(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Das lebendige all: Idealistische Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Grundlage im Sinne ..."

Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



I 




B 




•vjfcS 



üfc *T' 






i 



Das lebendige BII 

3beaUfiif(^e aBeltanfci^ouutig 

auf noturtoiffcnfc^aftlic^er ©runblage 

im Sinne ge(J^netä 



Dr. »nttu mat 

Srittci SlMifciik 



Verlag üön £eo;io(b Sog 
1905 



B 



5 

^ 



.•• 



♦ « 



\^.'r\• 



5&vtuK bon aXelKier A QHtttfi in jBdMfo» 







Jttftalt 



1. JmtVÜdlt Ättttur, 6. 1—12. — 3m SBalbcSfd^attcn. 1. — Äufecr* 
litftc Äultur. 2. — Unrcd^tc unb redete «Sfefe. ©ol^in, jhiltur? 3. — 
SKobcrncS ,,®Iütf". @tnn bcg ScBcnS. 4. — „©ü^cr gMcbc"! 5«tc 
©laubcnSfafung. 5. — ©cfen bcr SRcUgion. 6. — ®IauBc unb SBiffcn. 
3)er gattje 3Rcnfd^. 7. — ober SKcd^nlSmu«. 8. — Scrriffcn^cit bcS 
©cmütcS. fJad^ri«M)eIct. 9. — Sogo» bcr ^ßcrfönlid^feit. ,,SnS gnncrc 
bcr 3latwc/' 10, — Äem bcr «Äotur im ©cracn. 11. — aR^ftif. 12. 

2. 1|^{]m0X0dift. @. 12—22. — mt bcm ©crjctt bcnicn. 12. — 
(Bt)mpat^i\äit ©cbonfcn. 13. — ^obcn bcr SBcrftanbcS» unb ^crjcnS« 
logit 3)ic Hebcnbc ©onnc. 14. — 3)cr fccicnlofc gcucrball. ©armonic 
bcS gnnern. 15. — a)a8 ©cra als SWcnWcnIcnncr. 16. — ©cmälbc 
ober ^^otogrojjl^tc. ©ubjcitit) unb objcltit). 17. — SDic „Sielaubicicn" 
unb bie ©gcns^ßcrfon. 18. — ^crgcnSlogif in bcr SBcItaufd^auung. 19. 

— SBarum bcr SRatur mifitroucn? Äe})IcrS ®Iaubc an ©armonic. 20. 

— gcd^ncr über hm ©laubcn. 21. 

3. ItOpxtV» Vtl^\SU Bttfcftauung* @. 22—86. — ©crjcnSIogif 

bcrbonftänbigt bai» SBcItbilb. 22. — ^corctifd^cS $rinai)). $ra!tifd^cd 
^ßrinai^). 23. — Äo^f unb ^crj toic ©unb unb j^ajc 24. — ©iftorifd^cS 
?rinat|). „SDoS oltc SBal^rc". 25. — 9'^aturfcclcn unb «Hgcift. «ßcnbcl:: 
Sctocgung. 26. — ©ntgöttertc S^otur. S)ualigmu«. 27. — SKatcrialigs 
ntu8. ©ubicftibiSmuS. 28. — S)ic SBcIt crforfc^cn unb baS ©cra bcr* 
ftcl^cn. 29. — ged^ncr fein SDogmatifcr. 30. — Äcin ©^liritift. Äcin 
$§antaft. 31. — ^ux STnfd^auung bctocift. 32. — ^tufd^auungSlcm im 
begriffe 33. — grrucä^tbarfcit bcr Analogie. 34. — fjcc^ncr über ^na* 
logic. 35. 

4. Jfce letai^fanMt @. 36-40. — aufierlid^Icit unb ©Infcitigfcit bcS 

S^aturallSmuS. 36. — ®cift alS 5lu8na]^mcfott in bcr iRatur. ©rutolc 
SKatcric. 37. — SDic SBcIt ol^nc @inn. Sol^nt cS p«^ au leben? 38. — 
Slud^ ein @if^|)bu8. SDer toal^re $effimi8mu8. 39. 

5. „Jen Stnntn ftaJE Im liann pt frauwi." <B. 40—47. — ®eift 

an ®i»ei6 gebunbcn. SWaterie ol^ne ftnulid^c ©igeufd^aft? 40. — SHnbc, 
fiummc SBcttcnaüge. Umtoälaung in 8fe(iner8 Slnfid^t. 41. — Sft bie 
SBcIt itnfere SHufion? 42. — 3)er natürlid^c ©laubc an bie ©innen:' 
tDcIt 43. — ^nä) px'm'dxt Dualitäten pnnlid^. „^tng an ftd§" quali* 
I tätloS. 44. — ©eracnSIogil beS 9J?atcriaIiften; er glaubt an SWateric. 45, 
> — SinnUd^feit nid^t ol^nc ©c»u6tfein. 3Kateric nie ol^ne ®cift 46. 

J 
C 



IV Snl^alt 

e. ÄttW 9artto tu (BtUfmi». @. 47-51. — Dntologifd^cr ©ctoci« 
fttt Me ®ciftlö!cit be« «tt». 47. — «UtoiffcnWt. 48. — 3)afctn iinb 
Genien ibentifdft. 49. — ^er objelttoe SbealtömuiS. (Sin))irifd^er S3e^ 
loei». 60. — SBa« l^^i^t „«n iinb für ü^"? 51. 

7« KSnnftti WteitrAt uttlr ttietll lehtanbtr InertnflttQen ? @. 51— 64. 

— Auf ®runbt>crf^iebcnci5 !atin nid^t gctoirlt Jocrbctu 61. — $(tome 
ftnb ©oaialtoefen. Urfad^Iid^leit alS ©nttoicfelung. 58. — (SuBftana. 
(Srl^altung be9 SloffeiS unb bei Energie. 54. — Igbentität aI8 einzige 
a)cn!nottt)cnbiö!ett. 55. — ©d^lu^ t)on bcr Urfa^c auf blc aBfrfung. 56. 

— $l§4pF4c (^ergie unb ©eifiigfeit ImraEeL 57. — S)te geiftige 
parallele unenblid^. S3etDegung unb @(etft ntd^t fonfunbieren. 58. — 
„Ignorabimus^^ ÜBerehiftimmenbe IQren. 59. — ^qS (Sine, bon jtoei 
@tanb)mn!tm Betrad^tet. 60. — fßk Beeinffuffen einanber StBtpn xmb 
®eift. 61. — (Srgänaung bei» SD^aterialtöntuS. S)et äußere ©tanb« 
j)un!t 62. — a)er innere ©tonbjjunft. ©ciftlger aRontömu«. 68. — 

S. 64—67. — a)er ©d^Iuft bom Äufeem ouf baS gnnere. 64. — 
Sremben d^eift erlebt man nur unntittelBar. 65. — 9?ad^ meinem 
a^ufter benfe id^ htn 92äAften. 66. — Engere Unä]§nlid^!eit erfd^n^ert 
baS Serßanbnid. 67. 

9* l^fllinim unli itttn^ttlttU ©• 67—74. — a)ie ^flanjc »Ic bcr 
a^enfc^ ein DrganiSmud. 68. — Sleaftton auf SIeije, @ü6toa{fer))oI^)) 
urü> Stad^iSfeibe. 69. — SHanfenber ^o))fen. „%tx med^anifd^.^' ißanna. 
70. — So^e» ©intoanb. 8wib»5(t)efto. 71. — ®rbe, ©onnenf^ftem. 
(Srb^OrganilSmuS. 72. — (Erbgeift. ®etft ber a^enfd^l^it 9[IIe ®Ietd^« 
niffe l^inlen. 78. 

10* Sinti J^txb vaib l|fm titm (Stiftt mttrlSSliift? ®. 74—76. 

— mt» $]§9rtf^e erleBt ft^. Sirfelf^Iug 74. — SCnalogiefd^Iug beS Un« 
geleierten. ®iBt ed S^ftf ol^ne StlMtt? 75. 

11. ^a» HKnfrftaiuStie"« @. 76—78. — DBer» unb UnterBetoufttfcin. 
76. — ©d^tpelle beS SSetougtfeinS. @tufen beS äBeltBetougtfeiniS. 77. 

— a^aterie unter ber ©d^JoeHe. 78. 

12. 9eat ffiOfftt WtXttX. @. 78—88. — S)er «tQgeift. m unb ^. 78. 

— a)em Söd^ften elngegllebert ©scelpor. 79. — Se81§aIB Bcfonbert 
ftd^ ha» d^ine? 5!)aiS S^iebrige unb S3dfe. 80. — SbealÜSmuS atö (Sinn 
be8 SeBeniS. SnbttHbualiiSmud. 3)er £ob. 81. — S)er ^atenleiB. 
^'6^tt^ !Reid^ ber Erinnerung. 82. — 3)a9 SSetougtfein im @terBen. 
SbealiSmuiS unb ißaturmiffeufd^aft. 88. 



9[uf einer Sßanberung bur^ bie Stedarlanbfc^aft fonb ic^ 
in einem äBoIbgrunbe eine @m6e neBft äRauer^ unb fdaütn* 
reftem Sd^ t>miaf)m, f)itt f)aht Dor 3^Uen ein (Sremit gel^anfi 
liefet 3Renfd^ — fo bebad^te id^ — l^atie fic^ bamafö Don 
einer SebenSmeife, bie man gemöl^Kd^ ,,jht(tur^ nennt, t)öllig 
(o^gefagt unb ju einer SBerad^tung oder ^u§erß(i^!eit befel^rt, 
fo ba| er nid^t mel^r nad^ ®elb unb ®ut, ©efeQigfeit unb 
S^re, nac^ be^agßd^er äSol^nung, feiner ftleibung unb finn^ 
liebem Sergnfigen trad^tete, fonbem n)efenttid^ nad^ bem $eile 
feined innerlichen £e6end, loie er t» oerftanb* @eltfam! ©an; 
fpfirfic^ finb ^eutjutage fold^e nad^ Snnen gefeierte 9laturen, 
mib k>erft&nbniiSloiS ftel^t il^nen ber mobeme SKaffenmenfd^ 
gegenfiber. 

SSBelc^ ein ®egenfa| itoifd^en einem ®ro|ft&bter unb etoa 
einem inbifd^en (Sinftebler! 2)er (Sro^ftäbter l^at fein Seben 
abhängig gemacht t>on einer k^ertoidCelten äRenge äugerer 3)inge 
unb Sinrid^tungen, txm Dermeintli^en SSequemlid^Ieiten, Don 
SDlobe unb SupS. 3e sioilir^erter er fid^ bftnlt, befto unfäl^iger 
ift er gettiöl^nlid^, ol^ne @^rungfeberbett feine 9lad^trul^e ju 
finben, befto bringlid^er bebarf er bed ObolS unb ber $omabe, 
befto umoürbiger unb l^oltlofer lommt er fid^ t)or, faQ8 ein 
boshafter Qn^oXi ti fügt, ba| er ol^ne gen)iffe repräfentatide 
loiletteftfldfe bie ^gute ©efettfd^aft^ auffud^t, j* ». feine $anb- 
fc^ttl^e Dergeffen l^at, ober ol^ne ^embenfragen auf bie @trage 
gerfit S3ei einem ©eneralftreil ber Slrbeiter in (Senua erlebte 
\df, ba| ber mobeme Sleifenbe ^ilflod n)ie ein Heined ^b ba» 



I 

J 



2 3tn SBoIbcgfdöotien. tuftcrlid^e Äulhir. 

fte^t, fobalb bie (Sifenbal^n unb ©tragenbal^n, bte öffentlid^e 
93eteuc|tung unb baS gemol^nte 2)ienftperfonat ptö|tid^ t)erfagt 
@ci^ier uniertrennlid^ ift ber jiDißfierte (Europäer eben Dertoad^fen 
mit feinem ^tturriiftjeug, mit 93a]^nen unb 2)rö]^ten, ^el^drben 
unb Sanlen, $6tetö unb JReftaurant«, ©rofd^fen unb 8e* 
bienftetem ^ür ben bubbl^iftifd^en 9Rdnc| inbeffen ift fotd^e 
SBelttid^feit nid^tiS afö ber Sultue eines SBal^nS, ber ben SRen« 
fd^en t)on toal^rer greil^eit abteuft. 3n einer Sammlung bub* 
bl^iftifd^er Sieber l^eißt t^: 

„^m SalbeSfd^atten DoUer 5!)uft, 
3n Iu]§Icr SölJIc fclfcnl^ort, 
^a »in ic^ Baben queUenfalt, 
^a toUi id^ ttianbeln gan^ aUein. 
©infam gufrieben, ol^uc (Jtcunb, 
%om großen SBoIbe nur begrübt, 
©el^n' fd^ mid^ nod^ ber €cclenruf)', 
©0 QKeS ®ä§ncn ift öerftcöt." 

Snbem id^ auf ben Eremiten l^intoeife, tt)iD[ id^ nid^t bie 
SBettflud^t greifen. ?lber bie moberne Äuftur l^atte id^ feine«* 
toeg« für eine ^eitetoal^rl^eit, öielmel^r für einfeitig unb er=* 
gäuiungSbebürftig. @8 ift eine öortoiegenb äußerttd^e Kultur. 
Si^r gegenüber betone id^ bie innerlid^e. S)iefe beiben ßl^aroftere 
entfpred^en ben beiben ©runbformen unfereg Sebeni^: SBir finb 
einerfeiti^ Äörpertoefen unb erleben anbererfeit« eine geiftige SBelt 
3nterefftert un8 me^r bie ©innfäQigteit, fo rid^tet fic^ unfer 
^rad^ten nad^ Slugen, auf bie Dbjefte; im anbem %aUt naä) 
Snnen, ins SReid^ beg ©ubjeftiöen. Auf ber einen Seite gc* 
»innen »ir Setüältigung ber 9Raffe, ©rfinbungen^ ftaattic^e unb 
tt)irtfd^aftlid^e ©rfolge, ftnnlid^en ©enuß unb ftomfort. S5e* 
fonberS btel in biefer 9lid^tung l^at baS neunjel^nte 3al^rl^unbert 
geteiftet, e« l^at bie 3Äafd^ine, bie SRaturforfd^ung unb Sflatm^ 
be^errfd^ung, baS SRilitär, ben SSerlel^r, bie realiftifd^e S3ilbung, 
baS politifd^e Seben großartig entn)idCeIt, l^at baiS eifeme 9Kngen 
ber Staaten um äßad^t, bm bürgerlid^en SReid^tum unb ben 
Zentralismus im SSoIfSleben gro^ gejogen, bte 9tiefenftabt, bie 



mod^töoHc 3nbuftric, fotoie crftauntid^ öertoidcltc unb juber* 
läfftgc Drganifationen bcr Arbeit, bcg SScrfeJ^r« unb bc3 gc* 
fenigcn Scrgnügcng gcfd^affcn- SBag ung icbod^ fcl^lt, ift SScr^ 
ihncriid^ung, fubjcftitJC ^Itur, bag ftitlc, tiefe @tüd innerer 
Harmonie. ®^ liegt mir burd^auiS fern, baS d^riftlid^e ober 
bubbl^iftifd^e Söüßertum neu ertoecfen gu tooHen. (Sinen Srrtoeg 
fel^e id^ in ber Slbtötung be8 gleifd^eg. 9lid^t bie ©innlid^feit » 
abjuftreifen gi(t z^, fonbem fie ju öerebeln; unb njenn SReufd^en 
nad^ ©elbftbel^errfd^ung ftreben, fo ift ba8 getoife ein erl^abeneS j 
Siet, nur foHten fie alle unfrud^tbare Släfefe burd^ ^jraftifd^ej 
Siebegbienfte an ber bebürftigen äßenfd^l^eit ablöfen. Sd^ ber* * 
tocrfe bie mönd^ifc^e ®ebet8t)irtuofität, ben jefuitifd^en ffiababer- 
gel^orfam, bie pfäffifd^e 2;^rannei unb SSoIteöerbföbung. 3n* 
beffen erlenne id^ an, ba§ Seiten, bie jenes ©remitentum an^^ 
bilbeten, öor unferer ©egentpart ettoaS üorauS l^atten, bie 
@c^ä|ung innerer Kultur* SRan entpfanb unb bel^ergigte bamats 
eine SBeiSl^eit, bk unfer ))affionierter Orofeftäbter faum ntel^r 
fpört, — ba§ nämlid^ nid^t brausen, fonbem im ®emfit ber 
Sinn be8 SebenS erobert unb ba8 JReic^ ber grei^eit, SSoQ* 
fommcnl^eit unb ©etigfeit erfd^Ioffen toirb» 

©leid^tool^I barf man fagen, bag biefe SßeiS^eit in ber 
mobemen Qtit nid^t ganj t^erloren gegangen ift, btelmel^r auf8 
SReue fcimt unb fid^ entfaltet. ?lu8 bem ©etümmel ber ©trafen, 
aus bem Ziofen ber SDtafc^inen unb bem ®efd^tt)ä^ ber SReftau^ 
rantS l^ört mand^eS O^r bie f^rage raunen: „®o\l baS nun 
immer fo toeiter gelten? SBol^in jielt unfere Kultur? SBoju ad 
bieg ®etriebe? SBeld^en ©inn l^at eS? SSerfoIgt mein aiienfd^en* 
(eben unb baS SEBeltaQ überhaupt einen ©inn? Ober ift eS tin 
großer Unfinn?" 

3e mel^r äRiQionen unb je mel^r äRad^t bie mobernen 
®roJ3en anrufen, befto beutlid^er muffen fie empfinben, ba^ if)x 
@IfidC l^ierburd^ nid^t gefteigert toirb, ba^ ein 9itefenüermögen 
bielmel^r bie Xenbeng l^at, feinen (Stgentümer ö^nlid) bem SRäb^ 
d^en einer SRafc^ine ju üerfUaoen, ti)ä^renb jugleid^ Überfättigung 



bie läufßci^en (Senüffe abftumpft. SBoiS aber bie Ernten betrifft, 
bie jel^n bis Dterjel^n @tunben %aQ ein Xag au8 fd^tuer unb 
einförmig arbeiten muffen, ol^ne StnteU an ben l^öl^em ©fitem 
unb feineren ©enfiffen ju erlangen, ol^ne t)or ^[rbeitslofigteit 
nnb bitterer 9tot gefld^ert ju fein, fo ertoad^t in il^nen immer 
lebl^after baiS S3etou^tfein, bag eine Kultur nnfmnig ift, bie bem 
^roletariate l^auptfSd^Iid^ bie Stolle gnloeift, ali 2)finger Don 
ben ©etoäd^fen beS fojialen Xreibl^aufeS t)erbrau(i^t jn toerben, 
fo bag bie SDZenfd^enn^firbe im SSerbraud^ten nid^tS mel^r gilt* 
S)er 9»ittelftanb ffi^It fic^ nun freiließ t)er^ältniSmä^ig tool^l; 
er ift genu^fäl^ig, gebilbet unb J^offnungStJoK. S)od^ \fyx ftad^elt 
bie ^urd^t t)or ber Slrmut unb bie S3egierbe nad^ Sleid^tum, 
fo ba^ er feiten innere J^armonie finbet. @o penbelt er 
jtoifc^en ben beiben (Sjtremen unferer ®efeUfd^aft; finft er in 
ber fojialen ©tufenorbnung, fo üerliert fein Seben in feinen 
Singen an SEBert; fteigt er, fo n^irb er bod^ getoö^nlid^ nid^t 
befriebigt, ba er immer nod^ l^öl^ere @tufen Aber fid^ fielet 
unb fd^lie^lid^ bem fd^on em^äl^nten S^ft^^i^^ ^^ 931afiertl^eit 
unb Unfreil^eit t)erf&llL ©c^IIa l^ier, S^l^ar^bbiS bort 2)ie 
9Rittelftrage beiJ tt)o^t^abenben $rit)atmanneS aber ift gepflaftert 
mit Sangtoeiligleit unb ^l^itiftertum, jutoeilen aud^ nod^ mit 
bem befc^ämenben 93etouJ3tfein, ein unprobultioer SSerjel^rer ju fein. 
S)oc^ gleic^t^iel mlä^m fojialen Soften tüvt einnel^men, 
jeber t)on unS, ber nid^t gebanlenloS in ben Xag l^inein lebt, 
finbet einmal eine ©tunbe innerer @infel^r, üießeid^t in fd^laf* 
lofer 9lad^t, ober in gefäl^rlid^er ßranll^eit, ober am @arge eines 
lieben 9Renfc^en, unb bann geftel^t er fid^ tool^l: „S)a mttl^t 
man fic^ in raftto[er 9[rbeit, ba forgt man, l^offt man, begel^rt 
man, ba l^afc^t man nad^ ®enug unb tt^irb fo oft fd^merjlic^ 
enttönfd^t; ba fd^märmt man wn SBal^rl^eit, @d^önl^eit, f^reil^eit, 
9ted^t unb toeig bod^ nid^t, oh fold^e Sbeale mel^r aU nSrrifd^e 
3llufionen finb; ba l^ört man allerlei Beirren über ben 9Bert 
beS Seben8 unb über ba8 SBerl^ältnii^ beS Sinjelnen jum SBelt^ 
aQ, bod^ man tt)ei| nid^t, auf toeld^e t)on biefen Seigren man 



Silber f$r!ebel 9(Ite @(kuben9fa^intg. 5 

fid^ t)erlaffett barf; ba grübelt man nun f eiber nnb fd^n^anlt in 
taufenb QtoA^tln unb Unbegretflid^etten; unb n^äl^renb man ftd^ 
fo quält, einen ©inn in bie8 öerttjorrene S)afcin ju bringen, 
t)errinnt bie 3^^^ ^^ ^^^^ ^I^^r ©efal^ren lauem ringsum 
unb bred^en tücKfd^ ]^ert)or, bai^ ^erj üerliert feine tinblid^e 
f^fd^e unb Unfd^utb, jutt^eilen bleibt il^m nur bie äBal^I 
jtt^ifd^en SSerjid^ten unb SBerjtoeifetn; enblic^ btäft ber Xob 
unfer Sid^tlein au8, unb im ®rabe n^erben ton Bicaii, tt^äl^renb 
broben bie taute SEBett in il^rem SebenStaumel unS t)ergigt 
äBeld^en @inn l^at baS aDeS? Urgrunb, ber bu mid^ gefd^affen, 
ber bu mid^ auSgeftattet l^aft mit SSemunft unb l^eiliger @el^n=« 
fud^t, l^i(f mir ba^ bange Stätfel löfen, verbreite Sid^t aber bie 
^ufammenl^änge beiS SBeltaQiS, bajl id^ eS anfd^aue unb ba^ id^ 
fel^e, toie id^ bem ©anjen eingeorbnet bin!" SRit fold^er 
®rfibetei t)erbinbet fid^ iDOl^I eine ©el^nfud^t, toie fie ©oetl^e in 
feinem Stad^tßebe be8 rul^elofen äBanbererS auSfprid^t: 

,^^er hn k)on bem ^immel bift, 
Wl^ Seib unb @d^meraen ftiHeft, 
^en, ber bo))))eIt elenb ift, 
2)o))))eIt mit @rqut(!ung füHeft, 
^d^ ic^ bin bed treibend mübel 
^q9 foH au bec @d^mer^ unb fiufi? 
@fi6er gWcbe, 
jlomm, ad^ lomm in meine ^ruftl^' 

SBieÜeid^t fud^en n^ir ben ffi^en f^rieben in jener 9{eIigion 
bie ftd^ für bie Pförtnerin beS ^immelS auiSgibt 2)od^ tt^ir 
finben il^n bei il^r fd^toerlid^, faDs toir uniS nid^t baju ent^ 
fd^Iie^en, unfern Serftanb, bebeutenbe ©nungenfd^aften ber gor* 
fd^ung unb unfere moratifd^e @elbftbeftimmung unter bie ^uto* 
rität ber ®Iauben8fä|e gu beugen. Stönnen n)ir ba8 ni^t unb 
Ratten h^ir bie f^reil^eit unferer Überjeugung l^od^, fo mfiffen 
loir bie Krd^Iid^en Dogmen mit ungläubigem ftopffc^fitteln'be« 
anttoorten* 3)enn beifpietStoeife t^erträgt ftd^ ba8 S)ogma t)on 
bem äugerlid^en, äbertoeltlid^en (Sötte, bem @d^ö))fer, Srl^alter 
unb 93el^errfc^er beS äBeltaDS nid^t mit unferer SBiffenfc^aft tion 



l 



6 SBefen ber 9leItgion. 

ber (Srl^altung ber (Energie unb Don ben ®efe|en, bte unjer::' 
trennlic^ jum Sßefen ber 9latur gel^ören* ^ie Seigre t)om 
@iinbenfatl n)tberf|)rici^t ber S3el^au))tung, ba^ ber ©d^öpfer ber 
äßenfc^^eit aHmiffenb, aKmäc^tig unb aügättg fei. Unb t^oKenbS 
bte Se^e, ba§ iDtr ajienfd^enünber bte fc^Iec^te ^Veranlagung 
SlbamiS unb St)a8, bie boc^ eigentlich il^rem ©d^öpfer juju« 
fc^teiben ift, unöermeiblic^ ererben, um l^inter^er — ni^t ettna 
Sntfd^ulbtgung unb Sntfd^äbigungr fonbem ©träfe, t)iellet(l^t gar 
ett^tge ^dUenqual ju ftnben. ®egen eine fotd^e ^l^eologie lel^nt 
ftc^ fogar ein ®emüt auf, baS fo ntilbe unb t)erföl^nlid^ ift, mie 
unfer ^d^ner; benn er fagt: „lln eine SBerberbniiS beiS ganzen 
äRenfd^engefd^Ied^tS, ja ber ganjen 9^atur ali ^o(ge t)on W)am^ 
Slpfelbig, an einen ®ott, U)elc^er beS ^eujeStobeS feinet @o^nt^ 
beburfte, um ftd^ loegen ber @d^ulb ber t>on xf)m felbft mit 
fünbigen S^rieben gefd^affenen äRenfc^en tierföl^nt ju finben, an 
eine etoige SSarml^ersigleit unb ®ered^tigleit, meldte aber }eit^ 
lid^e @ünben unb mangetnbe ©läubigleit endige ^öQenftrafen 
derpngt, unb an. n)ie SSiele^ nod^ l&gt fid^ nid^t en)ig glauben; 
ber Ortl^obo^e täufc^e fi^ bod^ nid^t/' 2)ie logifd^en unb mora^ 
lifd^en äRängel ber l^ergebrad^ten ®(aubenSretigion l^aben t)ie(e 
©elbftbcnfer mit einem fold^en SBibernjiden erfüllt, ba| fie t)on 
Sleligion fiberl^aupt nic^tiS me^r toiffen n^oQen unb ber Knfid^t 
l^ulbigen, ein el^rlid^er Sreigeift mfiffe religionslos fein. 3d^ 
mag mit biefer 9lid^tung nid^t redeten, n^eit ber @treit junfid^ft 
auf einen blogen SSSortftreit l^inauStaufen toürbe. SEBad bebeutet 
ba« SBort „^Religion"? 2Rit ber «nttoort auf biefe fjrage ift 
jugteid^ unfere ©tellung jur ateligion präjifiert SReint man 
mit bem SBorte „^Religion'' nid^ts ald Aberglauben, ein (Srbteil 
aus rüdCftänbigen ^Ituren, fo lel^nt man natüirttd^ aQe {Religion 
ab unb lägt fie allenfalls nur nod^ als S3änbigungS« unb Xroft^ 
mittet fär bie rol^e SSoIISmaffe gelten. Snbeffen lann man etn^aS 
ganj anbereS unter 9teIigion üerftel^en. %üx mid^ — unb bie 
§ieIigionSforfd^er »erben mir öielfac^ beiftimmen — ift JReligion 
eine S)eutung ber 2BeIt unb beS äRenfd^enlebenS, toeld^e jene 



®Iou6ett unb ©Iffeti. ^er gan^c SWcnfc^. 7 

^age mtterlic^ k)eran(agter $er[önltci^!eiten2u löfen fud^t: ^^äBelc^en 
@ütn l^at ba^ ®an}e, uttb toaS foQ ic^ barin?'' Sllle ^Religionen 
bcr t)erfd^iebenen Seiten unb SJöKer l^aben eine Slntoort l^ierauf 
üerfud^t, unb jtoar t)om ©tanbpunfte i^reS j[en)eiligen Sbeentreifei^; 
fie l^aben babei nic^t btog il^r ®emütöleben, i^re fittlid^en unb 
poetifd^en ©orftettungen berürffid^tigt, f onbem and) il^re SBiffenfd^aft 
unb SSernunft, ober bod^ ttjag pe für SBiffenfd^aft unb SSemunft 
l^iellen, SBenn toir Äinber ber Sieujeit bie alten ©laubenS* 
reliflionen öcmunfttt)ibrig, n)iffenfd^aft8feinblid^ unb fittlid^ rüdE* 
ftänbig nennen, (o l^at bieg Urteil nur infofem S3ered^tigung, afö 
unfere SBiffenfd^aft, SSemunft unb ©ittlid^feit eben eine anbere, öiet 
fadb gemi| eine l^öl^ere @tufe einnimmt, atö |ene S3ilbung, bie fid^ 
in ben alten ©taubenSreligionen auSgebrüdEt l^at. 3)?ag bie 
9ieligion mit einer beftimmten äßiffenfd^aft in f^e^be liegen, fo 
fd^tiegt fie bod^ leineiSniegg bie äßiffenfd^aft itberl^aupt aus. 3m 
Gegenteil; jebe toal^rl^aft lebenbige 9teligion tt)irb mäd^tige 
SEBurjetn in ba^ oftueHe Kulturleben i^rer Seit erftredfen, ^raft 
baraud 2U fangen; unb mnn eine Sieligion fid^ fd^eu unb 
großenb bon neuer SBiffenfd^aft abfeiert, fo üerrät fie l^ierburc^f 
ba§ fie veraltet ift unb nur noc^ burd^ äugerlid^e Wliüd fid^ 
eine SBeile bel^aupten fann, 3n biefer SBerfaffung befinbet fid^ 
bie ®IaubenStel^re ber Kird^e l^eutjutage; unb bag foUte S3erüdE^ 
ftd^tigung finben, fomol^l bei benen, bie bem Stoffe bie alte 
9ieltgion erl^alten mdd^ten, afö aud^ bei ben religiöfen bleuerem. 
SBie bie eigentümlid^e Seiftung ber Sieligion — bie ©eutung 
be8 SBeltfinnea — nid^t ol^ne SBiffenfd^aft juftanbe fommt, 
fo aud^ nid^t burd^ blo^e SBiffeufd^aft. SBa3 i^ „btofee SBiffen* 
fd^aft'' nenne, finb Senntniffe, bie öon feiner anbem ©rlebnig* 
form, atö öom SSerftanbe, erfaßt unb georbnet toorben finb unb 
in „%lxd)tin", ol^ne lebenbige SSerbinbung, nebeneinanber liegen. 
SEBeitanfd^auung ift mit fold^er @infeitigfeit unb S^^f^'^^^^'^eit 
un&erträglid^. SQumfaffenb mu| SQSeltonfd^auung fein. Unb 
jloar nid^t blog l^infic^tlid^ beS DbjettiS, auf baS fie fid^ er^ 
ftredU, fonbern auc^ l^infid^tlid^ be^ @ub|eftd. ^Humfaffenb bie 



\ 



8 ßber aRec&antdmuS. 

SEBe(t anfd^auen l^et^t, fte als gattier SRenfd^ erle&en, mit 
alten f^ormen unfereS Seiou^tfemS unb iugletd^ etnl^eitlid^. 
Sßentt tDtr @oetl^e als ein Sbeal oQfeitig nnb l^atmonifd^ ent^ 
n^idelten SRenfd^entnntS Detenten — tt^ie 91a^o(eon t>on i^m 
fagte: „Z)aS ift ein äRenfd^^ — fo bfirfen n^ir aud^ lool^I ®oetl^eS 
Wct, bie Sßett anjnfc^anen, inm äRufter nel^men. Seine fmn^ 
lid^e ^[nfd^annng ergänzte er bnrd^ bie innerlid^e; nnb nid^t 
&Io§ t^erftänbtg, fonbem ^ngleid^ mit ftfinftlerp^antafte, al8 ®e« 
mfit nnb ali S^aralter erlebte er bie Sßelt; ben ©toffreid^tnm, 
ben fte il^m bot, t)ergalt er bnrd^ Sleid^tnm ber SBerimterlid^nng« 
„3m Snnem ift ein Uniöcrfum and^.'' . • • @tet8 SoKmenfd^, 
ffil^Ite ®oetl^e iebl^aft, n)ie eine blo^ än^erlid^e nnb Derftänbige 
iBetrad^tnng baS Seben eng nnb arm mad^i @oId^e Deröbenbe 
SBirfung ttjarf er bem materialiftifd^en „Systfeme de la nature* 
t)or. 3n feiner SebenSgefd^ic^te erj&l^It er wn bem triften Sin^ 
bmdC, ben biefe SSerlel^rnng bei (ebenbigen ))oefiet)oIIen ftoSmoS 
in ^ssSLtotm, oben a9ted^aniSmnS anf fein ®emfit anSfibte* 
^©0 grau, fo 7nnmeri|d^) fo totoi|aft* lam il^m ba8 S3ud^ üor, 
;,bie redete Ouinteffenj ber ®reifenl^eit, unfd^madR^aft, ja ab^ 
gefd^madft^ An bie ©tcße ber ,,gefd^müd!ten großen SBelt'' 
fe|te eS eine ;,9Raterie^ wn ®n)igleit l^er ben^egt^, unb au8 ber 
„^en^egung red^tS unb linfS unb nad^ aKen @eiten^ gtaubte eS 
bie „unenblid^en ^^änomene beS S)afein8' ableiten in Idnnen« 
9lad^bem eS /^einige allgemeine SSegriffe ^inge))fal^It^, mdd^te eS 
baSjlenige, niaS pi^er als bie Statur ober als l^öl^ere Statur in 
ber Slatur erfd^eint, jur materiellen, fd^weren, gtoar betoegtcn, 
aber bod^ rid^tungS« unb geftattlofen Statur üem»anbeln'^ „SBenn 
toit t)on ben Snj^Kopäbiften reben pren ober einen S3anb il^reS 
nngel^euren SBerieS auffd^Iagen, fo niar eS unS ju SRute, als 
menn man itoifd^en ben nnjfipgen betoegten Bpvlm unb SBeber« 
ftü^Ien einer großen %abnl l^ingel^t unb t)or (auter ©d^narren 
unb Staffeln, loor aUtm Sug' unb ©inne t)erttiirrenben äRed^aniS^ 
muS, t)or lauter Unbegreiftid^Ieit einer auf baS mannigfaltigfte in« 
einanber greifenben Slnftatt, in S3etrad^tung beffen, toai alles 



3erriffenl^ett beS ^entüteS. 3fQd^fiin))elet. 9 

baju gel^öri, um em ®t&d Xud^ ju verfertigen, ftd^ ben eigenen 
9{o(f felbft t)erleibet ffil^ft, ben man auf bem Seibe trägt'' 

2)er ®mnb, toeStt^egen bie einfettig fiu^erlid^e unb t)er^ 
ft&nbige 93etrad^tung unS baS frifd^e Seben t)erleiben lann, ift 
ber Umftanb, ba^ fie unferm Seben einen fücaib antut, inbem 
fte feine 93Iumen Dem)fiftet, nämlid^ feine SBeiiel^ungen jum ®e« 
mute unb jur ^l^antafie. Xa^ ibealiftifd^e ^erj mu^ unter ber 
Z^ronnei be8 SSerftanbei^ enüneber entfagenb k)erlfimmem ober 
jtt einer StebeQion getrieben loerben, bie unfere ^erfdnlid^Ieit 
mit ftd^ felber uneinS mad^t, fo ba^ n^ir t)or ^^ff^^^^t it^b 
(Sebro^enl^eit nid^t ju t)on[em $ei(e unb DoQer Straft gelangen« 
S)iefe trfibe @ee(ent)erfaffung grafftert l^eutjutage, n^eil unfere 
ftttitur ftd^ nod^ feine SBeltanf^auung angeeignet ^at, in ber 
fiopf unb $er;, Sßiffenfd^aft unb ®emät, l^armonifd^ n^ie in 
einer guten (S^e t)ttm&^lt finb* SD'Kt ber SuBerlid^Ieit unb DBer« 
Pd^fic^Ieit unferer ^(tur l^öngt eine falfd^e ©d^&^ung fad^^ 
mfinnifd^er @pejialifiemng jufammen, bie Dermeintlid^ bai^ ®oetl^e« 
loort be^erjigt: ^3n ber Sefd^r&nbtng jeigt fid^ erft ber äJ'teifter'', 
in äSSal^rl^eit aber nid^t ^efd^ränlung, fonbem SBefd^ränftl^eit 
gtoB iiel^t SaS ift eine gad^fim|)etei, bie unfere Sebeni^gebiete 
nid^t ali innerlid^ üerbunbene 3i<f^^^^S^'^9^9'(^it^r fonbem 
al8 @d^ubfäd^er mit ftarren ©renken betrad^tet Unfere n^iber^ 
fprud^dt)one ^ttur lä^t ben Xl^eotogen t)or @d^ülem unb 
@tubenten feierlid^ bel^ou^ten, äßaffer lönne burd^ :priefterlid^e 
SBeil^e in S3lut tiertoanbelt toerben, einem ftanbibaten ber (Sl^emie 
aber, ber biefe S3e]^au))tung in feiner f^r^d^prilfung beJ^erjigen 
monte, mflrbe fie baS S)ipIom tienoeigenu 

S^rer Sogif rfil^mt {Id^ unfere ^Itur. S)od^ fie beJ^erjigt 
fe^r menig jene tiefere Sogit bie id^ btn Sogo8 ber ^erfönlid^« 
feit nennen mdd^te. Z)a8 gried^ifc^e SEBort „SogoS^, ba8 ju 
Seginn be8 Sol^anneSeDangetiumiS eine Stoße \pidt {„^m Anfang 
loar ber SogoS''),. bebeutet n^eit mel^r als „SBorf' (mie Sutl^er 
uberfe|t> £ogo8 ift bie Sogil ber äBe(tentn)idKung, ber fd^0t)fe^ 
rifd^e @inn beS SebenS. Senn bai» äßeltaU nid^t ftnnloS ift, 



10 Sogo8 bcr ^crfönlid^feit. „3tt8 gnncrc ber Sf^otur/' 

toenn eS einen loSmifd^en @inn gibt, fo mng er fid^ and^ in 
bem Bebeutfamen ©liebe beS SSeftaUS Betätigen, baiS loit atö 
unfere ^erfSnlid^Ieit erfeBen. @ine unfinnige äJerfaffung, ber 
%hiä) ber ^onfufion n)äre unferer ^erfönlic^Ieit jugefügt, tomn 
fie notmenbig mit jtcl^ fetBft gerf alten BlieBe, tt)enn ftopf unb 
^erj, StealiSmujS unb 3beaß8muiS unüerträgßd^ neBeneinanber 
l^ergel^en mü^te!n. Snbem xä) ber ^erfönlid^Ieit tmp\ef)U, totaiQ^ 
ften^ l^^potl^etifcl^ einen SBeltfinn gelten gu laffen unb ben fiogoS 
aU iijxttt SeBeniSgrunb ju Betrad^ten, möd^te x6) fie jur äBiber:» 
fprud^^Iofigfeit, gur ÜBereinftimntung mit fid^ felBft anleiten, gur 
i^armonie t)on ^erftanb unb ®emüt 

SBag ©oetl^e an bem materiafiftifd^»med^aniftifd^en Systeme 
de la natare au^fe|t, bie einfeitig finnli^e unb t)erftänbige 
JBetrad^tunggttJeife, bie ben anberen Gräften unferer ^erfönlic^feit 
einen Dämpfer auffegt, ift ein d^arafteriftifc^er 3^9 ^^^ äu|er* 
üd^en Slultur» ©innüe^feit unb SSerftäubigfeit Bilben jene DBer* 
fläd^e bed (SrleBenS, Bei ber eS bie äu^erlid^e Kultur gern Be^ 
totnhm lägt äSJer l^ingegen, n^ie (Soetl^e, ben ©tanbpunit beg 
ßänftler^, be^ fü^lenben unb moQenben ®emüt^ gur ©eltung 
bringt, reagiert mit feiner 3;iefe unb fud^t innerlid^e Sultur. 
S)al^er ruft ®oetl^e ber Blog |)1^9fifd^en unb öerftänbigen S3e* 
trad^tung, bie fid^ auf bie äujsere „©d^ale'' ber Statur Befd^ränlt, 
angüglid^ gu: 

//3uS Sauere ber SfJatur" — 

D bu ^^ilifter! - 

„bringt lein crfd^affner ®eift." 

m6) imb ©cfd^toifter 

aJlögt i§r Ott fold^eg SBort 

'Slvii nld^t erinnern; 

aSir benfcn: Ort ^ Ort 

@inb toir int 3nnern. 

„©lüdfelig, loem fie nur 

3)ie äußere Schale loeift!" 

3)a8 l^ör ic^ fed^jig So^re toieberl^olen, 

^(ü^ Pud^e brauf, aber öcrftol^Ien; 

@age mir taufenb taufenbmale: 



Äcm bcr ^atnx im ^er^eit. 11 

5lffcS gibt ftc td^lx^ unb gern; 
S'Jatur 5at mebcr Äem 

OTcS ift Tte mit einem 3JlaIe; 
3)i(i^ |)rüfc bu nur attermeift. 
Ob bu Äem ober Schale feift." 

aScnn nun anä) btc kleinmütigen entgegnen: 

„^ir fenncn bid^, bn @d^alf, 
3)u mad^ft nur ^ßoffcn; 
93or unfrer 92afe boc!^ 
Sft biel öerf(6Iojfen/' — 

fo Bleibt ©oetl^c bod^ feinem ©üangelium getreu, inbem er — 
äl^nlid^ ipie @d^ot)en]^auer — geltenb mad^t: 

„Ql^r folget falfd^er <Bpitc. 
S)enft nic^t, loir fd^erjenl 
Sft nid^t ber Äem ber 9iatur 
3Kenfd^cn im ^erjen?" 

®a8 feml^afte, tiefinnerlid^c Sriebni», bie Strt toie unfer 
^er} mit feineiü SbealiiSmuiS baS finnlid^e SBal^mel^men unb 
öerftänbige ©rfaffen ber ®inge begleitet unb jur ©in^eit ergänjt, 
ift ba^ eigentümlid^ Sieligiöfe an aQer SSettanfd^auung. Unb 
»eil eg fid^ l^ier um eine feml^afte Siätigfeit l^anbelt — eben 
beSl^alb ift aUt ed^te Sleügiofität unb aQe erlebte Sßeltanfd^auung 
etn^aS fo ^erfönlid^eiS, bag man fagen barf: @o t)id ^öpfe, fo 
i^iel 9fleIigionen unb SEBettanfd^auungen; n?o aber ä^ießgion unb 
SEBeltanfd^auung afö ©emeinfd^äftiSbemegung auftritt, n^irb fie 
meift 2ur oberfläd^Iid^en f^orm ausgeprägt, fei eS nun ju 
einer SRoral, fei e8 ju einem S)ogmen* unb S^^^^oi^i^it^i^ff 
fei cS aud^ ju einem politif dy^pjialen ©Sttem, Sffiir l^aben c8 
bann'mit* öcräußerlid^ter Kultur jü tun, bie unfäl^ig ift, baS ju 
leiften, toonad^ ber @d&a|graber innerlid&er ^Itur^ gerlangt — 
ic§ meine lebenbige, aus ber ^ßerfSnlld^Mt gejeugte7 bal^er über^ 
jettgenbe Deutung beiS SBeltfinneS. 

SEBeit a(fo bie Lebensfrage innerlid^er ^Itur im Slrlanum 
bti Wlm\^m tourjelt, baS in feiner tiefften Eigenart allen äßit^ 



\ 



12 W^ftif. mt bent ^r^en benlen. 

tnenfd^en ein 93ud^ mit fteben @iegeln bleibt, batmn ift bie 
centrale Seben8fraft innerlid^er ftultur ein (SrtebntS ber perfön^ 
lid^ften Srt; aOe Dberfläd^enform, alles SnteOehnelle l^at e^ 
berart abgeftreift, bag e& fid^ nnt noc^ in {finftlerifd^en, Qtf&^U 
t>oUm @innbitbem mitteilen t&^t SKobeme SBerftSnbetei nennt 
fotd^ tiefinnerlid^eiS Erlebnis „SDZ^ftil^ nnb fie^t gern barauf 
l^erab, toie anf eine 83tafe religiöfen S33irmarr8* SJiobemc 
SSerftänbelei l^at eben t)or tanter ©ojiatftnn jenen tiefem Snbi^ 
DibnaliSmnS t)erIoren, ber bie ^eil^eit nid^t bIo§ in ber äußern 
Sebenafül^mng refpeltiert, fonbem im geftattenben Urgmnbe ber 
^erfönlid^feit hiermit n)iQ id^ nid^t fd^ranfenlofem ®emätd^ 
\ inbit)ibnaIiSmui^ baS SBort reben« ^er l^armonifd^e 9Renfd^, ber 
1 mir als 3bea( t)orfd^n)ebt, tt)irb nid^t einer innerlid^en Slnard^ie 
ftd^ ergeben, bie il^n unter feineSgteid^en n^ie einen 3rrfinnigen 
tifoKert, fonbem er »irb ben SSerftanb nnb ben SBirKid^feit«finn, 
ben er flbereinftimmenb in fid^ felbft nnb in feinen SRitmenfd^en 
t)orfinbetr afö einen Prüfer unb Slid^ter gelten laffm. Sßenn 
bie lySO^^ftif t)or biefem f$omm beftel^en lann, bann mag fie 
l^öd^fte SebenSiraft ju enüoidCeln fud^en aus jenem „Rmt ber 
9tatur, äKenfd^en im ^erjen/' üon bem ber Sl^embinifd^e SBan« 
berSmann fingt: 

„SRenfc^, in bem Urf^rung ifi baS fBaffer rein unb Üar; 
Srinift bu nid^t auS beut CtueH, fo ftep bu in ®efa]^/' 

^ai leml^afte, tiefinnerlid^e @r(ebni8, bie Wct, loie unfer 
^er} mit feinem SbealiSmuS baS finnlid^e Sßal^mel^mm unb 
t^erftänbige (Srfaffen ber ®inge begleitet unb pr Sin^eit er^ 
gäuit, ift baS eigentümßd^ Sleligiöfe an aKer SEßettanfd^auung* 
^amm fud^te ber eb(e äKori^ t)on (Sgib^ ju neuer 9ieIigio^ 
fität burd^ bie äJlal^nung anjuregen: „2emt mit bem ^erjen 
beulen!^ — Snbeffen nimmt ber S Serftanbegmen fd^ an fold^em 
SD^treben beS $er}enS ober (Srlenntnidangelegenl^eiten Ärgernis« 



@^mtmtl^if(^e (Debanlen. 18 

@r iDirft bem ^er^en t)or, eS ftöre bte fiogif beS Kopfei, inbem 
ei ben äBunfd^ SSater beS ©ebanfenS tDerben laffe« Unb in ber 
Xat ift mand^er Unfittn auf bem ©ebiete ber SBeltanfd^auung 
barauS entfprungen, ba^ Setd^tgläubiglett ftd^ burd^ ^erjenS^ 
bebürfniffe ju toUber ^ßl^antafteret l^inrei^en lieg* Aber fold^e 
SluiSattung toirb nur ba möglid^, n)o fritifd^e ©elbftbefc^ränfung 
fe^It *S)cS ®emüt foKte ben äSerftanb ebenfo n^entg mi^ad^ten, 
n)ie biefer baS ®emät %IS stoei @inne l^aben bie S3eiben ftd^ 
JU betrachten, ju gegenfettiger (Srgänjung berufen, äl^nlic^ n)ie 
Sluge unb Dl^r, Don benen immer boS eine etn^aS leiftet, tt^aS 
ba8 anbere nid^t vermag. 

SBarum toiflft bu, gonotiferjiea^erftanbei^, btm ®emüte 
unter leinen Umftänben baS 9ted^t einräumen, an ber ©eftaltung 
beS SBeltbilbeiS mitjumirlen? 90^^ benn ber ©ebanle, beffen 
Soter ber SBunfd^ ift, nottoenbigertoeife falfd^ fein? können 
99ebürfniffe ber ®emüteS uniS ni^t aud^ jur SBal^rl^eit leiten? 
Unb barf man nid^t bem ^erjen ebenfaQS eine Sogif jufd^reiben? 
©e^ n)ir und bie Sogit be8 SSerftanbed nS^er an! @ie fd^(ie§t 
übereinftimmenbe Srlebniffe ju (Sinl^eiten ober Allgemeinheiten 
jufammen, bie n^ir S3egriffe unb ®efe^e nennen. 3)iefe S3egriffe 
imb ®efe|e tombtt fie auf befonbere f^äUe in ber SBeife an, baf 
t)om SBefonberen aQeS gilt, toa& t>om Allgemeinen aui^gefagt 
loirb« SBergleid^en toir nun mit biefer SSerftanbedlogil bie S^&tig^ 
feit beS ©emüteS. 2)a8 ®miü ift ebenfalls imftanbe, (Sinl^eiten 
ober AQgemeinl^eiten ju bUben« AuS ©efü^ten, bie jufammen^ 
ftimmen, bUbet eS bie fogenannte Stimmung* Unb tt)ie ber 
SSerftanb auS feinen S3egriffen unb ®efe^en bie natörlid^en 
f^olgerungen l^eraudl^ott, fo ))^egt baS ®emät feinen Stimmungen 
t)ortt)tegenb fold^e ®efül^Ie unb $l^antaften ansugliebem, bie 
baju gaffen« AllerbingS ift bie Folgerung, bie ber SSerftanb bei 
fttengfter Sogit auS feinen ^Begriffen unb ®efe^en jiel^t, eine 
9lotn»enbigteit beS S)enlen8, loäl^renb bie auS bIo|er Stimmung 
fid^ ergebenben S)eutungen ber äSelt leine allgemein kierbinb« 
liefen, benbtottt^enbigen ftonfequenjen finb, fonbem Annol^men, 



14 $toBen ber Serftonbe^ unb ^er^eniSIogit ^ie IteBenbe @onne. 

ju betten lebiglid^ ber aufgelegt fettt !atttt, ber ebett bte @ttttt« 
inuttg etnpfinbet S)tefe Z)eutuitgett l^abett atfo ettte tnel^r ober 
ttitttbcr fubieftiüe Ofiltigleit, fo ba§ jte ttid^t öerftätibig betoiefett, 
fottberti atö perfdttltd^eiS 93eIenttttttiS auiSgefproc^ett toerbett, etoa 
itt folgettber f^orm: „Wx ift }u äRute, ali oh ba^ uttb ba^ 
ber gall feitt ttiüBte.'' 

Qnx (SrWutcrung fü^re id^ eitie ^ßrobe ber SSerftanbeöIogil 
att, S)er Siaturforfd^er ^at beobad^tet, bo§ eitte glamtite, bte 
burd^ eitt brettattttg gefd^ßffetteiS ®(aiS l^tttburd^fd^eittt^ bie ^arbett 
beS StegettbogeniS att bie SEBanb ittalt, uttb ba% Ott ganj beftimtntett 
©teßeti biefer garbettffala getoiffe Sittiett jebegiital battit auf* 
treten, tütnn beftintmte äRtnerale in ber gtamme brennen, ©old^c 
SBiffenfd^aft befäl^igt ben Siaturforfd^cr, au« ben bunfeln Sinien 
be« Stegenbogend, bm bie @onne mittete bed breifantigen ®(afe« 
l^eröorbringt ju fd^Iie^en, toeld^e SRinerale in ber ©onne brennen 
— ein @ld^Iu^, ber jtoar nid^t, toit ein ntat^ematifd^er, ben& 
nottnenbig ift, aber jiebem SSerftänbigen mit mel^r ober minber 
SBal^rfd^einlid^Ieit einleud^tet — SSergleid^en tt)ir nun l^iermit 
eine ^robe ber iperjendlogit Slfö toir Minber toaren, l^aben 
n)ir bie äBol^ttaten ber 9J}utterliebe befonber« lebl^aft empfunben, 
unb an biefe @m|)finbung ^at fid^ unfere (Gegenliebe ange* 
fd^Ioffen« SBenn nun nad^ n)interlid^er ^älte unb ^unlell^eit 
bie f^l^Iingdfonne un« toieber lid^t unb niarm läd^elt, tt)irb 
etn^aiS n^ie linblid^e Siebe in unferem ^erjen toaä)] unb bann 
tommt e« unS t)ox, afö fei unfere linblid^e fiid^e nur eine 
gebül^renbe Sntnjort ouf bie großartige ÜRutterliebe, mit ber bie 
©onne i^re Äinber, SReufd^en, liere unb ^flangen, ttmfa§t 
^ie ^erjenSlogif, bie auiS empfangener Sßol^Itat folgert, ber 
SBol^tt&ter tottbt ein gütigei^, KebeDoDeiS SSefett fein, ift offenbar 
nid^t aQgemein t)erbinbUd^, ba fie jttiar baiS Stid^tige, aber aud^ 
bad Unrid^tige treffen lann. ®i ift eine perfönlid^e SEBal^rfd^ein« 
lid^Ieit, ein @d^Iuß, ber nid^t aui^ genauer Übereinftimmung 
bed 2U beurteilenben ^^alled mit einem anbern belannten f^alle 
gebogen n^irb, fonbem aus bloßer Sl^nlid^feit Sntmerl^in follten 



3)er feclenlofe geucrbaH. ^onnottic M 3nncm. 16 

mir Bebenfen, ba^ ieglid^e ^l^nßd^!eit auf einer geiDiffen Über^ 
einftimmung berul^t unb al& ein ©emifd^ qu^ ©leid^l^eit unb 
Ungleid^l^eit Bi^ieid^net n^erben barf, bag alfo bie ^erjen^Iogif 
auf Folgerungen ausgebt, njie ber SSerftanb, unb unter Umftänben 
ju ©rfenntniffen fül^ren fann, S)er Unterfd^ieb jtoifd^en SScr^ 
ftonbeStogit unb ^erjen^Iogil befleißt metl^obifd^ barin, ba% ber 
JBerftanb Bei feinen tJ^Igctungen fritifd^ öerfäl^rt, nämlid^ alle 
ntögtid^en Deutungen beS ju beurteitenben f^aHe^ in !ü^(er 
SÜed^nung berüdfid^tigt, tuäl^renb baS ®emüt unter ben möglid^en 
S)eutungen biejenige beüorjugt, bie feiner ©timmung jufagt 
SBenn ba^ ®emüt fid^ baufbar ber grül^linggfonne freut, ift 
biefer @timmung bie Deutung f^mpatl^ifd^ , bie @onne fei eine 
Hebenbe SRutter. ®er SSerftanb l^ingegeti üerl^e^It fid^ nid^t bie 
üKöglid^Ieit, ba^ angenel^me unb l^eilfame SBirfungen aud^ t)on 
einem gemätlofen, brutalen SSSefen au^gel^en fönnen, unb bag 
man bie Sonne atö einen feelenlofen fjeuerball betrad^ten barf, 
unffil^ig jur Siebe, n^eil il^m ©inne^organe, 9lert)en unb ©el^irn 
feilten» ©d^eu gie^t fid^ baS @emüt gurüdE öor ber riltffid^tg* 
lofen aSerftanbeSlogit 3)iefe ©d^eu barf nid^t ol^ne ttjeitereg 
SBeid^Ud^teit gefd^olten n^erben* @^ tann in i^r ein fittlid^e^ 
(^eingefül^I gum SluSbrudC gelangen, nämlid^ ba^ ©emiffen be^ 
fd^on ertoäl^nten Sogog ber ^erfönüd^feit, ber bie iparmonie 
i^rer ebelflen Äräfte, toenn irgenb möglid^, wal^ren möd^te, S)ie 
3erriffen^eit ber $ßerfönüd^feit geigt fteti^ an, ba§ fie nid^t ba8 
rechte SSerl^ältniS gur SBelt gefunben l^at, unb ba^ alfo i^re 
aBettanfd^auung einer Sßeöifion unb Sieform bebarf. S)ie Qtt^ 
riffen^eit l^at eine gang äl^nlid^e äKiffion koie ber inteQettuelle 
3toeifet, ber ben ®eift anfpornt, einen SBiberfprud^ auSgugleid^en 
unb ein 8lätfel gu löfen, ®ie 3cn:iffenl^eit gel^t alfo auf ©elbft* 
Teilung au8. Qm Leitung aber lommen gmei äJtöglic^teiten in 
83etrad^t: Der gel^ler beim Deuten ber SBelt, ber fc^utb an ber 
gerriffenl^eit ift, !ann auf feiten ber §ergenglogif liegen, aber 
auä) auf feiten ber äJerftanbe^logit 3m Dorliegenben ^^ade ift 
ti ntd^t abfolut auiSgefd^loffen, ba§ ber SSerftanb Unrecht l^at 



16 ^ad {^ atö SRenfd^feimer. 

mit feiner SReiiumg, bie ©otme fei ein feelenlofeS SBefen, ein 
brutaler t^eneidbalL SBieOeid^t gelingt e8 ber SSiffenf^aft, burd^ 
S3erftanbe8(ogit nad^jun^eifen, ba| nirgenbioo in ber todtta SBelt 
bai tiorfommt, toaS ber grobe äRaterialift ober äRec^onift atö 
ftumpfen @toff ober atS bto^ räumlid^en S^organg betrad^tet, 
ba^ t)ielmel^r ju aQer @innfäUigIeit au^ ein Snuenleben, ein 
(Smpftnben, ^^ül^Ien, SEBoQen l^injugebad^t tt^erben mu^. @obaIb 
nun unfere $erfdnlid^leit auf üerftänbigem äßege ju biefer neuen 
äßeUanfd^auungr ju biefer äBeltoergeiftigung, gelangt ift, toixh 
unfer ©emfit aufjubeln: „9Ifo l^at bie J^erjenSlogil bod^ nid^t 
betrogen^ unb eS ift leineSmegS untoal^rfd^einKc^, bag im @onnen^ 
fd^ein eine tool^It&tige Siebe fid^ fingert! SBaS id^ (fingft geal^nt 
l^abe, mu^ nun ber Kuge ßopf beftfitigen/ 

^^erjenSlogif fpielt i n_unferem ®e ifte8leben eine toeit größere 
iBoQe^ als ber Srienntniit ^eoreti t er - jigBl^gfid^-meint ^oUU 
unfer togifd^eiS 93ebürfniiS einjig unb aQein auf SSerftanbeSfd^Ififfe 
fid^ Derlaffen, n^ir Ifimen in arge SBerlegenl^eii (Seben n)ir nn& 
ium 93eifpiel genaue Sted^enfc^aft, n^eiSl^alb mir einem f^mt^a:* 
tifd^en ober lieben äKenfd^en SBertrauen fd^enfen* SBieÜeid^t l^oben 
tovc nur toenige @tunben mit il^m Sbeen unb ©ebanfen ouS^ 
getauf d^t, unb bie8 (SrtebniS, für ben (filmten SBerftanb ein 
ungenägenbeS äJlaterial, l^at ^ingereid^t, 2n)ifd^en biefem äßenfd^n 
unb uns baS 3anb ber f^reunbfd^aft ober ber Siebe ju btflpfen. 
f^auft unb ®retd^en finb einanber nur f(äd^tig auf ber @tra|e 
begegnet, er l^at ein paax fedCgalante, fie ein f^aar fc^ni))t)if^e 
Sßorte gefprod^en, unb bod^ finb il^re ^erjen einanber jugeflogen, 
tt)ie t)on einer gel^eimniSüoIlen äKad^t ftärmifd^ gur ^Bereinigung 
getrieben. Um ba8 ju erflfiren, reid^t ber finnlid^e Zrieb ber 
©attung nid^t au& 83ei einer tiefem Siebe fpiett feelifd^geiftige 
@9m|)atl^ie bie entfd^eibenbe StoQe. S)a8 SSertrauen, bad 
Siebenbe ober 93efreunbete einanber entgegenbringen, ift gen^fil^n^ 
fid^ ba8 Ergebnis einer ^ersenStogiL (S& grfinbet fid^ nid^t auf 
(Erfal^rungen, bereu SBoQftfinbigleit unb Derft&nbige SSerarbeitung 
oon tül^Ier ßritit jugeftanben toerben, fonbem auf ftreiflid^tartige 



®emaibe ober $^otogta))l^te. 6ttb]eltit) unb oBjeltt)). 17 

SnBfide einjelner oft imfd^einBarer Partien ber ^erfSnltd^fett, 
bte wn ber geftaltenben ftroft ber ©thmnung itnb ^l^ontafte gu 
etnem (Sefamtbilbe ergänzt merbett @o Derfäl^rt ein äRaler, ber 
an einer Sanbfd^aft Dorfiberfal^renb mit toenigen ©trid^en ein 
paar f^mpat^ifd^e (Sinjell^eiten ffi^iert nnb l^interl^er eine lilnfN 
ierifd^e (Sinl^eit baraniS geftatteL 2)a^ fo entftanbene ßunfüoerl 
ift im Serflleid^ ju einer 5ß]^otogra|)]^te nnreaKftifd&; aber ber 
äRaler toärbe t)on b^r ^l^otograpl^ie fagen: i,@ie toieberl^olt bie 
gen^öJ^nlid^e Sßtrflid^Ieit, ttiie fte baS Uo% finnlid^ beobad^tenbe 
Suge erlebt; mein ®emälbe aber geftaltet eine I^SI^ere äBirllid^« 
feit, niie fle t)on mir nnb gleid^geftimmten äRenfd^en im ®emüte; |\ 
erlebt toirb/ ®er Äfinfller, ber ein ©tntf ßeben fo geftaltet, 
n)ie er eS liebt nnb als ftimmungSüoQ empftnbet, folgt feiner 
^erjenSlogü; eine Sogil tt^altet offenbar in feiner ©eftaltung 
obiool^I fte nid^t anS SSerftanbeSfd^Inffen fid^ jnfammenfe^t 

^ biefer @teDe toirb eS angebrad^t fein, einem Sintoonbe 
Siebe ju ftel^en, ber bie finnlid^e SBirftid^Ieit für bie eigentlid^e 
„objeftiöe* SBai^rl^eit l^ält, l^ingegen bel&auptet, bag hineintragen 
Don ©emfitSerlebniffen in bie ftmtlid^e äBal^mel^mnng entfteQe 
biefe fttbjeftit). SRit ber Unterfd^eibung üon „fnbjeltiö* nnb 
»obieftiö" toirb mand^er Unfng getrieben. SebeS ©riebnis ift 
fnbjeltiu, gleic^Diel ob eS mel^r ober minber |)erfönlid^e ^ägungl 
erl^alten l^at ©nbicftiö ift alleg, toa« nur im 3ttfammenl^ang(| 
mit einem befonberen ©ubjeft erlebt toirb* ?Iud^ bag rein finn*» 
lid^e ®rlebni8, fott)eit eS flberl^anpt möglid^ ift, b* 1^* fon^eit eS 
fi^ wn @inmifd^nngen beg f^ä^IenS, ^i^antafterenS nnb ^enfenS 
freil^alten lann, ttjäre infofem fubjcftit) jn nennen, ate eS in 
feiner beftimmten SBeife nur öon ©ubjelten gleid^er ?lrt erlebt 
tt)irb. 2)ie @inne eines Stad^tf alters, eines 9tegenn)urmS ober 
eines SRifttäferS erleben bie Sanbfd^aft anberS, als unfere menfd^^* 
lid^ ©irnie. @inb fie bcSl^alb toeniger (ober mel^r) fällig, bie 
objeftiöe SBelt ju erfaffcn, als unfere menfd^üd^en? S)aS barf 
niemanb bel^anpten« Sie t)erfdäiebenen %rten t)on Sebetoefen 
erleben nur ))erfd^iebene @eitei.pin unb berfelben äßirflid^Ieit, 



18 S)tc „SStcIgublcIcn" uttb bic @iöcit*^crfoiu 

nöntltd^ bte SBejiel^uttgen, }u bereit (Sr(e6nt8 gerate fie, vermöge 
i^reS eigenartigen Organismus ober (Sl^aralterS, befäl^igt finb. 
S93aS aber t)om Unterfd^iebe ber 9(rten gilt, baS barf auf ben 
Unterfd^ieb ber ^erfonen innerhalb berfelben Srt fibertragen 
tperben* S)ie Don perfSnlid^em ®emfite beeinflußten Sßal^r^ 
nel^mungen finb feineStoegS gefälfd^te SBirHid^teit, öielmel^r be* 
fonbere @eiten ein unb berfelben aQuntfaffenben SEBirfüd^Ieit 

SRun freilid^ bleiben bie eigenen ^erfönüd^feiten, bie toir 
Äfinftler nennen, bem SWaffcnmenfcl^en gegenüber in ber SRinber* 
l^eit, unb toenn bie SBal^rl^eit, toie bie @taatSt)erfaffung eines 
bemolratifd^en SSoIfeS, burd^ abftimnmng feftgefteHt toerben 
!önnte, fo toflrbe ^nft unb jeglid^e ©emütslogil eine f^älfd^ung 
ber objeltiüen äBal^mel^mung bebeuten« S(ber genauer befel^en, 
ift bte yObtehiüe'' SBal^mel^mung nur bie aOgenteine SBal^r^ 
nel^mung; unb ttier nur biefe für äSirtlid^feit l^ält, gel^ört ju 
ben „8SieIjut)ieIen'S bie burd^ Sö^tteid^tum aufwiegen niöd^ten, 
tt)aS i^nen an innerßd^em 9teid^tunt t)erfagt blieb* 2)a aQe 
gefunben SÄenfd^en in gleid^er SEBeife finnlid^ organifiert finb, 
fo ftintnten fte in il^ren finnlic^en äßal^mel^ntungen nal^eju 
fiberein r unb ba fie fid^ gern aufeinanber öerlaffen, fo 
fd^reiben fie ben fibereinftintntenben @inneSem:pfinbungen größte 
©filtigfeit ju, als ben eigenartigen ©emötSerlcbniffen ber 
?ßerfönlid^feit. ©röjsere ®flftigfeit aber öerbienen bie iSinneS* 
empfinbungen (ebigßd^ ba, n^o eS auf bie äußerlid^e, ^l^^fifd^e 
SBirfltd^feit anfommt Sebod^ ntit bem SWajje innerlid^er 
SBertung gemeffen, bürfen bie öon ffinftlerifd^er ober religiös* 
genialer ^erjenSlogif geftolteten ©riebniffe eine tt)cit l^öl^erc 
®filtigleit beanfprud^cn, als bie finnlid^ forreften SBal^r* 
nel^mungen* SBenn 3efu8 als unfern Urgrunb bie Siebe erlebt, 
ober toenn öor ©oetl^eS Sluge bie ganje SRatur jur ©ottl^eit fid^ 
üerMärt, fo finb baS Srlebniffe, bie für bie innerlid^e Äultur 
ber äRenfd^l^eit ertöfenbe SBal^rl^eiten, Sntbedfungen l^eilenber 
OueKen bcbeuten. 3ebenfaDS öerbient bie Slrt, toie baS ®emftt 
bie Sßelt erlebt, nid^t l^inter bie finnlid^e (SrlebniSti^eife jurüdE* 



^er^nSlogif in ber ^eltanfd^auung. 19 

9efe|t }tt toexbttL S)emt o6h)o]^I ftd^ im SSerl^ältniS be2 (SemüteS 
jut SEBcIt mcl^r btc ^ßcrfönltci^fcit afö bic attflcmcinc aKenfd^cnart 
{ennieid^netr l^aben toir eiS bod^ mit einem tatfäc^Iid^en ^tx^&hmS, 
mit t)on[güItiger äSirllid^teit, ju tun; überbieiS ^at ®oet^e ted^t: 

,,^ö(J^ftdS ©lud ber Srbentinber 
3ft bod^ bte «ßcrfönlid^fctt." 

3)iefette ^erjeiigtogif, öermöge bereu toir uu8 aui^ einer^ 
©rlebuiggru^jpe, bie ber SSerftaubeioIogif uid^t genügen tt)ürbe,\ 
ein ©efamtbilb t)ou eiuem äReufd^en mad^en, ift aud^ bei ber 
Deutung beiS SSeltaQd l^ertiorragenb beteiligt. Einige lebl^afte 
SSerl^ättuiffe unfere« ©emüteg jum SBeltaH föuueu l^iureid^eu, 
uniS t)ou feinem S^arafter eine @ruubt)orfteIluug ju bilben, uni^ 
jum 93eifpiel eiu SBertraueu jum SBeltaQ einzuflößen, aud bem 
toir banu bebeutfame Folgerungen jiel^en. 3d^ feune eineu greifeu 
fianbmauu, ber ein inuiger JRaturfreunb, S)id^ter uub religiöfer 
greigeift ift @r l^at uubegreujteg ?Bertraueu jur Siatur. 
Sol^r für 3a^r vertraut er il^rem @d^oße ben ©amen an uub 
xoti^, ba§ fie afö eiu SBefeu öoller Drbuung auttoortet 2Rit 
frifd^er ®m^finbung für bie ©d^önl^eit ber 93Iumeu imb %me 
au^geftattet, bringt mein bäuerlid^er S)id^ter ber 9iatur eine 
fd^u^ärmerifd^e äSerel^rung luie einer l^el^ren ©dttin entgegeu. 
Uub toai^ aud^ immer fie t)erl^äugt, gleid^üiel ob f^rud^t ober 
aRißerute, ob Suft ober Seib, ob ©efunbl^eit ober 2:ob, mit ber 
Sogil beiS ^erjeni^ fd^reibt er aQ il^rem SSalteu ©iuu nnh 
®üte ju, ©terbeub toirb er feiu §aupt üertrauenSboH iu il^reu 
@d^o| betten uub toirb fid^ t)or{ommeu toie eiu @ameuforu, 
bag uuu jtoar feiue ®eftalt verlieren foß, jebod^ juguuften ueueu 
Sebeug, ba8 au8 il^m auferftel^t gleid^ eiuem grud^tl^alme. — 
3Slit ber $erjeu8tt)eiiSl^eit biefed Saubmanued fielet bad SSeltbilb 
üieler SSerftaubegmeufd^en iu fd^roffem SBiberfprud^e. Sein SSer^ 
trauen, foubem baS ungel^euerßd^fte aj^ißtrauen bringen fie ber 
9latur eutgegeu uub l^alteu biei^ SRigtraueu für tt)iffeufd^aft(id^ 
gered^tfertigt* ©ie meiueu uämlid^, eiu öerftäubiger SReufd^ 
muffe eiuem SBefeu, baS Dor il^m ftel^t, fo (äuge ©d^Ied^ted uub 



20 SSantm ber 9latm miBirauen? fte))Ier9 (BlauBe an ^annonie. 

2)umme8 jutrauenr ali eS ttid^t baS ®egentdl Betotefen l^at 
S)a]^er gelten fte Don bem S^iom oud „fAt Statur ifi em 
Brutale» SBcfen" unb fteUcn ^ä) auf bcn @tattbt)Uttft: „@o 
lange man mir nid^t mit ftrenger SSerftanbeiSlogü boS (Gegenteil 
Bettliefen l^at, traue td^ ber 9latur leinertei ©tun unb (SuteiS 
iVL" ^iefe Seute glauben k)orau8fe|ungSloiS ju beuten, l^aBen 
aBer gleid^ttiol^I eine 93orauiSfe|ung, nämlid^ ein k)orgefa|teiS 
äRigtrauen ber 9latur gegenüBer« 3d^ mdd^te an i^re @emfiti^^ 
logit QpptUxttm unb il^nen bie %xaQt t)orIegen: „i^at ber Ur« 
grunb, bem tt^ir aOe unfer SeBen neBft allem Reifte, aDer 
©d^önl^eit unb ^ol^eit beS SafeinS berbonlen, nid^t Wxxt^t auf 
einigeis SBertrauen? Unb follte eS nid^t angeBrad^t fein, ei aud^ 
einmal mit einer t)ertrauendtu)Qen ^uiSbeutung beS äßeltaQS 
2U tierfud^en, anftatt auSgefud^t geringfc^ä^ig k)on il^m ju 
benfen?" 

SEBie juioeUen erft ba8 SSertrauen, baS tt)ir einem SDSenfd^en 
entgegenbringen, und jur redeten ßenntniiS feineiS (Sl^aralterg 
üerl^ilft, fo !önnen aud^ (SinBIide in baS äBeltall burd^ ®miü^^ 
logif eröffnet merben* Rtpkx Beifpietöttieife ttiar burd^ ©emäts« 
logil }U ber ÜBerjeugung gelangt, bie 9latur fei ein kioQtom^ 
men ^armonieDoQeiS ®eBUbe, unb eS muffe bal^er irgenb ein 
l^armonifd^eiS SSerl^filtniS }tt)ifd^en ben SBftänben ber Planeten 
unb il^ren Umlaufseiten Beftel^en* 2)iefe kiorgefa^te äReinung 
trieB il^n }u n^ieberl^olten SSerfud^en, baS l^armonifd^e 93er« 
l^ältni« l^eraugjufinben* Die erften SSerfud^e Bettjäl^rten fld^ 
nid^t ©d^Iieglid^ aBcr gelang eö il^m, jene ©armonie^^gormel 
ju finben, bie foniol^I bem Sbeale feineiS ®emütiS afö aud^ bem 
realiftifd^ BeoBad^tenben unb red^nenben iBerftanbe ©enäge tat. 
aSon ^erjenSlogif geleitet, ttiar Äe^jler ju einer naturtt)iffen^ 
fd^aftlid^en Sntbedfung gelangt 

SDieine Setrad^tung foC jeigen, toit uerfe^It e« ift, in ber 
Sßeltanfd^auung auf eine reinlid^e, ftrenge @d^eibung jttiifd^en 
SSerftanbeiSlogil unb ^erienSlogil l^inguarBeiten unb ber ^erjenS^ 
(ogil aQen SBal^rl^eitiSgel^alt aBjufpred^en. SSerftanbeSlogil unb 



gcdjner üBcr htn ©lauBcn» 21 

^erjendlogil l^aBen etnanber }u ergfinjen, bamit übtt^avipt eine 
äBeltanjd^auuttg ju ftanbe lotnme. S93o|Ien toir bie ^rud^ftfidCe 
bcr SBelterfcmitmS, tote toir fie in bcn gad^toiffenfd^aften ge* 
toonnen ^aben, ju einem ©efamtbilbe jufamnienfc^Ite|enr fo ift 
ein SBinbegetoebe t)on SSermutnngen nötig, bie auS bent (Semät 
j^eröorgetoad^fen finb, fjci^ner — nennt biefe SSennutnngen 
„©lanben'', unb toir lönnen feiner SlnSbrndiStoeife folgen, öor* 
au^gefe^t, bag toir ben f^ed^nerfd^en ©lanben nid^t Dertoed^feln 
mit jenem ftied^tfeKgen nnb Minben fjürtoal^rl^alten, baS l^errfd^^« 
ffic^tige ^efter als ben toal^ren ®Iauben angreifen, toäl^renb 
c8 burd^ feine moralifc^e unb inteHeftuelle SWebrigfeit bie Se* 
jeid^nnng „®IauBen" in SSenuf gebrad^t ^at ^tä^mx f)&üt 
ftatt ,;®IouBen" oud^ „^erjenglogi!'* ober „religiöfe ©eutung" / 
fagen lönnen, toenn er folgenbe ®eftd^tSpun!te geltenb mad^t: 
„meS aOgemeinfte, ©öd^fte, Sefete, fjemfte, geinfte, Xieffte iftf 
überl^aupt feiner unb unferer 92atur nad^ ©laubenSfad^e* ^a^ 
bie ©roDitation burd^ bie gonje SBett reid^t unb üon jjel^er ge« 
reid^t ^at, ift ©laubenSfad^e; bag überl^aupt ®efe|e, burd^S 
(Snbßd^e üerfolgt, inS Unbegreujte t)on SRaum unb Qdt reid^en, 
ift @IaubenSfad§e; ba| eS $[tome unb Unbulationen beS Sid^teiS 
gibt, ift ®Iouben8fad^e; ber Anfang unb ba8 Qkl ber ®efd^id^te 
finb ®(aubenSfad^e; fogar für bie ®eometrie gibt td ®IaubenSfad^en^ 
in ber Saf)l ber S)imenfionen unb ben @ci|en für bie 5ßaraQeIen. Sa 
ftreng genommen ift SlQeS ®IaubenSfa(^e, toaiS nid^t unmittelbar 
erfal^ren ift, nnb toaS nid^t logifd^ feftfte^t ®in jebeS SSiffen 
um baS, toaS ift, fe|t fid^ fort in @Iauben unb mu| fid^ 
barein fortfe^en unb enbUd^ bamit abfd^Iie^en, bamit 
ti einen 3«f ammenl^ang, einen gortfd^ritt nnb Äbfd^lu| 
be3 SBiffen« felbft gebe. S)od^ fann ein ®Iaube beffer gc* 
ftfi^t unb felbft beffer fein ali ber anbere. 2)er befte @Iaube 
enblid^ ift ber, ber am toiberft)rud^Slofeften in fid^, mit 
allem SBiffen unb allen unferen pxaUi\ä)tn Sntereffen 
befielet, unb als fold^er toirb er aud^ bie 3^tunft für 
fid^ l^aben, inbem er bieSBiberfpräd^e jtoifc^en benoer^ 



22 ^ec^Slogil t)eTt)onftanMgt ba9 Beltbilb. 

fd^icbcttcn ©lauBcnSrtd^tungcn, bic fcitl^cr bcftanbcn 
uttb ringi^um bcftcl^cn, öielnicl^r ücrfö^nt al8 tcilf 

^aä) geebnet 2 Änftd^t rcid^t ftunlid^c Srfal^nmg unb 
SSetftanbej^Iogif nid^t l^tn, eine äBeltanfc^auung in il^ren pc^ften 
unb legten ©äfeen, j. ©• in i^rer Änttoort auf bie grage, »orin 
ber ©inn beg SebcnS befielet, mit ber ©id^erl^eit be« p^tl^a* 
goräifd^en fiel^rfa^eiS abfd^Uegenb ju begrünben* ,,9Sa8 an ber 
legten ©id^erl^eit nod^ fet)It, ift ©(aubenSfad^e. ®enug bod^, n)enn 
baS, tt)ag nod^ ®(auben$fad^e bleibt in jener günftigften äBeife ha^, 
toa8 fid^ wiffcn lä^t, einerfeits abfd^Iie^enb ergänjt, anbererfcitö 
ju feiner ©tfifee behält" „SBie »enig gibt e« überl^aupt beffen, 
toaS toirllid^ bett)iefen ift, t)ont äBid^tigften fogar, n)oran tuir 
un8 JU l^alten l^aben. S8aS ift t)on ber ganzen Steligion be^ 
toiefen? Siid^tg* SBag aud^ nur baüon, ba§ bein JBruber, bcin 
9tad^bar, bein $unb eine @eete l^at? Ober ba^ bem, toaS in 
t)on einem S3aume fiel^ft, ein 93aum brausen entf))rid^t, ba% bie 
©onne morgen toie l^eute aufgellen ttjirb, ba§ SHejanber gelebt 
l^at? 9%id^tiS t)on aQebem ift im ftrengen @inne betoiefen nod^ 
betoeiiSbar; bod^ muffen U^ir an aU bai^ unb bergleid^en glauben; 
tt)ir leben, iDOl^nen fojufagen ganj in einer SBelt beS ©laubenS, 
fönnen bie näd^ften unb üottenb« bie legten ©d^ritte nid^t tun 
ol^ne ©lauben." 

Snbem fjed^ner ben 5ßrinjipien ber religiöfen SBeltanfd^auung 
eine l^ol^e SBid^tigfeit beimißt, öerfud^t er fie feftjufteDen unb 
ßnbet^^brci SRotiöc unb ©rünbe beg ©laubeng" l^eraug, näm== 
Kd^ ein tl^eoretifd^eg, ein praftifd^eg unb ein l^iftoiTf^eS 
^^inji)?. ,,8uf fein« biefer ^ringipe l^at fid^ ber ©taube aßein 
JU ftüfeen. S)er äßenfd^ fann fe^I gel^n in Verallgemeinerung 
beffen, toa» er toeife, fann fel^I gel^n in bem, »aS er für bag 
S3efte l^ält }U glauben, unb bie ©efd^id^te l^at t)on jel^er f^el^ter 
nad^ beiben ©eiten begangen; alfo l^aben fid^ bie brei ^ringipe 



X^corctlfdöeS ^rlngip. ^a!tif(]§e3 ^nai}). 23 

tocd^felfctt« in fold^er SBcifc gu übertoad^en, baß jtc nur in öer* 
fd^icbcnen SBcgcn jn bcmfclben QitU fül^ren.'' 

S)qS „tl^eoretifd^e ^njip'' ber religiöfen Sßettanfd^auung 
gel^t nad^ fjfed^ner k)on einem mdglid^ft großen ^eife üon Sr«* 
fa^rungen ani^, ,,um burd^ SSeraDgemeinemngr @rtpeiterung unb 
Steigerung ber ®efid^töpunfte, bie fid^ l^ier ergeben, jur ?lnfid^t 
beffen gu gelangen, n)a8 barilber l^inauiS in ben anbeten, n^eiteren 
unb l^öl^eren ©ebieten ber (S^ifteng gi(t, an bie n^egen i^rer 
$eme unfere Srfal^rung nic^t reid^t, ober bereu Sßeite unb $öl^e 
unfere ®rfal^rung überreid^t unb überfteigi" ged^ner öerl^el^It 
fid^ feineSn^egiS, baß l^ierbei SSorfid^t geiibt toerben muffe, baß 
n&mlid^ bie 93era0gemeinerung, ®rtt)eiterung unb ©teigerung 
über ba8 ®ebiet bei^ Srfal^renen l^inauS nur in ber 9iid^tung 
öorgunel^men fei, bie fd^on innerl^alb beS Srfa^rbaren felbft ein^ 
gef^Iagen n)urbe, unb baß babei ber Unterfd^ieb berüd(fid^tigt 
merben foKe, ber burd^ bie größere f^eme, SBeite, $öl^e be^ 
®ebietö entfte^L 

3m ^|)raltifd^en ?ßringip" ber religiofen SBeltanfd^auung 
lommt gang befonber^ ba^, toa^ id^ ^ergenStogif nenne, gur 
®e(iung« 92ad^bem n)ir Dielfad^ erfal^ren l^aben, baß jegli^er 
Srrtum fid^ frfil^er ober fpäter burd^ nad^teißge Sßirbmgen rä^t, 
bie SBal^rl^eit l^ingegen bem SRenfd^en mit @id^erl^eit l^eilfam 
x% fc^Iießt unfer ®emüt in umgelel^rter 9flid^tung t)on ber ^ziU 
famfeit einer beflimmten 3BeItbeutung auf il^re äBal^rl^eit. 
ged^ner formuliert bieS |)raftifd^c ^ringip folgenbermaßen: 
„3ebe irrige ober mangell^afte SSorau^fegung ern^eifi fid^ baburc^ 
ald eine fold^e, baß fie, aU toa^x angenommen, burc^ ben @in« 
fbiß, ben fie auf unfer Genien, ^ül^Ien unb ^anbeln gen^innt, 
Stadtteile nac^ fid^ giel^t ober bem menfd^Iid^en ©lüdCe ^bbrud^ 
tut, inbem fte und in toibern^ärtige Stimmungen unb üerfel^rte 
^anblungen k^ertoidCelt, bie teils unmittelbar Unluft, Unbefrie^ 
bigung, teitö mittelbar Unluftfolgen mit^ unb nad^giel^en; too^ 
gegen bie SBal^r^eit einer SSorauiSfe^ung fid^ burc^ bad ©egenteil 
wn aU biefem afö fold^e ertoeift. tiefer @ag betoal^rt fid^ um 



24 fto))f unb ßerg to\t $unb unb fta|e. 

fo mel^r, je größeren Sinflug 3rrtum ober SBol^rl^eit auf unfer 
^fil^ten, ^enfen unb ^anbeln geioinnt, auf einen je größeren Um^« 
txt\i wn äRenfd^en unb je längere 3)auer er ftd^ erftrecft, to&l^renb 
ein Srrtunt ol^ne erl^ebKd^en (Eingriff in unfer übriges f^^Ien, 
Renten unb ^anbeln, für einen einzelnen SReufd^en ober Iletnen 
Um!reiS üon äRenfd^en unb auf turje 3cit ^^^ ^^^ befriebtgenb 
unb felbft nü^Iid^ erfd^einen lann« @o ba^ nad^ aQem nur 
ber ®Iaube aH ber loal^rfte gelten !ann, loeld^er ber 
3)tenfd^l^eit nad^ ber ©efanitl^eit il^rer SBejiel^ungett am 
l^eilfamften ift; toonad^ ein @d^(ug auS ber ®üte eines 
®Iauben8 auf feine SSal^rl^eit gu mad^en ift." — (58 
gibt eine toiffenfd^aftlid^e 9flid^tung, bie bieS ^raltifc^e ^ßrtnjip 
ber SBeltanfd^auung entn^eber überl^aupt nid^t gelten laffen toiQ 
ober bod^ nur in ber äSeife bulbet, ba^ eS in ftrenger ©d^eibung 
t)om SEBiffen, abfeitS fid^ betätigt. SSor fold^er rigorofen ,räBiffen^ 

ffd^aftßd^Ieit" ntug ber arme ältenfd^ eigentlid^ um Sntfd^utbigung 
bitten, ba^ er überl^au^pt ®emüt befi|t unb nid^t eine bloge 
8tec^enmafd^ine ifi SBofem ber SSet^ianbegfanatifcr religiöfe 
äBeltbeutung überl^aupt bulbet, betrachtet er fie afö ein pl^anta« 
ftifd^eS 2:roftmitteI ^r baS fonft üerjtoeifelnbe ®emüt, nid^t 
aber al8 eine t^ortfül^rung, Srioeiterung unb abfd^Iie^enbe 93oÜ^ 
enbung beS SBiffen«. Son biefer Trennung jttjifd^en Sleligion 
jmb SBiffenfd^aft, bie in baS (äJcbict jcneS unfetigen gad^toefen« 
Jg^?9rt"l>^8 id5 f^on gefenuieid^net l^abe, fagt ged^ner: „©old^er* 
geftalt unDermögenb, fi^ in ber $I^Uofo))l^ie red^t {ufammen« 
jufinben, l^aben fid^ (Stauben unb SBiffen in Zi^eologie unb 
9taturtt)iffenfd^aft üoQenbd mit htm Erfolge gefd^ieben, ba| bie 
eine bie 9tatur auS @ott, bie anbere (Sott an» ber 9tatur gang 
auSgefd^ieben l^at S)er legte (Erfolg üon aQ bem aber ift, ba^ 
teine k)on ben dreien mit ber anbem, unb bie ^^ilofopl^ie am 
»enigften mit fid^ fettft gufrieben ift ©oute id^ l^iemad^ ber 
l^eutigen ^l^ilofopl^ie ein ©tanbbilb errid^ten, fo loürbe id^ 
fie als ^müopt barfteQen, in boppdttt ^btfic^L (Einmal info^ 
fem, ate fie il^r felbftgetoebteS &ttotht auc^ immer felber loieber 



©iftorlfd^ ^rbiaH). „a)a8 alte ^iol^rc/' 25 

aupft, unb bann, n)eil fte t>itU f^reier l^at, t)on benen fte nod^ 
feiner l^eintgefül^rt I^qL @ie jed^en ntitetnanber, treiben Santpf^ 
f))iete ntiteinanber, ol^ne einanber tot ju mad^en, nnb toarten beS 
Za^tS, ber aQe pfammen erlegt '' i 

Sum tl^eoretifc^en unb ^raftifd^en 5ßrinjipe ber religiöfen I 
SBeltanfd^auung lommt nod^ ein britteS, k)on^ed^ner baS l^ifto^i 
rifd^e genannt. ®8 l^ilft, ba8 ^)raftifd^e ^ßringip tjor Ausartung 
Ben^al^ren. @in ®(auBe, ber anS SSebürfniffen bed %üS)UnS 
l^erüom^äd^ft, lann einfeitige, egoiftifd^e ©rünbe l^aben, beren 
abermalige SBetoertung ober untriftige SSeraQgemeinerung ben 
falfd^en ©tauben ober bai fjf^lfd^e im ®Iauben erjeugen* 9Rit 
um \o größerer SBal^rfd^einlid^feit aber barf eine refigiöfe SBelt* 
beutung ffir triftig unb gut gel^alten ttierben, je allgemeiner unb 
einftimmiger, mit je größerer ^altbarlcit unb SBirIfamfeit jte 
burd^ bie SSöHer unb Sütm fi^ erftredft unb je mel^r fie mit 
töad^fenber ^Itur erftarft unb an S3oben geioinnt „f(SaS l^Ufe 
— meint g^d^tier — aße^ Sieben öon tl^eoretifd^em unb prat 
tifd^em S93ege; to&xm ttiir ben redeten äSeg nid^t fd^on t)on %x^ 
fang an mit l^öl^erer SSemunft l^iftorifd^ gefül^tt, tovc l^ätten 
i^n mit aller unfcrer neuen SSemunft felbft nid^t gefunben. Dag 
(£tt)ige aber tommt nur ju unS in ben ©d^ul^en beg 3^^^^^^^ 
unb gel^t nur unter unS bamit, unb toed^felt ton QAt ju QAt 
bie ©d^ul^e, benn ber ^ug toäd^ft im ©d^reiten, unb e8 jerrei^t 
ber @d^ul^; nun gilt e^, n)enn bie ^eit beS SBed^feln^ gelommen, 
nid^t ben f^ug ju fd^nären in ben ®ä)n^, fonbem il^n barauiJ 
}u Idfen; fo toäd^ft atöbalb ein neuer ^äjnf)." Smmerl^in n)irb 
ber neue @d^ul^ nid^t minber n)ie ber alte fid^ rid^ten mäffen 
nad^ ber SRatur beiS f^ugeiS, folglid^ eine f$ortentn)idCeIung beiS 
abgelegten ©d^ul^ed barfteOen; bie ©tetigteit beS ©el^toeri^euged 
trägt alfo ju feiner S3raud^bar!eit bei S^^^I^ Derlaffen barf 
man fid^ nad^ ^ed^nerS ^nfid^t auf äBeltbeutungen, bie in ber 
®efd^id^te immer U)ieberlel^ren, bal^er toal^rfd^einlid^ baS 93efte 
unb ^attbarfte ber menfd^Iid^en SßeiSl^eit bieten* S)enfelben 
®eban!en fprid^t (Soetl^e in ben SSerfen auS: 



26 9{atutfeelen unb 9(IIgeift. ^enbel-^etDegung* 

,/SkL^ SBal^re t^ar fc§on längft gefunben, 
$at eble ®dfterfd^aft Derbunben; 
2)ad alte äBal^re, fag eS an\" 

%vix %t(S)nex bebeutet bad l^iftorifi^e ®IauBeniS^rbtji)) lotel. 
®r Betont bie Übereinftimmung fetner SBeltanfd^auung mit ben 
beften SBerten ber öerfd^iebenen SieUgtoncn- @r preift jene l^eib= 
ntfd^e Slnfid^t, bie ^ör^erßd^eg unb ©eiftigeiS ebenfolpenig 
augerl^Qlb be^ äJienfd^en toie im äJ^enfd^en ju unterfd^eiben n)ei^. 
;,JCein %i)nig fo mad^tig, pröd^tig unb tDol^Itätig aÜ bie @onne; 
ein Saum nid^t minber, nur anber^, (ebenb, tuac^fenb, fterbenb, 
afö ein äRenfd^. Sßo je^t nur, tnie unfere SEBeifen fagen, 
feelenloS ein geuerbaD fid^ brel^t, lenlte bamatö feinen golbnen 
Sßagen ^elioS in ftiQer iTOajeftät; eine ^r^aS lebt in jebem 
SBaum* ♦ . ." 

S(ber biefe Knblid^e, l^eibnifd^e 92aturbefeetung ift nad^ 
tJed^ner erft bie eine, bie untere §älfte ber öoCen SBett^^ 
erfenntnia. 3)er SRaturmenfd^ fal^ in ber Siatur nur immer 
93rud^ftüd(e. @oII biefe Slnfd^auung ergänzt n^erben, fo mu§ 
gufammenl^ang in bie Sßaturfeelen gebrad^t, eine Übertoölbung 
burd^ bie 3bee eineg SHIgeifteg l^ergefteHt »erben- „2)ie d^rift= 
lid^e unb i^Iamitifd^e Seigre l^at über bie l^eibnifd^e 9[uffaffung 
l^inauggefül^rt; aber ftatt fie big jur einl^eitlid^en @})ifee fort^ 
jufül^ren unb barin abjufd^Iie^en, fie einfad^ toeggen^orfen* @inen 
ju bereid^em unter aÖen mujste jene ©öttertoelt öergel^en/ 

@in $enbel fd^toingt nad^ einer @eite, l^ebt fd^n^ac^ an, bie 
©d^toingung »irb aHmäl^tid^ ftärfer, reifet alleg mit fid^ fort in 
il^rer S3al^n, erlahmt bann toieber unb ftodft enblid^: eine Sc^« 
toegung, bie am @nbe ftodft, l^at tool^I nid^t bie redete Stic^tung 
3)rum fe^rt ba^ ^ßenbel um, l^ebt toieber fd^toad^ an, bie S3e* 
toegung toirb abermatö ftärfer, reifet aQeS mit fid^ fort in il^rer 
Sal^n, erlal^mt aber unb ftodt enblid^ toieber. 9iun fommt ba§ 
^enbel jur (Sinfid^t, ba^ beibe 9Hd^tungen gleid^eiS 9ied^t l^aben; 
unb nac^ toeld^er öon beiben e8 fd^toinge, eg toeife in jebem SKo^^ 
mente, bie ©d^mingung ift erft mit ber SlugfüCung beiber Siic^* 



©ntgöttcrtc ffiotur. S)ttoIi«inu8. 27 

tungen t)oU. @o ^at nad^ f^ed^ner bie SBeltanfd^auung mä)^ 
ebtanber in jn^ei IRid^tungen gefd^tomtgen; bie jtoeite ift bem 
@todCen noi^e, unb l^iermit mf)t ber S^itpunfi ber enblid^en 93e« 
jtnnung* ,;Um ®ott öoti ber J^eibnifd^en S^^fpßttc^wfl iti bie 
SBäelteinjel^eitcn ju retten unb über beren SRiebrigfeit ju lieben, 
l^at il^n bie Sl^eologie, in SBiberfprud^ jtoar mit ®pxiid)tn il^rer 
eigenen DueDen unb immer öon SRcuem fid^ fetter toiber* 
f)n:ed^enb, Don ber SBelt abbeftiQiert, f)at bie ®ötter in bienenbe 
(Sngel t)em)anbelt, aud^ biefe über bie @teme erl^oben« Unb 
nun ift bie, nid^t nur entgötterte, fonbem au^ ®ott mit einer 
®dbt med^anifd^er ^öfte entlaffene, ja fünbl^aft t)on il^m ai* 
gefoBene SBelt atö caput mortuum für bie äßeffungen unb 
©Eperimentc ber ^l^^fifer, für bie Sufttbrationen ber $ßl^iIofop]^en 
unb für bie @d^eItn)orte ber 2:]§eoIogen jurüdfgeblieben« @o 
fjüt bo8 göttUd^e 85etou§tfein feinen Snl^aft nad^ unten, bie finn«« 
lid^e @rfd^einung il^ren 3^f^^^^^<^tt t)on Oben tierloren, jenes 
ift Bis ins Unfapd^e t)erflüd^tigt, biefeS bis auf einige 9tefte 
gefd^tounben. @ine fold^e ^nfid^t ber Singe aber, n)eld^e baS 
©afein in feiner SÄitte f<)altetr ben SBeltinl^aft auS feinem ®e* 
fä§c fd^üttet unb bamit öerfd^üttet, fann nid^t bie le^te fein, toie 
fie auc^ nid^t bie erfte toar; Dielmel^r iff S nad^ ber erftcn §atten 
bie jtoeite §atte, in bie toir geraten finb; bie SBelt toirb aber 
einft bie ganje SSoQe n^oQen, bie nid^t fon^ol^I in äugerer ®t^ 
gänjung ber einen burd^ bie anbere, als in Erfüllung ber einen 
burd^ bie anbere, ©ipfelung ber einen in ber anbem liegt/ 
Unb als fold^e SSeltanfd^auung bietet f^ed^ner bor, tt>aS er 
bie „5;ageSanfid^t" gegenüber ber „Wad^tanfid^t" nennt 

Dr. Äurb Sa§toi$, ber fid^ um bie frltifd^e ©arfteHung 
ber tJed^nerfd^en SBeftanfd^auung ein großes SJerbienft erworben 
l^at*), »eift gutreff enb auf ben tiefen 3tt)ief<)alt l^in, ber fid^ 
feit (Smeuerung ber $l^itofo))]^ie burd^ baS europäifd^e Senfen 



*) ®uftab %^tohov gc(3^ner. SSon Äurb fia6»ife. Stuttgart, 
Srommand Verlag, 1896. 






28 SRttterialtöiimd. €isBie!ttoitott8. 

j^inburd^itel^t auf ben ®egenfa^ itoifd^en ftopf unb ^tt%, iioifd^en 
Slattttet^CeimtniS unb ben Sebürfniffen beS (SemfiteS* (Et er^ 
toä^nt ben ^^i^t'^tt itotfc^en ber Se^e wn ber aOgememen 
®efe|nt&gigteit unb unferm 93en)U^tfein innerer ^eil^eit; femer 
ben 3^i^fP^(t itotfc^en einem ongebtid^ brutalen ©toffe unb 
jenem t)5Qig anberS gearteten (Sriebnid, boi^ tovc BttU, @eift, 
(Sntpftnben, t^ül^Ien, SSorfteQen, S)etden unb SEBoQen nennen. 
Sa^ioil meift aud^ barauf f)va, ba^ ber mobeme SRenfd^ nad^ 
einer ^üffaffung beiS Sßeltgefd^el^enS ftrebe, toti(S)t bai ®efe| 
ber ftulturentn)tc{etung t>on einer fingeren Sutorit&t frei mad^t 
unb bie Seftimmung bti ©eienben in feiner eigenen @efeggeBung 
fud^t, nad^ einer ©id^erung ber Sbee ber äRenfd^l^eit in ber 
Autonomie be8 eigenen SSefenS« ^S>er äßaterialiSmuS tierlegt 
biefe ^(utonomie in baS med^anifd^e 9laturgefe|, er bemolratifiert 
bie , 3nbit)ibuen ju gleid^artigen äRafd^inen, er t)emid^tet bie 
ä^töglid^Ieit, ein perfönßd^eS ®efü]^tet)er^&(tnii^ ^um SBeltganjen 
ju getpinnen unb im SEBiQen beiS eigenen 3d^ bie Sbee be& Üben- 
bigen UniüerfumiS mitjufd^affen; er enbet mit ber bumpfen fRe^ 
fignation, nur äRittet ju fein unb nid^t ßtottt S)a8 ift ber SBer« 
jid^t auf ben etl^ifd^^religiSfen ©ebanlen. 3m ®egenfa^ bagu 
erl^ebt fid^ me^r toie jje ein übermätiger ©ubjeftiüiSmuS, ber 
nur ben ariftofcatifd6ett gSiflflLbeg _3nbit) ibuum 8 anerlennt, ba8 
i^n für fid^ felbft burd^jufe^en Dermag, unb baS ®efe| in bie 
perfönlid^e äBiSOKir unb in bie SRac^t be8 (Sinjelnen legt SSer^^ 
nid^tet ber äßaterialiSmuS bie $erfon, fo tiemid^tet ber @nh^ 
ieltit)iämu8 ba8 ©efe^/ 

SBa« unfere Seit öon fold^er 3«^ff«i^^it ^^^ f^w, 
ift eine 3BeItanfd^auung, bie fotool^I finnßd^ e^alt unb mit 
üerftänbiger Sogi! aufgebaut ift, als aud^ bem S3ebürfniffe 
beS ^erjenS ju genügen tierftel^t, alfo ju gleid^er S^^ ^^K"* 
ftifd^ unb ibealiftifd^ ift unb mit bem Staturtniffen reßgiüfe 
^nbad^t, Ifinftlerifd^e S(nfd^auung, fittlid^e Erbauung in einer 
lebenbigen (Sinl^eit 3ufammenf^Iie|t SBenn ber 9taturforfd^er 
meffenb unb tti&genb bie ®efe|e be8 äußeren ®efd^el^en8 



2>ie SBelt eiforfd^en unb boS ^erg t^erftel^tu 29 

J^erouSred^net, fo bleibt er auf ber fidleren SBol^n ber (Erfal^rung 
unb üermeibet jorglid^, in einer erträumten SEBelt ftd^ ju ergel^en* 
inn i1& m i t «rnfj! f fi T i l rdf iiii i^ - l^bör: i „^ bie innerfte Sßert 
ftatt, wn totlä^tt ber ^erjfd^Iag bet SEBelt feinen Ausgang 
nimmt, in bie Xiefe bt& ©eelenlebenS bringt er nid^t l^inein* 
S)ied üerfud^t ber 3)id^ter, loenn er bem Sßogenfd^Iage beS VLn^ 
enblid^en im äJ^enfd^enl^erjen laufd^t; bieS »ermag baiS religiöfe 
®emilt, baS fic^ felbft afö 2;eil biefei^ Unenblid^en m\% Slber 
i^nen Bleibt verborgen, n)iet)iel wn bmt, n^a^ fte für bie 93ran^ 
bung beS 9ße(tojeanS l^alten^ nur ber ^^fd^tag beiS eigenen 
iperjeniS, nur ber berul^igenbe Sil^Qtl^muS ber perfdnlid^en ©laubenS^« 
getoi^l^eit ift; ber gorberung, bie SBlrfüd^feit ju erfennen, üer^ 
mögen fie nid^t geredet gu toerben. SBer aber beibe« erfaßt — 
bie SBelt erforfd^en unb ba8 ^crg öerftel^en — ber barf ein 
$l^itofo|)]^ genannt tt)erben* . • . S93ir bebürfen eines Wtamt&, 
gebilbet in ber @d^ule ber e£|)erimentellen unb mat^ematifd^en 
SJaturtDiffenfd^aft, geübt in ber S3eobad^tung beS äSirflid^en, 
ad^tfam auf jebe Xatfad^e ber @rfal^rung unb erfüQt Don bem 
Reifte ber mobemen f^orfd^ung, üBerjeugt, ba^ um äußerer 
Slutorität ober innerer Sßorliebe u^iKen an nid^ts gerüttelt toerben 
barf, toai unabl^ängige äSiffenfd^aft afö naturgefe^ßd^ Derbürgtj 
Sber biefer ältann foQ gugleid^ baS Seben innerlich erfaffen mit 
bem feinen ©efül^I beS ^nftlerS, mit bem n^arml^eriigen ©tauben 
einer frommen ©eele, mit ber Sßenfd^enliebe unb äieinl^eit eines 
fmhfid^gtt .^grjgttg. (Snblid^ fei er ein p]^iIofo!p]^ifd^er ©eift, ber 
mit jenen ®aBen ein tieffinnigeS SSerftfinbniS öerBinbet für baS 
untitgbare SBebürfniS beS äT^enfd^engemüteS, bie mtfel ber SSelt 
in einem ^ufammenl^ange ju fd^auen, in n^eld^em bie Sbeale beS 
®uten unb @d^önen baS 93eftimmenbe bleiben« SSenn n)ir nun 
einen fold^en SRann finben, nienn toir feigen, \ok biefer äRann 
nad^ einem langen, arbeitfamen Seben, in totld^tm er felBft eine 
3ierbe beutfc^er SBiffenfd^aft getoorben ift, am @nbe unfereS 
naturtoiffenfd^aftti^en Sal^rl^unbertS, beffen ®nttoid(eIungSftufen 
er burd^tebte, bis inS Snnerfte erfüQt blieb t)on ber Überjeugung, 



30 Sed^ner lern ^ogmattfer. 

ba§ feine toiffenfd^aftUd^e Kuffaffuitg bed aStrllid^en t)a8 etl^ifd^e, 
äft^etifd^e uttb religidfe Sbeal ol^ne jebe Xrübuttg bet fjfret^eit 
ber f^orfd^ung ju befriebigen üermag — bann bfirfen tDtr tt)0l^I 
ber Lebensarbeit etneS fold^en SRanneS t)ertraueniSk)oQ anf il^ren 
äBegen folgen nnb fie in ber Hoffnung begleiten, banemben 
®eioinn t)on feiner 99e(e^rung ju jiel^en. ®in fold^er äRann 
. mar ®nftat) Xl^eobor f^ed^ner/ 

\ @iS erfd^eint mir angebracht, nod^mafö ju betonen, ba% 

i^ed^ner bei feinem Streben, baS 9ted^t beS ®emüt8 jn toal^ren, 

bod^ niemate bie f^reil^eit n^iffenfc^aftlic^er ^orfd^ung getrübt 

^at 3Ber i^n für einen SBefd^öniger jener ©laubenSbogmatü 

pft, nield^e bie SSiffenfd^aft nnb bie felbftänbige Überjengnng 

beS (Sinjelnen unter il^ren ^errfd^erftab beugt, ber l^at üon 

^ed^ner ein grunbfalfd^eiS 93ilb. ^^ed^ner l^at fid^ aQerbingd 

bem aRißöerftänbniÄ infofem fclber blo^gefteöt, ate er e« liebt, 

feine SBettanfd^auung in eine l^ergebrad^t d^riftlid^e SluiSbrudC^« 

toeife ju fleiben. „ ® Ott '^ nennt er bie pc^fte^^eijöge Sinl^eit 

^ beS SBeltoIÜS, to&^xtnb bod^ iSt(ifiiix8 i,®ott'' g^unbuerfd^ieben 

/ ijj t)mJ>trxL au|ertoeltlid^en &^&pftt unb 9iegierer_;_ben bog 

I Rird^cnbogma Uf^xt.. ©benfo grünblid^ nnterfd&eibet _ftd& 

Y ged&nerS „Seben n«d|-bem S^obe** üon htm fird^ßd^en Sluf^ 

\er[te]^ungg^ unb Unft^fMid^ettggebanfen* ged^ner« @d^toär== 

I nierei für (S^riftud ^at leine^megiS einen bogmatifc^en, fonbem 

/ einen pl^ilofof^l^ifd^en ®mnb. Um i§n ju tierftel^en, braud^en 

toir nur folgenben @a| in ber SBeife ju lefen, bafe toir bie 8lu§* 

brüdte „irbifd^e SBelt", „3)ieSfeit8" unb ;,l^immUfd^cg 3ieid^" 

nid^t bualiftifd^, fonbem afö Untcrfd^eibung innerl^alb ber natür* 

lid^en (Sinl^eit üerftel^en« f^ed^ner läjst bai^ (Sl^riftentum in bem 

©inne gelten, „ba^ ß^tiftujJ bie Sbee ber (Sinigung ÄQer aug 

bem ©efid^tiSpunfte, auiS bem allein eine (Sinigung SlDer mdglid^ 

ift, juerft mit Söetou^tfein im? JBetoufetfein ber irbifd^cn SBelt 

gebrad^t unb burd^ Seigre unb Seben ben lebenbigen Slnftog jur 

Verbreitung bicfer Sbee gegeben l^at, ba§ aKe SReufd^en fidl^ afö 

^inber beijfelben einjigen, nur ®ute^ u^oQenben ©otted, afö 



^cttt @J)irit{fi Äctn «ß^ontaft. 31 

^Bürger etneS ü6er ba» S)ie8fettö J^mauSretd^ettben ^immlifd^en 
Steid^cö unb atö JBröbcr jucinanbcr fül&Icn/' 

SbenfotDcnig toie ein SBcrtctbtgcr bc8 bogmatifd^ctt Ätrd^cn^ 
glauBctti^ borf gcd^ncr ein ©piritift genannt tocrben* Äßerbing« 
\)at er mit gorfd^erernft getoiffe auffällige ®rfd^einungen beiS ®pxxu 
ümni unterfud^t unb auS eigenen 93eobad§tungen toxt auiS t)ielen 
3eugmffen benSd^Iu^ gejogen, man bürfe nid^t Don öoml^erein fämt:* 
lid^e fpiritiftifc^e ©rfd^einungen afö ©d^toinbel öertoerfcn. Snbeffen 
fte^t fjed^ner ben fpiritiftifd^en I^eotien ganj jtoeiflerifd^ gegenüber, 
unb toa& ben angeblid^en äBert ber fpiritiftifd^en ^l^änomene 
betrifft, fo ftettt ged^ner biefe öielmel^r auf ben SRang öon SSer* 
rfldttl^eit, faKiS nid^t einfa^ 2;afd^enf))ielerei vorliege. S)ie SiageS^ 
onfid^t — fo fagt er öon feiner 2BeItanfd^auung — lönne mit 
unb ol^ne ©piritiiSmuS befleißen, mdd^te aber bod^ lieber ol^ne 
@))iriti8mujS beftel^en« i 

®i toxtb nid^t überflüffig fein, fjfed^ner aud^ gegen ben 1 
SBorwurf ber ^l^antaftif ju öerteibigen* 3)ie Saune ber ®efd^id^te ' 
^at ejS gefügt, ba^ ein ©runbgebanfe ber ^ed^nerfd^en äBelt^ 
anfd^auung, fein 93ud^ „9tanna ober über ba^ Seelenleben ber 
5ßflanjen'' im Saläre 1848 erfd^ien, ate ba^ beutfd^e SBoH fid^ 
Icibcnfd^aftKd^ ber 5ßoKtif, ben praftifd^en Sntereffen beS toirt^ 
fd^aftlid^en SebenS unb einer materialiftifd^en $lufl(ärung l^ingab, 
bie aUe 9latur))l^iIofopl^ie afö pl^antaftifd^e Stomanti! unb real^» 
tionäre« S)unlelmännertum öertt)arf. 2)a8 SSorurteil, unter bem 
ge^ner ju leiben l^atte, »urbe nod^ mel^r beftärft burd^ fein 
brei Saläre fpüter öeröffentlid^teg SBerf „Senb^äüefta ober über 
bie S)inge be8 ^immefö unb be8 Senfeitg"* SBo ber Sefer 
ejafte SRaturforfd^ung unb ftrenge SBetoeiSfül^rung verlangte, er=* 
ging fid^ ber naiöe ged^ner in bid^terifd^cr 2)arftettung unb 
liefe ein geuertoerf öon Analogien fprül^en, ttJäl^renb bie Som== 
pofition beS Sud&e8 bie ©^ftematil öermiffen liefe. S)er „9?atur== 
pl^ilofopl^ie" unb „frommen" SBeltbeutung überbrüffig, einfeitig 
für ))^^fifd^e 9laturbefd^reibung ober materialiftifd^^med^aniftifd^e 
Snfd^auung intereffiert, erl^ielt ba8 ^ublilum aud^ t)on f^ed^nerS 



82 9Htr 9(ttfd^imng beloeifL 

iDetteren SBettfiilbent, bem ^SBüd^Iein Dom SeBett nad^ bem Xobe' 
(n. Stuftage 1866) unb ber ^XageSanftci^t gegenfiber ber ^a^U 
anftd^t" (1879), ben Sinbrud pl^antafttfd^er ©d^to&tmerel @S 
fel^Ite baS SSerftänbntö nid^t btog für bte ^ebeutmtg ber ^erjettö^ 
iogif; fonbem oud^ für ben (SrlenntniStoert ber ^l^ontafte unb be§ 
9(naIogtefd^(uffejS, ber t)on t^ed^ner untfangreid^ angetDenbet lotrb* 
(Sine übertriebene @d^ä|ung ntatl^entatifd^er SBeioeiSfäl^rmtg, 
ftreng togifd^er fjfommlierung l^atte bie tiefere (£infid^t in bie 
frud^tbare ^etl^obe ber SSeltanfd^anung tierl^filli 3nbeffen 
toax fd^on wn ©d^openl^auer bie Serlel^rtl^eit ber SReinung nad^« 
getoiefen, ba^ nur in äl'latl^entatil unb Sogif bie ftreng toiffen^ 
fd^aftlid^e SRetl^obe toalte, unb ba^ lebiglid^ bai 93elniefene t^oQ^ 
lontmen n)al^r fei @d^o))enl^auer l^atte geltenb gemad^t, nid^t 
jebe äSol^rl^eit bebfirfe eines 93eioeifejS, fonbem umgelel^ri j[eber 
S3ett)eiiS bebürfe einer unbetoiefenen äßal^rl^eit, bie jule^t il^n 
ftü|t, unb folgßd^ fei eine burd^ unmittelbare Slnfd^auung bar- 
gebotene SEBal^rl^eit beffer, als eine erft burd^ f8eo)t\& üermittette 
— toie SBaffer au8 ber Duette ben Sorjug öor bem SBaffcr* 
leitungStoaffer Derbiene. „SHc^t bie betoiefenen Urteile, nod^ il^re 
iBetoeife, fonbem jene au^ ber Stnfd^ouung unmittelbar ge^ 
fd^öpften unb auf fie, ftatt aOeS SBetoeifeSr gegränbeten Urteile 
finb in ber äBiffenfd^aft baS, toa^ bie @onne im SSeltgeb&ube; 
benn t>on il^nen gel^t aUeS Sid^t auS, t)on totl^m. erleud^tet 
bie anberen toieber leud^ten« Unmittelbar aus ber $9[nfd^auung bie 
SEBal^rl^eit fold^er erftm Urteile ju begrfinben, fold^e ©mnbbeften 
ber SEBiffenfd^aft au8 ber unüberfel^baren SWenge realer S)inge 
J^erauSju^eben, baS ift baS SBer! ber UrteilSlraft, tt^eld^e in bem 
äSermögen, baS anfd^aulid^ (Sriannte, rid^tig unb genau inS ab^ 
ftrafte Setou^tfein ju übertragen , beftel^i ♦ . . SS fann feine 
äSal^rl^eit geben, bie unbebingt aQein burd^ @d^Iüffe l^eraus« 
jubrtngcn toare; fonbern bie SRottoenbigfeit, fie bloß burd^ 
©d^Iüffe JU begrünben, ift immer nur relatiö, ja fubjeftit)» S)a 
aUe Setoeife ©d^Iüffe fmb, fo ift für eine neue 28al^rl^eit nid^t 
juerft ein S3etoeiS, fonbem unmittelbare Soibenj ju fud^en, unb 



$(nf(tiattung8fetn int Segtiffe. 83 

nur fo lange ed an btefet gebrid^t, ber 83ett)ete einftoeilen auf« 
jufteQen. ^wcä) unb butd^ ben^eisfiar lann feine äSiffenfd^aft 
fein; fo toenig ate ein ©cbäube in ber Suft ftel^en fann: äffe il^re 
äSeueife muffen auf ein Slnfd^auIid^eS unb ba^er nid^t ntel^r 
S5etoei8Bare8 gurücffül^ren. S)enn bie ganje SEBelt ber {ReflejiDn 
rul^t unb n)urjett auf ber anfd^aulid^en SBelt %Qe te|te, b« % 
urfprflngßd^e (St^ibeng ift eine anfc^aulid^e; bieS Derräi fd^on 
boiS SSSort*" ®t)ibeni l^eij^t nämlid^ l^erauStoad^fenbe Stnfd^auung. 

2)a^er ntu§ ed irgenbmie möglid^ fein, jebe SBal^rl^eit, bie burd^ 
Sc^Iüffe gefunben nnb burd^ 93eh)eife mitgeteilt n^irb, aud^ ol^e 
SBeipeife unb ©d^Iüffe unmittelbar ju erfennen. äBenn nun bie 
tieffte @rlenntni^ ba& unmittelbare (Srlebni^ ift, fo bebeutet bie 
anfc^auenbe Sal^igteit unfereiS ®eifte8, alfo neben bem @m|)finben 
unb %iifjHm bai^ lebl^afte S^orfteffen, bie $]^antafie, ein toefent^ 
lic^eS SD^ittel jur S8eftanfd^auung. ,,@elbft tt)aiS ju gro| ober 
gu lom^Iiiiert ift, um mit einem SBIid(e überfeinen ju n^erben, 
mug man, um eiS n^al^rl^aft ju üerftel^en, enttoeber teilmeife ober 
burd^ einen äberfel^baren SRe^räfentanten fid^ anfd^anlid^ t)er^ 
gegentoartigen; bai^ aber, tt)aiS felbft biefeiB nid^t julä^t, mu^ 
man n^enigftend burd^ ein aufd^aulid^ed 83itb unb ©teid^niS fic^ 
fa^K^ ju mad^en fud^en.^ SlQeiS urfprünglid^e ^Begreifen ift 
ba^er anfd^anli^, f^mbolifd^, toie benn felbft bie abftralteften Se* 
griffe bei naiverer Setrad^tung, befonberg toenn toir bie §crlunft 
il^rer Sßorte unterfud^en, ftd^ afö S3ilber, ®Ieic^niffe verraten. @o 
(ebeutete ba^ jegt begrifflid^e äSort „Qtotd*' frül^er einen jpolg« 
pflodt, ber beim ©c^eibeufd^iefeen an bie getroffene ©teffe ber 
©d^eibe geftedt tourbe; affmä^tid^ aber tourbe biei^ SBilb mit 
einem äff gemeineren @inne erfüfft, hii e^ fd^lieglid^ eine \)0x* 
gefteffte unb getooffte äSirlung überinau|)t begeid^nete. äBenn 
id^ fage „SSoffJommenl^eit ift ber ßtoedE ber SBeftenttoidEelung^, 
fo fteffe id^ mir bie SBelt wie einen ©d^üfeen öor, nad^ einem 
$un!te ber ©d^eibe gielenb, ber „SerDofffommeni^eit'' J^ei^t äBir 
§aben cS alfo l^ier mit einem Urteil ber ^l^antafie gu tun* 

S)ie ^l^antafie bemerk itoifd^en gn^ei SSorgängen eine Üiijn^ 



84 Shntd^t&arfeit ber ^nologie. 

(i(|tett imb fd^Iiegt batouiS auf eine gleid^e Statut, eine innere 
SSemianbtfd^a^ ber beiben Vorgänge; fie beutet ben ntinber t)er« 
ftänblid^en SSorgang nad^ bem äRufter beS anfd^aulid^ befannten 
SSorgangeS* 9EBte einem @d^ügen, ber nad^ bem n^id^tigften 
^^Ite ber ©d^eibe jielt, )u äTtute ift, toei^ ber SKenfd^ auiS 
intimer (Srfal^rung, unb überträgt nun bieiS (SrIebniS auf ben 
bunleln 83orgatlg, auf bie ä8eItenttoid(eIung* X)aS Urteil „fßoU^ 
fommenl^eit ift ber 3^^^ ^^ 9EBeItenttoid(eIung^' berul^t alfo auf 
einer ^^antafietätigfett, bie auS ^l^nßd^em Sl^ntid^eiS folgert, 
auf einem fogenannten Slnalogiefd^Iuffe* ^ier l^aben toir ein ®t^ 
biet betreten, baiS man unferm ^ed^ner k)ielfad^ k)erargt, n^ä^renb 
eS bod^ baiS eigentlid^ frud^tbare ®ebiet aQer SBettanfd^auung 
ifi äßo e2 auf (Srtoeiterung unfereS Slnfc^auungStreifeiS an« 
lommt, lann ja lebtgtid^ bie ^l^antafie mit i^rem @d^Iuffe üon 
tl^nßd^em auf ^l^nlid^eiS ettoaS leiften* S)er ftreng logifd^e 
@d^(u^ mag uniS innerl^alb eines befannten (Gebietes ben S3lic{ 
fd^ärfen, fül^rt inbeffen nid^t barüber l^inauiS* äBenn id^ j. S3« 
folgere: „Wie äRenfd^en finb fterbli^, SefuS mar ein äRenfd^, 
alfo mar SefuiS fterbKd^'', fo l^abe id^ nid^tS erfal^ren, toai nic^t 
fd^on üorl^er in bem allgemeinen @a^e „aUt ^enfd^en finb 
fterblid^'' entl^alten mar« SSenn aber f^ed^ner folgert: S)ie 
^flanjen finb im Sau unb 93enel^men bem äßenfd^en red^t ä^n^ 
lid^; alfo mirb bie ^flanje aud^ ein Innenleben, ein ßmpfinben, 
fjül^len unb SBoHen, äl^nlid^ mie ber SKenfd^ ^aben, — fo l^at bief er 
^naiogiefd^Iu^ jmar feine matl^ematifd^e äierbinblid^teit, ober üor 
ber ftrengen SBerftanbi^Iogi! infofem etmaS t)orau8, aU unfer 
Slnfd^auungglreiS burd^ il^n crmeitcrt mirb. 

ged^ner l^at fid^ niemals bemül^t, feine ^l^antafietätigleit, fein 
analogifc^eS ©d^Iiejsen ju bemänteln, mäl^renb mand^er anbete 
5ß]^iIofopl^ für einen ftrengen Sogifcr unb ©^ftematifer nur beS^* 
l^alb gel^alten mirb, meil er feine ^l^antafien in ben S)oItormanteI 
l^üQt äRit fd^tid^ter Dffenl^eit {ünbigt f^ed^ner in ber SSorrebe ju 
„8mbMt>t\ia*^ ben Slnalogied^aralter feiner ©d^Iüffc an: ^^n ben 
9laturmiffenjd^aften tritt bie Slnalogie fel^r gegen bie Snbuftion 



Sfed^ner ü6er Sbmlogie. 85 

jurttd* 3n ben ^etrad^tungen btefer Sd^rift toirb man baiS 
Umgcfcl^rtc jtjiben* S)ic8 Kcflt in bcr Siatnr ber ©egcnftänbc* 
@ic fd^ficlt onf (Seift, »o man feinen feigen lann* 5E)ie Statt* 
l^aftigleit fold^en ©d^InffeiS totrb im allgemeinen nid^t beftritten; 
man fd^Iiegt ja überaQ anf ben ®eift anbetet äRenfd^en nnb 
2:iete, ben man nid^t feigen lann, nnb biefet @d^(n^ betnl^t oib^ 
gefeiten wn ptaltifd^en SDlotiüen, ganj anf Slndlogie; etft anf 
@tunb biefet Slnalogie etl^ebt fid^ bann bie 3nbnItion* . . . SBit 
^anbeln t)on ben l^öd^ften, legten, aQgemeinften S)ingen im ®e« 
biete bcÄ ®eifte8 nnb bet äÄatetie* S)iefe abet liegen in feinet 
fold^en SSiell^eit k)ot nniS andgebteitet, tt)ie bie Snbnftion jnt 
Untetlage bebatf; tDit ftel^en t)ielmel^t cü einjetne im ganjen 
betfelbctt, fie fd^Ke^ nn^ in il^tet (Sinl^eit ein, toit blidfen t)on 
bet SBieC^eit nnfetet nnteten @tanb:pnnfte nad^ il^tet einfamen 
ipöl^e« ^et ©piegelbilbet betfelben im einzelnen ßegen aQmegS 
t)ox, an bie fid^ bie S(naIogie l^alten fann* Stid^t ol^ne ©efal^t 
fteilid^, bai^, tt)a8 am Xeilfein, bet @nblid^feit biefet S3Ubet l^ängt, 
mit einet ©piegeinng Don äSetl^ältniffen beiS ©anjen p t)et* 
toed^feln* ®od^ * * . bet Umftanb, bag mit bem ©efid^tspunfte 
bei^ ®Ieid^en bet beiS Ungleid^en t)on nniS mel^t betüd^id^tigt 
mitb, aü eS fonft im ©ebtaud^e bet Stnalogie jn gefd^el^en 
pflegt, biltfte bie Unfid^etl^eit minbetn, toie man fie fonft bet 
Analogie beilegt, ol^ne fteilid^ eine abfointe ©id^etl^eit batan^ 
mad^en jn fonnen. • • . ffiein SBeg, anf bem fid^ bet SBal^tl^eit 
mäd^tig n^etben Iä|t, foH einfeitig ben anbetn meiftetn tooQen, 
obtool^I aUe einanbet toed^felfeitig/' — 3ft ba8 bie ©ptad^e 
eineiJ ^l^antaften? 3iein, fo ntteilt uielmel^t ein S)enfet, bet 
mit Sefd^eibenl^eit fid^ felbet nnb feine äRetl^obe jn etfennen 
fud^t nnb mit nnbefted^ßd^et ©l^tlid^feit bie (Stengen feinei^ 
ÄönnenS cingeftel^t Jßl^antafie fteilid^ finben toit bei ged^net 
rei^Hd^. (£8 ift jene gingftaft be8 (Seiftet, bie il^n an8 fad^* 
toiffenfd^aftlid^et 93e^utfamfeit nnb @nge jn ben nngetoöl^nlid^en, 
l^öl^eten, fteieten ®ejtd^tgpnnften bet SBeltanfd^aunng ttägt 
^^ontaftif ift anSgeattete, übet äßitflid^feit nnb SSetftänbigfeit 

8* 



86 «[uBerlidifeit imb (Stofeitigleit be0 ^JatttroIiditittiS. 

I^inaudfd^toetfenbe ^l^antafte. %t^nex aber lierftel^t eS, tote ein 
umftd^tiger unb [tarier SBagenlenfer fein ®emfit ttnb feine Sin« 
bilbungdlraft jurüd^ul^alten, n^o ein SlnpraD ober ein S(Bgmnb 
brol^t, nnb nnr ba l&^t er ben Stoffen bie QüQei fd^iegen, too 
il^re fenrige ^nrtigfcit bie fjol^rt beförbert 

4. ^fe Batlitattlldit 

^erjenSlogit f)at f^ed^ner ba^in gebrad^t, einen {(niStoeg 
aniS jener lüntnierlid^en äßeltanfd^annng jn fnd^en, bie er toegen 
il^rcr finfteren Öbe nnb bangen Sotenl^aftigfeit ^^Siad^tonfid^t'' 
nennt. Slber ber ^ndn)eg tonrbe nid^t bnrd^ Sefted^nng be^ 
aSerftanbe» erfauft ®er Sogo8 ber ?ßerfönK^feit toaltete l^ter 
fo gefnnb, bag ebenfott)enig bai^ ^erj ben ftopf, loie biefer baiS 
$erj t^rannifieren bnrfte* 

2Ba8 ged^ner „SRad^tanfid^t" gegenüber feiner „Xageganfid^t" 
nennt, ift bie im natnrtoiffenfd^aftlid^en S^tofter lanblänfige 
9EBeItanfd^auung. ®ie bant fic^ n^efentßd^ anS pl^^fifd^en S)aten 
auf unb pft ba« ©innfäaige für bie eigentliche SBirfßc^feit, 
auf bie man fid^ üerlaffen lönne, to&^xtvb ba& geiftige Seben 
ein unfid^erer SBoben mit fd^toanfenben (Seftalten, eine Art 
©d^attenrcid^ fei ®ie gro§e Verbreitung biefer SBeltanfd^auung 
berul^t fotool^I auf bem materialiftifd^en ©inn ber SRenge, für 
ben baS ©inntid^e im allgemeinen baiS ©eiftige an S3ebeutung 
übertrifft, afö aud^ auf ber übertriebenen ©d^S^ung, bie unfcre 
oortoiegenb äu|crlid^e Äultur ben Siaturtoiffenfd^aften joßt ®ie 
SKetl^obe, bie ben SRaturtoiffenfd^aften ju il^ren ©rfolgen oer« 
I)oIfen l^at unb für bie SRaturttjiffenfd^aften in ber lat bie rechte 
ift, l^ält man für bie aUein^felig^mad^enbe aud^ ba, too eine 
SDSettanfd^auung gett^onnen n^erben foH 2)ie 9laturtt)iffenfd^aften 
ftnb lebiglid^ auf eine ©eite beS SSeltaQs angeioiefen, nämlid^ 
auf bie finnfäQige; mit ben ©innen unb il^ren ted^nifd^en ^Uf^^ 
mittein n^irb baS äBeltaU unterfud^t, unb bie fo gen)onnenen S)aten 
werben oom äSerftanbe f^ftematifiert S)agegen ift nid^ts etn^ 



(Keift aU ^uSnol^tnefaH in ber ^^atitr. fßmtaXt Materie. 



37 



jiuoenben« SBenn aber tiefe Wltt^obt auf bie ^I^Uofoipl^ie äber^ 
tragen, iDettn bem naturtDtffenfd^aftltd^en S3t(be, bad bod^ nur eine 
©eite beÄ aBeltaßg barfteßt, bie SBfirbe einer SBeltanft^auung 
Derliel^en n)irb, fo !ommt babei bie anbere, l^öc&ft tpid^tige @eite 
be§ SBeltaUg, ba« ,,3nnere ber SRatur'S fd^Ied^t toeg, S)er\ 
gcl^Ier ber naturatiftifd^en SBeltanfd^auung befielet folglid^ in j 
einem 3rrtum über bai^ JBerl^ältnig jtoifci^en bem SWaterießen y 
unb ®eiftigen* ^ 

S)ie naturaliftifd^e SBeltanfcl^auung betrad^tet baS geiftige 
Seben, aQe^ in ber äBelt t)orfommenbe @mpfinben, ^ül^Ienr 
SBoQen, SSorfteSen unb S)enten, atö einen SSorgang, ber aui^ 
nal^m8toeife, lebigKd^ bei einer ganj beftimmten SSerfaffung ber 
äRaterie, eintrete unb mit biefer materiellen 93ebingung t)u^ 
fd^n)inbe. Dl^ne tebenbigeiS (Sitt^ei^, au^ bem unfer ©el^irn unb 
unfere SReröen, au8 bem bie QtUm, bie ©lemente aller Drganig* 
men befleißen, lönne nid^t entpfunben, gefül^It, üorgefteQt ober 
gebadet werben; baiS feelifd^^geifiige Seben, ba^ S3en)u^tfein ober 
(&xttbxd&, trete im äßeltaO nur an ben räumüd^en unb jeit^^ 
lid^en fünften auf, too t^ (Sitoeijs gibt. Slu^ biefer Slnfid^t 
nun ergeben fid^ bie fjolgerungen: 5E)a unfere ®rbe öor Qtittti 
ein 2:eit ber glül^enben @onne unb aud^ nad^ ber Trennung 
t)on biefer äßutter nod^ toiele äßiQionen t)on 3al^ren übermäßig 
^eig toar, fo lonnte in |ener Urjeit (ein @in)eig juftanbe fommen, 
unb fotglid^ loar bamals bie (Srbe ganj brutal, ol^ne einen 
@d^tmmer t>on 93en)uJ3tfein. @rft als bie gemilberte 9latur an» 
einem lauen, feud^ten Elemente bie SCnf&nge organifd^en SebenS, 
^rimitit^e Sin)eigHüm))d^en gebar, bämmerte in il^nen feelifd^^ 
geiftigeS Seben auf* äßit ber SSerüoQtommnung ber Sin^eig^ 
Organismen, mit ber SSerfeinerung il^rer (SrIebniiSorgane n)arb 
baS 89eiougtfein reid^er unb l^eller; auf feine Dämmerung folgt 
ein (eud^tenber Sltorgen unb ein ftral^Iengen^altiger 9J2ittag. Sod^ 
aud^ Slbenb unb 9lad^t n^irb es n^erben ; eine ßeit n^irb lommen, 
mo infolge ber (Srbabföl^Iung t)or ftätte unb 3Kange( bie @&fte 
ber (ebenbigen Abxptt erftarren mib baS (£imei| t)ergel^t ^ann 



I 



erfifd^t bai legte iBett)ußtfetn ber ®tht, caii tft e8 mit oflen 
@mpftnbungenr auS mit f^arben, f^ormen unb hängen, auS mit 
aUen ffirinnerutigcn, ©cbanfen unb ©effii^len» Rein ®xltbn^ 
ffinld^en fd^immcrt mel^r. Die @rbe famt il^rer großartigen 
fittitur öerfd^Iungen öom Unbetoufeten, t)on brutaler JRad^t 

®iefe naturaßftifd^e SBeltanfd^auung brüdft baS (Semüt 
nieber, SBir lommen uni^ öor toie piger in einer SBfifte, ge*» 
narrt öon ber gata SRorgana» Ste ein ©elbftbetrug erfd^eint 
uniS ber ®Iaube an bie unenblid^e S3ebeutung beS Sßal^ren, 
\ ©d^önen unb ®uten^ S)ie Äultur mit il^ren ßid^tgebanlen unb 
\ ^od^gefül^Ien ift nur ein ttJingigeiJ Sntermejjo, ba8 garbenfpiel 
\eincr flüd^tigen ©eifenbtafe, eine 9luII in ber unenbli^cn ©tum^jf^ 
T^eit be« S)afein8* Duette toie ßiel beg ßebeni^ unb Setou^t^ 
feinS finb SRad^t unb 2;ob, SBenn aber atte» ©treben auf nid^tö 
anbereS l^inau^Iäuft, lol^nt eg fid^ bann überl^au:pt, ju ftreben, 
ju leben? |)at bie JSuItur einen ©inn, menn bie pd^fte Kultur, 
bie ©elbfterfenntniS, nad^toeift, ba§ gauje ©etriebe fei jttJcdETog? 
Sßoju bie umftänblid^e @ntn)idCeIung bed ©onnenf^ftemi^ üom 
Umebel bi§ jum ßentralbatt unb ben umfeeifenbcn Äugeln? 
SBoju bag Slbfü^Ien ber ®rbe, ba^ organifd^e Äeben, bie @nt* 
ftel^ung ber Slrten, ber quatootte Sampf umg S)afein, ba& SKeufd^^ 
»erben unb bie Äultur? SBoju, toenn fd^Iießlid^ atteg toirb, 
toie eiS öorbem toar, toenn bai^ gauje Seben l^inftirbt in SRad^t 
unb Äälte? ^Ji^eilid^ ftettt un8 ber SRaturforfd^er in SluSfid^tr 
ber Seid^nam unferer @rbe toerbe mit einem großen ^imrnefö* 
lörpcr jufammenpratten, oietteid^t toieber in bie ©onne l^inein* 
ftürjeUf toic bag SBaffer eines ©pringbrunnenS jum Urfprung 
jurüdEfel^rt Unb bann, l^eißt eg, toirb bie ®rbe ju neuer ®Iut, 
ju neuem ßcben, ju neuem Sm|)finben, fjül^len unb S)enfen er^ 
ttjedft toerben- Aber ttjag toeiß ber neue S^ül^ß^S ^^^ ®eifteg 
atebann öom öorigen 3a]^r, t)on ber frül^eren ©eift^jeriobc ber 
@rbe? (Sinen betoußten 3^f<^i^^^^^^^9 bamit, eine Xrabition, 
ein SBererben beS alten ^Itur[d^a|e8 auf bte neuen ^Itur^ 
Pioniere gibt eS j[a nid^t SSottenbS fd^aurig n)irb ber SuSblidC 



^u^ ein 6if9))]^S. ^er toal^e ^efrtmiSmug. 39 

m bie 3ubntft, tomi ber Staturforfd^er ber pl^^fKalifd^en Se|re 
l^ttlbigi, bie (Snttotdelung ber Sßelt toerbe einmal einen 3{u8gletd^ 
ber SBämte l^erbeifül^ren, fo bajs (eine med^onifd^e Strbeit ntel^r 
juftanbe (ontme nnb ber ganje SWed^ani^muiS fülle ftel^e« 

©old^e natnraliftifd^cn ^erfpeltiöen toirfen toie ^öüenqual 
auf ein ®eniüt, bog einen nnöcrlicrbaren SebenSfinn getoäl^r^ 
leiftet feigen möd^te* Die SBeft lommt il^m öor toic jener 
@if^j)^u8, ber jnr ©träfe in ber Unterlieft einen Stein Bergan 
n^äljen ntnt, jebeSmal aber, n^enn biefe Saft nad^ fd^toerer äRül^e 
beinal^e l^inaufgebrad^t toorben ift, fie ani^ ben $önben Verliert, 
fo ba§ ber Stein toieber in bie liefe roQt, nnb bie Arbeit unu« 
fonft iDar* S)er ©ebanle, bag bad eigene 2:nn nnb ba8 ganje 
aSeftgetriebe ööttig fmd^tloS bleibt, ift für einen Vernünftigen 
SD?enfd^en nnertrftgßd^. Unb nun ntaft und bie naturaliftifd^e 
Sluffaffung ein 91U, in bent baiS geiftige Seben nur l^in unb 
toieber, atö gelegentlid^er SluSnal^mefaQ t>oxtonmt, ol^ne ha^ bie 
einjelnen ®eiftperioben eine ftetige SntmidtlungSlinie bilben« @in« 
famc Dafen finb'8, burd^ bie SBüfte fo ööDig uoneinanber ge* 
trennt, bag (eine Dafe ettoaS t)on ber anbem erfal^ren (ann* 
^ein Organ jum SSel^aften beffen, n^aS und teuer ift, l^at ba^ 
unenblid^e 91II, (eine ©d^eune, um bie SSertgarben ber einjelnen 
^Ituren einjul^eimfen* SSermal^rloft );)erfaulen |ebe8mal bie 
Farben auf bem fjfelbe, toeil ben 93auer unb fein gansed 2)orf 
ein großes ©terben l^intoeggerafft l^ai Unb fd^ßejsßd^ l^at baS 
gelb ein ©infel^en, gibt ba8 finnlofe g^ld^tetragen gängfid^ auf 
unb toirb für alle @ioig(eit jur ftarren SBüfte. 

aSergtid^en mit biefer SBeftanfd^auung ift ber ^ßeffimii^ 
muiS ©d^openl^auerS parabiefifd^. 3)enn ©d^openl^auer l^äft 
sn>ar bie SBeft ber egoifttfd^en SSejal^ung für quatooQ unb 
ft^Ied^t, lel^rt aber, bag e^ einen $lui^n)eg barauS, eine (Sriöfung 
jum l^eißgen, feßgen f^eben gibt, unb ba| unfer SbealidmuiS, 
bie Eingabe an baS äBal^re, ©d^öne unb ®ute, ben ben{bar 
^öclften ©inn ^at, nämlid^ bie (Sriöfung t^oQbringt ©d^open« 
^auerd Seigre ift in biefer ^infic^t gerabeju optimiftifd^. 2)en 



40 ®eift an (SiioeiB ge^unben. SOlaittxt ol^ne fmnTid^ (S\qm\ä^\i? 

ei flentfid^e n ^ e ff imi8mtt8f tetfurd^tbarcn ©innc^ bc« SBortcg, 
^teSt «6eii -üenft SRatotFati^nittd bot, btt bttt SBeftprojeg ffir 
ettoad @tnnIofeS l^ält $ier ^ucCt ber SRaturaltft bie ^td^feln unb 
ntetnt, ber äBa^rl^eit muffe man bie Sl^re geben, aud^ iDeitn fie 
traurig fei« ©otd^e ®efittnung ift ja toadtt. Snbeffen «verlangt 
ber SogoS ber ^erfönlid^Ieit t)on und, bag n)ir felfenfeft^ ®rfinbe 
l^aben, el^e mir und }u einem ®Iauben entfd^Iie^en, ber ben mert^ 
t)oQften 93ebürfniffen unfered ®emüted in finfterer äßi^ac^tung 
entgegentritt unb fie üerfd^mac^ten (ä^t äSJol^Ian, prüfen mir 
bie @rfinbe, ob fie loirllid^ felfenfeft unb nid^t üielmel^r äRoraft 
finb! (SS §anbelt fid^ um unfere mid^tigfte Sebendfrage, um 
bie l^öd^ften Sntereffen eined vernünftigen S^arafterd. 

5^ ,^3tn Sinnen ftali ttn bann |n frauen*" 

X)ie SEBurjel qu8 ber bie peffimiftifdäe 9tad^tanfid^t l^ert)or^ 
mäd^ft, ift nad^ ged^ner folgenbe SReinung ber Staturoliften: 
„3n ben Sleröcn l^oben fie bie fidleren S^ici^^it ^^'^ äWittel ber 
Sm))finbung unb im ©el^irn bad Snftrument bed ®eifted, Vorüber 
l^inauS bie SEBelt leind i)at, leind ift Ob e8 jmar ©d^tningungen 
in fiuft unb ^tl^er über bie 9%ert)en ^inaud gibt, fie miffen, ba% 
@d^mingungen nur in pl^odpl^orl^altigem (Simei^ ®mpfinbung 
bebeuten, unb neigen baju, bie ^f^d^ologie atö einen d^^0 ^^^ 
S^emie ju betrachten: auS ^ol^Ie, ^^oiSpl^or unb ®auerftoff im 
^otopIojSma !ommt ber @(eift 9Rit bem ^otoplai^ma, afö 
gemeinfamem Urftoff t)on 9{ert)en unb ^ol^pen, beginnt eine 
jmeite ©d^öpfung, bie ber geiftigen 2)inge, mit ber (SrfenntniS 
bed ^rotoplogma fiel ber erfte k)oQe Sid^tftral^I in bie SSiffen^ 
fd^aft ber 2)inge; unb nad^bem bie Sänger ber SRatur t)erlemt 
^aben, ®ott afö ©d^öpfer biefer Singe angubeten, beten fie bae 
golbene Jtatb beS Protoplasma baffir an/ 

S)ie fd^toad^e ©eite biefer SReinung lann bem pl^ilofopl^ifd^en 
Sopfe nic^t oerborgen bleiben* SBenn baS 9ieid^ ber Smpfinbung 
aU „eine jlneite ©d^opfung"* erft burd^ baS Simeig ober $roto« 



• V 

x: : 

^: - ■ ' 
« •• « » ^ 



IBItnbe, ftumme SBeVettsüge. Umtoälauitg in ge^neriS ^nftd^t. 41 

piama iuftattbe gelommen x% fo mu| man ber üorattgegangenen 
SBdtpcriobe, bcr ,,crftcn ©d^öpfung", aHe finnlid^cti Sigcnfd^aftctt 
ablptcd^cn. garbcn unb Sönc, Saft^ unb SBämtcqualität, S)uft 
unb ©efd^macf, fogar t^omt unb S3etDegung gab ed alfo bor 
bcm ©iioei^ nid^t; btefe ftnnU(^en (Sigenf^aftcn ftnb jja nid^tö 
anbetet ate Smpfinbungcn, alfo bcr „äioeiten ©d^öpfung" on* 
ge^rig* SEßie liinn t)or @ntftel^ung be^ ^otopIaSnta bie @rbe 
l^ciß, eine bunftförmigc, ober troipfbar pfftge gcucrftigcl gc^ 
toefcn fein, tocnn bie Smi^finbungen, bic toir mit ben SBorten 
„m", .feurig", „bunftförmig", „Pfftg", .Äugel'' meinen, 
bamate nod^ nid^t möglid^ teuren? — SBa8 Bleibt nun öon ber 
SBelt nad^ Slbgug ber finnlid^en Cluatitäten übrig? 3)ie im 
naturaliftifd^en B^id^en ftel^enbe SBeltaufd^auung fann biefe tjtage 
nur in geteunbener SBeife, burd^ allerlei 85egriff8t)crrenlungen 
bcantttjortem Stritt in bie Ratten ber 5ßl^iIofo|j]^en — fugt 
fjed^ner — , too bag SBelträtfel fid^ mit feiner eigenen Söfung 
abquält SBag ftel^ft bu? S)a ftreiten fi^ Dinge an fid^, 3d^ 
unb SRid^tid^, Äraft unb Stoff, einfädle SBefen, 2lbfoIute3, »e* 
griff, SBiUe, Unbettju^te« um ben SRamen beffen, toa^ anS ber 
9tadi)t unb ©tiUe l^eraud bie SHufton einer leud^tenben, tönen^ 
ben SBdt, j[a be« Siaume« unb ber ßeit felbft, in ung ergeugen 
fott; unb bie SBeifeften bieten für ben ®runb ber ©giften j, 
ber, alleg ©d^eine^ bar, alle ©d^eine toirft, bod^ eben 
nur jene Siamen, mit SBeftimmungen, bie au8 ber ©d^ein* 
toelt felbft abftra^iert finb, unb toben bamit gegeneinanber/ 
3m (Eingänge feineiS SBud^ei^ „2)ie XageiSanfid^t gegenüber 
ber Kad^tanfid^t" fd^ilbert ged^ner mit Maffifd^en SBorten bic 
Ummöl^ung feiner SBeltanfc^auung. „@ineS morgeni^ fa^ id^ 
im 2ci^)jiger Siofental auf einer 83anl in ber SRäl^e beä ©d^tocijcr* 
l^auiSd^end unb blidCtc burc^ eine Südfe, meldte baS ©ebüfd^ lieg, 
auf bic baüor ausgebreitete fd^öne große SEBiefe, um meine 
franlen äugen am ®rün berfdben ju erquirfen, 3)ie ©onne 
fd^ien ^cQ unb toarm; bic SBIumcn fd^auten bunt unb luftig aui^ 
htm SSKcfengrfin l^erauS, ©d^metterlinge flatterten barüber unb 



42 SP btc »dt imfctc SHttflon? 

boslDtfd^en l^ht unb ^tt, SSflgel jtottfd^erten fiBer mir in ben 
Qtoüqtn, unb üon einem 3)^orgenfon}ert brangen bie ftiftnge in 
mein Dl^r« @o toaren bie @inne befd^Sftigt unb befriebigt 
Sber für ben and S)enlen ®en)öl^nten reid^t fold^e 93efriebigung 
nid^t lange, unb fo fpann fid^ auiS ber 93efd^äftigung ber @inne 
aQmäl^tid^ ein ®eban!enf|)iel l^erauiS, ba^ i^ l^ier nur etoad 
toeiter ouSgefponnen unb mel^r georbnet n^iebergeben tt^iQ« — 
©eltfame 2;äufd^ung, fagte id^ mir. Sm ®runbe ift bod^ Med 
t)or mir unb um mid^ 9lad^t unb @tille; bie @onne, bie mir fo 
glfinjenb fd^eint, ba^ id^ mid^ fd^eue, il^r mein ^ge jujutDenben, 
in SBal^rl^eit nur ein finftrer, im ginftem feinen SBeg fuc^enber 
S5alL ®ie Slumen, ©d^metterlinge lügen il§re fjarben; bie 
©eigen, glöten ii^ren Zotl 3n biefer allgemeinen ginftemid, 
Öbe unb @tille, tt)eld^e ^immel unb @rbe umfängt, f darneben 
nur einjelne, innerlid^ l^eDe, farbige unb Kingenbe SBefen, tool^I 
gar nur fünfte, taud^en aud ber 9lad^t auf, k)erfinlen mieber 
barein, ol^ne wn il^rem Sid^t unb Klange etoad ju l^interlaffen, 
feigen einanber, ol^ne ba§ etoad gtoifd^en i^nen leud^tet, fpred^en 
miteinanber, ol^ne ba^ ettpad jtt)ifd^en il^nen tönt @o l^euie, 
unb fo ttjar eg öon Slnbeginn unb toirb ed fein in ©toigfeit 
SBad fage id^: t)ielmel^r SDliQiarben bon Salären toax ed nid^t 
!alt genug; unb toie lange toirb ed bautxn, fo n)irb ed ju lalt 
für ben JBcftanb öon fold^en SBefen fein. 2)ann toirb alled 
toieber ganj flnfter unb ftiQe fein toie öorbem. — SBie aber 
lonnte iä) auf fold^' abfurbe ®ebanfen fommen? ^6) tarn aud^ 
nid^t barauf; id^ lam nur barauf, bag man barauf gefommen 
ift, unb fanb ed feltfam, ba^ man fo allgemein barauf gefommen 
ifi @inb e8 bod^ bie ©ebanlen ber ganjen benlenben S93elt um 
mid^* SBie fel^r unb um toad fte ganlen mag, barin reid^en fid^ 
$ß]^iIofopl^en unb Jßl^^fifer, äRaterialiften unb Sbeaüften, 3)ar* 
toinianer unb Stntibartoinianer, Drtl^oboje unb Siationaliften bie 
§änbe, @g ift nid^t ein Sauftein, fonbern ein ©runbftein ber 
l^eutigen SSeltanfid^t, bajs ed fo ift, toie id^ fagte, ba^ ed ift; 
glüdEßd^, ba^ fie bod^ in ettoad ftimmt äSad toir ber SBelt um 



^er natürlid^e ^lauBe an bie @innentDeIt. 43 

uns oB^ufel^en, absupren meinen, eiS ift aQeiS nur unfer innerer 
©d^cin, eine Sßufion, bie man fid^ loBen forat, toie id^'8 nod^ 
jfingft gelegen; bleibt ober eine SKufion» Sid^t unb 2;on in ber 
anderen, k)on med^onifd^en ©efegen unb Säften bel^errfd^ten, 
äum Setou^tfein nod^ nid^t burd^gebrungenen SBelt über bie 
organifd^en ®efd^ö|)fe l^inaug finb nur blinbe ftumme SBenen^» 
jfige, bie, öon mel^r ober toeniger erfd^üttertcn materiellen 5ßunften 
caiS, ben Stirer unb bie Suft burd^freujen unb erft, toenn fie an 
ben (Sin^ei^tnouel unfereS @ef)ixn^, ja lool^I gar erft, toenn fie 
an einen beftimmten $un{t beiSfelben antreffen, fid^ burd^ ben 
f^)iritiftifd^en Qavibcc biefe« äWebium in leud^tenbe tönenbe 
©d^toingungen umfe|en* Über ®runb, SBefen, nähere 85e* 
ftimmungen biefeg gauberS ftreitet man; über bie latfad^e ift 
man einig; unb t)on aQen (SrlenntniiStl^eorien, in benen bie ^l^ilo^ 
fopl^ie fid^ eben jle^t erfd^0f)fen unb leieren toiQ, aU tooütt fie 
noc^ eine ^l^ilofopl^ie gebären, ffll^rt leine gu einem Sw'^ifel an 
ber SRid^tigfeit biefer Satfad^e, eg fei bcnn, um ben S^^ifrf fto 
unlösbar ju erflären, ober bie SBelt in ©tfiubd^en ju jertrüm*» 
mem, bie nur fid^ fetter, aber nid^t bie SBett erleuchten*'' 

„Stoax ber natürfid^e äÄenfd^ toel^rt fid^ gegen biefe SBeiä* 
l^eii @r glaubt, ba^ er bie ®egenftänbe um fid^ fielet, toeil eS 
toirlßd^ um il^n fjtü ift, bie ©onne nid^t erft l^inter feinem 
Sluge gu leud^ten anfängt, ba§ bie SSIumen, ©d^metterlinge fo 
bunt finb, toie fie il^m erfd^einen, bie fjlöten, ©eigen il^ren Ion 
il^m fd^enlen, nid^t umgefel^rt t)on il^m empfangen, lurg ba^ eiS 
ein Sendeten unb Xönen burd^ bie Sßelt über il^n l^inauS unb 
öon brausen in il^n l^inein gibt Slber er Iä§t fid^ t)on ber 
äSiffenfd^aft belel^ren unb glaubt nun um fo Küger gu fein, bajs 
er eine SDufion toeniger ^at ®ie 3Kufion gmar bleibt unb 
fpottet feineg SBiffeng, toie biefe« feiner SHufion fpottet SQ8a8 
Don beibem l^at enblid^ 9ied^t? ®etoi^ ift, ba^ bie SDufion nie 
meid^en toirb; ftel^t baS äßiffen, ba^ e8 eine SQufion ift, tool^I 
eben fo feft, unb ift eS nid^t txtlmtfjit tool^I fettft eine SQufion? 
83raud^t man bod^ ba8 ©prid^toort, ba| el^rßd^ am längften 



44 ^nä^ ptbaOtt Oualitftten fbxtUiä^. ,,^itig an fi^'' qualitatSloS. 

to&fyct, nur bal^tn itmjulel^ten, ba%, toai am Ifingften loSl^rt, 
el^rtid^ ift, um tS ju glauben*" 

3d^ l^abe bte ^age aufgeiDorfen: fßai bleibt Don ber 
SBelt mä^ Slbiug ber finnlic^en Qualitäten äbrig? (&& ift eine 
^age, bie bem äKateriaßften Sode nid^t verborgen blieb. 
KllerbingiS Derful^r er nid^t folgerichtig genug; benn er jog k)on 
ber SEBelt bIo| fjrarbe unb Xon, Suft unb ©efd^mad, 2;aft« unb 
SBärmeenM^finbung, baiS fogenannte @elunbäre, ab, glaubte aber, 
Unburd^bringlid^teitr SuiSbe^nungr ®eftalt, SBen^egung, 9lul^e unb 
8al^( feien ein ffttft, ber nid^t mel^r ate ein fub|eftii)eiS (Sriebnie 
betrad^tet, alfo nid^t t)on ber SSelt l^inu^eggebac^t toerben fönne, 
t)ie(ntel^r aU baS ;, primäre" ber äRaterie, als S)ing an fid^ }u 
gelten l^abe. S9ei fd^ärferer Überlegung toüxht &odt l^eraui^^ 
gefunben ^aben, ba$ bie üermeintlid^ primären Qualitäten nid^tiS 
SlnbereiS ftnb ate begriffUd^e SSermummungen fefunbärer, finnlid^er 
Oualitäten. S)enn Unburd^bringtid^Ieit ift eine Srfa^rung, bie 
n)ir beim Xaften gemad^t l^aben; Slui^bel^nung unb ®eftalt aber, 
99etoegung unb Stulpe ftnb aus ®efid^tS^ unb Siaftemipftn^ 
bungen abftral^iert SodEe Denät bie @d^toäd^e feiner ^ofition 
befonberiS burd^ folgenbe SSemerfung: ,,Unburd^bringIid^Ieit, 
SuSbel^ung, @eftalt, 93en)egung unb 9tul^e toärben, toxt fie finb, 
toirttid^ in ber SSelt fein, gleid^t)iel ob ed irgenb ein empftnben« 
hti äBefen, fie toa^rjune^men, gäbe, ober nid^t/ 3m ®egen« 
teil, man mn^ fid^ ju ben genannten Sigenfd^aften ftetS ein 
äBefen J^injubenlen, baS fie erlebt 

Übrigens lä^t bie SodEefd^e äSorauSfe^ung, ba| man bie 
primären Sigenfd^aften nid^t auS ber materiellen SEBelt l^inn^eg^ 
beulen tonne, eine f^olgerung gu, bie k>on SodCe ju ßant fä^rt; 
SodCe l^atte gefolgert: SUfo finb bie primären Dualitäten ob« 
jettiDe SESirnid^teit ftant folgerte: @ben loeil man bie Sigen^ 
fd^aft ber 9(u8bel^nung, alfo beS 9taumeS, — ber iBeioegung, alfo 
ber ättt, — ber Unburd^bringüd^feit, alfo ber ftaufaUtät, — nid^t 
aus ber äBelt loegbenten tann, gerabe beS^alb mu| angenommen 
loerben, bag biefe primären (Sigenfd^aften in ber 9latur unfereS 



^t^mSlogß be9 SRateriolifien; er ^IcaäA an a^aterie. 45 

S)en(eniS lourjettt @o üert^oüftänbigte Aant SodeiS mttiollen« 
beten ®ebanlengang in ber 9Kd^tttng, ba^ 9iauntr Seit unb 
ßaufalität dÜ ^udfd^amtngSformen entpQt tonxben, in benen 
ber ®eift bie äEBelt erlebt fiant ift ba^er fubjeftiber 3beaIifL 
©ein i,3)in9 an fid^^ bleibt vöÜxq unbefd^reiblid^, ein (Sttoa^, 
mit geftaltlofe ^l^^fiognomie, für bie n)ir blo^ ben Flamen 
„^(fft&" ffohm. äBie I&j^menb unb t)erfteinemb bad ®orgonen« 
l^oupt eines qualitätfofen äBeltn^efeniS auf unfer ®emät loirft, 
n)irb t)on f^ed^ner burd^ baS äßort ^^Stad^tanfid^t" angebeutei 

3)en ^Folgerungen, gu benen bie ^I^Uofopl^ie, befonberS bie 
^antifc^e, ben äRateriaßften brängt, fud^t biefer baburd^ anS* 
gun^eid^en, bag er fic^ burd^ einen @prung an bie @eite beS 
^natfirlic^en äRenfd^en'' begibt 91od^ nid^t t)on beS ©ebanlenS 
S3Iäffe angetränfelt, l^egt ber natärlid^e SKeufd^ ben ®Iauben, 
bie @onne fange nid^t erft l^inter bent 9[uge ju leud^ten an, \ 
fonbem leud^te aud^ tiöQig unabl^öngig t)on einem fel^enben ^J 
©ubjefte« ^^. © » Tung beg 3KateriaIiften, ber ftd^ bod^ fonft Jr 
feingjtrengcn. Serftonbeälogil rül^t ift nid^tS atö gerjeni^Iogil /' 
(Sinen SBerftanbeSfd^Iu^, ber gur Slnna^nte einer üöQig objeltiü 
leuc^tenben @onne fttl^rt, gibt ei^ eben nid^t S)er ^intoeis bei^ 
naiüen äRenfd^en, bie @onne teud^te ja aud^ für feine WtiU 
menfd^en, bebeutet eine t)l^ttofopl^ifd^e Unbel^olfenl^eit; ftnb bod^ 
bie SRitmenfd^en blo^e SBieberl^oIungen beiS Sä), bie bei il^rer 
Slnfd^auung ber ^inge nid^t loStontnten üon ben eigentämlid^en \ 
(SrIebniSformen beS ©ubjefti^. Sebiftlid^. toeil il^nLjbi£.materielk : 
SSelt anff Joffi gmad^fen ift, glaubt ber äßaterialift an il^re j 
obiefttöeSBirfUd^feit ©ein aRaterialigntu« ift erfonnen »orben, 
iuBrUen natben ©tauben an bie objeltiöe SBelt ju retten* Unb in / 
biefer ^infid^t ftimme id^ beut 9KateriaIiften bei ®inen ^ox^ 
tourf öerbient er aber infofem, ate fein aWaterialigmuS fid^ eine» 
S93iberfprud^ei$ ber SSerftanbeSlogil fd^ulbig mac^t 

Seber 3J2ateriaßft gibt ju, ©aitenßang lomme erft baburd^ 
juftanbe, bag eine gejupfte ©aite l^in unb l^er fd^toingenb bie 
Suft roettenfSrmig erf^üttert, unb ba| bie äBe(Ienftö|e ber Suft 



46 ®innli(!§leit nfaS^t ol^ne Setimgtfdn. 9ftaterie nie o)^ (Seift 

unfer O^r unb ®e]^im med^onifd^ erregen* S)er äl'taterialift 
erlennt alfo einerfeitt — ali JBerftanbcafogtfer — an, ba§ 
brausen in ber objjeltiüen SBelt ftuntme SBeKensüge ber Suft, 
ntd^t ftifinge erfolgen, unb ba^ bie ftl&nge erft l^tnter bem OI§r 
juftanbe lommen — in bem SBereid^e, bai man ben empftnben« 
ben ®etft ober bad erlebenbe 83etott^tfetn nennt SBenn nun ber 
SWaterialtft anbererfeiö — ate §erjen8logi!er — baran glauben 
toid, ba| auc^ unabl^ängig Don SEBefen, bie mit Dl^ren, 9tert)en 
unb $imen t)erfel§en finb, @aitenH&nge unb ©eräufd^e ertSnen 
unb jur „SBelt an fid^" gel^ören, fo mag er biefem ®Iauben 
l^ulbigen; nur mu§ er folgerid^tig genug fein, gu ben @aiten^ 
tlängen unter aQen Umft&nben ein 93eiou|tfein l^ingujubenlen, 
in bem fie erlebt »erben; ber äRaterialift fottte olfo nid^t ettoa 
BIo§ ben entpfinbenben @onbern)efen, fonbem aud^ ber oB|eltik)en 
SBelt, bem „S)ing an fid&", eine geiftige ©eite, ein ffletougtfein, 
ein Erleben jufd^reiBen. Xut er bai nid^t, fo ift er unfäl^ig, 
fid^ gegen ben Sintoanb }u mf^xm: SSie fönnen ^(ang, t^arbe, 
2)uft, ü6erl^au|)t (Sriebniffe, bie erfal^rungSgemä^ nur innerl^alb 
eined SSeiou^einiS Dorlommen, auf einmal au^erl^alb jeglid^en 
SSetou^tfeinS angenommen toerben! ®in ^lang, ber in feinem 
S3etou|tfe{n erlebt toirb, ift bod^ fein $(ang, unb ein Sendeten, 
ba^ ate fold^es nid^t empfunben n)irb, leud^tet nid^t S)rum 
bebeutet bie brutale SDlaterie bei äRaterialiften eine Sßaffertooge 
ol^ne SBaffcr, ein äReffer ol^ne $eft unb ol^ne Älinge* 

S)er naiüe ©laube an bai t)on uni unabl^ängige 93or^ 
l^anbenfein ber finnlid^en SBelt toirb in ®oetl^e8 „JBermäd^tniiJ" 
unter §intoeii^ auf bie im SRenfd^en loaltenbe „©ott^^SRatur", 
auf bie (Sinl^eit t)on Statur unb ®eift, mit ben SSorten gebilligt: 

;;^en @tnnen I)aft bn bann ju trauen, 
^etn ^Ifd^eS loffen fie bi4 flauen, 
SBenn bein SBctftanb hiä) toad^ crl^ält" 

S3ebeutfam ift bie äKal^nung ju t)erftänbiger SBad^famleit 3)er 
äRateriqlift bel^erjigt ungcnügenb bicfe äßa^nung* fjed^ner 
aber, urf|)rängUd^ 9laturalift, l^ielt baiS {ritifc^e Sluge offen unb 



üetüoQftänbigte ben fonft etnfettigen aRaterialiiStnuS burd^ bte 
Folgerung, ba§ cä leine uttericbte SRatcrie geben fönne* S)a biefe 
Se^re bte ©runblage für ba^ gonje Sbeengeb&ube i^ed^netö bUbet 
unb ben (&f)axalttt j[eber SBettanfd^anung entfc^etbet, fo fn^e 
id^ fte l^ier burd^ meistere Setoeife ju ftüfeen* S)er X^efe, bte 
i^ vertrete, gebe id^ bie gaffung: Alle« S)afein tfi ffir* 
lebntS, enttoeber Erlebnis für frembe SSefen, bte t^ 
empfinben, ober aber ^elbfterlebnt^- 

Setoetfe finb ntd^tö anbereS aü k)ermtttelte 9lnfd^auungen; 
iebe (ErfenntntiS berul^t legten Snbe^ auf anfd^aultd^em (Srfaffen 
tatf&d^Iid^er SSerl^ältntffe« äRetne Aufgabe l^at alfo etgentlid^ 
barin ju befleißen, ba^ td^ bem getfttgen Suge ju fd^auen gebe, 
tt^te aOeiS 2>afein (Sriebntö tfi 

fßox aEent mac^e td^ einen ontologifd^en 83e)oeijS geltenb, 
i^ erfuc^e ben Sefer, burd^ 93efinnung fid^ Ilar ju ntad^en, tt)aiS 
eigentlid^ mit bem SBorte ^S)afein" au2gebrütft »erben foC^ 
SSSenn id^ fage, ,,ba ift — ", fo meine id^, ba§ im ®ebiete beS 
93etou$tfeinS ftd^ etoaS 93efonbered bemerlbar mad^t; aui^ ber 
@rlebni8=^@inl^eit taud^t ein Unterfc^ieb auf. SebenfaQS latm 
id^ meine ffirfal^rung ^ba ift — " nid^t ol^ne mein S3etou|tfein 
beulen. SBiQ id^ aber fagen, ettuaS fei unabl^ängig t>on meinem 
eigenen SSekuu^tfein ba, fo mu^ id^ e^ einer anbem, fremben 
S3etouBtfeiniSeinl^eit einorbnen, bie gleid^fam ben Xräger ober 
SBel^älter bei^ befonberen (SrIebniffeS bilbet äßenn id^ annel^me, 
ba§ ei^ in ben (£ingett)etben ber (Srbe eine Xropfftein^öl^te 
gibt, in bie nod^ lein JKenfd^, aud^ fein Xier öorgebrungen ift, 
fo benfe id^ ju ben @tein}a<)fen, öon benen äBaffer träufelt, 
l^eimlid^ eine ^anb l^inju, bie ben l^arten, lül^Ien, naffen @tein 
betoftet, unb ein Dl^r, baS bem XropfenMingen laufd^t Unb 
loofem id^ nid^t @innedorgane l^injubente, fo ne^me id^ unter 
aQen Umftänben ein SBen^ugtfein an, in bem ba^ ^öl^(en«®rlebnii^ 
erfolgt, einen ®eift, ber jeglid^ed S)afein umfa|t 



48 ffiltoi|feii|ett 

SEBir l^oben e8 l^ter mit einer Stnfd^attimg ju tmt, bie naiti 
fd^on ben $falmiften erfüDte, als er t)on einem großen ®etfte 
fang: ,,3^ fi&e ober ftel^e auf, fo tüÄ^t bu eiS; bu k)erftel^eft 
meine (Sebanlen k)on ferne« 3(i^ gel^e ober liege, fo bift bu 
nm mic^ unb fiel^eft aOe meine äBege. . « « äBo foO id^ ^ia^ 
gelten t)or beinem ®eift? Unb n^o foQ iäf l^inf(iel^en t>oi beinern 
Sngeftd^t? t^ül^re id^ gen $imme(, fo bift bn bcu 93ettete id^ 
mic^ in bie Unteru^elt, fiel^e, fo bift bu aud^ bo. 3t&f)mt id^ 
^(figel ber äRorgenröte unb bliebe am äugerften iD^eerer fo 
toürbe mid^ bod^ beine $anb bafelbft filieren unb beine {Redete 
mid^ l^alten. @präd^e id^: f$inftemiS möge mid^ bed(en, fo 
mu^ bie 9lad^t aud^ ff tu um mi^ fein; bemt felbft fJfinftemiiS 
ift bei bir nic^t ftnfter, unb bie 9lad^t leud^tet toie ber Xag, 
ptftemii» toie bai» Sic^i'' 3c^ fa^re biefe »ibelfteOe feineiS« 
n^egd im bogmatifc^en @inne ber ^rd^e an, fonbem ate ein 
5DoIument ed^t menfc^Iid^en Erlebend« S)a8 allgemeine 93e)ou^t^ 
fein, baS bem ^falmiften oorfd^toebt, ift nid^t ber ®iaxä>t m 
eine äbertoeltlid^e, t)on au|en in baS äBeltgetriebe l^ineinfpSl^enbe 
$erfon, fonbem an eine 3nnerlid^feit aQer S)inge unb (Sreigniffe, 
eine bad^K in fid^ l^egenbe ®eiftigleit %näf ^aulud l^at n)ol^( 
biefe SSeltgeiftigleit gemeint, aÜ er )u ben ^Itl^enem am SItar 
bei^ ^unbetannten ©otteiS^' fprad^: „^tn unbefannten ®ott toiti 
id) mä) tünben« ... (£r ift nid^t ferne t)on einem geglichen unter 
uniS; benn in il^m leben, toeben unb finb tt)ir.^ ©oetl^e, ber in 
ber Statur ba« @ittlid6e erlebte, nimmt in feiner Umbid^tung 
einer ®iorbano^93runo«@teQe auf baS ^auIudn)ort SSejug: 

„^aiS to'dx ein ®ott, ber nur k)on ^ugen ftiege, 
3m Ärei« bog %U am Singer laufen Hefte? 
S^m ^itrnV^, bie SBelt im 3unem ^u Betceflcn, 
92atur in ftd^, ft^ in 92atur ju liegen, 
@o baft, koaS in il^m (ebt unb mebt unb ift, 
mt ©eine ^roft, nie (Seinen ®eift öcrmißt." 

3n ber (Sefd^id^te ber ^l^Uofopl^ie mad^t fid^ ber onto^ 
logifd^e 3laäftot\& beS @a^eS, ba| aüt^ Z)afein SrIebniiS fei, 



^afetn unb ®en!en ibentifci^. 49 

bereits bei ^armenibei^, bem Raupte ber eleatifd^en @d^ule, be^ 
merfbar; beim ^armenibeS fc^reibt in feinem @ebid^te über bie 
Statur bem @ein atiS einjig pofttioe Seftimmung bad 3)enfen 
ju, fo ba% ©ein unb ©enfen ibentifd^ finb — eine ©runb^« 
anfc^auung, bie geftaltenb in ben @9ftemen wn t^id^te, ©d^elling 
unb ^egel auftrat; loegen beiS ^ntlangei^ an ba^ ^falmiftifd^e 
unb :t)aulinifci^e Srlebnii^ unb jugfeid^ an t^ed^ner enoä^ne xä) 
ein ©onett t)on f^ic^te, in bem ei^ l^ei^t: 

„^^ elvig Sine 

fiebt mit im Seben, ftel^t in meinem SeBen. 

mä^iä i% bcnn ®ott; nnh ®ott ift ni^t^, bcnn fiebcn." 

&dfon m ber @d^melle ber neuem ^l^iIofo|)l^ie l^atte bie (Sr^ 
fenntniS geleud^tet, bai^ einzige @ein, t)on bem man unmittelbare 
@e)oi^l^eit f^ahe, fei baS 2)enlen; id^ meine ben @d^tu^ beiS 
SartefiuS: SBenn id| aud^ eines jeglid^en 2)ingeS 3)afein be2n)eifeln 
tann, fo k)ermag id^ bod^ nid^t an ber Xatfac^e ju jn^eifeln, ha% 
eS ein S)enlen gibt; benn tnäl^renb id^ nad^benfe, ift mir ja baS 
S)enlenr a(S unmittelbares Erlebnis, gen^ijs- SSon (SartefiuS 
ausgegangen, lel^rt @pinoja, bie !luSbel^nung, alfo bie SRaterie, 
fei im SBefen mit bem Genien, mit ber t)orgefteQten SBelt, ein 
unb biefelbe @ad^e. f^ür ben fubje!tik)en 3bealiften iBerfefe^ 
ift baS 93etnuM^in fo DöQig ibentifd^ mit bem S)afein, ba^ er 
eS für unfinnig l^&It eine t)om SSen^u^tfein unabl^ängige äRaterie 
anjunel^men« 3n neuefter Qüt tourbe bie gro^e äBal^rl^eit, ba| 
aDem 3)afein eine fubie{tik)e @eite sugefd^rieben toerben mäffe, 
t)on @d^o:penl^auer t)er!ünbet; für il^n ift bie SSBelt nid^tS als 
@r(ebniS, nämlid^ äEBiQe unb SSorfteQung« 

SBaS fd^Iie^Iid^ unfern ^ed^ner betrifft f o l^at er bie ®Ieid^ung 
;,2)afein gleid^ (SrlebniS^ jtt^ar nid^t formuliert, in ber pl^ilofo« 
pl^ifd^en Snfd^auung aber nid^t überfeinen, toie fotgenbe @teQe auS 
ber „ZageSanfid^t gegenüber ber Sta^tanfid^t" betoeift: „S^I^t 
bleibt nod^ bie t^ge übrig, ob man ber materieOen SSelt als bem 
UrfSd^ttd^en äußerer Srfd^einungen, bie in unferm ®eifte entftel^en, 
eine Ssiftenj au|er bem geiftigen Gebiete überl^oupt beizulegen 

Oille. 4 



50 ^er obieftiüe 3beali«mu«. (£mt)irifd^er fdttoM. 

f)aht. @o gut alle äußeren Srfd^emungen, t)ott benen toir fpred^en 
Idnttettr tüoQi in unferm @eifte finb, tonnte haS, toa^ ton afö 
^aufalgrunb berfelben über uniS ffxnan^ anjunel^nien gebrungen 
ftnb, aud^ nur etn^aiS in einem aUgemeinen ®eifte fein, 
ber ben unfrigen mit einfd^Iic^t; unb in ber lat »cber 
ein birelter Srfal^rungSgtunb nod^ ein begrifflid^er ober ftoufal^ 
grunb fd^eint boju ju nötigen, fojufagen no^ tttoai leintet 
bem allgemeinen unb unferm Reifte an^unel^men, too\)tm ba§ 
gefamte ©eiftige erft tt)ieber abfängt, ba Dielmel^r aQe ßaufa^^ 
lität im @eiftigen felbft Derf olgbar gebadet n^erben lann, tnenn 
njir berüdffid^tigen, ba§ bie aRaterie felbft burd^ SSeftimmungen, 
bie in unfern ®eift fatten, für uni erfaßbar ift An etmai^ 
überl^aupt benfen, toai^ nid^t in unfern, ober, bamit t)ergleid^bar, 
einen anbem ober aßgemeineren ®eift faQe, ober fallen lönne, 
ober barauS abftral^ierbar fei, l^ei^t an 9lid^ti^ benfen. 3n 
ber %at befenne id^ mid^ in le^ter 3nftanj ju 'einem 
o15ieftiöen Sbealiömug; toai nid^t l^inbert,^ öielmel^r bie 
Siötigung beftel^en faßt, eine lörperlid^e Äulentoelt unb geiftige 
3nnentt)elt infofem ju unterfd^eiben, afö bie erfte burd^ ben 
gefe^ßd^en ^i^fammenl^ang wn Sßal^rnel^mungen, bie in eine 
aßel^rl^eit t)on Sinjetoefen faQen ober faUen fönnen, le^tere burd^ 
ben S^f^inntenl^ang geiftiger S3eftimmungen, bie fd^on in jebeiS 
Snbiöibuum für fid^, refpeftiöe ben allgemeinen @eift fattcn, 
d^araftcrifierbar iff 

©old^e ©treiffid^ter auf bie ©efd^id^te ber SBeltanfd^auung 
jeigen, ba^ toir in ber ©leid^ung „® afein gleid^ SrlebniS^ leine 
S3egriff8tüftelei l^aben, fonbern einfad^ bie Änfd^auung einer 
Xatfad^e, bie bei fd^arfem S^^f^^^i^ aßgemein bemerlbar unb bal^er 
mn mand^em bebeutenben ©eifte erfannt toorben ift 

SBer fid^ inbeffen au^er @tanbe fü^It, bie allgemeine 
(Seiftigleit beg SJafeiniS anfd^aulid^. ju erfennen, mag ben 
)2Beg ber empirifd^en Snbuftion gelten, toeld^e (Sinjelerfal^rungen 
jufammentragt unb }um ©efe^e k)erallgemeinert äKag er bie 
i^rage beantoorten, ob i^m ober einem anberen SBefen jlemafö 



«ia« ^ci6t „Sttt uttb für W? 51 

titoa& @£tftierenbe^ t)orsefommen tft, ba^ ntd^t SrlebniS ge^ 
tocfctt toäre. S)ic Slnttoort inu§ lauten: S)oS ancrbing« itid^t; 
bai^ toäre unmögltci^, loeil j|a aQe (Srfal^rung ein SSorgang innere 
^atb beS S9eit)ugtfetn^ ift Sl6er eS bU\bt bie Slui^rebe: 3ir 
^a6en ®runb, ein S)afein au^erl^att unferer (Srfa^rung on* 
junel^nten, ein leintet ber flnnlid^en @rfd^einung befinblid^eiS, an 
unb für fid^ öorl^anbeneiS Döjeft; toeil e8 nun burd^ unfere @r^ 
fal^rung nid^t erfannt ttjerben fann, fo ift bie enipirifd^e Snbuftion 
nid^t antoenbbar auf bag S)ing an ftd^/ 

S)ie Stugrebe gilt nid^t SSeftnnen toir un«, ttjag tt)ir mit 
ber SBejeid^nung ^8ln unb für fid^" meinen. 3eber ed^te SBort^* 
finn mu^ Slnfc^auung, ein äugereg ober innere» SrleBniS fein; 
aSBorte, bie nid^t auf ©riebniffe tiintoeifen, finb in SBal^rl^eit 
,,@d^att unb Sftauc^^, leere Ralfen, ©d^on au8 biefer S3etrad^* 
tung gel^t l^eroor^ ba^ toir mit ber SSejeid^nung „^ing an unb 
für fid^" lebigüd^ ein ©rlebni» meinen lönnen, faffg bie Sejeid^^ 
nung überl^aupt einen @inn enthalten foQ. S)ie8 @r(ebnii^ l^at 
jeber oon un» an fid^ fetbft erfahren. 3eber l^at erfal^ren, ba§ 
er nid^t bIo§ für frembe SBefen ettoag ift, fonbern oor aQem für 
f\(Sf felbft; mit anberen SBorten: ba§ er nid^t blo^ eine äu§er=» 
lid^e, lörperßd^e (Sjiftenj barfteHt, fonbern aud^ ein Snnenleben 
ober ©ettftbetou^tfein. „"an unb für fid^ fein" l^ei^t nid^t« 
anbereS, aH @elbfter(ebnid fein« t^olglid^ bebeutet bie 
JBejeid^nung ^3)ing an fid^" nur bie SBelt, infofem fie un* 
mittelbar fid^ felbft erlebt. SBir fönnen ba« foSmifd^e gürfid^^ 
fein nur nad^ bem 3Äufter beulen, bai^ unö einjig jur SSer* 
fügung ftel^t — nad) bem, toag toir für un» finb, nad^ unferm 
©ettfterlebni«. 

7. Könnfßtt bruiafe HJaferfe unb (Btift 

^oä) anbere ®rünbe fidlem ben ©ebanfen, auf ben ti in 
biefer ©d^rift ^auptfäc^lid^ anlommt, bag nämlic^ aütd Safein 



62 ^uf ®runbt)etfd^iebened lonn nic^t gemirft koerben. 

dxUhmS fei unb atfo feelifc^^geiftige Dualität l^oBe* S)iefe neuen 
@räube ftnb einem bebeutfamen j^a^itel ber @r!enntniiStl^eorie 
entnommen^ ei l^eigt ,,®runb unb Solge, Urfäd^Iid^feit^' 

SBenn bie ^ifla^tan!fid)V red^t l^at, n)enn nämltc^ bie äRaterie 
ein %axii ungeiftigeS Sßefen ^at, \o ift eiS unfaßbar, toie fold^e 
brutale 3Raterie t^ anfteEt, auf ben ®eift einjutoirfen, um ton 
i^m toal^rgenommen ju toerben. 3ft ei$ benibar, ba^ ein ^ing 
eine SBirlüng auf ettoaiS ®runbt)erfd^tebenei^, t)'6Ux% {^eterogenei^, 
auiflbt? Sd^ fann bod^ nid^t eine abfolute SSerfd^ieben^ 
l^eit unb jugleid^ aud^ n^ieber eine gekniffe Übereinftimmung t)on 
2)ingen gelten laffen! SRe^me id^ eine 93eeinf(uffung jtnifd^en 
i|nen cot, fo mu^ id^ gugeftel^en, ba^ fie leineSn^egiS grunb^ 
üerfd^ieben finb, Dietmel^r eine ©emeinfd^aft untereinanber l^aben. 
^m beutßd^ften betnal^rl^eitet fid^ biefer rein (ogifd^e ®runbfa^ 
auf matl^ematifd^em Gebiete. SSon einem Körper lann id^ feine 
Sinie ab^ieJ^eUr lann nid^t ju einem ^reied! einen SSärfel abbieren, 
nid^t fünf SBimen mit brei diamanten mutti|)Iiiieren* 

©tetten n^ir uniS üor, ^u^ei 3)inge feien grunbberfd^ieben, 
in ieber ^infid^t öoneinanber abgefonbert, fo l^at biefe SSor* 
fteüung bie ISrüdEe abgebrochen, beren baS äSirlen bebarfr um 
t)on bem einen jum anbem 2)inge l^inüberjugelangen, unb t& 
finb nunmel^r bie beiben ^inge burd^ einen imübertoinblid^en 
Sbgrunb t)oneinanber getrennt S)er ^n^bxnd ,;®runb^ 
üerfd^iebenJ^eif bebeutet eben nid^ti anbereiS, aU ba§ 
{einerlei äBirIfamleit }tt)ifd^en ben üerglid^enen S)ingen 
beftel^L äBenn koir anbererfeits fagen, ju^ei 2)inge feien burd^ 
eine ®emeinfd^aft miteinanber öerbunben, fo meinen »ir, ba§ 
eine SSeeinfluffung gtoifd^en il^nen ftattfinben lann. @d^on aui 
biefer S(nfd^auung ergibt fid^ o^ne n^eitereS, ba§ entn^eber 
äRaterie unb (Seift ®emeinfd^aft l^aben muffen, ober nid^t auf^ 
einanber gu n^irfen vermögen , fo ba^ eS unüerftänblid^ bliebe, 
tt)ie ®eift ettoaS öon SRaterie erfal^ren fann^ 

S)od^ eS erfd^eint mir ratfam, nid^t bei biefer einfad^en 
Intuition ber Urfäd^Iid^teit ftel^en ju bleiben, fonbem fie üon 



^tome ftnb ©o^toltoefen. Urfäd^Ifd^feit atö ^nttütcfelttnc). 58 

öerfd^tcbenctt Seiten ju betrad^tcn. Seantoorten toir gunäd^ft 
eine tJ^age, bie einem Sletoton ju fd^affen mad^tc, tok pe an 
jeben nod^benflid^en 5ßl^^fifer l^erantritt: Sft eine SBlrfung burd^ 
leeren Sianm l^inbnrd^ in bie gerne benfbar? SBie foHte ein 
?ltoni A, bad öon einem Stome B ööKig gefonbert ift, eS an^ 
[teilen, um über bie Äluft l^infiber auf B eine SBirfung aus* 
juüben? SBer ba8 für möglid^ l^ält, ber glaubt an S^^berci. 
S)rttm l^at 9letoton gefagt, f^emn^irlung fei auf natärlid^em 
SBege unbegreifßd^* 9lun gut! Slber toie ftel^t e8 mit ber 9lal^* 
wirhing? 2)enfen toir, bie beiben üößig gcfonberten Atome A 
unb B rfidten immer bid^ter jufammen, jugleid^ aber toerbe ein 
SBergrögerungSglaS, burd^ baS n)ir ben Slbftanb ber Sltome be^ 
trod^ten, immer fd^ärfer* S)ann toürben toir erleben, ba^ t>er 
Slbftanb gtoifd^en ben beiben ^tomm, toenn er nod^ fo Hein 
geworben ift, immer nod^ ein Sttbftanb bleibt. 5Ra]^tt)irfung ift 
alfo aud^ eine g^^tt^irfung. @rft toenn ber Slbftonb = ge« 
ttjorben ift, fann eine SBirfung ftattfinbcn. 3n biefem %aUt 
aber ^abcn bie beiben Sltome fid^ gu einer ©emeinfd^oft gufammen^ 
gefunben. S)rum erfd^cint mir ber olte Sltombegriff, ber bie 
Atome afö abfolute @onbern)efen auffaßt, unl^altbar. SBöIIig 
befonberte ?[tome fönnten nid)t aufeinanber toirfen unb »ürben 
als bitnbe, taube ©nfiebler ol^ne ben geringften Serfel^r, ja ol^ne 
Ahnung t)oneinanber im SRaume fd^ttjcben* S)ie ?lnnal^me Don 
Atomen ift lebiglid^ bonn l^aTtbar, ttjenn fic nic^t in abfoluter, 
fonbem nur in relatioer JSefonberung, alfo in einer gettjiffen 
(Semeinfd^aft, SSerbinbung ober Sinl^eit miteinanber gebadet »erben* 
S)iefe ©etrad^tung reformiert ben ^ergebrad^ten JBegriff 
ber Urfäd^Iid^feit können S)inge — ober Senbenjen — 
nur bann einanber beeinfluffen, tomn fie einer getoiffen 
©cmeinfd^aft angel^ören, fo ftellen fid^ Urfad^e'unb SBirfung 
als SnttoidfelungSftufen . einer ®emeinfd^aft l^erauS. 
S)et üorl^ergel^enbe 3^ft<itib eines fid^ enttoidEeInben ©^ftemS 
— ober ein l^eroorfted^enbeS SKoment innerl^atb biefeS Qu^ 
ftonbeS — wirb „Urfac^e" genannt; ber nad^folgenbe Qn^ 



54 ®ubftan). (Srl^tuttg bed ©toffeS unb ber (htergie. 

ftanb beiSfelben @9ftem8 — ober fein J^etborfted^enbeS STloment 
— äSirluttg. Unb mos id^ in bem foufalen SSer^&ltniiS jtoeier 
>E)inge il^te „@emeinfcl^aft" genannt ^abe, ift ber ibentifd^e 99e^ 
ftonbteil, ol^ne ben mir feine (Sntmitfelnng jn benlen vermögen. 
SBä^renb man bie (Sntoitfetung getnöl^nttd^ atö einen ©pegial^ 
fall ber ftaufalitäi auffa|t, fel^e id^ in aller Jtanfalität nic^tö 
anbereS afö (SntoidCelung. Qvim S3eifpiel ba^ $äl^nerei unb 
bie 93mttt)&mte bilben gufantmen bie urfäd^Iic^e (SntmidEelungiS« 
ftufe be8 SEBefeniS, bad bei feiner f^ortenÜnidCelung afö ^d^Iein 
aus ben @d^a(en fd^Iäpft 3)er SBIi^, ber ben 8)aum trifft, nebft 
bem 93aume, ber fid^ t>om S(i|e treffen Iä|t, unb aQen einflug^ 
reid^en Umft&nben bilbet ein Softem t)on S^enbenjen, baS ftd^ 
jur äßirfung, jum t)erIol^(ten Saum enttDidfelt Urfad^e unb 
Sßirfung finb gleid^fam SSorfal^re unb iRad^fomme berfelben 
t^amilie, l^omogen; infofem aber gn^ei S)inge ober Vorgänge 
l^eterogen genannt n^erben bürfen, erfd^eint es auSgefd^Ioffen, 
ba| fie ©lieber einer gemeinfamen itaufalreil^e bilben. 

S(uS ber Slnfc^auung, ba^ jtoifd^en Urfad^e unb S93ir!ung 

eine gett)iffe ©emeinfd^aft befleißt, ift bie |)]^i(ofo|)l^ifd^e Sbee ber 

©ubftanj l^erk)orgett)ac^fen; ©ubftanj bebeutet ni^ts anbereS als 

bie in jeglid^er äßirffamleit, in aQen SSeränberungen ber SBe(t^ 

entn^idtelung fid^ er^altenbe (Sinl^eit Sßenben n^ir bie ©ubftanj« 

3bee auf baS Gebiet ber Sl^emie an, fo ergibt fid^ baS ®efe| 

t)on ber (Srl^altung beS @toffeS. SBenben tt)ir fie auf bie ^l^^fif 

an, fo l^aben n^ir baS ®efe^ t)on ber Srl^altung ber Energie. 

9%ad^ biefen ®efe|en Bleibt bie @umme beS @toffeS, ber 

fid^ im äBeUaQ ober in einer beftimmten Slbfonberung t)or^ 

fini)et, in aQen d^emifd^en SBeränberungen biefelbe; unb aud^ bie 

@umme ber @nergie, bie fid^ im SßeltaQ ober in einer Slbfonbe^ 

1 rung Dorfinbet, entn^itfelt fid^ jtt^ar ju mand^erlei f^ormen, 

j ^eibt jebod^ toefentlid^ biefette, 3n aQen ßweigen ber SRatur^» 

I miffenfc^aft gelten bie ®efege wn ber Srl^altung beS ©toffeS 

i unb ber Energie als felfenfefte @öulen ber naturaliftifd^en @^fte^ 

lymatit SBenn n)ir aber bie t^rage auftoerfen, n^eSl^alb man fid^ 



Sbentität aI9 einzige ^enfnot»enbtg!eit 55 

fo jtttierftd^tficl^ auf biefc ®cfc^c öcrlä^t, fo toirb ber ^^ttatifcr 
ber (Srfal^rungStoiffcnfci^oft in bic ©ngc gctrieBcn* ®r totrb in^ 
näd^ft auf Sadoifier, SRobert Wla'qtx, ^timf)ol^ f)xnmVim, 
bte burd^ glängenb gelungene S^perimente gejetgt l^aben, 
tmt in ben Sntoidelungi^reil^en, n)o ejrafte SDteffungen möglid^ 
tooren, in ber Xat Stoff unb ©nergie fid^ crl^aften* Snbeffcn 
gel^t bcm ftoljen @m|)iri!er ber $ßl^iIofo|)]^ mit einer logifd^en 
®a6el iu Seibe, unb t)or ben Beiben ®a6elfpi|en ,;@nttoeber'' 
^Dbcr" gibt ti fein (Sntrinnen: Snttoeber ftamnten bie ®e* 
fe|e ))on ber @rl^altung bei^ ©toffeiS unb ber (Snergie au8 ber 
©rfal^rung — unb bann l^aben fie feine unbebingte, feine aJt 
gemeine @flltigfeit; benn mögen ältillionen t)on S3eobaci^tungen 
bafür f^ed^en, fo fönnte ed bod^ im unenblid^en 9taum unb in 
ber unenbßd^en Qtit ®afein2gebiete geben, too biefe ©efe^e nid^t 
gelten* Ober aber biefe ©efege l^aben toirfßd^ unbebingte, aü^ 
gemeine ©ültigfeit; unb bann ftammen fie nid^t au^ ber @r^ 
fal^rung, fonbcm finb rein logifd^er Siatur, S)enfgefe|e» 

Sd^ erfenne nur eine eingtge ©enfnottoenbigfeit an — ben 
logifd^en Safe ber Sbentität A = A; ober: toenn A ift, fo 
ift A» ÜRit anberen SBorten: bittige id^ einen ©ebanfen A, fo 
ift eg für mid^ benfnotloenbig, ba§ id^ bie in A entl^altenen 
JBeftimmungen, feine Seftanbteile, anerfenne* Wie ftreng logifc^en 
©d^Iilffc, bic überjeugenben Seweife aller SBiffenfd^aften, finb 
nid^tS anbere^ atlS ^ntt)enbungen be8 @age8 t)on ber Sbentit&t 
äBenn ber STlatl^ematifer ben)eift, ba^ in itbtm S)reied( bie ©umme 
ber SBinfel gleid^ ffon Siedeten fein mu^, fo befleißt ber 93etoeiS 
in einer Anleitung jum ©d^auen ber Sbentität; man verlängert 
eine ©eite beS ^xtitd^, jiel^t burc^ ben berül^rten @d(punft 
eine parallele jur gegenüberfiegenben ©eite unb überjeugt 
fid^ burd^ S(nfd^auung, niie bie beiben au^erl^alb be^ S)reiedEiS 
entftanbenen äBinfel ibentifd^ finb mit ben gegenäberliegenben 
SBittfeln be« S)rciedE8, toie femer ber britte SBinfel be8 ©reiedfg 
ibentifd^ mit fid^ felbft ift ®ie gorm biefe« SSerfal^ren» feiert 
in aSen^ matl^emaüfd^en S3ett)eifen koieber; burd^ Slnal^fe, burc^ 



66 ^dihxi bon ber Uvfad^e auf bie SBirfung. 

Kttf(dfmtg ber Snfd^auung in il^re SBeftQttbteile, nrirb steigt, 
tote ber neue, }tt Betoeifenbe @a| ibentifd^ ift mit @ä|en, bie 
bereitö aner!annt toorben finb. Sttid^t onberS entoidteln fid^ bie 
logifd^en ©d^tüffe ber ^I^Uofopl^ie unb einer jeben Sßiffenfd^oft. 
SSenn id^ jum S3eifpiel anerfannt l^abe, ba^ äße äßenfd^en 
fterblid^ finb, fo mn| id^ folgern, ba^ and^ ein einzelner SD^enfd^ 
fterbKc^ ift; benn er ift ibentifd^ mit einer SBeftimmnng beS 
anerfannten @a^ed, er gel^ört jum begriffe ,,QQe äRenfd^en''. 

Slud^ bie ^enfnottt)enbigfeit, bie niir in ber ftaufalität, im 
@d^Iu|e oon ber Urfad^e anf bie Sßirtnng erleben, ift nid^tiS 
anbereS atö ber @a$ ber Sbentitfit: SSenn A ift, fo ift A. 
Snbem id^ nSmlid^ Urfad^e nnb SBirtnng, bie iBebingnngen nnb 
il^r SrgebniiS, als SRomente einer ßinl^eit, ©lieber einer Snt^ 
n^idfelungi^reil^e onfd^ane, erfenne id^ bie ß^fammengeprig^ 
feit bief er ©lieber nnb l^alte ben @q| für benfnottt)enbig : 3ebe 
Urjad^e l^at eine Sßirinng, nnb nmgefel^rt. f^emer mu| ic^ an^ 
erfennen, ba^ eine SnttoidCelnngiSreil^e mit fid^ felbft ibentifd^ ift 
©obalb x6) alfo ben Slnfa^ mad^e, fie jn benlen, mug id^ folge^ 
i^^id^tig alle in i^r cntl^altcnen 93eftimmnngcn mit benfen. SRit 
/ anberen SBorten: ©leid^e Urjad^en 6aben gleid^e SBirlnng. S)aiS 
\ ift ein S)en!gefefe, feine blojae (ärfal^mng. Slid^t ettoa »eil 
^man miHioncnmal auf eine beftimmte Urfad^e eine beftimmte 
SSSirfung folgen fal^, fd^Iie|t man wn ber Urfad^e auf bie 
äSirfnng; bie ®rfal(irung t>ttUx^t biefem ©d^Iuffe lebiglid^ ben 
fonfreten 3n^alt, gleifd^ unb SSIut Um bie S)cnfnottoenbigfeit 
juftanbe ju bringen, ift gar leine l^äuftge (Srfal^mng nötig; eine 
einzige Srfal^rung genügt baju* äßenn id^ einmal ben @tein 
aus meiner ^anb jur (Srbe l^abe fallen feigen, fo folgere id^ nad^ 
bem @a^e ber Sbentitöt: @obalb ganj genau biefelben 93e^ 
bingungen uralten, toie fie vorlagen, afö ber ©tein bamatö fiel, 
ift fein gaDen eine fflottoenbigleit 

$aben toir unS Ilar gemacht, ba| aUe Urfäd^Iid^Ieit @nt« 
n^idelung ift, in jeglid^er Snttoicfeinng aber ftetiS neben ber SBer^ 
änberung aud^ eine SSel^arrung t)orIiegt, eine ben Sntu^idelungS«' 



$^^{tfd^e Energie ititb ©eifttgfeit ^KiraHel. 57 

fiufen gemettifatne @uBftanj, bte mit fid^ felBft ibentifd^ Bleibt, 
fo begreifen toir bag SJenfgefe^: "än^ JRid^tg fann tiid^t @ttoa8 
»erben, unb ebenfo toenig tann @tn)a^ ju Stid^tiS n^erben. 
2)amit nSaatid) ba& „9lid)t8" fid^ ju (&ta>a2 enttoidEeln lönnte 
— ober umgefclirt — müßten bie beiben burd^ eine fub* 
ftaniieQe ®emeinfd^aft, burd^ eine gen^iffe Sbentität t^erbunben 
fein. SJiefe ©emeinfd^aft aber toirb burd^ bie logifd^ fd^toffe 
Xrennung jn^ifd^en 9%id^tS unb (Stmai^ burd^auS geleugnet \ 

^aS ®efe| üon ber (Srl^altung ber Energie ift für unfern 
©ebanfengong infofem bebeutungSüoQ, afö ti ba^ SBerl^ättniS / 
gtoifd^en SRaterie unb ®eift aufflären l^ilft. ©tetten toir un^ // 
eine energetifd^e SBirlung ber SRaterie auf unfere SBal^rnel^mung«* ' 
Organe üor, ettoa eine ßuftbewegung, bie ba^ Srommelfeß er* 
fd^fittert unb mittete be2 ^lixStttt>8 unfer ®el^im in irgenb einer 
aaSeife beeinflußt, fo muffen toir biefen ®inf[u§ nad^ bem ©efefee 
oon ber Srl^altung ber Energie ate einen rein pl^^fifd^en be* 
trad^ten, ate eine JBetoegung ober Spannung, S)ie (Snergie, bie 
öon außen in unfer SReröcn* unb ©el^imf^ftem eintritt, entmidCelt 
fid^ l^inburd^, inbem fie jtoar il^re g^rm, niemate aber i^ren 
(Snergie^arafter änbert unb nid^t baS minbefte Ouantum üerliert 
SSon biefer energetifd^en, rein pfi^fifd^en ©nttoidfelungSlinie ift ba^ 
faabei entftcl^enbe Srlebniö, bie Smpfinbung, ju unterfd^eiben* 
fflebenlen toir, toie öerfd^icben bie jittembe 99etocgung ber ßuft 
unb ber Älang finb* ©ürfen toir ettoa fagen: „ßlang ift Suft=» 
Bewegung^? 9iein, Suftbetoegung ift Suftbettjegung, unb filang 
ift ftlang* ©benfo ift bie energetifd^e ©nttoidEelungöKnie im 
©el^im nj^ gJB ffinergle^ ein rein, pj^tjfifd^er SSorgang, fein 
pf9^üf^cr! Sogif nötigt un§, ben pf^^ifd^en SSorgang, bie 
iS:mpftnl)ung, nid^t in bie energetif(^e @nttt)idEeIungiSlinie l^inein 
2u t)erlegen, Dielmel^r ate eine 9}ebenerfd^einung ju betrad^ten. 
Senlen toir unS nun bie Smpfinbung f^mbolifd^ ate parallele 
}ur energetifd^en Sinie, entftel^t bie grage: ©oßen toir bie 
parallele ebenfo toit bie energetifd^e Sinie unenblid^ beulen? 
ober ift bie geiftige parallele enblid^ — eine bloße )8egteiterin 



58 ^ie fldftige $araMe unenblid^. Setoegimd uttb ®eip ni^t !onf unbieren . 

bt& (Se^irnDorgongeS, ber ja einen Anfang unb ein @nbe 
^at— ? 

93erfu(^ koir einmal , ber geiftigen parallele Slnfang nnb 
ISnbe iujuf (^reiben. Unfere fiogil fträubt fid^ bagegen, nämtid^ 
bad 3)enfgefe|: Stoai^ lann unmöglid^ au8 iflxiftS l^ertoorgel^enr 
mu| t)ielntel^r tiXoaS ®Ietd^artiged, ^ontogenei^ l^aben, au^ bem 
eis ftd^ entoicfelt; ebenfotoenig lann (Sttoa^ fi^ fo rabifal änbent, 
ba% t^ ^iäftfi iDitb. S)rum ntu§ bie @mpfinbung im äßenfd^en 
fid^ aM ettvaS 93or^anbenem, aud einem OueQ, entoicfelt l^aben. 
SBaiS aber ift biefer DueQ? S)ie energetifd^e Sinie ift eS nid^t; 
bemt aniS il^r !ann fi^ nur eine neue f^orm wn (Energie, nur 
^^^fifc^eS enttnidEeln. f^olglid^ mug ber Ouell, aui^ bem fid^ 
bie menfd^Iid^e (Sm^finbung enttnidtelt, in ettoad ®(eid^artigem, 
®eiftigem gefud^t n^erben. * Unb fo l^aben toir bie geiftige 
^araQele itoox in il^rer menfd^Iid^en S3efonberung enbli^, 
nid^t aber abfolut enbtid^ ju beulen, t)ielme]^r über bie menfd^^ 
lid^e 9latur l^inauS nad^ beiben Siid^tungen ebenfo m^ Un« 
enbßd^e ju t)erlängem, toie tnir bie energetifd^e, förperlid^e 
Sinie enbloÄ annel^men. SKit anberen SBorten: Diefelbe Sogit, 
bie uns ein ®efe| t)on ber Srl^altung ber pl^^ftfd^en Snergie 
formulieren (ä§t, nötigt uni^, auc^ ein ®efe| t)on ber @rl^altung 
ber geiftigen Snergie auf juftellen. S)er pl^^fifc^en Sinie entfpric^t 
auf aQen i^ren Stationen eine ^f^d^ifd^e ^araHete; bied ift bie 
l ©runbformel be§ „pf^d^o^pl^^fifd^en ?ßaralieligmu8." 
^ SEBir braud^en nun ben ^araUeliiSmuiS nur folgerid^tig 
burc^jufül^ren unb ju entmidEeln, um }u f^ed^neriS reiffter 9EBe(t^ 
anfd^auung ju gelangen. SSor allem mu^ ber fonfequente ^f^d^o^ 
pl^^fifer fid^ pten, bie parallelen ftiidtmeife ineinanber ju fd^ieben 
unb bie geiftige Sinie in bie lörperlid^^^energetifd^e Sinie hinein 
JU murfteln« äEBer Se^tereS tut, gerät in l^eillofe logifd^e SBirren 
unb ftel^t fd^tiegltd^ ad^feljudEenb, l^offnungSloS t)or etn^ai^ Unbe^» 
greiflid^em. @o erging eiS btm ipalb^^l^ilofopl^en @mil bu 93oid« 
Ste^monb, ber }U ben unlösbaren äßelträtfeln bie t^rage red^nete: 
8Bie entftel^t auS S3ett)egung bie (Sm^finbung, baS Ißetou^tfein? 



iv 



« • 



yjgnorabimas'^ Übctcitiftimtncnbc Ul^mt. 59 

S)ic %taQt »irb aCcrbitigi^ ftctö bic Äntoort l^craugforbcm: 
„I gnorabimus, toit begreifen ci5 tiid^t"; bod^ einfad^ beSl^alb, 
lueU bie 93orauSfe|uttg falfd^ ifi 9lie unb tiirgenb fann 
eben (Stnpfitibung, 89en)ugtfein, an& ^etoegung entftel^en. 9(8 
Rentier ber älteren ^l^ilofopl^ie l^ättc bu f8oi^Mtt)movb bicfe 
©infici^t nid^t üerlieren foUcn. ©d^on ©pinoga unterfd^etbet 
reinlich jttjifc^en ber faufalen Drbnung ber ßörperlid^Ieit ober 
„Slu^bel^nnng'' unb ber faufalen Drbnung be^ 93en)u^tfemi^ 
ober ,,®enfeni^"; er lögt fie nebeneinanber leerlaufen, fonfunbiert 
fie niemaß. Unb Seibnig lel^rt, jn^ifd^en ber feelifd^en unb ber 
lörperßd^en äBelt fönne, ba fie t>büxQ l^eterogene ©ubftangen feien, 
gar leine (Sinmirbing unb ©enteinfd^aft ftatt l^aben, folgltd^ 
fei ein pl^^fifd^er Sinflug auf hQ& feelifd^e ®ebiet unmogßd^« 

®a aber bie Xatfad^e einer feeUfde*Iör|)erIideen ffiorrefponbenj 
t)on Seibni} nid§t geleugnet totxbttt fonnte, fo jog er fid^ au8 
ber SSerlegenl^eit burd^ bie Snnal^me, im Urbeginn aller S)inge 
^abe ®ott bie feelifd^e unb bie förperlid^e @ntn)idEeIung8Iinie in 
eine berartige Harmonie guetnanber gebrad^t, ba^ feiibem einem 
jeben beftimmten ft0r|)ert)er]eäItnijS aud^ ein beftimmteiS @eelen« 
öerl^oItniiS entf^jred^e, ate ob biefe bciberfeitigen SSerl^ältniffe ber 
®ang gtoeier U^ren feien, bie ber tHermad^er glcid^ gefteHt l^abe, 
unb bie nun immer bie gleid^e Qüt angeben. 

2)a883i(b oeranla^t Seibnig ju folgenben ISetrad^tungen: S)ie 
Übereinftimmung ber förderlichen unb ber geiftigen Ul^r fann 
erften» fo erflart »erben, ba§ man eine Jßerbinbung il^rer 
3eiger annimmt, öermöge beren ber eine ben anbem nad^ 
fid^ gie^t; baS ift bie grobe, unbebad^te ^Infid^t, ber jtörper toirfe 
auf ben ®eift unb umgefel^tt fjemer fann man mit SRalebrand^e 
meinen, ber m^rmad^er ®ott fteDe immer ben einen StXQtt nad^ 
bem anbem. S)ritten8 aber — unb bai^ ift bie Seibnijfd^e 
Änpd^t — Ififet fid^ benfen, jebe Ul^r l^abe einen fo öortrefflid^en 
aJted^aniSmuiS unb eine fo genaue ^Regulierung t)om Ul^rmad^er 
ermatten, bag fie beibe, unabl^ängig ooneinanber, ganj überein^» 
ftimmenb gelten. Sine bierte äJcöglid^teit Iä§t Seibni} nid^i gelten; 



60 ' ^^ ®ine, Don jtoet ®tonb|)imIten bettod^tet 

bod^ tft fie borl^attben uttb bereits bon ©pütoja gefeiten. ®» 
Idnnte ja fein, ba^ nid^t ffod t^erfd^iebene Ul^ren t)orl^anbeit finb, 
fonbem gkoei ^iffetblatter berfelben Ul^r, eins Dom, eins leinten, 
in ber äRitte aber baS gemeinfame SRfibemert. 

tiefer Deutung ber ^orrefponbeng stoifd^en Körper nnb ®eift 
fc^IieBt fid^ ^d^ner an. Wlit Spinoga pit er baS ftörperlid^e 
nnb baS ®eiftige ffir {»ei f^onnen, in benen ein unb baSfelbe 
äBefen erlebt niirb. ^^eilid^ gibt eS and^ Unterfd^iebe jtoifc^en 
ber fpinojiftifd^en unb ber fed^nerfd^en Äuffaffung- ©pinoga toeift 
nic^t in fagen, toit baS ibentifd^ Sine bojn fommt, einmal atö 
ftörperlid^eS, bann tpieber als ®eiftigeS ju erfd^einen, nnb toie t^ 
bie beiben ®nttt)id(eInngSreil^en anfangen, einanber jn entfpred^en. 
f^ed^ner aber anttoortet auf biefe fragen f olgenberma^en : S)aS 
©ubjelt lann beim SJetrad^ten gtoei öerfd^iebenc ©tanbpnnfte 
einnel^men nnb in gn^eierlei Stid^tungen erleben: in einer auf fid^ 
felbft bejogenen 9tid^tung unb in einer Don fic^ abgeleierten Stid^« 
tung; bie auf fid^ felbft gerid^tete JBctrad^tung ift baS ©elbft* 
betoufetfein ober ©elbfterlebniS, bie Seele ober ber ®eift; bie 
anbere SBetrad^tnng ober ift baS @mpfinben beS ^bxp^xlii^tn. 
@o fann ein unb bicfclbe ÄreisKnie einerfeitS Dom SKittelpunfte 
erlebt toerben unb erfd^eint bann fonfaö; anberfcits fann fie Don 
einem äußern 5ßunftc erlebt »erben unb crfd^elnt bann fonDej. 
ged^ner nennt ettoaS leiblid^, materiell, |)ie^fifde, infofern eS einem 
Änbern erfd^eint, ober itoax fid^ felbft, aber unter bem ©efid^ts* 
fünfte beS Slnbem, nämlic^ Don au^en, burd^ SSermittcIung ber 
©inne. SllleS ©elbfterlebnis aber, alfo aud^ bie äRaterie, fo^ 
weit fie für fid^ ettoaS ift, toirb ®eift, 5ßft(c^e genannt 

SBenn nun tro^ fold^er reinlid^en ©(Reibung beS ®eiftigen 
Dom Äörperüd^en bie getoötinüdee STuffaffung ber SJinge meint, 
Körper Mnne auf ®eift toirfcn unb umgcfel^rt, fo liegt biefer 
SReinung nid^t in jeber ^infid^t eine pj^ilofopl^ifdee Äonfufton, 
fonbem jugleid^ eine rid^tige JBeobad^tung jugmnbe. @S ift 
eben eine latfad^e, bag einer jjeben SSeränberung auf ber pj^^fifd^cn 
@nttt^id(eIungSlinie eine ^nbemng auf ber pf^d^ifd^en entfprid^t, 




SBic Bednfluffen cinonbcr Stbxptx unb ®cift? 61 

utib bo^ toxt baS ^örperßd^e mit bem ©eifttgen in ber 
Stnl^eit unfereS 93etDugtfeiniS jufantmen erleben* äEBenn n)ir 
nid^tö anbereS atö biefe %ai^aä)z meinen, mag eiS nnS geftattet 
fein, innerl^alb berfelben SSetrad^tnng ben ©tanb^unft ju toed^feln, 
alfo balb t)on äugen, balb wn innen benfetben SSorgang an« 
äufd^auen unb in biefem 6inne baS äugerlid^ (Stiebte „Urfad^e^, 
ba« innerlid^ ©riebte „SBirfung" gu nennen; ober umgelel^rt* 
Mä)t nnter aßen Umftänben ift biefcr @:prad^gebraud^ ju »er* 
merfen* 9?ur gefäl^rüd^ ift er, fann nämlid^ bei mangcC^after 
@d^ulung beS ^enfeniS gu ber rollen SSertnirmng ber Uxpttlxi)tn 
unb ber geiftigen (£ntn)i(fe(ungSlinie fäl^ren« SSermieben n^irb 
bie (Sefal^r, nienn man [\6) üergegentDärtigt, bag eiS ftetS jn^ei 
©tanbpunfte gibt, unb ba| bie Don il^nen angefd^auten @r« 
lebniffc — als jioei Sinien gebadet — niemate incinanber 
übergel^en, niematö auSeinanber fortgef))onnen nierben bürfen. 

^onfuiS unb bal^er mit Sntfd^iebenl^eit ju t)tttotx^m ift 
jener materialiftifd^e 8luilfprud^,^af 3)enfen fei in berfelben 
aSeij e eine g unftion beä ®ti)ixn&,^ toie bie (Sattabfonberung 
eine fjunftion ber ßeber, ober toie bie SJerbauung eine äßagen* 
funftion« ^aS l^eigt bie ©tanb^unlte üertoirren unb ber 
ftaufalitSt Unmöglid^eS gutrauen« fflnx bie S3etoegungen, bie 
^l^^fifd^en SSorgänge im ©el^im, toeld^e bem S)enlen entf))red^en, 
lann man in äJ^nlid^cr SBeifc eine gunftion be8 ®el^im8 nennen, 
toie (SaSabfonberung eine f^unttion ber Seber. 9iid^tig aber 
ift eS, ba§ itoifd^en bem (St^itn unb bem S)enlen ein @nt« 
fpred^ungäberl^ältnig befielet 9iur barf man e§ nid^t fo berftcl^en, 
als ob fid^ ani bem ^ör^rlid^en ©eiftigeS enttoidEele, toie anS ber 
fieber bie ©alle. SSielme^r enttoidCelt fid^ ©eiftigeS nur auiS 
@eiftigem, SiöipexüiitS nur auS ^0r|)erIid^en; nnb tomn man 
gleid^tool^I t)on ber innerlid^en 93etrad^tungStoeife in bie äuger« 
lid^e fpringt, fo toed^felt man ben @tanb|)un!t unb barf nie tier« 
geffen, bag man eS tut, unb bag eS ftetS jtoei ©tanb^unlte gibt 

t^ed^neriS äBeltanfc^auung toiQ ben t^l^^fifd^en @tanb))un{t 
be8 9lat urforfd&erg nid^t ettoa loertoerfen, fonbem burc^ einen 



62 (Srgänjung be« SJ^atetioIidmulS. 3)eT äußere @tanbt)unft. 

fitoett en ©tttnbg unit geröoPftanbifl^g. Sttit bcm SKatcrioUftcn 
erfSfnt tjec^ncr an, bo§ ftd^ baiS (Beifüge änbert, fobalb ftd^ 
bad körperliche änbert, ja ba^ fid^ bod ©eiftige gätijlid^ in 
«^ ftörperlid^^ äberfe^en (ä|t Kber anbrerfeitS mai^t f^ed^ner 
' gettenb, ba§ für fid^ gar nid^tö äKaterieQeiS e^iftiert, fonbem 
blog für ben ®eift, als %n^bxnd üon ettoaS, baiS fid^ felber nur 
getftig erleben fann. 2)te ganje Statur üerflüd^tigt ft^ a(fo in 
SBcrl^ältniffe öon ®eift ju Oeift, tocil fogar bie ©rfd^inung 
für anbereg bod^ nur ein SSorgang im S3ett)u^tfein tfi SBo^l 
barf man je nad^ @tanbpunft, g^^^ ^^^ 8^^^^^^^<^^Q beim 
93etrad^ten balb ba§ ©eiftige balb baS ^örperlid^e afö bad 
SBirKid^e l^innel^men; nur barf man feiniS üon Beiben für ba^ 
adein äBirllid^e i^alten, barf nie bie ©oet^efd^e äßal^rl^eit 
öergeffen: SÄaterie nie ol^ne ®eift; ®eift nie o^ne SRateric, 
3m einen gaUe, too e8 fid^ um f^)e3ie^ pi^^fifc^e SSetrad^tung 
l^anbelt, ftcKe man fid^ auf ben äu^erlid^en ©tanbpunft, ju 
materiaüftijd^er 93etrad^tung. S)a ift bann öon feinem Sögeifte 
bie 9iebe, freilid^ folgend^ tig aud^ öon feinem 2Rcnfd^engeifte, 
fonbem nur öon SKatcrie unb i^ren ^äften, öon Setoegung 
unb i^ren ©efegen. SDtaterieQe SSorgönge im ©el^irn löfen beim 
®enfen ober SBoUen anbere Oel^improjeffe ober SBctoegungen 
beS Wcm^ aus. @in 9tabelftid^, ein Sic^tftral^t regt nid^t ®m« 
|)finbung, fonbcnt materiefle Sleruentoirfungen an; biefe mögen 
afö 3;röger öon ®m|)finbung gelten; »eil aber (Smpfinbung nur 
t)om innerlid^en ©tanbpunfte aus erlebt werben fonn, gel^t fic 
ben materialiftifd^ 93etrad^tenben eigentlid^ nid^ts an, ba er thm 
burc^auS ben äußeren @tanb|)unft einnel^men mtfl. Sßenn 2n)ei 
aRenfd^en miteinanbcr fpred^en, gelten öon ben Setoegungen ber 
©prad^organe Suftfd^toingungen ju ben Dl^ren, baS erfd^ütterte 
Xrommelfefl gibt lebiglid^ ^I^^ftfd^^ Erregungen an bie 9%ert)en 
ab, unb im ®el^irn ttjcrben nur äu^erfid^e SSorgängc verfolgt, bie 
fid^ nad^ bem ©efe^ öon ber ©nergieer^altung enttoidteln* 

(Sbenfo barf man afleS afö ©lieber einer geiftigen @nt=^ 
toidfelungSrei^e betrauten, ol^ne ^örperlid^eS einsufd^ieben. äßan 



3)cr innere @tanbl)un!t. ©eifttgcr 3Äoni8mu8. S8a8 ift SKoterfe? 63 

ftcflt ftd^ babei überall folgcrid^tig auf bcn mnem ©tanbpitnft, 
bcn bcr ©cffiftcrfd^chmng; too nid^t birclt, burd^ ©d^Iufe. S)a 
gibt ed bann nur äSen^u^tfeindtnl^atte, @mpftnbungen, äSorfteQungen, 
©cbanfctt, ©cfü^Ie, Stbfid^ten, Qtotdt, SSorgänge im Slllgcift, 
Sbecn bcr SBdtfeelc* Sei einem SBiUcnSafte fommen nid^t 
materielle 93en)egungen unb beren materielle folgen in S3etrad^t, 
fonbem ba^, toa^ bcr ®eift be« SBoßenben unb bcr S33eltgeift 
in biefen SSetoegungen unb folgen afö ©elbftcrlcbnii^ fpürt, alfo 
baS SodEcnbc bei^ QkU^, baiS ®efül^I bcr Sntbcl^rung, bie ^n^ 
ftrcngung beim Übertoinben bcr ^inbemiffe, bie SBcfricbigung 
beim (Erlangen, kommen unferm ®eiftc Slnregungen au^ bcr 
S^attir, fo finb c^ äRittcilungcn bc^ SWaturgeiftei^. Unb fo gc* 
ftattet ged^ncrg SBeltanfd^auung fotool^I ben materialiftifd^en ttjici 
bcn ibealiftifd^en ©tanbpuntt, nur mit bem SiüdE^alt, ba^ jcberj 
biefcr ©tanbpunfte bIo| eine ©cite bcr SBcft erfaßt, unb ba^j 
fic, obn^ol^I imi Sctracfitung^n^eifen möglid^ finb, bod^ nid^t ii 
©innc eincg 35ualii8mu§, öiclmel^r afö ©inl^cit ju beuten ift. 

SBiQ man bicfe (Sinl^eit, baS 90?onon bcr jn^iefad^cn S3e« 
trad^tungiStDcife, burd^ ein S93ort bejeid^nen, fo f daläge id^ bai 
SBort ,,@rlebni^" öor unb öcr^eife auf meine S^efe: Slße8 
2)afcin ift ©riebnig, unb jtoar enttocber @rlebni8 für frembe 
SBScfeUr bie eg cmpfinben, ober aber ©elbftertebnig. ®od^ aud^ 
^®cift" ift ein |)affenbcr Slu^brudO für bag etoig ffiine bcr Statur^ 
^emnad^ ift bag Sßefen bcr 3)?aterie nid^t minber n)ic baS 
©dbfterlebnig be« äRenfd^cn ein geiftige«. SBa8 toir SKateric 
nennen, ift eine ®ru|)pe geiftiger Sreigniffe, bie fid^ öon bcn 
geiftigen ©reigniffen im engem ©innc — üon unferen SSor^ 
fteüungcn, ^Begriffen, ©cbanfen, ©cfü^Ien — lebigtic^ burd^ 
foIgcnbeiS ßennicid^en unterfd^eiben: S)ic geiftigen ©reigniffe, bie 
mit „aWaterie" nennen, toerben burd^ bie Xätigfeit bcr ©inneg^ 
Organe vermittelt unb treten nid^t blojs in einem einjelnen SWen^^ 
fd^cn auf, fonbem in allen äRittocfcn, bie mit gleid^en ©inncg^ 
Organen t>om gleid^en ©tanbpuntte au^ cm))finben« Jpigrbei mug 
freilid^ bcbad^t tocrben, ba| bie @innc8organc unb cbcnfoTic 



\ * 



64 ^ec @äjilni bom flufeem auf bad innere. 

9leiDen unb hai &tf)vm feI6er ntd^tö anbereS aß geif^e Steig« 

ntffc finb — fo ba| toir baiJ SSerl^ältni« " "gimfd^cn ben öcr* 

mttteinben ©innen nnb jenen Smpfinbungen, bie toix äKaterie 

nennen, ftreng genommen als ein Slbl^fingigleitSüerl^ältnid ^ifd^en 

©eift unb ®eift, (SrlebniS nnb SrIebniS gu beirad^ten l^aben. 

nS^^^i^ ^^^^ (^lU^ @rfd^einen überhaupt nur in einer 

@eele unb für eine @eele $Iq| greifen, atfo andf bie 

(Erfd^einung eineS Seibed. . , • ^üx ben 93etrQci^tenben 

töft fid^ fo in ber SBetrad^tung alleg in ©eele, @elbft= 

\ erfd^einung auf/ g) urd6 bie ^ y^ urfl^J ^runQ ber ^Koi erie cmf 

1 ben ®eift erl^ält ffifd^nerS SBeltonfd^auung il^ren ibeoliftifd^en 

('"C^Äerrboc^ ift eg, toie f(^on angeführt, ein .iMeltiöe.r 

j^^fbeätiSmu«", S)ie äußeren S)inge unb fremben SEBefen finb 

i ferne bIo§^ubjeItit)en (Sinbilbungen, t)ielme^r Dbjefte. 

,,$ined STZaterielle Iä|t fid^, toenn nid^t einjeln, aber 
inS^ffiwiit^nl^ang mitanberem, in ®eiftiged überfe^eit; 
unb eine gufammenl^ängenbe ©eifteiSlel^re gibt nur biefe 
Überfe^ung. SSBo ed und unmöglid^ ift, biefe Überfe^ung 
fd^on jle|t ju finben, ha, toiffen toir, liegfg nid^t am gel^Icr 
ber @ad^e, fonbem am gel^Ier unferer Srfenntni«, unb bie 
Stufgabe bleibt bod^ befleißen*'' 

®a« golgem öom Süßeren auf ba8 Snnere, bog 
f^ed^ner l^ier ertt)äl^nt, l^at in ber S93eltanfd^auung eine l^ol^e 
S3ebeutung. @d befäl^igt unS, SädCen ju fd^Iie^en, bie für jebe 
einfeitige Setrad^tung nottoenbig fid^ ergeben, unb alfo bie Srtemtt^ 
niffe ber ©pejiatoiffenfd^aften jur SBeftanfd^auung abjurunbeit 
„SEBenn jemanb ba^ ®e^im eines toten SWenfd^en ober a;iercS 
öor fid^ l^at, fo fielet er eine toei^e, für ba« ®efü^I »eid^e 
a^affe barin, n^eld^e fid^ unter bem äKitroffo)) in ein @efted^t 
feiner $äben, Qtütti unb Sbem aufUft. 3n baS (Sel^im bes 




Sfremben @eift erlebt man nur inittelBar, 65 

fiebenben !ann er tttd^t untntttelBar BItdCen; aber nac^ 
©d^Iüffctt, tocld^c fid^ auf äu^crlid^ SBaJ^rgcnommcneg flritaben, 
ftd^ unter gorm bcg äu|crlid^ SBal^mel^mbaren öorfteHeu, ba§, 
n^enn bie ^inbemiffe ber iBeobad^tuug n)egfteleu uub er bte 
öugeren SBeobad^tungSmittet immer me^r t^erfeiueru !öuute, er 
anäf immer feinere Seile unb 93en)egungen n^ürbe unterfd^eiben 
fönnen; unb burd^ SBerfoIg fold^er ©d^Ififfe im ©inne be8 Äaufat 
gefe|eiS gelangt ber ^l^^fiolog enblid^ bal^in, fid^ bie Keinften 
leite beg tebenbigen ®el^im« in 85etoegungen begriffen, unb biefe 
mit äbertoiegenber Sßal^rfd^einlid^feit in ^orm t)on ®d^tt)ingungen, 
j|ebenfaD8 in einer fjorm beg fiufeerlid^ SBal^mel^mbaren öor^ 
iufteQen« Sber folange ber S3eobad^ter auf äußerem ©tanbpunite 
feines Körpers gegen baS ©el^im beS Sebenben ftel^en bleibt, 
fann er nid^tö t^on ben Smpfinbungen unb ®eban!en, bie er 
aU @ad^ beS ©eifteS biefei^ Sebenben fagt, n^al^mel^men, bod^ 
aus l^inreid^enben Satfad^en fd^Iiegen, bag ein ä^erl^ältniS ber 
S3ebingtl^eit itoifd^en btm, toai er auf äußerem ©tanbpunit 
gegen bag (Sel^im afö materieDen ®eI)improje§ fa^t, unb toaS 
nod^ gauj in feine eigene ©eele fällt, unb ben objeftiöen Sm»* 
pfinbungen unb anberen geiftigen Siätigleiten btS il^m gegenüber«» 
[tel^enben Sebenben ftattfinbet S)iefer anbererfeitS fann nid^tS 
t)on bem materiellen ^ro^e^ feinet eigenen ©el^imS n^al^mel^men, 
inbed er feine eigenen Smpftnbungen unb ®ebanfen, bie an 
tiefen ?ßroje§ gelnilpft finb, toal^mimmt." 

Sud biefer S3etrad^tung gel^t l^ert)or, bag id^ t^on einem 
9Kitmenfd^en in feinem ^aUe ben ®eift unmittelbar erlebe* Un^ 
mittelbar fann id^ lebiglid^ meinen eigenen ©eift erleben. SBaS 
id^ t)on einem anberen geiftbegabten SBefen n^al^rnel^me, ift immer 
nur fein förperlid^ei^ SSerl^alten, fein SluSfel^en, feine (Sebärben 
unb Saute. 3n bie innerlid^en, feelifd^^^geiftigen Vorgänge feine» 
©el^imS t^ermag id^ nid^t mit meinen ©innen J^ineinjublidEen. 
Unb fo toeig id^ eigentlid^ nid^tS t)om geiftigen Seben bei$ WliU 
menfd^en unb meig nic^t einmal, ob er flberl^aupt ein geiftbegabteiS 
SBefen ift ©treng genommen fann id^ bai^ blog für toa^r* 
fanu. 5 



66 ^od^ meinem aRufier beitfe i(^ hm 9^8^^ 

fd^nlid^ l^altett ®ett)id^ttge (Srönbe baffir ^abe id^ aUttbmq^; 
aber nic^t mit S>enInotoenbig(eit führen fte ju ber So^^B^i^S' 
ber aKitmenfd^ l^abe ein feelifc^geiftigeS Sebetu S)iefe Solgermtg 
ift ein äBa^rf(l^einti(^fei»f(^(u| t}on ^^nlic^em auf tfyxl\äfe§. 
SuS ber ^^nlid^Ieit, bie ber ilRitmenfd^ mit mir im 
^tt|ern l^at, fd^tiege id^, ba^ er aud^ im Snnern mir 
Sl^ntic^ fein, alfo ein @eI6ftben)u|itfein l^aben unb bei 
einem beftimmten {Benehmen ungef&l^r bie gleid^en ®e« 
ffil^Ie, aSorftetlnngen nnb ®ebanlen l^aben n)irb, bie 
in mir auftreten, totnn idf mid^ fo benel^me« 

S>ed SflSi^eren t>oüixti)t [xä) ber ©d^Iug folgenberma^en. 
@eine ®runblage ift bie Zatfad^e, bag id^ in mir ^u|erIid^eS 
unb Snnerßd^eiS jur Sinl^eit t)er(nü))ft t)orfinbe unb aber bie 
befonberen %&Ut biefer SBerbtäpfung eine Sleil^e k)on (Srfol^rungen 
befi^e. @o l^abe id^ loal^rgenommen, ba^ bei lebl^aftem @d^merje 
ein ©tdl^nen ober SBimmem ftd^ meiner S3mft entrang, Ml^renb 
bei luftigen ©timmungen jene r^tl^mifd^en lurgen Suftftö^e 
aus meiner 93ruft lamen, bie man Sad^en nennt S)ie 9tegel« 
mä^igfeit fold^er ^^f^^^^'^^i^S^ bringt mid^ nun bal^in, aui^ 
htm ©töl^nen ober äBimmem eineiS äJlttmenfc^en bie f^olgerung 
SU jie^en, bag ii^m jumute fein n)irb n^ie mir, atö id^ ftöl^nte 
ober wimmerte* Unb totm id^ jemanb lad^en l^öre, fo fc^Iiege 
id^, ba^ er tt^al^rfd^einlid^ äl^nlid^ fü^It, toie id^ beim Sad^en« 
3n berfelben SEBeife lommt aU meine feeßfd^e S>eutung wn 
Sauten ober ®ebärben guftanbe. 9ud^ bie @prad^e l^abe ic^ 
t)erfte]^en gelernt, inbem id^ mit ^u|erltd^feiten Snnerlic^feiten, 
mit beftimmten ©epri^empftnbungen beftimmte 93orftenungen, 
©egriffe, ®eban!en, ®efül§Ie fo innig öerfnfifte, ba§ bie SEBicber* 
le^r ber ®cpr2em|)finbungen — ber SBorte — bie entfpred^enben 
inneren ©riebniffe — ben Sinn — l^erbeifill^rte. ^v^ ber 
©prad^e ober ben ^u^erungen, aud 93au unb SBenel^men irgenb 
eineiS Sebett)efend folgere id^ mittete beS ^(nalogtefd^IuffeS, ba^ 
t^ äl^nßd^ loie id^ auc^ im Snnem fid^ t)er]^ält, ba^ eiS em))finbet, 
ffll^U unb toxU, SSorfteQungen unb ©ebanlen l^at 



tttgete Unai^I^Idt erfd^toert ha9 S^erftttnbntö. 67 

96er itid^t 6Io^ beim aRitmenfd^en tomht x^ btefen @d^Iug 
an, fonbem anä) bei SBefen, bie eine geringere Sl^nlici^feit in 
f8an nnb SBene^men mit mir l^aben; überl^aupt bei jebem äßit» 
n^efen, n^ofem id^ nur irgenb n^etd^e äugere ^^nlid^Ieit mit 
mir bemerfe. f^reifid^ toenn id^ feine ^l^nüd^feit J^erouÄflnbe, 
fann id^ t& nid^t nad^ meinem 9)?ufter beuten* Slber ba^ id^ 
bie ^ntid^feit nid^t l^erau^finbe, beioeift nod^ nic^t, bag feine 
^l^lid^feit befielet; t^ieüeid^t ift meine Seobad^tung nid^t 
fc^orf genug, ba« tibereinftimmenbe ju erfaffen, unbfte^t 
megen meiner iBef darauf tl^eit einseitig ba^Unterfc^eibenbe; üieQeid^t 
aberuierben mir fp&ter bie 9[ugen geöffnet, fo bag id^atebonn 
fel^e, toie ftl^nlid^ baS SBefen mir bennod^ ift, unb bag id^ ®runb 
genug l^abe, eiS innerlid^ nad^ meinem SRufter ju beuten« ®(eid^t 
bod^ bie geiftige S)eutung eines äSefenS bem SSerftänbniS ber 
SBortfprad^e« (Sin 2Ritmenfd^, ber unfere SDiutterfprad^e fprid^t, 
mirb leicht unb innig t)on uns Derftanben. S)ie Hottentotten« 
fprad^e jjebod^ ift bem ©uropäer fo frcmb, ba§ er bei erfter 
Begegnung mit bem tt)ilben SSoIIe t)xtUdä)t Um georbneten 
Sßorte, fonbem tierifd^e Saute ju l^ören glaubte. S)em ^eifc^en 
ber 9(ffen traute man frül^er feine folgerid^tige 99ebeutung gu, bis 
neuerbingS ein f^orfd^er ben @inn gen^iffer Slffenlaute l^erauS« 
fanb unb eine Art SBörterbud^ ber Äffenfprad^e anlegte* 3Kit* 
teilungen burd^ Saute, ®ebärben, 93erül§rungen, Betätigungen 
mad^en fid^ toal^rfd^einlic^ aQe Xiere, bie in Slerfel^r leben: 9ie^e 
unb ^fil^ner, SSienen unb Slmeifen, t^tdfdge unb ^ifd^e* 



9* PflaniBtt- untr ^Uvn^ttitn. 

SSeit über bie Xiem^elt ^inauS reid^t ber @d^Iu§, ber aus 
menfd^en&^nßd^em Bau unb Benel^men ein feelifd^^geiftigeS Seben 
folgert S)ie $f(anje, ber man gen^öl^nlid^ bie f^&^igteit, ju 
empfinben, ju fül^Ien unb ju wollen abfprid^t, geigt bei naiverer 
Betrad^tung fo erl^eblid^e ^l^nlid^feit mit bem Körperbau unb 



68 3)ie $f{an^ toie ber SRenfd^ ein DrganiiSinui». 

Serratien beS aßenfd^en, ba^ man ntittetö bed angeffil^rten Vna^ 
logiefd^IuffeS eine Snnerttd^frit in fie l^ineinbeuten barf ober mvi%. 

@(l^on bie Zatfad^e, ba| bie $f(anie ein DrganiiSntttS, ritte 
lebenbige ©liebergeftalt ift, ba% fie auiS ^CLtttm fteinte burd^ 
<Smä]^rung unb SSemtel^rmtg il^rer 3^^^ toSd^ft, ba| fie i^, 
trinit, atmet, franf unb gefunb fein fann, ba^ fie femer jum 
Stoe^e ber SBefrud^tuttg lodenbe 93(fiten enttoidett, ftd^ fort|)f(attjt, 
enblid^ aber altert unb ftirbt — fd^on btefer allgemeine (Snt^ 
ttiidtungSgang ift bem SD^enfd^enleben fo äl^nlid^, ba| er vat& 
aufforbert, ju il^m eine feelifd^e ^araDele, rin entf^red^enbei^ 
@elbfter(ebni8 l^injuiubenfen« Ober foDte bie ^anje Bb)§ 
ein äugerlid^e« SJafein — für anbere ©efen — ffil^ren, nid^t« 
aber für fid^ fetter frin? 

grrilid^ ift fie bem SRenfd^en unb l^öl^eren liere in mand^er 
$infid^t aud^ un&l^nlid^. ©o fönnen bie Xiere SSetoegungen au8* 
fül^ren, bie man n^iDIürlid^ nennt, unb fdnnen il^ren ^ufentl^altS^ 
ort öeränbem, tt^äl^renb bie ^ßftanjen burd^ il^re SBurjeln an ben 
©oben gefeffelt finb. ^ttntt l^aben öiele liere Äugen, Dl^ren, 
©d^medC*, fRied^«*, S;aftorgane, unb bie gunitionen il^re» förper^^ 
lid^en SebenS n^erben burd^ 9lert)en, SiüdCenmarl unb ®el^im 
geleitet ^urd^ berart auSgebilbete SBerfjeuge t^oQ^iel^t fid^ baiS 
Seelenleben ber ?ßPanje im allgemeinen nid^t Aber biefer Unter== 
fd^ieb tritt rigentlid^ nur jtoifd^en ben pl^eren ^ffansen unb 
l^ö^eren Zieren jutage* 

äBenn toir auf ber @ntn?ideIungSIeiter ber DrganiiSmen 
ttjeit genug l^inunterfteigen, f o öerf d^toinbct ber Unterfd^ieb jtoifd^cn 
?PfIanje unb lier* @« gibt Organismen, bie feine fpejialifierten 
Organe jur ©mpfinbung, feine SReröen, fein ©el^irn ober Slüdfen* 
marf enttoidCelt l^aben, nid^t einmal bie fjäl^igfeit, fid^ »iDfürlid^ 
fortjubetoegen* @inb e8 ^ßflanjen? ©inb eg SCiere? SBeber 
baS eine nod^ baiS anbere. Slber Seben^ejen finb eS, benen man 
Smpfinbung, ®efül^I, Xrieb nid^t abfprec^en fann. Sind il^rem 
Senel^mcn lä^t fid^ auf rin Snnenleben fd^Ke^eru Unb fd^on 
afö SSorfal^ren ber liere unb SReufd^en üerbienen fie, ba§ toir 



9kQftton auf fftd^. ۟Btoaffer))ol4)) unb glad^Sfeibe. 69 

i^en SBetDugifein, irgenbloeld^e f^ormen beiS @eI6fterte6mf[ei$, 
jttfd^reiben. @onft mägten tote unS ju ber abfurben Stmtal^tne 
Derfteigen, bag eineiS Xaged, in einem beftimmten ®Iiebe ber fid^ 
f ortenttoicieinben Organismen! ette, ba8 Seh)u^tf ein plöllid^ ertoad^t 
fei, tt)aS einem Sntftel^en and 9Kd^tö gleid^fäme. Sbenfo imbentbor 
toxt ba^ abfointe @ntftel^en beS 99eton^tfeiniS ift bie Slnna^me, 
in ben ^flonjen, bie an8 empftnbenben SBefen fid^ mttoxdüt 
ff ahm, fei baS SSen^ngtfein erftorben. 9ldn, t)orl^anben ift eS; 
nnr anbete fjformen, anbete SBetStignngen, anbete ^u^emngen 
l^at eS bei ben ^flanjen atS bei ben bieten« 

S9eobac^ten tovt, toxt bie ^flanje il^te 93(üten bem Sid^te 
onff daliegt obet üetfd^Iie^t, il^te äßntieln nad^ ber fjf^d^tigleit 
l^infttedCt, jntoeilen — toie bie SWimofe — butd^ JBIattbetoegungcn 
onf med^anifd^e obet d^emifd^e Slngtiffe antn^ottet, il^te Uanlm 
hxtf)t, mit il^ten ©ptoffen l^in nnb l^et taftet nnb fibetl^anpt 
anf ändere Steije folgetid^tig teagiett Sßit lönnen bann fc^met« 
lid^ ben @(^In^ Detmeiben, ba| bie ^flanjen empfinben, füllten 
unb tooUttL 

(Ein paat 93eifpiele mögen jnt SSetanfd^anKd^ung bienen* 
S)em ©ü^tDaffetpoI^pen, einem 2;iete ol^ne ec^te ^etom, o^nt 
(Sel^itn, fd^reibt man Smpftnben, %mim unb SBoUen ju, menn 
man fie^t, n^ie et fid^ feinet 9lal§tung gegenübet t)etl^SIt 
®d)toxmmm fibet il^m lebenbige SnfufionStietd^en, fo ettegt et 
einen @ttubel, bet il^m bie SBeute iufü^tt; bod^ toten Snfufioni^^ 
tietc^en gegenttbet bleibt et gleid^gültig; folgtid^ mu^ et bm 
Untetfd^ieb jioifd^en toten unb lebenbigen SnfufionStietd^en em|)» 
finben; fo pf(egt bet 9tatutfotfd^et ju fd^lie^en« @e|en n)it nun 
an ©teile bed ^ol^pen eine ^^ange, nämßd^ bie fd^mato^be 
(^(ad^Sfeibe. @ie umfpinnt lebenbige f^Iad^Sftauben, um i^ten 
@aft iu fangen; abgeftotbene ^tad^Sftanben abet üetfd^mä^t fie; 
unb l^ietauS etgibt ftd^ — bet vorigen tJfotgetung genau ent^ 
fpted^enb — bet @d^tu|: 2)ie glad^Sfeibe mu^ ben Untetfd^ieb 
)tt)if4en lebenbigen unb abgeftotbenen t^Iac^i^ftauben em^finben. 

Sie SmpfmbungSf&l^igfeit bet ^flanje ttitt befonbetS auc^ 



70 IRoitlenber ^o)>fen. „^ux mtäfaxA^ä^" Ißantia. 

m ben dtanlgekuäd^fen gutage. SBemt ber ^opfeit im ^^cftl^ 
(ing feine ©proffen avi& ber ®rbe redCt, fo tafteit biefe nad^ 
@täjfetu @ie biegen ftd^ toagered^t nnb breiten fid^ toie ber 
3eiger einer tiegenben Zafd^ennl^r; luenn fte ober burd^ ^otäft^ 
VMf^tttappm nic^tö ^affenbeiS finben, fo n)Qd^fen fte ein @tredCe 
l^öl^er, um baiS Uml^ertappen in bem oberen Staume gu toieber« 
Idolen; ober fie legen fid^ auf bie ®rbe, Iried^en ein ©tfid fett^ 
to&rte unb lieben fid^ bann ^od^; unb folange tapptn fieringd^ 
um, bid fie eine @tange, einen iBaum ober einen @trau^ 6e^ 
rül^ren; auf fold^e SBerül^rung aber antoorten fie fogleid^ burd^ 
Umranfen. i^olglid^ muffen bie ^opfenfproffen bie S3erul^rung 
empftnben unb babei ein ®efül^I bed SBel^agenS erleben, bai^ 
ben Xrieb beS 9ianlen8 aui^töft 

2)er Stoti^itt n^enbet l^ier oieQeid^t ein, ba§ bie iBemegungen 
ber ^ßflanjen nur me^anifd^ erfolgen« S(ber er foQte fid^ meine 
frül^ere Sui^fül^rung t)ergegentt)ärtigen, nad^ ber aud^ baS SBer« 
|alten beS bemühten iKenfd^en, jeber geiftige 83organg, ber 
äugerlid^en 93etrad^tung nid^tö aU eine pl^^fifd^e, materielle, 
m^anifd^e @eite barbietet SUIe SBeioegungen, aud^ bie bei» 
empfinbenben, fül^Ienben SOtenfd^en, erfolgen „nur med^anifd^^; 
aber biefer med^anifd^en Sktoegung entfpred^en ©etbfterlebniffe; 
unb fo toixb eis aud^ bei ber ^flanje fein* 

SBer fid^ ffir baS @eelenleben ber ^flange eingel^enb intereffiert, 
lefe i^ed^nerd „iRonna'' (fo l^eigt bie altbeutfd^e ^flangengöttinX 
"Siai Sud^ ift befonberg burd^ bie SKetl^obe audgegeid^net; ed 
ertoeift ben l^ol^en SBert bed f^ed^nerfd^en Slnalogiefc^IuffeiS, ber 
am Seitfaben ber ^ugerlid^Ieit baiS Innenleben finbet S)en 
grunbfä|Iid^ SBiberftrebenben freilid^ toxxb f^ed^ner nid^t über^ 
^gen lönnen* Senn matl^ematifd^e 3)en!nottoenbigfeit entl^ält 
lein Slnalogiefd^Iug, bielmel^r nur eine SBal^rfd^einlid^feit 

i^Drum l^at^^e nid^t ganj unred^t mit feiner SBemerlung 
f$ed^ner: ^^skiSß Zatfad^en aud^ immer im pflanglid^en 
n t)orIommen mögen, bie auf fE&afjli unb SSorbebad^t, auf 
Smpftnbung unb minbeftenS trauml^afteS @treben l^inbeuten, 



)Bo^eS (Siiuoanb. 3eitlM«toefta. 71 

immer tuirb ber, inelc^er btefe ^mbeutmtg nid^t üerftel^en toiU, 
in feiner entgegengefe|ten t^olgerung unangreifbar fein. @ben 
bedioegenr mirb er bel^aupten, loeil aQe btefe 93org&nge l^ier üor« 
iommen, too eine autJ^entifd^e SBejeugung bei^ Seelenlebens fel^It, 
gel^ören fte bem ®ebiete beffen an, toai o^ne 93eteiligung biefeS 
fiebenS nad^ einer blinben ®efe|Iid^teit beS ®efc^el^enS juftanbe 
!ommt; unb btefe f^olgerung loirb i^m bann jum SluSgangSpunfte 
bienen, um — ebenfaßg ber Analogie nad^ — biefelben Sor* 
gänge aud^ ba t)on bem ©ebiete feelifd^er Zfitigleit au8}ufd^Iie|3ett, 
mo e8 an ^^S^iff^^ f^^ ^^^ Knloefenl^eit äberl^aupt nid^t 
fel^It'' SD'^it anberen SEBorten: toer fid^ einfeitig an baS flammert 
toa& bie ^flanje t)om SDtenfd^en unterfd^eibet, ol^ne bie fiberein« 
ftimmungen genägenb ju berfidCfid^tigen, loirb feine iiorgefa^te 
SReinung, bie ber ^flanje baS Seelenleben abfprid^t, bel^aupten 
lönnen. S)od^ — toag Softe überfielet — »er einfeitig in8 Äuge 
fogt, tt>ad ein frembeS SSefen Don i^m unterfd^eibet, mujs 
aud^ bem ^S^eren Xiere baiS Seelenleben abfpred^en. „%\df)m> 
tifd^e 93eieugungen" fremben SeelenlebeniS gibt eS äberl^aupt 
nic^i Stets mittefö eines Sd^IuffeS wn äußerer t^nUd^teit 
auf innere ^l^nttc^Ieit gelangen koir jur Slnna^me fremben 
Seelenlebens. S)mm ift eS Kar, ein fiberfel^en ober eine ®e« 
tingfd^äftung ber äugeren ^J^nlid^teit bereitett ben Slnalogiefd^Iug. 
S93er baS Seelenteben ber ^anje burd^auS leugnen loiK, foQte 
folgerid^tig genug fein, um einiufel^en, bag feine SIepfbS fogar 
bem äRitmenfd^en ben ®eift abfpred^en bfirfte* S)enn neben ber 
äj^nlid^feit, bie ben äRitmenfd^en mit mir üerbinbet, beftel^t 
cxuä^ genug Unterfd^ieb; unb lege id^ auf i^n befonbereS 
©etoid^t, fomie auf bie Xatfad^e, ba| {eine S^enbtottoenbig^ 
leit iur Slnnal^me fremben ®eifteS fü^rt, fo fonn id^ fd^Iieltid^ 
behaupten, SelbfterlebniS lomme an einer einzigen SteQe beS 
SBeltaQS üor, n&mlid^ in mir, unb fonft nirgenbS* 

S9emer(en toir mit f^ed^ner eine entfc^eibenbe ^^nlic^feit 
ber ${Ianje mit unS äRenfd^en infofem, als bie ^anje eine 
(ebenbige ®liebergeftalt ift, fo finb loir vorbereitet, aud^ bie 




72 <Stbe, @0ttnenf#em. (Erb^Drgantömisd. 

(Sebaitlentoege ju gelten , bie f^ec^ner in feinem großen SSerle 
f/S^^^'^^^ft^^" gebahnt ^ot ^SebenbigeS Sßort^ l^ei|t bie l^eilige 
@{^rift ber Werfet, nnb eine lebenbige, aDentl^alben ftd^ felbft 
ertebenbe SBelt Detlänbet fjfec^ner« 

SSenn aKe Organismen ftd^ felbft erleben , fo mn^ aud^ 
nnfere ®rbe, femer baS ©omtenf^ftem nnb jebeS @temenf9ftem 
neben ber })l^9ftfcl^en (Sntoicfelnngdltnie, bie loir mit bm @innen 
empfinbenr anc^ no^ eine pf^d^ifd^e Sinie, ein (Smpftnben, 93or^ 
fteöen, f^l^Ien, S)enlen nnb SBoQen Igabem Unter einem Drga^ 
niSmnS (önnen loir nämlid^ gonj allgemein eine l^armonifd^e 
01iebergeftalt üerftel^enr bie fid^ bnrd^ il^re f^unltionen im Sßed^fet 
ber @toffe nnb (Energien erl^&It nnb n^omöglid^ an SBoHIommen:* 
l^eit nod^ fteigert» 3n biefem @inne aber ift nid^t blo^ ber 
SKenfd^r baS 2:ier, bie ^flange ein DrganiSmuS, fonbem and^ 
bie SDtenfd^l^eit, nnfere Srbe nnb baS ©onnenf^ftem. ^atte 
f$ed^ner einmal bie 99Inmen befeelt, fo mn^te er folgerid^tig bie 
&tttne befeelen. ©eine SSorlänfer n)aren bie alten Orientaten^ bie 
in ben ©ternen (Sngel fallen , aud^ neuere @temforfd^er unb 
aturpl^Uofopl^en; i^ nenne ^ejpjfer Jxnb..lS&M^&.iBrnno 

9lid^t blo^ als Organismus, fonbem fogar im einzelnen 
l^at bie @rbe aupQige ^l^nlid^feiten mit betannten Sebett^efen. 
SRutter @onne, bie unfere (Srbe gebar, näl^rt i^r föinb mit 
Sid^L 3nfo(gebeffen ftnben allerlei toid^tige 83erfd^iebungen unb 
Umbilbungen ber Stoffe unb (Energien ftatt Wxt ^ftanjen 
bedCt fid^ bie (Erbe. SSon ben ^flanjen leben birelt ober in^ 
bire!t bie Xiere. ^flangen unb 2:iere taufd^en @auerftoff unb 
Jio^Ienfäure, fo ba| n)ir [t)on einer Srt Stmung ber (Srbe 
fpred^en bfirfen« 5{)ie üon ber @onne gefütterten ^anjen n^erben 
maffen^aft aufgefpeid^ert als ^olj unb ßol^Ie unb t)on bem 
inteUigenteften Organ ber (Srbe in Sßärme unb J6en)egung um^ 
gefe|i ^xi, aßenfd^en^anb unb SRafd^ine, Zier unb ^ftange, 
n)ie aud^ SBaffer unb äSinb, bie fämtlid^ t)on ber @onne ern^edCt 
unb getrieben n^erben, mobein aD bie Sal^rtaufenbe am (Srb^ 
tbxptx l^emm unb forgen für flotten @toffn)ed^feI; unb in fold^em 



@rbgeifi ®efft bet ^enfd^^eit 9»Ie (i^Idd^niffe l^infen. 73 

gunftionicrctt fteigert fid^ — t)or allem im SRenfd^cn — bog 
Se6en ber (Srbe ju l^dl^erem {Range, um ftd^ immer inniger 
bem @inne be2 SßeltaOs einjuorbnen« S(n ben ^eiiSlauf beiS 
93IuteS burd^ unfern Körper erinnern bie !reifenben ®eU)äffer 
ber @rbe, an ben ^utöfd^Iag unfereS ^ergeniS @bbe unb %iut 
Unferm äBad^en unb ©d^Iafen, ^[rbeiten unb Stulpen äl^neln 2:ag 
unb ^ai^t, @ommer unb Sßinter. SRingiS um il^re Slal^rungiSqueQe 
fd^loeift bie @rbe, nid^t in unbefonnener 9legeIIo{tgIeit tote 
ein SBeibetter, fonbern in gemeffenem ÄBfianbe, ber Sid^t 
lutb SBärme, ©d^atten unb ^l^le ben (Srbgefd^öpfen in paffen« 
ber Sßeife gulommen Iä|t @inb baiS aUeS nid^t Sigentämlid^Ieiten, 
bie ben Drgani^muiS (ennjeid^nen, beffen ©lieber unb S8er^ 
rid^tung jur @rl^altung unb t^ortentoidCelung bienen? Sßir 
SRenfd^en finb ©lieber biefeS (SrbtorperiS unb Srbgeifte^. S)er 
(Srbgeift fotoie aliS B^U^^Slt^^ jtoifd^en il^m unb bem fSiaitU 
menfd^en ber ®eift ber äRenfd^l^eit, umfaßt uniS mit äbergreifenbem 
l8etou|tfein« S)a§ id^ um mid^ tod^, unb ba$ in betfelben 
äBeife mein äRitmenfd^ um fic^ tneig, !ann nid^t l^inbem, ba§ 
ein l^öl^erer @eift um uni^ beibe jugleid^ iDei^* S)iefer pl^ert 
®eift unb umfaffenbe Organismus ift toxt ein iDteer, bem tt)ir 
aDe als SEBeQen angehören* SDiefelBe ®rbe, bie uns an fid^ 
gefeffelt J^filt, ^^t unS aus fid^ geboren, nimmt uns in fid^ jurüdE, 
näl^rt, fteibet aQe unb vermittelt ben SSerlel^r jmifd^en aüm. 

SBenn man aber nad^ 93etrad^tung ber ^l^ntid^Ietten ittiifd^en 
ber (Srbe unb bem äRenfd^en bie Unäl^nlid^Ieiten geltenb mad^t 
jum 93eifpiel aufmu^t, bie ®rbe fei bod^ nid^t genau beS SRenfd^en 
Sbenbilb, fo ertoibert f^ed^ner: Snbem bie @rbe unS als Sleile 
in fid^ l^egt, l^at fie aOeS, n^aS n^ir l^aben, unb braud^t eS nid^t 
nod^ einmal als befonbem 3:eil ju befi|en. SEBenn fd^on iDtenfc^en« 
l^im — t)on anberen ©eifteSorganen ganj abgefel^en — in öielen 
aßiQionen oon S^emptaren auf ber ®rbe arbeitet, tooju foQte 
fie bann nod^ au^erbem ein ©el^im l^aben? SBoju nod^ einen 
befonbem ©peifefd^Iunb, loenn mit jal^Itofen feinen äJtunben bie 
?ßPanjenbIotter il^re ©onnenfpeife fangen unb, }u fefter gorm 



74 m€» ^m\^ erlebt ftd^. girfelWu^. 

üerarbettet toeiterge^eti tax bie touenben (Stbgefd^öpfe? ^ie (Erbie 
^at eS ttic^t nötig, genau na^ bem SRufter eines t^rer ®e^ 
f(^ö^fe geftaltet ju fein. @o toteberl^olt ja aud^ ber SRenfc^ 
Idnedmegd bie ®efta(t unb f^unltion eines feiner (St\ü>tt, ttxoa 
ber Sunge ober feiner StüttL 

utttrispdi? 

Sßenn (^ed^ner ertofi^nt, bie (Srbe l^abe ja in ben ®e« 

leimen ber äRenfd^en unb l^ö^em Xiere ein S)enI«SBertieug, 

fo iDiD er leineSn^egS fogen, ber @eift ber @rbe fttü})fe fi^ 

tebiglid^ an baS ®el^im ber (Srbgefd^d|)fe. ^ed^ner l^ält bas 

"^^ @e^im itoax ffir einen n)efentlid^en Zräger biefeS und betonnten 

j menfd^n^en ®eifteSlebenS, nid^t aber ffir bie unentbel^rlid^e 

\ Unterlage beS ®eifte8 fiberl^aupi 

Sergegentt)firtigen n)ir uns bie ®rfinbe, bie ffir ben @a^ 
fpred^en, ba^ aQeS Safein @etbfterlebnis fei, unb ha^ bie 
pf^ifc^e Sinie nic^t bIo§ bem (Sitt)ei^, fonbem gan} allgemein 
ber pl^^fifd^en Sinie paraQel, alfo tt^ie biefe unenblid^ fein 
mfiffe. beruft fid^ aber ber 3^^ift^ ^^^ ^i^ Unfid^erl^eit beS 
8(noIogtefd^IuffeS unb auf bie Unöl^nlid^feit, bie gicifd^en bem 
Wtm\d)m unb ber (Srbe infofem beftel^t, als ja bie (Srbe fein 
DdQigeS (Simeigmefen ift unb neben ben l^dl^eren Xieren (ein 
befonbereS SlerDenf^ftem unb (ein $im beft^t, fo mug enbttd^ 
einmal gejeigt totxbtn, meldte Übertreibung in ber materialiftifd^en 
%nna^me liegt, 93etou§tfein fei allein an iRerb unb ^im ge(nä|)ft 

SBenn ber einfeitige SKaterialift geltenb mad^t, aQe ®mp^ 
ftnbungen berul^en auf Steijungen ber 9lert)en unb beS ®el^imS, 
fo foQte er junäd^ft beben(en, ba^ ber ^tvotn^ unb ipimftoff 
felber erfal^rungSgemä^ eine ©ruppe t)on ®efid^tS^ unb 2;aft^ 
empfinbungen ift, alfo nid^t als abfoluter ®runb ffir baS 
Smpfinben l^ingeftellt tt^erben barf. @onft mad^t man fid^ eines 
3ir{eIfd^(uffeS fd^ulbig, inbem man auf bie f^rage „toai ift baS 



^ologiefd^Iu^ htS Ungele^rtett. m>t eS ^u\il o^nt flautet? 75 

^tttt?" ertoibcrn mü^tc: „eine burd^ ba« ^im.Bebmgte @iiH)fttt^ 

93et)or ber äßenfd^ tttoai wn ben f^nltioiten beS ©el^itns 
uttb t)on ber eitoetgattigen iSol^Ienftofft)er6inbung ,,paSma" 
loeife, afö Äinb, ate Uitgelel^rter, beutet er m feinen 3Äit=:' 
menfd^en ein 93en)u|tfein l^inein, naä) bem ÜKufter feineiS eigenen 
Innenlebens« äBaS i^n baju Deranla^t, ift bie allgemeine ^^n^ 
Hd^fett, bie ber äJ^tmenfd^ mit il^m in S3au unb SSenel^men ^at; 
iRert)en unb $im btS üRitmenf^en fpielen babei nid^t bie ent^ 
fd^eibenbe SRoQe. 3ft bie[er ®^tn% bem bie äJtenfc^l^eit t>kU 
Sol^rtaufenbe l^ulbigte, el^e es eine ^l^^fiologie gab, ettva um 
ftatt^aft? 

t^reilic^ l^at unfere ^l^^fiologie nad^gen^iefen, ba§ bie ®eift« 
äugerungen eines XiereS, eines SRenfd^en abnel^men ober gar 
aufl^ören, fobalb il^m S^erüen unb ®el^im beeinträd^tigt ober 
jerftSrt loerben* Slber l^ierauS gel^t lebiglid^ ^ert)or, ba% jmifd^en 
biefen beftimmten ©eift&u^emngen einerfeitS, bem ^irn« unb 
iRerüen^iSin^eig anbrerfeitS ein $[bl^öngigfeitst)erl^ältnis befte^t, 
baS fid^ burd^ folgenbes 93ilb Deranfd^autic^en I&^t* SSenn id^ 
bie ©aiten eines AIat)ierS k)erle|e ober baS ganje Stwoitt gerftöre, 
fo leibet ober fd^toinbet biefeS ^ladierS 2Stü[xt Vbtt folgt l^ier^ 
aus etma, äJhiflf uberl^aupt fei ol^ne ftlamer unmögßd^? AeineS^ 
toegS; eS gibt ja äKufifinftrumente mannigfaltiger Wct; neben 
ben ©aiteninftrumenten l^at man jum SBeifpiel 93(aSinftrumente, 
unb fd^tieglid^ ift nur eine gleic^m&gige (Srfd^ütterung ber- 
Suft nötig, bamit ber mufilaßfd^e Zon entftel^i S)er 
99laterialift, ber blo^ einem ffltVDen^ unb ^imuiefen SBen^u^t^ 
fein jutraut, toerfäl^rt ebenfo einfeitig, loie etn Slaturt^oU, baS 
auSf(^fie|Iid^ ^aud^mufif lennt, burd^ bie Ael^Ie, f^Iöte ober 
Zxompttt l^ert)orgebrad^t, unb bal^er nid^t glauben toiü, ba§ fid^ 
aud^ auf anbere Sßeife iDhtfil mad^en lä^ SSürbe fold^ ein 
SBoQ )um erften äRale üemel^men, toie man mit fd^n^ingenben 
©aiten l^errlid^e Zone ]^ert)orbringt, eS toäxbt jun&c^ft meinen, 
bie @aiten feien 9i5^ren, burd^ bie jemanb Suft ^aud^i Sin 



76 C^ber« utib Untetbetottgtfein. 

ietne engen Srfal^tnngen getlantmert, n)ürbe ti ber neuen 
Xatfad^e junä^ft mu einem äBunber gegenfiBerftel^en« S)iefer 
SBergletd^ mag bem äRaterialiften bartun, toie t)erfel^rt eS ift, 
einen beftimmten Xräger beS SSen^u^tfeinS für ben allein mdg^ 
lid^en ju l^alten« SEBarum foQte gerabe (Ein^eig bie pl^^ftfcl^e 
jtorrefponbeu} ber ^f^d^e fein? SSarum nid^t |eber @toff, bie 
SRaterie übttffavipt? 

SBeit f^uierer, ali bie materiatiftifd^e ®el^imt^eorie miegt 
ein anberer Sinn^anb, ber ftd^ gegen bie Sbee einer allgemeinen 
®eiftigleit rid^tet 3Slcai nieift auf bie Xatfad^e l^in, ba| betn 
SOtenfc^en ©lieber unb ^n!tionen angehören, bie il^m nid^t 
}um 83etou|tfein gelangen« @o \pütt er nid^ts Dom Srfa^ ob« 
fierbenber QtUtn burd^ neue, nid^tS t)om SSad^Stum feiner 
$aare. Unb ber $aut)tin^alt feines ©eifteS bleibt l^inter ben 
Kliffen beS SBen^u^tfeinS, im S)unleln, toäl^renb immer nur 
einzelne Smpftnbungen, SSorfteQungen, Erinnerungen, ©ebanlen 
itnb @efä^Ie ins Sid^t ber Slufmertfamfeit treten. Wt SlüdCfid^t 
hierauf fpred^en t)ie(e ^f^d^ologen k)on ,,unbetou^ten" (Sm^fin« 
bungen ober JBorftj^ungen; unb ber Snl^anger ber i,9tad^t^ 
anfid^t^ meint, boS^^u^te 2)afein fei bie Siegel, baS be)ou|te 
bie Ausnahme« v '^ 

SBie fe^t ft(^ nun ^ed^ner mit ben l^ier angefallen £at^ 
fad^en auSeinanber? (Sr^^CJ^tLbem^ortLj^^ 
g inn ; einmaljattn eS ba« abfolut Unbett)U§tc, ööllig SBrutale 
bebeutcn, baS inTettter SBelfi fiJI'fettft erlebt; fenieiL5b£r io:tm 
es baS.,nur relatiö Unbetou^te bebeuten, baS nur bon einer 
.beftimmten SSetou^tfeinSeinl^eit auSgefd^Ioffen ift ui(|t ober t)om 
SBen^ugtfein iiberl^aupt. Sie „unbenm^ten" SSorgänge in unferm 
Körper, fotoie bie „unbeiou^ten^ (Smpfinbungen unb SBorfteQungen 
mad^en ftd^ nid^t in berjenigen Sinl^eit meines SSen^u^tfeinS geltenb, 
bie id^ getod^ntid^ als mein l^auptfäd^tid^eS Sßefen betrad^te; id^ 



®(j^toeIIe bed QetougtfehtS. @tufen bed SBettbetou^eind. 77 

meine baS 3d^6ett)U^tfem beiS toad^en äJZenfd^en; man batf eS 
DBcrbctonfetfein nennen, im Unterfd^iebe bom Unterbetonfetfcin, 
mo ftd^ bie ,,nn&ett)ngten'' ©mpftnbnngen nnb äSorfteDnngen 
abfpielem 

S)aiS UnterBetpn^tfein brandet nid^t abfoint bett)tt|tIo8 ju 
fein* 9lad^ f^ed^ner bringen auiS il^m (Sinsell^eiten inS Ober« 
6en)U§tfein empor, toie äBeUen fid^ über ben getoöl^nlid^en SOteerej^ 
fpiegel erl^eben, ober toie eine Überfd^toemmung erft tiefere, 
bann l^öl^ere Zeile einei^ $anfe8 unter SBaffer fegen !ann« %>q^ 
©leid^niS t)on ber Überfd^toemmung mag f^ed^nerS Seigre üon 
ber „Sd^toette be8 S8ett)u|tfeing" öeranfd^auUd^en* ©enfen tt)ir 
und ben SD^enfd^en als ein ©ebäube, baS einen fetter, barüber 
ein (Srbgefd^o^, oben ben S)ad^ranm ^at Sßirb baS ©ebäube 
t>on ber Überfd^n)emmnng betroffen, fo ftel^t junäd^ft ber fteQer 
unter Sßaffer« äJlit bem äBaffer tooHen n)ir baS S3en)ugtfein 
Dergleid^en« 3ft nun baS SEBaffer fo l^od^ geftiegen, ba§ eS ben 
Heller bis jur S)edEe füQt, fo lommt ein fOlommt, too eS ober 
bie @d^)oeQe ber i^auStür ins Srbgefd^o^ läuft, unb bei ge^ 
nügenber ^öl^e n^irb eS in ben S)ad^raum treten* 

SRit feinem ©d^toeHenbegriff toiD ged^ncr fagen, baS menfd^* 
lid^e 93en)u|tfein unb überl^aupt baS Sßeltbett)u^tfein gliebert 
fid^ ju befonberen (Sinl^eiten, neben^, fiber^ ober untereinanber . 
georbnet, unb jtoifd^en ben einjetnen @inl^eiten jiel^en fid^ ©renjen 
berart, ba§ @rlebniffe, bie in ber einen ©etou^tfeinSeinl^eit auf* 
treten, nid^t ol^ne toeitereS fid^ ber angrenjenben @in]^eit bemerlbar | 
mad^en mfiffen« Sebe pl^^fifd^e SSetoegung l^at alfo i^re feelifd^:« 
geiftige Aorrefponbeui; nur brandet biefe nid^t in bem beftimmten 
@pejiatbetou§tfein aufjutreten, baS »ir unfer toad^eS unb auf* 
merfenbeS 3d^ nennen* 3)ie „unbetou^ten" SSorfteDungen finb 
bem Dberbetou|tfein ju beftimmten Seiten nid^t gegentoärtig, ? 
beftel^en aber unter feiner @d^toeIIe als ))f9d§op]^^fifd^e Z^ätig* | / 
feiten fort, arbeiten jutoeiten fel^r emfig bafelbft unb galten fid^ 
bereit, über bie ©d^toeDe emporjutaud^en. Unfer S(ufmer!en ift 
imftanbe, fie entporjul^eben; inbem unfere Slufmerffamleit fid^ auf 



78 SRatetie utttec ^r ^tötUt. S)er Mgeift. KS unb 34. 

em beftimmteS (gebiet be8 Unterbetou^tfemS rietet, emiebrigt 
fte bte ^toOt für bieS ®ebiet 

fiurb Sa|iDi| fa^t bte 83ebeutmig ber ©d^toeQentl^eotie ffir 
bte SBeltattfd^attung in tttopptx SBeftimmt^eit sufaminen: „fE&a§ 
fid^ unterl^alb ber @d^iueae bed 89eiougtfeitt8 ffir hai einl^eitlid^e 
p^if^opf)t)ti\^t @9ftem unfereS DrgoniStnud begibt, baS ift ffir 
wni ött^ere Statur, bai gitt und aü unbelebt, materiell; toa» 
fi(^ oberl^alb ber Bä^müt ab^piüt, in baS fd^auen toir aliS 
bemugte SBefen hinein, bai ift unfer @eelenleben, baS fbtb bie 
@9fteme ber geiftigen SEBelt, in benen ftd^ bie äRenfd^l^ gu«* 
famntenfinbet in ©efeQfd^aft, @itte, jtunft unb Steßgion/' 



12^ ^a« fiBtti^t Wt^tn. 

2)er Slnalogiefd^Iu^, ber in jeben OrganiiSmu8 eine feetifd^^ 
geiftige (Einheit, ein ©onberben^u^tfein hinein t)er(egt, beftfirft 
uns in beut ®runbgeban(en, ba| jeglid^ed Safein @etbfterfebnii^ 
ift. SBenn ^flanjen, ©tcme unb ©temf^fteme feelifd^^geiftige 
Sinl^etten finb, um n^iebief mel^r mu^ bann bie äßelt, ber 
8lII«'Drgani8mu8, berumfaffenbe, alleSonberfunltionen 
in fid^ iufammenfd^IieBenbe, burd^ bie 9taturgefe|Iid^Ieit 
}ur Sinl^eit üerbunbeneSeib aller Seiber jugleid^ einen 
®eift aller ®eifter, eine Sßeltfeele, ein ^ad^fteiS SBemuBt« 
fein bebeuten, in bem njir leben, toeben unb finb! 

@&mtlid^e Sc^idfate, (£mpfinbungen unb inneren (Sriebniffe 
beS iDtenfd^en l^aben als fd^öpferifd^e (SnttDidFelungen beS %Vi* 
geifteiS }u gelten, ber ftd^ in feinen ©eftaltungen erlebt unb in 
ber ieitlid^en n)ie räumlid^en Snblofigfett feine SebenSffiQe bett)u^t 
unb immer l^armonifd^er entfalten n)iQ. ^t^^atb aber ift ber 
äRenfd^ fein öößig unfelbftänbige« SBefen; benn „ber ®ott, 
ber mir im JBufcn tool^nt^, mein Urgrunb — ba8 bin id^ 
fetbft, jn^ar nid^t im @itme bei^ bornierten 3d^, tool^I aber, 
totnn id^ bie tiefere Snbiüibualität, mein n^al^reiS @etbft, ba& 



\ 



^em ^l^d^ften emgegüebect (Sjcelfior. 79 

SlltSc^ erlebe! 3n bicfer SBeife t&^t ftc§ bem SJerftanbe ba« 
^öd^fte @r(e6ntö be^ reßgiöfen @tmiüi, feine (Sinl^eit mit bem 
Urgrunbe unb bem @inne beS ©mtien, in togtfd^er 2)QrfteIIun8 
vermitteln; unb gerabe in il^rer ©ipfelung n)irb ^ed^nerS VSdU 
anfd^auung l^öd^ft frud^tbar für bai ibealiftifd^e, religiöfe ©emfit, 
bad ben @inn bd allgemeinen SSeltlebeniS erlennen möd^te, um 
fid^ i^m einjuorbnen. 

35iLjittIiÄr.tcIi8iöfe Si;önttng.b?r Sedöncrfd^en 3iatur|)l^iIo« 
f op^ie I S^t fid^ folgenbermafeen Bcfd^reiben: 6^ ift ein ?lttgeift 
b effen unen blid&eg unb etoige« 3)afein ba^ gefamte enbfia^ejinb 
j eitlid^e ^D ofein nid^t fid^ gegenüber, fonbcm in fi^ eingeorbnct 
$at_klfo fie^t ber SRenfc^ bm pc^ften SBefen nic^t äufeerlic^ 
gegenüber, f onbern ift il^m eingetan. Unb nid^t blo% ben SReufd^en, 
aQe 5E)inge l^egt ber ^Qgeift in fid^, aQe l^aben fte teil an feinem 
Scttju^tfein unb bitten barin befonbere ©inl^eiten^ 5^19^^ 9^^* 
es nic^td abfolut SSetou^tlofe^, leine brutale $^9fi& S)ie SSelt / 
jttjifd^en ben SKenfd^en ift nid^t finfter unb nid^t ftumm; f onbern / 
ber Sldgeift fielet mit bem Sid^t unb l^ört mit bem ©dralle feiner i 
SBelt aQei^, toa^ in il^r gefd^iel^t; unb über allem, voa^ er itu 
fold^em @el^en unb $5ren t)or feinen ©efd^öpfen t)orau8 l^atj 
bauen fid^ aud^ l^öl^ere ®tbantm in i^m. 

S3ir äRenfd^en l^aben unS ju befd^eiben, nid^t bie ^one ber 
ganjen ©d^öpfung, f onbern nur im @rbreid^e bie toertDoQften 
Organismen ju fein. Srl^ebenb aber n^irlt bie (SrfenntniS, ba^ 
mir uns iufammenfd^Iiegen jum l^öl^eren Organismus äßenfd^^ 
^eit, bog n)ir mit aQem irbifd^en Seben ein nod^ l^öl^ereS, reid^ereS 
@^ftem, ben @rbgeift bilben, unb ba^ in fold^er Einfügung in 
immer ^öl^ereS, in fold^em ©tufenbau, ber äßenfd^ unb jjebeS 
@onbern)efen am SUgeift, an feinen ©ebanfen, Gefügten 
unb Xaten, innigften Anteil nel^men unb barin putfieren lann. 
„(Sjcelfior" l^ei^t unfer Söeruf. Stte (Srengen ber einjelnen 
@eifttt»efen finb im allgemeinen 93ett)u|3tfein überiounben; tt^aS 
in ber @nge beS @onberben)u^tfeinS fid^ t)on anberen Sßefen 
unb t)om l^öl^eren fieben gefd^ieben t)orfommt, ift (ebigßc^ baüon 



80 SBeSl^oIB Befonbert ftd^ hcA (^t? ^aS 9{iebrtge unb S39fe. 

unterfd^iebetu S>er SHIgeift nätnlid^ unterfd^eibet in feiner nm^ 
faffenben Sinl^eit t)oneinanber, n^a8 oüi il^m befonbert ifi 

^ogen n)ir aber, toeSl^alb bie etoige (Sinl^eit äberl^anipt 
iBefonberungen in fid^ fci^dpft, fo ntöd^te id^ mit folgenber 
SBennntung onttoorten« S3ei @elegenl^eit be8 ^ontologifd^eu 
SBelDeifeS" l^abe id^ baranf l^ingett)iefen, ba^ mit bem S(n8^ 
bmdEe „ha ift — ^ eine SBefonbemng gemeint ift, bie innere 
l^olb einer Sinl^eit erlebt loirb. ^ieranS erl^eüt, ba^ ol^ne Unter« 
fd^eibung innerl^alb ber @inl^eit lein S)afein möglid^ n^äre, unb 
ba^ bie abfointe, ftarre @iniS foüiel toie 9lid^t8 bebeuten loürbe. 
Srieben, feiner felbft betonet n^erben, lann baiS @ine 
erft baburd^, ba% eiS S3efonberungen in fid^ ]^ert)orbringt^ 

@o entftel^t freitid^ jenes SBerl^ältniS in ber 993e(t, baS n)tr 
„ÜbA", M\^*\ „Unüottfommenl^eit*', „©ünbe*' nennen» 5)ie 
@onbertt)efen l^aben in fid^ ben notilrlid^en Z^rieb, i^re 93efonbe^ 
rungr i^r 3d^ ju erl^atten, ju bel^aupten, ju pflegen, unb in 
rol^er f$orm nimmt il^re ®ier n^enig 9lfldEfid^t auf anbere @onber^ 
toefen. SBeil aber jeber Sd^Iing nur xdatio, nid^t abfolut befonbert 
ift, brum fann er nid^t üöllig ben S^f^^tn^^'^^i^S ^^t feines 
©leid^en unb mit bem ÄDgcifte verlieren. Alle JBefonberungen 
fd^Iie^en fid^ ja jur Sinl^eit im ^öd^ften äBefen jufammen« @o 
ift bie (SnttoidEelung ber ©onbertoefen — gleic^üiel ob fie e§ 
toiffen unb planen ober nid^t — barauf gerid^tet, i^re Trennungen 
burd^ Sufammenfd^Iäffe l^armonifd^ ju geftalten* ^Qei^ 930fe 
ift berufen, fein eigener genfer unb Totengräber ju fein» Smmcr 
mel^r ftettt fid^ ber allgemeine SebenSproje^ auf bai ^armo^ 
nifd^e ein, n^Sl^renb er baiS SRangell^afte als ^roüiforium benu^t, 
um es fallen ju laffen, fobalb baS SBeffere erfunben ift. 

S)ie ®ntti)idCeIung ber SBelt l^at ben benfbar l^öd^ften @inn: 
SSoQfommenl^eit ift il^r Ski unb toa& bie SHtgläubigen im @inn^ 
bilbe eines aQn^eifen, aOmäd^tigen, aQgütigen SSaterS ober eines 
©ottmenfd^en üerel^ren, baS ift, pl^ilofopl^ifd^ formuliert, ber 
f^Bpferifd^e, fid^ felbft fteigembe ©inn beS SBeltaDS. 3n uns 
i^n JU erleben unb immer mad^tüoQer ju üetn^irflid^en, ift unfer 



SbealtömuiS atö @tnn bed )8eben9. SnbbibuoItömuS. ^er Sob. 81 

S3eruf. 9(U @inn unfereiS 9Kenf(i^enIe6en8 lä^t ftd^ ein^ 
fad^ ber SbealtiSmud bejeid^nett, bie tätige Eingabe an 
baS Sßal^re, ©d^öne unb ®ute* S)a^ ,;$tmmelretd^^ aber 
ift ttid^tS ate bie Sefefigung in fold^er Eingabe. 

,^^er ilRenfd^ ^at el^er ntd^t boQfontntene @eltglett, 
m^ Bid bie ^nl^ett ^at berfd^Iudt bie $(nber^ett^ 

ßein toeid^Iid^eS Sßerfd^tDintmen im allgemeinen meine 
iä), fonbern eine (Smeitemng beiS @onbertt)efen8 jum SQ, 
bcrart, ba§ bie Snbiöibnalilöt bod^ immer getoal^rt ift ®em 
3nbit)ibuaIiSmttS foQ fein 9ied^t bleiben, 3ebeS 3nbit)ibnttm 
mag fid^ afö eine befonbere Slrt betrad^ten, in ber baS ®anje, 
ber 3Ittgeift, fid^ erleben \oUL SSerfel^Ien tt)ürbe ba8 Snbiöi^ 
bunm feinen S3ernf, »enn e^ bie SBeitung jnm %ü öerabfänmte 
nnb in ber engen Sefonberung ftedfen bliebe, 

,;^, bag tott Wlm\äitn nid^t toie bie ^albbögelein 
(Sin jcbcr feinen Zon mit Suft äufammen fci^rein!" 

SStber ift nid^t ;,bie Äunft lang, ba« Seben fnrj"? 

,^Unb e)^' man nod^ htn ^alhtn äBeg erreid^t, 
2Äu6 fd^on ein armer 2^eufel fterbcn/' 

ged^nerg Antwort auf bie grage, ob ni^t ber 2;ob ben 
f^aben unferer (Sntn)idCeIung jum ^ö^ften brutal abfc^neibe, 
ergibt fid^ auS ben erörterten Sßeltanfc^auungiSibeen. ^ad) htm 
®efe^e t)on ber (Srl^altung bed @toffeg unb ber ^aft lann bie 
SnttoidCelung beS pl^^fifd^en @^ftem8, haS ben Xräger unfereS 
geiftigen @elbft bilbet, im 2:obe jtoar fid^ umformen, ni^t |ebod^ 
abreißen. ®ie materiellen SBirlungen, bie unfere Seiblid^feit l^erüor=* 
ruft, toeiten fid^ in8 Unenbüd^e, Slu8 unferer Seiblid^feit l^at 
ftd^ fd^on toäl^renb biefed 2thta^ ein @^ftem t)on SBtr!ungen 
enttoidfelt, eine 5ottfe|ung unferer Snbiöibualität ; toSd^ft 
eis bod^ auiS biefer l^erüor unb hmofyct bereu Gepräge info^ 
fem, afö jeber inbiöibueHe Sug fid^ folgerid^tig weiter fpinnt 
S)a nun ber materiellen SntniidCetung^rei^e eine geiftige 
entfprid^t, fo mujs aud^ auS unferem betou^ten 9]>{enfd^enleben 
ein @etbfterlebnii$ nac^ htm %obt l^erdorgel^en, 9D6er baS 

XBilU. 6 



82 ^^ XotettleiB. ^Ol^ereS SReid^ ber Srbtnenmg. 

neue fielen toirb ntd^t mel^r in btefetfien @cl^ranlen gebannt 
fehl; toie baS vorangegangene. Sie materiellen SSorgänge, bie 
auiS btefer Setblid^fett fic^ enttt)t(felt ^aben, finben int OrganiStnuiS 
ber SKenfd^l^eit unb ber Srbe, bann in immer l^öl^eren S^ftemcn 
il^re t^ortfe^ung, unb entfpred^enb loeitet fid^ aud^ bad @etbft^ 
erlebni«. „SBenn ber äRenfd^ ftirbt, fo üerfd^toimmt fein ®eift 
nic^t toieber in bem größeren ober l^öl^eren ®eifte, an^ bem er 
erft geboren toorben, fonbem tritt t)ielmel§r in eine l^eHe betougte 
Sejiel^ung bamit, unb fein ganjer BiSl^er gefd^ö|)ftcr geiftiger 
Sefift toirb il^m pl^er unb flarer." „*S)a^ jenfeitige Seben 
unferer ©eifter t^erl^ätt fid^ ju bem bieiSfeitigen äl^nlid^ toie ba^ 
©rinnemngiSlebcn ju bem Änfd^ouungSleben, aug bem eS er* 
toad^fen ift." SRi^t ^anberg ate bie Änfd^auung nad^ il^rem 
(Srlöfd^en in un8 fid^ ate (Srinnerung in einem »eiteren unb 
l^öl^eren iReid^e beiS menfc^Iid^en SBetou^tfeinS tt)iebergebiert, toirb 
fid^ ber ganje biegfeitige (Seift be8 SKenfd^cn jenfeitg in einem 
n^eiteren unb l^öl^eren @rinnerungiSreid^e finben. 

äSol^I liege fid^ l^ier fragen: SSarum mu| man baS bie^^ 
feitige S3ett)u§tfein junäd^ft verlieren, um ba8 jenfeitige ju finben? 
unb loarum erleben toir baS jenfeitige nid^t fd^on je^t, ba bod^ 
feine Unterlage bereitiS öorl^anben ift? ged^ner entgegnet: „@d^on 
beim neugeborenen Äinbc lonnteft bu fragen, toarum baS S5ett)u§t^ 
fein erft mit ber (Seburt plö^Iid^ unb auf einmal in il^m l^eröor^'^ 
brid^t, nad^bem e8 bod^ fd^on öor ber ®eburt bie Sebingungen 
baju erzeugt l^atte. 9lid^t anberS aber brid^t an ber fd^on pbor 
erjeugten Unterlage be« jjenfeitigcn SebenS ^löfefid^ unb auf 
einmal ba8 Setou^tfein in ber ®eburt jum neuen Seben l^eröor, 
unb ftatt ber äu|eren SebcnSreije, bie ba^ Äinb jum erften bc* 
tt)u§ten Seben ertoad^en laffen, ift e8 ber öoHc Umfd^Iag biefeS 
betougten Seben8 feB6ft, toa^ l^ier ben äußeren Seben8reij üer* 
tritt S)er Suftanb be8 93etougtfein8 famt ber unterliegenben 
förperfid^en lätigfeit njcd^felt überl^aupt fd^on bie8feit8 in ©d^Iaf 
unb SBad^cn periobifd^ jtoifd^en äuffteigen über eine ©d^toette 
unb ©inlen unter eine ©d^ujette; aber ba8 ©infen barunter ift 



3)a8 S3etou6tfctn im (Sterben. 9'JäturtotffcnWttft u. SbeoItSmu«. 83 

felBft 93ebingung beS nad^folgenben 2)arü6erfteigenS, unb je tiefer 
ber ©d^faf, fo Icbenbigcr ba^ barauf fotgenbe ©rtoad^ctu'' „©d^on 
bie^feitö fül^rt bcr aKcnfd^ fein 93ctt)u§tfetn im Siautne mit fic^ 
l^erum — ©etoeig, ba^ eiJ übcrl^aupt räumßd^ zerlegbar ift" 
^3n ein ©d^aufpiel öcrticft, ftel&t ber SKcnfci^ nur, unb l^ört nid^t, 
tt)ad um i^n t)orgel^t; ein anbermal l^ört er nur, unb fielet 
nid^t, toa^ um il^n t)orgel^t'' 

,,S)a8 ©Ute unb ©ci^Iimme, toa& t)om äJ^enfd^en bieSfeitS 
in bie SBelt ausgegangen ift, unb n)ot)on er meint, ba§ eS fd^on 
über il^n l^inau« fei, toirb ben SÄit* unb Oegentoirfungen, benen 
eS feiner 9?atur nad^ ju begegnen l^at, erft im Senfeit» öoH 
begegnen, unb toa^ babon l^ier noc^ nid^t fein 93etnu§tfein gerül^rt 
l^at, bort bagfette rfil^ren; l^iermit ber äRenfc^ felbft fid^ feinen 
Klüftigen ^immel ober ^öße fd^affen*" S)ie neue SebenSftufe 
aber foQ ju n^eiterer Sauterung feiner 3nbit)ibuatität gereid^en. 
„@g toirb bod^ für aQe ein Fegefeuer fein, burd^ boiS fie l^inburd^^ 
jugel^en l^aben; unb tool^I bem, ber nid^t blo^ feine Saaten, fonbem 
auc^ feine ©ebanten l^ier fo jüd^tigt, ba§ eS i^m nid^t ju l^eig 
beim bereinftigen ^inburd^gel^en toirb,'' @o berül^rt ffd^ ged^ner 
mit bem inbif^en „fiarma''^®ebanfen; aud^ mit SlngeluS @i(efiug : 

,/3n hcS, Wtta^ä), toa» bu UeSft, foQft hu t)ertDanbelt »erben: 
®ott totrft hu, licbft bu ®ott; unb (£rbe, IleBft bu @rben/' 

3nbem ged^ner fein (Sebanlenf^ftem in fold^er Stnbad^t ab* 
fd^Ke^t, befriebigt er ebenfo ba8 $erj »ie beu SJerftanb unb 
liefert bebeutfame ^Beitrage ju einer neuen SReligiofität, toie fie 
unfer »tffenfd^aftlid^eiJ Qdtattex bebarf, njofem eS feine du^er^ 
tid^e ^Itur burd^ innerliche erganjen unb mit eigentlid^em ©el^alt 
erfüllen toiH* SWögen bie religiöfen ®emüter üon getaner lernen, 
toie ol^ne bm äBurjelboben ber äBiffenfd^aft aQer SbealiSmuS 
^altloa in ber Suft taumelt — 

,/9Hrgenb8 lüften bann 
i)ie unftd^em @o]§Ien 
Unb m\i i|m ^pitUn 
SBoÜen unb SBinbe." 

6* 



84 S^atitnoiffenfd^aft uvh SbeattSmud. 

S)er^eunb ber9latimoiffenfcl^aft ober mag ftd^ burd^ t^ed^ner 
bat>on äberjettgen laffen, ba^ eS nid^t Uo% barauf atdommt, 

„mit fcftcn, 
marügen Jhtod^ 
9[uf ber tDol^Ibegrünbeten, 
S)auentben (Srbe'' 

ju ftel^en, fonbern jugleid^ 

,;^t hm Sd^eitel bie Sterne^' 

2U Berül^ren. Sebe Siid^tung ol^ne bte anbete ift emfeittg unb 
beengenb. SSeremigt ober bilben fie eine äBeltanfd^anung, bte 
unfer @elbft erl^öl^t, ertoettert, befeltgt nnb junt @{nn beS 
SebenS leitet 



Ißeclag oon Xeippvib l&a% m l^mnbttxg. 



Sag 

ßnö^ltia vom Mm nadj bem SColie. 

SSon 

9tipinr S^e«b«v gtApttt. 

Jtanffe KuTIaet. 
1903. 411. 1.50, tit%. flftb. 9». 2.50. 



Baima 



ober 

ItofUtf Sl^««ft«v it^tr. 

3Rlt einer einlefhing bon fftttk £«$»1^ 
1903. Sltg. ac6b. 3R. C— . 



jBitb mttjlia 



SSom ©tanbpunft ber 9Iatuibetca^tung 
Don 

Mtnptutf e^Mbmr gtA^tut, 

Stiretfc XnflaaB. 

ecforgt bon ftart £B^i|. 

Si:^ 8anb Ürof^. SR. 8.—, flcSi). SR. 1.W. 

^vmitx «onb twfc^. 3». 1.—, a«M'- 9»- 8.60. 



^rnno SBille: OffenBarungen bed Ba^f^oltti^ 

3toet iBänbe. drittes Xaufenb. SSerlag (Sugen 3)iebertc^S 
in Sei))}ig. 

ÜBer Med Sud^ fagt $tof. Srtebrid^ $aulfen (IBetlin) in ber 
,/%offtfd^en S^itung'': (S8 ift ein eigenartige^, man toitb fagen bfirfen 
einzigartiges 93ttd^; Slomane, SebenSerinnerungen, ))l^üofo))](ifd^e S)ialage, 
fpefulattt)e 9lef(esionen, SraumBilber, enblid^ (Bebid^te, ®ebi(^te Don nntnber« 
barer (Stimmungdfraft unb (^tmlt ber ©prad^e, aSeiS Med ift l^ier gu einem 
erftaunlid^en ®an^n ))ertooben. 2)er Snl^alt ift ein ))l^tIofo))l§if(l§e8 ^ama; 
eS (anbelt fld^ um ben ßam^f vmb @ieg einer 9Renf(4enfeeIe, nm i^re (tc^ 
Idfnng and hm Oanben enger SebenSanft^t, fd^koerer innerer Unrul^e nnb 
nteberbrücfenben SeibenS ^u freiem, l^ol^em ©elbfibeft^ unb Befeligenber 
@toigIeitdgemi^]§eit %^. ®torm l^at nid^t mit größerer @id^erl^eit nnb 
^aft ben Sefer bie Cntl^illlung eined furd^tbaren d^el^elmniffeS Dom erften 
$tnfbftmmem M ^ux ooQenbeten (S^etoig^it miterleben laffen, aU ed ^ier 
gefd^iel^t. Unb ein anbered erinnert mid^ an hen ^c^ter meiner Heimat: 
bie DoHenbete SReifterfc^aft, koomit fßatnr, Soben unb a^enfd^enfd^idtfal jur 
@in]§eit tKXpfloäfim [ivb. S)er »oben, auf hm biefe ©efd^id^te fpielt, ift bie 
SßUat; bie fd^toermütige ®eele ber martir^^en Sanbfd^aft ift nie fo rein in 
))oetifd§nnuftfaIifd^e Stimmung umgefe^t atö in biefen @d^ilberungen unb 
(S^ebic^ten. ftant fagt einmal: er l^abe hit ^^ilofopl^ie in bie (S^efeUfd^aft 
ber Slotl^ematil bringen moQen, pe lönne nic^t in befferet fein. $ter ift 
fte in bie ®efeQf(^aft ber $oefle gebrad^t, unb id^ möchte mieber fagen: [it 
!ann ni^t in befferer fein. 3d^ erbltdte in biefer ^id^tung ^ ^Cn^eic^en, 
bag bie neue gfed^nerfd^e 92aturp]^i(ofo))lite, mie fte mit ber matl^ematifd^en 
^laturtDiffenfd^aft in enger SSejiel^ung ftel^t, fo auc^ mel^r ein hausmht» 
S3ünbni9 stoifd^en $|iIofo^]^ie unb ^oefte Bebeutet, ald bie alte, bem Flamen 
nac^ fpetuIatiDe, bem ^efen nad^ logtfd^^d^ematif^e 9{atur))]pofo))]^ie« Unb 
fo erblidCe id^ hoxm tint günftige S3orbebeutung fftr bie ibealiftif(^e äJ^eta- 
pffi9\it; fte ift umgebrad^t toorben burd^ ben S9unb ber im übrigen einanber 
feinblü^en SD^ftd^te, ber ^iffenfd^aft, bie bie gbecn ^aft, unb ber tirAe, bie 
ft(!^ t)or bem freien S)enfen fürd^tet, fte »irb mieber jum Seben gebrad^t 
tt>erben burd^ ben neum IBunb gtoifd^en $l§iIofo))^ie unb ^oeftci, ben S3unb, 
hm Sed^ner aud^ in feiner $erfon barfteQi 



@in{tebelbmjt au ber ^efentl^aibe. eebic^te t)on 

Srm» föUIe. SSerlag t)on ©d^ufter unb Sdffler, 93erlin. 

^rcig 2R. 1-50. 



^crftc x>on ^c#ncr 

nnb x>evtt>anbte ^d^xxftexx. 



<$. a:^« fittbintx: :itnt-3intfta ober Slitr bit )!ltit$e be^ i^immtlB nnb 
Senfeitd* Som ©tanbpunfte bcr 9^aturbetrad&tung. Sw^ci*^ pflöge, 
1901, beforgt von Äurb Safetüift. 

ülantttt ober Jlliier l>iti$ SieeUnUben htx JP^anfen« 2)rttte ^uf^ 

läge, 1903, mit ©intettung t)on Äurb Sagtüift. 

Ms ßütifitlu ntm i^tbtn natlj htm ^nht. gttnfte Auflage. 

Mt ÄÄBe^nnfli^t stBtnübtv ttx ^nti^tünfiti^U S^ette Sufloge, 

1905. 

fibtr httB ftJi^pt «ttt 1846. 

Mt hxti 0fit(tint unli (Bxünht ht!^ ^ianbtns. 1863. 

(Etnt$t ]!f)^ten fur Sitr$)rrutt$i$- unh (^ntmiMun^gtft^iiijtt ttx 

f^xsüuli^mtu. 1873. 

(Elemente htx >ft[ilr0irl|tj(lli^ S^ette 5luflage, 1890. 

mxfm^t htx inttik. 1876. 

ÄWttt Siftrtfleii tjon Dr. SmifeS. 1875. 

Pr. Äiiri» Cöfittt^: «♦ «J. ^Fei^iitr, Swctte 5luflage, 1904. 

nmu^« I0llir4|t: l^inttx htx WtitfiahU gtiebrid^glgagener @ebanfen gur 
djü&etifd&en Äultur. 6. 2xiufenb. 1905. 

miiUii IDaßirr: Ceirt]t5Beri^t4te l>er <Srl»(. 3. 3xiufenb. 

IDUlr« jßdifdie: <6tl^nnktn fu lliitur nnli ütttt)!« Sn'^ite Auflage. 
5DreSben, 1904. 

ÜDiilTr )0it^0r: 5nt iStipt ^e4ttJtr0. iRoturtoijTenfc^aftltc^e @ffai)g. 
Serlin, 1901. 

Dr. j(Br]ttt0 Wilit: ©oetl^eS SBort ,JllüXtxit nlt n^rtt <6tift^\ 

mie <s:i^xlfiU0mp\^t iili$ m^niptr^rt IDtltanfdiituutig. @m SBort 

gur Serftdnbtgung awift^en ^Religion unb ffitffenfd^aft. 

(^fftnbnxuttütn hts Wai^^jtlttxbanms* fRoman eineS M- 

fel&erg. 5DrttteS Saufenb. 



Verlag von Johann Ambrosius Barth in Leipz 



Soeben erschien: 

Im Grenzlande. 

Aufsätze ijiber Saclnen des Glaubens 

Von Dr. P* J. MOblus, 

Nerrenant in Leipzig. 

XII, 248 Seiten, mit Fechners Bildnis, 1905. Ji 3.—, geb. J^ 4.5C 
Bildet Band VI der „Ausgewählten Werke''* 

, Jm Grenzlande'' bedeutet das Reieb der Metaphysik, das Beich, 
das auch der große Brite meint, wenn er seinen Hamlet sagen läßt: 
„Es gibt mehr Ding* im Himmel und auf Erden, als Eure Schul- 
weisheit sich träumen läßf In dies „Grenzland" versetzt uns M. mit 
der vorliegenden Zusammenstellung von sechs seiner klassischen Ab- 
handlungen: Über die drei Wege des Denkens (1891). — Drei Ge- 
spräche über Religion (1896). — Über die Veredelung des Menschen 
(1898). — Drei Gespräche über Metaphvsik (1901). — Über den 
Zweck des Lebens (1904). — Über den Anthropomorphismus (1904). 

Über diese Abhandlungen,, denen das Bild von Gustav Theodor 
Fechner, dem Verfasser des Zend-Avesta „sozusagen als Panier*', als 
Flaggenzeichen vorausgeschickt ist, unter welchem M.s Ware segelt, 
hier ein Wort der Kritik zu äußern, erscheint Bef. nicht bloß über- 
flüssig, sondern subjektiv und objektiv nicht einmal am Platze. . . . 

Bei der Lektüre oder besser beim Studium des vorliegenden 
Bandes VI wird der denkende Leser von Genuß zu Grcnuß, von Be- 
friedigung zu Befriedigung schreiten und mit M. im Geiste sich in 
jenen höheren lichten Regionen bewegen, wo irdische Misere uns 
nicht erreichen kann. Pagel. 



Stachyologie. 

Weitere vermischte AufsÄtze. 

Von Dr. P. J. Möblus. 

Vni, 219 Seiten, 1901. Ji 4.80, geb. Jt 6.—. 

Diese „Ährenlese'' ((rTa;ifv^ = Ähre) setzt sich aus folgenden Auf- 
sätzen zusammen: Drei Gespräche über Metaphysik. Drei Gespräche 
über Religion. Psychiatrie und Literaturgeschichte. Über J. J. 
Rousseaus Jugend. Goethe und W. A. Freund. Über die Heilung 
des Orest. Über das Studium der Talente. Über die Vererbung 
künstlerischer Talente. Über einige Unterschiede der Geschlechter. 
Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. Über Entartung. 
Über Mäßigkeit and Enthaltsamkeit 



.»• "i 



I