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Full text of "Das Evangelium Matthaei"

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DAS 



EVANGELIUM MATTHAEI 




er 



ÜBERSETZT UND ERKLÄRT 



VON 



J. WELLHAUSEN 




BERLIN 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 

1904 




Werke von Professor Dr. J. Wellhausen. - 

Israelitisclie und jüdisclie GesdücMe 

5. Auflage. Geheftet Mk. 10.~, gebunden Mk. 11.80 

Prolegomena zur GesdücMe Israels 

5, Auflage. Geheftet Mk. 8.—, gebunden Mk. 9.80 

Die Komposition des Hexateuclis und der Msto- 
risclien Büclier des alten Testaments 

3. Auflage. Geheftet Mk. 10.—, gebunden Mk. IL— 

Muhammed in Medina 

Das ist Vakidis Kitab al Haghazi in verkürzter deutscher Wiedergabe 

Geheftet Mk. 10.— 

Die Meinen Propheten übersetzt mit Noten 

3. Auflage. Geheftet Mk. 7.— 

Das Evangelium Marci 

Uebersetzt und erklart. Geheftet Mk. 4.- 

Reste arabischen Heidentums 

2. Auflage. * Geheftet Mk. 8.— 

Das arabische Reich und sein Sturz 

Geheftet Mk. 9.— 

Skizzen und Vorarbeiten Heft IV 

1. Medina vor dem Islam. 

2. Muhammeds Gemeindeordnung von Medina* 

3. Seine Schriften und die Gesandtschaften an ihn. 



Skizzen und Vorarbeiten Heft VI 

1. Prolegomena zur ältesten Geschichte des Islam. 

2. Verschiedenes. 



Geheftet Mk. 9.— 



Geheftet Mk. 8.— 



GEORG REIMER fe^ BERLIN W 35. 

Verlagsbuchhandlung e^^^ Lützowstraße 107-8. 




M-i. 



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DAS 



EVANGELIUM MATTHAEI 



ÜBERSETZT UND ERKLART 



VON 



J. WELLHAUSEN 




BERLIN 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 

1904 




oT^^ ^ cr5~ 



§ 1. Mt. 3, 1-12. Q.* 

In jenen Tagen erschien Johannes der Täufer und predigte 
in der Wüste von Judäa: 'tut Buße, das Reich des Himmels 
steht nahe bevor. 'Dieser ist nämlich der, von dem der Pro- 
phet Esaias sagt: „eine Stimme ruft in der Wüste: bahnt dem 
Herrn die Straße, macht ihm die Wege gerade!" * Johannes 
hatte aber ein Gewand von Kamelhaar und einen Ledergurt 
um seine Lenden, seine Nahrung waren Heuschrecken und 
wilder Honig. ^Darauf gingen zu ihm hinaus Jerusalem und 
ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordans ^und ließen 
sich im Jordanfluß von ihm taufen und bekannten ihre Sünden. 
^ Als er nun viele Pharisäer und Sadducäer zu der Taufe kommen 
sah, sprach er zu ihnen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch ge- 
sagt, daß ihr dem drohenden Zorn entrinnen würdet! ^Bringt 
also Frucht, die der Buße ziemt, 'und wähnt nur nicht denken 
zu können: wir haben Abraham zum Vater; denn ich sage euch, 
Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams hervorbringen. 
*°Schon ist die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt, jeg- 
licher Baum, der keine Frucht bringt, wird abgehauen und ins 
Feuer geworfen. ^^Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der 
aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dem ich nicht wert 
bin, die Schuhe zu tragen — der wird euch mit heiligem 
Geiste und Feuer taufen. *'Der hat die Worfschaufel in 
der Hand, und er wird seine Tenne reinigen und seinen Weizen 
einbringen in die Scheuer, die Spreu aber verbrennen mit un- 
löschbarem Feuer. 

Mit den numerirten Paragraphen verweise ich auf Marcus, 
nach meiner Einteilung. Die bei Mc fehlenden Stücke, die Mt mit 
Lc gemein hat, bezeichne ich wie üblich mit Q. Sie stimmen mehr 
oder weniger bei Mt und Lc überein, teils nur im Inhalt, meist 

1* 



4 Mt. 3, 1. 3. 

auch in der Form, aber dann manchmal nicht im griechischen 
Wortlaut, manchmal auch in diesem, jedoch wiederum mit Unter- 
schieden des Grades: auf das verwickelte Problem, das dadurch ge- 
stellt wird, ist man bisher zu wenig eingegangen. Daß alle dem 
Mt und Lc gemeinsame Stücke aus einer einzigen Quelle entlehnt 
seien, braucht nicht angenommen zu werden und läßt sich nicht 
beweisen. Aber bei manchen, namentlich bei den ersten, läßt sich 
eine feste Reihenfolge, in der sie sowol ,bei Mt als bei Lc er- 
scheinen, erkennen und darum in der Tat ein literarischer Zu- 
sammenhang vermuten. Diese unterscheide ich durch einen Aste- 
riskus und bezeichne sie mit Q*. Wenn eine Perikope bei Mt und 
Lc auf Mc und Q zugleich zurückweist, so mache ich das in der 
Weise kenntlich, wie es in der Überschrift dieses Paragraphen ge- 
schehen ist. 

3, 1.2. Die Zeitbestimmung schwebt bei Mt, anders wie bei 
Mc. 1, 9, ganz in der Luft; denn auf die zuletzt erwähnten Daten, 
den Tod des großen Herodes und den Antritt des Archelaus, kann 
sie sich nicht beziehen. Die Araba ist zur Wüste von Juda ge- 
worden; trotzdem tauft Johannes am Jordan, an den jene Wüste 
nicht heranreicht. Das Objekt zu xY;pü(yaa)v (Mc. 1, 4. Lc. 3, 3) 
wird ausgelassen; statt dessen werden dem Täufer die selben Worte 
in den Mund gelegt, mit denen bei Mc Jesus auftritt. Es ist ge- 
wiß richtig, daß beide zur Umkehr aufforderten, und beide diese 
Aufforderung in gleicher Weise darauf gründeten, daß das Reich 
Gottes, d. h. das Gericht oder der künftige Zorn, nahe bevorstehe. 
Sie stimmen darin nicht bloß mit einander überein, sondern auch 
mit den alten Propheten (s. zu Mc. 1, 15); es ist nicht der Inhalt 
des Evangeliums. Das Reich Gottes heißt bei Mt das Reich des 
Himmels oder vielmehr hebraisirend das Reich der Himmel. Der 
Gott Israels wird in jüngeren Schriften des A. T. öfters der Gott 
des Himmels genannt, ein- oder zweimal auch schon geradezu der 
Himmel (Dan. 4, 23, vgl. 2. Chron. 32, 20). Die Rabbinen sagen: 
das Reich des Himmels; sie pflegen den Namen Gott ganz zu ver- 
meiden und ihn durch Umschreibungen zu ersetzen. Das Volk, 
namentlich in Galiläa, wird aber zur Zeit Jesu noch nicht so weit 
gewesen sein; und er selber redete wie das Volk und nicht wie die 
Schriftgelehrten. Bei Mc nennt er Gott regelmäßig Gott imd nicht 
den Vater im Himmel, und sein Reich ebenfalls das Reich Gottes 
und nicht das Reich des Himmels — das ist eben darum das 



Mt. 3, 3—10. 5 

Echte, weil es nicht gelehrt und gebildet ist. Unsere heutigen 
Rabbinen, z. B. Dalmann, können sich freilich nicht vorstellen, daß 
zwischen der Redeweise Jesu und des Talmud ein Unterschied be- 
stehe. 

3, 3. Im letzten Satz wird bei Mt, Lc und Mc toü Oeoö Tjjioiv 
(Isa. 40, 3) gleichmäßig in aüiou verändert, damit Jesus als der- 
jenige erscheine, dem der Täufer die Wege bereiten soll, nämlich 
nicht als der Verkünder, sondern als der Bringer des Reiches Gottes. 

3, 4. 5. Über auio? vor folgendem Substantiv s. zu Mc. 6, 17. 
ToTs, (xal) Koü und ouv sind Lieblingsworte des Mt. Die bei Mt 
zu Jerusalem und Juda hinzugefügte Umgegend des Jordans ent- 
spricht sachlich nicht dem Kikkar des A. T.; denn dieser befaßt 
nur die Landschaft von Jericho (und das Tote Meer), nicht aber 
die Araba und das Jordantal. 

3, 7 — 10 fehlt bei Mc, stimmt d^tgegen fast wörtlich mit Lc. 3, 
7 — 9. Nur läßt Mt die Rede nicht an das Volk gerichtet sein, 
sondern an die Pharisäer und Sadducäer, die er öfters (16, 1. 6. 12) 
zu häuf wirft. Er meint, Johannes wende sich hier gegen die, 
welche heuchlerisch zur Taufe kommen, und wehre ihnen. In 3, 7. 8 
scheint er in der Tat gegen ein falsches Vertrauen auf das Wasser- 
bad als Palliativ gegen das Gericht zu protestiren; es komme lediglich 
auf die Moral an. Aber in 3, 9. 10 protestirt er gegen ein ganz 
anderes falsches Vertrauen, nämlich derer, die da glauben, schon 
durch ihr Blut gesichert zu sein und einer Taufe, wie die heid- 
nischen Proselyten, gar nicht zu bedürfen. Er mahnt die Kinder 
Abrahams, d. h. alle Juden, dieser falschen Sicherheit zu entsagen. 
„Wie könnt ihr glauben, daß ihr als Juden dem Gerichte ent- 
rinnen würdet! Ihr traut darauf, daß ihr Kinder Abrahams seid; 
die Geburt aber hilft hier nichts, es kommt nicht auf den Stamm 
an, sondern auf das Fruchttragen. Auch die Juden bedürfen eines 
neuen Anfangs, einer durchgreifenden, wirksamen Umkehr, deren 
Initiation die Taufe ist." Diese Abweisung der angeborenen Prä- 
rogative der Juden und ihre Aufforderung zur Taufe der Buße ist 
die Hauptsache und der eigentliche Zweck der Rede. Der Vers 3, 7 
verträgt sich auch damit. Er kehrt in 23, 33 wieder und bedeutet 
darnach einfach: wie könnt ihr entrinnen! Man darf also nicht 
verstehn: wer hat euch die Taufe angeraten . . ., sondern all- 
gemeiner: wer hat euch Mittel und Wege angegeben . . ., oder 
vielleicht, da üiroosuvüeiv Äquivalent von hebr. higgid oder aram. 



6 Mt. 3, 9-12. 

chavvi (Esther 2, 10. 20. Tobit 4, 2. 18) ist: wer hat euch gesagt, 
daß . . . (Judith 8, 33). Nur der Vers 3, 8 liegt nicht recht im 
Wurfe des Zusammenhangs. Man erwartet zunächst erst einmal 
die einfache Aufforderung: also tut Buße; und dann hernach die 
nähere Bestimmung: und zwar fruchtbare, werktätige Buße. 

3, 9. 10. Durch xsxva ttj) *A. (Kinder Abrahams) wird der 
Status cstr. und die Determination vermieden. In der Syra S. fehlt 
xotXov hinter xapTiov, und zwar mit Recht. Denn der Unterschied ist 
hier nicht zwischen guten und schlechten Früchten, sondern wie iu 
Lc. 13, 6 — 9 zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Bäumen; der 
Nachdruck, der auf das Substantiv fallen soll, wird durch das 
Attribut abgeschwächt. 

3, 11. 12 (Lc. 3, 16. 17) gehört auch noch zu Q. In 3, 11 
zeigt sich aber ein Einfluß aus Mc, in mehreren Spuren, nament- 
lich in dem Zeugma: mit heiligem Geist und Feuer. Vorab sei 
bemerkt, daß Feuer und Geist hier nicht mit dem Wasser ver- 
einigt oder gar gemischt, sondern dem Wasser entgegengesetzt 
werden. So wenig wie das Taufen mit Geist (Mc. 1, 8) hat das 
Taufen mit Feuer etwas zu tun mit der wirklichen Taufe. Was 
es bedeutet, erhellt aus 3, 12 verglichen mit Malachi 3, 2 s. und 
Amos 7, 4, nämlich die Läuterung durch das Feuer des messiani- 
schen Gerichtes. Aber obwol die Verleihung des Geistes und die 
Vernichtung der ünreinigkeit durch Feuer den Gegensatz gegen die 
eigentliche Taufe mit einander gemein haben, erscheint die Verbiu- 
dung dennoch hybride. Mit heiligem Geist tauft Jesus Christus 
(Mc. 1, 8), mit Feuer aber der eschatologische Messias, von dem in 
Mt. 3, 12 die Rede ist. Johannes wird nun in Wahrheit den 
eschatologischen Messias als Vollstrecker des Zornes im Auge ge- 
habt haben, und nicht den historischen Jesus. Man könnte darum 
geneigt sein, in 3, 11 bloß das Feuer für echt zu halten und den 
Geist auszumerzen, als aus Mc. 1, 8 eingedrungen. Allein so ein- 
fach darf man nicht verfahren. Denn auch in Q steht der Täufer 
am Anfang des Evangeliums, und an den Anfang des Evangeliums 
gehört er nur, wenn er wie bei Mc (und auch bei Q Mt. 11,3) 
auf Jesus als seinen größeren Nachfolger hinweist. Es scheint also, 
daß in Q (Mt. 3, 11. Lc. 3, 16) eine nichtchristliche Tradition über 
Johannes, die von dessen Jüngern stammen mag, mit der christ- 
lichen bei Mc verschmolzen ist, auf grund einer späteren Identifi- 
zirung Jesu Christi nwt dem Feuerrichter des Täufers. 



Mt. 3, 11—15. 7 

3, 11. Mt macht zum Subjekt, was bei Mc und Lc Prädikat 
ist, und umgekehrt. Statt „den Schuhriehmen lösen", sagt er „die 
Schuhe nachtragen". Durch die Auslassung von öiriao) jxou in D 
bekommt 6 ep)(oji.evo? den absoluten Sinn von 11, 3. Der Syro- 
palästina fehlt das eaxtv nicht, welches Blaß angeblich nach ihrem 
Zeugnis streicht. Auto; ist hu. 

3, 12. Die Tenne ist natürlich die volle Tenne, wie 4 Esdr. 
4, 30 SS.; der Messias fegt nicht die Tenne, sondern reinigt die darauf 
liegende Ernte (Ps. 1,4). 05 . . . aüxoö ist semitisch; man wundert 
sich, daß nicht auch in 3, 11 das Pronomen auf das Relati- 
vum folgt. 

§2. Mt. 3, 13-17. 

Darauf kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, 
um sich von ihm taufen zu lassen. ^*Der wehrte ihm aber 
und sprach: ich bedarf von dir getauft zu werden, und du 
kommst zu mir? ^'^ Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: 
laß für erst, denn so ziemt es sich uns alle Gerechtigkeit zu 
erfüllen. Da ließ er ihn. ^^Als aber Jesus getauft war, siehe 
da tat sich ihm der Himmel auf und er sah den Geist Gottes 
wie eine Taube herabfahren und auf sich kommen. *^Und 
eine Stimme vom Himmel sprach: dieser ist mein geliebter 
Sohn, den ich erwählt habe. 

3, 13. Sowohl Mt wie Lc lassen Nazareth (Mc. 1, 9) hier weg, 
weil sie es schon vorher als Heimat Jesu erwähnt haben. Es wird 
also in dem Haupt teil auf die Vorgeschichte Rücksicht genommen. 
3, 14. 15. Mc kümmert sich nur um die unbeabsichtigte Wir- 
kung der Taufe und fragt nicht darnach, in welchem Sinn Jesus 
selber zu ihr gegangen ist. Mt aber nimmt Anstoß daran, daß 
Jesus als Täufling sich dem Täufer unterordnet. Diesen Anstoß 
sucht er hier zu heben: laß für jetzt; später wird sich schon her- 
ausstellen, daß ich der Größere bin; es geziemt sich vor der Hand 
für uns (für mich und dich) alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Im 
Unterschied von Mt sieht das Hebräerevangelium einen Widerspruch 
darin, daß Johannes zur Vergebung der Sünden tauft und Jesus 
doch keine Sünde getan hat. Vielleicht hat freilich auch Mt diesen 
Widerspruch empfunden, aber dadurch beseitigt, daß er 3, 1 die 
allgemeine Zweckbestimmung der Taufe di a^psatv a|jLaptiü)v (Mc. 



g Mt. 3, 16. 17. 

1, 4) ausläßt, um die Konsequenz für den besonderen Fall Jesu 
vorsorglich abzuschneiden. . 

3, 16. Ein locus vexatus in den Hss. und Versionen. Die 
gewöhnliche Lesart, „als Jesus getauft war, stieg er sofort aus dem 
Wasser" ergibt einen recht schlechten Sinn; das a tempo sollte 
sich auf die Theophanie beziehen, wie bei Mc, nicht auf das Auf- 
steigen. 'Aveßvj ttTTo Tou uSaxos ist neben ßaTrita&st? völlig über- 
flüssig, und wenn es davon ausdrücklich unterschieden wird (was 
bei Mc nicht geschieht), so fällt in offenbar verkehrter Weise Ge- 
wicht darauf, daß Jesus erst auf dem Trocknen sein mußte, bevor 
der Geist erschien und die Stimme erscholl. In Wahrheit ist beudes 
identisch. Ich möchte als ursprünglichen Text vermuten: xat 
ßaTTTiaöetc 6 'I/jaouc föou dvecp^ör^oav auxq) ol oöpavot, so ketzerisch 
auch ein solches Griechisch für Mt scheinen mag. Der Satz eoftüc 
dveß>] oLTzo TOü 58c(To; ist aus Mc nachgetragen, um den Nominativ 
ßairitö9eu nicht in der Luft schweben zu lassen. Es ist aber ein 
Nominativus absolutus; vgl. D. 5, 40. 17, 2. 9. 14. Er wird durch 
aotq) hinter dvsqJj^ÖKjaav wieder aufgenommen, welches äußerlich 
durch B und D und die Syropalästina, innerlich aufs sicherste 
durch xal elöev bezeugt ist. — D liest xaTotßatvovxa im Masculin. 

3, 17. Den Geist sieht bei Mt nur Jesus, aber die Stimme 
richtet sich nicht an ihn, sondern an- die anderen. Umgekehrt ist 
es bei Lc. Durch ihre Inkonsequenz bestätigen beide den Mc; 
Mt legt durch elSsv Zeugnis für ihn ab und Lc durch ab el. 

§3. Mt.4, 1-11. Q*. 

Darauf wurde Jesus von dem Geist hinaufgeführt in die 
Wüste, um von dem Teufel versucht zu werden, ^ünd als er 
vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn 
nachdem. 'Und der Versucher trat heran und sprach zu ihm: 
bist du Gottes Sohn, so sag, daß diese Steine Brote werden. 
*Er aber antwortete und sprach: nicht von Brot allein lebt 
der Mensch, sondern von jedem Worte Gottes. ^Da nahm ihn 
der Teufel mit nach der heiligen Stadt und stellte ihn auf 
einen Vorsprung des Heiligtums ^und sprach zu ihm: bist du 
Gottes Sohn, so wirf dich hinab, denn es steht geschrieben: er 
wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben und sie werden 
dich auf Händen tragen, daß diu deinen Fuß nicht an einen 



Mt.4, 1-4. 9 

Stein stoßest. ^ Jesus sagte zu ihm: wiederum steht geschrieben: 

du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen. ^Weiter 

nahm ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg und zeigte 

ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach: 

das will ich dir alles geben, wenn du niederfällst und mir 

huldigst. ^^Darauf sprach Jesus zu ihm: heb dich foi-t, Satan, 

denn es steht geschrieben: dem Herrn deinen Gott sollst du 

huldigen und ihm allein dienen. ^* Darauf ließ ihn der Teufel 

und siehe die Engel kamen heran und brachten ihm zu essen. 

Wenn die Versuchungsgeschichte bei Mt und Lc aus Q stammt, 

so muß Q auch die darin vorausgesetzte Taufgeschichte enthalten 

haben. Dann haben die ersten drei Perikopen des Mo in der selben 

Reihenfolge auch in Q gestanden; an gegenseitige Unabhängigkeit 

ist also nicht zu denken. Mt und Lc weichen hier zwar mehr von 

einander ab als in § 1, stimmen aber doch im ganzen überein. Im 

Unterschied von Mc wird die Versuchung als eigentlicher Zweck 

des Wüstenaufenthalts stärker hervorgehoben und in drei Absätzen 

ihrem Inhalt nach eingehender beschrieben. Ihr Inhalt wird daraus 

abgeleitet, daß Jesus durch* die Taufe der Sohn Gottes geworden 

ist. Daher ergeben sich die von Jesus als teuflische Verführungen 

abgewiesenen Ansprüche auf Erweisung wunderbarer Kräfte und 

namentlich auf irdische Herrschaft. Diese gebührt nach jüdischen 

Begriffen dem Messias, der Sohn Gottes bedeutet demnach den 



4, 1. 'AvTJxövj vom Jordan in die höher gelegene Wüste. In 
dem unsemitischen Passivsatz erscheint der Geist weniger hand- 
greiflich als in dem Aktivsatz bei Mc und im Hebräerevangelium. 

4, 2. Bei Mc hält sich Jesus zwar vierzig Tage in der Wüste 
auf, fastet aber nicht während dieser ganzen Zeit. Daß Mc abge- 
schwächt habe, läßt sich weniger leicht annehmen, als daß Q ge- 
steigert habe. Wenn aber in dem vierzigtägigen Fasten eine Fort- 
entwicklung der Tradition gesehen werden muß, so auch in der 
davon abhängigen Versuchung, die durch den Hunger veranlaßt ist. 
Vgl. zu 4, 11. 

4, 3. 4. Als Subjekt steht immer 6 uto; xou &cou, 6 6. toü 
dvöpcüTtoü. Als Prädikat aber Mt. 14, 33 8'eouüt6?,Mc. 15,39. Joa. 19,7 
uio; 0., Joa. 16, 36 und an unserer Stelle otöc xoul 0., ebenso wie 
Joa. 5, 27 üJo; dvöpwTuou. Der Unterschied ist also nur grammatisch. 
Vgl. D 16,13. — In 4, 4 folge ich der Syropalästina und D. 



10 Mt. 4, 5-11. 

4, 5. 6. Das Ansinnen, sich herabzustürzen, ist nicht eben 
verlockend. Der Teufel motivirt es durch eine Bibelstelle, die 
vielleicht auf den Messias bezogen wurde. Man wird daran er- 
innert, daß Simon Magus, der falsche Messias, seine göttliche Kraft 
mit Fliegen durch die Luft beweisen wollte. — Nur bei Mt und 
in der Apokalypse wird Jerusalem die heilige Stadt genannt. Zu 
irxepüYtov vgl. Dan. 9, 27. 

4, 8 — 10. Die Hauptvei-suchung steht bei Mt am Schluß. Der 
Versucher deduzirt sie merkwürdigerweise nicht aus der Messias Vor- 
stellung, sondern er selber stellt sie als rein teuflisch dar, als wollte 
er abschreckend und nicht verführerisch auf Jesus wirken. Bei 
Mc (8, 32. 33) tritt diese spezifisch messianische Versuchung nicht 
gleich am Anfang, sondern erst in viel späterer Zeit an Jesus heran, 
und zwar durch Petrus. Das dort an Petrus gerichtete Wort üTuaYS 
aaiava wird Mt. 4, 10 an den Teufel gerichtet; ob iTriio) jjloü 
(richtiger 6. aoü) dabei steht oder nicht, ist einerlei. Die Frage 
der Priorität drängt sich auf. Man kann kaum zweifeln, daß der 
ursprüngliche Versucher in der evangelischen Überlieferung Petrus 
und nicht der Teufel war, und daß die Sache erst nachträglich in 
den Anfang vorgerückt wurde. — Jesus sagt aaiava^, Mt nach der 
Septuaginta SiotßoXo;. Paulus und Mc gebrauchen aber 8taßoXoc 
nicht. 

4, 11. Die Engel erscheinen erst, nachdem der Versucher ab- 
getreten ist. Bei Mc geben sie Jesu während der vierzig Tage zu 
essen. 

§ 4. Mt. 4, 12-17. 

Auf die Kunde aber, daß Johannes dahingegeben sei, zog 
er sich nach Galiläa zurück. *^Und indem er Nazareth verließ, 
kam er und nahm Wohnung in Kapernaum am See, im Ge- 
biet von Zabulon und Nephtalim — ^* damit erfüllt würde, was 
der Prophet Esaias gesagt hat: ^^das Land Zabulon und das 
Land Nephthalim, gegen den See zu, das andere Ufer des Jordans, 
das Galiläa der Heiden, ^MasVolk, das in Finsternis saß, hat 
ein großes Licht gesehen, und über denen, die im Lande und 
Schatten des Todes saßen, ist ein Licht aufgegangen. *^Seit 
damals begann Jesus zu verkünden: tut Buße, denn das Himmel- 
reich steht nahe bevor. 



Mt. 4, 12-22. 11 

4, 12. Durch die Abwandlung von Mc. 1, 14 entstellt der 
Schein, als ob Jesus sich vor Antipas aus Peräa geflüchtet habe, 
der doch auch in Galiläa herrschte. 

4, 13—16. Vgl. zu Mc § 5 am Schluß. Mt läßt Jesus in Ka- 
pernaum förmlich Wohnung nehmen und bezeichnet es als seine 
Stadt (9, 1), erwähnt sogar sein Haus dort, wenn man der Syra 
S. zu 17, 25 trauen darf; vgl. 9, 10. Mit dem „Gebiet von Zabulon 
und Nephthalim" erweist er seine biblische Gelehrsamkeit und be- 
reitet das folgende Citat vor, worin neben gehäuften Synonymen 
für Galiläa auch Peräa vorkommt. Der wunderliche Akkusativ 
oöov OaXaöar]c führt darauf, daß das Citat aus Theodotion stammt. 
Bei Iv x^?'^ ''^^'^ ^>^^^ öavaioü darf x^P^ eigentlich nicht Status 
cstr. zu öavotTOü sein. Die Syra S. und die Syropal. setzen deshalb 
statt x^P^ ^i^ Wort ein, das keinen Genitiv zur Ergänzung nötig 
hat. Aber ein verschiedenes; jene Trauer, diese Finsternis. 

4, 17. MsTavostxe und ^a'p fehlt in der Syra S. und bei anderen 
alten Zeugen. Es wäre nicht unglaublich, daß Mt die Aufforderung 
zur Buße hier übergangen hätte; vgl. zu 5, 1.2. 10, 6.7. 



§ 5. Mt. 4, 18-22. 

Wie er aber am See von Galiläa wandelte, sah er zwei 
Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und seinen Bruder 
Andreas, wie sie Netz auswarfen im See, denn es waren 
Fischer. '^Und er sprach zu ihnen: kommt her mir nach, ich 
will euch zu Menschenfischern machen. ^°Da ließen sie so- 
gleich das Netz liegen und folgten ihm nach. '^Und ein wenig 
weiter gehend sah er zwei andere Brüder, Jakobus den Sohn 
des Zebedäus und seinen Bruder Johannes, wie sie in einem 
Schiff mit ihrem Vater Zebedäus ihr Netz zurecht machten. 
Und er rief sie, ^''sie aber verließen sogleich das Schiff und 
ihren Vater und folgten ihm nach. 

Mt läßt die Tagelöhner (Mc. 1, 20) aus. Seine übrigen Ab- 
weichungen von Mc betreffen nur den Ausdruck. Kai aöxoüc Mc. 1, 19 
scheint er einfach als Anfang eines semitischen Zustandsatzes auf- 
zufassen. Beachtenswert ist, daß die vier Jünger sofort zu Aposteln 
oder Missionaren berufen werden; denn das bedeutet „Menschen- 
fischer". 



12 Mt. 4, 23—25. 

Mt. 4, 23-25. 

Und er zog herum in ganz Galiläa, lehrte in den Syna- 
gogen uüd predigte das Evangelium vom Reich und heilte 
allerhand Seuche und Krankheit im Volke, "und das Gerücht 
von ihm ging aus in ganz Syrien. Und sie brachten alle, die 
an mancherlei Krankheit litten, und Besessene und Mond- 
süchtige und Gelähmte, und er heilte sie. "Und viel Volk 
aus Galiläa und der Dekapolis und Jerusalem und Judäa und 
dem Lande jenseit des Jordans folgte ihm. 

Hier verläßt Mt den Faden des Mc, um die Bergpredigt mit- 
zuteilen, die in Mc keine Stelle hat. Da aber Jesus nicht bloß 
lehrt, sondern auch heilt und grade darum großen Zulauf findet, 
so gibt Mt zuvörderst über seine Heiltätigkeit eine allgemeine Über- 
sicht und setzt dieselbe, etwas plötzlich, an stelle der einzelnen Taten 
des ersten Sabbats, welche bei Mc die Vollmacht seiner Lehre be- 
weisen sollen. Das Evangelium des Reichs müßte nach 4, 17 
bedeuten: die Ankündigung des bevorstehenden Reichs. In Wahr- 
heit ist aber der Inhalt des Evangeliums nicht futurisch, sondern 
präterital und präsentisch. 

Q* Mt. 5, 1-12. Lc. 6, 20-23. 

Da er aber die Menge sah, ging er auf einen Berg hinauf, 
und nachdem er sich gesetzt hatte, traten die Jünger zu ihm 
heran. ^Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie also: 
^ Selig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich des 
Himmels. ^ [Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land 
erben.] *Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet 
werden. ^Selig die, welche hungert und dürstet nach der 
Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden. ^ Selig die 
Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. ^Selig die 
Herzensreinen, denn sie werden Gott schauen. ^ Selig die Fried- 
fertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen. '^'Selig die um 
Gerechtigkeit Verfolgten, denn ihrer ist das Reich des Himmels. 
^' Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und 
allerlei Böses wider euch sagen um meinetwillen; ^^freut euch 
und frohlockt, weil euer Lohn groß ist im Himmel, denn ebenso 
haben sie die Propheten vor euch verfolgt. 



Mt. 5, 1—3. 13 

5, 1.2. Bei Mc pflegt Jesus sich auf einen Berg zurückzu- 
ziehen, um einsam zu sein und zu beten. Bei Mt (14, 23) kommt 
das auch vor. Hier aber und ebenso 15, 29 umgeben ihn die 
Jünger, die näher an ihn herantreten, und das Volk (7,28. 8,1). 
Der Berg ist ofl'ene Bühne. Nicht aber ein Analogen des Sinai; 
auf dem Sinai befindet sich nur Gott, Moses und das Volk bleiben 
unten. Unter den Jüngern können bei Mt nicht bloß die Zwölfe 
verstanden werden; denn sie werden ei*st 10, 1 eingeführt, bis jetzt 
sind nur die vier Apostel erwählt. Jünger ist vielmehr ein un- 
bestimmterer und umfassenderer Begriff, Jünger und Volk sind 
Kern und Schweif der christlichen Gemeinde (Mc. 8, 34). Die 
Rede ist nicht an ein neutrales Publikum gerichtet, zu dem Jesus 
Beziehungen noch nicht hat, sondern ei*st anknüpfen will. — Wie 
Q mit Mc. § 1 — 3 parallel geht, so hier auch noch mit Mc. § 4. 
Denn die Bergpredigt (bei Lc Feldpredigt) als Programm der Lehr- 
tätigkeit Jesu, namentlich ihr Anfang (5, 1 — 12), ist ein Gegen- 
stück zu Mc. 1, 15 (Mt. 4,17). Der Unterschied ist freilich groß. 
Dort eine kurze anspruchslose Zusammenfassung des allgemeinen 
und stets wiederkehrenden Inhalts der Predigt Jesu; hier ein kunst- 
volles ausgearbeitetes Manifest. Und nicht bloß ein formeller Unter- 
schied besteht, sondern auch ein inhaltlicher. Bei Mc ist das 
Thema Jesu das selbe wie das des Täufers, nämlich die jisravota; 
das Bevorstehen des Reiches Gottes ist das Motiv dazu, eine auf- 
rüttelnde Drohung. Zu Q dagegen zeigt Jesus, anders wie Johannes, 
nicht den Revers, sondern gleich anfangs den Avers des Reiches 
Gottes; er lockt damit, er verkündet es als Freudenbotschaft. Er 
beginnt nicht mit einer ernsten Warnung an das ganze jüdische 
Volk, sondern mit einer Seligpreisung der Seinigen. — Mt liebt 
biblische Phrasen, wie: er tat seinen Mund auf und sprach. Der 
Lehrer sitzt, die nächste Corona bilden die Jünger. 

5, 3. Der starke und sakral gefärbte Ausdruck fiaxotptoc, der 
bei Mc nirgend vorkommt, entspricht in' der Septuaginta dem Hebr. 
aschre und hier dem aram. tubai: das ist eine nicht eben über- 
schwängliche Gratulationsformel. Auf den Ausruf folgt überall ein 
Begründungssatz, wie Isa. 3, 10. 11 (1. aschre für imru). Dabei 
hebt Mt stets das Subjekt durch aötot hervor, gleich als ob er be- 
merklich machen wollte, daß er die zweite Person (bei Lc) in die 
dritte Person übertrage. — Der ersten Seligpreisung liegt das Wort 
Isa. 61,1. Mt. 11,5. Lc.4, 18. 7,22 zu gründe; die frohe Botschaft, 



14 Mi 6, 4-Ö. 

die dort den Armen verkündigt wird, ist eben die, daß ihrer das 
Reich Gottes ist. Daraus erhellt nun, daß der ursprüngliche Aus- 
druck „die Armen" ist wie bei Lc. 6, 20, und nicht „die Armen 
im Geist". Der Zusatz ist bei Tz-ouyyo^ nicht so angemessen wie 
etwa bei xoiftapo^ oder xaTrsivic tq xapSta; denn tttcü/o? wird nicht 
in einem so allgemeinen Sinne gebraucht wie etwa das deutsche 
arm (z. B. waldarm, blutarm) und verträgt eigentlich keine Er- 
gänzung. Aber allerdings sind die Armen schon in Isa. 61, 1 und 
in den Psalmen ein sublimirter und gleichsam religiöser Begriff 
geworden; es sind nicht die Leute, die kein Geld haben, sondern 
die Frommen, die sich in der Welt enttäuscht und unterdrückt 
fühlen. Das Reich Gottes scheint hier zukünftig gedacht zu sein, 
wenigstens sind alle Verba futurisch. 

5, 4 (nach der modernen Vulgata 5, 5) ist ein Citat, Ps. 37, 11. 
Zwischen den irrtoyot und den irpasTc (anijim und anavim) be- 
steht kaum ein Unterschied der Bedeutung, so daß sich 5, 4 mit 
5, 3 deckt. Unter dem Lande müßte hier nicht wie im Ps. 37, 11 
Palästina verstanden werden, sondern das Reich Gottes. Denn alle 
mit Sit beginnenden Begründungssätze haben den gleichen Sinn 
und variiren nur die am Anfang stehende Hauptformel: denn ihrer 
ist das Reich des Himmels. Das Land ist aber ein sonderbarer 
Ausdruck für das Reich Gottes. Vergl. zu 5, 10. 

5, 5 (nach der Vulgata 5, 4) lehnt sich ebenso wie 5, 3 an 
Isa. 61 an und zwar an 61, 2. 3: die Trauernden (Sions) sollen 
getröstet werden. Was Mt unter dem Trost versteht, ergibt sich 
aus dem Vergleich von Lc. 2, 25 mit Mc. 15, 43. Bei Lc heißt es 
weniger biblisch und frischer: selig ihr Weinenden, ihr werdet 
lachen. 

5, 6. Kai St^ÄvTs? T7]v 8txaioaüVY]v fehlt bei Lc. 6, 21. Man 
muß es für einen Zusatz des Mt halten, weil Jesus nur bei ihm 
„Gerechtigkeit" als religiösen Terminus gebraucht. Darum hat in- 
dessen Mt mit der uneigentlichen Auffassung der Hungernden doch 
so wenig unrecht wie mit der der Armen; vgl. Baruch 2, 18. Hunger- 
leider waren die ältesten Christen nicht. 

5, 8 ist abgewandelt aus Ps. 11, 7: die Schlichten werden sein 
Angesicht schauen. Der Glaube der Frommen, daß Gott trotz allem 
mit ihnen sei, wird dereinst Schauen und Erleben werden. Im 
A. T. verbirgt Gott sein Angesicht vor den Seinen, wenn er sich 
nicht um sie kümmert, und zeigt es ihnen, wenn er ihnen Recht 



Mt. 5, 9-12. 15 

schafft und sie rettet. Kaöapi^ rg xotpSta findet sich Psalm 24, 
4. 73, 1. 

5, 9. E?prjvo7tot6? wie pacificus = zum Frieden und zur Ver- 
söhnung bereit; vgl. 5, 23. 24. Mc. 9, 49. Nach 5, 45 könnte man 
geneigt sein, oJol fteoG moralisch von der Gottähnlichkeit zu ver- 
stehn. Mit Rücksicht auf die durchgehende Sinnesgleichheit aller 
zweiten Sätze in den Makarismen muß es aber nach Lc. 20, 36. 
Apoc. 21, 7 verstanden werden, als Belohnung im Reiche Gottes. 
Heißen bedeutet sein (5, 19); der Name deckt sich mit dem 
Wesen und ist die Offenbarung des Wesens. 

5, 10 wäre die achte Seligpreisung. Mt vermehrt aber die drei 
Selfgpreisungen bei Lc nicht deshalb, um sie auf acht, sondern um 
sie auf sieben zu bringen; ebenso wie er es bei den Bitten des 
Vaterunsers macht. Er hat auch sieben Gleichnisse in Kap. 13 und 
sieben Weherufe in Kap. 23. Eingeschoben ist nun nicht der aller- 
dings inhaltlich leicht wiegende Vera 10; denn er soll den Über- 
gang zu den beiden folgenden Versen machen. Sondern vielmehr 
Vers 4, denn er ist mit Haut und Haar (tyjv ^r^v) aus Ps. 37, 11 
übernommen, und er hat in den Hss. eine schwankende Stellung — 
was öfters ein Zeichen der Interpolation ist. 

5, 11. 12 hebt sich durch die zweite Person ab, die bei Lc von 
vornherein durchgeht. Angeredet ist deutlich die zukünftige Ge- 
meinde, die um Christi willen Verfolgungen erleidet und zwar von 
den Juden, oder vielmehr sie schon erlitten hat, wenn man auf 
das präteritale 8e8tü)Y|jLevot Gewicht legen darf. Das ij/süSofievot ist 
neben Ivexev ifAOü zu viel, fehlt bei Lc und muß auch bei Mt ge- 
strichen werden, mit D und den alten syrischen und lateinischen 
Versionen. „Euer Lohn ist im Himmel" würde in einer jüdischen 
Schrift bedeuten: er ist im Himmel aufbewahrt, um von dort der- 
maleinst auf die Erde herabzukommen, mit dem Reiche Gottes und 
seinen Gütern. Ob dieser Sinn auch hier beabsichtigt ist, läßt sich 
nicht sicher entscheiden. 

Bei Lc kommen die Seliggepriesenen in das Reich Gottes nicht 
wegen dessen, was sie sind und tun, sondern wegen dessen, was 
sie entbehren und leiden. Bei Mt treten an stelle der Entbehrungen 
und Leiden meist innere Eigenschaften oder Tendenzen, durch die 
sie sich des Reiches würdig machen oder darauf hinstreben. Bei 
Lc tritt die freudvolle Zukunft rein in Gegensatz zu dem Jammer 
der Gegenwart; bei Mt bereitet sie sich schon in den Herzen der 



16 Mt. 5, 13 SS. 

Auserwählten vor. Natürlich sind auch bei Lc innere Bedingungen 
vorausgesetzt, sie werden jedoch nicht hervorgehoben. Die Vari- 
anten bei Lc verdienen überall den Vorzug. Mt hat die Makaris- 
men moralisirt, ihre Zahl auf sieben gebracht und ihre Adresse 
wenigstens formell über die Jünger hinaus erweitert auf alle, welche 
die nötige Qualifikation besitzen. Nur in dem Spruch 5, 11. 12 hat 
er das Ursprüngliche beibehalten. Da richtet sich die Anrede an 
die Jünger, und sie werden nicht für ihre Tugenden belohnt, son- 
dern für die Verfolgungen, die über sie hereingebrochen sind. 

Mt. 5, 13-37. 

Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade 
wird, womit soll es (selber wieder) salzig gemacht werden? 
es taugt zu nichts, als weggeworfen und von den Leuten zer- 
treten zu werden. ^*Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, 
die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. 
**Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den 
Scheffel, sondern (man stellt es) auf den Leuchter: dann leuchtet 
es allen im Hause. ^®Also leuchte euer Licht vor den Leuten, 
daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel 
preisen. 

^^ Meint nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Pro- 
pheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, son- 
dern zu erfüllen. ^^Amen ich sage euch, bis Himmel und 
Erde vergehn, soll kein Jota [oder kein Strich] vom Gesetz 
vergehn, bis alles geschieht. *^Wer also eins von diesen ge- 
ringen Geboten löst und so die Leute lehrt, wird gering heißen 
im Reich des Himmels; wer es aber tut und lehrt, der wird 
groß heißen im Reich des Himmels. ^*^[Denn ich sage euch, 
wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftge- 
lehrten und der Pharisäer, so werdet ihr gewiß nicht in das 
Reich des Himmels hineinkommen.] 

"Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt ist: du sollst 
keinen Mord begehn, wer aber einen Mord begeht, soll dem 
Gericht verfallen. '^Ich aber sage euch: wer mit seinem 
Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen, und wer zu seinem 
Bruder Raka sagt, soll dem Hochgericht verfallen, und wer 
sagt: du Narr, soll der Geenna des Feuers verfallen. "Also 



Mt. 5, läss. 17 

wenn du dein Opfer zum Altar bringst und dich dort erinnerst, 
daß dein Bruder etwas wider dich habe, **so laß dein Opfer 
vor dem Altar und geh vertrag dich erst mit deinem Bruder, 
und dann komm, bring dein Opfer dar. '*Sei dem, der mit 
dir rechten will, zu willen und säume nicht, solange du noch 
mit ihm auf dem Wege bist, damit er dich nicht dem Richter 
übergebe und der Richter dem Büttel und du ins Gefängnis 
geworfen werdest. '^Amen ich sage dir, du wirst nicht her- 
auskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast. 

*^Ihr habt gehört, daß gesagt ist: du sollst nicht ehe- 
brechen. "Ich aber sage euch: wer ein Weib ansieht sie zu 
begehren, treibt schon Ehebruch mit ihr in seinem Herzen. 
''Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Straucheln bringt, 
so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir besser, 
daß eins deiner Glieder verloren gehe und nicht dein ganzer 
Leib in die Geenna komme. 

'*Es ist gesagt: wer sein Weib entläßt, gebe ihr einen 
Scheidebrief. "Ich aber sage euch: wer sein Weib entläßt, 
außer wegen Hurerei, der macht, daß sie die Ehe bricht, und 
wer eine Entlassene freit, der bricht die Ehe. 

"Weiter habt ihr gehört, daß den Alten gesagt ist: du 
sollst nicht falsch schwören, sondern dem Herrn deinen Eid 
erfüllen. **Ich aber sage euch, ihr sollt überhaupt nicht 
schwören, weder bei dem Himmel, denn er ist der Thron 
Gottes, *^noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner 
Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen 
Königs. "Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören, 
denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. 
'^Sondern eure Rede sei ja für ja und nein für nein; was 
darüber ist, ist vom Unrecht. 
5, 13 — 16. Die in 5, 11. 12 eingeleitete Anrede mit Ihr setzt 
sich nun fort. Während aber vorher eine andere Welt erhofft und ver- 
heißen wird, soll hier die gegenwärtige Welt durch ^die innere 
Macht der christlichen Gemeinde umgewandelt werden. Daran 
schließen sich dann die moralischen Anforderungen an die christ- 
liche Gemeinde, die viel höher sind als die an die Juden gestellten. 
5, 13. Zu gründe liegt Mc. 9, 50, bestätigt durch Lc. 14, 34; 
das umgekehrte Verhältnis ist nicht denkbar. Nach Mc sollen die 
Jünger Salz bei sich haben, nach Mt sind sie selber das Salz der 

Wellhaasen, Evang;.Matthaei. 2 



18 Mt. 5, 14—18. 

Erde oder der Welt. Merkwürdig, daß nicht Jesus selber, sondern 
die Jünger (d. h. die Gemeinde) das Salz und das Licht der Welt 
genannt werden. In dem selben Sinne heißt das Reich Gottes 
der Sauerteig. 

5, 14 — 16. Zu gründe liegt Mc. 4, 21, bestätigt durch Lc. 8, 
16. 11, 33; Mt deutet auch hier um. Das Licht ist nach ihm nicht 
die Lehre Jesu, sondern der gute Wandel seiner Jünger: fein, 
aber gesucht; denn die Lehre gehört auf den Leuchter, nicht der 
Wandel. Die Gemeinde soll ein sicheres Zutrauen haben zu der 
ihr innewohnenden göttlichen Kraft, die ohne Worte die Welt wirbt 
und von innen überwindet. „Unser (euer) Vater im Himmel" ist 
ein von den Juden übernommener Ausdruck, der seinen Hauptsitz 
bei Mt hat. 

5, 17 — 20 sind eine möglichem Misverständnis vorbeugende 
Einleitung zu der folgenden Polemik gegen das Gesetz. Jesus will 
es trotz allem nicht auflösen, sondern erfüllen; seine Absicht ist 
nicht negativ, sondern positiv, sogar Superlativ. Vgl. zu 5, 31. 32. 
Die gesetzgeberische Autorität, die er in Anspruch nimmt, setzt 
voraus, daß er sich an seine Gemeinde richtet. Die Stellungnahme 
des neuen Gesetzgebers zum Gesetz der Alten war die brennende 
Frage des jungen Christentums. Bei Mc. § 49 berührt Jesus sie nur 
gelegentlich, aber ganz unbefangen. Bei Mt greift er sie gleich in 
seiner ersten Rede prinzipiell an, aber viel befangener. 

5, 17. Die Prophetie kommt als Ergänzung des Gesetzes in 
betracht, nicht als Weissagung; das oder (= und) erklärt sich aus 
der vorangehenden Negation. Wie das Auflösen nicht durch Han- 
deln, sondern durch Lehren geschieht, so auch das Erfüllen nicht 
durch das Tun der Gebote, sondern durch die Bestimmung ihres vollen 
Sinns, sodaß den Intentionen über den Wortlaut hinaus zum Ziel 
verhelfen wird. Jesus gibt sich als Lehrer und vergleicht sich mit 
anderen jüdischen Gesetzeslehrern. 

5, 18. Der Spruch findet sich auch bei Lc (16, 17) und zwar 
noch schroffer. " Eoj; äv Travxa ^evr^Tat (Mc. 13, 30) muß aus dem vor- 
hergehenden Satz mit l«>; av erklärt werden. Es wird also ein Auf- 
hören des Himmels und der Erde und damit auch des Gesetzes in Aus- 
sicht genommen — anders wie Lc. 16, 17. In der Syra S. fehlt f^ 
vor [j-ta xepata, dann würde dies als Interpolation aus Lc erscheinen, 
wo es nicht neben fmxa 2v, sondern statt desselben erscheint. Da 
es sich um die Schrift des Gesetzes handelt, so ist das Jota nicht 



Mt. 5, 19. 20. 19 

der griechische Buchstabe. In der hebräischen Schrift ist nun aber 
das Jod nicht besonders klein, sondern nur in der aramäischen, in 
die das A. T. damals also schon transkribirt gewesen sein muß, 
wie man mit Recht geschlossen hat. Vgl. Lidzbarski 192. 

5, 19. Man sollte aus historischen Gründen denken, es handle 
sich hier um die jüdischen Schriftgelehrten. Aber das zweimal 
wiederholte „im Reiche Gottes" führt mit Notwendigkeit auf die 
christliche Gemeinde (11, 11. 13, 52) und auf christliche Lehrer, die 
bei Mt stets mit den jüdischen Schriftgelehrten auf eine Stufe ge- 
stellt werden. Jesus setzt also auch hier die Zukunft als Gegen- 
wart voraus. Er exkommunizirt zwar nicht diejenigen Lehrer 
seiner Gemeinde, welche eine oder die andere Bestimmung des Ge- 
setzes aufheben, weist ihnen aber einen niederen Rang an als denen, 
die das ganze Gesetz aufrecht erhalten. Zwischen fiSYac und 
tkoiiiazo; ist kein Unterschied des Grades, das Aramäische hat für 
den Superlativ keine besondere Form ausgebildet. Uoiria-q ist un- 
bequem; es müßte dem \6a-q gegensätzlich entsprechen. In D fehlt 
die zweite Hälfte des Verses. 

5, 20. Die Gerechtigkeit ist das pharisäische Ideal und bei 
Mt auch das christliche. Bei Mc kommt Sixoitoaüvr) und Stxatoüv 
überhaupt nicht vor, und Stxotio; nur einmal ironisch 2, 17, wenn 
man die große Parenthese 6, 17 — 29 außer betracht läßt. Im Fol- 
genden wird jedoch nicht gegen die Gerechtigkeit der Pharisäer 
polemisirt. Auch zum Vorhergehenden steht unser Vers in schiefem 
Verhältnis; er schwebt einigermaßen zwischen zwei Stühlen. In D 
fehlt er. 

5, 21 — 26 ist die erste von den wuchtigen Antithesen, die nun 
schlag auf schlag sich folgen. Jesus wirft sein Ich sage euch 
in die Wagschale gegen das, was den Alten gesagt ist, nicht gegen 
Moses (vgl. 5, 31 gegen Mc. 10, 3). Moses soll offenbar aus dem 
Spiel bleiben. Es gelingt jedoch nur formell; denn das, was zu 
den Alten gesagt ist, unterscheidet sich in Wahrheit nicht von dem 
Gesetze Moses. Vermutlich soll der Wortlaut des Gesetzes der 
jüdischen Religion gleichgesetzt werden, die aber in mancher Hin- 
sicht doch ebenso darüber hinausging wie die christliche. Die Folie 
wird verdunkelt, um das Liebt heller strahlen zu lassen. Es 
schimmert eine Stimmung durch, welche durch die Kreuzigung 
Jesu in den Jüngern erzeugt wurde und durch die Verfolgungen, 
die sie selber auszustehn hatten. Mt steckt als schriftgelehrter 

2* 



20 Mt. 5, 21-24. 

Jerusalemer viel tiefer im Judentum als Jesus von Galiläa und be- 
urteilt trotzdem seine christenfeindlichen Volksgenossen, namentlich 
deren geistige Führer, viel schärfer. Er schwankt zwischen zwei Polen. 

5, 21. Kptaic ist nicht das Urteil, sondern wie in Dan. 7, 10 
(das Gericht setzte sich) das Gericht als Behörde und zwar das 
Lokalgericht, das die höhere Instanz des Synedriums in Jerusalem 
über sich hat. Nach dem Deuteronomium ist das Lokalgericht 
in der Tat auch für Kapitalverbrechen zuständig. Aber eine so 
milde ausgedrückte Strafbestimmung für den Mord („er ist krimi- 
nell") findet sich im Gesetz nirgend. Sie ist hinzugefügt, um zu 
dem Gegensatz in 5, 22 überzuleiten und ihm Relief zu geben. 

5, 22. Der Bruder ist wie in 7, 3 nicht bloß der christliche 
Bruder; indessen liegt kein Anlaß vor, die Heiden einzubegreifen, 
da die Angeredeten tatsächlich auf den Kreis der jüdischen Ge- 
sellschaft beschränkt sind. Paxct soll nach Übereinkunft der Sach- 
verständigen Np^*1 sein, entspricht aber diesem Worte nur mangel- 
haft. Die Syrae übernehmen es, wie billig, unübersetzt, geben 
dagegen jiwps mit N"»tOt^ wieder: das entsprechende Schaute ist 
noch heutzutage ein übliches jüdisches Schimpfwort. Sprache und 
Horizont sind hier bemerkenswert jüdisch; die jüdische Obrigkeit 
ist noch durchaus in Bestand und Funktion, und Jesus erkennt ihr 
Recht an. Die Drohung: „tu das nicht, sonst kommst du vor das 
Gericht (Qahal)", findet sich z. B. im Buch Sirach des öfteren. Das 
gut bezeugte ehri ist doch wol interpolirt; auch das Verbot des 
Schwörens lautet ganz allgemein, obwol der gesetzliche Eid nicht 
verboten werden soll. 

5, 23. 24 Awpov ist Opfer, wie 23, 18. 19. Joseph. Ant. 1, 167. 
Bell. 4, 73. Der Spruch ist für Jerusalemer berechnet, die den 
Tempel zur Hand hatten, und nicht für Galiläer, zu denen Jesus 
doch reden müßte; für diese wäre wenigstens eine Situation, wie 
sie hier angenommen wird, recht ungewöhnlich gewesen (trotz 
Mc. 1, 44). Daher wird man der Formulirung bei Mc (11, 25) 
den Vorzug geben müssen: wenn ihr steht und betet, so ver- 
gebt, was ihr etwa gegen wen habt. Mt judaisirt hier wie öfter. 
Er setzt voraus, daß der Opferdienst noch in vollem Gange ist und 
daß auch die jerusalemischen Christen daran teilnehmen. Daß er 
xaTaXXaYT^ftt sagt für a9STs und „wenn dein Bruder etwas gegen 
dich hat" statt „wenn du etwas gegen deinen Bruder hast", ge- 
schieht um der Anknüpfung der folgenden Verse willen. 



Mt. 5, 25-32. 21 

5, 25. 26 ist bei Lc (12, 58. 59) besser so ausgedrückt: wenn 
du mit deinem Verkläger zum Richter gehst, so gib dir noch auf 
dem Wege Mühe, von ihm loszukommen. ^'laöt im Imperativ vor 
Partizip oder Adjektiv kommt öfters vor (Mc. 5, 34. Lc. 19, 17) und 
ist nach der Septuaginta zu Prov. 3, 5 nicht als Aramaismus zu be- 
trachten. 

5, 27 — 30. Schon die Alten sind bei dem Wortlaut des sechsten 
Gebots nicht stehn geblieben; Jesus geht trotz Mt über lob. 31 nicht 
hinaus. Füvatxa 5, 28 ist natürlich das Weib eines anderen. 
Der Vers 29 (merkwürdig 6 ösSioc), der aus 18, 9. Mc. 9, 45 stammt, 
ist hier sehr gut angebracht. Vers 30 aber fehlt mit Recht in D 
und Syra S. Denn Hand und Fuß passen nicht in den Zusammen- 
hang, der sich von 5, 27 — 29 auf 5, 31. 32 fort erstreckt; sie sind 
nicht wie das Auge kupplerische Organe, welche die Begierde zum 
Weibe reizen. 

5, 31. 32 stammt aus Mc. 10, 1 — 12. Die Änderungen sind 
keine Verbesserungen. Der Xopc Tropvst^? kommt bei dem Recht 
des Mannes, seine Frau zu entlassen, gar nicht in Frage; w^enn sie 
die Ehe bricht, so hat sie sich widerrechtlich von ihm getrennt 
und soll nach dem Gesetz gesteinigt werden. Und was bei Mc nur 
als eine mögliche Folge der Scheidung (im Fall der Wiederver- 
heiratung) nachträglich erwähnt wird, tritt hier ohne weiteres ein 
wie eine notwendige Konsequenz, so daß die Scheidung an sich 
als Ehebruch erscheint. 

Dies ist der einzige Fall, wo Jesus eine mosaische Verordnung 
geradezu aufhebt, also das stärkste Beispiel seines Widerspruchs 
gegen das Gesetz. Von hier aus (und nicht von der Beschneidung 
aus) wird die ganze Erörterung über diesen schwierigen und wich- 
tigen Punkt bei den Judenchristen sich entsponnen haben. Das 
erhellt namentlich aus Lc. 16, 17. 18: „leichter vergeht Himmel und 
Erde, als daß ein Buchstabenstrich vom Gesetze falle; wer sein 
Weib entläßt und eine andere freit, bricht die Ehe, und wer die 
Entlassene freit, bricht die Ehe". In dieser Zusammenstellung 
platzen die Gegensätze direkt aufeinander. Der erste Satz wider- 
spricht materiell dem zweiten (d. h. Mc. 10) total, ohne daß das 
formell bemerklich gemacht wird. Es ist aber klar, daß er dem 
zweiten die antinomistische Spitze abbrechen will und eben darin 
seine Wurzel hat, daß also Mc. 10 den Ausgangspunkt bildet. 
Nun deckt sich Lc. 16, 17. 18 mit Mt. 5, 18. 32 sachlich und größten- 



22 Mt 5, 33-37. 

teils auch im Ausdruck. Daraus folgt, daß Mc. 10 auch der Aus- 
gangspunkt für die dem Lc und Mt gemeinsame Quelle gewesen 
ist, deren nackter Wortlaut bei Lc erhalten ist. Mt verallgemeinert 
und stellt auch anderes als das Verbot der Scheidung unter den 
selben Gesichtspunkt, sodaß der ursprüngliche Gegensatz, von dem 
die ganze Betrachtung ihren Anfang genommen hat, zurücktritt. 
Merkwürdig, daß Mt auch in der Succession von 5, 29. 31 dem Mc 
(Kap. 9 am Schluß und Kap. 10 am Anfang) folgt. 

5, 33—37. Wie öpöetv hier zu verstehn ist, erhellt aus dem 
Folgenden. Es handelt sich um die Rede der Menschen unter ein- 
ander (5,37), die sie mit Eiden und Flüchen zu spicken pflegen; 
nicht um den geforderten Eid vor Gericht, der dem gegenüber im 
Morgenlande gar keine Rolle spielt, obwol wir immer gleich daran 
denken. Daran ändert SXo); nichts. Es war unter allen Umständen 
notwendig, um den Gegensatz auszudrücken: man soll nicht bloß 
nicht zur Lüge schwören, sondern überhaupt nicht schwören. 
Auch die Essener durften nicht schwören und schwuren doch bei 
der Aufnahme in den Orden schwere Eide, die ihnen von den 
Oberen auferlegt wurden. In 5, 33 liegt kein eigentliches Citat 
vor. „Die Stadt des großen Königs (d. h. Gottes)" ist für Mt und 
seine Verehrung Jerusalems ebenso bezeichnend wie ^die heilige 
Stadt«. 

Q*. Mt. 5, 38-48. Lc. 6, 27-36. 

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge, Zahn 
um Zahn. *'Ich aber sage euch, ihr sollt euch nicht wehren 
gegen das Unrecht. Sondern wer dich auf die rechte Wange 
schlägt, dem wende auch die linke her. *°Und wer dich ver- 
klagen will, um deinen Rock zu bekommen, dem laß auch den 
Mantel. "Und wenn einer dich für eine Meile pressen will, 
so geh mit ihm zwei. **Wer dich bittet, dem gib, und wer 
etwas von dir leihen will, von dem wende dich nicht ab. 

*'Ihr habt gehört, daß gesagt ist: du sollst deinen Nächsten 
lieben und deinen Feind hassen. **Ich aber sage euch: liebt 
eure Feinde und betet für eure Verfolger, ** damit ihr Söhne 
seiet eures Vaters im Himmel, denn er läßt seine Sonne auf- 
gehn über Böse und Gute und regnen über Gerechte und Un- 
gerechte. *^Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was habt 



Mt. 5, 38-47. 23 

ihr für ein Verdienst? tun nicht so auch die Zöllner? **ünd 
wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr besonderes? tun 
nicht auch die Heiden das selbe? ^^Ihr sollt also vollkommen 
sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. 

Nach dem Zwischenstück 5, 13-37 trifft Mt wieder mit Lc 
zusammen, bei dem dieser Abschnitt unmittelbar auf die Makaris- 
men folgt. Er setzt aber auch hier noch sein antithetisches Schema 
fort, und zwar mit weniger Recht. Denn die Talio 5, 38 war 
längst veraltet, und der Spruch 5, 43 steht in dieser Form nicht 
im Alten Testament und würde auch die Meinung desselben nur 
dann treffen, wenn d/Spo; der Nationalfeind sein sollte — was bei 
Mt nicht die Absicht ist. 

5, 39. AsSiav fehlt in D und Syra S (wie bei Lc. 6, 29), ob- 
wol es hier besser paßt als 5, 29. 

5, 40. D liest am Anfang xal 6 OiXcov im Casus absolutus, 
und das wird richtig sein, weil sonst die grammatische Rektion 
durch aÖT(p (hinter acpe^) nicht nachgeholt zu werden brauchte. 
Das Obergewand läßt sich weit leichter entbehren als das Unter- 
gewand; die notwendige Steigerung, die Lc. 6, 29 herauskommt, ist 
durch Mt verdorben. Bei Mt ist hier wie 5, 25 von Rechtsanspruch 
die Rede, bei Lc nicht. 

5, 41 fehlt bei Lc. Der Relativsatz steht einem Casus abso- 
lutus gleich, die Rektion wird durch [jlst aöioö im Hauptsatz nach- 
gebracht. Das d^Yapeustv (woher vielleicht a^^eXo?) ist Sache etwa 
eines Soldaten, der sich von einem Bauern sein Gepäck bis zum 
nächsten Dorfe tragen läßt. 

5, 44. Die Feinde sind die Juden, welche die Christen ver- 
folgen; bei Lc schließt der Vers an 5, 12 an. 'A^aTrav (Lc. 6, 33 
ocYaDoiroteTv) ist nicht so stark wie das deutsche lieben; toi>? d-^a- 
TTÄvia? 6|jia; 5, 46 bedeutet auf aramäisch nicht mehr als: eure 
Freunde. 

5, 45. „Söhne Gottes" hier im moralischen Sinn: ihm ähnlich. 
5, 47 fehlt in der Syra S. und bei Lc. Daß hier die Rede 
sei von einer bei den Christen eingerissenen (sonst indessen nur 
bei den Muslimen bekannten) Sitte, den Gruß zu einem religiösen 
Unterscheidungszeichen zu machen und ihn allen Nichtchristen zu ver- 
sagen, ist unwahrscheinlich, da die Heiden das doch nicht ebenso 
machen. Das Saläm boten sich nicht bloß die Juden, sondern auch 
die aramäischen Heiden: dXX' ei ji^v 2upoc icjai', aeXaji. 



24 Mt. 5, 48. 

5, 48. TsXeto? kommt in den Evangelien nur bei Mt vor, und 
auch bei diesem außer an unserer Stelle nur noch 19,21; vgl. die 
Note dort. Jesus legt kein Gewicht auf die Ausbildung der voll- 
kommeneu, gerechten und heiligen Persönlichkeit, sondern auf den 
Dienst des Nächsten. Viel echter Lc. 6, 36: ofxxtpfiovec. 

Mt. 6, 1-18. 

6, 1. Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen 
zu üben, um von ihnen angeschaut zu werden; sonst habt ihr 
keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. ^Wenn du also 
Almosen gibst, so posaune nicht vor dir her, wie die Heuchler 
tun, in den Synagogen und auf den Gassen, um von den Men- 
schen gerühmt zu werden: Amen, ich sage euch, sie haben 
ihren Lohn weg. 'Sondern wenn du Almosen gibst, so wisse 
deine Linke nicht, was die Rechte tut, * damit dein Almosen 
im Verborgenen geschehe und dein Vater, der auf das Ver- 
borgene den Blick richtet, dir vergelte. 

^Und wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler; denn sie 
lieben es, in den Synagogen und an den Straßenecken zu 
stehn und zu beten, damit sie den Menschen in die Augen 
fallen: Amen, ich sage euch, sie haben ihren Lohn weg. 
^Sondern wenn du betest, geh in die Kammer, schließ die 
Tür und bet zu deinem Vater im Verborgenen, und dein 
Vater, der auf das Verborgene den Blick richtet, wird dir ver- 
gelten. 

^Und wenn ihr betet, so plappert nicht wie Heiden, denn 
sie glauben erhört zu werden, wenn sie viel Worte machen. 
*Ahmt ihnen also nicht nach, denn euer Vater weiß, wessen 
ihr bedürft, ehe ihr ihn bittet. ^Ihr nun betet so: Unser 
Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, ^°es komme 
dein Reich, es geschehe dein Wille, w4e im Himmel, auch auf 
Erden, ^' unser . . . Brot gib uns heute, ^'und erlaß uns un- 
sere Schuld, wie wir unsern Schuldnern erlassen, "und bring 
uns nicht in Versuchung, sondern erlös uns von dem Übel« 
^*Denn wenn ihr den Menschen ihre Fehle vergebt, so wird 
auch euch euer himmlischer Vater vergeben; '*wenn ihr aber 
den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater euch die Fehle 
auch nicht vergeben. 



Mt.6,1-7. 25 

**Wenn ihr aber fastet, so macht kein trübseliges Gesicht 
wie die Heuchler; denn sie entstellen ihr Gesicht, um den 
Menschen als Faster in die Augen zu fallen. Amen, ich sage 
euch, sie haben ihren Lohn weg. ^'Sondern wenn du fastest, 
so salb dein Haupt und wasch dein Angesicht, ^Mamit du 
nicht in die Augen fallest den Menschen mit deinem Fasten, 
sondern im Verborgenen deinem Vater, und dein Vater, der 
auf das Verborgene den Blick richtet, dir vergelte. 
Dies Stück ist wiederum dem Mt eigentümlich. Bisher hat 
Jesus zur Moral des Gesetzes Stellung genommen, jetzt geht er 
über zu den opera supererogata, zu der Ascese des Judentums. 
Er braucht dafür speziell den Namen StxctioaüVYj 6, 1. Die Juden 
verstehn darunter vorzugsweise das Almosen; Jesus scheint auch 
Fasten und Gebet einzubegreifen. Vom eigentlichen Kultus redet 
er kein Wort, z. B. auch nicht von der Beschneidung. Vgl. zu 
Mc. 2, 18ss. 11, 25. 

6, 1. Zum Dativ hinter Oea&r^vat und 9avTjvat s. Nöldeke Syr. 
Gramm. § 247 (in der 2. Aufl.) und Blaß § 37, 4. El hh [atj^s = 
vella, sonst. 

6, 2. Der Numerus in der Anrede wechselt 6, 6. 17 genau so 
wie hier; nur 6, 8 wechselt er nicht. Die Heuchler schlechthin 
sind bei Mt die Pharisäer. 'ATusx'ioatv hat hier einen stärkeren 
Sinn wie direXaßs; Lc. 16, 25. 

6, 3. Das Verhältnis der rechten Hand zur linken dient auch 
bei den Arabern zur Bezeichnung der engsten und vertrautesten 
Gemeinschaft (Hamasa 422, 22. 100, 6). 

6, 4 Das zweite h T(p xpoTiTtp muß Objekt zu ßXsTroov sein. 
Im Hebräischen ist i nN*1 nicht selten, aber auch für das palä- 
stinische Aramäisch belegt Schultheß i N^on. 

6, 5 fehlt in der Syra S., dann müßte aber auch 6, 6 fehlen. 
Oöx eaeoföe wechselt 6, 16 mit [xi] -^ivsaös; im Aramäischen ist kein 
Unterschied. Auch ohne Negation wird das Futurum für Conjunctiv 
und Imperativ gebraucht (5, 45. 7, 6) ; s. Blaß § 64, 3. Zu cpi- 
Xoücyiv vgl. 23, 6. In D heißt es: cpiXoüOftv (jxr^vai . . . ^ax&Ts^ xal 
irpoösü/ofisvoi — ungriechisch und darum wol richtig. 

6, 6. Jesus geht bei Mc nicht in die Kammer, sondern auf den 

Berg, um einsam zu beten. Für vergelten erwartet man erhören. 

6, 7 setzt formell das Vorhergehende nicht fort, sondern hebt 

neu an. Es wird protestirt nicht gegen Juden, sondern gegen 



26 Mt. 6, 9-11. 

Heiden, und nicht gegen die Absicht, vor den Menschen zu scheinen, 
sondern gegen die Absicht, die Gottheit zu erweichen. Im Eingang 
steht ein Participium, nicht ein Satz mit otav, wie sonst; auch fehlt 
in 6, 8 der Übergang von der pluralischen in die singularische An- 
rede. Also beginnt hier wol ein Nachtrag (6, 7—15), der die 
Einschiebung des Herrengebets zum Zweck hat, welches bei Lc an 
anderer Stelle und in anderer Weise eingeführt wird. BaTTot^o7eiv 
wird erklärt durch iroXüXoYia; die Syrao hören ßotTtaXo — Xo^etv her- 
aus: das aramäische battäl bedeutet leer, nichtig. Man weiß nicht, 
wie die Heiden sich dadurch von den Juden untei*scheiden sollen, 
daß sie beim Gebet viele Worte machen. Der Vaticanus und die 
Syra C. verwandeln iOvixot in öiroxpitai, aber das ist falsch. 

6, 9. Das wahre Gebet ist die Schöpfung der Juden, und auch 
das Vaterunser folgt jüdischen Vorbildern, wenngleich es nicht bloß 
ex formulis Hebraeorum zusammengesetzt ist. Das Kaddisch, das 
man mit Recht vergleicht, fängt zwar nicht mit Abba an, hat aber 
auch als erste Bitte: dein Name werde geheiligt. Nur wird hinzu- 
gesetzt: in der künftigen Welt. Das nationale, eschatologische oder 
messianische Element, das im Vaterunser zurücktritt, geht im Kad- 
disch durch von Anfang bis zu Ende. Die Bitte „unser täglich 
Brot gib uns heute" könnte dort nicht vorkommen. 

6, 10. „Dein Reich komme" ist auch im Kaddisch die zweite 
Bitte. Statt der schwer verständlichen dritten Bitte, welche bei 
Lc (11, 2) fehlt, heißt es im Kaddisch: eure Bitte geschehe! 

6, 11. In iictoüatov stimmen Mt und Lc überein, so seltsam 
xiiese griechische Übersetzung des aramäischen Originals auch ist. 
Die Syrae S. (zu Lc. 11, 3) und C. geben das Wort wieder mit be- 
ständig, continuus; in 2 Macc. 1, 8 haben ein paar obskure 
Hss. TOüc apTOüc toü; Imooatoüc für I^DH üfh Num. 4, 7, wofür 
die Septuaginta oJ aptoi o£ SiocTravw sagt. Von continuus liegt 
quotidianus der alten Latinae nicht weit ab. Origenes geht von 
dieser ältesten, etymologisch allerdings ganz undurchsichtigen und 
auch zu (jr^fiepov oder -zh xaft' T)|jLspav (Lc) wenig passenden Erklä- 
rung ab und macht Bahn für eine neue, zu der Joa. 6, 34 ss An- 
leitung gegeben hat. Sie liegt vor in dem supersubstantialis des 
Hieronymus, ist aber gekünstelt und etymologisch auch nicht halt- 
bar. Gegenwärtig wird l7rto6atoc meist von yj imoGaa (V^P^) ^^' 
geleitet. Das ist etymologisch am bequemsten. Man beruft sich 



Mt. 6, 13-18. 27. 

dafür auf das Hebräerevangelium. Hieronymus sagt zu Mt. 6, 11: 
in evangelio quod appellatur Hebraeorum pro supersubstantiali pane 
reperi mahar quod dicitur crastinum. Dies setzt die Lesart des 
Mt voraus „unser Brot für morgen gib uns heute", und nicht die 
Lesart des Lc: „unser B. für morgen gib uns jeden Tag". Aber 
vergeblich fragt man sich, warum im Griechischen dann nicht xov 
ap-ov Tov sk «üpiov übersetzt wird, sondern tov apxov xov ImoüOiov. 
Denn dem (jYJfispov entspricht aupiov und nicht i^ iirioücj«. ' E7rto6atoc 
wird somit durch das Hebräerevangelium nicht erklärt. Wenn es 
von 7) imooaa kommt, so würde xo xaö' Yjfiepav des Lc den Vorzug 
vor (jiQtiepov verdienen. Vgl. Leo Meyer in Kuhns Ztschr. VII 401 ss. 

6, 13. Diese Bitte fehlt bei Lc ebenso wie die dritte; Mt 
macht die Siebenzahl voll. Sie geht eigentlich auf die Erlösung 
Israels durch das messianische Heil. ^Anh xoü irovTjpoü ist auch 
hier neutral. 

6, 14. 15 ist ein Nachtrag zur fünften Bitte. 

6, 16 — 18. Das xip vor dem ersten h x(j> xpocpaitp 6, 18 muß 
gestrichen und h x(p xp. noch mit vyjaxeucüv verbunden gedacht 
werden, um richtigen Sinn zu erzielen. Kpü9arov (wie wenigstens 
der Vatic. und der Sinait. lesen) statt xpüirxov fällt aber auf, und 
der ganze Satzbau ist etwas verrenkt. 

Mt. 6, 19-34. Lc. 12, 22-34. 

Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und 
Rost zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen, *°son- 
dern sammelt euch Schätze im Himmel, wo nicht Motte noch 
Rost zerstören und wo keine Diebe einbrechen und stehlen. 
"Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. "Das 
Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge ungetrübt ist, so 
wird dein ganzer Leib hell sein; *'wenn aber dein Auge nicht 
taugt, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das 
Licht an dir finster ist, wie erst die Finsternis (an dir)! '*Nie- 
mand kann Knecht zweier Herren sein; entweder haßt erden 
einen und liebt den anderen, oder er hält sich an den einen 
und achtet des anderen nicht. Ihr könnt nicht Gott dienen 
und dem Mamon. 

^*Darum sage ich euch: seid nicht in Sorge um eure 
Seele, was ihr essen, und nicht um euren Leib, was ihr an- 



28 Mt. 6, 19-23. 

. ziehen sollt! ist nicht die Seele mehr als die Nahrung und der 
Leib mehr als die Kleidung? '^Seht auf die Vögel des Him- 
mels, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie bringen nicht ein in 
Scheuern, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr 
nicht viel mehr wert als sie? ''Wer unter euch kann mit 
Sorgen seinem Wuchs eine Elle zusetzen? ^*ünd warum macht 
ihr euch Sorgen wegen der Kleidung? betrachtet die Lilien des 
Feldes, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht und spinnen nicht, 
''und doch, sage ich euch, war auch Salomo in all seiner 
Herrlichkeit so schön nicht angetan wie dieser eine. "Wenn nun 
Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den 
Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Klein- 
gläubigen! ^^Also sorgt nicht: was sollen wir essen, oder was 
trinken, oder was anziehen! ''Nach alle dem trachten die Hei- 
den. Euer himmlischer Vater weiß ja, daß ihr das alles nötig 
habt. "Trachtet zuerst nach dem Reiche und nach der Ge- 
rechtigkeit, so bekommt ihr das andere dazu, '* Sorgt also 
nicht um morgen, denn das Morgen wird für sich selber 
sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner Plage. 
Hier trifft Mt zwar mit Lc zusammen, aber nach Lc gehört 
das herrliche Stück nicht in die Bergpredigt. 

6, 19 — 21 steht bei Lc (12, 32—35) nicht vor, sondern nach 
6, 25 — 34. An stelle der eschatologischen Motivirung (Lc. 12, 
32. 33) setzt Mt (6, 19) eine allgemeine Ermahnung, die aus 6, 20 
leicht zu schöpfen war; der überlieferte Stoff erscheint bei ihm hier 
wie anderswo abgeklärter und sozusagen freier von den Eierschalen. 
Er vermeidet es, den Schatz im Himmel oder vielmehr die Schätze 
— denn er gebraucht den Plural statt des Singulars — durch Ver- 
kauf und Weggeben der irdischen Güter, d. h durch Almosen (Tob. 
4, 9. Mc. 10, 21) entstehn zu lassen, wie es bei Lc geschieht, ob- 
wol die Diebe und Motten, der Mamon, und das Verbot der Sorge 
noch darauf hinweisen. 

6, 22. 23 wie Lc. 11, 34—36. Mt kommt von dem Herzen als 
Quelle des Dichtens und Trachtens auf das Auge als Quelle der 
Sehkraft, die hell oder auch nicht hell sein kann. ^AttXoüc ist nach 
D 10, 16 so viel als dxspaioc, integer. Der letzte Satz bedeutet: 
wenn das Auge, die Sonne des Leibes, finster ist, wie finster wird 
dann der übrige Leib sein, der an sich Finsternis ist und nur vom 
Auge Licht empfängt. Das Subjekt to (jkoto; bedeutet also etwas 



Mt. 6, 24-30. 29 

anderes als das voraufgehende Prädikat axoto;: es ist li axoio; xo 
Iv aot', nämlich der Leib. Das Bild ist für unsern Geschmack nicht 
besonders gelungen, bei Lc (11, 36) steht etwas ganz anderes an 
der Stelle. 

6, 24 wie Lc. 16, 13. Das Thema ist nicht das von 6, 22. 23, 
sondern das von 6, 19 — 21. Das aut — aut bedeutet nicht mehr als 
ein et — et. Der Gegensatz von (iiasiv und d^airav ist, wenigstens 
innerhalb des Bildes, nicht absolut, sondern komparativ zu ver- 
stehn; wenn ein Mann zwei Frauen hat, so heißt die, die er vor- 
zieht, schlechthin die geliebte, und die andere schlechthin die ge- 
haßte (Deut. 21, 15, Gen. 29, 31. 33). Die Etymologie von Mamon 
ist unbekannt; es läßt sich auch nicht nachweisen, daß es ein 
Name für den Gott des Reichtums sei. 

6,25—33 stimmt mit Lc. 12,22—31 sowol in der Reihen- 
folge der Sätze als auch vielfach im griechischen Ausdruck überein. 
Das 8ta toüxo Xs^to 6atv am Anfang kehrt bei Lc. 12, 22 wieder, 
obwol es sich dort auf ganz andere Prämissen bezieht. 

6, 26. An stelle der volkstümlichen Raben bei Lc setzt Mt die 
biblischen Vögel des Himmels und statt Gott sagt er „euer Vater 
im Himmel", obwol dieser Ausdruck den Vögeln gegenüber wenig 
angebracht ist. In 6, 30 aber heißt es auch bei ihm: Gott. MaXXov 
ist jattir, vgl. zu 10, 31. 

6, 27 ist vereinzelt, steht aber auch bei Lc (der eine Moral 
anhängt 12, 26) an der selben Stelle. Es gibt Riesen unter den 
Exegeten, welche den Wunsch größer zu sein, als man ist, unbe- 
greiflich finden. Sie wollen unter YjXixta die Lebenszeit verstehn. 
Wird aber das Leben nach der Elle gemessen? und hat es ein so 
festes natürliches Maß, daß der Wunsch, es zu verkürzen oder zu 
verlängern. Unmögliches verlangt? Es muß bei der alten Auf- 
fassung, die von fast allen Versionen vertreten wird, sein Bewenden 
haben. Es liegt ein populärer, mit Absicht kraß ausgedrückter 
Spruch vor. Das Iva ist übrigens im Aramäischen nicht so stark 
wie im Griechischen und fehlt bei Lc, sodaß die Qualifizirung des 
Maßes als eines besonders kleinen (auch nur eine Elle) -wegfällt. 

6, 28. Der Übergangssatz am Anfang fehlt bei Lc. Die Lilie 
des Feldes ist biblisch, ebenso das Gras des Feldes 6, 30. Lc 
sagt: auf dem Felde das Gras. 

6, 30. OüTo); wird von der Syra C. und ebenso Lc. 12, 28 von 
der SyraS. ausgelassen, von der pedantischen Erwägung aus, daß 



30 Mt 6,33. - 7; 5. 

Gott so schöne Kleider wie den Blumen, und gar noch schönere, 
den Menschen doch nicht gibt. 

6, 33. OptüTov, für Mt aufs beste bezeugt, schwächt den Sinn 
ab und fehlt bei Lc. Auch die Gerechtigkeit findet sich natür- 
lich bloß bei Mt. Aber die handschr. Überlieferung schwankt hier 
stark. Der Sinai ticus liest: ttjv ßaaiXstav xai tyjv StxaioofüVTjv aiioö 
— dabei befremdet die Bezeichnung Gottes durch das Pronomen 
(das sich auf den weit zurückliegenden himmlischen Vater 6, 32 be- 
ziehen müßte), die Verbindung zweier Status constructi vor einem 
Genitiv, und die paulinische Gerechtigkeit Gottes. Der Vaticanus 
liest mit Umstellung der Akkusati ve: ty)v 8tx. x. ttjv ßaa. aöxoo. 
Aber „die Gerechtigkeit und sein Reich" würde keinem Autor in 
die Feder fließen. Wenn so verstanden werden soll, so beruht die 
Lesart auf Korrektur; andernfalls erheben sich dagegen die gleichen 
Bedenken wie gegen die des Sinaiticus. Ich habe in der Übersetzung 
aÖTOü ausgelassen, das ist aber nur ein Notbehelf. 

6, 34 fehlt bei Lc. Der Genitiv ^aütr^c ist ungriechisch und 
grade darum echt; wohl dileh = xa laut^?. 

Q*. Mt. 7, 1-6. Lc. 6, 37-42. 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. ^Denn 
mit dem Gericht, womit ihr richtet, werdet ihr gerichtet, und 
mit dem Maß, womit ihr meßt, wird euch gemessen. 'Was 
siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders und den 
Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? *Oder wie kannst 
du zu deinem Bruder sagen: laß mich den Splitter dir aus 
dem Auge ziehen — wenn ein Balken in deinem Auge ist! 
*Du Heuchler, schaff zuerst den Balken aus deinem Auge, dann 
magst du sehen, den Balken aus dem Auge deines Bruders 
herauszuziehen. 

^Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perle 
nicht vor die Säue, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zer- 
treten, und sich wenden und euch zerreißen. 

7, 1 — 5. Dies ist das dritte Stück der Bergpredigt bei Lc, 
das bei ihm auf Mt. 5, 38 — 45 folgt; der innere Zusammenhang 
desselben ist bei Mt straffer und gleichartiger. Das Verbot 7, 1 
geht bei Mt nicht gegen die obrigkeitliche Justiz, sondern gegen 
das private Richten, das bei den jüdischen und wol auch bei den 



Mt. 7,6— 11. 31 

christlichen Frommen im Schwange war; die Anrede Gitoxpita 7, 5 
bezieht sich nicht bloß auf Pharisäer. In 7, 2 ist vom göttlichen 
Gericht die Rede. "Acpsc ixßaXo) ist aramäisch, so namentlich nach 
Spa (cave); es kommt nicht darauf an, ob der Konjunktiv oder 
der Imperativ folgt. AiaßXs^^etc wird 7, 5 in anderem Sinne ge- 
braucht als Mc. 8, 25. 

7, 6. Der Vers hat bei Lc keine Parallele, steht isolirt und 
markirt die Fuge zwischen 7, 1 — 5 und 7, 7 — 11. Wenn nach 
15, 26 die Hunde die Heiden sind und -zh aytov das Evangelium 
oder das Reich Gottes, so muß im 'zweiten Satz statt des Plurals 
nach 13, 46 der Singular erwartet werden: eure Perle. In der 
aramäischen Schrift kann in diesem Fall der Numerus nicht unter- 
schieden werden. Auch in 10, 5 wird die Mission unter Heiden 
und Samaritern verboten. Der folgende Plural a&toü? legt keine 
großen Schwierigkeiten in den Weg. 



Mt. 7, 7-11. Lc. 11,9-13. 

Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so findet ihr; klopft 
an, so wird euch aufgetan. ^Denn wer bittet, empfängt, und 
wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan. ®Oder 
welcher Mensch unter euch, den sein Sohn um Brot bittet, 
wird ihm einen Stein reichen, ^°oder wenn er ihn um einen 
Fisch bittet, eine Schlange? ^'Wenn nun ihr, die ihr böse 
seid, euren Kindern gute Gaben wisset darzureichen, wie viel- 
mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn 
bitten. 

7, 9. 10. 'EiriStBovai heißt nach den alten Versionen porrigere, 
während das im in iiTtC>)t£Tv, iiTi")[tvcüxeiv an der Bedeutung des 
Simplex nichts ändert. 

7, 11. Unter die Kategorie der irovy^pot' fallen auch die Jünger; 
anders 12, 34. Dagegen dfjLotpTwXot sind nur die Gottlosen und be- 
sonders die Heiden. 'Eövtxo; findet sich nur bei Mt, "Eklr^v einmal 
bei Mc (7, 26). 

Mt. 7, 12-14. 

Alles nun, was ihr wollt, daß die Leute euch tun, tut ihr 
ebenso ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten. 



32 Mt. 7, 12-14. 

"Geht ein durch die enge Pforte. Denn weit und breit 

ist die Straße, die zum Verderben führt, und viele sind, die 

darauf eingehn. ^*Aber eng ist die Pforte und schmal ist die 

Straße, die zum Leben führt, und wenige sind, die sie finden. 

7, 12. Ein Sprichwort (Tob. 4, 15), das bei Lc. 6, 31 an anderer 

Stelle steht. 

7, 13. 14. Die eschatologische Färbung bei Lc (13, 24) ver- 
wischt Mt hier ebenso wie 6, 19. Die enge Tür wird als bekannt 
vorausgesetzt; denn sie ist das Nadelöhr von Mc. 10, 25, wie man 
bei Lc noch sieht. Noch später ist Jesus selber die Tür geworden 
(Joa. 10). Von der einen Tür geht Mt zu den zwei Wegen über, 
beläßt aber die Tür im Singular und reservirt sie für den 
schmalen Weg — wenn die in meiner Übersetzung befolgte Lach- 
mannsche Lesung von 7, 13 richtig ist. Die zwei Wege gehn bei 
den Juden nicht etwa auf die griechische Legende von Herkules 
zurück, sondern auf Ps. 1, 6 und zuletzt auf Hierem. 21, 8 
(Deut. 30, 19): siehe ich lege euch den Weg des Lebens und des 
Todes vor. 

Q*. Mt. 7, 15-27. Lc. 6,43-49. 

Wahrt euch vor den falschen Propheten, die in Schafs- 
kleidern zu euch kommen und inwendig reißende Wölfe sind. 
^^An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Kann man 
etwa Trauben lesen von Dornbüschen oder Feigen von Disteln? 
^^So bringt jeder gute Baum gute Früchte und der schlechte 
Baum schlechte Früchte, ^* Jeder Baum, der nicht gute Frucht 
bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. '°Also an 
ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. 

^^Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! kommt hinein 
in das Reich des Himmels, sondern wer den Willen tut meines 
Vaters im Himmel. ^^ Viele werden zu mir sagen: Herr, Herr, 
haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, durch deinen 
Namen Teufel ausgetrieben, durch deinen Namen viele Wunder 
getan? "Und dann werde ich ihnen rund heraus sagen: ich 
habe euch nie gekannt, weicht von mir ihr Täter der Un- 
gerechtigkeit! 

^*Wer nun diese meine Worte hört und darnach tut, der 
ist einem klugen Manne zu vergleichen, der sein Haus auf den 



Mt. ?, 15-2«. 33 

Fels baute. "Und der Regen fiel und die Ströme kamen und 
die Winde wehten und schlugen gegen das Haus, und es fiel 
nicht, denn es war auf den Fels gegründet. '*Und wer diese 
meine Worte hört und tut nicht darnach, der ist einem törichten 
Manne zu vergleichen, der sein Haus auf den Sand baute, 
'^ünd der Regen fiel und die Ströme kamen und die Winde 
wehten und stießen gegen das Haus, und es fiel und sein Fall 
war groß. 

Dies vierte und letzte Stück der Bergpredigt schließt bei Lc 
an 7, 1 — 5. Matthäus hat die vier Pfeiler in der selben Ordnung 
übernommen, wie Lc sie bietet, dazwischen aber große Einsätze 
angebracht. 

7, 15 fehlt bei Lc und beschränkt den Sinn des Folgenden in 
ungehöriger Weise, denn unter den Bäumen mit schlechten Früchten 
sind nicht bloß oder auch nur vorzugsweise falsche Propheten zu 
verstehn. Daß Jesus schon jetzt von Verhältnissen der Zukunft 
redet, die er bei Mc erst in der apokalyptischen Rede Kap. 13 be- 
rührt, fällt in der Bergpredigt des Mt nicht auf. Die fahrenden 
Propheten müssen für die christliche Gemeinde eine wahre Land- 
plage gewesen sein. 

7, 16. 17 wie Lc. 6, 43. 44, nur mit anderer Anordnung der 
Sätze. 

7, 18 — 20 fehlt bei Lc und bringt nichts Neues. In 7, 18 wird 
7, 17 in negativer Form wiederholt; vgl. 12, 33. Dagegen ist 7, 19 
aus 3, 10 entlehnt; mit Hinzufügung von xoiXov, um Zusammenhang 
mit d^ Vorhergehenden zu stiften. 

7, 21. Der zweite Satz fehlt bei Lc und stammt aus Mc. 3, 35. 
Der erste erscheint aber auch bei Lc, in kürzerer und lebhafterer 
Form, und gestattet einen Schluß auf das relative Alter von Q. 
Jesus wird in Q schon xopts angeredet, d. i. märi oder märana 
(1. Cor. 16, 22), bei Mc regelmäßig nur StSa^xctXs = rabbi. Zu 
Jesu Lebzeiten gab es keine Leute, die sich für seine Jünger aus- 
zugeben ein Interesse hatten. Bei Mc (3, 35) werden vielmehr die 
Geistesverwandten Jesu seinen Blutsverwandten entgegengesetzt, die 
nichts von ihm wissen wollten. Die Distanz besagt etwas. Durch 
deinen Namen d. h. als Christen. 

7, 22. 23 ist an dieser Stelle dem Mt eigentümlich. Jesus stellt 
sich schon hier in seiner ersten Rede als den Richter am jüngsten 
Tage vor, weit ausgesprochener als Lc. 13, 25ss. 'Avofita sagt nur 

Wellbausen, Evang. Matthaei. 3 



34 Mt. 7, 24-8,4. 

Mt, es ist der Gegensatz zu 5ixaioa6v7) und stellt sich zu diesen und 
ähnlichen jüdischen Begriffen. 

7, 24—27 wie Lc. 6, 47—49. Die Gefahr der Erschütterung 
kommt von außen, nicht von innen; durch Verfolgungen (Mc. 4, 17), 
nicht durch Anfechtungen. Lc hebt deutlicher hervor, daß es ledig- 
lich auf die Fundamentirung ankommt: sie muß bis auf den festen 
Grund gehn, bis auf den Felsen. Ob die Oberschicht Sand oder 
Fels ist, ist einerlei. Die iroTap-ot sind Ströme von Regenwasser. 

§ 6. 9. Mt. 7, 28-8, 4. 

Und als Jesus diese Rede beendet hatte, waren die Leute 
betroflen ob seiner Lehre, '^denn er lehrte sie wie einer, der 
Macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten. 

^»^Als er aber vom Berge herabstieg, folgte ihm ein 
großer Haufe. 'Da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder 
und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. 
^Und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: 
ich will, sei gereinigt! Und alsbald wurde sein Aussatz ge- 
reinigt. *Und Jesus sprach zu ihm: hüte dich, irgend wem 
etwas zu sagen, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring 
das Opfer dar, das Moses ihnen zum Zeugnis vorgeschrieben hat. 
Hier nimmt Mt den nach § 5 (4, 18 — 22) unterbrochenen Faden 
desMc wieder auf. Von § 6 gibt er nur 'den Anfang (Mc. 1, 21. 22) 
und schenkt sich den Rest, da er die allgemeine Übersicht 4, 23 — 25 
an die Stelle gesetzt hat. Auch das Redaktionsstück § 8.(Mc. 1, 
35—39) läßt er aus und geht sofort auf § 9 über, indem er § 7 
aus Gründen des Itinerars für eine spätere Stelle verspart. 

7, 28. 29. Der Übergang oxe IxsXeasv ist besondei-s bei Mt be- 
liebt; (sTt) aÖTOü XaXouvToc kommt zwar auch einmal bei Mc vor 
(14, 43), jedoch in viel bestimmterer Bedeutung. Ihre Schrift- 
gelehrten sagt Mt, weil er auch christliche Schriftgelehrten kennt. 

8, 2. Tupoasxüvei fehlt bei Mc. Über die Anrede xupte, die bei 
Mt und Lc oft vorkommt, s. zu 7, 21. 

8, 4. Den Schluß des Mc (1, 45) schneidet Mt ab, weil die 
Heilung bei ihm in voller Öifentlichkeit vor sich geht. Es ist aber 
eine Inkonsequenz, daß er dann doch das opa jA/^Sevl sunQc bei- 
behält und nur die sonderbare Heftigkeit, mit der Jesus (Mc. 1, 43) 
den Geheilten anfährt, unterdrückt, ebenso wie Lc. 



Mt, 8, 5-7. 35 

Q.* Mt. 8, 5-13. Lc. 7, 1-10. 

Wie er nun in Kapernaum hineinkam, trat ein Haupt- 
mann zu ihm, bat ihn und sagte: ®Herr, mein Knecht liegt 
gelähmt zu Hause und steht große Qual aus. ®Er sagte zu 
ihm: ich soll kommen und ihn heilen? ^Der Hauptmann ant- 
wortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter 
mein Dach tretest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein 
Knecht genesen. 'Denn auch ich, ein Mensch unter Befehl, 
habe Kriegsleute unter m^r, und sage ich zu diesem: geh, so 
geht er, und zu einem andern: komm, so kommt er, und zu 
meinem Knecht: tu das, so tut er es. ^°Als Jesus das hörte, 
wunderte er sich und sprach zu dem Gefolge: Amen ich sage 
euch, bei keinem in Israel habe ich so großen Glauben gefunden. 
'*Ich sage euch aber: viele werden kommen von Osten und Westen 
und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch sitzen im 
Reich des Himmels, *'aber die Söhne des Reichs werden aus- 
gestoßen in die Finsternis draußen, dort wird Gejammer sein 
und Zähneknirschen. ^'Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: 
geh; wie du geglaubt hast, geschehe dir! Und sein Knecht 
ward gesund zur selben Stunde. 

Diese Erzählung folgt bei Lc und Mt auf die Bergpredigt; Mt 
schiebt zwar ein Stück aus Mc dazwischen, hat aber in den An- 
fängen von 7, 28 und 8, 5 den Eingang Lc. 7, 1 noch erhalten. 
Sie variirt bei Mt und Lc und findet sich in einer anderen Form 
im vierten Evangelium (Joa. 4, 46 — 54), indessen nicht als das erste, 
sondern als das zweite Wunder Jesu. 

8, 5. Der Mann heißt in der Syra S. und manchen Latinae 
zu Mt Chiliarch. Das ist, wie ich belehrt worden bin, in dieser 
Zeit kein militärischer, sondern ein Hoftitel (Mc. 6, 21; hazärmard?). 
Freilich Mt. 8, 9. Lc. 7, 8 widerspricht. — Bei Mt (und Joa) kommt 
der Hauptmann sogleich selber, bei Lc kommt er überhaupt nicht, 
sondern schickt zuerst die Ältesten der Juden, dann andere Boten, 
die aber nur sein Sprachrohr sind. 

8, 7 wird von Th. Zahn mit Recht als Frage aufgefaßt. Die 
Kranken werden sonst immer zu Jesus gebracht, sogar der Gicht- 
brüchige durch das Dach; nie kommt er zu ihnen, außer bei Jairus. 
Hier ist das Ansinnen noch befremdender, weil der Hauptmann als 
Heide gilt. An sich können die Soldaten des Antipas auch Juden sein 



36 Mt. 8, 8-12. 

8. 8. In starken Gegensatz zu Mc wird in Q* bei diesem 
ersten und als Beispiel dienenden Wunder das größte Gewicht da- 
rauf gelegt, daß es durch das bloße Wort geschieht und durch 
Fernwirkung. 

8. 9. Die weitläufige Äußerung hat den Zweck, das jiovov Xo^qi 
noch nachdrücklicher hervorzuheben. Statt s?fit erwartet man ein 
Partizipium und statt e/wv ein Finitum; vielleicht liegt ungeschickte 
Übersetzung vor, gleichförmig bei Mt und Lc. 

8, 10. Der Schlußsatz setzt unpassender weise voraus, daß 
Jesus schon auf eine längere Wirksamkeit zurückblicke; bei der 
Bergpredigt ist es aber nicht anders. Der hohe Name Israel wird 
bei Mc niemals für die Juden gebraucht. Vgl. 9, 33. 

8, 11. 12 erscheint bei Lc (13, 28. 29) an anderer Stelle in 
etwas anderen Worten und ist von Mt hierher versetzt, weil hier 
zum ersten mal ein Heide Glauben an Jesus zeigt. Das Reich 
Gottes wird von den Juden als Mahl vorgestellt; den Braten liefert 
der Behemoth und den Fisch der Leviathan. Daß es ursprünglich 
für die Juden bestimmt ist, erhellt aus Abraham, Lsaak und Jakob. 
Die Juden heißen darum die ülol xrfl ßaa.; aber die Söhne des 
Reichs sind eben die, die nicht hineinkommen. Bei Mc finden 
sich solche heidenfreundlichen Aussagen Jesu überhaupt nicht, bei 
Mt stehn sie zusammen mit ganz entgegengesetzten Aussagen. 
N'phaq (^J^p/eaftai) ist das Passiv zu appeq (ixßaXXsiv); Mt über- 
setzt wörtlich, Lc gibt den Sinn besser wieder; vgl. Mt. 15, 17 (mit 
Mc. 7, 19) 17, 27. 'Ev x-g Spa Ixsivig = eädem hora; das Aramäische 
hat keinen besonderen Ausdruck für idem. 

Mir kommt es so vor, als ob der Hauptmann von Kapernaum 
ein Doppelgänger des Jairus wäre. Beide kommen Jesu entgegen, 
als er von einem Ausfluge zurückkehrt nach Kapernaum, und beide 
zu dem selben Zweck, um für einen schwer kranken Hausgenossen 
zu bitten, der ausnahmsweise beidemal nicht zur Stelle gebracht 
wird. Beides sind Beamten und die einzigen Beamten, für die 
Jesus Wunder tut. Der Hauptmann ist freilich kein dip/t(jüva7ci)Yoc. 
Aber etwas davon klebt ihm bei Lc noch an: er hat den Juden die 
Synagoge gebaut. Dies paßt schlecht zu einem Centurio, einem 
bloßen Unteroffizier. In der Tat redet das vierte Evangelium viel- 
mehr von einem ßotaiXixo?, und nun kommt auch der Chiliarch der 
Syra S. zu Ehren : er steht als vornehmer und nicht militärischer 
Beamter dem ßaatXixo^ und dem apxtQfüvaYüi^o; näher als dem Gen- 



Mt. 8, 14—17. 37 

turio. Eine spezielle BerühruDg zeigt sich in x( axüXXeic tov 6t8of- 
(jxaXov Mc. 5, 35 und x6pie [x>j axüXXoo Lc. 7, 6: Jesus soll sich 
(auch bei Mt.) nicht ins Haus des Bittenden bemühen. Freilich 
aus verschiedenen Gründen, das eine mal, weil er nichts mehr nützen, 
das andere mal, weil er auch aus der Ferne helfen kann. Die Differenz 
erklärt sich zum Teil daraus, weil der Hauptmann bei Mt und Lc 
(aber nicht bei Joa) zum Heiden geworden ist, unter dessen Dach 
Jesus nicht treten darf. Besonders aber daraus, weil die Tendenz 
besteht, die «91^, die bei Mc stets erforderlich ist, auszuschließen 
und die Heilung durch das bloße Wort, durch Fernwirkung, ge- 
schehen zu lassen. Der Unterschied zwischen Tochter, Sohn (Joa) 
oder Knecht bedeutet nicht viel. Zu bemerken ist noch, daß der 
Name Jairus bei Mc erst später hinzugekommen zu sein scheint; 
vgl, zu Mc. 5, 22. 

§ 7. Mt. 8, 14-17. 

Und Jesus kam in Petrus' Haus und sah dessen Schwieger- 
mutter liegen und fiebern. '*Und er rührte an ihre Hand, und 
das Fieber verließ sie, und sie erhob sich und wartete ihm 
auf. ^^Spät am Tage aber brachten sie viele Besessene zu 
ihm, und er trieb die Teufel aus mit einem Worte und heilte 
alle Kranken, ^^auf daß in Erfüllung ginge, was durch den 
Propheten Esaias geredet ist: er hat unsere Krankheit genommen 
und unsere Leiden getragen. 

Die vorige Geschichte spielt am Tor der Stadt, diese in der 
Stadt. Erst nachdem Jesus wieder in Kapernaum darinnen ist, 
kann er in das Haus des Petrus gehn. Darum hat Mt den § 7 
nicht mit in 7, 28 — 8, 4 unterbringen können. 

8, 14 ßeßXyjfjLsvyj (Mc xaxsxetxo) = ramiä, wie 8,6. 9, 2. Mc.7,30. 
8, 16. AoY(p wird nach 8, 8 hervorgehoben, obwol vorher die 
kranke Frau durch Berührung geheilt ist. Mc sagt: sie brachten 
alle und er heilte viele; Mt umgekehrt: sie brachten viele und er 
heilte alle — ebenso 12, 15. Das Gedränge, von dem Mc redet, 
wird bei Mt und Lc hier und öfters ausgelassen. 

8, 17. Aus welcher Version das Citat (Isa. 53, 4) stammt, 
läßt sich nicht ausmachen. Für atpsiv steht auch 10, 37 Xo({xßav£iv; 
vgl. loa. 1, 29. 1 Joa. 3, 5. Merkwürdig, daß Mt darunter die Hei- 
lung versteht. 



38 Mt. 8, 18-22. 

Mt. 8, 18-22. Lc. 9, 57-62. 

Da aber Jesus eine Menge Volks um sich sah, gab er Be- 
fehl, an das andere Ufer zu fahren. ^'Da kam ein Schrift- 
gelehrter und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du 
auch gehst. ^° Jesus sprach zu ihm: die Füchse haben Schlüpfe 
und die Vögel des Himmels Wohnungen, der Menschensohn 
aber hat keine Stätte, sein Haupt niederzulegen. '*Ein anderer 
Jünger aber sagte zu ihm: Herr, erlaub mir vorher zu gehn 
und meinen Vater zu begraben. "Jesus sprach: folg mir und 
laß die Toten ihre Toten begraben. 

8, 18 (fortgesetzt durch 8, 23) ist wegen 8, 20 an diese Stelle 
vorgeschoben, damit Jesus auf der Wanderung erscheine. Ange- 
messener versetzt Lc diese Perikope in eine spätere Periode, wo 
Jesus seine Heimat verlassen hat, um nach Jerusalem zu reisen. 

8, 19. Daß es ein Schriftgelehrter ist, soll ein Vorurteil er- 
wecken und die Abweisung vorbereiten. Der Mann sagt auch 8t- 
SaaxaXe, während das Gegenbild (8, 21) x6pie. Beides findet sich 
bei Lc nicht, der sonst wörtlich übereinstimmt. 

8, 20. Kataaxr^vwfiaxa Dan. 4, 9. Mt. 13, 32. Der Menschen- 
sohn ist bei Mt und Lc von vornherein Selbstbezeichnung Jesu. 

8, 21. 22. Der vorher Abgewiesene war ja gar kein Jünger; 
es müßte also heißen: ein anderer, welcher Jünger werden wollte. 
Besser Lc. 9, 59. Nur bei Lc tritt auch der Gegensatz klar hervor, 
daß der, der sich meldet, abgewiesen wird, dagegen ein anderer, 
der sich nicht gemeldet hat, den Ruf erhält und ihm unverzüglich 
folgen soll; vgl. 1 Reg. 19, 19ss. Nicht jeder wird für der Nach- 
folge fähig erachtet (Lc. 14, 28), obwol doch alle anderen als Tote 
bezeichnet werden. 

§ 25. Mt. 8, 23-27. 

Und er trat in das Schilf und seine Jünger begleiteten ihn. 
'*Da erhub sich ein großes Ungestüm auf dem See, so daß 
das Schiff von den Wogen bedeckt wurde. Er aber schlief. 
^^Und sie traten heran und weckten ihn und sagten: Herr, 
hilf, wir gehn zu gründe! "Und er sprach zu ihnen: was seid 
ihr bange, ihr Kleingläubigen! Daraufstand er auf und schalt 
die Winde und das Meer, und es ward große Stille. *^Die 



Mt, 8, 28-34. 39 

Menschen aber verwunderten sich und sagten: was für ein Mann 
ist der, daß auch die Winde und das Meer ihm gehorchen! 
Für die Vorschiebung von § 27 lag ein Grund vor, über den 
seiner Zeit zu reden sein wird. Vielleicht erklärt sich daraus auch 
die Vorschiebung von § 25. 26. Wie gewöhnlich verkürzt Mt seine 
Vorlage. Er läßt namentlich die Angabe aus, daß Jesus im Hinter- 
teil des Schilfs auf einem Kopfkissen schlief, und daß er zum Winde 
sagte: halt den Mund! Zuerst schilt er die Jünger und dann erst 
die Elemente; die umgekehrte Ordnung bei Mc ist angemessener. 
In 8, 27 sind statt der Jünger die Menschen zum Subjekt gemacht, 
von denen man nicht weiß, wo sie herkommen. 

§ 26. Mt. 8, 28-34. 

Und als er an das andere Ufer kam in das Land der 
Gadarener, kamen ihm von den Grabstätten her zwei Besessene 
entgegen, sehr gefährliche Menschen, sodaß niemand jenes Weges 
gehn mochte. *®Und siehe sie schrien uod sagten: was haben wir 
mit dir zu schaffen, Sohn Gottes! bist du hergekommen, um 
uns vor der Zeit zu quälen? ^°Es war aber weit weg von 
ihnen eine Herde von vielen Schweinen auf der Weide. ^^Die 
Dämonen baten ihn nun und sagten: wenn du uns austreibst, 
so laß uns in die Schweineherde fahren. "Und er sprach zu 
ihnen: geht hin! Und sie fuhren aus in die Schweine. Da 
stürmte die ganze Herde den steilen Abhang hinab in den See 
und verkam im Wasser. '^Die Hirten aber flohen und kamen 
in die Stadt und berichteten alles, auch das von den Be- 
sessenen. "Da zog die ganze Stadt hinaus Jesu entgegen, und 
als sie ihn sahen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen. 

Mt übergeht zwar die anstößige Geschichte nicht, macht sie 
aber kurz ab, drängt Mc. 5, 1 — 10 auf zwei Verse (8, 28. 29) zu- 
sammen und läßt Mc. 5, 16. 18 — 20 aus. Mit dem Dual, den er 
freilich auch sonst (9, 27. 20, 30. 21, 3) liebt, hält er vielleicht die 
Mitte zwischen dem anfänglichen Singular und dem dann plötzlich 
eintretenden Plural (Legion) bei Mc. Ein theologischer Zusatz ist 
7rp6 xatpoü 8, 29; d. h. vor der endgiltigen Verdammnis. Dui'ch 
jiaxpAv OLK aüTüjv 8, 30 (Mc. 5, 11: dort am Berge) wird die Sache 
wunderbarer. Die Dekapolis läßt Mt an beiden Stellen aus, wo sie 
bei Mc vorkommt. Über JSsXOovxtc airr^X&ov s. zu Mc. 1, 35. Der 



40 Mt. 9, 1-18. 

Plural t4 SSaxa (14, 28. 29) ist biblisch, wie o{ oöpavot — freilich auch 
griechisch. 

§ 10. Mt. 9, 1-8. 

Und er ging zu Schiflf und fuhr über und kam in seine 
Stadt. 'Da brachten sie ihm einen Gelähmten auf seinem 
Bette, und da Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Ge- 
lähmten: sei getrost, mein Sohn, die Sünden sind dir vergeben. 
'Etliche Schriftgelehrten aber sprachen bei sich: dieser lästert. 
^Und Jesus sah ihre Gedanken und sagte: warum denkt ihr 
Böses in eurem Herzen? ^Was ist leichter, zu sagen: die 
Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: steh auf und wandle? 
* Damit ihr aber wisset, daß der Menschensohn Macht hat auf 
Erden Sünden zu vergeben — darauf sagte er zu dem Ge- 
lähmten: steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause. 
'Und er stand auf und ging nach Hause. ® Als aber die Leute 
das sahen, fürchteten sie sich und priesen Gott, der solche 
Macht den Menschen gegeben. 

Jesu Stadt ist hier nicht Nazareth, sondern Kapernaum. Durch 
die Verkürzung von Mc. 2, 1 — 4, durch das Fehlen des Gedränges 
in und vor dem Hause und der Herablassung des Kranken durch 
das Dach wird fStbv ty]v Triaitv 9, 2 unnatürlich oder auch über- 
natürlich. Die Vorschiebung von tots 9, 6 (12, 13) verbessert den 
eigentümlichen Nachsatz (Mc. 2, 10. 11) nicht; übrigens werden die 
Worte Jesu wie gewöhnlich am wenigsten variirt. Über xou 
dvOpwTTotc 9, 8 s. zu Mc. 2, 10; es rührt her von einem, der den 
Ausdruck 6 olo? toü d. 9, 6 noch richtig verstanden hat. 



§11. Mt. 9, 9-13. 

Und von da weiter gehend sah er einen am Zoll sitzen, 
der hieß Matthäus, und sagte ihm: folg mir. Und er stand 
auf und folgte ihm. *^Und wie er zu Hause bei Tisch saß, 
kamen viele Zöllner und Sünder und saßen mit zu Tisch bei 
Jesus und seinen Jüngern. *^Als das die Pharisäer sahen, 
sagten sie zu seinen Jüngern: warum ißt euer Meister mit den 
Zöllnern und Sündern? ^'Er aber hörte es und sprach: Die 
Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 



Mi 9, 14—17. 41 

"Geht aber hin und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will 
ich und nicht Opfer. Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte 
zu rufen, sondern Sünder. 

'Exelösv ist gewöhnlich ganz unbestimmt. Die Ortsangabe am 
See fehlt bei Mt, paßt aber gut zu dem Zoll, da er von den 
Schiffen erhoben wird, die von dem anderen, nicht zum Gebiet des 
Antipas gehörigen Ufer kommen. Die Differenz im Namen des 
Zöllners läßt sich nicht erklären. Der Zusammenhang verbessert 
sich bei Mt dadurch, daß das Haus, wo das Mahl stattfindet, nicht 
das des Zöllners ist; doch wird die Brüchigkeit bei Mc ursprüng- 
lich sein. Das in den Doppelspruch am Schluß mitten eingesetzte 
Citat Osee 6, 6 kehrt 12, 7 wieder. Zu iropsüösvTs; [xocftsis vgl. 
10, 7. 11,4. Lc. 8, 14. 10, 37. Der Anfang der Handlung wird 
noch besonders bezeichnet; am einfachsten durch das in den Evan- 
gelien und auch in 4. Esdrae so häufige ap^^eaöai. 

§ 12. Mt. 9, 14-17. 

Darauf kamen die Jünger des Johannes zu ihm und 
sagten: warum fasten wir und die Pharisäer, deine Jünger 
aber nicht? ^^Jesus sprach zu ihnen: können etwa die Hoch- 
zeiter trauern, so lange der Bräutigam bei ihnen ist? aber es 
kommen Tage, wo der Bräutigam ihnen entrissen ist, dann 
werden sie fasten. '^Niemand setzt einen Lappen von neuem 
Tuch auf ein altes Kleid, denn das Aufgesetzte reißt ab vom 
Kleid und es entsteht ein ärgerer Riß. ^^Man tut auch nicht 
jungen Wein in alte Schläuche, sonst reißen die Schläuche, 
und der Wein fließt aus und die Schläuche sind hin. Sondern 
man tut jungen Wein in neue Schläuche, so halten sich beide. 
9, 14. Mt nennt passender als Mc (in dessen uns vorliegendem 
Texte) nur die Johannesjünger als die Fragenden. Diese müssen 
sich dann aber in der Frage Tj.utei? nennen, und dadurch geht die 
formelle Antithese (die Johannesjünger, deine Jünger) verloren. Ur- 
sprünglich waren die Fragenden überhaupt nicht genannt. D und 
Syra S. fügen am Schluß TzoWd hinzu, insofern jedenfalls richtig, 
als von Pflegen die Rede ist, nicht von einmaligem Geschehen. 

9, 16. IlXTQpcüjia wechselt bei Mt wie bei Mc (aber nicht bei Lc) 
mit iTtißXr^jjLa. Es ist ein sicherer Aramaismus und setzt außer 
Zweifel, daß N^D für flicken zur Zeit Jesu auch in Palästina ge- 



42 Mt. 9, 18-26. 

bräuchlich war. Jetzt läßt es sich nur im Syrischen nachweisen, 
das Verbum bei Aphraates ed. Wright 145, 8 und bei Sindban ed. 
Baethgen 17, 4, ein davon abgeleitetes Substantiv (malläjä sartor) 
bei Land Anecd. Syr. 2 269, 7. 

9, 17. Der Zusatz am Schluß findet sich auch bei Lc. 

§ 27. Mt. 9, 18-26. 

Als er so mit ihnen redete, kam ein Vorsteher, fiel vor 
ilim nieder und sagte: meine Tochter ist eben verschieden, 
aber komm und leg ihr die Hand auf, so wird sie lebendig 
werden, ^^ünd Jesus erhob sich und folgte ihm mit seinen 
Jüngern. '^Da trat eine Frau herzu, die zwölf Jahre den 
Blutfluß hatte, und rührte von hinten an den Zipfel seines 
Kleides, 'Menn sie dachte: wenn ich nur sein Kleid anrühre, 
werde ich gesund. ''Jesus aber wandte sich um, und als er 
sie sah, sprach er: sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat 
dich gesund gemacht, '^ünd als Jesus in das Haus des Vor- 
stehers kam und die Pfeifer gewahr wurde und das Lärmen 
der Menge, sagte er: "geht weg, das Mädchen ist nicht ge- 
storben, sondern es schläft. '"^Als nun die Menge hinaus- 
getrieben war, trat er ein und faßte das Mädchen bei der Hand, 
und es stand auf. ''^Und die Kunde davon ging aus in die 
ganze Gegend. 
Der Anlaß, warum Mt den § 27 (und ebenso die folgenden 
Heilungen der Blinden und des Tauben) vorgeschoben hat, ergibt 
sich aus 11, 5. Dort verweist Jesus darauf, daß er u. a. Blinde 
und Taube geheilt und Tote auferweckt habe. Dergleichen Bei- 
spiele sind bisher noch nicht vorgekommen, sie werden also zum 
Schluß (vor den Reden Kap. 10 und 11) noch gegeben. Darum 
läßt Mt das Kind auch von vornherein gestorben sein, weil er 
wegen 11,5 einer richtigen Totenerweckung bedurfte. Die dreiund- 
zwanzig Verse des Mc reduzirt er auf neun. Die Äußerung Jesu, er 
habe gespürt, daß eine Kraft von ihm ausgegangen sei, ist ihm an- 
stößig gewesen; aber auch das Gedränge der Menge, wodurch das Ver- 
fahren der blutflüssigen Frau sich begreift, übergeht er mit Still- 
schweigen. Statt dessen führt er die Menge in das Totenzimmer 
ein, wohin sie nicht gehört; zur Erklärung des Gezeters ist sie ganz 
überflüssig. Von den drei besonderen Jüngern Jesu redet er nicht. 



Mt. 9, 27-34. 43 

Den Anruf an das Kind läßt er auch aus und zwar nicht bloß im 
aramäischen, sondern auch im griechischen Wortlaut; er vermeidet 
den Schein, als ob auf die Formeln und Medien der Heilung etwas 
ankäme. Aus dem Gebote Jesu, die Sache geheim zu halten (Mc. 
5, 43), liest er nicht ohne Grund heraus, sie habe sich nach allen 
Seiten verbreitet. In 9, 18 lies mit D und Syra S. apx*^v etc 

Mt. 9, 27-34. 

Und als Jesus von da weiter ging, folgten ihm zwei Blinde 
und schrien: erbarm dich unser, Sohn Davids. ^^Als er 
aber nach Hause kam, traten die Blinden zu ihm. Und er 
sagte zu ihnen: glaubt ihr, daß ich das zu tun vermag? Sie 
sagten: ja Herr. "Darauf rührte er ihre Augen an und sprach: 
nach eurem Glauben geschehe euch! *°Und ihre Augen wurden 
geöffnet. Und Jesus fuhr sie an und sprach: gebt acht, daß 
niemand es erfahre. ^^Sie aber gingen hinaus und verbreiteten 
seinen Ruf in der ganzen Gegend. 

. '^ Als sie hinausgegangen waren , da brachte man ihm 

einen Menschen, der stumm und besessen war. ^^Und nach 

der Austreibung des Dämon redete der Stumme. Und die 

Leute wunderten sich und sagten : so etwas ist in Israel noch 

nicht vorgekommen. [^^Die Pharisäer aber sagten: durch den 

Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.] 

Die beiden zeitlich eng verbundenen Geschichten sind dem 

Mt eigentümlich, aber trotzdem nicht mit Liebe und nicht um ihrer 

selbst willen erzählt. Man hat mit vollem Recht vermutet, daß 

sie bloß wegen Mt. 11, 5 hier stehn, als Beläge dazu. Sie sind 

von andersher vorgetragen und zwar aus Mc. § 38 und 41, welche 

Perikopen Mt an ihrer Stelle übergeht, ^atvsa&at 9, 33 wechselt 

in der Syra S. zu Mt. 11, 23 mit 7tvsa9ai und entspricht wörtlich 

dem deutschen vorkommen; es ist Passivum von opav. Oüto)^ 

muß Subjekt sein, was man auch sagen mag. Der Schlußvers 

(9, 34) ist nach Lc. 11, 14. 15 die Einleitung zur Beelzebulsperikope 

(Mt. 12, 22), ein abgebrochener Ansatz, der nicht hierher gehört 

und in D und Syra S. fehlt. Ganz ähnlich bringen einige La- 

tinae den Anfang von Mc. 3, 21 schon hinter Mc. 2, 27: et cum 

audissent qui ab eo erant, exierunt detinere eum; dicebant euim. 



44 Mt. 9, 35-10, 1. 

quia exstitit mente. Die Empfindung, daß Mt. 9, 27—33 mit 
Mt. 12, 22 identisch sei, ist richtig. In Mt. 12, 22 werden die 
beiden Blinden und der Taubstumme zusammengefaßt zu einer 
einzigen Person, die zugleich blind und taubstumm ist. 

Mt. 9, 35-10,4. 

Und Jesus zog umher in Städten und Dörfern und lehrte 
in den Synagogen und verkündete das Evangelium vom Reich 
und heilte alle Krankheiten und Gebrechen. '^Als er aber 
das Volk sah, jammerte es ihn, denn sie waren abgemüdet 
und verstoßen, wie Schafe ohne Hirten. "Darauf sprach er 
zu seinen Jüngern: die Ernte ist groß und der Arbeiter sind 
wenige, "bittet also den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter zu 
seiner Ernte aussende. ^°''Und er rief seine zwölf Jünger 
herbei und gab ihnen Gewalt, unreine Geister auszutreiben und 
alle Krankheiten und Gebrechen zu heilen. 

'°'^ Der zwölf Apostel Namen aber sind diese: zuerst Simon 
genannt Petrus und sein Bruder Andreas, und Jakobus Sohn 
des Zebedäus und sein Bruder Johannes, 'Philippus und Bartho- 
lomäus, Thomas und der Zöllner Matthäus, Jakobus Sohn des 
Alphäus und Lebbäus, *Simon Kanaanäus und Judas der Iska- 
riote, der ihn verriet. 

9, 35 wie Lc. 8, 1, aber auch dem Eingang von Mc. § 29 ent- 
sprechend. Vgl. zu 4, 23. 

9, 36. Der Anfang von Mc. 6, 34 wird passend benutzt zur 
Motivirung der Diakonie und der Mission, deren Objekt das ver- 
wahrloste jüdische Volk ist, nicht die Heiden. Das Wort ipt}j.ji£vot 
muß auf Schafe passen; das biblische Äquivalent muß in Stellen 
wie Zach. 11, 16 gesucht werden. Vielleicht D^mo, wie laxüX[jL£voi 

9, 37. 38 wie Lc. 10, 2 die Einleitung zur Aussendung der 
Apostel in Q. Die Ernte ist sonst das AVeltende und die Schnitter 
die Engel. Wenn unter dem Herrn der Ernte Gott verstanden 
werden muß, so entspricht die Bitte nicht ganz dem tatkräftigen 
Eingreifen Jesu, der im Folgenden selber die Schnitter aussendet. 
'ExßaUctv ist hier wie sonst appeq (Mc. 4, 29. Deut. 16, 9). 

10, 1. nv£ojj.aTü)v (Sais IxßaUsiv abxd (im Vergleich mit dem 
folgenden Oepotirsüetv vöofov) erinnert an die Konstruktion d'rüche 



Mt. 10, 2-6. 45 

l'mappäqu (Nöldeke § 286), die in älteren syrischen Schriften vor- 
kommt, z. B. in dem Brief an Serapion. 

10, 2 — 4. Das Verzeichnis der Zwölf ist auch bei Mt paren- 
thetisch nachgetragen, aber an passenderer Stelle als bei Mc; in 
Wahrheit gehört es freilich erst in den Anfang der Apostelgeschichte. 
Sie heißen ursprünglich nur o? ScuSsxa, nicht oJ Sco^exot diroatoXot. 
In den Namen stimmt Mt mit Mc überein; bei ihm fällt es nicht 
auf, daß Levi nicht genannt wird, da er ihn in Matthäus verwandelt 
hat. Die Reihenfolge ist zwar ähnlich, aber nicht gleich; in Act. 1 
weicht sie wiederum ab. 

§29. Mt. 10,5-15. Q*. 

Diese Zwölf sandte Jesus und befahl ihnen also: Nehmt 
nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der 
Samariter, *geht vielmehr zu den verirrten Schafen vom Hause 
Israel. ^Geht aber und verkündet; das Reich des Himmels 
steht nah bevor. * Kranke heilt, [Tote weckt aufj. Aussätzige 
reinigt, Dämonen treibt aus. Umsonst habt ihr empfangen, 
umsonst gebt. 'Beschafft euch kein Gold, kein Silber und 
Kupfer in eurem Gürtel, ^° keine Reisetasche auf den Weg, 
keine zwei Röcke, keine Schuhe, keinen Stab; denn der Arbeiter 
ist seines Lohnes wert. ^'Und wenn ihr in eine Stadt oder 
in ein Dorf eingeht, so zieht Kunde ein, wer darin es wert 
ist, und da bleibt, bis ihr von dannen geht. ^'Wenn ihr aber 
in das Haus eintretet, so grüßt es. ^^ünd wenn das Haus es 
wert ist, so wird euer Friede darauf kommen; sonst wird euer 
Friede zu euch zurückkehren. '*Und wo ihr keine Aufnahme 
und kein Gehör findet, da geht hinaus aus dem Hause oder 
aus der Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen. 
'^Amen ich sage euch, dem Lande von Sodom und Gomorrha 
wird es erträglicher ergehn am Tage des Gerichts als jener 
Stadt. 

Mt vei-schmilzt die Varianten von Mc und Q, während Lc 
(9,1 — 0. 10,1 — 16) sie auseinander hält. 

10, 5. 6. vgl. 10, 23. 7, 6. 15, 24. Bei Lc verbietet Jesus die 
Mission unter Heiden und Samaritern nicht, vermeidet auch selber, 
bei seiner Reise nach Jerusalem, den Weg durch Samarien nicht, 
im Gegensatz zu Mc und Mt und in Übereinstimmung mit Joa. 



46 Mt. 10, 7—15. 

10, 7. 8 wie Lc. 10, 9; vexpoüc l^sipsTe ist unsicher bezeugt. 
Nach Mc. 6, 12 sollen die Apostel Buße predigen. Die Möglichkeit, 
daß ihre Tätigkeit ihnen Gewinn bringt, wird von Mt ins Auge 
gefaßt; vgl. 7, 15. 

10, 9. 10 stimmt in der Form mehr mit Mc. 6, 8. 9, im Inhalt 
aber mit Lc. 10, 4. Mi] xtr^aTjaös hängt nicht mit dem letzten 
Satz von 10, 8 zusammen, sondern bedeutet: schafft euch nicht für 
die Reise an; wegen der in 10, 10 folgenden Objekte und wegen 
Mc. 6, 8. Weite Reisen sollen ja die Jünger nicht machen. Stab 
und Sandalen, die Mc erlaubt, werden verboten; zum Kupfer kommt 
Gold und Silber hinzu — merkwürdig. Die beiden Röcke sind 
natürlich Rock und Mantel, ein Dual a parte potiori; denn der 
Rock war notwendig, der Mantel entbehrlich. Übrigens heißt es 
bei Mt. 26, 65 xa ffidita für xobc ^itcovok: bei Mc. 14, 63. Den Schluß- 
satz bringt Lc (10, 7) passender an einer anderen Stelle. 

10,11 wie Mc. 6, 10, doch mit Hinzufügung der Erkundigung. 
In D heißt es: y] ttoXic ek tjv äv efasXöyjxs eu aoTi^v — semitisch. 

10, 12. 13 wie Lc. 10, 5. 6. Der Übersetzer hätte entweder 
Xs^sTs s?pr^vY]v (Lc. 10, 5) sagen müssen für dariraaaaös 10, 12, oder 
6 daTraaPfxoc für f] sfpTQVTj 10, 13; er durfte aber den Ausdruck nicht 
wechseln. Sch'läm bedeutet beides, Friede und Gruß. 

10, 14 wie Mc. 6, 11. Aber darin, daß neben dem Hause die 
Stadt zur Wahl gestellt wird, zeigt sich ein Einfluß von Q (Lc. 
10, 8 SS.); der Fall in 10, 11 liegt anders. Ursprünglich handelt 
es sich um Aufnahme in das Haus, der Gast kann zunächst un- 
bekannt sein, entpuppt sich aber dann als Missionar und erfährt 
darauf eine wechselnde Behandlung. Daß die Jünger Jesu nicht 
einmal in die Stadt aufgenommen werden (Q), scheint auf ein 
späteres Stadium zu weisen, wo man schon um sie Bescheid wußte. 
Vgl. 10, 23. 

10, 15 steht bei Lc. 10, 12 in größerem Zusammenhange, in 
welchem es Mt. 11,24 wiederholt wird. 

Mt. 10, 16-42. 

Siehe ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe, seid 
also klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben 
*' Nehmt euch in acht vor den Menschen, denn sie werden 
euch an die Synedrien übergeben und euch geißeln in ihren 



Mt. 10, 16 SS. 47 

Gemeindegerichten, '* und vor Statthalter und Könige werdet 
ihr geführt werden um meinet willen, um ihnen und den Heiden 
Zeugnis abzulegen. "Wenn sie euch aber vorführen, so sorgt 
nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener 
Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. *°Denn nicht ihr 
seid die Redenden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der 
durch euch redet. *'Es wird aber ein Bruder den anderen 
zum Tode übergeben und der Vater das Kind, und Kinder 
werden gegen Eltern aufstehn und sie zu Tode bringen. "Und 
ihr werdet allen verhaßt sein wegen meines Namens. Wer 
aber ausharrt bis an das Ende, der wird gerettet werden. 
"Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in 
eine andere; Amen ich sage euch, ihr werdet mit den Städten 
Israels nicht zu Ende sein, bis der Menschensohn kommt. 
'*Ein Jünger ist nicht über seinen Meister, wie ein Knecht nicht 
über seinen Herrn. *^Es genügt für den Jünger, daß er ist 
wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Haben sie 
den Hausherrn Beelzebul geheißen, wie vielmehr seine Leute! 
'^Also fürchtet sie nicht. 

Denn nichts ist verhüllt, das nicht enthüllt wird, und 
nichts verborgen, das nicht zu Tage kommt. ^^Was ich zu 
euch sage im Dunkeln, das verkündet im Licht, und was ihr ins 
Ohr zu hören bekommt, das redet auf den Dächern. ^^Und 
fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele 
aber nicht töten können; vielmehr fürchtet euch vor dem, der 
Leib und Seele verderben kann zur Geenna. ^^Sind nicht 
zwei Sperlinge feil um einen Heller? und nicht einer von ihnen 
kommt zu Boden zu fallen ohne euren Vater. ^°Bei euch 
sind aber sogar die Haare des Hauptes alle gezählt. '^Also 
fürchtet euch nicht, ihr seid viel mehr wert als Sperlinge. 
^nVer sich also zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem 
werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel; 
"wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch 
ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel. 

^* Wähnt nicht, ich sei gekommen Frieden zu bringen auf 
das Land, ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern 
das Schwert. ^*Ich bin gekommen, Vater und Sohn zu ent- 
zweien, Mutter und Tochter, Schwieger und Schnur, ^^und 
eines Feinde sind die eigenen Hausgenossen. ^^Wer Vater 



48 i^t. 10, 16 SS. 

oder Mutter mehr liebt als mich, ist mein nicht wert, und 
wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist mein nicht 
wert. '®Und wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir nach, 
ist mein nicht wert. '^Wer seine Seele findet, wird sie ver- 
lieren, und wer seine Seele verliert um meinetwillen, wird sie 
finden. *^Wev euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer 
mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. 
**Wer einen Propheten aufnimmt als Propheten, wird eines Pro- 
pheten Lohn empfangen, und wer einen Gerechten aufnimmt 
als Gerechten, wird eines Gerechten Lohn empfangen. *'Und 
wer einem dieser Geringen als einem Jünger einen Becher 
frischen Wassers reicht, wird nicht um seinen Lohn kommen. 
Diesen langen Anhang an die Reiseinstruktion hat Mt aus 
verschiedenem Material zusammengesetzt. Vorher sollen die Zwölf 
angeredet sein, hier sind es sicher die Jünger überhaupt. Vorher 
wird ihnen gesagt, daß sie in dem Hause, wo sie anklopfen, ent- 
weder gastliche Aufnahme finden würden, oder wenn nicht, das 
Haus verlassen sollten; hier ist ihnen die Feindschaft aller Welt 
gewiß. Schon vorher ist zwar die Zukunft antezipirt, hier aber 
blickt sie weit deutlicher durch und ist in ein Stadium getreten, 
das an der Schwelle „der Endzeit" liegt und Mc. 13, 9 als „Wehen" 
derselben bezeichnet wird. Überall läßt sich der wahre Hinter- 
grund leicht erkennen; es ist ebenso wie in der Bergpredigt die 
Zeit der Verfolgung der palästinischen Gemeinde, die sich natur- 
gemäß hauptsächlich gegen die Führer und Apostel richtet (23, 34). 
Den Jüngern wird es nicht besser ergehn wie dem Meister, das Mar- 
tyrium droht auch ihnen. Sie sollen sich nicht fürchten, das wird 
dreimal nachdrücklich wiederholt. Sie sollen insonderheit, wenn 
sie vor die Behörden geführt werden, den Mund auftun und sagen , 
was ihnen der Geist eingibt. Doch dürfen sie, in einer Stadt verfolgt, 
in eine andere fliehen^ sie sollen die Gefahr nicht herausfordern, son- 
dern sich klug benehmen wie die Schlangen: wenn sie entkommen , 
um so besser. Der Geist der ersten Zeugen, der uns hier anweht, 
hat nichts Überschwängliches oder Fieberhaftes an sich. Er ist nicht 
trotzig und fanatisch, sondern gedrückt, aber gefaßt. Im Vergleich 
zum Buch Daniel, wo die Situation ganz ähnlich ist, tritt die Erwar- 
tung der baldigen Parusie sehr zurück. *Mt dämpft sie auch sonst 
und läßt Jesus erst kurz vor seinem Tode davon reden. Sie dient 
in den Evangelien überhaupt mehr als Sporn wie als Trost. 



Mt. 10, 16-25. 49 

10, 16. Wie im Hebräischen nur b'tok und nicht l'tok ge- 
sagt wird, so in der Septuaginta nur h jieacp und nicht ek jieaov. 

10, 17 — 22 steht bei Mc (13, 9ss.) in der apokalyptischen Rede 
Jesu und fehlt dort größtenteils bei Mt. Man darf aber darum bei 
Mt nicht mit 10, 17 absetzen. Der Absatz beginnt mit 10, 16, und 
dieser Vers steht trotz 8s nicht im Gegensatz zu dem folgenden, 
sondern sagt das selbe mit anderen Worten. 

10, 17. Die aüva^cD-yat (Gerichtsversammlungen) scheinen hier 
wie in Mc. 13, 9 synonym mit aüveSpia zu sein, während in Mt. 5, 22 
das Synedrium im Singular als oberste Instanz über den lokalen 
Gerichten erscheint. 

10,18. AÖTotc (wie aixa>v 11, 1) sind die Juden. Die Heiden 
(xal Tois £&v£(jtv) befremden. Sie scheinen wegen der Könige hinzu- 
gesetzt zu sein, aber die Antipatriden waren auch Könige. Sonst 
beschränkt sich hier der Gesichtskreis durchaus auf Judäa, 

10, 19. 20 wie Mc. 13, 11. Lc. 12, 11. 12. Den heiligen Geist 
nennt Mt den Geist des Vaters. 

10, 21 hat seinen richtigen Platz in der jüdischen Eschato- 
logie; s. zuMc. 13, 12. Hier wird der Vers christlich verstanden 
(10, 34 SS.). 

10, 23 findet sich nur bei Mt und müßte sich nach dem Zu- 
sammenhang auf die allgemeine Flucht der Christen vor der Ver- 
folgung beziehen. Der Satz mit Amen scheint freilich nur ge- 
zwungen bedeuten zu können: ihr werdet die Zahl der jüdischen 
Städte auf der Flucht von einer zur andern nicht erschöpfen 
— er scheint sich eigentlich auf die Mission zu beziehen. Aber 
die Themata Mission und Verfolgung mischen sich hier. Die 
Christen werden eben besonders durch ihre eifrige und erfolgreiche 
Propaganda den Haß der Juden erregt haben ; und gerade die Mis- 
sionare werden 23, 34 von Stadt zu Stadt verfolgt. Der Menschen- 
sohn ist nach der Absicht des Konzipienten nicht Jesus. Überall 
wird das jüdische Gemeinwesen als noch bestehend vorausgesetzt, 
ebenso wie in der Bergpredigt. — Im D und Syra S. folgt auf den 
ersten Satz noch ein paralleler, welcher leichter ausgelassen als zu- 
gesetzt werden konnte. 

10, 24. 25. Hier hat Mt einen älteren Spruch in seiner Kom- 
position so verwertet, daß er bedeuten muß, was er in der Tat 
(vgl. Lc. 6,40) nicht bedeutet: ihr verdient kein besseres Geschick 
als euer Meister. Nur läßt er Jesus nicht sagen: so wie sie mich 

Wellhaus en, Evans. Matthaei. 4 



50 Mt. 10, 26-34. 

gekreuzigt haben, werden sie euch auch tun, sondern um den Ana- 
chronismus zu vermeiden: so wie sie mich für den Gottseibeiuns 
ausgegeben haben, so auch euch. Auch damit wird freilich der 
Zeit vorgegriffen; denn Mt bringt die Beelzebulperikope erst in 
Kap. 12. Kai Ttp 8oüX(p 10, 25 ist grammatische Korrektur des 
zweiten Satzes nach dem ersten; im Sinne des Mt muß vielmehr der 
erste nach dem zweiten so gefaßt werden: es genügt (das soll bei 
Mt heißen: es muß hingenommen werden), daß der Jünger sei 
wie der Meister (d. h. daß ihm geschehe wie dem M.). 

10, 26—33 ist ein Passus, der bei Lc (12, 2—9) selbständig 
an einer anderen Stelle erscheint. Vorausgesetzt wird, daß Jesus 
selber bei seinen Lebzeiten ziemlich unbekannt blieb und daß seine 
Wirkung erst nach seinem Tode anging. Seine Jünger sollen sich 
nicht fürchten, vor der Welt zu verkünden, was er in einem kleinen 
Kreise gesagt und getan hat, d. h. Mission zu treiben. Myj cpo- 
ßsTa&s ist der Grundton; nur einmal heißt es [ay] ooßTj&r^Ts und da 
in der griechischen Verbindung mit einem Akkusativ. 

10, 28 — 31. Es handelt sich immer um die Gefahr das Mar- 
tyriums, nicht um jede beliebige Gefahr und um die göttliche Vor- 
sehung im allgemeinen. ' EttI ty)v f^v (10, 29) bedeutet nach Amos 
3, 5 in die Falle; die Korrektur da t7)v iraytöa trifft den Sinn. 
Euer Vater (10, 29) ist hier so wenig natürlich wie in 6, 26. 
rioXXcüv (10, 31) beruht auf irriger Übersetzung einer aramäischen 
Vorlage. Min ^ipp'raija saggi m'jatt'rin anton kann zwar 
an sich heißen: ihr seid besser als viele Sperlinge. Hier muß es 
aber heißen: ihr seid viel besser als Sperlinge; wegen 6, 26. 12, 12 
und weil der Unterschied nicht quantitativ, sondern qualitativ ist. 
D hat 10,28 a^od^fxi für dTroxTstvai. 

10, 32. 33. Das Original ist Mc. 8, 38 und dort steht wie bei 
Lc. 12, 8 zwar im Vordersatz das Pronomen der ersten Person, im 
Nachsatz aber „auch der Menschensohn", wofür Mt „auch ich" setzt, 
um Jesus zum Subjekt der Aussage zu machen, der hier in Wahr- 
heit von dem Menschensohn unterschieden wird. Vor den Men- 
schen d. i. vor dem menschlichen Gericht (10, 18. 19); vor Gott 
d. i. vor dem jüngsten Gericht. Mt sagt: vor meinem Vater im 
Himmel, Lc: vor den Engeln Gottes, bei Mc (Lc. 9, 26) ist beides 
vereinigt, vermutlich durch Kontamination. 

10,34 wie Lc. 12, 49. 51. Es sind nach Mt die Jünger, die da- 
durch enttäuscht werden, daß Jesus keinen Frieden, sondern das 



Mt. 10, 35-42. 51 

Schwert gebracht hat; und sie haben darunter zu leiden. Das 
Schwert ist also nicht der eigentliche Krieg, und e^pTQVT] bedeutet 
nicht den Völkerfrieden. 

10, 35—37. Vgl. zu 10, 21. Die Christen sind hier von ihrer 
jüdischen Familienverbindung noch nicht gelöst. Zur Verfolgung 
durch die Behörden kommt der Seelenschmerz, daß ihre Angehö- 
rigen nichts von ihnen wissen wollen und feindselig gegen sie auf- 
treten, daß sie um des Evangeliums willen sich von ihnen trennen 
müssen. Zu 10, 37 vgl. Mc. 10, 29. Lc. 14, 26. 

10, 38. 39 wie Mc. 8, 34. 35. Für arpeiv steht auch 8, 17. 16, 
9 — 10 Xafißaveiv. 

10, 40—42 wie Mc. 9, 37. 41. Die Rede kehrt hier wieder 
ganz zu der Mission zurück, von der sie ausgegangen ist. Mt redet 
deutlicher als Mc von den Missionaren (Propheten) und ihrer Auf- 
nahme. Aber das ist keine wirkliche Differenz. Denn jeder Jün- 
ger war Missionar, zumal auf der Wanderung, wie er hier vorge- 
stellt wird. Auaio? ist eine auszeichnende Benennung der Christen; 
sie sind die wahren ErfüUer des Gesetzes und nicht die Pharisäer. 
Täv fitxpcüv wird bei Mc erklärt durch t&v irtaTSDovicov. Es geht 
auf den niederen Stand und bedeutet nicht ganz das selbe wie 
vTQTrtot 11, 25 oder trraij^ot 5, 3. Et? ovofjia trpocpT^TOo = als solchen, 
seines christlichen Berufes wegen. 

Q*. Mt. 11, 1-19. Lc. 7, 18-38. 

Und als Jesus mit den Verordnungen an seine zwölf Jün- 
ger zu Ende war, ging er von da weiter, zu lehren und zu 
predigen in ihren Städten. 

"' ' Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des 
Christus hörte, ließ er ihm durch seine Jünger sagen: 'bist du 
der kommende Mann, oder sollen wir auf einen anderen war- 
ten? *Und Jesus antwortete ihnen: geht hin und meldet Jo- 
hannes, was ihr hört und seht, ^Blinde sehen wieder und 
Lahme gehn, Aussätzige werden rein und Taube hören, und 
Tote stehn auf, und Arme empfangen frohe Botschaft; ^und 
selig isty. wer nicht an mir Anstoß nimmt. 

^Als diese nun gingen, begann Jesus zu dem Volk über 
Johannes zu reden. Wozu seid ihr hinaus in die Wüste ge- 
gangen? ein Rohr zu schauen, das im Winde schwankt? 

4* 



52 Mt. II, 1. 2. 

®Oder wozu seid ihr hinausgegangen? einen Mann in weichen 
Kleidern zu sehen? Die Leute, die weiche Kleider tragen, 
sind am Hofe der Könige. * Oder wozu seid ihr hinausgegan- 
gen? einen Propheten zu sehen? ja ich sage euch, mehr noch 
als ein Prophet ist dieser, *^von dem geschrieben ist: siehe 
ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir 
bereiten soll. ^^Amen ich sage euch, kein Größerer ist unter 
den Weibgeborenen erstanden als Johannes der Täufer, jedoch 
der Kleinste im Reich des Himmels ist größer als er. ''Aber 
von den Tagen Johannes des Täufers bis jetzt wird das Reich 
des Himmels gestürmt, und die Stürmer reißen es an sich. 
^M)enn alle Propheten und das Gesetz bis auf Johannes haben 
geweissagt, '*und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elias, 
der da kommen soll. *^Wer Ohren hat, höre! 

^^Wem aber soll ich dieses Geschlecht vergleichen? es 
gleicht Kindern, die auf der Straße sitzen und den Gespielen 
zurufen: *^wir haben gepfiflfen und ihr habt nicht getanzt, wir 
haben geklagt und ihr habt nicht auf die Brust geschlagen. 
* ^Johannes ist gekommen, nicht essend und trinkend, da sagen 
sie: er ist besessen. ^^Der Menschensohn ist gekommen, essend 
und trinkend, da sagen sie: er ist ein Fresser und Säufer, ein 
Freund von Zöllnern und Sündern. *°ünd so ist die Weis- 
heit gerechtfertigt vor ihren Kindern. 

11, 1 ist ein Übergangsvers des Mt. Bei Lc steht Kap. 11 vor 
Kap. 10; die Wirkung der umgekehrten Folge bei Mt ist, daß die 
Jünger in Kap. 11 eigentlich abwesend gedacht werden müßten. 
Das ist aber schwerlich die Absicht. Es scheint vielmehr, daß die 
Instruktion Kap. 10 erst für die Zukunft gelten soll und nicht 
schon für die Gegenwart. Die Zwölf reisen gar nicht ab, wie denn 
auch von ihrer Rückkehr nichts berichtet wird. Darum gehn auch 
in 11, 1 nicht die Zwölf aus um zu predigen, wie man erwarten 
sollte, sondern Jesus selber. 

11, 2. Die Werke, die Jesus tut, erregen bei Johannes Zweifel, 
ob er wirklich der Christus ist, da er von diesem ganz anderes er- 
wartet. Eben darum nennt sie Mt die Werke des Christus; der 
auffallende Ausdruck fehlt bei Lc, wie auch die Angabe: im Ge- 
fängnis. Der Täufer wendet sich aber doch mit seinen Zweifeln 
an Jesus selber und überläßt ihm die Entscheidung. Das aramäi- 
sche (und auch das hebräische) rb^ bedeutet für sich allein, ohne 



Mt.l 1,5-7. 53 

weiteren Zusatz, irejA^j^ac sIttsv: er ließ ihm sagen. Darum wird es 
mit l^Ü (8tot) verbunden und nicht mit dem Akkusativ. 

11, 5. Mt hat im Vorhergehenden Proben gegeben für alle 
hier aufgezählten Wunder; vgl. 8, 1—4. 9, 1—7 und 9, 18—33. 
Er faßt sie also durchaus im eigentlichen Sinne auf. Es fragt 
sich, ob mit Recht. Denn Jesus verweist die Abgesandten auf 
etwas, was sie selber hören und sehen; er kann aber doch nicht 
im Augenblick eine gedrängte Übersicht über alle seine Wunder 
vorführen, wie Lc durch einen ungeschickten Zusatz glauben machen 
will. Die Hauptsache ist jedenfalls, was am Schluß steht: den 
Armen wird die frohe Botschaft gepredigt (Isa. 61). Darnach kann 
sehr leicht das Öffnen der Augen und Ohren metaphorisch ver- 
standen werden, und auch das Lebendigmachen der Toten (vgl. 
Vcxpo; Mt. 8, 22, Lc. 15, 24. 32 und awCstv = achi, C«>o7ovsiv Lc. 
17, 33); letzteres kann sogar kaum anders verstanden werden. 
Möglich, daß die beiden anderen Wunder nach Isa. 35, 5. 6 mit 
untergelaufen sind, möglich aber auch, daß sie ursprünglich nicht 
dagestanden haben. Kai /«oXcl TreptTraioüatv fehlt in D. 

11, 6. Wenn man einerseit 15, 11, andererseits 26, 31 in Be- 
tracht zieht, so kann man schwanken, was mit axav6aWCsa&ai hier 
gemeint sei. Vgl. 13, 41. 16, 23. 18, 6ss. 

11, 7—15. Es befremdet zwar nicht, daß 11, 7 — 10, wol aber, 
daß auch 11, 11 — 15 an das Volk gerichtet sein solL 

11, 7. Das Tt muß überall gleichen Sinn haben. Entweder 
warum: dann muß nicht bloß in 11,9, sondern überall unmittel- 
bar nach IfiQXöaTS ein Fragezeichen stehn und der Infinitiv zum 
Folgenden gezogen werden. Oder was: dann muß in 11, 9 mit D 
gelesen werden: dXXa xt dcr^X&ats f^Eiv; TrpocpTQtr^v; val xtX. Die 
Wüste ist auch hier die Araba am Jordan; es wächst Rohr darin. 
Das Rohr im eigentlichen Sinne zu verstehn, muß wenigstens 
möglich sein, wenngleich eine Beziehung auf Johannes beab- 
sichtigt ist. Sie ist aber in diesem ersten Fall nicht so deutlich 
erkennbar, wie in den beiden folgenden. Wenn die Frage in 
11, 7 Absurdes supputirt, wie die in 11, 8, so müßte die Ant- 
wort ebenso wie dort verneinend ausfallen und auch hier wie 
sonst ein Elogium erteilt werden: Johannes war nicht ein schwan- 
kendes Rohr, sondern unbeugsam bis zum Tode. Sonst müßte man 
an das Schwanken des Täufers in Bezug auf Jesus denken; doch 
besteht schwerlich echter Zusammenhang mit 11, 2—6. Die Redens- 



54 Mt. 11,8—14. 

art ist zwar aus 1 Reg. 14, 15 entlehnt, aber in anderem Sinn 
gebraucht» 

11, 8. 'AXXa ist nicht ella, sondern vella = d hh [XT^^e, s. zu 
Mo. 4, 22. Ein Höfling ist Johannes nicht gewesen, das zeigt sein 
Verhalten zu Antipas. 

11, 9. 10. rieptaaoTepov trp. kann nicht Objekt zu Ketv sein, 
sondern nur Prädikat zu oSto;. Oepl oi> (d'alohi) darf als Begrün- 
dungssatz gefaßt werden. 

11, 11. Die Bedeutung des Täufers wird voll anerkannt, aber 
die Zukunft gehört nicht ihm, sondern einem Anderen. Er steht 
noch in der alten Aera; inzwischen ist die neue bereits angegangen, 
und der geringste Christ ist eben als Christ mehr als der größte 
Jude. Wie der Messias (Jesus), so ist auch das Gottesreich schon 
präsent in der christlichen Gemeinde. „Johannes der Täufer" findet 
sich sonst nicht im Munde Jesu. 

11, 12. Der Passus 11, 12—15 findet sich bei Lc (16, 16) in 
kürzerer Form an anderer Stelle. Die Tage Johannis gehören be- 
reits der Vergangenheit an, und es liegt ein längerer Zwischenraum 
zwischen ihnen und der Gegenwart (fwc aptt), während doch Jesus 
den Täufer kaum überlebte. Die fiaatat könnten die Zeloten 
sein, die das Reich Gottes für einen Raub ansahen und es mit Ge- 
walt herbeiführen wollten, im Kampf gegen die Römer. Sie würden 
dann, im Gegensatz zu Johannes, als Mitstreber der Christen be- 
urteilt, freilich als falsche. Aber der Täufer hatte doch auch das 
Reich Gottes als bald bevorstehend verkündet und grade deshalb den 
Tod erlitten? Waren etwa seine Jünger davon zurückgekommen, eben 
infolge seiner Hinrichtung? Jedenfalls hat dieselbe eine ganz andere 
Wirkung auf sie ausgeübt, als die Kreuzigung Jesu auf dessen Jünger. 

11, 13 steht bei Lc passender vor 11, 12 und besagt bei ihm: 
das Alte Testament geht mit Johannes zu Ende, von da geht eine 
neue durch das Symptom 11, 12 gekennzeichnete Ära an, zu der er 
selber nicht gehört. Mt dagegen scheint positiv den prophetischen, 
vorbereitenden Zweck des Alten Testaments zu betonen, der zum 
Schluß mit Johannes dem Täufer am direktesten hervortritt. 

11, 14 fehlt bei Lc. Das schüchterne d ösXsxe Ssjaa&at er- 
klärt sich aus Mc. 9, 11—13. In Mc. 9, 13 spricht sich Jesus zwar 
ganz affiimativ über diesen Punkt aus, vorher aber bezeichnet er 
die ganze Lehre von der Apokastasis durch Elias als eine bloße 
Meinung der Schriftgelehrten, die durch die Schrift sich widerlege. 



Mt. 11, 16-^19. 55 

11,16 — 19 folgt bei Lc auf 11, 11; nur stellt er eine histo- 
rische Einleitung (7, 29. 30) voran und statuirt darin einen Gegen- 
satz zwischen Volk und Pharisäern, der zu ^ -jevsa aljxri nicht paßt. 
Dem Volke gegenüber werden hier Johannes und Jesus auf eine 
Linie gestellt. 

11, 17. Die Kinder auf der Straße sprechen nicht griechisch. 
Im Aramäischen liegt ein Reim vor (s'phadton, r'qadton), der 
freilich nicht beabsichtigt zu sein braucht. Es ist aber jedenfalls 
ein festes Kinderspiel. Die Kinder sind nicht Querulanten, son- 
dern spielen sie nur; die Großen dagegen sind, was die Kinder 
spielen. 

11, 18. 19. Nach 11, 17 muß der Sinn sein: Johannes hat zur 
Trauer aufgefordert, vergeblich; Jesus zur Freude, auch vergeblich. 
Die Tempora sind in 11, 18 und 11, 19 völlig gleich; die Partici- 
pia ioffttcDv xal ttivcdv müssen beidemal im selben Sinne verstanden 
werden. Wenn also Johannes hier der Vergangenheit angehört, so 
auch Jesus. Die Weisheit, absolut, ist die Weisheit Gottes (achamoth), 
ihre Kinder sind die Juden; sie werden nach ihrem Anspruch so 
genannt (wie in 8, 12 die Söhne des Reichs), obwol dieser An- 
spruch von ihnen in Wahrheit verscherzt und von den cjüvexot auf 
die vTJTTtot (11,25) übergegangen ist. *Atto ist min q'däm ("^^DO) 
und bedeutet: vor, gegenüber. Die Weisheit Gottes, vertreten durch 
Johannes und Jesus zugleich, wird gerechtfertigt vor oder gegenüber 
den Juden, indem deren Einwendungen oder Anklagen gegen sie sich 
durch Selbstwiderspruch aufheben. Die Lesung ep^a für xsxva taugt 
nichts; was sie bedeuten soll, darüber wird mehr geredet als ge- 
sagt. Wie sie entstanden ist, läßt sich bis jetzt auch nicht aus- 
machen. Lagardes Versuch (Agathangelus 1887 p. 128), beides auf 
^^'>^!ly zurückzuführen, scheitert daran, daß dies nur mit ooüXot 
oder höchstens mit TiatSe?, aber nicht mit x^xva wiedergegeben 
werden konnte. 

Johannes war der Vorgänger Jesu und seine Jünger hatten in 
der Taufe, im Fasten, und im Gebet (Lc. 11, 1) die Priorität vor 
den Jüngern Jesu. Sie schlössen sich ihnen nicht an, sondern be- 
haupteten die Selbständigkeit ihres Meisters und dann natürlich 
auch seinen Vorrang vor Jesus. Die Christen dagegen behaupteten, 
er sei bloß der Wegbereiter Jesu gewesen, habe auch weiter nichts 
sein wollen und in ihm den Messias erkannt. In unserem Kapitel 
wird nur so viel zugegeben, daß er von hinten nach ins Schwanken 



56 Mt. 11, 20 SS. 

geraten sei, da er in Jesu faktischem Auftreten seine Idee vom 
Messias nicht verwirklicht gesehen habe (11,2 — 6). Was ihn aus- 
zeichnet, wird gewürdigt, aber auch was ihm fehlt. Es ist eben 
das, daß er nicht in das Gottesreich eingetreten, d. h. kein Jünger 
Jesu Christi geworden ist. Der scharfe Unterschied, der dabei 
zwischen der alten und neuen Ära gemacht wird, ist merkwürdig 
(11, 7 — 15). Den Juden gegenüber erscheinen aber zum Schluß 
Johannes und Jesus als zusammengehörig (11, 16 — 19). 

Q*. Mt. 11, 20-24. Lc. 10, 13-15. 

Darauf begann er die Städte zu schelten, in denen seine 
meisten Wunder geschehen waren, weil sie doch keine Buße 
getan hatten. " Wehe dir Chorazin, wehe dir Bethsaida, denn 
wären in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen, die in euch 
geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche Buße ge- 
tan. ''Doch ich sage euch: es wird Tyrus und Sidon erträg- 
licher gehn am Tage des Gerichts als euch. "Und du Ka- 
pernaum, daß du nur nicht zum Himmel erhoben, zur 
Hölle herabgestürzt werdest! denn wären in Sodom die Wunder 
geschehen, die in dir geschehen sind, es stünde noch heute. 
'*Doch sage ich euch, es wird dem Lande von Sodom erträg- 
sicher gehn am Tage des Gerichts als euch. 

Das Stück steht bei Lc am Schluß der Apostelinstruktion, und 
der Vergleich mit Mt. 11, .24 mit 10, 15 scheint zu lehren, daß 
auch Mt es dort vorgefunden hat. Die historische Einleitung 11, 20 
findet sich nur bei Mt, sie war aus dem Folgenden leicht zu ent- 
nehmen. Jesus schaut zurück auf eine bereits abgeschlossen vor- 
liegende Wirksamkeit. Daß Kapernaum durch die Ehre seines 
Aufenthalts zum Himmel erhoben wurde, ist richtig; aber schwer- 
lich empfand er selber so. Bei Mc ist auch nur von seinem Mis- 
erfolge in Nazareth die Rede, in Kapernaum aber hat er den 
größten Erfolg, so daß Antipas mistrauisch wird. Dagegen kann 
Q nicht aufkommen. Vielleicht hat in der apostolischen Zeit das 
Christentum in Kapernaum seinen Boden verloren, Petrus und die 
Jünger wanderten von dort aus nach Jerusalem. 

11,21. Chorazin lag dicht bei Kapernaum, auch Bethsaida 
nicht weit von da. Die Form Br^OaaiSav steht sonst überall im 
Accusativ, und man könnte das v für die Casusendung halten, wie 



Mt. 11,23-27. 57 

in xöpßavav (Mt. 27, 6). Hier aber steht es im Vokativ und das 
beweist, daß das v zum Wort gehört. 

11, 23. Die Auffassung von jat] ?a)? ofpavoü ü^j/cDÖTQaiQ, sw^ 
^8oü xaraßr^öiQ als paralleler Fragen ergibt keinen Sinn. Nimmt 
man ein semitisches Original an, so scheint eine negative Parataxe 
vorzuliegen, in der die Negation logisch erst den zweiten Kon- 
junktiv trifft. 

Mt. 11,25-30. Lc. 10,21.22. 

Zu jener Zeit hub Jesus an und sprach: Ich preise dich, 
Vater, Herr Himmels und der Erde, daß du dies den Weisen 
und Klugen hast verborgen und den Einfältigen geofifenbai-t. 
•*Ja Vater, so ist dein Wille gewesen. "Alles ist mir über- 
liefert vom Vater, und niemand kennt [den Sohn als nur der 
Vater und auch niemand kennt] den Vater als nur der Sohn, 
und wem der Sohn will, dem offenbart er es. '^Kommt her 
zu mir, alle Mühseligen und Beladenen, ich will euch Erholung 
schaffen. "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, 
der ich sanftmütig bin und leutselig, so werdet ihr Erholung 
für euch finden. ^^Denn mein Joch ist woltuend und meine 
Last leicht. 

11, 25. 26. Anders wie vorher dankt Jesus hier doch dafür, daß 
er Erfolg gefunden hat, freilich nicht bei den Kindern der Weis- 
heit, sondern bei den Einfältigen. Er protestirt gegen die gelehrte 
Religion der Juden, vielleicht auch gegen anderweitigen Esoteris- 
mus. ''Efiirpocftiv öoü wie 18, 14; ähnlich im Daniel und stets im 
Targum. 

11, 27. Es handelt sich in diesem Zusammenhange nicht um 
Macht, sondern um Erkenntnis, um Einsicht in die göttlichen Dinge, 
in das wahre Wesen der Religion. Alle Lehre und alles Wissen 
ist bei den Juden irapaSoatc (aschlamta, synonym mit qabbala 
und sch'ma'ta). Die TrapdSoat^ Jesu aber stammt unmittelbar 
von Gott, nicht von Menschen. Sie hat nur den Namen mit der 
jüdischen oder der mystischen gemein und unterscheidet sich 
davon im Wesen. Sie ist für die VYJTTtoi bestimmt und keine 
esoterische Gnosis. — Der Vater und der Sohn findet sich in 
diesem absoluten Sinn schon Mc. 13, 32, vorzugsweise allerdings erst 
im vierten Evangelium. Der Satz „und niemand kennt den 



58 Mt. 11, 28. 29. 

Sohn als nur der Vater" halte ich für eine alte Interpolation. Er 
ist ein Corrolarium, darf also nicht an erster Stelle stehn und kann 
doch auch nicht an die zweite gesetzt werden, wo sehr alte pa- 
tristische Zeugen ihn haben — das Schwanken ist schon an sich 
bedenklich. Für d7coxaX6<^ai ist das Finitum vorzuziehen, welches 
u. a. die Syropalästina bietet, damit ein vollständiger Satz entstehe. 

11, 28. 29 fehlt bei Lc, paßt aber zum Vorhergehenden aus- 
gezeichnet; die Gnosis für die Einfältigen ist durchaus praktischer 
Natur. Nach der altchristlichen Erklärung (z. B. in der Didaskalia 
Apostolorum) will Jesus den Seinen die schweren und unerträg- 
lichen Lasten der Menschensatzungen abnehmen und dafür das 
göttliche Gesetz zu Ehren bringen, das dem Gewissen entspricht 
und es befriedigt; vgl. 23, 4. Mc. 7, 6 — 13. Jedenfalls .sind die 
schweren Lasten analog dem leichten Joch, dem sie entgegengesetzt 
werden; also nicht Sünden, sondern ebenfalls Forderungen, die auf- 
erlegt werden, aber das Leben ersticken und nicht zum Leben führen. 

11,29. Töv Cü^ov jioü ist das Joch, das ich auferlege, nicht 
das Joch, das ich selber trage; in Sir. 51, 26 (worauf Spitta 
hingewiesen hat) ist es mit TraiSsta synonym. Der Satz mit oxt 
gibt nicht den Inhalt der Forderung an, sondern ist im Deutschen 
als Relativsatz zu fassen. TaTretvoc an sich heißt niedrig, erst 
zusammengenommen mit t^ xotpSicf heißt es demütig. Oder viel- 
mehr nicht demütig gegen Gott und noch weniger unterwürfig 
gegen Höherstehende, sondern sich herunterhaltend zu den Niedrigen. 
Ebenso ist auch irpaöc hier eine humane und teine religiöse Eigen- 
schaft. Jesus wendet sich an die ox^oi und vi^irioe, er lockt sie 
damit, daß er nicht hochmütig sei und das Volk, das nichts vom 
Gesetz weiß, nicht verachte wie die Schriftgelehrten. Von Pauli- 
nismus steckt in 11, 25 — 30 nichts, avairaüöt? ist bei Sirach beliebt. 

§ 13. Mt. 12, 1-8. 

Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Saatfelder, 
seine Jünger aber hatten Hunger und begannen Ähren zu 
raufen und zu essen. ^Und die Pharisäer sahen es und sagten 
zu ihm: siehe deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht 
erlaubt ist. 'Er aber sprach zu ihnen: habt ihr nicht gelesen 
was David tat, als ihn und seine Genossen hungerte? *wie er 
in das Hang Gottes ging und die Schaubrode aß, die er nicht 



Mt. 12, l SS. 59 

essen durfte noch seine Genossen, sondern nur die Priester. 
*Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, daß die Priester im 
Tempel den Sabbat brechen, ohne sich zu verschulden? *Ich 
sage euch aber: hier ist mehr als der Tempel. ^Wenn ihr 
aber verstündet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich und 
nicht Opfer, so hättet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt. 
*Denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. 
Hier lenkt Mt wieder in Mc zurück, setzt aber zwei Verse 
(12, 5. 6) hinzu, die in dem Ausspruch gipfeln: hier ist mehr als 
der Tempel. Das müßte in diesem Zusammenhange besagen: so 
wie die Priester im Tempel den Sabbat brechen dürfen, so erst 
recht die Jünger in der Sphäre meiner heiligen Person — vgl. loa. 
2, 21. Aber der berufsmäßige Tempeldienst der Priester am Sab- 
bat kann nicht gut auf eine Linie gestellt werden mit dem Ähren- 
raufen der Jünger am Sabbat, das doch nicht im Dienste Jesu ge- 
schah; der Vergleich ist hier bei den Haaren herbeigezogen und 
die Moral entlehnt aus 12, 41. 42. Das Citat Osee 6, 6, welches 
12, 7 folgt, ist auch schon 9, 13 verwandt. Darauf wird mit Aus- 
lassung der Prämisse Mc. 2, 27 sofort 12, 8 (= Mc. 2, 28) ange- 
schlossen, durch ein yap mit unangeblicher Bedeutung. Nicht als 
Mensch, sondern weil er der Messias ist und größer als das 
Heiligtum, ist Jesus Herr des Sabbats. Vgl dagegen zu Mc. 2,27.28. 

§ 14. Mt. 12, 9-14. 

Und er ging von da weiter und kam in ihre Synagoge. 
*°I]nd da war ein Mensch mit einem starren Arm, und sie 
fragten ihn: ist es erlaubt am Sabbat zu heilen? in der Ab- 
sicht, ihn zu verklagen, ^'ünd er sprach zu ihnen: Wenn 
einem von euch sein Schaf am Sabbat in eine Grube fiele, 
würde er es nicht greifen und heraufholen? ^' Wie viel mehr 
wert ist nun ein Mensch als ein Schaf! Daher ist es erlaubt, 
am Sabbat wolzutun. ^^Darauf sagte er zu dem Menschen: 
streck deinen Arm aus ! und er streckte ihn aus, und er ward 
wieder gut wie der andere. ^*Die Pharisäer aber gingen hin- 
aus und faßten Beschluß gegen ihn, ihn zu verderben. 

Mc. 3, 2 wird zu einer direkten Anfrage an Jesus verändert, 
damit er mit dem Gleichnis 12, 11. 12 antworten kann, das sich 
bei Lc (14, 1— -6) an einer anderen Stelle findet. Mc. 3, 3—6 wird 



60 Mt. 12, 15ss. 

summarisch wiedergegeben, ohne das lebendige szenische Detail. 
Die Herodianer kommen bei Mt nur in 22, 16 vor. 

§ 15. Mt. 12, 15-21. 

Da Jesus das erfuhr, wich er von dort. Und Viele folgten 
ihm und er heilte alle *®und schärfte ihnen ein, sie sollten 
ihn nicht in die Öffentlichkeit bringen — *^auf daß erfüllt 
würde, was gesagt ist durch den Propheten Esaias; **Siehe 
mein Knecht, den ich erwählt, mein Geliebter, den meine 
Seele ausersehen hat. Ich lege meinen Geist auf ihn und er 
wird den Heiden das Recht verkünden. "Er wird nicht zanken 
noch lärmen, und man wird seine Stimme nicht auf den Gassen 
hören. '"Geknicktes Rohr zerbricht er nicht und schwelenden 
Docht lischt er nicht aus, bis er das Recht hinausführt zum 
Siege. '*ünd auf seinen Namen werden die Heiden hoffen. 
Der Anfang (12, 15. 16) wie Mc. 3, 7. 8. 12, jedoch mit aus- 
gesprochener Motivirung des dve;((jupy)a£v durch den Beschluß der 
Pharisäer. Das von Mt hinzugefügte Citat aus Isa. 42 weicht von 
der Septuaginta ab. Auf 12, 19 liegt Nachdruck, wegen 12, 16. 
Über IxßotUetv 12, 20 (= appeq) s. zu 9, 38. 

§ 17. Mt. 12, 22-37. Q*. 

Da wurde ihm ein Besessener gebracht, der war blind 
und stumm. Und er heilte ihn, so daß der Stumme redete 
und sah. *'ünd die Haufen von Volk waren alle außer sich 
und sprachen: ist dieser vielleicht der Sohn Davids? '*Die 
Pharisäer aber hörten es und sagten: dieser treibt die Dämonen 
nur durch Beelzebul aus, den Obersten der Dämonen. **Da 
er nun ihre Gedanken erkannte, sprach er zu ihnen: Jedes 
Reich, das sich entzweit, wird zerstört, und jedes Stadt- oder 
Hauswesen, das sich entzweit, hat keinen Bestand. -®Und 
wenn der Satan den Satan austreibt, so ist er mit sich ent- 
zweit: wie soll dann sein Reich Bestand haben? "Und wenn 
ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben 
eure Söhne sie aus? somit sind sie eure Richter. ^^ Wenn ich 
aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist ja 
das Reich Gottes schon zu euch gelangt. *^Oder wie kann 



Mt. 12, 24-28. 61 

einer in das Haus eines Gewaltigen dringen und ihm sein Zeug 
rauben, wenn er nicht zuvor den Gewaltigen bindet; dann erst 
kann er sein Haus ausrauben. '^Wer nicht mit mir ist, ist 
wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. 
'^Darum sage ich euch: jede Sünde und Lästerung wird den 
Menschen vergeben, doch die Lästerung desGeistes wird nicht ver- 
geben. "Und wer etwas sagt gegen den Menschensohn, findet 
Vergebung; wer aber etwas gegen den heiligen Geist sagt, findet 
keine Vergebung, weder in dieser Welt noch in der künftigen. 
^'Gesetzt, der Baum ist gut, so ist auch die Frucht gut; 
gesetzt, der Baum taugt nicht, so taugt auch die Frucht nicht. 
^*Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse 
seid ! Denn wovon das Herz überfließt, daraus redet der Mund. 
"Ein guter Mensch bringt aus gutem Schatze Gutes her- 
vor, und ein böser Mensch bringt aus bösem Schatze Böses 
hervor. '^Ich sage euch aber: von jedem nichtsnutzigen Wort, 
das die Menschen reden, müssen sie Rechenschaft geben am 
Tage des Gerichts. ''Denn aus deinen Worten wirst du ge- 
rechtfertigt, und aus deinen Worten wirst du verurteilt. 

Das Apostel Verzeichnis (§ 16) hat Mt schon früher gebracht. 
Dem § 17 schickt er die selbe Einleitung voraus wie Lc (11, 14). 
Nur läßt er den Tauben noch dazu blind sein, vgl. zu 9, 27—34. 
Er spitzt ferner das Staunen des Volkes zu auf die Frage: ist dieser 
nicht Davids Sohn? und legt den Widerspruch dagegen nicht wie 
Lc etlichen aus dem Volk in den Mund, sondern den Pharisäern, 
die den Schriftgelehrten bei Mc entsprechen. Die Beelzebulperikope 
hat auch in Q gestanden. Lc bringt sie nicht in der Reihenfolge 
des Mc, er hält sich an Q. Mt dagegen behält ihre Stellung bei 
Mc bei und vermischt die beiden Quellen — wozu er überhaupt 
mehr neigt als Lc. 

12, 24. 25. Das Gedankenlesen wie bei Lc, 11, 17. Oux 

st jiTQ (14, 17) ist schwerlich griechisch. 

12, 27. 28 wie Lc. 11, 19. 20. „Eure Söhne" = eure Volks- 
genossen, d. h. Juden überhaupt. Also hat Lc Recht, daß nicht 
speziell die Pharisäer angeredet sind. Jesus sagt: ihr dürft mich 
nicht anders beurteilen wie eure Söhne, die ebenfalls Dämonen 
austreiben; sie richten euch, d. h. sie widerlegen praktisch eure 
Behauptung — das Futurum eaovxai ist misverständlich. Aber der 
Hinweis darauf, daß die Exorzismen, die er verrichtet, auch von 



62 Mt. 12, 30-32. 

manchen anderen Juden verrichtet werden, paßt an dieser Stelle 
nicht zu seiner Absicht, wie er denn auch bei Mc fehlt. Denn er 
will hier keineswegs sagen, daß er nichts besonderes tue. Gleich 
der folgende Vers 28 beweist das. Das Reich Gottes wird darin 
als mit Jesus, d. h. mit dem Messias, bereits eingetreten gedacht, 
wie auch sonst in Q; e^Oaasv ist mehr als f^y^xtv. Es liegt im 
Kampf mit dem Reich des Satans, und dieser Kampf wird durch 
das Austreiben der Dämonen geführt, die des Satans Heer sind. 
Der Gedanke ragt auch in Mc (3, 27 = Mt. 12, 29) hinein, steht 
aber dort isolirt und verloren. 

12, 30 wie Lc. 11, 23, ganz anders gewandt wie Mc. 9, 40, 
exklusiv statt tolerant. Zu der Allgemeinheit der vorhergehen- 
den Argumentation würde die Äußerung nur passen, wenn 4jio5 
nicht auf Jesus speziell ginge, sondern statt dessen ebensogut öoü 
hätte gesetzt werden können. Wie axopirtCetv, so muß auch aova^eiv 
von der Herde (d. i. Gemeinde) verstanden werden; vgl. 23, 37. 

12, 31 wie Mc. 3, 28. Nur hat Mt verkürzt und sein 8tä 
xoüTo vorgesetzt. 

12, 31. 32. Hier werden Mc. 3, 28 und Lc. 12, 10 (Q) neben 
einander gestellt. Daß dies nur Varianten eines und des selben 
Spruches sind, liegt auf der Hand. Aus der Vergleichung dieser 
Varianten von Mc und Q ergibt sich aber die Priorität des Mc. 
Bei ihm (3, 28) heißt es: alle Lästerungen werden den Menschen- 
söhnen vergeben, nur nicht die Lästerung gegen den heiligen Geist. 
Li Q (Lc. 12, 10) dagegen: Worte gegen den Menschensohn 
werden vergeben, nur nicht Lästerungen gegen den h. Geist. Gegen 
die Ursprünglichkeit dieser Fassung spricht zunächst, daß Läste- 
rungen (absolut) nur gegen Gott gerichtet sind und der Menschen- 
sohn doch nicht Gott ist; Lc redet darum auch nicht von Läste- 
rungen gegen den Menschensohn, sondern nur von Worten, 
während Mt ausgleicht und die Lästerungen gegen den Geist eben- 
falls in W^orte verwandelt. Ferner spricht dagegen, daß in diesem 
Fall die Lästerung gegen den Geist ja gerade in Worten besteht, 
die gegen den Menschensohn gerichtet sind und also der Unter- 
schied sinnwidrig ist — weshalb der Spruch bei Lc (vielleicht auch 
in Q) aus dem Zusammenhang der Beelzebulgeschichte entfernt ist, 
die ihn doch allein erklärt. Endlich hat der Messias in Q im Ver- 
gleich zu den Menschen bei Mc das Vorurteil gegen sich. Aus dem 
allgemeinen Namen ist der besondere gemacht und dieser dann 



Mt. 12, 33-3T. 63 

nicht mit vergeben, sondern mit lästern in Beziehung gesetzt. 
Das Umgekehrte ist undenkbar. Wahrscheinlich ist übrigens, daß 
QinMc. 3, 28 dem Menschensohn statt den Menschensöhnen 
vorgefunden und den generell gemeinten Singular individuell mis- 
verstanden hat. Und wahi'scheinlich ist auch nach Mc. 2, 10. 28, 
daß Ta> üt(j> xoü dvOpwTrou in Mc. 3, 28 wirklich ursprünglich war 
und erst später sinngemäß in den sonst unerhörten Plural xoT? ü{- 
oic Tcov avöpwTTCüv verwandelt wurde, um keinen Augenblick das 
Mis Verständnis aufkommen zu lassen, daß dem Messias Sünden 
vergeben werden sollten — ein Misverständnis, welches in Q, wo 
in der Tat in dem olhz xoü dvft. auch hier der Messias erblickt 
wird, durch Veränderung der Konstruktion wegfällt. 

12, 33—37. Der Passus steht sonst am Schluß der Berg- 
predigt, und zwar bei Lc. 6, 43 — 45 ähnlicher im Wortlaut als bei 
Mt. 7, 17. 18. Der Anfang von 12, 34 dient, um die Verbindung 
mit der Beelzebulsrede klar zu stellen. „Ihr könnt gar nicht 
anders als lästern, weil böser Baum notwendig böse Frucht bringt." 
Eine Entschuldigung soll das aber nicht sein, wie in den ab- 
schließenden Versen 12, 36. 37, die ebenfalls dem Mt eigentümlich 
sind, mit hohem Nachdruck gesagt wird : wie die Worte die innere 
Gesinnung verraten, unterliegen sie auch nicht minderer Verant- 
wortung als die Taten. Ähnlich Mc. 7, 17 ss. Der Schatz 12, 35 
ist weder der Schatz der Almosen noch der guten Werke über- 
haupt, sondern das Herz selber — offenbar auf grund von 6, 21. 

Q*. Mt. 12, 38-45. Lc. 11, 29-32. 24-26. 

Darauf hüben etliche von den Schriftgelehrten und Phari- 
säern an und sagten: Meister, wir verlangen von dir ein Zei- 
chen zu sehen. "Er antwortete ihnen: Das böse und ehe- 
brecherische Geschlecht begehrt ein Zeichen, und es wird ihm 
kein Zeichen gegeben als das des Propheten Jona. ^°Denn 
wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Ungetüms 
war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte 
im Schöße der Erde sein. *'Die Männer von Nineve werden 
als Ankläger dieses Geschlechtes auftreten und seine Ver- 
dammnis bewirken; denn sie taten Buße auf die Predigt 
Jonas, und hier ist mehr als Jona. ^'Die Königin des Süd- 
landes wird als Anklägerin dieses Geschlechts auftreten und 



64 Mt 12, 38-40. 

seine Verdammnis bewirken; denn sie kam vom Ende der 
Erde zu hören die Weisheit Salomos, und hier ist mehr als 
Salomo. 

*^Wenn aber der unreine Geist aus dem Menschen aus- 
fährt, durchwandert er 'dürre Stätten, sucht eine Ruhstatt und 
findet keine. **Darauf sagt er: ich will wieder zurück in mein 
Haus, das ich verlassen habe. Und wenn er hinkommt, findet 
er es leer stehend, gefegt und geputzt. ** Darauf geht er hin 
und holt sich noch sieben andere Geister, schlimmer als er 
selbst, und sie kommen und nehmen dort Wohnung; und der 
letzte Zustand jenes Menschen wird schlimmer als der erste 
war. So wird es auch diesem bösen Geschlechte gehn. 

Mt. 12, 38—42 wie Lc. 11, 29—32 ist eine Variante von Q zu 
Mc. 8, 11. 12. Mc sagt einfach: es wird diesem Geschlecht kein 
Zeichen gegeben werden; Q fügt hinzu: außer dem Zeichen des 
Propheten Jona. 

12, 38 kehrt 16, 1 wieder und entspricht dort dem Verse 
Mc. 8, 11, hier aber eher dem Verse Lc. 11, 16. In der Septuaginta 
heißt Jona 'Icovac. 

12, 39 Fsvea (17,4) ist determinirt, ebenso wie avSpec N. 12, 40. 
12, 40. Deutlich liegt die Vorstellung von der Höllenfahrt 
Jesu vor; sie ergibt sich notwendig, wenn zwischen seinem Tode 
und seiner Auferstehung überhaupt ein Zwischenraum gedacht wird. 
Dieser Zwischenraum beträgt hier drei volle Tage und Nächte, 
während Mt sonst gewöhnlich im Unterschied von Mc sagt „auf- 
erstanden am dritten Tage" und auch nach drei Tagen in 
dem gleichen Sinne versteht (27, 63. 64). Bei Lc fehlt diese 
Deutung des Jonaszeichens. Statt dessen heißt es Lc. 11, 30: denn 
wie Jonas den Nineviten ein Zeichen war, so ist es der Menschen- 
sohn für dieses Geschlecht. Das sieht aus wie ein passender Über- 
gang auf Mt. 12, 41 : ein hergelaufener Prophet predigt den Heiden 
Buße und sie bekehren sich sofort, während auf die Juden die 
Aufforderung Jesu zur Sinnesänderung keinen Eindruck macht. 
Aber man begreift nicht, wie diese Antithese ein Zeichen genannt 
werden kann. Dazu kommt, daß Lc auf den Übergang, den er 
allein hat, gar nicht die Leute von Nineve folgen läßt, auf die er 
gemünzt ist, sondern vielmehr die Königin des Südens. Diese ge- 
hört sogar an sich, auch wenn sie wie bei Mt an zweiter Stelle 
steht, nicht hinein in die Erkläi*ung des Jonaszeichens. Also hat 



Mt. 12, 41-44. 65 

Mt. 12, 41. 42 (Lc. 11, 31. 32) ursprünglich nichts mit dem Jonas- 
zeichen zu tun. Dann verdient die Deutung desselben bei Mt. 12, 40 
den Vorzug vor der bei Lc. 11, 30. Vermutlich hat Lc Anstoß an 
dieser Verwendung des Walfischs genommen. 

12, 41. 42. „Sie werden erstehn im Gericht mit diesem Ge- 
schlecht und es verurteilen" ist nur durch Retroversion ins Ara- 
mäische zu verstehn. In Gericht treten mit ist dann s. v. a. 
anklagen. Verurteilen habe ich früher nach dem Syrischen ver- 
standen, wo es besiegen heißt. Der syr. Sprachgebrauch von ^{D] 
(siegen) und D.in (unterliegen) liegt auch den Juden nahe, wie p1)i 
und V^^ beweist. Aber allerdings kann ich das Pael D.'TI (xata- 
xptvstv) in der syrischen Bedeutung besiegen für das palästinische 
Aramäisch (das wir freilich schlecht genug kennen) nicht belegen. 
Man kommt auch aus mit: bewirken, daß jemand der Verdammnis 
verfällt. So wird ü'TI z. B. in Dan. 1, 10 gebraucht: ihr macht, 
daß ich der Strafe des Königs verfalle. Natürlich geschieht die 
Anklage in Mt. 12, 41. 42 nicht mit Worten, sondern durch das 
Faktum selbst, wie es beidemal mit Sti explicirt wird. Die Kö- 
nigin des Südens ist die K. von Saba, und dies ist, so viel ich 
weiß, das erste Beispiel, worin das südwestliche Arabien Jemen 
genannt wird. 

Mt. 12,43—45 steht bei Lc (11, 24—26) vor 12, 37—42, und 
zwar mit Recht, denn das Stück setzt die Beelzebulrede fort und 
bildet deren Schluß in Q. Es enthält freilich eine derselben eigent- 
lich widersprechende Kritik der Exorcismen. Sie nützen nicht auf 
die Dauer, es treten immer wieder Rückfälle ein, die das Übel nur 
ärger machen. 

12, 43. Der Dämon hat keinen eigenen Leib, sondern logirt 
sich in einem fremden ein (daher heißt er *äm6ra Clem. Rec. 
syr. 80, 26 ed. Lag.); wenn er daraus vertrieben wird, muß er in 
der Wüste schweifen, sucht aber alsbald wieder nach einer Ruhe- 
statt (otvaTraüd'.«;), und wenn er keine findet, kehrt er zurück in die 
alte, aus der er hat weichen müssen. Dem Sinne nach richtig heißt 
es in der Syra S. und Lc. 11, 24: und wenn er keine findet, sagt er. 

12, 44. Der unreine Geist verunreinigt auch seine Wohnung; 
er empfindet es bei seiner Rückkehr mit Behagen, daß sie (eben 
mit seiner Austreibung) einmal gründlich gesäubert ist, als wäre 
er nur wegen des Reinemachens auf Reisen geschickt. Der ironi- 
sche Ton fällt auf. 

Wellhausen, Evang. MatthaeL 5 



66 Mt 12, 45—50. 

12, 45. Es können auch mehrere Dämonen in einem Menschen 
wohnen (Mc. 5, 1 ss.). Über die Lesart von D tä sa^axa aötoü xo5 
dv&p(ü7coü, über die Blaß in der Praefatio p. VII eine merkwürdige 
Weisheit zum besten gibt, s. zu Mc. 6, 17. Mit dem bei Lc feh- 
lenden Schlußsatz will Mt die verkehrte Stellung rechtfertigen, die 
er dem Stück angewiesen hat. Diese Pointe ist aber so gesucht 
wie möglich. 

§ 18. Mt. 12, 46-50. 

Während er noch zu dem Volke redete, siehe da standen 
seine Mutter und seine Brüder draußen und verlangten ihn zu 
sprechen. ^''Er aber antwortete dem, der es meldete: wer ist 
meine Mutter und wer sind meine Brüder? **Und er wies 
mit der ausgestreckten Hand auf seine Jünger und sprach: 
siehe da meine Mutter und meine Brüder; *^denn wer den 
Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und 
Schwester und Mutter. 
''ES«) (12, 46) ist nur bei Mc (3, 19) vorbereitet. Mt hat bis- 
her nicht gesagt, daß Jesus sich im Hause befindet (13, 1); trotz- 
dem macht er in 12, 49 nicht das Volk (Mc. 3, 32), sondern die 
Jünger zur Corona und bezieht die Äußerung Jesu (12, 50) nur auf 
sie. Die unfreundliche Absicht der Verwandten (Mc. 3, 21) wird 
von Mt und Lc gleichmäßig unterdrückt. 



§ 19. 20. Mt. 13, 1-23. 

Jenes Tages ging Jesus aus dem Hause und setzte sich 
am See. 'Und eine Menge Volks sammelte sich zu ihm, 
so daß er in ein Schiff sitzen ging, indes das ganze Volk am 
Ufer stand. *Und er redete zu ihnen viel in Gleichnissen und 
sprach: Siehe ein Säemann ging aus zu säen. *Und beim 
Säen fiel etliches den Weg entlang und die Vögel kamen und 
fraßen es auf. * Anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht 
viel Erde hatte, und es lief alsbald auf, weil es nicht tief in 
der Erde lag; *als aber die Sonne aufging, litt es unter der 
Glut, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 'Anderes 
fiel auf die Dornen, und die Dornen liefen auf und er- 
stickten es. ^Anderes aber fiel auf das gute Land und gab 



Mt. 13, las. 67 

Frucht, hundertfach, sechzigfach, dreißigfach. 'Wer Ohren 
hat, höre! 

^°Und die Jünger traten herzu und sagten zu ihm: warum 
redest du in Gleichnissen zu ihnen? *'Er antwortete und 
sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reichs des 
Himmels zu verstehn; jenen aber ist es nicht gegeben. "Denn 
wer hat, dem wird gegeben und immer mehr gegeben; wer 
aber nicht hat, dem wird auch was er hat weggenommen. ^'Des- 
halb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, damit sie sehenden 
Auges nicht sehen und hörenden Ohres nicht hören noch ver- 
stehn. **Und es erfüllt sich ihnen die Weissagung Esaias, die 
da lautet: hören sollt ihr und nicht vernehmen, sehen und 
nicht gewahr werden, ^^denn das Herz dieses Volkes ist ver- 
stockt, und sie hören schwer mit den Ohren und ihre Augen 
sind verschlossen, damit sie nicht sehen mit den Augen und 
mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehn und sich 
bekehren, daß ich sie heile. *^Aber eure Augen sind selig, 
daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören. ^'Amen ich 
sage euch, viele Propheten und Gerechte begehrten zu schauen 
was ihr seht und haben es nicht geschaut, und zu hören was 
ihr hört und haben es nicht gehört. ^^Ihr also hört das Gleich- 
nis vom Säemann! ^''Wenn einer das Wort vom Reich hört 
und nicht versteht, so kommt der Böse und raubt, was in sein 
Herz gesät war: das ist der den Weg entlang Gesäte. '^Der 
auf das Steinige Gesäte aber ist der, welcher das Wort hört und 
alsbald mit Freuden empfängt; "er hat aber keine Wurzel an 
sich, sondern ist wetterwendisch, und wenn Drangsal oder Ver- 
folgung wegen des Wortes eintritt, kommt er alsbald zu Fall. 
*^Der auf die Dornen Gesäte aber ist der, welcher das Wort 
hört, und die Sorge der Welt und der Trug des Reichtums 
ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. "Der auf 
das gute Land Gesäte aber ist der, welcher das Wort hört 
und versteht, dann trägt und Frucht bringt, hundertfach, 
sechzigfach, dreißigfach. 

13,1. 'Ex T^c oJxta; fehlt in D, stimmt aber zu sSco 12, 46. 

13, 9. ''O fidv . . . 8 8s setzt voraus, das Mt das sv des Mc 

als ?v und nicht als iv verstanden hat. Und dies halte ich jetzt 

für das Richtige; vgl. Dan. 3, 19 nyz.W in eins sieben = Itct«- 

irXadiu)^. Weil 2v das Multiplikationszeichen ist, hat der griechische 



68 Mt. 13, 10—19. 

Übersetzer es auch Mc. 4, 20 im Neutrum stehn lassen; und da- 
raus erklärt sich dann weiter das neutrale o bei Mt. 13, 23. 

13, 10. Mt läßt die Jünger nicht, wie Mc (4, 10), nach dem 
Sinn der Gleichnisse fragen, den sie schon verstehn, sondern nach 
dem Zweck, weshalb er in dieser verhüllenden Form zum Volke 
rede. Dadurch wird zwar besserer Anschluß an das zunächst Fol- 
gende erreicht; aber die eigentliche Antwort Jesu (13, I8ss.) paßt 
dann nicht mehr auf die Frage. 

13, 11—15 wie Mc. 4, 11. 25. 12, mit Vervollständigung des 
Citats am Schluß, das hier mit der Septuaginta stimmt. 

13, 16. 17 (Lc. 10, 23. 24) steht an stelle von Mc. 4, 13. Die 
Jünger werden selig gepriesen, nicht wie bei Mc gescholten — 
wozu nach der Fassung ihrer Frage in 13, 10 auch kein Anlaß 
mehr vorliegt. Statt Propheten und Könige bei Lc sagt Mt Pro- 
pheten und Gerechte. 

13, 18. 19. Mt läßt der Same ist das Wort (Mc. 4, 14) aus 
und damit das, was zunächst einmal gesagt werden mußte. Es ist 
aber kein Versehen, sondern Absicht. Er denkt nicht mehr an 
den Samen und die Aktion des Ausstreuens, sondern nur an das 
Saatfeld und dieses ist ihm, wie der Weinberg, das Reich Gottes, 
worunter er wie gewöhnlich die christliche Gemeinde versteht, man 
kann auch sagen die Kirche. Das erhellt deutlich aus 13, 248s., 
zeigt sich aber schon hier. Und zwar nicht bloß in der Auslassung 
der prinzipalen Erklärung Mc. 4, 14, sondern auch in leiseren Än- 
derungen, die am Wortlaut des Mc angebracht werden. Die Hörer 
sind bei Mt nicht mehr der Boden, auf den der Same fällt, son- 
dern die Pflänzlinge (13, 38. 15, 13), die aus dem Samen erwachsen 
sind. — Die Konstruktion am Anfang von 13, 19 zeigt, daß doch 
auch Mt nicht gerade korrektes Griechisch schreibt. Für Satan 
sagt er der Böse. Zum Wort des Reichs vgl. 4,23. 9,35. 

Mt. 13, 24-30. 

Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das 
Reich des Himmels ist, wie wenn ein Mensch guten Samen 
auf seinen Acker gesät hat. '^Während aber die Leute schliefen, 
kam sein Feind und säte Unkraut unter den Weizen und ging 
davon. "Als nun die Saat aufging und Frucht ansetzte, da 
zeigte sich auch das Unkraut. ''Und die Knechte des Haus- 



Mt. 13, 24-31. 69 

herrn kamen und sagten ihm; Herr, hast du nicht guten 
Samen auf den Acker gesät, woher hat er denn das Unkraut? 
'®Er sprach: das hat der Feind getan. '^Und die Knechte 
sagten: sollen wir nun hingehn und es lesen? Er aber sprach: 
nein, damit ihr nicht beim Lesen des Unkrauts zugleich auch 
den Weizen ausreißt; '^laßt beides zusammen wachsen bis 
zur Enite, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern 
sagen: lest zueret das Unkraut aus und bindet es in Bündel, 
um es zu verbrennen, den Weizen aber bringt in meine 
Scheuer ein! 
Die Eingangsformel kehrt öfters wieder, z. B. 18, 23. 20, 1; 
dasVerbum steht meist im Aorist, doch auch im Futur. Während 
das einfache Gleichnis gewöhnlich präsentisch ist, ist dagegen 
die Allegorie gewöhnlich präterital. So auch schon in 13, 1 — 9. 
Dort aber sitzt das Unkraut im Acker, der Same ist nur guter 
Same. Hier dagegen wird guter und schlechter Same unterschieden, 
weil in Wahrheit überhaupt nicht an den Samen gedacht wird, 
sondern an die guten und schlechten Pflanzen innerhalb des 
Reiches Gottes, d. h. der christlichen Gemeinde. Man soll hienieden 
beide mit einander wachsen lassen und die schlechten nicht zu 
exkommuniziren versuchen; die Ausscheidung des idealen Reiches 
Gottes aus dem empirischen soll dem Endgericht überlassen bleiben, 
welches wie so oft der Ernte verglichen wird (Mc. 13, 28). Die 
Erklärung 13, 38 der Acker ist die Welt darf nicht zu der 
Meinung verführen, es stünden sich hier das weltumfassende 
Reich Gottes und das weltumfassende Reich des Satans im 
offenen Kampf gegenüber; es handelt sich vielmehr um ein nach- 
trägliches heimliches Einschleichen des Satans in ein bestimmtes, 
spezifisch göttliches Gebiet, wo er nichts zu suchen hat. Es darf 
natürlich nicht jeder Zug der Allegorie ausgedeutet werden, z. B. 
nicht das Schlafen der Menschen. In 13, 25 hat die Syra S. nicht 
sein Feind, sondern der Feind, d. h. ein Feind — vielleicht 
richtig. Das Wort CtCavia (13, 26) wiederholt sich öfters in diesem 
Kapitel und findet sich sonst nirgends, vielleicht ist es aramäisch. 
Zu ixM^ av&po^oc (13, 28) vgl. 13, 45. 52. 18, 23. 20, 1. 21, 33. 
Judicum 6, 8; avöpcoitov bedeutet quidam und ist in diesem Ge- 
brauch aramäisch. Der Vers 13, 30 ist aus 3, 12 abgewandelt, wie 
denn die Täuferrede vielfach bei Mt nachhallt. 



70 Mt. 13, 31-35. 

§ 23. 24. Mt. 13, 31-35. 

Noch ein Gleichnis legte er ihnen vor. Das Reich des 
Himmels gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und 
auf seinen Acker säte, "welches am kleinsten ist von allen 
Sämereien; wenn es aber wächst, so ist es das größte unter 
den Sträuchern und wird ein Baum, so daß die Vögel des 
Himmels kommen und in seinen Zweigen Wohnung nehmen. 
"Noch ein Gleichnis. Das Reich des Himmels gleicht 
einem Sauerteige, den eine Frau nahm und in drei Scheffel 
Mehl tat, bis es ganz durchsäuert ward. 

''^Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu dem Volk, 
und ohne Gleichnis redete er nichts mit ihnen, "auf daß er- 
füllt würde, was gesagt ist durch den Propheten: ich will 
meinen Mund mit Gleichnissen auftun, heraussprudeln Ver- 
borgenes von ur an. 

13, 31. 32 wie Mc. 4, 30—32; Mt hat die wahre Konstruk- 
tion von Mc. 4, 32 richtig erfaßt. Die christliche Gemeinde muß 
überraschend schnell gewachsen sein. 

13, 33. Das Bild vom Samen, das in Mc. 4 überall festge- 
halten wird, macht hier (und 13, 44ss.) einem anderen Platz, wel- 
ches nur deshalb damit wechseln kann, weil der Same als das 
Reich Gottes aufgefaßt wird. Dieses erscheint hier als ein fremden 
Stoif (d\Q Welt oder das jüdische Volk?) durchdringendes Prinzip. 
Es ist aber trotzdem die christliche Gemeinde, wie ja auch die 
Jünger das Salz der Welt genannt werden, die von der Gemeinde 
nicht unterschieden sind. Die drei Sata sind entlehnt aus Gen. 18, 6 
und für das gewöhnliche Backen einer Frau zu viel. Aber wenn 
das außerordentlich große Quantum zum Bilde nicht paßt, so zur 
Sache desto besser. — Die Syra S. läßt dXotXYjasv auToT; in der Ein- 
leitung aus. 

13, 34. 35 wie Mc. 4, 33. 34 a. Das angehängte Citat (Ps. 78, 2) 
stammt nicht aus der Septuaginta; * Haotioü fehlt in D und Syra S. 
Das Reich Gottes, welches durch Jesus in die Welt eingesät wird, 
ist von Anfang an bei Gott verborgen, d. h. prädestinirt gewesen 
(25, 34). — Da 13, 34. 35 auch bei Mt, wie bei Mc, nur als Ab- 
schluß zu verstehn ist, so fällt auf, daß noch mehr kommt. Man 
kann kaum umbin, anzunehmen, daß 13, 36 — 52 nachgetragen ist, 



Mt. 13, 36—43. 71 

nicht bloß der Kommentar, 13, 36 — 43, sondern auch die folgenden 
drei Gleichnisse, wodurch die Gesamtzahl auf sieben gebracht wird. 

Mt. 13, 36-43. 

Darauf entließ er das Volk und ging nach Hause. Und 
seine Jünger traten zu ihm und sagten: deut uns das Gleich- 
nis vom Unkraut auf dem Acker! ^^Er antwortete und sprach: 
Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn, '^der Acker 
ist die Welt, der gute Same sind die Söhne des Reichs, das 
Unkraut die Söhne des Bösen, '^der Feind, der es gesät hat, 
ist der Teufel; die Ernte aber ist das Ende der Welt, die 
Schnitter sind die Engel. *°Wie nun das Unkraut zusammen- 
gelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es sein am 
Ende der Welt. **Der Menschensohn wird seine Engel senden,^ 
und sie werden aus seinem Reich alle Verführer und Täter 
der Ungerechtigkeit zusammenlesen ^'und in den Feuerofen 
werfen; da wird Gejammer sein und Zähneknirschen. ^''Dann 
werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters 
Reich. Wer Ohren hat, höre. 

13, 36. Der Acker ist nicht das Reich Gottes, sondern nur 
die Sphäre, in der es sich verbreitet; aber diese Sphäre ist uni- 
versal (5, 13. 14), nicht das jüdische Volk, sondern die Welt. 
Toü TcovYjpoü ist neutral; wegen 13, 39. 

13, 41. Jesus ist als Messias Gottes Stellvertreter, hält das 
Weltgericht ab, hat die Engel zur Verfügung; das Reich ist sein 
Reich, wie 16, 25. 20, 21 (19, 28). Für axav6ct>.ov gibt es kein deutsches 
Wort. Ärgernis entspricht nicht, Anstoß ist zu wenig. Es be- 
deutet: was zu Fall bringen kann oder bringt, Fallstrick (moqesch, 
targ. tuqla); vgl. Sir. 27, 23. An unserer Stelle sind die Skandala 
Personen und zwar Christen (7, 23). Daß das Weltgericht sich 
zuspitzt auf die Ausscheidung der unwürdigen Mitglieder der 
Kirche von den würdigen, findet sich ebenso auch in 25, 31 ss. 

13, 42. Der Feuerofen ist das Tophet (richtiger Tephät 
= Feuerherd) des Tales Hinnom, d. h. der Geenna. 

13, 43. Die aüvtsvxe? Dan. 12, 3 werden in Stxaiot verwandelt; 
vgl. 13, 49. 



72 Mt 13, 44 SS. 

Mt. 13, 44-46. 

Das Reich des Himmels gleicht einem im Acker ver- 
grabenen Schatz, den ein Mensch fand und verhehlte, und er 
ging hin in seiner Freude und verkaufte alles was er hatte 
und kaufte den Acker. 

* ^Weiter gleicht das Reich des Himmels einem Händler, 
der Perlen suchte. **Und da er eine kostbare Perle fand, ver- 
kaufte er alles was er hatte, und kaufte sie. 

13, 44. Diese Parabel ist nicht an das Volk, sondern an die 
Jünger gerichtet; wie auch die folgenden. Der Acker trägt hier 
nicht die Saat, sondern birgt einen Schatz. Der Einzelne kann und 
soll das Reich Gottes kaufen, durch Aufopferung alles anderen. 
Ebenso ist dasselbe auch in 13, 45. 46 als das individuelle höchste 
Gut gedacht. Vgl. Mc. 10, 21. 28ss. 

13,45.46. Mit Recht urteilt G. Hoffmann (ZNTW 1903 p. 283), 
daß der gnostische Hymnus von der Seele das Bild von der Perle 
aus Mt entlehnt habe. Das Beiwort xaXooc fehlt auch hier in der 
Syra S., nicht zum Schaden der Sache. Dadurch erhält das Fehlen 
von Iva in D eine Stütze; vgl. zu 6, 27. 

Mt. 13, 47-52. 

Weiter gleicht das Reich des Himmels einem in das 
Meer geworfenen Netze, das allerhand Art Fische zusammen- 
schleppte, ^^und als es voll war, zogen sie es ans Ufer und 
setzten sich hin und lasen die guten in Gefäße, die unbrauch- 
baren aber warfen sie weg. *®So wird es sein am Ende der 
Welt, die Engel werden ausgehn und die Bösen von den Ge- 
rechten scheiden ***und sie in den Feuerofen werfen, da wird 
Gejammer sein und Zähneknirschen. 

^'Habt ihr das alles verstanden? Sie sagten: ja, Herr. 
^^Er aber sprach zu ihnen: darum gleicht ein für das Reich 
des Himmels geschulter Schriftgelehrter einem Hausmeister, der 
aus seinem Vorrat Neues und Altes austeilt. 
Diese Variante zur Unkrautparabel (13, 24ss.) scheint in der 
zweiten Hälfte ganz nach dem Schema des Kommentars dazu (13, 
36ss.) gearbeitet zu sein. Das aus Mc. 1, 17 geflossene Bild vom 
Netz wäre schon gut, wenn nicht das sofort nach dem Fang ein- 



Mt. 13, 52—58. 73 

tretende Verlesen der Fische dem Sinn des Gleichnisses total zu- 
wider liefe. 2airp6c hat die Bedeutung faul ganz verloren, denn 
faule Fische werden nicht aus dem Wasser herausgezogen.. 

13, 52. Der Spruch ist trotz 8id toüto in Wahrheit isolirt 
und wird durch 13, 51 nur sehr notdürftig mit den Gleichnissen 
verbunden. Der für das Reich Gottes geschulte Schriftgelehrte 
ist der christliche im Unterschied vom jüdischen (5, 19). Er schöpft 
Neues und überliefert Altes; beides stammt aus der selben Quelle 
und aus dem selben Geiste. OJxoSeaironijc scheint hier, wie rab 
baita, der o?xov6p.o; oder Tafitot; zu sein. Denn dieser teilt die 
Speisen (freilich nicht gerade alte und neue) aus der Vorratskammer 
(lliix) an das Hausgesinde aus; ebenso wie der Lehrer das geistige 
Brot, vgl. 24, 45 SS. Ma&Yjteüciv bei Mt und in der Apostelgeschichte 
ist talmed und darum transitiv, entgegen dem griechischen Ge- 
brauch; nur in einigen Hss. zu 27, 57 findet es sich intransitiv. 

§ 28. Mt. 13, 53-58. 

Und als Jesus mit diesen Gleichnissen zu Ende war, 
machte er sich auf von dannen ^*und kam in seine Heimat 
und lehrte die Leute in ihrer Synagoge, so daß sie staunten 
und sagten: woher kommt dem diese Weisheit und die Wunder? 
"ist das nicht des Zimmermanns Sohn? heißt seine Mutter 
nicht Mariam und seine Brüder Jakobus und Joseph und 
Simon und Judas? ^^sind nicht auch seine Schwestern alle bei 
uns? "Und sie stießen sich an ihm. Jesus aber sprach zu 
ihnen: ein Prophet gilt nirgend weniger als in seiner Heimat 
und in seinem Hause. *''Und er tat dort nicht viele Wunder 
wegen ihres Unglaubens. 

Die §§ 25 — 27 sind von Mt schon vorausgenommen, ebenso 
§ 29. Er gibt Jesu auf dem Abstecher nach Kapernaum seine 
Jünger nicht mit. Über den Zimmermannssohn vgl. zu Mc. 6, 3. 
Seine Schwestern sind alle bei uns = sie sind unter uns verheiratet. 



§ 30. Mt. 14. 1-12. 

Zu jener Zeit hörte der Vierfürst Herodes von Jesu. *Und 
er sagte zu seinen Dienern: das ist Johannes der Täufer, er 
ist von den Toten auferstanden, darum wirken die Kräfte in 



74 Mt. 14, 1—12. 

ihm. 'Nämlich Herodes hatte Johannes gegriffen, gefesselt und 
ins Gefängnis geworfen wegen Herodias, der Frau seines Bruders, 
^denn Johannes hatte zu ihm gesagt: du darfst sie nicht 
haben. *Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete sich jedoch 
vor dem Volke, weil sie ihn für einen Propheten hielten. ^Als 
nun Herodes' Geburtstag war, tanzte die Tochter der Herodias 
vor der Gesellschaft und gefiel Herodes so gut, Maß er ihr 
eidlich versprach, ihr zu geben, was sie verlangen würde. *Sie 
aber, von ihrer Mutter vorher abgerichtet, sagte: gib mir hier 
auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers. 'Dem 
Könige war das leid, aber wegen des Schwurs und wegen d^r 
Gäste befahl er es ihr zu geben, ^°und ließ Johannes im Ge- 
fängnis enthaupten. "Und sein Haupt wurde auf einer Schüssel 
gebracht und dem Mädchen gegeben, und sie brachte es ihrer 
Mutter. "Und seine Jünger kamen und holten den Leichnam 
und begruben ihn. Und sie gingen und berichteten es Jesu. ^ 
^'Da Jesus das hörte, entwich er ... . 

14, 1 — 2. Daß Herodes von Jesus hörte, ist jedenfalls der Sache 
nach richtig. Er heißt hier Tetrarch, aber 14, 9, wie bei Mc, 
König. Die Äußerung, in Jesu sei der Täufer wieder aufgelebt, 
wird nicht von zwei verschiedenen Seiten, sondern angemessener 
nur von Herodes getan. Das Gerede der Leute bei Mc fehlt über- 
haupt, und zwar ohne Schaden. 

14, 5. Bei Mc (6, 19) will Herodias den Täufer töten, bei 
Mt Herodes selber. Das widerspricht freilich dem Folgenden, be- 
sonders dem Xü7t>]0£t; 14, 9. 

14, 6 rsveoftoic 7evo[j.evoic nimmt sich aus wie ein lateinischer 
Ablat. abs. 

14, 8. In TTpoßißaaösTaa wird Mc. 6, 24. 25 zusammengedrängt. 
Aber wie kann Herodias vorher wissen, daß der Tanz ihrer Tochter 
den König in diesem Grade begeistern würde! 

14, 12. Anders wie bei Mc melden die Johannesjünger Jesu 
den Tod ihres Meistei-s und veranlassen ihn dadurch, vor Herodes 
zu fliehen. Indessen die Hinrichtung des Johannes ist ja schon vor 
längerer Zeit geschehen und an dieser Stelle nur nachgetragen. 
Es ist eine Parenthese, sie unterbricht den Zusammenhang und 
darf ihn nicht zum Schluß einfach fortsetzen, so daß das Plus- 
quamperfektum auf das Niveau des bloßen Präteritums übergeht. 
Es ist also klar, daß die Vorlage des Mc hier durch Mt entstellt 



Mt. 14, 13 SS. 75 

ist. Trotzdem sind die Abweichungen des Mt sehr beachtenswert, 
wenn man sie für sich nimmt und von dem Zusammenhang absieht,* 
in den sie gebracht sind. Ich habe zu zeigen gesucht, daß in 
dieser Partie des Mc die alte Tradition völlig umgearbeitet ist. Bei 
Mt schimmern nun noch Spuren derselben durch. Dahin gehört, 
daß die Rückkehr der Apostel bei Mt überhaupt nicht erwähnt 
wird. Das ist ganz in der Ordnung, da auch die Erzählung von 
ihrer Aussendung ein isolirtes und nachgetragenes Stück ist, dessen 
Verbindung mit dem Folgenden bei Mc zu einem ganz verschro- 
benen Zusammenhang führt. Dahin gehört ferner, daß Jesus nach 
Mt vor Herodes flieht. Ursprünglich gewiß nicht deshalb, weil 
dieser den Täufer umgebracht hat; denn dadurch werden die Tem- 
pora vollkommen verwirrt. Sondern weil er ihm selber nach dem 
Leben trachtet. Auf Johannes bezogen schlägt die Angabe 14, 5 
dem Folgenden total ins Gesicht. Sie ist von einer anderer Stelle 
hierher versetzt, wo sie sich, wie bei Lc. 13, 31, vielmehr auf Jesus 
bezog. So gut wie Lc kann auch Mt die alte echte Tradition noch 
gekannt haben. Er hat sie dann dadurch verdreht, daß er sie mit 
dem (interpolirten) Bericht des Mc zu verbinden suchte. 

§ 31. 32. Mt. 14, 13-21. 

Da Jesus das hörte, entwich er von da zu Schiif an einen 
einsamen Ort, um allein zu sein. Aber die Leute erfuhren es 
und gingen zu Fuß ihm nach, aus den Städten. ^*Und als er 
ausstieg, sah er eine große Menge, und ihn jammerte ihrer 
und er heilte ihre Kranken. ^^Am Abend aber kamen die 
Jünger zu ihm und sagten: der Ort ist öde und die Zeit schon 
vorgerückt, entlaß die Leute, daß sie in die Dörfer gehn und 
sich Speise kaufen. ^^ Jesus sprach zu ihnen: sie brauchen 
nicht zu gehn, gebt ihr ihnen zu essen. ^^Sie sagten: wir haben 
hier nur fünf Laibe Brot und zwei Fische. ^^Er sprach: bringt 
sie mir her. ^^Und er hieß die Menge sich lagern auf dem 
Grase, nahm die fünf Laibe und die zwei Fische, sah auf gen 
Himmel und sprach den Segen, und brach und gab den 
Jüngern das Brot; die Jünger aber gaben es den Leuten, '^ünd 
sie aßen alle und wurden satt. Und man hub die übrig ge- 
bliebenen Brocken auf, zwölf Körbe voll. ''Die aber aßen, deren 
waren fünftausend Männer, ungerechnet Weiber und Kinder. 



76 Mt. 14, 22 SS. 

Der Neigung des Mt, zu kürzen, ist auch hier das malerische 
Detail des Mc zum Opfer gefallen. Die Fische werden zwar 14, 17 
erwähnt, aber hinterher vergessen. Am Schluß kommen zu den fünf- 
tausend Männern noch die Weiber und Kinder hinzu, so daß die 
Zahl sich erheblich vergrößert. Das iairXa^xvio&T] als Motiv zu 
lehren hat Mt in 9, 36 verwendet, hier macht er es zum Motiv zu 
heilen. IlapfjX&ev 14, 15 muß bedeuten: ist vorgerückt. Es scheint, 
daß auch irapot^eiv (wie "MIV) öfters weitergehn heißt und nicht 
vorübergehn. 

§ 33. 34. Mt. 14, 22-36. 

Und er trieb die Jünger in das Schiff zu steigen und 
voraus zu fahren an das andere Ufer, während er inzwischen 
die Leute entließe. ^'Und als er sie entlassen hatte, ging er 
auf einen Berg, um für sich allein zu sein und zu beten. Und 
am Abend war er dort allein, '*das Schiff aber schon meilen- 
weit entfernt vom Lande, in Not vor den Wellen, denn der 
Wind war widrig. **In der vierten Nachtwache aber kam er auf 
dem See wandelnd zu ihnen. **Wie nun die Jünger ihn auf 
dem See wandeln sahen, entsetzten sie sich und sagten: es ist 
ein Gespenst und schrien vor Furcht. '^Alsbald aber redete 
er sie an und sprach: seid getrost, ich bin es, fürchtet euch 
nicht! "Da hub Petrus an und sagte zu ihm: Herr, bist 
du es, so heiß mich zu dir kommen auf dem Wasser. 
'^Er sprach: komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff und 
wandelte auf dem Wasser und kam zu Jesus. ^°Da er aber 
den Wind sah, ward ihm bange, und er begann unterzusinken 
und schrie: Herr, hilf mir! ^'Alsbald streckte Jesus die Hand 
aus und ergriff ihn und sprach: Kleingläubiger, warum zweifelst 
du! "LTnd wie sie in das Schiff einstiegen, legte sich der 
Wind. '^Die im Schiff aber warfen sich vor ihm nieder und 
sagten: du bist wahrhaftig Gottes Sohn. 

^*Und sie fuhren über und kamen ans Land nach Gennesar. 
'*Und die Menschen dort erkannten ihn und schickten Boten 
in die ganze Gegend, und sie brachten ihm alle Kranken ^®und 
baten ihn, daß sie nur den Zipfel seines Kleides anrühren 
dürften, und wer daran rührte, wurde gesund. 

14, 22. Mt läßt Bethsaida an den beiden Stellen aus, wo es 
bei Mc vorkommt, nennt es hingegen 11, 21. 



Mt. 14, 24 SS. 77 

14, 24. Subjekt zu ßaoraviCsa&at ist bei Mt (außer in Syra S. 
und C.) das Schiff, nicht wie bei Mc die Insassen; das Verb wird 
also passivisch verstanden und bedeutet in der Tat nirgend im 
N. T.: sich plagen, d. h. anstrengen. 

14, 25. Und er wollte vorübergehn (Mc. 6, 49) fehlt bei Mt. 

14, 28 — 31. Dieses schöne Beispiel von der Macht des Glau- 
bens und der Wirkung des Zweifels findet sich nur bei Mt. Das 
Präteritum iStatoiaac 14, 31 ist semitisch, wie ipotirctöa Mc. 1, 8. 

14, 33. Bei Mt merken die Jünger, daß Jesus der Sohn Gottes 
sei; bei Mc merken sie nichts, weil ihr Herz verstockt ist. Vgl. 
Mt. 13, 16. 17 mit Mc. 4, 13. 

§ 35. 36. Mt. 15, 1-20. 

Darauf kamen von Jerusalem Pharisäer und Schrift- 
gelehrten zu Jesus und sagten: 'warum übertreten deine Jünger 
die Überlieferung der Ältesten? denn sie waschen die Hände 
nicht, wenn sie Brot essen. 'Er antwortete ihnen: Warum 
übertretet hinwieder ihr das Gebot Gottes um eurer Über- 
lieferung willen? *Denn Gott hat gesagt: ehre Vater und 
Mutter, und: wer Vater oder Mutter schmäht, soll des Todes 
sterben; Mhr aber sagt: wer zum Vater oder zur Mutter sagt: 
Opfer sei, was du von mir zu gut haben könntest, der solle 
seinen Vater oder seine Mutter nicht ehren; *und ihr macht 
das Gesetz Gottes ungiltig um eurer Überlieferung willen. 
^Ihr Heuchler, mit Recht hat Esaias von euch geweissagt: 
® dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, ihr Herz ist aber weit 
weg von mir, ^nichtig verehren sie mich mit ihren Lehren von 
Menschengeboten. ^°Und er rief das Volk herbei und sprach: 
Hört und vernehmt! ** Nicht das verunreinigt den Menschen, 
was in den Mund hineinkommt, sondern was aus dem Munde 
herausgeht, das verunreinigt den Menschen. 

*'Da traten die Jünger herzu und sagten ihm: weißt du, 
daß die Pharisäer Anstoß genommen haben, als sie das Wort 
hörten? ^'Er antwortete: Jede Pflanze, die mein himmlischer 
Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgereutet werden. ^*Laßt 
sie, sie sind blinde Blindenführer, und wenn ein Blinder den 
anderen führt, fallen sie beide in die Grube. ^'Petrus aber 
hub an und sagte zu ihm: deute uns das Gleichnis. ^^Er 



78 Mt. 15, 1-20. 

sprach: Seid ihr auch noch immer verständnislos? "Seht ihr 
nicht ein, daß alles, was in den Mund hineingeht, in den 
Bauch tritt und zum Darm hinausgeworfen wird? *^ Aber was 
aus dem Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen und 
das verunreinigt den Menschen. ''Denn aus dem Herzen 
kommen die bösen Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieb- 
stahl, falsche Anklage, Lästerung. "°Das ist es, was den Men- 
schen verunreinigt; aber mit ungewaschenen Händen essen, 
das verunreinigt den Menschen nicht. 

15, 1. Bei Mc sind die Pharisäer nicht auch aus Jerusalem 
gekommen. 

15, 2. Mt übergeht die Erläuterung Mc. 7, 7—5, die für jüdi- 
sche Leser überflüssig ist. Er vermeidet auch den Ausdruck 
xoivat^ X^P^''^5 ^^ ^^^ ^^® s'^l^ knüpft, gebraucht aber hernach das 
davon abgeleitete Verbum xoivoüv. 

15, 3—9. Mt weiß die beiden bei Mc (7, 6—13) noch unver- 
bundenen Antworten geschickt zu vermischen und den Zusammen- 
stoß von Mc. 7, 8 und 7, 9 zu vermeiden. Für Moses setzt er 
15, 4 Gott ein und erzielt dadurch formelle Kongruenz mit dem 
vorhergehenden Verse. Den Schlußsatz von Mc. 7, 13 „und der- 
gleichen tut ihr viel" läßt er aus, in dem richtigen Gefühl, daß 
eine solche unbestimmte Verallgemeinerung bei dieser Gelegenheit 
nicht in den Mund Jesu passe, sondern dem Referenten angehöre, 
der eine ähnliche Bemerkung auch Mc. 7, 4 (xal SXKol noWd) ge- 
macht hat. 

15, 11. Die Deutung von in den Menschen und aus dem 
Menschen durch in den Mund und aus dem Munde ist zwar 
richtig, darf aber nicht schon hier erfolgen, da der Ausspruch, der 
erst hernach erklärt werden soll, dadurch an Erklärungsbedürftig- 
keit verliert. 

15, 12 — 14. Zusatz des Mt, vgl. Lc. (5, 39. Die Pflanzen sind 
natürlich Menschen, nicht Satzungen, wie Weiß „dem Kontexte" 
entnimmt, der ihm oft merkwürdige Dinge ofl*enbart. Und zwar 
werden unter den auszureutenden OCavta hier speziell die Pharisäer 
verstanden. Diese Sündenböcke soll Jesus immer gemeint haben, 
auch in ganz allgemein lautenden Aussprüchen. Statt „mein Vater" 
15, 13 liest die Syra S. „der Vater". 

15, 15—20 deckt sich wieder mit Mc. 7, 16—20, nur daß Mt 
(15, 15) den Petrus voranschickt und (15, 16, im Gegensatz zu 



Mt. 15, 21—24. 79 

13, 16. 14, 33) die Verstäncinislosigkeit der Jünger hervorhebt, die 
dem Mc nicht mehr auffällt. Zu 15, 17 muß ich hier etwas nach- 
tragen, was ich zu Mc. 7, 19 vergessen habe. 'ExßaXXexai ist das 
selbe wie ixiropeüetai (Mc. 7, 19, vgl. zu Mt. 8, 12), nämlich pD3, 
welches, wie auch das hebräische N2i\ mit dem Akkusativ, d. h. 
mit h konstruirt werden kann. Man sagt: das Tor hinausgehn, 
für: aus dem Tor h. Das b ist aber misverständlich mit &U über- 
setzt; besser wäre gewesen: Ixiropeüetat tov d<pE§pü>va — was man 
vielleicht auch im Griechischen sagen kann. 



§ 37. Mt. 15, 21-28. 

Und Jesus ging weg von da und entwich in die Land- 
schaft von Tyinis und Sidon. ^*ünd eine kanaanäische Frau 
aus der Gegend kam hervor und schrie: erbarm dich mein, 
Herr, Sohn Davids! meine Tochter wird von einem Dämon 
geplagt. "Er antwortete ihr aber kein Wort. Und die Jünger 
traten herzu und baten ihn: fertige sie ab, denn sie schreit 
hinter uns her. ^*Er antwortete: ich bin nur zu den ver- 
lorenen Schafen vom Hause Israel gesandt. '^*Sie aber kam 
und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 
'*Er antwortete: es gehört sich nicht, den Kindern das Brot 
zu nehmen und es den Hündlein vorzuwerfen. "Sie sagte: 
doch, Herr, denn auch die Hündlein essen von den Brosamen, 
die von dem Tisch ihrer Herren fallen. **Darauf antwortete 
Jesus und sprach zu ihr: o Weib, dein Glaube ist groß, dir 
geschehe, wie du wünschest. Und ihre Tochter ward von dem 
Augenblick an gesund. 

15, 21. Sidon ist hier zugesetzt, dagegen 15, 29 ausgelassen. 
15, 22. Xavaotvaia ist biblisch und archaistisch. Während die 
Frau bei Mc das Haus aufzufinden weiß, wo Jesus sich verborgen 
hält, schreit sie hier auf der Straße längere Zeit hinter ihm her. 
Das geschieht, um ihn laut und öffentlich als Messias proklamiren 
zu lassen, und um das Eingreifen der Jünger zu motiviren. 

15, 23. 24 fehlt bei Mc. Ausnahmsweise verkürzt Mt nicht, 
sondern erweitert. Das kananäische Weib hat für ihn das selbe 
Interesse wie der Hauptmann von Kapernaum. Der Ausspruch 
Jesu (15, 24) ist aus 10, 6 wiederholt; er antwortet nicht dem 



80 Mt. 15, 26-28. 

Weibe, sondern den Jüngern. Also hat dTroXoaov (15, 23) den Sinn: 
tu ihr den Willen, um sie los zu werden. 

15, 26. Jetzt erst fällt die Frau vor Jesus nieder, bei Mc tut 
sie es gleich anfangs. Nach Blaß § 27, 4 ist xovaptov (anders wie 
cüTapiov, ö^l^aptov, dödoiptov) eine richtige Koseform, und bedeutet den 
Schoßhund. Nur von Schoßhündchen gilt, was die Frau sagt, daß 
sie sich im Hause aufhalten und von der Mahlzeit ihr Teil be- 
kommen. Freilich kann Jesus die Heiden eigentlich nicht von vorn- 
herein Schoßhündchen nennen. Daß er es tut, erklärt sich nur 
aus dem Zweck des Schriftstellers, die Antwort der Frau vorzu- 
bereiten. 

15, 27. Sämtliche Syrae, auch die Peschita und die Syropalä- 
stina, fügen am Schluß hinzu: und leben d. h. werden selig. Das 
ist etwas für Blaß. 

15, 28. Sonst findet sich w in den Evangelien nur als Droh- 
und Weheruf, aber nicht vor dem einfachen Vokativ. 

§ 38. 39. Mt. 15, 29-38. 

Und Jesus zog von dannen und kam an den See von 
Galiläa. Und er ging auf einen Berg und setzte sich dort. 
'^Und viele Leute kamen zu ihm, die hatten Lahme, Krüppel, 
Blinde, Stumme und andere viele mit sich, und setzten sie 
nieder ihm zu Füßen, und er heilte sie, "so daß sich die 
Menge verwunderte zu sehen, wie die Stummen redeten, die 
Verkrüppelten geheilt wurden, die Lahmen wandelten und die 
Blinden sahen. Und sie priesen den Gott Israels. 

"Jesus aber rief seine Jünger heran und sprach: mich 
jammert des Volks, denn sie verharren schön drei Tage bei 
mir und haben nichts zu essen, und sie hungrig gehn lassen 
will ich nicht, damit sie nicht unterwegs von Kräften kommen. 
"Und die Jünger sagten zu ihm: woher bekommen wir in ein- 
samer Gegend so viel Brot, um eine solche Menge satt zu 
machen? "Und Jesus sprach zu ihnen: wie viele Laibe habt 
ihr? Sie sagten: sieben und ein paar Fische. '^Da hieß er 
die Menge sich auf dem Boden niederlassen, ^^nahm die sieben 
Laibe Brot und die Fische, sprach den Segen, brach und gab 
es den Jüngern, die Jünger aber (gaben es) den Leuten. "Und 
sie aßen alle und wurden satt, und die übrig gebliebenen 



Mt. 15, 29—31. 81 

Brocken hüben sie auf, sieben Körbchen voll. '^Die aber aßen, 
deren waren viertausend Mann, ungerechnet Weiber und Kinder. 
15, 29. Die Dekapolis nennt Mt überhaupt nicht, Sidon läßt 
er hier aus guten Gründen aus; s. zu Mc. 7, 31. 

15, 30. 31. Ein Redaktionsstück, eine allgemeine Übersicht, 
ist an Stelle des einzelnen Wunders bei Mc (7, 31 — 37) getreten. 
Die zauberische Heilung des Tauben (in Bethsaida) wird ebenso 
übergangen wie die zauberische Heilung des Blinden in Bethsaida 
(Mc. 8, 22 — 26); doch haben die beiden anstößigen Erzählungen in 
Mt. 9, 27 — 33 ihren Schatten vorausgeworfen. Daß Jesus auf den 
Berg geht und die Leute ihre Kranken ihm dort hinauf bringen, 
befremdet. Der Berg geht hier der Wüste (15, 33) voran, während 
in der Parallele der Berg (14, 23) auf die Wüste folgt und Jesus 
sich dorthin aus der Wüste zurückzieht, um einsam zu beten. Da 
15, 29 — 31 unmittelbar in 15, 32 ss. übergeht und die Szene nicht 
wechselt, so wäre es allerdings nicht unmöglich, den Berg mit der 
Einöde (15, 33) zu verselbigen, zumal ipr^jjita nicht den Artikel 
hat. Das aramäische türa (Berg) schließt auch die ipr^fiia ein, 
weil das Draußen in Palästina fast immer gebirgig ist. Vgl. 
18, 12 mit Lc. 15, 4. 

§ 40. 41. Mt. 15, 39, 16-12. 

Und er entließ das Volk, ging zu Schiff und kam in das 
Gebiet von Magadan. ^^«^Da kamen die Pharisäer und Saddu- 
cäer an, versuchten ihn und forderten ihn auf, sie ein Zeichen 
vom Himmel sehen zu lassen. ^Er aber antwortete ihnen: 
* das böse und ehebrecherische Geschlecht begehrt ein Zeichen, 
und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, außer dem 
Zeichen Jonas. 

Und er ließ sie und ging davon. ^^»^Und als die Jünger 
an das andere Ufer kamen, hatten sie vergessen Brot mitzu- 
nehmen. ^Jesus aber sprach zu ihnen: habt acht und hütet 
euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadducäer! ^Da 
dachten sie bei sich: weil wir kein Brot mitgenommen haben. 
® Jesus aber erkannte es und sprach: Was denkt ihr da bei 
euch, ihr Kleingläubigen, daß ihr kein Brot habt? * Kommt 
ihr noch nicht zur Einsicht? und erinnert ihr euch nicht 
an die fünf Laibe Brot für die Fünftausend und daran, wie 

Well hausen, Evang. Matthaei. Q 



82 Mt. 15, 39—16, 12. 

viel Körbe ihr aufhübet? '°und an die sieben Laibe für die 
Viertausend und wie viel Körbchen ihr aufhübet? ** Wie seht 
ihr nicht ein, daß ich nicht an Brot gedacht habe bei dem 
Worte: hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und 
Saduccäer! ^ ^Darauf verstanden sie, daß er nicht geboten hatte 
sich zu hüten vor dem Sauerteige, sondern vor der Lehre der 
Pharisäer und Sadducäer. 

15, 39. Über Magadan s. zu Mc. 8, 10. 

16, 1. Die Sadducäer werden mit den Pharisäern ohne Artikel 
eng verbunden, wie 3, 7; indessen hier aus einem besonderen Grunde, 
s. zu 16, 12. 

16, 4. „Außer dem Zeichen Jonas" ist aus 12, 39 (Q) hinzu- 
gefügt. 

16, 5. Durch die Umstellung von ek xo Tcepav und die Aus- 
lassung von SV T(j) 7rXoi(p wird es unmöglich gemacht, sich die 
Scene im Schiff vorzustellen, wohin sie doch gehört. 

16, 11. 12. Mt macht den Versuch, das in Wahrheit ganz 
isolirte Herrenwort 16, 6 im Zusammenhang des Ganzen zu ver- 
stehn, wozu ihm die Stellung desselben bei Mc (8, 15) Anlaß 
gab. Er deutet den Sauerteig auf die Lehre. Dadurch wird er 
gezwungen, den König Herodes, der ja nicht lehrt, in die Saddu- 
cäer zu verwandeln, die er sich wie die Pharisäer als Lehrer denkt. 
Daran zeigt sich, daß seine Deutung des Sauerteigs falsch ist. 
In Galiläa gab es überhaupt schwerlich Sadducäer; bei Mc kommen 
sie erst in Jerusalem mit Jesus in Berührung. 

§ 43. Mt. 16, 13-23. 

Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, 
fragte er seine Jünger: was sagen die Leute, wer der Menschen- 
sohn sei? **Sie sagten: die einen Johannes der Täufer, andere 
Elias, noch andere Jeremias, oder irgend ein Prophet. ^*Er 
sprach zu ihnen: ihr aber, was sagt ihr, wer ich sei? ^^Simon 
Petrus antwortete: du bist der Christus, der Sohn des leben- 
digen Gottes. ^^Da antwortete Jesus und sprach zu ihm: 
Selig bist du, Simon bar Jona, denn Fleisch und Blut hat dir 
das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. ^^So 
sage auch ich dir: du bist Petrus und auf diesen Fels will 
ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle werden 



Mt. 16, 13—17. 83 

sie nicht überwältigen. **Ich will dir die Schlüssel des Reichs 
des Himmels geben, und was du auf Erden binden wirst, soll 
gebunden sein im Himmel, und was du auf Erden lösen wirst, 
soll gelöst sein im Himmel. ^^Darauf gebot er den Jüngern, 
keinem zu sagen, daß er der Christus sei. 

'^Seitdem begann Jesus seinen Jüngern darzulegen, daß 
er nach Jerusalem gehn müsse und viel leiden von den Ältesten 
und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und am dritten Tage 
auferstehn. "Da nahm Petrus ihn beiseit und begann ihm Vor- 
stellungen zu machen und zu sagen: da sei Gott vor, Herr; 
das möge dir ja nicht widerfahren. "Er aber wandte sich 
und sprach zu Petrus: weg von mir Satan! du willst mich 
verführen, denn du bist nicht göttlich gesinnt, sondern 
menschlich. 

16, 13. Über die Auslassung von § 42 s. zu 15, 30. 31. — 
D und Syra S. lesen: [le eivat üIov tou d. Beides neben einander 
ist zu viel. Wahrscheinlich ist [is nachgetragen, denn der Men- 
schensohn fehlt in . keinem Zeugen und konnte Anstoß erregen, 
weil dadurch die Antwort schon in die Frage hinein gelegt wird. 
16,14. "Eva Ttüv TT., d. h. ein gewöhnlicher Prophet, nicht Re- 
venant eines außerordentlichen. Die Vorstellung von der Wieder- 
kunft vergangener Propheten (der Rag*a der Schiiten) hat bei Elias 
angesetzt und ist dann auch auf Jeremias übertragen. Dagegen 
braucht sie in der Äußerung des Herodes nicht gesucht zu werden; 
sie bedeutet: in Jesus ist Johannes wieder aufgelebt. 

16, 16. Für CwvToc bietet D öcuCovtoc. Im Aramäischen ist 
acuCetv das Aphel von C^. Aber da im Aram. Nominativ und 
Genitiv sich nicht unterscheiden, so müßte dann verstanden werden: 
der Sohn Gottes, der Heiland. 

16, 17 — 19. Ein Einschub des Mt, worin dem Petrus erst 
einmal das gebührende Lob gespendet wird, ehe er die scharfe 
Zurechtweisung erfährt. Daraus, daß hier von der Kirche die Rede 
ist, geht nicht zwingend hervor, daß der Einschub jung sei. Aber man 
kann nicht annehmen, daß diese Zeilen noch bei Lebzeiten des 
Petrus geschrieben seien, so daß er sie selbst noch hätte lesen können. 
16, 17. Im Munde Jesu heißt Petrus immer Simon, hier wird 
auch der Vatersname hinzugesetzt, mit dem aramäischen bar (Sohn). 
Jona ist Jona und keine Abkürzung von Johanan, und Mt wird 
nicht bloß gegen das Hebräerevangelium, ein spätes Machwerk, 



84 Mt 16, 18. 

recht haben, sondern auch gegen das vierte Evangelium. Unter 
Fleisch und Blut begreift Jesus sich auch selber ein. Es wird so 
scharf wie möglich ausgeschlossen, daß er sich schon früher als 
Messias zu erkennen gegeben habe. 

16, 18. Aramäisch: du bist Repha und auf (diese) Kepha 
will ich . . . TauTiQ wird von Blaß nach Eusebius gestrichen. Es 
ist formell allerdings störend, weil es, da das Appellativ Kepha 
weiblich ist, dazu zwingt, im Aram. einen Genuswechsel hervor- 
treten zu lassen, ähnlich dem griechischen IleTpo? Trstpot. Dem 
Sinne nach ist es aber jedenfalls richtig. Daß Simon den Bei- 
namen Kepha trägt, wird schon vorausgesetzt. Die Gemeinde ist 
nicht von Jesus, sondern erst durch die Auferstehung gegründet, 
und Petrus hat daran das Verdienst, weil ihm der Auferstandene 
zuerst erschien — das liegt zu gründe. Die Pforten der Hölle 
sind in den Psalmen ein Bild für die größte Gefahr; es wird ge- 
sagt, daß die Gemeinde den Verfolgungen trotz allem nicht erliegen 
werde. Der Sache nach wird die christliche Gemeinde überall in 
den Redestücken von Mt vorausgesetzt, sie heißt aber nicht so, son- 
dern, wenn auch unter einem etwas anderen Aspekt, das Reich 
Gottes. Der Name IxxXYjöta findet sich in den Evangelien nur 
hier und 18, 17. Er ist von den Juden auf die Christen über- 
gegangen. Das aramäische Urwort, k'nischta, bezeichnet sowol 
die jüdische als auch die christliche Gemeinschaft. Die palästinischen 
Christen haben es immer unterschiedslos beibehalten und sowol 
für die Kirche als für die Synagoge gebraucht; edta ist nicht 
palästinisch, sondern syrisch. Die Syrer sagen edta für die 
Christen und k'nuschta für die Juden. Doch auch bei ihnen 
ist der Unterschied nicht alt; denn in der Syra S. wird lxxX>jöta 
Mt. 18, 17 (16, 18 ist nicht erhalten) noch mit k'nuschta wieder- 
gegeben, erst in der Syra C. mit edta, wie in der Peschita. Im 
Griechischen ist ixx^aia das vornehmere Wort, und vielleicht 
haben es schon die Juden der Diaspora dem aüva^coYi^ vorgezogen, 
welches einen beschränkteren und lokalen Sinn annahm, den es in 
der Septuaginta nicht hat. Die Christen brauchen es ausschließ- 
lich; es mochte ihnen die Etymologie vorschweben, wonach die 
IxxXtjtoi die ixXsxtot sind. Paulus sagt lxxX>jata xou &eoü, ent- 
sprechend dem q'hal Jahve im Alten Testament und der IxxX. 
xopioü in der Septuaginta. Bei Mt nennt Jesus die Kirche seine 
Kirche, wie auch von seinem Reiche die Rede ist. 



Mt. 16, 19—23. 85 

16, 19. Binden und Lösen wird gesagt von der weisenden, 
gesetzgebenden Tätigkeit der jüdischen Schriftgelehrten und be- 
deutet: für erlaubt und für verboten erklären; auch bei den Mus- 
limen ist die Bestimmung des Erlaubten und des Verbotenen (halal 
und haram) der Inhalt der praktischen Theologie. Petrus wird 
also als Schriftgelehrter gedacht, ebenso wie die Jünger überhaupt 
in 13, 52; was er auf Erden für recht und unrecht erklärt, wird im 
Himmel ratifizirt; er hat mit anderen Worten göttliche Lehrautorität. 
Wie nun in 13, 52 der Schriftgelehrte mit dem Hausmeister ver- 
glichen wird, so wird auch hier beides verbunden. Man darf aber 
den ersten Satz unseres Verses nicht in zu enge Verbindung mit 
dem folgenden bringen, nicht das Reich des Himmels mit dem 
Himmel identifiziren und nicht die Schlüssel nach dem Lösen und 
Binden erklären. Man darf auch nicht annehmen, daß Petrus hier 
als Pförtner gedacht sei, der den Eingang zum Himmel öffnen und 
schließen kann. Es ist nicht von einem singularischen Schlüssel 
die Rede, sondern von einem Schlüsselbund. Der Schlüsselbund 
ist, wie aus Isa. 22, 22. Apoc. 3, 7 hervorgeht und wie H. L. Ahrens 
richtig erkannt hat, das Insigne des Verwalters. Li Apoc. 3, 7 
ist Jesus selbst der Verwalter, als Majordomus. Li Mt. 16, 19 ist 
es Petrus und zwar als bevollmächtigter Lehrer im Reiche Gottes, 
der darin nach seinem Ermessen und aus der ihm zu Gebote 
stehenden Fülle das geistige Brot austeilt (24, 45). Das Reich 
Gottes oder, wie Mt sagt, das R. des Himmels ist natürlich auch 
hier die christliche Gemeinde, also etwas ganz anderes als wie im 
zweiten Teil unseres Verses der Himmel, welcher der Erde ent- 
gegen steht. 

16, 20 lenkt wieder zu Mc (8, 30) ein und schließt an 16, 16. 

16, 21. Mt setzt hier ab und betont stärker als Mc (8, 31), 
obgleich ganz in dessem Sinn, daß Jesus sofort auf das Petrus- 
bekenntnis den Jüngern eröffnet habe, er müsse nach Jerusalem 
gehn, aber nicht als siegreicher, sondern als leidender Messias. 
Xpt(jx6(; hinter 'Irjaoö; stammt wol von einem Späteren, der damit 
die Epoche des Petrusbekenntnisses anerkennt; es fehlt z. B. in D. 

16, 23. Petrus würde Jesus verführen , wenn er ihn bewöge, 
in Jerusalem nicht zu leiden und zu sterben, sondern als jüdischer 
Messias aufzutreten (4, 8—10). 



86 Mt. 16, 24 SS. 

§44. Mt. 16, 24-28. 

Darauf sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wer mir nach- 
folgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf 
sich — so wird er mir nachfolgen. "Denn wer seine Seele 
retten will, der verliert sie; wer aber seine Seele verliert um 
meinetwillen, der findet sie. '®Was hat denn ein Mensch da- 
von, wenn er die ganze Welt gewinnt und seine Seele ein- 
büßt! oder was kann ein Mensch als Kaufpreis für seine Seele 
geben! '^Denn der Menschensohn wird kommen in der Herr- 
lichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er 
einem jeden vergelten nach seinem Tun. *®Amen ich sage 
euch, etliche unter denen, die hier stehn, die werden den Tod 
nicht schmecken, bis sie den Menschensohn mit seinem Reich 
kommen sehn. 

Mt läßt auch diese Worte ebenso wie die vorhergehenden 
lediglich an die Jünger gerichtet sein. Im übrigen stimmt er mit 
Mc überein; nur läßt er fvexsv toü eöa^^eXioü aus und gestaltet, 
zum Schaden des Zusammenhangs, den Vers 8, 38 um, mit Rück- 
sicht darauf, daß er ihn teilweise schon in 10, 33 verwendet hat. 
Sein (Jesu) Reich und seine Engel, wie in 13,41. ^Eaxr^xoxec 
aram. = Anwesende. 

§ 45. Mt. 17, 1-13. 

Und nach sechs Tagen nahm Jesus Petrus und Jakobus 
und dessen Bruder Johannes mit und führte sie für sich be- 
sonders auf einen hohen Berg. 'Und er wurde vor ihren 
Augen verwandelt, sein Antlitz strahlte wie die Sonne und 
sein Gewand ward weiß wie das Licht. 'Und siehe da er- 
schien ihm Moses und Elias, die redeten mit ihm. * Petrus 
aber hub an und sagte zu Jesus: Herr, hier ist für uns gut 
sein; wenn du willst, mache ich hier drei Hütten, eine für 
dich, eine für Moses und eine für Elias. '^Während er noch 
redete, da beschattete sie eine lichte Wolke, und eine Stimme 
erscholl aus der Wolke: dies ist mein geliebter Sohn, den ich 
erwählt habe; hört auf ihn! ^Und da die Jünger das hörten, 
fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. ^Jesus 
aber trat herzu, rührte sie an und sprach: steht auf und 



Mt. 17, 1~12, 87 

fürchtet euch nicht! *Und als sie die Augen aufschlugen, 
sahen sie niemand außer Jesus allein. 'Und als sie vom 
Berge herab stiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: sagt keinem 
etwas von dem Gesicht, bis der Menschensohn von den Toten 
auferstanden ist. '°Und die Jünger fragten ihn: wie sagen 
denn die Schriftgelehrten, Elias müsse zuvor kommen? ^'Er 
antwortete: Elias soll allerdings kommen und alles in Ord- 
nung bringen; ^'ich sage euch aber, Elias ist schon gekom- 
men und sie habea ihn nicht anerkannt, sondern ihm getan 
was sie wollten. So wird auch der Menschensohn von ihnen 
leiden. * 'Darauf verstanden die Jünger, daß er über Johannes 
den Täufer zu ihnen redete. 

17, 1. 2. ^spetv sagt sonst nur Mc für a^etv. Mt setzt das 
strahlende Antlitz zu und vermeidet bei den Kleidern den Walker 
des Mc. Ebenso Lc, der hier überhaupt in den Abweichungen von 
Mc öfters mit ihm zusammentrifft. 

17, 3. Bei Mc ist Elias das Subjekt und Moses wird mit 
Güv hinzugefügt. Bei den beiden anderen ist das Subjekt dualisch 
und Moses wird vorangestellt; Mt behält trotzdem den Singular des 
Verbum ü)<pÖY] bei. 

17, 5. Die Wolke überschattet bei Mt und Lc die Jünger, bei 
Mc Jesus. Aber richtig heißt sie bei Mt eine Lichtwolke. 

17, 6. 7. Hier holt Mt die Aussage Mc. 9, 6 nach, in erwei- 
terter Form. Auch Lc (9, 3. 4) bringt die Furcht der Jünger erst 
nach der Wolke. 

17,8. Lies «üiiv 'Ii^aoüv, ohne jiovov = leh l'Jeschu. VgL 
zu Mc. 6, 17. Mt. 12, 45. 

17,9—12 wie Mc. 9, 9— 13. Aber die Kritik des Fündleins 
der Rabbinen durch die Schrift in Mc. 9, 12 läßt Mt an ihrer Stelle 
aus. Er stellt auf diese Weise das Corrigendum 17, 11 und die 
Korrektur 17, 12 dicht nebeneinander, als ob sie in einem Atem 
gesprochen wären, und macht dadurch den Widerspruch in der Tat 
um so fühlbarer. Höchst ä propos trägt er dann zum Schluß das 
Ausgelassene nach: so wird auch der Menschensohn usw. Ich be- 
merke bei dieser Gelegenheit, daß in Mc. 9, 12 der erste Satz als 
Frage aufgefaßt werden muß: Elias soll erst kommen und alles in 
Ordnung bringen? wie heißt es denn aber in der Schrift usw. In 
17, 9 bietet D den Nom. abs. xat xaxaßatvovTs; statt des Genitivs, 
ebenso auch 17, 14 — ohne Zweifel beruht der Genitiv auf gram- 



88 Mt 17, 18-21. 

matischer Verbesserung, die freilich auch noch kein korrektes Grie- 
chisch herstellt. 

17, 13. Zusatz des Mt. Bei Mc verstehn die Jünger trotz 
allem nichts. 



§46. Mt. 17, 14-21. 

Und als er zu dem Volke kam, trat ein Mann zu ihm, 
warf sich vor ihm nieder und sprach: **Herr, erbarm dich 
meines Sohnes, denn er ist mondsüchtig und leidet schwer, oft 
fällt er ins Wasser und oft ins Feuer; '*und ich habe ihn 
zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen. 
"Da hub Jesus an und sprach: o ungläubiges und verkehrtes 
Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein! wie lange soll 
ich euch ertragen! bringt ihn mir her. *^ Und Jesus bedrohte 
ihn, und der Dämon fuhr aus von ihm, und der Knabe wurde 
gesund von Stund an. "'Darauf traten die Jünger für sich be- 
sonders zu Jesu und sagten: warum haben wir ihn nicht aus- 
treiben können? *'^Er sprach: Wegen eures Unglaubens. Amen 
ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so 
werdet ihr diesem Berge sagen: rück von hier nach dort, 
und er wird rücken, und nichts wird euch unmöglich sein. 
17, 14. Das Gezänk der Jünger und der Empfang Jesu fehlt 
bei Mt und Lc. 'EXOovtcov ist grammatische Korrektur für iXöcov 
(D und Syra S.); s. zu 17, 9. 

17, 15. „Er fiel nieder und sagte Kyrie eleison'' ist Zusatz 
des Mt. Er zieht Mc. 9, 18 und 9, 22 zusammen und macht den 
Epileptischen zum Mondsüchtigen. Dann paßt aber „in Wasser 
und Feuer" (Mc. 9, 22) nicht mehr; denn der Mondsüchtige ist 
d'bar eggäre, der mit einem Dachgeist Behaftete, und vom Dach 
herunter fällt man auf die Straße oder in den Hof. 

17, 18. Die lebendige Scene Mc. 9, 10—27 wird übergangen 
und nur das Resultat angegeben. 

17, 20. Mt nimmt an der Antwort Mc. 9, 20 berechtigten An- 
stoß und ersetzt sie durch den Spruch 21, 21. ' OXqoTrtaTta scheint 
Milderung von «TTtaxia (D und Syra S.) zu sein. Der Vers 1 7, 21 
ist unecht. 



Mt. 17, 22—27. 89 

§ 47. Mt. 17, 22-27. 

Als sie sich aber nach Galiläa zurückwandten, sprach 
Jesus zu ihnen: der Menschensohn wird in die Hand der 
Menschen übergeben werden "und sie werden ihn töten, und 
am dritten Tage wird er auferstehn. Und sie wurden sehr 
betrübt. 

'*Und als sie nach Kapernaum kamen, traten die Ein- 
nehmer der Tempelsteuer zu Petrus und sagten: entrichtet euer 
Meister die Tempelsteuer nicht? Er sagte: ja doch. '*Und 
als er nach Hause gekommen war, kam ihm Jesus zuvor mit 
der Frage: was dünkt dich, Simon? von wem nehmen die 
Könige der Erde Zoll oder Steuer? von ihren Volksgenossen 
oder von den Fremden? '''Er sagte: von den Fremden. Jesus 
sprach zu ihm: also sind die Volksgenossen frei; "damit wir 
ihuen aber keinen Anstoß geben — geh an den See, wirf die 
Angel aus und den ersten Fisch, der heraufgezogen wird, den 
nimm und öffne sein Maul, so wirst du einen Silberling finden; 
den nimm und gib ihn für mich und dich. 

17, 22. 23 wie Mc. 9, 30—32, nur daß das Unverständnis der 
Jünger am Schluß in tiefe Betrübnis verwandelt wird. Aus Mc 
stammt auch noch der Anfang von 17, 24: sie kamen nach Ka- 
pernaum. 

17, 24 — 27 Sondergut des Mt. Es ist von Steuer an das 
eigene Volk die Rede, nicht von erzwungener Steuer an Fremde, 
also nicht von dem Didrachmon, welches die Juden nach der Zer- 
störung des Tempels den Römern geben mußten, sondern von dem 
Didrachmon, welches sie an den Tempel gaben, so lange er noch 
stand. Der Zoll wird immer von den Fremden erhoben, aber auch 
die Steuer ist nach orientalischer Auffassung ein Tribut, der nicht 
von den Söhnen des Volkes, dem der Herrscher angehört, sondern 
nur von den Knechten, d. i. von den Unterworfenen, bezahlt wird. 
Die übt sind IXsüöepoi, wie bei den Persern Abnä und Ahrär iden- 
tisch ist. Gegen diesen Grundsatz verstößt die theokratische Kopf- 
steuer; denn die Bürger der Theokratie müßten davon frei sein. 
Die Beweisführung erstreckt sich genau genommen auf die Juden 
überhaupt. Doch beschränkt sich ihr wirkliches Interesse auf die 
Frage, ob die palästinischen Christen, die richtigen uJot und 
JXeüOepot und Genossen des wahren Gottesreichs, nach wie vor als 



90 Mt. 18, Iss. 

Juden die Tempelsteuer entrichten sollen. Sie sollen nicht, aber 
sie dürfen — um Anstoß zu vermeiden. Dafür gibt Jesus das 
Beispiel. Er läßt die Steuer für sich und Petrus entrichten, 
die anderen Jünger kommen nicht in betracht. Petrus ist wie in 
16, 17 — 19 sein Alter Ego und das Vorbild der ganzen Gemeinde; 
die Zolleinnehmer wenden sich an ihn und er ist auch der Zah- 
lende. Wichtig ist, daß auch diese Geschichte, die man für sehr 
spät hält, doch vor der Zerstörung des Tempels entstanden sein 
muß, wenngleich darum nicht schon zu Lebzeiten des Petrus. Die 
Einsammlung des Didrachmon soll in Palästina im Adar geschehen 
sein, d. h. in dem Monat vor Ostern; was zu der Situation unserer 
Erzählung passen würde. Das Wunder mit dem Fisch erregt all- 
gemeines Kopfschütteln, veranschaulicht aber nur, daß Jesus kein 
Silber hat; auch in der Censusgeschichte hat er keins. In 17, 25 
hat die Syra S.: in sein Haus. 'Avapavxa 17,27 ist passivisch. 
2xaTi^p steht in D 26, 15 für dpYüptov, d. i. ein Sekel oder zwei 
Drachmen. 

§ 48. Mt. 18, 1-20. 

Zu jener Stunde kamen die Jünger zu Jesu und fragten: 
wer ist nun der Größte im Reich des Himmels? 'Und er rief 
ein Kind und stellte es unter sie und sprach: 'Amen, ich 
sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, 
so kommt ihr gewiß nicht in das Reich des Himmels. *Wer 
sich also erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im Reich 
des Himmels. *Und wer ein solches Kind in meinem Namen 
aufnimmt, nimmt mich auf. ^W^r aber einen dieser Kleinen, 
die an mich glauben, zum Fallen verführt, dem wäre besser, 
daß ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er ersäuft 
würde in der Tiefe des Meeres. ^Weh der Welt wegen der 
Verführungen; es müssen zwar Verführungen kommen, doch 
weh dem Menschen, durch welchen die Verführung kommt. 
^Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zu Fall bringen 
will, so hau sie ab und wirf sie weg; es ist dir besser, ver- 
stümmelt und hinkend in das Leben einzugehn, als mit zwei 
Händen und zwei Füßen in das ewige Feuer geworfen zu 
werden. 'Ebenso wenn dein Auge dich zu Fall bringen will, 
reiß es aus und wirf es von dir; es ist dir besser, einäugig 



Mt. 18,1-5. 91 

in das Leben einzugehn, als mit zwei Augen in die Geema 
geworfen zu werden. 

'° Nehmt euch in acht, einen von diesen Kleinen zu ver- 
achten; denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel sehen 
allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. *'Was 
dünkt euch? wenn jemand hundert Schafe hat und eins da- 
von sich verirrt, läßt er dann nicht die neunundneunzig auf 
den Bergen und geht hin und sucht das verirrte? "und wenn 
er es glücklich findet, Amen ich sage euch, so freut er sich 
darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht ver- 
irrt haben. '*So ist es nicht der Wille meines Vaters im 
Himmel, daß einer von diesen Kleinen verloren gehe. 

**Wenn aber dein Bruder sich verfehlt, so geh und weise 
ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du 
deinen Bruder gewonnen. ^^Hört er nicht, so nimm noch 
einen oder zwei dazu, damit auf zweier oder dreier Zeugen 
Mund jede Sache festgestellt werde. ^^Hört er aber nicht auf 
sie, so sag es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Ge- 
meinde nicht hört, so sei er dir gleich einem Heiden und 
Zöllner. *^Amen ich sage euch, was ihr auf Erden bindet, 
wird gebunden sein im Himmel, und was ihr auf Erden löst, 
wird gelöst sein im Himmel. ^^ Weiter sage ich euch: wenn 
zwei von euch auf Erden einig sind um irgend etwas zu bitten, 
wird es ihnen zu teil werden von meinem Vater im Himmel. 
'°Denn keine zwei oder drei sind versammelt in meinem 
Namen, in deren Mitte ich nicht wäre. 

18, 1 stammt aus Mc. 9, 33. 34. Mt verwischt es, daß die Jünger 
über ihren eigenen Rang streiten, trifft aber wol das Richtige mit 
dem Zusatz „im Reich des Himmels". Darunter kann hier, wegen 
18, 2, nicht einfach die Gemeinde verstanden werden. Für apa 
findet sich keine Beziehung. 

18, 2—5. Der Vers Mc. 9, 35 fehlt, ferner das Herzen der 
Kinder Mc. 9, 36, und (wegen Mt. 10, 40) die zweite Hälfte von 
Mc. 9, 37. Dagegen wird Mc. 10, 15 schon hier (18, 4) vorweg ge- 
nommen, jedoch erweitert und anders gefaßt, um als Antwort auf 
die Frage der Jünger dienen zu können. Der Gedanke der Wieder- 
geburt wird wenigstens gestreift; die Umkehr (atpscpecjöat = fxexa- 
vosTv) ist ein Werden wie die Kinder. 



92 «. 18, 6-15. 

18, 6 (Lc. 17, 2) springt, von Mc. 9, 37 auf 9, 42 über^ das 
Zwischenstück fehlt, doch steckt Mc. 9, 41 in Mt. 10, 42. Der 
Übergang von dem wirklichen Kinde zu den christlichen [itxpot, 
der schon 18, 7 gemacht wird, findet sich auch bei Mc. Die (xt- 
xpot sind die Christen insgesamt, nicht ein besonderer Teil von 
ihnen. 

18, 7 (Lc. 17, 1) fehlt bei Mc. 

18, 8. 9 zusammengezogen aus Mc. 9, 43—47. Hand und Fuß 
sind nicht wie das Auge Organe, die in Versuchung führen. Im 
Vorhergehenden war auch nicht von Versuchungen durch das eigene 
Fleisch, sondern von Verführung durch andere die Rede. Wenn 
Zusammenhang besteht — was freilich nicht nötig ist — , so liegt 
es nahe, die hier genannten Glieder metaphorisch aufzufassen, so 
daß der Sinn wäre: wenn unter den Gliedern der Gemeinde 
Skandala sind, so soll man sie exkommuniziren. Damit würde 
zugleich Anschluß gewonnen an das, was folgt. Der Anfang von 
18, 9 lautet bei D: xo «6x6 s{ xal 6 S'f&aXjio?, vgl. 27, 44. 

18, 10. Der erste Satz hat ohne Zweifel die [itxpol t&v iria- 
TeüovTwv (so D) im Auge, der zweite aber wirkliche Kinder, we- 
nigstens nach dem ursprünglichen Sinn der darin enthaltenen volks- 
tümlichen Vorstellung. Nach weit verbreitetem Glauben stehn allen 
Menschen, und auch schon den Kindern, Genien zur Seite. Diese 
Genien sind bei den Juden Engel. „Sie sehen allezeit das Ange- 
sicht Gottes" bedeutet nach 2 Reg. 25, 19: sie haben stets ohne 
weiteres Zutritt zu ihm, als seine vertrauten Diener. 

18, 11 (Lc. 19,10) versucht zwischen 18, 10 und 18, 12 eine 
Brücke zu schlagen, ist aber unecht. 

18, 12—14 wie Lc. 15, 4—7. Aber bei Lc (15, 7) handelt es 
sich um die Bekehrung eines Sünders, dagegen bei Mt (18, 14) um 
die Wiedervereinigung eines abgeirrten Gliedes mit der Gemeinde, 
so daß ein Gegensatz zu 18, 8. 9 entstünde, wenn es sich da 
wirklich um Exkommunikation handelt. „Was dünkt euch"? öfters 
bei Mt; OeXyjjia sjxTrpoaOsv wie 11, 26. 

18, 15—20 schließt passend an 18, 14 an: man soll sich alle 
Mühe geben, dem Abirren von der Gemeinde vorzubeugen und nur 
wenn alle Mittel sich als vergeblich erweisen, zur Exkommunikation 
schreiten. Übrigens hat Mt auch einen äußeren Faden gehabt, um 
diese Verse hier folgen zu lassen; denn schon in 18, 6. 7 schimmert 
Lc. 17, 1. 2 durch und hier Lc. 17, 3. Der Passus 18, 15—20 er- 



Mt. 18, 15-20. 93 

innert an 16, 17 — 20; die IxxXr^awt und die Vollmacht zu binden 
und zu lösen kehrt hier wieder, nur daß sie nicht dem Petrus, 
sondern allen Jüngern gegeben wird — was vielleicht das ältere 
ist. Das Kirchenrecht hat sich in Syrien und Palästina ausgebildet 
und zuerst in der jerusalemischen Gemeinde, schon vor der Zer- 
störung der heiligen Stadt. 

18, 15. „Zwischen dir und ihm" ist ein starker Aramaismus für: 
unter vier Augen. Die Syra S. übersetzt xax föwtv (20, 17) auf diese 
Weise. Der Zusatz efc oi hinter afiapTTjaiQ bei D ist ganz verkehrt. 

18, 17. Man darf schwerlich sagen, daß IxxXrjaia hier die 
Einzelgemeinde und 16, 18 die Gesamtgemeinde sei. Mt macht 
den Unterschied nicht, er meint in beiden Fällen die Muttergemeinde 
von Jerusalem. 

18, 18. In 18, 15 wird geboten: du sollst deinen Bruder ver- 
warnen, wenn du merkst, daß er sich verfehlt; nicht: du sollst ihm 
die Sünde vergeben, die er gegen dich begangen hat. Von Ver- 
gebung der Sünden, von der Macht zu absolviren oder nicht zu 
absolviren, ist auch in 18, 18 keine Rede. Man kann das Binden 
und Lösen hier wie 16, 19 nicht anders verstehn, als wie es bei 
den Juden überhaupt gebraucht wird. Aus dem Zusammenhang 
ergibt sich der Sinn weder hier noch in 16, 19. 

18, 19 wird nur durch den Gegensatz von iizi ttjc 7% und h 
oüpavoTc mit dem Vorhergehenden verbunden. 

18, 20. Jesus spricht, als wäre er schon gen Himmel ge- 
fahren. Jedoch auch sonst in den Reden bei Mt hat er die Ge- 
meinde vor sich, die bei seinen Lebzeiten noch nicht vorhanden 
war. Der christliche Kultus, so weit er original ist, beruht auf 
der einfachen und schönen Idee, die Anwesenheit Jesu festzuhalten, 
namentlich in dem gemeinsamen Brotbrechen. D und Syra S lesen: 
oü ifap .... ovo[ia, irap' ofc oüx iifil ev [isa(p aüxa>v. Das ist wegen 
des Semitismus korrigirt; nicht zum Vorteil des Sinns, denn auf 
den Ort (ixsi) kommt nichts an. 

Mt. 18, 21-35. 

Darauf trat Petrus herzu und fragte ihn: Herr, wie 
oft muß ich meinem Bruder, wenn er gegen mich sündigt, 
vergeben? bis siebenmal? ''Jesus sprach zu ihm: ich sage 
dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal siebenmal. 



94 Mt. 18, 21 SS. 

"Darum gleicht das Reich des Himmels einem Könige, 
der mit seinen Knechten abrechnen wollte. '*Als er nun an- 
fing zu rechnen, wurde ihm einer vorgeführt, der war zehn- 
tausend Talente schuldig. '^Da er aber nicht zahlen konnte, hieß 
der Herr ihn verkaufen, mit Weib und Kind und aller Habe, 
zur Bezahlung. '^Der Knecht warf sich ihm zu Füßen und 
sagte: hab Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen. 
''Und der Herr hatte Mitleid mit dem Knechte und gab ihn 
los und erließ ihm die Schuld. "Als aber dieser Knecht her- 
ausgekommen war, traf er einen seiner Mitknechte, der ihm 
hundert Denar schuldig war. Und er packte und würgte ihn 
und sagte: bezahl mir was du schuldig bist! "Der Mitknecht 
warf sich ihm zu Füßen und bat ihn: hab Geduld mit mir, 
so will ich dir bezahlen. ^°Er wollte aber nicht, sondern ging 
imd warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlte. ^'Da 
nun seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr unwillig und 
kamen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war. 
^^Da rief ihn der Herr zu sich und sagte zu ihm: du böser 
Knecht, diese ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du 
mich batest; "müßtest du dich nicht auch erbarmen über 
deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? 
Und erzürnt übergab ihn der Herr den Folterern, bis er ihm 
die ganze Schuld bezahlt hätte. "So wird auch mein himm- 
lischer Vater euch tun, wenn ihr nicht von Herzen ein jeder 
seinem Bruder vergebt. 

18, 21. 22. Nach Lc. 17, 1—3 kommt Lc. 17, 4 an die Reihe. 
Anders wie 18, 15 handelt es sich hier nun wirklich um Vergebung 
der Schuld durch den Beleidigten. Der Bruder ist wie in 18, 15 
der christliche Bruder. Die Parataxe der Sätze in 18, 21 (wie 
26, 53) ist ganz ungriechisch. Für ^Tuxa am Schluß von 18, 22 
müßte es eigentlich eirxaxts heißen, D korrigirt so. 

18, 23 — 35. Die Pointe liegt auf der Hand; der Vorgang aber, 
der zur Vergleichung dient, leidet wie so häufig in den Parabeln 
des Mt an Unklarheiten, auf die besonders Jülicher aufmerksam 
gemacht hat. Der König scheint hernach fallen gelassen zu werden 
und an seine Stelle ein Herr zu treten mit seinen Sklaven, denen 
er Gelder anvertraut hat. Allein die Ähnlichkeit mit 25, 14 ss. 
schwindet bei näherem Zusehen; die Geldsummen sind unvergleich- 
lich größer und nicht zum Werben bestimmt, sie werden einfach 



Mt. 19, Iss. 95 

in einem bestimmten Betrage eingefordert. Ich glaube, daß unser 
Gleichnis doch einen König voraussetzt, welcher als Bild für Gott be- 
liebt ist. Knechte des Königs heißen in der Bibel und überhaupt 
im Orient seine obersten Diener. Es sind mehr oder weniger vor- 
nehme Beamte gemeint, die ihm den fest bestimmten Ertrag ihrer 
Ämter schulden. Die Unterpräfekten müssen an den Oberpräfekten 
zahlen, und dieser an den König. Daher die ungeheure Summe 
von 10000 Talenten, die er als Steuerertrag des Landes schuldet, 
daher die Strafe der Verkaufung „des Knechtes" in Sklaverei, daher 
namentlich die Folterung, welche im Orient regelmäßig gegen un- 
getreue oder in der Ablieferung der Steuer saumselige Statthalter 
angewendet wird, um die zu fordernde Summe von ihnen selber 
— wenn sie sie auf die Seite gebracht haben — oder von ihren 
Verwandten und Freunden zu erpressen. Es erklärt sich dann 
auch leicht, daß der Oberpräfekt von den Unterbeamten die 
Summen eintreibt, die sie für ihre Ämter oder Provinzen an ihn 
abführen müssen. Übrigens ist unsere Parabel ein Art Gegenstück 
zu der vom ungerechten Haushalter (Lc. 16); dieser macht es um- 
gekehrt als hier der Oberbeamte, und wird dafür belobt. Die 
Redensart aovapat Xo^ov (18, 23. 25, 19) hat Th. Zahn in einem 
ägyptischen Papyrus nachgewiesen. Bei den 10000 Talenten im 
Vergleich zu den 100 Denaren wirkt natürlich die Moral ein, daß 
was der Mensch zu vergeben hat, gar nicht aufkommt gegen das, 
was Gott ihm zu vergeben hat. 

§ 49. Mt. 19, 1-12. 

Und als Jesus diese Rede geendet hatte, brach er von 
Galiläa auf und kam in das Gebiet von Judäa jenseit des 
Jordans. 'Und viele Leute aus dem Volke folgten ihm und 
er heilte sie dort. ^Und die Pharisäer traten an ihn heran, 
versuchten ihn und sprachen; darf jemand sein Weib aus be- 
liebiger Ursache entlassen? *Er aber antwortete: Habt ihr 
nicht gelesen, daß der Schöpfer am Anfang sie als Mann und 
Weib gemacht hat und gesagt: *darum wird ein Mann Vater 
und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und werden 
die zwei ein Fleisch sein. *Also sind sie nicht mehr zwei, 
sondern ein Fleisch. Was nun Gott zum Paar verbunden hat, 
soll der Mensch nicht scheiden. ^Sie sagten: wozu hat denn 



96 Mt. 19,2-11. 

Moses geboten, einen Scheidebrief zu geben und zu entlassen? 
^Er sprach zu ihnen: In Rücksicht auf eure Herzenshärtigkeit 
hat euch Moses gestattet, eure Weiber zu entlassen; von An- 
fang jedoch ist es nicht so gewesen. 'Ich sage euch aber: 
wer sein Weib entläßt, es sei denn wegen Hurerei, und eine 
andere freit, der bricht die Ehe. ^^Da sagten die Jünger zu 
ilim: wenn es so steht zwischen Mann und Weib, ist es nicht 
geraten, zu freien. ^*Er sprach zu ihnen: Nicht alle fassen 
das Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist. *'**Denn es 
gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind, und es 
gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten sind, 
und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben, 
wegen des Reichs des Himmels. Wer es zu fassen vermag, 
der fasse es. 

19, 2. 'Exsi (und ixstöev 19, 15) fehlt in der Syra S.; sie hat 
es in 19, 3. 

19, 3. Bei Mc wird die Frage nicht von den Pharisäern ge- 
stellt. Sie zeigt, daß die Juden doch schon über Deut. 24, 1 hin- 
aus waren. 

19, 4. Anders wie bei Mc sagt Jesus das Richtige gleich zu- 
erst und erledigt den Einwurf hinterdrein (19, 7). KxiCeiv (Vaticanus) 
ist jüngere Übersetzung von ^«")^, als TroteTv; vgl. die Septuaginta 
zu Gen. 1,1 mit Aquila. Die Syra S. liest aöioc für aiioöc und 
übersetzt: der den Mann gemacht hat, der selbe hat auch die 
Frau gemacht — vielleicht dem Bericht in Gen. 2 zu lieb, wo Gott 
den Menschen nicht als Mann und Weib zugleich schafft. 

19, 9 wird in Verbindung mit dem Vorhergehenden gesetzt, 
gegen Mc. Der Vers Mc. 10, 12 fehlt hier, findet sich aber 
Mt. 5, 32, zu welcher Stelle ich den Zusatz ji)j inl iropvsta beur- 
teilt habe. 

19, 10—12. Erst jetzt werden die Jünger angeredet, nicht 
wie bei Mc mit dem Spruch 19, 9, sondern mit einem ganz anderen, 
der sich sonst nirgend findet. Der Szenenwechsel (zk ty]v o?xwtv 
Mc. 10, 10) fehlt. 

19, 10 nach dem Muster von 19, 25. Wenn die Monogamie 
so streng genommen wird, läßt man das Heiraten lieber bleiben. 
. 19, 11. Von Rechts wegen müßte Jesus über die naive Äuße- 
rung der Jünger sich entrüsten. Er läßt sie aber gelten, faßt sie 
nur absolut und benutzt sie als willkommenen Anlaß für die Mit- 



Mt. 19, ISss. 97 

teilung eines Spruchs, welcher der wahren Absicht von § 49 wenig 
entspricht. Denn die Ehe soll da geheiligt und nicht diskreditirt 
werden. 'AXX' o?; SsSoxai nach dem Muster von 20, 23. Es ver- 
dient Beachtung, daß nicht an jeden die höchsten Anforderungen 
der Nachfolge Jesu gestellt werden; seine Ehelosigkeit ist offen- 
bar das Muster. 

§ 50. Mt. 19, 13-15. 

Darauf wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er die 
Hände auf sie lege und über ihnen bete; und die Jünger 
schalten sie. ** Jesus aber sprach: laßt die Kinder und wehrt 
ihnen nicht zu mir zu kommen, denn solcher ist das Reich 
des Himmels. **Und nachdem er die Hände auf sie gelegt, 
wanderte er von dannen. 
Durch die Umwandlung der aktiven Konstruktion bei Mc in 
die passive wird es notwendig, das aÖTo6<; am Schluß von 19, 13 
auf die Kinder zu beziehen. Daß Jesus gegen die Jünger unwillig 
wird und die Kinder in den Arm nimmt, wird ausgelassen. 
Mc. 10, 15 fehlt hier, weil es schon in 18, 3 gebracht ist, wenn- 
gleich in veränderter Form. 

§ 51. Mt. 19, 16-30. 

Da trat einer auf ihn zu und sagte: Meister, was soll ich 
Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen? '^Er sprach zu 
ihm: was fragst du mich um das Gute; Einer ist gut — 
willst du aber zum Leben eingehn, so halte die Gebote. ^®Er 
sagte: welche? Jesus sprach: du sollst nicht morden, die Ehe 
nicht brechen, nicht stehlen, nicht falsch anklagen, ^^Ydiier 
und Mutter ehren, und den Nächsten lieben wie dich selbst. 
'**Der Jüngling sagte: das habe ich alles gehalten, was fehlt 
mir noch? '* Jesus sprach zu ihm: willst du vollkommen sein, 
so geh, verkauf deine Habe und gib es den Armen, so wirst 
du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folg mir! 
''Als der Jüngling das hörte, ging er traurig von dannen, 
denn er hatte viele Güter. 

"Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Amen ich sage 
euch, ein Reicher kommt schwer in das Reich des Himmels; 

Wellh aasen, EvaDg. Matthaei. 7 



98 Mt. 19, 16—26. 

^^noch einmal sage ich euch: leichter kommt ein Kamel durch 
ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes. ''^Als die 
Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: wer kann 
denn gerettet werden! "Jesus blickte sie an und sprach zu 
ihnen: bei den Menschen ist das unmöglich, bei Gott aber ist 
alles möglich. 

''Darauf hub Petrus an und sagte: wir, wir haben alles 
fahren gelassen und sind dir gefolgt, was wird uns dafür? 
'* Jesus sprach: Amen ich sage euch, bei der großen Wieder- 
geburt, wenn der Menschensohn auf dem Thron seiner Herr- 
lichkeit sitzt, werdet ihr auch auf zwölf Thronen sitzen und 
die zwölf Stämme Israels regieren. *'Und jeSer, der Haus, 
Brüder, Schwestern, Mutter oder Äcker hat fahren lassen um 
meines Namens willen, wird hundertfach mehr empfangen und 
das ewige Leben ererben. '^ Viele Erste aber werden letzte 
werden und Letzte erste. 

19, 16. 17. Die Änderung, wodurch Mt den Protest Jesu 
gegen die Anrede „guter Meister" vermeidet, erinnert an die des 
Hebräerevangeliums in der Taufperikope. Das stc d^a&o? seiner 
Vorlage hat er aber beibehalten, obgleich es nun keinen Sinn mehr 
gibt. Es hätte konsequent heißen müssen: eins ist das Gute. 

19, 18. 19. Die Frage Troiac, die an 22, 36 und Lc. 10, 29 er- 
innert, setzt voraus, daß es sich um eine Auswahl handelt. Jesus 
bestätigt das; er zählt nur die Gebote des Dekalogs auf. „Du sollst 
deinen Nächsten lieben wie dich selbst" steht aber nicht im Dekalog, 
wird von Origenes beanstandet und fehlt in der Syropalästina (ed. 
Lagarde). 

19, 20. 21. Das fv as üatspsT Mc. 10, 21 ist als Frage in den 
Mund des Jünglings verlegt, und das Wolgefallen, das Jesus bei 
Mc an ihm findet, mit Stillschweigen übergangen (vgl. § 63), ebenso 
auch das axü^votaa; Mc. 10, 22. Der Begriff xsXetoc deckt sich nicht 
mit dem von tamim, sondern ist griechisch; er bezeichnet deut- 
lich einen höchsten Grad. Der Gedanke des opus supererogatorium 
und des consilium evangelium schimmert auch in 19, 12 durch. 

19, 23—26. Mt hat den Text des Mc, wenn er ihm schon in 
der gleichen Gestalt vorlag wie uns, dadurch in der Tat verbessert, 
daß er die beiden Aussprüche Jesu (allerdings durch iraXtv ge- 
trennt) unmittelbar nach einander bringt und das Stutzen der 
Jünger nur am Ende derselben, nicht auch in der Mitte. 



Mt. 19, 28. 29. 99 

19, 28 (Lc. 22, 29. 30) Zusatz des Mt. Zu TOXiv-^eveata ver- 
gleicht man Joseph. Ant. 11, 66, wo die Restitution der jerusale- 
mischen Gemeinde nach dem Exil eine Wiedergeburt des Vater- 
landes heißt, und Philo Vita Mos. 2, 12. De mundo 15, wo von 
der Wiedergeburt der Erde nach der Sündflut oder nach dem Welt- 
brande die Rede ist. Als technischer Ausdruck im messianischen 
Sinn findet es sich nur an dieser Stelle des Neuen Testaments. 
Es bezeichnet das Eintreten eines schon gegenwärtigen Objekts in 
eine neue Phase; ob aber das Objekt die Welt ist (wie bei der 
renovatio creaturae in den jüdischen Apokalypsen) oder nur das 
Volk Israel, läßt sich nicht sicher entscheiden, obgleich allerdings 
Jesus hier als König von Israel erscheint, wie die zwölf Apostel 
als Fürsten der zwölf Stämme Israels. Kptveiv ist regieren, wie oft 
im Alten Testament; an den einmaligen Akt des jüngsten Gerichts 
darf man nicht denken. Es heißt 86Sa «ötoü, nicht o. to5 iratpo». 
ü sagt 8exct8üo für ouiSexa; ohne Zweifel auch da, wo die Zahl 
nicht ausgeschrieben, sondern nur durch die Ziffer bezeichnet ist, 
wie es gewöhnlich geschieht. 

19, 29. Kai Svexsv toü eiaYYsXtoü (Mc. 10, 29) fehlt hier so gut 
wie 16, 25. Ebenso wie Lc übergeht auch Mt die wiederholte 
Objektsreihe in Mc. 10, 30, behält aber den Schluß bei. Sie haben 
beide den Marcustext vor sich gehabt und nach sehr naheliegenden 
Gründen verbessert, doch nicht ganz in der selben Weise. 

Mt. 20, 1-16. 

Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh 
morgens ausging, Arbeiter zu dingen für seinen Weinberg. 
*Und mit den Arbeitern eins geworden auf grund eines Silber- 
lings für den Tag, schickte er sie in seinen Weinberg. *Und 
um die dritte Stunde ging er aus und sah andere müßig auf 
dem Markt stehn und sagte zu ihnen: geht auch in den Wein- 
berg, und was recht ist, will ich euch geben. *Sie gingen hin. 
Wiederum ging er aus um die sechste und die neunte Stunde 
und tat ebenso. *Um die elfte aber ausgehend fand er andere 
da stehn und sagte zu ihnen: was steht ihr hier den ganzen 
Tag müßig? ^Sie sagten: niemand hat uns gedingt. Er sagte: 
geht auch ihr in den Weinberg. ® Am Abend aber sagte der Herr 
des Weinbergs zu seinem Verwalter: ruf die Arbeiter und zahl 

7* 



100 Mt. 20, 1-16. 

den Lohn, anfangend bei den letzten, bis zu den ersten. ^Da 
kamen die von der elften Stunde und empfingen je einen 
Silberling. *°Als nun die ersten kamen, meinten sie, sie 
würden mehr empfangen; doch auch sie empfingen je einen 
Silberling. ^'Wie sie den empfingen, murrten sie gegen den 
Hausherrn *'und sagten: diese letzten haben nur eine Stunde 
geschafft, und du machst sie uns gleich, die wir doch die Last 
des Tages getragen haben und die Hitze! **Er aber ant- 
wortete einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht unrecht; 
bist du nicht um einen Silberling mit mir eins geworden? 
^*nimm dein Geld und geh, ich will aber diesen letzten gleich 
viel geben wie dir. '^Darf ich nicht mit meinem Gel de tun, 
was ich will? bist du neidisch, weil ich gütig bin? *^Also 
werden die Letzten erste werden, und die Ersten letzte. 

Mt will mit diesem Gleichnis den Spruch 19, 30 erläutern, 
den er 20, 16 (mit Determination des Subjekts) wiederholt. Jülicher 
hält sich aber mit Recht nicht daran. Er hätte indessen in seiner 
eigenen Deutung mehr Nachdruck darauf legen müssen, daß das 
Gleichnis sich auf eine bestimmte historische Situation bezieht, 
d. h. Allegorie ist. Der Weinberg, ein aus Isa. 5 stammendes und 
in den Evangelien öfters variirtes Bild, ist das arbeitende Reich 
Gottes, welches schon in der Gegenwart da ist und nur seiner zukünf- 
tigen Krönung noch harrt, also die christliche Gemeinde. Die Ar- 
beiter sind alle darin, alle gute Christen und alle des Lohnes sicher, 
der für alle gleich ist, weil er darin besteht, daß sie alle aus dem 
gegenwärtigen in das zukünftige Reich Gottes eingehn. Die letzten 
treten nicht an die Stelle der ersten, so daß sie sie verdrängen. 
Das Verhältnis ist auch keineswegs wie das des Zöllners zum Pha- 
risäer (Lc. 18). Der Gegensatz von Paciscenten und Nichtpacis- 
centen, auf den Jülicher Gewicht legt, darf nicht betont werden; 
er könnte wegfallen, ohne daß der Sinn des Ganzen darunter litte. 
Die Schichten unterscheiden sich lediglich durch die Zeit ihres An- 
tritts zur Weinbergsarbeit, d. h. ihres Eintritts in die christliche 
Gemeinde. Auch im Islam werden die früheren Genossen des Pro- 
pheten von den späteren unterschieden, beide von den erst nach 
seinem Tode hinzugekommenen, und auch unter diesen wiederum 
die älteren von den jüngeren. Während aber im Islam der Vor- 
zug der zeitlichen Priorität durchaus anerkannt wird, wird er in 
unserer Parabel geleugnet, wenigstens was den Lohn anbetrifft. 



Mt. 20, 17 SS. 101 

Für das künftige Reich Gottes kommt die Anciennetät im gegen- 
wärtigen nicht in betracht (18, 1). Die Moral ist also ganz ähn- 
lich wie in der Geschichte von den Zebedaiden § 53, wo gesagt 
wfrd, daß die Märtyrer, auch die frühesten mid vornehmsten, nicht 
ohne weiteres den höchsten Rang im messianischen Reich zu er- 
warten haben. Es ist gewiß kein Zufall, daß diese Geschichte so- 
gleich (20, 20ss.) folgt. — "Afxa itpwi 20, 1 ist eine bestimmte 
Stunde und zwar die erste, ebenso wie i^h^ 20, 8 die letzte; nur 
der Tag wird in Stunden eingeteilt, während die Nacht in Wachen. 
Für ix Srjvapioü steht 20, 10 der einfache Genitiv. Der Denar ist 
eigentlich nur der halbe Silberliug. (Sekel), die Drachme; auch die 
Namen xoSpavxiov und daaapiov sind lateinisch. Ein solcher Tage- 
lohn ist für Palästina in jener Zeit hoch, namentlich wenn wie hier 
das Augebot die Nachfrage übersteigt, wird aber auch im Buche 
Tobit (5, 14) bezahlt; bei Mc (6, 8. 12, 41) heißt das Geld schlecht- 
hin Kupfer. Der Verwalter 20, 11 hat für die Sache nichts zu 
bedeuten und soll nicht etwa Christus sein. Ilotsiv 20, 12 steht 
für ipYotCeaöai (21, 28); möglich daß 12.^ hier noch etwas von 
seinem ursprünglichen Sinn beibehalten hat. 

§ 52. 53. Mt. 20, 17-28. 

Im Begriff aber, nach Jerusalem hinaufzugehn, nahm Jesus 
die Zwölfe bei seit und sprach zu ihnen unterwegs: "Siehe 
wir gehn hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird 
den Hohenpriestern und Schriftgelehrten übergeben werden und 
sie werden ihn zum Tode verurteilen ^'und den Heiden über- 
antworten zu Verspottung, Geißelung und Kreuzigung, und 
am dritten Tage wird er auferstehn. 

'® Darauf trat zu ihm die Mutter der Söhne des Zebedäus 
mit ihren Söhnen und warf sich ihm zu Füßen, um etwas von 
ihm zu erbitten. '* Er sagte zu ihr: was willst du? Sie sagte: 
sag, daß diese meine beiden Söhne einer dir zur Rechten und 
einer zur Linken sitzen sollen in deinem Reiche. **Jesus ant- 
wortete: ihr wißt nicht, was ihr verlangt — könnt ihr den 
Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten: ja wol. 
^'Er sprach: meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber den 
Sitz mii- zur Rechten und zur Linken zu gewähren gebührt 
mir nicht, sondern (er gebührt) denen, für die er bereitet 



102 Mt. 20, 17-28. 

ist von meinem Vater. ^*Als das die Zehn erfahren, äußerten 
sie ihren Unwillen über die beiden Brüder. '*Jesus aber rief 
sie heran und sprach: Ihr wißt, daß die Fürsten der Völker 
als Herren mit ihnen schalten und daß die Großen Gewalt 
über sie ausüben. '^Nicht so ist es bei euch, sondern wer 
bei euch groß sein will, sei euer Diener, "und wer erster 
unter euch sein will, sei euer Knecht — '*wie der Menschen- 
sohn nicht gekommen ist, bedient zu werden, sondern zu be- 
dienen und sein Leben zum Lösegeld für viele zu geben. 
20, 17. Die schwer verständliche Einleitung Mc. 10, 32 fehlt 
bei Mt und Lc. 

20, 20. Die Bitte wird von der Mutter gestellt, die nach Mt. 
27, 56 (jedoch nicht nach Mc. 14, 50) mit Jesus nach Jerusalem 
geht; sie fällt dabei vor ihm nieder. Aber die Antwort erfolgt 
auch bei Mt nicht an sie, sondern an ihre Söhne. 

20, 24 — 28. Vorher ist von Sitzplätzen in der Herrlichkeit 
die Rede, hier aber vom Rang in der Gemeinde. Der Passus 20, 
24—28 mag nicht in einem Zuge mit 20, 20 — 23 geschrieben sein ; 
aber man sieht doch, wie leicht der Übergang vom Reich der Ar- 
beit (20, 1—16) zum Reich des Lohnes gemacht wird. Die Bürger 
des gegenwärtigen Reichs Gottet sind auch die Bürger des zukünf- 
tigen; nur kommen sie nicht alJe hinein, sondern werden gesichtet. 
— Am Schluß hat D den bekannten Zusatz, welcher mit dem geist- 
reichen Paradoxon anfängt: trachtet darnach, aus Kleinem zu 
wachsen und aus Großem Kleines zu werden. 

§ 54. Mt. 20, 29-34. 

Und als sie von Jericho weggingen, folgte ihm viel Volk. 
'"Und siehe zwei Blinde saßeo am Wege, und da sie hörten, 
daß Jesus vorüberkomme, schrien sie: erbarm dich unser, Sohn 
Davids! '*Das Volk schalt sie, sie sollten stillschweigen; sie 
schrien aber nur um so lauter: Herr, erbarm dich unser, Sohn 
Davids! ''Und Jesus blieb stehn und sprach: was wollt ihr, 
daß ich euch tun soll? ''Sie sagten: Herr, daß unsere Augen 
sich öffnen! '* Jesus aber hatte Erbarmen und rührte ihre 
Augen an, und alsbald wurden sie sehend und folgten ihm. 
Mt erzählt nur das Weggehen von, nicht das Kommen nach 
Jericho. Er verbindet den Blinden von Bethsaida (§ 42), den er 



Mt. 21, Iss. 103 

übergangen hat, mit dem Blinden von Jericho zu einem Dual, 
der von hier aus auch in 9, 27 zu erklären ist. Ein Einfluß von 
§ 42 zeigt sich noch in 20, 34 ^^axo xwv ö{xji.aT(ov — was in Mc 
§ 54 sich nicht findet. 

§ 55. Mt. 21, 1-11. 

Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Beth- 
phage am Ölberg, da sandte Jesus zwei Jünger und sagte zu 
ihnen: '^geht in das Dorf vor euch, und sogleich werdet ihr 
eine Eselin angebunden finden und ein Füllen dabei, bindet 
(die Tiere) los und bringt sie mir; 'und wenn euch jemand 
etwas sagt, so sprecht: der Herr bedarf ihrer — und alsbald 
wird er sie ziehen lassen. ^Das ist aber geschehen, damit er- 
füllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: *Sagt der 
Tochter Sion: siehe dein König kommt zu dir sanftmütig, 
reitend auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Sohn der 
Eselin. ^Die Jünger gingen hin und taten, wie Jesus ihnen 
geboten hatte, und brachten die Eselin und das Füllen. 'Und 
sie legten Kleider darauf, und er setzte sich darauf. ^Und 
die meisten Leute breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere 
hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg; 
'und die vorauf und hinterher gingen, schrien: Osanna dem 
Sohne Davids, gesegnet der da kommt im Namen des Herrn, 
Osanna in der Höhe! ^°Und als er in Jerusalem einzog, er- 
regte sich die ganze Stadt und sagte: wer ist das? Das 
Volk aber sagte: das ist der Prophet Jesus von Nazareth in 
Galiläa. 

Die Verdoppelung des Esels erklärt man mit Recht- aus dem 
Citat, wo allerdings nur der Ausdruck, wegen des poetischen Pa- 
rallelismus, wechselt und auch nicht von Eselin und Füllen, son- 
dern von Esel und Füllen die Rede ist. Es wird dadurch unklar, 
worauf Jesus sich setzt. Für in aÖTwv 21, 7 bieten D und Syra S. 
in aüTov. Auf zwei Tieren kann man nicht reiten, aber auf 
einem Füllen (was Mt im strengen Sinne nimmt) auch nicht gut. 
Das Citat ist im übrigen sehr passend beigebracht, denn der Esel 
ist in der Tat der messianische Esel von Zach. 9, 9: der Messias 
zieht demütig und friedlich auf einem Esel ein, nicht hoch zu Roß 
als kriegerischer König. Die Büschel bei Mc werden (21, 8) in 



104 Mt. 21, 12-17. 

Baumzweige verwandelt. Der Einzug geschieht in Begleitung einer 
großen Menge; er endet in Jerusalem und erregt dort die aller- 
größte Aufregung — ganz andei-s als bei Lc und auch bei Mo. 
Daß Jesus (von Nazareth) trotz allem Vorhergehenden in 21, 11 
(vgl. 21, 46) doch nur als Prophet bezeichnet wird, befremdet. — 
Aüo \^.oibr^xd^ ist auffällig gräcisirt aus dem semitisch allein zu- 
lässigen 8üo TÄv [i. a&TOü. Auxou läßt Mt in diesem Falle oft aus, 
doch schwankt dabei die Überlieferung. 

§ 57. Mt. 21, 12-17. 

Und Jesus trat in den Tempel und trieb alle Verkäufer 
und Käufer im Tempel aus, und die Tische der Wechsler 
stieß er um und die Bänke der Taubenhändler. "Und er 
sprach: es steht geschrieben: mein Haus soll allen Völkern 
ein Bethaus heißen — ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus 
gemacht. **Und Blinde und Lahme kamen zu ihm in den 
Tempel und er heilte sie. ^*Als aber die Hohenpriester und 
Schriftgelehrten sahen, welche Wunder er tat und daß die 
Kinder ina Tempel schrien: Osanna dem Sohne Davids, wurden 
sie unwillig ^*und sagten zu ihm: hörst du, was diese sagen? 
Jesus sagte: ja; habt ihr nie gelesen: aus dem Munde von 
Kindern und Säuglingen hast du Lob bereitet? ^^Und er ließ 
sie stehn und ging aus der Stadt hinaus nach Bethanien und 
blieb dort die Nacht. 
Der Eingang von § 56 (Mc. 11, 16) fehlt (auch bei Lc); der 
Rest wird mit § 58 verbunden. Jesus geht sofort vom Ölberge nach 
Jerusalem und in den Tempel; dadurch verkürzt sich sein Aufent- 
halt in Jerusalem um einen Tag. Die Heilwunder, die bei Mc 
in Jerusalem plötzlich aufhören, setzt Mt (21, 14) ein, aber nur 
mit einer summarischen Angabe, da ihm Beispiele nicht zur Hand 
sind. Die Hohenpriester (21, 15 — 17) regen sich nicht auf über 
das stürmische Auftreten Jesu im Tempel, welches nach Möglich- 
keit wirkungslos bleiben soll, sondern über seine Heilungen und 
über die Kinder, die das Osannarufen der Menge noch fortsetzen. 
Nach Lc. 19, 39. 40 sind vielmehr die Jünger die vtqttioi, vgl. Mt. 18, 
1 — 14. Bethanien fügt Mt (21, 17) hinzu, während es 21, 1 mit 
Recht fehlt. 



Mt. 21, 18ss. 105 

§ 58. Mt. 21, 18-22. 

Als er aber früh morgens wieder in die Stadt kam, hun- 
gerte ihn. *'Und da er einen Feigenbaum am Wege sah, ging 
er darauf zu, fand aber nur Blätter daran. Und er sprach zu dem 
Baum: nie mehr in Ewigkeit soll von dir Frucht kommen. Und 
der Feigenbaum verdorrte sogleich. '^Als das die Jünger sahen, 
staunten sie und sagten: wie ist der Feigenbaum sogleich ver- 
dorrt! ''Jesus aber hub an und sprach zu ihnen: Amen ich 
sage euch, wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so würdet 
ihr nicht bloß das am Feigenbaum Geschehene tun, sondern 
wenn ihr zu diesem Berge sagtet: heb dich und stürz in den 
See, so würde es geschehen. ''Und alles was ihr im Gebet 
verlangt, wenn ihr Glauben habt, so werdet ihr es empfangen. 
Der Hauptinhalt des seines Orts ausgelassenen § 56 wird nach- 
geholt und mit § 58 so eng verbunden, daß der zeitliche Zwischen- 
raum ganz wegfällt. Die augenblickliche Verwirklichung des Fluchs 
('Kapaxpr^\lOL 21, 19. 20) erregt die Verwunderung; nicht allein des 
Petrus, sondern der Jünger überhaupt. Daß der bei Mc lose an- 
gehängte Vers 11, 25 ausgelassen wird, erklärt sidh daraus, daß 
der Inhalt von Mt schon vielfach verwendet worden ist. Mit schein- 
barem Recht fehlt in 21, 19 die Angabe Mc. 11, 14: denn es 
war nicht die Zeit für Feigen. Über den Ursprung und Sinn des 
Fluchs über den Baum s. zu 24, 32. 

§59. Mt. 21, 23-32. 

Und er kam in den Tempel, und während er dort lehrte, 
traten die Hohenpriester und Ältesten des Volkes auf ihn zu 
und sagten: kraft welcher Macht tust du das und wer hat dir 
diese Macht gegeben? 'Uesus antwortete: Ich will euch auch 
etwas fragen; sagt ihr mir das, so werde auch ich euch sagen, 
kraft welcher Macht ich dies tue. '* Woher war die Taufe 
Johannes? vom Himmel oder von den Menschen? Sie über- 
legten bei sich: sagen wir vom Himmel, so wird er sagen: 
warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? "sagen wir aber 
von Menschen, so haben wir die Menge zu fürchten, denn sie 
halten Johannes alle für einen Propheten. *^Und sie ant- 
worteten Jesu: wir wissen es nicht. Hinwiederum sagte er 



106 Mt. 21, 23-30. 

zu ihnen; so sage auch ich euch nicht, kraft welcher Macht 
ich dies tue. 

.'^Was dünkt euch aber? Ein Mann hatte zwei Söhne, 
kam zu dem ersten und sagte; mein Sohn, geh, arbeite heute 
im Weinberge. "Er antwortete; ich habe keine Lust; hinter- 
her jedoch besann er sich eines besseren und ging hin. '°Da 
ging er zu dem zweiten und sagte ebenso zu ihm. Der ant- 
wortete; ja Herr! ging aber nicht hin. '^Wer von den beiden 
hat den Willen des Vaters getan? Sie sagten: der letzte. 
Jesus sprach zu ihm; Amen ich sage euch, die Zöllner und 
Huren kommen euch voraus in das Reich des Himmels. '* Jo- 
hannes ist zu euch gekommen mit dem Wege der Gerechtig- 
keit und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und Huren 
aber haben ihm geglaubt; ihr habt es gesehen und euch doch 
nicht hinterher eines besseren besonnen, so daß ihr an ihn 
glaubtet. 
21, 23 — 27. Bei Mt muß man verstehn, daß die Hohen- 
priester nicht fragen, woher Jesus die Befugnis habe, den Tempel 
zu reinigen, sondern woher er die Befugnis habe, zu lehren (Mc. 1, 
22. 27). 

21, 28. Mit dem beliebten Was dünkt euch? macht Mt den 
Übergang zu einem Gleichnis, welches trotz 21, 32 nicht mit dem 
vorhergehenden Stück zusammengehört. Das religiöse Verhältnis 
erscheint gewöhnlich in den Parabeln des Mt als Dienst, nicht als 
Kindschaft. Der Hausherr oder der König steht in der Regel den 
Knechten gegenüber. Hier aber der Vater den Söhnen. Doch 
auch von den Söhnen wird Dienst verlangt, sie müssen ebenfalls 
im Weinberg arbeiten wie die Knechte, wenngleich gutwillig. 

21, 28 — 31. Der Vaticanus nebst einer Gruppe von Minuskel- 
handschriften bringt die Verse 28 und 29 in umgekehrter Folge. 
Das ist falsch; denn wenn der erste Sohn sich bereit erklärt, hat 
der Vater keinen Anlaß, sich an den zweiten zu wenden. Warum 
aber sind die Verse umgestellt? Es läßt sich dafür durchaus kein 
anderer Grund auftreiben als die Absicht, die Paradoxie der Les- 
art 6 üaiepo? 21, 31 zu beseitigen, welche allen jenen Handschriften 
gemeinsam ist. Diese Lesart ist also älter als die Umstellung, und 
sie wird von den umstellenden Hss. in dem selben Sinne bezeugt, 
wie von denen, welche die Folge der vorhergehenden Verse nicht 
darnach geändert haben, nämlich von D, Syra S. und den meisten 



Mt. 21, 31. 32. 107 

Latinae. Mit vollem Recht hat Lachmann sie vorgezogen. Einen 
Theologen, der sie als sinnlos verwirft, fährt er an: ego exegeten 
tarn stultum non curo, qui se omnia interpretari posse dicat. Er 
gibt aber hernach selber den Sinn an mit den Worten des Hiero- 
nymus: si auiem novissimum (6 ücrtspo?) voluerimus legere, mani- 
festa est interpretatio : intellegere quidem veritatem Judaeos, sed 
tergiversari et nolle dicere quod sentiunt. Die Juden sagen nicht 
das, was Jesus erwartet, sondern das Gegenteil, ihm zu trotz; in 
der Absicht, die Prämisse nicht zu liefern, die er von ihnen her- 
auslocken will. 

21, 31. Die Gegner haben Jesu das, was er eigentlich sagen 
will, richtig abgeschnitten. Denn seine Antwort ist ein Zornes- 
ausbruch und keine Erklärung des Gleichnisses. 

21, 32 knüpft an 21, 31 an und deutet den Sinn der Parabel. 
Zwei Stände des jüdischen Volkes sollen mit einander verglichen 
werden im Punkte ihres Verhaltens zu Johannes dem Täufer. Der 
obere Stand soll dabei schlecht wegkommen, also müßte er mit 
dem Jasager in der Parabel gemeint sein. Die Hohenpriester fielen 
indessen nicht anfangs freudig dem Johannes zu, um dann hernach 
wieder abzufallen. Es scheint denn auch nach dem Wortlaut unseres 
Verses, worin fjieTep.eXTQ&rjTe ddiepov zurückschlägt auf 21, 29 oaiepov 
ji8Ta[i8XT]&8tc, daß sie vielmehr mit dem andern Sohne verglichen 
werden sollen, freilich e contrario. Der besann sich hinterher, sie 
jedoch besannen sich nicht, obwol ihnen die Zöllner und Huren 
mit gutem Beispiel vorangingen. Aber das ist verzwickt und fast 
wie lucus a non lucendo. So wenig nun wie die Hohenpriester 
in ihrem Verhalten zum Täufer irgend eine Ähnlichkeit mit einem 
der beiden Söhne der Parabel bieten, so wenig auch die Zöllner und 
Huren: sie haben gegenüber Johannes nicht nein gesagt und ja getan 
wie der erste Sohn, und auch nicht ja gesagt und nein getan wie der 
zweite. Also: der Vers 21, 32 soll zwar eine Erklärung des Gleich- 
nisses sein, ist aber keine. Das Verhältnis zu Johannes dem Täufer 
kann nicht das tertium comparationis sein. Damit sind wir nun 
für die Deutung des Gleichnisses auf uns selber angewiesen. Der 
Weinberg gibt die Sphäre an, in der wir zu suchen haben. Man 
muß hier aber nicht die christliche Gemeinde darunter verstehn, 
sondern das jüdische Volk. Juden, die schlechter sind als ihr 
Schein, die sagen und nicht tun (23, 3), werden anderen entgegen 
gesetzt, die besser sind als ihr Schein. Die letzteren sind die o/Xoi, 



106 Mt 21, 33-46. 

die breite Masse des Volks, die ersteren die davon Ausgesonderten 
nnd darüber Stehenden, vielleicht eher die Schriftgelehrten und die 
Pharisäer (23, 3), als die eigentlichen Regenten d. h. die Hohen- 
priester und Ältesten. Daß das Volk voransteht und die Elite folgt, 
ist ganz in der Ordnung. — Beim zweiten Satz unseres Verses fehlt 
in D und Syra S. das oö8e, so daß der Sinn entsteht: als ihr sähet, 
daß die Zöllner und Huren dem Johannes zufielen, da bereutet 
ihr, anfänglich auch an ihn geglaubt zu haben. Dadurch wird der 
unbegreifliche Vorwurf vermieden, daß die Hohenpriester sich nicht 
einmal durch den Zulauf der Zöllner und Huren zu Johannes be- 
wegen ließen, ihre ablehnende Haltung gegen ihn aufzugeben. Doch 
auch in diesem Wortlaut trifft der Vers 21, 32 mit der Hinein- 
ziehung Johannes des Täufers nicht die Meinung der Parabel. 
Denn die Schwierigkeit, die Zöllner und Huren unter diesem Ge- 
sichtspunkt mit einem der beiden Söhne zusammenzubringen, 
bleibt unverändert bestehn. Auch tritt an die Stelle der absurden 
Zusammenstellung der oö8e [i.eT0[[AeXT]8lvTic oaiepov mit dem ücjxepov 
[AexafjLsXYjOefe durch die Streichung der Negation nur eine andere 
Absurdität. Und außerdem widerspricht es der Tradition und der 
Wahrscheinlichkeit, daß die vornehmen Juden zwar die ersten 
waren, den Täufer anzuerkennen, hinterher aber davon zurück- 
kamen, weil auch der Pöbel ihm zulief. Die Negation ist also 
wol durch Korrektur in D und Syra S. gestrichen. Der Weg ist 
die Methode; er kam mit (Iv) = er brachte. Vgl. 22, 16 und 
687JYOI' 23, 16. 24. 

§ 60. Mt. 21, 33-46. 

Vernehmt ein anderes Gleichnis. Es war ein Hausherr, 
der pflanzte einen Weinberg und machte einen Zaun darum 
und hieb eine Kelter darin aus und baute einen Turm. Und 
er tat ihn aus an Pächter und zog in die Fremde. '*Als aber 
die Zeit der Früchte herankam, sandte er seine Knechte an 
die Pächter, um seine Früchte in Empfang zu nehmen. '^Und 
die Pächter nahmen seine Knechte, und einen schlugen sie, 
einen töteten sie, einen warfen sie mit Steinen. '^Weiter 
sandte er andere Knechte, mehrere als zuerst, und sie taten 
ihnen ebenso. ''Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, weil 
er meinte: vor meinem Sohn werden sie sich scheuen. '''Als 



Mt. 22, Iss. 109 

die Pächter aber den Sohn sahen, sprachen sie unter sich: das 
ist der Erbe, auf, laßt uns ihn töten, so werden wir sein Erbe 
bekommen. "Und sie nahmen ihn und führten ihn aus dem 
Weinberg heraus und töteten ihn. *°Wenn nun der Herr des 
Weinbergs kommt, was wird er diesen Pächtern tun? *'Sie 
sagten: er wird sie umbringen und den Weinberg anderen 
Pächtern austun, die ihm die Frucht zu ihrer Zeit abliefern. 
*' Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr niemals gelesen in der 
Schrift: der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist 
zum Eckstein geworden; von dem Herrn ist das geschehen 
und es ist wunderbar in unseren Augen! *'Darum sage ich 
euch, das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem 
Volke gegeben werden, das seine Früchte trägt. *'^Und da die 
Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, erkannten 
sie, daß er sie meine. **ünd sie suchten sich seiner zu be- 
mächtigen, fürchteten sich aber vor dem Volk, da es ihn für 
einen Propheten hielt. 

Die Pächter töten den Sohn nicht, wie bei Mc, innerhalb, son- 
dern außerhalb des Weinbergs (21, 39. Lc. 20, 15), d. h. vielleicht 
außerhalb Jerusalems auf Golgatha. Die Antwort (21, 41) wird 
nicht von Jesus selber gegeben, sondern von den Gegnern — was 
keine Verbesserung ist. Für das den Griechen geläufige xaxob; 
xaxcoc hat vielleicht ursprünglich xocxco; xaxw^ d. h. bisch bisch 

da gestanden, wie die Syrae S. und C. übersetzen; denn xaxoüc 

aÖTOü? paßt nicht gut zu einander. Aüty] 21, 42 ist Misverständnis der 
Septuag. Die Deutung 21, 43 (Früchte tragen statt F. abliefern) 
ist hinzugefügt; das Reich Gottes ist darnach erst ein Lehen der 
Juden gewesen und geht dann auf ein anderes Volk über, worunter 
auch jüdische und nicht bloß heidnische Christen verstanden werden 
können, da das l9vo<? nicht national, sondern moralisch charak- 
terisirt ist. Efc irpocpTfjxTjv (vgl. 21, 26) ist aramäisch. 

Mt. 22, 1-14. La 14, 16-24. 

Und Jesus hub an und sprach zu ihnen weiter gleichnis- 
weise also. 'Das Reich des Himmels gleicht einem Könige, 
der seinem Sohne Hochzeit machte. 'Und er sandte seine 
Knechte, um die Bestimmten zur Hochzeit zu laden, und sie 
wollten nicht kommen. '*Noch einmal sandte er andere Knechte 



110 Mt. 22, 2. 

und ließ den Geladeten sagen: ich habe mein Mahl gerüstet, 
meine Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet und alles ist 
bereit, kommt zur Hochzeit. ^Sie aber achteten darauf nicht 
und gingen der eine nach seinem Acker, der andere auf seinen 
Handel, *die übrigen griffen seine Knechte, mishandelten und 
töteten sie. ^Da erzürnte der König, schickte seine Heere aus 
und brachte jene Mörder um und verbrannte ihre Stadt. ® Darauf 
sagte er zu seinen Knechten : die Hochzeit ist bereit, die Ge- 
ladeten aber waren unwürdig, ^geht nun dahin, wo die Straßen 
sich kreuzen, und wen ihr findet, ladet zur Hochzeit. '^Und 
die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten alle zu- 
sammen, die sie fanden, Böse und Gute, und der Hochzeits- 
saal füllte sich mit Gästen. ^*Da nun der König eintrat, sich 
die Gäste anzuschauen, sah er dort einen Menschen, der kein 
Hochzeitskleid angezogen hatte, ^'und sprach zu ihm: Freund, 
wie bist du hergekommen und hast doch kein Hochzeitskleid? 
Er aber verstummte. ^^Da sagte der König zu den Auf- 
wärtern: packt ihn an Händen und Füßen und werft ihn in 
die Finsternis draußen — dort wird Gejammer sein und Zähne- 
knirschen. **Denn viele sind geladet, wenige aber erwählt. 
Den Quidam bei Lc. 14, 16, der für die Veranstaltung eines 
Gastmahls genügt, verwandelt Mt in einen König, weil Gott ge- 
meint ist, und zieht daraus die Konsequenzen, besonders in 22, 6. 7. 
Das Mahl, welches allerdings das messianische ist, faßt er auf als 
Hochzeit für den Sohn des Königs, d. i. für Jesus Christus. Da- 
durch wird er verhindert, Jesus als den Überbringer der Einladung 
zu betrachten; er verwandelt den singularischen Knecht des Lc in 
einen Plural von Knechten, worunter dann nur die Apostel ver- 
standen werden können. Sie laden die Juden durch die Predigt 
des Evangeliums ein, in das Reich Gottes einzutreten, stoßen aber 
bei den oberen Schichten auf geringschätzige Gleichgiltigkeit und 
finden nur bei den niederen Gehör, den p-ixpot und vt^tuioi, den Be- 
dürftigen und Hungrigen. Die gegenwärtige christliche Gemeinde 
wird mit der künftigen, verherrlichten zu einer Einheit zusammen- 
gefaßt; nur zum Schluß macht Mt einen Unterschied. 

22, 2. Der Übergang von SeiTrvov (Lc. 14, 16) zu 7a[i.oc oder 
^ajjLot ist leicht, in Lc. 12, 36 steht eins für das andere, und das 
aram. maschtiä bedeutet beides; vgl. die Septuaginta zu Gen. 19, 22. 
Esther 1, 5. 2, 18. Aber Mt versteht hier wirklich die Hochzeit 



Mt. 22,4-13. 111 

für den Sohn, ohne freilich an die Braut zu denken, an deren Stelle 
hier vielmehr die Gäste stehn. 

22, 4. 5. Die Großartigkeit der Schlachtung schickt sich für 
den König; indessen fehlen die Ochsen und Mastkälber in der 
Syra S. Die Hochzeit ist gewöhnlich ein Abendmahl; aptaiov mag 
seine Bedeutung abgeschliffen haben. ^löioc ist bloßes Possessiv; 
so auch sonst, z. B. 25, 14. 

22, 6. 7 fehlt bei Lc und fallt einigermaßen aus dem Bilde. 
Die Ablehnenden erscheinen bei Mt als Rebellen, weil der Ein- 
ladende der König ist. Die Juden sind gemeint und ihre Stadt ist 
Jerusalem. Sie wird zerstört wegen der Rebellion nicht gegen den 
Kaiser, sondern gegen das Evangelium, wodurch Gott sie zu seinem 
Reich einladet. Es ist aber nicht einfach von ihrer Zerstörung, 
sondern von ihrer Verbrennung die Rede. Das deutet darauf hin, 
daß diese beiden Verse erst nach dem Jahre 70 geschrieben sind. 

22, 8—10 lenkt wieder ein in das durch 22, 6. 7 durchbrochene 
Gleichnis und in Lc. Durch den Zusatz irovYjpoü? xs xat d^aftoü^ 
22, 10 bereitet Mt den Anhang vor, den er folgen läßt. 

22, 11 — 14 fehlt bei Lc und gehört nicht zu dem vorangehen- 
den Gleichnis. Die Leute hinter den Hecken sollen doch in ihren 
Lumpen kommen und nicht in Gala. Das Hochzeitskleid ist also 
eine inkonsequente Forderung. Es bedeutet natürlich die moralische 
Würdigkeit. Aber vorher wird der Unterschied gemacht zwischen 
den Juden, und zwar zwischen solchen, die Juden bleiben wollen, 
und solchen, die in die christliche Gemeinde eintreten. Hier da- 
gegen zwischen den Christen selber, und zwar zwischen würdigen 
und unwürdigen Mitgliedern der Gemeinde — das ist nachgetragen. 
Daß nur an einem Gast ein Exempel statuirt wird, genügt im Bilde. 
Außerhalb des Bildes entspricht dem Einzelnen eine Mehrheit von 
Unwürdigen, aber es sind immer Ausnahmen. 

22, 13. Die Lesart von D und Syra S., der ich in der Über- 
setzung gefolgt bin, empfiehlt sich formell durch die Parataxe der 
Sätze und inhaltlich dadurch, daß, wer in die Hölle geworfen werden 
soll, nicht erst noch lange gebunden zu werden braucht. Es ist 
eine im Kitäb alAghani oft bezeugte morgenländische Sitte, daß 
ein Gast bei Hof, der sich misliebig macht, bei den Füßen gepackt 
und hinausgeschleift wird; daß er hier bei Füßen und Händen 
gepackt wird, ist kein Unterschied, an dem man sich zu stoßen 
braucht. Die Aufwärter beim Mahl werfen den schmutzigen Gast 



112 Mt. 22, 15-22. 

gleich in die Hölle; ein Übergang wird hier so wenig gemacht wie 
in 25, 30. Es wird auch kein Übergang gemacht von den Worten 
des Königs zu den Worten Jesu oder des Schriftstellers : dort wird 
Gezeter sein usw. Alles liegt sorglos auf Einer Ebene. 

22, 14 ist eine Deutung, die nur auf 22, 11 — 13 und nicht 
auf das ganze Gleichnis paßt und zielt. Die xXtjtoi sind nicht die 
xexXyjjievot von 23, 3. 4, sondern die Zaungäste, d. h. die Mitglieder 
der Kirche, die aber zum Teil durch das Gericht ausgesichtet werden. 

§ 61. Mt. 22, 15-22. 

Darauf gingen die Pharisäer hin und faßten Beschluß, 
ihm mit einem Worte eine Falle zu stellen. *^ünd sie sandten 
ihre Jünger zu ihm mit den Herodianern, die sagten: Meister, 
wir wissen, daß du wahrhaftig bist und nach Wahrheit den 
Weg Gottes lehrst; denn du nimmst auf niemand Rücksicht 
und siehst keine Person an — '^sag uns also, was dünkt dich: 
ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? '® Jesus 
aber erkannte ihre Gedanken und sprach: ^'was versucht ihr 
mich, ihr Heuchler! bringt mir die Steuermünze! Sie brachten 
ihm einen Silberling. *®Und er sprach zu ihnen: wessen ist 
dies Bild und die Aufschrift? "Sie sagten: des Kaisers. 
Darauf sprach er zu ihnen: entrichtet also dem Kaiser, was 
des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist. "Und da sie es 
hörten, verwunderten sie sich, ließen ihn und gingen ab. 

Bei Mt sind die Pharisäer Subjekt zu dTroatsXXoüaiv (22, 15). 
Da sie aber nach der Vorlage auch das Objekt sein müssen und 
sich doch nicht selber schicken können, so schicken sie „ihre 
Jünger". Den letzten Satz vor § 60 (Mc. 12, 12) bringt Mt erst 
22, 22, weil die Pharisäer bei ihm schon seit 21, 45 auf der Szene 
sind und erst am Schluß von § 61 für eine Weile abtreten können. 
Ähnlich 22, 46 im Vergleich zu Mc. 12, 38. — In 22, 16 verdient 
der Nominativ Xs^ovie; durchaus den Vorzung vor dem scheinbar 
korrekteren Akkusativ Xs^ovi«^, vgl. zu Mc. 7, 19. 

§ 62. Mt. 22, 23-33. 

An dem selben Tage kamen die Sadducäer zu ihm, die da 
sagen, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn: **Meister, 



Mt. 22, 23 SS. 113 

Moses hat gesagt, wenn jemand ohne Kinder stirbt, so soll 
sein Bruder die verwitwete Schwägerin nehmen und seinem 
Bruder Nachkommen erzeugen. '*Nun waren bei uns sieben 
Brüder, der erste heiratete und starb, und da er keine Nach- 
kommen hatte, hinterließ er sein Weib seinem Bruder. '^Ebenso 
auch der zweite und der dritte und alle sieben. '^Zuletzt 
nach allen starb auch das Weib. *®Bei der Auferstehung nun, 
wessen Weib wird sie sein, von den sieben? sie haben sie ja 
alle gehabt. ''Jesus antwortete ihnen: Ihr irrt und kennt 
weder die Schriften, noch die Macht Gottes. '^Denn in der 
Auferstehung freien sie nicht und werden nicht gefreit, sondern 
sie sind wie die Engel im Himmel. '*Habt ihr aber über die 
Auferstehung der Toten nicht gelesen, was euch von Gott ge- 
sagt ist in dem Wort: ich bin der Gott Abrahams und der 
Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist nicht Gott von 
Toten, sondern von Lebendigen. *'Und da das Volk es hörte, 
staunte es über seine Lehre. 

In 22, 24 fehlt der letzte Satz (xal dvaatT^aet xtX.) in der Syra 
S. Das hält Blaß für richtig, aber der Beweis dafür, den er in 
der Vorrede zu seiner Ausgabe des Mt führt, ist misglückt. Er 
sagt, dvtaxdvat stehe nicht im Lexikon des Mt. Indesseii als tran- 
sitives Verb kommt es auch bei Mc und Lc nur an dieser Stelle 
vor, wo es der Septuaginta entlehnt ist. Dort wird es nämlich 
regelmäßig gebraucht in der Wiedergabe der hebräischen Redeweise 
heqim zera oder schem. Die Septuagintastelle, welche speziell 
zu gründe liegt, ist nicht Deut. 25, 5, wie man gewöhnlich an- 
nimmt, sondern Gen. 38, 8: eTtqdfißpeüaai «üttjv xal dvdaiyjaov 
ofTTspixa xü> döeX9(p aou. Mt gibt sie wörtlicher wieder als Mc und Lc, 
indem er auch den eigentümlichen Ausdruck iTct^afißpeustv übernimmt, 
der in der Septuaginta nur hier in der Genesis, bei Aquila auch 
im Deuteronomium vorkommt. 'Ev ttq dvaaxdast 22, 30 = in dem 
Zustand des Auferstandenseins. 



§63. Mt. 22, 34-40. 

Da aber die Pharisäer hörten, daß er die Sadducäer zum 
Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich, "und einer 
von ihnen, ein Gesetzeslehrer, versuchte ihn mit der Frage: 
'^Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz? *'Er sprach 

Wellhaaseu, Evang. Matthaei. S 



114 Mt. 22, 34-46. 

zu ihm: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem 
Herzen und mit ganzer Seele und mit ganzem Gemüte. ^^Dies 
ist das größte und oberste Gebot. '^Das zweite gleichwertige ist: 
du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. *°In diesen 
beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. 
Nach der Unterbrechung § 62 fuhrt Mt trotz 22, 22 seine 
Pharisäer in § 63 und 64 doch wieder ein, gegen Mc. Er denkt 
sich den Schriftgelehrten (hier vo[xix6?, nicht ^pafifiaieu?) von ihnen 
angestiftet, um Jesus zu versuchen. Die zweite Hälfte seiner Vor- 
lage (Mc. 12, 32 — 34), wo der Mann sein Wolgefallen an Jesus 
und Jesus sein Wolgefallen an ihm ausspricht, übergeht er; gleich 
als ob er einen unparteiischen und verständigen Rabbi sich nicht 
vorstellen könnte. 

§64. Mt. 22, 41-46. 

Wie aber die Pharisäer beisammen waren, fragte Jesus 
sie: '^'was dünkt euch von dem Christus, wessen Sohn ist er? 
Sie sagten: Davids. "Er sprach: Wie kann ihn denn David 
im Geist Herr nennen in dem Worte: **der Herr hat gesagt 
zu meinem Herrn: setz dich zu meiner Rechten, bis ich deine 
Feinde unter deine Füße lege! ^*Wenn also David ihn Herr 
nennt, wie ist er denn sein Sohn? *^Und niemand konnte 
ihm ein Wort erwidern, und es wagte auch keiner von jenem 
Tage an noch weiter zu fragen. 

Auch hier erscheinen noch die Pharisäer, darum wird der 
Schluß von § 63 (Mc. 12, 34) an den Schluß von § 64 (Mt. 22, 46) 
versetzt, obwol in § 64 Jesus gar nicht mehr gefragt wird, sondern 
selber fragt. Daß die Jünger die Wiederkunft des Elias als rab- 
binisches Theologumenon bezeichnen, hat Mt (19, 10) sich gefallen 
lassen; daß aber Jesus selber die Abkunft des Messias von David 
für eine bloße Meinung der Schriftgelehrten ausgibt (Mc. 12, 35), 
läßt er (22, 42) nicht hingehn. 

§ 65. Mt. 23. 

Darauf redete Jesus zu dem Volke und zu seinen Jüngern 
und sprach: ^Auf Moses' Stuhl sitzen die Schriftgelehrten 
und die Pharisäer. 'Alles nun, was sie euch sagen, das tut 



Mt. 23, Iss. 115 

und haltet; nach ihren Werken aber tut nicht, denn sie sagen 
nur und tun nicht. *Denn sie bündeln schwere Lasten und 
legen sie den Menschen auf die Schulter, wollen sie aber selber 
nicht mit einem Finger bewegen. *Alle ihre Werke tun sie 
zur Schau vor den Leuten. Denn sie machen ihre Gebets- 
riemen breit und die Kleiderquasten lang ®und sitzen gern 
obenan beim Mahl und in den Synagogen ^und wollen gegrüßt 
sein auf den Straßen und sich von den Leuten Rabbi nennen 
lassen. ^Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn 
einer ist euer Meister, und ihr seid alle Brüder. ^Auch 
Vater nennt euch nicht auf Erden, denn einer ist euer Vater, 
der im Himmel. [^^Auch Meister sollt ihr euch nicht nennen 
lassen, denn einer ist euer Meister, der Christus]. *^Der 
Größte unter euch soll euer Diener sein. *'Wer sich erhebt, 
wird erniedrigt, uud wer sich erniedrigt, erhoben werden. 

*'Wehe euch. Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! 
Ihr schließt das Reich des Himmels vor den Leuten zu, ihr 
selber tretet nicht ein und laßt auch die, die eintreten wollen, 
nicht gewähren. '^Wehe euch. Schriftgelehrte und Pharisäer, 
ihr Heuchler! Ihr durchzieht Meer und Land, um einen ein- 
zigen Proselyten zu machen, und ist er es geworden, so macht 
ihr aus ihm ein Kind der Geenua, noch einmal so schlimm 
wie ihr seid. '^Wehe euch, blinde Führer! Ihr sagt: wer 
beim Tempel schwört, das macht nichts; aber wer beim Golde 
des Tempels schwört, der ist gebunden. "Ihr Toren und 
Blinden, was ist größer, das Gold oder der Tempel, der das 
Gold heiligt? '^Ferner: wer beim Altar schwört, das macht 
nichts, aber wer bei dem Opfer, das darauf liegt, schwört, der 
ist gebunden. ^'Blinde, die ihr seid! Denn was ist mehr, 
das Opfer oder der Altar, der das Opfer heiligt? '''Wer also 
beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was 
darauf ist, *^und wer beim Tempel schwört, der schwört bei 
ihm und bei dem, der darin wohnt, '^und wer beim Himmel 
schwört, der schwört beim Throne Gottes und bei dem, der 
darauf sitzt. ''Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer! 
Ihr verzehntet Minze, Dill und Kümmel und laßt dahinten das 
Schwerste im Gesetz, das Recht und die Barmherzigkeit und 
die Treue — dies sollte man tun und jenes nicht lassen. 
"Ihr blinden Führer, die Mücke seiht ihr und das Kamel 

8* 



116 Mt. 23, l8S. 

verschluckt ihr. **Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, 
ihr Heuchler! Ihr reinigt das Äußerliche, Becher und Schüssel, 
inwendig aber strotzt ihr von Raub und böser Gier! '^Blinder 
Pharisäer, reinige zuerst was drinnen ist im Becher, daß auch 
das Auswendige daran rein werde. '^Wehe euch. Schrift- 
gelehrte und Pharisäer! Ihr ähnelt getünchten Gräbern, die 
von außen hübsch aussehen, inwendig aber voll sind von 
Totengebein und Unreinheit aller Art: '®so erscheint auch ihr 
von außen den Leuten gerecht, inwendig aber seid ihr voll 
Heuchelei und Frevel. '^Wehe euch, Schriftgelehrte und 
Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr baut den Propheten Gräber und 
errichtet den Gerechten zierliche Denkmäler '^und sagt: hätten 
wir in den Tagen unserer Väter gelebt, so hätten wir uns 
nicht mitschuldig gemacht an dem Blute der Propheten. "Da- 
mit bezeugt ihr selbst, daß ihr Söhne der Prophetenmörder 
seid, ^'wachset euch aus zum Maße eurer Väter! "Ihr 
Schlangen, ihr Otterngezücht, wie wollt ihr der Verurteilung 
zur Geenna entgehn! 

"Darum sende ich zu euch Propheten und Weise und 
Schriftgelehrte, und ihr werdet etliche töten und kreuzigen, 
und etliche geißeln in euren Synagogen und verfolgen von 
Stadt zu Stadt, '^damit über euch komme alles unschuldige 
Blut, das vergossen ist im Lande von dem Blut Abels des 
Gerechten an bis auf das Blut Zacharias des Sohnes Barachias, 
den ihr gemordet habt zwischen Tempel und Altar. '®Amen 
ich sage euch, alles dies (Blut) ward über das gegenwärtige 
Geschlecht kommen. '^Jerusalem Jerusalem, die du tötest die 
Propheten und die zur dir Gesandten steinigst, wie oft habe 
ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küch- 
lein unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt! 
'^Siehe euer Haus soll euch wüste liegen gelassen werden. **Denn 
ich sage euch: ihr werdet mich von nun ab nicht sehen, bis 
ihr sprecht: gesegnet der da kommt im Namen des Herrn! 
Mt hat den § 65 zu einem großen Redestück verarbeitet, unter 
Verwertung von Q (Lc. 11, 37 — 52. 13, 34. 35) und anderem schon 
in der Bergpredigt benutzten .Material, und darüber den § 66 
unter den Tisch fallen lassen. Die Anrede ist bei Mc (12, 37. 38) 
an das Volk gerichtet, bei Mt (23, 1) wegen 23, 8 — 12 auch an 
die Jünger. Mc redet nur von den Schriftgelehrten, die auch allein 



Mt. 23, 2-15. 117 

auf den Stuhl Moses gehören, Mt faßt die Schriftgelehrten und 
die Pharisäer zusammen, Lc (11, 39. 46) unterscheidet beide 
künstlich. 

23, 2. 3 ohne Parallele. ' Exafttoav ist präsentisch, nach semi- 
tischer Redeweise. Zu 23, 3 am Schluß vgl. 21, 30. 

23, 4 (Lc. 11, 46). Für 8s(jfi.euoü(jtv hat vielleicht im Urtext 
„sie machen Bande" gestanden und dahinter ein Vau: sie schaffen 
Bande und schwere Lasten und legen sie anderen auf. 

23, 6. 7 a (liC. 11, 43 vgl. 14, 8) aus Mc. 12, 38. 39. 

23, 7 b — 10 ohne Parallele. Die Jünger werden zwar auch 
hier mit den Schriftgelehrten auf eine Linie gestellt, sollen sich 
aber nicht Rabbi nennen lassen. Das griechische StSaaxaXo^ 23, 8 
stört, wenn vorher das aram. pofßßt steht; es konnte freilich nicht 
gut pa^^yßyv in der griechischen Übersetzung beibehalten, wol aber 
StSotaxaXe auch für pofßß» gesagt werden, ähnlich wie in 23, 10. 
Man beachte, daß die Anrede paßßi oder StSaaxaXs hier für Jesus 
und für ihn allein gefordert wird, während sie anderswo bei Mt 
und Lc schon zu geringfügig für ihn ist und durch xöpie (märi) 
ersetzt wird. „Ihr sollt nicht euren Vater nennen auf Erden" 
(23, 9) hört sich sonderbar an; man sollte [XTjSeva für [atq erwarten. 
Für öjicüv bieten D und Syra S. ufxiv (Aramaismus für up-ac): ihr sollt 
euch nicht Vater nennen; aber auch das befriedigt nicht ganz. Den 
Vers 23, 10 streicht Blaß mit Recht, es ist eine bloße Variante 
zu 23, 8. 

23, 11. 12 wie Mc.9, 35. 10, 43 (Mt. 20, 26) und Lc. 14, 11. 
18, 14. 

23, 13—33 (Lc. 11, 37—52). In den sieben Weherufen tritt 
an stelle der bisher für die Schriftgelehrten gebrauchten dritten 
Pluralis die zweite, wie bei Lc. 11, 37ss., während in den sieben 
Makarismen bei Mt die dritte Person durchgeht. 

23, 13. 15 nur bei Mt. Das Reich des Himmels ist hier wie 
so oft wie bei Mt die christliche Gemeinde; die Rabbinen verbieten 
den palästinischen Juden, die es gerne möchten, Proselyten des 
Evangeliums zu werden, während sie selbst auf einen einzigen 
Proselyten in weiter Ferne Jagd machen. Der historisch interessante 
Vers 23, 15 steht mit 23, 13 in enger Verbindung; dazwischen ist 
der schlecht bezeugte Vers 23, 14 interpolirt. Für schlimmer 
als ihr (23, 15) würde man erwarten schlimmer als zuvor, 
wie 12, 45. 



118 Mt. 23. 16-31. 

23, 16—22 dem Mt eigentümlich, wie 5, 34 ss. Blaß hält den 
Passus für unecht, weil er den Zusammenhang unterbreche. Diesen 
kritischen Grundsatz darf man aber bei den Kompositionen des 
Mt nur sehr vorsichtig anwenden. Außerdem besteht Zusammen- 
hang wenigstens nach hinten , mit 23, 23. und ohne dies Wehe 
würde die Siebenzahl nicht voll. 

23, 23 (Lc. 11, 42). Kptau (mischpat) und Tciatic (emüna) 
sind hier ebenso wie iXeoc menschliche Eigenschaften; der Gegen- 
satz ist ähnlich wie in Mc. 7, 10. 11. „Dies sollte man tun und 
jenes nicht lassen" schwächt ab und soll das auch tun. Der Ge- 
danke soll nicht aufkommen, daß Jesus mit der Polemik gegen die 
Schriftgelehrten auch gegen das Gesetz polemisire. 

23, 25. 26 (Lc. 11, 39. 40) enthält die Quintessenz von Mc. 7, Iss. 
Nach der ursprünglichen Meinung von 16, 25 ist xoö ttottjpioü xi\ 
T^c Tcap6t|;t8o^ Genitivus exegeticus zu ti Ifcoftsv; die Geföße selber 
sind das Äußerliche. Allerdings, in 23, 26 werden sie als Metapher 
für Menschen genommen, und das Äußere der Gefäße (d. h. der 
Menschen) wird von dem Inneren der Gefäße unterschieden. Aber 
das ist gewiß ein altes Misverständnis. Wenn die Gefäße Menschen 
bedeuten sollten, so hätte in 23, 25 nicht neben dem Becher auch 
noch die Schüssel genannt werden dürfen. Sie wird deshalb in 
23, 26 auch ausgelassen. In der Form weicht der Vers dadurch von 
dem Übrigen ab, daß die Anrede singularisch ist und sich nicht 
auch an die Schriftgelehrten richtet. 

23, 27 lautet bei Lc. 11, 44 anders. Die Auslegung 23, 28 
generalisirt etwas reichlich. Man könnte vielmehr geneigt sein den 
Vers 23, 27 so zu verstehn: die Rabbinen sind ein lackirter Be- 
hälter für geistige Fossilien; die alten Satzungen, die sie aufputzen, 
machen ihr Inneres zu Moder und Tod. Aber das wäre doch wol 
zu modern. 

23, 29—31 hängt bei Lc (11, 47. 48) nicht mit dem Vorher- 
gehenden zusammen und hat innerlich damit nichts zu tun, sondern 
ist von Mt nur ad vocem xofcpot hierher gesetzt. Die Anrede geht 
schon hier (nicht erst 23, 34 ss.) von den Schriftgelehrten und 
den Pharisäern zu den Juden überhaupt über. Die Juden im all- 
gemeinen sind es, die den Propheten, die ihre Väter getötet haben, 
Grabmäler errichten, gleichsam als Sühnkapellen, um jede Mit- 
schuld von sich abzuwälzen. Sie werden dabei aber doch die Ge- 
meinschaft mit ihren Vätern nicht los (23, 31), sondern ernten die 



Mt. 23,32— 36. 119 

Früchte von deren Freveln: denn wenn jene keine Märtyrer ge- 
macht hätten, könnten sie keine verehren. Es muß darnach schon 
bei den Juden eine Art Märtyrerkultus bestanden haben. Die 
grausame Ironie fällt auf, womit er behandelt wird; sie trifft 
eigentlich den christlichen Märtyrerkultus ebenso gut. 

23, 32. 33 nur bei Mt. Jesus sagt: macht es nur gleich ganz 
ebenso wie eure Väter, verehrt nicht nur die alten Märtyrer, sondern 
schafft auch neuen Vorrat — nämlich dadurch, daß ihr mich und 
meine Jünger verfolgt und hinrichtet. Die Juden halten nur die 
toten Propheten heilig, die lebenden töten sie — das ist der 
Grundgedanke von 23, 29 — 32, der sich dann in 23, 34ss. fortsetzt. 
Der Schluß (23, 33) ist aus 3, 7 entlehnt. 

23, 34—36 (Lc. 11, 49—51). Die Anrede an die Schrift- 
gelehrten und Pharisäer wird hier auch formell fallen gelassen. 
Ata TOüTo schließt bei Lc direkt an 23, 31 an, 

23, 34. Jesus zitiert nicht, sondern redet im eigenen Namen 
und zwar von der Aussendung seiner Jünger. Denn charak- 
teristische Aussagen von Kap. 10 kehren hier wieder, nämlich die 
Geißelung in den Synagogen (10, 17), und namentlich die Verfol- 
gung von Stadt zu Stadt (10, 23). Daß die Jünger nicht bloß 
Propheten sondern auch Weise und Schriftgelehrten heißen, be- 
fremdet bei Mt durchaus nicht; Lc. sagt: Propheten und Apostel. 

23, 35. 36. Das gegenwärtige Geschlecht soll die Sünden der 
Väter ausbaden, nämlich durch die Zerstörung Jerusalems; über 
das gegenwärtige Geschlecht wird die Rache für das ganze un- 
schuldige Blut (der Propheten und Gerechten) kommen, das von 
Anfang der Geschichte bis jetzt vergossen ist, natürlich nicht auf 
der Erde, sondern im israelitischen Lande. Daß auch der Mord 
Abels im Lande, d. h. in Palästina, begangen ist, entspricht durch- 
aus der Vorstellung von Genesis 4. Wer Zacharias der Sohn des 
Barachias sei, darüber wird gestritten. Nach dem Vorgange des 
Hebräerevangeliums sucht man ihn jetzt gewöhnlich (z. B. Schürer' 
I 619) in einem nur in der s. g. biblischen Chronik (II 24, 20. 21) 
erwähnten Priester Zacharia ben Jojada, der auf Befehl des Königs 
Joas von Juda im Vorhof des Tempels getötet sein soll, in der 
Mitte des neunten Jahrhunderts vor Chr. Dies ist aber ein ver- 
mutlich erst von der Chronik zu einem bestimmten Zweck erfun- 
dener und jedenfalls ganz obskurer Mann, dessen Bekanntschaft 
bei den Zuhörern oder den Lehrern nicht vorausgesetzt werden 



120 Mt. 23, 35. 36. 

konnte: Jesus selber mag von ihm und von dem Buch der 
Chronik überhaupt wenig gewußt haben, die Gelehrten des Hebräer- 
evangeliums haben ihn aufgespürt. Er wird auch nicht zwischen 
Tempel und Altar getötet, sondern draußen im Vorhof des Tempels. 
Was endlich das Entscheidende ist: sein Blut kann nicht als das 
letzte vergossene Blut eines Gerechten dem Abels, als dem ersten, 
entgegengesetzt werden; denn nach ihm haben die Juden noch 
viele Propheten und Gerechte getötet, z. B. unter König Manasse 
und unter König Jojakim. Und um dies ganz und gar nichts- 
nutzige Resultat zu gewinnen, zahlt man einen solchen Preis, daß 
man den Vatersnamen Barachias bei Mt unbedenklich mit Jojada 
gleichsetzt! Gegen Ende des achtzehnten und am Anfang des 
neunzehnten Jahrhunderts herrschte eine andere Erklärung, die 
übrigens schon von W. Whiston in seiner Übersetzung des Josephus 
(London 1737) als bekannt vorausgesetzt und in einer Tübinger 
Dissertation von J. A. Oslander (1744) vertreten wird. Darnach 
ist der Zacharias Sohn des Bariscaeus gemeint, der nach Joseph. 
Bellum 4, 335 kurz vor der Belagerung Jerusalems durch die Römer 
A. D. 67 oder 68 von den Zeloten umgebracht wurde. Sein Blut wurde 
wirklich mitten im Heiligtum vergossen, und es konnte mit Fug 
als das letzte Blut eines Gerechten gelten, welches floß, so lange 
die Theokratie noch bestand. Der grauenvolle Frevel rief allge- 
meines Entsetzen hervor und gab zu dem Gedanken Anlaß, daß 
der göttliche Zorn darüber nur durch die Zerstörung des Tempels 
gesühnt werden könne. Dieser Zacharias paßt also sachlich ganz 
vortrefflich. Sein Vatersname, wie er in unserem Josephustexte 
steht, weicht allerdings ebenfalls von Barachias ab. Die Über- 
lieferung schwankt; Bariscaeus, aus dem Baris verstümmelt zu 
sein scheint, verdient wol den Vorzug vor Baruch, kann aber doch 
auch nicht richtig sein, da ein solcher jüdischer Name nicht 
existirt. Vielleicht ist Bapt^aroc zu schreiben. Jedenfalls erinnert 
der bei Josephus entstellte Name stark an Baruch, worin er von 
einigen Hss. verbessert wird, und noch mehr an Barachias (= Baruch). 
Und spaßhaft ist es, wenn Exegeten, die an der Gleichung Ba- 
rachias = Jojada keinen Anstoß nehmen, sich plötzlich gegen die 
Gleichung Barachias = Bariscaeus sehr skrupulös geberden. Sie 
haben in Wirklichkeit keine Gründe, um den Zacharias der Chronik 
vor dem Zacharias des Josephus vorzuziehen, sondern nur ein Motiv. 
Sie wollen nicht zugeben, daß in Reden Jesu auf ein Ereignis 



Mt. 23, 37. 38. 121 

Bezug genommen wird, das erst einige dreißig Jahre nach seinem 
Tode eingetreten ist. Man darf aber deshalb, weil die meisten 
Reden Jesu, wenigstens ihrem Stoffe nach, auf eine verhältnismäßig 
frühe Zeit führen, die Instanzen nicht vergewaltigen, die bei anderen 
Reden darauf hinweisen, daß sie einer verhältnismäßig späten Zeit 
angehören, z. B. die Weissagung 22, 7, daß Jerusalem verbrannt 
werden solle, und namentlich 23, 38, daß es in Trümmern liegen 
bleiben solle. Es macht ja auch prinzipiell gar keinen Unterschied, 
ob Jesus, wie gewöhnlich in den Reden bei Mt, in der Zeit der 
Verfolgungen der jüdisch-christlichen Gemeinde seinen Standpunkt 
nimmt, oder in der Zeit kurz vor der Zerstörung Jerusalems, einige 
Jahre später. Was dabei herauskommt, wenn man auf grund eines 
vorherrschenden Eindrucks einzelne widersprechende Erscheinungen 
aus dem Wege räumen will, lehrt die Kritik der Psalmen. Wie 
lange hat man das Vorkommen makkabäischer Psalmen geleugnet! 
und gefruchtet hat es nichts. Mt ist doch auch ein Sammelwerk, 
wenn gleich nicht ganz in dem selben Sinne wie der Psalter. 
Wann der letzte Redaktor geschrieben hat, darüber läßt sich nichts 
Positives sagen; der terminus ad quem, braucht nicht über das 
Jahr 100 vorgerückt zu werden. Und bei Lc steht die Sache 
nicht anders. 

23, 37—39 steht bei Lc (13, 34. 35) in anderem Zusammen- 
hang, aber in übereinstimmendem Wortlaut, wohingegen 23, 13—33 
von Lc. 11, 37—52 in der Reihenfolge des Inhalts und in der Aus- 
drucksweise stark abweicht. Jesus ist der Redende, hier so gut 
wie 23, 34. 18, 20. Er hat durch seine Apostel immer wieder Ver- 
suche gemacht, die Juden in seiner Gemeinde (k'nischta) zu 
sammeln (k'nasch) und vordem drohenden Zorn Zuflucht zu ge- 
währen, aber vergebens. 

23, 37. Die hebräische Form Jerusalem findet sich bei Mt 
nur hier;, bei Lc herrscht sie und ebenso in der lucianischen Re- 
zension des 2. Macc. FIpö; aötr^v für Tcpoc oe erklärt sich daraus, 
daß die Semiten im Attribut und Relativsatz zum Vokativ die 
dritte Person vorziehen. 

23,38. Euer Haus ist wol eher Jerusalem, als der Tempel, 
der sonst das Haus Gottes heißt. Die Stadt wird nicht etwa erst 
verwüstet werden, sondern sie ist bereits verwüstet und soll in 
Trümmern liegen bleiben. Über die Bedeutung von dcpteiai 
(24, 41) haben die alten Versionen nicht gezweifelt: nescht'beq. 



122 Mt. 24, Iss. 

relinquetur. Die neueren Exegeten machen die Augen zu und denken 
an dies und das. 

23, 39. Jesus setzt seinen Tod oder sein Verschwinden (oi 
fxT] fxe tär^Ts) mehr voraus, als daß er es weissagt; er weissagt 
hauptsächlich seine Wiederkunft. Seine Parusie fällt hier, wie es 
scheint, nicht mit der Zerstörung Jerusalems zusammen; es liegt 
ein Zeitraum dazwischen, während dem die Stadt wüste bleibt. 

§ 67. 68. Mt. 24. 

Und Jesus ging aus dem Tempel weg, und seine Jünger 
traten zu ihm, um ihm die Bauten des Tempels zu zeigen. 
'Er aber antwortete ihnen: seht ihr nicht das alles? Amen 
ich sage euch, es wird hier kein Stein auf dem andern bleiben, 
der nicht abgebrochen werde. 

^Da er aber auf dem Ölberge saß, traten die Jünger für 
sich zu ihm und sagten: sag uns, wann wird das geschehen? 
und was ist das Zeichen deiner Ankunft und des Endes der 
Welt? *ünd Jesus antwortete und sprach zu ihnen: *Habt 
acht, daß euch niemand irre führe; denn viele werden kommen 
in meinem Namen und sagen: ich bin der Christus, und sie 
werden viele irre führen. ®Ihr werdet hören von Kriegen und 
Kriegsgerüchten; habt acht, laßt euch nicht aufregen — es 
muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. ^Ein Volk 
wird sich erheben wider das andere und ein Reich wider das 
andere, es wird Hungersnöte geben und Erdbeben hie und da 
— ®das alles ist nur der Anfang, die Wehen. ®Dann werden 
sie euch in Drangsal übergeben und töten, und ihr werdet 
von allen Völkern gehaßt werden um meines Namens willen. 
^°ünd dann werden viele zu Fall kommen, und einer wird 
den andern verraten und hassen. ^^Und viele falsche Propheten 
werden auftreten und viele irre führen. ^"Und weil der Frevel 
überhand nimmt, wird die Liebe der meisten erkalten. ^'Wer 
aber ausharrt bis an das Ende, wird gerettet werden. **Und 
dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt ver- 
kündet und allen Völkern bezeugt werden; dann erst wird das 
Ende kommen. 

^^Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung stehn seht 
an heiliger Stätte, von dem gesagt ist durch den Propheten Da- 



Mt. 24, Iss. 123 

niel — der Leser merke darauf — , ^^dann mögen die Leute 
in Judäa auf die Berge fliehen; '^wer auf dem Dach ist, steige 
nicht herab, die Sachen in seinem Hause zu holen, **und wer 
auf dem Felde ist, kehre nicht heim, seinen Mantel zu holen. 
^^Wehe aber den Schwangeren und säugenden Müttern in 
jenen Tagen. *°Betet aber, daß eure Flucht nicht im Winter 
oder am Sabbat geschehe. "Denn es wird dann eine große 
Drangsal sein, wie keine war von Anfang der Welt bis jetzt 
und auch keine sein wird. ''Und wenn die Tage nicht ver- 
kürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet; doch wegen der 
Erwählten werden jene Tage verkürzt. ''Wenn euch dann 
jemand sagt: hier ist der Christus oder da, so glaubt es nicht. 
'*Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten auftreten 
und große Zeichen und Wunder verrichten, so daß sie wo 
möglich auch die Erwählten verführen. ''^ Siehe, ich habe es 
euch vorausgesagt. '*Wenn sie also zu euch sagen: „siehe, er 
ist in der Wüste", so geht nicht hinaus, „siehe er ist im 
Winkel", so glaubt es nicht. ^^Denn wie der Blitz im Osten 
hervorbricht und bis zum Westen leuchtet, so ist die Ankunft 
des Menschensohnes. '*Wo das Aas ist, da sammeln sich die 
Geier. 

'* Alsbald aber nach der Drangsal jener Tage wird die 
Sonne sich verfinstern und der Mond nicht scheinen, und die 
Sterne werden vom Himmel fallen und die Himmelsmächte in 
Schwanken geraten. '°ünd dann erscheint das Zeichen des 
Menschensohnes am Himmel, und alle Geschlechter der Erde 
werden wehklagen, und sie werden den Menschensohn kommen 
sehen in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herr- 
lichkeit. "Und er wird seine Engel senden unter lautem 
Schall der Posaune, und sie sammeln seine Erwählten von 
den vier Winden her, von einem Ende der Erde bis zum 
andern. 

''Vom Feigenbaum nehmt das Gleichnis ab. Wenn sein 
Zweig saftig wird und Blätter treibt, so merkt, daß die Ernte 
nahe ist. "So auch ihr, wenn ihr dies alles seht, so merkt, 
daß sie nahe vor der Tür ist. '*Amen ich sage euch, dies 
Geschlecht wird nicht vergehn, bis dies alles geschieht. '^Himmel 
und Erde werden vergehn, aber meine Worte werden nicht 
vergehn. '^Über den Tag und die Stunde jedoch weiß niemand 



124 Mt. 24, 3. 4. 

Bescheid, auch die Engel im Himmel nicht und der Sohn, 
sondern nur der Vater. "Wie in den Tagen Noe, so wird 
es auch sein bei der Ankunft des Menschensohns. '^Denn 
wie sie in den Tagen der Flut aßen und tranken, freiten und 
heirateten, bis zu dem Tage, wo Noe in die Arche ging, ''und 
nicht zur Einsicht kamen, bis die Flut eintrat und alle hinraffte, 
so wird es auch sein bei der Ankunft des Menschensohns. *®Dann 
werden zwei Männer auf dem Felde sein, einer wird aufge- 
nommen und einer zurückgelassen, **zwei Weiber mahlen an 
der Mühle, eine wird aufgenommen und eine zurückgelassen. 
*'Also wacht, denn ihr wißt nicht, an welchem Tage euer 
Herr kommt. *' Das seht ein: wenn der Hausherr wüßte, zu 
welcher Zeit der Nacht der Dieb kommt, so würde er wachen 
und nicht in sein Haus einbrechen lassen. ^* Darum seid auch 
ihr bereit, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht denkt, kommt 
der Menschensohn. 

'•"W^er ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr 
über sein Gesinde gesetzt hat, ihnen zur rechten Zeit die 
Speise auszuteilen? *'Selig der Knecht, den der Herr bei 
seiner Ankunft also findet! *'Amen ich sage euch, er wird 
ihn über all sein Gut setzen. *^Wenn aber ein schlechter 
Knecht bei sich denkt: mein Herr bleibt noch lange aus, *®und 
anfängt seine Mit knechte zu schlagen und ißt und trinkt mit 
den Prassern, *°so wird der Herr jenes Knechtes kommen an 
einem Tage, da er es nicht ejwartet, und zu einer Stunde, 
die er nicht weiß, *'und wird ihn zerstückeln und ihm sein 
Teil geben unter den Heuchlern; da wird Gejammer sein und 
Zähnekirschen. 

24, 3. Mt setzt an stelle der Intimen, die er auch in 9, 23 
nicht nennt, die Jünger überhaupt, napoüota und aüvxsXsta toü 
afcovo; findet sich in den Evangelien nur bei Mt. Ersteres ist 
metita, adventus, eXsüatc (Lc. 23, 42 D); vgl. Mal. 3, 1. Zach. 14,5 
und besonders Dan. 7, 13 Sept.: ü)c uEöc dvöpcuTroü ripx^Ko xal a>c 
TraXaw f^jiepÄv Trap^v. Daher 6 ep^ofAsvoc Mt. 11, 3 und ad ve- 
nire im 4 Esdrae. Vorstellung und Ausdruck ist vom jüdischen 
Messias auf den christlichen übertragen. Denn von Jesus wäre kein 
adventus auszusagen gewesen, sondern ein reditus. 

24, 4. Xptatoc als Prädikat zu i^w fehlt Mc. 13, 6, wird aber 
richtig ergänzt sein. Man wundert sich zwar, daß es Leute ge- 



Mt. 24, 9—28. 125 

geben hat, die im Namen Jesu als Messias auftraten; doch hat 
man keinen Grund, es zu leugnen. Daß sie sich dabei für Jesus 
selber ausgaben, ist nicht gesagt. Vgl. 24, 24. 

24,9 — 14. Mt hat den Text des Mc schon in 10, 17 ss. ge- 
geben, hier weicht er ab. Denn er redet hier von der Mission in 
der ganzen Welt (24, 14) und von der Verfolgung durch die Heiden 
(24, 9), nicht mehr wie in Kap. 10 von der Mission in Palästina 
und der Verfolgung durch die Juden. Statt „sie werden euch an 
die Synedria und Synagogen übergeben" (Mc. 13, 9) sagt er: sie werden 
euch in Drangsal übergeben — ■ wobei das Verbum nicht mehr 
recht paßt. Jesus schaut bei Mt während seiner letzten Tage in 
weitere Ferne als vorher, wie man schon am Schluß von Kap. 23 
merkt. Auch das Erkalten der Liebe in der Gemeinde (24, 12), 
wovon das Überhandnehmen der Ungerechtigkeit ein Zeichen (6td) 
ist, weist auf spätere Zeit und steht auf gleicher Stufe mit dem 
Unglauben bei Lc. 18, 8. Die Grenze scheint in 24, 9 — 14 über 
die Zerstörung Jerusalems (24, 15 ss.) tatsächlich schon hinausgerückt 
zu sein. 

24. 15 — 28 stimmt wieder mit Mc. 13, 14 — 27, obgleich mehrere 
Zusätze angebracht sind. 

24, 20. Der Sinn von Mc. 13, 18 wird durch das Subjekt f] 
9Ü7Y] öfjLfüv und die Zeitbestimmung [jlt)8^ oaßßotTcp, die zu /sifAcovo? 
schlecht genug paßt, gänzlich verändert. Bei Mc läßt sich noch 
erkennen, daß gemäß der jüdischen Grundlage dieser Apokalypse 
die Juden angeredet werden, welche bitten sollen, daß die bevor- 
stehende Not, nämlich die Belagerung Jerusalems, nicht im Winter 
eintreten möge. Bei Mt aber sind deutlich die Christen angeredet ; 
es wird vorausgesetzt, daß sie aus Jerusalem fliehen werden, und 
sie sollen bitten, daß die Gelegenheit zu dieser Flucht nicht in den 
Winter falle, wo ihr Schwierigkeiten entgegenstehn, und nicht auf 
einen Sabbat, wo sie unerlaubt ist. Die Christen halten also den 
Sabbat streng, wie sie ja auch noch opfern (5, 23) und die Tempel- 
steuer entrichten (17, 27). 

24, 24. Die Pseudochristi fehlen bei Mc (13, 22); vgl. 24, 4. 

24, 26—28 (Lc. 17, 23. 24. 37) fehlt bei Mc und greift der Pa- 
rusie des Menschensohnes vor, die erst in 24, 29 ss. erfolgt. Mt 
scheint 24, 27 und 24, 28 in Parallele zu setzen. Dort heißt es: 
der Messias braucht nicht im Versteck gesucht zu werden ; wenn er 
erscheint, so springt er wie der Blitz allen in die Augen. Hier: 



126 Mt. 24, 30-36. 

das Aas bleibt nicht verborgen, denn die Geier zeigen es an. Die 
Anstößigkeit des Vergleichs wird gemildert, wenn es sich um ein 
Sprichwort handelt, bei dem man auf den Wortlaut nicht mehr 
achtet. Wer sind aber die Geier? Darf man sich darunter die 
Pseudopropheten vorstellen, die zwar lügen, deren massenhaftes 
Auftreten aber doch die Nähe der Parusie verrät? Bei Lc steht 
der Spruch vom Aas in einem anderen Zusammenhang, jedoch 
ebenfalls am Schluß eines eschatologischen Stückes. 

24, 30. Tö (jY)|jtsTov too 6. t. d. ist zwar dem Sinne nach zu- 
treffend, formell jedoch ungehörig, da sonst auch in 24, 15 hätte 
gesagt werden müssen: xh (JTjjieTov tou ßSsX^Yfiatoc. Denn der ent- 
setzliche Greuel und der Menschensohn gehören zusammen als 
Zeichen für Anfang und Schluß der letzten betrübten Zeit und als 
Antwort auf die Frage 24, 3: tt tö a7]p.etov — vgl. zu Mc. 13, 26. 
Auch die Einschiebung von xo^l^oviat xxX (das übrigens in derSyra 
S. fehlt) vor o^J^ovTott ist nicht gut; denn die Erscheinung des Men- 
schensohns ist hier in Wahrheit ein Freudenzeichen dafür, daß die 
Trübsal nun ein Ende nimmt. 

24, 31. AÖTOü hinter den Engeln und den Erwählten fehlt bei 
Mc, ebenso die Posaune. Diese wird selbständig neben den Engeln 
gedacht; denn wenn die Engel sie in der Hand haben sollten, so 
dürfte sie nicht im Singular stehn. 

24, 32—36 fast wörtlich wie Mc. 13, 28—32; der Vers 24, 35 
(Mc. 13, 31) fehlt vielleicht mit Recht im Sinaiticus. Zu 24, 32 
hat mir Eduard Schwartz die sehr ansprechende und probable 
Vermutung geäußert,^) es zeige sich da die Spur einer Sage, daß 
das Wiederausschlagen eines bestimmten dürren Feigenbaums bei 
Jerusalem ein Zeichen des Eintritts der Parusie sei. Der Saft geht 
nicht allgemein in die Bäume, sondern in den (bekannten) Feigen- 
baum, und man soll nicht merken, daß es Frühling sei, sondern 
daß To öspo; vor der Tür stehe, d. h. die Ernte, die überall die 
messianische Endzeit bedeutet. Dadurch fällt Licht auf die Ge- 
schichte von dem verdorrten Feigenbaum § 56. 58, die ich anders 
deute als Schwartz. Ursprünglich wird Jesus nicht den grünen 
Feigenbaum durch seinen Fluch dürr gemacht, sondern von dem 
verdorrten gesagt haben, er werde nicht, wie Juden meinten, wieder 
aufleben, sondern immer dürr bleiben, d. h. die Hoffnung auf die 



Vgl. jetzt die Zeitschrift für Neutest. Wissenschaft 1904 p. 80—84. 



Mt. 24, 37-50. 127 

Restitution Sions werde sich nie erfüllen. In Mc. 11, 18 weist er 
also die jüdische Hoffnung zurück, in Mc. 13, 28 christianisirt er sie. 

24, 37—50 hat zwar ähnlichen Inhalt wie Mc. 13, 33—37 
(vgl. 24, 42 mit Mc. 13, 33), deckt sich aber vielmehr mit zwei 
Stücken des Lc, die hier dicht an einander gerückt werden. 

24, 37 -39 = Lc. 17, 26. 27, wie schon 24, 26 -28 = Lc. 17, 23. 
24. 37. Die irapoüata fehlt bei Lc, das erste Mal sagt er dafür ein- 
fach fjfxepa. Für YafAOüVTej (männlich) xal ^afxiCovTsc (weiblich) sagt 
er i'^d\ioi}v xal l^afxtCovxo; das Passivum beim zweiten, auf die 
Frauen bezüglichen Verb ist besser, und aus dem Imperfektum er- 
gibt sich der Vorteil, daß das Genus nicht unterschieden zu werden 
braucht, was beim Participium notwendig gewesen wäre. 

24, 40. 41 ist eine schlechte Variante zu Lc. 17, 34. 35. Denn 
bei den zwei Feldarbeitern ist der Dual zufällig, bei den beiden 
Leuten in Einem Bett und den beiden Sklavinnen an Einer Mühle 
ist die Zusammengehörigkeit viel enger und notwendiger, demgemäß 
auch die Trennung schroffer. 

24, 42 (Mc. 13, 33) markirt den Übergang von Lc. 17, 26. 27 
zu Lc. 12, 39—46 = Mt. 24, 43-50. 

24, 43 — 50. Nach 13, 52 zu schließen ist hier von Lehrern 
und Vorstehern der christlichen Gemeinde die Rede. Der eine sorgt 
gut für sie und kann getrost dem Kommen seines Herrn entgegen- 
sehen. Der andere mishandelt sie und pflegt sich selber, der wird 
zerstückelt werden (Dan. 2, 5) und hernach seinen Ort unter den 
falschen Christen (Lc. 12, 46: den Nichtchristen) bekommen. Amts- 
misbrauch der Gemeindevorsteher muß also schon früh vorge- 
kommen sein, er wird mit fürchterlicher, aber nur göttlicher Strafe 
bedroht. 

Mt. 25, 1-12. 

Dann gleicht das Reich des Himmels zehn Jungfrauen, 
die ihi'e Lampen nahmen und ausgingen, dem Bräutigam ent- 
gegen, 'fünf von ihnen waren töricht und fünf klug; Mie 
törichten nämlich nahmen zwar Lampen, aber kein Öl mit, 
*die klugen nahmen außer den Lampen auch Öl mit in Krügen. 
'Da nun der Bräutigam auf sich warten ließ, nickten sie alle 
ein und schliefen. *^Zu Mitternacht aber erhub sich der Ruf: 
der Bräutigam kommt, geht aus ihm entgegen! ^Dai^auf stan- 
den die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zu- 



128 Mt. 25, 1-13. 

recht. *ünd die törichten sagten zu den klugen: gebt uns 
von eurem Öl, denn unsere Lampen verleschen. 'Die klugen 
aber antworteten: es möchte nicht reichen für uns und euch, 
geht lieber zu den Händlern und kauft euch welches. ^° Wäh- 
rend sie nun hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam, und 
die da bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und 
die Tür ward geschlossen. ** Hernach kamen auch die übrigen 
Jungfrauen und sagten: Herr, Herr, tu uns auf! ^'Er ant- 
wortete aber: Amen ich sage euch, ich kenne euch nicht. 

^' Wacht also, denn ihr wißt den Tag und die Stunde 
nicht. 
Kap. 25 setzt die voraufgehende eschatologische Rede noch 
fort. Den beiden ersten Parabeln liegen die Sprüche Mc. 13, 33 
bis 37 zu gründe, die Mt an ihrer Stelle übergangen hat. 

25, 1. Die Lampen brennen von Anfang an; sie sind bei der 
Ankunft des Bräutigams erloschen und müssen geputzt und neu 
gefüllt werden (25, 7. 8). Es scheint, daß die Jungfrauen sich erst 
am Abend aufmachen; vgl. jedoch Land Anecd. 2 293, 24. D und 
Syra S. fügen am Schluß hinzu xccl t^c voja^tjc, erklärlich, aber 
unrichtig. 

25, 5. Wo sie schlafen, darf man nicht fragen. Sie empfan- 
gen den Bräutigam vor dem Hause, gehn ihm nicht auf weite Ent- 
fernung entgegen. 

25, 8. MiQTroTe ist dilma, oöx ist davon zu trennen und mit 
dem folgenden apxsaiQ eng zu verbinden. 

25, 10. Am Anfang ist ?(o; ditd^Quaiv (D) dem Gen. abs. vor- 
zuziehen; zu ?(o? (während) vgl. Mc. 14, 32. 

25, 11. Kopte (marana) ist die Anrede an hohe Herren. Der 
Bräutigam kann so vorgestellt werden; doch spielt ein, daß Christus 
gemeint ist. 

25, 13 (Mc. 13, 33. 35. 37) gibt die Moral des Gleichnisses und 
richtet sich an die Jünger. Wacht ist metaphorisch und bedeutet: 
seid bereit. Es liegt darin kein Tadel des Einschlafens der Jung- 
frauen, welches vielmehr für die Sache so wenig in Betracht kommt 
wie das Einschlafen der Menschen in 13, 25 ; auch die klugen sind 
ja eingeschlafen. 

Über den realen Vorgang, der zum Gleichnis benutzt wird, 
könnte man sich etwa folgende Vorstellung machen. Der Bräutigam 
kommt bei der Hochzeit zu der Braut, in deren elterliches Haus. 



Mt. 25, 1-13. 129 

Sie selbst darf ihm nicht entgegen gehn, vielmehr holen ihn ihre 
Brautjungfern (schosch'binnäta) ein. Sie erwarten ihn abends mit 
Lampen, um ihn zur Braut hinein zu geleiten. Aber was haben 
die Brautjungfern nach Mitternacht bei dem Bräutigam zu tun? 
was haben sie bei ihm einzudringen, nachdem die Tür verriegelt 
ist? versteht es sich nicht von selbst, daß sie abgewiesen werden, 
sie mögen nun töricht oder klug sein? Und wo bleibt die Haupt- 
person? zu einer Hochzeit gehört doch die Braut. Es ist den 
Alten nicht zu verdenken, daß sie in den zehn Jungfrauen die 
Braut suchten. Aber selbst unter der sicher unstatthaften Voraus- 
setzung der Polygamie heiratet der Mann doch nicht mehrere Frauen 
auf einmal, und die Braut zieht auch dem Bräutigam nicht ent- 
gegen, geschweige denn zehn Bräute in friedlichem Verein. Also 
beide Möglichkeiten sind undurchführbar. Auch in Nebenpunkten 
kann man sich nicht zurechtfinden; sind z. B. um Mitternacht 
noch die Läden offen, so daß noch Öl gekauft werden kann? Das 
Gleichnis für sich genommen ist windschief; es hält sich nicht an 
einen gewöhnlichen oder auch nur möglichen Vorgang des wirk- 
lichen Lebens. Es ist nach der Moral zurecht gemacht. Wenn- 
gleich es sich nicht in allen Punkten allegorisch ausdeuten läßt; 
so ist es doch nur aus der Moral zu verstehn; nicht umgekehrt. 
Weil nun aber der metaphorische Sinn sich durchaus vor- 
drängt, ist es gleichgiltig, was die zehn Jungfrauen außerhalb der 
Metapher sind; an das Eigentliche wird nicht mehr gedacht. Die 
Heirat tritt zurück hinter dem Mahl. Die Vorstellungen von Braut 
und Brautjungfern sind konfundirt. Aber die von der Braut über- 
wiegt doch, wie ja in diesem beliebten Gleichnis die Gemeinde 
sonst immer mit dieser und nicht mit den Nebenpersonen ver- 
glichen wird. Der Plural der Jungfrauen hat seinen Grund. Wäre 
nur Eine Jungfrau genannt, so wäre dadurch die christliche Ge- 
meinde als solidarische Einheit dargestellt. Es sollen jedoch zwei 
Schichten in der Gemeinde unterschieden werden. Dabei paßt zwar 
das Bild von der Braut eigentlich überhaupt nicht mehr, der plu- 
ralische Dual (zweimal fünf) ist aber immer noch unanstößiger, 
weil unklarer, als der einfache Dual. Der beabsichtigte Unter- 
schied ist der der eifrigen Christen, die ihr Leben auf die Parusie ein- 
richten, und der lauen, die zwar wol an die Parusie glauben, sich 
indessen mit der Tat nicht darauf vorbereiten. Vorausgesetzt wird, 
daß die Parusie sich über Erwarten verzieht: ein Zeichen der Zeit. 

Wellhauseu, Evang. Matthaei. 9 



130 ^t. 25, 14 SS. 

Diese Parabel ist dem Mt eigentümlich. Lc hat sie nicht, 
wol aber verwandte Sprüche. Es heißt Lc. 13, 28: „wenn ihr, nach- 
dem der Hausherr die Tür geschlossen hat, draußen anklopft und 
sprecht: Herr mach uns auf, so wird er euch sagen: ich weiß 
nicht, woher ihr seid". Hier sind einfach die Jünger angeredet; 
von einem Bräutigam, der seine Bräute abweist, steht nichts da. 
Femer Lc. 12, 35. 36: „haltet eure Lichter brennen und gleichet 
Leuten, die ihren Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit zu- 
rückkehrt, damit sie ihm unverzüglich aufmachen können, wenn er 
kommt und anklopft." Hier kommen die Hochzeit und die Lichter 
hinzu; aber der Herr geht nicht zur eigenen Hochzeit, sondern 
kehrt abends spät von einer fremden heim, er selber ist der an- 
klopfende und es kommt darauf an, daß er alsbald Einlaß findet; 
seine Knechte warten zu dem Zweck auf ihn und lassen das Licht 
brennen. Beide Vergleiche bei Lc sind plan und verständlich. 
Die Unmöglichkeiten im Gleichnis des Mt sprechen nicht für dessen 
Priorität, an gegenseitige Unabhängigkeit läßt sich nicht denken. 
Man beachte auch den formellen Unterschied: kurze, dringende 
Imperative in Lc. 12, eine breite Parabel in Mt. 25. Welche Form 
ist die primäre für die Erwartung der Parusie? Sie war doch ge- 
wiß m'sprünglich kein Gegenstand objektiver, lehrhafter und poeti- 
scher Darstellung. Der Gegensatz in diesem Punkt zeigt sich auch 
sonst; der Most bei Lc erscheint bei Mt vergoren und abgelagert. 

Mt. 25, 14-30. Lc. 19, 11-27. 

Denn es ist, wie wenn ein Mensch, der verreisen wollte, 
seine Knechte rief und ihnen sein Gut übergab, "dem einen 
fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eins, jedem nach 
seiner Tüchtigkeit, und verreiste. ^^Alsbald ging der, der die 
fünf Talente empfangen hatte, und schaffte damit und gewann 
andere fünf Talente. ^^Desgleichen gewann der, der zwei 
Talente empfangen hatte, zwei andere. ^®Der aber, der das 
eine empfangen hatte, ging hin, machte eine Grube in die 
Erde und verbarg das Geld seines Herrn. "Nach langer Zeit 
nun kam der Herr jener Knechte und rechnete mit ihnen ab. 
'•Und der Empfänger der fünf Talente trat her und brachte 
andere fünf Talente und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir 
übergeben, hier sind andere fünf, die ich gewonnen habe. 



Mt. 25, U— 21. 131 

^*Sein Herr sprach zu ihm: ei du wackerer und treuer Knecht, 
du bist über wenig getreu gewesen, ich will dich über viel 
setzen; geh ein zu deines Herren Freude! ''Auch der Emp- 
fänger der zwei Talente trat her und sagte: Herr, zwei Ta- 
lente hast du mir übergeben, hier sind andere zwei, die ich 
gewonnen habe. ''Sein Herr sprach zu ihm: ei du wackerer 
und treuer Knecht, du bist über wenig treu gewesen, ich will 
dich über viel setzen; geh ein zu deines Herren Freude! '*Da 
trat auch der Empfänger des einen Talents her und sagte: 
Herr, ich wußte, daß du ein harter Mann bist, erntest, wo du 
nicht gesät, und einheimst, wo du nicht ausgestreut hast, 
'^und aus Furcht ging ich hin und verbarg dein Talent in 
der Erde; hier hast du, was dein ist. '®Sein Herr aber ant- 
wortete ihm: du schlechter und fauler Knecht, wußtest du, 
daß ich ernte wo ich nicht gesät, und einheimse, wo ich 
nicht ausgestreut habe? '^Dann hättest du mein Geld den 
Bankhaltern austun sollen, so hätte ich bei der Heimkunft 
das Meinige mit Zins wiederbekommen! '® Darum nehmt ihm 
das Talent und gebt es dem, der die zehn Talente hat — 
'^denn wer da hat, dem wird gegeben und immer mehr ge- 
geben; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, 
weggenommen — *°und werft den nichtsnutzigen Knecht 
hinaus in die Finsternis draußen, da wird Gejammer sein und 
Zähnknirschen. 

25, 14. 15. Der Eingang mit Söicep und folgendem Präteritum 
ist aus Mc. 13, 34, dem Motiv, beibehalten. Aber bei Mt über- 
läßt der Mann nicht seine Wirtschaft, sondern sein Barvermögen 
den Knechten; er weist einem jeden nicht sein Teil Arbeit, son- 
dern sein Teil Geld an — allerdings nicht als Depositum, sondern 
als Betriebskapital, wie schon in 25, 15 angedeutet wird mit den 
Worten: einem jeden nach seiner Leistungsfähigkeit. Die Vei-wand- 
lung des Haus- und Landwirts in einen Kapitalisten gibt zu denken. 
25, 19. Die lange Zeit darf für die Deutung des Gleich- 
nisses ausgenutzt werden; sie liegt zwischen der Himmelfahrt und 
der Wiederkunft Jesu. 

25, 21. Nach 25, 28 scheint der Lohn für den treuen Knecht 
darin zu bestehn, daß er die durch ihn verdoppelten Talente be- 
hält. Dazu paßt jedoch xaTaöXT^ao) nicht; trotz 24, 47. Dies führt 
vielmehr auf die Vorstellung vom Amt: nach Mc. 13, 34 gibt der 

9* 



132 Mt. 25, 26-30. 

Herr in der Tat den Knechten kein Geld, sondern verschiedene 
Ämter in seinem Hauswesen. Unter Talenten können freilich 
innerhalb des Bildes keine Ämter verstanden werden, aber die 
Vorstellung der Grundlage bricht in dem Spruch an die Knechte 
noch durch, bei Lc (19, 17) sehr stark, bei Mt nur in xaiadTT^öco. 
— Nach seiner Gewohnheit läßt Mt das Gleichnis ohne weiteres 
in die dadurch bedeutete Sache übergehn durch die Schlußworte: 
geh ein zu deines Herrn Freude. Die Freude ist das Mahl, d. i. 
das Reich Gottes. Der Opferschmaus heißt im Deuteronomium die 
Freude vor dem Herrn; das Gelage (mischte) Esther 9, 17 wird 
von der Septuaginta durch ysupd wiedergegeben und eü(ppaivoü Lc. 
12, 19 von der Latina des Cod. Bezae durch epulare; auch im 
klassischen Griechisch hat sicpposow] diese Bedeutung. 

25, 26. 27. Auch wenn man den Begriff, den der Knecht von 
seinem Herrn hat, gelten läßt (o3v vgl. 26, 54), hätte er anders 
verfahren müssen. Die Frage darf man nicht stellen: was würde 
der Herr sagen, wenn das auf eigene Verantwortung unternommene 
geschäftige Werben der beiden ersten Knechte mit seinem Gel de 
fehlgeschlagen wäre? 

25, 28—30. "Apate ist ein abrupter und gewissermaßen im- 
personeller Imperativ, wie dergleichen viele im Koran (z. B. 44, 47. 
69, 30) vorkommen, namentlich wenn Gott befiehlt, der immer aus- 
führende Werkzeuge zur Hand hat. Die Rede des Herrn setzt 
sich von 25, 28 her in 25, 30 fort; dazwischen ist der Vers 25, 29, 
der aus Mc. 4, 25 stammt, ungeschickt eingeschoben. Es soll da- 
mit das Verfahren gegen den faulen Knecht unter eine allgemeine 
Regel gebracht werden. Der Sinn des bei Mc isolirt stehenden 
Spruches wird durch diesen Zusammenhang nicht klarer. 

Die Parabel fordert Treue von den Knechten. Ein treuer 
Knecht geht im Interesse seines Herrn auf, wirbt und wagt für 
ihn, als wäre es für sich selber. Was das anvertraute Gut ist, 
wird nicht gesagt. Außerhalb des Gleichnisses können auch bei 
Mt Amter unter den Talenten einbegriffen werden, aber die Talente 
haben doch eine allgemeinere Bedeutung. Es sind Kräfte, Gaben 
und Güter, mit denen der Gemeinde und dem Herrn der Ge- 
meinde gedient ist. Denn innerhalb der Sphäre der Gemeinde muß 
man sich halten, die Knechte sind in allen Parabeln die Christen 
(wie die *ibäd von Hira). Sie sind zum Dienst verpflichtet und 
nicht zur Entfaltung ihrer eigenen schönen Persönlichkeit. Die Pa- 



Mt. 25, 31 SS. 133 

rusie steht im Hintergrunde. Sie läßt auf sich warten, aber der 
Zwischenraum soll keine träge Pause sein. Die Knechte sollen 
währenddem die Hände rühren und nicht in den Schoß legen: 
dann fällt ihnen selber zu, was sie für ihren Herrn gewonnen 
haben. 

Jülicher glaubt freilich, die Parusie sei eine spätere Zutat zu 
dem Gleichnis. Wenn der Hausherr als harter Mann bezeichnet 
werde, so könne ursprünglich nicht Jesus damit gemeint sein. 
Jedoch die zur Entschuldigung vorgebrachte Äußerung 25, 24 ist 
subjektiv, sie charakterisirt nur die Gesinnung dessen, der sie tut, 
seine lähmende knechtische Furcht vor dem Gespenst des Herrn 
— während die wahre Treue den Knecht freudig und frei macht, 
da er sich mit seinem Herrn identifizirt. Jedenfalls darf von einer 
so wenig gesicherten Position aus kein Angriff unternommen werden. 
Auch in Mc. 13, 34 steht die Parusie im Hintergrunde, dieser 
Spruch aber ist der Ausgangspunkt unserer Parabel. Und deshalb 
weil die Moral derselben auch ohne Parusie bestehn kann, darf 
man doch die Parusie nicht streichen, welche für die ältesten 
Christen das wirksamste Motiv aller Moral war, wenngleich Jesus 
selber es nicht verwandt haben kann. Jülicher verrät eine leichte 
Neigung, die Gleichnisreden von Merkmalen späterer Abfassungs- 
zeit zu säubern. Außerdem scheint er sich noch nicht völlig be- 
freit zu haben von der Allegorieschen, mit der B. Weiß behaftet ist. 
Sie ist gerade bei den Parabeln des Mt sehr unangebracht, die alle 
das Reich Gottes d. i. die urchristliche Gemeinde und ihre Situation 
im Auge haben, so daß sie für die älteste Kirchengeschichte ver- 
wendbar sind. Natürlich aber muß man die Sache en gros nehmen 
und darf nicht alle Züge ausdeuten — das gilt hier wie anderwärts. 

Mt. 25, 31-46. 

Wenn aber der Menschensohn kommt in seiner Herrlich- 
keit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Stuhl 
seiner Herrlichkeit setzen. "Und alle Völker werden vor ihm 
versammelt, und er scheidet sie von einander, wie der Hirt die 
Schafe von den Gaißen scheidet, ''und stellt die Schafe zu 
seiner Rechten und die Gaißen zur Linken. '* Darauf sagt der 
König zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr von 
meinem Vater Gesegneten, nehmt das Reich in Besitz, das 



134 Mt. 25, 31—46. 

euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt. •'^Denn ich bin 
hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist, durstig und ihr 
habt mich getränkt, fremd und ihr habt mich beherbergt, 
'* nackend und ihr habt mich gekleidet, krank und ihr habt 
euch meiner angenommen, ich bin im Gefängnis gewesen und 
ihr habt mich besucht. '^Darauf erwidern ihm die Gerechten: 
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und gespeist? 
oder durstig und getränkt? 'Vann haben wir dich in der 
Fremde gesehen und beherbergt? oder nackend und gekleidet? 
^'wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und 
dich besucht? *°Und der König antwortet ihnen: Amen ich 
sage euch, je nachdem ihr getan habt einem von diesen meinen 
geringsten Brüdern, habt ihr mir getan. *^ Darauf sagt er 
auch denen zu seiner Linken: Weg von mir, ihr Verfluchten, 
in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln be- 
reitet ist. *'Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich 
nicht gespeist, durstig und ihr habt mich nicht getränkt, 
*'fremd und ihr habt mich nicht beherbergt, nackend und ihr 
habt mich nicht gekleidet, krank und im Gefängnis, und ihr 
habt euch meiner nicht angenommen. **Darauf erwidern auch 
sie: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen oder durstig 
oder in der Fremde oder nackend oder krank oder gefangen, 
und sind dir nicht zu Dienste gewesen? **Darauf antwortet er 
ihnen: Amen ich sage euch, was ihr nicht getan habt einem 
von diesen Geringsten, habt ihr auch mir nicht getan. **Und 
diese gehn ab zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum 
ewigen Leben. 
Diese Schilderung — eine Parabel ist es nicht — bildet den 
wirkungsvollen Abschluß der großen Rede Kap. 24. 25. Zu gründe 
liegen ihr Sprüche wie: wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und: 
wer einem von diesen Kleinen einen Trunk Wasser reicht, wird 
nicht um seinen Lohn kommen. Da kann man vielleicht zweifeln, 
ob nicht nur die Empfänger der Woltaten, sondern auch die Geber 
Christen sind. Hier aber ist das nicht möglich; die Stxaioi (25, 46) 
können keine Heiden sein und also auch die andern nicht. In 
der Einleitung sind zwar alle Völker vor dem Tribunal Jesu ver- 
sammelt, um gerichtet zu werden. Aber das ist nur der großartige 
Hintergrund, an den dann nicht weiter gedacht wird; im Vorder- 
grund stehn die Mitglieder der christlichen Gemeinde, die Jünger. 



Mt. 26, Iss. 135 

Jesus spricht ihnen ihr Urteil, je nachdem er Liebe von ihnen er- 
fahren hat oder nicht. Leute, die ihm persönlich Liebe erwiesen 
haben, gibt es freilich in der Gemeinde, die Mt vor Augen hat, 
nicht mehr. Aber persönliche Liebe verlangt er auch nicht und 
das ist eben die Pointe: was ihr meinem geringsten Bruder getan 
habt, das habt ihr mir getan. Eine Ergänzung dazu bildet der 
vermutlich ältere Ausspruch Lc. 13, 26. 27, wonach die persönliche 
Bekanntschaft mit Jesu keinen Vorzug gewährt. Auf die Zeit der 
Verfolgungen deutet der Satz: ich bin im Gefängnis gewesen und 
ihr habt mich besucht. — Die Schafe sind in Palästina vorwiegend 
weiß, die Ziegen schwarz, lovd-ßiv 25, 35 ist in der Septuaginta 
Übersetzung von rjöX = recepit in hospitium et tutelam. Dem 
Teufel und seinen Engeln ist das ewige Feuer zwar von Anfang 
an bereitet, wie das Reich den Gerechten, aber sie sind nicht schon 
gegenwärtig darin, sondern verfallen ihm erst durch das Gericht. 

§69-71. Mt. 26, 1-16. 

Und da Jesus mit all diesen Reden zu Ende war, sagte 
er zu seinen Jüngern: 'ihr wißt, daß nach zwei Tagen das 
Pascha ist, und der Menschensohn wird übergeben zur Kreuzigung. 
'Darauf versammelten sich die Hohenpriester und Ältesten 
des Volkes im Hofe des Hohenpriesters, der hieß Kaiaphas, 
*und beschlossen, Jesus arglistig zu fassen und zu töten. *Sie 
sagten aber: nicht am Feste, daß kein Auflauf unter dem Volke 
entstehe. 

*Da er aber in Bethania war, im Hause Simons des Aus- 
sätzigen, trat ein Weib zu ihm mit einem Glas kostbarer 
Myrrhe und goß es auf sein Haupt, da er zu Tische saß. ^Als 
das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sagten: wozu 
diese Vergeudung, ^man hätte das ja teuer verkaufen und den 
Armen geben können! ^** Jesus aber merkte es und sprach zu 
ihnen: Was verstört ihr das Weib! hat sie doch ein gutes 
Werk an mir getan. ^'Denn allzeit habt ihr die Armen bei 
euch, mich aber habt ihr nicht allzeit. *'Daß sie die Myrrhe 
hat auf meinen Leib gegossen, hat sie getan für mein Begräbnis. 
"Amen ich sage euch, überall wo dies Evangelium verkündet 
wird in der ganzen Welt, wird auch gesagt werden, was sie 
getan hat, zu ihrem Gedächtnis. 



136 Mt. 26, 1—15. 

**Daraiif ging einer der Zwölfe, Judas der Iskariote mit 
Namen, zu den Hohenpriestern und sagte: ^^was wollt ihr 
mir geben, daß ich ihn euch verrate? Sie versprachen ihm 
dreißig Silberlinge. "Und von da an suchte er Gelegenheit, 
ihn zu verraten. 

26, 1 — 5. Die Zeitbestimmung Mc. 14, 1 wird in den Mund 
Jesu gelegt, um einer Todesweissagung als Anknüpfepunkt zu dienen. 
Aus dem ICt^xoüv Mc. 14, 2 wird eine Sitzung und ein förmlicher 
Beschluß des Synedriums. 

25, 8. 9. An stelle der xivsc Mc. 14, 4 treten die Jünger, die 
bestimmte Preisangabe Mc. 14, 5 fehlt. 

26, 10. 11. Fvoüc wird gegen Mc. 14, 6 hinzugefügt; es ist in 
solchen Fällen stets Gedankenlesen darunter zu verstehn. Anders 
wie 25, 36 — 46 legt Jesus hohen Wert auf ihm persönlich erwiesene 
Liebe; mehr als auf Almosen. Die leibliche Anwesenheit Jesu 
wird schmerzlich vermißt werden (Mc. 2, 20); das Menschliche 
kommt überall zu seinem Rechte. Die Parusie steht in weiter 
Ferne: alle Zeit habt ihr Arme bei euch. Der in Mc. 14, 7 
folgende Satz und wann ihr wollt usw. fehlt freilich bei Mt. 

26, 12. Der Leib ist bei Mt nicht Objekt zu begraben wie 
in Mc. 14, 8, sondern zu salben, während doch auch bei ihm der 
Balsam in der Tat nur auf das Haupt gegossen wird. 

26, 14. 15. Mt kann unmöglich annehmen, daß Judas für 
sein bloßes Anerbieten sofort den Lohn ausbezahlt erhalten habe. 
"EöTYjaav bedeutet zwar darwägen (Zach. 11, 12), aber als Äqui- 
valent von aqimu auch aussetzen, geloben; und so haben es die 
alten Syrae und Latinae wiedergegeben, die für das Verständnis 
solcher Ausdrücke stärker zu Rate gezogen werden müssen, als es 
gewöhnlich geschieht. 'Ap^opta (28, 3—9. 27, 12. 15) ist Über- 
setzung von keseph Zach. IJ, 12 = apppoD; in der Septuaginta. 



§ 72-74. Mt. 26, 17-29. 

Am ersten Tage des' Festes der ungesäuerten Brote aber 
kamen die Jünger zu Jesus und sagten: wo sollen wir dir das 
Paschamahl zurichten? ^^Er sprach: geht in die Stadt zudem 
und dem und sagt: der Meister läßt dir sagen: meine Zeit ist 
nah, bei dir will ich das Pascha halten mit meinen Jüngern. 



Mt. 26, 17—29. 137 

^^Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte und 
richteten das Pascha zu. 

'^Am Abend aber setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. 
'^Und als sie aßen, sprach er: Amen ich sage euch, einer von 
euch wird mich verraten. "Und tief betrübt begannen sie zu 
sagen einer nach dem andern: doch nicht ich, Herr? "Er 
antwortete: Der, welcher die Hand mit mir in die Schüssel 
getaucht hat, wird mich verraten. '*Der Menschensohn geht 
zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht, doch wehe dem 
Mann, durch welchen der Menschensohn verraten wird — es 
wäre ihm besser, wenn jener Mann nicht geboren wäre. "Da 
hub der Verräter Judas an und sagte: doch nicht ich, Herr? 
Er sprach zu ihm: du sagst es. 

"Als sie aber aßen, nahm Jesus Brot, sprach den Segen 
und brach es und gab es den Jüngern und sagte: Nehmt, eßt, 
das ist mein Leib. '^Und er nahm den Kelch, sprach den 
Dank und gab ihn ihnen und sagte: '^Trinkt alle daraus, denn 
das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur 
Vergebung der Sünden. '^Ich sage euch, ich werde von nun an 
nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken bis zu dem 
Tage, wo ich es neu trinke mit euch im Reiche meines Vaters. 
26, 17—19. Mt hat hier seine Vorlage (Mc. 14, 12—16) stark 
abgekürzt, um das Wahrsagerhafte abzustreifen. Es kommt dann 
heraus, daß Jesus sich einfach mit einem Jerusalemer verabredet 
hat, dessen Name dem Erzähler nicht mehr bekannt ist. 

26, 20—25 (Mc. 14, 17—21). Daß Jesus dem Judas auf den 
Kopf sagt, er sei der Verräter, fügt Mt hinzu. „Du sagst es" 
kommt nur in der Passionsgeschichte vor. 

26, 26—29 (Mc. 14, 22—25). In 26, 27 werden ebenso wie 
in 26, 1 die Worte des Erzählers in den Mund Jesu gelegt : trinkt 
alle daraus. In 26, 28 setzt Mt für uirsp ttoXXäv das gleichbedeu- 
tende Tüspi IT. und fügt am Schluß zu: zur Vergebung der Sünden. 
In 16, 29 sagt er meines Vaters für Gottes und läßt auf irivo) 
folgen [JL8&' 6[i.a>v (vgl. [ast' i\ioij 26, 38). Es könnte sein, daß er 
bei dem Mahl nicht wie Mc (13, 25) einfach an das allgemeine 
Mahl des Reiches Gottes denkt, sondern an eine Wiederholung des 
speziellen Abendmahls Jesu mit den Jüngern. Jedenfalls verbindet 
er die Zwölf (einschließlich des Verräters?) im Jenseits enger mit 
Jesus, als Mc es tut. 



138 Mt. 26, 30ss. 

§ 75-77. Mt. 26, 30-56. 

Und nach dem Lobgesang gingen sie hinaus an den Olberg. 
'^Darauf sprach Jesus zu ihnen: ihr werdet alle an mir zu 
Fall kommen in dieser Nacht, denn es steht geschrieben: ich 
werde den Hirten schlagen und die Schafe der Heerde werden 
sich zerstreuen; '^nach meiner Auferstehung aber werde ich 
euch vorausgehn nach Galiläa. "Petrus antwortete: wenn auch 
alle an dir zu Fall kommen, so werde ich doch niemals ab- 
fallen. '* Jesus sprach zu ihm: Amen ich sage dir, in dieser 
Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 
*Tetrus sagte: und wenn ich mit dir sterben müßte, werde 
ich dich doch nicht verleugnen. Ebenso sagten auch die 
anderen Jünger. 

'^Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Ort, genannt 
Gethsemani. Und er sprach zu seinen Jüngern: setzt euch 
hier, derweil ich dorthin geh und bete. ''Und er nahm Petrus 
und die beiden Söhne des Zebedäus mit und fing an zu 
trauern und zu zagen. '^Darauf sagte er zu ihnen: meine 
Seele ist betrübt zum Sterben, bleibt hier und wacht mit mir. 
'^Und er ging eine kleine Strecke vor und warf sich nieder 
auf sein Angesicht, betete und sprach: mein Vater, ist es 
möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht wie 
ich will, sondern wie du. *®Und er kam zu den Jüngern und 
fand sie schlafen und sprach zu Petrus: also könnt ihr nicht 
einen Augenblick mit mir wachen? *Vacht und betet, daß 
ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist ist willig, aber das 
Fleisch ist schwach. *'Noch einmal wieder ging er weg und 
betete und sprach: mein Vater, ist es nicht möglich, daß er 
an mir vorübergehe, ohne daß ich ihn trinke, so geschehe dein 
Wille. *^Und er kam und fand sie abermals schlafen, denn 
ihre Augen waren schwer. **Und er ließ sie und ging wieder 
weg und betete zum dritten mal die selbigen Worte. * '^Darauf 
kam er zu den Jüngern und sprach zu ihnen: schlaft ihr noch 
weiter und ruht? siehe die Stunde hat sich genaht und der 
Menschensohn wird in die Hände der Sünder übergeben; **steht 
auf, wir wollen gehn; siehe, der mich verrät, hat sich genaht. 

*'Und wie er noch redete, da kam Judas, einer der Zwölfe, 
und mit ihm ein großer Haufe mit Schwertern und Stöcken, 



Mt. 26, 31—36. 139 

von den Hohenpriestern und den Ältesten des Volks. *®Der 
Verräter hatte ihnen aber ein Zeichen gegeben und gesagt: wen 
ich küsse, der ists, den greift. ^^Und alsbald trat er auf Jesus 
zu und sagte: Rabbi! und küßte ihn. **^ Jesus aber sprach zu 
ihm: (küßt du mich,) weswegen du gekommen bist, Freund? 
Darauf kamen sie herbei und legten Hand an Jesus und griffen 
ihn. **Da streckte einer von denen, die bei Jesu waren, die 
Hand aus, zog sein Schwert und hieb einem Knecht des Hohen- 
priesters ein Ohr ab. '^''Darauf sprach Jesus zu ihm: steck 
dein Schwert ein, denn wer zum Schwert greift, wird durchs 
Schwert umkommen; *'oder meinst du, daß ich nicht meinen 
Vater bitten könnte und er mir sofort mehr als zwölf Legionen 
Engel zur Verfügung stellte? ^*wie würden dann aber die 
Schriften erfüllt, daß es so kommen muß! "Zur selben Stunde 
sprach Jesus zu dem Haufen: seid ihr wie gegen einen Räuber 
mit Schwertern und Stöcken ausgezogen, mich zu fassen? täglich 
habe ich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich 
nicht gegriffen! *^Das alles aber geschieht, damit die Schriften 
der Propheten erfüllt würden. Darauf verließen ihn alle Jünger 
und flohen. 

26, 31. TfjC TTotjAVT^c fehlt bei Mc. 14, 27 und auch Zach. 13, 7. 
SxavSaXiCsaöat ist hier wie Mc. 4, 16 s. v. a. d^piöxaöSat (Lc. 8, 13); 
schade, daß man nicht übersetzen darf: abfallen von mir. Jeden- 
falls aber gibt h ifiot nicht den Anlaß aa; der Anlaß ist die Ge- 
fahr (die Fitna, wie die Araber sagen würden), nicht Jesus. 
26, 34. Vgl. zu 26, 75. 

26, 36. Gethsemani ist nicht aramäisch, sondern hebräisch; 
das Y] entspricht auch in dem ör^ßa der markosischen Taufformel 
bei Irenäus einem Scheva. Daß bei einem Ortsnamen die alte 
hebräische Aussprache sich erhalten hat, filllt nicht auf. In der 
Syra S. und C. heißt es aber Guschmane oder Gischmane und 
in der Syropalästina Gismanin, ähnlich wie in D Mc. 6, 45 
Bessaidan für Bethsaidan. Diese Orthographie dürfte die echte 
sein, sie ist volkstümlich und phonetisch, die andere korrekt und 
etymologisch. — In bezug auf die ganze Szene läßt sich die Be- 
merkung nicht unterdrücken, daß die vollkommene Ahnungslosig- 
keit der Jünger zu 26, 47 ss. nicht stimmt, wo sie vielmehr einiger- 
maßen präparirt erscheinen und der Verhaftung Widerstand ent- 
gegensetzen. 



140 Mt. 26, 39^55. 

26, 39. Die Oratio obliqua Mc. 14, 35 ist weggelassen und 
nur die Oratio recta Mc. 14, 36 beibehalten; sie wird in 26, 42 
vollständig wiederholt, gegen Mc. 14, 39. Vgl. zu Mc. 14, 35. 36. 

26, 44. 45. Der letzte Satz von Mc. 14, 40 und dnv/si 14, 41 
fehlen. 

26, 47. 48. Zu o/Xoc Mc. 14, 43 ist itoXo; hinzugesetzt und 
der letzte Imperativ in Mc. 14, 44 weggelassen. 

26, 50. Anders wie in Mc. 14, 46 redet Jesus den Verräter 
an: küßt du mich zu dem Zweck, zu dem du, wie man sieht, ge- 
kommen bist? Küßt du mich braucht nicht gesagt zu werden, 
weil das Küssen im Moment auf der Szene agirt wird. 

26, 52 — 54 ist ein Zusatz, der das selbe Motiv wie Lc. 22,51, 
aber einen ganz anderen Inhalt hat. Es schien undenkbar, daß 
Jesus sich die Gegenwehr sollte gefallen lassen haben; trotz 
Lc. 22, 38. Bemerkenswert ist die Parataxe in 26, 53, vgl. 18, 21. 

26, 55. Zu in jener Stunde (= in dem selben Augen- 
blick) s. 8, 13. 

§ 78-81. Mt. 26, 57-75. 

Sie aber griffen Jesus und führten ihn ab zu dem Hohen- 
priester Kaiaphas, wo die Schriftgelehrten und Ältesten sich 
versammelt hatten. ^®Und Petrus folgte ihm von weitem bis 
in den Hof des Hohenpriesters und ging sitzen bei den Dienern, 
zu sehen, wie es ausliefe. 

*'Die Hohenpriester aber und der ganze Rat suchten 
falsches Zeugnis gegen Jesus, daß sie ihn töten könnten, ^°und 
fanden keins, so viele falsche Ankläger auch herkamen. ^*Zu- 
letzt kamen zwei und sagten: dieser hat gesagt: ich kann den 
Tempel Gottes zerstören und binnen drei Tagen wieder auf- 
bauen. ^^Und der Hohepriester stand auf und fragte ihn: 
antwortest du nichts auf das, was diese wider dich vorbringen? 
^' Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester sagte zu ihm: 
ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns 
sagest, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes. "Jesus 
sprach zu ihm: du sagst es; doch sage ich euch, demnächst 
werdet ihr den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der 
Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels. "Darauf 
zerriß der Hohepriester seine Kleider und sagte: er hat gelästert, 



Mt. 26, 58-M. 141 

was brauchen wir noch Zeugen! siehe nun hubt ihr die Läste- 
rung gehört, *®was ist eure Meinung? Sie antwortet: er ist 
des Todes schuldig. 

^^ Darauf spien sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit 
Fäusten, andere mit Stöcken, *®und sagten: weissage uns, 
Christus, wer ist es, der dich schlug! 

^'Petrus aber saß draußen .im Hof, und eine Magd kam 
auf ihn zu und sagte: du warst auch bei Jesus dem Galiläer. 
^°Und er leugnete angesichts aller und sagte: ich weiß nicht, 
was du sagst. ^^Wie er aber zu der Torhalle hinausging, sah 
ihn eine andere und sagte zu den Leuten dort: dieser war bei 
Jesus dem Nazoräer. '^Und er leugnete abermals und schwur: 
ich kenne den Menschen nicht. "Nach einer kleinen Weile 
kamen die Umstehenden herzu und sagten zu Petrus: du bist 
wirklich auch einer von ihnen, denn auch deine Sprache ver- 
rät dich. ^^Darauf begann er zu fluchen und zu schwören: 
ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte ein Hahn, 
^*und Petrus erinnerte sich des Wortes Jesu, wie er zu ihm 
sagte: ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 
Und er ging hinaus und weinte bitterlich. 

26, 58. Es ist möglich, daß Mt unter aöXi^ nicht den Hof, 
sondern das Haus (26, 3) versteht und daß er darum i(o<; xr^; 
auX^c sagt für iax; s?; ttjv «üXtjv (Mc. 14,54). Am Schluß setzt er 
„um zu sehen wie es ausliefe" an die Stelle von „um sich zu 
wärmen"; auch in 26, 69 läßt er Oepfxatvopisvov (Mc. 14, 67) aus, 
es ist zu menschlich. 

26, 59—61. Da Mt das Synedrium von vornherein nicht nach 
Zeugen, sondern nach Lügenzeugen suchen läßt und überhaupt 
nur von Lügenzeugen redet, so fallen auch die 8üo von selbst in 
diese Kategorie. Trotzdem verdient es Beachtung, daß er ihre 
Aussage nicht mit e^j^eüSojxapxüpoov (Mc. 14, 57) einführt, sondern 
einfach mit elirov, und namentlich, daß er die Angabe Mc. 14, 59 
nicht hat: auch ihr Zeugnis stimmte nicht. Er wird darin das Ur- 
sprüngliche erhalten haben. Die inkriminirte Äußerung Jesu lautet 
Mt. 26, 61 anders wie Mc. 14, 58; vgl. Mc. 15, 30 und loa. 2, 19. 
26, 63. Bei Mt heißt es der Sohn Gottes, bei Mc der Sohn 
des Hochgelobten: man sollte das Umgekehrte erwarten. 

26, 64. nXiQv scheint nicht mehr zu bedeuten als ceterum; 
dn apTt ist wahrscheinlich nach 23, 39 (26, 29) zu verstehn, so daß 



142 Mt 26, 67-75. 

eigentlich hätte gesagt werden müssen: ihr werdet mich von jetzt an 
nur noch als offenbaren Messias sehen. Beides fehlt bei M/. 14, 62. /c 

26, 67. 68. Mt hat darin vermutlich das Ursprüngliche er- 
halten, daß bei ihm nur die Synedristen Subjekt sind. Bei Mc 
(14, 65) kommen die Diener hinzu, hinken aber nach; bei Lc 
(22, 63) sind die Synedristen von den Dienern völlig verdrängt. 
Mit Lc (22, 64) gemein hat Mt die Ergänzung zu icpocpiijtsüdov: 
wer ist es, der dich schlug? Dann wäre aber die Verhüllung des 
Angesichts unentbehrlich. Sie fehlt jedoch bei Mt und zwar mit 
Recht, vgl. zu Mc. 14, 65. 

26, 69. Mt sagt hier „Jesus der Galiläer", dagegen in 
26, 71 „Jesus der Nazoräer". Zwischen den beiden Gentilicien 
ist in der Tat nur ein geringer Unterschied, wenn Halevy recht 
hat, daß Nazarener oder Nazoräer gar nicht von der Stadt Nazareth, 
sondern von dem Lande Nesar (woher Gen — nesar) abgeleitet ist. 
Die Verwirrung zwischen Nesar und Nazareth zeigt sich auch in 
Gennesaret (für: Gennesar). Der Unterschied zwischen z und s 
hat nichts zu bedeuten, da beides semitischem )i entspricht. Daß 
Jesus selber aus Nazareth war, kann zwar nicht bezweifelt werden; 
daß aber nach ihm auch seine Jünger als Leute von Nazareth be- 
zeichnet sein sollten, ist etwas unwahrscheinlich, zumal sie in der 
Apostelgeschichte (außer 24, 5) auf griechisch Galiläer heißen, wie 
Jesus auch selbst hier bei Mt und in der angeblichen Äußerung 
des Kaisers Julian. Der uns so geläufige Ausdruck Jesus von 
Nazareth findet sich nur Mt.21,11. Joa. 1,46. Act. 10, 38. - Für 
xaio) iv T:j| aöX^ (Mc. 14, 66) sagt Mt ISw h t. d. 

26, 71. Bei Mc ist es die selbe Magd, bei Mt eine andere. 
Statt eSo) £?c TÖ TupoaüXiov bei Mc (14, 68) heißt es hier bU tov 
icüXcüva, vgl. 2. Macc. 3, 19. Vielleicht ist der Sinn: wie er zum 
Tor hinaus gehn wollte; vgl. zu 15, 17. 

26, 73. „Die Anwesenden kamen hinzu" läßt sich zwar ver- 
stehn, ist aber doch etwas ungeschickt, da schon 26, 70 gesagt ist: 
angesichts aller. 

26, 74. 75. „Er begann zu schwören" paßt bei Mc besser 
als bei Mt, der schon 26, 72 von Schwur geredet hat. Mt läßt 
ebenso wie Lc den Hahn nur einmal krähen, sowol in der Er- 
zählung als in der Weissagung Jesu. Statt „er ward aufmerksam 
und weinte" (Mc. 14, 42) sagt er: er ging hinaus und weinte 
bitterlich. Auch hier trifft er in einer an sich sehr begreiflichen 



Mt. 27, Iss. U3 

Abweichung von Mc auffallend wörtlich mit Lc überein. Folgt 
Mt dem Lc oder Lc dem Mt? wahrscheinlich beide gemeinsam 
einer jüngeren Variation der Marcus-erzählung, die in einer der 
mancherlei von Lc (1, 1) und zweifellos auch von Mt benutzten 
evangelischen Schriften vorlag; denn diese waren gewiß nicht un- 
abhängig von Mc. 

§ 82. 83. Mt. 27, 1-26. 

Morgens früh aber faßten alle die Hohenpriester und die 
Ältesten des Volks Beschluß wider Jesus, ihn zu töten. 'Und 
sie führten ihn gebunden ab und übergaben ihn dem Land- 
pfleger Pilatus. 

'Da aber Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß er ver- 
urteilt war, ward er anderes Sinnes und brachte die dreißig 
Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sagte: 
Mch habe Unrecht getan, unschuldiges Blut zu verraten. Sie 
sagten: was geht uns das an, das ist deine Sache! *Da warf 
er das Geld in das Tempelhaus und entfernte sich und ging 
und erhenkte sich. ®Die Hohenpriester aber nahmen das Geld 
und sagten: es darf nicht in den Tempelschatz geworfen werden, 
denn es ist Blutgeld. 'Sie faßten aber Beschluß und kauften 
davon den Töpferacker zum Begräbnis für die Fremden; darum 
heißt der Acker Blutacker bis heute. ^Da ging in Erfüllung, 
was durch den Propheten Jeremias gesagt ist: und ich emp- 
fing die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den 
man abschätzte, von den Kindern Israel, und gab sie für den 
Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte. 

^* Jesus aber wurde vor den Landpfleger gestellt, und der 
Landpfleger fragte ihn: bist du der König der Juden? ^'Jesus 
sprach: du sagst es. Und auf die Anklagen der Hohenpriester 
und Ältesten antwortete er nichts. * 'Darauf sagte Pilatus zu 
ihm: hörest du nicht, was sie alles gegen dich vorbringen? 
^*Und er antwortete ihm auch nicht ein Wort, so daß der 
Landpfleger sich sehr wunderte. 

^*Auf das Fest aber pflegte der Landpfleger dem Volke 
einen Gefangenen freizugeben, welchen sie wollten. **Man 
hatte aber damals einen berüchtigten Gefangenen, der hieß 
Barabbas. '^Wie sie nun zu häuf gekommen waren, fragte 



144 Mt. 27, 1-10. 

Pilatus sie: wen soll ich euch freigeben, Barabbas oder Jesus, 
den angeblichen Christus? **Er wußte nämlich, daß sie ihn 
aus Neid überantwortet hatten. ^^Und während er auf dem 
Richterstuhl saß, ließ sein Weib ihm sagen: hab nichts zu 
tun mit jenem Gerechten, denn ich habe heute im Traum 
seinetwegen viel ausgestanden. '°Aber die Hohenpriester und 
die Ältesten überredeten das Volk, sie sollten sich Barabbas 
ausbitten und Jesus verderben. 'Tilatus nun hub an und 
sagte zu ihnen: welchen von den beiden soll ich euch freigeben? 
Sie sagten: Barabbas! "Pilatus sagte: was soll ich denn mit 
Jesus tun, dem angeblichen Christus? Sie sagten alle: ans 
Kreuz mit ihm! "Er sagte: was hat er denn Böses getan? 
Sie schrien nur noch lauter: ans Kreuz mit ihm! **Da aber 
Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern der Lärm nur 
noch größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände 
vor dem Volk und sagte: ich bin unschuldig an diesem Blut, 
es ist eure Sache. '^Und das Volk antwortete und sprach: 
sein Blut liege auf uns und unseren Kindern! '^Darauf gab 
er ihnen Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und über- 
gab ihn zur Kreuzigung. 
27, 1. 2. 'H^sfiwv heißt der römische Prokurator nur bei Mt 
und in der Apostelgeschichte. 

27, 3—10 ist eine Legende, welche auch der Apostelgeschichte 
bekannt ist. Auf aramäische Vorlage führt nicht bloß a/sX6sjiax 
in der Apg., sondern auch xopßavac bei Mt; letzterer Ausdruck 
findet sich nicht bei den Rabbinen, wol aber bei Joseph. Bell. 2, 175 
als der zu seiner Zeit landesübliche Name für das, was Mc (12, 41) 
^aCo'füXaxtov nennt. Daß es bei Jerusalem einen Begräbnisplatz 
für Fremde gegeben hat, welcher Blutacker hieß, läßt sich nicht 
bezweifeln. Aber die hier vorgetragene Geschichte, wie dieser 
Platz zu seinem Namen gekommen sei, wird dadurch nicht histo- 
risch. Sie ist entsponnen aus der am Schluß als Wort Jeremias 
zitirten Weissagung im Buch Zacharias (11, 13): „wirf ihn in den 
Schatz, den teuren Preis, den du ihnen wert bist! und ich nahm 
die dreißig Silberlinge und warf sie in das Haus des Herrn, in den 
Schatz." Eine Variante für in den Schatz ist zu dem Töpfer; 
das K'tib liest 09ar (Schatz), das K'ri aber jo^er (Töpfer, Bildner; 
daher statuarius bei Hieronymus und x^vsoxi^ptov in der Septua- 
ginta). Dieses Schwanken spiegelt sich ab in unserer Perikope 



Mt. 27, 11—26. 145 

und ist für die Erzählung verwertet. Die Hohenpriester überlegen, 
ob sie die dreißig Silberlinge, den teuren Preis des guten Hirten, 
in den Schatz werfen sollen, entscheiden sich aber (nach dem K'ri, 
gegen das K'tib) dafür, sie für den Acker des Töpfers zu geben, 
wie der Blutacker vordem geheißen haben soll. Das Werfen des 
Geldes in das Haus des Herrn findet auch noch Verwendung; 
es geschieht nur nicht durch die Hohenpriester, sondern durch 
Judas (27, 5). Merkwürdig, wie hier die Kenntnis nicht bloß der 
Bibel selber, sondern auch ihrer Interpretation und Textkritik 
historisch fruchtbar gemacht wird. Woher das sowol von der 
Masora als von der Septuaginta stark abweichende Citat bei Mt 
stammt, läßt sich nicht sagen; der Acker des Töpfers (für den 
Töpfer) kommt wol auf seine eigene Rechnung. Nach dem Sinai- 
ticus und den Syrae ist eötoxa zu lesen und iXaßov als erste Per- 
son aufzufassen; oltzo üfwv I. gehört bei Mt zu eXaßov und scheint 
die Lesung mehem statt lahem vorauszusetzen. 

27, 11. Die ersten Worten werden hinzugefügt, um die unter- 
brochene Verbindung mit 27, 2 herzustellen. Für die bei Mc ge- 
wöhnlich allein genannten Hohenpriester setzt Mt meist die 
Hohenpriester und Ältesten; ein sachlicher Unterschied ist 
das nicht. 

27, 15—26 ist weitläufiger als Mc. 15, 6—15 und inhaltlich 
vermehrt durch 27, 19. 24. 25. Mt unterstreicht die Alternative 
Barabbas oder Jesus (Syra S.: Jesus Barabbas oder Jesus Christus) 
durch Wiederholung, wobei man freilich an der zweiten Stelle (27, 21) 
ein TtdXiv vermißt. Die Juden, Obrigkeit und Volk, haben die 
ganze Schuld und übernehmen sie auch ausdrücklich, um Pilatus 
zu entlasten. Im Widerstand gegen sie von seiner Frau bestärkt, 
kann er doch gegen ihr Geschrei nicht aufkommen und salvirt 
nur seine Seele. Er wird schon bei Mc milde beurteilt und von 
den Späteren noch mehr rein gewaschen. — " ETcsiaav (27, 20) hält 
den Vergleich mit dveaetaav (Mc. 15, 11) nicht aus. 

§ 84-87. Mt. 27, 27-54. 

Darauf nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesus 
mit in das Praetorium und brachten die ganze Rotte über ihn, 
'^und sie zogen ihm einen roten Mantel an "und flochten eine 
Krone aus Dornen und setzten sie ihm auf das Haupt und 

Well hausen, Evang. Matthaei. 10 



146 Mt. 27, 27 SS. 

gaben ihm ein Rohr in die Rechte, und fielen vor ihm aufs 
Knie und verspotteten ihn und sagten : sei gegrüßt, König der 
Juden! ^°und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen 
ihn auf das Haupt. '*Und als sie ihren Spott mit ihm ge- 
trieben hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und seine 
eigenen Kleider wieder an, und führten ihn ab zur Kreuzigung. 

"Wie sie aber hinauszogen, fanden sie einen Mann von 
Cyrene namens Simon, den preßten sie, daß er das Kreuz 
trüge. "Und als sie an den Ort kamen, der Golgatha genannt 
wird, das ist Schädelort, ^* gaben sie ihm Wein mit Galle ge- 
mischt zu trinken, und als er gekostet hatte, wollte er nicht 
trinken. '*Und nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten 
sie seine Kleider durch das Los. ''Und sie saßen und hielten 
dort bei ihm Wache, '^ünd ihm zu Häupten hefteten sie 
schriftlich die Angabe seiner Schuld an: Dies ist Jesus König 
der Juden. 

'® Darauf wurden mit ihm zwei Räuber gekreuzigt, einer 
rechts und einer links. '^Die Vorübergehenden aber lästerten 
ihn, schüttelten den Kopf und sagten: *°o du, der den Tempel 
zerstört und in drei Tagen wieder aufbaut, rette dich selber; 
wenn du der Sohn Gottes bist, so steig herab vom Kreuz. 
"Desgleichen führten auch die Hohenpriester nebst den Schrift- 
gelehrten und Ältesten spöttische Reden: ** andere hat er ge- 
rettet, sich selber kann er nicht retten; König von Israel, der 
er ist, komme er jetzt herab vom Kreuz, daß wir an ihn 
glauben! *'er hat auf Gott vertraut, der rette ihn nun, wenn 
er will; denn er hat gesagt: ich bin Gottes Sohn. **Des- 
gleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm ge- 
kreuzigt waren. 

**Mit der sechsten Stunde aber kam eine Finsternis über 
das ganze Land bis zu der neunten Stunde. **Und um die 
neunte Stunde schrie Jesus laut auf: Eli Eli lema sabachthani! 
das ist: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich ver- 
lassen! *^Da das etliche, die dabei standen, hörten, sagten 
sie: der ruft Elias. *^Und alsbald lief einer von ihnen, nahm 
einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf 
ein Rohr und gab ihm zu trinken. *^Die anderen aber sagten: 
halt, laßt uns sehen, ob Elias kommt, ihn zu retten! *** Jesus 
aber tat nochmals einen lauten Schrei und gab seinen Geist 



Mt. 27, 27—53. 147 

auf. "Und siehe, der Vorhang des Tempels riß entzwei von 
oben bis unten, und die Erde bebte und die Felsen barsten, 
^*und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der ent- 
schlafenen Heiligen standen auf *'und gingen aus den Gräbern 
hervor, nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige 
Stadt und erschienen vielen. **Da aber der Hauptmann und 
seine Leute, die bei Jesu Wache hielten, das Erdbeben und 
die Vorgänge sahen, fürchteten sie sich sehr und sagten : dieser 
ist wahrlich Gottes Sohn gewesen. 

27, 27—31. Die Tautologie JvSüaavTs? irspie&yjxav (27, 28), 
welche die Syra S. zu beseitigen sucht, liegt auch bei Mc (15, 17) 
vor. Der Ornat wird vervollständigt durch das Rohr als Szepter 
(27, 29), und die Adoration säuberlicher von der Mishandlung ge- 
trennt als bei Mc. 

27, 32 — 37. Die näheren Angaben des Mc (15, 21) über 
Simon fehlen bei Mt, ebenso die Zeitangabe der Kreuzigung Mc. 
15,25. Für Wein mit Myrrhe (Mc. 15, 23) heißt es bei Mt 
(27, 34) Wein mit Galle, wozu Ps. 69, 22 (Sept.) Anlaß geben 
konnte, aber auch die Ähnlichkeit der Ausdrücke für Myrrhe und 
Galle im Aramäischen und Hebräischen. In 27, 35 befremdet es, 
daß Mt sich versagt hinzuzufügen: damit die Schrift Ps. 22, 19 
erfüllt würde — während es sich begreifen läßt, daß er es in 27, 46 
unterläßt. Die Inschrift (27, 37) lautet in der Syra S. nur: Jesus 
der König der Juden. 

27, 38 — 44. Das tois am Anfang von 27, 38 erweckt den 
Schein, als ob das hier Erzählte erst nach 27, 36 geschehen sei, 
während doch die Kriegsknechte zum Sitzen und Warten erst Zeit 
hatten, nachdem sie nicht bloß Jesus, sondern auch die beiden 
Räuber gekreuzigt hatten; bei Mc fehlt natürlich xore, aber auch 
der ganze Vers 27, 36, und dann ist alles in Ordnung. Bei Mc 
fehlen ferner die Worte d üfo; ei toü ösoü in 27, 41 und der ganze 
Vers 27, 43; nur Mt kommt hier zurück auf das Bekenntnis Jesu 
vor dem Hohenpriester (26, 63. 64) — vgl. zu Mc. 14, 63. 64. 
T6 aÖTo ebenso in D 18, 9. 

27, 45—53. Der Sinaiticus weist in Mt. 27, 45 und die Syra S. 
in Mc. 15, 33 das Traaav oder oXr^v nicht auf, man braucht indessen 
xi-jv 7TjV nicht von der Erde zu verstehn. Von richtigem Gefühl 
geleitet läßt Mt (27, 49) die Worte laßt sehn ob usw. nicht von 
dem römischen Soldaten sprechen, der Jesus getränkt hat, sondern 

10* 



148 Mt. 27, 55 SS. 

von anderen Leuten (s. zu Mc. 15, 36); a'fs? im Singular macht 
keinen Unterschied gegen a(peTs im Plural bei Mc. -— Zu dem Zer- 
reißen des Tempelvorhanges kommen bei Mt (27, 50—53) andere 
und viel größere Wunder hinzu. Die Toten leben auf und gehn 
in die heilige Stadt, werden freilich nicht von jedermann gesehen, 
sondern erscheinen nur einer Auswahl, ebenso wie Jesus selber. 
Das widerspricht aber dem allgemeinen Glauben, daß Jesus der 
Erstling der Auferstandenen sei. Daher wird hinzugefügt nach 
seiner Auferstehung (27, 53) — offenbar gegen die Meinung, 
denn das Aufleben der Heiligen soll zeitlich zusammenfallen mit 
dem Zerreißen des Vorhanges und dem Erdbeben. Der Zusatz ist 
Korrektur und übt an dem vorher Berichteten in Wahrheit eine 
vernichtende Kritik, freilich von durchaus gläubigem, christlichem 
Standpunkte aus. — Nach 27, 54 tun auch die Kriegsknechte die 
Äußerung, die Mc (15, 39) allein dem Hauptmann in den Mund 
legt; ob Osoü otoc indeterminirt ist, läßt sich nach dem zu 4, 6 
Gesagten bezweifeln. Den Sinn von o5tü>? (Mc. 15, 39) hat Mt 
richtig verstanden und ausgelegt. 

§ 88-90. Mt. 27, 55-28, 10. 

Es waren aber daselbst viele Weiber und schauten von 
ferne zu, die Jesu von Galiläa gefolgt waren, ihn zu bedienen, 
^^darunter Maria Magdalena und Maria die Tochter des kleinen 
Jakobus und Mutter des Joseph, und die Mutter der Söhne 
des Zebedäus. 

*^Am Abend aber kam ein reicher Mann von Arimathia, 
namens Joseph, der auch ein Jünger Jesu geworden war; "der 
ging zu Pilatus und erbat sich die Leiche Jesu. Darauf ließ 
Pilatus sie ihm geben. *®Und Joseph nahm die Leiche und 
wickelte sie in reine Leinewand, ^^und setzte sie bei in seinem 
neuen Grabe, das er in den Fels hatte hauen lassen, und 
wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging. 
®^ Maria Magdalena aber und die andere Maria waren dort und 
saßen gegenüber dem Grabe. 

®'Am anderen Tage aber, dem auf den Freitag folgenden, 
kamen die Hohenpriester und die Pharisäer mit einander zu 
Pilatus ^^und sagten: Herr, wir erinnern uns, daß jener Be- 
trüger gesagt hat, als er noch lebte: nach drei Tagen ersteh 



Mt 27, 55-61. 149 

ich; *^laß also das Grab bis zum dritten Tag sicher bewachen, 
sonst könnten die Jünger kommen und ihn stehlen und dem 
Volke sagen: er ist erstanden von den Toten, und der letzte 
Betrug würde schlimmer als der erste. "Pilatus sagte: ihr 
sollt eine Wache haben, geht hin und schafft Sicherheit, so 
gut ihr könnt. *^Da gingen sie hin und sicherten das Grab, 
indem sie den Stein versiegelten und dazu eine Wache aus- • 
stellten. 

28, 1. Nach dem Sabbat aber, in der Dämmerung auf 
den Sonntag, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, 
das Grab zu besuchen. 'Und siehe da entstand ein großes 
Erdbeben, denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel her- 
nieder und wälzte den Stein ab und setzte sich darauf; 'sein 
Aussehen war wie das des Blitzes und sein Gewand weiß wie 
Schnee. *Und aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und 
wurden wie tot. *Der Engel aber hub an und sprach zu den 
Weibern: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den 
Gekreuzigten. ^Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er 
gesagt hat; kommt, seht die Stätte, wo er gelegen hat. ^Und 
geht schnell hin und sagt zu seinen Jüngern: er ist erstanden 
von den Toten und geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet 
ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. ®ünd sie 
gingen schnell aus dem Grabe heraus mit Furcht und großer 
Freude und liefen, es den Jüngern zu verkünden. ®Und siehe 
da begegnete ihnen Jesus und sprach: seid gegrüßt! sie aber 
traten herzu und erfaßten seine Füße und warfen sich vor ihm 
nieder. ^°Darauf sprach Jesus zu ihnen: geht, verkündet 
meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa gehn sollen; dort wer- 
den sie mich sehen. 

27, 55. 56. Mt verwischt den Unterschied, den Mc (14, 51) 
macht, zwischen den paar Frauen, die schon in Galiläa im Ge- 
folge Jesu waren, und den vielen, die mit ihm zusammen den 
Weg nach Jerusalem machten. Für Salome setzt er die Mutter 
der Söhne Zebedäi ein, im Zusammenhange mit 20, 20. Auch 
28, 1 fehlt Salome, dort ohne Zweifel mit Recht. 

27, 57—61. Bei Mt (27, 57) fehlen die Worte: es war näm- 
lich Freitag, der Tag vor dem Sabbat (Mc. 15, 42). Die Angabe, 
die einzige für den Tag der Kreuzigung, ei-scheint bei Mc allerdings 
in einem parenthetischen Nachtrage; aber nach 27, 62 hat Mt sie 



150 Mt. 27, 62—28, 7. 

doch gekannt, ebenso wie Lc und Joa. ' Efi.aJ>TQT£üxo verdeutlicht 
in richtiger Weise den unbestimmten Ausdruck bei Mc (15, 43); 
zum Dativ T(p 'Iyjöoü s. die Note zu 6, 1. Die Verwandlung des 
Ratsherrn in einen reichen Mann erklärt sich aus der selben Ab- 
sicht wie der Zusatz des Lc (23, 51), daß sich Joseph an der Ver- 
urteilung Jesu durch den hohen Rat nicht beteiligt habe. In 

27, 58 wird die Vorlage verkürzt zusammengezogen, wodurch ge- 
wisse Schwierigkeiten wegfallen; s. zu Mc. 15, 44 — 46. Das Grab 
ist neu (27,60), die Frauen bleiben dort sitzen (27,61); anders 
wie bei Mc. Zum Stein vgl. ZDMG 1872 p. 800. 

27, 62—66 ist ein Einsatz des Mt, dessen Konsequenzen in 

28, 4. 11 — 15 sich zeigen. Es wird angenommen, daß mit der 
Auferstehung auch der Leib Jesu aus dem Grabe verschwunden sei, 
und es soll unmöglich gemacht werden, dies auf natürliche Weise 
zu erklären. Die Juden zeigen eine merkwürdige Voraussicht („bis 
zum dritten Tage") und Pilatus ein merkwürdiges Zutrauen zu 
ihrer Voraussicht. Eine genaue Ortsangabe des Grabes fehlt auch 
bei Mt. KoüaxcttSia (27, 65. 28, 11) zeigt, daß solche lateinische 
Wörter nicht nur dem Mc eigentümlich sind; ebenso Xe^imve? 
(26, 53). 

28, 1 entspricht sachlich dem Verse Mc. 16, 2; die sehr auf- 
fallende Absicht, die Leiche im Grabe noch zu salben, fehlt bei 
Mt und Lc. Aber fi^k twv aaßßaTwv (Blass § 35, 4) scheint zu 
zeigen, daß Mt den Vers Mc. 16, 1 doch kannte. Auch dsoipr^aat 
Tov Ta'fov ist ein Nachhall aus Mc. 15,47; denn nach Mt. 27, 61 
ist es unverständlich, daß die Frauen sich das Grab noch erst be- 
sehen wollen. 

28, 2. 3 ist verändert aus Mc. 16, 3 — 5. Die bei Mc schon 
vergangene Auferstehung erfolgt bei Mt erst in diesem Moment, 
wird jedoch auch bei ihm bloß durch das Symptom kenntlich ge- 
macht, daß der Stein abgewälzt wird. Nur geschieht dies nicht, 
wie bei Mc, durch das Durchbrechen Jesu selber, sondern ein 
Engel wälzt ihm den Stein aus dem Wege. 

28, 4. Die Wächter erschrecken, jedoch nicht über das Erd- 
beben, sondern über den Anblick des Engels. Das ist eine Nach- 
wirkung von Mc. 16, 5, wo die Frauen erschrecken, denen allein 
der Engel erscheint. 

28, 5—7 wesentlich wie Mc. 16, 6. 7. Petrus wird nicht be- 
sonders genannt — was doch seine guten Gründe hat (1. Cor. 



Mt. 28, 8-10. 151 

15, 5). „Ich (der Engel) habe es euch gesagt" (28, 7) ist keine Ver- 
besserung für: er (Jesus) hat es euch gesagt (Mc. 16, 7). 

28, 8 wie Mc. 16, 8, indessen mit Veränderungen. Statt xal 
o&SIv sTtcov bei Mc heißt es bei Mt im Gegenteil: diraY^sTXai xoT? 
IxotÖYjTQiic aötoü, was freilich zu dem Vorhergehenden besser paßt. 

28, 9. 10 fehlt bei Mc. Daß Jesus den Weibern in Jerusalem 
erscheint, greift dem vor, daß er den Jüngern in Galiläa erscheinen 
will. Indessen erscheint er nur, um die Bestellung an die Jünger, 
die schon der Engel den Weibern aufgetragen hat, zu wiederholen. 
Die schimpfliche Fluaht der Jünger nach Galiläa wird hier durch 
einen ausdrücklichen Befehl Jesu gerechtfertigt. — Trotz diesem 
Nachtrage schließt Mt den Auferstehungsbericht genau 
an dem selben Punkte wie Mc; hinter Mc. 16, 8 hat er 
nichts mehr gelesen. 

Mt. 28, 11-20. 

Wie sie gingen, kamen einige von der Wache in die 
Stadt und meldeten den Hohenpriestern alles, was geschehen 
war. *'Und sie kamen zusammen mit den Ältesten und faßten 
Beschluß und gaben den Kriegsleuten reichlich Geld und 
sprachen: ^'sagt: seine Jünger sind des Nachts gekommen und 
haben ihn gestohlen, während wir schliefen, "und wenn es 
dem Landpfleger zu Ohren kommt, so wollen wir ihn be- 
ruhigen, so daß ihr außer Sorge sein könnt. **Sie aber nah- 
men das Geld und taten, wie sie angewiesen waren, und 
dieses Gerede verbreitete sich bei den Juden bis heute. 

^^Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, auf den Berg, 
wohin Jesus sie beschieden hatte. ^^Und sie sahen ihn und 
warfen sich vor ihm nieder, andere aber zweifelten. ^^Und 
Jesus trat heran und redete zu ihnen also: Mir ist alle Ge- 
walt gegeben im Himmel und auf Erden. *^Geht also und 
bekehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und 
des Sohnes und des heiligen Geistes '''und lehrt sie alles halten, 
was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle 
Tage bis an das Ende der Welt. 
In 28, 11 — 15 verraten sich sonderbare Begriffe von römischen 
Soldaten und von einem römischen Prokurator. Daß Jesus die 
Jünger auf einen Berg beschieden hatte (28, 16), ist ganz neu; es 



152 Mt. 28, 11-15. 

besteht kein Zusammenhang von 28, 16 ss. mit dem Vorhergehenden. 
Der Berg ist wol der Verklärungsberg (17, 1). MaftYjxeueiv (28, 19) 
heißt zum Christentum bekehren. Jünger ist s. v. a. Christ. Der 
Taufbefehl und die Dreieinigkeit erscheint im Neuen Testament nur 
an dieser Stelle. Indessen hat Conybeare (ZNTW 1901 p. 275ss.) 
nachgewiesen, daß Eusebius in seinen vornicänischen Schriften den 
Wortlaut unserer Stelle immer nur so anführt: Ttopsofteviec jia&ifj- 
TSüiare Tcctvia xol ?ftvT] h xcp ävofiati [aoü, SiSaaxovxe; auxoüc xTjpetv 
TtoEvxa Sera IvexsiXotfir^v 6[xtv — ohne Taufbefehl und ohne trinita- 
rische Formel; vgl. Usener im Rhein. Mus. 1902 p. 39 ss. Dadurch 
würden die Merkmale einer sehr späten Entstehungszeit von Mt. 
28, 16 — 20 eingeschränkt. In 28, 20 ist von der Predigt des Evan- 
geliums, welches den gekreuzigten und auferstandenen Christus zum 
Inhalt hat, keine Rede, sondern nur von Geboten Jesu. Die Hoflf- 
nung der Parusie tritt zurück hinter der beständigen Anwesenheit 
Jesu bei den Seinen schon in der Gegenwart (18, 20). 



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