öa re in dif-sen Bergen ein Jphr lang oOTimer 



f':abe. Es «rurde richtig kalt. Ja nacht« setzte ein bitlerer 
Frost ein, der den Tag noch sc^ieute, ctoOi nur eine Veile, 
dwr mcXJnte er r^ich auch «»ue dem Tage nichts, der Himmel 
v/urae dunkel, und ee fiel 8üh\«?erer fester Schnee in dichten 
Flocken. Und alles ^«urde weiss und rein uncS herb. Und da 
eines Ti^geü die Sonne doch durchbrach, da leuchtete und 
funijelte und starhlte alles auf, und di<=* weisf^^en Gipfel 
Aveckten wie noch nie: ^Sieh, dahinter ist esl" Und die 
weissen Äege riefen: ,,Wir fuhren dahin! :ar führen!" 



h 



Jatan Schapiro hatte eine bitzung im Synagogen- 



vorstfind, und Vinna sass allein zur *:uaik und wartete auf 
ihren Mann, da f?« er si e hole, wie ßie verabredet hatten, 
]>ie Musik war zu Snde, und I^atar Schapiro '^-ar nicht ge* 
kommen, illnnf^ erhob sich und ging mit der r/enge dem Ausgange 
zu. Der Junge Grien tale ?!tand im Seitengang und rartete. 
Und ?;inna be a el plötzlich eine Neugier: ,,'.Ver iat er? Und 



wa 



ri will erV** ;iie gingen aufeinander zu, und e s war, als ob 



eine r ei fgewordene Frucht vom BaMine fiele. Sie sahen sich 
mit iRChffiden Au,5en an. Lraussen war strahlender Abird. Ler 
Himmel war sternklar. Die weissen »lege glitzerten. Eine 



\ 



17. 






frische 7lrterlilift «<i\lug •»rtff'»pr«Ti . vir.m fühlt #•, wl «• 



#.lT5e TÄl-pf) «kraft eich in Ihr «p anrtw 



♦» fic>iwül ur)cl 



• ohlecht es r^irron war, " s»ßte . er. ^'A'oll«r Si* 'iciit »in 



••; « 



'-rersiK ;Tiit mir ir) den i-»rk gehend 

Sie fühlte, itle «11 das Ge}i#i'nrl bvoII • lockte; 
die tlelV»n Sohatteti im bl'iulicl^ silb^T^^et) Lichte. c]i »ScUudit^ 
erttf4r^ uvdWwlviA^ u'id Hf, df^r Urb*=^kÄrnt€^, dt^r ^v»it ä'o- 
ch et*) m f di es i^n /l:) er d ^,i* war t # t >i>* 1 1 ^ , 



I» 



Pih oht#?i Zi^ f'ich Picht, >nit mir zu ^t^her^. •* 



frBp^tc- er ur? J?©in^ f?chlanke bleß;8Cm€^ Gestßlt hocr^ aich zu 
ihr herab* ,,Meir," sagte sie und rah ihr üff>r ar. ^/Vann 
ioh r;icri furchtrti, c;! n^>;e iOi ri cht • Ich hcJ: e Vertrauen zu 
Ihnen, ich vrfi^B ea nicht warum. Ich bif) üb»-^rz^UÄt. dfc bö 
Sie .Dir Kein unrecht tun werden." 



»I 



Sei er 3ie urb-^^or.crt , ^ e^widOTtf=» er und richtetf^ 



flic'n crerade wf. ^"^^^ 



ich -nit nairam lebFr*'* 



ich mir anvartraut , <lan b^^^'chiitze 



^Wer aind 3ie?*^ fragte e ia . „Varum frruanen alle 
Ihre landsleute Si^? Ich h'ba f>© bfm^rld. 3ird Cie ein 



Fri rz V '» 



12r ffi^ "ri t saio#n ^f*ichen ^i^»g:«?nden Schritten 



n*)en ihr her. ^ 7ir di^ TafKi^^n hl r^ 1 ch a Jn Pri>^,^ 
»a^rta Pf lÄCh<?r)d* ,.Ich bin «u'^ ßTtir\ vürnahmaT» G^^echlecht, 
und si^ N?:ehürchi»n r.iir* Gollta j^nsrd Jhnan hi'^r w^e zu 
Leidö tun wollan, kto rufa ich sie alla zu Ihrwi C^chiatze 



auf ."^ 



N«ir," 6nt?forteta 8i a fröhlich, „elf«« wird wohl 
nicht röti^ eain ♦ Ich haba doch airer IJsian , der mich be- 



schütze r wurde . 



ff 



•Uran "»'srn?'* ^ra.^ta ev erBtaunt^ ». lOi daohta, 
Sie vrii rar .Tiit Ihr»m Vater hi ar," 

Ich «aha sonst mit k^lnam Mensch i^t*", ler^T^te rd a 
saina Fraga ab. Nur hauta bin i di zumarstan y%l laicht- 



■-*C---^!? 







18. 



i 






sinnig. ^y«i30 Oott such, visfum. Solch «in» Kac:nt lockt 
unvidwsteAlioli . loh h*« noch ni«- so was 3;*eehtn . Uur In 
cet) Härener; heb» id^i dprabt-r c:«'!^«©«, wi s ich -eiz j£l«in 



war, üa icaji ihr »ach vor, «le ^ti ©ie ii? elrera ferr. ©n 
Land und in einer f^rn^n Z^it und s/ii t ihr frinjre der l-rinz 
8u« j!?ntrr «Iter. echvrüien f.'iOT(i;«?nlärnii ao/i w yjirchep» iär 
kopr.t» aio auf aeio Rooe aötzoti und mit ihr hlrausja« er , 
Uix3 in einen, unter druckten jintzliokao fraRtp sl e: „hRben 
Sttip ei*i Pf aro' •• Und ^T i.r.twüi'te te, rd f ai e ea von Ihm er- 
wartete: „J.n, Ic h hab* el r a r b"*.r 2»* s i-f?rc," Ur)d Ir J«d*rü 
ßalnor »irfachtn ;.'orte l&g «ri n tiefer, ^.«it fesaender Sinn. 

iär fülirt© %\ 9 6^y< cchneebedt^ktan sV^t^ naoli ober, 
mit b] t^ulichau Glsrx rapct^n rl« Bprcrgripfia in cpn b^«ti^r- 
tac Ill.rij.iel hin«ic. Imc.i.ev leuchtender wurde die]>iacht, doch 
der !,iOod var riclit zu sah «t , «r T«er ?'ohl noch Ir/^endwo hin- 
ter :i«r Bergen Vb-rst feCKt . L=ie etfndan ob an auf d<;r Kaisjtr- 
licfwn ilatta aui i-l«nde der o«»rgw«)d, die eteil vor jhrcn 

« 

abfiel. In der TJaf«» rftuechte c,oil (w'litz»Tte der „aiäaerne 
Waeperatrphl." üv strich von einer Bark der Schnee fort und 
lud 2u;n Sitzen ©in. Ee war nl^ioend tues^r inr^rt ^a . ::inna 
sah um ©ich, ^düoklich xxüd ÄifKer«<^t. Er fa^nte iiire H^nd. 
„Darf ion sio küss^rV*' 

':;ar ;o nicht daa K»^cht de-^ Friuzevi/ ihrf» hÄnd zu 
kiiö^er)? Und cj] sif?- f'cliwio/k;, f»nett> w ihre Hard utkI hielt 
elp Ic^rge un seilten lipp^^r, . Da fiel e» ihr <?in: i:a i:att 
Bchaplro '.Tur län^ist zu Köuf»^ und '•^art^te, Sil» ^T\\dt eich 
erschreckt. ^Ich \r^x%^ rachi Hau^^^»," !da^t# ßi^», 

»,Ica Trollten, tiia blieb #d djo ri/* \ml er. 

^JTeir, rieiti,'' i^ehrtp tid # ab a 

Lr rfihm ihrfw krm. iJfr •;♦♦« hinuntf'r auf -e^i r.lwt- 
tep Schnee 7/Är beechwr-rlloh, ?.v aber tuhr t^^ sie rich€r 
die öteilön pfaoe . 

„Wannri f^ial'ier wir wieder,^ frfigte er unten • 




19. 



/ 



„v;o wäret Hu vlen»?" Crrtgt*? TT» tor Sohapiro unruhig 



\ 



>• 



uno er «Jlaurt . T}ir C5<=^eicht '^:^T ytei ra und rot von d'^r Vintpr- 
iuft ur^d die Auff^> hat Iä^p einen fröraciitp Glanz. 

^Kir t»t aer r.opf weh, urxi loh Ri Mg r.ach d -»r Kutik 
ein -r/fni^ apazi f9x*en . ** 

^Allein do ^pHt,** rief e* und hüb den Kopf, 
>^ri)i* ajir.. ihr an lind aurf; erster llul «^mpf^nd b 1# 

,, Alleir so spät,** vdedt" rnol 1 1^ er, p1^ «sie nic>it 
avtvtor iB le n - hf^ fühlte nie pl'ötzlich, darf» aie ^twa» 
hÄtv#, w;40 ^'1^ ihm r.ioht i-:a^;f'n cijirft$», etwas, d ps ihr 
fttiLi.;^ i^ll^ir) p.efiörte, r^'r.s f:;iir2 ui.'^enfss, dae fl e früher nie 
beac^yst^'O . ür<d Cf^n duapfc* cchv^ere G#»f ühl , dc^« bi» j€t2t »i© 

iu ui^i) iier^ier bedruckt hütte, v/arde 1 «sticht urc h«?ll, fcls 
halte f.ö öiriö'n 7«?ä ^^''^<^ ^1-^*'^ L'.ßur.g feffarrletn» 

Luch die räch8t<?r Tsi?r# ri^e^'-r r ie miedet ^«rz ir 
cen Krele d*-r AXitu/^jl! ctikei ten hinein • Katrin Stol?i|ipiro ^ar 
erkhltei, fuhllfe» «^ch scUkCht, und I/inna hatte mit U;:i- 
sCi'ilki^en i>id Zab^eite^^i von lc»inater tpe3«en (mf dem Pi^tro- 
I^TflküChfrr zH tuv. . '7i e de tut: eo ß^^^ \vi(»d€*r nitton in 
der ^lltugli ohkolt «turd. dsi pachte :ü e ein Trotz «^en 
bich i^k^lbat, \xnO j^i c- etricn ihr let^tee fDrleben i^u3 ^. e 
eiv^ KinJt^r^i. für di o lc©ir Kaum i r> ihrem Leben f-c^im 
korinW. Und uwch war 4?twön N'eut?« ir ihr da, datj in ch nicht 
k«o ohiie >i*it<?r^6 tot ^uBChen lies3. Li€f?eö Neue etießs Bich 
$^ü eilt d, wurör sie bo ^'ut gcvföhrt f/i^r , und ws« Dir hisher 
r#Lurlioh drt ü. ßelc« tveretnnd ]ioh erschienep viStv . K» stör- 
teii f^ii^ die 2:itt«rrnden Hände des alten K?^nneö und «eine 
welk^o i-uße . Sein puotendf^r und schnaufender Ataai .^eitachte 
nfcüiita ihre Server . V^i^ rah und empffind d m »lies .nl t cre- 
öpaltenem Kevrue at^ein . 1)^ ^^v ein Teil in ihr, der ichrle 



/" 



\ 



20 



nach PfliohterfulluBg. und Ir d#m Kar/p f» mit Hch pelbtt 
Äwaop; eie eich au Geduld und L#wut, Sl # r\%\m ^1 t eiT>er 
Gier ihr« s Männer e Iiebko6ar(2:#© hin. uia rnr# wachsende 
Abr^^urft zu *-r«tick€»n, ucd nd t veli©.tn Laohelo ertrug « ie 
ecio^ icldneo Laurw, dl ifc das ;it tr br^ihte. £i# -v^rf eich 



a 



X jede Ff licht und ^^t(^n gf^ringnter» /nnfbruoh an ej e . 



Mit #ina!n i-lfer sprach sie nilt nUcn, die ea hören woll- 
tar. über Gä^Ra^ Kaljciahnen und «;*sclcena Hiü-iner , sie be- 
wanderte so vial HUta. öcyraha und Klif^id^r, nXn nian psj von 
ihr würschta unü soiiar^kta ihreAu frat rkwümkait hunaert Klai - 
nifTikaitir. • und -vann das «ai«*R Rie stach, ^deJornan In 
>ri^^de«5 Fleis^ch. so frohlockt a 9I« • Sie frohlockte, r^em 
<iie fühlta nit dar an daran Hiilfta iar^r« Bet^naflttff ei na . rie 
ein Ühixtx sich um sie ^/"ob , \^i e ain ^aw^äitlger /fiub<»rRainaD 
Kreis um ie f?chjLlo«s, rufand und bt^drohand, lockend und 
bedrücKc^nd. Und w«nn sie z\x >r«u Ü%*BVln b H^rta : „Sie «foXi.e?i 
zur Gchreiaerir» Ihre Bluffe probiaren VIo ri i<<»}ie j» sr^rn 
mit Diner/*' da v?u H«iite j^la:. Ii;© «t?r»dar »-j n #*r vi»|j;bi e^un^o; 
oder auf ain e?r Anhöhe der Krlnz, d^r ^Ir^^ sc/i^ftrze« i f arc 
halta, urd ;;innk Scnapiro werf t^r\ Kopf in cian >]«Cican zu 
ihrer 5u*lt8fiiaen ^ust, sich ^ uf «?in v^ildea, Rieh bäumendes 
R058 zu setzen and iv die 3er^Te ub^r Jlohan und Abprün'i'a 
hi < aszu^Jag eD . 

Sic Kämpft«? mit »llft: Kraft«-., ölt» ihr ru C-rtot» 
waren. 1t «cab Tfe'^p, ri« rie sich auf Bücyi«»r warf, w: pioh 
in fremdat) tchi ck^al an z;u ver^ras^an • Gi e lafr nachts 
wach und lleaß ihra ihÄPta*=iie frei ^altan. Sie echuf 
Tr ausgab 11 de, die f^rn von Ber^ren waren und trur flieh 
mit ihnen h«?-ram einen Tfig 1 snfr oaar z«vei , urn aie dann, 






I 



kkMHGik 





21. 



I 



^■evr. 9.1» blutlt-er uiid s ch «t t •nm ft «eworo^n. fort^uwerf#iJ, 
um r (sue zu « finncT), 

Ihre Virkan&: verea^aeD. ur.ö ee f.1 © sop^»iä«Tt vun B^tra«, 

»•«ch wirklicher TvVorung TPrlanj^t«. ,,c war, al e brpch« 

ei-. «ohw«ll(»nder atroni r^m ihr^ lärarae ein. 

?;b war Abend, und «i» eftaaen auf Ihr^-n Zl-omer 
und tranken d«ri /.be«dtee. ra war ihr plötzlich, sl« «>r- 

attake »i« lo di faem »rg;» Hfiazn. urd file r/ämte -^ie firwi 
vlldti) auf «u88t03P©r. sie '^tbob ßi ch olötzl 1 cri • vi>^ 
Iflt nicht wghl . Ich löuss ©in -^onl? ap di# Tuft. Ich bin 
bald *ri«Ki»T d». »• 

"1«* f?le CO in HIp c'i p I^traaceo >iinurt*-r ^s^irs: , 
oVififc zu'iriseer \?ohln and wozu, de rar i.i t «»Ir«^ I'sl«». aia 
cers roixkrl her vortret er d. dt^r irirz an ihr«r .Sri te rit 
«•«'inen *e.ich»n ^ ^«>nden üchritteo und fra/^te: „Sie el- 
lölr, ao apfit? .Vi«»vi#l Tsj;« urd Stüiaüjen warte ich =chon!" 

^«oväg^r," »acrte b1 • in eino.n Jubel, ,.mm^vn "i 11 : cäi mit 

meli'«?!! irinzsr ffeher," 

Kur 9ir r/al ka-in man so '^afl tue ht»M, *?o £>jf-luhi*) , 
kar.ri mai3 j'?ne «rosse -^ind^rvolle lorheit kern-?«,'!!*» üb» r 
allf> Kluftiheit hiT):i««l»ioht und alt ytarkai Flücc^ln bl ;» zu 
dffv: atf^ri-j#.n hl& ^11. Zu-i zwoi Un Mal« wur.j.« .-.ie T.^hPna- 
';ea8h<^l t df. Hein und die Voralc).!. :'ur ein J>1 hrt dj e 
Torheit dl r^ge hrkft. Rufe ei*, rieht p.v Ihr^n f'^nen! i:ie 
crachrfickk -^leeine Kachtw^ndlrtrin, stürzte ried.-r urd 
brpch* eich dl» Flüf;rei . 

'//•ieat-r unbefleckter bchn<^e .leg ui T d0^ -oten, 
Grauen und Blauen ßerger. Ir o er klaren l^ft ecbl^irerte 
i>och und f-rheben der Cipfel dee ilbrua. -anna Scnaplro 
»tmetf tief und voll. ?:eln T,i=ut i:« in di eee <^ro«!f»e Stille 
aus der Stfidt dort unten zu ihnen herauf. Vor ihr pu f dar 



/ 



mm 




l^O 



Kviamv l*^g d^r Prinz, den) d1<? ee Berge ^ohcrten. der rai t 
ihd^i^ verbunder) vrar , ^e Vater und IJohn . ^Lr küsiat*^ leiden- 
fichiiftiicia iiir^ kledueö teir. r^eo lüw de und flüsterte: ,, Ich 
liebe Gfre« d ** sine äj ffcilön unc hell. Ich h^be vocüri r»ie 
eip fveib 3u .geliebt ^'^ie ;;;ie. Ich verde Ihren nichts tur* 
Seien "ie i^ioht ban^e . Lfie-^en Pic- mich rar Ihre Kleineri , 



^elei^en hör de küo^etJ. 



ff 



La fühlte »i e »o etark, -^se Leben ^©r , rj^s für 
eie Lebe»: viar • Ir ci ester tuna e la^T ee, rec^r r UcV*>irpr t b, 
noch vor.'tafta. Kie tü^ü ^n-inaej;' ^d e (U ene Krsift und Schön- 
heit e'T.pfir dt'P . ICeir-j, es rf:r nicht .^üt-ide. v-ünde konrte 
solch ^ir Oenk:vd rieht hfaber» . Sie nabiitlelt p den Kopf zu 
ihrer eige»i©r Gecanki^r. Tlirf Turer>r' ''•?«r o^:\ 

, Ich PCherjlce Tir di'^Be Cturne^** ^s^^tr sie urd 
erhob eich. , Urid ich werde allre?, «ll^s traj^en könr^ • Urd 
dmnv nis* :T;e}^r, d4ir:n Bellet i>a aiiöi nie uiehr Bjchen urd rufrr. 
Urd von ule-etr :tur:de V<|ltwp Uw>Ä««« den Gl 



f%r)z uru Gl e 



Kraft fürs i^^^vza Iphon V^ehelter.*^ 



■vm^mm 



wrar 



Di« Heirat. 
Es war «in t^«lb.i.lch gmiwr pp.riper Wlr.tfrmorg«!! ganz v.i« 

wohnlich. Die Luft war so sehr ron ieiichtigkeit erfüllt ,drps mn nicht wuss 

t-',ob es feiner liegen oder Kebel wer. Und wie gevv'öhnlioh benenn Gebrielle 

V 

DuTol ihreri Tag. Jede Minute v«er in Rechnung gezogen;soYiel Zeit hatte öl« 



f.um Anv'.ich«n,eoTi«l zum ici 



Xleinffn Frühstück .soviel bis zum Metro, 



dng zum Glück in der Hähe wßr.soYiel zur Fahrt. Punkt lieh bis zv.Rlf Uhr 

erlidigte sie die ausländisch© Ccrrespondence in einem Obrthrndel «n gros. 

— ) ' seltenen 

-Gabrielle Duvsl gehörte zu den XÄsaqpui Fr rnzöc innen, die «in wenig fr«m- 

d« Sprpchen krnnten-rDann eilt« sie wiedf-r npoh Hause, tun für sich und dl« 

X:utter,init der sie zuRrmmen in dem angenehmen Stadtteil PasBi^ lebt«,dF.8 

])«Jeuner ,dr.s grcsse Frühstüclc zu besorgen . Der Kachmittag vmr Ton PrlTsk 

stunden ausgefüllt, und abends noch dem Diner beschäftigte sie eich häufig 

noch mit Übersetzungen. 

In früheren Jahren hattt dl« Mutter in der VK'irtschPft mitgeholfen. 
Seit ihrem rschlaganfrll jedoch überliess nlle /^rbeit und eile Sorge v.m d« 
Hrushalt dpr Tochter .Gabrielle war feeschickt und hatte sich im i^mife der 

Jfhre eine besondere Technik für all die ^.leinen Tätigkeiten angeeignet, 

wie 
so dfiss alles bei ihr im hendumdrehen ging, wie ein Spiel scheinbar ohn« 

Anstrengung. Die beiden altern verheireteten Schwestf-rn Jernne und Lucie, 

die wochentags öftere auf «inen Sprung nach Passy h«rüberkfccien.um nach 

der Ihitter zu s«h«n und Gcntags fast imiier zum Kachmittagskaff«« «it Iv^aan 

-cmd Kind da.vnren,v.lcdcrholten standig:Xöh,wie gut du es hftßt.Gf.brioll«, 



dfiss du n 
nicht 8." 



licht für Mann und Kind zu sorgen föoK^i^^'ur für di« Llutter. Drs i* 



An di«£em Tage, der gerade so war, wie Jeder nnAere,icam Gabrielle wi« 
g^v/Öxinlich in d<^r ellergrössten Elle ang«rnnnt,um noch solmell das De^eu- 
ner zu besorgen. Sie ergriff di« Einkauf staschc und «Ute mit ihrem resoh( 
l«lcht«n 



( 




I 



-2- 



paschon leicht «n 
Schritt di« vier 



Truppen nach unten. Zuerst ginf: si« sum gtmüs 



handlep 



tuid kaufte bti ihn wit an Jrdtrn Mittwoch »intn schon zubtr«it«t«n,8thr 
«•würzten Sauerkohl, der in disscn Lader h*»sonderE schmackhf.ft wf^r.Di« 
Schwtintcottelets, dit die lÄitter gern zu diestra ö«mÜ8t aes, hatte si# 
schon am Vorabend besorgt^ Im letzten Augtnblich entschloßs sie sich noch 
zu zv.ti Scheiben Leberpastete als hors d»oeuvre.Sie hahm gerade das fla- 
che Faket entgegen, um es sor^f^ltig- in die Tascjge zu legen. als der blonde 
dicke Gemüsehändler, die irme In die Seiten stemn-end.zu ihr saete:" Ach, 
wie schade, dass solch eine nette Person wie Sie alte Jungfer geworden ist. 

Gabrielle hob erstaunt die Lider. als wisse nicht recht, was er von 
ihr wollte, dann durchfuhr es sie ,v.ie ein heftiger blifartiger Schmerz. 

Doch sie nahm sich susammen und lächelte. Es fehlte noch gprade die takt- 

Menschen 
loae Bemerkung eines einfachen brutalen ernst zu nehmen. Damit würde sie 

weit kommen! Sie erwiderte nichts, sagte nur Auf wiedersehen und ging hin- 

aie raseh 

aus. Hoch musste drskkWÄ ins Milchgeschäft, um Butter und K^se für die Ije^ch- 

8ie 
speise zu besorgen. Aber «1« draussen war. die Klinke noch in der Hand, da 

kam das Wort, das er gesproch-n. wieder wie mit verdoppelter Schlagkraft, 
uÄd es klang wie «ine Verurteilung, die hiess: Dein Leben ist aus. Du hast 
nichts mehr zu erwarten. Bl^ &eit. ist vcrpasst.Du hast aie Kbfrsehen. 

Gabrielle f\üir mit den jirmen hilflos auseinander. Sie ging nicht mehr 
in« Milchgeschäft. Butter vo^d KÄse waren unwichtig geworden. Mochte die 
Mutter \inz4friedsn .-sein.Das war gleich^jliltig.Gie hfttte nur das eint Ge- 
fühl, dass kein Augenblick mehr zu verlieren war. Vielleicht war noch was 
zu rehten, 

Sie stürzte mit allen faketen geradewegs in ihr Ziimer.riss den 
Handspiegel an sich und schaute hinein. Der Hajidspiegel vvar schlecht. Ein 
scharfes unbewegliches öesicht scheute ihr entgegen v/ie eine Maske. 
"Ich bin doch noch nicht tot, dass ich so aussehe,"ai-urmelte sie und schlen- 
derte den Handspiegel aufs Bett. Dann stellte sie sich vor den grossen 



\ 



mt 



fSJSglrahmten Kamins pi.gtl. Er war b.ae.r und fl.l.uchtung günstiger. ^^ 
Si. fand sich da noch ganz erträglich. "Vielleicht ist alles noch nicht 
endgültig rerlorenj Vielleicht kann man noch wns retten! »murmelte sie wi- 
der. Sie ergriff die Puder auastt. fuhr sich übers Gesicht und schrute noch- 
mals hin. Sie war wie im Fieber. Es lag ihr prötzlich wie .in Knäuel auf 
der Öruet.der sie am Atmen hinderte. 

Ihr Blick fiel auf die Uhr. Sie erschrak.D^s Frühstück musst. «ilends 
bereitet werden.Seit Jahren hatte sie sich nicht so rtrspStet.In einer 
halben Stunde musst. sie wieder zur Arbeit fort.und auch die kutter.für 
welche die fiahlz*iter. die wichtigsten Ereignisse des Tages waren. d. si. 
dann gern mit Gabri.ll. plauderte und si. über all.sm3gliche ausfragte, 
wartete ifohl schon mit der gr'dssten Ungeduld. 

Ihr einsilbiges zerstreutes Wesen fiel der Mutter suf .und als Butter 
und Knse zur Nachspeise fehlten. fragte si. TOller Unruhe Gabrielle.wns sl. 

eigentlich h"tte. 

G«brl.ll. .r.t»ch,ildl«t. »ich Bit .in.r «hl.cht r.rtraeht.n Nreht mfl 



Kopf=ohm,r..».A*,r an« .1. »ieh nicht wohl fühlf.d.. war » ung..5hnU*J 
,ma Ihr. irrlclSruhe konnte deshalb dl. Mutter nicht >>.nihlg«w_^ 

J, , G,rtri.ll. war »i. krank.Sonst l.gt. »1. »ich in. B.tt.de» Tag- 
w.rk TOlll>r.cht.»chli.f gl.lch .in xmd wacht, rur l..»tl»n.ten Stund. a»f. 
Urd 80 war.n ohn. Unt.rbrechung .In log ™ d«> andern, .in. Woch. n« dl. 
ander... in Jahr » d.» ander. T.r«ang.n.J.tzt »aa« al. Sft.ra anfr.cht 
in ihren, B.tt mit krampfhaft in.lnand.r g.pre.afn Händ.n ^d aagte al.h : 
"Wl. kennt, ich doch! *i. könnt, ich doch ao kopfloa a.in und nicht b».:^| 
k.n,wl. di. Jahr, hlnachwlnd.n! Ich mua» gl.ich b.slnn.n.Ioh -u=e, «l.loh 
a.h.n.waa «ich noch tw. ISs.t. " SI. »Pfand .In. Ha=t,.in. Unmh.,al. 
droh, ihr .ine unmitt.lbar. G.fohr. 

"WBB soll ich ab.r tun^-frogt. »1. »ich angatroll mitt.n 1- ltall.nl 
BCh.n und =panlaoh.n Bri.fschr.iben.mitt.n in .In« Nachhilf .atund.. dl. 




MHa»^K*»«<M 



««»'«« 



-4- 



di« 



si« gab, mitten in der mülisam geführten Plauderei mit Mutter und Schwestern 



81« 



Dal)«i wusstt.wca Sit plötzlich wollte, wollte bis zum Schmerz. Sie wollte 
heiraten, einen Meim heben, wie ^eanne und Lucie.aloh von ihm tyrannieieren 
lassen. Gleichviel! Einen Manr. haben neben sich, um 



den Kopf zu stti- 



tzenlDer seit Jahrhunderten gezüchtete Instinkt verlangte dumpf seine Be- 

friedigtmg. 

Aber wie es ber^inr.en?-f ragte sie sich in andern Augenbllclcen. Mit d« 

Mutter darüber sprechen? Mit äen Srhwestem? Ein schwerer Groll erwachte 
in ihr bei diesem Gcdanlctn.Sie sah die lütter mit einem liale anders, nicht 
mehr mit den untertänigen Gefühlen der gehorsamen Tochter.Sie fand sie rer 
w-dhnt. untüchtig. oberfl-a.ohlich,wi« weit sie foich zurücy.schaute.nur bedacht 
auf ihre Boduenlichkeit.auf ihre gewohnte Ordnung.Nur dass icein Bild um- 
gehängt, nur dass keine Nippessache.kein Stuhl umgestellt würde! Seit län- 
gerer Zeit bot ihnen der Hauswirt in einem neuen Hause eine kleinere, doch 

dafür mit modernem Komfort ausgestatteüe Wohnung an.Wia gern wollte Ga- 
uen iger 
brielle tauschen.Um wieviel Arbeit hatte sie dort^WK«^ mit der Sentrax- 

heizung.und wie angenehm wäre ein Badezimmer! Aber die Ihitter rührte sich 
um keine.-: Preis. Sie liebte c? am Keminfeuer zu sitzen, gedankenlos in die 
Glut zu starren und ihr. Kniee zu wftrmen.und sie vninscte überhaupt keine 
Veränderung. Andie Tochter dachte sie nicht. 

Unddie Schwestern? Es h?tte sich schon mehr i.i8 einmal für Gabrielle 
Gelegenheit geboten zu heiraten, wenn Jeanne and Lucie sich auch nur ein 
ganz klein wenig angestrengt hStten,wenn sie ihr nur ein ganz kleinwenig 
zugeredet h!5.tten.Aber es lag ihnen ^b. gamicht daran, dass sie heiratete. 
Am Ende hStte dann eine von ihnen die übernehmen müssen.denn ßle,G»brlellt. 
hStte dann mit demselben Recht wie sie sagen können: Ich habe nun auch Mann 
und Kind.Jetzt kümmert ihr euch mal um die Mutter. "So waren die Gelegenhel 
ten nicht angepackt worden. 




»1»^ 



^r^m^r^tmm^—^^—'^^''^^^ 



■■iipw^ ■ I n p 1 Jg lii^aMg^^WPgW 



i 



-3- 

D«r auf all kam Gabrl.ll« ssthilft.In der gross.n Ta«t8ztltimg,dit sl« tS«- 
las,achri«b «in Mitarbeiterin Albin» hSuflg sehr tSriohte ArtiJtel über 
die Frp.-u und ihre Angelegenheiten.über die sioh Gabrielle 'Ärgrrte.Aber 
nun vmr da ein Artikel, der zur Heirat auTforderte ^and freundlich Mithilf€- 
Tcrsprach. Vielleicht hättr «Ich Gabrielle zu einer andern Zeit auch über 

ihm ^ / 

diesen Artikel geargert.und einer ernsten Zeitung nicht würdig geftmden. 
Aber in ihrer Hot griff sie nach ihm wie nach einem KettungsPnker.Und wie 
es Yielen Menschen er^^eht.die nicht gewohnt cina einem ^k± gleichgeetimm- 
t«n Freunde gegenüber sich auszusprechen und von ihrem inneren Erleben 
übßrlnstet alnd,co empfand Gabrielle weder Scheu noch Stolz, plötzlich ihr 
Herz einer ganz fremden Person auszuschütten. 

Sie schrieb an die Albine iind schilderte ihr rusführlich ihren j?all 
Schon nach ein paar Togen bekam sie von -xrstSM.dAt sich im Privatleben 

* 

Hadame Henry de Pequlgnot nrnnte.die Aufforderung nie zubesuchen.Eine 

„,. ^ , "^''^ s ohne eweistBHi Haar 

altfir« .sehr «l«gr;ntt,3ehr lebhafte Drjnt^di« sie garnicht zu V/ort kommen 

Hess, empfing sie. "Ja, Sie gefallen mir!" rief sie nehreremal derReihe nach 
aus. "Ihnen muss geholfen werden. Lrsr^en Sie mich nur nachdenJ:en. Wer 

könnte doch für Sie in Betracht kommen?" 

_. sie 

Sie verfiel einig« Augenblicke in Sinnen. Dann fuhr mit lebhafter 

•Bewegung tind allmögliohen Aus ruf-ings lauten empor. 

"Aber Ja! Bin ich denn auf den Kopf gefallen, dass es mir nicht 
sofort eiikf-^el,t)ii i^^oei k^ Reehtsanwalt AllaÄ.der Nachbar eines 

Bekannten. Er sprach noch wieder letztens von ihm und erzählte, wi« die- 
ser mit einem Male durohnu» heiraten wt)llg..Ich kenne Itn Rechtsanwalt 

zv.ar nicht persSnlieh.aber was ich von *hm gehört habe genügt, um zu wlss 

Sie 

sen , dass vortrefflich zueinander passen. Ich schreibe nooh heute meinea 
Bekannten, und wir wollen die «»gelegenhcit so schnell wie möglich in 
Grng bringen. Ihre Adresse habe ich. Wert^Ä'-^HF* auf ein Wort von mir." 
Damit stoad cie auf .umarmtf Gabrielle und schob sie sanft ins Vorzimmer 



*/ 



-6. 



t 



Voralmmcr 

hlnt-.^i g ,»i,onuldl(5t. sloh GRbrl.ll. •!"» ^"J«!* 

^=,h rin,r V.o.h. Sllijü.^-ii^^xS**«^«"'-»«^'*»"^'""-^^*" 
«,^iif«i«»« b.i ihr.m Sürcohef ,u>d ihren SohüVrr. mit .i«e. «...ohl. 

, ^ ' c^^ v.©---fr T"- diescia Ta^e wirklich ricl 
t.ln.dFS sie zu Xommta TerUiAaors.ii. ne---' f- "'••«"■ ^ 

^t. vm«.. ...VO^olt. »d put.t. ihre la.id.ra-ü^flich « .ier «hr ata* 
»1. TOr i.M Caf^ 3oh=u. am ^..l,-.i.n^2l^^^^l;^^J^-J^''^ C.«»ü^erU.g- 
d« >..are»hau, z... Lourr. fl.ci.rten HU,«.uchet..,. o. d.r ■.™,rn5o:-.. 
..a'.*mer den Plat. Jagte» Auto«Ml. nr.d MtoV«=..A-a=- d.r. Erdo^m-x^s« 
d.,. J.e'tropolitsin ouoll .1» «h.varz.r Stron Ton K.n»oh.». Dl. ^-«t -....x 
,a,., .mer, k.lt.n r.«.«l»oh.« Morg.r. mild «.word,B,-^-.d all. )-.l.in.i, 

;> a^vq/^äi« ▼nr Adm Csfe waren dicht "btsetzt. 
niaden Tische miter -i«n Ar.<ad#K Tor aam oaie ^^^^^^^^ . 

An der Elngang3t.ür b.ss ein tiaztlner .acrr..!«^ aurne. 
t. rlchti. dl« Ta.eaz.itun. "L. ^.atin" i« d.r Har.d.di.^el.e.dxe nuch nie 

ihn.Er h.tt. ein d.r^l.. r...ies a.«io.t. tiefliegend. Au.en ^o^tcr «ehr 

n^-.,^« ^md ein-a ebenso schunr'/en Ta^^sohißen lojigeR 
schwarzen buaciiigen Br^xu^'n ^anü. ein^- «■^«■ 

V ^ in Ran-e des weichen Filzhuter- schimmerte grcuts Harr. So sr.h 

»I- >3^«>i tr«.-»*#r '^i ^ wtr nicht iinstSÄl 

d, „ne. schritt vor:?.« .u t...I>a blicW, a,>f ..d ^-r.te «i..Sl. «..r.*| 
t. «i. .i«.. S,hild ihr.nnCM,i«I .nt«eG.».>=r '*-* ^^'^^^^^ -^ '^' ™ 

und stellte «ioh ror. 

.. . .i. .1* zusammen TerljraehteH^empfamd Galirielle eigenöl- 
In der Stomde.die sie zusammen Te Räderwerk .. . ^.. 

»^^'^^ . j. —«•-*•- ««vmxic .Das aesprech.drs 

li,h niohts.Si. ^^ ror .vi. ti« aufgestoßen.« Jämm 

.. 11 V«« aÄfHn« l)i8 zu .nde;n!3er das Wettfr^ub.r 
8i. Cinirt.n,.vnr icon/öntioa.ll ron anfang dib z 

wc-^--Väuser üurr die Mua..n( denn das grösste Museuir der tts.C 
41. grosssii W&reiiiiauser,ui)«x o-xc m 

.o «.s-nTi.l^ Aber es flos» ohne Stockungen Glatt hln,und 
nur dad wr^ »s.was sie fast als angenehm empfand. 

P^ink^ioh ^om fünf Ul.r standen teide auf .und er begleitete sie zum 




I^ n» ' tiM ' M.im . i»-^ ■ ■ JtJiW >g*«P*tWi 



ÜBPipW^Mpw^qiPWHi Rp i U BI i IJ ) IPB JIWI 



T 



-7- 

ZUM 

Autobus, der naeh Pacsy fUiiirte^Zu» Aboohitd küßctt er ihr die Send 

Alt drr iiblichrn R«d#mßr.rt,d8ffft er glüoklieh wfireplhre BtkanntaohBft ge- 

aaAht zu hfben. 

Kaum v/PT «r fort, da icFm über sie eilte aolehe ErregtiÄg,doeß cie es Äl#it 

ertrasen koiiisite,i]i dem engem Abteil des Autobus xuibewegliah zu sitzen^Sle 

stieir 

am der näohstem Haltestelle (ue omd giMg am der Seime emtlam^ zu Fuss bis 

Passy.Dle frisehe künie Luft t die Tom Flusse herkam, tat ihr wohl» 

Zuheuse vroÄderte sieh die Mutter, dpss sie ror dergewohmtem Stumde fe^- 

"^^ und 8oni^t'4£:lich gekleidet wal?«Gabrielle murmelte etwas UmrerstSrndliefa^^ 



umd 



zog sicUi^he die Mutter weitere Fragen stellen kennte auf ihr 



ZionuMr zurück* 



I 



d 



1. 



Hier v-arf sie schifiell ihm Kleid ab, sehlupfte im eimen warmen Sehlaf- 
roek uiid Filzpentoffelii,Biaohte Feuer im Ofohem,das am der Kaninoffnung cn 



gebracht wer, schob de» grossen weiehen Lehnstuhl 



» « « I 



herem und 



te sieh beQuem in ihm aus. 



s 



llMb»hiÄd«rt liasc ai« daa Gtfühl d«r iTiat erfüllten Wohligkeit üter 
8ioh hinstrStneiifdriS der fremd« Majut mit den diULklem rumdeaCesieht -omd deci 
grosse» Bdr.yHiiTzeyt Schauirlaart ia ihr ausgelöst hatte. Sie gesaoss im Toreus 
die Erjrtil-lviÄg eines endlieh befreiteÄ.ihr gajizes Lebern Iwig «urueJcgedüait - 
tex heftig*»n Verlaageas. Eadlieh erlöst sei» ! E»dlieh Ruhe haben! Still 
stehe» In Wunsohlosiglceit.. . .Die Ha»d hlaei»lege» kCanea in eine sadere 
grosse feste Haad. ...Die Lippea pressea dürfea auf andere weiohe Lippen.« 
Versiakea in Arme »die uMsehliagea fester uad fester. • .Alle gehelBaisTolle 
•wiglceitstiefe ?/ollust des Lebea« trug uabegreiflieh der fremde Ma»a ihr 



zu,»lt de« sie währead eiaer Stu»de ■ba»ale belajiglose Worte gewechselt 

hatte. 

gaot 

Am über»Soh?te2i Tage kam ein Brief ohea ron Msdpme Henri de Peoq\:isik 
Gabrlelle hStte auf Herrn Allard einen guten Eindruck gemacht. Er hatte x 





■ » H ill t u rn t 



um 



-8- 

hfitt« 

iHzwi8oh.n aueh nur Günstiges über ihre Frmili. g.hört und wSre nloht 

abgeneigt ihre nJ^here Be]cannt3<,hflft zu n.oh«n.IJur v.ünsche er.dras ei«. 

Sute Freundin Mad.me Penise Flandin si. ,^leiohfan... .Yen^i.n l.rne, und 

zu diesem Zw.«k sahlage er ror.drss Gp.brielle mit d.r betreffenden Dp»» 

in den n^ohsten Tagtn im selben »afe Rohs!» aioh trRf«, 

öabrlelle schrieb wieder an dPs Büro .in dem sie arbaitett.und nit- 

ihr^ Sohüler.dass ein erneuter leichter Grlpptanfsll «ie bed^uerlioher 
Wei« abermals yon der Erfüllung ihrer Pflichten zurückhalte. Wieder braeh- 
te sie eifrig ihre Sachen sohon rom frühen Kor^r^n nn in Ordn^ong. 

Esyvflr kalt. Gross« nasse Schneefloexen .virbelteu üb-r d^^ Piltz 
^^ Pnl«is Roj^a.üraussen unter den AvlzBä.t>n de?. Crfo Kohau sa.«.,.j dieses 
Mr:l niem;:ii,j. Dafür war «f dri^r m Toller Parasit ).^en«chftn,Toll«?r IJauoh.rol- 
1er Lfirm. 

Gabrielle sah sich suchend um.Nirsoiads v;ar eine eiazfe.e Dnme.di« 

den»Matin"demo.strai;if in der Haad hielte, z^^ 3öhen.Si(? v/rrtet«.üis ein 

ujicL' 
Tisch frii vmrde, setzt« siah.^estellte beira Kcllnor '.»iii«.:i Cffe-crSm5,3ie 

wollte sehen an Irgend ein Wissrerst«ncL>:is glpubcn,als eine ^^rosse statt- 
liche i)nm« im sohwar?.«*! P«lznjantel mit einer leuchtenden roten 31uao a« 
Krag.n und der b«z«iohnet0n Z«itung in der ein '.venig e-hübeJ»«n Hand nn 
der Eingangötür sichtbar wurde. 

Gabrielle stand auf, hob aueh ihre Zeitung: empor und imohU ein psar 
Schritte «ntfjegen.Di« Dam« erblickte sie, und Inr ^ar.-,es Ge^^Joht ging auf 
iÄ «in L/lcheln. 



idademclsell« Dur.?!, nicht wnhr?" 83,rte -ie und i^rgrif: 
beide PIr*nde."Wi« bin ich ^lücklicli Sie k«nnen zu lernen!" 
Si« setzten sich. 



Gabri«lla3 



"ricrr Allard hat mir 



soTlel TOK Ilirrn erz>:*hlt ,dsss ich Si 



eehoa ganz in mein a®rz geschlossen h?b«, liebes Fr?ulein Cnbritlle." 





-9- 
(ja^rielle wnr geröhrt Ton dieser tuterwertete» Herzliohkeit.Sie dachte 

a» Herr» Allard. wurde rot und denkte beschämt die Ilder.Sie fühlte sieh 
80 UÄTerbraueht.Bo roll einer beseligenden Erwnrtung.wie ein slebzehJSh- 
riges MRdohen, 

tj (fgle$^cFl6jeid.in fasste zSrtlieh Gabrielles Hend und streichelte sie. 
Xloh sehe, Sie haben such z4 mir, gleich ron anfang an.dasselbe grosse 
freundschaftliche Gefühl. wie ich zu Ihnen. mein liebes Fräulein. Das habe 
leh «Ir gleich gedacht, dass es so sein wurde, als Herr Allard Sie mir be- 
sehrieben hat. Ich bin eine gute I^enschenkennerin.Mir macht man nichts 

ßires Alters, die ihr Herz so rein und UMrer- 
dorben bewahrt hat. findet man in ganz laris nicht. Dessen können Sie sieher 
sein. Ich konnte Gesehiohten erzShlen.Ioh habe schon was in meinem leben 
gesehen. loh bin leider nicht so behütet worden wie Sie. Man w3hlt sich 
nieht seine Eltern," 

Sie liess Gabrielles Kand los und seufzte schwer 



TOr.Elne zweite Person 



% !*• 1 



Eine kleine Pause entstand. Gabrielle suchte nach "Ä^ freundlichen, W*»r 



um es der so unerwartet gewonnenen Preundin zu sagen. 



.b 



"Sind Sie mit ihmrerwandt?" fragte sie weich wie li^kosend. 
rj (yrfaÄ<iPlandin vei'fiMrW.^ sire« kaum merklieh unter der Sehlclit ron Puder 
■und Schminke. 

"Verwandt gerade nieht. Oder rielleicht doch! Das hangt daron ab, 
wie man auf die Dinge sieht. leh stehe ihm seit rielen Jahren iedenfnlls 

sehr mähe. "Sie ergriff wieder Gabrielles Hand und behielt sie fest 

. , ^. sSle «oeh 

zwisehen ihren Fingern. "Und ich hoffe .dsss das Band axx befestigen wer. 

\e 
den dureh unsere Freundschaft zu drein. Sie ahnen Ja gamioht, welche Ploff. 

nungen ich auf Sie 8«i««. meine liebe teuere Gabrielle." 

Gabrielles Gedanken kreisten ununterbrochen um Herrn Allard, 

"Wie bin ich Ihnen dankbar. drss Sie zu mir so gut sind. Sie können 

f 
sieh auf mich rerlssscn .leh willgewiss alles tun. um ihn glücklich zu 



.10- 



\ 



I 



zu 



maclieu.Krsählen sie mir von ihu.l 

"Was UÄgefähr wollen Sie denn v»isöen,meln liebes Kind? Dr^s Leten elcieB 
Msanes Ist so •ompllzlert.Wer weiss ,o\> Sie sieh In Ihrer Reinheit die 
rlehtlge Vorstellung d« ron mf'ehen.Man nniss Tlcllelcht ein "blpoheapehr, 
wie soll ich mleh dooh glelah nuBdrüeken? sagen wir real auf die Dinge 
«•heuen.Aber Sie können fest auf ai«lne lYeuttdaohftft re«h»»»".Und sie press 



LrfaLirung 



treu zur Seite stenen," 



"Er ist wohl bis Jetzt Im Grunde elnsrna ^^ewesen " segtc Gabrlell© 

s 
träuiae»ls«h,ohne auf Madame Flaadln Worte einzugeheii."De83 er mit dem 

Heiruten a\ieh so lange gewarxet hat v;lc Ich, Ist ..ie ein scltsaiass Vorzel- 

ob 
•h«n,al8 wir beide furelnejider bestimmt warea." 

Madame Flandln gab mit einem kleinen iiuek Gabrlelles liPnd frei. Ihr 

w 
Laeheln rersehand ßuf einige Sekunden, und eis es wiftderksin.SRh es geawum- 

gexi a\i8. 

Aber Gabrielle bemerkte es nicht. liadnme Flandin war die Botin ihres 
Glüekes.Es kam immer naher auf sie zu. Es gev.jnn imir.fr feslrrf. Form. Sie 
iBUSJtfe AHeh sein niit allen Siraien.uu'. dieLtsGlüok.df e sie in letzter Stua- 

* 

de noeh gepaekt.aioht entgleit en zu lassen. 

dasc L-ie 

"Sie heben es wohl im Leben gut gehabt, meine Llebe,soTiel reizende 



ÜatTität haben bewahren können. Si* slad ohne Sv^eifel gencu ao ,wie Sie Tor 

zwaa^ig Jahren gewesen simd." 

Gabrielle horehte plötzlieii auf .ie wer etwf s in M>u'.' ne Flandißß Stiaae 

uiid in xhrt'ü Zügen, w&ß aie ueuiir\ihig-e. 

•Ifi« meinen Sie ti.cs?" fragte sie, und ihre Zü^-e cpflÄJiten sieh dabet s 
au«h.'';Ue soll ieh Ihre Vierte ftuflfassoaVJiiebo Mudame F 1 and Iji, -Warum nehme» 
Sie an »dase i«h in »wanaig Jahren niohts tow Leben gelrnt Laboi- " 



n 



"D.'='8 hßbe i9ü do«h garnieht gesr<gt,aeine kleine gute Gabrielle.Sie mfissen 
mi«h nieht fnlcth Terstehen. Gerade wir beide sollen im« TeretF'ndigen -.sie 
^ «v/ei Mensehen ee nur könne». Kieht einen Au<^enbliek lF»g hfbe ieh rn Ihre r 
iMtelliffem« gezweifelt, lind das YcraBlasst miek auek offen vuad ekrlitk Ih- 
ntn gegenüber zu sein. loh habe nur ergen wollen, drss t:ie in gevieen Din- 
gen rielleioht noeh etv.rs unerfahren sind und sieh deshalb Illusionen 

meehen." 

Gobrielle snh ihre neue Freundin ersehreekt Fjn.Ihre Worte rerktadig- 

ten niehts Cutee. 

"Um was handelt ee sieh? Spreehen Sie es nur glcieh fus.Mßdame Flen- 
dln.Sie »Verden sehen, dfss ieh ..irilieh nieht so kindiseh bin, wie Sie an- 



»ehmen.*^ 



Ihr Glüek hctte noeh nioht begonnen, dr 



fiel sehon Sehatten drrauf» 



LledFBe Plandins Augen wanderten unruhig Ton einem 'nde des Rrume» 
zum andern. Sie v.usste pucenseheinlieh nieht, wie zu beginnen. Der unrerwendt 
auf sie geriehtetc flehende Bliek Gabrielles nahm ihr die Sicherheit .Aber 
sehon naeh v.enigen Llinuten Ißehelte sie »ieder über drs ganz« energisehe 
Gesioht und legte ihre feste Hrnd um Gabrielles sehmrle Finger, die 
mit dem Löffel spielten. 

"Sie maehen soleh ein ersohreektes Gesioht, meine kleine Freundin, drss 
ieh selbst rerlegen gev.irden bin, und nieht mehr vveiss,'Aie anz\ifrngen. Und 



die Saehe ist doeh,Gottweiss, 



nieht 80 sehlimm.uemi Sie sie nur 



rieht ig auf fflEsen. Jetzt seien Sie ll*b und hören mir zu.Ith werde ganz 
offen eein.Eine andere an meiner Stelle v.ürde Sie betrügen und nieht daran 
denken limen ein Wort zu sagen. Aber ieh finde es richtiger Sie gleieh Ton 
Tomherein in Kenntnis z\1b et zen, damit vvir beide v.isEen,»orcn wir sind und 
naehher keine peinliehen Uberresehungcn heben." 

Sie maehte eine Pause augenseheinlieh,um den Findruek festzusiellen 



■4 



^12- 

feetzusjftllen 

den ihre Worte c^^naaht hatten.Dnnn fukr sie raseh 

fort* 



tOhne wieder anztüunlten, 



TIC« 



Sie :;v<5nnen doeh unmbglieh glaub en, liebe, kleine Gpbrielle, d.^ es Kcrr 
Allrrd igitxxAm bis heute gerrdc auf Sie gewartet hnt.Er hat nicht ^eheirp- 
tetp..eil er es nicht nötig gahabt hat, weil er auch ohne Ehe sehr gut ein- 
gerichtet war,\md zwar mit mir^Seit fünfzelm Jahren hat er ein festes Ver- 

h*dltniß mit mir. Ick habe gehofft, dass es auch schon dabei bleiben würde, 

hat -^ 
und er selbst hat es auch einige Male gesagt* Aber da er sich irgend wo 

einen ilagenkrtrrrh geholt »Der raacht ihn gcnz nervös* Fr mag auf einmal drs 
Restaurrntleben nicht mehr .Er will ein Heim hf!ben,eine ?rru,die für ihn 
sorgt "ujöd ihn bepflegt .Da w?re es wohl nichts mehr als gerecht ,drss er 
mich heiratet, die ihm die berten Jahre ihres Lebens geopfert hat*Das dach- 
ten Sie doch \/ohl auchl/ber wohin? Dazu ist er riel zu sehr Bürger \md 
steckt noch bis zum Halse in Vorurteilen* Lieben kann er mich, aber heira- 
ten nicht* Das geht auf keinen Fall, In die alte stolze Juristenfemilie 
der /llrrds führt man nicht seine Maltresse ein Ton duni:ler Abstammung und 
mit dunkler Vergr;ngenheit,wenn sie au#h lanst schon als Schneiderin ehr- 
lieh ihr Brot verdient .Ilir geht drs auch nali, liebes Fräulein, Sie heira- 
tet er, weil Ihr vor vielen Jahren verstorbener Vater P.itter der Ehrenleg 

lang 

gion gevvesen ist, und mich, die fünfzeim Jahre ihn geliebt hat,stiesse er 

am liebsten weg. Ich habe Ihnen ein bischen Ihre Illusion zerstört. Ich be- 
greif c,drss dies nicht sehr aoagenehm ist. Doch es tut nicht so weh wie mir. 
Darum habe ich eine Beding\ing gestellt, xintcr der ich ihn freilasse," sie 

brachte ihr Gesicht ganz nahe an daA Gabricllcs heran und flüsterte kcuc 

es - - chtcn 

chcnd. "Zwei Mal im Llonat gehört er mir. Drs Sie bissen \:ind keine Gcschi- 

nachher machen." 

Jetzt blieb sie in ihrer Rede stehen xind blickte herausfordernd 

Gabriellc an* Ihr Gesicht hatte alle Liebenswürdigkeit verloren tad war 

hart und scharf geworden* 



/ 



^t^-^mtßmmmm^tm 



-15- 

Gabritlle crea bloss \ind unbenegllch da. Mitten im Lärm der schv^ atzenden 
I/i«nBth«nm«nc>e uuths \anlieimli«h dt-s S«iiv.el£;cn zvvlsthen d«n zwei Fretien. 

Madcme Flrndin sah ein.drss sie dooh zu sioher ruf ihr Ziel lo8g«sttirmt 
war.Gebrielle wr-r v.ieNim Wege zertreteirtMIacInme FlP.ndin er{iriff wieder 






ihre Hand, die siA ISngst aus der Umßpann-unG befreit hrtte.und strel- 
•lielte sie heftig, ßleithsBrn tun sie S5U beleben. 

XDerauf waren Sie »Aiht gef esst, "sagte sie •ialen]iend,"I«h war 
Tielleitht zu raseh. Denken Sie doeh nur »um „es ieh bitte ;iun Brot]:«B. 
Di« werden rlles haben. I«h habe gedacht, dfss gerade Sie drs verstehen 
»erden. Jeder ron uas klammert sieh blindlings an eine Hoffn\aig." 

Gfibrielle hob den Kopf , aber .vandte ihn gleieh fib. Sie mooht« Uedeae 
Flandin nieut ansehen. Lin Gefühl physiseher Übelkeit stieg in ihr auf. 



Im Spiegel über dem Wrjadsitz erbliekte sie ihr eigenes blosses müdes u»d 

altes Gesieht. 

In ihren Ohren klang drs Todesurteil :Zs ist oehade.drss soleh eine 

m«tt« Person wie Sie rate Jungfer geworden ist. 

Von morgen ab wird sie wieder den ganzen Tag über Stunden geben, im 3ü- 

e 

ro arbeiten.Uberstztungen maehen und die Wirtsehpft beeorgen.Nur den heu- 
tigen /bend v;ird r^ie für sich behalt en.Ba wird sie sieh in ihr Zimmer ein- 

sich aus^ „ ** * 

sehliesren und /r^flnen. über ihr mißglücktes armes Leben, dem die letzte Hoffnung 

eben zerstört worden war. , ^ _ . •. ^^v. n t^u 

"r.B ist sprt ge..orden,il8dame Flandin, "sagte sie und ernob sieh, itto 

bedauere.drss ieh sehen gehen ouss." 

Sie reiehte meehaniseh die Hend,\vandte sieh um und ging rait müdem 
«•hritt zum M^tro Palais Royal, in des eine Treppe dieht Tor dem Caf^ 



hinabfüiirte. 



/ 



D R A 



HSIMSI 



Novelle 
von 
Clara Michelson. 






i 






D R A 



Die Prauen ihrer Bekanntschaft wusaten sich den Erfolg, den Dora 
Kramer bei Männern hatte, nicht zu erklären. Ihre äussere Erscheinung 
fanden sie nichts weniger als reizvoll, und ob ihr innerer Geheilt 
so virertvoll war, aas s er als Ausgleich für Akh den Mangel an äus- 
seren Reizen dienen konnte, bezweifelten sie sehr# 

"Ach, die menschliche Seele! 7fer kennt sich in ihr aus!" rie- 
fen die eiaan angesichts diesei^sychologischen Phenomens. 

"Was hat Erfolg bei Männern mit Seele zu tun?" fragten die 
andern, die hübscher als Dora waren, ^.uch SiKsiK xh viel mehr Seele 
als sie zu haben glaubten, aber d^ren Erfolg nicht hatten. 

Dora Kramer stuaierte an der Universität National-Oekonomie , 
hörte aber mehr Vorlesungen über Philosophie und Litteratur.Sie 
war klein, kaum merklich schief , hatte sehr krause schwarze Haare, 
lebhafte dunkle Augen, einen grossen Mund mdt gesunden weissen 
Zähnen. Ihre Züge waren weder fein, noch regelmässig. Sie hatte die 
Gewohnheit viel und laut über alles Mögliche zu lachen, auch über 
Dinge, die in keiner Weise heiter oder komisch waren.Den Prauen 
ging dieses fortwährende girrende Lachen auf die lIerven,doch die 
Männer schien es wohl irgend wie zu reizen, wie auch die kaum merk- 
lich schiefe Gestalt, die krausen schwarzen Ilaare und die lebhaften 



dunklen Augen. 



Ostern 



Dora Krtoner war stark in Anspruch genommen: zu musste 

sie nach Dresden. Da wartete ein Freund auf sie, der mit ihr zusam- 

sie 
men Spinoza lesen wollte.Und zu Pfingsten sollte^üach Giessen,wo 

ein anderer Freund sich befand, der sMne Doctorarbeit nicht beenden 
konnte, ohne noch einmal mit ihr "Das Gastmahl" von Plato durchge- 
sprochen zu haben. 



:<il 



''i.: 



Und wieviele andere um sie htnun brauchten sie und baten um ihre 
Freundschaft. Bora sagte mit Stolz zu den anderen Frauen: "Der Mann 
braucht aie Frau bei seinem Schaffen, Sie ist es ,die ihm die schön- 
sten Gedanken eingiebt." Dabei dachte sie natürlich ,dass nur solch 
eine wie sie dies könnte. Und aie anaern fühlten deutlich, dass sie 

es dachte. o- 

Drei Männer libten Dora gleichzeitig. Es waren gewiss deren , 

nur 
die Dora liebten, viel mehr, doch ilxxm drei kamen für sie in be- 

I 

tracht.Und sie musste sich nun darüber klar werden, wen bie eigent- 
lich liebt e,aenn alle drei IJ&nner konnte sie doch nicht heiraten, 
und alle drei waren voller Leiaenachaft und Ungeduld und baten um 
Bescheid.Das war eine schwere Aufgabe f\ir sie, da alle arei so waren, 
dciSS man öie Irben konnte. Auch Wu,r es an aer Zeit bich einen Lebens- 
gefährten zu wühlen, wurde sie in zwei Monaten dreiundzwanzig Jahre alt 
Das ibt zweifellos ein hohes Lebensalter für diejenigen, die nicht die 
Erfahrung eines höheren haben. Die Wahl war so schwer, weil alle drei 
ganz verschiedene Vorzüge und Nachteile besaöben,die sich nicht un- 
ter einen Generalnenner bringen liessen,so dass man durch ein ein- 
faches Rechenexempel hätte entscheiden können, wer von den Dreien die 
erheblichere Grösse darstellteÄBlum, Stein oder Wolff • 

Blum btudierxe Juriaprudenz und stand vor dem Schlussexamen. 
Er war wohlhabend, aus angesehener Pumilie una von angenehmem Äusseren« 
Er hatte einen gCöundün praktischen Sinn, und obgleich seine Begabung 
über ein Mittelmass nicht hinausreicht9,so war doch anzunehmen, dass 
er sich im Leben gut einrichten wurde. Soweit menschliche Voraussicht 
überhaupt eine Gewähr leistete, ging man einen sichern Weg, indem man 
ihn heiratete •UHd brachte man noch Eigenschaften mit, wie Dora sie be- 
sass,so brauchte man sich über die Zukunft keine Sorgen zu machen. 

Stein studierte auch die Rechtswissenschaften. Er war gewiss 
viel begabter und interssanter als Blum. Er sprühte nur so von Witz 
und lustigen Einf etilen, aber er hatte schlechte Manieren. Das Fehlen 



r^ 



• •^-^ *■■"■* " - "^▼'^^v^r^i^MPPw^ 



- 3 - 

Fehlen der guten Kinder stube verleugnete sich nicht , aber darüber 
machte sich Dora weniger Gedanken, als über die Ungewissheit der 
Verhältnisse, die eine Heirat mit ihm infolge seiner Armut, seiner 
linksradikalen Anschauungen und seiner Sorglosigkeit um den mor- 
gigen Tag mit sich bringen würde. 

^olff.ein 
Der dtitte in Frage kommende junge LIann waryFhilosoph und Dichter. 

Er hatte einige Jahre medizinischen Studiwas hinter sich. Seine Libbe 
zur Philosophie hatte jedoch überhand genommen, und er war nach kurzem 
Entschluss auf die philosophische Fakultät übergetreten. Seine Pro- 
fessoren und Kollegen rühmten den Reichtum und die Originalität sei- 
ner Gedanken. Dora wusste davon, und obwohl noch hinzukam, dass er ihr 
tiefsinnige Gedichte widmete, in denen er sie die Schönste aller 
Frauen nannte, zog es sie zu ihm am allerwenigsten hin, denn er war 
schweigsam und kam besonders in grösserer Gesellschaft wenig zur 
Geltung, Auch sein Äusseres stellte nicht viel vor. 

Die Wagschale neigte sich nach einiger Ueberlegung zu Blums 

sie 
Gunsten. Doch wie daran war den endgültigen Entschluss zu fassen, 

überfiel sie eine Mutlosigkeit. Wenn sie sich irrte? .Tenn viel- 
leicht einer von den beiden andern der Wertvollere und zu grossen 
Dingen Beruf enex war! Wenn sie sich auf solche Weise um ihr Glück 
brachte! Was dann? Ihr wurde heiss bei diesen Zweifeln. Ihre Gedanken 
verwirrten sich. Sie verlor jeden Massstab zur Beurteilung ihrer Ver- 
ehrer, und sie beneidete die anderen Mädchen , deren Seelenruhe aurch 
eine allzureiche Wahl nicht gestört wurde, und die froh waren, wenn 
sie einen annehmbaren Freund fanden. Una sie sagte sich zum Tröste, 
daas Menschen ihrer Art und Bedeutung wohl immer schwer an der Ver- 
antwortlichkeit dessen zu tragen hätten, was sie aus ihrem Leben mach- 
ten« 



Sie fühlte, dass sie zu keinem Entschlüsse koinmen würde, wenn ihr 
jemand nicht mit klarem selbstlosen Sinne hülfe die verknoteten Fäden 
der Hoffnungen Wünsche und Neigungen in ihr zu entwirren und einen 



- 4 - 
einen Teil der Verantwortung bei der folgenschweren Wahl auf sich ^ 

nethme^ä. 

Sie hielt Umschau ,und ihr Blick blieb an ihrer Kollegin Maria 
Pein haften. Von Maria Pein sagten die Männer, dass sie eine leise Scheu 
ihr gegenüber empfänden, was wohl daran läge,dass sie xun vieles besser 
und reiner xä± als sie aöJL. Dora hatte das niemals verstehen wollen 
und immer darüber gespottet. Kun aber begriff sie plötzlich, dass Maria 
Fein der Mensch xvar, an den man sich in Nöten zu wenden hatte, hbä dass 
von ihr Hilfe kommen könnte, uneigennützig und geräuschlos, so wie sie 
es brauchte. Und sie beschloss Freundschaft mit ihr zu halten. 

Maria Fein war ein wenig verwundert, als Dora so unvermittelter 
Weise ihr ein besonderes Interesse entgegenzubringen begann. Sie hatten 
sich bisher häufig zu Vorlesungen und Vorträgen getroffen, waren aber ge- 
wöhnlicl^ach ein paar kurzen höflichen Worten auseinander gegangen, denn 
Dora war nie allein. Immer stand irgend ein Freund neben ihr und wartete 
ein anderer ungeduldig an einer verabredeten Stelle. Aber nun beachtete 
sie mit einem Male nicht mehr aie Ungeduld ihrer xirartenden Freunde und 
liess lllaria in jeder Weise fühlen, wie sehr «s es ihr an einer herzlichen 

Beziehung zu ihr gelegen ViftiCU Das rührte Maria Fein, die immer von allen 

Menschen . 

(T^tes dachte, immer wieder Gutes trotz mancheifechlimmen Erfahrung. 

Mit der Beharrlichkeit, die ihr eigen war, wenn sie ein Ziel vor ^cc^ 

sah, drang Dora zu Maria hin, und je mehr sie die letztere kennen lernte, 

um so mehr überzeugte sie sic3h da von, dass Maria wirklich diejenige war, die 

ihr gefehlt hatte, und dass sie ihren Reichtum an Liebe, Freundschaft und 

Verehrung ruhig zeigen konnte ohne befürchten zu müssen, ihr würde davon 

C 
auch nur dasGöringste genommen werden, denn auch das schien sie bestätigt 

zu finden, dass Marias stille Güte keine heissen Wünsche zu entresseln 

verstand und keine geheimen schöpferischen Krufte in Bewegung setzte, 

wie ihr eigenes unvergleichliches Wesen, das so viel in Gedichten besungen 

wurde. und das kein Bild in 8*iner Eigenart erschöpfte. 

' pflegte , 

Die Abende, an denen sie ihre Freunde um sich zu versammeln ^fsgis 

f 

veränderten trotzdem ein wenig ihren Charakter, seitdem Maria ao^ihnen teil- 



ö 



i 



teilnahm. Den Schwerpunkt der Uncerhultung ging ganz allmählich, ohne dass 
d*B Beteiligten selber die Wandlung auffiel,von Blum und stein auf Wolff über. 
Er fing an mehr aus sich herauszutreten,wurdo beredt, als wure ihm irgendwie 
die Gewissheit gekommen, dass er verstanden und erwtinscht sei. 

Dora wusste bald,wie LIaria die Präge, wer von den Dreien zu lieben sei 
lösen wtlrde. 

Wolff wartete stets, wenri^r über ein Thema zu sprechen oder etwas vor- 
zulesen beabsichtigte,bis auch LIaria dabei war. Und er sagte zu Dora: "Es ist 

gut, dass Sie Maria gefunden haben.Sie brauchen einen Menschen, wie I^ria,um 
sich.» 

Dora begann zu bemerken, wenn sie abends zusammen sassen und redeten, 
wie Maria 's stilles Gesicht sich belebte, wie die Feinheit ihrer Züge mehr ' 
zur Geltung kam.Da wurde sie noch lauter,da wurde ihr Lachen noch girrender^ 
und ihre Bewegungen begehrlicher, dass man sie nah empfand,als berühre man 
sie. 

Manche neckten Dora: 8 Eine Freundin haben Sie sich genommen und eine 
so hübsche? "- 

Aber Dora lachte nur, sie fürchtete Maria nicht. 

Die Wagschale schwenkte zu 7/olffs Gunsten um, und Dora begrirf dann 
nicht mehr,wie sie nicht gleich hatte wissen können, dass es Wolff war, den 
sie Heben musste,war er doch der Beste und Begabteste von den Dreien.Auch 
war/rs,der am tiefsten ihre Wirkung empfand,und dessen schöpferische Kräfte 
sie am schönsten löste. War es da nicht Pflicht die Gefährtin zu werden, nach 
der es ihn verlangte? War sie es nicht der Menschheit schuldig? 

Wolff dankte Maria. "Bleiben Sie gut zu Dora,Maria/ Dora braucht Sie. 
Sie müssen ihr auch weiter helfen, sich selbst zu finden." 

Dox-a dankte gleichfalls Maria. "Ja, siehst du ,Maria,der eine findet sich 
selbst früher, der andere später. Ich habe mich nun gefunden und damit auch 
Wolff. Du hast mir dabei geholfen. Ich danke dir." 

Maria ging nach Hause mit einem leisen,ihr unverständlichen Schmerz. 

Ein paar Tage kam sie nicht. Wolff beunruhigte sich,doch Dora sagte: 



- 6 - 
» Lass sie! Sie will uns nicht stören. Sie wird schon wieuerkoinmen." 

Als sie wiederkam, fiel es ihnen auf,wie blass sie war. 

»Maria,warst du krank? Warum hast du es uns nicht sagen lassen? Wir 
wären doch zu dir gekoimnen." 

" Es ist wahr", erwiderte sie. Ich fühle mich nicht gut, und ich will 
noch vor Schluss des Semestera aufs Land nach Haus. Ich habe wohl zuviel 
gearbeitet." 

IS wir es nicht gemerkt habenyaagte folff mit Teilnahme." Das 
liegt daran, dass wir so selbstsüchtig waren und immer nur an uns gedacht ha- 
ben. Verzeihen Sie uns ,Maria,und versprechen Sie , wieder mit uns zu sein, 
wenn Sie zurückkommen." Und er streckte ihr die Hand hin. 

Da wurde Maria um einen Schein blasser und sah die entgegengesxreck- 
te Hand nicht." So eine grosse Ausspannung wird mir gut tun,Auf dem Lande 



"Dass 



wird es jexzt 



fleissig sein."- 



schön sein, und wenn ich wieder-^komme, musa ich 



sehr 



Sie waren einen Augenblick lang bestürzt, daas Maria sie verlassen woll- 
te. Dann däcmerte ihnen ein Gedanke. Sine Pause trat ein. 

Wolff sah plötzlich Maria in einem neuen Licht, nicht als Freundin mehrö 
als Liebende und Geliebte sah er sie, und in dieser blitzartigen Erkenntnis 
unterschied er das Wirkliche, das Wahre von allem Schein, von allem Trug. Da 

war aber Dora neben ihm mit weitgeöffneten Augen auf der Lauer, und'^Srf^Licht 

ihn^ 
in ihm aufblitzen sah,riss sie^eichsam zurück, schod sich selbbt dazwischen 

mit ihrem Lachen,mit ihrer Wärme und mit ihrer Begehrlichkeit und umhüllxe 
ihn mit ihrem ganzen Woöcn. äfHix^xfahixairf^KtÄ 

Woirf fuhr auf, wie aus eieem Traum ÄOTKK)iKM,mit unklarem Bewusstsein 
noch tastend zwischen Schlaf und Wachsein. Zwischen ihm und Maria stand Dora 
una aas Erlebnis erloöch, rückte in dunkle Tiefen hinao und wurde aa zu einer 
blinden Iraft. 



- 7 - 

" wenn es also sein mubs,aasb sie von un^ fortgehen, so lügen wir una aarin, 
aber Sie kormen v/ieder und sind dann mit uns wie früher, denn Dora braucht 
Sie so sehr." 



So gingen sie auseinanaer, 
Dor^ hatte gut gewählt. Wolff ist ein berühmter Mann geworden. Er spricht 
über alleb. worüber spricht nicht Wolff! lieber Schönheit, Kunst, Welt und 
der Menschheit letzte Ziele. Und Dora ist aeine Muse, '• Dora, die Schönste 
aller Frauen." Wie hätte er seine Geattnken formen können,wenn sie nicht 
neben ihm ginge? Für jeden aber, der mit feinem Ohr hinhört und tur Mc^ria, 
die einsam ihren Weg geht, zittert in allem,was er sagt, kaum hörbar ein 
falscher Ton mit. Die es hören,wis5en nicht,waö e^ bedeutet. Nur Maria weiss 
es: der Ton ist Dora. 



» 



I 



/ 



Von Clara Michelson. 

Am «h.n6 der nügollcette. die da« „Uende Tal le. Chavrouses 
-..h a.r Südseite hin ™.chlle«t. bosaso 11. p„l.er A.rni. l.a.U 
l'eseoutt« ein. P.r.elle abgeteilten Lande.. I„ ia„re .o„ r,enl,.. 

J»-hren hatte ile aus doa steilen Kt.l»i».>, c ^i. , 

i-u sieiien stelttlgeu Sandijoden ein entzüoken- 

*~ «eine« A«v,esen hervorgezaubert. Sohon „„ „,ite„ leuchtete« die 
«eisnen Stufen der Tora.,., die .u. hellen Häusehen führte, und die 
I>o=enb&ch,. C3^oir.lenl.ee.en und Fli.derstrSuoher. und wenn n«n näher 
kB., vernnh« »«n ein Piepsen. «i.^en. Glucksen. Bellen und Zwitschern. 

dpsc man hier einen ver^-esE.-er.r« "#^c+ ,t»- d^ 

%c.r£,cs..encii ..est des Paradieses wShnte. Freilich 

fehlte der Ada«, und nls Fva wStj» /{•»••n«-*« » 

n4.B jtYa war« die Doctorcsse Iferie Desgouttee wol 

^u .enl5 verfiihrerlBch erschienen. Xeine einzige von den P.r^.llen 
ringsum konnte eich .uch nur annähex^dmit Ratinopolis ne.^ ,n, dn.« in, 
i« Gegensatz zu aeine. Ka«en einen grossen e*hwar..n porzellanenen 
Kater auf dem First des Daches als Wahrzeiche» true. 

Diese Ungereimtheit zv^ischcn ITamen mi± Wahrzeichen wr>.r bezeich- 
««nd für Marie Desgouttes 3elber, die aus lauter Widersprüchen zusa». 



m^ 






ifiÜL 



Ratinopolis .ar der lichte Punkt ihres Daseins, der AUeiter Ih. 
res Gefühlsüberschuss.s. Ihre freie Zeit z...iBchen Sprechstunden und 
Krankenbesuchen ^^^^rachte^sie da. u.id es überkam .le jedes Mal eine 
Spur von Rührxme, -^^erm bei .tonft auf der Stadt die gr^ze geflügelte 
gepanzerte und bepelzte Gesellschaft ihr mit allen Zeichen der Freude 
entgegenstürzte und sich in einen Wettstreit u«, ihre Cu^s-.bez^u^gen 
elnllesst 

Es v.ar ihr ein Leichtes die Freundschaft dieser Geechopfe zu ge- 
winnen, und Sie hätte sie ins Unendliche vermehren konnen.denn Jedes 
Tier, das Sie in Ratinopolis hineinsetzte, vmrde in kurzer Frist ihr 



T 



•2. 




ihr Freund, :iur das Vertrauen tmd die SyiBpRthlccn der Mennchen ver- 

sie nicht cu erwerben, tmd fieim sie nicht bei ihren 



stand 



Tieren war, die auch nur so l&nse ihr Bcv.-uastsein ausfüllten, als 
Sic Kich mit ihnen bfEch£fti£rtc, drü.ckte ein Gefühl völliger Verein- 

eamun£; sie nieder. 

Pfingsten t-timd vor der Tür. Rntinopolis strahlte in seiner Jun- 
ßen SehSnheit und in verschwenderisch aus?:egosRenem Sonnengold, und 
Marie lies^outtes eapfand mit einem Male den brennenden Wunsch auch 
Pfingsten zu feiern, v;ie die andern gcvJftilichen Sterblichen, obgleich 
Sic an I:elnerlei Gott unter keinerlei raS^-rllchen Form .glaubte und die 
Menschen aus Eerzenscrunde verachtet«. Aber der Frühling, d&s Soanen- 
gold und^Blütenpracht regtÄsie irgendwie auf, und sie wollte auch 
ihren Festtag haben, an gedecktem Tische mit ihresgleichen sitzen und 
froh sein und lachen. Ihre piepsende .miauende und glucksende Gesell- 
schaft genügte ihr nicht mehr. 

Doch für sie T/ar drs keine einfache Sache. Jegliche Beziehungen 
zu ihren Ver^nndten hatte sie Ifoigst ab/^ebrochen, und Freunde besass 
sie nicht. Sie konnte aoch unmöglich ihren Portier oder ihre Aufwarte- 
frau einladen, die ohne Zweifel gern gekommen wRren. 

Da kam der Zufall ihr ^jnenvartet zuhilfe. Einen Tag vor dem Fest 
stellte sich der Versicherungsagent Herr Jules Basnard ein, um wie 
seit Jahren den Beitrag für ihre Lebensversicherung einmkassieren. 
ES .ar ein ansehmlicher redseliger Mann, der ihr .ledes Mal von seinem 
Eheglück vorschvvßrmte. Um dieselbe Zeit erschien auch auf der Bild- 
flache ivcuie Mortier, ein älteres Fräulein mit vi^l Temperament und 
schönen Jugendlichen Beinen.^^ie Desgouttes hatte auf Reisen kennen 

gelernt, und seitdem versäumte Ivonnc Uortier nicht, jedes TJTal, wenn sie 
in Paris war, sie auf Kueucheu« Sie ;«ar Litteraturlehrerin an einer 
Mädchenschule in Kopenhagen und JcHl von Zeit zu Zeit nach Paria, um 



/ 




-3- 



* 



i 



Sich liier für den B-tvengen lebens^Aandel, zu dem ihr Berul' sie zwaÄg, 



ßchadlo« zu he.lt«it 



yet 



Der Gegensatz des beriedi^ten Ehemsjine^ und des in srinem Leuens- 
hunger UÄgesatt igten Frauleinc brachte die Aerztin su« den Gedßnkeni 
ßie zusammen, einschliesslich der Gattin des ersteren» einzuladen und 
sich auf solche V.>lce ein richtiges Feiert?t^sv<»rrnii£:en zu Ycrsscbaff fn, 
Pfingstccnntag war so seh9n^ wie er zu werden versprochen hrtte.Der 
flieder und die Rosen dufteten sinnrerwirrend^xind die Sonne schien be - 
tSrendt Marie Deßgouttes hatte leckere Dinare ruä. d;r St^.clt mitgebracht 
und die Gäste hatten reichlich Gelegenheit aus einem Entzüc]:eii ins ande- 
re zu geraten 



'Jk>i*i»- 



Frpu Besnßrd war in der Tat die passende GefShrtin für ihren Hannt 

Gross und kräftig wie er entwiclcelte sie gleich ihn einen gesunden Appe - 

tit, und die reichlichen Vorrrte verschwanden im Ka.ndundrehen* Die 

Gastgeberin freute sich darüber: das verriet Teettag imd gute St immun g^ 

Zu reden gab rc genug^Frau Bewiard vAisste so lebhaft davon zu erzählen, 

was Herr Besnard alles gern asß, un^der letztere konnte nicht genug 

die Kociikunst seiner Gattin rühmen. Es wer v/iri-licn eixtc Harmonische 

Desgor.ttes 
Ehe* ilarie^'skh mit zAfriedentB Schmunzeln das altere Fräulein an. Der 

Armen flosö sicher das Wasser im Munde zussramen» 



Ifach dem Essen setzte 



sich zu den Rosen, den Glyolnien und 



iMM Flieder und schaute bei Vogelgezwitscher auf dris Tal hinab, das 

im leichten Sonnendunst frühlingshaft z'^rt und Irtolioh dala^r^ 

Der .-vlugen Aejcttin schien das der rechte Augenblicir: zu sein, um das 
Spiel 
Ctkw in ihren Gaßtfcn verlcörperten GegensStr.e au8zulor>en und so ihrem 

feßttfigliohen Geniessen den Höhepunict zu geben* Sie holte ihre beiden 

kffitn tüM^^adilM und K^nctte, die trotz der gleichen Gr'öece und der ge* 

einsamen Zugehörigkeit zur Affenfamilie voneinejider nichts wissen wo 



tcE.« De« fröhlich zwitschernde Männchen mit dem flachen klugen Gesicht- 



'^mmmmm» 



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-4- 



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^4e,o.n«u„ trot. ihre, „eu„ r«. mn^^tUeiach^Ti^^Ä^ 

Hebe R<« - -.v ^ » » -le v,ollte. ^an aprach übrr 

■»^ebe, sie seibst mit Spott. -dem. r-A^ v. ,^ n/«^ 

r«++ . . ^^.-c.em. .ie nielt von ihr ebeneJnie wie vo» 

Gott und den Me«.eh.a.. Yvonne Mortier mit Ti . . . 

»«d .it der Huhe der Besitzenden. ' ^''- 

"Aeh, 4ie JSSimer» rief die Aerztm "t«. * 
Ton lhn.„ .. ., Aerzaa. icl, traue Jceiae« .innige» 

Ton Ihnen." Eie »arf ihre Worte >,ie ics..^ .. , 

1». aeaprKch. """ "'""" ^''^"ivstoWe. 

•le erre£rt.""Aber wenn ir^e»^ ^i«* erwiderte 

"^Tiui ±r^ena eine es wMreM «nin,,. <v ^ . 

«u machen, schiesce ich sie ri*,^^,. ^ . 

icn sie nieder wie einen Spatz." 

Yvonne liortier. die alle verhcirat.^t ^« - 
w^«.^. , v^rnciratt^ten .^rauen besste und stete 

Ptreit ;vßr ihnen «.in-v, o_. , ß^'^T;B 

^nnen einen oohabema«k zu sMele« ,-,-u.n. . , 

««a «rxeien, i\i}ilte aicb in ihrrw 

Serrohter An.,?r.3che^ eetroffe^esehio.. . 

«ißch verteidigten GattenTeln»»« Ä«ü,.f^i ^ 

krrj-tigc xxen/einen ^^rlft zu machen, Sie 14ibte diese 

******* ^^-l-ompli zierte Art von 'fr,y« v . < 
»•» ZV rr^varten hptte. 



Sie schürzte leicht ihr fcockch 



vor sich hin xai& bevegte Ici 
Beine, 



en, summte- eine heitere üelodie 



öe im Tokt dazu ihre schonen jo^endli 



cheii 



Herr Besnard lächelte nnrt ^^\ r.*'^^^^'*^ 

-lacielte und zeigte kurzen sesur.den Zahne. Las «ab 

Yvonne einen Schauer, und sie vr-rstarxtp <v,^« a .^ beschuhe 

v.rsxarxtc ihren Antrrifi'.Als xmxm es 

laversehens.liesc sie ihr Obstmesser zur Erde -p«n. . ... 

cocex zur ji.rde fallen. Er bücJtte sich 

uü» ihr beim Aufheben zu helfe« ^^y.A ^«v ^ ^ •• •* 

zu Helfen, und dabei berührten sich ihre Kände 

.arie .es.outtes freute eich. Ihr Kxperi^ent schien zu .clir..»: 

Frau Besnards Au^^en Verden dun.el und spitz. "Es wird ^üiU." sn^^e 

sie.ob-.vohl die sonne noch herrlich schien. "lis ist viMi . . 

v^ io-t«. .^6 ist vielleicnt ratsa« 



/ 



I 



I 



»och heute in die Stadt zuruekwlkehreji , »= 

"Davon kftnn keine Rede sein." ent^egaete kategorisch Marie Desgoxitte i. 
j^£i* werden mich doch nicht ohne Jeden Grund im Stich laesen. Alles ist 
zur Sacht für Sic hergerichtet," 

Herr Besnnrd sagte garaichts. Er lächelte nur \md zeigte seine 
kurze» gesunden 'Lehne, Dieses Lachcl» war -.vie eine Kaske. Man konmt« 
sieh dahinter denken, wp.s ma« wollte. 

Yvonne Mortier v,-urde immer lebhafter. Sie mobilisierte ihre ganze 

Scheinwerfer, 



Frau Bcsnard ^-ochte. Man sali es ihr nn^lja liebßten hatte sie sie 
wol gleich nicdergeeohoßcen. Aber listte keine Weffe .und sie Ina nur 



dazwieehen mit langweiligen Geschichten von Liebe xmi Treue, denen 
Mienand zuhörte« 

L!ßrie Desgouttes frohlockte, Ihre Menechenvernchtung schien ein 
Mal mehr ihre Rechtfertigung zu finden. 

Zun GlücJ musiste Yvonne noch am selben Abend in die Stndt zurück. 
Sie hßtte auch von vornherein nur auf einen Tfig ihren Besuch zugesagt, 
da CS viel vvahrend ihres kurzen Aufenthaltes? in Paris zn^b. 

Welch« Erholung war dPS für Frau Besnnrd, Sie fühlte gleich, wie sie 
müde nach der Anspannung des Tages war, und es zog sie ins Bett, obwohl 
•s noch früh v»ar. Aber Jules sollte Mitkoramen. Jfaeh Sonnenuntergang 
war es «trklich frisch gev^orden.uad die Laken wnren feucht und kühl. 
Doch Jules dachte nicht daran. Er horte nicht auf ihren Ruf und 
wollte noch durchaus nach unten an 6.cn vyaiher, wo Kaohtigallen sohlA- 
gen, Marie Desgouttes hatte ihm dsvon erzShlt, und er ging mir auf 
einen Augenblick dahin, um sich selbst überzeugen. 

Kaum war er mit der Acrztin allein. da fiel die Maske. Das Lächeln 
schvvP-nd. Ein Glimmen wer in Beinern Blick, und er frrgte auch schon: 



•6- 

"Dicse Yvonne? Wo uohnt sie eigentlich in der Stadt, diese Yvonne?" 

linrie Desgouttes sah in dieses Glimmen hinein ;vie in ein Probier- 
glas, Sie vmsste genug. Mehr brauchte sie nicht. Das Experiment wer 
«eglücxt. Ihre Menschenverachtting hatte recht behalten, 

• Wir können \uajc«hren," sagte sie. « Oder wenn Sie wollen, gehen 
0ie allein drhin. Ich bla nicht sicher, ob die Kachtigrllen heute schlcu 
gen. Ach, Yvonnes Adresne? Es tut «ir leid. Ich hebe sie in der Stadt 
gelassen. Wenn Sie sich nochmras bemühen wollen...." 

Die schmale Mondsichel strjad auf der krausen Kante des jenpeitigen 
Hügellandes. Sterne glitzerten auf blsulich samtenem Grunde. Das Junge 
Laub rauschte. Die Luft war voll des Duftes quellender FruhlingssF.fte, 
In der Pcme schrie ein \711d... Heimlich flüsterte es Im Bunche... 
Pflngnten ! 



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Bodw. niedrige farn«, Ot aa uro LietUK. ..{■« *acn.Bt auf 
01tt.^«3i i3ou*i f..r :.-loh in der hülsten . üüeon •■©, liee? 
Ste ^^^ 5 tt-p,*-, lü^criä« i'ftra«. Jr toi und Ri«»t ',^.1 ! voll Ä-ntnacung 
anü Gch^^-^rnut -ir.i dfi.v Lfrbfn«»wri WHlt i ,! r^n :nu ?jh- Kraft 
1-!Ebtn, clö- löoen au tra^«»«; ,..fcn rrmf-e Kraft nrben!« 

-;i. w*>ii. t etfiit r.>ocj(4 ni«t\i'ig über cie»n i.orizont, 

in -'orcun. ji.-.s li^bt *.« ii. ali»r rYdi.* el 1 rir Ip de 



oVirir- Bi^u-, j.is:»p .ji.,<' 



äuCi,, . i i*i"e j::tTi-&4i.Agu- ürTTisaligici^it 



Ci-;^r l«Lur -if-vA -i.- -ikitBaLi i'^. . Jie t;*t ur« gi^lit und 
'v1-»f;t -ich fiK: ii) ein. v-»iche lri.urißicöit u»-.a llü«?t«rt 






f 






achPlrit r-fl Dir. ßl? eriY/ire ßit? zuiu treter. . dl i^^ten 
tiofp" urc" v.-.Hid'-rboreu tinr; . 

Ar elr^r /su>-Tfckf, ea vo dla Häuaerraih» b^ir- 
na», «itzt et» auf einer Bank aua gelbem Sandstein und 
wartat auf eia. Jeden üorgen iltzt er da und wartet, daes 
8ie kommt. Von weitem iat ihre hohe acblanke Gestalt im 
weleeen JQeld ein leuchtender Pk ok in der Stappa. xir let 
euch hooh und achlaok. bein felnea glattraalert ee Geflieht 
erscheint merkwürdig ruhig. f»at unbeweglich, wie er da 
aitxi und war tat. ß* hat einen btrausp weieeer Jlelkeo für 




B. 



«1 



2. 



8i« Yorb«r»it»t. bie reicht ihm dl« Hand. .Welch kühler 
Morg«o mitten Im Sor-mtr . Blnten 31« e« nicht auch, pawal 
NlkolRjewitsch'i " 

.Ja!« «a«t ar, ,aa iat «in kühl ec Mot^ca», *er dar 
Tag nird halae werdaiJ .* 

Er ni»>ht aia an mi t cem Bliok elntH troa«n naJfcea. 
Jfi, nlft jsi t pplnA Harrin. Ihr hrt er za dienan, inr nat 

a 

fr ^^eine KkrCe arteraibreiter , un piift 2u trtßer, raun 
drr Tejr b>f cliwerlici rlrca ^1 e Ißt eo fein, '^ie trägt 



yo hath d^r Kopf -ni t dem relcnen cxBur trr ]u rr . Ihr 



e 



Auii^-r^ruck ^^hJ?" ^Ar.-iut. Jrö er b< r»''* twor tf t eturrj-n ihren Blick 
,/^rf. Vn-n ich für i:if tar', Ti-r.^ Ali^v ^ill Ich für Sie 

tn n - r VI ^'9 \ " 



Pip crr'hrv curc'i i^n CcebBOf^oTt Ir drr -ilchtun 



ß 



zum Y9Pr , Auch ^:l<r Verrschl eir;f^ nurfal Irrer ^ijförmig- 
Iceit, U'^b^T'"-]! .V-^rtf-nf-auerr' hu3 1 ar.T li cr;er vi preoklger 
oorö«»er :)Pnd fitplv-q^jcderr . breit*» firrünf^ G?Jrter pforten mit 
•l'^em Kurr3bo^f*r i^nd etTier f^ltrir» erner KuDftoPrk nerven der 
l^forte. HirtPT Cfp Hau *3Prrei he n lie,?t a^-r brfrite ebene 
Strand vor) ounfloria. ia8 i ^>er runt . kaurr. pl?=^tBChert es 
f^m flrcnfr Uf^r. Auch die }uit iat «tilU 1 e^l chte misee 
Wölkche?) 1.1 f^, er pt Korjzont i.bt.r ten hlHurrü^en ^chimmero- 
den W^^'S^er« 

Sie If^frer f5i ch b^id^ ir? „er öand nieder. Liea grabt 



mit det) Ier.gen feiien ?inp:prn im fciatiue. i* besteht a 



US 



winzigen, rurden, grauen, braunen, weissen Küge lohen, aus 
klainatan «uachat tailohan , mit danar daa Mear -»^ohl hundarta 
von Jahran geapialt hat. iür liagt dabei und schaut 
schweig« d auf aia. Br iat ihr aue dam Nordan nach xiupa- 
toria naohgakom.T,an. Er eagt nicht», er bittat um niohta, 
alB ob ©r niohta andarea wollta, ala ir ihrpr Naha eain 
und ihr dlanan. ArfsnKa hat aia darüber galaohelt, ala 
aia bemerkta, welch ainan Undruck »ia bai dar erat an 



3. 



1 



zufälligen Bekanntschaft auf ihn genaoht hatta. sie 
könnte noöi jetat über den aoBdeTbarw Anfang «einer 
Beziflhung su Ihr lächele, wenn f>8 ihr rieht «o echirer 

« 

ZU Mute wiir#a Es könnte Jeder darüber lächelt), der ee 
wUfietee Sie • Llsa^ Tochter elrer b<«*lwrrtrn ^rzt^k^, Hö- 
rerlr elnee berühmteo Phllür>op};U''j'rot>pf»üiM^, uno f-r - 
Pawel NikolBJewitPCh PlatOüOW, (jercnat taiührer ir ei>-^m\ 
Uhren -r^rö^ehauee Sie -war ine/irere iiale in dieat^ü Geachäft 
gegangen, um «ich eire TJhr pu«zu<?ucnen , La hatte es be- 
gonnen, da hatte er anit et »tipen , «ich zu bemuüeü, um sie 
zu sein, und er war inwier raher und nelwr zu ihr hinr;;e- 
drunp:en • Seit einem halben Jahr -^ar pv nun um «ie. ^ir hat 




iirr noch nl e von 1^ ebe pre«proohen, er na^nt i/ir keine Jfom- 
^> 3^ e nt ^, er drückt ihr auch niciit die Hand mit beeonde- 
rer Peatigkeit. i^v ist ixarif^r gl el eh icorrekt unu höfliche 
;Venn er kommt und geht, führt ^r ihrt Hand kaitn merklich 
an di e Lippen. Wenn sie In GeBell «o'ri&f t eind, Fitzt * da- 
bei und aohweigte lir körnte ja auch garnicht pjithalten 
mit aen kluger, geifjtr eichen urd prM.ll.^et (=^r Reden ihrer 
Preunöe und Bekannten e 3i e vergaaa anfange manohea Mal 
über^iaupt, da^je er auch da viar , aber ciBiTw traf ihr Auge 
plötzlich ihn und sie >3aA, wie er da aaaa und unverwandt 



au 



f liie «chaute. Jnd ta iat inerkwürüi,rc ; wtm ^ie in Ge- 



eellschaft BUBgt^nen, sei ee ins Tneat^^r , ad^-r in einen 
/orlL*ag, oder Mi^^uiketn d.e alle zueantnen einen ^.pazi ergang 
upu aie da duri^tig wacft wird, hungrig oder müde und nie- 
mand etwas davor m^^^rkt, fach feie selbst »ich deefien kaum 
bewuaat ist, so iat er plötzlich an ihrer Seite und 
eorgt wie selbstverständlich für aie. Sie lächelt nicht 



ni£jAui^ 



m 



ehr über ihn • Es li^t waa ünneimliches in dieser wort- 



losen HlngA)e. Vor Jahrsn hatte Ach ihr einmal in der 
Strasse ein kleines Junges Hündchen angeschlossen und 
war ihr nachgegangen Schritt für Schritt, wie sehr sie 




1 



4. 



»ioh auch b#nüht hiitt#, ^n zu vertr^lban . Es wmr ihr 
naohgega»g#ü durah alle Haupt- und Äabanatrasoa» und hrt; t# 
geduldig auf «ie gewartet, werr sie in ein Haus gfl^engen 
war. Es war dann achliewRl ioh ir llire J^otivunp mitr^Vom- 



m 



un ü aitii g © vvooha» he i i hr \ < rb lieben, l i ü r i r (* en 



Besitzer des Uündchenc: £ii^ pfir din. pf-:r,aciit u'^d ^ö ihra wieder 
i^f^Reben htfti^e, ü^b hatte für sie d ana Is such etr-as Urheim- 
li oha» in dieaam unaufhal taf^men i/fch^diei^ des üündchene 

* • 

gelegen. - 

i>i e oonnt'» wlra liei$!a, urt der ::lrariu l^el ebt crilah. 
l^rauen und kincer komtüen , kleiden sicii auf^ und l^pen ©ich 
Uatckt in aan ssi^nü^ püT«.el lüicülaj^rii. nch trhebt »dich, 
grvi^iet unO. g*föit. Li^n r.in^xjX auca ihre ..Icic rr Bb und 
it%^t ßiCii iu a»=»n baDd i:urücK. Ihr junp:i^r \7chl^T:e formt er 

Jü*8 löt^ :l8 üaLle .ni-r xüi t vei :JeU:ce der Haut 
Oßö üeiüiil der iTac±;tiit-it verioren. In i^^^erimian Isntfer- 
nut^-sfct' VüpeiriöOüer ii 6|:.ep unu«kleiuetf Alännrr und Frau an , 
iber in&iJ ccntet iicht oarauf, JBö ifct f^o p:l( i c^^ül tig, 
Fo belf^rgloc», ob j 'ii;&na ilTaclcut oder rinl.t* Lie Sonne 
liiaciit muce urcaciilfcfi\ .Vwi xuiilt jrdi^n bonrei'Str dnl » 
^'l6 c^r in ü^ti r.dvptir e indriigt , uiC f-r ixcheint, ale flrehöre 
daj? lillt-^a HO zu ^ami;i€T ; dir gluiiet «.'«t Jorre, Cc & bl ait^irüne . 
■i^PB^er, oev )jriie cartd und die duoklen nückteo Körper* 

v>ruppe( von ijnabeo bilden sich. Sie 11 ^en plau- 
dernd im Krtii.e, uie AÜpf«^ aueamtiiengest eckt , die Körper 
strahlenförmig auseinancer einer, ttern bllueod, oder sie 
spielen im ^vasser mit Lach« und Schreiim und ihre bron- 
zanen Körper ledpohten im Sonnenlicht« Lisa liegt so 
stundenlang und denkt an nichts. Sie lie^ mit gp schlos- 
senen Augeo , benomneo von den gliiJi enden Sonnf=^nstrahlen, 
Oder eie sieht den LnabsD und ihrem Treiben zu. Sie 



) 



5. 



t;. 



fühlt, wie urtfr dl«?8^r helec«» SüdBoro« ein Älderstend 
8l ImS. ti li eih ei oh ir ihr auflöst . Plötzlich fJilU IhT in 
die8<=r iwner»» und äußeeren P»wegu»p.clo«igkeit d«»r G#- 
dwik» ein: imrun i et »ie ri<?nr PiFf-^tnch rr cK r;upf«toria 

ge^OTniT-erV: Hat f^l «> e^,. denn -Icnt ,-?;*. -U'^-ft. ünRu et: f.q wera«3 
luüeate? Vi »11 ficht h«t sie ec v^^r; Anf^nr, en c; ^u- tl- . 

31 <? prhp>>t Pich erachr^ckt una ziciit BicH yj>=. ?ti^; m . 
Ihr aoiiWindflt lia erattn Au^^nbllok von e am langen hflias»« 
ijLegew. illillg geht sie rMHiia Hau«». «1^- hatte, nie --Idch 
eti»a3 Vicntigea zu verriaxxtar. . Und M..» nie i:u Haue» ist, 
da pcckt fli« «in '.iorn. -Vaa m ii er ^on ihr? .iioiit er denn 
Dicht, des« sie so vi«l «oeiir ist. «l3 *if . ^^^ ,;Hbilc»t, so 
üplBtreich. ao andpraoüsijol.? ^i« f?I o t ih^. sülce Eicher- 
hfitV ^9S Kit>t ih^n solches Ascit £»ac>.lfte. mf sie zu le- 
genl UtJd Me ei« jctio« Afitwori aui tU uis tri«cr) findet. 
übcrkom'nt »Ji« eine tiefe i-.ilH»8ia>ei t . .»Tun. hat sie 
floh denn Im Frühling voc dem AuRerarat ^tru;cow abge- 
wendtV Üf ist cioch bllf* i?ut una rici.tl? fr.f »?er.en . Tr hat 
ei? so gern g*-hfcbt, ur.c ev musete ihr doch fuoh ^ef eilen . 
Aber ei« hat rieht ncere cfkomtrl. 7.p a: dr. r in dunkles 
Mufc.*. if. ihr« üet-U g£v/e8er, ct.» ol* zurück ;.rr},alteo 
hfcit. Bit hi.t tl&Bfc rjic.it gv^A-UHfct, war- er, w;^r . Jetzt weiss 
ei^ t-B piöLzlich: aa.. war e«, .ii-«el " iKoit j o-^i t«cb 
ilfc.o»üvr'»Vs.v;ii. Eb ist ou rtret..^o, a--; ftHC"-t^ ü» jemend in 
einer dur-klen i:.cke und tCüaute unverwiMidt auf sie. Das hat 
er auch wirklich ^rt^n. Sie hat eß daruals nur nicnt be- 
achtet . iluhiß und «leicmaesig ist er iamer dn; sie Re- 
wee.eD. ohne eine Spur von Unruhe DÄer l^ifersucht, rls 

aste er (• ganz genau, daae sie inni verfallen ist. Lisa 
legt oen hopf auf di e Arme und^/eirt. Soll das ihr Leben 



wU 



sein? 



Am Abend kommt Pawel i.ikolajewitech nieder. Jeden 



6. 



r 



I 



1 



Abend komriit •! wi^dur, B#tzt eich zu ihr puf dl e Bank vor 
d«! Turc^.^r Blumenbrett, ^rzaiilt einm Taffeerailrkel t , 
macht einer; Ücher», bespricht Aia polltloicheTi Bef?eberh«l- 
tan oder ciia Cssohäftalag« urd Li» erzählt evch ^Wau 
Bel3T)^:loee« Torr Tage. Daan pch'-^iji^r rjie und f.cjriauf^r r^u f ci^r 
iJbi^nciiin'j'je'l • ir i-^t voller, volur .t'^pre. l^nnir-r i«t c* m; 
.(yro'-.'Me ..rei»vc-t üb^t ihrem Kdupte. Jeden ;.bf^rd, ri t- ei e auf- 
p chaiA t , ^^1 ^^' 1 1 nl i :i\i «=*!' ^ t üi e d ve i h ^ 1 1 f^o ' : t» » r d e , cH e d ?^ ^ 
Dreieck bil(rti. "cie f^chaut i^^ia^r ti^f-r ni^^ain ar)d ertdeokt 
mehr .;nu r.c>»r ieuciiteruo i"i;nk';*e. lia t\^lJt eine 3ter?)8Chnuppa 

6] f^ "i^h^irilf-' ;.viCi.''?l i'»-3 ^\onC.^R ^ioritbar. T.i taia Icnrn der) 

y. o \) r ^•' \r ^ t 1 ä: • f/; e r \\j c; h ■ lkI l, e r u n a s ohr~ at p i <- d r- r • An f a n^ s 

ni'^ht p'i^ .'iiT ri ci:t;3 . .^fl i^t ^ dani».^-l ^r. d 'O fr^ zlo^^ auf 

ßrr'^r . rir;^'^K.*:j f-j r Ti^Mit .:iri ( c='r rc^r-^ser? üriVr^bu^^'^ • ITur 

ru*' d^n^ GHr !..><• •.^'tul)e- f^lit oln %i*i.v";eiiy:'.- r ieibllchpr Schein, 

rjtill iF.t «^ ^ . 1 Ir Jaa-^.f- rr.utriier; rieht* Pif Vb^-rl p-eb *^r 
pTich <f=*lrer 1,-ut \w>n tdch, «für hi^^r uro dP 7.vfitrchf=rt «^fe 
i^n tchlf'Ti^. ruf, hi*rc a"':; da n 1 '• t f^iue j^af t ?ch'.vcre Apri - 
koye vom 'jaurrie. x^arn luiilt Iltja r.i L eintio Val, dser,^ sie 
miic'c^ i>'t» urc; rr »^tf;.t, f.;ori BChon auf, »a-n „Öut^ iV^Ciit** zu 
nsr.ov . Jh , fz i fc:t u^ i'-i^lich, .vie er in i nr» r 3eele lie«t. 
Ab'-'r jet;it f-lrubi. rie, d t '*. ^© ^vohl 9o nein ;uÜ8se. _r 
füJ-^rt ihrr iinrc s-^ dl t ILpi:<^r u^. d ft<'^f*:t, nie c^i^lför rieht 
anaer» Triö<a;llo]:; ror{/6ii 1'rüh ^-artf* ich ar d^'rßelte^ Stelt)- 

banic* 

CieAltßtadt .^upatoria liegt reit von Tinss Vohiung. 
Drc L* er: und Treiben beflohrnnkt vil ch hif^r nur aaf '^le 
breite Straeaa, die hm Hafer lie^t, una euf die kurze 
Stracee am Marktplatz. Vor) üeit zu Zeit macht Liea der) 
weiten ;^eg zur Stadt und mengt ©ich unter die Tartara», 

Türken, ^ri^ohan und ^Udeu, die ohne Eile ihrer Handel 
traibat) • Si e kanr ei e rur aiit i;.ühe voreinarcer uot^- 



I 





7. 



1 



iiii 



% 



nchelden. Die Südtonn« hf.t «lle gleich clurkel gebräunt» 
Im ^af©D 8tib«n •!© psar Schiffe. In Ihrer Nähe tcuchen 
aue dem Vaaeer ein paar braune t) tfolct e Körper auf, Ter* 
ecJiwinden^ ^t aiche« wieder auf und treiben ^al t Lfichen, ohne 
müde zu werden, diese« Spiel. Lisa flieht ihnen €in<=^ Veile 
ZU, darr goht eie in ein pBür Lnaen ge^,er\xhfT de^n 'Vap>sfr, 
keuft einige Kleinifi^kei ten , und kehrt aiw in den Bedeort 
zurück . 



I 



Der Sommer geht au Eöde • Das laub wird dünn, 
die Blatter sind »aftlo© una welk. Ltv s^iiei^e iuft der 
i31um©r schwircet, dle^rde haucht einen herben Atem aus. 
Si e hat ihre Arbeit getan. Reif eind alle Früchte. Hl weu- 
ßroßpe ^elorec, \Vaac er lielonen, Kürbiaee lif^^er auf ömt) Fel- 
dern uro rlnd rur nodri durch elB^ dünnee !^elke» Band mit 
Üytter rTde verbuncen. In den zarten Akazien hänfren groe^^e 
Sträuape rötllcner Schoten, lle iprikofet) und Pfl reiohbäume 
haben ihre Früchte sonon längst abg eli ef ert ,imr in den Maul* 
bferbeumeo aind noch einige dunkle lieeren, doch sie sind 
a:arz ohne baft und tiü^^igkeit. 

JDinde gehen über deo stillen Hafen von üUpa- 
tori& und überdie •'•'elt^ Liteppe . v&b v^irst du tun, TiaaV 
Du bift ein «chön^r junger ßaum in uinfri edetem Gart«, 
abr-r ohne Kraft, und die .i/inde und Stürme werden Kommen. 
li pa g«h t u ^ d jf 1 lir t «^r t : 

ouc fu Jti v-i^i hi^^ci ^}u ^ ^ 

/ 
sie wehrt sich niolit mehr, tie weifcs: es ist vergeblich, 

3ie ist iiirn v ^fallen, und .T;entT x-awel .Tiicoiaj C: witsch i la- 

tonow Irrigen wird, ao rird Bie Ji» aa^en. 





/ 

t • 



1 



Irr.au^-r loc 






I 



fr^ 



■ «. ^r';i,-!.+ .iv,c •vvdt' oft VC*: f'lrerr. trockener 
Hu-.ter R'^cuvlt. .f^r .xz\ »>^rhci. vun dr-r Tot r;et3air.keij; 
eirPC -ufrrthaUeö im 3üv>t_' , u.- s üi«^ eirzig« Tochter 
Cl^^^ l'iBror^ra, die o©it 2,-fcx oaiiVen .ai . .^. «^^^ 

Krtnru. Eb -vur ro^enu«'. ur-u u <« .'»ette*- ir, Kursk "rnr 
kr.lt. r.r.r.. u,-J uCb ; c'ct Wi.a KrümsAe er >, jö.r.ckt*= Geäet der 
BPU.r.e urd rirUvltc. KfuiVr z* rt€-t^ter tch^^r z.; -'Orc-rer 
ElPtL.r ruf. ..fc^'V üort i... bau^r ..ollte .1 "^e .'.-nt.e fröh- 
liche forr.. ^^in. tür.ieulaa.« i.eer . i.;l.^.^ro:r::ne ryprereen, 
ir.^r.on..r und Loi^o.er. .aa Zateue. J.r Tochter a-d d.ß 
Soh-7i.r-Q.rr8Q:-v.€-s i'tlte^ "U 1 schW^ci^ftn Vi c>.»ro t:rtul, Ueituem 
c'i- Tocht.:^r v-rr.eirr.t^t Aar. ) «u tun b^e zuuar:: en. und Licija 
>aeknru-,nroT.r,.. hatt^ ^nfar;.. ai . leitum d e« Haur.i.alte and 

npBtrr ^Hsu^^cHUe^slicHc pne«e des Enkel* üb.rr.on.er. 
der sich ohne J€d€ VerzÖK.-va.'p: .ar ricntirer '^rint von 
neupMomtt^r raoüd.r >lochz*l t eir?^^t.pllt hatv». bi^ 

Hie >r8b troUä€:a /.u.^^oMiük«. d* Udjr. Aleks.nc rov„a deut- 
lich fuhlU . da.e llvr^ etandige GegtH^rdtt 1; -cr.ckte . bi e 
fühltP ee trotz nU-r -Hüfliü ni>.:^i t und Attfmef fe^wicPit. dl«» 
ihr ger.em;.b.r au8.:eutt ■.-rurc'*.. uro cnr. .«ar o.^r ticr. .^Ibst 
fr. <.^e nietet, «?r elr.teetbuct^m. , dooH ^tr ausÄChlc^Ä^ »^^^s'ce 
GrurC. cpsb Lldjfu Al-^Kt;i.T»clxüwna eicx. zur R^iae entBChloes. 



2. 



1 (■ 



dt?)» ee sab aeH^:^t<rar)d»», fi^lcho alle die früher an««fuhr- 
tör vullatärdig scrilu2»o. Tr.e poli 1.1 ?-ohp Gleic nffPificnt 
d*9 Lande« ^cliien scu-iw^r .ref^hrdet, '.VkTVer natten von vie- 
les jc^itcÄi bt»äToJilicri utHOJH't-w, c'it Ilciupt staute 'vsretJ seit 
■,7ociiöO l'i li&wueti J.r TiolyaiievTlr.'tpr , u^d ir d-\i iTovlrzw 
ging auoii ßc];jn iiitr und dn 0I n .^rhitt?rt»r K&mpf zwiach« 
döT5 rartoier^. Li- aet>:./jr la.:; nua» b«i air)f-r Aeia»» nacii dem 
'3dö&o 8jf •aüÄC:*i^3..6 Zeit Vu-a Hr.u«e «;5:r-.s.chriiitev> zu wprd»ri . 
Loch üi. di.- Ihri^re.i die.JMi» c^tr ^Vffavm^!.- eich aufuränKenoen 



^. 



l^r^^Jrti'inH'^mtlr.^ 



•--»•v»'*" '' 



Jjintaod i'eiti-r keir«^ T'.ead-i tura; üjchtri Jcten. .-.-ü 'schien ee 
Lidja Ait=K'.'.-.n«ifo-vn£ r,icai fcu(;f»bra cht , s<?lt.st rdt dipsem 

licjij Al:-k^-:n^;rov;rt v<ur,ats- rlyht, üb %\( eelbat an 
üit^aetJ Bfsioiiuuf t-r ::u d f> n i h rl r; e?< . in; b rvoT.de rer zu der 
ti'üciita' Bc:.axü v;ur , Vliiu.= entl:. ch j f d t^r f el 1 e nicht. Sie ^«r 
ein eüiK .rfullifMr. eivfv.^ äprcder Ch'.vr|||tev . dij^ WuHHte sie 



wo 



hl. Ihr feivlt^ d-e Fähigkeit , l'i «rf«.] lif-r Form dua aue- 
zuorückcD. wovor, iur G'^ÄUt vull •.-Ter. All '^. ">«p »i«» tat, Re- 
«c.ah .uit df-ru f;l.-'ic>,.fr trp.vkrr^n "Trat . Si e v.>retapü e« 
ricut. .-.-ir. i.c-::t-r. .^irt :r die U«^ir*B ?/ÜhHt^U;;icfit«n des le- 
bfr;6 ;;u -.'»n fer. . Vielleicht --tt et. dan, -.vr^R di-? Tochter iaimfr 
beui-uuk'- hatti-V Jif ^Ta:"•.te <t rieht. Si o- kon^ti- ei cn nuT 
ütiftcn: , d^£ü sie n äc::i dem Tr Linear» Tone ihr^^e -:öT'r..'8 alles 
für olfeüü ürzifc/iuii.< «^et** iuMtfe. üi <» hatu oich selbet Ent- 
btniruü^^;«^ auierlcÄt, a ü inr cliebpet^r l.fthT c>r zu c^ben. Sie 
hat-t) Sic;; benüht, lwv\«r ^tTt.-oht. vprslchti« alt d»m Tadel 



z;u utiic unu si ß 



ii.itLe trb ni«*! tTT»icht, Lutrculichkeit und 



herxlic/iKeit ;'.u c: cviv>.for . Hl;:;rqaii '«rar ux-ov. v^n c.rt 'iochtpr 
entzückt. 1^an fr.r.d nie lieyiiüi, fv;«-i -'tc^io.. . rvziehend, Rut. 
Ja, ai.' sah dj -.-ae Tagenden der Too^tf r xw VetJcehr mit anu©r»n 
>.;6-MHChön jiuoh. Loch ihr gt^^enubt^i' •rar df. eir;e Rtnelm» un- 
neiffiiich» btelle in d .^r beel« ihres Kind^e, andr.u8 dieser 
selber upaufgpkl»rt«j L:t<'lle floaa oh'^e jeder Zweifel do« 



8. 



•^t 



Zurea« zur Reiee wach u»m Üüuei» . urüridit iionn**. k>er 
aud Äah«» waren üa f.uüuchi»Kg«bet)ä. 

Mit BCtojavera l.eraeu feit;« l.itlj& .af>Kf;hrr.ro'vr,a an 
elf- VuVU6r.4Wr.gbr. Lie i.utfie biß iiura Iftzt^^r. ;.up;erbliok 
auf ein Li; ab^eimen aer lochtt-r ur u c^.'ß ö«;h-.vi.f^^reohi.e8 ucd 

^.ribt vucku* ui^thit.uerL tuU.et hcrar . l>i e I- r Irric.-. r t e wurde 



i^JU 



i-ul ci p ßfise. Iioch 



di 



r eist e ab . ^ 

alleir- untfcrcaiiu, anä w i. sie hü •a^--?or. s;..^?. and der Zur k«c 

« 

öi.^ v^;. ucr alu«.ivühni.er: w^eUr rorttru?-. iu^Uf r.i^ei« 
aan.pi>e Cef-oixl der Tu«^ v-ri JiHerm.ä t.. .if UebtP er. <, R ei ** eti 
niont, te «ar lar «c-..;.^! , .a: fröttden Ki^nscnei". ar Irene en 

wrieia. 




ia« U.U i..nt Unr aat^^Tirr^/tTr ..aa.i.toc^ooner, der aua 
Ser^tetupoi ..am," u:a ait ..auc vot ^prir-Kcnde P^l^.fcke bog. 
ia^ ialtu vat i.i.- ua zAii.cr«ri> derv honer. 3ir.T^.;affld«^«. in Nrbel 
dicker. KeaUUt roch vd e iu. Bchl.'.Ot. ler cr^te :.o-ner.etriihl 
zitt.rt.^ vo:u Meeren ei^ u6.r .ie- Ctndt V.r.. l^^Ri^ höbet) eich 



di 



isifcü t'lwci.i ci.UfeT Vw^ luftei or 



Chi. pff^pien, l.&e aTjcaiÄÄ* vir au 



unc tiefe ..ur.k^Urün, beinah^ Scn-.-&r2 löate-r eich f. uf in 
l>-ucht.rde rarben. öi c Kupp^i^ der Kircr.er .r^Unzten ir ihren 
tlunker, Gold, cd e üuuac-r .chim.-.u rt.B r^i:-^» r^l 1 '•vüner und 
rotten r.HChero ur-d l^ner vrrliaulJch und ?i cd^ e r ruf <*e« 
«.nfl4.. Atiü^nß«,. I*^r Ai -Fe tri ri nkt e hl fvt .r den dunklen br ei . 
ter: Ber«ku».p.=r. hwch urü i.-i c. t uut- ü .r F.>rop. f,le sei er aus 
i^ebt^ii; ,>*öfcec. '.ie di^- vr«'i« ^(-r. Welken er . cU4 ..n ll.m hln20. 
geu. ur.<> uach uaB ..e^er U*;; etilL da., ^ e- .r.v,altet räch ^e* ^m. 



5>ttaivv 



üiit. Ein Mlu Uf'fc irie-fcfne. Ö^er "Ruhe urd der 



Iflnkf-Jir! 



Jl 



>.. 



4. 



Ti,as9T ?Tl*d«r» orrlj^fr Ildja Ale>«nr>ärownar. Bt)» 



!■ 



1 



% 



Kerz. Lr.a Schiff --att^ «ioe Sturde auf d *=t Hhede zu at»- 
h.r.. eh*, e« it. 'Jen Hefen hireir. körnte-. Tidjr. Ale kenne rowna 
leiait.. uic- f^«r/.^ ^'»it üb.'T on d-r Brüatun^ urdBOhaute unbe- 
weKlion oern l-n<r--^«m»'n ir««ch#- c^es Oc-t-8 zw Sie fühlte, wie 
Uieae milae Havraonte sie nuoli HUrar*hl 1 ch in -ich «l rbezog 
ur/u et./a« v.jn der noit»>r«n Ruhe flhrelK We9«»a W^t teilte. 

GPff-'n sif.b«i Uhr traf:: el>) ,1ur>(S;i=-T Tartare ihr 
Gn'^<^^ i» «"i" 1r oer ;'^a.^i^ c«^e Heitere tielegereo Hotel. urJd 



Tifochcieci 



Bit- eurKf-ruht urd «ich ir orcirun= get rächt hatte. 
t^ivu. eit' ID ci*^ i^tPot hir«r. um rieh f; r Zit-ier zu suchen. 
ui*:Hühe lockte «ie ro,. ci- ^^uH^-n e^ir Fe.,.Ui haber. voti 
dem au« .aar w.it «i-nu« f^cnauer liörrte, Urd ^ i^ f^rdbüld. 
v.a* «i* eüChte. I^> d .^n rros..^r hochr a> ^enf^o ViU^nkOrr.plex 
an der Gyr.rH.irrr« ^r f^^np '^-'^r e?r fr eurdl i ohea Eckzix'^ner frei 
,,lt c.^>n >^.u«blick oachCst^n ard Süd.n. ?e ko.t^-te Z^.ör j edee 
Mtil r.icrd. pt.-rioore Aretr^cui>?. bi« -^«^ t^B ohe.n ankam, ^er 
..ur "ioar. cn, r.o schier oer A.ufi«tie«^ aer y.ühe-«ert zu J^eir). 
U... lait war ..ilaa, tru.^ c^l e Dufte de a v.:^^r Waldef, urd üf-r 
.weiter, üarter. ir rieh, und der blick rlr>«r :^^ it üb .-r ^/aseer 

on»^ Ge..apken. Inr icn ocaler auffielest zv^ rol -> ir dieser 
binheit von Hirrrel. W^'-'^^ ^^^^ B.-r.^er,. 3i e kon-te sturcieü- 
la,Ä auf d*nn r;.:ikc» lieber, oh-..- ^tvi^s zu .lerken ocor zu 



wolieri . li=e wrr zum # 



vRter !tal «'ir^ inure in ri'^»n Leben 



voll Pflioxiten uro Küm'-.';«-rrisr.Pt> . 

/a^aHPr öf^jr. ßie behF.r,^.=^l oafm Arzt, cen\Kivt3li^\i- 
teu ur-d r;«,ren Vfvrw^.ndter . -1^ fret jed«^ nonrt.« do •..•f.rto. 
er..aTt 8icV. Udja AI eksanc.rowna v rf» , iJr.Vn^.r, ten . Si e hatte 
..ach aonet ;^ar kei^^e Gel^^tterheit , B.kanr te-haf ter zu 
macr»T,. LCa .^ibt wohl T.eule . die da au: eirPr Bark am üfi»r 






vmmmmmm,* ui 1 1 LMl^ennsr 



5. 



•K 



• 



^BIF 



oder bai u Kir chf^ue«: aiiff# oof^-r im bp.de^ Blch ^r frfjiioen kön- 
r*?r, aber llcija Aiekeyrcrowra war zu v'r^iip .vi tt^ i leara, zu 

iienr^rtien zu iir*ciiejf), uootp^ie w>?te«rk reibet, -ai' zu un,ouf f älllia:, 
J5Chie^^ Zd B.\.fr,^hchloBhevi iu Bicnv um von aorern ^rnucht 5:u 

I;u-r "Wir teilen t».- w^«ri»y« fr^u^-^ä] A ohc- Mi^n^-^.cH«Ja» ble- 
::jestan .,c-D nuB Or UHHmutt ^r , ^.rhwif^r- .'rtocht er ufv- ]>räielkind. 
3Di * Al^'' "^^^^ Witwfr, utxi ihr boh«^^ <\j e-r.t«^ toch irf;*^-^do im Heer 
fle Schreiber. Seit eineru J?*nr war mar Bcnon oi^^e Ntichricht^n 
Vor in.15. rie jur^f^^e rr^u y^ar tr?;rsübrT nicrt 2a Hau«e. Sie 
hattr ei'j»- Ar.Rttlljr^g in aer tlarzl ei Cf*r ottic t:>.enelr de, urd 
iet KBji^ihcll «}sv vütiz iiirer ^cv-vri ^ r^r:r t ^.*^r üb''rlr>^i^#i) . iie 

*'Olg:ai. »>ßer c, aoch die Jur^e /rar schov t^l t y.n^^jjr ücr.en • Li^ «ab 
OMi eltl Hauch e Di j/TMT&eiuni bi^ercet uro ca.ch ir ^:<f^r c-elche höhe^ran 

Kur oe "b^^ucrit :::u iiaben. 

Sic- '^vre*i freutiaiicii zu Ti c<j a i^j ekterdrox^ra, docii fi*i 
e& i :iren uicn t eoirver , f- ^ i/iv ^ e(.r0^ lib er ^a '^el r; . Sie tat 
fc*St C'liefc^, 'van sie brri.ionte, nelt'«it! v^iv r^a.ate ihr Zimoier 
ruf, -vu^.ch clac '/ve ni t: e Cioe ciii rr , d o« v«i e b^rnatztf? . Si €> be^ani 
rrior gr-tir, iiM^; abarj Ciß iieifci=«e8 Walser zur. T^e y^^t^ c *>r i^rü^nen 
I^^cmcS Chine, so viel aln ai einrollte ur^d Zu Mittf.c: aon «ie 
-üit-ihne-n 7.ui^ a^niTier) in cir-r ^^ter^ &tubf*. Die Öut-.ut i^rkeit 
ihüJT ^/irt<slejte Upsh liu e in ih r^-n: tiefer V^rlar.,-:«r vw 40^ 
Rahe aber -mancher 'KüURel eir Au.f::e zudrückf^n. ßa sah in der 
£:wilfr* L'tubH, durch Wf-^lc)ft€ «i«^- imnier zu .^ehRr hatte, um 
in ihr Zl.rjüii^r zu i^etat'/r't^i] , zu Jfd«rr Tr|f^«^^z:e^j ^ ujordertlich 
li'Yi ftnhmuUt? au», troiz d^r put or M:-b fl^^ tucke, ;4e da 
Byanden. Es '*<»r hier due Täti-:ir<^ it ©f cid des zw^^ j r.hr igen 
lu^k^Tkirdee, eipe^ groa«i*n lo- äftii^'^^n Ju''^r:en , der uwi früher 
Mor^.eo mit ^toeeeui üeschrif^i eeir Tagt- wer k tt-^^i^r • Wenn 
Qie Alte lidja Alekaaüorowna dae äeaer reichte, eo ^tak 
ihr groeeer uneauberer Daumer in der Spdae. Lldjf. /leict^au- 



/^ 



6. 



HPS« 



dro«:a tr^viW^ von cii«»8#ro Arbliok Btete d«i Kopf ab. dem) 

eine Ben^rkuc*? raffte b1# »^loi-t zu mach^'T) in ofr P.ofürch- 
turif:, i^KR tUee c'ie mit«r^ ß^zJÄhur'Tar bet»lr f] j.« «eo körrtt^. 
Ja. PI £• *:iti-'tf vor alleri ö€»r. Kopf ab, ^pfas daa still* Kir- 
flie«icR ihrer 'i>ig* «tÖr«»p Könnt«, 

'i'rut.z ü<?r ürordrrjog ur<d c*^r eirff-.c>.er Lebf nsfühTjr^: 
li^i&t eich iiieT jnc3 ca t-ir«» vfrifttckte Wojahfibeimeit im 
Hta&e c;pur^-B. AC«.r seh, ^ ftne b^i becori^r^n G el r^^r.* rh »1 ten . 
V.U fß .irdsl Kr».pp-'ird. cif Mittel nicht fehltet), sei M 
•be. ei :..-£• Erk.'ar,icurß-. oa^r «iv\em Pami 1 i e '^. l>8 1 . ia ••mrde an 
14eäi^ft..<3t)t.«-. lacnt ir^espart.. de -.wirut» ^at und viel «reoteeeeD. 
de. ei"jchie. eiu acr/^ervg ^loi^i enr-e i^.rmbr.rd oo^r f in gute« 

ßlti.fl..iuruV/ra :i.i bitten, cf'n T*^.» ni 1 den Göetm i-u nemiöD. 
urdlidja i:Uk«sRÖrü*r.e 1:^«-^ d«nn ir. ei - pv Ecke des groa&e» 
Süftis. -v^X oi«'- nicit PhBfaj^en ]rorr!tc uro höHe ohr-e In- 
t?n-.M.ak- zu, H'i.- rnar über Jp^;- (^v.pr.j tt.el i r^i^*^. üfc^r cl^- Zu- 
beft-ii^u^Ai eir^r- Schrappee oder *^i r- 'r tpei-. «^ redete urd 
ßennt.. sich nacii Ct-31 1 i^g-e^tuhl '^uf ihr^ni B'^^t^on, um 
v'utJi culos auf llimuei. i5..rt>:e ana /n^'jer i.lnau^S'a^chsuan . So 
giKgt-D t^irüci'' T;.or>atP dfihir.. l^ev Wint^v \«i.'<'p so ^chöi-., 
v.i f- ;auD Ihr' «loh nur wiinuOiavj konnte. 

:.a i:n.'.i «a pi.ul2lich üb^-r « i- ^n^■ irtne <:hw?rf's -r- 
wuc..e». ooltsani. wie^olone ];inR^ ,.l-it.2ljch übi-r eiren 
h'-i'taicvi! yan Hrir t nicnt« anc ^ira sich 3<«lbct iuT Beut*, 
«eint?u ei,^e.-^cr. •i-^r.ai.T.ter Ich. dn« .KhelmhRr V^e^Yiedl^t 
wt.P, xeir tinzic.eö V^^tlbnf-^r ^.ntte ar.d plätalicn fireo 
Uonvjt; TrK-v.^ü tut. voU'-r TTnu^T, voller ■invuie ist und 



U 



r findet a!.'.f den Wesen, 'i^ d.npR «s 



j^ij^ii ktän iJiv\ 'mert 

3i ? fjo tiefffm tjohlöf*. i:i«^ ^-^ »icfi !■''•''. "■^'•'^' •■**^ ooh.-le 
wnsara sie war. Sie funit** .lich -ni t cin-r Tchüffp, cU e ihr 

weh tat, «de abgeechnittwM Ton d«rT übriK«r Veit. Si« 



7. 




;f 



gehörte 2UIK :ii;nrr<>l , ur) d dl fc Berge gehörten zu ihnen, und 
di fe ^ftreifciper :^!öweti , c" 1 • i-j üonne«i?chein auf o«^m ülfinuen Vas- 

und zof^m^ zupaniren :veit»-'r,uT d di.=' Kt^D^ciien s^lrj^ier hier u^d 



dort, in Or'ippan, u^d Inchten üPdriatten c;em%*in5^&in zu tun. 



j 



un 'i i^elbBt dif^ 




Soldf^teri, die f« chijutzi«: und 



nb.'jT^riaf' prt durch dl <» £tr?3f?<^rj Echl<=^nd^rten . hie hatten 
(^iv^e Sinn. TJur da , p^ der Stelle, wo exe b ta »-id , da.^-abee 
Mnen leeren Fankt, d-^ hö^t?^ allra auf, daüin g:ab t^8 kein 
BF.nd. Sif» rihlt^ eich -^^It ^ir ^n 1\hI^ üb er flu'? ;ii 55, tA /? vpr- 
ae^^^n von e1 reir? Gott, und e^ erfasato ^jie d8d brenn ^3 de 
Verlangen nach clr»fr li f*bko«er i^^o Hand, uach einem zort* 
licnen ^*ort . Sie ^var «J -pna Kinde ^>;lMch, das racntD voai 
Truame ?^rechv-ekt rech 6er ^'uttrr ruft. 3ü nlir^ -vtar in 
inr dieß^-r r:iohri»i t: -ich Zar tlicJikt^it , d^iRs ei^ j^de antit^re 
Ke^^uHitj übi^rtönt.^, rund dr* cf^ sie /iiiflos ih'ii i.;e\senübpr war, 
und ohri-nachtig u^i Bi ch schluj?, ^«-ie ein yentich in tiefe^ra 
^Va8f^<?r, d or nlc/jr. e oh-pd m.;if>n kunn urd der fühlt, --^»le die 
'Ve 1 1 en üb t- r i '\n ?. u ?i a . ur err-.^ chl u g<?^ . 

biß b^r^riff 'Yohl, dnv'^?? aue'n oort ubei« zu liaune nicnta 
war, waf Ihr r^^n :'ur renn <■•**•* hnri- nit cc-t "'vei t v-'i^ c«^: r^^rßb und 
,si - Vijp d^r v;ual ihrer '^irK»iiliPit rrloate. Aber r-a war 
Ve'r!\T}deTUM?.» Ide ririro frr;b ^': zu tun, man fiii*lt^9ich 
'^iS'l b«t ^'ericr w . 

Kint?* Taic;rf^ Bsrt €) **ie zx Ihren Virtßifcut pt: : , I eh 
ffiiire nfch I.urak*'' 21^ f^aVien fdf^ f*r?ütaus)t kß-o n ,.lr>t donn 
waB 5r:P3ch**hi*>nV Vie v/ollen M*-^ r«-i^prV }j^ ^5& iien doch haripfe 
rin^rs ut. ^•«^o -Ver . Sl^ J\OiT!!at?n pfimicht nir.»** 

11 dj ß Al^kec^r dr owr:«^ fHwl c* er t e: ^ Vi ei e icoruMen (}ar ch .* 
ICi^ u\u Bö iUhren ." 

i)a r.a>te dii?, jurp?» Frai »uit3elalg: ..Lldja AlekFandrowna, 
werTp .le «n Geld zu kurz sind, so bPBorc-e ich Ihnen eine 
Stelle in unserer Kanzlei» Ina Aphanas^jewna ^-i^\t rerade 



xsn< 



8. 



fort. '9HT\0Yi Sie cloci-i ab, bie ü&e hfia«« Iwionter ''«•Ir d 
.d «»r bin* mrT» «er.i,'j.ter a "•eios, in 'i»e>lchto Hfenocr» Kurek 



n 



Ich darkf i:arj«n , Ansjfc i e trov;:}fc», " erwia^rtt^ Tidja 



uro «in pf'.'jr or.c.le tijii^ a<io.rü>?o . urjü i.rb.'it füruiitc ich auch 
rirht, Jh^r io.iMayc- lort, ^cüi ii-'-n nioi-jt la.i)p:<-'T fcifflböri , 
!o>i will df «1 j:in d ';<^h*'r ," fü^t p aic hir^,u. Un .1 v<, ie f/i *• J M 
»Bcte, ;- i f:; »r 1 1 i di t'Ui -u feif.;ec «iaubvvarui««!» Jrund f«nÄUP;e- 
bf^r. c'nT:! t rr.w sit ir, Frieden Ira-'s«, aa .'i:tOKi,u vrivklich a^r 
Horfnungnetraiil ;uf, da«e linciferuij« .ut «üe vom iänut» kommen 
JcÖr.'^te . Viellei cM kc^^i^e- os ti e v;jrklicu :ät. f^in«') «chwa- 

ATi Lorrtf g V\^=»i6ri: ^qi^ieutr'r di i» üblichen Gäßt#^ d<s , der 

c' i cktf* Vr 1 1 1> r H^t v;ity W-i t i ii t ch , der u:a Bi i ^'^i-b ^^^ ^^^^^ ^^ 
eii\pr. eii\trä.Tii^fi«*' "Witt t,;stiucu hi ^t . ^^eir«- Pvsa und ci e 
betcien f»r'*.-.c.ri8t.^ri<?n lüCi:l»-r, cai. paa i- ur-v<.i; Vn-i i" i''t»?te eltllche 
Ba«.en, ^p viel riruettrü und vjr dei)t;) Lidjci Air ktirr.drowna 
biT surn letzte- Tof.:«' r.iaiw vraJ^^ite. , v?üui •- t^is- c ^r-achaltiRt 



w 



aT*>n. /.',■, l«.-.zl«?f) t-orutt^, aeji bie in .j^xltn v erur scnte. 



muB^t' Bif .T;it ixiiri) jtii., .i « ko:)t t« nicnt ftb-j'i,X'^n • Jet7.t. 



üf. 



;ir im .:fc.j;iirr etcj-u, c-wv.'&t za tun, <!t&& ihre?« ZuHtBTxi 



Mor b«?;rft'r nilürlioü «licü ubt-r ihre Ec-i Rt zu Spre- 
ch »="" ard ihr zu r<;t£-r. 

, Um Gott«t Niilillr-, licij.. /.i.eit£yr.cro-^nä. hor«»t3 oie üoch, 

wn?" vir.r inner aaKt," «rii'rrtr c<?r daci« ö^.^tv.irl M3Ltw€y. 
^tfaaoilltch. „Ei" 5oidat -rar t^owtcur. b=;i rr.i r, »r icf*r. PHrade 



vor c^^T fvot^ 



«?<»n? i-ia köM'.ev' rIOit idr». 



ii 



ririja Al'^'^^^-'r^^ ^^^ö'/L^i i/r&udte ceo Lüpf ab, um den üu8- 
drack 0*=^« orliait^rzts zu vt-rbergeo, der) ihr die HatBChla«e 

antaten, id^» ob eie eioe .Val:iL hatte und rieht geraix 80 



■MaMmmmmkiimmm^ 



Ö. 



l 



zu Grund, ging.. w.r.r eli. nicht r.l.t.. .E. «ibt M.»ech.«. 
dl. durchkom:a.n." «igt.eie sohw^rfälUg. La ml «cht er «Ich 
dl. b.ld.n Ba..n ßielohzeltig so labhaft .In, deas b1. .m- 
and0r nicht zu *ort. komr;i.n 11.. s.« . Wdja Alekeardrowna 
hörte g» nicht hin. um wae beide w.ttelf.rt.n. , s. albt 
Merechen. aie dur c^i kommen. " wiederholte «1. in so etarker &]k 
Gleichförmigkeit, dag. di . Frauen ver.tumi5t.n . eie fühlt« 
Instinktiv, das. hinter den b^l ao^losen Wort« lidja üleksae- 
drowna's .loh etwa, verbarg, womit es .loh nicht 8tr.it.n 
Uese. Sie schüttelten alle den Kopf, . chwie^en .ine ,Veile 
und begannen dann von der I.trol.umnot und der neuen Brot- 
prelaen zu red«n . 

Am näcnst.n Morgen fuhr lidja Alekeandrowna wirkllöi 
ab. und es war, als werfe sie sich in «In aufgewühlte. !.!*..r. 
um das andere Ufer zu erreich.«. Sie wusate. das. sie darin 
untergeh«, und ertrinken könnte. Aer « bll.b ihr nichts an- 
deres zu tun übrig, uie Ka-apfe gingen rin^s um den ,Ve^. .vie 
gewaltige .Vogen s chlugen sie hier auf und ctort. verschlangen 
Opfer, verschwanden und brauotw wieder auf. Li «fs r/eer 
wollte Lidja Alekaaodrowna nicht heb«> und warf sie danin 
zurück, woher sie gekommen mr , 

Wnes Tages ittand si . bleich, sc^imutzig. abgemi«ert. 
Ohne Geld und ohn e Sachen vor der Tür Ihr.r Wlrtsleut.. ble 
wuast. es 8.1 b.t nicht, wie das ge.cy..^n war. dasa sl. hier 
wieder stand. Sie war wie eine Brttlerin, ale war müde und 

T 

heisa, und des Blut- häm-a^-te in den Schlaf» . Mar lie.. 
bU ein und erschrak. ,Sle .ind krwk. Sl e haben den Fleck- 
typhus. Lidja Aleksandrowna. 81 e könn.n da. ga,ze Haue an- 
ateckttil •* 

Wie .in.« l.blo8«) Gegenstand 11... s 1. sich ins Spital 
befördern und lag dort zwlsch.» stöhnen. Hust.n. Fluchen und 
Tob.n und ..artete auf tf.n .in.n Augenblick, der sie en öst.. 
Aber eine. Tages warf das Spital ale aucix zurück: sie iuitt. 



■ min 



lu. 



I 




V 



/ 



r \ 



J 



'/ 



nicht d«o Fl ©0 ktjrphu» , ai e war blo 8« krank a-n Herzan und 



an 



den LungM. und wieder stand ai e vor d»r Tür» liir«r 



Wlrteleut», ein iioochengerüat mit glknzaJden Aug» in tiefe« 



Au«; 



enhchlen. Ms» bekreuzigte «ich und lieee sie ein, man 



sah, ee war zum Sterben, und so viel Menschlichkeit hatten 
sie noch, um einen k'enechen nicht auf der Strasse sterben 

zu lassen . 

Da lag sie nun aif dem grossen Sopha in der guten 
Stube und sprach kein einziges »ort. Man gewöhnte sich daraa, 
dass sie da lag, mw tat seine Pflicht; man g* ihr von der 
kräftigen Suppe und dem echten Tee, aber sie nahm r«lten 
et^raa an. >ian gewöhnte sich so daran, dase sie weiter nicht 
störte, »an aee zu Mittag io derselben Stube, m» trank den 
Tee, man empfing seine Gaste und sprach über alles V.ögliche. 
Man gewöhnte sich an ihren Husten und an ihr furchtbares no- 
ch ein, wenn sie an Luft zu kurz kao, und man wunderte sich, 
dase es in einer Kacht still war. /de mav am "orgen noch ihr 

t. 

sah, w ar sie tot. 

Man bekreuzigte eich und b Hsachricnt igt e die zuste- 



hende 



Behörde. Doch da all«B schwer in dieser troetlo a«) Zeit 



zu 



bewerkstelligen war und die entsprechenden Menschen und 



Dinge bei jeder Gelegenheit frtilte», so vergingen noch «Irige 
Tage, ehe ein Sarg gebracht wurde und man sie zur letzten Hulie- 
statte abholte. So lag sie noch da atumin und starr auf dem 
grossen Sopha in der guten Stube, mit einem t»ken bedeckt», 
das zu kurz war und die nackten knochigen Zehen frei liess, 
und man sass dabei, trank Tee mii »rft-iTna ei , 
.Veisöbrot und sprach ubf^r Petroleumnot, Brotpreise undÄ'etter, 
Man war abgehetzt und müde, wollte von Krankheit und Tod nicht« 
mehr wissen, un d wandte sich von diesem Tode ab , al e wäre 
kein Sein da gewesen, das nun ausgelöscht war. 



M, 






T 



*4 



3in© liebliche bchöiu- echmie«t sich Jftlt« eicht 
mlfic.ien Berpc« umü '.teer, dae tieiter» Aiiilitz voll d*r 
über den VMeerr ruff^ehprüer Sonne zugewandt . "»ie errate 
•cbweij:5e8tn«» Freunde eteher» dir derge in ihre". Hucken und 
•chützen die Zertevor raunen Lüfteo des i-ordera. aber 
dm Veer spielt zu ihr^n Füesen wie ein starker verlieb- 
ter Gertelle it eil apirer raune und all seirem /atz. Bei- 
den v^rtrwt eie aich deich an , beide sind trldcli ihre 

da« Meer clie Stadt verfcesae». B:8 lie«rt 80 traumverloren, 
HO^eint -wpiiK und f&rn and scheint Beir eigeiies Pieheiuiee 
Leber zu fülire», oann eb*^r echlag^r plötziicii Weller 8t>, 
£*? ist, als crwRchte ea, kam*» zu pich avö. Bch«rrzte. Vie 
Kinüf-r Ptürzen di« Vellen über das üf»röll am Ufer unten 
und öle iir(!;»rt0n sie sich ib*^r da» hinüerria, spritzen sie 
hoch Auf, abf'r iaj näciiöten /aigenblick iet der Aergpr Vfr- 



g.^ 



p, 



•D . ..ie laufen '«ieder nn urd fallen zurück. Wsß Bind 



d&R lür FlFCken t-uf dem 'ßeaeer'r Verret di=.a . eer seine 
tiefen GrUncieV ^eir, es aindbloea cie Volken am Kirumel , 
di<i^ in« 'ffaaoer pcnauen und ?!icn apie>;:«ln. l-orsloe acheint 
die r^trasfle »m l^-'er :.it ihren hellen reichen Lädeo . .VeXch 
ein SchiTiUCk iet da und welche Stoffe urc '«-eiche Früchte! 
Ijwt klinsrt da« Lfciien und Gejohl« der etroeeo von den 
frwnder Schiffen, die im Hafer 11 ^er . Sie fühlen eich 
wohl hier zu Gaet. Sonre, Xaer und i-Jer«*! Die otrasf^e iat 
nicht Inn«. Hoch wae hftfcen 90 viel Uenachco zj, fr.le ich»T 
Zeit In di#«er eiren r>tra»ee zu tur? So viel fr fu^r r.it 



2. 



karxirr ot«o Lippeu und dur keLttmräuclertÄr, /«KeD urd kost- 
baron laeAdernV V.-.« httb«r sie sich so vi fei zu erzkhlen 
bei Kuchan uüö K»ife# ifi ^>«b x^»Tillon« über Gom M»ere 
UPC, in deo .Konditorei« der titraseeV Viel I.ußt xr^usB in 
Jalt?. hWT8ch»t), viel B»-lprde zum Leber! .Uie aet ist ?de 
dB« •■efcT: sie epielt mit allem, wn» ihr in äen .V»g kom t^ 
und hat lidffrn, cie -.aii nicnt sieht. Vas -pie« m» da 
uotfu Ir der CtreBce ftui M*er von dem vieler leid , <fc s aloh 
dort oben in oen bergen vf-ratecktV L&e Leid hat sich in 

die bexgqWflücatet^ ea iat «flliweigaam UDd *-rn«t wie 

■ { 
die Bctrge, 



^u 



ktor loria Feodoro-pitoch i opow hat in den Ber- 



gen sein iteu8 UDd eaine lore sind echon viele vaia-e cem 
L»id «eöitüct. ^j* lieset. auf aen Balkons^ in Ki aeen ,<^ebat- 
tet tlawec Ceatalten und li^-^-er und warten, und -ffartan 



mi 



t «Un^t^cen Au^en , und üb fr inrem liaupteBch^webt das 



üchwfrt ueo bcnickaala. Zwiac/ier: ihren geht «lle Ta«a voai 

l-.orpenbis ;:u.n Aba:d .f*r. Boris Popow "^i ^ «i« -.aonter fuT 
dae suck^^rJe Lebeu. dae f^eln will, ds« nicrit raalöachen 

will, und j(»d6r Tft« heft«^ oich ao iHc fl^h^ule Aarfep 
in stur;Mrr .ual. ele rare er •«. der Leber f^i-lt und 



Leben •'irnnt. 



ß^l- 



Vor sechs Monaten Hat «r. l'opow ftwaa (?etun, «»• 
er Kblbcr ruch imner Kaum faae«) karn. \v bat mit eeiren 
viiTziR Jar.rar <;^e^,eiratet . '.ie ein Lerbatg^Tritt «• ist dl© 
Uä5e iib'-r ihn f:ekorur.e«n : X'er ,iraniel ist klar, die iuft 
iet still. La ballan eich acYmSiVZe Volken 2usi«x«0 und ga- 
ben ^orner und .litz , 'Voh^^r un d wi e i st es -^kou^enif Jatzt 
•t*i er ßer:ankr.rvuU an der -teil abi-allercen Mauer seines 
Gartens zvdnchon r.CJmßler dunklen cyprassi» und ach&ut aif 
das WS.8«?. das untao am Fusaa aer Ltadt Eich hinausdehnt 



■» 



3, 



» 



io ur,«)s»hbare Ferne. <Vie «in H«^rb«tg «d tt «• i.t e, über 
ih« nimve«K*g«,gi) . Urd jetzt itt Irin« Aodrejewr* Kamit..- 
k^e «eine Frau .-Die Oktobersorne durchbricht cen «rsu« 
Himmel und «lüht di. r*^en feiiCht» Erde ar. dar=B eie wei »«ar 
dÄpfcrdar i.t#m .unh^uont.- i t ei r*a leichten vorüb^r- 
Kei,er»uw aabel w^r iri ra Andrej ewna. die araiehende Siage- 
rir, Tor d^r Etra^ra da urt*. wo di e I.uat herrscht^, zu ihm 
feekomn«, urd da hatte es im. .^griffet). -T «ririirrt 
«ich noch ganz pet^au. ri e ?i - euFgesaher hat. Co atark 
ist die -irvun. gew^aen. das-a ihr Bild «ich aeir.r Seel. 
eirr«c:ri*.er. hat. pIb «ei eB ^xf etall ^^eetocl^o. und er 
bTBuont die -rinrerung a« ihren .r.ten Eeeuch rur hervor- 
zurufen, um i-z^lh^iten ao ihrem 3ilfie zu betrachten, 
die daaels «eir.:.r AufmerknaTikei t «^t^ar^en aind, iir sieht 
ellea an ihr. ele »tance sie .i e dttaal. l»=-r..rdiar vor ih:.. 
J«lzt iEt da« U-witttr vorüber. Und wan ist aus solcn ainer 
liefce, aaa so Ion ei oirm kut bcillw. v?j «r*L% i 4. 

;/«icne nrme l»««ii eich um ßeinen Ufa», und ^r eient 
in eir. atrariltndea Geeicit anoeire metallen ^ tönenoe 
irrax.n8tir.n:e tr^,t: ..H.be ich iich erechrecKt. Lieber? Du 
standest d« rü v.raurkeu." it ihrem ^roeeen voUen Körper^ 



If-pjt eich JriRÄ ;jnureje''.'na 



dicüt ar; ihn und küsat seinen 



HPl» und r,ein. Schultern. ,.icla habe iJioh ao lieb, uorja. 
80 unendlich lieb. Ka nat »ich noch riema-Jd auf der Welt 
«o lieb r.^habt. aelh.t leine -utter ^^icht!" Doktor Popow 
zuckt unoi.rklich zu-mmei. und nimmt lanK«««n ihre Arme *. 
„Icn rnuaa Jetzt *rc^ier. Irina, -ei-e Kranken rufen!- „Die 
Kraken una imrier wieder die I^ranker' Für ^11 e hast Du 
Zeit und .vorte. .Nur f-ir .den ridit. AI« würe ich ein 
Q^ffen8t«,d. uen I;u gekauft und den lAx in einen Lchranlf 
«tellar kannst . -enn i^ ihr nicht braucnai.- Ihr 0«.icht 



mm 



mmmmmmmm 



-I"— r 




4. 



i>^ 



V 



zuckt urd Ir; Ihrer ioigi^n gl än2#r Tracer* Vr • i^opow 
bleibt ^teh^v urd sieht ©ie »n mit (i#m8#lbf»i5 landein) for- 
scht^nceo Blick, ni t czrai er seit Jalir^r Beire hrai k» an- 
ijchRut . le eCel 1 «t der Kopf fie formt, ^# fein ist di« 
Tlr.ir c^er ^o^:«»^! leicht ^fwölbten .itirp, Ci f» »ich ununt^r- 
brochtp ir die rc»# fortsetzt • ür.ter rurden, fei r^res^ich- 
©•t#T^ T:rauei3 rroere kai-n, k aani nervt reteai^rcie Aup^en» 'Tur 
da urjter Brt liunö.e hält di e linie rieht eue» le i et daa 
Oeaicl.t zu br*iJit, und das ii^n läuft schwer in dne 
«tu^npfe Syitzc* aua# r>a liegt e??. I)»« hatten w^ine Augen 
übert^ehen . ,/''le I-u -.:lch nrniehati Foris! i^öre au f I Sieh 
raich nicht v.o ar! l« ^t ^it einem durch !/ari; und Beinl" ruft 
Irina. Urd dann mit eire glKrzenaet) blick. ,,Jft, ich bin 



a 



chcnl Ver*^ ich *iber die L'traaae göie. ?^hen die Leute 



Hiir räch, und ich höre ihre Begier KUDg an ! ♦* und mit ein «ki 
JT^cneD* ,. "^JirfT kß:^» :^iir eben von unten bia ^\x unserem 
Hau^e räch anc blieb einige Ztit Oavor Btehen und -«rartAe, 
dats ich h'rra'Jsl-OT. -^en riirde. hhBs ir.w eiiHpr Krau noch 
n^chfreht, re^n ele ro «ur,i?ieht ^dt^ich»'' Li^ fijent an 
ihre.73 hcrpcr idr^urt^r. ,, Allee opiere ich vir, r.orie, 
>reine Kunct, T.eire Cchcrhcdt, -eiren Geiet* ^rö es echeirt, 
ra © rrhve .ir dö« »lle» nichts»." Ihre ' üften sind breit 
gevvur e^^ , '5ie tragt eeir i.ind urt*^ r cem K*^Tzen. Daa macht 
Ihn ^neich. Vtellei cht. i et er wirklich ab'Tf-inend ges:en 

Bi ei 

Komr^\, Irina," ?ßßrt er und rei cnt iiir (".ev Arm» 

rirht 
^*illet l)\x auch ins Z^i^nmer'i Oder bUe brt^t J.>u/li<*b^r ia 

Oarten? -^a iat gorcde warme C3t<rel rie ^rirJ itr f^ut tun, 

^Nein, ich srt^'hm niit -uir , Boris» Ich will mit Lir 

za^-arjiiaev i^eiv • Ich daciite uen ganzet" ;eg nur an I^ich und 

freute mich so cehr darstuf , laoh riedt rsueeher*" Sie 



t. 



hingt «ion mit ixiver «aszao bokvür« wii?»(i*^r in winen Arm* 
^KäöÄ mlcn uo«h, Bo^ja,^ bittet «ie unu halt inm cton 
Mund lüruÄ^ kÜBßt ei ^ rrjf die Stlrp urd rriÄcht fii ch von 
ihr frei, ^öi*i doch vfcnünf tip*, Kind,** «Ägt pt freund- 
lich • ^Ux -eisöt^ icii hnbe och-^erc^ i fliehten, laf-e mi oh 
g#hen!'* ,,Biöt I.u euch heute wieder bei v.lgß lc}iftilowna? 
Bu bleiüst d^nn bo lanfre lort, und ich bin immer urruhig. •• 
,,l>ft» wiflüerxiüiot i;u mir nur j f<ler Ta/:?, Irina, Und jeden 
Tas irtwart® ioh :ir daa^ielbe* T ch mache doch die Eeßuc he 
nicht za r.jeineni V er fg:> ü^en . " , Ich habe echon läPj&:et von ihr 
gehört. I'^ie aoll eehr klu;r: t?ein una hübßchV*' fra^t ©ie 
alt 6in«£i fi^päaenoen rück. ,J«, f^bf^r jetzt ir>t «ie ü?ehr 

kr&rk urcl garz allein hier," --rwid^-^rt ^r mit einem An« 
fluR von Ungeduld. ,, Vielleicht köi'^rte icJ^ zu ihr g^r-hen und 
iiir helfen, iie ^^eve doch nicr^ta dabei. '• , Ich "fsnke Lir. 
Kind. Si<e iat mit iiie aizini «eher hilfe vereörp-.t, ** oa>.;t 
»r ob'-enr€CJd. ;:it- h^lt ihn am htif^ fest, ^tlcii T^r-r iißuta . 
^':or^en uai Bellr; Atl^r. auf cem .'.imri^^TiBni?» '"hachen hat 
et'*üe Beaü.oGrtrt^ö oc ?ich. wie i^it «o zart und Zf^rbrechli ch, 
v.ie ein ..okokkonippes. " ie krark cif- auch iat, denkt sie 
doch ipu.75er n^ch daran zu ^refallec. Iran ^^ in Spitzen, in 
tielüHen :.utin*ec und iniTer felnee iarfüm. .'st ee Idr 
nicht euch f>a f ■ ef hH er , ßorja*: •• „ ioif /iederr^eher ^ Irina, ^ 
ßagt er, o/ine ihr ^u artwcrton, -ercet sich un: und geht. 
Dl# Ki tta^eötunae ist lÄni?;8t da, «b^-r cer I)oktor 



ÄLOainit noch i >3aiir-r ?::iciit nach Miiu^e. Irir-s i^ncrrjewna p: äit 
nrrvöö Huf^ d«n E^^llinner in '"en 3ferter und tu e dem Carte n 
wieder ir^ i**aeziiTi:per , schaut auf cie .rro^^-^e f^lchere Stand- 
uhr. Cieiiat >?•! ch de p .^fsper echon lanABt p-eben lassen. Cle 
iet immer sAr hur^^^ri^r ard 'w«?t«t niemala^ wenn nur in nic/xt 
punktuell iat . u&b</l, iiec^er , Teller und ':rütkrum« 



- ^ ! !-■•" 




«. 



lieger noch unordeotlich Äuf der Tiechdeoket Sie» cenkt 
gamicUt dßrarj, n e.ch cern '^lädchen zu l&uten» d» ß« aie 
aeo Tisch ^tieder i-7 Ordrupg briogfi. Sie ist immer eo zer- 
streut und vprgeafr'lion, was solche kleinen l'Avgm anbetrifft. 
Jetzt denkt «1 ^ *^ur daran. ^'O BoriB so lar^e bleiben körnte. 
Celr '.VartezirmeT i «t «scnon voller : aticmten^urd roÄnohe gehen 
fort und *Yol]8n am nächp. teri Trige wi ed^•-rxoaurien . Um die Zeit 
zu vortreiben, geht bI e In '^ein opr «chziaimer xxvq aiejfit die 
Bri^r*» u^^d raplere curch, dir ruf c^em Schreibtisch liegen. 
Plötzlich f'llt er, ihr eir , d?;a'i er docn bei Clcc« l^ijr^ws^JuMt 
l«t, ^er .recanlc«^ peinigt rie, Urd sie lüest aif dem bchre^b- 
ticch olle-« 11r-,:\'=>n, /r rrruie ri^ ei f=* es ^eimlten hat, '^enn 
dort ein T»lt»phon mre>, rurdn öi t? arvläuten, Iimnf-r dle^e 
Besiache b<=^i jun^rien eciiö'-er Frauen, unu sagen darf man 
nichts! jtsiB nimmt er üb^l . :Jrd en «drd nur bc-8tar>ci^ von 



ern 



^^ToryAen Glück ;:^eredet. ^^ülch einer Vann und solch ein 



Heim zulmben. :::in '/.orr rKcnet in inr. oie i et nicüt rit^t 
Äuf iOSÄB fl;ebettet: ^s gibt %i tze lornen ZTifcher den 
i31ättrrnl-r:ie stt^ht x-ded^^r tuf oerti ß&lkon • i^U Home ist 
nicnt iTiehr iiu oenen urct de Tuft ist kalt. Las !/eer li^t 
silbergrau 1^^ ö er v7.:,fri^2;«•'*-'en i^oencdärurj^rrur-g -it eineia sil- 
ber«:rau^r uirrmel, La gfht die Garterp forte • 'Jin t?rk)^ nnt 
ihr^B ; amee Gevjtnlt und «eirfn scüreller Gac^iu:. Denn si^r^it 
Bi ^ durch di'^' Gl as t',ir den Hr^lKors ihn ins .^ei^imiuer treten, 
ab^'^r sie g^ht ihm -icht entgegen, iiv Trotz halt nie if^e- 
f ani^en . r ruft ..Irina'', doch ai«^ rü:.rt sich rJicrit. Da 
lautet er n^ch derü Aadchen, ö^se sie mm dhs ii/Sser; bringe, 
hir niri^nt eilip, ein paar Löfft^l iiappe, einige .U^^een vom 
Braten, erhebt sich und begibt i^iich inö Lf^binet zum J.ranken- 
empfana:. /dr. er ^yB,t am i^bend fertig ist, sitzt eie in 
Eeszimmer und liest ein Buch* ^:ie hebt ri dritieinmal den 
Kopf, al« «r zu ihr Ina /.i^amsr tritt. „Uutc^n Abend, 
Irina," sagt er. ^Gut«^n /bend,** erwidert sie und liest 
weiter. IT steht eine fleile da, schaut aaf si e und s onüt« 



Second Intentional Exposure 



7. 



I 



« r 



t»lt d»!! Kopf. B^r flieht blas» uod müde aus. .Ich h«b# X;loh 
früher g»Tuf»p, iTlna, nie ich räch Hau«» crakommau bin. 
wafit Du nlcnt daV" „Vaa saßet iJu?* fragt aia, ala hätt» 
sid nioht ff#hört» Plötzlich erhebt ei e aich schnell und 
gÄiit auf ihn sur?) mit böeem Gesicnt, ^Ja, ich war rvohl 
da, Jbev ich war miicie ße^orOen zu artfn. bin Ux mit 
Liai-n^n Getfu:del bei «nv>rer Frauer f f*rti g ^.nardeet • Lii 
richeinat aiÄDCha© l!al zu verpeae#p. d^ßs lu Vf-rhairatet 
biata** „Ira.hÖire aaf /• ruft er, ^&u ^eleet wifdnr rieht, 
was Du red<^*at und nachher wird ^e Dir l«l d tun und Xu 
vi rat Li 0/1 B»lbar echanjen^^* ,,Dfl5? Bind Auar^'Jan, clie sdila* 
gen nicht mehr an ^ « ^ie tri rd iroiner h.f liger . ,. Du wirat 
ja au 0^1 ci«^sas iial rut ta^ei^en, daeo Lu UechL haßt, wail 
Lu klüg<^r bist Pl 8 ich .Aber 80 gaxiz duoun bin ich auch nicht. 
Im liftiinat t-eina altar» Gewohnheltan nicht las5>an. Mit vier« 
ziff Jaiiran kann man kein keueorier Jüngling blalb^Ot loh 



Iriab 



a wias«rti fiollon." „Irina,'* ruft er wiadar im tief- 



st«) anpört und bal<=»: äl.^t • :^r findet keine 'orte, um zu 
antworten. ,, So « a^ doch, Ti^arum bist La solange bei Olga 

iSiCaaUowna f?ebliÄ;en, " fcinrt die rrau n^ch einer rninuten- 

langen PauBf* fürt, „I>j r;»^tt^?!t docii aoret k^iran Gang zu 

machen!** ^Ich vill<='8 Llr sag^n - «/ßruiJ'' Kr f;i^ht aie <?rnat 

* 
an una t'chweigt einen Au^arblick - ^//eil dl^ Frau im 

6t erb an liegt •*• u^ch^v hat Irina i^ndrejewna nicht gedacht. 



Lieeer Gedanke hat nicht einmal ihr Bewuasteein «r-atreift. 
Sie weicht ein paar Schritte zurück und iat eturcina „Das 
hfctteat i.u ßleiol'i aa^-jen sol le» a lö; konnte es nicht wieaer. 



a*«t sie an verändertem Tor, ..r v/w)det sich ab und geht 



in 



in Kabintrftt zurück, ilr >iftttf?* dieeen i^benu rit ihr 



verbringen eroUen, nun kann er ea riciit mehr. Vielleicht 
iat ee 00 oeseera Lr urird eeint m4 ©aeüöc^iaftii che Arbeit 
vornehmen, die er ^eit peirer )Ieirat ganz vernachläsaigt 
hat. Jetzt wird er diesen «ganzen Abend für aich haben. 
Ar olmmt die Hefte aua der Lade, durohblattort sie, mciit 



NOTMi^vpvaMHiHa 



^ 



6. 



AiJm»^r)curc;(i« , neu« flrted«rken r«lli>r) inm eir. Ta ^^^ird (Mb 

« 

Tür frf!Öffc€>t ountj» vor h^^riü?^» Klopfet). Irina Andr^ewna 

^*af? verbirgGt Lu da vor rairV** fruft ei e halb «di erzend, 
fj.3 ^vi-ire niOJTiw^ z*löCijen inner f3;**ve5eT5. 5r eieht finster 

darein, er 1; a?n3 t*8 niciit aber Bi ch bringen, mit ihr wieder 
2U reden. l)t. ist ^i ** öohon r©bei5 iiic: und facst meinen i-opf 
und .ü»«i:t i^x) in öas voll e. ^«i che , 1 ei cht erir^raute l.aar. 
,ilch bin nun einmal eifersüchtig, «^enr» ich Jemf^nö ßehr lieb 
habe, 'ran, vf'iz^in (drlE*^ -'^sr t'^riclit und h*ef3lich. cieh, 
in mir itt alle« schon vorüber. Aber tu arollat noch, Muat 
mfen 80 rpcatr .•4:>:end r.eir4" Allr-r Tro^z und alle Boaheit 
sind '^ ir kl 5 ch au^^ iiirera uf^ßicht ger-c iiKfundan • Jj.« ist voller 
Schönheit und Leidenöc/ia f t . Ihre kurz en, glr^xjzendeo, sw^hwErzoo 
Kaare ringeln sich um i^tir^o und >3aclcer; . \2 iat beinaxie der 
Kopf «Pinf^e It^liet erj ün«linß;s . -ur d'^e Kinn, jß, daß iat 

echwer und ainnlioii« ait voller bronzenen Ar-na leß;en »ich 

I 

um ö©in Geaiciit» ..jf i\ikt eine beeopri^Te Art, eich mit ihrer 

ganzen Uch^'ere an*:uöchiai f^ren ocrr ..it airer ilraft nn sich 
zu drücken^ fZ^Z^^ ^i^ '^^^^ »ich mit Viihe wehr er: kann. ,. Nun^ 
k03Lü, ko^ ., i^ocja, ec^i '-viadar gut. lenk doch, »da Lu toll 
n fiCh .'^»Ir ^^aret In den er«t€n Tac^iar: und jetzt, dn ich Lain 
Kind in Ar tröge, ein /;c-6en Hua hiv undinir, d« tuet hu. 



bIb ^ärr^t Du mein(=>r überdrÜBs^i^;^ , "^ .:.r .«tützt di@ ^llaribogat) 
auf den Tiuch und Vr-r^rBbt daa Geaioht* J-Villat ::'U Juaina 
Arbeit rrchreiben, ?;ori 3 ■ Taas mich Lir hei Ten ♦ Ich bin doch 
nicht dumm und manchee Mal habe ich auch einen gaten Üe- 
daDkan. '4er\p ichiedizin etudit^rt hätta, wiire ich ^ewla« 
ein guter Arzt geworoeia. icli möchte lir so s;ern in allem 
helfeo, bei Dainai iwranken, i^ i/ein^r itf«ir'n«chÄf t ! *• 

itr fühlt, «leer «ohwach wird und «ich betören 
läast . Ihre 'A'orte air:d Irrlichter» Geht man ihnen nach» 
finGat man weder Licht noch ulanz# ^t zei*reiaat ei oh inner- 
lich* Lle aine halfta aainee Icha aa^t : üaxi nlciit ain, tiia ch 



9. 



Dioh fr#l, ]ji80 Dioa nicht v#TsoJnling •!)••• Und die an uere 
86.^t ; 3ie ist .-^ive Fr^u, Bi ^ trägt Lein Kind unt «p üe:n 
n^rz^T). L^C'i RTorsnütiKl Geher: kel Im Grund« lat ala doch 
eiti ai?nnDli£5e*3 Unn achenkind . Und bl©t «u •inrn»l i n d ©r 
Fftllf*. ^ruckf^^ ^ir\ Au«e zu* üenl #^^^ e, wö9 übrip: p-ebli (sben 
iöt vor der P':uer6lohö. 

Sie spricht ci e jcranaf^ Z6»it w#it«* "^ hört ka;im hin. 
,.Ich will ir. nllei:, w^ö jaa tust, BoWl». dabei nein. Könrta 
ich J ir nicht die Cberi-i ersetzen*. Tch muepi imrrier 2ue»chaueti 
dae^ Im viel mit il-ir zu r^den hast, vie lange Ist sie öchon 
bei Ir? /ehr: jÄ^ireV Und ieine /Tbeit eollst Lu aucn nicht 
»c/ireibep, ohne mich zu rufen. Ich will bei der Geburt 
j ecee Cleaark^r^no dabei eein. udn aoll reicht Qri:;en, der be- 
rühmte >.rzt hat ftine l'rau , eonderr d fr berühmte Arzt hat 






le Frau*** ns rrnebt Rieh u^-d zioht eie mit sich, ^de sie 



^f>r»CLe an init hanftt , z\x dem öopha, v.i e halt ihn mit beiden 

Armen umschlangen u'^J kältet ihn auf den Hucken. Sr fiüilt 

die *^ärme ihrc-s un dee durch die Kleidung hindurch • ^Icix 

ei ria.fc'n 
'":iil lir wfJD »a;3;cn:," ftap,t sich -^lit ihrer klivj/cnnien me- 

tplle^er Ctix-ue* Sit iinrrt ihm ihr Tieb lirf^Rlied, ein 
altFß, 8f:h^' r?;ütljrer.,ruörii«?chee Yolkaliec, und t^r der^kt: 
oJ. ewe '"ti-ni^^ ^/ar ♦=»« 'r.ioh. ait^ee klin^eroe .:iet«llene Stimme* 
3it> tp^:^t aurcr.Q ganaf^ hajB • Ler janfre Adaisterzerzt 
tritt eiv und bleibt an oer Vür laußchfno rrte/ii?». ^,^Velch 
eine Stirjr-e, *' r ^f t i='r, ?a^ ."«ie-* eriet-t /«aruiu sind&ie 
nicü-it zurBunr!» geffftügeo, Irina i'jicireö «'irr »V Soloh cire 
G.?8t6lt und «olch eine ßtiaune vftrpflicHter beir-ahr»," tie 
8ta»it iKCherd »uf und bittet ihn r)a)-i«r;5utr «f-twr . „Ach, wäs 
imbe ic!) ricnt alles TiÜB-sen ur.d können, fSort^cher« Siorioht 
dsi-TOT I ijofUr hPit l^oktur iopov.^ mich Reh*»! ratet , - Ja, -^ä« 
htiber ide iTofoöBoren lulr Tür Ho ttViunR^n g6a;6:cht . Vie ent- 
zückt wer«?n al » Yoi) ini»ir)*»r lie^at'UTJK» l'ß" alle» b«^aitzt 
jetzt Toktorlopow. Und «laub»n üi«, daaa er ee wertet . 






10. 



loh Tfvjen ihr i-amer daran critiverx) ^ UlwBDxi tnncht »r.ir hier 
rien Hof. Nl c^t n ail d«?r A£?*^i Gtrrzcrzt , »»1 «• en doch «onot 
übli d.i ißt.** ;:4t= <??it";)t oeu juraien /.rzt ni |. #in«.m koketter 

^,tipreahen ie '^ic/'t oa ! iJii? irönrten zmr) V^r^^hrw an Jedem 
Finger hrb^n, T^-er^ öi f^ - ;:: rur ^«^ol i tet) . .».^ie Find die grosa- 
artlf?r«te Pr£*u ir. g^oz •jslt^.'' Irit)« Iscat* Hörst iXi hb, 

j opo^iv troTi.^aelt u^f?<*duld.i^ nil der FIwk^ty) auf dan: '^leira» ' 
Tu>-:df^n i-iol2t|Hch, dt-v n5^.u«>n Ä(^iu do^ihtr. ateüt. iJ^*r ü^sict^nz- 
ar2:t kenr.t di e^e Lf wei2;ui'%T. 'Cr t^>rh(-b l sich urd wünöciit eine« 
,(ruter Ab ^md - ,Mi* ^«r.r^t?t ufu ^ut 'idt dörr» duf.!< en »rl eo «b- 

ßol !;f^in Jlebf r, T-iet :.u iuch eir^r??üchtig': '^ Uro 82 «■* j«t 
f^chor rieür-r ri«»l;f^r i^;!-, , aalt ihn u^ifcrriur^f^r und ei •»ht inn 
iriit glr^nr. (tT der 1 rl cV-rifo'ri uftl icnt^n /\up er er),. , Vie ist dß« 
c^Uifitr von > ir 1 Vvr f^^rjü ni r «j;).^- :arr./^r» loir^ '^^ei o« ee ja: 
ich bri:;^che rur d^kninuttt *t ^dü ^.'rrev zu geher , auf ui e Strassa 
am Müesar» urd ich hütof 6o vtel vo^ ÜmaD lirtt-r rlv ^ al® 
ich ^11. :üch vaiA rlrc »ie Tii r all«», ulLc neban birV Vanr 
l'd r.ur «av^isft besfi^r ::u irii r vmrwul So ti' ie ich t^e wünsch t^l 
l>af>3 all^a.'i^ii» ,'U hitat und bißt, (üjch ::ir p-ehor^r würde,'* 
t i e küößt ö^rirje Htinc^e. ^v^'i^o 'v^i^ö^ ich v-^tj lein k* Wr^an^en- 
heit. iMT© kann c^'Cia ricril aein, Uäbp äa rlcnt was otark« 
um Groviri^fc ir(=^'v^-en i ?it . Ar aini>ni f;(Rrr% ^«rit- lu bist, ,^ehen 
rVBuev ni cnt vorüber." Jiv la^t Irirü^n ^'ur Vvl^n lookerkopf 
fcn rt^in Herz» fc^r fühlt, -^i ^ ^r urTs^icnfr rlro und itic viecier 
verfällt, 7.1 (- ci (? irv-.^-reia Vi ueretfen'ii* :?i ch riufloren. Und 
er rribt nc-^ch und entblösat vor ihr cif>3 /J#*t!t.^ und Kostbar- 
ste, wBS eielr} Leber isrehfibt hat: f*T >rzal-iit ihr yov der 
(PETOee^en ^ relren üt«r ^e D ii«bc# zvinohen inrn ur' ein^r ver- 
heirateten Frau, einer liebe, die abßebroclien werceti ;au«Rte, 
well jeoea ^eib cte doppelten Baziehi^ngen nicht ertriEK#n 

konrte und zur^uneten ihrer Pflichten dem Jlücke entsagte. 







11. 



iir ist kaum zu jird», da ai e-ht n, wa« »r gotaniart., Irin« 
Hif'/jt.lhTi 3ilt weiten lupilieei an, „Du liebst ei^» vi »11 picht fj 

nach l.T.nT, T'iw M-rbBl ^ie -nt^-iiT bla Tiloisl" iJis'Sf'fi Ancftikw^r» 
ähr: CT bl«h*^r vor Jf<ifr r^erüV.r ur.-^ 'b«cijüt-t^rj^'tzt rißt er 
re preiBg^eb«»o . Vozu hat pt ^p ilir ^TzsiiltV Ach, .w»iB8 man 
d«?nr in'^-T, vrpr-j^ - if et"-?.p fejtV ipicler vfTborpere i.raft« 



r 



Icht :^.i\ urR.urc, rr.frict rifir niohtfrwt, wenr <^fl ^u Ppfit iot, 



\ 



verzv/eif^lt . J-if.l)6 doch itl^id -dt .©irern wpfe^r. Ei-i KTonß- 

,nfr , Bcri 8. Tch fipnr Idcr ar , »^i^R n\xv rep rfc.T.er , Heet ini 
r;i r ^ohop- 80 vi «?1 <=rzrhlt, ir^^c bi r- i;u V.rüP. Ich mutr wi a- 



•;er' 



•^Fr ?>if> j at . Ic'n'«fc-far vcrti»-r t^jcrit i.uh« }»b«r. Ich 



T.uss miCi- '«ehf'f'r könnan, »'/rnr Ot^f'-jir arohl ." .i.r «^tt^nt auf 

an. flch'ittf4t. ri f. VOM .=d oh tu. ;:it-- att'.llt °.icii ir.m ertf €r,0V, 

I 

hoclJfcurc'=''J-<->itet. hVinü ßK.:€'ü /hI.'ü .— ,. iCa if r ff. h r e i hr doch," | 
ru rt 6i e . , 1 rn '" «^ r o p keir -i t "•»! »""-ii «* «f - • '^ -^^ «"^^^^ <^-**^ ^ '^^ ^* 
TTi^hr . 31'?' -^iJ'd c ei5 .N>:r;<?T? c-r fi»hr»-:- , (» ist üo r chn-er rieht, «»«nnj 
man -r^i t allen 'ittc-lr cfavouf su :^R*^>ht . Jr-Jit-r; Jwo -^ib t ee irohl | 
einer ••runder Pu^'kt oti'd/iea r.f^r^eiwi s . ./eias mar denn itarr><»r, ' 
"dp •-<if-j;?r '•«e benütft i BtV .r f üül t ai nn nie cp f^ch legten , 
und o}.nt> f»in ''ort -wpi tf r zu tr-wicorn , vfrla<-fit er das Ziii- 



Kier. li": int zu l'ute , dvf-.c r-r s'ich AhcV;« aufe iinupt ßtreuen 
uru i\n BÜRsergevjiT^d •■'finde In könnt *•. .v fj«rht in der uart#» 
■iiirujue in 'U e ksltp cktubernacht. jj«>r V/ind j fV't die Volken 
m liinunr.!, acnütitlt cie ftolier etai Ten C^preanen und dl* 
iiohen liHiibuarohrf . I«r-r :/onc hat 'äcr^ vf-r:?tf'ckt , Pb*^r ein« 
Bilbt^rr «rfärbte Stelle- r-.ii otr tU >.l.t*T iif er teflHChe verrst 
»ein«-r Aufenthalt. Loktor i Oiow *«?iee nicht, wohin pT g?h«> 
toll, iir >iat sein llf^ue in o«n Beve.sr. vcrrslen. In R*ir hau« 
in derBorgati hßt er rieht» van unttr nehrnen «ollen I Am 



•i 



Second Intentional Exposure 





12. 



•i* 



fli Cii liii Wössiir* Li^ ]ä«t epi rtt ini t allfra, wf»ö ihr in cli^t) 

htet in ec?in#n vierzi ^ j enreu . 

ii,r *iileht g^aaDKervoll zwiecheri der Bi ch in .Vinde 
b^URenuer C^pr«^8Bön • it.r weißst, cae iöt d »9 t^^de» 3r ist 
verrallen« ij*r iat veri'ÄliaD, wi« da« l!cL>.'ir cri«»n jrnrr opinre, 
di«?? ihr Opfer zu 'ioc:e liebt. Jnu er v'eißs; er kam jetzt 
nach Hau'^e <;7,ehari urU rit eirem lachen, rßi'iw einem i^: ei st r ei c JrMiio 
Wort die feirc^je^lic-e litimmurp; brechö^r • i^ber t-r iot r.üde , 
wie i^lre L>cr\ii.uicel vor eireiü jJrcle zum f^r ae^rn übf-rzufli eren - 
vor Liebe zu H^ir.e, von leicl zu Laet, Sie vivo Ihn ici^ cto? 
unu wird ihr> verechlingen. 



/■ 




Second Intentional Exposure 






4 



A^ 



rate T t f b* . 







It. Krurf des T.f (Jf^rlV^rikar t fn Abra'^iovvl tz bc-rei- 
tt t€ jsr da?*. /.berd<*F^ ^»n mit rro f**^ere>'T lii f er . 1 r ri^wöhrllch 

zu. I);jC:n Jed.T df^^r cs^r^r }>r'tel ] Ir t^ r t^t «o, rts hätte 

« 

übri:<:LJ*n'it ü n .iVin fi u*? d#^ VBPohf^f^ohra'^k fi^«^i von cen neuen 
Tisc>itüchern /ni t der Jb.''-*n€'rKU»'\<;'. , cl^ *'lter f'el<?n ^rhov lu 
ab,c-;e'*^ulzt , :. 1p de :^f? ^u^»'^ p3 »* roch »uT ii^r li «ech l^/jr^ß^i 
i;ö^^>it^. Ijra die ff-'^ttepte Q}Kr'<^ tu f ••' «TT llof^ * fiT d^r Lr - 



1W 



iV-r-i*''?» '"'^cpl^""rt ^^-tCj^ , riff-r» fir^ jr^ t iird ff^tt f^-^ru^ 3ri , 



um .c!;Hi?.nhl "clitpt su ^/f^roen, vi e v 11 u^'U fett r.oJjte rdc Äioch 
iw^rur ' Lie Küch.-in Ch.vfe, dl f- *-elt i'.r'-rt J^iiren ia Ihruf^f- ^ar 
u^^c Ol e Cf^'f oVinhei t Viptte*, «^»lori i'n fil 1 r-g f*i nzu .li ^icnör: und 
übrr r 11 t^r, in.iti'ur 9cifr , . Ti^ o)", t f^ '^J0^ <*i^' G*"^i<'-^ f.b, r;i s f ar di» 
^ie re-Cf^r er c em re'aer TifoiituoVi^ roch «r C (^r up^n??rr;n. 
Nur hi or und da zuv'5lctf»r ihr*? l:ur»dwirl:pl iri pir>e-!i unterdrück- 
te »^ r cnl aien T.^ir'V H n . ;-b pt f if» ^vn^^Kitt- Fich a??^-r a:cJxrr>ll «b 
u*'d gin^c: '^0(;h nn>ker ßr« d n--. Arbf^i t rlr^ tn^vor. - 

Juli:?^ die sitf-^'-t^ loc^iter d^B I'rna?')-'"^^ r-^fsr«? r.it 
«i'^e'ii Buch Pn yr^r^ti^r ir/i sf'<' ^in-n-^r und küirirn«- ^t. r^ «^icji u>n 
nicijtr^. i-iie v/v^r #1 »^ Kurrf»n#r;d f*ohövM»8 Vadnh^n vor nchl.Mr?- 
k<*r Gf3l&lt :?:it eine/ri ^1 f«?ni::«» inerten jf^l^it urui irrovt'en 
gl ä-izo r? der p rF/ar r äne n Au/'en , dj f Va * i u»»-rl< 1 i cii r cii i(?l ten , 
w:^-:» e>.»'r ei»^ ^ieiz r. 1 n ^:i,'^ r'^nl^teil de?? "^tfnö^en Gp'uchtfl 



vrr.r . -i*-? '.'^?r ein ^vifet"=»el fari-lle, ir ti!:.en .iuli?« rrfTfiten 
war, Eol cjie Aja:^«'^ ur»d »'«olcnrn Tei^it hf»ite nit^jjr*' d i:: dfr 
F.^'iiilie ^-eliatt, aa^^'^dt ti»-^ es «bf^ehen konnti^. 

M.^ruHjp, dl ^ Z'i^elti^ '^oc}:ter, ^i n dünn(?ft ^art(»s 
Mlldch#n "iit rilmmernden hellen HPRren r. 1?-^ rd eci'inrel p;p nd 



"vii '■'^^A V- ^'-•v/rnr'' ywi^'Mg'f'.'^^g^k.'JVr 



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iBPt iucil ur c; Tora- 



t^ heciiivr aus vier i'tirclier fit4»iff?r» 



b» rvlrt -er 



Sl ^"^'k-r i-ir© i.i' 



bnt. die Ble i?!ir«. ^r r:-:it Vorlisbe 



ubf^r r%ij 






rr ii.i;r u*;c^vx wf'U 



1- f'i'iii .^. 



ar rrlin^r ^1^- Ror«t t'^9. '^el- 



■ni»m i.^^^ 



rüg eu orr ; eii a '^ u Lo 1 C 






»1 !')f r T f ci*^ '.Fl n c^ s ^iir ?lb - 



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utc^n •,.ipi:r^ n i?r tirrvcr 



i r ( r i.r. Iet2t<?r Lora- 



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z.Q^x. rli'.de rn ic-ebrSiCnC }ifit^e, . xcr 



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s^ÜXiO '^ t'V ♦! 



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d bei .ier /V, rönorit."ch r^iren 



'B«*^UlCI1 nJM:h6»r ^^uroe, ::,ki,ii 



>^ ,:"..tt f^r h^tte Ä.n ror^T«^! auf :'^in 



IIa r Jji: t f? ü ^.^ t y? <• >• a :) ^\oC ^u t c- o • i r ua 



rui Lfriiü^viiz -Ten ort? .^t^^i'?« 



T' 1 c i it z a '-.' f ' 



Tt ,r -L. ei; ü» r ; tadt 



t.'o i-iür 



tf 1?! cVi r.cch rcit 



i?r3 P! t n 



ir nie and im ju, 4.if;cr airr :. 



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IC' 1.1 f'iri e "^'jcr «-vf 



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^^•La v,t^vh- 



Q^ti.f^vt It^wLC^t^ , f- 



bir cif-fn- fie r: oh j-iiM^r redlich 



iiip Brot. Y^ 



Arri. liwttc, u::« Kor-r'. e i/ir rdert 



i. f^c F trt i ris: 



T;t.ohi*r5. xnr p i:pr' u 



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cca rucr tö ia .^^ßünc^rrr li- «;?:i::i ^o crir 



et >i?tt€f)' rlf Y^-^r- 



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p<^ Ir i'u ft.r **ttrr , U^* 



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ifr. t^J f.: h6iT.t«^ pev^tf-itt^ :rzi^\.'-r urc ^:r^l -tit- ri nr» n 



> 



3, 



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d'*?j la^iTi:;^ Bt^rko^i ^-z . Di^- ^^chllnfls V.iwvi^-V'^ -ti^nClhv] hmoT. 

r ^iru iAf GT'"'*. vor !wtsa'!her. a'*^?r^ <r i r» iii'^ii it^ ^itv 
rechte lU^rd d'^ti b.^ r'i:.:i:ti^n Chirui:.^>^ /. '-'i^r . j^/^ :-or;nte 

und rOCh itf^'S^re, .'Mf^* bt-t: do:.: IrurKOPor 7m tx*y gei-u^bt bitten. 



B-^r';*o"'i "^ii v:l '-r u^ä "^(V; u^ ''to lO'^itz df^ ' . t^rjri.r^i^^ri^ ir^i deren. 



.1 



1 ^' :"jcl!lw-r i 



F •.;;..■?• "'.jH-i : i.*> , ÜT) .; (' tff^st-r Cou"" 






f-ir^^.i.r Vü ^i ^P zu L'^n^^cl^t^o d'^r !att^r :,v r\eT hlf;:i^c :,&i li^T , 



I 

r 



«f>ff> T^' 



rl rä-. t r t-n'r»d ♦* l:i el r tin :'r n v iri rt^<»t. .m» t f.r- u Ar. • it- ilu^'r;!'- 



uvo <l '^ rf^c-ite G»?ri-'??t'*ci: 2ru Hirn, c'i^ l-cV öt x^i «^ , -fi*-- rlü*^.- 
fit. f-, :^i '.^ 3<v^ni bf. fT-? le V or. rj. "] ♦'m> j ■,;! ?'• or t r j it'^/eM ':>ä ':hen z>; M • 



ort •f^vli^i , ^ k rv ^ ir ruf Ihr^ A^-»l 1 1 '■'■•. <r nj —.vi *^^ , ^, J c , Il'irw- 



JU 



Hr i^'^t t^ ;^e VoT 1 vonK-et rei t , Tri hnt ci »^ ''p-f/ar ;i 11 r-? 



♦ « »f 



pprÜ.--^ vor *:.*' 1rry^ 7 m u AI; r nriari v. 2 oji i jch ehrllc;. r.rinti* , 
daflp ^i^ fl i^ ^/YiTf^ fünf r.ind»-'r ^^lenc}: lit»b h^tte, an:: auch 
ö:ß r^2 c-pwIp*', ihr H^rz It c^rr 2-ei*-€r Vocht^r r.aruftja and 



öf^n drei Ilnabfn verwwchBen w;ir. pc ^.«r (*8 doch Tür Bi# 




und alle üulmerk«Bmicfi t zu<-rF.t iur zu pell^r ii«tte. f^l p. 



Hecht inrer üirptg#uurt, ilir^r ^»Cficnlitdt urc Kl u^ iiej 



Vrf • 



ileruBJ*^ kornttr naiiie: ur .1 "'eni^r oerrhtet iin üchfitter 



dieBer -rkeltf-Ht^n wtiCüBer 



• i^ 



I t» ^»«iir Vur' xar)i:/i t-i 1 8r> mq f<rhr 



önran /^wöiir^t, iraint r erst in z^'VfciL^r 1.1 rüf^ 



ü r* zu "♦- ir . d F^R 



er ihr f/ar rU cht in uer« ...im kam, e^ sr-?i»r.^^ für Rio 



n zu -i^un- 



p.chen u^d zu verliin^eri. Li f r^u:-3Rereri v/er;.ftllrnB t^e v ^rtif^ f"te>i 



Pur i?inf ArlfiR-e, vie in ii^r vur/if^-Cfr -"»^fT . zu i^-'t^Vf-v Ab 



£jre 



f^chlO'^^^'f-nrjpit . ^uchf-f r:fll>r- iJn- eit^e ei.etrc' Veit v^jfzu 



ü?^ u <^r 



.'A *^ tru^- f-'ur ifiren ;. i f i.\\t^:xr): \;jr. Li (k) c hervor . 1 .-• dp'n 



Scliönnten . ^vjm? o «h j f-b er bri ^u.t' n cui ^"^ le 



i «ri lf>^;f> 1 



Wirklichkeit ji't «u'-eah. ^^-u bt e «le 'UC/it i^^ :.' v.") L i te r-R i 



►^ 






i.oräiiüewi tz 'v*'r oiorjci. ot^'i 



o . h 



utrnüti ;fr, -fi i. i^-sn ^'ion r^icnt 



tipjert-s vor? iii.rj f^ ii^^fc^n , als dr^n^ er otr t^,;i^'cri€- jucdecjie 



i.fu Tnianr- f^uB der aTovifZ WoT 



• »~i 



et i:;«-^^'i*=s nidjit ohnf» 



♦^irig.'ir f» nf/ f^hor t;'. e i nu^ 1 li, -er-z , 5-,i,>,p j ,. Vu rc '^-r rT rM> rljer 



Inlertt:. eii ^^ithnc I ur iiir^ an ^-^ Jt-u^hiiTt u 



if ■ ■' ir 



'i f>c<^r (? r*:! 



F- 



r.c>ififl. urij er v^i-^r ubf^rzeu^':t , ar-^-^' »llfR \x\jVi>z^ 



'If-^ i.hrr 



ffute iieiratir'r a vr Li^'^. t^r w 



• ^1 



f^lc fciiOf» 7U t. '=♦: rn Drir;ron 



•'"urüe. o€i r:e Fi^irrili^ nu^ oiitf iiim •••^^^1»^!: j,u ^cn^ift 



er 



• «>«i 



ico*'^rtH er ;^i cli r^^r-z rur '^f-ir^e T rau v trlr.<^^^pr , (> rt:J n^ ollf>«=? 
n^ C;ii ei n/ref uhrt ei; ueli-ii^^. litf- .<^üi:r ar^r. wrT f'.riubfr. de /'lei- 



der ordlmLlicn firi|;:^:e züc;en uruj ^t:epll6^, t, d 



r ' .^^ 



er»a ^^leo er- 



holte öion j'^'üe -i^ochtr • i'.vi rrfili= iib^-rd rih ^R rreibe ^ ^füllte 

K4 f:cu^ u»"'ü i'.i'ir^'t:^' .r.i i ei/Trer^'^eb?^ okfrem Jii'O i ; n^n ; ^t)bjit zu^n 

:'i tt^^^e^yer >;rf i^f, oKtf n iririn^v --^c r^h^cKt*-' i f-b ft , '.>i1u»>tl 

ur»u ubfctea,jpe <un /-e t rocjcrv^lev^ Krüc.:teTi. J pc'f-^»^ i o "' >- • ^m f i t fip: 

i.b'>rd "r;r ?1 1 .o;e:iei r.f ^j J^u^n, df-i HOnut. ta-l t e i?^p Far^ilif:' 

und 
Abrri:;io vi t z >r j^CjiV'f^i«u xaK *.eni Lt^^ub ei^^tr o-finzen 



^voche von 8ich iVo 




Die GariB knu^pfTte und bräunte ♦^Ich «cho»^ wundervoll 
in a er iiratpfanre, und die Gervi#tten ntarcen atrif und 

; ri^C'Ckenlofl w uf der rüanzend welp-^en TiR ohd»»cice/ dn lautf* ti^ 
en und iyOK tür B^rko-dtz tr?it ^-in. t iiett^* iim^r f^t^^nq 
JTea^c». -iric -r jrr.rhr**l>var/'' rur -ie rl ter Tif^kf' ^^»^ t^n i^ ^'^, 
mit ' ebra cht , Pb<^r alt^^en TfI -rirktf ^r übi^rrf: .^oh<^ nd . Leinf» 
holie ?tfirur r.chi ^n 9 rhlif) k »^r rrfortie-n ^u f-'-Pin, und dP^ 
h^lle vep:^lnk?9i'/e 'Jrnicht, jftzt t^lfi t tr r) i ^r t , verfeiner- 
te- r, ^r;f3 iWu6' P^ iriir; tl ö '^^'^^te <w«r?;peiit ^ ir^ urrJ unterdrückte 
die truriere V^-r Irruli cl^kf^i t . 

• .^.r '■' ar fielir ] ieber'^.T'rurJ ic , ('rückte lierrti Abrano^^itz 



ivarm uie Hand, freute r^ :c]i ultin- Trau 4^.1^0710/^ i tz * frische« 



w 



zu 

Maru'^ja und rre^-te rr ch 'Vn l.leir-f-r. AI i^ *ü ^^ Ti 5ch Rafl^^en, 

ppmch er lieb iiber *=^ei*^e ''"att^r, h)ltr y\t» -• e.iein Rame <^' 
4^n'Tunrr^*n r.^^vor, ^rz^hltr vo^"» c'er .tto^v-»-»'' ^t«öt, aua 
Reiner ir^^xia, von ^ ei -ern ?rol>R'^or .reu ^ | | e?* f^rkte 5hn 
auT eineHürie u^ d nohuf 1 'an ei»-e'^ 3<.*Vj^i ''*» . 



J u 1 i B ^" BV ?r^ ch Ön u ^ leb 1'] r» r t ^"^ i »^ i :a^ / r 



AP ü ie KTutt er 



bemerict€, ie riuf al lef? rF^^na hin na}], hirr umJ i3a ei 



n 



leiten Zuö; vo>"» Zer^tr Hi tlie: t nr lar. ci e herrif r die Ursache. 
Ueb'^r v'^e i-el'^et .'^am -ucn oi'^fc v^chuer^.kl i Oi»krit : ^'^rß konnte 
man wi-s-^-^em. VieLl^s^icht "^y^r Ini cMe irjvi^^z zu A^-rir;^. lis ß:äb 
in er dra; J^f^taüt p^rf^^in^; ^ohöne T'ac"o)4en rrtTu^":. \ielleicnt 
hatte er r>chon e;ne p'ianzercJe 7 < rV^i - Jun.\ , Vv d ^a e -.^ le r/ieder 
auf Julir Behaute, ^ ^h ^i e, c^rr, '-^1^ Jen Ilopf noch liöher truft 
al^i Rü^-st. Oh jci I tour uen hinter v tT %Julij- iirjnc^r fjut ^enu^! 
>%1 p !.ifr vom Ti nch r.a l 't ^^ c^. , f •? ^1 te r c'i e /b ra niowj t z r reinan - 
der e 1 'i e Un ai (? /ir- rhei t : 'n e -.«v^ ^r.- trn ri ciit , c^uli ten 9 ie f reund- 
licii tun ocer «olllen gi <» m^^rker iRR-^en, är^ r\f^. nf n ^^icri zu 
i imer nicht h^-rablje <^-c* • aDsja '«»^ r -itill *i e rrit^i^itenq ui^ d 
hörte zu. ü.r ^'ar der prl H*^2r>'n^ '-^.tf- ''en^ioii, cI^t liir je beß:#j^ - 
riet w&r , *-*r ?rar Julia 'e /^na^el t«;enhei t und hatte nichts ^it 
ihr zu tun. 



Jan muHete ruch oft in dfr Klei^fip Gtadt tre it en : 



I 



6 



uf ("mn 3pa2l*-rff-än^er Pbendfl im StPdtpark, bei 3 



ekannteh 



zu iJpfiucSi, iti sin^m Kona^rt 



an «^uB8t», dfr^fi der jjoktor 



'Uf Hr t*r ^ ^- LunJ er n .t; T öäc^ 



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fr r.chyf t liehen Ar- 



b «^i t be p: ch h T L i p- 1 r ar ^ C e f t 



t^rn o:iryr t,r ir d f ?» ortllc}ie ILrftn- 



k^r-ha.ia, vollfuiirtr t-iri^cr RPh-irrr' Coerr.ticre 



r , von den en 



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1 f CT- pr.- 2 ^^ .: l ic c t 1 i-.r) f^e npv f cl i 



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it ihm zu^'ftrrr^r 



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Jr- die beiden 



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U'^^ro rnf^fir v c^f lor nii? ^^d^ Oe'^ri PCiie it . ':r t 



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f H -rr^ 11 c h cf d e a t Ba-n e r - 



r cn i er , '"' i r-^ n h^r t)e i 1 a -ifr/;. ^ e-i Ver K p 1 ir r i r\xx. ^-^ i ,^ 



u«^ rjfl . l'n:Tier ai e- 



elb^ .:lr.f: l.t-^, ^l*- ! C/i ::arfll.: e bl i <r-b • urd nicht- verriet 



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riinohtf^ i:i& r;r. rclien ;. ;«! a^ r.; rilulc-i /r 



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Uli ::ir v*=^r'v.ic?«t e einen 



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bell ^i p «'>'irä önld n\r~r rpl-.*» 



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plötzlichen L^clireck, lülUte, ^^i^ Ihr d 



f'n *31ut vom ilerzer^ fort- 



7 . 



t 



X 



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tramte , -^ie ihr l ort pch^nruiflte und öptv wied«^r eint^ be - 



ßoncvre Hüte iv-^ üttlit^ :>ureti«r. 

'iV:;e "r:^T e-V ** flü*^'THrtf* rl^ in Anf^fit. „ Vf^K "fT 

Inr.^cFirr» l r.;< ei-^ ^^fl tnj^rn^-^*^ ^*' or r i ^j f^ c, (> fülil über «--i«^ hi^^ . 
yiiir iBt t=^^! '2*=? bp':^l»^'^t. ! 1« be^i'-'^^t df'B bnlioTiwtc, ^ap dr. £: 

VAt z o fr ^'T V.' i^-^- f^rhrl tt.e r. ffi^^/r ni f^ inn iU^u^, nln 
h^.ttp <^'o -'f^'^ Ig «^.tharr^»^ ^^p xorki^ltx* Vf rl^t^t wfraer Kor>-t.*, 
zu l,r?^xr^^^ An:' ^-^^r if'«=^^ rpn^er Tpct i^' f»i^^er ei^; e^^tü ilic .len lie- 
^g^..-,pv:>i,Btt . }]^'i «lle>n, '»^pfl ?^i<?^ ^vSit, hielt e ie fi il e> Auf;^e n- 
bl i'-^ kf' ] ''■''••^ , un Cr n l?^b*=^ ^c hr ei'oli cn^ , U^-^fa Bfbare -vit-ö er 
2u h/^'tr Mrl-itPH , '*'!•- f^]^f^r frf^'^.(*e Mennch aa t' b1 e zu getreten 



T*» 



r^r M-V i1i f ijnr^i^n rriif ihrf^ vr.n<^e frf^cr!ic-kt hatle,rui^ eine 



^.ivkur^^" ^ l r^r-»!;;' , u^'^^' '"^f^^ '""^^ rinnt p llv-*r5 Ätf^nchPHer • J.lipr^ 
if-T 1 Vir bi?^i;jf*r ^r> in^'^; fre-nd ^/f^' lieben 'var , vackte f«ut* ^vif^ 
zu -'.1i> 'Vi nd proprer V^r t rtiull cl^ke: 1 . IlireB -fir en » Sfn -^r^r 
f'l'- Irrtir^. vo^^ Julif'. j'^if- K'onntf* öo vif*l hrKjer*^-» liRbe-^. 



lii e lö^t^ cM f- .'^?i»''2i* 



r f. cht r-1 t o nv r er Adfre , r tc'M r te in tlie 



''u^^kolhei t U'C! jf^ner eir^ Au^xe^'oLlcK .l«?btP : *> ihr a^D ^nl- 
frltele ^'jon iij f^i-^i^in p*ror.''*?r blu.Frcer lel^n. 



A 1 o 



AI 



-T Khfüüf. >".-if-G*-r i;-r fre.Apniibf^r r-u li-^ch»? :=!«r« ard abf-r 



''FTu«j«3 '>n l.opf ubrr ihrf-r Trll-r r^*-?«^nkt, ut. inrr leuchtende 
luite ?,u v-rL>rro:en >mc1 wfi/tr -inbt nu tzijp r\n Äui^n . Si e '•rurr' te 



j^tzt , d en:^ i»il^^, 



e.r rpr ^ch, lur -if^ »»'^r and doch vr- 



^i^f^ Ol,;, r?» -\i-br oenn J^^-,( 1>^ /Vor t ni t ihm zu wfch*=^rlri. 

np "vf.r it^^ eirerr. Abend bei -en I^ndPUB, ''ie 
Inrni w:i f^df-rkc» Viren (en K jc/izf»! tB tap^ ri l eine^i r eic iien Abe^n d- 



/ 



^^ 



i 



8. 



I 



enrcr. ar^u vieler :.enaoheTi f t-1 >-r ten . AUf mvm de. 1.=^ 
fralU nimpnd. Irt , '^-rko^itz nx nn turl 1 r li c!.^r Ittelpurkt. ' 
and r.ucu ai:i *»elr^» T.^utt^-r '^ann ein r.r«i« vor JTauen. St 
him e\ve }ilihn.me :ud^ r- af ü^^e Vohl r-d zu itV.r«>r. des Oaat- 
n-pb^rs. ;:.8 -Hr ein cc^ör^r und fronlicr.pr ..c»-d. '.i^ruej» 
f.f.R^ Ptill i- ein^r ..cke und ß&H «"r! TTeib^^n za . 'jit can. 



rOCti i rif . 



ifi cii f- Llüciirkfrit ^icii n-'-ir-r^ r 



äR A'rr um j«^Tie oi^uco«», on o 
fur ^ie aii^ d^T l^t-t, J.ber die l.ebeneluüt -den von .em 
Fret v:ocu nicht luareis-sn Kann, da b« t tut ;;attrr eru'^ja 
ilT d<?n küstb^rnn oühwI ru'ii den jj-.-Al'-ioerauni zu üri'-,s?,pr. . 
Vi.r sie HiCli ujrcn die ./.rossen »Ltiuodi ^iüher. /i.ii'i«' aehin 
b*>.*r,b, 7'ar 'iit ein« a .Kl a^r .-oklor airarf ihr. . i «= hfcule 
äc.iL owiec'Kit, v"if -r .ifkOhuen "-ar . vU^m r..in /ort zu 



^ar 1 



reut-r. . ./ir.gtu' sie zu-ta.nv-it'n -reit^r. uro i.l'- 'Ji-^ '^ich ia 
ikle^iutrausn .Ji" die Ze..enf:vpi t2*?r hob. aia u en .iK wl r.ae eea 



M' 



l'hrtel zu neonico, dfi 



uf.ifa?.^tf <^r vor liirten iire pcmifle 



a^f.:U.lt, noK i>.r ,:en Kjpr zar^ck i-i. KÜ«>t^^ 'ü e r-jf d*^ 

nie ^ie'aiiCh d f^uxh c^ ^:^hrt tik.tt*-. J^tzt --»r ^ß 



rir:B r;i e «-rROiiTf-k. ,. »Vt^^ tar ^iev 



•'. »1 



M 



ihr ^'0 vi el u?^ '^ r-tt rk, ti 

i:i,(^.te .-r r-r-Bt. u^) eonst «Sx'L«^ sie rjc.ilr mehr zuein wi- 
der ar.v. -eurler ir uen ü;-.«! zurück, .-r r»r -inder irn j.rei se 



dfiT oc;hü■■^^ t«"' -A*'^' <- 



«^r :!,*>il-rBte, u'^ üairuRJ'. f.S'-R ^^ eintr 



tic-teo ..o^v, u.U. ri^.nar.a KOr-nt-"ah-«r^. r^a (^ Hcn*.nen w«r . 
r,r K.'.-iOi't zu iunp;i, -."p ri,-r.yt p" R e: ^ pf-^v '.-.al in d^r 

i 

.Vuciie. ii^^ ..crtr;iOA'itZH -..u^stfrn nicüt, w«-a -.i < aenken 
B;)J.).ten. bPin nAufi*^«.ß uom.en war gr.vi^f. . ir Zeiche- von 
I -t.ert»:^'.e, ä>-r h- ; f-rer^ei tr. «ab .»8 ii*incn i%Klpn lu'kt, 



rn den i'.an 



f=*ine Hoit-»'Unffen Anüpf'«»n ÄOnrlt. .r war riÜ flieh. 



9. 



Julia fühlte «m besttt), dapg da eir# Graraa war, die er 
oiGht überschritt. Uno ee war für ihrau Stolz die ereta 
Prüfung • Die ^Bx)ze otadt sah auf sie bei da und wartete: 
wann wird es sein. 

iiber für liarusja hatte das Laben mit einem !j:al 
einen Glanz und einen iieichtum erhalte» , von dem in dem 



8 



chönsten Buch, das sie gelpsen, kein Schimraer gewesen war. 



uie war alles ringsum sie her voll neuer Bed*«tung, «Störte, 
Kleinigkeiten, die sie früher nicntb ©achtet natte, wie waren 
sie voller Beziehung* Und dase so was Bein konnte, dass .i:ian 
wartete, wartete, dase man fr^Bonz .t war tun g war , Rif jedes 
Klinc^el zeichen hin horchte, auf Jeden Schritt, der über 
die Treppe ging und alles Warten verp-eblich war, aber dann, 
wenn df^s ilerz so voll war, zam Brechen voll, die Tür sich 
doch öffnete uni er eintrat und man Reine Gestalt sah und 
seine ütim^ne horte. Uan war dann reicher geworden um solch 
ein iirleben, uno abends vor dem -liinschlafen konnte ia&.v sich 
immer wieder vorstellen, wie ea gewesen war, sIr die Tür 
fciu fging und er eintrat und man seine Stimme hörte und hun- 
dert Mal konnte man sich diesen Augenblick vorstellen und 
immer meir Kraft und -Vonne hatte die Vorstellung, 

Wenn er aber nun wirklich da war un c sie sich im Vor- 
zimmer oder Korridor oder im Salon trafen und niemand sonst 
dabei war, und seine lippen ihre Augen, ihren ^und und ihre 
Hände suchten, da war es ihr auf einmal zu viel und zu 
schwer, und sie wünschte, er ginge jetzt fort und Hesse sie 
allein und liesse sie von ihm träumen. DriS alles geschah 
so einfach, beinahe wortlos. D^^s einzige, was erusja ^nit 
Mühe gefragt hatte , ''^«r nur: .Varum denn ich und nicdrxt 
Julia? und wa<? «r lächelnd geantwortet hatte, indem er 
ihre Augen küsste, war: #eil i>u so bist, nocn solch ein 
Klnd.ddauml 



iü. 



/ 



Manch ee Mal» da ei e eah, wl e die Ungawleerjeit^. 



Julien quälte und der Vater und die üutter nicht ^«ueeten, 
wne sie denken und tun sollten und nicht ahnten, daee die 
LösunK in ihren Kinderhänden lag, da fünlte sie etwas wie 
Schul cto ewusstsein • ^*ie? b.s ist doch Julias? Vie »hme ich 
es 6(smn^ Tis ist doch Julias in den Aupren allprl"- Und dann: 
„Nein, rein, es ist mein, Julia hat es nie beseseen." 

Bein Bild hatte sich unbewuest in inr verwandelt, 
'Jertn ee ihr anfangs erschienen war, als rede er zu viel 
von sich und fi:e falle sich eehr, so 86h eie das jetzt mit 
aftderan Augen an. ^eil er zu ihr hinabßteigen konnte, die 
noch Rar nicht galt, so glaubte sie ihn nun eifiler, tiefer 
und ß chli cht er . 

iJoch ein :<;al ^rächen sie miteinander: er küsste wie- 
der ihre Augen und fragte; «Dich hat noch niejoand gekuBSt, 
Harusjo?*^ „Niemand, •' eagte sie und Bchlug die Augen nieder. 
^.Willst Jju, da 88 ich hierbleibe? Ich kann es einrichten, 
daes ich nocii eine Zeit lang hier arbeite und rr.e in Buch be- 
ende,** „Nein," rief sie in einem öchrecik, ^meinetwegen nicht, 
meinetwegen J:önnen Si eV ruhig sein,* und mnhsam und stolz 
fügte sie hinzu: ,, Sie können handeln, als binoe Sie nichts. ♦♦ 

liie -mr seltsam: sie wünschte fort, da es er fortginge. 
Und eis der Tag der Abreiße da war, und eine ganze Gesell- 
scKiaft auf dem Bahnhofe versammelt war, ikm inr heraueEube- 
gleiten, stand K-arui^a allein in einer ^:.ntfemurg, als wäre 
sie nur gekommen, um zuzuschauen. <Veder die iiltern, nocn 
Juliö waren da. vite Letztere hatte über lirkaltung und 
Kopfweh leklagt, Fr aa i3erkowitz unterdrückte ihre Tranen, 
und ein jaar junge Maachen hatten hocnrote Gesichter, aber 
Rar US Ja war fb licht ums Herz, und Bie sah ihn froh und 
zuversichtlich an, als er auf sie zutrat und ihr f^«t die 
Hand crücivte, nachdem er slcn von all den Uebrigen sciion 
ver ab n chi edet hat te . 



i 





i 



11 • 



Ale er fort war, an labt© ;aru3ja beeser und leichter, 
da wurde die Liebe für sie zu einem Boden, auf üem sie 
wuchs* Sicher und sorglos konnte sie sich entfalten and 
blühen, konnte sie bchatae ßamnielr, cevn das Ziel war aa, 
wohin sie alles zu trafen iiatte» Sie pflepte i.usik und las 
Dichter und sah aen Tieren zu ur/d freute sich der Blumen 
und Bctame, und sah zu, wi e qj e selber wuchs, wie ihre lich- 
ten feinen Haare durch aie Finder flössen und die iUi^aifn einen 
tiefen Glanz bekerneru Da dachte sie: ,,Wie wird er mich wiedei»^ 
finden, und das alles, allee will ich ihm schenken,** 



V/enn mer sei r^en Np^nen aussprach, gi nior durch ihr 
ganzes iVesen jedes ! al die gleiche Erschütterung, die 
futelte, wie sie rot und cann schneewelsB wurde, Sie war unter 
Menschen in einer stärdip*er Furcht, sich zu verraten. (Ind eir^- 
mal geschah es wirklich, dass Bie eich eine dumme unverzeih- 
liche Blosse gab, unü ao<s ciir ecklich war es, dass sie glaubte, 
es nie v*^rgesr;en zu können, üs war am Geburtstage der Tante 
Dina iibrarnowitz, alo die ganze Ver^^anc tschaft beim Abenotee 
versarüiiiel t war. Da fra^;te plötzlich eine Cousine, die neben 
ihr sass: „Hat man wieder wqs von Doktor Berkowitz gehörtV 
Et soll nach :vio8kau gehen^; vi^yw jarusja fühlte, wie sie die 
Farbe wechselte, wie ilir der Sohwei ss auf die btirn trat, 
und wie man sie mit Jrst surfen betrachtete, bekunaenlaid 
herrschte ein schwelgen ,jrd ihr war es, ols schlitze -nan mit 
einem lifesser ihre Brust auf und betrachte ihr Herz. In der 
Ärinnerung war Julians verächtliches Lärheln und ein noai- 
mutiges Heben des schönen ix^opfes zurückp^eblieben . 

Im Hause Abramo'^dtt^ erwähnte man, wie necn einer stil- 
len Vereinbarung, seiter den Ivatien des Doktor iierkowitz 3ald 
nach seiner Abreise w»ren eir psar ymsichtepostkarter) von 
ihm ange kom^raen . Jsulia hatte sie in ^pfarg ^xerommer. ?.:it 
lässiger Gebärde 1 as si e eine von ihnen. Belanglose Wdrte 
standen da, gleich denen, die er gesproch«. t>ie warf die 



'«^»x« 



2, 



Harte auf den Tisch und Behaute auf die zweite, ohne ei e 
zu berühren, Sie war für raruaja. La schob sie die beiden 
Kartfn weit von 31 c h fort. Bin wollte si a nichte mit ihnen 
zu tun yaben. T*;arußja l<ÄTi (2:rrade ine Zimmer* ^Da ist eine 
Kart's» für ricr..** raffte- zie nadiläsfip; und pinp; hiraaa. Va - 
riisja ^riff nach den Karten und eilte ni t d^r teure»-^ Beute 
auf ihr Zirumfr» l;a betracntete 8i e jedes -Vort, jeden Strich 
inraer von neuem in Anpst ^ sie könnte etwas vom kostbaren 
Inhalt übereeher? ur?d verlieren. Es '^r an sie bei^'^ahe der- 
selbe Text 7;i e an Julia a;erichtet, ab^r ihr war es, als 

wären die Worte an sie If^bpndig wie aus Fiel seh und Blut, 

* 

als hätten sie Gestalt, und Bie könnte e^i e fassen ur^d be- 
tasten. 

^BevkO'rri Iz na t geschrieben , " Hn^.^te Juli a beim 
Abendessen. „Ich habe die 1 arten ir^Tendwo lie^n la?^een . Ich 
erinnere raich nicht wo.** 

„£r Teiss auch nicht, wo er hinaus soll , "br aus te 
Frau Abraraowitz unbedncat euf und sah gleich '=^r5=?cjir eckt auf 
Julia. Julia aofr di e -^vrauen zu ^arunen und erwiderte ärger- 
lich: „loh mache mir nichts aua ihra. Vielleidrit Lii?*' 

!iarusja ])ea^te eich tief über ihren Teller, und 
ihr Herz zittc^rte. 

Obgleich sie eigentlich keine b HBtimiiite ausser« 

♦ 
liehe heziehun^: zu ihm unterhielt und nur hie und da ein 

paar offizielle .Vorte auf einer ^rsichtapostkar te ihr in 
den ocho33 fisler, no lebte doch f arusja in un.Tetrübter 
Üicherheit, dmB diese Oti^be für ir/iraer mit ihrem Ld) en 
verflochten war. :;laoche8 Mnl, wenn sie ein üucVi iTi s und 
Untreue und Unehr li dikel t darin vorkamen, musste ?rie an sich 
denken, und es gefiel ihr ,zu'^'eil an mit cemGeoanken zu spie- 
len, dass es ihr ^enGhehe; sie stände irfirendv'vo zufällig hir- 
tr-r einer l.aube oder Zimmer^and und hörte, dass er zu irjB;eT)d- 
wem saßte, er hätte eine Zeit lan^^ eine Blonde liebicreh abt , 
abpr er liebe sie nun nicht mehr und liebe nur die, die 




13. 



i 
I 



djch vor rhm Btpnd. Und -1-^ f ürchtrr li cii «olch ©ine Vor- 
stellung auch war, sie muP5Bt.& iäcüelD , darn ni cht ein« 
Öekunoe 1 anp; «laubte nim, dp«!b dl^aee mehr als Spiel de>r 
Gedank«n sein könnte. Ihr Glück war d*ch, rri o k'^-in rüderes, 
üo wü» ihre Liebe hatte keine firöere nocn becorren . Und 
d&f. Buoh, daß 8ie la««, ^Dltt euft oen Plan der) , urr] liarueja «•- 
lebte wieder den urbef«chreiblichen -^leltRaner Schauer der 



ersten Berünrung 



i2ine8 Toges traf rarurja Leirij ^-f.cxirä tt a^z-nt ee die 
Mutter urd die aicke TarteDlra übramowitz, die Immer über 
ihre Krankheiten kla^rte und j?chOD lan^^st gestorben ^are, wenn 
8ie eie wirklich f?:phabt hhtte» ^.U^n den Berkowitz braucht man 
Blch keine p^xevwK f^rau^ Haare wrchBen zu las'^jen,** aa^^te 
di e Tante Dina cremäohllch, nf=»ohcem Maruej a <^le bf^i^crüsst hatte 
und führte ein Stück der eigengebaokenen l.'u?- störte zum '/unde. 
^.iiö iöt klar, warum er ninht heiratet. Ich habe ej? nicht 
glauben wollen, aber mar» rrrijrhlte ee rair sug iTf=»nau eater 
v-uelle. vh, di eee junger Leute von heutzutage». Vsr^ hat keine 
Koral und kennt keine Kückaioht!*^ Unü nie aas ihre Torte 
ruhig weiter« 

Marusja fiel da« (il m , in das nie sich den Toe hia tte 
dLr© cher^ken wollen, kirrend rue der Jiard une zerbrach in 
feine bplitter. ^/^ie kern Tian rur so uiigeßcrii ckt 9GlP,"Bchalt 
die üuttere ^üines von den guten Glasern natürlich.»' Ach 
laB8 GüCh, Tony," beacl^iwi chti^te 'iantt^ Idt^a. ,,Dp^ ber'ieutet 
Glücke Lae ist aaf Lein Glück, J'aruejinka. »* ;/enn dnp Glück 
sein sollte, so sa}) es seltemri aue. V.arucja fegte mit bte seem 
Geaicht die Scherben zupam-nen u'^d ^^ii^g auf inr Zinmrr zu rücke 
Ii.8 war ihr plötzlich so reh unn herz ^i e roch nie. Vaa ^rrer 
ee doch gewesen? 7/ae hatte die Tränte Lina geaagt? bi e auohte 
ihn^ Gedanken zu saTuneln, um ftwaa zu begreifen. Ihr war, als 
streckte ein wider lieh ea Ungetüm a ich nach ihrem Herzen hin. 



14. 



i 



Ab^r dßrn dachte eiw eieder, me eile« gpw^^fsf^ü wer und 
Bchüttelte den Kopf und uagte: ..Klatsch. Äerd ich mich am 
in de u-^i ülatech künnierD/« Und all die e>rwnchenden Kräfte 
in ihr li essen «schnell die kleine £r8Ciiütteranflc veT(;^m^0n , und 
die I.i fbe blieb weiter der Boden, buT dem ihr reiche Nahrung 
zura ^Vachstum zufloee. Sie bemerkte aber rat) hflufiK, de se die 
Frauen in f> el-ieimnievoller Weise üb w de:i l3okt ar r«?deten, als 
eei dB wBe Um Ciiickliches und nicntki für junf^ie Ohren, auch 
Gchien die ßerkowitz rjllr:iajrü.ich sr or\ in» r a ll.^€^ye inen Beliebt- 
neit et'7fui einzubüaeen, Sie lächelte darüber und ma^ite eich 
nichts tvmoLmB darauö. 

iSe //er wieder Juni. I^er Flieder blähte noch in fi;ro88en 
SträuBseo, und der Jnsiain benenn ni ch zu of rT)en . Ler hirninel 
wat von Tröhlicheji öl au, und alles r ißp:eu-ni'it^r tp.t voller Ver- 



sprechen und H(ilfnung, und die eip;enen Queilfrndep Kraft 



e 



trugen Freudigkeit und Glauben zu. :.:arueja gln^ durch das 
Blühen und 7;erden des L^ommers und trajrato, wie p«? im vori/2:en 
Jahre war, als der Flieder blühte, Cev Jc:8min Pich zu öffnen 
beift;arr, und wie d?iß ülück auf td e zugekoniiüer rar, als in den 
StRchelbeerotauden die reifen «aftif^a^ Beeren hingen. Und 
si e fühlte sich selbst und aen Heichtuu, den nie s]e sam-nelt 
natte aeit jenen Tapfen und iha iiinlialten sollte auf au*gebrei- 
tefen iiänden, und fjie wünschte, er v^fkre t.chor da und eie 
könrte ihm da« alles geben. Dabei beacritertp ^io d ne form- 
lo£?e Ungetüm nicht, deseen ^Zeiten ü e hier und da fühlte; 
wenn die Tanten, Cousinen und guter) Freurce niioh versammel- 



ten und über diesen und jenen redeten und aach über ihn, 



um 



cen Marusjas Leben p-i ch jetzt rankte, ^$± e junger edler .Vein 
im Sfcfinen festen ;itab, da wurae sie nur eclieu und wortkarg 
und ging allem Recen &u8 dtm «Vege. 

Ab^r eines Tages bekam das Ungetüm For:^, und öle sah 
ihm ins Gesicht und wusste jetzt, dao^ es da war. Las war, 

als am Freitagabend zur. Abenaessen von gelben gefüllten 

^J 



I 



15. 



I 



Fischen und Kaffee ir.it eige nKebackenem Khsekuch^ti Ftfunde 
und Prirundinnen Juliane da waren una jaloiaerten and lachten 
und junge Lebten pweiehfit aubkramten. „Ihr meint, er liebt 
6i ^, '* dafif;t e Julia . ,^Kann rr denn überhaupt lieben, abfr es 
pesfet meiner ii^l telkei t , ein Verualtnie rui t der Krau dea ein- 
flu3 3rei cri**n Uannefl z\x ifr- oeri.'' i.u ^"'ar der dchla^ getan. Julia 
rnuQöte man glauben. Julia vrar ehrlicn, sie reoete nicht ohne 

zu m ß:s6^n . 

Harug^a war ho betäubt, dajiö «ie a^arnicht wusete, nie 
«ie den lichlaR ertrp|2:en und wi« .sie viele Ta^e q;elebt natte. 

I'OCij dae jvJühen und ^^erden rir^gsum, war «o voll heiterer 
Zuversicnt, und all^e Gcaifcht«« und Gewißsenloae schien so 
ur 'drkiich, üp «b di*=> Uoffnanip: ai ch largsaia wieder in ihr Herz 
eii^stahl und sie p;laub«in muaste, es wurde i r f.:e '-d ^i«! e alles 
vnjedt-r ^ut. 

3ie sn«Ben um den i-i ttsgstiech , de erzahlte die ut- 
t (^r : y^l^it^ i^ah neutp die LUrko.vit 2 auf dem karkt» cii e erwar- 
tet den iJOktor • Er ist e ir guter üohn, das mues man ihm lasnen, 

ii'arueja'G lierz Ptfrd istill, und Ri e fül-ilte eich einer 
Ohniiiach'L ilahe, und fi? war eir Glücic für sie, aase die drei 
kleinen .brüder eine^ Zonk am Tiecxie aDzettel t#n , und Vater 
und Hiutter mit ihnen zu X.xn hatten. i.Xur Juiia's kalter spöt- 
tis t;h<;»r Blick lag unberrrihf-r zi^c f^uf ihrem Gesicht» 

f&BY)Z unerwartet p;e ^^iCtljfih e«, iU.4^ 8 it* am n©ci:i?^ten 
bpnnabend mit der '.uttfr und Julia in neuen Somm^^rkleidern 

über die K^rose.e otrsgf^.s p:in^er, da p. toroen Rie plötzlich 

» 

dem LokLor g:aa;er»über . r^r «-»rz^hlte, dana er am Nachmittag des 
Vü i'i': ^/r. 'x a^;^' 8 enpe KOm;nen p.e i . 

AlB ihrf* Blicke nlch trefsr. , da wueste .^arue^ia ir- d er- 



ff 



eelben iäekunae, dasB alles fu e ''^ar • Und es wnr ihr init einem 
Maie, als riHse das i3and zwincnsn ihr und alleri i>in^ren entz'/i;ei , 



16. 



8 



uro sie wüset* rieht mi^hr , wj^f? Eie bedeuteter, tie hatter) 
ein toti»s und kaltea Gesichte Sie eeh, vi e ei ro Katze ihr 
«ef/enüber ar eii»er I)aohrinne entlarv kroch • I^nc «chi^ri ilir 
iBVft/^eilig: und zweciclo*!, u'^d r»(»r r^anze «chöne vTame oornruer- 
tsg; f^cnler aich ©in Tru^^ 7U «ein, hintrr c-erri ;5r^z ttwss^ andere 
eicn Vf-rbar^. Jullr- ur» c c ie l^utter ets'^öeri reber ihr, und 
sie bei?:rirf rieht, wozu 3ie noch -lit dioBern fclilcchten fremoer) 
l': en r. cn en r ed *^t er . 

Zu liau^e kniete öle an ihrem Bette nieder, l*^^:te ä«r> 
Gesicht auf die Hände und dachte in ^,ua I , vf?:a <:.i & rrjir) morgen 
urd übernöT^en tun ^Urde, wn^ R:i e nun alle iB^re tun HÜrd> 
wie Bie nur V i<en und Dimeren and sni eter rriirde, x^enn all^s 
(rtl oßcjner« urd leer •'^^ar uro kein Ziel mehr de war, wohin eie 
fillee zu tr fw.6 n h^'^tte . 

Ale er am raciieten Aberd zv;n tir^er nlt roch vieler 
anderer Gatter dn war, »-^bf^p eie «tumm in eiror L»ckf dee Zim- 
mers uJ^'d horclite ni 1 p; *^e»par''^ te i Chre hin: ,/.Vo »rar ^f»? vVo 
war die Stelle, wo (^i e Hebe ßr^brocher wr.rV** Lde t ür c!e ihre Hand 
darauf lacref), und si e -iüe«te heilen und wl^dpr (t.-^z werden. Da 
hörte sie, Tvi e er lachte u'^d ee^te: , Liebe? bie glaiben ar 
liebe, elf? eine relre eelbetlöee Bezicv-u'^^ zwl rohen den Ge- 
echlK chternv^* Vxrueja ptend mühRem auf und c-in^ in 6er Gar- 
ten liinauB und blieb p^v den b't^chelbeerßtaucer ete-ien, in 
denen di e grot^jr^en reifen Beeren hina;en. i*:R -^er ein nelli^r lan- 
ger üO'i^ier abend* Ler J«fln)in und dl e Tevkojeti art uel ken duf- 
teten oetaabend. Aber Ht^r.^^j'd wBsr^te jetzt, daf^B di-^^r-g allee 
eine ancere Becie.itung liatte, al e Glück, eine a-iaere vrehe 
unbe^r^ei fliehe 

Üie'-Btard noch u»^'bpwer:ll ch en der<^elLen Stelle, ^o 
Ejeine Lippen qie zun ersten Mal ber'üirt hatten, al :i^ di e Ga^ite 
da© Heu 8 v erli er..ien . ^r frinc^ ale letzter und schaute nach at^r 
3tel ] *^ }rdr)^ wo sie ptFnd. Zu^'i letzten ilal f le cke'rte die Hoff- 



*1 




17 . 



..„. U i.r «.r. u. »ie ..H .h. .U e.nan ae.....c.™ -..«. 

-ß^Ht ö «ich l«neH»Tn J).'! und 
^ ^ ...rr^oripr hielt innt-, watsüte ai ca i.««K 

Rir/e; df«^ ard^rr nacn. 

,«,-1 Rin Fie der; erfiter ar d 
Frmde a,n Ieb«r. .d ed^^^^an«. and al«. 

bitterpteo nll<>r &.-.>i-a«?r^<?ri 

errat tr u^'i «tar<r.r !Aenßch. 



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^/2,c^ ^^^ ßU-^i-^-c^ ^^u/^ U,^<.c^/ /Ä^-^e^^ 



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V^i-at^ /1»-<^ 






My Memoit^M of Kisslowodtk, 
Jky mcther and Y leftjwsoou jutt the »ame day when theOctob^i^er^ 
revolution of the ^S^m wat beginn ing,Many duys there was 

no Gommunioation with Petrograd, One only knew t^at 9ometliirin\ 
was Happening there with the boUhewiks. We were pr epared 
for the departure and we did not know what to do. I awked 
alllmy friends who knew well about politiaal affair» , Jhey 
Jieted me being persvated that Order wo^d be reSred in a fa. 
days. So we really went away . t year aftem^ards my brother 
^ho had aocoMpanieä us to the Station tolä rre that on his 
retum haue he had heard the shootin, of oanons, But is uns 
too late to aall^. ^aok. 7ke Inggage was given up. In reaU^ 
the train stooLny ho.rs after the na..ed ti.e er depaH^^ 

. . ..nid very well have taken back our trvnks and re.arn,i 
qnd we oould very , 

irMosoou . l^hen the train began /-^y/;^;"? \^^ ,^,, 
..,. .,. had not been ^^^ ^ ;;;-;;S5^^ of the ..| 

temational Sleeprng CaJtwa ^^ ^^^ ^^^^^ ^^^^^ 

,, ,0 in an or^inary oarrrag ' ^^^^ ,^,,,. 

p om fhe fronts and overj m- - ^ 
• going amyfrm t^e fr ^^^ ^^^^^^^^^ .^ ^^^^,,,, . 

,rhey,^ere sitting on ''^'^'J \^^^,^^,, ,,, trvveller. and 
evek that they thre. out of the narr ^^^ 

1 . Wo«^ of the Windows were oru 
took theirplaces. Was. oj ^t theLtatiov, croups 

. ,^.was very mvch afraid that at tne^ 
oonduot^r was i^ry ^^ rorriage and there 

or ,omer. would breaM xntc -^ 



l. 



tJicJjOf. 



donger beoame Ibmm .And had beoome bluer.A uxxrm 9un wos 9hining, 
Women and ohildren with withe bread stood at the atation». 
6hioken9 duoks were offered:all theae thingg were diffinul^t 

m 

to get in Mos oon, 

At Mineral -Watert we had to wo,it for the tmin for Kittloivoä^K 
Mineral' Watert it only a Station, The place is small, There 

is not even a hotel, But life atjt.he Station vxis great and in^ 
teresting.One ooiild see here all kind of peopl e, Smart- officers 
Ihtkfashionable ijoung girls . ßivil gent leimen , P^oplej^Hh pole 
faces who had oome from a far to make the oure^ and/Vtem manij 
orientals in their fantastical oostums. And to eat as miinh 
as one wanted ! mat pleasurelJ was delighted with everything 
1 ,aw. People around were tellingus that the hoteis in Ki^s- 
lowoäsk were orowdeä to e^es^may he i^pos^^to gefn 
vaoant apart.ent. It wJ^^ t^e evening ^and we^noTlo r^sk 
and to QO at fi^st to^jati gorsk. 

n was a starry mild night .when we arrived^Th. .ahs v^inh 
.tood at^^ntio. . u^ere cenj large and roo.y^knd the .oa.hmn4. 
in pittnres,ue mssian .ostu. .We asked to drive ' us^ to a , 
good hotel .The fir^iinpr-ession of the town .ns ''^ j^ ^ 

. .aw tefore me lighted hy stars the /^.^f^--' ' ' ''^ 

' ''^^''^^the people 



•^ 4hi» nlnrions noiintry.Th^ nah stoppca 

tefore an Hotel .HinH appearCd to ne not ^ 

- iat. an, ,o ^^^^eä. 1 ^s astom.neä a* >« - 

of the roonn theli^^ «.. H wa, a large room with windov,. 



■^ 



* 

loo^irig out on oooered baloony, Th^ ale'-n iold im that thia 
waii thi^ onlj vancmt u>a.^i -ccmJ22 the o^li^- i>anaTit C7:v'*- vcre 
uin.cr^ *^cic. . A ^/.v>v ^'a* tc^h^'ng U de lOc UoH H . T}. pe 
;e^^■.^ tra,l^ fn cur .ugüage . and me went for ike re.taurunt 

. . nnln on^ $he-^t and a dreadfnl blanket 

J 9CUV that there wa$ only one $n... 

>.!».«w It wag not po»»% ble to$ go ^o '^ , ^ ,. 

,^n o.>-»».tan.«. . J r.., ,,, ,ni not oiv- 

i.-Aif a»d denlared tner^ ^ ,.*hinj loith hm, «« 

äQ$M ^^'^ " offner do anytning ^^ 

s'o we were oMiged to go out at night and geamh for ano^ 
ther hoiel , Thit iüaw my firut impre^^ion of th<i people of 

the Qauna^'x»* - 
Hapjjily we foud a large room in a hoiel , good, ihe laygH*i 
in it . The ,ermnts were J3 yer-y di»oonted at being tr-ouhl d 
at tuoh an late hour and were not amiable . 'rhoug?^ the -»^oom 
wa% lar^ge ihere wa% only one bed in it and the t^-yant to give 
a .enodd bed with Unen. J wa, ,0 ti^ed that Im nontented my 
.elf with a broHen ted^tead. But it wa. .0 nold in the unhea^.^ 
roor. that w. ooulä not .le^^P.The rnon^ing uu. b^HUnt and 

uana ihoighih^ ^ ,, ,^,,.^ iUJIwaMtroM 

i i.r^lothino . ^^ Äad only one winh to rez a 

T ^«/ with a booH down in the pre - j 
Utile , / u^ent u^ith ao ^^^^^^ 

i ^>,« middl^ of the Mtreet betn^ 
,nai a strande and happy a.p^ot there a.^^^ ^^^.^^^ ^ 

the evil thtng* •* ' 

Ini'hfir' han't* 






everyichore on n^ 



willst du, Freund, die erhabensten 



Höhen der Weisheit erfliegen 



/ 



Wag es auf die Gefahr hin, dass dich 

die Klugheit verlacht. 
Die Kurzsichtige sieht nur tas Ufer 

das dir zurück bleibt, 
Jenes nicht, wo dereinst landet 



f 



dein mutiger Plug. 



Schiller. 







a.l^^fü>Ai^ 




Uc€>^t 






'jfioy^ i£^€^^-^^^/^ /^ "^ 





i^ ccu^u f^ulu^ A^,s^i^ ^^ /^lul/ ^^^^ 



\ 












jJ- LOiJ^ lu^ -^^^ C^clc^^ ^/.^ 









« 







r 

4 



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Noch nie war eine Zeit 4o der Wirklichkeit zugewandt|SO 
»irdisch^ möchte man sa^en^ wie es unsere ißt. Wohl virar die 
antike Kultur sinnenfreudig und ist ihr Heidentum Symbol eines 
hohen Lebensgenusses geblieben^ aber dieaes Gefühl einer Wirk- 
lichkeiti die unzwreif elhaft da ist, uns gegeben ist» uns ein- 
schliesst, die wir wirklich sind, wie sie, diese Bewusstseins- 
kategorie »^Wirklichkeit»' war ihr fremd. Der vollendete Aus- 
druck dieses Lebensgefühles, das sich an Tfttffäf^hllchk^-« fÄn 
knüpfti und alles Ideelle^ doofien Sein nicht unmittelbar em""- 
pfunden wird, als Unwirkliches deutet, ist wohl in der Theorie 
des historischen Materialismus gegeben, der die bewegende Ur- 
sache des geschichtlichen Geschehens in den Produktionsverhält- 
nissen sieht. Damit ist dfe Souveränität einem Faktor sugespro- 
chen, der mehr als Jeder andere der praktischen Erfahrung und 
einer verstandesraassigen Erfassung und Zergliederung zugäng- 
lich ist. Die Theorie trägt den Stempel dar Einseitigkeit wie 
die Zeitatrömung, aus der heraus sie geboren ist* Als eine Me- 
thode der geschichtlichen Erkenntnis darf sie zi\ Recht beste- 
hen und üat sie ihre Verdienste, Indien sie am Leitfaden der 
ProduktiüUö- und Consumptionsvorhältaisse neue Gesichtspunk- 



te eröffnet and ungekannte Com^inationen der die Geschichte 



bildenden Kräfte aufdeckt. Sie erschöpft aber nicht das Wesen 
der treibenden finergleen, die in Ihrer Wechselwirkung bald an 



r 



\ 



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die Oberfläche des Geschehens auftauchen^ hald in die Tiefe 
versinken, immer mitwirkend in rastloser Bewegung an dem J»^- 

weiligen Bild der Breignisse. 

Entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnis, die den 
Menschen einreiht in die Oesetzmassiskeit allen Sichereig- 
nenS| muss doch unser Handeln so verl»,ufen, als ot wir frei 
wären. Mag unser Wille dar sul^Jektive Ausdru«5k sein, den die 
Triet^^krilf te im menschlichen Bewusst^ein finden, wir können 
nicht anders als so zu ihnen Stellung zu nehmen, als obikre 

Bewegungsri chtung von uns anhinge • 

Durch die gesteigerte Selbstbewusstheit des menschlichen 

Könnens ist Jene geistige Fähigkeit in das Blickfeld gerückt 

und im populären Bewusstsein am höchsten gewertet, die an der 

Eigenart der modernen auf hochentwickelter Technik gestellten 
Kultur den erössten Anteil hat. Es Ist der Verstand, der mit 
den ßleichßam stabil erovrordenen Elementen der Wirklichkeit ar- 
beitet und die Steine zusammenträgt zum Bau elneß festgefügten 

Reiches au? Erden. 

Es ist. Flß "bedrohe Jene verötanä»smä{?sisö Zuopitaung 

des Daseins eine Qi^elle, aus der die höchsten Leistuncen der 

Menschheit stammen. Der Verstand ist nicht 3chö/)f eriaah, er 

bleibt bei den Erfahrungen stehen, sichtet und ver])indet sie. 

Er kennt nur Nütülichkeitswerte, die von den Fordorunßen der 

Gegenwart und der nahen Zukunft bestirmt werden, v/'eil sie im 

Gebiete der Erfahrung liegen, sich also begrifflich und be- 



rechnen lassen. ^(^^^ Md -^jiC^o ^ b Ü tt 







. Da- 



rum hat die nüchterne von gefühlsm&ssigen Regungen befreite 



\ 



I 



7 



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Besiehung zur Wirklichkeit eine OesohaftsmäBsiglieit zur Folge, 

* 

die immer mehr Oebiete den innern und aueaern Lebena ergreift« 
Erwägungen praktischer Klugheit wagen sich in Sphären hinein, 
die ihrem tiefsten Wesen nach uninteressiert an Vorteilen mate- 
rieller Nfitur bleiben müssen und denen ihr Sinn und ihre Bedeu- 
tung genommen wird, indem man sie fremdes^ Zwecke/tdienstbar macht. 

Die grosne Persönlichkeit ist es, die schöpferisch ist in 
ihren Erkenntnissen, welche über alle Erfahrung hinausgehen, und 
in ihren Taten, welchf nicht nur durch vernunftmässige Motive 
erklart werden. 

Die höchsten Leistungen, die der Menschheit beschieden 
worden sind, sei es der Erkenntnis oder der ?at, sind Jenem 
Wurtelpunkt der Seele entsprungen, wo alle Wesenskräfte zusam- 
menwirken. Was ist CLcLs S^affen des Genies denrt minderes als ein 
Setzen von nie gewesenen Werten, die sich in einem innern Schau- 
en ihm erschliessen? 

Klugheit allein macht den Menschen nicht gross. Sie lässt 
ihn ruhig am Boden kleben, eingeschl'>8sen in den Kreis seiner 
Tagesinteressen. Erst das Ideal, das seiner Seele Spannungswei- 
te gibt reckt ihn auf aus seiner Kleinheit. Das Ideal ist das 
lockende Ziel das seiner Sehnsucht nach ei^er Vervollkommung 
und nach Jener Wahrheit vorschwebt, die allen Wechsel und Wider- 
spruch der Erscheinung zu Grunde liegt als ein Ewiges und Absolu- 
tes. Seine concrete Bedeutung liegt nicht in einer zeitlosen objek 
tiven Gültigkeit. Es mag irrig sein und mag sich verändern, JJe 
nach derr Stande der Erkenntnis. Darin liegt seine Bedeutung, dass 
es den Menschen aus der Enge und Dürftigkeit Aeines Daseins be- 



freit und eine Weltanschauung bauen hilft, die über den Bruchstük- 
ken des Wissens gleichsam eine ungebrochene Linie construiert« 




4 



0« 

stark und gros« »Ina J<in« Völker und J«n« Zeiten, die ihr« Ideal« 

* 

lelje»>3ic •mpfinden. Wie ein Hauch ewiger Wahrheit und S^hdnhelt 
weht «fl von ihren Werken. 

Blne Ittltur, de»on Reiohtu« auf einaeitiger Entwicklung der 
seelischen Kräfte beruht, lauft Gefahr die Wurzeln «u untergraDenJ 
die ihr Leben und ihr Waohetu« ernößlichen. Sie bringt sich u» dlj 
Wegweiser und die Ipokenden Ziele jtu inner höheren Aufstieg . und 
verfallen einer unfruchtbaren Gel stigkeit^ wendet sie sich materlel 
Xem Geniessen «u, den ein ganxlicher Still*tand folgen nag. W&re 
der ökonomische Paktor der alleingültige, was trüge schuld an de« 
Untergänge so vieler Kulturen, die keinen ausoeren Feinde erlegen 
sind? Sich selbst hatte der ökonAnische Paktor aufheben müssen,li- 
ge nicht der Grund r.u Jenen Untergänge in einen Missverhältnis dex 
aufbauenden Kräfte. 

Bs ist nicht die Absicht dieser Zeilen, irgend eine Vor- 
aussage wagen ku wollen. Nur der Hinweis auf Jene kraft spendende 
Maclvtc^des X,deali«|»u8 sei ee|rtattet in einer Zeit, in der man nur 
allzu geij^igt ist, ihn abi^itün als zwecklose Kraftvergeudung un- 
kluger Phantasten. 

-^ Nur der unablässige Wechsel stron aus der Welt der o«io- 
tigkeit zun praktischen Leben und aus den praktischen Leben In 
die Welt der OeistlcKeit verbürgt das stetige Portschreiten der 
Menschheit zu höherer Bntwicklung. Wenn das idealistische Streben 
naheliegende Ziele und Interessen zu übergehen scheint, so ist das 
nur ein fruchtbarer Umweg, den es nacht. Von oben bringt es neue 
Lebensinpulse und nacht so das Dasein der Menschen Inhal tsschwerei 
und farbenreicher. 

Oass das Absolute, das allen Sein und Werden zu Grunde 



6 




liegt niemals begrifflich zu erfassen ist» sondern nur zu ahnen in 
Jenen Augenblicken Innern Schauens^ in denen die Seele gross und 
weit, wirdi darin liegt nicht eine schwäche, sondern gerade der 
Sinn des Menschentums« Aus dem Hinblicken zu dtem Zdeale^das in 
wechselnder Gestalt dem suchendem Auge immer hoher entrückti er- 
wächst neues Sehnen und neues Wollen. Zu einem ewigen Born wird 
es 80. Erfasste der Mensch das Ewige und Absolute, er wäre selber 
der Gott, den er sucht. 



i 



^Jk 



Eimtamer Tod, 



\ 



Lidja AlekMandrowna Petrowa fühlte tinh in letxterZeit 
nicht gut, Ihre Lungen waren ersichtlich angegriffen, denn 
sie hatte hier und da Schmerzen in der Br>ist,nWar nachts 
Jckmi^lt^mm^edecHt und 'Murde oft von einem trockenem Husten ge- 
gequält, DerArzt sprach oon der Notwendigkeit eines Aufent-' 
haltes im Süden^und die einzi^^ To^ihter Olga Iivanowna , die 
seit rwei Jahren mit einem S{ 9 enbahn Ingenieur verheiratet war^ 

redete zu einer Reistin K^im zu. Es war November, und das ^'et 
\.,r in Kursk war kalt, nass md tr'lb; der^ind krümmte das 
naoHte Geäst der Bä^^ und wirbelte Haufen zerfetzter scharz^ 
gewordener Blätter auf, aber dort i. Süden sollte eine wame^ 

;« iu-rkUhlaues Meer, immergrüne Cyp^^**^ri, 
fröhliche Sonne sein, tur/n^ülaj^s /vj^ , ^ c 7,,,,/^. 

^ c j U.-^'Pnr^hi-c'-r' und des Scnwie" 
^^ fr^kä'^r. Das^^ireien^deriocnzer mi 
Magnoli'3n und Lc^Me'^r, J^as 1 ^ , „ ,,.^^ ^ie Toch- 

' ■ . -L. v^« WiHemtand, Seitdem ai^ *<-" 

mrtlndip'iter dU a'i„ohliMtHtf^^r^ 4^, EnH^l, übernommen. 
än^ioH ohne jeä. V.rzög.r.m zur ricHtijen Fri,i von ne.n 

Monaten (^^;:^Z^:^i^l^:^^^^^^^-ShJS^^ ^'^ ''""""^ '\ 
• ,eine,faU, aU la.t i,., Fa.nl Un,l ieä ^eUen. S, ,ab troU- 

ui- , ri., T idna Alecksandrowna deutlich fühlte , 

dem Augenblicke , da Lidja ftie.'isj, j^ 

........ .tän,i,e ae,e...rt *...:.,«. . Sie fmte e, ro^ 

^UerHöfim'^eUunä Anf.erH,aM.eU . die iHr ,e,enuber an,- 

.H^ . „ .,■-* .elbtt am wenigi'-en eingeMtan- 
geübt wurde .und ^^r der ,ioh teiott am j ^u<„an- 

^..h äder au^-Maggebenie Or'ind. da,, Lxdja 
dene, doch Ifaer "->•-- »» n^^enarinda , 

- ...0.. die .or^in angeführten .olUiänüg '"^'•'^^Z^'r- 

^if Wrsnhen in den Händen der^ois.^ 
giädie waren, ^eit ^ocncn in 



Einsamer Tod* 



Hovelle 
von 
Clara Michelson* 



i 



Udja Aleieandxo..m. Tetrov.a mite .Icn in letzter Zeit nicht ».t. 
Ihre I^.sen schienen ema,!!«!^ angegriffen zu sein, denn ,ie hatte hau- 
flg Soh,nerzen in der Eru=t.war nachts aehweiss.edeclct nnd -mrde oft von 
eine, trco-.ene. liueten geplaet. 3er .u :<ate se.o|ene f^^^',^^ "- *«' 
Botwe.dis'.eit eine. Aufenthaltes i. Süden.und auch ö. einzig. Tochter 
_ oisa I.-ovma Solotuje.a.dic .eit zwei Jahren an einen Eisenbahn- 
ingenieur .erheiratet .ar.redete zu einer .eise in die ICria zu. Es war 
H0««.er.und d.s «etter in Kurs, «ar .aXt.nass und trü.. .er Wind icru^te 
las na.Vte OeSst der 3*a.e,rattelte an den grossen greilge-alten Stras.en- 
echildem und .ensterlEdon und «ir.elte .au.en,erfetzter ed.warzge»or- 
aener BlStter and »chMutziger Papi.rrest^auf . .. sah in Kurs, nicht fröh- 
lich aua.:)crt i. Süden aber war ge,,iss warmer Sonnenschein. der auf tur- 

, ■>* ,*„+»„ Loi-liecr und sohlcoilce Cypresseu.schaBkelte 
klstlaueo! Keer siiclte.erunten jjjiuec. wi 

sanft hohes Rohr. 

,es zureden de. irztes und der loohter.der Schv,ieger.o.m sagte gar- 
uichte.stiess auf geringen «iderstand.Seitdeu Olga I«ano.«.a verheiratet 
„„.le.te die ,^tter .ei ihr. Vas sollte auch die .Itliohe >.au alle n 
„oc in .a..off.al. Olga gleich nach der Hochzeit nach Kur.. ..ersi^e- , 
„, .er .ann als Beamter eineh höheren Posten_h^a»,Sie .o^te . H«.. - 

V. .1. oi»a ihren Lehrerlnnenljeruf nicht 
te von grossen. Nutzen sein.u«son,ehr als Olga ihren 

aufgeben «ollte-Kach eine, .ahr stellte ein Bn..el sich ein.und da hatte 
Frau P.tro»a vollauf zu tun.'.an '.onnt. «it Hecht annehmen, dass sie nun 
ganz unentbehrlich geworden w.re...er sonderharer Weise ga. es .ugen.lic. 



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Einsamor Tod. 



llovelle 
von 
Clara Michelson, 



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-y'^Ja Aleksandrov/na Petrov/a fülilte sich In letzter Zeit nicht futi 
Ihre Lunten schienen ernE;^lich an^ecriffen zu sein, denn sie hatte häu- 
fig Gehmerzen in der Brust, war nachts schweissbedeclit und vmrde oft von 

einem troclcenen Husten sepla^t. Der zu Rate gezogene Arzt sprach von der 

Frau Petrov/a^ s 
Ilotwendiciveit eines Aufenthaltes im Süden, und auch äxe einzige Tochter 

Szxx Ol£;a Iwajiovma Solotujev/a, die seit zwei Jahren an einen Eisenbahn- 

in£:enieur verheiratet v/ar, redete zu einer Reise in die Krim zu. Es war 

ITovemher^und das V/ettcr in KursJ. war ]:alt,nass und trüb. Der Wind krümmt^ 

« 

das naci:te Geest der Ba\ime,riitteli:e an den ^roGsen CTellcenclten Gtrassen- 
schildern und Fensterlüden und v/irbelte Ilaufenls ersetzt er Edhivarz^e wor- 
dener Blätter und tchmutzijer Papierreste nuf. Es sah in Kurslc nicht fröh- 
lich aus. Dort im 3üden aber war {gewiss warmer Sonnenschein, der auf tür- 
icistlauen Heer spielte, grünten Lor'berr und schlan]:e Cypressen,GchouJ:elte 
sanft hohes nohr. 

Das Zureden des Arztes und der Tochter, der Schwiegersohn sr.^^te ^ar- 
nichtE,stiess a\if gerillten Widerstand. Seitdem Ol£T Iwanov.iia verheiratet 
v;ar, lebte die Iliitter bei ihr. Was sollte auch die altliche Frru Pllein ' 
noch in Tamboff,als Olga gleich nach der Hochzeit ncch Kursk übersiedelte, 
v.'O der Llann als Befjnter einen höheren Posten be]:Dm.Sie l'..onnte im Hausha"!, - 
te von grossem llutzen sein,-"amsomehr als Olgn ihren Lehrerinnenberuf nicht 
aufgeben wollte. ITach einem Jahr stellte ein Enkel sich ein, und da hatte 
Frau Petrowa vollauf zu tu}'i,!.Ian komite mit Recht annehmen, dass sie nun 

ganz unentbehrlich geworden v/Ire. Aber sonderbarer Weise gab es Augenblicli» 



11 



Einsamer Todt 



Höre 11 e 

Ton 
Clara Mlchelson. 



I^dja Aleksandrov/na Petrona fühlte sich in letzter Zeit nicht gut* 
Ihre lungen schienen ernstlich angegriffen zu sein^denn sie hatte häu- 
fig Schmerzen in der Brust, war nachts schweissl^edecl^t und vairde oft von 

einem trockenen Eucten geplagt. Der zu Rate gezogene Arzt sprach von der 

Frau Petrowa'ö 
IJotwendigkeit eines Aufenthaltes im Süden, und auch t±m einzige Tochter 




Olga Ivi^anovma Solotu,1ev/a>die seit zwei Jahren an einen Eisenbahn- 
Ingenieur verheiratet .var, redete zu einer Reise in die Krim zu* Es war 
Kovember^und das Wetter in Kursk war kalt.nass und trüb. Der Wind irumnte 
das nackte Geäst der Buume, rüttelte an den grossen grellgeüialten Strassen- 
schildern und Fensterladen und wirbelte Haufenkerfetzter sdhwarzgewor- 
dener Blätter und Schmutziger Papierreste auf. Es sah in Kursk nicht froh* 
lieh aus. Dort im Süden aljer war gewiss warmer Sonnenschein, Isr auf tür- 
Xisbla-aem Meer cpielte. grünten Lcr>>e'»r vnü. schlaiüce Cypressen, schaukelte 

sanft hohes Rohr. 

las Zureden de» Arr.tes und der Tochter, der Schwiegersoiin sagte gar- 
nichtß.sticss auf gerlncen Widcrstsnd. Seitdem Olga Iwsno'.ma rerheiratet 
war.lette die Mutter hei ihr. Was sollte auch die 'ältliche Frau allein 
noch in Tajüboff,als Olga gleich nach der Hochzeit nach Kursk ühersledelte , 
wo der Mann als Beamter einen höheren Posten heJcam.Sie konnte im Haushai - 
te roirgrossera Nutzen sein, ums oraehr als Olga ihren Lehrer innenl)eruf nicht 
aufgeben wollte. Nach einem Jahr stellte ein Enkel sich ein. und da hatte 
Prau Petrowa rolleuf zu tun.Msn konnte mit Recht annehmen, dass sie nun 
ganz unenthehrllch geworden wäre. Aber sonderbarer Weise gab es Augenbllol»^ 




f 




Glück. 



f 






Kor^ p.ta7^ ti no^w a 




wa r 



RQ88 iÄ:di*3iX'jftt«*xFelcinahr, ß;(=lrorere a«^, 
ccrof^e urd derb g-Vf.ut. hatte karzf ach^f-rze krauf.e Uaare. 
die «.'irr und atruppiR ihr«-ri ra^öev Kopf umflterden. ^1 p '"äre 
eB der Kopf eines jurp-.er Kec; fr«reibee . Vielleicnt, '««»nn mar 
Bich ordfertlich mit ihnen beschaf tisrte . würdenPle beschei- 



dener und ve 



rfcüeeen nicht, daas ai e das Haupt der ehrbaren 
Gattin Aaolf Feldhuhnß. I-ihabf r eines Rut gehenden Licht- 
uno beirerenfiroegescnafts. zu zieren netten. Frau Feldhuhn 

tru« ineist zu Hau-e über dea Kleide eine pro ep-e wi^isee 
Schurz©, die iraiuer euessh, alB irare ßrofifiea iieinemachep 
Keweeen, «ber ruch ohne Schürz« machte ihr Anzuc: keinen er- 
freulictiew^iruruck: iT.irirr hinr etwas an ihr. was nicht han- 
ger; gellte, imaif^r ^ar et^vai? ni;f oder nicht richtig zuge- 
knöpft, im.rier lenkte ein «n Grösse und Farbi^iceit unprewthr- 
iicher Fleck '.'i e Aufmerksamkeit auf sich. A-jf ihrem kräftigen 
brauner Arm RSßg häufig ein winziger blonüer j:vnabe, und 



d 



er Gegenpatz Z'-lechen der derben Gestalt d^r Frau «nd dem 



zarter Körperchen des Kindes war so auge^f alli«:, dasa '»n 
flieh unwillkürlich fragte, ^-i e denn eine so grosse Frau 
zu ei rem so kleiner Kinde kerne, und man übersah so ganz, 
das« doch alle Kinder klein geboren werden. Ja, wenn man 



darr f. 



chlieeelich oi e Bekanntschaft Adolf I.wowitch Feld- 



huhns machte, so war dan Hätael gelöst, so weit es sich 
um die irscheirang des kleiner Uoritz handelte, aber da 
hub in dfcTBelVen Sekunde die- andere Frage an: -Vie kommt 



dieee Frau 



zu POlch einem i.'.8nne? Adolf Iwowitoch 'f-ar um 

IX, 

iner Kopf kleiner als Uoea Konstantinow'a und in demselben 



Liaasae wie diese unordentlich und unreinlich f.useah, war 
er sauber un d wohlgepflegt . Seine w«»ichen hellblonder» Haare 

waren glatt ais der hohen Stirn gei ürstet, und der blande 



ät^\ 



2* 




f eingekraueelt^ Bort machte den ISindruck, vAn käme «?r 
Uferaaeo :iiep:eB aus aer i^rieieretube • Auch «ei n e keoewf^iee 
und aeive Bewegung «n ^tit sprachen aeraueeeren ii^r ecneinunf^ ; 
sie waren ruhig, abReraeeeen, wenn sucn Ke^^^i^Q vorauezuoetzetJ 
war, dB 88 üi eser oder jener Umstand ihr aus dem Gleicn^e- 
wicht zu bringen vermochte, im wuftate man, in wen ivorltzchen 
geraten war. y 

v;ie die erstaunli cn nten Lin^e ßich in aller i£lri- 
fachheit abspielen, ©o ^"^ar aucn diese Heirat zuFti'^ride gekoni- 

men, als wäre sie die p^ssendd^e von der .Veit, Hor.a Aon- 
stantinowna war seit zehn Jahren iiebamriie, ;. asßeuse und Feld- 
scherin in Jalta un ü erfreute sich trotz ihrer äueeeren 
£ifl:erheiten einer grosRen Beliebtneit in weiten Kreisen, 
Ihre ar dauernde Jungfräulichkeit hatte RChon seit lanf2:em 
dem Geiste mancher ihr ^^onlfl:esinnten Fati eritiniiHto keine 
uuhe gelas'^en, bis es endlich einer von innen ü:elunp:en v^ar, 
Aal)lf Lwü\)^it8ch Felaiiuhn, den oie zufällig bei eine.n <?:rä8* 
Beren inkauf von Seifen and Lichtern kennen gelernt hatte, 
von oem Glücke zu überzeugen, oa r ihm eine Heirat mit der 
verdienstvollen üebaraine, i.aeHeuse und Fei dscjrieri n .ioea Kor- 
stantinowna Gans bringen/^ v/ürde. 

Adolf Lwowitoeh ^J^ar aus 1 ölen vor ces^'-en besetzun^^; 
aurch die i^aitscner nach Jalta Retlücjitet und hatte nier 
nach eiriger Umschau ein eirgefunr tes licnt- un a öelfen- 
geechaft übernommen. Es gab unter den Flüchtlinp;en hu^ dem 



II 



4 



Norden Leute, die Adolf I«'o,vit8Ch in pei-ea junsren icirlriror 
JfüiTm gekannt hetten, un a üi e vort8ichti<? hier und dB eir» 
Anspielung fallen liesBen, dawc dauifsls nidit immer s Uee ei n- 
wanasfrel bei inm frewe<5er wäre. De hätte er zum Beispiel 
seinen «länzeac'en iORter in der enufakturwarenhardlunc- von 
KoppeLiaann urplötzlich aufßegebew unc lanaie Zeit nachher 
keine J^eecJ-iafti gurg gehabt, da nette er eirm&l aelbat »- in 



Leaerwerenfieschtift eröffnet, viel Varen f.jf/ 



a e rom; i. e n und d an n 




3. 



P 



die Z8hlÜttff«n eingeB tel It . Loch die Zeit Irhrt milder über 
eolcne Virtste verteilen. Ir Jalta notte mau auch keir? riontii?« 
Interasr^a an diesen urkon trjLlierbaren r.rzTäjrilunKeti, und 
HOHE Konstanlinownaß Ohr erreichten 3I e rieht. Sie konrte en 
ungeßtört ale ein unerhörtes, unerwartetee Glück betrachten , 
rait inrer vier*:.ig Jaxiren von eicma uo er tzückendep r^Ii^oa chen 
zur Gattin gewählt worden zu sein. In Virklic iikeit war eie 
für Adolf I.wuwitsch mit ihren guten 3e2iehunp:en zu angeae- 
heneo Familien, mit ihrer dberschwänglicha) BewinoFrung 



8 



einer peraönlioiikei t , :rit inrer groecen hing^^be , und lächt 



zum mindeeten mit ihren fünftauf;end r/ubeln, die er ^^»«rÄi^x 
gerade aringend zu seinem Geechkfte braucirte, eine erv/ünechte 
rartie, :Xv war r'ur um arei Janre jürger ale aoea honetantino^na, 
und somit war es Zeit für ihn, an cmernde *Verte zu denken 
und ein Leben, das Achtung und Vertrauer chuf, zu beginnen* 

'üsB mu88te ein ehrbarer jüdisvoher liaunhal Lsein , der) er 
grünueo wollte, und wenn es auch mit C€»m koBChipren Flelech, 
dem p;etrennteT) 'lilch- und Fleischgeachirr ar?d der etrenaen 
Einhaltung der Sabbatöruhe im Hause seine ucj|'«^ieriffkeit«n 
hatt#,,zu erreiciien war es doch, unu Adolf Iwü^itBC>\ forderte 
von ?3einer Frau unbedingte Erfüllung eeirer fromnien i>n- 
Bprüche uno gestattete nur aicn oelbst gelegentlich tri üe- 
scrnftsinteregse eine kleine Ueberecnrei tung oer religiösen 
Satzungen* Seit ihrer Heirat und im besorxieren neit derc Ein- 

« 

treffen :.oritzchene v^ar HOßa Konstantlnowna nur wenis? in 
ihrem Berufe tatifr. Nur in ausaersten Fallen erlaubte ihr der 
Gatt© um einer alten Patientin willer, den hauBÜchen 1 fliehten 
eine Stunde zu rauben. Adolf Iwowitech's Frömrr.i fxkeit war für 
eie eine harte Nue«. In ihrem Vaterhauee in Tneodoei a war 



mar b 



ehr freigeeinnt gewesen, und ao war»n ihre Kenntnisöe der 



Gebräuche und Gesetze nur sehr mangelriaft. Um i Viren Gatten 
nicht zu betrüben, -^agte sie es nicht, inm diese Unzulänglich- 
keit ihres V^eens einzugestehen und cab sich alle Luhe, der 




\ 








i 



i 



urgt-wQhnten Aufgab«^ gerecht 2u w#rcier). Kxxv Gott allein konnte 
es wissen^ wie scn^^er der armen Rosa konet fi>-itirJOwna cie ür- 
tüllung der ar. si« ftesteliten ForaeraTigeTi bei ihrer crroBsan 
Zerstreutheit und leichte^"» ii^rregbarkei t wurde. Ler babbath 

musete jeder; Fr ei ta^abe'^d r i t LichtarzilnOer urd Gebet be- 
gruset w*?rden, Verr Adolf Lv'OwitRcJri rieht dabei v?ar, io 
vrurce das Beten urt erlaf^fieT) und dap. ehr iö tl i ch e Dier ßt mädchen 
mit dem iir:sünüeri der Lichter betraut, üinmal geachah en, daea 
Adoir Lwov;itücii ic'erade i-i Auf/^en blick ^rqlch fei c-rli eher Auß- 
führung aeu Gebetes ine Ziäxaer trat. Da erkannt e ilo^a Lon- 
ßtantinovinä eret ihrer Frevel ar der BlHe^e ihres ?.':anre8. 
Ohre eine Bemerkurg stzu^art«n, r ch^'^or £jie , daee no was 
cich nie wiea erholen würde. Seitdem zürdete eie die Lichter 
Imraci* ßclbst ai;, rri. cht e dazu Ha ndb ev^egung«) , oie >3 ie von 
ihren i^iachbar if-ner abgelrufccht ^ tt e urd ;üurmelte dazu un- 
deutlich, v;r.6 inr R«?rHce einfiel. 

I^och einer bmi^tar^d, dt-r gleichialle ihren Gatten 
l'roruixie Geidlrile verletzte, hatte KOba Kor etar tirovna in 
ihre ]üic i;ii UsCbr acrit. Ihre einzige üchv^e^ter Bella ?/ar ge- 
tv^.uft und an eir^er ruftöiBoher i'o>^tb f^.«mte n ver^ieir ate t, una 
daß j:^aar lebte ijuoii ir» Jnlt^, liatte elren blaH-en unter - 
ornänr ten Jui"'gen von d rei Jahre-'^j, urd v ••••r hin ö»=-r r? konnte es 
Adolf L'/?üwitech r)iont, daef^ di-^c^e Vf'rv7ft>T o ten zu ihni ine 
Haue kaaen u^ci an eei^ern Iroecheren Tische ae^en. 1)^8 Gehalt 
des i ua tb i-uaten v»c\r ?ü klein, dasB es den b efichei der eten 
AnsprüciifeO nicht gt-nü^!.te, und Rosa honst an ti ro^na tat das 



ii 



erz ar? zwei btelle-n weh: urr* der üchv^eeter vf^iHi-ri^ die sie 



lieb hulte , urd ci tr e;ie nicht eo c'ufrehrnen konnte, wie i^e 
vrollte, \\ernf,leiCii rie ihr bei j c^cer Gel e^^enhei t etvr^.s von 
ihre^ r «-Ic hlich r-n Vor: feten in alT^r Stille zuBteckte, - und 
uru inifP i.duir^ willen, d^r nun durcl) ^ie eine ^g^eche" 



üip^e iiatLe^ 



1 T 




5. 



Adoir Iwowltsch^ l/r3 2ufried*nheit ^A t den L'lnp^en u»d 
er-ine ijit'.-^ort auf ilorja Kon9ti^rtinowr>» * 8 ;>iirden drückte 



eich in Sch^'^et^eo au^ , i^^ beiiar rlioxieiu 



i.)Chvvieia:en • 



In der erster Zeit hatte ai e» ^^«glfjjbt, d; sö dief^<?© üchwei - 
R«^ bei eirera so >zuten una zart^^r ./:en".chen ^rie e« Adolf 
77ar, If^icnt zu brecüen wäre, ^ ber eic- lernte baJc. dr'«cß 
sich hinter ci eeein i^ch^•'ei(^^rl eine stille z^vhe Kraft v^'r- 
barg, an der ihr Lärm abprallte. Ir.r, dj e übt=r e ilea so 
viele und laute Cvorte mach et-» koi'rite, vr^^re i~fi ge vd sf> 1 c-icyi- 
t^r ^eweaen\ ar rare i^ e cle. Die war hofti«* brauste auf, 
Btigte urvercrtwortli OTie Llnge, aber allee war ohr c^ Fjl^?en, 
c:irtfir vorüber ^^ie eir? Je^'itter, da%i die I.jft reini^rt. Adolf 
Lwovvitych' Sch'^jreir^if n dap:6gfr ^nar bedrück<?nd, wcT oft unver- 
etftrdlich • Ya r vrusate manche«? ?Jal rio:t, Torjin T}ap \var , vo rin 
ma^^ «^^fehlt hett^ un d b eeonder ■? noch bei eint-r wi^ 3ie, die 
hö-ufif.^ ^03 tat, ohne es selber zu ^vineen, a ie iinmer in .ja- 
gwden 3edankffi ^rir , iTi:i.rr soioo bei einer zrei te n 3ach e, 
ehe Gt f rate i£j'et?in \\ ar , Vn tT.ab t-i^ oft, ^vr^« nic'.it d^^.H .ilch- 
ti i;e \var , und vor Adolfs bchw^-^igen hatte ei e ein^ re-T^l- 
rec/ite Angj^ . Sie suchte a-ann \uit fifruenaem 31i cJc Beine 
J^ugeti , doch die p.aher i;m;er fort, immer nach einer andern 
Seite hin, --i e aehr a ie ihi'en aia;^) nacL^eilte. 

Um ^er üeberscn^vang dea üefünle in Freud urjd Leid 
ertrni::er zu könrjer , brauchte iio^ß Konf tan tinowna einer 
Abieiter, an dem nie eich Viermriur^ idca auelasr.en kün>ite. 
Auch da« ^j^ar ihr g;/9Q:eben, üie fanci die ^-eauldi ^öte, ver- 
atändnisvollßt e Anteilnahme an ihrem r^rlebcn bi-i iürer 
>rachbarln Ll^a Boriesov^^na Bßrkan, die urj^^f^^^ir um dieaelbe 
Zeit 'wi» ai e i^^ das HauP ei f^re zogen v/ar • 

Lina Boris^owna, f^ir^e riedllcne kleine rrau, teilte 
dae Scnickaal vieler, Sie war vor zi'^ei einnalb Jahren auf 
einiK^ lochen zur .Viederh erst^i lunier ihrer Cesundl-ieit 
nach Jaltö gekoiaiien and war eeitdertj at ecken i^eblieben, 

Ihr Mann, der retrograder Recht cjinw^ t II ja Jftko'^lewJ tjc/u 





Barkan war ihr «tn paar .Vonat* spater urt€r groöeet) Ge- 
fahren nachß:ekOitiriei:^ and nun waren sie beide gezwungen, 
auf un --bB«*hoare Zeit ihren Vohnaits in Jalta f f^stzuleiren • 
3i?* rieht etefi eicn rai t den wenip:en Sachen^ die sie mitge- 
norainen /.attet), ein, bo ^ut ts ging, Seinen früherer^ Beruf 
tQUf^Bt© u^r hechtßanwciL t an cen Nagel hangen und sich mit 
dem b ^^öcl-iHrtigeu, vfi^k^ in aieser schlimrij^n Zeit die einzige 
einträgliche Lt-bcnäi tigung war. ^as sollte die Kechts^'d Rsen- 
Schaft bei utr völlir:en Auflösuns^ von Heci)t und Ordnung? 
Wer konnte da e^t »oati aen, ^ f-n xiecht und Unrecht warv ür 
kaafte aud verica.cft ana watä eich f?»^rade traf: Tabak, Wein, 
Bau-nwoll^^, Ticj;ite, Zurdiiolzer .v/enrgleicii diese neue Tätigkeit 
ihui nicht e^-on aerli cii bt-hagte, eo ertiögli chte Bi p ihiri doch, 
seinc-r Frai e ir feioirige^ ^'arint^s Ziru:Ler ana gute IJanrung zu 
bieten. :ä' i^elLst ruue.ste zu di ece.ii Zwecke viel unt er^^wege 
sein una Tebak aus ineoüosia nr-ch Jalta, Gerate aus >:.upa- 
tori fc 11 ooh iL^-b.öiiOpül , ^ein aus Jalta nach Wo^'^orüni^sk und 
ojo "^eiter oeförot^rn, lina Borlf?HO\*ma yk^t viel allein und in 
Rtntor i\r;p:6t ura ihnui Mann, der auf peiren Heitier verechie- 



ai5»n6n ueirhren cSuiigt-Bet zt vrar . 1 nr e Geuur: dl^i^r it konnte Rieh 
un 1 1 c dl e BOTJ wuie ;;ün a en t; at ür 1 i cVi n i cht b ee ^ er n . üe g ab 
/i/üCr-ien, d& feie das i^ett nuten rnusste, und da freute f^ie aich. 



'.venn j f .nanc: Zer^tr^^uung in cd e bi nför nd^ijceit ihrer Ta/^e 



VJ 



bracht«?, liir /Aa-iXigbl er Crfist \var „vosn Konst an ti nowna . Gewias 
führte ü> letztere ricut nur der Lrang ai cii mitzuteilen, 
ejroern aaoü di^c Inuereese für die leiaen(^>=» junp-e Fraa her, 
Lira B'jri yr?OH'na t^rkarfit-e ecnor vo'^ ^veiteiü o«*n ecb'^'eren 
klopf :^:drn Tritt. ..ert) nicnta i^ueriiergewöhnlic >it'$ vorlag. 



i 




V 



7. 



eo pflft-jte aoöa Kor^etan tinowna kraftvoll die T[ir aufaureisi 
und ohne Gru^a nacrt ihr«m Betircm una Bedarf zu fraprw . 
Lar^ur .nelcl«te ä?-i, ciaas ei« ip «röeeter Ell^ e»i ara 
gl.-U:h .ü.d.r ,^n.n mü^ae. Di ea.e ..Gleich- war ab.r .,.] .t 
nicht .0 bö. ,,-...!.,. ,,,,,, j, „^^^ ^^^ ,^^^^^^ ^^^^ ^^^^ 

ecnlr^r. r.r ,. , von verschiedener i.au .r a.i. und .äufi, 
eret denn H . e racin-eckt.« .i,„ua ßnaan. ..enn das Li^^- 
mädchen nit d... h chr.aender Voritzch.r auf um .r.. .ö.r 
Adolf r;....lt.oh .elbst .:it undurchdrlr^llc ]-«... G.,i,,,t di . 
plötzlich V.r.chwund.n^ hol«r ica,:. Freilich «.scnahe. a,,.cra, 
dPs. ao«,. Ko.st^.ni.o«vna rur ihr.p mrren Krauskopf h.reir. ' 
8t,^kte, f int»,, oruüö zuwarf und verHchrand. 

ir..mVa.e :,:al aber ka^, ei« h^ein. .a^te kein Vort . 
.etzt. .ich atu.^ in u.n Lehne.uhl sj, Fen.t.r. Lina Bori..o.„a 
cer Hucken ualt zu,Te^.rdet ur-d verharrt, ir; bch^-.i ^on. 

fragt*, encillch lina BoriRf>o^"rna . 

ci n e t. '^•er er S*^a f Zf r kam . 

„tu 8H,;«>n Sie doch! ".V;,« igt es dtrrinV .»d *.d ^f ^iol t.e 
Jlna Bjri:.3o-.«fc ihre uinp:ec.aiai jre Fra<re. 



./•V?-.p carj ••' " 



<■ i 



fr a^er r o cn ! iu r^ i c rl 






doch nelb.tl .arani rr....n Sie nuchv Mdsner .ie .ich r^h ub.r 
mich lu.11^ M.cncT=V" £i. v'«.ate lira J^oriB.o--^.a «in tief - 
unglücklich... Coicht ZU. .Er ist eo .T*ll«.t. ao klu.:. .r 
18t Bo Bchr,,." fui,. «i^ ,,i, ,.^, leiderd.r cai.-r.e fort. ..uro 
wie P6he Ich ßuyv -Vi«.- i:.eiiP.e :,^a«c!" 

„•^/»n mp.ciirr cit^sich aenn i^amcr f^-rtip; und q-aii«, 
eicnV" be.ch.ichtl.:t. n..5oriHBa-^.a. „Adolf I..awitach li^t 
Sie doch, iei er. i,it; doch ruhi /s;! »' 

,.B--s Bt^cn ;iii, nur. um ,;u ch zu troater . ..,r iet nur 
zu Kut. er dilaet. abi^r ^i n ps Ta,?ee wird ^•8 i 



nia cJoch über 



werden. " 



Lira ßoti»ao«T.a erwiderte nicht mehr, cenn nie 



mi^ste 



mß 



8. 



das::« nl Lep ar;8or»t ecin TÜrde. Sie liei?e si»^ ß;Hvähr€r) . HOBa 
Kgnet mtino'.vna verfifl nieder ir. brutenae« bch// 1 ig<^r, eaae 
roch 80 ein« '/^ile and gir.a; cvrr etUiun, \yl e ci e Qeköjrut« 

J:s kSiQ f-wicl; vor, caee sif- ver^chöriit wie i*l n r jun^r^ 
2reut ; i ^. Ä^'^^enkte^i Blicke-n u??d ^erötpt^r; Xaiigc-r iiu T.Ina 
E'ori^- f^jovna pirtrat, F?ich ir tU-n Lchrrtanl niKitrLire<> und, 
d£in Gesicht mit eer Härdei tedecker-d, flüetrrt-: Vi o» er 
mich liebt! (.h, v;eür.' bi e ^^usßter. ^ ^i *. er xi ch liebtP' Lm n 
hüb ^i p den J^oof und r.a.zte :At i-^tvtj lercerri Gctac/it: .Vierzifl: 
J a h r e 1 a'^ ß h ?.b t^ ich au f -i i <• • s t^ ^3 ü 1 ii «b: g.e w <^r t e t ! V i f ri: i y: 
Janr ^ lor g ! ♦* 

Oh , di ? r ü]iV er' i.er 3z er er , de r i r. Zej k«^ Li >^ ^ Bor i ö- 
e 'rn"» -, v:- "^ i hr t-ra B vi >; on au b J c-de r> I' o rf,: e n und jade n T' a ojmi t- 
tag ^eXv kzovrite, -/»^nn Adolf L'"Ovit^Cii d.'^n hauo VrTli bb, 
A'aii ^r irn; t^ hoöa IvO' ütav tlr.»ovmr ac , wer iar «if^ zuschaute 
urc' V' cir üb f TR,5 HiT V j)r p t r nc, r. i t-» rio] Ca rt ^^ t :j r in i 1^* r or 1 arg» r» , 
\vel 1.. c Vi r.chi itvze r,T ob"^ ri ur d der b, .ri e p i e vvar , -li t üf*:n z arte r 
Krabj. '^ir ruf (\f']]\ brnviten Arn* 

^^!oritzchf^?7, eaf: -uf 'i'-derfiifVitftr ! l»!ürit2C'h€T^ , mach 
^^ire Ku<?^ ".'haj'^d. Adolf, ei eli docl» ?v1or-^ tr.che"» ar ! lir Q'^^t lir 
CO c li ruf Vi oder c eher* ! Ad ol f , ei e h, f»r . -ri r f t Li r e i »le Ku ee - 
l;and zu t ''or itzcht»,--^ irieh coch, \rr>& aer lapa m'-u.iht!'' D&b 
koi-^rte noch Iöt^t t^ jauerr , rachdeiu der Cchf^tley Ac''c)ir Iv;c- 
witach nirtc^r d^r L:trr.d? «*nrr ck^ ver^chYruru^i- 1:). var • 

I"!^ korrtr- f^u cu gp b o lie iri?: n , dr. ßt» Kona huPJ^ ta liro'Ama 
rr.ch kure6:a Gruc-e lin a Bor i e^^owrui^ Ziioriior betret, eiSoh er- 
staunt nach aller« Seiter dfrir uin^^ciiaute, ^.1:^. »^'»rf» de zum 
^^ryter Male da ar)d dann eagt^: ,,Ze i!Bt mir urbep,re i f li ch, wie 
00 00 bei Inren auH«ieht, sauber, c^inütLich, riftl, und diibai 
rind Sie doch leid<^rd, be've^.en üich kaum. UT''d ici. rackere 
mich der it, sitzet: Tat' ab und. .••• Sie brach ab, fuhr ai t d.ev 
IVdndev aupeir^rdor, al e hatt»^ eie keine Vor te inehr für das 



Urbep^r eiflic he . 



f 






9. 






. 



I 



kaijchee Mai kara ftuoh Adolf I^owitech herein. Auöh 
er tah «ich jedes T^al n c^h aller Geilen um u^o «chüttelte 
den Kopf, ^v sagte nur: ,,Una sie arbeitet doch öev ß;arsen 



Ta«]" 



i^HQ war ciae für eine ti€>fe n(^r2ZfrrreiRct>ncie Ver- 



2^^'^eiflung, wenr Adolf Iv/o^itcch nicht zur fzpvonnten Stunde 
rachHaufe kam. Gac es derm eir> Veib, ar^e riifhr litte, als 
KoBa i\or;8ta^ti^o^^']^r.V -^u sfch Bie r/i cht sch^n im Geiste den 
;;>;e liebt er Gf.tten? Hat i i.r rieht fin i^auber am hellichten 
Ta*?:e rt ^f den belebter) ^uai über die Brusturg in« ¥eer r;^e- 
ßchltrfudert, oder ist üxcnt vor. i r»;en d^^-ohtn* ein AutorriObil 
dBh*^rgeraöt und gerftdf^ über Acolf r;ir. l ".ps ribt ee eiern 
nicnt far Ureacnen in der .V^lt. die el nen \1rnichen plötz- 
lich verrichter körren , ^^f ern ihr^ arr Toc: bfßtimmt i et l Und 
i'iQPB i.ünatfiptlnoirra fit det «-i ch keine Auh. Sie läjft zehn 
Mal in einer Stun ce zu lir^» liori^^-^o^nn u'^'ü vor Ilna Boris- 
so 'WS zu ^ich in die -'.ohrunn^ und öur dfr vohrur^ nuf die 
Straeee ur^c wieder aenr.elben .Vag zurück, nur in anderer 
Aeihetfolge, biß aüjII endlich de ist u^id nie aufschreit vor 
Glück ji.a ^-rregung, u:a in der nacliaten Minute tierf flend zu 
cein vor SchT^erz, einen Yann zu jiT-iber, öi=r an sie rieht 

uenkt, der v^^rgii^st, d^Bs er v^rneirstet ist un c ein .Veib 
hat, aas Todesqualen um ihn Lciiet, "-enn e^r nicht zur Zeit 



da i 8t . 



Ach, ist einmal wovi ge aohiSrien , dB np .nan wirklich 



^. 



rlauben -.onnte, aif'ses spat f^rrunerf^^^e aiück*3;infce in Brüche, 



Hosa Kon t!t an tinowna oesr.ab si Ui e irv ö frunen i'rei ta^raorgens 



vu 



r aenh.£rict, um etwan atitejix Gutes für eins üabbath:r)ittap:esBen 



einzuholen. l>er ükt ob er mor? en v/ar klar und frisch, 'i-'^ereer 
und die Straps« varen vori; öonnt^nlj cht 30 durchflutet, dase 
der Glanz ce» i-vu«t»n iaöt ^eh tat, ßi)Fr df.s lUrz voller 
Fröhliöikeit und Zuveraicht vvar. Und wie si ^^ so durch die 
Varktreixien ;ai t K^iioo tntr r ürust schritt and die letensfreude 





10 



i>ir bi 3 In dl e Fing erspi ta^en ain*^i^» pricKalte, dr. erblickte 

::n e eiii ;.^#* scalacl-ite^tes Huhn, ura ee nchier) ihr, ej e 

hatte r^üch ri^• tin gl^lcUee t^f»3t»har, ein Hunr yait ei-nera »o 

gülal^^, fetter. Hintc-rteil und einer liujl , d^ef? ^i if» ?^ich 

ffür.eoitr , inr Antiitz ••^är<=^ Po zf^rt . Ab^r ci^e Huh*^^ 'r^ftv treif 

küiün^n. Loch, ^i/reil'" ar o ^, koscher*' w.-^'^ er ja in .'iricli cnkeit 
für liObH Kor^ta r-li ro^vr^a li=f*re B?r.Tilfe. Urd vde l:or»r'ti> 
.^oiuli ei:' a^vvlicne^ Kuhn sandig; erpcheir'f>r ar^ ei ri»Ki Ta^e, 
dft ^ilii?ü frfC'^cai an u ^esejitn et ^^ar , df^ i=^'liep t lir «f-ir^ eigene 
i:^xi^* te-;*zl> f.-r ^-cntigUMg redete, da mf^v Relb<=r nicnt wiaRpjte, warum 
TQfUJ 1'jo ßlüOKlicn war .y -Vüb war da „trc»if** und ,,koBcher** bv 
<^^i "»em 1fr* acjj.\;**r> j en iierD au moi^gen , ür eiv w^rri^er lockender 
L« i o/it Bi nr; c< us den Ti e fen aee ni «^ ß ohl ic n e* iV en en b ?5u fs tleg, 
ur:Q kann cki «^^ir) gcldig i'öttre Huhn nicht ur*»'idprB tehli ch 



'^:er cev V 



iiüHi^ /;0nH L rrtxroTma r-Cc^ufte oi s huhn , kaufte noch 



pn-^ere vonl ncrimeokerde ivir^e und p'-lte nr-ch Hpu*--p . .U t 
'^iir^enfr H^'nd '«rollte e. ie ail6ß ^ubf-rei t er» , Ihr Adolf rollte 
inrrkep, c)a j^-f; ee ein baitt i-^Jbr^f B^en war, ihr teurer Adolf, für 
uer ihr nicnt»^ ^u fdn'vtr war l /iif fii e «=*ndlicn üb bei \»ar , 
Uli oea huhri oa r Meewer an dieBruet zu >?et2c^, g^ ptsra er 
vor ihr in 1 idohal tige i üt?«tc^it unu eOiieuLe von ihr nuf 



dkiv ixuhr un V. von dejj. huhn \'^i edifT ^^\it ^le unu ^rar gc-»nz 

bi^jr.r., jr d f.tit'e Lippen zittf-rter. AI ^ ob er nicht ftuf den- 

tieten 3iick ««n den; imÄeur rtrittT* H^lß erkannt riätt e, d8R8 

eis e-iv oreii^^i naur^ 'f'ar . La -/rar inr, ala täte ei r bcnlund 

£:. ich aai uru vi-r eciilurgt? aer^ v er f alröer iechen HerbettAg und 

*tl 1 (-H, A'ai' ihr Gluck und Treuafe ^>we8en war, unö f<uf dem 
Ti ^r:h cn yot iliV lüfe:** rur hi 8 i:l«»^li cht-r .lest eiri furcatbar 

ÄCf^lbt^pi fettf-^p: Jluim , i'^ ^ chri e uoc-^a Kon^ t rntinö"7na auf, er- 
griff «-« an ;3rn i.uf-.'?*:ijiaene:eban o*?ri et- Fu;i8en , stürzte auf den 
Hof hlrnjn und ^}<"hleav,. ertf? ta .m ei>ieia Borjen den drei 
Katzen hin, di« If^ngg« r tr eckt und trage in Ger Sonne lagen. 



11. 



I 



#^. 



U^d oann r^ing ea zu Lina .doi:'tef;0\^na hir) . 

Hrra 6oviQ?.0'fttia /iutte- e»iner> BCiil^chten lapL\ 31© 
Y/andti* lringj::iao iiu GesioiiL v üo der ;vand her, .-a 8 sie Rosa 
xvo vüCr.t; ti.'>o /o" i^ 3 tjir^;lBcxi\n «•f'irxonLr;6"4^ liörte. Sie war an 
Bilce ^-cvcvioi, i^bv»r wi«^- ei e» t^a e uie8#^^> .^b1 in cer L^'lretuhl 
sinken ui^a d hh Je^t^iciit lait Vtrvawel l>ller ü^^bard«^ ir Cfr 

ciüch uerj Lopi ur; c rrH,^_,t^; ^ ,Vo i ^t cne Kind? üaer i at iiiit 
Adcif v'Bu*?" ir r-r oob hIcüi ie ^:rüJ^^.w^ a-rb* Gcptelt. Liö 
hanrt' v^aren ^'/irv^'-r uIb ^oru-it, ur.d alle Ff.rbr^ vrar aus ihr<iȟ 
Gf'.':ic:iit ge^ric/iH-j , ,^ Fr fi r^^H". ^Atß -dchl!^* i.iur.n<b'l t* ri.* uuinpi'*. 
,,J?H-:t : «»iM.Miiilici'i allfH e:.ai;.'* ^^j ^a^t^r Ui^ doch!" rief 
linn liori '-UOV-B r^^wb^. l'it ^ir>6:a "/i^liic.ut warf i^ ich Uo^a 
ii.o-"UariLi -ow!JH ara hineile -iit^der, .-laTiff L-ir. a x-iori ^ßowvK.B 
iiurofi af'O fl .A^it^r t<; A&,ia v trr öti;a.nai icii : „lexi nuLe ihn oe- 
trwh^^^n,** liria Ikori «t^j'vnf« uaOiito ihre Härcj^ frei ura «^rhob 
«loh in sf\ tz t^ic €'■ ottr^ii an <<. oi <r «fji ai#^ /rau 8^^ ai q rf\iPte 
12 i '-^ irfr-, 3I«i /:^,ir,i-j, u; a^c'anken disn gfinzer beüa ^-rjte rkrtri « 
.ioba :.or s;> ?jrUinoif'r^fte »lürch u'^d i av? ci niemar.d, mixt dem sie 
ijx rio i^ci'jlf 1;.'^ troKt^fi hf^^r^n iÖnno*>. La ^A'ar bucrivtäblicn nie- 
.^r'M-a ua, ü'-n a^n v^rd^xcutige n adtufe . Hpcns^o cr.^^? v i eil f^i Cijt 
ae«". ßc/iaa*-pie U^T , c>r nebt-r bei ^rdt ei n rr ki^irr?) ?rRi und 
Z'vei filufcJP oa^>H»^u vo^u;t^V V.Gn evziinXte vor ihm, d« rv e-r 
r;elbli Cii<5n iieizen Ifeiont arlfrlage. Lcc/i ^iöPf, Kopf tf»ntiriowra 
karnte ihr! iiin^e .♦l?.t.t^nii r;f;Cii rcaa.a, urui tr uucate a^ch wahn* 

irr.i^r ^f^it) ar'u f ie »x^i i l/:;rtr Liift.e zu Acolf ercit r<^cht. 



s 



höi^t^' ,'.;arr»ichu nlv-. Li e bir-u'^te Liii i/ir Krr:ui-'f-^p Ha.jpt übf-r 
uxfc iia.hc:fc • I, * i t \vtri:./r" rvw{.;;te? lir.a i^orisKürTH rieftiger. „Kit 
dem bCiioü^>pi «ri. ri" j '» u'u öie i^eigw. e mi t ae:T; >jn^2'f»r auf Ji 6^ 
Zi:LneTi'^i'»nü, /Iota isO)'^iir.''iir.ov^riv. t^rhob ^^ich und fi&h ite rr:it 



iurüii «;roti>:5ii'N fui^u^rri Aa^ev veratttTodrisi jh an. ,.lrlit nu^lche 
SSchfußpi el i-r'i *• vwitr'at^i'iioit e ^ ie die Fragt»^ , „^1^ beza iluhn I •• 



m 



Second Intentional Exposure 




12. 



sciirW 8i«g«ll#od auf. - 

Lina i3oriw«owt)B HCi;-vieg «ine />;«il», annr H«r te nie; 
„Sleeind vrrückt. LaBse» Si« miah, bitte, in Kuh, Ich 
bin müde" und vircite sich vit'üfr d«-r '.Ve^nc zu. 

Rosa KonstantirowiJö r *cktt- inr e Goetalt zu vüIIpt 
Höhe ^-ripor. „Sie- ai nd •r.biner auch ubwrdiüsi:!^, . Ici. >r. b e nun 
fillee v.?rlür©p um ii.vcf? nlciitamHhr auf der ,elt. Icm will 
nur roCii vow lioritzciritr Abschi «i ntüm«) ufcoi dar-r <»-i.r !5r,d«» 
mach«». Man h&t ts cjoch vovauHwehtü iconnen, cV, bp *»s frü}:fr 
OüfiT cpätt=r CO kor.'i:nen vmrde." üi e ^agit ;i. 3 aUe^ -nit der 
Kühe urd Würce einee i'önaci;eti, der jiitalle.T a'. vif^^-pchr ft hat. 
Lina Boriecov/oa zug die iv^cKe übt^r di <- ohreo. -Je hatte 
für diee'>8 ::al gfnug, sie w^lit^ riciite ;t riir i.örtr«) . 

/„ii i\bend war Aona J^ons t«rt ir.owra vifd*'r d«. .dn^ 
leichte Röte leg Puf ihren .Vangeo, md ihr« Auf-r<^ l*»ucht^tpn 
ver8Cht.:ut uro doch gluckstlig. „ it- nat >üi r VHrv'4Pner , " 
as<--te Kie. „ ar ist mir naca<rP«8DR«P un2 hat , rrd ch ««ir^riTinä tpr . 
nie ich den bnae nacne n '«? ollte ." 

Sit setzte aiCii auf d*#n ütuhi upt« r' dw Bftt urd 
sttfic/ielte T.infi Bori syo w-as harce. „ /^ er Kuhn f*r- dürfen 
nie wieder z-j, une ins Kaue!** 



1 



willst du, Frexmd, die erhabensten 
Höhen der Weisheit erfliegen, 

Wag es auf die Gefahr hin, dass dich 
die Klußheit verlacht. 

Di© Kurzsichtiße sieht nur Aas Ufer^ 
das dir zurück bleibt. 

Jenes nicht, wo dereinst landet 



dein mutiger Plug. 



Schiller. 



Fast fürchtet man dem Prediger in der Wüste zu glei- 
chen, will man In der Zeit ratternder Maschinen, fauchender 



Schlote, der Weite spottender Blitzzüge und über Hohen lachen- 
der Luftschiffe über Ideallsmus und Ideale reden, da Sinnen 



un 



d Trachten ganz auf die concrete Wirklichkeit eingestellt 




ist, ubd in spannendem Atem durch die berauschenden Siege über 
die Materie gehalten wird. Hat es Sinn bei dem beschleunigeten 
Tempo unseres Erlebend, das Eixidruok auf Sindruck, Genuss auf 
Genuss häuft und eilig geworden ist, wie die unterworfene Na- 
turkraft, die sie uns vermitteln hilft, hat es da Sinn nach- 
denklich zu werden, den Blick abzuwenden von dem bunten Ge- . 
triebe, ihn zu versanken in die Tiefe der eigenen Seele und 
hinzuhorchen auf Fragen und Ahnungen, die uns ganz wo anders 
hinzuführen scheinen, als zu dem, was in der herrschenden Le- 
bensstimmung das Ziel und^weck des Lebens ist ? 

Durch die gesteigerte Selbstbewusatheit des menschlichen 
Könnens ist Jene geistige Fähigkeit in das Blickfeld gerückt 
und im populären Bevusstsaln am höchBten gewertet» die an der 



8. 



Eigenart d«r modernen auf hoohentwicKelter Technik gestellten 
Kultur den grösaten Anteil hat. Ba Ist der Veratand, der mit 
den gleichsam atatill gewordenen Elementen der Wirklichkeit ar- 
beitet und die Steine zusammenträet lum Bau eine» featgefügten 

Reiches auf Krden. 

Noch nie war eine Zelt «o der Wirklichkeit zugewandt, ao 

»Irdisch» möchte man sagen, wie ea unsere Ist. Wohl war die 
antike Kultur slnnenf reudlf und Ist Ihr Heldentum Symbol eines 
hohen lebensgenuases geblieben, aber dieses Gefühl einer Wirk- 
lichkeit, die unzweifelhaft da ist, uns gegeben ist, uns ein- 
schllesst, die wir wirklich sind, wie sie, diese Bewusstselns 
kategorle »Wirklichkeit» war ihr fremd. Der vollendete Aus- 
druck dieses Lebensgefühles, das sich an Tfttfä'^hll''hXelten 
knüpft, und alles Ideelle, dessen Sein nicht unmittelbar em*- 
pfunden wird, als Unwirkliches deutet, ist wohl in der Theorie 
des historischen Materialismus gegeben, der die bewegende Ur- 
sache des geschichtlichen Geschehens in den Produktlonsverhält 
nissen sieht. Damit ist dfe Souveränität einem Faktor zugespro- 
chen, der mehr als Jeder andere der praktischen Erfahrung und 
einer verstandesmassigen Erfassung und Zergliederung zugäng- 
lich ist. Die Theorie trägt den Stempel der Einseitigkeit wie 
die Zeltströmung, aus der heraus sie geboren ist. Als eine Me- 
thode der geschichtlichen Erkenntnis darf sie zu Recht beste- 
hen und hat sie ihre Verdienste, In dem sie am Leitfaden der 
Produktions- und Consumptionsverhältnisse neue Gesichtspunk- 
te eröffnet and ungekannte Comtelnationen der die Geschichte 
bildenden Kräfte aufdeckt. Sie erschöpft aber nicht das Wesen 
der treibenden Bnergleen, die in ihrer Wechselwirkung bald an 



«.. 



} 



1 4 



dl« Oberfläche des Geschehens auftauchen, bald in die Tiefe 

I 

versinken, immer mitwirkend in rastloser Bewegung an dem J*^- 
welligen Bild der IreignisBee 

Entgegen der wissenschaf tllohen BrkenntnlSt die den 
Menschen einreiht in die Gesetsmässic^^eit allen Slcherelg- 
nensi muss doch unser Handeln so verlaufent ^^^ ob wir frei 
wären. Mag unser Wille der subjektive Ausdn^ck sein, den die 
Triebxkraf te im menschlichen Bewusstsein finden, wir können 
nicht anders als so zu ihnen Stellung zu nehmen, als oblkre 
Bewegungsrichtung von uns abhinge • 

Und wenn wtr nun fragen, ist das vorhandene Kräftever- 
hTiltnis in unserer Zeit sft, dass es einen unerhörten Aufstieg 
des Lebens bedeutete und ihm eine Grösse rv^er liehe oder ver- 



f 

^ 



spsäche, die vergangene JahrhuAder te nie besessen, so muss 
eine leise zaghafte Furcht eincestanden werden, die trotz al- 
len äusseren Reichtums und Glanzes unserer Kultur den Nach- 
denklichen in stiller Stunde beschleicht. 

Bs ist. als bedrohe Jene verstandesmassige Zuspitzung 
des Daseins eine Q\ielle, aus der die höchsten Leistungen der 
Menschheit stammen« Der Verstand ist nicht schöpf erisch, er 
bleibt bei den Erfahrungen stehen, sichtet und verbindet sie. 
Br kennt nur Nützlichkeitswerte, die von den Forderungen der 
Gegenwart und der nahen Zukunft bestimmt werden, weil sie in 
Gebiete der Erfahrung liegen, sich also begrifflich ^und be- 
rechnen lassen« Dass ran für sein Vaterland sterben will oder 
in Werken der Nächstenliebe aufgeht, hat mit dem Verstände 
nicht zu tun. Br gibt niöht den Impuls zu solchen Dingen. Da- 
rum hat die nüchterne von gefühlsmassigen Regungen befreite 



• I.' 



> 



V 



BeKlehung zur Wirklichkeit eint Geschäftsmässlglielt zur Folge, 
die immer mehr Gebiete des Innern und äussern Lebens ergreift« 
Erwägungen praktischer Klugheit wagen sich in Sphären hinein, 
die ihrem tiefsten Wesen nach uninteres&iert an Vorteilen mate- 
rieller Nj^tur bleiben müssen und denen ihr Sinn und ihre Bedeu- 
tung genommen wird^ indem man sie frebdeo^ Zweckendienstbar macht. 

Die grosse Persönlichkeit ist es, die schöpferisch ist in 
ihren Erkenntnissen, welche über alle Erfahrung hinausgehen, und 
in ihren Taten, welche nicht nur durch vernunftmässige Motive 
erklart werden. 

Die höchsten Leistungen, die der Menschheit beschieden 
worden sind, sei es der Erkenntnis oder der T^t, sind Jenem 
Wurzelpunkt der Seele entsprungen, wo alle Wesenskräfte zusamm- 
enwirken. Was ist deis Scliaffcn des Genies denn anderes als ein 



m 



Setzen von nie gewesenen Werten, die sich in einem Innern Schau- 
en ihm erschliessen? 

Klugheit allein macht den Menschen nicht gross. Sie lässt 
ihn ruhig am Boden kleben, eingeschlossen in den Kreis seiner 
Tagesinteressen. Erst das Ideal, das seiner Seele Spannungswei- 
te gibt reckt ihn auf aus seiner Kleinheit. Das Ideal ist das 
lockende Ziel das seiner Sehnsucht nach eigner Vervollkommung 
und nach Jener Wahrheit vorschwebt, die allem Wechsel und Wider- 
spruch der Erscheinung zu Grunde liegt als ein Ewiges und Absolu- 
tes. Seine concrete Bedeutung liegt nicht in einer zeitlosen objek 
tiven Gültigkeit. Es mag irrig sein und mag sich verändern Qe 
nach dem Stande der Erkenntnis. Darin liegt seine Bedeutung, dass 
es den Menschen aus der Enge und Dürftigkeit deines Daseins be- 
freit und eine Weltanschauung bauen hilft, die über den Bruchstük- 
ken des Wissens gleichsam eine ungebrochene Linie construiert. 



/ 



■'l 



6. 



f 



Stark und gross sind Jsns VÖlksr und Jsns Zsitsn, die Ihrs Ideals 
1o1jsb415 smpfinasn. Wie sin Hauch swigsr Vahrhslt und SehSnhsit 

wsht SS von Ihrsn Wsrksn. 

-, Bin« lultur, dsfsn Rsichtum auf einssltlger Entwicklung dsr 
seelischen Kräfte beruht, lauft Gefahr die Wurzeln »u untergraben, 
die ihr Leben und ihr Wachstua ermöglichen. Sie bringt sich un dis 
Wegweiser und die lookenden Ziele zu immer höherem Aufstieg. Und 
verfallen einer unfruchtbaren Geistigkeit^ wendet sie sich materiel 
lern Geniessen zu, dem ein gänzlicher Still*tand folgen mag. Ware 
der ökonomische Faktor der alleingültige, was trüge schuld an fle»« 
Untergange so vieler Kulturen, die keinen äusseren Feinde erlegen 
sind? Sich selbst hätte der ökon6mische Faktor aufheben müssen, lä- 
ge nicht der Grund zu Jenem Untergange in einem Missverhältnis dei 

aufbauenden Kräfte. 

Es ist nicht die Absicht dieser Zeilen, irgend eine Vor- 
aussage wagen zu wollen. Nur der Hinweis auf Jene kraftspendende 
Macht des Idealismus sei gestattet in einer Zeit, in der man nur 
allzu geneigt ist, ihn abzutun als zwecklose Kraftvergeudung un- 
kluger Phantasten. 

Nur der unablässige Wechselstrom aus der Welt der o®^»- 
tlgkeit zum praktischen Leben und aus dem praktischen Leben in 
die Welt der Geistigkeit verbürgt das stetige Fortschreiten der 
Menschheit zu höherer Entwicklung. Wenn das idealistische Streben 
naheliegende Ziele und Interessen zu übergehen scheint, so ist d« 
nur ein fruchtbarer Umweg, den es macht. Von oben bringt es neue 
Lebtnslmpttlse und macht so das Dasein der Henschen inhaltsschwer! 

und farbenreicher. 

Dass das Absolute, das allen Sein und Werden zu Grund« 



f 



6. 



1« 



liegt niemals begrifflich 2u erfasBen Ist^ sondern nur su ahnen in 






Jenen Augenblicken innern Schajuens^ in denen die Seele gross und 
weit wird, darin liegt nicht eine schwache, sondern gerade der 
Sinn den Menschentums« Aus dem Hinblicken su dem Ideale, das in 
wechselnder Gestalt dem suchendem Auge immer hoher entrückt, er- 
wächst neues Sehnen und neues Wollen. Zu einem ewigen Born wird 
es so« Brfasste der Mensch das Ewige und Absolute, er wäre selber 
der Gott, den er sucht« 



I «• 



V 



Du sollst Vater und Mutter ehren, 
auf dasees Dir wohlgehe und Du lange lebest auf Erden. 

is ist später Nachmittag. Die Sonne verbirgt sich hinter den 
drei hohen Föhren, die vor deT» Veranda am fiai^Td ''»-)J>*^ t'U stchon. 
Durch die wachsenden Schatten in der Veranda fällt ein schmales 
Strahlenband in eine Ecke über den Theetisch hin weg. 

Frau Goldenstein schlürft langsam ihren Thee und »Sophie, die 
Tochter, spielt mit dem Löffel und lässt ihn immer wieder auf das 
Glas schlagen. Frau Goldenstein zuckt jedes Mal zusammen und zieht 
die Braunen nach oben, doch Sophie bemerkt es nicht und spielt wei- 



ter 



n 



Leg den Löffel weg, '^Sophie sagt endlich Frau aoldenstein 



// 



Es macht mjch nervo.s.>> 



Soi-hie sieht sie eine Sekunde lang vei^ständnislos an, denn sagt 
sie,, Ach so» und legt o en Löffel auf die Untertasj^e. 

Sine V/eile sitzt sie still, dann beginnt sie rr.it den Fingern 
auf den Tisch zu troimeln. 



w Ich wollte dir sagen, Mama, dass es so nicht mehr weiter 



R eht 



'J 




Grossmama kann langer bei uns im Hause nicht bleiben." 

Frau Goldenstein wird dunkelrot und antwortet nicht gleich, 
als ob sie Zeit nehmen müsste sich zu beherrschen, dann sagt sie 
spitz; "Wir kennen deine Ansichten darüber, meine Tochter. Doch in 



meinem Ha\l;e bleibt es so, wi^.- ich es für recht finde 



>5 



w Es handelt sich doch nJoht darum, ob mein oder dein Wille 

'-, sondern ausschliesslich um die richtige Ein- 
sicht, und darum bitte ich dich, Mama mich nicht so ohne weitere^ 

abzuweisen. 

w Für mich kann es sich Jedenfalls um eine neue Einsicht nicht 



handeln 



/ 



nu 



Mein Sntsohluss sticht unnrschnt terlieh f^st^ und es wäry mir 
r sehr lieb^ wenn Ihr eVidl Lclx ä:i^ zweklose Reden ü"ber cliesesTheina 



lassen würdet . » 



Frau Goldenstein sitzt kerzengerade auf ihrem Stuhl und sieht 
der Tochter scharf ins Gesicht. Sophie weiss^ dass jedes weitere 



Wort Jetzt unnütz Ist, aher da sie angefangen hat zu sprechen^ s 



o 



muss sie alles sagen, um sich von der Erregung zu befreien. 

99 Hast Du auch daran gedacht, dass Du einfach kein Recht hast, 
es zu tun. Papa ist zu gut, und Du misshrauchst seine Güte. Ich re- 
de schon garnicht von uns Kindern; obgleich sie uns unsere ganze 
Kindheit vergällt hat. Wenn sie uns gequält, geschimpft und uns ge- 
flucht hat, dann wurden wir bestraft, und sie kennte es nächstens 
wieder tun. Ach, ich spreche gar)iicht davon, aber ich kann nicht se- 



hen wie Papa "^eidet 



>? 



" Hast Du schon genug gesprochen, meine Tochter. Fünfundzwan- 
zig Jahre bist Du alt gev/orden. Ich hoffe, du trägst es auch wei- 
ter, >> sagt Frau Goldenstein langsam mit schneidendem Spott. 

Sophie schwyigt. Ihr Gesicht beginnt zu zucken, als ob sie 
weinen wollte. Dann Reht sie rasch aus der Veranda ins Zimmer. 



Frau Goldenstein schlürft mechanisch ihren T: ee weiter. 
Allmählich verliert sie ihre stolze Haltung und sitzt zuletzt ganz 
gebeugt über den Tisch, dabei bekommt ihr Gesicht einen hilflosen 
AusdrucV . 

w Bist du da, meine liebe Tochter*? Meine liebe Tochter, wo bist 



Du 



» 



Frau Goldenstein schreckt beim Laut der scharfen kreischende 



n 



Stimmte emnor 



i> 



Ich bin hier^' sagt sie endlich.»» Was schreist Du so? 



1? 



Schlürfende Schritte nähern sich, und eine Greisin tritt über 



die Schwelle. Sie geht w^nig gebückt. Schnee weisse Haare umrahme 

i 



n 



ein schön geformtes Greisenantlitz, des3en Ausdruck sanft und 



heiter 



hi 



»>3 o 



ie die RT 



os:::en dunkelblauen funkeldeh Augen' auf schläpt 



Da wird das Gesicht plötzlich unheimlich. 

'» Finde ich dich endlich, meine liehe Tochter. Ich habe dich 
schon so lange nicht gesehen.»» 

» Wieso hast Du mich lange nicht gesehen? Ich habe Dir doch 
erst vor einer halben Stunde den Kaffee gebrachf?»» 

»» Du irrst meine liebe Tochter,», säst die Greisin. 



»> Das war gestern. Heute habe ich noch nichts Retrunke 



n 



Was trinkst Du hier-?,» Sie legt die Hand auf die Schulter der Toch- 
ter und sieht sie freundlich lächelnd an. 

Frau Goldenstein erzittert bei der Berührung und schüttelt 
instinktiv die Hand ab. 



" Ich trinke Thee 



» 



M Kann ich auch Thee bekommen" Warum gebt Ihr mir niemals The 



Ich tanze doch schon vor Huneer 



n 



Ihr freundliches Lächeln v erschv/indet . 

» Setzt dich. Du wirst auch Thee bekonir.en « sagt Frau Golden- 
stein hart* 

w Den ganzen Tag habe ich nichts geges3en, und Jetzt muss ich 



"betteln, dass man mir ein Glas Thee Riebt 



yj 



T> 



Du siehst doch, dass ich Dir den Thee eingiesr.e. Sei also 



bitte ruhiR 



j? 



Unheimlich rollen die grossen dunkelblauen Augen der Alt 



en 



^> Du sollst es erleben an Deinen eigenen Kindern, was es heisst 
eine Mutter hungern zu lassen. ^J 



w Um Gottes willen, so höre doch auf. Da hast Du Thee 



w 



Was ist denn wieder los?» Herr Goldenstein mit viele 



n 



n 



Pakchen beladen, steht auf der Schwelle der Veranda 



.^ 



w 



Ach . Du bist es, Hermann.» sa^t Frau Goldenstein um recht 



ruhlp zu erscheinen.» Ich hahe Dich p;arnioht l<oninen sehen. Man a 
ist wieder unruhig. Win Vornmt es denji, das« Dii heute so früh hier 



bist?« 



n 



Es war sehr still iE Geschäft, um! da dachte iclx, dass ich 



es m 



ir ein Mal im Sonnier erlauben l<onnte, früher herauszufahren 



b 



«sonders bei dieser Hitze. In der Stadt ist es ganz unerträglich 



Hier ar. Strande atmet cian geradezu auf.» 

Herr Goldenstein le^t seine Päckcl-.en langsam auf einen Stuhl 
ah. Ich noohte den Thee in; Garten trinV en . • Si/icl die Kinder zu H 



ai - 



se?w frap.t er 



n Guten TuK, Pai.achen» sagt plötzlich die Alte,» begrüsst Du 



dich narnieht n.it deinen einzigen Kinde*^» 



>5 V.T 



Uten TciFT, Ruten Tag. Ich hin nüde. Lassen Sie mich , wehrt 



Herr Goldenstein ah 



» 



Ich will auch de*) Thn^.^ ]. it dij' In Garten trinl^en. Hast Du 



wa 



s clas^eKen?^ fragt wieder die Alte 



H 



e r 1" 



Goldenstein antwortet nicht. S. geht in de i Garten hinaus und 



s e 



tzt sich in einen L i eg enstulil . D l '-• Kinder hahen des Vaters Stirnire 



erkannt und koirir.en einzeln aus derr. Hause. Zuerst Sonhie, dann der 



lange blasse Student Harry und zuletzt der sechzehnjährige 
Gymnasiast Feiice. Alle drei, haben auffallende ÄhnlichVeit von ein- 



an 



der. Diese ÄhnllchVeJt liegt aber v\Q\\r irr, AusdrucV als in d er 



Form der Gesichter. Sie si.nd sehr blass und nerv'Js 



O • 



Soi^hie geht auf den Vater zu und küsst ihn auf die Wange. 
n Guten Tag, Papa. Das ist doch gut, dass Du ein Mal früher gekom- 



n. 



men o 



ist. Ich denke, wenn Du wirklich wolltest, kanntest Du dich 



cft frei machen. Ss ist doch beinahe eine Sünde bei diesen wunder- 



vollem Wetter in der staubigen Stadt zu sein.» 



// 



>> 



Ja * IT. ein Ki id^ tr^ konnte hier nchcVn sein, aber ^s geht 



doch nicht so. wie Du (^en^<s^. 



j • 



w 



(I 



El- seufzt uni'l lehnt den Kopf inürl e ruiruck. 

Drei Söhne he^^rusr^en ihn kurz von weitem und nehmen Dire Buch ex 
vor, die sie roi tp^ehraoht haben. Sophie setzt sich schweifend an des 
Vaters Seü. e und starrt ä^ ed ankenvoll vor sich hin. 

Es ist ganz still. Ni err.and spricht ein Wort, Von Zeit zu Zelt nur 
hört man, wie die Brüder die S-iten blättern. Die; Luft ist regungs- 
los, ala.-ruhte axicri sie andieseUi v/arnen SoFimerabend ar^fu . Die Sonne 
ist tiefer pesunr'en und der grosse rotgoldene Ball ist ganz zwl - 



sehen den drei hohen Föhren 






inrnen sl chtbar 



D;, knirscht der Kies. Alle vier sehen auf. Die ör os'sr.ut t er 



u 



kommt von der Veranda her. Sie benuht sich lautlos zu gleiten 



a 



b e r der Kies k n j. r s c h t 



Sie hat /nieder ihr freundliches Lächeln und die bösen Augen 
n Du warst so lange fort, Papachen. Ich will mich zu dir 

setzen».. Sie stellt IhreTi Stu/il dicht neben Herrn Goldenstein. 

w Ich '^'ö.r i]j der SLadt und bin sehr milde.» 



n 



So?, in der Stadt bist Du ge'vesen und jetzt kommst du, um mich 



na 



oh Hause zu begleiten?» 



n loh bin zu Hause» sagt Herr Goldenstein kurz 
» Und wo bin ich denn? fragt sie weit er. 
»Sie sind auo;i zu Havise.» 



» Wo i s t d e n }i lu e 1 n H i u s ? 



n 



» Qi.ftlen Sie r..lch iiicht mit Ihren Pj'aren. Ich bin müde.» M;in 



merkt* .vle schwer ihm jedes Wort fällt 



^ • 



» 



Ist meirie Tochter auch g ekopMii. e)i? Du bist doch mein lleb^»r 



Sc 



h wag er 



» Gehen SIo, he:ien S'e zu IVirer Tochter, quälen Sie sie 



> L> 



/ 



Ich iDin nicht Ihr« Tochter. Mich lai^ijen sie ir) Ruhe.» 



» Wirst Da K.icli nicht begleiten? 



» 



Er antvsrortet nicht mehr und nlrniT;t eine Zeitung zur Hand. 

Das Lächeln verschwindet aus dem Gesicht der Alten, und weicht d 
Ausdruc]< heftl^cen Zornes. 



em 



» Wie stolz man ist. Ei rmsi-^t garnicht mehr zu antwort 



en 



Der SLudenit 3i)rin2t auf und :>ehleudert seinen Stuhl zurück. 

w Das verstehe ich nicht, w munkelt er zwischen den Zähnen 
und geht ins Haus hinein. 

w Grossmama, höre auf, Paoa zu "belästiRenw sa^t Sonhie. 
Die Alte schwelgt einige Augenblicke, dann zeigt sie mit dem Finger 
auf eine Frau, die am entg eg eng ersetzt en Ende des Gartens sitzt. 



w Wer ist d i «»• Frau dort?« fra^/t si 



w Das ist die Wirtin. G 



rossrama . n 



w W>l2he Wirtin ist das? 



w 



n Grossmama, geTi ins Zimmer. Das Ahendhrot wird dir gereicht 



werden . w 



w Gehst Da auch zum Al)ftndhrot . Bettv? 



» 



99 Ich hin nicht Bettv, ich hin Sonhle.Es ist für mich noch 



nie h t bereit.» 



n Dann pelie ich auch nicht. Ich werde auf dich wart 



O ' 



en . w 



w Schwester Martha wird mit dir speisen. Sleli mal, dort steht 
sie in der Verandatur und winVt dir.» 

» Soll eile ahsche ul iche Person nur fortgehen. Ich will sie 
}i i e h t sehen.» 

Herr Goldenstein steht auf und trä^t selr.en Liep:enstuhl weit 



von der Alten weg. Sonhi*? und Felix gehen ihru nach und lassen sie 
allein zurück. Sie sieht ihnen anfan^^s verständnislos naclu dann 



i 



sohleicht sie sich ganz leise an Herrn G)lclenstein heran und legt 



A 



ihm plötzlich , ohne dass er es "benerl^t. cl 



en Arm auf die Schulter 



Er zuckt zusamme 



n 



n kein Gott, Sie sind es wieder. Haben Sie mich aber erschreckt 
» ElrschrecTct habe Ich dich! S-el dreimal aus. Du bist doch 
mein lieberw sie besinnt sich einen Augenblick, w mein lieber 



Sohwa^^er . » 



w W 



wollen Sie v o 



n mii ?w 



w Du hast doch versprochen mich nach Hause zu begleiten. Ich 



Weiss nicht, wo ich 



wohn e . n 



Herr Goldenstein seufzt schwer, dann erhebt er sich und begleitet 



sie ins Haus 



99 Hoffejitlich geht sie bald ins Bettw sagt er zu seiner F 
nach dem Schwester Martha die Alte auf ihr Zimmer geführt hat. 



r au 



99 Ich glaube nlclit.w 



sagt Frau Goldenstein. Sie sitzt noch 



auf demselbf?n Platz und starrt 1 



,^ ^ 



n ciie Tlieetasoe. w Es ist doch erst 



sieben Uhr, ui 1 sie hat heute viel am Tape ^eschlaf 



e n . w 



« Bist Du krank , Jettchen?w fragt Herr Goldeiist ein , besorgt 



Seine Frau köiumt ihm^ plötzlich s 



:> gealtert vor, wie sie dasitzt ge- 



beugt über de}) Tisch mit dem sorgenvollen , farbelosem Gesicht 



n 



Du 



siehst sow. Er unterbricht sich. Er hatte sagen wollen; Du siehst 
so alt aus.w Aber es hätte docri keineii Sinn gehabt. 



w Wie sehe ich aus? War 



UV 



t c 



agöt Du 3s denn )]icht?Herrman? Sie 



seufzte so schwer, dass es fast wie ein Stöhnen klingt, w Ich fühle 
wie das Alter an mich he}'anschl eicht . Mir scheint oft, als wäre ich 



schon dreihundert Jahre alt und bald, bald werde ich s 
ist . » 



o 



wie sie 



9f Was redest Du da, Jettclien? En brauclien doch niclit all 



s 



zu werden, wie sie ist. Aber wenn man sie zwanzig Jalire Im Hause hat 



dann ist es kein Wunder dass ir.an so denkt 



n 



I 



u 



I 



w Dabei ist nichts zu machen. » 
.Frau Goldenstein' s Stimme klingt wieder hart wie Stahl, 
und sie sitzt straff aufgerichtet. 

In diesem Augenblick wie eine Tür im Hause krachend zugeschla- 
gen und gleich darauf hört mar. ein wildes Stampf en, Klopf en und 
Schreien. 



w 



Mein Gott, ist die Holle schon wieder los'^»^ sapt Herr Gol- 



denstein und wird blass. 

Frau Goldenstein horcht hin und stürzt ins Zimmer. 

Mit hilfesuchendem Blick drückt sich die Pflegerin der Alte 



n 



Schwester Martha in eine Ecke und in der Mitte der Stube steht die 



Alte selbst mit erhobenen Fäuste 



n 



w Der verdammte, abscheuliche Junge>> schreit sie* « verflucht 



soll er werden am lebendigen Leib 



f} 



'» Was fluchts Du meinem Kinde? Was hat er dir getan?^? 

Frau Goldenstein streckt ihr abwehrend die Hände entgegen. 

»^ Er ist dein Sohn? So? Das habe ich doch garnicht gewusst,»» 
sagt die Alte plötzlich eingeschüchtert. 

w Warum hat man mir nicht gesagt, dass es dein Sohn ist? 

w Warum hast Du ihm geflucht? Meinem Sohn hast u geflucht! D 
du.>>Frau Goldenstein kann nicht weiter sprechen und bricht in hys- 
terisches Weinen aus. 

w Sr hat mir die Tür vor der Nase zugeschlagen. »^Die Alte wird 
wieder wütend . »Solch eine Frechheit. Er wird schon kriegen seinen 
Lohn beim Allmächtigen . w 

w Hör auf» schreit Frau Goldenstein.» Führen Sie sie aus dem 
Zimmer, Schwester Martha, ich kann sie nicht mehr sehen. Meinem 
Kinde har sie Refluchtl» 



u 



Harry hat die Tür seines Zimmers geöffnet und steht auf d 

/■ 



er 



Schwelle 



w Mafa kann wahrhaftig bei Huch wahnsinnig wercle 



n 



Worüber weinst du clenn Mama? Du willst es doch nicht anders 



haben . w 



» Dir hat sie wieder geflucht^ mein teueres Kind 



n 



ammert Frau Goldenstein* >» Darum Reht alles nicht.Darum könne 



n wir 



nicht froh werden, weil sie immer flucht und ich kann dabei gar- 
nichts machen.»» 



n 



Gieb sie doch fort^Mama, gieb sie in eine Anstalt, und wir 



werden alle froh werden. n 



w 



Nein, niemals, mein Sohn, sprich nicht darüber. Das kann ich 



nie tun. Ich allein bin schuld an allem und Ihr werdet gestraft 
meinetwegen* Wenn ich sie fotgebe, werde ich niemals mehr Ruhe haben 



D 



as kannst Du alles nicht wissen, du bist noch Jung, Harry 



>j 



w Was soll ich denn da nicht wissen, Mama? Es ist doch so ein 
fach. Sie weiss doch in den letzten Jahren überhaupt nicht, bei 
wem sie ist. Sie kennt uns garnicht mehr, und deshalb schädigst Du 



sie nicht , wenn Du sie fortp.iebst 



71 



Nein, Harry, nein. Ea kann nicht sein 



ff 



Frau Goldenstein verbirgt weinend das Gesicht in den Hände 



n . »> 



ff 



Ich will es Dir ein Mal sagen, aber sprich nie mehr darüber. Als 



kleiner Knabe bist du schwer krank gewesen und da habe ich bei dei- 
nem Leben geschworen , dass ich sie lieben und achten , dass ich 
sie bis zu ihrem letzten Atemzuge pflegen würde. Aber das ist es 
doch: Ich kann sie nicht lieben. Ich habe sie immer gehasst: so lang 
ich denken kann, und ich hasse sie immer weiter. Ich müss mir Ge- 



walt antun, um ihr ein freundliches Wort zu sagen. Si eh:;t Du mei 
Sohn, daher kommt alles Unglück über uns.w 



n 



f 



w Mütterchen^ sagt Harry. >> 

w Das ist doch nur ein Wahn. Mach dich frei von ihm. Du bist 
nicht schuldig. Gott straft nicht, wenn man nicht schuldig ist. Du 
kannst sie doch nicht lieben, weil sie so schlecht ist. Sie ist 



immier böse und schlecht gegen alle Menschen gewesen. w - 

Frau Groldenstein hört nicht was er sagt. 

w Dir hat sie wieder geflucht, Harry. Euch allen hat sie ge- 
flucht. Das kann nicht Rut werden. wDu sollst Vater und Mutter ehren 



« 



steht geschrieben^ auf das es r]|r wohlergehe 



Ich komme nie davon los 



11 



. • 



n Du zerbrichst daran, Mutter, und wir gehen mit zu Grunde. w 



n 



Es kann anders nicht sein. Es wird so kommen, mein Sohn. Das 



ist der Fluchlw 

Die Sonne ist untergegangen. Es ist dämmerig und still im Zim- 



m 



er. Von Zeit zu Zeit schluchzt Frau Goldenstein leise auf. Harry 



kniet neben ihr, und streiciielt ihr Haar. Er steht vor dem ersten 
tiefen Ratsei der m.enschlichen Seele, das er nicht zu lösen vermag 



/// 



üjMMMiP 



mmmm 



M 



K 



Irpte Tl pbe . 



I 
1^ 



Jore^lU fnc htu JU^^C4^^ 



ODm Hau^'e de?5 Led^rfnbrikart en Abr&T.owitz berei- 
tete ^ar das Aberdec!<-en mit 5:r ö ??p.erem Elfer ?1p. e-pwöhr^llch 
zu. Doch jeder der ciarar Beteiligter tat co, als hätte 
mar) nicht im QeringBten/w aQ BeRon(?ere8 vor. Fr?'U Farr^y 
Abramowitz nahm a u^ dem vVäp.cheechrark elres von den neuen 



Tischtüchern mit der Bemerkung, die alten eelen ^chon zu 
abgenutzt, a 1b da?'e man nie nocri auf oen Tiech legen 
könnte. Und die fetteste Gan^i Puf c-em Hofe ^f^ar der Er- 
wj^gun^ f?eopfert v^oTcfr\ , da^r^ pi e Plt und fett fl:enu^ sei, 
um ficeschl achtet zu werden, Wl e a It und fett sollte sie mok 
werden? Eie Köchiri Chane, die ^eit zehn Jahren im. Hru^'-e war 
und die GewoVmheit hatte, •'ich in nllei=i einzumi wichen und 
über a lieft mitzureden, machte aach ein Ge<=*ici^rt, als fände 
f=;ie weder an dem neuen Tif^chtuch^ noch ar*; der Ganoti^ag. 
Für hier und da zuckten ihre Mundwi»^kel in einem unterdrück- 
ten ?>chlajien Lächeln, aber 9> ie wf^ndte pich dann arohnell ab 
und ginsc noch flinker an die Arbeit als bevor, - 

Julia, die alt^nte Tochter des Hau*=!es sass mit 
einem Buch" am Fer^ter im Ef=5Rzimmer und kümmerte ?^1 ch um 
nichtF«. Sie war ein auffallend schönes Yädchen von schlan- 
ker Gestalt mit einem elferbeinernen Teint und gro^'f'en 
sclanzenden örrau^^rünen Augen, ai e kaur.i merklich J=^chielten, 
wns eher ein Reiz als ein ITpohteil des <=?chönen Gesichts 

war. Es war ein RiBLt<=^el für alle, in wen Julia «reraten 
war. Solche Augen und solchen. T.^Jt<< iiatte niemand in der 
Familie p-ehabt, soweit me»^ es ato^ehen konnte. 

i'^arusja, die z^eit e Tochter , ein dünr-es zartes 

Macnhen mit riimmernden hellen Haaren «stand schweigend 



2. 



am ließt iech und formte Fächer p-\xb der friß eher Btelfen 
Sf^rvietten, Er v^bv eine Arbeit, die pi e irnmpr mit Vorliebe 
üb^rnahn. Hf^rr Abranowitpch wfir früher ßlr oorRt au«? !=5el- 
nem Büro n:ekoimer u^ d bolt e au^ ein^^r Tiadf^ p-elrps S^^hrelb- 
tiecliea die pruten Ci^ftrrer hervor, die fV im letzten Som- 
mer pue öem Puelandi snhen Bf-de mitp;ebrsch6 hJ5tte. Hier 
und de ffohaut e !''f?ra «'j a v fTPtohlen/'zur^-^utt »..-""^TT e bp Id im 
ZimmfT, bald in der Küche wap zu pchaffer hatte, yL«ti# CuA 
^M^IAaä "^Auä, Sie konnte über den ^i«rphren Grund der Vorberei- 
tunrren nicht Im Z^'relfel peln . Gelt el^^ip-en Tap:pn irar der 
Sohn der Witv/e B^rkowitz, die in der Gart enß tra^^^e den 
kleinen ?:ianzwar enhanc'el hatte, in der Stadt, u^d mar konnte 
erwarten, dasR er di^F^en Abend bei df^m Abr amewi tf^ch einen 
Bepuch machen würde. Seine T'^utter hatte am Forp^en auf dem 
Markt 9 etwaQ ans:edeutet . Frau Berkowltz ^phörte P:e^i9f^ 
nicht zu den Ersten der Stadt. T.^an kon^-te sich noch nut 
erinnern, wie f^ie und ihr pelierer Fann f^^ kl ei n eri.*i^Mf^ auf 
dem Markt siehabt hatte»; ^h^v dapp Rie <?i ch imm.er redlich 
ihr Brot v^f^rdient hatte, d ne konnte ihr niemand «treitlg 
machen. Thrp npaten Ta^^e e^tp chädlp;ter <^,ie nun wirklich für 
alle Kümmerni ©f?e . oi e al e s:Fhabt hatte, durch den Glanz, 
dervon ihrem Gohnp Gereon auch aaf eie fiel. So unerklär- 
lich, wie die Abramowltzs, die beide ^ewipe nlcVt hr^.p.^lich 
v^ater, zu der ungewöhnlich p.chö^en Tochter käme , so r^^ar 
eR unve r^^tandli ch , wie die Berkowitz und ihr sellprer '"am, 
die fleiPei^e anständige Menpchen waren, ab pr sich doch 
durch nichts im Besonderer au^^'rez ej ch'" et hatten, die Vpr- 
anlar^^er dief?er reicher vielver eprechender Exl^te^z nein 
konnten. Seine Fi.rrur, seine !5a>^ieren, sein Auftreter, diefl 
alles schien, als hatten P:eübteste Erzieher und Srzl *ietl nre r 




3. 



I . 



W 



¥ 



aKb 



r^ev Vollendung d^r^ ^lanz»^ nri<?r Srnchelnurg Tiitqcewlrkt < 



Und dl<? Turle'f! und la^dau'e und "^^pyer'pi, die weder Geld 

noch ^"iiVie ßreeoheut hatten, um ihren SprÖPB i inp-en die 

Ei Rene Charten zu verleihen", di f^ einen Platz im Leben «.i- 

■ • 

ehern, verfolgten mit Srr.tpunen und Feid die Sntvrlcklun^ 
des junp:en Berkowitz. Die f^chönpte Karriere «='tand ihm bevor • 
Ficht, daes man sd ch d?8 bloee von ungefähr erzählte.V/f^s 
kann man nicht filier erzählen? Fei-, mnn wu^j^te ee ^f^nz 
gfnau f^uf Gri.i^d von Tatsachen, da^s er in Berlin die 
rechte Hand des berührrJtifn Chirurgen X. '"^ar . Vfp. iconnte 
Herr Landau bezeup:en ur»d die Frau yayer un c Frau ?v>l t.kin 

» 

und noch frdere, die bei dem FrofeBf^or zu tun pjehabt hatten. 
Seit ein paar Jahren hiesB es bei jeder Gel e,3:enhei t : , Frau 
Berkowi tz hier und Frau Eer ko^^'-^it z da", befördere bei denen, 
die Töchter im Hau^e hatten. Und dieser Soh'- ^^pt nun auf 
einirre \7ochen zu Besuch bei d ^r ^''utter in der a hß«elecrenen , 
v^f^Tfn nl dit gerade kleinen Provin z^t ad.t . ie s Ai^^iedlu'^ß:??- 
rayonp. War ^b da nicht natürlich, da^e mp.r^- &^ r^uf irr^erd- 
welnhe Ger^anken i^i Bezu/;^ auf Julia Abramowitz k'a1^? 'Var ni e . 

« 

nicht in e in^m Alter, daB die Kei r atpfr age lebendlp* machte 
und d ae rechte Gep:enstiick zu ihm,, c''.ie Srhön«.te , die Klüg- 
ere, die Be|:!;abt eete von allen jüdi rohen juncren Maachen zu IT. 

.Ich tobe alle meine Kinder bleich lieb," pfie^rte 
Frau Abramowitz mit einem leichten Funkeln im Blick zu 
ant^^prten, 'n^r\r\ rnan auf ihre Aelte-pte hirwi e? *. „Ja, Ihre 
Julia ipt eine VollKOmmenhei t • La hat di e Fatur a 11 ee 

V ^eini^t ! " . 

Herr Abramowitz erwiderte meist nicht« darauf, 
abpr er lächelte ein breit ^^b zufrjedenee Lächeln, da? un- 

zweida«ti/2: hieRB: „Ja, es ißt po , meine Julia ipt die 
Perle vor M." 'Vi^rrs Frau Abra:nowitz e« auch ehrlich meinte , 
daQS pie alle ihre fanf Kinc ^=r gleich lieb hatte, u>^d auch 

• * 

ganz ^ewipp ihr Herz mit der z^^^eiten Tochter Farupja und • 
den drei Knaben verwachsen war, po war es doch für eie 



4. 



r^ßtürlich, dP^^ Juli a Im Vordero'rurida^ dee Irt er enp^e^ p.t^nd. 
mrd alle Aufmerk^^amkei t zu^r^rt ihr zu gelter hatte, alfl 
Recht ihrer Erpts:ebu*t, ihrer Schönhrft ur»d Klugheit* 

Möruejß korrte ruhiio: urawenlfir Dpachtet im Schf^tter 
diep.er Aelt^-^^ten wf cheer) • Sie «^ar von Kindheit an eo Behr 
darfin ßjF-wöhrt, immf r er«t in z^^it^r TAmier da zu «eir7,daf^B 
f-F? ihr ß:ar nicht in r<er Sinn kam, e?? arr'pr<=5 ftr sich zu wün- 
schen und zu verlano:«. Die aur^^eren Ver^iältniene Vf^rtiefter 
nur eire Anlage, die in ihr vorhanden ^ar , zu innerer Abge- 
<=^chlo«<^^>nheit . Büchef halfen ihr eine eli^^e Welt aufzubauer. 
Sie tr u^r auQ ih^en die Ahn^ingr von Liebe h f-rvor r.lp. dem ^ 

Schönsten, war. d an T.eben brinp-^^n Konnte. Ti e liehe 1>^ 
Wirklichkeit oft au^'^ah, '^u^^te «ie nicht un c wollte p« in 
einer dunKlen Abwehr r uch /^r^rricht wir^s^en. 

Im HÄUße hatte man wenig ^ei stißce Irtereeper. Herr 
Abramowitz war blond, Dfeit, ^utnititiar, ß« lie'^^n e-ich nichts 
andere!=^ von ihm^agen, ale danq ^r der typische jüctipche 
Kaufmann bup der Provinz war. Sr war gewit-r, nidht ohne 
eirig^ angebcwrene Ir^te lligenz , aber im Vordergründe aller 

» 

Intere^'-en ?=^ta>^d für i nn öa?» Geschäft urd wieder da<=j Cre- 
rchäft, u^d er^wpr überzeugt, aa-vs aliefi übrige, ^ne IZhre, 
gute Heiraten der Kinder u^w, Geld p.cnon mit -\1 cn Dringen 
''^rüP . Seine Farälie machte ihm wenl^iJ• zu *^chaf ter • !Da 
konnte fv Bi cn ^ra^ z auf <^eine Prau v t-rla^^ .'='en , da .orinx?: alle« 
nach eincref uhrt em Geleire, Tie '^Tohnun^-': war f^auber,- 6i ^ ?I!ln-. 
der orfi?ntl1ca prtrp zocrev und gepflf«gt, öp ^ Y.er^^x wieder- 
holte nnch jede Woche. Am Freita- Abend gab ep. n-elbe gefüllte 
F4 pche und Kaffi-e mit elgengeback-enem Brot; am. Sabbat zum 
Vi ttage^ren gehackten Karlng und geiia cicc e I.eb er , Ge fj dgel 
und Obr'tPUppe au p /^e trockneten Frücnten , Jede^i Po^^^erntag] 

Abend ^«^ar alJgeneiner Baden, da «cnuttelte die Familie 

und 
Abravnowitz zer Schweiz« xai^ «'ert Staub eine-r ganzen 

Woche von Rieh ab. 



Die Gbtir knu^p^^rte u^c^. bräa^te ^-ich ^rho>^ ^'»r^r der voll 
i.-^ c^ er ::ratpfrrr0-, u^cl dl^ Sf^rvietten Ptßrc'er ^tf^lf und 
fl'fckprlof^ r.uf c'fT rlarzf^ncl wei^.^.i^v Tip> rhd^cice , da lautp te 
ef=^ und Doktor B'Tko^d tz trrt ^In. "^r hBtte Imm^r ^t^-r^^ 
T!e\ie^ ino pr Er^-^chelrun// rar lie alter B/^k^nnten i»^ !5. • 
mit rcebr acht ,Pto^r aieneR r?! '"^rkte ^ uberrr pch^ rd , S^ire 
hohp P'ibgur sc.liierp chlar^k^ e-e^rorden zu peir , und das 
hflif= rege Inas?'! ße G^Bicht. jftzt n-lattr f^v-^i<^r t , verfeinfr- 
tt-r. Dp^ ITeue an Ihm tlö<^rte Ile-ep^kt Pir u^r" unterdrückte 
de fröriere Vertraulichkeit. 

■ Sr^ar rehr lieben ^ü^dic; , drückte Hfrrn Abra^ro^dtz 
warm ('If- H^rd , freute sich über Frau Abramowitz' frif^che«:! 

Auesfhen , D^wurdertP Tulia'R blühe-'ce Bonö-^heit, n^cicte 

zu • 

llarupjp uTid trar-tp r^ch cenKiuCtVri. Ale pie Ti iCh Pßpren, 

pprach er lieb über -eire "utt ^r , holte r.lte ir t=^.eir ^p.mf^ Er- 
j,,y, ^.^,^^p„ ftcrvor, ^rz^^hlte vo'" fif^r frrop=>«»»i Stac^t. auR 
weirif-T Praxis, von '^ ei rem Profeepor u'^d alle^f rüoktp ihn 
Euf eire Höhe u^" c^ echuf ihm ei^-er Schein . 

Julir v.'ar pohö^ u*n lerhFft wie lmm<=r. T'ur öie Mutter 
TS^iMiWöuU&t«!^. i:'!^ f'U^ alle« p;enau hl r seh , ^-nTTr und aa eirer 
Ifrlpen Zu« von Zt^rstrputheit an Ihr. Si «^ bep-riff di p Ursache. 
Uebt^r ?•*& pelzet kam Fuch eine Nachdenklichkeit: '"Tr konnte 

I 

man wissen • Vielleicht war Ih-i die Provinz zu ^^rlr^g. Ef^ ß:* 
Inder Gr o--: «r-*tsdt ^ewlP? ROhöne T^ädcjaer rrenug. Vielleicht 
hftte er Rchon e:. re p;iänzerde Verbindung?^ Und ^«^ie p if wieder 
auf Julia pchpute. ran Pie, de^^f^ «ie den Kopf noch höher trug 
Rl<^ f='.orflt. üh jal Sür den Bester war JuIIp immer ^ut /rerug! 
i^lp man vom Tlf^ch Fui'^tf'-d, funlter die Abramowitz rnelnan- 
der eine T> pI c loerhei t : ^le t«nac.pten rieht, rollten r^ ie freund- 
lich tun odf^r <5ollte>^ p.1 e merker lar^^en, df- riP. ^bv^ ^\q\\ zu 
ihren nicht n^-rablle-p. t^^^^^ueja war etill T-d e m^itittt^o^p^ und 
hörte zu. Er ^ar der glarzend ^-.te J.TenRCh, der Ihr je be^eo; . 
ret wfcr . Er ^ar Julia*?! Argel ei?erhei t und hatte rlcnt« mit 
ihr zu tun . • 

* 

lk^r\ musete pich oft in der kleiner Gtadt trefrer: 




6. 



auf den Spazif^^rsiär^e r aberds im StPdtpark, bei Bekanntf^li 
zu Bepuch, ir. einem Korzert . Man wuef=.te, df^np der Loktor 
mf-Yireve Stnr^o ev am Tage -r^dt peirer wi*^ ren ?^chyftll che^i Ar- 
h'^^lt bepichaltlpt war. 0^ft^rf=! ^InicrFr in daf? örtliche Krar- 
kerhaus, volifunrte e iriö:e r.cYv^'ere Operationer, von deren 
die ^pnze Stadt lange eprach. 

"fj(^inr>. Julia mit ihm zu'^armen fjbf=^r r^lp Strae*^e ^1 r^ , 
^F'hf^r^ die T<*ut«? ihnen npcn u^O ••^cjr Ten *^:vl c/i einen Blick de« 
Einv^r«t ändni ^<5e<? zu, d f-r un.o;efahr hle^p: ,, Ja , die beiden, 
daß ist ein Paar." i^och für Julla^var die Angelegenheit lange 
nicht BO einfach. Je ^ ehr sie mit dem Loktor zusammen war, 
umco mfhr verlor 8l# jede Gewi ei? he it. IDr brachte ihr eir^ef , 
Lie hpno..,ruroigkeit entgegen, di e ihr an fnng H c n oedeut^am. er-^ 
pchien, die aber bei la»^s'erem Verkehr nicht x^.uciin, i^mi*^v aie- 
selbe q:1 at t e, g'leichmäp»Rifir;e blieb unc nichts verriet. ])sn 
madite pI e mannhe^ Tal ungedulcig, un) pi^ verfluchte einen 
klfiren h e'-rpurf or ci^rn den Scherz, «'O^'^^eit Inr Stolz ^p zu- 
ließ?. Er abf^.r lächelte als iXrwiderunp: das a:l*^icrie 11 ebenp- 

« 

würdige feine lächeln. 

^•'aru^ja kü"mie>rt e p1 ch '^Icht darum. Jjll a ^^^r b e^chäftigit. 
Er "^ar Julia 'p Ane-el en;enhf:i t . Unc a 1« p.r^ einem ITachmittas; 



der .i oktor in cpr. Carter? xa^, und pI e e^er?de f, 



fr ^^ 



t achelbeer- 



I 



ptrauch ben^häftl^t war, er^^lderte ^^le mit ruhip:en i^ugen mei- 
nen Grupp unu fuq:te fl:l<^lch hinzu: ,. Julia i Pt nicht zu Haupe, 

cDCh «i e wlrc t s -^ lo hiry . r.el»'-.»» X)a f^ah er Pie eine Weile w ^ 

i hr e 
kam plötzlich auf rie zu, le.crte c'ie Rande um ÄiBc Hüften 

und crückte die Tippen auf ihre '^'B^'-^ge r^-jr elnr-' Sekunrl e lang, 
dann ijeqp er p le rrel . zo^y c pn }Tut und ^A^'P: tort. Und po wie 
b1 e ^eptancen hatte, fIb er Pie an/?ef appt . mit 6 er erhobenen 
Hand, um eine Beere zu pfl^i<^k^"i "^ o blieb Ple u^^b^wegli ch . . . 
^•^le verpteincfrt ptehen, Afrm zuckte pI e zu^'^ammen , wie in einegi 
plötzllciien Schreck, fiinlte, wie inr dap Blut vom Herzen fort- 




H 



trörate wii=> ihr fa?t pnhwl^delte urd danr wipd^r einp ■bn.e/w.ntHiU^ 



i 



«jW^MrtÄflW^ Röte In^^Artlitz auf«?tieG*. 

W-nc; war ep*?** flü^t (-Tte pie in Argct. ,^W?.fi war 
\« 

fpV" Es "'sr es, als fiele der Gehreck fort, u'-d Irrgaftm. 
larp-c-sm üo.q; eir «eltpam^p wor-iLcre«-. Gefühl über "te hin. 
/Sf l«t ^<=5l Z^ berlr-it ! TP b ersinnt d?s Schör^p^te, i»rae d?>s 

Lehei" hat . " 

Vit zöpc'^'^'^e^ Sf^hri ttpr^ nrlricr p1 e Inc, Kfiue, nla 

hattp «je „rpo Koetbarep, wap xa^ir*xt vpri>«Ptzt werter Korirte, 

zu traopr •and war den p;ay,zen Tag ir einer eif^entür^llo han Ee- 

«om-nenhelt . Bei alle'-n, was sie tat, hielt e le p 11 e Auffe '^- . 



blicke in'-e, uti dP *=! Unbe pchr eibli che , U"fP=!PbP.re «rieo.er 
zu hptrf^chter, ««ri e dlesi^r fremde Kenpch ai f Pie zu getreten 
war UT^ cie Tipper pu^" ihre "'Fr-^re g:,^drdckt h^tte.nuf f^i i"«? 
Sekunde 1 arc^ , und wfp "^sr i-ioht pllee ciepoheher .' Allfp, 
wfip ihr bisher a>^ ihr. fremd s-eb lieben ^mr , ruckte auf «ie 



zu 'nii. 



wunderbarer Vertraulichkeit. Ihre» «-ar eri . Ep -.«'ar 
ein Irrtum ^':ir^ Julia. Julia iconnte bo viel ancerf^f? haben. 
Sie Ifeg c'ie <ran2e Hacht mit offenen Au(?e'\ starrte In die 
Tunkelheit und jener eine Auo;er!blicK lebte in i.nr uno cnt- 
faltete ^icn zu ^i^em ^ro^crer nliint^ri der Leber. 

■^hre Ta.p-e wurden ein Werten und ein Stauner. 
AIP er ahendp vri ?der ihr gegenüber am Tipche papp und über 
Peine Studier, sei-^er Profer.por. -eine Kranken sprach, hielt 
l'aruflja der Kopf üb^r ihrer Teller geRerkt. um ihre leuchtend e 
Röte zu verbercrer unc" wacrte nicnt auf Z'JP cnauer . Siewuppte 
Jetzt. da^H alle«, wav er pprach, für "ie ^'^x und doch ver- 
mied pie ep, -:enr t^r.r^- je, ein Tort -nit ibm 2U wechpelr. 

1p war an einem Abend bei 6^r\ Lardaue . '^ie 
ihren wiederkehrender Hochzeiteitsg nit einem reichen Abend- 



8. 



I 
i 



es Pen u"d vielen Merechen fdprten. Allf vrprer. da. E«i 

» 

fehlte njemand. Dr/^kE^--Tkowit z wsr n?» türll c h der Eitteipu^Kt, 
und fiacn um eeire .Viutt^r ^ßp^ eiv Krelf! von Frau^r. Sr 
hielt eine hübpche Hede puf dae Wohl u^d zu 'Ehver. des Gaf^t- 
gpber«?» .1«! "'BT ei-n ^ c^oö-nf-r und fröhllchpr Abend. "lerusja 
npp« «tili Ir eir»^T Ecke und «?ah '-*"n Trrlben zu. Sie ^an. 
wie pchön Julia war. und wie allf* ^i ch um d(^r, Doktor bemühen, 
und ^1 f» war «o ru\iig ui^^a ^lac iU.i c.n : afB Scnö»"^ te gehörte 

d ch 1 hr . 

Eb ^a^ um j^^-ne Stunde, da dl • Llüdigkei t '-r.icji schv/er 

auf die Glieder legt, &ber die Lebeütluot -.ich von dem 

Fest uonh nicht losre isr en kann, da ha t dde üutter i..aru8ja, 

iijr ütr kostbr/ren ohawl auü dem Ankleioeraum zu bringet! . 

Wie «Eie gich oarch Lde grossen cltuoaiöchen Zi.n.atT dahin 

begab, war mit einem Mal der Doktor hinter ihr. Sie hatte 



gar 



nicht bemerkt, ^'' ie ^r Q:ekom^:ien war. Ohne ein V/ort zu 



reden, gingen ei e zu?^^ammen vvtiter, ura als. öie sich im 
iuiiCleiatrauiH aal' cli * Zerien spitzen hüb. um c tn chf-wl 'ue dem 
rertel zu nÄi.v.»r-. da urrifäafcte er von Viinten ihre ecjrir.iala 






eBtalt, bog ihr den Kopf zurück a^-o küfct;t^ -ie auf deo 

si ch 
llxxvd. Una wie - ie auch danach ge^^ehnt natte, Jt^tzt wuv es 

ihr so viel und f'-iark, das^^ ei e erßcJrirak. ,,W8s tun LieV" 

flüsterte oie angstvoll. ,,Ich küene i.ic/i, kleines ...aucnen," 

ß&gte er crroßt, um bonst eagt^n sie ticnte mehr zu^inan- 

uer ußd kehrten in aen Saal zurück. I:-r war wieder im llreise 

der Schönste una der Reit errate, u^'d. Marueja eass in einer 

tiefen Ü.C», und niemand iconnte annen, waö geöchehen war. 

HiT iiaiaL it -ju ihnen, renigetene t^in paar L.al in der 

yiiocht. Die i^brftuowitzö wu&et#n nicht, was v^i« uenken 

sollten. Sd. n ii'äuiigee xioinruen war ^ewia^^; eiu Zeicnen von 

Interea .e, i:^ er arider erceitö gab es keinen festen Punkt, 

an uen raan seine Hoffnungen knüpfen konnte. Lr war höflich. 



iWWIi i-n I m ■HJT'TiTri - *.•- —^■Jk 




9. 



I 



Julia f'ünlte am b es tan, dasF^ da eina urenz« war. oie tr 
üiGlit aberscnritt. Und ee v:ar fir iJar#D Stolz uie erste- 
Prüfung. Difi> ganze v^taat Scih auf i.ie beide una wartite: 
wanr. wird es sein. 

iiber für Liaruöja i.atte das Leben -ni t einem :.:al 
einer) ulaaz und eiiieü iweicxitam emalteö, vor uera in oen 

r 

Lichoneten Buch, das eiie gelesen, kein Schiraaer geweser) war, 
'kir» wa4? ^(lies ringsum sie ner voll neuer BecSi«tang; ^orte, 

• 

Kleinigkeiten, cde nie ituher nichtb eacxxtet natce, >äcb*r waren 
sie volli^t^ jDezienung; Unddabü ^o was ;vein kox^rte, aass luao 
wartete, wartete, dase man ganz Erwartung war , aif jedes 
Klingel z eicnen nin^hor cüte , auf Jeaen Schritt, der über 
aie Trep^je ging und ailtrs -Varten vergel licn Aar, aoer uann, 
v;en;> das Herz ^ vull war, zuia Brechen voll, cae Tur sich 
aoch üflnete and er eintrat unaman sein e Gestalt sah und 
seine otira;.e üörte . Man war dann reicher geworaen um i^^olch 
ein oLrleben, una abends vor uem -einschlafen j::oDnte man si ari 
iiii:uer wieuer vorstellen, ^\i e es gewesen war, als die Tur 
öuiging una er eintrat und man seine ötimine hörte und hun- 
uerL i^al konr. te man sich üies;>en i-i^uge nbiick vorstellen una 
iiirner .utiir kraft una 'vVonme üatttr cie Vorstellung. 

Wem er a be'r nun wirkiicn aa war und sie eich im Vor - 
ziniiuer oaer Korriaor oaer im jalon trafen una lüemana sonst 
dabei war, und seine Lipjjen ihre i^ugen, ihren -^und una ihre 
Hände --jucnten, da war es ihr auf eimrial zu viel und zu 
schwer, und sie wünscnte , er ginge jetzt fort ur^d lies^.e sie 
allein ut^d liesi^e aie von inm traui^ien »^l/as alles geschaii 
so einfach, beinahe v/ortlos* ifc^s Einzige, was ' arusja ;xit 



MuJrie K'öfragt xiatte , "\Är nur; ;V&rum aem ich und rieht 
JuliaV und was er lacnelnd geantwortet üatte, indem er 
ihre Migen icüeste , war : Weil i^u so bist, nuch solch, ein 
Ikind^ däuiAm! 




•««•«■ 



^mmmm^ 



lo. 



I 



f • 



Manchfcis IJlal, da ei e sah, wie cJ.© üngewissheit , 
Julieu quälte aöd der Vater und (_ie Ilutter nicht vuetten, 
wae aie uenkeu at^u tun sollten and nicht ahnten, caea cd e 
Lösung in ihren Kinderhanaen lag, da funlte ^ie ttwas wie 

« 

Scnuldbt-wue-.:tBein . „Wit?? x-s ist doch Julias? ,ie »hme ich 



es u en t 



■? x,s ist doch Julias in den Augen aller!"- Unoü üann: 



„Nein, nein, ee ist meio, Julia ^at es nie ueeeseen." 

bein BilQ hatte sich anbewusBt in inr verwandelt . 
v.enri es ixir an fangt, erschienen war, ole rede er soviel 
von sich und gefalle sich sear, °o e ai p.ie aas jetzt rai t 
aÄceren Augen an. Weil er zu inr hinaioK ceigen Konnte, cie 
noch ga- nicht galt, «u glaubte sie ihn is^i^ eiler, tiefer ^ 

und 8 Ciili cht er . 

iJQCh ein ^al epracher bi© .uiteipatiuer : er kdsöte wxe- 
der inre Augen j^v ü irag^e; ,, i^icii i.at i ucia i^ienjand gelcüaet, 
LiaruejaV* „ifie^aar^d/' ^agt© sie unüßcrilag cie Aager nieaer. 
^Willöt Lu, dase ich liierbielbe? Ich kann es einrichten, 
daee ich noch eine Zeit lang nier aroeite aod ...ein -bach i^e- 
ence.'* ,,Nein,'* rief cie in einem bcnrec}:, ^^xue in et wegen nicnt, 
iiieinetv;egei gönnen ^i e^ ruhig sein/' und :nün:>ör. und stolz 
fügte sie hinzu; ,. Sie können nandeln, als oinae öie ;-iciit8*** 

nie \^'ar selx^sam: sie \\'un8Chte fast, aaßo er fortginge. 
Und alß uer Tag der abreiße da war, and eine ^.anze Gesell- 
schaft auf uem Bahnnofe ver 8a.:i.:.eli war, um ihn nerauazuGe- 
gleiten, ^^tand I.:arueua allein in einer a:.ntfemurg, al b wäre 



O 1 



e nur j^e xiOiu:;! er , um zuzuschauen. Weder üie iJ.tern, nocji 



Julia waren da. Ldie Letztere ..atce über irkaitung und 
Kopfweh .geklagt, Ycea Berico\'yitz unt erarucKte inre iränen, 
und ein <jaar ^unge kaachen matten nocxirote Jeeichter, aber 
iLfcT U8^ß war ee leicht ums Herz, una Bie eah ihn froh und 
zuversichtlich an, al 8 er auf lE.ie zutrat und ixxr feet uie 
Ha»d oruCi-vte, nachw^em ec ^icn vop all uen üebrigen echon 
ver ab ^. chi eaet liSt te . 




IN 



I 



11 . 






Ale er fort v/ar, aa lebte L.arusja cesder und leichter, 
da v,^rde aie liebe für oie zu einem Eoueo, auf aem ^i e 
mjPüB. i^icxiev dna jrglofe konnte 8ie 01 ch eantf alter) atid 
blühet), konnte j. i e schätze aariLr.eln , ceriM das Ziel war aa, 
wohiio i:;ie alles ^u tragen ..latte. Sie y flehte ...ueik ar.a las 
liichttr utia san uep Tieren zu urd freute aicii aer Blumen 
uDd isauiae, und sah ^u, wie sie -elber wachs, wie inre lich- 
ten reinen Haare durch aie Pißger floeteo and a'e üugeti einen 
tiefen Glanz bekaiaen, la aachte sie; „Wie wira tv aicn wieder- 
finaen^lind das alles, allte -vill ich ia.u ec^xenken." 

V/ecn man ;-ieir.eD ITamen aaar.prach, ging durcii ihr 

t 

ganzes .Vesen j edee l'al die gleiche ..r scnüt oerung • Sie 

foiilte, wie ^zie rot und uanr sehr: etv,^eisF! wurde, Sie war unter 

8cher in einer ständigen Furcnt , eicn lu verraten, Una ei^- 
mal geßCiiah es wirklich, dasn sie eich eir.e duLXue unverzeih 
liehe j^lösne gab, una so B^air ecklich war eF, ussb sie glaubte, 
es nie vergee en za köDr:en . Eö war aiü Geburtstage aer Tante 
Lina Abramowitz, als üi e gar^ze Verwa-JC tt-.cnatt L-.eina Abenctee 
versaaL..el L war. La fragte plötzlicn eine Cousine, aie neben 
iiiT sas^s: Hat ...an wieder wqs von Loktor Berkowitz gehört? 



I 



Et soll oach:..üakau genen'? WieV" ^.arusja fühlte, vde sie aie 
Farbe wecnfeelte, wie ihr aer ochv/ei ss auf aie otirn trat, 
uoü wie uan sie i..i t ;^r8taunen etr achtete. Sekun uenl sr^ 
xier rechte ein ^cnweigen ,and ihr war es, fl8 schlitze . sao mit 
einem iiesBer ihre Bruet auf und betrachte im Herz. In aer 
Erinnerung war Julians veracntlichee Lachein und ein üoch- 
mutiges Heben dee schönen PIopfeB zuruckp;eblieben . 

# 

Im Haue^e Abramomtz erwähnte raan , wie nach einer stil- 
leo Vereinbarung, belten aen xsia^^en dee Loktor -erkova^z a3aia 
nach seiner Abreite wirrer, eir paar An Bic/itspüßt karten von 
iiim anöeko.ii..en . Julia natte sie in jbinpfang genom.en. Ilit 
lässiger Gebar ae 1 as &i e eine von ihnen* Belanglose Worte 
.st an aen aa, gleich öevev, die er g eeproc nao • öie warf aie 



<^« 



Karte auf ^eo Ti8ch unci 8Ci:iaute auf aie zweite, ohne sie 
zu berühren, sie war für r.arusja • La echob sie aie beiaeo 



Karten weit von sicn fort, als wollte sie nichts -üt ihn 



eo 



zu tun iBben. karusja kam gerade ine Zimirier. ^Da ist eine 
Karte für Lieh/* ^agte sie rachlässig und ging ninaus. T.Ia-. 
r^fsja griff nach den Karten und eilte mit aer teuren Beute 
auf ihr Zimruar. Da betracntete ei e jedes Wort, jeden Strich 
i:iüaer von peuem in Angst, eie könnte etwas vom kostbaren 
Inhalt übereehen und verlieren. Es 'A'ar an sie beinahe der- 
selbe Text wi e an Julia gerichtet, aber ihr war es, als 
waren aie Worte an eie leoanaig Me aus Fld fich und Blut, 
als iiätLen -ji e Gestalt, arj d sie könnte ü.e fasi^en und be- 



tasten • 



^Berkowi LZ i.a t gaschrieben , " .^agte Juli a bei 



m 



Abenaesf^en. j^Icn x.ab e üi e Karten irgendwo liegen las^^en . Icii 
erinnere lAcn nicht v/o.'* 

„Er weiss auch nicht, wo er iiinaus soll , »'br aus te 
Frau AbrcTiiüwitz unbedacnt auf uül sah gleicn erschreckt auf 
Julia. Julia zog di e "^3rauen za-aiu-iien una erwiderte ärger- 
lich: „Icn ...ache Mir richtsaus iJrim. Vielleicht LuV" 

Marusja beugte ^ch tief über ihren 1 eil er, und 
ihr Herz zitterte. 

Obgleich 8 ie eigentlich keine b esti.in-rite äusser- 
licne iezienung zu iniu anterriielt una nur nie und da ein 
paar offizielle Worte au I einer -tinbicütaposticar te ihr io 
aen ^choss fielen, so lebte doch Karusja in un^,=,etrübter 
Sicherheit, dass di^be Jiiebe für iniuer mit ihrem Ld) en 
verflücntet) wara ..^ancnes :.ial, wenn sie ein Buch Ibb und 
untreue una Uneiir li cl^-ikeit aarin vorkaiiien, j.iusste ^le an eich 
aenken, und es gefiel ihr, zuweilen rat cemGeL^anken zu spie- 
len, daen es iiir geecnehe: sie stanae irgenawo zuf alli g iiin- 
ter einer Laube oder Zimmer wand und üörte, aass er zu irgt-r)d- 
wem sagte, er nätte eine Zeit lang eine Blonde iiebgena)t, 
av^er tv liebe sie nun nicht mehr una liebe nun aie, aie 




*^— «p 



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V 



i 



13. 



ao 



1.t vor ihra stand. Und wie f ürclitpr licn solch eine Vor- 






^ 



Stellung auch war, sie musste LacJrieln , dann nicht &ioe 
SeJcunue lang glaubte sie, aase uieseö .:.ehr als Spiel der 
Gedanken sein künn^'^. Inr Gluck war d«»2h, wie kein rnderes, 



od 



So -.-'xie inre Liebe hatce keioe arüere noca begon-eu . U 

dafl Buch, daa «xe 1 ae , glitt aus uen Händer), una :..aru8j a er- 

lebte Aieder uen unbeechreiDlicnen seltsaaen Schauer der 



fe-rsten Berunrung 



Eineß Tages ^raf ...arusja beim A.acisait L agstee die 
Mutter utiduie cdcke l&ritei;iöa Abraiüowitz, de iiii.:.er über 
ihre Krankheiten klagte and rchoo langst gesiorben wäre, wenn 



sie 



'öie wirKlich genabt hatte. „Um aen j3erkowitz braucnt üian 



sich keine s^xaxxK grauai Haare wach&en zu lassen," sagte 

di e Tante Dina j^e-iachlich, nachdem liarusj a «ie oegrüsst iiatte 
und fu'.rte ein Stuck der eigengebackenen uRfi'torte zum :.i.unae . 
Es ist klar, warum er riicnt neiratet. Ich xxab e fcs -icat 



glauben wollen, aber r.ian erzuiilte es ndr aus .-«naueater 
i^uelle. üh, ai ese Junger Leute von heutzutage. !:an nat keine 
V.üral ard kennt keine Rücksicht !" Und «ie ast ii^re Torte 

ruhig weiter, • ' 

luaruBJa iiel oae Glas, in 'das -ie «ich uen Tee .a tte 
einschenken wollen, kirxena auB aer nc.nd une zerbracn in 
ffeine Splitter. ,.V\/ie Kann aan t^ur so ungescMc^t ^ein, "schalt 
üie iiutter. „Bineü vou aen guten OläserD -.a turlichi" „Ach, 
lasö djCh. 3'üc^ " beschwichtigte Tante Dina. „Day bedeutet 
Gluck. Las ist aif Lein Gluck, üaruejinka. " Wen.- das Üliick 
sein sollte, so sax es belteaca aus. : arusja f^te mit blassem 
Gesicht uie Scherben zusam .en und >iing - af ihr Zim-^ier zurück. 

t 

üs v;ar ihr plötzlich so weh u-u« Herz 'vi e noch nie. '/as wa: 
es doch gewef-.en? Was hatte ai e Tante Lina gesagte Sie Buciite 
ihre üeaanüen zu aa^ümelo, um etwas au oegreifer. Ihr war, kIs 
streckte ein wiaerlicnes Ungetüm pich nach ihrem Kerzen hin. 



\* 



r 



14. 



iüoer cenr dachte bIw wiecifc*r, wie alles gewesen war und 
sciiüttelte cen ?:opf and esete: „iLLatsciaf .'-erd ich luich an 
En de um Ivlatsch kümmern»" Und all die erwachenden iirafte 
in ihr lies^en schuell uie kleine ÄrBchüti-eruDg vergee^rien, und 
die Liebe blieb weiter der Boden, suf dem ihr reiche ilahrung 
zum '.7ach8tum zuflosf^ • Gla b tinerkte aber ^^ uo näufig, oass die 
Frauen in g elieimnievoller Weise über cen ijokt or redeten, ale 
eei da.wae Jus chicklichee w^rid ricnte für Junge Ohren, auch 
schien die Berkowitz alli^ariich von inre r allfte..einen Beliebt- . 
hei t ©Ktii^a^ einzubüssen. oi e lacaelte aaruber una mahnte «ich 
nicirxts isd^auas.: aar aus. 



t, 



Es 7/ar v;ibder Juni, Ler "i'lieder blicnte noch in gros^^en 
Strauar-^en, ana aer Jf^smin beiganr'' sicn zu öffnen. Ler uinLael 
wat von t'r oiilicue.^1 Blau, una alles r ingßUiuxitr r. ar voller Ver- 
sprechen una HfiTi'nung, und ai e eigenen quellenden Kräfte 



trugen Freuuigkeit ana Glauben lu . Alarusja ging uurcn aa« 
Bl ünen una ?/erder dee üoiruAers una traamte, wi e t- s im vorigen 
Janre war, als uer Flieuer blüJrite, der Jasmin eich zu üffnen 
begann, una ^"i e aas Glück auf nie 2ugekor..::ien war, als in den 
Stachelbeerstauden ^i e reifen naftigeo j^eeren i.ingen, und 
ai e fühlte uicn eeloöt und aen Heicxauu, ^.en sie gesa.ii.elt 
hatte s.eit jenen Tagen und üiiu iiir-iialten wollte f.uf auiSgebrei- 
te-fc-n Hänaen , und f:ie wünschte, er wäre schon da und eie 
könnte ihm das alles ^.^euen, Label oeachtete sie das form- 
lüöe Ungetüm nici^t, aes-^en oValten ii e hi er und da fühlte; 
wenn die Tanten, Cousineu und gut«'. Freunae Bich versamr^iel 
te n unu über a leben und jenen redeten und eucn über inn, um 
uöi ])lMW«(HjMlui Leben fd ch jetzt rankte, vd e junger edler Heim 
ika seinen febten Stab, da wurde i^ie riur echeu und wortkarg 
una ging allem Heden aus oem Wege. 

Aber eines Tag öb bei^aü aas Ungetüm Form, und ii ie ^ah 
ihm ins Gesicht und wuet.te jetzt, aasr, es da war. Las war, 



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Ih am Freitagabend zum ixbeüaeseen von gelben gefüllten 



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15. 



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Flechen avd liaftee iiAt eige ngeDacker)e:ü Kä&ekucneo i^reunoe 
und FreundinreD Julia'e da wäre» und ploiaerter und lachten 
yin d jSH>gt; Lebtrn sweieneit a aekraiuten . „liir .eint, er liebt 
Bi e, " bagte Julia. ,,Kann er denn überhaupt lieben, aber es 
paßöt beic-er -Eitelkeit, ein VeriAaltniö lui t uer Frau dee ein- 
flußBrei nen Mannes zu iB ben ." Da war der Schlag getan. Julia 
mußbte rrian glauben. Julia war enrlicn, eie redete nicnt ohne 
zu m sr-en , 

« 

Llarusga war so betäubt, daas sie garnicht wusste, v/ie 
sie den Schlag ertragen und wie sie viele Tage gelebt aatte. 

Doch dae Blühen und ^^erden ringsum, war bo voll heiterer 
Zuversicht, una alles Scülechte und Gewisöenlose schien so 
unwLrklicn, da se die Hoffnung sich langsam wieder in ihr Kerz 
einstahl und. sie glauben musste, es würde irgemwie alles 
wueder gut. 

Sie sassen um den i»;Iittag8tiech , da erzählte die l'ut- 
t er : ^Ich ßah iieute die Berkowitz auf aem Llarkt. Sie erwar- 
te t aen Doktor . Er ist ein guter Sohn, aas r:]U88 man inm lassen." 

Liarusja's Herz stand still, and el e fühlte sich einer 
ühnmacnt rahe, und ee war ein Glück für sie, dasn die drei 
kleirien Brüder einen Zank am Tische anzettelten, und Vater 

« 

una liLUtter mit ihnen zu tun /latten . ivi'ur Julians kalter Bpöt- 
tischer Blick lag unbarmherzig huf ihrera Gesicht. 

(B-anz unerwartet geechah er,. Al^i^ & ie am räc/iSten 
Spnnabend tni t der l.utter und Julia in neuer Sommerkleidern 
über c.i e grosse Strasv':e gingen, da 8 ta roen sie jjlützlich 
dem Doktor gegerüber. £r erzc^hlte, daeß er am i/achmittag des 
voitfcen Tages angeküiiL.en ^-ei. • . 

hl^ iure Blicke f. ich trafen, da wus^^te karueja in der- 
selben Sekunde, dass alles cuü war. Und es war ihr nat einem 
Male, alp, risre das Band zwischen ihr und allen Dingen entzwei. 




16 • 






I 



unc Bie wüeete nicht menr , wae ei e beaeuteteo . Sie .letteü 
ein tütee ao a kaltes Geeicht. Sie ^ah, vi e eir e x.atze inr 
ge Ren -aber ar* einer Dachrinne entlang kroch. Das Rchi an ihr 
langweilig und zwecklos, und der ganze echöre warme Eomiiier- 
tag J^chien auch ein Trug zu 8 ein, hinter uem ganz etwas anaer es 
ßich verbarg. Julia und aie Mutter ötanaen neben ihr, und 
sie begriff nicht, wjzu aie roch mit diese.u p.chlechten fremden 
üenschen redeten. 

Zu HauBe kniete oi e an inrem Bette r^ieder, legte cas 
Gesicht auf uie Hände und dachte in (^ual, was rie rrun inorgen 
und übermorgen tun würde, was ei e run il le Tage tun würde, 
vde tie nun lesen und Bingen und spielen wurae, v/enn alles 
erlußchen und leer v/ar una kein Ziel mehr de war, wohin sie 
allee zu ' tr age n iiatte . 

Ale er am näciisten i^bend zum Ee^ en udt nocn vielen 
anaeren Gate tat ■ da war, das« tie t^tumiu in einer Ecke des Zim- 
mers ur-d riorchte ..lit geBparrte.. Ühre nir: „Wo war ee? Wo 
war die Stelle, wo ciie Liebe {2;ebrocnen warV** Sie w \k C.e ihre Hand 
darauf legen, un a si e r.üeöte teilen und wieder ganz weraen. La 
hörte sie, wie er lachte und sagte: „Liebe? Sie glaiten an 
Liebe, ale eine reine eelbetlöee Bezi^iung zwischen cer Ge- 
schle chternV** karuBJa f^tana muhki;am auf und ging in c.en Gar- 
ten iiinauß una blieb an oen Stachelbeer etauuen etehen, in 
denen aie groar^en reifen Beeren jriingen . Er war ein heller lan- 
ger Som^r.erabend . Ler Jasmin und dieLevicojen un: Welicen duf- 
teten oetaubena. Aber L.arusja wBeJi:te jetzt, caeö ciei^es all es 
eine anoere i^ecirutung ixatLe, als Glück, eine ar^uere wehe 
unbegrei fliehe .••. . 

Sie Ä^tand noch unbeweglich an derseloep stelle, wo 
seine Lippen aie zum eröten kal oeruiirt ixel^ev, ^de ^i e Ga^ite 

* 

dat. Hr-us verliee.sen. Er ging aie letzter und tc/iaute nach aer 
Stelle iriin, wo ei e ^:tana. Zuai letzten L^al flackerte die Hoff- 



17 . 



} 



nung ir inr auf. ani sie sah iho :uit eineiri flenenüeD eclan»rz- 
volier Blicke an . Ua niachte er ein e Bewegung auf siei/t^- 
pera uc a ucsi clitr . nielt inne, wandte ei cn langsam um and 
feir^g c. er» anaern racii. 

LiaruBja litt lar3ge and Bohv^er , bis Ri e cii e 
Fr^ce aja Leben wi ea e-rg ewann , und cilß tie aen ereter und 
bittersten aller 'ocnixierzev ab erwunaec latLe, war &ie ein 
ernster und starker LIensch, 



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/^ Z^ I^^C 



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C^AC/i- (AAia^^iSof^ <:MM^or7. 



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/ IlZ niOiUUCcr'ffif'^ A^L^dal-esiC 



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Btf^gnuiig umö Wltd^rtth^Bt 



Von Clara Michelson« 

Soaaiger Märstag* Leiohtar NeM liegt über der noch wiatarkalten Erde da 
draußen am pariser Boulevard« wo die Häuserreihen zu Ende sind« Breites Ge- 
lände |für Ausstellungszwecke bestimmt , zieht sich weithin« 

In riesigen roten Buchstaben prangt auf weißen leinenen Schildern die Einladung 
zur Grossen Landwirtschaftlichen Ausstellung« Ich spüre beim Anblick dieser 
Buchstaben Heugeruch, Kuhstallduft«««« Ferne Erinnerungen tauchen auf an Land- 



leben, Felder, Weiden, Herden 



Ich gehe hinein« Ein Gewirr von Tierstimmen tönt mir entgegen« Bellen und 
Blöken , Grunzen und Muhen erfüllt die weite Halle« In engen Käfigen drehen 
sich Schäferhunde hin und her, krampfen die Pfoten an die Gitterstäbe, ^ wedeln, 
bellen, heulen. Es scheint, als riefen sie einem zu: **Macht auf das Gitter! Ein 
Hund ist kein Stalltier« Wir brauchen Freiheit f Wir wollen jagen, wir wollen 
springen. Macht auf das Gitter!'* 

Ängstlich und verschüchtert stehen dagegen die Schafe. Eng aneinander gedrückt, 
Körper an Körper, mit geschorener rosiger Haut und einem Viereck von Wolle auf 
der rechten Hüfte, bilden sie einen Halbkreis« 

Ziegen schauen trotzig um sich an ihrem Stand; Ziegen aus hohem Alpenland mit 
flachen Gesichtern und langen, kunstvoll gewundenen Hörnern, die dicht am Schä- 
del anliegen, und Ziegen aus der Ebene mit gestreckten Köpfen und kurzen empor- 
gerichteten Hörnern« 

Und Schwine sind da! Spassige Tiere mit kurzem Körper auf kurzen Beinchen, mit 
kurzer, faltig zusammengedrückter Schnauze. Und Schweine sind da mit langem 
Körper und höheren Beinen und langer Schnauze« Aber alle sind sie fett, fett und 
sind müde von ihrem Fett« Sie liegen auf Stroh mit ihren gepflegten rosigen 
Körpern, schlafen und grunzen im Traume « Doppelte Unbewusstheit! Leidloses 
Dasein! Sollte man euch deorum beneiden? 

Ich gehe weiter und komme zu den Kühen« Welch überraschende ManJkigfaltigkeit 
in Grösse, Farbe und Form, als ob sie nicht alle zu derselben grossen Familie 



- 2 - 



Rind gehörten: Kühe groß von Gestalt und wunderbar weiß, Kühe mittlerer 
Größe und schwarz mit weißen Flecken, dunkle Zwergkühe kaum größer als ein 
Bernhardiner, Alle stehen sie mit übervollem schwerem Euter, Tier<|,die etwas 
Sohmerzliches erlebt e r lebt haben, Ihr vorwurfsvoller Blick scheint zu bitten: 

»» Zieht endlich die Milch ab! Ich vergehe an ihr. Das unendlich Liebe habt 

[mir , 

ihr\ f ortgenommen/^ 

Und wenig weiter stehen die Genossen der Lust. Stiere, Stiere, ••• Wie die 

Kühe verschieden in Form und Grösse, Aber einer steht da, riesig großmit 

wundervoll herrlichen Gliedern von scl^eiger Weiße, Ein König unter • all 

diesen Tieren! Welch Ebenmaß und welche Schönheit der Formen! Und welche an- 
gesammelte Kraft, gespannt bis aufs äußerste, bereit loszubrechen in wilder 

Brunst, bereit zu rasen, zu stossen , zu stampf en,,.,,. Er trägt eine grüne 
Krone auf dem Kopfe, Guirlanden schmücken seilen Stand, und weiße Leinenschil- 
der mit weithin leuchten4^»den roten Buchstaben künden seinen Ruhm: 
" Mit dem ersten Preise gekrönter Stier'\ 

Eine Woche später gehe ich durch die engen S^ßen der Stadt und komme auf einen 
kleinen Platz hinaus. Es ist warm. Viel schwatzendes Volk ist vor den Türen, 
Neben dem Eingang in den Fleischerladen hängt abgehäutet der riesenhafte Kör- 
perleines Rindes, Ein weißes leinenes Schild zeigt mit roten Buchstaben an: 
" Hier wird der in der Groien Landwirtschaftlichen Ausstellung preisgekrönte 
Stier aufgeteilt und verkauft," 

Ich sehe kein Fleisch mehr, keinen köstlichen Rinderbraten, Ich sehe arme, 
elende Überreste eine! herrlichen Geschöpfes^ Blühendes Leben vergewaltigt, 
hingemordet. Und zum ersten Male graut mir vor Beefsteak, Wurst, Suppenfleisch,, 
und vor mir selber. 



. . 



B eim Althändler» 



Von Clara Michelson, 

Das L&ütewerk an der Eingangs tür schellte schrill, eine Ältere ^-Wß ablasse Frau 
"betrat mit dinena Paket unter dem Arm den Laden« 

Der Inhaber, ein altmodisch aussehender Mann, eilte aus dem nach hinten gelegenen 
Wohnräume herbei, musterte mit raschem ©lick die Eintretende und erwiderte kaum 
merklich ihren Gruß. Augenscheinlich erwartete er nicht viel von ihr. 

" Ich bringe einen Gegemstand zum Verkauf, einen messingenen Wandleuchter, '^ sagte 
sie zaghaft und begann mit ungeschickten Fingern das Paket aiifziimachen. "Es ist 
Weihnachten, da wird sich vielleicht ein Liebhaber dafiär finden. Seit Generationen 
ist der Leuchter in unserer Familie. Es fällt mir nicht leicht, mich von ihm zu 
trennen. Mir ist,<^s- als böte ich ein Stück von mir selbst an. Dabei benutze ich 
ihn schon längst iiicht mehr." 

Der Händler nahm unojeduldig den Lowtoy Leuchter aus dem Papier. 

"Was verlangen Sie für ihn?" iiwtprh-rÄnii ö-k» aa^ l^^-,, aa ^ «,^44.« ^^^ nx 

^ unx-erDracn er aie Frau, die weiterredew wollte. 

" Ach, ich weiß es nicht. Ich verlasse mich ganz auf Sie." 

"Aber ich bitte Sie," erwiderte der Mann schroff, "3ie müssen mir doch annähernd 
sagen, was Sie für das Ding haben wollen," 

Die Frau zog sich zusaiTimen. Ihr Ge.^icht wurde blasser und schmäler, "Ich kenne 
die Preise nicht. Sie werde« mir sicher keiw Unrecht tun. Wenn es nicht dringend 
wäre, würde ich ihn nicht hergeben." 

Der Här.dler betrachtete den Wandleuchter prüfend von allen Seiten, drehte ihn hin 
und her, schwang ihn auf und ab, 

" Nun, wenn Sie durchaus wollen, werde ich Ihnen einen Preis machen," sagte er 
schließlich. "Aber dann, liebe Frau, greifen Sie zu. Ich will nichts an ihm ver- 
dienen. Ich sehe, daß Sie Geld zuü Fest brauchen, und möchte Ihnen gern einen 
Gefallen erweisen*" 

"Wieviel geben Sie?0 fragte die Frau leise. 

Er mannte eine Summe, Es war ein kleiner Teil von dem, was er für den Wandleuchter 
zu erhalten hoffte. 
Die Frau senkte tief den Kopf, 

'' " Das ist sehr wenig. Ich habe gedacht, daß er mehr wert wäre." Ihre Stimme 
war fast tonlos. 



^ 2 - 

" Wie Sie wollen, Frau, Sie köunen ja auch woanders versuchen«^ Und ohae ihre Ant< 
wort abzuwarten, ber^aur er den Leuchter wieder einzupacl<:en. 
Die Frau le^te die Hand aufs Paket • 
^*Gut, behalten Sie ihn,'* 

Sie nahm noch einmal den Wandleuchter in die Hand und tastete ihn nit zittern- 
den SÄÄde^ -eb Firgern ab. Es war der Abschied. Um ihre Mundwii^kel zuckte es 

heftig. 

*• Sie bekomr^en einen guten Preis, liebe frauj und können £>^öhliche Weihnacht 
feiern^" tröstete sie der Händler, 

Er zählte das Geld ab, Bio steckte es histig^ei^i und verließ den Laden» Das Läu- 
tewerk schellte wieder, bis die 2ingangstür sie': geschickten hatte. Der Althänd- 
ler be^^'b sieb in den Wohnraum zurück. 
Es wurde still im Laden, 



Der Wandleuchter sah sich in seiner neuen Uingebunj iv(\^ .obwohl er unbequein auf 
de^n Rücken lag, seine drei Ar-ne der Decke er t£;ejen2es treckt . Ein leichter Moder- 
geruch, gemischt mit Lavendelduft, Pfeffer-und Naphtalingeruch drängte sich ihm 
auf. Merkwürdige Dinge hingen an der Wänden, lagen und standen herum und über- 
eimander. Er konnte nicht begreifen, wozu sie hier versammelt waren. Sie waren 
ganz verschiedenartig, und das einzig Gemeinsame an ihnen schien zu sein, daß sie 

-k o 

alle insgesamt Gerünpel waren. Verbraucht und überflüssig, Pa hing ein verrste- 
ter Säbel, dei^ kein Mensch meyir heutzutage als Waffe benutzen würde. Dort lag, 
dicht neben einem zerfetzten Seidenshawl behutsam auf einen Sofa ausgebreitet, ein 
fadenscheiniges Ilachthemd . 

Der messingene Wandleuchter hatte vieles in seinem Lebeh gaseheii, besonders in 
der ersten Zeit seines Daseins, da er beständig in Betrieb gewesen, da er ei* 
wichtiger Lichtspender gewesen nni man die Petroleumlampe noch garnicht vorausge- 
ahnt hatte» Solche Dinge, wie sie heruinlagen und standen ,hatte^ es viel zu jener 
Zeit gegeben: solche hohen Kommoden, solche vergoldetem Stühle mit handgewebten 
Bezügen, solche bemalten Tassen^ .>^,^ . Ja ja, die hatte es gegeben. ••. Aber sie wa- 
ren alt und morsch gev/orde», und man hatte sie allmählich hinausgeworfen, Sie 
hatten neuen Dingen Platz machen müssen, die beque.iier und zeitgemäßer waren. Und 
hier saia-melte man mit Bedacht diese Gegenstände, die einst was waren, diese Schat- 
ten ihrer Selbst. 

Was wollte ma* üiit ihnen beginnen? Mit diesem lächerlichen Federkiel, mit der ge- 
platzteü Kaffeetasse, mit c\^a fadenscheinigen Nachthemd ? Und 2u welchem Zweck 
hatte man ihn mitten unter sie .r^estellt? 



- 3 - 

" Wer seid ihr?" rief er aus. Er vermochte aicht länger a» sich zu h«lte«. "üit 
wem habe ich die 2hre beisammen zu sei«?" Er führte die altwodisch. höfliche 
SaloT«spraohe. -Ich bin ei« vornehmer -3S3iitge*er Wandleuchter und habe manches 
Seltsame und Überraschende n»it meivjen drei Ker..e.', beleuchtet, doch in einer aolchen 
Gesellschaft habe ich mich noch nie befunden. Und ^ möchte immer gern wissen, 
mit weta man es zu tun hat." 

•• Ich bin der Schreibtisch eines Ministers, der mächtiger war als der König," 
knarrte der gewundene, mit Bronzebeschlägen verzierte Mahegonischreibtisch, auf 
dem der Waudleuchter lag. "Ich habe über Lebe« und Tod entschieden. Ich! 'sieh 
nur aieine Schubladen und Lädchen an. Es ist nicht so einfach, sie zn öffnen. Und 
von meinen Geheimfächern ahnr^t du überhaupt nichts. Ich war der treueste Verbün- 
dete des großen Ministers. Was wir beide wußten, wußte sonst niemand!" 

"Ich bin der Becher einer schöben Frau/' fjnte wie eine Glocke ein Becher aus ro- 
tem Golde. "Süßen Wein bot ich gierige« Lippen dar und berauschte zu tollen Taten." 

"Du meinst vielleicht, ich sei ein einfacher Gänsekiel?" unterbrach de;. Becher ,der 
noch vieles erzählen wollt*, die gelbe häßliche Kielfeder. " Was sollte ich auch 
anderes von dir erwarten? Könntest du denn je die erhabenen Gedanke« fassen, die 
ich aufs Papier gebracht und der Menschheit für alle Zeiten geschenkt habe? Die 
Hand eines große« Philosophen hat mich geführt. Die Fand ist nicht mehr da. Die 
Hand ist entschwundeh wie ein TrauM. Wo ist sie hin? Nur ich bin noch da,sei«e 
alte Kielfeder. Und du meinst, ich sei ei^ einfacher häßlicher C-.insefederkie] den 
aan hinauswerfen müßte?" 

" Rühr -mich nicht an, rühr mich nicht an!" surrte der zerfetzte Seideashawl. "Ich 
schwinde dahin, ich löse mich auf. Es ist wahr: alles ist wie ein Traum. Nichts 
bleibt zurück. Welch eine herrliche Stimme und welch ei;,en weißen Nacken hatte sie! 
Und ,»eiche zärtliche Häude! Niemand strich über .eich hin wie sie. Sie war eine 
große berühmte Schauspielerin, und %>rchen Triumph habe ich auf der Bühne miter- 
lebt. Nun vergehe ich wie sie. Rühr mich nicht an, rühr mich nicht an!" 

•' loh bin das Nachthemd einer Königin," wisperte das fadenscheinige Nachthemd. "An 
mir haftet noch der Geruch ihres Leibes. Wer eine feine Nase hat, kann ihn spüren. 
Man wechselte damals nicht Wär.che wie heutzutage. Das Hemd hin.^ lan;^e und inni^r 
am Körper. Oh, ich könnte Geschichte« erzählen, Geschichten...... Aber ich schwei- 
ge..., ich schweige..... Ich verrate nichts." 

"Wer seid ihr denn?" rief der Wandlaucht3r aufgeregt. "Ihr seid und seid doch 
nicht. Und ich selbst? Ich weiß wicht mehr, was ich bin! Ich war einmal ein Wand- 
leuchter. Bin ich es noch oder bin ich es nicht mehr?" 
"Erinnerungen sind wir," wisperte dr.s fadenscheinige Nachthemd. 



i 



- 4 - 



"Spuren si»d wir vom Zeiten, die sich aufgelöst habe»," flüsterte der zerfetzte Sei- 
de«shawl , 

♦♦ Wir sixd die Vergamgenheit , welche die Gegeitwart geschaff e^A/* kwatterta der Schreit- 
tisch des froßejÄ Ministers.'* Die Gegeiiwart sollte daran denke» und bescheidener sein." 
In diesem Augenhlic^k begann das Läutewerk an der Eingangs tür wieder heftig zu klin- 
goln. Ein Herr trat ein. Er groß, schlank, elegant. Der Althändler eilte herbei und 
verneigte sich tief vor ihm, 

**Womit kann ich dem Herrn dienen?** fragte er verbinaiich. 

•♦ Ich sammle siebzehntes Jahrhundert," erwiderte dieser langsaoi und sah sich aufmerk- 
sam im Ladeii um. "Was kostet zudi Beispiel dieser Armsessel?" Er streckte eine lange 
weiße gepflegte Hand aus. "Und bürgen Sie für seine Echtheit?" 
Der Althändler drehte den Stuhl um. 

"Bitte, hier lese.« Sie den Namen der T/erkstatt. Ich habe nur echte Sachen, und 
meine Preise sind mäßig. Wenn Sie sich auch noch diesevt Wandleunhter ansehen woll- 
ten.... . Ein ganz herrliches Stück. Eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk. 
Unzweifelhaft siebzehntes Jahrhundert. Der Stuhl, der Wandleuchter, vielleicht auch 
noch diese Landschaft Uicd Sie befinden, sich mitten im fernen Zeitalter." 

"Ja, das ist es, was ich liebe," sagte der vornehme Herr versonnen. "Seiner Zeit 
entfliehe]^, untertauchen in eine andere, die eiwe-Ti gemäßer ist.... Ich hätte im 
siebzehnter. Jahrhu-idert geboren werden sollen. Ich passe in das unsrige nicht hin- 
ein. Ich halte mit seinem rasenden Tempo nicht mit Es ist so laut, so schreie- 
risch. Also gut. Wieviel wollen Sie für die drei Gegenstände?" 
Sie wurden schnell handelseinig, 
"Und Sie schicken sie mir noch heute, nicht wahr?" 

Der Althändler verbeugte sich zustimmend vor dem guten Kunden. "Ganz gewiß, noch . ,^ 

iieute . 

Der Herr blieb noch einmal vor den: Wandleuchter stehen. 

"Reinstes siebzehntes Jahrhundert, wahrhaftig! Was du wohl alles beleuchtet haben 
magst," sagte er sinnend, wie zu sich selbst. Und er genoß im voraus sein Weihnachts- 
fest: bei Kerzenschein im Lehnstuhl sitzen.,., am Kamin vor knisterndem Feuer,,,. in 
das Spiel der Flamme« schauen.,... ein altes Buch in der Hand,,., untertauchen in 
Erinnerungen.,,, sie lebendig werden lassen..., sie zum Erlebnis werden lassen...." 
Dann fuhr er empor. "Also bitte, so bald als möglich. Guten Abend." 
"Guten Abend, mein Herr, guten Abend." 
Das Läutewerk schellte. 



ö 1 ti k . 
Von Clara Nicholson. 



Frau öwoira Kaddlr.oh war elno belebte rersönlichkeit in Jnnlsohkl. Man brachte 
Ihr Interesse ent^iegen ire^en Ihres ana^reohenden Wesens und noch mehr wegen 
ihres für ein fromee litaui.ch-J«liochea i^tädtohen un^;ewöhnliohen üehl'ok- 
sals. Kaohdem sie fünfzehn Jahro in friedlicher ::he mit dea Kolbfellhändler 
Benzion i^addisoh ^-olebt, hatte dieser ihr cinee T^vies orklärt. daß or ihre 
Sohwester. die Keldsoherin Chawa Potaaoh liebe und sie zrx heirnten beabsichti^-e 
Frau raddischa innere« krampfte «ich bei dieser unerwarteten Mittellun ■ sohmerz- 
lich zusmmen, äuBerlich Jedoch blieb eie rulü.:. bo ruhi-:. daß es dm Manne, 
der erwartet hatte, auf Tränen, Vorwttrre. ja auf verwflnschun..;en zu stoßen, unbe- 
haglich zumute wurde und er nicht recht wu3te. was zu denken. Ihre stille Ant- 
wort -"Tue, was du für recht hälnt -•- brachte ihn no .ohr au5 der Facsun., daß 
or sich beinahe eiitaohuldi^t und den Hüokzu:: an2etrotei. hfttte. Aber Benzion FTad- 
diach ^ehGrte zu denen, die viel,aeli| i.e.ohobcn wurden, als dcS sie selbst&adiß 
ülUßen, und da Oha»Ä Potaach die onerüischere von den i>chwe3tor>: wc^r, entwickel- 
te sich die An^-elo^a/ihait in der bereits oinüesohla^eneu Riohtunj weitar. Die 
fünfzehnjül^ri^e, von f.tmz Janisohki bia dahin für ßlUcklich .'ehaltene Ehe wurde 
auf Grund beiderseitigen Eiaverst&ndnisees gelöst, Benzion Kaddiech und Chawa 
Potasoh siedelten unverzüglich nach einar andern btadt über, naitncn der. lutherischen 
Glauben &n und heirateten. 



-I 



Frau Dwoiras "ummsr, der sich nach auSen hin nicht 15ste, wirkte umso ver- 
hörender naoh innen. Ein sich steigerndes schweres Herzleiden zwan^- sie sehr 
bald zu Rutie und üntäti^^Jceit. Die iiympathien von Janisohki waren nuf ihrer Gelte. 
Der einzige Vorwurf, der ihr ^e-aacht vmrdo, war höchsten«, daß sie zu weniß um 
ihre £he gekämpft und zu leicht npohgetjeben hatte. Jedenfalls konnte die öffent- 
liche Msinunj des Städtchens sioh Im^;« nicht boruhißen, oo solcher gottlosen 
Verletzung der ßeheili^tsn Sitte, tmd machte die gute bescheidene Frau Dwolra 
zwn k'lttelpu-nkt ior r.llo^e'aolnan Auf-nerksamkeit. 

6ie saS raeiet ia breiteii bequeaer Lehnstuhl und freute sich fibar j«dea i?ecuoh, 
der sie von ihren traurig.,:) Gedanken ablenkte. Zwei Eüchf^r 1«^«:; ihr i^wcr zur 
Seite, in denen eie zu ihrer Urbeuunü bl&tterte, der Korbnn-i'lnchc* Jlohider und 
df.s iiaaese^nuch, dae Ueaut uid Unterwiirfi^ksi t de^a ^ttx.Q ^egerübcr hIs höchste 
FrauentTi,jend lehrte. 



- 2 - 
r>r häufigster üaet n^ ^Ju.aa Ilonißirmx. dio oit ^Iwm und Kind i-a Ilaohbar- 
hnuce ^hnte. Ea war oine .:ro3o derbkr^ohi.o i>rau mit kur^ea schvtarzem 
rrnushaar. stumpfer l^ase und breiten, vollon Lü^pen. Auf ihrem Arm truj sie 
ein windiges Kn&blein. daeden ßrSßten Ge^ensata 2u ihr bildete. Sein ^esiohtcher 
war auffallend fein und zart, dio Haut w«lß und dünn, das Haar flachsblond und 
soidiß. UmtilUarlieh drän^^te eioh bei«i Anblick der boiden die Fra-e auf: 
•• ,;ie kOöBt dl«»« ?^a < zw solcha-a Kind?" 

Undd aU erriete .ju:aa HorJ.^aau das iratam.un, daa :ia ^lervorriefen, preBte 
sie d..3 Kuäbleiu IM aoh. drüokte den vollen br^^ite.. Uund in daa seidi-;e Flache- 
haar und .aur^elte halbl/-ut: "Uanz wia er! -elu liund, seine Au^en. sein Haar! 
Ytei-zig'Tahr« lang habe ioh attf dieses Glüok gewartete" ^ .Tnj , 

^Jenn aan dann auo- ih« kerne., larrte, den.öie_ni2..4iJk -lanen nrjinte und der einen 
^4ffe WiChtif-sK öestai.dtail dieses GlüoköS bildet^, wiadarholte unn.;. uiiwillkur- 
lieh .ilt lÄi-ör ürgriffenheit: "«anz v»ie er!" - 

'S*^'' wJ*-aet>«E tK* iÄüaonw:.'::. -«rMnoolil.T. .^it «xerxiwen aanÄen-tÄd -liHiirWft 
mn^ii-;''9in''^iiit'^9i<i^tiii6r.^^.^Z^i^-**^''9tt^ MMM«ttuw- Hteiinnd Ä4A«t'^«rkf»in*#- 
.öÄ F</rmats--- . und ee ersohiexi natürliah, daß die schwarze derttknochi^ie Frau 
ia«-riiö«t b»t4l-:,'a.»eh-Ä*ltt8n a,o<*ftt«. A««m s«* er^iattoer^uuu«i#fnest^a«»? ^t" 
aus d«.a ii i-evoUt, während sie einen unordentiichea i^indruck af.chte. Da hing 
an ihr oin Vade:., ein Täschebatidzii^fel, dort war etvtas fal -oh zujeknöpft, und 
immer etrömte ein lais ,r .eruc: von ihr aus nach Zwiebeln. Knoblauch oder an- 
dern rin^:«n. 






eitdea 68 am FrühUntr i^ing, nato Frau Kaddisoh jeden ^r£:en pünktlich ua. 
acht Uhr, w«nn er eich ine .eoohäft be^ab. voa geöffneten Fenster aus an 
einer rührenden Faailienszene teil. Trau Honi^^nann beüleitdte nämlich mit den» 
rnäblein auf d«a -.rm den aatton vor die Hnustür, und ein Absohiednehroen und 
Grüßen bo^jann, das kitaxtai« nicht ende», wollte. 
"Eavidohen. nach d«.n iaw-a winkewinke Tavidchen. wirf d«a Pappa Kuß- 

härxdoheti zu! ... " 

"iieber iaipa, dreh iioü doch ua nach doinej Davidchen!" 

hlrr hOBiß.aonn war i^chon länget außer blick^eite. da stand noch 3juma Honi^mann 

verronnen auf den .tufen vor d«r Itnu.tür. den windig zarten i;avid auf d«« Arm, 

und aurmolte: 

-^aoh d«: i'appa winkewinke " und "Dreh dirh doch u^o- .einai Icvidcho . i«o!" 



-. 3 •- 

£8 ceoohah auoh, daß wjuma Iionl,>:i?uan rJLloln 2u Frau Kaddiooh. harelnkaci uta die 
Ctunda, rmnn Favldchen aohlief. sjum sali i>« ihr an, dnß ein K^vmor sie bohirer 
bedrückte und sie aioh talttcn axxt dor Arbelt heraus jerl so en, um Ihr l'.er?. zu 
erleioHt rii, üle hatte dlo jroße blnue Arbeitösohürse urü, ihre Za^e \t.' ren 
ochlaff, die ^^undstinkol hin^^en müie lir.rnb, der Blick v^ar matt. Jie aohion uci 
Jahre ^oaltert, 

» 

"v,a3 l;;t loö?'* frajtö rrau Xaddlr>oh bosor^^t. 

Die i^roße ; rau ließ .ich auf Jeri örötar. besten Ctulil foxlen» 

••Hs iot allo5 nichts wert/' atieß sie ciit cchvrere'a ..eufaer hervor. 

ÄRaruni denn? Co rlStslioh! Hat e r was verbroche..? - 

" ß r ? las verbrochen? Peloh eine Idee vcn Ihnen |Frou Kaddi&ch! Abor er ist 

80 fein! Er ist 30 vieiß mU i:ohBn. Und ich bin ßo soliraaklioh boh^arz und 

knochij^. Ich raß nicht zu ihi, Frau r.aidi.^ch. Er hÄtt- mioh nicht heiraten 

dlirf ei: ,F?au Kaddl£>ch und ich bin auci. älter alb er.** 

- Hat er Ihnen \ivö c^Qa^tf ^ijuaa? riarura quftleu ;.ie eich ^it ho unnützem oe- 

d: rJcen? — 

^^ T \ Er wird ^Uii da^en! Aber ich heb doch A\3^efi hü Kopf z\x sehdü! Mott 
meir. üott, was gab ich dafür , vfenn Ich janj^or imd welßor werdox. Koimt! ioh 
will 2nir ^.amlohtö alni'eden. Aus Liebe hat er solch eins Sohönlieit nicht gehei- 
ratet! Kr hat .nein Oold gebraucht, uü »ich aelbr»tändig su zaachi^n, und da hat 
er es nun!"* 

iLütunter jedoch «ichlich bio horoini sfcih verle^^^an umblickeudi ob nicht le^aand 
?reade^ ioi Ziuiaior .nlre, kniete aiuuu vfoi-tloo aa Lehnstvihl dar Freundin nieder 
und bar^ veruohü^t in dore*. wohoß ien Kopf* 

Frau Ka:iJi^oh ließ sie ^.ijwäliraui sla hatte ieduld^ eie kour.te warten. Leiae 
strich rio .ait ihrer wexoh.i. Hand über das wirre s^i^hwarze Haar, bit «in flüstern 



be.Kjann. 

»*V?ie or :uijh liebt, rrau raJdiach! Wie ur Jii^u lleotf IcU hätt 

daß or so leidoncohcftli;)!. zmin köra*t 1"^ 

Und versohärat, ^esonktOi. Dllokon, ^ohllch .^ie wiedcir tant*u&* 



x\5.e /.eda^hl, 



Einaal fra^to Frau KaddiiOhj '^iia^en -le, ijusin, e r ist dooh so fro«a, und 
Sie 5lnd ganz andera aufüewachötn. Bei Ihnen zuhause hat mnn von Jüdl^^chkeit 



-. 4 - 




-' -■> 1. i.jlL i-nt it. Und er i-t doch so froan, er trSßt 
nichts ^ehelten, t»«**«i-«ir iJ»J-g«^ i' *• ^'^'^ ^ ., , 4w 

nicv.t ..1 ein Ta.cheutuoh aa t«^. Fällt e Ihneu nicht ochner die neiliß- 
.eit d«r Foiert.'.ße ein«m..lten und die vielen Re,.elu vor. ko.ohor und treifer» 

v.> AA^ -.«wiA.. aohwai-Äoi '>u exi mit eines fast aohrüerzvolXen Blloi 

zu ihr auf. ^ v. o 

-W« reden ;ii«. Prnu ^addisoh? fa .oll wu3 -ch.er fallen? :iir? Für Ihn? 

Gibt 03 Uborh««i-t oow«« in der .elt. das ich fLor ihn nicht tu., würde? Und wenn 

ich hundert .nal «n Tr.-e Licht bensohen und stotiiche Ochsen der Erde saUon und ^\ 
weicher, aüßte!" 

Abor oinos To^ee torkelte di« Fr^u herein wie batrarAen. Cie schwankt* nach 
Hllci. l-eiten m.d .'rriff . eine. Halt «uche.d, bald i^rch d«r Türklinke, bald nach 
cin.r Stuhllehne, «ulotiet «o.ier nach de« .iroßen üumoibaum. der der iiÄuefrAu 



StoliS war. 




^ 



y ' 'floA i 



ir bwl^ (ioeh ülü vovAor ( i aoirt 



ik nn eine : Fuhobatt UAttaaxÄ lansaa-n nieder. Der 
schwere tüe.ai;i e TSrrer schüttelte ich in lautlose. Jchluchzen. 
2in r^.oaen Un,ilücK ^ußte ^o.O.ehen .ein-, dc hatte .ie .ich noch nie beno.^.en. 
rrau «:addiech cX^U echnor. Ihr krtmkes H.r-. vertrug keine Aufreaun^. ^i« 

konnte nur mit l^ühe frn^en: 

«v»&8 ist .vaoeiort? Ist i h a nna r.ußeetoßen oder Davidohor?" 

Die Krau auf d»a Fußboden schüttelte oich lautloa weiter. 

Frau Kaddisch hielt os diesa. .U aioht aus. «Andere Leut habar. auch Nerven! 

VJenn Cie nicht reden wollen, danr. .aachon .ia, daß -ie gehen!** 

Da schrie t,jumn Hoaieafinn in wilder Veraweiflun^ nuf . 

-I^h nnia eterben! :ar bleibt nichts anderes ^ehr ubri^i. Uein ar^es un^^lück- 

lishes Kind, mein Uavidoheu!" 

Mühsan stand stand Prau Knddlcoh auf und machte die .»eni^en :;chrltte bis z^x 

ihr Mr.. 

« Was Iflt ^e^oheheii, SJ'jKie? ?.o machen üie doch endlich den -und auf!" Jiie 

legte besiohwOrend die Hmid auf dei: eohwarzen Kraußkoi,f . 

Zögernd wandte das trÄnennasae Antlitz sich ihr au. 

«ich habe ihn betrogen.« ßa,;to die ?rau »^ starren- Blickfe. '»lao bleibt ndr 

übriß. als zu storbenV" 

Frau Kaddisch» Ar..e fielen herab, und aio wich ein paar Schritte «urüok. Ihr 

ka^ez. Zweifel, ob die : erson auch richtig bei Verstniide wäre, derm eher konnte 




«• 5 - 

ßid sioh voretell«, dftß dtr Moud auf die Erde fiele, ä1$ daß dio Frau ihren 
liemn hintergin/:e. 

^3juma> üia sind ktscek^ Ihre Kerve« sind überreizt* GXeloh koerot meine Kusine 

Eobra Frftdkin. loh werde sie bitten eineti Arat zu li0#l«» holen. Lefien Sie sioh 

inzwl lachen hia \md Aehsen 2ie Buldrian.^ 

••lo.-i Hill keinen Ifenechen »eh#n!*' eohrie tjuma Hoai/^isann UÄd erhob ßioh raßch. 

"borgen bie fiXt mein eutterloses Sind| Frau Kaddisoh^ und verlassen ^ie es nicht, 

wen» e r wieder laei ratet r* 

Bin neuer ;:;tr02i von Tränen er^:o6 v>ioh Über dr.e dunkle redunsene Cxesiolit« 

Frau Kftddiöch stand noch ivmw da wie verloren, Es ;^ng ihr ndoht ein, was die 

Frau ^u^axiiuienredete, 

••Mit wew, lijuaaV i.lit we«? ?fie haben Jie nur sowne terti£;£;ebre\oht bei liirer 

großen Liebe 2u ihm?'* 

Ja 80 unzuverlässig ncxr^^a die illensoheu. Ilatte sie ihreni äenzion nicht aucr voll 

vertraut? Und hatte er sie nicht betrogen oit ihrer eif^enen t>okweötex»? Konnte 

atm eine schwerere EnttÄusohxxng erleben? Bar es eigentiioh nicht c>«au^^, uö an 

niemand inehr ;.u £:lAuben, auch an läjuoa üonlgroann nicht, die so tat, ale betete 

sie ihren Mann an, was sie Jedoch nicht hixiderte, ihn an den ersten bestem 

herf:elaixi enen Kerl z\x verraten« 

'^ßjußia, iüit wem? Ich besc^hwöre £iöl wagen Sie mir scnon die ganae Vahrheit! 

Mit vre^n nahim Lie Hin hinte'r^Än£;,en7 Ich sehe niemand! ült de<n blonden l^lei^oher- 

jungen, dar Ih^ien tätlich das koschere Fleisch bringt? Sr sieht sc ^^esond und 

mgniilioh aas« Aber es t^äre Ja s^u ^etaeinl Und wann und wo? Oder vielleicht 

£:ar t&it deii Colmeider, dena lehnenen Goleai, der Ihnen den iiantel verpfuscht hnt?'* 

'V^t w^lcheii Fiel scher jungen?»* fra/rte SJumn verständnislos und maoht-*6 dio 

etwas hevorstohe? den runden Au^on weit auf« *^}nä jJLt rrelohom lelü^iCnen {>olem?*^ 

"i^it de;« Hahn !•* gellte siö und riß sich die Bluse auf der Srurt ents«rel. 

Frau Kadrüsch hielt sich lit beiden FTÄnden an der Rettk/^,nte feot, 

"Jetsjt hob ich aber senu<j von Ihnen, endgültig gonußf loh will iSie nio niehr 

sohenl Iffa^en ole nicht, den Fuß über meine Schwelle zu uetsen, Sie sind voll- 

kommeri vorrückt! £ln böser Geist, ain Ru^ch irit in Sie gefahren! uehen 3ie 

nach Xarpowioe sußi Zaddik! Bitten i:ie ihn, daß er den Ruach au« Ihnen hlnaiiOtreibt 

Aber nioh lasaen Jie gefallii^rDt in Huhl loh bin «l^n/j krankö Frau.** 

3j(;^t)a V:inlv;n«ini «u^Vte -xr^irv dlis^n Wortin ^ue^i^ramen wie xuater Peitschenhieben, 
♦•Sie li^^y^vi li^v?. rjjciht, Vr^iU Kaddlsch* Ich verdiene kein lütleid. Alles, was Sie 
BBfieri i ist :%ooh v5el z'i nilcl* DeehAlb will ich auch sterben. Ich hab 



- 6 - 



ihm einen Brief hintarlaösen laid Ihm d^rin ßewüncoht, mit einer andern, die 
besser z\x ihm pa&t| ^lüoklioh i:u werden«*' 

Man hörte ^ohritte im liiuisflur, Frau Iionic;m(inn raffte ihr Tuoh| duo lie^or. 
geblieben vrar, Vd öodeü auf und etürzte hinatta. 

In tiefer Krrei^junß blieb Frau Kaddinoh jKarüek. Öle i^aohte sich Vorwürfe , zu 
hf.rt ße^en die ?rau ^";ewoBen r,\i «leln« Wer weiß» tr&s dia nun MiStellen wollte! 
Mit mehr Güte und Geduld hätte flie sie vielleicht vor- einer neuen Torheit be— 
:tci}irt. iTohin nollte sie jetxt Inufeü ?nit ihreiii 'kranien li^rz^nl Und nleraand 
kau^ da.i öie hätte bittet: können, in Abt L'ivohe etr^nö äu unternehmen. Die Gohrit- 
t«, die aie vorhin rrehört. waren en iferc^r lUt vorb&i^^ieeilt. Ihr lÄ&dohen hatte 

i4-efc|ÄU{>6^x^«<^Jiji^^^\»t^ zu dürfen , und die unpünkt- 

liohe Dcbra Frftdkin dachte nicht dar^ui z\x erscheinen. Jedor verlorene Augen- 
blick erhöhte Frau Saddisoh* Unruhe. Hilflos bewe^^te sie sich im Zitomer hin- 
und her und beugte sich daxrriachen uus den offenen Kenster, ua nach eine^a ret- 
tendem üx^el ousnulivisni alt »ia ihrei; Ivanen l-iintor sich rufe^ hörte. 
K r rrar es» blasser» narter» zerbrechlicher v«\ls je« ^t semota leichterx^fast 
uühörtaren i;ohritt war er ^eJnOiaaen. 

** 'Hia^zia üi^ nicht, to meine Frau hin i^t?'' frru-te er uit bebend^^r i;timme. Br 

* h 

hielt in d'jr Fland einer^ Brief » geschrieben mit großen 8chmierit;eu ';uostaben. 

** Ich wollt achoi2 «eibi??t nach Ihnen laufen , Uerr lioni^ounn, aber ^^ein herz 
hSlt ^:/>rnichts axsar aus. ?}eiß C)ott| .t^'^s die Frau im wohllie führte :.ie ist 
l/sac2» i:?.oio5» so cchrecklicH nufäerCi^t. Ich furcht, eie %H z\m Fluß hinunter^e— 
ganiten. Voriges Ja}:r hat sich die verrückte ÜchaaoeBte auch hinein^-estürzt.** 
Kerv Jioni iT.an»\ >.ört< ihr^a? abgerlÄeewr^ö zu finde nicht an. Den ^rief wie 
eirn fö}n^ tdit vor ijee treck temAx-tii schwin<^end| lief er weiter auf die 

Such» räch »(^incr Fi^au. 



fieser //>i^nd kfjn Frau Honlgmiinn herein mit Davidclxen auf de:^ Am. 13ie hatte ihr 
weiSes Hochzeitiäkleid an, dasiViel su ens geworden , Über der Brust und den 
Hüften spe^nnte. Stille i oli^keit louehtote auf de»t! dtmklen rteslcht. 

9 

'♦Alles ict rrioder ^^ut^'^oa^te sie. ^E r hat mir ver«iehen. Er ist mir naoh- 
jekoiömci? t^i dSi. Fluß. Denken iSle doch, Frau Kaddir.ch» loh saß auif eli;e;n Stein 
ur^d weinte, T)r?» Wc^tfc^r 'VXi Sö duaköi u^^d kalt , und ich könnt mich nicht ent- 
schlieSen hineinzusprin^jen. ^^ei nicht >?:et^ohu,cj>s und koiici naohhAus,^'* hat er 
Seea^it. Und von der Lache kein einzi^^^e^ Vfortt** 



/ 



- 7 - 




?TBU 

0ixv\ ( ^ 

he ülück «M^ 



nioht gerii ü>)«r unslttllohe Dlüge, uiid sie wollte dao wled5r£; 

kdineswa^G D e olntygahtlg ^ ^ aber die Ajaeelo^enheit ei^nchien ihr doch zu ßeltsaa 

und unverständlich« 

'•Aoh nof idlt de-Ti üahn? E» ßohelnt mir schon öo ewi£: Iftn^o her zu aein, und ea ist 

doch erst heut früh /geschehen. Dr*8 imr ßo i^ekorjaen» Es war ein solch herrlicher 

und 
wrmer icori^:eh| loh fühlt raich sc ßlücklloh mit ihn; und Davidchen. ::>ic u'f.r^j^en ;}&, 

wl« seliir ich iüleh inanar von aile.-^. hlnrclßer lasche, l^as V;ettcx^. JLi^J. Laft ntachten 

hlt 
mich volleiidb verrückt. Ich füttct ein öodürfnis iu c^ir tm5 ru lcj<ahj', w?>.i? bc^con- 

dcro uuteo, ^^lir kan vor, laß os nichts Ü3f>e»| nichtc ünrei:.»:c ^.uf \^t ^elt ^ab* 
Ich ließ r&y lachen bei der Goj und s^ng nuf den Markt| uru auch öclion ;ri nerton, su 
Schabböb einsukaufen. Ich schaute tklla^ cji^ die ersten grünon Gvirköji, dio warten 
iJalatbl&ttohön, die Radietohen mxd Hot liehe, die l^jendoii ?lsiC'ie, juid "^ ciii d^^ikte 
für olles Gott in aeino,:i li^VLcn. Wie ^ern füll ich Fl^ch ur^d V:&!f»6l| ^ra,. "^s-idisch! 
Wie ein w;döi**^r Klavier i^plGit oder Bilder oiilt! Dt. 2eh ic.^ n':.r b:. »l/;t&r ^chrur 
ijeschlaühietö nuiuiör hÄi^ßeu una aariu:itor ein Kfihndoi.t. :.ei;., izvnt, Tvlaclff urd 
Köötlioh(jb,»ÄÄ Appatltlichöß iiiit cinat; «ttTton ^olu^cllaa. Hluttrii he;t.t ich ? »ir 
Lebta^; ULiChl i;,eaeh0n. Ich fctolltc aiirj ine ich aat IILlsol fdcu uno i?ic rt Ihm 
und Davidchun sc^u^ecken ^rd, loh cohtför Ilironi Prau Luddicoh^ ho; iC!,eci, ^:\a 
!air .leillfi ist, ich ht.tt an koscher und treiio vori;üßtOxi. lli rmr niJ.r >de h^^'«i 
herauÄ3o-.\iIle;i au.s dt^j ßisua. äc bin i^n nun cliM.d* '^ch !:<nnn :ii »h^ -.j'i all-e gleich- 
zeltig aenkaiu Überhaupt, riie eeeagt» trenn der frihlins koiwaz^ w^x'd inh jodiS 
tial ein bischan mesohuc^e. ich kauf da^a Hdhndcii orin^ 33 nac'i:i:-iU;>, iMjre 9S ru»- 
hie c^^'-^ do^ !;üohenti*iob li^^^on, »^levi4rl U!ir c3 iat, f/eiü Icü natJjLrli«?') fvxrh nicht* 
Und wer XoiaGt ht>rein? Ausaereohneil Und sieht das JUUmrtyl alt den irigadrehten Ilale? 
Katürli^^h e r t »iTas sieht • r nicht? S r aiaht i^saraer ßX^ica alles und denkt 
auch an nlles. Kicht so wie ich! Er sieht jeden Hiß und J^den 71eck. Was tut 
er ntm? Er sa^t kein elnglges '^ort, vorujgÄit keine ?üLene, faflt da« T?Ähndcl mit 
spitsen Findern , tr^t es in den Hof hlnaue und wirft es den Katzen hin. Ta 
er^t ging mir ein Licht auf* Dann koottt er curtlck, rinsnt üanto- und Vxit vrtJ geht 
fort. Oline rattogoscontn^lauben Sie inir jet»t /'raa Kaddioch? Ef war riclttig 
2uai Sterben!** 
Dann schaute eie das wlnrlj-e Knilblein auf ihren Arn an. 

" uan;5 er? :solii i/.und^ f^eine Auymi, seine Haare f Ünberufers! Vierzig Jahre lang 
habe ich auf dieeee Glück gewartet!^ 



Der Kampf. 
- 1 - 

Die Mutter saß allein im Speisezimmer und löffelte zerstreut an der Nachspeise. Von Zeit 
zu Zeit horchte sie auf. Endlich fiel unten die Haustür ins Schloß. Mit sohÄrem Schritt 
polterte es die Treppe hinauf. Dann klopfte und läutete es gleichzeitig. Ulli kehrte 
aus der Schule heim. So kehrte sie jeden Tag heim, mit geräuschvollem Gruß und einem Hau- 
f«n von Neuigkeiten. 
'• Mach nicht solchen Lärm/ sagte die Mutter leise. " Alice hat sich hingelegt. Ihr ist 

wieder garnicht gut.** 

^ Ach Gott, ewig das Stillesein ihretwegen. Das ist doch zu langweilig. Wird sie denn nie 

gesund sein?** Sie dämpfte nur wenig die Stimme. 

** Kannst du wirklich nicht leiser reden. Wieviel mal muÄ man^s dir sagen?** 
** Ich sehe schon. Sie hat wieder was Besseres zu essen bekommen. Junges HühnchenlUnd Traubei 
als Nachspeise Ich möchte auch lieber krank sein und immer nur gute Sachen bekommenl^^ Sie 
zeigte mit dem Pinger auf ein schon benutztes Gedeck. ** Und sage ich dir, Mutti, dieses 
Kleid ziehe ich nicht mehr an, und den abscheulichen Hut setze ich auch nicht mehr auf. 
Alle Mädchen lachen mich aus. Warum muß ich denn immer nur ihre alten Sachen tragek? 
Ihre Kleider passen mir nicht. Ich bin viel größer und stärker als sie. Ich will auch 
einmal ein neues Kleid bekommen!** 

**Schäme dich ,Lilli, so. . äu reden • Als ich klein war, zog ich an, was man mir gab. Ich 
hätte gut ausgesehen, wenn ich solche Reden geführt, wie du. Ich hatte zwei Schwestern vor 
mit und zwei nach mir. Und die Kleider gingen durch die Schwesternreihe, bis sie zerfielen. 
Nicht auf das Kleid kommt es an, sondern auf das reine gute gmt«xHerz. Es ist sündhaft 
zu beneiden und beständig unzufrieden zu sein.** 

**Mutti, aber mir schmeckt nun einmal die Graupensuppe nicht. Ich möchte auch Hühnerbouil- 
lon und junges Hühnchen essenl** 

** So sei doch endlich still! Vater und ich haben gleichfalls Graupensuppe und Schmorfleisch 
gegessen. Du weckst mir mit deinem Geschrei das Kind auf. Es ist nicht mehr zum Aushalten 

mit dir.** 

Die Tür zum angrenzenden Zimmer öffnete sich auch schon, und ein blaßes Mädchen, »Mjehian 
amfxiixxackweiiu bedeutend kleiner und schmäler als Lilli erschien auf der Schwelle. Das 
Das Äßere der beiden Kinder war auffallend verschieden: Lilli groß, dunkel und breitschul*» 
trig, mit derben Zügen und ungelenken schwerfälligen Bewegungen., Alice , blondlockig, 
feingliedttg mit dem Gesicht eines leidenden Engels. Und wöhrend Ullis Anzug, tatsäch- 
lich etwas komisch wirkte durch den Schnitt, der verriet, daß er nicht für sie angefertigt 
worden, und durch die angesetzten Teile, die wenig mit dem Ganzen harmtnierten, paßte Ali- 
ces schlichtes braunes Itleid mit dem weißen Krägelchen und den weißen Manschetten gtu zur 

zierlichen Gestalt. 

"Mutter, Lilli hat mich aufgeweckt. Und ich will auch garnicht mehr schlafen. Wenn sie 
nachher sum Spielen auf die Straße hinuntergeht, so gehe ich mit." 

" Mein gutes Kind, das ist ganz ausgeschlossen. Noch heute hat der Doktor darüber gespro- 
chen. Nichts ist dir so sch&dlich wie das Laufen. Du erhitzet dich dabei, und das ist das 



- 2 - 

I 

Gefährliche. Du weißt ja übrigens auch aus Erfahrung, daß nichts Gutes aus deibnem Spiel 
auf derSSraBe entsteht. und es immer nur mit Tränen endet." 

"Aber Mutti, so hör doch! Ich kann nicht immer liegen und stille sein. Es ist schrecklich. 
Oder Lilli soll gleichfalls zuhause bleiben. " 

" Fällt mir garnicht ein, ihretwegen zuhause zu bleiben. Das fehlte noch gerade. Aiies 
hat siS fSfiön besser als ich. Weil sie ein Schwächling ist und nichts mitmachen kann, 
deshalb sollte ich nicht hinuntergehen?" schrie lilli. 

" Mach deine Schularbeiten \md scher dich davon, daß man einmal Ruh von dir hati" Tröstend 
umfaßte die Mutter Alice. " Komm ,mein gutes lind, hör garnicht hin, was sie da redet. 
Morgen ist dein Geburtstag. Da wirst du zwölf Jahre alt , und Vater hat dir was Wundersohö»J 
schönes zum Geschenk vorbereitet. AWr Ich will's nicht verraten. Etwas, das du dir sehn- 
lich gewünscht hast." » 

" Was hat Vater ihr zum Geburtstag besorgt?" fragte Lilli feindselig und xlSfit8li{Si*xxviit 
mmix "Am Ende die rote Ledertasche, die ich für mich haben wollte. Sie hing kixta im Schau- 
fenster nicht mehr, als ich heut vorüberkam." Ihr Gesicht verzog sich vor Erregung. 
Die Mutter ergriff einen Handspiegel und hielt ihn ihr vor, "Schau dich mal an! So siehst 
du aus, wenn du wütend bist. Wie ein kleiner Teufel!" 

Lilli stieß die Hand der Mutter fort. Das Gesicht, das ihr da im Spiegel entgegenstarrte, 
war abscheulich, ui sie haßte es, und es war ihr unerträglich, daß es ihr Gesicht sein 
sollte. Sie sah Alice an, die hell , zart , reizend war, und stampfte wild mit dem Fuße 
auf. 

Wenn sie morgen die Tasche bekommt, die ich mir gewünscht habe, so zerreiße ich sie in 
Fetzen. Ich verbrenne sie, daß auch nicht eine Spur von ihr übrigbleibtl" 
Damit stürzte sie hinaus, polterte die Treppe hinab, und ihre hohe laute Stimme war bald 
unter den andern Kinderstimmen herauszuhören. 

« 

Am nächsten Morgen lag auf dem Geburtstagstisch die schöne rote Ledertasche, von der Lilli 
tagelang geschwärmt hatte. Bevor sie sich zu der vollendeten Tatsache äußern konnte, 
warnte d*r Vater sie mit scharfen kurzen Worten:" Wenn du waget auch nur das Gering^ste 
an der Tasche anzurichten, wirst du was erleben." 

Lilli wich zurück vor dieser Front, die sich um Alice bildete, doch Haß und Trotz wuchsen 
in ihrer Seele. 

Jeden Abend faltete Lilli vor dem Einschlafen die Hände und betete:" Lieber Gott, mach miwh 
gut und fromm, daß ich in den Himmel kommf"Mit diesen Worten kam täglich der Umschlag, 
stellten sich Schuldbewußtsein und Reue ein. Denn Lilli wußte genau, was Gut-und Frox^sein 
bedeutete. §iniifSam oft hatte sie es im Verlaufe ihres zehnjährigen Lebens zu hören bekommen 
Gut-und Prommsein hieß Eltern und Lehrern aufs Wort gehorchen, hieß friedlich mit seinen 
Geschwistern leben, alles gern mit ihnen teilen, ihnen Gute» gönnen, das man selbst nicht 
bejjam, hieß bescheiden sein, sich nicht vordrängen, antworten, wenn man gefragt wurde, hieß 
stets die Wahrheit sagen, auch wenn es unbequem war, und sich überhaupt anständig und sitt- 
sam benehmen. Noch manches konnte Lilli anführen, was notwendig wäre, um'^'zu Gottvater und 



;iilaxliald Alicens, nur für sie zurechtgestutzt. Dabei war Alice um 



U -3- 

Vhristt ins Himmelreich zu kommen. Nur wenn der Tag glatt laid ohne Schwierl^eiten abgelau- 
fen war, murmelte sie sÄ^^^runig her^und schlief darauf ein. Doch fSschah selten. Viel häufi- 
ger sagte sie es aufgeregt und flehend her, denn viel häufiger hatte sie am Tage was Schlecht 
tes angerichtet, hatte grad das Gegenteil davon getan, was siS 18 lieber als das Gute wußte 
Und gescholten und schuldbeladen, des elterlichen Gutenachtkusses verlustig, betete sie 
heiß und leidenschaftlich: ^ Lieber Gott, mach mich gut und fromm, daß ich in den Himmel 
komm/»*, fügte eigene , sich aufdrängende Worte hinzu in der Art^ wie:'* Lieber Gott, glaub^s 
mir doch. Es ist so schwer gut zu sein. Warum hilfst du mir nicht, da ich dich so flehent- 
lich darum bitte. Du weißt doch am besten, wie sehr ich es sein möchte, damit man mich ebenso 
lieb habe wie Alice. Aber die Wut und die Schlechtigkeit , kommen saxi^Sck über mich, ehe 
ich noch nachgedacht. . . .** 

Allein es half kein Gebet, kein noch so fester Vorsatz. Täglich begann der Kampf aufs neue 
und wurden seine Formen erbitterter. Lilli war eine der Größten und Kräftigsten ihrer Klas- 
se. Ihr Kleid und ihr Mantel waren zu eng und zu kurz, fis^waren der abgelegte Mantel und 
das vorjährige gute I 

gute anderthalb Jahre älter als Lilli. Sie war von jeher zart gewesen, es war ,als müßte man 
ihr Leben beständig irgendwelchen dunklen lauernden Mächten abringen. Sie ging nicht zur 
Schule, sie bekam Privatunterricht. Man sparte sich selbst etwas Gutes von Munde ab, um ihr 
was besonders Leckeres zu kaufen und war glücklich, wenn sie sich erbitten ließ 4a¥^» es zu 
sich zu nehmen. Mit gierigen, weit aufgerissenen Augen umschlang Lilli die Köstlichkeiten, 

die ihrem mächtigen Appetit votenthalten wurden. Nur ganz selten, wenn etwas nachgeblieben w 

war 

una schon lange herumgestanden hatte, durte sie auch davon schmecken. 

Eines Tages, las Lilli wie gewöhnlci aus der Schule heimkehrte, trat die Mutter ihr ander 
Tür entgegen 

»♦Sei still ,•• flüsterte sie. '♦trample nicht so." Sie war sehr rot im Gesicht ,und ihre Au- 
genlider waren geschwollen. "Es geht Alice schlecht. De^^ÄÄß jeden Augenblick wiederkommen. 
Hole selbst das Essen aus der Küche." 

" " Ich bin heut eingeladen ,Mutti,zu der Priedel. Sie hat Geburtstag. Ich darf doch hin. 
Und gib mir Geld, daß ich ihr ein kleine Täf eichen Schokolade kaufe." 

Die Mutter sah sie an mit langem Blick. Um ihre Lippen zuckte es. Sie erwidert/e: "Also gut, 
geh. Erinnere mich nachher, dir das Kleingeld zu geben. Alice ist sehr krank." 
Lilli schürzte den vollen roten Mund. Wann^Senn Alice nicht sehr krank? Was war denn dabei 
Besonderes? Von ihr wurde ja immer so viel Aunebens gemacht. Es wäre ganz schön auch einmal 
für kurze Zeit krank zu werden und so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen); und sich 
mit guten Dingen anzuessen. Sie hatte kein Mitleid für Alice. Sie selbst tat sich viel mehr 
leid. Jetzt mußte sie zu Friedeis Geburtstag. Was sollte sie da anziehen? Wieder ein umge- 
machtes Kleid von Alice! Und wie sah ihr graues Moireetäschchen aus? Die Ecken waren zer- 
fetzt, der Verschluß hielt nicht, der eingeklebte Spiegel war abgefallen und zerbrochen. 
Für sie war ja das Billigste vom Billigen gut genug. Und Alice besaß dei wunderschöne 
rote Ledertasche, die sie nicht trug, weil sie keine Gburtstage mitmachen durfte. Sie einmal 




- 4 - 
und beriechen. I Leder roch so gut. Niemand würde waA-^iUvon merken, Sie waren ja 411e bei 

i^*'! SoRublad^ aus d<ll> tnmmr,^^\ dg^f J^q 

jrtaeche. 

Sie nahm sie haraus, tastet'e sie ab, beschnupperte sie, öffnete 8ie,^tSi*da« wintige rote 
Portemonnaie foM^M» an, befühlte das helle Seidenfutter, betrachtete die Tasche lange und 
rtrtlioh. Lange und »ärtlich betra«htete sie die Tasche. Welch ein Vergnügen müßtä es sein 
mit ihr auszugehen, sie in der Straßenbahn zu öffnen und wieder zu schließen! Alle Leute 
würden auf sie schauen und sie mit Respekt behandeln. Da kam der Gedanke geschlichen: Was wä r| 
schon, wenn ieTtil fallEefür den Geburtstag ausliehe? Und die alte häßliche graue verschlis- 
sene Tksche zuhause ließe? Wem geschähe dabii ein Unrefht? Keiner Menschenseele! Alice, die 
80 krank war, ging nicht aus, blieb auch , weil dort die Luft besser war als in ihres ' 
gemeinsamen Stube im Wohnzimmer gebettet. Und »enn^jiejjigi bitten würde, ihr doch die 
Tasche für wenige Stunden zu leihen, würde «SU'ein Wehgeschrei erheben. werden. Nein es war 
schon bequemer die SahNi^in aller Heimlichkeit abzumachen. 

Alles ging wundervoll glatt . Ali.xknuäl Die Mädchen waren entzückt von der toten Leder- 
tasche^ Liiii stand im Mittelpunkt und mußte Rede und Antwortet ehen , wann und von wem sie 

u.U. r,_^ r.,,. , . . °"*neingefüh]\ ^ die j^ ^d sle^^S^dsswaT Sie k 



sie bekommen habe. Und Lilli hatte sich 



hatte von einem Onkel erzählt, der nach langer leit zun Besuch gekommen wäre und allen schö- 
ne Geschenke mitgebracht hätte. Die Mädchen hörten ernsthaft zu.wi lachten diesmal nicht 
über ihr Kleid uad ihren Mantel ^ uJ oL^ ]0j £r, J^c, ^g^V .^^, 
Ungewohnte Unruhe empfing sie zuhause. Eine Krankenschwester mit «i* weißer Haube und und ro- 
tem Kreuz am Schürzenlat» kam aus dem Wohnzimmer heraus, wo Alice lag,Die Mutter lief hin 
und her mit kalten und heißen Gummi beute In. wiix.«h±.n Sie schien Lilli nicht zu sehen. M. 
Sa»]» Erst 4is sie ihr ein drittes Mal begegnete, sagte .ie kurz: Vater hat mit dir zu 
sprechen. Lilli war nicht erschreckt . Die rote Ledertasche lag ruhig an ihrem Ort ,und nie- 
mand hale ihr Fehlen bemerkt haben können. Gewiß handelte es sich um eine ihrer anderen tau- ' 
send Sünden • y 

Zum Abedessen kamen Vater und Mutter an den Tisch. Bet Alice blieb die Krankenschwester. 

Die Mutter hatte rote geschwollenen Augen und das volle rote Geiieht des Vater» war jetzt 
blaß und faltig. Irgendwie schien er entblößt seiner männlicher Würde und Sicherheit. Etwas 

Hilfloses lag in seiner Haltung, in seinem scheuen Blick. Es war «wrLili peinlich ihn so 

zu sehen. Beide Vater und Mutter aßen so gut wie nichts. . Sie machten eigentlich nur so, 

als ob sie es sen würden. . Lili entging es nicht, wie sie an ihrem Bissen würgten. Nur sie 

nutzte die Gelegenheit aus und nahm sich Riesenportionen von von den eingelegten Häringen « 
und dem Chokoladenpudding. Aber dann, nachde m sie sich sich so vollgegessen wurde ihr 

diese Bhandlung, das völlige Nichtbeachtetwerden unheimlich. Sie hustete und räusperte 
sich laut. Sie stützte die Stirn schwer auf den Arm, als täte ihr der Kopf weh. Doch man 
wandte den Kopf nicht nach ihr hin. Das wurde ihr zuviel, d ^as konnte sie nicht ertragen. 
Sie dachte nicht an die rote Tasche. Alles , was vor sich ging, erschien ihr mit einem 
Male dunkel schicksalkaftLaut und heftig fing sie zu weinen an. Das Weinen war von jeher 
ihre letzte Zuflucht, wenn nicht mehr wo eiiPSÄ^aus wußte. 



- 5 - 



Da fuht dir Vattr auf, unüberlegt , unbeherrsoht , aus seinem alle Sicherungen überflu- 
tendem Weh«** Du schlechtes, du bösestes aller Kinder« Sie hat die rote Tasche noch einmal 
sehen wollen, noch einmal hat sie sie in der Hand halten wollen. Du hast sie entwendet in 
deiner Gier und Eitelkeit, imtzt trag siejetst, nimm alle ihre Sachen. Alice stirbt, sie 
braucht sie nicht mehr. ^ 

Lilli starrte ihn mit großen entsetzten Augen an. Ihr breiter starker Rücken beugte sich. 
Alice war immer kränklich gewesen, aber Kranksein war nicht Sterben. Der Großvater und die 
Großmutter, die vor zwei Jahren bald hintereinander beerdigt worden, waren so gut wie über- 
haupt nicht krank gewesen. Der Großvater war beim Mittagessen umgefallen, und die Großmutter 
die ohne den Großvater nicht mehr hatte leben wollenwurde schwächer und schwächerund war ein-l 
nes Morgens, als man nahh ihr sah, tot. Aber wie kam Alice darauf zu sterben. Sie war doch 
nicht alt und runzlig. Sie hatte sovieles vor. Sie hatte erst vorkurzem das rosa Seiden- 
kleid und die schwarzen Lackschuhe bekommen. 

Alice lag im Wohnzimmer aufgebahrt, eine große wundervolle wächserne Puppe. Weiße kühle 
Alpenveilchen schmückten ihre zarte Brust Menschen kamen, schauten sie still an und wein- 
ten. 

^^Vielleicht ist es besser so,'* hörte sie die Leute an der Bahre sagen? ^'fiaxxitkaxxisixxa 
uSlisiixmxatxhäBlisk.Sie war zu ^ für dieses Harte häßliche Leben.**. 

Mit schweren unsicheren Schritten ging a«f Ulli auf ihre Stube zurück .Sie öffnete die 
oberste Schublade der Kommode, in der wohlgeordnet Alices Sachen lagen. Neben der roten 

Ledertasche leuchteten die bunten Armbäder und Halsketten die viel schöner waren als die 

ihren und ihr soviel Herzenskummer breitet, MmkxKhxajicxndlsxgexeihtxwaren Handschuhe und 

Strümpfe; seidene Schleifen und viele niedliche Sächelchen, die ihr versagt gewesen, waren, 

da. Das alles war nun ihr völlig preisgegeben. Sie konnte das alles nehmen und sich damit 

behämgen. Niemand würde es ihr ^verwehren. Es war, als hätte Alice »müde des ewigen Streites, 

ihr die Sachen hingeworfen und wäre selber rrtgegangen, ein Gottesengel, der den Tand nicht 

mehr benötigte. Aber es war saltsam: die Sachen lockten sie nicht mehr. Sie hatten vollkommen] 



Dar Kampf mit Alice , auf^d^n ihr-kleines Leben eich auf ge- 
^'^ ' "standenen Irri^^Tk^fea 



1Ö«1 Reiz^und Sinn jverloren . Dar Kam 

fffi^^^y jäh ent 

baut, hatte aufgehört. Inmitten einer L 



leisen dumpfen Schuld Angst 
Verlangens . 




Leere xtamd eine neue scheue Lilli, die im Gefühl einer 
vor jedeiü Kampf und jeder Erfüllung eigana« 








lU, /cJr, ^ I" 







^ dM ^ ^^ 



J>er Vann und die Fliege» 



lllrohen Ton Cl&re Mlchelsen» 



£8 war einmal ein Uann^ der sich durch nichts Besonderes aus« 
zeichnete« Er war nicht klUger und nicht besser als die meisten 
ICSnnert und die Menschen gingen achtlos an ihm TorCLber« 
Eines tages Jeaoch geschah es» dass eine grosse summenae jrliege 

ihm ins Hasenloch hineinflog, und darin sitzen blieb« Das Hasen« 

■. ■ . * . ,. 

loch war geräumig» und die Fliege konnte sich^s beguem machen« Dem 

j . » • ...... ^ 

Manne dagegen war sie lastig« Sie starte ihn beim Atmen und kitzele- 
te ihn« Er rersuchte sich ihrer durch Schnauben und Schütteln zu 
entledigen« Allein sie sass fest und schien sich in der neuen Be- 
hausung gut zu gefallen« Sie wendete sich nach rechts und nach 
links auf ihren dünnen Beinchen und summte nach Herzenslust* 

Dem armen Manne blieb nichts übrig als sie zu ertragen und sich 
an sie zu gewöhnen» Unwillkürlich hob er die läse so hoch er konn« 
tet um besser zu atmen« 

Im selben Augenblick ging eine Frau an ihm Torüber« 
" Oh "t sagte sie sich» " dieser Mann tr%gt die Hase so hoch 
und macht summ«« summ«* summ • Ihm ist wohl was Ausserordentliches 
widerfahren« Vielleicht hat er einen Schatz gefunden** 



Und sie machte die frau» die neben ihr ging, auf ihn aufmerk- 



sam: 



*niioht wahr? Es ist gut einen Mann zu kennen, der einen Schatz 

besitzt«"* 

Sie wtoschten ihm einen «uten la« und sprachen über das Wetter. 



• ü - 



86 konnten sie ihn auch fragen, wie er hiesse una wo er wohne. 
ÜBT Mann trug die ganze Seit Clber die Base hooh und machte 
sxuBm«» summ» snoim • 

zuhause l)eellten sich die beiden jPrauen zu erz&hlen, was ihnen 
Ungewöhnliches begegnet w&re* 

Der Ehegatte der einen rerziohtete auf sein isaehmit tags seh llf* 
chen und machte sich eilig aur den Weg zum yerme int liehen üe- 
sitzer eines lächatzes^ Tim ihm ein Geschäft anzubieten« iber wie 
gross war sein Xrger, als er hei ihm den Ehegatten der andern FtblXl 
Torf andt der ihm gleichfalls ein Geschäft Torschlug und so gut wie 
handelseinig mit ihm geworden war* Zum Glück war das letzte Wort 
noch nicht gesagt» und so konnte auch er noch seine saehe Tortragen. 

iüer Mann mit der Fliege in der Nase wurde stutzig* Er fand 



merkwttrdi'g 



\ 



gleich ein Torteilhaftes Gesoh&ft um das andere angeboten wurde« 

Deshalb besohloss er keines ron beiden anzunehmen und abzuwarten« 

" Meine werten Herren, « sagte er« "Ich danke euch für 

euer Vertrauen und eueren lifer« Ich will die Angelegenheit erst 

überschlafen*" 

•Unser Gesohift ist ihm nicht gut genug," sagten sich die 



zwei, als sie draussen waren. " 



h&tten wir uns denken kennen* 



Es ist nicht einfach mit einem Manne zu tun zu haben» der den 
Kopf 80 hoch trtgt und summ» summ* summ macht*" 

Die Kunde Ton ihm rerbreitete sich rasch in der 3tadt« 
" Welch kluger und Tomehmer Mann," hiess es bald ringsum* "Dass 
man nicht schon ISngst auf ihn aufmerksam geworden ist!" 

Ton allen Seiten kam man zu ihm« Die Torschllge, die man ihm 



- 3 - 



aaehte, wurden immer glänzender. Alle wollten mit ihm sn tnn ha- 
ben. Man rechnete es sich zur Ehre an.wenn er fremidlich mit ei- 
nem war. Vlter und Mütter boten ihm ihre heiratsfähigen Tochter 

zur Frau an, 

i)er Mann mit der Fliege in der Mase war nur kurze Äeit ttl)er die 
sich ihm so unerwartet zuwendende Gunst der Menschen erstaunt. 
Er fand es bald ganz in der Ordnung» denn es gibt wohl kaum einen 

geneigt wtre sich für etwas Ausserordent- 



• % ^ 



Kensohexit der nicht 

m 

Hohes zu halten. 

Br wurde reich. Er wlhlte sich eine schöne Frau, er bekam prtoh- 

tige Kinder. Er trug die Hase hoch und machte summ- summ- summ. 

sein Ruf drang bis zum König. Der König brauchte wieder einmal 

einen neuen Ratgeber. Der frühere war gerade in üngnajto gefallen« 

Und so liess der König unseren Mann zu sich kommen. 

• J)as ist mir der Richtige," sagte er sich, als er ihn erblickte. 

■ Auf einen söchen Ratgeber warte ich schon lange. Tor ihm wird 

das Yolk Respekt haben." 

so wurde der Mann mit der Fliege in der Hase nSchst dem König der 
wichtigste Herr im Lande« Er hatte Jetzt alles, was ein Mensch sieh 
zu wünschen rermag, und er zweifelte nicht daran, dass es ihm Ton 

rechtswegen zukam. 

llneiraume Seit ging alles zum besten. J>a - eines Morgens, als 
er mit dem König eine wichtige Besprechung hatte, musste er plötz- 
lich heftig niesen. J)al)ei fiel ihm steif und schwarz die Fliege aus 
der Hase und blieb auf einem Aktenstück regungslos liegen. Sie war 



tot* 



i. 



zurück 



• 4 • 



• • .' 



Die tote Fliege auf dem iktenstttck war wirklich htsslloh. lueh 

* ■ .. » 

Tertrog der K9nlg nicht, wenn In seiner Gegenwart genlest, gegihnt 
oder gehustet wurde« Ir sah seinen Ratgeber streng oh solcher 
FfllohtTergessenhelt an« Dieser sass da stunm wie die Fliege und 
Hess die Base h&igen« 

Hlohts ist aber für einen klinlglichen Ratgeber gefSlirlioher als 

• • • 

die Hase h%ngen zu lassen« Wie niTiss es um die Dinge im Lande be« 

Stellt seint wenn er die Hase sinlcen ISsst und stumm ist wie eine 

tote Fliege? Solch einen Ratgeber kann auch der beste Ktoig nieht 

brauchen« und dieser Konig war nicht grad der Äeste^^^^and auf 

und winkte: ^ Er kann gehen!" 

Da wankte der Mann zur TtLr hinaus. Die Hase hing Ihm tief herunter , 

und er sah keinen Menschen an« 

Die Kunde ron seinem Fall rerbreltete sich noch schneller» als die 

Ton seinem lufstleg« überall, wohin er ging und wo er stand, sl* 

schelte man: • Seht, wie er die Hase hSngen lissx und summ-summ«- 

summ macht er auch nicht mehr« Ss ist nicht der Kühe wert mit ihm 

zu tun %a haben# • 

Is entstand im Lande eine Verwirrung $ deren Ursache man ihm zu«» 

schob» Alle wandten sich ron ihm ab« 
Da stürzte sich der Mann Tor Verzweiflung aus dem Fenster hinaus 
und das Fenster fiel aus dem Haus hinaus und das Haus fiel aus 
dem Boden hinaus und der Boden fiel aus dem Land hinaus und das 
Land fiel aus der Welt hinauSi und das alles geschah wegen einer 
Fliege» die sich in der Mase eines gewShnlicnen Mannes festge- 
setzt hatte» 



Der Tausendfrank schein. 



Von Clara Michelson. 

♦• Adieu, Coco! Sei nicht traurig. Die zehn Tage sind bald um.** 
*» Adieu, Liebstes, sei nur vorsichtig und laß dich mit niemaind eini" 
Der Zug setzte sich in Bewegung. Odette beugte sich leicht aus dem geöffneten 
Fenster hinaus. Ein paar Handküsse ...... Und Henri, sein weißes wehendes Taschen- 
tuch und das Bahnhofsgebäude entschwanden ihren Blicken. 



Sie sah sich in ihrem Abteil zweiter Klasse um. Außer ihr war bloß eine Dame da. 

Odette legte Hut und Mantel ab und machte sich^s bequem* Die ganze Bank stand zu 

ihrer Verfügung, Dann sah sie sich die Dame an, die am Fenster ihr gegenüber 

saß.Sie war jung, hübsch wie sie selbst und blond, während sie brünett war. 

Odette hielt das Schweigen nicht lange aus. 

•• Fahren Sie auch nach Paris?'* fr^te sie. 

Die andere schien auf die Anrede nur gewartet zu haben. Sie lächelte verbindlich 

und wurde gleich sehr gesprächig, 

**Ja, ich fahre nach Paris und Sie wohl auch. Ich bin bereits mehrere Stunden 

unterwfgs. So allein im Kupee zu sitzen ist langweilig und ein wenig unbehaglich. 

Zu zweien ist^s angenehmer. Hoffentlich steigt niemand mehr ein, und wir bleiben 

ungestört.'* 

** Ich fahre einkaufen," erzählte Odette strahlend. ** Und Sie am Ende auoh? ** 
" Das ist ja zu komisch,*' freute sich die Reisegefährtin. ** natürlich fahre ich 
einkaufen. Ich bin geborene Pariserin und seit drei Jahren in der Provinz verhei- 
ratet. Mein Mann hat mir vor der Hochzeit versprechen müssen, daß ich mindestens 
alle zwei Jahre nach Paris reisen darf, um mich anzuziehen. Wer weiß, ob ich mich 
sonst entschlossen hätte ihn zu nehmtn.** 



- 2 - 

*' loh bin zwar keine geborene PeLriserini** erwiderte Odette, *' aber vielleicht grad 

deshalb, weil ioh mich dort nie dauernd, sondern immer nur vorübergehend aufgehal- 
ten habe, ist Paris das Ziel meiner Sehnsucht geworden. Ich beneide alle diejenigen, 

die dort wohnen dürfen« Sie kommen mir wie höhere Wesen vor. Schon die Bewegung 
in den Straßen ist hinreißend, die vielen Autos, das viele Licht , die schönen 
Frauen und das Bewußtsein, daß man zu ihnen gehört und sein Teil zu allem bei- 
trägt! Wie herrlich ist das alles! Und ich mit meinem Temperament bin verurteilt 
in einem Nest zu letenl Was hat man da? Man putzt und ordnet endlos sein Heim, 
spielt mit dem Kind, das nebenbei gesagt eine ausgezeichnete Wärterin hatj macht von 
Zeit zu Zeit Autofahrten, trifft immer dieselben Bekannten, um sich gegenseitig 
anzuöden. ••. Es ist ein Glück, daß ich von Zeit zu Zeit nach Paris darf* Haben 
Sie vielleicht eine Ahnung, was man in diesem Jahre trägt?'^ 

ii-Plaschengrün ist die große Mode* Die Farbe müßte Ihnen glänzend stehen» Ihre 
Augen haben ja einen reizenden grünlichen Schimmer.^ - 

** Mein Mann sagt immer, er hätte mich wegen meiner Augen geheiratet. Doch Ihre 
blauen Augen sind nicht weniger schön. Blaue Augen haben etwas Beruhigendes. .. .•• 
So kamen sie ins schönste Plaudern. Jede Regung, jeder Einfall fand unmittelba- 
ren Widerhall. 

^ Ich sammle leidenschaftlich alte Spitzen . Und Sie?'' 

- Ich habe Chantilly-Spitze noch von meiner Urgroßmutter her« Ein Wunder an Fein- 
heit! Ich schwärme auch für altes Porzellan. Und Sie? - 
^ Ich lasse mir zu jedem Geburtstag eine S^vrestasse schenken.« . . . .** 
Zwei Falter flattern im Sonnenschein von Blume zu Blume. So leicht ist ihr fespräoh. 
Wohin der Duft sie zieht, da lassen sie sich nieder und nippen vom Kelche» Offen- 
herzig, wie Menschen zueinander sind, die der Zufall zusammengebracht und die er 
gleich wieder auseinander bringen wird, vielleicht für immer, erzählen sie sich 



von allem, auch vom Allerintimsten 



überrascht fuhren beide auf, als der Schaffner meldete: 

* In einer halben Stunde sind wir in Paris. Meine Damen, Ihre Fahrkarten, gefälligst? 



- 3 - 

** Gott, irie schnell die Zeit verflogen ist!" rief Odette und erhob sich* "loh 

hätt's nie gedacht. Ich muss auf einen Augenblick verschwinden. Wollen Sie so 
gut sein , inzwischen auf meine Sachen acht zu gebent*^ 

Selbst ihre Handtasche ließ sie zurück, hatte sie doch das Gefühl, als kennten 
sie sich seit Jahren. 

"Nun bin ich an der Rühe, und Sie sind der Wächter," sagte die junge Frau, als 
Odette wiederkam* 

Auch sie ließ ihre Handtasche zurück. Es war so natürlich. 

Odette wollte sich noch rasch schön machen. Sie nahm Lippenstift und Puderdose zur 
Hand, erblickte dabei ihre niedliche neue Geldtasche und bekam Lust ihr kleines 
Kapital anzusehen und nachzuzählen. Da musste vor allem der schöne, noch ganz unbe- 
nutzte fausendfranksc^ein sein; das übrige Geld hatte sie in kleineren Scheinen^ 
Aber wo war er? Warum ließ er sich nicht sehen? Ihre Finger wurden unruhig und 
zerrten die Papiere auseinaoider. Sie ?rühlte den Inhalt der Handtasche um und um. 
Der Schein blieb unauffindbar. Ein schrecklicher Gedanke kam ihr. Hatte sie nicht 
vorhin ihre Handtasche zurückgelassen? Alle Geschichten über bestrafte Vertrauens- 
seligkeit fielen ihr ein, die sie je gehört hatte, und dasselbe Wesen, das ihr eben 
noch reizend und liebenswert erschienen, verwandelte sich in ihrer Vorstellung in 
ein gefährlich tückisches Geschöpf. 

Was würde ihr Mann sagen, wenn er es erführe? Er hatte sie noch im letzten Augen- 
blick vor Unvorsichtigkeiten gewarnt. Nie mehr würde er sie allein fahren lassen. 
Nun war die ganze schöne Reise verdorben. Was sollte sie mit dem wenigen Geld in 
Paris? Henri uro andere tausend Frank bitten? Bei seiner Sparsamkeit wäre es ein 



aussichtsloses Unternehmen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Daß g s gftdo ausge- 
rechnet ihr sowas passieren mußte, Ihr Blick blieb an der Handtasche der anderen 
haften« Oh die Schlaue! Absichtlich hatte sie wohl ihre Tasche liegen lassen, da- 
mit auch nicht die leiseste Spur eines Verdachtes aufkäme. Ohne sich länger zu be- 
sinnen, ergriff Odette die fremde Handtasche und öffnete sie. Richtig! Da laa in 



- 4 - 



einem Abteil vielfach zusaznmengefaltet der lausendfrankschein» Sie faßte ihn mit 
spitzen Fingern und steckte ihn zu sich» Dann legte sie die Tasche an ihren Ort 
zurück. 



Wenige Minuten darauf zeigte sich die Reisegefährtin im Türrahmen und lächelt 
fröhlich an. 



e sie 



" Wir sind gleich da," sagte sie . "Ich bin ganz aufgeregt. Wollen wir uns nicht 
verabreden, meine Liebe. Es wäre doch so nett, wenn wir uns mal treffen würden» 
Vielleicht ginge es morgen abend um sechs im Caf4 de la R^gence. Es ist ein gemüt- 
licher Ort und leicht zu erreichen." 

Odette konnte ihr nicht ins Auge schauen. Das heuchlerische Lächeln, nun sie wußte, 
was dahinter steckte, war ihr widerlich. Sie machte sich mit ihren Sachen zu schaf- 
fen. Die Unverfrorenheit dieser Person war unfaßbar. 

•^ Ich W^»#»^ bedauere," erwiderte sie kühl. "Ich werde wohl kaum Zeit dazu haben." 
Ein paar Sekunden war es still, dann sagte die andere ebenso kühl: 
" Das Bedauern ist ganz meinerseits, Madame." 

Der Zug lief in die Bahnhofshalle ein. Sie gingen mit steifem Gruß auseinander und 
verloren sich im Gewühl. 

< 

Der Strudel des pariser Lebens riß Odette mit sich fort. Neue Eindrücke stürmten 
auf sie ein. Geist und Willenskraft waren in Anspruch genommen, um aus der Fülle des 
Gebotenen das Richtige für die Einkäufe zu wählen. Sie kam garnicht dazu an das 
häßliche Reiseerlebnis zurückzudenken. 



Eine neue reizvolle Odette , nach letzter Mode frisiert und gekleidet, trat di 
Heimreise an. 



e 



" Coco wird Augen machen," freute sie sich. «Und wie werden die Freundinnen mich 



beneiden," 



Die Rückfahrt schien kein Ende nehmen zu wollen, so langsam ging die Zeit dahin. 
Henri erkannte sie beinah nicht, als sie ihm aus dem Eupeefenster zuwinkte. 



- 5 - 



" Ods*te, Liebste, bist du es wirklich?" 



Er war entzückt« 



•• Nur begreife ich nicht , wie du mit dem Gelde ausgekommen bist« Ich habe erwartet, 
daß du telegrafieren würdest. Da du es nicht tatest, umso besser." 
" Warum habe ich denn telegrafieren sollen?" fragte sie und machte große Augen, 
" Warum? Komisch, daß ich es dir sagen muß* Nun weil du den Tausendfrankschein auf 
deinem Toilettentisch hast liegen lassenl Auch in deinen ratkarten hast du nichts 
davon erwähnt. Umso besser, umso besser! Ich habe das Geld für die nächste Reise 

aufgehoben." 

Odeites Knie wurden schwach. Ihre Arme fielen schlaff herab« Sie ßtarrte ihn an 

mit erblaßtem Gesicht • 
Die Dieben war sie. 



Die Stadt in den 



1 k e n • 



Von Clara Michelson» 



Grate wuchs - ein Mädchen unter lauter Knaben, Und die Knaben waren wild und 
kampfeslustig, Sie rotteten sich mit Kameraden zu Banden zusammen und spiel- 
ten laute und derbe Spiele^ Sie balgten sich, kletterten auf Zäune und Dächer, 
fielen, verletzten sich, schimpften xind taten alles in einem Übermaß an Energie, 
Srete spielte mit. Es war natürlich, Sie wurde in die Spiele hineingezogen 
wie ein Stuhl, ein Tisch, eine Bank oder sonst ein Gegenstand, der ihnen für ihre 
Zwecke verwendbar erschien. Nichts war vor den Spielen der Knaben sicher. Grete 
rannte, kletterte, sprang, machte alles mit. Doch manchmal war es, als läge 
ein kaum merkliches Zögern in ihrer Haltung. Je größer sie wurde, um so häufi- 
ger geschah es. Es begann zu heiißen: »^Mädchen! Mädchen! Sie kann es nicht!" 
Und dann kam hinzu:" Mädchen! Schande! Schande! Mädchen!" Rücksichten kannte man 
nicht. Es entstand eine Spannung. Ein Ton von Feindseligkeit gesellte sich zum 
Spott. Die Knabenhände streckten sich ihr entgegen, formten "lange Nase ", die 
Zeigefinger fu chtelten, und die Gesichter schnitten verächtliche Grimassen, 



Die Stadt, in der sie lebten, lag in der Nähe der Meeresküste, und die Kinder ver- 



brachten (die^^großenSon^^ Strande. Es kamen dahin auch 

viele Fremde aus entfernten Gegenden, und es herrschte am Meeresufer ein reges 
und fröhliches Leben» 



Grete war so zwölf Jahre alt geworden, Sie war von zierlicher Gestalt und hatte 
ein weiches rundes Kindergesicht. Sie war in ihrem Sein mit allen Dingen noch 
verwoben. Wenn sie spielte, war sie im Spiel. Wenn sie übers Feld schritt, war 
sie Teil der wogenden Halme. Sie ging ganz auf in allem, was sie tat und schaute. 
Alles war für sie naturgegeben, konnte nicht anders sein, und ihr Ich lag einge- 
sponnen mitten in der Welt, 



- 2 - 



In diesem Sonuner ließen sich die Knaben besonders übermütig »n. Ihre Einfälle 
schienen kein Hindernis zu kennen. Sie waren völlig aus Rand und Band, und ihr 
Spott wurde schärfer und feindseliger denn je. 

Eines Morgens zeigte sich Leben in dem bescheidenen Häuschen, das sich in nächster 
Nachbarschaft ihres geräumigen Hauses befand. Die Läden an den Fenstern waren ge- 
öffnet. Am Eingang zur Veranda hingen freundliche Gardinen. Vorhänge bewegten 
sich. Rauch stieg aus dem Schornstein, Die Kinder waren neugierig zu erfahren, 
wer da wohl eingezogen wäre. Bald trat ein schlanker Junge über die Schwelle und 
ßfth sich die neue Umgebung an. Er mochte um weniges älter sein, als Gretes großer 
Bruder. Eine Dame mit feinem stillem Gesicht folgte ihm. 

Grete kletterte mit den Knaben auf Berge aufgestapelter Bretter und Balken, die für 
den Bau eioes neuen Hauses bestimmt waren, balancierte wie eine Seiltänzerin auf 
ihnen herum und entwand sich geschickt den auf sie abgezielten Püffen und Stößen. 



Der fremde Junge kern näher und lichelte die Einder freundlich an. Bald war er mit 
ihnen bekannt und nahm an ihren sielen teil. Aber alles, was er tat, war anders 
als bei den Brüdern und ihren Kameraden. Dieselben Spiele wurden ruhiger und sinn- 
voller, wenn er mit dabei war, und die Grobheit der Knaben legte sich merklich 
in seiner Gegenwart. 

Er war der erste Junge, der Grete mit "Fräulein" und "Sie" anredete, der die Hand 
hinhielt, um ihr beim Klettern und auch beim Balancieren behilflich zu sein. Er 
begleitete sie, wenn sie Besorgungen fürs Haus zu machen hatte, und nahm ihr einen 
Teil der Pakete ab, was es auch sein mochte, ob Schuhe vom Schuster, ob Zwiebel 
und Mohrrüben vom Gemüsehändler oder Brot vom Bäcker. Überhaupt war nichts mehr 
an ihr, das irgendwie beschämend gewesen wäre, und das "Schandel Mädchenl" ver- 
stummte in seiner Gegenwart wie eine abgetane Kinderei. Zuweilen blieben sie ste- 
hen, horchten auf eine Vogelstimme hin oder sahen sich den seltsam gewachsenen 
Staxnm eines Baumes an. Er wußte unvergleichlich mehr als Grete und ihre Brüder. 



- 3 - 



Er erzählte ihr von der großen Stadt, in der er lebte, von seinen Lehrern, von 
Büchern und Dichtern, die er liebte, Sie gingen auch zusammen über die mit Kiefern- 
wald bedeckter. Dünen zum Strand hinunter, und ihr Blick, von der Enge plötzlich 
befreit, glitt hin über den weiten Horizont des Meeres, 

Die Abende wurden merklich dunkler und kühler. Winde schüttelten die Bäume. Die 
ersten Blätter fielen nieder. Der Naohthimmel war nicht mehr einförmig blaß wie 
in den ersten Sommerwoohen. Immer leuchtender traten die Sterne aus der unendli- 
chen Tiefe hervor, Grete und der Junge aus dem Nachbarhaus chsn trafen sich nach 
dem Abendessen in einem stillen Winkel des Gartens abseits vom Lärm der Knaben, 

Das erste Mal war's wie zufällig, und sie schwiegen zuerst verlegen. Dann geschah 
es wie nach stummer Verabredung. Er zeigte ihr die Sterne, deutete auf die Figu- 
ren, die sie bildeten, nannte ihre Kamen, erzählte vom Entstehen und Vergehen ge- 
heimnisvoller Welten, Und Grete schaute und schaute Erstes Ahnen von der Größe 

und Ur-ergründlichkeit des Seins durchzitterte sie, und ihre eigene kleine Welt 



wuchs hinaus über die Brüder, die Familie 



Die Ferien gingen zu Ende, Der Junge sollte am nächsten Morgen abreisen und woll- 
te vom Meere Abschied nehaan. Er bat Grete ihn zu begleiten. Die Sonne war nicht 
zu sehen, und der Himmel von dunklen blauschwarzen Wolken überzogen. Die See lag 

unbewegt da wie in dumpfer Erwartung kommenden Sturmes, Aber an einer Stelle über 
Wasser war die Wolkendecke durchbrochen, und wie in weiter Ferne schimmerte durch 
den Riß hindurch auf weißem Fundament eine leuchtende Stadt. Deutlich zeichnete 
sich der Kirchturm am hellgrünen Hintergrunde ab. Zacken und Kuppeln von Palä- 
sten, krauses Laub von Gärten waren klar zu erkennen, Häuser, Straßen Ziegen an 
einer Anhöhe empor. Alles rosiggolden leuchtend! Eine Möglichkeit! Ein Verspreahen! 
Fern, leicht, unerreichbar wie ein Travim! Hinter schweren dunklen Wolken^,^^., . . 



Die Kinder faßtin sich bei den Händen. 
"Eine wundervolle Stadt!" flüsterte Grete. 
"Unsere Stadt!" sagte der Junge ebenso leise 



— 4 — 
die Lücke 



Sie star-den Hand in Hand, bis iov RAfl in den Wolken sich schloß. Aller Glanz war 



er 



loschen. Kalt wehte es vora Wasser her. Der Sturm setzte ein. 



Grete band einen Strauß aus Astern und Georginen und überreichte ihn der Mutter des 
Jungen, als die beiden, zur Abreise gerüstet, aus dem Hause traten. 
"Wir werden diese Blumen zum ewigen Andenken bewahren,« sagte der Junge und nahm 
sie der Mutter behutsam aus der Hand. 

Grete stand noch an der Gartenpforte, als sie ISngst außer Sicht waren. Dann ging 
sie auf ihr Zimmer, setzte sich auf den Bettrand und saß unbeweglich da. Sie hörte 
durch das geöffnete Fenster das Toben der Brüder und ihrer Kameraden, ihren lau- 
ten rücksichtslosen Spott. Eine noch nie empfundene Traurigkeit erfüllte sie. Die 
Welt erschien ihr leer und fremd. In dieser ersten, ihr selbst noch unfaßbaren 
Bedrängnis löste sich ihr kleines Ich von den Dingen los und wurde ein Einzelwe- 
sen. Es wurde Grete - Grete, die sich einsam fühlte und in ihrem gewohnten Le- 
benskreise voll schmerzlicher Sehnsucht war. Ihre Tage wurde« ein Warten auf Unbe- 
stimmtes. 

Es langte wohl ein Brief auf ihren Namen an, aber Grete erhielt ihn nicht. Er 
wurde unterschlagen. Wie kam auch ein zwölfjähriges Mädchen dazu mit einem Jungen 
zu korrespondiewfe^ren? Was sollte denn daraus werden? 
Eine Ansichtskarte an den ältesten Bruder folgte. Er zeigte sie ihr und lachte 

höhnisch, 

" Du mußt antworten," sagte Grete ungeachtet seines Spottes. 

Aber er antwortete nicht. 

So verwischte sich die Spur« 

Viele Männer traten ihr näher, und sie lernte viele Städte kennen. Aber von jedem 

neuen Erlebnis blieb immer eine leise Enttäuschung zurück, als wäre ein Gelübde 

nicht eingelöst, eine Verheißung nicht erfüllt worden. 



Spaziergang in Paris »^ 



Von Clara Michelson» 



Dämmerung.«» • Langsam verlischt der Tag und zögernd naht die Nacht heran. 
Der Kampf zwischen Licht und Finsternis überträgt sich plötzlich auf mich 
selbst vind löst eine Stimmung von Unbestimmtheit und Unschlüssigkeit aus. 
Ich werde unruhig, und es treibt mich hinaus zu der Dämmerung, um gemeinsam 
mit ihr den Zwiespalt zu lösen. 

Meine Gasse führt auf den grossen Platz mit dem Löwendenkmal. Rasseln und 
Tuten tönt mir entgegen* Die Caf^s sind schon erleuchtet, Stimmengewirr und 
Tanzmusik schallt aus dem Inneren der Lokale herüber. 

Einen Augenblick bleibe ich zögernd stehen. Nein, das lärmende Treiben lockt 
mich nicht. Mich zieht's in jene breite stille Strasse, die ich noch nie 
gegangen bin und an der der geräuschvolle Strom von Menschen und Wagen ohne 
Beachtung vorüberzieht. Kein fremdes frühes Licht stört dort die Dämraerlng. 

Der Himmel ist dinförmig fahl. Nur der Mond schwebt wie ein winziges verlorenes 
Wölkchen über dem Häusermeer. 

Wie breit doch die Strasse ist! Als wäre sie für feierliches Geschehen 
geschaffen. Alte hohe Kastanien säumen zu beiden Seiten den Bürgersteig. 
Die Stille ist seltsam. Ein Geheimnis scheint dahinter zu stecken^ 



Das Gemäuer der Steinhäuser wird von einem Eisengitter unterbrochen. Es 
umschliesst einen wohlgepflegten Garten. Geruch von feuchter Erde und Pflan- 
zensäften schlägt aus ihm entgegen. Ich verlangsame meinen Schritt und ziehe 
ihn tief in mich ein, diesen Geruch, der mich an Sommerabende erinnert in der 
Ebene , am Meere, in Bergen. 
Doch ihr seid ja auch da, ihr hohen alten Kastanien, die ihr so liebevoll die 



- 2 - 

Strasse säumtl Zeigt ihr nicht Frühling, Sommer, Herbst und Winter an? Doch 
schon in des Sommers Mitte seht ihr welk iind farblos aus, ihr armen Bäume, 
gleich Menschen , die vor der Zeit alt und runzlig geworden sind. Nicht der 
freie Wind der Wiesen und Felder fährt durch euere Kronen« Wolken von Staub, 
Miasmen, Spänen und Fetzen :filkfi&S»^ikSii£fejfl«^ Ihr aber steht geduldig auf 
euerem Posten, Immer mit demselben Eifer enthüllt ihr im Frühling euer zartes 
Grün, um nach kurzem Blühen zu erstarren« 

kn der nächsten kleinen Querstrasse beginnt eine hellgraue Mauer sich hinzu- 
ziehen, und als wäre die Mauer nicht hoch genug, um die Abgeschiedenheit hinter 
ihren Wänden zu gewährleisten, ist breites, srün gefärbtes Holzgeflecht auf sie 
gestzt worden. Ich biege in die Gasse ein und bleibe vor dem erli^n Pfört- 
chen mit dem Glockenzuge stehen» Kein Wort, keine Spur verrät, was die Mauern 
bergen. Die ganze Umgebung scheint wie ausgestorben. Niemand zeigt sich, den 
man um Auskunft bitten könnte. Auch die gegenüberliegenden Häuser sehen aus, 
als wären sie tot. Kein Zeichen von Leben dringt aus dem verwitterten Gemäuer, 
aus den glanzlosen Fenstern. Da schwingt ein Glöcklein seinen hohen zitternden 
Ton in die Dämmerung hinaus. Nun ahne ich, was hinter der Mauer sich birgt. Ein 
Kloster ist es. Aus dem lebendigen Leben Geflüchtete suchen hier Frieden • Doch 
seid ihr da in Sicherheit hinter den Mauern? Habt ihr euch nicht selber mitge- 
bracht mit aller Angst und allem Widerstreit, die in euch sind? 



Ich bin nun ganz, ohne es zu merken, von der breiten stillen Strasse abgewichen 
und irre in den ärmlichen Gäßlein umher. Die Ladenbesitzer kramen ohne Eile ihre 
spärliche Ware von den Auslagetischen ein und bleiben dazwischen untätig stehen, 
um einen kleinen Schwatz mit Hausbewohnern oder Nachbaren abzuhalten. Ein rotes 
Eckhaus aus Backsteinen lenkt meine Blicke auf sich. Es passt im Styl so wenig 
zu seiner einförmig grauen Umgebung. Ich trete näher und lese über dem hohen 
Portal: "Für tuberkulöse Erkrankungen der Luftwege«" Eine alte morsche Mauer 



- 3 - 
schlioBt sich an das sohöns rote Haus an» Nirgends ist darüber gesagt| ob 

die Mauer zum Haus gehört. Nur die häßliche graue Pfütze unter der von der Zeit 

arg mitgenommenen Mamas Pforte strömt einen starken Karbolgeruch aus» 

Wie merkwürdig heißt doch die Gasse, in die ich jetzt einkehre, Rue de la Sant^l 
Straße der Gesundheit! W* sitzt der Spaßvogel, der mit menschlichen Dingern seinem 
Scherz zu treiben liebt? Ich erblicke eine dunkle düstere Wand. Sie ist so hoch, 
da#* sie kein Holzgeflecht wie andere Mauern braucht. Ein Modergruch, der den Atem 

benimmt, treibt von ihr fort. Aber so leicht kommt man da nicht los. Die Mauer 

entlang 
dehnt sich die ganze Gasse iiiiudfirBii, und an der nächsten Ecke gewahre ich, daß 

sie ein riesengroßes Viereck bildet. Da bin ich wieder in der breiten, mit Kasta^ 

nien bepflanzten Straße, von der ich ausgegangen. Ich durchquere den Pahrdamm und 

entdecke hinter der hohen Mauer aus der gewonnenen Entfernung ein düsteres Gebäude 

aus dem gleichen dunkelgrauen Gestein. Zahllose vergitterte Pensterchen starren 

wie blinde Augen in das wachsende Abenddunkel. Ist nirgends ein weißes Gesicht, 

das sich an die Scheibe pg e o e t preßt? Lange stehe ich da und kann den Blick nicht 

losreißen. Das Gehiemnis dieser Straße hat sich mir erschlossen. 



Der Mond ist strahlend und feierlich geworden, der Himmel tief und sternenklar^ 
und grausiger erscheint die Wand mit den blinden Pensterscheiben. 

Paris, Stadt des Geistes, Stadt der Tat, Stadt der Lust! Was du verbrochen am 

deines Lebensl 



Ldeines Lebensj 
Geiste, in Taten, in Lüstern, das trägt der SlroSMhl erher und verbirgt es hinter 

hohen verschwiegenen Mauern. 



Auf dem Platze mit dem Löwendenkmal ist das Leben in vollem Gange. Musik an jeder 
Straßenecke. Alle Tische in den Caf^s dicht besetzt. Autos rasen von allen 
Seiten her. Lichter flimmern, glitzern, leuchten, daß man den Mond und die Sterne 
vergißt. 



..A-^^'.\:.r. .. vr^. 



^iü. 



"K.^i^-^ ■:. '% 



Das WUNDERKIND, 



Voä Clara Michelson. 



Dem DaTienschnaid -r F.iirel Fli^oltaub nill's und will 's In den letzten J^ahren mioht 
gelin^jen. Er zieht aus einer Gegend in die andere und hofft, daß es an der neuen 
Stelle bessor gehen würde. Aber jeder Umzug wird ihm von vornhereir. zum Abstie^j, 
denn er zieht imine- weiter von Zentrum fort, wo erUcefaagen hat. Kelwel Fli- 
geltaub ist als junger Bursche no o h P a^ ic g o fl aus Russisch-Polen nach Paris 
geflüchtet, um den Häschern des Zaren zu entgehen, die nach ihm fahndeten. Br hat 
bald nach seiner Ankunft die Pewsners kennen gelernt, die gleich ihm aus Russisch- 
-olen stauaten, und ihre Tochter 3lowa geheiratet. Dafür haben sie ihm zu dem schö- 
nen Geschäft in der Rue Hivoli v.^rholfen. Seitde.a ist Feiwel Fli,-eltaub guter Bür- 
ger geworden. Kein anderer 3hr,:eiz beunruhigt ihn nehr, als rechtschaffen sein 
Brot zu verdienen, und es erscheint ihm selb.^r kaum glaubh;'.ft, daß er es gewesen, 
der sein Leben für ferne unbestl'nmte Ideale aufs Cpiel gesetzt 

Jetzt hat er seinen Laden in der Rue de r'lnndre. üie liegt im Arbeiterviertel und 
ist sehr belebt. Trotaaem ist es eine trauri,:;e ctra3e. oie führt zu Jen yryid- 
höfen dos ^'antin und zu den Schlachthäusern. Imaer kommen Leichenzüge vorbei, und 
besonders am Sonntag, wenn man doch bei b^.sserer litLmnung seir: möchte, ziehen sie 
in fast ununterbrochener Reihenfolge dahin. Bei naßkaltem Regenwetter, und das 
gibt es im Winter häufig in Paris, fährt der Tote oft allein zu seiner letzten 
Ifohnstätte hinaus. Die Angehörigen fürchten sich zu erkälten und ziehen es vor, 
sich der ^Straßenbahn zu bedienen, als den langen Weg zu Fu3 zurückzulegen. Es 
pflegt auch vorzukOiHinen, daß hinter dem Leichenwagen nur eine einzige gebückte 
Frau Oder ein einziger gebückter .lann hergeht, und dann hat mtui mehr .atleid mit 
dem Lebenden als mit de:'i Toten. Ja die Rue de FUndre ist eine traurige Strafe. 

:.:an hat hier auch keinen tinn für feine Qualitätsarbeit, iian verlangt billige 
Konfektionswnre. Und Feiwel Fligeltaub ist wirklich ein guter .chneider. Er kann 
sich mit den Bester, seines Faches in Paris messen, wem; er auch nur ein aus Pabja- 
nice geflüchteter polnischer Jude ist. Seine ..läntel und Kostüme haben Chic und 
sitzen gleich bei der ersten Anprobe so gut, daß nicht das leiseste überflüssige 
Pältchen zu sehen ist. 
•• Wir haben einfach kein Glück," sagt er. 

Er ist zu anst^ig. Damit komint man heutzutage nicht vorwärts," meint seine Frau 



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- 2 - 

Es ist wahr. Andere vorstehen so gut wie nichts, und es geht ihnen ausgezeichnet. 
Sie haben vielleicht Eigenschaften, die Feiwel J'li^eltaub abgehen: vielleicht ein 
wenig Skrupellosi£;keit, Schlauheit. 

In der *^itte des Ladens steht ein großer Kinderwagen. Im Laden ist immerhin mehr 
Luft, als hinten i'n kleiner: fensterlosen Kaum, in dan sie schlafen. Die ahnungs- 
lose Kundin, die sich über den »Vagen beugt und ein niedliches Baby zu erblicken 
hofft, prallt erschrocken zurück und heftet einen fragenden Blick auf Frau Fligel- 
taub. Senn Herr Fligeltaub dabei ist, verläßt er gewöhnlich den Raum, und Frau 
Fligeltaub beginnt mit abgewandte.n Besicht eine monotone (ieschichte zu erzählen. 

" £r war sechs kionate alt und ein gesundes prächtiges :Cind. Eines Abends gingen 
wir, mein Hann und ich, für ein i3tündchen aus, un Luft zu schnappen. Als wir wie- 
derkainon, war es nicht mehr dasselbe Find. Zs schrie entsetzlich und sah uns mit 
merkwürdigen Augen an. Das ...ädchen, das wir bei ihm zurückgelassen hatten, gestand 
später, daß sie es hatte falle}, lassen, oeitdem arbeiten seine Bewegungsnerven nicht 
mehr, l^s kann auch nicht gut sprechen, liit seinen elf Jahren muß der Knabe bepflegt 

« 

werden wie ein Säugling. Was haben wir nicht alles vorsucht! bei welchen Profes- 
soren sind 'Tir nicht schon gewesen! Doch alles ist umsonst/' 

Unerwartet unterbricht sie den Jammerton, beugt sich über den Knaben und ruft zärt- 
lich: '' Oh du mein Joldstück, oh du mein Vunderkind! ]\iun sag doch: wie liebst du 
deine l^lamma?** 

Ein unartikuliertes jiurmeln erfolgt als Antwort. 

*• Ach , ich ver^^^tehe dich, mein Joseph, mein einziges Glück! V/ie schön du das 
sagst! Ja ich weiß, von ganzem Herzen liebst du deine Mamma/'* 

Und sie nimmt aus dem r;agen einen ungefüger Körper mit entsetzlich dünnen zappelnden 
Armen und Deinen und drückt ihn zärtlich an sich. 

Im letzten '^oimner ist Frau Fligeltaub mit Joseph bei guten Leuten auf dem Lande ge-- 
wesen. üie h t sich mit ihnen angefreundet, bie haben versprochen, sie in Paris 
aufzusuchen 'ond haben ihr auch die Adresse eines üeilkünstlers gegeben, der Wunder 
bewirken soll. Iiatürlich ist sie mit Joseph zu ihm gegangen, läßt sie doch kein 
Mittel unversucht. Er massiert und hat eine Diät verschrieben. Zwar schläft das 
Kind seitdoa schlechter und ist aufgeregter als vorher, so daß sie es nachts auf den 
Arm nehmen und lMr»H»4- hin und-hertragen muß, vun es zu beruhigen. Aber sie tut 
es gern, obv/ohl sie davon sehr müde wird. Hat sie doch nun wieder Hoffnung. 



Von Zeit zu Zeit sucht manch alte Kundin aus der besseren uegend den Schneider auf. 



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- 3 - 
denn es gibt roiche Damer:, die bis ans Ende der rVelt ^-ingen, yrenn sie dadurch ein 

paar Francs ersparen könnten, und die Rue de Flandre liejt doch um so vieles näher, 

ala das Ende der ".'elt. Auoh braucht es auf dem Kleidungsstück nicht ^.-eschrieben zu 

stehen, wo es genäht worden ist. 

So erscheint eines Vormittages in Laden die reiche jüdische Bankiersfrau aus dem 

Boulevard C^ourcelles. Aber wie es dei.en, die kein Glück haben , häufij im Leben 

er^:eht , muß der Schneider ^^erade in der otadt sein, was er am diese stunde nie zu 

tuix cfle,;t. 

Frau ?ligeltaub bittet die Tarne zu warten. 

•* .jLeirx iiiGJin muß jede ^^ekunde zurück sein." 

Die Da/ne läßt sich erbitten Hie wartet. Doch bald wird sie ungeduldig. Für sein 

gutes Geld braucht man wohl nicht Zeit zu verlieren. Und ein Kinderwagen mitten im 

Laden! Das sieht so ordinär aus. Dazu braucht man den weiten Ae^ nicht zu machen. 

Sie är^^ert sich, dtS sie geko:a:nen ist. 

Und wieder muß es c;orade um diese Stunde sein, daß die Tu?:* sich öffnet und die gute 
Frau Jrognot horeintritt, bei der Frau Pli^eltaub nit Joseph den oommer verbracht 
hat. Und auch Jer^.nne ist mit, das liebe Kind, das so nett mit Joseph gespielt 
hat. 

Frau Fligeltaub stürzt den GSsten mit offenen Armen entgegen und küßt sie auf beide 
langen. 

^ Endlich, endlich, meine liebe Frau Grognot! Ich dachte, Sie hätten uns ganz und 
gar vergessen. Ich sprach noch heute nit meine-:! lAann von Ihnen. Und Jeanne ist daj 
Ist das abör lieb von dir! Du willst wohl das f^'undorkind sehen ,den Joseph . Ja, 
er ist herrlich, der Joseph, und klug ist er. ^ie werden es kaum glauben.*' 
iiie eilt za.i '»Vagen und hebt den Knaben empor. 

" Nun wie finden iiie ihn, meine Liebe? Hat er sich seit dem Sommer nicht prachtvoll 
entwic:<:eit?** 

^^^t ganz ausgezeichnet sieht er aus. Und so groß und schön ist er geworden. Er- 
kennst du mich, Joseph? Und wer ist denn das? L^chau mal her!" 
Frau Grognot zeigt auf Jeanne. 

Joseph lehnt seinen Kopf an die Wange der .-.utter. Mühsam formt sich sein großer 
feuchter Jlund zu einei» Lächeln. 

^ Er erkennt sie! liehen Sie es, Frau Grognot? Er erkennt sie! Komm näher, Jeanne! 
Gib deinea Bräutigmii einer: Kuß 1" 

Frau Fligeltaub hält dem kleinen I/lädchen den Knaben entgegen. 

Jeanne wendet die weitgeöffneten nachdenklichen Augen nicht von Joseph. Stumm 
reicht sie ihm die ?.'ange, und er legt seine nassen Lippen darauf. Fremden Leid 



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- 4 - 

Öffnet sich die Üeele der kleinen Jeanne. 

Und die beiden .Viiitter reden ixnd jubeln und erfüllen den Laden mit ihrem Lärm. 

'• Ich kann nicht län^jer auf Ihro/i 'Jle.nn warten," tönt eine harte ütimme In die Freude 

hinein. Es ^i^t die reiche Kunde aus dem Boulevard Courcelles. Man hat sie vollstän- 

di^j vert^essen. 

*' Ach, ich bitte vieltausendmal u:n Entschuldigun.^/' sagt Frau Fligeltaub. 

Aber die reiche Kundin ist böse. Sie ist nicht zu bei3chwichti£:en. 

^ Auch würde ich Ihnen raten rücksichtsvoller /je^jei. Ihre g- undin a.^^^fr<»4-^ Kundschaft 

zu sein. Ich habe auch solcli Kind, ein .'^ dchen. Doch halte ich es nicht bei mir. 

Ich habe nicht ".ie Cie das HerZ| das unglückliche Geschöpf ständig; vor Au^*en zu 

haben und damit noch Theater zu machen. Auch komme ich nicht zu Ihnen , um daran 

erinnert zu Pferden. Adieul'' 

Frau Grognot und r'rau Fligeltaub sehen sich erschrocke/. an. Eine;i Augenblick ist es 

still im Laden, V^.nn £eht es wieder los: 

** Ach, das Wunderkind! Ach, der Herrliche? Alles versteht er, der klu^-e Joseph! 

Und seine Braut hat er lieb 



4 



Letzt« Lieb« 



Von Klara Mlchelson^ 



Die Baronin Genevi)Jve Yilliers de Puysigur erwachte in ihrem breiten LouisXV- 
Bett aus Mahagoni mit Bronzebeachlägenj reckte sich ein wenig, grad wie sich*; 

für eine hochwohlgeborene Dame schickte, läutete nach ihrer Kammerfrau Simonne 
und rief mit noch immer geschlossenen Augen: 
^ Zeza, Zazal** 

Zaza, eine kleine weisse Bulldogge mit unförmlich dickem Leibe, verliess keu- 
chend ihren Fensterplatz auf dem Lehnstuhl und trottete zu ihrer Herrin hin« 

Diese drei Dinge, die als erste im Bewusstsein der erwachenden Frau Baronin auf- 
tauchten - das Louis XV-Bett, die Kammerfrau Simone und die Bulldogge Zaza -* 
waren am innigsten mit der Existenz der Dame verbunden, Sie waren die Über- 
reste besserer vergangener Zeiten, da sie noch in der Avenue Montaigne ihr rei- 
zendes Barockhotel bewohnte, Geldentwertung und missglückte Spekulation mit 

Börsenpapieren hatten bewirkt, dass sie das eigene schöne Heim verlassen und in 
die Familienpension am Boulevard Saint-Germain übersiedeln musste« Sie lebte 

hier in zwei netten Zimmern und besass immerhin noch genug, um die diversen 
Jours ihrer Freundinnen mitmachen und von Zeit zu Zeit sich mit kleinen Fünf- 
uhrtees revfiinchieren zu können« 

^ Das Bett ist die Hauptsache,** pflegte die Baronin zu sagen« ^ Der Mensch muss 

ein gutes Bett haben«** Darin war freilich keine ernstliche sociale Forderung 
enthalten, wie man leicht hätte annehmen können« Es war bloss Ausdruck einer 
vagen Veitanschauung, in der der Mensch erst bei den oberen Zehntausend begann 
und der Befriedigung darüber, dass sie selbst das gute Bett besass« Trotzdem 
muss gesagt werden, dass die wirklich glückliche Zeit in dem Louis XV— Bett für 
sie nur kurz bemessen gewesen war, denn schon nach siebenjähriger kinderloser 
Ehe hatte der Baron Villiers de Puys^gur das Zeitliche gesegnet und die trauernde 
Wit^we einsam auf der weiten Lagerstatt zurückgelassen« War ihr Temperament 
daran schuld oder oi eg waren es die äusseren Umstände, der leergewordene 
Platz blieb dauernd unbesetzt« VmmI Iflun, da die besten Jahre entschwunden waren, 
begann ein schmerzliches Bedauern um versäumte Liebesfreuden das Gemüt der Dame 
zu bedrücken« 

Auch an diesem Morgen drängten sich die trüben Betrachtungen zwischen die 



- 2 - 



sichiauf lösenden Iraumreste und die eindringenden Wirklichkeitsinhalte | als 

Sim^e mit lecker hergerichtetem Morgenfrühstück ins Zimmer trat» 

Die Baronin stiess mit energischer Handbewegung die ihr entgegengehaltetene 

schwere Silberplatte zurück und sagte, ihre beiden nackten Arme vorstreckend: 

^ Schau her, Simonne, wie wunderbar ich mich erhalten habe! Es ist kaum zu glau— 

ben| dass ich nächstens achtundfünfzig werde« Doch brauchst du darüber nicht 

zu schwätzen, .^ 

•• Prau Baronin können beruhigt sein* Von mir wird*s niemand erfahren«" 

^ Als der Doktor mich letztens untersuchte, fuhr er mir mit der Hand leicht 

übers Bein« Es gehörte sicherlich nicht zur Behandlung, Simonne«** 

" Ja, es gehörte sicherlich nicht zur Behandlung, Prau Baronin,*^ erwiderte 

Simonne, schüchtern das Frühstück vorschiebend« 

^ Aber ich war dumm, Simonne« Ich hätte mein Leben geniessen sollen« Ich habe 

es versäumt«** 

•* Ja, Prau Baronin hätten ihr Leben geniessen sollen,'* bestätigte die Kammerfrau 

mit blassem Duldergesicht und die schwere Silberplatte bebte in ihren Händen« 

Die Baronin hob ärgerlich-erstaunt den Kopf« ** Das solltest du am allerwenigsten 

mir vorwerfen«** 

Sekundenlang schloss sie die Augen, um sie mit verträumtem Blick wieder zu öffnen« 

*' Was meinst du , Simonne, wenn ich jetzt noch nachholte?'* 

Sie sah im Geiste die stattliche Gestalt des Konsuls Paginot« 

Die Kammerfrau schwieg« 

»* Was meinst du, Simonne, wenn ich jetzt noch nachholte?" fragte leicht gereizt 

die Herrin nochmals« 

** Prau Baronin täten gut nachzuholen,'* beeilte sich Simonne« 

it Du bist eine einfältige Pute," murmelte die Dame und nippte endlich von der 

Schokolade« 

" Aber sie ist ja eiskalt! Wie Kommst du darauf, mir kalte Schokolade zu bringen? 

Hole mir sofort andere , warme, wie sichs gehört!" 

Wortlos ging Simonne mit dem Prühstück hinaus« 

Diesen Augenblick benutzte die schlaue Zaza, um sich Idebkind zu machen« Sie 

setzte ihre kurzen Pfoten auf den Bettrand und bellte mit rasselndem Atem, was 

bedeutete: " Nimm mich auf! Hlmm mich auf!" 

Nach vereinten Bemühungen sass schliesslich die fette Zaza auf der seidenen 

Daunendecke, vttd Öas gewohnte Streicheln und Lecken begann und dauerte solange, 

bis Simonne mit der heissen Schokolade erschien« 

" Dürfte ich mir erlauben Prau Baronin darauf aufmerksam zu machen, dass es 



- 3 - 

halbelf ist» Die Masseusa wartet im Vorzimmer« Um elf kommt die Korsetiere 
und zu dreiviertel-zwölf hat sich der Herr Konsul de Paginot angemeldet«'* 
•• -ö»d Üas sagst du so nebenbei, als wäre der Herr Konsul de Paginot der Bote 
eines Warenhauses« Ich sag^s ja immer, dass du unverbesserlich bist! Man muss 
meine Engalsgeduld besitzen, um mit dir auskommen zu können« Warum hat du mich 
denn nicht geweckt, als er angerufen? ** 

^ Frau Baronin hatten strengstens verboten, Prau Baronin zu wecken«** 
Es war keine Zeit zu langem Geride« Zaza erhielt einen Puff, dass sie von der 
seidenen Daunendecke iferunterpurzelte und auf den Teppich hinrollte« Beleidigt zog 
sie sich auf ihre Schlafstelle zurück« Da kroch sie unter ihre rosa Steppdecke, 
legte den müden schweren Leib langgestreckt auf das mit weissem Linnen überzo- 
gene Pfühl und wollte von der schnöden Welt nichts wissen« 

Wie sehr auch die Baronin sich über die ungeschickte Simone ä^rgern mochte^ die 
Hoffnung, die sich an den angekündigten Besuch knüpfte, gewann Oberhand* Hüpfend 
und ein heiteres Liedchen summend, übergab sie ihren Körper den geübten Händen, 
dass er, der Bedeutung des Tages gemäss, instand gesetzt werde« 

Der Konsul Auguste de Paginot war lange Zeit nichts weiter als eine Salonbekannt- 
schaft gewesen« Erst in den letzten Monaten sah es aus, als ob er ein tieferes 
Interesse für sie gefasst hätte« Das machte ihn ihr gleich sympathischer« Sie 
glaubte den vielen Geschichten nicht mehr, die über ihn im Umlauf waren und die 
man sich wegen ihrer Pikanterien in den Salons gern nach Mitternacht erzählte« 
Sie hielt sie für bösen Leumund, und seitdem der Konsul ihr in diskreter Weise 
seine Huldigung darbrachte, waren sie ihr sogar peinlich» 

Man wusste in der Gesellschaft eigentlich recht wenig über seine näheren Lebens- • 
Verhältnisse trotz der Anekdoten, die man sich von ihm erzählte» Seinen Titel 
hatte er aus Buenes Atres mitgebracht, wo er viele Jahre französischer Konsul 
und mit einer schönen Kreolin verheiratet gewesen war. Doch das Wenige genügte 
bei seiner iprtattlichen Erscheinung und angenehmen Baritonstimme, mit der er in 
etwas sentimentaler Weise altfranzösische und krolische Chansons vortrug, damit 
die Türen der feinen pariser Salons sich ihm öffneten« 

Die Baronin indessen fühlte sich um Jahre verjüngt und war erfüllt von neuem 
Lebensmut« Die verschiedenen klei^nen Leiden, die sie belästigt hatten, waren 
wie durch Zauberspruch verschwunden» Ein anderes Tempo war in ihr Dasein gekom- 
men» Ihre Stimme hatte einen besondern hohen Klang, wenn sie sagte: ** Der Herr 
Konsul de Paginot»»««** Pqo Blut Zugleich röteten sich ihre Wangen wie bei einer 
Siebzehnjährigen, und sie bedauerte, dass Schminke und Puder es zu sehen verhin- 



~4- 



ten. Unten im l«..fimx Flur fragte sie jedes Mal überlaut den Hausmeister, dass 
^ur ja alle es hörten:" Hat der Herr Konsul geläutet?" oder " Ist der Herr Konsul 
vielleicht dagewesen?" Die ganze Welt solle wissen, dass die ri^onin Genevieve 
^flliers de Pyusrfgur noch Herzen entflammen konnte. 

Dabei drehteS^Sfere Gespräche mit dem Konsul hauptsächlich um Geldfragen. Ob die 
Russenpapiere, an denen beide viel verloren hatten, je wieder steigen würden. Wie 
«An den geretteten Rest am besten anlegen könnte. Wie hoch dieser gerettete 
Rest bei jedem von ihnen beiden war, bUeb unausgesprochen. 

Doch was kommt darauf an, worüber man redet, wenn nur der heimlich vibrierende 
Unterton da ist, der das Schwingen der Herzen verrät. 

Eines Tages hatte die Baronin den Kopf voll wichtiger Dinge: Anproben, Einkäufe, 
Dampfbad. Da Karmin Brief vom Konsul. Er bat um eine ernste Unterredung. Die 
Baronin Hess alles fallen: Anproben, Einkäufe, Dampfbad - und schwor innerlich 
drei Lichte der arg von ihr vernachlässigten heiligen Genevieve zu spenden. Sie 
setzte sich sofort an den Schreibtisch und lud den Konsul noch für denselben 
Abend zu einem Diner zu zweien ein. Auch das Menü ward gleich entworfen: zu 
feinsten Hors dJ-oeuvre junge Pute ,Champagner und rote Rosen. 

Sie richtete persönlich die Bestellung dem Küchenchef aus. Nichts durfte da miss- 
verstanden sein. Und wer wollte, durfte vernehmen, dass es heute ein Diner zu 
zweien gab mit Champagner und roten Rosen. 

Bedenklich spät verliess der Konsul Paginot das Haus. Die ganze Pension sprakh 
darüber beim Morgenfrühstück. Doch die Baronin w^ viele Tage nicht zu sehen. 
Als man ihr endlich begegnete, fiel die Veränderung auf, die mit ihr vorgegangen 
war. Sie schien um Jahre gealtert und hatte ein nervöses Zucken an der Schulter. 
Was geschehen war, erfuhr niemand. Nur Simone wusste alles. Aber Simone war 

verschwiegen wie das Grabe 

Sie hatte am Morgen nach dem bedeutungsvollen Diner ihre Herrin in einem jammer- 
vollen Zustand vo^ gff ^^^ff:__ S|^ l^ f l^^llu^lhMMlH^^^ ^"""^^^ fortwährend 
"SimoIL," rief lie ihr entgegen. "Lass dich nicht verführen. Es ist furchtbar. 
Es ist brutal. Wenn man die Gewohnheit verloren hat, soll man damit nicht wieder 
anfangen. Und denke dir, Simonne, mitten darin flüsterte er mir ins Ohr:""Ich 
brauche dringend dreissigtausend Francs;-- Glaub an Liebe nicht, Simonne, und 
l«s dJch nifJt verführe?. Sie riechen alle nach Tabak, nach Schweiss, nach 

Und sie zuckte so heftig mit der Schulter, als könnte sie damit die Erinnerung 
an das peinliche Erlebnis von sich abschütteln. 



'( ' .T m,-vi^' 



«C 



\ 



Der Sohwur. 



Von Clarft Michalson. 



Mit weißem jesioht und flaokerndeai ülick 948 Chain Levy nuf/:erlohtet in 
den Kissen, 2s galt die letzte Kraft zu snmraelni u:^ie letzte Tat 2u tun. 
Ar hatte sich alles wohl Jberlejt Im elühenden Lchmerz der eüdloaen Ta^e und 
Käohte. Br hatte sioh die bedanken wohl jeiaeißelt in h&ii:nernde;i Räderwerk 
seines Hirns. Nur dieses eine wollte er erledigt haben, bevor naoh den 
Sausen, Klopfer, und Ja^en des Blutes, die Ruhe anbrach, das furchtbare Unbe- 
kannte, wer weis, vielleicht das Nichts. Alles übrige war unwichti^v; ^^ewor- 
den; mochte es nachher jehen, wie es wollte. An dieses eine klammerte sich 
sein Wille in der Qual des Sterbens. 



D«T Tod wur Ihui idi^ar wie «in. fem«, fast unwirkliche aefahr ersölüer^en, 
die irr:eiidwo über &x.d«re herfiel mxd ir-:eudiran£. £r selbst war zu voll des 
Bi^ruielnden Lebens ^ewecen, eu voll voa «^raft, von ?lftnen, «u überhäuft 
▼00 Arbeit, allerhand Verpfliehtm.geß. -^ t^ ^%x. Tod zu denken. Und nun 
hatte er ihn überrumpelt, aus dea ilinterhnit die Sie»»« nach iJia geschleu- 
dert , die ihn .lÄhlinja zerschaettert. 



Aa Fußende seinea Bettes etand «le, seine Frau, atrotaand vou üesundheit 
«it üppliien weißen üliedarn. Sie weinte atiU ir Ihr Taschentuch. Ach. 
er wu3te nur zu ^ut, wh» die». Trfinen wtrt waren» Selbst in der Todesstunde 
sah er alles ait «einen »cbarfen nüchterner. Au^en. Selbst >aauten noch 
vor de-ti Rrlööohen belo^ er sich ua nicht». Und de» sollte seine letate 
Tat sein, dieses «ieri^e oberfl&ohliohe ueaoh^pf, das sein n'eib war, well 
»ein 3lut seiner bedurft hatte, «u verhlnd*rn. daß es »ich «it einem an- 
dern .'Aanne je verbinde, usa ö*a«in»&a iu verprAi^n. wa» er lit »einea un- 
ermüdllahen Fleiae. «it re^e« »ohöpferisohem Jei^te gtsohaffen. 



Er «achte eine schwache Bewt^unt; ^It den fiebrigen ab^'ezfhrten RÄnden. 
Der Arf.t und die Krankenechweacr beugter sioh über ihn. um da» Wort ouf»u- 
fangen, das er noch 2^» ^9^%^^ hatte. 



* 'f^' " _ ^""^ 



- « - 



^ Dan Rabbinari'* flüstert« «r und streifte alt verdunkeltem Blick die Frau 
am PuBende des Bettes. Darm schloß er die Augen xind blieb regimfilos lit- 
ten ^ als müsse er den f^riggeb lieben an Rest von Kraft sparen für das^ was er 
vorhatte. 



Als der Geistliche» den lan eilends £eholt| erschienen war, sagte der Ster« 
bende. Jedes Wort mit sichtlicher Anstrengung deutlich hervorstoBend: 
^£ie soll sohwSreni daB sie nie wieder heiratet. Sonst ei:^terbe ich sie.** 



Die Frau am PuBsnde des BettJ^ v^a^ch die swei Möglichkeiten: reich oder 
arm werden. Uohwören oder enterbt seinf Kein Zweifel berührte sie. Sie] 
fort bereit jeden Schwur tu tun» wenn sie sich damit den Aeichtum sicherte 
und das Recht« nach Kersenslust darüber zu verfügen. 



ar 

80' 



**Wollen Sie schwören?^ fragte der Rabbiner« 

*^Ich will 9** erwiderte sie hastig. 

Er sprach die Worte vor, und sie sprach sie nach* 

Chaim Levy sog gierig mit krampfhaft vorgestrecktem finr den Schwur in sich 

ein. Dann ging ein Zucken über ihn hin. Ber fopf sank rurück. 2r hatte 

ausgelitten. 

Viele Menschen kamen ins St3rbesimmer. Freunde. Verwandte. Kachbarn. 

(.mit Fäusten 
Die tritwe schlug sToE^auf die Brusty riB sich die HaarCi vergoS StrOme von 

Tr&nen, Jastimerte und 8chris. i^i^ gab de^^ Toten Koeeno/neni die er eu seinen 

Lebzeiten nie gehSrt. Sie schüttete endlos Erinnerunger. an seine Liebe und 

Güte £LU£. ttan bat sie voll Uitleiden^ sich 2u beruhigen» sich ein wenig zu 

fassen. Aber sie wellte vor. t ue e hj ^ g Zuspräche^ von Tro$t nichts wissen. 

Uan führte sie schlieBlioh gewaltsam hinaus » legte sie auf ein Ruhebett» 

flSBte ihr ^ahrung ein. 



Sie verfiel in einen schweren Schlaf und erwachte um Morgengrauen. Das 
kalte Licht das werdenden Tages glitt zwischen die Spalten der herabgelasse«- 

nen Jalusien ins Zimmer. Ss fror siCi und sie zog dia Decke über die vollen 

ihc 
weiBen Schultern bis ans Kinn. Die Srinnearung an das Ueschel^e kehrte in ihr 

aewuBtsein zurück. Aber im fahlen Uorgenlicht hatte es von seiner ^^chärfe 



ftfar. 



- s - 



varlortn und ers^^tn Ihr frtnd^ wi« abgerückt von ihr. &i% impfand kaln« 
TrAuri£;k6it9 und da si« ftlltin war, dürft« ßit sich gthtn, wi# sich fUhl«> 
te, ii«8t«rn hattt ,vor d«n fremden Mansohan i^^nvn; von ihr%r Vi twtntrautr g««* 
z%igl. Und di# hattö da nichts vor^^eiaaoht. Sd war ihr wirklich Bedürfnis 
g«w«a«n, die d\irch di« unerwartet« Rtndimg ihrea Schicksals htrvorc^erufen« 
£rr«^ung in »veinen iind ächraitn aussutobtn. Jatzt ftthltt sia sich beruhigt« 
Das £rba war gasi^hart* ;^ie wr.r aina raioha Frau. 



8ia arhob sich laicht ^ stützte dan Kopf auf dan £llbogan und horchta« Das 

üamurnsal dar bai dam Totan batandan Juden schwoll an^ erstarb, wurde wieder 

deutlicher. Sie dachte nach« Wie doch ihre LebensverhAltnlnse, die sa felse: 

fest| für unabsehbare Zeiten geschaffen s'^ienen, 00 pl6t%Mok ^abgebrochen 

waren I Wer hätte sich dies noch vor einer nocha denken kOnnen? Selbst am 

Morgen seiner £rkrankim;? hatte er nit ihr gesankt und mit Scheidung gedroht« 

iSie konnte sich nur undeutlich erinnern, weswegen es .gewesen w&Ti sankte er 
_^__doi|h) drängte 

rnTtihr in einea fort. Xngstlich iftifl iiie diese Vorstellung: furück. Von 
Toten soll man nichts Schlechtes denken, lian nuß ihnen alles yarseihen. 
Die Armen, sie clnd Ja totl Und wie h^tte er noch leben wollen! Warum es 
wohl so grauaaü (hingerichtet war, daß man sterben jttuöte^ und air* jeder 
ohjr»e Ausn«ihaetC^ai/öhnlich vergaß mön es ganz« Man war bescUäftiät, man ver« 
gnüßte sich, ßls der Lebensfaden abrißl Ihretwe^^en hätto «r ncoh lange 
leben kSnnen. Am lag» war er wohl rauh und verächtlich mit ihr umgegangen. 
Aber nachts, da war er ein anderer i&enach gewesen, als ob es swei ganz ver«* 
schiedene l^ersonen wären, der Chaim vom Tage und der C|a.im von der iiacht. 
Es gefiel ihr, wie er dann war, so he^Eblütt^g, sc !«!*idensohaftlich^ daß er 
garnioht wu£te, ivas tr tat und ri^cet^. Ihr i^lick fiel auf Abs leere Bett 
an ihic^r ;^eite« Jetzt würde da^ )aif oiehr sein, nie mehr, nicht mit ihm und 
nicht mit einem ^j^dern. äie hatte es geschiroren. 



Sie legte sich auf dia Kissen ^iurUck, so^; die Arcia ein \mA schloß die Au^^en 
Die Nächte wurden in ihrer Srimierufcg wach^ die sie mit ihm /erbracht, 
alle Freuden tauchten auf, die er sie gelehrt hatte , und langsafn überzog 
eine brennende Luirt ihre vollen weißen ulieder. Sie hatte nicht überschaut 
weloh« Folgen ihr üohwur haben würde. Die hätte nur an Geld gedacht. Sie 
hatte vergessen, daB sie noch jun^' war und wahrscheinlich sehr lan^e leben 
würde. Aber dieses geheime süße Schwel^ren, das ihr nottat wie Essen und 
Trinken, das kSstlicher war als Essen und Trinken, das hatte sie sich mkge 



- 4 - 



abgeschnitten. Er hatte sie überrumpelt. Er war immer unendlich klüger« 
gewesen als sie, -"Du weiset ja nie, was du tust," hatte er ihr bestän- 
dig vorgev/orfen. Nun hatte er ihre Finfalt selbst ausgenutzt. Das war 
v/ieder der Chaim vom Tage, der Horte, Lieblose, der sie nicht leiden ^-^»1 
mochte, der sie missachtete und ihr nicht gönnte, dass sie noch leben 
und genl essen sollte, während er sterben musste. Was konnte sie dafür? 



Hatte sie nicht alles Erdenkliche getan, un ihn zu retten? Hatte sie 



'fyt^ 



nicht die besten Ärzte koinraen lassen? Waren nicht Tag und Nacht die --.-.^^ 
geübtsten Pflegerinnen uin ihn gewesen? Es tat ilir gewiss leid, dass er 
gestorben war, aber von ihm war es schlecht, ihr ganzes weiteres Leben 

zu verderben. V/as war nun alles Geld wert, v/enn es sie urn die ,--- 

sixsesten aller Freuden brachte? 



Sie sprang aus dem Bett. Vielleicht gab f:s noch eine Möglichkeit gutzu- 
machen^ ihr übereiltes -ort zurückzunehmen? Noch war der Tote im Hause. 
Es war keine Zeit zu verlieren. In wenigen Stunden verliess Chain Levy 
für immer sein Haue. Sie schlüpfte in rasender Hast in ihre Kleider, 
brachte ihr Haar In Ordnung und stürzte mit solcher Heftigkeit ins Toten- 
zirrmer, dass die betenden Judert, abgespannt von der Tiachtwache und versunkerv 
in die Einförrriigkeit ihrer Litaneien, erschreckt auffuhren. So früh schon 
und so verziveifelt kani die \vit\/e, um zu weinen und zu klagen. 

"Ruhen Sie doch noch,'' sagten sie voller Teilnahme. "Sie haben einen scbr/epen. 
Tag vor#" 

»'Ich will meinen fchwur zuirtickhaben von ihra,'^ rief sie und zeigte mit dem 
Pinger auf den Toten. «Holt den Rabbi I Zögert nicht I Ich mag keinen -ugen 
blick warten I" 



In ihrer entbrannten Begierde war sie nur von der Sorge beherrscht, wie 
sich freizumachen von dem Schwur, den sie so unbedacht hergegeben« 



-5- 



Dle froBWcn Juden waren bestürzt. Sie liebten keine Konflikte mit Toten. 
Tote rollten ihren Frieden haben. JDer Älteete von ihnen stand auf, ein 
weiF.sbürt irrer orfaiironer Mann, und arboP jich den Geißtlichen zu holen. 

Bald war er mit ihn da. Er hatte auch aus dero naheliegenden J3ethaus einige 
Männer mitgebracht, damit ein Mlnjen zustandekorTOe und der Beschluss der 
Anv;enenden rechtßkräftig werde. 

Der Rabbi schaute die Frau an, Ihre volle fleischi/^ Gestalt, ihre gesunden 
kraftvollen Glieder, und er erfasste, welche Nachkonrnenschaft dem heil5gen 
Volke verloren ginge, wenn dieses "eib zu EnthaltBankeit udcI Unfruchtb- rkelt 

verurteilt bliebe. Um des heiligen Volkes willen misste sie von ihren ün]m 

Schn'mr befreit v/erden. 



Er wandte sich dei:i Toten zu und streckte die Hände nach ihin hin. 



\ 



"Höre, Chaira Levyl Im Namen des Rvlgen Gottes sage Ich dir: gib deinem 

Weib den ^-chwur zurückl ^ 

Gib den Schvmr sur-ückl 

Duhast den ;"ch^"mr zuräckge geben 1" 

Er stund da, das Gesicht deia Toten zugewiindt, mit ausgestreckten Händen. 

Ein lüühsan gedämpfter Fi-eudenlaut durchzitterte die Stille. 



Dann ging die Frau, v;ie erlöst aus schva-erer Gefahr, rdt leise schaukelnden 
gliedern , die Vollust künftiger Nächte vorausgeni essend , in ihr f^chlafzliir-t 
zurück, während Chaira Levy stunri und unbeweglich unter der schwarzen Toter — 
decke log. 



^ f 



pjisasfii. 

Vom Clara MichelsoÄ* 



Am Abhang der Hügelkette, die das reizende Tal Les Chevreuses 
nach der Südseite hin tunschliesst, besass die pariser Aerztin Marie 
Desgouttes eine Parzelle aufgeteilten Landes. Im laufe Ton wenigen 
Jahren hatte sie aus dem steilen steinigen Sandboden ein entzücken** 
des kleines Anwesen hervorgezaubert. Schon von v/eitem leuchteten die 
weissen Stufen der Teraase, die zum hellen Häuschen führte, und die 
Rosenbüsche, Glycinienhecken und Fliederstraucher. Und wenn man naher 
ksjn, vernahm man ein Piepsen, Miauen, Glucksen, Bellen und Zwitschern, 
dpss msn hier einen vergessenen Rest des Paradieses wälrmte* Freilich 
fehlte der Adam, und als Eva wäre die Doctoresse Marie Desgouttes wol 
zu wenig verführerisch erschienen« Keine einzige von den Parzellen 
ringsum konnte sich auch nur ennähentdimit Ratinopolis messen, dns im 
im Gegensatz zu seinem Kamen einen grossen schwarzen porzelloncnen 
Kater auf dem First des Daches als V^ahrzeichen trug. 



Diese Ungereimtheit zwischen Hamen Tind Wahrzeichen wnr bezeich- 
nend für l.!9rie i)esgouttes selber, die aus lauter WidcrsprOLchen zusam- 



m 



engest zt war, und für die 'alles Gegensätzliche 



Reiz ki^tt^^ 



Ratinopolis v;ar der lichte Punlct ihres Daseins, der Abieiter ih- 



res Gefühlsüberschuspps. Ihre freie Zeit zwischen Sprechstunden und 

Krankenbesuchen verbrachte sie dlt^t \md es überkam sie jedes Mal eine 

i h^er 
Spur von Rülirung, wenn bel^Ankunft aufl. der Stadt die ganze geflügelte _, 

gepanzerte und bepelzte Gesellschßft ihr mit allen Zeichen der ireude 

entgegenstürzte und sich in einen Wettstreit um ihre Gunstbeziiugungen 

einliess. 

Es war ihr ein Leichtes die Fre\mdschaft dieaer Geschöpfe zu ge- 
winnen, und sie hatte sie ins Unendliche vermehren kennen, denn jedes 
Tier, das sie in Ratinopolis hineinsetzte, wurde in kurzer Frist ihr 



V, 



-2« 



ihr Fretmd. Uur das Tertrauen Tiad die Sympathiee» der Mensehen ver- 



stand ■' 



sie nicht zu erwerben, und wenn sie nicht bei ihren 
Tieren war, die auch nur so lange ihr Bewtisstseln ausfüllten, als 
sie sich mit ihnen beschäftigte, drückte ein Gefühl völliger Verein- 
samung sie nieder, 

Pfingsten stand vor der Tür. Ratinopolis strahlte in seiner jTin- 
gen Schönheit 101(1 in verschwenderisch ausgegossenem Sonnengoldt \md 
Marie Desgouttes empfand mit einem Male den brennenden Wunsch auch 
Pfingsten zu feiern, wie die andern gewmilichen Sterl)lichen, obgleich 
sie an keinerlei Gott unter keinerlei möglichen i'orra glaubte und die 

Menschen aus Herzensgrunde verachtete. Aber der Frühling, das Sonnen-» 

die 
gold und Blütenpracht regtÄsie irgendwie auf, und sie v/ollte auch 

ihren Festtag haben, an gedecktem Tische mit ihresgleichen sitzen /ättd 
froh sein und lachen, Ihre piepsende , miauende und glucksende Gesell- 
schaft genügte ihr nicht mehr. 

Loch für sie war das keine einfache Sache, Jegliche Beziehungen 
zu ihren Verwandten hatte sie langst abgebrochen, und Freunde besass 
sie nicht, Sie konnte aoch unmöglich ihren Portier oder ihre Aufwarte- 
frau einladen, die ohne Zweifel gern gekommen wären. 

Da kam der Zufall ihr unerwartet zuhilf e, Einen Tag vor dem Fest 
stellte sich der Versicherungsagent Herr Jules Btsnard ein, um wie 
seit Jahren, dem Beitrag für ihre Lebensversicherung einzukassieren. 
Ec war ein ansehnlicher redseliger Mann, der ihr Jedes Mal von seinem 
Eheglück vorschwärmte. Um diesellfte Zeit erschien auch auf der Bild- 

flSche Ivonne Mortier, ein Älteres Fraulein mit viel Temperament und 

\& sie 

schönen Jugendlichen Beinen. Mrie Desgouttes hatte^uf Reisern kennen 

gelernt, und seitdem verSÄumte Ivonne Mortier nicht, Jedes Mal, wenn sie 
in Paris war, sie aufzusuchen, sig ^^^r Litteraturlehrerin an einer 
Mädchenschule in Kopenhagen und kam von Zeit zu Zeit nach Paris, um 



/' 



h 



-5- 
sich hier für de» stremgen LelsenswaÄdcl, zu dem ihr Beruf sie zwang, 

« 

sekadloa zu haltem# 

Der Gegeasatz des beriedigten Ehemaimes umd des in seinem Lebens- 
hxinger "UÄge sättigten frSuleins brachte die Aerztin auf den GedsÄken, 
sie zusamme»,eimsehliesslich der Gattin des ersteren^einzuladem und 
sich auf solche Weise ein richtiges Fe iertljgs vergnügen zu verschaff em# 

Pf ingst sonnt ag war so schSn, wie er zu werden versprochen hatte. Der 
flieder und die Rosen d\ifteten sinnverwirrend, und die Sonne schien be - 
tSrend. Marie Desgouttes hatte leckere Dinge auA der Stadt mitgebracht 
und die GÄste hatten reichlich Gelegenheit aus einem Entzücken ins ande- 
re zu geraten« 

Frau Besnard war in der Tat die passende Gefährtin für ihren Mann. 
Gross und kräftig wie er entwickelte sie gleich ihm einen gesunden Appe- 
tit, und die reichlichen VorrSte verschwanden im Handumdrehen. Die 
Gastgeberin freute sich darüber: das verriet Festtag und gute Stimmung. 
Zu reden gab es genug. Frau Bernard wusste so lebhaft davon zu erzählen, 

L^a#3^- l e tBt f) r e konnte nicht genug 



was Herr Besnard alles gern ass, unn 

die Kochkunst seiner Gattin rühmen. Es war wirklich eine Harmonische 

Desgojittes 
Ehe. Marie skh mit zufriedenem Schmunzeln das Sltere FrSulein an. Der 

Armen floss sicher das Wasser im Munde zusammen. 

Nach dem Essen setzte man sich zu den Rosen, den Glycinien und 
dem Flieder und schaute bei Vogelgezwitscher auf d&s Tal hinab, das 
im leichten Sonnendunst frühlingshaft zart und üblich dalag. 

Der klugen Ae»ttin schien das der rechte Augenblick zu sein, um das 
di» in ihren G^stin verkörperten Gegensätze auszulösen und so ihrem 
festtägliche» aenljß.ssen den Höhepunkt zu ^g^h^.^ Sie holte ihre beiden 
Affen !öw»*a'^c^^ K^nette, die trotz der gleichen Grösse und der ge- 
meinsamen Zugehörigkeit zur Affenfamilie voneinander nichts wissen wollt 
+^Ki. DA« fT-Rhlich zwitschernde M&nnchen mit dem flachen klugen Gesicht- 



-4« 




J 



itlrtlUti ^kie ximi t p ft W^ 



mxuuuLjLJuiuuuiuiuiLjiiniiiii n«hm von der ihm zugewiesenen GefSJirtin mit der 
Hundeschnauze trotz ihres neuen rosa Pfingstkleidelii^fceJil fS^tl!*^* 
Aher Marie Desgouttes hatte erreicht,was sie wollte. Man sjpraeh ü^er 
Liebe. Sie selbst mit Spott.-denn sie hielt von ihr ebensonig wie von 
Gott und den Menschen,. Yvonne Mortter mit Gier und das Ehepaar Bes- 
nard mit der Ruhe der Besitzenden. 

«Ach, die MSnnerV rief die Aerztin. -Ich traue keinem einzigen 
von ihnen.« Sie warf ihre Worte wie K^rn.chen feinen Explosivstoffes 

ims Gespräch, 

Frau Belara fuhr auf. -Kein Ma«. ist eine Aus.8hB« .-erwiderte 
sie erregt.-AXer wen« Irgend eine es wagen sollte, ihn mir atspenstig 
zu machen, sehlesse ieh sie nieder wie eiHen Spatz.- 

yvonne Mortier, die all. verheirateten Frauen hasste und stets 
bereit war ihnen einen S.habemaclc zu spielen, fühlte sieh in ihren 
gerechten 'Ansprachen getroff eS?1.eschloss _so_f ort auf diesen so ener- 



gisch verteidigten Gattenveinen Angriff zu machen. Sie Urtte diese 
'^'"^^^•uBkomplizierte Art von Mann, bei der Bon immer wusste, was 




man zu erwarten hatte ♦ 



Sie seharzte leicht Ihr RSckchen, summte eine heitere Melodie 
vor sich hU und bewegte leise im lajct dazu ihre schSne« Juiendliche« 



Beine, ^ertt^ v 

Herr Besnard lächelte und zeigte fcurzea gesunde, '-ähne-^^ms^gab 

Yvonne einen Schauer, und sie verstärkte ihren Angrlff.Als .db« es 
^versehens,liess sie ihr Obstmesser zur Erde fallen. Er bücKte sich. 
™ ihr beim Aufheben zu helfe«, und dabei berührten sieh ihre Hände, 
„arie Desgouttes freute sich. Ihr Experiment schien zu gelingen. 

ÄHurden dunkä und spitz. "Es wird kühl." sagte 



sie.obwohl die Sonne noch herrlich schien. "Es ist viell.ieht rats. 



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ß 



II 



»oeh heute Ijn die Stadt zurückzukchrem," 

"Davom köim keine Rede sein," entgegacte kategorisch Marie Desgotitte s. 
Si4 werde» mich doch nieht oh»e jeden Grund im Stich lassen. Alles ist 
zur Nacht für Sie hergerichtet." 

Herr Besnard sagte gamichts. Er lächelte nur und zeigte seine 
kurzen gesunden üShne. Dieses LSchelm v/er wie eine Maske. Man konnte 
sich dahinter denken, was man wollte. 

Yvonne Mortier wurde immer lebhpfter. Sie mobilisierte ihre genze 

P/ 
Person. Sie sprühte Witz und Einfall wie ein Sringbrunnen nachts keim 

Scheinwerfer. 

Frau Besnard kochte. Man sah es ihr an. Am liebsten hätte sie sie 
wol gleich niedergeschossen. Aber hatte keine Waffe ,und sie kam nur 
dazwischen mit langweiligen Geschichten von Liebe und Treue, denen 

niemand zuhörte. 

Marie Desgouttes frohlockte. Ihre Menschenverachtung schien ein 

Mal mehr ihre Rechtfertigung zu finden. 

Zum Glüc> musste Yvonne noch am selben Abend in die Stadt zurück. 
Sie hatte auch von vornherein nur auf einen Tag ihren Besuch zugesagt. 



da es viel während ihres kurzen Aufenthaltes in Paris zu gab. 



yyu/H^ 



Welche Erholung war das für Frau Besnard. Sie fühlte gleich, wi^^sie 
nach der Anspannung des Tages war, und es zog sie ins Bett, obwohl 
es noch früh war. Aber Jules sollte mitkommen. Nach Sonnemunter gang 
war es »irklich frisch geworden, und die Laken waren feucht und kühl. 
Doch Jules dachte nicht daran. Er hSrte nicht auf ihren Ruf und 
wollte noch durehs-us nach unten an den Weiher, wo Nachtigallen schlt- 
gen. Marie Desgouttes hatte ihm davon erzShlt, und er ging nur auf 
einen Augenblick dahin, um sich selbst überzeugen. 

Kaum war er mit der Aerztin allein, da fiel die Maske« Das Lftcheln 
schwand. Ein Glimmen war in seinem Blick, und er fragte auch schon: 




iQ** 



"Diese Yvonae? Wo wohnt sie eigentlich in der Stadt diese Yvonme?" 

Marie Desgouttes sah in dieses Glimmen hinein wie in ein Probier- 
glas. Sie wusste genug. Mehr "brauchte sie nicht. Das Experiment war 
geglückt. Ihre Menschenverachtung hatte recht behalten. 

» Wir können umkehren," sagte sie, •* Oder wenn Sie wollen, gehen 
$ie allein dahin. Ich bin nicht sicher, ob die Nachtigallen heute schla- 
gen. Ach, Yvonnes Adresse? Es tut mir leid. Ich habe sie in der Stadt 
gelassen. Wenn Sie sich nochmals bemühen wollen....** 

Die sehmale Mondsichel stand auf der krausen Kante des Jensei tigev 
Hügellandes. Sterne glitzerten auf blSulich samtenem Grunde. Das Junge 
Laub rauschte. Die Luft war voll des Duftes quellender Frühlings safte. 
In der Feme sehrxe ein Wild... Heimlich flüsterte es im Busch^... 
Pfingsten ! 



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ühfiirn Rubirj* 



Dae ilcC'T um^r^. cnluTig im Oeteu ur»c'. iiäaen die ota^^t, und 

wea di^ töricht f'H ^.en^Kchnn aucii t.vvteri, ^6 triiro f.rin .^pi^l 

ruhig weiter, 74£ fi-it tc'^«^er(iPn vor ffiahren. Bfclc If^ pw 

stili unu unbewtglich w^ö eeiru- turkiaclru*^ Flut «^c/iien 

UTif^chul dig, ^^ic- daö l^iciiflnde Antlitz eint-^ kl ^i r, i^t» KlrdPP^ 

Od^r f>B Btünnifce in /r.laer Last mit «reisb^r ^fel]ii?n auT 

dci 8 steinige Ufer und epritzt*? iwit neioen Gischt üb w die 

xiÖBCUung. oder ?ieine l»piciit geneilte ?lc<che <=rgl?\T^)2te irn 

fahlen VaotöiRi li dit -^'if^ ?in schim^i* rn ;;t^r Opal • Lsnn abfr 

wBV ee plöLzlicnvon eine^ satten tlefirj Cirün mitter aTi 

TfPie und erz ahltc^ von ^v-p r iu^gfr nuen mit Bterbliclier 3#^ele 

und Köni/.;fti^rn in \'«re i .q ^^ er Palästen, üörr fb '«/u roe l?5u>^inch 

Ohre jeden Grund und prollte. Tap und Nacht, Ta^^r uod iracht 

schlug ^^ 6mv glei cn-nanBin; alle lu oeicun.er l£rg an di# 

KÜBte nrd t d€^ irmn»^r ^leicj en Laut, ä^ sn 6 3 auf die jJf-rven 

dlf5 

wirkte, über wr • i2jingfri a»oc !;:enpche n dai^i Meer fn? üie 
hatten e« ©ine Zeit larg -lit inen .gelullt, um einander u.^- 



zub ringen, und CaB ilmer zof^, nur Reir^e i^i^che fort 



und 



•Ägta: ,,Tut eB^»» Z.^riVtztt- -.an «schert ei b er flo^e 



V an Be i r er 



Grund unr; elenüee «[rack roh>'.cOTi nu.f meinen V/eller . //as ginp; 

e8 da« '..rer anV Üd^r sd e kamer in Reih und Glied auf 

grauen Schiffen an die otadt tieran und nch^ß^en nun edtiweran 



Geßchutzen auf ö/oPi unhafeati^te Ufer, //ae ß:i 



ng e« dae 



M#«P anV „Tut e#! nur!»' wr^^. ßind i? i e d«m Me#f: Ein ^VelTtn- 
ßci^aac;, urd allr^s i et v<^^#8B«n. ..a nar a ac h eine Zeit , als 
tobende Haufar ei^zf^lpe i;>n eohen ergriffen und in ci e /^el- 
ten schl^udertim. und die Cpfer r>chrl/^r und kämpften und 
in die liefe vrreanken . .as ^eht ee d ae K#er anl 



\^ 



■I I " J " 



J»t«t ptj^ncer cl e Bülach**wiet*n sum zweiten Mal» 
4r d«T m#>*»ruriPpült,or kl riner L^üd^tadt. urd vi e j' 1 e H pd er 
rf löetPn und zerstörteo , wan ntw.' ftrtcTi BfiUT»*-rk vor: der 
8lt»r. Kultur übrlfr j^ebliebf^r v-ar , co rchuff-r eie htlle le*öi- 
tarcp wt^ite Luft BChlÖBeer für üie A»rmnt*n , für alle. 

jis war 5 Uhr Hac^hrni tte^s nT> eire.c so'^nfrourchftlühter 
Mei»-tatag«. Ir < «b Snnlp der früher «.^ 'Ulüf-rRalerie, ac c^^o 
'«äTiaen «de 8ufrfriB?«»np Hflchen 1 eer p lial-imeri gf-hr)twTi, stfind 
dic^it ßTieinancer a;t>,clrr.rö;t ^i^ bur't PiP'niTf^ltes l-ublikum: 
Matro^^-n, rolöatp»^, /.rbeitcrvülk, DlenetmäücheTi, Klelrbürp:frr. 
Hi< r uro da verrieten trotz der veröl nla chten Klei durg die 
f^tnfrnZüge u-^d di»» Art ^:ioh zu halten 6ey^ üäve.ev oof»r die 



BürgfTin. Kfl ?'ar d ?**^ p r •■■' t f> *:':roeftp ^> 



etirw:-. onzert In üieef-T 



Stadt. Berübmtf^ Gros ^'Htf.Ct küre tlfT. uie- ]iur.p;PC und M i^re 
not an dirr.en en'olOf>:«.r,-n ür t geführt h^^t^^n. trnter f.uf. Der 
Sfi«l war überfüllt troiz Or drfiokfröen bchwule de« Ta^oB. 
und man lm?»C'.te tu ar^ehsltcnen, At«iü und ait v^ r^e streckt em 
Kopf den noch nie n;e/iörten L<^uten. Nur zu-filen klanw; da- 
ZJviBcnen d*r Ausruf «inea Kintie« vom Arm ein^r „att.-r oder 

eines 7a t ere he^t . 

ALS der mueikoliecae i'e-l vorüber waV. fTschien 

auf a*Jm -odiua d*^r ^iela deB Tage« dier.r ^tadt, Chaim 
Rubin, aer ju-Pie Jude mit rem feiren dankler ^ichterkopf . 
Hanac-klatsch® empfing ihn. Sr trfit näh.T urd r.rüeBt.' die 
ker^e mit neinem t a^;fi r.t pr t*n «uLen Geeicht undeeinern 
tt*ller Lacneln. ^1b en etlll "rurtoe. begann rr zu Bprechen. 
Tde Tore hf^bfn "ir uch &xffietcn in d^e -'underreich 
der Kun«t. Wandelt r.uf ihrer, kling f-muen, Ipuchteroen 
.Ve«en und y.rge«Bt, -<.f« gewesen i «t . v.rfl;.9«t, -fs mm ^ch 
ansc^ta- hat! Loset mich ^-J^e w«inen ce beele frei^kÜP^-en 
zu/ Freude und Schönheit, ^i^ 5,^"V . cim bor,re und I/Üh- 
eal t^ebunoen haber! Tv.acht auf buer /Aip;e und :^ «r ohrl 
]iuer bchritt wird nch'^'anken auf dem unsr «»ohnten Boden un a 

Bu«?r Auge geblendet eeir von der Fülle des Lichtes, Öü ch 



i 



tmnJBm,^^m 



3. 



l 



I 



wir RekiBv rai t Such, ««vir ßtützen Buoh . Euer Weg let ee ur^d 
Euer licht, dl« v^ir iJiach wled^^rge bi^n , und et«- lasn Euch 



niß und I'vot lUiL nf^v zu " :u^- rem:: nu .■'.*- ^-«^Raciit . J-i}Pf^t nach ^^ 







i )l 



i'.r ni ^-'It eirf-r- Auf?:erblicic irr#», '^eine eippr<> B#wf»/?-t- 
hPit üb ^^wr-ilti^te ihr. ,.S-ht, v/er hu^ut^ :,u ..uch K^ko^n-ien i*:?t, 
um Kuch ^«?ine a^be zu bri rgtirn ; öl ^ fuf dt^m Gipfel 6er ..ur et 
Stehen. ! 2fu i vjif der) Iieic].f'-r ut^ci LnCiiti^^^r d^rr , eit f-rklan- 

go bißhf-T inre^ caiten. v^r nr.t es ttKuuer köirer, daBr. ei a 
zu 'luch iCorDTien vv-ÜrdeK?jr)d ['r^f^;t -de nur: iat fi5 nicht rrÖRperps 
Gluck AtföT vor ...jch mit ^y^e t verscioraöontf' ten nchorh^it r.dur sti- 
gen bc>6lc^ SU singen und zu BolGlen, alfn vor. ihr-f-n, der Lieber- 

K8tt»n, Gen ßi^.i.^ti/;- Ariüten vor listth^it. *' £r p,prach lang#, 

seine H^de -^sr wirr, sie beptrvv/'us abf^: prlßf: enen vieoenk^n- 
fetz#i5. 1)0 ch in ihrer iülers^ die ihn horten, la^ ciul^e- 
wühlte lard, It^f^e-n J^ufß:e''^^or fen ä x^rdklöf- ^e , f:chnrichtend 
nr.ai neuem üt^iiien, um frip^^ue Frucht zu trapitn . Und ^r Btreut# 



öamfn v. >if Tt\x <'\\ tb ?/r e iroe . 



J^ 



;'( 



Bella, ücher, die jur^,^e Studentin, lehrteYinit relflRem 
Gepicht und mit weiten planzf^nder hxkf^\eY\ ht die -\PTid • flot- 
blonce locken X"'it'"len rup oeTi ^rrunBeidene n hopft.irh ^uf 
atirn und Va^, gü^n . Sie bebte, 3ie bebtp vor dena ^luck d itaer 
Stunde, <^ie io viel Schönneit btirg, die so riOh«»^ '.«^eite /»fege 
zeigte. Lianen ^^Äzen Feif=rtß^ var sie auf den rüs^er) und w^ir 
Chüim .iUbiTi na cirj/!;^-(:;ang««, dihisa Hubi'-, clfr ^eele d#« Fe??teß. 
Zum drittin ...al^ hört^ si <^ ilin heute, Am ::or^:ren hstte er die 
bchulKinüer vom 'B4 kor dee iiotelf^ ßuft befrrünpt, und um die 
Mitt t«f33tunda hatte er eine Ar^spracne duf dem rrrosB«! Platz, 
dem «oa:erannten heurnnrkt , p:e }i6l ten • kii e liebte reire bilc.er- 



; 



reiche ooreche voll rarbe und J^lMt , und eB pchien ihr, dfin 
T)i fmand ihn eo «rut bejatteMen könnte wie püe. 

Ale C/i8im Rubin erdete, -rar 8llec etill, /ll^^»»^ hielt 



G 



I 



/ 



/ 



4. 






<i«n Atpm an, k«»iTii» Hard rührte sich. Erat eiLfi «r der ivopf 

hob und «ich zum G»}»»t. wardte, braoii «e aus m.e ein Jub«l- 

eich 
tuna. ;.'üc>i im Bfcnn«» d»»a jj.i*lri;Lwr li «es ij*-lla Lch«=r mecha- 



s 



ninch von <-• i-r i.etv;;^* i-u* dem üaal schiebet). In viem ßclunalen 
KoTvicar vor L^ia j-Mv-^^-v^r bli«b »'i.- eteher . ü« übfrKRm Pi« 
plötzlich df-r Vurerh, inn «^Ir p-c^r ;:orte für eil eis«» Gutt zu 
B8«en, c-f- tr p-ob . ..i^. bpftiger Zugwir.d '-eiite aia ihr lifc-inaea 
Gericht und drf.n. (3ijroh ihre Pü-c-ieer biß pu 1 cii »^ *-rhi tzten 
Glieder. Ii»r B&fa '^rar ot^infiif Ifeer . Letzte i3auni'»«»li«e zÖR^-^r- 
t«n plaudj'rnd. iindlJC/i koni pr iri löutt-x Gepel ]p chaft . I.r sah 
rot und aifger^^t t»uB und wiiechte eich .ni t eirfti; dunkel gerar). 
c'erteri TsOThentucU die «ch^PÜHi^» i^tirr. ,-fllf. bche-r loecate 
einen Schritt auf ihn zu. un d f-r bll tb «tt-hen. .it ein ^^nig 
▼ erleff<^nf-r u«bärdt» etrtoktf- ^i«- Vc-ni di i-- Jiond hin. 



H 



iJh wolltt- Ihn^r-n rur uar.kwn für Ihre «J^itfn, fruten 



^OTte. Sonst richtp/' eefr.te d. *> «^i n f üch . 

jiir freadiRf-r ;^cheir- giriß übtr xtanx sein Gepicht. 

^1 r -. ■ fi '^ k gj ^J: ^-" 
„ 1>l«4^f» 41;/ VK . f : *^ 1 ' , . clT iiiu 5-: liJ^«n clfinkeni' ri .-f ^r. 

aller iiir cer heu ti ^cen Tag. -.r a«t cer ncnün«!^ in 



Ihn en 



n ei p eu. L«» ^' «n . " 



!.'& nn 



zoip; er tief den ]iut vor ihr u^u crir« mit cf« 



finderer w«-'iter . 

Li^ Htarkö r'^r fu(!l^-k»it , vor der ■:}iaira .vacine "Jorte and 
Teten P;etmRen w^rev., v/pckler eire r»u*' froi.e I.ebpn^Btimraun« 



in b*-ilß i;cher. uro sie war inmaacb dafür üB'.kbPr. dn^fe er 
»IB ein Führer der ürtsimaR««« »n dem wilden ..HoVw-^g^^chre i di«»- 
aer Zeit nicht teil^firiaTi, •.•ordern i-^ CeRffnteil j-;1Us dozu tat. 

.-i die lo8K«lfcöBenen Iretinkte zu bändigen. .Vie ein f.r- 
lÖBend^r InU--fVB.ll klc^n/^en ceireKeäffn ireraittc'n dM troetlosen 
Chao«. wO «■s'nia. eis riiÖ3;lich ■»■üllte Bella ocher ^te-ich 
«.nts*,n«n laenen. Venn ei ♦=- ix»t^. da^F er ir.^.-rdwo -»^In .-ürde. 
mechte BJe «ich frei, u^n ihn nicht zj vffeauraer. 

Binifire Tacre n PCh dem Konz«^r t/n ^etina wr ein VarttfV; 



5 . 



I 



» 



mit Diökupsion in dem V^rberd d*^r pr of ef.elor ellan Vereini- 
gungen a riz:#kürdigt . La hl eFta, deßs »ach Chßim Rubin -ein 
ij]rj:-ch«inen zaÄ#«ag:t natte. b**lla i3cher ^vav ur^ter d#nerBtö>n 
Gäeter • Selbst in den vorc^ re^n iieinen waren nur wenige i^Luhl« 
beeetzt. 3i ^ nt^un ir) der /mne defB Rediierti Bchtr-a x- 'i£äJ5z and 
sah zu, ^i» dt-r v/ei.-^B;^,e tünchte einfachp ße?^l ßjcii largeam 
füllte. \/jn i3ek^nrt(>n .^u r niiiic^nä da. i-an i;ib inr t?in Gefühl 
der .iefri edigunf? . K.ie üatte keir'k LubI, dt'n lancruck , den 
(.heim Jtlubin fuV :?if- c^u^übte, zu bcBprec^er. nl^-i k'rnrtf- ihr 
dfcdurch e^was ufenom-'.v^n wercen, vf r^« ihr i:^igf-'nes ^ar • i-.e war 



ein Rflta^mef: Gefüai, übfr das ei 



It 1 1 ochel n mus ?=; le , 



Jj?^ß C}lücjsji»n2eiche^ hi ^r endlich alle pf-re önli euer iJelracVi- 
tun/5;en a bbreciien und i i e /-ait ^ler kHCtmkei t einem darrer, ho/d- 
gängigen Jürgen ,..t^) ^.ciu^t} zu" r-n utü , urr each vüt' c i^ fn»-J)rach8- 
volle AuigBbe p efjtel.lt >*Ptte, c en nriChrten .Ve^, d r^r LreLocnispe 
in v.em BChier unüof^reeiil; j-r en /virrwnrr zu bez^lochren. ür npraii 
mit einen wilcen mu^'otoner i^&tiios, der? t-^ire »^-^erferde Be-n»?- 
a/d"^ «^elft-r lf?.://er) i-.rrae beo-lritete. i^f'-ir-e i^ect ^^v^.r r'uit)4fl*och- 
t «^ von kraefien /vu^rrllr-r iy;e^fn'^ a.'.-^Ti }3ür {^^f-rtura . ier eintönige 
Luriu eeiif-r 'vorte aru cii e .oi^utünie ^^eirt-r hefti-^je»^ Be^'^eiTurfren 
wirkten Bella ijch^r \roiiiVdf die .servon. Lcno^"' ^rh^ankte cje 
zwiRciien der aI» !-;i -viit , ütm Ar.iiia zu ve^'la^^pen and r>m Vunsche, 
Cnaira :lublp wi ei *^rzu r-t^nen , r^lG Eich f'jtr Huf'cn^o « eine beiten- 
tür Öf fnet© ,QCKflt df-r r^-^^artete leiee eintreit unc ?;ich »-^n die 
räcriRte .vand f'.tt^lite, um den Aedn^r niol'it zu etörer. Doch 
die .len^e inirri^-r e i^*-nv/i lli p; ^i e ejr» Kind untrrbrnch "i t iianöe- 
klatRChen den Vur tra/?*, uv; Jhren Iviebling zii becrrü^jaen. Oisim 
Rübin v^-^meip;te eich n^^ u blieb im Hlrt^-r p;rund . T^t alp. der 

« 

ffednf^r zu '.?.nde '«^^ar, ktim er vor . Beine» Äußren Älitl«'t*=r über o' ie 
Ar we 8 Ä) d e n r)i n . fr ^-i arrirae 1 1 c g i «h . ie «^ c hi f^ n f fj«^ t , h\L^^ e ari e 
i'nan, Me die CeaanKfn i hiu Züetrörnten, ^fI o oif* r-i u f p.eirem Ant- 
litz aufleuchteten ard hl r c^uf^^^ranpiteü . l}vö »^r sprach. -Vie ein 
Lichter, cf r oi e w'ierjRCiien in sein ßchönes Ittiantasi t^lsnd führt. 
Und 80 stark wer die Gewalt Reiner Gabe, Cenn :uan ihni Ria aben 



6. 



r 



pX^uter nuB«ite, waa ^r d^ er zahlte von nBhf^nder) fr\xt0v 
Zeiten, und dF» *=»?=? jwnn di<=» harte blutfcg« //i rklic hitfr^ it unter 
d#m WDgenden bluraigen Ge^^^f^be ve^rga»8, dri» r ^r 'db^t sie 



brri tete 



var ev 



Und vTi e irnrier, -xfiiJiFxal le Btill und t^rfulit von 



einer verschämten KünrunK* ^* « ^"^^ ^u Änue war. üb solltew 



noch 



anaerc iit^dner auftret#n, * pr für l.ellr ^rer der Abend 



zu 



End«i. 5ie erhob sieh und (^y^^ hi^eua. .ti.in w eic^er stiller 



Meierabend e.npfing nie ^nui v<^r stärkte ciP btiiamunfjr t^j^}^ voo 
lir^^artun^'- und S©hr«uci]t, ir^ cji e Chaim ilubin r4e j^ebracnt 
hBtta* r;i e Ctraßj^e rrar nen?^ che nleer u^ d urbeli^uOitet , doch 
dpr Voll-aond Mtk ^'^i*^ «*ini^ rieipen^ro B^^e elektrischa Bogen- 
lampe dient über aen hh.aBmrr . ^in Itri enter .i^^d irup; den 



ß 



u^nen i)uft von jucnzien urui ^ l-ger if? v.^ene Töne **ine8 Volks- 



llede« her, da« eire nohe l'adoh**'^ 3 ti mme sang, ija horte 
ßie ellip^ bcihritte. £ie i^eh «ich u-i und erkarnte vor w ei ^ 
t€^Q ^de Silhouette ^hni-i aut^ir nv c^vr Iwn.r^er 'Schalter., der 
auf oen Faijrdamni fiel, -.ei - e n ijaciKX br^i t r nndißen reichen 
Filznut und oi e lBn^,«r f^lf i chufiBsifi; vermehr i l'w«>ner Haare. 
Unwillkürlich beachle uni^ite nie ihrer G^n^, t^ber rr hßtte 
Bie raech eirp-e}u)ll. ..r i^.rüfvrtc öi^ und rt-ichte ihr die 
hend, cd« w^ren J»ie ^ute bekennt ^. ijcKä^x 

Furoiiter i3i f^ «ich niciit, *illein zu ireher:':'' fragte 



er hn fe» j ed e an ü ei e iji ^' f ü hr u r » g • 



tt 



Icn bin ee o frf-'«7Öb^^ t, '' r^rwicerte ei e u^d d^cite: 



wie RelnstverBtHnuliCi.. ur.d einfach euch da« Olück ist. 
a«=iit er neben air h..^r, ^a 9 -frar« ♦ k. die nKtürlichste Sr che 

von der («»lt. - 

Si f knmer! p rr r. ci »^ {^u f d ( n Kf t ns ri n f- r^^r o *» p fk t 
ninaje. di f FchoT-pt.i^ LtrfiPr-c df-r Stadt. Auf r^rr «»irien 3eit 
lag daft in Stein prpfnwfste ->t^rufer unc mf dpr sn er" stan 



dar) p 



rftcJUtvolle vilLetiartiK*- Bauten, cl e in c pr v rhält- 



' nierr.äsBis kl«ln#n ttadt überreschenc wirkten. 



?• 



» 



^Wl# wandelbar dne Glück ist.*» Ra/7.te Bella und 
zei^rte auf die HäuBi^rreiht, ,, J^tzt eind ei^ le^r ixrxi ihre 
Bpsitzer :iuälf«n rieb 1 r <t (:^v> ^j^g j^jr^ überrSllten Eäumeri, ^/iel- 
leiorit eird mancna noch pbdftchlos . Man fl?^t, dp <»« vif^le 
in trüherur da i'arfimiBsen arterpiiebre oht ^|U^ e^?^!^., '^eil 
Bi e BQvm r.irg^^nds rlBtz fi; tfandan ^Ä?i< - 

, ia, *" antwortete Ohaimiiubin, ,J<?tzt «IndMr 
oben puf . Mnn jus 8 rloil ^jyeiter aankari und da« frlüclc p*#- 
nieaaen, aolan^i;*? lan ©a Vi^t . ^iCh , iöL aer Ab^na aciiör)! Dae 
Maar int hfut'?> wi*- ein silberrf-r Spiegel. ::och nie hfiba ich 
tf»8 80 BüJil fci^peiifii , ]lQren oie jiin: c^s fribt keir:«i Laut von 
eich. Icn habe s^-ar vr- r eproCiie r*, noch heutt^ an ein«r Stella 
zu eeir. ,ib- r ich will nicixt . ..jlcii ei*^e 3Cnöne IJacht hat 
ihr Recht und uneere Jui;t«=''''ö ruch. "Voller '^dr nicht rien 
^,u ai ;iinunt fTßs^h^n rdB ci r) a8i=j iiinoe. Ich b^leiti^^ bi e apa- 
ter r> acn HauBe . Volle n Sie V *' 

Ob i\l^ ^»"Olltp! itil*' jb ui e •;5Lch firlf^lcl' ^t^^taf? 
üG}iöner#B an Ra<3r)kf>r> konnte r In rait /^i^i^i Kubir, in i^infr 
wur^dervülif n [aain ^xInt r?ru ia«t?ara e;-tlar.g g;€itietj, ri^n eäaaan 



Duft ü«i.t* Akazien, -i e fm vegrarj(*e ptfnder), f^i^tat^ian und 

aa f d ^R weite^ blBik^ ruiipr(ja VvHSF-eT iiin^iUB scheuen» Sie 

füiilte, ric^ fr cie vi^n u^r caite betrachtete. 

Hfi^ en 
,. itsirieTjr: Li e nicht ^uch deis Gafül'il, sIb ^-ttre n wir 

alte x^r kannte, ur-c- als \«^fere dies Zu*^ BuU uenfjein schon Hia-n^Ta 

vorbereitet:^ 

dellt jcnfrT konnte kaum anU.^orteü. i:^9 war so uner- 
WirteL viel auf einmal, und bcßordtrji dief»efl, da fjß ßi e ihm 
Ä-o nahe etand^ oh^e es zu ahnen. .<ai^ r>i e docii itnraer nur eira 
^or. liurcerten d«^r :,er/T ^ivur ili.r. gawesa» und hfctte nioiit 
mehr von «^ icn jWv»^m-^ r^ i^.i ai» paar .i/orte j^n j^^r-em I^'ach* 
mittag, AI l«r R df^e erfüllte nie mit einem u^ic^e te rr-teis 
Glücksgaf ühl . i-jjer aie ßaRta nur >/»^nig« ßcliliclite .Vorta. 

^,Dai3B ich bi e kanna, iat ricnt eretaunll ch* *Ver 



8. 



kennt bl e nicht In d f»r Stadt? Aller Äußren eind auf Sie 
gericntet. Ab rr annn 3i ^ rnlcn •ciH-'n#n, ist üb err aßch^rdj^ 
Ich bin üoch nur eini^ von Viel#r»** 

^j Pur d«n,dpr kpiv? «» Au<^en het ! " «PTwid^^rtf ^r !<»])- 



I ft 



haft, », ich hab ^ ni^ ??chün lanp:Bt b*^erkt! 

^^7^Hrin d^^n-? ^-:n-)haben .ili^ c3azu Zf»it .crehrbtV*' fröß:te 



8prech«r> , da »^eh«int e*n, dß'^-f? Plle« von Ihni^n ro ^-»^i t ißt, 

ote ß^anz«s» -Vir Idic hücpi t • " 

^,L»öö Istwalirl J5i iet bo , wpirfrH! ich Sprech«. 

Aber in den errs^ten i'.iinuten , da i di noc}i nicht wei^s, wa« 

ich rede^n wi?rae und in d^r letzten, "^Gnr er. vjrüber ist, da 

bin ich frei. iJocn bleiben wir bei Ihnen. Jrzahlpn Sie mir, 

WP^ Sie tun, wir^r Ihre ^-reunde nind, Ich h?^ be ni r manchem Mal 

f^uBzu Dellen veraucrit, ^ae Ihr Leben aup Rehen müsste /• 

IIa erfufir fr, dr.p.c» pj^. Litudentin der »^dizin «^üre, 

« 
r.bt-r Jetzt Ctun de n gäbe, r.t^itC^ern 4fm ^iPtUtti dep Bürger kr icc^^^^ 

von d er Uni v^i^ra itat^stact a bff:eBch>u tten, und dam, ^rl<p hie 

(>n Vat^r früh v-rloren hätte und wip die l.utte-r Tiit zwei 

Kinr. '^rn in dür ft ig;en Vf rhi-ltn is »#r zurackp, er lieben ^vkre^ 

U'-id &Bf^f\> d^r Tod nach ^eric^en Jahren r^uch cen Bruder, 

einen (?,edarker vollen kleinen Jungen, p;eno''amen hätte. Bf^a 

wäre ihr v^rt'ter nartr-r bchm^^rz p;e\Vi'9en. Chaiji Rubin n #i , 

vif dr^r f^chönf» ^einwe Gealniit mit ech^ereta I^irn^Bt ?>uf die 

ailbfrn :^oiii''viTier nden h'Lute-T hinacriaute, u^d pr fühlte, 

dapB d€r ii^^u dri juße rxllich»i'r oor pfloeiKkei t ihrem »»eeeo gcnon 

prer. o!n"nen war. 

Jetzt sind ^«n.r bride allein, die i^lutter und ioli, *• 

i 

fuhr fiie nach einer kleirer Pauae fort. „Ab<^r aie !^lutter 
macht •• mir rieht ecJirfr, dar,s ich ihre ^a^^ze hoiTnuns^ und 
ihr flnzig^r TroBt bin. bi e ist klup: und gut. 1.8 iat aejir 
viel, wenn mar eine gute und klufce . utter hat.** öie sandte 
«ich ihm wieder ganz zu und iu f ihrem ^o^tlitz ^strärilte jetxt 






L'tur.^*^, ,j.r ücJi y^.it ^^tZxCkirr, -aI li" bereit ihr v]f*Blcr/u ^^fit - 

^Üi*^ fjirM-.: u'wCb fio Ip ^vr 'Sprach #r. ^nornrncn v:ii t 
.. i < ^ r ü ^- ^ I- r i V'. ^ r c « . ' f. i r , r-- t^n^' i c: 1 rede, I ch '^<^r d^' ?n f t>i c 



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-ti^r fTrJLf- ..v'jt u*ui ut^irt^- fr^^ifr ut^- 



«r Z<.ut "'iati».% ß:iriger M4> dt-r '^ai?' i nirurtt^r ci r zu c*^v 
ot^Llfc'. rvo i-nr «rsr, i r- 1.1 1- Cim^^p^ 8..-8lier und' Br^ciir; und 



^.uth f'tn.^> hl o^ , '^ -'". ;t» ihrÄ^ in rzt- n ajut ßt i ej;- 



Aciit. ';i { ro ^'t^ri^r nur B<rlt j «*n€r >; ^ r »?: t«»^^ ^-Vü^d vtr- 



frf/i|^fri^ jrü r?g 



.4U rrh^7u:^er» '"et ihr r.;8r z v^ *.€*iyT vor^ ihri, dfx<^'« 



nett, f A\ Hi\Zit{ J'uiirc* ir.r-r 'o( nt intr^-» könner^ ühn^ inn. -.ur *-tw^ 
ÄÄr;i.. ruf-, •rffnn t-r ru.ch ihr rhr.?>tfe. :.i«^' spiitLc^u^ au^'-kc^l ^ime 



vi^rha ItetJt , liii noe-ii rrt-rriC'^ 3€»RitTd«* 



VöldUitlCiH^ 



:,>i&rur*rr ar^u Ipjru^tt» 151 ch an oi t eit-in^ire a^rüetung. i^>r 
4r;u >:rauöelt# ol <> ••jhi r t'i^rU en# i^'lut zu r.l<:lr«>n ''«^ieetcfti 



ic>iaj?a^^.ien .v<^lUn. und A^r HirAT.e.l \^.ä i^ab^fiLeXL dor-nC ^It 




^•F 



10. 



If 



▼lol«ttfj;r»u«fl goXdumränd«rtet> tfollcm , Auf <i«D Berg« im 
"#^»t«>n fl»l zwIb chen tief«r Söhatt«) eingcj^aaler rötlich 
l»uchterd«r Schein, ohne cl.«»* die tonrj « zu B#h»ri wyr Fall 
«•iuarafv p;ekOuiuoü Rchieowri Wmtfrw, \..ixsiu.ol und B*-r^«», und 
voll tiefor Schauwr ^'fr üifc st^ltBeüj*. Bt^rfgliifeit citr Urlur. 
Da fühlte iÄllfc einaa itichtwa £ch].ft| ; uf Oie Ochulttr , 
Cliaim aubii-i ettrö vt^i^av iür uau sah ii*r ine üeeicnt. üt 
üahi-a inr da«! j/rineeider» ivopftuch ao unu rag-t»; Mar kör.rta 
glaabf^^v, Sie r'^': rer d«»tn '^'«pere BvxHiiviz^y:i .li t Ihrer rotblond»© 



Locker) urxi cI^tä 'tftei*,ipeo ü^^eichti" Unc w f r^ri ff f^-efc ihr 



« 



Arm uno zog: »1*9 fort» „•fyoninV'» irsgte sl#. ^, 2u iTiir/' erwi- 
derte er. ^Slf^ elnd dodi -noch TUcnt e io i aL bei juir g*i- 



^pe^ep ••* 



,/^"ollen wir rioht lieber *5inD is<.^ere ««entlang gehen ? 



Sehen öii*, wie ^& heute aua^Bielit •*' 

„JÖc.^ körne fi wir n.^chner. Ion 05 j.? r Ihn er) heute was 
«agen , Bella. Bei .-lir «ind ^?\lr urf^e$tort*" 

i;de 'jin.7en snh i^eigetid • .Öelln fuhltp der» fi-st^r. 
Druck eduee Ar.iiAs ar ihrem iCöVj^f^ra .-..r wohnte In eiror 
i3eberistra£se in einem meieren z 7eistöckigen ILsase. Echlarke 
hellgraue i^k&aiers, «0 bock /via dag liauis«, atandeti davor voll 
wfiffP^r i-iüien. .r lle^^-i B.le nicuit einen /Augenblick frei. 
Er zof^ pii& die Vrep^;e U^auf and 14ut*^te, ividem pt uen 
linken Arm mit der r:ro«.^<«^n Ledernr.e^^pe hob. 

Bella h ante. ^, ICii *<ann ja louten,»* 

AbPt er ^.€:hrte litißiig . ^»IveL», neir, ^s geht ooQh 
euch so, nie öle p,eh<*»*' 

ütr. ^;xo&^.ee hüb>sc:hee Mädchen mit dur^^len Haaret) 
uriddunae« ^iu^en Üä ofm^tc* ,, Jute-Aben d, Lora/' sagte 

Chain Hubin, xj^b äuciif r; üiieb ar der Türe etthen u'-id sah 
Ihnei) nacha 

^Wea hat das SädaieJ^ fragte Bella. .öi€ iat 



/ 

w 

\ • 




^^"^m 



11. 



Bfchr hübach. Wer i «t ei<r?" lir lacht» aif. ^ Pin de» bie? 

fi« ißt cU. • Tjchtrr Cvor A'irtln . Jn, nie ist hübsch," 

Und i-x laclntc \ücdter. ,. Toca « r; neht p.i e ur« en . ronrnwi ßl», 

Br hattf? «?ir freundli dhei* vi'Teckifr^R Ziijjii^r. An 
dpn 'firden hinger» iruoTc#* -i»^'d Photograpjrilan bÄka-nrt^r Blld#» 
und {>t?tu<»n v.n .',cpir, Arto-colnky, un^^ Im Zlrr./iJ*=^r «^^ah es' fiuch 

Hah agon i 00 pha n t fm a awl e ch # n z^/fd Päd e t ^r» an cl daror f>l w 
Tiech, und «-^f cii <*» .r^oi^^p ,rr: »häkelte T laohdoclc» ^•'^f^r eine Va#e 
mit vieeftnbluini^r. (^rf f^t«>llt . 

^loh Imtt«' noch ';fine /:r*it, U-'^ordnan^ su laaohan • 
Ich v»'©r d«D gaozi^r T?»^ ib^r ^^icht ca. Dn^ ^ <rl<t -ü^n , Ich 
hatte e.n bet^ändeil* ci^ Trd<=^nt .3ar Urordna^ife; , ffai^t j;ora immer." 
ir ncii^: ihr oen lian't«?! ab u^d f-riff n f ch ihr^n a.ox>ftuch, 
(? a« ?J r *3ich wlader um. ehund^n hatte. 

,,Kar'\ ich ^riii f «, *» bfeharrt«^ -r . ,. li^rlsuben \:.^% 

docVi, n^^lla.** .r lii^ßjj ^i^ ridi.it eirij-^ Aur:«r. tlick f r© 1 von 

••in<^r J>^rührurc:. |,-Vif ?'Chön ie t doch Ihr Bgar, Bella,** 

rief (?r, p1 8 clie bi^'freite^ rotblonden locV^ti h'^rvorquoller • 

.Uno •'/'i - reiBVJ Ihr^ Pfut iiBit! bl*#«Jrc! ein ri ch t ip.if^c^ •'^^er- 

maaohen , Jnci Ihre AUczen : ^rrau, blfau fiTürjl** I3r «chl*=^uciertr 

daß ivooftach und ( en antel fiuf di« v^ei^.Me. fri pchM*abü*;elte 

PiüU)*d«>ck:e .^eine« Bettfe. „^^ie karrr T.an niar tioV" lacnta 

Balla. ^,Ach ^mi\\^^ crriG>rte OT .' ,, Jetzt ko^«^.- r n cif?i*' Jnd er 

ZOK ii* ^öuf daa weiche rot^ MahiP -oriftoulie . -r v«:^ti;te 8 ich 

dicht dabei und l<*-tf: de.n Arm \m aie» Li«' vjf.hrte ©ich 

mit ein<iT iei oen üev'*i6;ur ft*. ,,!.«•••» üie- Cuchl ^/C'.Tuiu't wollen 
Sie nicht, UellB?** bat er, ^M^n riuer rieht f!:l^i ch «o, Rubin, 




le. 



I 

> 



I 



bitt« T)icht.» ^*aTur;i J«TJr. tilo?it, Bftlla?" f^rwidprte «^r mit 
Itisem Vormirf. „Haet Lu mich d«sr! nj cht H^b?" „Mu»« nan 

gli'ioh dawiit Pnfanfew., nitt*», nubir, noch niolit,»' -'V^rr 
Sl» rjicht wolleo, b«lla, dam «•wl«!«r? nlc'it," -.tfrtp «-t 
etvasi icjereizt , .-.r -^rhob sich und cotzt<* -rieh ?uf -'«r) i^Scb- 
•t«9 I#ir«tu/il. oie wiir hepoharrt , Sie kar, sich ur^Jicl^nk 
ur d kit dl Hch vor, ,Hub.lr, lieber," bßt *5l ^ reich urd er- 
grilf ctiri« hanü. „ V c«r ^ t * n^r ßi» mich coöüS.iftr L i e nicht 
bÄs^ Puf mitti.« l;6 Bfttzte tr sich iri«d«>r 2u ihr urd u'afa.T^t» 
8if . tPln heisprr /-.Utk le/ar auf ihrera Cf ficht. .i.ch. 1 t^i 
eahn* m ch r)acn Lir, i;ella. 'A'aruTT tuet i-u rar «o? Wes ist 
••? wir alm3 doch b«id» 'v.?it von »It^n danTifn Vorartfri l«»n?» 



rz 



^Äcn, ilubl?^, Iieb»r, •■ i«t doch kein Vorirt«ll. Se i^t i'« 
wae atjderfe, 'Varara vipr5t«=^hen 3i« n-.ich nicht?" 

Ach, elp lieht« ihn. Vern er nur wür ' e, -"ie ai« 
ihn ;iebt#. iiber dw Llv^«.. de? Letzt«, das konnte fl«? ihii 
noch T!iGr>t ^(^y»T. . .ücki «wr siw ^irht reif dazu. Mti t- ^U' kl« 
UTJprklärliche iis;r'v Iäk;«'] t hl .=.11. sie vor diprem "ptztsr zurück, 
d»p, ihr vorkejfj wi« da« ^. ^er, ^^«nr pr gturrut« und hrm^^te, 
rcR«»loc, cierig, grauaig ir> {-«iriftr G*walt. 

„Ball«, Teuere, rieh, riv.i(.fcjid hat He.f.r*', -"-ip x.\x, 
glanaencip, p.olülvlorö« üppisce »-eil«»-« . Is^fe 4« mich «trei- 



cheln, l;-;3a ei e mich streicheln. Kleiaar^, 

tiffp rcn i : e TT) d e .* chfe üaugan . Lrcie irl ch TJ«ire Au/r«?Ti Iru«.- 



hst An«? er) , •«ae Iha , 



gen, Bfi'Ue. Ür; d w^-r hnt f4 no-^ ' ;ind viri« Lu -il t eii^^r -^u^efln 
8chwell«?nöe») hlM'«*n Un t er 1 i pp« . Lr.".« ruich trinken •^i:)r\ IM- 
p«in ■ und», Bella, lasft nioh trit>k€r. ■ iamend hat Gl: edpr ^^ie 
Du. «^elsRe fair«, keuf^ch« " äc ch«? r- tri i ed 6 r , laue sl« rv-ich fcp- 
8*P , Bella, Isp: rie nlch fw-^r-r!* 

Sie hie0.t Htill, und «r }<ÜBat« -ilt v«rp«fr.r:f-r''er 
Glut ihre Ha»r«, inre AuR«r: utid ihren ivu'id, und r-r umf aaste 
ihr«« g«>z«n Körper und nresite ihn ^n aich. Da machte ei* 
alob frei u'j d 1» es a ich vor ilun ruf di« Knie« nieder und 



i^^W^ 



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\2 



13. 



fleht«. „Läse uir Zeit, Lieber, dssp ioh *8 Dir g»b« mit 
freiwi v/illeii und voller 3««l« • Läse unjc^r« Iiö:)e «o schön 
bl«ib«n, ^tio iJu scjfijtt aas Leuen a . ^naff^n r-^illst* tielB*» 
mir nicht zu frua .;i*:>ira ülatttr vom Baum^. Sierj^ wa« ioii It) 
mir tragn, ißt (jocn r.aoh Liebo, starke Li f be , die in rair 
wftc/iat, ^rf,o ^in Saun :riit t?«* f#n -Vir z^^^ln und festem StSiTtm* 
LasB unnerr* lieb o bo rmin biaibap, wi^ j^^ Trauaia uöÖ 
jarm a«hneuc..t, Ji e i>u oclbf^r in üae oe^ler gd.«*gt nagt. 
Werde L i r nf^^lbf^t rieht zu;r ;-iauber, Siiaim üubit)!*' ChBim 
Rubii^ ab»rr be^Krii'f üioht, umwft«> «li t bat, co angawach^er) 



war 0#iD# ülut ! 



t Chi er iji:ii, als eei da doch nur «•Ir» 



Rest eiter f':e zaohtetor i^ilfichrr AT:^':€hr, urd im Zuge den 
hipA^ti f^if^rjt^mB piaubtc tr r.u cn ^it^ riecht zu h«^/o«?n^ dla» 
rife^d<-r2.urei ßßarj . .Lu liabat.uJch Tiicut , iiella. -,i(-i)t so, 
wie ic^i will. Lrü if;t mt>. i cnt il'pir« 31&tt«fT urd .olüte?) 
«Pill ich idr rauben," ^.af^:te 6^x mit mühBanam Atam» ^.Ji*na 
8chli n gpilfcn »r-r» , di# 73airi«r) j^ßu/n uinra« k«fr, j «rie paraaltan 
vor) f^nlaohati :i>»ö iinlvtc^ , cüa ihn ri v^ht wpch^an lesr^rn /roch-- 
te ich ^.ohl 7.0rRtBrf'/r • ux^nk (Jooü, vrasr int up»er Xebi»r>, 
B^llaf Hi?nitr l^b en t^rl .*/.^'^: -vIf rurr ^^dr, w?:.p :notr;rn i^t. 



Urc jl)^aY** 



]',r ^-^'arb -pitcr, ^^ r zo.or rj 9 ^u J»ich fiirauf urd 



l:#lf:t^ ?iT ch dv^>>i ^41bet vor ihr auf c ie Kniet ni€dOT und 
vergrub seir Getiinnt in ihrep lUiOdtr • j'^in w«Jie« Gefühl 
erfarrit«? ^1#, data» **r *?ii f^ nicht b^^^rreliCn wollt»---. :Si e fe»rt- 
zog ih.r. ihra Karde, 'c^xi^^ckte l/rr AnV.i'It;^ utnJ vvair^t«». D??h 
brach seir/e Sti-mnurß uro rr rMichtei te ihr), .^r cTiiob r, ich 
ur»d triit von ihr fort, ^ .ia I;u vdllrt, lialla L>.:;rh^, mit 
a«»wolt r^r-h:ria ich^ichtn vo^ Dir.'* :.Oin oo'rrr>ehTev fVtntBvd 



Zrr 



iechan ihni?n . Alr^- p.i''> rubi^'^f-r ^♦^lr^<-•', Ftondi^ella aii* , 



Ifegftii wi tx3f r r-eina Harda urd r^rgta: „Uubin, LI Aer, laso 
mioh jetzt zu .cdnrr A.uttf^r fiiik^Bv . Bai der Muttrr i €^t ae 

% 

•tili u'^d ttut rieh zu ••i.wieln. J*«pi» ich mit mir fwtife bin, 
will ich Dich rufan. ITur auf frinno Te« koiTni* dann zu mir 



■M 



^^•^^^•^^mm'^mmmt 



14. 



dehiu. S1t)#« Tag wirst Du wir doch «ch«nke» könocTj , w«rn 
Ich rir vevt bir." i:r PTrtwort^tc »-rst nicht and sah irit 
•vwfcditya«m Groll vci. inr fort; ri» er nh<»r drr bitt er diw 
Ötiinin« rechf-ab unO nl ch ihr lorfrenm rl •d<»r ruwtmoet«' und^fch 
in ihrpr jungen urbc-rührtp''^ Sohönh*»! t, *• »hntf» « iha von 
d«r» Ko et Y) arkw t «n , oi« (^s noch ur «rsrhlafiW ir c er Ti«fe 
ipßW und g*^w«ihtt^r H-Aifd» b-^durn««, u^n f?i# zu h<>b#n. Wl.#- ' 
der }jinf;r«Tl^n<?r nihlt«? er, daf"» p1* Pilfor Opf<^r -ufftTt war , 
und er rief: ylch irf.röf* kou-nen. w»«« Du rufst., Bella!" 

B»llft FCljrer war im 1c1p< "■«ni Ort bei i5^r ''uttfr. 
I;i? Frau hatte itn ihm- T,€iäeT' *ir rcichPf? ' .ft«« an Letene- 
f7©la.t}f!it ^rBe.mTflt. >.:fri ihr ^ev für Bell« Ifu/ner ©ir fjiut»« 
Aueruhor; vor Pä^airr-l irc^^ urd Vudie'ki'iter .ir.ö eir rute» Wsch- 
rpr für rsua Annpr -iOiP. 0»t:;t r-wc B«llf?=i --rpr^ft- •^>Rpr ruf . 
•ftv Ziel g<?richt«'t: dro wer ».yiaim Hubin. Ir der Ferne 
yt^rior ?ielrj i-iilä c. ie r\j nkl»r , sie raf.rch'npl bernp-<'tir!:p '1'1<»d 
Fl*»olc«ri. Sie v.-r"i'--'chtpr, et icli für ow Blick ir d»r Ühotf^T- 
rung, u"d nur dn«? ;:)tr?'Jaie-.'!(It? r«'lr,r'r i rechftir'unR blieb lectn- 
dlg. .;". c-tchTicd ö^^r Z-jv^if*! uro dce Zfift«r, cl© f-u f dem 
Gru'id# Ihrer becl^» f'«=F.#efc*T3 urd da« frei« Hinfli««'ee« ih- 



r er> G c- 



£ a' 



fderrift htttfrii. öi«^- "«•uto» vii^ ein Kernte* im 



fTÜhllrg, öfüv roy nlltrv. k;«^iti»r, Bxxf eTl«n suel Im rauwh«nd, 
plktechf-rrd mt klir-frcnd, rmrcn Ceröll und ouroh I*i ckicht 
j>ich rfr-d« ^lUififfend, übfr »brohÜKei ge '"ndf f ich überetür- 
zfrä, "•■•Bstr 2urii©ae»n, dese er volJ wird bir an dsr land 
und üb-r?r:iuflie'='"<f'n . r oiit . ^0.1 cn Pin aerpe**^ -.«rurd«^ B«lla 
ßchPT . aic' blüht* zue»Ji#TyU ^.uf i-' dl-^een stillen ßon^r.er- 
tft^n bei der ...ati^r. Ihr« '««M« rötetflr flloh, ihrp B^i «st 
hob f^ich u-^d upv'lsiiT wurden iür*^ Hüftan. ®g ßohierr, als 
würd«? «Jle nrrö«r»r und «tSirkf-r. Mfao könnt« di» Muttor, citfrao 
Klugheit aüt<» »'sr, och eagen , nach eo viel Gutem und 
U»bergut«W!, pu« dem (iie Toohtrr dieO^'Rtelt Ghs i m Rub Ars 



lö. 






aufbaut» 1» „Malt) klnd, »s lit •in » chirerar ««g mit »iBto, 
der 80 höh« W«ge ^«iA. I«t f» Götter, Wille und zi öit 
aJ«in Hsra/T'^ fei nrln : -■• :en mit Dir." 



B«He «»»tztf »ich hlr urd ? ohrl »b ihm «»ln#r> Brip f . 
In cieaen Bri#f IftPtt« ?«i e <^pn nr^wormerp #r Frieden IhTK r n#r- 
a«n» um den Ku f der, iutt.er. är hatte nur '«»nls Worlf>. 
^Kurarii, koxTim aa nir. ftlr «»r-^er t •-. Ole- , lieber, Guterl" 

Sie Trert«»tf> u-iö jod^ T»«?, df-r «^ 1« Kelr-^r G«((9»n- 
■?Ärt nan^r 'oraohte. li*^s tisfer xird. tl?'f.=r in ihrer Seele 
die i7WEzel'' inrer Lieb« greifen Si? wsTtt^tf - bip das Wer- 
ten ßftapannt ^mrde. uric^ i'^ C' ■ art f»^ V'i.-«^in wie ein Ulitz 
der fciir ecl£l.lche ij»dar-.]fe pchlv»? : „i.«s i frt, de wue. Ka iet 
vi«iLl«lc;it ua«or0t, da^s .ixk mrt'^^js^." »s b äcam } fll& Scher 
wl*der ein weieeen ü<?f-iciit , und nie vBp-tf fr errichte. 5le 
psckte Ihre r,f«hs>n ein. i^ucK die J'uttrr sagt« nicht ß. Utsd 
sie fuhr ?.\tirück zu ihm ir 6i e^ Stedt. Sie le^te im Zi :t'. er , 
das ßie be ihe]iPlter ripttf, ihvp GF-cJr^en tb, machte sich 3u- 
»echt und b««;feb «ich zu Gneim Rublr fLspR«! b* ^roT.nc junj^e 
•ilädchen -lit 0<?r, du-'ki.p'^ Hepr ar IIp ör ^i e ein, undr-i? sah, 
vriv eine tieiV Bc-Rtürzung sich uns-r-eideutlg auf ihrpre Ge- 
richt ;i\alt« . Uno puf bell'« Fracre, ob Ghal-n Rubin zu Hauge 
«tre, ffitwort.ete c ie «onderbET urricher. d^ßsa pie o« nicht 
-Isiß«- urü f' rst nachRehen müen© . I"' der afrspan-^'thfl t und 
UngewiHiüi<'it. i'* der jiflla pich bef&-nd. r.ohion '^f ihr,dase 
dae Li^dciiau *.-oo1üü li^'i: rorr.li^b, unri wie si ^ s;if Ihr 
Koiiraen hi-h*r ohte , hbrtä «i« ei .len Stirmnf>n*Teohwel, ri*T an- 

« 

wiinho, Si*? erkwinte xUüiim» töner d« otliwi», di p wie be- 
schul oh tif;end klang. AI« do;-- . ..ctiÄT endlich wi «"d^rknm, hatte 
ee ein sr«röt<»t <?«? und aregt^sr GeBicVit. B*'!!'? ^chpr/ zö- 



ß 



*rt»' «vinen ^p:frnbliok, -1 e aj-inte: hier wsr rar. 1ioc pie 
Buchte «!'■-' i chpaji .ihr« Lraft dafür zu »3S.r;u»ieln , AIr pIp öi 





16. 



v.*' 



Tür Sffnttt, »tnnd Chalm Kubin nufßf^ricii t»t in d «r Mitte 
dmm Zimm«r«, ^l<ri»iner, dc^r aln^vi An «rfcunn auazunaltan ^JLt t 
^Gute-n x6|/,.8ella öoh^r/* «?»{?: tr .- r r:J.t eii^er lcaLt<?ii, rmüarrr 
btimm«» bellR fühlt«?, -i» i}ir riat^ /:lut ui^Ui cIIüi^rwi L3 ic k 
£u :i)i » ff-^fror . «t^r 4*j r^«^ Auirenb3.tck la'C D; . n i^riüllte -ie 
wi e d<=» r die Ol ut 1 >jr f - » i^^fr f^wp oh a 6t. pt C <? i'ühl it • 

^Chalr,*' rir-f tii^ u^-^ö etr^-'ckt^ iJri;« cU e Hera mit 
einer ^ ah. m ^rzvo IT i?n iw^hH-rcie hin, «taff^ wß.s liat de« allrß zu 
bedeuten? vVarurn Ini^t 'i\t ricVrt .^eko^i' ^r.«? Ich .ja ab« so fi^hr auf 
lAch gc'wei*! «rt . *• 

JSr zucVtp '-oam mei i<:lich ;iu^Pmr.i«n u/^n <T(::lei c>at€i 
laicht bf-i clevrem /J^gviff v«^rhel teurer l.iefce u*>d wih-r i.,nt- 
tauß o hiing , j. I cY^ k er> n ai «? 6fr fv-^rne r i cn t 1 1 ^b © \'\ •* ^^ agt e er , 
jede« .Vort b#tor>rnd urr riohtrt^ fach ^ ed^t giirip.de auf, abrnr 
selrj Xilick hf?ttf pchur» dit- frunfra Y^^uti/T^kk^] t verloren u\6 

« 

irrte vor ihr fort • », Ich hP.Vtf» lAcn p^eoftn'^" , hitr iie»i n zu 
s«ip» lA;i bi*»t fortfrpfaVirer! , Ja P 

,, Un d ii 9m Ti äa oi-i p ;^ hi e r i ha n .» ä ^'ch^rt n V '* Tr a/:? t p :b ^1 la 
mi l •' rl scheu er ;;:2tin jc , 



^, D?^a :.jädch#yi i rt -«?in«^ 3r?^ut>** ^:6|>:te «-r f jch f^.^t 



tcnloß . 



3#lla i;;^cher ^iütr.tp Ri oh eohwfv At b^ioen H:i^:ueii 



• j:» j^ 



tuf c.(?n iiüokwn Qfs rote-* T^::'^«turilei?5 , dnir? r:rif 



/•v VI € 



ach 



ihreni üerzep» .^.:ir€^ otili^ richt<>tf^ uich /. rlifichen lht)f»r auf, 

f^o tifc^.f, d «ci i^ü 8Ghl#T^, al» hör« m«n d.a^ i\lopf«n irii^i 
Horze-n, C'aal^ '.a-ji^i vfrlor r-... ch imTn^-r m?*hr . Umicrier teh (-r 
nach iiir ni-i . 

,, Dar? n kar< n 1 cJi f !:ehi=m , *' ;; mi: t ^^ f j p ' iih rmm , ^ri«^ p'# - 
brocheo and ^«mndte »i dli «chw^r f^ 11 g d* r Yiirr ;:u. i.ber wi# 
8i^* nchOD di ^ kll^ 3s:e in c?pr Kf>ra" hattr, um dcu?. Ccliloi^R auC- 



17. 




zuaräcken, de ttürüte fr zu ihr ixin. ,B«lle," rief tr angst- 
voll rit »ln«n l^al. „Geh eo nicat forti" 6i • blieb st»Jri«TJ, 

:, •. will'^t r;a roo^ vor- -riirV" frs«tc- si t. „Bellii, ^eb uictit 
fortl,," 'ri.*derholl«^ tr . 5.t fiel vor liu- tuf di» Ki'iefe tiö- 
ö«r. „loh lifcbe öüch nur i^iol*. i-ux üfaß isl wciul -•-*> i i>t dooh 
«ur, w«ii xAi foTi.P.ir:,^«t und ich rieht g»glaibt Habe, üasa Du 
id«d«>rk.OTrT,«>n >.v;;rdMt. IcVi war vorletzt, ioii »^ wantisinnig. 



WS.? -^ei't?? ich, 'ifsr^ ich war. ich 11 »»i# docli our _icn! 



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r,f8UBrte ihre .Lrie*' u'^fi )iü.?«t» ihre lost her- 



•l,.Via.««p nd«i Härde. «i«' w»hrt* Iure nicht, ^ie ^Uwa ^:«fuhl- 
loP 6:^, '«l«? Fus titeir. ^r ^vr.ob aicti. le/?te- -r-inen j^t]}: um 
81« u«i ZOT pie er» eich. Unc -i^ fi» ••iner^ irieis.en At*ffi 
füiat» unc ci.^- vif-dtT crwac/ifti-me Gier rttch ihrer iiaar©:' , 
ihrer ncier., aa ©Ti;t ni:-.c'.tf> ?ie fi-ch ir«i . öie schob ihtJ 
l^ngcam fort utna fuhr nich daoo ,ait Q«<r rtand über cüe L^tirn, 
al« rüset* si« ai cii v .v i^t^ m^ütii gm , v bh ö rr. fcll^s wäre. 
urä WRÄ •« bedsutete. .r -riff vieo^r nach ihrer Hs'^d.afee-r 
el^. rrtzoft sie inn hsetlg. ,,He3t Vu kei - H,rt für uichV« 
fr^tf^ »r vors^irrEVüLl. fcJi*» sah ihr rr«wi ar • ^^^ i'=» ^t^" 
v^iderte «ie. J-C^i ^'-ei^'- r'ici.t. ^&a i cn rjdh Hö;;i*.r. ©oll. Laso 
nich «ßher.- „BelU." rif'f «-*» '=r wieder tö^^-Vd. er erhöbe 
er «ich aus ?;6iutr iiUtloeigkfeit . „LI «b* iv^«vi v^r^eirir-, 

. ^ -4.4- ' 1 V f<»4 -»■i r'A nim r«^li «^1 1 1 " bS 8 ßh sle 

liebe iot a;roa8mutlg. vu .aeei :V.ica rxm *,«*xi «-<»-■ 
Ihn asTtiit eit»m bliolt :no voll wrh*-^ii icn.ntrz«-?. csn.^ er 
•tili «urde. ,.-bt.r v rririfater kenr Mi«»» dooh," »Mfte rr lase. 
V^rzeihnil*»' wx fci«-r.nolte «!•, ^we« i«t v.tzeiheri. =^as 

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kommt QHTfiuf «r/r -.S' ist ao weh, ,oa«B ich v.r..«i.hen Iconct«. 
* er e» würde ÄAduxch »rieht c.» s i--.fr r . " 

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DAS SILBERHEHORHCHEH 



M&rchen Ton Cl^re Hlchelsen. 



Was für Hörnchen hatte Hana in seinem Leben nicht schon gegessen! 

^ ■ • 

Aus einfachem Mehlteig gebaclcene, aus Butterteig gehackene, gefüllte 
und ungefüllte. Eines Abends erblickte er am Himmel das silberne Mond- 

hSmchen und rief: 

" Oh das schöne HSmchen! Wie gut muss es schmecken! Ich will es unbedingt 

rersuchen!" 

Aber ein Ding wünschen und es haben ist zweierlei. Wie das silberne Hörn- 
chen TOm Himmel herunterholen? 

Hans dachte nur noch daran. Er überlegte hin und her» wie das wohl am 
besten zu machen wSre Tind wie hoch es denn überhaupt hinge. 
Eines Tages fasste er den Entschluss gleich bei Beginn des Sonnenimtergangs 
auf den höchsten Kirchturm zu klettena, den es in der Stadt gab. Man nannte 
die Kirche das Münster, und Hans glaubte, man hStte ihr den besondem Ha- 
men gegeben, weil ihr Turm wie ein gut zugespitzter Bleistift aussah, mit 
dem sie Geschichten an den Himmel schreiben konnte. Und die Kirche hatte 
so Tiele Geschichten. Überall sassen sie: an den Fenstern, über den Tür- 
bogen, in den Hischen» Wohin man nur guckte, sass eine Geschichte. Und es 
schien ihm, dass es angenehm und lustig sein müsste an ihnen emporzuklet- 
tem. An den Zacken und Vorsprüngen würde er sich halten und den zahllosen 
MSnnlein und Weiblein sich auf den Sohoss oder Kopf setzen. Auch das Selt- 
same Getier, das in den Winkeln und an den Rändern hauste, wollte er zum 

Ausruhen benützen. 

Kaum schimmerte das Abendrot am Saum einer Wolke und erschien das silberne 

Hörnchen als dünner Hebelflecken am blassen Himmel, da begann Hans seinen 



— '^ — 



Aufstieg. Aber ach! so einfach, wie er sichre gedacht , v/ar es lange nichts 
Bald reichte sein Arm nicht bis zur nächsten Zacke, bald war das Bein zu 
kurz, und nur mit der allergr^ssten Voreioht ging es Torwarts, denn gar zu 
leicht konnte er herunterpurzeln. 

Er war erstaunt, wie gross alles war. Unten hStte er gewettet, der scharf- 
nSsige, in ein Tuch gehüllte Geier wÄre höchstens so gross wie sein Teddy- 
bÄr und der ziegenbÄrtige Teufel, der vom SBller auf die Stadt hinabgrinste, 
nur halb so gross wie er selbst. Aber nein, riesig war alles ringsumher* 
Er steckte seine Hand zwischen die entblSssten ZShne eines lachenden LSwen, 
hielt sich an ihnen fest \ind schaute erstaunt nach unten und nach oben. In 
solcher H&he^ahen die Geschichten ganz anders aus. Es war alles noch Tiel 
aufregender. In den Winkeln lauerten Gesichte. BlÄtter verschnörkelten sich 
zu Schnecken, und Sohnecken hatten Affenk^pf-^e. Er entdeckte unweit eine 
halbgeöffnete Lilienblüte« Parinnen sassen zwei liebliche MSgdelein« In der 

•t 

Blüte wSre noch reichlich Platz für ihn gewesen. Aber er hatte keine Zeit. 
Das silberne Hörnchen schwebte schon in Tollem Glänze über dem Münster- 

turm. 

So schnell er nur konnte, kletterte Hans in die H^he, rorbei an gekrönten 
Königen, Torbei an sanften Jungfrauen, Torbei an Ungeheuern mit Menschenge-. 
sichtem, rorbei, vorbei an allen Geschichten und Scherzen, Er hatte nur 
eines im Sinn; weiterzukommen \ind das silberne iiornchen nicht zu rersaumen. 
Endlich war er beim Turm, der ihm wie eine sch'öne Bleistiftspitze Torge- 
kommen war. Auch er war da oben ganz anders. Er war wie aus mSchtigem stei- 
nernem Sp-'itzenstoff gemacht* Leicht war hier die Hand anzusetzen und daa 
Bein zu stellen, und flink ging es nun dem goldenen Kreuze zu, in das der 
Turm auslief. 
Und da war er nun! Fest umschlang er das goldene Kreuz mit dem linken Arm 



- 3 - 

... . ♦ 

tmd die freie Rechte streckte sich Dach dem silbernen Hörnchen eus« Gleich 
wird er es baten! Gleich wird er es schmecken, das schönste Hörnchen ron 
der Welt! 

Aber ach! die Hand fasst nichtso Wo ist das silberne Hörnchen und wo sind 
die Fingerspitzen? 

Hans mochte sich recken und strecken so riel er wollte, weit, unendlich weit 
strahlte am blausammtenen Kachthimmel das silberne Hörnchen, und Millionen 
Ton Sternen flimmerten, blinkten, glitzerten und lachten wohl Ober das 
Hanschen« 

Hichts blieb ihm übrig, als hinabzuklettem vorsichtig ron Zacke zu Zacke, 
dem Getier auf den Kopf steigend, die sanften Jungfrauen umarmend, sich an 
der Krone der Könige haltend, bis zur halbgeöffneten LilienblGte, worin die 
beiden lieblichen Mägdelein sassen* Sein Missgeschick wollte er ihnen kla- 
gen» Jetzt hatte er es nicht mehr eilig* Er konnte sich ruhig zu ihnen in 
die Blüte setzen. Aber die Mägdelein blieben stumm und unbeweglich* Sie 
wandten den Blick nicht nach ihm* Sie schienen zu sehr mit ihrer eigenen 
(Jeschichte beschäftigt zu sein« Alle waren sie mit ihrer eigenen Geschichte 
beschäftigt« Selbst die freundliche Frau, die ein Kindlein auf dem Arm hielt 
und so unendlich gütig lächelte, schaute nicht nach ihm hin und schaute nur 
ihr Kindlein an# Niemand in dieser steinernen Welt hatte Auge und Ohr für 
Hgnschen und wollte Rat erteilen, wie das silberne Hörnchen zu erreichen 
wSre« Er sass eine Weile auf dem langgestreckten Rücken eines Regentraufen^ 
tieres und sah sehnsüchtig dem silbernen Hörnchen nach, wie es hinter einer 
Wolke Terschwand* Dann kletterte er nach unten und eilte nach Hause. 
Müde und enttauscht ging er zu Bett* Aber das silberne Hörnchen liess ihm 
keine Ruhe« Er musste es haben. Und wieder begann er hin und her zu denken, 
wie er es erreichen könnte. 
Da fiel ihm ein; stand nicht der Berg ror der Stadt, der hohe Berg, der 



- 4 - 
Blaueneteln? Er war sicher htiher als des Münster, und rom Berggipfel aus 
würde das silberne Hörnchen wohl zu fassen sein* Und Hans beschloss gleich , 
sich am nächsten Tage auf den Blauenstein zu "begeben. 

Kaum war er wach, da sprang er aus dem Bett und machte sich für den Weg 
fertig« Zog ITagelschuhe an, schnallte einen Rucksaclc auf den Rücken, rer^ 
gass auch einen spitzen Hammer nicht, nahm einen Bergstock in die Hand und 
begab sich auf die Wanderschaft* 

Anfangs ging es sich bequem und leicht» ein guter breiter Weg führte durch 
Kadelwald und die Luft war frisch und würzig# Dann kamen Wiesenwege» Sie 

iiraren schmaler« Im losen Sand lagen kantige Steine. Doch es starte ihn nicht, 

» * •• 

Er schritt TorwÄrts, holte tüchtig mit den Beinen aus« Dann waren auch die 
Wiesenwege zu Ende, und Brachland lag vor ihm mit dürren armseligen Gra* 
sem« Und zuletzt gab es nur Steine« Steine und Steine« Da waren rlesiggros- 
se, von Wind und Wetter glattpolierte und scharfkantig geborstene« Regel- 
los häuften sie sich übereinander« Es wurde schwierig weiterzukommen« Mit 
seinem spitzen HSmmerlein machte er sich Stufen zurecht, so gut er konnte. 
Die Hände taten ihm bald weh« Sie waren noch klein und dünn, und die Steine 
waren uralt und hart* Allein Hgnechen liess den Mut nicht sinken« 
Die Sonne neigte sich allmählich zum Tal hinunter, und der Himmel wurde 
blassblau mit violettem Schimmer« Das wohlbekannte Hebelfleckchen trat her- 
vor« 

Bald wird es herrlich leuchten, und er muss rechtzeitig auf dem Gipfel ste- 
hen, um es zu fassen« 

Mit verdoppelter Kraft arbeitete er sich an den Steinen immer höher empor. 
Oft dachte er: - Ich bin schon angelangt« - Da sah er , wie hundert Schrit- 
te weiter sich schon wieder Steine übereinander türmten. Und von neuem 
musste er sich seinen Weg mit dem HSmmerchen bahnen, Stufen ausklopfen und 
sich furchtbar dabei abmühen« 






Aber das Hebelfleckchen wurde dichter, weisser, strahlender, und wenn er es 
anschaute, schwand alle Müdigkeit. 

Indlich wer er angelangt. Keine h^her gelagerten Steine waren mehr zu sehen. 
Er stand auf dem hlSchsten. Sein Kttrper zitterte noch Tor Anspannung, als er 
schon die Finger nach dem geliebten silbernen Hörnchen ausstreckte. 
Dieses Mal wird er es haben. So hoch ist er! Giebt es etwas Höheres in|ler 

Welt als den Blauensteln? 

Er stellte sich auf die Zehenspitzen« Aber oh weh! Wo waren die zuckenden 

Finger und wo war das silberne Hörnchen? Bitter enttauscht starrte er 

empor. Unerreichbar strahlte es Über ihm. 

Er liess den Arm sinken. Umsonst war wieder alle Muhe. Mit dem Münster 

reichte es nicht und mit dem Blauenstein reicht es auch nicht. Aber er 

muss das silberne HBmchen haben I 

Spate Bacht war es, als er heimkam. Und wieder fand er keine Ruhe. Er 

dachte und dachte, ob es denn doch nicht noch Höheres gSbe als das Mün- 

ster und den Blauenstein. Er dachte die ganze Stadt durch und die Umgegend, 

so weit er sie kannte. Doch er fand nichts, so sehr er seinen Kopf abmühte. 

Da kam ihm ein neuer glänzender Einfall. Er wird selbst einen Turm bauen 

hinan bis zum silbernen Hörnchen. Hichts anderes wird er mehr tun, kein 

Spiel mehr spielen, keinen Spaziergang machen, solange der Turm nicht fer- 

tig ist und er das silberne Hörnchen nicht aus dem Himmel herausgehoben 

hat. 

Hinter dem Haus war ein freier Platz zum Holzabladen* Den konnte er Jetzt 

gut zu seinem Turmbau benutzen. An Baumaterial mangelte es nicht. Was lag 
da nicht alles herum? Klötze, leere Flaschen, alte Blechbüchsen, zerbro- 
ohene Ziegelsteine* Hurtig trug er diese Dinge zusammen, und als ein mich- 
tiger Haufen dalgg, begann er seinen Turm zu bauen. 
Oh, war das eine lustige Arbeit eines ins andere zu fügen! Wie schnell 



. 6 - 



wuchs der Turm! Bald war er so gross wie das Hanschen seihst. Bald musste 
das Hinsehen einen Stuhl holen, weil seine Arme nicht reichten, und lald 
musste der Küchentisch herbeigeschleppt werden, weil der Stuhl zu niedrig 
geworden war» Endlich musste gar der Stuhl axif den Tisch gestellt werden ♦ 
Oh Münster! Oh Blauenstein! Wie lange noch und HSnschens Turm überragt 
euch allebeide! 

Schliesslich musste er Tisch und Stuhl beiseite schieben und eine Leiter 
anlegen« War da das Hinsehen stolz! 

Unterdessen ging der Tag zur Heige und strahlender denn Je erschien das 
silberne Hörnchen zwischen blutroten tkm .Wol]cen# Es war Zeit Feierabend 
zu machen« Morgen in aller Frühe wollte er das Werk fortsetzen« Aber Torher 
hStte er noch gern gewusst, wieriel es bis zum silbernen Hörnchen fehlte« 
Vorsichtig stieg er von der Leiter auf den Turm und hob die Hand dem Mond- 
hSrnchen entgegen. 

V 

Er stellt sich a\if ein Bein, er stellt sich aufs andere Bein* Er rectt und 
streckt sich, so hoch er kann, bis plötzlich der ganze Turm ins Wanken ge- 

* « 

rat und Hanschen zusammen mit Glasscherben, Steinen und leeren Blechbüchsen 

zur Erde fliegt. 

Da liegt er mit zerschundenen Armen und Beinen, mit Beulen auf Stirn und 

Hinterkopf, und in lieblicher Schönheit schwebt über ihm am sternklaren 

Haohthimmel das silberne Hörnchen« 

Mit schmerzenden Gliedern ging Hans ins Haus« Nun half kein Hin-und Herden- 

ken mehr» Kein Mittel war mehr zu ersinnen« Dicke TrSnen rollten ihm über 

die Backen« Soll er nie das silberne Hörnchen kosten? 

Tieftraurig legte er sich schlafen« 

Da nähert sich ihm eine weisse Wolke und ISsst sich ror ihm nieder© Er 

setzt sich darauf« Ach wie wundersam ist es auf der weissen weichen Wolke 

zu sitzenl Langsam schwebt sie empor« hSher« hSher«««« Am Münster rorbei« 



- 7 - 



am Blauenstein Tortei. Wie werden eie beide klein, das ifönster imd der Blau- 
enstein und wie werden die Sterne gross und lebendig! Ihr licht flimmert 
bläulich und gelblich und grlinlich. Auch die Sonne ist da. Aber ihr Licht 
ist Jetzt weich und mild. Man kann sie ruhig anschauen* Sie überstrahlt 



nicht alles. 

Ach wie ist es herrlich auf der 



weissen weichen Wolke dahinzu- 



schweben, als wenn man selbst keine Glieder httte und körperlos wie die 



Wolke wSre. 

Und wie er tiefer in die Sternenwelt hineinkommt, erblickt er das silberne 
HSmchen. Es leuchtet ihn so rertraulich an. Es scheint beinahe, als winke 
es ihm zu* Er schwebt naher zu ihm hin auf der weissen Wolke. So nah ist 
er schon, dass er nur die Hand auszustrecken braucht. Und wirklich fasst 
er es. hebt es heraus aus allen Sternen und setzt es an den Mund; Woraus 
ist es denn? Es ist aus dem Schönsten, was die Welt hat. Es ist süsser 
als Honig und schmackhafter als Marzipan. Kann etwas besser schmecken als 
das silberne romchen? Mit einem Male beginnen alle Sterne zu lauten, wie 
tausende und tausende Ton Kirchenglockens kling- klang kling-klang 

klingel ingeling 

Hans wendet den Kopf; In seinem Bettchen liegt er und geträumt hat er 
und die Uhr an der Wand macht den letzten Schlag. Es ist Zeit zum Aufstehen, 
zufrieden dehnt er die noch schlaftrunkenen Glieder, hat er doch das silber- 
ne Hörnchen rom Himmel heruntergeholt und gekostet, und wenn es auch nur 
im Traume gewesen ist. 



i 




Der ZaTin. 
MSrchen von CIptf. Micheleon. 
Der Zaun wrr aus geschmiedetem Eisen ^«|(i^«l«t und mit lo rt?lonom Zier- 
werK ö^i^^en.'l««- i«m so gut v»ie garnicht hindurchsehm konnte. Und die 

lanzenfSrmigen Spitzen der EisenstSte am oberen Rande waren vergoldet, was ^ 
ihm ein besonders vornehmes Aussehen verlieh. Wer entlang glng.betrachtete 
ihn mit Ehrerbietung. V^«lch «^ feiner Zaun! Was muss niaht alles dahinter 

icEB stecken ! 

Ele Kinier schoben Ihre Ilaseii ^«IsoU.u das aiorverki-Ke^ dt» wohl fOr 
herrliche Springenden =eln mJgen.und welch niedlichen Goldflschohen wohl 
1„ telche schwimmen! Wenn .an das blo.s ein einzige. Kai ^ sehen b.*e!" 

j™,ge «Jachen blieben stehen nnd schauten gedankenvoll Ober den Zann 
hinweg. - Wie glücklich man dort wohl lat.nrtuBten sie. "Bort wohnt eine 
,.n« Frau. In ein hellblaues Zimmer »It weissen Vorhängen scheint nachts der 
Mond hlneln.und frühmorgens tanzen an der Wand die ersten Sonnenstrahlen. Ob 
mir ;)e solch ein Glück beschieden ist?" 

«nner gingen vorbei .It harten Oeslchtern und goldenen -«»--; 

4 ^ A^ry 7«inT" Er kostet viel Geld.bo 
Bauche. Sie betrachteten mit Kennermiene den Zaun. 

^ 4 ^,+ ä>.^-r wpr weiss? Vielleicht in ein paar Jah- 
weit sind wir heute noch nicht. Aber wer weisse 

Ton venn die Geschäfte gut gehen." 

ren,.venn ax aufgelesen. 

Ai+Ä viiimT^plte vorüber. Sie hatte tteisxe a» 
Tine krumme Alte numpe-Lxe »uiv*« 




55ie Diieo\Änch vor dem Zaune stenen. . un. 

^r"^ v,«T..n alles xmd die andern haben nichts. "Und ihr Rücken 
sie. "Die einen haben alles, unu. 

vrurde noch krummer. 

und der Zaun stand da steif und wichtig. 

V ein riesiger .mit Mensch-n vollgepackter Kraftwageb dal.er- 
Eines Tages kam ein riesiger .m 
gesaust. Ein B.uerlein.das auf seinem Bock eingeschlummert war fuhr 
gesaust. ,^^, ^,^ Kraftwagen wollte ausweichen und ras- 

nem Pferdchen stracks auf ihn xob. o/ 

M .in Es war ein Glück.dass der Zaun nachgab und umfiel, bo 
te in den Zaun hinein. Es war exn u 



/ 



jp^'Sf*r;T»CB 



kamen die Menschen mit leichten lerletzwueen davon. 



A'beT wie sah der Zaun eus! Er lag beschmutzt und zerbrochen am Boden. Die 
goldenen Lanzenspitzen waren verbogen, und er bot einen kläglichen Anblick 
dar.Hur ein kleiner Teil war stehen geblieben, aber so schief geworden, dess 

auch er >^zustürzen drohte. 

Man ^ing den Besitzer suchen, um ihn von dem Unfall in Kenntnis zu setzen, 
und schaute sich nach einem schönen Schloss und glücklichen Menschen um. Doch 

nichts von alledem fand men vor. 

Ein düsteres, mit dunklem Efeu bewachsenes Haus stand inmitten eines ver- 
wilderten Gartens, und an der Sonnenseite ruhte auf einem Liegestuhl ein alter 
halbgeiahmter Mann. Er drehte nicht einmal den Kopf nach den fremden Menschen 
und starrte weiter ins Leere. Auch auf die Fragen entwottete er nicht. 

Aus dem Hause trat endlich ein Mann. der ein Diener zu sein schien und 
wohl so alt war wie sein Herr. Er fragte erstaunt die Leute nach ihrem Be- 
gehr.. Verwundert schüttelten diese den Kopf. Solche Dinge hatte niemand hin^ 

tcr dem vornehmen Zaun vermutet. golch ein 

- Wie ist das nur möglich?" fragten sie den alten Diener. " 3» 
Zaun ? und dies alles?« und sie zeigte auf den gelähmten Maim,das düstere 

Haus und den verwilderten Garten, 

»Datei ist nicht. Mericwtodlges .-ervdderte der Alte. " Er hatte die Idee 
gehebt .zuerst einen prächtigen Zaun .u errichten und nachher das HauB. 
Ater s.gter hatte er kein Geld mehr und ^asste von hier fort«.^».. Jetzt 
ist er alt und krank und Ist froh.dass er noch dieses Unterkommen hat." 

i_ -n^n-^ry wiPnand hatte ein Interesse daran. 
So blieb der Zaun zerbrochen liegen. Hiemana nawc 

ihn wieder aufzurichten. 

Die Kinder kletterten üher ihn hin und suchten den Goldfischteich und den 
Springbrunnen. Als sie weder das eine.noch das andere fanden.tr.steten sie 
sich schnell und spielten "Wenderer und RSuher" Im Garten , der für ihre 
spiele wie geschaffen war.Hlemend st«rte sie dabei. 



I I «« 




Me Mftnner mit den harten Gesichtern sagten sich:»* Der Alte stirbt sicher 
"bald* Da wird das Gnindstück billig zu haben sein* Jetzt heisst es auf- 
passen*, und im rechten Augenblick zugreifen« Ich werde ein Äeues Heus 
aufbauen und den Zaun wieder herrichten.» 

Kur die jungen MSdohen waren wirklich traurig* Es war für sie, wie eine 
leise Entt8usch\mg am Leben, dass es kein hellbleues Zimmer mit weissen ¥or 
hangen gab, in dem eine glückliche junge Frau woiinte. 

Die krumme Alte hütete Ziegen und trieb sie den Weg hinunter zur Weide. 

Kaum erblickten die Ziegen das schöne Grün dee Gart ens , hüpf t en sie fröhlich, 

ohne sich lange zu besinnen über <len gefallenen üaun. 

^Springt nur, springt,^ rief ihnen die Alte nach* " Über einen gefallenen 

springen . 
Zaun darf men xxxtuapi • Was ist nicht schon alles über mich hinweggesprun- 



gen 



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Dir s c II ;i K U N G . 



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Im tliftem D«rft Itbt^m Ib •^^•r 9 fnijl^bftr Schaft 9i^«l Frtwid« Frit« 

u»d P«t«r. Fritz war Ibj^; xokä. d'ÄMm,\ui4 P«t#r war Icl«!» und dl«]c. Sl« T«rtru« 
g»Ä sl«h Is all^«H«l»«v ßut,mur .pftb •■ hi» tuid ;vl«d«r ]cl«l»« Z«s^JUi«MStBKS« 
wtil Pttcr KU ji««lc*m ll«bt« uftd Frlts Mipflitdllch war» 

"VVtmm wir ¥«ide EusamMtm fpaslvrcm /^«htHj^Bairt« •!*•« Tagt« Pat«r,"h*lt 
man dl«k f^r «iaam Bvgea und Bi«h für «laa Wurst.* 

Dalsel war wlrlcliak alahts B«l«idi,'T*ad««,\iM»«i«kr als Pattr •!•* s«11>st 
im dam \iitz mitklatiagasatzt katta, A"bar Friti wTirda ^lalak jp»raht\>ar tlaa, 
rercfi»» gaji«,da«» aia doah Fra\iada waram tutd aa» auah aiaam ■issl'OJisama» 
Sahara verBaibaa ka3Ui,u»d «agta äu» Beirerselta de« Patar ■•rlal rarlatzeada 
DiÄga,da««,- wama Irgaad alaa Bosheit i» da» Witz amthaltaa ^wasaa wt-^a, 
9T diasa bal weltav H^ersahrltt* 

" El»am Wasserkopf hast 4u ,"sahria ar, "«ad dalma Au^aa s«ktH a««,als 
w&raa sla bllmd,uad daiaa Baiat slad ■• kar«,dass «am MlMaa klaata,dar Barr- 
ett kUtta sla dir bal dar Oabturt 1» Varsaha» abgasai-altta»." 

Obwahl Pater slafe durakaus alakt ftr alaaa sahBaa» Jüagllaff klalt «td 
überhaupt auf salm Imsstral mlaht rlal Gavvlaht larta, wollte er doah solaha 
Dlmge über slah alaht k»ram,u»d das tlta wohl aueh aiaMaad germ.daaa ia alaaa 
a»dorm Klrpor saklüpfam kama «aa alakt, Ika uMladara auah alakt,mad da vuss 
aas «fkcn ktbsak Mit da« balssMiaa bleibe», was Mutter Katmr aiaea ftr L^lfm.»- 

stlt Blt#:«ir«^am hat* 

Patar, dar laa^Baaaa Wafiaas war, wurde Buerst »ur Irgerilek,«aokta kakrt 
«ad llass dam Frlt« steham. Baaa aber kamea die sakllniea Worte wieder mad 
gruboa slok tiefer la sola Gemüt ol«. 

"Wa«sorkopf,Am«om wlo bllmd , Bolma wie abfasahalttom.. ..»as will lak dir 
mlaht sahomkom^'niraalta or uad bogama darüber maah.uslaaam.wla er Fritz 
für die Sahmlhumg elae tüehtlge Lehre orteilea köaate. 



"I«»r und dü*M bist Au, Wi« wUre es.u'«»» ieh dir ei»c tclia«« Grube ^rab«M 
'./urdt.drs« du puf de« H«i«ivvegt von IltlitkeM.delwe» Freu^dim.himtiiipurzelst. 
df'bel vvne gehSrig »iif die ][i»terteile f bljekomast u»d mcekker Kusse c*»u« 
llASt über «eim Auasehe» und dei» fige-Aes »Rehzudemkcm," 

Dieser Oedwike freute ihM.umd ,er kielt ih« fest, Kur wer es miskt leicht 

so 
ihM auazufüiire». Ihre »eide» Kausshem »tn»de» dieht mebeneiiiSÄder.dAss ei«« 

Grube euf de» Wege zxi Fritz pueh de» ZucRUf: zai 8eAm«r eigenem iVokJUMfr ver- 



sperre» xSaixx MÜsste und ik» zv/iMge» '«rde zukeuse zu «itze» und derauf zu 
••kte» .clf'Ss »isBSMd ausser Fritz de» {refeiirliehe» Gesg \uiter»ak«. 

Aber die 'reigmirsc selbst k»«e» iha zuhilfe. liosh am selbe» Tare erfukr 



er yo>? ■«Utr Prtu»dlm Grttt.dass Fritz u»d Kikkt sUk m ei»e« TÄÄzehe» für 
Ake»d rerakredet katts», Grste wollte "uth ger« «itdabei seia.dosk Peter 
cskob so driÄgtitde Hausarbeit Yor.dais »ie neiae» ko»»te,dasl;Ask würde über 
Bel»e» Haupte eiÄStürzea.waa» er sie umterlieest, 1» eiae« Atemzuge rersprask 
•r ikr aoeia ei» ^rüaes Seideatüsklei» kai sei»er »Xekstea Pakrt ia die Stadt 
■Itzubriagaa ,uad so gab sie sisk ««friede» a» eiaea aader» Ta^e das TÄas- 
9h.9n aaskraholaa, 

Pater besohlocs "»Iso ^oek «a selbiße» Akead aas Werk zu ^ekea aad siek 

V 

0c sei» eil „ie -/öcliek Geau^tuua/r zu versakaffea« 

Kj'um hatte Fritz ia feiaea Soatagsetaat die Tür hi»ter sitk zuGesckla». 
,d» holte Peter seine» Späten UÄd befr?»»» zu fr^beit^ Die DRmMeruÄg w^r 

sehritt emgund er Äiiaste sieh l)eeileii,\im biß z\m Fimtritt der J>um* 



•ehom 



kelkelt mit seiner Ar'beit fertig zti »elm» Da« Werl, glm^j flott tom dämmern^ 

m 

v/ie imier,\ve»m ärä Mit Vergrnü/?en etwas tutt Tt k^tte eine kleine Leiter 
i« die Grube kimelitgestelltiUm selbst pus ikr kermiB>;let >r}i su kSiuieit^tuid 
maekte fer?"de .zufrti^em »ekMUJizeljid^die letzten Gpfftemstieke^als er pl8tz.% 
llek Grete« StiuMe rem^kM^dle auf geregt rl'e^^'Peter, Peter! " 



Tl 



PS let los?" sehrlp «r ilir nvLM der Gral>« eat 



• D>».8 faulte »oc]i.,dP8» 



ftit Or^te Ik» ruf de» Kopf fiel#,"Ua«li lc«iN«K S«hrltt «ehr TorvvKrtB!" 
"P#trrtJc«»# sofort, umrc^re Kuli hat elek di^e B<^ln ge"bro«>iem»" 



Peter tMT i« Dorfe durüi f^lae Geagii4»kll#lür#it bri erctf« Ulf eleietUÄ^?«« 
'dokawit Dock 

umd ftvvOkJitffd^ss «am si«k ^n llui tun R^t wtmdte, Muili m9€h mie war ilui tim 



Umfi*ll »0 vmc^l^g^yk gekonmenk^v:l% dieser Kuhhelmbratk, 

mtimi Gerade keute «kemd? H»t f^le sicli €emM mlsht am ti 



WÄderm 

tms Beim lirs«litm icSxjiie»^weitje Isk emlg^r %^skiftl^'t blm?'^ 

Stlme ' 

"P«ter,wfi« käst dti? Du spriskf^t so »erlrvfirÄifv uad delüt /.ÜjÄejt ^o duapf* 

Umstre Kuk.dit Llesa.kÄt Sit« took d«8 B#1ä ^ebro«heji,f Wo bist du uoäji über- 

k^upt?" 

Peter Indrte bm Ikrer Gtlttüe^df^se ffle ^l«h vor.Mrtsbewscte^ 
• Stlll;TentaHd«s!" jhnr er sie höitemd «m» 



"I>« klst VOÄ SlÄm«i,"JeÄ»erte des II» 
Ds iī Peter zusitk* "G#k mur vor. 



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futk moak!** 



fleleh a^skt"«^Cte er 



böifütliffeMd^ 



rkeres OekAkr^Ä 



Oretas Gedumicem ./ureÄ jra» Gliiek rlel zu se/.r mit da« gabr ortia »em 3al» 

9l^ siak 
dar lese ba#a:.»ftirt,^l8 d-es weiter über Peters et 

9 

W %11«^ ik« »itktF ül»rig,t*« ^u8 Irr Gruoe mlciir »u KletlPrM.di« Leiter 
kerAuazuzlekeÄ,**» forizustf lle» uad ?i«k «rur Tenui5lü«..tei« KTik «u \)f{r«ke«^ 

IKle ffTOBS ?\)er «r sei» ?.rrrr,''ls «i* 8i«li her«u88tellte,df'8E die ÄBk «t«* 
d?i8 Sei* ^amlekt ^e"bro«he«,eOÄder» es nur blisti« fief-«"!''.;^» krtte, \md Gret« 
dlt Wniidt,ebeÄ80 *^t -.'.le er,J»»tte iv«B8he* a«4 Tcr'niBöe» hSmuem. 



Do8ii er segt« »i8:.tP, ;m Jcelme» ire. ok» ru er 



,U3i3 "beeilte «ieii 



eil fertl« zu »••rd«»,uii zu rriaer Grube zurüexzii/ekreM, 



ItuAfSv^ 



katt« ik» maf,':eref'-t. u»d .-.emm eiw^r nufcrreci l8t,..lrö er Wi8k u»cert; it . t. 
te Peter i« fler Du»r.elr.eit eine» Schritt zuviel ^«fi purzelte so „opf- 



Sber 1» dl* C-nih«,v.i« er 4«m Fritz 1« Oeist« k«tt« tm» M«»». Er zersokln^ 
nUk i«>)«l J»»«erll«k,ÄtrR4« ao wi« d«r Pritz «a kitte tu» solle». Unö er 

katt « eu«k 



e «#»10^ ü*>er iarer i»el4tli ÜÄTeDtxutft m*#kEude»^e»« Die Leiter 
war fort£Te»tellt u»d di«» Gnibe fo /mt refreb«-»,d^BB ec uÄ»5^11ek ^rr ok«e 
frwide EiXf«' »»^ic ikr ker«Ä»zuXo«»«». I» der H**ne war ÄieaPÄd.dem er kitte 
rtifem ko»iieÄ.u»d rr »U8»tr seho» ^.ednldi^ ft»rte»,bi8 FrltE tom «eine« T»»«- 

•>!«» kelHiiekrte« 

Es -«er d.v.T^mB kei» Vfr«*-?-^"» ?'iek stujtdeisl^c 1« der feuffcte« Erde 
Pufwkfflte^ MiÄ^weder reekt eltze» »o«i» lie/rea.ÄOtla etektm zu k8»ae» iiad auf 
FrltreuB G»»de «xgewiese» zv seim. 



rst si«t i» i-er Naeht »Skert^» siek tei»e Stkritte« 
!" rief Peter ik» emtgefre»«"Eier ist et»» «nabe," 

•u».d Pet 



" A«ktuiig 
Trltz.der i* weiaee liger ;:t 



ktlserre ordene Stir»e 



iakt erJcMucte.erstkrai. sekr. 

tHollRk,«» (|iebt«s?a«krie er. 



« Da sak er 



Zm» Glutk kettP -r aeia Feuerzeug ait uad riel eiae Fli 
dla Grui^e uad i» üer Gruka dea Peter. Er vmrde sofart lixlahtera uad 3ffaeta 
iaa liuad.u^zt fr^f*«, wi««'^ *« <3.ea* a» dlerer Stelle die tiefe Gru\;e x«id 



fisrla de» Peterg:«'^«, nl» 



4H»rui;fr eia L 



auTßlaß, Er kegrlff alles 



Aeaa ^-r kette i« Dorf,r auak 8ako:s voa der ■>?•'« ie>itf »It Greta« K«k gekört 
Ka w^r aiakt eakwer elek''jElJb»%-uB^««e«ZMrei.em. mair« Au^amklicke war er 

EtuMM, Deaa aa^te er J 

"Pet.r.iek aek.e «eiae kf'saHehe» ttortt zurua2c. Waaa ^ea eiaea i^.eaeahaa 



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Irkliak lie^ kf.t. fie-^rt «»a -oleüe Uasekeuerliekyeitea «keree^pt aiekt 



ea ika» £• 



akrekf-aliek tca »Ir dii »cvsR» tm f:s5:ea." 



Ir zog reiae 3oata«iikoLe». RUf.dir au« hausgev-ebtea Stoff w.rea nad r. 



te Bit reter ia die Grube kimiutter« 

"Hi.r.Petrr.kast d.. -,eiae homm. Pa.ke KrKftiß .u.dPait iek dl.k 
kersua.iekt. Sie siad rt.rk. Sie kaltea ftei.. Gev.itkt ..ko^ eur,"^ 



p» ihmi 



Ptter war durtk li? Hi»4pa¥« ^•rQhrt,fll^ sltk Im Ö'T Opftm»/? d^r beß^#» 



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mit- ^k08<»N &ii«>-:r-rt« und f'uth feilt Grfüiil der U-«kfti«i|tiuilt sehl^ uk. 
"Stksde US »!•, Fritz," erwlfl^'rte «r. "Kol lieb«»r di<? Leiter, di'' i» 

«leirita Schuppe« ptekt« 

Frltt kolt<» dl« Leiter. Peter kletterte ker(*u«,reejfte vmö streektp die 
8teife«T.ordeme» Glledrr u»ä sciAÜttelte die Erde vo* 8i«k 1^ 

Dtreuf seküttete» sie 'ocide die Crpke zu wnA »prttkea Jt«i» Vrt »ekr vo» 
ikr und stirf^eke» ft-utk nie «ehr eir« Vort vok ikr# 

frlt« keirwtete die Lieaf umd Peter die •Tete. Sie keicftK?» viele Kimdcr 
lekteM in fJi»trftekt »rtemeiMfcJtdfT bis Iä ihr okee Alter, 



Per Wasserkrug, 



M'Ärchen ron Clftre Michelsen, 

Es war einmal ein irdener Wasserkrug, In aller Morgenfrühe und ajn Nach- 
mittag setzte ihn die Bauerin sich auf die Schulter und ging zum Fluss 
hinunter um Wasser zu schöpfen. Viele Jehre war das so gegangen einen 
Tag um den andern, und beide waren unterdessen alt geworden, die Btuerin 
und der Wasserkrug, In der Küche hatte schon manches Geschirr auf den 
Regalen und an den Wandhaken gewechselt, er aher stand unrerSn der lieh 
in seiner Ecke und hielt in seinem dicken runden Bauche Winter und Som- 
mer das Wasser frisch und kühl. Es war ein guter bequemer Wasserkrug, 
der getreulich seine Pflicht erfüllte. 

Eines Frühmorgens, als er mit der Bäuerin wieder unten am Flusse war, 
widerfuhr ihm etwas Aussergew'öhnliches. Hiemand hStte das Je ron dem 
besonnenen alten Wasserkruge erwartet. Er erblickte beim Schöpfen eine 
halb erschlossene weisse Wasserlille, und es schien ihm, als wBre ihm 

* 

noch nie in seinem ganzen langen Leben so riel Zartheit und Anmut be- 
gegnet, Ihr Liebreiz durchdrang ihn bis in die feinsten Poren seines 

IKi 
irdenen Wesens. Er war mit einem Male nicht mehr der alte rerlÄsslic 

Vor lauter Bewegtheit Terschüttete er das ihm anvertraute Wasser und 
hielt es auch nicht kühl wie sonst. 

In der Bauemküche war auf den Regalen, an den Wandhaken und auf dem 
Herd rerschiedenes lärmendes Volk beisammen, das über alles zu schwat- 
zen und zu sp<5tteln liebte. Die SuppentSpfe brodelten, die Pfannen 
zischten, der Wasserkessel pfiff. Am lautesten Jedoch gebSrdete sich 
der Kochl(5ffel. Er mischte sich in alle Dinge und wechselte ununterbro- 
chen seine Meinung. 

" Der alte Wasserkrug ist Terliebt," schrie er als erster mit seiner 



Krug 



• 2 -> 



pfeifenden Kehle. "Hurrah, wir wollen zu seiner Hochzeit tanzen!" 
• Wer mag wohl das Liebchen sein?» fragte der schwarze gusseiseme 
Schmortopf mit breitem rerstSnäni sinnigem Schmunzeln, "Ist es auch 
schmackhaft wie eine Junge Pute?" 

■ Hat es auch Pfeffer und Salz genug?" rief die fetttriefende Bra- 

"bauch mit Stampfkartoffeln 

tenschüssel, auf der die Reste Ton Schwein efcgJJfcj ej pj c herumlagen. 
Der Buttertopf aber, der mit dem Wasserkrug entfernt verwandt war, 
hielt es für seine Pflicht ihm den Kopf zurechtzusetzen. 
"Schäm dich, alter Wasserkrug," fing er an* "Schickt es sich wohl für 
deine Jahre verliebt zu sein? Sieh dich einmal genau unten im Fluss- 
spiegel an! Was für ein Kavalier bist du mit deinem dicken Beuche? 
Was kann sie schon sein, wenn sie an dir Gefallen findet? Ist sie we- 
nigstens fett wie gute Butter?" 
Da hielt der Wasserkrug nicht ISnger an sich. 

Oh ihr Grützen-und Schmalzseelen!" rief er aus. "Was wisst ihr von 
schöner Liebe? Was ihr liebt, das muss zum Fressen sein! Und wenn es 
aufgefressen ist, dann ist es mit euerer Liebe zu Ende, Sch3n ist die 
Junge Wasserlir'lie, Süss ist ihr Duft, und zart wie der Hauch des 
Frühlingswindes sind ihre Blütenblätter," 

Tags dachte er an sie imd nachts±räumte er von ihr, und seine wachen 
Gedanken waren wie seine nachtlichen TrSume, Er wurde zur Welle , um- 
spülte den Stengel, auf dem ihr Köpfchen ruhte, und brachte ihr Labung, 
Oder er wurde zum Lüftchen und trug ihr Kühlung zu. Oder er war ein 
Mondstrahl und umwebte sie mit Silberglonz, Kaum aber stahl sich der 
fahle Morgen durch die winzigen Küchenfenster, da verflogen alle TrSume, 
und Ungeduld packte ihn mit der Bäuerin an den Fluss zu gehen. 
Eines Tages kam die Junge Bauemtochter mit einer hohen gläsernen Blu- 
menvase in die Küche, um das Wasser für ihre Bltimen zu wechseln, Sie 



- 3 - 



legte ihren Strauss auf den Tisch und holte den Wasserkrug hert)ei. Und 
wShrend sie die Vase mit fxin seinem frischen Wasser füllte, überkam 
jiܱx±±sk den Wasserkrug plötzlich der leidenschaftliche Wunsch, auch 
eine Blumenrase zu sein und Blumen zu tragen und zu warten. Er Tergass 
T^llig, dass er ein altes einfaches irdenes Gefass wer und es niemand 

* 

einfallen kannte ihn als Zierstück auf den Tisch zu stellen* 
Mitten in ihrer Arbeit wurde die Bauerntochter hinausgerufen* 
Kaum hatte die Tür sich hinter ihr geschlossen, da sa^e der Wasj^er- 
krug erregt; 

"Ich kann grad so gut eine Blumenrase sein« Bei mir würden es die 
Blumen noch viel besser habeni als in deinem dünnen gl&semen leibe." 
» Dummer alter Lehmkrug!" lachte hochmütig die glanzende geschliffene 
Vase. " Wie darfst du dir erlauben, dich mit mir zu vergleichen? Ich 
bin aus feinstem Glas und habe eine schöne schlanjte Linie* Ich ent- 
stamme einer berühmten Glasblaserei und bin jung und reizend. Was f&llt 
dir aber ein, auf deine alten Tage so eitel zu werden* Hoch dazu mit 
einem solchen Bauche» Hihihi, eine Blumenvase will er sein, hihihi. 
Von Sinnen ist er , der alte Wasserkrug«" 
Das ganze Küchengeschirr polterte natürlich mit. Selbst der Buttertpp^, 

der doch mit dem Wasserkrug entfernt verwandt war, nahm teil an der all- 

U-ufty 
gemeinen Belustigung. Die^ zitterte nur so vom Hihihi und Hahaha und 

den spöttischen Zurufen. 

Doch der alte Wasserkrug war von seinem Wunsche wie besessen, mochten 
sie um ihn her noch so viel lachen und spotten« Er malte sich aus, welch 
ein Glück es sein müsste am Sonntag, wenn die Bauemtochter ihren 
Freier empfing, in der guten Stube auf dem Tische zu stehen und die 
Junge weisse Lilie vom Flusse unten im kühlen klaren Wasser zu halten» 



^ i ^ 



Er bette ror Erregung, der alte Wasserkrug, und wäre fast der Btuerln 
Ton der Schulter gestürzt, wie sie am Kachmittag mit ihm zum Flusse 
ging, um Wasser zu holen. Ununterbrochen flüsterte er Ihr Ins Ohr: 
■ Pflücke die Wasserlilie, pflücke die Wasserlilie...." 
Aber 11« Frau verstand ihn nichl^ und ihre Gedanken waren überhaupt 
bei den schlechten Mllchprelsen, der Kuh, die Tlellelcht schon In der 
Hacht kalben wtirde, und der grossen Mitgift, die der Freier der Toch- 
ter bekommen solltet 

Als beide am Flusse waren \ind sich zum Wasser hinabbeugten, kam ein 
Junger Wanderbursch längs dem Ufer gegangen, blieb vor der Wasserlilie 
stehen und schaute sie an* Er lächelte, dachte wohl an etwas, zog sein 

Messer und schnitt sie ab# 

fiel 
Plumps \ind krach xtixxtx da der Wasserkrug der BSuerln aus den HSndenu 

und zersprang In Scherben» 

» Hein sowas !•• sagte Ärgerlich die Frau# " Das Ist mir noch nicht Torge- 

kommen« Nun muss Ich Geld für einen neuen Wasserkrug ausgeben«* 



T r Ä u m und Wirklichkeit des kltinen Peter» 



Von Clara Michelson. 



Der kleine Peter ist zum ersten Mal im Kino gewesen und hat einen Trtpenfilm gese— 
hen. Später hat Vater ihm ntch vieles über das Leben in den fernen heißen Län- 
dern erzählt, wo es keinen Frühling, Herbst und Winter gibt wie bei uns, wt immer 
glühender Sommer ist, unterbrochen von langen Regenschauern, Der Mann mit der Flin- 
te aus dem Film, der unerschrocken wilde Tiere jagt und sich über unüberwindlich 
scheinende Hindernisse hinwegy^tzt, hat auf ihn einen tiefen Eindruck gemacht» Er 

muß immer an ihn denken, so sehr gefällt er ihm und so sehr ^fY^^^ffVöi" dessen 
Mut und Kraft« Ja er wünscht, einst selbst %o zu werden. ünd!\(ohne daß er sich 

der Wandlung bewußt wird, setzt er sich selbst in all den aufregenden Ereignissen 

des Films an die Stelle des Mannes mit der Flinte, und er, der kleine Peter, ist 

ein großer breitschultriger Mann mit glattrasiertem Gesicht, der furchtlos jeder 

Gefahr ins Auge schaut» 

Da iftt er in Afrika angelangt, mietet im Hafen gleich eine Schar von Negern, die 

dienen 



ihm als Träger| sollen, und einen kleinen Negerboy, der so groß ist wie der kleine 
Peter, und so behend und klug, daJ3 er seinem Herrn jeden Wunsch von den Augen 
abliest« 



Und während der kleine Peter dies im Geiste schaut, sitzt er in Wirklichkeit bei 
seinem Morgenfrühstück und kaut und kaut sein mit Wurstbelegtes Butterbrot» Die 
Backentasche wird dabei immer voller, und Krumen fallen aufs Tischtuch, fallen auf 
seinen sauberen Anzug und auf den erst eben gefegten Fußboden» Von Zeit zu Zeit 
unterbricht er das Kauän und trinkt seinen Kakao* Dabei rinnen große hellbraune 
Tropfen an seinen Mundwinkeln herab zum Kinn, verbinden sich mit den Brotkrumen, 
und bald hat das Peterle einen schönen Schnurrbart und Bart» Alle zehn Finger 
haben auch was abbekommen, aber der Kakao wird nur langsam weniger und das Butter- 
brot kleiner* 



- 2 - 

Doch dort im Tropenland gibt es kein Säumen. Da darf man keine Zeit verlieren« Der 

vsich 
große Mann mit dem glattrasierten Gesicht muß\ eilends ins Innere des Erdteils bege- 
ben, um die wilden Tiere zu filmen und zu jagen, denn dazu hat er doch die weite 
Reise unternommen. Es ist nicht leicht in unerschlossenes Land einzudringen. Da 
sind Moräste, reißende Plüsse| undurchdringliche Wälder. Aber er überwindet alle 
Schwierigkeiten. Er ist tüchtig, ganz ungewöhnlich tüchtig, ist er doch ein be- 
rühmter Ingenieur. - Auch Peteries Vater ist Ingenieur. - Er durchwatet mit sei- 
nen Männern die Moräste, überbrückt die reißenden Flüsse mit Baumstämmen, durch- 
schneidet mit Buschmessern jedes Dickicht und langt an einem htchgelegenen Fluß— 
ufer an, wo er sein Zelt aufschlägt und von wo aus er die Gegend durchstreifen will. 



Unterdessen ist der kleine Peter mit seinem Frühstück fertig geworden. Die Backen- 
taschen sind zwar noch voll, und der letzte Bissen wird in den Mund geschoben, aber 
man kann ja auch auf dem Schulweg vreiter kauen. Der Platz am Eßtisch sieht aus, als 
hätte da eine wilde Schlacht zwischen Butterstullen und Kakao stattgefunden. Peter 
beachtet es nicht. So sieht sein Platz jeden Morgen aus. Früh ist es nicht. Er 
muß sich beeilen, van »och zur rechten Zeit hinzukommen. Der Weg ist ihmso gut be- 
kannt, daß er nicht aufzupassen braucht und ruhi^ weiterträumen kann. Und ohne daß 
er daran denkt, was er tut, fegen seine Hände über alles hin, wo er nur vorbeikommt, 
ob es ein schmutziger Mülleimer oder ein mit grünem Schimmel bedeckter Zaun oder 
ein aru Rande des Pahrdamms haltender Lastwagen ist. Ub^^ alles fegen seine Hände 
hin, als wären sie Wischlappen, und dadurch sehen sie bald unsauber und zerrissen 
aus. Auch achtet er nicht, wohin er seine schöngeputzteii Schuhe setzt. Er stampft 
in Pfützen hinein, otompf t tritt in allerhand Schmutz. 



Aber der berühmte Ingenieur im Tropenland erhebt sich um Morgengrauen von seinem 
schmalen Feldbett und geht, ausgerüstet mit Büchse und Feldstecher und begleitet 
vom kleinen klugen Boy, der wie das Peterle aussieht, ins Freie hinaus, um die Gegend 
auszukundschaften. Er schreitet am Rande ainer mannshohen Grassteppe dahin und er- 
blickt die ersten Tiere. Giraffen sind es, und lustig sehen sie aus mit den langen 



- 3 - 
langen Hälsen i\nd kleinen Köpfen. Und wenn sie noch zu laufen anfangen und ihren 

Körper von den hohen Wrderläufen auf die kurzen Hinterläufe schwingen^ ist es 

wirklich ziua Lachen« Eines der Tiere erblickt ihn und rast in wildem Schreck davon. 

Die anderem folgen nach. Er könnte jetzt mit Leichtigkeit eines von ihnen nieder- 
schießen. Aber sie tun ihm leid, die guten freundlichen Tiere. Lieber ein grausames 

Raubtier erjagen, einen Leoparden, Tiger, Löven oder ein Nashorn! Nur muß man dabei 
vorsichtig sein, daß dieses einem nicht hinterrücks auf den Nacken springt. Doch er 

hat keine Angst, der berühmte Ingenieur, und geht ruhig weiter am Rande der Grassteppe. 

über seinem Haupte streichen seltsame große Vögel hin,- Flamingos -, mit schwarzen 

Flügeln und feuerroten Körpern. Er biegt in das Steppengras ein. Plötzlich hört er 

ein fürchterliches Gepolter. Eine Büffelherde bricht hervor, trampelt die mannshohen 

Gräser nieder und stürzt geradewegs auf ihn los. Er läuft davon, dann wendet er sich 

zurück und schießt. Ein dicker Bulle ist an der Stirn getroffen. Die Herde schwenkt 

ab. Der berühmte Ingenieur hat sich und seinen Boy aus größter Gefahr gerettet. 

In der Schule ist der kleine Peter zerstreut. Buchstaben fehlen in den Worten. Auch 
ist ein Buchstabe lang und der andere kurz wie die Beine der Giraffen , und ein 
schwarzer Tintenfleck breitet sich auf dem weißen Heftblatt aus wie eine Morastpfütze 
in einer hellen Sandwüste. Ein Buchstabe verlmdelt sich gar in ein seltsames unbe- 
kanntes Steppentier, und seine Gedanken schweifen ab zum angeschossenen Bullen. 



Er geht vorsichtig zwischen dem hohen Steppengras ihnsuchen. Es ist gefährlich. 
Vielleicht ist der Bulle nur leicht verwundet und wird wutentbrannt über ihn herfal*- 
len. Leise schleicht er mit seinem Boy, daß das Rascheln der Gräser sie nicht ver- 
rate. Doch da liegt ja der Bulle mausetot vor ihnen. Gut getroffen hat er, der berühm- 
te Ingenieur! 

" Peter, wieviel ist acht mal dreizehn?'' 

Einen wilden Bullen im Urwald an der Stirn zu treffen ist leichter. Was ist drei- 
zehn und was ist acht? Und welches Ringelreihen sollen sie wohl miteinander auf- 
führen? 

" Dreizehn Bullen mal acht Bullen,*' sagt Peter mit rotem Kopf. 
♦'Peter, Peter, wo bist du? Nimm deine Sinne zusammen! Wieviel ist acht mal 
dreizehn?*' 
Endlich ist Peter da, und die Bullen sind im Steppengrats geblieben. Und es hilft 



• 4 - 

nichts. Die Lehrerin ist an ihn herangetreten und wartet: wieviel ist acht mal dreizehn? 
Wie ist das doch schwer zu berechnen! Ca ist eine Acht und eine Eins und eine Drei{ 
Wie muß man sich dabei anstrengen! 

Endlich sind die Schulstunden vorüber, und Peter darf den Heimweg antreten. Um wie- 
viel einfacher ist es liu träumen, als zu addieren, substrahieren und multiplizieren, 
als darauf zu achten, daß Hände und Schuhe sauber bleiben, als Buchstaben gleich- 
mäßig hiniuzeichnen. Dort im Tropenlande fügt sich alles wie von selbst« 

Der berühmte Ingenieur pfeift nach seinen Trägern| damit sie den toten Bullen fort- 
schaffen. Er behält für sich bloß den Schädel mit den beiden Hörnern und das Feilt 
Diese Dinge braucht er für seine Sammlung, Wenn er in die Heimat zurückgekehrt sein 
wird, werden die Menschen diese Dinge bewundern. Da koimaen auch schon die Träger 
und mit ihnen von irgendwoher viele viele Eingeborene • Sie haben von dem glück- 
lichen Schuß gehört und wollen von der Beute ihr Teil haben, Sie tragen den toten 
Bullen auf einen freien Platz, umringen ihn, bilden einen Kreis, tanzen einen Freu- 
dentanz und zerreißen ihn dann in Stücke unter Geheul und Gezänk, Der berühmte Inge- 
gieur mag das garnicht mitansehen. Er nimmt seine Büchse auf die Schulter und geht 
dem Walde zu. 

In diesem Augenblick prallt der kleine Peter zurück. Ein dicker weißer Spitz will 
ihm an die Beine und bellt und bellt, und das feterle schreit, blaß und zitternd: 



er 



"Hilfe! Hilfe!" 

Aber der Spitz denkt garnicht daran zu beißen, Peter gefällt ihm, und^ möchte gern 
mit ihm spielen, 

"Hab keine Angst," ruft eine freundliche Dame dem erschreckten kleinen Jungen zu* 
"Der tut dir sicher nichts zuleide. Hierher, PlokJ" ' ^.^ 

Und der berühmte Ingenieur ist nun im Iropenwald, Dunkel ist es da wie in der Nacht, 
Nur langsam gewöhnen sich die Augen, die merkwürdigen Formen von Pflanzen und Tieren 
zu unterscheiden. Wunderliche Blüten von Schlingpflanzen zieren die Säulen v^* der 
Riesenpalmen, Mächtige Nachtvögel sitzen bewegungslos in den Zweigen, Hochaufge- 
richtete Schlangen starren ihn an. Unheimlich ist die Stille, Voll Ic.uernder 



Gefahrer* 



- 5 - 

kennt 
Aber der starke glattrasierte Mann keine Furoht. 



Ruhig wandelt er 



unter dem dichten grünen Laubdaoh mit der Büchse in der Hand* Plötzlich leuchten 
ein paar grüne Lichter in nächster Nähe vor ihm auf. Löwenau^enl Geräuschlos kam 
das Tier geschlichen. Nur jetzt nicht den Mut verlieren, berühmter Ingenieur! Dann 
ist es mit dir ausl Und piff paff gehen die Schüsse los. Der Löwe springt in die 
Höhe schwer getroffen und fällt auch schon rücklings, ehe seine Pranken den Jäger 
packen. Doch da flimmern andere grüne Lichter dicht neben ihm, und es nahen sich 

noch welche und noch welche Die Büchse knallt ein Mal ums andere Drei 

Löwen hat er an einem einzigen Tage erlegt. Und ganz allein im Tropenwalde! Was 
wird sein kleiner Boy dazu sagen? Was werden seine Träger sagen und schließlich 
alle Menschen in der Welt? 

Abends ist der kleine Peter Jiüde vom Essen, vom Lernen und vom Träumen. Er liegt 
im Bette und kann lange nicht einschlafen. Die Dunkelheit bedrückt ihn. 
'♦Mutti," ruft er. "Wo bist du? Ich fürchte mich. Komm zu mir! Wenn du bei mir 
bist, ist es heller und wärmer." 
"Hier bin ich," entgegnet die Mutter, "Schlafe nur, kleiner Peter. " 



Beruhigt zieht er die Decke über die Schulter. Der berühjiite Ingenieur liegt allein 
im Zelt weit weit im Tropenland und hat keine Angst. Elefanten trampeln an seinem 
Zelt vorbei, Löwen brüllen irgendwo in der Ferne, heiser sehreit ein Schakal, War- 
zenschweine quietschen Dann verwirrt sich alles. Der kleine Peter, der Neger- 
boy und der berühmte Ingenieur ver3c:^elzen ineinander, versinken in Tiefen. Und 
die kleine unruhige TCinderseele ruht aus in tiefem festem Schlafe. 



I 



a 



\ 



Louise« 



KoTellt toä Clara Mlehtlaom« 



Louise war hübseh umd ssÄft* Solehe Eigemseheftem simd gnt 
für eiae v/ohlbeschützte Bürgerstochter^Für Louise, Tochter eimer sr- 
men Auf v/rrtcfrnu, vv55re es becsrr gevveseÄ,sie wäre hasslich umd ro- 
bust* Sehr jUÄg moeh musste sie pIs Diimstm^^dchem im Stellunf; ,p:eheii. 



Die ilutter hStte ger» ivas Besseres eus ihr .'^emacht.doch ihre Kittel 
reichte» dazu mieht ?».us,sie mochte Äoch so hohe Seulem fetter Teller 
und Schüssel« abvvpsehem, Berge tom J^uptew putzem umd moch so riele 
Parket tfusboÄem polierem* 

Mit achtzeh* Jahren, rls sie sehom besseres Zinn fierm3.de heu gewordem 
war,ic^rm sie im eime feinere Familie* Die Dame war stre»fr kf^tholiseh 
tmd geizig, umd der Mamm war FreidemXer umd hatte die jümgstem M??d- 
ehem immer am lieli«>eM|Was seime Frau in ihrer frommem Gesimmumg 
trotz zwamzigjahriger Ehe mieht bemerkt hatte« Louise gefiel ihm 
auch^zf^rt umd kmnbemhaft wie sie war, umd so sehüchterm» Ohme viel 
Federlerems dramg er Put sie eim. So war er es gevvOhmt,umd er hf?tte 
bisher moch immer Erfolg damit gehabt« Louise y^rstamd sich mieht 
zu wahrem, mieht einmal richtig grob zu werden und ihm aus ihrer Kam- 
mer zu werfem* Sie kdwite mur bittem,sie doch zu verGchomtm. Aber 
das fiel ihm im seimer schom begommemem Errejc;amg garmicht eim» Er 
mahm sie* Er sah dariü überhp.upt michts Schreckliches, solamge es 
sich »icht ura reij^ae Frau oder Tochter hamdelte« 



Als ihm mRchetems i^vieder die Lust überkam, tnt er drsselbe» Seime 
fromme umd vertrauernde Gattim sehlief umd tr?^umte vom Geld und der 
Heiligem Therecc, ihrer Berchützerim, Louise aber, die dem Lebemskampf 
mieht gewachsem w8r,ge^v8hmte sieh am die Überfalle umd protestierte 
mieht mehr* Sie erschiemem ihr, als zu der gutem Stelle gehörig, umd 



/ 



r 



u»d ?M£:rtlich vor Pllrm Keue» ,v.ie sie war, hoffte sie so^rer, die 
Dimge v/urden ximit i» alle E„igkeit so fortdcuem. Obgleieh dtr Herr 

• - . . * » 

hÄtte voraussehe» kSmÄe», wozu aeiüe na»dluj9gsv;eif?e füiire» würde, v/ar 

er dariÄ leichtslmmig wie die mclsteri Majuier* Seime Freu merkte, nls 

n 
erste, a» kleiae verräterischen Anzeichen ,dass Louise in Umständen wnr. 

Doeh Gott Terzeih ihr,\ve».a sie dabei auch »ur eine Sekunde lang am 
ihrcA Mf».Jin gedacht httte* 

"Solch ein luderysaete öie^Fromrae Demem wemde^ mituriter auch 
Kraftausdrucke a», "Lebt im. eiwem amstpmdigem Hause umd treibt sich 
herumtSoll sie sehem^wo sie nit ihrem Balg umterkommt. »^ 

Der Mamm^der im erste)^ Augemblick eim ivemig erscVireckt wnr, trumpfte 
zu^zeifTte aber docli etwps I'itleid» "Gieb ihr hundert France extre und 
las« sie pleich gehem^" 

Hundert Frames schiemen der Frau zu viel* Sie legte fünfzig Francs 
für sich beiseite und sehickte Louise mit der bis zum Tage ausgerech- 
neten ilonatsgage und fumfzig Francs extr?? d^yont 



V.as sollte Louise nun begingen? WSre sie tKlttxjtxtrx rpffimierter 
gev^esen,hSttc sie sieh eine Ibtrmibumg machen lassen und wäre vvieder 

Im eine feine r-milie gegangen. Aber so wie sie war, angstlich, schüch- 

.-.-; 1 

tera, umgeschickt, kommt e sie deia Dingen mur ihren Lauf lassen, olrime 
hamdelnd cimzugreifemt Tant piß! Um so schlimmer für dich , Louise! 
Was kommt, drs kommt! 

Sie fühlte sich im allgemeimem gut umd sah sognr kraftiger aus, ix 
als vorher,. ;eil sie voller gewordem war. Sie famd auch was ihrer Lage 
AmgemesHencsj eine Stelle in einem Hotel vierten Ranges mit einer 
Mansarde für sie zum Wohnen» Der Zimmerdiener schlief in der Porti er- 
löge ^um die Haustür zu beauf sieht igen^ 



> 



* 



•3- 

Der Winter wrr "brld im. Zum FrühÜÄg mähte ihre schwere StuMde, Sie 
trug eine grosee geblümte, die gaaze Figiar verdeckende Schürze, Den 
Leuten iir. Hotel fiel nichts «ufauan zerbrnch sich überhaupt Äicht de» 
Kopf über LoiJiee.Sie wnr ctill.in eich ge^cehrt \m4 »achte ihre Arbeit, 

Es wnr ei» Glück, dr-ss die Sfiso» -ehlecht wer und die Mp»BF;rdeÄ 
im fÜÄften Stock »rt«» ihrer leer ?tR»de5i, Die Wehea pcc. te« sie um 
Mitter»peht,Iii eiaer Stunde wrr elles vorbei, Ei» klrincs rotcB Geschöpf 
TiHT de, 

Louise w»r wie ein Tier im W<?lde, Ihre »ntürlicheB lÄStiniite 
wurden furchtbar leb endig, Sie streichelte ihr JuÄges^Sie legte es n» 
ihr Gesicht, Sie legte As n» ihre Bnit't, Sie grub ihre Lippem in dem 
hellen Flr.urr. des Kopfes, Ihre Le»dcn zitterten» i» V^ollust.weii» der 
kleine Mumd am ihrem Wr-r^en zog^ 

Aber nie erliaufte diese Seligkeit mit truscßd irngsten. 

Selbst iM diesem Hotel vierten Rsrngef! Selbst vvenn do ei.n Zimner für 

war 
ein Stumdches zu hnbe» i3i3t,sognr ein bev,ohntee,PUG den der Mieter 

sicher puf den gflnr.en Tag fortgegr.ngen ixäbl Usoi liebt nirgends Compll . 

kstionen, Wrs brrueht mptn ein Zimmermädchen Kit eir.em umehelichem 

VJPT 

Siugling,v/en» raen eines ohne habe» kam»? Und Louise Usi so ßchüchtem, 

hätte^ 
andere ■racDOcboösiE' sich doch vielleicht durch zuBetzcn, verstand^». 



DuiBTOC Louiße.es giebt jf. auch noeh"die öffentliche Hilfe", Sie 
* mimmt überflüssige Kindrr ßuf,d\ireh Zufall und Duranheit in die Welt 
gesetzt, Bringe dein Kamamloscs dorthin! Olar lege eo ifasahickt auf 
die Schwelle einec reiches hauses! Vielleicht findet es ein vom Schicl.« 
sal Begünstigter \md nimmt es zu sich. Soviel© llSgliehkeiten giebt es, 
Louise, Keisse doch deim im Hot und Schande Geborenes vom dir los und 
trrre es fort! 



Die Sniso» bepsrrt sich. Fremde !<onnen, Uam vermietet slle uKune, 
Selbst die Mansarden füllen sich. 



"Louise, si»d Sie : rrmk? si© »ehe» «it «im«l Mele ro blr.os u»d 



mager aus," 



"Aeh Tlelleleht? Wohl die Grippe! Ja, etwPS müde! Wird bf.ld vorüber^ 



gehe««" 



■ut dem 



tj) 



Wena 



gamzeM T*|f über eehv/er r^rbelt et, trepp Ptif, trepp rth 



n 



l^<ft und »aehta nicht schlaf t, ist es kel« Wumder, 

Bps KsBiCÄloBt liCb't »eben ihr i» Bett. E:; .;rr anfexgs so «tili« 
Jetzt wird es umrahig. Die Pflpfte fehlt ihm. 

"/.ch schrei aicht, schrei nicht! V.ßß eolle» die Nechbpm demice»? 
Horch, da v.erdcM sir cchon v,sch, ilyn Iclopft aa ;Ue WsBd« 
Louise ist vie toll xiad totraüOc zugleich» 
Jet?.t wird <^s ''n dci': T'v- kOTTtme». 
"Um der Mutter Cottea v.illeB BChrei nicht! 
Uk Christi „illea eehrei aicht!" 

Kam klopft et^:rker sn die ».aAd, Maa ,yird es ihr fortÄehreem. Sie 
ec aicht hergebea.Sie ist so müde.dnsB aicht «ehr ■«eiFS,v,fi8 sie 
Sie nimmt ein lakeaende und le^t es dem Kinde vorken Mund,deait 



wird 



tri t • 



#8 aicht gehört wird« 

Gottseidrnk, e» ist still geworden, und Louise schlaft ei». 

Sic xKtxx nicht, WR8 sie geta» h»t. 

"Louise, ein Kla4 hat laW Nacht gecchrlca. Die Ceuberte hnbea 

aich beklagt," 

Louises Stimme v;nr heiffer. "Sie eiad wohl Yerrüc;;t oder l-etrun/ea 

gewesen. Wo aoll denn dort oh«a oia Kiad schrciea?" 

Sie war die Rc: " hterae «agstllche Louise nicht mehr. Sie \ftar die 
▼en-uadete WSlfin fiu« dem Wrad.bereit aazuf rlleB,v.ci... man ihr zu nahe 
kfin. J«»tzt .var nie bereit zu lü«Wi, 2^ric zu sch^Sraa. Jetzt gab es 
keiae Furcht aeJir für sie,«eitdea der Leichaan ihres Kindes in der 
Schublnde ihrer Konuaode lag.xxnd ^edec «ittel war gut, um Jene Stelle 
zu verteidigen. 



Sie Sffmete die £::chti"blRde iiieht. Der Gedaake; drr LelehÄ«»a verwest, 

:#r • war ins ü«t«»%ewugBtnei» vereuÄk«»» 



der Oerueh wird 

T«»t pis! Wie tB iat.so la-ues es sei». Sie mrehte ihr*» Arteitjblr.sB, 
zerstreut, 7errfthre», gereizt bis rufe cvisserste, 

"Wm hftt sie ?" sptjtei'ä die Leute, "Sic iet tmbrauch'bnr. Hui mucs 
sich »ech einem amderii Zlmincr ' ichen umsehe». X 

Die Ilnohbnrn fin^ea an einen Geruch nu spürcÄ.Er wer im Korridor. 
Er drnjit'r iJS- ü^re Ll»Kfirdeii ein. Er wurde iiiiprtrpßlich. Sie yAmäigte»., 

Madflwe cchickt« Louise alt einer BcBorgUÄß fort. Cie brauchte dri»- 
gend eime« Reklaraeßrtix.cl rur- dem WpreiihRuc. 

Louise ; ider&ctzte sich. Ein Fuss tnt ihr -,eh. Sie wellte laicht 



gehe» 



" Es ist iiieht 50 Echlim». Sie frhre» mit der Uaterßrujadbah». Die 



X- H 



Keltertelle irt nebenbei .1» dreiviertel Stuade «l»d Sie zurück. 
Es blieb ihr Kiohts übrig. Sie musste g9htn. 



Kaum war sie fort, stieg:«» Äie «irte hlMtnf .öffaeteÄ die ilfjasarde. 



Die Luft \^rr »o,d8SS ma» Äicht rtr.eR }.o»Äte. 

Der Geruch eatf^tröate der Koawode, Sie zo^e» die Schublade heri^uc 

SKu{rliÄCP 
und fftjideÄ de« verv,eetcii Leichma« eines itiiobEX. 



Sic telefoniertcM der Polizei. Sie kaa «md wßrtete r.^if Lcuiae.un 
«ie sa verhftftn, 

I» den Zeitumge» vtf.r eia Bericht zu Tesen: 
Eectinlisehe Tet eiaer Mutter. 
SM »eu»zeh»Jähri£:e Diemttmädchea Louise X. hPt ihr »eugeboreneß 
Ki»d uasebrRcht und deß Leichaßm iü der Konaode versteckt. Der pestnrti - 
ge Geruch hct dP8 Verbrechen verrrten.Lie Mörderin ist i» fillea gestSjft- 
Aig,doch zeigt sie keine Spur von Reue. Die entraenrohte Mutter ißt dem 
Gericht übergebea worde*. 



L U C I E . 
Vo« Clarft Kieheleon. 
Alle Verwandten uiid ^'reunde vmesten es: wcaa Lucie et.vac haben woIL- 
tc,da»H ^R"b es keine Riih», Ijis sie eß hatte, dann halfen Jccine Bcsehwldi- 
tlGungon •und lo^isciien AußelÄan.der8**SKmiöen. Es gab aiif alles nur eine 
hartnackifre blinde Antwort: "Ich m\ise es haben." Und das wer ^etzt, d« 
»le Echor. ev.ei Johre verheiratet wnr, sencu so v/ie in ihrer Kindlieit. 
Alle ErKi<*Viunfc:s};-uiist, dee hcisst eile Erzichungskunf-t der Mutter vji&. der 
Tnnten, wtr da ebce prellt. Ein Wunech etiee in ihr Guf -und sfse tu rh- 

fang auf den Irleinen rosifTen Lippen, im reizenden Lächeln und in bitten - 

er 

tcn Blic/. d^r ^rroscen braujien Alleren, und vifum nicht f-lcich erfüllt wurS- 

de, dann eine er auf die glatte sorglose Gtim über, auf die zarten Wan- 
gen. Das alles versoe sich, umwölicte sich vie PrSlinßshiromcl bei nahen- 



dem Ge Witt 'TE^ turn, und v.enn der Wunsch auch dann nicht ausgeführt wurde, 
dann eine er noch weiter aui" die schmalen Schultern, auf die v.inzieen 
Hendc,euf den Qenzen schlangen Leib, die Beine, die Füsschen über. Das 
alles >rßm dann in BcweeTUig, bebte, zitterte, stampfte, schüttelte sich — 
biß sie es hatte, bis sie es in irgend einer V/eise hatte. 

Jet7.t v/ar sie I.:e.darne Clovis B^dart, und jetzt konnte "onsleur Clo - 
vis B^dart sehen, wie er nit den Wfhirchen Lueies fertig \mrde. /<ber daas 
sie ,ein iwigea Mädchen olxne Mitgift, überhaupt liadame Clovis Bedart 
gev.orden ir.i'r, Gattin des Sohnes des bekannten Blekuitfnbrikßnten, vrr- 
dan:<te sie ausschliesslich diesen Charaliter^ug. Die l'uttr-r konnte dlr- 
ee Tatsache nicht genug unterstreichen, indem sie auf solche Weise ei- 
nen Ausgleich für die zwanzig Jahre lanir getragene Pein her;; teilte. Denn 
d"urch diere über alles Ervverten gelungene Heirat hatte sich Lucies Un» 
gestüffi in eine Quelle der schönsten Vorteile für sie verwandelt. Lucie 
hatte im Grunde ein gutes herz, und was sie jetzt alles für die Mutter 
itfünschte, das musste ihr |tonn widerspruchslos, bedingungslos erfüllen. 



2. 



ob CS ein schöner PelmßJitcl^cine Badereise oder eir* neuer Hut wer* 
''Lucle will" drg ; rr Jetzt force majeure in der Ehe Clovlß 3t?dart* 






onßt kamen Trnnen, Vor\.^rre^ Weinxrdmpfeiund der ^te Clovis l.rtte 



einea ^seichen nnch£iebi£:en CharaXtertdarun hatte er nie ?^'Uoh .^reheirr^ 

tet. 

e 
In den z .ei Jahren ihrer :'2ie hatten r^ich rlle nicht iiirrn V/üncche 

lAXcies erfüllt. Sie m±km hf»tte eine elegnnte Wohnung, prachtvolle 

toiletten^einc fünf undzw^nzigpf erdige Liraousine,den Ruf einer ßcho- 

-Sde^ ^^ hf^tte 

nen Frr^u.br'rniolite Balle und Ce^ellrcheften* Dr.ß sie nun nlles eur 

genüge grenossen lUnd da stand cie eines Üorgeas auf und wollte ein 

Kind haben» itkxx Kle jedermann ^-^eissi gehört dazu mindectene eine ge- 

n 
wisse Frir>t. Das snh ruch eie ein, aber pie verirrte von ihrem Uejine» 

ftesß er nllee; dazu täte,dEviait die ee./isne Frist sofort beß'iraie.Cie 

erl:lr*rtc eich bereit auf Jedes andere Ver^müfren zra verzichten. Clovis 

hatte natürlich Aloliter dagegen elnzu. enden, besondere da dief:cr lYuiirch 

rieh fiuf no clnfrche, uie es schien, und angenehme Art erfüllen lieB)?^ 

Sie gin{^ noch ßxa selben Tnge zu einem berühnten Fr^uenr^rit, \inilin 

um sei»«» FiRt zu befragen, und dieser fand alles bei ihr in bester Crd 8 

nung:. 

ungestüm wie sie v/ar, fing sie ßchon an kleine Sächclchen vorzu- 
bereitem, oJrnc dnos ein Zeichen Ruf des freudige Ereignis hindctktete. 

Knch einen Monnt wnr cie v.ieder "beim "beiTihintcii Frnucnarzt. uoher 



k 



Rine CS, fragte sie ihn, d? es nichts Rieh anzeigte, obwohl doch fillee bei 



ihr in bester Ordnung v.är«. 

"Vielleicht," meinte da der ßrosce Maan, "könnten wir mit einer g 
i',v.xiz /.leine», S!"nz echnerzlos cn Cper; tion vercuchen. Sie kor.tet nur 
ein prrr trußend Frrncs, und 3cßmi in keinen Falle sclirden." 

"Ich v/ill. Ich will," rief Lxicic. "Gnßen Cic v.onn! Morgen? tJcber- 
norgcn?" 



•3- 
"Uiftierlegen Sic es doch erst mit Ihrem Gatten, oder vielleicht wFr- 
ten wir aoch einige Zeit a^?" dämpfte er ßewiescnhßft ihren Eifer. 

"Werten ? Sein, dns kann ich nicht I I«ur nicht v.nrten!" Sie stampf 
te leicht alt dem Schühchen aus Eidechscnleder auf. 

Die kleine Oprrr.tion vmrde ^eiaacht. Sic verlief soluner^loe, F.c 
Echra(?rzte wohl ein vvehlg hinterher, doch Lucie ertrug plles geduldig. 
Sic, die 3e,;egliche ,dic Ünrul;i£;c, legte sich sognr noch vor ^ev.lEaen 
nchlinnen Tegen ins i3ett, damit nicht die geringste Erechiltterung dna 
Werden störe. Die ..ollte ein Kind halben! 

Aber •.-.eich harter Schleg! Auch die £;elun£-cnc Operation "bcu-ährte 
pleh nicht. j3ic vrrrKtcricchen Zeichen, die ihre Hoffnun,<j z\i rchnndrn 
■achten, rtrllton tich ein. ::;ic lircs noch spKt pm Abend den berühmten 
Prn\ienarKt kommen. Er etrlch ihr mit ciinen schmalen feiner Händen, 
\vie er es in seiner Praxis zu tun gewolint ;var, sßnft über drs Henr 
und die WErigen,ruf denen grosce Trencn rollten. "Kur Hulie ixnd Geduld, 
«ein lieber, Kind. Kommen Sie, sobtld drc vorüber ist.zKxaii isat^xtia. 
in meine Spreohctundc. Wir ivcrden echoi-i ein llittol finden." 

Kaum fühlte cic sich v.iedfr wol.da eilte sie in die Sprechstun- 
de. Sie warf .sich in den weichen, v.nndcrb«r bequemen Ledercerrel, ver- 
schränkte die Finccr oo heftig ineinander, d.'^sß der Doktor ru sehen 
glaubte, ,vle ce ihnen v.ehtat, und sagte mit derselben leidenschnftli- 
ehen trotzii^cn Gebärde, mit der sie in ihrer Kindheit die grösste l*uppe 
der Annln,c;e verl.nn£rt hnttcj "loh v/ill nic?it Isjiger leben, -renn ich 
kein Kind hrbe." 

Der Lerulmte Fraucnarr.t antwortete nichtß* 7x sah sie nur 
»It seinen herrlichen bl±nuon Kindrrnusen^die einen gleichen Jiuf hr.ttea 
v.ie ßiine Geßchici.lich;.eitt "bedeutsrjn an,riicicte seinen Ser>8cl dicht 
neben ihren, strich wieder »ttttft über ihr Hoar hin luid sfigte nach einer 
Weile: "Kein Bmcß Kind;" 



-4- 
lAioie fvliT fi-uiT. Sie weiiite JTaat. "DoJctor, Cie nchiaen mir «11c Hoff- 



r^ ft 



tkMnc 
"Dfiß tue ioh nicht^Ioii sage nur *■ Armes Kind/-, v^^eil es vielleicht gar-* - 

nicht 021 Ilmeu liefirt#" 

"Kicht an mir? An vcg ':3nirte ee denn liegrcn, v^exm niclit m ciir?^ 
"Kleine K^rrin»^' er/widerte er« '*Eß gehören doch wol immer zwei drru 
"Ja, natürlich awei* "hauchte «le Atemlos* "Der Gednn/e ir^t Tr*lr nie 

IPtlromiaen* Aöor er iot so seGual, ölovis«" 
" DaÄ DHcht nichts«" 
"Um Gotteßivillen, wa^ d^nn? Aber ich vill ein Kind hauen," r>chrie 

Eie ihm an« 

Er drückte sie ßanft in den Seeßcl zuiücl;« "loh habe Ihnen doch 

£reeagt» d«iB« wir ein Kittel finden ? erden« '^ 

Seine i^icherheit beruhi£;tc sie, aber ihr YeretBnd v.rr wie ouc^elÖECäxt , 



u 



jjucie v;rr ßchlraik, blond, ochr wcIbe« Sein lüttcl vT.r schon vielen 
gut bei.oiamen« LangSftza, betörend strichen Licinc ::lug;en £;eübton hiindc 
über sie hin« 

"Doktort v;as tun Sie ?" flücterte e:ie lirlö bencrunicn» 
w Dos lattel, ''sagte er* ^'In neun Ilonaten haben Gic da£ Kind." 
Co über^icugend blicXten die herrlichen blauen i:indcrnu^;en, « . « « « 
So %K7oaitstMMix überredend strichen die T iu^'on Hände« •««••«•«•.•« 



So still war die Gprechsttade««« 



• * 



IJur die UiiT tiol.te : Heiui Hoüate, *•.... 






"SO 



" Yt'fiß hPt der Arzt ßCCiJ'gt, Lucle?" frfctc Clovis aa Aöenc.» 
lAioie sah tm iha vorl)ei Bit eiuem scltßa'aeii,iircii limen ^jelaOoeiien 

Blic):. "Er neinte, es .vfiro alles in ucüter OrCiiuufj." ^ 

Dß w«r alles in beetcr CrcUi-aiiß, Kftch nc\m Konetcn hatten sie ein 

Kind nit herrlichen "bleuen Alicen« 

Aber ßcitdem war Lucic stiller gevorüeu \ind tobte nicht mehr, 

0l« «twas hß-ücn wollte. Sie rvusetc jctet: eß v;ßp nicht inmer so clnfcch 






Der Botk h1» Gärtner* 



Meröhcji to\i ClÄrn iiliöhelöom» 



Iä eiwerfl Dorfe lebte:* LI^il» -oh^ Frau» Sie histte» Icel^se i:ixfier,i^^d 
ihre f:?*}t?e Liebe r^eh<»»kte>i sie dem Gc»Ü5Cer»*^.rteui* D« wuelisew £:rüne umd 
rote Kohlkopfe, rlesißc roMgerje Kürbisst, dicker Spargel tTragelru)! de 



tutd l^)*iT^t«fc# l'ohm5be»,v1i# Tery^bltdemartigsteu oÄlett,l)reltblStt<9ri;2'«» 



iithMe}>)li5tt#rlg:e c:fd col^he ^it c^frftÄFttÄ Bl?ttent -»awd wn^jh ?3 rielea 
eÄäere,'5aaa )ie>i e« geraitht r"uf2?i»le» tftiaii» D^ß Ikepaar hee;te wiid pflegte 
jeden Steffel vmd jede \^'nr7el -u^d wer i» be«tFjtdi^er Sorge, (3 «5 j? aiaeh mur 
eiir BlSttöh^m v^r.lortj» ^jeheÄ >3>!)*te# la Dorfe i^ab eff Tiele arÄt Kljtäer, 
die irieht femi^ zu e»ß^^ kntteÄ u«d bla^s uad nager wsrem* Ater uw diese 
IruÄÄette» ^i«h /^ie "beiden; "»i^lntt Ss fiel ikmem cerjiiekt eim rom Zeit zu 
Seit ejjfei? Kohlkopf odrr el^^jr vSaelc K?rtoffel^ r^i. ven^^t^-pemlce«* Sie ee^e» 
lieber reibet, ßo viel cc i» tie hi>»eingiiie,vTd wa« -übrig blieT), verkauftem 

4 «ie an» Hej^i^l^rt 

De. ^^ee¥l?^>ik ee,dftpr Ihxe* li^. eliieK R^^erni e»tle?:eTteit Dorfe ei»e KximrJic 



Erb .V t^ h *. f t «r f i e .1 ^m * c" 



sie deftwerem ei)te Reise meehem »usetem, Uä mitktB 



B 



ojsst iÄ der Welt kÄttex »ie si^in tom ihrer Cfi%v.Br.c:rTtti^ emtfemt* ^fcer 



cire F.r^fc'C>.^^ft *»Äftit iedr^r rery.,U]rd rie v/clltei^ euf dpc ?<ebc^»e Ce3d mieht 

Yerzirhten.dae Ikm^n auf 00 clAfnahe V>>i»e i/i dex GehoeBfiela Doeh jccäm- 

te:^ saa den Certuc^egnrt«: oYjkr A^jfrieht if-ieht mrildklasseii« Er kerrsthte 

gciracc un dif? Zelt o^rr.n^ Trrrkerheit ,VÄd ci? i^r»5.^te jamaÄd df «eimtder 
ÄS3ii de^L PflfOi/ex ^nh iiÄf'. ubcrh^rpt dew G«^rteÄ bewachte* 

Am wea solltem '•ir r.1.ck )^ti». v^eif.clrm? Freunde hattem ßie Im Dorfe 

»j.*^:xt,v/t^ .1 :^io -^^o c^.izir vi-^.d r.elbrteuehti;: warem. Aueh hatte» sir zu 



5iiieir.*:^f: a-rr. reibt* Vrrtr^^icr^t Solltem '^ie dem 



bitte.a? Er ^jPtt3 see'ir Ki.rJ.tr, uitd da kOÄÄte »a* 



Ifaehbar r.ur Reehten 
reim 
ßither ,d8se der sekömstt 



Kohlkopf und die beste» Spnr^:elst«m^el im eelAOi Koehtopf seimore» wur- 



I 



dem. Sollt«« sie 4e» Knehb^^r zur Limkem bittem? B?i ihm v.ohmtem seine 
altem Elterm.toit sei»« Kimdfr v.prcK ia derStr-Tlt ia Stelluag. Da wpf die 
GofPhr »oeh t^rörper. Er vürde ßieii micht aur drj? Gemüse koche» »somder» 



es 



?\ieh Im öle Ctndt 7a:« Verk.-uf «ehiokem. Dp <vPr »och ei/i dritter Bech» 



ber.der himter ihue« vojixtc. Aber Ruf öc» wfir ßocli wemißer VerlRss.Er 
w«r durch reime FPulheit i» Dorfc i;ek«»»t,umd ÄlehtB Gutes i «r vots Ih« zu 

erv^Tt^H» 

Sic dpehtei, him UÄd her.umd k««lt«li kei^eis Ijitsehlurs fnascm. Plötz- 
lich kpji tlrr rrf».u ei» Gedrmke. 

•'Weief!t dti ..pß,Memm,"8eßte sie," Wem» wir dem r.ierei«bock zu» G^rtmer 
nrel.tem! Faulemzt er Kißxit ^Phrel«flHf iß St»=ll uad puI' der Wiese umher, 
tnid friest \i»comrt umser pitf-n Futter," 

"Du kf.Rt r*'eht,"er*.vid«»rtp der I/.ram,der belache mooh ßeizi^er v*er. 



e ar» 



elp die Frpu,\i»d Bicii seh«« lim^ über de» uMiützem Eserr 1» 
gerte.Wem» es nur lrt:emdvvie Mkrecrmcem v.ftre,h?tte «»r soho-s lem/rst Koft^eld 
vom ftka vrl.-MtTt. Auch die Crirs wit ihren flUf ZlcivleiR frPsc viel zu 

« 

vlel.eber ihr neMien sie ,ve)ii{TßteÄS die I.iilcii rb. Kur kon il» eim Zweifel: 
"Ob der Bo«k auch wee voä Gartenarbeit vrrr,teht?"rrf?{;te er «pchaemklieh. 
Aber die FrPu uuscte zu überrede», m erhr {-efiel ihr der Ceclemk«, 

«Sieher versteht rr drs hlce'riew GprteMrrbeit."ber'.;hi;~te sie dem ««■»•Cj^fc^ 
"Viel verlemt:em v.lr flooh wicht vo>» ihn . Ir soll, ncTTTTcbeu »drss mlc^tt 
^estohlem lird, 



:^iS/liBmzKra 



«.j» 



ujtAmli 



fvrM sie mit viel?rgemöe« Bliok hl«zu.« i:r i^t .-rerp-de so eije»8i»Ki£: -.ie 



du." 



üeherz 



bereit 
Der Mnmm femd dejreohleeht.^a-eow^hr «1p fr im Ji«*?" ^^'"ll« ^«^f** ' '^ 

me«hzti««bem,umd erwiderte arcerlieh:" U^d ..e«n du drime IIor^^er Ptufsetr^t. 
kämm «em dieh mi«ht rslmder für eime v.idrrepemstiee Zic^e krltem.« 



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Da« war ««Iio« fo Ibr« Art «lt«l4>n»a<T ru redem. 

Do«ij •« ^^ar kslii*» Z«it zu Terllar«m, Sie giMge* «a Zie««mB6Pll uad ri». 
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g«fr«8a«« und .ollw«? aaUlaf^a. 

Pia G8rtT»»r rarn^kl^sa»»* i>a \:9laäX^un^ mau 6.a zu ;,uii kut;. ^ Äiaiict ea >- 

da* Tag ,vu.^ fua l»:.seiis^ i.a.''ii?i^ :injßi dir jicL« ^^«LKitii." 

"Cut/"vie<3k.*rte der ^'.c,iX^-Jjo«k, •'Iah will ©«ra nr^kcltem." 

i:iM«]. ^lad 7r-.'^ fi'e-ctc* r.iiV.^da&t: et* citfii aii dea Zi«6C*-o«k so gut flBK 

Itfccit *5*fttic,uau snnchua» aii'a Äir Pt^iac iTertig» 

•^ei« V'esiT^ic« -.vR^dte e1»^ die Frf»x »oah eia«*-i sua der vi&rtcApf orv« u« 

•UÄ'l rUf de« Book zu:" Uad t'liu'jJtig :r.lt i-n rir^cr* losgtisa.v.exm Jc>»r^a «lÄ 



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waa Arbeit -.ii-lUaii äedrutete. 3ie ¥r«uai*te* ci»Ji »iakt zu v-er^keii i»A tu 
Ä«.«M. Der ae«;c»t»rt v.er iHner i» Oru^^uvo^ ^er Zlege»ßcr«th ^er v.ae KBat 



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liaüea. Ee ke» iLmeii gr^aickt i» dei» St»». Aftca 'i'*« 3efi:ieeoe« der PfltmEe» 
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Bie vtxr Arbeit rleir. ^i^ ßtiarzv.« pj» 

3o«k frö«8 de» Koiil ^^ ^i« Geias de» bpareex. 

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per a..ü«e..rt«...i. s.k-Ö.Wc..lB Ua.» u.d IV.u heli^eMrf.. Trot.d- 

dir F.r^a«-.«ft r^5*«tlg für ale .ua.af.Hei. v,nr. vur^te .« el. ^ dt. .l»r- 
jrr«ace»er. Kohl. Sri ftt luid 3pj\r^«*l. 

'»Vilr vc^M-^a !ru*ia ««ao!* zciti««. xe"aJ-ff» Tcnw», 

X- 4.-« '-+«*v !i^r l\i»t» y»ter die H«»de k»«, 
-juii *r«rirff -^ -^?i* ^^••'^^* ^*''^** ote,.,der lü»»» ^ 

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DAS KLEINE MlDCHEN. 
Iiovellc von Clam JÄichelcon* 



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' Es ist iiiohts V/xuiderli^ 
che« dabei, dßss du nur 
dem einfachen Volke gern 
zuliörst. Wir sind für 
dich wie ein fremdes 
Land» alles ist neu. 
Euereins hat sicli nber 
die Seele so lange mit 
der y '^'H^^^itt Voraehm- 
heit \ind den V/issenscha f - 
ten gewärmt, bis er sie 
ganz verbrannt hat - es • 
ist nur Asche geblieben». 

Aus •■'Der Russe redet" von 
bsofja Fedortschenko» 




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1 






Es lebte in einer Stadt e Ln kleines Mädchen* Es gnb damals wed^r 
Autos noch elelitrisohes Licht noch Strassenbahn« Auf den runden Pflasterstein 
nen des Fahrdamms ratterten die mit eisernen Keifen beschln^jenen Räd^r der 
Lastv.agen und Drosch/cen, \xnd in unregelmässigem liythmus klopften die Pferde- 
hufe* Die lilußik der Ctrasr-re war eine andere als hc^ute» und auch dr.s Spiel der 
Lichter in der Dämmerung \ind am Abend v.ar ein anderes. Laternen pfos ten stan- 
den in weiten Abständen am liande der Bürgrrsteigs, und mit einbrechender Dun- 
kelheit kam der Laternenraazündcr tl^^jangen mid zündete gemächlich mit seinem 
langen Stab eine Laterne nach der nndern bxi. Ein gelbliches Casflämmchen 

zuckte auf, kämpfte flackernd mit dem dahinschwindenden Tageslicht und schuf 

encen 
mähsam einen Iciirimra aroseligen Lichtkreis* 

Das kleine Lindchen bewohnte in einen grossen Mietehause mit seiner Kinder- 
frau zusammen ein Zimmer, das auf ä.en Kof hinnusging* Da sass es oft stunden- 
lang auf dem weissen Fensterbrett und schaute dem Treiben auf öem Hofe zu* 
Es gab immer wae zu sehen* TeppicJie wurden auf langen eisernen Salkonen ge- 
klopft. Dichte gelbgraue Staubwolken lösten Rieh von ihnen ab, erfüllten den 
Hof ,vmrden allmäiilich dünner und vertohwanden zuletet* Fuhren, mit Lreiuahols 
schwer beladen, kamen unter Peitschenknall u}id heftigen Zurufen durchdas 




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- 2 . 



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iDreite Tor herein.Mit vielem LSrra vvunle d^s Holz nbg:eln(len, zersägt, zerhackt 
lind in den Keller getragen, Leiermnnner erschienen dazwischen euf der Bild* 
fläche, trugen einen Vogel \md Glückszettelkasten auf der Drehorgel oder 
kleine flinke in bunte Lnppen gehüllte Iffchen nuf der Schulter. 

HeuGierer schrien nach Lumpen und abgetragenen Kleidern» Kunststückmocher 



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chlugen Purzelbäume auf einem verschossenen Teppich, drehten sich wie ein 





Rad luid verbogen ihre Glieder, als ob sie aus Rosshnar oder Holzmehl wären* 
Dunkle Lulgarenknaben in hellen, lose um den Körper hä-ngenrlen, schmutzigen Ce- 
v;ändern sangen, auf dem hilprigen Pflaster des Hofes kauernd, mit iRuten rau- 
hen Stimmen fremdartige Lieder* Glasermeistrr \ind Llesserschleif er boten in 

einem bestimmten^; 

ikxxaD iSingsang ihre Dienste pji. 

ras Leben, dns das kleine IvlKdchen vom Fenstrr ihres Hof zimmersBUS kennen 
lernte, war merkwürdig, vielfältig und unendlich. 

Aber noch merkwürdiger, vielfältiger \md unendlicher war dns Leben der 

: auch 
Strasse. Im Gastzimmer gab'es eine breiter» und bequemer» Fensterbank, von 

der nuE man sich dieses Leben gut ansehen konnte. Allein die luuttcr liebte 

Ldahin lSig^JEürcli4£tg,.^Pfl TfSnnt.iO 
ee nicht, dass sich df^s kleine Llödchen^ix setzte* 



rttü c ' re " 'fe pl%e 

beschädigen und auch sonst irgend eine Unordnung anrichten. 
Doch dr seine gute alte Kinderfrau diesen Einv^and gegen dns Gitzen auf dem 
Fensterbrett! des Gastzinmers nicht anerkannte, durfte es sich in Ab-vesenheit 
der Xlutter unger-tört seinen Beobachtungen hingeben. 

Auf der Strasse gab es das ununterbrochene Koramen und gehen der J.lenpchen, 
dns Hin und Her der Droschken und Lastwagen. Aufmerksam stellte das kleine 
Mädchen fest, ;vie und v.omit der Lrstv. ngen beladen vvar. ob die Dr4schke 
Fahrgäste hatte oder sie leer dahinfuhr, ob der blaue liantel des Kutschers 
auf dem hohen Bocke neu oder abgeschlissen war. 

von ungeheurer Wichtigkeit. In allem äusserte sich d^s unbekannte unbegreif- 
liehe Leben. Von irgendwoher Kam alles und irgendwohin ging alles, und das 
eine kam heil und heiter, und dr.s andere kam verbraucht und traurig, und 
hinter allem Rasseln und Klopfen. Kcden und Lrchen UPng dumpf u.id fern das 



Jede Klnzelheit v^ar 



Geräusch einer fremden weiten Welt. 



••v 1 4 -.^«v,,^«,- Tinnc-r-r die PS beobachten konnte 
Dann gab es noch die gegenüberliegenden haurer, aie ee u ^ 




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- 5 - 

f und in denen sich such Geheimnisvolles vollzog. Allranhlich lernte ce einzel- 
ne vor. der; Bevvohnerxi untcr.'^clieiden. Es '.vucpte bnld, wer ßufßtnnd, wenn der 



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crüne oder rote Vorhnng in die Höhe fuhr, wer morgens Blumen tiegosß, wer nm 
Ilachraittag Rm Cchrelbtisch srr.s. 

Am zugänglichsten wor die Bierstube drüben. Wenn die grop^e messingene 
Petroleumlampe ?5ngezündet wurde, lag der grosr>e hellgetünchte Raum offen dn, 
und dns t.leine Mädchen liebte zuzurcheuen, wie die blonde sFUbere ^rru mit 
denhohen nchr.umcnden Glnsl.rüge.: geschic^vt hr.nticrt? und der Junge, der mor* 
genü zur Gchule ging und zum 'attngessen heimkehrte, ihr dabei behilflich war. 
Es schien ihm eine p-ngenehme und lustige iBesOinftifjung zu sein die Krüge mit 
den ßchäuncnden honiggelben Bier zu füllen ujid nuf die blnnXgescheuerten Ti- 
sche vor die Gnstc zu stellen, die ±0 rcmütiich mit ihren qualmenden Pfeifen 

sassen. 

rines Morgens, eis es wieder einnnl die /.bv.cscnheit der Ilutter ruenutzen 
wollte, um r..uf die I-enstorbmii: "dcP Sr.rtzimrnrrB zu klettern, war es betroffen, 
strtt des gewohnten Geressels der Lnstwpgen ur.d des klingenden Ce:.lopfeB der 
Pferdehufe, nur ein gedämpftes Geräusch zu vernehnen. lOs wnr unheimlich, dnar 
die Strasse sich bemühte still zu sein. 

"Ilini, komm her! V;as ist los?" rief dns :.leine i.:ädchen aufgeregt und press- 
te dns Gesicht an die Fensterscheibe. Y.b nannte seine Pflegerin noch mit den 

Lauten .'.-.einer Kindersprache. 

"Jemand ist krank," erwiderte die Alte leise, rls ob sie stören könnte. 

" Wer es wohl sein npg?" flüsterte des Kind und suchte rait den Augen das 
gegenüberliegende H.us ab. Da sah ,s ,dass eine Ctrecke dre FahrdPtnmesdicht 
mit Sand undT.nnenz.. eigen bestreut v.r.r. und die bunten Bilder fielen ilun ein. 
die es in den Marktbuden drnursen auf seinen Spaziergängen mit Ilini immer 
wieder betrachtete. Auf einem Bilde sass Gott- ein la^-tiger Greis mit .ni- 

.," 1 o,.r Ai«?Ren v eichen runder Wolken, umgeben von 
tig r.usgcstreckten U!r.n<\en - auf ..eissen . eicr.en 

« j _> r^-^A^fm ery^riRfp dcT behaörtc Teufel • 
Engeln und heiligen Llenrchenj auf einem andern grinste d r d 

•• ^tA^u^ 'Si«/^nT. c'fthmorten in Xesselnünd rösteten 
r;us der KöUe entgegen und grassliche .under .,chmor^en ^ 

auf Feuern. Aber noch viel ergreifender war d.s Bild vom Leben des Uenschen. 
Auf der ersten Stufe einer Ireppe steht d.s Kind, wird auf höherer F..sbe. t 
dann Jüngling, steigt auf die höchste eis l.ann in strotzender Kraft und 



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- 4 - 
maohtvollcr Sohonheit^ und dann beginnt der Abstieg zur andern Seite, v^o 
unten im Winkel der schreckliche Censenr/jann steht, das Gerippe mit leeren 
Schadelnu^ren und gescliwungener Sense, bereit den elenden Greis zu treffen* 
Dieses Vergehen, dieses Hinwelken des Jünglings und Mannes zum hilflosen 
verschrumpften Greis erweckte im kleinen Ilädchen ein unbeschreibliches Ge- 
fühl des Widerwillens, der Trauer und Demütigung» 

An diese Bilder musste es denken, als es auf die leise gewordene Strasse 
hinabschaute, und es war ihm wie eine i'^eruhigung, dess drüben in der Bier- 
stube die lienschen wie gewöhnlich ein und ausgingen, an weissgescheuerten 
Tischen das honiggelbe Sier aus hohen glaskrügen tranken und gemächlich ihre 
Pfeifen rauchten» 

ATS nach wenigen Tagen das kleine Mädchen mit seiner Kinderfrau auf die 
Strasse hinaustrat, standen schwarze Equipagen mit schwarzen Pferden be- 

spannt und mit schwarzgekleidetem Kutscher auf hohem Bock j vor der Haustür f 
/ 
drüb enl Ein Leichenwagen kam angefahren, ein Sarg wurde aus dem Hause getragen^ 

' gestellt 

auf den Leichenwagen göciflcffbc, mit Kränzen Bedeckt. Schwarzgekleidete MenL-chen 

bestiegen die Eguipagen. Der Zug setzte sich in Bewegung, ging langsam den 

mit Tannenzweigen umsäumten Weg hinab, irgend woliin in die unbekannte Welt 

hinaus - wo ein weissbärtiger Greis mit ausgestreckten gütigen Händen oder 

ein wartetej 

vielleicht gar i« behaarte^rinsenderTeufeiprirgend.vohln - Irgendwohin 

in die unbekannte Welt hinaus. ••• 



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" F,E ist klares Wetter. Sie können heute ein panr Stimden mit dem 
Kinde im Stndtgnrten sein," Die Mutter war im l)egriff fortzugehen und stand 
bereits in Mantel und Hut, als sie dies zur Kinderfrau sagte. 

Sie war immer sehr geschäftig. Ihr Mann war bekannter i;echtsamvalt , und 
sie hatte dah^die Pflicht zu reT)räscntiercn. Doch bcsass sie selVjst aner- 
kttxnens>.erte Kigencchaften. die sie zu einer wichtigen Persönlichkeit der 
Gesellschaft machten. Sie war genau, umsichtig, energisch. Kein Verein wollte 
sie entbehren, kein WohltStigkeitsfest auf ihre Mitarbeit verzichten. Dann 
gab es noch Einladungen zum Essen, zum Kaffee, zum Abendtee, und auch sie mus5. 
te wieder einladen - und schliesslich noch Gattin und ].Iuttei>sein, was garnicht 



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- 5 - 

SO einfach v.ar mit einem verwöhnten Mann, dem nicht alles sciimeckte, zwei holb- 
wüchcieen Sölmen, deren Kleidun^isntücke steter Aufbesserung bedurften, und ei- 
nem kleineiv Mädchen, dns sich auf schier unbegreifliche Weise in die schon ge- 
festigte Ordnung des Hnuscs (geschoben hatte. 

In der Tür wandte sie sich noch einmal um. 

^ ^ 1 

"Vergessen Gie 'dem KindMiicht) dns v.nrme Mäntelchen avKvzu ziehen, und nehmen 

Sie einen Apfel und ein belegtes Brötchen mit. Auf wiedersehen, mciia kleines 
Mädchen, und sei schön artig." Sie winkte flüchtig mit der Ilsnd und schlug 
ellig die Tür hinter sicli zu. 

Beide waren nun allein, sich selbst übcrlrsscn. Sie hotten die Rntschläge 
der Mutter respektvoll angehört. Das musstcn sie. Das gehörte sich so. Doch 
anfangen konnte msn mit ihmen nichts, denn die Mutter vvusste ja nichts vom 
Wichtigen und Schönen, das ringsumlicr war. Sie hätte es auch nie begriffen, 
*l|üi*man ihr v.as davon erzählt, von den bunten Bildern, zum Beispiel, in den 
Marktbuden oder gar von den fröhlichen Volksfesten Buf dem KarlsplRtz. Sic 
wäre nur böee gcvvorden und hätte heftig gescholten, und nichts war dem klei- 
nen Mädchen peinlicher als das ungerechte Schelten mit der Riten Illni. 

Lcjnrnicht 
Sie wiederholten dps V.'ort der liUttei), nls sie nuf der Strasse standen und 

sich überlegten, wohin ihre Schritte zu lenken. 

" Heute ißt das r.mtefest nuf dem rCarlsplatz- Ob wir wohl dahin gehen? '.Vrs 
meinst du? Oder spielst du lieber mit den Kindern im Stadtgnrten?" fragte die 

"Oh viel lieber zum Erntefest," erwiderte das kleine Mädchen. 



Alte. 



Die fremden Kinder standen ja auch eusserhalb seiner und Ilinls heimlicher 

(jBUSste immejizuj 
Welt. Sic waren laut und unverständig, und nän7Ja»iMi fEunTvvfiS ilincn einfiel. 

Suzweien mit der r.lten Klnl war es ruhiger und doch ereignis voller. Man erlel>. 

te jedes Mal etwas Besonderes. Sie liebten beide abgelegene Plätze eufzusu- 

chen, wo ein alter Turni strnd oder eine halb zerfallene Kirche. Es war auch 

nicht ängstlich sich an ihrer Hand ins Menschengevmhl zu begeben. Es ging 

sichs sicher neben ihr. Und die einfachen Menschen waren llim vertrauter. Sie 

sprachen verständlicher als die f eingekleideten von Vater und Mutter.. Mensch 

war Mensch für das kleine Mädchen, wie es noch unlängst keine Grenze zwischen 

Tier und Mensch gekannt. Es vAisste noch nichts von der Klassifizierung, wo 



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- 6 - 



eine Art anfangt und die anJIte aufhört,- die eine Art, die aus Einzelwesen 
besteht mit Hecht undFfr denxng, und die andere Art, die Masse und Zahl ist* 
Alle Freuden sollte das kleine LIndohen auf dem Karlsplatz heben. 



If IV 



Willst du nicht das Kind mit zu dir nuit die Drehstange nehmen, lieber 
Freund? Ich bin zu alt, um mitzumachen*^ 
Mit sicherem 31ic3c fand Kini gleich den Rechten aus dem Haufen hernus# 

* 

Freundliche Bereitschaft antwortete naturhpft, konventionslos » wie sie bei- 
de waren, die Alte und dns Kind, 

Das kleine Madchen sass fJern einfachen Mann fmf der Stange, Hess sich halten, 
Hess sich drehen. War das eine Lust! 



l^it dem Vater war dns kleine Machen noch viel weniger beisammen, als mit ^ 
der Mutter, Und es sah ihn meist gereizt und aufgerrgt. Fr Vynr Rechtsanwalt • 
Damm wäre er so, sagte Nlni. Aber d? s Wort bedeutete dem Kinde nichts, und 
die Arbelt in seinem Süro, das unendlich viele Cchreiben und Fiechnen auf Stös^ 
sen von Papieren^, erschien ihm als die anstrengSTc und langweiligste Leschaf- 
tigung, die es sich denken konnte. 

Immerhin geschah es, drss er das kleine Madchen auf den Schoss nahm, wenn 
er nusnahms./eise guter Laune war. Aber der tüchtige Rechtsanwalt verstand mit \ 



einem Kinde nicht zu reden. 

"K\m so sei nuch einmal lustie," fing er vn. "Git einen fröhlichen Laut 
von dir. Ein Kädel rauss Temperament haben. V.'es werden die llänner sonst mit 

dir a*i(«ajen?" 

Und im r.ifer seines Gedankens setzte er das Kind Ruf den nächsten Stuhl 

alD und fuhr, zu seiner Frau gewendet, fort: 

"Du, ich mochte nie temperamentlose Weiber leiden. Nach wem dns da wohl ist? 

nach mir hertimmt nicht." 

«Es »vird sich schon machen. Manche Kinder entwickeln sich spät," begütigte 

die Llutter. "Die Alte taug t nicht viel. Ich raus: te mich selbst raelir mit den 
kleinen Ding abgeben. Aber mir fehlt die Zeit dazu und hauptsnchlich die Ge- 
duld. Kleine Kinder sollte man haben, solrnge msn jung ist. Sieh es nn. Es 

kenn stundenlang dasitzen, ohne den Wund aufzutun. Wirklich merkvmrdig. So 



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- 7- 

war icÄ nicht. Und denX , v.ne die Buten in dem Alter getobt hnTDcn," 
Es \WT Sontng BHOhMittag. Die Kindcrfrßu hatte ihren Ausgehtag. Es 

Irutete« Se^uch kPm. 

"Jetzt dreh dich nicht langer unter den Füssen herum," sagte die Mutter 
im hastigen nervösen Ton, den sie immer nnnnhm, wenn sie etwas Dringliches 
zu tun hfltte. " Geh puf dein Zimmer, Kind, und spiel was. Spielzeug hast du 
genug. Der Teetisch muss schnell in Ordnung gebracht werden." 

Das kleine Mädchen spreng vom Stuiil und lief erleichtert in seinen ge- 
wohnten Kaum zurück. Die Spannung wich, die es in Gctrenwart reiner Eltern 



erapfanÄ. Es v*ar in seiner Welt. Es fühlte sich 



frei, und ohne Zögern nahm 



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es sein Lieblingspiel mit leeren Zigaretten "chachteln vor. Dieses Spiel bot 

unberrenzte Möglichkeiten. Die kleinen, mit iriüffx«i«wr Bildern beklebten Schach- 
^ *^ t- X ^ren 

teln dienten als Bausteine '(fohnliHuser und Schlösser ,unllKensch, Tier und 
die verschiedenartigsten Gegenstände, Und man konnte eine Gerechtigkeit aa 
ihnen üben, wie man sie erwünschte. 

Lärmend kehrten die Brüder heim und stürmten gerndev.egs ins Zimmer zum 
kleinen Mädchen. Es war anzunehmen, dnssdle Alte aus '.vrr. Vorn^^vp^ Besuch.. 
Warum sollte man nicht die Gelegenheit wahrnehmen, dr.s Kind einmal nach 
Ilerzenslust^änseln. Sie rissen es vom i\issboden mitten aus seinera stillen 
rerechten Reich in die Höhe und cchv.angen es durch die Luft. 

" Ist es schön, du? So sag doch ein V.ort. Weine, wenns dir nicht gefällt. 
Lasse Tränen rinnen, .vie andere Kinder. Jetzt noch ein paar Purzelbäume. So! 
Heisah ho! Jetzt noch ein paar lüxiffe. die nicht sehr weh tun. Vielleicht ein 
ganz klein wenig. Der Kensch muss sich an Schmerz gewöhnen...." 
Der andere hatte zu wenig teil em Vergnügen. 
"Gibs jetzt mir her. Ich will auch. Du wirtschaftest schon lang genug herum.- 
^Velch eine Lust für zwei grosse feräftige gesund, ^uben ein kleines sauberes | 
niedliches Llädchen. wie ein Spielzeug in Händen zu halten, die Kraft m ihm ^ 
auszulassen, es bis an den Kand von Tränen zu bringen, an seiner Zartheit zu 
zerren, seine Hilflosigkeit in starken Armen zu spüren. 

Plötzlich stand die Alte im Türrahmen. Sie h.tten ihr Kommen überhört. 
« Oh ihr schrecklichen ungezogenen Jungen, werdet ihr mir wohl drs Kind in 




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« 8 - 

Rxilie lassen. Hinaus mit euch in der Sekiinde!" 

Lachend Hessen sie das Kind Ruf d.en Hßufen umgestürzter Zlgnrettenschßch- 
teln niedersp^usen. 

" Dal Sitz und spiel dein duiames Spiel weiter. Aber es ärgert Ja einen, 
Alte, dass es schweigend alles hinnimmt, und d^-iss es so lange dauert, "bis man 
ee zu Tranen bringt •'^ 

Sie strichen der Alten mit ihren >üiochigen Jungenhanden übers Gesicht und 
rejinten hinaus* 

Das kleine Mädchen stand vom Boden auf, ging auf seine Kinderfrnu zu, lehn- 
te sich an sie und stützte den Ellbogen auf ihren Schoss. 

"Ich bin schon nachhause gel^mfen* Mein Herz war nicht ruhig. Ich ahnte, * 
dass was angestellt v,ird, wfutm ich nicht da bin. Heben sie dich erschreckt, 
mein Engel, mein liebes gutes Kind?" 

"Erzähle mir eine Geschichte, Nini, worin ein kleines Madchen vorkommt ♦" 
Und die Alte begann eine ihrer fantastischem Geschichten, die ein Gemisch 
waren von Erinnerungen, Sagen, Märchen und eigener Dichtung. Das kleine Mäd# 
chen hörte aufmerksam zu lind vergass Jene harte machtige V/elt, vor. der Un- 
recht über Unrecht kam. 



"Heute gibts was Besonderes, Kind. Nur darf es niemand, niemand erfahrem;" 
sagte die Kinderfrau am nächsten Tage, als sie sich zun; gevvo?inten Spazier- 
ganr rÜBtrten. "Es soll heiscen, dnss wir in den Stadtgorten gehe», Vne heisst 
es wohl meistens. Ich weiss, drss du schweigen kannst. Sonrt würde ich nicht 

■ 

riskieren. Y.e wäre 7ai gefährlich." 

"Wohin Solls sein?" frngte dns Kind. 

"Mein Bruder hat einen Bierkeller eröffnet. Hast du Lust hinzugehen?" 
"So Viie drüben im Hnus? Weisse Tische, hohe Bierkrüge nus Glos? Ach wie 
schön! Ist es der Bruder mit dem breiten blonden Bart?" 
Das war er. Er war dem kleinen Mädchen wohl vertrrut. Es hatte ihn schon 

öfters gesehen. Er vvRr freundlich, 

"Lnss uns gehen. Uinl, Du knnnst dich Ruf mich verlassen. Ich crge kein Wort.'/ 



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Es wnr fast so ,wie drüben im Hnus. Nur musstf man mehrere StelnstufeÄ hlnnb- 
st<*igen. Es v/ar wie dort ei» grosser hellgetünchter Hnum. Durch die hochÄnge- 
brachten Fenster sn}i ^lUMl^ Ü« BeiÄe der Vorübergehenden ♦.>!![ f* . In einer Ecke 
stand ein runder eisernen Ofen, in dem Holzscheite trrulich knistert^*» imd 
flammten. *ÄS«hK5utr±m:xJt3D±x±±xakx Einfache Stühle standen um gescheuerte vier- 
%. eckige Ti5.^che^ und es roch nach Hering, Tabak und Sauerkohl. 

Ninis Bruder und seine Frau empfingen die Gäste mit grosser Freude. Sie 
wussten den kleinen Mädchen nicht genug Liebes zu erweisen. Sie setzten es nn 
einen der Tische, legten ihm fürsorglich ein PCissen unter, damit es weich U3id 
beguem sitze, machten eine Scheibe Schwarzbrot mit Butter und Käse zurecht 
und stellten ein Gläschen Bier hinzu. 

Es schmeckte vorzüglich* Der schönste Leckerbissen schmeckte daheim nicht 
s gut • 

"Iss rur, mein Kind* Schv^arzbrot mit Bier ist gesund/^ redete die /Ite zu. 
Sie kamen ein wenig spät nach Hause. Die l^Iutter wnr schon unruhig. 
•Hfo wart ihr so lange?^ fragte sie und snh das Kind durchdringend an. 



TTnbehagenjverursPChte dieser Blick. Das kleine Madchen zog sich zusammen. 

"Spazieren gegangen," erwiderte es kaum hörbar. 
"Spazieren geg?^ngen! Das v.eiss loh. Aber wo spar'ieren gegangen?" drängte 
die Ttlutter. 

"Spazieren gegangen," wiederholte es hilflos. Es wtjLsste nichts anderes zu sa- 
gend 

"Von dem da bekommt man nichts heraus," wandte sie sich ärgerlich ab. "Ein 
solch in sich gekehrtes Kind habe ich noch nicht gesehen. Man weiss nicht 
recht: ist es dumm oder strrrköpf ig." 

Deutlicher wurde die Gefnhr. Das Wahre und Schöne, des die Mutter nicht be- 
greifen konnte, war bedrolit* Fest schloss sich arr kleine Mund: er nir^ nlohts, 
nichts verraten. 



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Viele seltsnme Dinge lernte dps kleine Mndchen f>n der Hand der Kinderfrau 
kennen, und alle mussten geheim gehalten werden, wie die Volksfeste \md die 
Bierstube. Go erweiti^rtc sich ne\)en der strengen unverständlichen Welt von 




•4:, 



- 10 - 
Vater Ulli Mutter und der wilden Brüder die andere, die wahre, die heimlich 
süsne. Mit fillen Ginnen nah*»ii?s diese Welt in sich auf. Es liebte den cißen- 
tünilichen Geruch alter Kirchen. Ihn war als spürte es den Duft desr.cn, was 
län^jst gcwenen, und '.»rändelte mitten in alten Geschichten, i Es schritt verson- 
nen durch lüen vorlassonen unterirdischen Xreuzgnng mit den verriegelten en- 



gen Türchen. Von irgendwoher drnn^; spfirlichce Tageslicht ein. Schnurig 

süss '.v8r CS dr, zu gehen, und fest und dankbr-r iclnnmortc sich die kleine Hand 

an die harte Arheitr.hand der treuen Gefährtin, 

"Vielleicht liegen f=!ie nlle dnrin tot, lUni? Vielleicht liegen sie noch 
bis heutzutage?" 

"Sie sind wohl l'pngst begraben, mein Kind," 

Und der jcnöcljerne DensennRnn tpucht wieder Ruf in der Vorstellung des klei- 
nen irädchens, und die liflUGtür mit den Leichenwagen und der von Tnnnenzwei- 

gen umsäumte «Veg. 

"Höre, Kini, Und wenn der Scnsenipnnn stirbt, und wenn er nuch cinmnl 
krnril wird und stirbt? Cngc, was ist dnnn? Wns ist dnnn?" 

Die alte Frru schüttelt sich. 

"Ach, das \.tTC furchtbar, alt zu v.erden und nie zu sterben, nie zu ster- 
ben!" 

"Doch du darfst nicht sterben. Du darfst mich nicht allein lassen. Ich 

will CS nicht. Hörst du es?" 

"Du v.lrst gross, du wirst schön, du wirst reich werden. Wps soll dann die 

alte Ilini anfangen?" 

"Immer sollst du bei mir bleiben. Hie darfst du von mir fortgehen. 

Hörst du es?" 

So wandelten sie beide iinnd in Hand und verstanden sich wxindervoll, die 
nlte Frau, die nit I.lülie ein einziges Buch las, die Bibel, und nicht schreiben 
konnte, und das kleine lündchen, dns mit nllcn Ginnen, die V>lt in sich aufnahm 

Ein merkwürdiges Echen überkam in seltenen Augenblicken unerwartet des 
kleine Kr.dchcn. Die Dinge erschienen dann wie losgelöst von ihm, wie in eine 
rerne gerückt, obgleich sie sich an derselben Gtelle v.ie früher befahden. und 



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^li- 
es vmr Iha, als sähe es sie, die es vonjcher Iiannte, plötzlich, v^ie sie wirk- 
lieh waren. Es sbIi in solchen /u^enblioken die Strasse, in der es geboren, das 
Haus, in dem es wohnte, die drei durchbrochenen eisernen Stufen, die zur Ein- 
gangstür Ehrten. J:einen Vater sah es so, j^eine grnuen, leicht rr^röteten Augcr^ 
seine vollen f leischiß-eij. Lippen und die dunklen platten IlBRre, und seltsam 
erFchien es ihm »dnes dieser frcnade undurchdringliche Mann, den es wie zum 
ercten Male sah, iein "Vnter wnr. 



/.ber eines T'^^es verriet doca der .vlcine Hund die geheime Welt, verriet 
sie elinuiifjElos gregen seine Willen. 

Dfts Kind wßr von seinem Spaziercnnr; rechtzeitig hcini£rc:<ehrt, frisch und 
angeregt, und die lÄitter, noch erfüllt von der Genufjtuung, die das V.ohltä- 
tigkeitsx'est der letzten IJaoht in ihr aucgelößt, von der Wichtigkeit, die ihr 
von ollen Ceiten 2;ugesprochcn wnrd, zog in einer Anwandlung von /:ärtlich]:eit 
ihr Xleines ;,Iädchen, das unvcrhor^'t gezeugte, eMf den Sciioss und küsste es 



auf den rosife-eh Mund. Die zarten Lippen öffneten sich, und ein Hauch, schwer 



von Uicrgeruch, schlug ihr entgegen. Sie S!>rr.ng nuf und stiess dos Xind von 
sich. Ihr Gesicht vmrde dun.'volrüt vor £o.m. 

" Dos ist mir doch zu arg,Dac Kind riecht nach Bier. Üs iot in der Bier- 
Gtuje gev.'esen. Unerhört! lind zuJ-a Sauden hält sie es au. Jetzt v;ird noer Schlua? 



damit gemacht." 

Sie stürzte, Inut v.eiterredend ins Kinderzimmer. 

Das Kleine Mädchen -olieb zitternd stechen. Sein llcrz :;lopftc angstvoll. 

Gleich vdrd ctv.ns scrohchen, ctv.as Furchtbr-res, llicgjttzumachendcs. 

Da ist sie nun, die Gefahr, die es gefürchtet. Sie ist wie der Sensenmann, 
Sic schlägt etwas für iDimer cntsv.ei. 

Laut schallt das Löse Schelten der Hutter. Sie darf es, sie hat die Macht. 

Und die arme Ilini muss .schweigen. 

Leise geht es der Hutcer nach. Dn steiit sie mit zpiiiigem Gesicht und hört 

nicht auf zu schelten. Und Kini v.eint. 

"iTioht* Nicht, Mutter!" ruft das Kind und otrecjct becchwörend die kleine 

Hand aus. 

Doch es hilft nichts, die Mutter benchtet es nicht. Kini muss ihre Sachen 



- 12 - 



packen und gehen, üan Icaiin ihr das 3aeine Mädchen nicht mehr snvertrnuen. 

"Lebwohl mein Kleines» Verßiss die alte Nini nicht und sei nicht traurig. 
Vor dir lie^t dps ganze Leben. Aber hei mir ;virds hoffentlich nicht mehr 

lange dauern," 

Und cie geht und - ist nicht mehr dn.- 

Das kleine l.:ädchen sieht ihr nach in wort-und tränenloser Yerz- eiflung. 

Es lässt sich von der I^uttcr nn die Ilnnd nehmen und fortführen, und es scheint; 

Aber 
als hörte es auf ihr freundliches Z -ureden. »»Bii die Lippen bleiben fert ge- 
schlossen, und der Blick wird hart. Mit dunklem imd doch sichierem Kinder- 
wissen ahnt es, dass das Leben Kampf sein wird. Es wird sich seine Welt nicht 
ganz z-ersfören lassen, es wird sie suchen und finden-die heimliche süsse frefe 
- trotz ollen Zwanges und aller iincht der rindern fordernden und herrschenden 

Welt. 



V 



I 



König, 
Von ClÄra Michelson* 



Mitten im Herzen der großen Stadt ist Jahrmarkt. Die alte Kirche, die den Pltz 
beherrscht, streckt mahnend zu Ernst und Einkehr zwei unvollendete Türme dem 
blassen Somraerabendhimmel entgegen. Doch der Jahrmarkt kümmert sich nicht 
um die alte Kirche. 

Händler preisen ihre Ware, Taschenspieler zeigen Kunststücke, Gedankenl«ser ent- 
hüllen die Zukunft, Karusselpf erdchen kreisen, Sänger singen, Tänzer tanzen. 
Volk drängt sich mit lautem Gerede und Gelächter in den schmalen Gängen zwischen 
den Buden. 

Da rollt über den Trubel hinweg, fremd und gewaltig, eine Stimme und bricht ab 
mit dumpfem grollendem Stöhnen. Der Jahrmarkt lärmt weiter. Nur hier und da 
bleibt ein Neugieriger betroffen stehen und geht der Stimme nach. 

In einem Winkel abseits vom Getriebe steht eine von hohen eisernen Gittern um- 
schlossene Bühne. Einfaches Akrobatengerät liegt herum: Sockel verschiedener 
Größe, eine Leiter, ein Stuhl. Auf der linken Seite der Bühne befindet sich ein 
Käfig, und darin ruht mit gestreckten Pranken in wilder kraftstrtzonder Schönheit 
ein fahlgelber Löwe. Sein breites, von schwarzbrauner Mihne umrahmtes Gesicht 
ist unbeweglich, und der Blick ist wie in schwerem Grübeln nach innen gerichtet. 

Plötzlich erhebt er sich, macht mit geschmeidiger Bewegung die wenigen Schritte, 
die der enge Raum gestattet, fährt mit der Tatze über die Wand hin, die mit Berg 
und Tal bemalt ist, öffnet den Rachen, daß das furchtbarste aller Gebisse sicht- 
bar wird, und brüllt über den weiten lärmenden Platz der alten Kirche hinaus. 

Aber da ist schon der Gewaltige, der hochaufgerichtete Zweibeinige, in dessen 
Hände sein Leben gelegt ist. Er ist immer gleich da, wie emporgeschossen aus der 
Erde. Er faßt den langen stählernen Stab, der vor dem Käfig bereit steht, und be- 
rührt des Löwen Haupt mit leichtem sicherem Schlag. 

"Ruhig, König, wer wird denn hier brüllen? Du störst die Sänger und machst den 
Menschen bange I Ruhig, König, ruhig! *♦ 

Der Löwe bricht das Gebrüll mit dumpfem Stöhnen ab. Er wendet sich nach vorn, wo 
hinter dem Gitter die hochaufgerichteten gaffenden Geschöpfe stehen, sieht sie an 
mit verlorenem Blick, hebt eine Tatze, umklammert einen Gitterstab, läßt ihn los 
und legt sich nieder wie vorher mit ausgestreckten Pranken. 



- 2 - 
-König," rufen die Geschöpfe, "zeige, was du kannst} Beirege dich ein wenig!" 
Er beachtet sie nicht. Er sinnt und sinnt. Plötzlich erhebt er sich wieder, fährt 
mit der Tatze über die Wand hin, die mit Berg und Tal bemalt ist, wie um sich 
nochmals und nochmals zu vergewisser-n, daß sie Trug ist, öffenet den Rachen, daß 
das furchtbarste aller Gebisse sichtbar wird, und brüllt über den weiten lär- 
menden Platz der alten Kirche hinaus. 

Doch da ist er schon der Gewaltige, der hochaufgerichtete Zweibeinige. Er faßt den 
langen stählernen Stab und berührt des Löwen Haupt mit leichtem Schlag. 
"Ruhig, König, ruhigf Wer wird denn hier brüllen? Du störst die Akrobaten und 
B tBrot di e schreckst die Gäste. Ruhig, König, ruhig!" 

Wieder bricht der Löwe mit dumpfem langgezogenem hinsterbendem Stöhnen sein Brül- 
len ab. Er wendet sich nach vorn, wo hinter dem Gitter die gaffenden Geschöpfe 
stehen, sieht sie an mit verlorenem Blick, hebt die Tatze, umklammert einen Gitter- 
stab, läßt ihn los, legt sich mit ausgestreckten Pranken nieder und sinnt und sinnt. 

Die Welt war Waldesdickicht, war unübersehbare Steppe mit hochstenglichem Gras, war 
breites Tal an rauschendem Pluß. Die Welt war pechschwarze Hacht, die der Blitz 
durchsägt und der Donner durchrollt. Und er war Herr der Erde. Seine kleinen grün- 
leuchtenden Augensterne durchwühlten das Dunkel. Seine Stimme dröhnte vereint mit 
dem Donner hin über das Land. Alles Getier im Umkreis erzitterte in dunkler auf- 
zuckender Todesangst, stürzte sich in wehrlosem Entsetzen zu blinder Flucht. Auf 
.reichen unhörbaren Tatzen kam er geschlichen, und mit gewaltigem Sprung über Sträu- 
cher und mannshohes Gras setzte er sieh dem Büffel in den Kacken. Kracherd e» zer- 
schmetterten Franke und Gebiß den Wirbelknochen des Unterliegenden. 

Eei welche Wollust, die Kraft seines Leibes am Opfer zu messen! Den peitschenden 
Hunger an den blutigen Eingeweiden zu stillen und in der Süße der Sattheit zu ruhen« 

Nur am Menschen hat König seine Herrschermacht nicht genossen. Dieses rätselhafte 
glatthäutige Geschöpf, keinem andern gleich, ist ihm immer unheimlich gewesen, und 
von ihm war die Falle gestellt worden, die als harmloser Waldeshügel erschienen und 
sich als tiefe heimtückische Grube erwiesen. Der Mensch hat ihn um seine Welt ge- 
bracht. Das Wissen darum liegt in Königs Blut. 

Was jetzt geschieht, ist beziehungslos zu seinem Löwendasein. Es ist fremd, wirr, 
ohne Zusammenhang. Er findet sich nicht zurecht. Sein Verstand ist beirrt, 'fir liegt 
auf der Lauer, um die Welt einzufangen, die er verloren. 

Eine Klingel schellt draußen vor der Sühne. 



- 3 - 

^ Kommt, kommt 1 Heute erste Vorstellung des gewaltigsten aller Raubtier#| des klüg- 
sten aller Berberlöwen! Vor sechs Wochen erst in der afrikanisohe» Wildais gefangen 1 
Kommt, kommt I" 

Menschen scharen sich zusammen» Der kleine Platz vor der Bühne füllt sieh« Die 
einfachen weißen Holzbänke sind dicht besetzt* 

Auf der Bühne steht groß und schlank in enganliegendem grauem Gewand der Löwenbändi- 
ger« Es ist der Gewaltige, der hoohauf gerichtete Zweibeinige* In der einen Hand 
hält er eine Peitsche, in der andern einen kurzen Stock. Seine erstarrten Pupillen 
sind auf den Käfig gerichtet. 
Das Zwischengitter wird aufgerissen. Ein Schauer geht durch die gaffende Menge. 

Mit aufgesperrtem Rachen, wild, furchtbar, stürzt König herein. Sein fauchender Atem, 
der Geruch seines Leibes, seine unendliche Unruhe erfüllen den Raum. Nur ein Schlag 
mit der Pranke und ein Biß in den Nacken - und darnieder läge der wehrlose Zweibeinige. 
Doch König ahnt es nicht* Vor ihm steht der GeWltige, in dem grenzenlose Kraft ist, 
ein Allmächtiger, der vor seinem Gebrüll nicht erzittert und sich nicht stürzt in 
wehrlosem Entsetzen zu blinder Flucht, wie alle Geschöpfe des Waldey und der Steppe» 
Er hähertsich ihm ruhig mit hängenden Armen und unheimlich starrem Blick« Dieser Blikk 
läßt ihn nicht los, hält ihn gefangen, bohrt sich ihm in den königlichen Leib, in die 
Augen, und die Augen schmerzen unter diesem Blick. König wendet sie ab. Er möchte 
zurückweichen, fliehen. Doch er kann sich nicht rühren. Er ist wie gelähmt. Hilf- 
los fauchend zeigt er das furchtbarste aller Gebisse in ohnmächtiger Verwirrung. 

"Hierher, König, hinauf auf den Sockel 1" 

Sausend fährt die Peitsche durch die Luft. Die Glieder lösen sich. Sie folgen dem 
fremden Willen. König springt auf den Sockel und auf die Leiter und rast im Kreise 
um den Gewaltigen. Wegen eines elenden Petzen Fleisches hat er gelernt auf einen 
Wink zu gehorchen. Jeden Bissen hat er sich, von Hunger gepeinigt, durch Demütigxing 
erkaufen müssen, - er, dem nur stolzeste Beute der Jagd wert war. Nun wirft sich gar 
der Gewaltige vor ihn hin, abgewandten Blickes mit leeren Händen, so sicher ist er 
seiner selbst. Qualerfüllt weicht König zurück vor ihm, dem das furchtbarste aller 
Gebisse und die gefährlichste aller Pranken nichts bedeuten. 

Schärfe VBlic^ 
Der Gewaltige wendet sich. Mit verdoppelter Kyaft umfaßt sein <iEn, saugt sich in ihn 

ein. Ein Peitschenknall. Und hochaufgerichtet steht er. Die Gittertür fliegt auf. 
Schwer fauchend stürzt König in sein Gefängnis zurück, legt sich nieder mit ausge- 
streckten Pranken und ainnt und sinnt, - ein entthronter König, ein armer Hanswurst, 
der seine Welt verloren. 

Gespenstisch ragen die schwarzen Türme der alten Kirche im Dunkel der Nacht wie zwei 
veiJsttimmelte flehende Arme zum Himmel empor. Der Jahrmarkt lärmt weiter. 



TSf^'W 



LIESE. 
Erz3.hluiig von Klara LÜchelson. 



Liese wÄre ein niedliches i\iädchen gev.esenmit ihrem krcusen Blondhanr 
und den schlanken Gliedern, wenn sie nicht die schexie ve^^•n£:stiete IlPltung ge- 
höbt hatte. Sie ging , eine Schulter schief zur r.eite geneigt, als ob sie sich 
an etwas stospen könnte, und ihre grossen blauen Augen hatten einen unsicherem 
Blick und snhen niemals einen Menschenaffen und gerrde rn. Es war mit ihr auch 
nicht viel anzufangen weder beim Spiel noch bei der Arbeit. Sic fühlte sich 
stets zurückgesetzt und beleidigt. Bald tat der eine ihr unrecht, bald der 
andere oder führte etwas Argee gegen sie im Schilde. 

Als sie älter und es mit ihr nicht besser v-Airde, sagten Vater und Mutter 
zueinander: "Wir wollen sie zu gixten Leuten in die Lehre geben. Vielleicht 
nimmt sie sich da zusnmnen und wird vernünftiger." 

Im Kachbardorfe lebte ein Sc^meiderpnar, Kann und Fraa. dns sich im gp.n^ 
zen Umkreis e^rösster Beliebtheit erfreute. 

"Zu ihnen bringen wir die Liene,-» beschlossen die Ivltern. "D. xmn sie auch 

gleichzeitig ein Handwerk erlernen," 

" Liese." sagten sie zum Mädchen. "Sei puch bmv mit ihnen. l=:s sind gute 
Leute. Sie werden dir sicherlich kein L'nrecht tun." 

Die Schneidersleute empfingen Liese mit rros.er Herrlichkeit. Sie hatten 
ein hübsches Zimmer im Bodenraum, wo sie ^t^^hätte wohnen können. Aber nein! 
Lieschen sollte sich in ihrer miemächsten Ä«/ aufhalten, damit sie sich nur 

recht heimlich fühle, und in ihrer Gutmütigkeit räumten sie ihr die Gast- 
J a MIX jx 
Stube neben ihrem Schlafzimmer ein. • 

Das hiten sie nicht tun sollen, die guten Schneidersleute, denn es gab für 
Liese^Vesen einen geheimen Grund, den sie so geschickt zu verber^-en verstand, 
aass iioadx niemand bisher darauf gekommen war. Liese horchte nämlich. Sie höret 
te an Türen, an WSnden, überall, wo es nur anging, imd wo sie ein pnar Ucn- 
sehen miteinander reden hörte, die «ich unbelauscht glaubten. Unwiderstehlich 
trieb es sie, ihr Ohr anzulegen, als ob ein beglückendes Geheimnis sich ihr 
auf diese Welse enthüllen könnte. Aber in Wirklichkeit waren es lauter uninte- 



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..■-fl&'iSi. ^' a-^.,-"\ 



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ressante Dinge, die sie zu hören bekam, und die sie garniohts angingen. Ohne 
es nber selbst zu merken, fing sie nn, sie so zurechtzulegen und zu deuten, 
als ob sie sich auf sie bezögen, und so verzerrte das Horchbn ihre Beziehungen 
zu den Lienschen, machte sie misstrauisch und unsicher und verursachte ilir noch 
dazu vielen Verdruss, 

In den ersten Tagen zeigte sich Liese fleissig und geschickt, und die 
Schneidersleute mochten sie g^rn. Aber an einem Abend, als Liese schon zu Bett 
gegangen vmr, hörte sie llann und Frau nebenan im Schlafzimmer reden. Sie hielt 
es v/ieder nicht aus und schlich im Herad ans Schlüsr>ellor;h. 

Die Frau nahm gerade ihre neue Armbandulir ab, die der Schneider bei seinem 
letzten Aufenthalt in der Stadt gekauft hatte und sagte: "loh glraibe,(?as Ding 
ta.ugt nicht viel. Ks wäre wohl am besten, es so bald als möglich zurückzuschi- 



cken," — 

Liese prallte von der Tür zurück, 

"Solche falschen Leute," flüsterte sie. "Tun freundlich mit mir unfl denken 
daran mich heimzuschicken." 

Am nächsten Liorgen hatte Lier.e ihre alte verdro^^sene ].liene auf. 
"Tut dir bas v^eh, Kind?" fragte ahnungslos die Sohneidersfrau»"Cder gefällt 

es dir nicht mehr bei uns?" 

" Nichts tut mir u'eh," erv.iderte Liese scheu. Und die Frau wunderte sich ü 



über des iladchens Wesen. 

Liese kormte kaum den Abend erv.arten, um wieder das Ohr ans Schlüsselloch 

zu legen. 

Der Schneider nebenan hatte die Augen zum Einschlafen geschlossen, als 
etwas ihr; heftig in den Kücken stach. Er machte schnell Licht, um zu sehen, 
was es , rre, und da sprang aus seinem Nachthemd ein Floh heraus. 

" Mni rollte nicht glauben," rief er ärgerlich, "dass solch ein icleinrs 

Geschöpf so bissig sein kann." 

Die Frau, die halb eingeschlafen war, antwortete ohne recht zu uissen, 
was sie redete: "Und frisst gerade v-ie ein grosses Tier." 

tjnd die Liese am Schlüsselloch bezog wieder alles auf sich. Sie war das bis- 
sige kleine Geschöpf, \ind sie war das gefrässige grosse Tier. 



-4*" 



.V 



• 5 - 

selbst 

So schuf sie sich eine Kränkung nach der andern und hatte ein freudloses 
schv.eres Leben* Sie horchte rwn re£:elmgsslg Abend für Abend und v.urde vor 
lauter Horchen so thöricht, dass sie die einfachsten Dinge falsch verstand. 
Eines Tages hatte die Ilausi'hündinDiana einen vorüberziehenden Hausierer, 
der ihr aus Irrend einem rTrundc nicht gefallen hatte, ins Bein ircbi?-öen. Die 
Cchneidersleute hattei^sich darüber sehr aufgeregt und Vomiten es gnrnicht 
vergessen. 

"Sie ist schlecht erzogen >" horte Liese abends die Frau sagen, ".^ie hat zu 
wenig Pinigel be.iCom.7ien« Jetzt muss itian ei' nachholen. r>onr»t ist sl** nicht zvl 
gebrauchen." 

Wenn Liese nicht durch das Horchen Jedes vernünftige Urtci^ verloren hatte, 
wäre es ihr xlar geve^^en, da^R f-t^ sich \m die Hündin handelte. Aber p1^ war, 
wie vor den Kopf geschlagen, .^ie dachte gleich wieder nur an Bloh und var 



überzeugt, dass sie es war, die Prügel bekommen sollte. 

Es war kein Mensch da, dem sie ihre .Angst und Kot hätte klagen formen • Die 

Eltern würden ihr nicht glauben. Zudem hatte sie auch zuhause alles Mögliche 

über sich gehört, um kein Vertrauen zu ihren ^gehörigen zn haben. ?ie v^ar 

« 

ganz einram und hatte eine entsetzliche Furcht* 

Kaum graute der Iviorgen, da schnürte sie die notwendigsten Sachen in ein 

kleines Bündel, öffnete leise die Haustür und schlich yt>':< aus dem D6rf hinaus 

ein^ 
dem Walde zu. Sie tat es, ohne viel nachzudenken, wie Tier, r3as p?ich In 

Gefahr glaubt. 

Der Wald erwachte aus seinem Nachtschlaf. A\if den Stämmen imd Zweigen lag 
Morgentau. Blätter und Blüten glänzten vor Frische und Sauberkeit. Die Vögel 
regten sich in ihren Nestern* Sie saugen nicht mehr. Es war Brutzeit, \ind sie 
zirpten nur d«is Allemotwendigste. Liese kam in Traumland hinein. Die Luft 
strich weich iim ihre Stirn, und Äie Stille besänftigte das erregte Genütgn 
^ Traumland vmrde allein zur Wirklichkeit.Da Waren weder .Jüren noch 
Fenster und Wände, von denen her /jröjcikrsxrig und Gefaiir kam. Alles Hässliche, Dop- 
peldeutige, die Schneidersleute, d.is Elternhaus, die Geschwister und Kameraden 
verkrochen sich wie leere Schemen hinter der greifbaren Wirklichkeit des Waldes, 
Die Blaubeersträucher hingen voll saftiger, über Nacht gereifter Fi*üchte. 




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- 4 - 
Sie ass sich «n ihnen sptt. Es war ein köstliches Jv^orgenfrüh stück. Und Pilze 
wnren in IJenge dn, frisch aus der Erde geschossen, mit lachenden roten und 
gelben Köpfen. Liese hntte solche Freude an ihnen, dass sie sie in ihre Schür- 
ze sammelte, ohne zu wissen wozu. Sie betrachtete jeden einzelnen von all 
Seiten wie ein IVunderding, ehe sie' ihn zu den andern in die Schürze legte: den 
dicken snassigen ?uss, die kühle buntgefärbte Haut, die zarten Falten und Höh- 
ren. Sic hob sie an die I^'ase und sog ihren einzigartigen Duft ein, gemischt 
aus Sumpf und Erde. 

Sie ging und ging. Die Sonne stand schon hoch über den Wipfeln. Plötzlich 
überkam sie Müdigkeit. Sie suchte sich ein tiefgrünes breites Moesklssen aus, 
legte ihre Pilze sorgfältig zur Seite, streckte sich rus und schlief ein. 

Als sie die Augen nufschlug, stand ein alter l'imm neben ihr. Kr hatte vol- 
les weisses Haar und leuchtende Augen, die jung waren wie die eines Knaben. 



fIT« 



Madelchen, warum schläfst du allrin im Walde?" fragte er. "Bist schon früh- 
morgens müde?" 

Liese hatte so tief geschlafen, dass sie erst zu sich kommen mu.sste. Sie 
schaute den alten MannW, die Bäume, de«. Himmel, sah die gesammelten Pilze ne 
ben sich liegen und hörte wieder die Stimme, die so gütig zu ihr sprach, wie 
sie noch nie in ihrem Leben vernommen: " J>lädelchen, was machst du im Walde?" 

Die jungen leuchtenden Augen bückten sie dabei so forschend und durchdrin- 
gend an, dass sie glaubte, er sätie schon alles selbst, ehe sie ihm auch das 
Geringste erzählt hätte, Dü Wurden die Schemen lebendig, die sich hinter der 

« 

Wirkllch-keit des V/aldes verkrochen hatten, und kehrtrn schmerzhaft in die Er- 



innerung zurück: die Schneidersieute, die Türen \ind Vvande, von denen lauter 
iDose Din;G'e gekommen waren, und zuletzt di?n,'Sieerv7Hrteten. 



" Ich Weiss nicht, v;ohin ich f:ehen soll," rief sie und fing: schwer und leid^ 
voll zu v^inen mi. " Ich mochte ein Vogel sein« Ich möchte ein Baum sein. Laim 
könnte ich im Walde hleihen. Bei den LTenschen ist alles hasslich. Sie sind dop- 
pelt. Vd)r den Türen sind sie so und hinter den Türen anders. Hinter den Türen 
ist die schlechte Wahrheit./* 

All ihre Hot, all ihre Hilflosigkeit und Vertrrung brach hervor in diesen Trä- 
nen wie ein gestauter Fluss. 




i 



■■i 



- 3 - 

Der Blte Mann l)eiTgte sich zu ihr nieder und fuhr leicht mit der Hand über 
ihren Scheitel. • Keine nicht, Kind, es wird alles gut werden* Ich will mich 
zu dir setzen und hören, wns dir Böses Y;iderfnhren ist*" 

Er Hess sich n^hen ilir nieder, schob nich ein v;enig nr:ch rüclcvvärts, dnss 
sie sein Gerjlcht nicht nah, und tefr:ann v/ieder leicht, ganz leicht ihren 
Scheitel zu streicheln* licse hörte allmählich zu Gchluch?.en nuf • 

" Du hast so gute Kände," sn^te sie noch unter Trnnen , und ein F?chwaches 
Lächeln glitt \m ihren Mund, wie ein erster HonnenbliO. nach Gevvittersturm. 



"Du kc^nnst nicht wehe tiui," 
wischte 
iie xixisiiiK die Tranen ab und fin^^: zu 



L^ 



sprechen mi: von den Sehne idersleuten 



die von Angesicht zu Angesicht ^^o gut und lieb waren, hinter dem Ruc'^en Pber 
lauter herabsetzende Dinge sn,-len, voii den Freun-linnen und Geschwistern, die 
in gleicher V/eise falsch und fibel5efvinnb wnren, und Yon allem Kummer, r!en die 






Ghlechtig}:eit d<rr Menschen verursachte. 

Wenn sie zu Ende erzäliEt hatte und still wurde, nagte die Stimme des frem- 
den alten Mnnnes:"Koch, Kind, noch, xinü v.ie wfir es denn noch?" 

r>o glns Liese immer ■.veit-r zurück. .. . immer weiter ziinlok bis zu .lenem 
errten Male, da das Lauschen um Geheimes ihr, ohne Ipss sie meri.te, zur 



Lust wurde. 



n i 



Und .-.Her Mufgespeicherte Groll und alles -npec-ammelte Leid löstefsich unter 
dem warmen Strom seiner Liehe wie Unreinheiten von einer kristrllenen Schale. 
Liese fühlte sich geborgen vor Jeder Gefahr. Seine Güte imhüUte sie wie ein 
LUitterschoss.... Bis sie dasass mit freiem und leichtem Kerzen. 

DR nahm er ihre kleine Rand zwischen seine langen feinen Hrmde uj.d sagte: 
"lichnu. Kind, hast du dir nicht alles L.elbst geschaffen, alles Schlimme, das 
von jenseits der Türen und Wände ^ekomnen ist? Du hast gelauscht, mein Kind, 
aber hast schlecht celnuscht. .^u hast stüokweis auffrefnnßen. was nicht für 4 
ul^X bestimmt ße vesen und hast alles falsch gedeutet, die giften Schneiders- 
leute. das kleine bissi^-e Tier, die frügel und so alles weiter zurück. Da. 



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- 6 « 



*H 



alles hatte einen andern Sinn, den du erfahren hattest, wenn du offen und 
gerade herangetreten wärest." 

Liese schlug die Augen gross zu ihm auf. 

" Ja, ich glaube dir. Ich sehe es ein. 7.s hat wohl alles einen ganz andern 
Sinn gehabt, und das Schlimme habe ich mir selbst geschaffen. V/er bist du 
denn? Du bist nicht wie die andern Menschen." 

" Ich bin ein ])ichter," erwiderte df»r alte Mann. 

" Kin Dichter?" wiederholte Liese fragfmd. ^^ V/as tut't du denn da?'^ 

Er erhob sich niis dem Moose» 

" Ich gehe und lausche. Siehst du. Ich lausche aucli, u^sr.r andi^rs, als du." 
Er sprach mit leiser, unendlich \vohl>;lirigcnder Stimnie. ^'Ich nehe allen Diiigen 
gerade ins Gesicht und lausche ihnen. Ich Inuschc den Binnen und Vöe:;ifcln, ich 
lausche dem Lied des Sturmes \ind der Welle^ dem Jubel d^^r Frrude und ätn* Xl.:^- 
ge des Schmerzest Ich folge dem Spiel der Schatten und dem Zuge der V»clken. 
|ch höre a\3Ch das Böse, mein "Kind, ach ja, denn es ist da in den Herzen der 
Menschen, die das Wahre nicht zu erkennen vermögen. So gehe ich, lausche, 

|CS 

tehen und lasse« 



suche das Leben zu vers 



in mir vviederklin^cn und sin/r^n»" 



" Ich danke dir," sagte Liese luid erhob sich auchj». "Mir ist so leic.ht \mö. 
froh ums Herz wie nie zuvor. Ich v/ill jetzt zu den ^ruten Schneibderrleuten zu- 
rücr^cgehen. Aber ich vvcrde dich nie vergest'^en. Lebewohl!'^ 

Sie reichte ihm die Hand zum Abschied, und er küsste sie auf die Stirn. 

Aufrecht gin,^: sie mit 2:'uhigen gleichmäF.sigen Schritten im Sonnenlicht. 
Aus der Ferne v/rjidte sie sicli noch einmal um und winxte dem Dichter zu, der 
noch immer dastand und ihr nachsrlu 

"Gott f.(^i Dank, Liese, dass du v;ieder da bist, "riefen die Scneidersleute, 

als sie sie erblickten. "V;ir waren in grorrtrr Angst "um dich und haben dich 

denn 
überall ge \icht. Aber wie siehst du ±if»H aus? Du bist Ja ganz und gar verwand 

delt! IbMxixtxiixxxÄÄÄ Wem magst du wohl begegnet sein?" 

" Einem Dichter," erwiderte Liese und lächelte glücklich. 




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DER K /» R ? F E K . 



Märchen von Clnra I^iichelson. 



Im alten Karpfenteiche, den mächt if^e Klosterh^rrcn einst nngeleGt, er- 
wachten die Karpfen aus ihrem v;inter?chlnfe, schlüpften r.xiis dem schlammigen 
Boden hervor, in den sie sich, eng rnelrnnder gefchmiegt, für die Dnuer acr 
kalten Jahrcr/eit vergraben hatten, und tummelten sich lustig Ira V-Tsser umher. 
*SH|i:B^asten hr-tte sie nicht im minde.-ten geschwächt. 2ie waren fleirchlg 
uj-id fett v>ie zuvor \md unternehmungslustig v^e nur ^e. 

I)*.e Karpfen hatten es auch gut im uralten Teiche. Er lag frei und unbe- 
schi'ttrt dn. Das Wasser wurde von der Sonne unbehindert durchv.örnt. Tiiid euch 
an welchen Zuflü^-^ren fehlte es nicht, die es behutsam erneuerten. Der schlam- 
mige SPiidboden. Muf dem hier und da kleine Felsstücite herumlagen, vvar reich 
an V.ürmcrn , Kerbt i er larven und vcrv.esenden P:^nzenst offen, und sie brauchten 
nur den Kopf in ihn einzubohren, .^enn sie Lust zum Fressen bel^nmen, und Lust 

zum Fressen hatten sie immer. 

Besonders lebhaft gebürdete sich ein drei;)Hhriger, für sein /Iter vAinder- 
voll entwicicelter Kerpfen. Bald schwamm er im Kreise, ^agte Lluscheltiere und 
Kaulquappen, bald schoss er nach oben, steckte den Kopf aus dem ^Vasser und 
sah sich den hellgrünen Teppich an. den die Wasserlinse auf dem Teiche ausge- 
breitet hatte, und dps Himmelsblau über ihm. P.ald schoss er in die Tiefe zu- 
rück. v.ühlte mit seinem kleinen runden Iteul den Sandboden auf und grub da he- 
r^m. bis ihn ein zv.eiter Karpfen, der kürzer und dicker .mr als er. mit der 
breiten halbmondförmiger Schwanzflosse energisch in die Seite stiess. Es '.var 



"Mir iiChcint, dassdu es ein 



seine Mutter. 

"Da bist du endlich, Ausreisser," schalt sie. 

wenig bunt für den Anfang treibst." 

Obwohl eine zahlreiche Nachkommenschaft aus ihren Fiern geschlüpft war 
und im Teiche herumschv..mm. küm^merte sie sich nur um dieren Sohn, auf den sie 
auch mit Recht stolz sein konnte. War er doch mit seinem 



fe^^^ 



> «in Miirii . 




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-2- 
ti^ kleinen edlen Kopfe, dem hoch pnsteif^enden Hüclcen, seinen blRulich schim- 
mernden Silbersohuppen und der gvoBien krf^fti^jen Gestalt der schönßte und 

stnrkste Fisch im Teiche. 

**Wns v;illst du, Mutter?" ant;;ortete er. ''Ich hahe r^nug von der Kühe." 

"Doch soll ra^n nicht übertreibent"schalt die Karpfenmutter ^^^tmütig* Sie 

vvrr behäbir geworden und liebte das Leben ruf f:era?5chlicherr iVeise zu genies« 

^uv uns 

sen. "Sie dp kommt unsere Sippe vorbei, t/ollen ^ttv ihr anschliessenl" 

Doch sie hatte kaum zu >lnde gesprochen! da verd\u:kelte sich df^s Viasser, 
als ob eine dichte vVolke darüber hinz*öge. 

•'idldenten! " sagte sie erschreckt. "Hörst du das Geschnatter?" 

Sie sahen durch drs IVasscr hind*i3rch,vvie ein par.r gros^>e Vögel sich vom 
Schwärm ablösten, niederflogen und mit iliren festen breiten Schnäbeln einige 
alinungslos spielende Fische ergriffen. Kin Schuss durchschnitt in demselben ö^^^^^'^'^ 
pfeifend die Luft, und ein nndererVogel fiel schvver aus der Höhe ins Wasser 
iUlaA XUu$maf l^iMM» gerade über dem j\ingen Karpfen. Ein Streifen wrrmen Blutes 
berührte ihn. 

Die Wildente ging gleich v\,iedcr nn die Oberfläche. Ps bellte laut. Ein 
grosser Vierfüsser stürzte sich ins iiynsser ergriff die verwundete Villdente 



und schleppte sie fort. 



Jui^ 



"Mutter, Mutter, "rief der Jtinge Karpfen erregt. "vVas das alles zu bedeuten*: 
Ein Geschöpf mit heissem Blut? Viie furchtbar! »Vie kann man mit heissem Blute 
leben? Und v^oher kommen nll die seltsamen Wesen? Giebt es viemlleicht eine 
andere V/elt Jenseits des Teiches?^ 
"Jenseits des Teiches ist die Welt zu >Jnde, mein Sohn." 
"Aber ich möchte doch wissen,. vrs daiiinter steckt , Mutter." 

"Sei nicht naneweis,mein Sohn. Die Welt ist »wie sie ist. Zeitig genug wird 
rann Ins UnlDek^mitp hinauf^'ezOt'^en. Lsss uns lieber mit den anderen f:emeinsrim 



schwimmen! Df^s Leben ist lierrlich! Dr,s Leben ist i=ch8n!" 

Sie fnb ihm einen liebevollen Stoss und eiltr vor?n, um sici: inmitten einer 
grossen Sohpr zu tummeln. 

Es schien, rIs ob die Fische nrch der Innren Ruhepr.use sich nicht renur ih- 
res Lebens freuen konnten. Sie Ja£:ten und schwr,mraen in zahlreichen Scharen, 



Bie bließen Blrscn euf» drss tPs Wnstcr ruecrh, nls ob es Xoclvte. Sie wnndeJ^ 
Bich z'.-.lrchen den eolilaiUen biecsRmeri Stengeln der Pflanzen hindurch und nn^t. 
ten rn den Inneren 80hivin,':eiidcn FP-lrn der WnßßcrlinEe. Sic rrrsrcn überhpupt, 
wrs Frepcbrrre iiinen in den iVec icpm, und sprrniren empor und truchton in die 

Tiefo. 

Der Tfi": ginß zur Weiter, ober sie dpchtcn iiicLt mi MPChtruhe. Die G**ll3^ 
Scheibe dee liondcB ersirrhlte über den mftchti,:en Baumkronen des alten Perlces , 
in drpscn iiitte der Telcl: Ing, Purpurne WolkcnJ'ctzen dehnten eich zt Irnfjen 
Streifen am blrcf^en violcttblnuen Himmel. DnB Voßcloroheßter auB unznhlicen 
Geigen, Flttton.Cimbeln und Zithern echruiapftc rrsch zu einem bescheidenen Zv.lf- 
ßchcru zusrnnen. l»ur hier und dr. ert*<5ntc wie vorlorrn ein Ltlmnohen aus dem 
Schlnfp. Und rur Act Ferne erklang: drß !:uhen und Blößen drr Viehherden, die 
von drr Weide heimkehrtfn. 

Drp lincitf-etiej' bCfrrnn ßioh zu rc^jeu. i:it lautloßcm Flü^:elßclilr.e- ging die 
i:ulc nur Beute nus, dooli verriet r?ic von Zeit zu Zeit ilir unlieiralicher Cchrei 
"behüüii behüüh.''Die ^i-rüiien Frößche am Teiohuffr qunkten wie toll in der milden 
X Luft und üborFCi.riecii die iieohLißell, die unweit deß iVrßccrr. ihr Lied sang. 

Leine Arm ruf kurr.en Sohi.innfüsr en der braune Otter ^fröhlichen, der mttM 

zvviFciien G«Bt#ftn dicht über dem Gev.eEccr haußte. Hcimtückipch teuclite er in 

an 
die Tiefe, um von unten her die ßor^loßen Karpfen aran der fetten Bf.ucheeite 

rn7.U6'rrircn.i:eine ».eile mechtf er, keine Bleße zeif-te eich v.prnenä. Guten Ce- 
BchmacA hrt drr Otter, und ein rncpruchc voller ilerrr ißt er. Ilur die ßchöneten 
und fetteptfn Fische verlenrt rein Gnumrn. Lnd fett und appetitlich irt die 
Krrpfenmutter. Hei! packt er eie mit reinen scharfen Gcbiss und trH;;t 4ie Wehx- 
loce pfeilrclmcll davon. Starr rieht der Junre Karpfen zu. -Aller, cecchieht eo 
ßcluiell und uner. artet, dasc er zu Ende iet, ehe er eine Flocr^e bev,r£:t hat. um 
zu helfen, irst nla der linuber nit reiner Beute hinwecrr-rt, begreift er drs 
Furchtbare. Kr eilt ihm nrch und ßicht in der von Ilondlicht eri.oiltei; lircht. 
unweit der Ufera der dunx^le otter ßich auf einem breiten v.eißßen Steine fei- 
erlich zum Llahlc einrichtet. Lancsam gleitet er in die Tiefe zurück. 

Den KoT^f unter rIxwb vorsprincendem Gestrin verrteckt, lac bewcfTuiio'Gloß der 



Älteste eller llrrpfon. Wie rit er v»rr, vmßptr nicmend f-enr\i, f^nch rr selbst 



nicht. Er i*<rr hrlb erblindet • Sein Ko^p wer diciw|Und die Schuppen hr tten ihr« 
Glßnz verloren. Aber er ufr Feiir klu^^ und wurde von rllen geehrt und r,erohtet. 
'^Creiß i"vvpndte siol rn ihn der ^unr^ KprrVf'n. "i.re irt ^enreJtr. dee Teiches ;.• 

'^Jieiii Sohnt"erv. äderte der Alte. "DuF^rllct die roh.erptr rller i'rr^^en, die 

\ 

keiu Karpfen noch bisher bennt/.ortet hrt. I.e g:ehen wohl vercchiedene liegenden 
im Teiche um, aber v,r.B Viö; rer^ nn ihiien int, .<er kSmite es heute BP^^jen. Dp. ist 
eine, zum Beispiel, von einer K'irpfcnrohar, die sich zu uns aus v.citen dahln- 
strömcnden Gcäsrem durchgebohrt und die Art verändert hRtte, vvelciie voriier 
in diccem Teic^.e ^^^elebt. Von dleren Lindrluolinü^n sollen wir den blnuliciicn 
Schimmer der oohunpen und die p^ohöne IJüci.enlinie hoben. Line nndere Le^-ende 
erzHhlt von einer jvleinen Gruppe der Ln6eri{;en , die pich in eiam durch Ke« 
fe-eutjiiesc erv.eiterten i^ufli^ns hineinbe^-eben und rrcndes Gebiet nui^^^esucht hf't- 
te. ICiner von ihnen, der es nit der An^rst zu tun bel-omrien, v.n.re zuriicngekehrt 
und hStte mrnchen Londerbere berichtet. Des plles ist roh. er nrch'^rtifbnr tOcin 
Sohn, liur ein pnar einTnohe Lebencweisheiten rtehen für uns fert. Liebe 
ftixx* deine Freunde und Imte dichv vor deinen reinden. Des Karpfens fT'rtsstes 
Laster ist Gefrns::it^;l<eit. Sic hot mehr rls einem drs Leben c©--:0L.tet. Ds cchnu 
mol hinaus! Sieh, /-rs im uasser über unc t ohn.uivelt." 

Drei wimdcrbnre Lec/ erb innen Feinsten sich lancsnra in den von Llondscliein 
durchleuchteten BiPSßer herrb drei ..undf rbrre i^eckerbicsen nus ruf^e. •eichten 
i^.nce, gehackten Kohlblnttern und Saint, aus Lackfleif^.ch und ilehl nit einem 
zoppelnden «urm d^rrn. Aber der Greis Wer niont zu betrügen, halberblindet, 
v.ie er \^pjr9 v.ucrte er ,:enru, drrs der verrnterirche An^elhUu^en in dienen Kost- 
liciii;eiten rteoKte^und dass sie an ßohAüren ain^;en ,die hell^s^rtin und durch- 
sioiitig »vPren nie des Teichvinccer« 

Süss strömte der Duft von ihnen her. Der Jun^e Karpfen mrchte eine Sewepunf: 



nach oben* 



"ilüte dich vor den Her zu feinen Lec/.erbirt:ent''v;rrnte der Altt, ''3Ö8e Ab- 
sicht steckt in ihnen. '^ 

Doch der Unerfahrene bat:" hur spielen drnit!*' 



- 3 - 



" Lcss es sein, mein Sohn!^ 



"liioht so fnßstlich, '^trotzte der Juiipe. Die Verlockung: «var zu gross* Kr 
schwane sich empor und spielte auch anfrnf':s nur mit dem Köder: stiess ihn mit 
dem kleinen dioXlipplren Xlr.ul hin un her, d.- ss der zappelnde Wurm luBtif: »Bis 
darrn sohrulcelte. Aber plötzlich üoerJcrm ihn die Gier, die verhrnf:niBVplle 
Gier der Ktrpi'en. i.lle M: •■ hniinc . eile Vorsicht vvrr vcrt-^essen. Kur das unwider- 
stehliche Vrrlrn^-en "beherrschte ihn, von den Spitzen der Bartel bis zur ?usB«r- 
sten Spitze der Schwßnirlosse, diese wunderlDEre Speise in sich ruf zunehmen, 
sie im Maule zu hp.lten, si« zu Schnecken, sie herunterziischlucken, und ohne 
sich zu besinnen, friff er zu. Ls s? ss pucli schon der spli-tc Ingeihnken in dem 
empfindlichen Krrpfcnepumen. 

"Hilfe! liilfe!" schrie er Jrmmerlioh. 

Zeit 
Der -,reis hatte die ranze über ihn nicht rus der, Auren fjelrssen und d.- s L'n- 



heil kommen sehen. 



rief 



"Schnell in den i-.chilf !" x**l er, "und den yjigelhaken an den Gtenfeln be- 
festigen!" 

Kr erhob mülievoll seinen alten steifrev.ordenen Körper und eilte zuhilfe. 

zerrten 

Mit vereinten Kr?.ften befestigten sie den Kaken am Schilfe und itftlK an ilinu 
80 lanße herum, bis er sich aus dem Geuiacn herrusl'öste und zerbrochen und leer 

nrch oben ^ing. ^ . 

s«f:te der Ur£«s 

"Diesmal ist es noch irut rbfelrufcn," ermrttet von der Anstren^unc. "loch 
nicht immer bin ic): bei eueren Torheiten drbei." 

I-:r im betriff in sein Vereteck zurückzukehren, als mehrere Karpfen^ sich 
streitend und einander stosrend^ über die t±« beiden übriggebliebenen K5der 
herfielen, und ehe er sich»s versah .fuhren zv/ei von ihnen .hilflos zappelnd, 
in die Höhe und verschwanden. 

Der Juncc Karpfen sah ihnen betroffen nach. 
" Wer ein Mal ins Unbekannte hinauf gezogen wird, kehrt der nie wieder .Greis?" 

fragte er. 

"Der kehrt nie v.ieder, mein Sohn!" 



-6 - 



Aber die Unruhe des Jungen »ar nicht beBohulofttlnt. Er n.lm wenlccr toteil 
M. ceselli-ren Leben, sei*™, nooi. hSuflßer bIb früher en die Oberflfehe und 
guokte Blch mit seinen croesen hervorstehenden ;.ucen. die euB.erhelb des ms- 
' serB ebenso cut r.r.hen «le 1». Kesser. n.ch sllcn Kelten ym. Imn,er w.r es der 
Gleiche ence Ecrl.ont. der seine V.elt umneb. mit den rStselhnften 31neen. die 
sus der, Unbelcnnnten ).«.en. D» stend der Heiher euf hohen Beinen »n flachen U- 
fer ZKlBohen dem Rohr bewegungslos mit eingezogeneB Kais, als v.Rre er aus 
Etem. Doch der Junge Karpfen vmsste schon aus Erfahrung, dass man ih™ nicht 
treuen durfte, und dass der eingezogene Hals »it de. -«.» dolohartigen Sctmr. 
bei blitzschnell hine\is8Ch»»8sen und unbenaherzle zupncken •^ürdc, wenn er [sei 
ne f^eifbare KÄhe xäme. Aber euch hinter dem Reiher lauert c Gefahr, und mehr 

als einmel hatte der Karpfen es gesehen, wie er erschreckt und verÄnestißt 

Lglchj 
durch einen Schatten auffulir undifmit weit aifeebreiteten Flügeln lisk in die 

Lüfte schwang. 



So ungewöhnlich ^ross und et!:rk wsr der jun^e Karpfen, daes er vor Krrft 
übersprudelte. Es drÄng-te ihr aus dem Teich hineus. Etwns musnte gerchehen, 
etwas UnfreAÖhnliches, wie er selber war. 

Dumpfe Gevvltterschv.-üle herrschte eines Tages. Das Wasser war sehr durch- 
wärmt, und die Luft über dem Teiche wer schwer von Feuchtigkeit. Alles getier 
auf der Erde fülilte sich schwach und bedrückt. Die Fische aber wirren wie von 

geheimen KrRften getragen und fühlten sich besonders wohl. 

^ , LEiLjiatte^dnsGefüiil: 

Im Jungen Körpfen war die Spannung aufs äußSöerstegewächseu^ Jetzt oder 

nie könnte er das Aussergewöhnliche wagen, und er sammelte alle Kraft, öle in 

seinem mächtigen Fischk^rper vorhanden .var, gleichsam an elaan Punkt unter die 

Herrschaft eines einzigen zusnmraengerissenen Willens. Dann tat er einen Sprun« 

einen noch nie dagev/cisenen Sprung hinein ins \mbekamite Land. 

"Flok flok" machten die Karpfen und sperrten vor Schreck und Erstaunen die 



1» 



runden KSuler auf 



) 



- 7 - 



als er ihren Blicken entschwand. 

Der Junge Kßrpfen sxnaxt sauste hoch in die Luft empor und fiel drnn 
hart auf den Kies des Parkv.eges nieder. Vom heftigen iüiprall verlor er einen 
Augenblick lan^; des Bevvusstsoin. 

Als er zu sisrh kam, sah er j;ich erctaunt in der fremden Umgebufaß um. Ent- 
set zlicli umheimlich war allos: der harte trockene Eoden, auf dera or lag, die 
Leere, die ikKXKDqjJik um seinen Körper war, und die unverständlichen Dinge, die 
sein Auge wahrnahm. Und das Unbekannte blieb so unbekannt vvie zuvor, uätsel- 
haft waren die Geschöpfe, die am Eirtirael hinschwebten, und die IVecen, die Inng 
und zweibeinig auf der Erde einhergingen. 

Und während er so guckte dahin und dorthin, kam ein schreckliches Unbehagen 
über ihn. Seine Kiemen, die in dfr Luft nicht zu atmen vermochten, wurden tro- 
cken, und ihm ..f.r, als müsste er ersticken. Sein Körper krumpfte sich zusam- 
men, zuckte und schüttelte sich. Und es vvurde immrer schlimmer. Er hatte nie 
gedacht, dnss es -ete«- solche Qual gäbe. Die dunkle, im vergänglichen Geschöpf 
tief ruhende Todesangst eruachte. Sein grosser kraftstrotzender Körper wehr- 
te sich, wollte nicht vergehen. 

Plötzlich platzte der Gewitteregen los. Hei welche Wohltat ! Welche Linde- 
rung der ^chmertien brachte das Kass, das rieh von eben herabschüttete! Seine 

Kiemen sogen es gierig ein. Seine Schuppenhaut dehnte sich ihm entgegen. 

fing 

Aber iIb der Hegen, so plötzlich v-ie er begonnen, aufhörte, iSESXKR die Pein 

von neuem. an. 

Da nalierte sich elncf der langen zweibeinigen Wesen und blieb neben ihm ste- 
hen. Es fisste ihn mit vjeichen und zugleich festen Klammern, hob ihn hoch, ± 
trug ihn rasch irgend wohin \ind schleuderte ihn von sich, dnss ihm Hören und 

Sehen verging. 

\\«Sr Sleich darauf war alle Qual zu T^nde. Wasser umspülte seinen Körper, 
und seine ausgedörrten Kiemen atmeten heftig. Ein grenzenloses Wohlgefühl 
durchzog ihn. Er sah um sich und erkannte seinen Teich wieder. Und schon 
empfand er den unersättlichen Knrpf enhunger -and die unvergleichliche Lust 
des ?ressens. Er öffnete das kleine !,'aul und schnappte nach Kaulquappen und 



den Fäden der Wasserlinse. 



^^^^uiiA . 



\ 



^ 8 - 
" Floft rioft'f mnclitcii erstaiint die Karpfen, die ein ihn heren>.amen. " Ißt das 
eine Uberrnschun/;! Wir glaubten, v*ir sähen dich nimmer v.ieder* Wie war^s denn 
dort im Unbekannten? lo erzähle doch!" 



T! TT 



Fra£:t nicht, frPjivt nicht," erv/id^rte er. " Garnicht v.nr e». Furchtbar 

war es. Unerträglich war es. Ich ma^; garnicht daran zurücrudenhen. Und klür'jer 

bin ich auch iticht fteworden.*^ 

" Ich hfibe eb ceaiuit,*' mischte sich da der Cireiß ein, der Innceam und schv/er 

Fchv räum 
fällig vorübers3£2j£iaOTjaiaKJt^ " Aber du hast es ajn eigenen Leibe erfrhren wollen. 

Des Karpfens Veit ist eben der Karpfenteich, und über die Grenzen reines eige- 



nen Wesens KPim niemand hinrois." 



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DER T R A U K • 
on Cl^"^rn Illchelson. 



"Mir np.ch/^ rief er, ^zur Sonne, z^ar Gönne!" Er hielt die grosf^«^ rote 
Fahne mit dem Sonnenzeichen hoch in der Il^nd und Ji^türmte nllcn vor^n empor 
eux den I3er^^ der Sonne ent^^^e^ren. Und. die Sonne Ing wie ein leuchtender Feiv^ 
erbBll öuf dem Gipfel dee Eerj^er, und rotgoldenen Strahlen hüllten den Bei?^ 
in herrlichen Glnns, 

Viele, viele Taur>ende stürmten ihni nnch, gleich ihn getriehen von der 
Sehiiiiaicht nach der Sonne. Aher der V/eg vmr mühselig, raüliseliger , aln er? 
in der JJntfcrnims schien, denn die hellen geraden Bahnen der Sonnenstrah- 
len tTmcchten hinweg ühcr die kleinen winkligen Pfpde und steilen Stellen 
auf dem Eer^-c. Und in den Höhlen Inuerten die Machte der FinKtornis, Sie 



wollten die Menschen s\ir Sonne nicht lassen. Sie wollten sie xür sich gewin- 
nen, und wütend stellten sie sich ihnen in den Weg, um ihrer, iufFtieg zu 
verhindern. So mussten alle, die von unten her kprnen, mit den Unholden 
ringen. Die Starken siegten mid eilten weiter vnd IcFmpfter. von neuem und 
suchten die Pfrule und drangen iuinier höher zur Sonne emror. Auch die Schv.r'- 
chern k§.-nprten. V.'enn rie schliesslich erlagen, fliehen sie der Sonne doch 
treu und ft^rben lieber, als der Finsternif zu dienen. Die gf-nz Schwachen 
und Feigen ga^ben brld den Kampf auf, sagten sich von der Sonne \ot und er- 
gaben sich den Feinden des Lichtes. 

Auch er, der allen vormigeeilt war, hatte gekämpft und gesiegt. Aber 
plötzlich! Was war das wieder? Unholde prckten ihn hinteri-ücks , ehe er fich 
dessen ver.-ehen, imd zerrten und zogen ilm in ihre düstere Behausung. ICr r,* 
nicht mehr die Sonne. Entsetzen lähmte ihn die Glieder. Eine wahnsinni- 
ge Angrt, sterben zu müssen, überfiel ihn. Fr dachte an sein früheres Le- 
ben zur^Jck .md an all das, was er unten gelassen, und es erschien ihn nit 
einem Haie so volli.ommen befriedigend, das« der Aufstieg zur Sonne ihn 
Wahnwitz dünkte, toller Übermut, für den er schwer büsste. Ach, nur .m Le- 
ben bleiben, und er würde nie wieder zur Sonne streben! Woher nur die un- 
giück^ige Idee von einem Leben an der Sonne? 



t 



.-^i-'-T' 



- 2 - 
Er schleuderte die grosse rote Fchne mit dem Sonnenzeichen weit hinweg \ind 
Vnarf sich auf die Knie nieder vor dem Ungetüm, dns er gehasst und verabscheut 
hette* Er bettelte zurückkehren zu dürfen in die Niederungen. Er v/ürde nie 



s 



v/ieder zur Sonne wollcnT\War ihm überhaupt noch die Sonne? 

Dp Ischte das Ungetüm imcL wuchs iiiid vnxchs..,. Ein furchfbar<»s Grauen schüt- 
telte ihn. Er schrie p.uf, so laut er nur konnte. 

Ach, dp iBg er in seinem Bett, dem schmalen abgenutzten Holzbett, dps er 
so gut kannte, in der ungeheizten erraseligen Stube, in der Bücher und Mnnue- 
skripte, vom Mondlicht grell beleuchtet, in ihrer Ruhe und Sicherheit der 
dummen Angst, die er eben durchlebt, zu spotten schienpn. 

"Solch einen bl'ödrn Traum zu haben,"* sagte er sich ärgerlich, schloss dir 
Augen und drehte sich puf die pndere Seite, Aber der Schlaf wollte sich nicht 
meht einstellen. Immer starker bemächtigte sich seiner ein Gefühl der Unruhe. 
Der Trpura liess ihn nicht los. Er versuchte zu lesen. Es ging nicht. Er ver- 
suchte über den Inhalt der Hede nachzudenken, die er sm nächsten Npchmittog 
in einer geheimen Versammlung halten wollte, allein wieder und wieder verdrrvx& 
te der schreckliche Traum alle andern Gedenken. Gewiss! Es wpt die Wirkung 
der Übermüdung, ääx schweren Essens und ungewohnten Alkoholgenusses, Es wnre 



gut für einige Zeit von der aufreibenden geheimen Tätigkeit puszuruhen, viel- 
leicht fiufc Land zu gehen. Grässlich war^s, wie es gelacht hatte. 

Er fuhr sich mit der Ksnd über die Stirn und setzte sich plötzlich steillim 
Bette auf. Das Mondlicht füllte die ganze Stube und verlieh den Dingen ein 
gespenstisches Aussehen. An den Wanden grinsten in ihren Rahmen die Führer 

der Revolutionen, 

Es war klar. D^alf kein Sichbelügen. Er hatte diese da regelrecht verra- 
ten. Und er sah sich pl'ötzlich, wie er wirklich war, feige und klein, und 3« 
wusste genau, dass er auch im Leben nicht den Mut aufbringen würde, sich für 

4 

seine Idee zu opfern. Denn die /uigst war es doch gewesen, die ganz versteck- 
te heimliche Angst, die ihm den Traum eingegeben. 

So enthüllte und zerbrach der Traum £>ein falsches Heldentum. 



\ 



P U P P E K// 



Härchen von Clara Mlohelion, 



Weich und biegsam läl der Name Daphne war die Puppe, die ihn trug. 
Ihr sohiüales Greiioht und ihre blonden Haare waren auf feinem Batiet 
gemalt, und ihr knabenhaft »chlanker Roßhaarkörper war in ein engan- 



war 



liegende» Kleid aus schwarzem Seidensatin gehüllt. Sie in einer 
KUnstlerwerkstatt erschaffen und von einem Dichter einer jungen 
blonden Prau geschenkt worden. 

Daphne saß auf der Rückenlehne eines mit Brokatstoff bezogenen Sofas 
in einem blauen Salon, und ihre schwarze Uestalt und ihr weißes Gesicht 
hoben »ich vorteilhaft vom blauen und goldenen Hintergrunde ab. • 

Es saßen auch noch andere Puppen auf Rissen^ Schemeln und Lehnen. Da 

war ein ütÄrchenprinz, dort eine spanische Tänzerin, hier ein mittel- 

alterlicher Ritter und sonst manch seltsames uesohöpf« Doch Daphne maoh4 

te sich nichts aus ihnen. Sie war die liieblingRpuppe, die schönste aller 

deren 
Puppen. Sie war blond und schlank wie ihre Herrin, war gleichsam ihr 

Götzenbild, auf das eine üpur ihre» Fer»önlichen Zauber» ^hergegangen. 



Wollte man sich von der blonden jun,;en Frau eine besondere 



Gunst 



erbitten, wandte man sich em Paphne um V^ermittlung und Fürsprache. 
Die Puppen führten im blauen Salon ein angenehmes Leben. Häufig waren 
Gäüte da, die mit ihnen alieriuuid Kur^:iveil trieber, sich die abenteuer- 
lichsten ueschichten über sie ausdachten. Der Dichter, der die Puppe 
Daphne der schönen Hausfrau gebracht hatte, tat sich darin am meisten 
hervor. 

Pie blonde junge Frau liebte ihre Puppen. Puppen waren so gefügig, U» 
lie3en sich alle» ^^efallen. iilan konnte ^it ihnen machen ,wa8 man wollte 



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Und aie kannte kein t;rößeres Vergnügen als mit GeschCxjfen zu spielen, 
sie ihrem Tillen unterzuordnen. i>io ging mit den Puppen um, als irärsn e» 
lebendige Oeschöpfe« 

Nur wenn das Geringste ihnen zuetieß, ein kleiner Fleck oder ein winsiger 
Riß sich an ihnen zeigte, dann mochte sie sie nicht mehr um sich haben. 
Sie mußten fort, daß sie sie nicht mehr sähe. So waren schon viele 

Puppen versch?runden und neue an ihre Stelle erschienen, seitdem Daphne, 

h 

die Blonde, Solarike, auf der Rückenlehne des brokatenen Sofas saß. 

Die junge Hausfrau war eine schwärmerische Natur. Sie begeisterte sich 
leicht tl^T große Worte und sch3ne T?inge. Ihr zartes Genüt vortrug den 
Anblick von Häßlichem and Armaeligara nicht. Was von der Dchattenacite 
des Daseins kan, verdarb ihr die Stimmung. Deshalb ging sie den Betrülr- 
nissen von Mitmenschen geflissentlich aus dem We;;e. 

Eines Tages, als wieder viele Jäste bei ihr versammelt T/eren, ließ jemand 
lüivori^eheus eine brennenue Zigarette auf Daphne fallen. Ein kleines 
brau/ics Löchiein entstand an ihrem weißen i^acken. 

Daphne hatte in ihrem Fuppensinn gedacht:" Ich bin gewiß. i*([ich kann 
das schlimme ueschick der andern i^uppen nicht treffen. Ica bin die 
Lieblingspuppe aller. Ich trage einer griecnischen Jöttertochter Namen. 
Ich bin ÄChlank und blond und bezaubernd wie meine Herrin." 
Kaum erblickte aber diese den . chaden, da geriet sie heftig außer sich. 

'• Du hättest dich in acht nehmen sollen, Daphne," rief sie und faßte sie 

hart mit spitzen Fingern an. " Ich mag dich, so entstellt, nicht mehr 

anschauen." 

" Mitleid," bat Daphne, von Ärgst gepackt. Da es ihr widerfuhr, fühlte 



sie, wie grausa^n es wä«f,sie eines kleinen tiiskss Brandmals wegen 



ei 
vers 



ineriJir_ zugefügten Unbill wegen, zu 
rstoßen. 



- 3 - 



Allein die Abneigung der Jungen Frau gegen alle» Niedersteigende, MAkaxx» 
Sohmerzliohe, gegen alles nur irgendwie vom Gesohick Oezeichnete, war 

« 

•tÄrkar als j&u03 Erbarmen. Ihre veilchenblauen Augen blickten kalt und 
abweisend, ihr minder kirschroter läund veraog sich xu einer schmalen 

Linie. 

und schleuderte die Puppe in eine Ecke 
•• Üie gehört xmJi in den Äiüllkasten,'* sagte sie zu den uä^ten. "Ich bin 



nun einmal so.^ 



• 



••Ich will nicht in den Müllkasten wandern,'* weinte Daphne a^a Boden liegend. 

^ Ich bin noch sohßn. Ich gleiche dir. Morgen kannst du auch einen Pleok 
haben. Denke daran, o denke daran. Ach, den bekonunt cnsLn gar zu leicht!^ 
Aber die Anwesenden beachteten sie garnicht mehr. Auch verstanden sie 
die Tuppenspracho sohlecht und legten laeist ganü nftch ihrem belieben 
die eigenen uedankec und ^^e^ in aie i uppenseelen hinein. 
Zum Glück für Daphne trat grad der Dichter in den iialon. £r hob die in 
Ungunst Jef allere vod Boden auf, betrachtete sie i.chweigend, und da 
Diohter den A^ingen tiefer ins Herz schauen und ihre stum^ue opraohe besser 
verstehen als andere ;iterbliGJae, so sar^,te er: 

»♦Weine nloht, Daphne. Du wanderst nicht in den aJUHkaaten. Ich kenne einen 
kleinen Jungen, der auoh mit Puppen zu npi^lon liebt. Ich will dich zu 
ihm bringen.** 

£r steckte sich Daphne unter den Arm und ging mit ihr fort. 
Er stieg in einem einfachen Haus vier Treppen empor. Kr selbst wohnte 
•ine Treppe höher in der Mansarde. 

Jemand sang hinter der Tut ein ungereimtes Lied und schlug dazu zwei Holz- 
deckel gegeneinander. Der Dichter zog an einer altmodischen ülooke. Als 
die Tür geöffnet wurde, hörte der iesang auf, und ein kleiner dunkeläugiger 
Junge lief ihm entgegen. 



- 4 - 



«Guten Taß," sagt« er zuai Dich t«r," ich seh«, daß du mir was mitgobracht 

hast. U&rf ioh sie haben?" 

Und er streoxto die ütode nach Daphne aus. "loh hrnuohe siö driu^-end. Liesel 

hat oeburtsta^, ^md es fehlt die '^öohin für den üeburtsta^jsohmmis.Du weißt 

aber a\ioh ianer, -im ioh gern haben möchte." 

Vor Aufrögimg lief er, ohne zu danken, mit der Tuppe davon. 

In seiziar Stubs sah es wüst aus. Ba.uklöts^e, Stöcke, Tiere, Trompeter., 

Puppen, unerksnntliche Überreste ^on Dingen lagen kunterbunt auf dem 

Fußboden ^lmher. 

•• Ich bin der Guctl," sa^te der kleine Junje zu Daphne.und betrachtete sie 

mit glänzendem dunkle^n Blick. «Aber du bist häßlich. Liesel ist tausendmal 

schöner als du. " 

Er hob vom Bod«n ein einarcdgec elendes,!»«» in Lumpen gehülltes WWesen 



auf. 

«Liöböfl Licüol, liier stelle ich dir deine neue Köchin vor. Sie heißt Rieke. 
Der \n..ie ptiL',1 zu ihr. Sage ihr, daß du meine Liebst« bist, nit mir schläfst 
mit -iiir ißt \ind zuschaust, ••■renn ich aich T/asoho." 

Er stellte Kieke an den Herd der PuppenkUohe, die kein Dach h?itte. Ihre 
schlanke Geptrat relr-hte weit über deren Wände hinaus, iiann deckte er den 
Tisch zum 'Geburtstags chmaus , wobwi runde i'appstUoke uls Teller und Bau- 
klötae als gefüllte Schüsseln dienten. 

Die üär.te bildeteu eine buhte Reihe. Anerr.ter Stelle saß Liesel, neben ihr 
ein nackte« ßadewa.aienkind zu rechter Hand und ein Löwe zu linker. An die- 
sen lehnte die Puppe Fri«da. Katze, .iaus und ein unbeistijimtea üeeohöpf 

aus Bindfaden kamen einträohtig hinzu. 

Stolze ,, 

Daphna, die-;»»i^, >'9ine. die jetzt Rieke hieß, mußte für diese uesell- 



»chaft von xlrüpptln und Schmutzfinken L>ohokolftde kochen. 

Der kleine Junge stellte sich breitspurig vor die oäste hin, pfiff schrill 




• 6 - 



mit der neuen l'faifei knallte mit der neuen Peitsche, die er sich zun 

letzten lieburtatÄ^ aus^etieten. 

*• Ich bin euer Herr, ich bin der Gustl. Und ihr habt mir auf einen Wink 

zu gehorchen,'* 

Liesel, die schlecht saß| fiel vor üchreck hintenüber, zog Löwe und Bade- 
wannenkind in ihren Palll mit. 
••Oh, die Liosel wird ungebärdig," rief ihr Herr, »» ßia hat es zu gut. 

Ich werde mir eine andere Liebste suchen.Kooim her, Rieke. Wie bist du 
innerlich? iiein Fapa sa^t iinmer:**** Äan kann noch so niedlich aussehen« 
fenn das Innere schlecht ist, hat man keinen groSen A'ert. "^^^ Ich will 
dein Inneres kennen lernen, fdeke, bevor ich dich zu meiner neuen 



Liebsten nache* 



f* 



Er holte von der iwutter Nähtisch dio l^cheore, stacn sie durchs schwarze 
t>eidenkloid in der Puppe schlankeii Leib, schlitzte an ihm herum, bis 
der iii£ einen Blick ins innere gestattete* 
, "Ach,J;aare 2irid in dir! Wie abßcheulj chl'* 
Und Dapline-Rieke flog auf den üchrauk, wo sie Wolken von kitaubf locken 
aufwirbelte. 

Als man sie beim Keineriachon wioderiand, stürzte uustl *aaf sie zu, 
klopfte fiüchti/^, don Ütaub von ihr ab, betrachtete sie, sah ihren aufge- 
schlitzten Loib, ihre Z'^rzausten blonden Haare, ihr schmutziges v^esicht. 
Die iipuren seiner H&nrte '/.'erk^ seines ihr aufgezwungenen \Ullens fand er 
an ihr wieder. Sie wurde ihm plc^tzlich unendlich vertraut. Sein Werk 

war sie, sein 'iesohcipf, seine Puppe. 

nun 
*'Rieke, von an bist du meine Liebste, ▼irst mit mir schlafen, mit mir 

essen und zubchaun, wenn ich mich wasche." 



/ 



Die Schaftstiefel 



^ Von Clara Miehelsoa. 

ElB ItiRjin '£:ine; zv.l sehen Leichenhüf:eln, Galgen, Resten von Schützen«rg^ 
"bcn \incL ähnlichen schönen menschlichen Einrichtiingen seines Weges daiier 
als er an einem Gerüst ein "ßauerlein hängen sah, und ach welche Freude! 
An dcn'Püsen h?tte' es funkelnagelneue glänzende Schaftstiefel. Der Mann, 
dem sämtliche Zehen aus den L'öchern hervor/juclcten, dachte: "Das Bäuerleim 

.1 > 

hängt. Dazu "braucht es keine Stiefel. Im Gegenteil, sie sind nur eine Last. 
In der Hölle "braucht mnn euch keine, und bei der Auferstehung der Selig« 
wird Gottvater sorgen." 

( ^ " 

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Und flugs maehte er sich daran, dem Laucrlein die Stiefel auszuziehea. 
Des war keine leichte Arbeit, de der Korper frei in der luft hing und hia 
\ind her h ähnelte. Ab er der Mnnn liess nicht nach. Er musste die schönen 
Schaftstiefel haben. und rüttelte und zerrte, bis er schliesslich einen 
abgezogen hatte. Wie er nun dr-ran ging, auch den zweiten Stiefel dem Bäu- 
erlÄ abzunehmen, da ©Schreck .'gab es einen lauten Knacks, und der Gehäng. 
te fiel samt dem Cialfrenstriclc herab* 

Im ersten Augenblick stand der Üsnn verdutzt da.Wns nun beginnen? 
Dann sagte er sich:"Es ist nicht meine Schuld, nenn der Henker faule 
Galgenstricke vcr.vendct." Und er begann am zweiten Stiefel zu ziehen. 

Aber plötzlich ,o grrus! schlug das .rauerleiii die Augen auf, guckte 
um sich und fragte mit schwacher Stimme: "Wo bin ich?" 

Dem Manne stand das Kerz still. Er hielt in seiner Arbeit inne, 
schaute dns Bnuerlein an, dann den Stiefel, der noch immer fest a« Fusse 
sass.und sagte mit wiederkehrender Geistesgegenwart: "loh habe dir dr^s 
Leben gerettet. Dafür nehme ich deine Stiefel." 

Und er zog mit solcher Kraft am zweiten Stiefel, d^ss dieser herun- 

ter ging, 

"Lass mir meine Stiefel, "rief das B'auerlein. 



I 



-2- 
fiel^ater mit dem Stiefel in der Kand. 

"Lass mir meine Stiefel, "rief das Bauerlein. 

"Ich haToe dir das Leben gerettet" wiederholte der IfMXK andere* "Mach 
keinen Lärm, steig lieber schnell in meine alten Schulie und scheer dich 
döTon, damit man dich nicht zum zweiten Male aufhange." 

"Ich will meine Stiefel habenVsehrie das Bauerlein. Es mochte ohne 
seine Stiefel garnicht «ttm-Le"ben rurücjckehren.Doch der ilfoin nohm kelae 




Uotiz Ton ihm, legt« ihmTsiir Seit€^seine alten durcj^löeherten Seimhe 



•und ging in den f-onkelnagelneuen Schaftstiefeln zwischen Leichenhügelji, 
Galgen, Hesten von Schützengraben und ähnlichen schönen aenschlichem 
Einrichtungen seines '.Veges weiter. 

Kam eine Schar Soldaten am Bäuerlein rorüT» er, hörte sein V,ehklagen. 
Die Soldaten hatten g#3*frd<. gut geffssen \iÄd getrunken, waren satt -und 
hatten es war». Darum waren sie gutmütig und hatten Mitleid mit dem 
Bäuerlein."V;8rum klagst du, Bäuerlein?"f ragten sie. 

"Ging ein Mnnn vorüber und hat mich meiner Stiefel beraubt." 

"Oh der hSse Mann! Wir wollemMhm schon zeigen. Wo ging er hin?" 

"Dorthin!" zeigte das B*duerlein mit dem Finger. 

Ein grosser stämmiger Bursehe lud sich das Bäuerlein auf den Rüekea, 

und sie eilte» dem Manne nach. 

Bald hatten sie ihn erwischt. 

"Gieh die gestohlenen Stiefel her',' sagten die Soldatem. 

"leh ha\>e die Stiefel nicht gestohlen, "erwiderte der Mann. "Sie ge- 
hörten Äicmaad.Sie hingen frei in der Luft. Das Bäuerlein ist kein 
Mensch. Es ist nichts. Es ist vom Galgen herabl>#rgef allen." 

Die Soldaten erschraken furchtbar, als sie hörten, das Bäuerlein hätte 

Galgen gehangem.Der grosse stimmige Soldat liess es gleich Ton 
seinem Hüeke» abi ' ul sehe n, und sie beratschlagten, was nun zu tun sei. 



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-3- 
"Vors Feldgericht beide, "rief der Älteste. 
"Ja,Tor£ Feldgerieht beide" v/lederholten die aadera. 
Uad sie nahmen den llemi und daß 3'auerlein in ihre Mitte, mad trieben 
8ie mit Gehimpf werten und Kolbenstössen.wie eß üblich war Gefangene ru 
treiben, ins nächste Dorf, wo das Feldgericht tagte. 
Die fünf Feldrichter waren gerade beiseaunen. 

"Hier bringen v.ir euch z.ei.Wir haben sie unterwegs festgenommen," 
sagten die Soldaten, 



Ä'as ist das ?"f ragten die Feldrichter. 



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V.'lr wissen es selbst nicht" erwiderten Jene. "Wir sind/^^aus klug 
geworden. Ein Dieb,»4eh-t/Cein Dieb? Ein BBuerlcin,'ttt«ht/4in Bäuerlein?" 



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Die FeldrichterYnahmen die beiden Gefangenen 

"Wer bist du?"fragten sie das B'duerlein. 

^iB hat mir meine Stiefel gestohlen, "antwortete es und zeigte auf 



den Llann. 

"Wer biöt du?"fragten die Richter den Mann. 

"Früher vvcr ichy^sß. Jetzt bin ich nichts, "sagte der Uanm. "Aber 
die Stiefel habe icii nicht gestohlen. Sie hatten keinen Eigentümer. Es 
war mein gutes Kecht sie zu nehmen." 



4u 



^ "Das ist nicht wahrj'schrie das Bäuerlein."Oh, der Lügner! Dass 



lebendigem Leibe verfaule! Meine Stiefel sind es. Ich hatte sie 



an den Füssen." 



""Als du tm Galgen hingst, Jawohl! Du bist kein Ji?BCh,"rief 
der Uann «lB3^egen. 

Beim Wort Galgen erschracken auck die Feldriehter. 
"Warum hatte man dich «oPgehSagt?" fragten sie gespannt. 
"Man v;8r gerade beim Hangen, da hat man mich «»elr mit_jS«s6gehängt . 
V/arum? Das weiss ich bei allen Heiligen nicht. Aber Gott hat mir das 
Leben wiedergesehenkt.Gott ißt gerecht. Und meine Stiefel auss ich auch 



-4- 

wlederhal)en,"behflupt*te das BSuerleln, 

"Wie kam er vom Galgen heninter?"frfigtcn die Feldrichter drokend 
den lirnn, 

'Wie?Dps y.Bim ich eueh,belgott,»fct Sicherheit «tctt sagen.Aii^ea- 

seheinlieh hatte der Henker viel su tim imd ihn deshraü schlecht 
ge hängt. Ich saJi ihn hängen 

>«k *flA t»t »kM^mkAlte±idi»gp, als ich vorüb erging, imd v,ie ich ein gu- 
tes Stück soi^ fort war,h*örte ich plötelich einen Krach. Ich wandte 
■ich n«:da lag er am Boden. Das ist alles, was ich darüber sagen kanm,// 
liitencrte der Llana und «achte ^as Zeichen des Kreuzes.tua die Glan¥- 
Würdigkeit seiner Worte zu 5«a8e^a5*«a,"Da88 ich dann seine Stiefel 



»ahm, darin sah ich kein Unrecht. Mein Gott, das hätte wohl jeder an 
«einer Stelle getan," 

Die Feldrichter zogen sich zur Beratung zurück. 

Der erste, der en übernatürliche Einflüsse glaubte, sc.gte: "Gott hat 
dem Bauer das Leben wiedergegeben. Lassen wir ihn mit den Sti*feln 
laufen, und hängen wir den Dieb." 

"Nein, mein Teuerer, "fiel ihm der Zweite gleich ins V/ort. "Das 
geht wohl nicht. V/er einmal am Galgen war, gehört dahin zurück, lassen 
wir den Mann mit den Stiefeln laufen, und hängen wir den Bauern," 

"So einfach ist die Cache nicht, "ereiferte sieh da. der Dritte, 
"der eine ist ein Verräter \md der andere ist ein Dieb .Mit beiden 



X)it^U/. 



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"'.Vieviel Lärm um nichts, "mischte sich ärgerlich der Vierte ein 
Er htttfe aus Princip^ immer efe^ andere -rite inung als seine Kollegen . 
"Weder ist der eineri)ieb,noch ist es erwiesen, dass der andere ein 
Verräter ist. Lassen wir alle beide laufen, und das mit den Stiefeln 
moi^tn Sic selber austragen." 

Aber der Fünfte kratzte sieh nachdenklich den Kopf und meinte: 

"Mir seheint, es wäre am besten, wir liessen sie losen _., -i^^ 

:senuldig oder 

u-B,huldle.Ba».\5«ten wir sicher sein, das Riehtl«, «et«« zu hal,e. ' 









•5- 

Wle es nun cur ATistlamme iWB^l&lltli Jeder strikt bei seiner Uelnung. 
Kein einziger wollte Euch nur um ein Jota nachgeTDen. Jeder Tcrsteifte 
eieh darauf reeht zu haben.Dalaei ereifert eH sie sich mehr und mehr. 

V 

wurden lnuaer lauter, fuchtelten Ijald wid mit den Armen umher und sehri- 
en ßOy^nso sie ihr eigenes Wort nicht hBren konnten. Und wotait das ge- 
endet hätte» wSre gamicht abzusehen gewesen» wenn nicht pl8tzlieh 
drausren geweitig ^rach-ta-^ra-raeh ertont «^^cAä/i// > 

Die Feldrieht er i^viirden still, horchten hin. Sie begriff en^was es 
"bedeutete. Der Gegner war da. Unerwartet v^r^r er hereiügeTDrochcn.Sie 
k^ufu^teii. dris a\is Erfahrung. Jetzt galt es seine Kaut zu retten. 

Sie stehen» olme eine Sekunde zu verlieren» auseinander. 

In dem Tumult ergriff dr^s BSuerlein den einen Stiefei und 
der Mann den zweiten und rasten auch daron. 

So entschied in höchster Weisheit die Vorsehung seiher* 



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Hasenfuss und der lustige Bub. 



M&rchen Ton Citre Michelsen# 



Es war einmal ein kleiner Junge, den man Hasenfuss nannte, weil er Tor 
allem Angst hatte und am liebsten immer wie ein Häschen dar onge Sprüngen 
wÄre* Er ging nur ungern aus# Hiohts schmeckte ihm, und er war blass 

und dünn« 

Eines Morgens stand er ror der Haustür« Es war ein warmer Somraertag. Die 

Wiesen blühten, die Vogel sangen und die Grillen zirpten. Hasenfuss be- 

kam beinahe Lust einen Spaziergang zu machen. Er sah zum Himmel auf. 

Leichte weisse Wölkchen hingen an ihm wie Watteb&uschchen. 

•• Es kann regnen, • sagte Hasenfuss nach kurzem Besinnen und schickte 

sich an ins Haus zurSckztikehren« 

Da h^rte er in nSchster HShe ein lustiges Lachen imd wandte sich um. 

Er erblickte einen blonden rotbackigen Jungen, der grad so gross war 

wie er. 

" Warum lachst du?" fragte Hasenfuss betroffen. 

• Hun weil du Regen fürchtest. Man ist doch nicht aus Zucker* Komm, 

lass \ms zusammen einen schönen Spaziergang machenl"* 

Der Bub lächelte so freundlich, dass Hasenfuss nicht widerstand und 

seine Finger wenn auch zögernd in die ihm entgegengestreckte Hand 

legte# 

Kaum waren sie einige Schritte gegangen, da rief Hasenfuss; 

»Oh die PfStzel Oh die grosse Pfütze! Hie komme ich hinüber. Ich mache 

nur meine Püsse nass, mache meine Hosen nass, und nachher habe ich 

Schnupfen und Halsschmerzen. Ich will nachhausel Lass uns umkehren!" 

Der lustige Bub sah Hasenfuss kopfschüttelnd an. 

" Umkehren? Vor einer Regcnpfütze? Das ist doch nicht dein Ernst I Du 

seheinst Ja ein richtiger Hasenfuss zu sein. Sieh, wie ich es mache!" 



- 2 -» 
Er nahm einen kleinen Anlauf, und in der nächsten Sekunde stand er 

strahlend Jenseits der Pfütze« 

...... -. .. « 

" Komm, gib mir die Hand, ich helfe dir." 

8 streckte ihm unwillig die Hand entgegen* »Tlnd wenn ich mitten 



In die Pffitze»«*" doch er hatte den Satz nicht zu Ende gesprochen, als 
er schon neben dem Buben stand^ der ihn mit einer kr&ftigen und geschiclc-. 

< 

ten Bewegung hin^bergezogent Er traute seinen Augen nichts Aber gleich 

darauf sagte er; 

•,..*■- ** 

•• ])u dachtest wohl, dass ich über Pfützen nicht zu springen rerstehe* 
Ich kann es grad so gut wie du^'^ 

Der lustige Bub lächelte nur« Was sollte er auch dazu sagen? Er nahm 
Hasenfuss an die Hand, und sie setzten ihren Weg fort* 

* 

Sie kamen an ein grÖnes Weizenfeld Torbei» Die Halme standen dicht, und 

die 3lhren standen fest und roll, Am Rande blühten Mohn und Kornblumen« 

" Lass Äie uns pflücken," rief der Bub und zeigte auf die Feldblumen. 

» Das gibt einen schönen St raus s für die Stube." 

In diesem Augenblick prellte Hasenfuss so heftig gegen ihn an, dass er 

hast du nur?" 
fadt ximstürzte. " Was j^tkfcxnxtxm fragte er erstaunt. 

• Sieh doch, sieh!" rief Hasenfuss mit vor Schreck herrorstehenden Au- 

• "Ein b^ser Hund! Er wird uns beissen." 
Der Bub scheute hin. An der Wegbiegung stand ein schwarzer Pudel und 

wedelte gutmütig mit dem Schwänze. 

" Ich mache keinen Schtitt weiter," Jammerte Hasenfuss, " Ich will nicht 
Ton ihm gebissen werden," 

» So sieht doch ein bSser Hund nicht aus," beruhigte ihn der Bub. »Schau^ 
wie klug er die Ohren spitzt \ind wie freundlich er mit dem Schwänze we- 
delt. Ich will ihm sch^n guten Tag sagen." 
Er lief zum Pudel hin und streichelte das krause Fell. 
" Ein gutes Tier bist, Pudel, ein liebes Tier." 

Dem Hund schien die Liebkosung zti gefallen. Vertraulich legte er seine 
Pfote auf die Schulter des Buben. 

Unterdessen schlich Hasenfuss Torsichtig an den Beiden vorbei, 
"Du glaubst vielleicht, dass ich vor Pudeln Angst habe," rief er, als 

er sich in Sicherheit wÄhnte. 

Der Bub liess den Hund stehen, und sie wanderten weiter. 

Der Weg wurde schmal. Ein umz&unter Garten zog sich an der einen Seite 



- 3 - 
hin und auf der andern Seite wuchs dichtes Gebüsch, 

Der lustige Bub summte ein Liedchen und zog frlShlich hüpfend Hasenfucs 

mit sich fort« 

" Zieh mich nicht so," brummte dieser, nachdem sie eine Weile gegangen 
waren# "Ich mag es nicht leiden. Siehst du denn nicht den Dornbusch 
Tor uns? Ich kratze mich daran und zerreisse mir die Kleider* Ich gehe 

nicht weiter." 

" Das nennst du Dombusch?" fragte der Bub. "Und die Rosen siehst du n 

nicht und spUrst nicht ihren Duft?" 

Am Wegrand blühte ein üppiger Rosenbusch. Es war Raum genug, um beguem 



an ihm rorb ei zugehen. 



Doch der lustige 



und sagte freundlich; 



Bub kennte nun schon zur Genüge seinen Gefahrlai 



"Wenn du dich furcht est, will ich gern die Zweige zur Seite biegen. Dann 
kann dir auch gamichts passieren. Hun lauf TorUber!" Er hielt die 
Zweige hoch -und steckte dabei die Käse in eine rote Blüte. 
"Damit du den Zweig mit den Dornen auf mich losslasstl" erwiderte Ha^ 
senfuss misstrauisch. "Glaubst du wirklich, dass ich dich nicht durch- 
schaue?" 

Doch er besann sich schnell eines Besseren und lief am Rosenbuscb ent- 
lang. "Da bin ich!" rief er stolz. "Ich habe garkeine Angst gehabt. Ich 

habe nur so gemacht." 

Unterdessen hatten sich die Wattebauschchen am Himmel verdichtet* Sie 

waren zu dunklen schweren Wolken geworden und verdeckten plMzlich die 

Sonne. Die Kinder hatten auf den Himmel nicht mehr acht gegeben. 

«Da hast du es," fuhr Hasenfuss auf, pIs ein Regentropfen ihm auf die 

Hasenspitze fiel. "Unwetter! Ich habe es vorausgesehen. Aber du b<5ser 

Bub hast mich Überredet vom Hause fortzugehen. Was fange ich Jetzt an?"" 

Sein Gesicht verzog sich zum Weinen. 

Der lustige^Bub streckte, seine Hand aus > "Richtig.es re«iet. jEin schö» 

r Sommerregen. Wie wohl aas tut! Die Blumen wartet en^ur da- 



ner Warme: 






F 



- 4 - 
rauft Wie mild die lAift geworden ist! Spüret du es, Hasenfuse?" 

Aber Hasenfuss antwortete nicht. Dicke Tr&ien rollten ihm über die 
Backen« 

* Komm schnell unter Jenen Baum!" rief der Bub, "Sein Laub ist dicht» 
Da werden wir nicht nass." 

Er muEste Hasenfuss fast gewaltsam mit sich ziehen. 

Kaum hatten die Kinder sich unter den Baum geflüchtet, als ein Platz- 

regen losbrach* 

•* Wie gut, dass wir noch zur rechten Zeit angekommen sind," freute 

sich der Bub« 

Doch Hasenfuss Jammerte: 

^ Hie mehr gehe ich so weit vom Hause fort* Wenn es Jetzt noch zu donnern 
und zu blitzen anfängt, dann ist es mit mir aus»" 

» Schau dir diesen Regen an! BindfSden über Bindfaden wie aus biegsamem 
Glas zwischen Himmel und Erde!" 

" Tropfen fallen durch! Es wird nur schlimmer» Hie hISrt der Regen aufl" 

• H3rst du, wie er singt TUnd wie verschieden seine TCne sind? Am Wegrand 
so: klik-klak klik-klak* Ab Graben anders \md in den Bäumen wieder anders!" 
» Hunger hab ich und Durst hab ich und müde bin ich. Oh weh, oh weh!» 

Vor lauter Sngsten wurde Hasenfuss ganz dünnn und blass» 

So plttzlich wie der Regen eingesetzt hatte, hSrte er auch auf. Ein heftiger 

Wind kam angesaust, schüttelte das Wasser von den Bäumen, kräuselte die 

Regenpfützen und trieb die Wolken auseinander« Die Sonne kam hervor. 

lun aber erschrak der lustige Bub« Der Wind erfasste den dünnen Hasenfuss, 

hob ihn hoch \md trug ihn fort. Der Bub blieb wie gebannt s^hen und sah 

seinem Gefährt er rpch, als dieser schon ISngst ausser Blickweite war. 

« 

Dann besann er sich und stürzte dem Winde nach. 

Ischnelli 
Allein wie schnell saust ein Wind! Und wi^lcann schliesslich doch nur 

ein kleiner Junge laufen, wenn er noch so flink ist? 

" Wohin iSufst du, Bub?" fragten die Leute, die vorübergingen. 



- 5 - 

* 

« Dem Winde nach," antwortete er, »Habt ihr nicht zufällig einen dünnen 
blassen Jungen gesehen so gross wie ich?" 
Niemand hatte einen dISnnen blassen Jungen gesehen. 
» Wohin lÄnfst du, Bub?" fragte endlich ein kleines M*ddchen. 
" Dem Winde nach," antwortete er. "Hast du nicht zufällig einen dtlnnen blas- 
sen Jungen gesehen so gross wie ich?" 

"Ja, ich habe was im Winde fliegen sehen," sagte da das kleine Mädchen. 
"Lang und dünn war es und ein Vogel war es nicht," 

"Ach, das war Ja der Hasenfuss,*» rief der Bubt "Da darf ich keine Zeit 
verlieren* * 

Und er lief weiter dem Winde nach. 

Er war schon ganz atemlos, als er in ein Dorf kam. Hiemand aber beachtete 
ihn hier und h?rte auf seine Fragen hin. Die Leute waren damit besohlftigt 
auf den Tu>rmhahn der Kirche zu schauen, die auf dem Marktplatz stand. 
" Sollte am Ende der Kirchenhahn dort oben ein Ei gelegt haben? Das wSrc 
doch gar zu merkwürdig," dachte der Bub. "Da will ich auch hinschauen»" 
Und was sieht er da? Sitzt unser Hasenfuss rittlings auf dem Kirchenhahn, 
Der Bub klatschte vor Freude in die Hgnde und Jauchzte: 
"Das ißt Ja der Hasenfuss." 

" Der Hasenfuss? Wer ist denn das?" fragteil die Leute erstaunt. "Und wer 
bist du?" 

" Ich bin der lustige Bub und das oben ist der Hasenfuss, der vor Hingst en 
so dünn geworden ist, das^er Wind ihn auf den Kirchenhahn geweht hat. Hun 
aber säumt nicht ISnger und lasst uns ihn herunterholen." 
So ging' man dran mit Stricken und Leitern Hasenfuss nrunt er zuholen. 
Was dachte sich aber unser Hasenfuss, wie er da oben auf dem Kirchenhahn 



rittlings sass? Und wie war es ihm überhaupt unterdessen ergangen? 

Im ersten Augenblick, als der Wind ihn erfasste und in die Luft emporwirbel» 

te, glaubte er zu vergehen. Das Herz stand ihm still, und er hatte 



- 6 - 

ein Gefühl, als ob das Leten in ihm erl^schte* Er schlose die Augen und 
h^rte auf zu denken* Und allmählich empfand er nichts mehr als das 

Schwingen und Sausen durch die Luft# Es war so wundersfim, wie er es in 

seinen sch'önsten Tr&umen noch nie erlebt • Er wusste gamicht, wie lange 

das gedauert hatte, als er sich auf etwas Hartes hingesetzt fühlte und 

CS mit dem herrlichen Fliegen vorbei war« 

Er öffnete die Augen zu einem Spalt, und fest wSre er vor Verwunderung 

hinabgestürzt. Er sass auf einem grossen goldenen Hahn zwischen Himmel 

Tind Erde, und in strahlendem Abendrot sah er die Welt vor sich liegen. 

Zum ersten Mal in seinem Leben sah Hasenfuss so die Welt. Er bisher 

immer nur kleine Ausschnitte von ihr gesehen: ein Stückchen Wald, ein 

» 

Feld, eine Wiese, eine Strasse» Aber das, was er ^etzt vor sich sah, 
als er den Kirchenhahnenhals fest umschlungen hielt, war so ganz anders, 
war so überwältigend. Wie meisterlich fügte sich da eines ins andere, 
der See ins Land und der Wald in die Wiesen und wie sicher stand die 
Stadt auf der Erde und schlangelte sich der Fluss durch die Felder. 
Wie dumm war es^ Angst vor allem zu haben! Was gäbe er Jetzt dafür, 
um unten zu sein! Er würde nun sein wie der lustige Bub. Er würde frSh« 
lieh durch die Welt wandern. 
Vieliicht kehrte der Wind 



um und nahm ihn auf dem Rückwege wie- 
der mit. Was gÄbe er alles dafür? Sein grosses Schaukelpferd wäre ihm 
nicht leid und der Steinbaukasten und die Sparbüchse mit allem Geld, 
diese besten aller seiner Sachen» Und wie er da so hoch auf dem Turme 
sass und dachte und sich an der Welt freute, die schSn tind heimlich 
Tor ihm lag, hISrte er prötzlich "Hasenfuss" rufen. Der lustige Bub wer 
es, der mit dem Türmer an Leitern und Seilen zu ihm hinaufkletterte, um 

ihn zu holen. Aher satt eines angst geplagten und weinenden Hesenfusses 

[der lustige Bub 
f and\ «X auf dem Kirchenhahn einen andern lustigen Buben sitzen, der 

gleich ihm bereit war, mutig und ehrlich die Welt zu durchwandern. 



Der Abenteurerf 
MSrchen von 



Clara Miohelson. 

Heim Hennen lebten auf einem Hühnerhofe glücklich und zufrieden» Sie leg- 
ten fleisßig ihre Eier, brüteten sorgfältig, hüteten ihre Küchlein und hatten 
gutes und reichliches Futter. Ihr weisser Hahn war fürsorglich und ritterlich 
zu ihnen, frass nie selbst, bevor nicht alle Hennen sich satt gefressen hat- 
ten, und wenn er ausser der Fütterungszeit einen schmackhaften Bissen fand, 
nahm er ihn in den Schnabel, liess ihn fallen, nahm ihn wieder auf und trieb 
es so lange, bis eine Henne herankam \ind ihm den Bissen abnahm* Hatte eine 
Henne ein Ei gelegt und zeigte es durch Gackeriian, dann kam er he ränge laufen, 
kreiste unzahlige Male xxm die Henne und druckte ihr seine Freude und seine 
Anerkennung durch lautes Rufen aus. Er war zu allen Hennen gleichmässig freund- 
lieh, und wenn ihm sicher auch die eine oder die andere besser gefiel, war 
er taktvoll genug, es nicht zu zeigen. Glaubte er, dass Irgend eine Gefahr 
im Anzüge sei, so warnte er die Hennen mit scharfem Ausruf. 

Aber eines Tages wurde dieser angenehme Zustand in unerwarteter Weise un- 
terbrochen. Ein fremder Hahn war über die Umzäunung geflattert, hatte sich mit- 
ten unter die neun Hennen gestellt und ein überlautes und langgedehntes Kike- 
riki gekräht» Und schon war er noch dazu, dieser Hah^i, mit seinem in allen 
Schattierungen von Goldbraun schimmernden Gefieder, mit dem mächtigen roten 
Kamm, den grossen roten Vorderlappen und dem herrlichen wallenden Schwänze. 
V/as war der alte weisse Hahn dagegen in eintönigen Federkleid, wenn er auch 
immer gut und treu zu ihnen gewesen war und sich Jetzt ohne Zogern euf den 
Eindriifting stürzte, um die Interessen des HüliBBrhofes vor ihm zu verteidigen? 
Der fremde Hahn war Jünger und kraft iger, und nach kurzer Zeit war der alte 
Geführte besiegt und lag, aus vielen Wunden blutend, in einem Winkel am Bo- 
den* Die neun Hennen hatten nicht einen Augenblick daran gedacht, ilim wShrend 
des Kampfes irgendwie beizustehn und nun, da er geschlagen dalag, scheuten 
sie nicht einmal nach ihm hin. Sie hatten nur Auge und Ohr für den neuen Hahn^ 
Geziert drehten sie sieh hin und her, warfen ihm verliebte Blicke zu und 
gackerten miteinander um die Wette. 

Ein Halm tildet sich schon ohnehin viel darauf ein, ein Hohn zu sein. 



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Und was ^^^^ ^^ einer von sich denken, dem neun Hennen in ihrer Gackersprache 

schmeicheln? "Dein roter Kamm, dein wallender Schwanz hat unser Herz gewonnen :■' 

das 
Dem steigt der Erfolg so zu Kopfe, dass er sich nicht nur auf Az einbildet, .v 

was er ist, sondern noch viel meihr auf dns, was er nicht ist. 

Er stellte sich suf ein Bein, befestigte das andere elegant mit dem Sporn 
an einer Flügelfeder, blähte sich breit auf und durchschnitt die Luft mit sei- 
nem weithinschallenen Kikeriki. " Ich bin ein Prinz,'» besagte sein KrShen. 

Dabei war er doch nur von einer gewöhnlichen Henne auf einem gev^Shnlichen Ge- 

Ei/ 

flügelhof als ^n die Welt gesetzt worden. 

Die Hennen gackerten :"Iie herrlich, wie herrlich! Er ist ein Prinz.* Stol:;: 
und zurückhaltend waren sie gerade nicht* 

Und der Hahn vom Erfolg ermutigt, krähte wieder:»» Ich bin der Prinz aus 
Morgenland. Ich habe dort mein Reich, mein Schlose, meine Frauen* 

Meine Frauen brauchen keine Eier zu legen, meine Frauen brauchen nicht zu 
b3nitenJvieine Frauen können den ganzen Tag fressen und schlafen und schlafen 
und fressen*^ 

Die Hennen gackerten:*» Welch ein Leben! Keine Eier legen! llicht brüten müs- 
sen! Fressen und schlafen! Und schlafen und fressen! Welch ein Hahnl Wo liegt 
das Morgenland? Kimm uns mit dahin!" 

•Mein Reich liegt weit von hier* Man muss fliegen können, um daliin zu ge- 
langen. 

^ Wir wollen fliegen lernen, »^riefen die Hennen 

»•Man muss gut marschieren können, '^sagte der Kahn. 

^ Wir werden marschieren lernen, '»rief en die Hennen. 

• Ich befinde mich augenblicklich auf einer Weltreise,»» suchte der Hahn au-- 
suweichen. »• Das schickt sich so für einen Prinzen. Ich muss erst andere Län- 
der und Sitten keimen lernen. Dann komme ich wieder und hole euch ab.»» 

Aber die Hennen Hessen ihn nicht los. "» Ach, das dauert uns zu lange. I 
Erst bringe uns eufs Schloss im Morgenland! •• 

Der Hahn, Axmwvs dem es mit seiner Abreiße gamicht ernst v/ar, und der sich 
mit der Weltreise nur gross tun wollte, gab nach. Er fühlte sich in der neuen 
Umgebinig sehr Wohl* Äeun Hennen, die ihn bewunderten und verwöhnten und ihm 



- 3 - 



den grSssten Teil des guten Futtere überllessenl Was konnte er sich Besseres 



l 



vmnschen? 

Die Hennen dagegen dachten nur daran, Prinzess^innen im Morgenland zu wer- 
den. Sie übten sich den ganzen Tag in Fliegen und im Marschieren und vernach- 
lässigten dabei ihre Wirtschaft^ns Eierlegen und d^s Brtiten. 

Als sie schon geschickt die hohe Urazatinung überfliegen konnten, die den Hüh- 
nerhof umgab, wurden sie ungeduldig, "if/ann geht die Reise los?" drängten sie. 
" Am Neumond," antwortete der Hahn, um einen Zeitpunkt zu nennen, und ver- 
wickelte auf solche Weise seine Lage immer mehr. 

Als der Keuraond am Himmel erschien, erklärten sich die Kennen reisefertig. 
Dem Hahn blieb nichts übrig, sls seine Rolle v/eiter zu spielen. Unterdes- 
sen hatte er sich auch schon so in sie hineingefunden, ärss er beinahe selbst 

Reich 
daran glaubte, ein Prinz zu sein und ein iXK± zu haben, das; Morgenland hiess. 

Er war guter Mutes. War er nicht ein Glückshahn? Was er aufs geratewohl bis- 
her angefasst hatte, j^xiiuis v/nr immer gelungen. Rechnen ^ind genaues Sichüber- 
legen war nicht seine Sfche. So wnr es besser! So war es einfacher! Sicher 
stand irgendwo ein Schloss, d«s auf ihn wartete. 

•* Also losmarschiert {"IcrShte er. 

Er flatterte als erster über den Zaun. Die neun Kennen folgten ihm nach. 
Auf der Landstrasse schritt er voran, d.en Kopf hoch, die Brust breit aufge- 



blSlit. 



drntefi' 

die auf den TelegrafenSian- 



" Wie wichtig die gehen," dachten die Spatzen, 
ggat am Wege spssen. " Es sind wohl feine Leute.'* 
" Wohin geht die Reise?** zwitscherten sie. 

>* Ins Morgenlnnd,"* erwiderte der Kahn. " Wer Lust hat, komme mit!" 
Was kam darauf an! Ein Gast mehr oder weniger! Die Spatzen k'innten als Eof- 
leute gut zu gebrauchen sein, im besondern zum Klatschen. 

Die Spatzen Hessen sich nicht lange bitten und gingen mit. 

Man durchquerte eine Wiese. 

Die Grillen stellten ihr Zirpen ein und schauten erstaunt auf die feieri 

I lieh marschierende Gesellschaft. 

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I " Wohin die Reise?"riefen sie. 



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Ins Morgenland," erwiderte der Haiin. " Wer Lust hat. komme mit! 



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- 4 - 



1 

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• Die arlllen v/aren als Musikanten gut zu getrnuchen. 

Auch sie liesscn sich nicht lange bitten und gingen mit. 

Aber die Hennen, Spätsten und Grillen, die doch nicht gewohnt weren.so unun- 
terbrochen zu marchieren, wurden bald müde. Selbst dem Hal-m wurde es zuviel. 
Das Schloss musste so scimell wie möglich gefunden werden. Er flog ouf einen 
Baura und reckte sich den Kais nach allen Seiten aus. In der Feme ßchimmerte 
ein rotes Dach. 

'* Ich sehe es,» rief er. " Gleich sind wir da." 

offener 
Das rote Dach stand über einem Haus nit Mi±*r XKKataixk Verandah. Auf der 

Verandah war ein Tisch gedeckt, \m& auf dem Tisch standen feines Gebäck, Ein- 
gemachtes, Küsse und ein Milchtopf. Augenscheinlich wurden Gäste erwartet. 
Der Kfihn machte mit Kopf und Bein eine freundlich einladende Bewegung. 
* Vvir sind im Morgenland, und das hier ist mein Gchloss. Wollen die Herrschaf- 
ten gefalligst eintreten und Platz nehmen." 

Er sprang auf den Tisch uhd stellte sich in die I.itte. Die Hennen, Spatzen 
und Grillen KfcziRK set-^ten sich ringsum, und das Festmahl nahm seinen Anfang. 
. Der Kuchen, das Eingemachte, das gute Weissbrot und die Küsse sclunecktcn 
I vorzüglicli. Der Milchtpf wurde umgestürzt» ^^"^^^ ^^^'^ Teil seine;: Inhalts ergoss 
I sich auf eiii paar flache Teller \mä in ein paar Tassen, so dass auch von der 
schönen I^Iilch getrunken v/erden konnte. Die Stimmung war gehoben. Die Kenn 






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gackerten ohne Unterlass in d^r freudigan Erwartung, ein richtiges Prinzer- 
sinnenleben bald na beginnen. Die Spatzen schwatzten darauf los, und die Gril- 
len zirptcji eine lustige Taf elmiirik. 

Der Hahn blähte sich breit auf, befestigte mit der eleganten Bewegung (ipc 
eine Bein an einer Flügelf oder und trähte ein kunstvolles und langgezogenes 
Kikeriki, " Labt Iht es gehört und verstanden?* fragte er, als er fertig war. 
Es war ein Heldengerrng.Ich besang meine Almen und Urahnen, üein Urahne hat 
das Morgenland gegründet." 

•» Der UraJme lebe hoch!'* schrieen die KeniTe]ji,diK Spatzen und die Grillen. 

I Ich« begann der Hahn nun eine feierliche Rede. Aber nichts fiel ihm wei- 
ter ein und so wiederholte er nur " loh - ich - ich - •• 

" Er - er - er •» klang es in den Hennenherzen wieder. " Welch ein Glück! 



ir» 



Second Intentional Exposure 



- 3 - 

Welch ein Glück! Er - er - er - ! Mit ihm l)is ans Ende der Welt!" 

In diesem Augenblick wurde die Tür, die vom Inneren des Hauses auf die Vr- 

rondah führte, aufgerissen, -und die H?^usfrf^u erschien auf der Schvi/elle, um su 

e 

sehen, ob puch nichts vergessen vvl^re* Als sie die Gesllschaft ?^uf ihrem schon 

gedeckten Tisch erblickte, prallte sie entsetr.t zurück* 

^ XiBB ist denn das?" rief sie ausser sich vor Ärger und stürzte mit erho- 



1 









*.- 



"benen Fäusten auf die ungebetenen Gnste los. 

Doch der Hahn und die Hennen stellten sich ihr ebenso ^^tend entgegen« Wi> 
durfte diese fremde Frau es wagen in des Hahnes eigenem Schloss ein feierllchos 
Festessen zu stiren? Es war unerhört. Und er griff sie an, wo er sie nur errei- 
chen konnte, am Bein, am Arm an der Backe. Die Hennen halfen ihm dabei tüch- 
tig. Aber die Frau gab auch nicht n8.ch. Alskie eehf dass sie mit ihren Fau- 
sten allein nicht fertig werden vnirde, eilte sie hinaus und holte einen Be- 
sen. Mit Aufbietung aller Kräfte fegte sie schliesslich die frechen Eindring- 
linge hinaus. 

Da standen sie nun wieder auf der Landstrasse. 
•»Höhere Geivalt," sagte der Hahn, »»man muss sich ihr fügen. B'öse Frau ist x 

wie Sturm und Feuer.* 

verschmerzten 

Doch die Hennen, die fest vn ihn glnubten, ioDÄXiaoa das ihm ungetane Un- 
recht nicht xxxxxkxixxxzx und überlegten aufgeregt, jHuxBOÄSOcit»*?»»»»««*» 
wie man die Frau vertreiben kannte. 

»'Aber wo sind denn deine Leute?»' kam es ihnen da in den Sinn. " Wo sind 
deine Diener, deine Krieger, deine Freuen?" 

«Ach die!» erwiderte der Halm. "Die sind geraite Jetzt an anderen Orten. 
Im Morgenland giebt es viele Schlösser. Das könnte ihr euch wohl denken .• 

Unterdessen hatte der Himmel sich mit drohenden Wolken überzogen, und nah 
und fern verkündeten alle Hähne schlechtes Wetter. Die Kennen wirren gern un- 
ter Dach und Fach gewesen. Aber für ihren Prin^^en waren sie bereit Jedes ün- 

gemach zu ertragen. 

"Wohin geht die Reise nun?" fragten sie ihn sanft und freundlich. 
Wenn der Hahn es nur selbst gewusst hätte! Er flog auf den Pfosten eines 






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Wegweisers und snh ?icli um* Die blPJiko Fische eines Flusses eri^lenzte in nich-fc 

allzuweiter Entf emung*-"Ich führe sie an den Fluss," fiel es dem Knhn ein. 

<• Des weitere wird sich schon wieder irgendwie finden." - 

•* Wir wollen eine Seereise incchen,"ß?'G"te c-r "Z^ ^^^ Hennen, eis er -unten \yar. 
Ich erwarte mein Schiff. Und auf dem Wnsser irt Gewitter niclit ^^ef niirlich.* 

Die Grillen, die sich aus Wasserfnhrt nichts nnchten, sn^^ten der Gesell- 
schaft Lebewohl und 7,4ßen sich r-uf ihre Wiese eurüclc. Did^eugierigen Spatzen 
dagegen trauten dem Halin nicht mehr so ganz und wollten gern sehen, wie sich 
die Seereise gestalten würde. 

Sie gingen zusammen zum Fluss hinunter, und wiriclich hörte man gleich das 
Singen einer Dampfsirene. Ein kleiner Schlepper vmrde sichtbar, der einen 
langen mit übstk'orhen Geladenen Kahn nach sich zog. Auf dem Kahn sah es ge- 
mütlich aus. Tisch und Stüi.le standen da. WHschc war zum Trocknen rusgehangt. 
In einem Korbwagen lag ein Äickes Xind. Aber das Beste war eine grosse fette 
Henne, die von Küchlein umgeben, auf dem Kahn heruinspo zierte. 

Der Hahn wnrf einen Blick ruf die fette Henne und einen Blick ruf seine 
nemi abgemagerten müden Gefährtinnen, und in demselben Augenblick war sein 
iIntschluES gcfasst. Als der Kehn, vom Flusswasser getrieben sich dem Ufer nä- 
herte, spreizte er so breit er konnte seine Flügel nus und flog hinüber. Dort 
stellte er sich an die Seite der fetten Henne, befestigte elegant ein Bein sn 
einer Flügelf edcr und krähte sein lautes langgedehntes Kikeriki, das besagte: 
Ich bin ein Prinz,- ein Prinz nus Morgenland." 

Die nemi Hennen sahen ihm betroffen nadh und begriffen im ersten Augenbli- 
cke nichts. Dann glmibten sie, sie müssten ihm nachfliegen. Aber der Kahn war 
I schon zu weit, und ein paar Hennen, die es versuchten, fielen ins Wasser und 
I ertrnnken. Den anderen brach vor schmerzlicher FJittäucchung drc Herz. Doch 

die Spatzen, die nun den besten Stoff zum Schwatzen hatten, setzten sich ei- 
ligst auf die Telegraf endr "dt e und zwitscherten, einander überbietend, die Ge- 
schichte von dem Hahn und den neun Hennen in die Welt hinaus, so dass m?n sie 
bald wen allen Dachfirsten zu h3ren bekam. 



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DAS HEIM 



Novelle 



von 



Clara Llichelson 



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Novelle von Clara Michelson/ 
Kaiisch, Lodz waren von den Deutschen genonimen worden^auch ?farschau 
war vor einigen Tagen gefallen.Mit erschreckender Schnelligkeit 
rückte der Feind vorhin N* herrschte grosse Aufregung •Auch für diese 
Stadt wurde'^die Ereignisse bedrohlich. 

Die Kanters durfte/keinesfalls dableiben, wenn die Deutschen 
kämentSs wäre für sie ein vollständiger Ruin gewesen. In überstür- 
zender Hast bereiteten Sie sich mit ihren sieben Kindern zur Abreise 
vor. Am Abend war der Plan gefasst worden, und am nachnächsten Tage 
sollten sie abreisen.Ihr grosses Lager an Strick-und Galant er44waren 
wäre durch den Übergang der Stadt an die Deutschen ganz entwertet 
worden, weil diese Dinge in Deutschland um vieles billiger als hier 
waren. Auch die vielen Geldausstände, die sie in russischen Städten 
einzukassieren hatte^konnten ihnen leicht verloren gehen ,wenn sie 
dablieben. 

Ephraim Kantei^ackte mit Hilfe sAftnes langjährigen litauischen^ 
Bürodienersgrosse Ballen von haaren zusamn:en,um sie gleich am &w»Gjm 



Tage nach dem ersten sicher scheinenden Ort zu beförderni und seine 
Frau Lina kramte indessen in der .Väsche und in den Kleidern herum, 

um das Ällernotwendigste zum Llitnehmen herauszusuchen. Sie hatte so 
viel zu tun,dass es ihr bei der Vorstellung schwin4elto,was alles noch 
erledigt werden müsste.Alle sieben Kinder sollten gebadet und für die 
Reise richtig eingekleidet werden. Sachen mussten eingepackt ,und 
Sachen mussten in Ordnung zurückgelassen werden. Dazwischen sang lustig 
der Kanari en-vogel am Fanster über den Blumentöpfen, und die Kinder 
kamen abwechselnd mit WSPt Frage angestürzt, ob sie dieses oder je- 
nes Spielzeug , dieses oder jenes Buch mitnehmen könnten. Frau Kanter 



- 2 - 

Kanter vmsste oft garnicht,was sie ihnen antwortete • Sie sagte "JA" 



statt "Nein" und Nein" statt "Ja", um sie nur schneller los zu werden* 

Von Zeit zu Zeit lief sie in die Küche ,stiess die Köchin Rebekka 

beiseite und warf einen Blick auf sie Zunge, auf die Hühner und auf 

In der Nähe des Herdes 
die lVeissbrote,die f-Qlr den ffeg bestimmt waren.»ÄfeÄK?aiÄmx»ÄXi standen 

das Stubenmädchen Bronja und die Hausknechtsfrau am runden lYaschtrog 
und wuschen 'yiTäsche.Gleichzeitig tiberlegte Frau Lina Kanter, welches 
von den beiden Mädchen sie mitnehmen und welches sie zur Aufsicht 
der ?/ohnung zurücklassen sollte • 

Lina Kanter hatte sich noch nie,8i4tdem sie verheiratet 
war^von ihrer Häuslichkeit getrennt.Sie hatte oft von einer Badereise 
ins Ausland geträumt, um sich ein wenig in der .Telt umzusehen und von 
den häuslichen Pflichten auszuspannen, aber wenn man in dreizehn Jahren 
sieben Kinder zur Welt bringt und mit allen sieben sich selbst unaus- 
gesetzt beschäftigt, so findetsich für einen Badereise wohl nie der 
geeignete Augenblicke 

Es tat ihr weh zu sehen, wie einfach und schnell sich dieser 
schöne grosse Haushalt, in dem jede Kleinigkeit ihr wichtig und un- 
entbehrlich erschienen war, auf lösen liess.Es war in der %atatctÄMBtBe« 
Hast kaim darsn zu denken^ die zurückbleibenden Sachen in entspre- 
chender Ordnung aufzuheben.^/Zenngleich beide Mädchen ganz zuverlässig 



waren, so vYar Prau Lina Kanter doch dann nur ganz beruhigt, wenneie 
bei allem selbst dabei war^Aber wie es fertig bringen, die kostbaren 
Perserteppiche, die sie esst vor einem Jahre mit soviel Preude ange- 
schafft hatten, in ihrer Gegenwart einpfeffcrn und aufrollen -gwyihwigywyY 
und auch die teueren Pelze, von denen man doch nur einen Teil mitnehmen 

konnte, einnähen zu lassen, das wusste sie nicht.Es war garnicht zu 

alles 
Ende zu denken, was noch getan werden musste.Es stand ihr in manchen 

Augenblicken geradezu der Verstand stiil.Eine Sorge, noch ehe sie zu 
Ende gedacht war, wurde von einer neuen abgelöst .Die Entscheidung in 



- 3 - 



in bezug auf die Mädchen war auch nicht einfach, obgleich beide 

Mädchen ehrlich und seit* Jahren im Hause waren.lber in einem so 

e/ 

schwierigen Falle kamen verschieden besondere Erwägungen hinzu. 
Man musste zum Beispiel bedenken, wer auch dhä Gewandtere von beiden 
wäre und sich bei eiaem unerwarteten plötzlichen Ereignis eher 
sich zu helfen wüsste. 

Prau Lina Kanter und ihr Heim waren zweifellos keine Durch- - 
Schnittserscheinung. Das fühlten alle Bekannten und Verwandten, die 

i' 

mit ihr in Berührung kamen. Selbst solche, die zu Eissgunst meigten 
und nicht gern eiaam Menschen begegneten, der besser war, als sie 
selbst, konnten ihr eine wenn auch uneingestandene Achtung nicht ver- 
sagen. Ihr Mann Ephraim Kanter war von ihrer Art/Sr war fleissig und 
ehrlic>^und hutte es in verhältnismässig kurzer Zeit aus kleinen An- 
fc^ngen zu einem beachtenswerten Johlstand gebracht .Auch in den Kin- 
derii^achte sich dieserZug von Schaffenslust und Tatkruii^in dem Eifer 
bemarkbar, mit dem die Altern lernten und gern für die Erwachsenen * 
eine Hilfleistung verrichteten und in der Lebendigkeit ,mit der die 
KleiBBn das Treiben der Grossen im Spiele nachahmten. Das Herz lachte 
einem im Leibe beim Anblick dieser Tamilie, dieser neun blühenden Ge- 
schöpfe, die einander so ahnlich mit ihrem schlanken Körperbau. den 
runden Gsichtern und dem leichtgäwellten Blondhaar waren. 

Als der für die Abreise bestimmte Tag gekommen war, da waren 
die Kanters|auch mit den Vorbereitungen fertig. Die Sragsxadct Dienst- 
botenfrage war dahin entschieden worden, dass die Bronj^nit ihnen ging. 
Die Sachen waren gepackt, die faren abgesandt, die //ohnung in Ordnung 
gebracht, die Kinder eingekleidet. Der !fagen stand vor der Tür.LIan nahm 
in seinem Heim noch die letzte LIahlzeit zu sich, welche dft« zurück- 
bleibende Rebekka fürsorglighjbereitet hatte und zu genieesen an- 
flehte, obgleich es Twisx die rechte Zeit weder für ein littagessen 
noch für ein Abendessen war. 

Innletzten Augenblick, da die Eile in aller Gliedern lag und 



- 4 ~ 



und man sich zu erheben begann, s$iess der Jüngste, der dreijäh- 
rige Jossele , einen Klagelaut aus und zeigte auf seinen Hals. 

Es giebt wohl der Ifutter einen Stich ins Herz, wenn sie einen Seuf- 
zer hört, der über zarte Kinderlippen kommt .Aber wenn der Feind vor 
dem Tore steht, die Sachen gepackt und die Fahrkarten gelöst sind, 
wie kann man da zurückbleiben?Man rechnet auf seinen guten Stern 
und wird merkwürdig verantwortungslos. Nachher scheint es ja einer 
]VIutter wohl,dass man hätte können müssen. Was gäbe man nachher nicht 
alles hin, um ein ein Leben, das man um einen zu billigen Preis herge- 
geben , zurückzurufen? 

Wie nun auch die Kanters auf der langen mühsehligen Reise sich 
um Jossele ganz besonders bemühten^und ihn vor jeder Zugluft zu schü- 
tzen suchten, als sie endlich in B. im Gasthaus abstiegen, da hatte 
das Kind über 4o Grad erhöhte Temperatur, und da kam alle Hilfe zu 



spät 



V 



fienn man aber noch sechs Kinder hat und einen LIann und mit 



jedem von ihnen ein Stück des Herzens verwachsen ist, da erzittert 
man wohl in alle Fugen hinein, wenn solch ein geliebtes kleines Ge- 
schöpf für alle Zeit aus der Stube getragen wird, doch man überwindet 
den Schmerz und wird feinhöriger. 

B. war auch der Ort, wohin die '/ifaren geschikt worden waren . 
Die Kanters glaubten hier bleiben zu können ,sich einzurichten und 
nach Ilöglichkeit ihre alte lebenswelse weiterzuführen. Einige ent- 
fernte Verwandte und ein paar Geschäftsfreunde ,die ständig an die- 
sem Orte lebte, standen ihnen freundlich zur Seite. Sie mieteten eine 
Wohnung, kauften Möbel ein, Herr Kanter eröffnete wieder sein Euro, 
und sie begannen sich schon ein wenig an die fremde Stadt zu gewöhnen 
Da meldeten die Zeitungen ganz unen'7artet,dass die Deutschen weiter 
vorrückten und auch diese Stadt Gefahr liefe ^eingenommen zu werden. 
So war hier ihren« Bleibens nicht länger, aber das Fortgehen tat 
ihnen bitter weh,weil sie etwas Kostbares zurücklassen mussten: 



- 5 - 

mussten:das kleine Grab auf dem Friedhof • 

Frau Kanter schaute dieses LIal nach jedem der Ihrigen mit ver- 
schärften Sinnen hin.Z\:iin ^.weiten Ilale sollte niemand ihr so leicht 
genommen werden. Doch das Geschick war nicht so grausam, es verlangte 
nicht gleich wieder ein Opfer »Sie langten insgesamt wohlbehalten 
in J. an, einer Staat ,die in der Steppe unweit des schvrarzen Meeres 



lag 



Sie hatten hier weder Freunde noch Bekannte. Sie hatten diese 



Stadt nur gewühlt, weil sie weit ab von der Kampfeslinie lag, und weil 
man nicht annehmen konnte, ciass aerFeina Je so weit vordringen wtlrae# 
Ihfe Absicht wieaer eine ./ohnung zu mieten und sie mit den aus B. 
hertransportierten Hobeln auszustatten, mussten sie bald angesichts 
der grossen in J. herrschenden V/ohnungsnot aufgeben. Sie mussten sich 
mit engen möblierten Zimmern begnügen, die auch gleichzeitig, wenig- 
stens fürs erste als Büro für Herrn Kanter dienten. 

Eine fremde Stadt !Z;s hat manch einer erfahren, was eineitt fremde 
Stadt ist! Sie sieht dich an mit kalten Blicken, und du kennst ihre 
Sprache nicht. Da rauscht ein Fluss unter der steinernen Bilicke.Sr 
murmelt atwas.Aber was sagt er dir? Sind ihm diese langen rauchenden 
Schooner zu schwer, die mit Ziegeln und Holz beladen auf ihm hinzie- 
hen? Oder sehAter sich nach dem Abend, um die Geheimnisse der leich- 
ten buntgefärbten Ruderböte zu belauschen? Da tönt die Kirchenglocke! 
T;7as will sie? Kündigt sie einen Feuerschaden, erzählt sie was von 
einem Toten, oder ruft sie zur Andacht? Und dort der blutigrote 
Abendhimmel hinter den hohen Fabrikschloten! Meldet er Wind oder Regen? 
Ja, daheim ,da wusstest du das alles ganz genau, da gingst du durch 
die Strassen ,und alles redete mit dir. Da verstandest du die Sprache 
des Flusses und des Kirchturms und des Himmels. Da wussten auch alle, 
wer du bist, da lächelte dich alles an und grüsste dich. 

Aber hier? fas betrachtet dich der dicke Fleischermeister 
im Laden so misstrauisch, wenn du um ein gutes Teil bittest?Glaufet 



- 6 - 

Glaubt er am Ende ,dass du ihm was schuldig bleibst?Oder wie grüsst 



dich der Bäcker? Als ob du 



den einheimischen Kunden nicht ebeb- 



bürtig wärst) In der Dunkelheit des Abends stolperst du regelmässig 
über die Stufdn an den Strassenecken. Wie kannst du dich so schnell 
auch daran gewöhnen, dass es Stufen an den Strassenecken giebt.Bei 
dir daheim gab es keine. Und wenn du in der 3ile eine Droschke nimmst, 
kannst du es ahnen, dass der Kutscher einen Rundweg macht, um dir 
das Doppelte abzunehmen? 

Sine Bitterkeit setzt sich in deinem Herzen an, und das Bild 
der Stadt ,die du verlassen musstest,und die alles barg, was dir 

teuer war, taucht vor dir auf und erfüllt dich mit .'Jehmut und Sehnen. 

h 
Es war eine ganze Scar ihrer in J. , Frauen, Lränner, Kinder und 

TTtiftBHx -vielen 
Greise, die hierher aus Kovno,Wilna,Grodno,I.Iitau und anderen Städten 

geflüchtet waren^ und obgleich es eine hübsche Stadt war mit gut .ge- 
bauten Häusern und einem grossen luftigen Stadtgarten, hatten sie , 
wenn sie sich trafen und zufällig miteinander bekannt wurden, nur 
ein Gesprach: wie gut es dort zuhause gewesen \mr,wie der Frühling 
dort weniger Winde hatte und der ;Vinter erträglicher war, und was litOMy 
auf dem Markte dort alles hatte haben können, und dass die Uenschen 
dort anderer Art waren, mitdCühlender, ehrlicher, hilfreicher, und 
wie der Lehnstuhl bequem war, auf dem nian gesessen, Sie fragten sich, 
wie die Gräber wohl wären, wo ihre Toten ruhten, ob man wohl gut nach 
ihnen sähe, und auch nach ihren Blumen und ihren Vögeln, die daheim 
geblieben waren, tfas konnte man sich nicht alles erzählen von jenen 
guten ruliigen Zeiten, da jeder seine eigene Schwelle gehabt hatte, 
über die Glück und Leid geschritten iirar.Und wenn man vom Srzählen 
müde geworden war, ruhte man eine v7eile aus und begann dann über 
die fremde Stadt zu klagen, die garkein Mitleid und Verständnis für 
sie hatte, ',7er wusste in der fremden Stadt, dass die kleine unschein- 
bare Frau Blumenfeld einen berühmten Sohn in Paris hatte, der ein 
grosser Chemiker war, oder dass der Vater der grossen kränklichen 



- 7 - 

kranklichen Frau TJolfson ein bekannter, sehr geschützter Rabbiner 
gewesen war, oder d.*ss Salman Hurwitz, der jetzt nicht genug zum 
Leben hatte und für den Geld sammeln musste,in seinee Vaterstadt 
tausende von Rubeln für den Synagogenbau gespendet? Ja, daheim da 
wusste man das alles ganz genau, da wusste man, wer Prau Blumenfeld, 
und wer Frau .Volfson und wer Salman Ilurviritz waren. Besonders diA ka 
alten Leute, die zu Hause noch rüstig und tatkräftig gewesen waren, 
fielen in der Fremde zufaehea-ds zusammen, und die Llänner noch mehr 
als die Frauen. Sie ,die ihr Leben lang gewöhnt waren sich zu schuf- 
ten, nie Zeit zum Essen und Trinken gehabt hatten, sie £ standen nun 
vor einer Leere und \irus8ten mit sich nichts anzufangen. Sie waren mit 
ihren alten Arbeitsformen zu verwachsen ,um sich an neue zu ge- 
wöhnen, die ein rücksichtsloses Zugreifen , ein waghalsiges Riskieren 
erforderten. Sie wurden über Kacht alte llänner, klagten bald über 
Schmerzen im Rücken, bald über Stiche inÄ der Brust, bald über allge- 
meine Müdigkeit, und der Arger tat ihnen nicht gut, zusehen zu müs- 
sen, wie junge unerfahrene Burschen im Handumdrehen ohne Mühe, ohne 
Fleiss, ohne Ehrlichkeit Millionen zusammenrafften. 

Ja, sogar die kleinen Kinder fragten, wann sie denn in ihre 
Kinderstuben zurückkehren würden, wo die lieben alten Puppen und 
Steckenpferde standen, wo Kinder unter sich waren und sich nicht be- 
ständig Tinter den Grossen herumstossen mussten.Zwar konnten sie jetzt 
alle Gespräche mit anhören, die offensichtlich nicht für sie bestimmt 

waren, aber immer ein Gesicht machen, als höre man nicht hin oder ver- 

die Beschämung 
stehe nichts, fiel auch nicht leichtund jis war gewiss nicht angenehm, 

den Blick voll Erstaunen und Verdruss des Vaters und der Llutter er- 
tragen zu müssen, wenn unverhofft einem ein Wort entschlüpfte, das 
bewies, wie richtig man alles verstanden hatte ^und wie gut unter- 
richtet man war. Ja, wozu hatte fi^ man das alles nötig? Dort weit 
daheim inder Kinderstube lebte man sein behagliches ungestörtes Kin- 
derieben! 



- 8 - 

Herr Kanter war nicht alt genug ,um von den Ereignissen erdrückt 
zu werden, doch auch nicht jung gen\ig,uin am wilden Spiel der Spekula- 
tion teilzunehmen. Ei4uchte sich den Verhältnissen anzupassen, wagte 
vorsichtig hier und da und verdiente immer so viel,dass seine Familiex 
keine Entbehrungen zu leiden hatte, Sie richteten sich allmählich 
auch etwas besser ein, indem s'ie den grösseren Teil einer guten :?oh- 
nung übernahmen und gingen alle, so gut es immer möglich war, ihren 
Beschäftigungen nach. Herr Kanter arbeitete ir^seinem Büro, und ^in und 
wieder machte er Geschäftsreisen ,bei denen er stets Gefahr lief ir- 
gendwo stecken zu bleiben. Die Kinder besuchten die Schule, und Prau 
Kanter sorgte, wie in früheren Zeiten für aller Wohlbefinden. Aber das 
Gefühl, dass sie Fremde irldieser Stadt waren, und dass sie heimkehren 
müssten,um wieder ganz froh,um wieder ganz so zu werden,wie sie sich 
dort gekannt hatten, wurden sie nicht los. Und wenn die ^ogen von Hot 
und Bedrängnis über sie hingingen, und selbst dann, wenn FreudeB und 
Jubel der Hassen sie mitriss, dachten sie , gleich all den andern um- 
hergeworfenen, von ihrer Scholle losgelösten Menschen: wenn sie das 
alles dort erlebt eh, dort zuhause, dann wäre die Not kleiner und die 
Freude grösser. In Augenblicken, da ihre Kraft unter dem Anprall im- 
mer neuer Ereignisse zu zerbrechen drohte, hielt der Trost sie auf- 
recht: "Haltet aus! Kur eine Weile noch und ihr geht nach Haus." 

Trennung 
Oh, was wurde ihnen dieses"Zuhaus" , je länger die XBXfe dauerte! Wie- 
viel heilende Kraft strömte von ihm aus, wie viärmte die Erinnerung 
und wie stärkte die Hof fnung ! Denn aus Wochen wurden ITonate und aus 
Lonaten wurden Jahre. 7/as ging nicht alles über diese i:enschen hin? 
Kriegsnot »Verbannung, Revolution, Bürgerkrieg. . . .Tage, da die Häuser 
in ihren Fundamenten zu wanken schienen,Nächte,da man Kellern lag 
und nicht zu atmen wagte, Stunden ,da der Tod am Krankenbette lauerte.... 
Sie gingen nicht alle zurück nach Haus: es waren ihrer viele, die ihre 
Hoffnungen mit in das Grab in der fremden Stadt nahmen. 

Bei der fortwährenden Umgestaltung der politischen und socialen 



- 9 - 

socialen Verhjiltnisse geachah es oChlieöölich,d^ss der Weg nach N. 
frei wurde. Wie sehr die Kanters uuch vier Jahre lang auf diesen Au- 
genblick gewartet hatte^o kam er doch plötzlich und überraschedd. 
Es hiess eines Tages:" Der Weg ist frei, und es ist erlaubt nach N/ 
zurückzukehren." 

In fieberhafter Eile packten sie ihre Habe zusaiamen in der Be- 
fürcht-Qiig,dass sie diese Gelegenheit versäumen könnten. und dass eich 
ihre Hoffnung, wie schon so unzählige Ilale in der langen Zeit^gerschla- 
gen wurde. Die Reise ivar voller Gefahren una Entbehrungen un^N^lcein 
Enae nehmen zu wollen, aber schliesslich langten sie aoch an, und ein 
Glticksgefühl erfüllte sie, als sie die Schwelle ihres Heims überschrit- 
ten und es so vertraut ,so heimlich und so sonnig wiederfanden, wie 
es in ihrer Erinnerung geblieben war.P.ebekka war da, Sie hatte treu 
ausgehalten .Sie weinte Tränen der i'reude über die unerwartete Rück- 
kehr ihrer Herrschaften und wusste vor ?reude und Aufregung garnicht, 
was alles für sie zu tmn und ihnen anzubieten. Ueber den Blumentöpfen 
am Fenster sang der Kanarienvogel lustig wie früher. 

Herr Kanter ging in seine BUroz immer, sah sich Jeden Tisch, jede 
Lade genau an, berechnete, wie er nun das Idöbel umstellen könnte, wel- 
che Neuerung einzuführen gut wäre, die er sich hier und dort auf sei- 
nen Reisen gemerkt hatte. 

Frau Kanter schritt langsam durch die Stuben, blieb überall ste- 
hen, strich liebevoll mit der Hand über alle Dinge hin und begrüsstes 
sie wie acta alte liebe Freunde. Bei Jossele's Sachen blieb sie lan- 
ge stehen. Sie tat sehr weh, diese Erinnerung an drs verlorene Kind, 
und Frau Kanter musste sich Gewalt antun, um den Schmerz nicht um 
sich greifen zu lassen.Sie musste sich sagen, dass Gott ihr noch sechs 
Kinder und ihren Lann gelassen hatte, und dass es nicht vieleb be- 
schieden war ,in ääxx ihr Heim zurückzukehren. 

Und welch ein Vergnügen war es für ihre Sechs in den alten 
Sachen herum2ukramen,L'Iäntel und Kleider anzuprobieren und zu sehen. 



- lo - 

sehen, wie man gross geworden war, wie nichts mehr passte, und welch 

ein Selbstbewusstsein erfüllte einen ,wenn man sich überhaupt mit 
dem ICind von damals verglich. Um wievieles reifer und erfahrener kam 

man sich vor. 

' ■ . 

Doch nicht lange wahrte es,dassdie Kanters sich an der altge- 

öass 
wohnton Stätte umsahen, hhä ihre Seelen von dem angespannten Pfachsein 

und dem unausgesetzten Hinhorchen auf den Schritt des um sie her lau- 
ernden Unheils ausruhten und neue heilende und schaffende Kräfte sich 

in ihnen öammelten. Eine furchtbare Kunde anfangs ungenau und ivider- 

und 
spruchsvoll drang bis zu ihnen hin^ÄHsio nur zu bald nahm sie ganz be- 
stimmte, bedrohliche Pormen an.Ss hiess,dass kurzsichtige, von Hass 
und Rache erfüllte Pührer ihre disciplinlos gewordenen Truppen auf 

die wehrlose leidesmüde jüdische Bevölkerung hetzten, statt sie in 

stellen, 
einen regelrechten Kampf gegeb den wirklichen aagPeind zu -fwfaTww 

Was man sich von diesen Geschelnissen erzählte, war so grauenhaft, dass 
sie fast unwirklich schienen und jede L.assnahme zu einer Gegenwehr 
lähmten. Schon aus der Ferne wirkten die unheilschwangeren Mächte der 
Plasses und der Verleumdung und schon konnte man die Prüch$e sehen, 
die diese unglückselige Saat so reichlich trug. Eines Morgens packte 
Bronja ,das litauische IIädchen,ihre Sachen und erklarte kurzerhand, 
dass sie zu einer kranken Verwandten aufs Land fahren müsse. Auch viele 
andere Leute, mit denen die Kanters bisher im besten Einvernehmen ge- 
lebt hatten, wie Nachbaren und Geschäftsfreunde, wurden eigentümlich 
wortkarg und unsicher im Blick. 
gngTrtkg3ggxgHctxHHg±Bhgryim.'x 

Und ehe man sich versah, war das Unheil da,riesengross ! 

Soll man Euch erzählen, wie es war? ilein,schliesst die Au- 
gen und haltet die Ohren zu! Lasst Euch I^er Bewusstsoin nicht be- 
lasten mit der furchtbaren Erkenntnis: Das ist der Mensch! So kann 
er werden! Schlimmer als jedes Tier 'Das Tier ,das mordet, wenn es 
hungrig oder in Not ist!Aber der Mensch? \7ecke nur,was in seinen 
Tiefen schlummert,reisse ihm die Maske der Gesttung vom Antlitz, 
und dir starrt eine wollüstige Bestie entgegen, die das Tierreich 



- 11 - 



Tierreich nicht kennt •- 



Vier Tage wahrte der Judenpogrom in 1., und als er vorüber war, 
bot die Stadt ein schreckliches Bild der Zerstörung. Unkenntlich ge- 
wordene, verstüinmelte Leichen lagen in den Strassen und Höfen umher* 
Zerschlagene Fensterschoiben, zerbrochene Türen, zerstreutes Hab und 



Gut waren sturarne Ankläger. Schweres dumpfes tonloses 7/ehklagen stand 



in der Luft. 



lü.9^. 



Prau Lina Kanter den zweiten Tag am Boden^an derslben Stelle, 
an der sie hingesunken war, als man ihren I^ann und den ältetten Sohn 

vor ihren Augen erschlagen und die Leichen hinausgeworfen hatte. Sie 

mich 
hatte geschrieen:" Töoet es Biakauch! Uns alle zusammen, lasset nie- 
mand übrig!" Aber sie waren grossmütig gewesen, waren bei guter Laune. 
Vielleicht hatte der Anblick dieserschönen blonden Familie sie hei- 
ter gestimmt? I7as weiss man? Auch die Mordgier hat ihre Einfälle/ 

Lina Kanter war nicht bewusstlos,wie sie so dalag , umgeben von 
den übriggebliebenen fünf Kindern, die \im sie herum kauerten und sie 
mit Augen ansahen, in denen das Entstzön gebannt war. Aber sie konn- 
te siBli sich nicht rühren und ein V/ort hervorbringen. Sie war eine 
einzige grosse Wunde, sie war nur Schmerz, 

Als sie endlich den Kopf ein wenig hob, da fielen ihre Fünf 
über sie her und küssten sie. Sie begriff, aass aiese Geschöpfe zu- 
grunde gehen würden, wenn sie hier so liegen bliebe. Sie stand schwer- 
fallig auf und von ihren Fünf gestützt, sah siex aich um. In einer 
Ecke des Zimmers lag der Kanarienvogel tot am Boden. Aber die Eln^cJoltioj 
der Wohnung war verschont geblieben. Die Küche war leer» Sie erinner- 
te sich,dass Hebekka trotz ihrer Warnung hinausgegangen war ,um et- 
was zu besorgen. Lina Kanter öffnete aas Fenster. Es war still in den 
Strassen. Sie schritt müiiselig und gebeugt durch das Heim, nach aem 
sie sich vier Jahre lang Tag und Nacht gesehit hatte. Sie ging nun 
in Qual zwischen den Wänden einher , und eine dumpfe Feindöeligiceit 
gegen alles, was sie hier umgab, schlich sich langsam in ihre Seele 



- 12- 
Seele ein^Die Türen ,die Fenäter^die Bilder an den IVanaen^öie haxten 

dem Entsetzlichen, das geschehen war, zugesehen. Sie waren st\irrim geblie- 
ben und hingen ruhig wie zuvor .Dass alles nicht berstete und brach 
und in einen Trümmerhaufen zusammenfiel! Und diese weichen seidenen 
Möüel,von denen sie jeden Morgen mit eigener Ilana aen Staub abgenom- 
men, und die Blumen auf den FensterbrettBipn,aie sie mütxerlich gepflegt! 
Aus ihrem Herzen hatte sie all aietien Dingen gegeben, und sie haxten 
geschwiegen, als ma.n ihr das grauenhafte Leid angetan. Das& die Stras- 
se den Schritt aer Llöraer ertragen und die Bäume ihnen geduftet wie 
auch ihr. Dass sie das alles geliebt und gepriesen hatte! Una aie 
Menschen um sie her! Der alte Pischhänaler im Hause, aie Wäscnerin 
auf aem Kofe una uerBäcker drüben! Was hatten sie für sie getan, 
als sie in Hot war? Für sie ,die sich vier Jahre lang Tag und Nacht 
nach ihnen gesehAt hatte! Verraten und beschimpft war sie. Sie sank 
in die Kniee/ Es schien ihr, als wäre sie gewandert tausende von 
Jahren und erlitten hätte tausendfachen Tod. Sie streckte hilflos 
die Hände empor und betete in ihrer tiefen Hot. 

" Gott, Barmherziger! Führe uns heim, dass wir ausruhen! I¥ir 
sind müde vom Wandern !Gieb uns ein Stück Erde, dass wir an ihr wurei 
zeln wie Bäume und Kraft zum Leben aus ihr saugen! Hilf uns. Barm- 
herziger!" 



^ 

'<^\ 

% 



/ 



Die Vase* 

MÄrchcn von Clara Michels on* 

Ein Krieger hatte in einer Schlacht dem König das Leben gerettet. Die- 
ser 
liess ihn zu sich kommen imd tn>erreichte ihm zum Dank eine wunderschSne 

kristallene Vase* »^Gieb gut acht auf siet*sagte era"Sie ißt leicht 

zerbrechlich, aber es ist keine gew3hnliche Vase« Ich habe sie von einem 

morgenlandisohen Konig geschenkt bekommen«* 

Der Krieger war über die Gabe hochbeglückt und versprach sie in hoch« 

sten Ehren zu halten« Vorsichtig trug er sie in seinen grossen groben Hfin-» 

den nachhause und stellte sie «ntf den besten Flatz<iDa sah er erstfWie schSn 



sie war »Durchsichtig zarte, grünliche WeinblRtter umrankten lieblich den 



m 



Hals und den feingewBlbten Leib, der an einer Seite eike rotgolden schimmern 

de Rebe trug« 

Der Krieger gewann die Vase lieb, als waxe sie ein lebendiges Geschöpf • 
Sein 3der Raum kam ihm wie verwandelt vor, seitdem sie da war.Ihre Zartheit 
bewegte den rauhen Mönn wie nichts bisher. Er, der gewöhnt war, alles fest unÄ 
derb anzufassen, hielt an sich^wenn ersie berührte, als könnte er ihr mit sel- 
ner gewaltigen wehe tun oder sie zerdrücken« In sein dunkles, vom Niederschla- 
gen tmd Rauben rerhftrteteB Kriegergeraftt stahl sich ein lichter Strahl ron 
W&rme und reiner Freude. 

Ater immerhin geschah es, dass er eines Hachts mit Waffenbrüdern Ton ei- 
nem Beutezug heimkehrte und In guter Laune ein Gelage veranstaltete« Sie aa- 
sen und tranken weit über Hunger und Durst und sangen wilde Lieder, J)ann hol- 
ten sie die Beute und begonnen sie zu tellen»J)abel gerieten sie bald In 
Streit ,der In eine Prtlgelel tlberglng.Es gab grimmige öchlRge und hSssllohe 
Worte. Ohrfelgen knallten, und Blut||tropfen spritzten umher. Und ein Bluts- 



tropfen fiel, ohne dass Irgend Jemand es beachtete »auf die schSne sohlm« 



memde Vase. 



Die Waffenbrüder tobten noch lange, bis sie vo* Mttdlgkelt umfielen und 



-2- 



einschliefen« 



ie 



Als unser Krfiger sich ttlohtig ausgeschlafen hatte und wieder zu 
eich gekonuaen war, sah er sich naoh seiner Vase um. Aber er erschrakt wie er 
sie erblickte •> Sie hatte ihren wunderbaren, grünlich rotgoldenen Schimmer 
verloren tind war eine gewöhnliche Vase geworden^ 

•Sie ist yerdorben," sagte er« "Ihre Schönheit hat nicht lange angehal- 
ten. Der König hStte mit für meine Dienste etwas Besseres schenken können." 
Er stellte sie in einen Winkel tmd kümmerte sich nicht mehr um sie. 
ÄKe^^Bj Morgen^kaa der König Torbeigerittenthielt an und trat joauas^ 
fij B gij s jt zu ihm ein.Er hatte erwäget, dass ihm die Vase gleich in <uifc Augen 



würde und war erstaunt sie nicht zu sehen^Endlich entdeckte er sie 
in ihrem Winkel glanzlos.^aad dunkel und Spinngeweb bedeckt. 

IX Ein furchtbarer Zorn über solche Nichtachtung packte ihn. fSo be- 



Trümme 



als so unwürdig behandelt werden. • 



Bei diesen Worten ergriff er die Vase, stürzte mit ihr ins Freie 
und schleuderte sie mit solcher Wucht dWcnieder^dass sie , in Staub zerfiel. 
Doch beror sie TTrnrh'^'^* ' ^ *"' ^'""^ ^ ^ ninu m\L iIp i » .^4:faTih der Erde vermengte, 

erstrahlte sie einen Herzschlag lang in ihrem alten herrlichen Glänze. 

ie ^ ^ 

Der Kr*fcger war aufs tiefste ergriffen. Ihm war, als hatte er ein grosses 

Glück in Händen gehabt und durch eigene Schuld verloren. 

"Ich bin ihrer nicht wert gewesen, •sagte er zum König.^Jetzt ist es zu 

spfttjOim gut zu machen. • 

Eine grosse Traurigkeit kam über ihn.Das Kriegshandwerk, das sein ganzes 
Wesen erfüllt hatte , gefiel ihm nicht mehr. Seitdem er selbst Schmerz empfun- 
den.hatte er etaen^Sinn dafür bekoamen.was es «^»vB »einem andern GeschBpf 
Leid auzutun.Er mochte nicht mehr sein Tagewerk Jj^i» sehen.tlter Menschen 
herzufallen, sie niederzuschlagen und zu berauhen.lr wunderte sich ■uMi.dftss 
^A^^ ««i,,!^- Ta+iirv*^-!: flh«rhftnT>t als etwas Rühmliches und Ehrenhaftes gelten 



ex/|\€^ 



konnte xmd auoh Ihm selbst als etwas Gutes erschienen war« Er empfand 
Sehnsucht anders und hesser zu leheUf aher er wusste nicht , wohin zu gehen> 

und was anzufangen • 

Seine Unruhe tri eis ihn oft an die St eile, wo der Staub der Vase sich mit 
der dunklen Erde wniiil itlit hatte, als könnte von d©. «»e Irgend etwas kommen, 
was ihm Frieden Twtufeeii >rf(iidt> £r sass da stundenlang bewegungslos und tlber- 



liess sich seiner Trauer» JN^ ^r grosse starke Mann soh&nte sich nicht zu 
weinen und Hess seine Tranenauf die geliebte Erde fallen. 

Eines Tages, wie er hinbrütete, ohne Lust zu irgend einer Arbeit zu haben, 
sah er etwas Grtbies eus dem Boden spriessen. Es wurde grösser, seine BlStt- 
chen entfalteten sich und siehe! es war ein Weinstook« ' 

Der Krieger hegte und pflegte das PflSnzlein,als w|bre es sein Kind, Es 
war mit einem Male etwas da, das die Leere in seinem Gemüt ausfüllte. 

Der Weinstock wuchs und wurde stark und gross. Er bekejn Trnuben,die rund 
waren, wie die Tranen des Kriegers, und als es Herbst wurde, fSrbten sich die tf 
Reben goldenrot und wurden wundervoll saftig, und der ganze Weinstock schim- 
merte aus der Feme grün und goldenrot ,wie die Vase gewesen war. 

Der Krieger hatte e#*föieij^e Freude an ihm,dasB er anfing den Boden rings 
umher urbar zu machen und die Samen seiner Trauben hl^zusRen. Bald «pross 
etr^Weinstock »€fc«Ji ienr-wwtcx^n aus der Erde hervor, und bald war es ein «tt- 
»er grüner goldenroter Weinberg, der weit über das Land hinleuchtete. Und 
wer Ihn sah, der hatte seine Augenweide daran,und dem wurde das Herz fröhlich. 



_ t- 



Finstere Wolken den Himmel misaumen^ Düster ist^s ringsum und trüb. 



.*..^ 



Finstere Wolken den Himmel umsäumeni 

Düster ist^s ringsum und trüb. 

Klage erklingt in entblätterten Bäumen» 

Schlafe nur weiteri mein Lieb! 

Sorgenlos schwelge in fröhlichen Träumen, 

Fliehe der Wirklichkeit Qual. 

Träume beglückendet 

Träume entrückende 

Griebt^s nur einmal« 



Glücklich, wer schläft und bei herbstlicher Kühle 
Träumet von lenzlicher Pracht. 



v/ 




r 



L'AHBRE ET l'Oir.F.AU. 
Conte de Ciaire :.:ichel3on. 

Le souffla du vQnt dii->..ersrd t les i^reäaes ail^es loin au dessus de In 

terre et des eaiix. 

Les semences tc:abaient sur des chanps fertiles, dans la rivibre ou 

sur la froide picrre, L'une des ^raines s'^,;ara sur une haute falaise 



SU 



TDlo.Tibant un insondable pr(?cipice. 



Le vei't avait ddjb. port^ d-^^ ^ 



o q 



jraiiieo dans ce lieu dd^iol^. Blies s'y 
ltaiei.t ,-erdues. Aucune vie n'^tuit sortie d'elles .üais ootte £raine-U 



proßp^ra. 

Ce fin3s racines s •eufcnclre/.t df-ns la terre in£;rr.te et exi aspirb.reut 

la s^ve, de verts boui-eons ^arurent, toute la plante respirait avide- 

.nert. Un arbre naissait et d^fendait passionii^.ient sa vie. 

Des tGmpStesHiä*äUlm£i de tout att6 , ^branlant sa eine et tiraiUant 



ses 



racines. L'arbre ne se rendait pas. 



C^^tait une lutte dura at 



acharn^e . 



ar b T '3 s 



ouvait levor fi^ro.ne/.t la tSto ver?, U cid co.a:ie le. autres 

pas r^trc bris (5, et son trc.ic et 



nour 



I 



13 riG p^ 

II devait se courber re-^ no 
ses branchos deviarertt courts et noue\ix. 

Mais plus y<<r.ihle oncore qye la lutte avec l'oura:,-an devint sa solitude. 
L'abi::ie seul s'offrait >. aas yeux , aucuu papillon, pas uuc abeille ne 
venait se balancer sur ses feuilles. 
L'arbre de In falaise ••lenait une triste exister.ce. 

II advint un jour qu'un oiseau migrateur 6^:xr6 , vola au dessus du r,vS- 
ciT)ice. U Is francMt p5nible.nont , les ailos lourdcs de fatigue, et 



se 



laissa to.iber sur une branehe de l'abre solitaire 




''J^ri: ^crd^; ma roiuto/* dit-il, "(luol bqulieur d^avoir trouvd im ^^e- 
arb-^o vert siir cette falaise d^sol^e. Je sorai« iaort de d^sespoir, 



si je iiO t'avais pas aner9u. Ta vug .n'a redonn^ 

L'oiseau r>e reposa sur l'arbro et rev'rr.t sen forees. 

" Reste o-vec noi , rerte avoc .ao-i?'* ßiippli'5. l'nrbre. " Je suir. 33. seul. 



** Je ne pe^^:v par./' r^pondit l'oiscau. ^* (v'est j-'liu-; fort que doi. Quelque 

chose en j/ioi «ne pousse au d^part bien que je ne sachc o\\ aller, a^/ant 

perdu iQa route.- j.lais je iiQ t'oublierai ja^nais, arbre de l^abt-iie, et 

reviondrai vors toi/* 

Avant de r/envoler , l^oiseau chanta pour re.jorcior son h6te. C*t5tai.t 

un chant ..lerveilleux coiriiiie l'arbro n^en avait janais entendn et que 

l'(?cho rcj.ivoyait ^ l'infiüi, 

?iut? il s*c?ivola. 

L'arbro atta..dit et atteudit, xxi>i l'oiseau ne revint pas et 11 w^ en 

viüt janaiß d'autre. 

Mais da plus on plus fort r^tcntlt dans 1 'arbre 3on char.t d'adieu qui 



vantait le coura^e de re.nplir la T;Ächo lourde de l'existencc 



queMtfe 



e^^f ^ for ae/^llc f^ se pr^Geütc, de partici-or ?\ la vle .atae sur uiie falaise 
rocailleuriG au bord iiex d* an ^jr^cipice, 
Le chaiit de l'oisaau r^tentissait en lui, et il ne se seütit plus seal. 




Der Baiim •und der Vogel* 
JiSrchen von 

• Mi. 

Clnra Lllchelson. 
Wind wirbelte geflügelten Gamen ßiif , und wehte ihn weit über Lnnd und 
Wasser hin« Pie Snmenkörnlein fielen hier ruf fruchtbrre Ebene, dn in den Xi 
71urf. , dort auf harten Stein* Eines blieb liegen hoch oben auf einem Felsen- 
riff dicht pm urnde eines weiten tiefen Abgrundes. Sicher hatte der Wind schon 
Samen hergevveht. Aber er vv^r untrrgegnnt'jen. Kein Leben \;rr ai:s ihm geworden* 
Doch aus diesem Sp-raenkorn ?.eimtc Leben. Feine iVurzelf nden drrngen in Felsrit- 
zen ein, hielten die dürftige Krde fest und so^-en rn ihren Irnrglichen Safte. 

Grüne Sproseen schössen empor und r.tmeten gierig. Ein Laum vv?^r entstanden, und 

Seiten 
leidenschaftlich schuf er sich ein Drsein. Stürme bliesen von fallen k^r, rüt- 
telten nn seinem Ste.mm und r.errten «n seinen Wurzeln. Der Baura gnb nicht nrch, 
und es wurde für ilm ein unpufhörlicher Kampf auf Leben und Tod. llv jconnte ä 
nicht ruhig seine Krone dem Himmel entgegenstrecken wie taidere Bäume. Fr muss- 
tc un .ausgesetzt sich niederbeugen, um nicht zerbrochen zu \;erden, und sein 
Stamm und seine Zweige wurden kurz und >:jiorrig. 

Ein schweres und mühevolles Dasein hntte der Baum auf dem Felsenriff» Doch 
dns x^rchtbarsste wnr seine EinsemJ.eit. Sein Garnen verwehte über ö.en Abf;rund. 
Kein Schmetterling, heine P^iene icnm, um auf seinen Blüten zu »chauXeln. Er 
wuchs allein in einer '.Veit, die gccen ihn wrr. ^^, 

Da kim eines Tages ein Vogel über den Abgriuid hergef logen. 2fi wnr ein Zu^ 
vogel, der, hinter dem Schwnrni zurüchgcblieben, sich verirrt hrtte. Kr flog 
über dem Abgrund mit schv.erem rlügelschlng und liess sich auf den Zweigen des 

Beuinea nieder« 

" loh hr.be den Weg verloren," ."Pgte der Vogel. " Welch ein Glück einen grü- 
nen Bsura dicht am Abgrund zu finden. Ich wnre vor !.'üdig..eit hinabgestürzt, 
wenn ich dich nicht bemerkt hstte. Dein Anblic/: gab mir Kraft, und so konnte 



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II 



ich mich noch bis zu dir hintragen." 

Der VOgel hielt Hast euf dem Beume imdl'seinelCräf te xtkxitv. v.ieder. 



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" Bleibe bei mir, bleibe bei mir," bet der Bcum. " Ich bin so einsnm.'» 



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152H -2- XXX 



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" Ich kann nlcht^t erwide:*rte der Vogel • " Ich murs fort. Icli mu??< ziehen. Es 

ist stp'rker bIs ich. Ich musj* IiüIä ziehen und ueiss nicht wohin. Ich hcVjc ^tn 

\1eg verloren. Aber es ist keine Ruhe in nir. Ich ./ill dien nie vrr^enr'en, du 

B^Tim am Abgrtknd, und werde zu dir vviel(^r/wehren.''' 

ilhe er dr^vonflOj'';, rtmg f^v ihn ein Lied zun 'D^ri'i:^ '•in herrliches: Lied, wie 

der Spum ej nie ^r;/6rt,und ans, von vielfnlti^en Kcho .vi eder^^e sieben, v;cithin 

zwi.^chen den Felsen erkliin^*^^ 

(er 
Dann floß- der Vogel fort, 'imd der y.p'on v/ertctc 'oiid v;artete, d^^ss] .viedcr- 

kehrXc • >M>or der Vogel lce}irt.e nie nieder, und es kun auoh kein nnderr-r. Doch. 

im Briume^Iilang das Lied nrich, das der Vo^cl ihn t^:es\ingen, von der grossen Tat, 

mitzuwirken am Leben, es au trae;:-en, wohin imnier es sei, selb?:t bit^ an den IJand 
des) 
J^'Abgrundes und sich da zu h&ltt3n trotz cturnes und '!'tci}:igen Boucns. Don Lied 

des Vogels klang in irim, und er fühlte sicli nicht mehr einsrin^ 



>.»■ 



DAS WEIDEHBlüMCHEH. 



Märchen von Cläre Miohelßcn. 



Bo weit die kleine Sylre zurückdenken konnte, standen BlttmentÄpfe auf 
schmalen grünen Brettern dem ganzen Balkongitter entlang* Einige unter ihnen 

xh 

hatte sie wohl selbst grossgezogen, mehrere hatte sie gesclenkt bekommen, 
aber die meisten waren schon Torhanden gewesen* Es war des kleinen Madchens 
Blumenreich* 

Konig war der gewaltige Kaktus# Er sah streng und unnahbar mit seinen har« 
ten langen Blättern aus, deren Jedes in einen braunen spitzen Dom auslief. 
Die Königin stand dicht neben ihm* Es war das liebliche Frauenhaar, eine 
Art Farn aus dem Urwald« Im Gegensatz zum starren, mit Dornen und Häkchen 
bewaffneten Konig war es zart, weich und schmiegsam, natürlich nannte Sylra 
nur im Scherz diese heiden Pflanzen KtSnig iind Konigin, denn sie hatte alle 
ihre Blumen gleich lieb und freute sich an Jedem neuen Blättohen, an jeder 
Knospe und Blüte. So lebten die Pflanzen friedlich nebeneinander und gedie- 
hen unter der sorgsamen Pflege. 

Eines Tages kam Vater aus Hordemey zurück und brachte seiner Sylva ein 
kleines Weidenbaumchen mit, das er eigenhändig mit allen Wurzeln aus der 

Erde genommen« 

" Da habt ihr einen neuen Kameraden," sagte des Iftdöhen, als es das Wei- 
denbaumchen, in frische Topferde gepflanzt, zwischen sie stellte. "Es 
kommt direkt Tom Strande Hordemeys und kann gewiss viel Schönes erzah- 

len." 

Als Sylva fortgegangen war, fragte der Kaktus, der ihren Scherz für bare 

Münze nahm und sich wirklich für den K(5nig diesesBlumenreiches hielt, den 



- 2 - 



kleinen Weidenbaum herablassend, ob es am Inselstrande auch so viel Sonne 
und frische Luft gäbe wie hier auf dem Hofe. 

Der kleine Weidenbaum antwortete nicht* Ein furchtbares Heimweh quälte ihn* 
Er war f ewohut an bewegte freie Meeresluft voll herber Dufte, bh salzigen 
Sandboden» Er empfand eine schmerzhafte Sehnsucht nach seiner Verwandtschaft 
nach der grossen Sippe der Weiden, die die Insel beherrschte, nach dem herr- 



•• ♦ 



liehen frohen Leben auf Nordemey* Der Balkon, auf dem er nun, in einen 
irdenen Topf gepflanzt, leben musste, ging auf einen engen Hof hinaus, der 
den Stadtbewohnern geräumig erscheinen mochtej ihm aber, der an weite Eori- 

zonte gewohnt war, kam er eng, dumpf und geräuschvoll vor» Ihm war, als 

» 

würde er hier in Staub und Schmutz und üblen Küchengeruch en untergehen» 
* Wie k'önnt ihr es aushalten?" brachte er mühsam hervor» 

•• Hier ist es schön, •• erwiderte sanft das Frauenhaar» '*Du bist noch fremd» 
Doch du wirst dich ganz sicher gev/'öhnen» Glaube es mir, lieber kleiner 
Weidenbaum» Wir haben es sehr gut und können \ins über nichts beklagen* 
Sylva pflegt uns liebevoll» Sieh dich nur ein wenig um» Wie sehen die Topf- 
pflanzen auf den andern Baikonen aus? Lange nicht so blühend wie bei uns! 
Hein, du kannst schon zufrieden sein, dass du zu uns gekommei^ bist»'* 
Allein der kleine Weidenbaum gewöhnte sich nicht» Er dachte nur an Nor- 
demey und stellte sich vor, wie es dort um dieselbe Zeit sein müsste» 



II 



Wie 



könnt ihr nur in dieser öden Gleichförmigkeit dahinleben? 



flüsterte er. ••Das nennt ihr gute Luft, was in dem Hofe ist? Ich fühle 
keine gute Luft» Ich fühle nur Staub und Schmutz* Jeden Morgen wird einem 
allerhand Unrat aus samtlichen Etagenfenstem auf den Kopf geschüttet» 

■ 

Und dann das ewige Schwatzen ringsumherl Und die heiseren TÄne der laut- 
sprecher und das Geklimper auf schlechten Klavieren! Wisst ihr denn, wes 
Musik ist? Habt ihr schon einmal In euerem Leben das Meer rauschen h'ören? 
Hein, ihr wisst es nicht. Ihr wisst nicht, was Musik ist. Ihr wisst über- 



- 3 - 



haupt nicht, was wahres Leben ist »^^ Stumpf und mutlos seid ihr geworden» "• 
• Mach dich nicht so wichtig, du Weidenbaum aus Nordemey,'* unterbrach ihn 
der Kaktus • ••Es wird nicht lange dauern, da wirst du das Leben an meinem 
Hofe so angenehm finden, wie wir alle, und wirst begreifen, dass die Lebens- 
weise einer wohlgepflegten Topfpflanze eben eine andere ist als die eines 
wilden Strandbaumes •** 
Die Zurechtweisung machte auf das Weidenbaumchen keinen Eindruck« 

- ■ ■ 4 

•Ich will euch von »ordemey erzfihlen," redete er weiter, ohne den KSnig 
zu beachten. ••Das ist eine Insel oben im Meere« Und Jetzt ist dort Früh* 
ling* Die Weidenknospen brechen auf und werden zu silbergrauen Kätzchen* 
Dann färben sie sich braun und schwefelgelb und bedecken so dicht die Zwei- 
ge, dass man die Jungen grünen Blättchen fast garnicht sieht. Ifcelch ein Le- 
ben ist dann in den Weiden! Die Kätzchen strecken ihre gelben Staubbeutel 
vor und die mächtigen Honigdrüsen zeigen einen köstlichen glanzenden Tropfen. 
^^ Kommt, •••• rufen die Weiden, »•* kommt^ Wespen, Bienen, geflügelten KEferl 
Kommt, kommt ^ Kostet unseren Nektar I So gut schmeckt nichts auf Rordcmey«'^* 

m 

Und die Bienen und Wespen, Käfer und Schmetterlinge lassen es sich nicht 

zweimal sagen« Von allen Seiten kommen sie geflogen, schaukeln sich auf 

^den 
Staubbeutel und Griffel, klettern an\Kätzchen entlang von oben bis unten 

und schlürfen vom Nektar, bis sie nicht mehr könneut Trunken und blütenstaub- 

beladen schwirren sie weiter und bringen LicbesgrürBe von Blüte zu Blüte. 

Dann wftchst Samen an den Katzchen, weisser geflügelter federleichter Samen. 

Der Wind spielt mit ihm, hebt ihn hoch und wirbelt ihn herum* Die ganze 

Luft ist voll von unserem weissen Samen, und das Land ist wie in einem 

Hochzeitskleid. Welch ein Leben! Welch ein frohes ereignisvolles Leben! •• 

So erzählte der kleine Weidenbaum von dem Leben, das seine Sippe auf der 

Insel führte, \md er fragte garnicht darnach, ob die Topfpflanzen ihn auch 
h'6ren wollten. Und sie, denen der Hof bisher gut gefallen hatte, die heinahe 



- 4 - 



Jeden Mensohen kannten, der da kam iind ging und sprach Tuid sang, l>eg8nnen 
ein Un'behagÄli/ ' zu empfinden. Es fing Ihnen auch an zu scheinen, der 
Hof wÄre eng und dumpf und voller Lärm und Staub* Und wenn das kleine 

Madohen morgens vor dem Schulgang mit der Gi es scanne kam» war es ihnen keine 

\ 
Freude mehr wie früher. 

'« . • _ ■■ . 

Obgleich nicht eine einzige dieser Topfpflanzen in ihrer Urheimat gewesen 
war, denn sie waren zumeist Stecklinge von Stecklingen, erwachte auch in 
ihnen unter dem Eindruck von des WeidenVdumchens leidenschaftlichem Heim- 

* 

weh eine dunkle Sehnsucht , eine dem Gedächtnis entschwundene, aber in den 

Blumenk<5rpem geheimnisvoll ruhende, schmerzlich süsse Erinnerung an ein 

anderes Leben vor dem Leben in irdenen Töpfen, in schwülen Treibhausem und 

engen Höfen. Und während der kleine Weidenbaum von seiner geliebten Insel 

sprach, aus der man ihn erst unlSngst herausgerissen , so dass er noch mit 
allen^ 
[Fibern seines Wesens sich mit ihr verbiinden fühlte, tauchte in ihnen, wie 

im Traume, allerhand unzusammenh&agendes Gebild auf und machte sie unlustig 

und unzufrieden* 

Der Oleander, der Jahrelang gleichmütig auf dem Balkon gestanden war, wurde 

unruhig nath dem Urwald Indiens, nach der schwülen, von warmer Feuchtigkeit 

gesattigten Luft, nach den Regenschauern, die wie schäumende Wasserfälle vom 

Himmel niederrauschten, nach den grossen, zackig geflügelten Schmetterlingen, 

die sich auf den roten Oleanderblüten scha^ikelten und Blütenstaub zur Olean- 

■L 

dcrbraut trugen, nach dem Staapfen der Elefanten und wilden Büffel, die an 
den Fluss hinunter zur Trinke eilten, nach dem Schrei der Nachtvogel und 
Kreischen der Affen, Alles dies erwachte in dunklen Tiefen der Oleander- 
Seele und stQrte seinen inneren Frieden» 

Ja selbst der harte , mit Häkchen und Domen bewaffnete Kaktus, dieser 
stolze ScheinkTJnig, der seine Waffen hier auf dem Balkon gegen niemand ge- 
brauchen konnte, •» selbst er wurde von der allgemeinen Unruhe ergriffen* 



. 5 - 

.... »■ 

Er träumte verworren von dem Lichtmeer Mexikos, neben dem der Tag 
hier fahl und kalt war, von der ewigen Frtthlingsmilde, die dort herrech- 
tc von dem Passatwinde, der befruchtenden Regen brachte, von den Riesen- 
eichen, um die sich Palmen wanden, wie htfer der arme Efeu um die StSbe 
des Balkongitters, von Stachelschweinen und Gürteltieren, die ihr Wesen 
trieben, - und vom Mutterboden Mexikos, den kein Spczialkaktecndünger 

ersetzen konnte« 

Und der kleine Weidenbaum h<5rte nicht auf zu reden und nagte und rüttel- 
te an Ruhe und Frieden von Sylvas stillem Blumenreiche. 
Eine gespannte Stimmung von Unzufriedenheit und Auflehnung entstand auf 
dem Balkon, und es war dem Weidenbäumchen eine Wollust das gleichmSssige 
Dahinleben zu stören und das geheime Feuer der Empörung zu schüren.^ ^^ 
Wenn der Hordwind bliess. wurde ihm wohler zu Mute. Ar «««x|ierig die 
kühle Salzluft mit dem vertrauten Jodgeruch ein und fühlte sich gekräf- 
tigt. Doch wenn der Föhn kam mit seiner unerträglich schwülen Wüstenluft, 
dann wurde er krank. Seine Bl&tter wurden schlaff und welk. 
" Ach wir Baume, wir armen BÄume," stöhnte er* "Dass wir so an unseren 
Platz gefesselt sind und keinen Schritt machen kennen weder vorwÄrts noch 

rückwärts!" 

Er beneidete die Menschen und Tiere, die gingen und kamen. Er beneidete 

die Vogel, die am Dachfirst ihr Hest hatten. Ja er beneidete die kleinen 

Goldfische im Wasserkasten auf dem Balkon, obgleich sie doch eigentlich 

ein Leben führten wie er im Blumentopfe, auch losgelöst von der fernen 

Heimat und im engen Wasserkasten gefangen. 

"Hier ist kein Lebenl Hier ist der Tod!" klagte er. 

»Hier ist kein Leben!" wiederholte der Oleander. 

"Hier ist kein Leben!" rief mit feiner Stimme das Alpenveilchen. 

bisher still und bescheiden in seinem Winkel gestanden. 



das 



- 6 - 



\ "*• 



"V. 



• Der Kaitus h&lt sich doch für -unseren KZnig. So soll er iins retten! 

^»•'- * '»..• -'» 

So soll er uns hinausführen!" fügte es höhnisch hinzu. 

Die fo|lfpflanzen fuhren auf. Es wirkte besonders aufreizBnd, dass das 

harmlose und friedfertige Alpenveilchen auch mittat, 

•••••■• w 

^ Es ist wahr!" schrillte die gelbe Heike und wurde vor Heftigiteit 
zinnoberfarben^ * Hur der Kaktus ist an allem schuld« Er hat es nicht 

« 

zulassen sollen." 

•«.,-■ » 

Hun schrien alle Topfpflanzen durcheinander* 

» Er iit schuld, dass wir hier sind! Er ist schuld, dass wir verschmach« 
ten! Er ist schuld! Ei^ist schuld!" 

Mfelohe Erleichterung seinen Zorn an Jemand auslassen zu kennen! 
" Führe uns hinaus, K^nig Kaktus! Gieh uns die Freiheit wieder! Wir wol- 
len nicht langer Topfpflanzen sein! Wir wollen freie BaTime werden, blü- 
hen in voller Lust und Fruchte tragen! Wir wollen nicht langer in diesem 
Hofe leben, wo Teppiche geklopft werden, wo Unrat auf den Kopf gestreut, 
wo den ganzen Tag geschwatzt wird. Führe uns hinaus, KBnig KaJctus! Die 
Freiheit! Me Freiheit!" 

Der Kaktus antwortete nicht. Der Schmerz der Demütigung und ungerechten 
Beschuldigung quälte ihn nun auch noch neben dem brennenden Heimweh, an 
dem er litt wie sie alle. Doch das Frauenhaar, das ihn wahrhaft liebte 
und um sein Wohl besorgt war, suchte die Tobenden zu beschwichtigen* 
"Hehmt Vernunft an! Was kann der Kaktus dafür? Er ist eine Topfpflan-* 
ze grad so wie ihr! Und kann keinen Schritt tun. Hehmt Vernunft an! 
Allein niemand hörte auf sie, und sie schrien weiter: 
•• Konig Kaktus, führe uns hinaus! Du bist an allem schuld!" 
Das Alpenreilchen • wer hfttt's wohl Je von ihm gedacht « dichtete rasch 
einen Spottvers und sang ciurxitjticksiKxSKl^sri: mit heller Kehle: 



S ** ' 



- 7 - 
" Was ist ein König in einem Topf? 

Das ist Je nur ein armer Tropf!«* 

* - ■ 

Der Vers gefiel ihnen gut. Es war neue Erleichterung aus vollem Halse 

hinausschmettern zu können: 

» Was ist ein Konig in einem Topf? 



Das 



Ja nur ein armer Tropf!" 



In der Hacht kam der Frühlings stürm vom hohen Morden dahergesaust* Er 
gebardete sich dieses Mal wie toll* Er schleuderte Schieferplatten von 
den Dächern, riss Strassenschilder ab, fegte Schutthaufen auseinander, 
peitschte Regenpfützen auf» Er pfiff und sang in den Schornsteinen, er 
klapperte mit den Fensterladen, er heulte in den engen Gassen« 
Trotzdem hielt er inne, als er den wüsten Tumult a\if dem Balkon horte* 

* Was ist hier los?" schrie er erstaunt* 

* Nordwind, lieber Hordwind," rief das Weidenb'aumchen* "Du kennst mich 
sicher noch von Hordemey hert Höre mich an!" 

Wie sollte der Hordwind alle kleiner Weidenbaume kennen, die auf seinem 
Wege wuchsen? Aber er liebte die Weiden ganz besonders* Es war lustig 
mit ihren biegsamen Zweigen und ihrem weissen geflügelten Samen zu spie- 
len* 

" Was willst dUfkleiner Weidenbaum?" 

" Ach lieber Hordwind, wir haben Heimweh* Wir halten es nicht langer aus. 
Himm ims in deine Arme und trage ims hinweg von hier!" 
und die andern Topfpflanzen baten auch; 
" In den Urwald!" 
" In die Berge!" 

* In die Steppe!" 
" In den öarten!" 
" An das Meer!" 



- 8 - 
Der Bordwind verstand itein Wort, weil sJe alle gleichzeitig schrien* Er 
begriff nur, dsss sie vom Hofe fort wollten, vnt er hatte auch keine 
Zeit sich da lange aufzuhalten. Er blless seine Backen auf und hob sie 

alle hoch. 

Doch sie waren schwer in ihren mit Erde gefüllten Tapfen. und klik-klak 

klik-klak fielen sie nacheirander auf den Asphalt des Hofes nieder. 
Hur das WeidenMumchen, das lose in seiner Topferde sass, klammerte sich, 
so fest es konnte, an den langen hellen Bart und die breite Brust des 
Hordwindes und blieb an ihm hangen, als Topf und Erde nieder sausten. 
Es kam zwar nicht auf seine Insel zurück, aber immerhin an einen Strand 
der Hordsec, wo auch riel Weiden wuchsen. Da sog es sich mit seinen Wur- 
zeln leidenschaftlich in den salzigen Sandboden ein und atmete die fri- 
sche bewegte Meeresluft mit dem scharfen Jodgeruch. Es wuchs zusehends 
und ^rde bald ein schöner starker Baum, mit dem die Winde spielten. 
Wenn der Frühling kam, streute er viel weissen Samen über das Land,und 
er lebte überhaupt ein mutiges und tatiges Weidenbeumleben. 
Die andern Topfpflanzen aber, die der Hordwind hatte fallen lassen, la- 
gen zerbrochen und schmutzig auf dem Hofe umher, bis die kleine Sylva 
kam, eine nach der andern auflas und nachhause brachte. Sie wurden sorg- 
faltig beschnitten, gesäubert und in neue TSpfe gepflanzt. 
"Oh der böse Sturm!« sagte das kleine Mädchen mitleidig. " Was hat er 
euch angetant Und mein liebes Weidenbaumchen ist verloren." 
Die Topfflanzen sahen in der ersten Zeit ein wenig klSglich aus. Doch sie 
erholten sich schnell unter der guten Pflege und begriffen bald selbst 
nicht, warum sie sich in das schreckliche Abenteuer gestürzt und von ei- 
(th^rlchten kleinen Weidenbaum . o hatten aufhetzen lassen. Sie suchten 
daran nicht zurückzudenken, waren wie vorher mit ihrem stillen gesicher- 
ten Topfpflanzenleben zufrieden und wünschten sich kein anderes. 



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VOM BLOCKHAUS 
/UM WOLRENK KATZER 



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VOM 



I. i:\VIS MUMKOKD 



Deutsch von Mariraret«' Maiitliner 



Mit 2j .■ihltililunir^t a fein. In (iitnzleincn M ^1. 
Z// Ihziifu'n durcli jede Huchhandluu^ 



BRUNO CASSIREU VERLAG • BERLIN 



D 



ie großartigen Leistungen der amerikanischen Architektur 
haben in den letzten Jahren mehr und mehr das Interesse 



Europas auf sich gezogen. Zum ersten Male wird hier nun eine 
zusammenfassende Darstellung vorgelegt^ die in knappem Umriß 
den geschichtlichen Werdegang der amerikanischen Architektur 
vom Blockhaus zum Wolkenkratzer, von den ersten Anfängen 
der dörflich-kolonialen Ansiedlung bis zu den vielgestaltigen Ge- / 
bilden der modernen Großstadt mit ihren neuartigen Bautypen 
und Großkonstruktionen schildert. Indem das Werden der ameri- 
kanischen Architektur durch die verschiedenen Epochen ihres 
geschichtlichen Wachstums verfolgt und im Zusainmenhang mit 
der Entwicklung der amerikanischen Zivilisation behandelt wird, 
gibt das Buch ein Stück amerikanischer Geistesgeschichte, das 
anschaulicher und leberidi2:er, als es ^^^ne weitschweifige Bau^re- ^ ^ 
schichte mit der trockenen Aneinanderreihung von Namen und 
Zahlen vermöchte, die treibenden Kräfte der Entwicklung aufzeigt. 

Das Buch ist Geschichte und Kritik zugleich. Es zeigt die för- 
dernden und hemmenden Einflüsse, die durch den Übergang vom 
Handwerk zu industriellen Herstellungsverfahren, durch die Ein- 
führung der Maschine, durch neue Baustoffe und Konstruktionen 
auf das Bauwesen ausgeübt worden sind. Und indem es die mannig- 
fachen Beziehungen aufdeckt, die zwischen dem Wandel der wirt- 
schaftlichen , technischen und sozialen Entwicklung und dem 
Wechsel der Formen und Kunstanschauungen bestehen, führt es 
mitten hinein in die Formprobleme unserer Zeit. Geschrieben von 
einem Amerikaner vermittelt es die amerikanischen Anschauungen 
zu diesen Problemen und wird dadurch doppelt interessant. 

Die deutsche Ausgabe ist mit zahlreichen Abbildungen ausge- 
stattet, die typische Beispiele amerikanischer Architektur zeigen. 



DRUCK VON ^R.RICNTIII Q.M B.N..tEIP2l6 




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Die 



Ilovelle von Clr-rr, Kichelsoii. 
Strasse, in der iit^nc Schulz •-eJioren.imd in der er aeine Kind- 



heit Terurf-cht hatte, Inf: hoch oben iia ITorden dr-r Stadt,', o mrn fjn-niohts 
oder nur sehr .venij von dem Glnn^ und der. Prncht snh.die diene Stadt so 
berüiim^. rcic oh t cn , v. o ec bo: on ucs die ^<— z Arühs.in V.'intcr noch l'inpler' Uoin 
^«/i.stuiide .lel)enditi '..iirde.dc Taunonde und Abcrt^^ucen:':? der hier V;ohn enden 
in dlo zrhllo^en v.r^r.'.-.'^t.et ■.ontFGbrihen und Büros cil-^jen.-üiQ eich nls Jclein*- 
nüdehenijL die ßrc;-sc j;rbcitsni'.:cohi-ac cinzuc-. teilen, die jenen Girnc und 



.je}!-? Pr.tcht '-ervorbrachLe. 

::d(r- r.rbiF.?r iiiex' v":re.ri ^p.vU-sten-boiC; r^ltphat ben on^' 

viele 

eea -o-Md ^t^':--kloi-e :%v:^e,-\m^ •.•emi sie ner;. waren, ?bo cchen 






hcrc.Ämiile Stic - 

"^ • V* C" r- 1 -, f» } WY (\ ]•" *^ T •+* 



nns,-i^'-.d m-vn :i;..-.-rU? en Ik-'.eiLX ^■a.t,:a&s sie orais Lieht-orcai^t v/ori.en v/aren, 

anpM -.r.r! ;-^.r Li^s !;ot';en.:J^^tfi ^nr sie her^jo-obcn lui: tich von de- üewoh- 



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O^^Vy-1 l^J.O* J-..-^V.JLl 



.:,G srOj roi: .'aien,-..r.c in den reichen Stadltei.Ten vorfinden 



inid afct.lri,äicht-'r!>fcn !.ät .:U£;i.:»oe gab hauThaurer, in o:enen -J.ieselben ncti 
€;r. :;locVta..jrnic;r: VJtid hel?.'r-::i.::cn DrncrJiütc t^uaßer.tellt v.o.ren, Dieselbe llo - 

>p^-rpchi-e rjse v.ie ';ort.r.och sahen .mII diece .Din^'e hier nchäbi£- und 
gcnoncirc^ilo;: r-c:£:.Si-;- f^ciüenen 2u cri'<n:i; J^ir- •.uch sind ..ir gut G-Ci^uei 
Selb^o die Ltrcui..en-bclin,dio nus den vornehmen Stadtteilen her: nn, besonn 



u. 



XXi^: 



Sien IrsEiß zu eiobördcn 'jüiI tct Icut uivd un^ebilde-:.. 

,ns -Jchulz 's Vatar -.er ein :;lciner I^er^tcr an der Po&t.Fef-t alle 
lat^liedcr der Cohul::enc:che:: v.niij.ie -.vtren kleii:e PoEtlre.cte.Seit unabseh- 
baren weiten uar es sc.Lov.eiL m.n das Gesci.lecbt üb.rblic::en :.cnnte:Vrtei; 



vJr 0£bVt üC; 



r .br6Xossvat£r,eliecc ma^i .-xT >.lc-ine Pcjstbeaiute.Is -ix gtv.iss 



ein ehrbfrer 



( 



I 






-2- 
ehrtarer, aber auch ©in anstrengender "und schlechtbezahlter Beruf .Das 

machte sich in der Familie in vieler Beziehung bemerkbar, im Aussehen, 
wie in ihrer LebensHaltxmg.Die Schulzes waren blass und schmalbrüstig, 
lind ihre Lebensweise war einförmig und kSrglich.Seit Hans Schulz denken 
konnte, hatte sich nichts im Hause verändert . Das Mbbel war dasselbe. Nichts 
war zugekauft worden. Dieselbe breite mahagoni Kommode stand in der Eltern 
Schlafzimmer, Im Wohnzimmer dieslbe messingene HSngelcmpe mit dem roten 
Lampenschirm, den eine verstorbene Tante angefertigt haben sollte, dieselk 
ben braiinen Stuhle mit geflochtenen RohreitBBn,indenen die LScher sichln 
bedenklicher Weise mehrt en,Werk-und Feiertage lösten sich in gleicher For 
gt ab lind verliefen in der gleichen Weise; dieselben Fami 11 enbe suche, die- 
selben Kirch-und Spaziergange und fast dieselben Worte. HI 

Eduard Schulzes drei Kindern. 



Hans war das Jüngste von 



A 4:i »mA * 



Die beiden lltern 



Alfred und Anna Waren wie alle Schulzeschen Kinder:nicht gerade begabt, 
aber auch nicht unbegabt, nicht schön, auch nicht hässllch.Sle sahen Vater 
und Mutter ähnlich,und Vater und Mutter sahen sich auch ähnlich und sahen 
zahllosen Menschen, denen sie auf der Strasse, luden Geschäften oder sonst 
wo begegnetenUlfred und Anna waren auch keine schwierigen Kinder. Sie wa- 
ren den Verhältnissen gut angepasste Geschöpfe. Ihre Vergehen waren immer 
harmloser KetuB.Sie wussten Instinktiv, was nicht getan werden durfte, und 
ihre Wtinsche fügten sich in den Rahmen des Möglichen. 

Hans war aus der Art geschlagen, äusserlich, wie innerlich. Seine kleine 
gedrungene Gestalt, die für ihre Grösse zu breit wer, sein ^dicker runder 

Kopf und seine vollentoten V/angen wirkten komisch und gaben zu Neckerelen 

war ^ . 

Anlass. Vielleicht dieser Umstand der Grun^, vielleicht eine angeborene 

Charakteranlage, dass Trotz und empfindliches Selbstbewusstsein sich früh 
in ihm entwickelten. Er fühlte sich stets unterdrückt und benachteiligt 
und suchte sein Recht mit grosser Energie zur Geltung zu bringen, indem er 
seine eigenen Sachen 



w 



mtfi . I . I i w^ i^i 1 1 tmtM m mm n i « mim v m m *tf mm m m 0^m'^immmmmmßmmmmfiiimKmm 




seint eigenen Sachen bei gemeinsame» Spiel nicht herg&b,dle der andern 

* Ple Lehrer In der Schule 

aber mit -an so gr'dsserem Vergnügen benutztc.iHXÄ«xxÄ«to±B wTißsten 



o « » « ^ 



Ton ihm nicht zu srgen.ob er begebt oder unbegabt w£re. Manches 
Mal, wenn er in der Klasse antv;orten sollte, schien sein Verstand wie mit 
Brettern verschlagen. Ein anderes Mal verblüffte er sie bei einem Gespräch 
in der Zrt«ohenpause durch seine kluge und gewandte Rede. Er hatte ein gu- 
tes Gedächtnis, aber ein langsames Auffassungsvermögen. Es kostete ihn viel 
Mühe sich einen neuen Gedanken zueigen zu machen, dafür aber hatte er ei- 
ne ganz besondere Freude am Besitzergreifen, die den andern. die muhelos in 
sich hineinkramten.wGS ihnen geboten v.-urde, abging. Seine Freude grenzt*« 
in manchen Fällen an Entdeckerfreude. Er konnte seine schwererworbenen Er- 
kenntnisse, wie konkrete Dinge ,herausheben.betrachten und mit einem Stolr 
und Nachdruck von ihnen sprechen, als wären sie sein persönliches Eigen- 
tum.So war das, zum Beispiel ein Ereignis für ihn. als er schliesslich be- 
griff. dass die Sonne sich nicht um die Erde drehte. sondern die* letztere 
um ihre *igene Aohsf .Er konnte unermüdlich und breitspurig diese über- 
rasohende Tatsache besprechen und erklären, als ginge sie ihn ganz be- 
sonders an. und ihr dadurch eine Wichtigkeit verleihen. die sich auf sei- 
ne eigene Person übertrug. 

Seitdem Hans fühlte und vorstellte war es ihm in der elterlichen Woh- 
nung nicht beheglich.Sie war ihm zu eng. sie druckte ih?i.wie ihn dieses 
ganze. in kleinem Kreise sich drehende Leben drückte. Ihn zog alles en. 
was weiter, v.as ausserhalb dieses Kreises lag.Darum liebte er seine Er- 
kenntnisse, weil sie ihn aus ihm heraushoben und auf anderes Grösseres 
hlnwlesen.Er konnte sich nicht denken, dass er sein Leben so zubringen 
würde, wie sein Vater, sein Onl:el,sein Grossvnter und Urgrossvater.Wenn 
man ihn fragte,was er denn werden wollte.dann konnte er auf nichts Ge- 



Jufcunf 



grossen hellen Räumen verbunden sein raüsste. 



"^^'^■"T'T^T 



■ «Vi ^1 ^m. 



IlBnß wer in Jeder Beziehung anders wie die übrigen Schulzes.Er war 

wie ein fremdes Junge im liest. Alle seine Interessen lagen ausserhalb 

des Schulzeschen Lebenskreises •Am liebsten wcre er aufs Gymnasium und 

nachher auf die Universität gegangen, \im ein richtiger Herr zu werden. 

Obwohl ihm das Lernen nicht immer Spriss machte, füiilte er in sich Kraft 

gegeb enenf al Is 
und Ausdauer genug, um die Studien zu Ende zu füliren.Doch die Einnahmen 

des Vaters waren solchen Ausgaben nicht gewachsen. Es war klartdrse jeder 

Vemuch vonvomiierein aussichtslos seinwurde. Er musste seine Ansprüche 

an die Zukunft ein wenig niedriger schrauben.Dass er auch Postbeamter 

werden sollte, wie alle Schulzes, davon wollte dmichts h'ören. Er Hess 

sich garnicht darüber sprechen. Er brach die Unterhaltung "bei den ersten 

Worten ob. Schliesslich erlcrörte er eines Tages, er hätte seinen Plan geX« 

fasst.er wolle ins Hotel gehen.Er sei bereit die niedrigsten Arbeiten zu 

verrichten, Schuhputzer, wenn nötig zu seln.Ds-fur k^Ütime man da hoch kommen, 

lernen 
Sie vmrden nur sehen Ilian k^nne da 3ezieh"ungen gewinnen, Ijjencchcn kennen, 

V(M ^ben etwas sehen. 

e 

Die Schulzes hatten vom Hotelv.csen gerade die entgegengestzte /nschau- 

ung|Üir sie, die mit ihrem engen Kreis sich unfehlbar wiederholender Dinge 

terwachsen waren, fittte es etwa« Unreelles und Abenteuerliches. Aber sie 

Kannten Hans harten Schädel und v/ussten.dass es nicht leicht sein würde, 

ihn von einem gefassten Entscnluss ab zubringen. Auch hatten sie ihn nicht? 

anderes vor zurchlagen, denn ihnen fehlten die Beziehungen selbst zu Jenen 

soliden Berufen, die nach ihrem Geschmack gewesen wären, und ihnen fehlte 

auch die Entsohlossenheit und Energie, um etwas Heues zu versuchen. 

Sodrang Hans mit seinem V.illen durch. Er sah sich viele Hotels an, wählt p 

die grössten utid glänzendsten und bot da seine Dienste an. Sein sicheres 

Auftreten gefiel, man hieltihn für anstellig und sehr bald stak Han4 in ei 

kle ine 
ner betressten Uniform, um Botendienste zu verrichten. 



.11 11 p ^n w n 



1 



Er fühlte aich in seinem selbstge wählten Wirloingskreise sehr v/ohlj 
er «ühlte sich 



snigeh'drig zum gianssenden Lehen und Treiben, indae 
er eich hineingestellt hatte. Er wer ein Teilchen des Reichtums, da*. da 



ausgebreitet war, der Wichtigkeiten, die da vollführt werden muesten,der 
Bew«jrung,die keinen Axifschub duldete, Er kern sich schon, wenn er in sei- 
nen Ausgangs stunden das Eltemheim besuchte, um ein gute» Stück dieser 
Art Ton stillen blassen Werktagsmenschen überlegen vor. Er stand gleichsan 
um eine gehörige Spanne höher als sie in dieser Welt. 

Er hatte bald das Bedürfnis noch mehr in das Wesen diescsGetriebea 

hineinzukommen, noch fester den Kern der Dinge zu berühren. Er v/ollte 

stehen 
Zimmerkellner werden; da Konnte er mitten in den feinen Stuben, die von 

Wohlgerüchen erfüllte Luft einatmen, die seidenen Möbel mit den Fingern 

r 
steifen, da konnte er des feine vibrierende Lachender schönen Freuen 

hören, das Spiel ihrer weissen Iföndc verfolgen, da konnte er die Wirkung 

dieser Dinge noch ganz anders verspüren, als in den hellerleuchteten 

weiten Empfangss&len,wo die fast blendende Lichtfülle, die heissen 

Tanzweisen, das Stimmengewirr, der Klang der Glaser, der ülanz derEin- 



riohtung 



lW 



Jedem einzelnen Ton nachgehen, in sieh exLfnehmen.df ss er sein werde. 

Es stand nichts im Wege,dess Hans Schulz Zimmerkellner tttordeH.»»»il- 

e 
V^, Seine Vorgestzten waren mit seiner verständigen unaxifdringlichen Art 

zufrieden, Er brachte bald Baronen, Grcfen, Ja sogar Tärstlichkeiten ih- 
ren Kaffee, Thee oder ihre Chokolade aufs Zimmer, er konnte dabei beo- 

n » 

bachten,wie sie ihre Toilette machte, wie sie sich bewegten, wie sie spra. 

chen.Sie genierten sich vor ihm nicht. Es war manches Mal, als ob er 
überhaupt nicht da v;*äre. 

Jedes Mal, wenn er aus seiner feinen Gegend mit den \sainderbar ge- 
pflasterten Strassen, mit den eleganten Vorg&tten 



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* 



Vorgärten und den blenk geputzten Auto« nach dem Norden in die JUlch- 

Strasse kättiUm seinen Angehörigen eitien Besuch abzustatten und iisiaor 

dieselben Reden, Ja fast dieselben Wort^y wieder hörte und diiselben 

armseligen Dinge ganz an derselben Stelle wiedersah, da schien es ihm 

mit Jedem Male mehr^drss er weit, weit über den Kreis hinausgewachsen 

wäre, in dem er geboren. Er sprach in einem anderen Tonfall wie die Sei- 
eine 
nigen,sein Anzug slss anders »dt, war aus besserem Stoffe und hatte fei- 



nere Farbe, meine Bewegungen waren abgerundet und sicher. Er konnte eine 

gewandte Unterhaltung fuhren, denn er wusste , welche neuen I?omare gelesen 

e 
wurden, welche Theaterstücke Erfolg hatten, wie die beliebtsten Schauspiel 

1er hlessen,er wusste überhaupt mehr oder weniger, v/as sich in der grossen 
V/elt abspielte. 

Hans imponierte den kleinen Postbeamten trotz ihres Vorurteils gegeb 

auch 
den Kellnerberuf .Wie sie In Gedanken darnach suchtest, sie fanden nichts:, 

vms sie ihm Torwerfen konnten. Sein eigener Wandel blieb einv;andsfrel, 
trotzdem er in einer Atmosphäre des Genusses lebte. Er hatte keine Weiber 
geschieht en, er spielte nicht Karten, er rauchte nicht mel.Er hatte für soT 
che Dinge nur ein verächtliches Achselzucken, wenn die Schulzes sich gele- 
gentlich eine Andeutung auf die Art des Zeitvertreibes der Lebewelt er- 

t 

laubten.Es v/ar wie ein Widerspruch in ihm. Die Welt des Glanzes, die ihn ^on- 

mittelbar umgab, war voller Eelz für ihn. Sie zog ihn unv/iderKtehlieh qn. 

Es lockte ihn dahin, wo es hell, wo es weit, wo es hoch war. Aber die ein- 

e 
zelnen Genüsse, aus denen äieses grosse Treiben «ich zusammenst st e, machte 

ihm garkeine Freude. Er mochte keine Liebesgeschichten. Wenn er Q,tTm und 
wann sein sexuelles Sedürfnis an irgend einem gesimden frischen Weib be- 
friedigte, so war es ihm genug. Es war wie Essen und Trinken, nichts achr. 
Auch der Wein bedeutete ihm nicht» Besonderes.Er trank ihn, aber es v/Are 
Ihm nicht schwer gef allen, h&tte er auf ihn verzichten müssen. Die Spiel! 
leidenschaft war ihm persönlich fremd, Jedoch die Spielsale mit den aufge 
regten Gesichtern, mit der Spannung, die in der Luft lag, war ein Element, 



t 



-7- 
Element,drs ztiin Ganzen geh'örte,zu diesem Reiche des Glenzes xmö der 

Pracht. 

Im Gegenteil, sein ganzas Tun war genau üterlegt.Er gat keinen Pfen- 
nig aus, der nicht einen Zv/eck hatte: sei es sich zu bilden oder sich f,us« 
serlich auszustatten oder seinen Angehörigen ein Geschenk zu machen, um 
so irgend eine neue Sache in den sich str^ndig wiederholenden Kreis zu 



bringen. 



den 



Der Gegensatz zv;ischen ihm und kleinen Leuten in der Müchstrasse 
trat mit Jedem Besuch deutlicher zu Tage.IIans passte immer weniger in 
den dürftigen Lebenszuschnitt hinein, immer mehr fühlte er Pich bei ihnen 
fremd und unverstejiden. 

Doch auch in seinem Beinxf machte sich ein Gegensatz zwischen ihm und 
sibinen Kollegen geltend.Er war ihnen bald ilberlegen durch sein Wissen, 
sein Benehmen, durch diesen trieb nach vorwärts, nach oben, 3 er ihn nicht 

ruhen Hess* sich 

LieKÄ Überlegenheit, die äx steinen Verwandten und seinen Berufsgenos- 
sen gegenüber äusserte, st 'arkte in ihm das Gefühl der Besonderheit , zu dem 
er schon seit der Kindheit neigte, und da er kein Ilass für sein Weßen hat - 
t6,so hatten audHseine Erwartungen von der Zukunft keine Grenzen. Er hat - 
te es häufig gehört und gelesen, wie unbeachtete ivienochen sich zu überra^ 
gender Köisie emporschwingen, -und der Gdanke,dass er einer von diesen sein 
konnte, fasöte liamer tt*fer Wxirzel in ihm. Wie sein Weg zur Höhe aussehen 
würde, darüber hatte er keine klare Vorstellung, doch diese Unbestimmtheit 
"be-unr-dhlgte iiin nicht. Sr folgte den triel)haften Kräften seines V^esens 
und einer noch begrifflosen ucwiacheit von zuidinf t igen LlSglichkelten. 

Ganz allmählich und unmerklich erstand ein ;:e(;^:eia9T in ihm in Form 
eines Bildes; ein Berg inmitten einer weiten Fleche, die von Menschen 
dicht besät Ist »und auf den Berg steigen vereinzelte Gestalten, dem Gipfer 



zu immer v/eniger »und 



und unter diesen wenigen deutlich sicht- 



bar in hellem Lichte- er ,Hans Schulz... 



9 



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-8- 
DleßCß Eild.onrangE tmklar mid wie zuf&llig, verdichtete sich mehr und 
mehr. Es gewenn die Feetigkcit und Deutlichkeit von Wirklichkeitsformen. 

Ein unheßchreihlioher Zauter ging von ihm aus. Immer mehr flühlte sich 

e, 
Eans Schulz als ein Grosser, der sich ftorchstEcn muBste,um anerkannt zu 

werden.Des geheime Bev,XLBStseiiipeiner Wichtigkeit verlieh ihm eine eigen- 
tümliche Würde und eine sonderbaren Ernst, d4e in einem andern Beruf viel- 
leicht seltseja gewirkt hätten. einem Kellner aher sehr zu gute kamen.Er 
machte mit seinen feinen Sanieren trotz der gedrungenen Gestalt und des 
breiten Gesichts den Eindruck eines hcsscren lienscLen.Yorgesetste.und x 
aucn Gäste fingen an. ihn in manche Jingelegenheit einzu-weihen und ihn um 
seine Meinung zu befragen. Er war keine gew-öhnliche Erscheinung in der Ker 
nerwelt.Er fiel auf .und darum brauchte os nicht lange zu dauern, dess er 

^ ihm erwählten Berufe wieder eine g^^"^ bedeutenden Schritt vorifc 
ilxtrmlchte.Er v.iirde Portier in einem modernen Palr^thotel.Wer viel auf 
Reisen gewesen ist, kann es ermessen ".zu welch einer Quelle materieller 
^d seelischer ^^^ solch ein Posten infolge seiner weiten Einfluss 



Sphäre werden kann. 



günstig« 



Krle« m».4er fär aillion.« von ü.nsohen i;n«lüo}c und tod ftiu-de.Hans 
Sohulz euer ränmte er nur eine gsn« Kelhe von Kem^mgen fort.dle .loh 
seinen Energleen und Talenten entgegengeBtelU hBtten.Hach einer verhalt 
niemäseie leichten Verv.nndnng kam er von. lien.te frei.Es tes^^ gerade 
jene glüoiliohe Seit der Krie6ssev.inne,aa einem .ohne dase man es seihst 
begriff .Rieeensuiamen nur hei einiger Geaohloiaiohkeit in die HSnde fl.- 
len.Suamen.Ton denen .an in früheren Seiten überhaupt nioht getrliu-t hat 
te.Bei seinen rieleeitigen Beziehungen. za de. d». Portierstell. ihm so 
gut verhelfen hatte.war es für ihn nloht sohwer.auch sein. Tasohen «it 
Beute zu füllen..» dass er eines Tages sich mit Reoht fragen durfte: 
Brauoh^ich nooh Portier ru s.in.aadcrer ieute TürsteherT 



m i mv I 'üiimmmmfr' 



Tüöteher? Ist die Zelt nicht schon gekommen, daas sich für mich selber 
die Türen auf tun zu dem Leben, dae meiner PersSnlichlreit entspricht?« 
Und glückselig sah er das Bild yor sich: den Berg inmitten der weiten 
Fläche, die von Menschen dicht besät ist, und auf den Berg steigen verein- 
aelte Gestalten; dem Gipfel zu immer weniger und unter diesen wenigen 

deutlich sichtbar im hellen ULchte - er , Haris Schul»! t 

dreissig'' 
Er rechnete, zShlte sein Geld und seine X&i£tT 



fft • « <«.«'» • 






und kam zum endgültigen Schluss,dass er mit dem Aufetiei: sur 
'beglmien könne. was sein Geld ,und beginnen müsse, was seine Jehre enbe- 
träfe.Bs v,ar an der Zeit,dass er das wurde, was er vvlrklioh war:eln 
Herr, kein Dienender roear,und ein Herr, dessen Name der Menge gelaufig iat . 

Bis zu dieser Stelle seiner Laufbahn war alles sicher unt glatt ge- 
ö-aj^gen, immer gerade so, wie er es sich vorgenommen hatte. Er hatte alle 
Lrfoige gehabt, die unter den Jeweiligen Umständen möglich gewesen waren. 
Loch Jetzt, da er glaubte, alles vorbereitet zu haben, um mit dem Aufstieg 
beginnen cu k*öniÄen,sah er ein,dass noch nichts getan v/ar und die eigent- 
lichen Söhvvierigkeiten sich erst einstellten.Hun esrt wurde er sich der 
Grösse und Complieierthelt der Aufgabe bevmsst,]2r begriff, dass das Stei- 
gen auf einen hohen Berg jm Lichte und das Zuschauen der Menge nur ein 
Bild für das wirkliche Geschehen waren. Wie aber sollte dieses wirkliche 
Geschehen sein? Wie sah es in Wirklichkeit aus.dass r«pji aiLf einen hohen 
Berg in hellem lichte stieg und fausendo von Ilencchen zuschaut en?Wle 
kam MOii diesem Bilde am näohsiten? V/ie \:cx man ein Grosser? 

Hans Schulz hatre Geld, sogar sehr viel Geld, aber die llenge kümmerte 
ejcü nicßt darum nlt Ausnahme einiger früiierer Kollegen uijd seiner Ver- 
wandten der Postbeamten hoch oben Im Korden der Stadt, Was aber hatte das 
für einen Wert? Hiess dns nicht Im Dunklen gehen, als einer von den Tause». 
den, von den Millionen, die zuschauen? Ja, er konnte sich ein schönes Haus 

kaufen, viele Dienstboten halten. Seine Bekannten und Verwandten würden 
gewiss nichts dagegen haben, wenn er sie Öfters zu sich einlüde xmd ihnen 






•1 0. 

ihnen Feste gälietW^rde vielleicht seine Gröeee dadurch anerlceaiiit werden? 
Nein, nicht einmal Liehe und Anhänglichkeit v/Ärde er eich erwerben, sende» 
UnOlwik und Misßgunst.AlleStwaß er für diese Leute tun vmrde, könnte zu we- 
nig sein. So einfach wer die Sache beim näheren Zusehen nicht »Sie musete 
ganz anders angefaspt werden, sie musste in vielen Punkten erFt geklärt w 
werden ,ehe er zur Tat schritt.Allem rpran stand die Hauptfrage: Wes ist 
ein grosser llexm"! Nach ihrer Beantv/ortung hoffte er der Aufgabe naher zu 
kommen und ;vie ein Feldherr ^fn Plan für alle weitere Handlung entwerfen 

zu können* Doch wie er aMiese Frage herantrat: Was iet ein ^^os^er l^nnn: 

Er SBji nun elUtdass er sich da- 
dataten eich fm^-jen ohne ^niil uw ihn auf t n KuiritÄ ÄiDcjojioaaiix^xxji^^ 

rin grirrt hc.-^.tc,al^ er geglaubt, das leben und die Menschen in dein ^034^ 

Ben Foteltcitricbc genügend kennen gelernt zu haben.Er sah ein,daö3 er gar 

Zeit 
nichts \vu^::i'tc,u;id class er f>ie eanze über gleichs^na an einer Eol.e des !>- 

bens £;e^-tanden uui geglaubt lmtte,die ganr.e Welt vor sich zu }iP.ben*i;r be- 
schlOGs alle::; beiseite zu /rerfen und sich av^sschliesBllch der liÖBvuig die- 
ser einen Frage zu widmen :''Waft ist ein grosrer IJann?" 

Er >.aufte Lüohor.die sich iDlt berüi^mten M^xmern befassten,er kaufte 3i > 

weiter 
graphif-u und Ilemoiren^ünd je mftJir er las, desto entrückte die I,o.^u!2g»ßeir,€r 

Aufgabe «Ihre C-ren2;en verv/isoliten gänzlich, denn da wpren Croethe imd Jesus 

Spinoza und Hov'^kef eller, Kembrandt und Friedrich der Oros*se imd unz^^hlige 

andere. Die einen waren gefeiert v/orden und nachlaer h?ttc en sich erwiesen, 

dßSJ^ sie nloht riel wert gewesen wf=^ren, -»ind tim andere vmren in Elend und 

Schande /^re^^tox'ben.mid ihre iiamen leuchteten durch die Jrh.rhunderte^V/us y/et 

dae CJerneiiiBsaae in alluiee'en Mensif'.hen? Was wnr dps Geneinecaao.drß er ,Ila 

Schulz, iait iiuicii hatlü? 

Fr finc rrd&E,v,(nß er in den Büchern fand.aiif sich zu hezieheri xa^A rüich 
an den Groß&en zu mefcsen.Eö v/ar sehr vlelee oft an.wps 8t»f ihn pcsstej 
•an"beeeiitex:de Ilcrkuiirt, Jleias, Ehrlichkeit ,Ideenreicht.n!D, innere Unruhe, 
Dtbjic ^" c^^ vor V. flr t n , nach ob en • • . • 



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noeh .-.«..... E« hatten rlele von lto«i ^ anft^ig rdoM eev-^.^-'t . «' 6 ,me 
Ihnen werden vmrde .«nd .vehln »le «loa «end.r. sollten.xmd «ei.n er e« auoh 
noch nicht v.^Bte.so ßpraoh d^ nicht cet:en seine GrS.se.VHe «ü. Bev;els, 
«le eine Sicherheit dafür schvebte in Klarheit wid 3«utllo:ielt das f»ia, 
berlsche Sild Ihm ror: elr. Berg ImitUn eln.r weiten FlSche.dle ron Men- 
schen aioht tesät l;.t.imä auf d.n Berg .teilen vereinzelte Qo.t..ltei..le.» 
Gipfel ra l»cr „e..lser,md wt.r die.«: Wenieer^ieutUch sichtbar 1= hei 

len lichte- er,iIeJiS Schulz 

Ein AussprAch von Goethe.den er auf ainem Kalcnier-blatl .c-.i.De- 
stSrVte seinem Cl'uben on sioh:"ViiänL.ohe sind VorsefSa. ä.r ?Shie::eiten, 
dl- l-- '«"- n.een.Yorl>aten 4esjenisen...a« wir ^ leist«. lm.tax.le sl^id." 
E, ,.n.rde ih» ^r U^e..eu.J»s.das3 die :-:raft.dle er In sich fühlte.die ihn 
Torvios d-Tgndte .>nd stiess.den Sinn hatfce.a-.r den üoetUe nl^.iod. 

Sine Syetea.ti!c.aie er sich zvreohteomaoht -.at.e.arlästa i:m aus der 

-T o.^^e.^nr^'h-vniy c-^r»H z-ii Variieren droiia;e#^r ±as 
Ilferlosiglceit.in die seine Jntersuonang -.icn zd y^t^x x 

o« ov TM festem Stoff unter dem Fließßexiaeii ije .vaim . lai t pein- 
tniij alles, v/es er aii xesT^em ouwxx u«*w 

TT -j.^ ^•;vi ttvi ^#>f! t»n Ulielt ii^^s ^omeinsa- 
llo'ier OenDUlgl'elt in ein pnar Ileite ein.Ein -i.-f . en.uie 

o..,i.s Ih« «nd ein,^ Crossen el^eu -..ar.-and in eine. .«iUn I.ext .^«1 
t= .. ... HrtorlaÄ^eeine eleene Perscraich^elt aufh.ute;Sx-ei,,.Use, 
Oh.rav.terzüse. Gedankensplitter. von len Uetoiren and Bio<p'apUien ,inc e. 

, « *>.-^ -«-nr TG^tüi^e uber.zru Jenen Büchern, aie die xu 
"ball ra einer andern Art von i,ex.-cu-e uucx»*. « 

. ;, x.'«v.->4-« .11 vveovcr TersoreoheniXyae werde ioh energisch? 
"las Oehoiimis des persönlichen l.lnflus=eo. Ji« '^cn 
.. .lelcn ..dem dieser Ar..Diesc Bücher .teilt., ihn a-of einen f«c.o.^ 
Bcden.Sie .e^^ti«ten seine Vcr.nssot..n. von^den .e.tvoUeu v...sc:ao. 
.e-en .rmen.dle in i... mhten. V,er wels..«.B nicht all« .chon ßcorde n 
.are.....o„n »an sich seit seiner Kindheit rlCvti« »It ihu .oscua.t.^i .att. 
«eXche. ..-ae. oder Schriftsteller oder .usi.e. .-ar an ih. verloren .e.an- 
«en.caer Ph.si..r nnd Ohe.l.er.vieUeicht «.e er^ ^jr; c.i;; 
l.tivit«tstheorl. entdeckt h.tte, Oder ein EoUsem« .e.^ ^ 



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'" 1,1.1' I WMMHMI 



•ym^mmmmumwmm 



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-12- 



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Sohwindsuoht oder imbekaimte blaher Strahlen! Zufall war ee.d.^sB die ohä 
dem die Entdeckung machten. Geneu so gut .hätte er sie machen i^önnen.Man 
kennt die Genies. denen glückliche Umstrnde geholfen hnben sich zu behrup, 
ten.doch wie gross mag die Zahl derjenigen sein.die ein weniger günstiges 
Geschick trotz höchster Begabung der Vergesrenheit preisgegeben. J)cch er. 
Kens Schulz wollte sich nicht unterkriegen iRSsen.Er war ein Grosser. ein 
Starker.- er- Hans Schulz, 

Aus dem Chaos klärte sich allmählich ein Weg.Es war der Weg des Seif 
•made man, wie es englisch hiess.des Mannes. der sich selbst gea.arht hut.Lr 
wollte sich auch machen.Das sollte ile V.'elt nur ^.ehenl Zuerst hiess es mn 
Geschäftsmann werden.gonz grosser.und nebenbei nichts vernachläcsigon ;ve - 
der i:unst noon A'issenschaft.denn was konnte man wissen? Vielleicht fiel 
ihm doch auf diesem oder Jenem Gebiet etwas ein, woran noch niemaad öedachb 
hatte. 

Er studierte eingehend die lebensgeschichte der Männer Ä eus kleinen 

e; 
Anfragen", nahm aus Jeder Lebnsgeschlchte das heraus. wes auf seiz.e Verhalflb 

nisse am besten zu passen schien,brachte das Material hinein, sus den er 

seifce eigene Persönlichkeit aui'b aut e , und stellte auf solche Weise einen 

t 
einheitlicnen Plan für seine weitere Täigkeit susominen. 

. E8 musste ein grosses Geschäftshaus für Import und Export gegründet wer 
den.Jjas war der bequemste Anfang. Unter diesem Titel Hessen sieh die ver- 
schiedensten Dinge maohen.und allerhand WSglichkeicen ins Auge fassen.. Da- 
bei mussten mit Geschick alle Mittel angewendet werden. um seinen Kaxaen i 

dem Bewusstsein der Menge einzuprägen. Dann hiess es etn Woiuüiaus eiririch- 

rllgemeine 
ten.das gleichfalls die Aufmerksamkeit auf sieh leriktb.Es sollte so sein, 

dpss man im vorübergehen sagte: "Seht, hier wohnt Hans Schulz!" Wemi nunitt 

dieses beides erreicht sein Ä-Urde,das Geschäft xiaä das Wohnhau s , dann wol 1 

te er sich eine Erau nehmen, die seiner ganzen Lebenshaltung den Stempel 

der VorneJ^eit aufdrücken könnte. So wurden die äusseren Umstände für selb 



€x) 



, nen Aufstieg geschaffen sein und läge dann nur an ihm "Hans Schulz" zu 




w> ■< .. i ^"t^fmrmrnmmrtUKHff 



eu wcrclcr,mit dem die iVelt rechnete. 

^mi ging vjieder alles gsxxZ glatt, ging oirce Hindernisse. 

Da« Hcjiclelshans KraiE Schulz für Export oiid Import wurde cr'^ffcet. 

L'eber der gansen Etage einec neuerbsuten Hauses im teetcr: GeschP.ftevler - 
tel der Gtadt prengte ein Sohild nlt goldenen Euchatciien auf cchv.'Prr.en 
glänzendem ürunde: Iiandelshaue Heue Schulz, 7.n fihif crocnen hellen Räu- 
men mit schv/erer eichener Einrichtung befnnden sich fünf Telcfonnpppratp , 
Ton denen Jeder seine eigene Kuraiaer hatte. V/ohl Vvusßtc hanc r:ch\il7.,da?3 
sein Haus nicht gleich mit Gesprächen so überlastet uein v.ürrle/dr! fünf 
Telefons zu beaötigen.aber es hfcndelte eich bei ihm nrj: dcru.'^.r^elnen Im 
Telex onbuch fÜLi' Zellen gewidmet: zu ^ehen, 

Ide Würdt,mlt der er sich als Ilellncx- zv (Schen v.?rst8ndei' hatte, kam 
bei Com Handelsherrn noch feierlicher zuiu Ausdruck. Lr venclfcl tf.inen /.n^». 
stellten gegenüber ^ede Intiraltät, hatte für sie nur ein l.ur^ef I.ici cn fils 
Gruß» mid gab seine iinv,/ei3ungen in knappester 7orn. Er vaisrte es aup den 
Büchern über itaiser und I£oiiige,wie mpji sich au verhalten hftttc»,um wie ei n 
höheres »Vesen zu wirken, und dsss es in der Hauptcachc darauf an:idB»e,dic 
Grenzen seinea Wesens zu Yei*v.'iscben,\im noch grösser zu erscheinen, pIs 
»an in iVirkliohkelt war. 

Als driß Handelshaus Hans Schulz eröffnet vmr und dies da so ging, wie 
es im Plane aufgeschrieben stand, <aaien die "Bemüliuugen \iai den V/ohnhaua an 
die Reihe. Er fand balcl.,\,\as er suchte; oin Laitdhaus , das briftt und wichtig 
mit Türmen und Baikonen an der Haupte trasee des vornehEtsn ViälenviertWiB 
der Stadt Isg.Unwillkürlich blieb üor Blick der Vorüb.-;r=:ph enden an ihm 



haften, und daa war es,;vas Hans Schulz brauchte. Er brauchte die Aufianrk- 
samkeit der Menge. Sie sollte einen Augenblick Inng bei deuj GedarJcen e.uf- 
halten wt-rden, dase Hans Schulz in diersem Hause '^r^hnte.TLin blankes Messing 
Schild ait seinem Janen sa^i-tc es allen, die dies nicht v.ussten» 



f 



-u- 






Auf- 



v y^i^^^.-j <^^^'^ »"^'^■''^ ^^^' letzte PuiiLt flet TlriifP tmf^ v,Mti5hT on ; die Heirat. 
Obiileich ei- ihr* .tiiir^ng*! ich geschienen hatte, dr.LS die£;rr Teil meiner 
}Sthe die gerin^cten Schv.'leri^^Leltei: tLufweiscn v^üi^de^da er^v-ie iiißx. es wohl 
ßsren i.rnn,init der liiitterallch zii^jleich die lieberseii^ung von dem hBJaeren 
Wert des Mr.nr*oß dor Tr^w £:e£:er üter in üich ein£;e8ogen iind alle i-eii^e spä- 
teren i;rf5^1ir\ir.iC;e:n so 7\\n\ Beispiel, die vielen Sltli-^hen jiadchtn im Verv/andU 

Bekanntenkreise 
t er- und ÄK3:iTT«tfr.>-TJ5Sf' un-d fiucb di'^ Ilritee£;enioiiiinen,da£ er bslm well)!!- 

ohen OenchJecht gefunden?, 31e Sicherheit in Vzni gefestigt hatten, dass er 

nur zu '..voller "brauch e,uiTf vor d€r reichsten V/nhl za stehen^söh er dooii ein 

Je mehr er s^ir Vor?:.^"ben ins Au^-e f-^f3ote,dass r3:c' alcht vorsichtig dad 

kluf ^enu.r Tcr^eber) könne, and <3?ss der geringste l''ehler,da3 ^erin.sii^(^ Ue - 

sehen eine? Umr^'tf^-niles seit ganz-^s icühsar:) öu^^ebaaces »Verl^ geralirden iönnar 

Denn :-:eire ITelr.it wer kel^ic gc-.v5hnliche Ver'bixidLLig von I^i^m aal //eib zu 

sexdollen und .virtschiftllohen Z^;ecl:en. Seine aeirat »Yar ein .viohtigor jaic- 

tor in der Letjens^iuf gäbe, die Hans Schulz hieaStZoni ersten Mai sollte er 

]<0iMen 

sieh d? mit einen c'^ndern \SeBe-n verbinden, ea ganz iiaa :iu sich hüranlassen, 
sich in Oef'^.hr "bringen, seine geheljastern Cedanx-.u ^md Ziele zu verrtiton, 
sie missdeutet zu oohen aus Mangel an Anpassun^öfähigleit^aus Unverstand, 

Eus Unruhe* 

Viele Trige xivA TTSch^.e •fi'bordaelite lioxi^ bcyolz aas ProLilem eeiner Uei- 

seinery 
r?5t,und schliesslich ^mx die Frucht IJeterlegungen eine inaei^jitäie eiiies 

Sonnt arj^sor^^ens'. in groi^sen fetten Buchcta^ben sn cU r üicht*bca*c tcn stelle; e Ir 

nnr T02*nehaer,,s;€Tnr.ssi£;t ^connervativcn Trgoczeitiiug die A-iu*merL;2ain:Loit der 

leser .?u.f sich lenkte. 



S±KCTi.idt3CCiii?af V/in er nvai dleco Anreiße in ihrer neuer. ,vcn ihu 



g 



leichrm^ loCtT^^lorten l'oria wledorsrh, hatte or dar>rell)e C-efilr-1 der tiefen 
?fH?f?: Bf-friedifn.mcdie Kvjistler vor Ihrem vioAC^liuasei^vn Lerh emp- 
finden*?:s '/rar in ihr vor. einen hohen Ide^J.iMrA:u; C.ie l>Ce^ vuii tiefer ^elrja- 
sucht nnch einer gleicheestimmten Gefährtin Vind von einer völli^ien ieltng. 



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' ■ ■ ' » ■ " ^ . iii —i i iij I» > iiipi 



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f^i^SP^ 



-15- 
Bclao^loslgiceit der Frage der Hltglft. 

Uann Schulz zweifelte nloht daran, dass die Jlnzeige ihm das bringen 
würde, was er "brcuohte. 



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r.wii«* ^r*« * 






^^^mf^w. 




Zweites Kapitel. -^ /t^ 



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Ich. halte i.ü ullgeMeineii nichts von aolchen Sachen, "sagte an de«^ 

■ *■ ' -■ ■ ■ 

Sijlben Sontr.giacr£;en irau RegieruiigBrat TOn Lrchensang beira ersten Pröh- 

Gtück zu il-reii. G-al,ten,deia P.egierungsrat Wilhelm von LRrchensFJi£j a.D. xmd 
legis &.en i'in^cr auf eine iu:izeigc,cLle durch fetten Druck \md Grösse mxfS 
fiel/' Aber diese ^xx'^onüe ist mir aus irgend einem Gründe sympothiscii.Lies 

Cüch einmal IV.as ruCiübt du da^^u?" 

iK^v ftesicrvjaccrr^x sali von «eineüi Leits^rtikel ^.uf,v/arf einen Bllci: tMf 
die '/.^itvdiyi^txii onct imcl fragte veretimmt über die unnütze Storunc^: ^¥/as 

ge:t riv mich eji'r' 
« ?if ^:eht iicli ^uch e'^^micLt eoi.Ieh frage nur, ob sie nicht ganz anders 
ist /ie Ue al^lj ciien lieir?- te>^nzeij?en?'^ 

3er G^n.'e .vurlc ^oJocii nur i^rgtfrlicher.'^ Ich heoe dich nicht durch die 

Z<*ihon4? ^reheirHhet.jnd auob später i.eiiie Gele^eniieit gehabt, mich für Hei - 

rat«a<tinoijueri 

*«irT!Tix ?\i iizterrsslcreiiT' TJnd ci* rteoidtf sicu wieder enerriBcn 33in« 



.uri-^arti.:el 7X\, 



^C-l;nil:£-: Oji vlelleio/ii.uaße ich sie s feudi ere?'*be.ierrte Frau Regler-Unga- 
rn i- 1)61 ■len TLemc.H/.-ocr uen eich docli denken, dass eine solche »vie diese 

rAcht h"ufij ::ti Icr-en ict." 

"Ich v.eis^r iilciit.v.'i.s dir htute einfällt mich mit d.leeere Unnlnn za -an - 
i'rhpJtcr," rief der negienrngerat end^lli^ aus der Geduld gebracht. 

Dr liecr seine Gattin mit einer schmerzlichen Gebärde den Kopf sinkea 
Sie er-."ifLerte xAchiz n.ehr,faltf.te das Zeitungsblatt sorgfältig zusjynraen 

■nrr\ icrie et Tor Elch hin.Zs war garnicht vvehr,dass sie Heiratsannoncen 
^' -'' zu verstehen gegeben 

rieht 5tadie;rte,/,ie sie eben l««fiig«>' hebte. Im Gegenteil, ihr ganzes Interes- 
se g.'=lt» venn sie die Zeitung in die Ewid nahm. seit längerer Zeit ih/ien. 
rie??€^ 1)1 den Kreisen von Prau x^egieran«srat Lärcnensang nicht »ehr übli- 
che Interesre wird verstSiiaiichjwenn m&n dia Kicnt^mg zurücicverfolgt ,die 



-17- 

ihre G-edanken iiiiter dem Einfluss der in den letzten Jahren aufiserst 



erach'.verten Letens Verhältnisse eingeschlagen. 

Larchensongs hatten eine einzige Tochter -Hilde. Sie war neuniindzwfltnzig 

n 
Jahre alt, sah aber um vieles Jüger aus. Seit fünf Jahren war sie in einem 

Büro beschäftigt, und es war nicht ab zusehen, wann diei^er für Frau ton Lär- 
chenrang tief schmerzliche Zustand ein Ende nehmen wüi'de. 

Sie und ihr Gatte stammten aus demselben Kreise alteingesessener Pa- 
trizierfamilien. Sie Iconntetn sich beide noch gut erinnern und liebten 
eo miteinander oftmals zu besprechen, vae es in ihrer Kindlieit in der 
Stadt ausgesehen, v;ie da die geijiütlichcn Linfamilienhäuser gestanden hatt« 
mit den grossen schattigen Gartei) dahinter ,in denen man sich von rings- 

"0 

umher zu Siel und Schmaus versammelte.liun war dPS alles voir .trdbcder. ver - 
ßchvAinlen. Grosse Viaren-und Kietshäu^er standen an ihrer Statt mit prot- 
zigem Prunke da.Keue unbekannte Leute, die von Gott v/eise woher gekommen 
W£iren,niachten sich breit, semnelten Reichtümer und drückten der Stadt ihr 
Geprt'ge ^jua*.ünd sie, die Alteingessenen, die Vornehmen, die einzig Eerechtigf- 
ten,vvurcien von ihrem Plat^ie vor drangt, weil sie nicht mitzutun verstanden 
una auch nicht wollten, selbst viexm sie es gekoiint hatten.Ai'ar. ging seinen 
ehrlicheii standesgemassen Weg weiter, wie eintönig uiid auswicht slos er 
pvch wurde. i».an hielt kein Dienstmädchen mehr, man machte alles ^^elbst.Die 
Iioffnia}g,aaßs es nach dem Kriege wieder gut, ja vielleicht gerechter wer- 
acM wiixde, hatte sich nicht verwirklicht. Im Gegenteil, es war noch schlim- 
mer geworvlon.Der Regiertmgsrat muss;^e seinen Dienst im ilinit'terium des 
Innern ini'olge eines im Kriege quälend gewordenen herzleiaens aufgeben^ 
und die Penfc^ion blieb hinter der ständig wachr>enden Teuerung weit zurakk. 
Vieles, was man als imerlasöliches Lebenselement betrachtet hatte, musste 
auf^regeböfi werdenzKlavierspiel, feine Hendarbeitcn, Pflege von x^Vemdepra- 

cton in der V^oiiiamg sah es wohl v/ie früiicr nett und geschmackvoll au«5 

n-ur fihnte niemnjQcl.wfiS daa an lüike und geiieimen Tr§nen }roBt et e. Trotzdem 
hätte Freu Reglerungsrat vom Lärchensaiig sich zufrieden gegeben und dem 



-16- 



dem Schicksal nicht gegrollt, wenn Hildes Lehensglück dabei nicht in Frage 
gekommen w«bre.Sle hätte für sich -und ihren Mann auf vieles ohne Klage rem 
ziehtet, denn sie hatten auch gute und frohe Jahre hinter sich. Sie hatten 



ein Lehen geführt, 



wie es Menschen aus Ihrem Kreise entsprach. Doch 



Hilde? Was stand ihr bevor? Es war für Frau von Lärchensang ein ferlnger 
Tro8t;dass tausende von Freuen und Mädchen, die es früher auch nicht nötig 
geiaht hatten, dPB Schicksal Hildes teilten und wie sie ihre Tage in Büro« 
un(^. Werkstätten verbrachten. Es war eine ununterbrochene Pein icitfüisehen 

aii ni^spen.vie die Jahre ini.1.nr;lnr:?n, ohr>c nir.c einrcl-e C.er ^o!:^mm(s-3n ra 
erfüll'^n, KU (\<^ner alle ^l£:ftr',F.'?he.ft«n Hilden sl* ■!)ereohti,v:t9n,''I*"i*2'i Jlilde 
mit ihrep. • n/T?neh-.en A'aRf3e.ren,Tnit ihrem ncchcLsn>lichen ?,till«i feinen V/<? - 
een sohinia ihr "rie hnvin ein znd.f^rc^ ?.^-.d?hcn dn7Ai ^escfe-'f f f>n, ^.?.:t '^lück ei- 
nes Helms -/A) -eu'vhrlrlsten, ^jnd deshalb nnhn cio e?-. .nicVit geln-aert hln.Ä 
dpag Hilde u^ den Sinn ihres Leben? konmon nolltc.^.ie lehnte sich ruf.ßie 
wollte von -Tei-i ^jjlm'jerlicher. Err,it% nichts v;l-rcn. Hilde nu.-stc heiraten, 
mniFste ein«. M«<.nr ,Tnv.sEte Kin-^er hrben.JTin von T?5rchcnr,fuir -xja^-iaiziiliöct 
ir¥l?fTS.SHy^.i:«^f:ysr verlan.rto von Scbic?rsnl dp.r Rec]-!; IIl.l.^erxr,ur.'l sie vfoi-- 
de lüiTaer nnm^hlGer und mi.-eduldiger.dros es ihr nicht {xe^c^fn v-ira..^.rJlc 
forschte n:;ch der. '^^r-uid dieser ün^crechtir^'dit .51 -^ P^^chte in r.r.n Din^jcn, 
und sie fand.dass Eilde fvT ihre Zeit -i r^it wr.r,.'rrr rfnr^ohcn cnde::ei/.-t 
Absatz frxlpn:solohe,die es rait ^.er Tu.-rend nicht gmirm n^hnrn,odrr die 
eirer vollen Geldbeutel hattep,noeht?n sie dabe^ rnnran und Inhin nein. Ab e r 
Ple verlor troteüem die Hpffn^mr nicht, reil sie so fest raa 2^s Eocht Kil - 
<1e^. Cl^^^^-te.Ihre >^antasie.fiie durch die vielen ir ihrer Jue-rK' geleBcncB«. 
RoTBrne reichlich befruchtet war, sah irj«er -.ieder neue Kc^l.ioh:-.eiton..vonn= 
auch sie bei fler leisesten Bertihrtin?r mit der Wirklichiceit In nichts zer- 
rannen. nr^r ;.chrner7licher vm\ fantastischer mirden dr^.darcli ihre vrv:nrtTin5 




-19- 

Weder Im B-Sro noch miter Bei-imiteii und Verwandten v;ar eine ricLtige Aus- 
sicht vorViora«r. Der verheiratete Prolüarist , dc^r seine I?ei£,TJig für Milde 
nicht verl>fi^-,ü0.cr der erme imt e u eut ende Vetter, df;r z-^f.v vor V.xebt; vfr£iig 
aber f-lß JiütiirPJ* Keferendar hrum für £;ich t'enu^; ::njij Lehen htitl.e Lind noch 
ßie pi-Hr rüni^linee.die Hilde andichteten, sie r-llr hewioEen rair, v;f.,B nicht 
?Ai hewies-en \n^T'r.en brav-ohte;den V.'ert urid den Reiz Hildens. Irc^-ndv/o miusate 
Rbcr doch dor:'enice cein.der ihr turelenvervffuadt .Vc'.r»uri.c. sich einstja I'-alil - 
te in d('r ht.rt und .selhetsüchtie ge-iOräenon Uelt! V;o var trS'ticxuRi schv.le£ 



er? \7o ihn suchen ,und v;io ihn finden? 

-ipff-F f..lJ»^r> vül-iltc \md bohrte ir. "Frrn vor. T."rciicn?..';r^-fi Leele '•jnd T'-r - 
oft 

nv^oohi-o A-ur.brne.he von fcr 'ysjx^ urxd Tochtrr ^inver£t?.ndlich,er,.T.rre,i-.r-.ejyoB 



•«Jfc^u »tl <.A- 



Unffficlri'i vo:^ rjeirllchpr Eeivdvrkeit ,ir d niemand ahnte, dsx-t diese Außhi-üol» 
mir eine rol£:c des Uebernu-ases ux. Jürsorslic^du-it ';nd .Liehe .vtren^dast ck 
an den f?,.tt?oi öcheinhfa- -arA^-gr-öndot ecrioiitotes h'äri.ee wort nui- die Aus - 
lösung eiurr ■F:ri:'^i''runs sn eine Liec«-L-5fcini'1- war.di'^ ::ilde nicht kriuinte, 
ur.a d'TCifr in einer heftigen j^atwort a^f eine huriuloic lißniex-^wM^i- die q.ui**- 

lende 3orti:e fi'^h t^'iss-jrtf. 

t'o lanfh-'-tf? Bi-^? n«ch \i'-:lem TJrcherp^treifen ,nn<3h Violen IrnuHveu ihrer 
eutihendon ^.cflrinhen he:, den HGiratssnnoncen.Hiftr ßla-uhU« sie endlich, einen 
Finr-er2 5lv;,einr; IU<i3spnr c5e» Selnnrachti^^en zu firulcn. v;-^r es rii :bt fns"! 
sirjher.ör'^rs d-r.1mrl(:e.d'- sich nicht mit Trohen -.cirtr in ^ien tollen Rei- 
gen d-3: Ihrnsie? n>ia d^ei- '" o linst, r? ein Vorurteil hefiiojte, an die paö3onde 
9f3hri,in 'lu fiad-n, iL>ni in .<1^)iner Hilf lo8i6^:oit , ir: Icv -Jol, .-jeineit Mo:v 



G 



zena zu der :'oitn.i/?s.Tiinon3 3 griff? 

Alle ilene lel^in-ren viedor-holbft.i Gioh rait -.ine ^v. ähnlich er Gc'vüollif-iieit 
uiid Klarheit Itn .cTlrn de- /'rrm Regior^ui.s«rHt . .sährcnd sie ihren 1^0,^0 heira 
Morr?ein<off ce g-e^r-mber 6n.r,r, und cle jor.tntCThrochen ihre Llloke von iiim 
zu dem Zelbonss-blet^- .n-d .ieler zurficlc v-^nder- liecs.rer Flng..n-z.ei.e,die 
russispxr -Ten heute über ßllcn Zweifel hinau- fie^ehen.V.ie durfte sie do 



MZVU 
-20- 



&a stumm bleiben und die mit Ungeduld erwartete Gelegenheit aus Schwäche , 
aus Ängstlichkeit rorubergehen lassen? 

Sie faltete rasch das Zeitungsblatt aus e in tofter, legte wieder den Fing« 
auf die fettgedruckte Annonce und überflog ihren Inhalt, um sich noch ein 
Mal, noch zum letzten Mal mit der ganzen Ilelliglceit des Bev/usstseins zu i 
vergewissem, drss hier kein Irrtum vorlag, dass hier der I^uf des Einsamen 
so vollkommen wiedergegeben war, wie sie sich ihn nur je gedacht hatte. 
"Wilhelm" sagte «ie plötzlich mit solcher Entschlossenheit, dass der 
Gatte betroffen auffuhr. "Glaubst du wirklich alles getan zu haben ,xm Hll-r 

des Zukunft zu sichern?" 

Die Frage selbst und der Ton , in dem sie gestellt v.urde, waren so über- 
raschend, dass der Regiemngsrat seine Frau nur fragend ansah, ohne eine 

Antwort finden zu kSnaan. 

"Du scheinst wirklich zuxglauben,dass deine Vaterpflichten errüllt 
sind,weil du ihr zu essen und zu trinken giebst land sie beheljergst?" 

"Ich möchte nur v.issen.v.as du heute hast, und was deine absonderlichen 
Reden bezvvecken?Vielleicht v/ürdest du dich*doch dazu entschliessen,mich 
meine Zeitung in Ruhe zu lesen zu lassen?" 

"Sie wird nächsten Geburtstag dreissig Jahre alt. Das solltest du be- 
denken.! 

Herr von LÄrchensang ..urde rot im Gesicht und schleuderte das Blatt, 

das er in der Kand hielt auf den Frühstücks tisch. 
"Also! Was ist los?" polterte er. 
Frau Regierungsrat steuerte direkt auf ihr Ziel los. 

"Halst du es für möglich, dass es irgendwo in der Welt einen edlen einsa- 
men Menschen giebt,der in seiner Umgebung die rechte Gefährtin nicht fin- 
det?" 

"Ich glaube, dass es nicht nur einen,sondem tausende von solchen Hen- 

sohen giebt." 

Die "tausende" brachten eine Sekunde lang seine Gattin aus ihrer Si- 



-.21- 
Sicherheit. Doch sie fasste sich schnell und setzte gewandt^die so oft 
geübten Gedankenreihen fort. 

"Nein" sagte sie, "ob es einen ganz bestimmtenpSich einsam fülil enden 



Menschen giebt, dessen Sehnsucht nach seiner waliren Sefahrtin so gross 
ist,drss er selbst einen peinlichen V/eg nicht scheut, tun sie zu entdecken? 
Halst du es für möglich, dass es einen solchen giebt?" 

Eine Ahnung stieg in ihm auf, wohin sie hinaus v/ollte. 
"Nein,sowFs," murmelte er empört. 

Da ergriff sie ihre erste Waffe wieder." Wie stellst du dir eigentlich 
Hildes Zukunft vor?" 

Dieses Mal traf ihn ihre Frage: er wurde sich bevAisst,driss er sich Hil- 
des Zukunft nur ganz unbestimmt vorstellte, wie überhaupt die Zukunft, denn 
er hatte sich im Voraussehen der Ereignisse schon zu sehr geirrt. Einmal 
musste Ja schliesslich alles wieder in seinen richtigen Gang kommen. Aber 
Wann? 



"Hildes Zukunft hangt nicht von mir ab" sagte er barsch. 
"Doch! Sie hangt von dir ab! "rief sie fast mit Triumph. "Hier ist ein 
Mensch, der einsam ist, und der enttäuscht von den Frauen seines Kreises 
sich eine Gefährtin wie Hilde sucht!" 

Regierungsrat von Lärchensang sah seine Frau mit grossen erstaunten 
Äugen an. Er begriff v;irklich nichts. Um solch eine Sicherheit an den Tag 
zu legen, musste man doch Grund dazu haben. Ihm war es aber unerklärlich. 



woher sie sie nehmen konnte. Immerhin 



die Aussicht Hilde zu versorgen 



nicht unangenehm. 



K 



,"sl 



"Das sind Hirgespinste,"siess er hervor» doch sein Irgerklang schon 

13 
sehr gedapft. 

Sie schob ilim die Anzeige hin. "Lies! Ich bitte dich !" 

Er brummte unwillig und las. "Gott weiss, was das ist. Wahrscheinlich 

ein Mädchenhändler." 



-22- 



Booh seine frau Hess sich zum zweiten Male nicht aus der Fassung brin- 
gen. Zu Tertraut war Ihr dl. fantastische CestaH^des Einsahen und S.hnsüc«, 
tlgei. geworden. dies Erzeugnis ihrer Sorgen und Schmerzen. 

"Hast au es nicht 8ell>st so gut wie zugegeben," fragte sie."dass es > 
sich ebenso gut u« einen edlen Menschen handeln kannte? Und wie willst du 
es einmal verantworten, drss du eine Tlelleicht glänzende Gelegenheit 4»to 
Kind zu versorgen hast vorübergehen lassen.nu^ well es dir unbequem und 

auch peinlich war?" 

Als er nicht antwortete,l.agte sie leise:"Wenn wir zu schreiben ver- 

suchten ?" 

sein Widerstand guckte auf .wie eine Flamme vor dem ErWsehen. 

..Kur lass mich aus dem SpielUch will mit solchen Dingen nichts zu tun 

halDen." 

..I,u tust gerade so.als ob du nicht der Vater wtrst.-erwiderte sie mit 

mildem Vorwurf.denn sie fWate.wle er nachgab.und sie dachte in BanJcbarfc 
keit.dass er doch schliesslich immer lieb und gut wircwenn er auch hier 
und aeschichten machte.und sie wünschte in Ihrem mütterlichen Herzen. dass 
auch Kllde endlich solch ein Clück.JSnde. 

Ellig holte Sie ein Briefblatt.um die Antwort auf den Ruf des Elnsa. 
man auf zusetzen.Es fiel ihr nicht schwer Der Text lag in ihrem Hirn be- 

^ ^ ,»« r.-«Ä mi-f den Ruf des Einsamen 
reit.Er hatte sich allmählich geformt.tÄ sie auf den kui 

a r<^.:iw«>,+n< e. m nehmen und aufzuschrel- 
wartete. Sie hatte ihn nur aus dem Gedochtnis zu nenmen 



ben. 



]pdSXK±] 



rem Manne zur Begutachtung. Er nahm es zwar zögernd entgegen.macht, aber 
.eine ^rwendungen mehr.Er war geneigt zu glauben. d.ss Frauen in Fragen 
des praktischen Lebens einen sichereren Instinkt bes.ssen.als M^er.und 
dass man vielleicht gut daran t.te.sich ihnen nicht » sehr zu widersetz« 
so v.-an4»lt die .ot die Auffassung des K.chten. 



-23- 
Drittes Kapitel. 

Wach ein paar Tsgen v/or die /ntv/ort de. 

i 

I 

Hnns Schulz vom LärchensangßChen ^chrelDeii aufß an#?enehmste berührt, 
bat \m die Erlaubnlß sich vorstellen zu dürfen. 

Der ITame Hans Schulz v/ar eine Enttäuschung für Frau Keglerungsrat. 
Er passte nicht zu der poetischen Vorstellung, die sie sich von dem Elnsa- 
men gemacht hatte. Doch die Hoffnung, die sie auf Ihn setzte, hatte sich zu 
sehr In ihrer Seele e Inge vrar 7. elt, als drss ein i^ane sie hatte veranlassen 
k*öniaen,die j\ngeleeenhelt aujfzu^eten.und sie sucht -CNauch Gleich den wenig 
gijnstigen Eindruck zu verwischen, indem sie ihrem Gatten, noch ehe er eine 
Bemerirune diesbezu£;lich gjeraacht hatte, des ltm£jen und Breiten auseinender - 
setzte, drss viele "bedeutende Märaier des öffentlichen Lebens nichtssae:endc 
Hamen trügen, vvie Ochs, Blech, Windelband und noch mehr desgleichen, ^and wie 
die Grösse der Persönlicii]ceit die £EEiiKxi±Ehias±± Lächerlichl-ceit und Abge- 
solimacMieit ihres ITemens gamicht zum Bev.Tisstaein kommen liesse. 

Der Regierungsrat, der sich immer mehr in dieser Seche der geistigen 
Führung seiner Gattin anvertraute, und für den sie von ihrer Fremdheit 
und Peinlichkeit zu verlieren begpjin, stimmte dieser /jisicht bei. 

Men traf sich eines Abends, nachdem men Hilde und eine ihrer Freun- 
dinnen für denselben i^ebd mit Theaterbilletten bedacht hatte, in einem 
an Wochentagen v.'enig besuchten Vorortcaf^. 

Die äusere Erscheinung von Knns Schulz brachte eine zweite, noch gros - 
sere Enttäuschung. Es war doch etwas anderes der nüchternen Wirklichkeit 
gegenüberzustehen, als dem Gebilde einer nachgiebigen Fantasie. Regierung», 
rats empfanden in den ersten Augenblicken ein richtiges Unbehagen beim 
Anblick des Herrn von gedrungener Gestalt mit breitem rötlichem Gesicht, 
je.der Regierungsrat in demselben Masse, wie die Regierungsrät in, obgleich 
er nur eiHe ganz unbestimmte Vorstellung von dem Einsamen gehabt hatte. 



/ 

-24- / 

Eß erschien ihm sinnlos diesen Mann in Zusammeniiang mit Hilde bringen zu 

wollen* Das Unbehagen löste begreiflicher Weise bei seiner Gatttin ein 

schmerzlicheres Gefühl aus. Ihre innere Vorbereitung fUr diese Begegnung 

versagte ganz, sie stand vjie vor einer verlorenen Sache und hätte weinen 

können, weinen um ihren Einsamenjum ihren Sehnsüchtigen. 

* S EkBX 

Hans Schulz Empfindungen waren iJKgBJSVe. ganz entgegengesetzter Ilatxir 



Wohl v;aren auch für ihn diese ersten Minuten bedrückend und ein v/enig 
peinlichpwohl vvusste auch er sich nicht gleich zu finden, Jedoch nicht 
aus Enttäuschung, sondern, im Gegenteil, aus Furcht nicht das Rechte zu sa- 
gen, aus Furcht diese wunderbare Gelegenheit, die er sofort erkannte und 
nach Gebühr einschätzte, nicht geschickt genug anzufassen. Aber er nahm 
sich zusammen. Die Vision des Berges, den er emporstieg, glitt vorüber, und 
wie aus einer Kraftquelle kam Sicherheit Tind Geist über ihn. Die leeren 
hölzernen Redewendungen fielen ab, seine Stimme v.urde biegsrjn \ind lieb ena • 
würdig, seine Bewegungen wurden geschmeidig. Die Einzelheiten seines Anzugs!, 
der tadellose Schnitt, der feine Stoff, die gute Wäsche, alle diere unwfi«b&. 

ren \ind v/ägharen kleinen Dinge, aus denen ein erster Eindruck sich zusam- 

tzt 
mens*itt .schohen sich vor und veränderten das Gleichgewicht der Elcmen- 

te,die für Lärchensangs den Menschen Hans Schulz "bildeten. Man setzte sieb« 
Eine Unterhaltung kam in Gang, und ffi«gierungsrats lernten hier einen MaiA 
kennen, der Wissen hatte, der Willen hatte, der eine Persönlichkeit war. 
Die Zeitungsannonce verlor sich aus dem Bewusstsein.Man vergass den Einsa- 
men, den Poesie, umwehten, Das Interesse vvTichs für Hans Schulz, der ein Mann 
der Arbeit,, der Tat, der Wirklichkeit war. Wie er ehrlich erzählte, wer er 



(JMA 



war,dass er kleiner, ater achtbarer Beamtenfamilie stemmte. Wie er beschei- 
den von seinen Studien redete, von seinen erstaunlichen Leistungen, von 
seinen vielseitigen Interessen, als wäre dies alles etwas ganz Gewöhnlich«, 
als wäre es heutzutage nicht etv;ai|8eltoBes 



-2> 
Seltenes, dasE ein Geschäftsmann nicht in materiellem Genuas anfeehen 

Y/ollte,dr>es er Ideale in sich tru^, denen er bereit war seine Zeit -und 
sein Geld eu opfern. Lärchensangs hatten mit einem Male Ginn und Awhtung 
für die neuen Menschen, die von unten kamen und V/erte schufen. Erst als 
sie auf dem Rüclcvveg pji Hilde dachten, kam das Ungewöhnliche ihres Tuns 
ihnen wieder zum Bewussttein.Doch noch fester hatte sich ihre Hoffnung 
an Hans Schulz gehunden.noch stärker ihr Instinkt der Sclhst^erhaltung 
Um umklammert, und alle leisen Gewissensregungen über das nicht ganz Ssk 
Schickliche inrer Handlungsweise wurde verdrängt, üb ervnichert von dem 
Wohlgefühl einer schiversn Sorge vielleicht bald enthoben zu sein. 
Sie gingen somit den eingeschlagenen Weg weiter. 
E£2iG Schulz lud sie ein, sein Büro zu besuchen. 

Ms die grossen goldenen Buchstaben: Handelshaus EAIIS SCHULZ von 
ihrem glanzenden Grunde wichtig zu ihnen herablachelten,da verlor sich 
engültig der l^est von Banalität, der an diesem Kamen für sie noch haftete . 
Hein, es war nicht mehr ein Käme, den unzählige von kleinen unbedeuten- 
den Leuten in abgelegenen Gassen trugen,H A K S SCHULZ waren grosse 
helle Räume, waren Angestellte, die sich mit Ehrerbietung vor einem stum- 
men Kicken beiigten.vmren Handelsbücher,über die kaum der Arm hinreichte, 
waren Geldschränke, die eine Macht bargen. 

Und dann v.ar KAKS SCHULZ wieder das Einfamilienhaus mit Türmen und 
Baikonen an der lebhaften Fahrstrasse des eleganten Villenviertels. 

Es war vielleicht ein wenig zu prunkhaft, dieses Elnf alienhaus, es 
waren da vielleicht ein wenig zuviel Ttrae und Balkone,und drinnen zu- 
viel der dicken vergoldeten Foliobände in den Bücherregalen.Vlellelcht 
waren die Rahmen ein wenig zu breit, die die Lieblinge des Hausherrn 
Kewton,Bismarck, Einstein, Kapoleon umschlossen. 

roch auch diese GÄdJmken v.Tirden als ungerecht beiseite geschoben. 
Durfte man von einem Menschen verlangen, das s er in Jeder Beziehung voll 



-26- 



TOlllcommen sei?Redeten alle Dinge nicht von de» Ernst und dem Fleisse 
des Mannes?Musste man den Reichtum dieser Natiir nicht mit einem t)esonderi 



Masse messen?! 

Die Vielheit seiner Interessen veraetzte seine Gaste in v/achsende Be - 

mmdemng.Er führte seine physikalischen land chemischen Apparate vor. Er 
zeigte seine Saiomlungen von Spinnen, Steinen, Schmetterlingen, er überrasch- 
te mit einem Musikzimmer,in dem die verschiedenartigsten Inatnamente zu 
finden waren. 



Kar- 



"So heschSftige ich mich nach meiner Tagesarhelt.und ich habe da- 
bei eine grössere Befriedigung, als in Restaurants herumzusitzen, 
ten zu spielen. oder die Zeit auf die Zeit auf andere Weise totzuschlagen . 
Mir machen die oberflächlichen leT&a^&msen keinen Spass.Ich tue doch lie- 
ber etvms für meinen Geist. Ich stelle Versuche auf verschiedenen Gebie- 
ten an.lch suche eigene Ideen zu entwickeln. Was kann ajun wissen? Ein blin- 
des Huhn findet auch einmal ein Korn." 

-Diese Bescheidenheit war rührend« "ein blindes Huhn" nennt sich ein 
l;ensch,der es aus eigenen Kräften so weit gebracht hat. 

"llur wirkt die Stille in dem grossen Hause oft bearückend," fügte 

I 

Hans Schulz nach einer kurzen Pnuse hlnsu. 

Das war die erste Anspielung auf die Bcisteuz Hildes.So zart »ar sie, 
so voll verhaltener Sehnsucht, dass die Yorstellung des Elnsamen.dle mit 
Llel>. srosseezoger.e und l,ehWeto Vorstellung, sich bei Frau Regi.rungsr=t 
meldete. Bar das doch nicht am Ende der llnsame.der Elnzlge.der Rechte? 
Ja, da« Ut^n Ist anders als unsere Träum. ! Ja. das I^-ben Ist «iders.als 
unsere Sehnsüchte es uns vormalen. Ber ElnsMe ist nicht der schlanke 
Prinz Bit dem dunklen in die Feme gerichteten Bllck.mlt der «elcbin 
Stlmme.dle Jedes gesprochene. Wort zur Melodie werden lüsst.ist nicht 
der Prinz, der in blühenden Hainen v;ar.delt und alles zu Liehe werden 
lässt....Ja. das leben ist anders, als un«ere Sehnsüchte es uns Tormalen. 



-27- 
Tiefes Schweigen herrschte minutenlang zv^ischen ihnen .Dann höh Frau 

Regierungsrat Ton Lärchensang den Kopf. den sie in ihrer Ergriffenheit 

gesenkt hatte. 

Der Kreis war durftihrochen, Hilde war hineinhe zogen. Und da sie nun 

da war.konnte man ihren Namen nenen,konnte hesprechen.wie es weiter wer- 
den sollte,wie Ohne ihren Gefühlen Gev;alt anzutun, ihr^zeigen. wohin ihr 
weg ging.wie sie erLnen lassen,dass es der Weg ihrer »«tac« Bestinunung 

vmr. 

nach Tlelen ErwBexmeen xmd Vorschlägen hielt man es für 488 BeBte. 

die 1>eTorstehen4er Sommerferi.n t«^ut«n.™ in einem kleinen Kurort, 

ien der Regierungsrat seines Kerzleidens wegen aufsuchen .msste.ln rm- 

auffälliger Welse die Bekanntschaft Hilies mit Herrn Schulz einzuleiten. 

MS .an i« .esriffa war nach diese, alle Teile ^'''^'^^f "^^^J'" 
schlusse auseinander zugehen und der letzte Händedruck gov.ech.el. wurde, 
kain Hans Schulz mit einer Bitte. Seine rührende aecchoidenhelt .md sein 
t.v,ahrtor lakt iisserten sich ein Mal mehr in ihr.O* er da. GlSck haten 
durfte, einen Sllck nur auf diejenige zu werfen. die .eine Gefllhrtin wer- 
den sollte, um ihr Bild schon vorher seinem Herzen vertraut zu machen. 

Gewiss sollte er ias.Re8len:mcsrata fand™ seine Bitte varstEr-dlich 
und -oercchtigt und to-joen ihr gern ent(5e«en. 

Cnd an einem Sontagnactalttag erhllckte Hans Schulz 4n der Seite ihr^ 

Mutter auf der beichten Promenade Hilde. 

ja.das war sie.die Frau mit dem schmalen r..icht und der. schlanken 
Gliedern. SO musste sie aussehen,nicht um ein haarl,relt anders, nicht 
^asser.rtS^ kleiner.nicht heller.noch dunkler. 



-28- 



Viertes Kapitel. 



Hilde Yon Larchenßnng konnte ihren Ferianurlaub erst im August 
iDekoniinen^uiid wie sehr ihrer Mutter Ungeduld auch zur Reise drängte, es X± 
liess sich nichts datei ?mdem*Frau Regiemngsrat durfte ihrer Missstim- 
mung uoer diese Verzögerung nur mit Vorsicht Ausdruck verleihen, um nicht 
ein Befremden seitens der Tochter hervorzurufen, denn so natürlich wie mög- 
lich seilte sich für Hilde die Heiratsangelegenheit entwickeln. 

So ging man erst ee{^en Ende August in den Kurort • 
Pie Hochfltt der Gaste war im Abflauen "begriff en^Der Rausch des 
Sommers ralns 7.ur Neige^Es vnirde merklich stiller in den Garten und auf dm 
Wegen. Weniger Reden und Lachen schallte hera"ber und hinüber, und auch das 
Singen, Blühen und Drxften in der Natur y/ar matter gev,'orden.Y;ie eine Müdig- 
keit lag e3 über allem Lebendigen nach deir Ausbruch der grossen sommerli- 
cher Leiden^chafb .Dünne Nebelschleier hoben sich ringsum über den Tälern 
und gaben eine vAinderbar gedampfte Parbigkeit dem Himmel und der Erde. Gel- 
be und rcl liehe IJl^.tter^zeigten sich in dem Grüi'. der räume, und^er erste 
Wind loste sie, wirl: alte sie in ?iucn lustigen Reigen empor, wehte sie dann 
auf Aie Frde svjtüc:: und liese rie entfärht und verdorrt um Wege liegen. 

Hilde hatte hier das Gef-iüil,als v/ärs sie eingepresst gewesen in eine 
enge Zelle, -in eine enge Zelle, die ger.ncht war aus den kleinen täglichen 

Pflichten und Not:vendiglceiten.Hier imr es, als fielen die Wende^^fort und w 

für ercien 
v/urrle die V/elt groGser.Es vairde na\un für Gedaolcen.für Geister, TroumiW»h- 

JJJ.Alle unterdruckten Forderuniijen ihres Ich meldeten sich. Aber die v/acb- 

ßende Schv/ermut,dle über den Din^jcn lag.v/ecktc keine Hoffnungen. Sie gab 

% 
das Gefühl des ZunptGekomraoiiseins.aer beti'Ogcnen Yereprechung.TJnd da alles 

in wachsendem Ernst sich Vorbereitete zum Fracht etragen und zur Ernte, 

stand sie da wie mit leeren Händen mid hatte Angst vor kommenden Tagen. 

So unrxüiig und schmerzlich seil es in Hildes Seele aus, als eines 



-30. 

Und dieses ilal Icam er bald en Hildes Seite. 

Y.9 dauerte nicht Innge.da wsr er bei seinem Lieblingsthema und sprach von 
den grossen ilämiern, deren Lebensgeschichte einen tiefen und nachhaltigen 
Eindruck auf Ihn gemacht hätte. Er kannte Einzelheiten eus ihrem Leben, von 
denen Hilde , obgleich sie recht viel Ins, noch nie gehört hette^und er re- 
dete mit solch einer Wärrae,als ginge iiiri das Wesen und Schiokeal dieser 
Menschen irgendwie ganz besonders an. Zum Schluss fügte er wichtig hinzu, 
dass er xit^rhaunt mir diejenigen ftchtete^die es im Leben zu etwas bräch- 
ten, gleichviel auf veleheni Gebiet, imd wenn wirklich vlrosses ir. einem läge, 
so bräche ec c>.^ch schlleselich immer Bahn. 

'^Der Mann schlägt aus dem DurchsdraUtt.Fülilst viu es nicht auch, Hilde ? 
fragte die Ia-tter,elö sie pllein v*arer.. 

Hilde sah Ihw ini Geiste vor eichikXLrz, untersetzt, ein breites^ leichtge- 
rbtetec Sesicht.Eln Schauer ging dnrdh ihren Kärper. Er? Wein! ?.Iioht er! 

Man :var viel zusammen. Hilde vranderte sich v/ol,dess die Eltern, die sonafc 
unbek'^jinten ^nuten ge^^jenüber shiar zurücJiialtend »varen und sich nur schv/p r 
anschlössen, solch ein Gefalle:: an dem Liarme fanden, der ihrem Kreise nicht 
angehörte. Ab er r^ie war selbst imierlich zu verwirrt, um sich lange bei die- 
sem Gedan?<:er aiif zuh(:ltrn,\inl ^ropf enwelr^e brachten Re,f?ierungsratß ihr den 
Zaubertrani: bei, der sie selber gev/midelt hatte: 

Dieser ilann ist v.as- Er ist eine üaoht- Er hat ein soh'önes Haus- Er 
verfügt ü'jer viele Ilenschen- Er hat eine Z^ikunft- Und Sieh! v/elch ein 
Sinn für alles Schone, alle.^3 Gute- Welcli eine Lust sich zu bilden, sich zu 
vervollkommnen- Ist es nicht mehr wert eis ein Name, den man übernommen 

hat?- Ist ein Name, den man sich selber lii^.cht, nicht mehr v/ert?-i^fe-- 

Das Wetter sci"ilug in einer Kaoht um. Ein Sturm Jagte niedrige dunkle 
Wolken, bog die Stämme der E'auiae,dass sie fast brachen, schüttelte unbarm- 
herzig das saftlos gev;ordene Laub und peitschte in einen tollen Reigen 
die entfärbten Blätter. Die stille Wehmut des Herbstes war verschwunden 



-29- 

j eines Morgens am Brunnen Kans Schulz seine Hand neben ihr ausstreckte, 

lom Brunnenmadehen xx 
um Eich ein Glass des perlenden Wassers zu erbitten. 

Hildes Blick glitt zufällig an ihm verüb er. Da zog er seinen Arm zurück 
und sagte liebensv.'urdig:"Darf ich Ihnen helfen?" und ohne ihre Jintwort 
ab zuwarten, naiim er ihr da» leere Glass aus der Hand und reicht-« es ihr 
gefüllt wieder. Darauf grüsste er höflich und schenkte ihr weiter keine 
Auf raerks rank e i t . 

Hilde beachtete dieees kleine Erlebnis kaum \ind dachte überhaupt nicht 

Morgen 
darüber nach.Docjh am nächsten sah sie ihn wieder und erkannte ihn gleich. 

Er grüsstc nur flüchtig. 

Eines Abendü sass man im Karpark zur Musik. Weben dem Regierungsrat war 
ein r-lat2 frei. Hans Schulz kam Torüb er, erblickte den leeren Platz und bat 
um die Erlaubnis ihn einnehmen zu dürfen. Zu ihrem Erstaunen sali sie den 
Vator bala in einer eifrigen Unterhaltung mit dem Nachbar. Selbst die Mut- 
ter trr.t öus ix-.rer gev/bhnlichen Zurückhaltung und warf von Zeit zu Zeit 
ein v;ort in das u-espr'äch. 



•« 



i^ie nox5t^c5;ai*nicnt riia^woruDer gesprochen mxT(ie. "Wie zii^Snglich doch 

dachte sie, 
Aas ]3iclitstuii 11211 die iangevveiio den Mencch.en mt^chen'- als sie ihre Eltern 

SO roiseliß caJi.Sie ßelb^t hatte kein Bedürfnis n£:.ch solcher Zerstreuung. 
Sie wandte len Kopf nach der andern Seite hin, v/o g:erade die leti:ten rosl - 
gen ATiendv^olken verblaseten.Ein Tag ;var v/ieder zu Ende und hatte nJchts 
gelDracht^uiid vor ihr stand eine lange Reihe von Tagen, die inimer stiller 
und ärmer vmrden... 

"Ein gescheiter Mann^' sagte J^rau Regierungsrat auf den Heimwege •Niemand 
antv/ortete lhr,uiid das y;ürt "blieb in der Luft hängen. "Ein gescheiter Xx 
Mann.I 

Kilde machte trotzalledem die Bekanntschaft von Hans Schulz. 
Man traf ihn ein paar Tage darruf zufällig kB± auf einem Spaziergange 
im Walde, und es war natürlich, dnss er sich ihnen anschloss^ u 



-31- 
verschw\inden, Not, Gewalt, Kampf erfüllten die Luft , kümmert en sich nicht 

um Hilde, Hessen sie allein mit ihren Trätimen, ihren V/ünschen, ihren Ver- 
zagtheiten, Hessen sie eine kalte mitleidslose Wirklichkeit fühlen. Und 
ohne dass sie sich dessen bevmsst war, kamen ihre d-unklen lichtscheuen 

Begehrlichkeiten der Gestalt Hans Schulzes näher und "begannen ihn in* 

e 
den Kreis ihre Gaukeleien und Fantasien einztJischliessen. Es verwirrten 

die angewachsenen Forderungen des Gemütes und des Blutes ihren Geist. 

Ph 
Sie verschohen die Werthetinungen des Lehens, sie triumlierten über 

alle früheren Vorstellungen von Glück und Zweck, sie üherrcdeten:- 
Kraft ist das 'wesentliche !- Liehe einen, der Kraft hat!-Krafc hereichert 
das Le\)enl- Kraft schafft Lehen!- 



- 32 - 




tiftes Kapitel t - 



auf 
"Hilde, hänge doch diese Winterlaadschaft in dem kleinen Salon. Da 

passt sie iDesser zum Mb^el!" 

"Mir scheint , Hans, sie hinge hier vorteilhaft im Lichte 
"Hein, tue nur , Liebling, v;as ich dir sage.X 
Hilde "bringt das Bild in den kleinen Salon, 

Oder Hens Schulz komirt Bm elfenbeinfarbenen SalonfiüsGl vorbei, "Hil- 
de, v/o steckst du?Hilde?" 

Hilde antvjortet aus ihrem Schlaf zimmer. "Ich habe eben hier zu tun. 
Ist es v.ac Dringendes?" 

"Doch, doch, Kind, komme nur gleich. X 

"Ich ordnete gerade den vrascheschrenk. Ist es sc Elliges?" 



"Von wem ist doch die Sonate, die Bismrrck so gerr. gehört hat?Lieb - 



stes? 



II 



"Ich weiss es nicht, Hans, ich habe nichts darüber gelesen." 
"Das müsstest du wissen, Kind, suche es unbedingt s^j erfahren. Mein 
Lieblingsstück ist die Monvi5^chcinson?.je ron i»eetLov^T;. Ich v.urde c^evn ^gim 
gleich den ersten Teil davon hören. X 

i^;r schiebt den grossen vergoldeten Lehnstulil Louis n^I rn den 
Flügel heran und setzt sich hinein. 

"Lieber Hans, ich komme in ein paar Liin-aten wiederdch werde ganz 
schnell meine Arbeit beenden." 

"Kein, mein Liebling, ich möchte nicht gern werten. In ein paar Minu- 
ten bin ich vielleicht nicht mehr in der Stimmung Llusik 7.v hören, da bin 
ich vielleicht schon mit anderen Dingen beschäftigt." 

Kllde stzt sich an den Flügelx und spielt. 

Kans Schvlz^s Gedanken wiegen sich im Rythmus der Musik. "Ich 
steige, ich steige, ich werde gross, ich werde bekannt, immer mehr, immer 



-55- 

immer mehr. .. .Hilde ist mein Gesch'öpf .Sie spielt mir zu Jeder Zeit, wenn 

Ich nur Lust habe zu h'ören.., 

Kr sieht die Bilder an, die an den Wänden hängen: Kapoleon, Bismarck, 

llewton, Goethe. • • 

Bismarck,lIeiHon.II.ans Schulz. Goethe, , das klingt gut. Hans Cchulz.ach, 

Sie wissen nicht,wer Hans Schulz ist? Hans Schulz ist doch der grosse... 
Er fährt empor. Er hat zu tun, er hnt Tiel zu tun, Es ist gewiss schön 
so dazusitzen ^md zuzuhören. wie Hilde seine Lie-blingssonate spielt.aDer 
seinl^ist kostbar, jeder A^^enblicK ist vostbnx.Er tmterbricht Hilde mit- 

ten im Sata. 

"Ich muss nun leider fort,meine Liebe. ich wollte. ich kormte dir stundm 

lang zubören.doch die Pflicht ruft.ich darf keine. Mnute versaui.en,ich 

höbe Wichtiges vor." 

Er hstt« wichtig« vor.M.Wa^ war denn das Kichtlce? I« Geschäft? Ja . 
Cott sei »an*. es eln^ «ISnzend und wie von selbst. «er sah dl. Men^e auf _ 
Ihn^ Die Frau war da mit den schlanken Oliedem und ae„ schmalen Gaslcht . 
wo blieben d:e Hunderttausende .die Ihm zuschauten? Stieg er auf den Berg 
de, Gipfel ™? Kapoleon.Je»us,BlsB>arcl..Ein6teln-: H*8 war es' Kln. Idee 

haben eine eigene, war es das? 

Hans Schulz bemühte sich seine ehelichen Beziehungen in gefSlUge 

4. ..«1/1. w.^.- »r Tor ihr srrach.oder selbBt v':er-n 
Form zu kleiden. Er nannte ullde.weni» er toi. xai oi/ 

er an sie dachte"i.eine teuere Frau"Vmeln liebes Vlelb" 

Sie musste immer um ihn .ein und b* allem.„as er tat.tellnel^en. 
.r besprach .It Ihr seine PWne.er erklärte ihr. »ie edel ex war..i. 

«.Tov,- qnmmAr er für gemeinnützige ZwecW 
er für seine Angestellten sorgte. welche Stammen er lur ^ 

spendete • 

Er berann ernstlich Kunst zu pfle^en.l* nohm Kalstu.>^Oen.-and Hilde 

musste.. erm er malte, dabeisitzen und »hn eul*antern ^^d ihn ermutigen 

und Ihm imm.r wieder saeen.dr.ss er Talent hatte-'Ja.es ge».t .ohon tvf. 



r 



I i 

^ts geht schon viel tesser.^^ -"Du hast wirklich Talent." 

Eons Schulz nahm auch Llusik stunden .Er spielte Violine, aber mehr Vergnü - 
gen fand er am Flotenspiel, Friedrich der Grosse hatte auch mit Vorliebe 
Flöte gespielt, "loh liebe den weichen Ton der Flbte," wiederholte er 
oftmals fwenii er an Feine ttbpngen ging, "man kann soviel von seinem Ge- 
fühlk hineinlegen." 

Es stärkte sein Selbstbevmsstsein^dass Hilde, die Feine, um ilin war im - 
XBer,wenn er es nur wollte. "Mein liebes V;eib ist meine Mii&e," konnte er 
zu den Leuten sagen. 

Je:ier Au£:enbllck seiner kostbaren Salt musste swecknan^Jit; aritjewanclt x 
v/erden. El' mochte keine leeren Plaudereien. "Eine UntcrhaltVL-io soll Gewinn 
bringen en Wissen, an Erfehnmg,an Gchulimg des Gei3tcs.Son£3t Ir-t ßio SeiU 
Tergeadnng." 

Er misste nichts von den stillen Stunden, d:i Gcoie der Deolc nahe kommt 
In beredtem Schweigen oder nur einfache scheinbar bclraigloye Worte gespto- 
ohen werden. weil das Gefühl ,tief und feierlich, keine Form fine.ct,uin sich 
ausdrücken. Er woisste auch nichts von Jenen Stiiarauneen.die ein Ton, eine I 
Farbe, eine Linie unerwartet heyorrafcn loid Ler. Föncehcn für Au£xo.blioke 
aufhalten in^er Jagd um die endlichen Dinge unserer Wirklichkeit, die Vfer - 
te ahnen lascen hinter dem Zeitlichen. Ter Kut'/en nusete für ihr. gleich 
da sein oder wenigstens in absehbarer i>rno sich zei^^cn.Er nusr.te ihn re - 
gistrieren, irgend wie systematisieren können. Wenn Hilde im /n.^;inf: ein Ge- 
spräch zu füiiren versuchte. ein Gespräch, in dem sie etwas von ihren Ich 
hineinleg-en und ßel-en wollte, v.enn sie etwßs za erzählen be£:-^vn,"r*n Bei- 
spiel ,Ton einem Erlebnis aus ihrer Kindheit, das oich ilirem Gee.ächtniG 
eingegraben und ihren Geist geformt hatte, dann konnte er mitten darin ab - 
brechen. weil es ihm schien. ö.ass dieses Gespräch nichts einbrachte, dass 

es yerlorene Zeit war. 

Er spielte nur ungern Karten, schätzte aber das Schachspiel, da er cnnaim ^ 



dass es den Geist schärfte. Hilde mussto deshalb Schachspielen lernen . 
Km' durfte sie nicht gewinnenweiin sie mit ihm spielte. Das regte ihn anf, 
das gab ihm Gtunden der Unruhe; wie war es möglich, dnss ich verlieren 
koinite?:»Iit Hilde? Hat sie meinen Verstand? 

I:;eine Unrulxe war ihr peinlich, daiier spielte sie gleich eo.dpss er gp - 

w innen ausste. 

Sic tat überhaupt wortlos, was er verlangte. 81e war v.ie verirrt, wie ab - 
goicomiaöi. voi^ iVegö.oie hatl;fc einen Schritt gieicnsam in einer Verzauberung 
getaii.ICuii erwachte Bio langsfuii. Längs i'üi fiel der Zauber »on ihr ab, der üb» 
Eis ^alvi^l v;oraeii ,vor,ur.d cl.e3- alle Diiige hatte ander© erucheinen lassen, 
alj; ciG waien.Aber fcB gab kein Zurück, und es gab für sie kein Vorwärts. 

Sic v,"ut;eU-. uiüLt,v/£.G sie wollen tollte, c.enii Buch,v.rö hinter ihr war.schim 

r 
ihr if-ci-.SieK lUilU, auch das Vertäuen zu ihrem früheren Ltlen verloren, 

Lu iiircn Zlttni, %u ihien FreuMeoi, rAi den Fundamenten der tVeltanöchauung 
ihros Kreises, weil öle sie in diese Ver'/.irrung hatten fallen lassen. 

Siti liHhui öich trolzdeü vor Hans Gchula zu lieben, ihm eine treue Ge- 
fahrtin Zd seln,obgleiori £ie gc-rade üavi an dem i.Am2ct,wo üie geglaubt hat- 
te daü Vfc;:;en der Liebe zu errfis&en,den r,üh.^.ae- e.-hMter. i*attr,der sie 

aus iiix't'i Ycrsaul'ei'Uiig rrlödte. 

De^i SiiüiO und Vor^ta::!! köimen einen tmjh hurron hariun,veiüi die 
oeelc voller Ve^ltmgyu nach v;äraä,nach Schönheit, nach Freude ist und 
nicht ri;adot,,«afc sie braucht. Der Verstand sohv/eigt,und die Siiaie gau- 
:^eiii v.c-ii ■vöx';fiiv- btrken und hören nicht mehr, was da ist, sie sehen -jnd hö- 
ren, was J.ioht isL.liiüht die ver^.vmidtcn Züge dea iiffon.des V.ül...)6,des 
Vaup;^!'^^ triig-o der n»ehi-,Icn vinx. lieben will. Verborgene Sohäfc-ze a.mü latm 
li. ßciiitiu ini:em.L£au wird --ie hoben! Worte sind in ilm,die er noch 
nicht geb-^rochen hat,Iaten,die er noch nicht getar. hat.Ailec wird man 
entwirren, alles .ara ma^ losen! Eetlig let die Liebe uiul heilig der 



-56- 



\ 



d^r Glaube. bis man eines Tages den Schlag empfangt, der nüchtern macht, 
der zeijt.wie mar: üich tielher betrogen hat, weil man so Relrisüchti^T ver- 
langt halte. 



''«»W'WWW« 



^ü^^mp^pipqpMaHppiiMaiiKHHin pju^P 



/ 



-3^- 



/ 



/ 



Sechstes Kapitel. 



Hans Schulz ist aufgeregt: der erste grosse Empffing soll abends bei 
Ihmil^itt finden. 

■£r hatte mit seiner Jungen Frau im ganzen Lärchensangschen Kreise Vi- 
Site gemrcht iincL diesem Kreisender im AlisterlDen "begriff an \mr^xmxja Le. 



ben eingeflbßst.Für die alten L&rchensancs bedeutete Hildes Heirat den 
ioibruch einer neuÄn Zeit. Oh, es ist schon v/as,wenn die Sorge abfällt "und 
man Vertrauen zu den kommenden Tagen hati Der dumpfe Druck, der über ihnen 
lag, röste sich, Sie atmeten auf, sie v-iirden wieder Jung.Dass der Schwieger- 
sohn keine Titel hatte und nur Hans Schulz hiess,war anfangs wol ein we- 
nig peinlich, doch dieser Mangel verlor sich bald in der lev/ectheit und 
Helligkeit, die er in ihr Dasein gebracht hatte* Sie konnten wieder zu 
ihren alten vornehmen Gev/ohnheiten zurückkehren, sie konnten die Art zu 
leben wieder aufnehmen, die ihnen gen^&ss war, und voll und ganz sein,wa» 
sie gewesen waren - RegierungEratß von Lärchensang* 

Die Ministerialbe8uaten,die Hochschullehrer und Oberlehrer, die den Lar- 
chenscgsschen Kreis bildeten, kamen Hans Schulz mit geteilten Gefühlen enV 
gegen.Bisher waren sie gewohnt gewesen nur Menschen mit klassischer Bil- 
dung und aus bestimmten Gesellschaftschichten als ihresgleichen zu be- 

doch 
trachten und nur mit solchen zu verkehren, Äianp die IJot der Zeit hatte 



auch ihr Selbr^tgefühl 4i^ ^H^tlOtt' |tedampft,und sie und ihre ^'rauen,die zv/ar 
keine Klassische Bildung, wol aber deren Vorurteile b es assen, erkannten dtmb- 
kel,das8 ein freundschaftlicher Umgang mit dem Hause Plans Schulz ihrer 
Existenz eher nützlich als schädlich sein würde. 



Hans Schulz war aufgeregt .Er stand wieder vor einem neuen 



^vl f II 1 l-l 



Lebensabschnitt .Er fühlte wie er wuchs, er fühlte seine Kräfte. Er begriff, 
was es war, eine auserlesene Gesellschaft von Doktoren, Professoren, Regie- 



rungs-und Geheimräten bei sich aufnehmen zu dürfen 



J 



sich als ihnen zugehörig zu betrachtenpund das alles durch eU:tne''\ 

Verdienst, durch eigene §eschici:lichlceit und Klugheit, ohne Rat, ohne 

geringste Hilfe Ton irgend wem* 

Seine Erfahrungen aus einer Zeit , an die er nicht gern zuinickdachte, 

kamen ihm hei den Vorbereitungen zu diesem Empfang sehr zugute .In dem 

Bevnisstsein seiner ttberlegenheit rertraute er auch ihre Leitung niemand 

an.Er war hei allem seihst dabei. Er stellte den Speisezettel zusammen, 

er gab genaue Anv/eisungen den Dienernder legte die Ordnung des Abends 

bis in alle Einzelheiten fest. Er bestellte sogar nach eigenen Angaben 

das Kleid, dr.s Hilde tragen sollte. "Ein tüchtiger Mensch muss alles kön- 

sagte er, 
nen,und V/issen ist niemals eine Schande, "indem er Jede andere Meinung 

t 
forschob und seine persönliche an ihre Stelle setzte. 

Auch den Stoff der Unterhaltung hatte er überdacht. Er wollte den ge- 

sie 
lehrten Herren zeigen, dass er so gut wie was v/usste, — ohne wie sie Jah- 
relang studiert zu haben. Er v/8hlte ein paar Themen, die ihm gelaufig schie 



nen^wiederholte im Geiste, was er über sie \msste,las nach,i:>jn Lücken aus- 

Eufüllen, frischte mehrere bei Gelegenheit Ton ihm erzählte Anekdoten auf 

auf solche V/ei«e_ 
und war üb erzeugt | alles getan zu haben, was den Erfolg d*s Abends sicherte. 

Die Stunde dis Empfcmges ruckte heran. Man konnte die ersten Gäste er - 

wart entHans Schulz überschaute noch zum letzten Male seine Räume, die Kü^ 

che, den fedeckten Tisch, die Diener und seine Frau und war zufrieden. Er 

vornehmer 

wusste auch genau,wie man sich als Wirt zu benehmen hfitte, welche Redens- 
arten anzuwenden wSren.Er war gerüstet. 

Es fing alles auifs beste an. Hilde nahm sich in dem neuen Kleide sehr 
gut aus, und die berühmten M8nner,die an den WSnden hingen, schauten ernst 
und streng, liebenswürdig und heiter, Je nach der Lebensaufgabe, die sie er- 
füllt hatten, aus ihren breiten goldenan Rahmen in den Glanz der Lichter, 
und Hans Schulz war e«,als rerliehen sie ,mit denen er sich durch glei- 
ches Schicksal verbunden fühlte, seinem Hause etwas von ihrrr Würde und 



-39- 



t 



trnl Wichtigkeit. 

Die Sohwlegereltepn Regierangsrats stellten sich zuerst eln.fie 

gehärten doch «osusegen z<m Hause-Reglermigsrats Ten lÄrohene^j cehBr- 

ten som Haus« Hans Sohuls. 

Han ging In freiondllchster Stimmung za lisch, der Hausherr Im Be»usst- 
sein seiner wachsenden Macht und Bedeutung und die GSste Im Vorgefühl 
eines Genusses. der Ihnen In den mageren Zelten nicht häufig beschieden 
war.Dooh leider Ist eine sohüne Harmonie In den menschlichen Beziehun- 
gen nur selten von lauer.Kaum begann der TOrzügliche Wein den Geist der 
Geniessenden reger und waghalsiger m machen.da zeigten sich auch schon 
die Gegensatze und Individuellen Eigentümlichkeiten. die eben noch glüok- 
lleh aufgelöst schlenen.Uber diese liSnner mit der klassischen Bildung, 
die sonst die ausgesprochen. Heigung hatten.das Bestehende zu bejahen, 
die in jedem neuen Gelanken Verrat und Umskrz „itterten.kam eine Stirn. 
.„ng de. Prot.»*« beim Anblick der Fülle an schünen und auserlesenen 
Bingen. Statt in Wolbehagen ru gemessen und sich der ungewShnllchen Ge- 
legenhelt zu freuen, wie sie es doeh vorgehabt hatten, als sie sich zu 
Hans Schulz auf den Weg machten.fing es an sie zu Ergem.dass ein Mann. 
4,r m seinem Leben keinen Jlutarch und Herodot gelesen hatte.der Hemer 
hSchsten. aus einer armseligen ttber.««ng her kannte.so uneingeschrHnk 
über die Güter die.er Erde verfügte., während sie »it Mühe und geheimen 
opfern ihrem Basein den strich der Standesgemfi-sheit verliehen. 

Diese Stimmung, die so leicht einen frachtbaren Boden In der »ensoh. 
liehen Seele findet. sei sie geboren auf den HShen der Obersten Zehntau- 
send Oder in den Tiefen der unzttligen vo. Schicksal Betrogenen.tellte 
Sich schnell den Frauen mit.um in noch verstärkten Masse in ihnen zu ■ 



ehem. 



Oh, diese 



lärchensangs.oh, diese Hilde.was stolzleren sie da In lh| 



-40- 



3h!*UB-' 



t«T»» 



Preis ihres wahren loh diecen ron imten gelcommenen ReichtTim hatte kaufen 
kSnnen« 

Sie tauschten in Geflüster ihre "bitteren Bemerkungen aus, und ihre wow 
Mühe, Sorge Tind Ärger schmal und spitz gev/ordenen Gesichter hoben sich mt 
stolz im Bav.usstsein ihrer Makellos ig2'ieit* 

Doch die Lfanner offener und tätiger als die Frauen nahmen sich ««db-^ 
Tor 

nach einer wortlosen Vereinbarung aus dem Gefühl ihrer Interes- 



sen gemeinschaft heraus, dem Glanz des gastlichen Hauses Werte ent gegen zu - 
setzen, die Hans Schulz nicht besass,die er trotz seines gerülimten V/issen - 

eifers nicht besitzen konnteia„v/eil nur ein systematischer klassischer Bil^ 

sie 

dungsgang thn verbürgte. Sie nahmen sich also vor in der angreif erisohen 

Laune, die der Geist des alten Weines geschaffeUfSich des Wissens, das ihr« 

deutlich 
ganzen Stolz ausmachte, zu bedienen, um Hans Schulz ihre Überlegenheit füh- 
len zu lassen. 

Man fing an, alte Erinnerungen von der Schulbank her und aus dem Uni - 
versitätskolleg aufzufrischen, man fing an zu philosophieren, in höchsten 
Ausdrücken zu reden, Zitate herzusagen, sie v;ie Bälle herum zuwerfen, und man 
forderte Hans Schulz auf, der sich vergeblich bemühte , eines der von ihm 
vorbereiteten Unterhaltungsstoffe in Gang zu bringen, doch auch zu erzäh- 
len, v/as er noch von Sophokles vvüsste» 

Nicht sogleich verlor Hans Schulz das Vertrauen in diesen Abend, a\i£ 
den er so grosse Hoffnungen gesetzt und für den er keine J^ühe gescheut 

hatte.Es v/eitete sich seine Brust vor Vergnügen, eine so gebildete und 

e 
geistessprühende öesllschaft in seinem Hause aufnehmen zu kSnnen.Er Sor- 
te fast die Stimmen seiner früheren Bekannten und seiner Verwandten oben 
aus der Milchstrasse: Welch einen Verkehr hat der ^ann! V/elch ein Kreis 
von hohen Geistern ist um seinen Tisch versammelt! Wie gross muss er 



/ 



.«/' 



-41- 
er adlest sein,xim es aus eigener Kraft so weit zu "bringen. 

Aber denn bohrte sich mitten in seinen Stolz der Stachel hi ein: 
Hier ist etv;as »was sie haten und ich nicht. Sind sie vielleicht mehr 
als loh?Slnd sie mir Tielleicht Über und sehen auf mich herah? 

Und dann hatte er die Pein sagen zu müssen:"Nein, leider weise ich 
nichts Ton Sophokles. Ich hatte bisher noch nicht Gelegenheit gehabt, 
mich mit diesem grossen Dichter dee Altertxjjns zu beschäftigen, aber loh 

i 

werde keinesfalls unterlassen, dns Versäumte nachzuholen." 

In dem Masse jedoch wie das Mahl fort schritt und die Wirkung des gu - 
ten reichlichen Essens und des alten Weines sich einzustellen begann, leg- 
te sich der Groll der Gäste über die \ingerechte Verteiliing der irdischen 
Güter, Ä^it überfüllt em Magen und schweren Gliedern der Mensch eher zu 
Kompromissen als zu krassen Auseinandersetzungen geneigt *»k.Sie wurden 
Hans Schulz gegenüber nachsichtiger gestimmt, sie fanden es anerkennenswert, 
dsss er so aus dem Vollen bewirtete, und sahen ein ,d£ss es thöricht v/Ere, 
sich um weitere Genüsse dieser Art zu bringen. 

Auch die Frauen beruhigten sich und waren bereit, sich einzugestehen, 
dass es in HildÄs Lage das Gescheiteste gewesen war, einen Hans Schulz 
zu heiraten, und drsdcie'^iÄlin ähnlicher Weise gehandelt hätten. 

Die lateinischen und griechischen Zitate hörten auf durcheinander zu 
wirbeln und ordneten sich in höfliche und wohlgesetzte Tischreden auf 
das Wohlder freundlichen Wirte ein. Hans Schulz dankte in vorher zurecht - 

« 

gelegter ffi*ftfarede,aber er sprach ohne Innere tJberzeugung und Sicherheit , 
und das triumphierende Lebensgefühl, das er beim Anblick seiner hochgebil- 
deten Gäste empfunden hatte, machte einer dumpfen Unbefriedigtheit Platz. 



I 



• 42- 



Siebentes Kapitel. 
Kans Schulz iconnte noin bei jeder Gelegenheit sa^ftoi: Meine Sohv;ie- 
gereltem,die fiegierungsrats LIein Onkel »der Geheimrat. .• .Hein Vet- 
ter Professor liebelmann. . . .mid so weiter, \ind so weiter. Aber diese Genug- 
tu-ung vAirde im Grunde mit verstecJcter Demütigimg erkauft. Sic erforderte 
einen geheimen Kampf mit dem Bildung^ dunkel diesecKreices. 

nach jedem Beisammensein mit den gelehrten Verwondten kam eine Flut 
von Büchern und Zeitschriften ins Haus, Sein Wissen hatte lückcn.Pas hat - 
te sich nie so gezeigt wie jetzt .Aher v.-usste er für seine Verhältnisse 
nicht schon ausserordentlich viel? Ii&"ben Jesus, Remhrendt, Ilapoleon Yiel*. 
leicht alles gevmsst? Und sind sie deshalb keine Genies gewesen? Doch 
trotz diese Trostes, den er sich zu ge"ben bemühte, brachte jedes Versagen 
Yon \Msscn ihn um seine Rulie.Die gerin^Mte Entgleisung in Gesellschaft 
bedeutete etwas Schlcksalsmässiges für ihn, und es war, als wenn sie je- 

m 

des I.'al von neuem die Frage entschiede, ob er der Grosse wäre oder nicht. 

-Woraus besteht die Matette? Aus Molekülen. Und was ist ein Mole- 
kel?- Ist alles Bev.egung?Ist alles Kraft?- Er war mit diesen Fragen noch 
nicht ins Reine gekomr^en,da stellten eich neue ITotwendigkeiten des ^Vis- 
sens ein. - Wer war Barras? Wer war Saint Just? Ist es v/fhr,dRB8 die 
französische Revolution die lütwicklun^ der Menschheit um hundertfünf- 
zig Jahre aufgehalten habe, wie der Geschichtsprofessor Kebelmann be- 
hauptet«? — war Goethe das Prinzip der Drelhelt und Schiller das Prin- 
clp der Zweihelt.und was hatte drs für einen Sinn.dpss die gelehrten Her - 
refa 80 viel darum herumstritten?— 

Hans Schulz war nur In grössere Unruhe und Unbefriedigtheit durch 
diesen Verkehr gckommen.Dle Systematik. die er sich zurechtgemacht hatte, 
Hess ihn wieder Im Stlch.Aber das Bild des Stelgens auf den Berg glüh- 
te in seiner Seele mehr denn je.es war schmerzhaft darin einlegtet, 
gleich einer rätselhaften Schrift. die er nicht eu übersetzen verstand. 



f 



h 



•» » 



Jedes Lob eines andern war ein Tadel an ihm^v^eil der andere einen Vor- 
zug bei: ?^ SS, der ilim zukam* Jeder Besitz eines andern wer etwas » das sein 
hätte werden sollen. Es v/ar ein erbitterter Kampf, den Hans Schulz mit 
Menschen uiid Dingen zu führen hatte. 

Seine Ehe war auch kein Ruhepunkt. Kilde? Was war ihm Hilde? Was 
gab sie ihm?Sie hatte das schmale Gesicht und die schiBiiken Glieder. 
Er hatte geglaubt, dass das genug sei. Hein, es war nicht genug. Sie ging 
neigen ihm her v/ie ein Automat. Er konnte im voraus sagen, v/as sie auf sei- 
ne Frage antworten wurde. Sie widersprach ihm nic.Und wenn er sie absicht- 
lich reizte, um einen Widerspruch hervorzur\if en,so schwieg sie, schwieg 



w 



ie ein Stein. Ihre Starrheit neben seiner Unruhe bekam etwas Peinigendes 



für ihn. Er fühlte d-unkel,daES hinter dieser Starrheit sich etwas Ver- 
barg, das sich ihm nicht "üJiterort^nete, ,da5ö sie ein Schlupfv/inkel für 
etwas war, des neben ihm nicht gedeihen konnte. Er vnirde hart gegen sie. 
Er bat nicht mehr mit hbflicnen Worten, wenn er von ihr etwas wollte. Er 

forderte kurz und unfreundlich. Aber es war ,als merke sie des gamicht, 

es 
oder sei für sie nicht Ton "belang. Keine Eewegung verriet, ob er ihr an- 
genehm oder abstossend war, wenn seine Sinnlich^^eit über sie hinging. Und 
er hatte manches Mal Lust sie zu schlagen, iar irgend wie v.elie zu tim,um 
eine Stelle zu treffen, an der sie lebendig war. 

Sein Selbstgefühl wurde aber bald von anderer 3tdte so reichlich ent - 
schädigt, dass die Enttäuschungen, die ihn der Verwandt enkr eis und die Ehe 

brachten, an Scharfe verloren. 

Die allgemeine geschäftliche Lage hattu sich imnicr weiter nach der 
Richtung hin entwickelt, dass mfx. mir ein c;e-,visses Liass von Geschicklich- 
lichkeit und auch Rücksicht los igkeit besitsicn musste.um in seinen Erfol- 
gen sicher zu sein. Die Operationen hatten sich vereinf echt. Sie bestanden 

1 2 
zumxeist im Zugreifen gewählten und im Ausnutzen der schlechten Lage, in 

* 

die viele Unternehmungen Infolge der schwanicenden Verh?51tnisse gerieten. 



-44- 



,-^llch .ineerlchtete Fa.rllcen.dle au. Mangel ^ Betrieb..* 
„an .onnte vor««lich alnger , ,,„„i,g.,,aeren Bealtzer den 

.X 1 ^« -hPirriffe waren einzugenen.riesiee , ^ 

pital im begrlfre Spottpreis auf- 

. . 4^-.-n m^nht p-ewachsen waren, lux 
Zahli»SS»oh..vlerlgl.eitan nicht e hoohgwoMeter Mann wer- 

t;'h»,-«>i«ss gewinnen -and ein nocng»»^'-^ 

«V. noc^ '^aict genug 1)est)SS,ura an rec.i. 
aen.Und v;enn man auch noc. .a3. ,,e^en.80 war mr^ ei- 

vn4nv «ine aufsehenerregende opemie 
„chten Augen^Uo. eine ^ ,,,entl..hen Le.en zS^lt.-^- -rde al. 

„ P...-6nllch>ceit «— -;^« ,,,„,„..n.Ma.. v^d. .- a..n.U«Xla. 

«v,fl +al entvoller Jivlann geitrxt,^^ 
«41er kluger vnd. talentv ,^,^^en ernannt, und wenn maii 

^ T,-imqtlerischen Vereinigungen em 
von litterarischen ua^d icunstxe.i .^tte^DO würde es einem 

..m-r eigenen Crosse i^ezweiflt hatte, £> 
selbst Disher ar. seiner exg« 

. «.in an öle nicht zu glauDen. 
schwer gemacht worden geschaffen. Sein Handelshaus 

«-r. -Pii-r eine SOxCiie -uage -vj-^ o 
Ilana Schulz ^var für eine Drittel ei 

-n^n^ronVioli nahmen ein gcux^oö 

-- — — "^-^i::: .„ ..n S«..» .o« ...«» an ..»r 
-' -"e «---- ;■---; -^^^^.^ ^.„,,,,.,„ ,..,3.a.en . o..enn.« ., 
leuchtenlen grünan *ar^e an .^ .^„„.t len Kamen Hans Sohnl» 

Auch m den Zeltes- «"--' »^ ^"*^^"- 

cm--«.tip-* wiederfinden; 
a^ den verschiedensten otelle.. . ^^^ien-Ge.ell- 

rt^viniiv ver\vnjidelt sicn xxx 
Daß HsndelshPus ...^nö 

aohaft ,. ^. Kaft^«- , ,, ,„, 3est.-nd aer Aktien«.- 

Die (>«i»i«arenfa1>rl)c Sohlcuae.Aerg g 



cvmf t n.-b.II. Hans sonux«. .«neburger Ston»..ert. g 

Herr Kana Solml^ »vnrf.e z™ A^^l"''" 
"^"- . ,^erer Kto.f er danlcte Eerm Ha». Schulz für d 

ler invalldenverein froherer t. . 

sehe I 

seine groBsrntttlge Spende. ^^ „ . ^^ oeaellschaft fto a.tr<moml.. 
Herr Hans Schul, ist Ehronmitgllod 



Forschung geworden. 



Das Erholungsheim Hans Schulz f«r Kinder unbemittelter Künstler und 
Schriftsteller ist heute feierlich in Anwesenheit hoher Persönllchkel- 



h 

Persönlichkeiten -und des durch seinen Gemeinsinn rüinlichst "bekannten 

Stifters eröffnet worden. 

Nun war es sicher: er stieg. Er stieg den Berg hinen und lausende 
schauten ihm zu. Jetzt konnte er ruhig in Gesellschaft der gelehrten Vet - 
tem dasitzen und ihr dünkelhaftes Getue helächeln.Was machte es aus,dass 
er weniger Eücherwissen besass als sie? Worauf waren sie eigentlich so 
stolz? Alles v/ar tei ihnen nur eingelernt, eingekramt in ihr Hirn wie Wa- 
re. ITichts Schöpferisches, nichts Selbstgeschafi'enes v/ar da. Keinen eigenen 
Gedanken hatten sie. Leider hatte er keine ^.eit. Oh, wenn er mehr Zeit ge- 
habt hätte 1 Der Tag hat nur rierundzwanzig Stunden. 'Velche Gedenken schwiir 
ten ihm nicht oftmals durch den Kopf .Was hätte er alle:-, noch leisten kon v 
nen. Pah, das Wissen, das sie hatten, war für Geld zu habenjjils wäre gut ,«t»h 

einen gebildeten Jungen Menschen ins Kaujs zu nehmen ^-gaa:^ mit ihm kluge 

^vorüber 
Tischgespräche zu fuhren und sich ron ihm rortragen zu lassen,TÄoaKa!ra»: er 

nur unterrichtet sein wollte. 

Er nehm es dem hochmütigen Oberlehrer Loktor Vogt kaum übel,dass er 
ihn durch einen boshaften Ausfall in eine etwas lächerliche Loge gebracht 
hatte. -"Herr Schulz^ sie spielen so gern Flbte. Kennen sie aixch das Flö- 
tenkonzert von Menzel?-" "Ifein,Herr Doktor, ich sp:.ele '3J5 nicht und erin - 

auch 
nere mich nicht es irgend ein Mal gehört zu haben," "Entschuldigen Sie 

h 
daß Missverst8ndnis,Pierr Schulz. Ich meine natürlich das berümte Bild, das 

a 
in der Ntionalgsllerie hängt." Früfier hätte ihn sov/as bis in die See- 
le hinein getroffen. Jetzt machte er sich nicht viel dr.reun.Wer war denn 
der sich wichtigtuende D(>ktor Vogt? Ein kleiner unbekannter Oberlehrer? 

V.f8£t 



Er £Örjite ihm \aus Mitleid 



die elende Genugtuung einen Hans Schulz 



zum beeten gehabt zu haben. Und er hatte sich gut aus der Affittue 

gezogen . 
•'V/orüboj.^ lächeln Sie, meine Herren und Damen? Ein?m so von drinfrenden 

Angelegenheiten überlastetem Menschen ist es wohl zu entschuldimgen,d6KBS 

- JL *A ^*i 

der Harne eines Malers im Augenblick entfällt." — So hatte er sie noch be - 



-46- 
beschämt uiid ihnen gezeigt, wie klein sie neben ihm waren. 

Er klagte in einer VorstancLssitzung der Lüneburger Stanzwerke 
seitiem IIaohbar,dem Justizrat von Frosch, wie sehr seine vielseitigen 
Verpflichtungen ihn deran hinderten die guten Einfälle, die er nicht sel- 
ten hätte, festzuhalten und auszuarbeiten. 

"l^ehmen Sie sich doch einen Tri vatsekretär, mein lieber Freund, "rief 

der Justizrat \mr, Delling ihm .ialei Kmneraaschaf tlich auf die Schultepi 

"Sic kommen 1)01 Ihren glänzenden Idceen rieht rtuT einen so eirfachen 

« 

Ausv.eg. "le laufen geiiug lirotlose Künstler \ml Schriftsteller umher, die 
glücklich v/ärcn eJnem selchen Kerm wie Ihnen zu dienen. Sie retten da- 
bei vielleicht Tioah ein Genie vom Hunge^^tode.^'Uni Justizrat von }^rosch 
lachte ÄÄiiJdt lachte herzlich über seinen 4fil^^^alsi \!ltz. 

"loh habea: daran auch schon gedacht,^' erwiderte fians Schulz." Ein 

wurde 
Privatsekretär Jdfooit« von £;ro5sern Nutzen für mich sein. Ich spreche mei- 
nen GedsaiJien in ]:urzein Umriss aus, und jener entwickelt ihn und gie|ft ihm 

ben 
die litterarische Form. Solch eine Zusamnenarteit wäre glänzend. Aber glau - 

Sie,das;L^ man wertvolle Gedanken so ohne weiteres einem fremden Menschen 

anvertrauen kanr)? Wenn er sie sich aneignet und als seine eigenen heraus - 

herausgiobt? Wie siehl; m^-n da aus?^^ 

Justizrat von Frosch, dessen ganzer Erfolg im Leben eben darin beetand,. 

dasp er die Gedanken ajiderer in rascher geschickter V/eise a/xzuwenden Ter - 

stand, gab 2u,dasß diese Gefalir vorläge. Doch ihm fiel auch schon ein gu« 

tcr Rat ein. V/ar da nicht der Sohn seines verstorbenen langj'Iiirigen Sekre 

tärs der ihm unersetzliche Dienste geleistet hatte. Frit2; ilüller schien 

Ihn /» 

ganz in den \atcr geraten zu sein. Er konnte mit aller Gewisbenhaf timelt 



empÄelian und damit Hans Schulz durah eine Gefälligkeit in einem Augen- 
blick verpflichte*, als er seine Beteiligung an einem neuen Unternehmen 
dringend brauchte. 



\ 



[ 



-47- 

"ÄH.- Um was handelt es sich in der Hauptsache, llel)er Freund? Ich glau_ 

dürfen 
"be Ihnen eixien entsprechenden ^xingen Menschen empfehlen zu irämni« , auf den 



Sic sich Tollst'Ändig verlasren k'dnnen.Sein Vater hat viele Jahre in oei**- 
nem Büro gearbeitet und war von einer Ehtlichkelt.die manches LIal schon 
ein -rteni^r ■anbeguem VvUr:le,Sie verstehen wohl vie Ich d.:.s 'ieine,von einer 
ühprtri eh cnen £jradl inii^en Ehrlid-uteit,'' 

"Um uTE es sich hondelt^hester JustlErat? Uir; r.llee Mögliche. Um tech- 
nische Vorhftj5neiiinfcen,uifl V.'eitanßcheuuu^rßf rügen, uci wisr-enschnftliche Aus- 



e 



inandtJrsBt zünden und dergleichen mehr. Es iSsst sinh ^nmicht vorausseheiv 



\ 



wr.ß firon eo durch den Kopf geht." 

'Mch werde 7.um Glück von solchen J^jiv/andlimgen niclit treplagt und hätte 
Sic >nd eincra Ilenschen alt sc gesimdem praktlffchen Binr^^Vv-ic Sie es sind^ 
atinh nicht voraris^reeet^t. Doch ist Fritsi lÄülIer »vreifellos für Sie der 
richtige !."enn.:^er wird sich v.aiirsch.cinlich ei"ir sclV^er "chpcleu als Urnen 
ein Unrecht Tuf üg-en . Fr ist Gtudent der PLilOi -.pLie un5. :.ebt mit seiner 
Mutter joiratairien.Die I«ute ster'ocn "ouchstäblioli vor Hunger, Ich sage: soll 
der Bursche doch ein Ilandv/erlc lernen oder auav.-aß andcn-os »das Gftid ein- 
bringt, ich bitte Sie blase: »welcher llensch stadierl heutzutage Piiiloso- 
phie? 5t5 ist doch ho31r.r V/ahnsinn. Aber erklären Pie es diesen Menschen! 
Ach, der Jun^e ist so b e gab tafe, Herr Justizrat. Und dfam ist es auch der 

Wunsch ineines verstorbenen Mannes. Der hätte sich ttu^ih ac liebsteil in sci- 

-Tue Ei- 
ne Folianten ver^pber \mZ mit df-.r Vv'elt nichte iru lui. eehat t.''JbcBacK±iB»J 

Icß.drcüt dr-r Erb sich nicht so elend verauegebt :■'■ " wie ich.- loh 

* ■ - ■ nur 

habe e-s ihm vereprochenaEerr Jußtizi'et. Aber glauben lie reicht, mein 

vjäre gVuesen ^^^ immer 

Mann Ihnen nicht denkbex wuj,dp.s£3 Sie Kteio:.^£>ES.'ai: treu zwr reite gestan- 

derteind." So spricht die Mutter, und mit det. Jungen ist überhaupt nicht 

zu reden. Ter lebt in überirdischen Hegionen.bic ßie eine«? Tagec "beide 

sind. 
vor Iluncer gestorben niJmxaauKtEH.Linc Stelle als I>rivnt8e3irfctär bei Ihnen 

wäre für ihn ein unerhörtes Glück. Da bleibt ihm doch n\ich Leit genug für 



/ 



-48- 



für sich .loh Dln Jedooh Überza,.«t,daß5 er noch Gesohiohtef *lPd. Da« 
soll er aber nur wagen. Ich kenne dann die Leute nicht mehr." 

"Ich hltte Sie drrum.verehrteater JuBtizrat. schicken sie ihn mir so 
bald wie abglich. Ich werde alt ihm schon fertig werden." 

"Ich werde mein Möglichstes tun.So war auch der Vaterü Sehr begrODt, 
doch ganz *hne Sinn fiür die ..ealitat.Ein Mensch, der es za nichts i« I,cbln 
SU briu^^en verstand.Elner von Jenen, die halb in der Fantasie leben. Es mx 
existieren ;gür die?e Leute .von denen >:ein anderer Mensch was v;eiss.Sie 
rechnen mit i'aktoren, denen nichts in der WirJcllcliiceit entspricht. Also 
den ?rltz Müller >-önner Sie ruhig nehF;eii,dDr schnappt Imiaß ;.elrje (<«- 
nlßlen Zlr.f alle veg.' Der v.-ird v;pl zeitlebens von anderen ausgehuti:t wer*, 
den.wie sein Vater. au t, das s der ir meine Hände gelangt wai-,da war die Aus- 
nut zun*; noch erträglich." 



I 



/ 



•45^ 



Achtes Kapitel« 



I 



Frau Doktor Ladmilla Müller bewohnte seit Tierundzv/anzig Jahren 
die Drtizimmerwohnimg im Gartenhaus an der Qoethestrasse.IIier war sie al 
Jxmge Frau eingezogen, hier hatte sie ihren Fritz gehören, hier war sie Wit-| 
we geworden.Das Haus war damals, als sie darin einzog, gerade fertig gewor- 
den und Terdiente einigermassen,wenn man nicht allzu streng war, den Namen 
Gartenhaus •Anheimelnd plätscherte ein Springbrunnen, den ein niedlicher 

bronzenemcr Amor zierte, mitten im geräumigen Eof •Hübsch geordnete Blumen - 

1 
beete säumten die winzigen ilasenfachen ein und mischten ihre ?arten Düf- 
te in die Tersohiedenen Küchengerüche, die aus den Fenstern hervorströmten 
und eine gewisse Wohlhabenheit der Bewohner verrieten.Und das Haus selbst 
glänzte vor Ordnung und Sauberkeit. Die Lauf er auf den Treppen sahen aus, 

als wären sie gestern aus dem Laden gekommen.Die Fensterscheiben wdttei# 

n 
ferten in ihrer Blakheit, Rote Geranien und grüne Schlingpflanzen prang - 

ten auf allen Baikonen* 

m 

Jetzt v.ar alles anders. Alles war a"bgenutzt,schnnitzig,Temachlässlgt . 

In den Bluaenbeeten führten wenige Pflanzen ein kümmerliches Dasein. Ihr 

den 
spärlicher Duft mischte sich in Geruch von schlechtem Fett. Der Spring- 

"bninneli war verstummt , der "bronzene Amor gestohlen. Die Läufer auf den Trep 
pen fehlten ganz oder waren sohSbig und zerrissen. Von der Wand des Hau- 
ses wareh grosse Stücke von Stuokatur ahgefallen und die zurückgehliebenBi 
hellen MÄuerflecken machten einen peinlicW Eindruck. Ananderen Stellen 
zeigten sich breite Risse. Aus allem sprach die Armut und der niedrige 
Kulturstand der Zeit. 

Frau Doktor Müller benutzte schon langst nicht mehr ihre ganze Wohnung 
für sioh.Die Ewei guten Zimn^r wareb seit Jahren an ein Füepaar vermi**et 



das wenig und unpünktlich zahlte, dem zu k^digen ihr aber des Gestz ver« fc 






• \ 



YrjT5"«)t.Sle hatte sich mit ihrem Fritz in die kleine Stube neben der Küohe 
•7.ur\fci::|fe zogen iind seit die Hieter dawaren, fühlt ex sie sich nicht mehr wie 
bvf slci zu Hause, 

Yivv 'rau Doktor Müller bei ihrem Einzug in dieses Haus gesehen hatte, 
hatte schvverlich die schlanke liebliche blonde Frau von damals wiederer- .. 
kannt.Sie war wie das Haus v/eit über ihre Jaiire verb raucht # Ihr Gesicht 
war gelblich blass und Ton feinen Furchen durchzogen »Ab er es waren nicht 
die Furchen des Alters. In Jeder Runzel sass eine Sorge^aus Jeder Falte 
sprach schwere Hot, und die Gestalt war gebückt unter der Last des Alltags , 



die sie für drei zu tragen gehabt hatte, 



als ihr Mann noch lebte, 



und die furchtbar angewachsen war, seitdem er tot war. In ihrem V/esen lag 

eine Unruhe, lag eine stete Angst vor der kommenden Stunde, dton alle Folg« 

der für sie unberechenbaren Art ihres Mannes hatte sie gutzumachen gehabt, 

voller 
und nun war ihr Sohn in einer Zeit, die nach Jeder Richtung hin tinsioherheit 

geworden war, wie sein Vater. 

Was ihr wichtig erf50hien und ihr Sorge machte, das übersali er, und Din - 

sie 
ge.die für miv.esentlich waren, drückten ihn nieder. Sie lebten gleichsam in 

V/elten 

verschiedenen Dimension«», Oft ging er auf einige Tage vom Hause fort.unfl. 



V 



venn er wiederkam, las er ihr ein Gedicht tor.das beim Vvandern sichln ihm 



geformt hatte, oder er zeigte ihr ein Bild, das er unterwegs geschaffen, oder 

in 
er brachte ihr Blumen. Aber die Unruhe, die sein Fortbleiben sie Jedes Mal 

brachte, nahm ilim seine Freude. "Du v.eisst doch ,LIutter,dr6s ich hinaus- 
muss,drss ich draussen Kräfte sammle. Warum beunrulaigt ftich denn das so 
sehr7Ich verkomme sonst, wie ein Fisch auf dem Trockenen." 

^ieim Fritz Müller draussen v;ar,dpjQn fCÜilte er ,dr.ss etv/as anderes nodi 
da war, als Krieg, Ilass, Neid und Betr\ig,dBnn fühlte er,dass Leben etwas an- 
deres war, als die kleinen Sorgen um Essen und Trinken und das ganze kör- 
perliche Behagen. Weite Horizonte von Himmel und Erde eröffneten sich ihm 
und die Angelegenheiten der Keuschen sahen sich von einem andern Blickfeld 



Blickfeld an.Wahrheit und Lüge bekamen andere Formen, Wichtigkeit schnunpf* 
te zusainmen,und Belanglosigkeit hob sich zu Bedeutung empor,wurde Sinnbim 
Ton ev/igen grossen Dingen. Leben war dann für ihn, wenn der Sturm durch den 
Wald brauste und die Kronen der Bäume sich beugten und sangen.wenn Wolken 
im Fluge dahinzogen und zu märchenhaften Gestalten xjbsk wurden, oder wenn 
sie sich zu drohender Masse zusammenballten und sich gelblichgrau wie Asdie. 
färbten, dass die Hähne angstvoll krähten und die Vögel in den Bäunen unn*. 
big flatterten. Er erzitterte dann selbst und blieb stehen und liesc seine 
Seele mitstürmen in dem gewaltigen Kampf der Elemente. Wenn dann aber unen- 
wartet die Wolkendecke an einer Stelle zerriss und eine Flut goldenen Son- 
nenlichts aus dem entstandenen Spalt hervorströmte und dps Strahlenmeer 

aschfarbenen Riesentüchem dawar 
verriet. das hinter den NxilasilBKJa txnx ,das immer da war, da wei- 
tete sich seine Brust in einem Gefühl unendlicher Freude. llelodieen stie - 
gen in ihm auf und Worte, die sich rythmisch aneinander reihten. Er schritt 
bis in den Abend hinein und sah, wie die Dohlen aus milchigem Hebel auf 
das Gemüsefeld niederschössen. Er sog tief den Duft von welken feuchten 
Blättern ein, vom Saft der dunklen nassen Stämme, der braunen lebentragen- 
den Erde. Er mischte seinen Atem im den Atem der Natur, und er fühlte, wie 
er lebte. 

Er hatte die Empfindung, iJenn er nach solchen Ta^en nachhause kam, 
als müsste er sich klein machen, um die Stelle auszufüllen, die ihm ziiS® 
teilt v/ar. Er musste sich erst besinnen, -um zu begreifen, was von A^ gefor- 
dert vnirde. 

Seit drei Tagen war er nun wieder fort. Er wollte eine grössere Arbeit 
vollenden und dazu musste er wie immer hinaus. Frau Müller ging ruhelos «m 
der Küche in die Stube und aus der Stube in die Küche. Sie war nicht im- 
stande bei einer begonnenen Arbeit zu bleiben. Sie horchte auf Jeden Schritt 
hin, der unten vom Ilof heraufschallte. Frau Müller hätte an die Ausflüge 
ihres Sohnes gewöht sein müssen, aber Jedes Mal empfand sie dieselbe Angst 



/ 



.52- 
Angst -um ihn, wie ein armes Fischerv.eib,v.eiui der Ernährer auf hoher See 
ißt -und der Stuirm heult .Für sie war drs Leben df^s unberenhenbare Meer, 
•und ein StTirm \mr immer da, der die Wogen peitschte, rnid immer bereit den 
sorglosen Fischer ans seinem ITachen zu schle-udem.lIein,Fran Doktor Mül- 
ler gew'öhnte sich nicht an die Unsicherheiten und Gefahren des Lebens; 
ganz in Gegenteil, Je mehr ihre Nerven sich abnut zt en , um so Schürfer nnd 
quälender wurde ihr Jede Stunde. 

Endlich kam er. Seine Kleider waren feucht und schmutzig.und er schlm 
noch blas? er und magerer als gewöhnlich. Eine Strähne seines dunklen Haa^ 
res lag schräg über der hohen Stirn, und in dem schmalen Gesicht lebten 

und leuchteten die Augen. 

"Fritz, wo warst du wieder so lange?Ich vAisste schon nicht mehr »v/aa 

zu denken?Und wie siehst du aus?" 

"üuten Tag, Mutter, hast du dich doch aufgeregt und hast mir verspro- 
chen, es nicht wieder zu tun.Uutt er, warum machst du uns drs Leben so 

schv;er,dir -und mir?" 

"Justizrot von Frosch hat ^^eschrieben.Er bittet dich unverzüglich zu 

ihm ru kommen." 

"Was hat der Mann mir zu sagen, Mutter?Ich habe Um nichts zu sagen. 
Weisst du,Fr8sohe sind die einzigen Tiere, die ich nicht mag.Das kommt 
vielleicht daher, dass sie den gleichen Kainen,vvie der Justizrat tragen," 
"V;ie hässlich du sprichst. Dabei ist er der einzige Mensch, der sich 
um uns kümmert. Ich habe ihm geantwortet, dass du nicht zögern iv^rdest bei 

ihm vorzusprechen." 

"Wenn du mich doch mit ihm verschonen könntest, Mutter. Ich habe unter 

wegs genug Frösche quaken hören und mich über ihre Taktlosigkeit geargerii| 

kann 
"SO bist du. Man kein gescheites Wort mit dir reden. 

"Jeder hat seine Sorgen.Mutter.Du hast auch kein Interesse für Dinge . 



i 



•53- 

Dinge »diö mir am Herzen liegen^Ioh habe in dieren Tagen etwas Erschüttern- 

von 
des erlehtt^vas mir riel Nichtiger ist, als Justizret Frosch und seine Bot - 

Schaft. Ah er darnach fragst du gamicht." 

"Geh, wechsele deine Kleider, Fritz. Deine Schuhe sind ganz nass.VYie du 

aussiehstllch machedir unterdessen einen heissen Thee.Wenn du fertig bist, 

Scannst du mir erzählen." 

"Da du es verlangst, will ich es tun, obgleich mein Erlebnis ungleich widx 

tiger,als der heisse Thee ist." 

ITach einigen Minuten kam er wieder. Er schob der Mutter einen Stuhl 

hin vjid, veranlasste sie sich zu setzen. 

"llun,hbre zu, Mutter. Sag, hast du schon einMal in deinem Leben gehört , 



Arie der Wald ;ve int, stöhnt, klagt? Hast du ein Mal zugehen müssen, wie er un- 



ter eihem Ungluok zusammenbricht, unter einem Unglück, das ihm als höchstes 

Glück erschienen ist? Ja das er in seinem Leichtsinn sich vielleicht ge- 

^^i'unscht hat? Und kannst du dir vorstellen, wie einem zumute ist, wenn dabei 

steht ratlos , macht los,tind nicht imstande ist, seinem bestem Freunde auch 

nur irgendv;ie zu helfen? 

Ich habe alles miterlebt von axifang an und habe auch nicht geahnt, wohin 
es führen v/ürde.Ich ,der den Wald so gut kennt, Jeden Steg, Jeden V/eg,bei-. 

nahe Jeden I!aum,ich habe sagen müssen :" Geh, Wald, lass dich auf diesen Be* 
trug nicht ein. Hülle dich in Silber und Gold, wenn es dir Freude macht, 
aber nicht in das trügerische Kristall, Glück und Glass,wie leicht bricht 
das! Weisst du es nicht, Wald? Wie war der Wald schön, Mutter! Die Sonne 
scheint, und der eanze Wald, Jeder Stamm, Jeder Zweig, Jede Knospe, Jedes Blatt 
steckt in einer Hülle von v.underbarem Kristall, und herrliche Prisman hän- 
gen tief an allen Enden der Zweige herunter .Und das funkelt und glitzert 

und leuchtet im Sonnenlicht in den schönsten Farben des Kegenbogens. Es 

drr Herr^^ott 
war, als hätte ^^^ selbst seinen besten SchmucK aus dem Paradiese herge* 



-54- 



aus dem Paradiese hergegeben. 

loh t)in mitsohuldlg an allem »Mutter» ich labe Ruoh nicht yorauAgesehen 

LU8t 

womit der Wald seine Sxtxxxxsxxx bezahlen v.ürde. 



Es fing so an.Hachts fiel Schnee in grossen festen Floclcen. Weiss nnd ym- 

stand 
"berulirt ««»* der V^ald am Morgen da, wie eine Jxtngfrau.die zum ersten Mal 



auf ihren Liebsten wart et. Gegen Mittag strich ein Föhn vom Süden her, ein 
F*6hn mit seiner ungesunden verräterischen Glut, die wie eine linde Hand 
dir übers Gesicht fahrt, und der du dich ganz hingiebst in vertrauender 
Lust. Auch die Sonne hielt Kameradschaft mit ilim.Faet sommerlich warm meng, 
ten sich ihrex Strahlen in die Wogen des Windes. Der Sclinee taute auf. Gros 
se Tropfen perlten von den Bäumen nieder. Aber gegen Abend setzte Frost x 
ein. Der aufgetaute Schnee gefror z4 Eis, und am nächsten Morgen stan d 
der Wald in seinem Mtogj e m kristallenen Schmucke da. 15atter,mir bricht 



das Herz, wenn ich denlce,was derauf folgte. Zuerst fiel es mir auf,das8 

der Wald stumm geworden war. Kannst du dir das vorstellen? Einen stummen 

noch so geheimes 
Wald? Kein Rauschen.Kein Flüstem,icein Räumen . Alle Stimmen wie er- 

storbenl Oh, wie unheimlich und unheilschwanger v.ar diese Stille. Ich be- 
schloss dazubleiben, den Wald txxMMx nicht zu verlassen.^In einer Hütte 
auf der Anhöhe legte ich mich nieder, aber ich konnte nict einschlafen. 
Ich lag und horchte hin. Da vernahm ich plötzlich fremde Töne. ein Stöh- 
nen.ein Xchzen.ein dumpfes Aufschlagen wie bei einem schweren Fall und 
dann ein Klirren, als zersprenge ien Riesengefäss in Scherben.Das ging 
dann so die ganze Nacht :Ichzen. Stöhnen, Aumpf es Aufschlagen und Klirren, 
loh habe UM kein Auge zugetan. Als es zu dämmern anfing, trat ich aus der 
Hütte.und das ganze Unglüok.das über den Wald gekommen v..ar,tat sich vor 
mir auf. Meine Linde. in deren Schatten ich im Sommer gesessen^wenn ich 
die Sch^vüle der Stadt nicht mehr ertra^-en konnte und auch von ihrem 

Kleinkram ausruhen wollte und von deinen Sorgen um mich. die du dir 
immer, ich weiss nicht weshalb machst, meine^lte liebe Linde 



f 



Linde lag entvmrz%lt^alf"gebrochenen imd £re]aiiclct en Zweigen, eingehüllt 
in den schimmernden Kristall, unter dessen Last sie gestürzt war,Tmd rings- 
umher lagen «l«ichj.hr unzählige andere Bäume entwurzelt. gebrochen und 
geknickt. Und dieB||g,die verschont gehlieben waren, standen tiefgebeug- 
ten Hauptes, den Todesstreich erwartend. Mmtter,kein Menschenleid h8tte 
mich mehr ergreifen können, als der Jammer des V/aldes." 

Frau Müller starrte ihn eine Weile wortlos an,dann legte sie plötzlich 
den Kopf auf die Arme und fing laut und krampfhaft zu schluchzen Pji.Sie 
weinte mit solcher Gewalt, dos ihr «aneer armer ausgedorrter Körper sich 
schüttelte. 

Ihr Sohn sah sie mit grossen erschreckten Au^en an. 

"Wep haf-t du, Mutter?" V/einte sie um den V/alä? 
"Sowas mir anzutun. "brachte sie endlich in abgebrochenen »kaum ver- 
ständlichen Lauten hervor. "So^ms mir anzutun! Ich ertrage es nicht langer 
Wie der Vater. Es fehlt kein Eaar. Immer wird nur an sich gedncht.Nie an 
mich, an meine Angst, ?n meine Not! In einem Walde unherzug-hero, in dem Bäu- 

ffiE 

Me 8türz,n,naoht» In .Ukalter Ilütt« eohlaf.n! Bn«. wann sie dich totse- 
aohlagen hStt......va5 wfc. au, mir «.worden? Ea«t du auch dcoKiber nachse- 

dacht.was aus mir geworden v,are? Ich wollte, loh wäre .ot »nd Ittg, ruhig 
1» r,rabe- ftt, ^t mu.« das seiu so ruh*« .u liegen and sich u« nicht. „ 

mehr zu Jcümmem." 

Fritz Iffiiler war ersohüitert. Wieder leid der hili-losen Kreatur.Iort 
der Hald und hier die Kutter. M. ganze Irostloslglcolt de. Daeeins gipfel- 
te «ir ihn in dem furohttai-en IVeinen.ir ^ nool, nie seine Kutter In 
solcher Verzweiflung gesehen. Her Jlnhliak war ilm uneriräglich.Br war i, . 

reit alles hinzugeben, alles zu t,m,was sie verlancte.dBuit dieceslVelnen 

aiLfhörte» * 

-Kimm etwas Wa3ser,l.utter,oder Tropfen. Hast du nicht Tropfen? Ich 



-56- 

loh will sie dir holen. Soll ich zäun Justizrat gehen? Ich cehe noch heu- 
te zu ilim hin. Höre zu weinen auf > Mutter! Oder kann ich vms anderes für 
dich tun? Ich werde es tun. Ich verspreche oz dir. Uur v/oino nicht ßo,ich 
3cann es nicht anh/^renj" 

Sie tranic etwas vom Waf^ser^das er ilir hinliielt. Allmählich vnirde sie ru-^ 
higer.Sie nahm sich sichtlich zusanimen.Ec schien iiir peinlich zu ßejjri,daü3 
sie sich so hatte g^ehen lassen. 

"Lass nur, Fritz, es ist scbon grut. Das iGttv;enn man alt v/ird.Der eigene 
Korper gehorcht einem garaicht mehr. AlDer teunruhise dich nicht v^eiter.Ee 
ist schon Yoarii'b er . Lege dich ^etzt hin und ruhe aus.Ihi hist so "blass.Ich 
werde dir imterdessen eine g^ite Suppe ]:ochcn. Zu Jui?tizrat von Frosch 
kannst du auch morgen gehen. Er sohrieh , er hätiöwas l^esonderc Gutes für 
dich in Sicht. Vielleicht ist es v;as.Du -virst Ja h(5ren,unl v^enn es dir 
nicht passtt brauchst du seinen Vorschlag nicht anzunehmen. So schlimm steht 
es mit uns nicht. Wir schlagen uns heide irgend v;ie noch immer durch. JDclne 
Ar'beiten musst du dec^halb nicht unterbrechen." 
Fritz strich ihr nhf^r den Scheitel. 

"Pu "bist gut,5futter,lch v/eisß es,a"her du öLerfst nie wieder so »veiiien. 
Du dexfst nicht .hörst dv. es!" 






-57 



Neuntes Kapitel 



Am nächsten Tage ging Fritz Müller zv. Jijstizrat von Frosch. 

"Geruht der Eerr Wüller endlich zu erscheinen?" mit diesen Worten emp- 
fing der letztere seinen l^esiicher."Ich hatte schon dt* Iloffnimg aufge- 
geheii das Glüclc zu hPler Sie hei mir zu sehen. Kahen Sie mir nun doch die 
Ehre angetan. Ich fühle mich äusserst gescheicheltV 

Fritz irüllcr war rot geworden ,unrl Peine Lippen zitterten kaum merk- 
lich. s:\iutter sagte ifir,d.^ßs Sie mir etwas mitzuteilen hätten" unter- 

"brach er die spöttische Rede. 

"Eigentlich hatte ich dir nichts mit zutsilenV erwiderte der Justizrat 
nun mit unverhohlenem Xrger. X Wer_n ich mit dir noch rede, so ist es nur 
der Mutter wegen, obgleich auch sie en Fuerer elenden Lage seihst zum gro s- 
sen *eil schulf. ist. /hei wer wird mit einer imglnclclichen hilflosen Frau 
rechten?Ich hahe mich (^einrs Vaters angenomrcen und will auch seine Witt- 
v/e nicht zu c,r^2nü.e t;e}ier ] asßcn. Dfrun spreche ich noch mit dir. Sonst 
rürde es nir eicher rieht mehr einfallen. Ich weiss, es ist auch mit dir 

richc viel zi: wollen." 

Er nachte eine P.nnse und sah Fritz Müller herrusf orderd v.n,J:.U dieser 
öchv.-icT.f^r er fort. " Ja, diese Jugend IM&n müsste strenge ie8*tze gegen 
Sic herausgeben. Ich v;Urde ihr zeigen,was das heisst keine Autorität an- 
erkenr.en, keine Wurde und kein Standeshewusstsein hahen." 

Er madhte wttAte eine Pause .wie um seinen Worten Zeit zu lassen, ihre 

Yiiirlaing auszuljhen. 

Fritz ^lüller r.ass da und dachte an das Leid des Waldts ^^nd an das 
Weinen der Mutter. darum ertrug er .was der Justizrat lim sa-te, und 
hielt den Blick der kalten wasserhlaiien Augen aus. 

"ES ist das letzte Mal.dass ich euch zu helfen suche.Wenn dieser Rat 



f 



;• 



-^8- 



ich 



Rat nvn auch zu nichts führt, dann tut es mir eben leicl,und dann habe 
mich alles getan ,v;cb in menschlicher Kraft 'lie^t, um zu helfen. Dann 
lässt Sich eben in diesem ?all nicht helfen,v,ie bei einer unheilbaren 
Krankheit. 

ES he^delt eich um die Stelle eines Privat rekrctnrs bei einem Ce- 
schäftsfrevnd.Per i?r^ji ist eine Grösse in seiner Art.nimint eine herror- 
raeende Stellur.^ in der Geschäftswelt ein,macht als Schwiegcrs^ön von 
Geheirorr-t Lärchensr.ng ein IJ^us aus. Solch einer wie d-a,k'önnte mir rcn 
Glück reden, v/^nn es ilLm golanse in dAiees Heus zu komen.I^a spielst 
pers'önlich dabei iib fjrhamiDt keine Rolle. Mein Zureden ge-o%5. ]!ieim ich sa- 
ge ,dass du taugst, dexn taugst du eben.lm vsrgiss aber nicht, dcec ich 
eine pohvere Yera-ntwortur- auf mich nehme. und dass du dich ,wemi die Sa» 
che klappt. zus-jBinenzunehnien hast. Der Mann einen regen Geist, inceressier t 
sich für allr,R llöeTliche und hat eigene Gedanken. Er braucht :iennn''^ um siclv 
der ihm bei gni^en privaten Arbeiten hilft, einen ehrlichen Menschen .drr 
ihm seine Gedrnicen nicht v/egstiehlt und sie noch verkauft. Heut zu tage kann 
man »^lles crvvrrtpn. 



Alrn überle^je dir. Coli icn dir die Empfehlung en meinen Freund ge- 



ben?" 



Fritz l'ftller oagte nach einigen Sekuji.dcn. 

t 

"Toh Mtte uni '\ie länpf ehlung. " 



Er stellte s:lch bei Herrn Kans Schulz vor. 
Ein Diener in golbesticicteni >i^aug mit weissen Strümpfen meldete ihn an. 
Die Beschreibung. die der Justizrat von dem Jungen Mann gemacht hatte. stiaic- 
te vollVonnen.Er nusste gcne in den Vater geraten sein, von dessen unprel:- 
tischen und fantasticchen Sinn er soviel erzählt hatte. Schon die Stellun^?- 
nahme Fritsr I!ullerc V:'?.hrend der Verhandlungen war charakteristisch. 

" Zu Ihnen ganz Ins Kaus übersiedeln? Nein, das geht beim besten Willen 



M ■ \. 



-59- 



muss 



S 



Willen nicht.X 

" Dann tut es mir leid ,Herr }.ailler.Ich meinen Sekretär Jeder Zeit zur 
Verf^j^ung haben. Selbst nachts. Das ist eine der Hauptbedinsunsen.die 
ich steile. J)f.H erscheint Ihnen mi^-ev/öhjrilich .Aber ich vdll ruch ^it be- 
zahlen. Ich bin nicht einer von denen. die andere Menschen gern umsonst 
aijisnützen v^oilen. So.vas vv-iderspricht gexiz meiner llatur.Ich verlenfre riel- 
leicht Tiel.las ist wahr. Ich Ycrlsiie;e auch von mir Eclbst viel.JJaruin ist 
es Bit ge.visE nicht leicht. Ion gebe es zu.Ich habe oft nachts, wenn ich 
nicht schlafen kann meine besten EiiafS-llc. Dann überstürrat mich oft eine 
FlTit von Creäf-nVen.Dle muss rr.an festzuhalten suchen. Sonst werden sie durch 
neue verwischt uad verdränet.Sie .c»r.nen zum Glück solche Zustände nicht, 
Herr milcr. Gie sind noch jui-.£. Aber L.ie brauchen nicht zu fürchten, dass 
Sir Jede llachf.aie Gloclce hören werden, die mein Arbeitszimmer mit Ihrem 

ciaef zinmer verbinden -ird. ^So axg wird es vvol ^^^ft^^f ^^^^"^ ""^^ ^^^ 
d£B Be^^^.I5st8ein haben,dass Sie,v;enn ich Sie brauchexÄxmKXÄBirxiBxfägTOyy 
Sonst bovjir^^ict mich der Gedanke. dass geistige V.erte die der I^enschheit 
vor gröesien Kuivren sein könnt sn, verloren gehen." 

Friti- ?..ull';;r sfjh bcarij.ckt und uhscnlüseig vor sich hin. 
"Ich «ill Ihren nicht zur^^den" sagte :-ohlieeslloh Hwns ;:oh\ilz epöttisch. 
als Ter -mse -e.isch Iceine i^nt.vcrt finden kor^ite. "Sie vdssen vvol sm be« 
6te.2,v;as Sie xzu t^an haben. Vielleicht haben Sie was Besseres in Ausßicht. 
Ich habe .i:e£laabt,!.asL^ eine t^ausgemcinschaf t mit und meiner Frau,die eine 
Tochter vo:. ne£lercu---rat von Lärchen.-mg isl^iichts Abschreckendes haben 

Es ATvr trat ,dKSS der Justizrat diese Art von Mensch so genau beschrie- 
ben hatte, Sousl. v;äre da ein kleine? .Malass zum Ärger gegeben. Ein Hans 
Schul, bl tot <.ir..cn .i.mgen llinichtB.eine.n Frifcz iüller,von dem es Hunder^ 
te aes gleichen Uemens ur.d der gleichen Art giebt, seine Haußgemeinsohaf t 

A «•« ?c«- -nnch der Stolze, der sich nicht entsohlle; 
und sein Vertrauen an, und er is. noch aer öt.ox^ , ^^^^ 



<fcV> 



•60- 



cntsohliescen kann. 

"So am fremden Tische Immer mitzusitzen,muss vvol peinlich Gein.Ich 
kann es mir gamicht vors Lei] en* Ich müsste überhaupt Laeine perrronllche 
Freiheit ganz aufgehen •Heine Wanderungen* . • Ja, ich weiss wirJr.lioh nicht, 
Herr Schulz* • . . 

Hans Schul« stand auf. "Ich war üb er zeugt, Herr -^'iuller, d^^Sß Juctizrat 
von Frosch Sie in Kenntnis gesetzt hätr,e,uia war es sich nnndelt.Fs liegt 
mir durchaus fem ,ein Attetat auf Ihre persönlicne ^^reiheix aui-:zr;jben." 

Er ralchte ihm die Eand zum Zeicher ,öass die Unterred-ur.^; sii Ende sei. 
"Sie können es sieh ja übrigens roch üb erlegen, "fügte er hinzu, inder. er 
eine Zeitung vom Schreibtisch nahm, ohne i'ritz 1-üller überhevpt noch an- 
zublicken. Fritz Müller existierte für ihr; nicht mehr. 

I)leser bllftb auf seinem Platze stehen urid zupfte nervös cn der Fran - 
se der schweren Seid enci ecke. Die.^eB Kaus,dießei 'üinriciitung , dieser luunn, 
diese falsche Wichtigkeit, die vor ihnen ausging, bedrüolifcen ihn.TJr hatle 
das Verlangen rrch frischer Luft, nach Wind, nach Beweg^an.'^.Da fiel ihm wie - 
der der Wald ein, das furchtbare Unglück, das über ihn ^^ekommen Y'ar,urd dws 
Weinen der Mutter, das Leid beider, das im Grujride doch eines wcr.IIeiri, er 
durfte nicht fortgehen. Er musstc irgend ein Opfer brin^-:en,iriftenö ein 
Kreuz auf sich laden, irgend etwas tun, um dne; Leid zu Yermindcrn, irgend 
etwas, v/as auch v/ eh tat .... 

Er stand und wartete, bis Hans Schulz von seiner Zeitung aufcsii. 

"Ah! Herr Muller, Sie sind noch da. Ich habe garnicht mehr daran ge- 
dacht. Sie überlep-en wol noch. Bitte, tun Sie sich nur keiner. Zv/sng en. 

Sie/ 
Vielleicht f inden Avirklich eine gUnstigerc Geleßenheit. Die Sache ist Ja 

weiter nicht von beleng.Es tut mir leidester ich mnss ins P-äi-o," Tr laftch - 
te eine Bcf/eguDg zum Fortgehen. 

"Ich he.te es mir schon liherlegt ,Kerr Schulz. loh T^elirae alle Ihre 3e - 
dingungen an. Kur dass ich hier und da doch einv/enig hinrus kam:.. 



I 



.61- 



Hans Schulz legte die Zeituag auf den Tisch, So musste es icoinmen* Es war 

auch garnicht anders zu erwarten gewesen. '^Des Icsst sl?h h(5ren,^ssgte 

er. "Is ist gut^dass Sie noch rechtzeitig zur Einsicht ^elconjrren sln^. 

.Dass ich um einen Sekret^.r nicht in¥erlegenheit c^ein .vürde, 'K'dnnen Sic 

sich wohl deniceniOlDgleich ich nicht den ersten testen ins llavs nehmm 

dr.rf.Kein -^>eund Justizrat Yon Frosch hatte Sie mir aln TDep>onders i7'3ciga 

Sie 
net empfohlcntuad darum 2;iehe Jch einem anderem vor^ti^ttz Ihrer Ahsonder - 

lichkeiten." Hans Schulz wurde £:rosßinüti£.rr ejti'2^f rir.t eine Getu^twun?:, dass 

er sich durchgesetzt hatte. Gerade £iolch eineru unoedeutendfr Menr^chen ge J 

genüher VvErecin Misserx'clg ein v.enlg Ircherlich. 

Er reichte fritz Müller die llsnd. " '^Vir kcrm^n hoffentlich ^rt mit- 

ani 
einher aus.Vnd mit dem Sitzen ^xü frendcn Tisch v;lrd es: wohl «U3>: nicht 

sc schlimni v;erde:n.uicht es aenn eine ehrerrollcre Stf;llung,Pls der r er- 
traute der v/ichtigsten und geheimsten GedrK.\'rn r,u sein?^ 

Fritz i^iüler suchte dvs freundschaftliche L&cheln Ilrns ;:'chvlzens cu 
erwidern und empfand sein eigenes Lachein -'^.Is Eegirx eines Opfers^ einer 
ersten Aus einander s**irang mit den dunklen Suchten des -^ehens. 



m 



A 



V 



U' 



in.ICaDltel. -62. rüÄ-Sa^iftJ^ 



Kach ein psar Tagen sass also Fritz fiföller.der Sohn des Mannes .der 

.. ,"1 mi^h+fl -ii bringen verstanden hatte, mit zu Tisch ^jei Höjns Schulz. 
" war 'S'eiisai amH Jwenlg. Hans Schulz empfand bei e*4nem ^Dlick 

ein becondsres Wohlbehagen. Er war der wichtige Herr, an dessen Tisch zu 
Bitten doch ein Glücl-: war. Das hatte der ^Aiderspenatige junge Harn auch 
einsehen uiüssen.Ide Mischung Ton Ei§ensohaften:gro8se Begabung, reiches 
Wissen und die ünfghi^-eit iro ^.eben zu etwas zu bringen, die der Sohn 
zweifellos Tcm Vater geerl>t,war ihm EiTnpathisoh^Das wwr die Form, inder 
er dl8 Überlegenheit eines ixvr.B'^n Hausgenossen eji Bildung am besten er- 
tragen kcnnte.Diese Überlegenheit musste er haben, sie war der Sinn ton 
dessen Aufenthalt in seirem Hause. Aber so bedriicTcte sie ihü jaicht.Ä« W: 
Co blieü er noch ganz offensichtlich der Grosse. der Wicht ige. daneben. 
Und es wer I:lar.da3s ein Frits JT-üller trotz des /gössen V.issens immer 
iclein bleiben. ir^er irgendv.o .ir.tcn etohen v.üxde als einer von den unzähli- 
gen Uncelcannten.Und weil er diese Gewissheit hatte. brauchte er sich kei- 
nen Zwan^ anzatun, konnte sicn gehen lassen, konnte ausärechen,v-as ihm in 
den Sinn kaaj.dtnn seine Gedanken waren wichtiger.als die Fritz Müllers. 
Sie berührten die Dinge,sie hatten eine Wirkung.sie schafften Veränderung, 
Sie schwebten nicht losgerissen von allem bestehenden im Räume, wie jene 

Kenniniss'j. 

"Wissen Sie auch, warum die indischen Fakire hart .eräen k-önnen?Man er- 
klärt jet.t aUee Mit Autosuggestion, mit Beeinflussung ctoch den Willen. 
Aber ich s..go w.s s.ider.s,v.r.s viel .vissenschaftlicher ist.Ich srge^dass 
die Fa:^:ire flür.sigf verschlucken. Infolgedessen werden sie hart. Sie sind 
ersta^mt? Sie sind auf diesen Gedanken einfach noch nicht gekommen. Ha- 
lben Sie nicht davon gehört, dass was a er enthaltende Dinö'e.wie Fleisch und 
Blumen in flüssiger Luft hart werden? Per Fakir bexmtzt dasselbe Prinzip . 
Das ist nur eine Idee von den vielen .die ich habe.Sie soll natürlich un - 
ter aus bleiben, -.veniogleich sie nicht von grosser Bedeutung ist.wenigsten s 



-63- 
wcnigstens im Augenblick nicht von BedeutTuigr.Aher eine Idäo iejk manches 
Mal ein Samenkorn einer uns noch tirljelrar.nten Frucl-.t.Wir v'önnen es häirfl« 
nicht voraussehen, welche Entv/icklungsmÄßlichkeiten in einer scheinbar 
kleinen u-.ibeaeutencl,-n Idee liegen.Der eine setzt sie in die Welt, der ande- 
re fängt sie geschickt auf und wird der grosse berühmte llnnn." 

"Welche I-'ragen intereesier^n Sie am meisten ,Herr Cchnlz" ,v.pndte !?ioh 
Fritz Müller an ihn nach einer inaeraniaistrensrim^ sich endlich auch zu 
äussern und das Essen zu verdienen ,iag er nss, 

"Mich interessieren alle langen" erwiderte Hans Schulz mit Betonung i 
"•e grosser d.r s üebiet dee I^bens ist, das meyi üb&r?:,ohaut, uo so reicher 
ist man an GederJien und um .?o hiüher steigen sie." 

Er fülilte sich wieder ganv, obencuf , Alle Zweifel waren ab.irefallen; 
Kens Schul s war £:rcss \iiid ;viehtig,ivnr .rrors \irft wichtig neben e^m be- 
gabten Jangren irenschen,der viel gelernt hatte und an seinem ?iPche cait- 
as3. 

Gleich nach dem Sssen forderte er ihn auf an die Arbeit zu ^ehen. 
"Ich weisp ksuTi , womit zu beginnen. so voll is-c mir der Kopr./ovi llbbsten 
würde ich natürlich alles selbst niederschreiben und ausarbeiten. Aöcr alr 
fehlt die Zeit. Denken Sie nur,.va5 iai'- alles auf mir habe. Zum üoispiel 
heutenoch: ein paar ganz grosse Geschäftsabachlüßse.die sichorlioa einen 
Einfluss auf die allgemeine Lage des Marktes ausüben köimon^und ca Abend 
muss ich unbedingt ein paar Worte in der Gesellschaft für astrcnomicche 
Forschung sprecton ,ln der ich Ehrenmitglied bin. Ich v/eise, mcn wird da 
heute ein wenig von meinen Verdienßten reden, da ich vor kurzem wieder was 
gespendet habe. Wenn es nicht J^ute gäbe mit ausgeprägt ein Uirklio/Jceixs« 
slnn,inein lieber junger Uaiin,so würde die ganze Uiseeneoiiaft mia Philo- 
phie heutzutage am Boden liegen. Das sehen meist solche Herren wie Sie 
nicht genügend ein." 



.64- 
Er naliia m.is dem Schreibtisch ein 1k schv.cres Lf>cLer gebimdonoß Jjuch. 
"Schauen Sie her. Hier sini Pi.e, meine sch'öp^er Ischen Zf^trY±f,:,,a^yxz 
oi-<?.cun(;«n»«sis eln~etra£;en. Wir wollen der F«ihe nrch durcl.rjrl.fit^ii. 
Sie Sinei 7Am erosnteu Teil Ei::ifglle cloä J^mibltclzz und mtißron avi^ ihre 
praktische /n^-erlb^ri-it; -o.nd *krpT.;rihrer: v;is.~exisch4-.l.ici.cn Wert hin ge- 
pHift v/err^en, rr.s itt eine r^^ot:^e /r.eit.für il.e Ich r.is IIa ontf-irreci 



int ii'tii 



V^ z B f.: &- 



de f.flit av..n.vlngSB i-er.l.^.DF.^ ■.>, e rc en <^le nuii tii^i ,:iorr ?rüller.S3r v/f.-rcUii 
die für Jeri- Frr,^c noLveruLiee lixtero hrr ar..^chfufen,£lc eiaig..: end .^urchge - 
hcii.iüT Kl.' eri? ehren, war. auf ^.edeiTi Jebiot scher- rslristet /■ür-'sii ^«f -1-3 
3!lr -enPAi Pericixt erstat le.t...'-ir v;er::eu auf solche V/oisc vorzu^-lich ssasea- 
T«en.irh-i'.e;;.;.lch liefere ihle eorfd.r^erise^.ien Gedanhen, .u.:.'l r.ie ühe.'xiehnier. den 
teohnieoh^n ?eii ihrer /u8"rhelt-'iric'," 

Er öchl-ij oijie Gelte df-y Buch-sn suf ui?i bsv-niiii c^j. 133,-11. '■V.'p.ft 
d-'^s? Ich entsljir.o itloh i?5«eii >mm, TJbor dratlosc Sildtroorirainiki.-'? 
gen Sie dasu.Herr LInUer? Und icrh vTelaü a'aniinlit a(jhr,da33 ich je darü'orr 
cie-e-e Ged;-^nl:en .^eht.bt hahe.iveich ein Glüoi: , dcus r. ich dieße& Buch nnrel ->rt 
hateJTT« -•>ner?r.oiort ßich iiiaii «elbst^waij ich Dir dr. r.usecf''acht 5ia*c»-.!J:id 
wolleT) v'ir oxher trleich ait dem Pi'ohlem der dretloser. £liaühertrar-'>^-» '-■<*- 
ginrra.81- i:5:a:ic-i noch beabe za erfahren Yer3Uöh3n,iva3 an elnpchia-i^en 
chrrft'^-i «rr^i^hion-in int. Co ^irciz avüi der Luft ge^^riffen -.-erden da meine 
Vor8chl%e auch nicht s^in. Irland etwas ^ird schon drar. seJn.Scv.ei-;; Irenn e 

C f 

ich mich schor ^uoh,C-cttseidim2:." i;r lächelte aelhatcefällie," Aber weiter 
gehe>^ '7lr s^\z pyslt^a.tiac'ji,5r'S hoisat,der Reihe unoh vor." 
Er ol'ftertc rarüok. 
"Alsc 'velGha Idöc lat eißentlich meine erste? .1^:1 es nicht I-omii^nh 
dasB ich !".ich Gcl"b£;t -.vio ornen Frende/i 'behatidele? Sie ötirfon nicht ver- 
gesRen.IIerr Müller, dass loh dieüe Einfalle neten deiner .^rrossen und schwe^ 
ren Fem_fsar3eit hrhejtaaö. datie vv Fohon viel von ir.lr ist,;ver-/- loh eie 
überhaupt habe iind eintrage. 






♦ •• .-* 



-65- 



Er blätterte bis zur ersten Seite zurück. 

nicb v,el=s es auch schon. ohne nachzusehen. Ich erinnere .ich ganz a.ut- 
lich...ine erste Idee war eine neue .nl.itun« zu. mtenspi.l. damals ha- 
be ich noch Tlel FlSte gespielt und g.».lt und- .ich überhaupt t1,1 »ehr 
als jetzt mit Kunst und Wissenschaft beschäftigt.« 

Er las .was er auf der ersten Seite für alle Zeiten festgelegt hat- 
te "SO ist es: Keue Anleitung zu. Frdtenspiel. '.eiter folgt ein iMtw*rf 
.,'.i„.. socialen .ra.a in fünf .kten.Personen..elt.Ort und Handlung sind 

„ Aa^ T.Tt der Dialoge ist nicht fertig.Den werden Sie 
genau angegeben.Bur der Text der Biaxog 

nun auszuarbeiten haben.Herr Müller.Bei einiger Gewandtheit ist d.s n ht 
aohwer.Dle Charaktere sind ausführlich beschrleben.und die «orte.dle Sie 
ihnen in den Mund zu legen haben.ergeben sich fast .on selbst.Was .Ir ^ 

.. .i.ht gefallen sollte.werde Ich verbessern uns umandein. 
Ihrer Ausarbeitung nicht geladen »u . 

Er sah auf die Uhr. 

..A„h.u« aotteswillen,es ist bald drei «>r.und u. vier habe ich die 
.rste vorstandssltzung unserer neugegründeten Aktiengesellschaft Ich will 
Xhnen nur noch schnell die Idee über ".ratlose Bilübertrag^"und d . 
,«.ue Anleitung zu. mtenspi.l diktieren, denn d.s Buch gebe ic nich u. 
.en H^den trotz des . ertr auens . d.s ich zu I^en habe. Das soll Si l^t 
beleldig.n..s ist Principlensaohe. Das sociale .ra.a lassen wir auf .^« 
sndem Tag.Si. werden .it den beiden Aufgaben schon reichlich zu tun ha. 



l)en." 



;, legte das in schweres Leder gebundene Buch sorgfältig In den Schrei. 



tisch ziiruck. 



^ ci« verlassen zu können, was Dis - 
Müller. mich ganz auf Sic Terxassen 



"Ich hoffe, Herr 
icretion und Fleiss anbetrifft, nicht w<üir?" 



so ist Fritz Müller nun vollauf he schüft igt. Er muss nach der hisher er- 
schienenBn Litteratur üher dratlose Bildübertragung und üher die Tech- 



f 



r 



^66^ 



Tech 



nik des Flotenspiels Umschau halten. Er muss die beiden Gebiete ,die sei- 
nem Interessenkreis bisher fernlagen, eingehend studieren. Dann muss er 
sich in das sociale Drama hineindenken, dessen Entwurf ihm Kans Schulz 
unterdessen mitgeteilt hat. Er muss sich in eine Cleistesart hineindenken, 
die ihm fremd ist, Personen Worte leihen, die Schemen sind,nach bekannten 



Mustern 



:inrk aufgestellt .Er muss sie einen Conflikt erleben las- 



sen, der für ihn unv/ahr ist,\ind eine Ltoral verteidigen, die er nicht aner- 
kennt. 

Weiter stehen in Aussicht llaiis Schul zes l^tdeckungen auf dem Gebiete 
der Fotografie und seine Betrachtungen über den Wert des Spiritismus und 
der Graphologie. 

Fritz Muller kommt sich wie ein Handlanger in eiaam Kramladen vor. Ali 
les mögliche unzusammenh fingende Zeug ist da zu hkton : Knöpfe, Brief umschlfi- 



ge, Armblatt er, Chokolade 



Er wird müde und hat das Verlangen zu sich zu kommen, frische Luft zu 
atmen, den Himmel und die Horizonte zu sehen*Undwiderstehlich zieht es ihn 
aus dem Hause Hans Schulz in die freie Natur hinaus. 

"Herr Schulz, ich habe Ihnen davon gesprochen, dass ich von Zeit zu Zelt 
eine Wanderung machen muss.'' 

"Was jetzt mitten in der Arbeit? So habe ich es mir v/ohl nicht gedacht 
Aber v/enn Sie darauf bestehen, Herr LÄller, halte ich Sie nicht zurück. Je- 
der hat seine Art. Mir ist sowas unverständlich •Ich goime mir keinen Au- 
genblick Ruhe weder Tag noch Nacht. Selbst im Schlafe arbeite ich weiter. 
Ich fühle das am Morgen'ünd Sie machen so mitten im Werktag einen schönen 

Ausflug ins Grüne." 

Hans Schulz könnte ärgerlich werden, wenn etwas nicht dabei wäre, was 
ihn freute, was ihn beruhigte, was ihm Sicherheit gäbe. Das ist der Gegen- 
öatz,der sich immer deutlicher zeigt zwischen ihm , dem Tüchtigen, und 
Jenem ,dem Unpraktischen, dem Phantasten, der es zu nichts bringen wird 



-67- 



wird- , ,.,. 

trotz Begaliung •und Vvissen. 



"Also machen Sie Ihren Spaziergang .Herr Llüller.Und ich v.ünsohe Ihnen 
sogar viel Vergnügen. Wie Sie sehen, war Ihre Angst um Ihre persönliche 
Freiheit utertriehen." 



-se- 



il . Kapitel, 



Fritz Müller ist in seinem V)'al(ie.T:r ist v/ie z-uhause,wie heimgekehrt 



KMll,X.ij 



• f 4 



:±toarFKÄkK±± aus der Fremde nech lenger Abwesenheit* 



setzt 
Er ı3t± sich auf den Stumpf der lieben alten Linde und schaut, was 

aus dem Wald nach seinem grossen Unglück im vVinter geworden ist« 

Die Luft ist weich. Die ersten Frühlings winde streicheln die Erde und 
das Gezweig, Die Knospen sind zum Zerspringen voll am Sträuchem und Bäu- 
men. Selbst an den Stümpfen \ind verschont gebliebenen Teilen der gebroche- 
nen Äste keimt es. 

In der nahen Buche zwitschert ein Vogel. Er flattert auf und fliegt 
über Fritz Müller hin. Der Ruf ist ihm wohlbekannt .Das Krotkehlchen ist es, 
das in der Linde sein Nest gehabt hat und nun sich in der Buche einrich- 
ten will. Er antwortet dem Vogel, wie er es so oft getan hat, und es entsteht 
ein Zwiegespräch roller Herzlichkeit und Freude. 

Neben dem Baumstumpf , auf dem er sitzt, hebt sich dünn \ind zart ein 
Junges Pflänzlein,dünn. und zart zum Zerbrechen. Er sieht die winzigen hei - 
len Blättchen an und erkennt das Kind seiner Linde. Er mochte es berühren 



w 



ie zum Grusse,doch er fürc;itet,dass seine Hand zu schwer sein könnte. 



Er will ihm ein treuer alter -Freund sein, diesem Kind seiner Linde. Er will 

2 1 

es Descnutzen und sein Wachstum bewacFen,wie ein ihm anvertrautes hilflo- 
ses Geschöpf. 

Sein Leid um den Wald hat die Schärfe verloren, es ist zur weichen Web- 
mut e:eworden.Der Tod geh'ört zum Leben, \md leben triumphiert über den Tod. 

Der Vogelruf ist verstummt. Es ist still gev/ordeii,und Fritz Müller 
horcht auf die geheimnisToll webende uud wirlcende Stille hin. Es scheint 
Ihm fast, als hbre er das Quellen der Säfte in den Stämmen und das Erwa^ 

chen und Sichregen all des kleinen Getiers im Moose und in den Rinden. Er 

sich 
sieht die Ameise eilen, und 



t 



\ 

•s 



und 

kleine Käfer, die nur dunkle Punkte zu sein »«Mienen, sich rühren, 

noch 
Aus der feuchten Erde heben Schneegröckihen, Veilchen und Ilimmelschlüs. 



sei 



«»^O ^4 



sachte, sachte ihre ge'beugten Köpfchen. 



Wo ist die Hand, die zauberische, die solche Zartheit schafft? Solch 
durchsichtigen Flügelchen, solch weichen Flaum, dass ein zu heftiger Atem- 
zug sie zu zerknittern droht? 

Aber der Sennenstrahl tanzt und hüpft auf den Blüten und Blatt erknos - 

pen,auf der Spitze der weissen Fädchen des Flaumes, auf dem Rande der xxk 

schimmernden Flügelchen der Insekten, auf den runden gebeugten Köpfchen 

sie 

« 

der Schneegl'öclcchen, Veilchen und Himmelschlüssel, -und recken und strecken 
sich alle ihm entgegen in wachsender Kraft. 

Fritz Müller fühlt sich so nah am Geheimnis des Leben«, als o"b er nur 

noch .einen Schritt zu machen "brauchte, nur noch eine kurze Sekunde zu 

hfJtte 
warten,ua in den Urgrund des Seins zu schauen, die Kraft des triumphie- 
renden Lebens zu erkennen xmd sich ihr zuzugesellen in tiefster inniger 

Vervvandschaft» 

Er steht auf, und seine Junge schlanke Gestrlt reckt sich dem Himmel 



entgegen, wie die Fädchen des zarten zerbrechlichen Flaumes, wie die Blu- 
ten und Elätterknospen und Schneeglöckchen, Veilchen und Himmelschlüssel 
sich dem Sonnenstrahl entgegenstrecken. Er muss es sagen v/ortlos, aber 
doch gehört und verstanden ; sein Vertrauen muss er aussprechen dem tri- 
umphierenden blühenden Lehen, den Sonnenstrahlen, die um ihn tanzen und 
glühen in der leicht bewegten Frühlingsluft.dem Duft der quellenden 
Säfte in den Bä\imen,dem Vogel, der ihm den Gruss zuruft — dem Guten 
muss er sein Vertrauen aussprechen trotz des Losen »Gemeinen und Grau- 
samen, das sich breit macht neben dem Guten überall ,wo Leben ist ,und 
wo Menschen sieh sammeln, wo Menschen wirken, trotz der Not und Qual, die 
sie selber über sich bringen, trotz des Leides. das über Wald und Feld 
kommt 



1 



{ 



-70. 



Der Widerschein seines grossen Erletnisrec lag noch auf seinem Besicht, 

war 

als er sich an den Tisch von Kans Schulz zum Abendessen ö*ttte,und er noch 

TOll der Güte und des Vertrauens, die drs ervmchende Leben in der Natur in 
ihij gefestigt hatte. Er kam sich reich neben zwei ganz armseligen Äensche n 
Tor. 

"Ich bringe Ihnen einen Gruss vom Frühling" sagte er mit strahlenden 
sichern Augen» indem er sich an Hilde wandte, tand seine Worte waren wie 
ein Blumenstrauss»den er vor nie hinlegte. 

Etwas Lichtes hatte sich in das Haus Hans Schulz Torirrt, 

"Darf man v/isEen,vvas Ihnen draussen Besonderes begegnet ist? Vielleicht 
geben Sie mir auch das Kecept.das einen so leicht glüclclich macht?"fragtr 
ihn Hans Schulz. "Ich glaube, dass ich den Tag über schon was leiste, aber 
ich bleibe immer imbefriedigt.Es scheint mir immer, dass es viel zu wenig 
ist .Und Sie gehen einfach spazieren, sorgen sich um Gott und um die Vir'elt 
nicht und kommen mit einem glückstrahlenden Gesicht nachhause. Sie sind 
wirklich zu beneiden. Ich wollte, ich konnte auch so sein." 

Fritz Müller fühlte plötzlich wieder die dumpfe sonnenlose Luft des 

Xräm6rladens,a.ber er war noch^o erftillt von dem Vertrauen in das Gute,* 

unverändert stark 
dass sein llitleid ȟiSxfiiBXi blieb und er diesen Armen von seinen Reich- 
tum schenken wollte. Und er erzählte von dem triumphierenden Leben im 
Walde nach dem schweren Leid, das im Winter über ihn gekommen war, von dem 
Rotkehlchen, den Veilchen, Sphnceglöckohen und Himmelschlüsseln, von dem 
zarten Flaum der Blüten-und Blfitterloiospen und von den kleinen Insekten, 

« 

die in den Rinden ,im Moose und in der feuchten Erde sich rührten. 

Mit hellem Gesicht hörte Hilde ihm zu. 

Doch über Hans Schulz kam Unruhe, und er sagte -."Was Sie für Fantasleen 
haben, Öerr Llüller! Was für einen Wert haben sie? Was bieten sie der 
Menschheit? \'iem). ich eine Naturerscheinung sehe, denke ich gleich darüber 
nach,wie sie praktisch zu verwerten.Ioh berechne. was am besten aus der 



■■•l 



^71- 



der 

Linde oder Buche machen t'önnte, oder v/ie die Wasserkraft der Quelle am 

yerwerten v/^xe,oder welche neue Heilkraft sich noch in den Sonnen. -strah- 
len entdecV.en lietüse. Das ist ,v7oran ich denke, wenn ich solche Dinge se- 
he, und das ist eben der unterschied,'^ 

Und dieser Unterschied beschv^ichtigte die statker werdende Unruhe 
in Hans Schulz: er ist "begebt, er hat mehr gelernt als ich, aber er hat 
meinen schöpferischen Geist nicht, der aus den Dingen was Neues mRcht* 



» 



Nach kflbtzer Zeit v/ar der Bericht Pritz Müllers WbWT den Stand der dpa t 
losen BildübertraÄrung fertig^Es erwies sioh,dass der Schulzesche Qedanke 
langst überholt war und in seiner Form überhaupt nicht gut anwendbar ge- 
wesen wSre* 

Dieser Bescheid regte Hens Schulz auf, obgleich er bisher dieser Idee 

keine Ausschlaggebende 3edeut\ing beigemessen hatte* 

"Sie haben sich wohl in das Problem nicht genügend hineingedacht," 
meinte er miss.^estimmti "Das Unglück besteht darin, dass ich selbst meine 
Ideen nicht ausarbeiten und zu Ende führen kann. Versuchen Sie noch ein 
Uell Vielleicht liegt es nur an einer Kleinigkeit?^^ 

Knns Schulz Laune war herabgedi-uckt.Ein Schatten war auf seine 
schöpferischen Einfälle gefallen und nahm ihm die Lust, eine seiner Theo- 
rien breit und wichtig auseinanderzusetzen, wie es seine Gewohnheit war 

Y/3hrend der MaJilzeiten zu tun. 

Ein Schwei.^en entstand am Tische, und die Cde des Schulzeschen Hauses 

macht eesich mehr als je fühlbar. 

sich 

"Haben Sie heute die Kastanien in unserer Strasse angesehen, Frau 
Schulz? "fragte da Eritz Llüller. "Wie sie vranderbar über Ilacht aufgeblüht 

sind." 

Etwas Ton seiner Freude gab Eritz irüller,und Hilde nickte mit dem Kop- 
fe, als dankte sie für eine Gabe. 






) 



/ 



-7?- 
Hens SohTüz fiHilte.dfiPo hier etivas Torging »woran er keinen Anteil hatte, 
das a'ber etwas ganz Nichtis^^s var^imd des er mit einem Wort von Wichtig- 
keit r.erst^r'*n konnte, mit einem Wort von Einfluos auf den Verlauf der Din- 
ge, Er saii zu Frit:'. Müller hin,^and es fiel irun auf, welch ein schnEiles \ind 
fein beschnitt eneü Gesicht er hatte, ein schmales Gesicht in der Art wie 
Hilde s.Dfjir. vrcndte er Ipngp-^^m seinen Blick dem Spiegel zu, der seitvmrts 
üter der e'i^glischen Kredenz ang^ebracht war, und er sah sich, wie er ec er- 
wartet hptte^Tiit kurzem dicken Hals und breitem rötlichem Gesicht. Da emp- 
fand er seine beiden Tischgenossen plötzlich als seine Gegner: zwei schma- 
le Gesichter eeeen ein breites. Er richtete sich steif auf.V/arum sollen 

schmale Gesinhter mehr wert sein als breite? Hat ein breites Gesicht nicht 

es 
eine Flache, die Jenen abgeht, und ist darum nicht ein TOllkommenereeSpie- 

gelbild der Gedanken und der Geffll»« des Meaischen? Hier war er der 1!ber- 
gene.der Herr, und sie sassen beide an seinem Tisch und assen sein Brot , 
zwei Unfähige im Kampfe ums Dasein. 

Der Schatte?, der sich auf seine schöpferischen Gedanken gelegt hatte, 
verschwand. Dss Unglück war nur.?^ss er selbst zu ellem keine Zeit hatte. 
und der :£isserfolg mit der dratlosen Bildübe rtragning leg sicherlich nur 
an der UngcschicklichVeit Frjtz }/ül3.ers. Vielleicht würden ihm die näch- 
sten Arbeiten besser gelingen. Sonst müsste er sich nech einem andern Se- 

kretär umsehen. 

Fast Joden Tag legte Fritz Müller eine Gabe vor Hilde hin.Sie war wie 
eine kleine duftende Blume zv/iscben den wichtigen Ilrwägungen von Hans 
Schulz, waren es auch ein poar Worte nur über einen glitzernden Kieselstein. 
eiM leuohlende Butterblume. eine blühende Pappel, paar Worte nur über lau- 
ter nebensächliche unwichtige Dinge. Und Hans Schulz v/urde mit seiimm Se- 
kretär nomh unzufriedener. Er hatte ihn doch ins Haus genommen,um Kluges 
von ihm zu hcren, damit er wes lerne, aber anstelle dessen wusste er nur 
lachtiges zu erzählen von einer Butterblume^ einem Kieselstein, einer sum- 



y 



-75- 



k 



SUID 

m enden 11 lege 



Eine Affektiertheit Ist es, aus Nichts etwar machen zu v^ollen, sagte er 
sich.Bas I-iOiinte ein Jeder ,der es nur wollte. Und auch er konnte es. Er gab 
aloh blasß mit solchen Dingen nicht ah. Das war ^t,um Frauen zu gefallen, 
Frauen, die selber nichts v;aren, 

Ater er te^^conn trotzdem zu fühlen, dass es so einfach nicht war, was de 

Fritz Ltüller fast Jeden Tag vor Hilde hinlegte, dass es einen geheimen, ihm 
unverständlichsn 

KHJBüE^HKickEK Zusammenhang hatte .Der Gedanke, dass der Junge Hausgenosse et- 
was Lesassidas ilim vorenthalten war und eine Heiterkeit und Zufriedenheit 
gab, die er nicht kannte, liess ihn nicht los. Er sass bald wie ein tüdkiscka: 
kleiner Kobold, dem es Spass macht zu necken und zu reizen, hinter wichti- 
gen Planen und Absichten, und kfi hoppla! schauicelte er plötzlich am Rande 
einer massgebenden ALreehnimg, setzte sich auf die Zahlen: "Da bin ich wie- 
der IDac laicht ige ist vielleicht ein Reichtum, ien du nicht hast, den er hat, 
dein armer Sekretär, der Sohn des Hannes, der es zu nichts gebracht hat .5 

Dieser Störenfried war schlimmer, als Je einer gev/esen war. Er war hart- 
näckig und unbarmrierzig,und Hans Schulz fühlte, dass er ihn sich nicht eher 
vom Halse eohaffen v/urde,alß bis er ihm bev/ie£en,das£ er sich ganz gev/al- 
tig irrte, und dass sein Seicretar ihm gßrnichts voraus hätte. '^Ich habe nur 
keine Seit für spielerische Gedanken gehabt. Ich bin auf nützliche Arbeit 

eingestellt. Ab er ich kann es auch. Ich werde es beweisen. ^^ 

er 
Eines Tages sagte beim Essen ohne Susamnenliang'fDer Himmel war heute 

morgen sehr interessant. Die V/olken hatten ganz merkwürdige Formen. Sie er- 



innerten mich 8X1 viele Dinge* 



M 



Kein, es ^ar nicht dasselbe. Er empfand weder Heiterkeit noch Zufrie- 
denheit, als er das sagte, and die beiden schmalen Gesichter schauten ihn 
fragend an, als begriffen sie nicht, wozu diese Worte \v5ren. Kein, es war 

nicht dasselbe! 

Der Störenfried wurde noch lauter ,w^arde unerträglich, verdarb jede 



\ 



-74- 



JcAe 
Genxigtuung.cLie 



geschäftlicher Gev.inn oder eine öffentliche Ehrwig ihm 



HaBS Schulz hatte keine Raahe.Er musste v.'isscn,v.as eB war.das sein blas- 
ser Sekrefdr ihm voraus hatte.mad er nussce beweisen. d..ss es sich ihr. 
nicht Terschloss.LIitten in der V^oche lioss er eines Morgens. einen drin- 
genden V.eg TorBchüt.end,sexn Bm'O im Ctich.nahn. den Vorortzug und fuhr in 

den nehen V.'ald hinaus. 

tr .„ar schon oft genug in .ei«em Leben Ix lV=-lie .pazl.ren secr^cn.3ie 
Sonn-und ieiert^Baustiuse »it Eltern und C.eclvast.m un« yorschleienen 
e^aom Mitgliedern der grossen Sohulzcsohen Fe^ilie v,.ren n^. noch in leV 

^ , ^ ■!/.v>4- .Ol« i'i'-i-r iim damalß asif cJeci dvcftendcn 

hafter Erinnerung. I;as Sohv/ergev. icht ^ar IMr xui aaai-xB 

Kaffcc.den T.m Hause miigeuou^enen Ctreuaei.uci:en und den schmackhaften 
Butterstullen mit Leberwurst gelegen. I)a>.. hatte er spet.n-.al. er .^ Eilde 
m den kleinen K.xrort freioe.viel mit seinen neuen Verwandten Spa.iergen- 

L . ...r-v, ,^- - .•'n-" enrcisen ins Gebirge, ans Meer, 
ge machen müssen. und nacimer iLbüicn u^« x^i^enrcxBei 

5^ fremde Sxad.e-. ierxenxei»eu,die zu. Le'oon dco r.ic:..n |.^ee geMrt.:. 
«eist .-r.cn sie für ihn nur ein lang>.eiliger Zeitve.lnst.lhn .erlies, ni« 
„au das Gefühl.vvenn er einen V.ald-oder geMreoausfl-^' „achte.oder wenn 
er a,. iieeresufer i» be.ue.e. Lira^or. ...s.d.s. er Tiel «iehtigeres ^ 
tw. hatte.als so ^ lust.vandeln.d.ss er etv.as veräa^te.w.s nicht einzu- 
holen war. Er hatte wohl i».=r ein ernstes 3uch oder eine Leitung mit und 
las üherall,.o des nur a.^ing.u. den Verlust der .ost.aren Stunden sei- 
nes Lehens .ett^.chen.Er las .or v.aaserfallen.auf Bergspitzen.hel. Son - 
nenunterna^.^enn es nicht schon zu dunkel ...r.Ater trot.de,. .lelt er es 
oft bis zur festgesetzten .rist nicht aus.und .an reiste frül.er ah.als 
gepl-t „ar.Lr hätu a. liebsten dio«e Lrr.olun.-srcisen garnicht gedacht. 

'^'A^-r^öT. -v-iß roch viel mehr seiner 
Doch sie waren ein iriDUX,acu ex 

,eaellschaftlich=n Stellung schuldete. "Herr Schulz. «ohin ge.t es in die 



-75- 



die- 
sem Jahre? v;ir kommen gerade aus Cankt-Moritz.Es ist da v.utidersoh(Jn,tind 

was dns Angenehme ist, ein ausgesuchtes ?ubli}aim*Y/eniccr parvenviiaft als 
andersvvO.La v/ürden Sie sich mit Ihrer Frau Gemahlin sicher auch v/ohl füh- 
len." - Ach, Sie waren da in vorigen Jahre! Dann natürlich 7.iehen Sic 
ITizza oder Biarritz vor." - Sie wollen nach Venedig. So, so. Das kann man 
auch Terctehen." 

Nur wäre es unbegr elf lieh, ^enn ein Mann wie Hans Schulz keine Ferien- 
reisen msch-tse. 

Zwisclien den jungen Kiefern leuchtete drs helle laul) der Birken und 
Buchen. Die Wege ..aran fast weiss im starken Licht des Frlihsominers^und 
die Vogel schmetterten laut ihre Liebesgesane-e.Die Rulie des Waldes und 
die vvurzige Luft tnten Hans Schulz wohl. Doch ^om auszuruhen ,\;3r er nicht 
ge>on3n,en.Er war gekomrasn,to die Quelle der Heitery.eit und Zufriedenh.eit 
2u entdecken, die iTitz LTiller kantte xmd er nicht, -am die Wurzel der nich- 
tig]; eiten auf Eus puren, mit denen er ihn reizte. 

Er Bsh sich sufmericsrm und prüfend um, aber er fand nur, was er schon 
unz'^lltse Mele jTesehen he.ttc;Mcos,B15tter am Boden, Erika, Farne, Kiefern, 
Buchen imd Birken. Ch sie mm eo säxxxxxfszx oder anders «reformt wcrerjoh 
das TiÄuh heller oder dunkler v;arIEs war ira Grunde dasselbe. Nichts Neues 
war de. Auch nicht im Vogelsang. Tüh,t^ — tühj tuh,t15h — tüli, Dieselbe 
sich endlos v.iederh ölende Melodie. Oder dort noch der yn^rze Triller ±k 
bei einer anrlcm Vct<relart? War das alles hier im Walde mit der klugen 
Rede eines Menschen zu vergleichen? 

Er f 'lullte sich müde \ind um etwas Wesentliches "betrogen. Kichts war da 
zu fassen in der Einförmigkeit der Erscheinung. 

Tief rerstimmt kehrte er in die Stadt zurück. 



-7^ 



$' 



'-V 



12.KaTJlte 



D 



a trat ein neues Ereignis ein, das, wie mit einem Schlage, die Luft 



von VÖBCsXi Geistern reinigte. Ein entfernter Lärchen&engseher Vetter wur- 

wurde einec 

de l^inistc-r.Also kajcaua Kans Cohuiz fleir Better ±Er iiini&ters» :* 

riescs Ereignie war gleich einem Sturia.der vom Heere km.Er liliess 

den Spuk fort, er IcsLe den Kaaipf btoI mit den liichtiglcei ben Fritz Kullers. 

Sie •-.urden unwirklich uiid wertlos, wie »«orte mid Gesichteaus einen; nchlech- 

teJLTre-am. Bedeutungsvoll wurde auöscliliebslicli Isn praktitche Lebr-n um 

Kanc Sohula heran.. wirklich war,dt:8& Vetter Drachenfels Minister geworden 

war. 

"Was vergleiche ich mich mit einem i'ritz Iviüller? 'A'j-8 eriv1.6dri£:e ich 

mich &0Y loh bin Hans ochaül ich >,in ein I.ameüch steige, ich steige! Ich 

holDe einen Vetter.der ilinister ist; Er wird -nir einen oosuch mochen.:i«rt 

Ihr es, ihr SohuTües aas der Ivlilchstrasoe hocn r>'jen im I^'orden? ll^bt Ihr ec 

-, , •• T , .^,, A.,t^^ /.-;■■■' vftri ^' 5f»h {'ii'iön Vinistfr bei sich empfangen 

Euch träumen la&t£n,aii.Bö exxicx /oii Ajac*x L.Aiiu-^ .v.x.ij..>i. . , ^* ^ o 

v.'-ürde s '• 

Er ochloss die Augen, und das 5ild war da. das Bild.dns sein Schicksal 

versinnbildlichte; er seeigt auf den i3erg,mia Sausende schauen ihm zu, 
Teusende hoch oben aue deii Horden, die um die g-inz frühe, im Winter noch 
finstere Morgenstunde in die znnllosen Werkstö.t ton, Fabriken und Euros ei- 
len, 

Kans Schul'/ fülilte sich. als wäre er selber Minister .r:ev/orden. 

Das erste koni:rete Ziel stellte sich ein, den janisttr zm einem inti- 
men Essen zu laden, aass naciiher die Leute in der Zeitu^ir; l^sen vonnten: 
Minister ])rachenfcls speiste gestern abend im engen F^cise bei Ilerrn^IIanff 

Schulz.Diesen Bericht .mrde er sich cief ins Jerdchtnis einprägen ixmJtt - 
sich ihn tor AxigeA führen . -u ^ n n + 

«tX«%;iiyfiilirilü^lUfl.%«n, wenn ihn Je wieder eine Schwache uberftl-en sollte , 

wf«Ma er sieh 30 «i-ftier herablassen wollte, sich rait Gott weiss v;«m zu 



-77- 

^"^ ^ . , Er lA^irde da entgegenhalten: Sieh, wer du bist! Ein Minister 
vergleichen • 

war dein G-ast. Soweit hast du es gebracht durch eigene Kraft! 

Hans Schulz Tcr;)üngte sich merklich in diesen Tagen. Sein Blick wurde 

sicher, und d&r Miuid zo(; sich z\x einer festen geraden Linie zusairmen. Fr 

kramte am Tisch sein V.issen nicht mehr aus.Ein Mann, wie er,v/ar zu 5ewlch - 

tigpum sich so ohne v/eiter^c^s hLL»5ZU£-ehen# 

I; 

Tn der Ver\vandr,ch:^irt halte sich sein Ansehen anter dem Einfluss d<>r 
öffentlicher! Anerkennungen und Ehrungen gehoben, denn auch die gelehrten 
Herren koiinte^n nich auf die Lauer der Wirjcung seiner £rx*olge nicht Ter- 
schliessen.Sle unterlagen demselben seelischen Prozess wie einst Hegie- 
ran^jsrats ron Lr:Vrchenß'"aig,ixur d: ss er bei innen lani^;sromer imfl schwacher 
Tor sich •^ing, /eil ihr Interesse a:a imi nicht so unmiijtelber wfir. 



II?»ns ':>chulz ist >'in6 Kraft! Lj^n.? ccbondere, eine nicht genz erklär- 
l)ßre,r«uf dunklen Un''.er(5xabiden üertUienue! V/ie die Kraft eines jeden £-ros- 
ü?cn Erfol^^rriohen! Ist hier eint; iimigeie Vervvaiidtsohaf t mit den schaffen - 
ä-efiScfeöbO^ Llächten dt;s r.ebei.Stein harmonischeres Eingestelltsein aul' die 
Dinge? 

Selbst Professor Vogtes satirische Neigungen verstummten ror Kans 
Schulz* s Wichtigkeit. 

Es sickerte von den L"rchensangs dur^^h Tcrschiedene yerwondtsohaf tli - 
che Instonzeia bis zum neuen Minister hin: Hans Schulz ^.vürde es sich zur 



besonderen Ehre rechaen^wenn er ihn zu einem intimen Essen einladen durf- 
te. Und der ].Iinister,der die schiveien Sorgen \im das allgemeine Wohl auf 
sich geladen hatte, erkannte mit gutem Blick für drs liützlicne^dnGs ein er- 
gebener Mann ^vie Hans Schulz für viele Dinge zu gebrauchen wärc,aasß sich 
mancher im Augenblick nichb zu überseilende Vorteil aus solch einer Treund-^ 
Schaft ergeben körmte^die für einige freundliche Kedensarien zu haben war, 
und diese trug man immer Mit sie}; he.:'.jn,wie Trinkgeld in der iVestentasohe. 



-76- 



Urd so v.axrae Dald der Tag des intimen Essens fest^eset!'.t,aur das 

A^,. -»c-v,«/- vvc,«-' vc-^ nc-re Schul? elnstr-ll te.Sein so- 
ßich nü:a t±i: ^rrw?.:»« df.s; ganKw \.G...r.. vc. ..n.E setzte 

ciclos Pr.ma.da6 Fritr. Kuller nach Ecirer Angal.en 7,usajnmenrt«lcMre. inte- 
ressierte ihn nicht mehr.rs v:ür Ihn eine fremde fache eenorden.und nuch 
seine 3Ch'6pf-ri.chen Ei.irelle,äic er .-.v/ohnt w^r fer,t7nihalten und r.u be^ 
tr^.eht.n.eUtter. unDecchtet an .einen r.e-.as.tß.tn To:nlber.Er empfins s.i - 
ne Irenen. Minister von Lraohonfcl. hei 3ich e.u Oa.t.War das nicht ein 

■n-, •m-T.< «rfi n""hprr-^s'te'? V>'ar de.5 nioht der we- 
Erc-igniR^'-^-? nn Bfdöutnng alles Fbrige türrr .grxe. 

r- »T^ ;:«v, oll '»CS pnf'f>re v.'ie rohnörkelwerlr 
aertilohc :>ürAt,auf den es t:n.^.F-m? ^^ •••'^" ^'-J--'-;^ ^^^'^^^ 

. .•• ^^ ,~.>y^ T-„,--t •=eM-'- Ycv;endtechrft, seine Untemehmoa- 
ich rannte, sein wissen, texn-i i.u.-xoX,k,c^i-.. 



B 



gen? 



Uli 



Wfi 



i:-. "irlrter «nft Beiu<.r GucrMlr. v,r«n m,r rooh cLie Sotolegereltem 
.1. CS.t<- hin.«,.e.eoon. Sn.-.v.B^ cir. r=bm,cv,.^^ ein Rahmer. fv.r ■:«.. Scholz 
, ^. , ^^4. H».h<^-i «^r-i n/i;'£xnE ;->uch Fritn l'vJT^^r. 

., ..^.,,-^.^ -«<r> r,^irretSx ^r meine privaten 
Das nacht sica {rni: '^u -j :.&/.:-..■-«-? -«- - ^' 

-• . .>-^-...-i--T^c^i»- ^ir>n yjiri st leri sehen Studien. r^as V-ü 
"' * , -, ,,-.T ,,. ...v vr-p>-. -it seinen uichtigiceiten den Verlauf 

^" , .M ppV'.r^ TT^cVit^c^l-e^tcn über Wetterl-uobtevi/rVind 
des Atenos tp.t strren,n.it Ee2...c. ...-v.iX„.,^-.. 

u::d He{jen» 

,vf .le sohwiasoreltcrn Wn^be er sl.h Terlas.en.Me v,.saten schon e e 

...,.,r. si. Ih. soha;.«. ..,:.a..'...o.J-. -t.t vor a.r It«U.en.eiae..le 

er ihnen zu Weihnaonten e;;;ac*.ieioit hr.t'-e. 

,, ovc^-- '< ^-r -.-v^-pji^en.vvenn sie nichts zu sr^en hatte. 

,^. .nr-.v.j,- ^r ^'t .renu^r.wenn sie bedeuten: Solch 
Freuen müssen nur vcrueiia. 4ia£.bv-.o....... - -x i. 

el'i'^ I'-^fu. l^onnte er sich Itistyn. 

i^.. M^nc» -.-clTrr^h-ft war er bei allenVorbereitun^m 
v;^e vnr der ersceii i.Lenu o--^-^-'- ■' 

"" . ^ , >. c..,,4^-,ettr^ lei^^'te der nn^^ftuf ,über-aohte die ZuDerri 
datei.entn'ftrf den .Speit-cZfctuC^.J-e^ . . 

^ 4-. ;»««,oie! cainATi Satz dazvvrisohen: Alles 
tung,gab Ratschläge und warf wie damals seinen baxz 



-79- 



Alles 

muss man können." 



\ 



Per Minister war ein kluger Mannj er war klug innerhalt der Grenzen, 

e 
die seine inst inktmäss ige AlDneigung gegn eine JInderung der bestehenden 

Ordnung der Dinge um seine Erkenntnis legte. Innerhalt) dieser Ordnung of- 
fentarte er eine haarscharfe Logik, ein weites Wissen, eine ZuTerlässigkeit 
und fast eine Güte. Aber für alles, was ausserhalb dieses festgelegten Krelr- 
ses lag,Tersagte sein Verständnis. Da begriff er unzweideutige Erscheinun- 
gen nicht mehr. da zeigte er Äich beschränkt, hartnäckig und klein. In der 
gegebenen Ordnung war er, wie in einem festgebauten Haus. beschirmt £«6^^^ 
alle Unbilden der Elemente. Da kannte er Jeden Winkel und Jeden Weg.Da war 
es beguem.warm und heimlich. Da war man bei sich zuhaus.Ihn reizten nur 
zum Spott die Vagabunden der Landstrasse, die das feste Haus Terachteten 
lind aus den Tiefen des bestirnten Kachthimmels Sinn und Lust zu neuen Bau- 
Plänen sch'^ften.Er verachtete diese neuen Baupläne. Toren, Zerstör er, Fant as- 
ten! Festhalten am Gegebenen is* göttliches Princip.ist Dankbarkeit gegen 

dert 

Schöpfer für des Erschaffene. 

Bei Eans Schulz war es gut.Da war noch das festgebaute liaus.Da konnte 
seine Excellenz Minister von Drachenfels sein Wesen in Harmonie entfalten. 
Da wurde alles veEtanden,war er aussprach.Die alten Lärchensangs Geist 
von seinem Geiste und Hans Schulz eine Kraft, eine aus dem Volke kommende, 
von wahrer Erkenntnis geleitete Kraft. die er in den Gang der Ereignisse 
einschalten konnte, wenn er ihrer bedurft e.und Hilde ein wohlgelungenes, 

zartes Gebilde der Weiblichkeit. 

Und der Sekretär mit der schwarzen Haarsträhne schräg über der Stirn , 
dem blassen Gesicht und den tiefen Augen,- er ist da.wie die Bilder an den 
Wänden und die dicken vergoldeten Foliobände in den Bücherregalen. 41s ein 
Zeichen der geistigen Regsamkeit von Hans Schulz H. sind sie da, als ein 
S^1:)ol des 



-Cc. 






lyralDol <les 
■'T^^ertes von IIn>ic Schulz.^ 

■ Die Unterhaltung ^e\ject Gich vornehm in iDestimraten T^ahnen. Es giebt 
für das Den..en eine allgemein f^n^enom^mene Grenze, die nicht überschritten 
v/erden darf, j^ sicherer man diese Grenze empfindet, 



!■ ».« % ».♦ « »^ % -4 



tUiuso vomelimer ist mantXimso reiner offenbart sich die höhere Rasse* 
Man v;eiss genau, wie über die Dinge gedaoht werden muss.ünd man sagt über 



das v;etter,\vas schon immer gesagt worden isttüber den Sommer^ v/le es 



• P 4 



geraten wäre, ihn zu verbringen, üb er die Hotels, wo man am sichersten unter 

über 
seinesgleichen isttund die Zeit, oh! über die böse sich selbst zerstörende 

Zeit,- ftber die Kunst, die den V/eg verloren hat, üb er die Tinruhe und Häss- 

lichkeit des modernen Lebens, über den Geruch von Schweiss und P.uss,vor 

dem man sich nirgends hin mehr retten kSnne..... Man ist sich einig in 

allen l^an]cten•^s ist kein Widerspruch da, kein Misston, der noch so leise 

das Behagen der woltuenden Gemeinsamkeit störte, 

Hans Schulz ist ganz darin eingeschlossen. Man hat die Empf indxing da - 

für verloren, dass er hoch oben tm Horden in der Milchstrasse geboren ist* 

Er ist aufgelöst in Wohlgefühl •E3* ist oben.Er ist ein grosser Mann. Seine 

Excellenz Minister von Drachenfels sitzt an seinem Tisch, und Hans Schulz 

ist seinesgleichen. 

Nein, er furchtet Fritz Müller mit dem schmalen Gesicht und den Nich- 

■ 

tigkeiten nicht mehr.Er verfügt über ihn, wie über siin ^aus, seine Unter- 
nehmungen, wie über Hilde. Er kann ihn aufziehen wie ein Uhrwerk. 

• ■ 

"Sa^en Sie doch ein Wort, Herr M^ler. Sagen Sie doch Seiner Excellenz , 
dass die bessere Jugend so denkt wde wir .Sagen Sie es in Ihrer besonderen 
poetischen Art." 

Ja, er geht so weit ihn anzuerkennen. So sicher ist Hans Schulz. Er bit- 
tet ihn von seinen Nichtigkeiten w^as herzugeben. 

Fritz Muller steigt das Blut zu Kopf.Sein Herz hSmmert.Er ist wie in 



I 



.81- 

wie in 

einer Traumv-elt. Unwirkliche Gestalten sind iim ihn herum:Hinister Drpchen- 

fel8,IIaae Schulz, L^rchensangs. Sie strecJcen die Hände nr.ch ihm aus, um ihn 
herüherzuziehen in ihre unwirkliche V.elt.Und Hilde sitzt dabei. Ihr Llund 
lächelt, und ihre Augen sind traurig.Und ^vleder klingt es;" Sagen Sie doch 
ruhig.Herr Müller, was Sie denken. Sie müssen sich nicht fürchten. Eicellenz 
sind ^t. Welch ein Glück für Sie vor feiner accellenz sprechen zu dürfen." 
So weAt war Kens Schulz gekommen. Er konnte die Gunst eines Ministers 
verschenken, 

Pritz llüller f üiilte , df ss er gleichsam einen Sprung tun musste, einen 
Sprung über ein inneres Öemmnis,eine Schüchtemiieit besiegen, über sich 
selbst erheben, sich verteidigen, seine Wirklichkeit und eeine V.elt vertei- 
digen. Er vmeste.dasß dann ein Kampf für iiin beginnen vnirde,ein schwerer 
erbitterter Kampf e^Sen das Falsche, das sich hier zusammengetan hatte , 
und gegen das Falsche und Gemeine in der ganzen Welt. 



Und Pritz iiulier schiesst nieder mit geradem Flug wie die Dohle aus 

milchigen Kebelwolken auf das Genuß efeld. Flammende Worte strömen ihm über 

die Lippen, Worte über die andere Welt, die Sftine ist, über ihren Sinn, ihr 

Leid, ihre Gerechtigkeit, Worte über den neuen Rythmus des Lebens, über die 

und 
lIuEik des Werktages tind den Adel der Arbeit, über die Feste, die die Seele 

feiert vor weiten Horizonten und unter bestirntem liachthimmel. 

Seine Worte leuchten undglühen.Sie sind Funken vor dem Feuer, das in 

I 

ihm brennt • Er futilt sich jbatt frei nnd leicht und sorglos .Er is^ kein 



Ding mehr, kein Schmuckstück für Hans Schulz, -vie die breitgeralimten Bilder 
an den Wenden und die dicken rergoldeten Foliohände in den Regalen.Er 
sieht, wie Hans Schulz» s Gesicht sich krampfhaft verzieht und wie er blass 
wird, und er sieht, v;ie das Lachein von Hildens Lippen schv/indet und ihre 
Augen sich v/eiten in einem Staunen* 

Seine Excellenz Minister von Drachenfels sass da mit zusnmmengeknif - 



-82- 



zusammengeloiiffencn Lippen: 



Fritz Muller stand Jenseits der Ordnung, wo die Dinge richtig waren. 
Fritz Müller war falsch und musste "bek'ampft v/erden, bekämpft werden ohne 
Mitleid, denn er war ein Gef15hrlicher,ein Schamloser, ein Ehrfurchtsloser. 
Hans Schulz sagte mit heiserer Stimme in die Stille hinein: "Sie 

können gehen." 
Müller 
Fritz stand auf und ging hinaus, giiig hinaus in den Kampf, der so un- 

wartet für ihn "begonnen hatte. 

Der Minister war noch in Zorn. Er rergass die Höflichkeit, die er dem 
Hausherrn schuldete. "Sie haben es wissen können !" s agt e er böse. 

Lerchensangs suchten zu begütigen. Ee war ihnen leid um Hans Schulz, 
um den besten Willen, den er gehabt hatte. 

"Wer hatte das ahnen sollen, "beschwichtigten sie."V/ir hätten das auch 
nie gedacht. Ein Junger Mensch aus achtbarer Familie. Von Justizrat Yon 

Frosch aufs wärraste empfohlen. Das ist die Seit, die furchtbare Zeit. So- 
ander 

weit geht die Verderbnis! Soweit ist der Wurm vorgedrungen, der Ordnung 

der Dinge frisstl" 

Die Unterhaltung setzte wieder ein. Seine Excellenz beruhigte sich 

und suchte die ungetrübten Beziehungen zu Hans Schulz herzustellen. Er 

Er 
entschuldigte sich sogar seiner heftigen Worte wegen. Max wäre überempfinO- 

lieh ^ ^"^ 

gegen diese Axt von isserungen.Das müsse man begreifen, wenn seine Lage 

ins Auge fasse, wenn man sich rergegcnwitttfe, welche Verantwortung er um 
ÜAS Wohl der Allgemeinheit trüge. Er könne sich wohl vorstellen, dass die- 
ser Junge Mann ein vorzüglicher Sekretär gewesen sei. und er bedauere es 
Herrn Schulz um seine wertvolle Mitarbeit gebracht zu heben.Aber anderer- 
seits n,üBse man sich freuen, einen Gegner von solchem Ausmasee frühzeitig 
erkannt habe. "Auf diesen Herrn Müller will ich mein Augenmerk schon 
richten.Da wächst eine grosse gefährliche Kraft heran." 
Hans Schulz war auf dem Höhepunkt seines Lebens angelangt. Seine Exe eile - 



-83 - 

Excellenz 

Minister von Drachenfels war bei ihm zu Gast "und teilte mit ihm seine 

Sorge 11111 das Wohl der Allgemeinheit. Aber er empfand keine Genugtuung und 
keine Freude. Das, was er erwartet hatte, war nicht eingetroffen. Etwas ande- 
res war geschehen, etwas Unerwartetes, Peinliches, dns ihn zur Ilehensache 
her abdrückte. Der Ko"bold tanzte zwischen den Klagen um die Zeit, und neben 
der wieder freundlich gewordenen Rede des Ministers flüsterte er ihm ins 
Ohr: "Er ist was, Fritz Müller, und du bist nichts. Er hat glanzende flammen- 
de Worte gesprochen, eigene Worte, dass seine Excellenz erzitterte. Seine 
Worte sind nidht Nichtigkeiten, Sie haben einen Sinn, sie haben einen Zu- 
sammenklang. Er wird eine Kraft werden, er wird eine Macht werden. Doch du 
bist arm und leer. Deine Worte sind geliehene zusammengetragene Worte." 

Er nahm mit l^fühe an der Unterhaltung t**l.Er wusste kaum noch was zu 
sagen. Er wünschte, dass die Gäste fortgingen und ihn allein Hessen, damit 
er sich auseinandersetzen könne mit der Stimme, die ihm keine Ruhe liess 

und ihn rerspottete. 

Als die Gäste fort waren, dachte er nicht mehr an sit.In seinen Ohren 
klangen nur immerfort die Worte, als ob Jemand sie sprechen wttAe'f Er 
wird eine Kraft werden, er wird eine Macht werden. Seine V;orte hnben einen 
Sinn, sie haben einen Zusammenhang." 

Unsicher und schwankend ging er aus einem Raum in den andern, sah die 
dicken goldumrandeten Foliobände an,die er nicht gelesen hatte, sah die 



Bilder an, die an den Wänden 



• # I t 



hingenrUapoleon, Christus, ne\.ton,Bis- 



marck,und mit unbarmherziger Deutlichkeit crkajinte er, dass ihn nichts 
Gemeinsames mit ihrem Wesen verband, und dass das Bild des Steigens auf 
den Berg, das sclimerzhaft in seiner Seele eingeätzt war,nur ein böser Trug 

gewesen. 

Sein ganzes Leben von anfang r.n glitt an ihm vorüber, wie bei demjenigen. 



-84- 



demjenigen, 

der die C-ev/issheit hat,dass 



ihm nur noch wenige Minuten oder Ge:<ruj)den 
der Existenz eegeT)en sind,und er fand da nichts Eigenes, nichts, was aus 
den Tiefen seines V.esens emporgestiegen und dessen notwendiger Ausdruck 
geworden wäre. Er fand nur fremde Dinge vor, die er sich angeeignet hatte, 
ohne sie wirklich zu besitzen. Und bei dieser gualTOllen Erkennt-nis 
schlössen die Dinge sich gleichsam zu einer Isngen Kette 7.uPajnmen, fielen 
▼on ihm ab und Hessen ihn stehen arm und einsein.Die Spanne Zeit ,die 
IhU noch zu durclileben blieb, rerlor Sinn und Ziel. 

In einer Ecke des Musikzimmers sass Hilde mit über den Kniaen gefal- 
teten Hnnden.Ihre Starrheit hatte sich ganz gelSst unter den flammenden 
Worten Fritz irüllers.Sie hatten sie bJührt wie Töne aus einer andern . 
immer dunkel ron ihr geahnten Welt und weckten die schmerzende Sehnsucht 
Ton damals, die schmerzende Sehnsucht ihrer Jungen Jahre. Es erwachte zum 
Leben, was in tiefen ihrer Seele zurückgedrSngt war. und erhob sich an die 
Oberflache des Ee^vusstseins.Alle Wunden,die das Leben geschlagen hatte, 
brachen auf,und alle Schmerzen, die ''empfunden ,und alle Schmerzen, gegen 
die sie sich gefühllos gemacht hatte, k«i,en wie an einem unsichtbaren Ban- 
de hergezogen. Alle Traurigkeiten Ton dem Augenblicke ^an,da man sich in i 
das geordnete Leben einfügen muss- ,das man nicht begreift. da der unver- 
ständliche harte Wille der Erwachsenen sich in den ersten Enthusiasmus 
hlneinschiebt,da sie ein Spiel unterbrechen. weil es Zelt zui. Es.en oder 
Schlafengehen ist, oder da sie ein geliebtes Ding aus der TIand nehmen, 
das man betrachten und berühren m5chte,-T0n diesen ersten Schmerlen 
und Traurigkeiten an bis zu den wehen dunklen Sehnsüchten der reifen 
Seele kamen sie alle hergezogen und umlagerten sie. 

in dieser seelischen A^of gelbst he it sah auch sie ihr Leben in einem 
neuen Licht.Sie erkannt e , das s es falsch und lier war,falsch von anbe- 
ginn an,und dass ihre Wahrheit dort war. wohin Fritz Müllers flammende 
werte riefen.Doch es war zu spät für sie gut zumachen. Sie war schwach. 



/ 



\ 



"^ c 

-ÜT- 



schwn.ch, ^ , . , ^ , -u ^ 

sie war mutlos, sie konnte ein neues Leben nicht mehr beginnen. 



S 



ie stand auf »ging auf Kens Schulz zu und legte ihm die Ilaud auf 



die Schulter. Es war die erste freiwillige Berührung in den laaigen Jahren 
ihrer Ehe. Sie waren Weggenossen geworden, Weggenossen, denen nichts ande- 
res blieh,als die müiiselige Last ihrer Tage zu Ende zu tragen. 



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11/20/08 

p.1 



Edinburg d. 25. Juni, 1914 [Dzintari. Riga Beach] 

Mein liebes Clarachen. 

Nach längerer Unterbrechung will ich nun nicht länger zögern Dir zu schreiben und Dir eine kleine Überschrift der hier 
gehabten Vorkommnisse zu übermitteln. Wir sind nun ungefähr über eine Woche zu Hause und unterdessen auch in 
Dwinsk zur Verlobung gewesen. Dort alles Drum und Dran war sonst gut, die Leute sind anständig und nett und 
besonders die Schwiegermutter ist sehr sympathisch und ganz deutsch. Die Braut ist auch hübsch aber macht den 
Eindruck eines guten lieben Mädchens. Dietrich hat ihr zur Verlobung einen feinen Brilliantring geschenkt. Die Hochzeit 
soll im Oktober stattfinden, aber der Herr Gr. [Griliches] muß auch vorher das Geld deponieren. 

Aber ich glaube Dietrichs eilige Verlobung haben noch unangenehme Consequenzen, bezüglich auf Hansi. Die Frau 
Blechmann glaube ich bedauert sehr die Tatsache der Verlobung, weil Sie mal noch sehr feste Hoffnungen hatte und 
Hansi hat Dietrich einen Brief geschrieben und ihm zu seinem Entschluß (?) herzlich beglückwünschte, aber der Ton 
darin klingt mal ein wenig verdrollt(?). Nun dabei ist jetzt nichts mehr zu ändern und auf Hansi ist das kein Verlust. 
Wilma meinte, daß sie an Hansis Worte wie an die Bibel glaubt. Niemand ist noch hier zur Gratulation gewesen, 
wonach Leah halten sich sehr kühl gegenüber. 

Hier ist es fortdauernd heiß und trocken, es wird mal voraussichtlich in diesem Jahre eine große _werk ergeben. Hier 
am Strande herrscht reges Leben, besonders abends am Meere und Sonnabend abends findet wieder ein Gartenfest 
von den Studenten ??staltet statt. Thea ist auch Ehrenfräulein. 

Nun wie geht es Dir in Franzensbad, und aus der so radical Kur. Merkst Du schon welche Besserung von derselben, 
ich glaube bestimmt, daß dieselbe Dir gut tun wird. Wie gefällt's Dir dort und habt ihr welche Bekanntschaften gemacht, 
ich vermisse schon noch lange Deine Nachrichten. Die 500 Ms wird wohl einige Zelt reichen, aber wenn es nötig ist, 
dann schreibe natürlich. Hoffentlich kommst du bald nach Hause bringe für die Jungen ein paar hübsche Cravatten mit, 
moderne. 

Ist noch niemand gefahren. Ist Lotte in Franzensbad angekommen? 
Grüße Sascha. Die Kinder grüßen herzlich. Mama. 



Postcard to: Gl. Michelson, Franzensbad, Hotel Prinz Wales. 
Forte del Marmi. 2 Jul 1914. 

Liebe Clara, auch ich gratuliere Dir herzlich. Hast Du Dietrichs Braut schon mal gesehen. Wieso bist Du garnicht nach 
Kissingen gekommen ich dachte Dich untenA/egs. Mama hat schon lange nicht geschrieben, ist ohiganz beglückt. Wie 
lange bleibst Du in Franzensbad? Dein Bruder Leo. 



Rigad. 15 Juli. 1914. 

Mein liebes Clärchen 

Gestern empfing ich deinen lieben Brief und ich beeile mich noch vor deiner Abreise zu schreiben. Bezüglich des 

Mantels für Thea könntest du, wenn du noch bei Cossa bist eines meisten oder im kaufen, aber billig, denn jetzt 

sind noch wahrscheinlich welche Ausverkäufe. Sie hat garnicht abends was ordentliches anzulegen ?. Für mich braucht 
du nicht zu kaufen, ich werde bloß durchkommen.. Kagsing hat mir einen falschen schwarzen _ mitgebracht. Wenn du 
kannst über Königsberg fahren, wäre es gut, aber wenn es nicht geht, dann ist doch nicht zu machen, dann fährst du ein 
anderes Mal. 



Von Leo was gestern auch ein Brief, er ist noch in Italien, dort hat er drei Kinder von den 

Strand kommt ist zweifelhaft, denn er schreibt nichts mehr darüber. 

Also auf baldiges Wiedersehen und gute Reise grüßt dich herzlichst. 

Deine dich liebende Mama. 

Alle grüßen dich. Telegraphire vor deinem Kommen. 



gemahl. Ob er an den 



28 Sept. 1914 (via Sweden) 

Mein liebes Clarachen . ..«. .. ^ .^ ^- i.*^ 

Soeben empfingen wir Deinen lieben Brief, der uns sehr erfreut hat. denn wir haben schon mit größter Ungeduld direkte 
Nachrichten von Euch entgangen. Wir freuen uns, daß Ihr gesund sind und es Euch gut geht. Wir waren sehr in 
größter Sorge um Euch und auch ob Ihr gute Unterkunft gefunden habt. Wir wollte auch schicken aber man könnte es 



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nicht, doch wenn Ihr noch nötig habt, so sofort. Es wäre gut, wenn Ihr nach Hause kommt, aber sollst nur Eure 

_ erst bequem einzurichten und wenn Ihr keine Schwierigkeiten habt. Im ganzen genommen wäre die Reise für Leo 

nicht anstrengend, falls er Lust hat dieselbe zu machen. Bei uns geht es den , es sieht etwas bewölkt am Himmel 

aus. Thea ist noch am Strande bei Berkowitzs, diese Leute sind von einer ganz besonderen Liebenswürdigkeit. 
Hoffentlich auf ein frohes Wiedersehen und wärmste Grüße für Dich und Leo von Deiner Dich liebenden Mama. 
Wir haben mehrere Briefe geschrieben. Hast Du erhalten? Heute erhielten wir ein Telegramm 400 _ 1000 
empfangen. 



Via Deutscher Hülfsverein Stockholm Undated [Late Fall. 1914] 

Liebes Clärchen. 

Heute erhielten wir deinen lieben Brief den ich bereits mit Ungeduld en/vartete. Leider habe Ich deinen letzten Brief nicht 
erhalten, denn ich habe keine Ahnung über deine Begegnung mit Frau Lindemann und ob Ihr der Check ausbezahlt 
bekommen habt. Von diesem Gelde hattet Ihr Tante Rosa ein paar hundert M[ark] übersenden können, nachher 
werden _ die Summa Euch übersenden können. Es ist mal eine recht traurige Lage in die Sie geraten ist und man 
muß unbedingt sehen, ihr etwas hilfreich zur Seite zu stehen. Hast Du Nachrichten wie es ihren Söhnen geht. Auch 
Anna Markuses Verhältnisse sind schlimm. Hast Du meinen Brief, den Ich auf die frühere Adresse schrieb erhalten. Ich 
habe Dir näheres von uns geschrieben, auch über Erna und die Hochzeit, die wahrscheinlich erst zu Weihnachten sein 
wird. Ich bin jetzt sehr im Damencomite beschäftigt, aber sonst geht es noch so ziemlich, die Geschäfte sind sehr faul, 
die Fabrik arbeitet nur dreimal wöchentlich. Die arme Frau Lindeman tut mir sehr leid wenn es geht, bringe ihr 
Chocoladen und einen herzlichen Gruß von mir mit. Hat Leo noch sein Atelier, man muß solche Ausgaben etwas 

einschränken. Das Geld ist teuer geworden, es wäre schön wenn Ihr bald nach Hause kommt. Ich hatte ein nötig 

und es ist schade daß Du dieselbe nicht durch Frl. Fredland ausgeführt hast. Besorge Dir noch unbedingt 
Wintersachen, wenn möglich einen hübschen Mantel von Plüsch mit Fell und auch andere Sachen. Thea hätte auch 

einen Mantel nötig für den Winter. 

Schreibe bald, auch wenn Ihr Geld nötig habt. Wärmste Grüße von uns Allen für Dich, Leo und Sascha. In Liebe Deine 

Mama. 



Riga d. 4. Dezember. 1914 (via Stockholm to Clara in Berlin) 

Liebes Kind. 

Soeben erfahre ich durch Moritz Rosenthal, daß eine Gelegenheit da ist, durch die man einen Bnef befordern kann. Ich 
benutze daher gern dieselbe, um Euch wieder Nachricht zukommen zu lassen. Die übersendten 800 M hat Leo mal 
bereits erhalten und diesen Tagen werden auch an Dich 500 M. abgeschickt werden. Nun was macht Ihr. es wäre so 
schön wenn Ihr bald nach Hause hinfahrt, ich bin so beunruhigt über die deprimierende Verhältnisse und besonders 
über Leo. Jetzt ist auch die Reise sehr beschwerlich, es wäre vielleicht ratsam, wenn letzterer in Stockholm bleibt. 
Seit Sonntag ist Tante Johanna und Moritz hier leider mußten sie ihre verlassen. Tante ist sehr angegriffen und muß 
sich tüchtig erholen. Hast du Dir Wintersachen gekauft und ist es dort kalt. Ihr werdet wohl zu Weihnachten nicht zu 
Hause sein. Dietrichs Hochzeit wird wahrscheinlich in Januar stattfinden, er nimmt eine möblierte Wohnung, weil man 
jetzt doch keine Wohnung einrichten kann, man kann doch nicht wissen in der Kriegszeit. Ich bin sehr beschäftigt mit 
verschiedenen Angelegenheiten. Grüße Leo herzlichst und soll er doch wieder bald schreiben. Es grüßt Dich 

wärmstens. Deine Dich liebende Mama. 

Vorgestern waren wir zu Frau Dr. Berkowitzs Geburtstage und heute ist Fr. Rosenthals Geburtstag. Alle grüßen Euch 

bestens. 

[Overpage] 

Meine Teuere Ciaire! Viele herzliche Grüße von einem Flüchtling. Ich mußte mein Haus und Hof verlassen und kam mit 

m[einem] Moritz hierher. Traurig eine solche Lage! nur die Hoffnung daß ich doch in absehbarer Zelt werde 

zurückkehren können erhält mich aufrecht. Hoffentlich geht es Dir und Leo gesundheitlich gut. Bedauere daß Ihr nicht 

hier seit. 

Grüße Dich und Leo herzlichst. D. T[ante] Johanna. 

Fred ist im Krieg, mein Herz bebt er möge nur gesund zurückkehren. 



Liebe Klara! Habt Ihr das Geld von der Vereins Bank St. Pauli in Hamburg erhalten? Ich hatte beordert das Geld im 
ganzen M718.36 Pfg. an Leo zu senden, falls nichts geschehen, so soll Leo an die Bank schreiben. Das Geld soll ihm 
oder Dir zugesandt werden. Adresse Vereinsbank, Abt. St. Pauli, Hamburg 6. 
Wie geht es Dir? Grüße Leo. Erna läßt grüßen. Mit besten Grüßen. Dein Dietrich. 

Übersende Ihnen diesen Brief aus Stckholm. Schreiben Sie bitte sofort nach Ihrer Heimat, sorgt sich sehr um Sie. 
UnbekanntenA^else übersende ich Ihnen Grüße. Verony v. Stauffer. 



Riga Letters 2.doc 

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p.3 

Undated - probably Jan. 1917, Moscow. Emma to Leo in Berlin. 

_ schicke die Briefe an die alte Adresse Moscow, Spiridonowki Georgieffsky Pereulok 23. Viele Gruße! 

Mon eher fils. 

Je me suis tres etonnee que tu n'as pas regu ma lettre, que j'ai envoyee depuis deux mois. Je le regrette beceauc 

parceque tu es reste si long temps sans nouvelles de vous et que sa fen es inquiete. 

Gräce ä Dieu ä present it commence de nouveau d'aller mieux. Thea se trouve deja beaucoup mieux et eile recouvra 

bientöt sa bonne vieille sante. Elle te salue mllle fols. Hors cela la vie n'est pas si commode et agreable, c'est tres 

difficile maintenant et je voudrais volontiers retourner ä la maison, je ne me trouve pas en bonne humeur. 

Ciaire et Eduard sont aussi ici et lls sont en bonne sante, et ils envoient les meilleurs compliments. 

La petite Sylvia etait aussi malade mais maintenant eile se trouve en bonne sante, eile est _ an devant hier a eu son 

jour de naissance te 30. janvier. Elle est tres mignonne et gentille, je'alme beaucoup. 

Ta lettre m'a caus6 une grande joie parceque j'ai regu des nouvelles de toi. Te me suis inquiet^e parceque tes lettres 

ne sont pas _ si longtemps. S'll seralt deja le temps, quand je pourrais te revoir bientöt. C'est tres difficile d'attendre. 

Je me rejoule beaucoup que tu es regu, mon eher, enfin le paquet et tu etais content avec les choses. Hier aussi il n'est 

_ de l'envoyer un paquet avec du choses qui ta sont tres utiles. Te me donnerai de la piece chaque mois d'envoyer un 

paquet. 

Du? I'envoit aussi l'argent regulierement chaque mois mais quelque fois il se retarde par Micha. 

Nous avons regu la communication par l'imtermidiaire du Consulat d'Espagne. Tes travail sont probablement tres jolis 

et tu eu trouves certainment beaucoup de plaisir. 

En attendant de recevoir bientöt tes cheres nouvelles, je te salue et baise mille fois et en amour ta Maman. 



Moscow, 23. Dez. 1917 (Postcard Eduard to Clara in Kislovodsk) 



Riga, 5. March, 1918 (Postcard Dr. Vitya (Viktor) Kretzer to Leo in Berlin) 



Yalta, 6/19 Sept. 1919 (Julian/Gregorian Calender) 

Lieber Leo, Ich hoffe daß dieser Brief In Deine Hände gerät, denn es wird bis Stockholm gebracht. Ich habe schon über 

ein Jahr absolut keine Nachrichten von Hause, und habe keine Ahnung, ob Alle gesund sind, u. wie es überhaupt ihnen 

geht. Von Eduard hatte ich indirekt Nachrichten im Mai. Ich habe ihm um dieselbe Zeit mehrere Briefe geschrieben, 

geschrieben weiß aber nicht ob er sie erhalten hat. 

Ich habe die ganze Zeit ein richtiges Zigeunerleben geführt.lm Februar habe ich den Kaukasus verlassen mit der 

selbigen Familie. Kasteljanez aus Petrograd, mit der ich jetzt wieder seit einer Woche In Yalta zusammen bin. Die Fahrt 

war dann schauerlich. Fast die ganze Reisegesellschaft Ist an Flecktyphus erkrankt. Ich stieg in Theodosia ab. wo ich 

zufällig auf dem Schiff die Frau von Eduard's Kameraden Cheifetz traf. Sie lebte mit Kind und Dienstmädchen in 

Theodosia, der Mann in Moskau. Kaum war ich zu ihr gekommen, da erkrankten sie all drei schon an der "Spanischen 

Krankheit," d.h. Frau Cheifetz, ihr Kind und das Dienstmädchen. Die Frau lag zehn Tage in schwerer Lebensgefahr, 

fast aufgegeben, vollständig abgeschnitten von allen Hiesigen. Zwei Abende lebte ich bei ihr und pflegte sie, bis sie 

gesund würde. Den Sommer war ich mit ihr in Eupatoria ? zusammen. 

Ich badete im Meer und lag in der Sonne, aß Apricosca und Melonen. In Yalta ist das Leben sehr teuer. Ich zahlte bloß 

für mein Zimmer 320 Rbl. monatlich. Früchte sind nur vorläufig unzugänglich. 

Setze Dich in Verbindung mit Herrn N.J.Kasteljanez, Consulat Holländais, Stockholm. Schicke ihm einen Brief an mich 

an auf dieselbe Adresse, sie an seine Familie. Wir wohnen In einem Hause. Ekaterininskaya ulyica, dom No. 5. Die 

Familie ist vollständig ohne Geld. Wenn ich nach Konstantlnopol käme, würdet du die Erlaubnis en/verben können, daß 

man mich nach Berlin läßt. Ein englisches oder französisches Schiff würde mich eventuell bis Konstantlnopol 

mitnehmen. Du stehst gewiß in Verbindung mit den Angehörigen in Riga. Antworte mir sofort. Schreibe ausführlich 

über alles. Ich beunruhige mich sehr Thea's wegen. Wie ist ihre gesundheit? Grüße alle herzlichst von mir, u. sei 

gegrüßt und geküßt von Deiner Schwester Clara. 

P.S. Arbeitest Du fleißig? Ist Interesse für Kunst überhaupt vorhanden? Was macht Frau Corinth? 



Yalta, den 29/11 Oct. 1919. 

Lieber Leo! Wir haben gute Gelegenheit mit einander zu correspondieren, indem wir über Constantinopel die Bnefe 



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11/20/08 

p.4 

richten auf folgende Adresse: 

Constatinople, A. l'Agent Commercial de l'Armee Voluntaire Russe. 

In dem Brief ein zweites Couvert mit meiner Adresse: Yalta, Ekaterininskaya ulyica N.5. 

Ich habe schon vor einem Monat dir geschrieben. Hast Du den Brief bekommen? Ich lebe jetzt in Yalta 

verhältnismäßig nicht schlecht. Die Teuerung hier ist gewaltig. Ein # Butter 160 Rbl. etc. Ich habe einige Stunden u. 

außerdem habe ich viele Bekannte die mir Geld leihen so viel wie ich brauche. Hier lebt Sarah Orkin jetzt HunA/itz. Sie 

ist sehr freundlich. Auch von ihr kann ich Geld leihen. Dann Ist hier von früheren Bekannten Ronja Asarch. Doch die 

Arme Ist sehr leidend. Sie liegt meist zu Bett. Von den Ihrigen ist sie ganz abgeschnitten. Ich werde mich unendlich 

freuen von dir ein Lebenszeichen zu erhalten. Könntest du mir nicht ein Visum von d. deutschen Regierung schicken. 

Ich würde dann sofort zu dir kommen. Geld zur Reise nach Constantinopel würde ich schon auftreiben. Ich glaube daß 

man dir das Erlaubnis geben würde, deine Schwester zu dir zu nehmen. Von Eduard hatte ich einen Brief der im 

Sommer geschrieben war. Er hat es wohl sehr schwer. Die mangelhafte Nahrung und die schreckliche Kälte. Wenn 

die Sonne scheint, Ist es hier noch so.warm das man im Kleide geht. Ich habe ein angenehmes Zimmer unter dem eine 

Küche ist, die gut geheizt wird. Holz ist ja unerschwinglich. Hast du Nachrichten von Hause, sind alle gesund? Grüße 

von mir. Schreibe sofort an die angegebene Adresse. Wie geht as allen bekannten? Herzlichst grüßt, Clara. 



Roscherstr. 7, Charlottenburg [Berlin] d. 24 Nov. 1919 (Leo to Clara in Yalta) 

Liebe Clara, endlich ein Lebenszeichen von Dir, meine Freude ist groß nach viel Jahren der Unruhe um Dich einen Brief 

von Dir zu haben. Hoffentlich werden wir uns in nicht so langer Zeit sehen. Wir sind all gesund, Mama und Thea sind 

auch hier, freuen sich mit mir und grüßen Dich herzlich. Dietrich mit Frau u. Kind In Riga, Nicolaistr. 27/29 [Now 

Valdemara lela]. Durchgemacht haben sie all schlimme Zeiten. Eduard war im Mal eine Woche zu Besuch bei Ihnen. 

Thea ist gesund u. wie früher. Ich arbeitete so gut es ging, habe aber die ganze Zeit meine Bilder nicht ausgestellt. 

Immerzu habe ich versucht Dich brieflich zu erreichen und schließlich beschlossen selbst zu reisen um Dich abzuholen. 

Aber noch habe ich die Pässe nicht die mir für die nächste Zelt versprochen worden sind. In der vorigen Woche war 

Ich In Kopenhagen von dort fährt in den nächsten Tagen schon ein Dänischer Herr, Herr Ingenieur Sorensen nach 

Kisslowodsk. Er wird den alten Herrn Slutzkin hierher abholen, ob es Dir gelingt sich ihnen auf der Rückreise 

anzuschließen weiß Ich nicht, jedenfalls war Herr Sorensen so liebenswürdig, mir seine Hilfe anzubieten. Slutzkins Adr. 

im Kaukasus weißt Du wohl. Ich weiß nicht wie Du mit Geld versehen bist. Von Konstantinopel aus wird die Reise wie 

Du es Dir vorgestellt hast sehr teuer der Währung wegen gestalten. Ob ich selbst werde so schnell kommen können Ist 

fraglich und das Visum ist noch nicht fertig. Auf alle Fälle hier ein paar Adressen für mich 

"Kaukaslan Oll Comp." Kopenhagen Herrn A. Ledermann, Gothersgade 175. 

M. Wasbutzky, Tietgensgade 72, Kopenhagen. 

Signore Luigl Gonari, Sindicato italo-russo. via S. Eufemia 19, Roma für Herrn Kahan. Niebuhrstr. 10, Charlottenburg. 

Einen Brief wie diesen sende ich auch an Herrn Kasteljanez. 

Uns allen geht es leidlich und hoffentlich haben wir Dich bald bei uns. Dann hörst Du ausführlich unsere Erlebnisse. 

Ich werde Inzwischen alles versuchen Dir Nachrichten zukommen zu lassen, hoffentlich erhalte ich auch bald die Pässe. 

Von Dietrich erhielt ich ein Telegramm in dem er mir mitteilt du reisest erst nach Feodosia, also hat er noch länger keine 

Nachrichten von Dir. Ich schreibe im gleich. 

Vorläufig sei aufs herzlichste gegrüßt von Deinem Bruder Leo. 

Mama, Thea grüßen herzlichst und schreiben Dir auch gleich. Es küßt Dich Leo. 

P.S. Eben erhalte Ich die Nachricht, daß Ich die Erlaubnis zur Reise um Dich zu holen erhalten habe. Möchtwisen wo 

ich Dich bestimmt treffe. 

Liebes Fräulein Clara. 

Es hat mich sehr gefreut durch Ihren Bruder über Sie Einiges zu erfahren, denn ich gedenke Ihrer stets sehr herzlich. 

Ich hoffe, daß ich Sie in nicht zu ferner Zeit wiedersehen werde und bleibe mit den besten Grüßen Ihre Charlotte 

CorInth. 



Charlottenburg [Bertin] Roscherstr. 7. d. 24 Dez. 1919 (Leo to Clara in Yalta) 

Meine liebe Schwester Clara, ich habe Deine drei Briefe erhalten. Die Einreiseerlaubnis habe Ich so erhalten daß ich 
Dich in Wien oder Lugano treffen könnte, wir zusammen hierher reisten. Schicken kann ich sie Dir nicht. Vor Deinen 
Briefen hatte Ich durch die franzözische Militärmission hiervon der Interallierten Kommission in Konstantinopel die 
Erlaubnisse zur Reise nach dem Kaukasus um Dich zuholen nachgesucht underhalten. Als ich Deine Adresse erhielt 
habe ich wieder durch die französische Militärmission über Konstantinopel an Dich telegraphiert aber leine Antwort 
erhalten. Ich wollte Dich in Konst. treffen. Noch eine gute Gelegenheit bittet sich, ein befreundeter Däne, Herr 
Sörenson, reisst im Januar nach dem Kaukasus über S'udrussland und solte sich falls er Dich erreicht mit Dir zur 
Rückreise verabreden. Er holt auch den alten Slutzkin und bringt Dich ohne große Schwierigkeiten hierher. Die Reise 
wäre auch nicht so teuer. 



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Mama u. Thea sind hier, die Brüder sind gesund, haben lange nicht geschrieben. Wir hoffen Dich bald hier zu sehen 

und grüßen Dich herzlich, Dein Leo. 

Frau Corinth grüßt Dich herzlich. Ich habe Dir einige Briefe schon vor einem Monat gesandt. 



Undated (late 1919 ?) Emma (in Berlin) to Clara in Yalta. 

Mein teures Clärchen. ^ , . . ^ ^ ^, ^ . 

Endlich nach so langer Zeit wieder ein Lebenszeichen von Dir! Wie froh ich darüber bin. wirst Du wohl verstehen, 
nachdem ich in größter Unruhe Deinetwegen gewesen bin und nur die größten Gewissensbisse gemacht habe Dich bei 

meiner Abreise dort allein gelassen zu haben. 

Nun Gott sei Lob und Dank, daß ich von Dir Nachricht habe, liebstes Kind und wie werde ich mich freuen Dich gesund 
und munter wiederzusehen. Es war doch so schrecklich diese ganze Zeit und alle Mühe war doch vergeben Dich 
aufzufinden und Dir das Nötige zu schicken. Aber ein Trost war es mir. daß ich wußte Du würdest Dich überall gut 
einrichten und so hat meine Voraussetzung mich richtig nicht getäuscht. Leo interessiert sich sehr für Deine Heimreise, 
wenn sie doch bald Stande käme. Leo hat Dir schon viele Male geschrieben hast Du seine Briefe erhalten? Thea und 
ich befinden uns bereits seit einem Jahr hier, wo wir uns gut eingerichtet haben. In Riga haben wir eine Zeitlang eine 
sehr schlimme Zeit verlebt. Nun sei wärmstens gegrüßt und geküßt von Deiner an Dich oft denkender Mama. 



Riga, den 8. Januar, 1920 Dietrich to Clara in Yalta. 



Charlottenburg, d. 28 Mai 20. Roscherstr. 7 

Liebe Clara ich habe Dir gleich nach Empfang des ersten Briefes durch eine bank das Geld zur Weiterreise 
abgeschickt Aus Deinem zweiten Schreiben erst habe ich erfahren, daß es zu schnell geschah und Du lieber auf eine 
andere Adresse haben wolltest, ich hatte mir die größte Mühe gegeben gas Geld schnell aufzutreiben und zu schicken 
um Dir das teuere Wohnen in Konstantinopel abzuzügen. 

Mit dem Telegramm daß Du gleich von der französischen Militär Mission erhieltest in dem Dir mitgeteilt wird, daß ich 
den Brief erhalten und Dir auf schnellsten Wege Geld zur Weiterreise sende - wird Dir wohl keine Schwierigkeit 
en^/achsen u. als Legitimisierung dienen. 

Wir freuen uns sehr daß Du Dich so gut hast einrichten können. Ich wußte wie teuer das Leben in Konstantinopel ist. 
Das war auch der grund weshalb ich zögerte Dich abzuholen, da ich eine Genehmigung zur Reise nach der Knm und 
Kaukasus um Dich zu holen schon im Dezember von der Interallierten Kommission in Konstantinopel hatte. Durch den 
franz Konsul mit dem ich befreundet. Leider fehlte das Geld und von Dietrich sind wir bis vor Kurzem noch ziemlich 
ohne Helfe in dieser Beziehung. So habe ich für Mama und Thea zu sorgen gehabt. Es wird jetzt besser so bald wir mit 
Dietrich bessere Verbindung bekommen. Möglich daß ich nach Hause auf kurze Zeit herüberfahren muß. es ist jetzt 
schone ohne Schwierigkeiten zu machen. Wir hörten daß es ihn, Erna u. Silvotschka sehr gut geht. 

Von Eduard schon lange keine Nachricht. Vor einigen Monaten erzählte Chaif. der fürs rote kreuz nach Amerika ging 
von ihm. daß es ihm ganz gut ginge. Chaif. will wenn er nach zwei Monaten wiederkommt seine Frau und Kind abholen. 
Weißt Du was von ihnen? 

Ich habe Dir vor längerer Zeit durch Herrn Sandler bei der banque de'Athenes Konstantinopel einen Brief geschickt. Er 
erkundigt sich jetzt bei mir nach dem Verbleib seines Bruders, von dem er lange ohne Nachricht ist. Die Adresse von 
ihm konnte ich nicht erfahren, nur daß es ihm gut geht u. ein Gut bei Berlin hat oder so ähnliches. Ich kannte ihn nur 
gesellschaftlich u. ließ ihm jetzt sagen daß er sofort nach Konst. schreiben möge. Vielleicht hast Du die Möglichkeit ihm 
das mitzuteilen da er auch sich Mühe machte mit den Briefen, ich ihm zu Dank verpflichtet bin. 
Ich arbeite recht viel und in meinem Atelier hat sich viel angesammelt daß Dich hoffentlich interessieren wird. Ich habe 
nicht ausgestellt, bin meiner Wege gegangen u. hoffe es ist was Vernünftiges geworden. 

Frau Corinth grüßt Dich herzlichst und erkundigt sich immer nach Dir. 

Ich hoffe nun bald wieder von Dir zu hören. In Rom. beim Signore Lennari, Via S. Eufemia 19 Syndicato Italo-russo. 

findest Du Brief u. Einreiseschein hierher. Herzlichen Gruß von Mama, Thea u. Deinen Bruder Leo. 



Berlin W.15. Lietzenburgerst 4, Pension Borel, d. 10. Vi .20 (Emma to Clara) 



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Liebes teures Clairchen. 

Nach so ewig langer Zeit habe ich nun endlich die Freude von Dir Nachrichten zu erhalten und von Dir zu hören. Du 
wirst Dir mal leicht vorstellen können wie unglücklich ich mich gefühl habe. Dich so allein in der Fremde ohne jeglich 
Mittel zu wissen. Ich habe mir unendliche Vorwürfe gemacht Dich z. Z, unseres Aufenthaltes dort dem Schicksal 
überlassen zu haben. Ich danke vom ganzen Herzen einem gütigen Geschick welches Dich unter einem glücklichen 
Stern geleitet hat und Dich in diesen schlimmen Verhältnissen vom allem Ungemach bewahrt. Nun hoffentlich dauert 
es micht mehr so lange bis einem frohen Wiedersehen, welches ich gern mit größter Ungeduld entgegensehe. Daß Du 
liebes Kind so glücklich eine so schöne Unterkunft bei so netten Herrschaften dort gefunden, ist auch als wundersame 
Fügung des Himmels anzusehen. 

Wie Du nun mal durch Leo gehört hast befinden sich Theachen und ich uns bereits seit dem vorigen Juli in 
Deutschland, nachdem wir die furchtbare Schreckenszeit der Bolschewiken in Riga durchgemacht haben. Das war eine 
Zeit des Schreckens, die wir 5 Monate lang durchleben mußten, man war keinen Tage seines Lebens sicher. Dietrich 
und seine Familie sind in Riga und es geht ihnen gut. Die kleine Sylvia entwickelt sich befriedigend. Sie soll ein 
entzückendes Geschöpf sein. Ich möchte es schon sehr gern wiedersehen und ich glaube, daß es übrigens Zeit ist 
nach Hause zu gehen. Ich möchte noch Deine Rückkehr hier abwarten um zusammen die Heimreise anzutreten. Dort 
soll es auch nicht noch sehr schön aussehen. Wir gehören zur lettischen Untertahnschaft. Die Fabrik arbeitet noch in 
kleinem Maßstab. Eduard befindet sich noch in Moskau. Seit über ein Jahr haben wir ihn nicht gesehen. Wir leben 
hier ganz gut, in einer Pension und nicht zu teuer. Theachen geht es gut, sie ist gesund und munter. Hier sind 
massenhaft viele Ausländer, unter anderen auch Herr Ketzer aus Odessa, die uns gestern einen Besuch gemacht 
haben. 

Nun lebe wohl, liebstes Kind, hoffentlich bekomme ich bald Nachrichten von Dir und Deiner Heimreise. 
Es grüßt und küßt Dich vielmals Deine Dich liebende Mama. 
Ist das Gesandte von Leo schon in Deinen Besitz gelangt? 

Geliebtes Clärchen! 

Du kannst Dir unsere Freude wohl schwer vorstellen, als wir die Nachricht von Dir erhielten, daß Du schon auf dem 
Wege zu uns bist. EWir waren sehr in Sorgeum Dich so lange nichts zu hören und nicht zu wissen wie es Dir geht. 
Von Ede hatten wir gestern auch einen Brief, es geht ihm ganz gut. Dass Du Deinen Wohnort gewechselt hast weiss er 
noch nicht, er wollte alles mögliche tunum mit Dir zusammen zukommen. Es war aber unmöglich. 



Postcard, Constantinople, le 14 Juin 1920 (Clara to Leo) 

eher Leo, je suis aujourd'hui venne de Moda et j'ai demande dans la poste italeane s'il n'y a pas de lettre our moi. Voila 
que j'ai trouve la premiere lettre et j'en nuit bien rejolee Tu recevras en peu de temps une lettre de Mr Schlözer qui pari 
aujourd'hui pour Bruselles. Moi je vis tres bien. J'irai tou de suite ä le Banque d'Athenas qui n'est pas loin d'ici. C'est 
dommage que je ne sais pas par quelle banque tu as envoye l'argent. A rue Misk on dira en tout cas mon adresse. Je 
te salue beaucoup aussi maman, Thea, M-me Corinth. Ta Ciaire. 



Postcard, Constantinople. le 18 Juin 1920 (Clara to Leo) 

Mon eher Leo. hier j'ai regu par une banque suisse de Zürich 6000M. contre-valeurs 182 livres turques. On donnere 
l'argent en livres turques. Le cheque est au nom de Mr Brainos qui va recevoir l'argent. Maintenant que j'ai l'argent je 
techerai de recevoir les visa. J'espere de les recevoir facilement, ä cause du telegramme du consul frangals de Berlin. 
En tout cas je resterai encore ... semenes avec la Mademoiselle Brainos. Nous sommes toujours encore ä Moda. Tu 
peux aussi m'ecPoste restante Posta Italiana, Constantinople. Galata. Meric pour l'argent! Mes salutation ä maman et 
Thea. Ta Ciaire. 



Berlin W.15. d.20 Juli 20 (Emma to Clara) 



Liebstes teuerstes Clärchen. 

Mit großem Vergnügen und herzlichster Freude habe ich gestern Deinen lieben Brief in Empfang genommen. Du 
kannst Dir denken, wie mich die Nachricht so angenehm berührt hat. daß es Dir gut geht und gesund bist. Ich danke 
meinem Schöpfer, daß er Dich auf Deinen Forfahrten gnädigst behütet und beschützt hat. Wie viele Tage und Nächte 



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verbrachte ich Deinetwegen in Sorgen und Unruhe! Aber jetzt winkt uns baldigst frohes Wiedersehen und wie sehr ich 
mich darauf freue, kann ich Dir nicht sagen. 

Daß wir noch immer in the Stadt sitzen geschieht aus dem Grund, weil ich mich nicht entschließen konnte der 
furchtbaren Teuerung wegen, die in den kurorten herrscht, und man weiß garnicht wohin man gehen soll. Kissingen ist 
furchtbar teuer, wir haben jedoch die Absicht zum ersten August irgend wohin zu gehen, möglich nach Banden-Baden. 
Jedenfalls werden wir Dir mitteilen, was wir unternehmen werden. Am liebsten möchte ich nach Riga zurück und sehe 
gern vorher Deiner glücklicher Ankunft hier entgegen. Wir haben mal oft indirekt Nachrichten von dort, es geht ihnen 
gut und sie sind jetzt am Strande. Ede schrieb mir aus Moskau, er möchte gern auch die Stadt verlassen und ist in 
größter Sorge um Dich. Rosenthal, Sascha und Leo haben auch die Absicht .... zusetzen. Die Verhältnisse sind dort 
fürchterlich. 

In den letzten Tagen war es hier furchtbar heiß, daher der Aufenthalt nicht angenehm. Falls Du liebes Kind in unserer 
Abwesenheit hier angelangst so kannst Du unsere Zimmer benutzen die zu Deiner Verfügung stehen. Deine Toiletten 
sind mal auch ganz derangiert und müssen erneuert werden. Wie schade ich ließ in Moskau bei Eduard für Dich viele 
Stoffe zum Mantel und Kleider.es wird mal nicht noch möglich was herauszubringen. 

Nun lebe wohl, liebstes Clärchen, schreibe bald und sei wärmstens gegrüßt und geküßt von Deiner Dich liebenden 

Mama. 

Meine beste Empfehlung Deinen Gastgebern. 



Riga d. 20. September, 1935 (von Erna) 



Meine liebe Ciaire, 

Deine diversen Karten habe ich erhalten, und wollte dir schon lange schreiben, doch war ich bei so gedunkelter 
Stimmung, daß ich zu nichts Lust hatte. - Mit meinem Fuß geht es furchtbar langsam, es ist ein komplizierter Bruch 
und ich habe ein Gypsverband über den ganzen Fuß. - Ich hoffe daß man mich in der nächsten Woche ein Gehgyps 
anlegen wird. Dann kann ich mich im Zimmer fortbewegen. Vorläufig bedient mich Schwester [Pauline Streipa] ganz 
und gar. Ich sitze den ganzen Tag im Lesestuhl u. lese sehr viel u. empfange Besuch. - Mit der schriftlichen Arbeit fürs 
Büro geht es auch nicht, ich ermüde leicht. Zu Hause geht es so ziemlich, solange ich im Krankenhaus war, war 
Bubichen sehr nervös, jetzt ist er ruhiger. Jeden Tag kommen seine Kameraden und er begeistert sich jetzt für den 
Fußball. Dietrich arbeitet furchtbar viel, er ist schon früh im Betrieb bis spät abends. Neulig besuchte mich Sascha 
Ros. Sie läßt dich grüßen. Sie hat es recht schwer, jetzt ist es auch am Kindergarten der Esraschule eine große 
Konkurrenz für sie entstanden. - Herr Birnbaum war mit seiner Frau gekommen, sie macht einen netten Eindruck. - 
Mein Bruder Fima machte eine Reise nach Russland besuchte dort die Geschwister und auf dem Rückwege kam er 
über Riga und erzählte viel interessantes. Er ist von der Kunst dort begeistert und hat sehr viel gesehen. - Wie geht es 
dir u. dem lieben Manfred? Habt ihr sich gut erholt? Wie lange bleibt ihr noch dort. Morgen schicken wir 



29. Jan. 1935 

Lieber Leo, beeile mich Deine Zellen zu beantworten, es ist nur leider die gewünschte Fahrkarte zu erhalten, es sei 
denn nur von hier, nicht möglich; mir kam heute abend der Gedanken die Fahrkarte doch ab hier zu nehmen bis 
Bertin III Kl. Mit 60& und dann die weiteren Strecken zu kombinieren; ich will mich nochmals morgen Informieren und 
falls das so ginge, wie ich denke. Dir morgen zu telegrafieren, um zu wissen, ob Du auf die Fahrkarte warten 
wolltest. 



Ich habe den Eindruck, dass Du sehr eilig bist. Warum eilst Du dann wieder zurück, wo Du doch eben erst in Pans 
eingetroffen bist. Hast Du Dich dann nach Deiner furchtbar strapaziösen Fahrt hierher und eiliger Rückreise wirklich 
erholt und strengen Dich die so often Fahrten denn nicht an? Ich kann mir das garnicht denken anders, als das 
solch eine Lebensweise furchtbar ermüdent sein muss. Willst Du Dich dann nicht an einem Ort niedertassen und 
Deine Kunst leben, ; Du wolltest doch das in Paris tun. Es ist doch wirklich so Schade, dass Du zum Schaffen Dir 
keine Zelt lässt. Wenn man schaffen kann, so soll man doch seine Zeit nur dazu ausnutzen, besonders wenn man 
Bedeutendes kann. Sei mir nicht böse wenn ich Dir das schreibe, aber ich schreibe Dir das nicht zu kränken oder 
was Unangenehmes zu sagen, sonders aus meinem eigenen Bedürfnis heraus dann wir müssen doch einander 
näher kommen und uns besinnen, denn die Jahre gehen so schnell dahin, und ich sage nur das. Du könntest viel 
Grosses schaffen und sollst nicht die Zeit verzetteln. Ich verstehe Du brauchst die finanziellen Untertagen, aber bei 
einiger Oekonomie und und geeinten Kräften Hesse sich das doch machen, es ist ja nicht zu spät. Man kommt in 



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das Alter, wo man über die Vergangenheit unwillkürlich nachdenken muss und die Dinge nicht mehr gehen lassen 
kann, wie sie gehen. Du wirst mich verstanden haben und mir nicht böse sein und enA/arte ich Deine Zeilen. 
Hier bei uns Nichts Neues. Bin jetzt beschäftigt mit dem Holzeinkauf; der Winter ist eben wieder zu milde, ein 
schlechter Schneeweg. Hoffentlich hat Dietrich sich erholt, oder wenigstens sich ausgespannt. 

Eile sehr zur Post. Es grüßt Dich wärmstens. Dein Eduard. 
Erna. Klara und Mäxchen grüßen Dich herzlichst. 



/ 



Riga. d. 16. Oktober [1937] 
Meine lieben Ciaire u. Theachen. 

Ihr werdet wohl meine Karte erhalten haben. Ich wollte Euch gleich nach dem Feste schreiben, doch war ich mit der 
Liquidation bis jetzt beschäftigt. - Das Fest war sehr gelungen und tat es mir vom Herzen leid, daß Ihr nicht dabei 
sein konntet. Am Morgen fuhren wir alle zur Sinagoge, wo er aufgerufen wurde und gut vorgelesen hat. 

Am Abend versammelten sich ca. 70 Personen, alle Verwandten. Von Bekannten waren Dr. [Isidor] Krohn u. Frau. 
[Alphonse] Heideman u. Frau, Hansl [Sachs] ohne Mann, er ist in Schweden, Wilenkin u. Frau, Dr. Haase u. Frau. J. 
Rabinowitz u. Frau. Dr. Joffe vom Krankenhause [Bikur Cholim], Danzigers, Weinbergs (4 Personen), Frl. 
Salmanowitz. Rosa Lurie. [Dr.] Binger (1 Flasche Hennesy vertilgt). Frl Lila Kretzer, Hermanns Frau. etc. - Wie Ihr 
sieht, hat fast niemand abgesagt. Das Kontorpersonel erschien in corpore. Die Zimmer waren festlich geschmückt, 
die Remonte kurz vordem beendigt. Alles klappte, das neue Entree ist hübsch gelungen. Das alte WC. ven^/andelt 
in eine Garderobe, Bubi ließ sich nicht nehmen, die Garderoben gegen Nummern auszulieferen. 

Das Essen war fein, viele Gänge Lachs. Kaviar, schwedische Platte, dann Fisch elegant garniert. Aufschnitt mit 
Gemüse, rote Suppe (Borschch) mit Piroggchen, dann Entenbraten mit Äpfeln und zuletzt Plombir, der nicht 
einfrieren wollte. Alle haben gut der Mahlzeit zugesprochen u. auch viel getrunken. Bubichen hat seine beiden 
Reden in hebräisch und deutsch klar und schön vorgetragen. Er ging fließend ohne zu stoppen. Er hat viele 
wertvolle Bücher zum Geschenk bekommen, meist zionistische u. jüdische Literatur, einiges für ihn zu reif. 

Die Gäste amüsierten sich gut u. waren des Lobes voll. Rechts. Wilenkin sprach auf die Gastgeber u. lobte Dietrich 
in den Himmel hinein, was sofort eine Reaktion seitens Keilmans hervorruf. Fedja [Kretzer] mit einem 
humoristischen Festgedicht an Bubichen, mit großen Beifall aufgenommen. Lotte [Kretzer Kaplan] sprang 
unvermittelt auf zu einem Dankeswort an die sei. Mama, was eigentümlich berührte. 

Bubichen habe ich einen neuen Anzug mit langen Hosen gemacht, er sah niedlich aus. Er bekam von Eduard ein 
feines Radio, von uns ein Rad. 

Ich glaube Euch alles berichtet zu haben. Gestern sandte ich Euch Butter und Manfred eine jüdische Wurst. Dr. 
Chass. in Royat sandte ich Champignons v. Goegglner 

Mit herzlichen Grüßen u. Küßen. Eure Erna. 



4 111939 

Lieber Leo, Deine Zeilen haben mich sehr erfreut und beeile ich mich sie zu beantworten, denn Du wirst wohl sehr 
interessiert sein zu hören weiteres von der Ausstellung. Der Besuch war in allen den Tagen recht gut unter andeem 
besuchte die Aussteullung der Commandant des Schlosses Balicis (?). Gestern erschien die städtische 
Commission, bestehend aus drei Personen, den Herren Milgravis, Lalla und, den Namen des dritten habe ich 
vergessen, und wählten nach klängerer Beratung No.7 das Portrait und N46 die Kirche in Riga, für das erste setzten 
Libert Ls.400. und das zweite Ls.300. Da Anwort gegeben werden musste und nach Beratung vdrschiedenartiger 
die Anwort sollte nicht aufgeschieben werden, habe Ich in Deinem Namen die Zustimmung gegeben, wobei ich 
sagte, dass das besonders für No.7 wenig war. doch dem Museum entgegenkommend, die Preise annehme. Ich 
glaube doch in Deinem Sinne gehandelt zu haben den wichtig ist doch dass das Museum Bilder von Dir hat. Was 
das staaltliche Museum unbetrifft, so habe ich Annas (?) angerufen, doch wusste er mir noch nichts zu sagen; ich 
höre vielleicht noch heute. In der Atpüta Ist die Reprudoktion des Bildes Frau Tourel erschienen. Alles anderes 



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11/20/08 

p.9 

schreibe ich Dir noch, das ich sehr eile. Dietrich hat sich erkältet und liegt seit einigen Tagen zu Bett. Grüsse 
herzlich Evgenia Zacharovna, Ciaire & Thea. 

Mit den wärmsten Grüssen. Dein Eduard. 
Dietrich, Erna, Mäxchen grüssen. 



5/1 II 1939 

Lieber Leo Deine Zeilen habe ich erhalten und beeile Ich mich Dir zu beantworten. Mein Schreiben erreicht Dich 
vielleicht nicht mehr in Paris, wird Dir wohl nachgeschickt werden. Die Kataloge sende Ich Dir und en/varte ich Deine 
Mitteilung wohin weitere zu senden sind. Die Fahrkarten können gesandt werden immer von einer Endstation nach 
Riga und umgekehrt, so Amsterdam - Paris - Riga und zurück Paris, die Fahrkarten nach Amsterdam hatten Dich 
so wie so nicht mehr erreicht. Wenn Du so wünschest, kann der Teil Aachen - Berlin I. Klasse genommen werden. 
Schreibe nun mir rechtzeitig darüber, wann soll das Konzert resp. Auftretung von Yewg. Sach. [Jenney Tourel] in 
der Oper hier stattfinden? Wie lange gedenkt Ihr hier zu bleiben, reiset Du auch gleich zurück? Ich kann mir 
denken, dass Du wieder so viel zu tun hast, wenn Du noch die Wohnung einrichten sollst; hast Du Dich etwas erholt 
oder bist garnicht dazu gekommen. 

Es freut mich sehr Yewg. Sach. Kennen zu lemenm ich en/varte Deine Mitteilung wann sie im Radio Hilvesrsum 

singt. Die Reise nach Holland verlangte auch manche Vorbereitung. 

Sind die Kisten mit den Bildern gut angelangt, oder hast Du sie noch nicht abgeholt. 

Hier findet eben die Ausstellung der farnz. Modemen Kunst statt, ich wollte hingehen. Wir sind leider noch mit der 

fragwürdiger Fusion beschäftigt und können davon nicht loskommen. 

Herzliche Grüsse Yewg. Sach. Mit den besten Wünschen. 

Es grüsst Dich wärmstens. Dein Eduard. 



Riga. 14. III 1939 

Lieber Leo. ^. _,. ,. ^ . .. 

In grosser Eile besorgte ich Dir 2 Fahrkarten nach der gewünschten Route und sende Dir dieselben. Schreibe wann 
wir Euch hier en/varten können. Direktor Porik vermisst die Reklame für das Auftreten und bittet um schnellste 
Zusendung. Ich bin gespannt mit Deiner Lebensgefährtin Bekanntschaft zu machen. Übergib irm meine 
herzlichsten Grüsse. 

Ich hatte im Innenminsterium wegen Ludmilla eingereicht nur erhielt ich eine Absage. Glücklichen/veise schreibt sie 

mir dass sie ein Visum nach Frankreich erhalten hat. 

Ermässigung In Frankreich 40%. weil 6 Tage aufenthalt In Paris notwendig, habe nicht ausgenutzt und normale 

Billete genommen. 

Herzlichst grüssen, Dein Dietrich. 

Alle grüssen. 

P.S. Schreibe ins deutsche Fahrkarte den Namen 2enia's ein 



(Riga) 1 8/1 V 1939 

Lieber Leo anbei übersende ich Dir die gestern angelangte Einladung zur Teilnahme an der Ausstellung. Die Darba 
Saraksts rriusst Du unterschreiben, ausfüllen kann Ich sie hier It. Deinen Angaben. Welche Bilder willst Du 
einreichen- ich habe hier Tallini u. Riga; mit dem letzten Bilde ist es eine eigene Sache, weil aus dem Kataoge zu 
ersehen ist, dass es Privatbesitz gewesen ist und ausserdem sollte es geschenkt werden, sonst wäre ews sehr 
passent für die Ausstellung. Ich erwarte Deine umgehende Mitteilung. 

Meine herzlichsten Dank für die Grüsse von Yevg. Zacharovena, [Jenney Tourel] auch enA/edere iuch die 
herzlichsten. Ich eile sehr Im Augenblick. Mit warmen Grüssen. Dein Eduard. 



(Riga) 5/1 V 1940 



Riga Letters 2.doc 

11/20/08 

p. 10 

eher Leo, j-ai ecrit deux lettres et j'espere, que maintenant tu les a re^u. On ne doit ? pas etre enquiet, parce que la 
poste n'est pas tres regulier. Nous tous travaillons beaucoup; Manfred continue s'occuper beaucoup avec la 
musique, le violonceL Je frequente non pas souvent les connaisances et les amis, parce que j'ai peu du temps. J'ai 

vus quelque fois Kravin, il se bien, il est un homme sympathique etnous sommes eu bonne relations, il te salue 

sincerement. Vois-tu Ciaire souvent, quelle impression a vois-tu du Thea, peut-elle maintenant vivre dans le famille 
ou eile doit encore dans un Sanatorium vivre quelque 

Je me depeche ä la poste. Ecrit vite. Tous salue. 

Ton Eduard. 

Salue sincerement Jennie. 



Postcard 

From Riga Latvia to 

France-Francija 

M-me Ciaire Michelson 

Villa Victoria 

Neuilly s. Seine 

9, rue Louis Phillippe 

Villa Victoria 



25/1 V 1940 

Chere Ciaire. je n'ai pas longtemps des nouvelles de toi et nous les attendons avec impatience. J'espere que tu as 

regu ma lettre de la semaine passee. Comment vas-tu et comment la sante de Tea, as-tu des nouvelles d'Artour? 

Manfre s'occupe beaucoup avec sa musique, le violoncel et les autres etudes. Nous travalllon beaucoup comme 

toujours. Erna t'ecriraaussi bientöt. Tons ta saluent sincerement aussi Tea, Leo et Jenney. Je veux ecrire aussi 

Tea est eile encore ä Grosvenor chez Buvat. 

Salutation sincere, Ton Eduard. 



11/21/08 
Dates- Clara.doc 



3/24/1881 

Dec. 1889 

July1914 

3/3/15 

8/19/1915 

2/14/16 

1/1917 

12/23/17 

Iate1918 

2/1919 

Abt. 2/1919 

7/1919 

2/13/1921 

7/21/1921 

3/11/1923 

1923 

10/2/24 

1925 

11/28/30 

2/18/31 

Late 1 933 

1/11/34 

Fall 1933 

5/15/34 

1/11/35 

2/1936 

7/1936 

9/37 

10/37 

12/1937 

8/6/38 

9/38 

1/22-2/7/39 

7/39 

11/40 

7/29/1941 



Clara born in Riga 

Michelsohn @ Gr.Königstr.32/4, Riga 

Clara in Franzensbad 

Dietrich/Erna Wedding 

Clara w/ family in Moscow 

Sylvia born in Moscow 

Emma + in Moscow 

Emma, Thea, Clara in Kislovodsk 

Emma & Thea back to Moscow (without Clara) 

Clara to Yalta 

Emma & family back in Riga 

Emma, Thea in Berlin 

Clara in Berlin 

Thea m. in Berlin 

Manfred Peter born in Freiburg 

Eduard back in Riga 

Max b. Riga 

Clara in Paris 

Clara in Berlin 

Clara in Berlin 

Summerfields to Paris 

Sylvia d. 

Summerfields in Paris 

Ulmanis coup in Latvia 

Emma died. 

Summerfields in Birmingham 

Summerfields & Clara @ Riga beach 

Thea ill; w/ Clara in Royat 

Max Bar Mitzvah 

Pailine Streipa to Birmingham to help Arthur 

Peter w/ Pauline Streipa to Riga beach 

Peter alone back to B'ham 

Leo's Exhibition, Riga 

Peter to Riga beach, alone 

Jakob Kaplan d. Riga 

Clara killed at Auschwitz