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Full text of "Das Buch Henoch [Aethiopic book] in vollständiger Uebers. mit fortlaufendem Comm., ausführlicher ..."

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3^. 



6-j} 




Das 



Buch Henoch 



1 n 



vollftändiger üeberfetzung mit fortlanfen« 

dem Gommentar, ansfuhrlicher Eünleitimg 

und erläuternden ExcuTfen 



von 



Dr. Andr. Gottl. Hoffinann, 

^nctem ordentl. öffcntL Profcflor der Theologie an der UiuTarfitlt 

SU Jena. 



• • • 

Zweite A b t h e i 1 u n g. Üeberfetzung und 
Commentar %u Kp/56 — 105. nebft Excurfeii. 



Mit 2 Holzfchnitteit, 



Jena 

in der Croekor'fcKeii Buchhandlung 

1838. 



(m-) 



ßjP. 










IT 



Vorrede. 



▼ ieJ fp'dter, als ich mir urfprünglich vorge- 
nommen und verfprocben hatte, folgt die 
zweite Abtheilung meiner Bearbeitung des 
Buches Henoch der erfteren nach. Ihrem Er- 
fclieinen traten allerdings mancherlei Hinder- 
niiTe entgegen, welfche zum Theil in meinen 
amtlichen Verhältniflen und anderweitigen li- 
terarifchen Befchäftigungen lagen, oder auch 
dwich. Tsiederholte Störungen meiner Gefund- 
heit ierbei geführt wurden. Hauptfächlich 
aber gefchahe die Verzögerung, weil fich mir 
die erfreuliche Ausficht eröffnete, fiir diefe 
Hälfte des Werkes nicht wie bei der erfleren 
an Laurence^s englifche Verfion gewiefen zqi 
fevQ, fondern den äthiopifchen Text felbli:» 
welcher jetzt in Ermangelung des griechifchen 
als das Original 2;u betrachten ifl, einfehen 
and vergleichen zn können. Der berühmte 
uud umiichtige Dr. RüppcUf welchen unfer 



IV Vorrede. 

Vaterland mit Stolz den Seinen nennt, hatte 
nämlich , wie ich aus öffentlichen Mittheilun- 
gen ivufste, leinen Aufenthalt in Aethiopien 
nehen feinen verdienßlichen naturwiffenfchaft- 
lichen Unterfuchuiigen auch dazu angewen- 
det, die Ueberrefte der bisher nur mangel- 
haft bekannten äthiopifchen Literatur, deren 
er habhaft werden hoiinte, forgfdltig zu fam- 
meln und, wie einft Bruce ^ fich bemüht, fie 
in feine Heimath mitzubringen. Unter den 
handfchriftlichen Schätzen, in deren Befitz er 
allniälig gekommen war, "wurde in den Zei- 
tungen das Buch Henoch namentlich hervor- 
gehoben. Es lag mir alfo nicht blofs nahe, 
fondem es fchien mir felbfi: Pflicht, einen Ver- 
fuch zu machen, ob es nicht gellinge, diefe 
Handfchrift für meinen Zweck, fo weit es 
noch möglich war, benutzen zu dürfen. Vor- 
ausfetzen durfte ich, dafs der ausgezeiclineto 
Zoolog nicht felber eine Ausgabe des Buches 
Henoch, etwa im Original mit einer latemi- 
fchen oder deutfchen Ueberfetzung beabfich- 
tige, dafs ich alfo hier nicht, wie es bei Ge^ 
fcnhis der Fall gewefen feyn würde, in Gefahr 
IVande, einen Gelehrten mit einer migehörL 
gen Bitte zu beläftigen. Da ich jedoch diefeii 
mciueji Wunfeh nicht fogleich ausfprechen 



Vorrede- v 

konnte, weil Dr. Rüppell inzwifchen feine Va- 
terftadt wieder auf einige Zeit verlaffen hatte, 
fo befchlofs ich, meine Arbeit wenigftens fo 
lange bei Seite zu legen, bis ich darüber Ge- 
wifsheit erlangt haben würde, ob mir der er- 
wartete \%dchtige Zuwachs zu den bisherigen 
Hilfsmitteln wirklich zu Theil werden würde 
oder nicht. Diefen Entfchlufs habe ich nun 
um fo weniger zu bereuen, da rühmliche Li- 
beralität mir fpäterhiu das fremidlichll ge- 
wahrte , worauf ich gehofft hatte. 

Die Ueberfetzung diefer zweiten Hälfte 
iß daher gänzlich nach dem Texte gearbeitet, 
welchen die vonür. Rüppell mitgebrachte treff- 
liche Handfchrift (von mir daher Codn Rupp. 
bfcieichnet) darbot, jedoch unter durchgängi- 
gcr Vergleichung der ]Laurence'£clien Verfion. 
Auf solche Weife bin ich im Stande gewefen, 
nicht nur in zahkeichen Stellen richtiger ^n 
übertragen, als mein achtungswerther Vor- 
gänger, fondern überhaupt das Buch Henoch 
in einem folchen Gewände vorzulegen, dafs 
das äthiopifche Original ungleich mehr hin- 
durch fchimmert, als es bei einer auch noch 
fo wörtlichen Nachbildmig aus dem Englifchen 
zu erreichen gewefen wäre. Wer (ich die Mühe 



Ti Vorrede. 

geben will, nur den erflen bellen Abfchnitt 
aus diefer Abtheilung herauszugreifen und mit 
einem ebenlo willkülirlicli erwählten aus der 
erften Abtheilung zu vergleichen, wird fich 
davon leicht überzeugen können. Zum Ilren- 
gen Gefets habe ich mir es übrigens gemacht, 
felbfi: die Wortftelliuig', fo weit es nur immer 
ohne gar zu grofse Härte anging, auch im Deut- 
fchen beizubehalten, imd die unbehülfliche 
Verbindungsform (durch die oft wiederkehren- 
de Copula und) nicht aufzugeben, noch fie, wie 
es Laurence oft gethan hat, mit dem Relativum 
zu vertaufchen oder auf andere Weife zu um- 
gehen. Wenn ich an einigen der neueßen 
Ueberfetzungen biblifcher Bücher es nicht bil- 
ligen kann , dals über dem gar zu ängfllichen 
Hinblicken auf die Sprache, aus welcher zu 
überXetzen war, unfere edle deutfche Mutter« 
fprache. geradebrecht wird, fo glaube ich da- ' 
gegen doch, dafs bei einem folchen Schrift- • 
werke, welches noch gar nicht gedruckt ift ; 
und deflen Originaltext, wenn er auch gedruckt t 
feyn wird , vermöge der fpärlich verbreiteten i 
Kenntnifs der Sprache, worin er gefchrieben ; 
worden, nur von fehr Wenigen mit einer t 
Ueberfetznng deflelben verglichen werden | 
kann, das Urtheil fich etwas anders wrd ge- ( 



Vorrede. vii 

ftalten miUren « fo dala hier ein fall fclavifdies 
Anfchiniegen an die Urform jedenfalls ihre 
Entfchuldigung, wo nicht ihre Rechtferdgung 
und Billigung fände« 

In den Anmerkungen bin ich zwar mei- 
nem urfprünglichen Plane treu geblieben, und 
habe mich vorzüglich der Realerklärung be- 
fiilTen ; indefs liels fich auch das Liqguißifche 
nicht immer ganz zurückweifen » zumal wo 
ich eine von Laurence abweichende Anjicht 
hatte, oder auch aus äderen Gründen meine 
Deutung 7m begründen erforderlich fchien. 

Da ungefähr gleichzeitig mit der erAen 
Abtheilung meiner Bearbeitung Laurence^s 
Ueberfetzung in einer 2t6n Auflage erfchie- 
nen war (Oxford 1833. 8.) , fo habe ich diele 
neben der erften Ausgabe benutzt, aber ge« 
fanden, dals der Ueberfetzer fieh nur äu£ierft 
feiten auf Veränderungen eingelaflen hat, die 
meiften diefer Veränderungen aber noch 
obenein fehr geringfügig lind. Das Nähere 
ergibt fich aus den Anmerkungen, wo ich die 
Abweichungen, foweit fie bei Kp. 56 — 105. 
imd in den dazu gehörigen Noten hervortre- 
ten, forgfaltig verzeichnet habe. Die Prelis 
nunary differtation ifi auch in der 2ten Aus« 



viu Vorrede. 

gäbe fall ganz fo, gelaffen, wie fie war, bis 
auf einen Zufatz am Ende, welcher ficli da- 
mit befchäfligt, den Inhalt des Buches He- 
noch darzulegen. Einen wirklichen Verluß 
erleiden jedoch diejenigen nicht, welche 
Laureiice's Abhandlung blofs in meiner Ueber- 
fetzung nach der Iften Ausgabe benutzen; 
denn in meiner Einleitung ift diefer Gegen- 
Xtand noch ungleich ausführlicher behandelt, 
als nun von Laurence in der 2ten Ausgabe fei- 
ner Verfion. Nur das kann ich nicht ver- 
fchweigen, dafs Laurence in diefeni Zufatze 
der 2ten Auflage einen Gedanken äufsert, 
welchem jetzt Murray^ ein Landsmann deffel- 
ben, eine felir umßändliche (könnte ich docli 
auch liinzufetzen : und zugleich dmxh Gedie- 
genheit und Gründlichkeit befriedigende!) ^ 
' •> 

Schrift gewidmet hat. Er fagt nämlich, zu .^ 
feinem frühem Ausfpruche, dals verfchiedene 
Theile des Buches Henoch zu verfcliiedenen 
Zeiten verfafat feyn möchten (vgl, S. 67.)» ^ 
könne man vielleicht noch hinzufetzen, dals "^ 
es eben fo wohl verfcliiedene , als von ver- ^ 
fchiedeneu Schriftftellern verfafste Aufiatze ^ 
gewefen feyn dürften. Ein bündiger Be« a< 
weis diefer Annahme wird jedoch nicht ge- , 
geben. Mehr entfpri^ht allerdings Gfrörefs ^ 



Vorrede. 



IX 



Urlheil ^ dhrüber , welches mir gerade beim 
Niederfdireibeii dieses Vorwortes äu Händen 
kommt 9 demjenigen, was ich nach fo anhal* 
tender Befch'aftigung mit diefem Buche als 
das Wahrfcheinlichere betrachte. ,,£lie Je- 
mand'*, lägt et, »,atis klarqrt und genügen-^ 
den Gründen darthut, dafs die Theile unferes 
Buches verfcliiedenen Verfaflern angehören, 
tterde ic^h es zuverflchtlich fiir ein Ganzes, 
das Werk Eines Verfaffers halten, und ich 
glaube nimmermehr, d&ls jener Öeweis ge- 
fuhrt werden kann," Die Momente, welche 
die entgegenftehende Meinung begünßigen 
möchten, habe ich keinesweges Verfchwiegen^ 
fondern in den Anmerkungen gewiflenhaft 
aufgedeckt. Nur bei dem hißorifchen ^b- 
fchnitte Kp. 84 ff. mufs ich aufrichtig gellelien, 
dali mich mitunter das Gefühl anwandelte, 
ob hier doch nicht ein Anderer rede,' als in 
den übrigen Theilen des Werkes. Wäre diefs 
der Fall , fo würde, eben dadurch der Kritik 
die Unterlage entzogen, auf welche fie fich 
bei Beftimmtmg dej: Abfaflungszeit des gan- 



*) TgL defliy intere£&nto Abhandlung? Die (Quellen zur 
Kenntnifs des Zuflandes der jüdifchen Dogmen und 
der Volhsbildun^ im Zeitalter Jefu Chrifii in der Tü- 
bing. Ztätfchnft f. Theologie. 18S7. 4 Hefi. S. ISO fl. 



X- Vorrede. 

zen Buches bisher ßützte. Indefs zwingt uiis 
die BefdiafFenlieit jener Erzählung doch nicht 
zu der Vorausfetzung eines vom Urheber des 
übrigen Buches verfclüedenen Verfaflers* 

Uebrigens hat meine Anlicht, wie fie frü- 
her in der Einleitung dargelegt wurde, bei 
fortgefetztem Studium des Buches keine we- 
fentliclie Umänderung erlitten. Am allerwe- 
nigllen habe ich mich davon überzeugen 
können, dafs das Buch chrißlichen Urfprunges 
Xey; die dafür aufgeftellten Gründe habe ich 
unparteiifch erwogen, aber tlieils ganz un- "' 
ftatthaft, theils wenigftens ungenügend be- 
funden. Auch Gfrörer hat ficli für Abfaffung 
durch einen Juden erklärt. Nur über die ^^ 
Zeit, wo das Buch gefchrieben worden, den- -^ 
ke ich jetzt anders; um fo mehr bedauere ich, vi 
dafs die Abhandlung von Gfrörer^ welcher die il 
Ton Laurence und mir früher aufgeftellte An- x 
ficht zuverfichtlich gegen Lücke verficht, nicht \Si 
fchon damals erfcliienen war, als ich die für^ 
diefe Unterfuchung wichtigften Stellen zu er-^n^ 
klären hatte, um die etwa daraus entnomme-^^^ 
neu Zweifel zugleich mit berückQchtigen und^ 
beantworten zu können. Indefs bin ich der^^^ 
Hoffnung, dafs jeder, wer ohne VorurtheilA 



Vorrede: n 

die Anmerkungen zu Kp. 88 und 89. (befon- 
ders S. 749 fF. und S. 794 fF.) lieft, fich voU- 
kommen überzeugen werde ^ dafs wenigftens 
der gefchichtliche Abrifs Kp. 84 fF. und die 
Weiflagung von den 10 Wochen Kp. 92. am 
ScMuIs der jnakkabäiTcIien Periode entftan* 
den. Soll man aber alles Uebrige von dem«- 
felben Urheber ableiten, fo xnxiü auch delFen 
Abfaflungszeit etwAs früher, als bisher ge- 
fchehen, angefetzt werden. Hiermit läfst fich 
auch Kp. 54, 9. in Einklang bringen , da die 
Parther um jene Zeit in Syrien auftraten (vgl. 
S. 62.). 

Unter diefen UmJftänden ift das Buch He- 
noch , welches fo häi:i^g auf Stellen des Alten 
Teftamentes Rückficht nimmt, für die Gefchichte 
des Kanons von beforiderer Wichtigkeit. Das 
Nähere ergibt fich leicht aus den Anmerkun« 
gen. Wenn diefer Umßand ihm, da es nun 
ToUfländig vorliegt, die Aufrnerkfamkeit der 
Bibelforfche; , wie ich zu hoffen wage, ge- 
winnen wird, fo bedarf es wohl , um es allen 
Theologen überhaupt zu empfehlen, nur ei« 
ner Hinweifung auf Gfrörer's Erklärung (a. a. 
0. S. 134.): i,£me heffere Quelle für die Kennt- 
nifs des Zußandes der jüdifchen Glaubensweife 



XU V o r r e d ei 

vor und in den Tagen Jefu Chrifli gibt es 
nicht. *• 

Von den beiden Excnrfen, welche ich der 
Ufeberfetzxing habe; folgen laflen, hat der erfte 
die Beftlmmung, Von den Fragiüfeilten, welche 
vom griechifchen Suche Henoch auf unfere 
Zeiten gelangt fiild , eine T otdanfchauung zu 
geben , vorzüglich aber ihre Verfchiedenartig- 
keit und ihr Verhältnilis ^u dem athiopifchen 
Texte ins Licht zxx fetzeil« Der andere aber 
wurde durch eine in England erfchienene 
Schrift veraillafst und mir faß aufgenöthigt. . 
Ich glaubte nämlich der dadurch angeregten , 
wichtigen Frage mich nicht entziehen zu dür- : 
fen j da ich einmal noch im Stande war , mein ^ 
Urtheil darüber mitzutheileil. 

Den Freunden diefer Studien ift es viel- . 

vi 

leicht nicht gleichgültig , zu erfahren , dafs ich/* 
mit einer Ausgabe des ätliiopifchen Textes um- ^ 
gehe. Sobald die mir verheifsene CoUation ci- ^ 
ner zweiten Handfchrift mir zugegangen fcyii 
wird, foU rafch Hand ans Werk gelegt werden, 

A. G. Hoffmann. ^r^ 



Herrn Baron 

S\V\estre de Sacy 

Tiir rtm Fnnkreich , Comthur des Ordens der Ehrenlegion« 
Aitier des K. RuIT. St. Anneirordens 2ter Clt(re> Mitgliedo 
des Inäxtuu von Frankreich , der Akademie der lufchriftfiii 
und fch^'nen WiATenfcIiaften zu Paris und vieler anderer 
ALuicixiieen und Gefellfchaften des In- und Auslandes, Pi<i- 
fiiiemea der afiatifchen GefelUcliaf^ » Frofeflbr der aiabilcheu 

Sprach« «..f. w. u. f. w. 



^em unlterblich verdienten Veteranen 
Mter den wahren Kennern morgenlän- 
difcher Sprachen und Literatur 



Dem nimmer raftenden Förderer gründli- 
chen WilTens und echter Gelalutlieit 



vriril 



als fchwacher Beweis 



innigßer Verehrung und aufrichtigfier 

Hochachtung 

des dunkeln Buches Bearbeitung 
dem er zuerft ein treuer Deuter ward 



in Ehrerbietung und Danlibaikeit 



gewidmet 









vom Herausgeber. 



"Sc 



/ 



Vorrede. 



der erfteii Hlilfte meiner Bearbeitung deÄ 
es Henocli, welche ich hiermit den Ken- 

des Judenlhmns und der alteften chriftli- 
Kirche zu nachfichtiger Beurtli eilung über- 
, empfangen die Freunde unbefangener 
:hung den Anfang emer Reihe vonMono- 
lieen, welche zwar an ficli ein Ganzes 
lachen imd daher auch unabhängig von 
ider benutzt werden können und mögen, 

meiner Abficht aber als Glieder einer 
*, als integrirende Theile zufaminenhän- 
erUnterfuchungen, dazu beitragen follen, 
völlig eigentliümliche j üdifch - chriftliche 
atur bekannter, zugänglicher und ver- 
llicher zu machen , als fie es , wenigften& 

meiner Erfahrung , bisher war und feyu 
ite. Nach diefer meiner Aeufserung hofft 
vielleicht der iEine oder Andiere im An- 
e meines Unternehmens eine allgemeine 
tellung der jüdifch -^ chrißlichen Apoka- 
k und ihres Zufammenhanges mit ver- 
iten Richtungen, die Gefchichte ihrer 
:eliung, ihrer Fortbildung und ihrer Schick« 



VIII Vorrede. 

fale, eine Charakteriftik ihrer wichtigften Quel- 
len und Bildher und Aelinliches zu finden, 
würda ficli aber in feiner Erwartung getäufcht 
fehen. Nach reiflicher Ueberlegung fchien es 
mir nämlich bedenklich und unzweckmäfsig; 
auf diefe Weife zu beginnen und ich befchlofs 
daher, mit der Darftellung der allgemeinen 
Refultate Yielmelir den Cyklus meiner apo- 
kalyptifchen Studien dereinlt zu befcliliefsen. 
Manches läfst lieh allerdings für das entge- 
gengefetzte Verfaliren fagen; auch wdll ich 
Niemand getadelt haben, der bei aluilichen Ar- 
beiten den umgekehrten Weg betrat: indefs 
bin ich überzeugt , dafs fchon jetzt viele mei- 
ner Meinung find , da die Gründe dafür ziem- 
lich klar vorliegen und diejenigen, welche der- 
malen anders darüber denken, fpäter, nach 
Vollendung des Ganzen , gewifs mir ihre Zu- * 
XHmmung nicht verfagen werden. So viel fleht 
feft, dafs jedes Document ungleich freier und 
rücldichtslofer betrachtet und erläutert wird, 
wenn fich der Erklärer durch keine vorgefafste, 
wohl gar von ilim öffentlich bereits ausgefpro- 
chene,Vorfi:ellung gebunden ficht. Denn was im 
Allgemeinen von unferm Wiffen gilt, dafa. jeder 
Tag uns Neues bringe , mufs auch bei gewif- 
fenhafter Forfchmig in den fchwierigen und 
dunkeln Apokalyptikem Statt finden. Einen 
handgreiflichen^ Beweis kann, um nur das 
Naheliegende zu berühren , meine Einleitung 
in das Buch Henoch geben. Sie iA » wie maii 



L . 



Vorrede. , ix 

wohl fehen wird , erfl: nach wiederholtem und 
forgfaltigem Stadium des Buches entworfen 
und niedergefchrieben ; deimoch bin ich, bei 
dem fortdauernden Streben , den Sinn jeder 
einzelnen Aeufserung zu erfaflen und wieder 
2u geben, feit dem J. 1829, wo fie der Haupt- 
fache nach bereits in der AUgem. Encyklopädie 
der Wiffenfchaften und Kiinfte (2. Sect. Th, 5. 
S. 399 flF.) mitgetlieilt ift und feit ihrem Abdru- 
cke in vorliegender Geftalt, welcher im vorigen 
Sommer erfolgte, wenigftens über Einen Punkt 
zweifelliaft geworden, über welchen ich da- 
mals mit völliger Sicherheit und Beftimmtheit 
entfcheiden zu können glaubte. Ich meine die 
wichtige Frage , ob der Verfafler des Buches 
ein Jude oder Judenchriß war, bei deren Be- 
antwortung ich aüfserdem neuerdings Lücke in 
feinem intereflanten Verfuche einer vollßändigen 
'Einleitung in die Offenbarung Johannis und in die 
gefainmte apokalyptifche Literatur (Bonn 1832. 
8.), welcher mir erft zukam, nachdem, die Ein- 
leitung längft und dieUeberfetzungnebftCom- 
mentar fchon fall bis zu Kap. 40. abgedruckt 
worden w^ar, von Richard Laurence ^ dem eng- 
lifchen Ueberfetzer des Buchs Hcnoch und 
mir abweichender Anficht finde. Wie leicht 
könnten fich, wenn ich fchon jetzt, vor Be-» 
kanntmachung der einzelnen apokalyptifchen. 
Schriften und meiner fpeciellcn Unterfuchmi- 
gen über fie , daj Allgemeine , alle Angehende 
vor dem Publikum verhandeh^ wollte , Erf ah-» 



X Vorrede. 

ruiigen der Art vielfach wiederholen, was mir 
natürlich nicht hlofs meinet wegen, fondern 
auch und ganz befonders um derer willen leid 
thun müfste, w'elche fich für mein Werk und 
die darin dargeftellten Gegenrtände etwa in- 
terefliren. Uehrigens liefse fich der dabei 
ent flehende Nachtheil auch fchwerlich fo leicht 
befeitigen, als hier bei dem Bäche Henocli, wo 
eine jede der beiden über die Religion feines 
VerfalTers herrfchenden Anflehten gewichtige 
Gründe für fich auffiel It, welche nachträg- 
licli in einem Excurfe einer erneuten Durch- 
prüfung unterworfen werden köjnien, ohne 
dafs es nöthig wäre , bedeutenden Ramn dafür 
in Anfpruch zu nelmien. 

Meine Arbeit wird fich , wie der Titel aus- 
drücklich angibt, zunächft blofs über die hie- 
her gehörigen fchriftftellerifchen Producte der 
altern Zeit erftrecken. Nur wenn es der Sache 
angemeffen befunden und ausdrücklich ge- 
wünfcht werden foUte , würde ich mich zu' ei- 
ner Erweiterung meines Planes entfchliefsen, 
da der von mir felbfl gezogene Kreis fchon 
anfelinli;:h genug und, wie ich hoffe, auch 
liinreicliend ift, um das eigentliche Wefen und 
den Charakter der jüdifcli-chriftlichen Apoka- 
lyptik an den intereffaiiteflen Erzeugniffen der- 
felben zu erkennen und ihre wichtigften und 
aufFallendften Entwickelungen zu überfchaucn.' 
Eine Zeit lang J^be iqh darüber gefchwankt» 



Vorrede. 



%i 



ob es nicht erforderlich fey , mit den Büchern 
des Kanons anztiHeben, welche in die Katego- 
rie der von mir zur Erläuterung ausgewählten 
Schriften gehören, nämlich dem Buche Da- 
niel's im A. T. und der Johanneifchen OflFenba- 
rung in der Sammlung des neuen Bundes ; al- 
lein der Gedanke, dafs jene beiden Bücher fich 
einer allgemeinen Verbreitung erfreuen , dem- 
nach vollkommen bekannt find , hielt mich da- 
von zurück und brachte mich zu dem Entf chluf- 
fe, die unbekannteren nichtkänonifchenjvoran- 
zuftellen, ohne jedoch dabei ganz ftreng auf die 
Entftehungszeit derfelben Rückficht zu neh- 
men. Da mein Grundfatz ift, jede diefer Schrif- 
ten wo möglich immer nur aus ihr felbft zu er- 
klären, fo fchadet eine folclie Anordnung gewifs 
felbft dann nicht, wenn irgend eine derfelben, 
weil fie minder bekaimt ift oder aus irgend ei- 
ner andern Urfache, vor einer etwas früher ge- 
fckriebenen von mir behandelt werden follte. 
Werden nun, wie ich es aus angegebenen 
Gründen .wollte , zunächft die biblifchen Apo- 
kalyptiker zurück geftellt, fo hat unter den 
übrigen gewifs keiner mehr Anfprüclie, an die 
Spitze zu treten, als der Verfaffer des merk- 
ijvürdigen, viele Jahrhunderte für verloren ge- 
^lialtenen Buches Henoch. „Das Alter diefes 
Werkes, £agt[chonSilveßre de Sacy*)^ der 

*} Ntchxiclic das Buch Henoch betreffend» nach dem Franzöf. 
bearbeitet ' von Fr, Theod. Binh* S, SS. Vgi auch Journal 
des Scvans. Octobr«. 1822. p. 595. 






XII Vorrede. 

Gebrauch, den aclitungswürdige Scliriftftell^ 
von demfelben gemacht haben, das Anfehen, 
in dem es ehedem ftand, die Erörterungen, zu 
denen es Veranlafliuig gegeben hat, find völ- 
lig zureichende Motive für das aufgeklärte 
Publikum, eine vollftändige Ueberfetzung die- 
fes Buches mit dankbarer Erkenntlichkeit auf- 
zunehmen, ja fogar den Wunfeh in ihm rege 
zu machen, eine Ausgabe des älhiopifchen Ma- 
iiufcriptes felbft, begleitet von einer Ueberfe- 
tzung und kritifchen Anmerkungen, zu erhal- 
ten." Ei^e blofse Ueberfetzung würde in vie- 
len Stellen uiiverftändlich bleiben und müfste 
wenigftens durch erläuternde Noten dem Le- 
fer naher gebracht werden. Bei Ankündigung 
meiner Ueber tragung (vgl. Allgcm. Encykl. a. 
a. O. S.408.) hatte ich allerdings den Plan, der- 
felben nur hie und da einige Anmerkungen bei- ■ 
zufiigen; bei der Ausführung aber erweiterte - 
fich derfelbe , weil es mir verdienftlicher und ^ 
förderlicher fchien , diefen und die ihm älmli- ^ 
chen öder verwandten , ungenauen, nicht fei- ii 
ten dunkel und rhapfodifch redenden Schrift- i 
Aeller durchgängig zu commentiren und da- Vr; 
durch zugleich eine fiebere Bafis der darüber t 
anzuftellenden hiftorifch - kritifchen Unterfu- ^i 
chungen zu gewinnen. 'n 

Die erße Ahtheilung des Buches Henoch ■■{ 
erfcheint lediglich defshalb allein , weil es mir 
dadurch möglich wird, was ich fehr wünfche, j^ 



Vorrede. xiit 

vor Beginn des zweiten Bandes, welcher das 
Anabatihon des /^/aia^ enthalten foll, von Seiten 
der Mitforfch enden in den Urkunden des AUer- 
ihums etwaige Winke und Bemerkungen zu 
vernehmen, welche vielleicht für das ganze 
Werk leitend werden oder doch auf meine Me- 
thode hier und da einwirken könnten. Die 
ziieite Abtheilung, welche aufser dem Reft der 
Ueberfetzung und ihrer Erklärung noch einige 
Excurfe bringen foll, wird unverzüglich nach« 
folgen. 

In der Ueberfetzung habe ich mich mög- 
lichlt nahe an Laurence's englifche Verfion 
gehalten , um auch von der Form fo wenig zu 
verwifchen, als es beim Uebertragen in eine 
andere Sprache nur irgend angeht. Es fchien 
mir diefs beim Buche Henoch um fo unerläfs- 
Vicher zu feyn, da ich nicht das äthiopifche 
Original deflelben vor Augen hatte und die Sorg- 
falt, Einficht und Genauigkeit des englifchen 
Gelehrten*), welchen fogar, wie meine in der 
Erklärung niedergelegten Bemerkungen wohl 
auiser Zw^eifel fetzen, trotz alles Strebens nach 
Treue doch hier und da ein Irrthum befchlich, 
in manchen Stellen eine freiere Wendung, als 
nöthig war , ein theilweifes Aufgeben des Ei- 
gen thümlichen der Rede, und damit unver*- 

^) Silvefire de Sacy bezeichnet die Ueberfetzung delTelben alf 
(ehr ^f^-ürtlidi ^Journal des Savans Occobrc, 1822. p. 587* in 
der Aamerk.). 



XIV Vorrede. 

merkt eine Verdunkelung des Gedankens und 
des Zufammenhangefi zugelaflen haben könn- 
ten, Mängel, welche fich ohne feftes Anfchlie- 
fsen an das Englifclie, in der deutfchen Ueber- 
fetzung unausbleiblich vermehrt haben müfs- 
ten. Zwar würde mein innig verehrter Freund 
und ehemaliger Lehrer Gejenius^ nach feiner > 
bekannten Gefälligkeit, mir feine Abfchrift des ^ 
äthiopifchen Textes , wenn ich ihn darmn ge- < 
beten hätte, fchwerlich verfagt haben , allein?: 
ich konnte es nicht über mich gewinnen , ilui tc 
darum anzugehen, weil ich wnfste, dafs er das -A 
Buch felber mit lateinifcher Ueberfelzung her- \ 
auszugeben beabfichtigt. Da übrigens die Pari- ;iej 
fer Handfchrif t, welche ihm vorlag, „vonFeh-^j^f 
lern wimmelt"*), die CoUaliou aber mit dcr.Ujj. 
Bodlejanifchen, foweit mir bekannt ift, niclü.^jj 
über die erften Kapitel hinausgeht, würde anocitQ^ 
Ende die davon gehofft e Hilfe mit der darauJ^ij^y 
zu verwendenden Mühe niclit einmal im Verrh 
hältnifs gewefen feyn, weil ich die dabei nö-itj,^ 
thigen plnlologifch - kritifchen Unterfuchuu^ *" 
gen hätte zurück halten müfsen, wenigftens ihL^ 
diefer meiner Schrift, als ihrem Zwecke fremd 
nicht benutzen dürfen. Hätte ich indefs auck 
mein Gefühl bekämpfen und meine Bedenklich 
keiten zu unterdrücken vermocht, fo würd^». 

*) Silv, de Sacy in der Nachriclit dns Budi IlenocK beln /" 
fend S. 52- und Journal des Savans Ort. 1822. p. 587. (Ann-tÜT 
Nach eigner Betracjiinng der von Oefenius gefeitigten i 

rdiriTB muü ick dieüi völlig bofiiügeu. ^ ^ 

Vi 



Vorrede. xv 

ich das Original doch nur für einen Theil des 
Buches haben benutzen können, da Gejenius 
Abfchrift, foviel ich mich aus früherer An- 
ficht derfelben erinnere, in den fechziger Kapi- 
teln abbricht und eine AusGcht, durch andere 
Gelehrte den Reit zu erhalten, meines Wiffens 
fich bis jetzt noch nicht eröfFnet hat. Im All- 
gemeinen mochte der Ton der lutherifchen. 
Bibel überletzung auch bei Ueber tragung der 
Pfeudepigrapha vorzüglich anwendbar feyn 
und ich habe mich daher beltrebt, ihn zu er- 
reichen. Das orientalifche Colorit wird dabei 
in fo weit beibehalten , als es fich mit dem Ge- 
nius Txnferer Mutterfpjache verträgt; in ver- 
renkter Stellung und unnatürlicher Conftruc- 
tion den Sinn eines morgenländifchen Schrift- 
fteUers- wiedergeben, heilst nicht überfetzen. 
Nur feiten, denkeich, wird man, wjp Kp. 19,2. 
45, 3., in meiner Ueberfetzuilg auf kleine Har- 
ten ftofsen und nirgends ohne fichtliches Hin- 
weifen auf Kürze , Gedrungenheit und Abge- 
brochenheit des Grun4textes. 

Da Laurence's englifche Ueberfetzung aus 
dem Buchhandel verfchwunden ift*) und nur 
aus den bedeutendften Uni verfitäts- Bibliothe- 
ken xinferes Vaterlandes zur Benutzung erlangt 
werden kaim, wird es wohl um fo weniger 

'•) Nach einem f inHeCi unverbftrgtem » GeraöHt foll der Verfaf- 
Cer« jetic BiCchof der «nglikagifohen Kirche, deu Vertrieb 
felbft behindert haben. 



L^ünniiciilor vc linlx ilcL \][\])c. ]]( i 
den Anr:iiii.'.-bn(lilial)cii Jriiics -\;iii 
deiinieiiiigcji llroug gcrchiedeii. 
Silveßre deSocy iibertrageiieii Abfc 
ich die Angaben beider Auctorilälc 
gig verglichen. Meiftens nnd im ^ 
Aimnien fie zurammen*); olFenbai 
ges Zeugnifs für die Richtigkeit \ 
fetzungen. Bevor das Original durc 
alleii zugänglich geworden ift, niüi 
auf die verlaflTen, deren glüchlic] 
befähigte, aus erfler Quelle zu fch 
dieAnmerhungen, womit Silveßre c 
Proben in der Notice du livrc d'E 
ftattet hatte, und IVinlCs Zulatze daz 
chen, fo weit ich es noch vernioch 
cke's Anflehten in feinem fchon crvvi 



♦) Uebcr clic Grihnle der ^hwiirlmiii^i-ii \o\i « 
fich Silveßre He <Sacy Ulhil (Joiiiii. di-i Sii 
p. 587. Aiinicrlx.) dalli II : Ccs diffcrences vif 
ce aue i'ai ntiplmtpfnit »!*»••/•.. i — '*■ » 



Vorrede. 



XVII 



fuche ein. Einl. in d. OfFenb. Johannis , w^irde 
ebenfalls von mir Rückficlit genommen, damit 
mein Werk alles in fich vereinigte , was bis- 
her über das Buch Henoch gefchrieben worden 
iß. Laurence's Einleitung in das Buch Henoch 
liefere ich in einer Ueberfetzung wegen ihrer 
Wichtigkeit (vgl. S.,32.); einige Bemerkungen^ 
welche ich beifügen zu muffen glaubte, find 
durch das Zeichen (7J.) hinreichend vor feinen 
eignen Noten ausgezeichnet. 

Ueber den Umfang des Commentars und 
feine BefchaflFenheit wird das Urtheil vielleicht 
verfchieden ausfallen. Es lag in der Natur 
meiner Aufgabe, dals derfelbe fich meifien- 
theils mit Sacherklärurig befcliäfügte ; diefer 
meiner Pflicht bin ich auch immerdar einge- 
denk geblieben , fo dafs das Sprachliche über- 
all ganz imtergeordnet und Nebenfache ift. 
Wer daher vom Aethiopifchen auch gar nichts 
verfteht, wird fich meinen Erläuterungen doch 
vollkommen gewachfen fühlen und das wenige. 
Philologifche , was für ihn nicht ift , olmie alle 
Anftrenguiig und Störung übergehen können. 
Ja ich mufs recht fehr wünfchen, dafs Nie- 
mand fich durch den fremdartigen Anblick der 
athiopifchen Buchftaben, auf welche fein Auge 
zuweilen ftöfst, von dem Lefen meines Buches 
zurück fchrecken lafle. In einigen Kapiteln 
find die Anmerkungen hauptTächlich dadurch 
fo angefch wollen > dafs Aeufserungen der Kir- 



XVIII Vorrede. 

chenväter zubeacliten waren ; allein ich glaubte 
mir diefs nicht erlaflTen zu dürfen, weil gerade 
durch folche Allegate die Ueberzeugung von 
der Identität des vorliegenden Buches mit dem- 
jenigen, welches die ältefte chriftliche Zeit 
kannte, fich allmälilich aber defto ficherer be- 
gründet. Kennern ift nicht nötliig zu lagen, 
dafs ich mich in der Auswahl fehr einfchränken 
mufste , wenn die Bemerkungen , welche der- 
gleichen enthielten , nicht ganz unverhältnifs- 
mäfsig lang werden follten ; um jedoch wenig- 
ftens mehrere davon benutzen zu können, wur- 
den fie unter die Parallelftellen vertheilt. Die 
Lehre, die Diction und der Bilderkreis der 
Bibel haben die ihnen gebührende Beachtung 
erhalten, und fchwerlich ift etwas unberüch- 
fichtigt gelalTen, was dem altteftamentlichen 
Exegeten und Alterthunisforfcher b/auchbar 
feyn möchte, 

Jena, am 10. July 1833. 

Dr. A. G. Hoffmann. 



Ei n lei. tung. 

len Namen Henoeh^ genauer nach dem Hebräi« 
Oisinoch (TjUn), fuhren vier biblifche Pcrfo- 

es heiTst nämlich To : der älteße Sohn Kains « in 
Silier. Bibelüberfetzung Hanoch genannt; dann 
tcfte Sohn Ruhen's (1 Mof. 46, 9. 2 Mof. 6, 14.) ; 

ein Sohn des Midian (1 Mof. 25» 4.) und endlich 
achkomme Seths» der Sohn Jared's, Vater des 
fala und UrgroFsvater Noah*8. Diefer ab&chtlich 
t erwähnte ift allein hiß orifch wichtig » weniger 
Inrch das , was die heilige Urkunde von ihm be- 
t, obfchon diefs fehr zu feinem Lobe gereicht» 
dmehr durch die verfchiedenen Deutungen , wel-^ 
^er frazmentarirche Bericht über feine Schickfale 
len hat, durch die fabelhaften Ueberlieferungen« 
b< an feinen Namen und feine Ferfon geknüpft 
tn find und durch ein räthfelhaftes fchriflßelleri- 
Erzeugnifs, welches ihm untergefchoben wurde« 
lafe dt^ Zeit verloren ging und erft feit 11 Jahren 
ler vollftändigen Ueberfetzung unter uns bekannt 
rdcn ift. 

)em einfachen Gefchlechtsr^gifter der Sethiten im 
iap. der GeneBs ift ein inteveffantes Fragiosent über 
I Henoeh' eingewebt. Er wandelte mit-Gott, hcjfst 
22 u. 24. 9 und er war. nicht mehr.f '4rän Gott 
1 ihn hiniveg. Es war «äViUfh eine weit verbrei- 

^ Benocb. 1 



2 Einleitung. 

tete* Anficht des Alterthumcs , dafs folchc Menfch 
welche fich durch frommen Sinn und Religiofität 
Andern auszeichneten und an denen daher die Gott 
ein befonderes Wohlgefallen fände, durqh ein bald 
Hinfeheiden der Erde entriflen und in die Wohnun 
des Himmels aufgenommen iimürden '). DerAusdru 
Gott nahm ihn hinweg ^ ift von einem Entrücken 
felben in den Himmel zu verfteb&n ')• Von den übri 
Patriarchei^ bedient fich die heilige Urkunde des gewc 
liehen Wortes ßerhen (rsO^Y) ; nur beim Henoch im 

fic eine Ausnahme und will alfo unftreitig damit ci 
Wink geben, dafs diefer nicht gerade fo wie j< 
von hinnen gefchieden fej ^). Man hat darüber gef 
tQn 9 ob die Erzählung der Gencfis fo zu verßchen 
dafs Henoch den Tod erlitten habe oder nicht. N 
^Sir. 4^9 16. heifst es von ihm /lereriSi; (transpofitus 
und Hehr. 11 » 5. ausdrücklich: er ward hinweg 
nommen, oJme den Tod zu fehen. Die hier gebrau< 
Redeweife: Gott nahm ihn hinweg^ kommt auch 
Elias Himmelfahrt vor (^Kön. 2, 3 ff.) und ahn 
drücken fich die Evangelißen aus, wo fie Jcfu Hing 
zum Vater berichten (Mark. 16, 19« Luk. 24,-51 
darnach rechtfertigt ßch die Erklärung des Briefes 
die Hebräer als richtig. Diefe Hinwegnahme des 
noch ift alfo das Gegenßück zur HöUeufahrt der 



1} S. Henkels Magäkzin lur Religionsph. , Exeg. und 
chengefch. 6r Bd. U Stck. , wo Ruperti die diefen G 
lieii b«A9fig«iiden Stellen der KlaiBker gefammelt 
In dev fiibel vgl. unl. andern t Kon. 2, «nd Weiih. 4 

2) £tw«r fufden BfdBncamp in Paului Memorabil. 2i 
S. 151 IT. Vgl. auch Bauers hebr. MyUioI« IrBd. S.2( 
und die Erklärer des A. T. zn 1 MoL h, f/k. 

B) Buddei Hill, ectl^ Vel. Telt T. I. p. 151. («d. 2.) 



Einleitung. 3 

rachitcn (4 »lof. 16, 31 (FO; sugleich enthalt fic, ivic 
die analoge Erzählung von Elias (2 Kein« 2.), einen lei- 
Ten Anklang der Lehre von der Unßcrblichkeit und 
dem feligen Seyn der Menfchen bei Gott. 

Diefe kurze Kotiz der heiligen Urkunde ift nach- 
znals erweitert und durch viele fabelhafte Züge ent- 
ftellt worden; die Juden und ihnen (ich anfchliefsende 
Chriften begegnen fieh mit den Orientalen in folchen 
Fabeleien. Vor Allem wichtig ift es aber, dafs dem 
Her.och in der Sage allgemein Viüonen und Prophezei- 
hun^cn ^o^e/chrieben ^yurdcn und dafs diefe von ihm 
feJbft in ein eignes Buch verzeichnet, in demfelben fei- 
nem Sohne überliefert, durch Noah in der Arche erhal- 
ten und nachmals der Welt verkündet worden feyn 
foilten. Ein folchesBuch kam denn auch wirklich aum 
Vorfcbtin. Man Hefa lieh dadurch nicht irre machen, 
äib es )V, wenn es wirklich fo alt und von Henoch 
herkäme , unfehlbar in die Sammlung des A. T. aufge«* 
Gonixnen fejn w^ürde; fondern liefs es für das gelteui 
vroiox es fich ausgab : für eineNachlalTenrchaft des Gott 
ie£ä[lligfn Patriarchen« Die ältere chrißliche Kirche 
i^f ziacfa ihrer Eigenthümlichkeit der hohem Kritik 
weder geneigt noch auch fähig, und fuchte nur fich 
ans oniergefchobenen Schriften das anzueignen , Was 
&r d^B praktifche Chrißenthum von Bedeutung fehlen. 
Avf gleiche Weife verfuhr fie mit dem angeblichen 
lache Henochs. Die Benutzung delTelben im Briefe 
hig (7. 14. 15.) und bei den Kirchenvätern war davon 
6 Folge. Beim allgemeinen Verfall der Wüfenfchaf- 
^ theOte diefe» Buch das Loos andrer Ueberreße des 
tterthnmes; ea verfchwand. Späterhin Wurde haupt- 
'^ich durch die Stelle im Briefe Juda die Aufnyrk- 
'^^didc wieder darauf gelenkt, man erfchttpftc fich in 



4 Einleitung. 

Vcfxnütliuhgen darüber *). In der neneßcn Zeit ift 
denn ein äthiopifche's Buch unter diefem Namen ge- 
fanden , nach Europa gebracht und durch Richard 
Laurence in einer englifchen Ueberfetzung bekannt ge- 
niäcHt worden. Ueber diefes nun, feinen Inhalt^ Wer- 
foffety feine Ahfajfungszeit und feinen Zweck mufs 
'man' erft ins Klare kommen , ehe die -virichtige Frage 
ienttchieden werden kann, ob es äiit dem von den Kir- 
chehvStern citirten und verloren gegangenen einerlei fey. 

Das Ganze zerfällt nach den Handfchriftcn in Ka- 
pitel und Verfe; allein es herrfcht zwifchen den ver- 
fchiedenen Manufcripten keine Uebereinßimmung ; Lau- 
rence folgt in feiner Ueberfetzung der Eintheilung der 
bodleianifchcn Handfchrift. Damach enthält das Buch 
IOd Kapitel von^fehr verfchiedener Länge; neben der 
Iiapitelabtlicilung ift noch eine andere, nämlich in Ah* 
fchnitte oder ' Sectiönen angewendet. Ihrer lind 19; 
Sect. II. beginnt mit Kap. 7.; Sect. III. mit Kap. 12.; 
Sect. IV. mit Kap. 17. ; Sect. V. mit Kap. 22. ; Sect. VI. 
mit Kap. 37.; Sect. VII. (nach dem bodlei. Mfcpt, da- 
gegen nach Parifcr Sect^ VIII.) mit Kap. 45. ; Sect, IX. 
mit Kap. 5ö. ; Sect. X. mit Kap. 59.; Sect. XI. mit 
Kap. 64. (welches iii dem bodlei. Mfpt Kap. 63. V. 2. 
Ift); Sect. XII. mit Kap. 69.; Sect. XIIL mit Kap. 71.; 
Sect. XIV. mit kap, 72. ; Sect. XV. mit Kap. 75. ; Sect. 
XVI. mit Kap. 82.; Sect. XVII. mit Kjap. 84.; Sect. 
XVill.'mit Kap. 90.; Sect. XIX. mit Kap. 91. AuiFal- 
lend ift es, dafs nach den in den Handfchriftcn ge- 
wählten Zahlen einige Kapitel fehlen ; fo vermifst man 
in ^em bodlei. Mfpt. Kap. 11., im Parifer dagegen ift 



4) Man findet die verfchiedenen Anflehten gefammelt in 
Fäbrie.Cod. Pfeudepigr. V. T. p.lGO ff. - 



E i ji 1 c i t u 11 ^^ 5 

es Torhanden und enlhält den Text, welcher in jenem 
Kap. 10, 28. 29. ausmacht; der Parifcr Handfeh. fchll 
dagegen wieder die Bezeichnung von Kap. 17., obfchon 
der Anfang eines neuen Abfchnittca (SccL IV.) ange- 
deutet worden. So vermibt man ferner Kap. 36..un4 
Kap. 58. (was bei Laurence p. 60 als folches aufgeführt 
wird 9 iß in den Handfchriften ein Theil von Kap. 59.) 
Dagegen kommen einige Kapitclbezeichnnngcn zwei 
Mal vor , näm\ich Kap. 48. ( das crßc Mal mit 1 1 , das 
ivrcite Mal mit 4 Verfen) und Kap. 104. (einmal mit 
Jl und dann %neder mit 2 Verfen). Unftrcitig ift in 
dem Bache auch Manches durch F'erfetzung an eine 
f^lfcbe Stelle gekommen \ diefs ift nicht etwa blofs bei 
einzelnen Verfen, fondern auch grüfscrcn Stücken der 
Fall; es hat fich daher Laurence einige Umßcllungeu 
erlaube, deren Notli wendigkeit kaum zu bezweifeln 
fern dürfte. Die "wichtigßcn derfelben find folgende : 
Kap. 20. fetzt Laurence unmittelbar nach Kap. IG. ; in 
der Stelle, wo e^ die Handfchriften haben, unterbricht 
tt oSeabar den Zufammenhang, allein nach Kap. 16. 
\& o gxaz paflend, denn es bildet eine Einleitung zu 
der in Kap. 17 ff. enthaltenen Erzählung. Was die 
HaRdfchriften in Kap. 59. zwifchen V. 11 u. 12. anfüh- 
KB. ifi ebenfalls nicht an feinem Orte, daher von Lau« 
rmce als ein 58ftes Kap. (welches fehlte) eingefchoben 
vorden. Nach Kap. 63, 1. beginnt eine auf die grofse 
nnth bezügliche Vifion iVoaA^j (Kap. 64 — 67.), wel- 
che diefer Patriarch felber (nicht Henoch) berichtet, und 
Weide unfireitig eine Interpolation ift, die den Zufam- 
Aonhang v5l1ig aufhebt. Laurence hat daher diefe Vi- 
'bb ans Ende des Buchs als eine fremdartige Zugabc 
v^eTen. In Kap. 90. ift nach V. 14. ein kleines 
^^ von 6 VcnTfen durchaus ftörend; Laurence ver- 



6 Einleitung. 

Tetzt es in Kap. Ol. nach V. 12., wohin es auch unßrei- 
tig gehört. 

Jene Kapitekintiheilung^ welche wir im Ithiopi- 
fchen Buche Henoch antreffen » ift übrigens durchaus 
willkuhrlich und wie es fcheint, ohne Rücksicht auf 
den Inhalt gemacht. Zweckmärsiger find in diefer Be« 
Ziehung die Abfehnitte unterfchieden , obfchon auch 
der eine oder andere von ihnen fich noch belTer hätte 
abgränzen lalTen. t 

Den Inhalt des Buches Henoch in der Ki'irze dar- 
cußcllen , ift nicht ohne Schwierigkeiten. Das Buch 
befteht I. aus eintt Einleitung zum Ganzen (T\7i\t. 1-— 
6.)9 mit einer Art von Ueberfchrift, worin von Henoch 
zunächft in der dritten , dann aber durcbgängig in der ^ 
erßen Perfon die Rede iß. Sie bezeichnet Henoch als ' 
einen gerechten , durch höhere von den Engeln ihni^ 
gewordene Offenbarungen ausgezeichneten Mann und> 
feine Ausfprüche als Segensworte an die Auserwähl-v 
ten und Gerechten , während fie doch Togleiob in eine'I 
Schilderung der Erfcheinung Got|:es zum Gericht übei-L-; 
die BöCen überleitet (Kap. 1, 1.). Was er Tahe» das ge>4 
Tchieht einß in femer Zeit (V. 20- Um der Auserwähl-^u 
ten willen redete er mit dem heiligen und mächtigef^s, 
Gott der Welt (V« 3*— 4.), der auf dem Berge Sinai tti^ 
fclfeint mit feinen Heerfcharen. Alles« fährt er forti^^ 
wird erfchreeken, auch die Wächter (Engel), die gans^ 
Natur geräth in Aufruhr» denn Gott kommt zumtScl;]};. 
rieht in Begleitung feiner Heiligen ^V. 5. und Kap. \)\y 
vergl.3rief Juda V. 14. 15.); die Frommen werden eiv. 
halten und von Gott bcreligt (1, 6. 7.). Die Bewol^. 
ner des Himmels willen , was gerchieht» fehen, wi^j? 
die Natur unveränderlichen Gcfetzen folgt» welche Got,. 
ihr gegeben (Kap. 3, 1 — 6, 3.}. Die böfen Menrchet; . 



Einleitung. 7 

(der VcrfalTeT red^t fie felbß an) harren nicht in Geduld, 
erfüllen auch Gottes Gebote nicht; dafür foll ihr Leben 
verkürst -werden , und Fluch und Verderben fie treffen 
(6^3 — 8 u. lO.)* I^cn Gerechten dagegen wird Weis- 
heit xn Theil , fie erreichen ein hohes Alter in frieden 
(6, 9. 11. 12.). 

II. Veranlaffmi^ der Geßchte HcnoclCs ( Kap. 7 
— lO.)- lUne Anzahl von Engeln (nacli 7, 7. find ih- 
rer 200) entbraint in irdifcher Luft gegen die Tüchier 
dcrMenTchen wegen ihrer Schönheit, undfafst denEnt- 
fdlafsy fich mit ihnen zu. vermählen. Sie verbinden 
/ich auf Samiaza's VeranlalTung eidlich zur Ausführung 
ihres Planes und zwar auf der Spitze des Berges Her- 
mon (7, 1 — 9.). Sie seugen mit den erwählten Dir- 
nen ein Riefengefchlecht von 300 Ellen Länge, wel- 
ches nidit zu fättigen ift und alles Lebende verfchlingt 
(7,10 — 14.). Zauberei, Aftrologie und Unrecht grei- 
fen um fich auf der Erde (7, 10 u. 15. 8, 1 — 8.). Die 
Summe der Klage dringt zum Himmel v die Engel Mi- 
chael, Gabriel, Raphael, Suriel und Uriel gewahren 
£e allgemeine Noth und verwenden fich bei demHöch- 
hsk für' die Bedrängten (8, 9 — 9, 14.}- Gott fendet 
hierauf einen Engel an Lamech's Sohn (Noah) , um die 
Ankunft der Fluth zu verkünden und ihm Mittel zu fei- 
ner Rettung anzuwerfen (10, 1 — $.)• ^^nn den Ra- 
phael , um den Azaziel , den Hauptverfiihrer zur Zau- 
berei» zu feffdn, in die Wüfie Dudael zu briugeu und 
mit fcharfen und fpitzen Steine^i zu hedeclucn, bis er 
am Tage des Gerichts ins Feuer geworfen wird ( 10, 6 
— 9.). Nicht alle Mcnfchen fallen umkommen; denn 
fie find verführt von Anazid (10, 10 — 12.). Gabriel 
erhielt den Befehl, die Nachkommen der Engel und 
Dirnen gegen einander zu erregen und dadurch zu ver- 



8 Einleitung. 

derben » ohne fich darch Fürbitten ihrer Aeltern bewe- 
gen ztL lalTen (10» 13. 14.)* Auch Michael mufa zu Sa^ 
miaza und Feinen Mitverbrechem gehen» und fie, nach- 
dem der Untergang der Ihrigen vor ihren Augen ge- 
fchehen, binden für 70 Generationen hh auf den gro- 
fsen Gerichtstag (10» 15 — 20.)- Dann wird Recht und 
Gerechtigkeit herrfchen» die Heiligen preiFen Gott» fie 
leben in Freude und Frieden und beugen jeder 1000 Kin- 
der; reicher Segen bedeckt die Erde (10» 21 ~ 20.). 

III. Sendung Henoch*8 an die gefallenen Engel» 
feine Fürbitte für fie und Vifion über die ihnen zuer- 
kannte Strafe (Kap. 12 — 16. »)). — Ehe diefs Alles ge- 
fchahe» war Henoch verborgen» Niemand wuPste» wo 
er fey; er war mit den Heiligen und den Wächtern, 
welche ihn Henoch den SchreiSer (vollßändig SchreU 
her der Oerechtigkeit) nannten (12» 1 — 4.). Ihn fen- 
dete Gott» wie Henoch erzählt (12» 5 ff.)t ^^ d^" g^ 
fallenen Engeln , . um ihnen ihre Strafe anzukünden. 
Als er diefs unternimmt» erfchrecken diefe gewaltig 
und bitten ihn dringend» >für fie eine Bittfchrift aufzu- 
fetzen (13» 1 — 6.); Henoch thut es und lieft die Bitte 
l&m Vergebung ab» bis er in Schlaf finkt (13» 7. 8.). 
Im Traume fieht er ihre Strafe » beginnt ihnen nachher 
denfelben zu verkünden (13, 9 — 11.). Unter andern 
fieht fich Henoch auf einer Wolke in den Himmel ge- 
hoben (14» 9 ff.)» fchaut den Thron Gottes» deflen Kleid 
glänzender als die Sonne und weifser als Schnee (l4^ 22.). 

# ^ 

Zitternd und verhüllt ftand er da» Gott aber hiefs ihn 
näher treten (14» 24. 25.) und verkündet ihm , dafs für 
die gefällten Engel keine Vergebung zu hoffen ift und 
ihre Söhne umkommen folleu (Kap. 15 u. IG.)* 



5) Kap. 11. fehlt. 



Einleitung. 9 

IV. Rtife Henoch'5 durch verrdiiedene Regioucn 
der Erde und des Himmels (Kap. 17 ^)— 35.), voll der 
phantafiereichfien Schilderungen im Geiße der Apoka- 
iTpfe. Ohne weitere Angabe der Veranlagung erzählt 
Henoch von fich in der trßen Perfon , er fey an eiuen 
Ort entrückt worden» wo ein Feuer zu brennen gefchie- 
nen. Erft Kap. 20.» welches unmittelbar nach Kap. 16. 
fiehen und diefen fchönen groben Abfchnitt einleiten 
Füllte , "werden die Engel (Wächter) namhaft gemacht« 
^vc\cbe diefe Entrückung bewirkt zu haben (chcinen 
(T. 17, i.J imd, wie es heifst, Menfchengeßalt anneh- 
men konnten, wenn es ihnen beliebte: UrieU RaphatU 
Ragucl^ Älichael^ Sa^akiel und Gabriel. Sie führten 
ihn auf die Spitze eines Berges, der bis an den Himmel 
reichte; hier fchaut er die BehältnifTe des Lichtes und 
des Donners, einen feurigen Bogen, Pfeile in dem Ko- 
dier, ein Schvrert von Feuer und Blitze jeglicher Art 
(17, 2. 3.). Dann kommt er zu einem gerAiwäizigcn 
Stronae, zu einem Feuer in Wetten, welches die Sonne 
\if\m\liiier?ange aufnimmt, zu einem FcuerfluITe, der 
^ in das Weltmeer nach Wetten mündet (17, 4.) ; gc- . 
Itngt rar dichten Finftemifs, zu dem Orte, von woW 
illfs Reirch ausgeht, und fchaut die dunkeln Berge, 
wdche den Winter bringen, die Quellen aller FlüIFe, 
toi Schlund der Tiefe (17, 5. 6.), die Behaltniffe der 
Winde und ihre verfchiedenen Arten (18, 1. 3 — 6.), 
itEckftdn der Erde (18, 2.), den Pfad der Engel 
r'^70 vu^d ^as Ende der Erde, worauf das Firmament 
rtti fl8, 8.). Er wandte fich dann nach Süden; dort 
^nten Tag und Nacht fechs Berge von herrlichen 



(jDu PsTiCer MfpL beseichnel das |7le Kap. nicht, deutet 
•faer an, dals hiar ain neuer AbfchniU (SecL i V.) beginne. 



t 



10 Einleitung. 

Steinen , 3 nach Oßcn und 3 nach Süden zu , eine lo- 
dernde Flamme war über dcnfelbcn ; er fchaule auf der 
andern Seite einen weiten Raum , wo ßch das Waflier 
fammelte und in feurigen Säulen des Himmels irdiCchc 
Brunnen; aber er fahe auch einen Platz, über dem keia * 
Firmament ruhte und unter welchem kein fefler Boden - 
fichtbar, der ganz öde und leer war. In dcmL'elbcn er- <■ 
blickte er 7 Sterne, grofsen Feuerbergen gleich; es ift ^ 
das Gefängnifs der himmlifchen Heere und jene Sterne ^, 
find Uebcrtreter des göttlichen Gebotes (18, 9 — lG.t; 
vgl. 21 , 1—3.). Hier ^), berichtet dann Uriel (19, 1 -J 
—2.), wählten die Engel, welche fich mit denMen-.-^i 
fchen vermifchten, ihre Führer; aber fie werden g^*::^ 
richtet und die von ihnen Verführten dazu. Nur denv:^, 
Henoch allein ward im Voraus Kunde davon (19, 3.)«:^ 
Einen andern fchrecklichen Ilaum voll lodernden Feuers,: > 
welchen Henoch gewahr wird, erklärt Uriel für daf.A 
Gefängnif#der Engel (21, 4 — 6.}. Hierauf gelangt dei. ^ 
Patriarch zu der Wohnung der abgefchiedcnen Seelen; ^^' 
wo fie bis zum grofsen Gerichtstage weilen; die dev^ 
.Frommen find gefchieden von denen der Gottlofeij-^ 
(Kap. 22.). Abels Stimme hört er dort zum Himxnc; 
fchreien (22, 6 — 8.). Nach Weften zu am Ende dcij 
Erde erblickt er ein unaufhörlich laufendes Feue;^.^ 
nach llagucls Erklärung das Licht der Himmclskörpi,. 
(23, 1—5.). An einem andern Orte fchaut fein Aii|^ 
einen immerfort glänzenden Feuerberg, beim Näbsi^. 
fchreiten erkennt er 7 fchimmemde , ganz vcrfchiedeij/ ^ 
Berge, 3 gegen OfieDi 3 gegen Süden und einen in iC^ 



7) Es Ift nicht ganz klar, ob der kurz vorher rrwahrii^S 
Humn gemeint fey, doch kann os iiAch dem Zufaunn^^sc^ 
hangt nicht anden veriiandcn werden. \ 



Einleitung. 11 

Rlitte; über ihnen allen Cchien ein Thron zu fcyn und 
zings umher ßanden herrlich duftende Däumc, doch ei- 
ner daron XTMt fchöner und trefflicher als alle (24» 1 — 4.)* 
Diefes Gebirge, Tagt Michael dann, ift der Sitz, auf 
vtlchem fitzen wird der heilige und grofse Herr des 
Ruhmes, der ewige König, wenn er kommt und her- 
abßeigt, heim zu fuchen die Erde mit Güte (24, 5 — 8.), 
der Bamn aber. wird, wenn die Büfen hinweg gerafft 
Eind, den Yrommen zu Theil; diefe leben dann lange 
wie die Altrordcm und nichts ftört ihr Glück (24, 9 ff.). 
In der Mitte der Erde fieht Henoch neben fchonen Ge- 
filden ein dürres und enges Thal , wohin Alle die kom- 
merr, welche unziemlich von Gott reden (Kap. 25 u.26.). 
Nach dem Befnche mehrerer anderer Orte, über deren 
Zvcck kein Wink beigefügt wird (Kap. 27 — 31.), er- 
reicht er das Paradies und fieht auch den Baum, der 
Weisheit gibt und von dem die StammHiteni zu ihrem 
Ccdück genoffen (31, 2 — 5.). Am öfUichcn Ende«) 
fcErde findet er grofse Tliiere und Vögel von verfehle- 
^ei Torrn und Art (32, 1.), und ößlich von ihnen die 
'Iwre des Himmels , aus welchen die Sterne hervorge- 
ht die Namen der Sterne und die Zeit ihres Erfchei- 
Vns, ihre Gefetze und Wirkungen fchreibt er auf nach 
Crids Belehrung (32, 2— 4. vergl. 35, 2.). An den 
Tandem Enden der Erde find ebenfalls Thore, aus 
faoi die Winde hervorbrechen (Kap. 33, 1 — 35, 1.). 
Kc Tifion fchliefst mit dem Preife Gottes (35, 3.) , zu 
V^em fich Henoch auch fchon bei einigen Darßel* 

8) UjiArtitig iA diefes gtmcint, obfchon blofs Ende dafleht; 
ina Henech mnfste, um zum Paradiefe zu kommen, 
«irieäWj gehen und das trythräifche Meer pa/Iirefi(31,2.)- 
Auch kommt er von da ans nördliche (33* U), dann a^s 
»^tftiiche (Hf 1) und füdliche (35, 1) Ende. 



12 Einleitung, 



lungen ermuntert fühlte (22, 14. 15. 24, 11.). — Ein 
durchgreifender Plan läfst fich in diefcm Stücke nicht 
▼erkennen, nur werden manche Wiederholungen ftorend« 

V. Kap. 37. b.ildet ^inc Art von Ucberfchrift un4 
Einleitung zu den folgenden Abfchnitten ; die dritte 
Ferfon, womit es beginnt, wird noch in V. 1. mit der 
erflen vertaufcht. - Die Vifion , welche berichtet wer- 
den foll, heifst die zweite^ obgleich in den frühem 
Kapiteln wenigßens fchon zwei Vifioncn da waren. 
Die Weiehcij:, welche dem Hcnoch zu Theil gewor- - 
den, war in 103 Parabeln gehüllt (37, 3.}, und er fagt, ^ 
er habe fie den Bewohnern der Welt mitgetheilL Indefe s 
finden wir im Buche Henoch's nur drei; nämlich. die i^ 
erfic Kap. 38 — 44., die zweite Kap. 45 — 55 und die 
dritte Kap. 56 — 68. ;. 

VI. Die erße Parabel beginnt mit einer kurzen • 
prophctifchen Rede über den Untergang der Böfen (38« ^ 
1— -39» 2.); dann erzählt Henoch, wie ihn eine Wolkp^ 
zum Himmel aufgehoben, er fchaut den Wohnlitz der..- 
Seligen und fehnt fich, dort zu weilen, dem Hüchßen: 
fingend und ihn lobpreifend (Kap. 39, 3 — 40, 2.}. Auch. | 
zeigen fich feinem Blicke die Taufend und aber Tatt>^' 
fend, welche vor dem Herrn der Geifter und zu fcine|l^' 
Seiten ftehen, ihre Namen nennt der ihn begleitendf^^^ 
Friedensengel (40, 8.), vor allem zeichnen fich aolc, 
Michael, Raphael, Gabriel undPhanucl, ihre Stimmig, 
ertönt zum Lobe Gottes und derer , die da dulden xnt ^ 
feinetwillen, fie ertönt zum Gebet für die Verehrer A'^' 
Höchßen auf Erden und zur VerCchcuchung der böfei.^ 
Engel, welche die Mcnfchcn vor Gott, verklugen (40 "^ 
3—9.). Dann werden dem Henoch die Gehcimnilfi 'S: 
des Himmels und der Natur enthüllt (Kap. 41.}: Di 'li 
Weisheit, heifst es heruadi, fand auf Erden keine Woh"^ 



Einleitung. 13 

nung, fie -wohnt daher <im Himmel; ale fie die Erde 
▼erliefs , kam die Bosheit und fand willige Aufnahme 
(Eap. 42.> Uenoch äehr hierauf die Sterne des Hirn» 
mds» welche Gottes Befehlen horchen, und einen 
GUds , welcher von ihnen dufßeigt (Kap. 43« 44.). — 
Diefer Abfchnitt gehört zu den gelungenften und anzie- 
bendften des ganzen Buches; es ift übrigens» eben fo 
wenig wie die folgenden Abfchnitte, eine Parabel in 
vnrenn Sinne^ fondem ein Complex prophetifcher Rede, 
lyriCcher Schilderung 9 untemiifcht mit Vifionen und 
Sjmbolen. Am 'palTendften wäre wohl der Ausdruck 
BiUerrede (vgl. Hiob 27, 1. 29, 1. das hebräifche 

\1I. Die zweite Parabel (Kap. 45 — 55.) mit einer 
Ueberfchrift (45, 1.) und einer Schlufsformel (55, 6.)- -* 
Jener Ueberfchrift zu Folge betrifft fie diejenigen, wel* 
die den Namen des Herrn der Geißer nicht anrufen, 
urie die dritte nach 56, 1. auf die Heiligen und From- 
men geht. Es ift eine Ankündigung des göttlichen 
Strafgerichts über dieBöfen, welches der Höchße durch 
Ionen AuserwShlten , den Menfchenfohn , den MelEaa 
YoJlziehen läfst. Für die Chriftologie des N. T. ift die^ 
fer Abfchnitt fehr lehrreich, obfchon die Vorftellungeii 
über den Menfchenfohn hier und da noch etwas Unbe- 
Ununtes haben und nicht ein ganz deutliches Bild des« 
felben gewähren. Etwas verworren ift die Schilderung 
des Gerichtes; denn am Ende des Abfchnitts ift fkft mit 
den Worten der Genefis die noachifche Fluth nebft ih- 
ren verwüftenden Folgen und die Einfetzung des Re- 
genbogens als eiries' Friedenszeichens angedeutet. DaB 
Gericht Gottes, welches derMellias halten wird, fcheint 
nach dem Znfammenhaiige mit der 'Fluth einerlei zu 
feyn. Was aber zu den bibtifchen' Angsiben gat' Aicht 



14 Einleitung« 

palTen %Yill. Indefs konnte diefes Stück üb^r die Fluth 
und was damit zurammenhängt (53, 7— -54» 3.) auch 
■nur an einer falfcben Stelle eingefchoben fcyn und au 
.dem Abfchnittc Kap« G4 — 67. gehören » welcher den- 
Xelben Gegeußaud betrifft, aber ebenfalla in einem Zu* 
fammenbange angetroffen wird» dem er fremd ift. Nach 
Kap. 51. wird Henoch durch einen Wirbelwind geho- 
ben 9 nach Weßen zu geführt und lieht Berge von Me- 
tall ; fie find (V. 4.)» wie der Engel fagt, alle dem Mef- 
fiaa beftimmt, damit er gebiete und mächtig fey auf 
der Erde. Nach Kap. 54» 5! foU diefer richten Azazeelp 
:alle feine Gen offen und alle Jein Heer in dem Namen 
des Herrn der Geifter. 

Vlll. Die dritte Parabel ift überfchrieben : »»die 
Heiligen und Auserwählten betreffend, <« wahrfchein* 
}ich aber nur» weil ße mit einem Segenswunfche über 
diefelben beginnt (Kap. 56» 1 — 5.). Unmittelbar daraiji 
fchliefst fich wiederum die Nachricht» welch'e fpeciell 
ausgeführt wird» dals Henoch die Natur in ihren Ge- 
heimniffen habe belaufchen dürfen (Kap. 57 u. 59. der 
Abfchnitt nach V. 11. » bei Laurence als 58fles Kapitel 
aufgeführt). Diefe fogenannte Parabel fchliefst nicht 
2nit Kap. 58. » wie man auf den erflen Blick glauben 
könnte. Denn Kap. 59» 1. ift zwar eine kleine hiftori- 
fche Einleitung» allein der Beifatz: ich fahe in diejer 
Farabel^ deutet offenbar darauf hin» dals das Folgende 
mit dem Vorhergehenden verbunden gedacht werden 
foUe» und 68» 42» fleht erfl die Schlufsformel. Im 
500flen Lebensjahre des Henoch» am I4ten Tage des 
7ten Monats erbebte der Himmel» der Alte der Tage 
fab auf feinem Thron und die Engel flanden um ihn 
■ ^er; Henoch erfchrickt» wird aber durch einen Engel 
geftärkt und vernimmt dann die Nachricht vom künf- 



Einleitung. 15 

tigcn Strafgerichte Gottes ; kwci Ungeheuer, ein mSrni- 
lichcs (Behemolh) und ein ^vcibliches (Lcriathan), 
wdche oftlich von Eden in der WildniCs Dendajcn fich 
anfhalten, werden als Speife verlheilt (Kap. 59., mit 
WeglalTung eines Abfchnittea zwifchen V. 11 u. 12., bei 
Lanrence Kap. 58. genannt). Hierauf fiehtHenoch, dafs 
die Engel Mefsfchnuren erhalten; durch ihr Meilen fol- 
kn alle GeheimniiTe im Schofse der Erde offenbaret und 
den Frommen ein Wohnort beftimmt werden (vergl. 
tuch 69, 3.). Wo diefe auch ruhen, im Meere oder in 
der Erde, fie follen suriick kehren und den Herrn prei- 
fen mit allen heiligen Engeln (Kap. 60.}. Bei der wei* 
tem Schilderung des göttlichen Gerichtes (Kap. 61 If.) 
wird desMeQias abermals gedacht. Die Gottlofen wer- 
den dann vertilgt , die Frommen aber werden erhalten 
und „bei ihnen (61, 17:) wird der Menrchenfohn woh- 
nen, elfen, fich niederlegen und wieder erheben ini* 
merdar/* Die Könige der Welt fühlen ihre Ohnmacht 
an jenem Tage, fie erkennen reuig ihre Schuld und 
vereinigen fich zum Ruhme Gottes (Kap. 62.). In dem, 
Wis nun folgt, ift die Beftrafiing der Engel und zwar 
auf eine ähnliche Weife abgehandelt, wie früher. Nach 
Kap. 63, 1. ift ein interpolirter Abfchnitt: Vifion des 
lioak über die Fluth, wo Noah in der erßen Per- 
lon von fich redet. Der Abfchnitt ift Kap. 64 — 67. bei 
Lanrence bezeichnet und ans Ende des ganzen Buchea 
geftellt. Bei der allgemeinen Verderbnifs derMenfchen 
wendet fich Noah an feinen Grofsvater Henoch und er- 
hält die Nachricht, dafs die Strafe hereinbreche (Kap. 
64 65. )• Hierauf redet Gott felbft und belehrt ihn 
daräber (Kap. 66. 67.). In dem Stück Kap. 63—70. 
(mit Ansfchlufa des bezeichneten Abfchnittes) werden 
die wichtigften Engel namhaft gemacht (21 an der Zahl), 



16 Einleitung. 

welche die Andern zu dem Fehltritt verleiteten , üch 
zu den Töchtern der Erde zu legen ; dann die Hanpt- 
verfübrer der Menfcben » unter ihnen heifst der dritte 
Gadrel , welcher die Eva verleitete und den Tod über 
die. Menrcben brachte (68^ 6.). 

IX. Da Kap. 68. mit den Worten rchliefst: dieb 
ift die dritte Parabel Henocha, fo foU man fie hier als 
beendigt betrachten; indeb hängt Kap. 69 u. 70« mit 
dem in derfelben abgehandelten Gegenßande genau 7U- 
fammen. Das WefentlichAe darin ift» dafs Henoch wie- 
der in den Himmel entrückt wird, Gott in feiner Herr- 
lichkeit fchauet , vor ihm anbetet und dafs feine Anbe- 
tung wohl gefällt. 

X. Kap. 71 — 81. ift wohl als ein zufammen gehö- 
rendes Stüjck zu betrachten. Es ift iiberfchrieben : das 
JBuch der f^eräiiderungen der Lichter des Himmels nach 
ihren verfchiedenen Klaffen» ihren Wirkungen« Umläu- 
fcM, Namen u. f. w.; und damit fein Inhalt richtig be- 
zeichnet. Kap. 71. hat es mit der Sonne, Kap. 72 u. 73. 
mit dem Monde zu thun ; Kap. 74«, befchäftigt fich vor- 
züglich mit den Wirkungen beider. Kap. 75, 1 — 76, 
4. enthalten Beßimmungen über die Winde und ihre 

: Folgen ; dann fchaut Henoch 7 himmelhohe Berge, von 
denen der Froft kommt (76, 5.), 7 ungeheure Ströme 

;und 7 grofse Infcln (76, 6 — 8.). Kap. 77.: Namen 

.der Sonne, des Mondes; wefentlicheEigenfchaften der- 
felben, Veränderungen des Mondes; Kap. 78. einige 
nachträgliche Bemerkungen deHelben Inhalts. Die Ge- 
[et^e der Natur follen in den Tagen der Sünden (70, 3.) 
aufhören , die J^hre verkürzt werden u. f. w. zur Strafe 

XKap. 79.}. Henoch wird aufgefordert, die ihm zu 
Theil gewordene OIFenbarung zu lefen ; er thut es und 
preifet Gott für feine Güte und rühmt feine Langmuth 



Einleitung. X7 

gegen die Kinder der Welt (80, 1 — 6.); dann erhält 
er Befehl , feinen Sohn Methuf ala , der in diefem Ah- 
Edmittd auch einige Male angeredet war (75, 13. 78, 1.), 
und feine Familie über das Gefehene zu belehren. Die 
Dnterhaltungen der Engel mit ihm endeten fich hier 
und 9,er kehrte zu feinen Nebenmenfchen zurück, prei- 
feod den Herrn der Welten" (Kap. 80, 7 — 13.). Kap, 
81. folgen Ermahnungen an feinen Sohn Methufala, das 
Ton ihm Aufgefchriebene aufzubewahren und der Nach- 
irek zu überliefern (V. 1 ff.)» dann Rückblicke auf die 
Erfcheiiiungen an den Himmelskörpern (5 — 25.). 

Hieran fchlieCst fich XI. der ebenfalls an Methufala 

gerichtete Bericht über frühere bcdeutfame Träume, von 

denen der erfie fich auf die grofse Fluth bezog. £r 

theilte ihn, wie er erzählt, feinem Grofsvater Malalel 

mit, der itin aufforderte, Gott zu bitten, dafs er nicht 

alleMenfchen hinweg raffe (Kap. 82.); diefes Gebet ift 

ingefchloITen Kap. 83. Von einem zweiten , ebenfalls 

früher gehabten Traume erzählt Henoch feinem Sohne 

Hethnfala Kap. 84 — 89.; zunächft die Gefchichte der 

Kinder Adams (Kap. 84.) und der fich mit den Dirnen 

jnifchenden Engel (Kap. 85:), beides in bildlicher Dar- 

fiellung. Engel führten mich, fährt er fort, auf eine 

Höhe, damit ich die Strafe der fündigen Menfchen und 

ihrer Verführer fähc (Kap. 86.). Dlcfc Strafe erfolgt 

wirklich (Kap. 87.). Noali baut ein Fahrzeug und be- 

ftdgt es mit feinen Söhnen (88, 1.2.); die Fluth kommt, 

aber die im Schilf bleiben unvcrfehrt (88, 3 — 8.). Die 

wcitrc biblifche Gefchichte knüpft fich daran, aber 

durchaus nur in Bildern (Kap. 88, 9 — 89, 47.); der 

erttere Theil ift leicht zu deuten , der letztere dagegen 

ift nicht ohne Schwierigkeiten. Ucbrigens ift diefer 

Bach Uenocli. 2. 



18 E j n 1 e i l u n ff. 



Ö' 



Abfchiiitt für die Bcßimmung der Zeit, wo das Bii 
rntrprungcn iß, überaus wichtig und entrcheidend 
er rchliefst nach der wahrfcheinlichften Deutung r 
der Regierung Herodes d. Grofsen '®). 

XIL Kap. 90. Anrede Henoch's an alle feine K 
der, worin er fie zur Rechlfchattenheit ermahnt r 
Beziehung auf die Gottlofigkeit, welche überhand n< 
men werde. — Kap. 91. kann man zu demfelben A 
fchiiitte rechnen , da es eine ähnliche Ermahnung ei 
halt, obfchon eine kleine hiftorifchc Einleitung vor{ 
fetzt ift (V. 10- 

XIII. Der nun folgende Abfchnitt, welcher Ka 
i)2 — 104. umfafst, hat die üebciTchrift : „Nach diefc 
begann Henoch zu reden und Henoch fagte: über c 
Kinder der Gerechtigkeit, über die Auservvählten d 
Welt, und über die Pflanze der Gerechtigkeit undRecl 
fchafl*enheit , darüber will ich reden und euch , meii 
Kinder, Kunde geben.** Er ift wieder an Henocl 
Kinder gerichtet , wie die wiederholten Anreden an J 
beweifen, Zuerft eine kurze, in prophetifcher For 
abgefafste Angabe der wichtigßcn Ereignilfe aus d 
hcbräifchen Gefchichte; darunter manche, nicht in E 
füllung gegangene Hoifnung. Was in jeder der ! 
Wochen (Zeiträume) gefchehen werde, fagt Heno< 
Toraua (92, 4— 15,)f am 7ten Tage der lOten Wocl 
wird Gericht gehalten, es entfteht dann ein neuer Hiz 
mcl, die Himmelskörper erhalten einen- lieben Mal hc 
lern Glanz, als zuvor, und viele Wochen vergehen nv 



9) Laurenee The book of £noch thc prophet; Preliminai 
diffcrl. p. XXIV ff. 

10) So fchon Laurenee a. a. O. p. XXVllI., ^vic es ta 
icheinl, vollkommen richtig. 



Einleitung. I9 

in Gute und Gerechtigkeit (92, 16— la '*)). . Nie- 
mand vermag, heifst es dann weiter, Gottes Stimme 
ohne Befiürzung zu vernehmen, noch feine Gedanken 
xa denken , ja nicht einmal alle feine Werke zu erken- 
nen am Himmel und auf Erden (92, 19 — 24.). Kap. 93. 
enthält V. 1 — 5. Ane Ermahnung zurRechtfchaffenheit, 
dann Schilderung der von den Frevlern befolgten Handr 
longsweife (V. 6 — 11.); weinen möchte man, fagtHe- 
noch, über die Sünder; wehe ihnen! ihr Untergang 
ift gei;vif8. Die Frommen aber werden gefchützt vor 
ihoen und gerettet (Kap. 94 — 99.). — Diefe Strafrede, 
in welcher die Sünder felbft wiederholt mit dem Wehe- 
nif angeredet werden , ift recht kräftig und darf den 
emften Kügen der beßen altteßamentlichen Propheten 
an die Seite gefetzt werden. -— Wer könnte, heifst es 
weiter» gegen den Höchften murren, in delTen Hand 
Alles ruht? (Kap. 100.) Mögen auch die Böfen fpre^ 
dien : Was hat der Fromme von feinem Thun ! er ftirbt 
gleich uns ; fie täufchen fich felbß (Kap. 102.). Denn 
mit einem hohen Schwur kann es Henoch bekräftigen, 
dab er das Glück gefchauet , delTen fich die Rechtfchaf- 
fenen einßens auf immer erfreuen werden (103, 1 — 4.). 
Die Sünder haben auf Erden ihr Gutes genoITen (vergl. 
102, 7.) und werden in die Finßernifs hinaus geßofsen, 
und fie können nicht fagen, dafs ihnen Unrecht ge- 
fchahe (103, 5 — 14.). Ermunterung der Frommen zur 
Geduld in ihrer Noth und zur Hoffnung (104a, 1 — 6.). 
Einige der Sünder, verfichert Henoch, würden fich 



11) Die Verfe IB— 18. nach Laurence's Stellung (f. a. a. O. 
p. 136.) ; denn nach den Handfch. findet man ße Kap. 91. 
zwifchen V. 14 n. 15., wohin fie aber nur durch Ver- 
felzung gerathen feyn- können. 

2 * 



Gerechten follcn belohnt 'werden (1( 
nochs Nachkommen "werden die ]V 
(Kap. 104b). 

XIV u. XV. Das letzte Kap. 105. 
clcen verfchieclencn Inhalts ; V. 1 — 2( 
Noah^s erzählt, delTen engelgleiche ( 
beunruhigt, bis Henoch die grofse B 
ben enthüllt, dafs er nämlich xpit fe 
Flnth überleben und Stammvater des 
gcfchlechts fcyn werde. V. 21 — 27. \ 
eine Vifion über den Untergang der 
Strafort; vielleicht iß*s ein Fragment 
nem der frühem Abfchnitte gehörte.— 
fchliefst mit der Formel : „Hier iß zi 
HcnocVs des Propheten. Möge der 
betes, und das Gcfchenk der von ihm 
feinen Geliebten zu Thcil vrerden! i 

Man fiöfst im B. Henoch nicht b 
klänge aus den Schriften des A. T. , ( 
eine anfehnliche Zahl von Stellen, "w 
ben entweder wörtlich entlehnt, odei 



• « 



Einleitung, 21 

rdion aus der Art und WeiCe , wie die Vifion faft jedes 
Mal eingeleitet wird , dann aber auch vorzüglich aus 
dem Inhalte und der Form der Gefichtc felbft. Am 
dcntliclifien zeigt fich dieb in der Schilderung des Mef- 
has '3), dann Gottes und feiner Diener, in der eigcn- 
tfaümlichen Benennung: der Alte der Tage ftatt der 
Ejvige u. r. w. Die Lehre von den Engeln ift fehr aus- 
gebildet und die über fie in dicFem Buche hcrrfchenden 
Vor(t<:\\ar.vcii ftimnien mit denen im Buche Daniels 
'u\3eTcin. In der Symbolik iß eine gewillte Einförmig- 
hcjt uicbt 2bzalängnen , befonders fpielt das Feuer eine 
grobe üolle darin. In vieler Beziehung erinnert das 
Werk an die Schriften der Zabier , ein Umßand , wel- 
cher bei Beftimmung der Gegend 9 die es erzeugt hat» 
Beachtung v<nrdienen mochte. 

Obfchon Henoch faß durch das ganze Buch in der 

erßen Pcrfon redend eingeführt wird und der Vcrfaffer 

Lii3 Werk gern als ein von dem Patriarchen gleiches 

Namens herrührendes, fchriftliches Denkmal betrach- 

\£i läh«, fo wird es doch in unferer Zeit Niemand im 

Lmüe weder glauben noch behaupten. Aus dem In- 

hilte IäIsi fich nicht erratTien , wem wir diefs merk- 

vürdij.* Buch verdanken ; nur fo viel ergibt fich aus 

«kr Linkleidung und Darßellung dcffclben , aus den 

«Urio vorherrfchenden Anfichten und Meinungen, dafs 

der VerfalTer ein Jude war und dafs es urfpriinglich 

^rüijch gefchrieben war'*). Das Buch St> Aar cnt- 

tS Vgl. die Ausfiihrunj; der letzten Behauptung bei Lmu- 
nnce a. a. O. 

U) Laurence a. a. O. Prelim. dilfert. p. XX. Schon Jo- 
feph Scali^er in Chron. Enfelj. p. 405. Cdas liichcr Gcliö- 
rice lindet man auch in Fahric, Cod. PfciiJüpigr. V. '1* 
p. 200.) nrlheille fo, obfchon ihm nur das von G. Syncel- 
las erhaltene Fragment iu griechifthcr Sprache vorlag. 



es innen allo nur griechifch bekannt ^ 
fich ihnen die Unrichli":keit ilircr Ai 
vordiluvianirchen Urfprunge fofort i 
aufgedrungen haben ' ^). Die Namei 
ihen durchaus einen femitijchen Ur 
fich auch in der hei den Aethiopiem 
nieiften9 mit Leichtigkeit aus dem £ 
len, ja! fie find gröfsten Theils rei 
auch hier und da die Vermuthung auf, 
möchte von chrißlicher Hand ßamme 
gar nur in Folge des bekannten Citat< 
V, 14. vielleicht von Ketzern *^) unte 
fo gefchahe diefs doch nur von Manne 
eigentliches und fichres Unheil über d 
fallen konnten, da fie die fragliche S 
mal gefehen, gefchweige denn gelefen \ 



15) Man find«! mehrere derfelben gefam 
a, a. O. p. 208 ff. Vgl. damit Buch He 
aut dem jene Cilate wörtlich entnomxn 

16) z. B. VoL L Parafch. Berefchith. p. ; 
Amft. Vgl« Laurence a. a. O. p. XXI. 

17) VgL Laurence a. a. O p. XXTI. X 



Einleitung. 23 

ftens auf die bei den Kirchenvätern hie und da aufbe- 
wahrten Brucfaftücke und auf die flüchtigen und oft 
fcbwankenden Behauptungen derfelben über den Werth 
und Gehalt diefes Produktes fich ßützten. 

Glücklicher als bei der Unterfuchung über den Ver- 
fäßer hnd wir bei Bedimmung der jibfajfiingszeit die- 
fe» Buchts; denn obfchon auch hiebei manche Schwie- 
rigkeit £u befeitigen bleibt: fo enthält doch die Schrift 
[clbft iiemWch deutliche Spuren des Zeitraumes, in wcl- 
cVieoi fie eutlprang, und äufsereZeugnilTc erganzen das, 
WdSfcne etwa noch zweifelhaft liefscn. 1(1 diefcs äthiu- 
pi/che iiuch mit dem, welches in der altem chriftlichcn 
Hirche Torhandeii war, einerlei, was auf das beftimni- 
tc&e dargethan -werden kann , fo mufs es vor Abfaf- 
fang des Briefes Juda bereits vorhanden gewefcn fcyn. 
Aui der andern Seite aber ßeht es feft, dafs es erft nach 
ibr4iirDng des Buches Daniel entßanden feyn kann, mit 
welchem es in Ausdruck und Gedanken fo auffallend 
iibtreinlUmnit. Man vergl. z. B* Dan. 7, 9 ff. mit 
ticuoch46, 1. 47, 3. 59, 1. 60, 12 u. 16. Die Kritik 
^T Tieaem Zeit hat das Buch Daniels in das makkabäi- 
/die Zeitalter fetzen zu muffen geglaubt; fonach bliebe 
dtiiii nur der Zeitraum von den Mukkabäcrn ^°) bis auf 
(Sic Periode der Entftehung der neuteßamcutllchen Schrif- 
ten als derjenige übrig, in welchem das Buch Henoch 
{Icfchriebeii feyn könnte. Will man in diefer Periode 
^ Zeit feines Urfprungs noch näher beßimmen , fo ift 
BiB lediglich auf einige Stellen deffelben, zum Theil 
ro>D zweifelhafter oder doch fchwieriger Deutung, an- 



Sc) Laurencs a. a. O. p. XXllI IT. hält das Buch Daniels 
mnfircifi^ flir ein Werk des Prophelcti Daniel und be- 
baopUt daher, das Bnch Henoch könne nicht vor dem 
Mrylorufeh$n Exjil gefchrieben feyn. 



24 Einleitung. 

gewiefcn. Dahin gehört vorzüglich die allegorifche Er- 
zählung der wichtigften Begebenheiten aus der bibli» 
fchen Gefchichte (Kap. 84 — 89.). Nachdem von Saul, 
David und Salomo Kap. 88, 67 — 82. geredet worden, 
beßixnmt Kap. 89 9 !• die Könige Juda's und IsraePs bis 
auf das Exfil auf 37 ; die fremden Könige , welche dar- 
nach die Hebräer behcrrfchten , gibt Kap. 89 , 7. als 23 
an und endlich wieder der Fürften aus der Nation felbft 
find nach Kap. 89, 25. noch 12. Da diefe einzelnen * 
Summen nicht 70, wie die Regentenzahl nach Salo- -^ 
mo'sZeit Kap. 88, 94. angegeben ift, fondern 72 geben, ^ 
fo willLaurence^') 35 ftatt 37 in der Stelle Kap. 89, 1. - 
gelefen wilTen. Inzwi fchen läfst fich die Zahl 37 wohl r 
vertheidigen ; denn 70 ift nur runde, prophetifchcZahl, ^ 
wie in der Angabc der Jahre des babyloni fchen Exfils : 
und fünft. Bei der Annahme von 35 hebräi fchen Koni- ^ 
gen ift unter denen von Juda blofs Joahas^ der nur ; 
3 Monate regierte (2 Kön. 23, 31.), ausgelaHen und unter t 
denenlsraePs Simri^ welcher nur 7 Tageherrfchte, Tibui^ ..| 
Omri*8 Nebenbuhler, welcher nicht einmal in denBefita <, 
des Reichs gelangt zu feyn fcheint , Sacharja , der nur \ 
6 Monate regierte und Salluvi^ welcher blofs einen Mo- -^ 
nat lang König war. Bleibt man dagegen, wie es der >f 
Text will, b^i der Zahl 37 ftehcn, fo fehlte nur Sintri^ •., 
Tibni und Sallum, Auf Juda kommen dann die 20: -. 
Rehabeam , Abiam , AHa , Jofaphat , Joram , Ahasja, .^ 
Athalja, Joas, Amazia , Ufia, Jotham, Ahas. Hiskia^ ^, 
ManalFe, Amon, Jofia, Joahas, Jojakim, Jojachin und ^ 
Zedekia; auf Israel dagegen die 17: Jcrobeam , Nadab, m. 
Baeb» Ela, Omri (gewöhnlich Amri genannt), Ahab, -^ 
Abasja, loram, Jehu, Joahas, Joas, Jerubcam IL, Sa« .^ 



21) a. a. O p. XXIV. i^ 



Einleitung. 25 

cbarja, Menabem, Pekahja, Pekah und HoFca. Von 
den folgenden 23 Ftirßen (in der Allegorie Hirten ge- 
Damit) gehören 4 der babylonifchen , 11 der perfifcbeh 
und 8 der xnakedonifcben Dynaftie an; die erftcn find: 
Nebnkadnezar, Evilmerodach, Nerigliffar und Beirazar, 
die zweiten dagegen: Darius der Meder, Cyrua, Kam« 
bjfes, Darius Hyftaspis, Xerxesi Artaxerxes Longinia«' 
nns, Darius Nothos» Artaxerxes Mnemon , Ochus, 
irfes und Darius Kodomannos; endlich die letzten: 
Alezander der Grofse und Ptol^mäus Soter (infofem 
ernmächft Judäa hatte) , FtoldmäusPhiladelphös; Pto- 
lemins £uergetes , Ptolemäus Phflopator, Antiochus d. 
G. (oder Ftolemäus Epiphanes), Seleucus Philopator 
nnd Antiochus Epiphanes ^^), Für den in Fjage (lehen^ 
den Gegenftand ift die Nachweifung' der Jetzten 12 Für-, 
fien des jüdifchen Volkes von grober Bedeutung; am 
naturlichßen ilt es wohl, fie mit Lauren ce ^^^ io va 
ordnen: Mattathias, feine Söhne Judas Makkabi, Jona- 
than und Simon, dann Johannes Hyrkanus, Ariftobulns^ 
Alexander JannSus, feine Witwe Alexandra, ArißöbulII.i 
Hyikanns II., Antigonus und Herodes d. G. Unter deo 
I.€tztem Regierung fcheint der Verfaller fein Buch ge- 
fchrieben zu haben ; denn wollte man Mattathias nicht 
mitrechnen, und alFo über Herodes d. G. Regierung 
hinaus gehen, fo würde dieCs nicht palTcn, in fofern 
nach Herodes Tode nicht einer, fondern drei Söhne 
Ton Herodes (Archelaus , 'Pbilippus und Herodes Anti- 
pjs) Paläftina beherrfchen und die Zahl dcrFürftcn nicht 
auf 12 befchränktfeyn dürfte, fondern ihrer 14feyn müfs- 
ten**). Für jene Zeit fpr^chcn audi andere Anfpielun- 



22) Laurence a. a. O- p. XXVI ff. 

23) a. a O. p. XXVII. 

20 Laurence a. a. O. p. XXVill. 



im Avcfllichcii Afien bekannter gc 
dann aber eine Hindeutung auf die 
Erhebung des Antigonus auf den Tl 
«uranimen hängende Vertreibung dei 
nies und des Hyrkan im J. 40 vor Ch 
bar Hegt. Dem Verfafler lag diefe { 
und der damit verbundene Biirgerkr 
eine von ihm felbft erlebte Begebenhc 
Andenken, da^um hebt er fie befondc 
naeb irrt man wohl nicht, wenn ma 
Tungsjahre des Herodes als die eigcr 
9cit des Buches Henoch betrachtet, 
den Zeiten unter den letzten Makkat 
ihnen verfchwägerten Herodes findet 
unverkennbare Anfpielung Kap. 89, 
ich , dafs der Mann , welcher das Bu« 
Worte fchrieb , das Buch der Verwiii 
Vcrwüßung nämlich, welche die let: 
herbei geführt hatten und zeigte an v 
Schafe, dafs fie mehr verwüßet hättei 
fie gefolgt waren. ^* Dicfer Annahmt! 
Behaiintuncr .//»Ä Pr« /3..^z.-»- «»^ 



Einleitung. 27 

äiU fchon Rupoletnus f welcher geraume Zeit vor Chr. 
Gebart lebte» das Buch Henoch gekani^t habe; allein 
wai Alexander Polyhiftor^^) als von fiupolemus- über 
Henoch gefchrieben angibt, konnte Letzterem rechr gnt 
va$ der blofsen Tradition bekannt fejn. Auf gleiche 
Weife verhält es üch mit einer Aimahme des /. A. Fa^ 
hrieius ^ ^) ; was er als eine von Syneellus benutzte 
Stelle des Alexander Polyhißor betrachtet » iß offenbar 
Anficht des Syneellus Telbft ^^). 

Aach den Ort^ wo derVerfalTer lebte und fchriebi 
xsemt Laurence beßimmen zu können ^') ; er ftützt üch 
anf Kap. 71*, in welchem die Tageslänge in den yer- 
fchiedenen Jahresabfchnitten ai^gegeben iß. Der Tag 
serfällt nach dem Buche Henoch in 18 Theile, der 
ISngfte Tag foll zwei Mal fo lang feyn « als die Nacht 
(V. 18. 19.)» alfo nach unferer Art zu. reden 16 Stunde^ 
nmfalTen. Da diefs auf Faläßina keine Anwendung er- 
leidet, fo glaubt Laurence, der unbekannte Jude, wel- 
cher das Buch fchrieb . mülTe in einem andern Lande 
&ch aufgehalten haben^ zwifchen dem 45ßen und49ßcii 
Grade nörd. Breite, alfo wenigßens in den nördlichen 



fich zum Nachweife^ dafs Eupolemus feine Nachricht ans 
dem Buche Henoch genommen habe^ auf die Stelle des 
Fragmentes beim Syneellus p. 33. : olm Jahr der Welt 
1286 hat nach dem £efehl Gottes ^ des Beherrfchert aller 
Dinge j der £rzengel Uriel> der über das Ceßirn gefetzt 
ift, dem £noch geoffen baret, was es mit dem Wechfel 
det Mondes, der Sonne, des Jahres u. f. w. für eine Be* 
ichaifenheit habe» wie in dem Buche Enochs felbft zu 
lefen iA.** Vgl. jedoch Laurence in der Prelim. diOertat, 
p. XXXIV ff. 

28) Beim Eufeb. de praepar. Evangel. Lib. iX. cap. 17. p. 419. 

2») Cod. Pfeudepigr. V. T. p. 198. 

30) Vgl. Laurence a. a. O. p. XXXIV ff. 

3J) a. a. O. p. XX2LV1I ff. 



28 Einleitung. 

Gegenden des kaspifchen Meeres und des Fontns ] 
nus, und demnach wohl von den Juden ahßam 
welche nicht nach Kanaan zurück kehrten* Auf 
Weife würde es fich denn auch leicht erklären, 
das' untergefchobenc Werk für echt gehalten wc 
konnte. Auf einen ößlicheren Urfprung des Bi 
leitet auch die Vorliebe für das Symbol des Feuers 
manche andere darin herrfchende Vorftellung. 

Der Zweck j welchen der Verfaffer bei feinem 
meintlich frommen Betrüge erreichen wollte, ifl 
Itreitig derfelbe, wie in andern ähnlichen Erzcugn: 
Er wollte feine in der damaligen Zeit tief herab g( 
kenen und Vieles erduldenden VolksgenolTen aufric 
und ftärken. Darum zeigt er fo gern den Unter 
der Frevler und weiffagt den bcvorftehcnden Sieg 
Gerechten. Zur belfern Beglaubigung deffcn , WJ 
ausfagt, benutzt er die Sage von Hcnoch, dem from 
Ahnherrn. Die Erzählung von Bellrafung der E 
und von der Fluth, ift gewiffer Mafsen Nebenfa 
CS find nur Beifpicle der ftrafenden und vergcltei 
Gerechtigkeit Gottes. Man fieht diefs fehr dcutlicli 
dem Schlnffc des 89ften Kapitels, in welchem er 
judifche Gefchichte bis auf Herodes fortgeführt h 
ferner aus feinen Schilderungen des mcriiaiiif« 
Reiches. 

Darüber kann gar kein Zweifel obwalten, dafs 
fes äthiopifche Buch dalTelbc fcy, welches die Kirc 
vSter erwähnen. Man vcrgleifche nur das Fragn 
welches Georgius SynccUus aufbewahrt hat ^^)^ 



3£i Man findet es unter andern hei Fabric, im God. '. 
depigT. p 179 ff. und in der Note a) eine Nadiwei 
der Werke, worin es früher abgcdrui;kl worden. 



Einleitung. 29 

Henoch Kap. 7 ff., um lieh davon zu überzeugen ; über 
die etwaigen Abweichungen, welche zum Theil au* 
fallig und unbedeutend find , vergl. den Ißen Excura« 
Auch die andern Citate kirchlicher Schriftfteller finden 
fidi faft -wörtlich darin wieder; ße find gefammelt von 
Fabricius im Cod. Pseudepigra^h. V. T. 3^); auch hier- 
aber f. den erwähnten Excurs. Alle dicfe Stellen kön« 
nen auch nicht eingefchoben oder interpolirt feyn, da 
den Aethiopiem jene Kirchenväter nicht alle zu Gebote 
bnd; anrserdem aber ftehen folche Stellen nicht abge- 
rifen da , fondem fie find überall dem Zufammenhange 
darchaua angemelTen« 

In den Kanon ift daa &uch niemals aufgenommen 
worden , fondem es gehörte au den Apokryphen nach 
den apoßolifchen Conßitutionen (Lib. VI. cap. 16.). 
IrenSus und Clemens von Alexandrien 3^) beftimmen 
zwar nichts in diefer Beziehung; Origenes ^') aber er- 
zählt, CS gelte im Allgemeinen für apokryphifch , bb- 
fchon er dabei zu verßehen gibt» dafs einige feiner Zeit- 
genoffen andrer Meinung waren **). Jene Anficht von 
fdncr Nichtkanonicitat hat fich dann immerfort erhal- 
icn ^^). Tertullian freilich ift von dem Werthe und 
der Echtheit überzeugt und labt fich fogar auf eine 



deutfche Ueberfetzung jenes Fragmentes liefern die Bei- 
träge zur Beförderung des vernünftigen Denkens in der 
Religion im 2len Hefte S. 146 — 152. 

SSy Vgl. auch Laurence a, a. O. p. XI ff. 

54) S. die Stellen bei Fabric, a. a. O. p. WS n. 171. 

55) Die Siellen gefammelt bei Fahric. a. a. O. p. 173 ff. 
95) Comment. in Joann. Tom. Vill. (p. 132. cJ. Huet.y 
V) S. die ZeiigniHo hei Fahric, a. o. O, p. 176 ff. und Lau- 

rence a. a. O. p. XV. 



F. i 11 i (- i t II II i:. 

Llicidigung gegen Einwürfe oin ^*), die aber nicht , - _ 
n gelungen jft. 
Obfchon daa griechifche Buch Hcnnch, welchea nur "" 
e Ucberfetzung aus dem HebrUifdicn oder Chaldäi- f ". _ 
;n war, mit dem 8ten Jahrh. der chririlicbcn Aera "' " 

cbwindet, fo Iiegle man doch in neuerer Zeit die '^ 
Haans, Welche ßch auch beltätiget hat. dafs fich "'•■-- "" 
äthiopifche Uebcrfclzung davon erhalten haben '' — ^ _ | 
ic, infofem die Aelhiopicr darauf einen Werth '" ' ' ** 
, recbt viele heilige Bücher zu behtzeii. Seil dem~ ^"^ ^ 
cnzehncen Jahrhunderte verbreitete ßch diefu HoiF- "?'^^^=^ ^ 
Eiii Kapnciner hatte dem gcichrleii Peirefciua '^'^ j*- 

eit, das fragliche Buch fey noch vorhanden "), •'-a "^ — ' 
Ib diefer weder Mühe noch Koftcn fchencte, ca -'i ^ "-^ - 
i vorfchaffen, aber auf eine fcliändliche Weire-''i; -^' ' * 
OEjen wurde, indem man ihm ftait der begehrten 'l - J:^^ 
rift das Machwerk eines gewillen Abba Bahaila Mi--i.;i J^--— ' 
el verkaufte, Dicfes vermeintliche Buch Henoch-r 

fpaterin die Bibliothek desHardinalMazarin, dann^;:^? "^ ' =~ 
[lic Königliche Bibliothek zu Paris. Der bekannte 
Jae Kenner des Acthiopifchcn Hioli Ludolf decktC'-iz- -'-'' 
Betrug auf •"). Jetzt ling man wieder an zu 2wei---i „-rr- -' 
, ob überhaupt eine folche äthiopifche Vcrfion wirk-"*rir_-i=-'" 
rißire, bis denn der Englünder Bruce nicht allainV^ ^^^r; -'-" 
ExlißenB derfclben nachwies, fondern auch Jm Händ- 
igen divon aus Habeflinien raitbradue •'). Nach^iw.-^=^ -^^ '. 

) S. d. Siellen bei Fahric. a. a. O. p. 168 S, u. iouren«"'"^"'^^ 

o. ÄV ff. ■;-( ^ :7- •" 

) Gafjend. vilfl Peireto. L. V. p. 167. '!^ ^. " 

) Hiftor. A^lkiop. L, 111. cp. 4. und CcmmcnUr. in Hill., ".„^ -s-:. 
AcIliTOp. p. 5*7, Vgl. auch Fahric. «. a. ü, p. ÄJ9 iT. uud ' " ^\- ' 

Muie/ite a. «. O. p. IV ff. 

Bruce travcb. Vol. II. p. 421 IT. («d. in 8 ) 



it ^Z- 



i n 1 e i t u n er. 31 



ö' 



4n^. Mai •*) befindet fich auch unter den äthiopifchen 
Handfchiiften des Vatican^s im Cod. mcmbr. in fol. 71. 
das Buch Henoch , -welcher Codex -\vohl früher alo 
die drei Bruce'fchen nach Europa gekommen iß* Mao 
hätte nun irrohl erwarten follen, dafs diefe Hand- 
fdirifteu Ton den gelehrten Forfchern beachtet werden 
würden; allein diefs war lange Zeit nicht der Fall* 
U'oide rchrieb zwar die Farifer Handfchrift ab (iiher» 
jetztt &e ahei nicht, wie Bruce behauptet *^)) und 
Murray, der Heransgeber der Bruce*fchen Reife» gab 
einen kurzen Ueberblick voih Inhalte des Werkes ••); 
aÄer erft Silveßre de Sacy war es , welcher eine ge- 
nauere KenQtnifs des fonderbaren Buches vorbereitete 
durch feine Notice du livre d'Enoch im Magaßn Ency- 
clopedique, an VL Tom. I. p. 382, worin er Kap.l — 3. 
6 — 16. 22 tu 31. lateinifch übcrfetzte ^*). Eine deut- 
fche Ueherfetzung diefer Notice beforgte F. T. iliV/A**), 
und jene lat. Ueberfetzung hat auch Laurence wieder 
abdrucken lalTen '*^), Bald nachdem Ocfenius im J» 
1S20 auf feiner Reife nach Paris und Oxford das Ori- 
pnil ab^efchrieben, in der Abficht, es mit einer UeBer« 
Retniiig und Anmerkungen herauszugeben, erfchien die 
^UfcJu Ueberfetzung von Rieh, Laurence unter dem 



fQ Scriptorr* velt. nova collectio e Vaticanit Codd« edita T. 

V. 21c Abiheilung. 
4S)a.a. O. p. 425 — 26. 
41) Diefer Ueberblick ift auch von Laurence a. a. O. ^p: 

VQI ff. in der Note wieder ^itgetheilt. 
45) Vgl. auch £ichhornU Bibl. der bibl. Literat. 3r £d. S. 

US ff. 7r Bd. ' 5. 567. lOr £d. S. 555. 
C) A. J. Silv^re de Sacy Nachricht, das* Buch Henoch 

betreffend; nach dem Franz. bearbeitet und mit Anm#r* 

^Bfigea rerfehen (Koni^ib. 180L 8.> 
^) a. a. O. p. 169 & 



32 Einleitung. 

Titel: CK^Klhd: H>'?T^ J Sn,^: (maz'haf h^c 
nabi) The book of Enoch the propbct : an apocryp 
production, fuppored to have been loft for ages; 1 
discovered at the clofc of the laß: Century in Abyilin 
now iirß translated from an Ethiopic MS. in the B 
leian library (Oxford. 1821. gr. 8.) $ nach welcher j 
gende deutfche gefertigt worden ift. Voran geht e 
fehr interelTante und gelehrte PreÜminary dijjcrtat\ 
und nach derUeberfetzung folgen ü«7iarÄj, in welcl 
die Ueberfetzung fchwieriger Stellen näher begrün 
und gerechtfertigt wird. Da jene fchätzbare Abhai 
lang über manche von mir blofs angedeutete Punl 
fich ausführlich verbreitet, fo klTe ich fie unvcrkii 
abdrucken mit Nachweifung der Seitenzahlen im C 
ginale. Die Bemerkungen aber zur Ueberfetzung ß 
fogleich unter dem Texte angebracht, weil fie nj 
meiner Meinung dort leichter Beachtung finden. 

In einigen altem Citatcn wird nicht von eivt 
fondern mchrern Büchern Henochs gefprochen, fo 
Tcftamcnt. Judac cp 18. , im Teftam. Benjamini cp. 
beim Origcnes contra Celfum V. p. 267 und in Num 
XXXIV. Homil. 28. **), und das Fragment beim S] 
ccllus will aus dem erßcn Buche Henochs cnilel 
feyn*.^). Man hatdcmHenoch prophetifche, aftronox 
fche und andere Schriften beigelegt; diefe find aber i 
ftreitig fämmtlich in diefem Buche enthalten, welches i 
einer Reihe von Auffätzen zufammengefctzt iß, welc 
eben fo gut für fich beliehen könnten , vielleicht au 
einft beßanden und nachmals an einander gcfchob 
wurden. Ob fie aber das Werk eines oder mehre; 



48) S. d. SlcUen bei Fabri'c, A.a.O. p. 163. 165 v. 173 — 

49) S. auclrhei Fahrte, a. a. 0. p. 179. die Ueberichrift 



Einleitung. 33 

Männer find, ift nicht beßimmt zu entfcheiden, doch 
mochte ivohl das erfte der Fall feyn. 

lieber Hcnoch und das ihm zugefchriebene Bi;ich 
rerbreiten fich viele Abhandlungen aus dem 16ten und 
17tcn Jahrh. , wefche freilich jetzt, wo wir das Buch 
Henoch felbft kennen , von geringem Werthe find und 
nur infofem Beachtung verdienen, als fie die altem 
An&chten und die Sagen über Henöch felbd zufammen 
Edlen. Dahin gehören 71 JDrusius de patriarcha He- 
noch (Franek. 1615. 4.)» /• i7. Hottinger de libris V« 
T. fupposititiis in der Enneas dissertt. philol. theoL 
f. 3 fF. ; Pf^iff^^ pecas select. exercitt. aacr. p. 12 flF., 
van Dale de i^era et falsa prophet. p. 352 ff. 560 ff. ; 
Buddei Hist. eccles. V. T. T. I. p. 162 ff. ; /. Höber 
depietate et fatisHenochi (Bamb. 1789. 4.). Aus neue* 
rer Zeit gehört gewilTermarsen in diefelbe Klaffe ein Auf- 
fatz in den Beiträgen zur Beförderung des ▼emünftig«n 
Denkens in der Religion. 2tes Heft. S. l4l ff. , unter 
dem Titel : Anhang zu der erklärenden Umfchreibung 
des Briefs Inda und des 2ten Briefs Petri, enthaltend 
die Fragmente des apokryphifchen Buchs Enochs. 



Buch Htnoch. 



jR. Lawrence* s Preliminary • dilTertation. 



Das . apokryphifche Buch Henoch bot in dem lets- 
ten und dem ihm vorhergebenden Jahrhunderte einen 
reichen Stoff z.u kritifchen Vermuthungen und theolo- 
gifchen Diflcu/Ilonen dar. Der Umftand, dafs es von 
eiaem inipirirten Schriftßeller des neuen Teßaments') 
citirt worden ift, vergröfserte die Sorge, einen ver* 
meintlichen Schatz wieder zu erhalten, weicherlange 
verloren gewefen war. £s war diefes Buch bis zum 
Qten Jahrhundert nach Chrißi Geburt bekannt, nach 
welchem es ganz in VergefTenheit gekommen zu fejn 
fcbeint. 

Ein bedeutendes Fragment davon wurde zwar von 
Scaliger in der Chronographia des Georgius Syncellui 
entdeckt, einem Werke, welches damals noch nicht 
gedruckt war. Er entnahm daraus das ganze Fragment 
und machte es in feinen Anmerkungen zu dem Chron. 
Can. des Eufebius ^) bekannt. Da es aber die von St. 
Juda angeführte Stelle nicht enthielt , fo blieb es zwei- 
felhaft, ob der Apoftel wirklich auf diefelbe Schrift hin- 
deute, welche von Georgius Syncellus citirt ward, 
oder ob er feine Kenntnifs von der Prophezeyhung des 
Henoch aus einer anderen Quelle habe. 



c 



1) Brief Judä V. 14 u. 15. 
2} P. ¥Ä, 405. td. Amll. 1658. 



I 

f 

R. Laurence^s Freliminary diflertation«. 35 

Seit Scaliger'5 Entdeckung bat man viel gefchrie- 
ben, doch wenig oder gar keine weitere Belehrung p. 
über diefen Gegenßand erbalten. Die voUAändigbe ^^' 
kngabe der von den Kirchenvätern gehegten Meinun- ' 
;ea, und der Stellen, welche fie aus diefem berühm- 
ea apokryphifchen Buche angeführt haben, bevor es 
erioren ging» fo wi^ auch desjenigen» w^as nachher 
on neueren Kritikern darüber gemuthmafst worden 
^ findet man in Fa^r/^/i/j Cod€^ Pfeudepigraphua Vet. 
reftamenü, vol. L p. 160 — 224. 3), welcher auch da« 
roo Georgius Sjncellus aufbehaltene Fragment delTcl- 
icn voUftänidig mittheilt. 

Aber w^iewohl das grieckijche OrigintA dieCes Buchs, 
reiches vielleicht f^lbft nichts weiter, als eine bloCie 
leberfetzung eines Hebräifchen oder Chaldäifchen Ori- 
inals war, unerfetzlich verloren gegangen su feyn 
cheint, fo henrfchte doch fchon im Anfange des 17ten 
ihrhunderts die Vorftellung, dafs eine äthiopifche 
leberfetzung davon in HabelHnien exiltiren möchte. 
jtdolf bemerkt in feinem Commentar z\^ feiner Ge* 
chichte von Aethiopien , dafs ein äthiopifcher Tractat, 
Mchen man für das Buch Henoch halte, aus Aegypten 
;ebracht und von Feiresk gekauft worden fey. Seine 
¥orte find: „GalFendus in vita Peireskii de Aegidio 
JLocbienfi Capucino, qui in Aegypto feptennium ege- 
,rat, inter alia fcribit: Quandoquidem inter caetera 
,aoimadvertiire fe dixit Mazapha Einok, feu phrophe- 
«dam Enochif declarantem ea, quae ad finem usqtte 
«fecnli eventura funt; librum Europae pridem invifum, 



Q Anf dtn Seittn 222, 22S weiA Fabriciut 20 verfchiedene 
Autoren nach, welche mehr oder weniger auf diefes 
Buch angefpielt haben. 

3 * 



36 H. Laurence's Prelüniuary difTertation. 

„illic autem characiere ac idiomateAethiopico feuAbyf- 
,>ßnorum, apud quos is fuerät fervatnSy confcriptum» 
V' „ideo "P eireskius ßc J'uit acceitfus ejus quoifuo pretiö 
„camparajidi yiudio^.ut nullis parcens'JumptibuSf ip» 
fjum denique fui fccerit juris, ^*' Nach diefem Berichte 
fügt er hinzu, dafe ihm von feinen gelehrten Freunden 
gerathen worden , fich alle mögliche Mühe zu geben, 
um wenigftens eine Probe eines Buches lieh zu Ter- 
fchafFen^ über welches fo viele literärifche , aber ^un- 
genügende Discufllonen ftatt gefunden hatten, damit 
man beftimme, ob ein folches Erzengnifs jemals wirk- 
lich exißirt habe, oder bei der Annahme feiner Exiftenz 
feinen Werth und feine Autorität zu beftimmen. Auch 
fparte er, wie er bemerkt, weder Koften noch Mühe, 
bis er das gewiin('chte Specimen erhielt. „Tgitur et 
„ego nullis neqUe fumptibus neque laboribus peperci, 
,,doncc fpecimen iftius libri adipiscerer/V Endlich ging 
er auch, um iich vollkommen zu überzeugen, nach 
Paris , wo das Buch in der königlichen Bibliothek nie- 
dergelegt war und fahe es ganz durch. Allein das p.e- 
fultat war, dafs das angeführte Werk nicht das, wofür 
man es ausgegeben, das Buch Henoch, fondem eine 
ganz verfchiedene , mit Fabeln und abergläubifchen 
Vorßellungen angefüllte Schrift War *). 

Nachdem LudolPs Erwartung fehlgefchlagen, kam 
man ganz von der Meinung ab , dafs das fragliche Buch 
in einer äthiopifchen Uebdrfetzung vorhanden fejrn 
möchte, bis am Ende des letzten Jahrhunderts, wo un- 

« 

fer unternehmender Landsmann Bruce nicht blofs fein 
Vorhandcnfeyn erwies , fondem auch drei Handfchrif- 
ten davon aus Habclfinicn mitbrachte. Diefs ift der 



4) Commentarius ad Hifior. Aelhiopicam. p. S47. 



•» 



91 



ir 



ft 



ß.,Laarence's Prelimiiiary dilTertation. 37 

Bericht, welchen er felbll von der Art ertheilt, wie er P- 
darüber verfugte: „Unter den Artikeln, bemerkt er, ^'* 
welche ich der Bibliothek zu Paris zullellte, befand 
„fich eine fehr fchöne und prachtvolle Handfchrift von 
Henoch*s Frophezeyhungen in grofs Quart; eine an- 
dere befindet fich unter den Büchern der heiligen 
Schrift, w^elche ich mit nach Haufe brachte und fteht 
^unmittelbar vor dem Buche Hiob^ welchen Platz ße 
in dem habeßinifchen Kanon einnimmt; eine dritte 
iHandfcbrift habe ich der bodleianifchen Bibliothek zu 
«•Oxford durch die Hand des Dr. Douglas, Bifchofs 
».von Carlisle'), überreichen laden/* Und bald nach- 
her fetzt er hinzu: „Ich kann nicht umhin zu erwäh- 
nen, daft Dr. Woide, als in England bekannt wurde, 
dafs ich diefcs Buch der Bibliothek des Königs von 
Frankreich gefchenkt habe, nicht einmal die wenigen 
„Tage wartete, bis ich nach London kommen konnte, 
„wo unfere gelehrten Landsleutc Gelegenheit gehabt 
„kaben würden , mit Mufse eine Handfchrift von die- 
„Cem Buche durchzulefen, fondern foglcich mit Briefen 
„Ton dem Staatsfecretär an ^) Lord Stormont, den Ge- 
„fandten am Hofe zu Paris , nach diefer Stadt abreifte, 
„in welchen der Wunfeh ausgefprochen war, dafs er 
„dem Doctor durch dieEirlaubnifs feiner Allerchriftlich- 
nften Majeftät Zugang zu meinem Gefchenke verfcbaf- 
„fen möge. Diefs erlangte er folcher Geftalt und es 
„wurde eine Ueberfetzxmg von diejem fVerkc herüber- 



99 



«« 



*t 



5) Traveli vol. II. p. 422. der Octavausgabe. 
Q Nach S, de Sacj's Nachricht d. Buch Henoch betreffend 
- Cdeutfche Ucberf. von Rink S. 150 hUlte der englifche 
8taal5r«cretär Stormont geheifsen, nach Laurence in iin- 
fertr Stelle aber der englifche Gefandle in Paris. (//•) 



38 H, Laurence's Preliminary dilTertation. 

jygebraeht^ doch iß fie^ ich weifs nich^ warum y nit' 
tpgends erfchienen ').♦• 

Wie grofs auch die Wifsbegierde und die Ungeduld 
des Fublicumt über diefen Punkt zu der Zeit, aufweiche 
Bruce hindeutet, gewefen feyn mag, fo fcheint fie fich ' 
p. doch nachher für lange Zeit gelegt zu haben ; denn die - 
^^•in der bodleianifchen Bibliothek niedergelegte Hand- ^ 
fchrift hat bis zu dem gegenwärtigen Tage dort ohne ^* 
Störung geruhet. Zuletzt indets habe ich gewagt, ihre 
' Ruhe zu unterbrechen , und mich mit der nachfolgen- ^ 
den Ueberfetzung derfelben zu befchäftigen. Ich habe f 
gewifs weder Zeit noch Mühe gefpart, um fie treu zut^ 
machen, doch da die bodleianifchen Statuten (welche'^ 
nach meiner Anficht. weife find) die Benutzung Ton'ii] 
Büchern auf serhalb der Bibliothek abfchneiden, fo bin^ 
ich genöthigt gewefen, das Werk'm der Bibliothek zvLf^ 
überfetzen. Diefer Umftand wird vielleicht, weni|< ^ 
Ungenanigkeiten vorkommen , das Urtheil mildern. ^^^ 
Es wird berichtet von Bruce, dafs fVoide das ganze; J 
Werk in Paris überfetzt und feine Ueberfetzung mit^ 
nach England zurückgebracht, jedoch niemals bekannt-^ 
gemacht habe. Allein es ift diefs gewifs ein Irrthum.^ 
Woide hat zwar die athiopifche Ueberfetzung abg^^ 
fchrieben^ aber fie nicht über jetzt \ denn unter feineiiu 
Papieren , welche nach feinem Tode alle in den Befiti^ . 
der Commißion der Clarendonifchen Druckerei gekom-i. 
men find» findet fich nichts, was einer Ueberfetzung 
gliche. Jedes Blttttchen, welches fich auf das Buct» 
Henoch bezieht, ift forgßiltig gefammelt und aufbc;j-y 
wahrt worden ; doch findet man weiter nichts , als ^<lc 

nen kldneii Verfuch , einige abgerufene Stellen wört 

• \ 

7) Travels S. 4S5 n. 4S6. dar Octavaoig. < . 

2s 



R. Lanrence's Preliminary diflertätion. 39 

fidi m*s Lateinirche zu überfetzen. Diefer Verfach be- 
weift hinlänglich, dafs feine Kenntnifs der äthiopifchcn 
Sprache unzureicb^d war» ein folches Werk zu vol- 
lenden '). Er fcheint damals das Studium diefer Spräche 
erft angefangen zu haben« ein Studium, weichet feine p* 
koptifcben Ui^terfuchungen und Druckfchriften unter- 
bnchen » nnd welches durch feinen Tod gänzlich ge- 
hemmt w^urde. 

Ich hatte meine Ueberfetzung des bodleianifchen 
Mmufcripts beendigt, ehe ich wüfste, dafs die Drucke- 
rdconuniffion eine von Woide gefertigte Abfchrift des 
Parifer Mannfcripts befitze. Nachher habe ich nichts 
defto -weniger diefe Abfchrifit unterfucht, und mehrere 
zafiUlige und offenbare Varianten zwifchen den zwei 
Handfchriften bemerkt, doch ift die letztere zu unge- 
naa abgefchrieben , als dafs fie für eine forgfältige 
Vergleichung zuverläflig genug wäre. Dafs das Pübli- 
cam aus der der bodleianifchen Bibliothek gemach- 
ten Schenkung bisher keinen Nutzen gezogen hat, 
habe ich btireita bemerkt, Diefs ift jedoch nicht 
pnz fo mit den anderen Manufcripten der Fall; dbin 
Jfr. 3Iurray, der Herausgeber der Octavausgabe von 
Bruce*« Travels, hat aus dem, was der Verfaffer für 
fich zurückbehielt, in einer Anmerkung einen kur- 
zen Ueberblick des Inhalt« des .Buchs mitgetheilt ^), 



8) Sieha auch Magaiin Encyclop^di^ue , An. VI. fom. I. 
p. S75 u. 376. (JL.) Vgl. ferner S. de Sacy Nachricht das 
Buch Henoch beireff. S. 15^16 der deutfch. Ueberf. v. 
Binh. C^.) 

Sf) „Dia Ueberfetzung aus dem Griechifchen , welche ir 
„der Ithiopifchen Bibel unter dem Namen MetrahafHenoc 
„gefunden wird, lA in 90 Kefel oder Kapitel eingetheilt. 
„Sie fingt mit folgender Vorrede an:— >,Im Namen Got- 
„Icf, des Bannberztgen, Gnädigen, Langmülhigen und 



40 R. Laurence's Prcliminary diflertation. 

p* und der gelehrte Silveßre fle Sacy bat in einer Notice d« 

IX. 

„von grofser GtOid^ mid Heiligkeit. Diefes Buch ill d«t 
yyBnch Henoch» des Propheten. Sein Segen . und fein« 
„Hülfe fey mit dem» welche^ ihn liebt bi$ in Ewigkeit^ 
19 Amen *^.'* Gap.L ^Dat Segenrwort Henochs, mit >vel» 
ttchem er fegnete die Auserwählten und die Kechtfchaf- 
y^fenen» welche waren vor Alters. Und Hfnoch ^rhob 
•9 feine SHmme und fprach, ein heiliger Mann Gottes, 
9j wahrend feine Augen geöffnet waren , und er fahe. ein 
Mheiiiges Geficht in den Himmeln» welches die Engel ihm 
9» offenbarten. Und ich horte von ihnen alle Dinge und 
^verAand, was ich fahe.** — Hierauf folgt die Gefchichta 
^der Engel', von ihrem Herabfteigen aus dem Himmel 
9^ und ihrem Erzeugen der Riefen mit den Töchtern der 
99 Menüchen» und wie üe diefe in denKüniten des Kriegs, 
99 des Friedens und der Ueppigkeit unterrichten. Die 
9» Namen der leitenden Geiller Yverden erwähnt, fie fchei- 
99nen hebraifchen Urfprungs, aber durch griechifche A^f 
«9fprache verfallcht zu feyn. Der Entfchlufs Gottes^ fie 
99 zn vernichten« wird alsdann dem Henoch offenbart, 
>9 Diefe Punkte nehmen ohngeHihr 18 Kapitel ein> w^che 
99 Mr. Bruce in^s Englifche überfetzt, aus Ueberdruls 
99 aber an denr Gegenftande nicht weiter fortgefetzt hat 
9t Von dem 18ten Kapitel an bis zu dem 50Aen wird He- 
99 noch von Uriel und Raphael durch eine Reihe von 
99yilionen geführt 9 welche mit der vorhergehenden we- 
#inig zuiammeithtogen. Er fahe das brennende Thal der 
9t gefallenen Engel , das Paradies der Heiligen , die äufser- 
^ffen Enden der Erde, die Schatzkammern des Donnen 
MUnd des Blitzes ^ der Winde, dcf Regens, des Thaues, 
99nnd die Engel, welche ihnen vorllanden. Er wurde 
9, auf den Platz des allgemeinen GerichU geführt, fahe 
9fden Alten der Tage auf feinem Throne, und alle Ko- 
„nige vor ihm. In dem.52ften Kapitel wird gefagt» dafs 
99Noah über die ungeheure Gottlofigkeit der Menfchen 
verfchrocken fey, und Rache fürchtend feinen Urgrofs- 
99Vater um Rath angefleht habe. . Henoch erzählt ihm» 
9»dafs eine Wafferfluth das ganze menfchliche Gefchlecht 
„vernichten und eine Feuerüuth die Engel Arafen würde> 

•) Ditfo knrs« Torrede » welch« in den btiden andern Uand- 
Idiriitem vorfcomint, fehlt in dct Bodleiaaifchen« 



IL Laurence^s Freliminary diflertatiou. 4l 

Ibred'Enoch C bekannt gemacht in dem Magalin ency- 

y welchen die Ueberrchwemmung nicht fchaden kSnne. — 
«, Kapitel 59. wird die Angelegenheil der £ngel wieder 
«iinfgenoinmen. Semeiza *), Artukafu, Arimeen^ Kaka- 
»Uel, Tufael, Ramiel, Dandel und Andere bis auf 20 
ncrfcheinen an der Spitze der gefallenen Geifter und ge- 
nben neue £e weife von ihren rebellilchen Gefinnungen. 
»Im 62ften Kapitel gibt Henoch feinem Sohne Methufala 
neine lange Befchreibung von der Sonne, dem Monde, 
i,dea Sternen , dem Jahre , den Monaten , den Winden 
9 and ähnlichen Naturerfcheinongen. Dieft nimmt 8 Ka« 
«pitel ein » ^^orauf der Patriarch das kurz wiederholt, 
ivvas er auf den vorhergehenden Seiten anigeführt hatte. 
«Die übrigen 20 Kapitel werden verwendet zur Gefchtchte 
»iTon der Flnth^ von Noahs Vorbereitung zu derfelben^ 
«und von dem glücklichen Erfolge, welchen ße hatten. 
«,Die Vernichtung alles Fieifchea mit Ausnahme feiner 
y Familie und die Aufführung göttlicher Rache an den 
i»£ngeln und ihren Anhängern machen den Befchlufs 
lydiefes abfurden und langweiligen Werks.'* Vol. IL 
p. 42i. 485 und 426. Anmerkung. Der Lefer wird ein* 
fchen» dals diefe Schilderung unvollkommen und unge- 
un ift« vorzüglich diejenige, welche von den letzten 
2D Kapiteln gegeben vvird. Mr. Murra^ fcheint das Bach 
flüchtig und voller Vorurtheil durchgefehen zu habca. 
Jedoch hat er fpäkerhin von demfelben guniliger gefpre- 
chen. Denn in einem befch reibenden Katalog von ^tU' 
ce*a orientalifchen Manufcripten , welcher mir von 
jetzigen Beßtzer freundlich mitgetheilt worden ift^ 
fchreibt Mr. Mnrray diefei Buch fo: 

„Daa Buch des Propheten Henoch befindet fich in 
^4ten Bande der Manufcripte, und nimmt 52 fchSa 
^eng gefchriebene Blätter, des Bandes ein. Es Adbl ev 
„dem Buche Hieb, und ift in 96 Kapitel, fo 
Min 19 Sectionen getheilt, welche letzlere 
„fammenhang mit den Kapiteln haben« undwillki^U 
„ohne Rüchficht auf den Inhalt des Werks 
„fejn fcheinen. Die Sprache ifi das reinjig 
9jUnd das gante Buch hat eine eigenthümlUht 
„heil des Styls und der Manier^ welche demlf^§t^ 

•} Abfichtlich behalu ich hici Klurrmy'ä Orl 
gelaamcn bei. (H.) 




42 R. Laurence's Preliminary diflertatioii. 

p. clop^dique, an. VI. tom. I. p.382. «®)) uns mit einer la- 
X. 

,fPOnirt und ihm die Ide§ von einem hohen Alier def 
ufelben einßöfsi,^ 

9t Das Buch Henoch wurde znerA von Mr. Bruce nach 
„Europa gebracht*), und drei Hand rchriflen, welche ihm 
„angehörten, von denen die eine znParii, eine zweite zu 
n Oxford, und die dritte , welche am meiden Original ift, 
j, in diefem Bande fich befindet , find die einzigen , wel- 
„che auf nnferm Weltfheil lieh befinden **). Es mufs dig* 
%»fes Buch als fehr merkwürdig betrachtet werden^ da 
,>es die Ueberfetzung eines längil verloren gegangenea 
9, griechifchen Buchs ifi, welches älter war, als die £r- 
„fcheinung unferes Heilandes und das Zeilalter der Apo- 
»yftel. Eine Stelle aus dem Buche Henoch findet man in 
„dem 14ten und IStenVerfe derEpiilel Judain unfererBi-i 
„ bei. Einige Fragmente des griechifchen Originals gibt /Cir.^ 
„ eher Oed. Aegypt. V. II. p. 69. Der Inhalt des Buchs ift eine' 
„Reihe von Vifionen , welche die gefallenen Engel, ihrc( 
„ Nachkommenfchaft, die Riefen, die Verbrechen, welche 
M die Fluth veranlaffeuj die GeheimnilTe des Himmels^ den 
„Ort der endliehen Vergeltung für Menfchen und Engel' 
„und verfchiedene von Henoch gefehene und von ihn^ 
„feinem Sohne Methulala befchriebene Theile des Utfi^j 
,,verfums betreffen. Die Erzählung iß kühn und fabelh^fl 
„ aber ihr ßnd tief eingeprägt die Gefühle und der Qm ' 
praeter derjenigen befchaulichen Schwärmer, welche dii% 
^chaldäifche Philofophie mit der heiligen Gefchichte de^ 
f^ Juden vermifchten •••). Als eine literärifche Reliqiii 
„verdient es Aufmerkfamkeitj und als ein KthiopiI«hc ^ 
„Buch, welches in dem reinften Otez gefchrieben il 
yjund von den Habefliniem eben fo hoch geehrt win^j 
i^als die Schriften Mofe's, ilk es würdig« dem Fnbl^^ 
ncnm vorgelegt zn werden.** ^^ 

10) £ine lifiif/cAeUeberretzung davon mit Anmerkungen lii^ 
ferte Er. Th.Rink unter dem Titel: A.J.Silveftre deSael^ 

«) Dieb ift nnr dum ricfatif, wenn die nach Ang. Mmi ii^li 
▼«tUUn befindliche HendCchrifl (t(]. 8. fti.), von welcbi^^ 
Murre T Bicbts weiCi , erft fpftter nach Born gekommen ie:riM 

.;.«♦) Wenn AM*! Auf abe wahr ih , to hat Murrmf hierin Ui^ 

recht; C. d. vorhergehende An verkimg. (H.) ^ 

*M) Diefc Benerkang tcheint des Bewtifei su ermengelB. \^ 



H. Laurence's Preliminary diflertation. 43 

tcinirchen Ueberfetzung der erßen drei Kapitel, dann aller 
Ton dem 6ten bis zum 16ten Kapitel indufive, wie auch p. 
des 22ten und 32ten Kapitels aus dem Farirer Manu- ^'* 
Toripte befcbenkt. Diefe Ueberfetzung habe ich an dem 
Ende der meinigen Ton neuem bekannt gemacht ' '). 

Audi weirs ich, dafs Dr. Gefenius aus Halle in 
Sachten ohnlängft ' ') in Paris gewefen ift und das ganze 
Buch abgeCchrieben hat, um es in äthiopifcher Sprache 
mit cmei \«tcmi[chen Ueberfetzung bekannt zu machen. 
Nf enn daher die Selbftftindigkeit einer en^lifchen Ueber* 
fetzmi^ oder meine Unaufmerkramkeit mich irgendwo 
rerleitet haben follte, etwas falfch zu deuten, oder mich 
dimkel auszudrucken , To wird das Publicum den Vor- 
theil haben, ea in der lateinifchen Ueberfetzung berich- 
tigt zu finden. 

Nachdem ich fo die Quelle, woraus die gegenwär- 

tige Ueberfetzung gefloflen ift , betrachtet habe , werde 

idi "Wenig bei dem Beweife zu verweilen brauchen, 

dib die ätkiopifche Ueherjetzung des Buchs Henoch 

i;m& Aa&dbe Werk enthalte, wie die griechifche Ueber" 

l^toag^ welche den Kirchenvätern bekannt war. Denn 

[gf I warn der über daa Herabfteigen u. f. w. der Engel in 

.^l Kadkrichl das BnchHsnoch betreffend (Konigtb.1801. 8.). 
. , I Dit Aoezüge ans den Boche Henooh find in lateinifcher . 
. |- I Vffbcrfeizaog nnd von Hink nicht überfefzt, fondern la- 
lauicii beibehalUa. (tf.) 

fljSie fleht auch in der von Bznk gelieferten deutfchen 

Mvlefznng der Nachricht das Bnch Henoch betreffend, 

^1 M il «iaher von mir nicht wieder beigegeben. In den 

^^1 imnknngcn jedoch zn dem Buche Henoch wird hier 

^b«r I ^ ^ darauf Rückficht genommen werden. (//.) 

4 iMurenee's Ueberfetzung erlchien 1821 , alfo etwa ehi 
Üb- I ^ nach Gefmus Anwefenheit in Frankreich und Eng- 






lie- 



44 R. Laureiice's Preliminary dilTerialioii. 

dem crftercn gegebene Bericht verglichen >viril mit tloi 
in dem letzteren enthaltenen» fo weit er in Georgii 
STncellus ßeht , fo wird kein Zweifel über die SacV 
entftehen. Die Abweichungen erfcheinen« foviel ic 
p. einTehe, als blofs zufällig ■ ^), Diefs könnte allein hii 
^"'reichen, um das Factum fellzußellen. Doch läfst fic 
nach verfchiedenen Anführungen der Kirchenväter felb 
die Evidenz noch erhöhen. Irenacus^ welcher in dei 
zweiten Jahrhundert fchrieb, fpielt offenbar auf di 
Sendung Henochs an die Engel an, welche in dem vo 
G. Sjncellns aufbehalteneu Fragment nicht enthalte 
ift. ytSed et Enoch,** Tagt er, „üve cireumcißone pL 
,,cens Deo, cum ^Jfct homo^ legatione ad angelos fm 
^ygebatur , et translatus eß , et confervatur usque nun 
yyteßis jußi judicii Dei; quoniam Angcli quidcm trani 
yygrefll deciderunt in Judicium; homo autcm placer 
,ytranslatu$ eß in falutem '^).<* Der Bericht von dicfc 
Sendung kommt in dem l4ten und dem 15ten Kapiu 
der vorliegenden Ueberfetzung vor. Auch Tertulliai 
welcher in demfelben Jahrhundert fchrieb , citirt ricl 
tig und deutlich aus Kap. XCVII, 7. 8. : „Et rurfus jor 
„vobis 9 peccatores » quod in dicm fanguinis perdition: 
„jußitia parata eß. Qui fervitis lapidibus, et qui imf 
„gines facitis aureas» et argenteas, et ligneas, et lap 
„deas, et fictiles, et fervitis phantasmatibus , et da« 
„moniis, et fpiritibus infantibus , et omnibus erroribl« 
yiuon fecundum fcientiam» nullum ab iis invcnitis aux' 
P- ,,lium'')/* Diefs iß in dem Acthiopifchcn fo ausg 

I 

iS) £twAs Näheres darüber findet man in dem IßenExmi, 
am £nds meiner Bcarbeihmg des BucHes Henoch. ^H.y\ 

14) Opera ed. Grabt, p. S19. ^ 

15) Opera ed. Paris. 1664. p. 87. Zu dem Worte infan^ 
bus werden von Rigauli folgende Leiarlen geliefert : ,^ 






R, Laurence's Preliminary diflertation. 45 

(inlckt: „Wiederum fchwöre ich euch, ihr Sünder, 
„dab Strafe bereitet ift ftir den Tag des Bluts, wel- 
sche niemals endigt« Sie werden Steine anbeten, und 
„goldene, filberne und hölzerne Bilder Geh bilden; fie 
irerden unreine Geifter, Dämonen und allerlei Götxen 
in Tempeln anbeten, aber keine Hilfe wird von ih- 
„nen erlangt werden.'* Die Identität diefer zwei Stel- 
len kann nach meiner Einßcht nicht bezweifelt wer- 
den, wenn man einerfeits die Eigrnheiten einer lieber- 
fetznng und anderfeits die freie' Art, die Stelle zu citi- 
ren, ein w^enig berückfichtigt« 

Diefen ZeugnilTen werde ich blofs noch eines hin- 
zufügen, das des Anatolius^ BifchoPs von Laodicea, 
welchen Eufebius citirt Diefes, bemerkt er, dafs näm- 
lich der crße Monat bei den Hebräern um das Aequi- 
noctinro falle, beweifen felbd die im Henoch enthal- 
tenen Unterweifungen '*) und er weift alfo auf den Be- 
richt von dem Anfange des Jahres im 4ten Thore hin, 
welcher Kap. LXXI, 12. gegeben ift. Sein Argument, 



cod. Fnlvii Urfini legitur infanis. At in cod. Agobardi 
infamis}* Vielleicht ift die richtige Lesart in /s7ii>,'m 
Tempeln f 'was mit dem Aethiopifchen überein ftimmt, 
Diefi kann auch die Lesart der zwei in der Note ange- 
führten Manufcripte gewefen fejn , und Rigault kann in 
dem erften Falle ein / für ein / gehalten , und in dem 
zureiten ein m einem n fubftitnirt haben ; denn diefe bei- 
den Bnchftaben "werden gewöhnlich in Manuferipten aus- 
gelalTen , und dnrch einen horizontalen Strich über dem 
Worte ausgedrückt 

ttvmt, vffp«9rArix« m«} t« ^v rw 'Evui^^ fiaSl^fJLara, Ecclef. 
Hi/L lib. VIT. cap.52. p. 235. ed. Amft. Das hier citirte Werk 
des Analolius wurde nach Bucherius in dem Jahre VS 
gefch rieben. Siehe Tillemont^s Memoires Hilt. £cclef. 
▼oL IV. p. 127. 






46 R. Laurence's Preliininary dilTertation. 

vrovon er ausgeht, will, was ich noch hinzufügec 
mufs, beweisen, dafs die Jahresrechnung mit dem FrüA^ 
lings ' Aequinoctium anfange. 

Aber in der That ift die Augenfcheinlichkeit ihrei 

P- Identität durch das lange von Georg. Syncellus aufbe- 

' wahrte Fragment fo vollkommen in fich felbft, flafs fic 

keiner Bekräftigung bedarf. Und daÜB das Buch Henoch. 

welches nach der Geburt Ghrißi noch mehrere Jahrhan 

derte exiftirte, die Quelle war, aus welcher St. Juda:' 

fein CitatV. 14 u. 15. entnahm, beweifet jede Hindeu' 

tung der frühem Commentatoren der Schrift ganz deut^ 

lieh. Die befondere Stelle, das ift richtig, war nich*^ 

angezeigt, weil diefer Umßand, da das Buch wohl be^ 

kannt war, überflüIEg fcheinen mochte; aberriekomna*^ 

in dem äthiopifchen deutlich ausgefprochen vor. Ir 

der bodlcianifchen Handrchrift umfaCst (ie das, wa^ 

zweites Kapitel heifst, gänzlich, aber in der Farifc1*> 

bildet fie den letzten Vers des erßen Kapitels. ^C 

Wenn man alfo zugibt, dafs das fragliche Buc^^; 

ganz dalTelbe fcy, welches dem St. Juda und den Ki:^i< 

chenvätern bekannt war, fo dürfen wir doch nicl'^i 

daraus fchlieCsen, dafs es jemals die Autorität eines cx% 

nonifchen Buchs befab. Es fcheint immer unter dj\ 

apokryphifchen Bücher der Bibel gerechnet worden t\ 

feyn *'). Diefo ift die ihm angewiefene Stelle, wori^ 

die apoßoUfehen Ooti/litutionen feiner gedenken " 

Ireruuus *^) tuid Clemens von Alexandrien ^°), in da 

zweiten Jahrhundert, nehmen allerdings Rücklicht a^ 

: -^{^ 

17) Vgl. übiur dlefe Untarfuehnng auoh dia BeitrUge s. M%^ 
fSrder. d. ¥em. Denk, in d. Kelig. 2 HA. S. 142 £ (f\^ 
^ IS) Lib. VI. cap. 16. , ^ 

. 19i Opera p. S19. J^ 

20) Opera ed. S^lhurgii p. 801 und 808. ^ 



R. Laurence's Preliminary diflertation. 47 

daflelbe, ohne feinen apokryphirchen Charakter zu er- 
wähnen , doch drückt Origenes im Anfange des dritten 
Jahrhunderts deutlich aus, dafs die Kirche es nicht als 
ein infpirirtes Werk betrachte : iv raU innKfiöiats et) 
niyv ^iperat d)S äeia ^ ')• IndelTen bei einer anderen ?• 
Gelegenheit, wo' er es citirt, fcheint er anzudeuten, ^^' 
dafs es Manche als canonifch betrachteten^ denn er lei- 
tet feine Angaben über daHelbe mit der hypothetifchen 
Bemerkung ein, „wenn es Jemand alis ein heiliges Buch 
^.annehmen >yill/* eft^ q^tKov naßa6ix€0äat dos äytoy ,. 
ti ßtßXiov **). Auch in der Sjnopßs der Bibel ^ W^l- 
tiit mit den Werken des Athaiiaßus bekannt gemacht 
wurde , wird es den Apokryphen beigeordnet. Einen 
ähnlichen Charakter ^ibt \\xxa Hieroitymus ^ welcher 
darauf mehr als einmal anfpielt, und zwar ganz von 
derfelben Anficht ausgehend : ,,ManifeßiIEmus liber efi,.** 
bemerkt er in feinem Commentar zu Ffalm CXXXII, 3., 
„et inter apocryphos computatur, et veteres interpretes 
„de ifto locuti funt ; nonnulla autem nos diximus, non 
„//i auctoritatem fed in commemorationem,** Augufiin 
fpricht ebenfalls davon auf diefelbe Weife ^'). Endlich 
in dem von Nicephorus , Patriarchen von Conftantino- 
pel im Anfange des 9ten Jahrhunderts gefchriebenen Ka« 
lalog wird es wiederum unter die apokryphifchen Bü- 
cher geftdlt «♦). 



tl} Contra Celfum p. t67. ed. Spencer. (£•.)• VgL die Bei- 
trage z. Beford. vu f. w. S. liS ü. (fl.) 

22) In Joannem p. 132. ed. Huetü* 

23} De CiviUie Dei, lib. XV. cap. 23. 

ti} liody De Bibl. Texlibui p. 648. (L.). Nach der von 
/K Dindorf veranlUlteten Aufgabe dei Nicephorus (hin- 
ter G. Syncellui. Vol. L p 787.) gehört Henoch zu Atn An» 
tilegomenis des N. Ttji. ; die unter d. Texte befindliche latei' 



46 B. Latirence'^ Prelimüiary differtatii 

Aber obgleich weder die jüdifchc noch die 
liehe Kirche es jemals in den Kanon der heiligen! 
aufnahm , fo betrachtete es doch ein berühmter S 
fteller des zweiten Jahrhunderts fowohl als eine 
rirte Schrift , als auch als eine wirkliche Arbeit 
iiigen, delOTen Namen es führt. Tertitllian Tagt i 
ner Abhandlung über Abgötterey: ,,Haec igitur a 
t^xio praevidens fpiritus Janctus ^ etiam oßia in 

• _ 

„ftitionem Ventura praececinit per antiquijjimiim 
P- ^^phetam Enoch **).** Hiermit verfichert er ausc 

XVL'» • • • ■ ' 

lieh die Infpiration deVelben und fchreibt es den: 
ften Propheten Henoch 2u. Doch in feinem T: 
De cultu foeminarum richtet er, nachdem erauf di< 
mifchung der Engel mit den Töchtern derMenfche 
ihre darauf folgende Strafe angefpielt hat '^) , fein< 
merkfamkeit ausdrücklich auf die Frage von feiner 



m/c/ie Ueberfetzung hat die Ueberfchrin ganz falfch 
tragen veteris Teftamenti apocryphagj da es im Gi 
fchen heifst, ocec r^g viag dvrikMyovrat, (//•) 

25) Opera p. 95- (ed. Rigalt ) 

26) 4>Nam et illi» qui ea conßituerunt> damnati ix 

9>nam mortis deputantur: illi fcilicet angeli, qui^id 

Mhoniinum de coelo ruerunt, itt haec quoque ignOi 

,«foeminae aecedat Nam cum et materias quasdam 

iioccultasy et «rtes ' plerasque non bene revelatai 1 

^^multo magis imperito prodidiflent (li quidem et i 

»lomm operta nudaveranl» et herbarum ingenia 

,,dnx6ranty et incantationum vires provulgaveran 

,. omnem cariofitatem usqne ad ftellarum interpre 

^nem deügnaverant ) proprie et quafi peculiariter £< 

^nis inÜrumentnm iftud muliebris gloriae contulei 

tflnmina lapiIlorum> quibus monilia variantur; et i 

„\ot ex auro« qnibus brachir arctantur ; et medican 

ff ex fuco» quibuf lanae colorantur; et illom ipfui 

«•grum pulreremf quo oculorum exordia prodaonn 

Opera p. 150. 






R. Laurence^s Preliminary diflertation. 49 

fij tobang auj dem Kanon. „Scio**, bemerkt er, „Tcri- 
„ptnram Enoch, quae bunc ordinem angelis dedit, non 
^^ecipi a quibusdam , quia uec in armarium Judaicum 
^^admittitur. Opinor non putaverunt illam ante cata- 
„cijsmum editam, poft eum cafam orbia» omnium 
remm abolitorem , falvam efle potuilTe. Si ifta ratio 
eft, recordentur pronepotem ipfius Enoch fuilTe fuper- 
lUtein cataclysmi Noe , qui utique domeftico nomine 
„et faaereditaria traditione audierat et meminerat de 
„yroavi fui penes Deum gratia » et de omnibua praedi- 
••catia ejus; cum Enoch filid fuo Matnfalae nihil aliud 
»rmandaverit» quam ut notifiam eorunl polteris fuis p. 
»ytraderet. Igitur fine dubio pötüii Noä in praiedicatio-^^^'* 
«•nis delegatione rucceflifre ,- vel quia et alias nOn tacu- 
,4fl^ 9 tarn de Dei confervatoris fui difpöütione» quam 
»,de ipfa domua füae gloria. Hoc fi non tam expedite 
„haberet, illud quoque alTertionem fcripturae jlliua 
«ytneretur; perinde. potuit abolefactam eam violentia 
„cauclysmi in fpiritu n^rfus reformari ; quemadmodum 
„et Hierofolymis Babylonia expugnatione deletis, omne 
,4nArumentum Judaicae literaturae per Esdram conftat 
nreftauratüin. Sed cum £noch eadem fcriptura etiam 
„i# Domino praedicKvit, a nobis quidem nihil omnino 
Hre)iciendam eft » quöd pertiAeat ad nos. Et legimus« 
MÜmnem fcriptürain aedificationi habilem divinitus in- 
^fpirari, A Judaeis poteft jaiif videri propterea rejecta» 
.,ficut et caetera fere, qüae Cbriftum fonatit. Nee uti- 
«»que mirum hoc, fi fcriptüraa aliquas non receperunt 
i,de eo locutas, qu.etn et ipfum coram loquentem non 
»icrant recepturi. Eo acxedit, quod Enoch apud Judam 
„Apofiolum teßimOniüm poITidet '^).<< 



27) Opera p. 151. ed. Rigalt.' 
Bach Uenocb. 



50 R. Laurence's Preliminary dKTertatioii. 

Aus der vorhergehenden Angabe des Tertullu 
welcher am Ende des zweiten Jahrhunderts lebte, gc 
alfo hervor, dafs zu Feiner Zeit das Buch Henoch nie 
allgemein als ein unächtes und uninfpirirtes Werk v< 
-werfen wurde , obgleich es nicht in den jüdifchen 1^ 
non aufgenommen war ^*). IndelTen nicht lange na 
dem Anfange des dritten Jahrhunderts verfichert Ori| 
P* nes ausdrücklich, dafs es von der Kirche nicht recip: 

X.VIII 

' war. In der That iß keine Spur zu entdecken , dj 
es damals unter die kanonifchen Bücher der heilig 
Schrift entweder von den Juden oder von den Chrift« 
gerechnet worden fey. Mit Tertullian's Argumente 
feine Infpiration und Aechtheit zu beweifen, habe ii 
nichts zu fchaffen, doch kann ich nicht umhin, zu b 
merken, dals fie auf der firengen Wage der neuen 
Kritik nicht einen Augenblick von Gewicht feyn W€ 
den. ^r fetzt voraus^ dafs das Buch von Henoch feil 
gefchrieben worden fey , und fchliefst daraus , es D 
möglich gewefen, dafs es von Noah erhalten oder vc 
neuem gefchrieben worden ; diefer Schlufs gibt aber wc 
ter nichts, als eine blofse Möglichkeit, lediglich berg 
leitet von einer Vorausfetzung. Die in diefem Bud 
vorkommenden Anfpielungen tiuf den Herrn oder vir 
mehr auf den Menfchcnfohn , welcher von dem Alti 
der Tage auf feinen Thron der Herrlichkeit und ^ 
Gerichts erhoben wurde, können beweifen, dafi^ \ 
nach dem Buche Daniels gefchrieben fey , aber gew^ 
nicht, dafs es ein Werk Henochs vor der Fluth w^ 
Aufserdem fcheint die bekannte Thatfache , dafs es n^ 
mals in den Kanon der Bibel aufgenommen worden % 



S8) Vgl auch iCorrodi's) iBeitr. z. Beford. d. Vernunft. D«J 
in d. Reb'g. 2 £d. S. 142 ff. (//.) ^ 






R. Laurence^s Preliminary diflertation. 51 

ein anumßörslicher Einwand gegen fein hohes Alter za 
feyn. Anch wird die Anführung einer einzelnen Stelle 
ai]|5 demfelben bei St. Judas für die Billigung des ganzen 
Bachs von Seiten dellelben nicht mehr beweifen, als 
die von St. Paulus aus gewilTen heidnifchen Dichtem 
angeführten Stellen fiir diefes ApofteTs Billigung aller 
Theile^derjenigen Bücher beweifen , auf welche er lieh 
beziehL DieCs ift die Anficht des Hieronymus ^^% w^l« 
eher mir immer über diefen Punkt zu genügen fchien. p. 
Sl Jüda bedient fich allerdings des Wortes gewtijfaget^^^* 
iro er vom apokryphifchen Henoch fpricht» doch ift 
aach zu erinnern , äafs St. Paulus den gleichgeltenden 
Ansdrnck Prophet auch auf einen heidnifchen Dichter 
anwendet. Und da man, bevor das Buch verloren ging, 
niemals daran zweifelte» daCs St. Judas wirklich darauf 
anfpiele , fo glaube ich , dafs diefe Sache nun , da es 



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99 



29} n Pntant quidam Apoftolum rsprehendendum » quod im- 
„pnidcnter Ispfns lit, dum falfot docforet arguit^ illorum 
Terficulos comprobavit. Quibui breviter refpondendum 
eß. In eo, qtiod ait: Corrunipunt bonos mores collo' 
quia mala (1 Cor. XV, 53.) > ^^ i" illoc Jpßus et ge» 
nus fumus (Apoßelgefchichte XVIf, 28.), non üati^ 
totam. Menandri comoediam, et Arati librum^ prae- 
fenli loco (Titus I, 12. *)^ tion ibtum opus Callimachi^ 
^fiv« EpimenidiSf quorum aller latides Jovis canit> alt«r 
>,de oraculif fcriplit, per unum ver/iculum comproba- 
„▼it; Ted Cretenfej tantum mendaces vitio gentis incre- 
,^pavit, non ob illam opinionem, qua funt arguti a poS- 
^ti», fed ob ingenitam menliendi facilitatem de proprio 
y,eos gentis anctore confulani. Qui autem putant» totum 
librum debere fequi eum, qui libri ufus fit verficulo« 
videntur mihi et apocryphum Knochig de quo Apofto" 
Jus Judas in Epifiola fua tefiimonium pofuit^ inier 
Eccl^ae fcripturas recipere. '< Comm. in Tit. 1 , 12. 



»9 

99 
99 
99 



*) M Einer TOn ihnen, fofar tlner ihrer PrcpkeS^m, Ikgtt die 
Jüret^nXer finA immer Lttsner-^ böfe Thiere , faule Büsche» 

4 * 



52 R.Xam-ence's Prelimiiiary dilTertation. 

wieder aufgefunden worden ift, fchwerlich wieder ht 
zweifelt werden wird. 

Aus den vorhergehenden Bemerkungen ift dahe 
klar, dafs das jetzt zuerft bekannt gemachte Buc 
Henocb ganz daflelbe Werk enthält, wie das griechi 
fche, den Kirchenvätern bekannte mit demfelben Titel 
femer dals es von St. Juda citirt und von der alte: 
Kirche, vielleicht von jeder Kirche, alten und neuei 
(die habeflinifche allein ausgenommen), immer für apo 
kryphifch gehalten worden id. F'oji wem und zu wel 
eher Zeit es gefchriehcn worden fey^ ßnd nun die nach 
ßen Fragen, welche Bch der Forfchung darbieten. Abc 
V' bei dem Unternehmen einer Unterfuchung diefer Ar 

'wird man von mir vielleicht erwarten, dafs ich blol 

• 

von einer Muthmaafsung zur anderen und ohne einei 
Leitfaden durch ein Labyrinth von Zweifel und Vei 
"wirrung wandern werde. Dicfs würde unßreitig de 
Fall feyn , wenn ich beabfichtigte , eine Hypothefe au 
SchlüfTe zu gründen, welche von äujseren ZeugnüTei 
hergenommen wären ; doch ich dachte mir, dafs etwf 
der Thatfache Nahekonuuendea durchaus von einem in 
nem ZeugnilTe entnommen feyn müfle. 

Rückfichtlich dea vermeinten Verf affer s^ wei^ 
es in derThat daaWerk einer und derfelbenPerfon wi< 
fcheint wenig mehr entdeckt werden zu können , a^ 
dafs es An Jude war, und da(a er in feiner Mutterfprack 
fchrieb. Hieven enthält jede Stelle in jedem Theile d^ 
felben die klarßen und fprechendßen ZeugnilFe. Um ^ 
beweifen, dab ea urfprunglich in hebräijeher Spvkn^. 
gefchiieben war , berufe ich mich auf Scaliger'a BAc. 
nungr welcher, was ich auch bemerken mufs, dift 
Anficht nach dem griechifchen Fragmente fabte, w^. 
chea von Georgius Syncellus aufbewahrt worden i 



X 



R. Laiirence*s Preliminary dllTertation«; ^ 53 

Denn indem er feine Gründe angibt» warum er das, 
was er als jüdifche Lügen und gerchmacKlofe Fabehi 
betrachtet, abfchrieb und bekannt mache, fagt er: 
„Sed quia exHebraismo converfa funt, VLletiam media* 
9tcritcr hebraiee ptrito conßare poteß ^ et vetuRifh- 
^^mus eft liber, et a Tertulliano ex eo quaedam jaddu- 
„contar, quae bac alludunt, et quod caput eft,- locus, 
„qoi in epiftola Judae de angelis praevaricatoribua pro- 
„dncitur, manifefto ex hoc fragmento excerptus eft, 
^malui taedinm defcribendi devorare, qiiam committere« 
^st Ulis benevoli lectorea diutius earerent '^)/^ 

Doch fehlt es nicht an anderen ZeugnilTen, welche P- 
dalTelbe beweilen* Es ift wohl bekannt, da(a die iUe- 
Aen Ueberreße der Kahhala in dem Sohar enthaltte. 
find, einer Art von philofophirchem Commentat über 
das Gefetz, welcher tbeologifche Meinungen mit den, 
allegorifcben Spitzfindigkeiten der myßirchen Schute 
▼erbindeL In diefer berühmten Compilation, rvon welr 
eher man lange Zeit glaubte, dab^fie die geheime Weis-, 
heit der jödifchen Nation enthalte, wird gelegentlich 
aaf das Buch Henoch hingewiefen , als auf ein Buch, 
welches von Generation sbu Generation forgfältig auf- 
bewahrt worden. Die folgende Stelle aus demfelben 
wird hinreichend be weifen , dafs die Kabbalißen mit 
einem in ihrer Sprache unter dem Titel : das Buch He- 
noch, gerchriebenen Werke und nicht mit einer blofs- 
traditionellen Nachricht von einer folchen Schrift bekannt 
waren , und dafs dieCes Buch wenigßens einem bedeu- 
tenden Theile nach einerlei war mit dem, welches 
noch in ithiopifcher Sprache exißirt „Der Heilige \md 
nderGepriefene^S beifst es, „nahm ihn (Heno^)-nf aus 



SO) In Chron. fiuleb. p. 405. 



54 R. Laurence's Preliminary diflertation. 

,»der Welt, dafs er ihmdiene, wie gefclirieben ßeht: 
,fdenn Oott- nahm ihn hinweg. Von diefer Zeit an 
yyWurde ein Buch überliefert, welches das Buch Henoch 
„genannt wurde. In der Stunde, wo Gott ihn auf- 
y^nahm, zeigte er ihm alle BchältnilTe oben; er zeigte 
„ihm den Baum des Lebens mitten in dem Garten, feine 
„Blätter und feine Aeße. IVir Jehen Alles in feinem '' 
ffBuehe •■)." Aber es gibt eine andere Stelle in dem " 
P- Schar TOn einer ähnlichen Befchaftenheit, welche fchon '^ 
'früher, aber für einen anderen Zweck von Manaffeh ■^' 
Ben Israel in feinem lateinifchen Tractate De liefur-''^ 
rectione Mortuorum ^ Amfterdam, A. D. 1636. p. 335. ^• 
citirt worden iß. Sie iß folgende : „Wir finden in dem ^ 
„Buche Henoch*s, dafs der Heilige und Gepriefene, ^^ 
„nachdem er ihn hatte hinaufßeigen lallen, und ihm'^ 
„alle Behältniffe des oberen und unteron Königreichs ^t 
„gezeigt hatte , ihm den Baum des Lebens zeigte, den^i 
„Baum, in Betreff delFen Adam einen Befehl erhalten <£t:i 
9ihatte; und er zeigte ihm die Wohnung Adams in dem cc; 
„Garten Eden »»)•" ^Zci, 

•n'ap rth n^nm Nnvwa * -ji^m Nnab npsi 
7r*»D03pon nSdi '^iiujn mq'idi Nroa'iy^sc 1^3 'ii 

Vol. l Farafcha n^TPN^O P- S7. b. ed. Mant. et Amß. ^^ 

n^S p^Soi ttqVi iiam n'^sos mpdwn es« '^ 
MsSoi Nv^na Sa rxh ^ohni wm ins Nu;np |^* 

vxtn rhron rr^b ^orwi -din nhv Tponsn 



HOd 



fiyi KnaSa Vol. 11. PararcHa n*7©a P. 55. a. — :j^ 



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R. Läurence's Preliminary diflert^tion. 55 

Diefe Anfpielangen des Sohar auf die Behältnifle 
der himmlircben und irdirchen Reiche und auf den 
Baum der Erkenn tnifs in dem Garten Eden, welche 
dem Henoch nach feiner Himmelfahrt gezeigt Mnirden* 
ßnd, wie deutlich gefagt wird, aus einem Buche ent- 
uommen, welches den Titel: Buch Henoch's. führte, 
und diefelben Anfpielungen findet man im genaueften 
Detail vom 16ten bis 37ften Kapitel der gegenwärtigen 
Ueberfetzung. Die Erwähnung des Baumes der£rkennl>- 
nifs in dem Garten Eddn kommt in dem Slften Kapitd 
vor. Nun aber fchrieben , oder trugen zufammen di^ 
VerfalTer der kabbaliftifchen Ueberreße ihre verborgenen 
Lehren in chaldälfeher Spvhche, Ich glaube daher» dafs 
man kaum fragen werde» ob die Handfchrift des Buchs 
Henoch, welches fie citirten, in diefer Sprache» odiör p. 
bebräifcb gerchrieben war. Denn fie fcheinen es als ^^^i'* 
das ächte Werk desjenigen betrachtet zu haben , deffen 
Namen es führte» und nicht als das unächte Erzeug- 
iiifs eines fpäteren Zeitalters. Wäre ihnen blob eine 
griechifcke Handfchrift bekannt gewefen • was febr m^- 
wahrfcbeinlich ift , fo würden fie es nicht als ein Ori- 
ginal haben betrachten können. Aber fie fcheinen ge* 
wifs dasjenige» worauf fie fich beziehen, mitldiefem 
hohen und erhabenen Charakter, zu bekleiden. D^r 
Schlnfs liegt auf der Hand. 

Indem ich daher vorausfetze » dafs das vor uns He* 
gende Buch von einem unbekannten Juden unter dem 
erborgten Namen Henoch abgefafst forden ift, ^veide 
ich zunächß unterfuchen» welche Kriterien uns vor- 
liegen» um die Zeit beftimmen zu können, in welcher 



ManaiTch Ben Israel citirl dicfe Stelle ungenau und deu 
lel nicht darauf hin , wo fie vorkommt. 



56 R. Laurence's Prelimiiiary diflertation. 

es gefchrieben reyn möchte. Dafs diefe Zeit dem A; 
fange der cbrilllichen Aera vorherging, bedarf kein 
Frage, wenn wir bedenken, dafs es von St, Juda c 
tirt wurde , doch in der That nicht als ein unbeftrei 
bares Froduct Henochs felbft (denn trotz des kabbalifl 
fcben ZengnilTes wurde es, wie ich bemerkt habe, ni 
mals in den Kanon der Schrift aufgenommen), fondei 
als ein ihm zugefchriebenes. Hier werden wir mit c 
nem Beweife für die Zeit verfehen, nach welcher 
nicht gefchrieben feyn kann , und wenn wir feinen I 
halt genau unterfuchen, fo werden w^ir fogleich eii 
Zeit erkennen» vor welcher feine Abfaffung eben fo u: 
möglich war. Diefe Zeit ift offenbar die babylouifa 
Oefangenfchaft ?3). Denn fowohl ganz diefclben Au 
drücke, als auch die fchildernden Vorßellungen Danic 
p. find in dalTelbe aufgenommen in der Darftellung des i 
ten derTage, der da su Gericht kommt mit dem Me 
fchenfohne**). Es konnte daher nicht vor derGefa 
genfchaft gefchrieben werden, Diefs ift jedoch nie 
alle Gewilsheit, welche wir zu erhalten im Stande fin 
Denn es gibt innere Zeugnijfe^ welche hinreichend fii 
EU beweifen, dafs es lange nach dem Anfange und feil 
nach dem Ende der babylonifchen Gefangenfchaft | 
fcbrieben wurde •*}. 



53) Haben die neuem Kritiker recht, dafi Aai Buch £ 
niert erft im makkabaifchen Zeilalter entliandeii ift, 
modificirt fich diefe Zeiibeftiminung nothwendig damai 
VgL die Einleitung S. 23. C ^O 

34) Vgl. Daniel VII, 9. etc. mit Kap« XLVI, 1- XLVU,, 
LIX. 1. LXIX. 12 und 16. 

8$) Bei der Annehme der AbfafTting det Buch's Daniel. ' 
inakka|>aifchen Zeilaller würde diefs auch ohne die I 
£enden Argumente fich von felbft verAehen. C^O 



R. Laur^nce's Preliminary diflertation. 57 

Von dem 83ßen bi« zum 90ßen Kapitel wird eine 

allegorifche Erzählung der H^uptereignilTe in der biblir 

fchen Gefcbicbte geliefert, zu deutlich in ihren Umrif- 

fen» «!• dafs fie einJVIiXsverfiändnirs zuliefse. Nun ivird 

in diefer Allegorie die Herrfcbaft der jiidifchen Nation 

bid za derKegierupg von 70FürI|en herabgefiihrt, unter 

der Schilderung VQnßebenzig Schaafhirten, wdche die 

Heerde beaufüchtigen. Auf Sfiul , David und Salomo 

'wird Knerft deutlich angefpielt ^^). Dann heifst es von 

fiefen 70 Fiirften oder Schaafhirten , dafs fie über die 

Sduafe ^') gehtzt ^d; ßeben und dreifsig von ihnen 

werden zufammengeßellt, alsüebeaufCichtigend in ihrer 

befondem Zeit ^ ')» hierauf drei und zwanzig ^ ^) vfnd zu* 

letzt von allen zwölf ^^y Allein es fcbeint hier ein 

kleiner Fehler in den Ziffern begangen worden sufeyn; 

denn die drei Z^ahlen: 37 ^ 23 und 12 machen zufam« 

man zyfci iindßeheiv^g^ nicüit ßebenzig. Statt 37 alfo 

in dem erften Falle mülTen wir wahrfcheinlich 35 ^') 

lefen; denn da wo die drei und zwanzig aufgezählt 

werden, wird beiperkty dafs fie „in ihren befondem p. 

Zeiten acht und Junf^ig Zeiten crfiilUen" ; 35 aber und^^^* 

23 macht 58. Wenn wir daher in der erften RlalTe 

f on Herrfchem nagh Salomo fünf und dreifsig zählen, 

fo werden wir finden » dafs diefs die richtige Zahl der 

Konige von Juda und Ifrael sufammengenommen bis 

zur Gefangenfchaft ift, falls wir diejenigen hinweg« 

96) Kap. LXXXVIII» 67 - 82. 
57} Ehend. ▼. 92. 

38) Kap. LXXXIX, 1. 

39) Ebend. v« 7. 

40) Ebend. v. 25. 

41) Vgl. was ich ^ben S,24. gagen diefc Aendemng bfinerkt 
habe. C^^O 



58 R. Laurence's Preliiuinary diflertalioii. 

laflen, welche ihre Herrfchaft nur wenige Monate otlc 
gar einen noch geringeren Zeitraum in um'uhigen Zei 
ten behaupteten. 

Die 35 Könige von Juda und Ifracl find folgende 
die von Inda : 1) Rehabeam ; 2) Abiani ; 3) Affa 
4) Jofaphat; 5) Joram; ()) Ahasja; 7) Athalja; 8) Jo^ 
9) Amazia; 10) Afaria, oder, wie er in der Chroni! 
genannt wird, Ufia; 11) Jotham; 12) Ahad; 13) Hii 
kia; 14) ManalTe; 15) Amon ; 16) Jofia; 17) Joja 
kim; lö) Jojachin; 19) Zedelua. Die vonlfrael: 1) Je 
robeam; 2) Nadab ; 3) Baefa ; 4) Ela ; 5) Omri 
6) Ahab; 7) Ahasja; 8) Joram; 9) Jehu; 10) Joa 
has; 11) Joas; 12) Jerobcamll.; 13) Menahem; 14 
Feliahja; 15)'Pekah; 16) Hofea. In diefem Verzeich 
nifle iß Joahaa, der Sohn von Joßa, unter den Koni 
gen von Juda ausgelaCfen, welcher abgefetzt wurde 
nachdem er blofö drei Monate regieit hatte; fein alte 
rer Bruder Jojakim wurde an feine Stelle von Pharao 
Necho auf den Thron erhoben **). So find auch untc 
den Königen von Ifrael die Namen Simri, welcher n» 
fiebcn Tage regierte, Tibni, Omri's Nebenbuhler, we'^ 
eher niemals im Befitz der hödillen Macht gewefen %\ 
p. feyn fcheint, Sacharja» welcher nach Jerobeani IL riv4 
* 6 Monate regierte und der Name feines Nachfolge! 
Sallum ausgelaflen, welcher blofs einen regierte. ' 

Die näehß erwähnte Klaffe von Herrfchern warc^ 
die fremden Monarchen , welche die Kinder Ifrael nac 
der Gefangenfchaft regierten, wo fic aufhörten, FiirftcL 
aus ihrer Mitte zu haben. Daher bezeichnen die nfld^ 
ften 23 Hirten, welche über die Heerdc geßellt ware^< 
offeobar die babylonifchen , perfifchen und makedoi\J 

« 

«) 2(ei B. der Könige XXIII, 50-55. ^ 



Laurence^s Preliniinary diflertatioii. 59 

Lonige, deren Herrfchaft fie nach und nach un- 
'cn 'W'aren bis »ur Wiedererlangung ihrer Unab- 
Leit durch die hasmonäifche Familie. AU fie in 
»ifcbaft geführt wurden , und mehrere Jahro» 
r\rarNebucadnezar König von Babylonien, wel- 
Lvilmerodach , NeriglilTar und BelEazar folgten, 
»n Babylonien von Cyrus « dem Perfer , er- 
fw, war diefa die Reihenfolge der neuen Herr- 

'Dinoi der Meder, Cyrus» Kambyres, Darius 
[pU| Xenes, Artaxerxea Longimanus» Darius No- 

ÄjUxerxes Mnemon, Ochus« Arogus *^) und 

L Hier endigte die perfifche Herrfchaft. Darauf 

die makedonifche in folgender Ordnung: Alex- 

Ptolemaeus Soter» welcher nach dem Tode 
ider's fich zuerft der Herrfchaft von Judäa bemäch- 
Ptolemäui Philadelphus, Ptolcmäus Euergetes» 
ilus Fhilopator, Antiochus der Grofse (der make« 
he Konig von Syrien » welcher die Herrfchaft 
idSa den Ftolemäern entrifs ^^)), Selcucus Phi- 
IX und Antiochus Epiphanes. Wenn wir daher p. 
tricrbab jlonifchen Monarchen die eilf perfifchcn 
figen , nnd su diefen die acht makedonifchen, fo 



£f haben Gefchichtfchreiber gezweifslt^ ob Antiochui, 
khcr £ch der Provinz JudUa bemächtigte > als Plole- 
tat Epiphanes ein Kind war» fie nachher vrirklieh 
itls an ihn abgetreten habe. £• fcheint nicht, dafs er 
ibal Siehe Pridsaux's Connection vol. II. p. 150. Doch 
fihit diele Frage den unt vorliegenden Cegenftand nicht ; 
in die Anzahl wird diefelbe feyn, wenn wir den Plo- 
ncnt Epiphanes an die Stelle des Anliochns fetzen und 
fvrilScha HerrfchaÜ mit Seleocus Philopator auiangen, 
icker fit nnbaftcittcn befafs. 



60 R. Laurence's Prelimiiiary dilTertatioii. 

wirvlilie ganze Anzahl 23 betragen, was genau init.< 
genannten Anzahl der zweiten KlalTe übereinftimnit. 

Die dritte und letzteKXsiSe befteht blofs aus zwo 
nind begreift wieder Fürßen aus ihrer eigenen Nati 
in (ich. Der erde von dieCen Fürßen war Mattathi 
der Vater yon Judas Maccabaus, welcher fein Vaterla 
Ton der Sclaverej und Gotlloßgkeit , welche Antioch 
Epiphancs ihm aufgedrungen hatte, befreite. Jofepb 
Tagt von ihm: napz^&fv Sh dnb trj^ atinpaylas i 
Svyaötslay^ xa\ Stä tffv dytaWayify rd>y dXXoq}vXt 
Sp^ai xcby dq^txipoov indytcoy , tsXivrn loifSgi ^ 
npBößvrdtcp tobv nalSaoy uatakinioy rify dpx^jy* J 
hello Judaico lib. L cap. !• Er kam zur Macht dur 
Glück und durch das f^ertreihen der Fremden herrfch 
er über fein f^olh mit dejfen freier Zußimmung u\ 
ßarb^ indem er die Herrfohajt Juday^ dem älte/l 
feiner Söhne, hint erlief s. Nach ihm folgte Judas Maci 
bäus, Jonathan 9 Simon« Johannes Hyrcanus, Aril) 
bulus, Alexander Jannäus , Alexandra* feine Witt^ 
Arißobnius » Hyrcanus , Antigonus und Herodes* 

Die Regierung des Herodes war von beträchtlicli 

Dauer 9 indem fie fich auf 34 Jahre erßrcchte. In ein 

P* Periode feiner Regierung, wahrfcheinlich in einier fi 

hem, fcheint das Buch Henoch gcfchrieben zu tej 

I 

Hätte der VerfalTer delTelben fo lange gelebt, dab ' 
das Ende von Herodes Nachfolgern fahe, fo hätte - 
die Ansahl der einheimifchen Fürßen nach Vertreibn,^ 
der makcdonifchen nicht auf zwölf befchränken k{^ 
nen,Telbß nicht, wenn wir annehmen , dafs er fd 
Rechnung von Judas Maccabäus ßatt von Mattath; 
angefangen hätte. Denn nach Herodes des Grofsen Tc\^ 
wurden die Beßtzungen» über welche dicfer Moiiai^ 



u 



R. Laurence's Preliminary dilTertation. 61 

bcrTFchle, in drei Theile getheilt : Archelaus * ') herrfcbte 
über das eigentliche Judäa, Idumän undSamaria; Fhilip- 
po« über Auranitis, Trachonitis, Faneas undBatanää und 
Herodes Antipas über Galiläa und Peräa. Nachher wur- 
den die Befitzungen von Herodes dem GrofsQn wieder 
Tcreinigt und fielen Agrippa anheim, fo dafs, wenn 
\rii' auch Ton Judas Maccabäus zu zählen anfangen, 
die Anzahl einheimifcher Fürften 15 ßatt 12 beträgt. 
Doch konnte der VerfalTer diefes Buchs feine Zählung 
nicht fo begonnen haben ; denn , wenn er diefs gethan 
bslte« fo hätte er nicht ^e Zähl zwölf ^ fondern vier- 
ten angeben niülfen , da die dfei Söhne des Herodes : 
Archelaua, Fhilippus und Antipas die Regierung der 
ikoen zugetheilten 'Diftricte zu einer und derfelbcn Zeit 
begannen, welcher Umßand fofort die Zahl eilj zu vier^ 
ukn erhöht haben würde. 

Die vorhergehenden Argumente find fixrmicfai W'ie p. 
ich gdlehe, hinreichend^ zu beweifen, dafs diefes Buch 
böchAens nur einige Jahre vor dem anfange der ehfiß* 
Uckenj^era gefchrieben vfurde. Dafs cb nicht Jehr tang0 
Tor derfelben gefchrieben fcyn konnte, beweift noch 
eine andere Anfpielung, welche es enthält. In Kapi- 
td LIV, 9. „werden die Oberhäupter desOfteiis*« unter 
den ^^Parthem und Medcrn'^ erwähnt, und es wird 
.▼on ihnen gelagt, dafs fie Könige vQrt ihren Thronen 
ftoCsen , „wie Löwen aus ihren Dickichten hervor und 
wie hungrige Wölfe mitten unier dieHeerde fpringen.** 



45) »Aber «I» tlt horte» dA& Archelaus regitre in Judfla 
V anfiatt feine« Vaters Herodes , fo fürchtete er iich dorl- 
uhin zu gehen ^ ond da er ▼eorGolt im Traume gewarnt 
»,wat> fo vrandte er iich ztrr Seite in die Gegend von 
„ Galiläa*' (Matth. II, 2t)» wo Herodes AnUpas hcrrfchte^ 
Siehe ;.uk. IXL 



62 R. Laurence's Preliminary dilTertation. 

Die Parther waren aber in der Gefchichte bis z\ 
SoOften* Jahre vor Chrißus ganz unbekannt, wo fie i 
ter der Anführung des Arfaces (der Familienname al 
ihrer nachherigen Könige) von An'aochus Theos, d( 
damaligen Könige von Syrien abfielen. Doch war 
erß im Jahre 230 vor Chrißus , dafs ihre Herrfchaft i 
begründet wurde , wo Arfaces den fyrifchen Mon 
eben Seleucus Kallinikns fchlug und gefangen nai 
und zuerft den Titel König von Farthien ßch beileg 
Nach und nach verdrängten ße die fyrifche Herrfch 
aus jeder Provinz , über welche ße ßch auf der Oßfe 
des Euphrat ausdehnte» fo dafs ohngefahr vom Jal: 
140 vor Chrißus an ihr grofses Reich ßch vom Gan^ 
bis zum Euphrat und von dem Euphrat bis zu dem C 
birgc Kaukafus erßreckte ^^). Doch verging noch c 
P- Jahrhundert, bevor ße in unmittelbare Berühru; 
mit der römifchen Macht kamen. Endlich wurde wä 
rend des Triumvirats des Caefar « Fompejus und Cr; 
fus die Provinz Syrien dem CralFus gegeben , deH 
unerfättliche Habfucht fowohl als fein Ehrgeiz ihn a 
trieben» die Ueberwältigung des parthifchen Reichs s 
verfuchen. In dem Jahre 54 vor Chrißus ging er üb 
den Euphrat und war anfangs glücklich , aber in de 



r 

46) Diefe große Ausdehnung der Herrfchaft fand unler 9 
thridatei dem Grofsen ßait. ^Dum haec apud fiaci 
jtgeruntur» Interim inier Parihot et Medos bellum ^ 
,>tur. Com varint utriusque populi cafiis fui/Fet» ad '* 
»yllremum victoria penes Parthos fuit. His viribus auc^ 
I, iVlithridates Mediao Bacafin praeponit, ipfe in Hyi^ 
>» niam proficifcitur. Unde rcverfus bellum cum Elyma^ 
I, rum rege gellit; quo victo, hanc quoque gentem rm^ 
^^adjecit; imperiumque Parlhorum a monte Caucafo, i^ 
II lis popolis in ditionem redactis » usque ad flumen Ai 
yy pkratem protulit '* Jtjjiin lib. XLI. cap. 6. ^ 



R. Laurence's Preliniinary dilTertation. 63' 

olgeiidcn Jahre wurde er, nachdem er (einen Sohn in 
ier Schlacht verloren hatte, relbft errchlagen und feine 
ranze Armee aufgerieben. Die Farther drangen dage- 
^ in Syrien ein und in dem Jahre 4l vor Chriftus 
nachten fie fich zuHenen des ganzen Landes, blofs mit 
losnahme der Seeßadt T3nru8 *''). Von da gingen fie 
n dem folgenden Jahre nach Jerufalem und erhoben 
den Antigonus , den letr.ten der haBmonäifchen Fami- 
lie, auf den Thron gegen den Herodes, welchen fie au« 
lern Lande trieben. Auch wandte fich hier nicht ihr 
biegcrifcher Ruhm ; denn obgleich fie gezwungen war- 
ben nach dem Tode ihres talentvollen und berühmten 
Generals Fakorus ^*} wieder über den £uphrat zurück* 
sogehen , fo trieben fie doch den Antonius, als er im 
Iihre 36 vor Chrifius , wenn nicht mit der Habfucht, p« 
doch wenigftens mit dem Ehrgeiz des Craflus, den 
fchwierigen Verfuch zu ihrer Unterjochung erneuerte, 
ans dem Lande, welches er betreten hatte, mit unge- 
heurem Verlnße und zu feiner völligen Schande. Zu die« 
fer Zeit mochte das Anfehen der parthifchen Waffen aufs 



vXifv Tü^ov , KaTiffr^i>f aro. DIo CailiaSy lib. XLVlli. (. 26. 
p. 545. ed. lUinftar, 

48) Pakorut war Her Sohn des Orodes, des regierenden 
IVlonarehen Ton Parlhien. JuAinut befchreibt den Gram 
des Orodet über den Verlufi feinet geliebten Sohnes auf 
folgend« rührende Weife: „Multis diebns npn alloqui 
,,qii€mquani, non cibum fumere, non vocem miHere, 
»,iUi Qt etiam mutus factus riderelur. Pofl multos deinde 
„dies, ubi dolor vocem laxaverat, nihil aliud, quam' 
„Pacorum vocabat; Pacorus illi videri> Pacorus audiri 
„videbatnr» cum illo loqui, cum illo confiAefe; inter- 
ndum quafi amUTnm flebüitcr dolebat.'^ Lib. XLiI« 
cap. 4. 



64 R. Laurence's Preliminary diflertatior 

höchfte geftiegen feyn*^), und es ift wahrfcheinl 
dafs in detfelben Zeit, oderwenigftenB nicht lange n 
her» Aab Buch Henoch gefchrieben wurde. 

Ich mufs auch hinzufügen» dafs felbft dcrGebrs 
des Ausdrucks Parther in (ich zu rchliefsen tcYn 
dafs der apokryphifche Henoch nicht eher fein Dal 
erhielt, als nachdem der charakteriftifche Name di 
Volkes durch feine häufigen Einfälle in die weßlic 
Theile von Afien beffer bekannt geworden war. D 
p. der Verfaffer des erften Buchs der Makkabäer, de 
^^^^''Gefchichte bis zu dem Tode des Johannes Hyrcj 
in dem Jahre 107 vor Chrißus geht; bezeichnet fie 
dem allgemeinen Namen Perfer in der folgenden Stc 
,,Nun in dem 172ßen Jahre (der Verträge , nämlich 
„vor Chrilhis) zog d^r König Demetrius (Nicator) f( 
„Macht zufammen und ging nach Medien, um 
„Hilfe zum Kampfe gegen Trjrphon zu verfchal 
„Aber als Arfaces, det König vom Perfien und Me< 
,^hdrte, dafs Demetrius über feine Grenzen gcgan 
iS^i fchichte er einen feinet Prinzen,- ihn leber 



49) Dio Gadiiis betoerki bei d«r Er^ahitnftg der Aul 
liong ihrer Herrfchaft» dafs Ae zuletzt mit den Hon 
zu käinpfen vermochten, und ihnen in dem grofsenK 
pfe um HerrfchaA immer daa Gleichgewicht hiej 
TiXiur«DvrS( \ti itrt reccZro mai r^( ^^Sf? xai r^q hvpm 
lx*^pi|9Av wera mai rolg *Pcufiaioi( rcra avr<ToAe/u^ffaf | 
hiü^o etil «vrrrtfXoi vofAi^iüSmi. JLib. XL. }• 14* p. 
JuÜinui Aellt fie dar als Ach in die Herrfchaft der 
zen Welt mit den Romern theilend: nParthi^, fagi 
^penes qnot» velnl divifione orbii cum Romanis £ 
„nujio Orientia Imperium eft, u. f. w/' Und nad 

■ bemerkter: »A Romanis qnoqne trinis (binisp) b 
»ptr maximos daces» florentifllmis temporibut lact 
i»foli ex Omnibus gentibus non pares folum^ vm 
^tiiam vidores fuere,** l^ib. XLL cap. L 



inude natürlich inerft ohne Unterfchied von 
n und mit ihm ia keiner Verbindung ftehen- 
loncn Vtrfar genannL 

\ ut&EiaUiiiftind Icheint ebenfalli xu beweifen, 
iBndinicbt in einer fräktrn Periode der parthi- 
'enjehaftf oder yielm ehr, dabei nicht vor der He- 
da Herodea gcFch rieben wurde. £• wird gefagt : 
■fcfatcnne. der Pfad und die Stadt meines gerech- 
iUjx vird die Fortfehritta ihrer RoIFe vcrhin- 
.'• Nun aber fand dielnvaßon Judia's durch die 

worauf hier üigerpielt sn feyn fcheint, nicht p. 
sam Jahre 40 tot Chriftna, wo fie den Hyrcanu»*^"**'" 
a, und den Antigonua auf den Thren erhobeOf 
c dagegen im Jahre 37 vorCbrißua znGnnßen des 
9 von den H5mern wieder abgefetzt wurde. Ift ea 
dt wahrfcbeinlicb , dafa die parthifcbe InvaGon 
1 SD der erwähnten Zeit, die einsige in der That, 
•edadit 'wird, dem VerfaJfer , ala er jene Stelle 
ehrieb, vorfchwebtet 
aon diefe UmAAnde allein nicht für entfcheidend 

Ib werden fie wenigßens den auf die Vifion der 



66 H. Laurence's Prelinünary difTertalion. 

70 Hirten oder Fnrften gegrünclelen Beweis fehr b 
Kräftigen. 

Indeffen mub ich bemerken , dafs Grabe in feine 
Spicilegium SS. Fatrum vermutbct« es fey das Bn« 
Henoch von Eupolemus citirt worden, und Fabricii 
nimmt an, dafs Alexander Polyhißor es citirt hab 
Wenn nun die Angaben diefer Kritiker richtig wärei 
fo würde folgen, dafs es in einer früheren Zeit gefchri 
ben feyn miHre, als ich vermutbet habe; denn Alexa: 
der Polyhißor lebte ohngefähr 90 Jahre vor Chriftu 
und Eupolemus noch früher. Aber man fcheint üebeii 
unrichtig verßanden zu haben. Grabe führt die fc 
gende Stelle zum Beweife feiner Vermlithung an: ,yV 
»«lidillime autem hoc confirmatur exinde, quod Alexa 
y,der Poljhiftor apud Eufebium De Praepar, Evangt 
9,lib. IX. cap. 17. p. 419. tcßetur, Eupolemum de En 
„cho fcripfiffe: Tovtov sipriKsyat npobtov rtfv dörp 
.yXoyiaVt odx AlyvTttiov^. — "EÄXtfya^ 6h Xiyeir t 
p. ^^AtXarta eifptjHiyai dötpoXoyiav • alrai 8h rbv ^ 
\9X0tyta riry a&r6y xal 'Era^x- £''m primum inveni^ 
ffAßrologiam , non Aegyptios ; — Et Graecos quid'- 
ffAtlantem ajlrologiae inventorem J-aeere^ fed Atlmtt^ 
tfillum ipfum Enochum fuijfe '^). '< Er fügt hien' 
eine von G* Syncellus aus dem Buche Henoch an'^ 
führte Stelle hinzu » worin es heifst , dafs der Erseq^ 
Uriel den Henoch die Gefetze und Bewegungen der hin^ } 
lifchen Lichter gelehrt habe, und daraus fchliebt ^; 
dafs Eupolemus feine Meinung in Betreff der aftro^ 
mifchen KenntnilFe des Henoch aus derfelben Qit^i^ 
haben mülFe. Aber gewifs war eine blofse jüdiP^ 
Tradition, dab Henoch der Vater der Aßronomie S-^ 

-: % 

5Q P. S45. 






R. Laurence's Preliminary diflertation. 67 

« 

worin er won den Engeln unterrichtet worden , allein 
fcbon hinreichend für die Behauptung des Eupolemuf» 
ohne daCs man nöthig hat, anzunehmen, dafa er fie 
aot dem (raglichen Buche entnommen habe ; oder ea 
könnten verfchiedene Theile des Buchs Telbft su ver- 
Ichiedcnen Zeiten abgefafst reyn. 

Fabrieius fagt deutlich , dafs G. Syncellus die fol- 
gende Stelle aus Alexander Folyhißor citire: ftapa^ 
laßirxeiS dxb rov rttdptov t&v *EYprfY6pooy äpxor* 
tos Xcopaßu)!» xh röv ^Xiov draxvMXevpiatixby /li* 
Tpor thrai ir ^coSioi^ öcböexaf p,oipaiS tptccKOöiatS 
ii^Morta: a quartö Jßgregororum principe Chorabi&U 
cdoctos^ menfuram periodi folis ahfolvi per duodecim 
fipia^ gradihus trecentis et fexaginta^^). Aber hätte 
der gelehrte Kritiker den Context vollßändig zu Bathe 
gezogen, fo würde er gefunden haben« dafs die citirten 
Worte die des G. Syncellus und nicht die des Alexander p« 
PoHhißor find. Auf der vorhergehenden Seite hat G. 
Syncdlus eine lange Stelle aus Alexander Folyhiftor mit- 
gobeilt, worin er ^inen Bericht über die Regierung 
^on xdu) Königen vor der Sündfluth gibt. Diefe Be« 
Iduabimg hält er für fabelhaft und fucht fie in der- 
UhtB Stelle , aus welcher Fabrieius den vorhergehen- 
Ica Ansang gemacht hat, als abfurd zu widerlegen. 
Er lagt: Jt6 xa\ arepl t&v dnsipcjy it&Vf xal t&y 
tttt ßaÖiXiayy t&y npb tpv xataxXuöpov » xal 86a 
Altf itoua iy airy XiXixta dnayopsücoy prföey eh 
**kili7d2f» o68i rify tooy ir&y elf dyd\v6iy ^ßii- 
#*r (L: tify r&y ir&y ${g ^pipaS dydXvöty) j) pe- 
ßfpiw datotixopat ' oi6h tovS taCra dXkriyopiiöay' 
*v MiA tbtdrras rör hiavthy ^pipav 'KoyiS^iäat 



^ Codfx Pfmdepigraphoi V. Teft. toI. I. p. 198. 

5* 



'^ 



dajs ein Jahr iwr der Sündßuth al 
werde. Hierauf folgt foglcich die 
geführte Stelle: TtapaXaßöytaS u. 
dem vierten Führer der Mgregori, 
haben » dafs der Kreislauf der Son 
Zeichen des Thierkreifes gemejjfen 
360 Grade getheilt iß. Diefs ift o: 
und drückt die Anfichten nicht de 
ftor» fondem des Gregorias Syncellai 
her die Angaben diefes Scbriftfiellcr 
fic nun widerlegt. 

p. Schlüfslich Können wir alfo ver( 

xxxvi.g^^j^ vor der Entftehung des Chril 

ben wurde, am wahrfcheinlichßen 
der Regierung des Herodes. Dafs es 
eines Schrift ßellers gewefen feyn kon 
den infpirirten Verfaffem des neuen *". 
gleicher Zeit mit ihnen lebte, iß k 
des St. Juda. Diefes Citat beweiß, 
Zeit ein Werk war, welches wenig 
felbß zugefchrieben wurde *'). 



H. Laiirence*s Preliminary diflertatioii. 69 

Man wird es vielleicht für feltratn halten, dab ein 
Bach, welches nicht länger ala 100 Jahre vor der Ab' 
falTung des Briefes Judä gefchrieben wurde '*), in ei- 
nem [o liurzen Zeiträume das Publicum in einem fol- 
chen Grade getäufcht habe, dafs es Manche für ein ach- 
tes Produkt des Patriarchen Henoch hielten. Es folgt 
jedoch keineswegs, dafs das Buch, weil es den Namen 
Henocb führte, demfelbeo allgemein als feinem wah- 
ren Verfaffer zugefchrieben wurde. Das Buch der Weis- 
beit fuhrt den Namen und fein VerfalTer ßellt fich dar 
ab die Perfon des Salomon. Doch wer fchliefst daraus, 
dafs es wirklich von dem infpirirten Monarchen felbft 
abgefafst wrorden Cey ? Wenn es fedoch z^u der erwähn* 
tenZeit Leute gab, welche das Buch Henoch für acht 
hielten, fo ill diefs vielleicht kein To merkwürdiger p* 
Fall, als es auf den erften Blick fcbeinen mag. Denn 
obgleich diefes Buch offenbar vpn einem Jaden gefchriei 
ben wurde , fo kann doch fein Verfaffer nicht in Palä« 
lUna gewohnt haben, fo dafs es alfo aus einem anderen,^ 
und« wie ich glaube, aus einem weit entfernten Ijande 
bergebracbt werden muFste. Daher kann fein Urfprung . 
in Dunkelheit gehüllt gewefen feyn.und war es wahr- 
fcheinlich« 



Urlheil über Echtheit oder Unechlheit ift ganz und 
^ar nicht darin enthalten noch beabfichligt. Vielmehr be- 
nutzt der Verfafler des Briefes die angezogene Stelle le- 
diglich als eine fchlagende Sentenz , -welche auf die ron 
ahm bekänpflen Frevler trefflich pabt. {H.y 

S6) Man nimmt allgemein an, dals diefer Brief nm das 
Jahr 70 gefchrieben worden fey. VVenfi wir daher die 
Abfa/Fung des Buchs Henoch in das 8te Jahr des Herodes 
letzen» d. i. 50 Jahr Tor Chriftus, fo iA es gerade 100 
Jahr ;ilter als diefer Brief. 



.jvic zjcugniia iciieint die Sache z 
nachdem der apokryphifche Hein 
Nacht in achtzehn Theile getheilt 
dab der langfte Tag im Jahre aus 
Theile beßehe »'). Nun aber if 
zwölf zn achtzehn ganz dalTelbe» 
zu vier und zwanzig , die gegei 
der Zeit, welche Tag und Nach 
Wenn wir daher erwägen , in wel 
liegen mufs , um einen Tag von ^ 
haben, fo werden wir fogleich 1 
fiina nicht ein folches Land feyn 
möglich, dafs, um eine Gleichheit 
Tags auszudrücken nach dem Fr 
p* und ihn jeden Monat regelmäFsi 
verlängern , der Verfaffer es ni 
mit den kleineren Abtheilungen g< 
würde er in Teinem Refultate von § 
fchwerlich fehr abgewichen feyn. 
ficher FchlieGsen , dafs das Land , i 
nicht niedriger als im 45ften Grad ni 
gen haben kann, wo der lanaft^^T. 



R. Lauren ce's Preliuiinary diflertation. 71 

wo der iänglle Tag gerade 16 Stuoden hat. Diefs wird 
das Land, i;vo er Tchrieb, wenigßens fo hoch hinauf 
bringen , als die nördlichen Striche des kaspifchen und 
cn^lüifchen Meeres liegen. Wahrrcheinlich lag es wohl 
K\rircben den oberen Theiten diefer beiden Meere. 

Wenn die letztere Vermuthung wohl gegründet ift, 
b war der Verfaffer des Buchs Henoch vielleicht Einer 
101 den Stämmen, welche SalmanalTar hinwegfiihrte, 
and „nadi Halah und nach Habor au den Flufs Gofan 
und in die Städte der Meder verpflanzte '*)9** und wel- 
che nicnuls aus der Gefangenfchaft zurückkehrten. 
Groiius bemerkt ' ^)» dafs einige Commcntatorcn un- p. 
ter dem hier genannten Halah Kolchis ^®) und un-*^^'** 



58) 2 B. dar Konige XVII, 6. nnd 1 B. der Chron. V, 26. 

59} nAIii vero per nSn Colchos, per *^On Jberos A/iaa 

»lom bic tum 1 faral. V. in fine interpretantnr ; et, qui 

yco deducli fnnty putani eoi elTe, quoi Colchos § SyrU 

ytcrtas et cireumcijos fuijfe narral Iferodolcu; Ponticos 

nülos fcilieet etiam in Act. et Petri epiftola memoratos. '* 

IHc Stelle im Htrodot^ worauf hier angefpielt wird, 

iiielgende; aXXA rolct hii /jtakXevt ort /uovyoi xavrutv av- 

i^araiv Ks^x^i , Mai Af^VTriei , Mai Ai$tox»( Ti^irft/üiyovrac 

«r* a^x9< ^^ »iholm, 4oiviKa( 5i na) Zü^oi oi Iv rtf Tlakai- 

#tf»9 nmt .mUTOi ofcoXoyf 9Utfi «c^* AryvTriwv fAifAmSuiMitat, Lib. 

IL cap. CIV. p. 127. ed. Gala. 

%ßi E, F. H. RofenmüUer fpricht lieh in der Beftimniung 

der Gegend, welche unter Chalach (n /Fl) zu verAehen 

ia, in feiner hiblifihen AlUrthumskunde nicht ganz con« 
ünpient ans. Denn nach der einen Stelle (\t Bd. 2r Th. 
Si 94^ Tgl. S. 113.") bezeichnet der hebrSifche Ausdruck 
die aflyrifcha Provinz Halaehene (KaX«Kiv«| beim Ptole- 
müoMf KiiX«x4*Y beim Strabo XVI > h"), welche Arrapa- 
cfaitii und die gordiäifohen (kardnchifchen} Gebirge zur 
aordlichen, die ebenfalb alFyrifche' Provinz Adiabene 
aber zor fudlichen Grenze hatte (Ptolem. Vit 1)» und 
aach Slnbo C^I» 4. (. S nnd 13. |. 120 zwiCchcn den 



72 R. Laurcnce's Preliminary dilTertation^ 

ter Hdbor llerien ^») vcrftehen, welche Länder beiA 
in dem von mir bezeichneten Striche liegen. Diet 
Meinung fcheint durch eine Stelle im Herodot bekräf 
tigt zu werden, welcher Tagt, dafs bei den Kolchien 
zu feiner Zeit die Befchneidung gebräuchlich gewefei 



Quellen des Lykns und dem Tigris leg (ftatf 1 Kon. ift be 
Hofenmüller a« a. O. 2 Kon. zu lefen) ; an einer anden 
Sielle aber C«- «• O. S. 98 — 99. vgl. S. 102. 1200 fol 
Chalach» wohin die Hebräer alt Colonillen verpflanz 
wurden« die nordSülichfte Stadt im Irak Arahi feyii 

welch« von den Syrern Chulon C^^Qj^^ den Araben 

Cholw&n oder Hohuän ((:J|Ua&) genanntwirdnndetw 

5 Tagereifen von Bagdad liegt {Affemani Biblioth. Orient 
T. III. P. IL p. 418 ff. und Abulfeda in Büfching's Maga^ 
für d« neu. Hill, u« Ceogr. 4 Th. S. 262.). Dagegen ei 
klMrt Hofenmüller am letztem Orte# dafs von Kalac 

CnS3>« welches in der grofsen Volkertafel 1 Mof. 1< 

•rwahnt wird, der Name der Provinz Calachene feine: 
Urfpmng haben möge, Gefenius (hebr. Handworterl 

ttnt. d. W. n /HD findet et wahrfcheinlicher , äaft unte 

Chalach Chaicitis in Mefopotamien y als Calachene vei 
Aanden werde« Noch ill zu bemerken, dals Viele H /T 

nnd in 73 ^ur einerlei gehalten haben ^Hofenmüller « 
a. O. S. 119. und Gefenius unt. d. W. n /3 D > ^^ jedocl 
Hofenmüller verwirft, (üf.) 
61) Chabor (")l3n}i Name des Flafles Chaboras, welche 

bei Circeüum fich in den Euphrat ergielst» hier alfo di 
Gegend um den Chaboras. Rofenmüller (a. a. O. S. 102. 
ill geneigt > darunter die Cebirgsgeg^end zwifchen Afly 
yien und Medien zu verllehea, in welcher der Flui 
gleiches Namens entfpringt» und welche bei Ptolemäu 
(VI, 1.) ebenfalls Chaboras heilst. Nach Jakiüi (f. Inde: 
geographie^ an Schultens Vit. Saladini; vgl. auch Rofen 
müller «. a. O. S. 199.) gab es %wei FlüOe des Namens, (/f. 



IL Lanrence^s Preliminary dÜTertation. 73 

Jcy. Auch ift hiebei zu erwähnen» dab, da Medien 
an der ludlichen und ludwelUichenKüße deakafpirchen 
Meeres lag, eine der gröberen Sicherheit und Unab- 
hängigkeit wegen noch weiter nördlich fortgefetzte 
Wanderung der gefangenen Ifraeliten, welche yerhin- 
dert wurden , in| ihr Vaterland zurückzukehren , nicht 
nnwahrfcheinlich zu feyn fcheint>^^). Doch kommt 
nichts darauf an, das Land genau zu beßimmen., in 
wdcheni diefesBuch gefchrieben wurde; es ilt genug, 
bis wir verfichert find, dafs fein Verfafler unbeftritlen 
in einem weit von Judäa entfernten Klima wohnte^' 
und diets beweift fchon Tollkommen ^ie darin enthal- 
tene Angabe der Länge des Tages und der Nacht in den 
forfchiedenen Jahreszeiten. Wenn es alfo unter dem 
mgenommenen Namen und als von der Ferfon des He^ 
noch verfafst aus einem entfernten Lande nach Ju- 
däa gebracht worden war, fo konnte es wohl nicht 
unter einem anderen Titel , als unter dem : Buch He- 
noch's» bekannt feyn oder dtirt werden , und obfchoa 
fie Mehrheit wegen feiner Ungereimtheiten feinen In^ 
halt fSr apokryphifch halten mulste, fo mochte es doch 
Manche geben, welche getäufcht durch den äufseren 



tiQ Ob ihnen eins folche Wandsrung in MalTe rerllattsf 
virordsn fey« ill irvenigAens ifehr zweifelhaft y um nichf 
zn IJigen> kanm zu glauben. Denn das weggeführte Volk 
follle fich in dem ihm angsv^iefenen. LandAriche anlie- 
deln, fchwerlich aber ir\rar es im Sinne der alTyrifchen 
Herrfcher, aus den hebraifchen ColoniAen herumziehend« 
Nomaden zu machen» Diefe ganze Argumentation LmU" 
TMnaft ift etwas Ichwaoh. Einzelne Juden, unter denen 
die VorCüiren dei VerfalTert vom Buche Henoch gewefen 
fejn konnten, mochten allerdingi allmählig /Ich über an- 
dere Theile Afient verbreiten > zumal, nachdem Ae unter 
PerAens HerrfchafI eine noch günAigere Lage und mehc 
Vertrauen gefunden hatten, (/f.) 



öcliritt aut'genoiTimcn worden , w 
durch eine übertriebene lieforgnif 
fleckt zu erhalten, nicht blofs verv 
mit allerlei Beiwörtern der Verach 
belegt worden find. Vielleicht ha 
der Partheien bei folchen Gelegenhe 
täubt. Denn Schriften diefer Art« 
Ihfpiration Anfpruch machen oder 
llens von beträchtlichem Nutzen, i 
logifchen Anfichten der Perioden ar 
fie abgefafst wurden. Diefs , glaul 
der Fall bei dem Buche Henoch , w 
Schrieben worden ift, bevor die L 
thums der Welt bekannt gemacht wi 
da, wo es die Natur und den Chara 
Tchrcibt, was zu wiederholten Ma 
eine glaubhafte Weife darüber bele 
Anficht über diefe Dinge war vor 
und folglich , bevor der chriftlich« 
ichende feyn konnte. 

In diefem Buche werden klare 

.fDielun^pn nnf *»5ri WäP««* "» • 



R, Laurence's Preliminary diflertation. 75 

und der Sohn Gottes ^^). Es entftand Streit über die 
in der Vifion Daniels befchriebene Natur des Menfchen- 
fohns, und die Unitarier behaupten, dafs fein Dafeyn p* 
mit der Geburt Jefu Chrißi anfange, und verfichern,*'^'' 
ohne Widerfpruch zxx furchten, dafs kein Jude irgend 
eines Zeitalters jemals die Meihung von feiner Fräexi* 
ftens gehegt, noch weniger ihn jemals als einen Gegen- 
Aand göttlicher Anbetung betrachtet habe. Allein dafs 
TOT Chriftus die jüdifche Lehre in Betreff diefes Punk- 
tei ganz anders war, als wie fie die Unitarier angeben, 
ksbe ich in meinen Bemerkungen über das erfie Buch 
EGra gezeigt ^'). Ueberdiefs giebt die vor uns liegende 
Schrift hievon ein noch vollkommneres und entfchei-' 
denderes Zengnifs. 

Der apokryphifche Henoch copirt offenbar den Da- 
niel, und zwar m einem folchen Grade, 'dafs feine ge- 
nauere Befchreibiing der Vifion des Propheten als eine 
Eibatemng feiner Meinung über die von den Juden zu 
feiner Zeit angenommene Lehre betrachtet werden kann.' 
Wenigftena in diefer Hinficht find feine Anfichten von 
betrachtlicher Wichtigkeit, weil fie fich nothwendig 
▼on dem Einfluffe chrißlicher Vorürtheile frei erhiel- 
ten^*). Auf den Menfchenfohn anfpielend, fagt er: 
nEhe die Sonne und die Zeichen g^fchaffen wurden, ' 
„ffte die Sterne des Himmels gebildet wurden, ward fein 
„Name angerufen vor dem Herrn der Geißer. Alle, 



66) Kap. Qiyh, t. 

67) S. M) ond SSI« 

68) Wenn fich nicht etwa nachweiffn licfse, dafs Jis d«n 
Mcfllat betreffenden Stellen von Chriftcn interpolirt wä« 
Ten; gegen eine folche Annahme fpricht aber der innige 
Zufammenhang , in welchem diele Schilderungen mit 
dem Ganzen liehen, (//O 



"■'von dem Schrecken fpricht , -welch 

fcher der Erde am Tage des Geric 

fo aus ; ttSie werden erfchrecken u: 

,» Antlitz» undAngft wird fie ergrei 

p^ Weihes Sohn fitzen fehen auf < 

^^Herrlichkeit. Dann werden die E 

»»und Alle» welche die Erde inne hx 

^^dejfen Herrfchaft über alle Dinge 

«»verborgen war. Denn vomJn fange 

5»fohn im Ferhorgenen, ihn bewahrte 

p»ner Macht und oflfenbarte ihn den Ai 

»,Alle Könige» Fürften» Erhabene unc 

i»che über die Erde herrfchen » werde 

n&llen auf ihr Angeficht und ihn a 

„den fetzen ihre Hoffnung auf diefc 

^gundwerden beten zu ihm und ihn bitti 

In diefen beiden Stellen wird di 
Meffias in einer Weife behauptet» -^ 
geringften Schatten von Zweideutigkc 
ift es nicht eine Jolche Präexißenz » ai 
renden Kabbalißen ihm zufchrieben » 



«• » 



R. Laurcnce's Preliminary dilTertfttion. Tjr 

dneExiftenz, welche der ganzen Schöpfung vor Aer^ 
geht , eine Exiftens vor der Erfchafftmg der Himmelt- 
lichter, eine Exiftenz vor allen fichtbaren und unficht- p 
baren Dingen, ^/verborgen ^ ehe etwa» Mrar." Es ift 
auch zu bemerken , dafs die ihm zugefchriebene Fri* 
exifienz eine göttliche Präexiftenz ift; denn vor allen 
Dingen „wurde fein Name angerufen vor dem Herrn 
„der Gcittcr , -^ der Auserwählte und der Verborgene 
„war bei ihm, — welcher hat Herrfchaft über alleDinge ; 
,,denn vom Anfange an exiftirte der Menfchenfohn im 
„Verborgenen, ihn bewahrte der Höchfte bei feiner 
,JIacht.*' Dann wird femer ausdrücklich behauptet, 
dab alle Konige der Erde „niederfallen werden und vor 
,,ihm anbeten^ fegnen werden und rühmen ihn*' als ei* 
nen wahren Gegenftand der Verehrung* 

Auch wird fo nicht blofs auf« den Auserwählten 
oderMelfias angefpi^lt, fondem auch auf eine andere 
göttliche Ferjon oder Kraft ^»), und von beiden wird 
unter dem gemeinfchaf^ichen Namen : die Herren ge- 
tagt, dals fie zur Zeit der Schöpfung über dem WalTer, 
d.i., wie ich glaube, über der ÜüIEgenMaire der unge- 
fialteten Materie fich befanden. , ,Er (der Auserwählte)*% 
heilsl es, „wird nifen jede Macht des Himmels, alle 
y^Heilige oben und die Macht Gottes. Die Cherubim, 
„die Seraphim und die Ophanim , alle Engel der Krafk 
„und alle Engel der Herren, nämlich des Auserwählten 
und der anderen Kraft, welche auf der Erde über 
dem Waller an dem Tage feyn werden , werden erhe* 






71) Bei LauTsnce hier und fonft Power überfetzfi alfo ei- 
gentlich lyncht f welche» ich defthalb mit Kraft wer- 
ten fcht habe, weil diedi unfrer theologifchen Terminolo- 
gie und, was die Hauptfache ift, der biblifchen Sprach« 
angemeflener fchien. C^O 



glaube ich , dafs auch die zuletz 

hing auf das Buch der Genefis ah 

derfelben Art zu Mofas Bericht , 

jäex Schöpfung befcbreibt» betra 

Wir haben alfo hier nicht blofs die 

keitf fondem auch die einer beftii 

bezeichneten TDreiheit (Trinität) 

dem erhabenen Namen Herren , v( 

Jnserwählte und die andere (göttli 

nicht weniger, als der Herr der G< 

bei der Schöpfung der Welt darge 

es mufs hinzugefetzt werden» daf 

den mit dem Werk der Schöpfung n 

fchäftigten , eine befonderc KlalTe v 

augehörige Bedienung erwähnt wir 

Diefes Argument fUr die Behau 

den vor der Geburt' Chrißi an die L 

nität glaubten , fcheint mir wichtig 

der zu ieyn , als das , welches zwa: 

meiner Meinung nicht auf gcnügei 

philofophifchen Grundfätzcn der alte 



R. Lanrence'^s Preliminary diflertatioii. 79 

si über diefen Gegenßand, überzeugt, wurden zu keiner 
eit von den Juden felbft als verjchiedene Fer Jonen be- 
ichtet, fondem lediglich als verfchitdene Kräfte '9) 
I der Gottheit. In der That, wenn diefs Argument 
berhaupt Beweiskraft hat , . fo ift es geeignet » mehr p. 
u bewcifen, als feine Vertheidiger wünfchen; denn''^^^* 
s würde darthun , dafs die Juden an zehn , nicht an 
Ird perfönliche Emanationen der Qottheit glaubten; 
bin fo grob ift die Anzahl der Sephiroth 7«)* Die 



73) Energies, Tagt Lanrence » was er fonft für fVirhungen 
gebraucht« C^O 

74) Diejenigen, welche die Lehre von der chrißlichen Tri- 
nilät in den Sephiroth der Kabbala finden > befchrHnken 
die Spuren davon auf die drei Erflen derfelben , und er- 
wägen nicht > daCi A]le> eine wie die Andi;re> von den 
Kabbaliften als gottliche Emanationen betrachtet werden, 
und die vielfache AüfTalTung Gottes zufammen fetzen, wel- 
che fich uns 'in feinen Werken zeigt. Bevor die grofse 
Urfache aller Urfachen, das Geheimile der geheimen 
Wefen die Welt fchuf, ehe es Gegenitände fchuf, welche 
von dem Verltande erkannt werden können, oder Form 
hervorbrachte, war es felbft, lagen fie, allein ohne Ge- 
ftalt oder Gleichnifs. Aber als die Schöpfung begann, 
entfprang, da fein Dafeyn fich nur durch feine Wirkun- 
gen zeigen kann, aus der Unermefslichkeit feines eigenen 
Wafens die erüe der göUlichen Sephiroth od^r Zahlen *), 
und theilte in verfchiedenen Graden einen unaufhörli- 
chen Ausflnfs der Gottheit neun Anderen mit, welche 
alle, jrereinigt^ uns einen zehnfachen Begriff von der 
Gottheit entfalten. Jedoch wird angenommen, dafs die« 
felbe Vereinigung flatt finde zwifchen allen Zehn^ wie 
Zwilchen den drei Erfien oder den fieben Letzten der- 
felben; alle werden betrachtet als trennbar in den Mo- 
dificationen der Handlung, aber dagegen als unzertrenn* 
lieh im Wefen. 

Aufserdem wird, wenn die drei Erßen von den Uebri- 
gen als rein intellectuelle £manalionen getrennt werden, 

*) EnumeratioHi fif c XfAurence. (H.) 



80 R. Laurence's Preliminary dilTertation. 

p* Einbildnngskr^t ift immer bereit, Aehnlichkeiten an 
^^^'•aufinden, da wo in der Wirklichkeit keine vorhande 
find; doch nüchterne l}nterruchung kann gewifs ni« 
mals den nnvorüchtigen Verfuch gut heifsen, chri£ 
liehe Wahrheit als in das unzüchtige Gewand der jüdi 
fchen Kabhala gehüllt» darsuftellen, Diefes feltrame um 
für Manche vielleicht , welche in feine äufsere Obei 
fläche eindringen, bezaubernde Sjßem von allegori 
fchen Spitzfindigkeiten hat offenbar fowohl hellere al 
dunklere Theile, fowohl wahre als falfche Anfpieluc 
gen ; aber anflatt ihre wilden Combinationen der Me- 
nung in die Richtfchnur der heiligen Schrift zu vei. 
wandeln» werden wir, nach meiner Ueberzeugung, wt, 
niger irren , wenn wir fie auf die alte und herrfchend. 
Philofophie des Orients zurückführen, iworaus fie n,: 
fprünglich hervorgegangen zu feyn fcheinen , und vo^ 
welcher fie eben fo unzertrennlich find, wie der Schi,' 
ten von feiner Subftanz, ^ 



die grofse Qoelle der Gottheil felbfl vergeflen, fie, ,, ; 
„deren Macht es fleht, wie der Sohar bemerkt, in i. 
,^nen feinen Einflufs nach ihrem eigenen Wohlgelall« 
„zu vermehren oder zu Termindem.** I ' I ^HITB*^ 

Manf. vol. IL p.4S. Denn obgleich der Name der Urqnat- 
aller gSttlichen Emanationen , Or En - Soph oder das fe^ 
endlichs Ucht, wie die Kabbalifien fie nennen, biaw^ 
len dem Keth$r oder der Kron$ gegeben w^ird, der ^ 
Aen der Sephiroth, fo wird doch der Or En - Soph fefb: 
fo deutlich von diefer nnterfchieden , als von jeder 4^ 
deren Sephirah. Daher ruht der Beweis derjenigenj w 
che fich aaf folche Gründe Autzen, nach meiner Elnft' 
auf keinem feüen Grunde, und er fcheini mehr geeigr^:: 
eine Qualemitäl als eine TrinitHt von Perfonen in t^^ 
GoUheil zn be weifen, felbA wenn blofs drei der Se|L 
rolh in Rechnung gebracht werden« ^ 

■5 



R. Laurence^s Prelihünary diflertation* 81 

Indeflen ift die Stelle, welche wir hier betrachten, 
lanem Einwände diefer Art ausgefetzt. £s ift hier 
lichts Kabbaliftifcbes « hier ift keine Allegorie, fondern 
ine deutliche und klare, obgleich gelegentliche An- 
pielang auf eine Lehre, welche, wenn fie nicht da- 
nak einen Theil des Volksglaubens ausgemacht hätte, 
ichwerlich \'erftandlich gewefen feyn wurde. Es wer- 
Im drei Herren aufgezählt: der Herr der Geißer; der 
Berr, der Auserwählte, und der Herr, die andere Kraft, 
ton welchen die zwei letzteren eben fowohl als der er- 
bre als Schöpfer befchrieben werden. Piefc Aufzählung 
(chliefst offenbar die Aberkennung dreier bcfondererPer^ 
fönen in fich, welche an dem Namen und an derMaclit 
derGottheit Theil nehmen. Von folcher Art alfo fcheint 
nicb dem uns vorliegenden ZeugnilTe die Lehre der Ju- 
den über die göttliche Natur gewefen zu feyn , bevor p. 
datChriftenthum aufkam und bekannt gemacht wurde/ ^^'' 

Endlich, wenn diefs fonderbare Buch getadelt 
irird, weil es in manchen Theilen mit Fabeln und 
IKchtung angefüllt ift^ fo mülTen wir doch bedenken, 
iil» Fabel und Dichtung bisweilen fowohl unterhalten 
di belehren , und blofs da als nachtheilig, betrachtet 
rerden können, wo fie in den Dienft des Laßers und 
kf Unglaubens genommen werden. Auch dürfen wir 
ticht vergelTen, dafs Vieles, vielleicht das Meifte von 
lern, vras wir tadeln, auf eine Volksüberlicferung fich 
;ründete, deren Alter allein fchon, abgeft^hen von an- 
legen Hückfichten, fie ehrwürdig machte. Dafs der 
^crfaiTer nicht infpirirt war, wird nun fchwerlich be- 
weifelt werden ; aber obgleich fein Troduct apokry- 
hifch ivar, fo darf es doch defshalb nicht gebrandmarkt 
rerden , als wäre es nothwendig mit Irrthümem an- 
efuUt. Zwar kann es defshalb eine Glaubensregel nicht 

Bach B^noch, Q 



-■»'**« «■«■** X^ m A V4 v^ J 



.] 



] 



dem Durchlcfen diefer Reliquie e 
ters und Landes wird der Lcfer 
ches zu verwerfen finden, doch v 
nicht verdriersen läfst, noch meh 
Wenn er auch bisWeilen die Stin 
doch öfterer lächeln. Auch wir 
Bewunderung der lebhaften E 
Schriftßellers hingeriiren werden 
über die flammenden Grenzen der 

XXjVIII ' 

Proccßt longe fiammantia 

und ihm jedes Geheimnifs der S 
Glanz des Himmels und die Sehn 
Wohnungen hingefchiedener Seele 
der himmlifchen Heerfcharen, die 
rubim und Ophanim, welche de 
umgeben , und dem heiligen Nam 
der Geißer , des allmächtigen Vatei 
der Engel lobfingen. 



Da die Anordnung der Kapitel 



Das Buch Heuoch. 



i 



I 
I 



, I 



I 



. r 



K a p. 1.*) 

I. Die Segensworte Hep^ch'Sf.vMrXHnit er 
^nete ^) die AuserwäMten 4ind die. G^ecbten, 
^dche lebep werden in der, Zeit . der .l^rul>ral, 
wo verworfen werden ') alle Böfe lihitf JGrott- 
kfe. Henoch, ein gerechter Mann, wdcher 
ftit Gott war^), redete und fprach,' als £eine 
Augen geö£Enet worden und er gefeheti ■ ein 
lieiliges Geficht in den Himmeln ^) : Di^Ei :^ig- 

i) Die in farentbefe Sehenden Worte des T0!t;tMfup- 
pUren eine Ellipfe ; in den Notcin bezeicbneä £e da- 
gegen dan buch ßablichen Sinn. Laure^ct bat iür 
beides die Curfivfchrift angewendet» welcba icb^ aber 
zur Ausseichnung wichtiger Worte benut;pe. 

s) Ausdruckt wie 5 MoL 33» t* ' 

3) Wortlidi: cur Verwerfung allbr Böfen und Gettlo- 
£en; daher «Sil. deSacy: ad expellendum (i. e.4|iMindo 
expelletur). 

4) Ganz ähnlich dem , iTiras i Mof. 5, aa. 04* yoii He- 
noch geragt wird. ^il. dt Sacy üherretzt : q«t a Do* 
mino (venit)» quo tempore ocnll ejus aperti futft. 

5) SIL de Sacy überfetzt die Worte © ^ -^ ?^ : /nh P • 

yn coelis efi , ** doch fcheint er den Vocal 4e* Bur h- 
fiiben dl überfehen au haben , welcher das kurze e 



weicnes ein Adjectivum in dei 

deutlich mit dem vorhergehen 
in der Conftructioa übereinzi 

jeniiTerbo Jp^A.. Ich mu 
. MmParifcr Manufoript nach Wi 

dm BodleianUchen ^^fi fte 

^FiX Je Jacy bezieht alTo die Wc 
den Heiligen (Gott); im Origin 

RelatiVuni , geht aber auf GcJ 

ier Sinn ift, dafs Henoch ei 

tobft gefehen. Für die Ricl 

fpricht der Inhah de» Buches / 

6) Sil. de Sacy verknüpft diefe W< 

henden und uberfetzt: \juem (u 

ftmmenhalige in feiner Üebertr 

Gott, zu beziehen) ofienderun 

Lawrence befriedigt hier nicht 

nach Himmeln ein Punkt und 

Worte zu einem neuen Satze. 

TOn Henoch in der dritten P< 

kiemit aber der Uebergang zur 

fo glaube ich. AmU liU* ^«. j 



Kap. 1. V. 2 — 3- 87 

fchlcclit, welches kommen wird in ferner Zeit, 
um der Auserwählten wUlen ^). 

3. Um ihretwillen fprach und redete ich mit 
ihm, der^) da hervorgehen wird^) aus feiner Woh- 
nung, dem Heiligen und Mächtigen, dem Golt 
der Welt, 



7) Es ift zweifelhaft« in welcher VerbracluDg die Worte: 
um der 'Austr wählten willen gedacht werden follen. 
Es könnte heifsen, daft Strafgericht foU der Auser- 
wählten wegen jetat noch nicht hereinbrechen, fon- 
dem noch lange verziehen. Wahrfcheinlich ift es al^er 
mit den Worten: das^ was gefchehen wird\ su ver- 
knüpfen, denn um ihretwillen kommt die Strafe über 
die Bofen. Vgl. Kap. g, 9. Kap. 9 und lo., befondera 
10, 18* 

8) SiL de Sacy hat: cum (eo) ^uod exihit fanctus e$ 
magnus de tabernaculo fuo. 

9) Sih. de Sacy bemerkt hieau: „Mysla Zayywatfa 

(^fl A : H ß ©Ö7\X WoUte man lefen myf$la 

(^n/t}) fo konnte man überfetzen: Parabolam 
(tUam) i/ued etc.V Das Wort misla heifst nimlich 
irU, wahrend mif&le Gleichnifs^ Parabel bedeutet. 
fVoidehBt bei Ueberfetzung der Ueberfchrift des Buchs 
Henoch , welche der Cod. Bodleian. nicht mit liefert 
(vgl. S. 39. Not. 9.), beide Worte verwechfelt, wie ihm 
Silv. de Sacy (Nachricht das Buch Henoch betreffend 
S. fio ff. d. deutfch. Ueberf.) nacfagewiefen hat. Dafs 

übrigens das dem hebräifchen TTÜO analoge Wort 

mifäle im Aethiopifchen wirklich vorhanden fey, was 
Sil. de Sacy (a. a.O. S. fi2.) leugnete, iftfchon von Rink 
(a. a. O. Anmerk.) aus LudolFs lexio. aethiop. p* 7^* 
(ed« Franc« 1699. fol.) nachgewinfen« 



/ 

j 



88 Kap. 1. V. 4 — 6. 

4. welcher dann treten wird auf den Berg SL 
nai^°), erfcheinen mit feinem Heer^^) und ficli of- 
fenbaren in der Stärke feiner Mach t vom Himmel ^^. 

5. Alles wird erfchrecken und die Wäch- 
ter '^) find befiiirzt. 

6. Grofse Furcht und Zittern ergreift fie 
bis zu den Enden der Erde. Die erhabenen 
Berge erbeben **) und die hohen Hügel wer- 
den ^erniedrigt '*) und fchmclzen ^^) wie Honig- 



10) Vgl. Pf. 68, 18. 

li) So erfcbeint Gott mit den himmlirchenHeerfcfaaren 
5 Mof. 33, 2. Pf. ö8f i8«» vgl. meinen Commentar. 
pbilologico • critic. zu d. erßern Stelle. Silv. de Sacy 
hat fiatt des Satzes : («r wird) erfcheinen mit feinem 
Heer überfetzt : et videbitur in tahernaculo fuo, 

ifi) Vom Himmel^ d. b. ,,fo dafs er vom Himmel berak 
Icommt;'* fonft könnte der Ausdruck auch blofs bu 
dem unmittelbar vorbergebenden Worte Macht^geto» 
gen werden, als Umfcbreibung des Adjectiv*s kimmlifck. 

13) Wächter ift ein beliebter Ausdruck des Bucbes He 
noch; fcbon Daniel 4t lO. i4> so. (vgl. Berthold, 
Daniel überf. und erklärt, fite Hälfte S. 319. und Ro 
fenmüUer Scbol. F. X. p. 156. ) gebraucbt ibn fü: 
MngeL Hier find unftreitig die Engel gemeint, welchi 
fich mit den Töchtern der Menfcben eingelaflen un< 
dadurch Strafe verdient hatten. Die Bezeicbnung ii 
aua dem Parfismus abzuleiten, daber auch bei dei' 
fpatern Juden und in den Schriften der Zabier (z. £ 
im Buche Adam*s ; f. Norberg*s lexid. Codic. Nafai' 
p. 173«) nicbt ungewöbnlicb. 

14). Silv, de Sacy bat confiernabuntur für erbeben, 

15) Vgl. Riebt. 5, 4. 5. Habak. 3, 6. Pf. i8, 8- [ 

16) Hiezu bemerkt Silv, de Sacy: „dieHandfcbrift bi^ 



Kap. 1. V. 6 — 8. 89 

fcim '^) in dem Feuer. Die Erde wird liberflu- 
thet werden und alles, was auf derfelben iß, 
umkommen ^^) , wenn ^^) das Gericht kömmt über 
alle, auch über die Gerechten ^). 

7. Aber ihnen ") wird er Friede geben ; er 
wird erhalten die Auserwählten und gegen fie 
gnädig feyn. 

8. So werden denn afle Gottes feyn , glück- 
lich ^ und gefegnet und der Glanz Gottes wird 



Yytmafchawou (^^^IU(D'); ich leteyytmaha- 

vou (^ '^^ÜO')^ welches der Sidn erfordert.«« 
1?) Vgl. Pt 97, 5. Mich. I, 4. Jef. 64, 1 — 3. 
lg) Aus diefer Stelle fiebt man deutlich, dafs das künf- 
tige Strafgericht, wovon das Buch Henoch redet, als 
in einer grofsen Fluth beßehend gedacht wird. 
19) Silv* de Sacy hat: et erit Judicium, 

so) Der Sinn der Stelle iß: unter der allgemeinen Notli 
haben auch die Frommen mit zu leiden, eine fehr 
richtige und daher auch in vielen Äeulseruogen des' 
A, T. von den Gerechten beim Hereinbrechen grofser 
phyEfcher Uebel mit Beforgnifs ausgefprochene Be- 
merkung. In V. 7. jedoch wird der Troß hinzu ge- 
fügt, dafs die Frommen der Bedrängnifs nicht unter- 
liegen , fondem fie überdauern. Vgl. auch 80, 11. 

Si) Silv. de Sacy: ,, quoad juftoa autem, pacem fa- 
ciet eis. *' 

83) Hiesu macht Silv. de Sacy die Anmerkung : ,, YyfcheV' 
kou. Diefes Wort, welches mit einem Saut (S) und 
einem Harm (H) gefch rieben werden mufs, iß in der 
Handfchrift mit einem Schat (Seh) und einem Haut 
(H) gefcfarieben. Dergleichen orthographifche Fehler 
üoden fich faß in jeder Zeile/* Rink (a. a. O. S. 57« 
Aamerk. ) erinnert dagegen , wenn die Handfchrift 



/ 



ein Haut, und gerade kein Harn 
wolle, fo fey das völlig rieht 
laute WCth : nicht UüCS 
Saut flehe, fey freilich falfch. 
gäbe würde alfo in der Handle 
hen, wofür er ßULCH^ l 

Rink ^UtC/*b:)gefchriebe 

ÄSX Achnliche SchÜdcrungen find 

Büchern häufig, bcfondcr» «m ] 

frohe Ausfichten in die Zuku 

2. B. Jef. 9, 2. 30. 23 ß. 35, 

fi4) In S. de Sacys Ueberfetzung. 

rend, indem er der Parifer Handfc 

hat in dem Wiederabdruck der 

taung von Silv. de Sacy die Kap 

Maaügabe der bodleianifchen Hi 

aö) SÜv. de Sacy überfetat: et vci 

a6) Vgl. 1, 4. Zum Gerichtkommt e 

in Begleitung der erhabenen Bev 

wie auch das N.T. von der Wieder] 

gericht es darftellt Matth. 25, 31. 

97) Das Pronomen i^ «.if. i?«i 



Kap. 2. V. 1. 91 

Jegliches, was die Sünder und Gottlofen gethan 
und begangen haben gegen ihn^^). 



fip) CitirtBrief Juda v. 14 und 15. npot0>)rfvn 1$ ua) rov- 

iyteuf fjM^iifftv ourov» ironj^ori ic^iViv Korroc vavrttn» Mai s^eXry- 
{«I irftvro^ vouf afftßslf atVahi ti^i xavrwv r&v f^^^v 
ii0ipila$: avrwv wv iftffßtjffov mcu in^i xayrwv rcvv ffxAij^cSy« 
•»y fXoXifdtty xor* auroü afAaqrvtkol acißtiq, ' So nach dem 

teztus Tißceptüa. Die Lefeart iß übrigens nicht überall 
ganz Iicher, auch hat der 'griechifche Text offenbar 
manches mehr, als das Aethiopifcbe ; vgl. darüber den 
afien Excurs. Silv, dt Sacj macht hiesu folgende 
Bemerkung: ,, Mehrere alte und neue Schriftßeller 
haben aus diefer Anführung (der Stelle im Briefe Judä) ^ 
Folgerungen gegen die Authenticität des Briefes Judä 

gesogen. Diefer Vorwurf könnte , wenn er 

gegründet wäre» auch mehrern andern Briefen der Apo« 
fiel gemacht werden; denn fchon Ori§enes und der 
heiL JSieronymus haben mit Recht bemerkt, daCs man 
in den Schriften der Apofid mehrere, aus verfchie- 
denen apokryphifchen Büchern entlehnte Stellen an- 
trifft. S. J. £. Qrabe FraefaU ad Tefiam. duodec. 
Patriarch, in dem Codex pfeudepigr. Veter» Teß. von 
Fabricius (Vol. I. p. 496. ed. s.)« Uebrlgens könnte 
man auch annehmen, der VerfalTer des Buches Henocb 
habe diefe Stelle aus dem Briefe des Judas entlehnt.** 
Die zuletzt aufgeftellte Vermuthung fcbeint mir ganz 
und gar verfehlt; denn man müfste dabei ja anneh- 
men, dafs im Brief Juda V. 14. die Worte: ,,Es hat 
aber von folchen geweilsagt Henocb, der fiebente von 
Adam und gefprodien ; <* interpolirt wären, wozu 
gar kein Grund noch Veranlaflung vorhanden iß. Ja 
ohne fie v^ürde die Stelle: „Siehe! der Herr kommt 
mit vielen taufend Heiligen u. f. w. ^' fich gar nicht 



92 Kap. 3. V. 1 — 2. 

Kap. 3. 30) 

1. Alle, die im Himmel find, wiflen, -^ 
(dort) gefchieht 3'); 

2. dafs die himmlifchen Lichter ^^ nicht 
dem ihre Bahn , dafs ein jedes aufgeht und un 
geht nach feiner Ordnung 3^), ein jedes zu fei 
Zeit ohne Uebertretung der Gebote ^). Sie fe! 



recht an das Vorhergehende anfchlieften. So a 
durch jene Wendung als in die Rede eingewebtes 
tat bezeichnet, wirkt fie recht fchön zu dem Zwc 
des Epißolographen mit, durch kräftige Verwarn 
von der Theilnahme an Lehre und Sitte der eii 
fchlichenen Verführer feine Lefer abzuhalten, 
nehin iß ja auch Jud. V. 6. : „auch die Engel, die 
Fürftenthum nicht behielten , fondern verliefsen 
Behaufung » hat er (Gott) behalten zum Gerichte 
grofsen Tages, mit ewigen Banden in Finßerni 
eine deutliche Anfpielung auf die im Buche Hen 
enthaltene Erzählung von der Feflelung des Sam 
und feiner GenoIFen ; hier im Buche Henoch ift 
citirte Stelle da. wo (ie fich befindet , ganz an ih 
Orte und wiederholt nur auf recht kräftige W 
das, was Kap. i, 5 — 4 ^°d 6. kurz berührten, n 
lieh Gottes Erfcheinung zum Strafgerichte. 

30) Bei Silv. de Sacy als Kap. IT. bezeichnet. 

31) Wortlich das fVerk^ daher S. ds Sacy : opus eor 

39) S. de Sacy: Inminaria, ^uae [unt in coelo. 

35)S.deSaey: rtgulariur. 

34) S* de Sacy: et non transgrediuntur mandata 
(jifua€ aeceperunt); ahnlich Laurence, wenn er n 
dem Worte „Gebote** (commands) ergänzt: wl 
tkey hav€ rtcnved. 



Kap. 3. V. 2 — 3. 93 

die Erde und vernehmen, was dort gefchieht ^) 
vom Anfang bis ^u ihrem Ende *'); 

3. dafs^ jedes Werk Gottes unveränderlich 
ilt zur Zeit feiner Erfcheinung ^^). Sie fchauen 
Sommer und Winter , dafs ^) die ganze Erde voll 
Waflfer ilt und dafs die Wolken , der Thau und 
der Regen fie erfrifchen ^). 



55) S. de Sacy: intelli^unttjug confiitutum^ ^uod fuper 
«A obfervatur, 

36) D, h. von einem Ende der Erde bis zu dem andern ; 
alfo was überall auf der Erde gefchieht , fchauen fie. 

57) S. de Sacy hier, wie fcbon im Anfange von V. fl. : 
^uomodo. Im Anfange diefesVerres wiederholt Lau- 
rence zur Verdeutlichung des Satzes die Worte : fie 
ftken aus V. 3. 

38) Hier weicht S. dt Sacy ein klein wenig ab : ^ uo- 
modo non immutatur omne opus fuum Deo , quando 
apparet , und erläutert den Sats ganz richtig dahin : 
9,quando tempus apparendi adyenit, nempe tempe- 
ftatibus anniy germinationi , floribus et cet.** 

39) S. de Sacy hat hier wiederum t/uomodo ; Laurence 
ergänzt vor dem Satze perceiving aus dem Vorherge- 
henden , man kann ihn aber recht ,gut von fchauen 
abhangig feyn laflen. 

40) Bei S* de Sacy : tjuomodo dies at/uarum , nubes ro^ 
TIS et pluvia fuper omnem terram ret/iäefcant (vel 
forte omnem terram refocillent'). Hier bricht feine 
Ueberfetzung ab und beginnt erft wieder mit dem 
7ten Kapitel, obfchon Kap, 5,, wenn man den Zweck 
d^ Verfa/Iers bei der darin enthaltenen Darftelluug 
einfehen will, nicht ifolirt betrachtet werden muCs. 
Denn die£er will von Kap. 3 bis 6 den Gedanken ausfuh- 
ren : alles , was du rings um dich her erbUckß , folgt 



K a p. 5. 

Wiederum bemerken fie 
Sommers » dafs die Sonne in d< 
ihrem Anfange "^0 ifi, wenn ihr i 
ten und fchattigen Baume Tuch« 
xienden Sonne, wenn die Erde 
Hitze verfengt wird und ihr 
vermöget weder auf dem Erdb< 
Felfen in Folge diefer Hitze "**). 



unabänderlichen, Tom Hochfien 
ten Gefetzen und die leblofe ri 
möge der in ße gelegten Kräfte < 
rechten Zeit, aber der Menfch, c 
nunft ein höherer Standpunkt an, 
firebt Gottes weifen Verordnungei 
'eignen Wohle ihm gegeben werc 
6, 4. y wo die Anwendung gefcl 

41) fVelche "Baume diefs feyen, wir 
angedeutet. 

4d) D. h, das alte Laub (denn di 
und neu zu fuppliren. wi» -• — -»■ 



Kap. 6. V. 1—4. 95 

K a p» 6. 

1. Sie bemerken, wie die Bäume, wenn fie 
hrc grünen Blätter hervortreiben, fich bedecken 
nd Früchte tragen ; fie vernehmen alles und wiflen, 
afs er, der ewig lebt, alles diefes für euch tbut: 

2. (dafs) die Werke beim Beginn eines je- 
[ichen Jahres, dafs alle feine Werke ihm dienen 
nd unveränderlich find; doch wenn Gott es be- 
hloflen hat, fo muffen alle Dinge vergehen*^). 

3. Sie fehen auch, wie die Meere und die 
lüfle allzumal erfüllen ihre Arbeit : 

^ 4- (Aber'*^^)) i7zr*^) harret nicht in Geduld, 
och vollbringt ihr die Befehle des Herrn; fon- 



45) Diefer Satz iß in der Ideenreihe des Schriftftellert 
nur ein Nebengedanke , wodurch das etwaige MIC^ 
verftandnifs der Worte, daft alle Werke Gottes un-- 
veränderlich find , bcfeitigt werden follte. Sie find 
unveränderlich, weil es Gott fo will. Der Haupt- 
gedanke wird daher in V. 5. nochmals aufgenommen 
und V. 4* folgt dann die Anwendung auf die Men- 
fcben, worauf es dem Verfaßer vorzugsweife ankam. 

46) Die Partikel des Gegenfatzes ergänzt hier fchon 
Laurence, wie mir fcheint, vollkommen richtig. Die 
Gedankenverbindung ift ähnlich dem Ausfpruche Got- 
tes in Jef. 1» 3. : das Rind kennt feinen Beützer» der 
Efel den Stall feines Herrn , aber Ifrael kennet (ihn) 
nicht, .mein Volk merkt nicht darauf. Vgl. übrigens 
oben die Anmerk. zu 5, 3. 

47) J^^r hier (vgL auch V. 1.) der Angeredete fey, ift 
lediglich aus demZufammenhange zu entnehmen, vgl. 
befonders V. lO. Es iß im Buche Henoch nichts Seite« 
nes, dafs in den Rügen gegen die Frevler plötzlich 
eine Anrede an diefelben erfolgt. f 



96 Kap. 6. V. 4 — 7. 

dern ihr widerflrebt und verläftert (feine) Gröfse 
und übelwollend find dieWortö in eurem befleck- 
ten Munde gegen feine Majeftät. 

5. Ihr Verdorrte*^) am Herzen, kein Friede 
wird euch zu Theil werden ! 

6. Darum werdet ihr eure Tage verfluchen^) 
und die Jahre eures Lebens werden vergehen J 
unaufliörlicheVerwünfchung^) wird fich aufhäu- 
fen und ihr werdet keine Gnade erlangen. 

7. In dicfen Tagen werdet ihr euren Frie- 
den verlaufchen mit ewiger Verfluchung von fei-* 
ten aller Gerechten , und die Sünder werden euck 
unaufliörlich verwünfchen, , 



48) Verdorrt ift hier nicht von der Schwäche , Hinfal-i 
ligUeit zu verfiehen, loudern gleichbedeuteod mit ver'\ 
härtety verßockt ; ihr Herz ift verdorrt, ganz trocken*:; 
alfo hart geworden , es ift demnach fchwer oder ga: 
nicht darauf einzuwirken, w^e auf das Herz, welche^ 
nach Ezechiel ii, 19. 36, 26. . zu Steine gewor 
den war. 

49) Aus Verzweiflung werden Ae lieh felbft und ihr Lfl^ 

ben verwünfchen, wie es z.B. Hiob that(Hiob3, i.)^.| 

Aehnliche Acte der HofFnungslofeu f. Jer. so, ^4 4^ 

Sir. 23» 19. [ 14.3 Lfuk. 23, 30. In einer andern Ab;; 

ficht verfluchte fich Judas nach Matth. fi6, 74. Marl. 

-1 
i4t 71- jjj 

50) Auch von andern werden fie verwünfcht (vgl. V. 7.}. (j 
von den Gerechten, weil diefe von ihnen bedrückt wui^ 
den, von den Sündern, welche fie durch ihr Beifpii^ 
oder dureh Einflöfsung ihrer Grundfätze zumUnrecbjL 
verleiteten. Auch in mehreren biblifchen Stellen wiz^, 
von Frommen erzählt, dafs fie ihren Unwillen gega(. 
ihre Feinde und die Böfen in Verwünfchungen aiU|^ 
ftiömen laffen , ohne dafs diefs getadelt würde. -^^ 



Kap. 6. V. 8 — 11. 97 

8. euch mit den Gf tllofen ^'). 

9. Die Auserwählten werden Licht, Freude 
ind Friede befitzen und die Erde ererben^). 

10. Aber ihr, ihr Unheiligen, werdet ver- 
Ummt werden* 

11. Dann wird Weisheit verliehen den Aus- 
jrwählten; fie alle werden leben und nicht wie- 



50 Laurence ergSnzt rot diefem Verfe aus dem Vor* 
hergehenden : ( fie^ werden verwünfchen. Der Aus- 
druck: euck mit den Gottlofen ift allerdings auffal- 
lend ; denn die Angeredeten lind ja die Böfen (vgl. 
V. 4 und 5. , auch V. lo.). Man würde eher erwar- 
ten : euch^ ihr Gottlofen ! Es foU wohl heifsen : euch, 
die ich zunächß im Auge habe, und alle Gottlofen 
überhaupt. 

59) Yerheifsungen ganz ahnlich den altteftamentlichen^ 
1 Chron. aft» 8« Pf. «St iS- 37 f 9- <^9» 3^. 37« 
Jef. 57, 13. ^5» 9* Ezech. -25, «4 — ^6. Der lange, 
ungeßörte BeCtz des heiligen Landes wird gern als 
Belohnung für Beobachtung des Gefetzes fchon in 
den ermahnenden Reden des Fentateuchs darge- 
fiellt (2 Mof. flo, 13. 3 Mof. 25» x8. 19. &6> 
4 ff. 5 Mof. 4, 40. 5, 33« ^9 18 ff.)- Da nämlich 
die Hoffnungen des Hebräers fich auf diefes Leben 
befchranltten , fo mulste friedlicher Genu(s der Pro- 
dukte des vaterländiCchen Bodens und einfaches, 
frohes Zufammenleben mit des VolksgenoiTen in der 
Heimath die Hauptzüge in dem Gemahlde feines 
Glückes bilden (i Kög. 4, 85. d Kog. 18« 3i. Jef. 
3(, 16. Mich. 4, 4. Zach. 5, 10. vgl. auch Pf. 10, 
ift. Jef. 17« 10 — 11.). Im Henoch ift nun diefe Be- 
zeichnung des Glückes, obfchon nicht immer ganz 
piffend, beibehalten. 

^*«k Heaoch. 7 



i 



98 Kap. (). V. 11 — 12. 

derum^^) ausGottlofigkcit oderHochmuthUcber- 
trctung begehen, fondem fie werden ßcli demü-.^. 
thigen im Befitz von Klugheit und die Uebertre- ' 
tung nicht wiederholen. 

12. Sie werden nicht verdammt werden wah-. 

rend der ganzen Zeit ihres Lebens, noch Iterbeii' 
in Qual und Zorn; fondem die Zahl ihrer Tag<^' 
wird erfüllt und fie werden alt in Frieden ^); unC " 




5^) Die Meinung ift, künftighin nach dem Strafgerich -^; 
foU die Sünde gana vcrfch winden und ein durch un-i^g, 
durch gerechtes Gefchlecht, welches alfo nicht wie^. 
Jer fündigt, die Erde bewohnen. Auf eine nhnlich^^ 
Karkc Weife äufsern (Ich über den IittUchen Wert.- . 
der Frommen, welche nach Vertilgung des frevelhalL 
tcn Gefchlcchts übric bleiben , auch- zuweilen di., 
Propheten; man fehe z. B. Jcf. 4, 3. 6, 14. 11, 5.^^ 
32, 1 — 6. 15—18. u. f. w. Ein Gleiches gilt felb.^^K»^'*" ^ 
von dem apoßolifchen Zeitalter , in welchem mar*^5. ' _— 
wenn man blofs die den Cbrißen beigelegten Name /^^^ ^^-^ 
ißytoi^ rlXfioi, mXty.roi) berückßchtigto und davon at ''^ t *-^ 
die wirkliche fittlicbe BefchalFenhcit derfelben fchlii^^V*«*"^ / _ 
fsen wollte, lauter Heilige und Vollkommene zu fi'^'sctf^-^ ^^ 
eben haben würde. Vgl. /. G. Stichel et C. Fr. JBi^itJ^ ^' 
genhard biga commentatt. de morali primaevoruj ' ^'^' 
chriftianornm conditione fecundum N. T. libros (NeoJ '^lej. _ 

ad Orl. 1826. 8«). Faft alle Rcligionsparteien, kle^^/J'"^"^ ^"^^ 
nere und grofsere, chriRliche und nicfatchriftlichey g-Ü'Wf^ 
ben ßch ähnliche ehrende Namen; fo ift z. B. dieAl^^' 
in den Schriften der Zabier etwas ganz Gewöhi \^ iii^-^ - ". 
lichea. \^ M^ '^ 

54) Beliebte biblifche Formel. Das dem menfchliche^ü^il -5?*^^ 
Leben gefetzte Ziel wird als von Gott beßimmt b^^^^f ^^' 
trachtet; der von ihm Gefegnete erlangt es und zwt^L^-j^.^^ 
in glücklicher Lage. Vgl. Hiob5, 26. 14, 5. F'^/J^^'^ 
139, lö. '^^"^^ 




' Kap. 7. V. 1. 99 

die Jahre ihrer Glückfeligkeit; werden gemehrt in 
Freude und in Friede für immer, fo lange fie nur 
leben ^). 

Kap. 7. Sect. \\.^) 

1. Es gefchahe» nachdem die Menfchenkin- 
der jßch gemehrt hatten in diefen Tagen , dafs 



55) An ein ewiges Leben in unferm Sinne denkt der 
Schrift Seiler alfa nicht, fondern an ein langes glück- 
liches Verweilen ,auf der Erde. „Der Bäume Altef 
foll mein Volk erreicfaeu *< (JeL 65, Sil.). 

56) 1^ : B : das ift ^0/5i4; *♦ B l Sectio iL Pa- 
rifer Manufcr. nach Woide*s Abfchrift. (Xi.) Mit 
diefem Kap. fahrt S. de Sacy's Ueberfetzung wieder 
fort, ift aber dort Kap. 6. beseifehnet, welches jedoch 
auch nur V. 1 — 9. umfafst, fo dafs mit V« 16. bei 
S. de Sacy das 7te Kapitel begitint. Silv. de Sacy's 
Ueberfetzung geht bis Kap. 16. ununterbrochen fort. 
Ein ih Georgius Syncellus Cbronographia erhaltenes 
Fragment des griechifchen Buches Henoch enthält 
diefen hiftbrifchen Abfcbnitt und ift überfchriiebisn : *£« 

rob ir^atTCV ßißXcou *£vebp( ira^i rwv *Ey^^fy6^v, Die 'Ry^* 

yo^, oder, wie fiie bei Cedrenus (Compehd. Hift. p. 7,) 
heiCsen , 'Eyoi^yo^H Wächter find biet die fündigehden 
Engel ; vgl. die Amnerk. zu 1 ^ 5. Der griechifche 
Ausdruck ift Ueberfetzung des chaldälfchen ^^y» wie^ 
es Aquila und Symmachus! Dan. 4» 13- geben, wäh- 
rend Theodotion das Wort beibehält (f*^) und die Sep- 
tuaginta, obfchon ße Klagl. 4i ^4* (durch falfches 
Liefen des Wortes D^'l^y verleitet) iy^i^yo^oi hat, 'e$ 

durch J?YyiXo€ wiedergibt; Vgl. Montfaücoh Hexäplä 
zu den beiden biblifchen Stellen ; /. A* Fabriciuf 
Cod. Ffeiidep. p-iTp — 80.; dann «Sutcert thef. ecclef. 
T. I. p. 1003. ; G* O. Bredovii diflert^ de G. Syncelli 

7 * 



zeugen. 



chronographia (in W. DindorJ 
Vol, IL p. 3ö — 70 «nd Jac. i 
et Annotatt. sum Sjmcellus (in 
gäbe VoL II. p. 348.). 

Wenn das Fragment aus^dem 

entnommen fejrn will, fo folgt da 

dem Buche Henoch in Teinem ^ 

noch andere Schriften unter H 

Urt hatten (vgl. S. 32.); vielmehr 

Bucher , was nach Syncellus Ai 

werden mufs, entfchicden auf i 

oder Bücher eines Werkes hinzi 

fem Sinne ift es alfo richtig, 1 

CCod. iPfeudepigr. V, T. p. 17p. 

res itaque Ubrifuerunt: nam et 

et ab Origene p/0Xei Enochi men 

diefs Fragment des griechifchen 

pifchen Ueberletaung abweiche 

das Nähere im iftenExcurs. Dei 

gens die VeranlalTuiig «ur proph. 

des Henoch an. 



Kap. 7. V. 3 — 6. 101 

3. Dann fprach Samjaza ^), ihr Anführer, zu 
ihnen: ich fürchte, dafs ihr vielleicht der Auafüh- 
rang diefes Untemehmens-abgeneigt werdet, 

4. und dafs ich allein dulden müfste für ein 
fo fchweres Verbrechen. 

5. Aber fie antwortetenihm und fprachen : ^') 
Wir fchwören alle 

6. und verpflichten uns durch Verwünfchun- 
gen gegenfeitig ^*) , dafs wir nicht ändern unfer 



6o) Im Griechifchen ^i/Äta^af oder Htfxtt^af; es ift unft rei- 
tig das ^NTnOV des jonsthanifchen Targum*s, in der 
Ueberfetzung von i Mof. (5, 4. (vgl. Anmerk. su V. 9.) ; 
auch behauptet Salomo Jarchi zu 4 Mof. 13, 54,, 
dab unter den Nephilim Riefen zu verftehen feyen : 

DUM nn '»0^3 ••»DWn, ei.i.€isantenvon denSöh- 
ntn des Samchafai und des Afael^ welche zur Zeit 
des Enos vom Himmel ßelen. Vgl. auch Th, Bangii 
coelum Orientis p. 32. Ueber die Bedeutung des Na- 
mens Samjaza f. zu V. 9. Uebrigens liell ein Codex 
von Jarchi's Commentar ^"^NTHOU? Scbamcbafael ; 
vgl. /. F. BreithaupCs Ueberf. des Jarchi z. d. St. 

61} S. de Sacy : locutique funt omnes et dixerunt. 

62) Durch folcbe gegenfeitige Verflucbungen , im Fall 
man nicht Wort hake, glaubte man lieh fehr gebuu* 
den und vor TreuloHglceit des Andern geßchert {SeU 
den de jur. nat. IV, c, 7. p« 523.)« Wo, der Glaube an 
die gewifTe EiTüUung einer Verwünfchung herrfchte^ 
da war natürlich eine folche das beße Sicherungsmit- 
lel. Den Uebräein war diefcr Glaube nicht fremd; 
darauf führt der bekannte Gebrauch des Fluchwaffers, 
wenn ein Weib des Ehebruchs verdächtig geworden 
war (vgl. den V9n mir herausgegebenen Entwurf der 



i 



hebr. Alterthümer S. 558 — 59. 

alttefiaincntliche Erzählungen. 
65) Silv. de Sacy: illudque prt 

pleturos. 
64) S. d^ Sacy : feCß invicem cont 

<!i5) S, de Sacy: erant autem <nnni 
contra Celfum V, p. 867. ed. Sper 
Jus nicht au9 eigner Lektüre, fon< 
gen aus Henoch beibringe» fech 
gel feyen herabgeftiegen und ve 
beifst es (nämlich aus dexfi Buch 

Hcniovt ysvofd,ivov;. Irrig haben eii 
Texte des Cedrenus iinoffi an unfi 
cioi drucken laiTen, wahrrcheiulic 
zi^ftitzt^ (der athiopifche Text 
V. 9.) namhaft gemacht werden. 
J. A. Fabricius (a. a. O. p. 18 ^0 
wird ja nach den Genannten au 
fetzt y dafs noch andere dabei w; 
«o2 irayrt(. Die athiopifchc Uebt 
die Zahl zweihundert V. 9. und 1 



Kap. 7. V. 7. 103 

Berges Armon. 

„welche herabfliegen auf Ardls , den Gipfel des Ber« 

get Armon**, ot ¥:araßivT%; iv ralf i}/u i^ai^ 'la^hh tiq 

ijj» Mo^vO^y 'E^fxovii//ui i^on; (welche in den Tagen Jared*s 
auf den Gijlfel des Berges Hermon herahfiiegen ) , fo 
dafs Ardis und Jnred in dea beiden Denkmälern ein- 
ander gegen überßehen. Dicfe Lefeart des Fragmen- 
tes fcheint die richtige und urrprüngUche su feyn, 
aus welcher die im Aethiopifchen ausgedrückte erß 
bervorgegangen Teyn mag; denn die Zeit, wo, das 
Herabfieigen der Sohne Gottes angenommen werden 
mufs, ift eben die Periode des Jared, welcher Hcgioch's 
Vater war (i Mof. 6, iß — *90> cla^nn aber fpvic^t 
auch für diefe Lefeart, was Origenes fqgt (Tom, YIII. 
Comment. injoann. p. i3fi. ed. Huet.): *lwghavijg /i^ev 

a^>)vai/'iTC< Karipetc t( aJruJV' rovrt» h» *v* purw; t'vw, 
ytirvta TO ovofxa rot *Jaq*ih* o Kar. ai^r« e^/u>«y6tf*rai M^ira- 
P c I y CA V , m<2^Tip ytyi'/^r»t rw MaXsAjtjX, cu( ev reu *£hmi;|^ 7«- 
Y^ATTaiy -— *— «r— rai( ^/üis^«f$ r^c rwv uicuv rou 0eo:; 
HttT aßaatwf sri ra( Su^ara^a; rwv avS^tvir.wv* 
^« i« t9 Jordan wird erklärt Herab gang" derfelben; 
dieCem aber iß, dafs ich fo fage, der Name des Jared 
verwandt , welcher felblt auch kerabhommend gedeu- 
tet wird, wie im Henoch gefchrieben Reht: — — — 
in diefen Tagen , als die Sohne Gottes zu den Töch- 
tern der Menfchen herabßiegen.**^ Denn wenn Orige- 
nes jene Lefeart des Buches Henoch in d^n X^S^^ ^'^' 
Teds nicht gekannt hatte, fo fähe man gar nicht ein, 
wie er die dem Worte Jared beigelegte Bedeutung 
durch diefelbe hätte rechtfertigen und beweifen wollen, 
Ebenfo fchreibt Epiphanias (Adverfu? haeref. Lib. T. 
Tom. I. cp. IV. cd. Petav. T. I. p. 4.) , ^afs zu der 
Zeit des Jared Magie und ähnliche Dinge aufge- 
kommen feyen. Es heifst nämlich : us Is -^ raqihcai^ 
ij iif i^o( iXSovffci, «vTgtStv (nämlich von der Zeit de» 



»■ 



10* Kap. 7. V. 8. 

8. DieferBerg^) wurde defshalb Arnion g 
nannt^'), weil fie gefcliworen hatten^) auf ik 



Jared an, welcher unmittelbar vorher genannt wo 

den war ) ^^Saro ^ Hemefxyi^avia tv Mffxw yivacBat Hat i 
a^X*7( /bccv hta T^f rou V hafx irafaHo*i; * iWeira ha hia i 
rou K«'/v aSfX({)oKrovia( ' y«fy 2t sv Xf^^^^^ roh *leio 
x«i fltrfxfiv« (pa^/uaxfia nat fActytia^ adkyig 
fitoi^fi« ri Ha) ahtKia, 

6j) Von diefem Herabfteigen der Engel zur Vermifchui 
xnit den Töchtern der Menfcben verlieht Paulus Bu 
g^^fis auch Jef. 14« is« Luk. xo, iQ. , was aber 
fenbar gegen den Zufammenhang iß: in beiden Stelle: 

^8) Silv» dt Sacy: illum vero montem Armon ni 
xninaverunt. 

tfp) Diefe Herleitung des Wortes Arnion (Hermon) b 
weift, dafs das Buch urfprünglich in hebraifch 
Sprache gefchrieben war. Der Vers Ü im Griecl 
fchen fo ausgedrückt: kai ixaXsffav to e^of 'E^/uwy, m 

SoTt wfjtocaVf xai avaStfJtaTicav iXXi^Xev^ iv aLTuT, Im B 

braifchen heiftt diefer Berg |lQ"in Chermon od 

Hermon, eine Benennung, welche in Uebereinftii 
mang mit dem Sinne der Stelle nur auf die Wuri 
D'in Burüchgefiihrt werden kann, welche in d 
Con jugation Hiphil im Hebräifcben, fo wie im Apb 
im Chaldaifchen und Syrifchen bedeutet: mit dt 
Banne heUgen, oder weihen. Bei der Annahme alC 
daCi das Bach hebrfiifch oder in einer andern der vi 
wandten Sprachen gefchrieben worden fey , wird i 
Stelle fieh felbft hinreichend erklaren , und die Abl( 
tnng dea Wortes ift klar; dagegen wird fie bei d 
JLnnahme, dafs das Buch griechifch gefchrieben wc 
den tej, ohne weitere Erklärung, oder wenigfte: 
ohne die Notiz, dafs der Ausdruck aus einer fremd« 
Sprache entlehnt lej, völlig unverftandlich feyn. (i 



Kap. 7. V. 8. 105 

id (ich gebunden durch gegenfeitige Verwün- 
[lungen. 

Einen andern bemerkenswertben Schlaft siebt aus der 
Befcbaffenbeit diefes Namens fcbon Silveßre di Sacy. 
Denn nacbdem er lieh über die Ableitung deflelben 
▼on ckaram und die Bedeutung diefer Wurzel erklart 
bat» filbrt er fort; „Im Aetbiopilcben ifi der afpirirte 
oder Haacbbuchftabe , mit dem diefes Wort beginpen 
feilte, weggelalTen, Welches ein Beweis iß, dafs die» 
[es Buch nach einem griechijchen , keineswegs aber 
nach eimem hebraifcken Original in das Aethiopifche 
übertragen ift.'^ Man darf hier S. de Sacy's Worte 
nicht etwa Co yerftehen , als wolle er leugnen , dafs 
das Buch urfprünglich in helrdifcher oder chaldäifcber 
Sprache abgefafst fey, fondern er behauptet nur, die 
Aetbiopier hatten es aus einer griechifchen Bearbei- 
tung übertragen erhalten* Diefs ift ganz dem ge- 
maCs, was wir über die Befcbaffenbeit der ätbiopi- 
fchen Bibelüberfetzung des A. T. wiflen, die &uch 
aus dem Griechifchen hervorging. Uebrigens ift 
auch in den Ffalmen, wo das Wort {Q")n oder 
D^JQ^n vorkommt 9 im Aethiopifchen d^für Ermo- 

nem 7\C^"i^^ gefetzt worden? f. Pf. 41, 7- 
88f 13- I32f 3' der äthiop, Verfion. Bei diefer Stelle 
hat «f. de Sacy auch noch auf eine in BarhebraeiJChro^ 
nicon Sfriacum ed. Bruns und Kirfch (Lipf. i789« 
gr. 4.) p. 4, fl — 5. des fyrifchen Textes enthaltene 

Angabe hingewiefen : 0?crL^1 JD A*#? ClJp)I^ 



V^6 V^^l c-^ ^, n a KO fi l-^föo 



-^; ucn oerp tiermon und 
heiligem TVandel (die lateini 
Bi uns Chronic. P. 1. p. 4. hat 
tarn innocentem et ranctam e 



mcit Ij^-ryp^ fondern ?^ 

Notae in Greg. Barhebr. Chror 

Fehler), fich der Ehe enthaltei 

fie fVdehter und Söhne Gottes 

bemerke gelegentlich , dafs Bar 

Söhne Gottes und fVdchter in 

die Sethiten bezogen wiffen wi 

mifchung himmlifcher Wefen mi 

erfchien und fo ficht er fich zu i 

Annahme genothigt, Wächter 

fchen zu deuten. In der Hiftoria 

Jiofa (p. 7. des arab. Texte, ed. 

braus diefelbe Nachricht wiede 

druck fVächter läfst er hinweg 

merkt nun in Bezug auf jene b 

Barhebräus erhaltene Sage, dal 

üeberfetzung des Wortes Hermoi 

den zu müflTen fcheine, indem 

(Onn) ableitete, du« m,.*!, a:^ 



Kap. 7. V. 9. 107 

Smjaxa ^ , welcher ihr Führer war, Urakabara«» 



bangen angemeflenfien Ort* Silv, de Sacy fchliefst 
feine Note mit der Vermothung , dafs in haram viel- 
leicht die Wanel des griechifchen i^^u^o^ liege. Hila' 
rius von Poitiers im Gommentar. zu Ff. 133, 5. hat 
offenbar diefen Bericht des Henooh vor Augen, wenn 
er fchreibt: ^^Hermon mons eft in Fhoenice, cujus 
interpretatfo anathema eft: quod enim nobis ana- 
thema nnncupatur, id hebraice Hermon dicitur. Fer- 
tur amtem id^ de <]uo etiam^ nefcio cujus^ liber extat^ 
^uod Angeli concupifcentes fiUas hominum • cum de 
coelo dejcenderent 9 in hunc montem maxime conveni- 
rent excelfum,** Dafs er das Buch als anonym be- 
seichnet, >thut nichts; denn da er, wie fchon Grabe 
(Spicileg. patr. T. I. p.340* ^ot. a.) bemerkt hat, Ile- 
noch nicht für den Verfafler hält , konnte er es recht 
gut als ,,liber nefcio cujus^* beseichnen« 
70) Diefe Namen werden im Griechifchen abweichend 
ausgedruckt; aber Verfobiedenheit bei folchen Gele- 
genheiten ift auf keine Weife ungewöhnlich. Auf 
ewei der hier erwähnten abgefallenen Engel nimmt 
Jonathan Ben - Usiel in feinem Targum über den 
Pentateuch deutlich Rückficht. Bei dem Ausdruck 

D^V*S3f1 Riefen (Genef. 6, 3.) hat er folgende Bemer- 
kung: lim hnow 10 ph'^BD p3"»n hirnv^ •»Nrno«; 

P3^n lOOra Ny^ND . Samchazai und Uziel fie- 
len vom, Himmel und waren auf der Erde in diefen 
Tagen. Samchazai und Uziel fcheinen die Namen 
des erften und neunten Engels in dem Verzeichuifs 
des apokryphifchen Ilenoch nach der älliiopifcheu 
Ueberfetzung zu feyn. In dem Griechifchen find es 
der erfte und zehnte , und weiden fo gefchrieben : 
XtfAta^Si [i:9fjLa^äq Scaligcr], 'A^aX^iX. Zu dem letztem 
Namen macht Fabxicius folgende Note: ,,infra '££ai}X 



dem bedeutend von einander 

keit. Sie möchten in den be 

zu parallelifiren feyn : Samj 

rame,l COga^^^^, Akibeel 

1*^), Ramuel CP«f«iiA), Dantl 

fcheinlich einerlei mit Zmh^x 

Samfavfl (T:.^^i^. Ertael (e 

fH), Jmnjael Oov/^X), An 

augegeben werden niuf«, daf 

nur entfernte Aehnlichkeit h 

»8 gibt das griediifche Fragn 

«ehr, ri»m\ich Atarkuph {'Ar, 

(*.eM«fiO. Noch weniger ift : 

Namen überall an völlige Ueb 

ken ; Semjaza jedoch , der Ob 

beiden Urkunden voran j die i 

chifchen Texte in folgender 

Arakiel, Chobahiel, Horammm 

Zakiel, Baikiel. Azalzel, Phar, 

gemas, Thaufael, Samiel, Sar 

Jumiel und Sariel. Die Bedeutu 



Kap. 7. V. 9. 109 

irakujal, Afael, Armers, Batraal, Anane, Za- 



n^rnCTtf . dagegen col. 8444. ^IHOT^) ift nicht leicht 
zu beftimmen und daher auch von Buxtorf^ welcher 
das Wort unter HOW aufSellt » nicht gedeutet wer* 
den« Doch dürfte es wohl von C3Tt) t^amt und NTfl 

•r-l 

ftlun herkommen , alfo etwa den "Namen (d. i« Gott^ 
nach der bekannten Umfchreibung Gottes durch Dl£)n) 
fekend^ Deum iittMcit^ heifsen, offenbar für einen En- 
gel hoben Ranges ein fehr fchicklicher Name (vgl* 
Tob. id» 15*) 9 D\U bildet iich in der Verkürzung al- 
lerdings fonft nicht mit a , allein in der CompoCtion 
des Nominis propra konnte es, da es fonft Analogien 
für ßch hat, doch gefchehen feyn; ohnehin aber hat 
das griechifche St/xia^cT^ nicht das widerftrebende a, 
fondem e. Die Endung des Wortes al' mit Verdoppe- 
lang des mittelften Radicals ift die gewöhnliche , nur 
dafs der 5te Radical ftehen blieb; die in der Poly- 
glotte gewählte Punctation wäre ungewöhnlichen 
Samjaza konnte auch heifaen : Name des Starken 
(N^y DnD) oder Ruhm des Starken^ d. i. dtffenfich der 

Starke (Gott) rühmte welches alfo eines feiner vorzüg- 
lichften Werke ift. Das j ift dann blofs der in feinen ver- 
wandten Confonant übergegangene Bindevokal i. Den 
ungewöhnlich langen Namen Urakabarameel könnte 
Jemand vielleicht erklären als : und ex fuhr auf den H6'- 
hen Gottes^ fo dafs das u im Anfange des Wortes das 
Waw, wie diefea öfters im Griechifchen durch ov ausge- 
drückt wird, als OwK^A für N"5p^1. O J«X«r/Li«b5 f Ür n*?N1 
ntoO) beim Eufeb. Hift. Ecclef. VI. fi5. • und das el 
am Ende , wie in den meiften Engelnamen , das he- 
bräifche jti wäre. Allein die Copula bleibt anßö- 
big im Anfange des Namens. Wah|:fcheinlich iß da- 



Gottes) einerlei; Azkeel he 

pin und ^N- Noch wabrfcL 

durch bN3 \V ßärk wie Got 

in BatraaU Araijal und Barh 
al für el stf fiehen und in d< 
Heyn, wenigftens bat das grie< 
i]X dafür gefetat. Den^erfien''. 
ich mit dem Chaldäifchen ^* 

und das Ganze alfo erklären J 

ift wohl SnTH Dens vidity 

Ueber Armers f. s. 8> 4- — ^ 
zunacbft an Hnisl hack denken 

— TT 

Dei pedißet/uus ; doch bin ich 

auslegen (mit Verwechslung di 
führen, alfo: interpres Dei, - 
Bedeckung (vgl. H33y im heb 

pifch Schutz , erklären , beDer 

gnädig gefinnt oder abgekürzt 

ter Gottes (quemDeus largitus 
fchen fiehende Wort ^Avayyfxi; v 
hin und würde dann etwa Lufl 



Kap. 7. V. 9. , 111 

jal. DieCs waren die Vorßehcr der zwei Hun- 



toide SU faeifsen ( der mittlere lUdical H mit dem 
\ quiefcens vertaufcht); auch P^DX» wovon "^SIC 

Schmuck , Zierde , liefse Cch vergleichen , oder end» 
lieh auch das chaldaifche 3X^ (eigentlich 31S) zk- 

: verlang feyn. — « Nicht minder zweifelhaft ift Sam- 
faveel s denn es iß nicht klar« oh man im erfien Theile 
des Wortes an ViD^ Sonne oder an das Verbum 

V Y . 

V)OTt) dienen denken müfle. Im erfien Falle würde 

•• • 

es wohl Sonne Gottes^ im zweiten dagegen Diener 
Gottes heifsen follen; das ve ift wohl hlofse Bindung, 
entfianden aus dem fonft bei der Compolition ge- 
bräuchlichen u, wefshalb dann der Vokal a vorge- 
fügt wurde, um die Harte der Ausfprache zu heben. -^ 

Ertael halte ich für ^N B-)n Griffel Gottes. — 

Turel am einfachften: Gott erkundfthaftet (ergrün- 
det). — Jomjael fcheint Tag Gottes zu bedeuten; 
das ] ifi dann wieder aus dem Binderokai i hervorge- 
gangen und dann felbfi mit einem kursen Vokale ver- 
bunden. Allerdings könnte es auch heifsen : den Tag 

besinnend (IN^ QV)* doch ift 7>r im Hebr. nur im 

Bifil gebräuchlich, oder her auf fieig ender Tag (von 

SjT» in der Bedeutung von TnV)* — Endlich der 

luletzt erwähnte Arazjal bedeutet, wie es fcheint, 

CedMT Gottes von HN und bN; letzteres ifi mit dem 

bindenden ja (für i) in jal übergegangen« Der erfie 
Theil des Wortes könnte aber auch von O^H Sonne 

• • 

verftanden, oder, was ich Vorlieben würde, von 
^n enifcheideny heßimmen abgeleitet werden, -^ 

Aemerkenswerth ifl: noch , dafs auch barhehraeus in 
lern Berichte über die v^m Berge Hermon zu den 
Töchtern derKainiten gekommenen Söhne Gottes den 



112 Kap. 7. V. 9—10. 

dert^') Engel '^) und die Uebrigen waren 
ihnen ^^). 

10« ^^) Dann nahmen fie Weiber, ein 
wählte fich '^); ihnen begannen fie fich zu r 
und ihnen wohnten fie bel^^), lehrten ^fie Zau 



Samjaia r&£DOll..Alo)iX)^ erwähnt (Chronic. S 

F. II. p. 50 und von ihm erzablt, äats et der er! 
nig der Kainiten, namentlich der von den S 
Gottes mit Kainitinnen erzeugten Nacbkommer 
gewefen fey« 

71) Silv» de Saey hat hier und in den folgenden 
teln manche Engelnamen etwas anders gefchi 
namlich: DAnjel fiatt Danel^ Armoris fiatt A 
Anhnjou ftatt Anane^ Irtael ßatt Ertael und 1 
fiatt Turel. 

72) Silv, de Sacy: Hi erant praefecti eorum, * 
torum nempe angelorum. 

75) Hiezu bemerkt Silv, de Sacy: „In dem Fragi 
welches Syncellus (in der Chronograph, p. ifl 
Fahricii Cod. Ffeudepigr. Vet, Teft. Vol. I. p. 
aufbehalten hat, gehören diefe letzten Worte 
hieher, fondem zum folgenden: OSroi ytai cl Xo<i 

ri( — — — fXaßev mutoi; ywalnag,^* 

74) Mit diefem Verfe beginnt in Silv, de Sacy*s ' 
fetzung das 7teKap. und fchliefst mit V. 15., i 
mit Kap. Q, die Farifer und Oxforder Handfeh 
der Abtheilung zufammcn fiimmen. 

75) Silv. de Sacy: Et acceperunt fibi uxores , 
runtque fibi finguli ßngulas. 

76) Die altem t^chriftfteller, welche über dief 
haltnifle der himmlifchen Geifier und irdifchei 
ber gefchridben haben, verzeichnet /. E, Grc 
Spicileg. patrum T. I. p. 559. Nach Ahulfa 
find die Sohne Gottes Nadikommen Seth*s, 1 



Kap. 7. V. iO. H3 

Befchwörungen und das Theilen von Wurzeln 

flua Verlangen nach dem Paradiefe fich auf den Her- 
njon zuiücksogen, einem frommen, enüialtfamen und 
etielofeii Leben widmeten und daher Söhne Gottes 
hiefsen (Hißor. dynafiiar. compend. p. 7. des arab. 
Text.; Chronic. Syriac. P.IL p.4-)5 nachdem ße fich 
aber übersengt hatten , dafs die Rückkehr zum Para- 
diefe ihnen verfchloflen bleibe, kamen He zu ihreii 
StammgenoITen zurück, faheti fleh aber in der Erwar- 
tung getäufcht, ihre Töchter zu Gattinnen zu erhal- 
ten und gingen daher zu den Kainiten, von denen 
lie SU Verbindungen mit ihren Töchtern aufgefordert 
wurden und erzeugten mit folchen Heroen, i» berüchtigt 

durch Mord und Raub ^1^)011:^0 }X^DD |mV^ ^V(^ 

Ckron. Syriac. p. 4""5« ^- Syr. Text.), ausgezeichnet 

in Kriegen und- AngriflFen"^(^^Ä^1^^ (jUApVO 

OLlit/fj Hiß. Dynaft. compend. p. 00- -^ Von die- 

fer Stelle an rariirt das gricchifche Fragment im Syn- 
cellus gar fehr. Auf ähnliche Weife werden in den 
dem Clemens Romanus beigelegten Recognitiones L. I. 
cp. 29. unter den Söhnen Gottes (1 Mof. 6.) ^yhomi- 
ncs jufii^'' verßanden, ,,^«i Angelorum vixerant vi- 
tam , aber von ihnen behauptet , dafs fie, illecti pul- 
critudine mulierum , ad promifcuos et illicitos concu- 
bitus declinäverunt et inde jam indifcrete et contra 
crdinem cuncta agentes fiatum rerum humanarum et 
divinitus traditum vitae ordinem permutarunt , ita ut 
omnes homines vel perFuafione vel vi pcccare in crea« 
torem fuum cogerentDeum.** Chryfoßomus (Homii. 
32. in Genef. VI.) verwirft die Erzählung von deii 
mit deii Menfchen fich vermifchenden Engeln als my. 
tbologi£che Irrthumer. Endlich Origenes (Tom. Vlli; 

Bach Ilfjiocli. B 



114 ^ Kap. 7. V. 11 — 14. 

und Bäumen ^). 

11. Und die Weiber empfingen und gebar 
Riefen ^«) , 

12. deren Länge ^rei Hundert Ellen betru 
Diefe verfchlangen allen Erwerb der Menfche 
bis es unmöglich wurde, fie zu ernähren '^). 

13. Da wandten fie^) fich gegen Menfche 
um fie zu eifen, 

14. und begannen zu verletzen Vögel, Thi 



IQ Joann. p. 132. ed. Huet,) bemerkt , wo er die £ 
Zahlung der Genelis (Kap. 6, 1 — 2.} vom Herabkoi 
men der Engel berührt , ^vriv« Kardßa^iv atvlacwBmi n 

vxaxXij^atfi r^y ruiv 4'ux^^ uiSohov hxi ra ffutfjLmra, Svyari^ 
mvS^wwwv r^oiriKcuTt^oy rh yi^hov ffy^^vog kiysff$ai Cvsi\yfi>ir 
welches Herabgehen einige für Anfpielung auf d 
Herabhommen der Seelen zu den Leibern halten ^ i 
dem fie meinen^ die irdifche fPohnung werde tropij 
TOchter der Menfchen genannt, Diefe Angabe d 
Origenea hat auch Hieronymus (Commentar. ad PfaL 
CXXXIIy 5.) unftreitig im Auge» wenn er fagt, 
ftebe mit Berufung auf das Apokryphon Henoch „ 
eujusdam libro** über die „Filii Dei» qui de cod 
defcendebant , venerunt in Hermon et concupiem 
filias hominum^^ zum Beweife einer Ketzerei : Angt 
funt de coeleßibus defcendentes et animae t/uae dß^ 
deraverunt eorpora, ^ 

77) Silv. dM Sacy fetzt „docuerunt eas'^ zweiMal, ^ 
im Anfange , dann am Ende dea Satzes einmal. ^ 

76) Silv, de Sacy fagt ,»g^gantea magnos.^* \ 

79) Silv. de Sacy: donec impoflibile factum eft 
alere bominea, lagt aber in der Pareuthefe: foir 
impoßiUU fuit hominibui alere eos. 

80) «St/n. de Sduy : conrerlique funt gigantes. 






Kap. 7. r. 15.— 8. V. It HS 

' re^Of Gewürm und Fifche, iht Fleifch zu effen 

ms nach dem andern und zu trinken ihr Blut ^). 

15. Dann tadelte ^) die Erde die Ungerechten. 

Kap. 8* 

1. Ueberdiefs ^ lehrte Azazjel ^) die Men- 
Ichen Schwerter machen und Mefler, Schilde» 
Bnifthamifche **), die Verfertigung von Spiegeln ^) 
und die Bereitung von Armbändetn ^) und 
Schmuck , 'den Gebrauch der Schminke , die Ver- 
fdiönerung der Augenbraunen« (den Gebrauch der) 
Steine von jeglicher köfUichen und auserlefonen 
Gattung und von allen Arten der Farbe ^), fo 
M$ die Welt verändert wurde ^). 



(i) Silv, d€ Saey verbindet die einselnen Gegenfiande 
durch die Copula ; Aitt Tkiere lagt er : et feris. 

8fl) Silv, de Sacy : et fanguinem bibebant fx illa. 

85) Sil», de Sacy: conquefta eft; Laurence: reproved. 

S4) Silv. de Sacy lagt : porro vnd fchreibt den Namen 
dea Engela jizaxyeL 

85) Das griecbifche Fragment fchreibt hier den Manien 
'A^^, früher 'A<«X^^X. 

86) Sil»» de Sacy fetzt swifchen die einseinen .Gegen- 
wände das verbindende et; L auch Amnerk. eu 7, 14. 

87) Sil», de Sacy fagt : et fecit eos videre fjuod poß 
fe erat , erklart aber diefe wörtlich/B Ueberfetaung in 
der Parenthefe edocuit artem fpecula faciendi. 

88) SU», de Sacy überCetzt: infiitutumjtie illorum fumt 
armülae. 

8^ SU», de Sacy : ei lapides ex ^uocun^ue lapide /üre- 
tio/o et electo , omnesque tincturae fimul. 

90) Silv. de Sacy fagl : et immutatus eft mundut. 

8* 



116 . Kap. 8. V. 3 — 3. 

2« Gottlofigkeit nahm zu , Hurerei nie 
Heb und lie fündigten und verderbten alle i 

Weg ^0- 

3« Amazarak lehrte alle die Zauberer 
Wurzeltheiler^^); 



pt) Der Ausdruck wie i Mof. 6, i2. 

92) Silv. de Sacy : fuccirores rftdicum , wie 7 / 
fuccidere radices et arbores. Das gricchi£che ] 
ment erwähnt in diefem Sündenregißer der I 
blofs Azael (f. V. 1. )» dann Stmiazas und Fha 
ros namentlich j die übrigen werden mit Zahlei 
gedeutet, nach Maafsgabe der Kap. 7, 9. mitget 
ten Reiheufolge. Der Name Amazarak harn bei 
frühern Aufzählung der Häupter nicht mit vor. 
erfie Theil des Wortes iß hochU wahrfcheinlich 
XOH f^ßf r^fiig f^yn herzuleiten I bei der zwi 
Hälfte iß wohl nicht an Xyn todten (alfo : rußi^ 
Morden) , fondern an Jl'^N ßechcen , wehen (von 

Zauberei, die er lehrte , hergenommen , alfo : ri 
im iVehen) oder TJ^P reihen^ ordnen (die Zau 

kreife und Zauberformeln, wie tS^^^W "JJ^V) su i 
ken, oder auch MSTW Binde zu vergleichen. 1 
man den Namen nicht in Beziehung gu des £n, 
Qcfchäft fetzen , fo würde ich ihn erklären : fefi 
Rüfiung (etwa 1|^V YPN)- Ueberfetzt man hier 

Silv* de Sacy TVurzelfchneider, wie 7, xo. fVun 
und Bäume fchneideng To deutet die Stelle auf den 
kannten Aberglauben hin, welcher mit gewilfen M9 
zeln, 'z, B. der des Allermanniharnifch QAllium vu 
rialis)^ in welchem man ein Gegenmittel gegen Z 
berei su haben wähnte» ehemals, vom gemeii 
Manne hier und da auch wohl noch, getrieben wn 
Laureuce hat zwar dividers of roots (^Theiler 1 



Kap. 8. V. 3. m 

Wurzeln) und 7^ 10. the dividing of roots and trees 
(das Theilen von Wurzeln und Bäumen) ^ allein auch 
dieb kann füglich nicht ändert verftanden werden. 
Schon in alter 2eit lieferte auch das Pflanzenreich 
feine reichliche Beifteuer zu dem Apparate der Zau- 
berei und fonderbar genug find es meift diefelbea Ge- 
genßande, Trelche in den yerfchiedenften Lindern 
SU abergläubifchcn Zwecken gemilebraucht wurden. 
Hier nur einige Worte, von den dasu yorzugsweife 
angewendeten Wurzeln, Die jüdifbhen Legendeii Und 
überreich an Zauber- und Wunderwurzeln, fo dafs 
Cch hier vorsugsweife die Aeufserung des Juvenal 
(Sat. VI,395.): qualiacun<fue voles Judaei fomnia ven^ 
dunu beftätigt. Schon Jofephus (De b6llo Jud. L. VII. 
cp. 6. JJ. 3. ed. Haverc. , fonft VII, 25.) erzählt' von 
einer Zauberwurzel Baaras , welche in einem nord- 
lich von Macharus gelegenen Thale wachfe, von Farbe 
der Flamme gleiche und gegen Abend einen Glanr. 
von fleh gebe. ^»Sie lüfstßch, berichtet er ganz ernfl- 
»»hafc, von denen, welche ihr nahen und ße nAmen 
„wollen , nicht leicht ausreifsen, fondern weicht zu- 
„ruck und bleibt nicht eher ftehen , bis Jemand XJrin 
„oder Menßnxationsblut eines Weibes darauf giefst; 
„jedoch felbft dann ift, wer fie berührt, gewifs des 
„Todes, wenn er nicht fchon eine folche Wurzel 
„tragt, fo dafs ße von der Hand herabhängt. Sie wird 
„indefs. auch auf eine andere Weife ohne Gefahr ge- 
„nommen ; diefs iß folgende. Man umgräbt ße gSnz- 
„lieh, fo dafs der noch bedeckte Theil der Wurzel 
„fehr kurz ift. Darauf bindet- man einen Hund daran, 
„und da diefer dem, welcher ihn angebunden hat, 
„SU folgen fuoht, fo wird ße leicht ausgeriflen , der 
„Hund aber ftirbt fogleich, gleichfam hingegeben für 
„den , welcher das Kraut herausheben wollte. Die, 
„welche ße hierauf nehmep , h^beu nichts zu furch- 



llf Kftp. 8. V. 3. 

iVteiiL Si^'wirfl aber wegen Einer Kmft unter fo 
,,chen Gefahren eifrig gefucht. Denn die fogenani 
,,ten Dämonen (diefe aber find Geifter böfer Menfclien 
tiWeiche in die Lebenden eindringen und die, wald 
yikeine Hilfe erhalun, tödten, treibt fie fogleicb an 
i»wenn Ce nur au den Kranken gebracht wird.«* Da 
felbe Gefchichtrchreiber berichtet anderswo (Aät 
quitt. Judd. L. VIII. cp. i. $• 5») voi^ einem Cnn 
VolkflgenoITen , Namena Eleazar, dafs er in fein 
Gegenwart vor Vefpafian, deflen Söhnen, den Gl. 
iiarcben ^nd dem romifchen Heere mehrere BeCBfle" 
von den in ihnen häufenden Dämonen vermöge eis 
Ringet befreit habe, worin „eine der von Salomo T 
geaeigten Wurzeln*' angebracht gewefen. Der Ri*' 
Wurde an die Nafe des Damonifchen gehalten v' 
aus derfelben der Dämon herausgezogen^ weld"* 
noeh auf Befehl Eleazars ein in einiger EntfemnV 
aufgeftelltea Waflerbecken umftofsen mufste, um (i 
UmSehenden von der Wahrheit der Teufdaauatr^ 
bung EU überzeugen. Vorzüglich hat iich an ("■ 
Wurzel der Alrauns oder Mandragora ( fonft atro^ 
Mandragora, jetzt mandragora ofEcinalis), einer %^ 
gelloCen Pflanze aus der natürlichen Familie der T 
laneeb, zur iRen Ordnung der 5ten Klaffe des ld'\ 
n^ifchen Syftems gehörig, von den alteften Zeii^^ 
an der mannichfachfte Aberglaube angeknüpft. .l\i 
weifse, dicke, fleifchige, fpindelformige uud ni^V^ 
tifch giftige Wurzel von einem ekelhaften betavjrj 
den Geruch, einem bitterfcharfen Gefchmack , iftt| 
meutlich auch die Maffe,, aus welcher die Alraunenj^!^ 
raunbilder, Alrauniken, Alraunichen, Erdmannch^ 
Galgenmannohen , Heinzelmännchen; vgl. auch iw 
Mandragorei ««i9pwirl«Koi» homunculi» femihominea s, 
ColumeÜa X, ip.) den Vorfchriften des Aberglaubtjj. 
zufolge verfertigt feyn feilten, wenn man der ^ 



Kap. Ö. V. 3. 119 

ibnen erwarteten Hilfe mit Gewibheit entgegen fe- 
ilen wollte. Weil ße nach unten gefpalten, wie zwei 
über einander gefchlagene Menfchenbeine^ dttrchgSn- 
gig mit feinen Fäferchen wie mit Haaren überdeckt 
iiy fo bat Ce einigermaafsen das Anfehen einer menfch- 
lidien Bildung und diefs i war ^ vielleicht die nachfie 
Venuüaflung eu dem damit getriebenen Aberglauben. 
Schon Plinius iH'A. natur. L.XXV, 13. [cp.XCIV.]) 
erwähnt die Vorficht , womit ILo gegraben wurde: 
y,Cavent efiFoffuri contrarium ventum et tribus circu- 
,,lia ante gladio circumfcribuut : poftea fodiunt ad 
occafum fpectantes» *^ fo wie die betäubende Kraft 
derfelben: ^^Odor gravis ei (nämlich dem Safte): 
Ced radicis et mali gravior.'^ Die wichtigem diefen 
Gegenfiand behandelnden Schriften findet man citirt 
in G. C. Horfis Zauberbibliotbek. 6 Th. S. 309 ff. 
vgL 4 Th. S. 55 ff. Eine «weite in der Magie und 
Zauberei fiir aufserft wichtig geltende Wurzel ift die 
Springwurzely welche alle Schlöffer und Riegel öffnet 
und sum Geißerbannen unerläßlich ift ; vgl. über Cq 
Horfi a. a. O. 4 Th. S. 46 ff. Das Wunderthier 
Jiddoa (y1^^)9 wovon die Rabbinen fabeln (f. Bux» 

torfs Lexic. Chaldaic. Rabbinic. Talmud, p. 937. 
VgL Bodiiu Daemonomag. Li. I. cp. 6.) , ift auch ver- 
möge eines Seiles an einer gewiffen Zauberwurzel 
befeftigt. Aufserdem find viele andere Wurzeln im 
Dienfie des Aberglaubens ; fo hatten trügerifche 
Schatzgräber, welche vor etwa 10 Jahren in der Ge- 
gend von Weida im Weimarifchen ihr Wefen trie- 
ben f unter ihrem Geräth die Aronswurzel , das Sa- 
lomonsfiegel u. f. w. — Vgl« auch noch Plin. Hift. 
Nat. XXIV, 17. (and. Abth. cp. 99 ff.). Infofern die 
Dichter den Volkswahn fchildern , können auch fie 
über den Gegenfiand belehren; fo läfst z. B. Shake- 
fpeare im Macbeth (Aufz. IV. Auftr. i.) die Hexen 



120 Kap. 8. V. 4. 

4. Armers ^) die Löfung Act Zauberei; 



,, Sckierlingswurz zur finßcrn Stund' Ausgcgral) 
überall y Eihenzweig* y die man vom Stamm' I 
des Mond'a Verfintterüng nahm** in den KefTcl tht 
in welchem fie ihr gräuliches Gemengfel kochen« 
Das Theilen (^Schneiden') der Baume, wovon 7, a 
in demfelben Zufammenhange die Rede iß, köni 
ßch auf die Wünfcheiruthe , das Schneiden der Zi 
herruthe ^ des ZauherflaheSy das Abfchneiden v 
Splittern (wie noch jetzt bei fympathetifchcn Kun 
vom Stamme der Baume, das Spalten junger Baui 
(z. B. um Kranke hindurch zu ziehen) , welche da 
wieder zugebunden werden, damit der Spalt ^ 
wachfe» und dergleichen mehr beziehen. 
93) Silv» de Sacy fchreibt Armaros. Das griechifc 
Fragment erwähnt hier den Pharmaros\ legt i1 
aber noch mehr zur Laß, nicht blofs die Veröffe: 
lichung'der Kunß, den Zauber zu löfen. Dama 
könnte alTo das Armers in der athiopifchen Ueb* 
fetzung gebildet feyn mit WeglalTung des (p; fa 
mochte ich das 'A/xa^r^A. damit in Parallele ßellen, w 
ches entweder Wort (Befehl) GotteSy oder wenn n 

an das arabifche p-^^t denken will, FUrfi Qot\ 

heilsen würde. Pas Armers fchcint mir mit Q* 
oder D^n hoch feyn (wie 8^1 > das arabirche ^^ 

und dem chaldaifcben VN*^. (gleich dem hebr. \I)K 

Haupt Eufammen zu hangen, und ift alfo zu erK 
ren: Hohe des Hauptes. Doch gebe ich gern ji 
dafs der erfte Theil des Wortes auch D*^n Geweih 

bedeuten könne; ebenfo wäre es möglich, dafs xndi 
ers das hebr. TV( Ceder. &'^n Sonne, oder, was i 

m • • • 

vorziehen wurde, jIm ohaldaifcbe ?*^ Geheimmfs 1S| 



, Kap. 8. V. 6 — 7. 121 

5* Barkajal^) die Beobachter der Sterne; 

6. Akibeel ^^) die Zeichen , 

7. Taxniel ^ lehrte Ailronomie, 



94) Barkajal erklare ich Blitz Gottgs ( vN^p^ ), von 
p*^ mit dem bindenden Jod, und el, welches feinen 
Vokal auf Jod vorfchob, um su quieTclren; über al 
für el L zu 7, 9. Ware das Jod nicht da , fo liefse 
fichauchüberletzen(d«n) Gott fägnet (IN 7n3). Im 

Griechifcben wird der pte Engel, alfo BaXki^X (Xfürr)» 
genannt als Lehrer der Aftrolkopie. 

95) Silvm de Sacy fohreibt Kohalyel und überfetst das 
folgende Wort characteres (magicos) , bemerkt Aber 
in feiner Note dazu : ^^oier fi^na» Mau ließ im Qrie- 

chifchen: ra osj^tZs rtj; y^f • . . r« ffytfxnla roü i^kiov. 

Diefs fcheint durch den äthiopifchen Ueberfetzer ab- 
gekürzt zu feyn/* Ob diefs ßch fo verhalte, oder 
ob der Grund diefer Erfcbeinung anderswo zu fuchen 
fey, darüber vgl. den iften Excurs. Uebrigens iß 
die Bemerkung Silv. de Sacy's über den griechifcben 
Text auc^h nicht ganz richtig ; denn letzterer hat (p. 12 
und 13. der Chronographia des Syncellus; p. qq. in 
DindorPs Ausgabe): 5« rtra^ros (das iß nach der 
Torausgefchickten Reibenfolge Chobahiel) shiha^tv aar^o* 
Xüyiavi dagegen wird das Bekanntmachen mit den 
Zeichen der Erde dem dritten Engel (alfo Arakiel). 
und mit denen der Sonne dem fiehcnten (alfo Sampjiehy 
zarLaft>elegt. Der Name Akibesl iß wohl mit SW 

Ferfßf FufstriUf Spur, oder 3Py Belohnung und 

IH zu combiniren. Der criechifche Name führt auf 
SSn lieben. 

96) Tamiely von DH integer uni hS» a^fo: piut Dei. 
Der griechifcbe Text erwähnt d^n achten Engel als 



122 Kap. 8. V. 8 — 9. 

8. und Afaradel ^) lehrte die Bewegung d 
Mondes. 

9. ^) Aber die Menfchen, da fie unterginge 
klagten und ihre Stimme gelangte bis zum Himzn< 



Verbreiter der Aeroßopie. Hierauf folgt dann i 
vom 3ten und 7teS Engel Berichtete ( f. Anmerk. : 
y. 6.) y welches der äthiopifche Text nicht hat. 

9?) Silv. de Sacy hat AfaradyeL Den Namen ha] 
ich für einerlei mit dem hebrailcben hN^"^Ty HU 
Gottes; das i2 iß wohl Genitivsbezeichnungy alfoet^ 
*~?N 1 ^1]^' ^^ Griechifcbcn iß r«?'^ genam 
Diefer Afaradel und Amazarak (v. 3.) waren obi 
in derLifie der Haupter (Kap. 7, 9.) nicht mit g 
nannt ; zäblen wir ße zu den dort erwäbnten acl 
zehn hinzu, fo erhalten wir zwanzig y d« h. ebent 
viel, als das griechifche Fragment oben namha 
macht. Letzteres hat übrigens hier keine neuen N 
men, fondern hebt einige der früher Aufgezahlti 
und zwair nach der dort beliebten Reihenfolge m 
Zahlen als Verführer der Menfcben in verfchied 

I 

ner Hinficbt hervor. 

9O) Silv, de Sacy bemerkt in einer Note vor diaC^ 
Verfe : «»Man ließ hier im Griechifchen ein oder sipi 
Satze, welche nötbig zu feyn fcheinen, um das, 1« 
folgt, mit dem vorhergehenden Berichte zu verbi 
den : Mark tk rcur« ij^^ayro oi ytyavrti HArt^Bitiv rm^ emgf^ 
rwv ay$^wirmVy k«i ^qiavro ei avS^vwoi ikarrovffSai M '^ 
7if ( . .** Durchaus nothwendig iß diefs nicht , ^I 
fchon im vorhergehenden Kapitel das im 9ten VeiJ^ 
des gegenwärtigen Bemerkte hinreichend vorberei' 
iß; aber allerdings iß der Zufammenhang im Criecii^, 
fchen noch deutlicher« . 

I 



Kap. 9; V. t — 2. 123 

Kap. 9. 

1* Dann blickten ^ Michael und Gabriel, Ra- 
phadt Surjal und Uriel') vom Himmel herab und 
rahen die Menge Blutes, welches auf Erden ver- 
goflen war und alle die Ungerechtigkeit , welche 
aaf derfelben ^) gefchehen war und Tagten zu ein- 
ander: (hört^)) die Stimme ihres Gefchreies! 

2« Die (ihrer Rinder) beraubte Erde fchreit 
bis zum Thore des Himmels ^) , 



i) Sibf. ds Sacy Cigt refpextiruni» 
8) Die hier erwähnten treu gebliebenen Engel von gro- 
dem Anfehen und Gewicht kommen meift fchon in 

■ 

der Bibel ror; Michael (wer ift wie Gott) Dan. lo» 
13. si. IS, 1.1 Galritl (Mann Gottes) Dan. 8, 16. 
9, Si. Luk. 1, tip. fi6; Raphael (den Gott geheilt 

h«t) Tob. 9, 5 UrUl ift SS^W Licht Gottes; 

Sil», ds Sacy Ichreibt Oarjän^ lo da£i es mit Sour- 
jin^ welches er ftatt Sarjal hat» gleichklingend wird. 
Sur im Worte Surjal halte ich für ^VÜt bin aber 
xweifelhaft, ob es befler durch Mauer oder Schauen 
(beides kann es bekanntlich heifsen) zu überfetzen 
Üsy. Sonft könnte man auch an ein Derivat des Verb« 
H\^t wovon *^tD princepSf zu denken lieh geneigt 

fühlen« 

3) Silv* de Sacy wiederholt fiatt des Pronomens das 
Wort Erde , und uberfetzt alfo : fuper terram. 

4) Silv. de Sacy fupplirt ajcendit und Laurence ^^it ii^S' 
am natärUchften fcheint mir die von mir gewählte 
HUipfe. 

5) f i{v. de Sacy mifsdeutet diefe Stelle ; im Aethiopi- 

fcheniftfiefoausgcarückt: SPAt K^^'tlU^^^t 



124 Kap. 9. V. 3. 

3. und jetzt klagen zu euch, o ihr Heilig« 
des Himmels, die Seelen der Menfchen und fpre 
chen: Schaffet uns Gerechtigkeit bei dem Hoch 



fl^Pl welches er auf folgende Weife übertragt 
„Vox clamoTum eoruxn ascendit: clamor terrae ui 
que ad ostiuxn coeli (pervenit)/* Das AdjectiTttfc 

\JA^^ orba^ denuiata fcbeint er verwecLfelt ^u hl 

bcn mit dem Verbo UC * ascendit^ und dat Vor 

bum aC^T clamavit (die dritte Perfon Sing, fem 
gen. ) fafst er auf, als wäre es das Subfiantivun 

f^ Ayn\ clamor. Hieraus entfprang die Ungenauig 
keit feiner Ueberfetzung , in wekber er ein Adjecti 
vum für ein Verbum, und ein Verbujn für ein Sub 
fiantivum nabm; eine Ungenauigkeit , welche ihi 
auch antrieb, den Sinn des letzten Satzes durch will 
kührliche Ergänzung einer vermeinten Ellipfe einei 
andern Verbi, nämlich pervcnit^ zu beRimmen. Win 

aber auch t\Q(\\^ ein Subfiantivum, was es jedod 
nicht ill, fo zeigt doch der Vocal an dem Buchffaben 

T*9 dafs es nicht mit dem andern Subßantivo f^Ji^C 
terra conßruirt werden kann. Ich mufs jedoch be^ 
merken, dafs trotz derUebereinflimmung derBodlei^ 
xiifchen und Farifer Handfobrift in den Worten .£;. 
doch nicht übereinßimmen in der Interpunctiou ; deid^. 

nach FiZ^'^ilU^^ ^^ £<id in der Bodl. Ilandi 
fchrift doppelte Punote (wo in der That der Vers ai^ 
Ende ift); aber in der Farifer Handfchrift komma^ 
keine folcbe Puncte vor, fo dafs das erfie Wort ii^ 

«weiten Verfe \J ^^ unvorfichtiger Weife zu der-; 
yorhergehendeu gezogen feyn mag. (L.) ; 



I 
I 



Kap- 9. V. 3 — 5. 125 

[ten ^. Dann ^) Tagten fie zu ihrem Herrn , dem 
Könige: Herr der Herren®), Gott der Götter, Kö- 
oig der Könige ! Der Thron deines Ruhmes ift im- 
mer und ewig ^) , und immer und ewig wird dein 
Name geheiligt und verherrlicht. Du wirß gc* 
piiefen und verherrlicht. 

4. Du haß alle Dinge gefchaffen '®); du halt 
Maclit über alle Dinge") und alle Dinge liegen of- 
fen und klar vor dir. Du liehlt alle Dinge und 
nichts kann dir verhehlt werden. 

5. Du haA gefehen, was Azazjel gethan hat, 
wie er jede Art von Boslieit auf der Erde gelehrt 
und der Welt alle verborgenen Din'ge ^) enthüllt 
hat, welche im Himmel gefchehen. 



6) Silv. de Sacy überfetzt : inducite nolis Judicium, 

7) SUv, de Sacy hat: et dixerunt. 

8} Silv. de Sacy: quia (^tu es) dominus doniinorum ; 
vor den folgenden Sätzen hat er beßändig «t, wie 
fonß bei Aufzählung verfchiedener oder Bezeichnung 
derfelben Gegeußände durch verfchiedene Namen; 
vgL Anmerk. 36. su 8, 1. 

9) Silv. de Sacy übetfetzt : in omni generatione faeculi^ 
und den nächfl: folgenden Satz : et nomen tuum Jan- 
ctum et gloriojum in omni generaüone faeculi. 

10) Silv, de Sacy verbindet diefen Satz ganz genau mit 
dem am SchluITe von V. 3. ßehenden: Tu benedictus 
et gloriofus fecißi omnia, 

11) Silv. de Sacy Tagt: et poteßas omnium tecum eft. 

ift) Silv, de Sacy lagt: omnia arcana mundi. — Nach 
Kap. 8, 1. hat Azazjel nur die Verfertigung der Waf- 
fen, Schmuck- und Futzfachen bekannt gemacht, doch 
verbindet V. 2. damit die Notiz , daf» die MenTchen 
fich der Gottlollgkeit und Hurerei ergeben hätten, 
ob in Folge Jener Mittheilungen des abgefallenen £n- 



126 Kap. 9. V. 6 — 7. 

6. Auch hat Zauberei gelehrt Samjaza '^)y de 
du Gewalt verliehen hall über die '**) , welche ih 
zugefellet find. Sie find mit einander zu di 
Töchtern der Menfchen gegangen ^^) , haben gd 
gen bei ihnen , find befleckt worden 

7. und haben ihnen Verbrechen *^) oflFei 
hart ^0- 

gels, wird nicht ausdrücklich gefagt^ aber wal 
fcheinlich nach der Anficht des Verfaflcrs. In diel 
Stelle wird demfelben auch Profanirung und unred 
maCsige Enthüllung der den Menfcben verfcbloflen< 
GeheimnilTe sur Laß gelegt, während nach Kap* 
5 — 8* Zauberei, Aftronomie, Aftrologie u. f. w. dun 
andere Abtrünnige des Himmels auf der Erde in G 
brauch kamen. Aehnlicbe kleine DiiTerenzen find 
ficb auch fonfi; noch , wenn man diefen Abfcbnitt n 
der vorausgegangenen Darftellung genauer vergleich 

15) Hier wird dem Samjaza als dem oberfien Haup 
der abtrünnigen Engel das zugefchrieben , was em 
der ihm Untergeordneten gethan hatte; denn na« 
Kap. 8> 3 — 4* waren es eigentlich jimazarak ui 
Anners 9 welche Zauberei und ihre Löfung in Ui 
«lauf brachten. 

14) Silv. de Sacy Tagt : poteftatem , ut imperet üf • . 

>5) ©^-^: "Sn: AvAje: rt^X: -Sa-^ 

S. de Sacy überfetzt die Stelle: ^^eUgerunttiae inti 
filias hominum fimul , ** indem er das; Wort /"^g 

ivetunt mit H^Cß ^^^^ "SCß elegerunt verwad 
feite. Der griechifche Text lieft hier : xai jre^^ 

«■^ Tai Svymri^ r&v ov^^vwv r% ytji» et -profec 
Junt ai filias hominum terrae, (L.) 

16) Silv, de Sacy überfetzt: ifia peccata. 

17) Es werden in dem Berichte der Engel die Initsi 
theilenden Gegenflande faft mit dcnfelhen Worten wii 



Kap. 9. V. 7. 1^7 

derholt , in denen Kap. 7 und 8« ^^^ Factum ersahl- 
teo. Gerade diefe und die Parallelfielle in den er- 
wähnten beiden Kapiteln find vorzugiweife von den 
Kirchenvätern berückfichtigt worden, offenbar, weil 
fie eines Tbeils viel Auffallendes in fich tragen, dann' 
aber andern Theils, weil fie den damals herrfchenden 
Vorfiellungen über die Einwirkung des Geißerreichs 
auf das irdifche Leben, den.Urfprung der Zauberei 
und verwandter Dinge gemafs waren« Schon dem 
Jußinus Martyr (Apolog. brev. p. 92. ed. unius ex 
CoDgr. Sti. Mauri,^ lag nicht nur die Erzählung von 
der Herabkunft der Engel vor nebft allem , was fie 
tbaten , fondem er bringt fie in einen ähnlichen Zu- 
lammenliang mit der grofsen Regelmäfsigkeit der Na- 
turgefetze, wie es im B. Henoch Kap. 3 — 6. ge- 
fchieht (vgl. Anmerk. 40. zu 5, 5.): „Gott, der die 
ganze Welt gemacht hat, und das Irdifche den Men- 
fchen unterwarf, und die himmlifchen Körper (erroi^ 
X<M lagt er, darunter find hier aber wohl die Him- 
melskörper Sonne, Mond u. f. w. gemeint, welche 
auf die Erde, die Pflanzenwelt u. f. w. mächtig ein« 
wirken ; fonft, mülste man alle die Erfcheinungen am 
Himmel darunter verliehen», welche für das Ganze 
von der wefentlichfien Bedeutung find) zum Wachs- 
e&jcm der Früchte , auch für dän Wechjel der Zeiten 
ordnete und diefs göttliche Gefetz fefifiellte , was er 
•ach der Menfchen wegen gethan' zu haben fcheinty 
übergab die Vorforg^ (t^ovoi«) der Menfchen . und def- 
(eo, was unter dem Himmel iß, den Engeln , welche 
er dafür geordnet hat. Oi ^ ayytXoi «a^avtk r>)v)i r»|y 

^{«Vf ywamvv fjui§ffiv ^rri^ij^av, nett «-«iSffg iriKvmeav 
M iiny ei XMy6f*WQt i«i/uiovac» xoi ir^o^tVi Xoiirfty Tf mvS^w» 
viiov yivof MVTOi( SlovXmeav * ra fjth )i« fjtayunwv y^a^^ 
<i>iif, rk ht h ta (t>6ßi»v k«i ri/uwpiuiv mCPi^ov , rov 3a 
U lil*x^^ SiffJMTwv Kai $vf*iaiJMvuiV Ktu e^Qvhwv wv Mvhu'ii y§» 



I 



I 



f 



128 Kap. 9. V. 7. 

yiva<7i /utra ro xaStffiv aTt$tfxtwv 2ouXiv5»}V<xi * H&ii Ci; iv$£ 
«■oi/f <t>cvoug, icokifjiovi» fxot^aiaf^ »KoXaeiag h 

Taffav tiaviimv eff-Kst^av d. i. Die Engel aber übe 
traten jene Ordnung, unterlagen der Vermifchm 
mit den iVeihern und erzeugten Kinder^ welches i 
findj die Dämonen heifsen; und überdiefs haben i 
das übrige Menfchengefchlecht unterjocht, J^U t 
nen brachten fie durch magifche ScJ^riften dazu^ d 
andern durch Furcht und Qualen^ den dritten durc 
Belehrung über Opfer, Räuchern und Llbation, d- 
rcn ße, nach ihrer Unterjochung von den Kraul 
heiten der Begierden, bedürftig geworden warer 
und üe fäeten unter die Menfchen Mordy Kriege Ek 
bruch^ Zügelloßgkeit und jegliche Schlechtigkeit», 
Nach Jufiins Meinung find die Engel, wie es fchein^ 
durch den Anblick der fchönen Weiher zu ihrer Ham 
lung verlockt w^orden , io dafs Ile eigentlich nur A 
Vorwurf träfe, dafs ße nicht mehr fittliche Krs' 
über ßch hatten, um den Lockungen zu widerfiehei^ 
Noch beftimmter fpricht diefs das Tcftament. Rubc. 
€]>• 5« aus, delTen VerfafTer feiner Ermahnung ^ d^, 
Weiber vom Putz abzuhalten , durch folgende Not 
ein grüfseres Gewicht geben will: Otr«« -yip iStkÜt 
rou( ^Esy^viyoqovq ir^b rsu KotTAxXvfTfxGv * K a m • 1 9 
cruvej^i; 6ptüVTt5 aCra^ iyivovro av iTriBvfAtcc m 
X*jXwv, i€«i (TvwiXftßov Ty c/avo/ot rJjy t-.aSiv. „So habt 

fiG ja die JV ächter gereizt vor der Fluth. Der/ 
da jene fie immer fnhent begehrten fie einander w^ 
lefchloßen in ihrer Seele die That^* u. f. w. VgL aiu, 
die Recoguitiones Clementis Lib. I, 29. (f. Anmed* 
ÄU V. 8* ) Merkwürdig ifi ferner in Juftin's Nae 
rieht, dafs die von den Engeln Erzeugten die WeCf.^' 
feyen, welche Dämonen hiefsen. Nach der jüdÜchi^lV 
Tradition ift nicht nur Lilith^ Adam's erfic Gattini!^ 
die fruchtbare Mutter einer '/.ahlreichen Teufelsbrut 

s 



Kap. 9. V. & 129 

8. Die Weiber ingleichen **) haben Riefen 
geboren ^. 



. tonitrn haben aach Kain*i in zwei Teufel, einen 
mäanllchea und weiblichen, sertheilter Geiß und 
die beiden aut dem Himmel verfiofsenen Engel Schani' 
fchufai und Ufaelf welche auf Erden unter den Men- 
fcben lebten , mehrere Kinder mit einander zeugten 
die ihierfeits die Tochter der Menfchen zu Weibern 
nahmen und durch fie Cch fortpflanzten, zur Verbrei- 
tung des Gefchlechtes der Teufel reichlich beigetra- 
gen. VgL die Ton Corrodi in der Gefch« des Chilias- 
mus 1 Th. S. 7i ff. lerß. Ausg.) angeführten Belege. — 
Aehnliche Hindeutungen bei Tcrtuüian, Clemens^ OrU 
Itneif AugufiiHf Zoßmus, welche ich hier aus Mangel 
aa Raum übergehe; einiges davon f. zu Kap. lo, is. . 
lg) Silv, de Sacy fagt : vero , was allerdings befler zu 
paiTen fdieint; allein das ingleichen bezieht ßch dar* 
auf, dafs auch die Weiber, nicht blofs die Engel 
nacbtheilig wurden, diefe durch ihre Befruchtung der 
irdifchen Dirnen und Anleitung zu Verbrechen , jene 
ibrerfeits durch die Geburt gewaltthStiger Riefen. 
19} Riefen, nach Jußinus Martyr (f. die Stelle in Note 1 7. 
S. 127.) Dämonen, Die Recognitionea, welche dem 
Clemens Romanus zugefchrieben werdeui weifen auch 
auf diefe Gefchicfate der Geuefis und des Henoch hin^ 
disDken ßch aber Giganten fnenfchlicher Abkunft, wie 
Barhehräus (vgl. Anmerk. (S9. 2u Kap. 7, g.). Denn 
es keifst Lib. I. cp. 2p, (Patrea Apofiol. {»oft Coteler. 
edid. Clericui T. L p. 4930- 9» cetera generatione 
tJiomines lußi^ {jui Angelorum vixerant vitäm^ illecti 
„pulcritudine mulierum, ad promifcuos et illicitos 
tfConeuhitus declinaverunt : et inde jam indifcrete et 
yycontra ordinem cuncta agentes , ßatum rerutn huma» 
ftnarum ei divinitus iraditum vitae ordinem permuta^ 

Bach Rtnocli* 9 



130 Kap. 9. V. 8- 

ftTunt^ ita ut omnet hominei vel perfuafioM€ vel 
j^peccare in creatorem fuum cogerent Deusi. I 
fffiona generatione nafcuntur Gigantes , Uli qui a la 
fyColo nominantur : non h^aiiomxoU;^ ut Graecorum 1 
„bulae ferunt, fed immenfis corporibus editi^ qn 
y^rum adhuo ad indicium in nonnuUis locit olla ii 
y^menfae magnitudinis oßenduntur. Sed adverfa 
„hos jufia Dei Providentia diluvium mundo inti 
yyduxit, ut orbis quidem terrarum ab eorum conl 
„gione dilueretar; omnia vero locus ab impiont 
„nece verteretur in pelagus.** Etwas anders geftr, 
tet (ich die Ueberlieferung über den Urfprung i 
Riefen nach den Sibyllinifchen Büchern. AfironoA ■ 
Beobachtung des Yogelflugs su Augurieui Kunde ^ 
Arsneimlttel und Magie ßnd Erfindungen des fit: 
Stammes (yivoi) der Menfchen (Sibyll. oracul. Lib« :. 
p. Oa<— 91. ed. Servat, Gallaeu^f welche heilsen ^ 

TaiJri]$y Sfm cp^iv axi'/txavTOV voov t^X^v, ^^ 
'A.irXtfrov rf hifAttf^ vrißa^i fxtyaX.oi r tri iiSif 

*HtfAy 6fiiu^ * §fAokov V vr& ra^a^iov hlfxov» oiveVp ^' 

AtafjtoU o^ir/iKToig xaX^vXayfxivot iiaxorhat • ^ 

EiS Tifvav fJLmXM^oü Xmß^v rpo( cxa/üiaroie. ^ 

t^Erfindende IFacftter« diefen Beinamen fuhvaailt 
yvweil Ce im Herien einen ungebrochenen Sinn ti*'. 
y^einen gewaltigen Leib hatten, und zugleich Aiv 
,,und Sei von Geftalt waren; aber lie gingen ^aurA^ 
,,haufung des Tartaros , der lichrecklichen , vaxwsal^ 
,,111 nnseibrechlidien Feffeln , um su bülien ia ^ 
iiGeenna heftiger uad unausloCchlicher . Flaaunit| 
Die dritte und vMCte Ganeration (yhn') werden i^ 
▼on noch fchlimmerer Art geTehildett: Stola, Ud»^* 
nuth, Mord und Krieg u. f. w. find die Thati^j 
wodurch fia fich bemerklich machen; aulatat dL 
nach diefen kommt der Ausbund aller Schlechtigll^ 
TiymvTMi OMaXiSfp ina^ Ihff^iyui xtwns (^ 



Kap, 9. V. 8. 131 

„& «orderbten Riefen » gottlofe fichmlhung eusffo- 
beai** (ja. a.O. p.pSO» welche Noah zu ermahnen an« 
gewielm wird, jedoch ohne Erfolg. Offenbar neh. 
men alTo die libyllinifchen Orakel erfiens fchon yor 
Entftehung der vorzugtweife fogenannten Riefen 
(C3^V^» Viymmf) ein riefenartiget Gefchlecht an, 
dann aber aweitens find die Giganten nach ihnen 
blolii ansgearteteSpröCilinge derMenfchen, ohne Da* 
swiCchenkunft höherer Wefen hervorgebracht. In 
den Apokryphen des A, T. herrfcht eine ähnliche An- 
ficht ; fo nennt Baruch 3 , 26. die berühmten Riefen 
der Vorzeit bloU „grofse, kriegserfahme Männer*^; 
T^ auch Weiih. 14, 6. Sir. 16« 7. [8*] 3 Macc. 8, 4. 
CLyyby{bmici(Honiil.XXILinGenef. cp. VI., in Tom. 
n. p.219. ed. Front. Ducaei Francof. 1698.) bemerkt; 
Giganten nenne die heilige Schrift rov; iV^^^pouc ro o'v/u« 
(robuftos corpore); nach einer bei Serrat. Gallaeus 
in der Ausgabe der Oracul. Sibylliha p. 94. ange« 
führten, angeblich aus derfelben Horailie des Chryfo- 
ftomus entlehnten Stelle, welche ich aber ia der Du« 
cäUichen Ausgabe nicht finde, erklärt derfelbe Kir- 
chenvater Giganten im biblifchen Sprachgebrauch 
durch nu^ *Sf***c tou( wfxiiKug^ d, i. die fekr langen H^ 
ron« Die Söhne Gottes find ihm (C die bereits ci» 
tirte Homilie a. a. O. p. 819.) Seth^s Nachkommen, 
wie dem Barhebraus (vgL Anmerke 76. zu Kap; 7, lo.); 
auch nach demCiut bei Serv. Gallaeus a. a. O. • wei- 
chet, wiegelagt, in der Ausgabe des Fr. Duc4«m> nicht 
feht, wSren unter den (ji^ante» Sethiten gemeint; 
denn Maines Söhne habe Gott klein und dünn (rairttvw 

«M eSrtXalf) werden laflen , 7wk kci «ir^ rij; i^ptwt (Paivffrag fj 
Int^e^' „Annit auch im Anfehen der Unterfchied ficht- 
imr werde.** Femer Theodoret (Quaeft. 48* in GeneC ; 
Opp. T. !• p. 6a* ed. Schulz.^ erklart Giganten durch 
vjyiyAfytSiis iißS^^vs fekr grofse Mmtjchen, und CyriU 



•• 



132 Kap. 9. V. 9— 12. 

9. So ^°) iß die ganze Erde mit Blut 2») i 
mit Bosheit erfüllt worden. 

10. Und nun fiche, die Seelen derer, wel< 
getödtet worden, fchreien, 

11. imd klagen felblt ^^) bis zmn Thore ( 
Himmels. 

12. Ihr Seufzen fieigt auf; auch können 
der Ungerechtigkeit nicht entrinnen ^^), welche i 

lus AUxandr, (Glaphyror. Lib. II. ed. Joao. Aub 

T. I. p. 29.) durch iial&m Tamara irX>)v avS^wirovq JLoyi 
,', äufserfi grofse Ungeheuer , die aufserdem vernw 
begabte Menfchen,** Letaterer fetzt (a. a. O« p. 

— 30.) hinzu: Kai trucrov /ixfv ai «yi vaiks( ri^ra, no« 
girrovTOi Biov kai auta Xotxhv röuv avB^viTiwiV catfJMrw 

Vk Ol r<K70/x<v5f y/yAyrff • ro'jrcs'riv iy^tot ra kai tC^Swuf 

«OXU TAScvrkJ rh ttht^Stff KAI Tolf TCüV ffWfXATViV fJtMyi 

irXaovtKTOtvrt; rwv aKKwj * iffrtov hi tri rovg ayttv ft^uKJrAT 
'yi'VAVTA; atomaXciv MArc/5i(rrAi irw( r>i( SbOTvat^reu 'ypAtI)! 

XcYO(, d. i. „Es gebaren nämlich die Weiber Un 
y^ heuer ^ da Gott die Scbönbeit der menfcblicl 
,, Körper, wegen der Kraftloligheit der dama1i| 
'» S^S^*^ bublerifche Lüße , für die Folge verwiCd 
„ Die Erzeugten aber waren Oiganten , das iß m 
„(eigentlich agreßes) undßarkj und Jehr an Itt 
„ lichkeit leidend^ und an Gröfse des Körpers diß 
federn übertreffend. Man wilFe aber, dafs die R 
„ der von Gott eingegebenen Schrift die zum Hani 
,y Kraftigen Giganten zu nennen gewohnt fey.** 

go) Silv. de Sacy fagt : ob id. 

fti) Silv, de'Sacy hat omni fanguine. 

litt) Silv. de Sacy drückt das felbß nicht aus. * 

83) Silv. de Sacy überfetzt : et non -poffunt exire a 
tie injußitiae und bemerkt in einer Note dazu: ,J 
Griechifchen heilst es : kai ov huvarat ( 6 emayi^ 



Kap. 9. V. 12 — 14. Kap. 10. V. 1 — 2. 133 

Irden begangen wird. Du weifst alle Dinge, ehe 
e lind «^). 

13. Du ivcifst'diefes und wns von Diiien 
rethan ift; doch du fprichft nicht zu uns ^). 

14. Was haben wir ilmen in Rückficlit die- 
Ter Dinge zu.thun^)? 

K a p. 10. 

1. Da fprach der Höchlte, der Grofsc und 
Heilige, 

!2. und fendete Arfajalaljur ^^) zum Sohne 



T»v) fStXSiiV «▼) ir^0(cuiro\; rwv exi t>j( «^.i^c ^ivc/utviuv a^ik»;- 

^ /«mrv. Daher glaube ich, oiufs potrß an die Stelle 
von poß*unt gefetzt werden/* Es ift aber nicht Seuf- 
ze^ das Subject, fondern die Bcdiüngten, alfo gar 
tkicbts EU andern. 

34) SUv. de Sacy fagt : Tu fcia omnia, cum nonduin funt. 

25) Silv, de Sacy überfetzt : et non eJLy tjuurl dicas nv 
iii, erwähnt aber in einer Parentbefe die andere mög- 
licbe Uebertragung : et nihil dicis nobis, 

S6) Silv, de Sacy: quid ergo convenit, ut faciamus 
Ulli propter boc ? 

t7) Das ^riechifche Fragment erwähnt hier den Engel 
Vriel ftatt des in der athiopifchen Ueberfetzung be- 
finillicfaen langen Namens, welchen Silv, de Sacy 
i,Arra|alaljor^* fchreibt, eine geringe Vcrfcbiedenh^it 
der Orthographie, wodurch die Deutung des Wortes 
Weder aufgehalten noch gefördert wird. In dem 
letzten Theile des Wortes nämlich (ur oder or) dürfte 
wobl Jedermann, den Begriff Licht vermutben (wie 

ia üriel'); lalj halte ich für wVj> ja für rP» die 

«>Ainote AbkürsuQg von Jehova und endlich Arja 
"' IQn beßimmen , feßfetzen. Das ganze erklärt 

^ allb : den Jehova über das Licht gej&tu hatt 



134 Kap. 10. V. 2 — 5. 

t 

Lamechs ^), 

3. und fpracht Sage 2U ihm in meinem Md 
men: Verbirg dich ^^). 

4. Dann ver!künde ihm das |£nde^ welche 
im 'Begriff iß hereinzubreclien; denn die gana 
Erde wird verderben ; das WalTer der Fluth wir 
kommen über die ganze Erde^ und alles, was aa 
derfelben ifi , wird zerßört werden *'). 

5. Und nun belehre ihn, wie er entrinne 
möge und wie feinSaame übrig bleiben wird^) a^ 
der ganzen Erde. 



fig) Darunter ift UoaK gemeint (i MoC 5, SB-^ap«)* ^ 

jSp) Silv* de Sacy überfctzt : Operi caput tuum , wilu 
fcheinlich weil er meint, Noah Tolle aus heiliger Sbhc 
gegen su erhaltende Offenbaruog fleh yerhülleiii w: 
e» nach s Mof. 5, 6. Mofes und nach 1 Kog. 19, 1; 
Elias thaten. Die von Lawrence und nach ihm ro' 
mir gewählte Ueberfetzung wäre fchon der fonft o^ 
im B. Henooh vorkommenden Angabe angemelEtfs 
dafs der Bote Gottes , ehe er mit feiner Kunde aic 
der Höhe hervortritt, von der menfchlichen GtMr 

■ 

fchaft entfernt lebt, wie es namentlich mit HeacMß 
der Fall ift (f. la, 1. 64, 2. 70, a. 6. vgl. qo, 15^ 
^05, 7«); indeCi konnte in den Worten auch eine An^ 
Forderung liegen, Maafsregeln zu treffen zu feiner St 
cherheit bei dem drohenden Strafgericht (vgl. Y« 4— jt**« 
Das griechifche Fragment hat daher : K^i^y^y 9wül\^i 
so) Vgl. 1 MoH 6, 13. 17. Ausfuhrlicher ift diefer O^ 
genftand in einem fpatern Abfchnitte des Buchet B{^ 
noch ausgeführt; £ Kap. 64-^67. ?. 

31) Silv. de Saey lagt : fedebin/ue femen. Grabe (Sp:(, 
cileg. Patr. L p, S5^0 besieht die Worte auf 1 liüi^ 
9, fto. 9 alfo den Ackerbau. — - Fr. Th. Kink (in dk. 
deutfoben Bearbtitiuig von JE« d^ Saey*s Nachr. dit^ 



Kap. 10. V. 6. 185 

6. Wiederum Tprach der Herr 2u iiaphael : 
Unde den Azazjel an Händen undFüfsen, wirf 
hn in Finfiemifs, ö£Ene die Wüße, welche in 
)odael ^ ift und ftofs ihn in diefelbe. 



B. Henoch betreff. S. 47.) macht biet darauf ^ufmerk* 
liim f dafs in der Erzählung überall die fpate Dämo- 
nologie herrfcbei inrofem alles, was bei Mofes Gott 
Celbft (D^n^N) thut, hier Engel verrichten. Diels 

ift allerdings ganz richtig, darf aber auch bei einer 
Schrift nicht anders erwartet werden , welche unter 
Etrodes d. G. verfafst ift. 
3s) Silvm im Sacy fchreibt DondaSl^ was wohl Gericht 

Gottes QiH 1 f*1) SU erklaren iß. Dudael, was 
such im Griech. fteht , ift dagegen , wie ich glaube, 

aus yn^ chald. Kim Topf, Kejfei und ^ Gott 

suGunmengeTetzt; der Name ift für einen Strafort 
nicht unpaOend. Zahlreiche Erklärer der Bibel, als 
Ichon früherhin Hugo Grotius^ Ludw. Cappellus^ 
Da«. Heinßus^ um der Neuem nicht su gedenken, 
ferner Scaliger und Grabe su d. Fragmente des He- 
noch, behaupten, im Brief Judfi Y. 6. werde mit den 
Worten: „Auch die Engel, welche ihre eigenthüm- 
lidie Behaufung yerliefsen , behielt er zum Gericht 
^ grofsen Tages unter ewigen Banden in der Fin- 
BnmiCi^* auf die yorliegende Stelle des Buches He- 
noch angefpielt. Grabe (a. a. O. p. 551-) «oin^ «««^^^ 
fcr dunkle Ausdruck 2 Petr. ö . 4- • wGott bat nicht 
•>sinmal die Engel, welche gcfündigt, verfchont, 
»bndem hat lie, indem er fie mit Ketten der Fin- 
iJleniüs zur Hölle verftiels , für das Gericht aufbe- 
tiWahrt , ** Hey auf das hier Erzählte zu beziehen und 
I wbilte dadurch erft fein gehöriges Licht. Auf das 
Bta^ecifiht, welches die abtrünnigen Engel uifft. 



idij' 



136 KAii>. 10. V. 7 T- 8. 

7. Wirf auf ihn fch.'irfe und fpitze 6teine • 
und decke ihn mit Finlternifs ^'*). 

8. Dort wird er bleiben immerdar^); bedec 
fein Antlitz , dafs er das Licht nicht JTehen kan 



sebmen die Kirchenväter gern Rück ficht, a]s Jrenm 
adv. haeref. L. lY. cp. 3., TertuUianj befondera 
der Schrift de cultu foeminarum, 

33) Silv. de Sacy fagt ,,Iapide8 tortos et acutoa.^* A 
Steinen wurden bei den Hebräern gewöhnlich i 
Leichname der GeKeinigten bedeckt (Jof. 7, s5- fit 
fo dafs man etwas Befchimpfendes darin fahe (Jof. 
29. 2 Sam. 10 f 170 9 auch hier könnte aufser di 
Schmerzhaften der Strafe das Schimpßieh^ derfelb 
dem VerfalTer vorgefchwebt haben. 

34) Finflernifs^ ein bei den Hebräern beliebtes Bild 1 
Unglück, wie umgekehrt Licht für Glück fiel 
hinaus gefiofsen in die Finfiernifs daher im N. T. , 1 
Matth. 8ff i&- sSf 13. 35, 30., ziemlich häufig für j 
höchßen Glückes beraubt und dem gröfseften EJen 
Preis gegeben feyn. Hier, wo Azazjel zur Strafe a 
einem Steinhaufi^ bedeckt wird, mufste das Bild 1 
ders gewendet werden. Oefters liegt bei der Anw« 
düng des biblifchen Ausdruckes die Yorfiellung i 
dunkeln KeTker$ zum Grunde (Ff. 107, 10. 14. J 
4S9 7« Weislu 189 40? u°d auch hier fcheint IIa i 
nachfte VoraDlaflung dazu gegeben zu haben. 

55) Silv. J# Sacy Csgt: in faeculum. Der Ausdni 
immerdar aub hier, wie oft im A. und N. T. , ttu 
von einer Zeit ohne Ende verfianden werden, fc 
dem nur von einem fehr langen Zeiträume; da 
nach y. 9/ wird ja Asazjel fpater ins Feuer geworQ 
bleibt alfo nicht unter den Steinen liegen. So wJ 
auch nach Apok. 9o, a— 3* der Tei:^el auf 1000 Jal 
geffiOelt und in dea Abgannd TerCehloiTen. Vas LU 






Kap. 10. V. 9—10. 137 

.0. und am grofsen Tage des Gerichts lafs 
ihn ins Feuer werfen ^^). 

10, Belebe ^^) die Erde, welche die Engel 



nickt feken^ ift ganz eigentlich su nehmen ; der Steln- 
baafen bedeckt den Frevler ganz und gar, fo dafs er 
nichts gewahr wird. Vgl. auch Y. 8. 

36) Das Verbrennen lebender Ferfonen war eine bd den 
Hebräern zwar nicbt , aber bei einigen andern YÖI- 
kern des Orients vorkommende Strafe (vgl. den von 
mir berausgeg. Entwurf d. hebr. Alterth. S. 366 — 67.). 
So werden Verbrecher in Ziegelofen (ft Sa m. 19, 31.), 
Fejccro/If A < Dan. 3, 6. ii. 15. 21.}« Keßel mit ko- 
chende&tii Wafler (s Makk. 7, 5.) gefieckt ; das N. T. 
droht den Befen , daft fie von Engeln in den Feuer» 
ofen geworfen (Matth. 13, 4s. 50.) 9 mit Feuer und 
Schwefel gequält werden Tollen (Apok. 14 , 10. )• 
Nach Apok. 17, 16. wird das Fleifch der grofsen Hure 
verzehrt und Ca mit Feuer verbrannt) und in mehrern 
Stellen (Apok. 19, so. so, 10. 14. 15. Ol« 6.) iß ei- 
net Feuer jeei gedacht , in welchen der Teufel und 
die Seinen hiDabgellurst werden. 

37) Silv» de «Sacy überfetzt vivifica^ erklärtes aber durch 
Jana* Recht gut; im Griechifcben Kebt *acau Die 
Erde ift durch die berrfchende Verderbnifs gleichfam 
erftorben, das geifiige» fittlicbe Leben ift von ihr ge- 
wichen j und foU nun wieder in ihr hervorgerufen 
wenden. Indefs liefse fich, befonders mit Berückßch- 
tigung von V. xi.^ auch, die Erklärung von pbyfircher 
Wiederbelebung der Erde vertheidigen ; denn durch' 
die Giganten ift alles Lebende bedroht und grofsen 
Thoils vernichtet (Kap. 7, iS-*- i40f dlejliefen wer- 
den eine Beute der gegenfeitigen Eiferfucht (10 
^3* Iflf 19.)» oder, wie es in andern Stellen, s. B. 
Kap. 66. beifst , der grofsen Fluth. 



138 Kap. 10. V. 11 — 12. 

Terderbtexii und verkünde ihr ^) Leben, dafs i& 
fie 'wieder beleben werde. 

11. Nicht alle Menfchen f ollen umkomme 
in Folge jeglichen Geheimnifles ^) , wodurch di 
Wächter Zerflörung angerichtet und welches fi 
ihre Nachkommenichaft gelehrt haben. 

12. Die ganze Erde ift verdorben durch di 
Wirkungen von Azazjel's Lehre *^). Ihm 
fchreibe das ganze Verbrechen zu^O* 



S8) Silv» de Saey fetzt flatt des Pronomens terrae tuw 
hat nichtig was dem unmittelbar folgenden Satse diu 
fet YerCes entfprache. Der Ausdruck : verkünde ikm 
Lehen bezeichnet das deutlich, was vorher beleheß 
(eigentlich wohl wieder beleben) hiefs. 

Sp) Silv» de Sacy nicht recht deutlich : ,, in myfteric- 
omnium , quae palam fecerunt vigiles. *^ Zu den 
letztem Satze macht er diele Bemerkung: »»ImAethiO' 

iipifchen fteht Xiaealü (^"t^A"*)» occiderunt. Dia4 
Pii& fichtlich ein Fehler. Vielleicht mufs gelefenwer^ 

iiden hahalu \l\\Jr)rljj dixerunt. Ich bin hW- 
9idem Griechifchen gefolgt, wo es t7icov heilst.'^ lÄ 
folge Lawrence^ welcher überfetzt: by whiek tJk^ 
JVatckers kave defiroyed. Unter den Gekeimnißifii 
find die Kap. 8» i-— 8* erwähntenT)inge zu verftehan- 

40} Sihm de Saey überfetzt zwar in doctrina operi 
Aza^jelis , fagt aber in der Anmerkung zu den Wor 
Cent „Oder vielmehr : in operibus doctrinae ^ wie e* 
im Griechifchen lautet: •» relig Sgyci; r^g hilamakm- 
'A^^.*' Dagegen fagt Laurenee^ dab der athiopi^ 
fche Text wörtlich laute : durch die Lekrä des tVeifi 
kes AtazjeCSf überfetzt aber: by the effects of cft* 
doctrine of AzazyeL ^ 

41) Hier wird Aiazjel als der Hauptverbrecber dargk> 
ftellt, während da, wo genauer und mehr im EiiAl 



Kap. 10. V. 13. 139 

13. Zu Gabriel aber Tagte der Herr: Gehe 
zudenBeüaem^}, zu den Verworfenen , zu den 



■■ 



sd&en über die HancUungtweife der vom Himmel auC 
die Erde herabgeftiegenen Engel berichtet ift^ ihm 
blob Verbreitung künfilerifcher Fertigkeiten, alt in 
Bereitung von Waffen , Spiegeln und andern Gegen- 
Binden des Putzes • oder Bekanntmachung mit dem 
Gebiauche der Naturprodukte zum Luxus Schuld ge- 
geben wird (f. Kap. 8i &•)• Indels errcheinen auch 
dort die TO& diefem Engel in Umlauf gekommenioa 
Dinge als die Verderbnifs der Welt rorzugsweife be- 
grändand und fSrdemd. Ueberhaupt wird Azazjel 
oich Semjaza als von wefentlich grolsem und nach^ 
tUiligem EinfiuITe dargeftellt. 

W rt ^ V jS^\ S. de Sacy uberfetzt dielet Wort 

ginz und gar nicht. Die Wurzel iTi^ kommt 
weder imLudolf noch iin Caftellus vor. Sie ift aber* 
mils gebraucht Kap. 65» ?• ^^ ^^h Jedoch zufällig 
eine athiopifche Handfchrift beCtze, welche den 
grobten Theil der kleinen Propheten enthalt | fo 
bnd ich gelegentlich das Wort Micha 3, 5. : „fo fagt 
im Herr, ruft Micha aus » tob den Propheten » dafs 

fc «ein Volk irre fuhren AA J ^ ifi^^D^^ t 
nn^^l/i^: dafsJUleifunmUikrenZdhnen^* (L.) 
— Ueber den in diefem Yerle erwähnten Gegenftand 
vgl Kap. 7, 10. — 8f 9* 9i fiff* und vorzüglich die zu 
^P« 9 » 7- in Anmerk. 17. citirten Stellen auii den 
Kirchenvätern. Jufiinus Martyr die im chrifiiichen 
Altsrthume überhaupt herrfchende Anficht theilend» 
Itls die vermeintlichen Gottheiten dei^ Götter Dämo* 
^^ leyen . welche die Menfchen zu ihrer Verehrung 
verführt hatten, benutzt in feiner Apologia pro chri- 
ad Antoninum pium (nr. 5«; p. 46. ed. unius 



A 



14C) Kap. 10; V. 13. 

Kindern der Hurerey und vertilge die Kinder di 
Hurerey, die Nachkommenfchaft der Wächter, at 



ex congreg. Sti Mauri.^ die Ueberlieferun^» welcl 
ficb an 1 Mof. 6. geknüpft, folgender MaafseD dafi 

zum Beweife : *E.vu rh v»kcnly haifxo'^t^ ^aCXot , iTi^avtl 
ironjffa^ivof , Kai yvvmKCii bfAGt^kucav ^ Kai traThtki hti^Bst^ 
Kai' ^ißi^TQa ivS^wTotg ebtt^av j (ug naraicXaytj'jat roC/i ot ki*^ 
rai yivofjtivai ir^X><( oCn taqivov , akka hitt o-tw^^Tar/Atvoi | hl. 
fxq «Tftrra/Lcivoi haijjfvai ilvai (|)aiiAoi-$i 5iou$ x^o;wvc/ua^9v, ic 
cvofxciTi laa^TOV 'KqOiy^yc(^tx,ov oti^ Ivtadrof aCrw rwv iai/x^M 

•Tt'5iro. ,,Als nämlich in alter Zeit bofe Dämonen 

»fWelche Hch fichtbar zeigten, fowohl die Weiber i« 

„fchliefen^ als auch die Jünglinge verderbten ^ um 

j^den Menfchen Schreckbilder zeigten^ fo dafs diejen 

„gen, welche nicht mitVerßand das Gefchebene bctti 

9,theilten , fondern von Furcht ergriffen waren un. 

9,nicht wufsten, dafs es böfe Dämonen gebe, inBeftui 

„xung geriethen , nannte mau fie Götter und uannt 

i,einen jeden mit dem Namen, welchen ein jeder dc 

„Dämonen Heb felbft beilegte.'* Einen Betrug fpiele^ 

die Dämonen hier allerdings aucb, indem fie ficb fürel 

WAS anderes ausgeben, als fie find, durch den erwähS 

teil Namen; nach einer andern Äeufserung des JuSi 

(Apolog. IL a. a. O. p. 92. ; vgl. oben S. id?-) W8 

ren magifcbe Schriften, Schreckmittel und Bclehrua 

über das Opferwefen die Dinge, wodurch ficb dL 

ge fallenen Engel bei den Menfchen einfcblicben. Zwi 

feilen beiden Stellen ift aber darin eine Differenz 

dafs hier die Engel felbß Dämonen heifsen, dort abe 

die von ihnen mit menfclüichen Weibern erzeugt 

Niichkommenrchaft. Mit der dort ausgefprochene 

A^nficbt Kimmt Tertullian überein , wenn er (ApoK 

gi3t. cp. 82.) fich fo äufsert: ,,Sed quomodo de angA^ 

,. lii quibusdam Jua fponte corruptis corruptior 



Kap. 10. V. 13. 141 

der 3fenrclicn Mitte; führe £e heraus und erringe 

j^daemonum evaferit damnata a Deo cum generis nu« 
y.aoribus et cum eo, quem diximus, principe^ apud 
„litteras fanctas cognofcitur. ** Seinem rpeciel>.en 
Zwecke gemäfs bemerkt cieiTelbe Kirchenvater in der 
Schrift de cultu foeminarum den Umftand, dafs Luxus 
und Putzfucht durch die Mittheilungen der Engel 
unterfiützt feycny nicht aber^ dafs ße Abgötterei ver- 
ttUbten, wie Jufiinus Martyr fagt. Denn L. L 
cp* 10. heifst et : „ Nam et Uli , fjui ea (ornamenta) 
»coHßitiurunt ^ damnati in poenam mortis deputan* 
„Cnr^ Uli fcilicet angeli , tjui ad fdias hominum de 
n^oilo ruerunt ^ ut haec quoque ignominria foeminae 
naccedat« Nam cum et materiat tjuasdam bene oc* 
f^cjtas et artes plerasque non revelatat^ feculo multo 
itOiagis imperlto prodidißent (vgl. Heuochy, lo. 
1)8 1 1 ff)« liquidem et metallorum opera nudaverant 
„et herbarum ingenia traduxerant et incantationum 
jtvires provulgaverant (Hcnoch a. a. O.) et omnem 
„curioßtatem usque ad fiellarum interpretationem 
„(Henoch 8* 5^0 defignaverant, proprio et quall pe« 
,iCuliariter foeminis infirumentum illud muliebris glo- 
),Tiae contulerunt lamina lapillorumj tjuibus monilia 
^fVariantur^ et circulos ex auro^ f/uibus brachia artati" 
ntiWf et medicamenta ex fuco , (juibus lanae coloran» 
„Cur, et illum ipjum nigrum pulverem^ tjuo oculorum 
ntxodia producuntur (Henoch ß, i.}*^* Und argu- 
mendrend fetzt er hinz\i: „ Si dootrinae dicendae 
nfuDt, mali magiflri male docuerint necelTe eli. Si 
ijfflercedei pro libidinCy nullius rei turpis merces de- 
},6on eft.** Dafs er ficb unreine Geifier unter jenen 
Engeln denke , erhellt auch aus dem Zufatze, wcl- 
eben er macht : ,,Hi funt nempe Angeli i quos judi* 
»caturi fumus (mit Anfpielung auf i Kor. 6, 3. ; vgl« 



142 Kap. 10. V. 13 — 14. 

fie einen gegen den andern ^). Lafs fie umkon 
man durch Mord ; denn Länge der Tage wird iJ 
nen nicht zu Theil. 

14. Sie alle werden dich bitten , aber ih: 
Väter erlangen nicht*5 in Rückßcht auf /ie ^) ; den 



auch jicta Pauli et Theclae in 6rahe*s SpicUeg« PtC 
T. L p. 970«'' ifHi funt angeli , quibus in lavM 
yiTenuncxamus/' In Lib« II. c. &o. kommt er Am 
malt auf den Gegenftand zurück und gedenkt derS- 
firafung jener Engel: „Quod II iidem Angeli, qui ' 
fftnaterias ejusmodi et illecehras detexerunt^ ejus £4 
,,ec lapidum illußrium » et Optras eorum tradidenio 
„et jam ipfum eallihlepkarum vellerumt/ue tinctaträ 
yyinter cetera docuerunt (vgl. Henoch Q, i.% damnm 
f,a Deo funt, ut Henoch refert, quomodo placeb 
,,mus DeOt gaudentes rebus iUorum, qui iram a 
„animad7erIionem Dei propterea provocaverunt?'* 

43) Silv. de Saey überfetst : ,, mitteque illot inter C 
in bos Qt in illos'^ und erklärt es i^ einer Farenthefia 
yyCommitte eof mntuo certamine'^ |(ift wobl »»certfl 
mini*' au lefen). Im Aethiopilchen findet Heb allai 
dingi der hegriS fchicken. 

44) In der Ueberletzung von Silv. de Sacy wird dial 
ausgedruckt: „et non erit patribua eorum propl)0 
,,eos (jus intercedendi), quia** u* L w. Aus dai 
nachfolgenden Kapiteln erCebt man allerdings, dal 
die yom Himmel entwichenen Engel es nicht wagM 
Gott mit einer Fürbitte für ihre Kinder fich za nm 
bea, fondern den Henoch um feine Vermittlung bfl 
demfelben anflehen (man lebe a. B. 13, ((•) $ im Giin 
chifchen heilat es ; x«i xiütt »fwrm9ts Jx Sm» ro7|p wmtfi 
9iy «»rfiy. Das Wort t^rnnirts bezeichnet, wieFabriew 
(Cod. Ffeudepigr. Y. T. p. 193. not. n.) fchon ba 
merkt» foviel als TOtnm, precatio, nnd der Siai 



A 



Kap. 10. V. 14-^15. 143 

Be werden auf ein ewiges ^) Leben ho£fenj und 
lals He leben mögen , ein jeder von ihnen fünf- 
iiundert Jahr. 

15. Ingleichen fprach der Herr 2u Michael : 
Geheund verkünde^ dem Samjaza und den andern, 
welche bey ihm iind, welche lieh niit Weibern ver- 
ciiiigten, um £ch zu beflecken mit aller ihrer Un« 
imheit ^ ; und wenn alle ihre Söhne erfchlagen 
Ind, wenn lie fehen den Untergang ihrer Gelieb- 
teo, fo binde fie für liebenzig^^) Gefchlechter unter 
fie Erde^)» bis auf den Tag des Gerichts und det 

der Stelle ift alfo : die Vater jenes gigantifchen Ge- 
fcblechtes können nicht bitten um Rettung ; wollten 
fia et aber auch verfuchen , fo würde es ihnen doch 
nicbtf helfen. 

45) Diefer Vers ift für die Au£Fafliing det Wortes ewig 
Ukr belehrend ; denn der SchriftfleUer erklart ihn gleich 
felbft durch fünfhundert Jahre. Vgl. auch 6, ta. 
A'fv. de Sacy hat in dem folgenden Satse die Worte 
mges Leben nochmals wiederholt und überfetit da- 
Ur |,et nt virant yitam aeternam.^' 

V) Silv. de Sacy hat blofs : Nuntia, 

47) Sibf. de SacyhtX : cum Ulis in omni immunditia earum» 

40 Auch im Buche I^noch find die Zahlen liehen und 
EWbenzig runde Zahlen; der hier gebrauchte Ans- 
iiUGk ift demnach nicht genau bu beßimmen, fo daCi 
«• etwa über fiooo Jahre betrüge (wenn wir die Ge» 
Bswtion zu 30 Jahre rechnen) » fondern es foU nur 
kilsea : lehr lange Zeit. Auf Shxüicbe Weib wird 
Ol der ApokalTpfe der Satan iur löoo Jahre gehnn- 
Aca (Apok. so» 2.)* Auch in diefer Stelle, wie über* 
l^pt in den chiliaftifchen Hoffiiungen» foU die Zahl 
^etwegs gans Hreng gefabt werden. 

49) SÜM. de Sacy : Juh collibus terrae. Der Kerker ift 
^ unter der Erde zu denken » wie auch der Ab- 



I 






144 Kap. 10. V. l5-rl7. 

Vollendung^), bis das Gericht, welches für je^ 
gilt, vollbracht ift. 

16. Dann follen fie hinweggefchaflFt V9 
den ^') in die unterßen Tiefen des Feuers , in 
Qualon und in den Kerkern eingefchloITen werc 
ewiglich **). 

17. Sogleich nach diefen ^) foU er ^'*) mit 
hen zugleich verbrannt werden und umlxommc 



grund, in welchem der Teufel nach Apok. so. w 
rend der ihm beftimmten Periode gefeflclt liegt, 
nige andere Stellen des Buches Henocb fcheinen i 
Strafort auf der Erde vorauszufetzen. So V. 6 — 
in diefem Kapitel felbü lauen denAzazjel inderWi 
Dudael gefeflelt und mit Steinen bedeckt werdi 
vgl. ferner 2i, 4 — ^' 54» ^« 

50) Silv* de Sacy fügt hinter judicii und hinter c 
Jummationis das Fronomen eorum hinzu. 

51) .Silv» de Sacy wenig anders: ,,Et in diebus i 
deducent eos/' 

5s) Silv, de Sacy Tagt: et in carcerem, ut concludan 
in faeculum faecuU. — Vgl. 2 Fetr. s, 4. Jud. V. 
Diefer Gedanke kehrt im Buche Henoch fehr hat 
wieder, f. auch V« 6 — 9. in diefem Kap. Auchb 
wie y. 6 £F. ift diefs Eingefchloflenfcyn im Kerl 
gleichfam nur eine Sicherheitsmaafsregcl , gleich! 
ein vorläufiges Gewabrfam , bis nach gehaltenem ( 
rieht und Bekanntmachung des Urtheils die eigentli« 
Strafzeit beginnt. Vgl. damit die Vorfiellungon « 
Apokalypfe vom gefeflelten Satan während dea't 
fendjahrigen Reiches Chrifii. 

53} Silv. de Sacy fagt: ^^et illico comburetur et pi 
bit ab hoc nune.'< 

£4) Samjaza ift gemeint^ wie fchon Silveßer de Sä 
und Laurence gans richtig erklaren ; vgl. V. 15.^ ^ 



Kap. 10. V. 18-21. 145 

gebunden Tollen fic feyn, bis da erfüUtfuid viele 
Gefdilcchter ^^). 

18. Vertilge alle Seelen, welche der TPior- 
heit ergeben iind^), und die Nachkommen der 
Wächter; denn fic liaben die Kinder der Men- 
[chen i^nterdriLclit ^^). 

19- luafs jeden Gewaltthäiigon uniliommen 
Ton der Oberfläche der Erde; 

20. vertilge jedes böfe Werk^®); 

'21- "die Pflanze der Gerechtigkeit und Recht- 
fcJialTcTilieit erfchcine und ihr Hervorbringen werde 
zum Se£;en^^). 



von ihm die Redts warj überhaupt ift er oft als Ur- 
heber c!e» ganzen Unternehmens der Engel hervorge- 
hoben , als 7, 5 ff. V. 9. 9, 6. 

.55^ Silv. de Sttcy lagt : ad roniuinniationeni gener^tio- 
ijis generationum. Viele Gefchlechter, V. 15. dage- 
gen fiebenz'i^. iMit dem folgenden Verfe hört das grie- 
chifche Fragment auf; doch kommen Cpäterbin noch ei- 
nige StelK.n vor, welcl>e im Syncelhis erhalten find. 

56J Silv. de Sacy: ^^ludo deditas.'* 

57) Silv. de Sacy: ,,etyiizoj vigilum, ^fwi opprelTerunt 
hoinlnes.'^ , - 

5Ö) Silv, de Sacy iiherfetzt es paffivo: et omno opus 
mnlum abfumatur. 

50) Silv. de Sacy hat die letzte Veräh:Ufte in feiner 
Ucherfetzung nicht ausgedrückt; auch V- 22. ift bei 
ihm Jvür/.er und lautet: ,,in faeculum cum iaetitift 
pljLntabunlur/' wozu aus dem Vorbergeliendcn < '*'T»ta, 
ccllectivc genommen, zu luppÜren ift. Nacli L tu- 
rence ( Anmerk. unt. der Ueberf.) würde der ».jzLe 
SalÄ de* Veifes wörtlich lauten: „und das Werk der 
Rccbtfchaffcnheit und Gerechtigkeit/* 

fiu«.Ii H«aucb. 10 



146 Kap. 10. V. 22 — 24, 

22. G credit i gkei t un d Redilfchaffen heil 
für ewige Zeiten gepflanzt mit Freuden^). 

23. Und dann werden «alle Heiligen dt 
und leben 9 bis fic Taufend erzeugt haben , 
rind die ganze Zeit ihrer Jugend und ihre S 
the in Frieden vollendet werden ^^). In diefe: 
gen wird die ganze Erde in Gerechtigkeit bebau 
iic wird ganz mit B«iumen bepflanzt und m 
gen erfüllt, jeder Baum der Freude wird aui 
felben gepflanzt -werden. 

24. Auf derfelben werden Weinbergi 
pflanzt wcr(i( n und der Wein^ welcher darai 
pflanzt werden wird, wird Früchte trägen in 
le*^y; jeglicher Same, welchen man darauf Hict 
Taufend IVIaafs für Ein Maafs hervorbringen 
Ein Maafs Oliven wird zehn Preflcn Oel gebe 

6o) Schilderungen und AnsTj^riichc, wie oft am Sc 

drohender Orakel; vgl. 6, ii IF. 

6t) Zahlreiche Nachkominenfchaft ift dem Hcbra 

wefentlicher Befiandtheil irdifcher Glüchfol 

(5 Mof. 20, 4. Pf. 120, ?i il". Spr. 17, 6., vgl. n 

Entw. der hehr. Alterthümer 'S. 533 ff.^; eine 

liehe Anficht wird hier vorausgefetzt. Taufeti 

ungemein grobe Zahl. Friedlicher Gennfs de 

fitzthumes, wie 6, 9. 11 — ib. — Nicht zu 

fehen ift der Ausdruck Sabbath , infofern er ai 

nen Juden als Yerfafler der Schrift fchliefsen laf 

6a) SUv. de Sacy fagt : ,, Et in diebus Ulis open 
omnis terra in }ufiitia.** — Der herrliche Zi 
xeigt Cch befondert in Fruchtbarkeit des La 
der VerEilFer verweilt bei diefem Gedanken xni 
fonderer Vorliebe. 

63) SUv, de Sacy: faciet fructum ad Jatietatem. 

£4) Das durch Oliven überfetzte Wort ift, /\»AJ 
welches lieh in den Wörterbuchern nicht findet, 



Kap. 10. V. '23. 147 

35. Reinige die Erdo von aller Unter drü- 
imgf von aller Ungerechtigkeit, von allem Ver- 



lier als entfprechend dem Eigennamen Elias. Silv. de 
Sicy bemerkt gan£ richtig , dafs es ein griechifches 
Wort ift. £a ift in der That nichts anderes als iXaim;^ 
1er Genitiv von iXa/« Olive» Vielleicht wurde der 
piechilcbe Ausdruck beibehalten , weil man im 
AtthiopiTchen nicht unterfcheidet zwifchen den OZi- 
. «calccrffit und dem Oel , welches aus der Beere ge- 

wense&wirdy inrofern daflelbe Wort HJS't' beides 
Wyiffcnet, Denn es ift klar, .dafs dann, wenn 

H^T für Oliven in dem erAen Theile des Ausfpru- 
desgdiraucht wurde, wie es in dem letztem Theile 
UTelben für Oel nöthig war, grofse Dunkelheit des 
Sioaes eingetreten feyn würde. Das Beibehalten des 
griechifchen Wortes jedoch macht die Stellt dem 
ithiopifchen Lefer vielleicht nicht viel verftändlicher. 
Aafiatt ^fPreffen des Oels'* hatS. deSacy „Maafseif. 
Oels,** menfuras olei. Diefs ift ein kleines Verfeheni; 

denn das Wort ift nicht ^flc^Ci* Maafse, fon- 

fcnil^1ftJ*J?1' Preßen. (L.) Rink fagt in den 
Anmerk. zu Silv. deSacy's Nachricht d. BuchHenoch 
kbeffend S. 50., es beweife der Unißand, wenn hier 
öa griedtifches Wort angewendet worden, nichts 
fir OD griechifches Original des Buches Henoch j ich 
■one ^er, es beweife doch fo^iel, dafs der athiopi- 
be Henoch aus dem Griechifchen über fetzt ift, ru- 
■il wenn das Wort EljAs fonft weiter nicht vorkom- 
■SB fbllte. Daran au zweifeln, dafs der äthiopifche 
lldicrfetzer nicht aus einem hebräifcken oder ehal" 
^dum^ Ibodem aus einem griechifchen Buche feine 
Mciletznng fertigte, hindert uns überhaupt die 
6cUiicht0 der ithiopifchen Literatur. Vgl. auch An- 

10 * 



148 Kiip- 10. V. '2ry, 

brechen, von aller Gottloli^l^cit und von 
flcckiing, welche darauf begangen wordt 

nierk. 69. zu Kap. "^i 8- B,ink glaubt übrigens 1 
0.)> n^^^* ^^ Aethiopifchen wirklich Eljas &\ 
hält es vielmehr ,,fnr einen der gewöhnlich 

des Abfcbreibcrs , der das fehr ahnliche 

mit dem Ö (Tzappa) verwechlelte.'* Er i 
Meinuog, es möchte im üthiopifchen Ma: 

welches Silv. de Sacy gebrauchte, AAP€ 

den haben, wofür er AGhAv» gelefen w 
Ueber lelzteies Wort verbreitet er fich dant 

lieh, indem er fagt: „ Aflh A v ♦ ilt im 
,,fchen der fehr gewöhnliche N«me von c 
„er inimcrhin aus dem griechifcheii iXala c 
•„feyn. Der eigentlich fernitifche Ausdrui k 

,,ift im Aethiopifchen freilich Hj; 1 ♦ (Zi 
,,darf der Ucberfctzer oder VerfalTer des ülh 
,, Buches Ilenoch jenes Wort — — nirht 
lydezu aus dem griechifchen Original entleh 
„das er mehr oder minder wahrfcheinlich 
„hatte. Vgl. übrigens Jobi JLudolphi Lex. 
nV- 371 u"^ 48^-" Ueber die Lefeart kann 1 
was haurence bemerkt, in unferer Stelle w 
Zweifel obwalten und es wird dadurch lii 
jcctur befeitigt. — Ueber das im Verfe g« 
!ßild vgl. Jef. 5, 10. (f. Gef^nius Comment. : 
wo Unfruchtbarkeit des Landes in fehr i 
Wendungen angedroht iß, als hier die Fruc 
verfprocbeu \vurde. 

65) Silv, de Sacy hebt in der Ucberfetzung di 
an den Engel im Aifflmge des \'eiles recht 
,, Et tu niunda te^räiii; *^y Ldurencc dau«-p^u 



Kap. 10. V. 25—30. 149 

crtiisc £c ^) von <icr Krdc. 

20. Dann v/ertl(.ii die Meiifclicnlwnder gc> 
edit feyn, und alJe Völker mir {;;öulid»e Verch- 
025^ cr\%'tifen ^^ und mich fcyien; alles wir«! 
dich anbeten. 



€i) Sie, üJinlicli die Gottlofen (Silu. de Sacy liat illos 
cnd Laurence das cnlfprcclicnde them)^ oLfchou ße 
mcLt uximittelLar voilier, fondern zulctr.t V. iQ uiid 
19- er.TALiit find, well aua den Abrtiaclls J'erhrechen^ 
Gottlc^skeic u. f. \v. das Concrctum Iciclil ciitiioin- 
mtn Vr'crden hoiinte. Auf ühiiliclio ^Veife war 
F. j^. in fliefcm Kapitel von Sr,mjaza /.u den ton 
(f. An merk. a. d. ^ .) , obgleich er nicht kurz, voi- 
lier genannt worden war. Uebrij.'f*iis köimti? d.is 
Proroasen eheafo ßut auf jene AbiMucta hfiy.o'^cw 
vrei^enp was nach meinem Gefühl noch bcficr iR*. 
S'lt. de Sacv beginnt mit den ^\ orten: ,,disjierdr il- 
los a terra** einen neuen Satz, welcher bis zum Kndf. 
il<f 27r?cn VciTcs (bei ihm das F.«id«^ dos loten Iiaj«i- 
tcL"; foit;>cht, und vcihnilpft jeden der foli^enden l.l',:!- 
wii A!.lchn;ttc des Salzes durcliwaiip^lg vermöge ilc.r 
Copuia et ^ wie es auch in andern Theilcn leliier 
l-cbirictzuTi:; bemerkt wurde. Vgl. Annierk. zu 7, 

ti) Siiv» de Sacy fagt: et omnes gcntcs Dcum mc ha- 
WbLUt.** Uebrigens vgl. für diefcii und die foln;cn- 
geaicn.Verfe bcfonders den letzion Theil des Jcfaiaij. 
ÄIil (a. a. Ö. S. 51.) erblickt hier und im Folgenden 
§t0^enhare f aber fpdte^ Nachahmung der gcwöbnli- 
nAtr Propbetenrefrains des A. T. nacli Schilderung 
»trau.lgcr Zeiten." Ich mochte lieber fngen : i\i 
find darin die gewöhnlichen Schilderungen einer fchÖ- 
a«, hfcrrlichent ine/TianiCchcu Zeit bcnuta&t; ein ci- 
gentUcbes Nachahmen oder Copircn fchcint es mir 



150 Kap, 10. V. 27 — 28. 

27. Die. Erdo wird gereinigt von aller 
dorbenheit, von jedem Verbrechen, von 
Strafe und von allem Leiden ^^) ; auch werd 
nicht wieder eine Fluth auf fic kommen lalTei 
Gefchlecht zu Gefchlecht ewiglich. 

28. ^) In diefen Tilgen werde ich auf thui 
Schätze des Segens, welche im Himmel lind, 

nicht zu feyn. Auch ge&ebe ich nicht zu begr 
worin eine Anzeige davon liegen foll| dafs et 
. fpäte Nachahmung fey. 

68) Silv. de Sacy Tagt : et ab omni dolore ; den 
felbft verbindet er genau mit dem vorhergeh 
und überfetst : ,, et mundabitur terra ^' u. f. ^ 
Der Schluls des Yerfes ift vorzüglich zu beriic]^ 
gen; denn er zeigt uns ausdrücklich und mit be( 
len Worten an, dafs das angedrohte Strafgericht, 
welches die Frevler von der Erde hinweggerafFi 
den Tollen, in der grolsen noachifchen Fiutk b 
(vgl. 53 > 7 ff.) und alfo die HoflFnung ausgefpr 
wirdy das in der Fluth übrig bleibende Gefc 
(V. 1 — 5. 10 — 12.) werde ein gerechtes, abet 

. beglücktes feyn. Hier pafst nun allerdings die 
trachtungsweife , weniger aber in denjenigei 
fchnittan des Buchs , welche das mefiianifche ä 
ter in der fpätern Zeit malen wollen. Vgl. was 
in der Einleitung bemerkt worden. Im letzten* 
des Yerfes , welchen «9. de Sacy überfetzt : h c 
^^erit iterum nt mittam in eam (terram) diluvi 
«ygenerationem generationis et usque in laecul- 
find 1 Mof. 9« AI» 15. beruckllohtigt, wie 54, 
bdumtita Erhebung des Hagenbogens cum S] 
(iMoCp, isÄ). 

69) In SUv* dm Saey^s Uaberfetzung beginnt hid 
Mtalsgtbe dei FkriCn Handfcbiilt Kap. ii. nu 
fafst y. •S'-^-ap. 



Kap. lä V. 28— 12. V.l. 151 

idi ße herabkommen la/Te auf die Erde und auf 
alle Werke und Arbeit der Menfchen ^^). 

29- Friede und Billigkeit f ollen Geno/Ten 
feyn der Menfchenkinder alle Tage der Welt und 
in jedem Gefchlecht derfelben '''). 

Kap. 11. (fehlt. ^^)) 

Kap. 12. Sect, UI. ^) 

1. Vor allen diefen Dingen ***) w«nr Henoch 
verborgen, auch wufste Niemand von den Men- 



70) Silv. de Sacy liberfetzt: „et fuj>er opera eorum et 
faper laborem eorum ^^^ erklärt aber das er£e eorum 
in der Parentliefe durch bominu in» wek-lies dagegen 
Ltaurence in den Text aufnahm , wohl, weil er es in 
feiner Uandrchrlft fand. 

71). In Silv. de Sacy*s Ueberfetzung Hebt faeculi Aalt 
JV^lt und der Scblufs des Verfes lautet: et in omni 
generatione JaeculL 

711} Die FariferHandfchrift macht die zwei letzten Yerfe 
dea vorhergehenden Kap. zu Kap. 11. (L.) 

73) Parifer Hdfchrift. (L.) 

74) E« ift alles das Kap: 7 — 10. (11.) Erzählte ge- 
meint; der Verfaffer will nun au der Hauptpcrfon 
feines Buches und ihrer Mitwirkung bei diefen wich- 
tigen EreignilTen übergehen, aber diefe feine Dar- 
ftellung durch die vorangeftellten Worte an den vor- 
hergehenden Äbfchnitt genau anfchliefsen. Das grie- 
chifche Fragment bei Syncellus hat nichts von der 
eigentlichen Sendung des Henoch , wohl aber einige 
Stellen ans dielem Abfchnitte, welcher jene Sendung 
nebß den dabei vorkommenden Ercigniffen zum Haupt- 
thema hat. Silv. de Sacy überfetzt den Anfang des 



152 Ka-. i2. V. 1 — 3. 

fnficnliintlcm, wo er verborgen war, wo er ge 
wefen und was gcfchehen war''^). 

2, Er war ganz bcfchäf tigt mit den Heiliges 
und mit den Wäclitcm ^^) in feinen Tagen. 



Kapitels: ,,Ante vero omnem rem (iftam).** In d« 
iciden erften Vcrfen des Kap. ift abermals vonllenod 
in der dritten rerfon die Rede, wie Kap. i, i. , «b< 
von V. 3- ^'^ nimmt er fclber wieder das Wort, i 
dafs V, 1 • — 2. ä1:» eine Art Eiidcltung zu Letrachc* 
find, welche auf die \McljtI:»Iunc der Perfon, welcl 
mit V. 3- redend iird handelnd auftiilt, aufuicr*- 
fam machen lolhMi. Der X'cbergaxig in die crßc P^ 
fou ift hier nicht recht gcCch ich l; denn V. 3. ift offc^ 
bar Fortfetzunc; der V. 2. begonnenen Scliilderung. 

-jC)) Vgl. 70, 1. 6. , womach Hcnoch verborgen £i 
iWeil er lieh Rchuf s einer Vifion im Himmel befinde 
und 00, i&. 15., 'W'o es heifüt, dafs der Patriarch c« 
nach Vollendung feiner Unterhaltung mit den Enge^J 
zu feinen Mitmeiifchcn zuriickkchrt ; f. auch Qo, * 
Gewi/Tcrinaafsen gehört auch 105, 6. hicher; denn * 
Leifst dort, Ilenoch's Wohnung fey hei den h\ng^* 
und nach Y. 7. findet ihn Mcthufala an den End^ 
der Erde (vgl. 64, 2.), So wurde Ncah 10, a. ai^ 
gefordert 9 ßch zu verbergen, als ilim die Kunde v^ 
dem Strafgerichte ortheilt wird (f. Anmeik. z. d. St^ 

7<{) Wächter ift hier unftreitig Bezcichmmg der tr^ 
gebliehenen^ nicht blofs dem Namen nach, fondern auii 
in Wahrheit heiligen Engel, wie V. 4. 92^, x6^ 
Kap. sOt 1. heifieu Ile „ Engel , welche wachen^ 
In der Regel kommt der Ausdruck JVächter von dtf 
abtrünnigen Engeln im Buche Henoch vor, namS^ 
in der Darftellung des Abfalles der GenoIFen Sanij4 
za's I3 5. 10, 11. 1^. 48* iSf 5« ^4? 1* B* 1^« 1- ^ 



Kap. 12. V. 3. 153 

3. Ich, Hcnoch» lobctc den grofscn Herrn 
nd Konig des Friedens^). 



Elbcnfo in demfelben Abfchnitto Wächter des liim- 
meis (13, 11. 15, I.); heilige Wächter heif^cn ßc 
15, 0- mit Rücklicht auf ihr früheres Verhalten, — 
Siiv. de Sacy übeifetzt <icn Vers: ,,et omne opus ejüff 
cufzi fanctis et cum vigxllbus in diebus ejus." Die 
letzten Worte konnte man mit Wächter /.u verbin- 
den lieh geneigt fühlen, fo dafs der Sinn wäre: er 
war mit denen bcfchäftigt , welche zu feiner Zeit die 
Aufficht (das Wachen) hatten j heffer aber fafst man 
es fo auf, dafs es hcifst: Henoch genofs v/ährcnd 
feines Lebens des Umgangs der Engel, natürlich ehie 
bcfondere Begünftigung vor andern Menfchen, — Gc» 
vriGTermaafßen lüfst ßch auch die Bezeichnungsweife 
des A- T. Tcrglcichen , womach die Propheten mit 
Wächtern verglichen werden» die hinausfchauen, wie 
Ton einem Wachtthurme öder einer Warte in die 
"Weite und von der droheo^en Gefahr benachrichtigen 
(D^ai Jef. 52, 8. Jer. 6, 17. Ezech. 3, 17. 33, 7.; 

D'^'^O'viJ Jef. 21, 11. 12. 6a, 6.; vgl. auch Hab, ß, i.)» 

Siehe Grfenius Comment. %. Jef. i Tb. S. C67, 2 Th. 
S. 210. ; RofenmülUr SchoL in V. T. P. VIII. Vol. L 
p. 22Q. Jußi Ilabaliuk neu überfetst und erläutert 
S. 75 — 76. \ doch eiklart letzterer Hot 9, 0« irriger 
Weife auch davon , f. dagegen RofenmüUer^s Scholia 
in V. T. V. VII. Vol. L p. 270 fF, Auch JcC 56, 10. 
kann verglichen werden, wo Volksführer aller Art 
Propheten, Pricfier, Obrigkeiten) unter dem Worte 
Wächter au verftehen find. Vgl. Gefenius Comnuen- 
tar ■• d, St. 
77) Bei Silv. de Sacy ift der }etzte Satz durch ; et regi 
faeculi übertragen. 



154 Kt- 13. V. 4. 

4. Und liehe! die Wächter nannten nd 
Henocli den Schreiber '^^). 



78) Diefe Bezeichnung fcheint mit Rückficht auf Kj 

x3, 6 ff, gewählt »u feyn, wo erzälüt wird, da 

Henoch für die gefallenen Engel eine Bittfchrift av 

zufetzen erfucht wird. Denn fio findet fich nur hif 

und der dafür angewendete ausfübrlicLere Ausdru* 

Schreiber der Gerechtigkeit wird ebenfalls blofi 

diefem Abfchnitte angetroffen , nnmlich ifi, 5. 15, 

Den letztern, in der Anrede gebraucht, möchte 1 

übrigens fo faffen, dafs der Genitiv unfor Adjectiri 

gerecht uuifchriebe , alfo : du Schreiber , der fleh c 

Gerechtigkeit bcflcifsigt. Mitbin liegt in der ehr« 

den Anrede etwa daffelbe, was in der Kap. 70, 1 

gewählten deutlicher ausgefprochen ift : ,yDu bift d 

„Sprofs von Menfchen, welche für Gerechtigkeit | 

,, boren find und Gerechtigkeit ift bei dir gebliebefl 

Will nian der ehrenden Benennung keine folche Ij 

cielle Beziehung auf die Erzählung, worin lie y€ 

kommt, zugeüehen« fo würde der Name Schreit 

wohl darauf gehen , dala Henoch überhaupt in it 

nach ihm benannten Buche ah wirklich fchreih^i 

und durch Schrift gewilTe Dinge fixirend dargefia 

wird; man fehe ■• B. 67, i. 91, 1. 105, 21. M8 

lieh Ware es , dafs damit auf die Etymologie des li 

mens Henocl^ angefpielt wäre, welcher fovielali mi 

geweiht , erfahren , gelehrt bedeutet ; das hehr« ^J 

Schreiher ift aber, namentlidi im fpäternHebraismi 
Ibriel als Schriftgelehrter (1 Chron. 27, 32. Efr. 7, ä 
und fo könnte das Wort Schreiber hier auch ftebtf 
Bekanntlich macht die Tradition den Henoch 'am- 
zum Erfinder der Buchftabenfchrift , der Rechenkip 
und Sternkunde {Jiuhaßn f. 134. ; Eufehius de pi0 
par. Evangd. IX, 17. und Hifi. EccleL VII, 32.; v] 



Kap. 12. V. 5. 155 

5. Dann fagteer^) zu mir: Henoch, Schrei- 
' der Gerechtigkeit, gehe imd verkünde den 
ichtem des Himmels , welche den hohen Hini- 
1 verliefsen und ihre ewige Wohnung ^), fich 
t ^Veibem befleckten 



such Fabricius im Cod. Ffeudepigr. Y. T. p. 219 ff.}. 
Die Araber bezeichnen ihn daher mit dem Namen 

Idris ( ^J^ A«->i }i d. i. der Gelehrte und wilTen viel 
Ton feiner Weisheit su berichten. Schon der Koran 

lagt Sar. 19^ 54 — 55« (ed. Marraccu^ : |>.^* — QU 

:$C LjuA-C LiLx..-« öUjuj^ 3$C*V-A--8-i d. I. 

und erwähne in dem Buche Idris ; denn er war gerecht^ 
nn Prophet 9 und wir haben ihn aufgenommen zum 
erhabenen Orte. Vgl. Marracci (Notae p, 435.) und 
Wahl Ueberf.'d. Korans z. d. St, S. ü6i — 62. Dar* 
auf bezügliche Stellen aus Beidhawis Commentar zum 
Koran und aus Elmacins Hift. Saracen. liefert Hot* 
tinger in der Hißor, Orient. Lib. I. cp, 3. p. 3^* 
79) Er , nach Silv. de Sacy*s und Laurence^s Erklärung 
Gott j fo dafs Geh das Pronomen auf V. 3. zurück 
bezöge. Diefs iß richtig; doch liebe es ßch auch 
Tenheidigen , wenn Jemand den Engel ( Wächter f. 
V. 4.) verftande» von "vrelchem wir den Henoch ge- 
wöhnlich begleitet finden und d^m er meifieqtheils 
AutTchlufi über das Gefehene und Gehörte verdankt; 
ti8, 15. fis, 6. 24, 4. 31, 5. 52, 2, 40, 2. 8. 43i «. 
51» 3. 5. 52, 4. 53» 4« 54» 6. 58» &• 59» is* ^o» 
3- 5. 71, 1. 73» ». 
8^) Schreiber der Gerechtigkeit f. zu V. 4» — JVäch- 
^ des Himmels^ welcher Ausdruck auch 15, i. vor- 



156 Hap. 12. V. 6. 

6- und ihr.tcii, wie die Sohne der Mcnfcl 
thux), indem iie lieh Weiber nahmer» und lieh f 
befleckten auf der Erde ^^) : 



kommt, von den abtrünntgeu Engeln 2u faflen, * 
fcbon der Zufammenlianp lehrt. Vgl. Anmerk. 
Y. 2. — - Im Brief Judä V. 6, find die \Vorte 'A- 

ycvc T8 reo; fj.fi rvyjjjffftvrctf tJ|v eatrcuv a^/^>,v , aX^.a avt 
xavTflij T« *5/oi» otHTfjpro» zu ver;;lt;iclien. ij 
d!ff Sacy überfetzt et fiationcm fanctam , (juae tfl 
Jaeculum fiatt: „und ihre ewige Wohriuijg.'* ] 
diefen und den folgenden Vers vgl. die Para)lelfiel 
7, 10. p, 6. 

8i) Silv» de Sacy rap;t : et uxore6 fiLi ücceperunt 
magna corruptione fiipex terrani corrupti funt, M' 
ausgefülirt ill uer GfoÄnke 15, ß. 3. Der Glaube 
die Älöglichkeit einer gefcIilecLüiclien Verbindung 1 
übermenfcblicheii Wefcn findet lioli bei allen unsel 
detcn Völkern des Aiterthums, und rdliR in Büdu 
f ortgefcbritteneu Na lionea gelang es nicht leicht, f 
von diefem Vvahne loseuniacben. Ich erinnere i 
an die Gefchicbtc der rösiifchcn und '^ricchifchen G 
ter, um der robern Vorlellungen der fogenann' 
barbarifchen Völker nicht su gedenken (vgl. die A' 
führung von G» C, liorß in feiner Zaubcrbibliotb 
5 Bd. iße Ablheil. ). Vorzugsweifo aber herrfcl 
diefer Glaube, nach den uns erhaltenen Nachricht 
im Grient und unßreltig ilt er auch der gcißigcn ( 
ganifation des Morgenlanders , feiner ganzen Art 
denken und die Dingo um ßch her zu betrachten» I 
11er eignen Weife die mannichfaltlgen F.rfcheinung 
der Aufsenwelt und feines geiftigen Lebens /Ich 
erklären und zu bcurthcilen , wohl entfprechend v 
damit ficht lieh in einem organifclicn und wefentlicl 
ZuCammenhange. Die bewegliche PhantaCe faev 



Kop; 13. V. 7. 157 

7. 'daJ& fie auf der Erde nimmer Friede imd 
Vergebung der Sünde erlangen werden^). Denn fie 
werden fich ihrer Nachkommcnfchaft nicht freuen, 
fondem die Ermordung ihrer Geliebten fchaucn; 
fie w^erden klagen über den Untergang ihrer Söhne 
und bitten immerdar, aber fie werden keine Gnade 
noch Frieden erlangen. 

Keite nur zu gern die unbewohnten Räume mit lebeiv» 
den Wefeu und nichts war natürlicher , als auch auf 
die Möglichkeit einer Einwirkung des fo gerchaffcnen 
Geißen eichs auf das Menfchengcfchlecht zu fallen 
lind diefe bis auf die VerhältnifTe auszudehnen , wel- 
che das heif«e Blut und die ftarkünnliche Natm dea 
Morgenländer* vorzugsweifo zum irdifohep Glucke 
Techiiet, ich meine die Vereinigung beider Gefchlech« 
ter zum gcmeinfamen Gefehl cchtsgenuJle. Wie man 
alfo übeihaupt die Eigenrchaften und Bediirfaiffe der 
Menfcheu auf böhere Wefen, felbft auf die Gottheit 
und foUte es auch nur in lymbolifcher Darllellung 
fcyn, überzutragen gewohnt war, fo thatman es auch 
hier; 'und bezweifelte man den Einfiufs der Geifier 
auf Menfchen und menfchliche Schickfalo im Allgo- 
nieinen gar uiclity warum füllte man eine Verbin- 
dung des zwar Ungleichen, aber doch im'tua- Aehnli- 
chen , eines Menichcn mit einem überirdifcben We- 
fenr, in das Heich des Unmöglichen gefetzt haben? 
82) Vgl. 6, ö. 7- — Das foloende überfet/t Silv.-^de 
Sacy : quoniam non gaudcbunt in nliis fuis , fo wie 
gegen Ende des Verfes: et deprecabuniur in faccu- 
lum. — Tür den Inhalt vgl. lo, 15. 17 — iß. 14, 
5 — 7. Auch hier fallen die Giganten durcii Zwifti:^- 
keiten unter (Ich felbft und gegcnfcilinc J'cfoh Jung ; 
der Fluth wird auch hier niobt ausd.iicklich gedat-h*.; 
jedoch konnten die Ictitcu Worte des Verfes darauf 
bexogen weiden. 



i 



158 Kap. 13. V. 1. 

Kap. 13. 

1. Darauf ging ich Henoch weiter und fpr 
zu Azazjel®^): du wirft keinen Frieden erhalt 



83) Nach Silv. de Sacy*s Ueberfetzung wird nichl 

der erfiertf föndern dritten Ferfon von Henoch 

fprochen ; denn er überfetzt : „Fergens vero En 

Azazjeli dixit.^^ — In diefem Abfchnitte ift Asft 

abermals als der wichtigfie unter den Verbrechern 

zeichnet, f. darüber Anmerk. 41. zu 10 , 12. ] 

Name Atael^ womit Azazjel oiFeubar einerlei ift 

Anmerk. 85* zu Kap. Q» ». vgl. 7, ^.) , ift in der i 

fchicbte des Aberglaubens eine lehr bedeutende '. 

fcbeiuung, und bietet, wie lieh /Tor^ (Zauberbiblio 

6 Bd. S. 22. Aomeik.) febr wahr ausdrückt, „1 

Mofe's Sünden - und Wüßen - Bocke bis zu den' 

lerueuefien Schatzgräbergefchicbten , hinlänglid 

Stoff zu einem wahren niagifch - theurgifcben Ron 

dar/' In den^Actenfiücken, welche Horft iii den 

ficn 4 Thcilen der Zauberbibliothek hat abdrud 

laden , erfcheint Azael als Kenner und Inhaber t 

borgener Schatze, oder wird doch wenigfiens befch« 

ren ,' folche herbei zu fchaffen. Auch in dem See 

tum fecretorum (in Reginald Scotts Discovery of wit 

craft Lib. 15. c. IL III. XI.) ift die Schilderung All 

mit der im Buche Henoch (vgl. befonders auch K 

8 9 1.) vollkommen übereinfiimmend und Befcht 

rer erwarten ihn noch jetzt bei Citationen in eio 

durchaus kriegerilchen Kofiüm. Vgl. Horß Zanb 

bibliothek <$Th. S. 21. Anmerk. Gewöhnlich iSt-i 

Mame von den Freunden des Befchwönuigswelii 

in Aziel verwandelt; £e betrachten ihn als eil 

machtigen Afiralgeift , welcher zu der Gattung 1 

moraliichen Mittelwefen gehöre (Horft a. a. O. 8 ! 



i 



Kap. 13. V. 1—2. 159 

in CTofscs Urtheil ift gegen dich ergangen.' Er^) 
rira dich binden; 

2. nimmer wird Erleichterung , Gnade und 
*ürbitte^) dir werden um der Unterdrückung wil- 
en, ivelche du gelehrt haß. 



S. loß. X13. 3 TL. S. 80- 95«) > »"ch wird er be- 
zeichnet als erßer Grofsfärß der Sonne (a. a. O. 
5 Th* S. 95.) 9 ift in feinen Bewegungen fo fchnell, 
als der Gedanke, wie es in Jok. Faußens dreifadiem 
Höllcnzwang heifst (vgl. Horß a. a. O. 3 Th. S. OöO- 
Die Art und Weife feiner Befchwörung wird aus* 
drücklich in Faufi's IlöUenzwang gelehrt (vgl. Horß ^ 
ft. a. O. 2 Th. S. 132 — 144.). 
Q4) Gon ift gemeint, obfcbon er nicht unmittelbar vor« 
her grnannt war. Schon im A. T. ift es nichts Un* 
gewöhnliches, von Gott etwas auszufagcn, ohne iha 
ausdrücklich zu nennen; es gefchieht vorzüglich gera 
infolcheu Stellen, wo der Satz an fich verfiändlich, und 
der Sprechende fo wohl als der, zu welchem erfpricht, 
keinen Augenblick darüber zweifelhaft Und, auf wen 
dma Gefagte gehe; vgl. Hiob 3, 20. 24, 23. 36, 31. 
Sprich w. 10, 94. Fred. 9, 9. VgL Gefenius Lchrgeb. 
d. hebr. Spr« S. 852> und Umbreit d. B. Hiob, Ueberf. 
und Ausleg. S. 30 und 246. d. !2ten Ausg. — I^ach 
Kap. 10, 6. erhält der Engel Raphaei den Befehl, 
Azaijel zu binden. 
85) SUp* de Sacy überfetzt: „nee erit tibi remillio, 
neque deprecatio, neque mifcricordia,*^ Laurence da- 
gegen : ,,Neither fhall relief, mercy and fupplica tion be ' 
thbe.** Fürbitte gefchieht zwar durch Henoch (V. 6. 
▼BL 10, 14.)» cibc' ^0 ift erfolglos (f. 14, 3. 3. vgl. 
10, 14. und Anmerk. 44* '* d. St.). ■— Für den letz- 
ten Theil diefes Verfes und für V. 3. vgl. deo aus- 
tauschen Bericht 7. 10— ß. o. : dann o, 1, /;. 7. o. 



160 Kap. 13. V. 3—0. 

3. und wegen jeder That der Gottes! 
rniig, Tyranney und Öiindo, welche du den ] 
fchenkindern gezeigt haß* 

4. Dann ging ich hinweg und fprach z\ 
nen allen insirefamnit ^^)i 

5. und iic alle erfchraken und zitterten 

6. Sie erfucliten mich, für fie elneliittfc 
aufzufetzen ^^), damit Ile Vergebung erhielten. 



In V. 3. hat Silv. deSacy „opuj" unOLaurence , 
für das von nur gevvalilte AVort That. 

ßö) Wiederum uubeflimnite AusdruciTjuvelfe; et 
die Geiiolieu Azazjcra (f, 12, 5.) zu veiftclien. 
Anmerk. 54. ku li^p. 10, 17. , wo Sftinjj".a, oLni 
xnlttolbar vorher erwähnt wor^lcii zu feyn^ bloDid 
das rroiionicu bozeicLuet wird. 

J)7) Silv, de Sacy Winnrclieljilich v/örtlicher: „ob 
quf3 tiniort^ tlmueruiit et trcmor curripuit eos." 

J)3) Nacl) Silv, de Sacys Uebertragung : ,,ut niemO 
farcrciii petitionis corum utquc pro iis icribere] 
<\ci\ letzten Satz hat Laurencc nicht, wclcLor i 
iri'gt ; ,, to writc i'or tlicnx a mrmorial uf fupp 
iloa.** Die Stelle ill iuroiorn intf^reJl'ant, als ds 
e.iJ;cllt, dafs es zur Zeit dir Abfoirnn;; dielVr Sd 
\iix\ ia dem Ijando ili;er J:'.;iirtcbMr.iT ccwübnUdi 1 
fchriftlich bei Jeiuaud un* «;i\vas <'In/.iiKouuuen, 
liltcrer Zeit Kommt iui A. T, alo BeiuitKuijn der Schi 
iMinfl. im powülinliüifniljftbfju fafliiur atiSclicidcl 
l>ti I^utlafluiJ,'^ <?'ucs A' cihcs (1.^!". ^"0, J.. Jlt. .1, Q,y 
i\AS r». lieuocJi aber iiiiDcrt IIcli zlciv.lid» hjiufig 
O.r.fö jnan aunr;bjueTi mufs, Srhrcibcxi hulinexl 

' uichls TJnge^vöhnlicll'JS f^e^.v^.rt'n. Jn unbu'iii Zu: 
iuejiLangc ift C3 übrigens auiiallcnd, dafs derpatri 
von den veruitlicillcn Engeln ^Uiu AuHeCzcu C 
Biet ffh ift veranlaftft wird, als wenn er eine fo 



i 



Kap. 13. V. G. 161 

^ Schrift ihres Gebets hinauf zu bringen vor den 
Ott des- Himmels ; denn /ie konnten Geh von 
»-Zeit an nicht nielirfclbcr an ihn wenden, nocli 
heben ihre Auj^cn zum Hiinnicl wegen der 
hmählichen MifTctliat , um derentwillen lic «^o 
ditet find. 



dem Hochfien überfchicken könne ; dagegen waf es 
Vid paflender , dafs Kap. 9, 5 iF. die Ilininielsbewoh* 
net GoUe die auf der Erde gefclicheneii Unthaten 
«liJidIxcl vortragen. Auf gleiche Weife Tollte die 
SSittbe'dung desWunfclies der Verbrecter gefcheh**n, 
sm fo Diehr, da Hcnoch meift bei den Engeln weilt 
(139 2.) und durch fie alfo wenigftens mittelbar den 
Hochfien im Himmel von dem, was er übernommen 
batte, inKenntnifs fetzen konnte. Nachis, 5. ward 
er ohnehin in der Angelegenheit von Gott felbft an- 
geredet und beauftragt, veruiochte alfo auch wohl 
luimittelbar demfelben vorzulegen , was er bei Aus- 
führung des göttlichen Befehls erfahren hatte. Nach 
T. Q. ließ Henoch die aufgefetzte Bitte ab und der 

a 

^rauf ihm gefendete Traum V. 9 fF. enthalt Gottes 

Antwort; Tgl. auch 15, iff. — Schrift ihrei Gebetes^ 

bei SCr. de Sacy „ memoriale deprecationis eorum ,*^ 

betLaurence ,»the memorial of their prayer.'* Statt 

So» des Himmels hat der erfte der genannten lieber- 

Ittier „ad Dominum coeli.** Der folgende Satz ift 

bei demfelben fo ausgedrückt: »iquia jam non liceret 

cU ex hoc nunc loqui — — prae confufione delicti 

hl*' Der hier ausgcfprochone Gedanke, dafs die 

gebllenen Engel lieh jetzt nicht felber mehr an Gott 

Wenden, wird auch fonit im B. Henoch angetroffen; 

▼gl 14, 6. 15, !• Es ift diefs Folge des hüfen Ge- 

wUIensy des unabwttsUcheo Bewufstfcyns ihrer 

Scbnld. 

"^litaocli. 11 



1G2 



Kap. 13. V. 7—8. 



7. Dann fchrieb idi eine Schrift ihres BeU 
nncl Flehens^'') für ihre Seelen^ ), über Alles, \i 
lie gethan hatten , und über den Gcgenliand ih: 
Gefuchs, dafs fie erhalten möchten Vergebu 
und Ruhe. 

8. Weitergehend fchritt ich über die Wal 
des Dan in Dan ^') , welcher an der rechten Se 



JJp) Laurence : ,, memorinl of their prayer and fiip] 
cation** und Silv, de Sacy: „menioriale deprecatio 
eoruin et ruppllcationis coruni/' 

90) Silv, de Sacy hat den Singular : ,,pro fpiritu ^om 
und im Folgenden: ,,et pro uno(|uo([ue operum ip 
rum et pro eo/quod rogahaut, nempe ut etc." Ni 
dem einfachen Wortverflandc fchcint man den A 
druck fo falTcn zu müfleu, dafs der Schrift ftoller 1 
die abtrünnigen Himniehbcwohner als aus Leih l 
Seele beßcbend gedacht habe. Der im B. Ilenf 
fo häufig vorkommende Psaiiie Gottes: Herr der 6 
fier (f. Anmerk. zu 37, i.)'fur Herr der p.eifiigcn, r 
Himmel bevrohnenden, Wcfen kann nicht als dasC 
gentheil l>evM-ifend angefüLit werden; denn K 
15, 8* fetzt den Geißern des Himmels (alfo den j 
gehl) enlgr.gen die irdifchen Geißer (alfo die M 
fchen)j lo dafs alfo auch die gewifs aus Leib v 
Geift zufammengefetzten BTcnfcben im Sprachgebr 
cbe des Henoch Geifier heifscn. 

91) So fcbon Silv. de S»cy: ^^aquas Dan in Dar 
Der Sinn ift: er überfcliritt das Gewäflcr, wclci 
Dan beifst und im Gebiete Dan's liegt, und sTf 
wie bin zu gefügt wird, weftlich vom Hermon, und vi 
derum auf diefer weftlichen Seite rechts, d. h. unRre' 
in fiidllcher Richtung, alfo mit einem Worte, fudwefi 
vom Bcrge.Hermon. Nun gibt es allerdings in jener 
gend einen riufs Dan, weicherden Jordan bilden !■ 



Kap. 13. V. 8. Ifi3 

gegen Weßen des Armon ift, und las die Urkunde 
Dlrer Bitte, bis ich in Schlaf fiel. 



und gewifs von der in der Nahe befindlichen Nieder« 
laflfuDg der Daniten (der Stadt Dan, ehemals Laifch 
oder Lefchem) feinen Namen empfing. Seine beiden 
Quellen liegen 5 VicrtclßundennordÖftHch vonBanias, 
in der Ebene nahe bei dem Hügel Tel el Kadi; die 
grofscre bildet faß einen 12 — 15 Ellen breiten, rafcji 
über ein fieiuiges Bette der niedrigeren Ebene zueilen- 
den Fluls , und die kleinere vereinigt fich nicht weit 
von ihrem Urfprunge mitdcrfelben (7. L. Burckhardt's 
Heifen in Faläßina, Syrien u. f. w. 1 Bd. S. pj. d, 
deutfch. üebcrf. ; vgl. auch TV, Gefenius Anmerk. dazu 
am Ende jenes Bandes S. 495 — 96.; Seetzen in v, 
Zack*s monatl. Correfpondenz XVIII. 8,343.), Die« 
fer Flufs Dan , delTen Namen fchon Jojephus kennt 
(Anticjuitt. Judd, T, 10. Ö« *•) ^"^ welcher bei ihm 
■uch der kleine Jordan heilst (a. a. O. V, 3. jj. t. 
Vllf, 0« fi- 40 > wie er Mch jetzt Dan und Jordan 
genannt wird (Burckhardc a.a.O.)» hegt aber in fud- 
iveßlicher Richtung vom Berge Ilermon , wo auch 
Dan oder Laifch, die nördlichCle Stadt des hebraifcheii 
Reiches (nach Eufebius im Onomafticon 4 römifche 
Meilen von Fancas auf dem Wege nach Tjrus) , ehe- 
mals geßanden hatte. Warum nun Henoch gerade 
diele Richtung des Weges cinfchlage, ifl: nicht ganz 
klar. Er wird wahrfcheinlich vom Hormon kom- 
mend gedacht, auf welchen die ehemaligen Be- 
wohner des Himmels herahgcßiegcn und fleh zu ih« 
tem Abfall durch einen Schwur verbunden hatten 
(Kap. 7, 7 — ß.), und welcher nach des Verfaffers 
Meinung' ihr Hauptlitz geblichen zu feyn fcheint. 
Denn da er von Gott Befehl erhielt, jenen Frev- 
Ittn feinen Unwillen anzukündigen, be^ab er (Ich 

11 * 



164 Kap. 13. V, 9. 

■ 

9. I^nd Helle! ein Traum kam zu mir, u 
Gfsfichte erfchieneu über mir. Ich fiel nieder u 



natÜTlich zu ihnen , d. h. nach unferes Buches V 

ausfctzimn: dorthin, von wo aus ihre verrlerbli< 

Einmifchun« in inenfchliche Angelegenheiten ficb' 

nächd geäufsert hatte, und wo gleichfam der IV 

telpunkt ihres Treibens fortdauernd geblieben w 

Nach VoHbringuug feines Auftrages läfst er fich 

winneu , eine Fürbitte für die Gefallenen zu ^ 

fachen und gerade fie fcheint ihn zu beftimmeny V' 

Gebirge nach Paläftina hinunter zu gehen, ^enn 

feinem Wohnorte begibt er fich nach dem Zufi 

uienbange offenbar nicht, Gottes Sitz iß auch ni 

fonftiger Voiftellung gerade dort am Fufse des H 

mon nicht zu fachen. Ich liann mir daher nur di 

ken, Ilcnoch beabfichtigt d»e durch die Sünde i 

treulofen Engel entheiligte Stelle zu vcrlalfen u 

fich einen Ort zum Vortrage der Bitte bei Gott Bi 

zuwahlcn , auf dem kein folcher Makel laßete u 

welcher daher zu feinem Vorhaben geeigneter \sr 

Dafs er nun in das Land der Hebräer, nicht ins I 

nachbarte Syrien oder Phönicien , fich zurückziel 

hat feinen Grund in der Nationalität- des VerfaflG 

und feiner damit zufammenhangenden Vorliebe i 

das heiligcLand. Dan wird auserkoren als dernoi 

lichfte Punkt Faläftina*s , wegen feiner Nähe, vi 

leicht aber zugleich mit Anfpielung auf feine appel 

tive Bedeutung; Dan (f*1) heifst nämlich Hfc&Uru 

das hinzugefügte badan (in Dan) verfiärkt jene i 
Ziehung. Laurence hat beides in Ein Wort zufk 
mengezogen Dänbadan; in der von ihm benutzt 
Handfchrift müflen alfo zwifchen Dan und badan. i 
gewöhnlich am SchluIFe eines athiopifchen Wort 
befindlichen Funkte gefehlt haben« Diefes W( 



- 



Kap. 13. V. 9. 105 

TaheeinGelicht der Strafe '^), damit ich es fchildcrte 
den Söhnen des Himmels mid ße zurechtwiefe ^^). 



dürfte dann wohl einen nur ßngirten Ort anzeigen 
und feine Bedeutung liefae Heb meines Erachtens 
auch nur fo fallen , als es oben bei Annahme zweier 
Wörter gefchehen ift, — Nachdem Henoch dieBitt- 
fchriftan den Quellen des Jordan abgelefen, verlinkt 
er in Schlaf, unftreitig defsbalb, damit ihm wahrend 
deflelben in einem Traume eine gottliche Offenbarung 
zuTheil werde. 

I ps) Die gewöhnlichße Form der Mittheilung , welche 
das höchfie Wefen im B. Henoch wählt , um feinen 
Dienern und Sendboten das, was kommen foll, zu 
enthüllen , ift die Vilion und in derfelben die fymbo- 
lifche Darfiellung. Daneben aber kommen auch di^ 
andern Formen der Offenbarung vor, deren das A. T. 
gedenkt, namentlich Ifi auch der Traum dai Vehikel 

derfelben. Vgl. Kap. 8^ , 9. 84 > ^ ff- Ö9 1 50. loi 
B. Henoch fiofsen wir auch auf Verbindung des Trau- 
mes mit fymbolifchet Darßcllung, d. b. das, was der 
Träumende gewahr w^ird, erfcheint ihm nicht in der 
Gefialt, wie es kommen foll, fondern ift eingekleidet 
in Bilder imd finnbildlicbe Handlungen , welche erft 
wieder einer Erläuterung bedürfen^ vgl. Kap. 84* 
Nicht feiten wird im Ausdruck abgewecbfelt und für 
diefelbe Offenbarung Traum und Geßcht angewendet ; 
fo auch hier. Söhne des Himmels (bei Silv. de Sacy: 
ßlii coeloruTn) find hier Samjaza und feine Genoffen, 
'^^ 839 5- auch Engel deines (Gottes) Himmels von 
den Abtrünnigen fteht. 

93) S'^y* de Sacy fagt: „eosque verbis arguerem** und 
unmittelbar darauf: ,,Experrectusque veni ad illos.*^ 
Aus dem Folgenden erfiebt man, dafs die durch Ankün- 
^gttpg Aet Strafe in Furcht gcfetstcn Engel Henoch'a 



166 Kap. 13. V. 9. 

Als icli erwachte, ging ich zu ihnen. Alle ßi 
den weinend beyfamnien in Ubelfejael, welcl 



RiicliKunft ängßlich entgegen febcn und auf Ce 
Antwort forgcnvoll harren. Der Ort, wo ße i 
beriiideii, wird bei Laurence in der von mir in 
Ueberfetzung ausgedrückten Form angegeben (Owi 
fcynel); Silv. de Sacy dagegen fcbreibt OubilfalA 
Sonft hommt der Name im B. Henoch nicht v 
Den erficn ThcU delTelben combinirt man wohl 
natüilichHen mit ^ZIW, \velcbcs auch in einicen 

, ■• , CT 

teftamentlicbcn Eigennamen vorkommt und inTpriL 
lieh grafiger Platz zu heifsen fcbeint (f. die he 
Wörterbücher unt. d. W.) ; Salajel kann durch B, 

Gottes (man denke an Pl'^'l) für hSKnÜ Bitte i 

/N Gotty wie in den Engelnamen) und das Gai 

alfo durch Platz der Bitte zu Gott gedeutet werd 
was recht gut in den Zufammcnhang pafst. ] 
Form fejacl ift vielleicht aus falajel verdorben ; oi 

CS ift by^ Steinbock mit dem vorgefetzten Relati« 

alfo: Platz des Steinbockes j infofern auch palTei 
als der Schriftfieller offenbar an einen Gebirgspui 
denkt, wie man aus feiner nülicrn Befchreibung i 
nehmen kann. Nach einer andern AulVallung 13 

lieh jael auf f^\ thöricht feyn zurückführen : PL 
der Tkoren; der Singular ficht collective; Thoi 
lind die trculofen Engel, welche unklug und frev 
haft cf^'handelt hatten , alfo nach hebräifcher Anfic 
in zwiefacher Hinlicbt Thoren genannt werden koi 

ten. Endlich könnte jaijl die bekannte Kenitinn t 

feyn, welche den Siflera tödtete (Rieht. 4, 17 ff 
denn ihr WohnHlz war im nördlichen Faläftina, 1 
gefahr in der Gegend, wohin uns der SchriftRel 
verfetzt. In diefem letztern Falle wäre der Nai 



Kap. 13. V. 9 — 14. V. 1. 167 

> 

liegt zwifchen Lihaiios und Sencfer^ mit verhüU- 
leoi Antlitz. 

10. Ich erzählte in ihrer Gegenwart alle Ge- 
Hchte, welche ich gefehen hatte, und meinen 
Traum ^). 

11. Und ich fing an diefe Worte der Gerech- 
tigkeit auszufprechen und zurechtzuweifen die 
Wäcliter des Himmels. 

Kap. 14. 

1. Diefs ift das Buch der Worte der Gerech- 
tigkeit und der Zurecht weif ung der Wächter '), 

eine» waGrrcheinlich bei den Hebräern bekannte, geo- 
graphifche BeßiniiniiDg, und nicht vom Verfafler des 
Buches Henoch blofs zur VeranfchaulichLing des Er- 
zählten erdacht oder angenommen. Siiv. de Sacy 
überfetzt den folgenden Satz: aui locus eß inter Li' 
' banon et Senefer. Der letztere Name bedeutet Zahn 
der Hilfe ("^ty f^) und ift wahrfcheinlich eine Klippe 

des dem eigentlichen I>il)anon zunnchß liegenden Ge- 
birges. Das Verhüllen des Antlitzes ift hier Zeichen 
der Trauer ; vgl. meinen Entw. d. hebr. Alterth. S. 637. 

94) Gefichte und Traum werden hier verbunden, vgl. 
■uch 15, 1. und fonfr; beide drücken hier aber durch' 
■US. nicht verfchicdene höhere IVlittheilungen aus, 
fondem.eine und diefelbe Offenbarung, nämlich die 
über das Schickfaldcr abtrünnigen Engel. Silv. de 
Sacy überfetzt im Anfange diefcs Verfes ,,locutusque 
fum coratn eis*' und im folgenden gebraucht er ,«P^o- 

loqui.** Worte fier Gerechtigkeit in V. 11. heifst 

das Unheil, welches Gott über die Engel fällte^ 
Tgl. 14, 1. 

ATv. de Säcy fafst Zur echtweif ung der Wächter als 
Nominativ, io daCs as nicht mit Worte der Gerecht 



1G8 Kap. 14. V. 1. 

welche der Welt angehören, zufolge dem, vriis i 
welcher heilig und grofs ifi, befahl in dem G 
ficlite. Ich nahm in meinem Traume w^ahr, daCs ' 



tigkeitj fondern mit Euch in Appoßtion fiande. D 
nun folgende Abfchnitt wird Buch genannt, was wjji 
derum für die von mir in der Einleitung S. 32. gei 
fserte Anficht fpricht, dafs die mehreren Bücbe 
welche nach iilLern Citationen dem Henoch £Ug 
fchrieben werden, in dem vorliegenden enthalti 
find. Die TV achter^ welche der Welt angehör 
QSilv, de Sacy: <jui funt a Jaeculo') für: die fVdk 
ter der Welt find Samjaza und die von ihm zum i 
fall Verleiteten. Ihre urfprüngliche Beßimmungvi 
die aller Engel , an der Beauflichtigung (Bewachui 
der Welt Theil zu nehmen (f. Anmerk. zu 1, 5. u 
12) fi.) ; fie find von diefem ihrem Amte zwar % 
rückgetreten, ihren lieidenfchaften fröhnend» trag 
aber noch den frühern Namen gleichfam zum Zei 
ziils gegen fie. Den nächfien Satz hat Silv. de S^ 
einfacher: ^yt/uemadmodum praecepit^* und „in J 
tifione." Bis zu diefen Worten geht dieUeberrchl 
des Abfchnittes; daher fährt fogleich nach dcnfelE 
die Rede vrieder in der erßen Perfon fort (vgl. i 
merk. 6. zu i, 1.). Man würde übrigens nichu ^ 
miflen , fondern alles recht fchön zufammen hangi 
wenn dieUeberfchrift fehlte; denn Kap. 15, io**i 
war fchon auf das nun Kommende hinreichend y( 
t>ereitet. 

ü) Bei Sytv. de Sacy ißt hier Einiges etwas anders | 
wendet. So betrachtet er die folgenden Gegenftaa 
nicht als das von Henoch Wahrgenommene , de 
er überfetst: {juia ego jam lo<]Uehar; dieTs halte 1 
defshalb für unrichtig , weil dann gar kein Ob)c 
des Sehens erwaluit wäre. Iktan läge aber nicht, i 



Kap. 14. V. 1—2. 169 

et fprach mit einer Zunge von Fleifch» und 
sineni Athem, "welchen der Allmächtige ge- 
at in den Mund der Menicheni dafs fie da- 
den möchten; 

und vernahm mit dem Herzen ^). So wie 
hafFen und gegeben hat den Menfchen (die 
, zu verßehen das Wort des Verftandes , fo 
gefchafFen und mir gegeben (die Kraft), zu- 
Qweifen die Wächter, die Spröfslinge des 
ids*). Ich habe gefchrieben euer Gefuch, und 
tmcm Geficht ift mir gezeigt worden, dafs 
um was ihr bittet , euch nicht gewährt wer- 
Fird, fo lange als die Welt dauert. 

tdanke fey nach der von mir vorgezogenen Deo- 
Bg matt, indem es lieh von felbft verftehe, dafs er 
it einer Zunge von FleiCch lu f. w. rede. Es wird 
dii ausdrücklich binzugefetzt , um die Vermuthung 
Kofchneiden, dafs er in einem Zu Rande ohneSelbft- 
nmlitreyn gewefen fey; er weifs, was er tbut und 
II um ihn her vorgeht , et herrfcht hier alfo keine 
inCdinDg. Silvm de Sacy Tagt: „in lingua mea car« 
lUet in rpiritu meo^^ und fpater: „ut cum homini-' 
u coUoquantur in eo.*^ 

beb Laurence*s Ueberfetzung „And unter Band with 
klieact;** Silv. de Sacy aber verbindet diefe Worte 
■t dem unmittelbar vorhergehenden Satze : (ut — --^ 
aBoqaantur in eo) et corde intelligant, was einen 
ritt guten Gedanken gibt. . 

MiB wird alles diefet fchon als Anrede an die En- 
rii iaibft zn betrachten haben , obfchon bis hiebet 
oi. von ihnen in der dritten Ferfon geredet wurde» 
^9^u weiter unten überfetzt Silv* de 'Sacy : „et in 
•Bona, mea fic apparuit^ tjuia,^^ Der Schluls des 
>Cbs lautet wortlich: in allen Tagen der Welif 
iWr Jib. d€ St^ey: Omnibus, diebus faeculi/' 



170 Kq». 14. V. 3—4. 

I 

3. Gericlit ift ergangen über euch; 
ret wird euch nichts ^). 

4. Von diefcr Zeit an ^) werdet : 
mals hinaufft eigen in den Himmel; er hat 
dafo er auf der Erde euch binden Will , 
als die Welt dauert. 



5) Silv, de Sacy und Laurence fuppliren , jen 
veßra^ dicfer your requeß. Es ift aber nichi 
denn „non erit vobis" ftcht für: ,, nihil eri 

6) Silv* de Sacy fagt: ,,^ nunc lion afcendet: 
lum us(]Ue in omne faeculum et in terra lo 
ut vinciat vos Omnibus diebus facculi^^ ; bau]: 
ift dabei zu bemerken , dafs es nach (licfer 
tBung fclieint, als fey das Reden Gottes auf doi 
fcbebcn» nach der von xnir aus Laurence ai 
xnenen Uebertragung dagegen das Binden de 
ligan Himmelsbewohncr dort erfolgt, \vie di 
Silv, de Sacy in einem parcnthetifchen Satze 
,,vosque dixit in terra vinctos futuros.** G( 
er ifi es, welcher gcfprochen hatte; vgl. 
AuslaiTung des Subjects 12, .5. 13, 1.) hat in 
feinen Sitz tiach Ilenoch's fonßiger Darßi-lh 
her kann auch fein Wort nur dort, nicht 
Erde, gefprochen feyn. Das Binden verri 
nicht, fondern vollbringt es mittelbar dui 
Diener; vgl. 10, 6., wo Rnphael beauftraj 
Azazjel SU feHeln. Auch 15, 1. heifst es v 
er binde den Azazjcl. Aus unfrer Stelle u 
10, i4* erfieht man, dafs nicht blofs diefei 
wähnte gefallene Engel, fondern auch die 
in Fefleln kommen, welche wie er vom Him: 
ab&icgen. Jud. V. 6. und 2 Petr. £2, 4. ifi a 
•iner Feflelung der verbrccherifchen Engel, n 
der eines Einzigen die Rede. 



Kap. 14. V. 5 — 7. 171 

5. Doch vor diefen Dingen Tollt ihr fchaiicn 
tc Vernichtung eurer geliebten Söhne; ihr wer- 
fet lie nicht (mehr) behtzen ^)\ fondern lie foUen 
isllcn vor euch durch das Scbwert. 

6. Und nicht foUt ihr bitten für lie und nicht 
i'a- euch felbß. 

7. Aber ihr werdet weinen und flehen in 
diweigen. Diefs die Worte des Buchs , welches 
i fchvicb ^), 



1) SiCv, de Sacy: „et non eiunt vobis in pofleflioncni," 
wahrfcheinlich wartlicher nach dem Aethiopifchcn. 
Im Anfange diefes .Verfes hat er ,,ante Laec vero*^ 
und im 6ten .\ „ et rogatio veltra pro eis non 
erit, nee pro vobis. *^ Derfelbc Gedanke kam fchon 
öfter vor; vgl. lo, 13 — 14. 12, 7. 13, 1. 2. Das 
Schwert f wodurch ße fallen, wird in Folge entfian- 
deaer Eifer facht und Feiudfchaft von den Giganten 
gegen einander gebraucht; f. lo, 13. 15. i2, 7. 

0) Der letzte Theil iA Verfes bildet glcichfam eine 
Schlufsformel des Berichts über die Rede desHenoch 
an Samjaza und deflen Gefährten, wie lieh V, i. eino 
Eingangsformel vorfand. Silv, de Sacy üherfetzt ße : 
9,Haec funt verba ex libro ^ quem fctipß.*^ In', den 
Biclififolgenden Verfen erhalten .wir nun nähern Auf' 
fchlufs über die Vißon , auf welche in dem Bericht 
«n die Engel nur l\urz hingedeutet war. Ich mÖclite 
aber ^e hier ßch anfchliefseiulc Erzählung nicht mehr 
für Rede Henochs an die Wächter halten ; ihnen ge- 
nügte die kurze, ahejr kräftige Ankündigung der Strafe 
V. 3 — 7, Dagegen ift nicht V. 15.; denn wenn die 
Gröfse und Herrlichkeit des Gefehenen den frommen 
Henoch zu dem Ausfpruche veranlafst: „es ift un- 
noglich, euck die Pracht und Ausdehnung (der Woh- 
'^UDg} Bu befchreiben /^ fo möchte ich das Pronomen 



172 Kap. !♦. V. 8--9. 

8- Ein Geficht erfchien mir alfo ^) : 

9. Siehe! in C^i^f^^^) Geficht luden 1 
ken und ein Nebel mich ein '°), fich beweg« 

auf die Lefer feiner Schrift , nicht auf die Enge 

ziehen. Auf die Sendung Henoch's , welche in 

fem und in den nächften Kapiteln erzählt wird, ni 

Irenaeus (Adverf. haeref. L. IV. cp. 50.) Rücli 

und mufs alfo das nach ihm benannte Bujh vor A 

gehabt haben. Es heiCst nämlich bei ihm : ^^Sc 

Enoch finecircumcilioneplacensDco, cum efftth 

legatione ad Angelos Junge batur et translatus eft() 

lieh in Faradifum vgl. Iren. V, 5.) et confervatm 

ijuc nunc tefiis judicii Deiy tfuoniam Angeli am 

transgreßi deciderunt in terram in Judicium y h 

autem placens translatus efi in falutem.*' Eia 1 

beftimmteres Zeugnifs für diefen Abfchnitt liefarl 

Fragment delTelben, welches, wie das des vor 

gehenden Abfchnittes , ebenfalls von Georgias % 

€ellus erhalten iß; vgl. darüber zu Kap. 15, Q 

Noch ift zu bemerken , dafs Silv. de Sacy die let 

Worte von Henoch's Rede an die Engel ein wi 

anders fafst, wenn er überfetzt: ,,yos autem flei 

fupplicantesque haud commemorabimini,^* 

p) Silv. de Sacy: ,y|Mihi autem hujusmodi. 

apparuit.*' 

&o) Wörtlich: Wolken luden mich ein und ein Nehei 

mich ein. Das Verbum im Aethiopifchen ift JBiytffl 
rufen oder einladen. Es kommt zweimal vor. ^, 
Sacy überfetzt es das erfiaMal „amplectebantnr"i 
dajB z weiteMal y,in volvebat.** Indefs gibt er gewila m 
die Bedeutung des Yerbi» wie es in beiden Handlet 

ten fteht. Vielleicht yermuthete er, dafs JS ihi\ 

aherwaUigten mich nRtitt JiAOfKh^ einladen 



Kap. 14. V. 9—10. 173 

I 

) und Strahlen von Licht trieben upd fcho- 
h fort, während Winde in dem Ge/icht 
riug begünltigtcn ^) und mein Weitergc- 
lileunigten. 

Sie hoben mich zum Himmel in die 
'jch fchritt vorwärts, bis ich an eine Mauer 
aut aus Sternen von Kryfiall '^). Eine zit- 

werJen müfle, ein Sinn, welcher von dem nicht 
itlich abweicht, welchen er ausgedrückt hat 
unlreitig ein paffender Sinn. Allein ein paflen- 
Sino ift nicht immer der richtigRe. In dem ge* 
artigen Falle jedoch fcheint die Conjectur, 
überhaupt eine fo Kühne zuläQig iß ,, beifallt- 

ig- (LO 

«tiich: das Laufen der Sterne i (L.) daher Silv. 
eyüberfetKt: „curfusltellarum.^^ Das Folgende 
bei ihm: „fulguraque follicitum me tenebant 
;bantque (metu).** 

fc Stelle wird von S. de Sacy „fpiritut volare me 
aut*^ überfetzt und zu dem Worte fpiritus be- 
:» dafa es heftige Winde bezeichne und ein He- 
nna fey. Aber der Ausdruck in beiden Hand- 

tcn ift h^ji^T naphafat „venti** und nicht 

7* napkfat jfyiTitus»** zwifchen welchen Worten 
thiopifchen ein merklicher Unterfchied ift ; denn 

I napkas bezeichnet Wind und S^^il naphs 
mI# oder Geißj fo dafs diefer Unterfchied in 
Tokalen auch einen Unterfchied in der Bedeu* 
ier genannten Worte anzeigt. (L.) Der Schiufa 
erfea läutet wortlich : (fie) machten mich eiUn 
^ritiam mich^ bei Silv. de Sacy dagegen: „et 
tum me tenebant." 

!.X: Hagd, KryßalL (L.) Daher fagt i^ilv. 
«y: „lapidibus grandinis,** ebenfo überall , wo 



174 Kap. U. V. 10. 

terrt de Flamme^'*) umgab fie, welche micli in S< 
clicn zu felzen begann. 



Kryßall vorlxommt. Im Anfange des Verfes bat 
fclbe: 9jabßuUrunt^*^ und bald nachher: ^^et vei 
que dum appiopinquarem," 
14) Wörtlich : eine Zunge von Feuer^ (L.) wie au 
de Sacy übcrfet?st (linguaque ignis) und Rink \ 
de Sacy's Nachricht d. Buch Henoch betrelF. { 
Anmerk.) vergleicht das Griechifche ^Xa-erroc «1^ 
Apgefch. 2, 3*) \ noch näher lag die Vergleichunj 
dem altttfiamentlichen O'N fÜ^S, wie Jef. 5 

(vgl. Gejenius Coniment, z. d. St.). Laurence 
,,a vibrating flame. " In der ganzen Dnrfiel 
welche uns hier und in den aunäclift fich anl< 
fsenden Kapiteln dargeboten wird, kehrt das I 
unanfliürllch wie^ler. Den Grundgedanken b 
wie leicht cinzufehen ift, die auch fonft im i 
tbume beliebte, und wenn man ße in einen 
bcfn Sinne aufFaf^t, unfireitig auch richtige 
fiellung, dafs Gott als das höchße und reinft 
les dcffen, was da ift, nur umgeben fcyn könne 
Reinen, Heiligen und GelÜutcrten. Wählte mar 
unfere irdifchcn Einrichtungen als Bihl der bii 
fchen, fo mufsten die Stolle vorzugsweife Beao|i 
finden, welche uns, fo weit wir die Dinge ki| 
als die rcinften und am wenigften materiellen erl 
nen. Was lag nun näher , als der helle , ben 
Glans des Feuers, der fchimmernde und reine 
fiall und etwa das klare, durchfichtige Wafler? S 
alfo der Wobniltz Gottes, der Himmel, wie ein 
fches Gebäude gefchildert werden, fo konntei 
Baumaterialien delfelben nur aus dicfen und äbnli 
Gegenftänden befiehen. augleich aber war elni 
wifle Einförmigkeit und Mangelhaftigkeit der 



Kap. 14. V. 11 — 12. 175 

11. In diefe zitternde Flamme trat ich ein. 

12, * Und ich näherte mich einer geräumigen 
ITohniing '^),- welche auch gebaut war mit Steinen 

fiellung unvermeidlich, auch wenn die Fhantafie des 
Erzählers reicher , be%yeglicher und prodactiver ge- 
wefen wäre, als fle unbefangener Beurtheilung im 
ganzen Buche crfcheint. Das Wafler, welches z. B. 
in der Vißon Kap. 17. nicht fehlt, ifi: hier wenig be- 
nutzt; denn der VerfalTer hält Reh befonders an das 
Feuer und den Kryßall. Das erltere umgibt die äu- 
Tierc Mauer, welche den heiligen Raum umfchliefst, 
wo Gott weilt (V. 10.); ini Feuer fteh» der Palaft, 
der Gottes Thron in fich fchliefst (V. 14.), feinFufs- 
boden und fein Dach beßehen aus lodernden Flam« 
men (V. 16. )• — Henoch fieht fich in der Vifion zu 
^ Gott entrückt, aber fieht nicht in einem Nu vor fei- 
. Htm Throne , fondern gelangt erft allmählig bis da- 
bin. Zuerft erblickt er eine Mauer ; diefs ift die au-* 
fterlte Umgebung von Gottes Wohnung; ihr Geßein 
ifi ko II bar und glänzend, Flammen umgeben fie, um 
jeden ungeweihten Fufs vom heiligen Räume abzu- 
jialten, den fie umfchliefst. Auch Henoch wird zag. 
haft beim Anblick der Flamme, doch wagt er (V. 11.) 
hindurchzugehen. VeranlaÜung zur Aufnahme die- 
Ges Zuges in das Gemälde gab unftreitig die Erfah- 
nrng, dafs Kryßall hellglänzend, wie er ift, in der 
Entfernung als von Feuer umgeben erfcheincn kann. 
15) Die ganze Scenerie ift von einem irdifchen Palafte 
des Orients entlehnt. Man kommt durch ein Thor 
in den erften Hof, in welchem die Wohnung des er- 
fieu Grofsbeamten fieht ; ein zweites Thor führt zum 
zweiten Hofe, an deifcn entgegengefetzter Seite die 
Wohnung des Monarchen fich befindet. Die feurige 
Mauer, durch welche Henoch nach V. 10*— ii. hin- 



176 Kap. 14. V. 12. 

von Kryftall. Sowohl ihre Wände, als il 
boden waren mit Steinen von Kryftall , i 
Kryftall war auch der Grund. Ihr Dach h 
Anfehen von Sternen, die fich heftig bewe 



duTcbgehen mufs, führte ihn zum erfien Hofe, 
befuidliche geraiunige Haus (domus magna n 
de Sacy) wird nicht von Gott felbft bewol 
V. 14 ff^); für wen es beftimmt fey, crfal 
nicbt, denn Heuoch ßeht nichts Liebende 
Möglich, dafs der VerfalTcr iich dachte, c 
des Heiligen, welcher den im zweiten Hofe f 
Palaft bewohnt, dulde es nicht, dafs hier ßcl 
aufhalte* fonft aber konnte diefe eifie Wobr 
nen Dienern beßimmt feyn , welche aber jet 
Thron unifianden (V. 24O* ^^ Silv, de Sacy ü1 
„moeniaque hujus domus, ücut et paviment 
erant ra&u/a« elapidibus grandinis et terra ejus 

16) ^C^^: wörtlich: dtfrLflu/ (der Sterne 
S, de Sacy: „tectum ejus fiellae difcurrentes 
ra.'* Unter ihnettf nämlich den laufenden Ster 
Blitzen. Zu dem Worte Cheruhim macht 
Sacy die Bemerkung : „Im äthiopifchen Te: 

Kirulel (H-^n>A:)." Rink aber (in d. 
Bearbeit. der Nachr. das B. Henoch betreffei 

— 57.} fetzt hinzu, eigentlich folle es 1\ 
beifsen , wie es auch zuweilen vorkomme , < 
jenes die bei weitem gewöhnlichere Form 
mens im Aethiopifchen und zwar aus dem * 
weil £ch mehrere Engehiamen , wie Uriel , 
u. L w. auf die Sylbe el endigten. Er wum 
mit Bezug auf Job. Ludolph*M Lex» aethiop. 
über Silv. de Sacy's Anmerkung, infoEem J 
Wort form, wie es fcheine, als etwas Son- 
und Eigenthumliches auszeichnen wolle. 



Kap. 14. V. 12. 177 

jtid von leuchten den Blitzen, und unter ihnen \va- 
en Cherubs von Feuer und ihr Himmel war Waf- 
iur'^). Eine Flamme brannte rings um ihre Mauern, 



17) Aehnlidi Silv, de Sacy : »yCherubim ex igne, quo- 
rum coeluai erat aqua; <^ Laurence iiberfetzt zwar 
in afiormy fky (in einem fiiirtnifcheii Himmel), 01- 
klärt aber in einer Anmerkung, dafs es wörtlich fo 
beifse , wie es oben in meiner Ueberfetzung ausgc- 
daickt ift. Die Vorßellung des VcrfelTcrs ift diefe: 
fU, wo das Dach bei dem Gebäude feyn follte, fahe 
man nichts als flimmernde Sterne, heftige Blitze und 
feurige Cherubs. "Wäre das Pronomen in der Verbin. 
düng: f^ihr Himmel" auf die Wohnung zu bezichen, 
fo wäre der Sinn : die Decke^ welche man darüber fahe, 
war fo hell und durchfichtig, als wenn fie aus Waf- 
fer beftande. Dasjenige aber, was Laurence undSilv. 
de Sacy darbieten (jener überfetzt in der Anmerkung 
and their keaven [i. e. whofe heaven] , diefer {juorum 
€oelum)f fpricht nicht für diefe Erkldiung. Mau hat 
das Fronomen alfo auf Sterne, Biir/.e und C'iciubs, 
vielleicht auch blols auf das letzte Wort zu bezichen 
und der Sinn ifi : das Himmelsgewölbe , an welchem 
Sterne, Blitze und Cherubs den Augen fjcnoch's 
fichtbar werden, ift fo rein und durchßchtig, als 
Wemi maa das klarfte WaJQTer erblickte. Fallen wir 
iinii diefa und das vorher über das Dach Bemerkte 
Bulammen, fo erhalten wir folgende Anficht des '\'cr- 
^<6n. Henoch fahe ein glänzendes. Gebäude; cnt- 
Mreder war diefs oben offen, fo dafs man den wlrk- 
lu:Iien darüber ausgebreiteten Himmel mit feineu Y.ahU 
lofen Sternen gewahr wurde, mit feinen Blitzen und 

den Wanderceftalten der Cherubs, welche der Volks- 
o 

glaube dort oben fuchte und vermuthete, oder der 
fslsK hatte zwar Decke und Dach, aber von folcher 

■«eh Htnoch/ 12 



178 Kap. 14. V. 12/ 

und ihr Portal loderte von Feuer. Als ich in 
Wohnung trat, war fic Iicifs wie Feuer und 
wie Eis. Keine IjUÜ oder Leben war dort. S< 
cken übei*^' altigte mich und ein furchtbares 
tern ergriff mich. 



BefchaffenLeiü, dafs an denifelben und auf diefenl 
zitfam in enggedrängt, das Firmament nebß allem, 
durch es fleh auszeiclinet und unfere Bewuiid< 
vorziigHch in Anfpruch nimant, dem Auge dei 
fchauendcn erfchien. Dafs im letztern Falle a 
Declteii^^ma/(/tf zu denken fey, iß: freilich nich 
Beßimuillielt ausgefprochcn , aber wahrfcheii 
Mich will indefs bedanken, dafs die erftere Aa 
wornach der eigentliche Himmel in das Gebäude 
ntederfchaut und alfo , etua wie bei den hei 
Hallen ziiTharnnd, von der Phantaße als Daci 
Falafies betrachtet wird, die richtigere fey. 
zierte Decken gehören mit zum Luxus des Ol 
und in den Schilderungen , welche z. B. fich ii 
Erzählungen der Taulend und Einen Nacht fii 
bilden kunOüeiche Plafonds gewöhnlich einen Üi 
fchmuck von Frachtgebauden und Prunkgemac 
Auf jeden Fall wird man Tich das Gebfiude mit « 
platten Dache £u denken haben. Das Feuer jojfl 
Mauern und an der Pforte (Silv. de Sacy übä|lj 
y,et porta ejus igne ardebaf ) ilt wohl nur dei 
Glanz, welchen der Kryfiall wirft; denn Henod 
keine Empfindung, noch leidet er von der FliJ 
indem er durch's Porta} geht. Er fühlt iich/i 
ins Innere tritt, beklommen und weifs daher dii 
herrfchende Temperatur nicht genau su befcfaUBi 
er findet Ile zugleich brennend heifs'und eißgl 
„et ipfa (fc. domus) calida erat ficut ignis et fr 
Ccut grando** überfetzt Silv. de Sacy» Den la' 
Theil des Verfes verbindet der eben genaunie U 



Kap. 14. V. 13 — 15. 179 

13* Heftig bewegt und zitternd fiel ich auf 
ein Antlitz '^). In dem Geficht fahe ich, 

14. und fiehe ! da war eine andere geräumi« 
»re *^) Wohnung, zu welcher jeder Eingang vor 
ir offen war, errichtet in einer zittern den Flamme. 

15. So fehr zeichnete fie fich in aller Hin- 
cht aus, an Glanz, an Fracht und an Gröfsc, dafs 



Hetzer eng mit dem folgenden: ^^Tlmor obtezit ma 
et tremor cepit me, vehementerque commotut e% 
tremens cecidl in fopiem meam.^^ 

19) Vgl. Dan. 8i ^7 — 18- lOf $• — Silv, de Sacy hat 
in derUebergangsfonnel am Ende desVerfet, welche 
daran erinnert , dafs das Erzählte von Henoch blofa 
in einer Vidon gefehen ward, das Fronomen poOefli" 
vnm 3 yyVidique in vifione mea,^* 

19) SUvb de Sacy überfetst : ,,domus alia major (priori)/^ 
auch Laurence fafst es fo, dafs diefe Wohnung im 
Vergleich mit der frühern grolaer fej («»more fpacious 
tban the former**') ; dieCi ift auch gewifs ricbtig. Die 
folgenden Sätze knüpft Silv* de Sacy ganz einfach 
durch bloCie Copula an : „et omnes portae ejus aper- 
tae coram me*' u. L w. Die letzten Worte des Ver- 
Sm gibt er: ,|etaedificatalingaaignis,^^ wäbrendLau- 
rtnee^ Wie fcbon früher V. xo.# fiatt delTen j^vibrating 
flame" hat und den beftimmtern Ausdruck in der Mitte 
(einer sittemden Flamme) an die Stelle der einfachen, 
durch den Text an die Hand gegebenen Partikel in 
wihlt I woBu indefs kein ausreichender Grund ange- 
geben werden kann« — Wenn das erfte Haus mit ei- 
nem Vorzimmer (Entree) Cch vergleichen liefae , in 
welchea der vor dem Herrfcher Erfcheinende zunächft 
eintritt^ fo enthalt dieles zweite Haus den Audienz- 
faal mit. dem Throne. Wie jenes erglänzt es au£i 
berdichfte , fo dab es im Feuer va ftehcta fcbeint« 

12 ♦ 



180 Kap. 14. V. 15 — 16. 

es unmöglich ifiy euch^) ihre Fracht oder ihre^ 
dehnung zu befchreiben. 

16. Ihr Fufsboden war auf Feuer, oben 
ren Blitze und lieh bewegende Sterne, wähl 
ihr Dach ein loderndes Feuer zeigte ^). 



2o) Das Pronomen geht höcbft wahrfcheinlich au 
Lefer des Buches, nicht auf die gefallenen Ei 
Denn die Rede an letztere fcheint mit V, 7. ai 
hören * auch wäre der Ausdruck , wenn er aui 
Engel ginge^ kaum paflend, da diefe ja nach der 
fiellung des ' Verfaflers aus früherer 2eit die Befi 
fenfaeit jenes Ortes recht wohl und durch län| 
und häufigeres Anfchauen bcfler kennen niufsten. 
der dorthin nur auf kurze Zeit entrückte Heu 
Gegen das Ende des Buchs finden üch öfters fo 
Wendungen, wie die vorliegende. Dort hat 
Henoch, wie wiederholt und ausdrücklich gefagt v 
feine Kinder vor Augen, als Kap. 92, 3. 93, 1. 3- 
Den Anfang des Verfes überfetzt «Si/v. de Sacyi 
in Omnibus abundabat." 

si) Diefer zweite FalaftiA in feinem Bau und der äui 

Erfcheinung im Ganzen mit dem früher gefchilde 

von gleicher Befchaffenheit ; vgl. V. i£. — Bei « 

de Sacy lautet die Befchreibung alfo : ,, Terrm- 

ignis et defuper fulgur et ßellae difcurrentes, tect 

que illius ignis ardens.*< Der Verfaffer der Afc4 

Jefaiae lafst den Helden feiner Schrift allerdings 1 

bis vor Gott gelangen und iiefiehen Himmel, we 

er annimmt, zu dem Ende durchwandern unter J 

tung. eines Engels; allein auf eine genauere Sdu 

rung des Ortes ISfst er (Ich nicht ein, was vi 

hauptfächlich feiner offenbar ziemlich dürftigen 1 

bilduugskraft und geringen Darfiellungsgabc zt 

fchreiben ilt. 



Kap. 14. V. 17. 181 

17. Aufmerkfam ^) betrachtete ich fie und 
iahe, dafs fie einen erhabenen Thron enthielt. 



S3) Silv. de Sacj fagt blofs : „refpiciensque vidi in ea 
domum ezcelfum/' Einen folcLen Thron findet auch 
Jefaias nach der Afcenfio Jelaiae Kap. 7, 14 fF. in den 
veTfchiedenen Himmeln , welche er fchaucte ; eine 
ähnliche nähere Befclireibung aber, wie ße uns hier 
. V. iQ ff, dargeboten wird, verfucht der VerfalTer je- 
nes Pfeudepigraphi nirgends. Wenn der Thron dem 
Reife (Silv. de Sacy überfetzt.- cujus afpectus ficut 
pruina^ wahrend Laurence das Wort frofi walilt) 
äufierlich ahnlich genannt wird, fo kann thcils auf 
die fchöne weifse Farbe, theils auf die kryßallini- 
fclie Form des letztern Rücklicht gcnonnntrn feyn. 
Wshrfcheinlich denkt der Yerfafler den .Sitz bedeckt 
mit kleinen weifsen Kryßallen, die man auf den er- 
fien Blick für Reif körner halten möchte. In ähnlichen 
Schilderungen des Orients findet man fonß fiatt def- 
ten: mit Perlen überßet. Die fchöne weifse Farbe 
der reifartigen Ueberklcidung des Thrones mufste 
auch herrlich fchimmern und glänzen, da das von 
ihr Eingefcbloflene , wie es weiter heifst , der glän- 
zenden Sonnenfcheibe glich. Durch diefen Zufatz 
(bei Silv, de Sacy: „et circuitus ejus licut fol lu- 
ccBs.") wird die Gcftalt des Throne* als rund darge- 
Bellt, zugleich aber ihr ein gewaltiger Glanz zuge- 
[chrieben. Den überrafcbten Blicken Henoch's kommt 
ei alfo vor, als habe der Höchfte Cch über einer pracht- 
ToUen Glanzkugel niedergeialfen. Die Stimme der 
Cktruhs fc. war dort , oder wurde dort vernommen ; 
n iß eine ahnliche Ellipfe, wie fo häufig bei dem 
Hebriifchen Sip Stimme^ wefshalb bekanntlich nieh- 
>tte Bibelerklarer dicfes Wort nicht für ein Nomen, 
(ondera ein Verbum haben halteu wollen« Vgl. Ge- 



182 Kap. 14. V. 18 — 20. 

18. der von Anfehen dem Reife ähnll< 
war, während fein Umfang dem Kreife der glai 
zenden Sonne glich; und (da war) die Stimn 
der Cherubs. 

19. Unten von diefem mächtigen Throi 
her ßrömten Bäche lodernden Feuers. 

20» Auf ihn^) zu fehen war unmöglich. 



fenius Lehrgeb. d. hebr, Spr. S. 850- Die Stinu 

der Cherubs erfchallt offenbar cum Lobe Gotti 

Sie erlicheinen Kap. 6o, 13. 70, 9. in Verbindung 1 

den Seraphs und den Ophanin als machtige Engel v 

wahrücheinlich auch hier. Die Afcenlio Jefaiae 1£ 

auch in ihrer Darfiellung deflen, was im Himmel j 

fchiehty Gott von den Himraelsbewohnern gepriel 

werden; f. Kap. 9, sß^-» desgleichen bekanntlidi 1 

Apokaljpfe, vgl. Kap. 4, 8 ff« 7, 10 ff. Das H 

vorbrechen des Feuers vom untern Theile des Th 

nes nach V. ip. (,,et de fub throno magno exlb 

flumina ignis ardentis'* Tagt Silv, de Sacy) ift ab 

mals als Andeutung des mächtigen Lichtglanses 

betrachtet^, von welchem man ßch den Hochften 1: 

geben dachte. Die fiarken Strahlen werden mit Fev 

Aromen verglichen , ein in der That recht fchön 

wähltes Bild. Nach Apok. 22, 1. geht von GT« 

erhabenem Throne ein Strom von Waffer des Lmi 

glänzend wie Kryfiall, und das neue Jerufalem be< 

nach Apok. si, ss« 25. 222, 5. nicht der Sonne 1 

ihres Lichtes, denn es wird von der HerrlicU 

Gottes erleuchtet. Noch ahnlicher ift Dan. 7, ic 

23) Auf den Thron su blicken (,|Contueri eum^ 
Silv. de Saey) war wegen des ungemeinen Glaiv 
der ihn lungab , nicht mSgUch; wenn nun aber '. 

. noah y. 21 ff. deflen ungeachtet berichtet» dalb 
Gott darauf fitaend' gerehen habet fo ift der "^ 



Kap. 14. V. 21—22. 183 

21. Ein Grofscr in Herrliclikeit j^ifs darauf, 

Ti. deflen Kleid glänzender als die Soinic, 
nud weifser als Schnee ^^). 



derfpruch in feinen Angaben nur fcheinbar. Man 
darf den hier gebrauchten Ausdruck, nicht urgiren. 
El i'oU nur heifsen : der Anblick war fo blendend, 
dafs das Auge nicht darauf weilen mochte, noch 
konnte; damit ift aber recht wohl vereinbar, dafs es 
beim erßen flüchtigen Hinfchauen , noch ehe es em« 
pfimden und erfahren hat, dafs der Glans ihm un- 
erträglich fey, die darauf /itzende Ferfon bemerkt. 
ScLün die gewöhnliche Sonne, wenn (if^unverfchleiert 
am Himmel firablt, hÖnnen wir nicht ohne Nachtheil 
für uufer Sehorgan mit ungefchütztcni y\uge an« 
IcliaueUf dennoch hat jeder von uns He zi^veilen 
fiücbtig gefehen. Ein ähnlicher fcheinbar er Wider- 
fpruch ifi V. 21 — 23. Uebrigens^ ifi es Sitte des 
Orients 9 alle nur erdenkliche Fracht am Throne des 
Küoigs anzubringen , um dadurch zu imponiren ; fo 
wurde namentlich von dem der perfifchen Könige 
berichtet, dafs es wegen des grofien Reichthumes 
yon edeln Steinen, welche ihren Glanz um denfelben 
^verbreiten, nicht gut möglich ley, mit dem Auge 
lange darauf ku weilen. 
2j) £s leugt von dem richtigen Gefühle des Verfaffers^ 
dafs er Cch nicht auf eine voUßändige Schilderung 
des von Ilcnoch gefcliauten höchßcu Wefens ein- 
läfst, fondem nur allgemeine Ausdiücke gebrauch^ 
welche dafTelbe als grofs , erhaben und herrlich be« 
leichnen« Unwillkührlich erinnert diefe Schilde- 
rang, in Verbindung mit der vorhergeheudenBefchrei- 
bung des göttlichen Thrones, an Dan. 7,9. 10. 
Welfse des Scbnee's («Silv. de Sary überfetzt: et al- 
beutluf «rat [|palUuui] omni grandine) und Glanz der 



184 Kap. 14. V. 23. 

23. Kein Rngd vermochte hindurchzm 
gen^'), zu fchaiieti das Antlitz deffelben, desH< 



Sonne find auch bei uns fp ruchwörtlich und g 
als unübertreJUich, ja nicht einmal als erreie 
Eben fo hält fich die Apchalypfe, wo de einen 
in den Himmel thun läfst , ganz allgemein ; de: 
beifst Kap. 4, 2. 3«: ,,und fiehe! ein Tliron fiai 
„Himmel und auf dem Throne faCs Einer; und i 
,,rafs, war im Anblick gleich dem Stein Jaspif 
„Sardis.*^ Desgleichen dieAfcenno Jelaiae, als 
p, 27.: „et afpexi quendam fiantem, cujus | 
„fuperabat gloriam omnium et gloria ejus n 
,,erat et mirifica." V. 21. lautet bei Silv. de i 
,, Gloria magnus fedebat fuper eum (thronum)." 

25) Laurence überfetzt: ,,No angel was capable 1 
neirating to view the face of him u. f. w. , Sil 
Sacy dagegen „et non poterat nee ullus angel 
9jingredi et contueri facieni ejus, magnifici illius n 
,,ct gloriofi." Das Hineingehen (nach Silv, de « 
oder Hindurchdringen (nach Laurence) ift wob 
den, Gott unmittelbar umgehenden, Glanz zu l 
Leu, welcher eine fo unwidei üchliche Kraft auf* 
dafs fclbll kein Engel bis ganz nahe an die P* 
Gottes gelangen konnte. Dem Verfaffer Ich 
vielleicht der V. ii. vorkommende Zug der Ei 
lung Tor, "wornach Henoch in die Flamme zu ti 
wagt, welche die aufserße Umzäunung des geh< 
ten Raumes mit bildet. Vielleicht foU der Ausd 
fich blofs auf das Auge^^ den Blick beziehen, d 
Kraft durch den mächtigen Llchtglanz Gottes g< 
eben wurde. Was nun dem Engel nicht' mö, 
war, kann natürlich dem Menichen vollends i 
gelingen (,,Non poterat ullus carnalis videre e 
drü(Jit es Silv, de Sacy aus). Der Gruud d 



Kap. 14. V. 23. 185 

chen und Strahlenden ; auch I^onnte kein Sterbli- 
cher ihn anfehen. Ein Feuer loderte rings um ihn. 



wird am Ende des Verfes fofort hinzvgefügt ; die 
liogs um ihn her lodernde Flamme (wörtlich, wie 
Laurence in der Note bemerkt , 9, ein Feuer von lo- 
denidem Feuer ,<< wefshalb auch Silv. de Sacy über- 
letzt: „Ignes ignium ardeutium circa eum**) fcheuchte 
zurück. Rink (deutfch. Bearb. von Silv, de Sacy*s 
Notiz d. Buch Ilenoch betreff. S. 58- Anmerk.) ver- 
gleicht recht paffend mit unfrer Stelle 1 Tim. 6, 16.^ 
wo von Gott ^efagt w^ird , er wohne in einem unzu" 
gänglichen Lichte, kein MenTch habe ihn gefehen, 
noch hönne er ihn fehen. Dagegen mag ich fein har- 
tes Urtbeil über die ganze Schilderung nicht unter- 
ichreiben, in welcher er ,, durchweg zufammenge- 
jifeihete Fetzen und Lappen alter hebräifcher Dich- 
»ter - und Prophetenfeh ilderungen verwebt mit neu- 
»iteSamentlicheh und fpätern Vorftellungen *^ gefiin- 
itn haben will. Die fpäteren Dichter und Pro* 
pbeten der Hebräer nehmen, überhaupt gern , was 
gar nicht zu tadeln iß, auf ihre Vorgänger Rücklicht 
(vgl. Herder Briefe das Stud. d. Theol. betreff. 1 Th. 
S. 105. Credner d. Prophet Joel überf. und erklärt 
S* 58 ff.); um fo natürlicher und zweck mäi'siger er- 
icheint mir ein folches Verfahren, wenn Gegenftande 
▼on fo eigener Art und Befchaffenheit darzullellen 
^ij dafs gewiffe Züge derfelben als ßehend betrach- 
tet werden, gleichfam als Stereotypen dafür im Volke 
gelten. Dahin mochte ich s. B. die Theophanieen 
'echoen, in deren Schilderung bekanntlich die bibli- 
'<^eny namentlich die altteftamentlicben Schriftftellec 
'^^ Wortlich übereinftimmen (f. meinen Coinmentar. 
P'^üol. crit. in Mofis benedict. P. I et IL p. 13.), 
^uenro die dichterifcbe Darßellung des Himmels. 



186 Kap. 14. V. 24. 

24. Ein Fetier auch von grofsem Umfang 
flieg immerwährend vor ihm auf ^^}, fodafs Keine 



Dem Jefaiaft wird in der Afcenfio Jefaiae Kap. 3« S^ 
von Belkira es zum Vorwurf gemacht, dafs er ge- 
lagt hatte: ,>ich labe den Herrn (Gott) fitzend auf 
■ einem hohen und erhabenem Stuhl u. f. w. (Jef. 6, i.];'* 
denn Gott vermöge Niemand zu fehen : »«Mofes fpricht: 
Niemand iß, der Gott labe und lebte» aber Jelaias 
fagt: ich habe Gott gefehen und bin lebend. O Kd< 
nig ! erkenne alfo , dafa jene Frophetcu Lügner ßnc 
u. f. w." 

26) Silv, de Sacy diEerirt hier ein wenig ; ei* überfetc^ 
die erßen Worte de» Verfes : „Magnuscjue ftabat e: 
ignift coram eo,** fo dafs der Gedanke wäre: (1^ 
Grofse (d. i. Gott) fiand da und vor ihm war d^ 
Feuer. Nach Laurence gehört grofs als Epitbeto 
zu Feuer. Seine Ucberfctzung ziehe ich vor, weil GoC 
nach V,2i.Jitzend gedacht wird. Man (ieht aus uia 
ferm Buche ganz deutlich, dals das Feuer wefentlic^ 
zum Colorit des Gemaides von der Art und WeiT* 

w 

gehört # in welcher jüdifcho Schriftßeller Gottes Etr 
rcheioung fich zu denken gewöhnt hatten. Verfehl 
ift daher Ro/ipfimMZ2tfr*j Erklärung (Scholiain Vet- Tct 
F. X. p. 229.) , wenn er in den Angaben des Bucbji 
Paniel (Kap. 7, 9. 10.) , dafs Gottes Thron demFeuea 
gleich war und ein Feuerfirom von ihm ausging, die 
Strenge Gottes im Gericht angedeutet glaubt. Del 
Höchfie mag firafen oder fegnen wollen, wo er ficht« 
bar wird , kann er dem Hebräer nach feiner Vorftel- 
lung nur als Licht, nur als von Feuer umgeben erCchei^ 
nen. Vgl. auch die Erzählung vom feurigen Bufcfa 
2. Mof. 3. '. — Das Folgende verknüpft Silv. de Sacy 
nicht nach der von mir nach Laurence gewählten 
Weife mit dem Vorhergehenden , foudern beginnt ei- 



Kap. 14. V. 24. 187 

n denjenigen , welche ihn umgaben, im Stande 
IT, fich ihm zu nähern^ unter den Myriaden von 
yriaden, welche vor ihm waren. Für ilm war 
alige Berathfchlagung unnöthig ^^). Gleichwohl 
ingen die Geheiligten, welche in feiner Nähe wa- 



neQ neuen Satz : |,Non erat , qui appropinquaret ad 
eum ex iis'^ u. f. w. ; ebenfo find die Worte : ,',myrla- 
ilei myriadum coram illo'* bei ihm nicht von einer 
Firtikel abhangig, wie bei Laurence und in meiner 
Ueberfetzung, fondern bilden einen Xelbfiftändigen 
Gedanken. Dafs dem Schrift Seiler Dan. 7, lo. vor« 
fchwebe, iß ganz deutlich. 

€7) So Laurence g obfchon er in einer Anmerkung als 

zweite und, wie es fcheint, noch dazu als wortlichere 

UebeiTetzung erwähnt: Und er verlangte (requLred) 

meht heiligen Rath. Silv, de Sacy ift o£Fenbar auch 

fir die erftere Erklärung; denn er überfetzt: »ylpfi. 

iutem opus non erat concilio fanctitatis.^^ Man über» 

fehe in feiner Ueberfetzung nicht, dafs er keines we« 

ges confiliunif fondern concilium (Laurence bat con« 

fultation') fagt; es wird damit auf die unmittelbar 

folgende Angabe bingewiefen und der Sinn ift diefen 

Um Gott her erblickte Henoch eine unabfehbara 

Schaar dienender Engel ; diefe fianden dort nicht etwa^ 

als wenn Gott ihrer bedurft hüttei oder gar, um fich 

mit ihnen über das, was gefchehen foUe, zu bera- 

then; Gott befchliefst und vollbringt, was er will, 

ohne fie zu fragen und fich durch ihre Anficht leiten 

sü laflen. Bei Silv» de Sacy fpringt diefe Verbin» 

dang beider Gedanken nicht fo befiimmt hervor, 

wenn er fortfahrt: fancti([ue, qui ad illum accede* 

baut, non difcedebant nocte ac die, nee ab eo recede- 

bant.^^ Den letzten Satz nimmt er activep fo dafs er 

ans das Ichoa Gefagte recapitulict ; ich habe daher 



188 Kap. 14. V. 24. 

ren, nicht von ihm liinweg, weder bei Nai 
noch bei Tage, noch wurden lie entfernt vonih. 
Ich war auch fo weit^) vorgegangen mit eini 
Schleier v6r meinem Geficht und zitternd. ] 
rufte mich der Herr mit feinem Munde ^'^) und fagl 



aus Laurence die pajßve AuiFafluDg beibehalten : 
entfernten Heb felbfi nicht und wurden auch nie 
durch Gottes Befehl von ihrem Dienft abberufen. 

fiß) So weit fagt Laurence ( fo far advanced ) , namli 

wie jene Myriaden, und war Gotte^lfo eben fo na 

getreten als feine Diener ; daher überfetzt Silv, de Sm 

dem Sinne nach übereinftimmend mit ihm : ,,Ego autc 

accelR usque ad eum.*< Wenn Henoch fein Antlits VC 

hüllt, fo ift diefs der Würde delTen, vor dem er £< 

befindet, fo wie der Erhabenheit des Ortes ganz ai 

gemeflen. Möglich wäre es aber auch, dafs die 

YerhüUeu ihn vor Blendung fchützen foU. Nehmi 

wir erßeres an, fo wäre die Sitte einiger Völker i 

vergleichen, fich beim Cultus des Schleiers zu bedi 

nen (f. meinen Entw. d. hebr. Alterth. S. 5o40* ^® 

züglich nahe liegt der Gebrauch der fpätern Juim 

beim Lefen der heiligen Schriften den Tallis an» 

wenden und der alten Parfen^ mit verhüllten Lippe 

vor das heilige Feuer zu treten {Hyde Hiftor. reli| 

vett. Ferfar. Ozon. 1700. 4. p. 369. und die daa 

gehörige Kupfertafel IX.). — Betrachtet man den Ao 

druck in Verbindung mitV. 25., wie man foll, fokan 

das Vordringen Henoch*s nur fo gemeint feyn : ich wi 

fo nahe, daCs ich das alles fehen konnte (f. V. 25.). Di, 

Falaftes Eingang fiand nämlich geöffnet und fchon io f^ 

raumer Entfernung vermochte man zu überblickei. 

was £ch in demfeiben befand und darin vorginjg« . 

Sp) Gott bedient Geh nicht eines Engels , dem Henoc 
feinen Willen kund zu thun, fondern würdigt ib 



Kap. 14, V. 24—25. 189 

«ahe dich hieher, Hcnoch, zu meinem heiligen 
iV'orle. 

25. Und er hob mich auf undbrachte mich ^) 
bis gerade an den Eingang. Mein Auge war ge- 
richtet auf den Boden. 



der unmittelbaren Anrede. Laurenee facht diefs 
recht deutlich zu machen, wenn er überfetzt: ,yWith 
his own mouth*' und alfo das Wort eigen einfchiebt. 
Uebrigeiis weicht Silv, de Sacy von ihm am Schlufle 
diefes VeTfes nur darin ab, dafs er Gott Tagen läfst: 
„«f ad vocem meam fanctam.** Da Hcnoch's Vifion 
faauptlachlich den Zweck hatte, ihn mit Gottes hei- 
]igem Befehle bekannt lu machen , fo wird er in der 
Anrede Gottes mit Recht aufgefordert, lieh deflen 
heiligem Worte zu nähern, als wenn folches ein 
lelbfiltändigtTr GegenQand wäre. 

30) Laurenee: „making me draw;^* Silv» de Sacy: „et 

ad portam usquc accedere fecit,^^ Henoch hatte, 

wie es nach diefem Ausdrucke fcheint, his daher au« 

fierhalb der Wohnung Gottes ehrfurchtsvoll von 

Ferne geßanden (vgl. auch An merk. 2Q, zu V. 24.). 

Der Sinn von Silv, de Sacy*s Ueberfetzung in V. 24. : 

„Ego autem accefli ad eum (Deum)^^ i(t, wenn He 

dem ätbiopifchen Texte genau entfpräche , nach die- 

lein Verfe dahin zu rei^ringiren , dais Heuoch der 

Ferfon Gottes nicht ganz nahe tritt, fondern fich ihr 

nur infofern nähert, als er bis zum Eingänge des 

Thronfaales gelangt, um Gottes Befehl zu empfangen. 

Das W^ort Eingang (entrance hei Laurenee ^ porta 

bei Silv. de Sacy) iß nach meiner Meinung haupt- 

fsicblich ins Auge zu faflen und in der Sache entfchei- 

dend. Der Schlufs des Kapitels (hei Silv. de Sacy: 

nfttcies autcm mea deorfum dejecta erat^*) foU die 

^iirfurcbt und fromme Scheu bezeichnen, .welche 



1^ Kap. 15. V. 1. 

'K a p. 15. 

1. Alsdann fich wendend zu mir, fprach 
/ undfagte^'): Höre und fürchte nichts, o gerec 

denHöclißcn nicht anzublicken wagt. Henoch ha 
»war Gott geTehen (V. ai.)» allem der Blich konr 
nicht haften anf ihm (vgl. V. fl3.). Merkwürdig 
die Aeufserung der Afcenfio JeCaiae Kap. 9, 39, (< 
Laurence') bei der ganz ähnlichen Gelegenheit, ^ 
Jefaias in einer Vifion zum Himmel entruckt wa 
denn es heirst: ,,ünd mein Herr nahcte mir und i 
^jEngel des Geißes , und er fprach: fiche! es ift i 
i^verflattet worden, Gott zu fehen und um deini 
j^wülen ift dem Engel, welcber mit dir ift, Ktaft { 
^, geben worden.'* Allb ausnahmsweife und als Ai 
Zeichnung ficht Jefaias den Uüchßen ; fo könnte m 
es Fich auch vorftellen, wenn Henoch Gott fchav 
(V. aiO- DaHelbe Ffeudepigraphon erzählt,- wie fi 
felbft widerfprechend, Kap. 10, s. : „und alle (Eng* 
,, wurden au dem Herrlichen gefendet, delTen He: 
„lichkeit ich nicht anfehen konnte;*' es iß aber au 
hier, wie in unferm Henoch, ein dauernd^ A 
^ blicken gemeint. Henoch war gegen den Gla 
in etwas gefiebert; Jefaias dagegen (a. a. O. Ki 
p, 37,) berichtet von fich : „Und ich Iahe einen gi 
,ifsen Glanz und die Augen meiner Seele waren gefl 
«^net, aber fogleich vermochte ich nicht zu fehc 
i,weder den Engel, welcher mit mir war,' noch a 
„Engel, welche ich ssuvor gefehen hatte 9 mein 
„Herrn verehren." 
51) Wörtlich, wie Laurence in einer Anmerkung 1 
deutet: „et fagte mir mit feiner Stimme^** wie ati 
Silv* de Saey überfetzt : „et alloquens me dizit m 
voce fua/^ Ebenfo heilstes, ebenfalls nach Ziohtcm 
Im Aethiopifcheti wortlich: „o Henoch » gereoh 



Kap. 15. V. 1. 191 

er Hcnoch, du Schreiber der Gereclitigkeit! Nahe 
[ich lüehcr und höre meine Stimme.' Gcho, fagc 
len Wächtern des Himmels, welche dich frefendct 
laben, für lie zu bitten: Ihr fülltet bilLcit für 
Menfchen und nicht Mcnfchen für euch 3^). . 



Mann und Schreiber der Gerechtigkeit!" womit Silv. 
de Sac-fs Ueberfetzung übereinftimnit. — üeber den 
Ausdruck Schreiber der Gerechtigkeit^ wie 12, 5., f. 
zu «2, 4. und über IVächter des Himmels f. zu la, 2." 
32) Andeutung der nur im fph'tern Judenthume deut- 
lich ausgefprochenen Vorftellung, dafs gewiflen En- 
geln das Gefchäft obliegt, dem Höchßen die Gebete 
der Mcnfcben vorzutragen; f. oben Kap. 9, 3. VgL 
darüber Tob. 12, 12 — 15. Itrig bat man auch 
Stellen aus dem altteftam entlichen Kanon , als Hiob 

33» 23- » darauf bezogen und unter y^Q einen ver- 
tretenden r'.iigcl verfianden, welcher Heb der recht- 
fcbafFeucn Mcnfchen annähme, vor dem Throne der 
Gottheit ihre RechtfchaiFenheit bezeuge und hernach 
beauftragt werde. He vom Unglück su befreien (fo 
z. B. Ilgen Jobi antiquiiRmi carminis hebraici natura 
atque virtutes p. 190 S, vgl. p. SQ und dcrfelbe in 
feiner Erklärung des Tobias S, 110.); ^^ iß Yiflmebr 
irgend einer der vielen Boten , welche Gottes Willen 
kund thuD, und hatte in dem dort herückrichtigten 
Falle (vgl. V. 24.) den Befehl, dem fündigenden Men- 
Cchen das Leben abzufordern, wurde aber noch vot 
VoUbringung des Auftrages wiederum davon entbun- 
den. Hiob 5, 1. ifi die Unmöglichkeit, fich der Ver'« 
inittelung eines Himmclsbewohners zu bedienen, um 
mit der Klage zu Gott zu gelangen, ziemlich 'be- 
fiimmt behauptet. Zach. 1, 12 ff. fcbeint zwar ein 
Engel für Jerufalem zu intcrcediren , allein auch 
diefe Stelle beweifet nichts. Denn' da einmabl nach 



192 Kap. 15. V. 2. 

2. Warum habt ihr vcrlaffen den hohen 
hei] igen Himmel, welcher ewiglich dauert ^^^, 



der ganzen Einrichtung und Anlage der dort ei 

ten Vißon der Prophet niclit unmittelbar von Je 

fondera mittelbar durch den mit ihm redender 

gel über das künftige Schickfal feines Vaterl 

belehrt werden foll, fo ging es nicht anders » all 

der Engel lieh die Frage an Gott erlaubte, wie 

das Unglück noch dauern werde? Dagegen es 

Apok. 8, 3 ff« allerdings etwas Ac^hnlichea , w 

Tobia a. a. O. Sehr richtig benuMkt Baumga 

Crufius (Grundz. d. bibl. Theol. S. cO^Oi ^^^^ 

Darbringen der Gebete zur allgemeinen Enge 

Heilung gehöre; es iß dicfs ja eine der vielen l 

hingen y wodurch die Engel an der VVeltvcrwal 

thäti;;en Antheil nehmen. Indefs ifi doch nid 

überfehen , dafs die altern hebräifchen Schrift! 

gerade diefe Art ihrer INTitwirkung zu den Zwf 

der Vorfehung nicht erwähnen , woraus es , i 

auch nicht gewifs « doch wahrfcheinlich wird , 

die Idee fclbft erß fpater aus der allgemeinen 

Heilung lieh herausbildete. — Silv, de Sacy i 

fetzt: „Vos dtfcetflt deprecari," 

33) Obfchon beide Ueberfctzer im Ganzen hier zu 
faxnmenftiuimcn , zeigen [ich doch bei Silv, de i 
im Einzelnen kleine Abweichungen von Lauri 

als: ,,coelum quod eft in faeculum^ et 

snulieribus dormiißis et vohis uxores ac^ 

fiis,^^ Den Scfalufs des Verfes fafst er, wie aus i 
kurzen Note bei Laurence erhellt, wörtlicher i 
dem Aethiopifchen : ,,ct fllios procreafiis gigant 
Unter den Giganten aber dachte man lieh ein gev 
tbatiges, gottlofes Gefchlecht; vgl. Kap. 7, ii — 

9t 8—9- *0i *3« *8^ 



Kap. 15. V. 2—3. 193 

Labt gelegen bei 'NVeibem, euch befleckt mit den 
Töchtern der Menfchen, eucli Weiber genommen, 
gehandelt wie die Söhne der Erde, und gezcu^-t 
me gottlofe Nachhommenfchaft ? 

3. Ihr, die ihr gciftig, heilig feyd und ein 
Jeben lebt**), welches ewig ift, h.ibt euch be- 

54) So nach den Worten ; daher auch Silv. de Sacy : 
• „Vos autem fpirituales^ fancti, vlventes vitam, quao 
ed in faeculum/^ Laurence überfetzt dagegen: ,,die 
ihr ein Leben beßtzet (poflelliug a life)/^ Nach den 
febr bcftimmten und wiederholten Angaben des Schrift- 
ftellers ift oiFenbar feine JMcinung, die Engel hätten 
ganz ebenfo, wie Menfchen ßch begattet. Vgl. auch 
• 12, 5 — 6., wo fait diefelben Worte vorkommen; 
7, 2. lo. 9, 6. 10, 15. Ob er nun glaubte, dafs ße 
diefs ohne Weiteres vermöge ihrer gewöhnlichen 
Organifation vermocht hatten, oder ob er ßch dachte, 
dafs fie für diefen Zweck Cch ihrer fonßigen Geßalt 
und Natur begeben und Menfchen gefialt angenommen 
Latten, ift nicht mit Gew^ifsheit zu befiimmen. Doch 
hat, meine ich, das erßere am meiften für Ach, man 
mdg nun auf den in unÜercr Stelle gewählten Aus- 
druck und den ganzen Zufammenhang, oder über« 
iiaupt auf die fonfiigen Aeufserungen des Buches über 
diefe Engel fehen. Ueberall finden wir in demfelben 
diefe Engel in ihrer äufsern Erfcheinung den Menfchen 
gleich 2 hier empfinden fie , wie Menfchen , förmlich 
die Heftigkeit des Gefchlechtstriebes und feinen Drang 
tiach Befriedigung. „In fanguine homiuum concupi- 
viftia ,«( wie es Silv. de Sacy ausdrückt, ift nicht 
etwa Rachgier, fondern Begehren nach Begattung 
mit menfchlichen Weibern. Blut der Menfchen^ 
meDfchlichet Blut bedeutet menfchlichc Nachkom«« 
nenfchaft, Menfchen und hier in fpecie die Weiber4 
»»ch n«och. 13 



194 Kap. 15. V. 3. 

fleckt mit Weibern, habt gezeugt in fleifchlichei 
Blute, habt begehrt des Blutes derMenfchen, un 



Daher Tagt er aucli : in fanguine carnali genuiß 
(nach Silv. de Sacy*s Ueberfctzung) für: mit iti 
fchen Dirnen habt ihr Kinder gezeugt, und ebl 
defshalb werden dieMenfchen geradezu ,,caro et fa 
guis'^ genannt. Blut aber mit FUifch verbunden . 
bchanntlichin der Bibel Bezeichnung des Sterbliek€Hi 
Gegenfatz der Gottheit, des Göttlichen und Uebc 
menfclillchpn ; vgl. Matth. 16, 17. Gal, i, 26. Epb 
6, IS. ITebr. 2, 4., in welchem Sinne auch Ftttji 
öfters allein gebraucht wird, als 1 Mof. 6, 3. I 
5Ö, 5. 70» 59« Jcf. 3, 5. So Blut in dem Ausfprud 
des Livius (XXXVITI, 580 • "O^ fanguine human 
Ted fiirpe divina fatuni fe e.[[e. Eine ähnliche 1 
wandtnifs hat es hier mit den Ausdrüchen * FleK 
^und Blut heifsen die IM en Fchen in der Bede Gotl 
im GegenXatz der über! rdi fchen VVefen, der Eni 
(f. auch V. 4 und 6. , wo beide Klaflen von Gefall 
pFci> rüchficlitlich ihrer Dauer verglichen und eini 
der gegenüber geltellt werden). Wäre im Mittebll 
das Buch Hcnoch zugänglich gewefen, fo bättis i 
Hexenhammer diefe Stelle und ihre Parallelen 
feinem Beweife für die fieifchliche' Vermifcfall 
dämonifcher Wefen (Daemones incubi et fuccnl 
mit Menfchea benutzt, welche er, verleitet dm 
die alte, allgemein für richtig gehaltene Erklin 
von 1 Mof. 6, 1-.4. y annehmen zu müflen glnnf 
und mit firenger CoDfequenz ßarr verfolgend^ ä 
dogmatifchen Grundlage des criminellen Hexenp 
cefles machte. Vgl. Malleus maleficarum (p. 244 ^i 
ed. Fraucof. 1580. 40* ^o unter andern untorfof 
wird „quomodo modernis temporibus (im Gegenfi 
der antediluvianifchen Welt 1 Mof. 6.) maleficae atf 



Kap, 15. V. 3. 195 

babt ßethan, wie diejenigen thun, (welche) Fleifch 
und JBlut (find). 



caniales cum incubis Daemonibus exercent et quali- 
tcr ex liii znultiplicetur?'' Die Gegenitände, welche 
hier einer weitern Behandlung bedürftig betrachtet 
werden, lalTen einen Blick thun in die damalige Be- 
fchaiFenheit der Vorßellungen über den in unferm 
Abfchnitte vorherrfchenden Glauben an eine körper- 
liche Verbindung des Menfchlichen mit dem, was 
höhern Urfprun^s ift. Scchferlei iß's, was in Frage 
kommt: i) der Körper, welchen die Teufel behufs 
des BeiTchlafs mit den Hexen annahmen, und feine 
Beßandtheile; 2) die Handlung felbit (mit dem ge* 
nauefien Detail , in einer garlligen und widrigen 
Weife);' 3) Zeit und Ort derlelben; 4) ob der Teu- 
fel blofs dem betreffenden Weibsbilde, oder audi an- 
dern bei dem Concubitus ßchtbar fey; 5) welche 
Dirnen und Weiber Vorzugs weife von ihm gefucht 
werden und 6) über die Befchaffenheit der bei dem 
Act eintretenden Empfindung. Vgl. auch Horß*s 
Zauberbiblioth. 6 Tb, S. 91 — 102. — Mehrere Stel- 
len der Kirchenväter, welche auf die Erzählung des 
Henoch Rückficht nehmen oder doch Vergleichungs- 
punkte darbieten, find fchon zu Kap. 7, 7 — 8* ^o* 
9, 7. 8- 10, 13. erwähnt; andere werden noch unten 
vorkommen. Zu dem Ausdrucke: ,|ihr verliefset 
den hohen, heiligen Himmel*^ vgl. 13, 5* und Jud. 
V, 6. die Worte •toXjitovtäc to ib»v omtjj^iov. Silv» 
d« S^cy hat die Sätze durch die Copula verbunden: 

et — — genuißis, et concupiviftis , et feciftis, 

wi^ auch fonft häufig, wo ße Laurenct nicht hat 
oder eine andere Partikel wählte (f. Kap. 1^ 4. 6« 
Kp. 2. Kp. 3, 1. 7, 2. 5. 6. lo. 13. 14. 8f 1* 9« 3« 
4. 6. 13. to, 14. 16. 17. 80. 23. &5> 37* 1^1 ^' *3> 

13* 



1% Kap. 15. V. 4—5. 

4. Diefe jedoch ßerben und kommen um* 

5. Darum habe ich ihnen gegeben Weibi 
auf dafs lic ihnen beiwohnten, damit Söhne möc 



s. 9. 10. 14, 4. 5* 10« 12* 13* 14« i5. 16. 17. Ig. ] 
22. 23. 24. 15» !• 2. 5« 80- I^»« Worte FUifeh m 
£2iit am Enclö des Veifes fafst derfelbe als Appofiti 
zum Pronomen yi« : ,,ßcut ipfl faciuntf caro et fangnii 
55) Silv. de Saey hat nichts diefem Verbo Entfpreclu 
des und überfetzt blofs: ,,At illi moriuntur/* D 
Ter Vers bangt genau mit V. 6, zufammen; dai Ml 
fchengercblecht , will er Tagen, bedurfte der Fo 
pflanzungsfähigkeit und eines durch die Natur n 
gezeichueteii Weges, die Gattung zu erhalten. Oa 
anders aber verhält es (ich mit den Engeln ; ße Ei 
unvergünglich , es bedurfte alfo nicht eines ErlaCi 
für eine untergehende Generation durch eine neu 
welche an ihre Stelle trete» wie diefs bei den Mt 
fchen , wenn He nicht ausfterben foUen, unumgia 
lieh nöthig id. Darum hat Gott die Engel nicht • 
eheliche Verbindung mit einem gleichartigen WeC 
andern Gefchlechts hingewiefen, und das Vermifdn 
derfelben mit menfchlichen Weibern ifi ein frevtUn 
tes Uebergreifen in eine andere Gattung yon G 
fchöpfen» wodurch verabfcheuenswerthe Mifchlifl| 
entliehen mufsten. Daher heifst es imTeflam,N0|^ 
thalim {). 3. (Graie Spicileg. patrum T. I. p. fiigij 

eS; XftTi^^affaro Kuipio; tri tou Ktarayikvff/jioC ^ ■ h* «urouf i 
HarOMflffimq Hai xa^iräiy rft^a; t^v yifv aoimfTOV, ,yAuf A 

y,liche Weife (wie die Sodomiten) haben auch i 
^jfVäckter die Ordnung ihrer Natur verändert^ WH 
yyche der Herr verfluchte hei der Fluth^ alt er ihfi 
iiwegen die Erde ohne Wohnungen nnd FfüdH 
„unwobnbar Werden lief«.** 



Kap. 15. V, 5 — C" 197 

ten geboren werden von ihnen ^ und dafs diefs 
möge gefchehen ^) auf Krden. 

6. Aber ihr wurdet von Anfang an als Gei< 
, fier gefchaffen und belitzec ein Leben 3^), welches 
e^ig iß undfeyd nicht imterworfen dem Tode bis 
in Ewigkeit. 



56) Transacted fagt Laurence; Silv, deSacy gibt den 
gansan Sats: ,,ut fimiliur opus fiat fuper terram.^^ 
Diefs « nämlich was fo eben als Zweck der Erfcbaf- 
fiing Ton Menfcben zweierlei Gefcblechts gefagt wor- 
den war, Begattung und dadurch bewirkte Fortpflan- 
zung der Gattung. Wie überall im A. T. ericheint 
auch im B. Henoch das mannlicbe Gefcble^cht als das 
berrfchende ^und wichtigere; darnach find die Aus- 
driiche gewählt. Die Weiber find Eigeuthum der 
Manner (,|ideoque dedi eis uxores" nach Silv, de Sacy)» 
Statt beiwohnen Tagt Silv, de Saeyi ,,ut in illis fernen 
dcponant,'* was vielleicht, wörtlicher überfelzt ift. 

37) Bei Silv. de Sacy: y^vivehtes vitam , quae eß: in 
faeculum,** wie V. 3. Der Schlufs diefes Verfcs 
würde» wie Laurence andeutet, wörtlich lauten: 
in all^n Zeitaltern der Welt; daher Silv, de Sacy: 
i,nec morituri in omni generatione faeculi,*^ Der 
Hauptunterfchied zwifchen den Menfcben und En- 
geln wird alfo in i^nferip Kap. darein gefetzt, dafs 
jene nur ein fcbnell vorübergehendes Dafeyn genie- 
(iien, diefe ah^r ewig dauern. Zweifelhaft bleibt 
freilich immer noch , ob diefes ewige Leben der En- 
gel in unjtrm Siqne rerftanden werden dürfe, fo dafs 
* ihnen alfo unaufhörliche Dauer zugefch rieben würde, 
oder ob et nur ypn fekr langer Zeit ßehe, wie Kap. 
10, g. 14. (t» Anmerk. zu den Stellen.) Das erfte ift 
jedoch dasWahrfcheinlichere. Uebrigens ift der Ver- 
bfler a\if 4itIiBn Punkt 4tr Vergleichung wohl durch 



198 Kap. 15. V. 7— 8. 

7. Daher machte ich nicht Weiber für eiic 
dieweil ihr fey d ^^) geÜtig und eure Wohnung i 
im Himmel. 

8. ^^) Nun aber die Riefen , welche gebore 
find von Gcift und von Fleifch, werden auf Erdi 



die Stelle geführt, welche er überhaupt exornirt vi 
als Grundlage feines Berichtes behandelt, nSmlk 
1 Mof. 6. Es heifst dort bekanntlich im 3teii Vexfi 
„Da fprach Jehova (nachdem nämlich die Söhne Gfl 
tei fich mit den Töchtern der Menfchen eingelaff 
hatten): mein Geift foll nicht im Menfchen Uaikf 
ewiglich , liegen feiner Vergebungen • Fleifch foB 
feyn; feine Lebenstage follen i2o Jahre feyn.** 

3g) So ntLch Laurence („becaufe heing fpiritual**) | Si 
J« (Sacy dagegen hat das Imperfectum „eracij,^* I] 
Schlufs des Verfes lautet bei letzterem : ^^i/uorum man 
in coelo/^ Auf das Prädikat geifiig wird in diefem ff 
zen Zufammenhange ein grofses Gewicht gelegt. Yi 
heifscn die Engel daher Geißer des Himmels ^ i» 
fern ihr Sitz einftimmig dort oben hin, in Gottes Nil 
gefetzt wird, im Gegenfatz der Menfchen, dort n 
difche Geifter'* genannt. Sonß kommt diefe Be^ji 
hune nur noch in dem Ausdrucke Herr der GM 
(f. darüber zu 37, i.) vor. 

39) Das bei G. Syncellus erhaltene Fragment des gi 
chifchen Buches Henoch, welches uns mit Kap. ^ 
Ig. Terliefs (f. Anmerk. s^, zu 10, 17.), hat '«2 
Schlufs diefes Kapitels von V. g. an, fo wie den I 
fang des löten Kapitels , offenbar, weil darin w 
denim von den Egregoris und Giganten in der 1 
zeit die Rede ift, über welche G. Syncellus diaDali 
lieferungen zufammenSellt und das Buch Henoch^. 
das über den Gegenfiand am ausfübrlichften berl 
tende Werk, vorzugsweife berückfichtigt. Djia 



Kap. 15. V. 8. 199 

bofeGdHer genannt werden, und auf Erden wird 

kleine Stück wird an den vorhergehenden Abfchnitt 
mit den Worten angeknüpft : Ka< /t/e5* Irt^a (et poft 
alia), woraus erhellt, was auch durch die dthiopi- 
fcke Ueberfetzung betätigt wird, dafs es im griechi- 
fcheo Henoch Heb nicht unmittelbar anfchlofs, fon- 
dem manches Andere dazwifchep fiand. Ueber die 
Abweichungen des griechlTchen im Einzelnen von 
dem athippifchen Texte f. im iflen Excurs. Silv^ 
de Sacy's Ueberfetzung fiimmt in V. 3. im Ganzen 
mit der Laurence*fchen überein; die bedeutendße Ab- 
weichung findet fich in dem Satze : böfe Geifier wer» 
den Itervorgehen aus ihrem Fleifch (,,fhall procced" 
Lei Laürencc)^ welchem Silv. de Sncy et Glich die 
Copula et vorfügt und in welchem er das Praeteri- 
tum hat j^exierunt.^*^ Im Griechifchen ficht da« Fu- 
turum, doch lautet der Satz auch ein wenig anders: 

ffwKxjiTrc rijc ffa^w« «i'rxv, d. i. ,,bö(e Gelficr w^erden feyn 

„die Geifter, welche von dem Leibe ihres Fleifches 
i 

i,ausgegangen find/* i^Die lat. Ueberfetzung, auch in 
IV. DindorJ*s Ausgabe des SynceUus — ganzio, wie 
ße auch in Fabricii Cod. Pfeudepigraph. p. 195. ge- 
funden wird — ift hier ganz ungenau und daher zur 
Vergleichung mit dem Aethiopifchen völlig unbrauch- 
bar.) Gefchaffen wurden von oben lautet bei Silv. 
de Sacy : „ra; defuper creati funt;*' für urfprüng» 
liehe Gründung (,,primary foundation** bei Laurence) 
fagt er j^primumque fundamentum. " Unmittelbar 
nachher fleht ,,fpiritus malus*^ in Rinkes dcutfch. Aus- 
gabe von Silv. de Sacy^s Notiz d. Buch Henoch be- 
treff. S. 60. ftatt mali (f. Abdruck der Silv, de Sacy^- 
feken Ueberfetzung bei Laurence p. I780' ^" ^^^*" 
Utzten Satze diefes Verfes endlich fafst Silv. de Sacy 



200 Kap. 15» V. 8. 

ihre Wohnung feyn ^). Böfe Geifter werden h 
vorgehen aus ihrem Fleifch, weil fie gefchafi 



die Worte ^^Geifier des Himmels**^ und ,,6#i/I«r < 
Erde" als abfolute Cafus auf mit darauf folgend 
Pronomen, was wohl dem äthiopilchen Texte 
jiauer entfprechen wird : „Spiritus coeli , in co 
„erit habitatio eorum ; fpiritus vero terrae , qui a 
„funt fuper terra , in terra erit manCo eorum,** 

40) Geifi (im griechifchen Fragment iirh ir>fv;aan»v) 
zeichnet in diefem Zufammenhange die vom Hini 
auf die Erde berabgekommenen und mit menfchlid 
Weibern verbundenen Engel , Fleifch dagegen e] 
jene I>irnen, welche fleh diefen Engeln hingegd 
hatten. Ihre Nachkommenfchaft mufste ihre Eig> 
Ichaften von beiden entlehnen; ße ift gewaltigen 
grofser, als die gewöhnlichen Menfchen Und, el 
.wegen ihres halb menfchlichen Urfprungs befchrSi 
lieh ihr Wirken auf die Erde. Bemerkenswerth 
dafs ihr an unferer Stelle der Name y^hofe Geißt 
gegeben wird, welcher fich für ihre Erzeuger t 
zugsweife eignen würde* Hiermit verdient verglid 
zu werden , was Jufiinus ' Martyr ( Apolog. br 
p« 92. ed. uuius ex Congreg. Sti. Mauri.) bemerl 

i}rr^5i)7aVf kai iralhag iriKVweav o7 titfiv o< Xt^ 

fjiivot Aaifxovaq (f. oben ZU Kap. 9, 7.)« Denu 
heifsen die Söhne der Engel Dämonen ^ wahrend 
einer andern Schrift deOelben Kirchenvaters (Apol 
pro Chrifiianii ad Antonin. pium p. 46. in derf. Aö 
feiner Werke) die Engel felbft, welche die meaC 
liehen Dirnen befchliefen, AaifjLovsq (i)aükoi genai 
find (vgl* oben zu Kap. 10, I3-)- ^^^ erßere Ben 
nungsweile wählte auch TertuUian (Apologet, cp. 2I 
Quomcdp de angelii quibusdam fua fponte corni| 



Kap. 13. V. 8. 201 

wurden yon oben*')j von den heüigen Wächtern 

eorruptior gens äaemonum evaferit etc (f. cu Kp, lo, 
13.). Beide fiiminen mit dem B. Henoch überein» 
und vrahrfcheinlich fcbwebt ihnen der vorliegende 
üusfpruch delTelben vor. Der gewöhnlichen , auch 
von Jufivms Martyr^ wie bemerkt, befolgten An- 
ficht» die ge&llenen Engel Dämonen zu nennen und 
ihre Sohne Qiganten^ huldigt Zofimus von Panopoliij 
wenn er berichtet (in des G. SynceUus Chronograph. 

p. 13 — I4O' ^'^ovctv af li^ai y^a(ptu i^rot ß/ßXoi, w 
yivoi, ori icri rt henfxlvmv yi^of S X^^^* yv^atiiv^ 
mm, ..^ rovro ouv i^tacav cti iq^tttat tue) $t7»t y^m<t>«tj 
ht alyytXöi hnStfjofffAV tcuv yvvatK&v^ uat M«rtA5ovra( iiiia^ftv 
si^-Af Mvr« rar ryjs <{>tVai»$ ej^y« * w¥ X'*^'^* 4^^'» ^^of- 
MfoCcaifTt^ aSw rou •Jpavbv a/btaivav, ort v«vra ra 
rovijfif UM fitfikv w^fXoCyr« r^v ^my^i^v illlaliait roO( 
ilp5f»irov(« *£(aJrwv ((>a^M0VO'iv ai «ur« 'y?'^^'*' 
Kai rou( rcYftVr«( ysy»v*jff$at^ t% Es lagen die 
9,heiligen Schriften oder Bücher , o Weib, dafs es 
9,eiA Gefchlecht der Dämonen gebe^ welches mi> fVei» 
tfherm ficK einlaffe* — * — - Diefs nun fegen die alten 
i,nnd heiligen Schriften, daCi Engel der Weiher he» 
ijgehrten (vgl. Henoch 7^ 2. 12« 5-^60 und ße nach 
i,tfcr€r Herabkunft alle Werke der Natur lehrten 
„(vgl. Henoch 7, 10. g» I — 8* 9$ 5*— 7* 10, II.J2.)ff 
„wefsbalb fie « heifst es , anßöfsig handelnd , aufser^ 
nkalh des Himmels blieben ( vgl. Henoch 10, 8 "^ 9* 

^tiI5-— 17. 14, 4*)» denn alles Schlechte und der 
nSeele nichts Nützende hatten fie die Menfchen gelehrt 
n(vgl. Henoch 7, 10. 8> I— ^8« 9$ 5- 7- lOi II. 12. 13, 
i,a. 3.)« Von ihnen, Jagen diefelben Schriften^ wurden 
itOttcfc die Giganten erzeugt (vgl. Henoch 7, II. 9, 8*)*^^ 

41) Die Giganten felbft find nach diefen Worten wie* 
ivt Urheber böfe^^ Geißer un4 awec deCihalbr, weil 



202 Kap. 15. V. 8. 

war ihr Anfang und urfpriingliche Griinda 
Böfe Geifier werden ße feyn auf Erden, t 
Geifier der Gottlofen werden fie genannt ward 
Die Wohnung der Geifier des Himmels foll fi 
im Himmel , aber aiif Erden wird feyn die W< 
nung der irdifchen Geifier , welche geboren m 
den auf Erden. 



von ihren VStern etwii Höheres (ße wurden g^fd 
fen von ohen^ d. h. , wie es gleich nachher erh 
wird, lle £nd die Erzeugten übermenfchlicher W« 
deren Sits eigentlich oben , im Himmel war) a^ 
übergegangen ift. Aus einem gleichen Grunde, 
iiien fie am Ende des Verfes irdifcht Geifier \ A 
diefer Ausdruck könnte allerdings überhaupt dieM 
fchen als Bewohner der Erde bezeichnen, allein t 
dem Zufammenhange ift gewifs die befondere W 
fcbenklafle gemeint, welche ihrem Uifprunge t 
theils den Sterblichen, theils den Himmelafa0l( 
nern angehörte. Ihre Erzeuger heifsen in diefiQttL 
Xammenhange heilige Wächter mit Rückßcht pol 
ren frühern Zuftand und auf die Befchaffeiil 
welche ihnen nach dem Willen des Scböpfera.# 
feyn foUte. Bei dem Gedanken, dafs dieCa SpP 
linge der gefallenen Engel ßch als bösartige pfpi 
ausweifen werden, yerweilt der VerfaOer. "ßf 
der Gottlofen {Lawrence mit dem Artikel: the tf^ 
of the wicked) könnte nur femitifche Ausdruclvtl 
für: „böte, gottlofe Geifter'^ feyn, fo dafa ddC 
»itiv das Adjectiram umfchriebe. Doch find-' 
einige andere Erklärungen möglich , als : fie Qo^ 
in den gottloren Menfchen thatige böfe FrincipV 
fie find das Ton den Frevlern (d. i. den abtrfinff 
GeiSem) abßammende Gefchlecht; oder endlid| 
find die Gaifter , welche einft die Frevler {jL M 



Kap. 15. V. 9. 203 

9. Die Geifier der Riefen (werden feyn wie) 
roIken^^)f welche bedrücken, verderben, fallen. 






gigantirchen Nachkommen der dem Himmel tmtrea 
gewordenen Engel) befeelten und nach dem Unter« 
gange derfelben zum Himmel nicht gelangten, fon- 
dem (TgL Y* 9.) unftat, den Wolken gleich, in der 
Luft umherfchwarmen , und Unheil anrichten, wo 
fie ei rermögen. Sieht man auf den griechifohen 
Text des Fragmentea , fo ift die letztere ErklSrung 
die aDein richtige; denn et beiTst dort rk wnofAearm 
rfiv Tiy»vTn9, woraus erhellt, dali der Ausdruck: 
,ydie Gottlofen** hier in einer gans fpecielUn Bedeu- 
tung Sehe« ,Go4ur in feiner Ausgabe des Symcsllus 
hat rk v^mrm rwv Fiyfliynov, in der lateinifchen Ueber- 
letsung daher: „inter Gigantea praecipui,<* Was 
wunderlicher Weife auch in fF. Dindorft Ausgabe, 
der die andere Lefeart nach Scaliger in den Text 
genommen hat, beibehalten ift. In dem letzten Ab- 
btze des Verfes: „die Wohnung der himmlifchen 
Geifter foU (man konnte auch ^^wird*^ überl^tzen) 
im Himmel feyn,** enthalt, wie es fcheint, einen 
indirecten Verweis für Samjaza und Cein« Mitver- 
brecher , welche diefen ihnen angewiefenen Wohn» 
platz yerlielsen (vgl* V. 2.)* ^** ^om Weibe Ge- 
hörne , fey es auch hohem Urfprungs , foll dagegen 
auf dem Orte verbleiben, welcher es ins Dafeyh rie£ 

42) Diefer und der folgende Vers find fiir die Anficht 
des Buches von den Dämonen von befonderer Wich- 
tigkeit. Denn fie enthalten gleichfam das Glaubens- 
bekenntnits nicht blofs des Verfaflers, fondern un- 
ftreitig auch feines Zeitalters über das Wefen und 
jUe Wirkfamkeit der Dämonen und bieten hochft in- 
tereffante Parallelen zu den in den Schriften des N.T. 
tegten Yorftellungen des jüdifchen Volfces in 



204 Kap. 15. V. 9. 

fireiten und verletzen werden auf Erden. 



der Periode der Entfiehung des Chrifientliui 

Faft jeder einzelne Zug des hier dargebotenen 

des findet fein GegenRück in den biblifchen i 

rungen und Andeutungen. Nur darin zeigt 

Unterfcbiedi dafa das B. Henoch den Urrpri 

Dämonen geradezu und mit dürren Worten 

1 lytof. 6. erwähntes Vermifchung der Söhne 

mit den Töchtern der Menfchen ableitet und J 

es (cbeint, als die Ton ihren Ungeheuern Leibei 

dem Tode derfelben getrennten Seelen bet 

während die heil. Schrift keine beftimmte Ni 

fuDg folcher Art darbietet. Nur Jud. V; 

aPetr. 2> 4* f welche Stellen auf das B. Henocl 

ficht nehmen , ift von gefallenen Engeln di< 

nicht aber von Dämonen in dem hier gemeintei 

Wenn Baumgarten • Crufius ( Grundz. d. bibi. 

S. 296— '70 Tehr richtig bemerkt ^ dals ,,eine 

r^aturt als die von Engeln , (in der Bibel) n 

mit dem Namen haifx6vim bezeichnet fey, am 

fien bösartige Menfchengeifier," fo gilt das all 

auch| wenn wir auf das Wort fehen« vom 

Henoch, allein der damit gleichbedeutende Äv 

bofe Geifter (vgl. Y. 8-) ^^ ^och hier von Z 

wefen gebraucht, die keines weges felbft Enj 

ren, fondem nur die Engel* und Menfchennj 

fich aufgenommen hatten. Einige AehnlicU 

diefer VorfieUung hat die Meinung des Jofepkn 

che er in einer fchon au Kap, g, 3. citirten 

(de bell. Jud. YII, 6. 0. 3. ed. Haverc) vo 

f {a B*«f«(). Dio Vergleichung Set Geifter i 



Kap. 15. V. 10. 205 

10. sie werden veranlaflen Wehklage. Keine 



giDten mit Wolken (die Vergleichungspartikel fehlt, 
wie fo oft bei den Semiten , weil fie diejenigen Ge-* 
genfiinde nicht feiten identificiren oder ohne Weiteres 
vAen einander Hellen, welche wir blofs als ähnliche 
' in einen Vergleich fetsen ; f. i MoC 49 , 9. 14. PC 
II» I* Biob 34, 5» Jef. 21, 8*) fteht nicht im griechifchen 
Texte. Vielleicht konnte man auch überfetBen: ,,£e 
werden in den Wolken feyn»** Cch in der Luft auf- 
halten und von dort aus ihre nachtheilige Wirkfam- 
keit iufsern. Denn mit Riickßcht auf den Ephef. 
3t 3. gebrauchten Ausdruck xar« rlv a^x^vr« ri^i iSou. 

eiui Tou «fj^o^i tov xwvfxaTO^ toi yCv •vf^oCvro; tv roT^ vtoU 

TiK «rttSkia$* betrachteten die Chriften früherer Zeit 
die Luft oder den niedern Wolkenhimmel als den ge« 
wohnlichen Aufenthaltsort des materiellen Geifterge- 
fchlechtes. Vgl. Ori^en^iExhcrtat. adMartyr. (Opp. 
T.L p. 303 ff. ed.delaRue.); L Auch Munf eher sDog" 
mengefcb. 3 Th. S. 37 ff. Diefe Vorftellung derfol- 
ben ift um fo verseihlicheri da fchon Pythagoras nach 
dem Berichte des Diogenes Laertius (De vitis, dog* 
matib. et apophthegmat. dar. philof. VIII, 4p. x. n. 

33.) behauptete Bivai rt xivra Tov Ai^a y^/v^^^ 
/firXfMV* Ktti rovrov; haifxova^ r« nai ij^tvci( vo/ud'^kc^oci * «»die 

f^ganztls^jt fey angefüllt mit Seelen und diefe würden 
,iDamoittfn und Heroen genannt.*' Vgl. auch Plutarch» 
QuaeS« Roman, p. 374. ed. Fraucof. 1620. : iJ x m 5 ^ y, 

mi^a K«i rh¥ Ct i^ovqav tov ovra ka« St&v mal ZAifji6)niiV fxi» 

9ri». Auch PfciZo (de Gigantib. p.363. ed. Tb. Mangey.) 
kennt diefe Meinung : ov; äXXoi ^üi6co(pot bai/uova( , »y 

YA«v( Mutffc MiuiSüß oyo/ua^«iv* -^^^ai V %t9t xafa riv aiqa 

«^/ufMif. Lafst man die Vergleichun'g gelten , fo 
wire in derfelben, abgefehen von dem Zufammen« 
bange, worin lio fich befindet» das Tertium compara- 



i06 «ap. 15. V. 10. 

Speife werden fie eflen , und fie werden du 

tionis wobl das Unftate , Flüclitige , befondei 

das Unheimliche, Gefahrdrohende einer fch' 

Wetterwolke * letzteres auch nach dem Satze, v 

unmittelbar nach der Vergleichung folgt. Wt 

von den Wolken ausgefagt wird, würde bell 

fen, wenn belebte Wefen als das dazu gehori| 

ject betrachtet werden könnten. Vielleicht I 

fich alfo der Ausdruck: ,,rie find Wolken j 

auf das Nebelartige der Geßalt, welche fich^ i 

taßung entzieht und nicht fefigehalten werden 

Der Sinn des Verfes iß dann fo zu falTen: D 

den Riefenleibern des gigantifchen Gefchlecl 

der Urzeit getrennten Seelen find, wenn das n 

liehe Auge fie erblickt, von fo unbeßimmten 

fen, von fo beweglicher Form, als wenn es eil 

kengebilde wäre. Allein es find nicht fo hi 

Gefchöpfe; denn diefe (vermeintlichen) WoU 

drücken y verderben u. f. w. Die alte Well 

baupt hatte keine Yorftellung von einer völligi 

kÖrperlichkeit der Geißer; rückfichtlich der 

nen machte fich daher diefe«: Glaube auch b 

Kirchenvätern geltend. Tatian (Orat. ad Gr 

I54> cd. Worth.) bezeichnet ixe als ac^iov -rviC/ua, i 

i{ xS^ aükov , Origtnes (Comment. in Joann. p. 

Huet.) wirft die Frage auf, ob der Teufel zui 

leinei Abfalles mit einem materiellen Leibe bd 

worden fey. Vgl. auch delFelben Schrift adi 

Ij. IV, (Opp. T. I. p. 572. ed. de la Aii«.) und 1 

hört, ad Martyr. (ib. p« 304.); IVlinuciua Fe 

Octavrf cp. 25 — 26. — Von dem» was im 

lönft au^fagt, ift ^^f allen** unßreitig ein Hm 

über Andere» wie der Zufammenhang lehrt; iii 

ehiCchen ftebt «biviTrovr« (infilient). VerUttM 

Silv. de Saey ,|Oonterent*S im Griecbifchen j 1 vt 



Kap. 15. V, 10. , -Q07 

Ee werden verborgen feynund nicht (immer) foUen 

«Vi T^f y^ (proßernent in terram). Im Anfange von 
V.IO. wird der Gedanke fortgeführt; daher überfetst 
Silv. de Sacy dort: ,,et luctum inducent/* der grie- 
chifche Text hat xa< h^lfxov^ xoioZ'jra (incurfus facient). 
Die meiften Au&drücke find von Kriegern und Kriega- 
fchaaren hergenommen. Ueher das feindfelige Betra* 
gen der Riefen gegen die Menfchen f« 7, n — i^ 
8f ^9- 9> I* 8 — 9- 10, 13. Ig.; hier ift von den aus 
ihnen hervorgehenden Dämonen die Rede, welchen 
diefelbe Luft zu Cphaden einwohnt. Vgl. was Ephef« 
6t II- I TheO*. 2, Ig* I Fetr. 5, g. vom Satan gefagt 
wird. Vgl. auch, was Lactantius (Divin. Inftitutt. 
L». IL cp. XV. in der ed. Paris. 174g. T. L p. 175 — 6.) 
von deti Dämonen erzählt: „Hi, ut dico, fpiritus 
contaminati ac perditi per omnem terram vagantur 
et folatium perditionis fuae perdendis hominibua 
,,operantar. Itaque omnia infidiisj fraudihus^ dolis^ 
erroribus compUnt; adhaerent enim Ilngulis homi* 
nibud •t omnes ofiiatim domos occupant ac fibi ge- 
^,niorum nomen alTumunt. -^ — Qui quoniam funt 
fpiritus tenuei et incomprehenlibiles , inlinuänt fe 
corporibus hominum et occulte in vifceribus ope- 
rativ vaUtudinem vitiant^ morhos citant^ fomnüs ani- 
' p^mos terrent , mentes furorihus cjuatiunt^ ut bomines 
,,hii malis cogant ad eorum auxiliadecurtere.*^ Man 
erinnere üch an des Ebeteufels Asmodi Uebeltbaten 
(Tob. 6, 14.) » an die damonifchen Krauken des N. T. 
und ähnliche Erzählungen aus alter und neuer Zeit« 
Nach Porphyrius (De abftinentia ab efu carnis Lib. I.} 
find die Dämonen die Urheber und Anfiifter allea 
BöCan auf Erden und zufolge ihrer natürlichen Bös« 
•xtigkeit zu' allem Böfan fähig. Sie erregen Krank'- 
ktiien^ hefonders diePefif Hungennotk^ ErJUebenf 
Ifiige Sonnenhitze i fie lauern den Menfek4n auf 



99 
99 



99 
99 



99 



^» 



208 Kap. 15. V. 10. 

fich erheben ^^) die Geißer gegen die Söhne der B 



und bringen fie oft in plötzliche Lehensgefakr^ l 
Handel f Aufruhr^ Krieg und Blutvergiejsen,^^ 
den Auszug, welchen liorß in der Zauberbibl 
2 Bd. S. 395 S^ aus diefem Buche gemacht bat. 
43) Silü, dt Sacy bemerkt hier, dafs der Sinn i 
bejahenden Ausfpruch Itatt eines verneinei^dei 
fordern fcheine. (L.) Seine Worte lind : ,,DieIi 
gation ift wahrfcheinlich zuviel ; im Griechirebei 
det ße Cch nicht. *< Das Fragment beim Sjmc 

Tagt nämlich ; Ka< •^avacrvicovrai rot xviw'yuarar« j 

fcheint der Gedanke mit V. 9. im Widerrprud 

ßehen, wenn man die Negation zulafst; denn 

von den Geißern Bediückte, Ueberfallene u. 1 

ift doch unfireitig das Menfcliengefcblecht. In 

Hand üe doch auch in den von Laurence benlif 

athiopifchen Texten, wie aus feiner Ueberfeti 

erbellt. Denn er gibt den Satz : „and fhall nof 

up^^ mit Uebergehung des Subjectes ^ydiefe Geil 

weil diefes fchon im Vorigen lag; doch fand 

diefe Wiederholung deflelben allerdings im Aetki 

fchen nach der von ibin beigefügten wörtlidt 

Uabertragung : ,,and thofe fpirits fh&ll not rifö t 

und nach Silv. de Sacy: ,,et non infurgent fpii 

illi fuper iilios hominum** etc. Letzterer fuchfc' 

ner Yermuthung « dafs die Negation zu Itreich«a 

dadurch ein gröCieres Gewicht zu geben, dals 9^ 

£ufugt : „Ueberhaupt ift das Ende diefes Kapitdl^ 

das folgende Kapitel voller Fehler, und etwaa itt 

Handlich (peu intelligibles)/* Indefs ift diefs 4^ 

jtient durdh Laurence^s Uebetfetzung völlig entf 

tet ; f. Anmerk. 44. Ich glaube , 6s lUfit fich $i 

Aethiopircheu Stehende dennoch rechtfertigen, ^ 

hh in den Anfang von V. lö. wird des Unglücktf 



Kap. 15. V. 10. 209 

I 
t 

und gegen die Weiber ; denn fie kamen hervor 
ährend ' der Tage des Blutvergiefsens und der 
emiditung. 



dacht,, welches jene heillofe Geißerbrut in der Welt 
anrichtet. Darauf fucht der Verfafler die Furcht, 
welche jene Angaben nothwendig herbeiführen mufs- 
ten, SU mindern, indem er hinzufügt, diefs werde 
nicht immer fo bleiben , fondern bald trete die Vor- 
fehung dazwifchen und vernichte die fchädliche Wirk- 
famkeit derZwittergefchopfe von Engeln mitmenfch- 
licben Dirnen erzeugt. Daher heifst es (nach Silu^ 
ds Saey*s Ueberfetzung) : ,,nihil erit, quod comedant, 
frumentum et fitient et occulti erunt** u. f. w. Der 
Sinn ift nämlich: fie gehen zu Grunde; denn fie ha- 
ben nichu , wodurch fie ihr Dafeyn friften konnten. 
Das Verborgenwerden der Geifier iß; bei diefer Auf- 
faflung von einem Verfchwinden aus der Menlchen 
Mitte zu verflehen , von einem Aufhören ihrer ver- 
derblichen Wirkfamkeit. Um (liefen Zufammenhang 
anfchaulich zu machen, habe ich daher die Zeitpar* 
tikel ,, immer** eingefchobcn , wie folcbes Ergänien 
TQn Zeitpartikeln auch im A. T. zuweilen nöthiv 
wird; vgl. Gefenius zU Jef. 5, 30. Die Schlufsworte 
filTe man entweder fo : ihre Geburt fiel in die Zeit, 
wo das Strafgericht nicht länger verzog, oder man 
fache in denfelben den Grund des ihnen angedrohten 
Gefchickes : weil Blutvcrgiefsen und Bedrückung die 
Begleiter ihrer Erfcheinung waren. Letztere Deu-- 
tong iß jedoch etwas hart und gezwungen. Der 
griechifcbe Text, welchem Silv» de Sacy hiet folgt, 
bat einen ganz andern Gedanken ; .die böfen Geiiter, 
Tagt er, werden Männer und Weiber angreifen, ort 
S «M-Mv tSaktikCBet^u Ihre Befehdung gründete fich dem* 
nach auf ihre Abfiammuug vonMenfchen; man follte 

Bach Henoch. 14 



210 Kap. 16. V. 1. 

K a p. 16. 

1. Bei dem Tode der Riefen, wohin a 
ihre Geifier gewandert feyn mögen aus ihren t 
pern, lafs das, was fleifchl ich in ihnen ifi, un 
geheji vor dem Gericht. So werden fie untei 
lien bis zum Tage der grofsen Vollendung 
grofsen Welt. Statt finden wird eine Vollendi 
der Wächter und der Gotllofen ^). 



eher dai Gcgcntheil erwarten, dafs fie wegen ( 
fer Vcrwandtfchaft fcbonen würden. Silv» de S 
iiberretztdenigcniärs,,quiayenerunt (ab eis),, undl 
nusdriichlich , dafs er die Worte ,,ab eis'^ nach i 
Griecbifoben fupplire, wäbrend der ätbiopifcheUel 
fctzcr das AVort venerunt mit dem Worte a ixk 
(d. i. mit dem zunachft folgenden Satze) verbix 
wie diefs die Abtboihuig des Kapitels darthue. 
macht nämlich nach „venerunt (ab eis)^* einen 
fatz und beginnt mit den Worten „Ab diebus^* e| 
neuen Satz, der aber iinvollltändig ift und kei 
Sinn gibt. Vgl. auch Anmerk. 44. — Denken 
uns die Negation hinweg nach Anleitung des gris 
fchen Fragmentes, fo ifi: der Sinn des Verfes difl 
gewöhnliche Speifo und Trank nehmen jene Spi 
linge der Geifter nicht zu Heb, der Menfch fieli 
nicht, defio üchereb können fie ihn angreifen; fiil 
drängen aber den Menfchen, weil itir Urrpnun| 
die Zeit fällt, wo Bedrückung an der TagesorU 
war (Kap. 7, n £F.). 

44) 7\i1^: ©ö?V: A^:^tOa; 1>*' 



Kaps 16. V. 2. 211 

V 

2. Und nun zu den Wächtern, welche dich 



tet diefe Stelle als dunkel und verfiellt, und übetfeut 
fie daher nur KumTheil. Ich habe nichts defio weni- 
ger yerfucht» fie ganz zu geben, dafs keine zu groCie Lü- 
cke im Sinne Torkommen möge. Seine Ueberfetsung ift 
diefe: ,«quia veneruiit (ab eis). Ah diebus occifionia 
„et ftragis — (cap. XVI.) et mortis gigantum qui — 
,,— fimiliter peribunt, usque ad diem judicii magni, 
^,(quod) conCummabitur a vigilibus et impiis/^ Ich will 
hier den griechifchen Text der Stelle, wie er bei G. Syn* 
cellus erb alten ift» beifügen : cn §$ «vr&uy HtXv^iiSaoi * 

tuii ixh >]fUMr( nat^oC ^«V»);» kai aTwXfii«; xfti J9avaro'v r£y yt» 
yivno¥ vm^ikitfx mal t^x^9^* ^^^ 7^.^i ^^ fiayoA.o4 ovofta^r»/^ 
ra xvwftftra ra fKTo^iVo/xiv« iro rtji yi^v^^i aurcuv, <u( nc 

X));^ av j fticbv d /xrya( rfX80'5>)^«ra( , «(})* airoc§ i/mou t«Xa- 

€$vi^rai. (L.) Die letzten Worte des Verfem lauten 

im Aethiopifchen» wieLaurence andeutet: »»Es wird 

Vollendet werden in Betreff der Wächtes»*^ nämlich 

das von Gott BefchloITene ; Silv. de Sacy glaubt das 

Werk der Wachtet und Gottlofen (er überfetet: con« 

(ammabitür a vigilibus et impiis), was aber nicht 

recht in den Zufammenhang paflen würde » auch 

durch den griechifchen Text nicht empfohlen wird* 

Uebrigens fiinimen der athiopifche ujid griechifche 

Henoch hier in mehrern Sätzen nicht wörtlich über- 

^) vgl. über diefe Abweichungen den iftenExcurs. 

Du Fragment beim Syncellus (p. a6.) bricht hiet 

abermals ab. Da Syncellus bauptßchlich die Strlled 

14 * 



212 Kap. 16. V. 2. 

gefendet haben , für fi« zu bitten p welche 



über die *^^iiyo^oi aushebt, fo foUte man a 
übngen Tb eil diefes Kapitels bei ihm noch e 
Zweierlei ifi es » was diefer Vers von den i 
ausfigt. Etfilich folle ihr Körper der Ye 
Preis gegeben werden, wie alle menCchlichen 
iind zwar noch ebe das Gericht kommt; 
ift wohl nach Kap. i, 6. Kp. 2. 1o, 4« 27. di 
Fluth SU vergehen, vor welcher die Riefen d 
genfeitige Befehdung Geh felbft aufreiben (T. 
13. 15* 12. 7- 14» 50* Will man es von d< 
tigen Weltgericht deuten (vgl- lO, 9. 15 — 
liefse fich diefs auch vertheidigen , da im B. 
beide Acte der göttlichen Gerechtigkeit nicl 
mit einander vermifcht werden (vgl. Einlei 
und Anmerk. zu Kap. 10 , 27. } ; indefs fch 
erftere Anllcht die richtigere. Der Angerec 
untergehen) ift unftreitig Henoch (vgl. V« 2. 
vorhergehende Kapitel); weil er im Namei 
die Strafe ankündigt, wird er« wie es bei d 
fiamentlichen Propheten auch der Fall ift (Je 
▼gl* 3I> 28-; 15» I- Ezech. 13, 19. Hof. 6, 
VolUtrecker derfelben dargeftellt. Vgl. auch 
Aeneis VI, 65 ff. und Heyne z. d. St., der m 
bemerkt , dafs es eine Verwechfelung des jfi 
und praedicta eßicere fey. Eine folche erl 
aus der Erfahrung, ^^fs die wahre Prophc 
in Erfüllung geht und wenn der Seher alC 
etwas vorausCsgt, fo kann diels nicht ausbieil 
Erfolg nun , welchan feine Prophezeihung a 
lüg hat, wird als fein Werk betrachtet. Dai 
was der Vers von den Giganten fagt, ift die ' 
rang, dafs ihr Frevel nicht ungeahndet. bleib 
pie. 'VenrtfuBf ihrer Körper }(önnte man 



Kap. 16- V, 2—3. 213 



inge im Himmel waren ^)f 

3. (fprich): Im Himmel feyd iht gewefen; 
^eime Dinge zwar find euch nicht offenbart 



auch fchon als Strafe ansufefaen geneigt feyn. Aber 

fie ift yielmebr uotbwendige Folge ibrer lialbnienrcb- 

lieben AbfiammuTig und es bedurfte daber , um der 

göttlichen Gerechtigkeit zu genügen, noch eines 

befondem Strafactes gegen fie und gegen ibre verbre- 

cherifchen Erieuger. Der Untergang der Giganten 

tritt ein vor der Fluth; darum beifst es: ,,bis zum 

Tage der grofsen Vollendung der grofsen Welt. *' 

Im griechifcben Texte find diefe Worte in diefem 

Zufammenbange : die Giganten werden ibr Unwefen 

treiben bis zum Tage des Gerichts. Es liegt hier ali'o 

die Vorftellung zum Grunde, dafs fie erft in der Fluth 

das Verbangnifs ereilt, welche auch im B, Henoch 

fonfi noch vorkommt; f, Kap. 66» Auch die Väter 

der Giganten werden gezüchtigt , wie a\icb nach 

14, 3 flF. vgL 10, 6 — 9. 15 — 17- 13. 1 — 3- 

45) Vgl. 12, 5* I5f 2* — Vor V. 3. ift unßreitig der 

Begri£F des SprecherCs zu ergänzen, wie Icbon Silv, 

de Sacy und Laurence gefüblt baben; bekanntlich 

ift diefs bei den bebräifchcn Scbriftftellern gar nichts 

Seltenes (vgl. Gefenius Lebrgeb. d. bebr. Spr. jj. 233, 

a ). Der Anfang des 3ten Verfes lautet bei Silv. de 

Sacy: ,,£e nunc vos-autem in coelo fuifiis;'' die Co- 

pola auch hier, wie oft (f. zu Kap. 15, 3.), ohne 

izü Laurence tie ausdrückt. Der Himmel wird hier 

als der Ort gedacht, wober alles höhere WifFen Rammt; 

Dicht alles aber, was dort allgemein kund ift oder 

doch einem Theile feiner Bewohner mitgetheilt wird, 

eignet Cch für den Erdgebornen , fondern wird in 

üainer Hand zum Unfegen. Die griechifche Sage 

TOD Prometheus und Deiner Etttwendüng des Feuers 



214 Kap. 16. T. 3 -*- 4. 

worden ^ doch habt ihr geWufet ein ruchlofes 
heimnifs. 

4- Und diefs habt ihr Erzählt Weibern in 
Härtigkeit eueres Hertens, und durch di 
Geheimnifs haben Weiber und Menfchen ven 
facht 4ö) Uebel auf Erden. 



aus dem Himmel, um es den Menfchen zu brin 
enthält fchon den Gedanken von einem Betrüge, 
durch der Erdbewohner das Göttliche an lieh sa 
fsen trachtet, aber auch die Andeutung der travr 
Folgen; denn das Menfchengefchlecht yerfinki 
Folge des Feuerraubes durch des Zeus verderliUi 
von Epimetheus unvorfichtiger Weife angenon 
nes Gefcbenk (die Pandora) in ein mübevoUes Dal 
Vorzüglich denkt der Verf, des Buches Henoch % 
an magifcbe Formeln, Namen Gottes und dergleic 
wodurch Zauber verhangt und gelöft werden 1k8 
Silv, de Sacy lagt : „ et arcana jam non mani 
«ruitt vobis et vile myßerium cognoviftis. ** ' U 
dem, was ihnen bekannt war und fie nach V. ^ 
Weibern mittheilten , ift alles das zu verftehen, 
Kap. 7, IG. g, I. 2 — 8* aufgezählt wird; vgl. I 
9» 5—7- lo, II- 13, 3. 
46) Silv. de Sacy hat das Futurum „multiplicabttf 
wahrend Laurence das Präteritum wählte. Der 
ausgefprochene Gedanke, dafs die Mittheilnngea 
Seiten der Engel an die Weiber böchft nachtbi 
wirkten, kommt oft vor; f. Kap« g, i — 2* 9»' 5" 
9. 12. 10, 10—12. 25. 27. 13, 2 — 3. Vgl. hi 
Martyr. Apolog. brev. (p. 92. ed. unius ex coii| 
StiMauri.^^ Epiphanias adverf. haeref. L.I. (Ofm 
(T. L p. 4« ed. P«rau. ), Zofimus von Panopüli 
G» SjnceUus Chronogr. p. 14. , TertulHan de € 
tomaa^, I, lo», deren Ausfegen fchon S. 127I 



Kap. 16. V. 5. 215 

5. Sage zu ihnen : Niemals ^O alfo Werdet ihr 



301 und 141. mitgetheilt worden Und. Clemens von 
Jlexandrien (Stromat. L. V. p. 401. ed. Syiburg,) 
fcheint auch diefe und ähnliche Ausfpiüche des Bu- 
ches Henoch vor Augen gehaht zu haben ; denn ec 

lagt: QU ^^ KaMaiv« rpo{5>j<ro/x8v, wq 0/ ayyhkoi tMivot 
•t riy «VW xXiji^ov ttA.»}^^^'^) Karokt^Si^cavTh g 

Z^a r» •<( y^tuotv avTuiv a(p7Krt» MfVrTOvrwv twv oX- 
Xan «yytAan», fxakXov ha T>y^oDvTwv %tg t>jv toü Kvqiou ira- 
gweimv * txti^fv ij r^ x^ovoia^ iiSaO'xotA.ia *^^(.'») • k«« ^ Ta,v 

fUTtw^vav mTOKakhyt'ti, 9, Welchem (dem in einer frühem 
,, Stelle der Stromata Bemerkten) wir das noch bei- 
, , fügen wollen, dafs jene Engel ^ welchen das Loos 
jjoben zu Theil geworden war^ zur Wollufi herabge' 
y^funkeny den Weihern die Geheimniß'e bekannt mach' 
jften^ Und fo viel zu ihrer Kennt nifs gelangte y wlib- 
^rend die andern Engel (es) verbargen oder vielmehr 
^aufbewahrten bis zur Erfcheinung des Herrn; da- 
chet flofs die Lehre von der Vorfehung und die Of- 
„fenbarung des Erhabenen.** 

47) Vgl. 6y 5. 7. 12, 7. für den Ausdruck und Gedan« 
keo; als Realparallele f. 13, 2. 14» 2. Verglichen 
tu. werden verdient die Darfiellung 3es Lactantius 
(De t)rigin6 erroris cp. XV. ed. Lut. Paris. 174s« 4) 

. von dem Benehmen der gefallenen Engel und ihrer 
Ausfcbliefsung vom Himmel. ,, Cum ergo, faeifst es, 
numerus hominum coepiflet increfcere, providens 
Dens, ne fraudibus fuis diabolus, cui ab initio terrae 
dederat potefiatem, v^l corrumperet homine^f vel 
difperderet, quod in exordio fecerat, mifit angelos 
ad tutelam cultumtjfue generis humani: quibus quia 

•liberum arbitrium erat datum, praecepit ante omnia, 
ne terrae ^ontagione maculati^ fubfiantiae eoelefiis 



fr 

»1 



216 Kap. 16. T. 5, 

Frieden erhalten^ 



amitter^nt dignitatem, Scilicet id eos facere pro 

buit 9 quod Tciebat elTe facturos , ut veniam fp^r 

non pojjent^ Itaque illos cum faominibus commor« 

tes dominator ille terrae fallaciilimus confuetud 

ipja paulatim ad vitia pellexit et mulierum congrt 

hus inquinavit. Tum in coelum ob peccata^ aui 

fe immerferant y non reeepti ^ ceciderunt in terrü 

Sic eos diabolus ex angelis Dei fuos fecit fstelli 

ac miniftros. Qui autem funt ex his proer eati ^ •, 

netjue angelij neaue homines fuerunt^ »fed m^Ü 

^uandam naturam gerentes (vgl. Henoch 15, g. 16, 1 

xion funt ad inferos recepti, Iicut in coelum parei» 

eorum. Ita duo genera daemonum facta funt; um 

coeleße, alterum terrenum. Hi funt immundi fpi 

tua, malorum^ tjuae geruntur^ autores (Henoch 3 

9. 10.), quoruqi idem diabolus eft princeps. InO 

lieber Weife fpricht er lieh auch anderwärts (K; 

tome divin. inftitt. cp. XXVII. T. II. p. 17. d. ang 

Ausg.) aus. Der Teufel babe, meint er, nach ITi 

fübxung dar Frotoplaften nicht aufgehört, die Ml 

fchen zu verderben und zu verfolgen. ,,Quod Dfl 

cum videret, Angelos fuos mißt 9 ut vitam homimB 

excolerent eost/ue ab omni malo tuerentun His ipi 

datum dedit, ut fe terrenis abfiinerent^ nt ^ua lä 

macuUitif honore angelico mulctarentur, Sed 

quoque idem iUefubdolus criminator» tum inter b 

minea commorantur, illexit ad voluptates^ ut ft ei 

mulieribus in(juinarent (im B. Henooh ift diefs T* 

Samjaza gefchehen; £ Kp. 7, 3 ff.). Tum damü^ 

fententia Dei et ob peccata projecti et nomen ang^ 

rum et fubfiantiam perdiderunt^ Ita diaboli Gitidl 

tes facti, ut haberent folatium perditionis fuae^ 

perdendos hominea fe converterunt , quos ut 



Kap. 20. T. ii mi 

Kap. 20. ^) 

1« Fplgendes £nd die Namen der Engel, 
welche wachen ^^ : 



tur, advenerant.'* Silv, de Sacy, welcbar die letz« 
ten Worte überfetzt: ,yltaque non erit eis pax,«* 
▼erläfst uns hier, und nur einen Theil von Kap. 22. 
imd Kap. 31. bat er in feiner oft erwähnten Notis 
nocb übertragen. 

4g) Diefes Kapitel ift in der Handfcbrift fo benannt, 
doch fcbeint es offenbar hier an einer unrechten Stelle 
zu fteben, und unterbricht den Sinn der Erzählung 
fo auffallend y dafs ich gewagt habe, es hier einzu- 
rücken , wo es als eine Einleitung zu den folgenden 
Kapiteln durchaus nothwendig zu feyn fcheint. (L.) 

49) Diefe Stelle ift für die Deutung des Ausdruckes 
Wächter ftatt Engel im B. Henoch wichtig; es er- 
hdlt nämlich daraus-, dats er urrprünglich durchaus 
keine üble Nebenbedeutung hatte, fondern die Engel 
als Wefen bezeichnete , welche die Aufücht über ir- 
gend einen ihnen anvertrauten Gegenfiand führen, 
gleichfpm ihn bewachen. Darum wird in den fol- 
genden Verfen das fynonyme „(gefetzt feyn) über et- 
was** dafür angewendet. In diefem Sinne fafsten 
wir auch Kap. t2« 2* Die Behauptung Hävernick^s 
in feinem Commentar zum Daniel (S. 141 — 2O» 
welcher mir fo eben zu Geficht kommt, dafs Wäch- 
ter im B. Henoch „den höhern reinen Genien , in de- 
ren Gemeinfchaft fich Gott befindet, entgegengeftellt/* 
und „als die unreinen Wefen, die die Menfchen ver« 
führen, gedacht*^ würden, ift alfo nicht richtig. Nur 
in den meiften Stellen find die gefallenen Engel fo 
genannt (f* Anmerfc. su Kap. 12 f 3.}; dafs andere 
Eag^ Wim kSh0rH Rang gehabt batteot ala Sam- 



218 Kap. 20. V. 2— 3. 

2. Ilriel, einer von -den heiligen Engel 
welcher (gefetzt iß) iiber Lärmen und Schrecke 

3. Ilaphael, einer von den heilige^i Engel 
welcher (gefelzt über) die Seelen der Menfchen. 



jaza, Azazjel u. f. w. » wird nirgends gelagt und. 
alfo fälfchlich vorausgefetzt. Am wenigften bal 
aber unfere Stelle (S. 21* [der Ueberfetz. von La 
rence^^ für jenen angeblichen Sprachgebrauch d 
Buches als Beleg citirt werden dürfen ; denn hier IL 
die Wachenden Uriel^ Raphael^ Raguel^ Mickm 
Sarakiel und GabrieL Die Erklärung des Hieron 
muSf welche er sn Dan. 4, 10. ausfpricht: „(Wie 
ter) fignißcat angtlos^ {/uia femper vigiUnt et i 
Dei imperia ßnt parati^*'^ gilt im Ganzen auch vo 
Sprachgebrauche des Buches Henoch. Die Deatoi 
des hebräifchen Wortes 'Vif oder iy durch T^S Bß 

( Hävernick a. a. O. S. 145. ) halte ich daher für vc 
unglückt. Wenn die Propheten Wächter beiCia 
fofoll diefe Benennung nach Hävernick (a. a. O. S. x/fi 
dem Engelnamen nicht ahnlich feyn , wobei er fii 
auf Baumgarten' Crufius (Grundz. d. bibl. Thec 
S. 2g2.) beruft, welcher indefs nur gelegentlich inc 
ner Note und ohne Gründe beizufügen, ßch dali 
ausfpricht: «»Die Vergleichung der Propheten n 
Wächtern hat einen ganz andern Sinn, als jener K 
gelname: Beobachter des Volkes und Verkündig 
der göttlichen Gerichte. ^^ Der NAme ift hier w 
dort eine uneigentliche Bezeichnung , ein bildlich« 
Ausdruck ; der Prophet hat in feinen Functionen c 
was, worin er dem Wächter verglichen werden kai 
und die Engel ebenfalls in den ihiigen (vgl. Anmei£ 
SU Kp. 12., 20* Wenn nun auch die VerhältnilC 
um derentwillen jener und diefe den genieinfchal 
lieben 'Namen tragen, nicht diefelben liud, fo sei 



Kap. 20. V. 4. M9 

4. Raguel*^), einervon den heiligen Engeln, 
welcher verhängt Strafe über die Wdt imd die 

Lichter« 



doch die Wahl jener Bezeichnung für beide , Jafs 
dort und hier Eigenfchaften vorliegeiiy welche der 
Wichter hat und haben muTs. — Ueber den Gedan- 
ken des Verfes vgl« au^li 74, l. 
50} Von den fechs Engelnamen , welche hier vorkom^ 
men, find Uriel^ Rapkael^ Michael unA Gabriel he^ 
kannt genug, auch fchonzu Kp. 9, i. berück&ch- 
tigt. Raguel kommt in den kanonifchen Büchern 

des A. T. nicht vor, fondern nur Reuil (bNW^)f 

B. B. als Name eines Sohnes von Efau ( i MoC 369 
4. lO.)» des Vaters von Jethro (2 MoH 2» Ig. 4Mof. 
10, 29*) u. f. w. Dagegen ift er im Apokryphen 
Tobi ziemlich häufig ("Payou^X) und die Alexandrini- 

fehe VerCon gebraucht ihn ftatt des hebr. vN^SH 

in den angegebenen Stellen, woraus erhellt, dab 
beides identifch fey; auch die eine fyrifche Ueber- 
fetzung des Buches Tobi hat die dem hebraifchen 

genau entfprechendeForm ^)Q^$9 während freilich 
eine andere gewöhnlich gräcißrend ^|q^9 fchreibt 

(L Jlgen die Gefch. Tobias überf. S. CLXX. d. Ein- 
leit. vgl. S. 225. ). Die Bedeutung des Namens ift 
nach Gefenius (Worterb. unt. d. W.) Wille Gottes^ 
worin ihm Winer ' (Lexic. man. Hebr. et Chäld. 
p. 919O beifiimmt; Ilgen dagegen (a. a, O. S. 225*) 
erklärt ihn durch paßor divinus , fociuSf amicus Dei, 
^iXoc ToC Sbov ^ überfieht aber dabei offenbar die Fe- 
mininalform (H^V^ nicht amicus^ fondern amica), 

welche hier wohl am beßen als Abßractum aufgefafst 
wird (n^in im chald. Wille y im hebr, deß4erii*m)* 



220 Kap. 20. V. 5—7. 

5. Mlchady einer von den heiligen Engel 
welcher, (gefetzt) über menfchliche Tugend, < 
Völker beherrfcht. 

6. Sarakiel *'), einer von den heiligen Engd 
welcher (gefetzt) über die Seelen der Kinder d 
Menfchen, welche fündigen. 

7. Gabriel, einer von den heiligen Engel 
welcher (gefetzt iß) über Ikifat ^^) , über das F 
radies und über die Cherubs ^^). 



51) Diefer Engelname fcheint mit Sarakujal, welcl 
Kap. 7, 9. Torkommt, einerlei Bedeutung zu häba 

ich leite es ab von !]^D princeps und IN Deui ; ^ 

gewöhnlich beide Worte durch i verbunden. 

52) A,M,nX4 Diefs fcheint ein nomen proprium : 
feyn. (L.) Ware das Wort urfprünglich äthiopiCt 
was aber wohl nicht der Fall ift, fo niüfste man d 

A^ vorn wohl für die Negation halten. Wahrfchei 
lieber betrachtet man es als verßüinmelt Griechifc 
Stand vielleicht im hebräifchen Originaltexte NGS 

{dtr ThroHf i, i. der [bekannte] Thron Gottes) u^ 
wurde im Griechifchen als vermeintliches nomen pf 
prium und nach ihm wieder vom äthiopifchen UtiH 
fetzer beibehalten? 

53) Vergleicht man die Gegenllande, über welche di€ 
6 Engel die Oberaufficht führen (zu Y. 2* bemer 
Lawrence in einem NÖtchen als wörtlichere Uebl 
fetzung : ^^denn [er ift es] , welcher [iß überj *<) , 
£illt es bei maiychen derfelben auf, dafs gerade fie i 
Her folchen bdfondern Oberleitung gewürdigt w< 
den , s. B. V. 2. Lärmen und Schreck , oder zweL 
übertragen wird, wasEiner» wie man glauben foUl 
recht wohl sufammon verwalten könnte , wie wtf 
naeb V. 5^ dem Raphael die Seelen der Menfch 



Kap. 17, V. 1. 22t 

K a p. 17. See t. IV. ») 

1. Sie hoben mich in die Höhe an e^nen 
Blatz, wo da war die Erfcheinung eines bren- 

und nach Y. 6p dem Sarakiel die Seelen der Kinder 
der Menfcben, welche fündigen ^ sugetheilt find. 
Indeb labt lieh auch manches* xur Yertheidigung Ta- 
gen. Lärmen und Schreck find in der Hand der Vor* 
fehung oft Mittel zur Herbeiführung wichtiger Er* 
eigniHe geworden, können riel Unheil reranlafien 
und verdienen daher forgfaltige AufQcht. Nach Kp. 
74, 7« ift übrigens Uriel über alle Lichter gefetzt» 
wovon hier nichts gelagt wird. Raphaers Wir« 
kuDgskteis fallt mit dem des Sarakiel auch nicht ganz 
zufammen i er hat die menfchlichen Seelen überhaupt 
imter fich , für Sarakiel find davon eximirt die Kin* 
derfeelen , welche durch die Sündhaftigkeit der Ael« 
tem leicht der gröfsten Gefahr für ihre Sittlichkeit 
•usgefetzt find. Dafs die Lichter (des Himmels) auch 
fehlen können, lehren Kp. 13, 14 — 16/21, 3 — 4.; 
darum hat Raguel die Macbt, Strafe über fie zu ver- 
hängen. Mit dem Faradiefe find die Cherubs in Ver- 
bindung gebracht nach der Erzählung i Mof. 3, 24., 
wie denn überhaupt das Buch gern die Angaben der 
Genefis, nicht blofs den Abfchnitt von der Sintfluih 
berückfichtigt;^f. 22, 7. 31, 2 — 5« 
54) Nach dem Parifer Manufcript, in welchem zwar 
der Titel von Kp. 17. weggelaflen, aber der Abfchnitt 
angegeben ift. (L.) Schon aus den erfien Worten 
des Kapitels, fo wie aus allem, w^& in denvfelben 
und dem ganzen zunächft folgendeii Abfcbuitte er- 
zählt wird,^fieht man, d&fs Laurence völlig Recht 
hatte, wenn er behauptete, der Inhalt von I^. 20« 
lehöre vor Kap. 17 ff. Man würde fonft gar kein 



222 Käp. 17. V. h 

neu den Feuers; und wenn es ihnen gefiel, fo 
men fie die Geßalt von Menfchen an ^^). 



Subjtfct SU den Sätzen im Anfange von K|). 17 
ben ; denn Kp. l6* war zuletzt von den gefiilj 
Engeln die Rede, welche hier gar nicht in Beu 
kommen können. 

■ 

55) Henoch wird alfo geleitet von den Kp. 2Ö. nan 

gemachten Engeln. Bald nimmt der eine von ih 

bald ein anderer das Wort. Am bäuBgften fjfi 

XJriel; f. 19, i. 21, 3. 6. 26, 2. 32, 2. Aufsei 

redet Raphael (f. 22, 3. 6. 31, 5-)» '^W"'^ (f» 2^ 

und Michael (f. 24, 4.) in diefem Abfcbnitte. 

Kp. 18» 15« vorkommende unbenannte Engel iftw] 

fcbeinlicb auch Uriel. Es fcheint /dabei auf die ^ 

iheilung der Gefchafte unter die fechs Engel Ri 

ficht genommen zu fcyn, fo dafs jeder den Hen 

über die Dinge belehrt, welche zum Kreife fei 

Verrichtung gehören. DIefs ift denn wohl auch 

Grnnd ^ dafs ihn nicht blofs einer derfelben begle 

und die nÖthigrn AufTcblüAe gi()t, fondern alle £e 

ihm auf diefer Reife durch die verfchiedenen Gt^ 

den des Himmels und der Erde zur Seite fteh 

Nicht überall läfst fich nachweifen , was die etiu 

nen Züge des vor uns aufgerollten Gemäldes bed 

ien follen. So ift fchon in diefem Verfc nicht k 

was der Platz mit dem brennenden Feuer fey. Ue 

der Erde liegt er nach der Yorflellung des Verfafli 

da die Engel den Henoch in die Hohe heben, 

ihn dorthin zu verfetzen. Der Bericht fpringt d 

y. 2. logleich auf einen andern Gegendand üb 

Soll es violleicht Symbol Go,ttes fejn, wie in < 

bekannten Erzählung vom brennenden Bufch ? £>< 

gefiebö ich aufrichtig» dafs mir diefs dem Zufammi 

hange nkht eben gemäfs fcbeiat* An die Sonoe 



Kap. 17. V. 2. 223 

« 

2. Sic führten mich düf einen hohen Ort, auf 
einen Berg, deflen Spitze bis zum Himmel reichte. 



denkefly tfriU mir ebenfalls nicht recbt gefallen. Üäetk» 
würdig find die letzten Worte des Vetfes * denn fie 
fprethen die, wenigfient in den fpatern Schriften des 
A. T. (vgl. Dan. lo, i6. tgK V. 5 ff.) faer^Cchende» 
Yorftellung aus« dafs die Engel, ivo fie als Menfchen 
erfcfaeinen , nur MenfchengeAalt angenommen haben 
und rielleicht enthalten Ce den SchlüITel au dem vor« 
hergehenden, den Worten nach zwar leicht vtrftänd«» 
liehen , aber dem Sinne nach ziemlich dunkeln Satse^ 
wie fogleich gezeigt werden folL Nach Tob. x^, 19« 
hatte Raphael, welcher den jungen Tobias begleitete^ 
gir nur einen S^heinkÖrper. Wahrfcheinlich ift das, 
was dem Henoch wie ein brennendes Feuer vor- 
kommt , die Liichtgeßalt der Engel. Er fühlte lieh 
(wie er aus dem fpater Gefchehenen fchliefst , durch 
die Macht der ihn nachher begleitenden Engel) an 
«inen Platz entrückt, wo er jene Erfcheinung be» 
merkte ; allein es war kein eigentliches Feuer , was 
er fahe > fondern die freundliche Schaar , welche ihn 
auf feiner Wallfahrt geleiten follte, Diefer ZwifcHen- 
gedanke ift freilich ausgelalTen, aber durch den fol- 
genden Satz: fie (dieEngef, welche mir als ein Feuer 
Torgekommen waten) konnten nach Beliebeti'/ieh als 
Menfchen darfiellen , doch gewilTermaafsen angedeu- 
tet. Denfn fonft wüfste man nicht, warum diefe 
Eigenfchaft jener Engel gerade hier erwähnt würde. 
Bei meiner Annahme dagegen hängt alles recht gut 
^eufammen. Mit diefer Stelle ift nun das gar nicht 
in Widcrfltcit, Was zu Kjp. 15 > 13- g^^«gt wurde, 
dafs nämlich diejenigen Engel, welche mit menfchlichen 
Dirnen eine enge gefchlechtliche Verbindung fchlol- 
Cen, diefs nach der Meinung des Feferenten wohl 



I I 



224 Kap. 17. V. 3. 

3. Und ich fahe die Behaltniffe des I 



zeicht erft durch menfchliche Gefialt bewerkBc 

JDeam die fonftigen Angaben über diefe Eng 

(vgL Kp. 13» 7« ög» 5.) fprecben dafür. C 

hat die Vorftellung von Unhorperlichkeit dei 

gewöhnlich fich mit der zweiten vereinigt, 1 

Körper nur feiner fey, als der unfere; rgl 

opufcnla academ. p. 537 S, und Baumgarten - 

Dogmengefch. 2te Abth. S. 974. Man geh: 

das Wort unkörperlich nicht im flrengen Sinn 

dem nur im Gegen fatz der menfchlichen Nati 

ausdrücklich bei Origenes (De principiis L« I. 

g, in Opp. T. .1. p. 49. ed. de la Rue,) gefegt 

,»Non idem fenfus ibi (in libello » qui Petri d 

,,appellatur) ex ifio fermone icwfjLirov indicati; 

y,a Graecis et Gentilibus auctoribus oftenditur, 

,,de incorporea natura a philofophis difputatv 

,,hoc enim libello incorporeum daemonium dix 

„tfo y {juod ipfe nie (juicun<jue efi habitus vel < 

jyferiptio daemonici corporis ^ non efi ßmili 

jjnoftro crajßori et vifibili corpori : fed fecuudt 

,,fum ejus y qui compofuit illam fcripturam , 

yygendum eft, quod dixit; id eft, non fe (C 

„nämlich y von dem in jener Schrift ein Auf 

,, erwähnt wurde) tale corpus ^umle habent dae 

ffifuod efi naturaliter fubtile et velut aura te 

y^propter hoc vel putatur a multis vel dicitur 

fjporeum , fed habere fe corpus folidum et pal 

yyln CQnfuetudine vero hominum omne (/uod e« 

^yfueritf incorporeum fimplicioribus vel irnpe^ 

9tbus nominatur : velut ß quis aerem ifium , qu 

„mur, incorporeum dicat, quandoquidem n 

totale corpus ut comprehendi ac teneri poIBt , 

„ti^ue refifiere/* 



Kap. 17. V. 3-4. 225 

od des Donners*^) an den Enden des Platzes, wo 
ram tieflten war. Da war ein Boyeu von Feuer, 
ndPfeile in ihrem Köcher, ein Schwert von Feuer 
ad jede Art von Blitz. 

4, Alsdann hoben fic mich in die Höhe zu 
nemplätfchemden Strome ^^) und zu einem Feuer 



56) Da Licht hier luit d^tn Donner verbunden wird, 
ift es woLl vorzugswcife der alles durchdringende 
Strahl des Blitzes; f. auch das Folgende, vgl. Hiob 

36, 29 — 30- 32 ff. 37 t 3 ff- 15- 38» 25* Recht 
fchön ift die Vergleichung des Wetterftrahles mit 
Waffen; gewählt fiud die bei den Hebräern gewöhn« 
licbften Arten' von Angrifiswaffen (f. meinen Entw. 
d. bebr. Altertb. S. 405.)* Henoch lieht hoch über 
(ler Geburtsftatte des Blitzes und Donners, haupt- 
(äcblich wohl, um ße genau überblicken zu können. 

57) Wörtlich nach Laurence: ,,Zu einem Waffer des 
Lebens, welches fpracli ;*' t.s Lil Mo el.i lufchflie« 
(iäendes (lebendiges) Waller, welches eben defshalb 
Getofe erregt (fpricht) , zumal wenn es , wie Ichon 
ftui der Schnelligkeit des Laufes ßch abnehmen läfst, 
ein bedeutendes Gefalle hat. Möglich wäre es, dafs 
der Verf. einen heftigen Stiüui mit Katarakten und 
laufchenden Wafferfallen (ich denkt. Die Gegend, 
wobin Henoch wandert, iß das auch den Hebräern 
unbekannte und daher mit einer Menge fa1)elbafter 
Züge ausgemalte Abendland. Die Sonne Unkt nacb 
diefec Darftellung in ein Feuer hinab , vielleicbt um 
öcue Nahrung zu erhalten und am folgenden Tage 
mit erböhetem Glänze wieder hcrvorzutrctch ; denn 
Mch Kap. 71, 6. ift i'^e panz angefüllt mit lotlein.lcru 
^euer, welches natürlich doch wieder iiiichen j)i\;ini- 
Roff bedurfte. Nur darf man die Soifuc lieh hier 
nu:bt ruhend denken; denn Ce „läuft fort in ihrem 



236 Kap. 17. -V:. 4—5. 

im Weßen, welches aufnahm jeden Unterg 
der Sonne. Ich kam zu einem FlufTc von Fe 
welcher flofs wie Waffer, und lieh ausleerte 
den grofsen See gcfren Weßen. 

5. Ich fahc alle breiten Fliiffe, bis ich zu 
grofsen Finflernifs kam. • Ich ging dahin, " 
hin alles Fleifch wandert, undiclifchautedieBc 
der Dimkelheit, welche Winter macht, und 
Stelle, von wo das Waller ausJiröitit in je 
Abgrund ^^). 



Wageti bei Tage und bei Nacbt (Kp. 71, 47.)." 
hier im Gauzeii die aubb bei den Griechen berrfch« 
Vorßellung vom Wellen vorwaltet, könnte j 
Strom vielleicht der Okeanos feyn « welcher breit 
tief ift (vgl. Odyir. X. 511. II. Vir, 422. XXI, II 
jcdocb rubig fliefst (11. VII, 422. Odyff. XIX, 41 
und in welchem die Sonne untergeht (IL VIII, 
XVIII, 240.)« Unfer Henocb denkt ficb den ül 
gang der Sonne erlt hinter jenem Strome in tfi 
Feuer; der feurige Strom kommt vielleicht aus ja 
Feuer und ergiefst ficb in das weßlicbe (atlantilä 
Meer. Auch bei den Griechen ift das Weftmeer ' 
Okeanos gefchieden (IL II, 753. OdyfT. XXIV, J 
5g) Die Richtung, welche Henocb einfchlügt und 
welcher er zu den mit Finfiernifs überlagerteD 
genden gelangt, wird in diefem Verfe nicht 
bezeichnet ( allein nach V. 4. zu urtbeilen, ift 0^ 
fireitig die wefilicbe. Denn den Orientalen wart 
baupt der Weßen Sitz des Dunkels und der Jf^ 
und noch in fpätcrer Zeit biefs der atlantiüche 
das dunkle Meer (Edrifi Geogr. ^'ub. p. 6.J. 
wohnten auch nach griecbifcber Vorfiellung 
feitigen Ufer des Okeanos die in ewiger 
lebenden Kimmerier (Od. XI, 13 fl*.), und das S 



Kap. 17. V. 6. - 227 

6. Ich fahe auch die Mündungen aller Flülfe 



ooch fetzt nachdem, was bler weiter gefagtwirdy das 
Todtenreich offenbar dorthin; 1*. auch izi, i£F. AlUs 
Fki/cfc für alle Menfchen, ein i Mot.6, häufig gebrauch- 
ter Ausdruck. Auch bierin zeigt Heb Uebereinßimmung 
mit griecbifcber Vorfiellung ; denn nicht weit vom 
Okeanos dachten die alten Griechen lieh die Haine der 
Ferfephone, die Wohnungen der Nacht, das Haus 
dei Hades und der Styx , des Schlafes und des To- 
des, nie befchienen von der Sonne kellern Strahle 
(Hefiod. Theog. 744. 760. 767. 779.)« Im A. T. felbft 
erfcheint freilich vielmehr der Norden als der Ort des 
Dunkels , wenn man auf die Etymologie de^ Wortes 
[i3SC Mitternacht y eig. Verborgenheit ^ Dunkel Hebt* 

Die Berge des Dunkels^ welche Henoch Hebt, bilden 
wtbrfcheinlich nach feiner Anücht die äufserfie Grenze 
der Erde , da Wo fia mit dem Himmelsrande fich be- 
rührt. Die Berge nimmt er wohl als Säulen, auf 
denen der Himmel ruht (wieHiob26, II. Nah. i, 5.), 
Vergleichen läfst fich wiederum die mythifche An« 
ficht vojn Atlas, welcher vor der grauenvollen Bebau- 
fung der diiftern Nacht das Gewölbe des Himmels mit 
Haupt und unermüdeten Armen trägt {Hefiod. Theog. 
510 ff. 744ff.)* Winter und Dunkelheit betrachtet 
unCere Stelle als taotbwendig verbunden ; der Verfaf« 
ler geht von der Erfahrung aus, daTs durch die Sonne 
Licht und Wärme verbreitet wird, wo fie alfo der 
imfiernifs weicht, da mufs es kalt feyn. Dafs aa 
der Erde äufserften Grenzen fich Licht und Finfter- 
xülii fcheiden, deutet auch Hieb 26, lO. an. Die 
letzten Worte des Verfes fobeinen mir wiederum eine 
>Q die alten griecbifchen Ideen vom Okeanos erin- 
^tihit Meinung zu enthalten. Der Okeanos galt 
nimllch als Urquell aller GewälTer (^Jefchyl Frometfa, 

15* 



22« Kap. 17. V. 6. — 18. V- 1. 

in der Welt iind die Mündungen der Tiefe ^). 

Kap. 18. 

t. Ich überblickte dann die Behältnifle aO 
Winde ^), und nahm wahr, dafs fie beitrugen z 



636. Sophocl. Inach. h. 356« ) ; in gleichem Siiii 
denke ich, lind Henoch's Worte zu nehmen, i 
grund iß die uiiterirdifche Quelle der einzelnen StrSi 
-welche ihre Nahrung aus dem UrwalTer empfib| 
fonft könnte es auch, wie das hebr. DITIH» für M« 

FiutU fiehn, infofern diefe tief ßnd. Für das letili 
fpi'icht auch der V. 6. vorkommende Ausdruck 3W 

59) Die Mündungen aller Flüfle, foUte man glaubt 
könne er von einer Stelle nicht überfchauen; 'et! 
alfo vielleicht mit Bezug auf die im vorhergeheal 
Verfe angedeuteten Anlichten zu verfiehen. * AI 
Wafler geht zuletzt in das grofse IVfeer zurücktt 
lieht alfo den Ort, vtrohin es nach vollbrachtem Ln 
gelangt, um feine Bahn von neuem zu begim^ 
Der Tiefe oder dem Meer gibt der Verfafler tt^ 
feiue Mündungen , infofern es feine Abflüfle in' «^ 
Urwaffcr hat. 

60) Das Buch' Henoch denkt ßch den Wind vettüit. 
fen in einen beftimmten Raum (f. auch Ff. I3§(f : 
Jer. 10, 13. 51, 16.) f ^^^ welchem er nur von X;. 
zu Zeit entladt n werde und nach Vollbringang^{i 
ihm übertragenen Wirkungen zurückkehre. »^ 
diefelbe kindliche Anfchauung der Naturertcheinil;^ 
welche /ich für Regen, Schnee, Hagel und deri|:| 
chen befondere- Vorrathskammern am Himmel fcÜ\ 
die durch Oeffnung £ch suweilen ihrer Schätze t^ 
'leeren, um fie auf die Erde herabzufchütten (£, il^ 
Hieb 33| 23 iF,;, Bei den griechifchen und lati^. 



r • 



Kap. 18. V. 1—5. 229 

de der ganzen Schöpfung, und (zur Erhal- 

^j der Gnindlnge der Erde. 

2. Ich betrachtete den Stein, (welcher) die 

:el der Erde (trägt) ^^). 

\, Ich fahe auch die vier Winde, welche 

de und das Firmament dos Himmels ftützcn. 

. Und ich fahe die Winde wirkfam au der 

des Himmels , welche 

. in der Mitte des Himmels und der Erde 

bm und die Pfeiler des Hinmicls bilden. 

Imb Dichtern Infst Tich auch der Mythos vom Aeolu» 
gleichen. Eine ähnliche bildliche Vorflcllung lieget 
oebtw* 30f 4* in dem Ausdrucke: ,,Wer fafst den 
lud in Feine Hand ? ** Dagegen herrfcht Ilioh 28t 
(„Als Gott dem Winde Gewicht gab*') die Voi- 
(hiBg des Berechnen*«, Meflen*«. Der Nutzen des 
indes foU fich auf zweierlei Art aufsem , was V« 
— 6. weiter ausgeführt wird. Nach Laurenee's 
te unter der Ueberf. würde der Satz wörtlicher, 
ten: ,,dafs in ihnen waren die Zierden der gan- 



t Schöpfung." 



Die Erde wird mit einem Gebäude verglichen, 
iches 9 wenn es feil ßehen foll , auf einem ßchern 
mde ruhen mufs. Da nun die Ecken der Grunrl- 
5 einen vorzüglichen Haltpunht gewähren und 
D defshalb vorzugsweife beachtet werden müflen, 
ieht Echßein , auf welchem die Ausgange zweier 
ten zugleich ruhen, im biblifchen Sprach gebrauche 
llg, 22- Jcf. 19, 13. 2g, 16. Apoftelgefch. 4, n. 
bcL 2» 30. I Fetr. 2, 6. 7*) und fo auch hier im 
Benoch, für den Grund des Gebäudes felbll. Dafs 
3l im A* T. die Erde auf einem Gründe ruhend 
Udit werde (mit Ausnahme von Hiob 26, 7 ) « ift 
kaant; f. befonders Hiob 3g, 6. « vgl« auch Ff. 24» 
89, ». Spiebw^ 3, 19. 30, 4* ^«^ 48> X3* 



210 Kap. 18. V. 6—7. 

6. Ich fahe die Winde, welche den Hins: 
drehen, welche den Kreis der Sonne und ai 
Sterne untergehen laden , und über der 'Erde li 
ich die Winde, welche die Wolken tragen ®). 

7. Ich fahe den Pfad der Engel «;, 



02) In den Yerfen 3—6. nähere Angabe deflen, n 
y. I. über die Nützlichkeit des Windes gefagt wi 
den war. Sonderbar iß darin , dafs die Winde '4f 
Himmel als Pfeiler dienen follen ; der YerfalFtr flii 
£ch alfo darunter nicht blofs eine Materie von ge«. 
tiger Krafty fondem wohl auch eine fefie MaHe, n 
che den Druck des Himmelsgewölbes zu ertragea V 
möge, gedacht haben. Ungleich natürlicher ill dieltt 
im Alterthume gewöhnliche Meinung (f. auch 17, i 
dafs die Berge den Himmel in die Höhe halten. Dia! 
wegung der Himmelskörper betrachtet das B. Hm 
ebenfalls als ein Werk der Winde ; vgl. auch 71,- . 
73, 2. Ueber die Wirkfamkeit des Windes anf l 
Erdball y feine Bewohner, Gewächfe u. f. w.«^^ 
breiten fleh Kap. 75 und 76. fehr ausführlich | V 
dagegen wird blofs erwähnt, dafs er Wolken." 
Himmel herau£Führe. Bei der Entrückung Heaol' 
in den Himmel (Kp. 14, 9 — 10.) waren auch Wi; 
thatig. •/ 

63) Das foll wohl ' heifsen den Weg , auf welcha^^ 
sur Erde herabkommen. Vergleichen lafst BA*' 
mit der fchöne Traum Jakob's auf feiner ReiCsf^ 
Haran (i Mof. 33, X2 ff.) von der Himmelsleit«^ ^ 
welcher die Engel hinauf« und herabfteigeo. ^"^^ 
Fhantafie des Verfaflers nimmt zwifchen dem Ifi 
mel» welchen lie Cch vielleicht auf der Erde, an hi 
Ende derfelben, faft aufliegend vorßellt (vgl. iüf\ 
y. g.) , und zwifchen der Erde trotz ihrer verflk; 
jl^ae« Beficbaffeahett eiae fortdeiurndo Beiieb 



Kap. 18. V. 8. 231 

I 

8. Ich nahm wahr an dem Ende der Erde 
(ias Firmament des Himmels über ihr^**). Alsdann 
ging ich gegen Süden zu , 



an y und zwBr vermittelt durch die Gelder des Ulm« 
mels. Sehr ßonreich ift fein Gedanhe, dafs es für 
fie bei diefem ihrem Wirken einen befondern Ffad 
gebe, wie in Jakob's Traum die himmlifche Leiter 
der V«rbindungspunkt der beiden getrennten Welten, 
iß. Sehnliche Meinungen treffen wir auch hei andern 
Völkern; man erinnere /Ich nur an die Götterbotina 
Iris» welche nach dem Glauben der alten Griechen 
auf dem Regenbogen vom Olympos auf die Erde 
herabfieigt. — Auf die abtrünnigen Engel unj dea 
Weg 9 welchen ße beim Uerabfieigen auf die Erde 
safamen , fcheint hier nicht hingedeutet zu feyn. 
Nimmt man Rückficht auf Kp. 17, 4 und ig, g. , fo 
fcheint der Yerfafler diefen Pfad in die JVefigegend 
gefetzt zu haben. 

64) Der Ausdruck ift etwas unb'eßimmt ; wie mich diinkt, 
foll er fagen, dafs der Rand des Himmelsgewölbes^ 
welches von Säulen getragen wird, am Ende der Erde 
letzterer zwar ziemlich nahe gerückt, aber doch noch 
in einiger Entfernung davon geblieben ift. Dehn es 
' beifst nicht auf^ fondern über (above it bei Laurence) 
derfelben« Da wohl auch in der Mitte des ausgefpann- 
ten Firmamentes Säulen angebracht find (vgl. V. 5.), 
fo hangen die Seiten allerdings hernieder, doch folgt 
daraus l^einesweges , dafs fleh die Saume gnrz auf 
die Erd fläche herabfenken. — Die letzten Worte 
des Verfes wollen wohl zu vcrflehen geben, Hofs al- 
les , was von 17, 4. an bis hieheraiifc;ez".'!lt ^vtirde, 
dem Henoch in der Weftgegend fichtbar und bekannt 
^rurde« 



M2 Kap. 18. V. 9 — 10. 

9.' wo fowohl bei Tage als bei Nricht fe< 
Berge brannten, gebildet von herrliclien Steii^« 
drei gegen Ofien und drei gegen Süden ^'). 

. 10. Diejenigen, welche gegen OÜcn wäre 
waren von einem bunten Stein; einer davon ir- 
von Perle und ein anderer von Spic5glas. Die g* 
gen Süden waren von einem rothen Stein. Dis 

6s) Der VerfalTer fcheint die Südgrenze der Erde k 
zeichnen zu wollen ; Techs feurige Bergei von denc 
die eine Hälfte nach Morgen zu, die andere ibi 
ganz mittaglich Hegt, bilden fie; eine nähere Nad 
weifung derfelben iß defshalb unmöglich, weil nil| 
genaue geographifche Angaben , fond^rn Fhnntafii 
Lilder uns vorliegen. Von Faläßina aus erblickt ml!' 
allerdings nach Mittag zu gewendet, Gebirge tC 
anfehnlicher Höhe; dicfer Umfiand könnte, wei' 
der Verfafler in diefem Lande gelebt hätte, allerdinj 
zu der ganzen in diefen Yerfen herrfchenden Vorth' 
lung Anlafs gegeben haben. Den mittleren Berg in ^' 
füdlich liegenden Reihe (V. lo.) würde ich dann vor' 
Sinai verftehen , berühmt und gefeiert in der Nttu 
nalgefchtchte des jüdifchen VerfalTers unferes Budi' 
durch die Gefetzgebung Jehova's aus feinen Wolke'^' 
hohen. Aus eben diefem Grunde wird er mit iif 
Throne Gottes verglichen. Die Worte : „von $f 
baftcr, deffen Spitze war von Sapphir** betracbir 
Laurerce als Schilderung des göttlichen Tbronf 
Ich mochte das letzte aber lieber vom Berge verfiehfl^ 
wenigRens pafst diefs (die Spitze — Laurencä.)^' 
top — war von Sapphir] dann viel belfer. Die Maff' 
aus welcher die Berge befiehen, foll fie als glänEdO^ 
fchimmemd auazeichnen; das Feuer über ihn.ea J 
vielleicht Folge der Sonnenfirahlen , ^wtlche den ^ 
pfel Uefcheineiu 



Kap. 18. V. 10— 12. 233 

mitderc reichte bis zum Himmel, gleich dem Thro- 
ne Gottes von Alabafier, deflen Spitze war von 
Sapphir.v Ich fahe auch ein glänzendes Feuer, 
«reiches war über allen den Bergen. 

11. Und da fahe ich einen Platz auf der an- 
Icrcn Seite eines ausgedehnten Landes, wo W§f- 
er angefammelt war ^). 

12. Ich fahe auch irdifche Quellen tief in 
len feurigen Säulen des Himmels ^). 



66) Henocb Hebt von der Höbe berab, auf welcber man 
ihn wohl, wie früher (Kap. 17, s.), Bebend denken 
mufs, vor (ich ein Land von beträchtlicher Gröfse, 
und auf der ihm gegenüber fiebenden Grenze delTel- 
ben das IVT^er. Denken wir ihn nach derfelben Rich- 
tung fcbauend, wie y. g — 10., fo würde das rothe 
Meer unter dem Wafler zu vergeben feyn , welches 
im B. Henoch namentlich erwähnt wird Kap« 31, 2, 
76, 7. Indefs kann bei der Unbeftimmtbeit und All- 
gemei^beit des Ausdrucks kaum eine Vermutbung 
verfucbt werden. Es kann diefe Angabe, wie die 
V. 13s, blofses Fhantafiegebilde feyn, obgleich ich 
gern zugebe, dafs hier eben fo gut, wie bei der 
Schilderung der WeSgegfend, gewilTe Volksmeinun- 
gen sum Grunde liegen und beachtet find. 

67) Unerwartet ifi bier die Erwabnung feuriger Hirn« 
meUlaolen ; überrafcbender nocb die in dem Satze 
liegende Andeutung, als waren fie fchon früher er« 
Wihnt , oder als müIFe der Lefer fchon fonft über Ho 
hinreicbend unterrichtet feyn. Denn die V. 5. vorkom- 
menden Himmelslaulen könnten ficb auf der Mitte der 
£rde befinden und werden durcb die Winde gebildet. 
Macb der Beftimmtbeit de» Ausdruckes zu fcbliefsen, 
(bllte.man glauben , dafs diefelben aucb bier gemeint 
Waran; docb ift niebt zu rerfchweigen, daüi der Zu- 



234 Kap. 18. V. 13. 

13. Und in den Säulen des Himmels faJ 
ich Feuer, welche herabßiefrcn ohne Zahl, doc 
weder in die Höhe noch in die Tiefe, üeber t^ 
fen Quellen nahm ich auch einen Platz wahr, wd 



fammenliännr nicht gerade, für ein Hinblicken auf fi 

Mitte des UniveiTums y fondern auch nach der SiU 

gegend (vgl. V. 9.) zu fprechen fcheint. Der Vw 

trag ift überall in dem ganzen Berichte abgerilTen v* 

in feiner Verbindung äufserft lofe (f. Aninerk. lu Kf 

17, lO» ^"^ ^' wäre demnach recht wohl moglid' 

dafs Henoch in diefcm und den folgenden Verb 

nicht mebr nach Mittag fchauend gedacht würde. Di^ 

Feurige der Säulen erhlärt fich aus V. 13.; «s iftniv 

lieh Folge der innerhalb derfelben befmdlichen Fen« 

Um nun das Wunderbare dicfcr Säulen durch flark^- 

Gcgenfätze zu veranfchauliclien, beifst es, dafi ii'' 

Fufse derfelben Quellen genährt werden, darühf' 

aber zahllol'e Feuer lodern, deren Flamme von obt^ 

nach unten geht. Die Quellen heifsen irdifcke^ W- 

fle der Erde angehören, auf welcher die Himmdr** 

faulen ruhen; die Feuergeßalt der letztern hindjp'* 

alfo da, wo lie aufgehen, das WalTer nicht in feinfli^^ 

Ergiefsen. Ware zwifchen V. 12 und n. eide it? 

ziaue Verbindung anzunehmen , fo hätte man diai^ 

Quellen als Urfache des angefammelten WalTen i^< 

betrachten , oder umgekehrt Ach zu denken, dafs t^^ 

Quellen durch jenen grofsen WaHervorrath hervt'e 

gerufen und erhalten werden. Die Feuer kdnn^ 

nicht unten in den Säulen feyn, weil dort Waflcr tt. 

WaiFer aber und Feuer natürlich Cch nicht meng^is 

daher fteigen fie herunter, gelangen aber nie biai^^ 

Tiefe, weil fie da im WalFer erlöfchen müfsten 9^^ 

das WalTer aufzehrten. In die Höhe können fie viit^ 

gehen , weil ihre Richtung die entgegengefetsta il 



Kap. 18. V. 13- 235 

her weder das Firmament des Himmels über 
idfi hatte, hoch den fefien Grund miter fich; we- 
er war WaflTer über ihm , noch irgend etwas zur 
eite, fondern der Platz war öde ^). 



das Wunderbare liegt airo dariä , dafs diefe Feuer ^ 
unzählbar find , dafs fie gteichfam in den Säulen 
fcbweben , dafs ihre Flamme fich nach unten zu be- 
wegt, aber niemals bis auf Jen Boden gelangt. Von 
\9elcher Ungeheuern Höhe müfien die Säulen alfo feyn ! 
womit denn natürlich auch die Breite derfelben in Ver- 
baltnifs Sehen mufs , was auch aus der weitern Dar- 
ftellung von V. 13. (f. An merk. z. d. V.) unverkenn- 
bar hervorgeht. 
6g) Ganz eigen thümlich ift die in der zweiten Hälfte 
diefes Yerfes gegebene Schilderung des öden, nach 
V. 15. zum Gefängnifs der Sterne beßimmten, Rau- 
mes ; er ilt über den Quellen , die fich in den Hirn- 
melsfaulen befinden (denn nur von diefen Quellen war 
bisher die Rede), alfo unfireitigTelbfi innerhalb din- 
ier gigantifchen Säulen gedacht. Dafs kein fefter 
Grund darunter iß , wird als Folge der unter demfel- 
ben ewig fprudelnden Waflerquellen anzufehen feyn. 
'Anders verhält es fich mit der Angabe, dafs das Fir- 
mament nicht' darüber iß; man foUte glauben, es 
müfle wie über der ganzen Säule, die den Himmel 
Sützen foll, fo über den einzelnen Thalien derfelben 
nothwendig das Firmament fich befinden* Die Be« 
hauptüng, kein WaiFer habe fich über dem Räume 
befanden, hängt damit genau zufammen. Wenn näm- 
lich das Gewölbe felbß nicht darüber hängt, kann 
auch der nach hebräifcher Yolksanficht an das Him- 
melsgewölbe verfetzte Ocean darüber nicht gefunden 
Werden. Auch zur Seite des traurigen Ortes fahe 
nuui eben fo wenig etwas, als darüber; Laurenc^ 



336 Kap. 18. V. 14. 

14. Und da fahe ich fieben Sterne, 
grofsen glänzenden Bergen und gleich G 
mich bittend ^). 



Tagt on wingt was freilich auch im Fluge ül 

werden k5nnte; dann wäre der Sinn, kein Hi 

körper kam in feinem Laufe darüber hin. ?( 

I(J. bewegen ßch die Sterne über Feuer; dürft 

dieft auf unfere Stelle anwenden , fo hatte m 

öden Ort wohl zwifchen den zahllofen Feuern 

che unaufhörlich herunter gehen und zwifch 

am Fufse der Säulen befindlichen Wafler zu 1 

Natürlich ift nun die Aeufserung, dafs das 

. ment felbft und der himmlifche Ocean nicht d 

gefehen werde; denn die Feuer darüber bind* 

Das Schauen des Himmels Und feines erfret 

Lichtes ift für jeden ein höchftwünfcheoswerthc 

für die Sterne aber ifi das Firmament der eigei 

Platz der Wirkfamkeit, fehlt ihnen diefes, I 

fie fogut, als nicht da, es mangelt ihnen gleichfi 

Frincip ihres Lebens und Dafeyns. 

69) Zu derVergleichung mit Bergen wird Henoch 

die Grobe der Sterne veranlafst; feurige Berg 

ea wegen ihrer Lichtnatur. Der VerfalTer d< 

ehea wubte demnach fcbon, dafs die Sterne 

kleinen Lichter, fondem von bedeutendem Un 

waren. Die zweite Yergleichung geht von dei 

im A. T., namentlich in dem Ausdrucke Himme 

(OpTCtn N3St), öfters eingetretenen VermiC 

<Ier Sterne und Engel xaus; Kp. 5g. ift gar von 
ftem des Blitzea, des Donnersi des Meeres, dei 
ftes, des Gagels, des Schnees, des Nebels, desT 
und des Regens die Rede. Die Sterne erfcb 
dem Verfafler gewiflermaafsen als belebte, ven 
kgabta Weleii » die ficb ihrer Schuld bewnlst 



.Kap. 18. y. 15 — 10. 237 

15. Alsdann fagte der Engel ^^) : Üiefer Platz 
wird bis zur Vollendung von Himmel und Erde 
das Gefangnifs der Sterne und der Heerfchaaren 
des Himmels feyn« 

.16. Die Sterne, welche über Feuer'') fich 
bewegen, find diejenigen, welche überfchritten den 

von der über fie verhängten Strafe Kenntnifs haben 
und durch Henoch*a Fürbitte (wie die gefoUenen £n« 
gel nach Kp. 13, 6 — 7. 15, J.) in ihren frühem Zu« 
fiand zurückkommen möcbten. 

70] Wahrfcbelnlich ift der Redende Uriel; eu diefer 
Annahme bewegt mich einmal der Umßand, dafa un- 
mittelbar nachher Kp. 19. dieCar Engel den Henoch 
belehrt y überhaupt in dem ganzeq Abfchnitte am 
baufigften fpricht (f. Anmerk. zu X7, 1O9 dann aber 
die Befchaffenbeit des Gegenfiandea. Denn die den 

.Henoch begleitenden Engel unterrichten ihn in der 
Regel über die ihrer fpeciellen Auflicht anvertrauten 
Dinge; dem Uriel aber lind die Sterne untergeben 
(f. 71» I. 73, I- 74, 7.). Ganz entfcheidend endlich 
fcheint mir die Farallelßelle Kp. 21. 9 wo derfelbe 
Gedanke faft mit denfelben Worten wiederkehrt und 
Uriel die Deutung des von Henoch Gefehenen gibt. 

71) Diefa ift vorher nirgends ausdrücklich gefagt ; die 

Parallelftella Kp.2I. erwähnt den Umftand auch nicht. 

Wahrfcheinlich find die V. 13. gefchilderten Feuer 

gemeint» Der Platz» wohin die Sterne zur Strafe 

▼erfetzt waren, lag über dem Wafier in den Him- 

melslaulen , die flackernden Feuer aber waren in ei« 

Her etwas hohem Regien. Da nun ihre Flamme von 

oben nach unten ging , fo waren die Sterne , welche 

fich zwifchen derfelben und den'Quellen befanden, zu- 

gUch über dem Waller ( dem Orte nach ) und über 

^^ Feuer (dar Richtung nach, welche diefea nahm). 



« 



238 Kap. 18. V. 16. — 19. V. 1. 

t 

BefehlGottes, bevor ihre Zeit geliomnien ; dennf 
lianien nicht in ihrer rechten Zeit. Darum vviirc 
er erzürnt gegen fie und band fie, bis zur Perioj 
der Vollendung ihrer Strafe in dem verborgena 
Jahre. 

Kap. 19. 

1. Alsdann fagte Uriel: Hier die Enge 
welche. Weibern beiwohnten, fich ihre Anführe 
beftimmend ^), 



Das Erfcheinen in einer Zeit, welche nicht diä recb 
war (Laurence Tagt.-' ,,in their proper feafon^*^ fo df 
man auch Jahreszeit übcrfetzen könnte), wird di^ 
Sternen, als wenn fie mit Bewufslfeyn gehandekjii 
ten, als Verbreche«! angerechnet; in der Farall^ 
Kp. 21» 3. wird blofs im Allgemeinen gelagt, dt 
Jic den göttlichen Befehl übertraten. In dem letsb 
Satze (vgl. auch die Parallele 21. 3.) enthält der äthi 
pifcbe Text, nach Laurence*s Ueberfetzung (et Ia|' 
f^confummation of their crimes^^) zu ichlielsen, ein 
Au&druck, der urfprünglich Verbrechen bedeutet; ' 
lein es mufs hier Strafe des Verbrechens faeifsen (eb ■ 
fo 21, 3.)» "wie das hebräifche HN^H und fly Sir§\ 
der Sünde j Bufse der Schuld, Vgl. Gefenius G^. 
mentar zu Jef. 5, ig. Die Zeit, wo die Strafe I 
Ende haben wird, ift unbekannt; foweifs nach Mau 
34« 36» von der Stunde, wo das Gericht kons 
„Niemand, auch die Engel nicht im Himmel| fondl/ 
allein der Vater;" vgl. Mark. 13, 32. 
72) Vgl. Kap. 7, 2 ff. , doch wird dort nicht geb' 
dafs fie die Anführer fich felbft gegeben hätten. El'^ 
fo wenig findet fich eine Andeutung davon in^«'^ 
Farallelßelle Kap. 63 ,2. 3. , wo die Anführer df*^ 
fo wie Kap. 7. namentlich aufgeführt werdtfn, f 



•tj 



I 

\ 



Kap. 19. V. 2. 239 

2. UTid;sahlreich in ihrer Erfcheinting, Men- 
chen ruchlos machten und lie.zu Irrthümem ver- 
eiteten, fo dafs fie Teufeln wie Göttern opferten. 
)enn an dem grofsen Tage (wird) ein Gericht 
feyn), in w^elchem fie foUen gerichtet werden, 
is fie vernichtet find, und auch ihre Weiber fol- 



Erwähnung der gefallenen Engel, von deren Verhält- 
nifs zu den irdifchen Weibern in den frühem Ab- 
fchnitten fo häufig die Rede war (7, 2 — 12. 9,6— g« 
IG, 15- 12, 5 — ^6. 15, 2 — 3. 16, 4.), ift in diefem 
Zarammenbange unerwartet, zumal Kp. 21. die ab- 
gebrochene Darftellung über die beltraften Sterne wie- 
der aufgenommen wird. Man könnte, wenn man 
fich diefesKap. mit dem yorliergehenden in genauem 
Zufammenhange denkt, glauben, es vyerde den ab- 
trünnigen Engeln derfelbe Strafort angewiefen , wie 
den ungehorfamen Sternen. Allein diefs kann nicht 
feyn. Denn Kp. 21, l — 3. vgl. 21, 4 ff- find ent- 
fchieden dagegen^ Sollte vielleicht Kp. 19. an einer 
unrechten Stelle ßcben? Auf jeden Fall würde es 
fich recht gut dem SchluHe von Kp. 2I. anfügen und 
durch eine folche Umltellung deflclben hätte dann 
auch das hinweifeivde hier I in unferm Verfe fein Re- 
latum und der Gedanke, der im letzten Verfe des 
2lßen Kap. begonnen ift , würde in Kap. 19, fortge- 
führt. Da fich Laurence fchon mit Kap. 20. zu ei- 
ner ähnlichen Operation veranlafst fahe (f. oben S. 
217. Anmerk. 43., vgl. mit Annierk. zur Ueberfchrift 
von Kap. 21.)» worin er jeden unbefangenen Lefer 
aaf feiner Seite haben mufs , fo ift ja ohnehin die 
Vorausfetzung nicht unwabrfcheinlicb, dals auch an- 
dere Stücke nicht am rechten Orte fteben und Nach- , 
bilfe durch die Kritik nicht blofs erlaubt und zu- 
liflig , (ondern rathfam und cmpfeblenswerth. 



340 Kap. 19. V. 2. 

len (gerichtet) werden, welche die Engel' des Hi 
tads verführten ohne Widerfiand ^^). 



■ 

f3) Im Gründe die oft dagewefenea Gedanken, de 
mit einigen kleinen Modificationen. Zunächft hei 
es, die vom Himmel berabgefiiegenen Engel fej 
zahlreich erfchienen; Kp. 7, 7, 9. wurde ihre J 
zalil £u 200 angegeben und Kp. 68 » 3« i^ auch t 
Hunderten derfelben die Rede. Dann wird ua 
den Nachtheilen , welche fie herbeiführen , die E 
fiehung der ihnen zu Theil gewordenen abgol 
fchen Verehrung, ausdrücklich und vorzugswi 
hervorgehoben« Diefs kam früber noch ni 
vor, ift aber eine bei den Kirch an vntero lii 
häufig ausgeführte und überhaupt ia der Sit 
chriftlichen Kirche herrfcbende Anficht. S. darul 
KeWs iutereflante Commentatio de angelis Sect. 
in den Opufcul. T. IL p. 554 £F. Ilieher gebort !• 
der oben zu Kp. 10, 13. beigebrachte Ausfpruch i 
Jufiinus Martyr (Apolog. maj. g. 5.)» vgl. damit d 
felben Apol. brev. §. 6 — 7. (p. 93. ed. un. ex cooj 
Mauri.), und Dialog, cum Tryphone §. 83* C^^« P* Ul 
wo es unter andern beifst: y^Unfer Jcl'us aber, nk 
glanzvoll kommend, fendete den Stab der Kraft 
Jerufalem , das Wort des Rufes aber und der Bai 
an alle Völker' ' 2xov rk h»t ixov ta a-x hKv^itvtw t 

T w V , cv( (pyjai Aaßil , 01 Ssoi twv iSvwv hcn^xiyia * xai U] 
^c( 6 Aö^o; «Jrou xixsiKt xoXXou; KaraXixtiv hcitfJiit* 

1 

oig aiobXtuov, hcu rri rj^ xacvroK^arc^a Ofbv ^1* §i 
VftfTibiiv, ?ri ha^fjL6via slciv 0/ S>tei rwv ii>*i 
,,u;o die Dämonen fie beherrfchten , wie David A 
(Ff. 96, 5m ^n den Septuag. 95, 5.): die Götter I 
Völker find Dämonen ; und das kräftige Wort de4 
ben überzeugte viele, die Dämonen^ welchen fie ü 
scn, ZM verlaßgn und an den allmachtigen Gott dyi 



*. 



Kap. la, Y. 3. . 941 

3. Und icli, Henoch, ich allein faj^e das Gleich- 



ihn SU glauben » da die Götter der Heiden Dämonen 
find.^* Tertullianus (de idololatria cf. 4.) vom Ur- 
fprunge des GötzendienSes redend» bemerkt mit Rück- 
ficht auf unfer Buch: i^AntecelTerat £nocfc praedicens 
omnia elementa , omnem mundi cenfum » quae coelo, 
qoae mari, quae terra continentur^ in idololatriäm 
verfuros daemonas et fpiritui defertorum .angelorum^ 
ut pro Deo adverjus Dominum confecrarentur,**^ Und 
anderswo (ib. cp« 15.) : „Haec igitnr ab initio prae- 
videns Spiritus S. etiam ofiia in fuperfiitiontm ver» 
fura praececinit perantiqaiilimumprophetamEiiocfc.*' 
Die abtrünnigen Engel heilsen hier Teufel^ Wie Kp. 
649 6. 9 gewöhnlich ßeht im B. Henoch dafür. gans 
sDgemein Engel (Kp. 7, 2. 9* lO» 10. I9« I* 2It 6. 

53f 5* 54» ^' <^» !• ^69 4- 6. 7* 13- ^Sj 2. 3.)» 
Söhne des Himmels (Kp. 7 t 2. I3t 9.}» Engel des 
Himmels (Kp. 83, 5.)» Söhne der heiligen Engel 
(Kp. 62, 4. 50i Engel der Strafe (Kp. 52, 3)> '^A 
Engel (Kap. 40, 7.)» die zahlreichen Umfchreibun« 
gen nicht gerechnet, welche befonders mit Rückficht 
auf die von ihnen unternommene Verführung der 
Weiber angewendet werden. Sie und die von ihnen 
Verführten werden zur Strafe verdammt. In den ' 
Irühern Drohungen diefer Art (Kp. 10» 6 — 9. 13. 

15 ff. l!Xf 7* 13» I — 4- I4> 2 — ?• 15» iff- i6»i«5-) 

war immer nur ron der Beftrafung der Engel und 

ihrer Nachkommenfchaft die Rede, obfchon in der 

Verkündigung der Fluth (Kp. lo, 4.), ^et Ausrottung 

aller der Thorheit Ergebenen (Kp. lo, I8)f «^^^r Gott- 

lofen (Kp. 10, 25.), auch Hinwegraffung der Weiber 

wenjgftens mittelbar angedeutet liegt. Die Schuld 

der irdiA:hen Weihet befteht darin j dafs Ce der Ver- 

(ührung fo leicht untetlagen^ Ohne JViderfiand^ oder 

*«cb Hfiioch. 16 



242 Kap. 19. V. 3. 

nifs des Endes aller Dinge , und kein men 



wie es wörtlich lautet: gleich Ruhigen (T\ 

rt A^CirP 7 j), was fchon Laurence in einer 
nen Note unter feiner Ueberfetzung bemerkt; 
lie benahmen fich dabei wie willenlofe Wefen, 
abfaumten alfo ihre Pflicht , fich rein und keufc 
bewahren und diefs verdiente firenge Ahndung. 
was milder müfste freilich das Urtheil über fie 
fallen, wenn das richtig wäre, was das Teftaj 
tum Ruhen, deflen Verfafler hier wie im ga; 
Teßamentum XII patriarcharum offenbar Kenn 
des Buches Henoch vorausfetzt, uns cap. 5. von 
fen Engeln berichtet: Kai /tztr8ax>)/^aTi^ovro tlg av5^ 

y,at cv r0 <TVVOV<ria rwv «vS^wv aurwv cv'Ji(paivovTO uTLralg, 
xe7va< sxtSvfJLoiJffai r^ htavoiac rag (^avraaiag atrCiV , ^fKO 
ya'jTag, '£(t)«ivovTO yaq avrmg *lE»y^i)yo^ot tw; rov m 

(^^avovrs;. „Und fie verwandelten fich in MenC 
und beim Beifchlafe ihrer Manner erfchienen Gi 
nen und diefe mit der Seele das Gebilde derfe 
begehrend, gebaren Riefen. Denn es erfchienei 
nen Wächter, die bis zum Himmel reichten/* . X 
frei von Schuld erfcheinen fie allerdings aach^ 
diefem Berichte nicht, infofern fie die der 
hitzten Fhantafie dargebotenen Gefialten mit IW 
behagen in fich auhiehmen und treu im Gedabh 
bewahren ; allein das Sehen des Fhantasma's um 
Einwirkung auf die Empfängnifs hangen nicht 
ihrer Willkühr ab. •— Zum Schlufie des V erfes n 
übrigens Richard Laurence folgende Anmerki 

„Die Confiruction fcfaeint hier hart, wenn id 
nicht ganz mifsverfianden habe. In deip AetU 

fchen ift der ganze Sats fo ausgedrückt: All 



Kap. 19. V. 3. Kap. 21. V. 1. 243 

» 

Kches Wefeli fahe es, fo wie ich es fahe^"*). 

Kap. 2i. 73) 

1. Alsdann machte ich einen Kreislauf zu 
einem Platze , auf welchem nichts vollendet war. 



74) Laurence überfetzt likenefs im Anfange des Verfes. 
Es Toll nicht heifsen : Henoch fahe ein Bild von dem« 
was am Ende aller Dinge gefcbieht ; denn ein folches 
wurde ihm ja nicht gezeigt. Vielmehr -wurde ihm eine 
Belehrung darüber zu Theil, und zwar in einer bilder- 
reichen Rede ( gleichfam Parabet^ GUichnifs),' Der 
Sinn alfo : nur ich hatte diefe Offenbarung von dem 
zukünftigen Gericht. 

75) Kap. 20. ift verfetzt und nach Kap. i6. geftellt» 
an welche Stelle es eigentlich zu gehören Icheint. (L.) 
Der Inhalt diefes 'Kapitels fiimmt im. Wefentlichen 
mit Kp. 18 und ig. überein ; für V. i — 3. ift Kap. 
18» 13 — 16. und für V. 4 -^ 6. ift Kap. 19, i — 3. als 
Realparallele zu benutzen« Der Str^fort der Sterne 
und der der Engel ift nicht derfelbe (vgl. V. 4.). An 
dem erften ift nach V« i« nichts volUhdet (completed 
bei Laurence") ; es faerrfcht alfo dort Unordnung und 
Ünregelmäfsigkeit, welche fonft überall aus dem 
Univerfum verbannt lind. Der Himmel wölbt fich 
nicht darüber, noch ruht er auf dem feften Boden 
desErdballes (f. igi IsO- Unfcr Verfafler betrachtet 
die Erde als feßftehend („an efiablifhed earth^< bei Lau^ 
rtnce)^ während Sonne ^ Mond und Sterne lieh be- 
wegen : vgl. Kap. 71 fif. p welche lieh ausfchliefslich 

16 * 



«i 



244 Kap. 21. V. 2— 4. 

2. Und da fahe ich weder das ehrfurchtgc 
tende Werk eines erhabenen Himmels, noch c 
feftgeßellten Erde, fondem einen öden R« 
bereit gehalten und furchtbar. 

3. Da auch fahe ich Heben Sterne des.F 
mels darin zufammengebunden , gleich gro 
Bergen und gleich einem glänzenden Feuer. 
rief aus: Wegen welcher Art von Verbrec 
lind lie gebimden und warum find fie entf 
worden an diefen Platz? Darauf antwortete U 
einer von den heiligen Engeln, welcher bei 
war, und welcher mich führte: Henoch, wa: 
fragft du , warum forfcheß du bei dir und fu< 
ängßlich ? Diefs find die von den Sternen, -wc 
den Befehl des höchßen Gottes libertreten hfl 
und hier gebunden find, bis die unendliche An: 
der Tage ihrer Strafe vollendet iß. 

4. Von da ging ich nachher weiter zu eil 
anderen furchtbaren Platze ^^), 



mit den WeltkSrpem und ihrem Laufe befchafti 
Die Dauer des Strafe (Laurence überfetzt wor 
crimes , ftatt dafs es hier Strafe des Verbrechens 
Isenmufs; f. Anmerk. su 13, 16.) für die Sten 
y. 3. nicht befiimmt ausgefprocben. Der Stemi 
fiehen, wie ig y 14*; diefe Zahl ift wohl nicht | 
beßimmt zu falTen, da Ce auch im B. Henocb 
rund vorkommt (31» i. 76» 5« 6. 8« ^g^» Anmer^ 
«u IG, 15). 
76) Wo die£er Strafort der Engel liege, ob auf '< 
unter der Erde , oder wo fonft , wird nicht gd 
fondem nur feine Befoba£Fenheit gefcfaildert. . 
YorAellungen darüber bleiben Cefa nicht gan^ gli 
weil immer nur Bilder sur Beseicfanung gewählt ] 
So wird nach Kp. zO| 6—9. Asasjel in die ¥1 



Kap, 21. V. 5—6. 245 

5. wo ich fahe die Thätigkeit eines grofsen 
Graden und glänzenden Feuers, in deflfen Mitte 
De Trennung An tt fand. Feuerfäulen bekämpften 
nander bis zu dem Ende des Abgrundes und tief 
ir ihr Abhang. Doch weder fein Maafs noch 
neGröfse war ich im Stande zu entdecken; auch 
Ante ich feinen Urfprung nicht wahrnehmen, 
iricf ich aus: Wie furchtbar iß diefer Platz 
idwie fchwer zu erforfchen! 

S. Uriel, einer von den heiligen Engeln, 
nUerbei mir war, antwortete und fagte: He- 
idi, warum biß du erfclirocken und erßaunt 
Wüefen fchrecklichen Platz, bei den\ Anblick 
Jefa (Platzes des) Leidens? Diefs, fagte er, ilt 



TerSoIsen , die in Dudael iß , aber auch in Finßer' 
nfs geworfen , und erft am grofsen Gerichtstage in 
&s Feuer kommen (vgl. auch lo, 15 — 16.)* Hier 
aber ift Feuer in ihrem Kerker, womit fich natür- 
lich Fiofiernifs nicht vereinigen läfst. Zugleich heifst 
Ci T. 6. f dafs He darin immer bleiben foUen. Feuer 
in voller Thätigkeit, die fchmerehaftelle Umgebung, 
welche man fich denken kann, bildet den wefent- 
lichßen Inhalt des fchrecklichen Aufenthaltes ; in der 
Mitte erfcheint es getheilt, wahrfcheinlich um durch 
£e(e Oeffnung feine Schlachtopfer in Empfang zu 
«chmen. Auf beiden Seiten diefer Spalte (divifion 
Up,Laurence) find Feuerfäulen, deren leckende Flam- 
aen in einander übergreifen (lie ringen alfo gleich- 
Inn mit einander), damit das dazwifchen Befindliche 
^ itSto gewifler getroffen werde. Diefs Verbal tnifs 
: il fich überall gleich. Woher das Feuer komme, 
wetCi Henoch nicht zu entdecken, weil der Abgrund 
i la tief ift« als dafs fein Blick bis auf den Grund zu 
' inngen vermöchte« 



246 Kap. 21. V. 6. — 22. V. 1. 

das Gefängnifs der Engel ^^ und hier werden I 
gehalten für immer, 

Kap. 22. Sect. V. ^) 

1. Von da ging ich weiter zu einem andere 
Räume, wo ich falie im Welten ^) einen grolse 



77) Was für Engel lieh in dem Feuerkerker befia^ 
ift hier nicht gefagt ; natürlich die abtrünnigeoi w< 
che üch mit Weibern befleckten. Laden wir m 
Kp.ip. nach Kp. 21* folgen, wie fchon zu 19, i. tO 
gefch^gen wurde, fo fehlt dann auch die nähere 1 
Aimmung der beflraften Engel nicht , deren Mang 
bei der fonfiigen Umfiändlichkeit des Buches mb 
lie und ihr Vergeben allerdings immer au£Eallei 
bliebe. 

78) Nach dem Farifer Manufcript. (L. ) Der LdM 
diefes Kapitels fchliefst fich an das, was unmittdl 
vorher (Kp. 21 und Kp. 19. f. Anmcrk. 77.) mit| 
theilt wurde, recht wohl an. Dort wurde der Stil 
ort der Sterne und Engel gefchildert; was lag 41 
näher, als eine Befchreibung des Platzes, wo i 
Menfchen , fowohl die guten als bofen , bis zur Zi 
des letzten entfcbeidenden Gerichts aufbehalten Wl 
den follen. Eine folche aber erhalten wir in diib 
Kapitel. Nicht Uriel ifl hier der belehrende Eng 
fondern an feine Stelle tritt Raphacl (f. Y. 3 und (f 
Diefe Wahl des Engels ift fehr zweckmäfsig; d« 
nach Kp. sOt 3. war gerade Raphael über die S 
len der Menfchen gefetzt worden und mufs alTo 3 
ihre Lage am beften unterrichtet feyn. Vgl. n( 
den Grund für den Wechfel der Sprecher dieAnni^ 
55. zu Kap. 17, I. 

79) Diefe Weltgegend war fchon Kp^ 17, 5. vgL V*^ 
als der Ort bezeichnet, wohin alles Fleifch wandi 



Kap. 22. r. 1^3. 247 

und hohen Berg, einen Harken Felfen und vier 
liebliche Plätze. 

2. Innerlich war er tief ^ geräumig und fehr 
glatt ^°), fo glatty als wenn er wäre überwalzt wor- 
den; er war fowohl tief als finßer anzufehenv 

3. Alsdann antwortete Raphael, einer von 
Jen heiligen Engeln, welche bei mir waren, und 
*agte: Diefs find die lieblidien Platze, wo die 



Ueber den Zweck der vier angenehmen Räume er« 
folgt V. 3. Auffchlufs; nicht fo über den des hoben 
Berges und fiarken Felfens. Ich glaube indefs nicht 
fehl zu greifen , wenn ich Ce für die Scheidewände 
des Todtenreiches halte. Diefes erfcheint nämlich 
dem Yerfafler als ein tiefliegendes , ,yon der lebendi- 
gen Welt ßreng abgeCchloITenes Thal, welche^ daher 
Henoch*s Blicken finfter vorkommt (vgl. V. a.)- 

8O) A^^K* von dem Verbo tif^^ij welches Lu- 
dolf fo erklärt: ^^planum et leve reddidit id, quod 
„afperum fuit. Sic quidem Aethiops meus expofuit. 
„At mihi durum vel afperum Iignificare videtur. ** 
Aber der Züfammenhang in diefer Stelle zeigt, däfs 
Gregorius, der abyiHnifche Ucberfetzer, Recht hat, 
Ludolf dagegen Unrecht in den Bedeutungen, wel- 
che fie diefem "Worte geben. (L.) Das Subject des 
Satzes und ganzen Verfes ift der V. I. erwähnte 
Raum. Von aufsen fahe man den Berg und Felfen; 
nach innen aber den zwifchen ihnen befiudlichcn 

• Thaleinfchnitt, welcher aber nicht fcbmal noch un- 
eben ift. Es heifst nicht, dafs der Ort wirklich fin- 
fter gewefen fey , fondera es fahe fich nur fo an we- 
gen der hedeutex\den Tiefe des Thaies. Aber auch 
Finfternifs deflelben wäre ganz mit den Vorftellungen 
ier Hebräer vom Scheol im Einklänge (Iliob lOt 21* 
M. 38, 17, und fonft). 



248 Kap. 22. V. 3 — 5. 

Geifier, die Seelen derTodten werden verfamme 
werden ; für fie wurden He eingerichtet , und hi 
werden verfammelt werden alle Seelen der Mcg 
fchenföhne •*). 

4. Diefe Plätze, in welchen iie wohne 
foUen fie einnehmen bis zum Tage des Gerich 
und bis zu ihrer befiimmten Zeit. 

5. Ihre beltimmte Zeit wird lang feyn , g 
rade bis zum grof$en Gericht ^^). Und ich fahe c 



81) Rflphael fcheint hier unter den abgefchiedenen & 
}en keinen Unterfchied zu machen, fondem ilmf 
den Guten wie den Böfen , die 4 fchonen Gefilde a 
zuweifen ; allein aut V. 9 iF. ift klar , dafs allerdia 
nach der fittlichen Befcbaffenheit derfelben eine Wii 
liehe dauernde Trennung der Seelen fiatt finde«^ Yj 
auch Kp. 26 y I — 3. , wornach die Sünder ia t 
rerwünfchtei Thal eingefchlollen find. Die Sed 
aller Menfchenkinder mufs man demnach auf die I 
1er frommen befchränken ; es ift Ungenauigkeit i 
Ausdruckes, der fich der Verfafler überläfst, w 
eben das folgende jeden Zweifel bebt. Warum | 
rade vier folcher Platze eingerichtet wurden , ift 
der Darfiellung des Buches nicht deutlich. Heao 
erkundigt fich V. 9. nach der Urfache, erhalt al 
keinen AufTcblufSf fondem wird nur über die ü 
und Weife belehrt, wie die Trennung bewerkfieDl 
werde» 

$2) Diefe Wohnung ift alTo nur ein einftweiliger Ai 
enthaltsort der frommen Abgefchiedenen ; vgl. M 
T. 4. Die Cch hier anfehliefsende merkwürdige J 
fpielung auf die biblifche Relation von Ahel^ r% 
nachftfblgenden Satze an bis zum Schlufle dea (f 
Verfes» findet fich lateinifch überfetzt in Silv. ds 4 
f^s ]Notice du Uvre d*£xiocb$ wahrfcheinlich hob^ 



Kap. 22. V. 5. 249 

m 

Geißer der Menfchenföhne^ welche geßorben \va- 
rcD, und ihre Stimmen reichten zum Himmel, in- 
lem £e anklagten. 



Silv» de Sacy eben wegen jener Beziehung auf das 
A. T. berausl Die Copula läfst er , wohl nur , weil 
er die Stelle aus dem Zufammenhange reifst, im An- 
fange hinweg. Der Geßorbenen .(^(jin mortui funt 
bei Silv, de Sacy) bis auf Henoch wären, wenn man 
blofs die in den alttefiamentlichen Genealogien von 
Adam an namhaft gemachten Perfonen berückfich- 
tigt, gerade noch nicht fehr viele; aber man darf 
nicht vejrgeflen , dafs in jenen Lißeu nur der *alteße 
Sohn genannt ift und ausdrücklich aogedeutet wird, 
dafs nicht die ganze Nachkommenfchaft aufgezählt 
werde. Ihre Stimmen {^^vox earum '' bei SiLv. de 
Sacy) reichten bis zum Himmel, wie nach Kp. 9, 2* 
10 — II. die Stimme der von den Giganten Mifshan- 
delten. Der Gegenßand ihrer Anklage (^Silv. de Sacy 
überfetzt: ^j et (jutrebatur ^^^ nämlich „vox"), wird 
nicht genannt. Laurence bemerkt in einer Note zu fei- 
ner Ueberfetzung („while they were accufing"), man 
könne auch übertragen tadeln oder mifsbilligen 
(jfhlaming or reproving** fagt er). Man möge aber 
jene oder diefe Ueberfetzung wählen , es bleibt im- 
mer derfelbe Mangel an näherer Beitimmung des Ob- 
jectt. Auch darf nicht überfehen werden, dafs nach 
V. 6 und 7. nur eine anklagende Stimme da ift, näm- 
lich die des erfchlagenen AbeL Wahrfcheinlich foll 
indefs diefer eine dort nur befonders ausgezeichnet 
werden; es gab aber noch andere, welche eben fo, 
wie er, der Gewaltthätigkeit unterlagen. Man er- 
ianere Cch nur an Lamech'4 Prahlerei (i Mof.4, 23.) : 
einen Mann erfchlug ich, der mich verwundet u. f. w^ 
Vorsüglicb nahe liegt aber der Gedanke an die von 






250 Kap. 27. V. 6 — 7. 

6. Alsdann fragte ich Raphael, einen Eng 
welcher bei mir war, und fagtc: Weflen Geilt 
der , deffen Stimme (zum Himmel) reicht ®^) ui 
anklagt? 

7. Er antwortete und fagte: Diefs ift i 
Geift Abels , welcher erfchlagen wurde von Kai 
feinem Bruder, und er .wird ihn anklagen, bis fe 
Sa*ame vernichtet ilt von der Oberfläche der £n 



dem gigantifchen Gefcblecht Bedrückten und Ged 
teten. Denn Kp. 7, 13. waren die Giganten Ml 
rchenfreffer ; vgl. 8»9* 9» I — 3- lo, 18- ISt » 
vorsüglich aber 9, 10 — 12. 

83) Die Worte zum Himmel ßehen, wie die Parentbc 
, fcbon anzeigt, nicht im Texte, fondern find der leichte 
Yerftändlichkeit wegen bereits von Laurence eingeMl 
ben. Silv. de Sacy überfetzt: ,, cujus vox ita perti 
git.'* — V. 6 und 7. enthalten eine deutliche AnfpidiB 
auf I Mo f. 4. , und fcblielsen fich vorzüglich an die du 
V. 10. vorkommende Aeufserung Jehova's an: ,, d 
Stimme von deines Bruders Blut fchreiet zu mir ^ 
der Erde/^ Diefe Anklage foll dauern, bis fein G 
fchlecht auf der Erde ausgeht. In der Erzählni 
der Genefis vermifst man jede Andeutung, dl 
Abel Nachkommen gehabt habe, dasB. Henocfafchei 
diefs aber beftimmt vorauszufetzen« Auch lieht lOfl 
den Grund nicht ein, warum die Anklage gerftj 
fo lange ertönen foll, bis fein Gefcblecht ecl 
fcben iß. Wahrfcheinlich ift der Ausdruck Ul 
fchreibung für immer ^ fo dafs der Verfafler fich denl 
die Nachkommenfchaft erlöfche nicht vor der alli 
meinen und grofsen Umwälzung aller Dinge, wdd 
mit dem Weltgericht eintreten foll. Dafs die Vei 
6 — 8* infofern mit V. 5. nicht ganz überein fiimmt 
als dort der Klagenden viele Cndi hier aber .der As 



I 

Kap. 22. y. 8—10. 251 

8. bis feinSaame verfchwindet aus demSaa- 
men des menfchliclien Gefchlechts. 

9. Zu diefer Zeit alfo erkundigte ich mich 
über ihn und über das allgemeine Gericht und 
!agte: Warum iß einer von dem anderen ge- 
rennt? Er antwortete: dreies iß gemacht wor- 
len zwifchen die Geißer der Todten , und fo find 
die Geißer der Gerechten getrennt worden, 

10. nämlich eine Kluft, WalTer und Licht 
larüber ^•*). 



druck fo gewählt wurde , als fey Abel der einzige, 
ift fchon Anmerk. g2. angedeutet. Silv* de Sacy 
hat im Anfange von Y. 7. das Pronomen ,,miAi^* nach 
„dixit^^ ; dann heifst es : „anima, cjuae exiit de Abel/' 
and bald darauf „et de eo tjueritur.^^ Dea gteu Vers 
endlich überfetzt er blofs: ,,et pereat a fobole bomi- 
num fernen ejus.** 

84) Erzählung, Frage und Antwort in V. 9 — IG. ent- 
fprechen offenbar einander nicht ganz. Denn He- 
noch will tbeils über Abel belehrt feyn, was durch 
V. 6 — g. fchon gefchchen ift, tbeils über das Welt- 
gericht und dennoch fragt er, warum (why heifst es 
bei Laurence) die von ihm bemerkten Trennungen 
fiatt finden ? Auf diefes warum ? Aber läfst fich der 
Engel durchaus nicht ein, fondern berichtet in feiner 
Antwort nur, auf welche Weife die Trennung be- 
wirkt wird. Uud doch war die Erledigung der Frage 
fdbft gewifs leichter, als das, was mit Umgehung 
ihres eigentlichen Gegen Randes zur Sprache gebracht 
wird. Denn der Grund jener Trennung liegt natür- 
lich in den -^erfchiedenen Graden der fittlichen Güte 
oder Verdorbenheit; darnach zerfallen di^ Menfcben 
IQ mehrere Klaffen und werden defshalb auch äuftier- 
lich von einander gefchieden. Hier ift Ton den from' 



252 Kap, 22. V. 11 — 12. 

11. Und auf diefelbe Weife werden auc 
Sünder getrennt, wenn lie fterben und in dl 
Erde begraben werden , hat lie das Gericht nid 
ereilt bei ihren Lebzeiten. 

12. Hier werden ihre Seelen getrennt •?, 



men Menfchen die Rede, wie das vorhergehende m 
V. II. lehren, auch am SchluITe von V. p. ausdruä 
lieh angedeutet wird« Laurence ergänzt nach dim 
den Begriff Trennungen (feparations) ; die V. lo. gl 
nannten Gegenftände, welche eine Scheidung dk 
Seelen bewerkftelligen ^ bringt er mit dem letstti 
Satze des pten Verfes : ,,und fo find die Geißer dl 
Gerechten getrennt worden'^ in Conftruction, wi 
durch er £ch genöthigt fleht» davor die Partikel iIhtq 
(y^by a chasm , by water and by light ahove it^*) M 
fuppliren. Man hat vielmehr die Suhßantiven ii 
Nominativ zu falTen ; denn fie bilden eben die Tria 
der zwifchen den Geiftern befindlichen Trenn anßaltei 
Nach y. I. waren der für die Gerechten bereitettl 
lieblichen Plätze vier; auf fie beziehe ich unÜBD 
Stelle ebenfalls. Zwifchen dem erften und zweiM 
Platze ift eine Kluft befeßigt (vgl. Luk. i6, 36. fi 
Rede Abrahams an den reichen Mann im HadiBi. 

fxtra^u tifim Hai vfxwv j^afffxa fxiya £7T»)^iKT«iy Zxttti §i H 
kovTti liaßijvai ffv5tv te^S t^/^a« /^^ Suvwvrai^ fxyfit ot «KlZN 

ir^9( ^fxaq ^lonrf^fufffv), zwifchen dem' 2ten und ßten Ul 
det\Yairer die Scheidung, endlich zwifchen dem 3tii 
und 4ten ift Licht die Grenze. Das Licht erfcfaei» 
nach den Scblufsworten von V. lo. über dem Wulüt 

m. 

denn nur fo laflen fie Geh auffaflieu. (Das FronooMl 
„ u*^ in Laurence*! Ueberfetzung : y,above it*^ goh 
auf Wafler.) 
85) ^^^^^ ^^^ Wohoplatse der frommen Abgefchiedenfl 
nach Maafsgabe ihrer hohem oder geringern YoUe» 



Kap. 22. V, 12 — 14. 253 

[/eberdiefs iß ihr Leiden grofs bis zur Zeit des 
*rohen Gerichts, der Züchtigung und der Qual 
lerjenigen, welche ewig verfluchen, deren See- 
sn geftraft und gebunden werden bis in Ewigkeit. 

13. Und fo iß es gewefen vom Anfange der 
Telt an. So war dort vorhanden eine Trennung 
w^ifchen den Seelen derjenigen, welche Klagen 
orbringen, und derjenigen, welche laueni auf 
ire Vernichtung, fie zu morden an dem Tage der 
linder ^). 

14. Ein Behältnifs diefer Art iß gemacht 
i^orden für die Seelen der ungerechten Menfchen 
und der Sünder, derjenigen, welche Verbrechen 
dlbracht und lieh zu den Gottlofen gefeilt haben, 
lenen ße gleichen. Ihre Seelen follen nicht ver- 



dang in der Tugend fich fcheiden , fo ifi's auch bei 
den Sündern. Die Zeit bis zum allgemeinen Gericht 
ift für Ce nicht frei von Strafe; vgl. auch V. i«;. 
Wenn es heifst : ße verfluchen . ewig ( execrate bei 
Laurence) , fo find fie wohl felbft der Gegenfiand ih- 
rer Vervtrünfchungen , wie Kap. 6, 6. 
86) Was fchon aus dem Früheren leicht gefolgert wer- 
den konnte , dafs die Frommen , welche nicht einmal 
alle bei einander find , durchaus nicht mit den Gott- 
lofen nach dem Tode an einem Orte fich aufhalten 
werden, wird hier vom Engel noch ausdrücklich hin- 
sagefet2t«.— V. 14. wiederholt den Gedanken von 
V. II und 12« Nur wird noch den Seelen der Frevler 
ewige Dauer befiimmX, was fie wegen der au erdul- 
denden Strafe kaum wünfchen durften, und jede 
BoSipung zum Entkommen aus dem Orte der Qual 
abgefcfanitten. Ob auf eigentliche Auferfiehung hin^ 
gedeutet fey, wage ich nicht eu entfcheiden; Lau^ 
^4KC€ hat arife. 



254 Kap. 22. V. 14— 15. Kap. 23. V. 1 — 3. 

nichtet werden am Tage des Gericlits , noch f 
len fie auferßehen von diefem Platze. Alsda: 
pries ich Gott, 

15. undfagte: Gepriefen fey mein Herr, i 
Herr der Herrlichkeit und der Gerechtigkeit, wi 
eher regiert über alles von Ewigkeit zu Ewigke 

K a p. 23. 

1. Von da ging ich zu einem anderen Plati 
gegen Weßen, bis an die Enden dcrF.rde, 

2. wo ich ein Feuer lodern und ohne All 
hören fortlaufen fahe, welches feinen Lauf wtfd 
bei Tage noch bei Nacht unterbrach, fondem 11 
mer dcnfelbcn forlfetzte ®''). 

3. Ich erkundigte mich imd fagtc: Wtoi 
dicfs, welches niemals aufhört? 



37) In Weßen (f. V. i und 5.) ift die Nalirßatla i 
Feuers, welclies nach der Anficht des Verfaßen. 
den Himmelsköq)ern brennt und Licht wie Wirt 
gibt; vgl. auch Anmerk. zu Kp. 17, 4. Das Ü 
aufhorliche feines Laufes wird recht bervorgehoba 
liefse das Feuer je nach, fo würden Sonne, Moi 
und die Geßirnc erlöfcben. In Welten geben dk 
unter« daher fcbeint das Feuer dortbin zu eOi 
Raguel (vgl. V. 4.) ertbeilt darüber AuffcbluGi, iQ 
er nach Kp. 2C, 4. ,, Strafe über die Welt und 1 
Lichter verhängt,«' alfo aufzumerken bat, dali j 
ihren Lauf su rechter Zeit antreten und ▼ollendtf' 
weil er Iie fonß, wie die 7 Sterne Kp. ig, 14., k' 
Strafe verurtbeilen müfste. Den Gegcnßand didT 
Kapitels combinirt das Buch mit dem vorhergeb« 
den, weil das Schattenreich ebenfalls iu der WH' 
gegend lag (f. Kp. 22, !.)• 



Kap. 23. V. 4 — 5. K.np. 24. V. 1. 255 

I 

4, Darauf antwortete Ragnel, einer von den 
ilit^en Engeln , welche bei mir waren, 

5. und fagle: Diefes lodernde Feuer, wei- 
ss du gegen Wefteil laufen liehefi, ift (das) aller 
chter des Himmels. 

Kap. 24. 

1. Ich ging von da zu einem anderen Platze 
idfahe einen Berg von Feuer, welches aufloderte 
wohl beiTage als beiNacht. Ich ging nachihm 
i, und nahm fieben glänzende Berge wahr , wel- 
le alle von einander verfchieden waren ®s). 



^) In der Ferne fleht Henoch einen einzigen Berg, 
als er aber in die Nähe kommt, bemerkt er, dafs es 
eine Gebirgsreihe war, deren einzelne Berge fich 
nun deutlich markiren und Heben an der Zahl, in be- 
ßimmten UmrilTen hervortreten. Bei den drei öfilich 
liegenden fowohl als den drei nach Süden zu lieh 
erhebenden (V. 2.) bemerkt er noch, dafs ße nicht 
neben, fondern über einander Heben« Es find diefs 
alfo eigentlich zwei Berge, deren jeder in 3 Abfatzen 
auffleigt, fo dafs der mittlere fleh über dem erfien, 
und der oberfle über dem mittlem wie auf leiner 
Grundfläche erhebt. Natürlich gewinnt dadurch die 
Höhe und das gewaltige Anfehen derfelben. Diefe 
Berge erfcheinen wegen ihres glänzenden Geßeina 
wie Feuer (V. i.) ; die Beltimmung derfelben erhellt 
aus, V. 8* » und ße ßnd fo prächtig , weil ße einft der ' 
Thron Gottes werden Tollen für den Act des Welt- 
gerichts. Ganz ähnlich war Kap. ig, p -. lo« die 
Schilderung der 6 Berge , von denen auch 3 gegen 
Süden und 3 gegen Oßen lagen. Daraus möchteich 
für jene Parallelftelle folgern , dafs auch ße von die- 



256 Kap. 24. V. 2 — 3. 

2. Ihre Steine waren glänzend und fchöi! 
alle waren glänzend und prächtig ahzufeheiiy ufl 
fchön war ihre Oberfläche. Drei waren gegj 
Oßen und dadurch verftärkt, dafs einer auf 3| 
andern geftellt war, und drei waren gegen Südtf 
verftärkt in einer ähnlichen Weife. Da waren ani 
tiefe Thäler, welche einander nicht nahe kamen • 
Und der fiebente Berg war in der Mitte derfelbe: 
In der Lage glichen fie alle dem Sitze eines Thr< 
lies, und wohlriechende Bäume umgaben fie, 

3. Unter diefen war ein Baum von einas 
unabläfligen Geruch; auch von denen, w^elche i 
Eden waren von allen den riechenden Bäumü 
w^ar keiner von Geruch wie diefer. Sein Laub, feil 
Blüthe und feine Rinde wurden niemals ^PigP 
und feine Frucht war fchön. 



fem Gottestbrone ein Gemälde liefern wolle; -diaC 
fchreibung i(t alfo nicht müfsig. Die Isleinen DiS 
renzen (dort 6, bier 7 Frachtberge) in den Angahb 
lind dagegen nicht in Anfchlag zu bringen« 

gp) Thäler find in Gebirgsgegenden unvermeidlich| j 
her werden folche auch in diefem Zufanimen1u|ll 
erwähnt. Ihre Richtung ifi aberfo, dafs fie fich isif^ 
berühren , noch weniger in einander auslaufen. ,1^ 
Fhantalie des Referenten fetzt fie wohl hauptlSd 
zwifchen die öftliche und füdliche Gebirgsreihe^j 
der Mitte derfelben (wahrfcheinlich der Thäler^ 
kann es auch heifsen der Berge , welche je di 
fammengebörten) fleht der 7te Berg, wohl der Hl 
gipfel des ganzen Gebirgs. In feiner Lange it\ 
Gebirge Bild eines Sitses, wie er auf ThroneaT 
befindet; V. g. wird Henoch belehrt, daft et 
frirUich als Thron benutzt werden foU. 



Kap. 24. V. 4. 



257 



4. Seine Frucht glich der Traube der Palme ^)* 
-}i rief aus : Siehe ! diefer Baum ift trefflich zum 
^feKen, angenehm in feinem Laube , und der 
UibUck feiner Frucht ift ergötzlich für das Auge. 
Qvauf antwortete Michael^ ), einer von denheüi« 
g^ und herrlichen Engeln , welche bei mir wa- 
ren, und ( einer y) welcher ihnen vorltandi 



90) Auffallend ift es, dafs gerade auf den Woklgerueh dei 
Baomes yorzugs weife ein hohes Gewicht gelegt wird ; 
▼gi. auchV. 5-9 »nd 10. 28» 2. 29, 2. 30. 2. 31,3.4.. 
NachKp* 24» IG« hat diefer zugleich herrliche und kräf- 
tige Geruch diefelbe Wirkung, welche nach ilVIof. 2» 
22.derBaum des Lebens hatte. Ich würde den Baum 
für diefen halten , wenn es nicht ausdrücklich hiefse, 
dab kein Baum in Eden ihm an treruch yergleich- 
W gewefen fey. Wahrfcheinlich dpchta fich der 
Hcferent unter diefem Wunderbaume eine Palmenart ; 
denn es ift bekannt, dab die Blumen mehrerer Palmen* 
arten fehr wohlriechend Und« Der Ausruf Hanoch^a 
aber die Schönheit des Baumes erinnert an den 
I MoL 3, 6- gebrauchten Ausdruck* 

91) Diefer Engel gibt Auffchlufs» weil er der Vorfiand 
der Völker ift und über ihre Tugend wacht (Kap. 
iU>f 5.)» ^^°° die Stelle handelt von Belohnung der 
Tagendhaften (C ¥• 9 -^ IG.)« Hier heifsen die En» 
gel, welche Henoch geleiten , nicht blofs heilige^ 
jfne fonft gewöhnlich, fondern auch herrliche Engel 
(^ghrious bei Laurence'); diefe B^ennung kommt 
nicht weiter im B. Henoch vor. Die Schlufsworte 
dea Verfem fcheinen zu fagen, dafs Michael Vorftehet 

' der übrigen bei Henoch befindlichen Engel tey ; al« 
lein dieb find ja Uriel^ Raphael, Raguel. Sarakiel» 
Gabriel ^ welche ihm am B^nge gleich find (Kp. 2O9 

anah Haaadu 17 



\ 

^ 



258 Kap. 24. V. 5—8. 

5. undfagte: Henoch, warum erku 
du dich über den Geruch diefes Baumes, 

6. biß begierig diefs zu wiflen ? 

7. Alsdann verfetzte ich , Henoch , 
fagte: In Betreff jedes Dinges bin ich 
nach Belehrung y doch vorzüglich in Bei 
fes Baumes. 

8. Er antwortete mir und fagte 
Berg ^^) f welchen du fichefty und deflen ] 



I S» 17, I S.), Ich bin daher geneigt, d 
man nicht auf das zunächft vorhergehende 
vum Engelf fondern auf die vorher erwabi 
(die Berge , die herrlichen Bäume) zu beci 
dieft auch im Hebräifchen bekanntlich < 
fchehen mufs (Gefenius Lehrgeb. d. hehr. Spi 

92) Eigentlich erkundigt hatte ßch Henoch n 
nach dem Baume und feinem Gerüche, fonder: 
Bewunderung darüber laut werden laHen. 
auch hier abermals eine kleine Ungenauig]^ 
Darfteilung, wie Kp. 23, 9 ff. Nachdeo 
nun V. 7. feinen Wunfeh nach Auffcblufs 
Wunderbaum ausdrücklich erklärt hatte, ^ 
zwar gegeben, aber zugleich mit Nachwc 
Zweckes der aufgethürmten Berge. Vor 
gänst Laurence die Fragpartikel {Wky^ ^ 
wogegen allerdings nichts zu erinnern ift. 
letzten Worte deHelben Verfes (to know U 
r€nce^ mufs das Pronomen (dieis) auf den gf 
hergehenden Sats in V. 5. bezogen werden 

. 93) Berg fteht hier wieder» wie V* i. , von i 
Gebirgsreihe. Der Herr der Herrlichkeit 
lieh Gott (vgl. V. n. Kp.22, 15. 35f3)5 I 
wird Chriftus fo genannt. In den meiften 
ten Henocb'i ift die gewöhnliche Beseichnun] 



Kap. 24. V. 8 — 9. 



259 



Ausdehnung dein Sitze des Herrn gleicht, 

der Sitz feyn , auf welchem fitzen wird der 

e und grofseHerr der Herrlichheit, der ewige 

ij^'enn er kommen und hcrabfieigen wird, 

die Erde mit Güte heimzufuchen. 

9. Und dicfen Baum von einem angenehmen 
nicht von einem fleifchlichen ^) , wird 
nicht anrühren können bis zur Zeit des gro- 
Gerichts. Wenn alle beitraft und für immer 



Btrr der Geifier, Ewiger König (vgl. auch V. g 

mi 15.) heifst Gott, wie oft in den Schriften des 

jLT.; auch der Ausdruck: ,, die Erde heimfuchen^' 

2 beliebte biblifcbe Ausdrucksweife. Der Gedanke, 

Vricben dieCer Vers entbült, ifk Veranlaflung , dafs 



Kapitel gerade an diefer Stelle £fb befindet. 
El wurde nämlich der Strafort der Sterne (Kap. 13, 
13 £ 31» I — 3O» der abtrünnigen Engel (Kap. 
X9i I*— 3*; 21» 4 ff-) 9 der Aufenthalt der t'rommen 
nnd böfen Menfcbengeifier (Kap. ai.) gefcbildert; 
Uir natürlich verfallt der VerfalTer nun auf eine Be- 
kbreibung des einfiigen Ricbtplatzea, und diefe bil* 
Jet eben den Inhalt diefes Kapitels, Unterbrochen 
Wurde freilich die Reihenfolge durch Kap. 23. ; allein 
ieb läfst Cch dadurch entfchuldigeu , dafs die darin 
'ddacte Bewegung aller Lichtmatarie in abendlicher 
itung gerade in eben der Weltgegend bemerkt 
^Vird, wo der Sammelplatz der yon der Erde Ab« 
plchiedenen ift. 

Wörtlich: »»von Fleifch;** fein Gerach ift nicht^in 

'Uiicher. FUifckj eigentlich Bezeichnung der hin- 

ttUgen, fterblichen Menlchen, hier alles delTent was 

angehört^ fich auf ihrem Wohnplatze befindet ; 

|A ift ßeifeUUher Gemch ein folcher, wie er auf 

4r Erde Torkosnmt. 

17» 



gebene Weltgegend , wo das neue Lebet 

werden foll , einige Dunkelheit und Seh 

Denn der Gedanke, welchen He enthalt, 

auch der Ausdruck» ift ähnlich dem Ausfp 

VOf 31 ff. Es fragt Geh, weichet ift diehi 

und was wird unter der Wohnung des « 

nigs verftandeh? Da der Yerfaffer den 

Volke angehört, könnte man Cch geni 

Hindeutung auf das Nationalheiligthum 

und ai|tl-die Hoffnung ausgefprochen su £ 

im heiligen Lande» in der Nahe desTe 

frommes und gerechtes* Gefchlecht gegrün 

foUe (vgl. Jef. 4, 2 ff. 9 hefonders V. 5 u 

60 und fonß). Für eine folche AuffalTunf 

Geh auf Kap. 89, 36. herufen, wo der . 

grund, in welchen die Sünder geworfe 

auf der rechten, d. i, füdlichen, Seite d« 

(denn diefer ift das dort erwähnteHaus) hc 

Dem Schriftfteller fchwebt dort das berücl 

Hinnom vor, welches von Jerufaiem überh 

vom Tempel, in füdlicher Richtung liegt. 

den von der heiligen StStte, der Wohnun 

gen Königs, lag die altere Stadt, fpfitei 



Kap. 34. V. 9 — 10. 261 

erden an der heiligen Stelle, gegen die Woh- 
img des ewigen Königs. 

iO. Alsdann werden fie lieh fehr freuen und 
ohlocken in dem Heiligen ^). Der angenehme 

,,lieblich erhebt Cch — - — der Zionsberg, an nörd- 
licher Seite des grofsen Königs Stadt.** Will man 
diefe Deutung nicht gelten laflen , fo bleibt nur die 
Annahme übrig, dafs .^die- Wohnung des ewigen Kö- 
nige** eine idealifche fey, welcher das heilige, in Nor- 
den befindliche, Gebiet der neuen, gerechten Genera- 
tion gegenüber liege. Es liefse fich dann wohl die 
Yorftellung eines heiligen Götterberges in Norden 
damit verbinden , welche bekanntlich Jef. 14, 13. 
*(vgL Gefenius Comment. s. Jef. 3 Th. S. 316 ff.) 
erwihnt^und von Hitzig (Begriff d. Krit. am A. T. 
{^eigt S« 50. ) auch Ff. 4g , 3« angenommen wird. 
Veranlaffung zu diefer Anßcht gibt weniger die öf- 
ters Torkommende Schilderung einer Gebirgsreihe» 
welche den Thron Gottes bilde für das Geriebt (vgl. 
in unlerm Kap. V. i — 3. I8» 9 — IO.)» i^^^ diefe 
bafiand fich nicht in der Südgegend (f. ig, g.); fondern 
Tielmehr theils der bier gewählte Ausdruck, theils 
die fonfiige Benutzung mythologifcher VorftMun- 
gen des Alterthums in dem Buche (f. Anmerk. zu 
Kap. 17, 5.). Der Norden wird auch in zwei an- 
alem Stellen des Buches in einem Zufammenbange 
erwShnt, welcher auf die Nähe der göttlichen Woh- 
nung hindeuten möchte ; nämlich Kap. 69» 3* t be- 
Ibndera aber 76 9 4. , wo die meiliwürdigen Worte 
▼orkommen: ,,der dritte Theil des Nordwindes fey 
Kr's Paradies." 

9© Gott heifst , wie im A. T. , fo auch im Buche He- 
nooh, zuweilen blofs der Heilige, als Kap. i, 3^ 
'^1 X. 64, XI* 92, 19. 96, 4.9 oder der heilige Herr 



262 Kap. 24. V. 10. 

Geruch wird in ihr Gebein dringen , und fic wi 
den leben ein langes Leben auf der Erde, wie de£ 
Vorfahren gelebt haben, und nicht wird in ihren ^ 
gen Kummer, Elend, Unruhe und Strafe fie quäk 



(90, 8- 9*)» ^^^ beilige Herr der Geifier (39, i: 

u. f. w. , weil aufser feiner Grofte und Erhabeab« 

die Gerechtigkeit und Heiligkeit als feiae wefaa 

lichften Eigenfcliaften in dem gerclüchtlicben Thjfl 

diefer Schrift hervortreten. Wie Ezech. 37, 9. 4 

Hauche Jef. 26, I9. der Tkau das Mittel der WieS 

belebung find, fo wird hier der herrliche, durcblcJ 

gende Geruch das Leben erhaltende Princip* C 

Baum des Lebens in der biblifchen UeberliefinnB 

(I Mof. 2,9- 3, 22.) bietet ebenfalls eine PAnj|i| 

und hat vielleicht die nächlie VcranlaHung su 

Anficht des Schriftßellers gegeben. Es gewährta^. 

Frucht jenes Faradiefesbaumes allein durch ilHi 

Genufs ein langes Leben ; hier ift ein folchet Gffli 

üien allerdings nicht ausgefchloITen (L Y. 9.), i| 

doch auch nicht allein als Grund hohen LebentalC 

bezeichnet. Im Zendaveßa (3 Th. S. 105. d. deuul 

UeberC von Kleuker) herrfcht die Anficht . dalä^ 

Baum Hom Leben gebe; er faeifst der gefund f0t 

fhichtbarmachendei der todvertreibende, wachllp 

Arduifur's Quelle; wer von feinem Wafler 

trinkt, wird unfierblicb und diefes wird sur A 

bung den Todten das Leben geben« Langes Lebev 

der Erde wird verbeifsen, wie 6, II. 12» lo, 

Henocbs Vorfahren erreichten alle ein hohes Aüp 

Adam wurde 930» Seth 912, Enos 905, Kenan-^^ 

Mabaleel 895 t lared 962 Jahre alt nach i Mo^^ 

Eine folche Lebensdauer foli wieder eintreten; aP 

das Leben foll auch ein glückliches fejn (rgL t§ f^ 

6, 9. IJ — 12. lo> S3 — 34. 26.). 




Kap. 24. V. 11. Kap. 25. ,V. 1. 263 

11. Und ich pries den Herrn der Herrlich- 
sit, den ewigen König, weil er bereitet hat für 
e HeQigen, ihn^) gemacht und verkündigt, dafs 
ihn ihnen geben werde. 

Kap. 25. ^) 

1. Von da ging ich zu der Mitte der Erde und 
he ein glückliches und fruchtbares Land, welches 



97) Namlicli fenen unfchätzbaren Baum; Laurenee 
fchiebt daher in feine Ueberfetaung nach dem Worte 
„bereitet ein: „tbit tree.*^ Geliebte er&eulicben 
Inhalts pflegt Henoob gewobnlicb mit einer folcben 
Doxologie zu befcblielsen, alt 22j 14. 15* 269 4* 35» 
3* 39i 9— 12* 80, 4—5- 13* 89» 48- • vgl- aucb82, 
U- 83v X ^' ^*g^g^^ reibt ihn anderswo fein Ge- 
fühl auch au webmütbigen AeuCserungen bin» als 
K*P- 88» 106. 89» 5- 49 — 5o., vgl. auch 94, x. 

9g) Der Inhalt diefes und des folgenden Kapitels ban- 
gen genau zufammen ; denn hier ift die Schilderung, 
dort die Deutung des GeCebenen. Wie überall in 
den Kapiteln, welche Uenocb's Reife durch die Welt 
beCchreiben , ift auch hier die Nachwelfung der ge« 
Ichilderten Gegenfiände gar fcbwierig und unficber. 
Das gefegnete Land, welcbes Henocb Cebt, ift wohl 
Paldßina. Denn es foll in der Mitte der Erde lie- 
gen; dort aber befindet fich nachEzecb. 5, 5. 28» 12- 
(Cinde(s Ao/enmü^/er'f bibl.Ältertbumsk. iBd. S. 150 
—151. über letztere Stelle), und felbft nach der Mei- 
nung der morgenländifchen Gbriften in der frühem 
Zeit ( TertuUian und Hieronymus zu Ezech. 5,5.; 
tgl. TertuUian adverfus Marcion. 1. II. v. 196. ; Vi- 
^v^rinuf Pictavienfis de cruce im Anfange; Eutychius 
m Csinen Annales F. U. p. 286« ed. Ed. Poeock 



I 



\ 



264 Kap. 25. V. 1 

Zweige enthielt, immerwährend fproflend aiu c 
Bäumen, welche daraufgepflanzt waren. Dafii 
ich einen heiligen Berg und unter ihm Wafleri 

v. r. w.) Faläfiina; die Schilderung diefes Lad 

«Is eines überaus fruchtbaren ift den Nachrichten i 

A. T. angemeflen. Vgl. mein. Entwurf d. bebr. i 

terth. S. 246 ff. Ift meine Anficht von dem bUr | 

meinten Lande richtig, fo kann der heilige Bil 

denHenoch gewahr wird» nur vom Tempelberg§ i^ 

fianden werden, «und mit diefer Annahm« vertragffl 

auch die übrige Befchreibung der Gegend. Sil 

öfijicb unter dem Berge befindet fich ein nach. Sil 

flielsendes Wafler; diefs ift der Kidron, waWt 

awifchen der Stadt und namentlich dem Berge IM 

und dem Oelberge in einem engen und tiefan Sl 

dem todten Meere zugebt. Der Berg auf der ^ 

feite ift der Oelberg , einet der bedeutendften Bil 

]VlitteIpaliifiina*5 mit mehrem Bergfpitzen ; die II 

1er in feiner Nahe find , wie das B. Henocb fit | 

fcbreibt, fchmal und tief, als das fchauerlicbe II 

Jofaphat zwifchen Oelberg und dem Morim , dnsi 

floflen vom Kidron und am todten Meere «uslau&l 

dann das Thal Gdhinnom^ füdlicb von der Stadt J 

gegen Morgen an das Thal Jofaphat anfiolaend-ii^fil 

Der weßlicb vom Oelberge liegende Berg ift en^ 

der wieder der Moria, oder es find überbaupn 

Hügel, auf welchen Jerufalem erbaut war;>l 

erftem Falle ift das gegen ihn ftrömeode Wal 

der Kidron, im zweiten dagegen der weftlich 

fpringende und dann oßlich firömende Siloa. I 

die letitere Meinung fcbeint der letzte Sats ^ 

V* a« : „unterhalb war ein anderer Berg** zu fpredhi 

Ea ift namlioh gar nichtt Ungawöbnlichet , die y 

fcbiodiiien Borge , ana welchen die heilige Stadt' 1 



Kap. 25. V. 1—3. 265 

sr dltlichen Seite, welches gegen Süden flofs. 
h fahe auch auf der Oltfeite einen andern Berg» 
len fo hoch wie diefen, und zwifchen ihnen 
aren tiefe, aber nicht weite, Thäler. 

2. Wafler flofs gegen den Berg weßlich von 
lefem, und unten da war wieder ein anderer Berg. 

3. Da war ein Thal , doch kein weites , un- 
r ihm^), und in der Mitte von ihnen waren 



ftand i als einen einzigen zn betrachten , deHen ver- 
fcbiedeäe Theile nur durch fteile» fpäterhin meift aus* 
gefuSte Schluchten getrennt waren ( daher Zion ge- 
radezu f lir Jerufalem ; T. Ff.7g, 2^ 5- 32. I02, 14. 17. 
IIQ, 3. Jef. 4, 3. IG, 24.)* I^em Thal Gehinnom 
im Süden erhebt Heb allerdings ein ßeiler , an Fel- 
Csngrotten reicher, aber meines WilTens von kei- 
nem Neüern genau unterfuchter Berg, fo dafs die 
Localhat völlig fo fich geßaltec, wie es unfer Buch 
ausfpricht. Aber auch die erfiere Erklärung läfst 
fich vertheidigen ; der Berg unterhalb i& dann der 
eigentliche Berg Zion, welcher den fädweftlichen 
Tbeil der Sudt bildete, 
99) Das Thal unter dem auletzt erwähnten Berge, 
«in mag nun darunter den Zion im enge^ü Sinne, 
oder den ihm füdlich gegenüber emporragenden Berg 
ferftehen, ift o£Benbar das Thal Ben Hinnom, wel- 
dies mit dem Tbale des Kidron ztiCammentrifft und 
als deren Fortfetzung das Königsthal anzufehen ift. 
h der Mitte der genannten Berge find allerdingt 
mehrere Schluchten , welche kein WaHer enthalten ; 
b swilchen dem Zion im engern Sinne und dem 
Akra mit der Unteiftadt (das Käfemacherthal) , swi« 
fehen dieCem wiederum und dem Tempelberge u. f. w. 
Oofepk. ^0 bell- Jud. V, 4. JJ. !.)• ^^ -EimI# der 
irn entweder Berge , fo viele waren nämlich nam- 



266 Kap. 25. V. 3. 

andere tiefe und trockene Thäler gegen das Ei 
der dreL Alle diefe Thäler, wdche tief, al 



1 

haft gemacht, oder Thdler, Ware letzteres gemeinti 
find das Thaljofaphat auf der öfilicben Seite, dasTl 
Ben Hinnom im Süden und das Thal auf der Aba 
feite der Stadt Jerufalem zu vergehen. Das Ki 
macherthal mündete aber nach Jofepbus (a. a. C 
in das Thal des Siloa und die übrigen Thaler iai 
halb der Stadt hingen mit diefe m zufammen. jl 
waren alle von anfefinlicber Tiefe , aber geiii| 
Breite , wie unfer Buch ganz richtig bemeiftt. 1 
Gebirge bei Jerufalem ift Kalkgebirge und Tollerl 
1er Felfen ; daher heifsen die Bewohner dieler Sui 
fchon Jerem. 21 , 13. Bewohner des Thals , d€tm 
ftns\ auch fagt Jofephus (a. •. O. ): tinach A4| 
aber waren die beiden Hügel (Xo^oc) der Stadt .| 
meint Zion und Akra) mit tiefen Thüem umgit 
und wegen ihrer fchro£Fen Felswände (n^^if^w^y^ 
beiden Seiten, nirgends zugängliche^; und 5in 
(Xi. XVL cp. 2. $• 36. } berichtet von der Stdl 
worauf Jerufalem erbaut worden, t^n yk^ xsr( 

„fie ifif^lfig und hat eine unfruchtbare und waflerii 
Gegend im Umkreife/* Diefe Angabe des Sttf 
TOn der Rauhheit des Bodens in der Nahe JeruDalii 
muls allerdings als richtig anerkannt werden; t| 
ganz unfruchtbar iß das Land hier keinesweges, t 
war wenigfiens zu Olivenpflanzungen und Weiak 
gen geeignet (5 Mof. 32, 13* Joel 4, ig. Anoap,-: 
Tgl. mein. Entwurf d. hebr. Alterth. S. 247 — | 
Aer Talmud bezeichnet die Umgegend von Jerolal 
fbgar als fruchtbar ^ und gewifs ift , dafs daa Tl 
Repkaim auf ihr Südfeite der Stadt, nach Bethl^ 
SU| durch Fruchtbarkeit lieh auszeichnete (Jef. 17, < 



' Kap. 25. V. 3. Kap. 26. V. 1. 267 

[cht weit waren, beitanden aus einem feiten Fel- 
n mit einem Baume, welcher in üe gepflanzt 
ar. Und icH wimderte mich über den Felfeu • 
id über die Thäler und war äufserlt erftaunt. 



Kap. 26. 

' 1. Alsdann Tagte ich: Was deuten an diefes 
Segnete Land, alle diefe hohen Bäume und das 
erwünfchte Thal ') zwifchen ihnen? 



j) Die Bäume find wohl yorzugsweife die Tiden Oli- 
ven, welche den, Jenifalem benachbarten, Oelberg 
C^mückten ; übrigens tragt er jetzt auch Wein , Gi- 
tionen • , Mandel -, Dattel - und Feigen • Baume (Ao- 
fwmülUt^s bibU Altertbumsk. 2 Bd. i Th. S. ZI80- 

' Db^ verw&nfchte Th$l ift das des Hinnom (Ge-Hin«> 
nom) , welches durch den einft dort begangenen Mo- 
lochtdienft übel berüchtigt , unter Jofias aber verun* 
reinigt (2 Kön. 23, lo. Jer. 7, 31- 19» 5* 6. 33, 35-) 
und den Juden daher Bezeichnung der Hölle und ih- 
res Feuers wurde , wahrEcheinlich wegen des yerab» 
Icheuungswürdigen Opferfeuers,' welches einft dort 
in Menfchenopfern aufloderte. Daher bekanntlich 
•ach der Name Tkwai im N« T. (Matth. 5, 23. 
Ig, 9* Mark, 9, 43. Luk. 13, 5* )• Uebrigens ift die 
Torftellung, dafs bei Jerufalem das Gericht gehalten 
Werden foUe, durch den Namen des Thaies Jofaphat 
(CSTtün^ Jekova richtet) veranlafst- und Joel 4, 2. 
lagt Gott: ,„ich verfammle alle Völker und führe Ce 
„hinab ins Thal Jofaphat und rechte mit ibnen da- 
„Celbft u. L w. •* Vgl. daf. V. 17 und 19. Wenn 
Crginer (der Prophet Joel überf. und erkl. S. 34g.)t 
befondera mit Bezug auf den verwandten Ausfpruch 



268 Kap. 26. V. 2. 

2. Darauf verfetzte Uriel, einer von i 
heiligen Engeln, welche hei mir waren: Dil 
ift das verwünfchte Thal der Verwünfchten bij 
Euiekeit. Hier follen verfammelt werden a 
welche ausitofsen mit ihrem Munde ungeziemei 
Reden gegen Gott, und widrige Dinge fprec! 
von feiner Herrlichkeit. Hier werden fie verfa 
niilt werden» Hier wird ihr Land feyn. 



Hof. I, 5. (y,E8 gefchieht zu felbiger Zeit, dab 
zerbreche den Bogen Ifraels im Tbale Jesreel**), 
markt, Jofapbat bezeichne Kein beftimmtea T1 
fondem es fey überhaupt dasjenige , in welchen 
Niederlage der Feinde erfolgen werde, fo InCttl 
für diefe Behauptung allerdings das Ideale der | 
zen Schilderung geltend machen , wie denn mxHsk 
Bedeutung des Namens Cchtlich die Wahl delTelbeai 
anlafste; allein auf der andern Seite iß es dpdi 
wifs y dab die Propheten bei ihren Darftellangoa • 
Localitäten ihres Vaterlandes berückfichtigten undj 
Beachtung der Bedeutfamkeit des Namens anwea 
ten. Ja man kann dreift behaupten , dafs auuftt 
Aeufserung derfelben lediglich auf folcher ComU; 
tion beruht j ich erinnere nur an den nach Pam 
maßen hafchenden Abfchnitt Jef. 24 — 27,, befoiidl 
aber an Zephanja« welcher unaufhörlich mit den 1 

men und ihrer Bedeutung fpielt. Wie alfo oj| 

D^ISTEfn Joel 4 » 23. mit Recht von Credner (a. a/ 

S. 254*} nicht für ein blofses phantafiirchcf GebL 
gehalten, fondem vom Tbale des Kidron verfianc 
wird, fo glaube ich, darf auch in den andern Stdl 
nicht angenommen werden, dafs den Propheten b 
beßimmtes Thal vorgefchwebt hätte» wenn £• c 
Thal Jolaphaty das Thal JeTreel u. f. w. neimi 



Kap. 26. V. 3—4. 269 

3. In den letzten Tagen foll ein Beifpiel 
'on Gericht gehalten werden über lie in Gerech« 
igkeit vor den Heiligen, wo diejenigen, welche 
inade erhalten haben , bis in Ewigkeit» alle ihre 
'age, preifen werden Gott, den ewigen König. 

4. Und zu der Zeit des Gerichts Tollen lie 
an preifen für feine Gnade, weil er lie ihnen er- 
teilt hat. Alsdann pries ich Gott, wendete mich 



Hieronymus und Cyrillus von Alexandrien belehren 
unj in ihren Commentar. su Joel ( f. die Stellen auch 
bei Crednßr a. a. O. S. 350 und 251.)» ^afs die Juden 
ihrer Zeit das Thal Jofaphat in der Nähe Jerulaknis 
als die Stelle des Gerichts betrachteten« Die jüdifchen 
Erklarer Kimchi^ Aharhenel u. f. w* find derfelben 
Meinung ; ja es wurde hei den Juden , den ChriAen, 
befonders den orientalifchen , und den Moslimen all- 
gemein verbreitete Anficht, dafs dort die Gerichts* 
Satte feyn folle. Dab danfit das Befireben der Juden 
zufammenhange, ficb im Thale JoCsphat beerdigen 
stt lafFen und der Wahn, dafs die Leichname der 
Frommen surAuferftehungbis dorthin unter der Erde 
ficb fortwSlzen werden , hat fchon Cr^dner (a. a. O. 
S. 25X — 53.) unter Anfügung der Quellen nachge« 
wieTen. Jener Glaube von einem Gerichte in der 
Nähe der heiligen Wohnung Gottes war auch der 
des Ver£iffers diefes Buches ; daher die in Kap. 25 
und 26« gegebene Vifion und ihre Deutung uns ge- 
rade dahin verfetzt. Dafs diefe Kapitel gerade diefe 
Stelle einnehmen, hat feinen Grund darin, dafs der 
Verf. in diefem Zufammenhange überhaupt meift von 
im letzten Entfcheidüng über die Engel« Sterne und 
Menfchen fpricht und alfo auch der Zeit und des 
Ort0s gedenken mubtei wo fie erfolgen follte« 



270 Kap. 26. V. 4. Kap. 27. V. 1. 

2u ihm und gedachte , wie es £ch geziemt 
ner Gröfse^)* 

Kap. 27.3) 
. 1. Von da ging ich gegen Oiten zu dei 



2) Ueber 'dieFen Schlufs diefer Abtbeilung der 'S 
Bemerk, zu Kp. 24« II. 

3) Die zunacbft folgenden Kap. 37 — 2^*$ alle d 

geringem Umfange, enthalten Angaben und 

derungen » welche nicht fo , wie die frühem 

nicht durch die Belehrungen eines Engels » na 

ftimmt und erläutert vrerden. Eine natiirlichi 

davon ift, dafs bei der aphoriHifchen Form di 

ftellung nichts Genaues über den Sinn und > 

deutung des Einzelnen gegeben werden kann, 

man auch den Zweck des Ganzen erkennen 

Denn letzterer ift offenbar kein anderer , \ 

Grofse und Güte Gottes in der Natur nachzui 

Wahrfcheinlich fchweben dem VerfalTer auch l 

fem Berichte, wie bei den früheren, befiima 

genden vor Augen, welche ich indefs beide 

fsen Allgemeinheit des Ausdruckes nicht alle n 

weifen weifs, wodurch fie freilich an Anfchauli 

fowohl als an Interefle bedeutend verlieren. 

et uns aber felbft mit einzelnen Stellen der k 

Ichen Bücher des A. T. nicht belTer, ich ei 

nur an die Lage von Eden 1 Mof. 2, g C , i 

uns dieCi um fo weniger bei einem Werke aui 

worin fidi der VerfalTer nath Herzensluft in pha 

reichen, suweilen felbft phantaftifchen tuid ban 

Schiiderangen sü' ergehen, nicht den mindefif 

Aund nimmt, fpndern vielmehr durch das Neb^ 

und Scbvrijnmende des Gedankens für fei» 



Kap. 27. V. 1. 271 

Jcs Berges in derWüße^), wovon ich nur die ebene 
Oberfläche wahrnahm. 



duction einzunehmen und die Aufmerkfamkeit det 
LeTer zu feCeln und zu fieigem fucht,. welche cpie 
hlofft paränetUcbe Schrift yielleicbt gar nicht, oder 
doch nicht mit dem gewünfchten und erforderlichen 
Emfie beachtet haben möchten« Wie fchwer ift es 
überhaupt, wenn das Spiel der Phantafie einmal be- 
gonnen hat, die richtige Grenze darin zu halten 
imd nicht auszufchweifen ! - Uebrigena dünkt mich, 
geht die Apokalypfe imaN. T. hierin yiel weiter, 
als das Buch Henoch, 

^ Steht diefea Stück an feiner richtigen Stelle, lo 
ift es fchwer, den in diefem Yerfe erwäbntea Berg 
aachzu weifen. Denn dann wendet fich Henoch von 
Jerufalemaus (f. Anmerk. pg« zu Kp. 35.) ößlich in die 
Wüfte. Bekanntlich dehnt Heb diefe in Ofien des 
heiligen Landes aus; der Dfcbebel Hauran, welcher 
in öfilicber Richtung von Jerufalem ift , aber in der 
biblifchen Gefchichte nicht erwähnt wird, liegt nicht 
in ihr, fondem erft an der Grenze derfelben und 
kann alfo nicht gemeint feyn. Am paOendften aber 
wäre olFenbar ein folcher Berg in derWü&e, welcher 
in der hebräifchen Gefchichte und wohl gar im B. 
Henoch felbft vorkommt. Als bekannt wird det 
Berg in der Wüfte entfchieden vorausgefetzt. Dielii 
ift nun ausfcbliefslich mit dem Sinai der FalL Sei- 
iter wird auch, obfchon nicht namentlich, doch ganz 
unverkennbar, Kap. gg, 47« 51 und 54. gedacht, vgl» 
mit V. 44. 1 womach er in der Wüfte befindlich ift. 
iDieCer Combination fleht nichts entgegen, als der 
Ebgang unfers Kapitels, wenn es an Kap. 26. fich 
genau anfchlieliBend betrachtet wird. Denn der Sinai 
litgt, wie bekannt, gerade in /ikUic&er Richtung von 



272 Kap. 27. V. 2 — 3. 

2. Sie war voll von Bäumen des erwähl 
Samens, und Waffer lief daran herab. 

3. Da zeigte fich ein Waflerfall, wie zufi 
merigefetzt aus mehrern WaflcrfäUen , fowohl, 
gen Welten als gegen Ofien. Auf einer Seite i 
ren Bäume , auf der andern Wafler und Thau 



Jeniralem. Da indefs anderweitig Transpofitioi 

einzelner Abfcbnitte nötbig waren, fo könnte K 

bei Kap. 27 und 28* ^i^e Verftellung fiatt gefonJ 

haben. So könnten lie nach Kap. 34. , in tl 

cbem auch ein Baum ^^n dem berrlicbften Genidi | 

fcbildert wird, geboren, oder belTer nach Kap. 30^: 

An den Oelberg, der von Jerufalem nach Oftoa 

lieb findet, können wir defsbalb nicht denken,' l|g 

diefer nicht in der Wüße iß; ohnehin war Si 

fchon Kap. 25, I- bezeichnet, der hier vorkommip^ 

foU aber mit jenem fchwerlicb einerlei feyn. Vi 

man die Stellung des Kapitels beibehalten und i^ 

unter dem Berge der Wüfte den Sinai verßeheftf; 

weiis ich keinen andern Rath, als an den Spnci| 

brauch der Hebräer zu erinnern, das ganze Im 

welches wir unter Arabien begreifen, Moi^g§iii^ 

(D^P y^.^) '^^^ feine Einwohner Söhne des Orü^ 

Morgenländer (Q*^P ^ri^^ ^^ nennen, als x M; 

25, 6. Rieht. 6, 3- I Kön. 5, 10. Hieb i, 3. Jt 

14. u. f. w. , und fonach hier Oßen als 

Hebräern öfilich liegende Land oder Arabien 

ßeben. Ich kann aber nicbt verfchweigen, 

Oßen fonß überall als Bezeichnung der Weltgagj!;; 

nicht als Name Arabiens im B. Henoch vorkonnidJ!.. 

5) Die zum petraifchen Arabien gehörige 

zu deren höcbfien Punkten der Sinai gebort^ 

lerdings einen grofsen Theile nach Sandtteppe» .li^ 





Kap. 28. V. 1. 273 

Kap. 28. 

I 

Im Alsdann ging ich zu einem anderen Platze 



iber in verfchiedenen Richtungen von Bergketten 
Inicbrchnitten, welche zum Theil fehr fruchtbare 

t 

rbiler in Geh fchliefsen. Namentlich gilt diefs vom 
inai felbft« trotz feiner rauhen, fpitzigen Gipfel 
Ceizier fteilen« in Klüfte zerfprengten Seitenah- 
;e. Gerade auf der höchßen Gegend dieferllalb« 
bU finden Cch nach Burckhardt^s Zeugnis» (Reife 
■ SjTien S. 918« d. deutfch. Ueberf. ) die anmuthig- 
und üppigßen Thäleri in welchen auch Obß- 
oe wachfen , vorzüglich 3 — 4. Stunden weit 
ich und füdwefilich vom KloAer des Bergea Si- 
i; fo lind ferner in der Nachbarfchaft des Kloßers 
£rb«iin ausgedehnte Anpflanzungen von Oliven- 
iumen (^ Burckhardt a. a. O. S. 9II.)* Derfelbe 
eilende fagt (a. a. O. S. 913 — 4 ), ein Botaniker 
ürde dort eine reiche Acinte finden und es fey zu 
dauern, dafa zwei fo leicht zugängliche, mit einer 
reichen Vegetation gefchmückte Berge , wie der 
ai und der Libanon ^ bis jetzt noch nicht von 
aoikern wiflenfchaftlirh durchfoiTcht feyen. Auch 
Ter iß in diefem Dißricte in iVlenge vorhanden, 
halb er dann, wenn die niedrigeren Gegenden 
!i die Sommerhitse ausgetrocknet And, den Be- 
rn ein Zufluchtsort iß (^Burckhardt a. a. O. S. 
In der idealüirenden Schilderung des Befe* 
1 find nicht nur die Quellen erwähnt und die 
fracbfenden Bäume, fondern erßere bilden auth 
Waflerfall ^ dergleichen fich auch wohl in die« 
ilden , aber bis jetzt noch nicht eben durch- 
8n Gebirge linden mag. Wenn es heifst, er 
10 wie aua mehrern zufammengefetzt , fo füll 

:hs 18 



..J 



274 Kap, 28. V. 1. 

aus der Wüftc, gegen Qßen des Berges, (v 
ich mich genahet hatte ^). 



diefes entweder feine Gröfse bezeichnen» 
verichiedenen Äbftufungen, welche er bei 
fliefsen zu überfchreiten hat, und in Folge 
fich tbeilt und nach zwei Richtungen bi 
Koch mehr idealilirend ift der SchluCi des 
dafs die eine Seite mit Bäumen befetzti i 
mit Wafler und Thau verfeben fey. V- 2. 
hier wachfenden Baumarten durch den Aus 
ftimmt werden : „ Bäume des erwähnten I 
allein es ifi: keine folclie Notiz yofausgegan, 
müfste denn Kap. 24, 3 — 4. die Schildi 
Wunderbaumes darauf beziehen wollen , 
aber gezwungen erfcheint. Stellen wir dag 
in Anmerk. 4. zu V. j. fchon angedeutet 
27 — 29. erft nach Kap. 30. , fo ift alles in • 
Ordnung. Denn in Kap. 30. werden mehre 
arten gefchildert, worauf in der Kp. 27, 2. 
ten Wendung Bezug genommen ift. Nach 
blickt Henoch nur die ebene Oberfläche de 
dagegen fpricht nicht, dafs der Dfchebel 
wohl als der Dfchebel Katerin in fcharfe Spi 
laufen (Burckhardt a. a. O. S.907. 916.) ; dem 
Tfaeil des Gebirges, wo das Eliaski öfter lieg 
kleine Ebene {Burckhardt a. a. O. S. 906.). 

6) Henoch wendet fich öftlich und fieht dort (' 
eine iweite Bergfpitze, Wenn er alfo fagt 
fich aus der Wüfie hinweg begeben, fo iß d 

- richtig : er geht weiter ins Gebirge. Diett 
Berg liegt aber nicht weit von dem erften 
Für meine Anficht, dafs Kp. 27 — fig* vom i 
feiner Umgebung die Rede fey , fprechen a 
Angaben in mehrfacher Beziehung, . Denn 



Kap. 28. V. 2. 275 

2. Da fahe ich Bäume des Gerichts , befon- 



lieh erheben fich aus den gewaltigen Granitfelfen des 
Gebirgea t welches den Namen Sinai führt , mehrere 
bedeutende Spitzen (f. Taf. LH. su R. Pococke's Be- 
fchreibung des Morgenlandes ; Niehuhr^s «Reifebe- 
fchreib. nach Arabien i Th. Taf. XL VIT und XLVm.); 
drei ragen vorzugsweife aus der ganzen Kette hervor 
(Ed. RüppeWs Reifen in Kordofan« Nubien und dem 
petraifchen Arabien S. 25?. vgl. mit Burckhardt*s 
Keifen in Syrien u. f. w. S. 905 ff.), nämlich der 
Katherinenberg, der Horeb und der Dfchebel Mufa 
oder Sinai im engften Sinne des Wortes. Infofem 
aber die letztgenannten beiden Berge in dem Ter- 
haltnifle Sehen, dafs der Dfcbebel Mufa lieh über 
dem erften erhebt (£MrcAkar<fe a. a. O. S. 907.), re- 
det man auch wohl nur von zwei Bergfpitzen, von 
denen die eine (der Katharinenberg ) wefilich, die 
andere (der Dfcbebel Mufa) öftlich liegt. Vgl. Burck- 
hardt a. a. O. S. pil.» womach er, vom Dfohebel 
Mofa kommend, fich nach der fVefiJeite wendet, um 
sum Dfcbebel Katerin zu gelangen (f. auch Gefenius 
Anmerk. zur deutfcben Ueberfetz. von Burckkardt*s 
Reifen in Syrien S. 1073.; Rüppell a. a. O. , doch 
ik deflen Charte Taf. u. mit dem Texte nicht in 
Uebereinftimmung , infofern Ce den Katherinenberg 
nördlich vom Gebel [Dfcbebel] MuCa und den Horeb 
Wefilich vom Sinai fetzt; Wintr Reallexik, unt. d* 
W. Sinuif RofenmMer*! Alterthumsk. 3 Bd. S. II7.ff 
WO Bwrckkardi^s Befchreibung lieh fall wörtlich wie- 
der findet.). Der Katherinenberg bildet gleichfam 
den Mittelpunkt der Felfenwildnifs, welche den obern 
Theil des Gebirges Sinai ausmacht (^Burckhardt a, a. O. 
5t 918*) t hieher verfetzt unsKap.a7ff i« Oefilich da- 

18 » 



276 Kap. 28. V, 2. 

ders die Träufler des angenehmen Geruchs 
Weihrauch und Myrrhe '). 



von, wie Henocb nach unferm Kap. fortfchn 
gelangt er zum Gipfel Dfchebel Mufa« 
7) Der Ausdruck Bäume des Gerichts ift auf den ei 
Blick fehr fonderbar und fein Sinn nicht gans d 
lieh. Wollte man die analogen Wortverbindaii| 
Bäume des Lebens (i Mof. 2» 9. 3, 22. 24}, B 
des Erkenntnifles des Guten und Böfen (i MoC.j 
17. Henoch 31, 3. 5.) vergleichen , wodurch; 
Bäume als Leben und Erkenntnifs fpendend beai 
net werden Tollen (vgl. iMof. 3, 22* Henoch 3I|! 
fo müfste man das ätbiopifcbe ku nane, wie dfS 
nonyme bebräifcbe 103 V)p öfters vorkommt, ip 

Recht f Gerechtigkeit überfetzen , alfo SäumM' 
Gerechtigkeit für Bäume , welche Gerechtigkeiri! 
leiben. Allein der Gedanke, welchen man da4i| 
erhielte, widerfirebt meinem Gefühle durchaqfKl 
wäre ja dann die Gerechtigkeit etwas ohne alllil 
liehe An ftrengung vonAufsen her Empfangenes,' Jj 
read doch das B. Henoch , befonders in den Ijfil 
Abfchnitten, fo häuEg und eindringlich zu i(| 
rechtfchaffeneu und tugendhaften Wandel erinorij 
Ich combinire den Ausdruck daher mit den 
3. 9 — 10. vorkommenden Aeufserungen über 
Baum, delTen herrliche Frucht den Fromme 
gehaltenem Gericht dargereicht werden und 
wunderbar lieblicher Geruch wie eia 
Princip ihr Gebein durchdringen foU, Bdi 
Gerichts halte ich demnach für folche» wel« 
die Zeit , wo das Gericht gebalten wird , auj 
und wie 24* 9* gafagt wird, früher nicht 
werden können« Der Status confirocms dra( 
fchoa im Ilebfiifchen eine Menge von Verhall 



Kap. 28. V. 3. 277 

3. Und darüber, höher als fie^ war die Er- 



las, welche wir durch Partikeln genauer lu beseich« 
nen gewohnt find ; im Aethiopifchen ift die ihm ent- 
fpreohende Form in mancher Beziehung »och viel- 
dentiger. Wie Kap. 24. der herrliche Duft der Bäume 
und ihre von andern abweichende Befchaffenheit vor- 
lüglich hervorgehoben wurde, fo seichnet Henoch, 
unter den Blumen, welche nach dem Gericht erft zur 
eigentlichen Benutzung kommen, hier diejenigen aus, 
deren VorzügUcbkeit ficb in dem von ihnen gefpen« 
det€n Gerüche seigi. Es beibt nicht, daüi Weih- 
rauch und Myrrhe von ihnen gewonnen würde, Ton- 
dem ihr Geruch wird nur mit dem diefer wohlrie* 
dienden Harie verglichen, um einen Begri£F davon 
EU machen« Der Weihrauch, ein bleichgelbes, bun- 
kerndes Harz von bitterm Gefcbmack, ift wegen feinet 
lieblichen Geruches berühmt und daher gewöhnlicbfiea 
Ingredienz des heiligen Raucherwerkea, auch bei den 
Hebriem (f. mein. Entw. d. hehr. Alterth. S. 201 ff.)* 
Dat Oel aber, oder der Saft, des Myrrhenbaumes, 
welches zum Theil ohne künfiliche Vorrichtung dem 
Summe eötfliefst (^n^'lO 2 Mof. 30, 23-» *llO 

^3)1 Hbhesl. 5, 5. 13), gehört zu den köRlichflen 

Specereien (vgl. Rofenmüller*s bibl. Alterthumskünde 

4 Bd. I Abth. S. 159 ff). Die Vergleichung der 

den hier erwähnten Bäumen entquillenden , herrlich 

riechenden Malle mit Weihrauch und Myrrhe ift in 

doppelter Rücklicht paffend, einmal wegen der Treff- 

liebkeit des Geruches, welchen fie damit gemeihr hat, 

dann aber wegen dei* Art und Weife, wie alles drcies 

entfteht und gewonnen wird. Für Träüfler fteht im 

'üäthiopifchen kuükus, welches Ludolf (Lexic. 

Aethiopic. p. 39g. ed. 2.) ^jguttus atjuarius^ vafis ge« 

BUSp quo aqua manibus (uperfunditur** erklart, und 



278 Kap. 28. V. 3. 

höhuTig des ölllichen Berges in nicht grofser 



vrelches Mark. 7, 4. 8- für \ das griccblfche iimis 
ceus gebraucht ill. Die Baume find alfo gleicUain; 
wohlriechenden Waflern angefüllte Krüge, welcbi 
ausftröinen laOen ; es Hegt xnithin in dem Bilde das rn 
liehe Traufein 'der harzigen GeruchsmalTe, das ni 
leicht zu ErfchÖpfeude des in den Bäumen entbai 
nen grofsen Vorrathes (vgl. auch Kap. 34, 3. ««Bi^ 
von einem unablälRgen Geruch"), Lawrence d 
fetzt den fchwierigen Theil des Verfes: ,,fiäicmt>l 
^^entfcheidendem (Werth), befonders (diejenigen, M 
,,che hervorbringen) die angenehm riechenden Jjpi 
^^reien^ Weihrauch und Myrrhe*^; bemerkt ahll 
einer Note unter feiner Ueberfetzung als w5rtlttl 
XJebertragung : ^^Bäume des Gerichts^ befonders 9 
„ralk (furniture lagt er) des angenehmen Geruduh 
^^fVeihrauch und Myrrhe,^^ In den Remarks gibt 
den äthiopifchen Text und bemerkt darüber, wie A| 

„0^0: ^YSt:c^J^(JiJe:c[/hcp^rt: <^^ 

„ A rt 'HTi r OTl C n> : ich bin nicht ganz befm 
I, von dem Sinne , wie ich die Stelle wiedergi 
habe ; aber ich bin nicht im Stande gewefeoi 

belTem aufzufinden. Der Aufdruck . v ^ (D T Tt\ 
II Bäume des Unheils fcheint fonderbar ; vielleii 
II meine Ueberfetzung dai^on : ^^ Baume von si 
y^dendem.(JVerth)^^ ein wenig zu gedehnt und 
II phraßifch. Ich mufs hinzufügen , dafs das 

ii(p^n^l1l!| welches ich Specereien (drugs) 41 
iifeut habe oder wörtlicher Vorrath ifurmUffi 
II von Ludolf, äxiTch Juppellex omnis generis «dtf 
II wird Genef, 3X1 37.** Was hier von Ludolf gf| 
wird| mufs auf einem Verfehen beruhen; denn^ 
diefer Gelehrte über das Wort kn^skuifs in detf 






Kap. 28. V. 3. 279 

I 

fernung ^). 

r 

» 

Ansg« felties Wörterbucbs bemerkt , iß oben von mir 
angeführt, und ßimmt damit nicbt überein; iil der 
erften Ausgabe aber (Lond. i66l> gr. 4. p. 299.) ift 
blofs der Plural des Wortes angegeben, aber auch 
erklärt „ Urcei^ Cyathi** und hinsugefügt : ,«vafis ge- 
nus efla aiebat Aethiops meus, quo aqua nunibus 
fuperfunditur. ** 

3) Der oftlichereBerg, alfo nach der Anmerk. 6* zu V. I* 
anagefprochenen Anficht, der Gipfel des Anaitifcben 
Gebirges,. welcher Dfchebel Mufa heifst, und dem wefi« 
lieberen, dem St. Katherinenberge gegenüber liegt, 
und EWar nicht weit davon, getrennt hauptfächlich 
durch das Thal , in welchem das Kloßer el Erbain 
befindlich iß (vgl. den von GeJ^nius nach Burck- 
hardt*s Bericht entworfenen Grundrifs des Gebirges 
in den Anmerk. zu Burckhardt*s Reife nach Syrien 
u. L w. S. IO780« ^^^ Ceht, dafs dem Blicke He- 
noch'a zwei Bergkuppen vörichweben; fonß konnte 
er hier nicht der Öfilicken gedenken; diefer Um- 
fiand fcbeint allerdings für meine AuiFalFung von Kp» 
37, 1^ lu fprecheu. Darüber^ nämlich über dem 
Platze, den Henoch fabe (V. i.) ; i^ber ihnen ^ näm- 
lich den Bäumen, welche er unmittelbar vorher ia 
y. 3« gefchildert hatte ; es könnte unter dicfem Platze 
die Bergebene unterhalb des Dfchebel Mufa verßan« 
den werden , auf welcher das Eliaskloßer ßebt und 
die man für die Stelle angefehen hat, wo die Gefetz« 
. gebung gefchehe'n fey (ßurckhardt a. a. O. S. 906 ff*)« 
Wäre übrigens Burckhardt^s Vermuthung (a. a, O. 
S. 965O richtig, dafs der durch zahlieicbe Infchrif- 
ten merkwürdige Serbai j ein nordweßlich vom Si- 
nai liegender Gebirgszug , zu irgend einer Zeit für 
den Berg galt, wo Mofes die Gefetztafeln empfing- 



280 Kap, 29. V. 1 — 2. 

Kap. 29. 

1. Ich fahe auch einen anderen Platz mi 
Thhlem von Waffer, welches niemals abnahm. 

2. Ich nahm einen fchönen Baum wahr, wd 
eher im Geruch ähnlich war dem Maflix ^). 



fo Uefse ßch diefe Anficht vielleicht auch bei dea 
Yerfafler unferes Buches yorausfetzen; es wäre dani 
der Kp. 27, l. erwähnte Berg jener Serbai und ita 
hier vorkommende das Gebirge Sinai. Uebrigens il 
die Berücküchtigung des Berges, auf welchem du 
Gefetzgebung gefchahe, unter den von Henoch te 
fuchten Gegenden gut gewählt; er ift in der 6t 
fchichte der hehräiCchen Nation offenbar neben Jeia 
falem mit dem Tempel die wichtigfte Stätte, und ai 
knüpfen fich an ihn die grofsartigften und einflnb 
reichften Erinnerungen. Mit den im Abfchnitte est 
haltenen. Schilderungen der Straforte des grolsen Gfl 
richts tüid des Schauplatzes, wo Gott es halten wifl 
verbindet fich recht gut die Bezugnahme auf du 
heiligen Ort , wo der HÖchfte , freilich für einen ap 
. ' dern , aber doch verwandten Zweck, fich als ein hm 
liges und gerechtes Wefen in dem von ihm gegebeiMl 
Gefetz offenbarte. Uebrigens findet fich nichts, WS 
einem chronologifchen Verftofs ähnlich tahep hif 
oder in dem ganzen Abfchnitte , den ich vom SM 
verftehe. T 

9) Den Bergen, von welchen Kap. 27 — 2g. die Bol 
war, werden Kap. 99. fruchtbare Thäler gegeQab| 
geKellt. Die Lage derfelben aber fowohl überfaai^ 
als im Verhaltnifs zu dem gefchilderten Gehirge i 
nicht angegeben. Nur fieht man aus V. 3., data 0i 
noch auf feiner weitem Wanderung fich noch iauMl 
üßlich hält. Wenn wir daher nicht annehaieii w4 



I 

I 



Kap. 29. V. 3. 28t 

3. Und zu den Seiten diefer Thäler nahm 



Jen 9 daCi die Localatigaben gänzlich fingirt find, was 
allerdings möglich wäre, fo konnte man diefe Thäler 
noch ins Innere des Gebirges Sinai, öfÜich vom 
Dfchebel Mufa, fetzen. Fülle und Stetigkeit des 
WalTers , welche V. i. berührt, find nicht entgegen ; 
denn „der obere Theil des Sinai iA voller Brunnen 
„und Quellen , von denen die meiften immer Wafler 
„haben** (Burckhardt a. a. O. 8. 927.). Sonft kann 
man auch an die- nördlich vom Sinai und ge^fler- 
mftafsen noch zu ihm gehörige Gebirgsreihe ^their 
denken, welche durch das breite Thal Wadi el 
Scheikb und mehrere kleine Wadi^s von dem Mittel- 
punkte des Gebirges getrennt, „ficb ofiwdrti erftreckt, 
„an dem einen Ende über den AnpBanzungen des 
,tWadi Feiran die beiden Gipfel el Dfchoze hat .und 
„üoh felbft öfiiich in die offene La ndfchaft nach Wadi 
„Sal zu verliert^* (Burckhardt a. a. O. S. 913.)« T^^^^ 
in nordöfiiicher Richtung ßöfst man nothwendig- au£ 
diefe vordere Gebirgsreihe. Rüppell (Reifen in Kor- 
dofan, Nubien und dem peträifchen Arabien S. 255 ^) 
kam, um den Sinai zu befuchen, am Meerbufen von 
Akaba herunter , und auf feiner fndweftlichen Rich- 
tung unter andern „mehrere Stunden lang durch ein 
„aufserß reizendes Thal. Die üppige Vegetation der 
„iWärme füdlicher Liänder, genährt durch die Feuch- 
9,tigkeit des immer fliefsenden Giefsbaches , bedeckte 
t,den Boden mit einem wuchernden Wiefenteppich ; 
„hochßammige Baumgruppen, wechfelnd mit niederm 
t,Gebüfch , Xchattirten fich prachtvoll auf diefer ro- 
„mantifchen iScene u. f. w.*^ Es war das Wacti Ein 
(Thal der Quellen). So paflirte er femer das lange 
ThalSalaka und andere und bemerkt (a. a. O. 8. 2^6») : 
iiAlieoi Anfcheine nach waren einfiens alle diefe Tha- 



282 Kap, 29. V. 3. Kap. 30. V. 1. 

ich Zimmet von einem angenehmen Geruch w 
Ueber fic ging icfe weiter gegen Often '°). 

Kap. 30. 
1. Alsdann fahe ich einen anderen ^') B« 



„ler bebolzt; höchfi wahrfcheinlich zernichtete 
„winnfucht nach und nach allen diefen Baumwi 

,iU.f.w.** Das Wort «Saiinon (das H« imathiopiG 

Worte HATX?'^ betrachte iqh nicht mit Z.aair4 
welcher Znfakinon (iberfetzt, als integrirenden 1 
des Nomen appellativum , fondem als die Nota 
nitivi) bezeichnet höchfi: wahrfcheinlich eine Fift 
und ift iem griechifchen Worte ^7vo$ nachgebt] 
wie das von CafieLlus im Heptaglotton aufgefii 

fyTiTche «iDQjLOfiD » womit auch wohl das bei i 
Celben Lexikographen Geh findende äSDQ^Q^Wf < 

er die Bedeutungen aromalizatio, aromaticitas ; 2)^ 
mtn palufire beilegt, zufammenhangen möchte, 
erfien erwartet man, da der Geruch das tertium c 
parationis bildet, die pißacia lentifcus^ den \ 
Aixbaum mit feinem gelblichen , balfamifch riecl 
den Holze, aus deHen Rinde, wenn fie eingefch 
ten worden, die gelbliche, halb durchfichtige, i 
reibbare, balfamifche MafTe von gewürzhaftem 
fchmack ausfchwitzt , welche auf Kohlen einen 1 
ken Dampf von angenehmen Geruch verbreitet* 
tut ift aber ü^y^o^ die gewöhnliche Bezeichnung. A 
beim Zimmet V. 3. ifl vorzüglich auf den Icho 
Geruch delFelben geachtet. 
XO) Ueber die Richtung Henochs f. zu V. 3. 

XX) Vorausgefetzt, Kp. 27 — 29. würden nach dem 30 
Kap. geßellt , würde der hier genannte Berg mit 



Kap. 30. V. 1- 283 

Bäume enthaltend, woraus Wafler flofs gleich 
^^ektar. Sein Name war Sarira und Kalboneba. 



zug auf die Kap. 25—36. charakterifirten gebirgigen 
Beßandtheile und Umgebungen Jerufalems ein anderer 
genannt. Aendert man die Reihenfolge der Kapitel 
nicht, fo wäre im Ausdruck auf den Sinai (Kap. 27 ff«), 
befonders den zuletzt (Kap. 2g» 3.) erwähnten Berg 
deflTelben Rückficht genommen. Dan Wafler, wel- 
ches dem Berge entfliefst, wird wegen feiner Vor« 
zügllchkeit mitij^ektar verglichen, worunter man 
fich bekanntlich einen füfsen, balfamifchen Trank, 

göttlichen Wein dachte. Das athiopifcbe ^^^C U 
welches Laurence nicht überfetzt, halte ich nämlich 
fSr Nachbildung des griechifchen Wortes vaxra^ und 
zwar feines Genitivs vaMrcr^o^, wie denn überhaupt das 
Aethiopi(che bei Aufnahme griechifcher Worte nicht 
immer den Nominativ derfelben, fondem häufig die 
obliquen Cafus lum Gründe legt, lumal wenn in der 
8u überfetzenden Stelle ein folcher Sand. Der Name 

Sarira (fl Z^Z^l) ift von Sarara (f\Z.Z.:) d. i. 
fundavit abzuleiten, bedeutet alfo gegründet^ feß^ 
und ift als Bergname recht j^aflend. Das Wort tro« 

pifch zu nehmen, wie das entfprechende IjM^' im 

Syrifchen häufig fteht, verus, fcheint mir weniger zu 
paflen, obfchon Ludolf wenigftens der gten Conjug« 
des Yerbi eine folche beilegt. Die Deutung des zwei* 

ten Namens für den Berg, Kalhoneha (i\ A A X^ « )t 
ift mir weniger klar. Soll der Ausdruck vielleicht 
mit Ruokficht auf fein herrliches Waflier Milehfpen» 

der heifsen ll;dj ]c^^j.» (^lac fcaturivit)^ wie das 
durch herrlichen Wein berühmte Aleppo ll37n 
(sig. miUhrrich) genannt wird. Statt if)33 läCit fich 



284 Kap. 30. V, 1 — 2, 

Und auf diefem Berge fahe ich einen anderen Berg 
auf welchem Aloe -Bäume waren *^)w 

2. Diefe Bäume waren voll, gleich Mandel« 
bäumen* und Itark, und wenn fie Frucht hervop 
brachten, fo übertraf fie allen Woblgeruch. 



auch N33, l ^ \ vergleichen* Ich überfehe nicbt, 
• dafft hiebe! eine Verwechfelung des H T^j^^ ubA " 

CT)»} angenommen werden müde; allein weoo da 
Ausdruck in der griecbifcben Ueberfetzung beibehil 
ten war, aus der ja doch die äthlopifche VerCon heP 
vorging (xA^ß0'''^ßO* ^^ mufste der äthiopifche Uebe^ 

fetzer mehr an Tl T als an (hl oder '^t erinnol 
werden. Will Jemand den erfien Theil des Worlei 

vom Galbanum (H^^lbn» X'*^!^'-^^) verfiehen, tc 

mufste das eine 2 als ausgefallen betrachtet werdai- 

An 373 Hund und' 13J Berg Nebo fcheint nia 

nicht gedacht werden zu können. 

12) Auf dem Bärge erfcheint ein zweiter ruhend (ab»- 
. lieh wie Kap. 24, 20i auf welcbem jilva^s BSuaM 

( H A A T ; heifst es im äthiopifcben Texte) wacblo^ 
'Alva ift unßreitig Aloe, welches fonfi im Aethiopl» 

fcfaen aivli (QA(D:) oder älva (QA?:) beiIiM3 

mit Verwechfelung des Alf CA«) und Ain (0«3| 
Laurence fcheint, da er Alva beibehalt, das Wq^ 
eben fo wenig, wie Neketro, verßanden eu habfl»^ 
Die Alod wird wegen ibres Wohlgeruchs hier erwihrifl 
und ift als folche auch noch im neuen Orient fclü 
gefcbatzt (f. mein. Entw. d. hebr. Alterthüm. S. 46&)ü 
Die Vergleichung der Baume mit Mandelbäumen V. ]^ 
geht von dem Reicbthume der letztern an Früchten SViS 



f 



Kap. 31. V. I. 283 

K a p. 31. ^3) 

1. Nach diefen Dingen betrachtete ich die 
Eingänge des Nordens über den Bergen"*), und 



13) Noch eii\pal erbalten wir aufser Laurence an Silv, 
de Sacy in feiner Notiz d. Buch Henoch betrefl*end 
einen bewährten Führer bei unferer Ueberfetsung ; 
doch verläfst er uns bereits am Ende diefes 3iften 
Kapitels ganz und gar. Gerade dieCes Kapitel unter 
die proben aufzunehmen, welche er aus dem merk* 
würdigen, damals ncfch unbekannten Buche, bekannt 
machte , veranlafste ihn unfireitig die darin vorkom- 
mende Bezugnahme auf die Erzählung von dem Baume 
der Erkenntnifs und der Vertreibung der Fiotoplaßen 
aus dem FaradieCa i Mof. 2 und 3. ; und allerdings 
verdiente von diefem Gelichtspunkte aus das Kap, 
die£e Auszeichnung y obfchon es fonft vor den übri- 
gen in diefem ganzen Abfchnitte nichts voraus hat, 
fondern mit ihnen in gleicher Weife gehalten iß. 
Es fchliefst lieh an Kap. 29. , wenn man diefes mit 
den beiden ihm unmittelbar vorausgehenden nach 
Kap. 30. ßellte (f. Anmerk. 4. zu 27» I ), ebenfo gut 
an , alB an das Ende von Kap. 30. ; denn die Ueber- 
gangsformel V* I. iß ganz allgemein und vorausge« 
fetzt wird nur, dafs zuvor fchon Berge erwähnt wor- 
den find« 

14) Das Wort A (2^ CD « 9 welches ich Eingänge^ als den 

Plural von A4I« ofiium^ ingreffi^, überfetzt habe, 
gibt SiUt, it Sacy durch refpexi : „Poß haec refpexi 
Yerfus aquilonem, fuftpiciens defuper montes.** Die 
Parifer und Bodl. Handfchrift lefen gleich. Ich kann 
keine Bedeutung des Wortes ßnden, welche der 
gliche, die ihm «Sitv. de Sacy gibt. (L ) Eingänge 
iu Nordens btseicfanet die Gegend, wo der Norden 



286 Kap. 31. V. 1. 

nahm lieben Berge wahr, angefüllt mit reiner Spiel» 
wohlriechenden Bäumen , Zimmet und Fapynu 



beginnt y wie denn das athiopifcbe Wort af feih 
Anfang heifst (f. Ludolf lexic. p. 332. ed. 3.}* ^1 
Eingänge des Nordens erblickt Henocb jenfeits d( 
in den vorhergehenden Kapiteln erwähnten fiergi 
Vielleicht iß yorzugsweife an die Kap. 30. bezeicl 
xieten gedacht ; waren aber Kap. 27 ■=— 29. verfeti 
iind nach Kap. 30. zu ftellen, fo dürften die darii 
vorkommenden dem Referenten vorfchweben. vid 
leicht meint er aber auch alle zufammen , welcher a 
Kap. 27 — 30. gedacht ift. Wäre Silv. de Saef, 
Ueberfetzung des 2ten Verfes : „Inde refpexi defup^ 

fummitates illoruni montium et tranfii fup« 

xnare Erythraeum" in allen Theilen richtig , fo lidfa 
Heb die Anficht vertheidigen, dafs Henocb , weicht 
bisher meift in öfilicher Richtung fortgefchritten vm 
(vgl. 279 1. 2g, I. 29, 3. ; f. auch 31, 2O» nicht nach döi 
Norden felbfl gekommen fey,fondern die ihn begranita 
den Berge nur in der Ferne gefehen habe. Allein nad 
Laurenccj dem ich folge (er über fetzt: From then^ 
paffed on ahove the fummits of thofe mountaina*^ 
labt lie Heb nicht halten. Auffallend bleibt allerdiii|| 
die y. 2. unmittelbar darauf folgende Erwähnnjlf 
des erythräifcben Meeres; vgl. indefs Anmerk, 
KU dem Verfe. Der Berge find fieben {Silv, de St 
Ueberfetsung erwähnt nur drei}^ wie in andern 
derungen (24 t I.)» mit Rückficht auf die bekanaC 
Vorliebe der Hebräer für diefe Zahl ( ig , 14. 2X f ^ 
Tgl. Anmerk. zu 10, 15.}. Jene Vormauer des Noii 
dens ift aber keineswegs eine unfruchtbare Gebinp 
reihe» fondem reich an herrlichen Bäumen. SeV 
der bekannte in den Sümpfen des Nil und am EnpUf 
wachfende Papyrus loU dort gefunden werden; dh 




Kap. 31. V. 2. 287 

2. Von da ging ich weiter über die Spitzen 
i^cr Berge, eine Strecke öfilich, und ging über 
as ery thräifche Meer *^). Und als ich weit über 

fenbar eine Andeutung , dafs tur Zeit der Abfaflung 
des Buches diefes Gewächs des davon gewonnenen 
Papiers wegen lehr gefchätzt war , da nur in irgend 
einer Hinlicht ausgeseichnete Fflansen namhaft ge» 
macht werden. Natürlich ift diefs blofs idealilirende 
Vorßellung des Referenten und fiützt fich nicht auf 
beftimnite Beobachtungen. Auf ähnliche Weife be* 
trachtet 2S.B. der Koran (Sur.23, 21. ed. Marracci.) 
den Baum, welcher mit Oel verforgt (den Oliven- 
baum) f als auf dem Sinai entfpcungen , während er 
in einem ;grofsen TheQe des Orients zu Haufe ift. 

15} Silv. de Sacy überfetzt ^yrefpexi*% wo es nach 
Laurenee „ich ging^* heifst (f. Anmerk. zu V. i.)« 
AaCserdem fafst er die Stelle auch fonft zum Theil 
anders ; denn er lagt : ,,fummitates illorum montium, 
ijui funt procul ad orientem j *^ £0 dafs die Berge, 
welche Henoch äberfchreitet , nicht den Norden be- 
gränzen, fondem der öfilichen Gegend angehören, 
alfo auch nicht mit denen V.' i. einerlei fejn würden. 
Henoch hätte dann nur , ößlich feinen Weg fort- 
fetzend 9 die Vormauer des Nordens gefehen, ohne 
fich dadurch zu einer Abfchweifung in diefelbe brin* 
gen tu laflen. Nach meiner Ueberfetzung » welche 
fich auf die von Laurence ftützt, mufs die Anficht 
des Verfi&flers folgende feyn.« Die von Henoch ein* 
gefchlagene Richtung war nicht blofi öfilich, fondem 
zugleich nordlich ; z. B. vom Sinai aus (d Anmerk» 9. 
*sa 29 9 2.) war fie unftreitig nordößlich. So war 
es ihm möglich, die dem Morgen benachbarte Welt- 
gegend zu fchauen, i^re Vormauer zu überfchreiten 
und doch (eine Haüptrichtung. beizubehalten. Wel-~ 



28» Kap. 31. V. 2. 

daflelbe hinausgel^ommen war, ging ich weit 
fort über den Engel Zateel, und kam zu demG4 



che Berge er als vor dem Norden liegend betracht 
ift aus Mangel näherer Andeutung nicht lu fagc 
Zwar fcbeint in dem Satze: ,,et tranßl fuper ina 
Erytbraeum (wie ihn Silv. de Sacy ausdrückt) ^< eil 
folche enthalten zu feyn ; jedoch ift hiebei der Mut 
mafsung immer noch grofser Spielraum gegebe 
SHv. de Sacy bemerkt zu dem JVIeeresnamen: ,,1 
äthiopifchen Texte iteht Ery tri; '^ und Rink (in fei 
deutfch. Ausg. der Silv. de Sacy^fchen Notiz das 1 

Henoch betrcfF. S. 63.) fetzt hinzu, dafs „A>CT^ 
der im Aethiopifchen gar nicht ungewöhnliche Naa 
des erythräifcben oder rothen IVleeres Tey, wenn 1 
dort gleich auch oft unter dem bebräifcben Namff 
Meer «Su/ vorkomme;*^ auch erwähnt er, „dafsA 
über jene erßere Benennung Hiob Ludoif im Cm 
mentario ad juam hißor. aethiopic, p. go. n. 26. W 
fländlicb verb reite. ^^ Für uns ilt aus feiner Darb 
lung vorzüglich zu erwähnen , dafs nicht allein t 
fogenannte arabifche Meerbufen^ fondern der gav 
öftliche Ocean, der Arahien's , Perfien's und ludici 
Geftade befpült, mit dem Namen *E^.v$^a sikaeaa belf^ 
worden fey, und zwar felbß mit Ausfcblufs dei M< 
bif^heu Bufen*s (Ptolem. VI, 7. Tacit. AnnaL II, t^ 
4.). Es müfste .daher erft feltgefiellt feyii, vrzM ^ 
unter dem mehrdeutigen Ausdrucke zu vergehen ^ 
wenn daraus auf die von Henoch gefehenen «r 
pailirten Berge ein Schlufs gemacht werden folli 
Nach meiner Meinung hat es wegen des Fo]gen4 
viel für lieh , die Benennung fpeciell vom arabiCek, 
Meerbufen, nicht von einem mehr nordöAlirh gfi' 
genen Theile des indifchen Oceans zu nehmeo , ^ 
fchon ich wohl fehe, dafa fich auch für die entge|ii' 



Kap. 31. V. 2. 289 

\en der Gerechtigkeit '^). In diefem Garten fahe ich 
mter anderen Bäumen einige » welche zahlreich 
ind grofs waren, und welche da blühten. * 



gefetzte Anficht einiget Tagen lalTe. Ich fiütia mich 
Lauptßchlich darauf , dafs das äthiopifche Wort «r« 
trA ebenfo, wie hAhr fuf in dem A. T. nur vom ara- 
biTchen Bufen gebraucht wird. Vom Sinai fcbraitet 
Henoch nordödlich vorwärts , geht alfo über den 
arabilchen BuCen an deflen nördlichen Funkten ; da^ 
ia der Umgegend befindliche Gebirge ift's , welches 
er paÜirt; aber nach der bei ihm herrfchenden Un- 
klarheit der geographifchen Begriffe, denkt er diefa 
in der Nähe des Einganges zu dem Nordende der Erde* 
Das Paradies liegt jenfeits diefes Meeres , im fernen 
Often ; wobei der VerfalTer fich unftreitig durch i Mof. 
3y 8 iF. leiten läfst. Wäre der öfllichere Theil des 
iodifchen Oceans zu verfiehen, i'o hätte der Verfafier 
des Buchs das Paradies etwa in Indien gefucht. 

I6) Unter dem Garten ift das Paradies zu verftehen, 
wie die weitere Schilderung aufs er allen Zweifel 
fetzt; er heifst Garten der Gerechtigkeit ^ infofern 
nur ein gerechtes Gefchlecht fich dort aufhalten darf. 
Henoch mufs, um zu demfelben zu kommen» vor 
dem Engel Zateel (ßilv, de Sacy fchreibt: ,,defuper 
Zetieh^y vorüber. Unftreitig ift darunter der Wäch- 
ter des Paradiafes , der Cherub mit dem flammenden 
Schwerte (i Mof. 3 , 24.) gemeint, Wahrfcheinlich 
ifi der Name aus dem hehräifchen TVl) SäuLe , Pfei- 

Ur und 7Nt Gott ( mit dem bindenden i ; f. Anmerk. 
TasaKap. 7, 9.) abzuleiten, alfo: Pfeiler Gottes^ 
recht palTend für die , einer unbeweglichen Säule 
gleich, unablälfig auf ihrem Poften ftehendtn Wache. 
Dar erfia Theil des Wertet könnte aber auch n^ 

Attck Henoch. 19 



290 Kap. 31. T. 3. 

3. Ihr Geruch war gut und kräftig *') jai 
ihr Ausfehen verfchieden und fchön. Der Bau 
der Erkenntnifs war auch da, durch welchen Jedi 
der davon ifst , mit grofser Weisheit begabt wii 

Satz feyni alfo der Name bedeuten: den Gott i 
gefetzt^ hingefiellt hat. DiegriechifcheUeheTfetso 
des Buches Henoch behielt den Namen bei und a 
ihr ging er in die athiopifche über. Verwandt 

damit wohl der Beiname Efra'i Sutael (lYi^A>A 

oder Sututl (lYi'trA» A;)» welchen LuJoZ/ (Lex 
Aethiop. p. i66. ed. 2.) alt ,|incertae ßgnificationi 
bezeichnet« 

X7) Wörtlich würde es heifsen grofs. Der folgea 
Sata lautet bei Silv. de Sacy: ,,et elegantes Tal 
et admirabiles et arborem fcientiae, ex qua quicf 
qua comedit, magnam acquirit fcientiam.** In d 
Schilderung der Bäume in dem ParadieTesgarten wi 
wiederum I wie bei den früher erwähnten Baiuij 

(24« 3 ff* 3g, 2. 29» 2. 3* 30» 2.)« vorzüglich I 
herrliche Geruch beachtet. Es war nicht anders i 
erwarten , als dafs der Baum der Erkenntnifs hervi 
gehoben werden würde , da er nach dem Beiiflli 
der GeneCs i Mof. 2-^3. für die Menrchen toh^I 
gröfseften Wichtigkeit geworden ift. Nach V. 4^ 
derfelbe mit der Tamarinde verglichen , deren ] 



cJ-oJi 




8^4^* (^Baum Indiens^ fchon auf ikrt 



Urfprung hinweifet. Diefer fchöne, hohoi faBig 
mergrüne, der Akazie in Blattform und Wuchs f 
Torgleichende Baum verdiente allerdings die Ansarij 
nung, welche ihm durch die Vergleichung mit dp 
paradiefifchen Baume zu Theil wird; aulserdem^ 
wohl darauf mit Rücklicht gwojiv>Ben, dafs er in 



Kap. 31. V. 4. '391 

I 

4. Er war ähnlich einer Art der Tamarinde, 
nd trug Frucht, Tvrelche äufserft feinen Trauben 
lieh, und fein Wohlgeruch erfireckte fich bis zu 
iuer beträchtlichen Entfernung. Ich rief aus: 
rie fchön ift diefer Baum, und wie ergötzlich ift 
dn Anblick ! 






dien zu Haufe ift und in die öfiHchem Lander auch 
das Paradies von unferm Buche gelegt wird. Silv. 
de Sacy überfetzt: ,, Ilmilis eß fabae graeeae*^ und 
bemerkt in einer Note : „ das h»er gebrauchte Wort 
„entFprichtin der ätbiopifchen Ueberfetzung des neuen 
„Tefiamentes Luk« 15, i6. dem griechifchen rwv xt^«* 
„rifidv« Ludolf fagt, die Aethiopier verfiänden darun- 
ter eine Art von Tamarinde ; f. delFen Lexic, aechiop. 
edit. Lond. 1661. col. 28 ^t 435.** Rink (deutfch. 
Ausg. der Silv, de Sacy*fchen Notiz das B. Henoch 
betreff. S. 63 — 4.) verweift auf die weit voUfiändi« 
gere Ausgabe des genannten Wörterbuchs Fiancof. 
ad Moen. 1699. fol. p. 31. , wo Ludolf zu den Stbio« 

pifchen Worten (h^ J,l Fi Ail\ l fagt: „K«^ti« 
„i. e. filiijuae dulceSy faha graeca Luc. 15, 16. , quem 
„fructum tarnen Aethiopes Ignorant et male interpre- 
,^tantur de Tamarindo ^ in regno Tigre nafci fölita.^* 
Sonft fiibrt Rink (a. a. O. ) noch an, die Aethiopier 
hätten jenen griechifchen Namen (Ki^aria) gleichfalls 

in ihre Sprache abergetragen, nämlich ^A^*^l, 
mit Bezug auf Ludolf s Lexie. aethiop. p. 199. , wo 

esheifst: kirät „Arabicum eft jbf^u5, quod origi- 

,iiiem ducit ex graeco Ka^nov, et fignificat haceatn 
fJiliquae dulcis^ quae ponderis loco eß; unde karat 
„in pondere auri et gemmarum nobis ufitata vox etc.'* — 
Die Frucht, welche der Baum der Erkenntnifs trägt, 
wird Trauben vergleichbar befunden und zwar fahr 

19* 



292' Kap. 31. V. 5. 

5. Darauf antwortete der heilige Raphael 
ein Engelt welcher bei mir war, und Tagte: Diefi 
ilt der Baum der Erkenntnifs, von welchem afsei 
dein alter Vater und deine verwittwete ^^) Mutter. 



feinen. Silv. de Sacyühevktzt: „et fructus ejus — — 
vMebonus;*^ und fahrt fort : ,,fragrahti8que hujutar 
boris ibat Mt pertingebat longM,^*' Der Ausruf Ilenoch'i 
lautet bei ihm : „o pulchram arborem et quam bontt. 
et laetus afpectus ejus.'^ 

Ig) Silv, de Sacy^s Ueberfetzuug iß: „ mater tua Hfl 
braeay^* worüber er in einer Anmerkung bemerkt, dal 
derAusdruck y^hebräifche Mutter'^ einen merk'würdi 
gen Anachronismus darbiete. Aber das AethiopiCifa 
enthält gewifs durchaus keinen Anachronismus. Da 
Wort , welches er hebräifch überträgt und ich «iS 

wittwet überfetze, iß vfl/^^^« eberavity inbfle 
den Handfchriften, der Farifer und der BodL Darf 

dies Wort (vi verwechfelt mit A-, welche BucS 
fiaben auf jeder Seite für einander ohne UnterfchuM 
gebraucht werden) verwittwet bezeichne, von 

Subftantivo AflC« ein alt Weib o Act JVittwe^ 
hauptet Ludolf ausdrücklich in feinem Lexicoa; 

Silv. de Sacy fcheint es irrig f ür ^H ^ ^ ^ t thrmd 
welches unftreitig hebräifch bezeichnet, geno, 
zu haben, indem er das lange e an dem zwei 
Buchftaben überfahe , welcher Vokal aber das UpMl 
fcheidungszeichen beider Worte ift. Diefer IrrtJidV 
wurde wahrfcheinlich dadurch veranlafst^dafs er in JMI 

Augenblickenicht bedachte, dafs der er fte BuchftabeWi 

(wie es beaandigderFaliia) für A: gefchrieben.ll^ 
möchte , fo dafs feine Aufmerkfamkeit auf ein W0 
gtrichtät war, walchea mit einem faifchcn Buoh^ 



Kap. 31. V. 5. 293 

wdche vor dir waren, und welche Erkenntnifs 
empfingen, indem ihre Augen geöffnet wurden, 









,' 



ben anfing, mit einem Buchflaben, welcher aller- 
dings in der Ausfprache mit dem einerlei iß, für 
welchen er gefetzt wurde, aber fehr verfchieden 
in der Geßalt und nach feiner Stellung im Alphabet. 
Ich habe auf diefe Verfehen Silv, de Sacys ohne Rück- 
halt hingewiefen, weil der Ruf diefes gründlichen 
Orientalißen zu grofs und mit Recht zu befeit igt iß, 
ib dafs er dadurch überhaupt beleidigt werden k5nnte. 
Bnieben niufs man bedenken, dafs in der Ueber- 
blBiing eines Werkes, welches nur wenig bekannt 
il, und in einer wenig cultivirten Sprache aufgefun- 
iea wurde, einer Sprache, für deren Betreibung die 
Mittel fo fehr befchränkt find, Fehler diefer Art hier 
«od da vorkommen mögen, ja ich möchte fagen, müßen» 

Das Wort vfl^^ ^l habe ich verwittwet über- 
Ictzt , weil ihm Ludolf die Bedeutung vidualis su- 

Echreibt. Aber da AflC!«« von welchem es ab- 
lammt, nach derfclben Auctorität anus^ decrepita 
naiier, matrona aetate provecta ebenfowohl, als vi- 
laa (feine allgemeine Bedeutung im N. T.) bedeutet, 

bbeseichnetwahrfcheinlich Oß^^Q '^« hier eben 
ibriel ala alt und abgelebt. (L.) Silv. de Sacy (Jour- 
lal des Savans. I822. Octobre. p. 594 — 5.) gibt 

■war mu, dafs Laurence^s Äenderung des A ♦ in v ♦ 
^ahiicheinlich richtig und die Wendung des Begrif- 
fes, welchen er in dem fo erhaltenen Worte ver- 
(■cht, fcharffinnig fey, behauptet aber dagegen, dafs 
lie von Laurence vorgenommene Äenderung des Alf 
md Ain bedeutender fey, als die von ihm vorge- 
BOBmene Yertaufchung des Beth mit 5tem Vokal 

V(\t} gegen Beth mit dem 6ten Vokal ("ilO^ AI- 



294 Kap. 31. V. 5. Kap. 32. V. 1. 

und fie fahen, dafs fie nackt waren, aber aus 
Garten vertrieben wurden *'^). 

Kap. 32. 

1. Von da ging ich weiter gegen die E: 
der Erde , wo ich grofse Thicre fahe, verfchi 
von einander, und Vögel, verfchieden in ihren: 
fehen und der Geßalt, auch mit Gelangen 
"rerfchiedenen Tönen ^°). 



Itrdinga bleibt hier derfelbe Confonant, dort 
werden swei verwandte Confonanten verwec 
Jndefs iß es doch auch gewiCs, dafs gerade die 
wechfelung diefer beiden ßuclißaben im Aetl 
fchen BU den gewohnlichßen Erfcheinungen g 
und alfo keine Schwierigkeit machen kann (f. 
Anmerk. 12. su 30, i.). Dagegen fiimme ich 
dß Sacy vollkommen bei, dafs wir über di« , 
viel beftimmter entfcheiden konnten « wenn 
grieobifche Text uns vorläge. Ueber meine e 
AuflFalTung des Ausdruckes vidua f. die folgende 
, merkung. 

19) Silv. de Sacy hat die einzelnen Satze bloGi 1 
die Copula und verbunden. Der Ausdruck h 
wfihlt nach i Mof. 3 , j^. Y' vgl. V. 22. Nati 
find Adam und Eva die EITenden; warum lel 
verwittwtt heifse, ift nicht klar{ wahrfchei 
denkt der Verfafler des Buches 9 dafs ihr Man 
Tode ihr vorangegangen fay. Oder foll der 
druck vielleicht beiden orhata filio , mit Beso 
Abel 9 deHen Beüti Ce durch Kains Freveltha 
rapbl wurde? 

so) Det mit dtefem Kapitel beginnende TheU der ^ 
deffitng H^nodra nach den wichcigften Punktei 



Kap. n. V. 3. 



295 



2. Gegen Oßen dieferThicre nahm ich wahr 
ie Enden der Erde, wo der Himmel aufhörte '*)• 



Welt bietet für die Erklärung ungleich weniger 
Schwierigkeiten dar, aU die bisher erklarten Kapitel 
dta Abfchnittea, da wir uns dort auf geographifchem 
Boden befinden , hier aber lediglich Volksmeinungen 
der alten Welt, hie und da auch wohl blofs PriTatan- 
fichten unferes Referenten über die Befchaffenheit der 
Erde und des Himmels an ihren Enden und der da- 
durch bedingten Bewegung himmlifcher Körper u. f. w. 
Tor lins- haben. Bisher lieh gewöhnlich das Pflan» 
senrejch die Farben eu dem Gemälde, in dem letzten 
Theile des Abfchnittea dagegen das Tbierreich: fo 
Cchon Kap. 31 , l. Obfchon es nicht ausdrucklich 
gefagt wird, fehen wir doch aus Y« 2., dafs Henoch 
Tom Paradiefe noch femer in ofilicher Richtünjg 
fortfcbreitet ; jepfeita deflelben alfo ift die mit 
fangreichen Vögeln und andern Tfaieren angefüllte 
Gegend. 
II) 'Die Enden des Himmels und der Erde find an der- 
felben Stelle, eine auch dem A. T. nicht fremde An- 
ficht. Der Himmel hat an feinem öKlichen Ende 
Thore , um die in ihm befindlichen Geftime heraus- 
gehen und den Bewohnern der'Erde fichtbar werden 
sulaflTen. Denfelben Gegenftand betrifft auch Kp. 35.; 
ausfuhrlicher aber yerbreiten fich darüber Kap. 71 ff. 
Henöch verzeichnet die Sterne, wie fie aus den Tho- 
ren* treten, weil er fie d^ am leichtefien zahlen' 
konnte und dabei eine Verwechfelung derfelben ver> 
mieden wurde. Uri^Z belehrt ihot weil fich die Him- 
melskörper feiner fpeciellen Aufficht erfreuen (Kap. 74, 
7.) ; L Anmerk. 55. lu 17, i . Nach V. 3 — 4. fchreibt 
HenoiJi nicht fdbft , foodem der Engel daf mif die 



296 Kap 32. V. 2 — 4. 

Die Pforten des Himmels Itanden offen , und icb 
fahe die himmlifchen Sterne herausliommen. Ick 
zählte fie, wie fie heraustraten aus der Pforte 
und fchrieb fie alle auf, wie fie herausl^amen eine 
nach dem andern , nach ihrer Zahl , ihre Namex 
allzumal y ihre Zeiten und ihre Jahreszeiten, f« 
wie der Engel Uriel, welcher bei mir war, fi. 
mir angezeigt hatte. 

3. Er zeigte fie mir alle und verzeichnete fie 

4. Er fchrieb auch für mich ihre Namen 
ihre Einrichtungen und ihre Wirkungen nieder. 



Geßime Besiiglicbe für äenfelben auf, wahrend V. g 
dar Patriarch erzählt, dafs er den Namen derfelbe 
und UriePa Bericht über IIa verzeichnet habe. "Mm 
nufa diefi nicht als Widerfpnich aufFaflen , fondar 
beides fo vereinigen, dafs Henoch das Gefcbäft dfl 
AufTchreibens unternahm , aber aus eigner BeobiiA 
tung aatürlich nur das Wenigfte, dagegen aus Urial.' 
für ihn unumgänglicher Belehrung das Meiße Cchöpfiii 
Dem mündlichen Unterrichte des Engels, auf wddbn 
Henoch feine Niederfchrift voriugsweife baCrte 
ein fchriftlicher sur Seite» damit die 
über den fcbwierigen Gegenftand' vollkommen 
faflend und genau würde, mit Abfcbneidung alles Jjfi 
thuma, welcher Geh in Henoch's Wiedergabe der 
liehen Relation hatte einfcbleicben können, 
fonftwirdim B. Henoch fchriftlicheBelehxnngerthJl 
(Kap. 39, I. go, I — 2.) "-" Laurßnce fchiebt vor M 
Worten : „ihre Namen aUzumal** £ur Verdeutliclivtfi 
den S«ts ein: „ich fchrieb nieder ,'• welcher ]edd8 
nicht nothigift. Ebenfo hat er denSchiufs des 3M 
Ytrfea fo gefafst: „und fchrieb nieder (eine Befchaii 
boDg vMi) ihnen/ ^ 



Kap. 33. V. 1^2. 297 

Kap. 33. 

1. Von da ging ich gegen Norden**), zu 
im Enden der Erde. 

2. Und da fahe ich ein grofses und herrliches 
an den Enden der ganzen Erde. 



12} Henoch durchwandert die 4 Weltgegenden, wen« 
det fich alfo von ORen aus zunächft nach Norden, 
hnn nach Weiten ( Kap. 34. ) , hierauf nach Süden 
(aSi I.) und kehrt dann nach Often zurücK (35» 2.). 
Ucberall lieht er eine Anzahl Thore, deren Befiim- 
nng freilich nicht üherall diefelbe ilt. Die Thoro 
fe Morgengegend bewirken den Aufgang der Ge- 
fime (33 9 2. 35 , 3.) ; denen in der Mitternachtsge« 
ftai konnte, da der Berichterßatter auf die Erfchei- , 
miBgen, wie Ce fleh uns darftellen» RückGcht niinnit, 
keine Beziehung auf die Himmelskörper gegeben wer- 
leo. Dagegen zeigte die Erfahrung , dafs die Nord- 
h£t kalt fey, fo namentlich auch in Faläflina (vgl. 
«CM. Entw. der hebr. Alterth. S. 2630- Daher die 
T« 3, autgefprochene Vorftellung. Wenn aber auch 
Tbaa und Regen vom Wehen des Nordwindes abge- 
lotet wird, fo kommt diefs daher, dafs der Thau doch 
mr in der kühlem Nacht fallt, und die Regenzeit 
aidit leiten von- Kälte begleitet wird (f. a. a. O. 
S* 350— 51.) I xinfer Buch aber alle Kälte undt was 
Ittiit sulammenhängt dem Norden eufchreibt. Wahr- 
^^läeinlich follen diefe durch das mildere Wehen aus 
im einen Tbore (V. 4.) veranlafst verden, während 
KiUe, Hagel, Froft und Schnee Folge des Windes der 
■iden andern find. , Aufser dem auch von mir der 
IfAfatlichkeit wegen fupplirten Worte „anderen** er- 
last Laurence noch das Subßantiv „Pforten.^* Ob 
Sdi auber den drei Pforten , welche getrennt waren 



298 Kap. 33. V. 3 — 4. Kap. 34. V. 1 — 2. 

3. Ich fahc da himmlifche Pforten, lieh ö! 
nend in den Himmel; drei von ihnen deutlii 
getrennt. Die Nordwinde kamen aus ihnen he 
aus, und weheten Kälte , Hagel, Froft, Schnc 
Thau und Regen. 

4. Aus einer der Pforten weheten fie mil 
doch weheten fie aus den zwei (anderen), , 
gefchahe es mit Heftigkeit imd Gewalt. Sie w 
heten Itark über die Erde. 

Kap. 34. 

1. Von da ging ich zu den Enden der W^ 
gegen Welten, 

2. wo ich drei offene Pforten wahmaha 
fo wie ich in dem Norden ^^) gefehen hatte; 2 
Pforten und Wege durch fie waren von gleidi 
Gröfse. 



(V. 3.), noch andere dort befanden , ill nicht geb^ 
nach 34, 2. 35, X. 2. find ihrer in Weften, Sud 
und Often je drei. 

23) Laurence bemerkt, es flehe im Äethiopirchen Oß^ 
erklärt diefs jedoch für einen offenbaren Fehler nflj 
dem Contexte. Allerdings war Kap. 33, 3. von Jb 
folchen Himmelspforten die Rede. Es liefse (ich Jtß 
die UTCprÜDgliche Lefeart mit RückCcht lauf Kap. 39j( 
Tertheidigen * bei der Vergleichung wäre dann tß 
auf die Befcha£Fenheit der Thore» nicht aber BOgU|B 
auf ihre Anzahl Rücklicht genommen. Ueber 9 
Zweck der Pforten in der abendlichen Gegend fchwdi 
der y erfafler. Höchft wahrfcheinlich follen darc^! 
die Geftime untergehen (vgl. Kap. 71, 2—4*-^ 
X5. 17 ff.) ; es erhellt diefs auch fchon aus der Be|ifl| 
mung, welche den Thoren der entgegengefetsteafitf 
nol^egcnd beigelegt wird (32, 2. aSt ^0» 






Kap. 35. V. 1—2. 299 

Kap. 35. 

Alsdann ging ich zu den Enden der Erde 
Süden » wo ich drei Pforten fahe, offen ge- 
iden, aus welchen ausitrömte Thau, Hegen 
«nd«). 

Von da ging ich zu den Enden des Hirn- 
) oftwärts, wo ich drei himtnlifche Pfor- 
he, offen gegen Ofien, welche innerhalb 
:e Pforten hatten. Durch jede diefer klei- 
Pforten gingen die Sterne des Himmels und 
gegen Weften auf einem Pfade, welcher von 
gefehen wurde, und diefs zu jeder Zeit. 



Die Zahl der Pforten bleibt wie bei den TOrhergehen- 
I Weltgegenden. Am dem Süden gehen die Himmels« 
:per nicht hervor, daher -ift die auf ihn Heb bezie- 
ide Darftellung derjenigen ähnlich , welche beim 
rden (Kap. 33, 3.) vorkam , nur mufste die Kalte 
1 ihre Begleiter, Hagel, Schnee und Froft, hier weg- 
iben, als der Wärme der Südgegend unangemelTen, 
Is wird mit den Ausdrücken: Enden des Himmels^ 
den der Erde und Enden der Welt abgewechfelt 

•» !• 2. 33t I. 34» I- 35j !•)» ^^il »^Jö ^'ci zufam- 
nfallen; vgl. Anmerk. 21. zu Kap. 32, 3. Kleinere 
iiren lind innerhalb der grofsen , wie oft io nn- 
1 Thorflügeln wenigftens eine Pforte angebracht 
Sie dienen als Ausgangspunkte für die einzel- 
I Sterne, welche ihrem Umfange nach beimDürch- 
Ige der Oeffnung des Ganzen nicht bedürfen. 
urence fupplirt am Ende des Vcrfes bei dem Worte 
•«ü^* zurVerdeutlichuiigdelTelben: „ihrer Erfchei- 
ig.** Ebenfo hat er V. 3. zu ^y[ake^*' als Object das 
»nomen ^^jie*^ ergänzt und nach dem Satze: , «jeder 
€*' liigt er hinzu: *,,in welcher fie erfchienen.*' 
I erfta waA dritte Ergänzung halte ich für utrnö- 



300 Kap. 35. V. 3. Kap. 37. V, 1. 

3. Als ich's fahe, pries ich ; jeder Zeit pi 
ich den Herrn der Herrlichkeit *^) , welcher di 
grofsen und prächtigen Zeichen gemacht hatte, 
mit fie entfalten möchten die Pracht feiner We 
den Engeln und den Seelen der Menfchcn, c 
damit diefe verherrlichen möchten alle feine W« 
und Thaten, fehen möchten die Wirkung feil 
Macht y verherrlichen möchten das grofse W< 
feiner Hände , und ihn preifen bis in Ewigkeit 

Kap. 37. «0 See t. VI. ^'^) 

1. Das Geficht, welches er fahe, das zwe 
Gelicht der Weisheit, welches Henoch fahe, i 



thig, und bei dem Worte ^^fake*^ ift es unBroi 
befler, fich unter dem Objecte nicht blofs die Sur 
fondern alles das, was Henoch gefchauet hattet' 
denken und aifo das Fronomen es zu ruppliren, f§ 
cbes bekanntlich auch im A. T. nicht feiten en^ 
lalTen wird. 
26) Herr der Herrlichkeit ^ wie 22, 15. 24, g. vi 
Henoch fühlt fich durch das Gefebene zumLobeGE 
tes ermuntert (vgl. Anmerk. 97. zu 24« !!•)• S 
Geßirne (denn diefe find wohl unter den 2Mi| 
zuverfiehen und der Ausdruck ift gewählt aus xBJl 
Xf 14*) dienen vorzüglich dazu, Gottes Grofa^y 



▼eranfchaulichen und es liegt in ihnen demnach m 
befondere Aufforderung für die mit Vernunft h^M 
ten Wefen , die Weisheit des Weltenfcböpfers nß 
erkennen und ihrer rühmend zu gedenken. /^ 

37) Das 36fte Kapitel kommt nicht in dem ManuCaiS 
▼or. ( L. ) 

2g) Nach der FariCer und £odlejanifchen HandTcki^ 
(£n) Mit diefer Section beginnt eine neue Rä* 



Kap. 37. V. 1. 



301 



lohn des Jared, des Sohnes Malaleel, des Sohnes 
tuian, des Sohnes Enos, des Sohnes Seth, des 



r 



Ton VifioncDi welche fireng genominen erß mit Ende 
der I2ten Section aufhört, oder, um es anders zu be- 
leiduien, Kap. 37 — 70* umfafst. Vgl. oben in der 
Ein]. S* 13 und z6. ; damit fiimmt auch Silv. de Sacy 
(Journal des Savans. ig22. Octobre. p. 589*) uber- 
[i ein, den ich bei AbfalTung der Einleitung nicht be« 
mtzen konnte. Die durch die Eingangsworts Kap. 
3?il. vorbereitete Vüion wird in denfelben das zweite 
fitCcht genannt 9 während Cch doch bis hieher meh- 
m Vißonen unterfcheiden laflen ; nämlich Kap. 13, 
9'« I4v 8 ^* 179 I ^* Wollte man aber auch Kap. 
13« 9 bis 169 5> uod die von Kap. 17 — 35. fortlau- 
ümde Reihe von Gefichten nur als zwei betrachten, 
ib wäre doch das hier beginnende das dritte und 
licht das zweite. Man hat den Ausdruck wohl fo 
n nehmen, dafs Geficht nicht Vifion im firengen 
Sinne des Wortes fey, fondern derVerfalTer darunter 
üe Folge von' Darßellungen verliehe, welche theils 
ia der Form von Tifion , theils aber auch in anderer 
Gcflalt bisher gegeben worden war. Dafs jene Ka- 
.yitel in einem mehr oder minder deutlichen Zulam- 
'■enhsnge fiehen, ift gewiTs und auch fchon von Silv. 
[ieSmcy {Joutual des Savans. 1822. Octobre. p. 588 — 
pl9>) bemerkt worden. Denn nach der Einleitung 
[in Buches oder erßen Section (Kap. i — 6.) folgt 
iCs Gefcbicbta der Engel, welche den Himmel ver- 
rfafsen, am iich mit irdifcben Weibern zu verbinden 
^ in diefer Verbindung Giganten das Dafeyn ga- 
kof aber auch geheime Kenntnifle verbreiteten (Sect. 
3—3« oder Kap. 7 — 16.). Die 4te Section (Kap. 
,17'^ai.) fetzt jene Eraählung voraus, indem fie ent- 
ifchisden darauf anfpielt (Kap. X9, I ff. 2I> 6.) und 



302 Kap. 37. V. 1. 

Sohnes Adam*^). Dicfs ift der Anfang des W 
tes der Weisheit, welches ich erhielt, zu ^ 



ift FortfetKung derfelben, indefs manches bisher i 
nicht Berührte einwebend. Am wenigften ficb 
iß der Zufammenhang swilcben Kap. I..— 2I* ei 
feits und Kap. 23 — 35* oder der 5ten Section anc 
feits. Wahrfcheinlich kommt aber der Verfaflez 
die darin erzählte Darftellung durch die bereit 
Sect. 3 und 4. vorgetragenen Schilderungen Ton 
genden und Orten, welche den Menfchen entwi 
ganz yerborgen zu bleiben pflegen oder doch nnri 
nahmsweife ihnen zuganglich werden (Woha 
Gottes Kap. 14.; BehältnilTe des Lichtes, Blil 
Donners, Ort der Abgefchiedenen u. f. w. Kap.] 
BehältnilTe der Winde, Eckftein der Erde, PM 
Engel , Säulen des Himmels u. f. w. Kap. ig« ; S| 
orte der Sterne und Engel Kap. 13 — 19. und I 
Denn der Inhalt der ^ten Section ( Kap. 22 -* ] 
ift fireng genommen nur Fortfetzung diefer Dat 
lang. Betrachtete alfo der Referent diefe Reihe- 
Kapiteln als ein Ganzes, fo konnte er allerding|si 
was darauf folgt , ein zweites Gefleht nennen. 

29) Diefer Satz bildet eine Art Ueberlchrift, in 1 
eher daher auch von Henocli in der dritten N 
gefprochen wird ; fo auch Kap. i, i. ( vgl« dasn^i 
merk. 6); 12, I flF. (vgl. dazu Anmerk. 74.) flf 
her redet der Patriarch wieder felbft, wie in deal 
hergehenden Abfchnitten; fchon V. i. ift der Üi 
gang in die erße Perfon. Merkwürdig ift, dabl 
und nicht in frühem Abfchnitten die Genealogitf^ 
noch*s beigefügt wird; denn da der Lefer iir^ 
Vorhergehenden mit dem Patriarchen hinreichen^ 

/> kennt geworden ift, erfcheint diefe Zugabe ■]•'< 
nütz. Wäre der Auffatz von einem anderen 1 



Kap. 37. V. 1. 303 

I 

indigen und zu erzählen denjenigen, welche 
if Erden wohnen. Höret von dem Anfange tfn 
ad verliehet bis zu dem Ende die heiligen Dinge, 
eiche ich ausfpreche in der Gegenwart des Herrn 
er Geilter ^). Diejenigen , welche zuvor wa- 
rn, hielten es für gut', zu fprethen, 

falTery'fo iiefse es fich wohl erklären; diefer muTste 
aber doch jene Kapitel vor fich gehabt haben* Sind 
aber su diefer Annahtae völlig hinreichende Gründe 
nicht vorhanden, fo möchte ich glauben, dab die 
folgende Abtheilung ^ea Buches nicht fogleich nach 
Vollendung der vorhergehenden aufgefeta^t worden 
fey, tondem der VerfalTer des Buches den Gegen- 
fiand erft nach einiger Zeit wieder aufgenommen und 
fortgeführt habe. Darum bezeichnet er die Ferfon 
deeHenoch genauer. Die Genealogie i& nach iMof. 
5. gemacht. Die Namen erfcheinen mit Ausnahme 
zweier QKanan für Kenan und Malaleel für Maho" 
hdeel) in der dort vorkommenden Geftalt. — Mit 
den nach der Ueberfchrift folgenden Worten fucht 
Henoch die Aufmerkfamkeit auf das , was er fsgen 
will, zu lenken und ein lebhaftes In'terelTe dafür zu 
erregen , in einer Weife, welche auch den biblifchen 
Darfiellungen nicht fremd ifi ; vgl. s. B* Sprichw. I. 
Wort der Weisheit fieht natürlich coUective und ift 
von dem Inhalte des folgenden Abfchnitces zu ver- 
fiehen« in welchem überhaupt die Weisheit öfters 
erwähnt und felbft perfonificirt (Kap» 42.} wird. 
^) Diefe Bezeichnung Gottes iß in den folgenden Ka- 
piteln die gewöhnlichße, nämlich 37, 2.-38» ^- 4- ^* 
39» 2- 7 — 9- "• 40f 1—2. 4 — 7. 41, I. 4 — 6. 
43, 2. 45i 1 — 2. 46, 2. 4—6. 47, 1.2.4. 48. 
2 — 4* 6. II.- 48 b, 2. 4. 49, 2 — 4. 50, 3- 51» 5- 
10, 52, 2. 6. 53> 5—7- 54» 4 — 5- ^^$ 5- 56» 3« 5. 



X ** 



304 Kap. 37. V. 2. 

2i undlafst uns, welche nachkommen, nici 



57, 2. 4- 59» 5- 9« 14- 6o, 3. 7. 10 — J2. 14. 3 
61, 2. 14—16. Ig. 62, 1 — 2. 16. 63» 3 — 4- t 
9 — 10. 65» 3« 66, 9. II — 12. 68, 34 — 35. i 
69, I- 70, 3., während fie eben fo wenig in i 
diefer AbtheiluDg vorausgehenden Kap. i — 35., sc 
in den derfelben nachfolgenden Kap. 71 — 105« 1 
getrofiFen wird. Diefer Umftand könnte allerdii 
die Vermuthung erregen, dafs Kap, 37— :.7o. % 
einem änderen YerfalTer herrührten, bei welcher J 
nähme (ich denn das Yorfügen einer Ueberfchrifit C 
leicht erklären liefse. Auf andere Momente, VI 
che diefe Hypothefe unterßützen konnten » wirC' 
den Anmerkungen ferner hingewiefen werden. Hi 
SU überfehen ift dieAeufserung, dafsHenoch Cmml 
lehrungen in Gegenwart Gottes ausfprecha. Er ^ 
unRreitig damit zu erkennen geben, dafs er fichSpi 
an die Wahrheit halte; das höchfte Wefen, weldi 
ihn der Offenbarung würdigte, ift unfichtbar vafjt^ 
und würde es alfo gleich bemerken, wenn Heatji 
Ton dem abwiche , was ihm zur Y erkündigiiDg ii 
hüllt worden ift. Am Ende des Yerfea hatJLanr«! 
dem Silv, de Sacy (Journal des Sav. igia* Octfll 
p. 589*) ^^'^g^* ^^e Partikel vor gewählt und ip 
derfelben das Fronomen uns fupplrrt („ beföre wi 
dem Sinne nach ift diefs allerdings ganz richtig} 
Henoch fucht durch die Nachricht, dalii Au 
fahren (,, Ceux qui nous ont precedes** gibt eä 
de Sacy) an der Rede (natürlich der verftändigi 
weifen) Wohlgefallen fanden, feine Lefer 
hörer zur willigen Aufnahme und Befolgniig 
Lehre, die er noch dazu als Weisheit b< 
geneigter zu machen. Noth wendig . ift indi 
Ergänzung nicht; denn nach meiner, dem 



Kap. 37. y. 2. 30S 

erhindern den Anfang der Weisheit '')« Bis zu 
er gegenwärtigen Zeit ift niemals gegeben wor* 
[en vor dem Herrn der Geifter das» was ich erhal« 



1 

fchen «Geh noch naher anfcbliefseadan Uebertragung 
ift diefer Gedanke ebenfalla in den Worten nnd leicht 
sn erkennen* 

■ 

31) Statt verhindern („obftmct*^ bei Lawrence^ Tagt 
Sihf. de Saey verfchweigen (ne celoni point), was 
anch einen gnten, aber tn unfern Zufammenhang we- 
niger paffenden Sinn gibt. Denn das Verfchweigen 
der Weisheit könnte nur von dem Inhaber derfelben, 
d. £• Ttm Henoch geCchehen* Dagegen ift das Ver« 
bindern derfelben Sache derer, su denen er fpricbt. 
Die Weisheit beginnt er ft ; bisher berrfchte Tfaorheit. 
Henocb wurde damit vor dem Herrn der Geifter (f. 
auch 39, g.) begnadigt, natürlich auch von demfelben, 
obfehon er diels nicht fagt. Um den Werth der em« 
püangenen und jetzt mitzutheilenden Offenbarungen 
recht hervorzuheben, vergleicht er fie mit folchen, 
deren vor ihm Menfchen gewürdigt worden. Sie 
überfteigen aber feine Geiftesfahigkeiten nicht. Laii- 
renee gibt in einer Note unter dem Texte noch eine 
andere Uebertragung : gemaft dem , was ick gedacht 
habe („according as I häve thought *'} , welche aber 
der andern nacbfteht. Dagegen ift am Ende des Ver« 
JJBS die in der Note baEndliche und von mir berück« 
fichtigte Üeberfetaung: „^irhich bas been given to 
me hj bim** der von Laurence in den Text aufgo* 
oommenen : „das, was ich von ihm empfangen habe** 
unbedenklich vorzuziehen, da letztere Worte fchon 
in dem Yerfe vorkamen, und wie tint Laurence* j Note 
erhellt, dem Aethiopifchen nicht ganz entfprechen. 
Mit diefer im äthiopifcfaen Texte ftehenden paiHven 
Form verknüpft fich nun auch das Folgende ganz 

BiichH«Boeh. 20 



306 Kap. 37. V. 2 — 3- 

ten habe, Weisheit nach der !^higkeit m 
Einficht und nach dem Wohlgefallen des i 
der Geifter; das, 'was niir von ihm ift ge« 
worden, ein Theil des ewigen Lebens, 

3. war in hundert und drei ^) Para 



ohne Zwang; die Worte; ein Theil des ewigi 
hens find nämlich Appofition zum Subjecte des S 
Der 3te Vers beßebt nicht für ücb , fondero e 
eift die Angabe deflen, was Henocb von de: 
verliehenen Weisheit fagen will. Laurenee übi 
dieTs und wurde dadurch genöthigt, nicht allei 
V« 3. einen neuen Satz zu beginnen» fondem ig 
fange deflelben die Worte: ^^IVas ich empjm^ 
ihm*^ einzufcbieben. Silv, de Sacy (a. a. O.) 
fcbon er nicht den Originaltext, fondern nur 
rence^s engliCche Ueberfetzung vor Augen hat 
a. a. O. p. 587. Note) , überträgt : ,,ce que |*a: 
. en don da lui, efi une portion de la vie eterai 
^toit compris dans cent trois parables/^ Die < 
barung, welche Henocb empfing, heifst ein Tbl 
ewigen Liebens , infofern diefes nothwendig rti 
Erkenntnifs vorausCetzt. Diefer Zurats hat i 
ben Zweck, wie das Vorhergehende, nämlich a 
von Henocb mitzatheilende Belehrung aus allen 
ten die Aufmerkfamkeit zu lenken. 

33) Mit diefer Angabe ift die im B. Henoch e&di 
Zahl von Parabeln nicht im Einklänge« De; 
befchrinkt fich auf drei : Die erfie enthalt Kan 
44. oder den übrigen Theil der 6ten Secttoai 
zweite Kap. 45 — 55. oder die Tte und gte Si 
und die dritte Kap. 56 — 6g. oder die* pte bi 
Section. VgL Einleit. S. 12. Silv. de Smc 
muthet daher (Joum. des Sav. ig!22.0ctobr* p.' 
dafs hier in im Haadfchiiftea ein Fehler fr 



Kap. 37. V. 3. 307 

Iche ich den Bewohnern der Welt vetkündigte* 

der Urheber des Buches gefchrieben haben mochte: 
,fiD drei Parabeln.'* Eine folche Cormptel konnte 
nun fchon in dem griechifcben Texte» aua dem die 
athiopifche Ueberfetznng flofs^ gewefen, oder auch 
erft in letaterer entfianden £ejn. Sie konnte leidht 
entftehen» wenn nicht das Nomen nnmerale , fondern 

das Zahlzeichen (^7' im Griechifcben, PPl im 

Aethiopifchen) gefetzt worden war. Will man einb 
folcbe Verderbnifs der Stelle nicht zugeben, fo müfste 
der Verfaflfer des Buches glauben macben wollen, 
dafs Henocb aufser den Parabeln, welche in dem von 
ihm benannten Buche ftehen, noch andere emp£iiH 
gen habe, die alfo wohl blofs mündlich vorgetragen 
und nicht durch Schrift fixirt worden wären. Ueber 
den Ausdruck Parabel f. in der Eioleit. S. 13. Nach 
den 3 Parabeln folgt in der fehr kurzen I2ten Section 
(Kap. 69 — 70.) der Schlufs des ganzen Abfchnittes, 
deifen Zweck Silv. de Sacy (a. a« O.) in Entruckung 
Henoch's zum Wohnßtze Gottes und Darftallung def- 
felben vor der göttlichen Majeftät fetzt. Schon in 
der 3ten Section (Kap. 12 ff.) wird Henoch sum Him- 
mel aufgehoben, allein nicht etwa blofs, um ihn zu 
fchauen, fondern behufs einer Offenbarung. Auch in 
der vorliegenden Abtheilung des Buches kann die Auf- 
nahme Henoch's in die Nahe Gottes nicht alleiniger 
Zweck feyn, fondern wird vielmehr nur dazu dienen, 
ihm gewiffe Wahrheiten zu enthüllen., sngleich aber 
eine deutliche Anfcbauung der überfinnlichen Welt, 
befonders mit Rücklicht auf die Gerechtigkeit der 
YorfebuDg, zu gewähren und einen Blick in das ge» 
heime Walten Gottes in der Natur thun lu laflen. 
Vgl. die Uaberücht des Inhaltes, welche ich in der 
Einleit. S. 12 -— x6. gegeben habe. 

20 ♦ 



308 Kap. 38. V. 1-8. 

K a p. 38. 

1. Erste Parabel ^^). Wenn die Verfa 
lung der Gerechten wird offenbar Werden, 
Sünder für ihre Verbrechen gerichtet und be 
werden in dem Angelichte der Welt , 

2. wenn Gerechtigkeit wird offenbart 
den in der Gegenwart der Gerichten felbft, wi 
werden ausetwählt werden wegen ihrer Werk 

^3) Diefe fogenannte Parabel, welche mit Ka] 

fchliefst (f. die Ueberfchrift zu Kp.43.)> beginn 

Andeutungen des traurigen Gefcliickes der Gott 

am gTofsen Gerichtstage (Kap. 3g, 1 — 39, 7.)^ i 

(von Kap. 39 , 3. an) eine Vifion HenocL'a im 

mel angefchloflen wird. Da das ganze Buch 

Periode im irdifchen Leben Henoch*8 vorauf I 

kann das Verweilen deiTelben im Himmel nni 

temporäres feyn. Ganz deutlich erhellt diefs a 

wie bereits Silv, de Sacy (a. a. O. p. 59CX) and< 

aus dem Inhalte von Kap. 69 — 70. (vgl. An« 

zu dief. Kap.). Der Anfang diefer erfien Pai 

hangt übrigens mit der folgenden Vifion nur loli 

Timmen (f. Anmerk. zu 39, 1 und 3.). Unfer Kapiti 

öffnet ficb mit der Frage, wohin die Gottlofei 

Gerichtstage fich bergen könnten (V. i — 2.)' 

türlich Toll die Antwort feyn: nirgends ift füi 

Sicherheit und Ruhe. Der Verf. bezeichnet am Sdl 

von V. 3. ihr trauriges Loos auf ganz gleiche W 

wie Jefus Matth. a6, 24. Mark. 14, 21. daa U 

Verrathers. 

34) fVerke, natürlich gute; Laurtnet erganst i 

diefa Adjectivura in der Ueherfetiung. Gewogt 

prägnant su verRehen : richtige genau gewogen, k 

halb Laur^Hce des Ad verbium einfchiebt ; der i 

druck übrigens , wie oft im A. T. ^ f. auch Hen. 4! 



Kap. 38. V. 2—4, 309 

I von dem Herrn der Geifier, und wenn 
iC der Gerechten und der Auserwählten» 
auf Erden wohnen, wird offenbart wer- 
Mnrd die Wohnung der Sünder feyn und 
?latz des Friedens für diejenigen , welche 
m haben den Herrn derGeifier? Es würde 
efler gewefen feyn, fie wären nie £;ebo- 
len. 

Wenn auch die Geheimnifle der Gerech- 
srerden enthüllt werden , dann werden 
gerichtet und gottlofe Menfchen gequält 
regenwart der Gerechten und der Aus- 

Von diefer Zeit an werden diejenigen, 
ie Erde befitzen, nicht (mehr) mächtig 
i erhaben ^). Und nicht f ollen fie fähig 

lOch meint , wenn das in Erfüllung gebt , was 
loch als Geheiniuifs gilt und nur durch höhere, 
u Theil gewordene Offenbarung kund wurde. 
mnifs hier, wie [xuary^^tov im N. T. , unbekannte 
icfat über etwas. Der Genitiv bezeichnet den 
fiand, auf welchen (ich die zur Zeit verbor« 
Kunde besieht; ähnlich find Verbindungen, 
eheimniire der Blitze , des Donners (Kap. 57, 
, Geficht der Strafe (13, 9.). Geheimnifs ift 
das eiaftige herrliche Loos der Frommen , wie 
». I, 7 — 8* 6, 9 ff. 10, 23 ff* fchon angedeutet 
Das traurige Schickfal der Gottlofen fall den 
iten nicht unbekannt bleiben; daher erfolgt 
ntfcheidung gegen jene in ihrer Gegenwart. 

Tischt der Erde hilft dann nichts mehr, fon- 
ift gebrochen; vgl. Apok. 6, 15 ff- Laurtnce 
itzt: „fie werden aufhören mächtig —-—zu 
^* gibt aber in der Aumerkung die von mrir füf- 



310 Kap. 38- V. 4 — 6. Kap, 39. V. 1. 

feyn , zu fchauen das Antlitz der Heiligen 
das Licht des Antlitzes der Heiligen, der Ger 
und der Auserwahlten ilt gefehen worde 
dem Herrn der Geißer. 

5. Gleichwohl foUen die mächtigen ] 
jener Zeit nicht vernichtet, fondem in die 
der Gerechten und der Heiligen geliefert m 

6. Und nicht Tollen fie von der Zeit 
barmung erhalten von dem Herrn der ( 
dieweil ihr Leben vollendet feyn wird, 

K a p. 39. 

1. In jenen Tagen wird das auserwahl 
heilige Gefchlecht herabfieigen von den 



genoiDinene wörtlichere Uebertragung. Das 
der Auserwählten blendet die Sünder, fie 
den Glans delTclben nicht ertragen , welche 
den Anblick des Höchften ihnen lu Theil ge 
ift. Der Ausdruck geht wohl von dem «n 
t Mof. 34, 29 ff. Ton dem Gelichte des Mofes b 
wird. Vernichtung wäre für die Verbrecher ein 
linde Strafe (vgl. 22, 14.); darum werden fie (V 
Gerechten cur Beftrafiing übergeben. Nach diel 
ijening lu nrtheilen , fcheint der Verfafler hi< 
an das allgemeine Weltgericht, fondem an ein< 
fnng das ründhaften Gefchlechtes noch anf d 
so denken , während der übrige Theil des ] 
für erfteres fpricht. Offenbar fchwimmen wie 
beiden Ideen in einander, wie oft im Buche] 
VgL S. 13. und Anmerk. 6g. zu Kap. 10, 27 
Schlofle des 6tan Verfes fucht Laurence di 
druck „ihr Leb«n«« durch den Zufats: „ii 
Wdt** SU verdeutUcben. 



Kap. 39. V. 1. 311 

limmeln ^^ und ihr Same wird dann bei den 
>ohnen der Menfchen feyn. Henoch empfing Bü- 
cher des Zornes und Grimmes , und Bücher der 
Verwirrung und Unruhe. 



37) Die Engel werclen unte^ den Menfchen weilen» 
welche vermöge ihrer reinen und frommen Gefin- ' 
nnng fich ihres Upnganges würdig gemacht haben. 
Nicht ein unerlaubtes» verdammliches Yerhaltnifs, 
wie einft zwifchen Sam|aza*s Rotte und den menfch- 
lichen Dirnen , wird Kwifchen den Bewohnern bei- 
der Welten fiatt finden , fondem ein reines » edles, 
den Frommen zur Belohnung gereichendes und ihr 
ferneres geiftiges Fortfcbreiten förderndes. Wahr- 
fcheinlich hat aber jene angeheiligte und daher von 
Gott ftreng gerügte Verbindung des Himmlifchen mit 
dem Irdifcben den Referenten bu der hier ausgefpro« 
ebenen Anficht geführt. Nach unferer Stelle gibt es 
übrigens mehrere Himmel (vgl. V. 3. 70, 6 ) ; die Engel 
find in den oberen, in der Nabe Gottes. Der letzte Theil 
des Yerfes ftort das Fortfehreiten des Gedankens. Denn 
V. 2' gehört offenbar noch zu der Hede, welche mit 
Kap. 389 I* beginnt und die in demfelben VerfeBe« 
drohten find dalTelbe gottlofe Gefcblecht, welches 
Kap. 3S. fchon im Auge hatte« Ich glaube daher, 
dafs diefe hiftorifche Notiz nicht an rechter Stelle 
Aehe; fie würde fchon am Ende des sten Verfes paC> 
fender feyii und der Sinn im Zufammenhange fieh 
dort fo geftalten: Gott gab die feierliche Yerfiche- 
rung , dafs die Gottlofen der Strafe nicht entgehen 
werden; fie wurde dem Henoch in Schriften enge* 
deutet 9 welche er empfing. Die Genitiven Tollen 
den Inhalt der Schriften bezeichnen (vgl. 13, 7-— 8*)« 
von Gottes Zorn und Grimm gegen die Frevler, von 
der Verwirrung und Unruhe, welche fie betreffen 



312 Kap. 39. V. 2 — 4. 

3. Niemals foUen fie Gnade erhalten , fa« 
der Herr der Gcifier. 

3. Eine Wolke raffte mich dann auf u 
der Wind hob mich über die Oberflache der £n 
und fetzte mich an das Ende der Himmel ^). 

4. Da fahe ich ein anderes Geficht» die Wo 
nung und den Ruheplatz der Heiligen. Da fah 
meine Augen ihre Wohnung bei den Engeln u 
ihren Rulieplatz bei den Heiligen. Sie baten, f 
heten und beteten für die Söhne der Menfchc 
während Gerechtigkeit vor ihnen flofs gleich Wi 
fer, und Gnade gleich Thau über die Erde. Ui 
fo ift's mit ihnen von Ewigkeit bis Ewigkeit ' 



wird , ift in denfelben die Rede. Auch fonS hd 
es, dafs Henoch Bücher empfangen habe i z. B. 981 
Die vorgefchlagene Umfiellung der Notis am Ei 
von y. I. als richtig vorausgefetzt, hinge dann Y. 
damit auf eine ähnliche Weife zufammen , wie Kl 
14« I. 7 und 14, g ff* Man überfehe nicht, i 
am Ende des iften Verfes von Henoch in der 3II 
^^g^S^i^ ^^ 3' nieder in der iftan Ferfon die Rc 
ift$ jene Stelle ift hier gewilTermaafien dem angi 
lieh eignen Berichte Henocli's vorangefetst, wie b 
die Ueberfchriften den Abfchnitten. Vgl. Anmfl 
29. zu Kap. 37» I. Ueber den Ausdruck Herr 1 
Gtifier f. Anmerk. 30. au Kap« 37, i. 

3g) Vor diefen Vera gehört alfo (f. die vorbergeh. i 
merk.) die kurse Nachricht am Ende von V, 3.; e 
Realparallele bietet Kap. 14, 9 — xo. dar. Ver|j 
chen laUt (ich auch Kap. 17, i., wornach Heni 
durah Engel in die Höbe gehoben wird. Wie V« 
find auch hier mekrBre Himmel vorausgefetst. 

39) In feinem Geficht erblickt Henoch zuerft den A 
enthaltsort der frommen Menfcben« welcher im Hi 



Kap. '39- V. 5. 313 

Zu jener Zeit fahen meine Augen den 
»r Auserwählten , der Wahrheit ,\ der Treue 
sr Gerechtigkeit. 



il gedacht werden mnfs, da fie bei den Engeln 
dien« Nach V. 3^ gelangte der Patriarch ans Ende 
r Himmel, allein daraus folgt nicht , dafs gerade 
rt die Wohnung der Frommen gewefen fey. Denn 
geht wohl von dort in den Himmel felbft ein (vgl. 
ip. 31, dO» obCohon es nicht ausdrücklich ersahlt 
rd. Mit dem-Worte Geficht im Anfange Ton V.4. 
den die Worte ,, Wohnung und Ruhcplats^' Appo- 
ion ; es ift daher nicht nöthig , mit J^aurence den 
tx: ,,ich Iahe'* nach,, Gefleht*' BuTuppliren. Ruhg' 
irx, bei Laurtnce dormitory (Schlaf gemach). Die 
lUigen, deren Wohnung Henoch fchaut« find un- 
ütig fromme Menfchen. Allerdings kommt das 
ort ,, Heilige" felbft in diefem Verfe, V. 6—7., 
tp. 2* 129 ^' 149 24. 59, I. go* 7. als Synonymum 
a Engeln vor, indefs iß es, dafür gebraucht, in der 
Igel durch ein angerchloITenes Epitheton näher be* 
lehnet, als: die Heiligen des Himmels (Kap. 9, 3.), 
I Beilige^ ohen (Kap. 6o« 13* )• die Heiligen im 
iKm4l (Kap. 6O9 15-)» abgefehen von dem häufigen 
tadmcke: heilige Engel (Kap. 20, 2 — 7- 31» 3- 6. 
♦ 8* a3i 4- ^6, 2. 59, I. 70, II. 71, I. 73. I. 
f 3* 99*^* ^^5 9 S3-) oder heilige und herrliche 
\gei (Kap. 249 40« Auch fonft v^erden die Recht- 
lafiiDeD im Buche Henoch Heilige genannt (als 
ip« lOff 22. 24» XI' 26, 3. 92, 9. 99f 2.), wie die 
lUlofen Unheilige heifsen (Kap. 6» lO.). Lawrence 
l den Begriff Heilige, wo er die Menfchen bezeich- 
t, durch faints^ wo aber Engel ^gemeint find, 
tch holy ausgedrückt und fo beiden recht gut von 
undar unterfcbieden* Wif finden hier fchon eine 



314 Kap. 39. V. Ö. 

6. Unzählbar wird die Anzahl der'Heiligeii 
und der Auserwählten feyn in feiner^) Gegenwart 
von Ewigkeit bis in Ewigkeit, 



Intercefiion der Frommen oder Heiligen ,fur die iof 
der Elrde lebenden Menfchen. Gerechtigkeit fiofs 
vor ihnen gleich Waffer beifst: ibr recbtfchaflenei 
Wefen lag klar vor Augen , war ungefärbt , wie rei- 
nes und durcbfichtiges Wa (Ter. Das Folgende: „tfiMf 
Gnade (fc. flofs; Laurence fupplirt ,,w^ard tnsge- 
breitet<«) wie Thau üher die Erde** ift von Gottes 
Gnade su verliehen , deren heilbringende WirUain« 
keitfich überall aufsert, und dem erfrifchendenThane 
vergleichbar i(b, welcher die erftorbene Vegetation 
wieder belebt. Auch in dem erßen Bilde könnte aof 
das Wohlthätige des WalTers mit Ruck£cht genom- 
men feyn. Wafler und Thau unter^ einem heiüen 
Klima , auch inPalafiina Hauptbedingung der Frucht- 
barkeit; vgl. meiit. Entw. d. hebr. Alterth. S.sjO.-^ 
Im 5ten Yerfe geht der Ver&IIer vom Concretiun 
aufs Abfiractum über; wo die Gerechten, Trenen 
find, da weiltauch Gerechtigkeit, Treue und Wahrbait 

40) Nämlich Gottes (vgl. V. 7.), welshalb Laurenct 
diefs geradeau ftatt des Fronomens in die Ueber- 
fetzung aufgenommen hat. Ueberhaupt ift dieFor* 
mel : vor dem Herrn der Geifter (V. g, 37, 3. 40^ I* 
46t 2. 47' 3. 48 1 2. 569 5- 62 f I. 66, ii. 68t 34* 
70« 3«) » in Gegenwart des Herrn der Geifter (40^ 7* 

47f X- 48) 3- 49» 3- 51» XO. 60, 7. 62. 16. 63t 9- 
68« 41.) in dem Abfchnitte Kp. 37-1^70. steoli«^ 
häufig. Nach V« 7. befinden fich die Gerechten na' 
ter Gottes Flügeln f f. auchsMof. 32, n. la. Mattt 
Ji3» 37- vgl- 2 Mof. 19, 4. 3 Mof. 33» Ift. und meiii* 
O b fervatt. in dilRcil. V. T. loc. Part. L p. 35. In einen» 
andern Sinne fieht Flügel des Herrn der GMer Kp* 



Kap. 39. V. 7— 8. 315 

Ihre Wohnung fahe ich unter den Flu- 
SS Herrn der Geifter. Alle die Heiligen und 
trählten fangen vor ihm, (welcher) der Er- 
LDgnach einer Flamme von Feuer gleich, ihr 
war voll von Segnungen und ihre Lippen 
'lichten den Namen des Herrn der G^er, 
nrechtigkeit (wohnt) unaufhörlich vor ihm. 

Dort wünfchte ich zu bleiben und meine 
ehnte fich nach diefer Wohnung ^^). Dort 
ein Theil zuvor , denn fo war es beftimmt 
n über mich vor dem Herrn der Geifter. 



2» Die Worte: „derErrcheinungnaeb einer Feuer- 
DOie gleich** in V. 7. besiehe ich ah AppoCtion 

dem Pronomen ihm. Der Sinn ift alfo meines 
icbtena: Gott war fichtbar unter dem- Symbole 
er Flamme» wie er einft dem Moles im feurigen 
Tob erfchien (3 Mof. 3, 2 ff.)» In der frühern Vi- 
I9 wo Henoch zum Throne Gottes entrückt war 
p. 14, 9 ff.)» iA wenigftens Gottes Umgebung aus 
aec und ftrahlenden Gegenlländcn beßehend. 

Vie Henoch fchon früher vom Anfchauen des vor 
lEnthiUltenbald fchmerzUcb, bald freudig berührt 

irde (Kp. 21, 5- ^4* 4- 35* 3- dl> 4*}t ^o ^^^^^ ibn 
. , was er jetst fieht , um Fo weniger ohne Theil« 

ime y als er den ihm felbft angewiefenen Platz im 

3unel vor £ch erblickt. Es ift nicht ganz deut- 

I, ob Henoch fagen wolle, er habe fich fchon frü* 

* hier befunden (Laurence übertragt daher, wo 

lieh weniger ftreng an die Worte hSlft: „Dort 

r mein früheres Erbtheil ^') , oder ob er glaube, 

on langft, bevor er durch die Entrückung zum 

mmel es gewahrte, fey auch für ihn im Himmel 

Statte bereitet, welche ihn nach vollendetem 

leoleben aufnehmen foUe. ' Nach dem einfachen 



316 Kap. 39. V. 9. 

9. Zu diefer Zeit verherrlichte und ed 
ich den Namen des Herrn der Geüter mit Ru 
iiTid mit Preis; denn er hat es *^) eingerichtet i 
Ruhm und mit Preis nach dem Willen des He 
der Geißer. 



Wo rtver Rande des Satzes würde allerdings die erS 
Deutung die wahrrcheinlichere feyn , (o dafs alfo 
genommen würde, die Seele Hehoch*s (wahrfcfa« 
lieh alfo die menfcbliche Seele überhaupt) verwe 
vor ihrer Geburt und Verbindung mit dem Kor 
im Himmel in Gottes Nahe. Allein durch das , n 
hinzugefügt wird, ift meines Erachtens angesei 
dafs Henoch nur fagen wolle : auch mein Loos wmr d 
fchon beftimmt und swar fchon langll. Die i 
Laurencs ftatt der wörtlichem Uebertragung in 1 
ne Yerfion aufgenommene Ueberfetzung : ,, Denn i 
viel hatte ich vermocht vor dem Herrn der Geific 
entfpricht ebenfalls nur dieCer Erklärung« 

42) Das Pronomen ift auf Theil (V. g.)' zu besiaha 

Henoch fühlt fich gedrungen , Gott für das ihm 1 

gedachte himmlifcfae Glück innig zu danken, i 

Scblufle des Verfes ift die Wiederholung der Wort 

,»Herr der Geifter'* au&llend. BelTer wfirde fl 

darauf bezügliches Fronomen angewendet feyn; i 

her uberfetzt Laurenct : ^ «nach feinem eignen Wüli 

gefallen/* Aehnliches kommt auch fchon im A. 1 

▼ori vgl. Gsfenius Lehrgeb. d. hebr. Spr. S. 74] 

Zum Preife Gottes , wie Y. 9 — 10. • rifs das GefÜ 

der Güte Gottes auch fonft den Henoch fort, als IQ 

33, 14. 15. 34, II. 36» 4. 35, 3. Am SchluITodi 

lotea Verfes fieht, wie Laurence unter feiner Uabi 

fetzung anmerkt, im Aethiopifchon : ,,er weife*' tt^ 

des Subftantivs i^feia WifTen/* 



Kap. 39. V. 10—12. 317 

10. Diefen Platz betrachteten meine Augen 
ange. Ich pries und Tagte: Gepriefen feyEr, ge- 
>r]efen von dem Anfange bis in Ewigkeit. Im 
anfange, ehe die Welt erfchafiFen war, und ohne 
inde ift fein WilTen. 

11. Was ift diefe Welt*^)! Von jedem vor- 
landenen Gefchlecht foUeii dich preifen diejeni- 
;en, welche nicht fchlafen, fondem ftehen vor 
leiner Herrlichkeit, dich preifen, verherrlichen, 
rheben und fagen : der heilige , heilige Herr der 
Fcüter erfüllt die ganze Welt der Geilt er. 

12. Da fahen meine Augen alle, welche, 
)hne zu fchlafen, vor üim ftanden, ihn priefen 
md fagten: Gepricfen feyß du und gepriefen fey 
ler Name Gottes von Ewigkeit bis Ewigkeit. Dann 
erwandelte lieh mein Antlitz ^) , bis ich unfähig 
mrde zufehen. 



43) Wie gering und unbedeutend, will er Tagen» ift 
das irdifche Leben, verglichen mit dem bimmlifchen ! 
Schlafen deutet Laurence durch den Zufatz : ,, in 
dem Staube*^ vom Todesfchlummer ; allein mir ift es 
wenigftena (ehr zweifelhaft, ob hier daran gedacht 
werden dürfe. Ich verftehe vielmehr die Engel, wel- 
che den Thron Gottes umgeben , ohne eu ermüden ; 
dafür fpricht fcbon V. 12. , noch mehr aber Kp. 40. 
Nach Kp. 14, 24. wichen die heiligen Engel vor Gott 
weder bei Tage noch bei Nacht aus der Stelle. 
Der Ausdruck: Gott erfüllt die Geifterwelt, ift Nach- 
bildung von JeL 6» 3* > nur modificirt nach dem Zu- 
fammenhange. 

44) Es foU hier nicht Beftürzung gefchildert werden, 
wie Dan. 5, 6. 9. lo. 7, 28* lo, 8«» fondern Henoch 
ift geblendet von dem Glänze des Himmels (vgl. Kp. 
14, 23. 25. und Afcenfio Jefaiae {^ 37.). Gerade 



318 



Kap. 40. V. 1. 
K a p» 40. 



1. Nach diefem fahe ich Taufende vonT« 
fenden und Myriaden von Myriaden, und ea 
unendliche Zahl Volkes vor dem Herrn .der Gd 
fter ßehen ^). 



jetzt erfolgt jener Eindruck , weil Cch feinen Angi 
nun erft (f. Kp. 40.) die ganze Herrlichkeit des HU 
melf darbietet. Mit diefer Notiz will alfo detllt 
ferent auf das Zweite hinleiten, was Henoch ^ 
Himmel bemerkt. 

45) In der Yifion, welche von Kp. 39, 4. an erzll| 
wird, waren dem Henoch zuerft die den Frommen üf 
einftigen Wohnfitze angewiefenen Böhaufasges fjL 
zeigt worden, worüber er toU Freude fich ia S 
Lob Gottes ergoFs. Kp. 40. fetzt den Bericht M. 
von ihm dort Wahrgenommenen weiter fort ul 
fchildert die nächße glänzende Umgebung des Hfi4 
den. Flügel ift hier nicht in dem Sinne, wie 39, | 
fondem Seite y wie fogleich hinzugefetzt wird; 
hen (vor ihm) heifit feines Winkes gewartig, b 
' dig SU feinem Dienfte bereit. Zur Schilderung 
gab wohl Dan* 7, 10. Anlafs; vgl. auch Henoch 
24* Es foUen hier von der grofsen Zahl von 
noch befonders einige, als vorzüglich ausgesei^ 
unterfchieden werden; daher verweilt die 
rung nachher V. 3 ff. tusfchliefslich bei ihnen , 
fie felbft namentlich an (V. g — 9.). Früher ift 
gefagt worden, dafs dem Patriarchen ein Engel 
Begleiter gegeben worden ; hier wird dieff g^ 
lieh nachgeholt, ohne jedoch den Engel zu im 
V g. heifst er Engel des Friedens, In andern 
diefer Abtheilung (Kp. 59, i. 70, 4 — 5.)' ül 
ea Michael f Henoch au belehren* Allein hier 



Kap. 40. V. 2i-3. 319 

2. Auch auf den vier Flügeln des Herrn der 
reilter^ auf den vier Seiten nahm ich andere^ au- 
jer denjenigen wahr, welche (vor ihm) ßanden. 
Luch ihre Namen weifs ich , dieweil der Engel, 
irelcher mit mir ging, ße mir verkündigte, und 
lir jedes Geheimnifs entdeckte. 

3. Alsdann hörte ich die Stimmen derer auf 
en vier Seiteri den Herrn der Herrlichkeit '*^) 
rheben. 



weder er, noch Raphael oder Gahriel oder Phanuel 
gemeint feyn; vgl. V. 8 — 9., wo der Engel dem 
Henocb übet den Wirkungskreis diefer vier Auf fchlufs 
gibt ( r. auch 53 , 6. )• 1^^ ^^er Uriel einer der be- 
deutendften Engel ift (f. Kp. 9,1. 20, 3.), aucb in 
dem vorbergebenden Abfcbnitte (Kp. 19^ i. 31, 3. 6. 
26 , 2. 32 , 2.) , fo wie in der Abtbeilung Kp. 71 fiF. 
am baufigften den Henocb über das Gefebene auf« 
klärt, fo vermutbe ich , dafs er der hier Redende ift. 
Sonft wäre auch wohl feiner V. g — 9, 53, 6. bei 
Aufzählung der bedeutendften Engel Erwäbnung 
gefcbeben. 

46} Diefe Bezeichnung Gottes ifi in diefer Abtheilung 
des Buches minder gewöhnlich , als der Name: Herr 
der Geißer ; üe kommt namlicb darin nur noch 41^ 
I. 62, 2. vor. Aufser diefer Abtbeilung dagegen 

Kp. 22, 15- 24» 8- II- 35 j 3 74» 7- 82, lo. Die 
Stimmen, welche Henocb vernimmt , Gnd die der 
V. 4£F. naher cbarakterülrten , nicht aber aller En- 
gel. Aebnlicb iß die Vorßellung der Apokalypfe Jo- 
bannis (Kp. 4« 6 ff* 5« 8 ^- und foiiß), dafs vier an- 
betende Tbiere den gottlichen Thron rings umßan- 
den. Die Charakteriftik der vier Stimmen fcbcint 
nicht ganz glücklich ausgefallen; denn von der er- 
fien (nach V. ^. Michaelas) wird nur ganz allgomeiii 



320 Kap. 40- V. 4— 6. 

4. Die er/te* Stimme pries den Her 
Geifter von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

5« Die zweite Stimme hörte ich preil 
Auserwählten ^ imd die Auserwählten » ' 
gemartert werden um des Herrn der Geißer ^ 

6. Die dritte Stimme hörte ich bitte 
beten für diejenigen, welche auf Erden w 
und anflehen den Namen des Herrn der Geii 



gebgt , dal« ße Gott pries , was fchon V. 3. 
len berichtet worden war , und den Inhalt d 
der andern Stimmen möchte man auf den erBe 
gar nicht für ein Lob Gottes balten. Allein 
Fürbitte für die im Unglück befindlichen (V. < 
den Ausfprüchent welche Vertreibung der bo£i 
fter bezwecken ( V. 7. ) , lag doch mittelbar e 
der Allmacht 9 von welcher dort Abhilfe der 
hier Beiftaud gegen die Bofen erwartet wurdift 

47) Der Auserwahlte iß natürlich nicht Gottf ti 

chen diefer Name ganz nnfchicklich wäre, f 

der grolse Gottesgefandte oder Meilias , weld 

grofsen Tage des Gerichts vorzüglich thatig eric 

f. Anmt rk. zu Kp. 45, 3. — Die ertönende 9 

ift die des £ngel Raphael nach V. 9. Die C 

terten find die firommen Juden ; wfire aber Fr. L 

Anficht (Verf. einer vollßänd. Einleit. in die 

barung Job. S. 75 fF.) richtig, dafa das B. Henochd 

chen Urfprungs fey, fo waren« wie in der Joli 

fcben Apokalypfe, die frommen Chriften sn verl 

welofae Opfer ihres Glaubens wurden« hm 

deutet an, dafs fich das AethiopiCehe auch überl 

laflfe: ,, welche gekreuzigt werden;** in der 1 

(etzung felbft jedoch bedient er fich des Ausds 

„welche leiden*' u. f. w. 



Kap. 40. V. 7-^8. 321 



' « .* 



7. Die vierte Stimme hörte ich austreiben 
e böfen Engel ^) und fie verhindern zu treten 

die Gegenwart des Herrn der Geifter^ damit ■ 
s ! nicht i Klagen erheben gegen die Bewohner 
T Erde. - 

8. Nach diefem erfuchte ich den Engel des 
iedens*^), welcher mit mir ging, alles zu erklä- 



4g) Wörtlich: die Satane ^ welcher Ausdruck auch 
fonft vorkommt , als Sßt 3* 53» 6« » wo der Siogular 
und Kp. 64t 6. , wo der Plural fich findet« Aufser 
diefer Abtheilung kommt Kp. 19, a* ^^Teuftl** vor 
und Kp. 15« 8 — 9.. 16» !• böfe GeiAer und GeiAer 
der Giganten, welche (f. die Anmerkungen b. d. Stel* 
len) als Dämonen betrachtet werden müITen. An die 
in den frühern Sectionen oft erwähnten abtrünnigen 
JVäehter (f. Anmerk. 76. zu Kp. 12» aOt auch Engel 
(Kp. lo^IoOf Engel des Himmels genannt (f. Anmerk« 
92. zu Kp. 13, 9. vgl. auch Kp. 33, 5.}, denkt hier 
der Yerfafler nicht; denn folchen war das Kommen 
in Gottes Nähe völlig abgefchnilten (Kp. 13, 6. 14, 4. 
16, 5.)« fondern es fchwebt ihm der allgen^eine Be- 
griff bösartiger Geifter vor, welche ßch ein Gefchäft 
daraus machen , die Menfchen bei Gott anzufchwar- 
zen und zu verdächtigen. Am nächfien verwandt mit 
der Handln ngs weife diefer Geifter ift das Verfahren 
des Satan's gegen Hiob im Prolog des gleichnamigen 
Buches. Vgl. auch Zach. 3, i. 2. Apok«'l2t lO. Als 
Vertheidiger der Menfchen gegen die teuflifchen Ver- 
unglimpfungen beweÜt ßch Gabriel (vgl. V> 9O9 er 
iB gleichfam der allgemeine Schutzgeiß des ganzen 
Menfchengefchlechtes , wie es nach Dan. 10, 13. 20. 
ai. t vgl. 5Mof. 32, g. in Septuag. I Schutzengel von 
Ländern und Nationen gibt.. 

49) Engel. d€s Friedens kommt sur iii diefer. Abthei* 

Barfi Henoch. 21 



322 Kap. 40. Y. B. 

venp was Terborgen war. Ich fagte su ihmt We 
find diefe> (welche) ich gefehen habe auf den ide 
Seiten » und deren Worte ich gehört und aufge 
fchrieben^) habe? Erverfetzte: Der erjRe ift de 
barmherzige 9 der g^eduldige, der heilige IVCchael 



lung y und ewar als Bezeichnung desjenigen Engel 
vor « welcher Henoch begleitet und belehrt ; fo noc 
Kp. 52 •4- 53 » 4- 54 > 6. 59 9 6. Sonß wird gc 
wohnlich der Name delTelben angeführt ; TgL Kp. 3C 
und Anmerk« 55. xu Kap, 17, i. Wir haben hie 
alfo wieder eine Eigenthumlichheit dieüer Abth^nnj 
50) Bisher war diefs nicht gefagt, daCi Henoch da 
Vernommene auch fchriftlich verzeichnet habe«' Nad 
der hier vorkommenden Aeufserung aber foU mai 
virohl annehmen, Henoch habe das , was er Iahe ud 
hörte f fogleich aufgefchrieben , wodurch denn di 
Richtigkeit feiner Angaben über allen Zweifel erho 
ben werden will. Die Angaben über die 4 £ngel 
Michael« Haphael, Gabriel und Phanuel, find in dei 
felben Form , wie Kap. ao. Die 3 erften kamen i 
diefer Parallelftelle mit vor; allein der ihnen doi 
angewiefene Wirkungskreis ift mit dem hier ei 
wähnten nicht gani gleich. Dem Michael, nac 
Dan. lo« Schutsengel des hebriifehen Volkes, wir 
hier ( V. 4 und g. ) gar nicht einmal ein befonden 
Gefchaflt Eugefchrieben » obfcbon er in der Reib 
obenan ßeht, fondern er ergeht £ch In Gottes Frei 
(V.4.) und wird darch mehrere ehrende Beiwörter a] 
ein vorsuglicbes WeCen gefchildert. Raphael, nac 
Kp. ao» 3* den Seelen der Menfchen vorfiehend, hat hie 
(V. 9.) die Anfficht über Noth und Leiden und dann 
prellet er die» welche um Gottes willen Leiden ei 
dulden (V. 5.). Sein Name ( Gott kMt ) entTpricl 
feinem Berufe und ift wahrfcheinlicb Uiiacbei dal 



Kap. 40. V. 9. 323 

9. Der zweite ifi der, welcher (gefetzt) aber 
jedes Ijeiden und jede Wunde derMenfchenföhne» 
der heilige Raphad. Der dritte, welcher (gefetzt) 
über alles, was mächtig ift, *ift GäbrieL Und der 
vierte p welcher (gefetzt) über Reue und die Hoff- 



Unn gerade diefer sugetheilt ift. Sutt fVund^ wählt 
hmwr€n€0 in der Ueberfetsung das allgemeinere Qnml 
(affliction); et labt fich aber jenes recht gut beibebal« 
ten. Dem Gabriel werden Kp. 30 , 7. beftimmte 
Dinge (Paradies , Chenibt u. f. w.) anvertraut , da- 
mit ftimmt recht gut sufammen, dafs ihm hier (V. 9.) 
alles Machtige unterworfen wird. Dagegen enthalt 
y. 6« über ihn eine Tpecielle Angabe, welche da- 
mit nicht gerade sufammenhangt ; denn darnach legt 
er Fürbitte ein für die Erdenbewohner und unter- 
ftiitst ihre Gefuche. Sein Name Mann Gottes C^3S 

Jiann fcbliefst gewohnlich den Begriff des Kräftigen 
in fich) entfpricht feiner Stellung, der gemafs das 
Machtige , Starke von ihm beauffichtigt wird. PAo- 
mu€l endlich, welcher hier suerft und nur noch 53, 6. 
70» II- 16. , alfo überhaupt blofs in der Abtheilung 
Kp. 37 — 70. genannt wird, hindert nach V. 7. die 
nachtheilige Einwirkung, welche das Verklagen bo- 
fer OeiBer für die Menfchen haben kann. Zu die- 
fer Handlungsweife nSthigt ihn feine Pflicht { denn 
feiner Leitung erfreuen fich die, welche ihre Fehler 
bereuen und fich der Hoffnung des ewigen Lebens 
getroften (V. 9.), alfo Schonung und Gnade verdia- 
nen« Der Name des Engels ift das im A.T. als Orts i> 

nndPerfoneniiame vorkommende HOB Antlitz G^t* 

t0S. — Der letzte Theil von V. g. gehört nicht 
mehr su der Rede des belehrenden Engels , fondem 
ift Zufats Henoch's, womit er den in Kp. 40. ent* 
haltenen Bericht fcbliefst. 

21* 



u. 



1. Nach dicfcni fahc ich die Gcheinmi 
Himmel und dcsHinunelreiclics je iiadifein 

51) Diefes Kapitel fchliefst fleh dem vorhergehei 
fofern genau an» alt es ebenfalls Gegenfiind 
dert, welche Henocli in feiner geiEigen Enti 
xum Himmel zu fehen Gelegenheit hatte. £ 
aber in demfelben Mehreres zufammengefafs 
Theil folchesy von dem in fpätern Abfchniti 
ausführlich gefprochen wird , namentlich die 
geheimnilfe , der Lauf des Mondes u. f. w. » v 
Kp. 71 ff* Cch umftändlich verbreiten. Das 
ill nur ganz kurz angedeutet, mit Ausnah 
Winde (V. 2 — 3.) und des Mondes (4 — 6.). 
Y. I. beseichnet Mehreres » was Henoch £ah 
heimnißt der Himmel und des Himmelreici 
faß gleichbedeutend; fo dafs unter erßerm der 
ort Gottes und unter letzterm dagegen die doi 
fchende Einrichtung, das Verhaltnifs des d( 
findlichen zu einander verfianden wird. Li 
überfetzt Paradies fiatt Himmelreich , weil 

äthiopifchen Texte Sehende Wort ^*J^^ 



Kap. 41. V. 1. 325 

Aeflungen tind der Werke der M enfchen , wie fie 
!e dort wägen auf Wagen. Ich fahe die Woh- 
longen der Auserwäblten und die Wohnungen 
ler Heiligen. Und dann fahen meine Auge'h alle 
ic Sünder 9 welche verläugneten den Herrn der 
lerrlichkeit , und welche fie austrieben von dort, 
nd hinwegfchleppten , als fie (dort) fianden, 
reil Strafe gegen fie von dem Herrn der Geifter 
früher) nidit ergangen war. 



Icheiat hier der andere Ausdrack angemeQeQer^ Der 
Bimmel find auch hier wieder mehrere» wie 39, 1.3.; 
auch haben fie verfcbiedene Abtheilungen. Daft die 
menfohlioben Handlungen gewogen werden (vgl. SS* 
3.), ift bekanntes biblifcfaea Bild» als Ff. 26, II. 
Hieb 31, 6. Dan. 5, 25. 27. (vgl. auch Hom. IL VIII, 
69« XXII9 SOp.)* Wer das Wägen beforge, ift nicht 
getagt; die 3teFerf. Flur, der activenForm fteht, wie 
auch im Hebr. und Syrifchen siemlich hauHg {G.efrni. 
I«ehrgeb. S. 79g. vgL Ewald krit. Grammat. S. 207. > 
wteine Grammat. Syriac. p, 363.) ftatt des Paflivs. 
Der Wohnungen der Auserwäblten und Heiligen war 
fchon Kp. 39, 4. 5. gedacht worden. DieWiederho- 
li|ng geXchieht wegen des Gegenfatzes. Das tadelns- 
V^erthe Benehmen der Sünder beßeht in Verläugnung 
des Herrn der Herrlichkeit (f. über den Ausdruck zu 
40» 3.). Gerade diefe Seite menfchlicher Schlechtig- 
keit wird auch fonft im B. Henoch erwähnt ; fo wi- 
derftreben und läftem die Gottlofen den HöohSen 
CKp. 6b 4. 13» 3O9 fprecben übles von ihm (Kp. 6, 4. 
^# 3.) 9 verwerfen ihn (Kp. 38» 2.) und apfern den 
Teufeln (Kp. 19, 2.}. Darum ift auch die Hoffnung 
Ton allgemeiner Anerkennung Gottes nach dem Straff 
gericht Kp. lo» 26. ausgefprochen, Henoch ficht, 
wie gegem diefe Frevler verfahcen wird. Sie wurden 



336 Kap; 41. V. % 

7. Da fahen meine Augen* auch die Gehi 
nlfle des Blitzes und des Donners» und die 
heimnilTe der Winde, wie iie vertheilt wer* 
wenn fie wehen über die Erde, die Geheinmiffi 
Winde 9 des Thaues und der Wolken^), 
nahm ich wahr die Stelle, von welcher fie ausfti 
ten, und gelattigt wurden mit dem Staube der E 



vom dort 9 i. i. sus dam Himmel» hinweggtfcl 
durch wen dieff gefchahoi bleibt unerwahoC, r 
fcheinlieb aber durch die Engel des Himmels 9 
10, 6 ff. 13 ff. 15 ff. 30, 4« Das Activurn ftebt 
wieder ia einer Verbindang , wo wir das PalEi 
wenden wurden. Dia Sünder ßanden (nämlich < 
wie fchon Laurence fupplirt, d. i. im Himmel), ^ 
fcheinlieb, um ihr Urtheil su yernehmen und fog 
nach Ausfpruch delTelban erfolgt ihre Entfan 
Ibra Beftrafung ift um fo mehr notbwendig» a 
wahrend ihres Erdenlabens frei davon blieben 
Kp. 23, IX- )* ^^ ^^^ '*' letzte Theil von ^ 
unftraitig gefalst werden; wedhalb ich das Ai 
bium früher eingefchoben habe (vgl. 38» 4« 15 
und Anmerk. 43. dasu über das Erginxaa fo! 
Zeltbeftimmungen). 

JS) Hanoch's Betrachtung wandet fich nun ^of 
andere Gagenftanda , nämlich auf die groben H 
dar in dar Natur. Bliu und Donner vgl. Kp» t\ 
57t I — 5. 63» 33. Dia vom Worte Gehmmnifs ab 
gigan Genitiven find wie Kp. 3g, 3* zu nahmen» 
WirUsmkait des Windes, welche auch fchon K] 
voduim, bafchifitigt Henoch voraügUch, daher* 
dar Ausdruck: Gahaimniffa der Winde wiedarholt 
nach einer kursaji Hindautung auf den Thau uai 
Wolken gabt die Schildarnng darfelban weiter* 8 
d«f Erwilmaa das Thaues und dar Wolken ift 



Kap. 41. V. S. 327 

3. Dann fahe ich die verfchloflenen ^) De- 
kiltnilTef von welchen aus die Winde getrennt 
vnrden, das Behältnifs des Hagels, .das Behältnifs 
Jei Schnees « das Behältnifs der Wolken , und die 
Wolke felbft, (welche) beltändig über der Erde 
bhwebte vor der Welt. 



den Anfichten des Buches da , wo die Thitigkeit des 

Windes Kefchildert werden foll, nicht an unrechter 
Stelle. Denn nach Kp. 33 , 3. ift der Thau Erseug- 

nils des NordwindeSi nach 35, i. kommt er aus 3en- 
Cdben Pforten, wie der Südwind, Kp. 74, n. er- 
fdieinen Thau und Winde eng verbunden; vgl. fer«, 
aer 75» 5» 7» 9* 10. Die Wolken aber , getrieben 
TOm Winde, lagen noch näher cur Beriickfichtigung. 
All unbekannt betrachtet der Vers die Art und Weife, 
wie fich der von dem einem Punkte , den Henoch er- 
blickt, vermöge der Pforten dea Himmel« (Kp. 33, 3. 
35, X. Kp. 75 und 76.) auf flrömende Wind nach allen 
Seiten hin vertheile ; vgl. auch Hiob 3g , 34. Der 
Sturm regt den Staub auf, fo dafs diefer fich gleich- 
Cara mit ihm verbindet und in feinem Strudel fortge- 
riflen denfelben gleichfam fattigt. 
53) Nach JLaMrcnccfteht im athiopifchen Texte v^^ it 
daher überfetzt er of wood (aus Holz) und am Aande 
soch wörtlicher im Plural of woods^ indem er ezvAn 

von V V» Baum ableitet. Allein die Kammern aus 
Holz 9 welche bei diefer Erklärung den Wind zu 
tholen hätten , find für die Darßellung gar zu nüch- 
tern und profaifch und was die Hauptfacbe iß, die 
von lAtmrencs vorausgefetste Pluralform auf An kommt 
fonft von €z nicht vor, wenigftent hat fie Ludolf (im 
liezic. aethiopicum p. 469« ed. 2.) nicht, fondern 

l Bur OOOf: 0991": und AOOdT: Ichglaube 

I Über, data VvT i^ ungenau gefchricbeniftund für 



338 Kap. 41. V. 4. 

4. Ich fahe auch die Behältnifle des Monda 
von wannen lie ^) kaüien , wohin fie liefoi , iU 
herrliche Rückkehr, und wie einer glänzend 
wurde als der andere, ihren prächtigen Lauf, ili 
ren unveränderlichen Lauf, ihren getrennten ua 

^Fi^lj den Plural von \)/^©': claufus (f. L 
äolf a. a. O. p. 467.) ftehe, welches alt Adjectir n 
dem Worte BehältnilTe zu verbinden ift. Die Ve 

wechfelung der gleichlautenden Tzadai (#%♦) ui 
Tzappa C 9 « ) ift ziemlich häufig (Ludolf Gramma 
arethiop. p» 6 und p. aa*)* I^er Ausdruck BehältnilTe in 
Winde kommt öfters vor, alsKp. Igf !• 58f 3* Sobald d 
Wind feine gewöhnliche Wohnung verlalFen hat, u 
theilt er Höh nach allen Seiten der Erde (f. T« 
58* 40- Bekältniffß des Hagels und Schnees ^ v| 
58f 9 — II« 68f 33* Auch die Wolken kommennil 
der kindlichen Yorfiellung aus einer ihnen angawJ 
fenen Behaufung. Wenn es heifst : Henoch £ahe an 
diejenige Wolke, welche vor der Welt (jLoiirai 
mehr umfchreibend : „vor der Schöpfung der Welt 
die Erde bedeckte, fo ill diefer Ausdruck wohl ti 
anlafst durch z MoL i, 2., hauptfachlich durch dk 
Gedanken, dafs Finfiernifs auf der Tiefe mhü 
Ueber die Verbindung des Hagels , Schnees und I 
Wolken mit dem Winde f. Anmerk. 53« Im iJ^ 
meinen vgl. man su dem Yerfe Kp. 75 — 75. 
54) Nämlich die verfchiedenen Mondesphafen; JLfi 
rence überfetzt daher: „die Monde,** wie 73,^ 
Unter den Naturerfcheinungen hat der WechU i 
Mondes in feinem Lichte die Aufmerkfamkeit i 
Verfiiirers vorzugsweife in Anfpruch genommen, dafi 
ift er darüber fo weitläufig und umfiandiich Ictl 
hier V*4<— 6. , tind noch mehr Kp. 72. 73. 77 •" 
78. Die Ettckkehr des Mondes kann den Au^« 



Kap. 41. V. 4. 329 

ivarringerten Lauf , ihre Beobachtung eioer ge« 
nfeitigen Treue nach einem Eide, bei welchem fie 
ieben , ihr Fortfehreiten vor der Sonne und ihre 
nhängliohkeit an ihren Pfad im Gehorfam gegen 
jn Befehl des Herrn der Geifter. Mächtig iS üin 
ame von Ewigkeit zu Ewigkeit. 



deflelben an jedem einzelnen Tage bezeichnen, an 
welchem er fichtbar wird, oder die Wiedererfchei- 
nnng deflelben , wenn fein Licht mehrere Tage ganz 
und gar am Himmel verfchwnnden ift. Der Ausdruck 
ift fo gewählt, als waren Neumond, Vollmond, erftes 
und letztes Viertel befondere Monde , allein Idiefs ift. 
blofs Ungenauigkeit der Rede , keinesweges Anficht 
des Schriftftellers (vgl. Kp. 72 — 3. 77 — 80* Glän- 
sender ift natürlich der Vollmond als die beiden Vier- 
tel. Der Lauf ift nach feften Gefetzen beftimmt, alfo 
nnrerände^lich ; die einzelnen Phafen erfcheinen nie 
zu einer Zeit, fondern nach einander , und jede wie- 
derum für fo lange Zeit, als ihr einmal zugemelTen 
worden. Es ift, als hätten fie fich gegenfeitig ver- 
bindlich gemacht und zwar eidlich (^Laurehce über« 
fetzt nicht ganz vrortlich : „durch einen feften Eid**), 
ficb nicht zu beeinträchtigen, alfo früher zu kom« 
men, oder ISnger zu bleiben, als beftimmt ift. Der 
Lauf ift prachtvoll (^Laurence fagt rieh). Der Mond 
geht der Sonne vorauf, fcheint früher als fie, weil 
der Tag von Sonnenuntergang bis zu Sonnenunter- 
gang bei den Hebräern gerechnet vtrird (£> mein. 
Entw. der hebr. Alterth. S. 6l50- Hierin alfo An- 
dentnng bebrfiifclLen Urfprungs des Buches. Von 
dem Verbo fehen find eine Menge Accufativen abhän- 
gig ; Laurence hat zur Verdeutlichung , aber nleines 
Erachtens unnBthiger Weife, vor den Sätzen, welche 
den Lauf des Mondes cbaraktexifirent eingefchoben : 



i-.- 



330 Kap. 41. V. S. 

5. Nach diefem wurde ^^) der Pfad des ] 
des, der verborgene wie der fichtbare, 
fowohl als der Fortgang feines Pfades bei 
und bei Nadit vollendet, während jeder, eine 
der andere, nach dem Herrn der Geifler fahc 
hebend und lobpreifend ohne Aufhören, fini 
Lobpreifen für fie Ruhe ift ; aber in der gläi 
den Sonne iß ein häufiges Wandeln zu Segei 
zu Fluch. 



yficli bemerkte.** Aus einem fibnlichen. Gmm 
er weiter hin : „Anhänglichkeit an den ihnen i 
hengn Pfad.^* Indem der Mond feinem P£idi 
bleibt, beweift er fich gehorfam gegen Gottes I 
Ihm werden im Anfange dea Verfcs auch befc 
Behaufungen augefchrieben, wie Pf. ig, 5. dieJ 
ihr Zelt hat ; er hat mehrere derfelben , wahr£ 
lieh wegen feiner verfcbiedenen Phafen , deren 
ihr befonderes Gemach empfangt. 
55) ^ gefchieht dief« vor Henoch'a Aagen; 
überfetzt Laurgne^f einiges einfchiebend: „ 
diefem (nahm ich wahr , dafs) der Pfad — — ir 
det wurde.** Allerdinga gefchahe diefs auch 
aber Henoch foll darüber belehrt werden ; dan 
es herausgehoben. Der verborgene Lauf dea ! 
des gebort der Periode an, wo der Planet nicht 
bar wird am Himmel (vgl. Kp. 72 — 73« )< ^ 
fteht nicht ftill, wenn man ihn auch nicht ge 
wird. In dem Satze: Jeder ^ einer wie der «a 
bilden die Mondesphafen (Monde) wieder das 
ject, wie Y. 4. Sie blicken auf Gott hin, als ; 
Schöpfer und Erhalter und pfeifen ihn, was 
das A. T. von den Sternen und dem FirmameoU 
(Hieb 3g ,7. FC I9 , 3 ff.). Diefer Act der i 
kennun^; voa Gottes Grobe i& gleichfam Erbe 



Kap. 41. V. 6. 33t 



>er Lauf des Mondespfades iR für die 
Licht, aber für Sünder ifl er Finßar« 
dem Namen des Herrn der Geifterp wel- 

< 

TOD der ihnen sugetheilten Arbeit. Faft fcheinc 
woUe der Verl tnge^ der Mond vecweade die 
iro er nicht fcbeint, Torsugtweife snrVerherr- 
l des Schöpfers. Wenigßens mochte fo die am 
Te des Verbs befindliche kurae Hindeutung auf 
irklsnikeit der Sonne fich noch am leicfatefiea 
n, deren Sinn dann wohl diefer iftt bei der 
igen Sonnenkugel« Ton welcher der Mond fein 
ampfangt (Kp. 77, 4. I2.X verhSlt es fich gans 
r diefe ruht nimmer (vgl. auch Kp. 7rt 45« 
ihr Wirken aber bringt bald Heil und Segen, 
Jnheil und Fluch. £s' iß in leutsm Worten 
s Wohlthatige der Sonnenwarme « aber auch 
s Verderbliche ihrer glühenden Strahlen Besug 
men, wie es der Morgenlander vorsuglich 
und Cshe. Vor diefem Satze fteht eigentlich 
nCslpartikel dsmn (bei Laur^nce fteht f^for*^ 
I auf den ausgelaflenen Z wiCchengedanken : die 
hat nicht, wie der Mond, eine Zeit der Ruhe, 
ueben ift, wie im HebraUchen auch 1^ öftere 
icbt wird (JeL 5» XO. 7» 2X« 32.). Um den« 
imenhang in der Ueberfataung anfchaulicher au 
n , habe ich die Ad verCitivpartikel gewihlt. 
Cer Gedanke klingt paradox, ifts aber nicht, 
lond mit feinem Lichte ift den Gerechten will« 
an, nicht aber den Gottlofen, deren Werke 
idbt fchenea und nur im Dunkel gedeihen, für 
daher die Zeit feines Scheinens gleiohfam Fin« 
I , lie können während derfelben nicht wirken 
BK Weife; Tgl. Hiob 34, 13 — 17. 39, 15. Im 
n d#j Herrn der Geißer kann nur h eifse n » nach 



1 



332 Kap. 41. V. 6. 

eher fchüf.(chie Trennung) zwifchen Lic 
Finßemirs, und trennte die GeiAer der Mei 
und Itärkte die Geifier der Gerechten felbft : 
Namen feiner Gerechtigkeit. 



feinem Willen hat der Lauf diefa Einrichtu 
für die in ihrer Sittlichkeit verfchiedene 
fchen den ungleichen Erfolg. Die nachft fo 
Worte fpielen auf iMof. i, 4« i^ ig. an. \ 
Licht und Finftemifs getrennt find, fo ai 
Freunde und Feinde des Lichts ; erftere befefl 
in ihrer Gefinnung und in ihren Beftrebungen« 
thut er, wie hinzugefügt wird, felbft im Na 
ner Gerechtigkeit (^Lawrence fagt ,yin the i 
his own righteousness'^), d, i. durch das Vorl 
den mächtigen Eindruck feiner eigenen £ 
Gröfse. -— Mit diefem Verfe beginnt eine AI 
lung Ton dem eigentlichen Gegenftande dei 
Henochs bia cum Schlufle von Kp. 42. , fo 
Kp. 43 f X. die Schilderung des vom Fatriar 
Himmel Gefehenen wieder fortfch reitet. \ 
fung dazu gab der Gedanke, dafs das Licht d 
des gans anders von den Frommen als von d« 
lofen betrachtet virerde. Henoch erblickte 
nach den Geheimniflen des Himmels (Kp. 
des Blitzes und Donners (V. 3.), der Winde (V. 
die Behaufung des Mondes (V. 4.^5.^ ^ d 
Sterne und was mit ihnen zufammenhangt ( 
44.). Der Ideengang , welchen der VerfalTei 
Bwifehen Kp. 41, 6 und Kp. 43. eingefchobei 
fode nimmt, ift diefer. Die Gottlofen, deren 
Planen des Mondes Licht zu hell , veerden 
Unternehmungen nicht dutcb ihren Schutzei 
hindert, Gott aber wird ihre Uebelthaten n 
beSnft taflea (41, 7.)* Wundern darf man ß 



Kap. 41. V. 7. 333 

Und nicht kommt (ihnen) zuvor der En- 
Lind nicht ift er begabt mit der Machti (ih^ 

\x das Verfahren der Frevler; denn die dargebo- 
s Weisheit Terfchmäbeten Ce, die Ungerechtigkeit 
r, hat ihren WohnCts auf der Erde aufgefcblagen 
>• 420* Allerdingt Heben die einseinen Sätze auf 
. erßen Blick abgeriflen da, oder doch nur lofe 
bunden; allein unflreitig findet der von mir ange- 
itete ZuCammenbang ftatt. Solcbe religiös lenti- 
atale oder poetifch < malerifcbe DigrelTionen Cod 
h bei den altteftamentlicben Dichtern nicht ohne 
Tpiele (Hieb 38, 13 — 15* 26 — 17. Pf- I9t 5« 6.). 
V^aa für ein E^gel bier gemeint foy» fcbeint fcbwer 
ngeben, wepn wir nicht annehmen, dafs es der 
gel war, deflen eigentlicbes Gefcbäft es nach dem 
iTchen Glauben iß, die Seeien der Menfchen aus 
Ter Welt in die künftige zu fübren. ( L. ) Diefe 
dcht Laur€nce*s fcbeint mir ganz verfehlt. Der 
g£l dürfte nämlich vielmehr den jedem Menfchen 
gegabenen Schutzengel bezeichnen und der 5inn 
alfo : Obfchon auch jene Uebeltbäter ihren Engel 
»en, fo bleibt ihnen doch freie Wahl zwifchen 
t und Böfe. Der Sats foll zeigen, warum der 
lae Unterfchied in der fittlicben Befchaffenheit der 
nCcfaen, wovon V. 6. handelt, nicht varfchwin- 
, da doch Jedem ein fchützendes höheres Wefen 
■ Seite fiebe. Bekannt iß, dafs fchon die Pfalmen 

Vorfiellung enthalten, fromme Menfchen würden 
1 Engeln gefchützt (Pf. 34, g. 91, 11 — 12.), und 

B. Daniel (Kp. 10, 13. 20. 11, l. 12, lOi ebenfo 
B die Septuaginta 5 Mof. 32 t g«, vorausfetzen, 
I einzelnen Lander würden von gewiflen Engeln 
treten, was zwar Häveniick (CommeBt.*üb« das 



334 Kap. 41. V.7. 

nen) tuvor zu kommen ; denn der Richter G 
fie alle und richtet fie alle felbft in feiner Gegenw 



B. Daniel sn Kp. lO, 13.) ableognet, aber lebwo 
nit BeiftimmuDg unbefangener Exegaten. Dia i 
kryphen des A. T. fchildern swar an mehreren I 
len den Beiftand, welchen Eng«! trenes Vareh 
lebova'a gewähren (Buch TobiS, 3 Maee. li, 
aber es find immer nur einselne vorübergehende H 
lungen» worin fich dieft offenbart » keines weget 
erfcheinen fie als beHSndige Begleiter derfelben d 
ihr ganzes Leben (vgl. Bretfehntider DogmaC 
Apokr. S. 1790* Zur Zeit des N. T. kannten 1 
die Juden unftreitig die Anficht von Schutxgeil 
der Menfchen (Matth. ig» lo. Apgefch. 13, 16.) 
hat alfo gar nichts Auffallendes , fie in dieler S 
des B. Henoch su finden. Will man diefe Deut 
jedoch nicht gelten laffen , fo könnte auch der E 
gemeint Teyni welcher die Menfchen überhaupt, 
die Böfen unter ihnen zu beauffichtig'en hat; fo i 
Kp. 20. Raphael^ welcher über die Seelen der I 
fcheuy Michael^ welcher über ihre Tugend und 
rakielf welcher über die Seelen der Menfchen , 
che fündigen» gefetzt find, oder Raguel^ wel 
Strafen über die Welt verbangt. So weit alfo , 
die Macht des Schutzengels oder des Engels ni 
welcher die Pflicht hat, über menfchlicfae Tn| 
zu wachen, dafs er die menfchliche Freiheit befcl 
kend, vom Böfen zurück halte. Der hSchfte 

m 

letzte Riphter bemerkt aber alles und fpricbt 
Urtheil und zwar fo, dafs die au Beftrafenden es 
ihm felbft vernehmen ; das letztere wollen dieWc 
„in feiner Gegenwart felbft (,,1^ hii ownpr^fm 
nach Laur^ne^y* ausdrücken. ^ 



Kap. 42. V. 1^2. 335 

Kap. 42. 

1. Die Weisheit fand keinen Platz ^), wo 
i wohnen konnte; ihre Wohnung ift debhalb 
I HimmeL 

2. Die Weisheit trat hervor» um zu wohnen 
iter den Söhnen der Menfchen , doch fie erhielt 
sflEfte Wohnung. Die Weisheit kehrte zurück an 
ren Platz und fetzte fich in die Mitte der En« 
iL Aber die Ungerechtigkeit trat herror nach 



5g) Mimlich 0uf der Erie^ wie fchon Laurencg gans 

Ltet. Der in V. i. ausgefprochene Gedanke 
\ 3. wiederholt und durch einen Gegenfats noch 
mehr henrorgehoben. JVtisheit und Ungerechtigkeii 
find hier perfonificirti wie Sprichw« 3 und 9. Weia* 
heit und Thorheit ( Lawrence läfst im ganzen Kap, 
bei beiden Perfonificationen den Artikel hinweg), 
tnfofern die wahre Weisheit nach des Hebräers Be« 
griffan nicht in gewüTen tbeoretifchen Sätzen zu Tu- 
chen ift I welche man etwa aufzunehmen habe , Ton* 
dem in Gottesfurcht und einer ihr gemäfsen Denk • 
und Handlungsweife) in Gerechtigkeit u. f. w. ^ kann 
die Ungerechtigkeit ihr entgegengeftellt werden. Die* 
Csa Kapitel fcheint ganz abgeriflen dazuSehenf und 
gebort unftreitig noch zu der epifodifchen Darftel* 
long, wodurch die Erzählung der Vifion Henoch'a 
unterbrochen wurde (f. Anmerk. 56* su4l| 6.)* £e 
foll in diefer Allegorie , und darin liegt der Zufam« 
menhang mit Kp. 41, 7. 1 gezeigt werdeui dafs über* 
haopt das Böfe leicht Eingang gewinne, während 
daa Gute zurückgeftoGsen werde. Mitten unter die 
Eng^ darf fich die Weisheit fetzen zum Beweife der 
Achtung, welche ihr, der auf Erden verachteten» 
im Himmel zu Theil wird. 



336 Kap. 42. V. 2. Kap. 43. V. 1. 

ihrer ^) Rückkehr, welche wider Willen (cini 

, Wohnung) fand, und wohnte unter ihnen, m 

Regen in der Wüfte laid wie Thau in einem dar 

ftigiön Lande. 

•ii 
•-' 

Kap. 43.*) 



Tt 



1. Ich fchaute einen anderen Glanz und ik 
Sterne des Himmels. Ich bemerkte, dafs er fil 



59) I^*'* Pronomen gebt auf die Weisheit. Die Ungl 
recbtigkeit möchte gern surückgeftofsen werden, nräl 
fieweirsy daftfie nur Unglück bringen kann, aber itt 
fonft. Sie iß den Menfchen überaus willkommen ; dilti 
ift der Sinn der Vergleichung am Ende des Verfes. M 
fie und durßigeg Land bezeichnen hier ungefähr All, 
felbe, wieEsecb. 19, 13.; Regen und Thau ift diegil. 
fseße Wohlthat, welche Jeuiandeni in folchen Gtf|ä^ 
den au Theil werden kann ( Pf. 105, 41. Hieb ||^ 
26 — 27- Jef. 35i 6. 41, 18. 43} ao. 4Efr. 16, 6lj^ 

60) Der Bericht über die Vißon, welcher von 4li|l^ 
an unterbrochen wurde, wird wieder aufgenomfll; 
und mit einer geringen Unterbrechung (Kp. 43, ii. 
fortgefetzt bis zum Ende der fogeuanuten Fm4L 
(Kp. 44.}. Nach dem Monde (Kp. 41, 6.) Cehtfll^ 
noch nun die Sterne mit ihrem Glänze. Er rnftF 
bei Namen, nämlich der Herr der Geifier, mit 
auf 41 y 6. y fo daCi felbß in dem Ausdrucke die 
fcbcn 41 , 6 und 43, i. befmdliche Epifude igi 
wird. Faß diefelbeu Worte liehen auch Pf. 14^1]^ 
Jef. 40, 26« Das Bild : wägen auf gereckter IfßL 
oder auch blofs auf einer Wage, ift auch im A* Xil^ 
wohnlich für : aufs genauefie beltimmen (Hiob 3lf L. 
Jef. 409 12« Dan. 5» 27. 4 Efr. 3« 34. 4, 36*1 ^ 
auch Offenb. 6, 50 t i^ übrigens Anmerk. 5X. sbIIP 



Kap. 43. V. 1. »37 

lle bei ihren einzelnen Namen rief, und dafs fie 
orten. Auf einer gerechten Wage, fahe ich, dafs 
r aus^wog nach ihrem Lichte die Weite ihrer 
läume und den Tag ihres Erfcheinens und ihre 
Imkehr. Glanz brachte Glanz hervor^'), und 
Ire Umkehr (war) zu der Zahl der Engel und der 
retreuen. ' 



41, X. NachMafsgabe des Licbtes, welcbet die Stertie 
erhielten, ordnet Hch auch die Gröfse des von ihnen 
einEunehmenden Flatses, ihr Aufgang (wörtlich : der 
Tag ihres Dafeyns) und die Aückkehr vom Endpunkte 
der Bahn. Laurence ühextetzt: „mit ihrem Lichte** 
( with their light ) , fo dafs das Licht gleichfam dar 
Gewicht wäre, womach die Gröfse des von den Ster- 
nen einzunehmenden Raumes erforfcht würde. Allein 
die leichte und flüchtige Lichtmaterie als Gewicht 
«u betrachten und Raumes Weite durch Gewicht 
und nicht durch Langenniaafse zu me/Fen , enthilt 
eine auffallende Abweichung von der für Raumaus* 
snefTung gewöhnlichen Sitte, welche höchftens da- 
durch etwas gemildert würde, dafs der biblifche Aus* 
druck: ,, wagen** für ,, genau beßimmen" fo gewöhn« 
lieh war, dafs die Grundbedeutung deflelben hätte 
überfehen werden dürfen. Wahrfcheinlich Hand im 

Aethiopifchen die Partikel f\ ♦, welche beide lieber- 
fetzungen zuläfst. 
6l) Der Glanz der Sterne verbreitete Glanz in der Welt.-^ 
Der folgende Satz ift etwas dunkel. Mir fcheint der 
Sinn zu fejn : wenn die Sterne auf ihrer weiten Bahn 
umkehren , fo geht ihr Weg in den Himmel , alfo 
dahin zurück , wo die Engel und die treuen Beken- 
ner Jehova's fich aufhalten. Für Getreue könnte auch 
Gläubige Qfaithful bei Laurence^ überfetzt werden, 
welches eine chriSliche Bezeichuungsweife der From* 

Bach Henoch. 22 



338 Kap. 43. V. 2. 

2. Alsdann fragte ich den Engel, w 
mit mir ging und mir geheime Dinge er 
wer ^*) fie wären. Er antwortete: Ein Glei 
von diefcn hat dir der Herr der Geifter gi 
» Es find die Perfonen der Gerechten, welch 
Erden wohnen , und welche glauben an de 
men des Herrn der Geifter von Ewigkeit l 
Ewigkeit. 



men wäre; da inJefs walirfchelnlich der Tc 
rprünglicb hebräifch war und b^^?0>^ Getreu 

Tl. 12, 2. 31» 24.) oder D"^2rN3 geftanden 
möchte, fo iß diefs im Griechircben durch 
iri^fJovTct, xtvtffrtvHOTii wiedergegeben und koni 
von dem atbiopifchen Ueberfetzer, welcher un 
Chrift war, leicht mifsverftanden und von C 
gefafst werden. 

62) Laurence: „welches (ihre Namen) wären", 
fächlich wohl wegen des Folgenden , und dem 
nach wohl richtig. Denn Henoch will über d: 
fönen näher belehrt feyn, zu welchen nach V. 
Sterne kommen. Werder ihn begleitende Eng 
wird nicht gefagt (f. Anmerk. 49. zu 40 , g.). 
Gleichnift, was Henoch nach der Antwort dea] 
gefehen haben foll, ift wahrfcheinlich das Gefiel 
der Wohnung der Heiligen Kp. 39, 4 ff. 41, i. Stal 
Jonen überfetzt Laurence „Namen^' (they are the 

of the righteous); allein das ätbiopifche ll^« 
auch für Perfon gebraucht (f. die Belege in Li 
Lexic. p. 152 — 3« ed. 2.)- Will man diefs hiei 
anwenden, fo bleibt nur übrig, Name der G 
ten für Gerechte felbft in dem Sinne gefetzt «i 
hen , wie im A. T. Name Jekova*s oft geradei 
Jekova gebraucht wird. Vgl« 43, X« 3. 



Kap. 44. Kap, 45. V. 1. 3^9 

Kap. 44. 

Auch ein anderes Ding fahe ich in Betreff des 
[ylanzes; dafs er ausgeht von den Stemea und 
Slanz wird,- unfähig lie zu verlaflen ^)I 

■ > 

Kap. 45. Sect. VII. ^^) 

1. Zweite Parabei- über diejenigen, wel- 
:he läugnen^*) den Namen der Wohnung der 
Jleiligen und des Herrn der Geißer. 



6$) Von den Sternen gebt der Glanz aus, weil» wie 
es Kp. 43» I. beifsty Glanz von) Glänze erzeugt wird; 
er kann Ge aber (nänalicb die Sterne) nicht verlaflen, 
i^ h. er weicht niemals gänzlich von ihnen , fp dafs 
es hier nicht fo ift wie beim Monde. Die Verbrei- 
tupg des Glanipes der Sterne raubt ihnen felbft nichts 
von ihrem Lichte, Nach Kp. 23 , 2 — 3. 5.: lief ein 
loderndes Feuer von allen Bimmelslichtern nach \ye- 
ßen zu« 

64) In derPariferHandrchrift iß es der oc^e« Abfchnitt, 
in der Bodleianifchen der fiebente, (L.) 

65) In der Bodleianifchen Handfchrift fcheint hier of- 
fenbar etwas ansgelaflen zu feyn. Es heifst da: 

7\l Pfi(t\Ji,l Biete Außlaffung ift in dem Pari- 

fer Manufcript ergänzt, wo es heifst ,^A ♦ A A* 

JPY^nlJB,* Ich habe mich nach dem letzteren ge- 
richtet« (L.) Die zweite Parabel erftreckt fich bis 
Kp. 55. ; über ihren Inhalt im Allgemeinen f. Einl. 
8. 13 — 14. Kp. 45, I. bildet die Ueberfchrift der- 
felben, wie56« l. die der dritten Parabel. Sieverläug- 
nen den Namen der Wohnung der Heiligen^ d. i. 
wollen von einer Wohnung der Heiligen (dem Him- 
mel) nichts wiHen, vgl. V. 2. und Anoierfc. 62« zu 

22* 



340 Kap. 45. V. 2. 

2. In den Himmel werden ße nicht hinauf 
[leigen, auch werden lie nicht Icommen auf die 
Erde ^). Dicfs wird der Theil der Sünder feyOr 
welche YerLäugnen den Namen des Herrn der Gei- 
ßer und welche fo aufbewahrt werden für den 
Tag der Strafe und der Qual. 



Kp. 43, 2. über den Gebrauch des Worte» Nami, 
Mit dem 2ten Yerfe beginnt swar die fogenannte Tt^ 
rabel> aber der Ausdruck ift Cchtlich mit entfchio- 
dener Rück ficht auf die Ueberfchrift gewählt rui 
hängt damit fo genau sufammen , dafs diefe ni^ 
etwa von einer andern Perfon , als dem Urheber fa 
Folgenden herrühren kann. Denn V. 2. würde nacÜI 
Wegnahme des iRen Verfes ganz unklar werden uol 
letEterer iß wahrfcheinlich die nüchRe Veranlafluflgi» 
dafs gerade mit den in V. 2« enthaltenen Gedankfllic 
begonnen wird. Auf ähnliche Weife fieben aos|i 
fonll die Ueberfchriften der einzelnen Abtbeilungtf: 
des Buches Henoch mit den fich daran fchliefsenÄft 
prophetifchen Reden undViConen in genaueßer VerUi«. 
düng; f. Kp. I» !• 12, I— 5. I4f !• 8 — 9- 37t% 
66) Wahrfcheinlicli denkt der Verf. die Sünder auA^ 
wahrt an einem fchrecklichen Orte, ähnlich den alh 
18» 13- 15- und 21, I — 3. befchriebenen Kerl 
welche ebenfalls weder dem Himmel noch der 
angehörten; f. auch Kp. 22» 12. 14. DaCs bis wi] 
grofsen Gerichtstage die Qual der Frevler nicht 
höre 9 lehrt auch Kp. 22, 12. Die Sünder 
nen den Namen des Herrn derGeifter, d. h. ihnfa 
vgl. 41 , I« Nach 26 • 2 — 3. werden die , 
Unsiemliches gegen Gott reden , in ein verwi 
te» Thal ein gefchlofleni und in den letzten Tagen 
Gericht über fie gehalten werden. Da in den 
3 — 5« offenbar Gott der Redende ift^ mufs man üAf^ 





Kap. 45. V. 3. 341 

3. An dlefem Tage wird der Auserwählte ^'^ 
itzen auf einem Throne der Herrlichkeit, und wird 
befÜmmen ihren Zultand und die unzähligen Woh- 
iBDgen (während ihre Geifier in ihnen werden 

neigt fühlen, ihm auch diefen Autfpruch V« a. zusu- 
fchreiben, obfchon hier o£Penbar von ihm in der 
dritten Perfon gefprochen wird. Von Kp. 46. an 
tritt Henoch wiederum als Berichterftatter auf. Aebn- 
lich ift der plötsliche Uebergang aus der dritten in 
die erSe Peribn Kp. 43, g. 9. 
67) Mit diefem Namen bezeichnet die ^te Parabel febr 
IiaaCg den grofsen Abgeordneten Gottes , durch wel- 
chen das Gericht gehalten und «vollzogen wird ; vgl. 

V. 4. 48'>» 2. 4. 50, 3- 5- 51. 5- 10. 54» 5« Auch 
in der iften Parabel Kp. 40 , 3. und in der dritten 
Kp. 60, 7« XO. 13. 61, X. wird er angewendet, fonft 
aber nirgends in dem Buche. Ueberhaupt bat diefe 
Abtheilung die Vorftellung vor den übrigen voraus, 
dafs in der Schilderung des Gerichts gewiflermaarsea 
ein Stellvertreter des höchßen Wcfens eintritt, um 
das £adurtbeil zu fprechen und dadurch die Schick- 
£ile der Frommen und der Sünder, der Engel wie 
der Menfchen , für alle Zukunft zu beftimmen und 
felsufetzen. Nur Kp. 104 b, 2. fagt Gott : „tV^ und 
tmein Sohn werden allezeit Gemeinfchaft halten mit 
' ihnen (den Rechtrchaffenen ) auf dem Pfade der Ge- 
r xechtigkeit ** ; diefe Verheifsung bezieht ßch auf die 
Zeit nach dem Strafgericht der Frevler. Eine folclie 
Kgenthümlichkeit könnte wohl in Verbindung mit; 
«ndern (f. Anmerk. 29. und 30. su 37, i. Anmerk. 
4D. zu 39, 6. Anmerk. 49. und 50. zu 40, g.) Merk- 
aMilen dem Verdacht eines Kritikers rechtfertigen^ 
daCs Kp. 37-^70. vod einem andern Verfaffer her» 
sühca, alt die übrigen Tbeile des Bnches. Uebri« 



342 



Kap. 45. V. 3. 



geftärkt werden , wenn fie fchauen meinen Auser 
wählten) für diejenigen, welche Schutzes hali^ 
geflohen find zu meinem heiligen und herrlicher^ 
Namen. 



gens ift die Bezeichnung : der Auserwdhlte gewill 
nicht ungefchickt gewählt; denn es liegt darin offen* 
bar die Andeutung, dafs er Gott untergeordnet, yoi 
ihm erft feine Beftimmung empfange, aber auch y« 
andern würdig befunden fey; vgl. 46« 2. Yergltichei 
läfst /ich Luk. 23, 35., wo Meflia» (0 xp'*""^«) A^iA 
ro}^ BioO »xX*Kro( erklärt wird, gewilTermaafsen anc^ 
die AuITorderung i Fetr. 2, 4. « £ch an Jiefus anzufcUi* 
fsen als einen lebendigen Stein irot^a 5ew •KXsMrov« In eint 
andern Stelle diefer Parabel, nämlich Kp. 43, 5. will 
die Bezeichnung erweitert: der Auserwdhlte ai- 
der Verborgene, Der Zufatz foll unftreitig aodai- 
ten , dafs zwar Gottes Entfcblufs fchon gefafst, fi 
Richter alfo fchon beßimmt fey, aber feine ErfcbT 
xiung noch verziehe, bis der rechte Zeitpunkt d. 
kommen feyn wird. Die bekannteren Namen foUjT 
keinesweges in diefer Parabel, nämlich Menjeki 
John ßeht Kp. 46, I — 3- 48« 2. und Mejßas Kp. 4 
II. 51, 4. Erßeren findet man fonß noch Kp. I 

10. 13. 17« 62,15- 68, 38 — 41- 69» !• "»* *C 
den verwandten Ausdruck Weihes fohn Kp. 6X9 9t f 
dem parentbetifchen Satze und V. 4. nennt Gott ^ 
erkornen Richter der Welt feinen (d. h. von 
Auserwahlten, wie Kp. 104 b, 2. feinen Sohn« 
einem herrlichen Throne fitzt der Auseiwählte 
Gerichte ( vgl. Kp. 50, 3. 54f 5« 60, 10. 61» 9* 
39. 40.}, wie fonft Gott felbfi (Kp. 14, 17 ff. Ig, 

24, 2. 8* 47 f 3* 59» !• 61 1 2. 5); von ihm 

die Entfcheidung über das künftige Loos der Fff ^1 

inen ab , natürlich aber nur defsbalb, weil Gott 



1*^ 



3?c 



Kap. 45. V. 4—5. 343 

4. An diefein Tage will ich meinen Auscr- 
wäLlten wohnen lalTenin ihrer Mitlc ^), will vcr- 
äodem denHinimcly will fcgncn ihn und erlcuch- 
:cii ihn für immer. 

5. Ich will auch verändern die Erde, will 
*Zi\en fie, und diejenigen, welche ich aiiserwälilt 
abe, wohnen lalTen auf ihr. Aber diejenigen, 
'eiche Sünde begangen haben und Ungerechtig- 
dt, follen iie nicht betreten; denn ich habe iie 



diefs Gefchaft übertragt. Der parentbetifclie SatE 
enthält noch den Zwifchengedanken , dafs der An- 
blick des Richters die Frommen keinesweges fchre- 
cken , fontlera ihren Math erhöhen foUe. Der Aus- 
druck ift übrigens hier, wie oft, fo gewählt, dafs 
die Pronomina auf Nachkommendes beasogen werden 
sniUTen« Laurence fchiebt nach der Parenthefe die 
Worte ein: „er wird de wählen 'S was aber unnö- 
tbige Erweiterung ift; das Fionomen fie in diefem 
£in£chiebfel gebt auf Wohnungtn £urück. 

^) Dalii der Auserwählte nach dem Gericht bei den 
frommen Menfcben weilen foll, wird Kp. 6l, 17. 
noch mehr ausgeführt; derfelbe Gedanke auch 51, 4. 
6O9 4- So erfreuen Ce ßcli nach Kp. 39, I. des Um- 
gangs der Engel auf der Erde. Himmel und Erde 
{^Laurence fchiebt unnöthiger Weife vor beiden Wor« 
ten Gtfialt ein) werden umgewandelt (vgl. Jef. 65* 

, 17. 66f 22. 2 Petr. 3, 13. Apok. 21, l.)- DieFrom- 
nen wohnen auf der neuen Erde ( Kp. 50, 5. ) und 
die Gottlofen werden hinweggefchafft» damit ihr An* 
blick den Gerechten nicht betrübe (f. 48, 10. 50, 2. 
54« X2. 61% 15.16.). Gott batyie gefehen^ es ift ihm 
nicht unbekannt gebUeben, was fie verbrochen haben ; 
daher überfetzt Laur/inee mehr dem Sinne nach : ,|deun 
ich habe bemerkt ihre Handlungen/* 



344 Kap. 45- V- 5. Kap. 46. V. 1. 

gefehen. Meine Gerechten will ich lattigen i 
Frieden und fie vor mich fiellen, aber die ^ 
dammung der Sünder foll heranrilcl^en, damit 
fie vernichte von der Oberfläche der Erde. 

Kap. 46. 

1. Da fahe ich^ das Haupt der Tage, c 
fcn Haupt weifs wie Wolle war , und mit ihm 

69) Henoch fpricbt von hier an und berichtet 1 
was er fchauete* Eine befondere Andeutung des 
getretenen Wechfels der redenden Perfonen wird n, 
gegeben; f. Anmerk. 6g. zu V. 4. Laurenc^ til 
fetzt hier und in den Farallelftellen : der Alte 
Tage (tbe Ancient of days), offenbar mit Besug 
den Ausdruck pOV P^I^V Dan- 7> 9*t wofür 
griechifche Ueberfetzung des Theodotion (in deni 
gaben der LXX) und die LXX (ex Cod. Chißanoej 
'raXai»; >)^i^c&v Tagen. Da die ätbiopifche Ueberfeti' 
des Buches Daniel bis jetzt ungedruckt iß, fo k 
ich nicht Tagen , ob fie das Griechifche durch die 
ben Worte wiedergibt , welche hier im Buche 

noch angewandt werden, nämlich (j\\\t C^Vvi 
welches, wie Laurence in einer Note bemerkt, I 
oder Haupt der Tage ( the Chief or Head of di 
heiTit. Darüber aber müTste man im Klaren ü 
wenn man in dieTer Benennung Gottes «ine aui 
lende Berückfichtigung des Buches Daniel anarl 
nen Toll. Denn es leidet wohl keinen Zweifel , i 
jie mit der dort vorkommenden nicht gans identi 
fey. Das 2thiopiTche rlSwsa maviel läTst Cch al 
dingf fo wenden, daTs es ungefihr das ausdrA 
was im CbaldaiTchen des Daniel und Teinen griet 
fcben Verfionen gemeint ift, nimlicb: das Haupt 



Kap. 46. V. 1. 345 

am anderen y deflen Antlitz dem des Menfchen 
flieh. Seih Antlitz war voll Anniutli, gleich ei- 
nem der heiligen Engel. Alsdann fragte ich ei- 



Tagen ^ d. h. der rückßchtlich feiner Tage obensn 
fieht , keinem andern weicht , alfo etwa der Ewige* 
Aber es wäre auch ganz fprachgemäfs , wenn man 
überfetzen wollte: der Herr der Tage^ der Herr der 
Zeit in dem Sinne des allmächtigen Gebieters über 
die Zeit und ihre Erfcheinungeo, die menfchliche Le- 
benszeit u. f. w« Denn dafs C^ T v A ^ geradezu 
für t#inpia gebraucht werde , lehrt Ludolf im Lexic. 
Aethiop. p. 429 — 30* ed. 2. Da der folgenden Dar* 
Aellung Dan. 7. unftreitig zum Vorbilde diente, fo 
T liist fich faß präfumireni auch der Name Gottes 
i werde aus der äthiopifchen VerCon herübergenom- 
I »en* feyn. Wir finden ihn im Henoch lediglich in 
dieCer aten und dann der 3ten Parabel angewendet^ 
Bimlich Kp. 4^» I* 47* 3« 48 > 2. 54, I. 59i I* 70> 
J2. 16. 18* t fö dafs er den Verdacht, Kp. 37 — 70- 
möchten nicht von derfelben Perfon aufgefetzt feyn, 
welche den übrigen Theil fchrieb , in etwas verftar« 
ken dürfte. TVeifs wie Wolle fiammt aus Dan. 7, g. 
und bezeichnet Gott als den vollendetften Reinen und 
Beiligen; andere denken an das weifse Haar des 
Greifes« Kp. 14 9 22. in einer ähnlichen Schilderung 
^ wucde der fchneeigan Weifse des Kleides gedacht, 
ebenfalls nach der Stelle Im Daniel, Der Begleiter 
des Höchften, der Auserwählte oder Menfchenfohn 
hat ein menfcbliches Anfehen (Dan. 7, 13.)« aber fein 
Ge&cbt ift auch dem eines Engels vergleichbar (^Lau» 
Ttmee fchiebt zur Verdeutlichung des Satzes ^^that 
ej** ttn; der äthiopifche Text hat das Pronomen 
wibt)« Solche Vergleichungen menfcblicber Form, 



346 Kap. 46. V. 1.. 

* 

nen der Engel ''°), welcher mit mir ging, 
welcher mir jedes Geheimnifs zeigte in Betreff 
[es Menfchenfohnes : wer er fey, woher er 
und warum er das Haupt der Tage begleite; 



Kenntnifs u. f. w. ,niit denen der Engel finden 

auch in der Bibel , als 2 Sans. 14, 17. 20. Stücli 

ERher 4, n. Act. 6, 15. Gal. 4, 14. Kol. 2, 18* 

70) Die Worte: alsdann fragte ich einen der E 

Und im Bodlej. Cod. ausgelaOen ; ßa Sehen abe 

Parifer. (L.) Mit Recht hat Laurence fie aufgei 

inen. Die Art der Entwickelung des Mitzutbe 

den iß hier, wie oft im B. Henoch, d. h. der 

triarch wendet lieh mit der Bitte um BelehruDj 

einen Engel und empfängt die erforderliche. Au: 

rung. GewiiTermaafsen erledigen Ccb die Fr 

Henoch*8 fchon durch das, was Kp. 45. über 

Auserwählten vorgetragen war; allein der Ge 

fhind iß für den Verfaffer von zu grofser Wicl 

lieit, daher Icommt er wiederholt darauf zur 

Wahrfcheinlich fchliefst die Rede des Engels erft 

47» 2. ; wenigßens iß Kp. 47, 3. bereits Henocb 

zutfaeilen. Ihr Inhalt befchränkt (ich nicht bloCs 

Erledigung det vorgelegten Fragen, fondem bele 

tet zugleich die Umßande, welche die Erfcheii 

des Menfchenfohnes begleiten und die Folgen« 

che ßch für die Menfchen daran knüpfen wer 

'Der Name Menfchenfohn iß in diefer Parabel nu 

3 und 43, 2« ; in der folgenden befonders Kp. 61 

6g 6fter angewendet, vgl. auch 62 1 15 und 69 

Er fleht offenbar ganz promifcue mit der ^^Auserwah 

(f. Anmerk. 67* zu 45, 3.}. Zunachß wird die vollen« 

Gerechtigkeit des Menfchenfohnes, allerdings 

wichtigße Eigenfchaft deflen, dem das Gericht 

vertraut wird , V, 2. hervorgehoben und dieCn i 



ftap. 46. V. 2 — 3. 347 

2. Er antwortete und fagte zu mir: Diefs 
fi der Menfchenfohn , dem Gerechtigkeit ifi, bei 
reichem Gerechtigkeit gewohnt hat, und welcher 
fienbaren wird alle Schätze delTen, was vcrbore:en 
t; denn der Herr der Geifter hat ihn erkoren, 
nd fein Theil hat Alles übertrofFen vor dem 
irrn der Geifter in ewiger llechtfchaflFenheit. 

3. DieferMenfchcnfohn, welchen dufieheß, 
ird erregen die Könige und die Mächtigen von 
Ten Lagern, und die Gewaltigen von ihren Thro- 
en , vrird löfen die Zäume der Mächtigen und in 
tücke brechen die Zähne der Sünder ^^). 



Vorzag vor Allen als Grund der auf ihn gefallenen 
Wahl betrachtet. Auf ähnliche Weife wird Hebr. 
j, 9« die Liebe des Sohnes zur Gerechtigkeit als der 
Grund davon angefehen, dafs Gott ihn mehr aus- 
zeichnete, als Andere (mehr falbtc als feine GenoITen), 
mit Benutzung von Ff. 45 « g. Die verborgenen 
Schätze y welche der Menfchenfohn ans Licht brin- 
gen follfl ßnd wohl der ReicbtLum der göttlichen 
Gnade und die Befellgung, welche durch ihn ßeh 
über -das menfchliche Gefcblecht ausbreiten Toll (vgl. 
Kp. 10, 280» oAer die durch ihn zu verbreitende rei- 
nere Erkenntnifs Gottes und feines Gerichtes, in def- 
fen Gefolge für die frommen Verehrer des Höchßen 
Leben und Seligkeit ifi (Kp. 45t 30- 1° der Bibel 
i& das Verborgene auch oft von bisher unbekannter 
Lehre gebraucht (Jel. 4g, 6. Mattb. ji» 25. Luk. 
10 9 21* Ephef. 3, 9.). Würe der Verfafler des Bu- 
ches ein Chrifty fo hätte man wohl an die evangeli- 
fcbe Lehre dabei zu denken. 
71) Femer iß vom Menfcbenfohne bei feiner Erfchei- 
nung SU erwarten der Gebrauch der ihm verliehenen 
Macht cur Demüthigung des Uebermuthes , der Ge- 



348 Kap. 46. V. 4. 

4« Er wird Itofsen Könige von ihren Thro 
nen und ihren Herrfchaften?^), weil £e ihn nid 



walttbätigkeit 9 Widerfetzlichkeit gegen Gott; did 
berückßchtigen daher V. 2 und 3. Diefer Gedanl 
kehrt in den melRanirchen Schilderungen und zwi 
in ähnlichen Ausdrücken, auch gerade von den Gr 
liien der Erde öfters wieder; fo Kp. 43, 7 — 11. 6 
14. 62 9 I. 16. ; vgl. auch Jef. 41 ^ 35* L^k. x » 51 
Kol. 2« 16. Vermögen Könige und Fürfien nichts 
widerßehen , wer wollte dann fich aufaulehnen m 
gen? Aus gleicher Rücklicht heifst es Henoch dj 
I0> 12 ff't dafs die Mächtigen den Menfchenfohn vi 
ehren und werden He Kp. 54, 5. 6X9 I. aufgeford« 
feine Erhabenheit anzuerkennen. Die Bilder von m 
iserbrochenen Macht am Ende von V. 2. find den m 
teftamentlichen angemeiren» z. B. die Bands Zi 
Jsen (Pf. 107 » 14« 116 9 16. Jer. 2* 20. 30, g. 
I» 13*1 auch Hiob 129 21* kann fo erklärt werdi 
Zaum fteht Jet. 3O9 28* Ezech. 33, 4. für £äful^ 
und kann recht gut Unterdrückung bedeuten, 
cfhe durch den Mellias aufhören foU. Zährnm a^ 
Irechen^ eigentlich vom Raubthiere gebraucht, w^ 
cbes man unfcbädlicb macht und feiner Waffe m 
täubt (Hiob 29, 17. vgl. 4, 10. Ff* 3i 8* 58« 1 
Klag]. 3," 16.). 
72) Diefer Gedanke, welcher fchop V. 2. vorkam, 
wiederholt y um den Grund des Verfahrens gl 
die Machthaber hinzuzufügen. Der VerfalFer 
lafat fich dabei einer weitläufigen Ausführung (1 
4—6.). Nach den Worten: «»fie demüthigen Jj 
nicbt*^ habe ich , ebenfo wie Laurence ( hefov Im 
zur Verdeutlichung eingefchoben : „vor dem*';! 
Aethiopifchen heilst es unmittelbar darauf wo I 
XLaurenc€ lagt from whenee) und nicht von m 



Kap. 46. V. 4—5. 349 

rheben und preifen wollen, noch fich beugen 
iror dem), durch welchen ihre Königreiche ihnen 
erliehen wurden. Auch das Antlitz der Mäch- 
gen wird er niederfchlagen und fie mit Verwir- 
ung erfüllen. Firißemifs wird ihre Wohnung 
5yn , und Würmer werden ihr Bett fcyn , und 
icht follen iie von ihrem Bette wieder aufzulte« 
en hoffen, weil Iie nicht erhoben den Namen 
CS Herrn der Geilten 

5« Sie werden verachten die Sterne des Hirn- 
lels^^), werden erheben ihre Hände gegen den AI- 
irhöchßen , werden betreten und bewohnen die 
Irde, indem fie zeigen alle ihre Werke der Unge- 
echtigkeit, ja ihre Werke der Ungerechtigkeit, 
bre Stärke wird feyn in ihrem Reichthume und 
\ix Glaube an die Götter , ^welche fie gemacht ha* 
en nut ihren eigenen Händen. Sie werden laug- 
ten den Namen des Herrn der Geifter und werden 
m austreiben aus den Tempeln , in welchen fie 
ch verfammeln , 



ehem. Finßemifs, gewobnliches Bild des Unglücks» 
wird Kp. lo, 6 — 7* als Wobnplatz frevelnder Engel 
beseicbnet. Sehr ähnlich beiftt es Hieb 17 , * 13. : 
im Finftem breite ich mein Bette aus. Würmer bil- 
den das Lager wie Hiob 17» 14. 21, 26. Jef. 14^ n., 
zu vergleichen ift auch Sir. 7» 19. [l7-] und gewif- 
fermaafsen Jef. 51» g. 66^ 24. Mark. 9, 44. In dem 
Satze am Ende des Verfes 4. fchiebt Laurence in den 
Sats »»von ihrem Bette** das Demo'nftrativum ein; 
,»fr6m that their bed,** 

73) In der fortgefetzten Schilderung der Frevler ift 
diefs zuerft Erwähnte au£Fallig« Wahrfcheinlich foU 
damit nur gefagt fejrn » dafs Iie fich über Alles hin- 
ausCetzten^ Alles verächtlich behandelten und frech 






J 



350 Kap. 46. V. 6. 

6. und die Getreuen''*), w^elche dulden 
dem Namen des Herrn der Geifter. 



darüber abfpracben, ancb was ihnen nichts zu Le 
tbat) wie die Sterne des Himmels (vgl. die Scbil 
rung Jud. V. g.). Hand erheben foviel als fich c 
lehnen y wider fetzen (2 Sam. Ig, 3g. i Kön. ii, 
27.). Die Ungerechtigkeit der Frevler foU durch W 
derholung derfelben Worte recht herausgehoben m 
den* Sie verlaflen fich theils auf ihre Schatte ( 
49 t 7* 52 1 9- Jer. 49, 4.), theils auf ihre Göb 
Jef. 42, 17. Jer« 50, 3g. Esech. 14^ 3. 4.}. DerS 
ift fo Bu faflen: nach ihrer Meinung foUen Rei 
thum und der Beiftand ihrer eiteln Götterbilder ibj 
helfen ; darum erlauben fie fich freches betragen 
gen Gott». Offenbar wird alfo bei den Frevlem 
Heiden gedacht; dafür fpricbt noch entfchiedener« 
folgende Satz. Eine folche Hindeutung auf ABj 
terei findet fich auch Kp. 19, 2. In dem Abfchni 
find alfo unter den Gottlofen wohl in der Regel H 
den gemeint »m Gegenfatz der frommen Vereh 
des einen wahren Gottes und defsbalb fo oft und ff 
von ihnen gefagt , Cie läugnen , verwerfen / lab 
den Herrn der Geifter und wollen ihn nicht prfeil 
und verherrlichen; vgl. 41 , i. und Anmerk. 51. 
d, St. 2 Fetr. 2, I. Jud. V. 4. 
74) Auch gegen die Frommen vergehen fie fich; n 
ergSnze aus V. 5. das Verbum : fie vertreiben. Li 
rence fetzt noch hinzu ^ymit tAm^' (d. i. ebenf0|.,1l 
Gott) ; deCBgleichen hat er nach dulden ohne Yen 
laflung den vorbereitenden Satz: „in feinem Namai 
eingefchoben. Ueber die Benennung Getreue f. i 
43» I. Im Namen Gottes leiden fie» d. h. weil i 
ihn verehren. Obfchon diefer Ausfpruch recht f 
auf ChriSen paflen würde, fo ifi ea doch nicht nod 



Kap. 47. V. 1—2. 351 

K a p. 47. 

1. An diefem Tage wird das Gebet der.Hei- 
und dei: Gerechten und das Blut der Gerech- 
linauffieigen von der Erde in die Gegenwart 
lerrn der Geilter ^^). 

2. An diefem Tage werden die Heiligen ^^^ 
rerfammeln , welche wohnen über den Him- 



^endig^f und Was damit innig zufammenhängt , an 
hrißiichen Urfprung des Bucbes tn denken. Denn 
uch die Juden hatten damals viel zu ertragen. 

Diefer und der folgende Vers gehören wahrftbein- 
ich noch zu der Rede des Engels, welche Kp. 46, 2. 
egann ; doch liafse es fich auch vertheidigen, wenn 
e Jemand dem Hdnoch, welcher Ton V. 3. an wie- 
er das Wott -nimmt, z-otfieilen wollte. . Der Aus- 
ruck ift ungefähr, wie Kp. g, 9- pi I. 2. 10 — 12. 
2» 5 ff*9 ^^^ darin ftärker, dafs das Tergodene Blut 
Blbft Eum Himmel auflleigt. Die Verfolgung , wei- 
he die Frommen erduldeten, ift heftig; He fallen 
Is Opfer ihrer RecbtfchafFenheit. Diefe Aeuf^rung 
rürde nodh mehr, als Kp. 46 > 6«> auf die chrißli- 
hen Märtyrer bezogen werden können, falls fich 
Ireng üacbweifen liefst^ dafs deft VerfalFsr Chrift 
;ewefen. * 

Die Heiligen find hier wahrfcbeinlich die Engel; 
ie intercediren für die duldenden Frommen, wie Kp. 
U 3 ff* • vgl. auch 15, i. Es könnten aber auch die 
:nr Herrlichkeit des Himmels äuFgeilommenen Ge- 
ecbten feyn nach Kp. 39 , 4. Aehnlich verfahren 
lie a4iieltetten vor Gottes Thron Apok. ii, |6 — 18» 
Ueher den Himmeln (Laurence hat ^^above the hea- 
eens'*) wohnen fie, weil fie und Gottes Sitz jenfeits 
les Gewölbes gedacht werden , welches unfern Au- 



352 Kap. 47. V. 2 — 3. 

mein, und mit vereinter Stimme bitten, flehe 
preifen , loben und rühmen den Namen des Her 
der Geifter, wegen des Blutes der Gerechten, wi 
ches ift vergoffen worden , auf dafs das Gebet j 
Gerechten nicht möge unterbrochen werden v 
dem Herrn der Geißer , dafs er ihretwegen wo 
vollziehen Gericht, imd dafs feine Geduld nie 
mösie dauern für immer. 

3. Zu diefer Zeit fahe ich ^ das Haupt c 
Tage, während es fafs auf dem Throne feit 
Herrlichkeit; das Buch des Lebens ward geöffir 
in feiner Gegenwart, und alle die Mächte, wdc 
über den Himmeln waren, (landen um und vor ih 



gen fich darbietet; vgl. V. 3. Der Plural: die Hi 
meU wie V.3. 39, 3. 41, i. 68» 31-» daher Kp. 39, 
auch obere Himmel^ Kp. 60, g. die Himmel oben ■ 
70, 6. Himmel der Himmel erwähnt werden, 
dem Gebete der Heiligen vereinigt lieh Preis GoU 
und Fürbitte für die gedrückten Frommen, wie i 
p, 3 ff., fie wollen zunäcbß Unterbrechung des KIp 
gefcbreies der Gerechten verhüten, weil djs lud 
hörliche Bitten am gewifleßen zur Erfüllung fii 
reifst« Dafs bis jetzt die Sünder nngefirafit wudÜ 
durften gegen die belfern Menfchen, ift Folga^ 
Gottes Langmuth. 
77) Henoch iß der Redende, was freilich wohl 
angedeutet werden follen. Nachdem alfo der 
(vgl. 46 • 3.) Auffchlufs über den Menfchenfoha 
theilt hat, fchauet der Patriarch den weitem 
lauf des grofsen Gerichts. Die Darftellung ift 
Widerrede entlehnt aus Dan. 7, 9. lo«; vgl. 
die Nachbildung in Apok. 20 > IZ — 12. 
fupplirt die Partil^el während (while) snr Y< 
lichung in diefem Yerfe zweimal yor den 



Kap. 47. V. 4. Kap. 48. V. 1. 353 

4. Alsdann waren die Herzen der Heiliffen 
roll von Freude, weil die Vollenduno^ '^) der Gc- 
echtjgkeit gel^oinmen, das Flehen der Heiligen 
rhort nnd das Blut der Gerechten gewürdigt war 
on ^em Herrn der Geiller. 

Kap* 48. 

1. An diefcm Platze ^) falie ich einen Born 
er Gerechtigkeit , welcher niemals Mangel halte, 



Sätzen y welche mit den Worten: ,,das Buch** und 
,,alle die Mächte" beginnen. BeHer ift es aber wohl, 
diefe Sätze als nicht ?on der Paitikel abhängig zu 
betrachten« Die Machte über den Himmeln (vgl. V. 2.) 
find die Engel des Himmels (f. Kp. öo, 13. 15. Ephef. 
X, 21- Suiceri thefaur. eccledaß. T. I. p. 970. ed. 2. 
uiit. d. W. 3iva/ic<(. ), und ße ßehen vor Gott, feiner 
Befehle gewartig (Kp. 39, u. 12. 40, I. 2. 59» I» 
Tgl. auch X4, 24.}. 
7g) Im Aethiopifchen heifst es Zahl, wie Laurence 
« andeutet, ohne jedoch den ätbiopifcben Ausdruck 
felbü SU erwähnen. Zahl ifi unllreitig für Zahlung^ 
Schätzung j Würdigung zu nehmen, was das äthio- 

pifcfae (l\^f{\l (f. Ludolßs Lexic. Aethiop. p. 35. 
cd. 2.) bezeichnet und ich verniuthe, dafs diefes 
Wort im Texte ßebt. Der Inhalt von V. 3 — 4. 
fchliefat lieh an Y. 2. genau an. Das Gebet der FTei- 
U^cn um Befchleunigung des Gerichts (V. 2.) ßefat 
Henoch erhört und in Erfüllung gehen. 
79) Entweder an dem Orte, wo (ich IJenoch befand, 
oder wo der Thron des AUmäcbtigeq iu feiner glän- 
zenden Umgebung fiand. Das Letztere ift wahrfchein- 
Ucli gemeint. Dicfcs Kapitel hängt übrigens, man 
möge diefe oder jene Erklärung vorziehen , mit dem 

Bach Ueno eh. !2.j 



354 Kap, 48, V. 1 — 2. 

umgeben von vielen Quellen der Weisheit. Auf 
diefen tranken alle Dürftige, und wurden erfülU 
mit Weisheit, und hatten ihre Wohnung bei den 
Gerechten, den Auserwählten und den Heiligea 

2. In dicfer Stunde ^) wurde diefer Men* 
fchenfohn angerufen bei dem Herrn der Geiltei 
und fein Name in Gegenwart des Hauptes der Tag« 



vorbergebeDden innigft zufammen. Die zablreicbai 
Quellen verforgen den Brunnen reicblicb und beBSo 
ilig, fo dafs fein WalFer nie ausbleibt (wkick ntvm 
Jailed Tagt Laurence). Gerecbtigkeit und Weisbfli 
fallen in der Anlicbt des Verfaflers zufammen; dem 
der Gerecbtigkeitibrunnen fpendet Weisbeit. Es il 
diefi der bebräifcben Betracbtungsweife ganz angf 
nieflen. Gerecbtigkeit fteht für Tugend überbaupti 
obne diefe aber, wie wäre da wabre Weisbeit denk 
liar! Das Bild von Quellen und Brunnen i^ird aiid 
im A, T. von Weisbeit und Klugbeit gebrauch 
(Spricbw. l6,22. Sir. 1, 5. Bar. 3, I2. 4Efr. i^^ag.] 

'%6) Zu derfelben Zeit, wo Gott und der Menfcbed 
fobn auf ibren Tbronen dem Henocb ßcbtbar gewoi 
den waren, erfolgte aucb die Verehrung des letsteqi 
Diefs iß aber, wie V. 3. binzugefügt wird, keii 
wegs eine Neuerung, fondern daflelbe gefcbabe 
vor Entßebung der licbtbaren Scböpfung. Loiii 
überfetzt »,i/or dem Herrn"; im Aetbiopifcben 

A'Sn« ai^ apud. Man balte diefe und die 
den Worte nicbt für einen müfsigen Zufats! 
fie dienen offenbar zur gröfsern Verberrlichung. 
Menfcbeafobnes , welcber fogar in Gottes G< 
wart diefe Ebre geniefst, ein Beweis, dafs er 
allen Gott am näcbften ftebt. Realparallelen fi^ 
Kp. 60» II — 13. 61, 10 ff. ^ 

1 



Kap. 48. V. 3. 355 

3. Bevor die Sonne und die Zeichen £efchnf- 
fen waren , bevor die Sterne des Himmels gebil- 
det waren, wurde fein Name angerufen in der 
Jegenwart des Herrn der Geil'ter. Eine Stütze 
rird er feyn den Gerechten und den Heiligen» 
iif welche lie lieh lehnen, ohne zu fallen, und 
: wird feyn das Licht der Völker ^■), 



gf ) Da diefe Stelle die jüdifche Anßcht über einen 
wichtigen Funkt der Lehre vor der Erfcheinung 
Cbrifti auf Erden vorsüglich ins Licht fetzt, fo will 
ich fie hier atbiopifch geben : 

rirn7\: A'So: 7\^h.?\: ^^<f:ti^: ®i1<^: 

H7\'inA: p^lf\j^: TnTiarn+: rt^^: 
.©ft<^: tKofV: n^jf-c^ : 7\^FtA; 

©orÄi:: rAC4^: A/hH^n:: Dicfs in eine 

wörtliche lateinifche Ueberfetzung davon: 

3. £t in illa hora invocatus eft hie Filius hominis 

apud Dominum fpirituum, et nomen ejus coram 

•ntiquo dierum. 

3. Et antequam creabatur fol et figna, antequam 

fiebant Sellae coeli, nomen •'*jus invocatum eft 

coram Domino fpirituum. Ille erit baculus jußo- 

miD et lanctorum, ut in eo innitantur, neque ca- 

daat: et ille (erit) lux gentium. (L. ) Der Aus- 

Amck Zeichen ift, wie Tchon der Zufammenhang 

lehrt» vop den Himmelskörpern zu vergehen (vgl. 



35G Kap. 48. V. 4 — 5. 

4. Er wird fcyn die HofFnung derer, d 
Herzen in Unruhe find ®^). Alle, welche wol 
auf Erden , werden niederfallen und anbeten 
ihm; werden rühmen und verherrlichen ihn, 
Loblieder fingen dem Namen des Herrn derGe 

5. Defshalb war der Auserwählte und 
Verborgene in feiner Gegenwart , ehe die Wel 
fchaJffen wurde und immerdar ^^), 



auch Jerem. lo» 2. Bar. 6, 66., gewiflermaarseii 
I Mof: I, 14.). Stab der Gerechten (Pf. 23, 4 
Führer und Befchützer. Licht der Völker ift 
in der Bibel (Jef. 42, 6. 49, 6. Luk. 2, 32. J< 
12. Act. 13, 47.) vom MefKaa gern gebraucht. 
V. 4. und Kp. 61, 13. fetzen die Frommen ihre 
nung auf den Menfchenfohn. V. 3. ift vorzügli 
beachten , weil darin die Präexiftenz des Me/Ha 
der Schöpfung behauptet wird; f. auch 61 
Schon vor der Erfchaffung der Geßirne genc 
Verehrung (V. 3,), um wie viel mehr werde 
Gerechten ihn erheben , wenn ile ihn auf dem 
liehen Throne erblicken (V. 4.). 
32) Auf ihn verlaflen fich die bekümmerten | fi 
Zukunft beforgten Frommen (vgl. 61, 13-) • ^^ 
ruhe derfelben ifi wahrfcheinlich Folge der Bei 
nilTe, in welche tie ihrer Rechtfchaffenheit 1 
kommen (Kp. 46, 6. 47, I — 2.). Ware Jas 
Buch oder auch nur die Abtheilung Kp. 37* 
von chrifilicher Hand, fo hätte der Verf. die fc 
rigo und' vielfarh bedrängte Lage feiner chtitt 
Mitbrüder vor Augen. 



Kap. 48. V. 6—7. 357 

6. in feiner Gcgeiiw.irt und hat eiilhüUi den 
(feUigen und den Gerechten die Weisheit des Herin 
Jcr Geißer j denn er hat bewahrt dnsLoos derGe- 
echtcn, weil fie gehafst und verworfen haben 
icfe Welt der Unjrerechtij!;lveit, und verabfcheut 
aben alle ihre Werke und Wege, in dem Namen 
es Herrn der Geilicr. 

7. Denn in feinem ^) Namen follcn fie be- 
ahrt werden, und fein Wille wird ihr Leben feyn. 



factus e(t) Electus et Occultus coram eo, antequariA 
creabatur mundut , et usquc ad faccula faeculoiuiii/* 
(JL.) Der Auserwählte beifst zugleich auch der Verhör* 
gene, weil er his zu dem Tage des Gerichts nicht 
Cchtbar ift, fondern bei Gott weilt, uugefehcn von 
den Menfchen; f. Kp. 6l, lO. Das Pronomen fein 
bezieht ficb auf Gott; vgl. V. 4. Eben fo ilt*s V. 5., 
wo der Gedanke fortgeführt wird. Laurence fetzt 
■m Ende des 4ten Verfes einen Funct, vi^ird aber da* 
durch genöthigt, im ^ten Verfe den Satz: ,,er war 
(he exiftedy* zu vf^iedcrholen. Die Worte: ,,ia fei- 
ner (Gottes) Gegenwart«* im Anfange von V. 5. keh- 
ren noch einmahl wieder, theils weil fie dem Fol- 
genden gleichCam als Anknüpfung dienen, theils weil 
anf ihnen ein gewifler Nachdruck liegt. So wie- 
derholt Job. I, I. 2. den Gedanken, dafs der Logos 
hei Gott war. Bei Gott befand fich der Auaerwahlte; 

' daher konnte er auch die Weisheit des Himmels den 
Gerechten mittheilen. Ihm verdanken fie auch ihre 
Erhaltung (vgl. auch V. 7. ); ^le wären den ihnen 
drohenden Gefahrrn von Seiten ihrer Feinde fonft 
unterlegen. Sein Schutz ift Belohnung ihrer Recht- 
fchaffenheic. 

g4) Dia Pronomen kann auf den Herrn der Geißer oder 
auf den Auserwählteu gehen. Beides gibt einen gleich 



358 Kap. 48. V. 7 — 9. 

In jenen Tagen follen die Könige der Erde uiad d 
n)äditigen Menfcben , welche die Welt geia'^onne 
haben durch das Werk ihrer Hände, niedrig we 
den im Anfehen. 

8. Denn an dem Tage ihrer Angft und Ur 
ruhe follen ihre Seelen nicht gereitet werden, und* 
in den Händen (l(ner (feyn), weicheich erwählt liabi 

9. Ich will lie wie Heu in das Feuer w^crfe; 
unil wie Blei in das Wafler ®^). So follen fie brer 
nen in der Gegenwart der Gerechten und linken i 
der Gegenwart der Heiligen, und nicht foU ei 
zehnter Thcil von ihnen gefunden werden. 



guten Sinn. Sein WiUe ilt Leben ; vgl. Sprichw. ^ 
13. 32. IVlit dem zweiten Satze diefes Verfes wen 
det Hcli der Verf. von der Betrachtung der Frommei 
ihres Verhaltens und Gefchickes beim Erfchein« 
des MelFias au der Schilderung der entgegengefetzto 
Partei und delfea , was ße dann betreffen werdi 
Auch hier find es aber wieder die Hochftehendci 
welche er vorzugsweife ins Auge fafst j vgl. ZS* 4 
und Anmerk. 71. zu Kp. 46, 3* 

g5) Laurenct fchiebt hier zur Verdeutlichung eis 
1, fie werden feyn *' und über fetzt das unmittelha 
Folgende minder wörtlich: ,, unterworfen denen' 
u. f. w. („t/i^y Jhall he in fubjection to tbofe**] 
Realparallele f. 46 , 4 ff. Die Frevler werden aud 
nach Kp. 3g, 5. den Frommen übergeben. Die T«j 
Gott Erwählten find die Frommen; f. 3g, 3* 

g6) Der Untergang der Sünder wird mit brennendtfri 
Heu und flüflig gemachtem Blei verglichen, welch^ 
zur Abkühlung in Wafler gegoflen wird. Daa Do| 
pelbild ift im Folgenden nicht aufgegeben ; ^m Bre^ 
nen geht auf das dürre Gras , das Ntederfinken 
dus Icbwere, auf den Boden des Wadfera fallende 



Bn ei 
. Bul 



Kap. 48 a. V. 10—11. Kap. 48 b. V. 1. 35» 

10. Aber an dem Tage ihrer Unruhe wird 
hc feyn auf Erden ^). 

11. In feiner^) Gegen wart werden fie fallen 
d fich nicht wieder erheben , und es wird kei- 
: da feyn , der fie aus feinen Händen nähme 
d fie aufhöbe ; denn fie haben verläugnet den 
nn der Geifter und feinen Meflias. ^ DerNam# 
\ Herrn der Geifier fey gepriefen ! 

Kap. 48b. «9) 
1. Weisheit ift ausgegoflen gleich WafFer 



Die Frominen und Heiligen find Zeugen der Strafe; 
vgl. 269 3« 389 1 — 3« Zehnter Theii foviel als ge- 
ringer Tbeily wie Jef. 6« 13.» der Sinn alfo : es folt 
gar nichts verfchont bleiben« 

7) Diefe Frevler hatten fich Bedrückungen Anderer 
erlaubt; das bat nun ein Ende. Vgl. j, 7. 6> 9-— lo. 

lOk 33 ff* 45» 5- 

g) Auch hier (f. Anm. 34. zu V. 7.) bleibt es zwei- 
felhaft , ob das Pronomen auf Gott oder den MelRas 
gehe. Das Hoffnungslofe der Lage wird ausgemablt 
und zwar in echt bibHfcben Wendungen , als fallen 
und nicht wieder auffieken (Jer. g, 4. Sprich. 34, 16., 
vgl. Pf. 41 y 9. 140, II. )> Niemand kann erretten 
(Hiob 5, 4. Pf. 7» 3- 71» II' J^f- 42. 22.). Der 
Grund ihres Verderbens liegt in der Verlaugnung 
Gottes (vgl. 3g, 2. 41, I. 45i I- »• 461 5«) «»d feine« 
Me£Bas. Lietzteres wird hinzugefügt, wie Kp. 45« I- 
die Verleugnung der Wohnung der Heiligen. Die 
Doxologie am Schlufle des Kapitels iß wohl Henoch 
in ^ea Mund gelegt , wie es ah andern Stellen des 

'Buches gefchiebt; vgl. Anmerk. 97. zy Kp. 24 » II. 

9) Das 4gße Kapitel kommt zwei Mahl vor. (L.) 
Der Gedanke, womit Kp. 4g b anbebt» ift dem febr 



360 Kap. 48 b. V. 1—2. 

uncl Herrlichkeit hört nicht auf vorihm vonEvrig- 
Leit zu Ewigkeit; denn mächtig iü er in allen Ge« 
hcimniffen der Gerechtigkeit. 

2. Aber Ungerechtigkeit vergeht wie ein 
Schallen und hat keinen feiten Stand^^); denn der 
Auserwählte ficht vor dem Herrn der Geifier und 
feine Herrlichkeit ift von Ewigkeit zu Ewigkeit und 
feine Macht von Gefchlccht zu Gefchlecht. 



5b n lieh , welcher an der Spitze von Kp. 4g a Rand» 
Niclit blofs an und für (ich betrachtet läfst ßcb V. I» 
recbt gut auf Gott beziehen, fondern es iß diefs notk« 
\\endig, wenn Kp. 48 b, i. mit 43 a, il. genau tciP 
bunrien zu denhen iß. Indefs fcheint es doch, dafp 
der Vers vielmehr eine auf den Medias bezügl^ 
che Schilderung geben wolle- von diefem bandfll0 
V. 2 ^. und war auch Kp. 4g a, 11. die Rede, wenJV 
nucb nicht gerade im letzten Satze. Weisheit und G#^ 
rcchtlgkeit werden hier in ähnlicher enger VerbinduflÄ 
gedacht, wie z. B. 4g a, i. (vgl. Anmerk. z. d. St.1 
90) Diefer Vers bildet den Gegenfatz zu V. %, De0ß 
flüchtigen Schatten gleich wankt die Ungerecbtigkfli|| 
und die mit ihr verfchv/ißerte Thorhcit unftec yO|g 
einer Stelle zur andern, weil ße keinen Halt in fidL 
hat. Wenn es heifst , der Auserwahlte ßthß vJi^ 
dem Herrn der Geißer, fo iß hier nicht die gewa 
liehe Nebenbedeutung diefer Phrafe anzuwenden (: 
24. 39, 12- 40, I. 2* 47} 3.)* Gerade diefer Adfu 
druck ift hier gebraucht mit RückCcht auf den l^ 
näcbß vorhergehenden Satz : die Ungerechtigkeit k4 
ftebt nicht, der Auserwählte aber ift ftets bei 60I 
und ßeht in feiner Nähe. Sonft wird der Menfchfl^ 
fobn fitzend auf einem Throne dargeßcllt; fo 451 

54 1 5. 61 1 9- 



Kap. 48 b. y. 3 — 4. Kap. 49. V. 1 . 361 

I 

3. Bei ihm wohnt der Geiß der verltändioren 
'eisheit, der Geilt der Erkenntnils und der Macht, 
id der Geift derer, welche fchlafen in Gerechtig- 
ut; er wird richten das Verborgene ^'). 

4. Und Niemand wird im Stande feyn, ein 
nzigesWort vor ihm auszufp rechen; denn der 
userwählte ift in der Gegenwart des Herrn der, 
eifter nach feinem eignen Wohlgefallen. 

K a p. 49. ^) 

1. An jenen Tagen werden die Heiligen und 
ie Auserwählten eine Veränderung erleiden. Das 
licht des Tages wird auf ihnen ruhen, und der 
rlanz und die Herrlichheit der Heiligen wi^d ver- 
ndert werden. 



91) Nach der Schilderung des Auserwahlten in V. 
3 — 4. ift diefer imBeßts der Weisheit und derlV^acbt. 
Eben diefs lehrten auch fchon 46, I. 48>» 3 &• ^^^ 
dafs die Ausdrucks weife hier etwas anders und Jcf. 
II, 2« ähnlich ifi. • Der Geiß derer ^ welche in Ge» 
rechtigheit fchlafen kann nichts anderes reyn, als der« 
felbe gute Geift, welcher einft die Frommen befeelte, 
welche jetzt fcbön unter der Erde ruhen, vom Todes- 
fcblummer umfangen. Schlafende für Todte (iKor. 
II, 30. 15, ao. I TbelT. 4^ 13. 15.). vAuch das den 
Menfchen verborgen Gebliebene wird von diefem 
Richter beachtet und geahndet, eben weil er fo weife 
und gerecht ift, und wer könnte vor ihm^Iiob rechte 
fertigen wollen ( V* 4. ) ! 

92) Kapitel 49 und 50. veffuchen das gans verldbleden 
* fich geßaltende Schickfal der Menfcben am grdfsen 

Gerichtstage des Auserwahlten und den wichtigen Act 
felbft anfcbaulicb zu macbcu. Dia Heiligen Kp. 49, i. 
(ind uuftreitig die Frommen | wie der Zufati^ : die 



362 Kap. 49. V. 2. 

2. An iäem Tajre der Trübfal werden U 
aufgehäuft werden über die Sünder, aber die 
rechten werden triiimphiren in dem Namen 
Herrn der Geißer ^^. 



Auserwäblten und der Gegenfatz V. 2. zeigen. 
Veränderung, welche ße erleiden folleu, beftebl 
fenbar in einer günßigen Wendung ihres Loofe 

V.2. 38» 2. 39,1. 45» 3 — 5); €^enn früher hatte 
zu dulden (Kp. 46, 6. 47, I ff.). Ihr Glanz und 
Herrlichkeit wird verändert, infofern fie bisher d 
Noth und Kummer gewilTermaarsen dem Auge 
zogen und verhüllt wurden , jetzt aber ihr h 
Werth Anerkennung und Belohnung findet. 

93) Die Andeutungen von V. i. werden nun befli 
ter ausgefprochen. Der Tag der Trübfal ift 
grofse Gerichtstag. Die Anderen^ von welchen ' 
redet, find alle die, welche nicht in die KlalTe ux 
belTerlicher Sünder gehörten , fleh aber doch ver 
gen hatten. Sich freuend und triumphirend köi 
fie dem entfcheidenden Tage nicht entgegenblic 

' aber doeh dürfen fie fich Schonung verfprec: 
wena fie nur Reue fühlen. Unter den Gerecl 
(V. 2«) werden wahrfcheinlich die wegen ihrer fi 
Anhänglichkeit an Gott und fein Wort, wegen i 
tinerfchütterlichen Vertrauens auf die Vorfehung 
der grofsen Menge Verachteten oder gar Verfolj 
(f. 46 9 6. 47 9 I ff. 53 f 7^) verßanden | fie trium 
ren im Namen Gottes , d. h. ihre Anhäoglichkeii 
Gott und ihr Vertrauen aeigen fich nun «als wob 
gnindet und fegetisreich. Der Ausdruck s in cl«r 
ffenwart für hti^ vor ift in der Ahtheilung dea Bot 
Henocb Kp. 37 — 70. ziemlich häufig (f. 37, 1. 
3, 3- 39« 6. 40, 7-- 47» I* 3* 48 >» s« 3* 5* 6. 9. 
48 b» 4* 31» 5- XO. 52t 7* 60, 7. 63, 16. 6$, 3. i 



Kap. 49. V. 3— 4. Kap. 50. V. 1. 361 

3. Anderen wird gezeigt werden ^ dafs fie 
•reuen niüflen und VerlalTen die Werke ihrer 
ände, und dafs iie nicht Ruhm erwarte in der 
egenwart des Herrn der Geifier, dafs fie jedoch 
urch feinen Namen mögen errettet werden. Der 
[crr der Geifter wird Mitleiden haben mit ihnen; 
enn grofs iß feine Gnade, und Gerechtigkeit ift 
1 feinem Gericht, imd in der Gegenwart feiner 
[errlichkeit , und nicht wird Itehen in feinem Ge- 
cht Ungerechtigkeit, Wer nicht bereut vor ihm, 
er wird imtergehen. 

4. Fortan will ich nicht gnädig feyn gegen 
e, fagte der Herr der Geifter ''•*). 

Kap. 50. 

!• In jenen Tagen foU die Erde ausliefern 
IS ihrem Schofse, und die Unterwelt ausliefern 
IS dem ihrigen das, was fie erhalten hat, und 



befonders wenn vom Herrn der Geifter die Rede ift. 
Es ift diefe Ausdrucksweife auch da von mir beibe- 
halten worden , wo fie im Deutfcben befler mit ei- 
ner jener Partikeln vertaufcbt würde , um die eigen- 
thümlicbe Farbe der Rede nicht zu verwifcben. Da- 
neben wird allerding9 9 und zum Tb eil in gleichem 
Zufammenbange, die Prapofition vor angetroffen, als 
Kp. 37f 2. 39f 7- 8* ^t I- 47» 3- 48b, 1 — 2.4. 
56, 5. 61, 12. 62, I. 63f 15« 66f II. 6g, 34. 70, 3* 
<^) Um feinen Angaben Nachdruck zu verleihen» führt 
Henoch zuletzt noch einen kurzen aber kraftigen 
Ausfpruch Gottes an« welcher ßch auf die bisher 
befprochene Angelegenheit bezieht. Aehnlich iß 
K]j. 39, 2. 



xi 



3G4 Kap. 50. V. f. 

der Abgrund foU wiedergeben das , was ci 
dig ift ^5). 



95) OfFenbar denkt der Verf. hier an Wiederl 
der Geftorbenen und zwar aller ohne Au 
nicht blofs der Gerechten ( vgl. V. a. ). Mc 
es, dafs ihn Dan. 12, 2. darauf leitete , wo 4 
nur heifsty dafs Fiele vom Todesüchlunimer e 
werden bei Erfcbelnung des mellianifchen Re 
wo nur ungenaue oder befangene Erklärer 
yernick (Comnaent. üb. da« B. Daniel S. 50$ 
geradezu durch alte zu deuten wagen werden 
auch ohne befiimmte VeranlalTung konnte de 
gang des VerfaCTers auf diefe Vorßellung führ 
che ohnehin zu feiner Zeit unter den Juden '. 
war, wie fchon aus gelegentlichen Andeutui 
!N. T. erhellt. Nahe verwandt mit dem Aui 
ift Apok. 20, 13.: „Und das Meer gab die 
„die in' ihm waren und der Tod und die ü: 
„gaben die Todten, die in ihnen waren, 
„wurden gerichtet ein jeglicher nach feinen V\ 

. I<^ach Job. 5, 25-28 — 29. weiden alle^^w 
den Gräbern ruhen 9 die Stimme des Menfch« 
liöreu , tbeils „zur Auferftehung des Lebens* 
,,zur Auferßefaung des Gerichts.** Aufser c 
wird hier noch die Unterwelt genannt > uaSi 
ifofem j^ne nur den Körper, diefe aber den 

:. Jiehern Beftandthcil des menfcfalichen Wefeni 
"aufgenommen bat (Pf. 16, lO.). Laurence ha 

' «berfetzt. Im Aethiopifchen fiand unftreitig 

das hcbrSifche TiNU?« Im 3ten GliededesV« 

Laurente „deftruction <* (^ Ferderhen ^ Unte\ 
liier bezeichnet es ficherlich ' Ort des Verden 
dafs es mitScbeol fynonym wi^d. Es entfpi 



Kap. 50. V. 2— 3. 365 

2. Er^ wird aiisfchciden dieGerccIitenund 
eiligen aus ihnen; denn der Tag ihrer Erlöfung 
i herbeikommen. 

3. Und an jenen Tagen wird der Auser- 
'ählte fitzen auf feinem Throne^), während jeg- 



hebräiCchen fl^DN Vertilgung^ welches «. B. Iliob 
26, 6. 28» 22. Sprich w. ij, II. ftatt Unterwelt fteht. 
Uebrigens follcn die 3 Versglicdcr im Wefentlicben 
«laOelbe bezeichnen und find nur neben einander ge- 
fielle, um den Gedanken recht hervoizuhebeu. 

p6) Wabrfcheinlich ift Gott unter dem gemeint , wel- 
cher die Auswahl vollbringt; indefs könnte auch der 
MelTias verftanden werden, da V. 3 und 5. von ihm 
handeln (vgl. auch Matth. 25, 32.). 

9?) ^'S** 45» 3« und Anmerk. 67. z. d. St. Der Geiß: 
aller Weisheit wohnt bei ihm nach 43 b, 3.5 daher 
kann er fia auch mittheilen. Das Epitheton , wel- 
ches die Weisheit hier erhält , hatte fie auch 43 b, 3. 
(bei Laurence j^ intellectual wisdom. *') Der crße 
Th<ul des ^tcn Verfes ift , wie fchon Laurence an- 
deutet, aus Ff 114, 4. entnommen. Nur die Worte: 
„(die) mit Milch gefättigt (find),** ift Zufats unferes 
Buches; diefer ift nicht müfsig, fondern deutet den 
Grund des freudigen Hüpfens der Lämmer an: fie 
freoen fich und aufsern ihre Freude, weil fie ihr Be- 
dürfuifs gefiillt haben. Sinn des Vergleichs ift: die 
leblofe Natur felbft nimmt Antheil an der Freude 
über die Befeligung^der Frommen, oder auch fie be- 
weifet Ehrfurcht dem hehren Richter oder ift be- 
&üxzt (wie Kp. I, 6.)* ^^^ letzte Sati des Verfes 
ift unftreitig auf die Recht fchalFenen zu befchränken, 
wie fclion der Inhalt lehrt ( vgl. auch V. 2 und 5.), 
weftbalb 'ich liach Laurence* s Vorgänge das Wort 

' uU€ durch einen Znlatz verdeutlicht habe« Eine 



I 

1 



366 Kap. 50. V. 3. 

liches GeheimTiifs der verftändigen Weisheit Ii 
"vorgehen wird ans feinem Munde; denn < 
Herr der,Geilter hat ihn begabt und verherrlic 



ähnliche Ungenauigkeit des Ausdrucks Fand Geh fcl 

Kp« 26, 3. (f. Anmerk. z. d. St.) In der Darftellt 

des Glückes der Frommen fcheint Geh der Verftil 

durchaus nicht gleich zu bleiben; denn V. 4. w 

verheifsen , de follen zu Engeln im Himmel werd« 

aber nach V. 5. haben He die Erde inne. Wäre di 

DifFerenz wirklich da, fo wäre iie eine natürli< 

Folge von der unklaren Anficht des Verfaflers ül 

die eigentliche BefchaiFenheit des Strafgerichts u 

feiner Folgen (f. i , 6. 6 1 9* und Anmerk. z. d. S 

10, 27. und Anmerk. ög» dazu; 24, 9 — lo. und A 

merk. 95. z. d. St.). Indefs iß wenigftens in unfei 

Kapitel diefs nicht nothwendig. Denn die Wdi 

y,im Himmel** find blofs nähere Beßimmung von C 

geln (für : Engel , welche im Himmel find , himm 

fche Engel), analog den Verbindungen: Engel i 

Himmels (Kp. 33, 5. 105, 12. )> Mächte des Himm 

oder der Himmel (Kp. 60, 13- 15- 81» 8» 92, 17. 

In V. 4. will der VerfalTer alfo nur fagen , daf* i 

Gerechten den Himmelsbewohnern gleichen werdafi 

wahrfcbeinlich an Reinheit (Kp. 69 II« lO, 26.)» ^M 

leicht auch an Seligkeit. In unferer Parabel wud 

Kp. 469 !• auch der Mellias mit, einem Engel w^ 

glichen. Verbindet man dagegen die verfchiodi 

AeufseruDgen des Buches Henoch über den dereii 

fen Zußand der Frommen, fo ift das Ungenaue, 
eiUndige und Unklare derfelben nicht su läugM 

Denn Kp. 39^ 4 — 5. g. ift der Wohnplatz der Fi 

inen ausdrücklich bei den Engeln, wie der der W4 

heit nach Kp. 429 2.9 und auch Kp. 41 9 1. 43, 

möchten wohl nur fo verftanden "vv^erden dürfen! 



Kap. 50. V. 4— 5. Kap. 51. V. 1. 367 

4. An fenen Tagen werden die Berge fprin- 
en wie Widder, und die Hügel hüpfen wie junge 
chafe, gefättigt mit Milch, und alle (die Ge- 
echten) werden zu Engeln im Himmel. 

5. Ihr Antlitz wird glänzen von Freude; 
enn an jenen Tagen wird der Auserwählte erho- 
en werden. Die Erde wird fich freuen, die Ge- 
echten werden fic bewohnen und die Auserwähl- 
m auf ihr gehen und wandeln. 

Kap. 51. ^) 

, 1. Nach diefer Zeit wurde ich an der Stelle, 
o ich jedes geheime Qeficht gefehen hatte, in 



gegea kommt nach Kp, 39, i. das himmlircfae Ge- 
fchlecht einftens herab, um l)ei den Menfchen zu woh- 
nen, und nach Kp. 45, 5. 48 a, 10 — II. und 50, 5, 
ift es die Erde, wo diefe nach vollendetem Gericht des 
ihnen zugedachten Glückes theühaftig werden. 

98) Wenn die 2te Parabel bis bieher, mit Ausnahme 
von Kp. 46, I ff. , nur propbetifcba Reden darbot, 
fo wird dagegen von Kp. 51. an die Darftellungsform 
angewendet, welcbe in dem Abrcbnitte Kp. 17 — 35. 
die faft ausrohliefüliche , aber auch in der erfien Pa- 
rabel von Kp. 39 1 3. an mit geringen Unterbrechun- 
gen die gewöhnliche gewefen war, d. h. es zeigt lieh 
das Mitzutbeilende dem Henoch in Vifionen und wo 
es an ßch nicbt deutlich wird, erfolgt Erklärung von 
Seiten eines Engels. Allerdings wird dadurch eine 
gewifle Anfchaulichkeit erreicht und die Rede ge- 
winnt an Lebendigkeit , aber nicht feiten mifcht ßcb 
auch ein müfsiger Zug in das Gemahlde und die ge- 
ringe Abwechfelung in der Scenerie und dem Co- 
lority fo wie überhaupt die dabei unvermeidliche Ein* 



368 Kap. 51. V. 1. 

einem Wirbelwinde aufgerafft und gegen 
fortgeführt ^). 



formigkeit der Handlung und des Dialogs fcl: 
den Eindruck des Dramatifclien gar fahr, 
halt diefer Yißonen hängt übrigens mit dem 
flande, von dem bis hieher die Rede war, gc 
fammen. Neues bietet er Ureng genommen ni 
fondern facht lediglich auf einem mehr dram 
Wege das recht einzuprägen, was bis daher : 
der Belehrung vorgetragen worden war. AI 
auf den Meflias, das durch ihn zu vollziehe 
rieht und die Erfcheinungen , welche damit 
menhängen und dadurch bedingt werden. « 
Kp. 51. fchildert liauptfächlich die Macht des 
und Anwendung derfelbeu beim grofsen Ger 
99) Auch Kp. 14, 9. 10. 39, 3. bewies der W 
thütig f Henoch dahin zu entrücken , wo ihc 
barungen zuTheil werden follten. Es geicha 
von dort aus , wo lieh ihm alles das gezei{ 
was Kp, 46, I ff. berichtet wird. Weniger a 
fen fcheint es dagegen, unter den geheimen G 
zugleich auch diejenigen Gegenftandet welch 
erßen Parabel vorkamen (Kp. 39, 4 — 41, 7. 
und 44.) 9 oder gar alles das mit zu begreif« 
von Kp» 17. an als von Henoch gefehen bei 
wird. Die Worte : ,, nach diefer Zeit ** bili 
Art von Uebergangsfonnel , auf welche keil 
deres Gewicht gelegt werden foll, wefsha 
keine genauere Zeitangabe vcrfucht iß. Da 
Berichtete "war fchon oilenbart ; das. was He 
ben foUy dient zurBeftärkung delTelben (f. d.^ 
Anmerk. gg.) \ind fetzt allerdings voraus, da 
andere Mittheilungen vorausgingen. Warum 
gerade die weßliche Richtung einfchlage, : 



Kap. 51. V. 2. 369 

2. Da fahen meine Augen die GeheimnilTe 
es Himmels*), und alles, was auf Erden w'ar, ei- 
en Berg von Eifen, einen Berg von Kupfer,, 
inen Berg von Silber, einen Berg von Gold, ei- 
en Berg von flüfligem Metall ^) und einen Berg 
on Blei. 



gefagt. Schon Kp. 17, 4 ff. 32, I ff. 23, 1 ff. wurden 
vom Ver^BlTej: gerade in das Wefiland febr wichtige 
Gegenftande verlegt; namentlich ift dort das Schat- 
tenreich und das liebliche Gefilde, welches den From« 
men zu Theil werden foU. Dort foU alfo auch wohl 
das Gericht geh(»lten werden und die Thatigkeit des 
MelHaS'fich aufsern; defsbalb Iielit Henocb gerade 
hier verfchiedene Berge von fehr feften Beßandthei- 
len (V. 3.), welche aber vor dem Anblick des ftrengen 
R^hters sergehen und zerfallen. 
^y y$^ 41 » I. 58> 2. Auch nach ig , I ff. erblickte 
llenoch gerade in Weßen vieles, was zu den Geheim* 
niflen des Himmels gerechnet werden mu(s. Die Berge 
befiehen lammtlich aus Metall. Zu Kupfer bemerkt 

Ldurence, et fiehe im Aethiopifchen ^^Vl wel- 
ches nammus minutijjlmus p Obolus nach Ludolßs 

Lexic bedeute. Unter 6 t hat nun zwar Ludolf 

nichts davon, wöhl aber unter f^l (ed. 2. p. 581*)» 
fo dafs in den Codd. des Henoch hier wieder T'zadai 
uud T'zappa verwechfelt wären, wie oft; f. Anmerk. 
53. «u Kp. 41, 3. 

a) Dem Worte S(hrC\^i(\\, welches ich flajpges 
Metall übertragen habe , gibt Ludolf die Bedeutung 
gutta^ ßUUf Tropfen^ diefelbe, welche er dem Worte 

1 H "fl l beilegt. Aber da es offenbar von einem 
Verbo in der neunten Conjugation abgeleitet ift, lo 
Icheint es etwas mehr als einen blofsen Tropfen au 
>a^ Bcaoch. 24 



370 Kap. 51. V. 3. 

3. Und ich fragte den Engel, welchei 



becicutcn , nnmlich eine thätige Fortjetzung der 
Jffcfiy oder eine Reihe von Tropfen, Und in der 
belli prlct er felblt über ein von ibm &ur ErläuU 
beigebrachtes Beifpiel, dafs die dort angeführte 
terie de copioßs et denßs guttis tanquam imhrium 
Da demnach alle übrigen Berge als Berge voi 
tall bezeichnet werden , fo habe ich diefem V 
die Bedeutung tröpfelndes oder fiüßiges Metal 
geben. (L. ) Infofern fonit lauter feße Metall 
gegeben werden und das Y. 5. gebrauchte Bild 
folche vorausfetzen kann , wenn es nicht an R 
tung verlieren foll , fo ift die Erwähnung einei 
flgen MaOe unerwartet. Inzwifchen lafst Ce 
doch mit Rückficht auf V. 4. rechtfertigen, 
darunter nur etwas KoHbares verfiandea wird, 
fchcint der Ausdruck Bezeichnung des Queckp 
zu feyn, welches fich bekanntlich beim AusgM 
auf eine Fläche in lauter Kügelchen zertheift^ 
den Tropfen ahnlich find. Da bereits Arißk 
diefes Metallcs unter dem Namen a^v^o^ X^^^ S^ 
(Meteorolog. L. IV. cp. g. und de anima Li. I.^d| 
0. 9.), desgleichen Theophraß (de lapid. in | 
ed. Dan» Heins, p. 400)9 ^o hat die Bekannllf 
ixnferes Buches mit demfelben weder etwas 
lendes noch UnwahrfcheiDliches. Auch die Ai 
Weife, wie fich riinius in feiner Hißoria Ni 
(L. XXXIITy 32. 41. 42. ed. Bip. ; in and. Ai 
6 et g. ) darüber ausfpricht (er untcrfcheidet 
das natürliche Queckfilber — argentum vlvuin 
künfilichen — hydrargyrum — und meldet die| 
tungsweife des letztern ), lehrt die Verbreitwil 
Benutzung diefes eben fo merkwürdigen alt M 
ToUen ProdoKtes im erßen Jahrhundert der:l 



Kap. 51. V. 3—5. 371 

gy und Tagte: Was find diefeDinge^ wdche 
geheimen ^) fehe? 

Er Tagte: Alle dieTe Dinge, welche du 
Tollen nir die HerrTchaft des MeiEas Teyn, 
r herrTche und mächtig Tey auf Erden. 
Und dieTer Engel des BViedens *) antwortete 
1 Tagte : Warte nur eine kurze Zeit p vnä 

m Zeitrechnung 9 alTo etwa tun die Zeit, wo iat 
lenocb gefchrieben ift ( f. EinL S. 25« 6o — 65»)* 
b. welche Niemand aufser mir gewahr wird ; Tgl. 

19; 3. DaTs Henoch M^taUberge fieht, kann 
die Fefiigkeit , aber auch auf den fVertk der Be- 
Itheile gehen. Nach dem Folgenden fcfieint nik 
es gedacht worden zu feyn. Denn nach* V. 4. 
das, was Henoch erblickt ^und diels find häüpt* 
ilich jene Berge aus Gold, Silbeif, Kupfer u. r.w.)f 
Befefiigung der Macht des* Mellias dienen , da* 
en ift der Sinn von V. 5. kein anderer, als: fo* 
Berge von der fefießen BefchaflFenheit muffen vor 
1 durch Gott erwählten Weltenrichter ohnm&ch* 
EufammenlUiken. 

Anmerk. 4^. zu Kp. 40, g. — Du wirft in kurzem 
fn, d. h. das fchon jetzt Wahrgenommene ver« 
en (Laurenee überfetzt daher „underfiand^*) und 
reifen. Das Vergehen der Berge wird mit dem- 
en Bilde bezeichnet, wie Kp. I, 6. 1 vgl. die z. d. 
beigebrachten biblifchen Parallelen. Das zweite 
l dient zur Verfiärkung und hat denfelben Sinn : 
\ auch an fich noch fo feft und jeder Veränderung 
:Bend erfcheint , wird dem flüfligen Waffer gleich, 
ches unaufbaltfam von des Berges Spitze herab- 
mt. Vor feinen (des Auserwählten) Füfsen, d. h. 

ihm fich beugend , fich ihm unterwerfend , je* 
h mit Rückficht auf das gebrauchte Bild. 

24 * 



372 Kap. 51. V. 5. 

du y^irR, fehen, und jedes geheime Ding, w^as c 
Herr der Geifter befchloflen hat, wird dir enthü 
\irerden. Jene Berge, welche du gefehen ha 
den Berg von Eifen, den Berg von Kupfer, d 
Berg von Silber, den Berg von Gold, den Bei 
voniliilligem Melall und den Berg von Blei*), al 
diefe werden in der Gegenwart des Auserwählte 
wie Honigfeim vor dem Feuer feyn , und glei( 
Waller herabfliefscn oben von cliefen Bergen heral 
und werden entkräftet werden vor feinen Füfsei 



-"«f 



.5) Analoge Vorflellungen dafür, dafs ganze Berge n 
Einem metallifcben Sto(Fe bcßehen, finden fich am 
fonH;,- befonflers im Orient. So ift die Oftfeite 4 
Meru Silber, feine Südfeite Waidürja (Lapis Lazu^ 
die Wefifeite Padmaraga (Rubin) und die Nordfei 
Gold (vgl. J. J. Schmidt*s Anmeik. su Sfanang SfetI 
Cbungtaidfcbi Gefcb, d. Oftmongolen S. 3C3.) und 
befielit ganz aus Gold ( IViifon diction. fanfcrit m 
.englifh p. 696. unt. d. W. Meru). Vom ina|efiä' 
fcben Berge Sfumer (einerlei mit Sumeru) heifst 
in Sfanang Sfetfcn Chungtaidlcbi Gefcb. d« OftmM 
(S. 4 und 5. der Ausg. von /. /. Schmidt)^ dafs; 
umgeben werde n^^n lieben Goldbergen und Gobj 
Binnenmeeren. '* In einer Schilderung buddliiftifUif 
Mythen« welche das Magazin für die Literat. 4 
Auslandes 1332 in Nr. 106. mittheilt, jedoch dk| 
feine Quelle namhaft au machen» wird der Si 
Ohla (unftreitig mit Meru einerlei) auf äbulicheW| 
befchrieben ; nur in den Angaben über die 7 ihn 
gebenden Berge iß eine kleine Differens« Den^'j 
wird berichtet: fechs davon lind golden^ der fiebtffj 
aber^ der Cell wie eine Mauer um das Ganze 
zieht 9 ift eilern. Auch der weitere Bericht £ 
genannten Mythen verdient verglichen su \ 




Kap. 51. V. 6— 9. 373 

5. An jenen Tagen werden fie ^) nicht errct- 

erden durch Gold und durch Silben 

7. Und nicht werden iie es in ihrer Gewalt 

1, lieh zu fchützen und zu fliehen. 

5. Da wird es weder Eifeh geben zu WaflFen, 

einen Panzer für die Brnft. 

). Erz wird nutzlos reyn, nutzlos auch das, 

i^eder rofiet, noch fleh abzehrt, und Blei 

nicht begehrt werden. ^ 



An den vier Hauptecken des Semer -Ohia ßnd vfer 
rofftc Infeln. Die füdUcha derfelbeo, aus Juwelen 
ißehend^ ift dreieckig. Sie enthalt unfere Erde, 
ie öftliche, ganz von Gold^ hat Bewohner von aus- 

shmender Schönheit. DieEinwohner der weft- 

:hen, zirkelrunden und aus Ruhinen gehildeten Infel 
id noch einmal fo grofs, als die vorigen und werden 
ich doppelt fo alt. Die vierte Infel ift ßlbern,^*^ 
gl. iin Buche Henoch felbft noch Kp. xg, 9 — 10. 

h 1 — 2. 

lamlich die Menfchen , welche Strafe verdient faa- 

•n. Laurence fetzt ,, Menfchen (men)**' geradezu in 
e Üeherfetzung ; es find aber nicht alle Men Gehen 
loieint, fondern nur die Sünder (vgl. Kp. 49, 2-— 3L* 
), o.)- Nicht im ganzen Kapitel, noch weniger un- 
ittelbar vorher findet fich ein Suhftantivum, worauf 
• Pronomen zu beziehen wäre« wie fonft im B. 
enoch, fo z. B. Kp. 39, 2., wo auch die Sünder 
i verftehen find , Kp. 41 , 4. u. f. w. In dem fol- 
laden wird nun der Gedanke ausgeführt , dafs 
cht« im Sunde fey» am Tage de». Gerichts Schutz 
i gewähren. Bei der Wahl der Gegenftändc, 
ircb welche man fich zu retten hoffen möge , läfst 
:h'd6r Verf. wohl durch die Stoffe bcftim«nen » aus 
dohen die Berge beftanden. 



374 Kap. 51. V. 10. Kap, 53. V. 1. 

10. Alle diefe Dinge werden verworfi 
den und untergeKen von der Erde, wenn d 
erwählte erfcheinen wird in der Gegenw« 
Herrn der Geifter. 

Kap. 52. 

1. Da fahen meine Augen ein tiefes 1 
und weit war fein Eingang. 

?) Das Thal, welches Henoch nach den 7 Mi 
gen (t Kp. 51.) gewahr wurde, ift wahrfcli 
obgleich es nicht gefagt wird, in der Näh 
Berge zu Tuchen und wohl eben durch lie g 
denn V. 7« wird auf jene Berge entTchieden 
gewiefen. Kp. 53. erblickt Henoch ein zweii 
und auf der feüher befchriebenen Wanderung 
ebenfalls fcbon einige, zum Theil in ähnlich 
lammenhange und in Stellen vor , wo auch v 
gen gefprochen worden (Kp. 24, 2, Kp. as. 2 
Sp, X ff.). Ueber die Beßimmung diefes Tha 
der Verf. keinen rechten Auffchlufs, wenn mt 

- V. 3 ffl davon verftehen will. Thut man die 
to find Kp. 53 und 53. parallele VorSellunj 
ganz ahnlicher Einkleidung und gleicher Gn 
Allerdings wirkt V. 2* gegen jene Auffaflung 
ein; ich halte ihn aber blofs für einen eingi 
nen Gedanken, wie wir folche im B. Henoch 
mentlich in der Abtheilung Kp. 37 — 70. 6fke 
( L Anmerk. 56. zu Kp. 41 , 6. Anmerk« 5g;' 
43» !•)• Die Veranlallung zu der kleinen Ab 
fung lag nahe. (C darüber Anmerk. g. zu Y. x 
unleugbar verdunkelt Ce den Hauptgedanken | 
Da£i aber V. 2» fich nicht etwa nur an einer 
Stelle befinde , lehrt (ein Inhalt und die geaa 



Kap. 52. V. 2. 375 

2. Alle, welche auf dem Lande, auf dem 
leere und auf Infeln wohnen, werden zu deaifclben 
eben, Gefchenke und Opfer bringen; dennoch 
ärd diefes tiefe Thal nicht Voll werden ^). (Doch) 



bindung, worin derfelbe äsu dem Hauptbegriffe von 
y. I. Bebt. Die früber vorkommenden Thäler wa- 
ren gewöhnlich als fchmal und tief gefcbildert; das 
hier erwähnte bat aber nicht nur einen fehr geräu- 
migen Eingang, fondern fein Umfang id fo grofs, 
dafs es nicht auszufüllen ifi (^gl. den Anfang von V. 2.)« 
8) In fo weit als diefer Vers Schilderung des von Hc- 
noch gefehenen Thaies (V. i. ) enthält, iß er ganj: 
klar; fonft aber hat er bedeutende Schwierigkeiten. 
Zunächft fragt fich, wozu und für wen diefe Gaben 
dargebracht werden ? Im Vorhergehenden ifi Niemand 
erwähnt , an den lieh denken liefse , außer der 3Ief^ 
fias (Kp. 51, IG.) und der Zweck, welcher bei die- 
len Spenden verfolgt wird, kann dann kein anderer 
feyn, als den kommenden Richter zur Milde und 
NachCcht zu fiimmen. Zu vergleichen iß mit unferer 
Stelle Kp. 61, TG. 12 — 13. Kp. 62, i ff. Der Sinn 
der folgenden Sätze fcliciut mir zu feya« aber die 
von diefen Erdbewohnern dargebrachten Gaben und 
die darin liegende Verehrung des grofscn Abgeord- 
neten Gottes hilft ihnen nichts, weil es ihnen an 
der rechten GcIInnung gebricht (vgl, den ähulicheu 
Gedanken Jef. i, 11 IF.). Lediglich die Kürze des 
Ausdruckes iß Schuld, dafs diefer Gedankengang 
minder klar hervortritt. Auch Kp. 61 , 14. vgl. 
V. 13. heifst es, dafs die Könige und Mächtigen ihre 
Abfichten, den ftrengen Siebter durch Ehrenbezeu- 
gungen für ßch eu gewinnen, nicht erreichen, fon- 
dern die Strafe ihrer Sünden erleiden. Man mufs 
alfo vor dem Satze : „ ihre Hände werden Uugd- 



37« 



Kap. 52- V. 2. 



ihreHände werden Ungerechtigkeit begehen. Alles, 
was fie hervorbringen durch Arbeit, werden die 
Sünder verfchlingen mit Verbrechen. Aber £e 



rechtigkeit begeben* ^ etwa hinzudenken t „aber um* 
fonß.** Auch oline diefe EUipfe läfst fich der Zulam- 
menhang berßellen , fobald man den beseichoeten 
Sats nur adverfativ aufiFafst« wat natürlich angebt 
und gar keine Schwierigkeit macht. In der Ueber- 
fetzung habe ich daher die Partikel „ doch ** einge- 
fchoben. Noch befler würde alles paflen, wennftatt 
des Futuri „ Ce werden begeben*^ das Präteritum 
fiände; die bereits begangenen Frevel diefer Meo- 
fchen wären dann als Grund ihrer Verwerfung und 
Beftrafung gedacht und angegeben. Indefs läfst lieb 
das Futurum auch erklären; trotz der aufsem De- 
müthigung vor dem Mellias überladen lieh die Erd- 
bewohner doch wiederum ihrer frühem Weife und 
erlauben' fich diefelben verwerflichen Handluogeo, 
wie vorher. Nurmufs man dann den Zeitraum iwi« 
fchen dem Darbringen der Gaben und der VoUsi^ 
bung des Gerichts nicht allzu kurz denken, weil 
fonft jene Menfchen gar keine Gelegenheit batteni 
abermals Beweife ihrer eigentlichen wahren Gefin' 
nung an den Tag zu legen. Einen folchen langem Zeit- 
raum zwifchen dem Hervortreten des MelTias und feines 
Urtheils über die Menfchen fcheint der Verf. $nA 
Kp. 46y 4 ff* voraus zu fetzen, wor nach Könige no' 
andere Machthaber defshalb gefiraft werden, weil 
fie den Auserwählten nicht verehren wollen, BA 
dem Götsendienfte ergeben u. f. w. Nach andern Stel* 
len dagegen (z. B. Kp. 43, 5.) mochte man glanbeot 
dalii der Menfchenfohn bei Gott weile , menfchlidieB 
Augen verborgen bis zum Tage des Gerichts. EmBi^ 
ift der indeCi auch fonft vorkommenden (39» 3. 50»^ 



Kap. 52. V- 2. 377 

m umkommen von dem Angefichte des Herrn 
reüter, und von der Oberfläche feiner Erde 
3g. Sie werden aufitehen imd nicht fehlen 
Ewigkeit bis Ewigkeit. 



[ , 6.) Ungonauigkeit noch su gedenken » womach 
sr Verf. su Tagen fcheint, dafs aZ/« Bewohner de« 
ontinentes und der Infeln im Meere /ich diefes Fre- 
els fcbnldig machen würden« was aber feine MeU 
iing nicht feyh kann , weil fie in fich unwahr und 
sn fonfiigen im Buche Henoch gegebene« Verhäk- 
Iflen unangemeflfen ift« hauptföchlich aber» weil .. 
. 5 — j^ offenbar das Vorhand enfeyn eines gerechten 
efchlechtes vorausfetzen. Sonft könnten allerdings 
ie Aeufserungen der Genefis (Kp. 6, 5. 12 — 13.) 
ber die ßttliche Befchaffenheit der Menfchen vor der 
3achifchen Fluth, welche dem Verf. der 2t6n Parabel, 
enn 53« 7 ff. von ihm ift, entfchieden vorfchwebt, eine 
• ftarke und übertreibende Bemerhung über die Zeit- 
moffen wohl veranlafst haben. Manbefchränkealfo 
m Satz : ihre Hände werden Ungerechtigkeit bege- 
m auf die grofse Menge , welche in ihrer Verblen- 
ing dem Verderben zueilt. Der Sinn des Folgen- 
m ift : die Sünder raffen alles an fich , was von 
ndern mit faurer Mühe erworben wurde (, , fie efr- 
erben" für ,,e9 wird erworben", vgl. Anmerk. 51. 
1 Kp. 41.) > darin befieht eben die Ungerechtigkeit, 
eiche fie fich erlauben. Die Strafe dafür bleibt je« 
>ch nicht aus. Nur der Schlufs des Verfes , vor- 
ugefetzt, dars er richtig übertragen ift, läfst fich 
imit nicht vereinen und wäre, auf die Frevler besogen, 
cht nur mit Kp. 48 a, 11., fondern auch mit dem hier 
imittelbar vorhergehenden Satze im auffallendften 
riderfpruch. Höchft wahrfcheinlich aber g^ht er auf 
10 Gerechten, welche bisher ein Spielball der LfAune 



378 Kap, 52. V. 3. 

3. Ich fahe die Engel der Strafe ^ , w 
(dort) wohnten und jedes Werkzeug des- Si 
bereiteten. 



und Niedertracbtigkeit eines durch und durd 
dorbenen Gefchlechts waren. Die ücb £rheb< 
find alfo die £u Boden Geworfenen und Unterd 
ten. Auffiehen könnte die Auferfiehung bezei< 
(f. Kp. 50, I.) ; doch ift*s nicht nothwendig, 
im Fiel des Hebr. D^>p, noch mehr im Tarj 
leben ift der Sprachgebrauch - auffiehen für i 
,, Nicht fehlen*^ („fhall not jaib*^ fagt Laurence] 
fie werden fiets da Ceyn« Hätten wir es hier nicl 
einer mefEanifchen Schilderung zu thun, zu W4 
auch das völlige Verfchwinden derBöFen gehört 
X, g. IG, 26. 45« 5. und fonfi oft) , fo könnte va 
dem Sclilufsfatze des Verfes eine ähnliche wehmi 
Reflexion fehen, wie ße fich Hiob 89 19* Syndet 1 
nach Vertilgung des einen Frevlers doch immer 
der feines Gleichen auftreten und ^ es nie an : 
fehlen wird* Der fchnelle WechCel der Sub 
ebne da(s es immer angezeigt würde (f* 41» !• 5C 
ift fcbon aus dem A. T. her hinreichend bekannt 
Gefenius Lehrg. d. hebr. Spr. S. 8O30« 
p) Diefe Benennung findet fich noch Kp. 62> I« 6 
und bezeichnet, wie befonders aus jenen Para! 
hervorgeht, nicht etwa Engel , welche Strafe 
den, fondern Ile verhangeu. Ihr Aufenthalt ift 1 
fcheinlich in dem tiefen Thale, welches V. i i 
wähnt wurde; nach Laurence' s Vorgänge habt 
daher „dort^Veingefchoben. Diefelbe EUipfe 
fich auchKp*3« i. 41, i. Ifl die Ergänzung, wi 
glaube, richtig, fo enthält diefer. Vers eine I 
weifung der Beftimuiuug des V. I fiP. gefchild 
Tbalts. Werkzeuge du Satans liui folcbe» i 



Kap. 52. V. 4 - 6. 379 

4. Alsdann fragte ich den Engel des Frie« 
äcns, welcher mit mir ging, für wen diefe Werk- 
zeuge zubereitet würden. 

5* Er Tagte : Diefe bereiten lie für die Könige 
md Mächtigen der Erde, damit fie dadurch imi- 
ioxnmen, 

6. womach das gerechte und auserwählte 
Jaus feiner Verfammlung*^) erfcheinenfoll, fortan 
mveränderlich , in dem Namen des Herrn . der 
Jeifier. 



Yerfertigting und Gebrauch der Teufel gelehrt hat 
cum Verderben der Menfchen (vgl. V. 5.), alTo wahr* 
fcheinlich Waffen und andere ähnliche Dinge, wie 
fie nach Kp. g , i. Azazjel auf Erden kund machte. 
Ueber En^el des Friedens in V. 4. f. Anmerk. 49. zU 
Kp« 40t 8« 1^^^ Machthaber find es wiederum nach 
V. 5. Vorzugs weife , welche die Strafe trifft (vgl. 38> 
4. 46) 3« 48 a, 7. und die Anmerk. zu dief. Stellen). 
10) Wenn ich mich nicht verfehen habe» kommt die*' 
fer Ausdruck blofs hier vor. Das Pronomen geht ' 
auf den Herrn der Geißer, deffen erft am Ende des 
Verfes gedacht ift ( vgl. Anmerk. zu Kp. 2« 45« 30- 
Bei Haus der Ferfammlun§ wird geWifs jeder Kenner 
der Bibel zunächft an den alttefiamentlichen Ausdruck 
Zelt der Verfammlung (IVlD ^HN) denken, fo dalii 
die Hoffnung ausgefprochen wurde , dafs der Tempel 
zu Jerufalem nicht mehr, wie bisher (vgl. Kp. 88« 6o» 
67«-8l- 82. 89- 92. 89» 38- 39* 42 — 44.) einem wech- 
feinden Schickfale unterworfen feyn werde. Zu ver- 
gleichen wären dann Jef. 4, 5-— 6. 33« 20. und viele 
andere Stellen , wo entweder ausdrücklich das Hei- 
ligthum zu Jerufalem oder doch die Stadt, welche 
ea in fich birgt , als Mittelpunkt des glücklichen mef- 
fianiCohen. Zeitalters erfcheint , und der Vers wücde 



380 Kap. 52, V. 7, Kap. 53. V. 1. 

7. Und 'nicht werden jene Berge ") feyn 
feiner Gegenwart wie die Erde und die Hügel, (fo 
dem) wi^ die Quellen des Waffers. Und die C 
rechten follen frei werden von der Plage der Sund 

■ 

K a p. 53. 

1. Alsdann fahe und wendete ich mich : 
einem anderen'^) Theile der Erde, wo ich ein ti 
fes Thal mit Feuer brennen fahe. 



dann unter den Beweifen für die Abfaflung des B 
chea durch einen Juden keine geringe Stelle einne 
men. Nur die Epitheta « welche dem Haufe belg 
legt werden, fcheinen fleh nicht recht zu paflen, w 
nigßens \7Ürde das erßere darunter , nämlich gerec 
(,,righteou8'^ hat Laurence^ ^ mehr an feinem Ot 
feyn« wenn Haus von Menfchen verfianden und all 
der ganze Satz gedeutet würde: die Rech tfcbafien« 
und Auserwählten, welche gleichfam die um ihn Cc 
verfammelnde Familie bilden. Vielleicht ficht «In 
im Aethiopifchen ein Wort, welches dem Temp 
angemelTener ifi. 

Il) Wahrfcheinlich die Kp. 51 , a. 5. erwähnten M 
tallberge , zwifchen welchen lieh ( f. Anmerk. 7. * 
V* I.) auch das in diefeni Kap. gefchilderte Thai bi 
fand. Wenigfiens iß diefe Beziehung die natürlichl 
und einfachfie. Der Verfaffer will fagen; Gott< 
Nähe lafst felbft jene fehr feßen Berge erbeben, I 
dafs fie zufammenCnken , fie bleiben nicht feft , w 
unfere Erde und ihre Berge, fondern serflicfsen da 
Wafler gleich (vgl. 51, 5.). Der letste Gedanke 
diefem Verfe kehrt oft wieder; f. i, 7. 6, 9 — I 
10, 23 ff. 45, 5. 4ga, 10. 50, 2. 

13) Daa 3te Thal , welches Henoch in diefer Paral 
XU fehan erhalt, liegt alfo nicht bei deni #rftern; a 



Kap. 53. V. 2 — 4. 381 

2. Zu diefem Thale brachten fie Regenten 
d die Mächtigen. 

3. Und da fahen meine Augen die Werki- 
Ige, welche ße machten, Fefleln von Eifen '^^ 
Iches ohne Schwere war. 

4. Alsdann fragte ich den Engel ded Frie^ 



feine Beßiminung wird fcbon durch die hier erwähnte 
Befcbafienheit delTelben hiogedentet. Das Feuer feU 
die Sünder in lieh aufnehmeu, yrie nach Kp. lo» 9. 
16. 21, 5. 6. die abtrünnigen Engel. Gerade dieGe- 
waltbaber der Erde find V. 3. vorzugaweife heraus- 
gehoben 9 wie diefe nach Kp. 46 , 3. 4. durch den 
MelTias geßürzt werden foUen und Kp. 54, 5. vgl^ 
61» I. IG. 12 ff. zur Vexebrung des Mefiias ermuQtert 
und aufgefordert werden (f. auch Anmerk. 71. xoKp. 
46, 30- I^*^ hier gefcbilderteThal ift wohl mit dem 
verwünfcbten Tbale einerlei, in welches nach'.Kp. 
36 , I. 2. die Verächter Gottes kommen und wobei 
der VerfalTer au das Ge ben Hitmom dachte (£ An- 
merk. i. zu Kp. 26, !.}• 

3) Der unbefiimmte Ausdruck Werkzeug wird durch 
diefes Appofitum näher benimmt; auch V, 4. wird 
beides neb^n einander erwähnt. Vgl. übrigass zu 
V. 3*— 4- die nach Inhalt und Form ähnliche Stelle 
Kp. 52» 3*^5' Auffallend ift die Bemerkung, dafs 
das Eifen keine Schwere gehabt habe; wahrfchein- 
lich will der Verf affer dadurch darauf aufmerkfam 
machen, dafs hier nicht von irdifchtn Ketten die 
Rede ifi, welche daher auch serbrochen werden 
könnten, fondern von Feffeln aus analogen Stoffen, 
aber aus andern Sphären^ welche daher auch der Zer* 
ftörung widerftehen. Engel des Friedens V. 4. f. An- 
merlu 49. zu 40, 8* 



382 Kap, 53. V. 4 — 5. 

densp welcher mit mir gingt und Tagte: Für wen 
werden diefe Fefleln und Werkzeuge bereitet? 

5. Er verfetzte: Diefe werden bereitet für 
die Schaaren des Azazeel, damit iie überliefert und 
verurtheilt werden mögen zur tiefften Verdainm« 
xiifsy und damit ihre Engel mit fcharfen Steinen 
fiberwältigt werden mögen, wie der Herr der Gci- 
fter befohlen hat ^). 



14) In dierem Verfe ift entfchieden auf Kp. iOm lefo» 
ders V. 7. , Rückficlit genommen , ja autdmcklich in 
den le taten Worten auf den dort befindlichen Befehl 
Gottes hingewiefen. Wollte daher Jemand dStAb* 
theilung Kp. 37 — 70. von einem andern Vcr&ffcr 
ableiten, als die frübern oder auch die fpätem Ab- 
(cbnitte ( vgl. Anmerk. 67» zu Kp. 45, 3, und die in- 
dem darin nacbgewiefenen Stellen), fo mülsta we* 
nigßensvon ibm zugeftanden werden, dafs folcberdin 
Abfcbnitt Kp. 7 flF, vor Augen gehabt babe. Kp. 10, 
6. 7. gibt der Herr dem Raphael zunacbft nur den 
Auftrag, Azazjel felbfi; zu felTeln und auf ihn Steba 
2u werfen ; aber nach Kp. lo, 15. ergebt dann' eioe- 
sweite Weifung an Micbael, auch die übrigen ab* 
trunnigen Engel zu binden. Azazeel (fo fchreibt 
Laurence hier und Kp. 54, 5., wäbrend er.Kp. g, i* 
XOy 6. 12* Azaxyel bat) wird biet als Haupturfacha 
des Verderbens betrachtet (vgl. 10» 11. )• S^ 
Schaaren find die durch ibn verführten MenfcktH* 
denn ihnen teer den p^ihre Engel ^^ entgegengefetst, 
d. h. die unter AzaseePs Oberleitung die £rdbewoIi- 
ner zum AbfoU von Gott u. f. w. verleitenden Di* 
monen* Auf letztere ausfcbliefslicb geht die in T. ti* 
enthaltene Drohung, wie nach den ScblnCiworteB 
delTelben keinem Zweifel unterliegen kann. Nsd 
Kp. 10. wurden allerdings Raphael, Gabriel u*' 



Kap. 53. V. 6— ?• 383 

Michael und Gabriel, Raphael und Plia« 

inrden geßärkt werden an diefem Tage und 

lie dann werfen in einen Ofen von lod^m- 

3uer, damit der Herr der Geifter gerächt 

in ihnen für ihre Verbrechen, weil ne Die« 

Satans wurden, und diejenigen verfuhr- 
eiche auf Erden wohnen. 

An jenen Tagen wird Strafe ergehen von 
erm der Geifier , un d die BehältnilTe von 
^), welche über den Himmeln find, werden 

■ 

bael bei der Yerhangung der Strafe über Azazjel 
feine GenoHcn gebraucht (L IG, 6* 13« 15.}^ nicht 

: Fhanuel, fondern fiatt deflen Arfajalaljur (C 
sO» oder Eufolge des griecbifchen Fragmentes 

ü (f, Anmerk« 27. zu 10, 20« Dagegen wurden 
40, 9. gerade diefe 4 Engel unter allen hervor- 

3ben. Ueber Pbanuel insbefondere f. Anmerk« 50., 

ip. 40 , 8 — 9« » iiber den Feuerofen Kp. 10 > 9. 

— 17. uYid Anmerk. z. d. St. Die Damoncja bei- 
hier Diener des Satans , dagegen Kp« 64, 6« ge* 

izu Satane ; vgl. überhaupt über ihre Namen An- 
k. 43. zu Kp. 40, g. Nur in der Abtheilung Kp. 

— 70» trifft man übrigens den Ausdruck Sataa*^» 
Iparallele zu diefem Verfe ift Kp. 54, 5.^ 

ach diefem Verfe und dem noch übrigen Theile 

Kapitels ift das Strafgericht ohne Zweifel mit 

grofsen Sündfluth einerlei , i^nd die Schilderung 

elben nicht nur mit Cchtlicher Bezugnahme au£ 

Beriebt der Geneßs darüber , fondern zum Theil 

hl mit den Worten der mofaifchen Urkunde abge- 

t. Auch berührt der Anfang von Kp. 54. die un- 

:elbar nach jener Fluth eintretenden Ereignilfo 

;ans unverkennbarer WeiCe. Auffallend und fiö« 

1 wirkt diefs hier in dem Kreife melfianifchex 



1 



384 Kap, 33. V. 7. 

fich öffnen , und auch die Quellen , welche ui 
den Himmeln und unter der Erde find. 



Hoffnungen. Die Vermuthung , der Abfchnitt '. 

5ä» 7 — 54> 5* möchte Interpolation feyn (vgl. E 

S. I4O9 ^^^g^ daher fehr nahe und erhält dadu 

noch ein befonderes Gewicht » dafs unmittelbar 

diefer verdächtigten Stelle derfelbe Gedanke, : 

welchem fie fchliefst, nämlich die Andeutung ü 

das Loös der Schaaren des Azaseel, faft mit deo 

ben Worten vorkommt, und dafs fleh Kp. 54, 6* £ 

gut, natürlich und ohne allen Zwang an 53, 6. < 

fchliefst. Die Kp. 54, 7 — g. vorkommende H 

weifung auf das früher (Kp. 53, 1 — 2.) erwähl 

Thal ifi auch noch erklärlicher, wenn diefer AbfchDi 

welcher fich mit der Grundidee der zweiten Faral 

nicht wohl aufammen reimen lafst, als nicht berget 

rend betrachtet und ausgeftofsen würde. Der frühe 

und nachfolgenden Darftellung in diefer Parabel vfili 

fremd ift der hifiorifche Bericht Kp. 54, i ff. , n 

jeder unbefangene Lefer augenblicklich fühlen wii 

und er müfste daher auf jeden Fall ausgeftofäen wi 

den. Nun aber fetzt diefer die Drohungen Kp. j 

7 — II. offenbar voraus und ift nur yerftändlich, wa 

letztere oder wenigßens etwas ihnen Aehnliches vo 

ausgehen. Daffelbe Verdammungsurtheil, welcb 

ihn trifft, mufs daher auch auf die Verfe auagedab 

werden, welche darauf vorbereiten, wenn Ce AM 

fonft keinen Verdacht gegen fich hätten, was A 

allerdings der Fall ift. Da nun der Kp. 53, 7 tim 

haltene Gedanke, wenn man die Verfe mit den ga 

zen Ideenkreife der sten Parabel in Verbindung feCa^ 

einen inneru Widerfprucb in fich trüge, fo ,af i 

fammt allem dem , was daran hängt (alfo auch M 

54, x.»5.)y hier nicht an feiner Stelle, mithin «^ 

J 



Kap, 53. V. 8. 385 

8. Alle Waflcr, welche in den Himmeln und 
er ihnen iindi werden lieh mit einander mifchen. 



ijveier durch Tnterpolation (am wahiTcbeinlichflen als 
ein vom Han(!e in den Text gekommenes Gloflcm) 
oder durch Verfetzung faieher gekommen. Wäre je- 
nes der Fall, fo dürfte wohl Kp. 53, 3 — 6.t die Nach- 
richt über die Befirafung der Schaaren des Azazeel, 
welcher unter Samjaza's Begleitern war (Kp. 7,9.— 
Wo er jedoch Afael heifst — g, 1. 13, i.)» «u derRand- 
gloITe Anlafs gegeben haben, indem ihr Urheber glaub- 
te» das angedrohte Gericht müfle wohl daflelbe fejn, 
wodurch die auf Erden eingetretenen traurigen Fol- 
gen der Vermifchung von Engeln und menfchlichen 
Weibern ausgeglichen und entfernt werden foUtea 
(Kp. IO9 4^0- Diefs nun wurde beftioimter und 
deutlicher ausgefp rochen , als es im Texte gefchehea 
war. Kimmt man dagegen nur eine Verfetzung der 
Stelle an , was ich für richtiger halte (vgl. S. 14.), 
£0 wären an fleh wohl mehrere Abfchnitte -fähig, 
diefe Verfe in [Ich aufzunehmen. Indefs glaube ich, 
dafa Kp. 64 — 67. am meiAen Anfprüche darauf ha- 
ben* Namentlich läfst fleh Kp. 53, 7 — n. fehr 
gat nach Kp. 65» 2. einfchieben. Kp. 54, i — 5. 
Möchte ich an das Ende von Kp. 65. fetzen , am be- 
§m roT die Worte: ,, Alsdann ging ich aus der Nahe 
Henoch'a hinweg'*; doch geht es auch an , die Stelle 
Jenfelben nachzufetzen. Kp. 66^^67. fügen fleh bei 
dieCem wie jenem Verfahren fehr gut an nach Inhalt 
ud DarBellung. Dafs ich gerade an jene Kapitel 
Realie» bat theils feinen Grund in der entfchiedenen 
TerwandtlSchaft der hier und dort herrfchenden Vor-^ 
'flidliiiigen 9 theils in gewiflen eigenthümlichen Aus- 
sen und Bezeichnungs weifen f welche Kp. 64 — 67. 
Kp. 53^ 7«»54y ($. mit einander gemein haben 
HmocJi. *25 



386 Kap. 53. V. 9. 

9. Das Wafler, welches über dem Himnie 
ift , wird der Mann feyn ^% 



und wodurch tie fleh überhaupt als Beftandtheile ies 
Ablbeilung Kp. 37 — 70. charakterifiien. Dabin ge- 
hören die Namen Herr der Geißer (Kp. 53, 7. 54, 
4. 5. vgl. 64, 9. 10. 65, 3« 66, 9. II — 12.)» Uaufi. 
der Tage (Kp. 54, 5), der Auserudhlte (Kp. 54, 5.> 
Vgl. S, 303. 341. 344. in den Anmerkungen. — Za 
V. 7. vgl. I Mof. 7, II. ; V. 8 — 10* find nur weit«« 
Ausfübrungen delTelben. Himmel V. 7 und g. ia 
riural (wie i, l. 39, i. 3. 41, l. 47, 2. 3.), V. 9 undia 
aber im Singular. jFV. Lücke (Verf. ein. vollftändi^' 
Einleit. in d. OfFenb. Job. S. 69.) bemerkt fehrfdiait: 
(Innig, das Aufnehmen der Noacbifcben Fluth in dii 
Darftellung des zukünftigen Gerichts gefchebe sk 
iichtlicby damit der hütorifcbe Standpunkt des Sehen' 
nicht ganz vergelTen werde , gibt aber zu , dals im' 
duroh die Darßellung unklar werde. Da diefe natT* 
di^ch die von mir yorgefcblagene kritifche Operatisl^ 
vermieden und vermöge meines Verfahrens auch ft 
dere Unebenheiten und Schwierigkeiten befeitigt wi4 ^ 
den y dergleichen Umßellungen aber auch fünft iai ^^ 
Henoch für nöthig erachtet find, fo kann ich jeni^ 
Anficht in Bezug auf die Erwähnung der Fluth M 
beitreten. Dagegen gilt mir die Erwähnniig 
Azaseel und feiner Schaaren als abßchtliche Hin« 
tung auf den hifiorifchen Hintergrund , welchem 
Verf. fein Gemahlde auftrug. 
16) Der Inhalt diefes Verfes .und der erfieu Hälflte 
V. lo. ift derfelbe mit dem von V. g. ; nur dafs 
eine dichterifche und anfcbaulichere Autdrucks^ 
gewählt wird. Die durch die Schöpfung (vgL I 
T, 6—7.) gefehiedenen GewälTer des Meerea auf« 
Erde und des nach hebräifcher populärer Anficbt- 



Knp. 53. V. 10 — 11. 387 

10. und das WafTer, welclies unter der Erde 
iTf, wird das Weib feyn, \ind alle werden vernich- 
tet werden , welche auf Erden wohnen , und wel- 
Jie unter den Enden des Himmels wohnen. 

1 1. Hiedurch follcn fie einfehen lernen die 
Jngerechtiokcit, welche lie bedangen haben auf 
Irden , und hiedurch follcn üe umkommen. 



Himmel befindlichen Oceans yerbioden (ich wieder 
bei der grofsen Fluth, wie cinßcns in der Urzeit. 
Der Verfafler vergleicht diefe Vereinigung mit ge- 
fchlechtlicher Verbindung des MSnnlicben und Weib- 
licben in der phyüCchen Natur. Der himmlifche 
Ocean iß ihm das Befruchtende, theils wohl, weil 
fchon der von oben kommende Regen und Thau mit 
Recht ihm als Bedingung alles Gedeihens in der Pflan- 
senwelt gilt, hauptfachlicb aber, weil die f^rde das 
herabfiurzende Waller aufnimmt, alfo gleicbCam em* 
pfangt. Laurence bat in der Ueherfetzung Mann 
und Weib nicht beibehalten, fondern gebraucht da- 
für: the agent (das Wirkende) und the recipient (das 
Empfangende). Die Worte: ,, welche wohnen unter 
den Himmels - Enden *% follcn wahrfcheinlich das Vor* 
hergehende: »^welche auf Erden wohnen^^ dahin er« 
tveitern, dafs alles ohne Ausnahme bis an die au- 
Aerften Grenzen der Erde (die Enden des Himmels 
und der Erde Und über einander nach Kp. 32« 20 um- 
kommen feile. Einen allgemeinen Untergang des 
Menfcbeagefchlechts bis auf die Familie Moab*s be- 
liaupten auchKp. lO, 4 — 5. (vgl. jedoch damit V, 11.) 
£4, 6* 9 ff*i natürlich nach x Mof, 6, 7 — 8* 13* 7» 



388 Kap. 54. V. 1. 

Kap, 54. 

1. Nachher ^) gereuete es das Ha 
Tage und es fprach: Umfonft habe ich alle 
Her der Erde vernichtet. 



17) üicfe Erzählung ift, wenn man fie in Vi 

mit dem erßen Thcile des 53ftcn Kapitels de 

halb ganz nnpaflend (vgl. Anmerk. 15. zu 

weil Henoch feinen Begleiter nach dem Z\ 

FeiTeln fragt, welche er zurichten ßeht, 

che alfo erft noch gebraucht werden foUen (53 

weil es ferner von den wichtigften Engeln heif: 

einft Strafe über die abtrünnigen Geifter er 

gen werden und weil Henoch Kp. 54, 6. 

uns -feine Gefichte zu befchreiben , mit dene 

eher Bericht, wie ibn 54, i — 5, liefern, 

nicht einen läfst. Befände (ich dagegen 53 

in einem hiftorifirenden Abfchnitte, nicht 

unmittelbar im Nexus mit einer prophetifcl 

fo wäre die gefchichtliche Stelle Kp. 54, ] 

alle Schwierigkeit daran zu knüpfen. Wie 

Kp. 53 f 7* ausgeführt worden ift, bin ich 

Kp. 54, 1 S. in das ö^fie Kapitd zu ftellen < 

wie 53, 7 — II., jedoch fo, dafs letztere Sl 

65, 3. und 34, I — 6. nach der erfien Hälfte 1 

käme. Diefe Trennung beider Befiandtheili 

mir rerd^chtigen Abfchnitte (Kp. 53, 7 — s^ 

fchieht nicht etwa wegen feines Inhaltes u: 

fiefchaffenheit; denn darnach könnte alles i 

nach einander folgen, londern ift in der Ni 

Kp. 65» begründet , in welchem V. 3 — 4. • 

▼on y. 2. nur durch Einfchaltung des Abfchc 

7— -IX« getrennt werden, in einem gans na 

Znfammenhange bleiben. Wollte man aber 



Kap. 54. V. 2— 3. 389 

• Und es fchwot bei feinem grofsen Na* 
') : Fortan will ich nicht alfo handeln gegen 
ejenigen , welche auf Erden wohnen ; 
. fondem ich will ein Zeichen in die Hirn. 
jUen '^), und es foll Treue feyn zwifchen mir 
linen immerdar , fo lange als die Tage des 
lels und der Erde dauern auf der Erde. 



ff. dazwifclien fetzen, fo würde 65 ^ 3— 4. su ei* 
Ol läftigen Anhangfel berabfinken. Kp. 54, I— -5., 
:h der erden Hälfte von 65, 4. geßellt, fugen fich 
■gezwungen in den Zufammenbang. — Haupt der 
\ge f. zu Kp. 46, I- Umfonft^ d. b. obne etwas da- 
rcb erreicbt zuhaben. iMor.g., auf welcbe Stelle 
rVerf. Rückßcbt nimmt * fiebt £reilicb nichts, was 
ifer Aeufserung abnlicb labe; fonft aber feblt*es im 
T. nicbt an gleichen Darftellungen (z. B. i Mof. 6, 6. 
. ^Zle Bewohner derErde, mit Ausnahme der Fa- 
lie des Noab (vgl. 10, 4. II.). Aehnlicbe Unge- 
uigkeit I Mof. 6 — g. Jef. 10, 23. 
jott fchwÖrt bei Ach oder bei feinem Namen , wie 
A. T. (i Mof. 22, 16. Jef. 45, 23., vgl. Hebr. 6, 13.)- 
urence fcbiebt vor den Worten Gottes ein: „und 
te " Cf^ying). Der Sinn der Betbeuerang iß, dafs 
aftig die Menfchen nicbt mehr durch eine Fluth 
izlich binweggetafft werden Collen (i MoC g, 21« 
11.15. Henoch 10, 27.). 

^gl. I Mof. 9, 13.: y,lcb fielle meinen Bogen in die 
>lken.^* (L.) Himmel wieder im Flur. , wie oft 
f 7. g. 1,1. u. f. w.)* Treue (Laurena^ nach 
wörtlichen Uebertragung in der Note j^faith or 
lity **) , d. b. ein Zeichen oder Unterpfand der 
!ue ; Laurence überfetzt daher dem Sinne nach : 
a treuer Zeuge.'* Die Zeitdauer wird ahnlich 
immt, wie i Mof. g, 22- Der Ausdruck: auf 
Erde fcbeint zunachft auffallend, aber die Dauer 



390 Kap. 54. V. 4. 

4. .Darnach ^) wird gemäfs diefcm mein 
BefchlufTe, wenn ich miclvbeftimmt haben wer 
lie hinwegzunehmen unverfehens, durch die Wi 
famkeit der Engel, an dem Tage der ^ual und l 
ruhe, mein Zorn und meine Strafe bleiben auf 



■ des Himmels ilt allerdings auf der Erde fichtbar d 
merklich, und der Ausdruck ift daher zu vertbeidig 
Er will fagen: fo lange die TVelt ßeht. 
20} Bezieht fleh diefe Zeitbeftimmung, wie es w( 
kaum anders feyn kann, auf den Inhalt von V. 2 — 
zurück , fo iß der Sinn : Nicht will Gott die Mi 
fcben, welche fündigen, künftig fofort hin'wegrafF 
am allerwenigften wieder durch eine Fluth , fond< 
die Strafe verfchieben, dann aber, wenn feine Z 
gekommen ift, fie auch unausbleiblich eintreten 1 
fen. Die Engel dienen ihm dabei als Werkzc 
(„by inßrumentality'' überfetzt Laurence); diefs 
im B. Henoch auch fonft der Fall (Kp. lo» 6 ff. 20, 
52« 3. 53) 6. 61, 14. 62, I. 659 lO* Nach fein 
Befcbluße — der in V. 2 — 3. mitgetheilte ift gemeint 
tritt die Züchtigung erß ein, wann er die Sünder, j 
gen alles Vermuthen und zu ihrer Ueberrafchung ( 
fort hand heifst es bei Laurence) ^ ergriffen bal 
will. Die Hinwegzunehmenden /ind natürlich diel 
wohner der Erde (V. i — 2.)» welche Gottes ünw 
len auf Cch geladen haben. Dafs der Herr dar G 
fier nach der Erzählung (Y. I — 3 ) auf einmal redi 
auftritt, ift ganz in der Weife unferes Buches (f 
39« 2. 49, 4.}. Den eingefchobenen Abfchnitt Cch 
»>it y. 3. zu fchliefsen und V. 4. alfo nach 53, 6- folg 
lulaffeo, geht nicht an, weil die Worte: ,,nach i 
iem meinem Befchluffe ^* dann ifolirt ttehen und i 
Erwähnung der Befirafung Azazeel's zu fchneU I 
wiediarholt. * 



Kap.- 54. V. 4—6. 391 

n, meine Sti^afe und mein Zorn, Tagte Gott, der 
err der Geifier. 

5. O ihr Könige , o ihr Mächtigen , die ihr 
i-wohnt die Welt, ihr werdet meinen Auser- 
ählten fitzen fehen auf dem Throne meiner Herr- 
)hkeit"). Und er wird richten Azazeel, alle feine 
enoITen, und alle feine Schaaren» in dem Namen 
*s Herrn der Geißer. 

6. Dort ^) fahe ich auch Schaaren von En- 



21) Die Anrede gerade an die Mächtigen, wie 6l, X. ; 
vgL Anmerk. zu 46 y 3. — Der Auserwäblte fitzt 
auf Gottes herrlichem Throne, wie 60, lo«; foult 
heifst es: auf einem oder feinem herrlichen Throne 
(45» 3- 50, 3. 68, 39. 40.)- Das Gericht über Aza- 
zeel und die Seinen wird ihm hier zugetheilt; in an- 
dern Stellen dagegen ifi nur feiner EntCcheidung über 
die Schickfale der Menfchen gedacht (45, 3« 46, 3. 4. 
48 h, 3. 51, 6 ff. 60, 10 — II. 61, 14. 68» 39 — 4o0- 
Beides häogt indefs genau zufammen ; denn die Verdor« 
benheit letzterer ilt ja Folge der Verführung der abtrün - 
nigen Söhne des Himmels (vgl. Kp. 53, 6*}. Die zweite 
Hälfte des Verfes lefen wir in ähnlicher Weife Kp. 53, 
5., oder vor dem ganzen'Abfchnitte, welcher mir an un- 

^ rechter Stelle zu fteben fcheint (f. Anmerk. 15. zu 53, 7.). 
Sehr richtig macht Fr. Lücke (Verf. e. vollft. £inl. in 

% d. Offenb. Job. S. 69.) darauf aufmerkfam , dafs der 
Meffias vorzugsweife als der Erhöhete und Verherr- 
lichte in diefer Parabel gedacht werde. Ja man kann 
noch weiter gehen und fagen : im ganzen-^Bucbe lle- 
noch , wo vom MelTias die Rede kömmt , erfcheint 
er ausfchliefslich und lediglich als der Erhabene, vor 
dem Cch alles beugt, oder zu Grunde geht. 

22) In der Gegend « wo Henoch das tiefe Thal (Kp. 
53, I ff*) wahr genommen hatte und wahrfcheinlicli 



39!i ^ Kap. 54. V. 6. 

peln, welche fi<!:h bewegten in Strafe, eingefi 
fcn in ein Netzwerk von Eifen und Erz. Als 
fragte ich den Engel' des Friedens, welche: 
niir wandelte: zu wem gehen diefe in Verha 



in diefem Thale felbß (vgl. V. 7 — gO- Wird, ss 

▼orfchlug (Anmerk. 15. zu 53, 7.), die Stelle K 

7 — 54, 5, von dem im ätbiopifchen Texte ihm 

Lenen Orte entfernt und in Kp. 65. eingefchob^ 

ift zwifchen Kp. 53, 6. und dielem 6ten Verf« 

Kp. 54. der fchonfteZufammenliang, während ic 

gegengefetzten Falle die Ortsbefiimmung zwar 

falls auf 53 , I fF. geben müfste, aber nngebü 

weit entfernt und nocb dazu durcb heterogene 

Heilungen von dem getrennt wäre, womit lie 

die zurückweifende Partikel in genauer Verbii 

feyn will. Denn Kp. 53, 4 — 5. Iahe Henocl 

FelTeln für Azazeel und feines Gleicben bereite; 

V. 6. wurde die Hoffnung ausgefprocben , daf 

chael, Gabriel, Rapbael und Fhanuel die erforde 

Kraft gewinnen würden. Heb ibrer zu bemäcbl 

Hier nun erblickt Henocb abtrünnige Enge 

reits in ihren Ketten. Gebunden erfcheinen 

auch, an andern Stellen des Bucbes (Kp. lo, ( 

14, 4.) und eben fo die Sterne (Kp. ig, l6. 21 

Hier ift es ihnen dabei möglich. Heb zu bewegei 

fortzugeben. Sie begeben ficb , wie der Beg 

Henocb's (Engel des Friedens, f. zu 40, gO ^ 

<V. 7.), gefelFelt („under conHnement" fagt Law 

%u ihren Lieblingen. Yerßattet wird ihnen < 

damit diefe in das traurige Tbal (Kp. 53, i ff., 

auch 26, 1 — 2.) hinabgeßürit werden. In wi 

und wodurch Ce diefs bewirken, wird nicht bem« 

ebenfo wenig, wer unter diefen Lieblingen der 

laonen xu verfieh^n fey. Lücke (Verf. e. yoUft. i 



Kap. 54. V. 7. 393 

7. Er Tagte: Zu jedem ihrer Erkorenen und 
ibrer Geliebten, auf dafs*^) fie geworfen werden in 
iie Quellen und tiefen Schluchten des Thaies. 

in i. OSenb. Joh. S. 56.) yerfteht es von den durch 
Re verführten Menfchen , was allerdings anginge* 
Die Worte Mrkorene und Geliebte müfsten dann aber 
vrohl ironifcb ßeben, was mir in den ZuCimmenhang 
nicht recht zu paflen fcheint (vgl. auch V. g. und 
53« 60- Ich bin daher geneigt, Erkorene und Geliebte 
als Beseicbnung der von den Engeln erwählten 
Dirnen und mit ihnen erzeugten Kinder su faüen, 
mit Rückficht auf die Kp. 7 , 2. 10. lo , 15* 12 , 7. 
14* 5* vorkommende Ausdrucks vreife. Der Schlufs 
Ton Y. g. iß nicht dagegen; denn dafs von den Wei- 
bern« indem üe fleh jener unnatürlichen Verhindung 
hingaben und in Folge derfelhen, fo wie von ihren 
' beiderfeitigen Sprofslingen Vergehungen ohne Zahl 
begangen wurden, fleht man deutlich aus Stellen, 
■ wie Kp. 7t 10 — 14. g» 1 — 2. 9, I. 5. 7. 9. 10, 13.^ 
IS- 13 1 2 — 3« 15. 2., befonders 16, 4. 19, l — 2- 
- Endlich iß es auch gewifs , dafs nach der Meinung 
I des Verf. jenen Weibern und ihren Kindern trotz der 
i früher erlittenen Beßrafung (Kp. 10, 13. ig, 19. 12, 
7. 249 5-)* doch auch noch der grofse Gerichtstag 
bevorfiehe und neue Qualen bringe (Kp. z6} !• 19, 2.| 
Tgl. auch 109 17. 22» 12. I4.)« 

I) Es ift nicht klar, ob die Engel bei ihrem Gange 
sn ihren Lieblingen es beabfichtigen , dafs diefe in 
i' das Thal des Jammers hinabgeßürzt werden , oder ob 
fie nur, ohne es zu wollen, VeranlalTung dazu geben. 
Wenn die von mir Anmerk. 22- vorgcfchlagene Auf- 
hflioag richtig iß , fo wäre bei den Dämonen ein ab- 
Mitlichea Verderben ihrer Weiber und Kinder wc- 
fr ^ ""Sl^ABs mit ihrem fonft' gefchildertep Betragen gegen 



394 Kap. 54. V. 8 — 9. 

8. Und diefes Thal wird angefüllt we 
mit ihren Erkorenen und Geliebten, für welch. 
Tage des Lebens vollendet, aber die Tage i 
Fehltritts unzählbar fevn Averden. 

9. Alsdann werden Fürficn^**) fich mit 
ander verbinden und verfchwören. Die Hau 



fie nicht im Einklänge, infofern iie um die Rel 
ihrer Nachkommenrchaft beforgt Und (Kp. lo, i, 
12, 7. 14, 5 — 7.)« Unter dem Thale hat man 
wohl das Ge Ben Hinnom zu denken, wie diefs 
Kp. 26, !• als Strafort der Verdammten oder Hüll 
fcbeint. Auch Kp. lo, 17. könnten diejenigen, 
che mitSamjaza verbrannt werden follen, feinet 
kommenfchaft bezeichnen, in welchem Falle jene S 
zn der vorliegenden eine Realparallele darböte. ] 
dem letzten Theile des gten Ycrfes ift ihr eigentl 
Leben abgelaufen , aber die Folgen ihrer Yerirru 
dauern fort. Fehltritt („ error " bei Laurence) 
für Strafe delTelben; vgl. Anmerk. 71. zu Kp. ig 

24) CA> A?\T1^: Furßen oder Engel. (L.) Das 
gende fetzt aufser allen Zweifel, dafs von irdil 
Herrfchern die Rede ift« Auch entbalt es eine nS 
Beftimmung derjenigen Herrfcher, anwelcbe der'' 
sunächft denkt. Uebcr die Wichtigkeit diefer S 
für die Befiimmung der AbfalTungszeit des Bu 
Henoch hat fleh Laurence ausführlich verbreitet 
Einleit. S. 61 — 6$*)' Lücke aber (Verf. c v 
Einl. in d. Offenbar. Job. S. 56.) ift nicht gani 

- ihm einverftanden und weift darauf hin, dafii 
Schilderung des parthifchen und medifchen Hei 
suges zu allgemein lej « als dafs gerade an das ^ 
dringen der Farther nach Jerufalem und die durd 
gefchehene Ver jagung des Her ödes gedacht wfi 
müfate. Er glaubt, aus der Erwähnung der Paii 



Kap. 54. V. 9. 395 

des Morgenlandes unter den Fartliem undMedem 
werden Könige abfetzen, in welche ein Geift der 
ie/türzung dringen wird. Sie werden (le von ih- 



iiur fchliefsen 2u können , „clafs der Verf. xiiclit frü- 
y,her lebte, als der ParthifcLe Name im wefilichen 
,,AIien ruclitbar geworden war, was jedenfalls erfi: 
„im erften Jahrhundert vor Chrifto gefchah.^^ Die- 
fer Anßcht würde ich meinen vollen Beifall fchenken, 
wenn V. 9. ifolirt dafiände; denn aus ihm allein 
mochte ich ebenfalls nicht mehr folgern. Da aber 
V. 10 — II. unftreitig damit im innigßen Zufammcn« 
hange ßehen , und am natürlichßen auf ein beßimm« 
tes Ereignifs bezogen werden (f. Anmerk. zu V. loOt 
fo fehe ich mich genöthigt, au( Laurence*s Seite zu 
treten (vgl. Einl. S. 26.)« Parther und Meder wer- 
den neben einander genannt, wie Conlt Perfer und 
nieder 9 Perfien und Medien (Dan. 6, I5. g» 20. 
I Macc. 14, 2.)« Die Parther ftchcn voran, weil fie 
die herrfchcnde Nation ausmachen und die frülier 
mächtigen Med er ihnen unterworfen find; die Moder 
werden trotz dicfes ihres Verhältniües zu jenen da- 
neben noch ausdrücklich erwähnt, weil fie vom 
A. T. her dem Verf. als eine der hedeutendßen erobern- 
den Nationen des Orients bekannt waren. Auch Act. 
Qj 9« iverden beide zugleich erwähnt und aufserdem 
noch die Elaniiter, welche gleich den Medcvn da- 
mals mit den Farthern in Einem Reiche vereinigt wa- 
ren, und Jofephus (Antiquitatt. Judd. X, II. §. 7.) 
fpricht von einem Thurme, welcher zum Begräbnifs 
der Könige der Meder , Ferfer und Parther gedient 
habe. TVolf im A. T. Bild eines rauberifchen 
Summes (i Mof. 49, 27.), gcwaltthätigcr Mcnfchen 
^Ezecb. 22, 2?. Zeph. 3, 3. Matth. 7, 15.), aber 
audi fcbrecklichcr Heere (Ilab. 1, $.). 



k 



I 



396 Kap. 54. V. 9 — 10. 

ren Thronen fiürzen, und fpringcn Mae Löwen a; 
ihren Dickichten , und wie hungrige Wölfe mii 
ten in dierHeerde. 

10. Sie werden hinaufgehen und treten ai 
das Land ihrer ^) Auserwählten. Das Land ihr< 



a^) Das Pronomen kann nur anf die V. 9. erwähnti 

Völker oder ihre Konige bezogen werden , fo da 

wir liier eine Fortfetzung der dort begonnenen Schi 

derung erhalten. Die „Auserwählten derfelben" fin 

nach der einfachften und natürlich ften AuffalTung es 

weder Nationen , welche lieh ihrer Zuneigung a 

freuen , oder eine Herrfcherfamilie, deren ße lieh ai 

nehmen und welche fie vor andern bevortugen. Mi 

Bückßcht auf den Mittelfatz des Verfes und die Nl 

tionalität des Yerfaflers , welcher wenigfiens von Gl 

hurt ein Jude war , verßehe man dann darunter aal 

weder das jüdifche Volk oder die rechtmafsige Heil 

fcherfamilie deflelben, die Spröfslingo der MakkaUMl 

Beides geht gleich gut an. Denn fein Volk als fl 

liebt von einer der weltbeherrfchenden Nationen ä| 

bezeichnen , konnte den Verf. fchon die bekannte Ol 

tionale Eitelkeit der Juden angetrieben haben, §■ 

welchem Grunde z. B. i Makk. 12, 6. 7* lo. 17. 

die Spartaner als Brudervolk der Juden erfcheii 

Allein es ift nicht einmal nöthig, davon aussug< 

denn Perßen , deren Stelle in der Reihe der Staat 

Farthien damals eingenommen hatte, bewies ßch 

wollend gegen die Juden (man denke nur an C] 

Wohlthaten, vgl. Jef. 44, 28- 45t I ff- I3-)i 

ladt ßch erwarten, dafs die Parther, ebenfo wia 

iMakk.g, I. 13. von den Römern gemeldet wirip 

gen die Hilfe Suchenden oder ßch ihnen freui 

AnrchlielsendenGütebewiefen. Befchränkt maai 

AuaerwShlten auf die kerrfchende D^rnaftie, fo vii 



Kap. 54. V. 10. 397 

Auserwählten wird vor ihnen feyn. Die Drefch« 



ten die Hai monaer im Gegenfats gegen den Ufurpa- 
pator Herodes darunter gcnoeiot feyn; ihre Vor- 
liebe für jene bewiefen die Partlier dadurch, dafs üe 
Antigonus ßatt des ganz von Herodes abhängigen Hyr- 
kan auf den Thron fetzten (vgl. S. 63.)* ^^* Land |,ifi: 
vor ihnen,** d. h. fieht ihnen offen und fie können 
darüber verfügen (i Mof. 13, 9. 34, lo.)- ^^^ Parther» 
indem üe Herodes verjagten, verfügten in der That 
über das jüdifche Gebiet. Vielleicht konnte aber der 
Ausdruck ,,ihre Auserwählten** (was freilich gegen 
den fonftigen Sprachgebrauch wäre) auch blofs hei« 
£ien: Völker und Länder, zu denen üe Luft haben, 
> "Vrelche Ile zur Eroberung /ich auserfehen haben, wo- 
durch d^e fpecielle Beziehung auf die Juden natür- 
lich aus diefem Satze verfchwände« Der Satz: 9,daa 
Ltand ihrer Auserwäblten iß vor ihnen ** würde üch 
f dann noch befler erklären und den Sinn haben: ihr 
|. Unternehmen iß immer glücklich, fie bemächtigen 
K £ch der Reiche , welche fi.e zur Bekriegung auserfa- 
), bea. W^äre diefe Eiklärung des Wortes „Auser* 
wählte'* richtig, fo fchlölfe fich der erfie, mittlere 
nnd letzte Theil des Verfes fehr leicht und gut fo an 
einander an: die Farther unterwerfen zwar alles, 
worauf fie es einmal abfehen, aber dem heiligen Lande 
werden Cie nichts anhaben, ja unter ihnen felbfi bre- 
Aen innere Zwifte aus, die erft nach bedeutenden 
Niederlagen (V. n.) fich wieder ßillen. Nur die ein- 
nge, freilich überhaupt etwas dunkle, Aeufserung: 
,,ihre rechte Hand wird geßärkt werden,** fcheint in 
- liefen Gedankengang , dafs die parthifche Mhcht fich 
an der heiligen Stadt brechen folle, nicht recht zu 
fttlEen* Verftehen wir dagegen unter den „Auser^ 
m Wählten'* Lieblingsvolk oder geliebte Dynafiie » alfo 



398 Kap. 54. V. 10. 

tenne, der Pfad und die Stadt meines Gerechten*^) 



bcftimmter ausgefprochen, die (von den Partbern ge- 
fchatztc) jüdifche Nation oder die (von ihnen anfrrcht 
erbaltene) Familie der Hasmonaer, fo ergibt fich (liefe 
Verbindung: die Parther kommen zwar ins Land 
ihrer Freunde ; es läge ganz in ihren Händen , ^a* 
mit nach Belieben zu fchalten und dre Schwäche ih- 
rer Freunde zu benutzen, aber es unteibleibt, vcll 
die beilige Stadt jeden Gedanken daran zurückfcheticht. 

26) Ehenfo wie der Verf. nach der den Apekalyptikern 
eigenen Vorliebe für Ungewöhnliche, auffallende und 
verhüllende Namen und Bezeichnuiigsweifen das jii- 
difche Volk, wenigftens höclift wahrfcheinlich, im 
Anfonge diefes Verfe« mit dem Namen ,,AuserwiiLltc 
derPartber'* benennt, haterhier dieHauptltadtdeirel* 
ben durch drei, zum Theil auffallende, und wenn 
ße anders , was ich freilich bezweifle , richtig über- 

. fetzt worden find, ziemlich fchwer zu deutende Aus- 
drücke bezeichnet. Das Pronomen mein vor deoi 
Suh&^ntiv Gerechter wird, da dicfer Vers wahrfcbein- 
lich noch Worte des Ffiedensengels enthält (vgl 
V. 7 ff.)» auf diefen Engel zu beziehen feyn. Paffen- 
der wäre es allerdings, wenn es auf Gott gi"g^» 
der Engel fpricht aber in des Höchften Nameo, «o^ 
kann daher recht wohl fagen : mein Gerechten K«^^ 
Laurence ift darunter das Volk gemeint; er fetzt di« 
lier geradezu nach diefen Worten -people (Volk) »« 
die Uebcrfetzung. Ich würde lieber dea Singul<f 

. collective falEen, für: „meine Gerechten." Di«^ 
'fteht geradezu für Juden als die frommen Verehrer 
Gottes ; es ift ein Lieblingsausdruck diefer Abtbfi* 
lung dea Buches (Kp. 35, j — 3. 41, (J, 43, 2. 45»^ 
47t' 2. 4« 49 f 2.)» findet /ich oft mit Heilige (Kp* 
38» 5. 47f !• 48 »f 3. 6. 9. 50, 2.) oder jiuserwiU^* 



Kap. 54. V. 10. 399 

mrd verhindern iiire Roflc. Sie werden aufßehen» 
dmnder zu verniclitcn; ihre rechte Hand wird 



(Kp. 3g, a. 3.)f »^ch wohl mit beiden (Kp. 3g, 4, 
43 a, i.% als Synonymum verbunder. Die Stadt der 
Gerechten Gottes ift natürlich JerufaUm, Aber was 
loU ,,dtte Drefchtenne und der Pfad'* derfclben bedeu- 
ten? Der crfte Ausdruck könnte nur tropifcb ge- 
braucht feyn und das jüdifclic Volk als ein bedrück* 
tes (gleiclifam zcrdrofclienes und zertretenes) Volk 
beseichnen, wie Babel Jer. 51, 33. einer Tenne vergli- 
chen und drefchen Jef. 21, lO. 2 j, lO. Anios i, 3. Mich. 
4f 13' t Drejchwagen Jef. 41 , 15. bildlich gebraucht 
wird. Ffad der Gerechten^ der Weg, auf welchem \ 
üe zu wandeln pflegen, wäre unbequeme Beseich- 
Dung Kanaans , wofür fleh' nut zur Rechtfertigung 
anführen liefse, da Is Palüdi na ein lehr fchniales Land, 
. gleichfam ein Weg am Meere hin war (vgl. Jef. g, 
, 23. Matth. 4, 15.). Ich vermuthc aber, dafs fiatt 
[ „Drefchtenne»' und ,,Pfad'*, wie Laurence hat, an- 
i ders zu übeifctzen fey. Wie? ilt freilich fchwer zu 
lagen, da mir das Original nicht vorliegt. Nach Lu- 
dolTa lexic. Aethiopico - lat. (p. 526. 410. 459. 467. 

ed. 2.) feheint der Aethiopier aufser '^rCfJ» wel- 
ches dem hebrüifchen [*)j(^enau entfpricht, wenigßeus 

noch zwei, wenn nicht drei, Worte für Tenne ge» 

habt zu haben, nämlich (^'fi^ R^l und \J(ff^X 

(vielleicht auch 0/^J?'l). Gefetzt nun, ÜO^Jf'J 
bitte im äthiopifchen Texte gefianden , fo liefse ßch 
diela durch : Kreis oder Verjammlung übertragen, was 
einen recht guten Sinn gäbe (vgl. dann auch Kp« 3g, 

I* 52« 6.). Wäre aber ÜAjf'J angewendet, fo 
.konnte man überfetzen: Wohnung oder Vorhof (mei- 
nte Gerechten) , ebenfalls in den Gedanken des Ver- 



400 Kap. 54. V. 10. 

geltärkt werden , und nicht wird ein Menfch fei- 
nen Freund anerkennen oder feinen Bruder, 



faflors recht fchön paffend. ^Y^ P ^l ßclit wahr- 
fcheinlicli nicht im Aethiopifchen, fonft hätte Lau* 
rence es wohl durch ^^Helter^* gegeben, dt diefi die 
gewöhnliche Bedeutung deffelhen iß; eben fo wenig 

T**C /•» ^^^ welchfis Ludolf aus den Bibel -lieber- 
fetzungen keinCitat hat. Eine ähnliche Bewandtnil» 
bat es mit dem Worte „Pfad" in diefer Stelle. Bei 
Ludolf (a. a. O. p. 88 ^^^ 623.) werden für dicfea 
Begriff die äthiopifchen Worte CAilT^'^:, 41?: und 

41 ^ 't' • aufgeführt. Der erfte von diefen drei Am« 
drücken heifst aber eigentlich y^Ort^^j felbft ^yStait'* 
tind wird , wie Ludolf bemerkt , in fpecie ▼om hei- 
ligen Haufe gebraucht ; der zweite aber bedeutet auch 
,yTheil'', ,yOn'' und der dritte „*Scra/j««S „TW'* 
u. f. w. Man mag diefs oder jenes anwenden, iot* 
sner erhält man eine verßändlichere Bezeichnung itt 
heiligen Stadt oder des heiligen Landes , als üfi 
welche in Laurence*s Ueberfetzung dargeboten wiri 
Die medo - parthifchen Schaaren werden nicht über 
Jerufalem hinausdringen, will der Engel fagen ; dieb 
Stadt ift der Endpunkt ihres Zuges, üe hemmt alb 
gleichfam die Hoffe des Heeres und hält fie an^ 
Laurence fclüebt unnöthiger Weife „Ji« Fortfckritt^^ 
nach hemmt ein (,,tA« progrefs of their horfes" fagter). 
Vgl. zu dem Verfe auch Einl. S. 26 und 65. Wollte 
Jemand den Singular: yy meines Gerechten** n^ireoi 
fo könnte man wohl nicht an den Mejßas denkent 
weil gerade diefer Name demfelben im B. Henodi 
fonfb nirgends beigelegt wird , obfchon Gerechtigkät 
ihm im hohen Grade eigen ift (Kp. 46» a*}* ^^' 
mehr bliebe dann {nur übrig, David, den^LiiaUiag 



Kap. 54. V. 11. 401 

11. noch der Sohn feinen Vater und feine 
[utter, bis die Zahl der todten Körper (voll) feyn 

Jebova's , darunter zu verfiehen , und die bekannte, 
befonders in den Büchern der Körnte und Chronik 
häufig angetroffene Formel ^^ Stadt Davids**^ liefse 
lieh dann vergleichen. — Der letzte Theil des Ver- 
fcs und V. II., welcher damit genau zufammenhängt, 
fchildern die VerwirFung. der fich bekämpfenden Fac- 
^ tionen; in welchem Volke aber diefc unheilvollen 
^ Spaltungen herrfchen', kann lediglich aus dem Vor- 
f hergehenden gefchloITen werden. An fich wäre es 
nicht nur möglich , fondcrn auch dem Zufammen- 
hange recht wohl angemeHen , die Worte auf die 
Farther und Meder zu beziehen , deren Rofle durch 
die beilige Stadt gehemmt w^erden. Denn es würde 
dorch diefe Schilderung die Art und Weife nachge- 
tragen , wie das weitere Fortrücken der fleggewohn« 
ten Heere bewirkt werden foU. Die Gefchichte ift 
freilich damit nicht im Einklänge; vgl. den Bericht 
des Jofephus über das Vorrücken der Farther nach 
Palaftina (Antiquitt. Jud. L. X'IV. cp. 13 — 16. L. 
XV, I. und de Bell. Jud. L. 1. cp. 13. 14.). Dem- 
nach halte ich es für wahrfcheinlicher , dafs diefe « 
Andeutungen eines blutigen Bürgerkrieges und der 
damit in Verbindung Sehenden Greuel dem hebräi- 
Icben Volke gelten, in welchem bekanntlich bei und 
nninittelbar nach der durch Hilfe der Parther erfolg- 
;t0n Erhebung des Antigonus (vgl. Jofephus a. a. O.) 
fka Mark des Landes und Volkes in unnützen Kam- 
Ten der Parteien, in abfcheulichen Metzeleien, Meu- 
chelmord und Schandthaten jeder Art verzehrt wur^e. 
Aehnlicbe Schilderungen von innerer Unruhe und 
ErbiUciung verblendeter Rotten, welche die natür- 
Udifien VerhältnüTe mit FüTsen treten , f. JeL 3,5«' 
tmmeh Heaoch. ^ 26 



402 Kap. 54. V. 11. 

I 

wird durch ihren Tod und Strafe. Und diefs ^ 
nicht gefchehen ohne Urfache. 



9, 19. 20. (vgl, auch Mark. 13, 12. 21, 16. füi 
Ausdruck.) Eine Schwierigkeit tritt auch bei d 
AuffalTung uns entgegen; die Juden find unm 
fcar zuvor ,, Gerechte Gottes** genanitt.und hie 
fcheinen ße als ein durch unnatürliche, leidenfc 
liehe Farteifucht in lieh zerrifTener paufe. Ii 
hebt Cch diefer fcheinbare Widerfpruch , da )a i 
dings im Volke beide Elemente Hch fanden. VY 
if^as zum Beßen delTelben gefchieht, wird auf 
Beflern Rücklicht genommen; aber daneben b 
ein tadelnswerthes Betragen eines andern Theiles 1 
w^ohl möglich. Diefcn eben und fein endliches Sei 
fal haben die letzten Aeufserungen diefes Verfes 
V. II — 12. zum Gegenftande. Um diefs fchärfc 
markiren » konnte man vor dem Satze : ,,ne we 
aufftehen^* eine Adverfativpartikel einfchiebcn, 
die dritte Perfon des Plurals durch unfer unbefti 
tes malt ausdrücken. Die rechte Hand flärkt 
heifst entweder : lie ergreifen die Waffen (die V 
gibt gleichfam der fie fuhrenden Hand erß ihn 
gentliche Kraft und Bedeutung im Kampfe) , ui 
Gegner zu vernichten und die Obergewalt an fic 
reifsen oder der Verf. will Tagen: es gelingt il 
bei ihren Meutereien, Vortheile zu erringen. ( 
rechten Hand, in welcher ße die Wa£Fe führen» ^ 
zugefchrieben , was fie überhaupt erreichen«) 
Unwefen dauert nach V. n. fort, bis die von * 
beftimmte Zahl gefallen und eben dadurch die 
fende Gereehtigkeit Gottes fich bewahrt hat. \ 
Zahl ift da«< für „ fie ift vollftändig««, webhaU 
nach Laurence das Wort mVoII*' eingefcfaoben I 
Möglich^ dafs unter den fich Erhebenden die Parte 



Kap- 54. V. 13. Kap. 55. V. 1. 403 

13- An jenen Tagen wird der Mund der Hölle 
fich öffnen, in welche fie ^^) werden hinabgelto- 
fsen werden; die Hölle wird vernichten uildver- 
fchlingen die Sünder aus dem Antlitze der Aus- 
erwählten. 

Kap. 55. 

1. Nachdem fahe ich eine andere Schaar von 
IVagen mit Mann erm, welche auf ihnen fuhren ^s). 



Herodes stTverfiehen ift. Von ihr läfst fich ganz der 
Gefchichte gemäfs Tagen, dafs ß^ allmählich die Ober- 
hand gegen Antigonus gewann und Niemandes fchonta 
(vgl. Jofephus a. a. O.)- 

27) Gewifs die graufamen FactioQsmänner , welche 
über alles menfcblicbe Gefühl fich hinausfetzten und 
den Gegner hinmordeten. Die Hölle iß ihr künfti- 
ger Aufenthaltsort; fie war auch unter dem Thale 
(V. 7 — 8- U« 53» !•) gemeint, jius dem Antlitze der 
jinserwählten; f* 3g, 4. 61» 15. (für den Gedanken 
vgl. auch 45, 5. 50, 2. 52, 70 

2g) Die hier gemeinte Armee war wahrfcheinlich die 
römifche» welche ^^von Oßen^ von JVeften und von 
Süden** kam. In dem vorhergebenden Kapitel wur« 
den die Häupter des Orients „unter den Parthern 
und Medern** erwähnt, welche mit den Römern die 
Herrfckaft der Welt zu der Zeit theilten, wo diefes 
•Buch wahrfcheinlich gefchrieben ift. Aber da die par- 
tbifche Macht vielleicht die näcbfte und furchtbarße 
für das Land war, in welchem der Verfafler l^bte, 
fo hat er naturlich ße zuerft erwähnt als den Haupt- 
gegenßand des Schreckens für die gottlofen Beberr- 
fcher der Erde. (L.) Sehr, richtig erinnert Lücke 
(Virf. e. voUft. Einl. in d. Offenb, Job. S. 57.) inBe^ 

26 * 



404 Kap. 53. V. 2. 

2. Und fie kamen auf dem Winde von 0[\ 
von Welten und von Süden. 



zug auf diefe Aeufserung Laurence*s ^ dafs in diel 

Abfchnitte nicht überhaupt die Weltherrfchaft. 

Römer in Aficn gemeint feyn könne, weil alles 1 

vorzugsweife auf das heilige Land beziehe. Ai 

könnte allerdings , was derfelbe Gelehrte will , da 

eine Hindeutung auf den Ji^ifchen Krieg liegi 

aber nothwendig ilt dicfs gar nicht. Das Einrücl 

TÖmifcher Truppen zu verfchiedenen Malen berf 

zu Herodes d. G. Zeiten und zur Hilfe deflelben j 

gen Antigonus Hegt unftreitig viel näher. Ob diei 

dem chronologifcbcn Andeutungen des Buches, l 

welche Lücke (a. a O.) fich beruft, nämlich Kp.j 

29 ff. und Kp. 92. f zu der von ihm aufgeßellten J 

ficht berechtigen , mufs um fo zweifelhafter erfdi 

nen, als jene Stellen nicht nur mehrfache Deutn 

zulaflen, fondern auch der Abtheilung des Bad 

Henoch nicht angehören , in welcher Kp. 55. befii 

lieh ift und fehr viele Eigenthümlichkeiten zu Ti 

liegen. Die Wagen kommen 'au/ dem JVinde^A 

ungemein fchnell ; ähnlich Jer. 4, 13. Jef. 5, j 

£zech. 10, 13. Die Römer konnten von Syrien (0& 

eigentlich Nordoft) nach Paläfiina einrücken, TC 

Meere (Weüen) her darin landen, aber auch ti 

Aegyptcn (Süden) aus dns Land bedrohen , da fie 9 

diefen 3 Seiten bedeutende Streitmächte zur Dispi 

tion hatten. Statt Süden heifst es, wie Loiirrt 

angi{^t, im Aethiopifchen wörtlich: von der BSh 

des Tages, Der dritte Vers dient blofs dazu, diefeiJl 

liehe Armee als recht furchtbar dorzuft eilen. AvI 

V. 4. bat wohl keinen andern /weck. Auf das grol 

Getöfe anrückender Heere weift auch die Bibel ^ 

llin; f. z.B. Jef. 13, 4. 17, 12. 13. Die Hri^f 



Kaj). 55. V. 3—4- , 405 

3. Der Schall des Geräufches ihrer Wagen, 
rde gehört. 

4. Und als diefe Bewegung ßatt fand, pah- 
n die Heiligen aus dem Himmel fie wahr; der 
iler der Erde wurde erfchüttert von feinem 
mde, und der Schall wurde gehört von den 
üen der Erde an bis zu den Enden des Himmels 

felben Zeit. 



des Himmels oäer 'Engel gewahren, was auf Erden ge« 
fchieht, auch fonft (vgl. Kp. 9, i £F. Kp. 20.); be- 
fonders aber wird ihre Aufmerkfanikeit durch daf ge- 
waltige Getümmel erregt. Sie könnten daher auch 
hier gemeint feyn; wahrfcheinlicher aber verfteht der 
Verf. die frommen Menfchen darunter, welche im 
Himmel bereits find (vgl. Kp. 39 , 4. 41 , l. und An- 
merk. z. d.. St.). Wird der Pfeiler der Erde erfchüt- 
tert, fo wankt fie felber ganz und gar (f. auchKp. 
18» ^*9 wornach die Erde auf einem Steine ruht). 
Vgl. die ähnliche Schilderung Jef. 13, 13. 24, I9. 
Jer. 4, 24. Joel 4, 16. und bei Theopfa&nieen Rieht. 
5, 4. Pf. Ig, g. 68- 9* Verwandt find auch diejeni- 
gen Bibelftellen, wornach bei Schilderung politifcher 
Umwälzungen der Himmel oder die Unterwelt Ver- 
änderung erleiden (Jef. 13, 10. 14, 9. 34, 4. Joel 3, 
3. 4. 4t 15.)« l^ie Enden des Himmels und der Erde 
find über einander (f. Kp. 32, 2.), aber fo dafs noch 
ein Zwifcbenraum zwifchen beiden befindlich (vgl. An- 
merk. 64. zuKp. ig, g.}. Wenn dasGetöfe überall zu 
gleicher Zeit vernommen wird (V. 4.), raufs es unge- 
heuer gewaltig feyn. Wozu follen aber die Kp. 54 
und 55. gefcbiUlerten Heereszüge in dem vom Verf. 
entwickelten Gedankengange dienen und was foU 
durch fie eigentlich erreicht werden? Es find theils 
Schreckmittel in der Hand deaHöcbfien, um die rer« 



406 . Kap. 55. V. 5—6. 

5. Alsdann fielen fie alle nieder und 1 
an ^) den Herrn der Geifter. 

6. Diefs ift das Ende der ziveitenParc 



b)endeten und verfirockten Sünder zur Beßnn 
bringen 9 theils wohl verdiente Züchtigung f 
Verbrechen. Wahrfcheinlich denht der Verfa 
nächit an die B Öfen in feinem eignen Volke; 
len in jenen Kriegen und Parteikämpfen« Nf 
, fen Ereigniflen hoflFt der Verf. wahrfcheinlicl 
gen Eintritt des Reiches Gottes , wie fcbon 
(a. a. O. S. 57.) richtig vermuthet. 

sp) Bei wichtigen EreignilTen thut diefs uich 
Henoch (f. Anmerk. 97. zu Kp. 24, IlO» f^n« 
heifst von den Heiligen, an die hier doch w 
denken ift, felbft hier und da ähnlich; vgl. I 
7. 12. 47, 2. 4. 48» 4« — Ueber Herr der 
1. Anmerk. 30. zu Kp. 37, i. 

30) Lücke (a. a. O. S. 69.) bemerkt über iie fehr 
dafs iie viele Anklänge oder Vorklänge chrL 
apokalyptifcher Ideen enthalte, ßellenweife 
melRanifchen Schilderungen Luk. i, 46* — 55. 
erinnere» fonft aber Daniel copire und delFe] 
kalypfe durch Vorfiellungen von dem Menfche 
erweitere* 



inige Verbeffernngen und* Nachträge. 



9. Z. 22— 23- 1. wohin alles Fleifcli geht. 
14. Z. 2. L 54, 5. ßatt 54, S. 
SS. Z. 1. L maz'kafa. 
103. Z. 2. V. unc. I. ira^aSoffx^. 

lia Z. 2. V. unt. L ans f wnd S. Hl. Z. 5. vor dem Ge* 
dankenitrich fetze hinzu: An dat arabifche i^^j^^l Hojine 

oder Sj^^X beraufchende Mifchung aus Honfblüthen, Opium 

und Honig (L. Burckliardfs arab. Sprüchw. N. 75.)» ^^ ^^^ 
Zavebe gewifs nicht zu denken. 

236. Z. 3. 1. bitten. 

238« Z. 7. der Anmerh. 71. ^go hinzu: Auch im Briefe Judft 
V. 13* iß von , »irrigen Sternen" die Rede. 

250* Z. 3. V. unt. füge hinzu : Der Same , bis zu delTen Ver- 
nichtung die Anklage dauern foll, iR, 'wohl nicht AbeVs^ 
fondem liain's. So lange alfo nur noch ein Spröisling der 
Brudermörders exiftirtj ruht die Aufforderung zur Beitrafung 
nimmer; die Vertilgung feines Gefchlechts i& Vergeltung 
feiner Unthat. 

253. am Ende von Anmerk. 86. füge hinzu : VergL Kp. 56» 4. 
Ebenfo fetze S. 261. am Ende von Anmerk. 95* hinzu: VgL 
befonders Kp. 60* 1. 

271. Z. 15. der Anmerk. 4* i& das Citat; £ Kp. t, 4. aus- 
gefallen. 

312. Z. 2. in Anmerk 38. 1. V. 1. ft. V. 2. 

Sl7. am Ende von Z. 8* der Anmerk. 43. füge hinzu: und 
vorziiglich Kp« 70» 9. 

548. Z. 1. in Anmerk. 72. L V. 3. ß. V. 2. 

366. Z. 5. 1. 22, 3. Tt. 26> 3- 



\ 






Fi g. 



Nora, 



Mutieret T 
^ Norde 




PUl 



I 



Kap. 56. V. 1. 407 

Kap, 56. Sect IX.») 

Ich fing nun an auszufprechen die dritte 
21. über die Gerechten und über die Aus- 
:en* 



cb der Farifer Handfcbrift (L.); eben fo ntch 
. von Ed. Kupp eil im J. Jg34 aus AbyUrnien mit« 
rächten Codex. Ueber den Umfang der dritun 
ibel» welche hier beginnt, und Sect. IX*- XI 
r Kp. 56 — 68- umfafsty fo wie über die Unge* 
igkeit der in Kp. 56, I- enthaltenen Aogabe, 
aus der eigentliche Inhalt der Parabel keines« 
es erhellt , ift fchon in der Einleit. S. 14 ff. daa 
hige bemerkt. Der V. 2 — 5. über die Gerechten 
jefprochene Segenswunfeh veranlafste wahrfchein- 

diefe Geftaltung der Eingangsfbrmeh Sie hat 
igens Aehnlichkeit mit der Ueberfchrift der zu^W« 
Parabel (Kp. 45, i.) , nach welcher letztere blofs- 
die Gottesläugner gehen würde. Der eigentliche 
n der 3ten Parabel liegt , wie auch Läeke ( VerC 
;r vollftand« Einl. in die 0£Fenb. Job. S. 69»} an- 
Bnnt, in der Schilderung des Tom Meffias zu hal- 
len Gerichts, fo. dafs Ce ungefähr daffelbe dar- 
t, wie die fite Parabel und nur in dem Einzelnen 

davon unterfcheidet. Der Spreebende in V. i. 
lenocb. Laurcnce übeifetat V. I. a. 3« 4. Heilige 
Ints), was an und für ficb sweifelhaft Uefse, 
von Engeln oder von frommen Menfcken die 
e fej. Indefs der Zufati AuserwäUu (vgl. auch 
Kp. 49, I.) und die nächft folgenden Verfe zeigen 
tlich, dals letztere Anficht allein richtig ift«, Im 

lippifchen ßeht /^^<P^I über deflen Bezie- 
g kein Zweifel obwalten kann, 
imoch. 27 



40B 



Kap. 56. V. 7. 



2. Heil euch, ihr Gerechten und AuserwäU 
ten; denn herrlich ilt euer Loos ')• 



2} Wörtlich 2Tieil (fi(fiß\l) nach dem bekannten, in 
A. T. bäufig angewendeten , Bilde einer Vertheiloo| 
des Glückes unter die einzelnen Menfchen. Henod 
meint hier nicht das bisherige Loos der Gerecht« 
\vährend des Lebens auf der Erde, fondern das küd 
tige (vgl. V. 3 — 5.). Die Copula im Anfange ▼« 
V. 3. ifi bei Lautence nicht ausgedrückt. In den 
felben Verfe ift Licht der Sonne nicht wortlich m 
falTen, fondern nur als Bild des reinßen , ungetrübtfl 
Glückes. Man üeht diefs deutlich aus dem unoil 
telbar folgenden parallelen Satze. Kurze, genau li 
gemeflene Zeit, ein bald endendes Leben , erfcheinij 
als Mängel menfchlichen Glückes , welche einfi am 

boren foUen. Heilige Q^J^^^l) find dieielb^ 
welche Licht Jüchen^ £s iß mit Rückficht auf Y« 
TOm Streben nach wahrer und höherer Erkenn 
XU verftehen. Laurence verbindet diefen Sats d 
das Kelativum mit dem vorhergehenden : iu€lch€ 
fuehen u. f. w. Statt Herr der Geißer in V. 3. 
Anmerk« 30. zu Kp. 37, i. über den Ausdruck) 
V. 4. Herr der Welt gebraucht, weichet nur 
vorkommt; doch fieht Kp. go, 13. Herr der Wi 

(7\^li/\: ÜlA^^O, und es fehlt nicht« 
nonymen oder doch fehr ähnlichen Beseichn 
als Herr aller Schöpfung ( Kp. gi , g. ) , Hnr 

Creaturen {(fi'^Z.^l) des Himmels (Kp. gj, 

Gott {hf^^Vi ;) der Welt (Kp. I, 3.). Gott 
ganzen Welt (K^. g3, 2* )• Schon das blofia 
mit dem Artikel oder einem Pronomen (m«M, 
dein^ €uer) ift im B. Henoch gewöhnlicher 

dea Weltenherifcheit ( Kp. 6$ 4. 9» 3. X0| 6. I^ 



3 



* • 



« 



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I 



Kap. S6. y. 3<^5. 409 

3. Und die Gerechten werden in dem Lich(e 
Sonne feyn , und die Auserwählten in dem 

hte des ewigen Lebens; kein Ende werden die 
;e ihres Lebens haben , und den Heiligen wer« 

die Tage nicht gezählt werden $ und fie wer. 

Licht Tuchen und Gerechtigkeit erlangen bei 
I Herrn ^er Geilt er. 

4. Friede fey ^) den Gerechten bei demlierm 
Welt! * 

5. Und fortan wird man fagen , däfs 'fie ^) 
Himmel fuchen die GeheimnilTe der Gerethtifir- 



92» 15- 24» 8* 62» 3. la 63, 4. 64, 6. 66, 3« 8o» 4. 
5* 8« 82» 3- 83» 3- 6. 8- 96, 4. 20. 104 b, i. 105» 13* 
X6. 25.)» ftucb wohl in Verbindung mit d^n i^djecti« 
ven h€ilig (Kp. 90, 8* 9.) , grofs (Kp. X2» 3.;, oder 
einem näher befiimmenden Zulatze als Herr dir Gei* 
fier (H A^merk. 30, zu Bip. 37, i.) , H^rr d^ Him^ 
mels (Kp. 105, II.)» Herr der Herrlichkeit (f. jjLnmerk. 
8tt Kp. 409 3.) , Herr der Herrefi (Kp. 9» 3.) » Herr 
der Könige ( Kp. 62 » 2. 6. 9.) » der Herr der Für* 
ßen , der Herr der Reichen ( Kp. 62» 2. ) » Berr der 
Gerechtigkeit (Kp. 89» 48* I^^y 30 « ^^^ 4^^ Weis^ 
keit (Kp. 62» 2.) und Herr des Gerichts (Kp.82»I3.). 
In den allegorifcben Kapiteln 88 und 89«- heiff t Gott, 
um das gewählte Bild feßzuhalten, Herr 0er^ Schafe 
(d. L des hebräifcben Volkes). 
) Et lafst Heb auch der Indicativ anwenden , da im 
Aatbiopifcben gar kein Verbum Seht; Lawrence fabt 
%i Wfinfpbend» offenbar mit Bückficbt auf V. 2. 

FrUie Cfl^fi^:) für Heil, ^%i. . , . 
) Laurence hat hier in der Ueberfetuwg. idff Wort 
BeUige: „ Henceforward fbi^ the fwtf^^ told to 
UAj^ Unftrai^ig Uk de< .Sati auf ite (iffrecbtca 

27 ♦ 



66. 



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Kap. 56. V. 5. 4il 

fiemifs iA verfchwunden. Und Licht, welches, 
kein Ende hat, wird [eyn, und Zählung der Tage 



*"^ 



Farallelßelle Kp. 3g » 3. verglichen wird « wo ftati 
des.Abftracti Gerechtigkeit das Concretum: die Ge^ 
rechten in gleicher Verbindung mit Geheimnifs vor» 
iLommt. Darauf füUrt aucU der mit den Geheim^ 
nijfen der Gerechtigkeit in Äppofition Sehende,^ we-^ 

gen feiner Kür?^ etwas dunkle Ausfpruoh Yi(fit\l 

f HiP^T^- pars fidei. Ich glaube nämlich nicht, 
\ daCs damit gefagt werden Tolle , die den Gerechten 
ge^vordene Erlaubnifs, den GekeimnilTen der gött- 
lichen Gerechtigkeit im Himmel nacbzuForfchen , tej 
gleichfam das der Treue zugefallene Erbtheil, oder, 
um es deutliche^ auszudrücken, eine Folge ihrea 
Gott Vertrauens , eine Belohnung ihrer Treue. Son- 
dern der Sinn il^ vielmehr: das ihnen zugedachte 
herrliche (ioos , welches bis [etzt noch nicht in die 
Kreife der Erfahrung getreten , alfo noch Oeheimnifs 
iS (vgl. Anraerk, zu Kp. 33» 3.)> werden fie dort 
anzutreffen erwarten , wo es ihnen bereitet ift, d. h. 
im Himmel. Diefs zu fcbauen , ward Henoch einft 
verftattet zur Aus^peichnung delTelben (Kp. 39, 4 IF.). 
Gerechtigkeit f alfo die menfchliche, und das Ab« 
Kractuqi, an und für (ich fchon der dichten(chen Rede 
angemeflen, ift im Zufagimenhange belTer aU das 
Concretum : die Gerechten ; weil die Frommen eben 
ihrer tjerechtigkeit und der hewiefenen Treue das 
Ttrdanken, was ihnen der Himmel bietet, das aber zur 
Zeit noch geheim ift. Die Worte am Schlufs dea 
TsrCes: das Lieht der Gerechtigkeit wird wachfen, 
Terftahe ich dem gemafs von immer zunehmender 
Erkffpntnib der Gerechten. Dafs einftcns denen, 
M". Wiiebe nach wahrer GoueserkennCnils ßiebent folcbtt 



412 Kap. 56. V. 5. 

werden fie nicht unternehmen; denn ZUTO 



zu Theil werden folle, wird auch in and« 
fchnitten des Buches Henoch verkündigt (K 
6% 9« JI*)« ^id Verbindung: Geheimniße c 
reehtigkeit und Antheil der Treue ift zu verj 
mit Kp. 37, 2» » wo die dem Henoch zu Tl 

wordene Offenbarung ^qÜA l /h P ©^ t HA 
Tkeil des ewigen Lebens genannt wird. Fü 
hat Laurence fmith^ was auch Glaube bedeuter 
und dann auf Abfaflung des Buches von ehr 
Hand hinweifen möchte (vgl. auch Kp. 689 1 
das Wort in ahnlicher Verbindung erfcheint) 
nothwendig ift diefe Uebertragung eben fo 

als Kp. 46, 6., wo Laurence ^HP^^R^l 
überfetzt, die Anwendung des Wortes 6 

(f. die Anmerk. z. d. St.). Denn C^^JSfi 
Kp. 63, ZO. ein ]^pitheton Gottes, kann a! 
nur treUf zuverlalRg bedeuten. Die athi< 
Worte häj*mAnot und mahajcmen komlnen : 
der Ueberfetzung des N. T. und andern ehr 
Schriften in dem Sinne Glaube ^ glaubig 1 
vor (f. Ludolf lex« aethiop. ed. 2. unt. d. W 
doch auch im A. T. für Treue und getreu. 
B. B. FC 32 (im hebr. Text 33), 4. fiir di 
il^MpNy letzteres in der noch ungedruckten 
fchaa UeberbtzuDg des Hieb 13, 20« (Cod 

p. 61.): (Djffc^j?^: Yi^oiC: (^HBf^'i 

er (Gott) bringt zum Weichen die Lippen 
währten (wo im hebr. D'^JOfitJ und in de 

9itüM fteht). Laurence überfetzt auch .Kp. 
fmithful^ allein im Originaltexte fteht doiat» 
ftena ttMh Cod. Rupp., nicht mahäjhmtH^ 



Kap. 56. V. 5- 413 

Fenuchtet Finfternifs , und Licht wird fiark wer- 



und ihre Treue bewahren fie in fich. Vgl. auch 41, 4. 
Bei der im Aethiop. herrfchenden Ungenauigkeit in der 
Beftimmung des Gc fchlechts der Nomina und häufigen 
Anwendung der Enallage iß nicht gans klar» was 

alt Subject su dem Satze: Äftc?^; UJ-4l^:Tl^ : 

^^ß: J^H: Prnrt: nam prodHt ficut fol Ju. 

-per terram ergänzt werden müfle. Das Verbum 

' üaraka (der gewöhnliche Ausdruck vom glanzvollen 

Aufgange der Geftirne, das hebr. n*1T} könnte auf 

f\£*fi Gerechtigkeit (oder auf Treue) besogen 
werden. Nur dürfen dann die Worte: auf der 
Erde nicht mit dem HauptbegrifFe des Satzes in 
Verbindung kommen , weil der Verf. die Gerecbtig» 
keit oder Treue ßch fchwerlich auf Erden in vollem 
Glänze denken mochte» fondern fie dienen als nähere 
Beftiüimung der Sonne ^ deren Livuf dem Augen- 
fchein nach über die Erde bin gebt. Aucb der Zu- 
üatz : und Finfiernifs ifi vcrfchwunden (Laurence min- 
der wörtlich: ^^ während [while] Finfiernifs uer- 
fchwunden ifi)^ ift dann keinesweges zu urgiren, fon- 
dem dient nur zur AusfcbmCickung des Vergleicbes 
mit der Sonne , deren Wirkfamkeit fich eben in Eat- 
femung der Finfternifs zeigt. Bei diefer Conftruction 
erhielte man den Gedanken : die im irdifchen Leben 
voo den Gerechten bewiefene Gerechtigkeit ( die 
TreMU in der Verehrung Gottes und Befolgung feines 
Willens) ifi: fo grofs, fo allgemein in die Augen 
bllend, dab fie dem Glänze der Sonne gleich firablt. 
Offenbar wäre die Vergleichung für menfchlicfae 
Vollkommenheit zu fiark und grell. Noch natürK- 
cher wäre es , den zufammengefetzten Begriff kefia 



' * 



414 ' Kap. 56. V. 5. 

den vor dem Herrn der Geiiter. Und das Licht 



hAj*mAnot als Subject aneufehen ; dann Tagte uns dei 
Verf. : das den Gerechten zu Theil werdende Looi 
ift i;ngemeüi glänzend, fo dafs es der mächtigen 
Sonne gleich alles Dunkel verfcheucfat. Diefer Zu* 
fats ift, foviel ich fehe, dem Gedanken zu wciii| 
Bngemeffen. Aus Laurence*s Ueb ertragung ift nichl 
deutlich f welche diefer Confiructionen vorausgefetil 
worden fey: »»for like the fun has ii arifen upofl 
the earth^*; auf jeden Fall ift aber durch die Dan 
fiellung der Worte (Sonne follte Tor dem Sstsi 
„upon the earth*« fiehen) der Sinn noch mehr ye^ 
dunkelt. Ich bin dagegen überzeugt, da£s der Schrift* 

Heller fS A« Ai* I Pi^^l Geheimnijfe der 6t 

rechtigktit fich als Subject zu UÜ^^I gedadll 
habe. Gerade die hier vorkommende Enallage na* 
meri et generis ift im Aethiop. nicht ungew5lm 
lieh, und nur fo erhalten wir einen Gedanken, k 
welchen Cch alles Folgende gefchickt fügt. Wi 
Blfo bisher über das künftige Schickfal der Geredi 
ten noch tiefes Geheimnif^ war, tritt nun ror allij 
Welt Augen. Licht ohne Ende^ wörtlich, wie fcIlO^ 
Laurence bemerkt hat, lux innumerahilis ; Cod. Rupfj 
bat die Copula vor dem Satze, Laurence dageg^ 
überfetzt: da (there). Weil das Licht beftSi 
berrfcht, hört der Wechfel zwifchen Tag und Nad 
auf und die Tage (Laurence überfetzt weniger 

iend : Zcit^ was allerdings das äthiop. Wort ^^i 
anch heUsen könnte) wagt daher (A.JBnCD' 
non intrceuntf mit Verwechfelung des KJ l und AI 
wie in i*'>'YA: intwihit des 'S; und A\X) MI 
inand to sahlen. Das Licht erftarkt [ftKhiß 



Kap. 56. V. 5. 415 

der Rechtfchaffenheit wird Itark werden immer« 
dar vor dem Herrn der Geilter ^) , [ im 'i65ßen 



Lanrenca liat inereafe') vor dem Herrn der Getfler, 
weil es von ihm aus fich verbreitet und die Ge« 
rechten, denen es. zu Tbeil wird, in feiner Nahe 
fich befinden. Daa Lieht der Rechtfchaffenheit 

'(CTVO ift das den Rechtrchaffenen leuchtende 
himmlifche Licht, alfo ibre Glückfeligkeit , nach 
dem bekannten biblifchen Bilde. 

5) In Cod. Rüpp. fchlierst hier das Kap. nicht, fon* 
dem es folgt noch die in Klammem eingefchloIFene 
chronologifche Angabe, deren Lawrence in feiner 
UeberCetzung nicht gedenkt , doch unftreitig nur, 
weil er fie weder in der Bodlej. Handfcbrift, noch 
in der ihm zu Gebote flehenden Abfchrift des Pa« 
rifer Codex gefunden hatte. Jene Notiz lautet nam-' 

lieh im Originale; (\ PPgCDCCl: A f^^C^^tl 

HieriB CC gewifs Abbreviatur für \JjP^l und H,l fiir 
H»?V^M <^* iß wohl ^*^Zl interpres, vates; 

Henoch wird hier, wie fonft SO^Jp! (f- ^** Ueber- 
fchrift des Buches) , gerade fo benannt , weil er Un« 
bekanntes mittheilt. Dafs die Tlpitheta defielben 
fieh nach dem Zufammenhange richten, in welchem 
er erfcheint, lehren auch die Kp. 13, 4. 5* ihm bei* 

gelegten Namen ^^dJ; und ?i.^<C: FkJ^^l 
fcriha und fcriba jußitiae ( f. d. Anmark. z. d. St.). 

An AJ?; fehlt das 't:, wie an A^I das Y\ : 

y (Kp. X05t !• >• B. fleht ganz deutlich Ac^Y\ S 

iMoC^. hat Cod. Rüpp. fiatt delfen A<^H)*> 



416 Kap. 56- V. 5. 

Jahre von dem Jähre Heriochs des Propheten unc 
von der Geburt Lamechs im SSfien"]. 



Uebrigena fclireibt Cod. Rupp. gewohnlich imäi 

(Jahr), s.B.aochiMoCsund 6», ßatt KJ<^^1 wia 
Ludolf im Lex. will; umgekehrt ift Kp. 12, 4* 5- 
in den Wörtern zatäfi und zatäfe dem T'ait dflC 

erfte Vocal gegeben. Ueber Q^\l befindet Cch Toa 
anderer Hand und mit Tchwarzerer Dinta die Gor> 

rectur H J^ ♦ im gten (Jahre). Henoch lebte üb»- 

baupt 365 Jahre (i Mof^ 5, 23.); alCo ill die Meinang 
der Glofle (denn dafür ift der Zufati diefer Hand* 
fchrift gewifs zu halten): jener beflere Zußand fSt 
die Frommen trete zu derfelben Zeit ein, wo Henoch 
die Erde verlalTe. Die zweite Angabe fiimmt danil 
nicht ganz genau; denn Henoch zeugte nach dii 
athiopifchen (Teberretzung von i Mof . 5. (Cod. RüpB 
p. 5.) feinen Erßgebornen 3Iethufalak im l65im 
Lebensjahre und fein Enkel Lamech wurde geboii| 
im Xg7ßen (nach den LXX aber im i67fien) Lebaof 
jähre des Methufalah, alfo im 352ften des Henod^ 
Liamach war demnach bei dem Scheiden feinei GroG[| 
vatert ron der Erde erft X3» und nicht 36» wie 
in jener Berechnung heifst , noch weniger 3g Jal 
alt, wie die Correctur will» Geringer wäre die 
ferenz , wenn die Berechnung der LXX angewei 
wird; Ce betrüge nur 3 (nach der Correctur aber 
Jahre. Confequenter Weife differirt die athiopil 
Bibelüberletzung , um in der Gerammtramme 
Lebenijahre nicht abweichen au muffen, auch I Bli 
5, 36. von den LXX , indem bei letzteren dam 
thiilalah nach Zeugung des Lamech noch goSt m 
ihr abar nur noch 752 Lebenajahre ingeÜBhriflM 



Kap. 57. V. 1. 417 

Kap. 57. ^ 
1. In diefen Tagen fahen meine Augen die 



werden. In beiden Zahlen kommt die fithlop. Ver- 
£on mit dem hebralTcfaeB Originaltexte überein ; doch 
lehren die Varianten zu den LXX (ed. Holmes)^ dafs 
die entfprechenden griechifchen Lefearten nicht ohne 
alle Auctorität find. 
6) Von der Schilderung des künftigen Gluckea der 
frommen und treuen Verehrer des Höchßen fuhrt 
diefeä Kap. plötzlich f uf einen ganz andern Gegen« 
Sand, welcher wiederum nach den bia jetzt näher 
bekannten Handfchriften (der Bodlej., Farifer und 
der mir zu Gebote Sehenden RüppelVs) in dem un- 
mittelbar nach Kp. 57. folgenden Kp. 59 (ein 58ßef 
Kap. haben die erften 2 Codices gar nicht) verlalTen 
und erft nach einer langem Unterbrechung (bis V. II.) 
abermals aufgenommen und fortgefetzt wird. Lau« 
rence bat daher in der ifien Ausgabe feiner Ueber- 
letznng jenen Abfchnitt » welchen die 3 Codd. nach 
Kp. 59« II. darbieten, unmittelbar an Kp. 57. unter 
dem Namen eines 5gften Kap. angefehl oITen, um die 
in Kp. 59. ftatt findende auffallende Zerftiickelung der 
Materien zu vermeiden ( f. Einleit. S. 5. ) » in der 
Sten Ausgabe ift er der Atiordnung des Stoffs , wie 
fie die Handfchriften geben, gefolgt (vgl. d. Anmerk. 
sn Kp. 5g. und 59, i«). Das Abgeriflene des Vortrags 
gehört recht eigentlich zum Charakter des Buchs 
Henoch in feiner vorliegenden Geftalt; daher darf 
der plötzliche Uebergang von'Kp. 56« 5* auf 57, x« 
nicht eben auffallen. Vgl. vorzüglich den Abfchnitt 
Kp. 17 ff* t mit welchem fic^ das hier Berichtete oh« 
Bdiia mehrfach berührt , oftmals fogar in denifelben 
Anadrficken. Anch in den Parabeln (Kp. 37—- 70.) 



418 Kap. 57. V. 1, 

GeheimnifTe der, IJliue und der Strahlen ^)^ \ 
ihr Gericht. 



keigt Cch mehrere Male ein rafches Abfpringen 
Fremdartiges und wird gern darauf hingewiefen, 
Hanoch die Natur in ihrer geheimnifsvoUen W 
fiatte zu fchauen gewürdigt wurde (Kp. 41. 43] 

7) Vgl. Kp. 41, 2. Henoch erkannte, was es mit J 
ßebung und Wirkfan^keit des Blitzes für eine 
wandtnifs babe^ erfuhr alfo Dinge, welche für 
dere zu den GeheimnilTen gehörten. Eben I( 
Y. 3. der Ausdruck : G^heimniff^ der Donner zu 
klären. Wie V. 5. wird auch V. I. Blitz zwiei 
ausgedrückt y weil das weithin gefehene LeucI 
delTelben auf den Menfchen einen grofsartigen 1 

druck macht. Das 2te Wort 'ACH9'^I bede 
eigentlich Lichter ^ kann aber auch den bellleuch 
den Wetterfirahl (JLaurenee überfetzt fplendors') r 
wohl bezeichnen. Der Schlula von V. i. (Laan 
mehr erklärend: the jud§ment helonginff to tk 
geht von der Vorßellung aus , dafs auch die ErCc 
nungen in der Natur gewiflen Gefetzen unteriicj 
deren Uebertretung geahndet werde , z. B. an 
Lichtern des Himmels (Kp. ig, 14 — 16. 30, 4* 
3 — 4.; die iaviff^s nlav^at^ ^tg 6 totpog vov anotim 
alAva xnn^n^cu nach Jud. V. 13.). Solche Uebei 
gungen der VerbältDilTe felbfibewufster Wefen 
die anorganlCche Natur darf in einem auf orieni 
fchem Boden entßandenen Erzeugnifs nicht auffi 
(vgl. auch eine ähnliche Kp. 41, 5.). Zweckni 
ift in diefem Kap. Blitz und Donner zuglaich bei 
delt ; £ auch Kp. 17, 3« 68» 33. Nach V. a «w 
ift die Wirklamkeit dea Gewittera wohlthitig a 
Cpbidlicfa • wie et Kp. au 2* Ton der Sonne Mm 



Kap. 57. V. 2— 4. 419 

2. Sie leuchten zum Segen und zum Flüch, 
tiflch dem Willen, des Herrn der Geilter« 

3. Und da fahe ich dieGeheimnifle der Don- 
ler, wenn es fchmettert®) oben im Himmel, und 
hr Schall gehört wird. 

4. Und die Wohnungen der Erde wurden 
nir gezeigt ^. Der Schall des Donners ift zum 
i'rieden und zum Segen, aber auch zumFluch, nach 
lern Worte des Herrn der Geilter. 



tet. Welche Richtung derfelben hervortreten follet 
labt V« 2. lediglich voa Gottes Beßimroung abhängen. 
^ Lanrenoe überfeut : it rattles (es pralTelt) und ver- 
gleicht in einer Note das Geräufch, welches ein 
MorCer macht, wenn darin etwas serfiofsen wird 
(it ii ^rinding as in a mortar). Darauf führt aller« 

dings das athiopifche BjiV^i comminuit, conte- 
rit. Das zu Schall gehörende Fronomen bezieht ficli 

natütUch' auf Donner (vgl. V- 4.). WjP'flJP' l 
Donner fteht collective « wie fchon die Parallele er- 
inrarten lafst, indem nämlich V. j und 2. von Blitzen 
in der Mehrzahl die Rede ift » und das SufiBxum an 

Q)^^^^! et vox eorum aufser Zweifel fetzt. 

9) Ciels ift in der Darfiellung ein blolser Nebengedanke« 
nach welchem daher auch das Frühere vrieder. aufge- 
nommen wird. Indem Henoch dtirt oben weilt« 
wohin die Werkftätte des Gewitters gefetzt, wird, 
fillt fein Blick auch auf die Erde, die WohnCtze der 
Menlchen« Diele Erwähnung ift um fo paffender, 
da des Blitzes und Donners WirkCsmkeit eben die 

Erdbewohner fördert oder hemmt. K^4\lY.S' 
fuUtas^ wie Pf. 105 (im hebr. 104)» x6.$ Laurenca 
aiinder paffend Fruchtbarkeit (fectilitj), was das 
Wort allerdings auch bedeutet. z 



420 Kap. 57. V. S. Kap. 58-. V. 1. 

5. Alsdann wurden alle GeheimnilTe der Strah- 
len und Blitze von mir gefehen. Zum Segen und 
zur Sättigung leuchten ue. 

Kap. 58. ^) 
1. Und es fprach zu mir ein anderer Engel, 



so) Laurence bemerkt hier zur erften Aufgabe feiner 
Ueberfet^ung : ,,£sifikein ^{^Iles Kapitel indentiand- 
fcbriften. Das, was ich fo genannt habe, bildet ei- 
nen Theil des spften Kapitels , fiebt dort swifchen 
dem Uten und I2ten Verfe und ftört au£Fallend die 
Ensäblung. Ich habe es bierher zu ßellen gevragt. ** 
Vgl. hierüber auch meine Einleit. S. 5. Die Ver- 
wandtfchaft diefes Abfchnittes mit Kp. 57. liegt klar 
vor Augen , auch ift gans deutlich , dafs durch die 
Laurence' fche Umftellungdie fonfibelKp. 59» 1 — II* 
und 59i 12?— 14. fiatt findeode gewaltfame Treonuog | 
des Ersäblten glücklieb gehoben werde. Ich kann 
daher Laurence nicht tadeln, wenn er in den Remürks 
SU feiner Rechtfertigung lagt: »»Da dieb Kapitel, 
welches in beiden Handfchriften nur einen Tbail des 
59ften ausmacht, gewifs mit der jüdifchen Fabel Tom 
lieyiathan und vom Behemoth nicht sufammenhiogt, 
in welche es eingefchob^ ift, und da ea. auf der 
andern Seite mit dem Inhalte des ;57ften Kapitals^ ia 
genauer Verbindung su feyn fcheint, fo habe ich nie 
erlaubt, es zu verfetzen und dahin zu ftellea, wo es 
nach meiner AnCcht eigentlich hingehört.** In der 
2tto Ausgabe befchrankt (Ich Laurence inde&ianf di» 
.Motii 9 daCs Kap. ^g. in den Codd, nickt vodumde» 
fisj. Er ergiozt es, nimmt aber dazu die er/t Hälfte 
«oa Kp. 59. und einen kleinen AUicfauittt welche^ 
TOB den Codd, am &nde deilidben Kapitela jaliabr« 



Kap. 58. V. 1—2. 421 

vekber mit mir ging ^, 

2. mid er zeigte mir die GeheimnüTe^ die 



wird , f o daft Kp* 58« in den baden Ausgaben ganz 
▼erfchieden iß, Kp. 59. der 2ten Aasgabe enthält 
dagegen alles das , was Kp. 5g. der erften Ausgabe 
(auch der meinigen) liefert. Wegen früherer etvrai^ 
ger Verweifungen in meinen Anmerkungen auf die- 
£bs Kap. folge ich Laurence's früherer Anordnung. 
Cod. R&pp^ weicht überhaupt in der 2^hl der Kapi- 
tel ab; unfer Kp. 57. ift fein 49ßes. Die Zählung 
flchreitet aber hier ordnungsmfifsig fort; es folgt 
Kp« 50- f welches mit Kp. sg» den: beiden von Lau- 
xence berückfichtigten Bodlej. und Farifer Hand- 
fchriften sufammentrifFt. Was in meiner Ueberfetzung 
Bach Laurence's Vorgänge Kp. 5g. bezeichnet wird» 
Jleht nicht im Anfange des 5often Kapitels der Rüp« 
pellTchen Handfchrift, fondem an derfelben Stelle. 
wo Ce Laurence in feinem Originaltexte fand. Vgl« 
die Anmerk. zu Kp. 59, ii. 

Xl) Hiermit wird fichtlich auf einen fchon früher vor« 
' gekommenen Engel hingewiefen. Nun iß zwar Kp, 
56 und 57. von einem folchen Begleiter Henochs, 
der ihm AufTchlufs gäbe» gar nicht die Rede, aber 
' man darf nicht yergelTen» dafs nach der im Original« 
^ texte und auch jetzt von Laurence befolgten Ord- 
^ miiig dem Inhalte unferes 5gften Kapitels noch eia 
f JMdudtt ( bei uns Kp. 59 > 1 S.) vorausgeht. In 
1* diefem wird des Mieluul gedacht » aber freilich auch 
nc dem Beilatze: ein anderer £ngel (f. 59 , x.). 
Aaf dieCan Umßand dürfte alfo kein Gewicht gelegt 
werden I wenn man die Anordnung der Codd« gegen 
dieTOoLaarence früher beliebte Umftellnng in Schutz 
«dhmea wottte. Die Beieiobaiing muUrm' Eneel 



422 



Kap. 58- V. 2. 



erften und die letzten ^'), im Himmel in der Hofi 
oben , und auf der Erde in der Tiefe, 



Kp. 69» !• wird wohl auf die in den beiden eiSc 
Facabeln erwähnten Engel gehen, welche Henoc 
begleiten (Kp. 40, 8« 43> 3. 46^ I ff. 5X1 3- 5- 53» 
53, 4. 54« 6.)» was infofern zuläHig erachtet we 
den mu£s, als die ganze Reihe der Kp« 37"— 7 
ein Ganzes ausmacht. 

12) haurence fetzt diefe Epitheta, Welche den Begnl 
alle ohne Ausnahme, ausdrücken Tollen, fogleich zu 
Hauptworte; durch Beibehaltung der Trennung g 

Winnt die Rede an Kraft. Da AOhlli" ♦ AOA 

bei Laurence ölen (above) dem H^O^^ 
in der Ti>yie entgegenfteht, fo ifi letzterea nicht ve 
dem Innern der Erde zu verfiehen , wie Laurence i 
nimmt (er überfetzt: ,,in den Tiefen der Erde*^ 
fondern dient nur zur Verdeutlichung des Gegeafatii 
Himmel und Erde^ wie ähnliche Bezeichnungen Ij 
A. T. nicht ungewöhnlich lind. Von dem Zeitwoit 

JP CAPS« monßravit mihi find aufser dem 
telbar dabei Sehenden AccuTat. und feinen niht 
Befiimmungeu (V. 2 — 3.) noch zahlreiche Satze 

hangig (bis V. 7.) » welche mit der Partikel Ai 

wie ? und Tl C7^ • dafs angeknüpft werden. 
renee hat daher (in beiden Ausgaben) aur Vi 
lichung vor V. 4. und vor V« 5. die Wortes 
zeigu mir** wiederholt; nöthig iß diefa aber 
.fondern es reicht hin ^ durch die Interpunqtion 
Zttlammenhang der Sätze deutlich zu macheo* 
TOn Henoch Gefehene betrifft die Natur, ihr« 
imd ihre Erfcheinungen. Bei Aufisiblung der Oifl 
.WO daa Geheiiiim£iTolle gefcbieht und der 



Kap. 58. V. 3- '423 

3, und an den Enden des Himmels, und in 
der Grundlage'^) des Himmels und in dem Behält- 
oifs der Winde, 



Aande, welche es betrifft, ift der Zweck, die Ueber- 
zeugung zu erwecken, dafs dem gefeierten Patriar. 
eben nichts verhehlt wnrde. Denn Himmel und Erde 
umrchreiben nach hebräifcher Weltanficht das All und 
alles zwiFchen jenen beiden Functen liegende ift 
fieberlich mit eiDgefchloiren. WelTen Auge fogar 
das an den Enden des Himmels (V. 3.) Bemerkens- 
werthe enthüllt vorliegt, von dem darf vorausgeCetzt 
werden I dafs das ihm näher Stehende ihm um fo 
mehr zugänglich geworden Cey. Am Himmel fallea 
ihiB auf- feine" Enden und feine Grundlage (V. 30» 
die Kraft, welche das Mondlicht äufsert (V. 4.) , die 
I Eintheilung dec Sterne (V. 5^, Blitz und Donner 
^ (V. 6 ff)*' Ob er dahin auch die verfehle (Ten en Kam- 
i Bierii der Winde rechne (V. 2.}, ift nicht klar, ob- 
fichoD et |iich dem Zufammenhange, vgl. mit Kp. ig, 
4—5., allerdings fo fcheiut; nach Kp. ig, i und 3. 
könnten fie auch mit der Erde in Verbindung gebracht 
üejii; von diefer denkt fich der Verf. doch wohl die 
Quellen ausgehend , welche er auch V. 4. erwähnt 
(t jedoch zu V. 4.)- Von V. 9. an verbreitet er fich 
über die Eigenlhümlichkeiten des Meeres, Reifes, 
Hagele» Schnees, Nebels, Thau^s und Regens, welche 
fich zum Theil nur fchwer unter eine beftimmte 
CUIHficatioa bringen lalFen. 

3) LaiirciM:tf«£berCBtztim Plural <m the founiaüom 
ef lO, nahm alfo vielleicht ^Ui^'t « (Uit Aeht 

' Kir n l ebenfo Kp. 19, i.) fundamentum in colleeti- 
/tct Bedeutung; fiatt Himmel gibt er im 2ten Satze 
'. Ita Pronomen und läfst im Anfange des Terfes die 
Utk BcBQch. 28 



424 Kap. 58. V. 4. 

4. und wie getheilt wurden die Geißer ^' 



Copula hinweg. O^HnH^-pl ^(^^^1 
horrea ventorum; vgl. auch Kp. Ig» I* I^ 
WO die alte Welt die Winde eingefchloflen ' 
gehört natürlich zu den unbekannteßen Ge 
den ; defahalb wird er hier befonders herautj 
(f. die Anmerk. zu X8» !• 41* 2. 3.)- U« 
werden die Winde auch ){p. ig, 3 — 6- fa< 
genheit der -Schilderung des Ulmmels und 
Merkwürdigkeiten erwähnt. 

24) Das von HenOch in diefem Verfe.Erwihni 
hauptfächlich daau, den Schlufs des vorherg« 
mehr au veranfchaulichen , enthält jedoch a 
piges Neue und ilt in mancher Besiehung 

Hauptfachlioh 4ft daran der Ausdruck Gtifi {fK 

Schuld y welcher in den übrigen Theilen diei 

noch mehrfach vorkommt. Dufch eine J 

Vorliebe für Ferfonificining wird diem Wind 

'IDonner (V.g.)» dem Meere» dem Bf^if, dem 

dem Schnee (V. 9.), dem Nebel <V. 10.) 9 dei 

und dem Regen (V. 12.) nach Analogie der \ 

liehen Organiüation ein Geiß sugefcfarieben , 

Tirelchen alle diele Gegenlionde gleichfam be! 

fcheinen. Die unleugbare Wirkfamkeit d< 

wird als Product einer ihnen einwohnenden Inti 

dargeßellt» und ihr Gebundenfeyn*lAi'gew^ire < 

gilt daher als ein ihnen wohl • bewufstes , ^ 

Uebertreten derfelben wird als eine tmCttlicIii 

lung an .ihnen gefiraft ( f. Anmeisk. '619. su ■ ij 

^twas ^deutlicher wird dieDarJ^Uuog durch ^ 

. V. 9. II und 12. von Engeln bemerken^ ixifpfin 

diefen bei Nebel und Regen eine gewilTe Thatig|D 

gelegt wird. Nach V. 9 und 12. ift es namUcb ^ 



Kap. 58. V. 4. 425 

wfeman wog, und wie gezählt wurden die Quel- 



dafs der VerfalTer die Geifier des Regens, Nebels 
n. f. w. ficb als Engel denke , übrigens nach mor- 
geolandifcher Weife das Leblofe und feine Wirkun- 
gen in ähnlichen Ausdrücken fchildere, wie Mrir den 
Menfchen und feine Thätigkeit uns zu denken pfle- 
gen, y. 4* ifi alfo in feinem Sinne nicht wefentlich 

Terfchieden ron Kp. 41, 2. 3- Die Worte fXyjS A l 

{K^(^r\l € vi fpiritus können nur beifsen: nach 
dem Maafse ihnen einwobfiender Kräfte, von der 
Natur in fia gelegter Wirkfamkeit. Laur^nc&i läfst 
die Copula vor den erften 2 Sitzen hinweg , dagegen 
fetxt er das Fronomen der ßfen Ferfon (their) zu 
dem Worte Geifier und Geifi , welches Cod. Rüpp. 
beide Male nicht hat. Mir iß es wenigßens fehr 
sweifelbaft, ob durch diefe Ergänzung der ej[&0 Satz 
nicht eine viel fpeciellere Beziehung bekomme, als 

der Verfafler beabfichtigte. Denn 7\ (£: ß^'liäfX'i 

(^^(fifl't'l ^uomodo dividerentur fpiritus foll wohl 
nicht bloCs auf die , allerdings am Ende von V. 3« 

erwähnten WinA^ ( H 4! H ^ ! ) 9 fondern au( alle 
Naturerfcheinungen bezogen werden, welchen das 
Buch Henochein belebendes Princip (Geift) zufchreibt. 
['Im Schlufsfatz dagegen : ^^naek der Kraft des Geifies^* 
würde der Sinn durch das Pronominalfuffix nicht 
dterirt; denn dafs hier der den Quellen verliehene^ 
Qelft gemeint Cey, ift ganz klar« Lawrence wurde 
pwib durch die Farallelfielle Kp. 41, a. 3. auf feine 

Anficht geleitet, wo ^ß'l'^ClIA't difirihuuntur 

^Aetdinga von den Winden gebraucht und die Art 

iftm Verbreitung auch als etwas den Menfcheii Un« 

^<)>ttntes herausgehoben wird. Die Geifier trennen 



t\ o 



426 Kap. 58. V. 4. 

len und die Winde nach der Kraft des Geifies^ 



ficby und es erhalt jeder feinen eignen Weg und fe 

individuelle Behimmung In den Worten (D1\' 

P ^/V J wörtlich: et tfuomodö ponderaret ifi 
Activ angewendet, wie öfter in einem Zufamn 
menhange, wo das Pairivum unferer Art zu den 

angemeffencr Wät-c. Vgl. Kp. 41, i. "1*10 

hominumf ^uo modo bilance librarent (wofür 

58, 2. I-^IOC^J hc^ A: facta eorum po 
rata paflivifche Form). Sollte ah ein beßim 
Sübjeot gedacht werden, fo könnte es nur Gott 1 
Laurence hat ohne Weiteres das Palliv gewi 
"kow they were balaneed. Das WSgen gilt 
ihm den Winden, deren Stärke und Heftigkeit gl 
fanl'nach der Wage beRimiht würden; vgl. ] 
98» 35* I ^^ ^^^ athiopifche tJeberfetzung auch 

SubRantivum C^i^AO)*! bilanx anwendet. I 
befler denkt man nach dem Folgenden Quellen 
Winde als Object. Das Bild darf nicht auffi 
vgl. Hiob a. a. O. und Kp. 41, i. « wo die ätbiop 
UeberfetEunp auch das Subßantiv madAliv ( W 
bat, und Henoch43» i.. wo der den Sternet 
gewiefene Raum und fogar ihre Erfcbeinuii| 
»ach gerechter Wage von Gott beRimmt wird, 
nächß folgende Gedanke, welcher Quellen und W 
in Verbindung fetzt, überrafcht etwas. Dei 
lifst fich diefe Verknüpfung beider GegenftKnda 
netweges fo rechtfertigen , dafs der eina wii 
andere im Schofse der Erde verborgen fej ; 11 
Erde (etwa in Hohlen derfelben) verlegt das & 
noch die Winde keines weges (vgl. Kp. Igt i 



Kap. 58. V. 5. 427 

5. und die Kraft der Lichter des Mondes *^), 
id dafs (erf) Kraft der Gerechtigkeit (ilt), und dii» 
btheUungeii d(^r Sterne, üire einzelne^ Namen » 



Sollte vi<el]eiclit von Quellen, am Ilimnie^ di^ Red» 
feyn (vgl. Kp, 53, 7 — Io.)f wodurch fich die kind- 
liclie Fhantafie die Entßebung des Regens und ver- 
wandter Naturerfcheinurfgen zu erhläreti fuchte (f. 
X Mof. 7, II. 8, 2. 9 vgl. C^sjnaj Indic. in Anm. 2Q. zu. 
V. 9.) ? Der leitende Gedanke konnte freilich auch feyn, 
data beidq der Erde Wafller fcbenken, infof^rn der Wind 
doch die Wolken zufamnientreibt und Regen bripgt* 

15) D^ in dem Saue: (D^^np^; ^rf\ CHS t 

QC^l •!» «rften Worte das Plural -Suffix fteht, 
fo ift bjtrhana nicht mit Laurence (»»the powec o£ 
tbe moon's lighf ) im Singular zu nehmezi, fondern 
vnßrf itig coUective zu faflen. Die^Mondlichter fic%d 
entweder ganz, einfach die Licbtftrahlen , mit wel- 
chen dec> Mopd unrerm..PUneten leuchtet, oder die 
if^rfchiedenen Fhafen delTclhen , welche Kp. 73» i« 

geradezu 9,Monde'^ (ACr^ill} genannt werden, 
vgl. ai(ch Kp. 41, 4.; letztere Parallele würde jedoch, 
nach Cod. Rüpp* wegfallen , infofern darnach nicht, 
"wie Laurence's Ucb.erfetzung vorausfetzen liefs, vom 
Slopde allein, fondern auch von dec Sonne, die Redo 

ift (,t vidi c^iH^rAi- : ^j^ .B ; ©KOCf^ : 

rectptacula folis et lunae), Daa unmittelbar Fol- 
gende, welches Laurence ausdrückt : dafs feine Macht, 
(power) einfi gerechte. i/Z, Lautet im Original gansi, 

kurz: (DTI^: :>^A: /Tj,^^: und foU gcwifs 
den erften Satz näher beßimmeu. Es erhellt daraus, - 
worin das dem Henoch über die Kraft der Mp^d- 
lichter Mitgetheilte eigentlich bedand^ er lernte nami**^^ 



428 Kap. 58. V. 6. 

6, und jeden Antheil, (der) zugetheilt iS(^)t 



lieb, es herrfcha darin keine Willkühr; das Liebt 
verfährt gleichfam nach dem Rechte , d. h. unterliegt 
in feinem Wechfel und feiner verfchiedenea Stirkd 

gewiflen Gefetzen (Kp, 72 — 73« 77 — 78-)- f^f^* 
n^^^J fingula eorum nominal alfo alle, wie fie 
heifsen mochten, einen nach dem andern. Liaureoce 
überfetzt: ,,according to tbeir refpective names.*' 
Die Namen lind fchon als Erinnerungszeichen wich- 
tig und nothwend.ig; wahrfcbeinlich fetzt aber der 
Verf. voraus, dafs bei der Wahl derfelben keine Will- 
kühr herrfchte, fondern auf die Functionen und Be- 
fchafFenheit derer , welche ße führen ^ Rückficht ge- 
nommen ift, fo dafs fich mit dem äufseren Uoter- 
fcheidungszeichen zugleich Characterißik ihres innem 
Wefens und ihrer Bedeutfamkeit verbindet. ^ 
16) Laurence verbreitet fich über V. 6 und 7. diefes 
Capitels (in der 2ten Ausg. des 59fien) siemlich 
ausführlich in folgender Weife : ,,Es gibt vieles Dun- 
kele in diefen Verfen. Der 6te Vers wird in den 
zwei Handfchriften verfchiedentlich ausgedrückt; die 

Bodiej. lieft fo: ©fV^A^t Tl4;A: ^I^Ttd^At 

vipo dividitur ; fulgure (juod fulgurat, " Die Ps- 
rifer Handfchrift aber, wenigftena nach fVoid^t 

tyEt omnis divifio diuidiiur g et tonitru (tonitrum) in 
fingulis fuis cafihus; et in omni divifione^ fiui dwi* 
ditur^ tjuod fulgurat fulgure.** Die leUtQ StflUe 
Könnte vielleicht, mit etwas Bieite im Aiiadnicki 



Kap. 58. V. 6. 429 

pvnd die Donner in ihrem Herabfallen , und jeden 

folgendennafsen gegeben werden : „ dafs jede Thei- 
l ^S g^^^'i^^ ifi f ^i^ Donner in jedem ihrer Fälle 
und dajs hei jeglicher Theilung ^ welche eintritt^ 
dir Blitz leuchtet. '^ Aber ich mochte bemerken, 

diu das Wort <^JJ$^^: (der Plural von fly^^:), 
welches ich Cafus^ Fälle überfetzc, als Derivat 

von der Wurzel (DJ^^l fallen, fich in LuJoZ/ nicht 
findet. Seine Form jedoch iß eine richtige Form der 
Subftantiven, welche 'von unregelmäfsigen Verben 

abgeleitet werden , deren erfter Radikal Q « ift , wie 

^Aj?*! locus nativitatis oder patria' herkommt 

ton (DA^I genuitj lodafses, wiees fcheint, noth* 

wendig auf die Wurzel (DJ?^! zurückzuführen iß. 
Cnffre Lexica von diefer Sprache find zu un- 
rollfiandig, als da^s fie Bedeutungen von folcher 
Art abrch neiden könnten. Der Schall des Don- 
ners iß bier, wie ich glaube, mit dem fchallenden 
Krachen eines einßürvenden Gebäudes verglichen. 
^Der Schreiber der üodlej. Handfchrift fcheint alle 

Worte Bwifchen dem Verbo ^'MTldiAl, wo es 
tum erftenmale vorkommt, und wo es zum zweiten- 

ile mit dem Prac^fixo Hl Geht, üherfeben und da- 
:.W ausgelaflen zu haben. Die Parifer Handfchrift 
[Möchte -alfo in diefem Stücke correcter feyn. Da 
idi mich jedoch nicht blind auf die Genauigkeit der 
Wotde'fchen Abfchrift verlalTen kann , fo habe ich 
, nicht gewagt, die fo äugen fcheiulicb ausgclalFeneu 
'Worte in den Text aufzunehmen. Auch iß der erfie 
S*iz des nachßen Yerfes nicht viel deutlicher : 

tt co/ira (oder exercitus) eorum ifuod protinus obe- 



430 Kap. 58. V. 6. 

Antheil , welcher zugetheilt ift , daü ea blitze mit 



diunt oder audiunt^ dafs ihre Truppen (oder ihe 
Heere) fogleick gehorchen. Die bier gemeinten Trup- 
pen oder Heere find nach der Bodl. Handfchrift un- 
gefchickter Weife auf den Blitz bezogen ; denn dai 
äthiopifcbe Subftantiv bat ein Fronomen fuffixum Flur. 
num. an Heb. Vielleicbt Üb der Sinn nach der Parifer 
Handfcbrift beffer, wo lie auf den Plural des Nomeot 
Donner besogen werden, welcbem unmittelbareinSub- 
fiantivum mit demfelben Pronomen fuffixum folgt" 
Der Cod. Riipp. ift aucb bier, wie fonft häufig, mit 
dem Parifer inUebereinftimmung, bis auf Weglafluog 
des einen Beth^s vor mudakAtihomu und bis aufi erle 

pekafaU wofür der Plural ^^T) (^ A»! fteht, tuch 
fcbliefft der Yert mit dem Worte. Die Verbindung 
der Sätze, welche bei jener Abtheilung dea Cod. 
Büpp. vorausgefetzt wird, fcheint mir die einiig 
richtige zu (eyn. Die erften Worte des 6ten Verlei 
(nach Laurence* $ Bezeichnung) geboren nämlich an- 
ftreitig noch zu den Beßimmungen , welche Henocli 

über die Sterne vernahm. V^cf^Al ift hier nicht die 
Handlung des Theilens , fondern entweder der Jedem 
Sterne angewiefene Raum , gleicbfam der ihnen ver- 
liehene Befitz (in welcher Bedeutung es im Buche 
Henoch oft vorkommt, z. B. Kp. 56, 2.), oder der 
durch höhere Befiimmnng ihnen gewordene Berafs- 
hreis, gleicbfam das zugetheilte Penfum, wodtttch 
fie an den Erfcheinungen Theil nehmen. Eben Ib 
ift der Ausdruck das 2te Mahl zu faden , wo er Cdi 

auf die Donner (St J^CU^I »cht, wie das Suffix 
an mudUiAtihomu lehrt, coUective) bezieht» Qod wo 
dadurch gröfsere Deutlichkeit herrfcht, dafa deai 
Verbo jttkafal das Relativum vorgefügt ift. Indels 



Kap, 5b, V. ü, 
^m Blitzet 



ift AutlalTong das ReUtivt nichts gans Ungewohn« 
liches im Aethiopifcben (^Ludolf grammat. Aethiop. 
cd. 2' ?• X49O9 worin daher die Handrcbriften auch 
Qichc immer xurammenftimmen ; fo fand z. B. Ludolf 
in der ihm au Gebote Hebenden Abfchrift des Penta- 

cencha (f. a. a. O.) i Mof. 3, 19. blofs OfV'/V : 
p CA) p« (^ l gl omne , [ t/uo } vocaret ea , wahvend 
nan in Cod. Rüpp* vor dem swaiteu Worte ein gans 

deutlich gefchriebenet Ho '^^^ ^^^ ^^^^ fehlende 
Relatirnm lieft. Auch der Donner empfing feine 
beftimmten Kräfte , oder , was auch gemeint . feyn 
konnte, fein eigenthümliches Gebiet, auf welchem 
er >a wirken hat. Scheinbar rollt der Donner vom 
Himmel nach der Erde au , die Schlage in ihren ein- 
seinen Abfätzen haben mit dem Schalle herabfallen- 
der, von Stufe au Stufe herabrollender, Gegenßände 
einige Aehnlichkeit ; darauf deutet das von Laurence 
in feiner Abftammung gans gut nachgewiefene 

dSirJ^^^l cafus. Da Cod. Rüpp. und Parif. su- 
üammenfiimmen, fo habe ich kein Bedenken getragen, 

■ ihnen in meiner Ueberfetsung su folgen. Laurence 
fappiirt vor V. 6. die Partikel dafs und verbindet 
damit das folgende als felbftftändigen Sats („eAae 
every divUion is divided**}, er konnte daher aum 
richtigen Verfiandnifs der Stelle nicht gelangen, wel- 

' chea doch auch nach der bodlej. Handfchrift möglich 
ift. Man überfeine nur: et (fc. monftravit mihi, 

I vgl. V. 3.) omnem partem^ [f'^^'l ifnpertita eft und 

I besiehe es auf die Sterne (V. 5.) und deren Theil. 

\ In den letzten Worten der bodlej. Handfchrift: 

t\P^i\j^<^\\\a^: PilC^: wortlich: micd^m 
BUiu, de/i €i hlitu (fc. sfigte er mir)« kann das 



432 Kap. 58. V. 7. 

7. und dafs ihre Heere *^) fchnell gehorcher 
denn der Donner hat einen Ruhepunkt , mit B< 



Zwircbenfetzen der Partikel TlC^I nicht befonde 
auffallen y da es V. 7. gleich wieder vorkommt. 

17) ^Ojj'Jt: (nicht tO^'^^* w»« **" ^"^ 

rence in beiden Ausgaben fteht) und fein SufBx b 
Laurence bereits richtig erklärt ( f. Aumerk. l6- 
doch liefse lieh letzteres auch im Cod. Parif. , ▼( 
dem Cod. Rüpp. hier nicht abweicht, mit auf filit 
beziehen 9 nicht auf Donner allein. Uebrigens b 
Laurerue die Copula im Anfange diefes Verfes, ol 
fchon fie nach (einer eignen Mittbeilung auch in A 
bodlej. Handfchrift Hebt, nicht beachtet, dagege 
beginnt er den 3ten Satz : und dafs , während Co< 

Rtipp. Ari^^C denn oder weil ließ, was unfireiti 
belTer ift. Der Verf. betrachtet nämlich als Bewei 
für Gehorfam der Donnerfcbläge und Blitzftrahle 
die Regelmäfsigkeit in ihrer Folge auf einand« 
Der Donner, heifst es zunächft, ift zwar bebarrlid 
aber tönt doch nicht in einem fort. Laurenci 
Ueberfetzung : „und dafs ein Nachlaflen (ceflatiofl 
fiatt findet -wahrend des Donners (during thundei 
in dem Fortfetsen (in the continuance) feines Scba 
les ** gibt zwar den Sinn , aber nicht die einseliM 

Worte des Originals: Äftc?^: MH AStWJf 

'tO'üA« genau wieder. Mifr&Jet findet fich I 
hudolfs lex. nicht, aber das gleichbedeutend 

(^^yn((,X Ort der Ruhe, Station, Paufe. Vi 
letzte Tbeil des Verl'es erkennt die nothwendiga Te 
bindung von Blitz und Donner , aber auch ihre Ve 

fchiedenheit mn. OA. : A Of^ Cf 1^ I ¥^ AAi l/A 



Kap. 58. V. 7 — 8. 433 

(dt feines Schalles ilt er begabt. Und nicht 

rei>nt Donner und Blitz, nicht als eins 

e gehen fie beide; doch lind fie auch 

trennt. 

Denn wenn der Blitz blitzt, gibt der Don- 

n Schall'^), und der Geilt ruhet feine Zeit, 

Vji,l gibt Lawrence : „QOcb bewegen (do move) 
it einem Geifie (witb one fpirit).*« Nach der 

»gie follte dann die Partikel (\ \ vor dem Zabl- 
m fteben ; vgl. Kp. 71, 47. 72, 4. 6. 73. 4- 
onft ziemlich bäufig im B. Henoc^« Nicht ganz 
a ift ea demnacb , ob unter manfas die nach der 
sllnng des Verf. (vgl. Anmerk. zu V. 4. 9.)^in den 
1 letzten Erfcheinungen des Gewittert tbätige 
igenz verftanden werde (es könnte nämlicb auch 
ihre Einmütkigkeit^ g^ifiise Einheit bezeichnen); 
. iß ea doch nach V. g. fehr wabrfcbeinlicb. 
ifchon die innere Einheit der beiden Erfcbei- 
m dea Gewittrrs dem Verf. entgebt, Ceht er 
den ZuCammenliang derfelben fo weit ein, dab 
n Donner ohne Blitz nicht denken kann und 
edeamal als demfelben nachfolgend betrachtet, 
«eit der fcheinbaren Unthätigkeit, welche swi« 
jedem Act des Gewitters yerfliefet, läfst er fei* 
»nfiigen Anficht (f. zu V. 4. 9.) gemafa von der 
genz abhängen,' welche in diefer, wie jeder 
Q Naturerfcheinung das leitende und wirkende 

ip ift. Nach Cod. Rüpp., wo wir (Dt^^C^I 

iHl PX\C(f^: lefen, foU wohl man'fafa mit 
»fc4 (wegen dea ftatus conftructus) einen Be|;riff 
1: der Gaift, welcher der ihnen zugemeflenen 
jlaichfam einwohnt, verleihet Ruhe. Daa Suffix 

gen. an 0, ti ! muffte dann auf Blita und Oon- 



#34 Kap. 38. V. 8. 

und gleich iheilt er zwifchen ihnen) denn der 



Der bezogen werden. Laurence faftt et aber nicht 

(o, fondern nimmt n'\H>HI ^^r iich (,, tbefpirit 
at a proper period paures**}^ indem er entireder die 
verbindende Form von manfafa nicbt beachtete, oder 

weU die bodle^ Handfchrift C^^ (^ll: hat. Das 
Suffix könnte wegan der im AetbiopiCcbea binfig 
vorkommenden Ungenauigkeit in\ Genut aucb auf 
manfafa bezogen werden ; tempore eorum (oder qus) 
ftebt für: tempore iis (oder ei) conßituto^ oder das 
Suffix auf Geift bezogen : (juamdiu ipß placet. Nach 
Ludolf (Lexic. aetbiop. lat. p. 540. ed. 2O kann 

ri'\H>4* auch illico^ eonfeßim hedenten^ was abes 
für die vorliegende Stelle nicbt pafst. Die Thei- 
lungy welcbe durch den Geift gelchiebt, ift eine 

gleicbmäfsige I v^Pl pari modo^ fimiliter. Den 
Grund des Verfabrena , welcbea der Geift beobachtet, 
will der fo}gende, kurze und eben defshalb undeat- 

liebe, Satz: 7\riC?^: ^HHfl: a^JP^tl/^^: 

H*^^! (ffi\^l nach weifen 9 wie aus der Can- 

falpartikel isma deutlicb erbellt. Bekdhnift ihrer 
Zeiten überfetat Laurence erklärend: Bekältnifs, a-o- 
von ihre Zeiten („periods") ^^^^n^en, wodurch der 
Gedanke indeCi auch nicbt viel klarer wird, au« 
mal wenn auf die letzten Worte und auf den Zu- 
Cammenhang mit dem vorhergehenden gebühveode 

Häckßcbt genommen wird. H*^^ » dTA'trr niant 
Laurence ala Vergleicbung („u^ie Sand<«) ond be» 
merkte wörtlich heifse es: „(i/Z) if«j Sand iß.** 
Das tertium comparatiouis findet er in iek Liocker» 
heit und (chicbtdaber ^^laofc** in der Ueberfetsoog eia. 



Kap. 58. V. 8v 435 

'orrath Hirer Zeiten iß wie Sand, und die einzei- 



Diels ift fpraclilich «ganz richtig; das HI könnte 
«her auch Andeutung des Genitiv« der Materie feyn : 
arenae efi füt : beReht aus Sand , oder, was auf daf- 
felbe führen wiirdip, Ümrchreibang des Adjectivs, 
•Ifo f^arenofum efi**^ fo dafs demnach der Stoff des Be- 
haltuilTes, wie Laurence maz^<ih tiberfetzt, mit den 
Worten nachgewiefen werden Tollte. Wie folgt 
aber aus der fandartigen Befchaffenheit des Behält- 
nilTes der Zeiten die vom GeiHe ausgehende gleiche 
Tbeilung zwifchen Blitz und Donner? Die Stelle 

ift meines Erachtens ganz anders zu faden, ''i ^ ■ > 
ipiritt Cod. Büpp. hat, durch Verwechfelung des 

Tzappa mit Tzadai für "^K^j welches z. B. Pf. 

77» 31- *"* Verbindung mit '^/T\ C« Mter vorkommt 
(tebraifch U^Ql Sln Pf. 78, 27.)- Sand halte ich 

liier für das oft im &. T. angewendete Bild der gro- 
(isen , unzählbaren Menge und maz*gah nicht für Be» 
lidltnifs f fondern den aufgehäuften Schatz oder Vor» 

TH^th. wie Kp. 10. ag. ^H^cA+: nz.X]^: 

Schätzt des Segens (vgl. auch Luiolf unt« d. W.). 

n.üJP ■*! gewöhnlich tempora^ Aec auch vices^ 
find hier die ' einzelnen Momente ( Zeitptmcte ) oder 
Acte des Gewitters. Der Sinn alfe : -. £)otinerfchläga 
^nd Blitze find in ünüberfehbater Zihl vorhanden 
d^leichfam aufgefchichtet) im Reiche der Natur; da- 
fluit fie nun nicht in Mafle hervorbrechen und da* 
durch ftörend in den Lauf der Dinge eingreifen, trifft 
der ihnen gebietende, fie belebende Ceift eine gleiche 
^ertheilung unter ihnen in einer fchnellen oder lang- 
boMm Folge, je nachdem er es für nöthig findet 
O^s^iiS), Das Pronomen in dem Satie : JDw ein^ 



438 Kap. 58. V. 9. 

und Rfivkf und gleich wie eine fiarke Kraft mi 
nem Zaume es Eiirück zieht» fo wird es auch 
wärts getrieben und zerßreut gegen alle Berge 
Erde ^®). Der Geiß des Reifes iß fein Engel, 



Wecbfel clet tbiiehmenden und wieder anEcbw 
den IMeeret beobacbtet hatte , TennlelAte ibn 
diefen Gegenftand übersugeben. Der Origini 

bat im Anfange des Verfet das blofie Ot^ Late 

dafür : „ likewife. " flTl ^ J ©Tl ÖC 

auemadmoduYn — *<— ita etintn, Zar Vferdeutlic 
det bild^icben Aufdruckes bat Luurencm gen 
Khlre in die Ueberfetsung aufgenommen (,,andat 
<a»feM ii to ^hb^ fo cet/*); das Wort «Ue vor^c. 
i^as im Cod. Rüpp. ftebt, dt-tickt er nicht aui. 
Verf. hat unßreitig das heftige Anfchlagen der 1 
an das hoch liegende Gefiade vor Augen» Die 

tikd fl: vor fV-A-: Ajf'OC: omnes moar 
hier nicht in, fondern contra, wie auch Lau 
überfetat« 
so) Durch Abfcfaweifang auf die Eigenthümlic 
des Meeres war die Aufzählung der atmofpblrL 
Phänomene unterbrochen; hier wird lie wi^dei 
genommen und bis V* 14. ohne weitere l! 
brechung vollendet. Die EinkleidungsweiCa il 
im Gänsen gleich;, den« alle jene Errcheim 
fiehen unter dem EinflufTe einer mit ihnen innii 
bundenen Intelligenz, in ähnlicher Weife 1 m 
Coimas der Indienfahrer annahm. Denndieferf 
nicht nur, dafs Soiine'» Mond und GeRirne to 
ftig^n Gewalten "gefuhirt werden , fondem f] 
auch TOn Gewaltigen einer übermenfchlichea * 
nifation, welche 'Wolken sufammemBieheiii den] 
bereiten, den Windeui dem Thao« demSdmee, 



Kap. 58. V. 9. 430 

Ga& des Hagels iß ein gütet Engel und der Geiß 



FroS, der Wärme u. f. w. vorfiehen. Ueber elfteres 
fagt er unter andern (CoUectio nova patr. et fcript. 
graec. ed. Montf. T. IL p. 15a) : rovrtp ovp v^ r^dffn» 
tiax^vjs^wtwß Twv ^axn^Qoav xal Koiovvrav ffvntag «al 

evtft mldyfj ^ oÖotTtoffovaiv iffijfiovy ovrcov luci tpmvovxtav 
i9l.TfJ£ yr^* ov t^ neQitpoQu zov ovquvov avvct 
^^öoftBV xiveiad'a^ dXXä fiälXov 6iu Öwäftenp 
iofinav nad'dnBQ lafinaöiiipoQav tivmv. Nach* 

dem der Beweis für diefe Behauptung i'ogar auf die 
Aeniserung d6s Paulus Ephef. 3, 3. : Kttra rov uifiovra 
w^g iiflvüiag rov cm^os geftütat worden, erfahren wir 
i?reiter: ol idv yuQ xmp ayyiltop tav di(fa nivBip 

imBv^ixovTOf ol 61 xov Tjltopf ol 61 vfiv celi^vriVf coUoi xti 
iövQa^ SttQoi vsfpilag.xal ßQozug i(fyai6nevoi^ 
ual lx9Qa no.llcL Was früher intelligente Kraft 

genannt wurde « erbalt hier den gewdhalichem Na- 
men Engeln ganz (o i^ie im B« Henoch erft das unbe- 
ftitemlerift VTort Geißt dann aber d6r allgemeiti yer* 
fiändlicbere und daher anfchaulichere Ausdruck En* 
g^l angewendet wird. In gleichem Sinne aufsert 
Bch Kosmag auch a. a, O. p. 135 — 56. : Kvidiv6vtmv 

9o£pvp tSp &avQiop diä top dopdrap 6vpdiiB<»p 

999ut 6iß T^ xowpxtp ax^giaxi xug hdelipttg dnoxilBlavat xqg 
«difri^tf %ul toi liXlov' Xioyiimg ydq %a\ evroxroig xal ^|ii- 
c#^i»0 i^y-Ap al dyyiXinal 'Btpd^tig xd ex^futxa iu- 
fP09#a» «sSttXovtfly, .iifyop mm) taxiißtpai vwxdg xal fjfii- 
0et$ JttUticxi^g, "Opmb^ yäQ xQÖnop ol e^oo^ev Xsyovoip vno- 

tt tkcm i^pp v^g y^g xpxXavetp^ avtd dnsifiCiLi'KTiog , ^i} 

0p§Mfia£^opxt9 Tjf q>vaH x&p itqay(i.dx(ov * '^(''Btg — -* • 

ttfyoP' aUtjid^btvxig xa p^ xtjv ntffitpo^up f^xoi n)v noifsltxp 

w9 S € t^iß 6id Tovroi) xod oxijtiatos dnoTiXilaO'eci aixdg 

l i y>i wy » Und vom Regen Tagt er (a. a. O. p. 156. D.) : 

«•1»« dl .verovs x6 xff^t^H^op 6 ^tog 6id xwp dyye^ 

lis»v dvpdi^emp ixa^s yivta^aif i^V7tr](fiTOVPx<i9P nai 

^W «ff ^tüLdcüffg M xdg pi^iXag dpteyopxnp nal tf ntfogr 

Bwk nenoch. 29 



440 Kap. 58. V. 9. 

des Schnees wegen feiner Stärlie; und ein Gei 



^uov ngogxayiux iul£voij\ und mit Berufung auf 

niel 3, 57- anderswo (a, a. O. p. 288 — i 
i» xmv vKoxurad'iv SitfTtQeiaag tovg dyyiXovg^ dwa 
avtüvg i^Biniv (nämlich Jaytrjl)^ iw otg httmnnjipfw 
wal üilijvriVf tial uCTQa^ %al ofißgovg^ «rl 6^6ovt^ 
aviftovg^ xalnv^y %al fttviog^ uai «ocvfia, 
ys^^XffC, ital wifpttovg^ %al daxQUTiagi 
•ndvta TU itBffl xov diga %al rd vdaza %al 
yff^. Beßritten wird diefe Vorftellung in einer, 
wShnlicli , aber irrthümlich , dem Philofophen 
Philoponus zugefcbriebenen Schrift wtgl wociiM 
(Jo. Fhiloponi in Cap. T. Genefeot de mundi < 
tione Libri VII. ed. Balth, Corderio, Vienn. x63C 
Liib. I. ep. 12. (a. a. O. p. 25.): S»9dT»6€tm tt 

oi roo SeoöeiQöv Soirjg an^ofamoTfc, on nbjpif 

ijXtopf wzl vov datigmlß hucarov fyyeXof xivoBöiVf % 
mgoa^iP Shtovtsg ^notvylatp d/xip, f Imbdovirrts Is 
mg oi *« niQupe(fi tpoffzla vvUovtBq^ ^ jcal m/Mpin^ 
hd räv äfimw fpifforngf iv xL av cfiy icixraycXatfiiffi 
und febr wahr binzugefetzt : ig oi% ijdvVoso « 
sial ^XUp %al xolg lotnoig 'AoTQOtg 6 Sfjfuovqyiiötig «J 
i ^tog xiyi^rixijy h^slvai Swfäfuv, dg roff £a»otf ■ 
rdg d%6 «^j^ff mviTtfeiC- ^yMkci;p2ov<n7( uvxotg; Geiß 

Engel find offenbar hier bei Hcnoch ideDtifcb. '. 
letztere Aufdruck wird als der populäre und dl 
angemelTenere nachträglich gebraucht, nm diel 
fiellung der Denkweife der grofsen Meuge nihtf 
bringen , und ihr fonach das Auffallende und 1 
fame zu nehmen » waa fie , auf Hitte , Froll 
ahnliche GegenßSndo' angewendet 9 felbft Cur 
phantafiereichen Morgenländer haben mochte. 1 
ich Geift dea Reifet nenne, will der Vet£ fa 
würde im gewohnlichen Sprachgebraache Ceia, tUf. 

beilaen. Laurenc^ hat den Sata: (DiTOTl^ 



Kap. 58. V. 9. 441 

^k ihm befonderlich , welcher aufzeigen läfst von 

Jpiritus pruina^ angelus ejus efi überfetst: der Geiß 

des Reifes (,«froß**) hat feinen Engel («»bas itt an- 

• gel*Oi 'wornach Engel und Geift o£Fenbar verfchieden 

feyn müfsten, und das Ganze entweder gana unklar 

- gedacht wäre oder nur heifsen könnte : jenes geiftige 
Frincip der Naturphanomena werde durch einen he- 
fondera damit beauftragten Engel beobachtet und 

r geleitet« Ebenfo wenig kann feine Uebertragung der 

folgenden Worte: Q>(^^ (^fll fiZ^J^l ^£\i\^: 

•VC* drA + i: durch: „in dem Geifie des Hagels 
' da ifi ein guter Engel** gebilligt werden, weil 
' Ge den dem Originale fremden Gedanken einet Un- 
i terfcheidung zwifchen der Intelligens, welche den 
t Bagd gloichfam leitet, xind dem Engel ausfpricht. 
\ X3ca Hegels Engel wird ausdrücklich gut genannt, 
ureil feiiie Wirkfamkeit nach der gewöhnlichen Er- 
fahrung nur fchadlich erfcheint. Der Verf. will dem 
Vorurtheil begegnen , welches durch jene Erfahrung 
crseugt werden könnte, als fey diefs Naturerseugv 
aufa Werkaeug damonifcher, böswilliger Wirkfamkeit. 

n7\^ + :^ßA: ItAlf: pro/irer »im /iMim über. 
latxt Laurencei „in feiner Stärke*' und hat davor 
noch daa Verfaum nachlaffen (9,the fpirit of fnow 
e^^fes in its ftrength'*), welches im Original, we« 
■jigSena dica Cod. Rüpp. , nicht fteht , wobei er wohl 
irnr bodlej. Haadfchrift folgen mag. Dagegen druckt 

er die Copnla yor dem Satse nicht aus und trennt 
iÜn TOn dem rorhergehenden durch Semicolon, bei 
frelchcni Verfahren aber erfterer ohne das Verbum 

^maeklitffen** keinen Sinn geben würde. Wahrfchein- 
** iA foll SU (geiß des Schnees aus dem vorhergehen« 



i\r\ * 



M2 Kap. 5a. V. 9- 

ihm wie Rauch , und fein Name ilt Kiihlung 



den als Pradicait gedacht werden : iß ein guter 
Ein folcher , heifflt es , ift ihm verliehen , w< 
Einfiufs (z.B. durch Verforgung der Berge mit \ 
fo bedeutend ift. Die Wichtigkeit des Sehnet 
anlafst noch eine nähere Schilderung deffelb 
zu Ende des Verfes. Der Anfang derfelben: 

ritus in eo folus (unicus) efi (Otj ^/hi 

erklärt das dem Schnee ausrchliefslich Eigen' 

einmal gewählten Einkleidung gemäfsy durch i 

lirung der darin wirkfamen geißigen Kraft nn 

gänsliche Trennung von allen ähnlichen Inte 

xen ( 99 SL folitary fpirit^' überfetat daher X«aM 

Denn bAh'tit (vgl. auch V. lo.), die gewöh 

Beaeichnung für das hehr. *1^7, drückt gawö 

das von andern Abgefonderte aus; vgl. aii£i< 

wenigen , von Ludolf im Wörterb. citirten S 

z. B. I Mof. 30, 40. 32 9 16. 43, 33. Rieht 

Dem Epitheton bAh'tit würde der Verf. nach 

r«/ice'i Üeberfctzung: »^iveLcher aufßeig^ (Ifc 

davon gleich Dampf (vapour)«« ein zweitaa i 

feilen , wobei lieh auch die Copula , welci 

defs Laurence nicht ausdrückt , wohl erklaren ! 

Statt aber ein Nomen oder Particip ansnwi 

fchritte die Rede im Verbo finito fort, daher dl 

lativum. Allein in HP^C^^ ^ nur vor dei 

lativum Hl clas Demonftrativum nicht autdcA 
gefetzt (vgl. Ludolf grammat. Aeth. p« 243. al 

.weil es leicht zu ergänzen war; dTA'f!« 141! 
des Satzes verlangt diefe AufiPaflung (voUftSn^yj 

tet nämUch der Satz: (DHP^CII Ä<^j 
Yl^: /IXh: dr7\1::)f Das Veibum jiMi 



Kap. 58. V- 10. 443 

0. Und der Geift des Nebels ift nicht vereint 



alativen Sinn, äpdynp: er läfst in die Höhe ßeigen^ 
jB üA überhftapt von dem Principe der Tbätigkeit 
sm Geifte) nicht erwarten läfst , daft et , wie Lau- 
te« will, dampfartig dem Schnee entwiche* In 

2C^« ^'A Ain mit 4tem Vokale hat Cod. Rüpp. 
B. auch I Mof. 2, ö.« wo im gedruckten Texte 
itei Tk. Petraeus Ausg. der äthiop. UeberL des 

iw p. 39. P ü C *! ♦ gelefen wird. Auch l Mof. 

6. kann jaAreg caufativ flehen. /1V. M« fumuss 
;h Ludolf (unt. d. W. } foll es befondera vom 
mpfe des Räucheropfers gebraucht werden , alleia 
le Bedeutung iß gewifs allgemeiner; daher kommt 
B. B. I MoC 19« 28* vom Rauche des brennenden 
loins, Hieb 41, 22. vom Dampfe des fiedendea 

iflers und die Radix ft\Pl\l 1 Mof. 15» 17. vom 
alme des Ofens vor, anderer ähnlicher Stellen su 
:h'weigen. Unter diefem Rauche mufs eine mit dem 
nee zufallig zugleich ßattfindende, daher fcheinbar 
i ihm ausgehende phy/ifche Erfcheinung gemeint 
a. Nach der natürllchflen und einfachflen Anficht 
der ftarke Froßnebel zu verRehen , welcher im 
Bter wie Dampf oder Rauch, auch über der mit 
und Schnee bedeckten Erdoberfläche lagert. 
npf im eigentlichen Sinne würde vom Schnee 
in der Nahe warmer Quellen auffleigen, wie zu 
igotri und Dfchemnotri im Himmalehgebirge, wo 
Gange und D chemna aus Schncehöhlen hervor« 
:heD. Beflätigte ßch Laur^nce'j' Behauptung, dafs 
B. Henqch in den nördlichen Gegenden des kaspi- 
m Meeres entflanden fey (vgl. Einl. S. 27 fF. und 
7off)t fo würden allerdings die zahlreichen hei* 
n Qüiellen , welche behanntlich dort fleh befinden, 



444 Kap. 58. V. 10, 

mit ihnen in ihren BehältnilTen, fondem er ha 
Behäluiif$ befonders } denn fein Wandel ifi in GJ 



> '!■ 



beim Fallen Ton Schnee recht wohl dem Vcrrf. ein fo 
Schanfpiel haben darbieten können, als hier beTc 
ben ift. Ich darf aber nicht verhehlen, dafa et ; 
ganz feft fteht , ob der gxe Vers vom Schnee ha 

Im Aethiopifchen fteht nämlich n\ C^ J^ • y we 
nicht nur Laurence^ fondem auch bereits Li 
(Lex. Aethiop. lat. ed. 2« p. 33 — 34., vgL p. 
und Ffalter. aethiop. et lat. p, 317. ) fo de 
Letzterer beruft Cch vorzüglich auf die Angab< 
nes Aethiopiers und citirt aus der athiopifchen 1 
überfetzung blofs Pf. 14g, g. , wo aber hamaiA 
griechifphen ii^ovtdXog entrpricht (das Hebraü 
wo V. 7. zu vergleichen ift, hat 'llD^D) und 

bereits riilth^Ply als Ueberfetzung des gii 
Ximv (im Hebräifchen Hebt Ji^tl)) alfo der gew 

liehen Bezeichnung von Schnee vorausgeht, und 
Jjudolfp ohne weitere Auetoritat (C LexiQi i 
P* 345* )' durch grando minuta übertragen wi 
Da der Schnee , wie Ludolf ( Hifi. aeth. L. L < 
n. 13. 14. Lexic. p. 34.) feinem Gregoriut nK 
rihlt, in Aethiopien feiten fallt, fo kann |enes! 
g^bomen Auctorität für uns wohl nicht bindend t 
fobald Gründe vorliegen feilten, davon abzngfi 
In der ithiopifchen VerGon der mir oieift handfd 
lieh zu Gebote Sehenden biblifchen Schriften, 
von Ludolf mehrere, unter andern das B. Hiol^ 
IVörterbnche nicht benutzen konnte, kommt hm 
noch einige Male vor, aber offenbar nicht IQr Sd 
als Hieb 37, 33.9 wo in der alexandrinifchen Vü 
mdpni fteht (das Hebr. redet vom Wege, den iut 

nimmt) und d^felbft V. aST- ^^^Jgl A(1^ 



Kap. 58. V. 11. 445 

1 1« in Licht und in Finiternifs , in Winter 



für ndx^ h ovVffvojr ( Im Hcbr. ßeht D^Ö SD? ), 

'wodasAethiopircheimFarallelismus fl^J^* Hagel 
liat. Auf der andern Seite ift auch nicht eu verken-r 
zien, dafs die athiopifche Bibelrerfion bei Uebertra* 
gung der^nrgen phylifchen Erfpheiiiungen , welche 
ia Aethiopien zu den ungewöhnlichen gehören, nicht 
£[ans confi^nt bleibt; fo überfet:£t He durch harad 
(eigentlich Hagel) 4 Mo f. n, 7. und Hiob 37, 29. 

das griechirche %QvavaXlog (im Ilebr. fieht dort H^^S, 

liier rrjP), ebenfo Hiab 37, 5. und 38, 22. das. 

^iech. x^^^ (im Hehr, ßeht beide Male J(S^^- auch 

•% Mof. 31, 40. , wo der gewöhnliche Text, abwei- 
chend vom hebräifchen und griechifchen (tö Bayern. 

«^«wro'o, A.A.+ : nmA: ^np^:: (die 

fachte habe ick vergchlich durchwachi") darbietet, 
fieht ^irenigßens auf dem Rande der Handfchrift, um 
da« griechische naystog Eiskalte wieder zu geben, 

tHC^' (unftreitig verfchrieben für fS^^^l). 
Femer fetst fie askaijA^ welches Ludolf(JLGx. p. 346.) 
durch kleinen Hagel erklärt , nicht nur für ^tdxvrj^ 
"vraa (chon Ludolf anmerliU fondern Hiob6> l€. auch 
für «e^^aüofi (im Hebr. fieht fl^P ) « Pf. 14a, g. für 

jMajr. ( im Hebr. V . 7. ßeht XJV ^ ^ wo es doch voa 

dem vorhergehenden bar ad und dem nachfolgenden 
iuMnuidA verfchieden feyn mufs, Hiob 37, 9. für 
Myofir (im hebr. Texte vgl. V. 10. , wo TV\D ßeht) 

und Hiob 33, 22. für X<^^1 (im Hebr. findet fich 
"T^SV Nach Hiob 37, 29. ift hamadA allerdings 
etiires Bin Himmel (fcheinbar, d. L in der Atmofphäre) 
Befindliches, und ioc dem Zufammenhangc nebjen dem 



446 Kap. 6«. V. 11. 

und in Souimer, und fein BeliäUlufa ift 

fein Engelift (dort)«')- 



bereiti eiwalinten Reif (_athatjA) ond Hi 
erwartet man hier alleidingt Schnee. Da« 
dem Scblufsfatze dei \txtet : und /«in N« 
lung foll Cch wohl auf tit (Hauch) heai 
auf manfttj (Geiß), J?£Tt* erMirt 
WÖrterb.) , dein Laurene* folgt, von fcb 
frifchender Kälte, im Gegeofatx von * 
harten, empfindlichen FioKe. Der Situ 
Schnee verbreitete, frifch« Temperatur i 
und wohUhätig; diele bekommt eineo ilu 
rakteiiHreoden Namen. 
31) 'X^* V. lo. TeTRehtLaur«KC«TOm^ 
er Ludolfs Aactoritat (Lex. Aethiop, p, 
für fich hat. Hioh 34, Ip- und FC 147, 
Ludolf a. a. O. nur letztere Stell« «' 
fuhrt, bat der griechirch« Text (V. I 
LXX KU vergleichen) aUeidings JMt 
Beht freilich SS^), obfehon daa Bild c 
xerßreum wU Afckt^ nicht recht *ui 
' Joel 3, 3. und Zeph. i, 15. wüd^dflTe 
Wort ithiopilicb fo überfeimt (üb blb 
und es geht £(^^t fchwan» Wcl 
Auadnick, wodurch Hiob Sgi-X« 40 
Ittxoff, hier i» vom f'-ftvs (imHebr. £ 
auagediüdtt wii<' 

fion Ao.«Mr 
1 fkmitm 





4*i» 

1 eine 

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~" " ~ mimen 

bringen 

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. Der G^. 

den ces M- 



zu jeder 
dasWaf- 



BebiltnUt) 



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Ne£ii::: I. -. 

t iinei tta?-.-, i.^? . golien WoH 

der >V.'.: i^-:- ■ -^i -..--. 1. V. 13., wo 

nicht i-i i-- ~-:-. . • . ^ incndeo Verba 

Litht •■i^.i i.- - V' i_ . g.^ \:a Functionen 

gundN»::.;. •:;.;,■ . . , er veranlafst 

tCioaiti^ttiiib,-.^z.---jLr' ' ■ ^ llehältniri ; da» 

P^'SnC' '~-^ ■ -sc ' 'S" welche Jieftjr 

_ . , " ä er ziehen foll, 
nau: er l;*ü **". - 

~ * 'B^'" 

irwecWelcsg *« _ » ; _^ Utig^ danim wid- 

.d V. 12. pngr*'; -f , i 14. Cod. RÜpp. 

:b Z-ot. HjTwrai '-5, ^ ^^ ^ibt. ß n «ii A . 

-McfiC, 6I«s <J.L^ -^ . 1, etg. /mi, ohj- 

'i altr, oder in, 
1 nachhet in di©- 
t Bild deiSäeM 
ibt « fprmgtH 
lingcdiereiVen 
1er Con&ructioa 

Dieb ifi sb< 
Gedtuke lehn 
fammenbange 
vruide« webbalb 




448 Kap. 58. V: 12. 

den BehältnjfTen des Regens » und fein Wandel i 
in Winter und in Sommer^), und feine Wol] 



CT A ^ $ (et angelus ejus) eß^ fc. in horrea ejus^ wef 
halb fchon Laurence ergänzt: »«dariit.*^ 

93) Den Vera beginnt ein abfoluter Satz, namUd 

<^*i<^ri: mA: ^r^je^: cet. der Geiß l 
Tfcaueit fein Haus iß u. f. w. Mak*dar (bei X.ai 
xence: ^^ahode*} [Wohnort]) eigentlich Zeit, dto 
Haus 9, JVohnung überhaupt (über das Bild £ fuc 

Pf. ig» 50» ift wabrfcheinlich zu J^^j^^^I confodt 
tum als Subject zu denken. Dagegen hat man di 
SU fVandel geborige Fronomen wegen der Paralld 
V. jo, auf den Thau (wohl nicht auf feinen Geil 
entfchieden aber nicht auf (ein Behältnifs) su beiil 
hen. An den Enden des Himmels finden wir In 
Thaues Geift auch Kp. 74, ii. , und nach Kp. 33, ] 
35» !• 73» 5« 9 — 10. kommt Thau wie Regen ai 
des Himmels Thoren. Wie hier, erfcheint er aoo 
dort mit dem Regen in eng(ter Verbindung, weil beü 
die Fruchtbarkeit bedingen. Eben fp öfters im A.t 
Auch nach 5 Mof. 33, 23. kommt der Thau 
Himmel, f^aurence hat nicht Behdltnißc des Regi 
fondern den Singular, wie auch V. 10. ^ derfelbe 
tipbralirt /eine fFbUe \irohl nicht glücklich durch: 
von ihm hervorgebrachte ff^olke und lafst die 
davor hinweg , ebenfo wie vor dem Satze : „eine ^ 

der andern^S wörtlich: ihrer Genoßinn \fv\MV* 
Der Sinn ift : Nebel geht leicht in Regen über, 
übrige Theil des Verfes ift darauf berechnet « 
Entftahen des Regens deutlich asu machen, wobei 
Verf. doch einer faß su kindlichen Anficht bi 
und fich*s durch Einmifcbung der Engel gar M 



lad die Wolke des Nebels ift vereinigt und ein^ 
pebt der anderen; und wenn der Geilt des Regens 
Ich bewegt von feinem Behaltnifs,; fo kommen 
Ingel und ö£Enen fein Behältnifs und bringen 
m heraus, 

13. und wenn er ausgefireuet wird über die 
Inze Erde 9 und wenn er lieh verbindet zu jeder 
dt mit dem WalTer in der E^de ^^). Denn das Waf» 



9iacbt. Die Suffixa in ^H^C^l (fein BehSItnifi) 

und JP (P07\ CDl (As laflen i^n herauf) gehen wohl 
nicht auf Ceiß^ fondem auf Regen i vgl. V. 13., wo 
diefer lichtlich Subject der dort vorkommenden Verba 
ift. Der Geift des Regem ift in feinen Functionen 
auf die Vörrathakammer befchränkt, er yeranlarst 
daa Entweichen delTelben aus dem Behältnifs; das 
Weitere aber, namentlich die Richtung, welche diefer 
cinfc^hlagen , die Gegend, in welche er ziehen foll« 
ift Werk der damit beauftragten Engel. 
93^ Der Regen ift dem Verf. zu wichtig ^ darum wid^ 
met er ihm auch nocb V. 13 und 14. Cod, Rüpp. 
knüpft y. 13. durch die Copula an, was Lawrence 

durch gleichfalls (likewife) wiedergibt. JS H AU\ l 
mit Verweckfelung des Mf und Ain , eig. fäen , ausr 

ttrtueni man überfetze J^H« durch üher^ oder in^ 

■v^as fprachlich zuläffig ift und bald nachher in di^ 

fem V^rfe 3 Male vorkommt, das Bild desSäena 

ifi immer feftzuhalten. Laurence gibt es fprengen 

(,,it u fprinkled**). N*ch demCelben hinge diefer Vera 

' mit dem vorhergehenden nicht in der Conftniction 

«abmmev, fondern beftande für Geh. DieCi ift abef 

Iftcindsweges der Fall, fondem der Gedanke fchr^« 

i let Bwar fort^ aber im innigften Zufammenhange mi^ 

I d^Oi wai V. iz\ auigofprQchen wurde i^ vvcishalh 



450 



Kap. 58- V- 13. 



fer wird .dem zu Theil, welches in der Erde fic 
beßndetf weil es Nahrung für die Erde von den 
Erhabenen, welcher im Himmel ilt. 



aach Cod. Rüpp, hier keinen neuen Vers beginnt 
Die Meinung des Verf. gebt dahin : Engel find nidit 
nur Eur Stelle, wenn der Regen fein Bebältnifs Ter- 
laflen foll, fondem auch bei der Vertbeilung deflet 
ben bis zu feiner Vereinigung mit der in der Erdi 
bereits befindlichen Feuchtigkeit, welche aur Erbal* 
tung der Gewachfe unumgänglich nothig ift. Dil 

hypothetifche Partikel (rHO) welche hier, wii 
Y. J2. fieht, läfst keine andere Äuffailung zu. La» 
rence yerknüpft zwar die beiden erfien Sätze dfll 
Yerfea als Vordergrund Nachfatz: ^ywenn er gUick 
falls (likewife) gefprengt wird über die ganze £ril% 
fo bildet er eine Vereinigung mit jeder Art JVaßifi 
auf dem Grunde** ; allein lautet die von ihm beiinl 
Handfchrift hier nicht etwa anders , als Cod. Ru| 
fo lafst fich diefs nicht rechtfertigen. Sonft wei< 
feine Ueberfetzung auch dariu ab , dafs Ce jeder 
Waßers gedenkt, wo das Original in Cod. Rü] 

den gans klaren Ausdruck fMYttl 'XHfl fi 
tempore bat; Grund (ground) in diefem und 

folgenden Satze für PrAllI arida (fc terra') 
unnöthige Abweichung, wodurch noch dazu leichti 

falfcbe Neben vorftellung entftehen könnte. Ali^ 

t^V: ^j*t: aT^aj p^je--^: j^a: p.ni 

wörtlich : nam ßunt atjuae iis (fc. aquis, quae) 
tant in arida; der Regen vermifcht fieb alfo 
dem von frühem Zeiten her in dem Scboofaa^ 
Erde verborgenen WalTer und trägt, wie dieret, 
Ernährung der Erde, d» b. alles deflen bei, was 



Kap. 58. V. 14—15. 451 

14. Denn dcfslialb ^^) iß ein Maafs im Regen 
nnd empfangen ihn die Engel. 

15. Diefes alles ^) fahe ich bis auf den Gar- 
en der Gerechten. 



tragt. Laurtnce ganz kurz : „denn die Wafler blei- 
ben auf dem Grunde*'; dagegen fupplirt er vor 'Nah- 
rung „fie verfchaffen.*' AO*A» hoch^ auch in der 
Sthiop« Bibelverfion Bezeichnung Gottes; Laurence 
ittxX den Superlativ. Neben der Zelle dea Textes, 

^vorin IX,'^^ « nutrimentum vorkommt, ßeht im 

Cod. Rüpp. auf dem Rande P^^fC\l adminißratio, 
procuratioj wohl nur als erklärende Gloflet nicht als 
verfchiedeno Lefeart. 

24} Damit es der Erde nicht an Nährftoff gebreche; 
Laurence fehr uuißundlich: „ Wegen diefer Vr fache 
alfo iß eine Ordnung (regulation) da in der Menge 
des Regens**9 und knüpft den letzten Satz durch's Re- 

lativum an, wahrend in Cod. Rüpp. die Copula Ol 
Aeht, was offenbar vorzuziehen ilt. Der Verf. will 
fiagen, fowohl die Maafsbeitimmung des Regens als 
die Thätigkeit der Engel dabei ift nothwendig^ da- 
mit die Erde zu gehöriger Zeit und an der e^ bedür- 
fenden Stelle die befrucbtendeFeuchtIgkeiteimpiange. 
15} Auch hier hat Laurence f der fich aber vielleicht 
bloCse* Erweiterung des Ausdruckes erlaubte, eine 
kleine Verfchiedenheit ; „DiV/e Dinge fahe. ich; fie 
ol/tf y fMfi das Paradies.^^ Garten der Gerechten ift 
Co viel als der herrliche Aufenthalt, welcher ^dep Ge- 
rechten ein&ens au Theil werden foll , alfo das,Para- 
4iea(vgL Kp. 31, a.), vrie Laurence überfetst. - Auch 
pflegt der Verf. (Kp. 22, 3. 24» 2 ff. Kp. 29 und 30.) 
eine liebliche , mit den ausgefucbteflcn Bäumen aufs 



i 



452 Kap. 59. V. 1. 

Kap. 59. Sect X.«^ 

iw In dem 500ften Jahre, und in dem ' 
X^onate, an dem 14ten des Monats» des Lei 



reicbfie ausgeftattete » Gegend als Wohnplats 
Frommen darzuftellen, ohne fie jedoch gerade al 
vormalige Paradies der I^rotoplaßen au bezeid 

S6) Wie fcbbn in Anmetk. lö. au Kp. 53, i. be^ 
wurde , enthalt Kp. 59. in Laurence*s Ueberfet 
(ifie Ausg.) und aus dort angegebenem Grunde 
in der meinigen nur einen Tbeil delTen» was die 
Laurence benutzten Handfchriften in demfelben ( 
Rüpp. in Kp. 5ai). darbieten, nämlich nur dec 
fang deJDTelben : V. i — ii. und aufserdem 3 Ver£e 
V. 13 — 14. bezeichnet), welche an feinem Sei 
fiehen« fo dafs die Ordnung der Handfchrifte 
Kp. 59. hergeftellt ift, wenn man nach anfem 
59» X — XI« Kp. 53. einfchiebt und dann Kp. 5 
^— X4« folgen läfst. Üeber die Grunde diefer S 
düng r. a. a. O. In der 2ten Ausgabe Ldurenee* 
inan alfo Kp« sg. zu vergleichen, weil hier 
' j;9fies Kap. nur die 2te Hälfte von Kp. 59. der I 

. fchrifiten, und noch dazu mit Ausl'chlufs dn^ier ^ 
(allb K]^. 5g. der erSen Ausgabe und iheiner U 

- ' folisuDg) , nämlich V. 12 — 26. in fich begreifk 
^7-^29. ftehen ih der 2ten Ausgabe am Endo 
Kp. jg. und zwar aus demfelben vom Inhalte fa 
* bclmlnenen Grunde» welcher Laurence (inerfier A' 
und nath ihm attch mich , sur Transpofiuon dei 
deb grofsem Abfchnitte in Kp. 59. der HandIcliT 
yeranlafste. Vgl. Anmerk. au Kp. 59 , n. i 
Xfidl« (Verf. e. voUft. Einl. in d.OSenb. Job. 8. 
Iiilligt die früher von Lawrence getroffene UnsfhUi 
doch fcheint ihm aur Hebung der ConfnCon 1 



Kap. 59. V. 1. 453 

llenochs^^)« In diefeni Glcichnifs fahe kh, cinfs 
der Himmel der Himmel erbebte in gewaltigem 



I 



mehr erforderlich. Die Angabe der Section ift nach 
dem Parifer Manufcript. 
07) Der ganze Zufchnitt des Kapitels ift allerdings von 
der Art 9 dafs man glauben möchte, es beginne ein 
gans neuer Abfchnitt ; aber vielmehr wird erft von 
hier an der Hauptinhalt der 3ten Parabel dargelegt 
(vgl. &inl. S. 14.). Defshalb wird die Zeitbeftim« 
nung vorangefetzt « welche übrigens gleich der An- 
gabe aller Nebenuniftände dazu beitragen foll| fefte 
Ueberzeugung über die Wahrheit des Vorausverkün* 
digten in dem Lefern zu erwecken und su begründen. 
Der Eingang ift offenbare. Nachbildung von Dan. g» 
25 £F. lOy 7 iF. I entferntere Aehnlichkeit bieten Ezech. 
S» I ff* 3f 23 ff. Jef. 69 5 ff. Jer. i» 6. dar. Auch 
anderwärts hat der Verf. einem fchon berücklichtig- 
ten Gegenftande durch ausführliche Schilderung fei- 
ner Lage und der Empfindungen, welche ihn bei 
dem Schauen und Hören beredten^ ein neues und 
höheres Intereffe ^u geben gefucht. Fafst mSiU die 
felrsahlung im Anfange diefes Kapitels nach dieft r Be- 
Biehung auf, fe verliert ße das Auffällige, was fie 
m dem Zufammenhange hat. Noch mehr würde diefa 
der FnU feyn, wenn Kp. 59. unmitt^bär nach Kp. 56« 
folgte, welches fireng genommen blofs Expofition 
der Ueherfchrift und vorläufige Andeutung des In« 
haltea der Parabel iff. Eine vollkommene Fatallele 
bSte dann der Abfchnitt Kp. 14 ff., wöKp. 14, 1 «—7. 
•ach erft eine Art Einleitung geben und dann die 
▼ifion (elbft folgt. Mir fcheint daher für die Her* 
' faUon^ der urfprünglichen Reihenfolge fölg^ide Ord« 
Awig nothig: Kp. 56. 59 (blofs in dem ümfknge, 
^^i^fiben es bei mir hat). 57. 5g (nach meiner Be- 




454 Kap. 59- V. 1. 

Beben und die Mächte des Erhabenen und d 
gel, Taufende von Taufenden und Myriade 



seichniing). 6off. Die dironologifche Notis» ' 
der Veif. Kp. 59. voranßellt» fallt defswege: 
auf I weil Henoch nach i Mof. 5, 23. nur 36« 
alt wurde, nach diefer Stelle aber wenigßen 
500 Jahre alt geworden fejn müfste. Defahi 
pfiehlt eine Randbemerkung des Cod. Rüpp. e: 
dereLefeart, nämlich: im 34^en Jahren alfo l' 
vor Henoch's Tode* Steckt kein Fehler in de 
fo müfste der mit der Genefis keineswegs unbe 
Verf. des B. Henoch ^on der Vorflellung aus 
dals Henoch auch nach feiner Entfernung v 
Erde noch Vifionen erhalten habe. Damit 
jedoch Kp. go, 13. im geraden Widerfpruche, 
ausdrücklich heifst, dafs er nach Vollendung d 
zu Theil gewordenen Vifionen zu den Menjcl 
rückgekekrt fey. Der erfte Vers ift bei Lm 
dem ich hier ^ wie fonft , in der Versabtheilut 
bleibe» ungewöhnlich lang, während fein Inl 
Cod. Rüpp. 3 Verfe bildet. Der erffe dairon > 
Uofs die Zeitangabe, welche daher nicht , wi 
X«aiirtfnc£*iÜÄberretzunggerchieht, mit dem fol 

pu verbinden ift. Die Worte A (IT A * : A^ 
in die fem Gleichnifs fetzen es aufser ZweifSa 
Kp. 59. nicht Anfang eines ganz neuen Abte 
. Xcy« jimfAl überfetzt Lawrence durch Parabs, 
das ^Wort auch beifsen kann (Ludolf lex. j 
und auf jeden Fall iß nach der Meinung dei 
das, was er fo nennt, mit dem identifch, ^ 
fonft Pmrabel nennt. Jedoch gebraucht er £S 

Xonft P^^/\: (Kp. 37, 3- 38» i- 45^1* 
S6f I» 68» 43.) f wefshalb hier eine andare B 



Kap. 59. V. 1. 45r) 

fTxaden waren crreet in grofscr Anfrepnn^. 
d fogleich fahe ich das Haupt der Tage auf dem 



nang ia der UeWretsung vorsuziehen fcliien. Der Re- 
dende ift Hcnoch oder Noah (f. V.9.). fl^Pl iVV ^* 
coslum coelorum für böchßer Ilimmel , der Ort, wo 

Gottct Thron ift. Jf^A^At: Ü/XP; eigeml. 
ma^nam commotionem^ als Acc. aufzufaflen» vir eich er 

den VcrbalbcgriiF JI'Jf'A^A^: commotum efi ver- 

terkt, ebenfo wie \J(\P: ähTi^tl (mit Vcr- 

wechfelung des Gutturals ßatt U-Tl't*«) magnas 

CMr&ai beim Verb o 't*U(DTVi! perturhatus fuU Lau- 
rence weniger wörtlich: y^dafs der Himmel der Tlim- 
nel erfchüttert ward, dafs er e'rfchüttert ward hef- 

tiglich.«« '!ßߣ\ l Kraft, Macht find die Kimmlifchen 
Schaaren (die ivvafug Ephef. i, 21.)» ^"d mufs col- 
lect! vifch gefafst werden, wie f^'h ül: (ßatt K'^S ü:) 

yji^l Kp.1,4.— AAAo:!: AÄAcfi't: heifat 

igentlich auch: Myriaden der Myriaden^ wie üec 
weite von demfelben Stamme kommende Ausdruck 

•AAIJ'M ^AAI^'I'; Achnliche Bezeichnung 

\T Engel nach ihrer ungeheuren Menge 1*. Kp. 2. 

f 94. 40, !• Das Gericht, welches kommen foll» 

ogt fie durch feine Furchtbarkeit in Unruhe ; was 

ander alfo, wenn Henoch davon in einem hohen 

\de afficirt worden wäre. Ueber Haupt der Tage 

Anm. 69. zuKp. 46, 1. 4793* 64» I* » in den beiden 

in Stellen wird feiner in ähnlichem Zulammen« 

;e gedacht. als hier. Für die Schilderung feiner 

senden Umgebung bietet auch Kp. 14, 10 — 24. 

Parallelen dar. Laurcnce knüpft den Satz 

die Partikel als an den vorigen an : »»und als ich 

loch. 30 



450 Kap. 59. V. 1. 

Throiie feiner Herrlichkeit fitzen, und die E 
die Gerechten rings um daflelbe Itehen. i 
felbfi ergriff gewaltiges Zittern, und Sehn 
fafste mich. Und meine Lenden beugten 
erfchlafften, und mein Ganzes löfte lieh 
fiel auf mein Antlitz. Und es fendete nii 



aufTahe , fafs ** u. f. w. ; allein im Origi 

PflH* illico; dann überfetzt er Heilige 
rechte (wie er es unter andern auch Kp. , 
gethan hat) und verbindet den Satz, wo 
vorkommt, durch während; vor den 3 i 
durch Punctum gefcliiedenen Sätzen läfst ( 
pula aus. Henoch bebt feine Perrönlicbk 

ders hervor (durch das voranftehende t\ 
das zugleich angewendete Suffix ap dexuVe: 
er bisher von den Engeln und ihter Beftü 

fprochen hatte. fV'Aijt'P: ego totus 
rence : meine Nieren, Henoch zittert zun 
den Anblick Gottes, wie Kp. 14, 12. 13,; 
vielleicht auch (vgl. indefs zu V. 2.) über 
kündigte Gericht (vgl. Jef. 15, 5. 16, g 
3 — 4. Hen. 21, 6. 39, 12. und fein Vor 
8« 17 ff« 10, 9). 

28) Der Sendende ift natürlich Gott^ welcl 
unter der Bezeichnung: Haupt der Tagt 
wurde; Laurence wählte das FaHivurn : 
wurde gefendet." Ueber Michael ift der Ve 
fiändlichy als käme er hier zum erfien \ 
während doch von ihm fchon vielfach (9» 
30» 5. 40» 8» 53» <$0 d^^ Rede war (eben fi 
■ S4»4.}; entgegengeßellt wird er einem and« 
fcheinh'ch doch demjenigen, von weichet 
früher begleitet i/vurde, dem Engel des 



Kap. S9. V. 1 — 3. 457 

aUgeh Michael, einen anderen heiligen Engel» 
nen von den heiligen Engeln, und er richtete 
ich auf. 

2. Und als er mich aufgerichtet hatte, kehrte 
leln Geift zurück; denn ich vermochte nicht zu 
tragen jenes Geficht der Macht, jene Aufregung 
Iblt und das Erbeben des Himmels. 

3. Und es fagte mir der heilige Michael: 
ITarimL erfchreckt dich ein folches Geficht? 



(53, 4* 53« 4* 54» 60« Darnnter kann aber in der 
dten Parabel wegen Kp. 53, 6. Michael durchaa» 
nicht verftanden werden , da jener Engel über ihn, 
fo wie über Gabriel, Raphael und Fhanuel in feiner 
Belehrung /ich verbreitet. Das den» Henoch so Theil 

gewordene Geficht wird V. 2. als C^PlUT^l 

^ f At vißo illa roboris bezeichnet » mit Bezug auf 
y. X. Macht fieht alfo wieder als CoUectivum der 
Himmelsbewohner (vgl* auch An merk. 77. zu Kp. , 
47» 3«) ^^^ bedeutet hier nicht Gewalnhätigkeitf wio 
laourence es fafst, und wovon wohl Lücke ausgeht» 
wenn er (Verf. e. vollft. Einl. in d. Apokal. S* 69O 
Cigt: das Geficht werde als befonders inh/iltsfchwec 
«ind erfckreckend angekündigt. Auch die folgenden 
Ausdrücke weifen auf die Erzählung V. i. hin. Sonft 
'würde allerdings , befonders unter Berückfichtigung 
Ton y. 4., jene Deutung zu dem Nachfolgenden recht 
gut paflen. ' V. 3. eröffnet bei Laurence die Zeitpar- 
tikel: dann; der äthiop. Text hat die einfache Co« 
pnla; auch überfetzt jener ungenau: »»bei Jte/lfm Ge- 
Ccht** undy. 4. : ,9 gegen aZi«<S wo das Original 

nach Cod. Büpp. AOA; 7\A: erga eos gibt. 
Aehnliche Fragen werden auch fonß von den Engeln 
aa Henoch gethan (Kp. 21» 3« 6. 24, 5 — 60> Einei^ 

30 * 



-täö Kap, 59. V. 4^-5. 

4. Bis heute war der Tag feiner Barmher 
kelt, und er ift barmherzig und langmüthig ge 
fen gegen die, welche wohnen auf Erden. 

5. Aber wenn ^) der Tag kommen w 
und die Macht und die Züchtigung und das 



Antwort Henoch's wird von Michael nicht abgei 
tetv fondern die Belehrung ohne Weiteres gege 

CVI^: ^ul': für c^t: c?^D^: dg. 

ginauus irae für langmüthig, nachllchtig. 

ap) Wenn hier nicht vielleicht © 1*1 fl, J fed cito 

(Dp A I aber wenn zu lefen iß, wodurch alles k 
ter und einfacher würde ^ hat man wohl Dicht 
Laurence alles > was auf den Satz : und wenn hom 
wird der Tag^ in diefem Verfe folgt, als Machfat: 
faflen: „dann (wird) die Kraft, die Strafe und 
Gericht (eintreten — take -place — ),** wie y 
überfetzt, indem er das in Farenthefe Gefchlol 
ergänzt und die vor hajH (Kraft) ßehende Coi 
als Zeichen des Nachfatzes {then^ fafst. Soll 
Lefeart foha feftgehalten werden, fo fcheint es be 
den ganzen 4t en Vers als Vorderfatz und erft ^ 
alsNachfatz und das im Anfange des letztern fiehi 

(D«. als Zeichen des Nachfatzes zu betrachten , 
es in meineE Ueberfetzung gcfchieht. Tag V. 5. 
ändert Laurence um in Zeit , während er es yo; 
und nachher beibehält. Macht unßreitig jene, 1 
che V. I und 2. fchon erwähnt wurde, alfo die mi 
tige Begleitung Gottes, die Engel ; ihre ErfcheiQ 
xeigt den Anbruch des grofsen Gerichtstagea ' 

^¥UJ4!^- eig. Scklagen^ dann troptfch Str 
Herr der Geißer f. Anmerk, 30. su Kp« 37, 

J^rt^lJE,; /< proßrant, das arab. aqn«ir. Gwr 



l 



Kap, 59. V. 5 — 6. 459 

rieht, welche bereitet hat der Herr der Getfter für 
diejenigen I welche lieh beulen vor deni^yericht 
der Gerech tigh ei ty und für diejenigen, welche leug- 
nen das Gericht der Gerechtigkeit, und für dieje- 
nigen, welche feinen Namen unnütz führen : 

6. fo iffjenerTag bereitet ^^) denAuserwähl- 
ten zur Vereinigung und den Sündern zur Prüfung. 



^ 



t 



der Gerechtigkeit (gerecutes Gericht) hat Laurence 
nur einmal; in dem aten Satze, delTen Cöpüla er 
auch übergeht, überfetzt er dafür: diefes Gericht, 

JfYWJJS,! negant (nicht gerade ahfchwören^ wie es 
Laurence fafst). Paralt^eo zu diefer Characteriftik 
der Gottlofeil bietet das A. T. öfters dar; Tgl. Jef. 
5, 19. 66,5« Je^- I7> 15- Arnos 5, ig. E^cch. 12, 23. 
Hen. 45, 2- heifst es von den Böfen: fie leugneu 

Gottes Namen. >\A: P^fSShl t\^' (\Ti t 
tfferentes nomcn ejus frufira ift unßreitig fo viel als 

a MoT-ao, 7. HJPS(Uj7\; tl^l f\ih(\^: xjui 

nomen ejus mendacio effert (für das griqcb« "^ov Xa(i- 
ßipovta t6 OTOfiu avtov inl fia^aitp ^ , bezeichnet alfo 
diejenigen I welche Gottes Namen mifsbrauchen 
und entheiligen, wie 3 Mof. 19 (im ithiop. Texto 

des Cod. Rüpp. 21), 12.: ^-Jh.Ct^tii: fl^t 

i nPJCin! ne- profanetis ejus (Dei) nom^n fanctum» 
Laurence fafst es' auch fchon fo ( ,, take his name in 
vain**)t obgleich er das Suffix an dem Subftautiv 
Namen, nicht fand. 

so) Dielet Vers bildet nach der einfachften AufFaflungs- 
«r^ife dea Textes , wie er in Cod. Rüpp. lautet, den 

' NachCatB feu V. 5» Das Präteritum mit der Copula : 

Oi^Jf AQ)^J empfiehlt freilich die Annahme, dafs 
der Grundgedanke aus V. 5. recapituliFt werde , mit 



460 Kap. 59- V. 7. 

7. [t/nd es werden vertheilt werden^ 
jenem Tage zioei Ungeheuer : ein weibliches 



y 



Hinzufügung des verfchiedenen Erfolgs , iT^dcl 
ner Gerichtstag für die beiden MenfchencUlTi 

ben werde, i^ d^ A I (nach Ludolf lex. p. t 

/\^ SU fchreiben) eigentlich Schwur^ dann 
eingegangenes Bundnifs ; bei Laurence daher co 
(.Vertrag, Bündnils) überfetzt. Die Fromme 
einigen fich mit Gott , fohliefsen gleichfam ein 

nifs mit ihm in der feierlichften Weife. (t\ 
Befragung f Rechenfchaft ; da das Refultat de: 
den Sündern nicht günllig fejn kann, und die] 
davon fogleich eintreten , fo deutet der Aasdn 
türliq]^ auf Beßrafung hin. Laurence fuppli 
Terdeutlichung vor Bund und Prüfung t als e 
(„as a day of''). Auf das verfchiedene Gefch 
Frommen und Gottlofen am grofsen Tage d 
Tichts deutet auch Kp. 22, lo S. 
Ql) Laurence fetzt hinzu: zur Speije (tot food] 
' bei er 'den Schlnfs des Kapitels (hier Y. I2. b 
net , in der bodlej. Handfchrift Y. 27.) im Ao 
Aufserdem fagt er zur Erklärung nur noch : , 
die Jüdifche Fabel von dem Leviathan und d 
hemoth habe ich mich in meinen Anmerkun, 
dem .erften Buch Esra p. 308* verbreitet. Di 
ift zu abgedrofchen unter den Juden, als i 
wiederholt werden müfste. Ich habe ■ daa 

A^nC^J (follte A^^nC^^^ heifse». w 
Cod« Rüpp. hat) Ungeheuer überfetsti Ludo 
ihm blofa die Bedeutung tigres, Tiger» Aba 
Leviathan und Behemotb ofEenbar nifimala 
Tigerarten gerechnet worden , fo habe ich , c 
ohne Auuoütati einen aUgemeinen Auidn 



Kap. $9. V. 7. 4ül 

■ 

\eh€uer^ ä^ffen Name Leviathan , laeil es wohnt in 
jer Tiefe des Meeres über den puellen der Gewüjffer^ 

wählt." S'AC* ^^ eigentlich, wie Ludolf (t^gt 
(lex. methiop. p. 293. 302. und lex. aiuhar. p. 51.), 

die amharifche Forin für das athiopifche S ^ d * 
(das hebraifche "^O^)', womit Tiger und Parder be- 
seichnet werden. * Uebrigens i(l eine folcbe Erweito- 
rung der urfpriinglichen Bedeutung, wie He Laurence 
annimiAt, bei d^ ^Thiernamen nichts Unerhörtes. 
So erklärt z. B.tZbi^a (Catal. Cod. Copt. p. 530,) 
das koptifcbe Wort thrkx durch JBar, während 7fZa^- 
roth (Examen crit. des travaux de Mr. Champollion*, 
Paris I832I p. 117 — Ig.) bemerkt, dafs es wahr« 
' fcheinlicli mit dem griech. rccQoiaüsiv, rdiftt^ig zufam- 
menbaiige und alfo jedes Raubthier bezeichnen könne. 
Bevt^eifendfür den Gebrauch des üthiop.Wortes ift Hiob 

3« g. 9 'wo es mit dem Epitheton ^(\P j ♦ für das 
griechifche fäya x^rog (im Hebr. fleht JH'JI^) vor- 
kommt. A>T.;^1^: L€i;^t/l/i und 'fifh^^l 
iihemot konnte der Verf. des B. Ilenoch nicht, wie 
inan zu glauben geneigt feyn möchte, aus dem B. 
Hiob entlehnen; denn in der äthiopischen Verßon 
des letztem kommt weder das eine noch das andere 

■ vor, fondern flau Aet^en Hiob 40, 20. Tl ^ 11,1 anguis^ 
wie Ff. 73, 14. und 103 1 28- (im Hebr. 74, 13. und 

104, 26.) » und Hiob 40, lo. iiAi^Tl ferptntes^ 

ir/Iiatf,weil fchon die LXX beide Namen vermieden und 

-;. fnr jenes d^cbtmv, für diefes ^n^ln gefetzt haben« Diefa 

ri ift infofem wichtig und intereflant, als fich daraus 

-.ergibt, dafs aus der jiidifchenUeberlieferunggefchöpft 

wurde und der Verf. judifcher Abkunft war. Ohne 

. letxtere würde die nicht zu verkennende fefie Ueber- 

seuguDg dcITelben von der Wahrheit jener judifchen 



4ÜU Kap. sy. V. a ' 

8. lind das männliche hat den Namm 
vioth^'% welches emnimmt mit feiner Bruft 

Jiolithare JVüfte^ 



Erwartung gar au febr auffallen ; wahrend et 
von Kindheit an eingefogdoes und genährtei 
theil dem ßarren Sinne des Juden fich wohl < 
len konnte. In den Kreis -der grobem Vorßi 
vom melTianifchen Reiche, welche indefs v 
•Gebildetern als blofse Aflleg^rie aufgefafst 
gehört allerdings die Meinupg, dafs der Bc 
und Leviathan einft dm;\ Nachkommen Ä 
zum Mahle dargeboten werden foUen. Vgl. 
Jon Buxtorf (des altern) Synagoga Judaica ( 
ed. 3. (Balil. 1661. 80 P^ 734 f<l* und Lex!« 
Talmud, et Rahbin. p. 1128.9 wo auch ainigi 
jiidifcher Schriftßeller über diefen Gegenfiai 
werden. Das nach dem Nameji Leviathan I 
fchliefst Laurcnce durch das Relati^um an { 

Rüpp. ßeht diefes nicht , fondern die Partikc 
Diefe fleht wahrfcheinlich caufal, und der Si 
Tbier erhielt jenen Namen, weil es ein ge 
Seethier ifl. Betrachtet man die urrpriing 
bräifche Form der Worte Leviathan und B< 
fo foUte man das männliche und weibliche G< 
nicht, wie es hier im B, Henoch angegebc 
unter Ce vertheilt erwarten, fondern gerad 
kehrt. Der Verf. iS zufrieden, in ihnen di 
Gefchlechter angedeutet zu haben. Statt Tie 
Laurente den Plural, lieber den Quellen des 
befindet ßch der Lüviathan infofern, ala di 
dem Meeresgründe hervorfprudelad gedlicht 

32) Der Anfang des Verfea lautet eigantlich 



Kap. 59. V. 9. 463 

9. und ihr Name iftDendajen^ gegen Morgen 
h GartenSj ipo die AuserwUhlten und die Gerecht 



Bekemoth fa eß, LaurenCM fupplirt Ungeheuer cum 
Adjectiv männlich ^ und überfetzt überhaupt etwas 
frei, wenn er nicht einer andern Lefeart folgt: »»und 
ein männliches (Ungeheuer), deßen Name Behemotk 
i/I**, wodurch allerdings der Gegenfatz des zwei- 
ten Thieres gegen das erftere fchärfer heraustritt. 

H J? A ^ Tl ! (fuod apprehendit (tenet), ift dichterifcbo 
Art zu reden fiil:: es häufet oder wohnt; es ruht auf 
dem untern Theile und berührt gerade damit dio 
Einöde« daher ift diefer recht palTend als dvs bezeichnet, 
womit es glclchfam das unwirthbare Land erfüllt. 
LaMrrnce fupplirt den Begriff: fich bewegen (^^^wtlches 
innfe hat, fich bewegend auf feiner Bruft« die unficht« 
bare Wildnifs — wildernefs — *^)9 dachte «Ifo wahr« 
Icheinlicb- aa Thiere, wie die Schlangen, welche 

licli'auf dem Bauche fortbewegen. i\$^^^li'l 

(mit m Satt A:, wiQ Ludolf fchreibt» doph hat 
auch der gedruckte Text von x Mof. t — f 4* ed* Fe» 
traei die Form mit Ain) ift nicht pectuSstfm iqi^ftren« 
gen. Sinne des Wortes ^ obfchon Ludoljf blofj^ diefo 
Bedeutung angibt; denn.z. B. i Mof. 3, 14. kommt 
ea von i»t Schlange vor, welche auf ihrem Baucha 

(imIIeV*fi^ {irU'Sy) kriecht. Die Wufta, wo 

:.fene» Ungethüm fich 'aufhaltt wird im pten Verfo 

\. nach 'Namen und, Lage naher beftimmt. Laurenee 

labt den Anfang des Verfes von der Vergangenheit 

und. relative: '^fderen Name Qendajen ujarV; •Hein 

m Yerbum Seht gar nicht da , und Cod. Rüpp» hat 

& C<(pttla (D'y aber nicht das Relativum. In 

J^^^f^JS'^S^ -als athiopifcbes Wort betrachtet, ift 



4;64 Kap. 59. T. 9. 

ten weilen werden^ und wohin aufgenommen wurät 



mm 



ii 



der letstere Theil (iajen^\tiQc\x mitS). ein Nomen und 
bedeutet Gericht (das hebr. P*1); aber auch der er- 

ftere {den) fcheint auf diefelbe Wurzel hinsu'weifen. 
Ging die Benennung von den Hebräern aas, fo ergibt 
fich diefelbe Etymologie; dagegen ift bei den an das 
cbaldSifcbe DemonRrativum r*1 wohl, nicht zu den« 

:fcaa. Kp. 1O9 6. kam eine in Dudacl ( J^J^AiA!) 

od?r Dondaei befindliche Wiifte vor, in welche Azizel 

verftofsen wird; üe könnte mit der hier erwähnten 

;identifch feyn. Das Land ößlich vom Paradiefe ift 

diefem Ungethüm angewiefon , weil diefes von Men- 

fchen nicht betreten wird. Der Verf. 'will dadurch 

dem. etwaigen Einwurfe begegnen, dafa Nienind 

.diefef Thie^ gefehen habe. Bis zum grofsen Gericht 

nyir^ es alfo in der davon benannten unwirthbaren 

Gebend aufbewahrt. . Was Kp. 5g , 15. Garten der 

Gerechten hieTs/ iflf hier genauer bezeichnet als künf* 

tig^r «Aufenthaltstrrt der zu befeligenderi Ffommen; 

irgl.Stp. 60, 'I5m Vornacb die l^romthen eiAtk lYn Garttn 

' i^t Lebens wohnen fohlen. Allgei^linef Selcbreibea 
>■'••• ■"■>'_i 

^P' iSf* 4' 5* 7* ^nd 41^ i» dieffin Wohnplat^ der* 

fälbkii. Laiire/ic^' überfetzt gegen d^n nlil' Vorlitogea- 

'ihn Text: der"AuserwäkUe und GereiVie (iWi Siag.}i 

• was • er >'vielleiobl» ■ «oUefitive ' genrarmeR' 'hat • aber 

vdpchi auch fbifsd^tel? und vom' Meßias veiftaedei 

, werden : konnte- (/Vgl..' Kp. 45, 3.4. 48, 5. 4gb«3- 

50» ^b.^I» jii 6a,'44^iio. 6X9 X.), welchen .der Veii 

•bieV ii'och nicht liferuchricfatigt. Wo , wohin fi^Ol 

eig. apudt int'eri Kp. 6o> li- Aeht dafür dflli*« 
Den letzten Theil des Verfea bat Lautähee durch 

TeAtlmung' der Syibe lfm in 7\^Yti0*P: mt 



Kap. 59- V. 9. 4ü5 

ein ßrofsvater, w^lclier derßehente war von Adam^ 



mens 9 welche er als Präpofition Tif^l a^ ex faCst, 
oder durch falfchllche Verdoppelung derfelben und 

duroh Verwcchfelung der beiden Worte ^r(\^l 

feptimus und fl ^A A • homo gans unrichtig gedeutet : 
9fVrp er (es) empfing von meinem Vorfahren» welcher 
Menfch war^* u. L w, Dafs des Redenden Ahnherr 
ein Sterblicher gewefen, verfleht Ach von f(dlbft und 
w^ar daher ganz unnÖthig zu erwähnen« Auch waro 
unklar, wer der Empfangende lej, Gefprochen wird 
ficherlich über Henoch , welcher in . der Genealogie 
der Genefis (Kp. 5.) wirklich das fieherut Glied 
-(Adam, Seth, Enos, Kenan, MabialalQel, Jared» He» 
noch) ausmacht; vgL auch Hex^« 37, l. Henochs 
Enköl iß Lamech ; da aber diefem an keiner andern 
Stelle des Huches Henoch eine Vilion zugefchrieben 
iß , fondern er (ich vielmehr durch feinen Vater Me« 
thufala bei dem Grofsvater Raths erholt^ (Kp. 105.), 
fo ift hier unßreitig Henochs Grofsen^Kel, d. fa. Noah, 
als der Erzählende zu betrachten. Auch Confi nennt 
IVoah den Henoch leinen Gropiyatfir |(TgL Kp. 64» 
4. 9. 66f 4. 67, i.) und Kp. 64» 3, erzahlt das B. 

Henoch, da& Noah tihf^/tifffi.X^Ti: den 
Grofsvater Henoch gerufen )iabe« /HochA wahr- 
fcheinlich bilden alfo die V erf; , y^^che, voja^ Ltevia- 
. than und BehexDpth, handeln,, V. 7-r- xi. , ein Ein- 
. fchiebfel, welches £}i. der Vifion des Noah (Kp: 64-— 
.670f und zwar noch beßimmter in Kp. 66« ^^gehort. 
Solche Verfetaungen Gnd im B. , Henoch ziemlich. 
. hSufig. Zu demfelben Abfchnitt-faheu w.i^ uqs ver- 
«nlafst auch Kp.$3, 7 — II. und 54, ir-5» su rech- 
nen (L Anmerk. «u Kp. 53» 7* und 54, |.). £• wäre 
an^^ nogUdi» daib tu gmzt. fgie,^fi%d ipiterer 



4(5ft Kap. 59. V. V. 

dein erften der Menfchen^ welchen der Herr der 
Geißer gemacht hatte. 



»..-\ 



I ■ 



Zufatz £um B. Henoch wäre und su Kp« 64—67. 
gehörte; wenigftens iß V. 10. doch wohl eine Be- 
ziehung auf V* I* Auch Kp. lO » 2 ff. wird Noah 

über die Zukunft belehrt. Wenn Laurenee A lA! 

^<^(l\Q)l überfetzt: wo er (es) empfinge fo konnte 
er fich bei der Deutung der Verbalform allerdings 
auf Ludolf (Lex. Aeth. p. 102.} berufen , nach deüea 
Angabe die jte Conjug. diefcs Zeitwortes active Be« 
deutung hat und das Suppliren des Objectes würde 
fich auch rechtfertigen lallen. Das Pronomen de: 
ßten Fbrfon, welches er ergänzt, bezöge lieh näm- 
lich auf das Erzählte (ubi accepit fc. rem narratam^, 
und der Sinn wäre: im Paradiefe, in der Nähe des 
oälichen Saumes der Erde , wo der Behemoth £cb 
befindet, war ihm die hier mitgetheilte Nachricht 
darüber zugekommen. Man hätte dann folche Stel- 
len au Tergleichen , welche Henoch an die Enden 
der Erdei oder des Himmels u, f. w. zerfetzen, damit 
er das dort Vorhandene fchaue (Kp. 23» !• 3Ii 3* 

33^ X. ddf ' !• 2. 34, I. 35, I. 3. 39t 3- 75f X*f B^ 
'Wiflermatsen gehört auch Kp. 105» 7. dahin). Allein 
voraüag^fetzt , dafs tamatava nur }ene Bedeutnng 
babe (vgl. auch Drechsler de Adthiop. ling, conjaptt 
p. 31 Und 43.) f entlieht doch ein dem Zufammen* 
hange viel entfprechenderer Gedanke « wenn daa Ter« 
bum vom Aufnehmen in die Wohnungen der Seligen 
(ins Paradiea) "rerftanden wird. Man conftruire dann: 
fttO reeepit (Fe. Dens) nvurnmeum cet. s daa Subject 
Gott m ergansen, hat natürlich gar keine Schwia* 
rigkeit (^gl. Anmerk. g^ %u Kp. 13, f.), oder die 
3ie Perfon doa Active entTp riebt ünüerai nabe« 



Kap. 59.. V. |0. 467 

10. Und ich bat jenen anderen ^) Engeln 
ir zu zeigen die Macht jener Ungeheuer, wie ße 

ftlmmten man^ fo dafs receplt avum geradezu ßatt. 
des FafBva receptus efi avus ßände , wie die 3te des 
Plurals (vgl. Anmerk« 51. zu Kp. 41, i. }. Mit den ' 
letalen Worten des pten Verfes wird auf die Erzah« 
lang des Pentateuchs von Erfcba£Fung Adams (i lVIof.2.) 
Rückficht genommen. Herr dsr Geifier iß auch in. 
der Vifion Noab*s , su dem ich diefe Verfe rechnen 
möchte, gebräuchlich , wie überhaupt Kp. 37— -70* 
(f. Anmerk. 30. zu Kp. 37, i.) 
33) Laurence ungenau l einen andern GfOf another an« 

gel") i im Original fleht nämlich : ATJT^ : V) £i!\ ; 
Der Verf. meint Michael, welchen er fchon V« 1. 
durch das Prädicat anderer unterfchieden hatte« Au- 
(ser den' jenen Ungethümen verliehenen Kräften 
wunfcht Noah (denn diefer iß der Fragende ^ vgl« 

V. 9.) auch die Art und Weife (AC^ ^uomodo) 
ihreir Trennung kennen zu lemeOt Laurence über« 
fetst dem Sinne nach richtig: an äemfelben Tage; 
doch lieTse fich diefs fo auffalTen, als gefchähe dio 
Scheidung der Ungeheuer an d^m grofsen' Gerichts- 
tage, deflen in den vorhergehenden Verfen und na« 
mentlich auch in dem ebenfalls gewifs fpäter entftan« 
denen V. 7. gedacht worden war. Der Verf. üieint 
aber eine frühere Zeit, wabrfcbeinlich die PeHode, 
wo jene riefenhaften Wefen von Gott gefchaffen 
wurden. Der äthlopifche Text hat das 2^hlwört: 

AA/ft-t: ^t&: uno die. Das dem +A>AR: 

• foparaii funt im Originale nachfolgende (D*t*®J^R ♦ 
et impofiti funt lädt Laurence ganz ans , dagegen 
crginzt er vor der Ortsbezeichnung 'das Verbum 
/fy» (fo dafs eins iß o« f. w. — oue-^«m^), und 



468 Kap. $9. V. 10^11. 

getrennt lourden an Einem Tage^ und gefett 
den eins in die Tiefe des MeereSy und eins i 
Erde in die TVüße. 

1 1 . Und erjagte : Du Merifchenfohn 
tangft hier zu erfahren , was verborgen iß ] 



wablt wie V, 7, den Plural Tiefen. In Coc 

find die Worte: nPrAlli; (\^<ff: niclit i 

' confinictus ; letzterer wäre abei" erforderlicl 

man arida deferti oder mit Laurence: in dei 

(dry) JVüfie überfetsen feilte , womit fich < 

62, 3. f^K^^l OJ?'®'! terra deferti y& 
lierse. 
34) Die bekannte Lieblingsbenennung, womit 
pbet Hefekiel in feinen propbetifchen Reden 
net wird, kommt als Anrede blofs in dief« 
Tor. Vergleicben läfst ßcb jedocb Kp. 70, 1 
ein Engel feine an Henocb gericbtete Rede 

Worten beginnt: /V5+: (ffTit^l ©Aj^I - 
tu esßlius viri (^ui te genuit cet.). Vom Mefl: 

Uer gebrauchte Ausdruck 0Aj?t f\ilil\ ^ 
X. 3* ' 4S » 2. und die gleichbedeutenden 
•nAn^J filius viri Kp. ögi 39* 4I. «nd 
7\%t\: 7\(^äiP(If: filius hominis Kp. 
13. 17- 68» 38- 69, I. (wie Matth. 9, 6.) a 

det; auch ©Ajf: 'HT^fX^l filius focmi 
6X1 9* bildet eine ataaloge Bezeichnung. D( 
nennt Noah gerade fo, weil Menfch feyn 
Yerborgeoa Wiflenwollen Cch gewiffermafae; 
fprechen. Er will ihn nicht gerade tadela 
Beantwortung der Frage ablehnen, fondera i 
Zweck ift hier, wie fonft, Yerherrlichune dea 
lifiten Patriarchen, welcher über 



I 



Kap. 39. V. 12. 469 

I 

\ 

12. •^). [Und es fprach zu mir der Engel des 
Friedais p 'welcher mit mir war: Diefe zweiunge^ 



▼on der Geburt angewiefene irdircbe Stellung wdt 
hinaus gehoben » mit übehrdifcher Weisheit a\i8ge- 

TÜftet wird. Söhne der Menfckin {Qf^X t fUf^ l) 
heifsen die Erdbewohner im B. Henoch nicht feiten^ 
inrenn fie den Engeln, den Söhnen des Himmel» 

((DTA-je: (l^JS: Kp. 13, p. 14, 2.). 9der über, 
haupt dem Ueberirdifchen Jantgegengefetzt werden 
(Kp. ZO, II. 13, 6. 13, 3.)i ^^^ ^^^^ Söhne der Erde 
((DT/VJ?: f^^O) Kp. 15, a.. wie fonft..blofs 

fl -n A l Menfchen (Kp. 6, I. I4, 2. 15, X. 22, >)• 

minder fcharf seigt lieh Kp. 40, 9. 42, ^. der Ge«^ 
genfatz , ift aber doch vorhanden. IHe hier vor* 
kommenden Aeufserungen des Engels und dem Be- 
nehmen der Engel bei Fragen Henochs» 2. B. Kp. 

Sit 3. 6. 24, 5. 6. 51,5- völlig angemelTen. fV^l 

ii| hoc loco. H ^ A* A « > was Niemandem bekannt 
ift, das Geheimnifs, gibt Laurence: fecret things. 
In der erßen Ausg.. feiner Ueberfetzung bemerkt er 
Bu diefem Verfe noch: ,,Hier, d. i. zwifchen dem 
Xlten und i2ten Verfe» ift in beiden Ha ndfchriften 
alles das eingefcboben, was ich 5gftes Kapitel genannt 
habe.*' Diefe Bemerkung gilt, auch von der Rüp' 
jfelVfchen Handfchrift und dem 58ßen Kap. meiner 
Ueberfetzung. 

35} Obfcbon Laurence in der 3ten Ausg. feiner engli* 
Tcfaen Uebertraguog die Reibenfolge der Verfe im 
^pften Kapitel der Handfchriften im Ganzen beibe- 
hält , fo macht er doch mit den 3 Verfen, welche 
Cch in meiner Ueberfetzung hier anfchlie(sea| eine 
Ausnahme. »,Diefe letaten 3 Y^rfe , fagt er , näm- 



470 Kap. 59. V. 13. 

heuer Jind durch H$ Gröfse des Aüherrfchers he- 



w 



lieh 12, 13« 14« Sehen io beteten Handfctinften am 
Ende des 59llenKap*y aber Ce gehören fo entfchiedea 
SU diefer Erzählung vom Leviathan und Behemoth, 
dafs ich es gewagt habe, Iie hier einsufchieben." 
Sie flehen alfo in beiden Ausgaben der Laurence^fchea 
Ueberfetzung in demfelben Zufammenhange. Cod. 
Rüpp. hat ße am Ende feines , dem 59ften der Codd« 
Farif. und Bodlej. entrprechenden, 5often Kapiteh. 
Diefe Verfe rechnet man, wie V. 7 — n. , welche 
in den Handfchriften alfo nicht mit ihnen unmittel- 
bar verbunden find» entweder alle drei auch cur Vi* 
£on Noah's Kp. 64 — 67.9 und betrachtet fie alfo ni« 
mentlich als einen Theil von Kp. 66* , oder wenig- 
fiens V, 12., defTen Zufammenhang mit V. 7 — li. 
gar SU klar vorliegt. Zweifelhafter ift es mir bei 
y. 13 — 14. f^ von denen ich nicht fo feft übersengc 
bin, als es Laurence zu feyn fcheint, dafs fie an dea 
Abfchnitt von den beiden Ungeheuern gehören. Denn 
obfchon ich zugebe, dafs V. 6. (nach der an meioer 
Ueberfetzung befolgten Zählung) einen recht guten 
Schlufs der Vifion 59, i — 6. bildet und Kp. 60,1^ 
mit 59, 6. leicht in Verbindung gebracht werden 
kann, fo itt doch eben fo gewifs, dafs auch V. 13—14' 
fich an 59, 6« leicht anrchliefsen laffen und den G^ 
danken des Strafgerichts, welcher V. 5-— 6« ange- 
deutet worden war, weiter ausführen. Uebrigens liegt 
in den Worten: damit die Strafe des Herrn sieht 
vergeblich fey (V. 12 und 14.) eine gegenfeitigo Be- 
siehung. Die Verfe werden in Cod. Rüpp. , wahr- 
fcheinlicb auch in den von Laurence benutzten Hand- 
fchriften, zwar unterfchieden , aber nicht geaablt 

Engel des Friedens (^AATI: IIA^;) oder 
Engel des Heiles L Anm. 49. su 4O1 g. » aUb woU 



Kap. 59. V. 12. 471 

dtet^ Speije zu geben^ damit die Züchtigung des 
ülherrjchers nicht vergeblich fey. 

eigentlich der beilbringende, mich durch den ertbeil« 
ten Unterricht befeligende Bote Gottes. Av A* 

-per von der caufa cfEciens.- i\^\\^i\^(\\> Ct l 

Herr ausrcblierslicb von Gott, als dem alleinigen 
wahren Herrn gebraucht , kommt in diefem Vcrie 
gleich zwei Male, fonft aber im B. Ilenoch nicht 
fehr häufig vor; in der /«weiten Abtbeilung meiner 
Ueberfetzung ill es befiandig Aurch Allherrfcher über- 
tragen, um es von andern Bezeichnungen des Ilöch- 
fien zu unterfcheiden ; Laurencc wählte dafür Gott^ 

f wie er freilich auch A^AY\ ♦ wiedergibt, wefs« 
halb es auch von mir in der erfien Abtheilung, wo 
ich feiner Führung zu folgen hatte , fo ausgedrückt 

wird. ^IbrlRr (ut) cibum praeheant; wem die 
Thiere zur Speife beßimmt feyen, wird als bekannt 
vorausgefetzt und alfo nicht ausdrücklich gefagt. 
Da die Erzählung V. 7 (F. flchtlich auf jüdifchen Sa* 
gen beruht, fo darf man für die Vorltellungen diefes 
Terfet kaum eine andere Quelle fuchen. Die Thiere 
find gewifsden frommen Juden als Gaßinahl zugedacht. 
Vgl. aufser den in Anmerk. zu V. 7. beigebrachten Stel- 
len auch Eifenmenger*! entdecktes Judenth. 2 Th. 
S. g72. der Original- Ausg. (Frankf. 1700. ). Nach 
Kp. 24 t 3 ff« geniefseii die Äuserwählten einft die 
^Fracht eines unvergleichlichen Baumes , nach Kp. 
, 10« fifirkt und belebt He der herrliche Geruch 
deflelben (vgl. auch 2g« 2. Kp. 29 — 31 )) und nach 
Kp. lOf 23 — 24. geniefsen fie nach Vollendung des 
Strafgerichts über die Böfen alles Schöne, was die 
£rde beut. Zu den letzten Worten des VerfeA bc- 
nerkt Lawrence: „Dießodlej. Uandfchrift läfst hier 
rBach Hcnoch. 3 1 



472 Kap. 59. V- 13. 

13. Und es werden Kinder erfchlagi 
mit ihren Müttern und Söhne mit ihren f^ 



claft Verbum A, ß YV 1 • m5§t nickt feyn 
ches in dem Farifer Codex vorkommt um 
noihwendig ift, um den Sats negirend z 
wie es der Sinn verlangt. ** Auch Cod. 
das erwähnte Wort. Indeft behält die St 
noch etwas Unklares; man erwartet näi 
mehr einen Gedanken , wie : damit die Ki 
bei Erfchaffung jener gigantifchen Wefen 
geblich thatig gewefen fey. Im Aethiop. 

gans deuüich ^^^[JJ((,^U xind Laur 
nach feiner Ueberfetzung daflelbe in leL 
fchrift gefunden haben) möglich wäre es 

Ausdruck an die Stelle von ^ ^ A t Kra 
nem Shnlichen Worte trat und aus V. 14 
kam. Üeber jene Thiere war keine Strai 
hängen. Auch lehren V. 13 — 14. , dab vi 
guog der MenTchen die Rede fey. Der 
wohl: denen I welche ins meflianifche Rei 
nommen find^ wird bei dem zu veranSalt« 
Isen Gaftmahle Theilnahme an feinen Fre 
Hattet; es gefchieht diefs, damit dem Sti 
der Freyler nicht blofs ein erfreuliches I 
an die Seite trete, fondem fich auch auf 1 
cdatante Weife an den Tag lege. G9tteaZ 
ift nicht vergeblich, infofem lieh dadurch 
gana Yerfiockten sur Bekehrung bewegen- i 
dadurch Aufnahme ins meflianifche Reich 
Vgl. V. 14. 

Q6) V. 13« knüpft Laurenee durch die Zeit|MUr 
(then)y Cod. Rüpp. durch die bioCie Copu] 



Kap. 59. V. 14. 



473 



14. fFenn die Züchtigung des Herrn der 
elfter nüit auf ihnen ^ fo ruht fie^ damit die 
üchtigung des Herrn der Geifter nicht vergeblich 
jmine über jene. Endlich wird Gericht feyn 
ich feiner Bannlierzigkeit und nach feiner Latig^ 
uth. ] 



gegen hat erfterer im Anfange iron V!« 14. clas Ol 
copulativuniy cHefer aber nicht. Aeltem und Kinder 
umfchreiben hier die Gefammtheit der bSfen Men« 
fchen. Per Begriff Kinder ift im Aethiopifchen das 

crfte Mal durch JJ^^Ij 3ai atelVIal durch dTA^Jp^ 
•uagedrückt. Dafs übrigens nur von Gottlofen die 
Rede fey , Hegt am Tage ; die Aeufserungen des B» 
Henoch find zuweilen in allgemeinerer Form » als fie- 
verbanden werden Tollen /gegeben (f. Anroerk. zu Kp. 

33f 3* und 50, 4.). 't'\jlC4^ • f/uiefcit^ inkaerct^ manet; 
Laurence : ^^continue**. Das Pronomen bezieht fich auf 
die V. 13. erwähnten Perfonen. Der Verf. wieder- 
bolt Herr der Geißer ßatt des IPronomens (vgl. 
Anm. Bu 39» 9.). Er hatte zwar V.I2. Gott mit ei- 
nem fonft gewöhnlichen Namen bezeichnet, kehrt 
aber hier wieder zu dem Lieblingsnamen der Abthei- 
lung Kp. 37 — 70. (f. darüber Anmcrk/ 30. «U37> i.) 
zurück. Die Züchtigung geht defshalb nicht fohnell 
vorüber t damit fie gute Früchte - trage« Lawrence 
feCst die Worte: auf ihnen nicht zu dem erften, fon- 
^itjtn dem sten Yerbum und bei dem 3ten, wo er 
übrigens /«yit niberfetzt ftatt kommenf lafst er fie aus, 
Tielleicht weil Cod. Bodlej. fie hier nicht liatte* 

J^fS^l tandem^ -poftea^ welche Bedeutung Laänen^« 
wählte y poßremo ( vgl. Hiob 19, 25.)« Die Suffixe 
an den Worten Barmherzigkeit und Langmuth über« 
geht Lawrence, 

31 ♦ 



474 Kap. ÜO. V. 1. 

Kap. 60. 37). 

1. Und ich fahe in jenen Tagen, es v 
jenen Engeln lange Schnuren gejreben, und 
hoben ihre Flügel und gingen nach Mitterna 



37) Der Inhalt diefes Kap. fcliliefst fich an Kjj 
ganz genau an , wornacli das küininende Geri 
Sündern rchrecklicb , den Frommen aber wo 
werden foU. Auf das letztere weifen die i 
hin, M«elche6o, I IT. von Ilenoch wabrgenomm 
den. Laurence hat die Copula im Anfange 
pitels nicht. Jcntm (den Kp. 59, i. erwähnt 
unzählbaren) Engeln ift wohl nur ungenauer A 
für: einem Tbcile derfelben; der mit Henoc 
chende (alfo Michael , vgl. Kp, 59, i. 3.) w; 
darunter. Nach dem Zeitworte fi^^en fteht im i 
keine Conjunction, wefshalb ich £c auch in de\ 

Detzung umgangen bin. Die Schnuren (A' 

mit r*i; ftatt if\ ; funes, das Hehr. SaP) 

wie die folgenden Verfe ganz deutlich fagei 
Meßen dienen , und auszumeflen iß der Wohl 
Frommen, welcher fie am Tage des Gerichts 
xnen wird (vgl. auch Kp. 69, 3.). Auch in de 
namentlich Ezech. 40, 3 ff. 47, 3 ff. Zach. 
(and. Abth. V. 5 ff.) Offenb. 11, i ff. 21, ] 
fcheinen höhere Wefen mit Meffen des Teinp 
der heiligen Stadt befchäftigt, welche nach 
. gung der Frevler von Gott gegründet werdea 
üer Ort der Seligen liegt gegen Norden (vgL:] 
9. und Anmerk. dazu. 69, 3* 769 4.), odc 
nordößlich (Kp. 31, i. 2.). Die Bedeutung de 

tes ^Ifv! ßeht ganz feit; nämlich Nord 
und Gegend, wie beides auch das perf. m\^ 



Kap. 60, V. 2—3. 473 

2. Und ich fragte den Engel ^), indem ich 
gte: „Warum nahmen fie jene langen Schnuren 
rS4 gingen fie?" Und er fagte mir: „Sie gingen, 
m zu meffen." 

3. Und es Tagte mir der Engel »welcher mit 
lir ging: „Diefsfind dieMaafse^*') der Gerechten, 
nd die Seile der Gerechten werden fie bringen, 
if dafs fie fich fiützcn auf den Namen des Herrn 
er Geiiter von Ewigkeit zu Ewigkeit; 

deutet) ; vgl. das arab/ äm-^. Den Scblufs von V. I. 
gibt Laurence : und fie flogen vorwärts fchreitend 

(„fledadvancing"; im Aetbiop. ftebt bJofs (Df^jC^l) 
gegen den Norden; V. 2. überfctzt er horu durch 
fortgehen. Statt der Copula vor den Worten: ße 
erhoben u. £. w., bat er das Relativum« 
3g) Henocb meint (vgl.V.3.) feinen Begleiter und Erklärer 
der ibm vor Augen tretenden Symbole. Durcb äbnliche 
Fragen deflelben wird auch fonft oft (Kp.2I, 3^. 22, 6ff. 
23fSff- 24, 4 ff. 26, I ff. 3i»4ff- 40» 8 ff- 43» äff. 
46, iff. 51» 3 ff- 52, 4 ff. 53t 4 ff- 54» 6 ff. 59» 10 ff.)» 
eben fo wieZacb. 4, 5 ff. Offenb. 7, I3ff. , die Deu- 
tung- des Gefebenen vorbereitet und gleicbfam an das 
Gelicht angefcbloffen. Laurence hat blofs : er fagte 
fiatt: und tr fagte mir; eben fo im Anfange von V,3- 

39) t\f^^^Vl\ nacb Ludolf (Lexic. col. 102. ed. 2.) 
gewöhDlich Gröfse ; bier ifi unßreitig ( vgL auch 
^f^(t\Q^ ♦ V. 5 und 6. geradezu für Mefsfchnuren) 

die Grundbedeutung der Wursel maeana. (meffen) 
feflzuhalteni wie es fcbon Laurence getban hat. In 

dem folgenden Satze: (D^^fXi^l AJ^$'^ : 

JPCAi/vA*Ient ftebt ein verfcbiedener Sinn, je nach-* 

dem man die Engel oder die Gerechten (im letztem 

^Falla ftuode der Stat. <;pnfir. maäsra für den Accuf.) 



476 Kap. 60. V. 4« 

4. und es werden anfangen zu wol 
AuBerwählten bei den Auserwahlten« 



als Subject des Zeitwortes fafst; alfo funss 
(angeli Uli) afferent oder furus jufii afferei 
Zufammenbange aDgemciTen ift blofs die 
fclarungi Lawrence jedoch hat die andere 

^^LUCi*9 welches LuiolJ nicht hat, yi 

einfachften mit UAJJ^ j I decimatio für 
deiitend gehalten werden ; allein die Bedeut 
ssu keiner der beiden Conßructionen. Wa 

lieh ift es von ^7\11)Cm ^^^ Ludolf di 
tung vinculum, ligamentum gibt, nur Ortho 
verfchieden, wie es auch von Lawrence 9 
^fCords** überfetst, angefehen feyn muts, 
nicht in der Bodle]. Handfchr. etwas ande 
Es wird Bedacht genommen, den Frommen i 
würdige Wohnung su gründen , damit Ge < 
Ausfioht auf ein folches glückliches Loos si 
haften Vertrauen bewogen werden« Der 
4ren Verfes, welchen Laurence nicht durcl 
pula an V. 3. anfchliefst , kann nur feyn : 
erwählten find nicht, wie es seithero der 
genöthigt, mit denBöfen zufammen au leben 
getrennt von diefen, geniefsen fie das GU 
nur unter Glcicbgeßnnten au wiflen (vgl. K 
10, aa. 34. «i6 — 29. 389 4- 61, 15.)* Nachü 
vgL V.4£F. und 48, i. könnte man vielleicbtdi 
genannten Auserwählten von den Himmelabe 
deuten wollen ; indels ift doch , foviel ich n 
nera^ keine einsige Stelle im ganaen B. H«e 

das Wort ^J^J^'^l felbft von dielen | 
wire. Sehr nahe liegt endlich die Veimutiu 

am Ende des Yerfes (l ^ ^ • der jtusmrmi 



Kap. 60. V. 5, 477 

5. Und diete Maafse find's, welche gegeben 
erden foUen der Treue , und itärkeil werden das 
Tort der Gerechtigkeit ^); 



MelEas) su lefen ift ßttt rt, 4.ph !, vgl. V. 7. 10. 
Kp. 40, 5. 60» I. Der Gedanke wäre dann : Die From- 
men find vereint mit dem grofsen Reprärentanteu der 
Gottheit, welcher in ihrem Mamen und auf ilir 
CeheiCi das Gericht hält. Diefe Erwartung, Mit- 
bürger des neuen idealifchen Reichs zu werden, ift 

ja eben ein Grundgedanke aller meflianifcfaen HofiF* 

Illingen; f. auch Kp. 45, 4. 51, 4. 61, 17* 
l|0^ Auch dicfer Vers, ehen fo wie V. 6 — 7.^ gehören 

noch sur Rede des Engels, welche V. 3. begann. 

Lücke (VerC. e. voUft. Einl. in d. 0£Fenb. Job. S. 70.) 
, findet die Erklärung des Engels noch dunkler als das 

Geficht Cdbft, worin ich ihm aber nicht beißimmen 

i mochte. hf^^'J^ly wie auch V. 6., die Maafss 
(Cl zu V. 3O I aber wohl nicht Ce felbft werden den 
frommen MenTchen übergeben, fondern diefe erfahren 
das Refultat der durch die Engel (rgl. V. I £F.) 
erkfteUigten Meflung und werden in den Befits 
ihnen befiimmteo Wohnortes gefetst. Nicht blofs 
, Jichterifch wird hier das Abfiractum Treue angewen- 
j[et Aatt des Concrati, fondem der Sache ganz ange- 
^ffffffn , da diefe Eagenfchaft as iß , welche Belob* 
iuung erhalten fpU; vgl. auch Kp. 39, 5. und 56, 5« 

reber HP^I*^ J L Anmcrk. zu Kp. 56, 5- (S. 4l2)t 

^o amfäerdem auch das Abßractum in einem ahn* 

lli^aii Znlammenbange vorkommt. V. 3. ßeht dage- 

daa Concretam. Laurenct wiederholt im fol- 

iden Satae das Relativum, fand es jedoch auch 

\t- im Ithiop. Texte. Das Wort der Gerechtigkeit^ 

ic^reder 'die Verheilsung des gerechten Gottes, 



478 Kap. 60. V. 6—7. 

6. und diefe Maafse werden enthüllen jegli- 
ches Geheime in der Tiefe der Erde, 

7. und diejenigen, welche umgekommen find 
durch dieWüße, und die, welche Verfehlungen 
worden find von den Fifchen des Meeres und von 
Thieren , auf dafs fie wiederkehren und fich vet 



welche auf folche Weife ihre Befiatigung (j^ Ai^! 
fie bekräftigen , beßätigen } findet , oder das Gefets, 
die OIFenbarungen deHelben, fein Wort der Wabr 
heit, welches in feinen Verehrern tiefere Wurxdi 
fchlägt, weil fie Anerkennung zu erwarten habet 
Das MeiTen der Engel hat auch auf das Innere di 
Erde Einflufs » nicht fowohl , um dadurch für & 
Menfchen eine höhere Erkenntnifs zu vermitteln 
fondem auf das Meflen folgt Hervortreten der Di 
Lingefchiedenen, welche unter der Erde ruhen. So 
nach ift V. 6. mit V. 5. im genauen Zufammenhang 
(Cod. Riipp. macht diefen durch Anwendung der Ca 
pula^ welche Laurenc« nicht hat« nochanfchauJiche^ 
und mit beiden Verfen wieder V. 7« Statt Geheim 
bat Laurence den Plural (Geheimnifle ); darfdh 
trennt V. 7. in der Conftruction TOn V. 6. , fieht tA 
aber dadurch genöthigt, im Anfange des erfiem ii 
ergänzen : es wird gefchehen^ wovon er die im athiaf 
Texte des Cod. Rüpp. erS nach den Worten „ttf 

den Thieren«« eingefchobene Partikel T) C^ : abhil 
gig feyn lafst. Das Verfchloflene , was die Efl 
deckt und was nach V. 6. offenbar werden foU, wif 
in V« 7» deutlicher bezeichnet. Es find die ToM 
gemeint t von denen die fie deckende Erde hinwc| 
genommen wird , damit fie ans JLicht treten könn« 
Für den Gedanken des 7ten Verfes vgl. Kp. ^o^ 
und Anmerk. dazu. Auferfiehung der Todten Wi 
hier gans deutlich mit der Erfcheinong des MeS 



Kap. 60. V. 7 — 8. 479 

» 

(Ten auf den Tag des Auserwählten ; denn keiner 
ird umkommen vor dem Herrn der Geilter, und 
daer wird umkommen können." 

8. Und es erhielten Macht die oben in den 
immeln allzumal, und Eine Kraft und £in Glanz 
ie Feuer wurde ihnen gegeben ^^). 



in YerbinduDg gefetet (auch Lück^ •• a. O. geReht 
diefs zu) ; fie erfcheint hier nicht als eine allgemeine, 
wie in der Parallelftelle , da die Auferftandenen i^s 
. Schützlinge des Auserwählten bezeichnet find. Von 
den eines natürlichen Todes Verfiorbenen fchweigt 
der Verf., aber unftreitig will er fie nicht ausge- 

fchloffen .wiffen. 7\ ^ O J^ CT : per defertum ^Law 
rence überfetst : in der Wüße) ; das B. Henoch mufs 
in einer Gegend gefchrieben fejn, Wo man die Schre- 
cken der Wüfte kannte. A^^ XJ find unftreitig 
die wilden , reilsenden Landthiere, Die Enthüllung 
des Erdanfchoofses gefchieht, damit die dort bis- 
her Schlummerifden wieder an das Licht kommen. 

OjEi^C^C^^h: eigentlich et innitantur (vgl. V.3.), 
alfo ßduciam ponant; das Bild von einem Stabe 

( P^ ^ OMi r ) hergenommen, auf welchen man fich 
Bützt. Der Auserwdhlte ift der Meifias; Tgl. darü» 

« her Anmerk. zu Kp. 45, 3. 

41} Nach der Erklärung des Engels über das Ereignifa 
y. I S, wird die Erzählung der Vifion felbfi; fortge- 
führt. Lawrence fetzt im Anfange des Verfes die 
Zeitpartikel: dann^ fo auch V. lo. ; der Text hat 

blofs (D: ^7\HHt heifst aUerdings Befehl, wie 
ea Laurence fafst, allein die andere Bedeutung im' 
perium, potefias entfpricht dem Zulammenhange 
befier (es müTste nämlich fonft erhellen, was ange- 
ordnet wurde) und . yrivd durch -4^ ^ten Theil dea 



(verfantur) ad unum omneSy Umfchreibung der 

Zwifchen Kraft und Glanz hdiiLaurencc noch»! 

(voice), was aber in Cod. Rüpp, fehlt, und er übe: 

welchen, eine vereinigte (combined) Kraft ^ & 

und GlanZf gleich Feuer gegeben wurden , wol 

Zahl eins vor Glans nicht beTondtfri ervHllmt 

(Is findet kein Ipecififcher Unterfchied ftatt 

werden reichUchQ autgeftatte^, da« let;^te G 

durch ihre Gegenwart mit zu verherrlichen. 

diefelbe Kraft, derfelbe von Gott ausgehende 

firahl» welcher den einen, wie den andern aussei 

42) Laurcnce überfetst diefen Vera im Priteriti 

doch im Aethiop. das Fut. fieht and beide Tei 

im ganzen Kap. fcharf auseinander gehalten W( 

Wollte er fich zur Vertheidigung 9iulLudolf*s (61 

L. VI. cap. 0. nr. 7. ed. 2. p. 161.) Angabe be 

dafs (Dr zuweilen dem hebraifchen Waw convei 

Futuri entfprechet fo ift zu bemerken, deb 

hier nicht unmittelbar vor der Verbalform flehe 

dem durch 3 Worte davon gefchieden ift. ] 

nähme man JVawe ala Conjunction ut^ Co dab 

und 9. genau sufammengehörten : fie empfinge 

Kmf^. düPtt Ha iVin nriAfAn In AlmCamVmWm wS»« 



Kap. 60. V. 10. 481 

10. - Und der Herr der Geißer fetzte auf den 
übron feiner Herrlichkeit den Auserwählten ^), 



rung des GefeheDen fortsuCitien , wendet der Verf. 
fogleich dieAufmerkramkeit auf das, was diefeSchaa^ 

ren Tpgter tbun werdea (vgl, V. X4,}. 0A(I>*Al?I 

i^^^^X^l ^A: £aC^P: eteiinprimis, voc4 
^Laur€nc€ fupplirt das Fronomen: mit ihrer Stimme) 
htnedictnt tfi. Des Nachdrucks wegen i& das Pro« 
nomen der ßten Perfon vorangeftelU und da« Suffix 
folgt deflen ungeachtet nach. Am einfachSen denkt 
snaa wohl an Oott als den au Preifenden (Tgl* V.s* 
X3. 14*-* 15.)$ ^^^^ könnte das Pronomen allerdings 
auf den AuserwSblten (V. 10.) bezogen werden« Die 
Häufung der Copula awifchen den einzelnen Zeit* 
ivortem^ welche Laurcnce übrigens unbeachtet lUfst» 
ift Folge des Beftrebens, das Rühmen und Preifen recht 
berausBuheben. Ebenfo V. 13. 14. 6l> 7. lo. In dem 
Preife des Höchßen bewährt fich die höhere Einficht, 
i^elebe den Engeln au Theil wurde ; darum fetat der 

Verf. binau: latAdabunt eum fapUnter C^'^A^n«}« 
Diefs leitet ihn dann au dem folgenden allgemeinem 

Saue: o^mnA«: ASnc: OfiC^^oCtlt 

/n^0T«9 welchen freilich Laurcnce überfetat: 
und fU fchreiben ihm IVeiskeit zu mit (with) dem 
Worte und mit dem Odem des Lehens (breath of lifo), 
wobei er überCeht , dafs die Verbalform kein Suffix 
bat. Der Sinn ift vielmehr: fie beweifen in dem, 

' was fie lagen (im Worte) und überhaupt in allem, 
was Ton ihnen gefchieht, worin lieh ihr Geift andeu« 
U^ und aufsert, die ihnen verliehene höhere Er- 
fcenntaifs und Weisheit. 

(gj DioEraahlung des GeGchts geht nun au der Haupt* 
(ecba ober, Derfelbe Gedanke kam Ibhon Kp, 45^ s. 



4«a. Kap. 6(). V. 11. 

11. und cfr wird richten alle Werke der Hei- 
ligen oben im Himmel, und mit der Wage wirc 
er wägen ihre Handlungen. Und wenn er erhebci 
wird fein Antlitz, um zu richten ihre geheimei 
Wege durch das Wort des Namens des Herrn de 
Geiiter, und ihren Wandel auf dem Wege des pc 
rechten Gerichtes desAIIherrfchers, desErhabenci 



vor , ebenfo der Name Auserwdhlte für den Meßiai 
f. Anmerk. zu jen. Stelle. Laurence^ welclier dieft 
Vers mit der -Zeitpartikel dann evöSnet^ knüpft di 
folgenden durchs Kelativum an, während der ätlüo 
Text hier wie dort die Copula und bat. Daher 
es Eweifelhaft, ob V. n. der Herr der Geißer od 
der Auierwählte Subject iß ; denn das Gericht wi 
bald dem einen, bald dem andern zugefchriebe 
AufFallend iß noch, dafs die Darfiellung hier lo g 
wählt wird , als wenn diefes Gericht hlofs die Hii 
nielsbewohner anginge; man follte vielmehr erwa 
ten, dafs die auf der Erde lebenden Menfchen dav( 
betroffen würden, wie es auch fonß im B. Henocl 
z. B. fogleich im folgenden Kp.6l.> behauptet wir 
Wahrfcheinlich iß die Meinung des Verf. , das G 
rieht fey ein allgemeines, das Univerfum umfaflendc 
und werde (ich nicht auf die Menfchen und die g 
fallenen Engel befchränken, welche freilich vor alle 
davon betroffen werden. In diefem Zufammenbanj 
ifi nur von dem die Rede, was von den himmlifcb* 
Geifiern gefchieht und ihnen widerfährt; dah 
konnte bei Erwähnung des Gerichts diefes auch n 
in den Folgen berück ßchtigt werden , welche et f 
jene haben wird. fVdgen der Handlungen L 3g, 
4fi I. und Anmerk. z. d'. letzt. Stelle. Statt diu* 
das JVort könnte man auch ; nach dem Worte übe 
fptzen X im erften Falle wücrie das Mittel oder d 



Kap. 00. V. 12—13. 463 

12. fo werden fie fprechen allzumal xoitEiner 
dmme, und preifen, und rühmen, und erheben 
nd loben im Namen des Herrn der. Geifter. 

13- Und er wird rufen alle Mächte der Him- 
lel, alle Heiligen oben und die Starken des All- 
errfchers **). t)ie Cherubs , die Seraphs uind die 



Kraft angegeben, wodurch, im letzten Falle aber die 
Norm, woriiach das Uichten vollbracht wird. Schon 
Laurence ift libcr di&AuiFadung zweifelhaft; er be- 

merkt nämlich : „AS1-i: fl^: AIHA? *^(fitl^: 

in fermone nominis Domini fpirituum. Aber es ift be- 
kannt, dafs das Praefixuin n*, in dem Worte AS J-<i# 
blofs den inßrumentalis des Subfiantivs, welchem es 
. vorgefetzt ift, anzeigt und im Lateinifchen ebenfo 
wohl durch den bloTsen Ablativ ausgedrückt wird, 
als es die Bedeutung der Prapoßtion in hat. Ich 
bin nichts defto weuiger zweifelhaft, ob ich den Sinn 
der Stelle genau getroifen habe. ** Name des Herrn 
der Geißer if wohl nicht zu urgiren , fo dafs etwa 
leioem Ausfprechen eine unwiderftehliche, zauberhaft 
wirkende Kraft zugefchriaben würde, wie fie bekannt- 
lich über den Schembamphorafch bei den Juden ge- 

herrfcbt hat. In CIUJCm ^^ Laurence ^^progrejs^* 
überfetKt» Seht Ain für Alf. 
. 44) ^^ diefen) Verfe gibt Laurence den athiopifchen 
Text mit lat. Verßon und Anmerkungen in folgender 

Weife: „©^/^©O.* f¥-^: ^^A: rto^j'l': 
(öiYOpi ^je.l'^: h<»aOA+: ©:>^A: 

'Mn.iyyho t\-^aA: ©iV^a: ®A(^4"}: 

h'Sh'H^: ©"S^^: ©viaO: ^^A: >\A: 



484 Kap. 60. V. 13. 

Ophanin, und alle Engel der Macht und alle Ei 

m ■ 

^ S(Uj/V; 0: ^ At etc. Et voealit omnem 
teßatem coelorum et omnes fanctos^ t/ui (funt') fu 
et poteßatem Dei, Cherubim et Seraphim et Opht 
et omnes angeli potefiatis et omnes angeli Dominoi 
nempe Electi , et alterius Potefiatis « ^Mt ( erant 
terra fuper aquahi iilo die^ toUent unam vocem 
Dafi alle Nomina in dem erfien Satze diefer S 

von dem Verbo B /i, Q) v • er wird rufen , 
giert werden , ifi klar nach dem Vokale in dem 

men YV'/Vty welcher Vokal beßimmt anzeigt« 
es mit dem Verb6 in einer Verbindung fich 
finde, die im Lateiäifchen Accufativ genannt w 

Aber die Worte, welche folgen, d. i. TX^fl 

l^^d^A: /^<if^lr: Cheruhim, Seraphim. Op 

ftimi ebenfo wie daflelba Nomen YY'A**« welc 
zweimal vorkommt , zeigen durch ihre Vokale, < 
de alle im Nominativ ftehen; ich habe daher d 
den Worten: ,|Und die Macht Gottes** ein Pi 
gefetzt.** Im Wefentlicben ftimmt der Text des C 
Rüpp* mit dem Laurence'fchen zufammen, welc 
letztere freilich an einigen (in beiden Ausgaben 

denfelben) Druckfehlern leidet (wie denn (D^ AdT 

weiterhin ^4.^1 und ([>«rH*;| endlich Satt ^ 

die Ziffer t [ü] » lefen ift). Für O^JSi 

vor 7\«1 HArnrhiCJ tat Cod. Rüpp. ;>j>^ 

Tpotentifimi, für (D^AO: hat er (D^AT^S i 

trennt Opkanin^ wofür er A4!^ll darbioi 
durch Ittterpunction vom vorhergehenden, waa L 
fence richtiger damit verbunden wiflen wilL S 
feet Btt votühit ift Gott oder der AuserwaUto (Co Li 



Kap. 60. V. 13. «85 

FT^rrfchaften I und der Aüserwählte nnd 



lA H Verf. e. voUß. Einl. in d. Offenb. Job. S. 76.); wabr- 
(clmeinlicb iß trßerer tu verfteben« Ueber dat fol- 
veode lieifst et bei Laurence: »^Auch über die Art, 
wie ich einen andern Tbeii diefer wichtigen Stelle 
überfetzt habe, mufs ich ein wenig umftändlicber 
Werdett. Statt der Ueberfetzung , Welche ieh in die- 
len Worten gegeben habe: ,, alle Engel der Herren, 
nämlich des AuserwaMtkn und der andtrn Macht^ 
Welche auf der Erde wären über dem Wafler an fenetn 
Tage, werden erheben u. f. w.'* ift vielleicht eine an« 
iete Uebertraguiig möglich und awar folgende! »«allo 
die Engel der Herren und des jiuserwählten und der 
entern Machte welche auf der Erde v^aren über dem 
Waffer an jenem Tage, werden erheben u. t w." 
f Aber die letztere erfcheint mir ungenau , weil Ce den 
Anidruck „En^el der Herren^*' gans unverßfindlich 
UfsC, infofern ße nSmlich nicht aüseinanderfetst, was 
fonft nicht zu erklaren wäre, wem die Bezeichnung 
Herren , welche einen Dienft der Engel vörausFetzt, 
eigentlich angehört. Nach der Grammatik find beide 
Uebertragungen zulällig, aber die eine, weicheich 
ana dem angegebenen Grunde gewählt habe, fcheint 
BirTOrzüglicber. ^um Beweife, dafa die Gonjunction 
(D; die Bedeutung nempe^ nämlith hat, obfcbon ihr 
ywkZjudolf tine folche Bedeutung nicht zugefcb rieben 
' wird , berufe ich mich auf Hebr. 2, 14. : „dafa durch 
den Tod er möchte iremichten ihn, der da hat die Ge- 
walt deaTodea, das ifi des Teufels.«« Der griechifche 
' Text drückt fleh fo aus : Tv« 8iot tov 4^avecvov «orric^q; 
ti» ni MQdtüg ixpi^a tov ^avcerov , rovriett , t6p dtcr/^Oiloy, 
Aber diela ift in der athiopiCchen Ueberfetzung fol* 

gendermaffeii übertragen: T)^«* AOTT^I:: ^^l 



jniiclloii U^ l \vied( igpr;c hon ilt. *' A\'as j 
lihcr (11c ^Mcigllrliht it der (loj»j)olten Confiruct 
ift ohne Zweifel richtig. Lüche (a.a.O. S. 7 
ihm in der Ueberfetzung , läfst Cch aber ei 
thum zu Schulden komm eiiy wenn erdieletsu 
des VerCet , ohne daft Laurencs (ifte Ausg. 
nur benutzen konnte) dazu Anlafs gab^v ül 
„welche einft auf Erden war über den W 

Denn das AA^ des ätbiopifchen Textes 
fchliefslich Pluralform und darf alfo nur fo a 
werden : ii <jui erant cet. Sonderbarer \ 
Laurence^ welcher in der xften Ausgabe (p 
66 und 195 —r 96.) das nichtige gab, in der2l 
(p.XLllI. 66 und 205.; anders p. 206*) in denfel 
1er verfallen, und doch Iteht auch bei ihm das 
deutlich im Texte. Laurenee hebt übrigens i 
Vorerinnerungen zum B. Henoch (vgl. £inl. 
gl.) diefe intercflante Stelle als jüdifchePrSfc 
der chrifilicheu Trinitütslehre befonders 
Lücke (a, a. O. S. 77.) findet darin ,,ein A 
der chrifilichen Denkweife des Verf. , in wel 
xvQi^vriTBg des MelTias und des nvivfut Zytov fcl 



Kap. 60. V. 14. 487 

14. werden erheben Eine Stimme, und prei- 
en» und rühmen, und loben und erheben mit 

fien vereinigen. Um diefs recht anfcbaulich zu ma« 
eben, werden einzelne Abtheilungen der Himmels- 
bewohner« theils nach ihren Namen« tbeils in fcbil- 
dernder Characterißik aufgezählt. Kiruhel und Su* 
rafel (Seraph*! und Cherub*s) kommen fcbon i Mof. 
3« 24« in der äthiop. Verfion vor ; die erßeren auch 
Hen. 14, 13. Ophanim findet ßch' bekanntlich we- * 
der im A. noch im N. T. als Engelname, fondern 
bedeutet Räder (von fSiN); Silv. de Sacy bemerkt 

aber ganz richtig (Journ. des Savans. Ig22. Sept.. 
p. 547^ Note) : „Die Juden heiTsen fo eine Clafle voa 
Geiftem (esprits angeliques) ; der Name ift aus Eze« 
chiels Vüion entnommen , wo er die lebendigen und 
belebten (vivantes et animees) Räder des geheimnifs- 
ToUen Wagens des Ewigen bezeichnet.^' Auchjlific&e 
(a. a. O. S. 76') leitet den Namen von den Rädern 
am beweglichen Throne Gottes Eiecb. 10, 12 ff. her 
vnd betrachtet ihn als den Kabbaliften eigen. Nach 
Eif^mntngT (Entdeckt. Judenth. 2 Tb. S. 383 — 40 
foU der Name daher kommen , weil dieFe Engel nach 
jüdifcher Vorftellung die Umdrehung der Himmels- 
körper bewirken. Der chriAliche Aberglaube der 
fpatem Zeit hat auch diefen Engelnamen recipirt; fo 
kommt er z. B. vor in y^Semipboras und Schembam« 
phoras Salomonis regis'' (vgl. Horß's Za berbiblioth. 
3 Tb. S. I53.)« Diefelbe Zufammenfiellung der 3 Ar- 
ten höherer Wefen , wie hier , findet fich auch Heu» 
' 70» 9» Engel der Macht heifst wohl nur mächtige^ 
alfo aber andere erhabene ( Erz • ) Engel. In dea 
folgenden Worten würden nun, nach beiden voa 
Lawrence erwähnten Conftructionen , allerdings noch 
nnterCchieden werden Engel, welche dem AnaerwihK 

Buch Btnocli. 32 



488 Kap. 60. V. 14. 

dem Geifie der Treue, und mit dem Geifie 
heit und der Geduld, und mit dem GeLße 



ten und der ihm zur Seite geßellten an 
(von diefer fagt Lücke a. a. O. S. '^6 — 7; 
andere Macbty die Macht Gottes, aufser di 
Herr^ wie diefer — ift unßreitig das «w 
eigenda angehörten 9 gleicbfam den Dienft 
yerfahen, und der Verf. ausfagen, dafs auch 
nehmen an der allgemeinen Verherrlichung d< 
Meine Ueberfetsung weicht von der Lau 
freilich bedeutend ab und es verfchwindet 
Spur der Trinitatslehre , aber fie ifi nicht 
niger philologifch wohl begründet. D 
wogegen Geh etwaige Ausßellung machen 
trifft das Wort l^gtiHet , was allerdings { 
domini bedeutet , aber doch e. B. KoU 
xvpi(>n7r£ß und eben von Engeln ßeht. 
Herrfchaften ßnd hochftehende, nach Amt 1 
ausgezeichnete, welchen viele andere unt 
find ; auch fie fchliefsen fich nicht vom L 
aus. Der Auserwahlte ift zwar felber 
(Kp.46»4. 48» 2 — 4. 5If40» dennoch w£ 
es nicht unter feiner Würde zu halten h 
Herrfcher der Welt rühmen zu helfen ; wi 
auch im N. T. Chrißus ungeachtet aller H 
feiner Perfon und feines Werkes ala den 
herrlichend dargefteilt. Könnte man ficb 

nicht befreunden , fo wäre ^S ^£ * co 
falfen: die Auserwählten; darauf fuhrt *^ 

auch ^ AA* j^Cil vis alia wird w^ 

genden Fronomens AA# am befien in de] 
{alia€ dwafuit') genommen.« Diefe vis aU 
Engel» welche bei Erfchaffung der fichtb. 



Kap. 60. V. U. 489 

rzigKeity und mit dem Gciße des Gerichts und 
8 Friedens und mit dem Geifie der Güte^); und 

bereits Torhanden waren, gleichram Gotte bei reinem 

'Werke hilfreich zur Seite traten. Doch wäre auch 

eine Beziehung auf die Zukunft möglich, da im 

athiop. Texte kein Vcrbum ßeht ; dann ift der Sinn s 

die» welche bei der alles bedeckenden grolsen (noa- 

chifcheo) Fluth über dem WalTer fchweben. Erfierea 

ißt jedoch natürlicher. 

u^ Die Copula ift theils vor den Zeitwortern, welche 

Preis u. f. w. ausdrücken , theils vor dem Worte 

Geiß lehr gehäuft (Laurence übergeht ße hier, wie 

fbnft häufig); offenbar wird Amplification beabfich« 

tigt. Die Einmüthigkeit (mit vereinter Stimme prei- 

Ten ße) wird mit Recht anerkennend herausgehoben ; 

vgl. V. 12. und 47, 2. 3. Lacke (a. a. O. S. 77.') 

meint: „das anrcvfia ayiov begleite als ein fiebenfoches 

(als Geift der Treue, Weisheit, Geduld, Gnade, des 

Gerichts, Friedens und der Güte) den himmlifchen 

X^obgefang^^y weil Laurence die Partikel f\l vor 

^^^d^ri! durch with überfetzt hatte. Vergefell- 
l^iaftung ift hier fchwerlich das , was der Verf. aus- 
^yiicken wollte; jener den Engeln zu Theil gewor- 
dene Geift, der Cch in Treue, Weisheit u. f. w. aus- 
fpricht und zu Tage legt, ift vielmehr in ihnen das 
l^^^egende Frincip , was fie zur Verherrlichung des 
Unendlichen auffordert und antreibt, die Rieh tfchnur, 
•^reiche £e dabei befolgen und das Mittel, d eilen fle 
0^ yi dein bedienen. Mau kann alfo aucb überfetzeu : 
Jmrck den Geift '* oder „in dem Geiftc/* Diefec 
GdBt oflienbart lieh auf fiehenfache Weife oder in 
£ebeii Eigenfchaften ; Lücke (a. a. O. S. 77») erblickt 
- derin unverkennbare Spur jüdifcher Kabbaliftik, Was 
indeCe fo anbedingt wohl nicht behauptet werdeu 

32 * 



490 Kap. 60- V. 14—15. 

fie werden alle fagen mit Einer Stimme: y,Gepriefen 
fey er, und gepriefen fey der Name des H^rm der 
Geifter in Ewigkeit und bis zu Ewigkeit." Pfei- 
fen werden ihn alle die, welche nicht fchlafen, 
oben im Himmel. 

15. Preifen werden ihn alle feine*') Heiligen, 
welche im Himmel, und alle AuserwähltCi welche 



darf, da ja z. B. der Weisheit im B. der Weiih. 7, 
22. 23. drei Mal ßeb^n Eigenfchaften zugefchriebfa 
werden. Hen.4gb, 3. wird der Geiß ebenfalls dnrcb 
mehrere (nicht gerade fielen) Epitheta charakterifirt 
Die hier aufgezählten Tugenden werden ohnehio in 
aller Welt zu den wefentlichen und vorzüglichßen 

gerechnet. Statt Treue {HJ^^^^I) könnte man 
auch Glauben überfetzen, wie Lücke (a. a. O. S.77O 
nach dem englifchen falth es ausdrückt; f. jedodi 
S. 412 — 13. Geiß des Gerichts und des Frieiens, 
d. h. der Geift» welcher fich auch in der ZüchtiguD{ 
der Frevler und in der Beglückung der frommen Got* 

tesverehrerausfpricht. ACIA(^; 07\fth: AQA^ 
in aeternum et usfjue in aeternum , wo wir die Co- 
pula nicht vermiffen würden, wenn lie fehlte; fieil 
wie im Hebr. in der Formel lyi •" \0 zu erklären. 
Aehnliche Doxologien f. Kp. 39, 10. 12. 4g, II. 
Qui non dormiunt find Engel, welche nie ermäden; 
▼gl. Kp. 39, II. und Anmerk. dazu, beronden aber 
Kp. 7O9 9. Die im Grabe fchlummernden MenTdieB 
fcheinen mir dem Zufammenhange gans fremd la 
feyn. Der Zufatz : in Jafiigio coeli zeigt dieb auch 
ganz deutlich. 

46) V. 15. wiederholt den Gedanken, welcher btrtiü 

' V. 13 und 14. ausgefprochen war, mit einiger Modi- 

fication des Ausdrucks. Y. 16. fügt die Gxuadehiiisiif 



Kap. 60. V. 15— 16. 491 

'ohnen in clem Garten des Lebens, und alle Gei- 
er des LichteSy welche f^ihig find zu preifen, und 
u rühmen, und zu erheben und zu loben deinen 
eiligen Namen; und alles, was Fleifch, was über- 
•iflFt die Macht, wird rühmen und preifen deinen 
Famen in Ewigkeit. 

16. Denn grofs iß die Gnade des Herrn der 
reifier, und langnnithig ifi er; und alle feine 
Verke, und alle feine Macht nach der Gröfse fei. 



welche die Engel zum Lobe Gottes bewegen« Das 
Fronominalfuffix, welches Cod. Rüpp. hier darbietet» 
wird von Laurence in der Ueberfetzung nicht ausgie* 
drückt. Garten des Lehens einerlei mit Garten der 
Gerechtigkeit ( Kp. 31, 2.)* Garten der Gerechten 
(Kp* 589 15:) 9 ^^^^ ^^^ Paradies ; die dort Wohnen« 
den (Ind unfireitig die abgefcbiedenen , bereits feiigen 
Menfchen, wie Fleifch die noch auf der Erde leben« 

den bezeichnet. Hoi^Cf^J^ l 7\f^') JB ßil über- 
fetzt Laurence: ^^mehr als die Mächte (^des Him- 

meUy* und läfst alfo das Relativum Hl aufser Acht; 

derGedanke, welcher dadurch entReht (dafs die fterb« 

liehen Menfchen Gott mehr preifen würden , als die 

bimmlifehen Heerfcharen) , iß gewifs nicht im Sinne 

. des Seh riftft ellers. Vielmehr foll es heifsen : es Cngeti 

X«obiieder nicht blofs die Sterblichen , fondern auch 

id <juod antecellit vim (fc. vulgarem oder eorum mor- 

talium), alfo: was ausgezeichnet ifi an Macht; er 

'WiU Tagen: alles ohne Ausnahme, fo bedeutend es auch 

feyn mag. Der plötzliche Uebergang aus der 3ten in 

die 2te Perfon, welcher (ich in diefem Verfe findet^ darf 

natürlich nicht auffallen. AmSchlufle hat Laurenfi 

tfon Ewigkeit zu Ewigkeit, der äthiopifche Text im 

Cod, Äüpp. das einfache. A ^ A ^ : 



492 Kap. 60. V. 16. Kap. 61. V. 1. 

1)66 Wirkens '^^) hat er offenbart den Gerechten 
den Auserwählten , in dem Namen des Hern 
Geiller. 

Kap. 61. «) 

1. Und alfo gebot der Herr den Königen, 
den Mächtigen » und den Hohen und denjeni 



47) rtA/OJ^S: H'A^: ma^mtiiJm«, (91111) 
gibt Laurence su breit : grofs « wie es dU Dinge 
welche er gethan hat. Der Sinn ift natürlich : 
hat feine Allmacht, fo weit fie aus feinen Wi 
erfehen werden kann, den Menfchen offenbart. 
Gerechte hat Laurence Heilige^ wie fonft oft (L i 
I. zu Kp. 56.)» was leicht irre leiten kann, im 
men des Herrn der 6 elfter für: in feinem Hi 
(f. zu Kp. 39, 9.), d. h. eigentlich anter Nen 
feinet Namens , alfo zu feiner Anerkenntnib 
Verherrlichung. 

48) DenTnbalt vonKp.ölt I — 629 16. bildet eine 
führlichere Schilderung der Gefühle, welche die! 
fchen bei dem kommenden grofsen Gericht ergn 
und der nacbßen Folgen , welche für fie darass 
fpringen werden. Klar ift es, dafs das bisher En 
damit im Zufammenhange feyn foll und Einheil 
Anfchauung in beiden Stücken berrfche. Da| 
kann nicht geltend gemacht werden, daCi Kp. 60 
der Auterwahlte, nach Kp. 61, 2. aber Gott I 
auf dem Throne fitzt, um zu richten; denn 
61, 9« wird es vom MelRas gefagt. Aua-den H 
der Vifion finkt der Verf. allmalig herah zur Beb 
tung und Reflexion über das durch die Vifion 1 
Verkündete und überläfst fich dem breiten Sil 
der ParSnefe , wobei er in die Fnfttapfen der • 
Propheten tritt , ohne jedoch ihre Krafit und ! 



Kap. 61. V. 1. 493 

} die Erde bewohnen, und fprach : »yOeffnet 
^ugen und erhebt euere Homer, wenn ihr 
eyd zu erkennen den Auserwählten !'' 



erreichen, fondem mehr rhetorifirend und fich 
sderholend. Nach dem Freife Gottes (Kp.6o.} 
eht zunachft eine Aufforderung an die Machtigen, 
in an alle Bewohner der Erde , auf dat , was ge- 
lebt , SU merken« Wenn erftere es thun , fo wer-« 
i die übrigen um fo weniger zurück bleiben (vgl» 

.46, 3.4. undAnmerk. dasn). fl^^^Hr ito, d.b. 
der folgenden Weife. Durch die Copula im An- 
ge von V. I. wird Kp. 61 ff. genau an Kp. 6o« an- 
:hloiren; Laurence lafst fie hinweg, ebenfo wie 
fchen der Bezeichnung der einzelnen Claflen Ton 

nfchen, AHH^Jj (mit Al ftatt ül) fortes, 
?nies^ Laurence überfetzt es überall : Fürfieiu Die« 
e Verbindung von Konigen, Mächtigen u. f. w. V« 5» 

la.« Tgl. auch 62, 1. 54.5. O^'AAJ mufs mit 
kCcht auf den Zufammenhang von der Vergan- 
tieit verftanden werden: et dixit (vgl. Ludolf 
Dinat. p. i6l. ed. a.)- Die Hörner im A. T. be- 
Dtlich Bild der Starke, und fie erheben. Bezeich- 
g des Uebermuthes (Pf. 75, 5. 6.) , aber auch dea 
thes (Pf. 89, 25. 112, 9), wie fonft das Haupt 
iben (i Mof. 4, 7. Luk. 21, 280- I" einem ahn- 
wm Sinne mufs es auch hier aufgefatst werden: 
kt auf zu dem erhabenen Richter und aufsert eure 
sd0 über feine Erfcheinung , wenn ihr vermöge 
rr fittlichen Befchaffenheit dazu befiihigt und be- 
tagt fcyd. h7\f^C^t cognojcerej compre- 
Imre^ besieht Geh nicht fowohl auf des MelKasWefen 
imnt Befchaffenheit, als auf feine Erfcheinung 
I Gericht. Sehet getroft auf, will er Csgen , sum 



494 Kap. 61. V. 2— 5. 

2. Und es fa(s der Herr der Geifler^ ai 
dem Throne feiner Herrlichkeit, 

3. und der Geift der Gerechtigkeit war ac 
gegoflen über ihn. 

4. Das Wort feines Mundes wird tödten a 
Sünder und alle Ungerechten, und aus feinem A 
geficht werden fie vertilgt werden. 

5. Und es werden auffiehen an jenem Ta 
alle Könige, Mächtige und Hohe, und diejenige 
welche die Erde beützen, und werden ihn feh 
und erkennen, dafs er fitzt auf dem Throne £ 
ner Herrlichkeit, und die Gerechten in Gerecht 
keit vor ihm gerichtet werden ^). 



Weltenrichter, wenn ihr feinen Anblick ertraj 
könnt (vgl. V. 80- 
49) Hier undV. 5. fitzt Gott au f dem herrlichen Irbroi 
nach V. 9. der Menfchenfohn. Diefs ift kein T1 
derfpruch (f. zu Kp. 45, 3.); der MelTias hat tc 
Hocbfien feinen Platz erhalten (Kp. 60, IO.)f wai 
fcheinlich neben ihm auf demfelben Throne (Kp. 54,5 
Da Gott als Richter gefchildert wird, ift es gans i 
der Ordnung, dafs V. 3 und 4. unter feinen Elf« 
fchaften gerade die Gerechtigkeit herausgehoben wiQ 
Sie zeigt fich nach V. 4. in der Beftrafung der Bofa 

d^ÖJ' #> wjufii^ iniqui gibt Laurtnce gewohnlia 

j^ottZoj (nngodly) und A^^^TÄiJ e facie ejushienuA 
ganz genau ; in feiner Gegenwart. Auch hat er dl 
letzten Sati von V. 4. nicht durch die Copula, Im 
dem durchs Belativum verbunden. 
80) Diefen letzten Satz betrachte ich mit Lawrtnä 
welcher auch die Partikel dafs ausdrücklich vor du 
felben fetzt, als abhängig vom Verbo erkenmem; b 
deb Uelae er Cch auch lelbAßandig auflalTen. In L« 



Kap. 61. V. 10. 497 

10» Und ihn werden rühmen und ihn prei- 
m und ihn erheben die Könige , die Mächtigen 
nd alle die, welche die Erde befitzen , ihn , wel* 
ber alles beherrfcht, welcher verborgen war; denn 



cfariSliche Gebrauch diefes Aus dmckei , der an fich 
febr bebraifch fey « und eben nur den Menfchen be- 
seicbne (Hieb 14, i u. a.) , vom Meflias ihm wenig« 
ftena nicht bekannt fey.*' Uebrigent wird der Aus* 
erwählte im B. Henoch nur hier fo genannt, fonft 
Sohn des Menfchen ^ Sohn des Mannes (vgl. aucli 
Amnerk. su 45, 3. 46» !• und 59, ii«). UeberwSl- 
tigt von der Erhabenheit des von Gott fclbft aus* 
erkorenen Richters demüthigt fich alles vor ihm ; 
das Pronomen in V. 10. bezieht fich nämlich auf 
Menfchen fohn V. 9. Denkt man des Weibes Sohn 
nicht auf einem befondern Throne fitzend , fondern 
neben Gott auf demCelben (f. zu V. 2.)* fo laflen 
fich Pf. HO, I. (f. Rofcnmuller und de Wette s. d. St.) 
Matth. 23« 44*9 auch Weisb. 9, 4. vergleichen, in 
Welcher letstern Stelle die Weisheit tmv emv (Gott 
ift angeredet) ^qonop naQBdQog beifst. Die Worte 

AHJB^AY\: f>np: H^S A-A: laffen eine dop. 
pdte Erklärung au: eum (jui regnat omnia, (fui oc 
enUus {^erat') f oier regnantem omnia^ <fuae occulta. 
Das Fehlen der Copula vor dem Relativum bei dem 
ktaten Worte fcbeint die leutere Üeberfetzung su 
^pfehleiVf allein weil der dadurch gewonnene Ge- 
dankt minder pafst (warum follte der Meflias denn 
'^r das Verborgene beherrfchen ?) und das Epitheton 
•iTerborgen^^ dem Meflias im Folgenden gegeben wird, 
'^beich die erßere Deutung vorgezogen. Als der früher 

^•rlargene (fSA-Aj) wird der Meflias auch Kp.4g, 
^ beudcfanet, wie nach Kp. 70, l. 6. Henoch als ver- 



496 Kap. 61- V. 8—9. 

8. Und es wird anfehen ein Theil von ihnen 
den anderen ^). Und fie werdcnbefiürzt feyn und 
ihr Antlitz niederfchlaMn. 

9. Und es wird fie ergreifen Schmerz, wenn 
He fehen werden jenen Sohn des Weibes fitzen auf 
dem Throne feiner Herrlichkeit. 



22, 23. 30, 6. Job. 16, 2 1.) ; vgl. auch Hom. IL Xr, 

269 ff«f bier wird es recht ausgemalt. ® Pd90» 

0{\£^l ^t difficukatem ei parät partus überfettt 
Laurencct ^^deß'en Arbeit (labour) fehwer (fevere) 
ifi *< ; und zu dem Verbo in den letzten Worten des 

Verfes: O+UOiA: f\Q>f\^l betrachtet er die 
Kreifende als Subject : „und Ce es fehwer Rndet su 
gebären (to bring fortb).** Die Vergleichung aber mit 
dem Vorhergehenden und die gewöhnliche Bedeu- 
tung der Gonjugationen empßehlt diefe AuSaflang 
nicht. Das zu gebarende Kind ift vielmehr das Sub- 
ject. Dafs 0Aj^! vorher als Mafculinum con- 

firuirt wurde {JS^^Fii\ • \ thut nichts zur Sadie; 
denn es entCpricht oft dem Griechifchen t^kvo«. 

52) Wörtlich pars eorum partem eorum. Weitere Aus- 
führung der Sorge und Beftürzung, welche ficb der 
Menfchen bemächtigt^ und V. p. Angabe des Grundes. 
Antlitz niederfchlagen V. Jg. Kp. 461 4. in äbnlichem 

Zufammenhange. Das Pronomen ATllTK X iüum vor 

©Ajf: rnAfX^; ßUum foeminae weift auF Kp. 
6O9 IG* zurück. In der Bezeichnung: des Weihes 
Sohn ift Lücke (Verf. e. vollft. EinL ia d. Oftenb. Job. 
S* 75-) geneigt 9 mit Vergleichung de^ neateftamesti- 
fchen yBWfftoq yvpcuHog, yev6(tiPog ht yvpomtdg (G«t.4*4.) 
eine Hiadeutung auf chrifilichen Urfprung das Buchs 
Henoch lu finden , weil ihm, wie er Cigtt' „der vor- 



Kap. 61. V. 10. 497 

10. Und ihn werden rühmen und ihn prel- 
fen und ihn erheben die Könige^ .die Mächtigen 
und alle die, welche die Erde befitzen , ihn , wel* 
eher alles beherrfcbt, weldier verborgen war; denn 



cbrifiliche Gebrauch diefes Aufdruckes, der an Heb 
fahr hebraifch fey , und eben nur den Menfcken be- ^ 
seichne (Hiob 14, i u. a.) , vom Meflias ihm wenig* 
flena nicht bekannt rey.'' Uebrigens wird der Aus* ^ 
erwählte im B. Henocb nur hier fo genannt , fonft 
Sohn des Menfchen^ Sohn des Mannes (vgl. auch 
Anmerk. zu 45, 3. 469 !• und 59, n«). UeberwSl- 
tigt von der Erhabenheit des von Gott felbft aus* 
erkorenen Richters demütbigt Heb alles vor ihm; 
das Pronomen in V. 10. bezieht lieh na ml Ich auf * 
Menrcbenfohn V. 9. Denkt man de^ Weibes Sohn 
nicht auf einem befondem Throne fitzend , fondern 
neben Gott auf demfelben (f. zu V. 2. )t fo laflen 
fich Pf, HO» I. (f. Rofenmuller und de Wette z/d. St.) 
Matth. 23« 44*» auch Wei8h«9y 4. vergleichen, in 
welcher letztem Stelle die Weisheit x&v emv (Gott 
ift angeredet) ^Qopnv nd(fs6(fog heifst. Die Worte 

AHJB^AY\: f>np: H^S A-A: laffen eine dop. 
pelte Erklärung zu: eum <fui regnat omniaf tfui oc 
cultus (erat^9 oier regnantem omnia^ <juae occulta. 
Das Fehlen der Copula vor dem Relativum bei dem 
letzten Worte fcbeint die letztere iTeberfetzung zu 
empfehleiv, allein weil der dadurch gewonnene Ge- 
danke minder pafst (warum follte der Meflias denn 
nur das Verborgene beherrfcben ?) und das Epitheton 
„verborgen^^ dem Meflias im Folgenden gegeben wird» 
habe ich die erßere Deutung vorgezogen. Als der früher 

Verborgene (fSA-At) wird der Meflias auch Kp.48, 
5« bezeichnet, wie nach Kp. 70, i. 6. Henoch als ver- 



498 Kap. 6L V. 10—11. 

zuvor war verborgen der Menfchenfohn» und ihn 
bewahrte der Erhabene vor feiner Macht » und 
offenbarte ihn den Auserwählten. 

11. Upd er wird fäen ^^) die Gemeine der 



borgen erfcbeint wahrend feiner Entrückung zum 
Himmel. Die Kp. 4g , 5. genauer ausgefprochene 
Zeitbeftimmung ift hier ganz allgemein gehalten. 
Wenn Laurence darüber bemerkt: y^Den Ausdruck 

iV^ T Jf*^') welchen ich vom Anfange an über- 
fetzt habe, erklärt Ludolf: a principio i. e. ab aeterno;*^ 
fo mufs ich hinzufügen , dafs diefs nur in einem Bei- 
fpiele gefchiehty wo von Chrifius die Rede iß, und 
keine allgemeine Norm feyn Toll (Lex. Aetbiop. lat 
col. 216. ed. 2.); emkedem (a primordio) kann auch 

foviel feyn als 7\(^^^^; und ^J^^l ante, 

prius. fi^^C^: '>JB A'I coram vi fua heifct 
allerdings nur : Gott hatte ihn bei ßch (vgl. Joh.iy i 20s 
delTen Allmacbt wird befonders herausgebobcD, weil 
dba Bewahren und Offenbaren des Mellias Beweifa 
davon ßnd. Die Schlufsworte des Verfes 'widerfpre- 
chen denjenigen Stellen nicht, womach i^uch die 
Sünder den >\u8erwablten als 'ihren Richter erblicken; 
denn bei diefen befchränkt (ich die Kenntnifs von 
demfelben einzig und allein hierauf, während die 
Frommen mit ihm vertraut lebend ^. I7>)« 

33) (DJBH^Ar wörtlich et feminahit, aVo pflanzen^ 
gründen; man darf an dem Bilde nibbt zu viel deu- 
teln und etwa darin finden , dafs die vom Menrdien« 

fohn veranftalteta Vereinigung aus zerftreut (fo H^Ji* 
Kp. 58» 13*) lebenden Mitgliedern beRehe (etwa wie 
in den erften Zeiten des .Chriftenthums) } denn das 
B. Henoch trägt auch fonft Ausdrücke von der Fflaa- 
senwelt über auf Erfcheinungen dea geiAigm Lebens» 



Kap. 61. V. 11. 499 

sn und der Auserwählten, und vor ihm wer- 
ben alle Auserwählte an jenem Tage. 

3. Kp. lO, 21 ff. ^r^nC** Verfammlung, F«r- 
, Verbindung j kommt zwar von chrifilichen Ge- 
Inden vor , ift aber ein allgemeiner Ausdruck. 
llige find hier nicht Engel , fondern Menfchen (t. 
'h 38» 4. 5. 39, 4. und Anmerk. z. d. St.). Da die 
reinigung der Frommen erft nach dem Gerichte 
chieht (durch Entfernung der Sünder, vgl. V. 14 — 
), das Gericht felbft aber erft noch zukünftig ift, 
Tshalb auch LUcke (Verf. e. vollft. Einl. in d. Offenb. 
I. S. 7I.)9 auf Laurences Ueberfetzung fudend, es 
feiner Inhaltsangabe des Kapitels fo darftellt, fo 
3 ich nicht ein, wie derfelbe Gelehrte (a. a. O. 
rj.) unter dem, was auf chrißlichen I7rfprung des 
Henocb hinweife, auch „di^ beftimmte Beziehung 
die bereits vorhandene Gemeinde der Heiligen 
\ Auserwählten, ayioi, xal hXsatol^ welche alle Völ- 
aufsunehmen beftimmt fey, im Gegenfatz gegea 
Welt , die Sünder und Dämonen ** aufeäblen 
nte. Vielmehr denkt der Verf. böfe und gute 
nfchen als neben und unter einander lebend ; durch 
Gericht wird einft die Scheidung beider erft er« 
en. Diefs ift keine blofs chrißliche Vorftellung, 
lern bekanntlich fchon in den alttefiamentlichen 
pheten oft genug ausgefp rochen. Auch die Kp. 

6. erwähnte KSr^\ (D^4.ß: ft+: 

^I'T'A^AI H,AU"J jufia et elecia domus con* 
fationis ejus (Dei) kommt erft nach Vernichtung 
Frevlen Vor ihm flehen bildet den Gegenfati 
Mnthlofigkeit und Furcht, der die Sünder Preis 
ttban werden (vgl. 52» 2.) ; die Auserwahlten kon« 
i den Anblick des Weltrichters ruhig ertrageUi und 
holen ihr Urtheil in froher Hoffnung. 



500 



Kap. Cl. V. 12—14. 



12. Und niederfallen werden alle KÖnipc, 
Mächtige und Hohe, und diejenigen, welche die 
Erde beherrfchen, vor ihm auf Ihr Antlitz und 
anbeten **). 

13. Und fie werden ihre Ho£Enung fetzen 
auf jenen Menfchenfohn, zu ihm flehen und Gnade 
erbitten von ihm. 

14. Und gelangen lafTen wird fie bis zu ihm 
der Herr der Geifier, auf dafs fie eilen und hinweg- 
gehen aus feinem Angeficlit ^). Und ihr Antlitz 



1 

1 



54) (Dpf\^£^l wie 59, 6. nicht anheten im fireng- 
ßen Sinne (^Laurence überfetzt: worßiip')^ touit^ 
feine Ehrfurcht durch Niederwerfen bezeigen; .vgl 
das bebr. niHR^n^ das griech. ytifogttwtlv, Dff 

Accufativ des Objects, welcher in Laurence*s Veifioa 
fleht, ift im Originaltexte, wenigßens des Cod. Rüppi 
nicht vorhanden. Zu V. 12 und 13. Tgl. Kp. 43, a — 4* 
Laurence^ welcher nach feiner Weife hier dieCopoli 

mehrfach vernachla/Tigt , überfetzt JP/VtHCp^OpI 
fupplicabunt durch : fie werden zu ihm heten („pray**)» - 

55) Laurence überfetzt den Anfang diefes Verfes yiA 
kürzer, als der Text im Cod. Rüpp. erlaubt: aZidsM 
wird der Herr der Geißer eilen fie hinweg %u treJJ^ 
aus feiner Gegenwart» Ob der Sinn des erften Sita* 

©J*%o^Jö<^: l\t\W: orÄi:: 7\*inÄt 

^?4^nih- genau getroiFeu fey, ift sweifelhift^ 
weil das darin enthaltene Verbum in LudolPs riinfif<F- 

fehlt. Laurence* s Ueberfetzung fcheint auf AONTt 
fugere coigit hinzuweifen ; allein der Gedankei mh 
eher bei Anwendung diefer Aushilfe auf den « p» foi 2 
liegenden Text entßehen würde : er zwingt fi« 
Flucht bis zu ihm , damit fie fich fchleunigft aut 
ner N&he entfernen , tragt £ift einen Widerfpnidi 



H 



Kap. 61. V. 14. 501 

ird erfiillt feyn nntSchande, und Finfiernifs wird 
r reichen ihrem Antlitz. Und ergreifen werden 
e die Engel der Strafe , auf dafs lie Vergeltung 
lehmen an denjenigen, welche bedrückten feine 



Cell« Nimmt man auf V. 13. RiickCcht, fo ift klar, 
dafs die Mächtigen der Erde Reh um die Gunft des 
Menfchenfolines bemühen; diefer Gedanke fcheint 
mir y. 14. noch fortgeführt zu werden unter Anfü- 
gung des Erfolgs. P Qj O^v » möchte ich daher mit 
dem chald. TV^3 vergleichen, exiitf prodiit^ oder dem 



Arabifchen ^i^. fich aushrelteru Der Sinn ift alfo : 




Gott läfst fie gewähren, verSattet es, dafs Ce ßch 
an den Me/Iias wenden, aber nur zur Verherrlichung 
deflelbeo, nicht aber um de zu begnadigen. Sie 
können im Bewufstfeyn ihrer Schuld den Anblick des 
Richters nicht ertragen , fondern machen lieh be- 
fchimpft eilends hinweg, ohne der Strafe entgehen 

«ukönnen. *f](^l JPtf'^V: O^^/Vj ut ceUr- 
rime exeant. Aus feinem Angelicht wie Kp. 52, 2. 

^^AO: (mit 0: ftatt 7\:) ^4:-^ + : (LudalJ 

fchreibt es mit 'S«) plena erit (facies) dedecore; 

Laurence überfetzt ungenau Verwirrung, Zu JE ^ (Vi\ l 
eigentlich: er wird geben y darreichen ift Herr der 
Geifter das Subject; gewöhnlicher wäre: er wird 
hedecken^ wie Laurence überfetzt; vgl. Kp. 46, 4. 

Engel der Strafe wie 62, I. f. zu 52, 3. I^IO ♦ 
€afnpreffitf opprejjit ^ vim intulit bezeichnet Gewalt- 
tfaitigkeit, Bedrückilhgen jeder Art, und es liegt 
darin keine nothwendige Hindeutnng auf die Verfol- 
gungen der Chrifien (f. auch zu Kp. 46, 6.) ; ebenfo 
wenig wie in dem Namen Gou^s Kinder auf die 



502] Kap. 61. V. 14—15. 

Kinder und feine Auserwählten. Und fie Mrerden 
ein Beifpiel feyn den Gerechten und feinen Auser- 
wählten. Ueber fie werden diefe lieh freuen ; denn 
der Zorn des Herrn der Geifier wird auf ihnen ruhen. 
15. Und das Schwert des Herrn der Geifter 
wird trunken feyn von ihnen ^). Aber die Ge- 



Nachfolger Jefu. ACAJ^ ♦ exemplum^ typus, imago, 
i& hier ein abfchreckendes Beifpiel, wodurch die Ge- 
rechten bewogen werden follen, auf der betretenen 
Bahn zu bleiben. Für Gerechte hat Lawrence Hei- 
lige ^ ebenfo V. 15. und ig.; auch überfetzt er: auf 
dafs Rache (,,vengeance'*j gebracht („inflicted'*} werde 
über diejenigen u, f. w. , wo das Original das auf 

die Strafengel ßch beziehende Activum hau In POD^ 

gehört die Partikel /!♦ zur ConRruction des Yeibi 

JP T* d^ ^ iih l Laurence überfetzt : durch fie^ w«i 

zuletzt auf denfelben Gedanken führt: Freude der 
Frommen über die Beßrafung ihrer Bedrücker, wel* 
che auch im A. T. bekanntlich nicht feiten vorkommt. 
Es ift nicht eigentliche Schadenfreude gemeint, fon- 
dern das frohe Gefühl über die Befreiung von ihren 
Quälern und Widerfacbem. Der Zorn ruht auf die- 
fen (vgl. Kp. 59, I40f ^* h. ihre Strafe hört nicht anL 
56) Laurence beginnt diefen wie den vorhergehenden 
Vers mit der Zeitpartikel 9 während Cod. Rüpp. die 
blofse Copula hat. Das Bild des trunkenen Schwer 
tes kommt fcbon im A. T. vor» als 5 Mot 33» 43« 
und noch genauer Jef. 34» 5. ; f. auch Bohatddin vit 
Salad. p. 127. und Gefenius Comment. üb« cL JeL 
I Tb. S. 911. Von ihnen ^den Getodteten) für: vm 
ihrem Blute ^ wie Laurence überfetst. Daa GoCchicfc 
der Menfchen iß am Gerichtstage verfchioden nad 
ihrer Cttlichen Befchaffenheit ; v^. 45t 5» 49» 9* fSf 



Kap. 61. V. 15—16. 503 

en und Auserwählten werden unverfehit feyn 
neni Tage » und das Antlitz der Sünder und 
ngerechten werden fie nicht JCchauen von die* 
ieit. 

16. Und der Herr der Geilter wird über ih- 
reilen. 



ie Sünder beginnt die Zeit der Qual, fiSr wdche 
e aufbehalten wurden (f. Kp. 45, aOt u°ä il^'e 6e* 
7alt f war fie früher auch noch fo groCi , ift durch 
en Menfchenfohn gebrochen ( vgl. Kp. 46 1 äff. )• 
ur die Frommen 9 welche bisher duldeten ( f. auch 
tp* 461 6«) 9 beginnt die Zeit des Heiles* hieza ge* 
ort auch die Entfiemung des gehSiligen Anblicks der 

'rcvler (f. auch Kp. 52, 70' JBjf""! V* incolumes 
runt wie Kp. 48, 7« in einem ähnlichen Zulammen* 
enge. Noch entfchiedener aieichnen V. 16 und 17. 
!as Glück der Frommen ; fie erfreuen fich der Nihe 
fOttes und der Gemeinfchaft feines Auserwählten. 

^fll/^; P^JP'C* AP''« ^^' ("» *»*) *«i«>aWt 
vgl. Offenb.79 15.) kann entweder von geiAigerVer* 

ilndung verfianden werden, welche zwifchen Gott 

md feinen Verehrern fiatt findet (rgL Job. 14, XO*}» 

»der vom Wohnen Gottes in feinem Heiligthume auf 

irden, wie nach altteftanientlicher DarSellung im 

Tempel au Jerufalem. Für letztere Au£Faflung möchte 

^ X7. fprechen; die Partikel J^Ht öier wäre dann 
jewiblt, weil Gottes Sitz über die Wohnungen der 
llaDrcbeu hervorragt, lieber die Verbindung der 
rrommen mit dem Menfchenfohne vgl. Kp. 45 t 4* 

D AÄJ AaA: ll\^ihf(ff: fiUus hominis, wie 
f» ZO. 13*.* kommt auch im N. T. 9 als Matth. 9» 6. 
or; vgl« daiüber Ludolf Lexic col. 51- 379* C^^^O* 

h Ueno eh. oJ 



504 Kap. 61. V. 17—18. 

17. Und mit jenem Menfchenfohne 
fie wohnen, und eflcn, und lych niederleg 
auffteben in Ewigl^eit zu Ewigkeit. 

18. Und aufgefianden find die Geruch 
Auserwählten von der Erde, und haben auf 
ihre Antlitze niederzufchlagen *^), und hal 
bekleidet mit dem Kleide des Lebens. Uni 
wird feyn ein Kleid des Lebens bei dem H( 
Geifier, und eure Kleider werden nicht alte) 
eure Herrlichkeit wird nicht abnehmen v< 
Herrn der Geilter. 



57) Die Frommen bleiben nicht in gedrückter < 
voller Stellung vor Gott , fondern (ie dürfea 
den Blick zu ihm erheben. Der Verf. geht ; 
in das Präteritum über; feine Seele ifi fo eri 
dem, was kommen foU, er ifi deflen fo gewi 
er davon als von bereits Gefchehenem b 
Kleid des Lebens ifi ein ahnliches Bild, wie 
Jsen Kleider der Offenbarung (Kp. 1, 7. 3» j 

4) 4* 7» 9* 130 ' ^^^^ f/T^" ^^"^ Holze des 
([Offenb. 2, 70» und darf nicht auffallen, d 
iSibel Verbindungen, wie: einen neuen Menfi 
stehen, lieh mit Gerechtigkeit, Heil a. f. w. bc 

gewöhnlich find. Die Worte: CDOTAI:; J 

A-nrt: /h£(Dt: A'Sn: ^^HÄ: oet. 

erit vefiis vitae apud Dominum^ Welche I 
nicht ganz genau durch : ,^diefes Gewand dti 
ifi bei demHerrn^* übertragt, foUen ofFenlMirc 
gerung bewirken. Die Frommen find befeligt 
es Gotte gegenüber ; die Nahe des AUmSchtigta 
ihr Glück. Das Folgende knüpft Laicr«iici 
Relativum an und läfst dabei Htrr der Geii 
fji/i dejpen Gegenwart wird euer Gewand** 



Kap. 62. V, 1. 505 

Kap. 62. 5ö) 

1. In jenen Tagen werden bitten die Könige, 
lächtigen und die, welche die Erde befiCzen, 
feinen Engeln der Strafe , wohin fie überlie- 

las Glück der Frommen nimmt kein Ende und er« 
ndet keine Veränderung. 

Diefea Kap. Tetzt einen Tbeil des Inhaltes vom 
orbergehenden weiter auseinander, nämlich die Bo- 
rafung der Frevler; neben der gröfseren Ausfuhr» 
chkeit beabfichtigt der Verf. auch mehr Anfchau-' 
chkeit« Zu dem Ende werden die Sunder redend 
ogeführt; zuerft erkennen fie die Grofsc Gottes an 
IT. I — 6.); dann deuten fie hin auf das Verhält» 
IIa, in welchem fie zu demfelben fiehen und welches 
B leider lu fpat erft erkannten (Y. 7 — 14.). Sie 
ad daher eine Beute des Schreckens und die Strafe 
'aalt fie (V. 15- )• Am Ende des Kap. wird diefs 
rhickfal derfelben als ausdrucklicher Befchlufs Got- 
!S bezeichnet. V. I. Tagt Laurvnce in feiner Ver- 
in blofs: ,,die Könige, welche die Erde befitzen/* 
Shrend der Originaltext im Cod. Rüpp. fich um« 

indlicher ausdruckt, wie Kp. 61. JPtl'tr\(p^V^t 
pplicaBunt^ Tgl. 61, 13* Laurence überfetzt falfch; 
f werden hefiraft werden, Derfelbe bezieht in 

^A?Vrtt: C^^UKCU: das SuIBx unrichtig a\if 
la letzte Wort des zufammengefetzten BegcüFea, 
elchea er daher auch gegen die gewöhnliche Be- 
ntang Zorn überfetzt ; alfo: ^f Engel feines Zorns.** 
gl. LiHdolf gramm. acthiop. p. 154. (ed. 2.). £a 
id diaTalben Engel gemeint, welche fchonKp. 6j, 14« 
irihlit wurden ; übrigens hatte Laurence auch dort 
ife Beseichnung verwifcht, indem -er überfetzt: 
r Engel foUen fie nehmen zur Strafe („tahe them to 

33» 



iiiul der Herr der iMaclitigen , und di 
ITcrrtn, iin<l der Herr der ilcrrJicIih 
Herr de^^Vcis!leit5''). 



vuni/lment'O- I^er Verf. feut den |rü 
teten Gegenßand fort, und weift daber 
liem AeuTiemngen Eumck mit iea Wor 
UAd)"^ ^TJ'P'J: ywo traditi iroHt 
tÜTÜch für das genauere: ad tfuos oder 
«Ifo: „welcAen fie überliefert por«!! *' , 
wohin fit auch werden überliefert wert 
foever they fhall be" cet.), wie e« Lot 
Dafs er geie, aämlieb der Herr der 
veilangte kurze Friß wollen lie benutxe 
Sündenbekenntnirs und Verehrung Got 
hende Strafe abzuwenden. Ihr Wunfc 
nicht in Erfüllung; vgl. V. g. 
59) Die Kede der errebrockenen Mächtig 
erOreckt ßcb zunächfE roo V.s — 6-, vr 
wieder aufgenommen V. 7 — 12. und al 
— 14. Im erften Abfatze Tuchen Ge du 
terwerfung dea Höchllen Wohlwollen 



Kap. 62. y. 3—7. ^07 

3. Er wird ans Licht bringen jedes Geheimnlfs. 

4. Und deine Macht i/t von GefchlechtN zu 
ichlecht, und deine Herrlichkeit in Ewigkeit zu 
Igkeit« 

. 5. Tief find alle deine GeheimnilTe und ohne 
df und dei^e Gerechtigkeit hat kein Maafs 
;und« 

6. Wir haben erkannt, dafs wir rühmen und 
ifen feilten den Herrn der Könige, und ihn, 
eher König iß über alle Könige.** 

7. Und fie werden fagen^ : „Wer hat uns 
ie gegeben , ihn zu rühmen , und ihn zu ver- 

rence*s Terßon Reiche fieht, collectire su nehmen« 
Neben der Erhabenheit und Allmacht Gottes wird 
V. 2 — 3« auch feine Weisheit rühmend erwähnt; für 
den Ausdruck vgl. Kp. 60y 6* » ferner Kp. 469 2. 48» 6* 
5O9 3.9 wo dem Menfcbenf ohne« wieKoloIT. 2» 3.» Of* 
fenbarung des Verborgenen sugefcbrieben wird. V. 4. 
faß wörtlich fcbon 4g b, 2» V. 4 — 5. gebt die Rede 
aus der 3ten Fcrfon in die 2te über , V. 6. jedoch 
kehrt Ce sur 3ten zurück. Für den Gedanken in 
'y..5. vgl. Born. II, 33., für die Ausdrucksweife Hen. 

569 5. P7\\i>[ jam 9 nunc ift dem Zufammenhange 
angemeOen, infofern gerade an dem entfch'eidenden 
Tage 9 wo diefe Worte gefprochen werden, Gottes 
Gerechtigkeit recht fichtbar wurde. Laurenee bat 
es (Unterfcheidungszeicben fehlen hier im Cod. Rüpp.) 
%n V. 6« gesogen und überfetzt dort: ,9 Nun wilTen 
wir 'S was ebenfalls paffend wäre. Wenn derCelbe 
aber den/ Schlufs von V. 6. gibt : ^^üher alle Dinge**^ 
fo hat er fleh wohl nur verfchrieben (^things ftatt . 
hings). 

)) In dem 2ten Abfatze der Rede V. 7 — 12* wird 
auseinander gefetzt, dafs die kurze Frift bis sur Voll- 



icnwimaen, imu tiniierniis una uniere 
Ewigkeit zuEwijikeil. 



fireckung dar Stnfc ihnen debbalb nid 
ivorden, weil Ge Jich nicht früher tu Goti 
fbndem in der Sünde beharrten, Lam 
Mick im Anfange von V*?. Die erfien W 
suf V. I. kurück. Nach der Frage mr 
Antwort; wer gab? für Niemand gab. 
Verfe wird derlelbe Gedanke mehr mat 
JLaureiw« überTetit in demfelben ll^ J?J( 
lurrfe», wai allerdingi Hefa mit der ge 
Bedentnng dea Wottea vereinigen lÖlät 
lexic. col, Ig3. ed. sOi 'bei nicht in den 
hang pabti an propulit, expulit fchliel 
Bedentung^ pep/«cutiM *fi, dieCea ift im al 
Sinne nachjagen , eifrig naekßreht» , und 
dolf (m. a. O.) gibt an, daTa diefe Bede 
Worte nicht hetui Uj. Daa Object bei 
ßndeii und ergrtiftn ift im AethiopUchen 
laflen , und wird auch von Laurtnea fup 
immer fehlt bei Laureneei Cod. Rüpp. hi 



K?p. 62. V. 9—10. 509 

9. Denn vor ihm haben wir nicht begannt, 
nd wir haben nicht gerühmt im Namen des Herrn 
er Könige, und wir haben nicht gerühmt den 
[errn in allen feinen Werken , fondern Mrir haben 
ertraut auf das Königthum und unfere Herr« 
thkeit<»). 

10. Und an dem Tage unferer Trübfal \mä 
nfefer Noth wird er i^ns nicht erlöfen, noch 
^erden wir Ruhe erlangen. Wir werden beken* 
en; weil treu ift unfer Herr in allen feinen Wcr^ 
sn, in allen feinen Gerichten und in feiner Ge« 
tchtigkeit. 



6l) Der Grund der Nichtberückfichtigung ihrer Bitte 

liegt in dem frühern Wandel derfelben. A, A^ S ^ 
nom confejß fumuSf fc. peccata noßra (vgl. V. i.); 
weniger empfiehlt lieh die Ellipfe : Dei magni* 
tudiium. Statt im Namen bei Laurence minder wört- 
lich: y,cItfANameii*S und am Ende des Verfes faeifst es 
bei ihm: »»auf das Scepter unferer Macht und nnfe- 
res Ruhmes.'' Ohne Rettung erfcheinen V. lo. die 
Sünder, wie Kp. 38» 5 — 6> 39» 2- 49t 4- 1^ diefem 

Verfe hat Laurence alles nach 1 A^l «9 was er 
übrigens im Piäfens überfetst (i^wir bekennen**) , als 
von dieTem Verbo abhängig, alfo als Object des Be* 

kennen« betrachtet; allein die Partikel Ali^; 
nom» (jula erlaubt dieb nicht. Vielmehr foUnach« 
gewiefen werden , warum Ce nunmehr das Bekennt- 
nilii ablegen wollen , womit (ie fonft zurück hielten. 
Dieb g^fchieht in dem letzten Theile von V. lo. • 
fo' wie V. II — 12. Die Zuverläfligkeit Gottes 
(a>4^^T,: ßius heibt er) beüimmt ße dazu; 
er hat Wort gehalten in demjenigen, was er verhieb 
und womit er drohete. 



510 Kap. 62. V. 11—13. 

11. Und auf die Ferfon werden fi 
richte nicht Rückficht nehmen ^}9 und ^ 
den gehen aus feinem An geficht wegen 
Thaten. 

12. Und alle unfere Sünden find s 
rechtigheit gezählt worden/' 

13. Alsdann werden fie fagen zu fic 
,,Ge(attigt iß unfere Seele mit dem Hei 
des Unrechts ^) ; 



62) In dem Satse (Dl^! TY-S^Ü.: A.J 
ift gaza Object und kuenanihu (als CoUec 

fefst, wie V. 10.) Subject; 'ifJjA* 1/ 
das hebräifche 0*^39 NtZ^S. vQognnov Ut^ß 

Parteilichkeit rerfahren, Lawrence minder 
„In feinen Gerichten fieht er nicht an die I 
Die Mächtigen der Erde dürfen fich keine 
verfprechen, wenn de auch hoch geßellt 
Leben. Thaten fieht natürlich im fcblimn 
Laurence ergänzt daher das Adjectivum »»ei 
iöfe). Aus Gottes Nähe weichen» wird 
S2f 2. als Strafe angedroht ; vgL auch Y. i 
Kap. Befchweren können fich die Frevler 

nen gefchieht nur, was fie verdienten« Statt 

•fr'VA4^J juße numeratafunt (peccata), 
renoe's Ueberfetzung : find wahrlich ohne 4 
einen andern Text vorauszufetzen fcheint. 

63) ^TP- ClC?^^: gibt Laurence^. JVerl 
Verhrechens^ wie denn nev&f allerdings 1 
vaSf inßrumentumf arma heilst. Allein 
ganzen Stelle paffend ift die auch fchon v 
belegte Bedeutung opes^ ditfitiac; vgL V 
der Sinn der Rede ift derf elbe , wie Kp 



Kap- 62. V. 14—16. 311 

14. aber das wendet nicht ab unfer Hinab* 
Reigen in die befchwerliche Hitze der Hölle/^ 

15« Und hierauf wird fich erf lUIen ihr Antlitz 
nit Finßemifs und Scham vor jenem Menfchen« 
ohne ^)f und aus feinem Angelicht wird man fie 
ertreiben, und das Schwert wird bleiben vor fei* 
em Angefleht in ihrer Mitte. 

16. Und fo fprach der Herr der Geilter ^) : 
Diefs Üt der Befchlufs gegen fie und das Gericht 



AU gewaltthatigt andere beclrückend , alfo unrecbtea 
Gut an fiah ra£Fen<l , werden die Böfen im B. Henooh 

siemlicb häufig bezeichnet. AHi^: ATlAJ?: 
vrorüich' aefius gravitatisi Lawrence überfetzt: ßam» 
mender Schoofs (,,womb'*) der Holle , entweder weil 

0r X\ff\Xl 1^*9 oier kebada damit verwech feite. 
fi4) Faft wörtlich Tcbon Kp. 6l» 14. Das Deroonftra- 
tivpronomen vor Menjckenfohn hat Laurence in der 
dten Ausgabe üsiner Ueberfetzung hinweggelaflen, 
w^ahrend ea in der iften gan& richtig ausgedrückt 
^lear. Die folgenden beiden Sätze diefes Yerfea 
knüpft er durchs Relatiyum an , und im letzten der- 
fjelben wählt er ßatt des wiederkehrenden Ausdrucks : 
vor feinem jingeficht die blofse Fräpofition : vor, und 

fiattÄ in ihrer Mitte (^7\Tinp<^:) überfetzt er 
l^ (in beiden Ausgaben) : fie zu vertreiben. Parallel im 

Ausdrucke find dem Ende des Verfes 3 Mof. 269 6* 
I«- 24, xo. 25f 39. 31. Der Vers gehurt übrigens 
wieder zum Berichte des Sehers , oder , um es noch 
^tUmmter auszudrücken ^ sur Ausdeutung feiner 
Vifion. 
^) Zur Bekräftigung der bisherigen Angaben befchliefst 

^Abfchnitt mit der Nachricht , dafs fie fich nicbt 

'nf Aefloxionen des Schauenden Hütien, foudern van 



512 Kap. 62. V. J6. Kap. 63. 

der Mächtigen, und der Könige» und der Hohea 
und derjenigen, welche die Erde befiuen, vor dem 
Herrn der Geißer." 

Kap. 63. <^. 

Und andere Gefichte fahe ich. An jenen ge- 
heimen Orte hörte ich die Stimme eines Engels, 



Mittbeilungen Gottes ausgehen. Aehnlich bei i^ 
biblifcben Propheten , z. B. Jef. 14, 22. 23. 27* 2lf ^ 
14- 25. Diefs y nämlicb alles , was TOrJ[ier angegeben j 
worden war. Die Worte : vor dem Herrn der Cef- 1 
ßer geboren zu Befchlufs und Gericht ^ und bilden | 
eine nähere Beftimmung davon. Der Befchlufs wird ^ 
dadurch als ein göttlicher , von Gott ausgeheädefi ! 
bezeichnet. 
66) Obfcbon Kp. 63. andere Gefichte erwähnt werden» 
von denen der Erzähler hierauf berichtet, fo ift doch 
zwiCcben ihm und Kp. 62. genauer Zufamoienhing. 
Bisher war die Rede von Befirafung der böfen Menfcken; 
von nun an geht die Darftellung über auf die Zücb> 
tigung der Engel, Beide gefcheben am grofsenG» < 
ricbtstage. Auf ähnliche Weife hangt in der 2tea 
Parabel Kp. 53. mit dem Inhalte der vorbergeheadea 
Kapitel zufammen. Diefer Gedankengang wird )•- 
doch hier durch eine Epifode von der grofsen Flntk 
unterbrochen Kp. 64 — 67^ 1* (f. darüber sn Kp.64« 
X.) , indefs ift diefer Gegen ftand auch nicht fremdai^ 
tig , da die Fluth Vermifchung der Engel und MeiK, 
fohen und dadurch veranlafstes Unheil vorauaCetit» 
Auch für diefe Mengerei findet Cch in der 2teo Parabel» 
wie fie jetzt geordnet ift, eine Analogie; denn Kp»' 
53« 7- (jpringt ebenfalla von der Strafe der Engel aol 
die UeberCcbwemmung über, welche su No^ Zait- 



} 



Kap. C3. 513 

rdober faste: »»Diefs find diejenigen Engel, wei- 
he herabmegen vom Himmel auf die Erde, wei- 
he Verborgenes enthüllten den Menfchenkindern, 
nd verführten dieMenfchenkinder, dafs fie Sünde 
baten/' 



fiatt iaui. Andere Gefichte werden allerdings dar- 
geboten, da die Kp. 59 — 62« erzählte Vilion für Cch 
befieht und nicht fpeciell von dem GegenBande han« 
delt, welcher demnachft cur Sprache kommt. Weil 
der Seher an demfelben Orte» von Menfchen unge- 
fehen , das Folgende gewahr wird , verbindet er um 
16 mehr diefe Ersahlung von der Strafe der abtrünni- 
gen Söhne des Himmels mit der Vifion vom allga« 
meinen Gericht , als diefelbe Cch auch in den Vor« 
ftellnngen damit mehrfach begegnet, jin jenem ge» 
keimen Orte zieht Laurence zu dem Verbo ^Jck fahe**^ 
wogegen ficb allerdings fprachlich nichts einwenden 
laTst. Mir Ccheint aber diefe Ortsangabe . weniger 
daau zu gehören , eben weil es nur eine ganz tilge* 
•meine Notiz ift, fondem zu dem unmittelbar darauf fol* 
genden fpeciellern Berichte, bei welchem der Verf. 
dergleichen auch fonft zu geben pflegt (£ 17, 2 £F. 
31, I ff. 22, I ffO* Ausführliches über das, was der 
Engel fagt, bieten Kp.7iF. dari das Enthüllen verbor- 
gener Dinge und Verführung der Menfchen wird auch 
Kp. 9, 5 ff. IG, II ff. I3» 2 ff. 16, 3 ff. 19, I ff. 53, 
S— & 64, 6 ff. gerügt. In der ifteu Ausg. von Lau- 
rmtc^s Ueberfetzung fchliefst Kp. 63. hier noch nicht, 
Amdem es folgen noch 4 Verfe, diefelben, welche in 
der 2ten Ausg. derfelben , fo wie in meiner Ueber« 
btsnng, dem athiopifchen Texte des Cod. Rüpp. ge- 
toilä« Kp. 67, 2 — 5* gefunden werden. Lemrence 
ygfutAt mu jenem Verfahren veranlabt , weil in Folge 
f einer kritifcheu Anficht auch Kp. 67^ i. anssnfiolsen 



514 Kap. 64. V. 1. 

[Kap. 64. Sect. XI. ^ 
1. Und in jenen Tagen Jähe Noali^ dajs 



war, 67^ 2 — 5- aber mit 63» I. und 6gf I. In genauer 
Verbindung Randen. Er erklärt Cch darüber folgen- 
dermaarsen : ,,ln dem Parifer Manafcript fangen biet 
der xite Abfcbnitt und ein neues Kapitel an. Die- 
fes entbült mit den folgenden Kapiteln 65. 66» unl 
dem erften Verfe des 67ten Kapitels ein Gelicht to 
Siindflutb , welcbes von Noah gefeben und von üun 
in der erfien Perfon erzählt wird. Das ganze Geficht 
habe ich als eine o£Fenbare Interpolation und all et* 
neu dem Henoch ofFenbar nicht zugefcfariebenen Auf- 
fatz an das Ende des Buchs geftellt.*^ Auch Co^ 
Büpp. lafst hier Sect. XL und ein neues (indeb nicht 
durch Zahl naher beftimmtes) Kap. beginnen. Da 
andern interpolirten Stücken ihre Stelle gelaflen wot- 
den j glaubte ich auch hier die Ordnung der Hand« 
fcbriften beibehalten zu müITen. Zur Unterfcheidung 
ift jedoch alles, was fich als ZuTatz verrath, dtirch 
den Druck ausgezeichnet worden. 
6?) Laurence lagt in der 2ten Ausg. feiner Ueberf.: 
«,Kapitel 64. 65' 66. und der iße Vers vom 67^^ 
enthalten fichtlich eine VLGon Noah*s und nicht He* 
noch*s*^ ; auch hatte er in der ifien Ausg. diefem am 
Ende des ganzen Buches gefiellten Abfchnitte S» 
Ueberfchrift : ,,Noah's Geßcht von der Fluth** gege- ' 
ben. Wenn er aber in der frühem Ausg. in «net 
Note hinzufügte: „Diefes Geficht Noab's komiat 
Bwifchen dem iften und 2ten Verfe des ösften Kap. 
vor 'S fo gilt diefs nicht von der Anordnnng des 
Textes in den Handfchriften , fondern nur von dec 
in ÜBiner Verfion (ifie Ausg.) gewählten Stellnng 
deflelben , welche er fpater- in der aten Auag. ves- 



Kap. 64. V. 1. 515 

le Erde /ich niederbogt und dafs nahe war ihr 
litergaugp 



laflen hat. Auch in CocI. Rupp. umfaCst Aietet Ab- 
fcbnitt Kp* 64, 1 — 679 I. Dafs Noah^ nicht Henocb» 
mIs Berijchterfiatter in demfelben anzufeben fey» kann 
keinen Augenblick zweifelhaft fejn^ wefshalb auch 
Silo, de Sacy (Joum. des S^vans ig23. Octobre. p. 590.) 
fich mit Laurence darin einverftanden erkllrt. Vgl. auch 
die Einl. S. 15. Kp. 67. fpricht entfchieden für Fpaterea 
Einfügen diefes Stuckes ( f. Anm. dazu }. Auf der 
andern Seite iß unverkennbar, dafs diefe Kapitel mit 
den übrigen Theilen der Kap. 37 — 70. in der genaue- 
Sen Yerwandtfchaft ftehen. Nicht blofs in den Ideen, 
fondern auch in der Ausdrucks weife herrfcht grofse 
ITebereinftimmung. Dahin gehört die Bezeichnung 
Gottes als des Herrn der Geißer (Kp. 649 9. lO. 65« 
3* 669 9. II.)» woneben, wie fonß in diefen Kapiteln, 
auch blofs Herr (Kp. 64, 6* 66f 3.) , und Allherrfcher 
(Kp. 669 I«) vorkommt; ferner der Ausdruck : En^el 
der Strafe (Kp. 65. j., vgL 52, 3- 61» 14- 62, I.)» 
die Verbindung: Könige, Mächtige^ Hohe und die, 
jvelche die Erde bewohnen oder befitzen (Kp. $69 g* 

X4-9 ^gl- 54* ^* 61» !• 5* 10. 12* 629 XOi verläug- 
nen den Herrn der Geißer oder feinen J>faTnen (Kp. 
669 9. 12.» vgl. 38, 2. 41, I. 45« X- 2. 46f 5v 
48 f II.) 9 die VorfieUungen über die abtrünnigen 
und verführenden Engel ( vgl. befonders damit Kp. 
67 und 6g.)» ^^0 Erwähnung der Götzenbilder (Kp. 
64* 6.9 vgl« Kp, 469 5.)» ^^^ Vorßellung eines in 
leblofen Gegenfiänden wirkenden Engels (Kp. 64, 
g.« vgl. Kp- 58 t 4« 7 — 12.)» das NiederCnken 
X<Toah*abei derVißon (Kp. 64» 4.» vgl. 59» !•)< NoaVj 
Tkeilßeigt zum Himmel (Kp. 66, 1.)9 wo fonfi der des 
Benoch gedacht wird (Kp. 39» 80 i gleichwie fpnft ein 



A 



516 



Kap. 64. V. 2. 



2. Und er erhob feine Füfse von dort mi 
ging bis zu den Enden der Erde, und zu der lVo\i- 
nung feines Grofsvaters Henoch. 



Engel dem Henoch durch Erklärung lu Hilfe kommt, 
fo hier diefer felbft feinem Enkel u. L w. Sogar 
wörtliche Wiederholung von Früherem findet fich 
(vgl. Kp. 669 II. mit 6I9 6.) und ausdrückliche Ver- 
vreifung auf Angaben in frühem D/littheiluDgen, 
2. B. bei Schilderung des Feuerthaies ^ welbhes dio 
Verführer aufnehmen foU (Kp. 66^ 4.» vgl. 53, x£)t 
und der Metallberge ^ welche am Gerichtstage tob | 
grober Bedeutung werden (Kp. 669 4» vgL 51, aK}* | 
Eine neue Section beginnt auch in Cod. Rüpp. mit f 
dem Anfange diefer Vißon Noah's; defsgleichen eis r 
neues Kapitel (das 55ße). Sogleich im Aabvp 

von Kp, 64, I. ift in den Worten CAPt ^^' 

f^^äi^l Tl^^J eine auch im Hebräifchen nicht un- 
gewöhnliche Attraction: Noah fahe die Erde^ i^f^ 

fie für: Noak fahe, dafs die Erde. Ajf'SSI"»* 
eigentlich ittilinationem fecit ; Ge bog üch niedefi 
ihre Oberfläche vertiefte fleh. Eine natürliche Folgt 
davon war das Herauftreten des Waflera über dil 
Erde» und damit die Vernichtung alles Lebenden a«f 
derfelben. Die Zeitangabe: in diefen Tagen ^ wd» 
che auch fonß gar häufig im B. Henoch vorkonm^ 
iB allerdings unbeftimmt, und kann ftreng genomnea 
nicht auf den Inhalt der vorhergebenden Kap. beio* 
gen werden, weil Ge einem erft fpäter eingeCchobe" 
nen Stücke angehört. Indefs ift fie gewib fo §•• 
meint, dafs ISoah ungefähr damals, wo Henoch 
Yifion Kp. 59 — 63. empfing, durch die hier ersiUp 
ten Begebenheiten erfchreckt worden und delshalb! 
■u Henoch gegangen ttj. Diefer ift eigentlich feia 



Kap, 64. V, 3. 517 

3. Und esfprach ^) Noah mit einer traurigen 
^timme: ^Jiöre mich! höre mich! höremicu!*^ 
^reimaL Und erfprach zu ihm: \fSage ?/«>, was 

m 

Grofsgrofsvater , wie auch Laurenee durchgängig in 
diefem Abfcbnitte (V. 4. 9. 669 4* 67, l.) überfetst; 

aer äthiopirche Text hat aber nf^thidfl avus 
(wie Kp. 59« 9«) 9 nicbt defshalb, weil die Genealo* 
gie Noah'a im B. Henoch anders wäre ( T. Kp. X05, 
X. l6- 20.) t fondern durch eine kleine Ungenauigkeit 
(avus im weitern Sinne). Die Wohnung deflelben 
wird an das Ende der Erde gefetzt (wie Kp. 105, 7.}, 
weil er in der Periode feines prophetifchen Berufes 
nicht unter den Menfchen lebte (Kp. X2. i — a. 70» 

• 1.6. 80» I^' ^30* ^C^* nach LiidoZ/, welcher 
es aber PiC^ l fcbreibt (ebenfo wie Cod. Rüpp. 

V. I. ^^OfA; für rhO^A: perdhio, exitium hat). 
peneiraUj coenaculum iS hier infofern gut gewählt, 
als Henoch unzugänglich war^ lieh wie in ein inne« 
res Gemach zurückgezogen hatte. V. I — 3. ift von 
Noah in der ßten Perfon die Rede» V. 4. aber in der 
trfien. Er ging von feinem gewöhnlichen Wohnorte 
aus; von dort beifst es, ohne dafs zuvor ein Ort, 
wo er fich befand , bezeichnet wäre. 
6g) hautonc€ überCetzt : fcKrit^ wahrfcheinlich mit Ruck- 

£cht auf V. 5., wo allerdings das Verbum i\Q^l 
tlmmavit und ein Derivat deflfelben angetroffen wird. 

Hier aber fleht ganz einfisch (D^fll Wegen der 
Auffiiflung diefer Form von der Vergangenheit f. 

«n Kp. 61, I. Trautig {^^ZaQ: vgl. auch V. 5.) 
sft Noah's Stimme wegen der allgemeinen Noth, in 
welcher er mit unterzugehen fürchtet« In dem Satze : 

fo mrmanet (tlCA:>T}; lIlC^^:) ^fi 4i^ Erde, 



518 Kap. 64. V. 3— 4. 

iftSf das gefchieht auf Erden; denn Ja ermait 
iß die Erde und erfchüttert. Gewifs werde ich u 
tergehen mit ihr,^^ 

4. TJjid nach diefer Zeit loar eine grofse 1 
wegung auf Erden, und gehört wurde eine Stiim 
i)om liivimel. Und ich fiel nieder auf mein A 
geficht ^ und es hnm Uenochp mein Großvater, u 
trat zu mir. 



wird unfer Planet mit einem alten, erfcbSpftenGn 

verglichen, deHen ßchtliclie Abnahme an Kraft < 

baldiges Endie deflelben ankündigt. VeranlalTii 

dazu gab wohl V. i., dafs Cch die Erde beugte, i 

ein fch wacher hinfälliger Körper, delTen Hanpt 1 

fenkt. Laurence ühextetzt far^hat durch labours; 

Anfange von V. 4. läfst er die Copula und dai Si 

fiantivum Zeit hinweg. Obgleich die erfte Hai 

diefes Verfeft noch ah Theil der Relation Noah's 

feinen Grofsvater betrachtet werden könnte, fo 

es » wenn man auf das übrige in diefem Verb I 

zählte ßeht, vielleicht doch gerathener, fie vielsN 

dem Referenten in den Mund zu legen, welch« 

Y. I — 2. zugehört. Der Sinn wird dadurch alli 

dings etwas modificirt« Im erflern Falle bezieht fi 

die Stelle auf die EreignilTe, welche den Fatriank 

zn feiner Wanderung veranlafsten , im letztem al 

gefchehen Ce erft nach feiner Ankunft in der Nfl 

Henoch's. Das Schickfal der Erde bereitet fich* M 

incr mehr vor; die himmlifche Stimme enthielt wil 

fcheinlich den göttlichen Befehl darüber (vgL T« | 

und den Auffchlufs , welchen Henoch über die 2 

fcunft empfangen hatte (vgL V. 9.). Noah befiai 

fich in der Nähe Henoch's ; darum ift er fo betroS 

von Beftürzung; ahnliches wird von Henoch Kp. I 

12. 13. 59f X» geragt. \JQf'i\ l motust turim^^ W) 



I 



Kap. 64. V. 5 — 6. 519 

I 

5. Und er fügte jnir: ^JVarwn fclirieeft du 
i mir mit traurigein Gefchrei und Weinen?^ 

6. Und ein Befehl iß ausgegangen von elejn 
Term über die^ xoeJche wohnen auf der Erde^ dafs 
; ihr Ende ^°) fey ; deim Jie hennai jedes Geheimnifs 

in diefem Abrchnitte einige Male (vgL V. 9. 669 5.)» 
überhaupt aber Kp. 37 — 70. ziemlich häufig ange* 
troffen wird, überfetzt Laurence j^perturhation»** 
69) Der BegrilF des Verhi fchreien wird verfiarkt in 
bekannter Weife; im Aethtopifiphen fieht blofs der 
fiat« conRructu«; f. zuKp. 59, i. Statt Weinen über- 
fetzt Laurence ,, Wehklage. *< Die Rede Henoch^a 
erftreckt (Ich bis zum Ende des Kapitels , jedoch 
wird fie V. 9. durch eine kurze hifiorifche Apgabe 
unterbrochen. Auf die an Noah gerichtete Frage 
(V- 50 wartet er (wie Kp. 59, 3. 4. Michael) keine 
Antwort ab, weil er die Veranlafi*ung der Unruhe 
deffelben leicht vermuthen konnte. Die gewaltige 
Umwälzung, Tagt er, welche der Erde droht, ge- 
fcbieht zur Beßrafung ihrer Bewohner, welche dnrch 
unberufenes Eindringen in die ihnen von Gott ab- 
Cchtlich verhüllten Geheimnifle den Unwillen dea 
HÖchften auf Iirh zogen. 

yo) /hAI^T^^J finiSf confummatio eorum^ vgl. auch 

Kp. 10« 2. 5. 9 hei Ludolf mit ^ l gefchriehen. Un- 
ter Engeln find hier, wie das parallele Glied seigt, 
die abtrünnigen zu verliehen (L.Anmerk. 73. zu Kp« 
X9» ^•)> ^^^ Geheimniffe derfelben find theils die 
Kunftfertigkeiten , denen allerlei Gegenftände dea 

' Liuxus, aber auch Werkzeuge der Unterdrückung ihr 
Dafeyn verdanken (Kp. g, x*}* theils Kenntnifs der 
Naturerfcheinuugen und ihrer Gefetze, und darauf 
fich Nützende Aftrologie, Zauberei u. f. w. (Kp. 7, . 

Buch Htaocb. 34 



' * 



550 Kap. 64. V. 6. 

der Engel j und jede Bedrückung der Teufel^ und 
alle ihre geheimen Kräfte ^ und alle Kräfte derjt' 
nigeuy welche Zauberei treiben^ und die Kräfte da 
Bindungen^ und die Kräfte derjenigen^ welche gtf 
fsen das Gegofjene der ganzen Erde , 

10. 8» 3 ^- 9» 5* ö. TertulL de cultu foemin. LJ 
c. lO. • von mir mitgetheilt S. 141.). Der ^erf. bi 
hier, wie lonft öfters (Kp. 9. 7. 10, 11. 12. 25.2 
X3f 12. 3* 169 3- 4- 19» 2. 53» 6.)> die verderblicb 
Folgen folcber voreiligen Mittheilungea im Aug 
daber ßeht Bedruckung der Teufel im parallel 

Satze. rtP^9^: Satane, vgl. Kp. 53i 6.. n 
für Kp. 15 > %• hoje Geißer ßeht und Kp. 19, 

AQ f # ■ • daemones, Laurence zieht diefen n 
den folgenden Satz zufammen: jede bedrücim 

(„oppreflive") und geheime Kraft der TeufeL 7\i 

JffH'A^; fJJ^f't: wörtlich: ifui facium pk 
maca L incantationes ^ vgL Kp. 7» lO. S» 4. und 9, 

fl'AUjht: und Kp. 8, 3. O^^ifi^/Sty T 

denen das letztere in Ludolfs Lexic. fehlt, eiM 
Befchwörung oder Zauber durch Anwendung der Si 

henzahl. ^rf\Ai^l nach gewöhnlicher Bedmita 
€onfociationes , unitiones^ hier die magifchen Tincd 
das Bannen, Fefimachen; vgl. das hehr. *13n J 

das arab. ^j^. Das Gegoffene (f|if\tlj bei 1 

dolf mit |UJI gefchrieben) find Idole, wie 
Ueberfetiung : „welche machen gegoITene Büter 
der ganzen Erde '% es fchon richtig andeinteti 
das hebr. TIDJ und TISDO. Als Urheber der 

lolatrie, welche auch Kp« 46, 5. erwähnt wird, 
fcheinen die abtrünnigen Engel auch Kp« 19, 9« 
bei den Kirchenvätern (C Anmerk. s. 19, 2«}> 



Kap. 64. V. 7. 521 

7. und wie erzeugt wird das Silber aus dem 
aube der Erde^)^ und wieder Tropfen wird unter 
r Erde. Denn Blei und Zinn werden nicht er- 
ugt von der Erde, fo dajs fie die erfte Quelle 
ire^ welche ße erzeugte* 



71) Der erfie Theil des 7ten Yerfes ift nocH von dem 

Verbo AACA>^; noverunt V. 6. abhängig; Law^- 
rence fupplirt zur Verdeutlicliung vor V. ^. die Worte : 
fie wiffen. Die hier erwähnte Mittheilung der ver« 
fuhrenden Engel (vgl. Kp. 53» 6.) erfcheint gans un- 
verfänglich ; ße wurde aber verderblich, weil fle dem 
Luxus , der Futzfucht und Eitelkeit neue Nahrung 
verlieh. Aui ähnlichem Grunde wurde Kp. 89 !• 

die Erfindung der Waffen u. L w. geudelt. ^AAS 

bei Ludolf mit i\t gerchrieben, iß offenbar Siauh, 
vg^ Kp. 41, J2. und von Sand verfchieden, welcher 

äthiopiTch '^ ^ ; heifst , vgl. Kp. 58, g. Tropfen 
erklärt Laurence durch den Zu(atz pfmetaUifch,** 
Zweifelhaft iß*s, ob der Verf. die einzelnen Silber* 
komer im Erz unter (^Laurence ungenau: in') der 
Erde meine, oder ob fich der Ausdruck auf die nach« 
her erwähnten Metalle bezieht ; doch bleibt das leu« 
tere unter beiden das wabrfcbeinlichere. Da aber 

S/n^n^'n : euua daffelbe Wort ift, welches Kp. 
51, 2. $• vorkam und von mit ßJißiges MeiaU (Queck« 
filber) überfetzt wurde, fokann diefe Bedeutung 
auch hier fiatt finden. Das Queckfilber wird dem 
gewöhnlichen Silber dann entgegengefetzt« Der 2te 
Theil von V. 7 und V« g. unterbricht die Erzählung 
durch die darin enthalterfe Belehrung über die Bil« 
düng des Zinnes und Bleies. An diefe denkt der 
Verf. wohl wegen ihrer wc^ifalichen Farbe, wodurch 
fie dem Silber, freilich nur entfernt, ähnlich find. 

34 * 



522 Kap. 64. V. 8— 9. 

8. Und ein Engel , welcher vorßehi 
darijif und voran kommt diefer Engel''' ^). 

9. Und hierauf ergriff mich mein Gri 
Henoch mit feiner Hand, und Jagte mir: 
denn ich habe gefragt den Herrn der Geiß 
diefe Bewegung auf. der Erde^^ Und er 
zu mir : „ Wegai ihres ^^) Unrechts find vo 



i 

/\-4Cl Kp. 51, 5- 8- cbenfo, Kp. 51, 2. \ 
von LudolJ aber mit U « gefchrieben , ill 1 
^TWk : Zinn. Der ScLluf« von V. 7. 1 
Original: TlCAi : ^JEJ^^: S^OT i 

HjB(D^Jh(^t und vrird von Laurence 
gen : », als die erfte Quelle ihrer Erzeugui 
duction «* ). 

72) Dicfcr kurze Vers: O^AAT^ ! H^^ 

drfit:!': (Dßnjj-c: ©Ät: c^i 

hangt genau mit dem SchluITe des 7ten zu 
Laurence überreizt ihn: da (,,tbere**) ßehet 
gel auf ihr („upon it'*) und diefer Engel flr 
der Ohmacht (,,firuggle6 to prevail'*). Das 
jekavem nehme ich abfolute praeefi ^ ajßf 
yfftaJer eigentlich praevenit^ praevenire find 
Aebe ich von der Thätigkeit des angeblich 
scugung der Metalle wirkfamen, eigends < 
fiimmten , geifiigen Wefens. Der Engel il 
Tom, fo dab nichu gefchehen kann, viras 
gewahr würde und durch feine Hand ginge, 
jene Vorftellung relbft, dafs die leblofen Din 
ihnen inwohnenden Intelligenz zur Leitung 
ben find, vgL Anmerk, zu Kp. 58» 4- p. 

73) Wahrfdbeinlich nicht auf die Menfchen (vg 
foadttii auf die £»^^«1 zu beziehen; vgl 



^ 



Kap. G4. V. 9—10. 523 

ff Gerichte^ und zwar ohne Zahl, vor mir, wegen 
Monde, welche fieunterfuchten ; imdfie erkann- 
, dajs die Erde untergehen werde , und diejeni" 
, welche auf ihr wohnen. Und für fie wird 
le Zuflucht Jeyn in Ewigkeit; 

10. denn fie haben ihnen gezeigt das G^- 
ne. Und diejenigen , welche gerichtet worden 



CiKh'Irl hdfZ^^X H^IJUU>: ^iht Laurencc 
nicht ganz wörtlich: in Bezug auf die Monde ßellten 
fim Vnterfuchungen an, ebenfo wie er kurz vorher 
zaraolmenziebend überfetzt: ihre unzählbaren Ge» 
richte. Ob der Verf. die Ueberzeugung derMenfchen 
Ton der bevorftehenden grofsen Kataftrophe alt Folge 
der Beobachtung des Mondes betrachtet, ift nicht 
deutlich ausgedrückt; es fcheint aber nach dem Zu- 
binmenhange faft fo. Kenntnib der Geftirne leitet 
auch Kp. 3, 5 — g. von den gefallenen Engeln her 
und der Bewegung des Mondes wird dabei ausdrück- 
lich gedacht; vgl. auch Tertullian, de cultu foemin« 
L* L c. lo. 9 wo es unter andern von den Engeln 
heifst : ,, et metallorum opera nudaverant — * — - et 
incantationum vires provulgaverant (f. Y» 60 6t 
omnem curiofitatem usque a^ fiellarum Interpretation 
fum defignaverant.** Die Beobachtung des Himmels 
verleitete leicht zu Geftirndienft« defshalb wird die 
Einführung derrelben gemirsbilligt ; vgl. auch Ter» 
InZIüm. de idololatria cp. 4. (H oben S. 24I. )• 
^^OOl (bei Ludolf mit AO converfio^ aber 
weh r^Jugium ; Realparallelen Kp. 6> 5* I^i 7* 13* 
r. 2. 16, 5- Laurence überfetzt Zufluchtsort und 
dieint kdne Negation im Texte gefunden zu haben ; 
lerlelba lafst die Gaufalpartikel vor V. lO. und im 
iften Satze das Fronomen (,,ihiien*0 ^^*« '^ ^^"^ 



524 



Kap. 64. V. 10—11. 



find^ nicht aber dich , mein Sohn , meint der Htrr 
der Geißers denn du biß rein und gut , dami tor 
delß du das Geheime. 

11. Und er ''^) hat beßätiget deinen Nanun 
in der Mitte der Heiligen^ und wird dich beusacha 



inlflen'J 



t 



unmittelbar darauf folgenclen ergänzt er: fit Jini wk 
verbindet anders: ,,und fie find diejenigen, welcba 
gerichtet worden fi.ud, aber nicht du, mein Sobi , 
Der Herr weifs , dafs du'' u. f. w. Der Text bit 

aber Atl •* A^+I te (nicht ru), was ich ^ai [ 

AA^^^I abhängig betrachte. Diefes Zeitwort i 
heifst gewöhnlich fcivit , fenfit , intellexit^ aber anck . 
fignißcavitm Gegen Laurence*s Verbindung deflelbei 
mit dem darauf folgenden Satze fpricht, dals 

n^it der CauTalpartikel All^^« nam^ ifuia 
Die letzten Worte des Verfes gibt Laurenct: ,,( 
Tom Vorwurf der (Entdeckung von) Geheimni 
wobei das in Parenthefe Gefchloirene fupplirt wii 
Allerdings erwartet man fernere Angabe einer Ei 

fchaft des Henoch. Die Worte lauten aber A 

^S/l: H^A'Al': wörtlich alfo: deinde (tos) 
tuperatio ejus ^ fjuod occuUum; es ift blob £Ui 

das Suffixum an his ^ei Ludolf mit HV. l' geCchri 
und tua viiuperatio fteht für : tu vituperas% Du 
keime am Anfange und Ende des Verfea ift im 
ciellen Sinne von den durch die Engel miüib 
enthüllten Dingen zu falTen. 

74) Lawrence fetzt hinzu : der Heilige. ® A ^ 7 
et conßrmavit^ fiahilivitf tenuit^ kommt lehr 
ixn B. Henoch vor. Lawrence hat hier und 
hin axUna im Futurum überfetzt: »,er mnrd 
gen.^' Allein das Präteritum ift hier durcluaua 



h 



Kap. 64. V. 11. Kap. 65. V. 1. 525 

Jon denen , welche lüohnen auf der Erde. Und er 
efiätiget deinen Samen in Gerechtigkeit zu Koni" 
en und grofser Herrlichkeit ^ und aus deinein Sa- 
len wird hervorgehen ein puell der Gerechten 
%d Heiligen^ und zwar ohne Zahl fiar iinmer.^^ 

Kap. 65. ^*) 

1. Und hierauf zeigte er mir die Engel der 
rafe^ welche bereit waren^ zu kommen und zu off* 
n jegliche Macht desWaJJerSy das unter der Erde ^ 



behalten; die Beftattgung der Nachkommen iß be- 
reits gerchehen , und die Errettung aus der Fluth ift 
noch sukünftig. Daber fahrt der Verf. im Futuro 

fort: PlSl^mn: cufiodiet, fervabit, vgl. Kp. 65, 
3.; — - te ex iisy weil die andern zu Grunde geben 
foUen. Erhaltung der Nachkommen Noabs wird auch 

Kp. 10, 5. verbeifsen. Die Worte AS1(IJJT'* 

(btitlr(\d\'^: K}(\f^: ßnd woW nicht von 

/l/?fU* als Object abhängig; Laurence überfetzt 
fie: mit Herrfchaft und grofser Herrlichkeit (^^^giory^^^f 
gibt aber in einer Randiiote zu verfteben, dafs Iie 
•V^örtlich: für Könige und für grofse Herrlichkeit 
bedeuteten. Der Könige wird befonders gedacht, 
«iin das Gefcblecht Noab*s als ein angefehenes zu be- 
zeichnen. Vgl. äbnlicbe Aeufserungen i Mof. I7f 6. 
I>ie Quelle ift Bild zahlreicher Nachkommen; wie 
, Ce immer frifches WalTer Ipni^delt » fo erlifcht Nqah*a 

Stamin nicht. 
^^) In diefem Kap. wird nun die Art und Weife der 
Kp* 64 f 6. angekündigten Strafe genauer befchrie- 
ban. J>ie )E,ngel der Strafe ( über die Beseichnung 
L Kp. S2f 3«) bewirkea die Fluth. Sutt Macht des 



526 Kap. 65. V. 2 — 4. 

2. dcnnit es fey zum Gericht und zum Un- 
tergange für alle diejenigen , welche häufen wii 
wohnen auf der Erde* 

3. Und es befahl der Herr der Geißer dat 
Engeln f denen ^ welche ausgehen luerden^)^ nidd 
aufzunehmen die Männer und zu erhalten s 

4. denn jene Engel waren über jegliclier 
Macht der IVaJJer. Und ich ging hinweg von 
dem Angefichte Ilenochs. 



JVaffers, vgl. V. 4. (wo jedoch der Plural <^f^\ 
atjuae ßeht), würden wir Tagen: das machtige, g^ 
wältige Wafler. Laurtnce wählt den Plural. Wib* 
rend die Geneßs und das B. Menoch Kp. 53, 7 £ 
einem lange anhaltenden und Harken Regen einl 
wefentliche Mitwirkung bei der Fluth zufchreibt, il 
hier nur ein Moment berücklichtigty nämlich dal 
Heraustreten der unter dbr-Erdrlnde befindlichen WaC 
fer über die geneigte ( f. Kp. 64, I- ) Erd - Oberflache 
P^ach y. 2« möchte wohl das Stück Kp. 53« 7— ii« 
gehören, welches an der Stelle, wo es fich jetzt Le 
findet, gar nicht recht pafst. Vgl. Anmerk. 15. m 

Kp. 53» 7- 
76) Es find die Y. I. naher bezeichneten. Lawrtttti 
überfetzt im Pratcrito, wogegen die im AetbiopH 

fchen angewendete Form ^Q)9A^! und die im K^ 
pttel herrfchende Vorßellung (nach V. x. haltiri 

fie fich erft bereit, auizugehen) ift. v J?(D! viral 
gibt Laurtnce durch das allgemeinere: MenfclM^ 
auch ergänzt er bei dem Zeitworte erkalten das Ok 
ject : fie. Die erße Hälfte von V. 4. bringt den GnuiJ 
nach , warum gerade diefen Engeln der V« 3. geaah 
dete Auftrag wurde« Zwifchea derCelbeii «nl im 
andern Hälfte möchte Kp» 54, x — 6^ am mwockaA 



• 



Kap. 66. V. 1. 527 

K a p; 66- ^) 

1. Und in jdnen Tagen war die Stimme des 
Wierrfchers bei mir^ und er faßte zu mir : ,fNoahy 
?he^ dein Theil ift herauf Eeßiegcn zu mir, ein 
lieilj woran kein Tadel iß, ein Theil der Liehe 
id der Billigkeit *y 

fsigßen einz^fchieben reyn, i^elcher Abfchnitt an fei- 
ner jetzigen Stelle den Zufammenhang fiört. Vgl. 
Anmerk. su Kp. 54, i. Auf den Schhib von Kp.65. 
nimmt Kp. 66* nicht eigentliche Riickficht, aber 
durch denfelben wird doch die Erzählung des Orakela 
vorbereitet, deflfen Noah felbß gewürdigt wird« Bia 
hieher' empßng er die Kunde nur mittelbar durch 
Henoch, jetzt unmittelbar von Gott. Kp 67, !• je« 
doch ift abermals Noah's Belehrung durch feinen Ahn« 
herrn deutlich ausgefprochen \ aber eine fchriftliche. 
77) Ueber den Zufammenhang mit dem Vorhergehen* 
den f. Anmerk. 76. zu 65« 3 — 4* In diefet 66fte Ka« 
pitel gehört wahrfcbeinlich der Abfchnitt Kp. 59, 
7 -*• 14. (nach der in meiner Ueberfetzung befolgten 
Yersabtheilung) « und zwar lafst er fich an mehreren 
Stellen delTelben paQend einfchieben; f. darüber Anm. 

31. zuKp. 59f 8 — 9- Ueber ©ßflA^I ^t dixit 
mihi f. SU 61, I. Unter Theil ift (vgl. Kp. 56, 2. 5.) 
das dem Noah zugedachte Loos zu verßehen; Lau^ 
rence fcfaeint es von der fittlichen Befchaffenheit des 
Patriarchen zu nehmen, indem er überfetit: „ein 
Loos frei von Verbrechen (void of crime), ein ge* 
lichus (beloved) und aufrichtiges Loos.** Vergleicht 
man aber den folgenden 2ten Vers, welchen freilich 
Laürence ganz mifsverftanden hat, fo zeigt fich diefe 
AuffalFung als falfch ; auch fagt der Text nichts von 

Virhreehen, fondem gebraucht das Wort 'S, N { vitu' 



528 Kap. 66. V. i 

2. und nun werden bereiten die Engel 
Jchloffe ^') , U7id wennfie ausgegangeii find z 
fein üejchäft , werde ich meine Hand darauf 
und ihn erhalten. 



peratiot wie Kp. 64, lO. Aufgtßiegen ift*8 si 
d. h. er hat es vor (ich, nimmt es unter feine 
und Fürforge. Der Höchfte hat bei Befiii 

deHelben feine Liebe und die Billigkeit (^' 
SU Rathe gezogen. Das Wort reie wird all 
mit Gerechtigkeit sufammengel^ellt (wie Kp. li 
aber auch mit Heil und Frieden (wie Kp. io> : 

78) v^CDt überfetzt Laurtf nee : ,, Baumtf*% wi 
lerdings bedeutet (f. Ludolf Lexic. col. 469* 
aber in diefen Zufammenhang gar nicht paf 

iß nur andere Orthographie für VA®!) 
Form felbft zwar Ludolf nicht darbietet, ab( 

die Wurzel Uf\(Dt claufit; diefe kommt au< 
vory und das in eben dem Verfe Berichtete sei 
deutlich 9 dafs hier von verfchloflenen Kerh 
Kede fey. Ein anderes Derivat derfelben 
verkannte Laurence auch Kp. 41, 3. ( f. Am 
d, St. )« u>^d zwar ebenfalls nur, weil er 
Tzappa ßatt Tzadai gefchrieben fand. I 
danke: „^^^ ^* werden die Engel arbäitmK 
Bäumen (labour at the trees)'^ erfcheint mir 
für fich als wunderlich und auEFallend, dano 
diefem Zufammenhange völlig unverßandllcl 
fangnifle dagegen find auch nach andern Ste 
B» Henoch bereit, das abtrünnige Gefchlecht < 
snaligen Himmelsbewohner und die Sünder es 

men ; vgl. Kp. 10, 15. I6. 31, 6: 53« 6. C 
tfjb'iencue, überletat Laurence im Prilenti 



Kap. 66.^ V. 3. 529 

3. Und es wird feyn hierauf^ ein Same 
!ef Lebens , und eine Umwandlung wird kommen^ 
amit nicht leer bleibe die Erde. Und ich will be^ 
ätigen deinen Samen vor mir in Ewigkeit zu Ewig' 



bat das Wort CA^A7\Ti^: minifierium. admini^ 
ßratio überfehen, wodurcb die Darßellung weniger 
deutlich iß. Gott will dann , wenn die Strafe über 
die Welt JKOmmt, Noah's Theil (denn auf diefes d^b- 
Jbntivum find die Fronomina , welche das Object zu 
den beiden folgenden Verbis bilden, nothwendig zu 
besiehen) erhalten (gleichfam die Hand darüber 
decken). Hieraus erhellt, dafs Theil V. i« nicht 
etwa Noah's Vorzüglichkeit und moralifche Gröfse, 
£bndem die ihm von Gott zugedachte Lage bedeute. 

79) Ixf^hH* wortlich pofi hoc^ alfo tunCj deinceps» 
Wie fich Ludolf (Lexic. aethiop. col. 339O darüber 
SnXsert, könnte man noch die Copula vor dem Worte 
als erforderlich betrachten, wenn diefe Bedeutung 

fewonnen werden foU; allein da das Synonymum 
\fi^l ohne folche mit einem Fronominalanhange in 

dielem Sinne gebraucht wird (z. B. A^TI« f. Lw' 
dolf a. a. O. col. 334.) , kann man emna unbedeuk* 
' lidi auch fo faflen. Lauremce überfetzt: davon 
(«yfrom it**) und fcheint es auf Theil (V. i.) bu be- 
siehen, worauf allerdings V. a. die Pronomina gin- 
gen; aber der dadurch gewonnene Gedanke ift unklar. 
Die Umwandlung iß eine Veränderung zum Guten, 
jwie Kp. 49» l. Same des Lebens ift das beflere Ge- 
- Cdüecht, wodurch die Erde aufs neue bevölkert 
^rird« Ea ift Noah's Familie gemeint, wefshalb es 

ancfa nachher heilst: ^^deinen Samen.** In Aa /^* 

liaht A« ungenau für A« (vgl. Ludolf gramm. 



530 Kap. ^66. V. 3. 

heit. Und der Same ilerjeni^en^ welche mit dir 
lüohiien werden auf der Oberflüche der Erde^ wird 
nichts unternehmen auf der Oberfläche der Erde^ und 
er wird gefegnet feyn und zahlreich iverden vor 
der Erdej in dem Namen des Ilerm.*^ 



aethiop. p. 41 und 4g. ed. 3.) ; über den Gedanken 
vgl. Kp. 64, II. la Laurence's VerCon ift nicht 
* blofs Noairs Same, fondern auch das zunacbft fol* 
gende als Object zu äzan*o betrachtet: „und c/ea Sa- 
men derer, welche wohnen"; Cod. Rupp. bat 

dagegen nach Ewigkeit ein Unterrcheldungss^icben. 
Laurence war zu jener Verbindung genothigt, weil 

er die Worte: h.JS(^TiO Xfi: H/^^ f^JtC 

non molietur fupra fuperßcitm terrae , welche Cod. 
Rüpp. darbietet, entweder in feinen Codd. nicht 
fand, oder überfahe. Wollten wir auf das Unter- 
fcheidungszeicben der Handfchrift nichts geben, to 
liefse lieh auch ihr Text fo falFen : conßrmaho fernen 
tuum in faeculum faeculorum et fernen eorum^ qui 
tecum habitabunt fuperßciem terrae. Non moliar in 
fuperßcie terrae ^ et erit fortunatus cet. Da(a Cjlma' 
ker nach der Orthoepie der Aethiopier auch für üb 
ifie Perfon Heben könne , leidet keinen Zweifel (▼{!• 
Ludolf gramm. aethiop. p. 40. ed. 2« }• Der Sinn 
wird natürlich dadurch ein anderer; nach meiner 
auf Cod. Rüpp. und delTen Trennung des Textes fich 
ftützenden Ueberfetzung labt Cch die neue Genen- 
tion der Menfchen nach der Fluth nichts zu Scheiden 
kommen (moliri im fchlimmen Sinne), Mrma etwa Gott 
au einer ahnlichen Strafe nöthigen könnte« fbadem 
erfreut lieh «ines herrlichen Loofes. Nadi der an- 
dern , ebenfalls philologifch begründeten Dentaag 
fchütst Gott alleErdenbewohnef , und nirnnt nickt 
wieder etwas vor zum Nachtheil des Menfcheege- 



I 



Kap. 66. V. 4. 531 

4. Und ße wo'den einjchliefsen jene Engel^ 
eiche das Unrecht offenbarten^ in jenes brennende 
lialf welches mir zuerß zeigte mein Grofsvater 
lenoch , in TVeßen, wo Berge waren von Gold und 
ilber^ undEifen^ und fliijjigan Metall und Zinn^^. 



fcblechts. \yählt man letztere, to ill Kp. 54, x — 3. 

zu irergleichen. ^ ^^ : PcAfl : coram ariia 
(terra) y fo dafs die Erde gleichCam den Segea Ceht; 
Laurence überfetzt: in Gegenwart der Erde» Im 
Namen des Herrn f. Kp. 4I, 6. 48i 7-49» 2. 52, 6. 
54» 5* ^"d Anmerk. zu erft Stelle. 
go) Mit V. 3. fchlierst die Rede Gottes, und Noah 
verbreitet ficb nun felber über das Verbängnifs der 
gefallenen Engel. Wober er das wilTe, was ficb nicbt 
vor feinen Augen zutragt, fagt er nicbt ausdrücklieb, 
ebenfo wenig als es Henocb in andern Abfcbnitten 
des Bucbes tbut, obgleicb er nicht feiten in äbnlicber 
Weife das von Gott oder einem Engel Gefprocbene 
fortführt und ausmalt. £s ift diefs Unvollkommen* 
heit der Darflellung. Das Einfcbliefsen gefcbiebt 
durch die damit beauftragten Engel (vgl. V. 2.) ; En- 
gel helfen auch nach Kp. 54, 4. die Strafe vollziehen, 
Das hier gemeinte Thal kam Kp. 53i Z ^' ^^^ ^nd 
dia Metall berge Kp. 51.; aber es wurde weder von 
diefen noch jenem bemerkt, dafs Henoch Ce dem 
, NoA gezeigt habe. Eingefcbloflen darin werden die 
'böfen Engel auch nach Kp. 54, 7 — g. Die Berge 
lagen in fVeßen , vgl. Kp. 51 , I ff. ; ob auch das 
Thal, wäre ohne die hier gegebene Notiz, nach Kp« 
53, I. vgl. mit 51, I. zweifelhaft. Ein Berg vonr 

JZinn C? vin M nach LucIoZ/* aber mit iXl zufchrei« 
ben) wurde übrigens Kp. 51, a* 5. nicbt erwähtit, 

Ibndern Aatt deHen einer von Kupfer ifi^'^Vly 



532 Kap, 66. V. 5—6. 

5. Und ich fahe jenes Thal^ ifi welcl 
fse Bewegung war undfich bewegten die h 

6. Und als diefs alles gefchehen wen 
zeugten ßch aus jenem Flüjjigen des Feh 
ilirer Bewegung; welche ße bewegte anjen 
ein Geruch des Schwefels, und er verband 



vgl, über das Wort Anm. !• zu Kp. 52t I.) 

BUi (A-^C-)' Veher fläffiges Metall t. 

zu Kp. 51 • 0. Laurence letzt nach den 

Unrecht offenbarten ein Punct, und Hebt fiel 

genöthigt, im folgenden Satze eine bedeute 

mir in Farenthefe eingefchloITene • Einfcha 

machen'; ««In diefem brennenden Thale (iTI 

fie f ollen eingefchloßen werden), welches zu 

zeigte.** Das Thal wird V. 5 — 7. ausful 

fchildert. Nach V. 5. iß es angefüllt mit nn 

fiuthendem Wafler, was wohl durch die gro 

dorthin gebracht wird, aber auch dort herv 

könnte (vgl. Kp. 54» 7.). Bewegung vgl. K 

Die Befchaffenheit des dort befindlichen WaJ 

V. 6* auseinander. Der unangenehme Gern 

chen es verbreitet, wird veranlafst durd 

Brand gefetzte , flülfig gewordene Metall. 

FlaJ/igen des Feuers meint der Verf. die heiC 

nende» lavaartige Mafie, welche fich von 

gen ins WalTer wälzt. Commotio eartan ( 

mm, vgl. V. 5.}, ^uae eas (fc. aquas) com 

Diefe Unruhe des Waflers tragt dazu bei, 

ruch zu entwickeln und zu verbreiten« /\| 
überfetzt haurencei fiarker Geruch. Das 
liehe des Aufenthaltes in jener Schlucht wird 
erhöht^ dals die Sinkende WafFermalTe em 

mnden Boden überflutbet. ^^/hi*t t 



Kap. 66. V. 6—8. 533 

leii Waffem. Und jenes Thal difr Engeln welche - 
^ührteiiy brannte unter jener Erde. 

7. Und zu ®^) ^enem Thale derfelben werden 
ujfe von Feuer ausgehen , * wohin diejenigen En- 
l verurtheilt werden Jollen^ welche verführten die 
rwohner der Erdt* 

8. Und es weiden diefe Wajjer ah jenen 
tigen feyn den Königen , und den Mächtigen^ 
id den Hohen und denen ^ welche bewohnen die 
rde , zu Heilung ^) der Seele und des Leibes^ 
id zum Gericiu des Geiftes. 



f^K'Ql in inßmo illius terrae ^ Laurence: ,,uttr«r- 
halb feines Bodens.^* FÜt den Ausdtuck vgl. Kp. 

53, 7. Art^^tJ feduxerunt ficht hier abfolute, 
y. 7. aber mit Angabe des Objects. 

gl) A i'Tl kann man auch durch überfetsen^ wie 
Laurence gethan hat. Der Intention des Verf. fcheint 
mir diefs aber weniger angemeflen ; denn die darch 
das Thal gehenden Feuerftrdme erhöhen zwar auch 
deflen Hitze , aber in einem noch hohem prade ge- 
fchieht diefs« wenn fie darin bleiben. Das Waffer 
erhitzt Cch alfo nicht blofs durch das brennende 
Bette , über welchem es wallt ( vgl. V. 5.) , fondern 
fiatt eigentlichen WalTers gefchieht Zuwachs durch 
eine Mafle, welche zwar fliefst 9 aber aus lauter glü« 

hendem Brennßoff befteht. A 'S fi : jBI" *fiS V ♦ 

Laurence dem Sinne nach gans richtig: zu welchen 
(Feuerßromen) verurtheilt werden fallen. 

ga) <^(irn ♦ curatiOf medela, vgl. auch V. 15. Svl • 

(DfJfjl animus et corpus ^ blofse Umfchreibung des 
ganzen Menfchen. Das Wafler, welches in dem 
Thale fluthet» macht die Menfchen auf iÜroQ ßttli« 



534 JCap. 66. V. 9. 

9. Und mit Luft «3) toird erfüllt fey 
Geifi 9 damit ße gerichtet werden in üirem 1 



chea Zufiand aufmerkfam » fuhrt fie cur Be. 
und wirkt alfo in ihnen, wie ein HeilmitteL 
lieh heifst es V« 15. von den Engeln , deren ] 
jedoch zu Grunde geht. Die SchluCsworte : w 

Gericht des Geifies {^'^aüti:) bUden keine 
derfpruch gegen das Voifaergehende ; denn Iie 
denjenigen, welche lieh durch jenes drohende 
gericht nicht auf den rechten Weg geleiten 
fendern in der Sünde beharren ; was andere zu 
tung führt| wirkt bei ihnen nur zur Verdammul 

83) Unter +(0* iTl ift wegen des fiat. confi 
Gegenftand zu verßehen , wovon der Geift erfu. 
Laurence überfetst es zwar ^yrevelry^* (laute, 
Lufiigkeit); in einer Randnote jedoch wöri 
^tfport** (Spiel, Belußigung), und an einer 1 
Stelle des Buches „ efaliia/tc« ** (Sebäkerei, Li 
fnng). Nach Ludolf (Lesde. col. 427. ed. 2.) l 
tet das Wort Spiel, befonders mufikalifches, 
Theater; wahrrcheinlich ift es bier allgemeiner: 
gnügen , Luft, V. 12« haftet das durch taunct 
zeichnete am Körper und die Gottesläugner vei 

fich (PA^ V;} darauf, fiatt auf den Hocha< 

Himmel; Kp. 10, ig. werden vertilgt alle S4i' 

TdT ^T ♦> was Silv. deSacy ^^animas ludo dei 
über fetzte. Die Menfeben kommen zu keinett 
fien Gedanken über fich felbß, fondern. find 
Arickt in irdifche Vergnügungen. Ihre Augen 
das Gericht wohl (^Laurence fchiebt zur Verd 
chung die Partikel : obfchon ein ) , aber fia lade 
dadurch nicht aur Verebrung Gottes bringen, 
kann ala Strafe für ihre Nichtachtung dee W 



Kap. 66. V. 9— It 535, 

verläugneten den Herrn der Geißer. Und 
en ihr Gericht fehen an jeglichem Tage, 
ht bekennen feinen Namen, 

Und Ja wie grofsjeyn wird ^) die Hitze 
nbes^ ebenfo wird in ihnen f^erwandlung 
fte in Ewigkeit zu Ewigkeit. 

. Denn nicht wird vor dem Herrn derGeU 
:, was ausgefprochen wirdp zum eitlen 



pfers gelten, weil fie Cch dadurch felber des Mit- 
berauben, das ihrer harrende harte Loos noch 
wenden. Verldugnen den Herrn f. V. 12. Kp. 
2. 41, I. 45» 1* 3- 46t 5; 48i II«! es find 

+ : iYtYl OAI*: per ^uemvis dient (Law 

e : Tag fär Tag). 

:hon Laurence verßeht den Vers yon der Zukunft, 
eich der athiopifcbe Text gar keine Verbalform 
;edriickt hat. Nicht blofs den Leib, welcher von 

&e (O'O^:, oder, wie V. 13, fleht, (DOJBJ, 
I Ludolf mit Tt zu fchreiben) zu leiden hat 
L V. 15.) 9 fondern auch den Geifl trifft die 

fe Gottes. l'flTA'^: mutatio , vgl. V. 3. , ift 
laufchung des Vergnügens , worin ihr Geiß: 
vclgte (V. 9.), mit Anklage des Gewifiens, die 
t der Gnade verfaumt zu haben u, f. w. V. 11., 
Kp. 61, 6. in Uebereinßimniung, weiß nach, 
ts Scbickfal der Böfen könne nicht ausbleiben, um 
Drohung Gottes wahr zu machen. V. 12. reca- 
ilirt den- Grund ihrer Beßrafung (vgl. V, 9.); 

irenctfläfst daher mit Unrecht die Partikel i\tl(^l 

AnGange delTelben unbeachtet. PtXf^j^lßdem 

HcAocli. 00 






536 Kap. 66. V: 12 — 113. 

12. Denn kommen wird das Gericht 
iceil fie vertrauen werden der Luft ihres 
aber den Geiß des Herrn verläugnen. 

13. * Und jene Wajfer^^), in jenen T 
leiden fie Veränderung. Denn wenn geric) 
den jene Engel in jenen Tagen , wird fie) 
die Hitze jener Quellen der TVaJJcr. 



hahebuntf ifi <Ier natürliche Gegenfatz von 
abnegabunt ((. Ludolf Lexic. col. 33g.). D« 
liehen Vergnügen fchenken fie Glauben , 
* Realität haben fie keinen Zweifel , wefshall 
emCg darnach jagen, während fie Gott« 
nicht zugeftehen wollen. Eine ähnliche 
rißik lefen wir Jud. V. lO. ovtoi Si, oca ß 
9€tct, ßX(ta(fnj[tovaiv ' 00a 61 qfvcntmgf dg rä t 
inUtdtvtttt y iv tovTOig ipd'sl(fovtcu, Laurence 

Ate Verba jaamnu und jekehdu irrig im 
Abnegare fpiritum domini wie fonft nomen 

85) Bei Laurence ift hinzugefetzt: di#/tfi TU 
doch fcheint es nicht in feinem Texte gef 
haben; denn am Rande drückt er blofs a 
Waffer. Allerdinga ift aber das in dem Tb 
V. 4.) befindliche Wafler zu yerfiehen. 
druck: in jenen Tagen fehlt bei Laurena 
Mal. Die Veraoderang des Waflers befieht 
abwechfelnden Temperatur; heiis ift es nur, 
fich die böfen Engel darin befinden. Die Qi 
Waffer (V. 13.), mithin auch das Waffer ii 
(V* 14.) 9 welches ihnen entfprudelt, unteri 
Aenderung. Laurence fchiebt V. 14. su dei 

ßch ändern das Adverb ium wiederum ein; « 
erklart er durch gefrieren, was aber nicht 
dig im Worte liegt , auch vom Zufammenli 



Kap. 66. V. 14—15. 537 

14. Und wenn herauffteigen werden die En- 
gelf wirdßch ändern jenes fVaffer der Quellen und 
erkalten. Und ich hörte den heiligen Michael 
antworten und Jagen: f,Diefes Gericht^ wodutch 
gerichtet werden Jollen die Engel ^ iß ein Zeuge 
gegen die Könige , die Mächtigen und diejenigen^ 
welche die Erde befitzen ; 

15. denn diefe Waffer des Gerichts werden 
feyn zur Heilung ^^) der Engel und zur Tödtung 



sesweges erfordert wird. Veränderung erleiden^ 
Ueblingswendung diefe« Kapitels (vgl. V. lo. 13. 15«), 
findet fich auch 39, 13. 45, 5. 49, x. Was Noah 
V. 6 ff. aas feiner Viiion gefcblolfen hatte, erhilt zu« 
letst noch durch eines Engels Ausfage V. 14 — xs« 

feine Bekräftigung. A iHI J*(D^A l refpondens^ 
im Aethiopifchen öfters 9 ohne dafs eine Frage vor« 
ausgeht, für : verha faciens QLudolf Lexic. col. 41g, 
ed. 2* 3* ^ 2^i<^^ ( Laurence überfetzt im Futuro) 
die Strafe , welche die Engel trifft , gegen die M«i- 
fchen , wenn £e fich dadurch nicht sur Befferung 
bewegen lalFen. Für einen folchen Zweck gedenkt 
auch Jud. V. 6« der Züchtigung der EngeL 

8^) ^S^* ^».S-» ^o ^^^^ nicht Ton Engeln, fondem 
Menfchen die Rede war. ■ Dia Stelle ift in doppelter 
Besiehung interefiant» .einmal ,-de(swegen , weil fia 
anzudeuten fcheint , dafs die Engel bei ihrer Herab- 
kunft yom Himmel irdiCcha -Körpar, ^ ob erft ange- 
nommene? vgl. Anmerk. zu Kp. I5i 3«} hatten, wel- 
che als -die Hilfsmittel und Werkzeuge ihrer Yer- 
brachan durch den Tod zertruipm^t werden foUen 
{rgl* auch Kp. l6f l. )f i^^T^ aber, weil A^JAu die 
Vorfiellung liegen möchte, dafs auch dieCan Engeln, 

35 ♦ 



iinlierlingl vrilchlolien gewclen ley. P< 
TungeLi anderer Abrclinitt« des B. Ueno 
6 — 9. 15 — 17- 13. 7- 13. 2. 14, a- 
3I( 6.) ^od Ce freilicli für immer verlo 
g^_^, fpricht Cell nuT Kp. 67, 3- 4- 
■u* , aber nicht fo entfcbiedea aU Kp. i - 
denken wit aber, dtfs der Abfcbpitt Kp. 
erft fpSter fainaukam, fo wird Geh fchoa 
Differena leicht erklären. Ohnehin aba 
beide Anlichten fo vereinigen, daf* in ji 
Stellen der wirkÜeke Erfolg ingegeben 
gel werden nämlich nic}it gerettet, weil £ 
die Drohung der Strafe nicht auf die 1 
znrüch bringen UQen), hier aber, snnai 
Bückrtcbt auf Gottes Rathlcbluf«, Mög 
Kettnng vorauigerelzt wird. Dai, waa 1 
faen können , gefchieht nicht , weil ea )< 
an der rechten Geifteiricbtung fehlte. 
deutet der Verf. im ietsten Tbeile Von M 
fallt an. Da> Wafler de> Qualoftea erl 
einem fo furchtbaren Grade, dafa es g 
hrennt (vgl- auch V.' f.) , dem Ftu»r[e» t 
rnne fKp. 10, ao. 20. 10 ff. ai, «.1 1 



Kap. 67. V. 1. 539 

Kap. 67. «0. 

1. Und hierauf gab mir Nachweifung von 
llem Geheimen in einem Buche mein Grojsvater 
lenochf und die Parabeln ^ welche ihm gegeben 
)orden ivaren , und er brachte fie für mich zu den 
Vorten des Buchs der ParabelnJ] 



87) Der i fte Vers von Kap .67. berchlieb t die EpiTode über 
Neah's Vißon mit der allgemeinen Notis , dab Noah 
feinen Aeltervater anch noch über vieles andere, als Kp. 
64 — 66. erwähnt wurde, Belehrung verdankte. Diefe 
empfing er aber fchriftiick, Laurenc€ überfetzt: in, 
einem Buche meines GrofsvaterSf allein gegen den 
athiopifehen Text» wie ihn Cod. Rüpp. darbietet 

Cf\C^Fiif\4il müTste fonft im Sut. conftructns 
ftehen); vielmehr i8 „meirt Grofsvater Henoch^ Subject 

au ©UA^: dedit mihi. h^Ai^C^-M fignum, 

indiciumf bei Laurence verftarkt: die charakterifii' 

fchen Zeichen. Derfelbe Ueberfetzer hat : und in den 

Paraheln, wahrend nach Cod. Rüpp. a>/tÄnAf +{ 
el parabolas auch Object su vahabani ift. Mit Kp. 
65f 4* ift diefer Vers Co zu vereinigen, dafs Noah 
damals , als er bei Henoch war , • zugleich jenes Pa- 
rabelwerk empfing. Silv. de Saey ( Journal des Sa- 
vans Ig23» Octobr. p. 590.) folgert übrigens aus den 
Scblubworten , dafs der Urheber des interpolirten 
Stuckes Kp. 64 — 67, !• es auch bereits an der Stelle,^ 
1^0 es lieh noch jetzt befindet, eingef^hohen habe. 
Deflelben Gelehrten Vermuthung (a. a. O* p. 5890» 
data Kp. 37, 3. in drei Parabeln fiatt in hundert und 
drei su lefen fe7 (f. Anmerk. z. d. St.), . beftätigt fich 
duEcb den Text des Cod. Rüpp. 



540 Kap. 67. V- 3. 

2. Und an jenem Tage antwortete ihm ^ der 
heilige Michael, indem er fprach zu Raphael: 
„Die Macht des GeiAes ergreift mich und regt 
mich auf y und zwar wegen der Strenge des ge- 
heimen Gerichts y des Gerichts der Engel; 'werifi» 
der vermöchte zu ertragen das Itrenge Gericht, 
welches gefchahe und beltehet? Und fie werden 

88) Die Verfe 2 — 5« diefet Kapitels (etseii die Enib- 
hing fort , welche Kp. 63' angefangen war« Dartnf 
bezieht ßck dieZeitbeßimninng im Anfange YonV.S* 
und das Pronomen beim Yerbo antworten , weichet 
indefs Laurence niclit ausdrückt. Im Namen Rapkaii 
ift der erße Bucbftabe hier und fond im Cod. Rüpp. fo ge- 
formt, dafs man Ruphael su lefen hatte. Michael entfetit 
ficb über das furchtbare Geriebt , welches er in pro- 
pbetifcbem Geifle erblickt. Unter Kraft JUs Geißes Ter- 
fiebt er Gott in feinem allmächtigen Wirken^ wodoidi 
er Engeln wie Menfchen die Zukunft enthüllt. Diefs 

Gotteskraft reifst Michael gleichEsm forU ^^^UU^(.' 

( bei Ludolf mit 11 • } rapit^ capit m# , hier von des 
machtigen Eindruck, wird fowobl im guten« ^ 

fcfalimmen Sinne gebraucht. J' f^ vQ^ • €xciut me, 
wie Kp. 689 I* von Aufregung des Gefühlt, T. 4* 
beifst es irafcitun Laurence hat in dem fblgeiidta 
Satze nichts 9 was dem im Cod. Rüpp. fiehendcA 

OnTii't'l et propter entfpricbe, (bliebt dagegen 
ein : tu fchauen ( «, Wer ift föbig su fchanen die 
Strenge des Gerichts , des geheimen Gericht! der Ea« 
gel**)- Das Adjectiv geheim ftellt Cod. Rupp« iweck- 
mäfsig zur ißen (Laurence zur aten) Beseiduiug 
des GericbtSt welche dann durch die Appofitien: 
Gericht der Engel an Deutlichkeil und BeBLniBthdt 
gewinnt. Nachdem Laurence die Worte: 0^ T* 



Kap. 67. V. 2 — 3. 541 

zergehen vor demfelben. " Und es antwortete 
abermals und fprach der heilige Michael zum hei- 
ligen Raphael : „Wer iß, der nicht erwei)chen liefse 
fein Herz darüber, und deflen Nieren nicht be<- 
"wegt würden von diefer Stimme ? 

3. Gericht iß ergangen ®'^) über fie von denje- 
nigen, welche fie herausführten auf folche Weife/* 

<D*A1?: H^TiA: ^uis eß, tfui poßtj gans gegen 
die Unterfcheidungszeichen im Cod. Rüpp« fchon im 
vorhergehenden Satze verwendet hatte, blieb ihm 

nur übrig, 'm^^ + I cet. alt Appofition zu: 
Sirenge des Gerichts in der Conftruction zu fäflen. 
Ungleich befler, wie nach Codr Rüpp. die Stelle ge- 
nommen werden mub. (D^Tf^llQ)*! et litjuefient 
(fc angeli contumaces), Bild der Muthlofigkeit ; vgl. 
JoH 2, 9. 5, I. 7, 5. 2 Sam. 17, lo« Ebenfo in der 

2ten Anfprache: H\P ji'^C^ • (n^ch Ludolf mit 

Boj zu fchreiben) QiC^l aui non leniat cor fuum ; 
Laurence weniger genau : f^deffen Herz nicht erweicht 

würde.** f\^£"C%H: prae eo (fc. judicio), Lau-^ 

rence: heim Anblicke dejfelben* «IvA! fecundo, 

denuo. Die Wiederholung deflelben Gedankens foU 

^ natürlich die groCie Gemüthsaufregung malen, vor 

mrelcher Michael ergri£Fen ift« Den Satz: A^H^* 

^At hac vocCf worin (ich das Pronomen auf den 

Ausruf Kp. 63. bezieht , gibt Laurence : bei diefem 5 

Dinge. ' ^ 

89) Wörtlich exiit ; über fie^ nämlich über die abgefal« ;^ 

lesen Engel. HAdTöTipöD^ : Tl^H: 9111 eos 
ita eduxerunt (^Laurence ungeuau: „welche fie fo 
hinweggefahrt babeo^^, find uaftreitig die Strafengel ^ 



* 



V 



t 



542 Kap. 67. V. 3—4. 

Und es gefchahe, als er Itand vor dem Herrn der 
Geilter , 

4. da fprach alfo der heilige Michael zu Ri- 
phael^): »»Und ich werde nicht für fie feynbei 

,(Kp. 53« 3. 61, 14. 62, I. 659 !• 3-) 9 durch wddu 
fie am Gerichtstage aus dem bisherigen Kerker sbI 
laflTen werden , um neuen Qualen entgegen eu g^ 

(vgl. Kp. 10, 15 — 16.). Tn^H: weift auf Frühe« 
surück; indefs findet fich in der 3ten Parabel kein 
Scbilderung der Art, aufser in der ViGon Noah' 
Kp. 65' Den letzten Tbeil diefes Verfes betrachte 
Laurence nicht als Vorderfatz zu dem Anfange ii 
folgenden, fondern nimmt ihn für fich: und di^ 
gefchake , als fie fianden vor dem Herrn der Gtifia 
Er fupplirt das Demonßrativum und überfetzt ii 

Plural, während man in Cod. Rüpp. lieft: (DT^S 

90) Der dritte Zuruf Michaels erfireckt fich ^^ahrCcbeii 
lieh von V. 4. bis Kp. 689 !•*> ^^^h könnte man ik 
auch mit Kp. 67« 5. gefchloflfen denken , in weldifl 
Falle Kp. 68» I- Betrachtung HenocVs wäre, dielU 
der Rede des Engels ebenfo anfcblöfle, "wie Kp.i| 
a ff« Der Grundgedanke ift derfelbe« wie in den U| 
den frühern Anreden ; nur wird Einiges noch gearal 
befiimmt. Man ficht, dem Verf. ift der Gegennl 
SU wichtige als dafs er fchnell darüber hineilen köi 
Laurence läfst Rakael zu Raphael fprechen (in 
Ausgaben), welcher Name fonft im B. Henoch 
nicht vorkommt, und wofür im Cod. Rüpp. 
deutlich Michael fteht. Weil Laurence hier 
andern Sprecher zu finden meinte, uberlelst.j 

(DT)<^'H: auf ähnliche fFeife (fprach) amdu D 
Anfang der Rede: 0A.£'^<D*?*' (i'^^l Dißtti 



Kap. 67. V. 4-^5, 543 

dem Auge des Herrn ; denn der Herr der Geißer 
ift erzürnt gegen fie , weil fie gleich dem Herrn 
handeln. Um defswillen wird kommen über fi^ 
ein geheimes Gericht in Ewigkeit zu Ewigkeit. 

5. Denn weder Engel noch Menfch wird er- 
halten einen Theil davon, fondem fie ganz allein 
werden empfangen ihr Gericht in Ewigkeit zu 
Ewigkeit. 

{XJSSl (nach Ludolf mit Ü! zu fchreiben) 7^*1 Hj?\; 
fafst er offenbar, wenn er nicht einen andern T«xt 
vor Geh hatte, falfch ; j^fie werden nicht Jeyn vor dem 
jiuge des Herrn *% fo gut der Gedanke auch an Ccb 
und in diefem Zufammenhange wäre. Michael will 
vielmehr Tagen: ich werde mich ihrer nicht anneh« 
xneii , nicht für Ce fprechen bei Gott , deflen 2^n fie 

auf fich gesogen haben. lieber A^rBnCT 7 t als 
erße Perfon f. zu Kp. 66ff $• und über die IntercelRoa 
der Engel f. zu Kp. 15, I. ^uge des Herrn Aeht 
hier in dem Sinne, wie fonft: jingeficht^ und ift hier 
nicht, wie Zacb. 4, 10. , Bild der Vorfehung. Bei 
Gott, dem Allwiffenden, welcher die Scbuld derfel- 
ben genau kennt, möchte lyiichael fie nicht vertreten* 

Ucber f\hf^^/\: 7\ifi7\: fagt Laurence in 
einer Note : ^^inßar domini , in der Aebnlicbkeit ies 
Herrn, wie der Herr.** Der Sinn ift: Die Engel 
vergafsen ihr VerbBltnifs zu ihrem Schopfer, handel- 
- ten eigenmächtig. Laureic«*i Ueberfetzung hat: 4, fie 

AoJe« gehandelt", wäbrend in Cod. Rüpp. Plrfl^I 
fleht, und am Ende desYerfes: yjDefshalb wird er 
(nämlich der Herr) bringeri^^, wo man in Cod. Rüpp« 

P ^Pkl\: veniet lieft. Der 5te Vers will der Hoff, 
nung begegnen , dafs ein Theil der Strafe ihnen ab* 
genommen , auf andere übertragen werden könne. 



544 Kap. 68. V. 1 — 2;- 

K a p. 68. w) 

1. Und hierauf wird das Gericht fie in Be- 
fiürzung fetzen und aufregen ; denn diefes zeigten 
fie denen, welche wohnen auf der Erde." 

2. Und fiehe^) die Namen jener Engel! Und 
diefa find ihre Namen. Der erlte derfelben iß 
Semjazä, und der andere Ars'tikif, und der dritte 
Armen, und der vierte Kakabäel, und der fünfte 
Tur'el» und der fechfie Rum*jäl, und der fiebente 
Dän'el, und der achte Nukäel, und der neunte 



f^X) Diefet Kap. hangt genau zuCinimen mit dem 
Schluffe des vorhergehenden (f. zu Kp. 67« 4-— 5•^ 

^f^yJKJ^^l wie Kp. 67% 2. von innerer Aufregung, 
dort des Mitleides , hier der Angft. Der letzte Theil 
diefet Verfet lautet nach Laurence*s YerCon : ^^ienn 
€S wird dargereicht (exhibitcd) werden den Bewölk 
nern der Erde*^; vrat keinen recht klaren Gedanken 
gewährt , übrigens den einfachen Worten des athiop. 

Textes ' in Cod. Rüpp. ^tlC^l H'}'^: AC^B- 
widerfpricht. Diefs bezieht lieh auf das, was in 
diefem Kp. V. 4 iF. näher angegeben wird. 
92) Von y. 3. an liefert Kp. 63. wahrrcheiolich nicbt 
mehr Fortfetzung der Rede Michaelas , fondem He- 
noch ift als der Referent gedacht, wie in der Parallel- 

, Seile Kp. 7, 9 ff. Das S V T ecce letzt nicht noth- 
wendig die Anrede an eine befiimmte Perfon Toraoii 
fondern wird zur Erweckung grofserer AufinerklaiB* 
keit angewendet. Vgl. 669 Z. Die Form weicbt 
nach Laurence^s Schreibung in den EngeliiaiBen aom 
Theil ab; der erfio heilst bei ihm Samyaza^ dar ato 
Antikapkaf der 6to Riimy«!» der 7te Danyed, dbr gte' 
Kael, der 9te Bardk§lf der ijte Ttuymt^ dersöte 



« ■ 



Kap. 68. V. 2. 545 

»eräkel, und der zehnte Azäz^el, der Ute Armers, 
er 12te Batar*]äl, der 13te Bafafäel, der 14te 
i.nän*ely der 15te Tur'el, der 16te Simätifiel, der 
7te Jetar'el, der 18te Tumäel, der 19te Tar*el, 
er 20fie Rumäel , der 21fte IzezeeL 



Simapifeelf Aer 3oKe Rumelf der Slfid Azaztlf wel« 
eher alfo mit dem loten gleichnamig ift, wie hin- 
gegen nach Cod. Rüpp. der 5te und I5te Turil hei- 
lten, wahrend fie von Laurence Tutel und Turyal 
genannt werden. Zum Theil kommen dieCe Namen 
fchon in den vorhergehenden Ahfchnitten vor; näm- 
lich SemjAzA Kp.7» 9. 9, 6« und 10, 15«; Tur*il und 
BArCel Kp. 7, 9. ; AzAzil Kp. 7, 9. 8^ X- 9» 5« lo, 
6. 12. I3> !• 53) 5- 54f 5« ; Armers Kp. g, 4. An- 
dere find nur wenig von früher dagewefenen verfehle- 
den , als : Rum* j AI , wovon auch RumAil wenig ver« 
fchieden ifi, und Kp.7, 9. Ramuelf BUrAhel und Kp. 
8, 5. BarakAl (bei Laurence Barkajal'); Bata^jAl 
und Kp. 7, 9* Batraatf AnAn^H und Kp. 7, 9. Anani 
f bei Lawrence Anane) f TumAil und Kp. 7, 9. g, 7. 
Tamiel; vielleicht auch Tar'el und Kp. 7, 9. SartaH 
(bei Laurence wenigftent Ertael dafür). Bei andern 
ift die. Abweichung fiärker und die Cömbination da- 
her unficherer. Ars*tikif ift wahrfcheinlich einerlei 
mit 'Ataqwivtp im griech. Fragment des B. Henoch 
leim Syncellus (Chronograph, p. 12. ed. Goar.). Ar» 
men ift ain Ende von Armers Kp. 7, 9. g, 4. nicht 
yerfchieden. Kakahael heiftt unßreitig Stern Gottes. 

NukAH wohl fo viel als Sk VOi vor Gott (Gott 
wohlgefällig; vgl. Rieht, ig, 6.). BafafäH ift wahr- 
fcheinlich Glanz Gottes^ vom Sthiop. Ciflfllfulßt 
€rehro. SimAtifitl ift vielleicht aua ShtVi^nO Manu 
^otUf verdorben und Jetar*il wohl mit Tar^U gleich- 



« 
/ 



• \i 



546 Kap. 68. V. 3—5. 

3. Und diefs find die Häupter ihrer ^^) Engel, 
und die Namen der Anführer ihrer Hunderte, und 
der Anführer ihrer Funfzige,. und der Anführer 
ihrer Zehner. 

4. Der Name des erfien ifi Jekun. Und die- 
fer war es , welcher verführte alle Söhne der hei- 
ligen Engel, und fie herablteigen hiefs auf die 
Erde , und fie verführte zu Erzeugung von Men- 
fchen. 

5. Und des zweiten Name ^) iß Asb*el ; diefer 
gab üblen Rath den Löhnen der heiligen Engel, 

bedeutend, nur vom Fut. abgeleitet. Endlich mochte 
Izezeel aus dem griechifcheD '/cJinuijl, alfo dem he- 
bräifchen INDTFI'^ (den Gott fidrki) verßümmelt fejn. 

93) Das Suffix in dem Worte C^^ A7\Y^ 'tl/^^* 
besieht Och auf die V. a. Genannten und \iriU liigeD: 
die übrigen mit jenen verbundenen Engel. Es wa- 
reü aufser den 21 noch viele andere (Kp. 7, 7. gibt 
300 an). Das Demonfirativum diefs geht wabr- 
fcbeinlicb auf das Folgende. Uem Jekun^ deflen Name 

(^Cp*)l^ wahrfcbelnlicb mit D4p^ einerlei ift und 

Jürgens (Rehelt) bedeutet ,- wird hier die VerfubruDg 
zugefchrieben , während nach Kp. 7, 3 £ SemJAza 
als der eigentliche Anftifter der VermifchiiDg mit dea 

Menfcben erfcheint. HATA^: fUfQ\l überfettt 
Laurence Y. 5.» wo Ce wiederkehren, anders als 
V. 4., dort nämlich ganz richtig, hier aber durch: 
Nachkommen der Menfchen^ fo dafa der Schlala des 
4ten Verfes bei ihm lautet: und fokru irre 

((!>I\f\d\f(Xirt halfst es im Origiiial| du Jh- 
kömmlinge (offlTpring) der Mehfeken. 

94) Im Original fteht die Zahl ala abfoluter Cafits 

voran: (D'^AIPI: flO)*: unddn- and^e, ^Nmc 



Kap. 68. V. 5—8. ' 547 

nd verführte iie, zu verderben ihrön Leib durch 
rzeugung von Menfchen. ' 

6. Und des dritten Name ifiGädereP'); das 
i derjenige , welcher zeigte^le Schlage des To- 
BS den Menfchenkindem. •■ 

7. Er verführte Eva, und te\ff.e die Werk- 
3Uge des Todes den Menfchenkindem, und den 
:hild, und den Panzer, und das Schwert zum 
Torden, und alle Werkzeuge des Todes deil 
[enfchenkindeni. 

8. Und aus feiner Hand gingen fie ans 
3er die, welche wohnen adf Erde^, von jteer 
eit und in Ewigkeit. 



■ 1. ai/i 



ißs ebenfo V. d. ip. 17/ DeciNaine CelbCk lautet bei 
Laurtncg'Kefaböl* Ash*H ^it'wphl Demm d^erens • 
~ ( von . 3 Wy. : Dep Bericht ^fiber |)ia knüpft L^aurence 
• ^durcbt RieUtirum ä»;'' < ../.^ ^ 

95) WArfcbcinlifch •Soviel als Mautr ^ott*r*(TOb^l3). 

D^r .Aufdruck nrA^^Thl bei Laurence durch 
ßrokei, (Streich, Schlag, Stofs) rübecfetzt^ fehlt in 

' liudoi/^f Le^^ic. .aetbiop., 4er.Wuja^ H/^/IVi aber 

: wird die Bedeutung pulfavit, ^ V€rk^r,tivU h^kgeltgt. 

. Schläge d€s Todef find folcbefW^elcbe den- Tod her* 

beifubreni jouin £ebt dieCs aut.j^. % » Wo Mpc4werk- 

. zeuge und: Schutzmittel dagegen au&ez^It werden. 

./n>T#« be^eicbndt unfern Accttfativ., wahtand fidr 

den Nominativ Yf^TZ gebraucht wird (vgl. LweZoiy^j 
Lexic. col. 47.}. Nach Kp. g, i. wird Fertigung und 
Gebrauch der Waffen durch Azazel gelehrt. Laurence 
Kellt das Panzerhemd („coat of mail*') dem Schilde 

-Toran, und im Anfange von V«'ft« ergSnit m diefe 

• Dinge als Subject. 



i 



548 Kap. 68. V. 9—12. 

9. und des vierten Name i& TteemnS 
Diefer zeigte den Menfchenkindem Bitteres i 
Süfaes 9 

*' 10. und zeigte ihnen an alle Geheimt 
ihrer Weisheit. 

11. Und er lehrte die Menfchen das Sei) 
ben und zwar mit Dinte und Papier. 

12. Und defshalb find zahlreich diejeni{ 
welche irre gehen, von £wigkeit in Ewigkeit i 
bis auf diefen Tag. 



96) Da» WTort, wofiir Laur€nee Penemue fchreibt 
vielleicht verfiümmelt aus ySOR (Zurückhaltt 

und jH' oder, worauf die Charakterifiik delTe 

fuhren mochte, Hut ^^^'^QH Bitterkeit» Ihrer H 

%eit (V. 10.) • nämlieh der Engel. ' V. IX. überl 
Ltüurenee poriphraßifch^ „ er lehrtö — zu rexfii 
Schrift und den Gebrauch der Dinte und dea Papie 
Defshalh V. 12.« hezieht fich wahrfcbeinlich ( 
y. 13.} blpfa auf das y. 11 ..Berichtete, nicht, 
man Termuttien follte, auf Alle Mittheilungen j' 
Engels* DÄrigena verfteht Laurence V« X3- vaa 
Vergangenheit ^ ^^firid tMreioh gewefen die}enij 
welche irre gegangen find^*; wenn diefa auch 
Hauptfatie an und für fich zi^laflig wäre, weQ 1 
Verbuin im Texte Acht, fo hat doch der Neben 

nicht das Präteritum, fonderh ^u/h'fe* Die2 
baftimmunggibt er nicht wörtlich: zu j^der Pari 
d^r fVelt^ Jelbß (even) his zu diefem Tag f. in 
lend ift ea, dafs-der Verf. fo heftig gegea diel 
JEiibrung der Schreihkunft eifert ; er muCi über 2 
Milsbrauch traurige Erfahruhgen gemacht ha' 
Faft fcheiat ea, als werde fogar der Tod V. 15— 
davon abgeleitet; doch kann der Äuadmck: < 



Kap. 68. V. 13—15. 349 

13. Denn nicht geboren wurden die Men- 
ichen dazu » fo mit Feder und mit Dinte zu be- 
kräftigen ihre Treue. 

14. Denn fie Mrurden nur gefchaffen, gleich 
Engeln gerecht und rein zu bleiben. 

15. Und der Tod, welcher Allea zerfiort, 
irürde nicht getro£Een haben diejenigen , 

16. welche durch diefe ihre Kenntnifs un- 
ngehen ; und de&halb verzehrt mich die Macht. 



ihre Kenntnifs auch dat Uebrige in fich begreifen, 
wat Gaderil den Menfchen kund machte. Der I3te 
Vers gebt yon dem Gedanken an fchlichte, einfach^ 
Sitte aus, welche ßch auch in unferem Sprichworte : 
ein fVort^ ein Mann zu Tage legt. Schriftliche Ver« 
licherungen und Coutracte betrachtet der Verf. alt 
etwas Ueberflülliges , weil fie Unzuveilälligkeit dea 
enien und Mangel an Vertrauen des andern Theils 
yerrathen« und infofern Beweife menrchlicber Ver- 
derbnifs find. Eine ähnliche Stimmung, als die iß, 
TOD welcher der Verf. hierbei ausgeht, liegt im N. T. 
der Vorfchrift zum Grunde Mattb. 5, 37. : "Eetm A 
6 tifoq 'Afuh * ¥a\ ¥ai , cS ot, to dl xt^tfcR)» to4tm9 , in 

W9 MonjQQv ieuv. ^ ^(^l^'f' (Khl kann nach dem 
Zafammenhange nur Treue derfelben feyn ; vgl. auch 

so Kp. 56, 5. In^HI itfl. to wie es jetzt ge» 
lirobnlich ift. Laurence- überfetzt V. 15. : „der Tod 
*— •— würde fie nicht betroffen haben ** , und fetzt 
sn Anlange yon V. l6. die Partikel aher. Die Worte, 

womit V. 16. fchliefst: OfYHVUl ^^At J&AAülV 
irarden inCod. Rüpp. durch Unterfcheidungszeichen 
'rem Vorhergehenden und Nachfolgenden getrennt, 
^prikrend Laurence fie mit dem erften Satze dcfs Verfes 
in jgenano Verbindung bringt und überfetzt: „und 



550 



Kap. 68. V. 17—18. 



17. Uiid des fünften Name ift Kaßdjäe 'O. 
Diefer zeigte den Menfchenkindem alle böfen 
Schläge der Geilter und der Dämonen, 

18. und die Schläge des Embryo im Motter* 
rchoofs, um zu zermalmen, und die Schläge des 
GeiAes» die BilTe der Schlange, und den Schlag, 

hierdurch verzehrt fie auch feine Macht. ^< Dt die 

unterftrichenen Worte, wie er i'elbft andeutet, blob 

fupplirt find , las er unßreitig nicht anders. Wahr* 

fcheinlich bedeuten fie aber : et per hanc vim devorat 

(confumit) me , oder et per hoc vis me devorat. In 

letztern Falle wäre htijH Subject, und es fragte ück 

nur, lueffen Macht oder Kraft darunter verfiandea 

werde. Wollte man es in dem Sinne von Kp. 67» 3* 

nehmen, dafs die ErcignilTe einen gewaltigen Ein- 

druck auf das Gemütli machten, fo könnte Micbid 

als der Redende angefehen werden, wogegen indeb 

V. ao und 22. fprechen niücbten, oder Henocb. Ni* 

tiirlicber fcbeint es aber, unter Macht die des Toddt 

zu verßeben. Der Sinn wäre dann ebenfo , wie 

der erfien Confiruction , wo das Subject aus 

Vorhergehenden ergänzt wird (nämlich Tod), 

noch will Tagen: um diefer Verführung willen, w< 

che Gaderel unter die Menfchen verbreitet hat, 

auch ich ein Opfer des Todes. 

97) 'irinjf'JPyo ^^i Laurence Kafyade gefchriel 

heifst wörtlich Chaldäer. firAmiM':, hier 

dem Adjectivo AHiP! (malus) wurde fchon n 
6. befprochen. Geifier find , wie das parallel« Gi 
lehrt, die böfen Engel. Schläge des Emiryo 
lolcbe, die demfelben zugefügt werdea ; hier von ji 
Mittel, die Leibesfrucht zu tödten uud abaul 

T)C^: ßX^l dafs man zermalvM (De. dei 



Kap. 68. V. 18. 53t 

irelchec iR am Mittage, die Brut der ScMange, 
leren Name ift Tabäet. 



Wenn das mofairche Gefets ea für nnnötliig erach« 
tet, Kindermord, weil er nicht leicht vorkommen 
mochte (f. mein. Entw. der hehr. Alterth. S. 370.), 
ausdrücklich mit Strafe zu bedrohen, fo fcheint nach 
diefer Stelle des B. Henoch dieft Verbrechen aiem- 
Uch gewöhnlich. Die Biße der Schlange^ welche 
im Aethiop. mit den Schlägen des Geifies in Appo« 
fition fieben, verbindet Lawrence hiermit aufs ge* 
naoeRe: ^^ durch den Bift der Schlänge'S fo dafa 
die Gefährdung des Menfchenlebens durch Benutzung 
diefes giftigen Reptils gefchieht. Auf gleiche Weife 
bat Laurence etwas weiter hin die Brut der Schlange 
Tabaet als Urfache des am Mittage erfolgenden 
Schlages genommen, und überfetzt : diircfc die Schlan- 
genbrut. Auch hat er das einfache WfiTiQf^t 
qui efi deptlicber zu machen gefucht : „welcher ge* 
gehen wird/* Schlangenbifs iß dem Verf. nicht daa 
einzige Mittel , dem Geifte zu fchaden , fondem nur 
eines von vielen, und zwar ein folches, wobei der 
Frevler die Schuld noch von fich abwälzen könnte, 
indem er nnfchuldig an der Verletzung durch das 
Thier zu feyn Ccheint , obfchon er es gerade fo ver- 
enftaltet hat, dafs der von ihm dem Untergange Ge* 
"Vireihte damit zufsmmentreffen mufs. Was alfo nach 
Schlägen des Geißes folgt, dient zur Erklärung, und 
ift ein Beifpiel deflen , was der Verf. meint. In den 
"Worten : der Schlage welcher am Mittage iß, könnte 
» jBsan Anfpielung auf Ff. 90, 6. finden, allein die LXX 
\ und ithiop. Verfion der Pfalmen haben eine etwas 
" andere Wendung als das hebraifche OriginaL Der 
' V0r£ rerfteht den Bifs einer Schlange, welche durch 
• ibie Schlanheit am hellen Mittage zu berücken weifs. 

36 



AetluO[i. das iiuinnUche, im Gegeufuli 
ueibiieh (f. L«do(/Lcx. col. 263.) . 1 
lieh hier nicht anwenden läTsc VVahir 

dai Wott mit dem Arsb. a^j' fatutus. 

surammeo, alfo etwa Vtrfolger. 
ng) Mit dem Igten Verfe TcfalÖlTe Geh ^ 
wenn V. 19. von I^aurence richtig gc 
was ich aber felir bezweifle, das Vi 
5 verbrecberifchen Engel , welche ücl; 
Veifübrung det Menfcliengercblecfatei 
hatten, und ein längerer, Ab fchnitt von 
Schwüre, der alles hervorgebracht hab 
leitete über zu einer abermaligen £ 
durch den Menrchenfobn an halteni 
welche «war Kp. 63, 42. durch eine 
unterbrochen wird, aber fich doch ■ 
hinüber erfireckt. DerZufammeDhang 
buher Erzählten und der Schilderung 
fofanes ift laicht aufzufinden. Denn 
über welches Michael erfchrak ( Kp. ( 
welchea die £ngel, die Kp. ($g, 3 ff. t\ 



Kap^ 68. V. 20. 553 

20. und fein Name iß Bekä. Und dlefer 
!)racb ziun heiligen Michael, ihnen zu zeigen 

etwa annehmen, es foUe durch Hinweifung auf die 
Macht des Wortes Gottes, welche Geh früher fo deut- 
lieh zeigte und immerdar bewährte « der Gedanke er* 
i^eckt werden , dafs es auch jetzt in Erfüllung gehe, 
dafs fein Entfchlufs unwiderruflich und alfo das ge- 
drohte Strafgericht unvermeidlich fey. Denn es wird 
^wiederholt darauf aufmerkfam gemacht (vgl. V. 27 — 
98^0 » ^^'^ ^^^ nichts andere , fondern für ewige Zei* 
ten alles bleibe, wie Gott es durch fein mächtigea 
Wort befUmmte. Für die Verbindung des Abfchnittes 
init den übrigen Theilen des Kap. und der Darßei- 
lung überhaupt , wozu diefes Kap. gehört , für rich- 
tige Beziehung feines Inhaltes find der ipte und 2ofte 
Vers vorzüglich wichtig. Gerade der erßere aber, wel- 

eher lautet : (Dli(Sr7\ t : 'VAcfi '. ATk tifCihA t 

wäre am unklarflen, wenn man ihn mit Laurence^ 

welcher doch wohl denfelben Text vor fich hatte, 

nberfetzen wollte: ««Diefs iß die Zahl des Kesbel: 

der voreüglichße Theil des Eides, welchen der Ilei« 

ligfte , wohnend in Herrlichkeit , offenbarte den Hei<» 

ligen. Sein Name iß Beka.'* Da V. 20. vom Mi- 

«^bael, der diefen Schwur bewahrt (V. 220> verlangt 

vrird,' den Schwur und geheimen Namen mitzuthei- 

Jen , fo kann der Verf. doch nicht V. 19« eine allge« 

meine Bekanntniac|iung deffelben Gegenßandes an die 

Engel von Seiten Gottes annehmen. Laurence \Üst 

mndi die Partikel foha gans unbeachtet Dagegen ge« 

• denkt er des ffiiligfien f wovon das Original nichts 

wetfisi wahrfcheinlich nahm et teu'l als Noinen: dar 

36 ♦ 






554 Kap. 68. V. 20. 

den geheimen Namen , .damit Re fähen je 
geheimen Namen ,. und damit iie fich eri 



Erhabene , unter welcher Benennung Gott i 
im B. Henocb oft erwähnt ift. Meine Ueb< 
ift gans wörtlich. Die AuffolTung der V« 
jaktider nach der Partikel foha (vgl. Ludo 
col. i6o. ) von der Vergangenheit gebietet 

fammenhang; fcheint ja V. 20. fogar fi fit 
Concurrens irgend einet Partikel im Pratei 
fetzt werden zu müITen. Demnach betracht 
Kesheel auch alt einen abtrünnigen Engel , 
durch Schlauheit dem Michael den erhabene) 
ablocken wollte. Den Namen fchreibt Lai 

einer Note zu feiner Verfion Tifl'AAA* 
Theil des Compoßti könnte 3SfP , eig. 1 
Form (alfo Gebilde Gottes) oder ein De; 
Wurzel 3^n putavit , cogitavit (alfo Gedt 
tes) feyn; in beiden Fällen wäre der Nam 
xender« Viel näher aber liegt die Combini 
3T3 lugertf täufchen ; als lügenhaft beweift 
lieh diefer Engel durch die Vbrfpiegelung , 
deren er dem Michael das Geheimnifs au i 
fttcht. Er fiellt es fo vor, als werde die 
gewünfchte Kunde ein Mittel feyn, den A 
Engel, wo nicht genz zu verhüten, doch 
Folgen weniger unfchädlich zu machen« 
jnoGi ihm gewillfahrt haben, da es heilst, 
habe den Schwur den Heiligen oflGmbart. 
find natürlich hier Engel, mit Einfchloia dl 
welche £ch fpäter auf die Erde begaben 
Unheil anrichteten. Statt fich durch den e 
Namen Gottes und feinen mächtigen Sdki 
ihrem fündlichen Vorhaben abfchiockeD m 



Kap. 68. V. 20. 555 

■ 

3S SchwurSi damit erzittern möchten vor diefem 
amen und Schwur diejenigen, welche anzeigten 
sn Menfchenkindem jeglich Geheimnifs. 



oiirtbraucben fie ihn zu Zauberei und ähnlichem Fre- 
vel. Diefer Umftand fcheint mir denn auch der 
Gnmd zu feyn , wefshalb der Verf. in diefem Zufam- 
menhange auf die dem Namen und Schwur Gottes 
einwohnende Gewalt geführt wird. • Auch Kesbeel^ 
will er fagen , gehörte zu den Kotyphaen der Ab- 
trünnigen ; er bemächtigte fich des geheimen Namens 
und Schwures Gottes» als eines Mittels, grofse Dinge 
eu vollführen. Die Wichtigkeit der gewonnenea 
Kenntuifi näher zu veranfchaulichen , fchildert der 
Yerf. V. 31 ß. die Kraft jenes Schwures. Der -Aus« 

aruck Zahl fteht mit C^ f\l ^ ^ A S in Äppofi- 
tion und fcheint daraufhinzufuhren, dafs die Schwur« 
formel , um fie mehr zu verßecken , als Zahl , nach 
dem numerifchen Werthe der Buchftaben beftimmt, 
dargeftellt wurde. Sonft könnte auch eine ahnlicho 
Gedankenverbindung flatt finden, wie zwifchen 
1J3UJ fithen und V^^ fchwören. Der Schwur (denn 

auf dielen iR das Suf&x an l) ^^ l zu beziehen ) 

wird V. 20. n,^:, V. 32. aber A^Ot genannt 
(doch hat in letzterer Stelle der Rand des Cod. Rüpp. 

n^o wofür wohl n,^; zu lefeu ift). Erfteres 
lätst fich vielleicht mit yp3 f palten f eröffnen, 
durchbrechen combiniren , fo dafs im Namen ^ie ein- 
dringende, durch nichts aufzuhaltende Kraft des 
Schwures bezeichnet würde. Für akAe mochte fich 

das ^ramäifche | OTjD obfiupuit am befien varglei« 
eben lalFen. Einzelnes liefse fich V. 19. auch anders 
überfetzen, als es von mir mit Rückficht »u( die 



556 Kap. 68. V. 21. 

21. Und diefs iß die Kraft jenes Schwures, 
denn mächdgilt er und fiark^)« 

ganze Stelle gefchehen ift; namentllcli konnte man 
glauben, die Worte: „Und diefs ift die Zahl dd 
Kesbeel'^ zu den vorhergehenden Verfen siehen sa 
dürfen, fo dab in ihnen eine Art Schlufsfats läge. 
Die Zahl würde alfo Jekun^ Asheel (^Kefabel bei 
Laurence , alfo mit dem hier vorkommeaden Namen 

bis auf (\ : ftatt tll identifch), Gaderel^ Tentwut 

und KafeäjAe in Geh begreifen. Vor CA ll l wurde 
aber dann wahrfcheinlich die Copula gefetst fejo. 
Diefei recfa läfst ßch auch als Verbalform auffaflen: 
praecipuum efi juratnentum , allein auch in diefein 
Falle würde die Copula kaum fehlen. Der Schlufi 
des igten Yerfes läfst Cch auch faflan : „Mrelcher an- 
zeigte den Heiligen, wenn wohnt (wohnen wird) 
der Erhabene in Herrlichkeit/^ Allein diefe Uebe^ 
fetzung ift wohl defshalb zu verwerfen, weil ja Gott 
immer in Herrlichkeit thronet und keinem Wechfel 
unterworfen iß. Diefer in V. 20. ift KesbeeL Statt: 
dafs fie fähen jenen geheimen Namen hat JLaurenci: 
dafs fie verfiehen C/«^«'*) möchten i der felhe ändert 
im letzten Theile von V. 20. ohne Noth die Wort- 

ßellung. In ßC^JE.» ^^ ^V »"»^ ^»« verwccb- 
feit. Nach Kp. 16, 3* 4. waren die abtrünnigen En- 
gel nicht in die GeheimnilTe des Himmels einge* 
weiht , aber das , was fie wufsten , theilten iie den 
Meiifchen mit und richteten dadurch Unheil sn. 
Worin der Schwur befiand, fagt der Verf. nicht, 
obfchon man es nach dem Eingange von. V. 19. er- 
warten foUte; die folgenden Verfe befchaftigen lieb 
blofs mit Schilderung feinet gewaltigen Einflufles. 
99) V. 21 und 23» bezeichnen die Macht des göttliclien 
Schwures im Allgemeinen als grofs; V. 34 ff. aber 



Kap. 6a V. 22—23. 557 

22. Und er legte diefen Schwur Akäe in 
LieHand des heiligen Michael. 

23. Und diefs find die Geheimniflfe diefes 
k€hwi)rs f und fie wurden bekräftigt durch feinen 
chwur. 



geben eioselne fcblagende Beifpiele davon. V. 92. 
foU erklären, warum Kesbeel ßch an Michael mit 
der Bitte wendete ( V. 20. ) » ihm den Schwur zu 
offenbaren. Ueber Ak&i f. zu V. 19. Den Schlufa 
▼on V« 23. gibt Laurence ungenau: «»und durch ihn 
wurden de bekräftigt *< ; das Pronomen dei Satzes : 
dwrch feinen «ScAu;ur besieht ßch auf Gott, welcher 
im Anfange von V. 22- als Subject des Verbi 

^iCiCl pojuit illud (juramentum) gedacht werden 
muCi. Wie entdand aber die Vorftellung, welche 
T. 34 ff. deutlich ausgefprochen ift , dafs Gott ver- 
möge eines Scfawures die Welt gefchaffen habe und 
fie erhalte? Ich meine« ganz einfach und natürlich 
ans der biblifcben Lehre, dafs Gott durch das Wort: 
es werde alles hervorbrachte. Der Schwur ift nichts 
weiter, als ein recht feierlich ausgefprochenes Wort, 
eine kategorifche Erklärung in der kräftigßen Form. 
Für Menfcben gibt es eben keine feierlichere Form 
der Rede , als den Eid ; fie wird , wie fo vieles 
Menfchlicbe, hier dem höchrten Wefen beigelegt* 
1^ Schon im A. T. heifst es ja zuweilen, um die Ge« 
^ wibheit des Gefagtcn auszudrücken, Gott habe bei 
fich felber gefcbworen , diefs oder jenes zu thun» 
Der Befehl Gottes (ttaXovvrog tu firj ovza de ovxcc 
>Ilöm. 4, 17.), fein abfolutcs Willensgebot (i Mof. i. 
^^« 33, 6. Sir. 43, 10 ff. Weish. 9, i. W/^ oder 
^♦Üi|^ deov Hebr. ii, 3. Offenb. 4, if.), bei den 
Ttrgmniften ^^ N"10"*C, follte offenbar nur die 
^««^keü Gottes umfchreiben, fo dafs der Philoni- 



$58 Kap. 68- V. 24—25. 

24. Und der Himmel wurde aufgehä: 
bevor die Welt gefchaffen wurde» und hh 
Ewigkeit. 

25. Und durch ihn fchwebt die Erde \ 
dem WalTer, imd aus dem Verborgenen der B( 



liehe Auafpruch: i X6yos %^ov ovtw (De facrif. i 
et Cain. p. 175. ed. Mangey) auch in diefem S 
iTtrahr ift ; allein im Laufe der Zeit und bei der 
fchenden Vorliebe für Perfonification wurde ei 
mahlig gewobnlich , entweder das Wort all eis 
foudere Perfon aufzuftellen , oder mit Verken: 
des eigentlichen Sinnes , welchen das einfache i 
thura mit der Ausdrucksweife verbunden hatte, 
felben eine wunderbar wirkende Kraft heizul« 
War man einmal fo weit gegangen « Co lag es 
nahe, diefes Wort nicht als ein fchlichtea, foi 
als ein durch hinzugefügte ftarke Verficherung 
durch feierliche Schwurformel befiätigtes su bet 
ten. Um fo leichter war eine folche Reftrictioi 
Wortes , da fchon in mehreren Stellen der Bib 
wohl bei Drohungen (4 Mof. 14, 21. 2g. Jer.5 
Amos4, 2. 6, g.)» als auch bei Verbeifsungen (i 
22, 16. 5 Mof, I, 35. Jef. 45, 23. vgl. Rom. i^ 
Jef. 629 8« Ezech. 33, n.) Gott fchwörend erfcl 

•Hl^A: V 24. läfst eine doppelte üeberfet 
zu» entweder fuspenfus efi^ wie auch Laurem 
fafst, oder ponderatus fuit^ in welchem Sinne 

n C|^ A ! Hen. 33, 2. fleht. Letzteres wurde 
einen guten Sinn geben; doch ilt erfierea von 
hen, vgl. V. 25« Laurent« fupplirt : durchik» 
Schwur) ; die Meinung des Schriftlellers ift es 1 
dings, dalii der Schwur dieCs bewirkt habet 

i*(H4<4^» V» 25. eigeQtUoh: (terra) wlmufi 



Kap. 68. V. 25—26. 539 

)inmen' den Lebenden die fchönen WalTery von 
er Schöpfung der Welt und bis in Ewigkeit. 

26. Und durch diefen Schwur wurde ge« 
liaffen das Meer und fein Grund ')• 



efi^ bat Laurenct dai Bild gans aufgegeben tmd 
überfetzt: ,»i/Z gegründet*^; wahrfcheinlich dachte 

er dabei an M ^^^ ♦ Der bildliche Ausdruck fcheint 
mir auch hier der voriüglicherey wie auch Hiob 26$ 7« 

Vgl. jedoch V.a6., wo C^UJ^^l nur Fundamentum 
heifaen kann. Den Sats vom Hervorquellen des Waflera 
ana den Bergen knüpft er durch während (wbile) an. 
Die ganze Uebertragung : ^ ^wahrend von den verbor- 
genen Theilen der Hügel die bewegten WalTer fortge- 
hen'* ift nicht zu billigen ; denn von Theilen^ obfchon 
der Schoofs der Berge gemeint ift 9 Tagt das Original 

nichts, AJ^^C^I ift hier, wie fonft, Berge ^ und 

in dem Satze: P^Pil\ l A/KJ^: ti(Uf9i: 

^jP T t ift blofs'das Adjectivum von feinem Sub* 
ftantivo durch das eingefchobene lah'jävAn gefchie* 
den, um die fibnlich lautenden Worte zufammen zu 
bringen. Laurence läfst l&Wjät (fchön) ganz aus. 
Am Ende des 35ften Verfes lieft man bei ihm: his 
ans Ende der Welt ; im Aethiopifchen fteht das fo oft 

wiederkehrende (D7\riTl: t\\Xf\f^: 
3) Nach Erwähnung des Himmels und der Erde be« 
fpricht der Verf. zunächft das Meer mit feinen Tiefen 
(V. 36 — 37-) 9 un^ dann erft kommt er auf die Ge« 
Birne (Y. sg — 30«) 9 woran lieh endlich die Winde 
(V. 3I.)9 Donner und Blitz (V. 33.), Hagel und ahn* 
li^e pbylirche Erfcheinungen (V. 33.) anfchliefsen. 
Alle diefe Gegenftände find nur Beifpiele der grofsen 
Thaten Gottes in der Natur, deren Yollbringung 



■ 1 



560 rKap. 68. V. 27. 

27. Zur Zeit der Wuth legte es jenen Sand, 
und nicht änderte es lieh von der Schöpfung der 
Welt und bis in Ewigkeit, und durch diefen Schwur 

durch den Schwur bewirkt wird.' Im 2oßen yerÜB 
war diefem Scbwur der geheime Name zur Seite ge- 
ftellty allein nachher wird immer nur des Schwurt 
gedacht. Wahrfcheinlich fufst der Verf. auf der jü- 
difchen Ueberlieferung von den Wundem, welche 
durch KenntniCs des der Menge verborgenen Nament 
Gottes y des Schemhamphorafch hervorgebracht wur- 
den. Vgl. Jo. Buxtorf lex. chald. Rabb. Talmud, 
col. 2432 ff. und Eifenmenger entdeckt. Judenth. 

iTh. S. 154 ff. Der Grund des Meere» (^"'HU^?';, 

nach Ludolf mit (1 t zu fchreiben) wird V. 26. be- 
fonders erwähnt, um den Gegenfatz mit der Erde, 
die über dem WaQer ruht, defto mehr hervortreten su 
laffen. V. 27. füpplirt Laurence das Pronomen pof- 
felRvurn. Bei fVuth hat er auch zum Verbo die nähere 
Beftimmung gegen daßelbe. Seine Ueberfetzung bu- 
tet alfo : ,, Während der Zeit feiner Wuth hat er 
feftgeftellt den Sand gegen daßelbe*'^; im Aethiop. 

fletit blofs: A'}A4: '^i:: ''T^t pofuU Ulam 
arenamf oder allenfalls pofuit ei arenam^ in welchem 

letztern Falle AtJI auf Meer bezogen würde. Das 
_ erße ziehe ich vor. Der Sinn ift dann: Sichtliche 
Spuren vom Toben des Meeres finden fich am Ge- 
fiade in dem , was es dahin wirft. HozA möchte ich 
nicht, wie man nach der ancjern Erklärung doch 
'müfste, als ein Mittel anfehen, die gewaltigen Flu« 
then zurück zu drängen (felßges Ufer und derglei- 
chen); denn es hcifst lockerer Sand (vgl. Kp. jg^g.). 
Das Pronomen jener will fegen: den bekannten, am 
Meeresrande gewöhnlich liegenden Sand. Dan fol« 



Kap. 68. V. 27—30. 561 

id die Abgründe befeiligt und liehen, und nicht 
rwegen fie fich von ihrer Stelle in Ewigkeit und 
s in Ewigkeit. 

28. Und durch diefen Schwur vollbringen 
>iine und Mond ihren Lauf und weichen nicht 
>n ihrem ^) Befehl , von Ewigkeit und bis in 
mgkeit. 

29. Und durch diefen Schwur vollbringen 
e Sterne ihrc^n Lauf. 

30. Und ihre Namen ruft er und fie antwor- 
n ihm von Ewigkeit und bis in Ewigkeit. 



genden Satz knüpft Itaurenee durchs Relativum an ; 
»»welcher unverändert bleibt (which contiQuei un- 
cbanged)**, was er wohl auf Sand bezog, aber^ 
nach dem Originaltexte vom Meere gefafst werden 
ipufs. Bei der Schilderung der Abgründe, wofür 
er den Singular hat, fehlen in feiner Ueberfetzung 

die Worte: und ßehen. ^/\P 'T ♦ kommt fowohl 
von den Tiefen des Meeres , als den Abgründen der 
Erde vor, ja der Ausdruck fieht nach LudolF für 
Meer felbll, offenbar weil man (ich diefes ohne der- 
gleichen nicht denken konnte. 

2) ü.h, von dem ihnen ertheilten Befehle, wie es auch 
laaurence in feiner Ueberfetzung ausdruckt, V. 30. 
(vgl. damit Kp. 43, I.) hat Laurence den erilen Satz 
im PaiRvo überfetzt: ,,\ind wenn ihre Namen genannt 
werden , fo gei)en ße eine Antwort. •* Im Anfange 
des 3iften Verfes glaubte er mit Recht etwas eirgän- 
zen zumüITcn ; er wählte ^aft finden (^take place"), 
das einfache Verbum f^yn reicht fchon aus. Statt 

f\^ßl aejjuis (dafs es collective liehe, lehrt das 

Sufiixum plural. an S^^O^tlf ^^^ :) hat Laurence: 
in den Himmeln (das in nach feiner eigenen Andeu- 



tragung. lare vvinae »na loicoe, von V 
Flulhen erregt werden ; da auf dem Mi 
Abwechfelung feyn kann und gerade der 
IflineBefchaffanheitweTentlich einwirkt, 1 
tüclicb, dab feiner gerade hier gedacht ' 
Toht Ltuatnet't VetCon nicht auf einem 
fo ift für di« Yerbindong d» Windet mit 
luel Kp. Ig. 3 ff. 71, 7. 72, 2. an verglei 
Laurtnce findet man nicht bloCa Winde, ( 
Wek*H C.tbe blowinga") der tVlnd: Sc 
che Weife] besieht Ccb anf das Frühere 
dem Himmel, der Erde, dem Meere u. L 
Kraft Gottea bewerkfielligte auch die Oi 
Windei. In ©AT^/VÖD^: « iis »t 
siebe ich das Suffiitiim anf daa TOtl 
ASfC*!^* Auch Laurtnea Icheint es 
EU haben, indem er überfetst: „fie all« km 
(hreathingSf**, oder, wie er in einer Randni 
„Gtißer," Daa (DI vor A'fV'A»ö&»:, 
das liebräifche 1 Öfters gebraucht wird, 
(und zwar ihnen allen), vgL Kp- 62, I. 6^ 
Für Geifter Seht in Cod. Rüpp. das 



Kap. 68, V. 32—35. 563 

32. Und dort werden erhalten die Behält- 
De der Stimme des Donners ^) und der Glanz 
s Blitzes. 

33. Und dort werden erhalten die Behält« 
DTe des Hagels und des Reifes, die BehältnüTe des 
hnees , und die BehältnüTe des Kegens und des 

laues. 

34. Und alle diefe werden bekennen und 
ben vor dem Herrn der Geifter. 

35. Und fie werden rühmen mit aller ihrer 
raft des Dankes t und er nähj:te fie in allem die- 



er dai Vetbnm bewirken ^ verfiarkt auch ^*n^TS 
confociatio durch ein Adjectivum : »«und bewirken eine 
flollßändige Vereinigung des Wehens.*^ Im Aethio- 

pifchen ficht die Partikel 7\f^ly welche hier oh^ 
-propter bedeutet. Die Winde fahren nicht geradezu» 
v^ohin fie kommen, ihre Richtung ift durch die ihn^n 
gleichfam einwohnende Intelligenz vorgezeichnet; 
diefs ifi nothwendig, damit fie (oder mit dem Schrift- 
fieller zu reden, die in ihnen befindlichen geiftigen 
Kräfte) gemeinfchaftlich wirken können , wo es nö- 
thig ift. 
3) Laurence läftt das Wort Stimme aus. Für den Ge- 

danken in V. 32 ff. vgl. Kp. 41, 3. 53, 6 ff. Afl^'^JPI 

und 0,^r Reif und Schnee^ wie auch Laurenc€ 
uberfetit; das letztere Wort hatte diefer Kp. 5g, ii. 
durch Nehel übertragen« Vgl. über die Worte S. 444 
•—447. Laurence yerfteht, was fpracblich angeht, 
Y. 34 ff. die Verba im Frifens ; aber nach den Pa- 
vallelen Kp. 60» 9. 12. 14 — 15- 61, 10. glaubte ich 
das Futurum vorziehen zu muffen. Derfelbe nimmt 

V. 35. das Präteritum O fl> 1^ P" (X)" I als Prafens» 
^, WM fich nur durch den ZuCunmenhaogi worin es 



564 Kap. 68. V. 35—38. 

fem Danke, und fie werden loben und rühmen 
und erheben im Namen des Herrn der Geilterin 
Ewigkeit zu Ewigkeit. 

36. Und über fie"*) befiätigt er diefen Schwur, 
und lie Werden erhalten durch ihn und ihre Wege 
werden erhalten, und ihr Lauf läfst nicht nach. 

37. Und ihnen wurde grofse Freude. 

38. Und fie priefen, und rühmten, und er- 
hoben, weil ihnen offenbart wurde der Name je- 
nes Menfchenfohnes. 



fleht, rechtfertigen liefte. Uebrigens verlieht er den 
Atisdruck tropifch: „und er unterfiützt fie in aller 
diefer Verrichtung (^ac€) der Dankfagung", wornach 
alfo Gott felbit dazu mitwirken würde, dafs Ae ihm 
dankten. Mir fcheint der Sinn vielmehr : Gott rori;te 
für fie, fchenkte ihnen glcichfani die erforderliche 
Nahrung bei ihrer Dankbarkeit gegen ihn. Den fol- 
genden Satz knüpft Laurence mit der Partikel wäk' 

rend tiUy und nfl^^» nimmt er, wie Kp. 62, 9., «'s 
Object zu den vorhergehenden Verben („den Namen*'^. 

4) ©J^flLT^^J Laurence überfetzt: „mir ihnen." 
Im 36fien Verfe zieht er 2 Sätze zufammen: „durch 
welcheu (fc. Schwur) fie und ihre Pfade erhalten 

werden." (^/hT/ii^t (vgl. 58, 12. 68, ag.) 
gibt er progrefs (Fortfehritt). Öie Freude (V. 37.) 
wird veranlafst durch die Erfcheinung des Menfchea* 
fohnes; der Verf. geht nämlich (f. su V. 19.) nuD- 
mehr wieder über auf die Schilderung des Geridrts 
und deflen, der e$ hält. V. 38* iß das Object fSr £• 
Verba preifen, loben und erheben leicht suXappIiroi* 
Jener Menfchenfohn weift auf Kp. 6lt l/.- inrud; 
Laurence bat das Demonftrativum ausgebflen. Ste- 

fichenlohn wird hier nnd V. 39. 69» !• dwreh <DA?* 



I • 



,Kap. 68. V. 39—40. 565 

39. Und er fafs auf dem Throne feiner Herr- 
chkeit, und der Haupttheil des Gerichts wurde 
igeben ihm , dem Menfchenfohne« Und er läfst 
srfchwinden und untergehen die Sünder von der . 
berfläche der Erde, und diejenigen» welche fie 
nrführten, werden in Ewigkeit mit Ketten ge- 
linden werden. 

40. Und nach ihrer Stufe ^) der Verdorben- 
üt werden fie eingekerkert werden, und alle ihre 
Terke foUen verfch winden von der Oberfläche 
5r Erde , und fortan wird nicht dafeyn ein Ver- 
ihrer; denn jener Mannesfohn wurde gefehen 
id fafs auf dem Throne feiner Herrlichkeit. 



7\aA: l\C^(tiJP(If:j dagegen V. 40 und 41. 

durch Q)£\JSl fAAnLjM wörtlich yJZiM* viri ausge- 
drückt. Vgl. Anmerk.zuKp. 59) II. Auf dem Throne 

fitzt er auch Kp.45, 3. 50, 3- 60, 10. 61, 9. (j\fhl 

^YV»! ^I Caput judicii^ das Wefentlichfte des Ge- 
richts ift ihm anvertraut , • fo rües auch V. 19. Im 
2tenTheile des sgften Verfes fafst Laurence dieVerba 

P:>A4;: QJ'^rPi: intranCtive, was aber fchon 

wegen y'^A li nicht angeht. Gebunden (K'p. 10, 
6. 16. 18» 16. 2I» 2. 12.) mit Ketten^ wie Hen.53, 
3 — 5* 54» 6. 2 Petr. 2, 4. o«*^««:^ £09011 und lud. 
V. 6. Saanoig aidiois» 

5) <^^nC<Xlr: eigentl. ihre Vereinigung, Verbin- 
^"^§9 Gefellfchaft ; da die lieh Zufammenhaltenden 
gewöhnlich demfelben Stande angehören, fo viel als 
Claffißf Stand und von Sachen Grad^ Stufe. 

^rCt^Q)*! (nach Ludolf mit aC zu fchreiben) 

ygL Kp. 6ti) 4* Laurence läfst auch in diefem Verfe, 

.wio y« 38 und 41. das Demonftrativum vor Men- 



566 Kap. 68. V. 41—42. Kap. 69. V. 1. 

41. Und alles Böfe wird aus feinem Andil 
verfchwinden nnd weichen, und das Wort dicf( 
Mannesfohnes wird beftätigt werden vor dei 
Herrn der Geifter. 

42. Diefs iß die dritte Parabel Henochs. 

K a p. 69. S e c t. Xu. ^) 

1. Und es gefchahe hierauf, dafs erhobi 
wurde der lebendige Name bei diefem Menfche 



fchenfohn aui. Im Anfange von V. 41. gibt 

i\T\% JS ♦ „verniclites Ding^* und gegen Ende defli 

ben das im B. Henoch fo oft vorkommende ^f\ n 
invaluit^ wörtlicher: wird mächtig (povrerfull) we 
den, Diefe fogenannte Parabel ift auch die Un 
nach Cod. Rüpp. Kp. 27 (in unferer AbtheiloQg 37 
3. Vg^. auch Anmerk. suKp. 67t I. Das eigetitlid 
Farabelbuch Kp. 33 — ög* hat eine Art Forntm 
(Kp. 37. ), und hier einen Anhang (Kp. 69 — 7a 

6) Im Farifer Manufcript ( L. } ; ebenfo in Cod. Rüp| 
Diefe Section ift fehr kurs , befchrankt fich auf K| 
69 — 70. und fleht mit dem Inhalte der ßten, tUi 
weife auch der aten Parabel in dem genaueileB Zi 
lammenhange , was wohl keines befondem Bewiifij 
bedarf; vgl. Einl. S. 16. Auch Lücke (Verf. e. roul 
Einl. in d. Offenb. Joh. S. 71. ) gibt diefs so« 
den Hauptgegenftand des Abfcfanittes beseichnet _ 
de Sacy (Joum. des Savans Ig23. Oct. p, flgp.) 
Entrückung Henoch's zum WohnGtze Gottes 
fein Erfcheinen vor dem Höchfien. In der S ^ 
rung deflelben findet fich bis auf die Worte win 
Uebareinftimmung mit Kp. 12, I ff. 14, 9 £ 40b T 
4^1 X ff« 59» X ff* ^<^* de Saey (e. m. O. p, 



Kap. 69. V. 1. 567 

Dhne, bei dem Hierrn der Geificr, von denen, 
^elche auf der Erde wohnen. 



macht noch darauf aufinerkfam, es erhelle aus dierem 
Abfchnitt, dafs nach des Verf. Meinung (ich diefes 
alles vor Henoch*s gnnzlichem Scheiden von der Erde 
ereignet habe. Diefs iß allerdings richtig und findet 
feine BeRatigung auch in andern Stellen des Buchet ' 
(Kp I3i I ff- 80* 7. 12. 13.). Seinen Anhang zum 
Farahelbuche knüpft der Verf. zweck mäfsig an den 

letzten Gedanken der 3ten Parabel anJ Nach OSl 

factum cfi fehlt hier im Acthiop. die Partikel ll^^ o 
dagegen fieht £\^ Kp. 70, l. nach derorelben Verbo,. 
Ti'^ährend He in der letztern Stelle wieder nach dem 
Zeitworte fchen ausgelalTen ift. Laurence überletzt 
hier nicht wörtlich : ,, nach diefem wurde erhoben*^ 
u. f. t^. und Kp. 70, I.: tjHernach wurde mein Geiß 

borgen.'* fl<ßr: /hjP©*; eigentlich nomen vi- 

(wie Kp. 70. 8. 7\^^: i\\J^(Si': ignis vivus), 

ein wojilthätiger, Leben verleihender Name. Es ift 

Gottes Name gemeint; vielleicht derfelbe, welcher 

pBach Kp. 68t 30. noch verborgen war. Laurence 

l l^berfetst: ^^ der Name des MenfchenfohneSf welcher 

tiv^^ iet dem Herrn der Geißer ^^^ waa ßch aber mit 

r j|p di Qcjgipaltexte , wenigftens des Cod. Rüpp. , nicht 

i Tertfäigen lafst: +AUA: t\<Jir\ ^(\f: (\Hi\y: 

/Vir7\i:; ©A^; 7\aA: 7\^/Ivp(d: (W\t 

7^*1 Hj\ : CAi 94; rt^ : Dafs er übrigens keinen we- 
ltlich' anders geftalteten Text vor fleh hatte, er« 
llt auiider Note am Rande, wo er folgende wÖrt* 
I iBcJbrr# Uebertragung liefert: jyder Name deßen^ weU 
^^•ch^r hei ihm lebt (of him living with him), diefei 
f' Stenfckenföhnes^ welcher lebt bei drm Herrn der 6 ei» 



veri 
vum 







568 Kap. 69. V. 2. 

, 2. Und er ^) wurde erhoben in die Wai 
des Geifies, und es ging aus fein Name in ilt 
Mitte, 



fier.^* Sollte letastfre Deutung richtig fcyn, (o m! 

A: oder H: vor ^^Qfl ßehen. Aber wate 
' der Fall , fo würde ich unbedenklich vorziehen 
übertragen: erhohen wurde der xSame des Lebend 
bei dem Menfchenfohne u. f. w., da hejav*^ wieC 
hudolf u. d. W. bemerkt, oft voa Gott gebra 
wird. Auch Kp. 47, 2. wird der Name de« H 
vor dem Herrn der Geißer gerühmt, undKp. 4g, 
wird der Menfchenfohn angerufen bei dem H 

der Gcifter, und die Partikel /TSH l kann dort 
nicht anders bezogen werden. In dem M? 

l\c^i\\f(ff: (eigentl. matervivi, Eva), einem 
fentlichen Beftandtheile der Bezeichnung MenU 
fohn (^vgl. Ludolf iexic. coL 51.), hat Laurence 
bar die beiden erßen Buchfiaben überfehea. 
Sinn ift : I^ob - und Preisgefänge erfchallen vor 
tes Throne, auf welchem er den Me/fias Bur J 
hat. Der Menfchenfohn wird zuerft erwähnt, 
Kp. 6Sy 40 — 41« vorzüglich von ihm die Rede 
wefen war. 
7) Als Subject dachte ßch Laurence unßreitig den 
' men (V. 1.}» "^^^^ zwar nach feiner falfchen Deiil 
den Namen des Menfchenfohnes ; denn er übesfc 
„it (nicht he) was exalted," Wegen des Prooc 

nalfuf&xes im 2ten Satze am Worte t\^\ m 
ejus mufs vielmehr die Ferfon gemeint feyn, 
^ deren Namen die Rede war, d. i. alfo, nach rieht 
Deutung von V. i., Gottes. Laurencm hat freilid 
Sten ^atse jenes SuiEx hinweggelaflen« £kAi 

(i*A^AO iß nicht phyfiTcIi su faflca (daiSrl 



Kap. 69. V. 3. 569 

Und von diefemTage an wurde ich nicht 
n in ihre Mitte ®) , fondem er fetzte mich 

JA! im B. Henocfa Migcwendet), fondem wie 
X. verherrlichen; auch hat Laurence wie dort 
Itedy welches Lücke (a. a. O.) nicht ganz gut durch 

zweifelhafte erhöhet wiedergibt. UJ^I A t**; 
1 Wagen f wie Kp. 55, i. 3. (bei Lücke •• a. O. 
72. durch einen ßnnentftellenden Druckfehler: 

f den Wegen des Geifies), nach Ludolf mit \\l 

fchreiben. (^ 1 OU 11 * fplritus unteri'cheidet der 

rf. gewohnlich von itjUlr ventus , fonft würde 
r die Ueberfetzung : Wagen des Windes Geh aller- 
iga empfehlen. Möchte Mancher doch auch V. 3. 

i Plural C^'JCfitl^' von Winden yerfiehen, wie 
m z. B. Lücke (a. a. O. S. 72.) Henoch dort zwifchen 
ei Geißern oder Winden enjpörgehoben werdea 
lt. Bleibt man bei der gewöhnlichen Bedeutung 
len, fo nehme man manjas collective für Geißer (vgl» 
!bnders V. 3. } > welche wegen ihrer Schnelligkeit 
icbfam auf Wagen einherfahrend gedacht werden, 
r Sinn gefialtet fleh unter Berück/ichtigung von 
j. alfo: nicht blofs in der Nähe des göttlichen 
rones und feines Auserwählten , fondern überall, 
» fich die Geifter hinbegeben, verbreitet Geh Got- 
"[iame und Ruhm. Hierauf leitet auch der Schiufa 
^ Verfes befonders hin. 

gsnlich der Geißer ^ worauf vielleicht fchon daa 
>nomen am Ende von Y. 2. bezogen werden folL 
r hier gehrauchte Ausdruck macht es eben wahr- 
einlicht dafs CTOjc^nt V. 2. collective Rehe. Für 
t Gedanken vgl. Kp. gOi 12. Das Factum, wer-* 
: in» Ftilgenden angefpielt ift , wurde Kp« 60« x ff. 

37 ♦ 



570 Kap. 69. V. 3 — 4. 

zwifchen zwei Geilter, zwifchen Mltternach 
Abend, wo die Engel nahmen die Schnuren 
mir zu melTen einen Ort für die Auserwählte] 
für die Gerechten. 

4. Da fahe ich die erfien Väter und d 
rechten , welche von Ewigkeit her an jenen 
wohnen. 



erzählt; <lie Engel gingen mit ihren Manfse: 
Mitternacht zu, um dort einen Wohnfitz für iu 

juen autzumeüenv Die beiden Geifier (^74^1 
zwifchen welchen Henoch Geh befindet, fin« 
die in Nord und Weft fiationirten Engel , welc 
beiden Weltgegenden vorßehen. In Nordweß , 
Bnden fich die Abgefchiedenen ; Kp. 17, 4,5. j 

beifst es allgemein in Wefien, A.'t'^ mir 
auch Laurence nach dem am Rande (einer Verf: 
findlichen Nötchen in leinen Codd. las, ift ni 
wohnlicher Bezeichnungsweife pleonaßifck ; 
dadurch eine entfernte Beziehung zwifchen At 
denden und der erwähnten Handlung ausgc 
werden, etwa fo viel als vor mir^ in meiner 
) wart und dergleichen. Laurence überfetzt IZe 

Tag ( V All ) und empfangen fiatt nehmen (* 

vgl. Kp. 60. 2). Für Tic^i £t\4:4.: d 

mäfsen^ Sand in der Parallelßelle Kp. 60, 2. dai 

»yme ßc^'^V: Die Worte AACD ; ^Ji 
patres priores gibt Laurence dem Sinne nach ri 
Vater der erßen Menfchen; es ßnd die Patri 
(vgl. Ludolf Lexic. col. 215« )• InterelEint i 
Schlufs , weil er vorausfetzt, dafs von dem To 
alten Vorfahren bis auf die Zeit der. Abfaflui 
Buches Henocb fehr lange. Zeit verfloflen iß. 
Vtrf. verrith Geh hier als ein fpät lebender Rel 



Kap. 70. V. 1. S71 

Kap. 70.^) 

1. Und es gefchahe hierauf, dafs verborgen 
iirde mein Geiß und auffiieg in dieHimiiiel. Ich 



laaurence y welcher auch Heilige den Gerechten fub* 
Aituirt , überfetzt zwar : ,, welche wohnen an dem 
Orte für immer ^^^ allein im äthiopifchen Texte lieft 

man 7\f^^f\f^: und nicht AUA^I DaaWort 
ulam übrigens wie das hebräifche D yj von langer 

Zeitdauer, Vgl. auch Anmerk. zu Kp. 6, 12« lO« 8* 
14. Wollte man es in der Bedeutung Welt nehmen, 
vi^ie es Kp. 68» 24. vorkommt, fo würde man etwas 
der Art, wie Anfangs Erfchaß'ung u. f. w. davor 
vermiQ'en. 
p) Nachdem Henoch den Sitz der Fromnren , gefehen, 
•wird er noch höherer Dinge gewürdigt; er geniefst 
das Anfchauen Gottes im Himmel und aller Herrlich- 
keit, und hat dabei die Freude, feine Rechtfchaffen- 
beit auch dort und bei diefer feierlichen'VeraDlalTung 
anerl^annt zu fehen. Die Schilderung hat viel Aehu- 
liches mit Kp. 14 und 59. , geht aber mehr ins Ein- 
zelne, als die letztere Stelle. V. i — 5. und V. 7'ff. . 
fjiricht Henoch in der iften Perfon, aber V. 6- ift der ' 
Anfang des erßen Verfes fo wiederholt, daCs von 
Henoch in der 3ten Perfon geredet wird. Eine ahn- 
liche Inconvenienz findet lieh Kp. 39, I. 2. Verbor- 
gen ift der Geift (V. 6.}t ^^i^ er zu Gott entrückt ift 
(vgl. V. 13.). Der Körper ift abdr nicht auf der Erde 
suruckgeblieben. Kp. 12, I — 2« heifst es daher» 
Henoch war undchtbar. Weil das Bewufstfeyn des 
Geiftes, nicht aber die körperliche Hülle, vorzüglich 
in Anfpruch genommen ift, wird erßerer hier, fo wie 

V. 6 und g., befondcrs hervorgehoben. <P*'A»|S ^^* 



572 Kap. 70. V. 1 — 3. 

fahe die Sohne der Engel treten aiifFeuerflammen, 
ihre Kleider und ihr Gewand waren weifs, und 
glänzend ihr Antlitz wie Kryftall. 

2. Und ich fahe zwei Ströme von Feuer*), 
und der Glanz diefes Feuers glänzte wie der 
Hyacinth. 

3. Und ich fiel auf mein Antlitz vor dem 
Herrn der Geifter. 



/\C^^\}\fi^t liheri angelorum ift Umfchreibung 
für Efigely wie fonft Söhne des Himmels (Kp. 7,2. 
13, 9. 14« 2')' denn die Himmelsbewohner zeugea 
l^elnc Kinder nach Kp. 15, 7. Die Ilerabkunft der 
Schaar des Scmjaza war eben durch das Streben nach 

gcfchlechtlicher Verbindung veranlafst. A^^t 
Hryßall; vgl. zuKp. 14, 5. Laurence überfetzt Jurct- 

fichtig R&tt glänzend (^^H ■•)? ""d V. i. beginnt 
er: ^^ Nachher wurde mein Geiß verborgen,** Dia 
Engel treten auf Feuer ^ weil der Ilöchße von Fene^ 
glänz rings umßrahlt und der Boden um ihn ber 

ein Lichtmeer iß ; vgl. Kp. 14, 10 ff. AK*(CJ paUiumf 
amictus, nach Ludolf mit Ain, wie ^dJBl (atti) 
mit /v! und ÜJ zu fchreiben. 
10) Das Folgende fcbrumpft bei Laurence in die Wo 

zufammen: .^glänzend wie der Hyacinth {j^^^O^ 
Der Vergleich iß recht gut gewäblt, da derHyacim 
niclvt nur zu den gelben Edelfieinen gehört, fon 
unter denfelben , jedoch mit verfchiedenen Nüa 
rungen, das höchfte Gelb hat. Zu V. 3 — 4. vgl. V, 
Kp. 59, I. 2. Im Anfange von V. 3, hat La 
das Adverbium : alsdann^ was aber im Sthiop. T 
fehlt; ebenfo V, 9. 13. 17, Dagegen lifstersu 



Kap. 70. V. 4 — 6. 573 

4. Und der Engel Michael, einer von den 
riuptcm der Engel, nahm mich bei meiner rech- 
ri Hand, und hob mich auf und führte mich 
n zu allen Geheimninen der Gnade und den Ge- 
imnillen der Gerechtigkeit. 

5. Und er zeigte mir alle Geheimnifle der 
iden des Himmels, und alle Behältnifle der 
erne, und aller Strahlen, von wo fie ausgehen 
L dem Antlitz der Heiligen. 

•6. Und er verbarg denGeifi Henöcbs in dem 
Lmmel der Himmel. 



fange von V. 4. vor Michael aus r der Engel, Erz^ 
enget überfetzt er nicht uneben (tatt Häupter der En- 
^eL Dagegen iß die im letzten Theile diefes 4ten Vet« 
Xes von ihm yerfuchte Ergänzung : ,, (er brachte mich) 
dahin f wo (alle GeheimnilTe -— — ') waren*^, nicht zu 
billigen. Auch ift nicht abzufehen , warum er 

rtjA'A't'I V. 5. anders, als V. 4 wieder gibt (dort 
n'zmVich geheime [„hidden**] Dinge^ hiev Geheimniße),. 
Die Geheimniffe der Gnade und Gerechtigkeit bezie- 
ben Geh auf das Gericht und auf die Bereitung herr- 
licher Wohnlitze für die Frommen ; die aber an den 
Enden des Himmels bctreflen die erhabenen Naturer* 
fcheinungcn , wie auch Y. 5. felbft angedeutet wird« 

Laurence nimmt ©rACS^^^ fY-npö^: als Ap- 
poßtion zu Behältniffe (und die Strahlen von allen) ; 
allein dann müfste der fiat. conßruct. liehen. Viel- 
mehr will llenoch Tagen , er habe auch die Behält- 
nifle aller Strahlen gefehen. Am Schlufle des 5ten 
Verfea hat Laurence'» fyvor dem Antlitzes das Origi- 
nal aber t\lh: ^K.^V. Zu V. 6. vgl. V. I. 



574 Kap. 70. V. 7 — 8. 

7, Und ich fahe dort in der Mitte jenes 
Glanzes ^)9 dnfs darin Etwas, was erbaut war aus 
Steinen von Glas, 

8. inmitten diefei Sieine Zungen von leben- 
digem Feuer. Und es fahe mein Geilt eine Um- 

XI) Unter r^\Q^ i I iß das Feuer V. 2. geineinfp Leu- 
rence überfetzt Licht ^ und gibt das Folgende minder 
wörtlich, aber dem Sinne nach ganz richtig : ein 6(- 
häude errichtet aus Steinen von Eis, Die MaflTe der 

Steine wird im Aethiopifchen iXlUtXrPl "genannt, 
was Laurence nach Ludolf^s Ueberfetzung (^grando 
minuta') in der Paialleldclle Kp. 14, ig. und 5g, 9. 
vom Reife deutete. Bei dem Schwanken der Aetbio- 

pier über diefes und die verwandten Worte fXä^^l 

und nlCAi^ l ( vgl, A'umerk. 20. zu Kp. 53, 9 ff.) 
läfst ßch diefs vertbeidigen. Aber auf jeden Fall be- 
zeichnet der Ausdruck hier eben fo gut als barai 
V. I. und jukent V. 2. einen edlen, glänzenden Steia, 
wie es denn Hiob 6, 16. für x^roraUoff ftebt, viel- 
leicht Glas^ welches ja bei den Griechen in ältefier 
Zeit xv^i^ U&os hiefs. In der einzigen Stelle dei 
A-T. , wo des Glafes (H'^DI^T^ gedacht wird uoJ 

die LXX das griech. vaXog anwenden, bat die ätfaiop. 

VerfionnachCod.Rüpp. ^fSOXr, welches in L«Jp/fi 
Lexic. mit Hoj gefchriebenwird. Per gte Vers hangt 
in der Conßruction mit V. 7. zufammen. LaureiUi 
iß in demfelben umßändlicher als das Original: „uid 
in der Mitte diefer Steine*^^ und weiterhin: ,,iiwM 
Geiß fahe rings um den Krsis diefer fiammenden JVoh' 

nung dafs dort waren Flu ff e^*' n. T. w. 

Wenn er überfetzt: an Einem ihrer Enden^ to^ hat 
er dai Zahlzeichen 4 mit der Ziffer i vcrwechUCi 
waa allerdings laicht anging; indels läXiit Cch bei 



Kap. 70. V. 8—10. 575 

/ 

bliefsung, welche umfchlofs diefes Haus des 
juers von feinen 4 Enden, darin Ströme ange- 
llt mit lebendigem Feuer, und fie umfchloflen 
efes Haus. 

9. Und es umgaben ^^) die Seraphs, die Che- 
bs und die Ophanin; diefs find diejenigen, wel- 
e nicht fchlafen, und bewahren den Thron fei- 
jr Herrlichkeit. 

10. Und ich fahe unzählige Engel, Taufende, 
aufende von Taufenden, undMyriaden von My- 
aden, und fie umgaben jenes Haus. 

genauer Erwägung der Schilclerung nicht zweifeln, 
dafs es vier LeKsen niufs. Feuerzungen erklärt er 
AuTch Schwingungen; es iß das Auflodern, Aufflackern 

der Flamme. Die Umfchliefsung \^(DJity nach 

Ludolf KJdfJil zu fcbreiben) befiebt wohl in einer 
Vertiefung, in einem Graben, der die Wohnung 
rings um einfafst, und in welchem flatt Waflers zwei 
Feuerfiröme laufen. Vgl. übrigens die ähnliche Schil* 

• derung Kp. 14, 12 ff. 

12) ^as ausgelalTene Object ift das HauSf wie bereits 
Laurence richtig fupplirt; vgL V. 10. Ueber die 
Engelclaflen f. zu Kp. 60, 13. ; über ihr NichtfchU- 
fen Kp.öOy 14- 39« II- und Anmerk. zu letzt. Stelle. 
Zu V. 10. vgl. Anm. zu Kp. 59, I. Wenn inCoA» 
.Büpp. kein Schreibfehler fiatt find^et, fo iß der Aus- 
druck hier noch mehr geßeigert. Da indefs Laurence 
das einfache Taufend nicht hat, fo kann hier auch 
• ein kleines Verfehen fiatt gefunden haben. Die En- 
gelnamen V. II und i6» find fchon zu Kp. 9, i. und 

40 9 9» befprochen. Das Zeugma fi f\(ffi^l 

<DJB05/V; nCD'At; a^:, weiches Lfl«r««c« 
yerwifcbt» habe ich beibehalten su müflen geglaubt. 



Ö76 Kap. 70. V. 11 — 14. 

11. Michael und Raphael und Gabriel^! 
Phenuel und die heiligen Engel, welche in 
Himmeln oben, gingen ein und aus in diefesH; 
Und es gingen heraus aus diefem feinem IL 
Michael und Gabriel, Raphael und Phenuel, 
viele heilige Engel, welche ohne Zahl, 

V2. und mit ihnen das Haupt der Tage, 
fein Haupt (war) wie Wolle weifs und rein, 
fein Kleid, dafs es nicht zu befchreiben. 

13. U/id ich fiel auf mein Antlitz ^^), 
alle mein Fleifch löfte fich und mein Geifi wi 
verwandelt» 

14. Und ich rief aus mit der Stimme, 
dem Geilte der Kraft, und ich pries, rühmte i 
erhob. 



Laurencc drückt het nicht aus, fondem hat das 
xionien : ginp;en in daßelbe und aus demfelben. i 
bat er im Folgenden etwas ausgelaflen, indes 
überfetzt: ,, Michael, Raphael und Gabriel gir 
aus jener Wohnung und unzählige heilige Eog 
Im I2ten Verfe fupplirt er im crficn Satze u 
vielmehr hangt diefer mit V. II. zufammen. Vi 
Haupt der Tage vgl. Anm. 69. zu Kp, 46, !• 
über die Schilderung delTelben Kp. 46, X. Dan. 7i 
13) Nach Angabe delFen , was Henoch fchauete, k 
dert er uns feine Gefühle, welche ihn zunäcbfivl 
wältigen, dann aber zum Freife des Ewigen iBt 
ben und ermuntern. Zu V. 13. vgl. Kp. H, I^ 
59 9 I. Der Verf. will den böchften Grad ^ 
griffqnfeyns fchildern ; die Theile des Körpers 1 
fich gleichfam ab und der GeiK bleibt aucb '* 
wie er war. Zu letz term Ausdruck Tgl. Kp. 3 
Im I3ten Verfe hat Laurence das Adjectiv^***^ 
bei dem Worte Stimme ^ was recht paflend i^ 



Kap. 70. V, 15 — 17. S77 

15. Und diefe Lobpreifungen , welche gin- 
en aus meinem Munde, waren wohlgefällig vor 
tnem Haupte der Tage. 

16. Und es kam jenes Haupt der Tage mit 
[ichael und Gabriel', Raphael und Phenuel, und 
sn Taufenden von Taufenden, und den Myriä- 
3n von Myriaden; Engeln, welche ohne Zahl. 

17. Und es kam zu mir jener'*) Engel, und 
it feiner Stimme begrüfste er mich und fagte 

in Cod. Rüpp. ßcli nicht findet, indem diefer erfi in 

dem folgenden Satze CiC^C^fM "JJBAJ fpiritu 
rotforis den Begriif des Kräftigen und Starken liin- 
zufügt. Infofern der Geiß überall ia der Natur als 
das eigentlich Handelnde und Thätige erfcheixit, wird 
hier der laute Ausruf zu Gottes Lobe als von ihm' 
ausgehend dargeßellt. Der Gegenßand des PEeiies 
11. r. w. ifi: nicht ausdrücklich angegeben, aber na- 
türlich Gott. Im I5ten und l6t»n Verfe läfst Lau-^ 
rence das Demonitrativ vor Haupt der Tage aus. 
In letzterm Verfe ordnet Cod. Rüpp. die Engelnamen 
paarweis, während Laurence üe fammtlich durch 
und verbindet. Das-meifie war wörtlich V. lo und 
II. fchon da. 
X4) Das Pronomen demonßrativum, was auch Lau* 
rence in feiner Verßon ausdrückt, fcheint hier auf 
den erßen Blick auITallend , da unmittelbar vorher 
wohl von der unendlichen Menge von Engeln, nicht 
aher von einem einzelnen derfelben die Redd war* 
Unfireitig iCb aber derfelbe gemeint, welcher (ich fchon 
im Anfange der Vifion Henoch's annahm (V. 4.), näm- 
lich Michael, Da er vorher (vgl. V. ii und 16.) in der 
nächfien Umgebung Gottes fich befand, hegrufst er He- 

noch ({\f^'^{ : heifst es im Texte)* Was er fpricht, 
gereicht dem Patriarchen sum Lobe und cur Freude« 



578 Kap. 70. V. 17 — 19. 

zu mir: „Du bilt der Mannesfohn , der du { 
r«;n bift zur Gerechtigkeit, und Gerechtigkc 
über dir geblieben. 

18. Und die Gerechtigkeit des Haupte 
Tage wird dich nicht verla/Ten.** ^ 

19. Und er fagte zu mir: „Er wird di 
rufen '^) Frieden durch feinen Namen für die"' 
die iß; denn von dort ilt ausgegangen Fried 
der Schöpfung der Welt. 



Mannesfohn^ wie Kp. ögi 40- 41. vom Meflias 
Sinne nach einerlei mit Menfchenfobn , wie 
Kp. 59. II. genannt wird. Henoch hat die B 
mung feines Lebens fefigehalten. Gcrcchtigliel 
fo oft im A. T. f für Tugend , moralifche Vol 

menheit. Statt AOAjTI : üher (auf) dir hat 
rence : bei dir, 

15) ^A,®VI Laurence minder wörtlich: zuth 

Die Worte H^^^l AülAf^ : für fich betra< 
lalFen ßch gleich richtig erklären : im Namei 
Welt (fo fafst es Laurence') j oder in feinem A 
(durch feinen Namen) für die Welt. Im e 
Falle ift der Sinn : dir, als Repräfentanten der 
gen Welt, wird Friede zugerufen, im letztern 
Gott verkündigt dir Heil in feinem Namen für 
welche nicht felber in feine Nähe kommen köi 
fondern eines Mittlers bedürfen, der fie benacl 
tige. Der Name Gottes iß dann das, was allgea 
Glückfeligkeit gewährt. Mit Rückßcht auf der 
genden Satz aber, namentlich auf das darin vor! 

mhnie.i\f^\}Pl inde^ glaube ich nur die si 
Erklärung für richtig halten zu können. Dean < 
Zurück weifung kann fich nur auf (oiinii bexie 
oder mit andern Worten : der Name Gottes erfcli 



Kap. 70. V. 20—23. 579 

20. Und fo wird er feyn dir in Ewigkeit zu 
wigkeit. 

21. Und olle, welche feyn werden und w.nn- 
?ln werden auf deinem Wege der Gerechtigkeit^ 
erden dich nich^; verlaffen in Ewigkeit. 

22. Und bei dir wird feyn ihre Wohnung, 
ndbei dir ihr Theil, und von dir werden fie nicht 
2trennt werden in E\yigkeit zu Ewigkeit. 

23. Und fo wird feyn Länge der Tage mit 
neni Menfchenfohne ^^). 



in dem letzten Tbeile als Quell cics Glücket. ÜÜ/^t^J 

H-öd® f ♦ mundus <jui eß^ bei Laurence: die vor» 
handene („exifting") H^elt, In V. 20. betrachte ich 

t\/\P^: Htil (vgl. zu Kp. 56, 4.) als Subject; Lau^ 
rence dagegen wohl nicht, fondern nimmt Tl^'Ht 
JBTl® 7» in dem Sinne: Jo wird es dir gefchehen 
(„ happen '*). Im 2lßen Verfe bat derfelbe vor waH' 
dein das Relativum wiederholt , und ¥.22. fetzt er 
Wohnungen (im Plural), ' 

16) Da diefer Ausdruck fonft den Mejßas bezeichnet 
(vgl. zu Kp. 59, IlO» ^"^ ^as Demonfirativum^ was 
Laurence freilich hier, wie fünft oft (t Anm^rk. 4. 
zu Kp. 68, 36 — 39) ausgelaffen bat, ausdrücklich 
davor ficht, fo wird man ihn nicht mit Laurence von 
den Nachkommen der Menfchen („the ofiFfpring of 
man"), fondern wie Kp. 69, I. von dem nett iioxn^ 
fogenannten Menfchenfohn^ verßehen mülfen. Auch 
in demZufatze, welchen Laurenctf V. 24. bat, ifi wohl 
das Pronomen fein darauf zu deuten. Allerdings 
würde fonß die Erwähnung der Menfchen febr gut 
in den Zufammenbang palfen. Der Menfcbenfoba 
fiebt an der Spitze der Generation, welche dem 
Strafgerichte eutronnen iß (vgl. Kp. 45, 4. 61» 17.)» 



580 Kap. 70/ V. 24. Kap. 71. V. 1. 

24. Und Friede wird feyn den Gerechte 
fiiiid fein gerader Weg den RcchlfchaflFenen] i 
dem Namen des Herrn der Geifter in Ewiske 
zu Ewigkeit." 

Kap. 71. S e c t. XIH. '0 

1. Das Buch des Umlaufs der Lichter i( 
Himmels, eines nach dem andern, wie iie lin( 



alfo bei ihm (^llA *) ^ ^» h. unter feiner He rrfcbaf) 
wird langes Leben (vgl. Kp. 10, 13. , wo faft dicfel 
ben Worte vorkommen) den Seinigen zu Theil. D* 
Leben ift auf der Erde und nicht ewig in unferfl 
Sinne (f. auch zu Kp. 6, 12. 10, I40« Im 24^0 
Vcrfe hat nur Läurence die in Klammern eingefchiolbi 
xien Worte , im Cod. Rüpp. fehlen ße. Sie hüDDtei 
ein Einfchiebfel feyn; doch wäre es eben fo gutmSp 
lieh, dafs fie nur durch einVerfchen ausgefallen iai 
Das Pronomen poffeflivum zu Weg bezieht mantfi 
natürlichRen auf Menfchenfohn V. 23. , In unfeicf 
Ueberfetzung wurde die "wörtliche Deutung Launf 
ce*s am Rande feiner Verfion berücknchtigt; in & 
fer felbß hat er ungenau (namentlich auch mit Av** 
ladung des Pronomen poüeirivum): und den Pfad i^ 
Rechtfchajfenheit werden die Gerechten verfolgend* 
17) Nach PariferMfpt. (L.)» auch nach Cod. Rü; 
Mit diefer Scction beginnt eine neue Abtheilung 
Buchs Henoch, wie diefs auch Kp. 71, i. durch 
befondere Ueberfchrift bemerklich gemacht 
Nicht blofs der Ihhalt iß in den nächfi: folgenden Ei 
piteln durchaus von dem der fnihern Abfchnitte Ti 
fchiedon , fondern auch die ganze Anlege ift db 
endere. Denn Kp. 71 — 105. ift die Rede an Henod 
Sohn Methujalah gerichtet, und man könnte daher £ 



Kap. 71. V. 1. 581 

I 

nach jhreii befonderen Abtheilungen, einzeln 
nach ihrer befonderen Macht, je nach ihrer be- 



fer Reihe von Kapiteln den Namen Belehrung Me- 
thufaiaKs beilegen. Am wenigften berühren fich Kp. 
71 — gl., welche meißentheils Aßronomie enthalten, 
xuit den vorhergehenden Theilen des Buches ; erft 
Kp. 79». 3 ff* gefchieht Erwähnung des Strafgerichts 
über die abtrünnigen Engel. Dafs auch Kp. 71 ff. 
dem Methufalah mitgetheilt fejn wollen, (lebt man 
aus Kp. 7g, I ff. In den erlien Theilen deft Buches 
wird efl~ zwar minder deutlich ausgefprochen , dafs 
iie von Henoch an eine befiimmte Perlon gerichtet 
wurden; indefs find doch einige Andeutungen da, 
^afs wenigfiens es nicht Methufalah, fondern viel* 
mehr NoaÄ war, welcher dort berückfichtigt wurde. 
"Vgl. Kp. 10, 2. 59, 9. Kp. 64 — 67^ I. Die Benen- 
nung Herr der Geifier^ in Kp. 37 — 70. fo gewöhn« 
lieh, kommt Kp. 71 — 105. gar nicht vor, ebenfo 
wenig der Name Haupt der Tage. Der Meffias, 
v^ovon Kp. 37 — 70. fo viel fprechen, ift nur Kp. 
X04b, 2. gelegentlich erwähnt, und nicht unter dem 
gewöhnlichen Namen, fondern als Sohn Gottes. 
Pf achdem die Betrachtung der Himmelskörper, ihrer 
Bewegung und der daraus entfpringenden Folgen ge* 
fchloffen ift, treffen wir faft durchgängig Paränefe^ 
während die erfien Theile (mit Ausnahme von Kp. 
j, — 6.) das Mitzutheilende meifi in Erzählungen oder 
Reflexionen einkleiden. Diefe Unterfchiede find ge- 
i^ifs' nicht zufällig. Mir will es vorkommen, all 
! liatten wir es im B. Henoch mit 3 Verfalfern zu 
^ thuxi. Dem erfien möchte ich Kp. 7 — 35, dem 2ten 
Kp. 37 — 70, dem 3ten Kp. 71 — 105 und zugleich 
Kp. I — 6. beilegen, fo dafs der letztere die beiden 
ilungen Kp. 7 — 35 und 37— -70 bereits vor- 



l 



582 



Kap. 71. V. 1. 



fonderen Zeit, einzeln nach ihrem befonc 
Namen, und nach den Orten ihres Aufgangs, 
je nach ihren befonderen ^Monaten , welche 
zeigte Uriel, der heilige Engel, welcher beimi. 
und ihr Führer ift ^^). Und ihr ganzes Verz 



fand, imd aufser den Kapiteln Kp. 71 bis zum Si 
auch Kp. I — 6 noch vorfiigte, welche niit Kp 
allerdings nur lofe zufammenbängen« Silv. de 
(Journ, de» Savans. Oct. 1322. p. 59O. ) iß au< 
neigt, Sect. XIII — XV sufammen zb FafTcn. 
er deutet an, dafs die theoretifche Darßellung, 
che Kp. 71 — 79 enthalten ift, nach Kp. go 
nur Henoch's Sohn, ofFenhar zur Erhaltung (i 
Nachwelt, übergeben wird. Vgl. übrigens die 
S. 16. . In der Leurtbeilung der Angaben des 
ift Silv. de Sacy ziemlich hart, findet den Abf 
voller Unßnn lind zeibt den Schriftfteller der gr« 
UnwilTenheLt. IVIilder und billiger äufsert ficii 
rence darüber; denn man darf unfern MaaTsfiab 
nomifcher Kenntnifs natürlich nicht anlegen. 

J8) Diefer Vers bildet eine Art Ueberfchrift zi 
Kp. 71 — 79., zu welchen Kp. gO — gl. fich nacl 
Willen des Verf. wie ein Anhang verhalten ( 
Es wird aber fo vorgcftellt, als habe Henoch 
(denn diefer ift der Redende) dem Buche Jiefe In 
angäbe vorgefügt. Eben fo unbeholfen ivie fa 
Kp. If I. 12, I IT. 37, I. die Infcription ao d 
gentlichen Text angefchoben. Eine folche Aeb 
keit der Manier führt nicht nothwendig auf £ 
des Verfaflers diefer Abfchnitte ; doch bleibt Ce i 
bemcrkenswerth. Im Anfange des VerElef übe 

Laurenee ^^^^ l durch den Plural TJmwdlz» 
wie etwas weiter hin ^A^^j?^; und H^' 



Kap* 71, V. I--2. 583 

fs, wie es iß» zeigte er mir» und wie jedes Jahr 
r Welt und bis in Ewigkeit, bis wird gemacht 
srden ein neues Werk , welches bleiben wird bis 
Ewigkeit. 

2. Und diefs i& das erfie ^) Gefetz der Lieh- 



durch Kräfte und Perioden: auch lädt er ßQtlhc^>; 

UA(D* - fingula utut funt ganz hinweg. HA/h H 

(\\f 0\^ • eigentlich populi , trihus , familiae eonim, 

bei Laurence durch Klaffen ausgedrückt. ^^A,JP 

*trlf0^I eigentlich Geburtsort ^ gibt Laurence dem 
Sinne nach: y,Orte, wo Ce anfangen ihren Lauf.^' 

Im 2ten Abfatze des Verfes kehrt ^K(h(C liBuck 
nieder; Laurence überfetzt es hier durch Bericht 
(„account^*). Mir fcheint ein Verzeichnifs derfelbea 
gemeint zu feyn. In dem unmittelbar darauf Fol« 
genden lädt Laurence die Worte aus»: ,, wie es iff, 

xeigteermir'S und OnHC?^: fY-A^; ^CAi'^; 

CXA^J wird von ihm übertragen: 99^utfprechend 
jedem Jahre der Welt.** Ewigkeit fteht hier, we« 
nigftens das erße Mal» wie der Zufammenhang gans 
deutlich zeigt , nur von langer Zeitdauer (vgL Anm. 
va Kp.öf 12. lo, g. 14' 699 4.)- Der Verf. geht von 
der auch in der heil. Schrift deutlich ausgefprochenen 
(aPctr.3, 13. Offenb.2l) L, vgl. Jcf.65, 17- 66, 22.) 
Vorftellungaus, dafs die jetzige Weltordnung einfi un- 
tergeht, um einer neuen Platz zumachen. Rührt der 
Abfcknitt von demfelben Manne her, wieKp. 10., fo 
'Wire wohl die Zeit nach der Fluth als diejenige an- 
sufehen, wo der neue Zufiand der Dinge eintreten foll. 
X9^ Im Gegenlatz zu Kp. 72, l. Diefes erße besieht 
1^ lieh ansfchlielslich auf die Sonne, wie das andere 
f B«ch Bc&oclu 38 



584 . Kap. 71. V. 2—4. 

ter. Die Sonne, das Licht kommen durch < 
Thore des Himmels, welche gegen Morgen, u 
ihr Untergang ift in den Thoren des Himnii 
welche gegen Abend. 

3. Ich fahe 6 Thore, aus welchen h 
vorgeht die Sonne, und 6 Thore, w^o untergi 
die* Sonne, 

4. — und der Mond geht in diefen Thoi 
auch auf und unter, — und die Führer der Stci 



auf den Mond, Zwifchen Sonne tuid Licht fupp 
Laurence die Copula, Im Texte des Cod. lliipp. ft 
allerdings der Plural des Verbi, was für die von L 
rence gewählte Verbindung fpriclit. Licht wird wel 
der Sonne erwähnt , um das Wefentliche und Chan 
terifiifche derfelben herauszuheben und beßimiiit a( 
zufprechen, daf» Cie eben unter den Lichtern V. i und 

vorzugsweife gemeint fey(vgl. V. 45 — 46.). ^Pil 
hier nicht als Präteritum zu urgiren, Tondem all{ 
mein: iie kamen bisher und kommen fernerhin. D 

Worte: d) f^tl A^lXlhl ri'jf'P^Q): t\C^^ 

Wf^Xj Ai^i^ It gibt Laur^ficc unrichtig: „undi 
feiner Abendfeite zu den wefilichen Thoren des Hi 
mels/' V. 3. hat er beide Male die Zahl fecksf 
Thore ausgelaflen und überfetzt : „ich fahe JieTbol 
aus welchen.** Dagegen wiederholt erV, 4 dasWÜ 
Thore zu der Zahl 6, wo es zuerft erwähnt wird, 
dem Verbo fubfiantivo : waren. Den 4ten Yen kni 
er durch^s Relativum an V. 3. an : i»t welchen 
auch der Mond aufgeht. Die Worte: Führer 
Sterne find noch abhängig von: ich fahe V* 3., 
Laurence defshalb hier wieder einfchiebt. ffi 



Kap. 71. V. 4. 585 

lit denjenigen , welche fie führen , 6 im Morgen 
nd 6 in dem Untergange der Sonne ^). 

fie führen , nämlich die Sonne und den Mond. Das 
Schwankende der Orthographie im Aethiopifchen zeigt 
fich in diefem Verfe auf eine fehr auflallende Weife ; 

denn hier lieht C^A^^\^^^l duces eorum neben 

7\A: JB^C^pcTÖ^: 7«i eos ducum. 

20) Das aftronomifche Syßem, welches in diefen und 
den folgenden Kapiteln umßändlich dargeftellt wird", 
ift offenbar das eines ununterrichteten aber forgfälti« 
gen Beobachters des Himmels. Er befchreibt die 
Öftlichen und weßlichen Theile des Himmels, wo 
die Sonne und der Mond auf- und untergeben, aU in 
6 verfchiedene Thore zerfallend , durch welche diefa 
Lichtkörper zu ihren verfcbiedenen Zeiten hindurch 
gehen. Bei der Benennung diefer Thore beginnt er 
mit dem, durch welches die Sonne zur Zeit des Win« 
terfolfiitiums geht, und nennt es das erfie Thor. Es 
entfpricht der Ordnung nach dem Zeichen des Stein» 
hocks (capricornus), und iß der füdlichfie Punkt, za 
'welchem die Sonne beim Aufgange und Untergange 
gelangt. Das nächfie Thor, zu welchem die Sonne 
in ihrem Fortfchreiten nach Ofien beim Aufgange und 
nach Wellen beim Untergange gelangt , und weichet 
«lem Zeichen des JVaJJermannes (aquarius) entfpricht^ 
jsennt er das zweite Thor. Das nachfie bei der Fort- 
setzung deflelben Laufs der Sonne, welches dem Zei« 
eben der Fijche (pisces) entfpricht, nennt er das dritte 
Thot. Das vierte Thor in feiner Schilderung ift das- 
jenige, welches gerade in Oßen liegt beim Sonnen- 
aufgänge und gerade in Weßen beim äonnenunter- 
^ange, und in welches, da es dem Zeichen des fVid^ 

38 * 



586 Kap. 71. V. 5. 

5. Und fie alle, eines hinter dem anderen 



ders (aries) entfpricht » die Sonne in clem Frühlifigi 

äüuinoctium eintritt. Mit diefem vierten Thore be 

ginnt er feinen Bericht über den jährlichen Umlau 

der Sonne und von dem zu den verfchiedenen JaH 

reszeiten nothwendigem Wechfel in der Länge de 

Tages und der Nacht. V. 12 iF. Sein fänftesThorfiak 

fich dann bei dein Fortfchreiten der Sonne nach Nordo 

und entfpricht dem Zeichen des Stieres (taurvs] 

Und fein fechfies Thor liegt noch nördlicher; es cot 

fpricht dem Zeichen der Zwillinge ( Gemini) um 

fchliefst die nördlichfien Funkte des Himmels eis 

zu welchen die Sonne gelangt, und von welchen fi 

fich im Sommerfolßitium wendet, um ihren Lid 

\eiederum zurück nach Süden zu nehmen. DaM 

kommt es, dafs diefelben Thore, welche 'den ledii 

angegebenen Zeichen bei dem Laufe der Sonne li 

dem Winter • zu dem Sommerfolfiitium entfprecM 

BOtfiwrendig auch den übrigen fechs der zwölf Zeicbi| 

des Thierkreifes auf ihrem rückgängigen Laufe f4 

fprechen ; das fechße Thor nämlich entfpricht ^ 

Kreii (Cancer), wie vorher den Zii;i7/in^cn, das/wifj 

dem Löwen (leo), * wie vorher dem Stier^ das viertt 

Jungfrau (virgo), wie vorher dem Widder ^ das 

der fVage (libra }, wie vorher den Fifchen^ das z 

dem Scorpion (fcorpio)^ wie vorher dem Waffe 

das erfie dem Schützen (fagittarius), wie vorher 

Steinbock. Die Umkehr der Sonne im Winter- 

Sommerfol(titium,das eine Mal auf dem f üdlichfien, 

andere JVIal auf dem nördlichfien Punkte ihres 

feS) mufste jederzeit das Auge delTen in Stai 

ÜBtzen, welcher die Veränderung eben fo wohl 

den Glans ihrer täglichen Erfcheinnng beobti 



Kkp. 71. V. 5. 587 

id gerade, und viele Fenßer zur Rechten und 
ir Linken diefer Thore. i 



Di^ Afironomie des apokryphifclien Henoch bilclete 
fich in diefer Beziehung vielleicht nach denfelbea 
Frincipien, wie die Aftronomie Homers, welcher, 
das Eiland Zv^/iy oder ZvQog unter die Wendungen der 
Sonne fetzt: Sd-t tffonal i^eXioio (Odyff» 15, 4040« I» 
Folge der Ueberfetzung des Wortes tQonai durch fFen* 
dekreife ift die Geographie jenes Platzes feltfam ver* 
"wlrrt werden. Wood hat in feinem Verfuch über 
den Genius und die Schriften Homers der Stelle ei« 
nen beflern Sinn gegeben und fogar daraus gefchlof- 
£pn, dafs Chios der Geburtsort Homers war. „N eh- 
ernen wir an, fagt er, dafs die Jonier zur Zeit des 
yy'Winterfolßitiums fiidwefilich von Cfcioi Hohen blick- 
y,ten, fo Iahen ße die Sonne hinter Tenos und nach 
^ySyros zu , der nächften Infel in derfelben Richtung, 
„untergehen; und da fie bemerkt hatten« dafs ße 
^^umkehrtef wenn ße fo weit gekommen war, fo bc-* 
yyftimmten ße die Wendungen (tQonaC) der Sonne an 
,,diefem Punkte** (p. 17.). Es fcheint fchwer zu be- 
Himmen, was fchlagender fey, die Einfachheit oder 
Unbefangenheit feiner Erklärung. (L.) Im 5ten 
Verla will der Verf. die Lage der Thore näher Ichil- 

äern. Gerade (CtOO erklärt Laurence: auf 
gleicher Ebene;, doch könnte es auch auf die Gefialt 

des Thores gehen. Unter den Fenßern (O^^^Qfl) 
Sind Luft ' und Lichtöffnungen zu verfiehen , wie Ce 
die orientalifchen Häufer haben (vgl. meiu. Entw. 
d. bebr« Alterth. S. 570- V. il. heifst es ausdrücK- 
licb*da£l fie o£Fen waren und ihre Zahl wird auf I3 be- 
tkimmt. Veranlafst ift die Vorßellung wohl dadurch, 



5^3 



Kap. 71. V. 6— 7. 



6, Und zuerfi geh t hervor *^) das grofse Licht, 
delTen Name Sonne, und feine Kugel ifi wie die 
Kugel des Himmels , und ganz ift es angefüllt mit 
Feuer, welches glänzt und brennt. 

7. Den Wagen, worin es aufßeigt, wehet 
der Wind fort. 



dafs fchon vor dem eigentlichen Aufgange der Sonne 
Lichtßrahlen denMorgenhimmel erhellen. Die kind- 
liche Yorftellung meinte diefe Erfcheinung ebenfo 
durch Gittetfenßer erklären zu können, wie das 
Herabfallen des Regens durch OefFnung der Scbleu« 
fen des Himmels. Am Ende des Verfes bat Lau- 
rence den Plural: diefer Thore ^ der äthiopifche 
Text den Singular, welcher jedoch collectivifch zu 
nehmen iß. 

31) Das Yerbum 09 Al ^xiit V. 6. und fonft id dio* 
fem Kap. fahr häufig» der gewöhnliche Ausdruck vom 
Aufgange der Sonne (das hebräifche NSC^). Ziurß 

im Gegenfatz des Mondes, welcher nachher, am AbesJi 
/ichtbar wird. Der Verf. nennt den Himmelskörper 
erft unbefiimmt, dann mit dem genaueren Namen, 
etwa wie i Mof. i, 3 ff. Indefs hatte er fich Y. 3* 
eigentlich fchon vorgegrifiFen, indem er dort den Nanei 
Sonne (oder doch wenigßena Sonnenlicht') gebrancto] 

hatte. DieVergleichüng der Sonnenkugel OHrVAI/J 
mit der Himmelskugel , welche JLaurence darphi Bt*| 
lativum anknüpft, foU wohl nur den Begriff M 
Runden mehr veranfchaulichen ; vgl. auch Kp. 73t 
77» 3- V. 7. fucht Laurence dem Worte fVag^m di 
das hinzugefügte Pronomen pofleflivum eine 
tere Beziehung su geben. Auch nach Kp. 74, 9» l^j 
JS» fahrt die Sonne in einem fVagen am Hiuunai ba»] 



h 



IC 



1 

9 



Kap; 71. V. 8—9. 589 

9 

Und untergeht die Sonne vom "*) Him-* 
nd wendet fich gegen Muternacht, um n^ch 
n zu gehen, und (ie wird to geführt, dafs 
nmt ^11 jenem Thore und leuchtet an der 
iche des Himmels. 

So geht fie hervor in dem Ißen Monate 
i grofsen Thore. 

\,aurence überfetzt im Himmel, ebenfo V. 13* , ob- 

on im Aethiopifchen beide Male A^* fiebt. 
r Verf. will fagen : von dem uns ficbtbaren *Him«> 
isgewölbe verfchwindet üe. Am Schlufle des Ver- 
nimmt Laur^nc^ ^ydie Obdrßdche des Himmels** als 
ject zum Verbo er leuchten ^ im ätbiop. Texte (tebt 

r die Partikel f\ \ davor. Obfcbon disr Verf. im 
Teroeinen die Erwähnung der Monate vermeidet, 
l ßatt deren die Zahl ihrer Tage angibt, fo hat 
doch entfchieden Monate gekannt; darauf fuhrt 
»er V. I. der V. 9 und II. vorkommende Ausdruck: 
erfien Monate welchen La uretue im let2^ern Verfe 
z mifsverßeht , indem er die Zahl ausläfst.und 
rfetzt: mit dem Monde^ als wolle der Verf. fagen, 
^ die Sonne gern einfchaftl ich mit dem Monde aus dem 
1 Thore hervorbreche, was aber wegen derZahl-nicht 
cht. Vgl. auch Kp. 72, 3« 5« 73» 3- 5- 77> lo. 1 1. 19. 

78> 2. 81» 8 — II' Dem Verf. find isSonnenmo- 
I bekannt, g zu 30 und 4 zu 31 Tagen, wie die fol- 
den Verfe deutlich zeigen. Nur beim erßen derfel* 

vergifst er ficb, und benannte ihn nach der Zahl^ 
( bekanntlich auch im A. T. gewöhnlich ift ( vgl. 
n. Entw. d. hebr. Alterth. S. 614.). Der erfte Mo- 
delFelben beginnt nach dem Frühlingsaquinoctium ; 
SU» ift klar, dafs feine Zählung der hebratfchen 
log ift,,womach der ifie Monat ( Ni/oii , ' jl&i& ) 
erm Mirs und April correfpoodirt. Zur Verdeut- 



590 



Kap. 71. V. 10— 11. 



10. Und lie geht hervor durch diefes 4l 
ner 6 Thore» welche gegen Aufgang der Sonne 

11. Und in diefem 4tenThorey auswelc 
hervorgeht die Sonne in dem Ißen Monate 



lichung möge hier die Yergleichung feiner Mona 
den hebräifchen und den unfrigen in einer U 
Tabelle nachfolgen : 

Nacli B. Henoch 



V. 12.13. 



— 15. 5 — 




— 17. 


6 — 


3 — 


—20. 


desgL 


4 — 


—22. 


5te8 


5^ 


— 24. 


4— 


6 — 


^iß^. 


3 — 


7 — 


— 28. 


2— 


8 — 


—31. 


lües 


9 — 


-^SSSG. 


desgl. 


10— 


—40. 


2te8 


11 — 


—41. 


3- 


12- 



Monats- [Zahl d. 



reihe. 



Ifter ( V. 9 

U.11.) 

2tcr 



Monats- 
lage. 



Hebräifche 
Monate nach 
> Zahl und 
Nameiu 



30 Tage 
SO — 

31 — 
SO — 

30 — 

31 — 
SO — 
SO — 
31 — 
30 — 

30 — 

31 — 



liier (Nifan, 
Abib) 
2 cer (Siv, I jar) 

3— (Sivan) 



BeJ 

muni 

der ] 

Ben 



22 M 

21 

21 A] 

21 Ä 



4 — (Thamus)!2i Ji 



. 



5— (Ab) 



6— (Elul.Mar- 
chefchvan) 
7— (Tifri) 

8 - (Bul) 

9— (Kislea) 

10— (Tcbcth) 

11— (Sebat) 

12— (Adar) 



21 Ji 
19 
20i 
bis : 
20 St 

19( 
20( 
bis 
19N 

bis 
20l 

bis 

19J 
bis] 

18] 
bis! 



ß^'fu\ ; V.8.l5.l7.20.26.28^3X-39— 41 una45 
•her auch abit^ fe convertit. Laurence überfetEt ac 

von y. 9*1 „durch Wn gr oft et Thor ^S et iftalMr< 
feitSTorher erwähnte, das 4te in der R«ihe, g« 
Derfdbe labt V. lo und ji. das Demonftnidfu 
f»4tex'* auf, Sutt der gani klaren Worte: • 



^ap. 71. V. 11 — 13. 591 

n find 12 oSene Fenlter, aus welchen hervor- 
ht eine Flaiume p wenn He geöffnet werden zu 
rer Zeit. 

%2. Wenn die Sonne aufgeht, fo geht fie 
:s ^) dem Himmel hervor durch diefes 4te Thor 
) Tage, und durch das 4te Thor, welches gegen 
3end des Himmels, geht fie gerade herab. 

13. Und in jenen Tagen verlängert lieh der 
lg von dem Tage an ^'^)| und verkürzt lieh die 



fxit fol und ntDC^ : 1^.^^^ : ^'t • nienfe primo, 
in ea (porta) '/unt cet., hat er überfetzt: „dusch wel- 
ches die Sonne mit dem Monde hervorgeht, in dem 
erfien TheiU deffeihen find*^ u. f. w. Am EnAe de» 
Uten Verfes überfetzt er: „zu ihren eigenen (pro- 
per) Zeiten.*^ 

23) Während die Sonne nicht fichtbat ift, hat Ce der 
Himmel in fich aufgenommen; Laurence überfetzt 
im Himmel , wie V. g, , und verbindet diefs mit dem 
erften Satze diefes Verfes. An jeher Stelle war von 
dem aufsern Himmelsgewölbe die Rede , an welchem 
die Oeßime erfcheinen, hier aber von feinem Innern, 
daa dem menfchlichen Auge unzugänglich ift. Gc'^ 

rade (CWXO vgl- V. 5., d.h. nicht in einem Bogen; 
Laurence überfetzt wiederum: in gleicher Linie (nOn 
m le^el**) damit. 

t4) Tv^: OaI': e di^und 7\f^: r^M: « nocu 

(vgl. V. 44«) will gewifs nur lagen: von jenem Zeit- 
punkte an (vgl. Kp. 69, 3. 70, IQ.)» I^ie Bezeich- 
xnmg delTelben wird nur abfichtlich mit Berücküch« 
csgung der beiden Theile des Tages gewählt, über 
deren Lange oder Kürze der Verf. fich verbreitet. 
ZsomrtHf überfetzt hier ganz wörtlich , V. 44. aber 



502 Kap. 71. V. 13. 

Nacht von der Nacht an 30 Morgen lang. Utjd 
an jenem Tage ift läiiger der Tag um 2 als die 
Nacht. 



/•i 



gebrauch^ er dafür die Adverbien täglich und nach» 
lieh, Dafs die Bezeichnung niclit durchaus gerade 
in der hier gegebenen Weife erforderlich war, lehrt 
auch V. 27. , wo es auch bei Erwähnung der Nackt 
und ihrer Veränderung rück (ich tlich der Lange beifit: 
von dem Tage (alfo nicht Nacht') an. Den Yen 
knüpft übrigens Laurence mit der Partikel ivähreni 
an , und das zunächft Folgende überfetzt er nur dem 
Sinne gemäfs: diejer Periode, Ebenfo hat er im 
letzten Satze diefes Verfes blofs die Zeitpartikd: 

dann fiatt an jenem Tage, /\^/i\I (das hebraifcbe 
"^P3) eigentlich Morgen y lieht dann aber für den 

.ganzen Tag^ wie bereits Ludolf im Lexic. unt. d.W. 
bemerkt, und hier der Zufammenhang lehrt. V. 15* 
17. 20. 22. 24. 26* 27- 28* ^I« 36. 41. kommt es ia 
diefem Kap. ebenfo vor, und V. 27. wird es in einao* 

ier enlfprcchenden Sätzen mit v/\ rl ohne ^yeit^ 
res verwechfelt. In einigen der Stellen, wo es ang^ 
wendet wird , hat es zwar für uns etwas Ungewöhn- 
liches, wefshalb auch Laurence es nur V. 27. beil>^ 
hielt, indefs fchien es mir doch charakteriftifchgeDUfl[, 
um feine Einführung in die deutfche Uebertrsgong 
rechtfertigen zu können. Auch im A. T. fleht hier 
und da Morgen als ein wichtiger Theil des Tigei 
ftätt Tage felfcft (Hiob7, ig. Pf. 73, 14- Klag.3,23-> 
Zu der Zahl 2 fupplirt Laurence das Wort Tk*i^ 
was allerdings dabei ausgelaflen ift , während er tt 
wiederum V. 14. bei der Zahl g hinweglSfat, wo der 
athiopifche Text im Cod. Rüpp. e» aber gans deoc- 
lich hit. 



Kap. 7L V. 14, 



593 



14. Und es ift ^) der Tag genau 10 Theile 
id es ift die Nacht 8 Theüe. 



25) Laurence Tagt hier und fonfi in diefem Kap. dafür:. 
der Tag hat u. f. w. Obgleich der Verf. hier und V, 21. 

27« 34« 42. zu den Zahlen '^ 7 ^ ^ I accurate hinzu* 
fugt, fo darf man bei ihm doch keine haarfcharfe Be- 
rechnung erwarten. Dafür fp rieht fchon der Um- 
ßand, dafs in jedem Monate Tag und Nacht um Einen 
Theil (nach unferer Art zu reden , um Eine Stunde) 
zu- oder abnehmen, wie aus folgender Tabelle erhellt. 



Seitiminung 


Dauer desAuf- 


Die durch 


den Sonnen- 1 




des TlioreSy 


entlialtes der 


lauf bedingte Länge. 




"worin die 


•Sonne in dem 

rvii 






Sonne auf -u. 


Thore. 


r ' 


• "\ 




untergeht. 




a) des Tages, 


b)derNacht. 




4tes 


SO Tage 


10 Theile 


8 Theile 


V.14. 


5 — 


SO -^ 


11 — 


7 — 


— 16. 


6— 


81 — 


12 — 


6 — 


— 18.19. 






Sommerjolßitium 


1 . 


desgl. 


80 — 


11 — 


7 — 


-21. 


5tes 


SO — 


10 — 


8 — 


— 23. 


4 — 


81 — 


9 ' — 


9 — 


—25. 






Hertjtäquinoctium 




S— 


SO — 


8 — 


10 — 


—27. 


2— 


SO — 


7 — 


11 — 


— sa 


lft0$ 


81 — 


6 — 


12 — 


— SS.S4W 




j 


mnterfolftitium 




desgl. 


SO — 


7 — 


11 — 


-37.2». 


Stes 


so — 


8 — 


10 — 


-41. 


S- 


81 — 


9 — 

1 


9 — 


—42. 



Frühlingsäquinoctium 

Denn bekanntlich findet ein folches Verhaltnifs durch- 
aus nicht fiatt, fondem Zu- und Abnahme der beiden 
Tageshälften ift in den verfchiedeneu Monaten bald 
kleiner, bald grofser. Uebrigens will der Verf. wohl 
nicht fagen, obgleich der unvollkommene Ausdruck 
diefer Deutung hier und da günftig fcheinen konnte, 
dalii alle Tage oder Nächte eines Monats 6ch an 



594 Kap. 71. V. 15 — 17. 

15. Und es geht hervor die Sonne aus < 
fem 4ten Thore und geht unter im 4ten, i 
•wendet fich zu dem 5ten Thore , "welches in M 
gen ^)j während 30 Morgen, und fie geht hen 
aus ihm und geht unter in dem 5ten Thore. 

16. Alsdann wird länger der Tag um ein 
2ten Theil, und es wird der Tag 11 Theile; u 
es wird kürzer die Nacht und wird 7 Theile. 

17. Und die Sonne wendet fich nach Mi 
gen, und kommt zum 6ten Thore, und fic ff 
auf und geht imter in dem 6ten Thore 31Morgi 
wegen ihres Zeichens ^). 

Länge oder Kürze gleich waren, was der Wabrbeit 
grell widerfprecben würde, da bekanntlich dieVcx 
derung nicht ßofsweife oder plötslich , fondem g 
allmählig erfolgt. Wahrfcheinlicb beabiichtigt er i 
nacbzuweifen , wie lang oder kurz Tag und Ki 
am Ende eines jeden Monats geworden find. Ai 
wäre es faft unbegreiilicb , wie der Verf. hatte gl 
beii können, dafs der iße Tag des iften mod 
welcher nach dem Früblingsäquinoctium fallti 
gleich um einen ganzen Tbeil ( i^ Stunde bach fl 
Ter Bezeicbnungs weife) zu • und die Nacht in | 
ehern Maafse abnebme. 
^6) Diefer Satz fcblt bei Laurenee, ift aber nicht i3 
flüflig, da das unmittelbar vorher erwähnte 4te T 
das in der Abendgegend befindliche iftl DecG 
fchiebt nach der Erwähnung der 30 Morgen C^ 
ein: „nacfcAer;'' V. i6» wird Theil das eioel 

durch A J? l eigentl. Hand anagedrückt , vm < 

V. 37. 47- 

ar) Diefe Worte (nM+: T?\f^C'Vl) ^^"^ 
fenbar erklären , warum die Sonne in diaCsm ^ 
nicht auch 30 1 Tondern 31 Tage auf. und unterg 



Kap. 71. V. 18. 595 

18. und an jenem Tage ^) wird länger der 



In einem gleicben Zufammenhange findet fich der 
Ausdruck auch V. 24. Zeichen kann auch Sternbild 
bedeuten, befonders die Bilder des Thierkreifes, Et- 
was Aehnliches iß es unßreitig auch hier. Denn ala 
Zeichen gilt dem Verf. der Eintritt der Sonne in das 
Solftitium oder Aequinoctium. Hier fteht das Wort 
in erßerer Bedeutung , und namentlich ift hier vom 
CintreteH det Sonne in das Zeichen des Krehfes oder 
vom Sommerfolfiitlum^ Y. 24. dagegen vom Eintreten 
in das Zeichen der Wage oder vom Herbßätfuinocti'um 
jie Hede. Bei Erwähnung des Winter folfiitiunC s 
(V. 31 ff.) und des Fruhlingsä(juinoctiunCs (V. 41 — 42. )f 
oder des Eintrittes der Sonne in das Zeichen des 
Steinbocks und des Widders findet fich diefer erklä- 
rende Beifatz nicht. Wenn Laurence im Plural 
(,,Cgns'') überfetzt , fo zeigt er dadurch , dafs er den 
. Sinn des, Ausdrucks nicht gefafst hatte. Im Anfange 
diefes Verfes fcbiebt er nun ein. 

'^g) Laurence: zu jener Zdt; ebenfo V. 23. 25. 27. 30. 
33* 37* 41* 43* £^twas weiterhin heifst es bei ihm mit 
Ergänzung ^d es in Farenthefe Gefchloflenen : ^^da er 
zweimal (^fo lang) iß (als) die Nacht ^ und bekommt 
X2 Theile.** Auf diefe Angabe ßiitst fich derfelbe, 
'ygvenn er die Entftehung des Buches Henoch aufser« 
balb Paläfiina*s behauptet (vgl. Einleit. S. 70 £}• 

b £inen fo langen Tag und fo kurze Nacht , als hier 
befchrieben wird, gibt es unter der Breite, welcher 
43aa heilige Land angehört, allerdings nicht i eben fo 
V'erbalt es fich mit der entgegengefetzten Lange der 
X^mAt und Kürze des Tages Y. 33 — 34. Der längfte 
7«g in Paläßina begreift nur 14 Stunden und 12 Mi- 
sauten und der kürzefie 9 Stunden 4g Minuten» Re- 
docirt inan abe^ den 28 theiligen Tag des B. Henoch 



»* 



596 Kap. 71. V. 18. 

Tag als die Nacht; und es wird der Tag daj 
pelte der Nacht, und es wird der Tag 12' 



auf unfere Art zu rechnen , fo würde jenem 

^ des Ganzen, d. i. i6 Stunden, diefem aber 

^ des Ganzen , d. i. (^ Stunden » zugefchriebc 

allerdings für beide eine Differenz von i 

4g Minuten oder ^/g der Theile des Buchs 

geben würde. Allein fchon SUv. de San 

(Journ. des Savans. Oct. 1322. p. 591 — 92.) 

Laurence daraus gezogenen SchlüITe nicht hini 

begründet, indem er fagt : ,Jch weifs nicht 

man folche Albernheiten (das Sonnenjahr fe; 

Tage länger als das Mondjahr, jeder Mon 

30 Tage, wozu 4 Schalttage harnen ) überh 

man nicht auf den Gedanken gebracht wird, d 

was er von der Dauer des langften Taget 1 

hürzeßen Tages im Jahre fagt, nicht alt Ai 

dienen könne, um annaherungsweife, wie < 

rence gethan hat , die Gegend zu erkennen , ^ 

fes Buch gefchrieben worden fey; und was, 1 

fcheint, das Vertrauen, welches man in Jiefe 

fetzen könnte, noch zerilört, ift, dafs der T 

annimmt , dafs die Tage und die Nächte wrähr 

lies Sonnenmonats genau einen igten Theil ^ 

Stunden ab - oder zunähmen/* Drucken wir c 

tere Aeufserung noch beftimmter aus, fo wi 

heifsen müflfen y? ^^^ 18 » ^^^^ if von 24 St 

Auch mich will bedünken (vgl. auch Ai 

SU V. 14.) f aus diefer Angabe des Buches , ' 

mit dem natürlichen Laufe der Dinge keines 

im Einklänge iß (vgl. M. Kornick Syftem dl. Zc 

nung in chronol. Tabellen« 4t0 AbtheiL S« 

H. fV* Brandes die vornehmft. Lehr, der ABrd 

xTh, S. g7ff. 136 £), erhelle deutlich genügt d 



Kap. 71. V. 19. 597 

19. Und es wird kürzer die Nacht und wird 
i Theile. Und es erhebt fich die Sonne » damit 

Hiebt bei jeglicher Aeufserung deflelben auf gans 
fiebere Berechnung fcbliefsen dürfe. Einer gewiflen 
Gleichförmigkeit eu Liebe bat derfelbe fich auf fei- 
nere Unterfchiede der Zeiten und Genauigkeit der 
Berechnung nicht eingelaflen» Bei einer blofs ig Bün- 
digen Eintheilung des Tages verliert übrigens die 
Differenz zwifchen der wirklichen Dauer des Tages 
oder der Nacht am längften und kürzeren Tage, und 
swifchen der im B. Henoch vorliegenden Angabe in 
der That etwas von ihrer auffallenden Gröfse, und 
ganz richtige Berecbnung der jedesmaligen Ab - und 
Zunahme der beiden Tageshälften ift ohne genaue 
Chronometer unmöglich, diefe fehlten aber dem AI- 
terthume. Silv, de Sacy (a. a. O. p. 592.) erklärt 
noch : 9,Ich fehe nur Ein Mittel , alle diefe Albern- 
heiten zu befchönigen ; diefs ift, anzunehmen , dafs 
der Verfafler ein lediglich imaginäres Syßem ausein- 
aaderfetze, welches exißirt haben follte, bevor die 
Ordnung der Natur zur Zeit der allgemeinen Fluth 
verändert wurde. Man könnte diefe Yermuthung 
auf das 79fte Kap. gründen (V. i ff.). — ** Allein er 
verwirft diefen Erklärungsve^fuch felber« indem er 
•Iftinsufügt: «»Ich mufs indefs gefteben, d^afs diefe 
X^öfung mir mehr fcharffinnig als gegründet erfcheint.*' 
J3etrachtet man nämlich die Aeufserungen des Verf. 
xxn Zufammenhange , fo ift gar nicht daran zu zwei- 
/eln, dafs feine Da rftellung fich auf yifine Zeit besieht, 
VT'elcIie bei ihm freilich , damit er nicht aus der er« 
ve»blten Rolle fiele, als vorfluthig erfcheinen mufste. 
JB/lit der Fluth tritt Aenderung ein (Kp. 79, i ff.), 
aber nach Hinwegraffung der Böfen herrfcht wieder, 
et aAderwärts deutlich ausgefprochen ift (Kp. 10, 



598 Kap. 71. V. 19. 

kürzer werde der Tag und lieh verli 
die Nacht. 



33 ff. 54» iff.)» Rcgclmafsigkcit und ßrengeO 
und zwar höchft wahrfcheinlich die frühere, wc 
Schöpfung der Welt von Gott als die befte \ 
fendfte erwählt worden war. In der 2ten A\ 
Laurence feine Meinung nicht geändert, ui 
der befonnene Lücke \VevL e. vollft. EinL in d. 
Sv 64O bleibt dabei ßeben, es fcheine ,,ai 
aftronomifchen Andeutung fo viel klar su fej 
das Buch (oder» wie er a. a. O. S. 65. befcl] 
hinzufügt, ,, wenigßens der aßronomircb 
deflelben^^) nicht in Paläfiina gefchrieben 
fey."' Die Beziehungen auf Localitäten Vi 
Kp. 13, 8 — lo« ftehen, wie er glaubt, dieferi 
defshalb nicht entgegen , weil „die Geograj 
Buches vilionär*' fey. Im Allgemeinen il 
wohl richtig, allein Kp. 13, g ff. 25, iff. un 
andere Stellen treffen doch zu gut mit der Be 
heit dort erwähnter Orte zufammen, als dal 
blofses Phantafiebild gehalten werden dürfte 
Hauptfache bleibt aber, dafs die aßrom 
Kenntnifle, welche der Verf. entwickelt, ni< 
übermäfsig find. In den Angaben findet fiel 
Erachtens nichts, wornach eine Abfaflung d( 
durch einen Faläßinenfer ganz unßatthaft wIn 
nur nicht vergeiFen wird , was ja fo klar ' 
dafs derfelbe in einer Zei^ und unter einei 
lebte , wo keine wiffenfchaftliche Genenigk 
diefe Gegenßande gefunden wurde und gefo« 
den konnte^ und dafs er Tielleicht Übft 
wufsfeyn kleinere Zeitunterfchiede Temed 
weil er offenbar von einer yorgefUsten ] 
über die Dauer der Taget • und Nachtliage 



Kap. 71. V. 20. 599 

L Und es wendet fich die Sonne nach Mor- 
d fie kommt zum 6ten Thore» und hervoi^ 
e Sonne daraus und geht unt^r 30 Morgen. 

i alles gleicbformig abmifst. Den N^men Stunde 
meidet er abßchtlich und wablt dafür den der un« 
immten propbetifcben Darftellung angemeflenen 
»druck Theily wie z. B. auch Dan, 4, 13. ,,fieben 
ten" für Jahre^ 7, 25. „eine Zeit, (zwei) Zeitea 
l ^ine halbe Zeit^% g, 14. 26. Abende (und) Mor- 
i für Tage und 9, 24. Vgl* C v. hengerke das 
Daniel verd. und ausgel. S. 173. . Ueber dieGröfse 
Stunden bei den Hebräern wiflen w^ir nichts Ge- 
Tes (vgl. auch Gefenius Gomment. zum Jef. i Tb. 
9S5 ^Ot "^^^ ^^ könnte alfo die im B. Henoch 
-ausgefetzte Eintheilung des Tages in ig Stunden 
e allgemeine Einrichtung feiner Zeit feyn, was 
: fehr wahrfcheinlich ift« und nicht eine blofse 

e des Verfaffers. Oß 'l* SIH7\ t V. 19. tollitur 
l) wird w^ohl dem fcheiubaren Stillftande der Sonne 
dem Solftitium entgegen gefetzt, und foll alfo nur 
fsen : die Sonne macht fich nun wieder auf aus 
n Ruhepunkte. Nach des Verf. Darfiellung hatte 
das äufserfie Aufgangsthor (das 6te) und in dem* 
ban die höchfte Tageslänge erreicht. Eine geraume 
it hindurch war ihre tägliche Erfcheinung wie un« 
rändert; diefer fcheinbare Stillfiand derfelben hat 
n ein Ende , ihr Aufgang gefchieht zwar noch im« 
ir aus demfelben Thore , aber ihr Lauf .'neigt fich 
tnäbltg dem 5ten Thore wieder zu. WilTenfchaft- 
be Schärfe ift in dem Ausdrucke' nicht , fondem er 
^wiederum ganz populär zu; nehmen. Ift nämlich 
3 Sonne am längßen Tage, für den Faläfiinenfer 
enfo gut f als für uns , bis zur gröfsten nördlichen 
vreicbung ihrer Bahn yom Aequator gelangt, fo 

Heitocli. 39 



600 



Kap. 71. r. 21 — 22, 



21. Und wenn vollendet find 30 Morgen ^j, 
wird verringeit der Tag um einen Theil, und es 
wird der Tag 11 Theile und die Nacht TTheile. 

22. Und es geht hervor die Sonne von Abend 
aus jenem 6ten Thore und geht nach Morceti« 
und geht auf in dem oten Thore 30 ^lorgen, und 
geht unter wiederum in Abend in dem 5ten TLorei 
welches in Abend. 



bleiben allerdings die Puncte ihres Aufganges nni)Ua*i 

tergan^es für eiuige Zeit diefelben, allein ihr nachhe ' 
* gesFortfcbreiten iß nicbt fo woblein Steigen, als vid 

mebr ein Sinken. In dem letzten Satze voa V. 2C. 

Laurence das blofsc Pronomen Itatt Sonne, undkaü] 

ibn durch die Partikel wo an. 
29) Laure/zc^ bat dafür : die fef Zeitraum, Der Abi 

feiung wegen wäblt der Verf. hier, V. 33 und 

't'/rlÖÖ \ (nach Ludol f mixT'zii^ai zu fcbreiben) i'mi 

nuitur fiatt 't'ni^Cl W'"'^ verkürzt, Auseli 
äbnlicben Grunde wäblt er V. 21. 25. 33. 34. 33. 

42 und 47. den Ausdruck ^UA'hl ^«>i ßatt dei 
meiniglich von ibm gebrauchten vA't*J DicV.22»3 
S6. 31 u. 39. beginntLaur ence mit GerZeitpartikeb 

der Originaltext aber blofs mit (D l Im Anfange 

V. 22. befremdet ^(DÖAl exiit defswegen 
weil es in diefem Kapitel gewöbnlich yom jiuj^ 
der Sonne gebraucht ift, obfcbon fleh der Aui 
rechtfertigen läfst. Nach d^r fonßigen Aatdi 

weife erwartet man vielmehr ^ irTiA ? fit it-( 
fich, Laurence überfetzt hier: ^^fie geht von Wej 
las alfo wohl in feinen Handfchriften dalTelbe, 
Cod.- Rüpp. hier darbietet. Die Sonne gAt 

ißWC^l) zur AbwecbTelung ftatt des fonftia 



- Kajp. 71. V. 23—26. 601 

. An diefem Tage wird verringert der Tag 
'heile, und es wird der Tag 10 Theile und 
;ht8theile. 

. Und es geht hervor die Sonne auB jenem 
bore, und geht unter in dem 5ten' Thore, 
j in Abend, und geht auf in dem 4ten Thore 
ihres Zeichens 31 Morgen lang, imd geht 
n Abend. 

►. An diefem Tage tit gleich geworden ^) 
^ mit der Nacht, und fie ift gleich, und es 
e Nacht 9 Theile und der Tag 9 Theile. 

L Und es geht die Sonne hervor aus dlc- 
ore, iirid geht unter in Abend, und wendet 
m Morgen , und geht hervor durch das 3te 
•0 Morgen, und geht unter in Ab end^ in dem 
höre* 

i Kap. gebrauchten ^ (D 9 A ♦ fie geht hervor. 
3nfoV.24. Im Anfange von V.a3.übcrfetst Laurence: 
diefem Zeitraume^^^ ebenfo V. 25. 27. 30. 33. 37. 
42., wo ich den wörtlichem Ausdruck vorzog ; den 
;ten Sats in V. 23* knüpft er durch die Zeltpartikel 
krend.^u. Ueber den Ausdruck: wegen ihres Zev- 
ns in V. 24* vgl. Anmerk. zu Y. 17. £s iß das 
rbfiäffuinoitium gemeint (vgl. V. 250- 

2^\JiABl im Parifer Codex; der Bodlcj^nifche 

: ungenau JB^-4AjBl wird gefehen. (L.) Isd 

a. Rüpp. findet Geh die Form JP^I^^: wio 

^2. In dem Satze: (I>P{]Qf^: O^Pt bctrach- 
Laurence die Nacht als Subject und überfi^tzt: 
nd die Nacht, da fie gleich iß damit j erhält 
rbeile. «< Wollte man den Tag als Subject dazu 
imen, entßände gaf zu arge Tautologie. Daf# 

39 '^ 



602 Kap. 71. V. 27—29. 

27. Und an diefem Tage wird länger die 
von dem Tage an während 30 Morgen, un 
zer wird der Tag von dem Tage an während . 
gen , und es wird die Nacht genau 10 TheL 
der Tag 8 Theile. 

28. Und es geht die Sonne hervor aus 
3tenThore, und geht unter in dem 3ten 
in Abend, und wendet fich gegen Aufgang 
es geht hervor die Sonne durch das 2te Th 
Aufgangs 30 Morgen. 

29. Und fo geht Ge unter in dem 2ten 
im Abend des Himmels. 



n/\'t'l (Nacht) fonft ah Femininum in die 
fammenbange erfcheint, tlmt nichts; denn V 

aaffelbe der Fall, und OA^ ♦ (Tag), eben: 
wohnlich als Femih. conftruirt, wird auch in 
Verfe mit dem Verbo im IVrafculino verbünd 
V. 37. war der Zufatz: von dem Tage an ^ 
bereits V. 13- in gleicher Verbindung vorkan 
lieh unnothig, da das , was er andeutet, be 
der Zeitbefiimmung : an diefem Tage lag. 
wechfelung wegen fleht V. 27. vor „30 JM 

«nd „30 Tä^«** die Partikel 7\f]X] ; us^ue t 
aus einem ähnlichen Grunde V. 2g. 31. 39 

f^lli/rt^l Aufgang ftatt des bisher gebx 

/COn\! Morgen. Bei der erflen Erwibni 
3Cen Thores in V. 2$. bat Laurenc'e ftatt des ! 
ßrativa blors den Artikel , und in dem letstc 
deflelben Verfes läfst er das Subflantivuin : di 
aus. So (V. 290» ^° ^^^ früher befchrifbenei 
alfo nach Ablauf der 7 (vgl. V. 30.) Taget 
Abend dss Himmels ^ fonft blofa Abend ^ W' 



Kap, 71. V, 30—35. 003 

30. Und an jenem Tage wird die Nacht 11 
heile und der Tag 7 Theile, 

31. Und es geht hervor die Sonne an jenem 
age aus dem 2ten Thore, und geht unter in 
bend in dem'2ten Thore, und wendet fich gegen 
ufgang in das Iße Thor 31 Morgen, 

32. und geht unter in Abend in dem llten 
höre. 

33. Und an jenem Tage verlängert fich die 
acht und wird das Doppelte des Tages. 

34. Und es wird die Nacht genau 12 Theile 
id der Tag (i Theile. 

35. Und es erreichte die Sonne ihre Höhen ^'), 
id ein zweites Mal macht iie den Umlauf über 
efe ihre Höhen. 



um einige Mannicbfaltigkeit in die fich wiederholende 
Darßellung zu bringen. V. 31. fuhrt bis auf die 
Winterfonnenwende herab , daher wieder ein 31 ta- 
giger Monat. Im 32ften Verfe hat die bodlej. lland- 
fchrift im zweiten ftatt im erfien (Thore) ; was bereits 
Laurence für einen offenbaren Fehler erklärt. Die 
Farifer hat, wie derfelbe angibt, das Richtige ; auch 
in Cod. Rüpp. ftimmen V. 33—^34. faft wörtlich mit 
Y. 18*9 ^"^ ^^^^ hier die Nacht, dort der Tag die 
gröfste Länge hat. Im 34ften hat das bodlej. Mfcript 
wieder einen Fehler des Abfchreibers , nämlich n 
flatt 129 während nach Laurence^s Angabe in dem 
Farifer I2 fleht, ebenfo wie im Cod. Rüpp. 

31) ACAIl'tlLf'J (Laurence gibt e$ jinfdnge) capita, 
cacumina ejus; es find die aufserften Puncte gemeint, 
SU welchen die Sonne gelangen kann, in der Dar« 
ftellung des Verf. das 6te und das ifie Thor (V. 17 
und V. 31 — .4*}» nach unferer heutigen Bezeich- 
nungaweife iit beidea Solftitialpuncte oder die aa« 



604 Kap. 71. V. 36—40. 

36. Und fie kommt in jenes Thor 305 
gen, imd in Abend ihm gegenüber ^^) geht fie ui 

37. Und an jenem Tage wird kürzer 
Nacht von ihrer Länge um eine Hand [daj i/ 
eirien TheiV]^ und fie wird 11 Theile, 

38. und der Tag 7 Theile, 

39. Und es wendet fich die SoHne und koi 
zu dem 2ten Thore, welches in Aufgang. 

40. Und fie wendet fich über diefe ihre 
hen 30 Morgen , geht auf und geht unter. 



fserße Declination der Ekliptik nach Norden 

Süden vom Aequator. C^A^^* cigentl. fi 
confummavit y dann aber wohin gelangen. Lau 
fchiebt in den Satz t,/o *^ ein, dagegen lafst e 
Höhen im letzten Verstheile das FronominalfufE 

beachtet. Ji^HI nicht aus^ wie Laurence über 
fondern über. Da die Sonne lieh innerhalb der^ 
dekreife des Krebfes und Steinbockes bewegt, fo 
iie nach der Betrachtungsweife des Verf. iar^ 
ebenfo gut könnte man fi*eilich auch Tagen : dan 

32) fiiil 'X ^[J'l in confpectu ejus (fc. por 
Laurence mit Ueberfehung des Pronomens am 
des. Wortes und daher mit unnÖtbiger Ergao: 
„ an dem entgegengefetzten Theile 'des Himn 

Im 37ßen Verfe klingt der .Satz , wodurch t 
Hand erklärt werden foU, wie eine Glofle. 
Laurence fand , wie aus feiner Yerfion klar 11 
feinen Handfchriften dalTelhe« und gibt eda 
party dagegen kefia durch portion\ Er verwe 
aber unmittelbar vorher in beiden Ausgaben 'das 
aseichcn 4 mit i: einen ^ten Theil^ waa ia de 
fammanhajsg gar nicht pafst, wie fchon die 
Qiichlichfie Betrachtung lehrt. Für den AusdriK 



Kap. 71. V. 41—42. 605 

41. Und an diefem Tage wird kürzer die 
acht von ihrer Länge, und es wird die Nacht 
) Theile und der Tag 8 Theile. Und an diefem 
age ceht hervor die Sonne aus jenem 2tenThore, 
id geht unter in Abend; imd fie wendet lieh 
gen Aufgang, imd geht auf [in Morgen] in dem 
en Thore 31 Morgen, und geht unter in dem 
3end des Himmels. 

42. Und an diefem Tage wird yerringert 
e Nacht, und fie wird 9 Theile und der Tag 
ird 9 Theile. Und gleich wyrd die Nacht mit 
imTage. Und es wird das Jahr genau 364 Tage. 



1 



t 



4Dfieii Verfe vgl. V. 35. Im 41 Ren Verfe fand Lau^ 
rence in der Angabe der Theile in der ihm vorliegen- 
den bodlej. Ilandrchrift 7 fiatt 10, bezeichnet diefs 
aber als fehlerhaft und gibt in feiner Verfion das 
Richtige, wa» Cod. Kupp, darbietet. In demfelben 
'Verfe hat er vor den Worten : in dem ^ten Thore 
noch: im Oßcn, wa5 im Cod. Rupp. fehlt. Dagegen 
läfst Laurence V. 42. den Satz aus: und der Tag 
wird 9 Theile. Der SItägige Monat begreift die 
Fruhlingsnachtgleiche in fich, darum hat er einen Tag 
mehr (f. zu V. 17.). Abend des HimmeU am Ende 
von V. 41. fiatt des einfachen: Abend y wie V. 29. 
Diefelbe Jahreslänge, wie hier V. 42* » wird auch 

Kp«73»r3« 74» 4» 8I» ?• H* erwähnt. Ueber dieCes 
unvollkommene Sonnenjahr vgl. auch Anmerk. zu 
Kp, 37, II.; es hat 12 Monate, w^elchen Namen der 
Verf. zu vermeiden der prophetifchen Rede ange* 
meflen findet, aber doch durch die Zahl der Tage, 
welche er jedes Mal zufammenfafst, deutlich genug 
bezeichnet. Nur V. i und ii. entfcl^liipfte ihm der 
Name; Kj). g7, 11. fpricht er ganz unumwunden von 
12 Monaten. Voo diefen haben g jpder 30 Tage 



606 



Kap. 71. V. i43— 45. 



43. Und die Länge des Tages und der Nacht, 
und die Kürze des Tages und der Nacht werden 
durch diefen Lauf der Sonne verfchieden ^'). 

44. Wesen diefes ihres Laufes \rird vetlaih 
gert der Tag von dem Tage an, und die NaAt 
von der Nacht an genähert, 

45. Und diefs ift das Gefetz und der Lauf 
der Sonne und ihre Wende ^). Wenn fie fidi 



(V. 12. 15. 20. 22. 26. 2g. 36. 40.), alfo zorammei 
240 Tage und 4 jeder 31 Tage (V. 17. 24. 31. 41.), 
alfo zufammea 124» in Summa 364. Die 3itägi{;ei 
find der 3te« 6te, gte und I2te, und der eine Ta| 
derfelben iß blofse Zugabe oder Schalttag für du 
Sommerfolftitium ^ Herbßäquinoctium , Winterfolfii» 
tium und Frühlingsäquinoctium (vgl. Kp. 74, l— J* 
gl, 5.). Den Anfang des Jahres bildet der nächlt 
Tag nach dem Frühlingsäquinoctium , fo dafi M 
Reihe der Jahreszeiten ift: Frühling, Sommer, HeM 
und Winter. | 

33) Durch diefen allgemeinen und richtigen Sats b 
das vorhergehende Einzelne auf feinen letzten Gi 
zurückgeführt werden. Das Demonftrativum 
Lauf hat Laurence nicht, obfchon es gut gewählt il 
derfelbe läfst auch V. 44. vor demfelben Worte 
Fronomen hinweg. Ueber den Ausdruck in V. 

vgl. Anm. zu V. 13. fi^Qf^ * appropinf/MOt 
Ende von V. 44. las auch Laurence f in der \i 
hat er dennoch das Zeitwort verkürzt gev^ahU, 
ches allerdings V. 13. vorkam. 

34) So theilt Cod. Hüpp. ab; unßreitig gans tu 
Laurence verbindet dagegen das Folgende dai 
,,ihre Wendung ,. wenn fie fich wendet, indeai 
fich wendet 60 Tage^S und erhält dadurch eine 
erträgliche'' Tautologie. In dem gansen Kapital 



Kap. 71. V. 45. ,607 

sendet, fo wendet fie fich dahin, wo 60, und 
eht hervor. Diefs ift das grofse Licht, welches 
\ Ewigkeit, welches man nennt Sonne in Ewig* 
eit zii Ewigkeit. 



der Ausdruck fich wenden ziemlich oft gebraucht, 
um die Rückkehr der Sonne von ihrem Untergangs« 
puncte bis zu dem Orte ihres Aufganges zu bezeich« 
nen; allein hier fcheint die Rückkehr derfelben voa 
ihrer gröfsten Abweichung über den Aequator nach 
Norden oder Süden gemeint zu feyn. Nur mit die« 
fer Annahme läfst Iicb die Zahl von 6o Tagen vereir 
nigen, welche unmittelbar damit in Verbindung ge- 
fetzt wird. AM+ : ^^ 1 rfi^S : *«1^^ elliptifch 

für ad eam (portam), t/uae LX (dierum), redit» 
Laurence drückt, wie feine fchon mitgetbeilte lieber- 
fetzung zeigt, das laema gar nicht aus, fetzt dage- 
gen das Wort Tage nach der Zrhl , und zwar nicht 
als feine Ergänzung , fondern ols wenn es im Texte 
geßanden hätte. Das fehr kurz Ausgedrückte erklärt 
er in einer Note: die Sonne iß 60 Tage in denfel- 
ben Thoren. Die Ausladung des Wortes Tage ift 
gar nichts Ungewöhnliches (f. Ludolf gramm. aethiop. 
p. 144« ed« 2.)» vgl. auch Kp* 77^ 31., und die El- 

lipfe des Wortes Thor bei dem Fronomen A i^t"* 
erklart fich durch die in diefem Kapitel fo oft ge- 
fchehene Erwähnung delFelben. Die Umkehr der 
Sonne von dem Solßitialpuucte erfcheint dem Verf. 
so merkwürdig, darum erwähnt er lie hier noch gana 
befonders. 60 Tage ift im Sinne des Verf. fo viel 
mU 2 Monate; fireng genommen füllte es 61 Tage 
JieiCien (vgl. V. 17. 30. 31 und 36.}, allein der 3ift6 
Tag des erßen der beiden verbundenen Monate iftblofa 
acceflbrilch (f. Kp.74, x. gl, 5.) «od konnte deliiwe- 



608 Kap. 71. V. 46—47. 

46. Und diefs iß das , was hervorgeht 
grofses Licht y welches man nennt nach ( 
Erfcheinung, wie befohlen hat der Herr. 

47. Und fo geht fie aus und ein, und 
nicht verringert^*), und ruht nicht, fondem 
Tag und Nacht in ihrem Wagen , und ilir '. 



gen übergangen ^verclen. Uebrigens haben wi 
abermals einen Beleg dafür , dafs der Verf. kl 
Zeitunterfchiede in feinem Syfienie leicht bintan 

Zu JSV\C^ jb l nominat in diefem und dem i 
den Verfe kann nicht Gott Subject feyn , wc 
der Zufatz in der Farallelßelle V. 46. deutlich 1 
fondern es (teht für unfer unbeßimmtes man (j 
gramm. p. 850- Laurcnce fcheint indefs V.. 
doch auf Gott bezogen zu, haben; denn er übe 
#r nennt , dagegen wählt er V. 46. das Fal 

welches wird genannt. ACAJ^I Bild^ Gefial 
-pui von Etwas. Der Name der Sonne rieht 
nach ihrer äufsern Erfcheinung, welche na 
Verf.'s Anficht der eigentlichen BefchaiFenheit 
ben entfpricht. Laurence überfetzt: nach iL 
fondern Art („kind*'), welche Bedeutung araj 
dings fonft auch wirklich hat. Statt Herr b 
felbe Gott. 

35) Prf\Ö9; wie V. 21. 23. 42.; Laurence ül 
CS : erfchlaffen. In ihrem Wagen vgl. V. 7. 

Uebcrfctzung der Worte: ©rOCHS* H 

\hRx j?(\c\ii A^H: oa\: worü 

lux ejus Vit manus (partes) illuminat ex ea 

luna iefi)^ wird durch Kp. 72, 3. 6. 9. 73, 4 

• tigt. Laurence überfetzt dagegen in beiden 

ben; ^^Sie fcheint mii einem Jten TheiU des 



Kap. 71. V. 47. Kap. 72. V. 1. 609 

leuchtet 7 Theile von dem Monde, und die 
röfsen Beider find ein Paar. 

Kap. 72. S e c t. XIV. ^) 
1. .Und nach diefein Gefetz fahe ich ein an- 



von dem Monde ^^^ fafst alfo fahAeta eda nicht als 
Object zu j abare hj nimmt das Zahlzeichen als Ordi* 
naU und erklärt von tmza blofs die erße Sylbe. Der 
Verf. weifs es, dafs der IVIond von der Sonne fein 
Licht empfange, und will diefs hier nur Kurz andeu« 
. ten, da er Geh in den folgenden Kapiteln ausführlich 
darüber yerbreitet. Die Scheibe des Mondes theilt 
er, feiner Berechnung zu Liebe, gerade in 7 Theile. 
Wenn er anderwärts (Kp.72,6. 9. 73f40 von 14 oder 
gar 15 Theilen des Mondes redet , fo meint er beide 
Halbkugeln. Da die Zunahme dci^ Lichtes nach feiner 
Darfiellupg an jedem Tage nur die Hälfte eines Sie- 
bentheiles beträgt, hätte er allerdings die Achtbare 
Mondfläche wohl überhaupt belfer in 14 Abfchnitte 
sertheilen foUen. Allein die bekannte Vorliebe der 
Hebräer für die Siebenzahl (vgl. auch Kp. 76, 5. 6* g* 
2I9 3* 34t I* 20> vielleicht auch Hückficht auf die 
Zahl der Wochentage be&immten ihn, jene Einthei- 
lung vorzuziehen. Er gedenkt hier nur des Zeit- 
punktes, wo Vollmond iß, hegt aber natürlich die 
Meinung*, dafs auch jede andere Lichtperiode des 
Mondes einen ähnlichen Entßehungsgrund habe. 

HOT '1t das Paavy dann foviel als focius. In der 
Parallelftelle Kp.77, 3. Hebt dafür: ihre Gröfsen und 

gleich (O^p^:) 

36) Nach dem Parifer Manufcript (L.) ; auch nach Cod. 

• Rupp- Diefe Section wird gebildet durch Kp. 72 — 74» 

i^ckiie auch denfelben Gegenftand betreffen, näm" 



610 



Kap. 72. V. 1—3. 



deres Gefetz eines kleinen Lichtes , deflen Name 
Mondy und feine Kugel wie die Kugel des Himmels. 

2. Und feinen Wagen, \vorin es auffteigt, 
wehet der Wind fort, und nach Maafs wird ilun 
gegeben Licht. 

3. Und in jedem Monate wird fein Aufgang , 
und fein Untergang verändert, und feine Tage^'') 
find wie die Tage der Sonne. Und wenn gleich 



lieh den Mond. Kp. 77. wird diefe Darftellung wie- 
der aufgenommen und tbeilweife wiederholt. Uebri« 
gens wild der Inhalt von Kp. 71. vorausgefetzt, wit 
fcLon Kp. 72, I. vgl