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Full text of "Das Reichsgut in der Lombardei und Piemont(568-1250): 568-1250"

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J. HUNTINGTON WOLCOTT FUND. 



Efetablishtd by RoOiiH WolcOTT (H.U. i3?üJ, in rtteinory 
f>f bis fathert for **the purcha.£t! of bfioks af per- 
manent vaJuG, the prcference to be given to 
works uf HistoryT PoUtical Ecünomy, 
und Sociology." (J^etteT of Roj^^r 
IrtTtiicottj June 1, 1S51.) 



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DAS REICHSGÜT 

IN DER LOMBARDEI UND PIEMONT. 



fb 



DAS REICHSGUT 



IN DER 



LOMBARDEI UND PIEMONT 

(568—1250). 



VON 



PAUL DARMSTÄDTER. 



/ 
MIT EINER KARTE UND ZWEI KARTENSKIZZEN IM TEXT. 



STRASSBURG. 
YERLAG VON KARL J. TRÜBNER, 

1896, 







y/jUM^i<^^. 



G. 1 1 o ' 8 Uof-Buohdr uckerei iu Darmgtadt. 



HERRN 



PROFESSOR D^ H. BRESSLAU 



IN DANKBARER VEREHRUNG 



ZUUEEIQNET. 



VORWORT. 



Die vorliegende Arbeit, deren zweiter Teil als Strass- 
burger Inauguraldissertation erschienen ist, beruht haupt- 
sächlich auf gedrucktem Material. Die Urkunden der Lom- 
bardei liegen im Codex diplomaticus Langobardiae bis zum 
Jahre 1000 nahezu vollständig vor, während der piemon- 
tesische Urkundenschatz des früheren Mittelalters in den 
ersten beiden Bänden der Chartae der Historiae patriae 
monumenta zum weitaus grössten Teile gedruckt ist. Immer- 
hin fand ich in dem ungedruckten Material einige Ergän- 
zungen, wenn es mir auch natürlich nicht möglich war in 
der Zeit, die mir zu Gebote stand, den riesigen Urkunden- 
vorrat des elften, zwölften und dreizehnten Jahrhunderts 
vollständig durchzusehen. Den Verwaltungen der Staats- 
archive zu Mailand, Turin und Brescia, der Kapitelarchive 
zu Bergamo und Novara, sowie der Universitäts- und Hof- 
bibliothek zu Turin spreche ich hiermit meinen Dank aus. 
Zugleich ist es mir eine angenehme Pflicht an dieser Stelle 
meinem hochverehrten Lehrer Herrn Professor Bresslau 
für die Anregung und die mannigfache Förderung, die ich 
von ihm erfahren habe, aufrichtigen Dank zu sagen. 

Berlin, im Oktober 1895. 

Paul Darmstädter. 



INHALT. 



Seite 

Einleitung 1 — 5 

Erstes Buch : ÜBERSICHT DER GESCHICHTE DES REICHS- 
GÜTS IN PIKMONT UND DER LOMBARDEI (568- 

1250) 6—78 

I. Die langobardische Zeit (568—774) 7—15 

ir. Die karolingische Zeit (774-962) 16-36 

III. Die Zeit der Ottonen und Salier bis zum Aufstande 
Konrads (962-1093) 36-49 

lY. Vom Aufstand Konrads bis zum Tode Friedrichs II. 

(1093-1250) 50-78 

a) Bis zur Thronbesteigung Friedrichs I. (1093 
— 1152) S. 50. — b) Friedrich I. (1152—1167) 
S. 52. — c) Friedrich I. (1167—1190) S. 63. — 
d) Heinrich YL, Philipp, Otto lY. und Fried- 
rich IL (1190-1250) S. 69. 
Zweites Buch: ÜBERSICHT DES TERRITORIAL BESTANDS 
DES REICHSGÜTS IN DER LOMBARDEI UND IN 

PIEMONT 79—274 

Lombardei. 
I. Provinz Sondrio mit Bergell und Puschlav . . . 79—87 

IL Kanton Tessin 88—93 

IIL Provinz Como 93-104 

IV. ^ Bergamo 104—116 

Y. ^ Brescia 117—130 

VI. ^ Mantua 130—143 

YIL , Cremona 143—162 

YIII. ^ Mailand 162—183 

IX. „ Pavia 183-198 

P i e m n t. 

X. Provinz Turin 199 - 219 

XL „ Novara 219—234 

XII. ^ Alessandria 235—264 

XIIL ^ Cuneo 264-274 



— X ~ 

Drittes Buch: DIE VERWALTUNG UND BEWIRTSCHAF- Seite 

TUNG DES REICHSGUTS 275 854 

Vorstaufische Zeit. 

I. Beamte 276—289 

ir. Gattungen des königlichen Grundbesitzes .... 289—29« 

III. Beschreibung der Höfe 299—311 

IV. Formen der Bewirtschaftung, die Bevölkerung und 

ihre Lage 311—325 

V. Die Einkünfte 326-331 

VI. Rechtliche Verhältnisse 332-342 

1. Inventarisierung 332. — 2. Königsgut und 
Reichsgut 332. — 3. Privilegien der Königsgüter 
334. — 4. Vermehrung des Kronguts 33G. — 
5. Verminderung des Kronguts 340. 
Stau fisch e Zeit. 

I. Verwaltung und Bewirtschaftung 342—352 

II. Rechtliche Verhältnisse der Domänen 352—354 



Karte der Lombardei und von Piemont am Schlüsse. Kartenskizzen der 
Insula Fulcherii Seite 157 und der Lehen Rainalds von Dassel 
Seite 178. 



VERZEICHNIS DER GEBRAUCHTEN ABKÜRZUNGEN. 



Amati = A. Amati, Dizionario corografico illustrato delP Italia. 

Milano (ohne Jahreszahl). 

B-F. = Böhmer-Ficker ( Regesten des Kaiserreichs. Die 

B-M. = Böhmer-Mühlbacher \ Zahl bezeichnet das Regest. 

Böhmer, acta = Joh. Fr. Böhmer, Acta imperii selecta. Innsbruck 
1870. Die Zahl bezeichnet hier, wie in den anderen 
Urkundenwerken die Nummer der Urkunde. 

BRK. J_ J. F. Böhmer, Regesta Karolorum. Frankfurt 1833. 

Böhmer RK. \~~ Die Zahl bezeichnet das Regest. 

Brunner = H. Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte. Leipzig 1887/92. 

Oh. = Historiae patriae monumenta Chartae. 

Ohron. Nov. = Chronicon Novaliciense. 

GL. = Historiae patriae monumenta 13, Codex diplomaticus 

Langobardiae. Turin 1873. 

Const. = Monumenta Germaniae: Constitutiones regum et im- 

peratorum. 4^ Ausgabe ed. L. Weiland. Hannover 
1893. 

DO. I. II. Iir. = Diploma Ottonis I. II. III. in der Monumenta-Ausgabe 
von Sickel. 

Dümmler, Gesta = E. Dümmler, Gesta Berengarii, Halle 1871. Die 
p. 170 ff. verzeichneten Regesten Berengars, Widos, 
Lamberts, Ludwigs III. und Rudolfs sind zitiert Reg. 
Ber., Wido, etc. 

Ficker = Julius Ficker, Forschungen zur Reichs- und Rechts- 

geschichte Italiens. Innsbruck 1868 ff. 

Forschungen = Forschungen zur deutschen Geschichte. 

Gesta = Gesta Friderici in Lombardia auctore cive Mediola- 

nensi ed. Holder-Egger. Hannover 1892. 

Giesebrecht = W. v. Giesebrecht , Geschichte der deutschen Kaiser- 
zeit. 5. Aufl. Leipzig 1881 ff. 

Hidber = B. Hidber, Schweizerisches ürkundenregister. Bern 

1863/70. 

HPM. = Historiae patriae monumenta. 



— Xll — 



Lex (od. L.) Roth. Liutpr. Rfttch. Aist. = Lex Rothari, Liutprand, 

Ratclii8, Aistulf §. 
LI. = Monumenta Germaniae Leges. 

LI. Bor. = Monumenta Germaniae. Legum Sectio II tomus I. ed. 

* Alf. Boretius. 
Matthäi = G. Matthäi , Die lombardische Politik Kaiser Fried- 

richs I. und die Gründung von Alessandria. Programm 

des Progymnasiums zu Grosslichterfelde. Gross-Lichter- 

felde 1889. 
MG. = Monumenta Germaniae historica. 

MIÖG. = Mitteilungen des Instituts für österreichische Ge- 

schichtsforschung. 
Mise. = Miscellanea di storia italiana. 

Mur. Antt. = L. A. Muratori, Antiquitates Italiae medii aevi. Medio- 

lani 1738/44. 
NA. = Neues Archiv der Gesellsqhaft für ältere deutsche 

Geschichtskunde. 
Otto Fris. f _ Ottonis et Rahewini Gesta Friderici imperatoris ed. 

Rahew. \ "" G. Waitz. Hannover 1884. 
PD. = Pauli historia Langobardorum ed. G. Waitz. Hannover 

1878. 
Pertile = Pertile, Storia del diritto italiano. , Padova 1873 ff. 

Provana = L. G, di Provana, Studi critici sopra la storia d'Italia 

a' tempi del re Ardoino. Torino 1844. 
SB. = Sitzungsberichte (der Academien) 

Schröder = R. Schröder, Deutsche Rechtsgeschiohte. 2. Aufl. 

Leipzig 1894. 
Schupfer = F. Schupfer, Delle istituzioni politiche langobardiche. 

Firenze 1863. 
SS. = Scriptores. 

St, = Stumpf, Die Reichskanzler, vornehmlich des 10., 11. 

und 12. Jahrhunderts. Innsbruck 1865/83. Die Zahl 

bezeichnet das Regest in Bd. 2. 
St. acta = Stumpf, Acta imperii inedita (Bd. 3 des genannten 

Werks). 
Tr. Troya = C.Troya, Codice diplomaticoLongobardo.Napoli 1853/59. 
Ughelli = Ferd. Ughelli, Italia sacra sive de episcopis Italiae. 

Editio secunda cura Nicolai Coleti. Venetiis 1717/22. 
Waitz = G. Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte. Kiel 1844 ff. 

Bd. 1. 2 dritte Aufl. Bd. 3. 4 zweite Aufl. 
Weise = Weise, Italien und die Langobardenherrscher 568—626. 

Halle 1887. 



EINLEITUNG. 



Im Haushalt der mittelalterlichen Staaten nehmen 
die Einkünfte aus dem Grundbesitz die erste Stelle ein. 
Um aber eine annähernde Vorstellung von der Bedeutung 
derselben zu gewinnen, handelt es sich darum die Zahl, 
Lage und den Umfang der einzelnen Güter in möglichster 
Vollständigkeit für eine längere Periode festzustellen. Die 
vorliegende Arbeit unterzieht sich dieser Aufgabe für die 
Lombardei und Piemont.^ Diese Begrenzung wurde gewählt, 
da einerseits das urkundliche Material für diese Territorien in 
den früheren Epochen in den „Historiae patriae monumenta** 
in annähernder Vollständigkeit enthalten ist, andrerseits 
aber gleichzeitig eine Bearbeitung des mathildischen Gutes 
vorgenommen wurde.^ Zeitlich gingen wir von der Er- 
oberung Italiens durch die Langobarden aus, die ja völlige 
Neubildungen schufen, als Endpunkt wählten wir den Tod 
Friedrichs II. im Jahre 1250. Schwieriger war die sach- 
liche Abgrenzung des Begriffes „Krongut". Wir verstehen 
darunter alle im Eigentum der Krone stehenden Grundstücke, 



* Piemont: Provinzen Turin, Novara, Alessandria, Cuneo. 
Lombardei: Sondrio, Como, Bergamo, Brescia, Mantua, Cremona, 
Mailand, Pavia. Davon waren indes einige heute zur Schweiz gehörige Ge- 
biete nicht zu trennen, nämlich der Kanton Tessin und die zum Kanton 
Graubündten gehörigen Thäler Misox, Hergell und Puschlav. Auch 
sonst musste im Interesse des Zusammenhangs an einigen Stellen die 
Grenze überschritten werden. 

2 Vgl. Overmann, Grftfin Mathilde. Innsbruck 1895. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u Piemont. 1 



^ 2 -^ 

nicht aber nutzbare Rechte, schliessen also die (jerichtsbar- 
keit, Münze, Markt, Zölle, Fluss-, Strassen- und Bergrechte 
von unserer Betrachtung prinzipiell aus. Freilich lässt sich 
die Grenze nicht immer scharf ziehen, da oft zu den Regalien 
auch Grundstücke gehörten und umgekehrt. Ebenso ist die 
Scheidung zwischen Krön- und Kirchengut nicht immer mit 
voller Sicherheit vorzunehmen. Die Privatgüter der Herrscher 
haben wir, mit Ausnahme der Besitzungen des Markgrafen 
von Ivrea, in unsere Arbeit miteinbezogen. 

Im Interesse der Übersichtlichkeit war es geboten, 
eine zwiefache Betrachtungsweise zu wählen. In dem einen 
Abschnitt versuchen wir eine kurze Geschichte der Ent- 
stehung, Entwicklung, Umbildung, des allmählichen Schwin- 
dens und der Neuentstehung des Reichsguts, im zweiten 
gedenken wir in möglichster Vollständigkeit eine Übersicht 
über das gesamte Krongut in territorialer Anordnung zu 
geben. Wir wählen dabei die Abgrenzung nach den heutigen 
Provinzen, nicht die an und für sich beste, aber die einzige 
sichere Einteilung. Innerhalb der einzelnen Provinz soll je 
nach ihrer Besonderheit verfahren werden. Die Ortsnamen 
geben wir, soweit als möglich, in der modernen italienischen 
Form wieder.^ Besondere Beachtung schenkten wir der 
Identifizierung der mittelalterlichen Namen, wobei wir aber 
auf gütige Nachsicht rechnen. Sämtliche nachweisbare Orte 
sind auf der beiliegenden Kartenskizze verzeichnet, die neben 
der jedem Abschnitt beigegebenen Übersicht der Lokal- 
litteratur die Brauchbarkeit der Arbeit, wie wir hoffen, 
erhöhen wird. Ein drittes Buch soll die Verwaltung, die 
Bewirtschaftung, und die rechtliche Stellung des Kronguts 
darstellen, wobei wir freilich vielfach die Verhältnisse 
anderer Höfe zur Ergänzung heranziehen müssen. Wir 
verhehlen uns nicht bei dieser Einteilung zu vielfachen 
Wiederholungen genötigt zu sein, glauben aber, dass ein 
fortwährendes Verweisen vom einen Teil auf den anderen 
den Zusammenhang im höchsten Grade stören würde. 



* Die mittelalterlichen Namen geben wir daneben in Klammern. 
Deutsche Namen gebrauchen wir nur, soweit sie allgemein üblich sind. 



- 3 — 

Einige Worte müssen wir noch über die Beschaffen- 
heit des Quellenmaterials hinzufügen. Mit Ausnahme eines 
Inventars aus dem 11. Jh. (Const. 440) und eines Ver- 
zeichnisses des Mailänder „curiae regales",^ das aber leider 
korrumpiert ist, besitzen wir keine Inventare der königlichen 
Güter; wir sind daher zum grössten Teile auf Schenkungs- 
urkunden angewiesen, mit deren Benützung für unsere Zwecke 
aber mehrere Übelstände verbunden sind. Eistens betrifft 
diese Gattung von Urkunden weitaus zum grössten Teile 
geistliche Empfänger, während die für Laien ausgestellten 
meist verloren sind, zweitens beweisen sie, soweit sie auf 
Vorurkunden zurückgehen, die wir nicht kennen, keineswegs, 
dass der Aussteller wirklich das betreffende Gut geschenkt 
hat, selbst nicht, wenn die Worte „donare et concedere" 
gebraucht sind, und endlich muss es, soweit nicht er- 
gänzende Urkunden hinzukommen , dahingestellt bleiben, 
ob die Schenkungsurkunde wirklich ausgeführt worden ist. 
Zu den Urkunden dieser Art kommen dann eine grössere 
Anzahl Kauf- und Tauschurkunden, die den Bestand von 
Krongütern in der betreffenden Gegend oft sicher beweisen. 
Verhältnismässig geringe Ausbeute gaben die erzählenden 
Quellen. In Bezug auf die Urkundenkritik haben wir uns 
im wesentlichen an die Untersuchungen der besseren Aus- 
gaben angeschlosßen.2 

Aus der Natur der Quellen geht hervor, dass wir über 
die Krongüter als solche nur wenig erfahren, womit die 
Arbeit einen mehr territorial- als wirtschaftsgeschichtlichen 
Charakter gewinnt. Dazu kommt noch der Umstand, dass 
wir nicht wissen, wann ein verschenktes Krongut vom 
König erworben worden ist, wenn wir auch in den meisten 
Fällen annehmen dürfen, dass es ein Krongut alten Be- 
standes war. Die zahlenmässigen Angaben, die wir noch 



1 Aus der Turiner Universitätsbibliothek, abgedruckt Buch 2, 
Provinz Mailand. 

' Zitiert sind die gebräuchlichen Begestenwerke und sonst wo 
möglich die besten Ausgaben. Die kurzen Zitate geben wir der Über- 
sichtlichkeit wegen im Text. 

1* 



— 4 



an dieser Stelle geben wollen, haben daher nur relativen 
Wert, werden aber doch für die ursprüngliche Masse des 
Kronguts in der langobardischen und selbst noch in der 
karolingischen Zeit Zeugnis ablegen. 

Wir können neben den grossen Komplexen, dem 
Vcltlin, Val Camonica, Bergell, den Thälem der Stura und 
Varaita, dem Gebiet um Pedona und dem Land zwischen 
»Stura und Tanaro in der Zeit von 568—1093 im ganzen 
205 Höfe nachweisen, von denen 100 auf die Lombardei 
(incl. Guastalla und Tessin) und 105 auf Piemont (incl. der 
aledramidischen Höfe in der Provinz Genua) entfallen. Am 
meisten konzentriert war der königliche Grundbesitz in der 
Umgebung von Bergamo und Brescia, im östlichen und süd- 
lichen Teile der Provinz Mantua, in der Gegend zwischen 
der unteren Adda und Pavia, in der Lomellina, der Um- 
gebung von Biella und der Landschaft zwischen Scrivia und 
Orba. Beifolgende Tabelle, die natürlich nur relativen Wert 
hat, soll die Zahl der Königshöfe * in den einzelnen Provinzen 
angeben. 



Provinz. 


Flächeninhalt 

in Dkm.* 


Höfe. 


Ein Hof 
auf Dkm. 


Sondrio . . . 


3260 


2 


(1630) 


Tessin . . . 


2818 


4 . 


(705) 


Como .... 


2717 


8 


(340) 


Bergamo . . 


2660 


6 


(443) 


Brescia . . . 


5180 


20 


(259) 


Mantova . . 


2331 


16 


(146) 


Cremona . . 


2148 


11 


(195) 


Milano . . . 


2992 


19 


(158) 


Pavia . . . 


3477 


14 


(248) 


Torino . . . 


10270 


15 


(685) 


Novara . . . 


6543 


27 


(242) 


Alessandria 


5055 


49 


(103) 


Cuneo . . . 


7136 

1 


14 


(510) 



* Für die Provinzen Sondrio, Cuneo und Brescia muss man die 
umfangreichen Komplexe hinzurechnen. 

• Nach Amati, Dizionario. 



— 5 - 

Dazu kommen noch eine grosse Anzahl (54) einzelner 
Hufen, dann viele Besitzungen, deren Umfang man zahlen- 
mässig schwer wiedergeben kann, ländliche und städtische 
Grundstücke, Forsten, Unfreie etc., und 6 Höfe, die wahr- 
scheinlich in unserem Gebiet lagen, ohne dass wir sie in 
eine bestimmte Provinz einzureihen vermöchten, so dass 
der königliche Grundbesitz noch erheblich grösser war, als 
er in der Tabelle erscheint. Nun ist es sehr schwer, den 
Flächeninhalt dieses Territoriums auszurechnen. Ein Hof ist 
eben ein Mittelpunkt der Verwaltung für einen bestimmten 
Bezirk. Ebenso wie das Salland, das Wald- und VViesen- 
land sehr verschieden sein kann, so schwankend ist auch 
die Anzahl der Hufen, die von einem Hofe abhängen. Neben 
Höfen von 10 — 15 kennen wir solche von 100 und mehr 
Hufen und auch die Grösse der Hufe ist keineswegs fest- 
stehend.^ Um aber eine annähernde Vorstellung von der 
Bedeutung des Keichsguts zu geben, haben wir eine Be- 
rechnung versucht, die aber natürlich nur rein hypothetisch 
sein kann, weshalb wir sie im einzelnen nicht wiedergeben 
wollen. Danach wäre etwa ein Neuntel des Bodens der 
von uns behandelten Provinzen in der langobardischen 
Epoche Eigentum der Krone gewesen. Von diesem Bestand 
ging nach unseren Berechnungen verloren in: 

der langobardischen Epoche ( — 774) ca. 5^'o 

der Zeit 774-887 27^/0 

der Zeit 887 - 962 (incl. der Höfe der Adelheid) 41 ^/o 

der Zeit 962 1024 18 ^'o 

der Zeit 1024-1093 9«/o 

Diese Tabelle giebt freilich kein völlig richtiges Bild, da 

sie nur die in den Schenkungsurkunden vergabten Höfe 

berücksichtigt, während wir z. B. für die salische Zeit aus 

anderen Quellen wissen, dass noch erheblich mehr Höfe, 

als in den Schenkungsurkunden erwähnt werden, der Krone 

gehörten. 

Wie dem auch sei, jedenfalls wird aus diesen einleiten- 
den Betrachtungen mit Sicherheit erhellen, wie bedeutende 
und wichtige Machtmittel die Krone besessen hat. 
» Vgl. Buch 3. 



ERSTES BUCH. 

ÜBERSICHT DER GESCHICHTE DES REICHSGUTS 
IN PIEMONT UND DER LOMBARDEI. 

(568—1250.) 

Neben der territorialen Aufzählung versuchen wir ein 
Bild der Entwicklung des gesamten Kronguts zu geben 
und die Politik der einzelnen Herrscher zu beleuchten. 
Freilich sind die Schwierigkeiten gross, da das dürftige 
Quellenmaterial uns nur selten die Beweggründe der Könige 
ahnen, geschweige denn mit Sicherheit erkennen lässt. Gewiss 
mögen oft die Herrscher ihres Seelenheils willen diese oder 
jene fromme Stiftung errichtet, das eine oder andere Gut 
einem Bistum oder Kloster verliehen haben; unverkennbar 
ist der grosse Einfluss, den die Lehre von den guten Werken 
auf die Vergeudung der Güter des Reichs ausgeübt hat. 
Nichtsdestoweniger sind es gewiss auch bei Schenkungen 
an geistliche Empfänger sehr häufig weltliche Beweggründe 
gewesen, die zur Vergabung von Gütern geführt haben. Da 
wir nun aber für die meisten Schenkungen keine anderen 
Zeugnisse als die Urkunden haben und diese uns den wahren 
Grund nicht mitteilen — denn aus den Phrasen der Arenga 
dürfen wir keine Schlüsse ziehen — so wissen wir von den 
meisten Vergabungen nicht mehr als die blosse Thatsache. 
Somit wird es erklärlich, wenn dieser erste Abschnitt viel- 
fach aus einer Aufzählung von Schenkungen besteht, ohne 
dass wir über deren Motive näheres mitteilen könnten. 



- 7 - 



DIE LANG OB ARDISCHE ZEIT. 

(568-774.) 

Das mittelalterliche Keichsgut in Italien beruht durch- 
aus auf den Einrichtungen der Langobarden. Mögen auch 
einige Pfalzen, wie die von Mailand, Pavia oder Monza 
römischen oder ostgothischen Ursprungs sein, so ist doch 
im allgemeinen ein Zusammenhang der römischen oder ost- 
gothischen Domänen mit den langobardischen nicht nach- 
weisbar. Es dürfte daher angemessen sein unsere Be- 
trachtung mit dem Jahre 568 zu beginnen. Für das erste 
Jahrhundert der langobardischen Herrschaft fehlen urkund- 
liche Belege, wir sind auf die Erzählung des Paulus Diaconns 
angewiesen, auf der die folgenden Ausführungen im wesent- 
lichen beruhen. 

Von König Alboin wurde die Eroberung Italiens be- 
gonnen, ohne dass wir über sein Verfahren gegenüber dem 
Krongut nähere Angaben machen könnten. Die alten ost- 
gothischen Pfalzen zu Pavia und Verona scheint er für 
sich in Anspruch genommen zu haben. (PD. 2, 27, 28); 
manche Gebiete wie Verona und Friaul übertrug er Her- 
zögen (PD. 2, 9, 28), der Kirche Hess er in Treviso 
Schonung angedeihen (PD. 2 , 12). ^ Ob er Massregeln 
zur Bildung eines Reichsguts getroffen hat, wissen wir 
nicht, doch ist es wahrscheinlich, dass er sich als Rechts- 
nachfolger des byzantinischen Fiskus betrachtet hat. Von 
Schenkungen Alboins ist uns nichts überliefert,- es sei 
denn die Nachricht des Paulus (2, 12), er sei „largissimus" 
gewesen. 



* Langobardische Kegesten von Bethmann und Holder-Egger im 
Neuen Archiv 3, 225 ff. Nr. 1, zitiert künftig B-H. 

* Troya 5, B-H 2 für die Familie de Ruzzolo in Piacenza ist 
eine grobe Fälschung. 



~ 8 - 

Nach der Ermordung Alboins nahm Ko:^amunde den 
Schatz des Königs nach Kavenna mit: vielleicht ist hierin 
der Grund für die grausamen Massregeln Klephs zu suchen, 
der durch Geldnot gedrängt, zu Konfiskationen der Güter 
der reichen Kömer griff. , Viele vermögende Römer Hess 
er, wie Paulus schreibt (2, 31) durchs Schwert umbringen, 
andere vertrieb er aus Italien*. Xach Klephs Tode trat 
ein Interregnum ein, während dessen die Herzöge das Land 
regierten. In dieser Zeit bemächtigten sie sich des etwa 
vorhandenen Reichsgutes, und setzten die durch Kleph be- 
gonnenen Konfiskationen der römischen Latifundien fort. 
Doch die wachnende Habgier fand hierin noch nicht ihre 
R'friedigung: von der Konfiskation der weltlichen Güter 
schritt man zur Einziehung der reichen Kirchengüter (PD. 
2, 32). Der römischen Kirche wurden ihre Liegenschaften 
im ligurischen Apennin (Alpes Cottiae) entrissen, > das Ei*z- 
bistum Mailand, dessen Vorsteher nach Genua entflohen 
war, wurde seiner Güter beraubt, und musste von Sizilien 
aus dotiert werden, ^ dem Bischof von Turin wurden seine 
Besitztümer genommen, er selbst gefangen,^ die Schenkungen 
und Testamente zu Gunsten der Kirche wurden nicht aus- 
geführt. '* Mochte auch Habgier vielfach der Beweggrund 
für dies Vorgehen sein, so fehlte demselben doch nicht eine 
gewisse Berechtigung. War es doch die katholische Geist- 
lichkeit, die beständig mit den Landesfeinden, den Byzan- 
tinern und Franken konspirierte. Ein gewisser Terrorismus 
war notwendig, da das Reich durch diese Allianz auf das 
äusserste gefährdet wurde, während im inneren infolge des 
beständigen Kriegs, der Vertreibung und Flucht vieler 
Landleute, eine Hungersnot wütete.^ Die Franken hatten 
sich in den Thälern von Aosta, Susa und Ametegis (Frede- 

* Paulus 6, 28. Liber pontificalis c. 88. 
' Gregorii epistolae 11, 4. 

» Greg, epist. 9, 115. 

* Greg, epist. 13, 31. Vgl. Schupflfer, istituzioni p. 45 und 
PD. 4, 6. 

^ Paulus 3, 11. erzählt nach den Briefen Gregors von der 
Hungersnot in Koni. 



- 9 — 

gar 4, 45)^ festgesetzt, während Mauricius von Osten her 
das Reich bedrohte. 

In dieser kritischen Lage mochten die Herzöge ein- 
sehen, dass die Vielherrschaft nicht mehr möglich war; nur 
bei einer einheitlichen Leitung eines kräftigen Königs durfte 
man auf die Behauptung des Reichs rechnen, die ausser- 
ordentliche Lage erforderte aber auch ausserordentliche 
Massregeln und machte die Herzöge zu grossen Opfern 
bereit. Indem Authari vom Volke zum König erhoben 
wurde, überlieferten die Herzöge die volle Hälfte ihrer 
Güter zum Unterhalt des Königs, seines Gefolges und seiner 
Beamten. 2 Über den Umfang der geteilten Güter und die 
Ausführung der Teilung wissen wir nichts, doch scheint 
nach dem späteren Besitzstand der Krone zu schliessen, 
dieselbe in Oberitalien durchgeführt worden zu sein. Der 
König erlangte dadurch in allen Teilen seines Gebietes einen 
bedeutenden Besitz, der die Grundlage des späteren Reichs- 
guts geworden ist. ^ 

König Authari (584—90) erfüllte die in ihn gesetzten 
Hoffnungen; nachdem er mit den Franken Frieden ge- 
schlossen hatte, setzte er den Krieg mit Byzanz mit glück- 
lichem Erfolge fort. Er eroberte die Gebiete der ver- 
räterischen Herzöge von Piacenza, Parma, und Reggio 
(Tr. 46), zog ihre Güter ein und Hess die genannten Gebiete 
fortan durch Gastalden verwalten. Ausserdem gelang es 
ihm Brescello (Brexillum) am Po (PD. 3, 18) und die 
noch wichtigere byzantinische Nordmark, mit dem Mittel- 
punkt Isola Comacina im Comer See, wo sich der magister 
militum Francio zwanzig Jahre lang gehalten hatte, einzu- 
nehmen und so wenigstens nach Norden hin eine gesicherte 

' Wahrscheinlich Thal von Lanzo. 

* Die Ansicht Schupffers (1. c. p. 269), die Herzöge hätten nicht 
die Hälfte ihres gesamten Grundbesitzes, sondern nur des während 
des Interregnums Erworbenen dem Könige übergeben, ist eine Hypothese, 
die nicht aus den Worten des Paulus heraus zu lesen ist. Paulus 3, 16 
sagt: „duces omncm substantiarum suarum medietatem 
regalibus usibus tribuunt*^. 

* Für uns handelt es sich um die Herzogtümer Asti, Turin, Ivrea, 
Novara (?J, Mailand, Pavia, Bergamo und Brescia. 



- 10 - 

Grenze zu schaffen, was im Westen zum Schaden des Reichs 
nicht geglückt war (PD. 3, 27).^ 

Da Authari noch Arianer war, so war er natürlich 
nicht geneigt, der Kirche Schenkungen zu machen. Wir 
wissen von ihm nur, dass er in Fara Gera d'Adda (Prov. 
Bergamo) eine arianische Kirche errichtete, die nachmals 
in eine katholische umgewandelt wurde (B-M 1628, CL. 
322). 2 

SeinNachfolger Agilulf, Herzog von Turin, (590 — 616) 
fand nicht allgemeine Anerkennung. Die Rebellionen ver- 
schiedener Herzöge gaben ihm die Mittel in die Hand das 
Reichsgut durch Konfiskation ihrer Güter zu vermehren. 
Zuerst wurde Herzog Minulf, der S. Giulio d'Orta und ver- 
mutlich auch Novara beherrschte, wegen Landesverrats 
hingerichtet, seine Güter wahrscheinlich eingezogen^ (PD. 
4, 3). Das gleiche Schicksal widerfuhr wahrscheinlich den 
Herzögen von Treviso, Verona und Pavia, wogegen wir 
in Bergamo, dessen Herzog auch hingerichtet wurde (PD. 
4, 13), späterhin (PD. 6, 20) duces nachweisen können. 

Auch nach aussen erweiterte der König das Reich, 
indem er den Byzantinern die ihnen noch gehörigen Ge- 
biete des venetianischen Festlands, wie Padua und Monselice 
(PD. 4, 23, 25) und in der Lombardei vor allem die 
wichtigen Festungen Mantua und Cremona und das am Po 
gelegene Valdoria entriss (Paulus 4, 28). Wahrscheinlich 
fielen bedeutende Teile dieser Eroberungen der Krone zu, 
die nachmals in der Umgebung von Cremona und Mantua 
weite Flächen inne hatte. 

Auf der anderen Seite haben wir unter Agilulf zuerst 
grössere Schenkungen an die Kirche zu verzeichnen. Durch 
den heilsamen Einfluss der Königin Theudelinde bewogen, 
gab er viele Besitztümer der Kirche Christi und führte die 
Bischöfe zu gewohnter Würde und Ehre zurück, erzählt 



* Über die byzantin. Nordmark vgl. Hartmann, Byzantinische 
Verwaltung in Italien, 1889, p. 53. Über die fränkischen Gebiete in 
Piemont s. u. 

* ^nominatur ecclesia Autareni ab Autari rege**. 

^ Von Herzögen daselbst ist fernerhin nichts bekannt. 



- n -~ 

Paulus (4, 6). Indes vielleicht noch mehr als der Ein- 
fluss der Gattin, bestimmte den klugen König die Einsicht, 
dass ein gutes Verhältnis zum Klerus auch ein gutes Ein- 
vernehmen mit der Masse der Bevölkerung zur Folge haben, 
und dass dies gegenüber der noch drohenden franko-byzan- 
tinischen Allianz von grossem Vorteil sein müsse. Unter 
seinen Schenkungen erwähnen wir in erster Linie die Her- 
gabe des Grund und Bodens im Appennin zum Bau des 
Klosters Bobbio, das 612 vom hl. Columban gegründet 
wurde. ^ Ferner wird die Gründung und Dotierung des 
Klosters Pedona in den Seealpen auf Agilulf zurückgeführt. 
Nach einem Fragment verlieh er 616 der Abtei die Gegend 
zwischen Stura und Gesso, bis zum Celle di Finestre und 
dem Col di Tenda einschliesslich des Vermenagnathals. - 
Mehrere fromme Stiftungen werden der Theudelinde zuge- 
schrieben, so die berühmte Kirche S. Giovanni in der 
Residenz Monza^ (PD. 4, 21), verschiedene Kirchen in der 
Brianza^ und ein Baptisterium in Brescia (Tr. 287). 

Wenig wissen wir von den Nachfolgern des tüchtigen 
und klugen Königs zu berichten. Von Adaloaid (616—626) 
heisst es, dass unter ihm Kirchen wieder hergestellt und 
viele Schenkungen an ehrwürdige Stätten verteilt wurden 
(Paulus 4, 41). Die Wittwe des Königs machte eine 
Schenkung bei Soncino (Prov. Cremona), wo sie im Martins- 
walde, nahe am Oglio die Einsiedelei San Zeno gründete 
(CL. 492). Von Arioald (626—636) ist uns nichts über- 
liefert und von seinem Nachfolger Rothari (636—652) 
wissen wir ausser der Eroberung der Gebiete Liguriens 
und von Oderzo (PD. 4, 45, Fredegar 4, 71), dass er eifriger 
Arianer war und deshalb wahrscheinlich für fromme Stif- 



» Die Urkunden Tr. 246, 249 B-H 8. 11 sind falsch, aber in 
Ch. 1, 30 ist eine Schenkung Agilulfs erwähnt. Paulus erwähnt die 
Gründung irrtümlich bei der Erzählung der Regierung Arioalds 4, 41. 

2 HPM. 5, SS. 3 Praefatio cfr. Provinz Cuneo. 

* Viel später ist die Inschrift in S. Michele zu Monza Tr. 301. 
Auch die Inschrift über die Gründung von Santhia (Prov. Novara) 
Tr. 288 ist zweifelhaft. 

* so zu Cremella, Rovagnate, S. Martine a Periode nach Cantu, 
Vicende della Brianza, 1836, p. 45. 



-- 12 — 

tungen nichts übrig hatte. Seine Gemahlin Gundiperga^ 
errichtete zum Gedächtnis an ihre Mutter Theudelinde, die 
Johannes dem Täufer geweihte Kirche in Pavia, die sie 
mit Gold und Gewändern beschenkte (PD. 4, 47). Durch 
diese Stiftung war der Anfang gemacht mit den zahlreichen 
Gründungen von Kirchen und Klöstern, mit denen die lango- 
bardischen Herrscher ihre Hauptstadt ausschmückten. So 
gründete König Aripert I. (653 661), der als Sohn Gun- 
doalds, des Herzogs von Asti, wahrscheinlich die Güter 
dieses Ducats dem Krongut zuführte, das Oraculum Salva- 
toris vor der Porta Marenca und beschenkte es reichlich 
(PD. 4, 48); Grimoald (662-671), der einige seiner 
beneventanischen Grossen, mit deren Hilfe er die Krone 
usurpierte, mit reichen Liegenschaften ausstattete 2, baute 
die Kirche S. Ambrogio (PD. 5, 33). Perctarit (672-688), 
der als ein frommer, sich zum katholischen Glauben be- 
kennender und mildthätiger Herrscher geschildert wird (PD. 
5, 33), baute am Tessinfluss das monasterium Novum, der 
hl. Jungfrau und der hl. Agathe geweiht, während seine 
Gattin Rodelinde ausserhalb der Mauern die prachtvoll ge- 
schmückte Kirche „Ad perticas** stiftete (PD. 5, 34). Ferner 
soll Perctarit, ebenso wie seine Nachfolger Cunincpert und 
Ansprand dem Bistum Como Schenkungen gemacht haben, 
ohne dass wir sie im Einzelnen nachweisen könnten (B-M. 
987). Cunincpert (688—700) beschenkte in der Reichs- 
hauptstadt das berühmte Kloster S. Maria Theodotis della 
Posterla (B-H. 32. Tr. 354. DO. I. 274) und gründete zur Er- 
innerung an seinen Sieg bei Coronate das St. Georgskloster 
auf dem dortigen Schlachtfelde (PD. 6, 17). 

Es sei gestattet einige allgemeine Bemerkungen an 
diese leider sehr dürftigen Nachrichten aus dem siebenten 
Jahrhundert zu knüpfen. Die bisher besprochenen Schen- 
kungen befinden sich fast alle in der Residenz oder tragen 
einen Gelegenheitscharakter (z. B. Coronate), sie dienen zur 



* Sie war Gemahlin des Arioald und Rothari. Vgl. Paulus 
(Schulausgabe von Waitz) p. 172 Anm. 1. 

' „Aliquantes tarnen . . . retenuit largissimas eis tribuens posses- 
siones." Paulus 5, 1. 



- 13 -- 

Erinnerung an Verstorbene oder zur Grabstätte des Stifters. 
Welche Güter an diese Stiftungen verschenkt wurden, ver- 
mögen wir nicht anzugeben, doch es ist wohl denkbar, dass 
manche der reichen Besitzungen, die die genannten Kirchen 
und Klöster später inne hatten, ihnen schon von den Grün- 
dern zugewiesen worden waren. Von Schenkungen an 
Bischöfe unseres Gebiets ^ oder an Laien ist uns — mit 
Ausnahme Grimoalds — nichts überliefert. 

Auf König Cunincpert folgte nach einer achtmonat- 
lichen Regierungszeit Liutperts Raginpert, Herzog von 
Turin, der vielleicht die Güter dieses Herzogtums der Krone 
zuführte, und auf ihn sein Sohn Aripert H. (701—712), der 
den Herzog von Bergamo besiegte (PD. 6, 20), wahrschein- 
lich dessen Güter einzog, und einem Gastalden zur Ver- 
waltung übertrug. Der König, dessen Familie auf unrecht- 
mässige Weise auf den Thron gekommen war, suchte sich 
die Geistlichkeit durch nicht unbedeutende Schenkungen 
geneigt zu machen.? Er stellte dem römischen Stuhl die 
Güter im ligurischen Appennin zurück ^ und bestätigte dem 
Bischof Emilian II. von Vercelli eine Schenkung in der 
Nähe von Ronsecco. * Der Kirche S. Lorenzo in Bergamo 
überwies er ein Haus in Calcinate (B-H. 45, Tr. 693), das er 
vielleicht durch den Sieg über Rotharit von Bergamo er- 
worben hatte.^ 

Nach der kurzen Regierung Ansprands, der die Kirche 
S. Adriane in Pavia stiftete (Tr. 392), bestieg sein Sohn 
Liutprand (712—744) den königlichen Thron, der auch in 
der Gesetzgebung sein lebhaftes Interesse für das Domänen- 
wesen bewies und die Veräusserung der Krongüter durch 



* Ausserhalb desselben kennen wir eine Schenkung Cuninoperts 
für den Bischof von Modena B-M. 725. 

* An Frömmgkeit ist bei dem Charakter des Königs kaum zu 
denken. Vgl. Paulus 6, 20. 22. 

» Lib. pont. 0. 88, B-H. 42. 

* Troya 377. B-H. 41. Die Urkunde ist interpoliert. 

* Ferner soll er Alpepiana S. Pietro in Cielo d'Oro geschenkt 
haben (CL. 529, B-H. 44), das nach anderen Nachrichten erst Liut- 
prand gegründet hat. 



- 14 -- 

ungetreue Beamte, durch Inventarisierung, einen Diensteid 
und längere Verjährungsfrist zu verhindern suchte. ^ Unter 
ihm kam die Geistlichkeit, vielleicht durch den Einfluss seines 
Verwandten, des Bischofs Petrus von Pavia,- zu grösserer 
Bedeutung. Er hielt sich eine Hofkapelle, um ihm täglich 
die Messe zu lesen, eine Einrichtung, die vor ihm nicht 
üblich gewesen war. In dei* Hauptstadt gründete er das 
berühmte Kloster S. Pietro in Cielo d'Oro, dem er, wie aus 
späteren Urkunden hervorgeht, manche Güter schenkte.^ 
Bei der Pfalz Olonna baute er ein dem hl. Anastasius ge- 
widmetes Kloster und auf der Höhe des Appennins ver- 
dankte ihm die Abtei Berceto ihre Entstehung. Von be- 
stehenden Klöstern war es Pedona^, das er mit den Orten 
Germanicia, Boves, Vernante, Robilante etc., Bobbio, das er 
mit einer vom Hofe Garda zu leistenden Abgabe'^ dotierte. 
Das Bistum Vercelli beschenkte er mit Torcello (DO. III. 323 
B-H. 146) und auch das Erzbistum Mailand scheint er be- 
dacht zu haben (Tr. 531). Dass er verdiente Beamte des 
Reichs nicht unbelohnt ausgehen Hess, zeigen seine Urkunden 
für den Gastalden Picco (Tr. 556) und für den Griechen 
Gregor (Tr. 535 B-H. 147). 

Liutprands zweiter Nachfolger ßatchis (744—49), der 
dem Presbyter Limeno von Bergamo Grundstücke in Sorisole 
schenkte (Tr. 609, B-H. 187), soll in seinen letzten Jahren 
reiche Stiftungen für römische Klöster gemacht haben, 
wodurch er den Zorn des langobardischen Volkes erregte,^ 
das, wie wir hieraus sehen, noch immer keinen ausgeprägten 
kirchlichen Sinn besass. So war es denn auch die erste 
Regierungshandlung König Ais tulfs (749—57) diese Schen- 



* Vgl. Notitia de actoribu8 im Edictas Lungobardoruni bei iiluhme 
p. 149 ff. 

* Über das folgende vgl. Paulus 6, 5ö. 

* Z. B. in Bizozzero bei Varese , im Val d'Intelvi etc. Nach 
anderen Nachrichten ist Liutprand nicht der Gründer des Klosters, 
cf. oben. 

* Auch Gunincpert dotierte Pedona. HPM. 5. Praefatio. 
^ Ch. 1, 30. 

* Vgl. Abel, Untergang des Langobardenreichs, 1859, p. 23. 



-- 15 - 

kungen für ungültig zu erklären. ^ Dieser König selbst 
stiftete das Kloster Pagno bei Saluzzo^ und beschenkte 
Nonantola.^ Sein Nachfolger Desiderius (757 — 774) ver- 
dankte ihm Güter in und um Brescia (Tr. 727), die dieser 
seiner Lieblingsstiftung S. Salvatore in Brescia zum Ge- 
schenk machte. Dies Kloster erhielt später Güter in Kon- 
cadello, in Temoline, Piscilesse, Cicognara u. s. w. Auch 
die konfiszierten Besitztümer des Mörders Cunimund und 
des Verräters Angine überwies Desiderius dem Kloster.^ 
Abgesehen davon gründete Desiderius mit seiner Gemahlin 
noch die kleinen Klöster S. Peter und Paul in Pavia (Tr. 747), 
S. Salvatore in Sermione (GL. 52), und beschenkte Kloster 
Leno. 

Fassen wir kurz das Ergebnis dieser Periode zusammen, 
so kommen wir zu dem Resultat, dass die Krone beständig 
Güter erworben und nach und nach das Eigentum der meisten 
Herzöge Oberitaliens an sich zu reissen verstanden hatte. 
Am Ende der langobardischen Zeit kennen wir in dem von 
uns berücksichtigten Gebiet, nur ein Herzogtum in Ivrea, 
dagegen Gastalden in Bergamo, Asti, später auch in Mai- 
land, Sospiro, Como und Seprio. Zu den herzoglichen Gütern 
hatte der König noch in dem vormals byzantischen Gebiete 
weite Ländereien gewonnen, so dass ein sehr bedeutender 
Teil des Territoriums sich in den Händen der Krone be- 
fand, dem gegenüber Schenkungen, wie sie die Lango- 
bardenherrscher zu machen pflegten, nicht viel zu bedeuten 
hatten. 



* Lex. Aist. 1. 

2 Chron. Nov. 3, 26. 

' Ficker, Forschungen 4, Nr. 9 p. 13. 

* Troya 727, 747, 838, 848, 851, 878, 962, 985. Cf. Provinz. 
Brescia, Mantua und Oremona. 



- 16 



Tl. 

DIE KAROLINGISCHE ZEIT. 

(774-962.) 

Als Karl 774 das langobardische Reich eroberte, war 
er nicht gesonnen dasselbe lediglich zur fränkischen Provinz 
zu machen. Er betrachtete sich als den Nachfolger des 
Desiderius, dessen gesamtes Eigentum er sich aneignete, 
liess aber vorläufig die alte Staats- und Domänenverwaltung 
bestehen und das Reich durch Herzöge und Gastalden re- 
gieren. Indes nach wenigen Jahren wurde dieser einer 
Personalunion ähnliche Zustand völlig geändert. Die Graf- 
schaftsverfassung wurde in Italien eingeführt und auch das 
Lehnswesen auf das langobardische Reich übertragen. Da 
der Graf in der Regel mit Amtsgütern ausgestattet war, 
so gingen diese dadurch, dass das Grafenamt Lehen wurde, 
dem Reiche verloren. Auch sonst nahmen die Vergabungen 
in dieser Epoche bedeutend zu. Ganze Territorien wurden 
an Laien und Geistliche in der Zeit Karls und seiner Nach- 
folger verschenkt. Die Gründe hierfür sind verschiedener 
Art: Der König war nicht wie die Langobardenherrscher 
einheimisch, er konnte seinen Unterhalt aus seinen gallischen 
oder deutschen Gütern bestreiten und hatte einen umfassen- 
den Domänenkomplex in Italien nicht nötig. Als zweiten 
Grund möchten wir die engere Verbindung mit der Kirche 
im fränkischen Reich anführen. Da die Bischöfe und 
Äbte hier durchaus als Verwaltungsbeamte des Reichs 
angesehen wurden, was im langobardischen Reich 
nicht in dem Masse der Fall gewesen war, so waren 
die Herrscher geneigt, ihnen Krongüter in grosser Menge 
zu übertragen ; einmal brauchte man in diesem Falle 
weniger Beamte, an denen entschieden Mangel war, zweitens 
entzog man die Güter in unruhigen. Zeiten dem habgierigen 



- 17 ~ 

Laienadel, und drittens erwarb man durch das gute Werk 
noch Anspruch auf die Seligkeit. Endlich bedeutete die 
Schenkung eines Königs an eine Kirche noch keineswegs 
einen vollständigen Verzicht auf das Gut; denn nicht nur 
die Abgaben oder ein Teil derselben floss weiter in die 
königlichen Kassen, sondern unter Umständen scheute sich 
der König durchaus nicht, die Güter zurückzunehmen oder 
anderweitig über sie zu verfügen. Als dritten Grund für 
die vermehrten Schenkungen der karolingischen Epoche 
müssen wir noch anführen, dass der ausgedehnte Domanial- 
besitz ein vorzügliches Mittel abgab, sich eine dem Könige 
geneigte Partei im Lande zu schaffen. Man konnte durch 
Schenkungen die einheimischen Grossen gewinnen , dann 
aber auch vermittelst des grossen Krongutbestandes, wie 
die Merovinger in Gallien gethan hatten, eine Klasse von 
fränkischen Grundbesitzern in Italien schaffen. Vielleicht 
weist auf solche Massregeln, von denen wir sonst nichts 
wissen, die grosse Masse fränkischer und schwäbischer 
Grundbesitzer hin, die uns selbst bei einer flüchtigen Durch- 
sicht der Urkunden des 9. Jahrhunderts auffällt. So lernen 
wir, um einige Beispiele aus unserem Gebiete heranzu- 
ziehen, Franken und Schwaben in Pinerolo (Ch. 1, 15), Asti 
(Ch. 1, 20, 40, 55, 57, 60, 68. 2, 4)\ Piomba (Ch. 1, 23), 
Novara (Ch. 1, 27), Biella (Ch. 2, 39), Campione (CL. 73), 
Brescia (CL. 84), Bergamo (CL. 111), Mailand (CL. 102), 
Carpiano (CL. 87) kennen. 

Wieviel an diese Leute zu freiem Eigen, wieviel zu 
Lehen vergabt worden war, wissen wir nicht; doch einige 
königliche vassi sind uns schon im 9. Jahrhundert be- 
kannt. 2 

Ebenso wie fränkische Laien, erhielt auch die fränkische 
Kirche Güter in Italien geschenkt. Schon am 14. Juli 774 
schenkte Karl die königlichen Besitzungen in dem an Eisen 
reichen Val Camonica nördlich vom Tseosee, die Höfe zu 

* Vgl. Mise. 27, 283 über Asti und llmgebung. Dazu komnicii 
noch die recht zahlreichen Leute, die nach fremdem Recht leben. 

* Vgl. die Zusammenstellung im dritten Buch. 

Darmstidter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 2 



- 18 - 

Peschiera, Lonato (oder Liona?) und Sermione am Gardasee 
nebst einigen kleinen Klöstern der Abtei St. Martin zn 
Tours (B-M. 163). Die Gründe, die für diese Schenkung 
massgebend waren, vermögen wir nicht mit Sicherheit zu 
bestimmen. Wahrscheinlich waren es die Eisenbergwerke 
des Val Camonica, die Abt Wulfard, der selbst wiederholt 
als Gesandter in Italien gewesen war, ^ für sein Kloster be- 
gehrte. Mit St. Martin in Tours wetteiferte St. Denis bei 
Paris, das nach einer Urkunde Karls des Grossen vom 
14. März 775 (B-M. 177) gleichfalls Güter in der Lombardei 
erhielt. Karl schenkte dieser Abtei die Reichsgüter in dem 
dem Val Camonica benachbarten, von der Adda durchströmten 
Veltlin (Val Tellina).^ Als drittes fränkisches Kloster 
nennen wir Novalese bei Susa, in dem der Frankenkönig 
wahrscheinlich auf dem Zuge nach Italien 773 verweilt hat. 
Die Abtei erhielt neben zwei savoyischen Gütern den tausend 
Bauernstellen zählenden Hof zu Gabiana in Montferrat.^ 
Von den einheimischen Klöstern erhielt Bobbio einen grossen 
Reichsforst im Apennin (B-M. 161) , Pedona den Hof 
Quaranta (Quadraginta) bei Cuneo, ^ Kloster Leno den Hof 
Sabbioneta, ^ S. Pietro in Lodi 50 Joch am Lambro.*^ Von 
den Bistümern wurde Cremona mit verschiedenen in der 
Nähe der Stadt liegenden Orten,"^ Reggio, mit einem Walde 
in der Grafschaft Parma dotiert (B-M. 229). ^ Eine Reihe 
von Gütern, die wir im einzelnen nicht kennen, wurden der 
Königin Hildegard überwiesen, nach ihrem Tode aber wieder 



* Simson, Jahrbucher Karls des Grossen. 2. Aufl. I, 140 Anm. 4. 
2 Vielleicht hatte Fardulf, ein eifriger Anhänger des gestürzten 

Königs, der nach St. Denis verbannt wurde (Simson a. a. 0. 1 , 186. 
2, 145), die Mönche des Klosters auf das weinreiche Thal aufmerksam 
gemacht. 

' Chron. Noval. 3, 26. Die Nachricht ist verdachtig. 

* HPM SS. 3, Praef. 

6 Urk. Berengars II. vor 958 CL. 626. 

* Vignati, Codex Diplomatious Laudensis 1. no. 7 p. 13. Urk. 
Widos von 892. 

•^ Urk. Lothars von 841 B-M. 1050. 

® Die Urkunde für Como B-M. 397 ist an der Hauptstclle 
interpoliert und deshalb hier nicht angeführt. 



^ 19 -- 

für das Reich eingezogen. Eine genaue Inventarisierung 
ordnet ein Capitular Pippins von 790 an (B-M. 494). Ebenso 
wenig können wir Schenkungen an weltliche Herren im 
einzelnen nachweisen, da keine Urkunden hierüber erhalten 
sind. 

Diesen nicht unbeträchtlichen Schenkungen stehen 
grosse Konfiskationen besonders in Friaul gegenüber (cf. 
B-M. 198, 339, 602; im Bistum Reggio 429). Ob indes 
diese Einziehungen sich auch auf die Lombardei und Piemont 
erstreckten, vermögen wir nicht anzugeben. 

So sehr auch Karl die Bedeutung der Fiskalgüter für 
den Staat zu schätzen wusste, * so müssen wir für unsere 
Gebiete doch eine erhebliche Abnahme der Domänen in 
seiner Regierung konstatieren. Veltlin und Val Camonica 
sind die ersten grossen Gebiete, die aus dem Krongute ver- 
schenkt wurden. 

Ludwig der Fromme kümmerte sich nicht viel um 
die Verhältnisse Italiens, nur wenige Urkunden des Herrschers 
sind für dies Land ausgestellt. Wir wissen von ihm, dass 
er wichtige Plätze (Bard und Bardonneche) , mit Karl zu- 
sammen an Novalese gab^ und einen Tausch mit seinem 
Getreuen Boso abschloss (B-M. 805), der einige piemon- 
tesische Hufen betrifft, die er gegen Güter in den Nieder- 
landen eintauschte ; 3 auch wurde von ihm eine Inventari- 
sierung der königlichen Forsten angeordnet. (Leges 4, 
538, § 47). 

In der Hauptsache war die Regierung Italiens die 
Sache Lothars I. Da die Geistlichkeit, damals die eifrigste 
Verfechterin der Reichseinheit, ihn am thätigsten unter- 
stützte,* so sah er sich auch genötigt sich ihr gegenüber 
freigebig zu erweisen. Auch die Laien-Aristokratie begann 
eben in jener Zeit, besonders infolge der Bürgerkriege, 
einen bedeutenden Einfluss im Staatsleben des karolingischen 
Reichs zu gewinnen. Dagegen konnte sich das Königtum 



» Vgl. Capit. de villis B-M. 458. 

« Chron. Nov. 3, 26. B-M. 1088. 

« B-M. 677 für Como ist gefälscht. 

* Vgl. Dümmler, Ostfränk. Reich, 2. Aufl. 1, 394. 



- 20 - 

in Italien nicht, wie in den anderen Reichen, durch Kon- 
fiskationen der Güter aufrührerischer Grossen schadlos halten, 
da dort der Krieg nicht tobte; ja im Gegenteil forderten 
die italienischen Kirchen noch Ersatz für das, was sie in 
den anderen Reichsteilen verloren hatten, ^ und das Kloster 
St. Denis, das in Italien Güter besass (s. o.), erhielt seinen 
Besitz freilich, nachdem ihn Lothar einige Jahre dem 
Kloster entzogen hatte, ^ durch ihn selbst zurück (B-M. 
1003, 1076, 1098). — Unter den Bistümern unseres Gebiets, 
die Lothar dotierte, kennen wir nur die von Novara und 
Cremona. Ersteres erhielt 840 die Abtei Lucedio in der 
Grafschaft Vercelli (B-M. 1031), die Priester des letzteren 
wurden von Vorspanndiensten für die kaiserliche Kammer 
befreit (B-M. 1015). Eigentliche Reichsgutverleihungen 
für Bistümer sind nicht nachzuweisen. Von den Abteien 
Piemonts erhielt Novalese die Abtei Pagno bei Saluzzo 
(B-M. 989), in der Lombardei bekam S. Maria Theodotis 
im Jahre 834 das Recht Bau- und Brennholz aus dem 
Reichsforst Carbonaria bei Pavia zu holen und 839 ein 
Grundstück in Pavia (B-M. 1011, 1027), und S. Ambrogio 
in Mailand das olivenreiche Limonta am Comersee mit aus- 
gedehnten Pertinenzen (B-M. 1012). Einige Grundstücke 
erhielt 846 der Diakon Godepert von Ivrea (B-M. 1091). 

Von weltlichen Grossen müssem wir vor allem Lothars 
Schwiegervater und ersten Berater Hugo von Tours er- 
wähnen, der nicht näher bekannte Güter in der Grafschaft 
Mailand erhielt. ^ Seine Gattin Aba oder Ava bekam nach 
seinem Ableben den Hof Locäte am Lambro im Jahre 836 
(B-M. 1019). Der Getreue Erembert, von dem wir sonst 
nichts wissen, erhielt 839 den Hof Eburlas in der Graf- 
schaft Asti (B-M. 1026). Ein lebhaftes Interesse für die 
Krongüter bekundete Lothar im Capitulare Missorum vom 
Februar 832.* 



* Dümmler a. a. 0., p. 212. 

* Auch dem Bistum Reggio entzog F.otbnr Besitzungen in Luzznra. 
B-M. 1028. 

3 Dümmler a. a. 0. 1, 213. 

* LI. Bor. 1, No. 202, 6. 7. 



— 21 — 

Im § (5 dieser Verordnung belielüt der König in jeder 
Grafschaft nach königlichen villae und curtes zu forschen, 
und in § 7 ordnet er ein Inventar der königlichen Pfalzen 
und Gebäude an. 

Von 850 ab war Ludwig IL thatsächlich alleiniger 
Herrscher in Italien. Gleich bei seinem Regierungsantritt 
ordnete er eine Restauration der Pfalzen und öffentlichen 
Gebäude, die in grossem Schmutz und in schlimmer Ver- 
nachlässigung sich befänden, ^ an ; 865 wird die Anordnung 
wiederholt 2 („ut restaurent palatia"). Ob sie freilich etwas 
genützt hat, sei dahingestellt. 

Ludwig war seit Desiderius wieder der erste König, 
der Italien allein besass, und da sein Thron von keiner 
Seite bedroht war, so hatte er nicht nötig, seine Unter- 
thanen durch grosse Schenkungen zu gewinnen. Er hätte 
es auch nicht in dem Masse gekonnt, wie es seine Vor- 
gänger und Nachfolger zum Teil thaten, da das Königtum 
jetzt allein auf die italienischen Domänen angewiesen war. 
Die einzige Stiftung Ludwigs II. in unserem Gebiete ist die 
Abtei S. Ruffino in Monimello bei Mantua, die er am L 
November 874 gründete, und mit Gütern in Unteritalien 
dotierte (MIÖG. 1, 434 ff.). Von den Bistümern und 
Abteien erhielt keine eine Vergrösserung ihres Güterbe- 
sitzes durch den Kaiser,^ wenn wir von S. Sisto in Piacenza 
absehen, das aber nur indirekt durch Ludwig vergrössert 
wurde.^ Auch Vergabungen an weltliche Machthaber sind 
in unserem Gebiet, soweit unser Urkundenmaterial reicht, 
nicht nachweisbar. Ausserordentlich freigebig zeigte er 
sich aber seiner Gemahlin Angilberga gegenüber. Schon 
frühere Herrscher hatten ihre Gattinnen beschenkt, so gab 
Karl der Grosse der Hildegard Güter (s. o.), und auch 
Waldrada wurde von Lothar IL bedacht.^ Ganz enorm war 

* Cap. Ludovici II. Leges Bor. 1, No. 213. 
« LI. Bor. 1, No. 216, 217. 

' Vielleicht ist die Schenkung des Hofes Canava bei Rivarolo auf 
Ludwig IL zurückzuführen. DO. III. 323. 

* B-M. 1221 ist falsch. 

» Tgl. Dümmler a. a, 0. 2, 5. 



oo 



aber die Dotierung der Kaiserin Angilberga. Sie wird von 
allen Zeitgenossen als habgierige und geizige Frau geschildert, 
die einen ungemeinen Einfluss auf Ludwig ausübte, den sie 
stets auf seinen Zügen begleitete.^ Etwa ein Fünftel aller 
erhaltenen Urkunden Ludwigs sind für seine Gemahlin aus- 
gestellt.2 Als Mitgift erhielt sie am 5. Oktober 851 bereits 
Campo Miliaeo im Gebiet von Modena und Curtis nova bei 
Reggio (B-M. 1148). Am 2. November 864 schenkte ihr 
Ludwig Guastalla und Luzzara am unteren Po (B-M. 1192), 
am 4. Juli 866 Sesto bei Cremona, Locarno am Lago Mag- 
giore, Antignano in der Grafschaft Alba (B-M. 1201), und 
Inverno bei Olona, das Lothar IL aus den Besitzungen des 
Bistums Lüttich seinem Bruder geschenkt hatte, um es 
seiner Gemahlin zu geben (B-M. 1202, 1276); damit wollte 
sich Lothar die Gunst der mächtigen Schwägerin gewinnen, 
deren schwache Seite, ihre Habsucht, er wohf kannte. 867 
erhielt sie das Kloster S. Salvatore in Brescia (B-M. 1206), 
868 den Hof Sesilla in comitatu Toresiano (Sezello bei 
Tortona ?), Dovanelli in der Grafschaft Tortona, Palmata in 
der Grafschaft Alba, Viarriggi und Cinaglio in der Graf- 
schaft Asti (B-M. 1207), 870 Paladana bei Guastalla 
(B-M. 1211). In ihrem Testament vom März 877 verfügte 
Angilberga über folgende Güter in unserem Gebiet zu Gunsten 
von S. Sisto in Piacenza (GL. 270): 

1. in der Grafschaft Lodi. 

a. Prata bei Lodi. 

b. Montesano = Montemalo (?). 

c. Cortis Mediolanensis (unbekannt). 

2. in der Grafschaft Cremona. 

a. Sesto. 

b. Tenchera. 

8. im Gebiet von Mantua und Reggio. 

a. Pegognaga. 

b. Guastalla. 

c. Luzzara. 

d. Villola. 



» Vgl. Dümmler 2, 70. 74. 237. 272. 342. 386. 
« 12 von 64. 



- 1^3 - 

4. in der Grafschaft Stazona. 

a. Caprino (Cabroi) bei Anghera oder Cabbio bei 
Mendrisio. 

b. Masino bei Arona. 

5. im Gebiet von Mailand. 

a. Octavo = St. Christoforo Occhiate (?) bei Monza. 

6. in der Grafschaft Bulgare. 

a. Bornago (Brunago), Prov. Novara. 

b. Trecate, Prov. Novara. 

Diese Schenkungen an Angilberga bezeichneten den 
ersten grossen Stoss, den das Reichsgut erhielt. Mehr als 
zwanzig Höfe waren für die Krone verloren. 

Eine weitere bedeutende Erschütterung erfuhr das 
Königtum und seine materielle Macht in den Erbfolge- 
kämpfen, die auf den Tod Ludwigs IL folgten. Fast ein 
Jahrhundert lang gab es in Italien keine fest begründete 
Staatsgewalt, immer wieder erhoben sich neue Prätendenten, 
die in blutigen Kämpfen die Krone zu erringen suchten. 
Natürlich strebte ein jeder von diesen danach, die welt- 
lichen und geistlichen Grossen für sich zu gewinnen und 
meistens bemühten sie sich dies durch Güterverleihungen 
aus dem schier unerschöpflich scheinenden Krongut zu er- 
reichen. Mancher Reichshof mag freilich in den vielen 
Kämpfen auch auf unrechtmässige Weise von den Grossen 
usurpiert worden sein. 

Nach Ludwigs II. Tode traten Ludwig der Deutsche 
und seine Söhne einerseits und Karl der Kahle andererseits 
als Prätendenten auf. Wahrscheinlich um Angilberga zu 
gewinnen, hatte der ostfränkische König schon am 26. Fe- 
bruar 875 ihrer Tochter Irmgard die drei Höfe Murgula und 
Almenno bei Bergamo und OIcia (Aucia) bei Cremona zum 
Geschenk gemacht^ (CL. 262). Indes der westfränkische 
Herrscher war früher zur Stelle. 

Sofort nach des Kaisers Tode war Karl der Kahle 
in Italien eingerückt. Er erfreute sich der besonderen 



^ Es handelt sich wohl um eine fiventualschenkung , da Ludwig 
sich als Erbe ansah. 



- 24 - 

Protektion des Papstes und der westitalienischen Geistlich- 
keit und sah sich deshalb genötigt, diese besonders zu do- 
tieren. ^ Vor allem war der Erzbischof Ansbert von Mai- 
land Parteigänger des französischen Königs.^ Noch während 
des ersten Römerzugs, am 26. Januar 876 (Böhmer RK. 1791) 
verlieh dieser dem Erzbischof Güter in Cavenago und Ornago 
nordöstlich von Monza. Vielleicht sind auf Karl noch mehr 
Schenkungen zurückzuführen ; da seine Nachfolger seine 
Herrschaft nicht anerkannten, so ist es wahrscheinlich, dass 
man die Urkunden Karls nicht behielt und nur die Bestäti- 
gung durch die späteren Könige, die von Karls Schenkungen 
nichts erwähnten. 

Schon mit ihm zugleich war Karl von Schwaben, von 
den Italienern „Carlito" genannt, nach Italien gekommen, 
war aber dann vor seinem Oheim zurückgewichen, und der 
tapfere Karlmann wurde von demselben durch Lug und 
Trug zum Rückzug über die Alpen bewogen.^ Als aber 
Karl der Kahle zum zweitenmale im Herbst 877 die Alpen 
überschritt, trat ihm Karlmann mit einem starken Heere 
entgegen und zwang, den westfränkischen Köni^ sich über 
den Mt. Cenis nach Savoyen zurückzuziehen, wo er am 
6. Oktober 877 starb. Das Reich fiel nun ohne weitere 
Kämpfe dem Sohne Ludwigs des Deutschen, Karlmann von 
Bayern (877—879) zu, der in Italien allgemein anerkannt 
wurde, obwohl ihn schwere Krankheit schon nach kurzer 
Zeit zur Rückkehr nach Bayern zwang. Während seines 
Siechtums scheint er aber Einflüssen der Geistlichkeit sehr 
zugänglich gewesen zu sein, da er ihr ausserordentlich be- 
deutende Schenkungen machte. So verlieh er dem der 
Angilberga gehörigen Kloster S. Salvatore in Brescia eine 
Reihe von Höfen in der Nähe des Iseosees (Bogonago, 
Canella u. a. B-M. 1503), wahrscheinlich als Entschädigung 
für die Unbill, die das Kloster 876 durch das Heer Karls 



* So dotierte er auch den Bischof Johann von Arezzo. Böhmer 
R. K. 1737, 1793, 1803. 

2 Dümmler, Ostfränkisches Reich 2, 402, 
» PUmmler l o. p. 389, 390, 



- 25 - 

von Schwaben erlitten hatte ; * ferner gab er der von der 
Kaiserin gegründeten Abtei S. Sisto bei Piacenza das 
zwischen der unteren Adda und dem Po gelegene Land 
(B-M. 1504), dem in Verona gelegenen Kloster S. Zeno 
den Hof Desenzano (Prov. Brescia) mit dem ganzen Süd- 
westufer des öardasees (B-M. 1494) und der bei Olona 
gelegenen Abtei Sta. Christina 150 Joch Wald in der Nähe 
von Olona (B-M. 1498). Wahrscheinlich ist auch auf Karl- 
mann eine Schenkung an das schwäbische Kloster Reichenau 
zurückzuführen (B-M. 1567). Dasselbe erhielt nämlich am 
Comer See die Höfe Tremezzo und Gravedona, wahrschein- 
lich für seinen Ölbedarf, gleichwie auch Fulda einen Oliven- 
wald früher bekommen hatte. (Forsch, z. Deutschen Ge- 
schichte 5, 374.) 

Von weltlichen Herren bekam der Getreue Hillo vier- 
zehn Hufen zwischen Oglio und Lara und dazu gehörigen 
Wald in der Grafschaft Brescia (B-M. 1502). — Dagegen 
scheint es, dass die von Ludwig dem Deutschen der Irmgard 
verliehenen 3 Höfe Murgula, Almenno und Olza wieder für 
das Reich eingezogen wurden. Wahrscheinlich geschah dies 
infolge der Entführung der Kaisertochter durch den Karl- 
niann feindlichen Herzog, späteren König Boso, ein Ereignis, 
das Ende 877 stattfand.2 

Noch bedeutendere Schenkungen sind von Karl III. 
zu erwähnen, zu dessen Gunsten Karlmann 879 auf die 
Krone verzichtete. Karl war ausserordentlich gutmütig,^ 
und wenn er auch keine neue Stiftung machte, so bereicherte 
er doch die bestehenden. Von den Bischöfen stand ihm 
sein Kanzler Liutward von Vercelli am nächsten, dem er 
im Jahre 882 eine äusserst umfangreiche Schenkung machte. 
Das Bistum erhielt den Königshof Corteregia mit Foglisso 
und dem Val Chiusella in der Gegend von Ivrea, Biella, 
Trecate, und andere Reichsgüter in der Umgebung von 



' Dümraler 3, 48. 

* Dümmler 3, 78. Restitution und Bestätigung der Güter Irm- 
gards durch Karl III. B-M. 1702. 
» Pümmler 3, 291. 



- 26 — 

Vercelli und Novara (B-M. 1592).* Sehr nahe stand dem 
König auch Wibod von Parma, der schon von Karlmann 
beschenkt worden war. Karl überwies ihm drei zu Olona 
gehörige Mansi in Vigonzone bei Landriano (B-M. 1574) 
und später den Königshof zu Parma (B-M. 1651). Der 
Bischof von Reggio bekam Suzzara im rechts vom Po 
gelegenen Teil der Provinz Mantua (B-M. 1550), der Bischof 
von Bergamo nach dem Ableben des Autprand das kleine 
Kloster Monasterolo am Oglio (B-M. 1626). Weniger frei- 
gebig erwies sich Karl den Abteien gegenüber. Wie 
Reichenau, so erhielt jetzt auch das mit ihm rivalisierende 
St. Gallen ein Gut an den Seen der Lombardei. Es bekam 
— allerdings erst nach dem Ableben Liutwards — die 
Abtei Massino am Lago Maggiore (Dümmler, ostfränkisches 
Reich 3, 220, 282), während S. Ambrogio zu Mailand Be- 
sitzungen zu Melianico und Capiate unweit Lecco erhielt. 
Von Laien wurde Autprand mit Monasterolo (B-M. 1626), 
und der Kapellan Berengars Petrus mit drei Hufen in 
Suvinate dotiert (B-M. 1575). Der Gastaldo Johann vom 
Königshofe Murgula bei Bergamo, auf dem Karl von seiner 
schweren Krankheit 883 Genesung gefunden hatte, erhielt 
zum Hofe Sospiro gehörige Güter in Fontana (B-M. 1625). 

Nach der Absetzung Karls III. lebte der Thronstreit 
in noch verderblicherer Weise als vor 10 Jahren wieder 
auf. Gegen Berengar I. (von Friaul), der besonders im 
Osten Oberitaliens reich begütert war und sich der Unter- 
stützung der Ostfranken erfreute, trat Wido von Spoleto 
ins Feld, den 889 die meisten Bischöfe der Lombardei zu 
Pavia zum König erkoren. Die Geistlichkeit beginnt nun 
die massgebende Rolle im Staatsleben Italiens zu spielen; 
die in Gebrauch der Rosse und Waffen ^ gewandten Kleriker 



* Vgl. die Wien. 8. B. 92, 400 und von Cipolla edierte Notiz 
(Atti della R. acoademia di Torino Bd. 26 p. 670 flf. 1890 91.) Cipolla 
nimmt noch eine verlorene Schenkungsurkunde für Liutward an, in der 
Victimulo, Cavaglia, Collubiano u. a. Orte geschenkt worden. Vgl. 
Provinz Novara. 

* cfr. Dümmler, Gesta p. 103 Vers 102. Dresdner, Kultur- und 
Sittengeschichte der italienischen Geistlichkeit p. 86 ff. 



- 27 - 

rückten mit dem Könige in die Schlacht und Hessen sich 
durch grosse Schenkungen für ihre Dienste belohnen. Dazu 
kommen jetzt die zahlreichen Einfälle der Ungarn, die auf 
ungeahnte Weise zur Steigerung der Macht der lokalen 
Gewalten führten. Das Königtum zeigte sich unfähig das 
Land zu schützen; die Folge war, dass es die lokalen 
Machthaber, insbesondere die Bischöfe mit soviel Hoheits- 
rechten ausstatten musste, um den Schutz ihres Gebiets 
mit Erfolg vornehmen zu können. Verhältnismässig spar- 
sam mit Verleihungen waren die beiden Kaiser Wido und 
Lambert (889 — 898), die, wenn sie auch der Wahl der 
Bischöfe ihre Würde verdankten, die Herrschaft doch durch 
ihr Schwert errungen hatten. In ihrem Gebiet, das sich 
über Mittelitalien, Piemont und die Lombardei erstreckte 
(seit 896 bis zur Adda), war der Bischof von Modena sehr 
einflussreich, der mit den Befestigungen seiner Stadt dotiert 
wurde. (Dümmler Reg. Wido 9). In dem von uns zu be- 
handelnden Gebiet erhielt der Bischof Bodo vom Acqui am 
14. Mai 890 die Vigilskirche auf dem Königshof zu Orba. 
(Dümmler Reg. Wido 7). Eine Reihe von Klöstern und 
Gütern, von denen wir besonders Murgula und Corana (Prov. 
Pavia) nennen, bekam die Kaiserin Angeltrud nach der 
Sitte der Zeit (Reg. Wido 3-6, 18. Lambert 5), was ihr 
Berengar I. 898 bestätigte (Reg. Ber. 21). Später kamen beide 
Höfe wieder an das Reich zurück. Ferner sind noch eine 
Reihe kleiner Schenkungen zu erwähnen. So bekamen die 
Kanoniker von Parma von Lambert 10 Joch in der Graf- 
schaft Lodi (GL. 583), der Mailänder Archipresbyter Aut- 
pald ein Stück der Mauer zu Mailand und ein an sie an- 
grenzendes Grundstück (GL. 342), der Markgraf Konrad 892 
den ehemals der Irmingard gehörigen Hof Almenno bei 
Bergamo (Reg. Wido 11), der Getreue Fulchrod auf Bitten 
des Bischofs Wibod von Parma die im Mailändischen ge- 
legenen kleinen Höfe Marnate und Mozzate, und Rottino 
bei Pavia (Reg. Wido 14). Endlich verlieh noch Lambert 
dem Vassallen des Grafen von Tortona Heurard die Höfe 
Viguzzuolo, Dernice und Cusinasco im Gebiete von Tortona 
(Reg. Lambert 3). Wie wir sehen, sind diese Schenkungen 



~ 28 — 

nicht gerade sehr bedeutend gewesen. In einem Capitular 
ordnete Lambert an, dass, wo die öffentliche Gewalt in das 
Recht der Kirche übergegangen sei, dieselbe die Leistungen 
für den König in dem Umfang vermehren müsste, als 
durch jene Abtretung das Eigentum des Staates gemindert 
war. * 

Weniger haushälterisch als Wido und Lambert ging 
Berengar L mit dem Krongute um. Er beherrschte nach 
seiner Besiegung durch Wido fast nur Venetien, dann seit 
896 auch die Lombardei bis zur Adda, also die Gebiete 
von Brescia, Bergamo, Mantua und Cremona. Seit 898 ge- 
hörte ihm das ganze Königreich. Indes beständig war er 
von Gefahren umringt. Von Norden drohte Kaiser Arnulf, 
von Osten seit 899 die Ungarn, von Westen trachtete Ludwig 
von Burgund, und später Rudolf, ihm die Krone zu rauben. 
Während Wido und Lambert noch Reichsgesetze zum Schutze 
des Friedens nach aussen und innen erlassen hatten, fehlte 
davon bei Berengar jede Spur. Er stützte sich durchaus 
auf die lombardischen Bischöfe , und ihnen wurde schon 
damals eine bedeutende Selbständigkeit verliehen. Insbe- 
sondere im Anschluss an den Ungarnkrieg bekamen sie die 
Stadtbefestigungen und die königlichen Gefälle und zum 
Teil auch die Höfe im Stadtgebiet.^ 

In den ersten Jahren seiner Regierung (888 - 898) be- 
treffen die Schenkungsurkunden des Königs vorzugsweise 
Besitzungen im Venetianischen, besonders bei Verona. So 
erhielt der Getreue Atto 889 einen Garten und eine Scheune 
daselbst (Reg. Ber. 6) , 893 das Zenokloster Teile des Hofes 
Meleto am Gardasee und Albareto an der Esch (Reg. 10), 
der Getreue Ingilfred 897 einen Garten in Verona (Reg. 14), 
der Priester Bonipert im November 896 30 Joeh zu Ronco 
in der Veroneser Grafschaft, (Reg. 16). Daneben kennen 
wir auch einige Verleihungen für die Lombardei : 889 erhielt 
der Getreue Folkoin den Hof Groppello in der Lomellina 
(MIÖG. 7, 452), 896 Agino, Vassall des Grafen Siginfred, 

^ Düramler, Ostfr. Reich 3, 431. Vielleicht beruhen auf dieser 
Bestimmung die später oft yorkommenden Leistungen der Kirchen. 
2 Tgl. Dümmler, Gesta p. 56 f. 



- 29 -~ 

5 Hufen bei Sermide in der Grafschaft Mantua (Reg. 15), 
898 der Getreue Ermenulf Unfreie in Lugano (Reg. 19). Von 
den Bistümern erhielt Mantua 894 ein sehr ausgedehntes Pri- 
vileg (Reg. 11), das Kloster S. Giulia in Brescia 889 eine 
Hufe in der Grafschaft Brescia (Reg. 5), S. Ambrogio bei 
Mailand eine Hufe in Cornaleto (Reg. 12). 

Wenig folgenreich für die Geschichte des Kronguts 
war die kurze Herrschaft, die Arnulf in Italien ausübte. 
S. Ambrogio erhielt von ihm ausser einem Mauerstück zu 
Pavia eine Bestätigung von Palazzolo (B-M. 1849), das 
schon in einer Urkunde von 879 als Geschenk Arnulfs an 
das Mailänder Erzbistum erwähnt wird (CL. 287).^ Die bei 
der Erstürmung Bergamos konfiszierten Güter des Klerikers 
Gottfried schenkte Arnulf sogleich dem Vincenzstift (B-M. 
1842). 

Seit 898 war Berengar Alleinherrscher in Italien. Auch 
die westliche Lombardei gehörte nun zu seinem Machtbereich. 
Doch schon 900 brach eine neue Gefahr über ihn durch den 
Einfall des Burgunderkönigs Ludwig III. herein , der sich 
besonders in den Besitz des seinem Stammland benachbarten 
Piemont zu setzen wusste. Hier gab er, wahrscheinlich um 
die Verbindung mit der Provence in sicheren Händen zu 
sehen, dem Bischof Eilulf von Asti sehr ausgedehnte Be- 
sitzungen zwischen Tanaro, Stura und dem ligurischen Ap- 
pennin, nach der Urkunde (Reg. Ludw. HI. 12) über 100,000 
Joch, was aber übertrieben sein dürfte. Der Bischof Liutward 
von Como, der Erzkanzler des Königs, wurde 901 durch ein 
umfangreiches Privileg ausgezeichnet, in dem er zu den 
Markteinkünften von Lugano die Abtei Cornate empfing. 
(Reg. 14), Bischof Adelbert von Bergamo bekam den Hof 
Murgula, der einst der Mutter des Königs und dann der 
Kaiserin Angeltrud gehört hatte (Reg. 10), Bischof Lande 
von Cremona wurde mit einem Teile der Mauer der Stadt 
bedacht (Reg. 18). . Das Kloster Theodotis zu Pavia erhielt 
Stücke des alten Königshofes Marengo am Tanaro (CL. 414. 
415). Auch einige weltliche Herren wurden von dem Bur- 



* Der Erzbischof verlieh Palazzolo an S. Ambrogio. Vgl. Buch II. 



~ 30 — 

gunderkönig beschenkt. Der Getreue Hercad bekam sechs 
Hufen in Lavaggio in der Grafschaft Tortona (Reg. 13), der 
Getreue Hildeger einige Besitzungen in der Grafschaft Ver- 
celli (Reg. 17). 

Nach dem unglücklichen Ausgang der ersten Expedition 
Ludwigs (902) hatten diese Schenkungen natürlich keine 
Giltigkeit, doch scheint es den meisten Privilegierten ge- 
lungen zu sein durch den schwachen Berengar, den sie eben 
erst treulos verlassen hatten , eine Bestätigung ihrer 
Schenkungsurkunden zu erlangen. So erreichte es Bischof 
Adelbert von Bergamo 903 eine Bestätigung von Murgula 
sich zu verschaffen (Reg. Ber. 38), wobei freilich der Satz 
der Vorurkunde, der von der ausgezeichneten Treue des 
Bischofs handelte, von der Kanzlei fortgelassen wurde; Sta. 
Maria Theodotis bekam 920 eine Bestätigung von „Orti" 
(Reg. 94). Asti bekam zwar keine ausdrückliche Bestätigung, 
scheint aber doch wenigstens einen Teil der Besitzungen 
behauptet zu haben. 

In der nun folgenden Zeit Berengars wuchs die Zahl 
der Verleihungen von Gütern und Hoheitsrechten immer 
mehr. Neben Schenkungen bestehender Castelle verlieh 
Berengar Bischöfen und Äbten in grossem Umfang das 
Recht, Befestigungen anzulegen.^ Das Königtum vermochte 
nicht mehr das Reich durch eigene Festungen wie ehemals 
zu decken. Doch auch in Güterschenkungen war Berengar 
nicht sparsam : Von den Bischöfen wurde des Königs Kanzler 
Johann von Cremona 916 mit Rechten zu Sospiro (Reg. 81), 
918 mit einem Grundstück bei Cremona (Reg. 89) und einer 
Wiese in der Grafschaft Verona dotiert (Reg. 86). Der 
Bischof von Como erhielt das Marktrecht (Reg. 62), der 
Bischof von Novara Hufen in der Grafschaft Piomba und 
das Recht Castelle in Galliate und Bernate anzulegen (MIÖG. 
2, 451 f.), dazu das Marktrecht (Reg. 85), der Bischof 
von Bergamo ein Grundstück mit Haus zu Pavia (DO. II. 
212). Der Bischof von Tortona bekam etwa noch vor- 
handenes Königsland bei Voghera (Reg. 73), die Kanoniker 



* cfr. Dümmler, Gesta p. 52. 



- 31 - 

von Vercelli den Königshof in der Stadt Vercelli (Durandi 
Marca d'Ivrea p. 128). Von den grossen Klöstern erhielt 
S. Zeno zu Verona Pertinenzen von Garda (Reg. 39) und 
einen konfiszierten Hof in Verona (Reg. 31), Sta. Maria 
Theodotis einen Teil der Stadtmauer zu Pavia (Reg. 70) und 
das Recht Castelle anzulegen (Reg. 66), S. Giovanni in Monza 
Höfe in der Brianza (Reg. 91) und Sta. Christina d'Olona 
verschiedene Güter am Lambro (CL. 381. 400). Recht be- 
deutend sind auch die Schenkungen an Einzelne. Wie die 
früheren Herrscher, so gab auch Berengar seiner Gemahlin 
einige Höfe, nämlich Riva bei Chiavenna und Mariaga in 
der Brianza (CL. 549); der Graf Grimald, ein treuer An- 
hänger des Königs, wurde mit Ronco in der Grafschaft Lodi 
(CL. 455), Graf Anselm von Verona mit den Höfen Duae 
Robores und Rovescalla in der Grafschaft Verona (Reg. 59), 
der Vicegraf Autbert mit einer Hufe in der Lomellina 
dotiert (MIÖG. 2, a. a. 0.). Der Neffe des Bischofs von 
Novara Heruin bekam eine Hufe bei Domo d^Ossola (MiÖG. 
2, 453), der Diakon Fulcher von Pavia eine Hufe in der 
Grafschaft Burgaria (cf. Buch II). — Auch ausserhalb der 
Lombardei sind Berengar*s Verleihungen sehr zahlreich,^ so 
dass wir unter ihm eine sehr erhebliche Abnahme der 
Krongüter zu verzeichnen haben. 

Von der kurzen Regierung Rudolfs haben wir wenig 
zu erwähnen. Seine Macht war so gering, dass man sich 
kaum um Urkunden von ihm sehr bemüht haben wird. Er 
verlieh dem Bischof Aickard von Parma den Hof Sabbioneta 
(Reg. Rud. 1), dem Bischof Wido von Piacenza ein Grund- 
stück in Pavia (Reg. 11) und seinem Getreuen Otbert das 
Castell zu Asti (Reg. 10). 

Auf Rudolfs kurze und erfolglose Regierung folgte die 
Gewaltherrschaft Hugos, der später mit seinem Sohne 
Lothar Italien regierte. Auf seine Waffen gestützt, sah 
er sich erst später, als die Treue seiner Unterthanen zu 

^ Besonders in Venetien und der Gürafschaft Reggio verschenkte 
Berengar sehr viele Krongüter, in Venetien (bes. in den Grafschaften 
Yerona und Treviso) Reg. 9, 30, 49, 50, 51, 52, 56, 76, 102, 104, 105 
in Reggio 7, 34, 37, 72. 



^ 32 - 

wanken anfing, genötigt, dieselben durch Schenkungen an 
sich zu ketten. Das kurze Regiment Lothars war dann 
ganz von der Gunst der Grossen abhängig. Man machte 
Hugo grossen Nepotismus, insbesondere Schenkungen an 
seine unehelichen Söhne zum Vorwurf.^ 

Während wir von Urkunden für seine Söhne nichts 
mehr wissen, kennen wir dagegen die Höfe, die er seiner 
Tochter Rotlind oder Rolend schenkte.^ 945 verliehen die 
Könige Hugo und Lothar der Gräfin Rotrud, der Gräfin 
Rotlind (filia nostra), und ihrem Gatten Elisiard die Höfe 
Garbagna, Pietranera und Besemuntio in der Grafschaft 
Tortona, und 3 Mühlen am Caronabach bei Pavia (CL. 575). 
Rotlind erhielt aber noch mehr, denn die Güter, die Otto H. 

* Giesebrecht 1, 815. Gingins Le Sarraz, M^moires pour servir 
k Thistoire des royaumes de Bourgogne et de l'Italie** Archiv f. Schweizer 
Geschichte Bd. 19. 1853. 

* Die Identität der „Filia nostra Rotlind" in CL. 575 mit der Gattin 
des Grafen Bernhard in DO. II. 130 ergiebt sich aus der Urkunde DO. III. 
411, in der Rolend als Gemahlin des Grafen Bernhard und Tochter 
Hugos erscheint. Im Index zum Band Diplomata II ist dies übersehen 
worden, obwohl bereits Robolini, Memorie 2, 246 darauf hinweist. 
Dümmler, Otto I. p. 135 nennt Rotlind die uneheliche Tochter Hugos. 
Sie war in erster Ehe mit dem Grafen Elisiard vermählt, in zweiter Ehe 
mit dem Grafen Bernhard, der 966 das Trinitatisstift zu Pavia gründete 
(Romoaldo, Pavia sacra p. 38) und demselben 9 perticae 14 tavolae in der 
Stadt schenkte. Er wurde bei Otto I. wegen Hochverrats verdächtigt; 
seine Güter wurden eingezogen, doch von Otto IL 976 zurückgegeben. 
Um 980 soll er gestorben sein (Robolini 2, 244). Seine Gattin überlebte 
ihn, und führt mit ihrem Sohne Hubert, Diacon des Bistums Pavia, 1001 
einen Prozess gegen den Fiskus um das monasterium Reginae, das 
dem Bernhard gehört hatte , ja geradzu monasterium Bernliardi hiess. 
(Muratori Antiquitates 3, 741). Sie verlor indes den Prozess (DO. III. 
411). Ein anderer Sohn Bernhards war ihm gleichnamig. Er hatte 
zwei Gemahlinnen: Helene, die 1007 dem Bischof von Cremona den 
sechsten Teil von Sospiro schenkt (Rep. dipl. Crem. 130) und Adelheid. 
Für beider Seelenheil macht er 1045 dem Trinitatisstift eine Schenkung 
von 5 Hufen in Casale, Bonago und Groppello (Robolini 2, 110). An- 
geblich sollen die Grafen von Rovescalla von Bernhard abstammen (cf. 
Robolini a. a. 0. Romoaldo p. 38). Wahrscheinlich ist der DO. I. 416 
genannt Benadus zu Bonate mit dem Grafen Bernhard dem Alteren 
identisch, der CL. 948 erwähnte Graf Bernhard von Pavia vielleicht 
mit dem jüngeren Bernhard. 



— 33 — 

ihrem zweiten Gemahl, dem Grafen Bernhard, 976 restituiert, 
hatte dieser von seiner Gattin (predium quod tenebat ex 
parte uxoris sue). Es sind die Höfe Sospiro, Brignano, 
Vailate, Farinate, Pianengo im Cremonesischen, Bonate bei 
Bergamo, Lavena im Gebiet von Como, Groppello bei Pavia, 
Tiglia bei Novara, Samico am Iseosee, ein Haus in Como 
und einzelne Hufen in den Grafschaften Mailand, Brescia 
und Bergamo (DO. H. 130). 

Weniger wichtig sind die Schenkungen, die Hugo und 
Lothar den Bischöfen unseres Gebiets zuwandten. In Piemont 
wurde Bruning von Asti, später königlicher Erzkanzler, 988 
mit dem Castell in Asti und angrenzenden Grundstücken 
(Ch. 1, 87), der Bischof von Vercelli 943 mit einem Grund- 
stück und einem Haus in seinem Bischofssitz (Ch. 1, 91), 
und die Kanoniker 945 mit den Flussläufen der Sesia und 
des Elvo (Ch. 1, 95) bedacht. 950 schenkte Lothar dem 
Bischof von Novara ein Grundstück in der Stadt und Hufen 
in det Umgebung. In der Lombardei erhielt vor allem der 
Bischof von Como und königliche Erzkanzler Azzo 937 die 
Brücke und die Clusae zu Chiavenna (CL. 550), und 946 der 
einflussreiche Bischof Adelhard von Keggio ein Grundstück 
in der Keichshauptstadt (CL. 577). Von den Klöstern bekam 
939 das St. Martinskloster in Pavia ein Stück vom Tessin- 
ufer (CL. 555), 942 S. Ambrogio zu Mailand die Höfe 
Pasiliano, Felizzano und Monte (CL. 570), und 947 S. 
Senatore ein Grundstück in der Hauptstadt (CL. 581), das 
S. Martinskloster zu Tortona erhielt Besitzungen in Mte. 
Alfeo und Cagnano (B-F. 420), die Kanoniker von Piacenza 
wurden mit 49 Joch in der Grafschaft Lodi bedacht 
(CL. 583). 

Ausserordentlich reich war die Mitgift, die für die 
Bräute der Könige ausgesetzt wurde. Bertha, die Braut 
Hugos, erhielt den lombardischen Königshof Senna und vier 
grosse Höfe im Tanarogebiet , Sezze, Gamondo, Orba und 
Retorte; die zusammen mehr als 1000 Hufen zählten. 
Rechnen wir die Hufe zu 22^/2 ha, so kämen wir auf eine 
Fläche von 225 qkm. Dazu bekam Bertha noch Güter in 
den Grafschaften Lucca, Pisa, Pistoja und Luni, im ganzen 

I> II r m » t ä dt (• v. Das Roiohsofut in d. liOnibardei u. Piemont. 3 



- 34 — 

2160 Hufen (CL. 553). Adelheid, die junge Braut Lothars, 
wurde nicht minder reich bedacht. Sie bekam den alten 
Königshof Olona, östlich von Pavia, Corana in Oltre Po 
Pavese und die Pfalz Marengo am Tanaro, mit zusammen 
1000 Hufen. Dazu kamen Höfe und Abteien in den Graf- 
schaften Cornino, Lucca, Siena und Chiusi, alles zusammen 
4580 Hufen, 1 so dass damals an die beiden Königinnen nicht 
weniger als 6740 Hufen kamen (CL. 552). 947 schenkte 
Lothar seiner Gattin noch einige Pertinenzen zu Corana 
(Ch. 1, 97). 

Von anderen Schenkungen an einzelne Personen er- 
wähnen wir noch die folgenden : Graf Aledram, der ein 
sehr einflussreicher Herr gewesen sein muss, bekam 934 
den Hof Auriola (Prov. Genua) mit dem Lande zwischen 
Ampiotta und Stura (Ch. l, 84), 935 den Hof Foro und das 
Land zwischen Tanaro und Bormida (Muratori SS. 23, 326), 
936 erhielt der Vassall Lanfranc's Garibert eine Unfreie mit 
fünf Kindern in Buscate (CL. 546), 945 der Graf Ricard 
Hufen im Sesiathal (Böhmer RK. 1417). Ein Diakon von 
Brescia wurde mit Grundstücken in den Brescianer Voralpen, 
(CL. 572), ein Kaufmann Nazarius in Como mit einem Stück 
der Stadtmauer daselbst bedacht (MIÖG. 5, 392). 

Die Verleihungen in dieser Regierung sind zwar nicht 
so umfangreich, wie unter Berengar, immerhin aber sehr 
beträchtlich.^ Den Verlusten steht die Einziehung der Güter 
Berengars von Ivrea^ entgegen, die aber nichts für die Ge- 
staltung des Kronguts austrug, da Berengar II. wahrschein- 
lich schon bei seiner Rückkehr alle seine Besitzungen zurück 
erhielt und dazu noch nach Lothars Tod 950 selbst den Thron 
einnahm. 



* Ebenso viele mansi verschenkt Adelheid in ihrem Testament 
an S. Salvatore, so dass sämtliche in demselben geschenkte Orte ihr 
schon von Hugo vorher verliehen wurden, cf. CL. 997 col. 1757. 

* Auch sonst in Italien bedeutende Schenkungen : z. B. Grafschaft 
Piacenza Böhmer R. K. 1413. 18. 21. Parma 1423. 26. 27. Comacchio 
1424. Lucoa 1389. 1404. Arezzo 1390. 1401. 

» Bresslau, Konrad II. Bd. 1, 366. 



— 35 - 

Von ihm und seinem Sohne Adalbert sind uns wenige 
Urkunden erhalten. Sie hatten sehr reiche Familiengüter, 
die indes nur in geringem Masse zur Vermehrung des Kron- 
guts beitrugen. Denn soweit sie nicht Kirchen und Klöstern 
geschenkt wurden, fielen sie den Erben Berengars zu , die 
später im Besitze der Markgrafschaft Ivrea erscheinen. 
Durch Gewalt erwarb Adalbert das Thal von Aosta und 
den dazu gehörigen Zoll,^ doch auch diese Erwerbung trug 
einen vorübergehenden Charakter. Von Schenkungen Beren- 
gars haben wir wenig zu erwähnen. Die Königin Willa, 
Gattin Berengars, bekam den konfiszierten Hof Obiano in 
der Landschaft Canavese (CL. 640), das Kloster S. Bartolomeo 
d*Azzano ein Grundstück bei Annone , das ein Erbgut 
Berengars war, und ein Stück des Tanaroufers (Mise. 11 
p. 121). 

Während seines ersten Aufenthalts in Italien stellte 
auch schon Otto I. einige Schenkungsurkunden aus. Der 
Priester Eistulf in Vercelli erhielt den Hof Gampagnola 
(St. 196, DO. I. 136), und S. Ambrogio Grundstücke in der 
Stadt Mailand (St. 207, DO. I. 145). Wahrscheinlich durch 
Vertrag mit Berengar erwarb Otto das wichtige Bergeil, 
das er 960 gegen Kirchheim am Neckar dem Bischof von 
Chur überwies (St. 271, DO. I. 209). 

Als Gesamtergebnis der karolingischen Epoche haben 
wir eine ausserordentlich starke Verminderung des Kron- 
guts zu konstatieren. ^ Die meisten alten Höfe der Lom- 
bardei, die grossen Alpenthäler Veltlin, Valcamonica und 
Bergeil, der ausserordentlich reiche Besitz in der Grafschaft 
Brescia, der grosse Hof Murgula, der Komplex um Guastalla, 
war definitiv für das Reich verloren, während sich andere 
bedeutende Höfe wie Olona, Corana und Marengo in den 



» Vgl. Dümmlor, Otto I. p. 286 und Buch II. Thal von Aosta 
(Provinz Turin). 

^ Selbst wenn wir die Schenkungen an Adelheid und die ersten 
Ottonischen Schenkungen (bis 962) nicht mitrechnen , entfallen auf die 
karoiingische Zeit 118 verschenkte Höfe von 227 überhaupt (in der Zeit 
bis 1093). 

3* 



~ 86 — 

Händen der Königin Adelheid befanden. In der Lombar- 
dei war der königliche Besitz nicht mehr sehr gross. Einige 
Güter in der Umgebung von Bergamo , je ein Hof in den 
Grafschaften Brescia und Mantua und geringe Reste in der 
Umgebung von Mailand stellten die Überbleibsel des einst 
kompakten Domänenbestandes in diesen Provinzen dar. Die 
Castelle zu Bellinzona und Chiavenna waren noch fiskalisch, 
und auch in der Lomellina waren noch eine Reihe von 
Reichshöfen erhalten. Weit günstiger ist das Ergebnis für 
Piemont. Zwar war hier das weite Gebiet der Seealpen 
und die Grafschaft Bra der Krone entfremdet worden, zahl- 
reiche Höfe an Orba und Scrivia befanden sich in den 
Händen Adelheids. Dagegen war das Reichsgut zwischen 
Bormida und dem oberen Tanaro noch sehr erheblich, ein 
Teil der Alpen an der burgundischen Grenze gehörte dem 
Könige, und auch in den Grafschaften Vercelli und Piomba 
stossen wir auf ansehnliche Reste des alten Bestandes. 



III. 

DIE ZEIT DER OTTONEN UND SALIER BIS ZUM 
AUFSTANDE KONRADS. 

(962-1093). 

Mit dem zwar stark zusammengeschrumpften, immer- 
hin aber noch ansehnlichen Krongüt, wurden durch Otto I. 
die Privatbesitzungen Berengars und Adalberts vereinigt, 
doch scheint es Otto nicht gelungen zu sein, die Konfis- 
kation völlig durchzuführen. Die Güter der Söhne des ab- 
gesetzten Königs in den Grafschaften Modena, Bologna und 
Reggio übertrug Otto 963 an den Bischof Wide von Modena 
(DO. I. 260), die Hufen im Gebiet von Bergamo an acht 
verschiedenen Plätzen an den Bischof Odelrich von Bergamo 
(DO. I. 272). Auch sonst haben wir von Konfiskationen 



— 37 - 

Ottos Kunde (DO. I. 341. DO. IL 130); allem zur Mehrung 
des Kronguts scheint sie der Kaiser nicht benutzt zu haben. 
Ein sehr bedeutender Teil des noch vorhandenen Reichs- 
guts befand sich, wie wir oben sahen, in der Hand der 
Kaiserin Adelheid. Für ihren Besitz kommen im ganzen 6 
Urkunden in Betracht: 

1.— 3. Die drei Schenkungsurkunden der Adelheid CL. 
997. col. 1754. 1759. 1762. 

4. Urkunde Ottos II. vom 30. September 982. CL. 803, 
St. 807, DO. IL 281. 

5. Urkunde Ottos III. vom 6. Juli 1000. CL. 983, St. 
1237, DO. IIL 375. 

6. Die Dotationsurkunde Adelheids CL. 552. 

Die Urkunden sind sämmtlich echt, doch sind bei DO. 
IL 281 Interpolationen wahrscheinlich vorhanden. Aber wir 
können die Richtigkeit der Angaben noch durch St. 1599 
von 1014 und St. 1921 und 2799 kontrolieren. Im folgen- 
den werden bei jedem Ort sämtliche Urkunden aus der 
ottonischen Zeit und soweit es nötig ist, auch die späteren 
angeführt werden.^ 

Es sind folgende Güter: 

LombardeL 

a. Provinz Mantua. 

1. Melara am Po. 997. DO. IL (Meliaria) Besitz 
von S. Salvatore hier bezeugt Visi, Notizie di 
Mantova 2, 189. Der Hof ist 6000 Joch gross. 

b. Gebiet von Lodi-Olona. 

2. Olona 997. (Kloster S. Anastasio) DO. IL DO. 
HL CL. 552. 

3. Bissone bei Corteolona 997. DO. IL St. 1599 ist 
Pertinenz von Olona. 

4. Roncaro b. Olona (Runchalia) 997. DO. IL eben- 
falls Pertinenz von Olona. 

> Abkürzungen 997 = Urkunde CL. 997. DO. II. = DO. II. 281. 
DO. III. = DO. III. 375. Nachweise über die einzelnen Güter im 
territorialen Teil. 



— 38 - 

5. Monticelli am Po. 997. DO. II. DO. III. 

6. Mezzano (Muciano) 997. DO. II. 

7. Vicolongo 997. DO. II. \ in der Grafschaft 

8. Ara^icumana 997. / Lodi. 

9. Offanengo 997. DO. II. V i" <ler Insula 

10. Graffignana 997. DO. II.l Fulcherii. 

11. Porto Morone (Morancha) 997. DO. II. 

c. Provinz Como. 

12. Moratica in der Brianza 997. DO. IL St. 1599. 

d. Pavia. 

13. Viridariiim in Pavia 997. DO. II. DO. III. St. 
1599. . 

14. Garlasco (Lomellina) 997. DO. II. DO. III. 

15. Corana (Oltre Po pavese), 997. DO. II. GL. 552 
und St. 1599. 

-16. Vigevano (Vergemini) 997. DO. II. 
Piemont. 

a. Gebiet von Novara. 

17. S. Nazzaro 997. DO. II. 

b. Tortona. 

18. Marengo 997. DO. II. OL. 552. St. 1599. 

19. Lagoscuro 997. Pertinenz v. Marengo. 

20. Frugarolo 997. DO. II. St. 1599. 

21. Orba 997. DO. II. GL. 553 (für Bertha) 

22. Bosco 997. DO. II. St. 1599. 

23. Basaluzzo 997. DO. II. DO. III. 

24. Fresonara 997. DO. II. DO. III. 

25. Riocervino 997. DO. II. DO. III. 

26. Pozzolo 997. DO. II. 

27. Novi 997. St. 1599. 

28. Pasturana 997. DO. II. DO. III. 

c. Asti. 

29. Gaja (bei Montafiai') 997. St. 1599. 

30. Bionzi (?) 997. DO. II. DO. III. St. 1616. 

31. Cocconato 997. DO. II. St. 1599. 
Vielleicht noch in unserem Gebiet liegend: 

32. Centasco 997. St. 1599. 

33. Tuliano 997. DO. II. DO. III. 



— 39 — 

34. Barla (Baiolo?). 

35. Ca seile (Prov. Mailand?). 

36. Mentana. 

37. Campanea. 

Dieser grosse Bestand von Gütern ging durch Verleihungen 
Adelheids an S. Salvatore in Pavia über. 

Ausserdem besass die Kaiserin noch den 7000 Joch 
grossen Hof Carisiana im Novaresischen, den 995 der Bischof 
von Vercelli erhielt (Ch. 1, 180). Sehr zweifelhaft ist es 
freilich, ob diese Schenkungen Adelheids wirklich vollzogen 
wurden. 

Ebenso wie man ihre Schenkungen an Selz nicht an- 
erkannte,^ wie Konrad II. Güter Kunigundens als Krongut 
betrachtete , 2 so ist es auch möglich, dass Adelheids Ver- 
fügungen in Italien nicht als bindend betrachtet wurden 
und dass S. Salvatore nicht in den Besitz aller genannten 
Höfe gelangt ist. Auch ist wirklich ein Teil der von Adel- 
heid verschenkten Höfe, wie Corana, Marengo, Basaluzzo, 
nachmals wieder als Reichsgut nachweisbar (s. u ). 

Doch auch abgesehen von den Gütern Adelheids gab 
es noch beträchtliche Besitzungen des Reichs. Allerdings 
kann man nicht sagen, dass die drei Ottonen gerade spar- 
sam mit diesen Resten verfahren wären. Es handelte sich 
eben für sie wie einst für Karl den Grossen darum, sich 
eine Partei im Lande zu schaffen, und hierzu boten die 
Domänenschenkungen geeignete Mittel. 

Beginnen wir die Reihe der Verleihungen mit denen 
an geistliche Empfänger. Am 22. Juli 962 erhielten die 
Kanoniker von San Giulio d'Orta die ihnen von Berengar 
und Adalbert entrissene Insel San Giulio zurück mit dem 
daselbst befindlichen Castell und bekamen die beiden Höfe 
Baraggia (Barazzola) und Agrate (Agredade) in der Graf- 
schaft Piomba mit zusammen 40 Bauernstellen um die 
Schädigung durch Berengar zu ersetzen. (St. 309, DO. I. 
243). Der Bischof Odelrich von Bergamo erhielt die Hufen 

» Cfr. Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins Bd. 7, 16 no. 2. 
' Bresslau, Konrftd II. Bd, 1 p. 63 Anw, 2, p. 215, 



— 40 ~ 

Berengars und Willas in der Grafschaft Bergamo (s. o.). 
Von Schenkungen an Abteien kennen wir nur die Verleihung 
eines Hofes, wahrscheinlich in der Umgebung von Pavia, 
an Cluny (DO. I. 415): die in den Urkunden für Cielo d'Oro 
genannten Güter wurden von Otto wahrscheinlich nur be- 
stätigt. Weniger sparsam zeigte sich Otto dem Klerus 
gegenüber im übrigen Italien. ^ Der Grund ist vielleicht 
darin zu suchen, dass in Piemont der Einfluss des Laien- 
adels schon überwog. Während man im übrigen Italien 
die Bischöfe gegen denselben noch benutzen konnte, blieb 
in Piemont dem Kaiser nur die Wahl, sich unter den Herren 
eine ihm wohlgesinnte Partei zu schaffen. So erklärt sich 
vielleicht die auffallende Begünstigung der beiden Grafen 
Aimo und Aledram. Graf Aimo erhielt von Otto 962 die 
zwei Höfe Andorne und Molinara in der Grafschaft Vercelli 
(St. 329 DO. I. 251) und, wie wir einem Diplom Ottos III. 
von 988 entnehmen, (St. 919, DO. III. 50) später noch 6 Höfe, 
die sämmtlich in den Voralpen von Vercelli liegen (Gaglianico, 
Muzzano, Ponderano, Cossila, Candelo, Triverio). Noch um- 
fassender als diese Schenkung war die an Aledram von 967 
(St. 419, DO. I. 339), die diesem Grafen die Königshöfe in 
dem weiten Gebiet zwischen Orba, Tanaro und dem Meer, d. h. 
in einem Gebiet, das ca. 55 Kilom. von West nach Ost und 
60 von Nord nach Süd Ausdehnung hat, überweist. Nun 
wurde zwar nicht dies ganze Territorium, das als „deserti 
loca" bezeichnet wird , geschenkt , sondern nur die könig- 
lichen Güter in demselben, immerhin 15 Höfe, meist im 
westlichen Teile des Bezirks.- 

Mit den Schenkungen von Krongütern gehen Verleih- 
ungen von Kegalien und insbesondere von Grafschaftsrechten 



* Ygl. für Romagna St. 434 (für Kloster Claese 1 Hof), St. 332 
(für Bist. Modena Güter der Söhne Berengars), St. 318 (Antoniano). Für 
Venetien St. 310 (Bist. Ceneda),St. 331 (Bist. Belluno 3 Castelle), St. 472 
(Bist. Treviso Castell), St. 431 (für S. Zeno), 343a(Inoisas für Aquileja). 
Unteritalien St. 490 (für Monte Cassino). 

* Cf, Provinz Alessandria im zweiten Buob. 



~ 41 

Hand in Hand,' wodurch die oft als Pertineiizen zugehörigen 
Ueichsbesitzungen auch verloren gingen. 

Gehen wir zu den Schenkungen der späteren Üttonen 
über, so vergabte Otto H. an den Kaufmann Baribert (St. 
858 a, DO. IL 312) ein Stück der Stadtmauer von Como. 
Der Bischof von Ghur erhielt zuerst den Zoll auf der Brücke 
zu Chiavenna mit den Knechten, die zur kaiserlichen Villa 
Chiavenna gehörten (St. 782, DO. IL 237), später das Castell 
daselbst mit den Lehen des Grafen Amizo (DO. HL 175). 
Bedeutender sind die Schenkungen Ottos HL Die tieffliche 
Gelegenheit, die die Unruhen in Oberitalien 999 boten, wollte 
oder konnte man nicht ausbeuten. Mit den konfiszierten 
Gütern wurde der königliche Kanzler Bischof Leo von Ver- 
celli dotiert (St. 1190, 1243. DO. HL 323, 383). Doch nicht 
genug damit. Bischof Leo erhielt, ausser den Grafschafts- 
rechten in Vercelli und Santia (St. 1191. DO. HL 324), im 
Jahre 1000 noch den grossen Reichsforst zwischen Bona 
und Stura im Süden der Grafschaft Vercelli (St. 1242, DO. 
HI. 384) und die mansi in Carezzano, von denen Honig für 
den Fiskus geliefert wurde, den Forst Mortigliengo und die 
Goldwäscherei. 1001 erhielt er noch die 2 Höfe Bioglio und 
Chiavazza (St. 1247, DO. HL 388). Der Bischof von Turin 
bekam die grossen an der burgundischen Grenze gelegenen 
Thäler der Varaita und Stura mit den Klausen in den See- 
Alpen (St. 1167, DO. m. 302). Das Nonnenkloster St. Felix 
in Favia wurde mit zwei Königshöfen Gamondo und Corve- 
tula und dem bereits von Adelheid verschenkten Marengo 
dotiert (St. 1273, DO. IH. 415). 2 

Nach Ottos Tode wurde Arduin, Markgraf von Ivrea, 
König, der selbst beträchtliche Güter im nördlichen Piemont 
besass. Ausserdem nahm er Besitzungen des Bistums Ver- 
celli, aus denen er das Kloster Fruttuaria beschenkte.^ Eben- 

* Es ist nicht unsere Aufgabe, dies im einzelnen zu verfolgen, cf. 
Ficker, Forschungen § 220. Bd. 2 p. 15 ff. 

^ Auch im übrigen Italien kennen wir eine Reihe von Schenkungen 
Ottos III. St. 1025 1282 1295 Treviso, 1163 Verona, 1260 Aquileja. 
1090 Lucca, 1279 Arezzo, 1268 Pisa. DO. IIL 421-423 in Toscana. 

' Vgl. Löwenfold, Leo von Vercelli, 1877, p. 27. 



— 42 - 

falls aus Vercelleser Gut dotierte er den Diakon Teudevert 
von Ivrea mit dem Hofe Orco im Gebiet von Ivrea (St. 1846) ; 
das Bistum Pavia erhielt von seinem Sohn 175 Joch bei 
Gravellona, wahrscheinlich aus dem Privatgut der Mark- 
grafen, von Arduin selbst aus dem Reichsgute Hof und Burg 
Kosasco in der Lomellina und die Hälfte von Pontesello und 
Sellenigia (St. 1850. 51). Ebenfalls aus dem Reichsgut rührt 
die Schenkung vom Castell zu Bellinzona her, die Arduin 
1002 dem Bischof Feter von Como (St. 1842) machte. 

Heinrich II. konfiszierte sämtliche Güter Arduins 
und seiner Anhänger. Doch den grössten Teil gab er den 
Erben Arduins zurück, die konfiszierten Besitzungen benutzte 
er dazu um die ihm befreundeten Bischöfe zu dotieren. So 
erhielt der durch Arduin besonders schwer geschädigte 
Bischof von Vercelli 1014 die Güter einer grossen Anzahl 
von Anhängern Arduins (St. 1634), der Bischof von Pavia 
die Güter des Markgrafen Otbert, des Grafen Hubert u. a. 
(St. 1633), die nach § 1 der Lex Rothari konfisziert worden 
waren. Der Bischof von Como erhielt neben der Bestätigung 
des von Arduin geschenkten Castells Bellinzona (St. 1383) 
das dem Grafen Sigfried gehörige Barzano in der Brianza 
(St. 1655) und das Kloster S. Abondio bei Como, die Güter 
des Albert von Parma und seiner Söhne zu Talamona im 
Veltlin (St. 1656). Auch in Toskana fanden Konfiskationen 
statt (St. 1669). Dabei ist es nicht ausgeschlossen., dass 
auch einige Güter in der Hand des Königs blieben. Wahr- 
scheinlich ist dies bei Montiglio, das dem Arduin gehört 
hatte und in der salischen Zeit Reichsgut war, möglich auch 
bei Trumello, Settimo, S. Giorgio u. a. ^ Verleihungen von 
alten Reichsgütern in unserem Gebiet fanden unter der Re- 
gierung Heinrichs gar nicht statt.*'^ 

Die Rekuperationen von Reichsgut setzten Konrad IL 
und Heinrich III. in nachdrücklicher Weise fort. Welchen 



* Die Konfiskationen Heinrichs II. waren so gefürchtet, dass man 
sich ihnen sogar durch Scheinverkäufe zu entziehen suchte. Vgl. Bress- 
lau, Konrad II. 1 p. 374. 

« Für Toscjina cf. St. 1557, Treviso St. 1691. 



— 43 — 

Anteil Konrad, welchen Anteil Heinrich an diesen Er- 
werbungen gehabt haben, lässt sich nicht näher nachweisen. 
Jedenfalls wissen wir, dass unter Heinrich IV. eine grössere 
Anzahl von Höfen wieder königlich ist, die es unter den 
Ottonen nicht gewesen war. Von einem Ort, Foro, erfahren 
wir ausdrücklich, dass Heinrich HI. ihn erworben hat (St. 
2735) und von einigen anderen können wir es daraus 
schliessen, dass Heinrich HI. allein dem Kloster S. Salva- 
tore zu Pavia, dem eine Reihe Güter an Tanaro und Orba 
gehörten (s. o.), kein Privileg erteilt hat. Doch ist es sehr 
wahrscheinlich, dass auch Konrad H., der in Deutschland 
auf den Domänenbestand so grosses Gewicht legte (vgl. 
Bresslau, Konrad H. Bd. 2 p. 354 if.), denselben auch in 
Italien wieder hergestellt und vermehrt hat. Eine Re- 
kuperation von Burgen und Orten, im südöstlichen und 
südlichen Piemont und eine Feststellung ihrer Leistungen 
mag im Zusammenhang mit der Expedition nach Orba im 
Frühjahr 1026 (vgl. Bresslau 1, 125) erfolgt sein. Zu Re- 
kuperationen im westlichen Piemont mögen die Kreuz- 
und Querzüge des Königs im Herbst 1026 Anlass gegeben 
haben (Bresslau 1, 134). Wahrscheinlich ist die Wieder- 
erwerbung von Marengo, wo 1043 der Königsbote Adalgar 
am 6. Juli in der Loggia vor dem Haus des Königs ur- 
kundet (Ficker 4 no. 59), schon unter Konrad II. erfolgt, 
da Heinrich erst 1046 zum ersten Male nach Italien ge- 
kommen ist. Durch die Verlobung Heinrichs IV. mit Bertha 
mögen auch einige Höfe als Mitgift Berthas an den deutschen 
König gekommen sein. Matthäi (Lomb. Politik p. 13 Anm. 1) 
führt dagegen an, dass das Verzeichnis der Königsgüter, 
unsere Hauptquelle für diese Verhältnisse, von Besitzungen 
des römischen Königs spricht, nicht von Hausgütern; doch 
so streng wurde die Scheidung in einem in Deutschland 
angelegten Verzeichnis, in dem es doch hauptsächlich auf 
die Einkünfte ankam, kaum durchgeführt. Der zweite 
Grund, das Verzeichnis sei vor der Verheiratung Heinrichs, 
die am 13. Juli 1066 in Tribur erfolgte, angelegt worden, 
fällt hinweg, wenn wir annehmen, dass schon bei der Ver- 
lobung bestimmte Burgen an den König ausgeliefert worden 



-_ 44 - 

waren. Von einigen Orten, wie Susa, 8aluzzo, Avigliana, 
Piossasco, ist es sehr wahrscheinlich, wenn nicht sicher, 
dass sie aus dem Gute der Grafen von Turin stammten.^ 

Eine weitere bedeutende Erwerbung machte Heinrich III. 
in Cliiavenna, das er einem Grafen Eberhard tibertrug (St. 
2665). Damit war der wichtige Ort wieder Keichsbesitzung, 
während der frühere Graf Kudolf wohl ein Lehnsmann des 
Bischofs von Como war (vgl. Bresslau Bd. 2 p. 441 und 
Anm. 1). Beachtenswert ist auch, dass Heinrich HL den 
Ort weder Chur noch Como bestätigt hat. 

Diesen Erwerbungen stehen sehr wenige Schenkungen 
in den Regierungen der beiden ersten Salier gegenüber. 
Sehen wir von der wahrscheinlich falschen Misox betreffen- 
den Urkunde (St. 1905 Vergl. Bresslau 2 p. 440 f.) ab, so 
kennen wir für unser Gebiet nur eine Schenkungsurkunde 
fürs Bistum Brescia, dem Konrad II. 1037 (St. 2096) den 
Hof Castenedolo verlieh. Konfiszierte Güter in Chiavenna 
und Plurs schenkte er 1038 den Kanonikern und dem 
Marienstift in Chur (St. 2101, 2112), Güter der aufständigen 
Cremonesen dem Bischof der Stadt (St. 2129). Von Hein- 
rich HI. kennen wir keine einzige unser Gebiet betreffende 
Schenkungsurkunde, wenn wir von den Dotationen der Agnes, 
die Marengo und Gamondo (St. 2666, 67) Peccorara und 
Pontecurone (St. 2851a) zu ihren zahlreichen deutschen Höfen 
erhielt, absehen.^ 

Kurz nach dem Tode Heinrichs III. wurde eine Zn- 
sammenstellung der Königsgüter in Deutschland angelegt 
(Böhmer Fontes 3, 397 f. Const. no. 440. Vgl. Matthäi 
p. 12 f. 36 f. Waitz 8, 230), in der sich auch 28 lombar- 
dische Königshöfe finden, von denen nur 2, Savona und 



* So meint Bresslau, Konrad IL Bd. 1, 878. Dass das Ver- 
zeichnis vor 1065 angefertigt wurde, steht allerdings nach den Aus- 
führungen Weilands Const. p. 646 f. fest. Doch liegt die Möglichkeit vor, 
dass Nachtragungen stattgefunden haben. 

* Aus Venetien kennen wir aus der Regierungszeit Konrads 
Schenkungsurkunden St. 2133 a im Gebiet von Ceneda, St. 1988 in Krain, 
St. 2019 in Verona. Vgl. auch Bresslau, Konrad II. Bd. I, 491. 



— 45 — 

Albenga nicht in unser Gebiet hineinfallen. Leider ist das 
Verzeichnis so schlecht erhalten, dass sich etwa ein Viertel 
nicht bestimmt ermitteln lässt (Carvalar, Rubiniacum, 
Viguila, Tronibal nicht sicher zu ermitteln, S. Giorgio und 
Septime lassen mehrfache Deutung zu). Ferner ist das 
Verzeichnis nicht vollständig, da wir auch mehrere Orte 
ausserhalb desselben kennen, die zum Reichsgut gehörten. 
Versuchen wir nach Const. 440 und den sonstigen Quellen 
die Reichsgüter um 1056 zu rekonstruieren.^ 

A. Lombardei. 

a) Provinz Brescia. 

L Darfo im Val Camonica St. 2336. 

b) Provinz Sondrio. 

2. Chiavenna St. 2665. 1065 von Heinrich IV. ver- 
schenkt. 

c) Provinz Pavia. 

3. Lomello (Lombel) Cr. noch unter Friedrich L „im- 
periale oppidum" Otto Fris. 2, 25. 

4. Trumello (?) (Tronibal) Cr. 

5. Corana Cr. Gut von S. Salvatore CL. 997. 

6. S. Giorgio (?) Cr. = San Giorgio zwischen Asti 
und Casale nach Const. oder in der Lomellina. 

7. Vigevano (St. 2653 mit Pertinenzen) vielleicht 
identisch mit dem Viguila der curiae regales. Nach 
Const. ist Viggiü Prov. Como, nach Matthäi Vigol 
bei Tortona in Cr. gemeint. 

d) Provinz Mantua. 

8. Mantua „palatium" St. 2481. 

9. Castellaro St. 2847. Von Heinrich IV. 1082 an's 
Bistum Trient verschenkt. 

B. P i e m n t. 
a) Gebiet von Tortona. 

10. Pontecurone (Bypont Cr. Ponti Prov. Alessandria 
nach Const.) 

11. Peccorara bei Tortona. 



* Nähere Nachweise im territorialen Teil. Für das Verzeichnis 
der Curiae Regales ist die Abkürzung Cr. gebraucht. 



— 46 — 

12. Villa sicca. 

Die drei Orte, Höfe der Agnes, später dem Bis- 
tum Tortona gehörig St. 2851a. 

13. Marengo (Marona) Cr. St. 2667 Gut der Agnes. 

14. Basaluzzo (Basiliadus Cr. Basiglio Prov. Mailand 
nach Const.) — 13 und 14. sind Güter von S. Sal- 
vatore, s. o. 

b) Gebiet von Acqui und Asti. 

15. Villa del Foro (St. 2735) fehlt im Verzeichnis 
der Curiae. 

16. Sezze (Zeca) Cr. cf. CL. 553. 

17. Retorte (Retor) Cr. und St. 2658. (1065 von 
Heinrich IV. verschenkt. Damit ist der terminus 
ad quem des Verzeichnisses bestimmt nach Const.). 
cf. CL. 553. 

18. Gamondo (Gamunda) Cr. St. 2666 CL. 553. DO. 
III. 415. Gut der Agnes. 

19. Ruvignano (Rubiniacum Cr. Robbiano Prov. 
Mailand nach Const., oder Rubbiano Prov. Cremona). 

20. Canelli Cr. 

21. Annone(Naum Cr. Nene Prov. Torino nach Const). 

c) Gebiet von Montferrat. 

22. Torcello (Tarcul) Cr. altes Gut des Bistums 
Vercelli. 

23. Montiglio (Montilin) Cr. cf. St. 1841/43. (Montilio 
bei Bobbio Matthäi). 

24. Casale St. 2737. 

25. Redena St. 2737 (od. Redengo b. Asti). 

26. Odalengo St. 2737. 

27. Mirabelle St. 2721. 

28. Pecetto St. 2721. 

d) Gebiet von Vercelli. 

29. Albalengo St. 2737. 

30. Olcenengo „ „ 

31. Momolerium „ „ 

32. Seivolina „ „ 

e) Gebiet von Turin. 

33. Settimo Cr. 



— 47 — 

34. Susa Cr. \^ wahrscheinlich aus dem Gut der 

35. Avigliana Cr. / Bertha. 

36. Testöna Cr.) ^ . r^^ ... 
»^r, /ii • • i^ / Türmer Kirchenguter. 

37. Chieri Cr. f ^ 

38. Turin Cr. („allodium suum"). 

39. Rivoli Cr. (od. Revello bei Saluzzo Const.) Turiner 
Kirchengut. 

40. Piossasco Cr. Gut der Bertha? 
f) Südwestliches Piemont. 

41. Saluzzo Cr. Gut der Bertha. 

42. V2 Lavezzole St. 2992a. 

43. Carassone St. 2917. 

44. Cornegliano b. Alba vgl. Böhmer AJ. sei. no. 158. 

45. Cavallermaggiore (Cavallar) Cr. 

Wie man sieht, war dies ein recht beträchtlicher 
Domänenbesitz, der 1056 — 1065 sich in der Hand der Krone 
befand. Allein aus den im Verzeichnis genannten 28 Höfen 
bekam der König 5700 Mark (davon Savona und Albenga 
zus. 400, allein in unserem Gebiet 5300), und 49 servitia. 
Leider wissen wir nicht wie gross das Servitium in Italien 
gewesen ist.^ 

Sehr wahrscheinlich ist es, dass die grossen Dynasten- 
geschlechter Piemonts sich schon während der Kindheit 
Heinrichs in den Besitz von Reichsgütern gesetzt haben. 
Doch auch Heinrich IV. selbst verschenkte eine grössere 
Anzahl der von seinen Vorfahren gemachten Erwerbungen. 
Besonders reich bedachte er seinen italienischen Kanzler 
Gregor von Vercelli, der von ihm 1069/70 in 2 Schenkungen 
die beiden in Montf errat gelegenen Castelle Mirabelle und 
Pecetto und dann 7 Höfe in Montferrat und der Grafschaft 
Vercelli mit Servitien und Grafschaftsrechten erhielt (St. 
2721, 2737). Dem Bischof von Como gab Heinrich am 
20. Mai 1065 die Klausen und Brücken von Chiavenna 
zurück, den Grafen Eberhard mit Hochfelden im Elsass ent- 
schädigend (St. 2658). Später, im Jahre 1093 erhielt der 
Bischof von Asti die beiden Burgen Lavezzole und Carassone 



» Vgl. Buch 111 



- 48 — 

(St. 2917, 2992 a), der Bischof von Tortona von der Kaiserin 
Agnes Ponteeurone, Peccorara und Villasicca eine Schenkung, 
die Heinrich ihm bestätigte (St. 2851a), der Bischof von 
Trient wurde 1082 mit Castellaro in der Grafschaft Mantua 
investiert (St. 2847). Von Klöstern bekam S. Salvatore zu 
Pavia ausser einer Bestätigung^ seiner Güter, zu denen 
Marengo, Corana und Basaluzzo gehörten (St. 2799), am 
3. April 1077 noch eine besondere Urkunde, die die Martins- 
kirche zu Marengo bestätigte (St. 2799 a). Vielleicht wurde 
nur diese, nicht aber der Hof dem Kloster wirklich restituiert. 
Zwei Schenkungen Heinrichs wurden dem Kloster Fruttuaria 
zwischen Turin und Ivrea zugedacht, dem Heinrichs Mutter 
sehr nahe stand (vgl. Giesebrecht 3 p. 83, 96), 1065 erhielt 
es Retorto, 1070 Villa del Foro (St. 2658, 2735).2 

Der Reichsgutbestand nahm so unter Heinrich IV. sehr 
stark ab und Benzo hatte Recht mit seinen Worten : „quasi 
unus ex nobis mendices cum videas alios tuis vectigalibus . 
felices" (MG. SS. 11, 602). Da eröffneten sieh für die Bildung 
eines Reichsterritoriums im oberen Italien 1090 und 91 die 
besten Aussichten. 1090 zog Heinrich zum dritten Male 
über die Alpen und begann den Kampf mit der grossen 
Gräfin; es gelang ihm im Sommer bereits ihr Gebiet links 
vom Po mit den wichtigen Burgen Rivaita und Governolo 
und 1091 auch die Stadt Mantua zu gewinnen (cfr. Giese- 
brecht 3, 645 (Overmann, Gi^äfin Mathilde 157). 

Noch glänzendere Aussichten eröffneten sich zu Ende 
des Jahres 1091 in Piemont. Am 19. Dezember starb die 
neben Mathilde mächtigste Dynastin Oberitaliens, die Mark- 
gräfin Adelheid von Turin. Der Markgraf von Turin war 
1021 auf 1000 000-^ Joch (d. h. 7859 Dkm, ein Gebiet so 
gross wie das Grossherzogthum Hessen 7682 Dkm) ge- 
schätzt worden; wenn auch Adelheid viel verschenkt hatte, 



* Hierauf wäre nicht viel zu geben, da die Vorurkunde gedanken- 
los wiederholt ist. 

2 Ferner Privileg für Vigevano St. 2658, Schenkung in Tuscien 
St. 2895. 

3 \^l Bresalnu, Konrud IT. Bd. 1, p. 70. 



— 49 — 

so war ihre Erbschaft, die sich über die Gebiete von Savoyen, 
Turin, Susa, Ivrea, Pinerolo, Saluzzo, Asti erstreckte, noch 
sehr bedeutend. Ansprüche hatte nun Koiirad, der Sohn 
Heinrichs und Berthas, der Enkel Adelheids; der Kaiser 
sandte ihn mit einem Heere aus, um sich in den Besitz 
der Erbschaft zu setzen. Dies Gebiet hätte sich viel leichter 
behaupten lassen als das Mathildische, da es mit dem Reiche 
in weit näherer Verbindung stand und nicht zu Konflikten 
mit der Kirche Anlass gegeben hätte. Dazu wäre die Be- 
herrschung der Alpenpässe, des Mt. Cenis, des grossen und 
kleinen Bernhard, der Besitz der Strassen nach Genua un- 
gemein wichtig gewesen. Konrad hatte auch Erfolg; es 
gelang ihm Turin, Asti und Chieri zu besetzen, die wich- 
tigsten Städte in Adelheids Land.^ 

Da erreichte es die kirchliche Partei im Frühjahr 1093, 
unter besonderer Mitwirkung der bedrohten Grossgräfin, den 
Kaisersohn zum Verrat am Vater zu bewegen.^ Dies wurde 
auch für die Schicksale des Reichsguts und die Pläne 
Heinrichs entscheidend. (Vgl. Matthäi p. 18). Ebenso wenig 
wie sich der Kaiser ohne Konrad gegenüber Mathilde zu 
halten vermochte, ebensowenig konnte es Konrad den 
Prätendenten gegenüber, die die Erbschaft Adelheids an 
sich zu reissen suchten. Die Krone ging nicht nur leer 
aus, sondern verlor auch den Rest, den sie noch besessen 
hatte. Die Krisis von 1098 wurde für das alte lombardische 
Reichsojut entscheidend. 



' Vgl. Muletti, Saluzzo 1, 391 ff. — Wurstemberger , Peter 1, 
31 — Cibrario, Savoia 1, 165 flF. 
2 Vgl. Overmann p. 160. 



D a r m s t ü d t e r , Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 



50 



IV 



VOM AUFSTAND KONRADS (1093) BIS ZUM TODE 
FUIEDRICHS IT. (1250). 

A. BIS ZUR THRONBESTEIGUNG FRIEDRICHS I. 
(1093-1152.) 

Im Laufe des 11. Jahrhunderts vollzog sich in Ober- 
italien die Bildung communaler Organisationen. Doch im 
Gegensatz zu Deutschland giebt es in Italien nur wenige 
Kommunen, die sich auf Reichsgut entwickelt haben. Zwar 
werden in einer grösseren Anzahl von Gemeinden, z. B. 
in Chieri, Susa, Turin Reichshöfe genannt, doch dies 
besagt nur, dass das Reich in der betreflfenden Stadt Gut 
hatte, nicht dass es die Stadt besass. In einigen dieser 
Orte mögen sich die Bürger auf gewaltsamem Wege des 
Reichsguts bemächtigt haben ,^ in anderen wurde durch 
königliche Urkunde die Verlegung der Pfalz aus der Stadt 
hinaus verfügt, so z. B. in Mantua, Cremona, Lucca (vgl. 
Bresslau, Konrad II Bd. 1, 67). In anderen Orten wie z. B. 
in Turin blieb die Pfalz innerhalb der Mauern. 

Dagegen gab es auch einige wenige Communen, die 
auf Reichsboden erwachsen sind. Wie aus dem Verzeichnis 
der Curiae hervorgeht, waren die meisten Höfe zu festen 
Leistungen verpflichtet; daraus ergab sich, dass der Hof 
als ganzes eine Korporation bildete, aus der die Commune 
entstanden ist. Ein solcher Ort ist Gamondo, wo schon llOG 
ein populus Gamondiensis erwähnt wird, der eine Schenkung 
von einem gewissen Bruno entgegennimmt (Lib. crucisno. 29 
p. 38). Der Schwesterort Marengo erscheint 1135 als 
Commune (Lib. iur. gen. 1, 49), mag es aber auch schon 
früher, gewesen sein. Wahrscheinlich sind auch Vigevano 



* So z. B. wurde in Pavia die Pfalz zerstört. 



- 51 — 

in der Lomellina, und vielleicht Menaggio (St. 3149) solche 
auf Reichsgut erwachsene Orte. 

Diese Gemeinden blieben trotz ihrer communalen Or- 
ganisation de iure Reichsgut und nach wie vor zu den 
Leistungen eines solchen verpflichtet. Der König blieb 
befugt die Orte zu verschenken oder zu Lehen zu geben; 
thatsächlich aber nehmen sie doch eine freiere Stellung ein 
als die ländlichen Domänen. Auch einige Thalgemeinden, 
wie z. B. das Val Canionica erlangten eine ähnliche 
Stellung, wie die städtischen Communen. 

Die städtische Entwickelung wurde von den späteren 
Saliern begünstigt. Heinrich V., der später sich den 
Communen besonders geneigt zeigte (Giesebrecht 3, 874), 
dachte nicht daran, die verlorenen Reichsgüter im Westen 
der Lombardei zu rekuperieren, da sich ihm im Osten die 
glänzendsten Aussichten boten. 1115 war die Grossgräfin 
gestorben und im folgenden Jahre zog der Kaiser nach 
Italien um sich in den Besitz ihrer Erbschaft zu setzen ; es 
ist nicht unsere Aufgabe die Schicksale der Mathildischen 
Güter zu verfolgen,^ doch wollen wir erwähnen, dass ihr 
in unserem Gebiete grosse Güter gehörten. Es handelt 
sich insbesondere um Orte in der Umgebung von Mantua 
(Governolo, Scorzarolo u. a.), Nogara, Guastalla, Luzzara, 
Gonzaga, Pegognaga und Bondeno, Besitzungen, die auf 
Heinrich V. übergingen. Während seines ersten Aufenthalts 
in den canusinischen Gebieten — er war im April in Canossa 
(St. 3135), im Mai in Governolo (St. 3136/40 - traf er 
schon Verfügungen über ehemals Mathildische Güter. So 
erhielt das Kloster S. Benedetto in Polirone eine Wiese mit 
Haus in Gonzaga (dazu Wälder im Gebiet von Reggio. 
St. 3138) und die Stadt Mantua das wichtige Kastell zu 
Rivaita am Mincio (St. 3137). Sonst kennen wir keine 
Verleihungen Heinrichs in unserem Gebiet.^ Dass der 
Aufenthalt des Kaisers in piemontesischen Orten, wie 



* Vgl. Overmann , Gräfin Mathüde von Tuscien. Innsbruck 1895. 
' Die Herren von Bulgaro erhielten 30 t£ von den Sesiaüber- 
falirtsgebühren zu Palestro. St. 3057. 

4* 



— 52 — 

Pasiliano und Bergoglio (St. 3142, 3147) darauf schliessen 
lässt, dass dort von ihm Güter in Anspruch genommen 
wurden, möchten wir nicht behaupten (vgl. Matthäi p. 19. 
20). Eher möchten wir aus dem Aufenthalt in der alten 
Reichsburg Garda (St. 3063) schliessen, dass dieser Ort 
damals zum Reichsgut gehört hat. 

Wie sein Vorgänger, so legte auch Lothar III. das 
Hauptgewicht auf das Mathildische Gut. So nahm er 1136 
die widerspänstige Stadt Guastalla ein, die wohl auch gern 
die freie Stadt spielen wollte, und gab sie Heinrich dem 
Stolzen zu Lehen (Bernhardi, Lothar p. 651). Doch auch 
in Piemont wahrte Lothar die Rechte des Königtums gegen 
die aufrührerischen Communen. So griff er das auf Reichs- 
boden liegende Gamondo an und demütigte die Stadt, wie 
er auch Turin besiegte und eroberte. Lothar oder Konrad 
ist es gewesen, der Gamondo und das benachbarte Marengo 
dem Markgrafen von Montferrat zu Lehen gegeben hat, 
in dessen Besitz wir später die beiden Orte finden (vgl. 
Matthäi p. 20). 

Von Schenkungen Lothars ist nur eine an das Kloster 
S. Benedetto di Polirone zu erwähnen, das Grundstücke in 
dem zum Mathildischen Gut gehörigen Pegognaga erhielt 
(St. 3421 von Konrad III bestätigt). Der gleichen Abtei 
schenkte Konrad III. 1146 acht Hufen in Paladana und 
3 Ackerstreifen in Gonzaga ebenfalls aus dem Mathildischen 
Gut (St. 3517). Den Ort Nogara schenkte er dem Kloster 
Nonantola (St. 3477), erhielt ihn aber von dieser als Lehen 
gegen Jahreszins zurück (Overmann p. 55). Eine Belehnung 
von 1142 an den Mailänder Otto Visconti, der dem König 
wichtige Dienste geleistet hatte, betraf Massino am Lago 
maggiore (St. 3438). i 

B. FRIEDRICH I. 1152-1167. 
BIS ZUR BILDUNG DES LOMBARDENBUNDES. 

Während es — abgesehen vom Mathildischen Gut — 
um die Mitte des 12. Jahrhunderts nur wenige Keichs- 



» Vgl. Buch IL 



— 58 

besitzungen in unserem (jebiete gab, gelang es Friedrich I. 
einen beträchtlichen Domänenbesitz in Oberitalien wieder 
zu begründen, der sich zwar während seiner Regierung oft 
veränderte, am Schlüsse derselben aber ein beträchtliches 
Territorium umfasste. Die Gesichtspunkte, die Friedrich 
dabei verfolgte, waren zu verschiedenen Zeiten verschiedene 
und richteten sich durchaus nach der allgemeinen Politik 
des Kaisers. In der ersten Hälfte seiner Regierung dachte 
er daran ein grosses zusammenhängendes kaiserliches Terri- 
torium in der lombardischen Ebene zu bilden, Pläne, die 
mit der grossen Katastrophe von 1167 endgültig scheiterten. 
Später, da seine Politik überhaupt mehr mit den realen 
Verhältnissen rechnete, als sich in ungeheuren Projekten 
zu verlieren, ging Friedrichs Bestreben darauf hin, sich 
eine Anzahl für die Beherrschung des Landes wichtiger 
strategischer Punkte zu sichern und ländliche Gebiete nur 
in so weit hinzuzunehmen, als sie zur Verproviantierung 
der Burgen und festen Plätze notwendig erschienen. Die 
Entwicklung des Reichsguts und den Gang von Friedrichs 
Domanialpolitik im einzelnen zu verfolgen, wollen wir in 
den nachstehenden Betrachtungen versuchen. ^ 

Auf dem ersten Römerzuge (1154/55) entspann sich 
sofort der Konflikt mit Mailand. Der König, der über den 
Brenner in die Lombardei eingerückt war, umging die Stadt 
im Süden und wandte sich gegen einige mailändische Burgen 
am Tessin, die die Strassen nach Pavia und Novara be- 
herrschten. Er brach hier die Castelle von Rosate, Trecate, 
Torre di Momo und das erzbischöfliche mit 4 Türmen und 
Mauer versehene Castell von Galliate (Gesta Frid. p. 17, 
Otto Fris. 2, 18). Wahrscheinlich wurde der Grund und 
Boden dieser Orte Reichsland, bis die Mailänder die Orte 



1 Die Domänenpolitik Friedrichs I. ist bereits ausführlich be- 
handelt in dem bereits oft angeführten Aufsatz von Matthäi p. 21-36. 
Trotzdem kann ich des Zusammenhangs wegen nicht darauf verzichten 
auf diesen Teil der Geschichte des Reichsguts näher einzugehen , zu- 
mal ich nicht in allen Punkten mit dem Verfasser der Schrift einver- 
standen bin. 



— 54 - 

1157 wieder eroberten. (Gesta p. 28). Dann zog der König 
gegen die südöstlich von Turin gelegenen Städte Chieri 
Jinid Asti, die auf Antrag des Markgrafen von Montferrat 
gebannt worden waren. (Über den Prozess vgl. Ficker 1, 
§ 86). Chieri wurde dem Bischof von Turin überlassen, der 
seinerseits den Grafen von Biandrate mit der Stadt belehnte 
(St. 3833). Asti und Gebiet zog Friedrich wahrscheinlich 
für den Fiskus ein. Doch die Bewohner kehrten später 
wieder in die Stadt zurück und machten 1159 ihren Frieden 
mit dem Kaiser. Die Rechtslage von Asti und einigen 
anderen Städten, die noch zu besprechen sein werden, 
wurde eine ähnliche wie die von Gamondo und Marengo, 
da Asti nun als eine* auf Reichsboden gebaute Stadt 
galt. Die Bürger verpflichteten sich jährlich zu St. Martin 
140 Mark Silber, die Hälfte für die Stadt, die Hälfte für 
ihr Gebiet, und noch besonders 50 Mark für die Überlassung 
der Burg Annone an den kaiserlichen Fiskus zu zahlen. 
(St. 3844). Nach der Bezwingung Astis wandte sich Friedrich 
gegen das mit Mailand verbündete Tortona, das ebenfalls 
geächtet worden war. Auch diese Stadt wurde erobert, 
zerstört und ihr Gebiet für den Fiskus eingezogen, (vgl. 
St. 4755 a. Const. 284 ff. „Reconciliatio Tortonae"). Wahr- 
scheinlich fand auch damals bereits die Rekuperation von 
Marengo statt. 

Die Erfolge, die der Kaiser so in Piemont erreicht 
hatte, waren sehr bedeutend zu nennen, doch es fehlte eine 
feste Organisation, eine gute nach militärischen Rücksichten 
geordnete Verwaltung, um das gewonnene zu behaupten. 
So nimmt es uns denn nicht Wunder, dass in den Jahren 
1155-57 ein grosser Teil des 1154 55 eroberten Gebiets 
wieder verloren ging. Die Mailänder machten Einfälle in 
das Territorium von Tortona (vgl. Gesta p. 18 ff.), stellten 
die Castelle Galliate und Trecate wieder her, bauten Tortona 
und Lomello wieder auf (Gesta p. 28) und spotteten aller 
vom Kaiser getroffenen Anordnungen. 

Nachdem die von Friedrich ausgesandten Boten durch 
Verhandlung die wichtige zur Grafschaft Garda gehörige 
Burg Rivoli an der Etsch gewonnen hatten (Rahew. 3, 20), 



konnte der Kaiser im Sonnner 1158 den Brenner sicher 
überschreiten und zum zweiten Male in die lombardische 
Ebene einrücken. Sofort begann er den Kampf gegen das 
aufrührerische Mailand, das feierlich geächtet wurde. Zuerst 
nahm er die mailändische Burg Trezzo, den Brückenkopf 
an der Adda, an der Strasse nach Bergamo, und Hess hier 
eine Besatzung zurück (Rahew. 3, 32). Dann schritt er zur 
Neugründung des von den Mailändern, zerstörten Lodi, 
dessen Boden er mit der Fahne den Consuln zu Lehen gab. 
(Giesebr. 5, 157). Am 7. September 1158 kam der Friede 
mit Mailand zustande (St. 3818. Const. 174). Für uns kommt 
von den Bestimmungen von allem in Betracht, dass die 
Mailänder sich verpflichteten in der Stadt eine kaiserliche 
Pfalz zu errichten und zu erhalten, wogegen sich gerade die 
oberitalienischen Städte seit mehr als 100 Jahren so sehr 
gesträubt hatten (man denke an Pavia und die Privilegien 
Heinrichs IV. und V.). Die Grafschaften Martesana und 
öeprio wurden von Mailand losgelöst^ und Gozwin von 
Heinsberg als Keichslehen übertragen, vermutlich mit den 
mailändischen Gemeindegütern und Gastellen in diesen nörd- 
lichen Distrikten des Mailänder Territoriums (Gesta p. 34). 
Nach Trezzo, einer Hauptstütze der kaiserlichen Macht im 
nordöstlichen Gebiet von Mailand, legte der Kaiser eine 
Besatzung von 100 Kittern (milites) unter Konrad de Maze 
und Rodeger. 2 Der Stadt Monza wurde ihre Reichs- 
unmittel barkeit wieder hergestellt und die Pfalz mit grossen 
Kosten renoviert. (Rahew. 3, 50 u, 4, 86). Monza selbst 
wurde in einem besonderen Prozess, den der Kaiser gegen 
Mailand einleitete, als Reichsdomäne erstritten. (Rahew. 4. 
11). So wurde die mächtige Commune auf allen Seiten von 



* cf. Giesebrecht 5, 167 Fioker Forschungen § 295, 7. 

* Konrad de Maze ist sicher identisch mit dem Schenk des 
Kaisers Konrad Kolbo von Schipf. cf. Ficker: Reichshofbeamte SB. 
der Wien. Akad. Hist.-phil. Klasse 40. p. 486—488. Vgl. Const. 251. 
„de la Mace'*. Später heisst er auch Konrad v. Klingenberg. Rodeger 
ist vielleicht der Kämmerer des Kaisers Rüdiger. Ficker a. a. 0. 
p. 502. Vgl. auch Giesebrecht 5, 170. 



- 56 -- 

Reichsgütern eingeschlossen , politisch und wirtschaftlich 
hatte der Kaiser Mailand in seiner Hand. 

So ist es denn ganz natürlich, dass sich die Stadt, 
da die ronkalischen Beschlüsse ihr weitere Befugnisse ent- 
zogen, darnach strebte, das äusserste zu wagen, um sich 
von der verhassten kaiserlichen Herrschaft zu befreien. Da 
war besonders die Burg Trezzo den Mailändern ein Dom 
im Auge, da sie die Verbindungen mit Bergamo und Brescia 
beherrschte. Von dieser Burg aus verwüsteten die deutschen 
Ritter die an der Adda gelegenen Güter der Bürger bis 
nach Segrate und bedrückten die Bauern. (Gesta p. 85). 
Die Mailänder zogen in der Osterzeit vor die wichtige 
Reichsburg, worauf gegen sie der Bann wiederum verkündet 
wurde. Nach wenigen Tagen fiel die Veste (Giesebrecht 5, 
192). Der Krieg begann von neuem und wurde mit 
wechselndem Glück geführt. Schliesslich wurde das Gebiet 
von Friedrich zurückerobert und 1162 musste sich Mailand 
selbst ergeben. 

Nun wurde die Stadt und ihr Territorium in Domanial- 
land verwandelt, dessen Oberleitung zuerst Rainald von 
Dassel erhielt, ^ (vgl. Ficker § 278). Heinrich von Lüttich 
wurde kaiserlicher Statthalter im ehemaligen Stadtgebiet 
von Mailand, im August 1162 wurde Peter de Cumino'^ 
sein Vertreter, dem dann der „Schulmeister" genannte 
Geistliche Friedrich folgte (Gesta p. 54, 56). Sein Amts- 
bezirk reichte von Busto Garolfo und Legnano bis Seveso. 
Die Mailänder wurden als Zinsbauern betrachtet (Gesta p. 55. 
Vgl. Buch 3). In dem südöstlichen Gebiet von Mailand 
führte Heinrich der Schwabe, der in Lodi seinen Sitz hatte, 
die gleichen Massregeln durch, in der Burg Trezzo residierte 
Marquard von Grumbach,^ dessen Bezirk bis zur Morgora 
reichte. Seprio und Martesana verwaltete Gozwin von 
Heinsberg. '* Die nordöstlichen Landschaften, insbesondere 



* Ygl. Prov. Mailand und Buch 3. Staufische Verwaltung. 

^ Er scheint einer Mailänder Familie zu entstammen. Ein Opizo 
de Cumino kommt 1198 vor. St. Acta ined. Nr. 423. 

3 Vgl. über ihn Ficker Forsch. § 296, 3. 39; 297, 10. U. 

* Vgl. Ficker 295, 7. 296, 38. 



- bi - 

die Mailänder Güter im Bistum Como regierte der Meister 
Paganus, der auf dem Mt. Baradello hauste.^ Am Corner 
See schalt der Vogt von Augsburg, der die Güter der 
Capitäne in Mandello besass (Gesta p. 56). ^ 

Zur Befestigung der kaiserliehen Herrschaft Hess Fried- 
rich einen Turm zu Noceto, und Pfalzen zu Monza, Lodi, 
Vegentino und Landriano bauen. Die Verwaltung der Do- 
mänen, über die wir unten des näheren zu sprechen haben, 
wurde mit grösster Härte durchgeführt. Von August 1164 
an wurde Markward von Grumbach zunächst Nachfolger des 
Bischofs von Lüttich, dann im November der oberste Beamte 
im Mailänder Distrikte. (Gesta p. 58 59). Er ernannte für 
Mailand selbst mehrere Unterbeamte, die die Abgaben ein- 
forderten. 1166 wurde Graf Heinrich von Dietz Statthalter, 
im folgenden Jahre brach das ganze von Friedrich I. hier 
eingeführte System mit einem Schlage zusammen. 

Im Bezirk von Lodi Hess Friedrich Mombrione an der 
Strasse von Mailand nach Piacenza 1161 besetzen und er- 
baute an dieser Stelle eine neue Festung S. Colombano. Ein 
eigentümliches Schlaglicht wirft auch auf die DomänenpoHtik 
Friedrichs der Umstand, dass er von dem Kloster Chiara- 
valle, vermutlich vor 1167, Land zu Inverno, nördHch von 
Olona kaufte, das er, als es durch die Ereignisse von 1167 
wertlos geworden war, 1176 den Johannitern schenkte. 
(St. 4181a). Das Kloster Morimund erhielt 1174 den eben- 
falls wertlos gewordenen Besitz Fara Vetula und den Erlass 
der Abgaben von Fara Basiliana gegen die jährliche Ent- 
richtung eines aureus (St. 4172). Die westlich vom Tessin 
gelegenen Mailänder Orte und einen grossen Teil des nach- 
maligen Herzogtums Burgaria mit der Burg Dairaga übertrug 



1 Vgl. Ficker § 296, 16. 35 ; 297, 5. Vielleicht ist er identisch 
mit Andreas Paganus, der in der Liste der Mailänder Verräter ge- 
nannt wird. Turin. Univ.-Bibl. Cod. H. V. 37 f. 231. 

* Der Name des Vogtes ist Adelgo? von Sohwabeck. Mandello 
liegt am See von Lecco. ^Hostiensis** bezieht sich nicht, wie Holder- 
Egger Qesta p. 102 meint auf Osteno, sondern auf Augsburg, cf. 
Ficker § 296, 13. 



>- 58 - 

Friedrich 1164 seinem verdienten Kanzler Rainald von Dassel 
zu Lehen 1 (St. 4018). 

In der östlichen Lombardei bildete sich ein umfang- 
reicher Pomanial besitz aus im Anschluss an den Krieg mit 
Crema. Am 17. Mai 1159 gab Friedrich dem Bischof von 
Cremona die Erlaubnis, die Güter seiner mit Crema ver- 
bündeten Vassallen, falls sie nicht zum Gehorsam zurück- 
kehren würden, einzuziehen (St. 3855), am 18. September 
wurde Crema geächtet, die Allodien der freien Cremasken 
sollten dem Kaiser zufallen (St. 3866, Const. 191, cf. Ficker 
§ 99). Am 26. November 1159 gab der Kaiser die Allodien 
der Cremasken in Hof und Veste Gabiano dem Bischof 
Obert von Cremona (St. 3872). In dem übrigen Gebiet von 
Crema, in der sogenannten Insula Fulcherii, die Reichsland 
wurde, verlieh er die Grafschaftsrechte seinem verdienten 
Architekten und Ingenieur Tinto Mussa di Gatta aus Cre- 
mona zu rechtem Lehen. Das Gebiet reichte von der Adda 
bis zum Serio, von Pontirolo bis Pizzighettone und umfasste 
noch die mailändischen Besitzungen östlich der Adda, ins- 
besondere die Burg Prada. Herzog Weif gab die Zu- 
stimmung, da hier die Grafenrechte ehemals der Gräfin 
Mathilde gehört hatten (St. 3876). Es scheint sich dabei 
nur um die Gerichtsbarkeit und die zum Grafengut gehörigen 
Ländereien zu handeln, nicht aber um die Güter der Cre- 
masken. Besitzungen dieser zu Bariano, Corenzo, Mozzanica 
und Rivoltella verlieh Friedrich am 14. Februar 1160 dem 
Bischof von Cremona (St. 3890). Die Stadt Crema und die 
übrigen Güter der Bewohner auf der Insula blieben un- 
mittelbar in kaiserlicher Gewalt. Am 7. März 1162 schenkte 
der Kaiser die Festung und den Ort Crema (castrum cum 
burgo) der Gemeinde Cremona, den Wiederaufbau der Be- 
festigungen verbietend (St. 3931), ohne etwas vom Gebiete 
zu erwähnen, über das damals wahrscheinlich Unterhand- 
lungen geführt wurden. Am 13. Juni 1162 kam ein Vertrag 



* Ein Verzeichnis der Curiae regales im Mailänder Gebiet aus 
Staufischer Zeit findet sich im Cod. H. Y. 37 der Turiner Universitäts- 
bibliothek. Vgl. darüber den Teü II Provinz Mailand. 



- 59 

mit Cremona zu Stande (St. 3952, Coiist. 212), in dem die 
Stadt die vier Castelle Soncino, S. Bassiano, Pizzighettone 
und Castellum novum erhielt gegen die Zahlung von 200 
Mark jährlieh, die wir als Pachtsumme für die überwiesenen 
kaiserlichen Ländereien betrachten können.^ Zugleich wurde 
Crema selbst bestätigt. Die Höfe der Cremasken auf dem 
Land behielt sich aber der Kaiser selbst vor,^ die Bauern 
sollten indes den Cremonesen schwören_, keine Befestigungen 
anzulegen und das Eigentum und die Personen derselben 
zu schützen. Im Jahr 11Ü4 gab Friedrich dem Bischof von 
Cremona noch einige Besitzungen aus dem bei Crema ange- 
sammelten Reichsgut, nämlich die Burgen Maleo, Platena, 
Mota Castri Franchi und den Hof Lamo. (St. 4011. 4012). 
Die übrigen Güter auf der Insula Fulcherii blieben Keichs- 
gut bis zur Erhebung von Cremona. Über die Verwaltung 
dieses Gebiets ist näheres nicht bekannt. 

In den weiter östlich gelegenen Provinzen der Lom- 
bardei machte der Kaiser wenige Erwerbungen. Im Gebiete 
von Bergamo, in Calosco schenkte er 1159 der Kirche 
S. Alessandro zwei Arimanni (St. 3864), in Viadana am 
Po verlieh er dem Markgrafen Cavolcabö nur die Gerichts- 
barkeit über den Ort (St. 3817). Dagegen scheint es, dass 
der Kaiser Guastalla und Luzzara damals besessen hat. 
1159 bestanden hier kaiserliche Zollstätten (Affo, Guastalla 
1, 343), in Luzzara hielt er sich im März 1159 selbst auf. 
(St. 3849). Auch andere mathildische Orte, wie Ficarolo, 
Governolo, Scorzarolo kamen wieder in den Besitz des 
Reiches (vgl. Overmann p. 63.) 

Im Piemont hatte Friedrich schon auf dem ersten 
Zuge die Grundlage zu einem Domanialbesitz gelegt (s. o.) 
Doch hielt er seit 1159 denselben für minder wichtig als 
den mailändisehen , der den Mittelpunkt des kaiserlichen 
Territoriums bilden sollte. 1159 kam der Vertrag mit Asti 



* Ebenso wie im Vertrag mit Asti St. 3844. 

^ „Yillas autem umnes, quas habebant Oremcnses, in nostro 
habebimus domnicatu et potestate atque dominio, excepto oastello et 
burgo Creme." 



60 - 

zu Stande (St. 3844), und im Gebiet von Tortona überliess 
Friedrich die Kegalien der Gemeinde Pavia (vgl. Böhmer 
Acta No. 121). Wie es sich mit den Landbesitzungen der 
Tortonesen verhielt, erfahren wir nicht. Doch scheinen sie 
sich, nach der Keconciliatio Tortonae, in der Hand des Reichs 
befunden zu haben. Unzweifelhaft war Marengo Reichs- 
besitzung, da Rahewin den Ort ausdrücklich „villa regia nennt, 
(4,27), vielleicht auch Gamondo. Friedrich hielt sich 1159 und 
1160 (St. 8842. 44. 46. (Graf, Gründung von Alessandria 
p. 28) in diesen Gegenden auf, scheint aber dann die beiden 
Orte wieder dem Markgrafen von Montferrat zu Lehen ge- 
geben zu haben, in dessen Besitz sie 1164 erscheinen (St. 
4031). 

In der Landschaft nördlich vom Tanaro erzählt Rahewin 
(4,29), dass Friedrich die Kastelle Verrua, Serralonga und 
Lii 1159 ausgerüstet haben soll.^ Dazu scheint der Kaiser 
noch eine ganze Reihe von Orten in der Landschaft Mont- 
ferrat beansprucht, vielleicht auch okkupiert zu haben. Dies 
musste indes den Argwohn des Markgrafen von Montferrat 
erregen und da Friedrich wohl einsehen musste, dass er 
Güter in diesen Bezirken nicht gegen den Markgrafen be- 
haupten konnte und ihm die Hilfe desselben sehr wertvoll 
war, so entschloss er sich 1164 alle Erwerbungen zwischen 
Po und Tanaro ihm zu überlassen. Am 23. September 1164 
schenkte er ihm zunächst die beiden am Po bei Brusasco 
gelegenen Kastelle Vesterna und Cavagnolo (St. 4027), am 
5. Oktober des gleichen Jahres bestätigte er dem Mark- 
grafen sehr zahlreiche alte Lehen, unter denen sich auch 
Marengo, Gamondo (die ihm schon 1145 als Reichslehen 
gehört hatten cfr. Graf pi. 29), Villa del Foro, Novi, Lü, 
finden, und belehnte ihn mit einer Reihe von Orten dazu, 
unter denen wir Mirabello, S. Giorgio, Torcello, Montiglio, 
Cocconato, Marcorengo hervorheben, meist frühere Güter 
der Bistümer Vercelli und Turin. (St. 4031). 

* ^castella et munitiones utpote Verrucam, Serralongani, Lou 
(Rezension C), et caetera quae in terra illa raagis incxpugnabilia nee 
aggressione faoile oapi videbnntur, susccpta, in discrimen hostium et 
ftd suorura presidium sapienter providit.** 



— 61 — 

In den piemontesischen Gebieten links vom Po, den 
Bistümern Novara, Ivrea, Vercelli und Turin war an grosse 
Erwerbungen nicht zu denken, da hier mächtige Herren, 
wie die Grafen von Savoyen, von Biandrate, die Herren von 
Bulgare und von Romagnano, von Lomello und Casalgualone 
das Land beherrschten. Für die von Casalgualone ist eine 
Lehensurkunde von 1152 erhalten (St. 3647), die anderen 
Herren erhielten Bestätigungsurkunden (St. 3652. 3660. 3976. 
4022. für Savoyen sind keine Urkunden erhalten.) Li diesen 
Gebieten machte der Kaiser bis 1167 nur eine Erwerbung, 
nämlich die herrenlos gewordenen Orte Castelvecchio, Castel- 
nuovo und Valle di Canal, die er als Lehen seinem Bruder, 
dem Rheinpfalzgrafen Konrad übertrug. Dieser gab sie 
seinerseits dem Grafen Guido von Biandrate zu Lehen, in 
einer Urkunde, die Friedrich 1162 bestätigte (St. 3926). 

Endlich müssen wir noch erwähnen, dass der Kaiser 
die Burg Annone der Stadt Asti wieder entzog, sei es dass 
die Stadt ihre Zahlungen nicht leistete, sei es dass die Burg 
dem Kaiser für die Behauptung des Landes notwendig er- 
schien. Im Januar 1167 gab er Burg und Ort Annone dem 
Arnold von Dorstadt mit dem Beinamen Barbavaria, nach 
deutscher Sitte, zu rechtem Lehen. Ein guter Falke jährlich 
sollte als Rekognitionszins dienen (St. 4080). 

Ganz besonders ^ war aber Friedrich darauf bedacht, 
die Zugänge nach Italien, die Alpen passe, sich zu sichern. 
Schon vor 1167 können wir eine Reihe von Massnahmen 
nachweisen, die auf die unmittelbare Beherrschung der Alpen 
und ihrer Vorlande hindeuten. Am Ausgange des Etsch- 
thales machte besonders die Veroneser Klause Schwierig- 
keiten, die eine Fertinenz der Grafschaft Gar da war. Diese 
alte Reichsburg — Rahewin nennt sie regale castrum — hatte 
1158 der Veronese Turisindus besetzt. Als die Burg in die 
Gewalt des Kaisers kam, gab er sie 1163 dem Pfalzgrafen 
Otto von Witteisbach, dann nach einem nochmaligen Verlust 
im Jahre 1165, 1167 dem Bischof Albert von Trient als 
Reichslehen, behielt aber dem Reiche das Besatzungsrecht 



Vgl. Fioker 2, 196 ff. 



— 62 - 

vor und befahl dem Bischof eine ständige Mannschaft in 
der Burg zu unterhalten, von der indes Lombarden aus- 
geschlossen sein sollten (St. 4082.)^ Ausserdem griff Fried- 
rich gerade in den Alpenvorlanden zu dem Mittel Gemeinden 
und auch grössere Gebiete für reichsunmittelbar zu erklären 
und so den Durchgang durch diese Gebiete sich zu sichern. 
Am Gardasee wurden 1158 die Leute im Orte Sermione, einer 
alten Besitzung von St. Martin in Tours, unter den kaiser- 
lichen Schutz gestellt und von jeder Gerichtsbarkeit, die 
vom Reiche ausgenommen, befreit; dafür mussten die einzelnen 
Feuerstellen dem Reiche eine Abgabe zahlen. (St. 3814). 

Das gleiche Mittel wandte der Kaiser der grossen Thal- 
gemeinde des Val Camonica gegenüber an, das auch eine 
alte Besitzung von St. Martin in Tours war, wo indes zur 
Zeit Heinrichs IIL Reichsbesitz nachweisbar ist. Durch 
das Thal führte eine Durchgangsstrasse nach der mittleren 
Lombardei, die bei Sperrung der Veroneser Klause besonders 
wichtig war, und somit erklärt es sich, wenn der Kaiser 
1164 auch dies Thal für ein Reichsland erklärte, das er nie 
veräussern oder verpfänden zu wollen versprach (St. 4030). 

Im Veltlin bemächtigte sich Friedrich des Thurms 
Olonio in der Nähe des Comersees, den er aber 1164 der 
Gemeinde und dem Bistum Como schenkte (St. 4032 a). Noch 
wichtiger waren die Massnahmen in Chiavenna, das den 
Septimer, Splüger und Maloja beherrscht. Schon 1152 hatte 
er die Gemeinde als reichsunmittelbar erklärt und ihr die 
Grafenrechte übertragen (St. 3616). Hierüber beklagte sich 
dann der Bischof von Como, er zeigte die alten Privilegien 
vor und nach erneuter Prüfung entschied sich Friedrich 1158 
dafür den Ort dem Bistum Como zu bestätigen. (St. 3667). 
Denn ist es zu weiteren Verhandlungen gekommen, bis am 
2. Februar 1165 der Kaiser auf dem ülmer Reichstag auf 
Antrag der schwäbischen Grafen, insbesondere des Gottfried 
von Holta und Ulrich von Pfullendorf den Ort Chiavenna 
mit dem Walde von Mezzola dem Herzogtum Schwaben^ ein- 



» Vgl. Soheffer-Boiohorst im NA. 19, 575 ff. Bonelli, notizie 
istorioo-critiohe iiitorno al Adnlpreto yesoovo di Trento 2, 442. 



- 63 --- 

verleibte, die Grafschaftsrechte aber den Rektoren der Stadt 
übertrug (St. 4536. Mohr, Codex dipl. Rhaetiae 1, 229), was 
noch Heinrich VI. bestätigte (St. 4735). 

Bei Como selbst lag die starke Burg Baradello, 
die die südlichen Zugänge zur Stadt beherrschte, (cf. Ficker 
Bd. 3 p. 434, § 297,6). Der Kaiser Hess sie 1159 wieder 
herstellen und mit deutschen Rittern besetzen. 1160 hielt 
er sich selbst hier auf. Dann diente sie dem Magister Pa- 
ganus als Amtssitz. Als die Stadt Como anfing schwierig 
zu werden, gab Friedrich ihr und dem Bistum die wichtige 
Burg (St. 4032 a). Im Comersee selbst bezwang der Kaiser 
1159 die stark befestigte Insel Co macin a (Rahewin 4,30), 
wir wissen aber nicht, wie er über dieselbe verfügt hat. 
Zwischen den Seen besass er die oberhalb Varese gelegene 
Burg Belferte, in der er sich 1164 aufhielt. (St. 4030). 

So sehen wir, wie Friedrich bis 1162 beständig ein 
Territorium nach dem anderen erobert. Das ganze Mai- 
länder Gebiet, das Land zwischen Adda und Serie, die Ge- 
biete von Tortona und Teile von Montferrat waren direkte 
Reichsgüter, doch konnte der Kaiser die Gebiete behaupten ? 
Schon er selbst sah die Unmöglichkeit ein und gab grosse 
Teile schon selbst aus der Hand. Er belehnte den Rhein- 
grafen mit Gebieten um Vercelli, Rainald von Dassel im 
Mailändischen, Arnold von Dorstadt mit Annone, Albert v. 
Trient mit Garda, und verschenkte bedeutende Gebiete an 
die Städte Pavia und Como und an den Markgrafen von 
Montferrat. Nur um Mailand selbst und auf der Insula 
Fulcherii blieb die unmittelbare Reichsverwaltung bestehen, 
doch die Erhebung der lombardischen Städte von 1167 warf 
hier alles über den Haufen. Selbst die mit Friedrich ver- 
bündeten Städte sahen sich durch das grosse kaiserliche 
Territorium im Zentrum der Lombardei bedroht, das System 
Friedrichs erwies sich als eine Unmöglichkeit. 

C. FRIEDRICH I. 1167—1190. 

Im Frühjahr 1167 entstand das grosse Bündnis der 
lombardischen Städte, die zunächst Mailand wiederherstellten 



— 64 - 

und damit das Zentrum des kaiserlichen Territoriums ver- 
nichteten. Die Cremonesen bemächtigten sich der Insula 
Fulcherii, die Friedrich ihnen nicht überlassen hatte, und im 
Mai musste auch Kuinus, der von Friedrich eingesetzte Statt- 
halter der Martesana, die Veste Trezzo, in der ein grosser 
Teil der kaiserlichen Gelder und Kleinodien lag, den Ver- 
bündeten überliefern. (Giesebr. 5, 579). Der Kaiser machte 
zwar im Herbst noch verschiedene Versuche das Verlorene 
wieder zu gewinnen, doch er scheiterte; das Gebiet von 
Mailand war endgiltig dem Reich entrissen.^ 

Nun brach das Verhängnis auch über die kaiserlichen 
Besitzungen in Piemont herein. Während die Mailänder 
die kaiserlichen Burgen in Seprio und Martesana insbesondere 
das starke Belferte (Giesebr. 5, 599) eroberten und Como 
für den Bund gewannen, stellten die Piacentiner und Par- 
mesen Tortona wieder her. Am 1. Mai 1168 wurde dann 
Alessandria gegründet. Über die Bedeutung der Massregel 
ist viel gestritten worden. Auf die Gestaltung des Reichs- 
gutes — und nur dies geht uns hier an — hatte die Gründung 
keinen Einfluss. Der Schwerpunkt der Domänenpolitik 
Friedrichs von 1167 lag durchaus in der Lombardei. In 
Piemont hatte der Kaiser fast alle Reichsbesitzungen dem 
Markgrafen von Montferrat überlassen und die ihm gehörigen 
Orte Marengo und Gamondo, die allerdings Reichslehen 
waren, wirkten bei der Gründung von Alessandria mit. Die 
Worte des Gottfried v. Viterbo v. 847 : „fisci circumdatur 
agris" sind also für 1167 unrichtig. Freilich ist zuzugeben, 
dass das Reich durch die Gründung von Alessandria verletzt 
wurde, da eben Marengo und Gamondo Lehen des Reiches 
waren. Doch vermögen wir einen Rückschlag gegen 
piemontesische Revindikationen des Kaisers nicht in der 
Massregel zu erkennen, da es seit 1164 in dieser Gegend 
kein Reichsgut mehr gab. (Vgl. dagegen Matthäi p. 30). 
Freilich ist es wiederum vollkommen verständlich, wenn der 
Kaiser die Stadt reklamierte, eben als Oberlehnsherr der 
Orte Gamondo und Marengo. 

* Für den Zusammenbruch der Reiclisgewalt im mathild. Gut 
vgl. Overmann p. 67 ff. 



^ 65 -- 

Selbstverständlich wurden nun die anderen piemon- 
tesischen Lehensgebiete des Kaisers, das Arnolds von Dor- 
stadt und Rainalds von Dassel, auch von den Lombarden in 
Besitz genommen, da sich auch Asti, Vercelli und Novara 
dem Bunde anschlössen, der in den folgenden Jahren in 
Oberitalien dominierte und auch dem mächtigen Mark- 
grafen von Montferrat sein Gebot auferlegte. 

Schon oben sahen wir, einen wie grossen Wert Friedrich 
auf die Alpenpässe legte, wie er Chiavenna ans Herzogtum 
Schwaben brachte. Damit im Zusammenhang steht, dass 
er 1170 für seinen Sohn Friedrich auch die Vogtei des 
Bistums Chur, dem das Bergell und Puschlav gehörte, erwarb 
(St. 4113). Trotzdem zog Friedrich es 1174 vor, nicht in 
die Lombardei einzurücken, sondern über den Mont Cenis in 
Piemont einzufallen. Dies ist charakteristisch für die Politik 
Friedrichs, dass er nunmehr das Hauptgewicht auf Piemont 
legte, insbesondere auf die Verbindungen mit Burgund. Die 
früher auf Gewinn grosser Territorien gerichtete Politik 
tritt zurück hinter der planmässig berechneten Erwerbung 
fester Plätze und kleinerer wichtiger Gebiete an grossen 
Strassenzügen. 

Nach der Vernichtung der dem Grafen Humbert von 
Savoyen gehörigen Stadt Susa rückte Friedrich über Turin 
gegen Asti vor. Die Bewohner der Stadt unterwarfen sich 
dem Kaiser, mussten indes Annone ausliefern, das fortan 
der festeste Stützpunkt der kaiserlichen Macht im Tanaro- 
gebiet blieb. (Zweimal hielt sich der Kaiser selbst hier auf 
St. 4183, 4423). Friedrich gab den Ort, zu dem auch ein 
kleines Gebiet gehörte, nicht wieder zu Lehen aus, sondern 
setzte einen kaiserlichen Castellan hier ein. Am 7. Juli 
1178 kam ein Abkommen mit der Stadt Asti zustande, das 
das Verhältnis Asti's zum Castellan von Annone regelte 
(St. 4251. Const. 276). Mit der Burg zugleich scheint der 
Kaiser auch die Herrschaft Serralonga, die als Grafschaft 
bezeichnet wird, reklamiert zu haben. (Vgl. Buch II). Ferner 
nahm er am Ausgang der Dorathäler, zu Turin und Ivrea, 
kaiserliche Pfalzen in Anspruch, die wahrscheinlich auch 
befestigt waren. Besonders in der Turiner Pfalz hielt er 

Darinsttldter, Das Roichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 5 



- 66 — 

sich in den folgenden Jahren öfters auf (St. 4182, 4248—53, 
4420—22). Auch am Ortasee behielt sich Friedrich 1178 
das Castell Arto vor, aus den Gütern des verstorbenen 
Markgrafen Heinrich, während er dessen andere Besitzungen 
dem Grafen Rainer von Biandrate zu Lehen gab (St. 4214). 
Dagegen vermochte der Kaiser im östlichen Piemont 
und in der Lombardei nichts auszurichten. Berühmt ist 
der Widerstand Alessandrias, das dem Kaiser den Vormarsch 
versperrte. Friedrich versuchte nun einzelne Glieder vom 
Bunde abzuziehen, dadurch dass er alte Rechte, die er 
freilich thatsächlich nicht mehr besass, preisgab. So über- 
liess er 1175 Gravedona und die Insula an Como (St. 4177), 
und traf am 23. Juli 1176 ein Abkommen mit der Stadt 
Cremona (St. 4181), wonach er dieser die Rechte des Reichs 
in Crema und zwischen Adda und Oglio, d. h. die Insula 
Fulcherii und ein Drittel von Guastalla und Luzzara ab- 
trat. 

So war der Kaiser im Wesentlichen auf einige Punkte 
Piemonts beschränkt, bis der Konstanzer Frieden ihm wieder 
eine energische Territorialpolitik ermöglichte. Zwar ver- 
zichtete er im Abkommen mit Mailand am 11. Februar 
1185 (St. 4409. Const. 303) auf alle Erwerbungen in den 
Grafschaften Seprio, Martesana, Stazona, Lecco und Burgaria 
gegen eine jährliche Zahlung von 300 U , wofür die Mai- 
länder auch ihrerseits dem Kaiser seinen Besitzstand garan- 
tierten. ^ 

In den anderen Teilen aber ging Friedrich nach 1183 
energisch vor. Alessandria anerkannte noch vor dem 
Konstanzer Frieden in der sogenannten Reconciliatio (St. 4357) 
selbst, dass es dem Reich gehöre. Der Kaiser bekam die 
„iura et possessiones, quas marchiones ab imperio tenuerunt". 
Alessandria trat damit in eine Stellung ein, wie sie im 
deutschen Reich etwa Frankfurt, in Italien bisher Asti ein- 



' „et manutenero omnes possessiones, iustitias, iura et rationes quas 
habemus in Lombardia, Marchia, Komaniola, et nomiiiaHm de terra 
quondam comitisse Matildis ; si quas etiam possessiones . . . amiserimus, 
adiuvabunt nos bona fide reouperare.** 



- 67 — 

genommen hatte, es wurde eine auf kaiserlichem 
Territorium errichtete Stadt, die in dem Eigentum des 
Kaisers stand. In die gleiche Lage kam auch Tortona 
durch ein Sonderabkommen, in dem der Kaiser versprach, 
die Stadt nicht zu veräussern, eine Bestimmung aus der 
erhellt, dass das Eigentum Friedrichs anerkannt wurde 
(St. 4795 a). In ein ähnliches Verhältnis scheint auch 1186 
Casale getreten zu sein (St. 4451), von den ländlichen 
Ortschaften Cornegliano bei Alba, das zu sehr bedeutenden 
Abgaben verpflichtet war (St. 4501), die noch in die Zeit 
der Ottonen zurückreichten. In der Umgebung Tortonas 
behielt aber der Kaiser noch Castelnuovo und Villa 
Aurea mit Ackerland und Weinland für sich (St. 4755 a). 
Dagegen gelang es Friedrich einige direkte Erwerbungen 
noch zu machen. Wahrscheinlich durch die Ächtung des 
Markgrafen wegen Strassenraubs erwarb er 1185^ die Burg 
Gavi (cfr. St. 4416, 4439) an der wichtigsten nach Genua 
führenden Strasse, wo auch ein kaiserlicher Castellan ein- 
gesetzt wurde; durch Kauf von der Abtei Fruttuaria ge- 
wann er Airasca (Erasco) südwestlich von Turin im 
Zentrum der oberpiemontesischen Ebene gelegen (B-F. 300), 
und ebenso durch Kauf für 1750 Mk. Silber und 20 Mk. 
Gold das Sturathal, durch das eine wichtige Strasse von 
Piemont ins Durancethal führt, vom Markgrafen von Saluzzo 
(St. 4605). 1187 wurde sogar der mächtigste der Fürsten 
Piemonts,^ Humbert von Savoyen geächtet und seiner Güter 
beraubt, doch schon 1189 wurden seinem Sohne Thomas 
die Besitzungen wieder zurückgegeben (Wurstemberger, 
Peter 4, Nr. 34). 

Hatte so das Kaisertum in Piemont sich eine mächtige 
Stellung wieder erobert, so gewann es zugleich in der 
.Lombardei ein grosses Territorium. Im Mailändischen waren 
zwar Erwerbungen ausgeschlossen. Dafür musste nun 
Cremona büssen, zumal es den Kaiser durch seinen Abfall 
1167 besonders erbittert hatte. 1176 hatte er der Stadt, 
wie wir sahen, die Insula Fulcherii, Crema und Guastalla 



^ Vgl. den territorialen Teil. 



- 68 -- 

überlassen. Nun wurde die Stadt Crema 1185 als Reichs- 
stadt restituiert (St. 4418), gegen Cremona sprach sich der 
Kaiser in einer ausführlichen Klageschrift 1185 aus (Const. 
304); am 8. Juli 1186 kam dann ein Vertrag mit Cremona 
zustande (St. 4455, 4456. Const. 306—312). Die Cremonesen 
verzichteten auf Guastalla, Luzzara und die Insula Fulcherii. 
Von letzterer wurden am 9. Juni 20 Castelle der Stadt 
Mailand abgetreten, wogegen diese sich verpflichtete, dem 
Kaiser bei der Wiedereroberung des mathildischen Gutes 
beizustehen, ^ während der südliche Teil in kaiserlicher Ver- 
waltung blieb. 

In den Alpengegenden waren Chiavenna und Garda 
kaiserlich geblieben. In Chiavenna verfügte Friedrich 
1185 über Grundstücke zu Gunsten des Klosters zu Dona 
und über ein Haus (St. 4423). Auch Sorico am Südrand 
des Sees von Mezzola scheint kaiserlich gewesen zu sein 
(St. 4678). Schliesslich müssen wir noch erwähnen, dass 
auch Locarno durch Privileg von 1186 und Gravedona am 
Comersee reichsunmittelbar wurden (vgl. Ficker 8 300 
2 p. 197, 198). 

Versuchen wir eine Zusammenstellung des Keichsguts 
im Jahre 1190. 

A. Piemont. 

1. Pfalz in Turin mit Land. 

2. Pfalz in Ivrea. 

3. Burg Annone mit Pertinenzen. 

4. Grafschaft Serralonga. 

5. Burg Gavi mit Pertinenzen. 

6. Burg Arto am Ortasee. 

7. Airasca (Prov. Turin). 

8. Val Stura (Prov. Cuneo). 

9. Cornegliano bei Alba. 

10. Castelnuovo bei Tortona. 

Reichsstädte: 2 Casale, Cesarea, Tortona, (vielleicht 
Chieri u. Testona). 

^ Über die Revindikation des mathild. Gutes cf. Overmnim p. 72 ff. 
* Als solche betrachte ich Communen, die im Eigentum des Reichs 
standen. 



— 69 — 

B. Lombardei. 

11. Palast in Pavia. 

12. Chiavenna (zum Herzogtum Schwaben gehörig). 

13. Sorico bei Chiavenna. 

14. Insula Fulcherii mit 19 Ortschaften. 

15. Guastalla. 

16. Luzzara. 

Reichsstädte : Crema, Locarno, Sermione, Gravedona. 
Reichsland Val Camonica.^ 

Wie man sieht waren es stattliche Gebiete , doch 
ausser der Insula Fulcherii und dem Sturathal keine Com- 
plexe, sondern einzelne wichtige Burgen mit Pertinenzen, 
nach strategischen Rücksichten ausgewählt. Dass die ligu- 
rischen Reichsbesitzungen von den Quellen des Po bis Pavia 
gereicht hätten, ist nicht zu beweisen (vgl. Matthäi p. 35.) 
Allerdings bildeten die Orte Annone, Turin, Ivrea den 
Mittelpunkt der kaiserlichen Landesverwaltung, nicht aber 
einer Domänen Verwaltung, die, die Insula Fulcherii ausge- 
nommen, überflüssig war. Hatte 1159—67 ein grosser 
Komplex landwirtschaftlicher Güter bestanden, so gab es 
jetzt nur einzelne Burgen, zu deren Verpflegung die um- 
liegenden Güter herangezogen wurden. 

So hatte Friedrich I. nach vielen wechselvollen Kämpfen 
doch eine beträchtliche, besonders militärische Machtstellung 
in Oberitalien erworben. 

ü. HEINRICH VI., PHILIPP, OTTO IV. UND FRIEDRICH IF. 
1190—1250. 

Heinrich VI. schlug eine der Politik seines Vaters 
schnurstracks entgegenlaufende Politik in Oberitalien ein. 
Der Schwerpunkt wurde nunmehr nach ünteritalien verlegt, 
und zu dessen Erwerb diente die Veräusserung der von 



* Dazu kommen noch eine Reihe mathildischer Orte wie Gonzaga, 
Bondeno, Pegognaga, Suzzara. 



- 70 - 

Friedricli in langen Kämpfen erworbenen Besitzungen. So 
vernichtete die unteritalienische Politik, die dem Hause der 
»Staufer so verhängnisvoll wurde, auch die territorialen 
Besitzungen des Reichs in Oberitalien. 

Schon am 21. Januar 1191 verpfändete er für 1000 
Pfund die alten Keichsbesitzungen Borge S. Donnino und 
Bargone an die Stadt Piacenza (St. 4670), am 11. Februar 
belehnte er den Markgrafen Bonifaz von Montferrat mit 
den Gütern des Markgrafen von Incisa, der wegen Strassen- 
raubs geächtet worden war (St. 4676), in einer Urkunde 
für Como vom 12. Februar betont er zwar die Rechte des 
Herzogtums Schwaben auf die Stadt Chiavenna (St. 4678), 
gab Como aber dafür ausser Baradello und Olonio, die 
bereits Friedrich geschenkt hatte, auch noch Sorico und die 
Regalien in Domaso und Gravedona (St. 4679), im Jahre 
1192 unterstellte er der Stadt Como die Leute von Isola 
Comacina, Lenno, Caviano, Bellinzona, Locarno, Bormio und 
Teglio, von denen wenigstens Locarno reichsunmittelbar 
gewesen war (St. 4753). 

Um von Genua Schiffe zu erhalten für die sizilische 
Expedition, belehnte er die Stadt mit dem wichtigen Castell 
Gavi (St. 4701. Const. 337), den Markgrafen von Montferrat 
1191 mit Gamondo und Marengo (St. 4729) und 1193 auch 
mit der Reichsstadt Cesarea (St. 4839) ; dem Bischof von 
Vercelli wurde die Reichsstadt Casale zugesprochen, dem 
Bischof von Tortona schenkte er die letzten Reichsbesitzungen 
im Gebiete seiner Stadt (St. 4755 a), die von Friedrich ge- 
kaufte Reichsbesitzung Airasca vertauschte Heinrich mit dem 
Grafen von Biandrate gegen ein Gut in Tuscien (ß-F. 300), 
und das Sturathal befand sich auch 1197 in den Händen 
des Markgrafen von Montferrat. So blieben in Piemont nur 
noch Turin und Ivrea, Annone und Serralonga übrig, ^ die 
dem getreuen Thomas de Nene unterstanden. Nicht weniger 
griimllicli räumte Heinrich mit dem Reichsgut in der Lom- 
bardei auf. Am 25. November 1191 versprach er der Stadt 
Cremona, Crema und die Insula Fulcherii zu übergeben, 

' l*i(i Sohioksalo von Arto und Cornegliano kennen wir nicht. 



Y 



- 71 - 

wofür er BOOO Tt erhielt; 1000 Pfund' davon versprach er 
zurückzuzahlen, wofür er noch Guastalla und Luzzara ver- 
pfändete (St. 4719. Const. 338— 340). Mit diesen Orten 
wurde Cremona sofort belehnt (St. 4720). Am 5. März 1192 
zu Hagenau wurde öffentlich die Abtretung der Insula 
Fulcherii ausgesprochen (St. 4740), doch erst Ende des 
Jahres 1193 ergriffen die Cremonesen von der Insula Besitz 
(Töche p. 627), am 6. Juni 1195 investierte Heinrich selbst 
zu Como die Cremonesen mit Fahne und Lanze mit Crema 
(St. 4948). Eine weitere grössere Reichsbesitzung, die Graf- 
schaft Garda, verkaufte Heinrich im Jahre 1193 für lOOOMk. 
Silber an die Stadt V^erona (St. 4828 — 29), so dass auch in 
der Lombardei ausser Chiavenna (vgl. St. 4735) kaum noch 
etwas vom Reichsgut übrig blieb. 

Nach Heinrichs Tod gingen auch die letzten Reichs- 
güter verloren. Die Astesen setzten sich in den Besitz von 
Annone und Serralonga (Cod. Astensis 639), die Bewohner 
von I?eggio und Mantua haderten um Gonzaga, Pegognaga, 
Bondeno und Luzzara, die Reste des mathildischen Guts in 
der Lombardei (cf. Overuiann p. 97). Den Bischof von Como 
finden wir 1205 im Besitz von Chiavenna, die Pfalz in 
Ivrea, die Trushard v. Kestenburg gehabt hatte, kam an 
Rainer v. Biandrate, während sich in Turin die Familie 
des Thomas de None zu behaupten vermochte. 

In der Folgezeit finden sich noch wiederholt Ansätze 
zur Bildung eines Reichsguts und Rekuperationen einzelner 
Burgen. Doch diese Bestrebungen haben keinen dauernden 
Erfolg mehr gehabt. In den nächsten 10 Jahren griff die 
Reichsgewalt in Italien kaum ein. Das lange Doppelkönig- 
tum und der Bürgerkrieg in Deutschland machte dies un- 
möglich. Von König Philipp haben wir nur eine Urkunde, 
die uns hier angeht. Am 1. Juni 1207 belehnte er den 
Grafen Thomas von Savoyen mit den Städten Chieri und 
Testona (B-F. 48). Doch handelt es sich hier sicher um 
eine Schenkung von Städten , die Philipp nicht besass. 



» 155V2 Lire nach Töche p. 619 Nr. 21 -- 30 Mark Silber, so 
dass die 3fark ^ 5,018 Lire ist 



— 72 - 

Dem Grafen mochte es überlassen sein , die Schenkung 
auszuführen. 

Kräftig griff dagegen Otto IV^. auf dem Römerzuge 
von 1209 in die oberitalienischen Dinge ein. Gleich nach 
dem Betreten des italienischen Bodens fand er Gelegenheit 
die Keichsburg Garda, die Heinrich VI. verkauft hatte, von 
Verona zurückzufordern und eine Besatzung hineinzulegen. 
(Otto V. St. Blasien MG. SS. 20, 333). Dann zog der Kaiser 
südwärts nach Rom und erst im Frühjahr 1210 erschien 
er wieder in der Lombardei. In Mailand anerkannte er die 
Herren von Locarno (B-F. 380) und die Gemeinde Treviglio 
als reichsunmittelbar. (Winkelmann, Otto p. 224). Von Asti 
forderte Otto die Reichsburg Annone zurück (B-F. 418), 
verzichtete aber auf den während der 12 Jahre von der 
Commune Asti aus dieser widerrechtlich okkupierten Reichs- 
besitzung gezogenen Nutzen. Nachdem der Konflikt mit 
dem Papst ausgebrochen war, entschloss sich der Kaiser 
zu verschiedenen Massregeln in Oberitalien, um sich die 
ihm noch Getreuen zu erhalten. So erhielten am 24. Januar 
und am 16. Februar 1212 die Städte Crema und Chieri die 
Reichsunmittelbarkeit (B-F. 461, 466) und am 22. Februar 
wurde der Graf von Casaloldo, der schon 1210 Nogara er- 
halten hatte, mit dem Varisius von Montechiaro zusammen 
mit den mathildischen Gütern Gonzaga, Bondeno und Roncello 
belehnt, unter der Bedingung, dass der letztere auch Treue 
schwöre, widrigenfalls das Lehen nur an den Grafen von 
Casaloldo fallen sollte (B-F. 469). Damit meinte Otto Brescia 
auf seiner Seite halten zu können (Winkelmann, Otto p. 287). 

Noch im Sommer 1212 kam Friedrich II. in die 
Lombardei , der Cremona die Insula Fulcherii und Crema 
wieder bestätigte (B-F. 670). Die mathildischen Güter, von 
denen immer noch Reste in der Lombardei vorhanden waren, 
erhielt die römische Kirche durch die Egerer Goldbulle. 
Eine Reihe von Orten, wie Bondeno und Pegognaga, be- 
fanden sich allerdings schon seit 1208 in städtischer Gewalt 
(cf. Overmann p. 104, 106). Annone blieb noch einstweilen 
königlich, was aber mit Garda geschah, wissen wir nicht. 
Vermutlich haben sich die Otto feindlichen Veronesen nach 



73 — 

dem Abzüge des Kaisers aus Italien der Burg wieder be- 
mächtigt. 

Vom Hoftage zu Basel aus wurde dann 1214 die Burg 
Annone den Astensern verpfändet für 1000 M. Silber (B-F. 
754) , doch es dauerte noch sechs Jahre , bis nach einer 
abermaligen Zahlung von 800 M. die Burg von Berthold 
de None wirklich übergeben wurde (B-F. 1224 25). Dieser 
hatte ausserdem den kaiserlichen Palast in Turin und die 
Arimannen von Celle, Wiesen- und Ackerland in Turin 
noch aus Heinrichs VI. Zeit als Lehen, was ihm Friedricli 
bestätigte (B-F. 778). Im November 1220 erhielten indes 
die Herren von Revigliasco und Trofarello den Ort Celle 
(B-F. 1211). 

Sonst ist aus der Zeit von 1212—20, in der Friedrieh 
in Deutschland weilte, wenig zu berichten; es gab kein 
Reichsgut, und wenn z. B. 1219 der König dem Markgraf 
von Montferrat Pasiliano, Torcello und ('uniolo schenkt, so 
ist dies auch eine Verleihung von Orten, die der Markgraf 
sich erst mit dem Schwert erobern musste (B-F. 981). 
Ebenso verhält es sich wahrscheinlich mit der Schenkung 
von Vigevano an Pavia (B-F. 1039). Die übrigen Urkunden 
sind nur Bestätigungen : Cremona erhielt Croma und die 
Insula Fulcherii (B-F. 1041), die Edlen von Locarno ihr 
Keichslehen (B-F. 1044), der Graf von Biandrate Ivrea und 
Airasca (B-F. 1132), Genua die Burg Gavi (B-F. 1179), das 
Evasienstift in Casale die angeblichen Schenkungen Liut- 
prands bestätigt (B-F. 1190). Als Friedrich selbst nach 
Italien kam, suchte er für die Abtretung von Gonzaga und 
Bondeno, Orten, die Otto dem Graten von Casaloldo über- 
tragen hatte, an die Kirche mit allen Mitteln zu wirken. 
(Vgl. Winkelmann, Friedrich II. p. 102 B-F. 12622). Über 
Vigevano ergingen die widersprechendsten Verfügungen, in 
dem die eine Urkunde den Ort für reichsfrei erklärte, die 
andere ihn Pavia schenkte (cf. Winkelmann p. 100). Da- 
gegen wurde die Keichsunmittelbarkeit der Stadt Casale 
von Friedrich anerkannt (B-F. 1189). 

In den folgenden Jahren war der Kaiser in seinem 
sizilianischen Königreich vollauf beschäftigt und fand wenig 



- 74 

Gelegenheit in die Dinge in der Lombardei und Pieinont 
einzugreifen. Er Hess sich hier durch Legaten vertreten. 
Energisch griff 1221 der Bischof Konrad von Metz und 
Speyer ein, der der Stadt Asti den Befehl erteilte, die Graf- 
schaft Loreto herauszugeben und Castagnole dem Berthold 
de None zu restituieren. Asti kam dem nicht nach und 
Avurde gebannt (B-F. 1338). Freilich fehlte die Macht den 
Bann zu vollstrecken. Dem Grafen von Biandrate verlieh 
Friedrich 1221 die Stadt Chieri (B-F. 1341), dem Markgrafen 
von Montferrat eine Reihe von Gütern u. a. Fonzano, Val 
Orba, Pecetto (B-F. 1471), die aber der Kaiser kaum be- 
sessen hat. Sehr interessant ist eine Urkunde von 1224, 
in der Wilhelm von Montferrat für 9000 M. Silber dem 
Kaiser eine grosse Zahl von Gütern, u. a. Novi, Moncalvo, 
Pontestura, Gabiano, Tonco, Odalengo, Chivasso, V2 Felizzano, 
^Ai Sezze, ^^2 ßetorto zum Fruchtgenuss verpfändet und dann 
auch bis zum Betrage von 7200 M. eine Reihe von Orten, 
die der Kaiser von den Gläubigern des Markgrafen auszu- 
lösen berechtigt ist, z. B. Vallenza, Lü, Monbaruzzo, Rocca 
Val Orba (B-F. 1524). ^ Damit bekam der Kaiser die Er- 
träge eines grossen Gebiets in Piemont, doch ist es fraglich, 
wie viel er in Wirklichkeit davon erhalten hat. 1226 machte 
der Kaiser einen vergeblichen Versuch in die Lombardei 
einzudringen. Nach dessen Scheitern hielt er sich bis 1236 
von Einmischungen in die Dinge Oberitaliens fern. 

Dagegen griff Friedrich von 1236 ab hier energisch 
ein, und von nun an sehen wir wieder Bestrebungen, die 
auf einen unmittelbaren Reichsbesitz gerichtet sind. 1236 
wurde das östliche Oberitalien , 1237 ein grosser Teil der 
Lombardei und 1238 Piemont vollständig unterworfen. In 
dem letztgenannten Lande blieb auch die Organisation des 
Kaisers bis 1250 bestehen. 

Im östlichen Oberitalien müssen wir zunächst erwähnen, 
dass die Bistümer Brixen und Trient, die für den Brenner 
"besondere Wichtigkeit hatten, in unmittelbarer kaiserlicher 



* Zweck war die Wiedereroberung von Thessalonich, Vgl. B-F. 

12877, 



Verwaltung sich befanden (cf. Ficker § 406 B-F. 18208 a). 
Wichtiger aber waren die Erwerbungen des Kaisers im 
Gebiete von Como. Die Stadt selbst unterwarf sich 1239 
und wurde dem Berthold v. Hohenburg, 1241 dem Masnerio 
de Burgo unterstellt (cf. Ficker § 403). Von Como aus 
gelang es nun Güter der Stadt und des Erzbistums Mailand 
in kaiserliche Gewalt zu bringen, die Friedrich auch am 
20. November 1239 seinem Capitän Berthold übertrug 
(B-F. 2596). 1240 belehnte Friedrich die Stadt Como mit 
Porlezza, Val Solda, Val dlntelvi, die wegen Hochverrats 
der Mailänder konfisziert worden waren (B-F. 3109). Andere 
Besitzungen dagegen behielt er fürs Reich. So sollte die 
Burg Sessa der Curie jederzeit zur Verfügung stehen ; be- 
sonderes Gewicht legte aber der Kaiser auch auf die Burgen 
Bellinzona und Mte. Cenere. In dieser Zeit war der Gott- 
hardpass eröffnet worden, und Friedrich strebte danach, 
dass die ganze Gotthardstrasse durch Reichsland ging. So 
wurden Uri und Schwyz reichsunmittelbar und ebenso er- 
scheinen südlich der Alpen die beiden Thäler Blegno und 
Leventina als reichsunmittelbare „universitates", die der 
Kaiser sich weigert Como zu überliefern. Die Thäler sollten 
zu Leistungen für die Burgen auf dem Mte. Cenere und zu 
Bellinzona naclj dem Befehl des Kaisers herangezogen werden 
(B-F. 3157, 3183). Sie unterstanden mit Lecco dem kaiser- 
lichen Capitän Johann de Andito. Später trat Smaliade de 
Belottis in Lecco und der Riviera des Sees an seine Stelle. 
In Como selbst befand sich eine deutsche Besatzung. Indes 
im Jahre 1242 nehmen die Mailänder die Burg Bellinzona 
ein und seitdem hören wir nichts mehr über kaiserliche 
Besitzungen in diesen Gebieten (B-F. 13422. Winkelmann, 
Acta no. 678. Muratori SS. 11, 679). 

Ferner machte der Kaiser auch im Südosten der 
Lombardei Eroberungen; das Castell Roncarolo mit einigen 
Pertinenzen übergab König Enzio 1242 den Cremonesen 
(Ficker 4 no. 380. B-F. 13423), was Friedrich selbst 1244 
bestätigte (B-F. 3410). Einige wohlgelegene mathildische 
Güter, wie Pegognaga und Bondeno zog der Kaiser für das 
Reich ein (s. o.). Bedeutende Schenkungen im Gebiete von 



70 ~- 

Creniona neben solchen in Parma und Piacenza machte 
Friedrich 1249 (B-F. 3774) dem Grafen Pallavicini. Es 
sind die Orte Busceto, Zibello, Sta. Croce, Ragazzola, 
Lagoscuro, Tolarolo, Polesine. 

Bedeutender waren die Erfolge des Kaisers in Pie- 
mont, wo Friedrich viele Erwerbungen machte, indes zum 
grossen Teile nur zum Nutzen des Grafen von Savoyen, 
der schliesslich alles für sich bekam. Fast alle Städte 
Piemonts stellten sich 1238 unter den Schutz des Kaisers 
und wurden kaiserlichen Capitänen unterstellt, so .Turin und 
Moncalieri, Savigliano, Chieri, Ivrea und Acqui (Ficker § 401). 
Bonifaz von Montferrat bekam zwar 1245 eine Bestätigung 
aller seiner Reichslehen (B-F. 3492), doch am 26. Januar 1247 
musste er sich verpflichten, dem Capitän Guido Marrachus 
die Burgen Chivasso , Virolengo , S. Sebastiane , Loriano, 
Montacuto , Cavagnolo , Brusasco , Mercorengo , Cocconato, 
Monale , Cunengo , Codcavallo , Arbugnano , Pigno , Murolo, 
Monticestino, Gabiano, Camino, Pontestura, Cuniolo, S. Sal- 
vatore und Lü zu überliefern (B-F. 13597. Ch. 2, 1866), so 
dass der Kaiser Gewalt über das ganze Gebiet von Mont- 
ferrat erlangte. Mit einer Reihe von Gütern in Montferrat 
z. B. Occimiano, Vignale, Valenza, Monbaruzzo, Pomario, 
Pecetto, Lü hatte der Kaiser 1240 (oder 1238) einige Edele 
von Pavia belehnt (B-F. 3131). 

Im Gebiet von Turin finden wir Friedrich im Besitz 
des Reichspalasts zu Turin, der Brücke, an der er ein Castell 
anlegte, von Moncalieri, Cavoretto, Castelvecchio, Montesolo, 
Collogno und von Rivoli , ferner von Lanzo, Canavese und 
Ivrea. ' Aber diese Orte trat Friedrich an den Grafen Thomas 
von Savoyen ab (vgl. B-F. 3626, 3732-3741, 3813, 13599, 
13603), doch sollte sie bis zum Frieden noch der Schwieger- 
sohn des Kaisers Jakob de Carretto behalten. Nach drei 
Jahren musste indes Ivrea, Canavese und Lanzo, nach 
weiteren fünf Jahren das übrige abgetreten werden (Winkel- 
mann no. 412). Endlich hören wir noch von einzelnen Ein- 



^ Auf Avigliana soheint Friedrich II. Absichten gehabt zu haben, 
cf. B-F. 13508. 



— 77 - 

Ziehungen, so z. B. von mail. Kirchengütern im Gebiet von 
Tortona (Winkelmann no. 370), von heimgefallenen Reichs- 
lehen in Mantua (Winkelmann no. 708) und von Vercelleser 
Kirchengütern (B-F. 3744 49). Auch im Gebiet des Mark- 
grafen von Montferrat machte Friedrich Erwerbungen, als 
dieser abfiel (B-F. 3717 a), gab ihm aber, als er sich unter- 
warf, alles zurück und fügte noch Verrua hinzu (B-F. 3744). 
So sehen wir am Ende der Herrschaft des Reichs 
in Italien gerade in unserem Gebiet eine nicht unan- 
sehnliche territoriale Macht in der Gewalt des Herrschers, 
die derselbe freilich noch bei Lebzeiten aus seiner Hand 
gab. Die letzten Reste kamen nach dem Tode des Kaisers 
wieder in die Gewalt ihrer ehemaligen Inhaber. Nach 
Friedrichs Tode sind wohl noch vorübergehend Rekupera- 
tionen versucht worden , ohne indes irgend dauernden Er- 
folg zu haben. Mit 1250 ist die wirkliche Herrschaft 
Deutschlands über Italien verschwunden und somit können 
wir die Geschichte des Reichsguts mit diesem Jahre ab- 
schliessen. 



f5>l30-l63 
f(S> 36- iT" 



H. 



ALBESTANDS DES 
BARDEI UND IN 



3SJDRI0 

USCHLAV. 

>ar»aticu8 ad historiam Raeti- 
11. a societa per la storia deir 
ä in Bd. 1—9 einen „Codice 
biegend Urkunden für Chia- 



^ ^^ intorno la Valtellina 1755. 
e^- delJa Valtellina. 8ondrio 
^- ^mente der Staatsgeschichte 
^i «r Grafschaften Cleven und 

^^ di Chiavenna. Milano 1870. 

^^ churrätischen Herrschaften 

1881. — Schweizerische Oe- 

- Bergell. Leipzig 1874. — 
^^rbuoh des Schweizer Alpen- 
Bern 1879/80. 

ich aus zwei scharf von 
zusammen, dem oberen 
ich vom Wormser- und 



-- 80 - 

Stilfser Joch bis zum Comersee erstreckt mit dem bedeuten- 
den vom Berninapasse kommenden schweizerischen Seiten- 
thale von Puschlav, und dem Thale von Chiavenna, das 
sich bei dieser Stadt nördlich zum Splügen und östlich zum 
Septimer und Maloja verzweigt. 

1. Veltlin (Valtellina). 

Wie in den meisten Alpenthälern lagen in Veltlin in 
langobardischer Zeit umfangreiche königliche Besitzungen, 
die sich wahrscheinlich an Befestigungen anschlössen, die 
in römischer oder ostgothischer Zeit zum Schutze Italiens 
an den Alpenpässen angelegt waren. Aus der langobardischen 
Zeit haben wir nur eine Nachricht vom Jahre 761, in dem 
die Königstochter Anselperga mit der Gattin des Gastalden ^ 
von Lodi Güter austauschte (Tr. 770. CL. 25). Unter diesen 
befand sich auch ein Hof im Veltlin im Werte von 550 solidi 
mit 4 Aldionen, die mit ihrem Vermögen auf 840 sol. ge- 
schätzt wurden. Wahrscheinlich stammte dieser Hof aus 
dem Krongut, obwohl es nicht mit Sicherheit nachzu- 
weisen ist. 

Als Karl der Grosse das Langobardenreich eroberte, 
verlor natürlich das Veltlin seine einstige Wichtigkeit, da 
nun nördlich und südlich der Alpen der gleiche Herrscher 
gebot. Wie der Frankenkönig das benachbarte Val Camonica 
dem Martinskloster in Tours schenkte, so verlieh er dem 
zweiten grossen Kloster Galliens, St. Denis das Veltlin im 
Jahre 775 (B-M. 177). Vielleicht hatte der spätere Abt 
Fardulf, der damals aus dem Langobai'denreich nach Frank- 
reich kam, die Mönche auf das schöne fruchtbare Thal auf- 
merksam gemacht. Doch das Veltlin war sehr entlegen, 
die benachbarten Herren, insbesondere der Bischof von 
Como, machten auch Ansprüche. Noch unter Karl selbst 
kam es zu einem Prozess zwischen Waldo von St. Denis 
und dem Bischof Peter von Como, in welchem das Klöster- 
lein St. Fedele und die drei Pfarrkirchen von Mazzo (Amatia), 



CL. 25 hat die Lesart gasindio. 



- 81 ~ 

Bormio (Burmis) und Poschiavo (Postclave) der Kirche von 
Como zugesprochen wurden. Lothar bestätigte diese Ent- 
scheidung am 3. Januar 824 (B-M. 987. CL. 104). Neun 
Jahre später, am 7. Oktober 833, bewilligte Lothar dem 
Kloster St. Denis das Recht im Orte Haenohim (?) am Comer 
See im Thale Veltlin einen Markt zu errichten und befreite 
zwölf freie und dem Kloster nützliche Leute vom öffentlichen 
Dienst (B-M. 1003). Am 21. Oktober 843 bestätigte er die 
Immunität für die Besitzungen des Klosters in Bormio, 
Poschiavo, Marcellisco, und Milinianum (B-M. 1076). Bei 
den Kämpfen mit dem Vater hatte Lothar Güter der Abtei 
entzogen und seinem Ministerialen, dem Grafen Matfried, 
zu Lehen gegeben. In einer neuen Urkunde vom 3. Januar 
848 restituirte nun der Kaiser einem früheren Versprechen 
gemäss (B-M. 1097, 4) dem Kloster die Veltliner Besitzungen 
(B-M. 1098). In späterer Zeit ist von Rechten von St. Denis 
in Veltlin nicht mehr die Rede. Dagegen scheint der Kaiser 
über Güter im Thale, sei es über die von St. Denis, sei es 
über andere, weiter verfügt zu haben. Im Jahre 864 wird 
ein kaiserlicher Vassall fränkischen Geschlechts namens 
Godiprand und ein kaiserlicher Ministerial namens Gerulf 
erwähnt , die über ein Gut in Cescino * im Veltlin einen 
Vertrag schliessen (CL. 230). Die Ansprüche des Bistums 
Como fanden eine Bestätigung durch Heinrich IL, der 1006 
die Hälfte der Vizegrafschaft im Thal dem Bischof Alberich 
übertrug (St. 1432. Tatti 2, 827). Dieser verfügte im gleichen 
Jahre über mehrere Besitztümer im Thal, so über die Kirche 
von Bormio, das Castell von Castenate (vielleicht Castione), 
und die Fischerei in Puschlav (Tatti 2, 828). Kurze Zeit 
war der Ort Talamona östlich von Morbegno Krongut. 
Er gehörte dem Grafen Albert von Parma, wurde von 
Heinrich II. eingezogen, doch schon 1015 S. Abondio in 
Como verliehen (St. 1656). 

Noch in staufischer Zeit gehörte die am Eingang des 
Thaies, auf einem Hügel bei Fuentes gelegene Burg von 



* Vielleicht Ceroino am rechten Addaufer westlich Yon Morbegno; 
3 km. westlich liegt Mantello, wo die Urkunde ausgestellt ist. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 6 



- 82 - 

Olonio, deren Mauern bis zum See von Mezzola reichten^ 
und eine Art Thalsperre bildeten, zum Reichsgut. Doch 
ist es auch möglich, dass die Burg erst durch ßekuperation 
Friedrichs I. eingezogen wurde. Als Como dem Kaiser 
weniger zuverlässig zu sein schien, schenkte er, um sich 
die Treue der Stadt zu sichern, am 25. Oktober 1164 mit 
dem wichtigeren Baradello auch den Thurm von Olonio 
der Stadt und Kirche von Como (St. 4032 a).« 

Die beiden Orte Delebio (Alebio) und Morbegno (in den 
Urkunden Morsegia od. Morciutia) im unteren Veltlin werden 
angeblich von Liutprand S. Carpoforo in Como geschenkt 
(Tr. 445). Friedrich L bestätigte sie dem Kloster (St. 3857), 
doch dürfen wir nicht daraus schliessen, dass die Orte je 
Reichsgut gewesen sind. Später verfügte noch Heinrich VIT. 
über das Veltlin, das er mit der Burg Tresivio bei Sondrio 
dem Ritter Egeno v. Matsch aus dem Vintschgau für 400 Mk, 
verpfändete.^ 1335 kam das Thal an die Visconti und ging 
damit endgiltig der Krone verloren.^ 



2. Chiavenna und Nebenthäler. 

Während aus dem Veltlin nur Wege von geringerer 
Wichtigkeit über die Alpen führen, beherrschte Chiavenna 
(Cleven) zwei der bedeutendsten Alpenstrassen, den Splügen 
und den Septimer.^ Wahrscheinlich befand sich hier schon 
in römischer oder in ostgothischer Zeit ein Castell, das die 
Nordgrenze militärisch schützte und zugleich als Zollstätte 
diente. Auch bei Chiavenna finden sich wie in den Dora- 
thälern und im Sturathal sog. „Clusae". Wahrscheinlich 



* Ainati 5, 698. Olonio ist nicht Olona, wie Quadrio p. 123 an- 
nimmt. 

* Heinrich VI. bestätigt Olonio St. 4678, und befiehlt Bormio 
und Teglio Como zu gehorchen. St. 4753. 

» Mohr 1, Nr. 160 p. 226. 

* V. SaUs 2, 144. 

^ Der Maloja kommt für unsere Zeit weniger in Betracht. 



- 83 - 

wurden diese Festungsanlagen Eigentum der langobardischen 
Herrscher, ohne dass wir über diese Zeit nähere Aufschlüsse 
erhielten. Paulus berichtet nur, dass Ansbrand auf der 
Flucht nach Chur Chiavenna berührte (PD. 6, 21). 

Die erste urkundliche Nachricht über die Stadt er- 
hielten wir aus dem Jahre 803, aus einer Urkunde Karls 
des Grossen (B-M. 397). Nach dieser schenkte der Kaiser 
die Grafschaft, die Klausen und die Brücke von Chiavenna 
den Klerikern von Como. Dies ist jedenfalls eine Inter- 
polation ; zweifelhaft kann es erscheinen , ob auch die 
Schenkung der Brücke und der Klausen („clusas et pontem 
iuris nostri de Clavenna*), die sich in den Urkunden Lothars 
von 824 (B-M. 987) und Ludwigs IIL (CL. 281 u. 388 sind 
die gleiche Urkunde in zwei Fassungen) findet, später ein- 
geschoben ist. Der Grund für die Interpolation wäre in 
dem späteren Streite Comos mit Chur zu suchen; man be- 
strebte sich auf diese Weise den Besitz von Chiavenna schon 
in eine entfernte Vergangenheit zu versetzen. Die wirk- 
liche Schenkung der Klausen und der Brücke fand wahr- 
scheinlich erst 937 durch Hugo und Lothar statt (CL. 550), 
wogegen von der Grafschaft nicht die Rede ist.^ Die 
Schenkung wurde dann durch Lothar im Jahre 950 (CL. 593) 
und durch Otto II. im Jahre 977 (St. 717. DO. IL 166) be- 
stätigt. Indes scheint es diesem Herrscher gut geschienen 
zu haben, an dem wichtigen Platz an der Grenze auch 
einem deutschen Fürsten Besitztümer anzuvertrauen. So 
entschloss sich Otto im Jahre 980 den Zoll der Mairabrücke^ 
bei Chiavenna, den Wächter der Brücke Leo mit dessen 
Familie und anderen zur kaiserlichen villa Chiavenna ge- 
hörigen Knechten, dem Bischof Hildibold von Chur zu 
schenken. Die Klausen scheinen bei Como geblieben zu 
sein, während in Chiavenna selbst noch eine kaiserliche 
Domäne bestehen blieb (St. 782. DO. IL 237). Ausgedehnter 



' „olusas et pontem iuris regni nostri de Clayenna cum omni 
reditu et exibitione." 

' Es wäre denkbar, wenn auch nicht gerade wahrscheinlich, dass 
diese Brücke nicht mit der Como geschenkten identisch wäre. 

C* 



- 84 — 

wird dann eine spätere Schenkung Ottos U.^ gewesen sein, 
die Otto III. im Jahre 995 dem Bischof Waldo von Chur 
bestätigte (DO. III. 175. St. 1047). In dieser Urkunde 
verlieh Otto alle Rechte im Castell von Chiavenna und 
ausserhalb desselben, die vorher ein Graf Amizo zu Lehen 
gehabt hatte. Das Castell hatte wie aus der Urkunde 
hervorgeht, bedeutende Pertinenzen, die vermutlich zum 
Unterhalt der Besatzung dienten. Im folgenden Jahre, am 
26. April 996 bestätigte Otto III. die Klausen und die 
Brücke von Chiavenna wieder dem Klerus von Como (DO. 
III. 207. St. 1077 a). Diese Bestätigung für Como wurde 
von Arduin (St. 1843), Heinrich IL (St. 1384) und Konrad IL 
(St. 1906) wiederholt. Erst der letztere bestätigte dann 
auch wieder die Besitzungen des Churer Bistums (St. 2007) 
und vermehrte dieselben durch die konfiszierten Güter 
Wilhelms und Rogers in Chiavenna, und durch den Ort 
Plurs, Besitzungen, die die Kanoniker und das Marienstift 
zu Chur erhielten (St. 2101, 2112). Von Heinrich IIL, von 
dem wir keine Bestätigungsurkunde zu verzeichnen haben, 
wurden wahrscheinlich Brücke, Klausen und Castell wieder 
für das Reich eingezogen und dem dortigen Grafen — auch 
unter Konrad IL ist ein Graf Rudolf nachweisbar ^ — zur 
Verwaltung übertragen. Heinrich IV. restituirte 1065 dem 
Bistum Como seine Besitzungen und entschädigte den Grafen 
Eberhard von Sponheim durch die elsässischen Güter 
Schweighausen und Hochfelden (St. 2665. 2668). 

Im zwölften Jahrhundert erhob sich Chiavenna, das 
sich nun auch zu einer Kommune herausgebildet hatte und 
behauptete reichsunmittelbar zu sein. Im Juli 1152 belehnte 
Friedrich I. die Konsuln der Stadt mit der Grafschaft 
(St. 3616).^ Hierüber beschwerte sich der Bischof von Como. 

* loh nehme eine zweite Schenkung Ottos IL an, da DO. II. 237 
nur die Brücke mit Zubehör schenkt, während DO. III. 175 sich auf 
das Castell Chiavenna selbst bezieht, von dem in DO. IL 137 gar nicht 
die Rede ist. Vgl. Planta p. 74, Anm. 1. 

* Dieser ist nach Bresslau, Konrad IL, Bd. 2, 441 wahrscheinlich 
Lehnsmann des Bischofs von Como gewesen, während Eberhard kaiser- 
licher Graf war. 

* Vgl. Ficker, Forschungen 2, 197. 



— 85 - 

Die Streitsache wurde auch in der Pfalz zu Bamberg ver- 
handelt und schliesslich durch Spruch des Kaisers und der 
Fürsten dahin entschieden (St. 3667), dass die Grafschaft 
nach Urkunden Karls des Grossen und seiner Nachfolger — 
vielleicht fällt die obenerwähnte Interpolation erst in diese 
Zeit — dem Bischof gebühre. Doch damit war der Streit 
noch nicht beendet. Friedrich erkannte die Wichtigkeit von 
Chiavenna und ordnete die Neuaufnahme der Sache an. 
Auf einem Reichstage zu Ulm bekundeten die Grossen des 
Schwabenlandes, insbesondere Gottfried von Holta und Ulrich 
von Pfullendorf, dass Chiavenna seit Alters her zum Her- 
zogtum Schwaben gehöre.^ Friedrich schlug hierauf die 
Stadt zum Herzogtum d. h. zu seinem unmittelbaren Haus- 
gut, und übertrug die Verwaltung der Grafschaft den Rectoren 
der Kommune, um die Landschaft vor den Mailändern, wie 
vor den andern Lombarden zu schützen (St. 4536). Hierdurch 
kennzeichnet sich der Richterspruch als eine gegen Mailand 
gerichtete strategische^ Massnahme. Als Heinrich VL 1191 
die Jurisdiktion und Regalien in Chiavenna der Stadt Como 
übertrug, wahrte er doch die Rechte des Herzogtums 
Schwaben (St. 4678) und bestätigte 1192 ausdrücklich die 
Entscheidung des Ulmer Tages (St. 4735). 

Doch die Herrschaft des Herzogtums Schwaben bezw. 
des Reichs über Chiavenna war von kurzer Dauer. 1203 
behaupteten die Konsuln zwar noch ihr Recht direkt vom 
Kaiser ableiten zu können.^ Doch schon 1205 legte der 
Bischof von Como den Bewohnern von Chiavenna eine Steuer 
von 15 Pfund auf und behielt sich das Pedagium vor, während 
er den Zoll an der Mairabrücke der Stadt für 10 Pfund 
jährlich überliess.'* 1219 ist die Stadt Como im Besitz von 



* Das erste Zeugnis für die Zugehörigkeit Chiavennas zu Deutsch- 
land datiert von 1065. Vgl. Stumpf in den Forschungen 15, 160. 

^ So erwarb Friedrich 1170 die Vogtei im Bistum Chur (Mohr 1, 
Nr. 142) für seinen Sohn. 

^ Memorie della societa 6, p. 214. 

* ebendaselbst 7, p. 152. 



— 86 — 

Chiavenna und Plurs.* 1335 fiel Chiavenna an die Vis- 
conti.* 

In der Grafschaft Chiavenna haben wir folgende Reiclis- 
besitzungen zu erwähnen : 

Riva di Chiavenna (frazione der Gemeinde Samolaco), 
südlich von Chiavenna. Berengar I. verlieh neben Mauria- 
tica in der Brianza (oder im Bergeil?) den Hof in Samolaco, 
der Ripa genannt wird, seiner Gattin Anna, eine Schenkung 
die Hugo und Lothar am 17. Mai 937 bestätigten (CL. 549). 
Was später aus dem Königshof wurde, ist unbekannt. 

Ronca. Friedrich I. verlieh am 3. Juli 1185 dem Wipert 
aus Chiavenna, für das zu erbauende Kloster zu Dona bei 
Chiavenna, ein Grundstück in Ronca, an die Strasse, an 
Klosterland und an die Allmend angrenzend, und einen Acker 
dazu ; da die Clavennaten die Nutzung dieses zu den Regalien 
gehörigen Landes hatten, wurden sie durch Wiperts Haus 
in der Stadt entschädigt (St. 4423). — Sorico am Südrand 
des Sees von Mezzola; die kaiserlichen Rechte hier wurden 
mit Olonio und Baradello von Heinrich VI. 1191 der Stadt 
Como übergeben bezw. bestätigt (St. 4678). 

Von Chiavenna zieht sich das Val Giacomo nord- 
wärts zum Splügen hin, über dessen Verhältnisse wir indes 
nicht unterrichtet sind. Vermutlich gehörte es zum Gebiete 
von Chiavenna. ^ Eigene Schicksale aber hatte das von der 
Maira durchströmte: 

Bergeil oder Val Bregaglia, das sich östlich zum 
Maloja und Septimer hinzieht. Die Grenze gegen das Gebiet 
von Chiavenna bildete der Luverbach oder Lovere, der noch 
heute den Kanton Graubündten vom Königreich Italien 
scheidet. Die erste Nachricht über das Bergell verdanken 



» Mohr 1, Nr. 186. 

* Planta p. 77. Noch Kaiser Max belehnte den Bischof von 
Chur mit Chiavenna 16. Okt. 1516 (Staatsarchiv Mailand feudaValtellina) 
und noch im 18. Jh. bekam der Bischof aus dem Zolle zu Gleven jähr- 
lich 573 fl. 24 Kreuzer. Berghaus, Deutschland vor 100 Jahren, 
Bd. 1, 127. 

8 Planta a. a. 0. p. 71. 



— 87 ~ 

wir einer Urkunde Otto's des Grossen von 960 (St. 271. 
DO. I. 209), in der er das Thal Bergell (Vallem Pergalliae) 
mit der Gerichtsbarkeit, den zu dieser „Mark" gehörigen 
Abgaben, dem Zoll und den Forsten gegen das Gut Kirch- 
heim im Neckargau mit dem Bischof Hartbert von Chur 
vertauscht. Darnach war entweder das Bergell schon bei 
einer früheren Gelegenheit ans deutsche Reich gekommen, 
oder was wir für wahrscheinlicher halten, von Berengar II. 
zugleich mit der Mark Verona an Otto abgetreten worden. 
Seit 960 gehörte das bis dahin fiskalische Bergell unbe- 
stritten zum Bistum Chur, dem es von Otto IL (DO. IL 124), 
Otto in. (St. 917. DO. III. 48), Heinrich IL (St. 1423) ' und 
Heinrich III. (St. 2170) bestätigt wurde. In der Urkunde 
Otto's III. von 988 wird auch eine Burg und eine Kirche 
in Bergell angeführt, nach den Angaben Lechners (p. 26) 
und Meyers von Knonau (Jahrbuch des Schweizer Alpen- 
klubs 15, 386) Burg Castelmur bei Promonontogno nebst der 
dortigen Kirche. Doch das Bergell scheint noch der könig- 
lichen Kasse zu Leistungen verpflichtet geblieben zu sein. 
Nach einem Churer Güterverzeichnis ^ des 11. Jh. betrug 
der „Census regius" des Bergells 20 solidi Silber, dazu eine 
Leistung für den Camerarius^ und ausserdem 190 Widder. 
Sehr ergiebig war der Zoll, der am Zollamt in Vicosoprano 
erhoben wurde.* 



^ Die Urkunden Heinrichs II. und Friedrichs I. für die Bergeller 
St. 1821. 4279 benutze ich nicht, da es grobe Fälschungen sind. Vgl. 
Planta p. 48 und ßresslau im Anzeiger f. Schwz. Gesch. 6, 312 ff. Erst 
im 13. Jh. finden sich Spuren der Freiheit der Bergeller. cf. Meyer 
V. Knonau a. a. 0. p. 387. 

' Mohr 1 p. 297. Zellweger im Schweiz. Geschichtsforscher 4, 
169 ff. 

' Nach Zellweger a. a. 0. p. 257 der Inspektor der königlichen 
Güter in Rhätien, der bei der Inspektionsreise Abgaben erhielt. 

* Vgl. für die spätere Zeit Mohr 2 p. 120. 



— 88 



n. 



KANTON TESSIN. 

Litteratur für Como und Tessin. 

Für Como: Memorie della societa per la diocesi di Corao 

8. o. — G. Rovelli, Storia di Como. Como 1789/94. 

— Tatti, Degli Annali sacri della citta di Como. Como 

1663. 
Brianza; J. Cantu, Le Vicende della Hrianza. Milano 1853. 
V a r e 8 e : L. Borri, Documenti Varosini. — Brambilla, Varese 

e il 8U0 circondario. 1874. 
Reichenauer Güter: K. Brandi, Quellen und Forschungen 

zur Geschichte der Abtei Rcichenau. Heidelberg 1890 ff, 
Mesocco: Th. v. Liebenau, Die Herren von Sax zu Misox. 

Beilage zum Jahresbericht der histor.-antiq. Gesellschaft 

von Graubündten pro 1889. Chur 1890. 

Wir wir schon bemerkten, war gerade in den Alpen- 
gegenden ein umfangreicher königlicher Besitz vorhanden, 
der sich an uralte Befestigungen und Castelle anschloss, 
die dazu bestimmt waren, die Alpenstrassen zu decken und 
zur leichteren Erhebung der Zölle dienten. Ein solches 
Castell befand sich in Bellinzona, dem Mittelpunkte des 
Cantons Tessin. Der Platz, an der Kreuzung der Bernhardin- 
und Lukmanierstrasse einerseits — der Gotthard wurde 
erst seit dem 13. Jahrhundert häufig benutzt — und der 
Strassen nach Lugano — Mailand und Locarno andererseits 
gelegen, hatte strategisch eine hohe Bedeutung. Das Castell, 
das wahrscheinlich seit der langobardischen Eroberung könig- 
lich war, wird zuerst 590 erwähnt, ohne dass etwas über 
die Besitzverhältnisse gesagt wurde. ^ Aus dem 9. und 10. 
Jahrhundert kennen wir verschiedene Urkunden für die 
Bischöfe von Como, in denen Bellinzona genannt ist (B-M. 397. 
CL. 281, 388. DO. II. 166); doch hier ist nur von der plebs, 
Pfarrkirche, Grafschaft, districtus und portus einerseits, der 
Immunität andererseits die Rede. Für unsere Zwecke ist es 
nur wichtig festzustellen, dass das Bistum im Thale von 



I Paulus, Diaconus 2, 31. ,,Bilitioni8 oastrum*^ 



— 89 — 

Bellinzona seit dem 9. Jahrhundert Rechte und Besitzungen 
hatte. Das Castell blieb indes im 10. Jahrhundert noch 
in den Händen des Reichs. Erst 1002 schenkte Arduin 
seinem Erzkanzler Peter von Como den dem Staate gehörigen 
Teil des Castells von Bellinzona mit Zubehör (St. 1842. 
Tatti 2, 817). Natürlich war diese Schenkung für Heinrich II. 
nicht verbindlich. Als dieser im Jahre 1004 in Locarno 
weilte, wandte sich der Nachfolger Peters, Everard an ihn ; 
da Heinrich an der Treue des Bischofs von Como etwas 
liegen musste, da durch dessen Gebiet die wichtigsten Alpen- 
strassen zogen, so Hess er sich herbei, ihm dies von Arduin 
geschenkte Castell nun selbst zu schenken (St. 1383. Tatti 
2, 824). Es blieb seitdem bischöflich und ging später an 
die Stadt Como über (St. 4753). 

Mehrere Güter in der Nähe von Bellinzona gehörten 
dem Kloster Cielo d^oro in Pavia, von denen ein Teil aus 
Reichsgut stammen dürfte. Sicher bezeugt ist dies nur von 
A 1 p e p i an a , ^ das wahrscheinlich in dieser Region zu suchen 
ist. Dieser Hof wurde nach der Angabe einer Urkunde der 
Könige Hugo und Lothar von 929 (CL. 529) von Aribert 
dem Kloster geschenkt. Ferner gehörte die Capelle St. Maria 
diPrimasca „invalleBelinzona" (vielleicht Barnasca zwischen 
Giornico und Biasca), Calavade (vielleicht Cavatte bei 
Biasca) und Cresciano bei Claro diesem Kloster (CL. 529. 
Stumpf, Acta 285), das auch im Livinen- und Blegnothal 
Güter hatte. 

Über die Besitzverhältnisse in den drei sich bis zum 
Kamm der Zentralalpen erstreckenden Thälern, haben wir 
nur spärliche Nachrichten. In dem zum Gotthard sich 
hinaufziehenden Val Leventina (Livinen thal) und dem 
Val Blegno, das am Lukmanier endet, hatte das Erz- 
bistum Mailand Grundbesitz, ^ der angeblich aus einer 940 
erfolgten Schenkung des Bischofs Atto von Vercelli stammte. ^ 
Das dritte dieser Thäler, das den Bernhardin mit dem 



* Vielleicht Pianezzo, im Kreis Giubbasco im Val Morobbia, süd- 
lich von Bellinzona. 

2 Hidber Nr. 1808. 1892. 
» Hidber 1019. 



- 90 - 

Rheinthal verbindet, das Val Mesocco oder Thal von 
Misox, soll Karl III. dem Grafen Ulrich IV. von Bregenz 
verliehen haben ; mit Recht bezeichnet v. Liebenau ^ diese 
Nachricht als wertlose Legende. Mit weniger Bestimmtheit 
können wir über den Wert der folgeAden Nachricht über 
Misox entscheiden. Danach schenkte Konrad II. im März 
1026 der Kirche von Como die in den Alpen jenseits von 
Bellinzona gelegene Grafschaft Misox, die bis dahin ein 
Deutscher für das Reich verwaltet hatte (St. 1905). Die 
Urkunde in der uns vorliegenden Form hält v. Liebenau 
mit Bresslau^ für falsch, doch meint er, ihr Inhalt sei im 
wesentlichen richtig und auf Grund verlorener Urkunden, 
im 14. Jahrhundert kompiliert. Die Staufer hätten zwar 
Misox den Herren von Sax verschafft, aber nicht als Reichs- 
lehen, sondern als Lehen des Bistums Como. Ausser dieser 
Kirche besass übrigens auch das Bistum Chur Güter in 
Misox, wie wir einem Verzeichnis des 11. Jahrhunderts 
entnehmen. ^ 

Wenden wir uns nun dem am Lago Maggiore ge- 
legenen Teile des Kantons zu, so finden wir in dem Haupt- 
hafen am See, in Locarno einen alten Königshof. Den- 
selben verlieh Kaiser Ludwig IL 866 (B-M. 1201. CL. 248) 
seiner Gemahlin Angilberga und bestätigte ihr denselben 870 
(B-M. 1211. CL. 237).* Weitere Bestätigungsurkunden liegen 
von Karl III. (B-M. 1559) und von Arnulf (B-M. 1767) vor. 
Was die Kaiserin mit Locarno machte, wissen wir nicht; in 
ihrem Testament (CL. 270) fehlt der Hof. Heinrich II. hielt 
sich 1004 in Locarno auf, doch können wir daraus nicht 
auf Reichsbesitz schliessen. Dass das Bistum Como die 
Pfarrkirche zu Locarno besass, ergiebt sich aus Urkunden 
Ludwigs III. (CL. 281) und Otto's II. (DO. H. 166). Unter 

* y. Liebenau, Die Herren von Sax zu Misox s. o. 
» Jahrb. Conrads IL, 1, 441 f. 

* Mohr 1, p. 295. 

* Der Codex Langobardiae hat eine andere Chronologie. Ich 
folge durchweg Mühlbachers Datierung. Eigene Untersuchungen habe 
ich nicht yorgenommen, da für unsere Zwecke wenig auf die Jahreszahl 
ankommt. 



- 91 - 

Otto III. treffen wir in Locarno, wie an vielen anderen 
Orten am Lago Maggiore (z. B. Lesa, Stresa, Baveno) Be- 
sitzungen des Klosters S. Salvator Reginae zu Pavia an, 
das dieselben von Bischof Liutfred von Tortona erhalfen 
hatte (DO. III. 414). 

Im Hauptort des südlichen Teils des Cantons, in 
Lugano scheint ein Königshof nicht bestanden zu haben. 
Doch schenkte im Jahre 898 Berengar I. auf Fürbitte des 
Erzbischofs Landulf von Mailand seinem Getreuen Ermenulf 
einige zum Reiche gehörige Aldionen und Unfreie in Lugano 
(in vico et fundo Luani. Die Form Luano findet sich häufig, 
z. B. CL. 388, 821) mit Frauen und Kindern. Auffällig ist, 
dass Berengar im Februar 898, zu Lebzeiten Kaiser Lam- 
berts, sich in Mailand aufhielt, und über Güter westlich 
der Adda verfügte ; doch ist es wohl denkbar, dass bei der 
Teilung des Reiches das zum Erzbistum Aquileja gehörige 
Bistum Como Berengars Anteil zugefallen ist. Markt nnd 
Zoll zu Lugano standen dem Bistum Como zu (CL. 281. 
388. DO. II. 166). 

Agnuzzo an der Landstrasse Agno-Lugano ; der Hof 
Annanucium wird am 31. Juli 819 (B-M. 677. CL. 94) von 
Ludwig dem Frommen dem Klerus von Como geschenkt 
mit Pertinenzen von Cadro (entweder Carona am See bei 
Melide oder Cadro nordöstlich von Lugano) bis Ponte Tresa, 
heute an der Schweizer-italienischen Grenze. Doch die 
Urkunde ist eine Fälschung; und wenn auch eine echte 
Vorlage benutzt ist, so vermögen wir doch für den Inhalt 
nicht einzustehen, zumal sich sonst von diesen Orten in 
Urkunden des Bistums keine Spur findet. 

Sonvico (Summovico) nordnordöstlich von Lugano 
wird in einer dem Liutprand zugeschriebenen Urkunde 
(Tr. 445) dem Kloster S. Carpoforo in Como geschenkt. Die 
Beglaubigung dieser Urkunde durch ein Diplom Friedrichs I. 
von 1159 (St. 3857 a) vermag nicht zu beweisen, dass Sonvico 
Reichsgut war. 

Cabbio im Val di Muggio am Südabhang des Mte. 
Generoso, vielleicht identisch mit Cabroi, das Angilberga 



— 92 — 

dem S. Sistokloster in Piacenza schenkte (CL. 270). Nach 
der Ansicht Giulini's (1, 372) ist indes Caprino bei Anghera 
am Lago Maggiore gemeint. 

Staufische Bestrebungen.^ 

Ein Hauptbestreben der staufischen Politik bestand 
darin die Verbindungen zwischen Deutschland und Italien zu 
sichern. 2 Wie Friedrich I. Garda für das Reich, Chiavenna 
für das Herzogtum Schwaben in Anspruch nahm , Val 
Camonica für reichsunmittelbar erklärte, so stellte er Grave- 
dona am Comer See und Locarno am Lage Maggiore direkt 
unter das Reich, während Heinrich VI., der in vielen Punkten 
eine der seines Vaters entgegengesetzte Politik trieb, die 
beiden Orte anhielt, der Stadt Como gehorsam zu sein.^ 
Im übrigen kümmerte sich Friedrich I. weniger um die 
Tessiner Pässe, da sie an Wichtigkeit den von Chiavenna 
ausgehenden damals nachstanden. Dies änderte sich, als 
im 13. Jahrhundert der Gotthardpass eröffnet wurde, dessen 
Bedeutung Friedrich II. sofort einleuchtete. Wie er bestrebt 
war sich die Nordseite des Passes zu sichern, zeigen die 
weltbekannten Privilegien Friedrichs für Schwyz und Heinrichs 
(VII.) für Uri, die die Verbindung zwischen den ober- 
rheinischen Besitzungen des Kaisers und Italien herzu- 
stellen bestimmt waren. Ebenso traf der Kaiser Mass- 
nahmen, um sich die Südseite des Passes zu sichern. Wir 
erinnern uns, dass in diesen Gebieten das Erzbistum Mai- 
land reichen Grundbesitz hatte. Friedrich konfiszierte diesen 
1240 wegen „crimen laesae maiestatis", ebenso wie er 1239 
den weltlichen Besitz der Mailänder eingezogen hatte, und 
verleibte ihn dem* „demanium imperii" ein (B-F. 2596, 



* Die Rekuperationen im Tessin soUen im Zusammenhang mit 
denen in der Provinz Como besprochen werden, so weit diese nicht mit 
den Mailänder Begebenheiten zusammenhängen, oder wie z. B. bei 
Baradello an ältere Verhältnisse anknüpfen. 

2 Darauf wies Fioker hin in den Forschungen § 300, Bd. 2 
p. 196. Vgl. oben p. 61 ff. 

» Fioker 2, 198. 



— m — 

B109). Zunächst standen die konfiszierten Güter unter der 
Verwaltung des kaiserlichen Capitäns Berthold, Markgrafen 
V. Hohenburg; im Jahre 1240 aber verlieh der Kaiser Por- 
lezza, Val Solda, ^ Val d*Intelvi (Tellium) ^ und die anderen 
Güter im Comenser Gebiete der Stadt Como (B-F. 3109). 
Die Burgen auf dem Mt. Cenere und zu Bellinzona und die 
beiden Thäler („universitates et communia") von Leventina 
und Blegno behielt er aber unter Reichsverwaltung und 
stellte sie mit Lecco unter den Capitän Johann de Andito 
(B-F. 3157, 3183). 1241 wurde der Cremonese Smaliade 
de Belottis mit der Verwaltung von Lecco und der Riviera 
(des Sees) betraut. Endlich sicherte sich der Kaiser noch 
die Burg Sessa an der Tresa zwischen Lago maggiore und 
Luganer See durch Geiseln, die er sich von den dortigen 
Capitänen geben Hess und befahl die Veste jederzeit dem Reich 
zur Verfügung zu stellen (B-F. 3157). 1242 fiel Bellinzona, 
„einstmals das Herz von Como, jetzt ein ihnen totbringendes 
Schwert", wie die Sieger triumphierend ausriefen, in die 
Hände der Mailänder, ^ die damit den Bestrebungen Friedrichs 
nach dieser Richtung hin ein Ende bereiteten. 

HL 

PROVINZ COMO. 

1. 

Das Gebiet der heutigen Provinz Como gehörte in 
langobardischer Zeit wahrscheinlich zu den Herzogtümern 
Mailand und Bergamo. In Como selbst lassen sich in karo- 
lingischer Zeit Gastalden nachweisen (CL. 236, 296). 

In der Stadt Como ist keine Königspfalz, was um so 
begreiflicher ist, da ja die nahe Pfalz Monza in Como ein 

* Val Solda besteht aus zwei kleineren Thälern, die westlich von 
Porlezza in den Luganer See münden. Das Thal war bis 1782 ein 
Lehen des Erzbistums Mailand. Cf. Amati 7, 788. 

* Val d'Intelvi, 17 Km. lang, zwischen Osteno am Luganer und 
Argegno am Corner See s. u. 

3 Winkelmann, Acta selecta Nr. 678. B-F. 13422. cf. Muratori, 
SS. 11, 679. 



- 94 - 

königliches Schloss überflüssig machte. Auch grossen Grund- 
besitz scheinen die Könige in der Stadt nicht besessen zu 
haben. Nur ein Haus, welches der Rotlind, Tochter Hugos, 
gehörte, scheint aus fiskalischem Gut zu stammen (DO. H. 
130). Wie überall, so waren auch hier die Befestigungen 
königlich. Einen Teil der Mauer von der Porta St. Laurentii 
bis zur Fönte Scandia mit 6 Fuss nach aussen und innen 
schenkte 959 Lothar H. einem gewissen Nazarius^ einen 
weiteren Teil der Mauer, 25 perticae (300 Fuss) lang, und 
10 Fuss breit, schenkte Otto II. 983 dem Kaufmann Baribert 
mit einem Thor, das zum Markte führte, und 3 Türmen 
(St. 858 a. DO. IL 312). 

Die Stadt Como wird überragt von einem Berg, auf 
dem noch heute ein hoher Turm an ein altes Castell erinnert, 
das die südlichen Zugänge beherrschte, dem Mte. Baradello. 
In der angeblichen Urkunde Liutprands für San Carpoforo 
(Troya 445) wird die Burg dem Kloster geschenkt, doch 
diese Nachricht verdient keinen Glauben. Diese Bestimmung, 
die sich in der echten Urkunde Friedrichs I. nicht findet, 
wurde wahrscheinlich erst im 13. Jahrhundert gefälscht, 
als S. Carpoforo am Berg Baradello wirklich Besitzungen 
hatte 2 und nun auf die ganze Burg Ansprüche machte. 

Wie dem auch sei, im Kampf mit Mailand erkannte 
Friedrich I. 1159 die Wichtigkeit des Platzes und liess zum. 
Schutze und wenn nötig zur Beherrschung Como's ein neues 
mit Mauern und Türmen wohl versehenes Castell erbauen, 
das er mit deutschen Mannschaften belegte.^ 1160 verweilte 
der Kaiser selbst auf der Burg.* Dann wurde sie der 
Amtssitz des kaiserlichen Statthalters im Bistum Como, 
des Magister Paganus, der von hier aus die in diesem 
Sprengel gelegenen Mailänder Güter verwaltete, ^ Als Como 
von Mailand nichts mehr zu fürchten hatte, musste aber 
die Zwingburg ihm äusserst lästig fallen. Die Stadt geriet 



» MIÖG. 5, 392. 

2 Mail. St. Arohiv. ürk. Cielo d'Oro von 1280. 

» MG. S8. 23, 349. 

* MG. 88. 18, 627. 

* Gesta Friderici p, 56. 



/ 



-- 95 - 

hierüber mit dem Kaiser in ernstliche Differenzen. 1164 
überliess derselbe, da ihm mehr an dem Bündnis mit Como 
als an der Burg gelegen war, das Castell der befreundeten 
Stadt zu gemeinsamem Besitz mit dem Bischof (St. 4032 a), 
eine Schenkung, die Heinrich VI. bestätigte (St. 4678). 

Geronico al Piano, ca. 5 km westlich von Como. 
Sowohl in der gefälschten Urkunde Liutprands (Tr. 445) 
als in der echten Friedrichs I. für S. Carpoforo (St. 3857 a) 
wird eine silva regia in „Gelonico" erwähnt. Es dürfte 
daraus zu schliessen sein, dass es in Geronico thatsächlich 
einen königlichen Forst gegeben hat, ohne dass wir die 
Zeit näher anzugeben wüssten, in der derselbe der Krone 
verloren ging. 

2. Brianza. 

Mariaga zwischen dem Lago di Pusiano und Erba, 
nach der Ansicht Porros identisch mit Mauriatica, das am 
17. Mai 937 Hugo und Lothar der Kaiserin Anna, der Wittwe 
Berengars I. , bestätigen (CL. 549). ^ Nach deren Ableben 
scheint der Hof an die Königin und nachmalige Kaiserin 
Adelheid übergegangen zu sein, die ihn an S. Salvatore in 
Pavia schenkt (DO. H. 281. CL. 997). Das Gut war 766 
Joch gross; ob sich die in der Urkunde stehenden Be- 
. grenzungen („turrente Tellione, in paule de Berto, in Mar- 
iongo et quomodo tenet fossato Scalide, usque in Griza, et 
ex alia parte ipse ....") noch auf Mariaga beziehen, ist 
nicht sicher, da die betreifende Stelle ausserordentlich ver- 
stümmelt ist. 

In Cologna bei S. Maria Höe, südlich vom Lago di 
Annone, ist zwar keine Domäne genannt, doch in Grenzbe- 
stimmungen wiederholt Königsgut erwähnt. In einer Ur- 
kunde von 862 (CL. 223) grenzt das erste der in derselben 
vertauschten Grundstücke „in Pratelle" auf zwei Seiten, 
östlich und nördlich, das zweite von allen Seiten, das dritte 
und vierte auf drei Seiten an Königsland (terre domni regis). 
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Cologna in der Brianza 



* Nach HPM. 16, 367 soll Mauriatica gleich Muro im Bergell sein. 



96 

gemeint ist, da erstens der Tausehvertrag in Monza abge- 
schlossen ist, da zweitens der Lambro erwähnt wird, der 
eine Meile westlich von Cologna fliesst, und drittens die 
Schätzer (existimatores) aus dem benachbarten Sirtori (Sertole) 
stammen. Unzweifelhaft ist das gleiche Cologna in einer 
Tauschurkunde von 923 (CL. 502) gemeint, in der auch 
Sirtori vorkommt; auch in diesem Schriftstück wird ein 
Grundstück erwähnt, das auf einer Seite an Königsland 
grenzt. Nach einer dritten Tauschurkunde von 943 (CL. 573) 
in der ebenfalls Sirtori genannt wird, grenzt ein Acker in 
Cologna, der campus de Rotecauxo genannt wird, an einer 
Seite an Land der „Herren Könige". In der folgenden Ur- 
kunde, die uns aus Cologna erhalten ist, von 966 (CL. 694) 
ist kein Königsland mehr erwähnt, dagegen Land von S. 
Ambrogio, das hier auch ein Castell besass. Ist somit der 
Bestand von Reichsgut in dieser Gegend für die Zeit von 
862—943 verbürgt, so können wir nicht angeben, von welcher 
Domäne dasselbe abliing und welche Schicksale es erfuhr. 

Capiate an der Adda und Melianico (beide mand. 
di Oggiono) sind identisch mit den beiden Orten Clepiate 
und Melianico, in denen Karl III. 880 zur Grafschaft 
Mailand gehörige Besitzungen dem Kloster S. Ambrogio ver- 
lieh (B-M. 1560). Zu Capiate hatte dasselbe schon 835 
einen Hof (B-M. 1016. CL. no. 124 col. 221). 

C r e m e 1 1 a zwischen Missaglia und dem Lago di 
Pusiano mit einer angeblich von Theudelinde gegründeten 
Abtei S. Peter (cf. CL. p. 844 Anm. 1), Bulciago (Blau- 
ciacum) nördlich von Cremella, Calpuno frazione der 
Commune Lurago d*Erba an der Eisenbahn Mailand - Erba. 
Diese drei Orte waren Güter der Abtei S. Giovanni in Monza, 
vielleicht dem Krongut entnommen. Wahrscheinlich Karl- 
mann , von dem es auch anderweitig bezeugt ist , dass er 
Güter von S. Giovanni in Monza an seine Getreuen gegeben 
hat (CL. 289), überliess die drei Orte Ministerialen. 

Berengar I. stellte dann die Höfe dem Kloster zurück 
(CL. 490), dem sie Otto III. am 10. Juli 1000 bestätigte 
(DO. HI. 377). 



— 97 — 

Barzano (villa dei Barzani) 4 Km. nördlich von Mis- 
saglia, dicht bei Cremella gelegen, war ein Gut des Grafen Sieg- 
fried, eines Anhängers Arduins, und wurde von Heinrich II. 
konfisziert, aber 1015 dem Bistum Como überlassen (St. 1655).^ 

3. Corner See. 

Isola Co macin a (Comacina insula), gegenüber von 
Sala im Comersee gelegen, war in der byzantinischen Zeit 
stark befestigt und diente nach dem Einfall der Lango- 
barden dem Magister militum Francio zwanzig Jahre lang 
als Stützpunkt. Erst nach sechsmonatlicher Belagerung 
übergab der tapfere Byzantiner die Veste. Da indes die 
Belagerung und Einnahme nicht durch den König, sondern 
durch „alii Langobardi" erfolgt war (PD. 3, 27), so scheint 
die Insel nicht an den König gefallen zu sein, sondern wahr- 
scheinlich an den Herzog von Bergamo. Als dieser, namens 
Gaidulf , sich einige Jahre später gegen König Agilulf er- 
hob, floh er nach seiner Niederlage nach der Insel, die nun 
der König mit dem von den Byzantinern daselbst zurück- 
gelassenen Schatz eroberte (PD. 4, 3) und wahrscheinlich 
für die Krone einzog. Im siebenten Jahrhundert diente das 
Eiland dem Könige Cunincpert (PD. 5, 38) und im Anfang 
des achten dem Ansbrand als Zufluchtsort (PD. 6, 19. 21). 
Eine wichtige Rolle spielte die Insel dann wieder zur Zeit 
der Kämpfe Ottos des Grossen mit Berengar. Von Otto I. 
ist ein Privileg für die Bewohner der Insel und für die 
Leute von Menaggio erhalten (St. 315 DO. I. 246), doch die 
Urkunde ist gefälscht und erst die Bestätigung derselben 
durch Heinrich V. (St. 3149) ist echt.2 

Die Reichenauer Güter am Comersee. Wie 
andere hervorragende Klöster in Deutschland und Frank- 

* Nach J. Cantu, Vicende della Brianza p. 45 soll Thcodelinde 
in der Brianza Sümpfe ausgetrocknet und die Kirchen zu Oggiono, 
Rovagnate, S. Martine a Perledo gegründet liaben. Doch dies ist sagen- 
haft. Nicht besser beglaubigt ist die Nachricht von ihrer Villa in 
Carate am Comer See. 

2 Vgl. Dümmler, OUo I. p. 342, Anm. 1. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 7 



— 98 — 

reich, erhielt auch Reichenau von den Karolingern Besitzungen 
am Südrande der Alpen. Massgebend war hierfür besonders 
der Olreichtum, der in den geschützten Gegenden am Süd- 
fusse des Gebirges herrschte, und es den Klöstern nördlich 
der Alpen ermöglichte, aus eigenen Oliven Waldungen Öl zu 
beziehen. Vielleicht war es auch auf Pilgerfahrten nach 
Rom den Mönchen erwünscht, nach der schwierigen Über- 
steigung der Berge in eigenem Hause ein Ruheplätzchen zu 
finden. 

Nach einer Urkunde von 880 (B-M. 1567) bestätigte 
Karl III. dem Kloster Reichenau die von Karlmann ge- 
schenkten Orte Tremitis, Aeminas, Gravedona, Sandrobbio, 
Turdela und Castanado (zu identifizieren nur Tremezzo und 
Gravedona, Aeminas vielleicht Limonta) mit Burgen, Kirchen 
und Zehnten. Die Urkunde erklären aber Mühlbacher und 
Brandi ^ für gefälscht, doch liegt, wie auch der letztere an- 
nimmt, ein echter Kern zu Grunde, da wir auch anderweitig, 
sowohl in späteren Reichenauer Urkunden wie in Akten, 
die von der Klostertradition unabhängig sind, von Besitz- 
ungen des Klosters am Comersee Kunde haben. 

Nach einer Gerichtsurkunde, die im Mailänder Staats- 
archiv erhalten ist (GL. 296), wurde nämlich am 17. Mai 
880 vor dem Bischof .Johann und den beiden Grafen Adal- 
bert und Alberich im bischöflichen Palast in Como ein 
Prozess verhandelt zwischen Reichenau (Augia) und S. Am- 
brogio zu Mailand, der schon vor dem König Karl selbst 
eingeleitet worden war. Die Reichenauer stellten die Be- 
hauptung auf, sechs Hufen zu Limonta gehörten zu ihrem 
Hofe Tremezzo; allein durch Zeugenbeweis wurde festge- 
stellt, dass die streitigen Hufen S. Ambrogio gehörten. Als 
aber Arnulf nach Italien kam , setzten es die Reichenauer 
durch den Einfluss ihres Abtes, des mächtigen Erzbischofs 
Hatte von Mainz durch, dass im Gerichte des Pfalzgrafen 
Maginfred und des Bischofs Waldo in der Pfalz zu Pavia 
die sechs Hufen Reichenau zugesprochen wurden. Als indes 
Arnulf abgezogen war, wurde im Oktober 896 ein neuer 

' „Die Reichenauer ürkun den fälsch ungen" 1890. 



— 99 - 

Prozess vor dem Gerichte Kaiser Lamberts in der Loggia 
des Erzbischofs von Mailand verhandelt, in dem die streitigen 
Hufen S. Ambrogio restituiert wurden. ^ Hiermit gaben sich 
die Mönche von Reichenau noch nicht zufrieden. Abt Berno 
schrieb einen langen Brief an Heinrich n.,^ um durch dessen 
Einfluss die Besitzungea in Limonta zurück zu erlangen. 
Mit diesem Brief hängt, wie Brandi mit Recht bemerkt, 
wahrscheinlich die Fälschung der Urkunde B-M. 1567 zu- 
sammen. Hierauf nahm man, ein Beweis, wie ausserordent- 
lich zäh man im Mittelalter an Ansprüchen, auch wenn sie 
unberechtigt^ waren, festhielt, die Ansprüche wieder auf 
unter Heinrich VH. Es erging ein gerichtliches Urteil zu 
Como am 31. Juli 1311, das der König am 27. Oktober 1312 
bestätigte.* Hiernach erstreckte sich der Besitzstand von 
Reichenau auf folgende Ortschaften : 

In Tremezzo (Westufer des Comersees) 10 Hufen 
(darunter eine Halbhufe) ; 8 davon gaben das Fictum, d. h. 
5 solidi, dazu 5 Scheffel Korn und V^ der Feldfrüchte (blave 
sicalis und pannici) , der neunte Hof gab nur das fictum 
(5 sol. weniger 6 nummi), die Halbhufe gab 15 denar. Ferner 
bekam Reichenau noch 4 Krüge 36 Sester Wein (die Amfora 
zu 48 Sester), und ein Pfund Öl. Die Namen der 10 Hufen 
waren: Ballonio, Mancagagio (Menaggio ?); Olesio, Lestino, 
Villiano, Roate, Nerio, Cardano, Marlianico und Carate (am 
Westufer des Sees zwischen Como und Tremezzo). . 

In und bei Gravedona^ besass Reichenau: 

1. 5 Hufen in Peglio (Pellio) landeinwärts 2^/^ km. 
nordwestlich von Gravedona. Die Hufen lieferten 



1 CL. 370, vgl. Dümmler, Ostfr. Reich, Bd. 3 p. 378. 

» Chronik des öallus Öhm ed. Brandi p. 86 ff. 

' Limonta gehörte mit bestem Recht San Ambrogio nach B-M. 
1012 von 834. Die beiden erhaltenen Urteile der Gerichte zu Como 
und Mailand sind durchaus gerecht. 

* Neugart-Mone, Episcopatus Constantiensis (1862) p. 683. Zeit- 
schrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 27 (1875) p. 478. Quellen 
und Forschungen zur Gesch. von Reichenau, Bd. 2 p. 18. 

^ Der Ort Gravedona gehört Reichenau natürlich nicht. Es 
handelt sich nur um Güter in Gravedona s. o. u. St. 3668. 

7* 



- 100 - 

je 8 solidi, dann 8V2 staria Weizen und 16 staria 
Fensch und alle 3 Jahre 13V2 sol. als precaria. 

2. 1 Mansus in Naro (Nari), 1 km. nördlich von Grave- 
dona, lieferte 22 sol. weniger 4 den. alle 3 Jahre als 
precaria. . 

3. 2 mansi in Livo, 3 km. nördlich von Gravedona 
und in Cuiano ^ gaben je 5 sol. fictum und alle 3 
Jahre 13V2 sol. als precaria. 

4. 1 Mansus in Cuiano und Livo zinste dem 
Gastalden des Klosters „pro suo officio". 

Dazu kamen Vassallen von Reichenau in Domaso, 
Gravedona, Paleggio und ein Olivenwald in Sursaro. 

Aus alledem ergiebt sich mit Bestimmtheit, dass die 
Urkunde B-M. 1567 an wirkliche Besitzverhältnisse anknüpft. 

Val Intel vi (s. o.) zwischen Comer und Luganer See, 
ist vielleicht identisch mit dem Val Antelamo'^ oder Val 
Telamo, in dem Liutprand Holzarbeiter (carpentarii) dem 
Kloster Cielo d'Oro in Pavia schenkte (GL. 529). 

InCressogno am Luganer See westlich von Por- 
lezza wird 932 ein Grundstück erwähnt, im Orte Cresencia, 
das an einer Seite an Land der Könige grenzt (GL. 542). 
Zu welchem Hofe dasselbe gehörte, wissen wir nicht. 

Mehrere Orte am Nordwest- und Nordufer des Sees 
Dongo (Dygo), Musso (Musi), Vregenzano (Vogenzate) 
und Coli CO (Colione) werden in einer angeblichen Urkunde 
Liutprands S. Carpoforo (Tr. 445) geschenkt und von 
Friedrich I. bestätigt (St. 3857a). Dass die Orte je Reichs- 
güter gewesen sind, ist nicht zu beweisen.^ 

Am Ostufer des Sees ist Bellano vielleicht mit dem 
GL. 381 von Berengar I. 898 an S. Christina in Olona ge- 
schenkten Bellamium identisch. Allein die Bezeichnung „in 
comitatu Aquinensi" würde dem widersprechen. 

Am See von Lecco, unweit von Bellaggio liegt Li- 
monta,^ einer der wenigen Höfe, über die wir genau 

^ Vielleicht Caino nordöstlich von Domaso. 

* Der Bach, der das Val d'Intelvi durchströmt, heisst Telo. 

* üeber Surioo und und Olonio vgl. Provinz Sondrio. 

* Vgl. Seregiii im Archivio storico Lombardo, 1895, Bd. 3 p. 60. 



- 101 - 

unterrichtet sind. Im Jahre 834 schenkte Kaiser Lothar 
dem Kloster S. Ambrogio in Mailand den Hof Limonta 
(Lemunta) mit Herrenhaus, der dem hl. Genisius geweihten 
Kapelle, Olivenwaldungen und 6 Hufen mit 34 dazu gehörigen 
Unfreien, um vom Ertrage in der Friedhofskapelle am Grabe 
des Knaben Hugo, Bruders seiner Gemahlin Irmingard, Lichter 
zu beschaffen (B-M. 1012. GL. 121). In einer Urkunde vom 
8. Mai 835 (B-M. 1017. OL. 125) wird die Schenkung be- 
stätigt und zugleich näher erläutert. Hiernach gab es in 
Limonta 32 Bewohner (zwei weniger als im Vorjahr). 

Urse mit Frau und 5 Kindern = 7 

Fosculus „ „ „ 5 „ =7 
Lobianus mit 3 „ =4 

Ariulfus mit Frau und 3 „ =5 
Agipert „ „ „ 1 „ =3 
Lupus „ „ „ 4 „ = 6 

32 

« Somit entfiel auf jede Hufe in Limonta eine Familie. 
Dazu schenkte Lothar jetzt noch zwei Olivenwaldungen, die 
eine im Ort Aucis, dem heutigen Olcio am östlichen Ufer 
des Sees von Lecco, die andere in Conno, das mit Onno 
am Westufer des Sees, südöstlich von Limonta, identisch 
sein dürfte. Der Ort Onno selbst gehörte der Kirche zu 
Missaglia, doch die Einwohner desselben waren verpflichtet, 
bei der Ernte der Oliven den Bewohnern der kaiserlichen 
Domäne zu helfen, die Oliven mit ihnen auszupressen und 
nach der Stadt Pavia zu fahren. Im Weigerungsfalle konnten 
sie gepfändet werden (OL. 126). Die Verwaltung des Hofs 
leitet ein Actor, der auch Scario genannt wird (GL. 126), 
doch kam bisweilen zur Inspektion ein Gastalde auf das 
Gut. Den Mittelpunkt desselben bildete ein kleines Herren- 
haus und eine Kapelle, die aber eigener Einkünfte ermangelte 
(mit Ausnahme des Zehnten). 

Nach einem Inventar gaben 5 Hörige (manentes) 36 
Scheffel Korn, 12 Krüge Wein, 12 Schweine, zu je 20 denar, 
18 Widder zu je 5 denar, 60 Hühner und 300 Eier im Jahr. 
Dazu gab es noch Land, das nicht von Hörigen bebaut 



- 102 — 

war, wahrscheinlich die sechste Hofe, die Lothar geschenkt 
hatte. Dieselbe wurde von 2 Knechten bearbeitet, die 5 
solidi zahlten. Ferner befanden sich 2 Aldionen auf dem 
Hofe, die sich \ um dem Feinde zu entgehen (propter hostem), 
in den Schutz des Klosters begeben hatten, und 4 solidi 
zahlten. Die Olivenwälder brachten 60 Pfund Öl ein. Die 
letzteren sind noch besonders behandelt in einem fragmen- 
tarischen Inventar (auch CL. 126). Zwei Stücke liegen beim 
Hofe, drei Stücke in Olcio, eins in Onno. In den Oliven- 
waldungen arbeiteten Leute die nichts entrichteten, und ihre 
„peculiares" für Kleidung und Nahrung hatten, wie es scheint, 
also Gesinde waren.- 

Andere Pertinenzen von Limonta hatte S. Ambrogio 
von Lothar auf der Halbinsel zwischen den Seen von Lecco 
und Como erhalten, so in Civenna (Cevenna) südlich von 
Limonta an der Strasse nach Erba, Magreglio (Madronino) 
an der gleichen Strasse, Candalino (Cantolico oder 
Cantunico) nordöstlich von Canzo und in Silvaniaco (Sel- 
vaniate DO. I. 138 Lage unbekannt). Als die Bewohner 
dieser Orte dem Fiskus gehörten, waren sie verpflichtet, Ol 
nach dem Kaiserhof Deusdedit (Desio) zu fahren, weigerten 
sich aber später dies für das Kloster zu thun; sie wurden 
nun vor dem Gericht des Vicedominus des Erzbistums 
Mailand 882 dazu gezwungen (CL. 314). 905 anerkannten 
die Bewohner von Altonico (Cantolico?), dass sie verpflichtet 
seien, die Oliven zu sammeln, zu pressen und fortzufahren, 
den Abt oder seine Angestellten über den See zu rudern, 
jährlich 70 denar, 100 Pfund Eisen, 30 Hühner und 300 
Eier zu entrichten (CL. 416). Dass auch der Ort Villa 
südwestlich von Bellaggio eine Pertinenz von Limonta 
bildete, erfahren wir aus einer Urkunde Ottos I. von 951 
(DO. I. 188, St. 199). Der daselbst genannte Ort Ucto ist 
nicht zu identifizieren. Weitere Pertinenzen werden in einer 



* Könnte auch heissen „um der Heerfahrt zu «ntgehen". So hat 
Seregni p. 25. 

' „nihil reddunt predioti homines, sed excolunt prenominatn 
oliveta et haboat suoa poouliared pro viotu et vestitu. Vgl. Buch 3. 



~ 103 - 

Urkunde Ottos III. von 998 (DO. III. 265) erwähnt, in der 
auch die als Allmend ^ benutzte (mens compascuus) Höhe 
von Bellaggio genannt wird. Über die Behandlung der 
Knechte in Limonta erfahren wir verschiedene Einzelheiten 
aus einer Urkujpde von 905 (CL. 417). Der Vogt Pedelbert 
fordert von den Hörigen nicht nur zu viel Abgaben, lässt 
sie unnötig auf dem See fahren, nimmt ihnen ihr Vieh weg, 
lässt sie im entfernten Clepiate die Reben abschneiden, 
sondern was das ärgste ist, er will ihnen sogar die Haare 
abschneiden lassen. Der Abt entgegnet darauf: „servi estis, 
quicquid ita iubemus atque precipimus, facere debetis!" 
Das unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Mailand tagende 
Gericht war aber anderer Meinung und fixierte die Lasten 
der Bauern, wie sie in der Zeit bestanden hatten, als Limonta 
noch kaiserlich war, auf 3 Pfund denar und 10 solidi, 
12 sest. Korn, 30 Pfund Käse, 30 Hühner, 300 Eier. Dann 
wurde die Verpflichtung anerkannt die Oliven zu sammeln, 
zu pressen und zu fahren, den Abt über den See zu rudern 
und 100 Pfund Eisen zu entrichten. Eine Neuregelung der 
Lasten von Limonta und der umliegenden Gemeinden fand 
957 statt (CL. 625), wobei die Naturallasten z. T. in Geld 
umgesetzt wurden. Noch mehr standen die Geldleistungen 
im 11. Jahrhundert im Vordergrund. ^ 



In dem westlich von Como sich bis zum Lago 
Maggiore erstreckenden Hügellande sind nur wenige Reichs- 
besitzungen zu erwähnen. 

In Bizozzero (Besezolo), südöstlich von Varese, 
verschenkte Liutprand nach CL. 529 carpentarii an Cielo 
d'Oro. Von den anderen in dieser Gegend Cielo d*Oro ge- 
hörigen Gütern ist es ungewiss, ob sie aus Reichsgut 



* Nach Seregni p. 34 „Allmend". 

2 Mail. St. Archiv Chartae sc. XI No. 776 app. 1. Die Angaben 

sind hier nicht erwähnt, da sie für die kaiserliche Zeit ohne Belang 
Bind. Vgl. Buch 3. 



- 104 -- 

stammten. (In GL. Nr. 1 sind genannt : Ballarate , Ispra, 
Oriano, Azzio, Orino, Cuveglio, Marchirolo, Lavena, 
Gavirate, Bardello, Schiano, Mozzate, Turate, Gerenzano 
und Venegano.) 

Lavena am Luganer See unweit ^^nte Tresa ist 
wahrscheinlich identisch mit dem DO. II. 130 genannten 
Lavenna, das der Rotlind gehörte und wohl aus fiskalischem 
Besitz stammt. Doch könnte auch Laveno am Lago Maggiore 
oder Lavino zwischen Bologna und Modena in Betracht 
kommen. Den letzteren Ort schenkte Otto I. am 3. Nov. 
962 dem Presbyter Erolf (DO. I. 249). Nördlich von Laveno 
am Ostufer des Sees liegt Porto Valtravaglia. wo Beren- 
gar IL eine feste Burg besass. (Dümmler, Otto I. p. 340.) 
Ihre späteren Schicksale sind unbekannt. 

Mozzate (an der Bahn Varese-Saronno) , s. Provinz 
Mailand. 

In diesem Landesteil nahm Friedrich I. die Burg 
Belferte bei Varese in Besitz, über die in früherer Zeit 
nichts aufzufinden ist. Dieselbe wird zuerst im Jahre 1162 
(13. April) erwähnt, in welchem hier ein Gerichtstag statt- 
fand.^ Wahrscheinlich okkupierte Friedrich die Burg bei 
der Besetzung der Grafschaft Seprio. 1164 hielt er sich 
selbst hier auf (St. 4032). 1168 erscheinen die Bewohner 
als Mitglieder der lombardischen Liga (M-G. SS. 18 
pag. 657).2 

IV. 

PROVINZ BERGAMO. 

Litteratur: M. Lupi, Codex diplomatious civitatis et ecolesiae 
Bergomatis, Bergamo 1784 iF. 

Bergamo war in langobardischer Zeit die Residenz 
eines Herzogs. Schon nach dem Tode Klephs, also noch 
im 6. Jahrhundert wird hier ein Herzog namens Wallari 
erwähnt (PD. 2, 32). Unter König Agilulf fand eine drei- 

* Mail. St. Arohiv: Sta. Maria di Varese oh. so. XII. Anwesend 
war der kais. Missus übitus. 

' of. Brambilla, Yarese p. 168. 



~ 105 - 

malige Erhebung des Herzogs Gaidulf von Bergamo statt, 
die mit dessen Hinrichtung endete (PD. 4, 13). -- Das 
Herzogthum scheint aber entweder von Agilulf oder von 
einem seiner Nachfolger wieder besetzt worden zu sein, 
denn um 700 hören wir in Bergamo wieder von einem 
Herzog, namens liotharit, der Aribert H. den Thron streitig 
machte. Doch der König zog mit grosser Heeresmacht 
gegen den Prätendenten, eroberte Bergamo, Hess Rotharit 
ergreifen und später in Turin hinrichten (PD. 6, 20). Wahr- 
scheinlich wurden damals die herzoglichen Güter eingezogen, 
und in Bergamo ein königlicher Gastalde eingesetzt. Im 
Jahre 769 wird ein gewisser Arichis als gewesener Gastalde 
von Bergamo genannt (CL. 37), und im Jahre 799 nennt sich 
der Bischof Tachimpald, „Sohn des Gastalden Teotpald" 
(CL. 71). Im Jahre 883 erscheint dann auch ein Gastaldat 
Murgula ; ^ es geht vielleicht auf das alte langobardische 
Gastaldat zurück, das vor 700 neben dem Herzogtum be- 
standen hatte. Vielleicht wurde aber nur das Gastaldat 
Bergamo nach dem nahen Murgula verlegt. 

In der Provinz Bergamo haben wir es weniger mit 
grossen Schenkungen zu thun, aus denen wir auf das ehe- 
malige Vorhandensein von Gütermassen schliessen können, 
dagegen erhalten wie viele Aufschlüsse aus Kauf- und 
Tauschurkunden Privater, in denen gelegentlich erwähnt 
wird, dass Königsgut an vertauschte oder verkaufte Grund- 
stücke angrenzt. Besonders zahlreich sind solche Er- 
wähnungen in der Bannmeile der Stadt, in der wahrschein- 
lich die alten Herzogsgüter gelegen waren. 

In der Stadt Bergamo ^ selbst gehörten die Festungs- 
werke von Alters her, wie in anderen Städten, dem Könige. 
Als die Ungarn die Mauern zerstörten, erlaubte Berengar 
im Jahre 904 dem Bischof den Wiederaufbau, womit die 
neuen Mauern auch in bischöflichen Besitz übergingen. 



* C. L. 319 „gastaldio de ourte nostra Murgola". 

* Auf das Bestehen eines Königshofes in der Stadt deutet eine 
Urkunde des Kapitulararchivs von 1295 hin, die ich der Güte des 
Hrn. Gius. Bonetti verdanke: „in vioinio S. Pansoacii ubi dioitur in 
ourte regia". Die Kirche S. Pauscaoio liegt in der Oberstadt. 



- 106 - 

(CL. 410), 1 ein Privileg, das 922 König Rudolf bestätigte 
(CL. 499). Den Mittelpunkt der Festung bildete das über 
der Stadt gelegene Castell, das sich an der Stelle des noch 
heute dort befindlichen Castells befand. Arnulf nahm hier 
nach der Erstürmung der Stadt im Jahre 894 seine Residenz 
(CL. 359) ^. Wahrscheinlich ging das Castell mit den übrigen 
Festungswerken 904 in bischöflichen Besitz über. In der 
Altstadt selbst, die auf dem „Mons civitatis" liegt, kennen 
wir keinen königlichen Besitz, wohl aber am Abhang des 
Berges. Im Oktober 904 wird Königsland in fundo Petrorio ^ 
am mons civitatis erwähnt (CL. 411). Am westlichen Fusse 
desselben, am Südfuss des Castello dehnt sich heute der 
Vorort liorgo Canale aus, der mit „Cannale prope civitate 
Bergamo" identisch ist. Hier wird 933 ein Grundstück 
erwähnt, das östlich an Königsland angrenzt an einer Stelle, 
die „a fontana" heisst (CL. 544). Ausserhalb des südlich 
der Stadt gelegenen Borgo S. Leonardo liegen bei der Kirche 
St. Thomas Felder, die nach Lupi den Namen Calve 
führen und mit dem fundus Calfe identisch sind. Auf 
diesem wurden im Jahre 904 Grundstücke ausgetauscht, 
von denen das eine im Westen, das zweite am locus Cal- 
fasca im Süden, das dritte im Westen, ein viertes im Osten 
an Königsland grenzte (CL. 411). 

Auf dem Boden des südöstlich von der Stadt gelegenen 
Borgo Palazzo lag der Königshof Murgula, an den noch 
heute das Flüsschen Moria und die Kirche S. Alessandro alla 
Moria erinnern (Lupi 1, 868). Am 26. Februar 875 schenkt* 
Ludwig der Deutsche den Hof seiner Nichte Irmingard 
als Eigentum (B-M. 1463). Woher Ludwig der Deutsche 
denselben hatte, wissen wir nicht. Lupi (1, 866) stellt die 
Vermutung auf, die Teilung der karolingischen Reichsgüter 
sei unabhängig erfolgt von der Teilung der Reiche und daher 

^ „et sirit 8ub potestate eoolesie beati Alexandri^^ 

* „actum Bergomensi castello". 

^ Petrorio wird mit dem alten römischen Praetorium in Zusammen- 
hang gebracht. 

* Mühlbacher hat „bestätigt'', doch die Urkunde spricht von 
„in proprium conoedere". 



- 107 - 

habe der ostfränkische König auch in Italien Güter gehabt. 
Wahrscheinlich handelt es sich nur um eine Eventual- 
schenkung, indem Ludwig der Deutsche von Irmingard als 
Erbe ihres Vaters betrachtet wurde. Jedenfalls war Irmingard 
nicht lange im Besitz des Hofes. Wahrscheinlich nach ihrer 
Entführung durch Boso v. d. Provence im Jahre 877 wurde 
ihr das Gut durch Karl III. entrissen. Dieser hielt sich 
hier, wo eine kühlere Bergluft wehte als in der heissen 
lombardischen Ebene, öfters auf, so 883 (B-M. 1625—29) 
und 885 (B-M. 1647). Unter ihm kommt auch der Gastalde 
Johann in Murgula vor, den er mit einem Gute bei 
Cremona beschenkte (B-M. 1625). Im April 894 verlieh 
Kaiser Wido Murgula zugleich mit einem Hofe in der Graf- 
schaft Piacenza seiner Gattin Ageltrud (GL. 361). Als 
Ludwig III. nach Italien kam, dem Murgula nicht nur als 
König, sondern auch durch Erbrecht als Sohn der Irmingard 
gehörte, schenkte er zuerst einige Pertinenzen des Hofes 
dem Bischof Adalbert von Bergamo und wenig später, im 
Jahre 901, den ganzen Hof „am Flusse gleichen Namens" 
(secus fluvium simili modo nuncupatum CL. 398) der Kirche 
von Bergamo, was er kurz danach am 23. Mai bestätigte 
(CL. 394). Natürlich war diese Schenkung für Berengar 
nicht bindend. Er stellte im Jahre 903 (oder 904) eine 
Urkunde für den Bischof aus, in der er von der Schenkung 
Ludwigs nichts erwähnt und die Fiktion aufrecht erhält, 
als ob Murgula noch ihm gehöre („iuris regni uostri"). 
Er verleiht den Hof, der ganz nahe an der Stadt lag 
(subtus civitatem)^ (CL. 404). Damit war Murgula end- 
giltig in den Besitz des Bistums übergegangen, dem es 
nun verblieb. Über den Hof selbst erfahren wir noch, 

* Vorher schon scheint er, analog dem König Ludwig, einige 
Pertinenzen dem Bistum geschenkt zu haben, wenn nicht die ganze 
Urkunde vom Bischof vorgelegt wurde, und der Satz aus der Urkunde 
Ludwigs sinnlos abgeschrieben worden ist. Uebrigens ist charakteris- 
tisch, dass der Satz, der von der fidelitas des Bischofs handelt, in 
Berengars Kanzlei gestrichen wurde, während sonst der Text fast wört- 
lich übernommen wurde. Der gestrichene Satz lautet : „neo non et pro 
ipsius venerabilis praesulis üdelitate quam erga nostram imperialem 
usus est depentiftm'*, 



'- 108 - 

dass dort am Alexandertag (10. Juli) ein Markt stattfand, 
der eine Einnahmequelle bildete und walirscheinlich wegen 
der Nähe der Stadt Bergamo besonders gut besucht war 
(CL. 425). 

Die auf dem Lande gelegenen Höfe glauben wir am 
besten in alphabetischer Reihenfolge aufzählen zu können. 

Albano 8 km östlich von Bergamo an der Bahnlinie 
Bergamo-Brescia. Hier lagen mansi Berengars und Willas, 
die Otto der Grosse dem Bistum Bergamo verlieh * (St. 452. 
DO. I. 272. CL. 667). Wahrscheinlich sind die Hufen in 
den dort genannten acht Orten Krongüter gewesen. Es sind 
bei Albano wohl die 2 mansi gemeint, die im Jahre 1000 
die Kirche Bergamo vertauscht und die 8 perticae 11 tabulae 
eingezäuntes Land (clausura), 11 Joch 8 perticae Ackerland 
und 10 Joch 8 perticae Wald und Wiesenland umfassten 
(CL. 991). 

Albino im Val Seriana, 12 km nordöstlich von 
Bergamo. Hier grenzen im Jahre 898 (CL. 379) eine Menge 
von Grundstücken an Königsland: das erste „in vico Albinies 
loco ubi dicitur Sablorie", grenzt östlich an Königsland, 
ebenso ein zweites in „agro", ein drittes in Pradetto, 
wohl dem heutigen Pradetto, 3 km nördlich am Serio, 
an Königsland im Süden, ein viertes in Runcolo im Norden, 
ein fünftes in loco Busariola, auch in Albinies, im Süden, 
ein sechstes endlich im Osten. Albinies könnte nun ebenso- 
gut Albegno südwestlich von Bergamo sein; doch da die 
Abschätzer (existimatores) der Grundstücke sämtlich in 
Val Seriana, in Nembro, in Pedrengo (Petringo) und in 
Ranica (La rianica) wohnen, so hat Albino im Val Seriana 
grössere Wahrscheinlichkeit für sich. 

Almenno, grosser Ort an der westlichen Seite des 
Val Brembana, 8 km nordwestlich von Bergamo. Bereits 
König Aistulf residierte hier, wie eine vom 20. Juli 755 
datierte Urkunde (Tr. 693. CL. 15 „in curte Lemennis") 
beweist Dann ging der Hof auf die Karolinger über und 
wurde 875 von Ludwig dem Deutschen mit Murgula der 



* Das Jahr steht nicht fest. Es war zwischen 962 und 964. 



- 109 — 

Irmingard, Tochter Ludwigs IL, übertragen (CL. 262 B-M. 
1463 s. 0.). Mit der Entführung der Kaisertochter durch 
Boso fiel auch Almenno an Karl III. und dann an Wido 
und Lambert. Diese schenkten am 1. Mai 892 den Hof 
ihrem Getreuen, dem Markgrafen Konrad und seiner Gattin 
Ermengundis. Auffällig ist, dass in der Urkunde erwähnt 
wird, dass schon Ludwig — worunter wohl Ludwig IL 
gemeint ist — den Hof dem Markgrafen verliehen habe 
(CL. 351). Der Sohn desselben war der Graf Redald von 
Lecco, der 926 im castrum Leminne residierte (CL. 508). 
Dessen Erbe Atto verkaufte das Gut 975 an den Presbyter 
Johann von Bergamo (CL. 759), der über den Hof zu Gunsten 
der Kirche verfügte (CL. 760). Heinrich IL zuerst be- 
stätigt Almenno dem Bistum Bergamo dem es dann ver- 
blieb (St. 1606. 2527). Über die Verhältnisse des Gutes 
sind wir nicht näher unterrichtet. Südlich grenzte dasselbe 
an den Hof Brembate, der ursprünglich königlich war 
(Lupi 2, 563 Urkunde von 1030). 

Aulen es. Der Name ist heute in einer Ortschaft nicht 
mehr erhalten, doch lag Aulenes am Ufer des Brembo 
unweit der heutigen Orte Albegno und Treviolo (s. z. B. 
wird CL. col. 817 bei Aulenes der Brembo genannt). ^ 
In Aulenes lag ein Grundstück, das 910 und 917 südlich an 
Königsland anstiess (CL. 437. 472). Später erfahren wir 
über diese Reichsbesitzungen nichts mehr. Wahrscheinlich 
gehörten sie zu dem in nächster Nähe am rechten Brembo- 
ufer gelegenen Bonate, das Otto der Grosse dem Bistum 
schenkte (s. u.). 

Boltiere 13 km südsüdwestlich von Bergamo unweit 
der Einmündung des Brembo in die Adda. Hufen in dem 
mit Boltiere identischen Orte Balterio gehörten Berengar 
und Willa und wurden von Otto dem Grossen dem Bistum 
Bergamo überwiesen (DO. I. 272. St. 452). Weiteres ist 



* In Bergamo wurde mir mitgetheilt, dass es bei Sforzatica eine 
Kirche 8* Maria mit einem ähnlichen Namen gebe. Vielleicht ist das 
nördlich liegende 8. Maria deirOlmo gemeint. Dass Aulenes unweit 
Albegno und Treviolo lag, crgiebt sich aus den Zeugonreihen, 



- 110 - 

über Boltiere nicht bekannt. Vielleicht waren die bei Levate 
erwähnten königlichen Grundstücke Pertinenzen dieses 
Hofes. 

Bonate disopra liegt 8V'^ km westlich von Ber- 
gamo am linken Bremboufer. Mansi in dem Orte Bojiate 
superiore wurden von Otto dem Grossen unter den Berengar 
und Willa gehörigen Orten dem Bistum Bergamo überwiesen 
(DO. I. 272. St. 452). Die Besitzungen hier gaben Anlass 
zu einem Prozess zwischen Benadus und den Kanonikern von 
Bergamo, der zu gunsten der letzteren 972 entschieden 
wurde (DO. I. 416). Auch Rotlind, die Tochter Hugos, 
hatte hier Grundbesitz, der wahrscheinlich aus altem Kron- 
gut stammte, und von Otto IL ihrem Gatten Bernardus 
restituiert wurde (DO. H. 130), der möglicherweise mit dem 
972 genannten Benadus identisch ist. 

Brembate, (Brombate). Es giebt 2 Orte dieses 
Namens 

1. di sopra am Austritt des Brembo aus dem Gebirge, 
6 km westlich von Bergamo. 

2. di sotto nahe dem Einfluss des Brembo in die 
Adda, 14 km südwestlich von Bergamo. 

Auch in Brembate besassen Berengar und Willa mansi, 
die Otto L dem Bistum Bergamo schenkt (St. 452. DO. I. 
272). 

Brignano (Brinianum od. Brenanum) nordöstlich von 
Treviglio, war ein Gut der Rotlind, der Tochter König Hugos, 
und demnach wahrscheinlich eine alte Domäne (DO. IL 130). 
Über die spätere Geschichte von Brignano vgl. Provinz 
Cremona: Insula Fulcherii p. 158. 

InCalcinate an der Strasse nach Brescia 14 km 
südöstlich von Bergamo, lag in langobardischer Zeit ein 
Bauernhaus, das dem Könige gehörte (Casa tributaria). 
Aribert IL schenkte dasselbe, dem ein Massarius Theo- 
derenes vorstand, der Kirche S. Lorenzo in Bergamo, was 
Aistulf am 22. Juli 755 bestätigte (GL. 15. Troya 693). 
Alle Fronden, die die Leute des Hofes dem Fiskus leisteten. 



- 111 — 

sollten sie jetzt der Kirche leisten, mit Ausnahme der Pflicht 
Holz zu schlagen (cesas faciendum), was sie auch in Zukunft 
für den Fiskus besorgen mussten.^ 

Caprino 15 km nordwestlich von Bergamo an der 
Bahn nach Lecco gelegen, gehört ebenfalls zu den mansi, 
die Berengar und Willa gehörten und die Otto I. dem Bis- 
tum Bergamo schenkte (St. 452. DO. L 272). 

In Colognola 3 km südlich von Bergamo an der 
Strasse nach Treviglio, grenzt im Jahre 886 ein Grundstück 
(das fünfte) nördlich, ein anderes (das sechste) im Osten, 
Westen und Süden an Königsland. Für den daselbst ge- 
nannten Ort Colonies käme sowohl Colognola wie Cologno, 
das 10 km weiter südlich liegt, in Betracht. Doch da in 
der Urkunde (CL. 337) sonst nur Ortsnamen in der nächsten 
Nähe von Bergamo (Albegno, Sforzatica) oder solche, die im 
Westen oder Nordwesten gelegen sind (Mapello, Calusco, 
Almenno), genannt werden, so spricht die grössere Wahr- 
scheinlichkeit für Colognola. Die Felder daselbst gehörten 
mit den in Grumello und Scalve gelegenen zusammen. 

Cortenuova liegt bei Martinengo ca. 20 km süd- 
östlich von Bergamo. Karlmann stellt 20. Oktober 877, eine 
Urkunde für Bobbio aus mit der Bezeichnung „Curtenova 
villa regia** (B-M. 1483 Chartae 1, 35). Da er von Cassano 
kam und dann nach Peschiera zog (B-M. 1482, 1484), so 
kann kein Zweifel obwalten, dass Cortenuova in der Provinz 
Bergamo gemeint ist. Wann dieser Hof dem königlichen 
Gute entfremdet wurde, wissen wir nicht. 915 gehörte er 
dem Grafen Dido von Bergamo (CL. 464), der ihn gegen 
andere Güter dem Bischof Adelbert von Bergamo überlässt, 
mit Vorwerken in Casa Storta (Stodari sw. von Martinengo), 
Covello (ö. von Romano), Fara Olivana (südl. von Romano 
Fara Libani in der Urk.), Barbata südlich von Romano, 
Pumenengo am Oglio und Vedelengo östlich von Treviglio. 



* In Calusco, 16 km. westlich von Bergamo, schenkt Friedrich I. 
2 Arimannen mit ihren Abgaben der Kirche 8. Alessandro zu Bergamo 
(St. 3864). Es handelt sich hierbei aber nicht um Reichsgut. 



-- 112 — 

Das Gut umfasst: 

Zusammen bei Curtenuova 2287 Joch^ 

In Covello (Acker und Wiese) 55 „ 

In Fara (Ackerland) 22 

In Barbata (Acker- und Waldland) 191 „ 

In Caneto (Wiesen) 10 „ 

In Vedelengo (Wiesen) 52 „ 
In Audenengo und Seratica (Wiesen) 47 V2 « 

Wald Barbadisca und Curtenuova 400 „ 



30641/2 Joch 



2250 ha = 22 V2 qkm. 










Dazu kommen an Unfreien 


i 




in Curtenuova 


7 


Familien 


18 Köpfe 


in Covello 


1 




V 


5 , 


in Fara 


1 




w 


5 . 


in Barbata 


5 




n 


41 „ 


in Vedelengo 


1 




n 


6 „ 


in Pumenengo 


3 




j> 


8 , 


in Audenengo 


1 




» 


2 , 



19 Familien 85 Köpfe 
Danach war Curtenuova ein ziemlich bedeutender Hof. 
Wahrscheinlich bildete das königliche Grundstück bei Mar- 
tinengo (s. u.) auch einen Bestandteil des Hofes Cortenuova. 
Curno (oder Corno). Im Jahre 867 tauscht ein ge- 
wisser Peter de Pressionico mit dem Bischof von Bergamo 
Güter aus. Die von Peter gegebenen Stücke befinden sich 
in vico lurno. Das eine liegt in loco Sosoneto, und grenzt 
. im Osten und Norden an Königsland, das zweite liegt in 
loco, ubi dicitur Runcco und grenzt östlich an Königsland 
(CL. 242).' Die Abschätzer sind aus Cadenne, Alise^ Moreges 
und Bonate superiore, Zeugen aus Cenate (bei Trescorre) und 
Curno, wie wahrscheinlich statt Jurno zu lesen ist. Es 
kommen drei Orte dieses Namens in Betracht: 

1. Curno 4 km westlich von Bergamo auf dem Wege 
nach Ponte Pietro und Lecco. 2 km südwestlich 
von dort liegt ein Ort Roncola, vielleicht das „in 

* Die pertioae lasse ich weg und runde ab. In Curtenuova lag 
Wiesen-, Wnld- und Weinlnnd. 



~- 113 - 

Runco" der Urkunde. Curno liegt nahe bei Bonate 
di sopra, das in der Urkunde genannt wird. 

2. Corna im Val Imagna, 10 km nördlich von Almenno 
in den Bergamasker Alpen. 6 km südlich von dort 
liegt ein Ort Roncola. 

3. Corno östlich von Trescorre. 

Nimmt man den ersten Ort als den in der Urkunde 
bezeichneten an — wofür nach unserer Ansicht die grösste 
Wahrscheinlichkeit spricht — so sind die darin genannten 
königliclien Felder in Zusammenhang zu bringen mit den in 
Aulenes und Scalve gelegenen, im zweiten Falle wären sie 
Pertinenzen des Hofes Almenno. 

Fara Gera d*Adda an der Adda 20 km südwestlich 
von Bergamo, 7 km nordwestlich von Treviglio, ist eins 
der Güter, die bei der Teilung des herzoglichen Besitzes 
dem König zugewiesen wurden. Schon durch König Authari 
wurde hier am Gestade der Adda eine Kirche gegründet, 
die dem arianischen Kultus geweiht war. Grimoald schenkte 
dieselbe mit ihi'en Besitzungen dem Bistum Bergamo, und 
Bischof Johannes Hess es sich angelegen sein, sie in eine 
katholische Kirche umzuwandeln. Als Alechis, der Herzog 
von Trient, bei seiner Rebellion in den Besitz von Fara 
gelangte, entriss er die Kirche dem Bistum, König Cuninc- 
pert gab sie ihm indes nach dem unweit von Fara erfoch- 
tenen Siege von Coronate zurück. Karl III. bestätigte dann 
die Kirche dem Bistum Bergamo im Jahre 883, (B-M. 1627. 
1628. GL. 320. 322). Dass es sich um Fara an der Adda, 
nicht um Fara Olivana bei Romano handelt, wie GL. Index 
col. 1930 annimmt, geht daraus hervor, dass in einer Ur- 
kunde von 915 (GL. 464) in der beide Fara vorkommen, 
das andere Fara die Bezeichnung Fara Libani führt, das 
sicher mit Fara Olivana identisch ist. Wie ausgedehnte 
Besitzungen die Kirche in Fara hatte, wahrscheinlich auch 
aus königlichen Geschenken Autharis, Grimoalds oder Cuninc- 
perts, geht daraus hervor, dass der Hof Flaccanico 
(Flaponica) nördlich vom Iseosee bei Lovere dazu gehörte. 

Gorlago 14 km östlich von Bergamo ist identisch 

Darmstädter, Das Reichsgut in «1. Lombardei u. Piemont. 8 



— 114 - 

mit Gurgulaco, wo Otto I. dem Bistum Bergamo mansi 
Berengars und Willas verleiht (St. 452. DO. I. 272). 

Grena im Cheriothal nordöstlich von Treseorre, wahr- 
scheinlich identisch mit Crene, wo CL. 251 ein Grundstück 
im Jahre 871 an „terra domini imperatoris" grenzt. 

Grumello del Piano 4 km südsüdwestlich von Ber- 
gamo an der Strasse nach Vaprio. „In vico Grumole in 
campo ad cerra" grenzt im Jahre 915 ein Acker südlich 
an Königsland. Es handelt sich hierbei sicher um Grumello 
del Piano und nicht um Grumello del Monte, das unweit 
vom Oglio an der Bahn Bergamo-Brescia liegt, da sämtliche 
existimatores und Zeugen aus der Umgegend von Grumello 
del Piano stammen, aus Albegno, Sforzatica (Sporciadica), 
Curno, Lallio (Lolio) und Osio (CL. 458). Die Besitzungen 
bei Grumello gehören mit denen bei Colognola, Curno und 
Aulenes zusammen. 

Levate an der Bahn Bergamo-Treviglio, 10 km süd- 
lich von Bergamo. In fundo Lavate, das zum Hofe Verdello 
gehörte, grenzte im Jahre 908 ein Grundstück an der 
„Cuelloso" genannten Stelle westlich an Königland an (CL. 426). 
Dasselbe gehörte vermutlich zu den von Otto in Boltiere 
verschenkten Besitzungen. 

L c a t e 8 km westlich von Bergamo bei Ponte S. Pietro 
am Bremboufer. Hier hatte im Jahre 805 Gaidoald, Knecht 
des Königs (puer regis), Besitz, woraus wir schliessen, dass 
hier Güter der Krone lagen. Dass es sich in dieser Urkunde 
(CL. 79) um Locate bei Bergamo handelt, geht daraus hervor, 
dass nicht nur der tauschende ein Bischof von Bergamo ist, 
sondern auch die Zeugen dem Orte Stagiano angehören, der 
oft in bergamaskischen Urkunden genannt wird (z. B. CL. 
437. 464. 630 etc.). Dieser Hof in Locate war entweder 
Pertinenz von Almenno oder von Bonate. 

Tn Martinengo 17 km südsüdöstlich von Bergamo am 
linken Serioufer, grenzt im Jahre 882 ein Grundstück, das 
am Serio gelegen ist (ad Serio), — es ist das vierte - östlich 
an Gut des Kaisers, und das sechste ebendaselbst stösst im 
Norden an kaiserliches Landan(CL.311). Wahrscheinlich haben 
wir es mit Pertinenzen des Königshofes Cortenuova zu thun. 



- 115 - 

Morengo 18 km südlich von Bergamo auf dem Wege 
nach Crema gelegen ist das Mauringo, in dem Otto I. die 
Berengar und Willa gehörigen mansi dem Bistum Bergamo 
verleiht (St. 452. DO. I 272). 

Sarnico am Iseosee (Sarnega). Die Fischerei daselbst 
bestätigt Ludwig IL dem Kloster S. Salvatore in Brescia 
(B-M. 1185. CL. 220). Der Ort selbst kam wahrscheinlich 
durch Schenkung Hugos an dessen Tochter Rotlind und 
wurde derselben und ihrem Gatten Bernard von Otto IL 
bestätigt (DO. IT. 130). 

Val Seriana, zieht sich bis zum Passo di Caronella 
hin, der es mit dem Veltlin verbindet. In einer gefälschten 
Urkunde schenkt Otto IL die Gerichtsbarkeit im Thal und 
alle königlichen Rechte daselbst, zugleich mit dem Gebiet 
von Bergamo vom Castell Azzano bis zum Castell Seriate, 
dem Bischof der Stadt (DO. IL 319. CL. 713). Friedrich I. 
zuerst bestätigt diese Urkunde im Jahre 1156 (Lupi 2, 1143). 
Dass sich einige königliche Güter im Val Seriana befanden, 
sahen wir bei Albino. Wie es sich mit den beiden Castellen 
Seriate (östlich von Bergamo) und Azzano (südlich von 
Bergamo) verhielt, ist nicht festzustellen. 

Sorisole 4 km nördlich von Bergamo am Abhang 
des Gebirges. Hier „in fundo Suresele** an einer Stelle, die 
Ursianica genannt wird, schenkte König Ratchis im Jahre 
747 einige Häuser und Grundstücke dem Presbyter Lemino, 
der sie an die Kirche S. Cassiano vermachte (CL. 149). 
Den Ort Ursianica glaubt Lupi (1, 434) in Assonica west- 
lich von Sorisole wiedererkennen zu können. 

Tagliuno am rechten Oglioufer, 8 km südwestlich 
von Sarnico, das am Ausfluss des Oglio aus dem Iseosee 
liegt. Im Jahre 913 (CL. 450) grenzt in fundo Taluno das 
„Campo Mauro" östlich an Königsland, und ein anderer 
Acker, „spicium da Incad" genannt, nördlich an Königsland. 
Dass es sich um Tagliuno am Oglio handelt, ist nicht zweifel- 
haft, da die anderen genannten Ortschaften, wie Caleppio, 
Cividino, Chiuduno, Bolgaro, sämtlich zwischen Cherio und 
Oglio gelegen sind. Die Grundstücke hier waren wahr- 
scheinlich Pertinenzen des Hofes Sarnico. 

8* 



- 116 - 

S. Vittore am Brembo unweit der Einmündung 
desselben in die Adda. Auch hier lagen Hufen Berengars 
und Willas, die Otto I. dem Bischof Odelrich verlieh (St. 452 
DO. I. 272). 

Fassen wir unsere Ergebnisse zusammen, so haben wir, 
besonders für das 9. Jahrhundert einen recht ansehnlichen 
königlichen Besitzstand in der Provinz Bergamo festgestellt, 
dessen Mittelpunkte die drei grossen Höfe Murgula, Almenno 
und Curtenuova bildeten ; dazu kamen dann durch die ganze 
Provinz zerstreut einzelne Höfe und Besitzungen. Die drei 
grossen Güter gingen dann in den stürmischen Zeiten um 
die Wende des 10. Jahrhunderts verloren. Immerhin aber 
begegnen uns in den ersten Jahrzehnten desselben noch 
recht beträchtliche Reste. Die völlige Vernichtung des 
königlichen Besitzes führte dann Otto L herbei und nach 
ihm ist von Reichsgut in der Provinz kaum noch eine Spur 
zu entdecken. Weder unter den Saliern noch unter den 
Staufern gab es hier Restitutionsversuche und auch von 
königlichen Festungsbauten, wie in der benachbarten Provinz 
Como, ist hier keine Spur. Vielleicht ist der Grund darin 
zu suchen, dass Como und sein Gebiet für die Verbindung 
mit Deutschland, auf die, wie wir sahen, die Staufer sehr 
grosses Gewicht legten und legen mussten, grosse Bedeutung 
besassen, während die Bergamasker Alpen strategisch und 
kommerziell weniger in Betracht kamen. ^ 



* Qanz vorübergehend scheint das Besatzungsrecht gewesen zu 
sein, das Heinrich VI. durch den Vertrag zwischen Brescia und Cremona 
am 8. Dez. 1191 in Caleppio am Oglio (Calupium), mit Gütern in dem 
dazu gehörigen Thale, in Volpino bei Lovere am Nordende des 
Iseosees, in Gorzone (Gorzano) an der Mündung des Val di Scalve ins 
Val Camonioa, Qualino (Coalino) und Ceratello (Cerredello), beide bei 
Volpino, erlangte. Kaiserliche Truppen sollten die Orte bewachen auf 
Kosten von Brescia und Bergamo. (Const. 342 St. 4728). Ueber 
Caleppio, Sarnico und die Dörfer des Thals von Caleppio verhandelte 
Heinrich VI. 1192 mit Bergamo, das wegen der Orte mit den Grafen 
von Martinengo stritt. (St. 4772). Das Castell zu Volpino war zwischen 
Brescia, Bergamo und den Castellanen von Volpino streitig. (St. 4778 
Liber Poteris p. 27. 29. 30.) 



— 117 



PROVINZ BRESCIA. 

liitteratur: Bravo, Delle storie Bresoiane. Brescia 1839/49. — 
Gradonicus, Pontificum Brixianorum seriee. Brescia 1755. — II 
Liber Poteris ed. Valentin!. Brescia 1878. — Odorici, Storie 
Bresciane. Brescia 1853/60. 

Leno: G. L. Luchi, Monumenta monasterii Leonensis. 
Romae 1759. - F. A. Zaccaria, DelF antichissima badia 
di Leno. Venezia 1767. 
Val Camonica: Mabille, la pancarte noire de Tours in den 
Memoires de la Soci6t6 aroh^ologique de Touraine. 
Bd. 17. Tours et Paris 1865. — Mühlbacher, Un diplome 
faux de St. Martin de Tours in den M^langes Julien 
Havet, p. 131 ff. Paris 1895. — G. Rosa, Storia della 
Yalle Camonica. 

In der langobardischen Zeit war Brescia die Haupt- 
stadt eines bedeutenden Ducats, der zwischen den Herzog- 
tümern Bergamo und Trient gelegen war. Wir kennen die 
Herzöge Alichis (PD. 2, 32), Alachis, der Brescia mit Trient 
vereinigte (PD. 2, 36) und Gaiduald (PD. 6, 50). Unter 
Desiderius waren die herzoglichen Güter in Brescia mit den 
königlichen vereinigt^. Wahrscheinlich hatte Aistulf dem 
Desiderius, der auch um Brescia bedeutende Familiengüter 
besass, das Herzogtum daselbst übertragen. Ein Gastaldat 
in Brescia ist nicht nachzuweisen. 

In der Stadt Brescia bestand nach den Angaben 
Odoricis eine Pfalz aus der spätrömischen oder ostgothischen 
Periode.^ Dieselbe lag in der Nähe der Kirche St. Giuseppe 
bei der heutigen Piazzetta S. Giuseppe unweit der Piazza 
vecchia. Urkundlich wird die Pfalz nirgends erwähnt. Eine 
Urkunde des Desiderius (Tr. 941. CL. 42) vom Juli 771 ist 
zwar in Brescia ausgestellt, doch fehlt jede nähere Be- 

* Dies ist zu entnehmen aus Tr. 878 CL. 32. In dieser Urkunde 
verfügt Desiderius über Mühlen, ,,8icuti ad curteni nostram publicam 
vel ad curtem duoalem pertinuit". Ferner verfügt der König in CL. 
20 über eine curtis ducalis in Cicognara. 

« Odorici 2, 137. 183. 



- 118 - 

Zeichnung. Eben so wenig findet sich eine solche in der 
Urkunde des Adelchis vom 11. November 773 (Tr. 985. 
CL. 50). Dagegen beweisen einzelne Angaben einer Urkunde 
vom 12. November 767 (Tr. 878. CL. 32) das Bestehen einer 
königlichen curtis, da Mühlen verschenkt wurden, die „ad 
curtem nostram publicam vel ad curtem ducalem pertinuit". 
In der karolingischen Zeit bestand jedenfalls kein Palast 
mehr in Brescia. Ludwig IL, der erste Herrscher, den wir 
nach Desiderius urkundlich in Brescia nachweisen können, 
nahm seine Residenz im Salvatorkloster (Monasterium 
novum) , wo wie im Kloster S. Ambrogio in Mailand und 
später auch in S. Salvatore in Pavia ein königliches Ab- 
steigequartier bestand. 

Unter den königlichen Stiftungen und Schenkungen in 
der Stadt nennen wir zuerst das angeblich von Theodelinde 
gestiftete Baptisterium, das sich nach der Angabe Odoricis 
in der Nähe der alten Kathedrale, der sogenannten „Rotunda", 
befand. ^ Desiderius erhielt von König Aistulf ein Grund- 
stück (area) geschenkt, das er im Januar 759 dem Kloster 
S. Michele e Pietro zum Geschenk machte (Tr. 727. CL. 18). 
Im Jahre 760 gründete der König das Kloster S. Salvatore, 
das mit S. Michele vereinigt wurde und später S. Giulia 
hiess. Die erste Äbtissin war die Tochter des Königs Ansel- 
berga. Das Salvatorkloster wurde auch von den Karolingern 
zur Dotierung von Frauen aus dem Königshause verwandt. 
Es erhielt am 4. Oktober 760 von Desiderius 8 Häuser in 
brixiano territorio casale quod dicitur Ermenfrid (CL. 20. 
Tr. 747), die wir nicht näher nachzuweisen vermögen. Eine 
weitere Schenkung machte der nämliche König am 12. No- 
vember 767. Er vergabte ausserhalb der Mauer vor dem 
Thore der Faustina und Jovita einen Platz, der früher zum 
Herzogs- und Königshof gehört hatte und zwei Mühlen an 
einem Wasserlaufe (Tr. 878. CL. 32). Diese standen nach 
der Angabe Odoricis noch lange an der gleichen Stelle und 
führten den Namen: „Molini S. Giuseppe oder Sta. Giulia**. 



» Odorici 2, 215. Troya 287. 



-- 119 — 

Das Thor, das in der Urkunde genannt wird ist die heutige 
Porta Milano oder Porta Bruciata,^ die platea ist die piaz- 
zetta di Porta Bruciata. 

In der nächsten Umgebung von Brescia, ca. 2 km 
südöstlich an der Strasse nach Soncino liegt der Vorort 
S. Nazzaro. Im Bereich dieser Gemeinde liegt noch heute 
die Kirche S. Maria in Cerpent oder Serpente. Daselbst 
lag der alte Königshof Cerropicto, den Aistulf dem Desiderius 
verlieh und den dann dieser 759 dem Kloster S. Michele 
zum Geschenk machte (Tr. 727. GL. 18. Tr. 851. GL. 31). 
Der Ort kommt dann 1022 wieder vor in einer Urkunde, 
in der es heisst: „vinetis Brixiae ubi dicitur ad Gerpentum".^ 
3 km weiter auf der Strasse nach Soncino liegt das Dorf 
Roncadelle am linken Mellaufer. Am 4. Oktober 760 
schenkt Desiderius dem Salvatorkloster 50 Joch Wiese (de 
braida) vom Herzogshofe, am Flusse Mella bei Runca, das 
„Runco novo" heisst, und von dem Wald der dazu gehört 
weitere 50 Joch. Dazu schenkte er den Gisolus und den 
Rodulus von Cuntinglaca, um die Schweine des Klosters zu 
weiden , den Deosdedulus von Lodrino , um das Rindvieh 
(pecora) und den Ansteus von Quinzano, um die Kühe zu 
weiden , mit den Häusern und Familien dieser Unfreien 
(Tr. 747. GL. 20). — Damit hätten wir die Reichsgüter in 
Brescia und seiner Bannmeile erschöpft, die, wie wir sehen, 
schon sämtlich von Desiderius vergabt worden waren und 
wenden uns der Provinz zu, die wir nach Bezirken betrachten 
und zwar zuerst: 

1. Die sogen. Franciaforta und die Gegend am 
Iseosee. 

2. Die Alpenthäler. 

3. Die Ebene. 

4. Die KüstedesGardasees. 



* Odorioi a. a. 0., 2, 301 CL. col. 63. 
« Odorioi 2, 36. 



— 120 — 

1. Franciaforta und Iseosee. 

R o d e n g * nordwestlich von Brescia an der Strasse 
nach Iseo. In curte Rodengo urkundet Berengar I. 27. Juli 
910 (Böhmer Reg. Karol. 1340 Dümmler Reg, Bereng. 59). 
Über den Ort ist sonst nichts bekannt. 

Ti moline (Temoninas) 3 km südlich vom Iseosee 
und südwestlich von der Stadt Iseo , ist ein Pamiliengut 
des Königs Desiderius. Es gehörte seinem Schwiegervater 
Verissimus, dann dessen Söhnen, dem Kleriker Arichis und 
dem Domnolus. Zu Timeline gehörte auch der Ort Fisto- 
linas, den wir nicht zu identifizieren vermögen (Tr. 851. 
CL. 31). Über Timeline erfahren wir näheres aus dem zu 
Anfang des 10. Jahrhunderts entstandenen Inventar von 
S. Giulia in Brescia (CL. 419 col. 701).'^ Timeline war da- 
nach ein ziemlich kleiner Hof. Ausser der Kapelle, die 
eigene Einnahmen hatte, befanden sich auf dem Herrenhof 
3 Häuser mit 14 Insassen (prebendarii).^ Vom Hofe hingen 
dann 23 Bauern (manentes) ab und eine unbesetzte Hufe, 
die der Aufseher (kanabarius) als Lehen hatte. 

Mit Timeline zugleich verschenkte Desiderius den auch 
zum Familiengut gehörigen Hof Ripa alta (Tr. 851. CL. 31). 
Dieser ist nicht sicher zu identifizieren, da gerade der Orts- 
name Riva ungemein häufig vorkommt. So gibts am Iseo- 
see* allein drei Orte Riva: 1) Ripa zwischen Sarnico und 
Clusone, 2) Riva di Solto am Westufer, 3) Riva zwischen 
Säle und Sulzano am Ostufer. (Die Orte Rivaita bei Mantua 
oder bei Crema dürften kaum in Betracht kommen). Der 
Herrenhof hatte nach dem oben erwähnten Inventar (CL. 419 
col. 720) vier Feuerstellen mit 10 Insassen, und besass be- 



* Die Kirche daselbst ist der Sage nach Ton Karl dem Grossen 
gegründet. Amati 6, 1098. 

* Vgl. Buch III, in dem die Angaben des Inventars weiter ver- 
wertet sind. Hier handelt es sich nur darum eine Vorstellung von der 
Grösse des Hofes zu geben. 

' Über die Stellung der prebendarii vgl. Buch III. 

* Darauf, dass der Ort am Iseosee liegt, weist neben den Schiffen, 
die erwähnt werden, die Bezeichnung hin: „et est lacus ad piscandum^^* 



— 121 - 

deutend mehr Land als Timoline. Auch wurde in Ripa 
Schiffsverkehr und Fischerei im See betrieben. Dagegen 
gab es hier nur 9 Hufen mit 13 Hörigen, 1 einem Freien 
gehörige und 2 bloss Geld zahlende Hufen. Eine weitere 
Hufe bewirtschaftete der Inspektor (scario). 

Wie diese beiden Höfe, so gehörte der grösste Teil 
des Ufers des Iseosees dem Kloster S. Giulia. So erscheinen 
Loreto und Iseo selbst im Besitz des Klosters (CL. 313), 
doch wissen wir nicht, ob diese Dörfer jemals Reichsgüter 
gewesen sind. ^ Dagegen wurden die sechs von Karlmann 
am 8. Juli 879 S. Giulia geschenkten Höfe dem Reichsgut 
entnommen (B-M. 1503. CL. 283). Es handelt sich um 
folgende Orte, deren Identifizierung freilich nicht vollständig 
gelungen ist: 

a) Prato caprioli dürfte Capriolo sein, das am 
linken Oglioufer unterhalb Sarnico liegt. Die curticella da- 
selbst war mit Perrego und Campus Gumulfi für den Vogt 
des Klosters bestimmt. 

b) Perrego ist vielleicht Paratico, das gegenüber 
von Sarnico an der Ausmündung des Oglio aus dem See 
liegt. 

c) Bogonago ist wahrscheinlich Borgonato, das süd- 
lich von Timoline an der Bahnlinie Brescia-Iseo liegt. Auf 
dem Herrenhofe befanden sich 2 Häuser mit 8 Insassen 
und eine Mühle, während 24 Bauern dem Kloster zinsten 
oder Dienste leisteten (CL. 419 col. 707). 

d) Der Curtis Gumulfi, deren Ermittlung uns nicht 
gelungen ist, fehlte ebenso wie dem Hofe Bogonago die 
Kapelle. Auf dem Herrenhofe gab es 3 Häuser mit Insassen. 
Nur 3 besetzte und eine unbesetzte Hufe hingen von dem 
Hofe ab (CL. 419 col. 717). 

e) Canella und f) Tripontio gehören in eine andere 
Region, (cf. p. 124. 127.) 

* Mühlbaohcr B-M. 1185 spricht von einer Schenkung vonTuringa, 
Gabiana, Loreto (und der Fischerei in Sarnico), doch Ludwig bestimmt nur 
die Erträge der bereits dem Kloster gehörigen Orte zu einer Gedächtnis- 
feier (ex pertinentia eiusdem monasterii novi .... concedimus curtem 
Turingam ....). 



— 122 - 

2. DieAlpenthäler. 

a) Das Val Camonica, das bei weitem bedeutendste 
der brescianischen Alpenthäler, ist vom Oglio durchströmt 
und zieht sich etwa 12 Stunden lang hinab bis zum Iseosee. 
Es steht nördlich durch den Apricapass mit dem Veltlin 
und durch den gleichfalls niedrigen Tonalepass mit dem 
Trentino in Verbindung und ermöglicht dadurch mit Um- 
gehung der Veroneser Klause vom Brenner direkt in die 
Lombardei einzudringen. Das Thal ist sehr fruchtbar, seit 
alters her reich an Ortschaften, die Berge sind stark eisen- 
haltig. Die Nachrichten, die Odorici über das Val Camonica 
zur langobardischen Zeit gibt, besonders über das Herzog- 
tum Val Camonica mit dem Sitz in Cividate, sind fabelhaft 
und entstammen der unechten Chronik des Rudolfe notaio.^ 
Unter Desiderius gehörten jedenfalls grosse Teile des Thaies 
dem Könige, doch ist es nicht sicher, ob diese ursprünglich 
Privateigentum des Desiderius oder altes Reichsgut waren. 
Auch der Gasindius des Königs , Tuido hatte in dem im 
Thale gelegenen Ort Cavelle Güter (CL. 51. Cavellis per 
valle Camonense col. 101 oben). Als Karl der Grosse ins 
Land kam, verschenkte er, wie er das benachbarte Veltlin 
an St. Denis gab, so auch das Val Camonica an das neben 
St. Denis berühmteste französische Kloster St. Martin in 
Tours (B-M. 168, CL. 52). Welche Gründe Karl zu dieser 
Schenkung bestimmten, vermögen wir nicht anzugeben. Die 
Grenzen, die in der Urkunde angegeben werden, sind folgende : 
auf der einen Seite usque ad Iu(n)dalanias, worunter wahr- 
scheinlich Villa d'AIlegno an der Tonalestrasse bei Ponte di 
Legno zu verstehen ist ,2 dann die Berge und Alpen auf 
der Trientiner Seite, die Tonale heissen. Der so benannte 
Pass trennt noch heute das Thal vom Sulzberg im Trentino. 
Dann wird die Brescianer Grenze und auf der anderen Seite 



* Vgl. Bethmann - HoHweg im Archiv der GeseUsohaft, Bd. 10 
p. 386 und Simson, Jahrbücher Karl des Grossen, 1, 188 Nr. 5. 

' Die oberste Thalstufe, Yal Mazza, die sich zu dem nach S. Oaterina 
führenden Gariapass hinaufzieht, hätte dann nicht zu dem rerschenkten 
Gebiet gehört, wohl aber der wichtigere zum Tonale gehende Weg. 



— 128 — 

das bergamaskische Gebirge als Grenze aufgeführt. Alles 
innerhalb genannter Grenzen, soweit es dem Staate und der 
Pfalz gezinst hat und auf den Fiskus übergegangen ist, 
sollte fortan St. Martin gehören. Allein der grossen Ent- 
fernung wegen war der Besitz der Mönche von Tours kein 
sicherer, besonders als nach Ludwigs des Frommen Tode 
das Reich auseinanderfiel. Die Besitzungen wurden dem 
Kloster entrissen, und erst als unter Karl III. die Reiche 
wieder vereinigt wurden, ordnete ein Concil die Rückgabe 
an St. Martin im Jahre 887 an^ und noch im gleichen Jahre 
bestätigte der Kaiser die italienischen Güter (B-M. 1704). 
Dann haben wir noch Bestätigungsurkunden ^ von Otto II. 
(980-983 ausgestellt St. 869 a DO. II. 233) und von Otto III. 
vom 1. Mai 998 (St. 1155 a DO. II. 289). Auch zu Anfang 
des 11. Jahrhunderts scheinen sich die Mönche noch be- 
hauptet zu haben, da sie den 30. Juli 1026 mit dem Bistum 
Bergamo einen Vertrag abschlössen , wodurch sie diesem 
das Val Scalve, ein westliches Seitenthal des Val Camonica, 
mit verschiedenen Ortschaften, z. B. Vilmaggiore, Vilminore, 
Teveno (Teverne) u. a. abtraten. ^ Vielleicht hat hier wie 
auch anderwärts in Italien Heinrich III. Kirchengut einge- 
zogen, denn am 1. Mai 1047 erscheint im Orte Darfo im 
unteren Val Camonica, dort, wo das Val Scalve ins Val 
Camonica mündet, eine curia regalis. An diesen Königshof 
hatten die Bewohner des Val Scalve jährlich eine Abgabe 
von 1000 Pfund Eisen zu entrichten, wofür ihnen der Kaiser 
den Eisenhandel im ganzen Reiche gestattete (St. 2336. 
Lupus Cod. dipl. Berg. 2, 622). Wahrscheinlich werden sich 
in Darfo Schmiedewerkstätten befunden haben, auf denen 
das Eisen verarbeitet wurde.'* Neben diesem Reichsgebiet 



1 MabiUe in den Memoires 17, 438 No. 114. 

' Die Urkunde Uerengars I (MabiUe Nr. 115j ist falsch, cf. 
Mühlbacher a. a. 0. 

^ cf. Odorici 5, 45. Auch S. Pietro in Cielo d*oro (DO. III. 
281) und ein gewisser Roger (DO. III. 288) hatten unter Otto III. 
Besitzungen im Val Camonica. 

* Dass Dervio mit Darfo identisch ist, ist kaum zweifelhaft, vgl. 
auch G, Rosa a. a. 0. p. 38. 



— 124 — 

gab es auch Stücke des Thaies, die unter Brescia standen. 
Dem ganzen Thale verlieh am 4. Oktober 1164 Kaiser 
Friedrich I. die Reichsunmittelbarkeit als Lohn für die von 
den Thalbewohnern ihm so oft bewiesene Treue und ver- 
sprach, das Thal nie zu verschenken oder zu verkaufen 
(St. 4030). Das Privileg ist von Seiten des Kaisers ein 
Gewaltakt, ähnlich wie die vielberufene Urkunde Friedrichs II. 
für Schwyz. Massgebend waren hier wie dort strategische 
Gründe. Bei der Unsicherheit des Weges durch die Veroneser 
Klause suchte sich der Kaiser eine andere Strasse aus Tirol 
nach der Lombardei zu sichern. Schon 1166 zog er durch 
das Val Camonica in die Poebene. ^ 

b) Im Val Trompia liegen: Lodrino östlich von 
Brozzo. Der Unfreie Deosdedulus, den Desiderius am 4. 
Oktober 760 dem Kloster S. Salvatore in Brescia schenkte, 
stammt aus diesem Orte (Tr. 747. CL. 20). Wahrscheinlich 
war Lodrino eine königliche Domäne. 

Das Gehöft Canello nordöstlich von Brozzo im Val 
Trompia auf der östlichen Thalseite ist wahrscheinlich iden- 
tisch mit dem am 8. Juli 879 von Karlmann an S. Salvatore 
verschenkten Hofe Canella (B-M. 1503). Auf dem Herren- 
hofe befanden sich 3 Häuser mit 15 Insassen. Zum Gute 
gehörte die Hälfte einer Alp und 22 Hörige, 8 Pächter, 
8 commendati und 1 Aldius, der als Briefträger fungierte. 
Der Inspektor und der canavarius hatten je eine unbesetzte 
Hufe inne. 

c) Östliche Gebirgsgegenden zwischen Val 
Trompia und Gardasee. (Das obere Chiesethal „ludikarien"* 
ist von der Betrachtung ausgeschlossen, da es zum Trentino 
gehört). 

Bione liegt zwischen Val Trompia und Val Sabbia 
auf dem Gebirgsrücken. Hier (in Monte Beo), schenkten 
die Könige Hugo und Lothar am 14. Juli 943 dem Andreas, 
Diakon der Kirche Brescia, zwei Grundstücke, von denen 
das eine 4 Joch, das andere 20 tabulae (zusammen circa 
32000 Quadratmeter) gross ist (CL. 572). 

* Fioker Forschungen § 300, 9. Giesebreoht 5, 521. 



~ 125 — 

3. Die Ebene. 

Da hier sich nicht wie im Gebirge Gruppen bilden 
lassen, so lassen wir die einzelnen Orte in alphabetischer 
Ordnung auf einander folgen. 

Casiriano. Am 10. Januar 851 urkundet Ludwig IL 
für das Bistum Cremona zu Casiriano villa regia (B-M. 1146. 
CL. 170).^ Diesen Königshof glauben wir in Cossirano in der 
Provinz Brescia 22 km westsüdwestlich von Brescia wieder 
zu finden. Allenfalls könnte noch Corzano an der Strasse 
von Brescia nach Soncino in Betracht kommen. Später ist 
über das Gut nichts mehr bekannt. 

Castenodolo 9 km südöstlich von Brescia. Dieser 
Ort kommt im Jahre 910 als Königshof vor. Lupus, Vogt 
der beiden Domänen Auce und Castenedolo, forderte vom 
Bischof von Cremona die Zahlung von l^k sol. für Wälder 
und Ländereien, die zu den betreffenden Königshöfen ge- 
hörten. Doch der Bischof legte eine Urkunde Kaiser Karls 
vor, und vor dem Gerichte Berengars I. verzichtete der 
Advocat des Piscus auf seinen Anspruch (CL. 439). Der 
Hof Castenodolo blieb aber noch lange im Besitze der 
Krone. Erst Konrad II. verlieh ihn am 15. Juli 1037 dem 
Bistum Brescia zu Lehen. In der betreffenden Urkunde 
(St. 2096) verleiht der König den Berg von Castenodolo mit 
dem Wald, dem sonstigen Zubehör und dem Mte. Degno* 
(Montem Dignum). Der Wald, der in der Urkunde genannt 
ist, ist ein noch heute bestehender Kastanienwald, der auch 
dem Ort seinen Namen gegeben hat. 

Leno, bedeutender Ort 18 km südlich von Brescia, 
gehörte zum Pamiliengut des Desiderius, der hier ein Kloster 



* B-M. 1146 hat Carisiano, wahrscheinlich ein Druckfehler. 
Mühlbaoher erinnert an Carzano bei Iseo oder Corsiano in Montferrat. 
Aus dem Itinerar ist nichts zu folgern. 

^ Der Monte Dignus ist näher bestimmt durch eine gleichzeitige 
Bisohofsurkunde (Gradonicus p. 160). Im Osten ist er begrenzt durch 
das Thal Bottecino, das ca. 7 Km. östlich von Brescia liegt, im Süden 
durch Fontana Casaferrea, im Westen durch das Stadtgebiet von Brescia 
und Mom piano, im Norden durch Land, das zur villa Nave gehört, die 
nordöstlich von Brescia im Oarzathal liegt. 



— 126 - 

S. Salvatore gründete. Es ist sehr wahrscheinlich, dass 
Desiderius dasselbe auch dotierte, allein die erste Urkunde, 
die Leno besitzt, ist vom 26. Februar 86(2)1 von Ludwig II. 
(B-M. 1187). Dieselbe besagt aber nur, dass Leno von 
Desiderius gegründet sei und bestätigt im allgemeinen den 
Besitzstand des Klosters, ohne einzelne Güter anzuführen. 
Das nächste Diplom für Leno datiert dann von 958 (CL. 626) 
und dieses zählt eine grosse Menge von Gütern auf, ohne 
freilich zu sagen, von wem dieselben stammen. In der 
gleichen Weise verfahren, zwei Ausnahmen abgerechnet, 
die Urkunden Ottos L, Ottos IL, Heinrichs IL etc. (St. 305, 
787, 1615 DO. L 240 DO. IL 243). Nun hat zwar 
Malvetius (dist. 4, 86) und nach ihm Bravo (2,57) und 
Zaccaria behauptet, die Orte Porzano, Ghedi, Pavone, 
Gottolengo, Gambara hätten dem Desiderius gehört, doch 
schon Luchi sagt mit Recht: „Quae Malvetius tradit, 
suspicor hausta potius fuisse ex vulgari traditione, quae 
veris falsa miscere solet, quam ex authenticis documentis", 
ein Wort, das auch noch heute für einen grossen Teil 
der oberitalienischen Lokalliteratur gilt. Als ausdrückliche 
Schenkung des Desiderius bezeichnet die Urkunde Hein- 
richs IL von 1014 (St. 1615) den Ort Panciano, worunter 
vieleicht Porzano zwischen Leno und Bagnolo zu ver- 
stehen ist. Sicher stammen noch aus der Schenkung des 
Desiderius einige Höfe im Modenesischen, da 772 erwähnt 
wird, dass dort (bei Migliarina und Reddü) Güter von 
Leno angrenzten (Tr. 962. 963 Gl. 45. 46), vielleicht auch 
noch der Hof Quinzano (s. u.). Karl der Grosse schenkte 
dem Kloster einen Hof in Sabbioneta (s. u.). 

Muciana. Die Lage ist unbekannt, doch da es in 
unserer Urkunde (CL. 344) heisst „Muciana in civitate 
Brixia" und da in Stumpf acta inedita no. 527 ein 
„Mucianum i\on longo a flumine Mella" erwähnt wird, so 
nehmen wir an, dass auch unser „Muciana" in der Nähe 
der Mella lag. Dort wird von Berengar 1. am 18. August 
889 eine kleine Bauernstelle mit einem kleinen Gärtchen, 
die zum Reichshof Muciana gehörte, an S. Salvatore in 
Brescia verliehen. Die Bauei'nstelle war anscheinend ein 



- 127 — 

vorgeschobenes Vorwerk, da sie auf allen Seiten von 
Klostergut umgeben war. Der Hof selbst scheint später 
an das Bistum Verona übergegangen zu sein.^ 

Porzano s. u. Leno. 

Quinzano d'Oglio am linken Oglioufer unweit der 
Bahnstation Verolanova. Desiderius schenkt im Jahre 760 
den Unfreien Ansteus de Quintiano, uro die Kühe zu hüten, 
an S. Salvatore in Brescia (Troya 747 CL. 20). Dies lässt 
darauf schliessen, dass Desiderius Besitz hier hatte, und 
darum nahmen wir oben an, dass der Hof Quinzano, der 
im Jahre 958 dem Kloster Leno bestätigt wird (CL. 620) 
diesem von Desiderius geschenkt wurde. 

Regona^ am Winkel zwischen Oglio und Mella. 
Desiderius schenkt im Jahre 760 an S. Salvatore zu 
Brescia Kecona, „soweit es unserem Hofe gehört, unterhalb 
Pisserisse, bis zum Oglio" (Tr. 747. CL. 20). In derselben 
Gegend (Kegune) hatte im Jahre 885 auch die Kaiserin 
Angelberga Grundstücke (CL. 329). 

Treponte (Tripontio) bei Virle unweit der Bahn 
Brescia-Peschiera, östlich von Brescia, wurde von Karlmann 
879 an S. Salvatore geschenkt (B-M. 1503). 

4. G a r d a s e e. 

Am Westufer des Gardasees lagen viele königliche 
Besitzungen, die grösstenteils durch Karl den Glossen und 
König Karlmann verschenkt wurden. Schon in lango- 
bardischer Zeit kommt das an der Spitze einer weit in den 
Gardasee hineinragenden Landzunge liegende Städtchen 
Sermione vor, wo die Gattin des Desiderius Ansa ein 
Klösterlein S. Salvatore erbaute (CL. 52 B-M. 163). Hier 
war auch der Gasindio des Desiderius Cunimund begütert, 



* Ein Hof Muciana findet sich unter den Gütern der Adelheid 
DO. II. 281 und Cfi. 997. Ein Hof Mociano gehörte 1001 Kloster Leno 
DO. III. 405. 

* Das hier berührte Gebiet gehört z. T. bereits zur Provinz 
Cremona. 



— 128 — 

der im königlichen Palast einen Gasindionen der Königin 
erschlug. Seine Güter wurden deshalb für die Krone ein- 
gezogen, indes sogleich dem Kloster S. Salvatore in 
Brescia überwiesen (Tr. no. 838. CL. 27).» Das Klösterlein 
befand sich in einem gleichfalls zum Krongut gehörigen 
Castell, das aus der Römerzeit stammte (CL. col. 83 Anm. 7). 
Dasselbe mit allen auf der Halbinsel von Sermione liegenden 
Reichsbesitzungen 2 überwies Karl der Grosse am 16. Juli 
774 den Mönchen von St. Martin in Tours (B-M 163), denen 
es später von Karl III., Otto II. und Otto III. bestätigt 
wurde (Vgl. Val Camonica). Mit Sermione zugleich wurde 
Peschiera (Provinz Verona) und ein Ort Liona verschenkt, 
womit Liona am Westufer des Gardasees gemeint sein könnte. 
Wahrscheinlicher ist indes die Beziehung des Namens auf 
den an der Bahn Brescia-Peschiera gelegenen Ort Lonato.^ 
Auffallend ist, dass wie die Leute im Val Camonica, so auch 
die Leute von Sermione im Jahre 1158 von Barbarossa reichs- 
unmittelbar gemacht wurden. Es wurden indes von Sermione 
noch bestimmte Leistungen für das Reich gefordert; sie 
mussten in das Michaelisoktav drei Tage zum placitum 
generale kommen und an jedem der Tage eine comestio für 
12 Leute liefern, dazu musste jedes Haus in Sermione, die 
Kirche ausgenommen, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten 
der kaiserlichen ^Hoftafel Fische im Werte von 1 Mail. Denar 
liefern (St. 3814). Auch Lonato erscheint im Jahre 1184 
als freie Gemeinde (St. 4389), so dass diese 3 Besitzungen 
von St. Martin in Tours unter Friedrich I. die Reichsunmittel- 
barkeit errangen. Einen weiteren grossen Teil der Küste 
des Gardasees schenkte Karlmann am 6. Oktober 878 dem 



* Es ist deshalb für unsere Zwecke nicht notwendig die Be- 
sitzungen Ounimunds im einzelnen festzustellen, cf. GL 29. 

' Das Klösterlein blieb im Besitz von S. Salvatore (cf. DO. II. 
267), dem ausserdem daselbst 48 tabulae und 6 Oliven durch Tausch 
gehörten (CL. 43). Die Fischerei in Sermione schenkte Karlmann dem 
Kloster (ß-M. 1503, CL. 298). 

' Stumpf im Index der Acta laedita glaubt, es sei Lugana ge- 
meint, Odorici 3, 12 denkt an Loaato. 



- 129 - 

Kloster S. Zeno in Verona (B-M. 1494. CL. 277). Die 
Schenkung betrifft folgende Besitzungen:^ 

a) Desenzano an der Südwestecke des Sees (curtem 
nostram Disentianam iusta ripam laci positam) mit allen 
Gebäuden und Pertinenzen, mit Castell, Dorf und mit 
zwei Unfreien, den Brüdern Calvolus und Orthobertus, 
ihren Weibern und Kindern, dazu das Land bis 
Maguzzano (Magusiano), das 5 km nordwestlich von 
Desenzano gelegen ist. 

b) Die Westufer des Sees, Fischerei im See, Jagd und 
Weiderecht bis nach Manerba, der Arx Minervae, 
die 8V2 km nördlich von Desenzano liegt. Dazu 
kommen Besitzungen des Adelbert auf der Isola di 
Gar da und in S. Feiice di Scovolo an der Westseite 
des Sees, 12 km von Desenzano entfernt. 

c) Am Südufer des Sees die Fischerei und Jagd bis 
Sermione und Peschiera, insbesondere im Forst von 
Lugana ,2 6 km östlich von Desenzano, die Jagd auf 
Schweine, Hirsche und Rehe (capreoli). 

Am Westufer des Sees liegt der grosse Ort Salö, der 
möglicherweise mit dem Königshof Sala identisch ist, der 
unter Berengar 888 genannt wird (Forschungen z. deutschen 
Geschichte 10, 279 Sala curte regia. Dümmler Reg. Ber. 
no. 2).3 Noch zweifelhafter ist es, ob das im Jahre 832 er- 
wähnte Gardine, wo ein palatium publicum bestand, mit 
Gardone identisch ist (B-M. 1000 hält Gardine bei Lodi 
für den Ausstellungsort der Urkunde Lothars vom 18. De- 



^ Nach Mühlbaoher ist allein die Schenkung von Desenzano und 
der dortigen Unfreien mit Sicherheit auf Earlmann zurückzuführen, die 
übrigen Schenkungen und Begrenzungen sind nach ihm interpoliert. 
Ich gebe sie dennoch wieder, da sie ?ielleicht nur die Pertinenzen Ton 
Desenzano näher erläutern wollen. 

' Im Forst von Lugana besass S. Salvatore durch Tausch i. J. 
771 8 Joch (CL. 43). 

' Ein Ort Sala findet sich unter den Gütern von Leno CL. 626. 
DO. I. 240 eto. In Sala im Yenetianischen verschenkt Otto III. 994 
zwei mansi (DO. IIL 154). Sala im Gebiet von Parma DO. II. 238. 
Darmstftdter, Das Reiohsgut in d. Lombardei u. Pieroont. 9 



- 130 — 

zember 832).^ Sollte Gardone die in der Urkunde Lothars 
gemeinte Pfalz sein, so kommt ein Ort dieses Namens 8 km 
nördlich von Desensano, und ein anderes Dorf 17 km nörd- 
lich von Desenzano in Betracht, beide Orte am Westufer 
des Sees. 

VL 

PROVINZ MANTÜA (Mantova). 

fiitteratur: C. d*Aroo, Storia di Mantova. Mantova 1871. — Dones- 
mondif DelPistoria eoolesiastica di Mantova. Mantova 1612. — 
Equicola, Deir istoria di Mantova. Mnntova 1607. — G. B. Visi, 
Notizie storiche della oittä e del stato di Mantova. Mantova 
1781. 

Oasteilaro: Codex Wangianus in den Fontes rerum 

Austriaoarum, 2. Abteilung, Bd. 5. 
Quastalla: J. Aff6, Istoria della cittä e del duoato di 
Guastalla. Guastalla 1785. — Archivio storico italiano 
9, 193 ff. — G. Tiraboschi, Storia delPaugusta badia 
di Nonantola. Modena 1784. 

Mantua gehört zu dem Gebiet der Lombardei, das 
erst verhältnismässig spät den Langobarden anheimfiel. Als 
Agilulf 602 die Stadt eroberte (PD. 4, 28), nahm er wahr- 
scheinlich einen beträchtlichen Teil des Landes für sich in 
Anspruch; ein Qastaldat vermögen wir hier freilich nicht 
nachzuweisen. Später lagen im Bezirk, von Mantua zahl- 
reiche Besitzungen der Gräfin Mathilde, ^ so dass sich bis 
in die Zeiten Friedrichs IL Reichsgüter hier nachweisen 
lassen. 

In der Stadt Mantua (ital. Mantova), befand sich 
eine königliche Pfalz , deren Ursprung wir nicht kennen. 
Karl der Grosse verweilte 781 (B-M. 225) und 787 (B-M. 

^ Aus dem Itinerar ist nur zu schliessen, dass der Ausstellungsort 
im Osten der Lombardei zu suchen ist. Lothar war 30. Nov. in Payia, 
15. Januar in Mantua. 

' Die Mathildisohen Güter gehören nicht in den Rahmen der 
Arbeit, doch sollen diejenigen der Mathildisohen Güter, die für die 
Geschichte des Reichsguts der Lombardei in Betracht kommen, 
wenigstens erwähnt werden. Vgl. Overmann a. a. 0. 



^ 131 — 

281) hier, Lothar urkundet 20. Februar 832, 15. Januar 833 
Mantua palatio regio (B-M. 998. 1001), Ludwig IL 8. Februar 
855, 11. März 858, 26. Februar 861 ebenfalls Mantua palatio 
regio (B-M. 1165, 1181, 1187), Karl IIL im Jahre 883 (B-M. 
1615), Berengar L 21. März 888 Mantua palatio regio 
(Dümmler Reg. Ber. 1). Von späteren Kaisern hielten 
sich in Mantua auf: Otto IL Juni 983 (St. 859. DO. IL 313), 
Heinrich IL 10. Dezember 1021 (St. 1778), Heinrich Ifl. 
27. April — 1. Mai 1047 (St. 2332—2336), 18. AprU 1054 
(St.2470), 15-20. Oktober 1055 in „palatio regio" (St.2480/81), 
Heinrich IV. 17. Mai 1091 (St. 2909, 2910), Mai 1093 (St. 
2922), Heinrich V. 28. September 1116 (St. 3149 a). Ausser- 
dem wird eine curtis domini regis Mantovana im Jahr 818 
erwähnt (CL. 93). Die Pfalz des Kaisers in der Stadt scheint 
während der Herrschaft der Estenser fortbestanden zu haben. 
Doch auch hier regte sich der Sinn der Bürger. Pavia, 
Lucca und andere Städte hatten es erreicht, dass die Pfalz 
aus den Stadtmauern verlegt wurde. Da wollte auch Mantua 
nicht zurückstehen. Am 6. Mai 1116 gestattete Heinrich V. 
den Bewohnern der Stadt seine Pfalz abzubrechen und ver- 
sprach ihnen, künftighin nur ausserhalb der Mauern eine 
neue zu erbauen (St. 3136. Muratori Antt. 4 p. 25). Die Ur- 
kunde wurde von Lothar (St. 3283) und Friedrich I. (St. 4016) 
bestätigt. Von Staatsgebäuden in Mantua wird die Münze 
erwähnt, die aber bereits Berengar I. im Jahre 894 dem 
Bischof überliess (CL. 363).» 

In der Umgebung der Stadt gründete Ludwig IL auf 
der Insel Moninello das Kloster S. Ruffino.^ Die Lage 
desselben, das auf kaiserlichem Territorium erbaut wurde, 
ist streitig. Nach Donesmondi ^ lag es 2 Miglien von Mantua 
auf einer „Molinello" genannten Insel des Mincio, ausser- 



^ „Monetam publicam ipsius Mantuane oiritatis.** 

« Urkunden für das Kloster in MIÖG. Bd. 1 p. 434 ff. Es 
wurde von Ludwig IL mit süditalienisohen Gütern dotiert B-M. 1237. 
Das Gasteil in Moninello bestätigt Otto IIL dem Bistum Mantua DO. 
IIL 255. 

' Donesmondi p. 156. 

9* 



— 132 - 

halb der Porta del Porto, nach der Ansicht Visis* lag es 
6 Miglien von der Stadt entfernt auf einer »Poggio reale* 
genannten Insel, die Visi sehr ausfuhrlich beschreibt. Dones- 
mondi erzählt, Ludwig habe hier einen prächtigen Palast 
errichten lassen,^ während Equicola^ dasselbe von Heinrich V. 
berichtet; die Urkunde Heinrichs V. spricht dagegen von einer 
Verlegung des Palastes aus der Stadt nach Borgo S. Gio- 
vanni. Heinrich IV. schenkte das Kloster S. Ruffino mit 
dem „Molinella** genannten Wasser dem Bistum Mantua 
(St. 2910 a. D'Arco 1, 135). 

Die Provinz Mantua teilen wir in die Bezirke links 
und rechts vom Po und besprechen die Orte in alphabetischer 
Reihenfolge. 

1. Provinz Mantua links (nördlich) vom Po. 

Castellaro (= Castellara) am Nordende der Provinz, 
Commune Monzambano, südwestlich von Peschiera. Hein- 
rich IV. gab den Hof in Form eines Prozesses am 13. No- 
vember 1082 dem Bischof Heinrich von Trient und seinem 
Vogt Gottfried zu Lehen (St. 2847).^ Noch im 18. Jahr- 
hundert gehörte Castellaro dem Hochstift Trient.^ 

Cavallara und Zitolfa südlich von der Mündung des 
Oglio in den Po am linken Poufer. König Karlmann ver- 
leiht am 8. Juli 879 auf die Fürbitte seines Truchsess 
Eginulf und seines Jägers Alaman seinem Getreuen Hillo 
in der Grafschaft Brescia im Orte Zitolfa einen Hof mit 
Häusern und Gebäuden und 14 Hufen (hobas), d. h. vollen 
Bauernstellen (sortes plenas), mit Unfreien beiderlei Ge- 
schlechts und mit dem Walde Cavallara. der am Flusse 
Lara liegt und am unteren Ende am Oglio endigt, am oberen 
aber am Orte Trazun (B-M. 1502. CL. 284). Zitolfa möchte 
mit dem am Po gelegenen Orte Cizzolo, und Cavallara mit 

> Visi p. 244 flF. 
« a. a. 0. p. 157. 
' Equicola p. 83. 
* Cod. Wang. p. 19. 

» Als Marohesat Castellara. Vgl. Berghaus, Deutschland vor 
100 Jahren. 1, 121. 



-^ 133 — 

dem südwestlich davon gelegenen Cavallara identisch sein, 
von wo der Oglio ca. 4 km entfernt ist. Trazun vermögen 
wir nicht nachzuweisen. 

Cicognara^ (Cicomaria oder Ciconiaria), ehemals eine 
Poinsel (der Po hat seinen Lauf ausserordentlich geändert), 
jetzt am linken Ufer des Flusses, zur Gemeinde Viadana 
gehörig, mag zum Gebiet der von Authari eroberten Stadt 
Brescello (Brexillus, FD. 3, 18) gehört haben. Die 
königlichen und herzoglichen Besitztümer auf der Insel 
Cicognara wurden im Jahre 760 von Desiderius dem Kloster 
S. Salvatore in Brescia überwiesen, dem sie bis ins 
vergangene Jahrhundert gehörten (Tr. 747. CL. 20). Im 
Jahre 905 befanden sich in Cicognara (CL. no. 419 col. 722) 
eine Kapelle, 8 Häuser auf dem Herrenhofe mit 19 Insassen, 
10 abhängige Hufen, die an 23 Hörige ausgethan waren, und 
eine Mühle. 

Governolo,^ festes Kastell an der Mündung des 
Mincio in den Po (Gubernolo), gehörte zum mathildischen 
Gut, spielte eine bedeutende Rolle in den Kämpfen Mathildens 
mit Heinrich IV., diente 1116 Heinrich V. zum Aufenthaltsort, 
und war unter Friedrich I. Reichszollstätte (cfr. Ficker: 
Forschungen 2, 186. Giesebrecht 3, 645. Stumpf 3136— 
3140). 

Gusnago (S. Martine di) im südlichen Teile des 
Schlachtfeldes von Solferino. Desiderius schenkt dem Kloster 
S. Salvatore in Brescia „in finibus Sermionensi loco qui 
dicitur Gusenagus" Land ohne Bauern mit Wald, im ganzen 
150 Joch (ca. 110 ha). Es ist derselbe Ort, in dem auch 
Cunimund von Sermione einen Hof besass (vgl. Tr. 747. 
CL. 20. Tr. 837. CL. 29).3 

Melara (Provinz Rovigo, doch hart an der Grenze 
der Prov. Mantua) am linken Poufer östlich von Ostiglia, 



* Auch die Form Gigognara kommt vor, z. B. auf der Karte des 
lorob.-venez. Königreichs. 

* Vgl. Overmann p. 16. 

' Weitere Besitzungen in Ousnago erwarb das Kloster durch 
Tauschurkunde vom 25. Sept. 771 (CL. 43J. 



~ 134 — 

gehört zu den Gütern der Kaiserin Adelheid, die diese 
darin dem Kloster S. Salvatore zu Pavia verlieh (CL. 997) J 
Der Hof ist in der grossen Gtiteraufzählung genannt 
(CL. col. 1757 Mellaria) und dann in einer speziellen 
Urkunde noch genauer beschrieben (CL. col. 1760. Die 
Urkunde ist lückenhaft). Adelheid schenkt danach am 
Orte Mellaria einen Hof in folgenden Grenzen: östlich 
der Po bis zur rupta de Albareto, die dem heiligen Sil- 
vester (von Nonantula, das dort Besitzungen hatte) ge- 
hört, den Sümpfen des Po und den kleinen Sümpfen bis 
zum Graben Pitola (Pissatola), dem Graben des St. Victor, 
dem Tartaro, (der nördlich dem Po parallel fliesst), bis zur 
fossa de caput Fraxani, dann bis S. Michael, dem sogen. 
Coternione, dem Tartarello, der nördlich von Melara in den 
Tartaro mündet beim Orte Melano, bis zum Graben Ruzia 
(Russa?), zum Sumpfe Puscula und zum „dossum Fraxanaria* 
und zur Palude Mala, zu den carrigia intenciosa et ad car- 
rigia Boniverti, dann zm* Insel und wieder bis zum Po, zu- 
sammen 6000 Joch (ca. 4500 ha). Im einzelnen lassen sich 
die Ortsbestimmungen nicht mehr alle nachweisen, zumal sich 
die Bodenkonfiguration gerade in jener Gegend ausser- 
ordentlich geändert hat, doch Po, Tartaro und Tartarello 
zeigen, dass Melara bei Ostiglia gemeint ist, da auch ander- 
weitig Besitz von San Salvatore bei Melara bezeugt ist (Visi 
2, 189), und belehren uns über den Umfang des Hofes. Im 
Zusammenhang mit Nogara, Ostiglia und Revere können 
wir hier einen riesigen Komplex von Reichsgütern deutlich 
erkennen, der hauptsächlich aus Waldland bestand. 

Nogara. Am 20. Juni 857 (B-M. 1178. CL. 201) hielt 
sich Ludwig IL curte nostra Nagariola auf. Es wäre hier- 
bei an Nogara oder auch an Nogarole bei Villafranca zu 
denken.^ Beide Orte liegen ca. 15 km von einander ent- 



< Auch DO. IL 281 genannt. 

* Milhlbaoher hftlt Nogarole nicht für den Ausstellungsort, ob- 
wohl derselbe am besten ins Itinerar passen würde. Die Urkunde ist 
am 20. Juni ausgestellt, im Juli fand die Zusammenkunft in Trient 
statt. (Den 18. August 857 war Ludwig der Deutsche wieder in Regens- 
burg B-M. 1387.) 



— 135 — 

fernt in der Provinz Verona, gehören aber in diesen Zu- 
sammenhang, da sie einen Teil des grossen Komplexes 
zwischen Po, Etsch und Mincio bilden. Am 24. August 906 
gestattet Berengar I. dem Veroneser Diakon Audebert wegen 
der Einfälle der Ungarn in Nogara am Tartaro ein Castell 
zu bauen, einen Markt anzulegen und die königlichen Ein- 
künfte für sich einzuziehen (Dümmler Reg. Ber. 53). Später 
war Nogara mathildisches Gut und gehörte in der Staufer- 
zeit dem Reich (vgl. Ficker, Forschungen 2, 186. Overmann 
p. 24). Konrad III. gab Nogara mit der Kapelle, mit Aus- 
nahme von 5 Hufen, die dem Turisendo aus Verona zu- 
standen, dem Kloster Nonantola (St. 3477), dem der Hof 
schon früher gehört hatte, erhielt ihn aber als Lehen zurück ; 
indes Graf Wibert und Turisendo bemächtigten sich wider- 
rechtlich des ganzen Hofes. In einer Urkunde vom 7. April 
1164 gab Friedrich I. dem Turisendo und seinen Söhnen 
Nogara zu Lehen gegen eine jährliche Zahlung von 50 Mark, 
restituierte aber am 19. Oktober 1180 den Hof dem Kloster 
(St. 4309). 1 Otto IV. schenkte denselben 1210 dem Grafen 
Albert von Casaloldo (B-F. 423). 

Ostiglia am Po, im Südosten der Provinz. Der 
Wald dieses Namens, der sich nordwärts zwischen Po und 
Etsch ausdehnte, war ursprünglich königlich, wurde aber 
vor 820 zum grössten Teile ^ vom Kloster Nonantola er- 
worben. Nur ein Teil des Waldes gehörte ncch 820 der 
königlichen Kapelle S. Lorenzo (CL. 95), die nahe am Po 
lag. Näher sind wir über den Forst unterrichtet aus einer 
Urkunde von 827 (CL. 108), wonach er zwischen Po und 
Tartaro und der Fossa Olobia lag, die beide verbindet. Zu 
San Lorenzo gehörte noch der Wald Desterano, den wir 
nicht aufzufinden vermögen. Im Jahre 861 grenzt ein vom 
Abt Peter von Nonantula verpachtetes Stück Land in Ostiglia 
auf der einen Seite an den Po, auf der anderen an das 



» Tirabosohi, Nonantola 1, 410. Neues Arohiv 20, 200. 19, 
593 f. 

^ Der Teil von Ostiglia zwisohen Po, Caput Ternioni, fossa Lubia, 
fossa regia und Pollicine bei Revere gehörte 8. Zeno in Verona. B-M . 
1001. CL. 115. 



~ 136 — 

„gagium**, worunter Wald des Königs gemeint ist (CL. 217). 
Wahrscheinlich haben wir es mit Pertinenzen des Hofes 
Melara zu thun. 

Pozzolo am linken Mincioufer, doch noch zur Pro- 
vinz Mantua gehörig, wird in einer Urkunde von 820 er- 
wähnt, in der es heisst, dass auf dem Königshof, der Pociolo 
genannt wird, am Ufer des Mincio Gericht abgehalten wurde 
(CL. 95). Pozzolo war im 11. Jahrhundert ein Gut der 
Canusiner (Overmann p. 19), wahrscheinlich als Reichslehen. 

Rivaita am Mincio oberhalb Mantua, war eine feste 
Burg der Gräfin Mathilde, die Heinrich IV. eroberte (Giese- 
brecht 3, 645), die dann die Mantuaner zerstörten, und die 
schliesslich Heinrich V. 1116 denselben mit der Insel Quine- 
ciana schenkte unter der Bedingung, da^ss dort nie wieder 
ein Castell errichtet werden dürfe (St. 3137). 

Duae R o b o r e s lag nicht weit von Nogara am 
Tartarofluss (Reg. Ber. 53). Der dortige Reichshof wurde 
von Berengar I. 910 dem Grafen Anselm von Verona ver- 
liehen mit Kapelle und Hufen, kam aber 911 an das Kloster 
Nonantola (Mur. Antt. 2, 245 ff. Reg. Ber. 59). 

Roverbella bei Pozzolo cf. Rovescala Prov. Pavia. 

Sabbioneta zwischen Po und Oglio im Südwesten 
der Provinz. Ein Hof in Sabloneta wurde nach einer Ur- 
kunde Berengars II. von 958 (CL. 626) dem Kloster Leno 
von Karl dem Grossen geschenkt, was alle späteren Ur- 
kunden für Leno bestätigen (DO. I. 240 etc.). Ebenfalls in 
„Sabloneta" schenkt König Rudolf von Burgund 8. Oktober 
924 dem Bischof Hercard von Parma einen dem Reich ge- 
hörigen Hof, „der am Heridanus liegt, der auch Po genannt 
wird" (CL. 509). Vermutlich handelt es sich hier um einen 
anderen Ort, der in späteren Urkunden für die Kanoniker 
von Parma als Sablone wiederkehrt (DO. I. 142. DO. IL 238. 
DO. m. 210). 

Villola. Die Lage ist unsicher, da die einzige Be- 
zeichnung die ist, dass es zur Grafschaft Mantua gehörte.^ 



' Nach Overmann p. 8 ist YiUola ein um 1200 zerstörter Ort, 
der nach p. 9 bei Mirandola gelegen haben soll 



~ 137 — 

Die Kaiserin Aiigilberga schenkt 877 die curtis Villula in 
comitatu Mantovano dem Kloster S. Sisto zu Piacenza (CL. 
270), dem dieser Hof von Berengar I. (CL. 474), Rudolf 
(CL. 510), Hugo (CL. 521) und von Otto L (DO. L 141) be- 
stätigt wird. Später bildete Villola einen Bestandteil des 
mathildischen Gutes. 

2. Provinz Mantua rechts vom Po mit angrenzenden 
Gebieten. 

Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Provinz Mantua 
liegt auf der rechten Seite des Po, dessen bedeutendste Orte 
Gonzaga , Suzzara und Revere sind. Das Land ist ausser- 
ordentlich wasserreich, die Wasserläufe haben sich indes 
sehr verändert und daher sind Identifizierungen schwierig. 
Da das Gebiet in der älteren Zeit nicht zur Grafschaft 
Mantua,^ sondern zu Reggio und Modena gehörte, so kam 
es auch zum Teil an transpadanische Bistümer und Abteien. 
Später hatte die Gräfin Mathilde hier grosse Liegenschaften. 

Canneto. In einer Urkunde vom 29. Juli 896 
schenkte Berengar I. seinem Getreuen Agino, dem Vassalien 
des Grafen Siginfred fünf zum Reichsgut gehörige Bauern- 
stellen, die zur Grafschaft Mantua gehörten, zwischen Po 
und Bondeno (Bundinum) im Orte Canneto (CL. 369). Dies 
Canneto kann nicht identisch sein mit dem Orte gleichen 
Namens am Oglio, da dieser nicht zwischen Po und Bondeno 
liegt. Es ist vielmehr auf der rechten Poseite zu suchen 
und zwar in der Gegend von Sermide, wo auch ein dem 
Kloster Nonanotola gehöriges Canneto erwähnt wird, das 
mit unserem identisch ist.^ 

Felline cf. Guastalla. 

Fl e SSO (Flexo). Der Wald von Flesso lag zwischen 
dem Flusse Moclena, ^ dem Flusse Bondeno, der fossa Fir- 
mana oder Vidola, dem Lago Floriane, der fossa Scava, 
Albareda (Albareto) südlich von Bondeno, Spino und dem 



^ Nur Revere und Umgebung gehörte zu Mantua. 
^ Vgl. Tiraboschi, Nonantola, Indioe Bd. 2 p. 501. 
' Vgl. Tiraboschi 2, 521. 



— 138 — 

Po. Der Name Bondeno kommt öfters vor in dieser Gegend, 
doch muss der Wald in der Gegend von Pegognaga und 
Gonzaga gelegen haben. In diesem Forst gestattete Liut- 
prand den Bewohnern des Fleckens S. Lorenzo, vielleicht 
dem südöstlich von Pegognaga gelegenen Dosso S. Lorenzo, 
das Vieh zu weiden , die Schweine zu mästen ohne irgend 
welche Abgabe. Aistulf verlieh alsdann den genannten 
Wald dem Kloster Nonantola (Ficker, Forschungen Bd. 4 
p. 12. Über die Lage von Flexo cf. GL. col. 173 n. 3). 

Gonzaga^ gehört zum mathildischen Gut (Overmann 
p. 8). Dem Kloster S. Benedetto di Polirone schenkte hier 
Heinrich V. am 12. Mai 1116 eine Wiese mit einem Bauern- 
haus (St. 3138), Konrad IIL am 22. Mai 1146 drei Acker- 
gründe (St. 3517). Im Jahre 1212 gab Otto IV. dem Grafen 
von Casaloldo Gonzaga, Bondeno und Roncello (B-F. 465). 
Friedrich II. trat die Orte der Kirche ab, die sie freilich 
erst in den Jahren 1220/21 erhielt (cf. Overmann p. 110 f.), 
ohne sie dauernd behaupten zu können. 

Guastalla liegt zwar in der Provinz Reggio, doch 
muss der Hof mit in diesem Zusammenhang besprochen 
werden, da er in mantuanisches Gebiet übergreift. Am 
2. November 864 verlieh Ludwig IL den der Krone gehörigen 
Hof Wardistalla mit dem dazu gehörigen Luzzara (nördlich 
von Guastalla) und 2 Kapellen mit Zubehör, von denen die eine 
dem hl. Georg, die andere dem hl. Petrus geweiht war, der 
Kaiserin Angilberga, seiner Gemahlin (B-M. 1192. GL. 231).^ 
Am 28. November investierte Bischof Walpert von Modena 
im Namen des Kaisers den Ministerialen Petrus als Ver- 
treter der Kaiserin mit dem Hofe Guastalla, wobei 15 Leute 
und der kaiserliche Hofkaplan als Zeugen zugegen waren 
(GL. 232). Eine Bestätigung fand 870 statt (B-M. 1211). 
In ihrem Testament vermachte Angilberga den Hof Guastalla, 
der auch Feline heisst, nebst Luzzara dem Kloster S. Sisto 



' Gonzaga und Flexo kommen auch in der Liste der Besitzungen 
von Leno vor: DO. II. 243. DO. I. 240 "(CL. 626 fälschlich Bonzaga). 
Vgl. auch CL. 700. 

^ Für Guastalla allein stellte Ludwig am 3. Notember 864 noch 
eine besondere Urkunde aus (Ficker, Ital. Forschungen 4, Nr. 33). 



- 189 ~ 

zu Piacenza (CL. 270). 890 treffen wir dies Kloster im 
Besitze des Hofes an, den damals Angilbergas Tochter 
Irmingard demselben bestätigte (CL. 345). 901 schenkte 
deren Sohn Ludwig III. Guastalla in der Grafschaft Reggio, 
nahe am Po, von neuem den Nonnen von S. Sisto (CL. 389). 
917 bestätigte denn auch Berengar L Guastalla und Luzzara 
dem Kloster (CL. 474). Der Hof, von dem wir auch einige 
Pachtkontrakte kennen , ^ wurde von einem Gastalden ver- 
waltet (CL. 273. 334) und reichte von Paladana und Ronchi 
einerseits (CL. 403), bis Poviglio andererseits (CL. 462), was 
einer Ausdehnung von 23 km entspricht. 

Während Guastalla ein unangefochtenes Gut von S. 
Sisto bildete, focht der Bischof von Reggio den Besitz von 
Luzzara an. Nach den freilich stark verunechteten ältesten 
Diplomen des Bistums Reggio bestätigt Karl der Grosse 
demselben am 8. Juni 781 Luzzara und Gabiana zwischen 
Po und Bondeno (B-M. 231). Lothar entriss den Hof Luzzara 
dem Bistum und gab ihn seinem Getreuen Richard zu Lehen, 
stellte ihn aber schon 839 der Kirche zurück (B-M. 1029). 
Im 10. Jahrhundert kam es zu einem Prozess zwischen dem 
Bistum Reggio und dem Kloster S. Sisto, in dem aber der 
bei Hugo und Lothar in hoher Gunst stehende Bischof Adel- 
hard von Reggio im Jahr 947 erreichte, dass ihm Luzzara 
zugesprochen wurde mit 2 Kapellen, Paladana, und dem 
Wald zwischen Po und Bondeno (CL. 569). Doch Berengar IL, 
der Neffe der Äbtissin Bertha von S. Sisto, nahm dem Bischof 
von Reggio, der ein eifriger Anhänger der Königin Adelheid 
war, 950 den Hof und gab ihn S. Sisto zurück (CL. 591), 
dem er nun auch von Otto I. bestätigt wurde (DO. I. 141).^ 
Dann kamen Guastalla und Luzzara an die Markgrafen von 
Canossa ; doch Mathilde gab 1076 Luzzara (Affo 1, 324) und 
1102 auch Guastalla an S. Sisto zurück (Affo 1, 328. Over- 
mann Reg. 73) in den Grenzen Po, Gurgo, Destero und 
Bondeno , freilich mit der Klausel , dass das Kloster erst 



^ Vgl. über die Paohtkontrakte den dritten Teil. 
* Otto II. bestätigt dem Bistum Reggio nur die plebs in Luzzara 
DO. II. 231. 



~ 140 — 

nach dem Tode der Gräfin in den Besitz gelangen sollte. 
Dennoch ging der Ort an ihren Nachfolger über (Ficker 
Forschungen 2, p. 200 n. 13), d. h. an Heinrich V. Nach 
dem Tode dieses Herrschers kam aber die Stadt an das 
benachbarte Creniona, dem dann die Stadt Piacenza, um 
sich von der Besitzung wenigstens etwas zu wahren, durch 
Vertrag vom 5. Dezember 1127 den dritten Teil des Hofes 
und Castells, ausgenommen die Kirchen und ihr Gut, über- 
liess. Dafür verpflichtet sich Cremona der Abtei S. Sisto 
am Tage ihres Heiligen jährlich einen bisantiüs romanatus 
zu geben (Ficker 4, no. 100. 3, p. 435). Am 8. Januar 1128 
investiert die Äbtissin Febronia die Bürger von Cremona 
(Ficker 4, no. 101). Als Lothar nach Italien kam, aner- 
kannte er dies Abkommen nicht. Als Nachfolger der 
Mathilde griff er im Oktober 1136 die Stadt Guastalla an, 
eroberte sie, und belehnte Herzog Heinrich mit derselben 
(Ficker 3, p. 435. Giesebrecht 4, 124). Nach Lothars Tode 
kam wieder Cremona in den Besitz der Stadt, dann Parma 
und hierauf Herzog Weif. 1159 wurden Guastalla und 
Luzzara kaiserliche Reichszollstätten (Ficker 2, 186). Von 
jeder Soga Korn wurden hier 8 alte Mailänder solidi, von 
der Soga Salz 30 den. erhoben. In Luzzara betrug der Satz 
12 den. pro Soga (Affo 1, 343). In den Ansprüchen," die 
Friedrich auf Guastalla erhob, lag nach der Ansicht Fickers 
ein Hauptmotiv zum Abfalle Cremonas im Jahre 1167, der 
zum Lombardenbund führte (Ficker 3, 436). Später, als 
Cremona sich 1176 eifi'ig für den Frieden zwischen dem 
Kaiser und den lombardischen Städten verwandte, erteilte 
dieser der Stadt am 29. Juli ein umfassendes Privileg, in 
dem er ihr den dritten Teil von Guastalla und Luzzara zii- 
gestand (St. 4181). Als Friedrich indes wieder zu neuer 
Macht kam, Hess er Cremona den Verrat entgelten und die 
Consuln am 8. Juni 1186 auf alle Rechte auf Guastalla und 
Luzzara verzichten (St. 4455. Const. no. 306), wofür er die 
Stadt wieder zu Gnaden aufnahm (St. 4456). Als kaiser- 
licher Verwalter der beiden Städte wurde Heinrich von 
Lautem eingesetzt (Ficker 2, 203), der am 3. August 1186 
die Bewohner von Luzzara mit der Feldmark der Stadt be- 



- 141 - 

lehnt (Böhmer acta no. 895). Im Jahre 1191 verpfändete 
Heinrich VI. der Stadt Cremona die von ihr gewünschten 
Orte für 1000 Pfund Gold (Ficker 2, 201). Doch kaum 
war Heinrich gestorben , als die Abtei S. Sisto von neuem 
Ansprüche auf die ihr entfremdeten Besitzungen machte, 
und Papst Innocenz III. nahm sich des geschädigten Klosters 
nachdrücklich an. Cremona, dem eines Kanalbaues wegen 
besonders viel an Guastalla gelegen war, wurde verurteilt, 
die beiden Städte herauszugeben, obwohl es sich darauf 
berief, dass es nur Pfandrecht an denselben habe. Die 
Stadt wurde, als sie sich nicht fügte, mit allen Kirchen- 
strafen belegt (Ficker 4 no. 205, 207, 271, 302, 311, 312, 313, 
314). Gregor IV. endlich beauftragte den Bischof von Modena 
im Jahre 1227 der Stadt Cremona die Städte zu restituieren 
gegen Zahlung von 3000 Pfund (B-F. 6710, 12974, 12977).^ 

Von den Pertineuzen des Hofes Guastalla ist Luzzara 
die wichtigste, deren Schicksale fast beständig mit Guastalla 
verknüpft waren. Zu diesem Hofe gehörten zwei Bauern- 
häuser in dem östlich von Guastalla gelegenen Orte Pala- 
dana (an der Bahnlinie Mantua-Modena CL. 403). Dieser 
ist identisch mit dem in der Urkunde Ludwigs II. von 870 
(B-M. 1211) der Angilberga verliehenen und von dieser 
S. Sisto (CL. 270) vermachten Orte „Lectora Paludana**. In 
der villa „Lectus Paludanus", die später an die Grafen 
von Canossa kam (Overmann p. 8), schenkte dann am 22. 
Mai 1146 Konrad III. 8 Hufen dem Kloster S. Benedetto 
di Polirone, die an die oben genannten Ackergründe bei 
Gonzaga angrenzten (St. 3517). Eine Pertinenz von Gua- 
stalla ist das unweit Paladana und westlich von Gonzaga 
gelegene Ronchi, wo die Tochter Angilbergas Irmingard 
drei und eine halbe Bauemstelle (in loco Runcarioli) dem 
Diakon Evrard zum Niessbrauch überliess. Nach seinem 
Tod gingen auch diese in den Besitz von S. Sisto über 
(CL. 403). 



' Vgl. über Guastalla den Aufsats von Astigiano im Archivio 
storico italiano Bd. 9, 193 ff. 



r- 142 — 

Pegognaga (Pigugnaria) bei Gonzaga ist auch ein 
Gut der Angilberga und wird in ihrem Testament S. Sisto 
überwiesen (CL. 270). Auch Pegognaga kam später an die 
Markgrafen von Canossa. Bonifaz war 1012 im Besitze 
des Ortes (Aflfo 1, 71), 1076 waltete dort ein Gastalde 
der Gräfin Beatrix (d'Arco 1, 26). Der Verwalter des 
Mathildischen Gutes Graf Albert gab Pegognaga an die 
Abtei Polirone und Lothar wiederholte die Schenkung am 
3. Dezember 1135 (St. 3312), Konrad III. bestätigte dieselbe 
dann November 1140 (St. 3421). Es handelt sich um Wälder, 
die einem gewissen Hugito verpfändet waren (Margarini 
bull. Casinense 2, 149). Von Friedrich II. wurde Pegognaga 
der römischen Kirche restituirt, die Salinguerra damit be- 
lehnte. Doch scheint Friedrich später wieder sich der Orte 
Pegognaga und Bondeno bemächtigt zu haben, da dies als 
Grund für seine Exkommunikation im Jahre 1239 angeführt 
wird (Ficker 2, 446. 3, 456). 

Polesine und Suzzara liegen wenig auseinander 
in Nähe der Bahn Verona - Modena. Beide Orte schenkt 
Ludwig II. am 8. September 870 dem Bistum Reggio 
(B-M. 1212. CL. 254). Mühlbacher meint, die Urkunde 
sei verdächtig, die Orte habe wohl erst Karl III. am 
8. Januar 880 wirklich geschenkt (B-M. 1550). Es handelt 
sich um die „dem Reich gehörige Insel" Suzzara in der 
Grafschaft Brescia, zwischen Po und Zara mit Hof und 
Kapelle und um die Insel Pullicini, worunter Polesine zu 
verstehen ist. Dazu kamen Wälder, Fischerei und Bauern- 
höfe, Sümpfe und Inseln im Pobett (es ist der sog. Po 
vecchio gemeint, der bei Polesine vorbeifliesst), die Pullicini 
heissen. Karl bestätigt seine Schenkung 883 (B-M. 1617), 
dann Ludwig III. im Jahre 900 (CL. 386) und Otto II. 
(DO. IL 231). Otto III. bestätigt dann 997 die Insel 
Suzzara dem Bistum Mantua (DO. III. 255)^ und 2 Jahre 
später dem Bistum Reggio (DO. III. 317). In dieser Ur- 
kunde vom 15. April 999 erzählt Otto von einem Hader, 
der zwischen dem Bischof von Reggio und einem gewissen 



^ Vielleicht eine Interpolation? 



- 143 - 

Arimund ausgebrochen wäre wegen der Insel Suzzara und 
restituiert dieselbe der Kirche Reggio. 

R e V e r e (Refere) Ostiglia gegenüber am Po, wird als 
kaiserlicher Hof und Gerichtsstätte im Jahre 818 genannt 
(CL. 93). In der Urkunde Berengars (CL. 363) für das Bis- 
tum Mantua vom 21. November 894 wird die insula Refere 
demselben bestätigt, die aber mit der curtis nicht identisch 
ist, sondern an der Minciomündung lag (vgl. Overmann p. 16). 
Otto III. bestätigt die Insula und die curtis regalis dem 
Bistum (DO. III. 255). Später bildeten beide einen Bestand- 
teil des mathildischen Gutes (cf. Overmann p. 16 f.). 

S e r m i d e noch unterhalb Revere gelegen. Die Hälfte 
der Fischerei im Hofe Sarmata und in Bondeno gab Aistulf 
dem Kloster Nonantula (CL. 93). Das Castell bestätigte 
Otto HI. dem Bistum Mantua (DO. III. 255). 

VII. 

PROVINZ CREMONA. 

Litteratur: Regesten in MisceUanea 1, 503 ff. — Robolotti, Reper- 
torio diplomaticö Gremonese. Cremona 1878 ff. — Sanolementi, 
Series episcoporum Gremonensium. Gremona 1814. — Zacoaria, 
Gremonensiura episcoporum series. Mediolani 1749. 

C r e m a : Benvenuti, Storia di Grema. Milano 1 859. — P. Terni, 

Storia di Grema. Grema 1844/45. 
Insula Fuloherii: Arcbivio storioo lombardo l, 297 ff. 
Soncino: F. Galantino, Storia di Soncino. Milano 1869/70. 

Neben Mantua gehört auch Cremona zu den Gegenden 
der Lombardei, die erst spät, im Jahre 603, den Lango- 
barden in die Hände fielen. Die Folge war, dass auch hier 
sich kein Herzogtum bildete, ^ und dass ein bedeutender Teil 
des Landes dem König überwiesen wurde. Die Stadt Cremona 
wurde 603 von Grund aus zerstört (PD. 4, 28), und das 
Gastaldat wahrscheinlich im Mittelpunkte der königlichen 



' Yon den gefälschten Urkunden Dragonis, die Troya in Masse 
abdruckt, mache ich keinen Gebrauch, da es sich um moderne Fäl- 
schungen ohne Verwertung echter Vorlagen handelt. 



-— 144 - 

Güter, in Sospiro errichtet, wo es sich in der karolingischen 
Zeit befand. Die grossen Kronbesitzungen fielen im Laufe des 
8., 9. und 10. Jahrhunderts teilweise ans Bistum Cremona, 
teilweise an die auswärtigen Klöster S. Salvatore in Brescia, 
S. Sisto in Piacenza, S. Salvatore in Pavia, an einige könig- 
liche Vassalien und kleinere Kirchen. Eine völlige Neu- 
bildung von Königsgut trat mit der Erwerbung der Insula 
Fulcherii nach der Eroberung von Crema und der Mailänder 
Gebiete östlich der Adda, ein, die wir deshalb gesondert 
betrachten müssen. 

1. 

In der Stadt Cremona verspricht Heinrich V. im Jahre 
1114 den Palast ausserhalb der Mauern errichten zu wollen 
(St. 3113. Muratori Antt. 4, 23). Da sich in den in Cremona 
ausgestellten Königsurkunden die Bezeichnung „in palatio* 
nicht findet, so bezieht sich vielleicht das Versprechen 
Heinrichs V. nur auf die Zukunft. Von den Festungswerken, 
die hier wie überall ursprünglich fiskalisch waren, fielen 
durch königliche Schenkung zwei Thürme Beim Bollwerk 
(municiunculam) der Stadt an das Bistum Cremona, was 
Ludwig HI. am 12. Mai 902 bestätigte (CL. 399). Die 
Befestigungen wurden bei einem Ungarneinfall vollständig 
zerstört und nach ihrem Wiederaufbau von Berengar I. am 
1. September 916 dem Bischof überwiesen (turres, portae, 
pusterulae). In der gleichen Urkunde kamen die Einnahmen 
aus den von Liutprand angelegten und von Karl dem Grossen 
erweiterten Hafenanlagen ^ an das Bistum (CL. 468), eine 
Schenkung, die Otto I. 973 bestätigte (DO. I. 429). 

Gegenüber von Cremona auf dem rechten Poufer lag, 
(zwar nicht mehr auf lombardischem Gebiet, aber des Zu- 
sammenhangs mit Cremona wegen doch zu erwähnen), der 
Königshof Auce an der Stelle des heutigen Olza. 875 wurde 
der Hof daselbst der Irmingard, Tochter Ludwigs IL, von 



^ Die Häfen zwischen der Addamündung und Yulpariolo hatte 
schon Karl der Grosse dem Bistum geschenkt GL. 143 und B-M. 1050. 
Eine nähere Betrachtung der Hafeneinnahmen liegt uns fern. (Vgl. 
auch B-M. 1149.) 



— 145 -^ 

ihrem Oheim Ludwig dem Deutschen bewilligt (CL. 262). 
Doch wie die anderen der Irmingard gehörigen Königshöfe, 
so fiel auch Auce nach ihrer Entführung an die Krone 
zurück; im November 910 wird hier wieder eine curtis regia 
genannt und im Gericht zu Cremona durch den Advocatus 
Lupus aus Cremona vertreten, der vom Bistum eine Zahlung 
von 7V2 sol. gefordert hatte, aber damit abgewiesen wurde 
(CL. no. 439 s. p. 125). Die späteren Schicksale des Hofes 
sind unbekannt.^ 

Die Höfe in der Provinz und ihre Geschichte bis zum 
Ende der ottonischen Periode führen wir im Folgenden in 
alphabetischer Reihenfolge an. 

Caprariola schenkte Karl der Grosse dem Bistum 
Cremona, als Stephan Bischof war (CL. 143). Aus einer 
späteren Urkunde (s. u.) ergiebt sich, dass Caprariola mit 
dem südlich von Cremona, unweit des Po gelegenen Gere 
de' Caprioli identisch ist, da Bodrio, Olmo und Stagno sich 
in der Nähe befinden. Noch zur Zeit des Bischofs Johannes 
von Cremona (913 — 924) gab es in dieser Gegend Königs- 
land, das vielleicht zu Sospiro gehörte (s. u.). Damals war 
eine grosse Verwirrung (non modica confusio) in der Ab- 
grenzung der Bistümer Mailand, Pavia, Cremona, Piacenza^ 
Reggio und Parma ausgebrochen, die alle bei Caprariolo 
und CucuUo Besitzungen hatten. Auf Befehl des Kaisers 
Berengar I. wurde eine Untersuchung vorgenommen und die 
Grenzen geordnet, wobei wir auch einiges uns interessierende 
erfahren. Der Graben Signum in der terra Senaido trennte 
damals die „terra monachorum** auf ihrer westlichen Seite 
vom Königsland. Die Orte Caprariola, Piscarolo (Picariolam), 
Ruscarolo und die Kirche S. Maria in Caprariola, die den 
Kirchen Cremona, Reggio und Piacenza gehörten, waren auf 
ihrer nördlichen Seite durch eine Burg vom Königsland 
geschieden (CL. 515). 

Cucullo gehört ebenfalls zu den Höfen, die Karl der 
Grosse dem Bistum Cremona schenkte. Auch von diesem 



' In einem Inventar von Nonantola von 990 (CL. 856) werden 
Güter dieses Klosters genannt in comitatu Aucense (oratorium, 3 Hufen), 
und Wald für 1000 Schweine Mast in Auoense nebst einer Wiese. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 10 



^ 146 - 

Ort ist die Lage nicht genau zu ermitteln, indes lag er 
wahrscheinlich in der Nähe des Po und nicht weit von 
Cremona. Aus der Urkunde CL. 515 ergiebt sich, dass 
CucuUo in der Nähe von Budrio, heute Bodrio, zu suchen 
ist, vielleicht auf dem rechten Poufer, da es an der Grenze 
des Bistums Piacenza lag. Mit Cucche bei Paderno, nörd- 
lich von Cremona, ist CucuUo kaum identisch. Wir nehmen 
auch an, dass die nicht auffindbaren ebenfalls von Karl 
verschenkten Höfe Tecledo, Brivisula und der Hafen 
Vulpariolo in gleicher Gegend lagen. Mit diesen Orten 
verlieh Karl dem Bischof das Recht Mühlen am Po anzu- 
legen und die Häfen bis zur Addamündung (B-M. 1050). 
Doch entriss der baiolus König Pippins Rotchild die Be- 
sitzungen dem Bistum, dem sie dann ein gerichtliches Urteil 
wieder zusprach (CL. 143), das Lothar bestätigte (B-M. 1050). 

Parinate nordwestlich von Crema, bildet mit dem 
wenig nördlich gelegenen Vailate und dem südlich vom 
Serie liegenden Orte Pianengo (Pivenengo) einen ur- 
sprünglich fiskalischen Komplex von Domänen, der sich bis 
ins Bergamaskische erstreckte (cf. Brignano). König Hugo 
schenkte diese Höfe seiner Tochter Rotlind. Otto I. entzog 
sie ihr und ihrem Gatten Bernhard,^ allein Otto IL restituierte 
ihnen ihren gesamten Besitz (DO. IL 130). 

Fregalino. Hier grenzt im Jahre 962 ein Grund- 
stück in loco „Freganino", das Bischof Liutprand von 
Cremona eintauscht, auf einer Seite an Königsland, auf drei 
Seiten an das Flüsschen Cremonella (CL. 651). Ein Bach 
Fregalino liegt nördlich von Cremona beim Orte Ossolengo, 
ein anderer gleichen Namens östlich bei Ardole. 

Monasterolo, am rechten Oglioufer, an der Bahn- 
linie Cremona- Brescia. Karl III. verlieh hier seinem Ge- 
ti-euen Autprand ein kleines Kloster im Orte Cerreto mit 
seinen Besitzungen, da dasselbe ganz herabgekommen war. 
Nach seinem Tode sollte Monasterolo an das Bistum 
Bergamo fallen, dem es schon zu Lebzeiten des Be- 
schenkten 100 Pfund Öl entrichten sollte (B-M. 1626, 1627. 

» cf. p. 32 



- 147 - 

CL. 320, 321). Das Kloster wurde dann von den Bischöfen 
von Bergamo wiederhergestellt und Otto I. gestattete die 
Anlegung eines Hafens in Monasterolo (DO. I. 364. CL. 712). 

Offanengo (Aufenengo) östlich von Crema gehörte 
der Kaiserin Adelheid und wurde von ihr dem Kloster 
S. Salvatore in Pavia überwiesen (DO. II. 281. CL. 997).^ 
Später gelangte Offanengo an das Reich zurück (s. u.) 

Pianengo (Pivenengo) bei Crema cf. Farinate. 

Piscilesse am unteren Oglio östlich von Piadena, 
ist identisch mit Pisserisse oder Bissarissu, wo Desiderius 
am 4. Oktober 760 zehn Bauernhäuser am Oglio an 
S. Salvatore in Brescia schenkt mit zusammen 400 Joch 
Land, so dass 40 Joch auf die Bauernstelle kamen (Tr. 747, 
CL. 20). Am Anfang des 10. Jh. hatte der Herrenhof 
5 Häuser mit 16 Insassen und sehr reichliches Ackerland, 
zwei Mühlen und einen Hafen mit 6 Schiffen, während die 
11 zugehörigen Hufen an ebensoviel Bauern ausgethan 
waren. Eine zwölfte Hufe gehörte der Kapelle (CL. 419. 
col. 719). 

Po lesine auf dem rechten Poufer, südlich von 
Cremona, westlich von Zibello. Dort wird von Desiderius 
das Gehöft (Casale) Seciniolum mit 300 Joch Land und vier 
Bauern an S. Salvatore in Brescia geschenkt (Tr. no. 747 
CL. 20). Dies Polesine ist wohl zu unterscheiden von dem 
oben besprochenen Polesine in der Provinz Mantua. 

Ripalta und Ronco (in d. Grafschaft Lodi) wahr- 
scheinlich Ripalta vecchia südlich von Crema am linken 
Serioufer und Roncho Todeschmo, 6 km östlich in der Nähe 
des Naviglio della Cittä. Auch an Rivolta d'Adda und 
das nordöstlich davon gelegene Rancala könnte gedacht 
werden. Am 13. Februar 948 schenkt König Lothar II. 
den Kanonikern des Bistums Piacenza 10 Joch de terra 
laboratoria in Rongariolo in der Grafschaft Lodi, die von 
dem Hofe Ripa alta ehemals abhingen. Zugleich bestätigt 
Hugo die 49 Joch, die Kaiser Lambert im gleichen Ort 



< Im Jahre 9C6 tauschte der Bischof Yon Cremona mit dem 
Grafen Wifred Grundstücke bei Offanengo au». GL. 697. 

10* 



- 148 — 

geschenkt hatte. Die Stücke, die Hugo verlieh, grenzten 
an öffentliche Wege, Güter der Grafschaft Lodi,^ Land der 
Bauern von Ripalta und an den Hof Sparoaria an (GL. 583). 
Zwei Höfe Ripalta gehörten später zur Insula Fulcherii, 
von denen wahrscheinlich einer identisch mit dem hier 
genannten ist. 

S e s t o , 9 km. nordwestlich von Cremona an der Bahn 
nach Pavia. Der dortige Königshof „Sextum in comitatu 
Cremonensi" ^ wurde am 4. Juli 866 von Ludwig H. seiner 
Gattin Angilberga geschenkt (B-M. 1201. CL. 248), am 
3. Juni 870 bestätigt (B-M. 1211. CL. 237) und im März 
877 von der Kaiserin dem Kloster S. Sisto in Piacenza 
vermacht, zusammen mit dem westlich von Sesto an der 
Adda gelegenen Tenchera, das wahrscheinlich ursprüng- 
lich zu Sesto gehört hatte („Tencaria" CL. 270). In den 
Bestätigungsurkunden für S. Sisto wird Sesto stets genannt. 
Betreffend Tenchera muss noch erwähnt werden, dass die 
Addaufer von dort bis zur Mündung in den Po von Otto III. 
dem Bistum Cremona verliehen wurden (DO. III. 205).^ 

S n c i n o , grosser Ort im Norden der Provinz Cremona. 
Zwischen Soncino und dem Oglio lag die Kirche S. Martine 
und der Wald S. Zeno.* Hier schenkte Mathilde, die Wittwe 
des Langobardenkönigs Adaloald (616—626), 15 Joch der 
Kirche des hl. Petrus, eine Schenkung, die Rothari, Aribert 
und dann Berengar I. bestätigten (CL. 492). 

S s p i r (Sexpilas), 9 km ostsüdöstlich von Cremona, 
wurde nach der Zerstörung Cremonas durch Agilulf wahr- 
scheinlich Sitz der königlichen Verwaltung in dem den 
Byzantinern entrissenen Gebiet.^ Der Hof war ausser- 
ordentlich ausgedehnt, er erstreckte sich westlich bis 
Cremona, umfasste vielleicht die Stadt und ihren Hafen 



^ Ein Beweis, dass die Grafschaften damals mit Gütern aus- 
gestattet waren. 

' Nach CL. 343 liegt Sesto in der Qrafschaft Bergamo. 

* Die Urkunde CL. 224. B-M. 1221, die S. Sisto das Land zwischen 
Adda und Po verleiht, ist unächt. 

* S. Zeno liegt noch heute südöstlich von Soncino am Oglio. 
^ Vgl. Mijicellanea l, 516. 



— 149 — 

ursprünglich noch mit, reichte südlich bis ins Pothal und 
östlich bis in die Gegend von Pugnolo, so dass er einen 
Durchmesser von ca. 18 km gehabt haben muss. Im Mittel- 
punkt befand sich die königliche Pfalz Sospiro (Sexpilas). 
in der sich die karolingischen Herrscher öfter aufhielten, 
so z. B. Lothar I. 7. März 835 (B-M. 1015 actum Sexpilas 
palatio regio), 5. April 843 (B-M. 1066 Sexpil. pal. regio), 
Ludwig II. im Juni 852 (B-M. 1149. Sexpilas curte regia). 
Der Hof hatte einen Gastalden und ausserdem einen Ad- 
vocatus, der den Fiskus vertrat. So lernen wir 852 den 
Gastalden Landebert und den Vogt Aripert, 891 den Ad- 
vocatus Anselm, 910 den Advocatus Leo kennen (GL. 180, 
349, 438). Zu den Einnahmen der Domäne Sospiro hatte 
ehemals auch das Geld gehört, das bei der Ausladung der 
Waaren ans Land (ripaticum) und bei dem Anbinden der 
Schiflfe an den Pfahl (palifictura) im Po entrichtet wurde, 
bis Karl der Grosse dies Recht in Cremona und Vulpariolo 
dem Bistum schenkte (GL. 139, 180). Dazu war auch das 
Pothal mit den darin gelegenen Inseln Meziana^ und Vul- 
pariolo eine Pertinenz des Gutes gewesen, das zur Zeit 
Widos, vertreten durch den Advocatus Anselm, 891 An- 
sprüche darauf machte, aber im Gerichte des missus 
Ardengus abgewiesen wurde (GL. 349). Indes im Hofe 
Sospiro war man mit dieser Entscheidung nicht zufrieden, 
910 strengte man vor Berengar einen neuen Prozoss an, in 
dem der Schöffe Leo den Hof vertrat und GucuUo, Tecledo, 
Brivisula und Vulpariolo beanspruchte, nebst den Mühlen 
und dem Überfahrtsrecht bis zur Addamündung. Doch das 
Bistum zeigte seine Königsurkunden vor, und Leo unterlag. 
(OL. 438). Infolgedessen enthalten die meisten für das 
Bistum Cremona erlassenen Urkunden hinter der Be- 
stätigung der genannten Orte den Zusatz: „contradictione 
curtis Sexpile remota". Von dem Gute schenkte im Jahre 
883 Karl III. Bauernhäuser im Orte Fontana bei Pugnolo 
„nahe beim Hofe Sospiro** seinem getreuen Gastalden Johann 
von Murgula zu Eigentum (B-M. 1625. GL. 319). Mehr ver- 



Mezzano heute auf dem rechten Poufer südlich ron Cremona. 



— 150 - 

schenkte Berengar I. von unserem Hofe (1. September 916). 
Infolge des grossen Ungarneinfalls war auch in Sospiro 
alles zerstört worden, und die königlichen Beamten und 
Ministerialen chikanierten die Cremonesen auf alle Weise, 
um ihr Geld und ihre Arbeitskraft beim Wiederaufbau aus- 
zunutzen. Infolgedessen gab Berengar alle im Umkreis 
von 5 Miglien von der Stadt entfernten zum Hofe Sospiro 
oder zur Grafschaft Brescia noch gehörenden Zölle und 
Hafengelder dem Bischöfe von Cremona und verbot den 
Beamten zu Sospiro irgend etwas von den bischöflichen 
Leuten zu nehmen. Dazu gab er noch die öffentlichen 
Wege in und um Cremona, den Markt, der, wie es scheint, 
auch vorher Sospiro gehört hatte, und die Fischerei im Po 
von Vulpariolo bis zur Addamündung (CL. 468). Eine 
weitere Schenkung machte Berengar am 21. Dezember 918, 
durch die er dem Bistum ein Stück Land, das zu Sospiro 
gehörte, schenkte. Dasselbe lag nördlich vor der Stadt 
zwischen zwei Gräben und war 5 Joch gross. Wir können 
daraus entnehmen, dass noch 918 der Hof Sospiro bis zur 
Stadt reichte und sogar dieselbe im Norden umfasste (CL. 
479). Alle Schenkungen Berengars bestätigte Rudolf (CL. 
508) im Jahre 924, dann Otto IL und Otto HL (CL. 783. 
DO. IL 176. DO. HL 204. CL. 910) und die meisten folgenden 
Herrscher. 941 erhalten wir Nachrichten über die Grosse 
von Sospiro. Danach grenzt Land von Sospiro an Acker- 
land von Gavado an (CL. 563). Wenn Gavado = Calvatone 
ist, würde Sospiro eine ausserordentlich grosse Ausdehnung 
gehabt haben. Für die Identifizierung spricht, dass der 
Ort auch Cavata genannt wird (CL. 979) und dass dort ein 
Tausch abgeschlossen wird, der Güter am Oglio angeht. 
Die nächste Nachricht, die Sospiro betrifft, findet sich in 
einem Diplom Ottos IL vom 30. Juni 976 (DO. II. 130), in 
dem er dem vor Otto I. verdächtigten Grafen Bernhard die 
von seiner Frau eingebrachten Güter zurückgiebt, unter 
denen sich auch Sospiro befindet. Da nun die Frau 
Bernhards Rotlind die Tochter König Hugos war,^ so liegt 



* 8. oben p. 32. 



~ 151 - 

der Schluss nahe, dass dieser seiner Tochter Sospiro ge- 
schenkt hat. Der Hof vererbte sich dann an die Nach- 
kommen Bernhards und Rotlinds. Die Gemahlin ihres 
Sohnes, Bernhards IL, die Gräfin Helena schenkte 1007 den 
sechsten Teil von Sospiro dem Bischof Landulf von 
Cremona (Repertorio Cremonese no. 130). 1086 wird ein 
Graf Bernhard von Sospiro de nazione salica genannt 
(Kep. 741), 1131 ein Graf Hubert von Sospiro (Rep. 769), 
1182 ein Graf Werner (Rep. 491).^ 

Vailate s. Farinate. 

V h o (Vado) bei Piadena am Oglio. Ermisoind schenkt 
der hier am Ufer des Oglio liegenden Kirche Sta. Maria 
Güter zwischen Po und Oglio, von denen einige nicht mehr 
näher bezeichnete aus königlicher Schenkung stammten. 
Adelchis bestätigt die Schenkungen im Jahre 772 (CL. 47. 
Tr. 964). 

Tecledo und Vulpariolo s. o. 

2. 

Wie wir sehen, war in der ottonischen Periode alles 
Reichsgut in der Provinz Cremona verschwunden; in der 
ganzen salischen Periode treffen wir hier keine königlichen 
Domänen mehr an; dagegen schuf Friedrich I. nach der 
Eroberung Cremas hier sehr ausgedehnte Reichsbesitzungen, 
über die wir hier im Zusammenhang reden müssen. Den 
Mittelpunkt des späteren Reichsgebietes bildete die sogen. 
Insula Fulcherii. Dieselbe gehörte ursprünglich zur 
Grafschaft Brescia, erstreckte sich von Pontirolo bei Tre- 
viglio und Fara (vgl. Benvenuti, Crema 1, 41) im Norden, 
bis Pizzighettone an der Adda im Süden und umfasste haupt- 
sächlich das zwischen Adda und Serie liegende Gebiet, wo- 
zu noch einige wenige Orte im Südosten der Seriomündung 
kamen. Es ist eine Landschaft, die ca. 45 km lang, zwischen 
5 und 20 km breit ist und ca. 500 qkm Flächeninhalt haben 
mag. In diesem Territorium stossen wir neben beträcht- 



» cf. Bresslau, Konrad II. Bd. 1, 437, Anm. 10. Graf Bernhard (III.) 
ist Sohn des Grafen Bernhard (II.) Rep. 739, 752. 



— 152 - 

liehen königlichen Gütern, z. B. in Rivaita, Farinate, Brignano, 
Vailate, Pianengo und Soncino (s. o.) schon im 10. Jahr- 
hundert auf Höfe des Bistums Cremona (z. B. Repert. no. 
35 in Fornovo, no. 50 in Castelleone, no. 52 in Misano 
und Casariolo am Serio, no. 149 in Mozzanica, no. 157 
in Mozzanica, no. 160 in Arsago, no. 163 in Albenengo, 
Mozzanica und Casaliclo, no. 202 in Caravaggio, no. 208/209 
in Aganello, Fornovo, Corteganö etc.). Die Grafschaft ^ er- 
warb, auf welche Weise ist unbekannt, der Markgraf Bonifaz 
von Canossa; nach seinem Tode zog Heinrich HI. sie als 
erledigtes Reichslehen ein und verlieh sie 1045 dem in diesem 
Gebiet so reich begüterten Bischof von Cremona, wobei zum 
ersten Male der Name Insula Fulcherii genannt wird (St.2510). 
Zugleich mit der Verleihung erfolgte auch die Bestätigung 
einer grossen Anzahl von Orten in dem Gebiete (St. 2521/22). 
Doch scheint es der Wittwe des Markgi-afen Bonifaz, Beatrix, 
gelungen zu sein, ihrer Tochter Mathilde die Insula zu er- 
halten, denn im Jahre 1098 belehnt die Gräfin Mathilde die 
Leute von Cremona mit der Grafschaft „Insula Fulcherii" 
(vgl. Benvenuti, Crema p. 53, Overmann Reg. 51 p. 163). 
Allein auf derselben gab es schon mehrere ansehnliche 
Gemeinden, die nicht gewillt waren, sich der Oberhoheit 
Cremonas zu fügen, und auch Mailand, dessen Bürger 
schon im 11. Jahrhundert auf der Insula Fuss gefasst hatten 
(Repert. 208), strebte danach seine Herrschaft über die 
Adda hinaus bis an den Oglio zu erweitern. Mit Soncino 
gelang es den Cremonesen sich 1118 ins Einvernehmen zu 
setzen (Repert. 272), doch Crema wollte sich nicht der 
mächtigen Stadt am Po fügen. Schon 1098, also gleich 
nachdem das Privileg Mathildens erteilt war, griffen die 
Cremonesen das kleine Crema an (cfr. Giesebrecht 3, p. 701), 
wie es scheint, vergeblich. 1132 wussten die Cremonesen 
König Lothar dazu zu bringen ihnen bei der Belagerung 
Cremas beizustehen, doch trotz einer einmonatlichen Ein- 
schliessung gelang die Eroberung abermals nicht (Giesebr. 

* Bresslsu, Konrad II., Bd. 1, 437 betrachtet sie als Rest der 
Grafschaft Brescia, in deren Besitz das Haus Canossa seit 1001 nach- 
zuweisen ist. 



— 153 - 

4, 79); die kleine zwischen Sümpfen und Flüssen gelegene 
Festung trotzte dem Kaiser und seinen Verbündeten, und 
im Bunde mit den Mailändern gelang es ihr, sieh ein be- 
trächtliches Territorium zu erwerben. Die Cremonesen 
suchten infolgedessen Bundesgenossenschaft bei Friedrich I., 
der auch gegen Crema und Mailand energisch vorzugehen 
versprach. Im April 1157 erging von Worms aus ein Dekret, 
das den Burgenbau gegen Cremona zwischen Adda und Oglio 
bei Strafe des Bannes und 1000 Pfund Gold verbot (St. 3766); 
nach dem ronkalischen Tage verfügte der Kaiser auf die 
Bitte der Cremonesen die Niederreissung der Mauern von 
Crema ;^ allein auf den Bund mit Mailand und auf seine 
eigenen festen Mauern und Türme vertrauend, trotzte die Veste 
den kaiserlichen Befehlen und Friedrich sah sich genötigt, 
am 18. September 1159 die Reichsacht über Crema zu ver- 
hängen (Const. 191 flf. St. 3866). Die Lehen sollten den 
Lehnsherrn , die Allodien dem Kaiser zufallen. In der 
Nachbarschaft fand Crema Bundesgenossen. Zahlreiche 
Adelige in den auf der Insula gelegenen Orten Fornovo, 
Mozzanica, Bariano, Gabiano und Rivoltella schlössen sich 
den Cremasken an. Die Güter daselbst gab der Kaiser dem 
Bischof von Cremona (St. 3855, 3890), zugleich mit den Be- 
sitzungen der Cremenser und der Erben Guidos und Alberts 
von Melegnano zu Maleo an der Adda (St. 3872). 

Dagegen hatten sich die Cremonesen verrechnet, wenn 
sie meinten, der Kaiser werde ihnen das Gebiet von Crema 
schenken. Noch vor dem Falle Cremas, am 30. Dezember 
1159, verlieh er die Grafenrechte auf der Insula von Pizzi- 
ghettone bis Pontirolo, zwischen Adda und Serie nebst der 
ehemals mailändischen Burg Prada und allen Allodien der 
Mailänder in diesem Gebiet seinem Getreuen, dem Baumeister 
Tinto Mussa de Gatta aus Cremona (St. 3876); dass Weif 
zustimmte, hat wohl seinen Grund darin, dass die Insula 
als mathildisches Gut betrachtet wurde. Thatsächlich war 
aber jetzt nicht nur die Grafschaft ans Reich gekommen, 
die allein der Mathilde zugestanden hatte, sondern auch die 



* ofr. Rshew. 4, 47. 



-- 154 - 

zahlreichen Privatgüter der Cremasken , Mailänder und 
anderen Rebellen. Am 26. Januar fiel endlich Crema, das 
der Kaiser zunächst für sich behielt. Erst am 13. Juni 1162 
überliess er das Stadtgebiet von Crema, dessen Festungs- 
werke zerstört waren, der Stadt Cremona, verbot aber aus- 
drücklich den Wiederaufbau der Festung sowie die Anlage 
von Burgen zwischen Adda und Oglio (St. 3931). Einen 
Vertrag mit Cremona schloss dann der Kaiser am 13. Juni 
1162 (Const. 212. St. 3952), worin folgendes stipuliert war: 
Cremona erhielt die Burgen Soncino, St. Bassianum, Pizzi- 
ghettone und Castelnuovo an der Addamündung, wofür es 
sich verpflichtete jährlich zu Martini 200 Mark Silber zu 
zahlen, ausgenommen im Jahre, in dem das fodrum einge- 
fordert würde. Dazu bestätigte der Kaiser ihnen Crema, 
wogegen die Cremonesen ausdrücklich auf die Güter der 
Cremasken auf dem Lande zu Gunsten Friedrichs verzichteten. 
Endlich erhielt der Bischof von Cremona 2 Jahre später, 
am 3. April 1164 die Burgen Maleo, Platena, Mota Castri 
Franchi und Lamo (St. 4011. 4012). 

Das übrige Gebiet, also der Hauptteil der Insula, wurde 
Reichsgut und von einem Podesta — zeitweilig war es 
Lambert von Nymwegen (Ficker § 296) — verwaltet. Zu 
der Insula Fulcherii gehörten eine Reihe mailändischer Be- 
sitzungen, wie z. B. Rivolta, Caravaggio, Fara, Cologna, 
Cassano (Cod. H. V. 37 fol. 231, 2 der Univ.-Bibl. zu Turin). 

Äusserst erbittert über diesen Reichsbesitz war natür- 
lich Cremona, das alle seine Hoffnungen nicht erfüllt sah. 
Sowohl die gewünschte Insula Fulcherii wie Guastalla und 
Luzzara wollte der Kaiser nicht herausgeben. Anstatt der 
nicht sehr mächtigen Nachbarstadt Crema war der Kaiser 
der unmittelbare Nachbar geworden. So trat denn Cremona, 
bisher die reichstreueste Stadt in Oberitalien, an die Spitze 
der Opposition, und seinen Bemühungen verdankte der 
Lombardenbund seine Entstehung. Die Bestrebungen waren, 
wie bekannt, vom Glück begünstigt. Der Kaiser rief die 
Vermittlung Cremonas an und in seiner Notlage nach der 
Schlacht von Legnano ging er am 29. Juli 1176 auf alle 
Bedingungen der Cremonesen ein. Er gab Cremona nicht 



- 155 ~ 

nur Guastalla und Luzzara, sondern neben Crema alle 
Ländereien zwischen Adda und Oglio, soweit das Bistum 
Cremona reichte, verbot Burgen dort zu errichten und ver- 
sprach selbst keine Befestigungen dort anzulegen (St. 4181). 
Indes nach dem Abschluss des Friedens von Konstanz 
änderte sich die Sachlage. Bald stand der Kaiser wieder 
in alter Macht da, und nun erinnerte er sich des Verrats 
der Cremonesen, der ihm die trübsten Stunden seines Lebens 
bereitet hatte. Er beschloss energisch gegen die alte Bundes- 
genossin vorzugehen, und es gelang ihm sie um alle Früchte 
ihres Sieges zu bringen. Der Kaiser war damals in engster 
Freundschaft mit seiner ehemals grössten Gegnerin, mit 
Mailand. Am 11. Februar 1185 versprach er dieser Stadt, 
ihr die Regalien zwischen Adda und Oglio, die sie früher 
besessen hätte, zurückzugeben und Crema wieder aufzubauen 
(Const. 303. St. 4409). Wahrscheinlich im Anschluss an 
dies Versprechen erliess Friedrich eine grosse Staatsschrift 
gegen Cremona. Es ist eine ausserordentlich inhaltreiche 
Denkschrift, die erzählt, wie der Kaiser früher Cremona 
auf jede Weise begünstigt habe und wie undankbar sich 
diese Stadt dem Kaiser gegenüber erwiesen hätte. Mit 
Recht betont Friedrich, dass Cremona den Lombardenbund 
eigentlich angezettelt und dass es bei der Gründung von 
Caesarea auch mitgewirkt habe. Da Cremona seine Ver- 
sprechungen nicht gehalten habe, so erklärte sich auch der 
Kaiser an seine früheren Privilegien nicht mehr gebunden. 
Die Schrift schliesst mit einer Berechnung des dem Kaiser 
durch die Cremonesen zugefügten Schadens, der auf 300 000 Mk. 
veranschlagt wird ^ (St. 4408. Const. No. 302). Am 12. Mai 
erfolgte dann die Wiederaufrichtung von Crema, das mit 
allen Reichsbesitzungen in der Stadt und den Gütern der 
Grafen von Camisano dotiert wurde (St. 4418). Im Juli 
erging die Bannsentenz gegen Cremona. Ein Jahr später, am 
8. Juni 1186 sah sich Cremona gezwungen, sich unter den 
härtesten Bedingungen dem Kaiser zu unterwerfen. Die 
Stadt verzichtete auf die ihr 1176 überwiesenen Besitzungen, 

» L950.000 frc8, nagh Prutz, Friedrich I. Bd. 3, 216. 



— 156 - 

d. h. die Insula Fulcherii, Guastalla, Luzzara, willigte in 
den * Wiederaufbau Cremas ein , überlieferte die Veste 
Castelleone (Castrum Manfredi) und verpflichtete sich ausser- 
dem innerhalb 15 Tagen dem kaiserlichen Hofe 300 Pfund, 
750 Pfund zu Peter und Paul, 750 Pfund am 1. August 
zu zahlen (St. 4455-4457. Const. 306—312). Am 24. Juli 
übergaben die Cremonesen die ihnen über Crema und Insula 
Fulcherii verliehenen Urkunden (Töche, Heinrich VI. p. 604. 
Const. 309). 

Einen Tag nach der Versöhnung mit Cremona wurden 
folgende 20 Castelle zwischen Adda und Oglio, die zur Insula 
Fulcherii gehört hatten, und die Cremona soeben abgetreten 
hatte, der Stadt Mailand überwiesen (St. 4458 Muratori, 
Antiquitates 4, 229): 

1. Rivolta an der Adda südlich von Cassano auch 
in den Curiae regiae agri Mediolanensis genannt. 

2. Casirate (Caxirate) 3 km südwestlich von Treviglio. 

3. Agnadello (Agnianello) 3 km südöstlich von Rivolta. 

4. Pandino 7 ^|'^ km südlich von Rivolta. 

5. Misano (Mixano) 6 km südlich von Treviglio. 

6. V a i 1 a t e (Varate) an der Strasse Treviglio-Crema s.o. 

7. Calvenzano an der Strasse Treviglio-Crema. 

8. A r s a g (Ardago) 5 km südwestlich von Treviglio. 

9. Cassina P a 1 1 a d i n o (Paradino ?) südlich von Rivolta. 

10. Tormo an der Strasse Lodi-Crema. 

11. Comazzo (Comazano) südwestlich von Rivolta, 
heute am rechten Addaufer. 

12. Gardella 5 km südlich von Rivolta. 

13. Do Vera (Divera) 7 km nordöstlich von Lodi. 

14. Roccadello (Roncadello) dicht bei Dovera. 

15. Prada 5 km östlich von Lodi, Burg, die Barba- 
rossa 1159 dem Tinto Mussa verlieh. 

16. Vedelengo (Vidalungo) an der Bahn Treviglio- 
Brescia. 

17. Pagazzano (Pagazana) 7 km östlich von 
Treviglio. 

18. Caravaggio (Caravitium) grosser Ort bei Trevi- 
glio, auch unter den curiae genannt. 




Karte der Insala Falcherii. 

Orte, die Friedrich I. an Mailand abtritt St. 4458. 
Keiohsgüter nach Murat. Antt. 2, 79/80. 



Die nicht unterstrichenen Orte kamen neben den einfach unter- 
strichenen durch Heinrich YI. an die Stadt Cremona. Die ein- 
geklammerten Orte sind bloss der Orientierung wegen aufgenommen. 

Massstab 1 : 300 000. 



- 158 - 

19. Potenzo^. 

20. Brignano 5 km nordöstlich von Treviglio s. p. 110. 

Es handelt sich um den nördlichen und westlichen 
Teil der Insula Fulcherii. Die Grenze beginnt bei Rivolta 
an der Adda, streicht von dort in nordöstlicher Richtung 
bis Brignano, umfasst die unweit vom Serie gelegenen Orte 
Pagazzano und Vedelengo und zieht dann südwestlich bis 
Agnadello am Tormo. Das ganze Gebiet zwischen Adda und 
Tormo wurde mailändisch mit Einschluss der am östlichen 
Tormoufer gelegenen Brückenköpfe Tormo und Prada. Nur 
der südlichste Teil zwischen Adda und Tormo um Corte 
del Palasio blieb kaiserlich. 

Das noch übrige Gebiet der Insula kam direkt unter 
das Reich, üeber diesen Bezirk haben wir ganz genaue 
sehr interessante Nachrichten aus einer Urkunde vom 
13. Oktober 1188 (Murat. Antt. 2, 79 '80), die eine Art 
Inventar der Reichsgüter in dieser Gegend darstellt und von 
der Stadt Cremona anerkannt wird. Darnach sind folgende 
Orte im Besitze des Reiches: 

1. Azzano der nördlichste hier genannte Ort, 9 km 
südlich von Treviglio. 

2. Tori in südlich von Azzano. 

3. P a 1 a z z o (Palasio) südöstlich von Pandino. 

4. Monte (Mens) 10 km westnordwestlich von Crema. 

5. Vajano (Vallianum) 8 km westlich von Crema. 

6. B a g n o 1 o (Bagnolum) 6 V2 km westlich von Crema. 

7. C hieve (Clevum) 6 km westlich von Crema. 

8. Corte del Palasio (Placianum) an der Adda 
unweit Lodi, das hier Ansprüche hatte. 

9. Capergnanica (Capregnanega) südwestlich von 
Crema. 

10. Credera 7 km südlich von Crema. 

11. Rovereto 7^2 km südlich von Crema. 

12. Moscazzano (Moscacianum) 8 km südlich von 
Crema. 



Nicht zu identifieireii. 



— 159 - 

13. Montodine am Serio nahe der Mündung in 
die Adda. 

14. Gombito (Gomedo) östlich vom Serio nahe der 
Mündung. 

15. Ripalta (Rivolta) am Serio. 

16. Ripalta vecchia (Rivoltella) am Serio. 

17. Ombriano (Umbriano) an der Strasse Crema-Lodi. 

18. S. Loren zo. 

19. St. Andrea. 

Dies Gebiet, das bis an die Mauern und Gräben von Crema 
reicht, umfasst den grössten Teil des Restes der Insula Fulcherii. 
Ausgeschlossen sind die im Nordosten derselben gelegenen 
Orte Bariano, Fornovo, Mozzanica und Gabbiano, die wohl 
nach wie vor dem Bistum Cremona gehörten, ferner die 
nördlich von Crema am Serio sich hinziehenden Gegenden, 
die wahrscheinlich früher dem Grafen von Camisano gehört 
hatten und von Friedrich der Stadt Crema überwiesen wurden, 
und Crema selbst. In den genannten kaiserlichen Orten 
bekam der Kaiser die Hälfte vom Wein der Bauern, V^ 
vom Wein der Vassallen (militum), V» von den übrigen 
Bodenerzeugnissen. Ausserdem standen ihm in diesem 
Landstrich alle Regalien, das Weiderecht, die Waldungen 
und die Jagd zu. — 

Indes dieser nur landwirtschaftliche Erzeugnisse ein- 
bringende Reichsbesitz war nicht im Sinne Heinrichs VI. 
Er brauchte vor allem baares Geld und wie auch sonst 
veräusserte er auch hier den Reichsbesitz. Schon im Jahre 
1190 bewies er seine mildere Stimmung Cremona gegenüber 
dadurch, dass er den Wiederaufbau des durch Friedrich 
zerstörten Castelleone nicht verbot, wenn er auch davon 
abriet (St. 4661). Am 11. November 1191 schloss er mit 
Cremona einen Vertrag, in dem er gegen die Zahlung von 
3000 Pfund die Insula Fulcherii Cremona zu übergeben ver- 
sprach und einstweilen Guastalla und Luzzara verpfändete. 
Der endgiltige Verzicht auf die Insula und die Abtretung von 
Crema fand dann am 5. März 1192 statt (St. 4740. Const. 
362. Benvenuti, Storia di Crema p. 142). Der Kaiser er- 
klärt zwar, er habe die Urkunde ausgestellt, um Cremona 



- 160 - 

zu belohnen, es handelt sich aber um einen Verkauf, für 
3000 Pfund. Der Kaiser übergab der Commune Cremona 
zugleich die Urkunden, die Friedrich ihr früher ausgestellt 
hatte und die in Pavia lagen, und erlaubte den Burgenbau 
zwischen Adda und Oglio. Die Orte, die er schenkte, sind 
folgende : 

A. Diesseits des Serio. 

1. Azzano 1188 kaiserliche Besitzung. 

2. Farinate östlich von Azzano s. o. 

3. Capralba östlich von Azzano. 

4. Campisico (Campisego) noch etwas weiter östlich. 

5. Trezzolasco (Terzolascus) am Serio. 

6. Sergnano (Seregnanum) am Serio nördlich von 
Crema. 

7. Albenego. 

8. Pianengo nördlich von Crema. 

9. Vairano nördlich von Crema. 

Diese Orte sind mit Ausnahme von Azzano sämtlich 
in der Urkunde von 1188 nicht erwähnt und gehörten 
wahrscheinlich Crema. 

B. jenseits des Serio. 

1. Gabbianoam linken Serioufer nördlich von Crema. 

2. Vidolasco nördlich von Crema. 

3. Ricengo (Casale Runcengum) nördlich von Crema. 

4. Camisano östlich von Vidolasco. 

5. Bottajano (Bottijano) nördlich von Ricengo. 

6. Offanengo östlich von Crema s. o. 

7. Fossano (Izzano?) 

8. Suave. 

9. Madignano an der Bahn Crema-Castelleone. 
Diese Orte, sämtlich zwischen Serio und Oglio, gehörten 

wohl dem Grafen von Camisano. 

C. auf der „InsulaFulcherii*' 

1. Palazzo 1188 genannt. 

2. Pignano ist heute ein Beiname von Palazzo. 

3. Monte. 



~ 161 — 

4. Vajano (Vaino). 

5. Bagnolo. 

6. Chieve (Clevus). 

7. Capergnanica (Cavregnanega). 

8. Palasio (Palazanum). 

9. Credera (Credaria). 

10. Rovereto. 

11. Moscazzano (Muscazanus). 

12. Montodine. 

13. Rivoltella. 

14. Rivolta. 

15. Ombriano. 

sind die 1188 genannten Orte. Hinzugesetzt ist Pignano, 
es fehlen Azzano, Torlino, Gombito, S. Lorenzo und St. 
Andrea, von denen die erstgenannten in anderem Zusammen- 
hang genannt sind. 

D. In Vaire werden genannt. 

1. Cremosano nordwestlieh von Crema. 

2. Trescorre desgleichen. 

3. Casaletto Vaprio, desgleichen. 

4. Bordenacium. ^ 

5. Quintano an der Bahn Crema-Treviglio. 

6. Pieranica (Piranega) nördlich von Torlino. 

7. Torlino (Torlinus) 1188 genannt. 

Von diesen Orten ist einzig Torlino als Reichsgut 
nachzuweisen, die anderen bilden mit den unter A genannten 
den Rest der Insula Fulcherii, dessen Geschichte wir nicht 
mit Sicherheit aufzuhellen vermögen. Die feierliche Be- 
lehnung fand 1195 statt vor der Porta Torre in Como. 

Damit war das Reichsgut in dieser Gegend endgiltig 
verloren. Zwar erlangte Crema wieder die Reichsunmittel- 
barkeit und zahlte unter Otto IV. dem Reiche jährlich 
1 Mark Gold (Benvenuti p. 182. Ficker § 369, 20), doch 

* Nicht aufzufinden. 

Darmstädter, Das Reichsgut; in d. Lombardei u. Piemont. 1 1 



- 162 — 

Friedrich IL erneuerte Cremona das Privileg seines Vaters 
(Böhmer, Acta selecta no. 1075. Winkelmann, Forschungen 
7, 293 flf.), und zu einer Neubildung von Reichsgütern ist 
es nicht mehr gekommen. 



VIII. 

PROVINZ MAILAND (Milano). 

Litteratur: B. Aresio, Insignis basilicae et imperialis coenobii 
8. AmbroBÜ maioris Mediolani abbatum ohroiiologica series. 
Mediolani 1674. — A. FumagalH, Codice diplomatico 8. Am- 
brosiano. Milano 1803. — Antichitä langobardico-milanesi. Milano 
1792 f. — Le vicende di Milano. Milano 1848. — Giulini, Memorie 
di Milano ne'paesi bassi. Milano 1760/71. — Puricelli, Am- 
brosianae Mediolani basilicae ac monasterii monumenta. Medio- 
lani 1645. 

Burgaria: Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte 

des Niederrheins, Bd. 1. Dasseldorf 1840. 
Lodi: G. B. Molossi, Memorie della cittä di Lodi. Lodi 
1776. — Vignati, Codice diplomatico Laudense in der 
Bibliotheca historioa italica, Bd. 2—4. Milano 1879 ff. 
— F. A. Zaocaria, Laudensium episcoporum series. 
Mediolani 1763. 
Monza: A. F. Frisi, Memorie storiche di Monza. Milano 

1794. 2. Auflage yon Marimonti. Monza 1841. 
Trezzo: L. Ferrario, II castello di Trezzo. Milano 1867. 

Mailand war ein langobardisches Herzogtum, das nach 
Klefs Tode Herzog Albo verwaltete (PD. 2, 32).^ Im 
übrigen ist das Schicksal dieses Ducats dunkel; wir wissen 
nicht, ob zur Zeit, als Perktarit in Mailand residierte (PD. 
4, 51), daneben noch das Herzogtum bestand. Auch über 
die Verwaltung der Königsgüter im Mailändischen ist aus 
der langobardischen Periode nichts sicheres bekannt.^ In 
karolingischer Zeit gab es Gastaldate in Mailand, Lodi, 

^ Der Herzog Albo von Mailand wird freilich nicht in allen 
Handschriften erwähnt. Weise p. 37 hält den Herzog für Phantasie, 
doch die ^Curtis ducati** (CL. 475) beweist, dass es in Mailand ein 
Herzogtum gegeben hat. Ausserdem haben sehr alte Handschriften 
schon den Zusatz. 

' Das Gastaldat Lodi ist zweifelhaft, s. u. 



— 163 — 

Seprio und Monza. Auch im Mailändischeh war fast der 
ganze Domanialbesitz am Ende des 10. Jahrhunderts ver- 
schwunden; die staufisehe Neubildung war nur vorüber- 
gehend und trug einen ganz eigenartigen Charakter. 

Wir behandeln demnach die staufische und die frühere 
Epoche gesondert und die letztere zwar so, dass wir die 
Provinz in die Bezirke von Mailand und Lodi zerlegen. 
Für Mailand wird eine Teilung in die Stadt, die westlich 
(Seprio) und die östlich von Lambro und Sevesio (Martesana) 
gelegenen Gebiete angemessen erscheinen. 

A. 
V0R8TAÜFISCHE ZEIT. 

1. 
GEBIET VON MAILAND. 

a. Die Stadt Mailand (Milano). 

In Mailand gab es einen alten römischen Kaiserpalast, 
der von den einen dem Maximian, von anderen dem Trajan 
zugeschrieben wurde. Derselbe lag bei den Thermen des 
hl. Georg im Innern der Stadt.^ Es war ganz natürlich, 
dass auch die langobardischen Herrscher den Palast be- 
nutzten. Ja, eine Zeit lang, besonders unter König Agilulf, 
war Mailand die Residenz des Reiches.^ Als 661 die Teilung 
desselben stattfand, wurde Pavia Hauptstadt der einen, 
Mailand die der anderen Hälfte, die Perctarit beherrschte 
(PD. 4, 51). Doch Grimoald machte diesen Teilreichen ein 
Ende und schlug seinen Sitz in Pavia auf, das seitdem die 
Hauptstadt blieb. 

Bei der Verlegung der Residenz blieb die Pfalz in 
der Stadt wahrscheinlich bestehen, doch können wir nicht 
angeben, wann dieselbe verschenkt worden ist. Daneben 



» Vgl. Giulini 2, 281; vgl. auch CL. 715 Kirche St. Georgii 
ad palatium. 

^ Nähere Nachweise darüber in Buch 3 bei Besprechung der 
Pfalzen. 



— 164 — 

soll es noch eine Pfalz ausserhalb der Mauern bei S. Am- 
brogio gegeben haben. Von den älteren Karolingern haben 
wir nur zwei von Karl III in Mailand ausgestellte Ur- 
kunden, die die Bezeichnung tragen: „ad Mediolanum" 
(B-M. 1582/83). Dagegen ist die Urkunde Berengars I. 
vom 2. Oktober 894 „in Mediolano ad S. Ambrosium** aus- 
gestellt (Dümmler, Reg. Ber. nd. 12), die vom 15. Februar 
898 „Mediolano in monasterio S. Ambrosii" (Dümmler, 
Reg. Ber. no. 19), ebenso die Urkunden Ottos I. vom 
3. Januar 965 (DO. I. 274) und von 972 (DO. I. 412) „in 
monasterio S. Ambrosii**. Am 30. Juli 972 hielt Otto I. 
mit seinem Sohn Gericht ab im Kloster S. Ambrogio in der 
Loggia „Reges" (DO. I. 416). Die Pfalz soll nach Giulini 
im Wald „agli Olmi" bei der Kirche S. Vittore agli Olmi 
gelegen haben (Giulini 2, 286); doch dies ist nicht sehr 
wahrscheinlich, und wir wären eher geneigt an ein Absteige- 
quartier im Kloster zu denken, als an einen Palast. Zu 
einem festen Resultat wird in der Mailänder Palastfrage 
ohne archäologische Studien kaum zu gelangen sein.^ 

Ferner gab es in Mailand noch eine Curtis Ducati, 
die nach Giulini (1, 308) in der Nähe der Kirche S. Cipriano 
lag an einem Platze, der „Corduce* zu Giulinis Zeit hiess.- 
Die Curtis Ducati ging nach dem Falle der Herzogtümer 
auch in königlichen Besitz über und wurde später Sitz der 
fränkischen Grafen und Gerichtsstätte (GL. 475). Auch ein 
Gastaldat wird in karolingischer Zeit in Mailand erwähnt. 
Ob dasselbe schon in langobardischer Zeit bestand, ver- 
mögen wir nicht anzugeben. Wir kennen aus Mailand im 
Jahre 842 den Waldericus gastaldius civitatis Mediolanensis 
(GL. 146), 844 einen Gastalden Walchar (GL. 154), und 859 
wieder den Waldericus, der auch zugleich vicecomes war 
(GL. 207).^ Ein öffentliches königliches Gebäude war die 
Münze, die wir aber, da sie zu den Regalien gehört, hier 
nur erwähnen. 



> Nach Ughelli (4, 96) soH Otto der Grosse den Palast bei 
8. Ambrogio dem Kloster zum Geschenk gemacht haben nebst grossen 
Besitzungen. 

• Vgl. Buch 3. 



- 165 — 

Schliesslich gab es noch in der Stadt einige königliche 
Grundstücke. Am 20. Dezember 888 schenkte König VVido 
dem Archipresbyter Aupald auf Bitten des Erzbischofs 
Anselm von Mailand ein am Hause des Aupald liegendes 
kleines Grundstück von 24 tabulae innerhalb der Stadt 
und zugleich einige Türme an der Aredeuswiese. Von der 
Mauer bekam Aupald 40 Fuss. Wir entnehmen der Urkunde, 
dass auch in Mailand die Stadtbefestigung dem König ge- 
hörte (CL. 342). Weitgehender ist die Urkunde Ottos L 
vom 16. Februar 952 (CL. 599. DO, I. 145). Otto I. schenkt 
hier innerhalb der Stadt Mailand bei dem öffentlichen Markt, 
also im Zentrum der Stadt, 5 Grundstücke an S. Ambrogio. Auf 
dem ersten lagen 3 Läden (stationes = botteghe nach Giulini 
2, 251), die ein Johannes Ambrosii, ein Johannes Grassus und 
ein gewisser Prandus innehatten. Die Grenzen waren öffent- 
liche Wege, Land von S. Ambrogio und des Azo, Bruders des 
Kaufmanns Walzo. Das zweite Grundstück war ebenfalls mit 
Läden besetzt und grenzte an einer Seite an die Kloake 
an, auf der anderen an Land der Erben des Adoald und an 
die Strasse. Das dritte war auf 3 Seiten von Land von S. 
Ambrogio umschlossen, grenzte an der vierten an die Strasse. 
Es war anscheinend unbebaut; bei dem vierten lag der 
königliche Brunnen (puteus regius). Es grenzt an Land 
von S. Ambrogio, Land der Erben des Giseprand und an 
die Strasse. Das fünfte, unbebaute Grundstück, stiess an 
die Strasse, das Haus Arduins und Land des Dominicus an. 
Dazu schenkte Otto noch ein Herrenhaus (sala), ebenfalls 
am Markte, mit einem Grundstück, in dem auch unten 
Läden mit Bänken (banculae) lagen. Die sala grenzte auch 
an die Kloake, auf zwei Seiten an Strassen und auf einer 
Seite an ein fiskalisches Grundstück. Diese Grundstücke, 
die zusammen 24 tabulae massen, schenkte Otto für das 
Seelenheil Lothars. Der Ertrag sollte für eine tägliche 
Todtenmesse verwandt werden. Die Örtlichkeit, die in der 
Urkunde bezeichnet wird, soll identisch sein mit der heutigen 
Piazza Fontana*, die Kloake mit dem Sevesobach (CL. 
col. 1027 Anm.). 

^ 100 m. östlich vom Dom, beim erzbischdfliohen Palais. 



— 166 — 

Im Südwesten der Stadt an der Porta Ticinese an der 
Strasse nach Corsico lag der Ort Bativaca. Hier, „foris 
et non multum longe a civitate Mediolani**, an einem Felde 
„ad Carpano de Prandelando" grenzte ein Grundstück 997 
auf der Südseite an Königsland (CL. 936). Zu welchem 
Hofe dasselbe gehörte, vermögen wir nicht anzugeben. 

b. Westlich von Lambro und Sevesio 
(Seprio und Burgaria). 

Für die Verwaltung der im westlichen Teil der Provinz 
Mailand gelegenen Königsgüter gab es in karolingischer 
Zeit in Castello Seprio bei Gallarate, nordwestlich von 
Mailand, ein Gastaldat (842 wird ein ßothenus, gastaldius 
Sepriensis erwähnt CL. 146). Ob dasselbe langobardischen 
Ursprungs ist, wissen wir nicht. Die wahrscheinlich zu 
diesem Gastaldat gehörigen Güter im Westen der Provinz 
Mailand zählen wir in alphabetischer Reihenfolge auf. 

Buscate südlich von der Eisenbahn Saronno-Novara, 
nicht weit vom Tessin, ist wahrscheinlich identisch mit dem 
936 genannten Hof Burscanti. Am 12. Mai dieses Jahres 
schenkten Hugo und Lothar dem Garibert, Vassallen des 
Lanfranc, die Magd (ancilla) Walperga mit ihren Söhnen 
Paul, Johann, Martin und Bennatus und ihrer Tochter 
Eresinda, die zum königlichen Hof Burscanti gehörten 
(CL. 546). 975 gehörte dieser Hof nicht mehr der Krone, 
denn im Juli dieses Jahres verkauften Humbert und Teuzo 
von Caligo den Hof Bruscanti (wohl identisch mit Burs- 
canti), den sie vom Grafen Atto von Lecco gekauft hatten, 
der Farlinde von Bovulco für 12 Pfund Silber, jedes Pfund 
zu 240 denar, also für 2880 denar. Zum Gute gehörte 
auch das castrum Baliade (CL. 763). 

Caselle südlich von Abbiategrosso, vielleicht das der 
Kaiserin Adelheid gehörige Caselle (CL. 997). 

Castano an der Bahn Saronno-Novara unweit vom 
Tessin, nahe bei Buscate. Ein Feld im Orte Castano an 
der Strasse nach Bustigium, worunter wohl Busto Arsizio 
zu verstehen ist, grenzt 980 östlich an Königsland (Ch. 1, 148). 



- 167 — 

Cornaredo südlich von Rho, an der Strasse Mailand- 
Magenta, ist gleich Comaredo, wo Berengar I. am 12. De- 
zember 894 dem Ambrosiuskloster eine Bauernstelle schenkt, 
die zur Grafschaft Stazona gehörte (CL. 362). 

Fara Basiano am Tessin, südlich von Morimondo. 
Der Hof gehörte dem Kloster Morimund, scheint aber früher 
dem Reiche gehört zu haben. Die Mönche des Klosters 
mussten nämlich im 12. Jahrhundert jährlich den vierten 
Teil der Feldfrüchte von Fara dem König zahlen, eine 
Leistung, die wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, 
dass Fara ursprünglich ein fiskalisches Gut gewesen ist. 
Friedrich I. schenkte dem Kloster am 14. Januar 1174 den 
vollen Ertrag des Hofes Fa-ra Basiliana und verlangte in 
Zukunft nur noch einen Aureus jährlich am Martinsfest 
(St. 417:i Ughelli 4, 164). 

Marnate zwischen Busto Arsizio und Saronno am 
linken Ufer der Olona und Mozzate (Provinz Como), nord- 
östlich von Marnate an der Bahn Saronno- Varese, dürften 
identisch sein mit den beiden Orten Marinade und Mojade, 
die König Wido am 18. Juli 892 seinem Getreuen Fulchrod 
schenkte. Marnate war ehemals eine corticella, doch 
scheint der Herrenhof verschwunden zu sein (absens), so 
dass der König nur 4 Bauern und 8 Hufen verschenkte. 
In Mojade befand sich ein corticella mit 4 Bauern und 
3 unbesetzten Hufen. Ein dritter Hof Rodeni liegt bei 
Pavia (CL. 354). 

c. Östlich von Lambro und Sevesio (Martesana) 
bis zur Linie Melegnano-Paullo. 

Carpiano westlich von Melegnano. Im Jahr 828 
grenzt hier ein Grundstück „in Laudecursi" auf der fünften 
Seite an Königsland. Dies gehörte wahrscheinlich zu dem 
benachbarten Königshofe Locate am Lambro (CL. 100). In 
und um Carpiano war im Anfang des 9. Jahrhunderts der 
königliche Vassus Hernost reich begütert (CL. 87. 102). 

Cavenago östlich von Monza im mandamento Vimer- 
cate. Am 26. Februar 876 schenkte Karl der Kahle dem 
Erzbistum Mailand einige Landhäuser, die zur Grafschaft 



— 168 — 

Pavia gehörten, aber im Gebiet von Mailand lagen, in 
Cavannacum (Cavenago) und Evornacum heute Ornago, 
nördlich von Cavenago, und 50 Joch dazu gehöriges Land 
(CL. 265). Schon früher hatte der Erzbischof in Cavenago 
Besitz gehabt und zur Kompletierung machte Karl die 
Schenkung (CL. 256). 

Cornate an der Adda. Hier gründete König Cuninc- 
pert (688 700) auf dem Schlachtfeld, auf dem er gegen 
den Herzog Alachis einen grossen Sieg erfochten hatte, ein 
dem heil. Georg geweihtes Kloster (PD. 6, 17). Dasselbe 
schenkt Ludwig HL am 7. Dezember 901 dem Bischof von 
Como (CL. 397). 

Deusdedit. Die Leute von Civenna und einigen 
anderen Ortschaften am Comer See hatten zur Zeit Lothars I. 
die Verpflichtung, das Olivenöl nach dem kaiserlichen Hofe 
Deusdedit zu fahren, zugleich mit dem dem Herrn gehörigen 
Korn. (CL. 314). Dieser rätselhafte Hof Deusdedit, von 
dem wir sonst nichts wissen, ist vielleicht identisch mit 
dem 997 erwähnten Hofe Deusio (CL. 931) und mit dem 
Orte Desio, der nordöstlich von Monza an der Bahnlinie 
Monza-Seregno, und an der aus der Brianza nach Mailand 
führenden Landstrasse (Erba — Carate— Desio) liegt; diese 
Lage würde Desio für den Stapelplatz der von Limonta 
kommenden Produkte sehr geeignet erscheinen lassen; es 
sind von hier nach Limonta etwa 40 km, also soviel wie 
ein Lastwagen an einem Tage zurücklegen kann. Von Desio 
gingen dann die Waren bequem in einem Tage bis Pavia. 

Locäte (Lauchade) ist einer der wenigen Königshöfe 
der Lombardei, den wir in langobardischer Zeit nachweisen 
können. Bereits im Jahre 771 wird ein actor regis hier 
genannt, der das Gut (villa) für den König verwaltete 
(CL. 41. Tr. 937). Derselbe, Autpert mit Namen, hatte das 
mundium über die Aldia des Königs Hermetruda. Wahr- 
scheinlich ist Locate Triulzi südlich von Mailand (an der 
Bahn nach Pavia) gemeint, da der eine Zeuge Raginald 
aus Cüboline ist, das wohl mit Gabellina (2 ^/2 km nördlich 
von Locate) identisch sein dürfte. Jedenfalls mit einem 
anderen Locate haben wir es in einer Urkunde von 805 zu 



- 169 — 

thun (CL. 79), das in der Provinz Bergamo liegt (s. p. 114). 
Dagegen ist es unzweifelhaft Locäte südlich von Mailand^ 
das 836 von Lothar verschenkt wird. (B-M. 1019. GL, 128)! 
Am 10. August dieses Jahres schenkt er der Ava, der Gattin 
seines Schwiegervaters Hugo von Tours (der im Nekrolog 
von Monza Frisi 3, 131 dux de Locate genannt wird) aus 
dem Fiskalgut den Hof Locada, der im Mailänder Gebiet 
am Flusse Lambro liegt. Nun giebt es 2 Flüsse dieses 
Namens im Gebiet von Mailand: erstens den grossen Lambro, 
der in der Brianza entspringt, und zweitens den Lambro 
meridionale, dessen Quelle in der Nähe von Mailand liegt 
und der sich bei San Angelo mit dem grossen Lambro 
vereinigt. Am Lambro meridionale liegt nun unser Locate, 
wogegen das Locate nördlich von Mailand in der Nähe der 
Olona liegt. Zweifelhafter kann es sein, welches Locate 
in der Urkunde vom 30. Dezember 881 (B-M. 1584. GL. 307) 
gemeint ist. In dieser bestätigt nämlich Karl III. die 
Schenkung von Locate, die Ludwig IL dem Kloster S. Gio- 
vanni in Monza gemacht habe. Doch meinen Giulini (9, 17) 
und Frisi (1, 80), Ava habe bereits Locate dem Kloster zu 
Monza geschenkt, und das von S. Giovanni besessene Locate 
habe ebenfalls am Lambro gelegen.^ Ueber die Ausdeh- 
nung des Hofes haben wir keine direkten Nachrichten; 
wahrscheinlich gehörten aber die GL. 100 genannten Reichs- 
besitzungen bei Garpiano zum Hofe Locate. 

Monza (Modoetia). Eine der wenigen Domänen, bei 
denen sich die Herkunft aus dem ostgothischen Dominium 
nachweisen lässt, ist Monza. Schon Theoderich der Grosse 
besass daselbst eine Pfalz, weil hier, wie Paulus Diaconus 
schreibt, „im Sommer infolge der Nähe der Alpen eine 
kühlere und gesundere Luft wehte" (PD. 4, 21). Hundert 
Jahre später wurde Monza die Lieblingsresid^nz der Königin 
Theodelinde, die die Ebene mit den blauen Alpenkuppen 
im Hintergrund, mit den reichen Wäldern und Gewässern 
wohl an die ferne bayrische Heimat erinnern mochte. Die 
Königin erbaute hier zuerst die dem hl. Johannes dem 

* Doch liegt auch die Möglichkeit vor, dass Locate nach Avas Tod 
wieder Fiskalgut geworden ist und dass Ludwig IL den Hof verschenkt hat. 



~ 170 - 

Täufer gewidmete Basilica, die sie mit Schätzen, die noch 
heute zu sehen sind, und mit Gütern beschenkte (PD. 4, 21), 
dann aber erbaute sie hier eine neue Pfalz, in der sie die 
Thaten der Langobarden in Bildern verherrlichen liess. 
Paulus Diaconus beschreibt ausführlich die Bilder, die er 
selbst wohl noch gesehen hat. (PD. 4, 22). 602 wurde 
in dem Schlosse Theodelindens Sohn Adaloald geboren 
(PD. 4, 25). Die Königin selbst wurde in der Johanneskirche 
in ihrer Lieblingsresidenz bestattet. Angeblich soll sie auch 
die Michaelskirche gegründet haben. (Tr. 301). 

Dass spätere langobardische Herrscher in Monza resi- 
diert hätten, wird nicht erwähnt. Dagegen lernen wir 768 
einen königlichen Actor Amantius daselbst kennen. (Tr. no. 
889. CL. 34.). Später wurde ein Gastaldat in Monza er- 
richtet, 941 ist Gauspert hier Gastalde (CL. 565). Residenz 
wurde Monza wieder unter Berengar L, der am 21. Februar 
903 (Dümmler Reg. Ber. no. 38), 24. Mai 904 (Reg. 40), 
26. Dezember 918 (Reg. 89) hier urkundet. 

Sehr mangelhaft sind wir über die späteren Verhältnisse 
Monzas unterrichtet. Anfangs des 11. Jahrhunderts gab es 
hier ein altes und ein neues Castrum, (Frisi 1, 113. 2, 28). 
Eine eigentliche Abtretung von Rechten in Monza wird nie 
stattgefunden haben, doch scheinen die Einwohner eine ge- 
wisse Selbständigkeit im Laufe des 11. Jahrhunderts erlangt 
zu haben. Im Anfange des 12. Jahrhunderts unterjochten die 
Mailänder die de jure damals wohl noch königliche Besitzung. 
1126 war Monza mailändisch. (Frisi 1, 134). Die spätere 
Ent Wickelung wird bei Besprechung der staufischen Zeit 
erörtert werden. 

S. Christoforo d'Occhiate bei Monza. Im Testament 
vom März 877 schenkt Kaiserin Angilberga den Hof Octavo 
an S. Sisto (CL. 270). Nach CL. col. 1939 ist vielleicht 
Octavo = S. Christoforo d'Occhiate. 

Ornago. s. Cavenago. 

Palazzolo Milanese mand. Barlassinä am Sevesio 
nördlich vo n Mailand. ^ Nach dem Testament des Erz- 

^ Nach Giulini 2, 85 ist Palazzuolo westlicli von Mailand in GL. 
396 gemeint. Doch dies Pal. ist nicht identisch mit dem Pal. in CL. 360* 



- 171 - 

bischofs Anspert von Mailand (CL. 287) schenkte Arnulf den 
Hof Palatiolum dem Erzbistum. Der Kirchenfürst verlieh 
das Gut dem Kloster S. Ambrogio. Sehr auffallend ist, 
dass Arnulf schon 879 den Titel König führt, doch mag 
dies eine spätere Interpolation sein; weniger Bedenken er- 
regt der Umstand, dass er Güter in der Lombardei hatte, 
da es wohl möglich ist, dass Karlmann seinem Sohne solche 
verliehen hat. (cf. CL. col. 482 Anm. 2). Am 11. März 
894 bestätigte Arnulf den Hof Palatiola, der in der Nähe 
des Hofs Melvenno lag, dem Kloster S. Ambrogio (B-M. 
1843. CL. 360). 

Ronco. Berengar schenkte dem Grafen Grimald den 
zur Grafschaft Lodi gehörigen Hof Runco am Flusse Brembo 
unweit des Lambro mit dem Knecht Peter auf diesem Hofe, 
dem Sohne des Lardenus von Antoniano, mit seiner Frau 
und seinen Kindern und den zur Grafschaft Lodi gehörigen 
Markteinnahmen in Vimercate. (CL. 455). Ronco ist ein 
sehr häufig vorkommender Name, doch da es nicht weit 
von Vimercate und zwischen Brembo und Lambro liegt, 
so kommen wir auf Roncello östlich von Ornago, oder auf 
Ronco an der Bahn Monza-Bergamo, nicht weit von der 
Adda. Auffallen muss die Bezeichnung, dass der Ort am 
Brembo liegt und nicht weit vom Lambro; wahrscheinlich 
ist ein anderer Brembo gemeint als der bergamaskische, 
der sehr weit vom Lambro entfernt ist. 

2. 

GEBIET VON LODI. 

In Lodi ist kein Herzogtum nachzuweisen. Aus den 
Quellen wissen wir nur von der Eroberung der Stadt durch 
König AripertIL im Jahre 701 (PD. 6, 20). Vielleicht 
wurde damals ein Gastaldat hier errichtet, dessen Bestand 
freilich sehr zweifelhaft ist. 761 kommt ein gewisser 
Alichis als Gastalde vor (Tr. 770), doch CL. no. 25 und 
Vignati 1, 2 haben die vielleicht bessere Lesart „gasindius". 
879 tritt im Gebiet von Lodi ein Gastalde Dido auf, allein 
da er missus war, so konnte er auch ein auswärtiges Ga- 
staldat bekleiden (CL. 286). 



— 172 — 

Dagegen scheinen in und um die Stadt bedeutende 
königliche Besitzungen gelegen zu haben, die vielleicht von 
einem Königshofe abhingen, dessen Existenz freilich auch 
nicht verbürgt ist. Im Jahre 761 vertauscht nämlich die 
Tochter des Königs Desiderius, Anselberga, in und um Lodi, 
bedeutende Güter. Nun wäre es ja denkbar, dass auch sonst 
Gläubige ihrem Kloster S. Salvatore in Brescia Zuwendungen 
hier gemacht hätten; doch da die Abtei gerade sich der be- 
sonderen Protektion des Königs erfreute, so können wir an- 
nehmen, dass ein grosser Teil von den von Anselberga ver- 
tauschten Gütern aus Krongut stammte, und deshalb dürfen 
wir wohl von dieser Urkunde (Tr. 770. GL. 25. Vignati no. 2) 
Gebrauch machen. Danach giebt die Königstochter in der 
Stadt — natürlich ist Lodi vecchio gemeint, das wenig westlich 
von Neulodi liegt — einen Hof mit Gärten und Gebäuden im 
Werte von 500 solidi, dazu ein Haus mit einem kleinen 
Hof und Bäumen im Wert von 100 solidi. ~ Eine weitere 
Schenkung in Lodi machte Karl der Grosse an das Peters- 
kloster in Lodi von 50 Joch in der Nähe des Lambro, was 
Wido 892 bestätigt (Vignati no. 7 p. 13). Die Befestigungen 
von Lodi überwies Otto II. dem Bistum (DO. II. 256). 

In der Umgebung von Lodi erwähnen wir zunächst 
die von Anselberga vertauschten Güter. Es sind dies 
folgende : 

1. Zwei Höfe zu Asielias = Isella (?) com. Abbadia di 
Cereto und Gambate = Gambarotta com. Marudo 
südwestlich von Lodi, die an Weinland, Wiesen, Wäl- 
dern 39 Joch hatten und 450 sol. wert waren. 

2. Haus in Vimagano (Vico Magoni) bei Graffi'gnana 
südlich von Lodi, mit Weinland und Wiesen, 11 Joch, 
150 sol. wert. 

3. Ein geschlossener Weinberg an der Celera, einem 
Flüsschen südlich von Lodi vecchio 1 Joch, 30 sol. 
wert. 

4. Ein Haus in der villa Beca wohl Beccalzu bei Villa- 
rossa am Lambro, westlich von Lodi 28^/2 Joch und 
300 sol wert. 



— 173 ~ 

5. Häuschen mit Land in Auriate bei Salerano am 
Lambro westlich von Lodi, 10 Joch Weinland und 
Wald, 180 sol. wert. 

6. Land in Breolas= Briocche bei S. Colombano südlich 
von Lodi, 42 Joch, 300 sol. wert. 

7. Wiesenland an der Celerabrücke, mit Brunnen, Hof 
und Herrenhaus, 2 Joch 1 pertica 8 tavolae, 80 sol. 
wert. 

8. 2 Perticae Wald mit einem Stückchen Feld in der 
pisina Ansperti, 20 sol. wert. 

9. Geschlossenes Stück Land zu Benenaco: 1 Joch 
8 perticae 10 tavolae, 30 sol. wert. 

10. 2 Joch in Roverica = Rovereto auf dem linken 
Addaufer, 24 sol. wert. 

11. 1 Joch 8 perticae in San Panscatio (Pantanasco bei 
Arcagna? nordwestlich von Lodi), 16 sol. wert. 

12. Waldland (runco) am Lambro 9 Joch, 170 sol. wert. 

13. Wiesenland am Lambro in 4 Stücken, 3 Joch 2 per- 
ticae, 30 sol wert. 

14. In Surbano bei Lodi vecchio Haus und Hof zwischen 
Wiesen und Wald, 14 Joch, 40 sol. wert. 

15. In Paterno (Paderno bei Bottedo westlich oder bei 
Massalengo südlich von Lodi) 23 Joch 9 perticae, 
200 sol. wert. 

16. Dazu in alio Paterno Weinland, Kastanienwald 
und Bauernland 13 Joch, 230 sol. wert. 

Es handelt sich hier also im Territorium von Lodi 
um Güter, von zusammen 202 Joch (ca. 600 Morgen) im 
Wert von 2260 sol. (ca. 22 000 Rm.). 

Aus dem 9. Jahrhundert haben wir die Schenkungen 
an Angelberga und das von ihr gegründete Kloster S. Sisto 
in Piacenza zu erwähnen. Im Jahre 862 schenkte Kaiser 
Ludwig IL angeblich diesem Kloster (B-M. 1221) ver- 
schiedene Rechte zwischen Po und Adda, doch diese Urkunde 
ist falsch. Dagegen erhielt das Kloster bedeutende Be- 
sitzungen durch Karlmann im Jahre 879 (B-M. 1504). Er 
schenkte an der Adda: 



— 174 - 

1. den Hof Fagedum, vielleicht Fagi unterhalb Lardera 
am rechten Addaufer; 

2. den Hof Muciana nicht weit vom Po, wahrscheinlich 
Mezzana Passone südöstlich von Codogno, mit Zu- 
behör, insbesondere dem Wald Meletto ^ (der Ort Meletto 
unweit von der Addamündung). Die Investierung fand 
durch mehrere Bischöfe und den Gastalden Dido statt. 

Angelberga selbst besass in der Grafschaft Lodi die Höfe: 

1. Prada (Prata) östlich von Lodi, cf. Provinz Cremona. 

2. Montemalo bei Orio (cf. Vignati 1, no. 149). 

3. Cortis Mediolanensis. 

Sie vermachte die Höfe dem Kloster S. Sisto (CL. 270). 

Den Rest des Kronguts scheint auch im Bezirk von 
Lodi, wie anderwärts die Kaiserin Adelheid erhalten und 
an S. Salvatore in Pavia verschenkt zu haben. Unter ihren 
Gütern lagen wahrscheinlich im Gebiet von Lodi: Graf- 
fignana (Garfiniana) am Lambro (DO. L 281. CL. 997). 
Monticelli am Po unweit der Lambromündung (CL. 997. 
DO. IL 281. DO. 375)2, ferner: 

Arasicumana und Vigolago. lieber diese beiden 
Orte erhalten wir nähere Nachrichten in CL. no. 997 
col. 1762: Die beiden Höfe lagen am Lambro und wurden 
mit dem dritten Teil von Monte Luponis zusammen ver- 
schenkt. Die Grenzen sind folgende : Salsa, Fontana Naroni, 
dann die massaria Bardoneda, Güter von Sta. Christina, und 
S. Anastasio (beide zu Olona), Arena, via cava, die Castelle 
Niniano und Vico longo und die Lambrofurt, dann der Lambro 
selbst, die via Magnani (Vimagano s. o.?), der Kastanien- 
wald bis Roncariolo mit dem Brunnen, dem kleinen 
Graben, bis Brissiola und zur Strasse nach Lodi, dann bis 
zum Monte Luponis. Es handelt sich um das untere 
Lambrogebiet, in der Nähe von S. Colombano al Lambro. 
Dort haben wir einen Neronebach, der wohl mit der Fon- 



* Vgl. Provinz Pavia p. 192. 

' Güter von S. Salvatore hier nachweisbar in Urkunden vom 
15. Juni 1181 und 11. Oktober 1196. Mail. Staatsarchiv: Carte di 
S. Salvatore. 



— 175 — 

tana Naronis identisch ist; auch St. Christina war hier 
begütert (cf. p. 191). 

Es erübrigt noch einige vereinzelte Königshofe auf- 
zuführen, unter denen der wichtigste Senna Lodigiana 
(Sinna) bei Orio, unweit der Mündung des Lambro in den 
Po ist. Senna war in der karolingischen Zeit öfters Resi- 
denz, so unter Ludwig II. 852 (B-M. 1155), unter Arnulf 
896 (B-M. 1867), unter Berengar I. 911, 915 und 916 (Dümm- 
1er Reg. 63, 77, 79, 83). 938 wurde der Hof zur Dotierung 
der'Bertha, der Braut Hugos, von diesem benutzt (CL. 
553). Darauf verschwindet Senna aus unserem Gesichts- 
kreis, bis es im 12. Jahrhundert als Adelshof wieder auf- 
taucht (cf. Vignati Nr. 54). 

S. Angiolo di Lodi am Lambro. Ein Grundstück 
heisst hier 968 (CL. 710 col. 1236) petia a casa regia. Dies 
lässt wohl auf früheren königlichen Grundbesitz hier 
schliessen. 

Monte westlich von St. Angiolo, vielleicht der Hof 
Monte, der 942 von Hugo und Lothar dem Kloster S. Am- 
brogio zu Mailand geschenkt (CL. 570), und von Otto be- 
stätigt wird (DO. I. 138). 

Beiläufig sei noch der Schenkung der Goldwäscherei 
in der Adda bei Cavenago und Galzagnano durch Arduin 
an den Bischof Andreas von Lodi im Jahre 1002 gedacht 
(St. 1845). 

B. 

DIE 8TAÜFISCHE ZEIT.* 

Nachdem auch im Mailändischen am Ende des 10. 
Jahrhunderts das einst beträchtliche Reichsgut verschwunden 
war, fand auch hier eine Erneuerung desselben in grossem 
Umfang im zwölften statt. Friedrich I. hatte es sich im An- 



* Vgl. auch Buch 1, in dem die aUgemeinen Beziehungen der 
Erwerbungen Friedrichs hervorgehoben sind. Hier isl der territoriale 
Zusammenhang massgebend, doch sind Wiederholungen natärlioh nicht 
zu yermeiden. 



— 176 — 

fang seiner Regierung zum Ziel gesetzt, hier, im Zentrum 
der Lombardei einen gewaltigen Domänenkomplex zu 
schaffen, der durch königliche Beamte verwaltet wurde und 
durch Festungen auf allen Seiten geschützt war. Doch auch 
einem so bedeutenden Manne, wie es Friedrich I. ohne 
Zweifel war, konnte es nicht gelingen, die mächtige 
städtische Entwicklung dauernd zu vernichten. Kurze Zeit 
glückte wirklich die Bildung des grossen Domanialbesitzes 
zwischen Tessin und Adda, zwischen Alpen und Po, doch 
schon nach wenigen Jahren war alles in den Fluten des 
lombardischen Aufstands untergegangen. 

Betrachten wir die Territorien, aus denen sich das 
Reichsgebiet zusammensetzte : In der Stadt Mailand sollte 
nach dem üebereinkommen vom 7. September 1158 (Const. 
174. St. 3818) eine kaiserliche Pfalz errichtet werden. Zur 
Ausführung ist es nicht gekommen, da die Stadt sich schon 
nach kurzer Zeit wieder gegen den Kaiser erhob. Nach 
der Zerstörung (1162) wurde das Territorium von Mailand 
Domanialland. ^ Die Einwohner der Stadt wurden in folgen- 
der Weise angesiedelt: 

a) Porta Romana zwischen Casina Plasmondi (heute 
Casina Pismonte) und Noseto (Noxedam). Casina Pismonte 
ist ein Gehöft, das 2 km südöstlich von der Porta Ro- 
mana liegt. Nosedo liegt 1100 m. weiter südöstlich. 

b) Porta Ticinensis in Vigentino (Vigiantino), 
2 km südlich von der heutigen Porta Lodovica. 

c) Porta Orientalis und Porta Nova in Lambrate 
am Lambro, 3 km nordöstlich von der Porta Venezia. 

d) Porta Cumana in Garraria (bei Dergano, heute 
nicht mehr eihalten, nördlich von der Porta Garibaldi). 

e) Porta Vercellina inS. Siro ad Vepram, an der 
Olona, 1,5 km nordwestlich von der Porta Magenta (Gesta 
Friderici ed. Holder-Egger p. 54). 



< Dass die Mailänder ihr Eigen verloren, glaube ich mit Ficker 
(§ 95) annehmen su dürfen. Anders steht es mit der Frage, ob sie 
auch persönlich unfrei wurden. Vgl. auch Tschirch, Beiträge lur 
Geschichte Mailands, Halle 1884 p. 2. 



— 177 — 

Die Bewohner dieses Territoriums wurden wie Do- 
mänenbauern behandelt und mussten deren Lasten tragen ; ^ 
sie waren dem Bischof Heinrich von Lüttich untergeben, 
der die Verwaltung dem Petrus de Cumino, später dann 
dem Federicus Clericus übertrug. Nach dem Tod des 
Lütticher Bischofs wurde Markward von Grumbach als 
oberster Beamter hier eingesetzt, dem Heinrich von Dietz 
folgte. Der Bezirk dieses Beamten reichte nördlich bis 
Busto Garolfo, Legnano und Seveso, ein etwa 20 km. breites 
Territorium. Südlich muss der Sprengel bis an die Grenze 
von Pavia gereicht und von Norden nach Süden etwa 30 km. 
gemessen haben, so dass wir auf ein Territorium von 
circa 600—700 Quadratkilometern kämen. 

Zur Befestigung der kaiserlichen Herrschaft in dieser 
Gegend diente ein „Triumphalis" genannter Turm, eine Art 
Zwingmailand, in Nosedo, zu dem die Bauern die Quadern 
und den Sand von der zerstörten Heimat fahren mussten. 
Ferner wurde eine kaiserliche Pfalz in Vigentino er- 
richtet. Die Strasse nach Pavia beherrschte das 18 km. 
südlich von Mailand errichtete Castell zu Landriano, 
w^o sich Friedrich selbst 1161 und 1163 aufhielt (St. 3916—18. 
3999.). 

Der w^estlich von Busto Garolfo und Legnano gelegene 
Bezirk zu beiden Seiten des Tessins, die Landschaft Bur- 
garia wurde ebenfalls in das kaiserliche Dominium ein- 
bezogen. Schon 1154 55 hatte Friedrich hier Trecate, Galli- 
ate und Momo auf dem rechten Tessinufer erobert und 
wahrscheinlich für das Reich eingezogen. Nun war dies 
Gebiet wieder verloren gegangen, wurde aber nach 1162 
abermals Reichsgut und mit den auf dem linken Tessinufer 
gelegenen Ortschaften vereinigt. Das Gebiet wurde 1164 
von Friedrich Rainald von Dassel übertragen. ^ Es sind 
folgende Orte links vom Tessin: 

* Nähere Nachweise im dritten Teil. Die Belege sämtlich Gesta 
Friderici p. 54 — 60. 

* St. 4018. Lacomblot, Niederrheinisches ürkundenbuch 1, 280 
-- Ficker, Rainald von Dassel, 1850 p. 126. Wenngleich Ficker über 

. das Gebiet Rainalds ausführlich spricht, muss ich die Aufzählung der 
Orte des Zusammenhangs wegen doch wiederholen. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 12 



- 178 - 



oCasteUetto 
oAfomo 



oNovara 



Busw Arsizio 



o Magna^ o 



o Nosate 

o Castano 

ßiLscate O 
Tw^wo Arconate 



oDairacfo 



O 
O ßusto Garolfo 



oJnrerano 



c Galäate 



oMagencn 




n frecate 



Abbiateorvsso 



yigcYOJio o 



Karte der Lehen Rainalds von Dassel. 

Nach St. 4018. 

Die in der Urkunde genannten Orte sind unterstrichen. 

Maasstab 1 : 300 000. 



- 179 — 

1. Dairago (Eaga), südlich von Busto Arsizio, mit 
Landgut und Castell. 

2. Arconate (Arcunate) südwestlich von Dairago. 

3. Inveruno (Everun) noch etwas weiter südlich. 

4. Cuggiono (Cugion) westlich von Inveruno, nahe 
am Tessin. 

5. Padregnano (Paternianum) am Tessin. 

6. T u r b i g (Trabiga), Station der Bahn Novara-Busto. 

7. Nosate (Nussa) nahe am Tessin, nördlich von 
Turbigo. 

8. Castano, Station der Bahn Novara-Busto (s. p. 166). 

9. Magnago, Station der Bahn Novara-Busto. 

10. Busto Arsizio, Knotenpunkt der Bahnen Mai- 
land-Laveno und Novara-Monza. 

11. Villa Bustucaum, vielleicht Buscate, östlich 
von Castano. 

12. Brunia nicht aufzufinden. 

13. Villa Busto, vielleicht Busto Garolfo. 

Das Territorium ist ca. 10 km. lang, 12 km. breit, ca. 
120 Quadratkilometer gross. 

In der nördlich von Mailand gelegenen Grafschaft 
Seprio, sowie in der nordöstlich gelegenen Martesana 
schaltete von 1158—1164 Gozwin von Heinsberg als kaiser- 
licher Graf (cf. Rahewin 4, 58). Keichsgüter wurden hier 
wahrscheinlich nur die Besitzungen der Mailänder. Als 
Stützpunkt in Seprio diente vor allem die Burg Belforte 
bei Varese (s. o.). Auch in der Brian za gab es einige 
kaiserliche Burgen, wie Cesana, Erba, Cornate und Para- 
vicino (cf. Giesebrecht 5, 282). Das Gebiet von Como 
verwaltete Magister Paganus auf dem Monte Baradello (s. o.). 

Oestlich von Seveso ist vor allem Monza zu er- 
wähnen. Der Kaiser wurde hier im Herbst 1158 gekrönt 
und Hess bei dieser Gelegenheit in der Stadt, der er die 
frühere Freiheit, d. h. die Reichsunmittelbarkeit, zurückgab, 
die alte Pfalz mit grossen Kosten wieder herstellen (Rahew. 
3, 50. 4, 86). Auf dem Ron kaiischen Reichstag strengte 
Friedrich einen eigenen Prozess gegen Mailand an und er- 

12'' 



— 180 — 

stritt in diesem die Stadt Monza für das Reich (Kah. 4, 11). 
Zum Bau des Palastes mussten die Mailänder ihre ßinder 
zweimal im Monat stellen, um Steine dorthin zu schaffen. 
Der Verwalter von Monza scheint Benedict von Asia ge- 
wesen zu sein. ^ Später hielt sich Markward v. Grumbach 
hier auf; im Dezember 1163 kam Friedrich selbst in die 
neuerbaute Pfalz 2 (St. 4000. 4001). Nach 1167 wurde 
Monza wieder mailändisch, dann aber noch unter Hein- 
rich VII. als „camera specialis imperii" bezeichnet und 
nebst Treviglio bei der Belehnungsurkunde des Visconti 
ausgenommen. ^ 

Die Gebiete an der Adda hatten ihren Mittelpunkt in 
der an diesem Strom gelegenen Veste Trezzo, die Fried- 
rich im Juli 1158 einnahm und besetzte (Rah. 3, 32). Es 
war eine grosse Burg mit dem schönsten Thurm der Lom- 
bardei, * auf der einen Seite von der Adda bespült, auf der 
anderen von starken Mauern umschanzt. Besonders ^^Is 
Brückenkopf an der Strasse Mailand-Bergamo war Trezzo 
wichtig. Friedrich liess hier 100 Ritter unter den Minis- 
terialen Konrad Kolb und Rüdiger in der Burg (Gesta 
p.'35). ^ Da diese nun das umliegende Land bis Segrate 
verwüsteten, wurden die Mailänder aufgebracht und über- 
fielen die Burg im Frühjahr 1159, nahmen die vom Kaiser 
daselbst zurückgelassene Kasse, und führten die Ritter 
gefangen nach Mailand. 1161 wurde aber Trezzo von den 
Kaiserlichen zurückgenommen und zugleich auch in Rivolta 
(s. u.) an der Adda eine Burg angelegt, mit starken Bastionen, 
Gräben und Maschinen versehen. An Stelle des zerstörten 
Trezzo ward in San Gervasio, nördlich von Trezzo am 
linken Addaufer, eine Veste gebaut. Der Zweck dieser 
Burgen war, die Verbindung zwischen Mailand und Brescia 



» Frisi 2, 63. 

* Frisi 1, 118. 

' ßonaini, Acta Henrici septimi, 1, no. 83. 121. 

* Giulini 6, 344. 

» Nach Otto Morena MG. SS. 18, 609 waren es 200. Die von 
Monaci edierten „Gesta Friderici" beschreiben Trezzo Vers 2056 ff., 
doch ist manches aus Vergil übernommen und nicht glaubhaft. 



- 181 — 

und die Verproviantierung der Stadt von dorther zu verhin- 
dern, indem man die Addabrücken beherrschte (MG. SS. 18, 
634). Befehlshaber von Trezzo wurde nun Mark ward von 
Grumbach. Ihm wurde das Land bis zur Molgora (Morgora), 
die 10 km. westlich der Adda parallel fliesst, anvertraut 
(Gesta p. 55), ein Bezirk, in dem Cassano, Gorgonzola und 
Vaprio lagen. Später wurde Ruinus Befehlshaber der Burg, 
der sie 1167 wieder an die Mailänder ausliefern musste 
(MG. SS. 18, 650). 

Auch im Gebiete von Lodi machte Friedrich Erwer- 
ungen. Lodi selbst war mailändisch gewesen und der 
Grund und Boden, auf dem sich Neulodi erhob, wurde 
vom Kaiser geschenkt. Friedrich Hess auch hier eine Pfalz 
bauen (Rah. 4, 86), die er 1163 bezog, (St. 3987-3994). 
Statthalter war Henricus Suevus (Gesta p. 55) , später 
Lambert von Nymwegen (SS. 18, 643). Im Territorium von 
Lodi kennen wir folgende Reichsburgen: 

Maleo, Castell bei Pizzighettone an der unteren Adda, 
wurde am 12. April 1164 von Friedrich dem Bischof von 
Cremona überlassen (St. 4011 s. o.). 

Montemalo bei Orio wurde 1163 von Erzbischof 
Rainald als Festung ausgebaut (Giesebrecht 5, 388). 1164 
hielt sich Friedrich selbst hier auf (St. 4019/20). 

S. C o 1 m b a n o , süd lieh von Lodi am Lambro, ist identisch 
mit Mombrione, ^ das auf des Kaisers Befehl sein Bruder 
Konrad, Wilhelm von Montferrat und Guido von Biandrate 
im Oktober 1161 besezten (MG. SS. 18, 634), um die Ver- 
bindung Mailands mit Piacenza abzuschneiden. Das alte 
auf einem Hügel gelegene Castell wurde abgetragen, und 
eine neue Stadt unter dem Namen S. Colombano hier er- 
richtet. Die Florentiner Annalen (SS. 18, 462) und die Mai- 
länder Chronik (Gesta p. 57) sprechen deshalb von einer 
„civitas imperialis". 

Die sämtlichen hier genannten Gebiete gingen 1167 
verloren und wurden nicht wieder gewonnen. Friedrich an- 
erkannte 1185 die Rechte Mailands in den Grafschaften 



of. Amati 7, 1117. 



— 182 - 

Sepiio, Martesana, Burgaria, Lecco und Stazona. Nur die 
Beherbergung in Monza wurde vorbclialten. (St. 4409. 
Const. no. 303). 

Anhang. 

In der Turiner Universitätsbibliothek befindet sich ein 
Codex H. V. 37 „Historiae variae ad res Mediolanenses 
pertinentes (Pasini p. 350. Cod. 1045 ef. Areh. d. Ges. 9, 605), 
der noch näherer Untersuchung bedarf. Auf fol. 231, 2 
steht ein Verzeichnis, das sich unzweifelliaft auf die Zeit 
Friedrichs I. bezieht, und zwar auf die Jahre 1162—67. 
Dasselbe lautet: 

„Iste sunt curie regales: 

Kivolta, Caravagium, Fara, Colonia, Cassanum, plebs 
tocius Valasine, et hec est prima squadra a mane per 
Castra Bagalia Caree, alia squadra via monte Introbii locus 
de la Frena de valt Tartare, in alia squadra est a pastri 
Bayzo Morgnio. 

In more quod est Congretegio, locus de Limentina, 
primo Ayrmo, Zuzingo, Aliori, Anardenzati, Lexia, ecclesia 
Sti. Martini, Valiencia, Interzirara, regalis Palancia, Balye, 
Ynana, Archerium, Casale Sti. Evasii. Omnes iste curie 
regales sive plebs solvere debent predictis comitibus decimas 
de Omnibus, de decem unum de terra propriis et de terris 
ecclesie de quindecim unum. Item si aliquis istorum con- 
dempnaretur in aliquo vel ex aliquo maleficio, medietas sit 
communis et alia medietas sit dictorum comitum, et si face- 
rent aliquod homicidium , quod cadant de omnibus suis 
bonis tam in rebus quam in personis". 

Das Verzeichnis wurde im 16 Jh. fehlerhaft kopiert 
und ist daher sehr dunkel. Die Identifizierung der meisten 
Ortsnamen konnte so nicht gelingen. 

Kivolta ~ Rivolta d'Adda am linken Addaufer, 1161 
von Friedrich I. befestigt (Giesebrecht 5, 296). 

Caravagium = Caravaggiol 

Fara Gera d' Adda j 

in der Nähe von Treviglio. 



— 183 - 

Cassano bekannt als Schlachtort 27. April 1799, am 
rechten Addaufer. Diese Orte bildeten mit dem nicht be- 
kannten Colonia einen Bezirk an der Adda. 

Valassina ist ein grosses Thal der Brianza zwischen 
den beiden Armen des Comersees. Castra Bagalia ist nicht 
aufzufinden. Caree ist vielleicht Carella nördlich vom 
Lago di Pusiano im Süden des Valassina, oder Carate 
Brianza im Kreis Monza. 

Congretegio ist wohl identisch mit Concorezzo öst- 
lich von Monza. 

Lexia ist Lesa am Lago Maggiore. 

Palancia = Pallanza am Lago Maggiore. 

Casale liegt am Po in der Provinz Alessandria. 

IX. 

PROVINZ PAVIA. 

Litterat ur: Pessani, De ^palazzi reali che sono stati nella cittä 
e territoriü di Pavia. 1771. - C. Prelini, S. Siro. Pavia 1880/90. 
— 0. Robolini, Notizie appartenenti alla sua patria. Pavia 
1823/38. — Romualdus a Santa Maria, Flavia Pavia Sacra, Ti- 
cini 1699. 

Bobbior Rossetti, Bobbio illustrato. Torino 1795. 

Cella Majoli: Bernard et Bruel, Recueil dos chartcs de 

Cluny in der CoUection des documents inedits. 
Loinellina: Calvi, Cenni storici suUa Lomellina lb74. 
Oltre Po pavcse: J. Durandi, II Piemonte cispadano 

antico. Torino 1774. 
Vigevano: BifFignandi, Memorie istoriche della cittä o con- 
tado di Vigevano. Vigevano 1810. 

1. Stadt und Bannmeile. 

In Pavia bestand zur Zeit des Interregnums im Lange- 
bardenreicli ein Herzogtum, das Zaban inne hatte (PD. 
2, 32). Aus späterer Zeit ist von einem Ducat in Pavia 
nichts überliefert; es ist nicht wahrscheinlich, dass neben 
dem Könige ein Herzog hier residiert hat. Auch von einem 
Gastaldat in Pavia ist nichts bekannt, doch ist es möglich, 
dass in oder bei der Stadt ein solches bestanden hat. In 



— 184 — 

Pavia residierte schon Albuin; Klef wurde liier zum König 
erhoben (PD. 2, 31), während Agilulf Monza und Mailand 
vorzog (cf. oben Provinz Mailand), obwohl er den dem 
Herzog von Bergamo abgenommenen Schatz nach Pavia 
brachte. (PD. 4, 8). Durch Grimoald wurde Pavia die 
ständige Residenz, die Reichshauptstadt und „urbs regia** 
kat'exochen, und blieb es, so lange es ein langobardisches 
Königreich gab. 

Der Königspalast in Pavia stammte aus ostgothischer 
Zeit und wurde ebenso wie die Pfalz zu Monza von Theoderich 
dem Grossen errichtet, ^ der auch zugleich Thermen und ein 
Amphitheater hier erbaute. Zur Pfalz gehörte ein Garten 
(viridarium später genannt), dessen Vorzüge Ennodius 
preist (Robolini 1, 128 ff.). Derselbe, nach dem die Kirche 
S. Nicolo di Verzario benannt ist, lag zwischen der Porta 
Palatina und der Johanneskirche und reichte östlich bis 
zur Volta di S. Lorenzo (Robolini 2, 305 ff.). Die Lage 
des Palastes selbst ist nicht ganz sicher, doch lag er jeden- 
falls nicht weit von der Kirche S. Michele. Perctarit baute 
an die Pfalz ein mit derselben zusammenhängendes Thor, 
die „Porta Palatiensis", von prachtvoller Arbeit, an. (PD. 
5, 36). In der Pfalz wurde Gericht gehalten in einer Loggia, 
über der sich ein Denkmal des Erbauers Theodorich befand 
(cfr. Bresslau a. a. 0. p. 66. CL. 427 „in laubia magiore, 
ubi sub Teuderico dicitur" Ch. 1, 58). Ferner befand sich 
noch eine Loggia beim Garten, in der Berengar L 915 
Gericht hielt (CL. 459). 

Im Jahre 924 wurde die Pfalz durch die Ungarn zerstört, 
doch unter der Regierung Hugos wiederhergestellt. 935 und 
945 wird der Palast „noviter aedificatum" genannt (cfr. Bress- 
lau a. a. 0. Robolini 1, 232). Dann Hess, wie es scheint, um 
den fremden Eroberer zu reizen, Berengar II. im Jahre 
961 die Pfalz zerstören, doch Otto I. Hess sie sofort wieder 
herstellen. Von der alten Pfalz wurden 50 tabulae abge- 



* Über die Pfalz in Pavia vgl. Bresslau, Jahrbücher Konrads 
IL 1, p. 66, Anmerkung 1. — Robolini 1, p. 128 flf. 232. 2, 103. 105 
etc. und Pessani a. a. 0. 



— 185 — 

trennt, die Otto I. dem Bischof von Reggio bestätigte 
DO. I. 242). 1 Am 6. Dezember 964 hielt der Pfalzgraf 
Otbert in einem Zimmer, das ans Schlafzimmer der Pfalz 
anstiess, Gericht (Bress) au p. 67. CL. 687). Otto III. schmückte 
sie ausserordentlich; den Garten bekam die Kaiserin Adel- 
heit zugleich mit einem „pratum regium". Sie schenkte 
ihre Besitzungen dem von ihr gegründeten S. Salvatorkloster 
(DO. IL 281. DO. III. 375. CL. 997). Eine dritte Zer- 
störung der Pfalz fand bei dem grossen Brande Pavias im 
Jahre 1004 statt, worauf wieder ein Neubau erfolgte, in 
dem dann Arduin und Heinrich IL residierten (cf. Robolini 
2, 93). Sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von 
Heinrichs Tode scharten sich die Pavesen, die eine Pfalz 
nicht in den Mauern der Stadt zu haben wünschten, 
zusammen und rissen die Pfalz völlig nieder, mit der Er- 
klärung nie wieder eine solche innerhalb der Mauern zu- 
zulassen (cfr. Bresslau p. 68). Wegen des Neubaues fanden 
1025 Verhandlungen mit Konrad IL statt, die aber resul- 
tatlos verliefen (Bresslau 1, 81). 1027 unterwarf sich 
Pavia dem König (Bresslau 1, 136), doch, wie es scheint 
unter der Bedingung, dass die neue Pfalz ausserhalb der 
Mauern errichtet werden müsste. Das neue Königsschloss 
lag beim Kloster San Salvatore. Friedrich I. z. B. urkundet 
im Palast des Kaisers bei S. Salvatore (cf. Pessani p. 168). ^ 
Nach Robolini lag auch ein Palast bei Cielo d'Oro, während 
Pessani einen solchen leugnet (p. 149 flf.). Bei der Pfalz 
befand sich eine von Liutprand erbaute Schlosskapelle, nach 
Paulus Diaconus die erste in ihrer Art (PD. 6, 58); 1001 
wird eine Kapelle S. Maurizio beim Palast erwähnt (DO. III. 
411),^ und auch der ausserhalb der Stadt gelegene Palast 
hatte eine kaiserliche Kapelle (Stumpf, Acta inedita 2, 146). 



* Wer diese 50 tabulae «terram, quae condam palacii veteris 
pars extitit'* geschenkt hat, vermögen wir nicht festzustellen. 

* vgl. Ch. 1, 608 „in palatio imperatoris infra Papiam** und .,re8i- 
denti imperiali modo apud S. Salvatorem". 

' „in palacio domni imperatoris in laubia ipsius palacii que extat 
ante capellam Sancti Mauricii.^ 



- 186 - 

In Pavia gab es natürlich eine grosse Menge von 
königlichen Grundstücken, da sich in der Stadt viele öffent- 
liche Gebäude befanden. Auf den unbebauten Grundstücken 
wurden in langobardischer Zeit von den Königen eine Reihe 
von Kirchen und Klöstern errichtet. So gründete Gundi- 
perga in der Stadt die Kirche S. Giovanni Battista (PD. 4, 47), 
Aripert I. ausserhalb der porta Marenca die S. Salvatorkirche 
(PD. 4, 48), neben der Adelheid das gleichnamige Kloster 
gründete; dasselbe lag auf der Westseite der Stadt in der 
Nähe des heutigen Bahnhofs beim Hofe Marincino, ca. 1 km. 
von der Stadtmauer. Grimoald erbaute die Kirche S. Am- 
brogio (PD. 5, 33), Perctarit ausserhalb der Stadt nahe am 
Tessin das Kloster S. Agatha, „monasterium novum" genannt 
(PD. 5, 34), und seine Gattin Rodlind die prachtvolle Kirche 
ad perticas (ibidem), König Cunincpert erbaute für seine Ge- 
liebte Theodota das Kloster St. Maria Theodotis, gewöhnlich 
„della Posterla** genannt (PD. 5, 37), undLiutprand errichtete 
ausserhalb der Mauern das berühmte Kloster Cielo d'Oro • 
(PD. 6, 58), Desiderius das Peter- und Paulskloster (Tr. 747), 
Lothar I. gründete das gleichfalls „fuori" gelegene Martins- 
kloster (GL. 947). 

Natürlich wurde durch diese Schenkungen der Bestand 
an königlichen Grundstücken in und um Pavia sehr ge- 
schmälert, üeber Bauten zu weltlichen Zwecken wissen 
wir wenig. Von öffentlichen Gebäuden kennen wir nur die 
Münze (vgl. Robolini 1, 151), das Gefängnis (GL. 577) und 
eine von Liutprand angelegte Wasserleitung, die sog. Bauga 
Liutprandi, die noch heute Bocca Alipranda heisst (Tr. 504). 

Selbstverständlich war auch in Pavia die Befestigung 
im Staatsbesitz, doch auch von ihr wurden Stücke ver- 
schenkt. Ebenso kennen wir zahlreiche Schenkungen von 
Häusern in der Stadt an Bistümer und Abteien, die den 
Bischöfen und Äbten, wenn sie in Geschäften, besonders 
zur Reichsversammlung oder Synode nach Pavia kamen, 
zur Herberge dienten. So besassen z. B. die Bischöfe von 



* Nach der Ansicht Talerios (Archivio storico Lombardo 5, 24) 
ist Liutprand nicht der Gründer sondern nur Restaurator. Die Ur- 
kunden für Cielo d'Oro kennen auch schon Schenkungen König Ariperts. 



— 187 — 

Reggio, Vercelli, Ivrea, Cremona, Como, Tortona, Piacenza 
und von Luni, die Klöster S. Ambrogio, Nonantola, St. 
Martin in Tours Häuser in Pavia.- (Robolini 2, 145 flf.). 
Versuchen wir zusammenzustellen, was wir im einzelnen 
von Schenkungen in der Stadt wissen. 

Von Karl dem Grossen erhielt 774 St. Martin in 
Tours ein Häuschen (casella) in Pavia, vermutlich zum 
Zwecke, den Mönchen bei Pilgerfahrten nach Rom zur Unter- 
kunft zu dienen (B-M. 163. CL. 52). Von Lothar bekam 
S. Maria Theodotis 839 ein Grundstück zwischen der 
Mauer und Vormauer. Die Grenzen waren gebildet durch 
die Porta Marinca, den Turm des Klosters, die Strasse und 
das Land des Senatorklosters. Es war 88 Fuss lang und 
29 Fuss breit (B-M. 1027. CL. 134). Dem gleichen Kloster 
schenkte Berengar L im Jahre 913 zu dem an der Mauer 
gelegenen Land auch ein 91 Fuss langes Stück der Stadt- 
mauer selbst, zwischen dem Land aus der Erbschaft Gott- 
frieds und Klostergut, mit der Erlaubnis Thore anzulegen 
(CL. 452). Ein anderes Stück der Stadtmauer schenkte 
Arnulf 894 dem Kloster S. Ambrogio (B-M. 1843). 924 
verlieh König Rudolf dem Bischof Wido von Piacenza einen 
Teil der Stadtbefestigung von Pavia bei der Kirche S. 
Romuli und dem Haus des Bistums Luni bis zum Haus 
S. Eupli mit einem Weg, zusammen 25 tabulae (CL. 513). 
Von Berengar I. wissen wir, dass er dem Bistum Bergamo 
ein Grundstück mit einem Haus in Pavia schenkte, das 
6 tabulae und 8 Fuss gross war, und zu dem auch ein 
Stück der Stadtmauer gehörte ; das Grundstück, das an den 
Caronafluss und an Land von S. Ambrogio grenzte, wurde 
von Otto n. bestätigt (DO. H. 212). Hugo und Lothar ver- 
liehen 946 dem Bischof Adalhart von Reggio 3 tabulae an 
einer Stelle, wo früher das Gefängnis gelegen zu haben 
scheint („in loco ubi carcer iam pridem nominabatur") mit 
einem Mauerstücke. Das verschenkte Land grenzte an Be- 
sitz der Kirche Reggio, die Strasse und Land des Silus. 
(CL. 577). Im Jahre 947 erhielt von Hugo und Lothar 
das Senatorkloster zu Pavia 7 tabulae in der Vorstadt 
bei der Porta Marinca, an die Mauer, die durch das Thor 



- 188 — 

führende öffentliche Strasse, und auf zwei Seiten an Staats- 
land angrenzend. Dazu erhielt die Äbtissin Zugänge, an 
denen eine Treppe angelegt werden konnte, um die Mauer 
zu verteidigen, (tantum ingressus, ubi scala fieri possit 
unde ascendi possit ad ipsum murum ab hostibus defenden- 
dum CL. 581). 

In der nächsten Umgebung der Stadt gab es auch 
zahlreiche königliche Territorien. Schon vorher sahen 
wir, wie manche Klöster, z. B. S. Salvatore und Cielo d'Oro 
ausserhalb der Mauer gegründet wurden und wie auch die 
königliche Pfalz seit Konrad II. „fuori" lag. Bei dem Kloster 
S. Maria Theodotis am Bach Carona lagen Mühlen, die 
dem Reiche gehörten. Im Jahre 945 schenkten Hugo und 
Lothar 3 Mühlen der Gräfin Rotrud, dem Grafen Elisiard 
und seiner Gattin Rotlind, der Tochter König Hugos (CL. 
575). Andere Mühlen daselbst gehörten Cielo d'Oro (DO. 
I. 273), dem Kloster Leno (DO. I. 240) und dem Martins- 
kloster zu Pavia (DO. III. 304), vielleicht auch aus könig- 
licher Schenkung stammend. Eine Mühle bei der Stadt 
schenkte Kaiser Berengar dem Kloster Bobbio (DO. I. 412. 
CL. 406). Eine Reihe von Schenkungen in der Umgebung 
von Pavia machte Ludwig III. am 13. April 902 dem Bis- 
tum Como. Er verlieh demselben die zur kaiserlichen Pfalz 
gehörige Insel zwischen Po und Tessin, auf der Wiesen 
lagen, ferner eine Wiese in der Campagna zwischen den 
Bächen Vernavole, Bonone und Bevagna (der Verna- 
vole umzieht die Stadt im Osten), und drittens einen 
Garten an der Carona (MIÖG. 7, p. 455). Die Ufer des 
Tessinflusses schenkten Hugo und Lothar an S. Marino 
(CL. 555) im Jahre 939. Die Abtei erliielt dieselben mit 
dem Flusszoll von Caminelli bis Cona. Auf Poinseln in 
der Nähe von Pavia beziehen sich auch einige Urkunden. 
Die Inseln von Nebiasco bis zur Agognamündung wurden 
durch Cunincpert dem Kloster S. Maria Theodotis ge- 
schenkt, was Ludwig IL 871 bestätigte (B-M. 1214). Andere 
Inseln und Flussläufe gehörten Cielo d'Oro (CL. 529). 

Südwestlich von Pavia, auf der Insel zwischen Tessin 
und Gravellone liegt der Ort Rottino, der mit „Rodeni 



— 189 - 

infra Papiam** identisch sein dürfte. Hier schenkt VVido 
892 dem Getreuen Fulchod einen kleinen Hof mit 10 Bauern 
und 4 Aldionen (CL. 354). 

Unbekannt ist der Name des Hofes, den Otto I. dem 
Kloster Cluny schenkte. Derselbe hatte dem Presbyter 
Johannes von Pavia gehört, war alsdann an den Fiskus 
gekommen und wurde vom Kaiser auf Bitten Adelheids an 
das berühmte französische Kloster überwiesen (DO. I. 415), 
das auch noch andere Güter bei Pavia besass (DO. HI. 314). 

Die Provinz betrachten wir am besten nach ihren drei 
natürlichen Bestandteilen: 

1) östlich vom Tessin 

2) westlich vom Tessin (Lomellina) 

3) Oltre Po Pavese, südlich vom Po. 



\ nördlich vom Po. 



2. Östlich vom Tessin. 

Zwischen Tessin und Naviglio kennen wir nur einige 
vereinzelte Höfe: S. Sofia, 5 km. östlich von Pavia am 
Tessin, wird erwähnt als Aufenthaltsort Karls des Kahlen 
am 26. Februar 876 (Sophia iuxta Papiam CL. 265) 
und Karls HL am 27. Februar 881 (S. Sofia iuxta Papiam 
CL. 299). Sonst ist über diesen Hof nichts näheres bekannt. 

Batuda, 2 km. südwestlich von Villarasca. Daselbst 
wird 885 in einer Tauschurkunde eine „silva regis" er- 
wähnt (CL. 330). Villarasca selbst gehörte Cielo d'Oro 
(DO. I. 241. 273). 

Ostlich vom Naviglio lag bis ans Ende des 9. Jahr- 
hunderts ein Komplex von Reichsgütern, die von Pavia an 
bis zum Lambro und in einem schmaleren Streifen bis zur 
Adda reichten, und mit den lodesanischcn Krongütern ^ eng 
zusammenhingen. Den Mittelpunkt des Komplexes bildete 
die alte Königspfalz Olona, an der Stelle des heutigen 
Corteolona, ca. 15 km. östlich von Pavia gelegen. Die erste 
Erwähnung finden wir bei Paulus Diaconus, der (6, 58) 
erzählt, dass Liutprand hier in seinem Gut (proastio) die 
herrliche Anastasiuskirche erbaut habe, an die sich ein 

* Vgl. auch die Provinz Mniland p. 174. 



— 190 — 

Kloster anschloss. Die Marmorsäulen zur Kirche Hess der 
König aus Rom kommen (Tr. 548). Als Residenz erscheint 
dann Olona häufig in der Karolingerzeit. ^ Lothar I. hielt 
sich hier im Juli 823 (B-M. 983 a), im Mai 825 (B-M. 990 a), 
August 836 (B-M. 1019), Februar 838 (B-M. 1025), Lud- 
wig IL im Mai 855 (B-M. 1166) und September 874 (B-M. 
1230), Karl III. 881 (B-M. 1574) und März 886 (B-M. 
1672 c), Ludwig III. 900 (Mur. Antt. 1, 583),.Berengar I. 888, 
905, 920 (Dümmler Reg. 2. 48. 90. 91) auf. Im Jahre 938 
schenkten Hugo und Lothar der jungen Adelheid, der Braut 
Lothars, neben Marengo und Corana den Hof Olona (CL. 
552). Die drei Güter zusammen zählten 1000 mansi. Olona 
blieb dann ein Besitztum der Königin und wurde von ihr 
dem Kloster S. Salvatore in Pavia vermacht (CL. 997) und 
von Otto H. (DO. IL 281) und Otto HI. (DO. HI. 375) dem- 
selben bestätigt. Doch hatten bereits bedeutende Ab- 
splitterungen von dem grossen Hofe stattgefunden. Neben 
dem königlichen Gute (prope villam regiam) lag das Kloster 
S. Christina, von dem Ludwig der Fromme sagt, dass es 
Schenkungen von Königen empfangen habe. Über die Grün- 
dung von S. C^^istina sind wir nicht unterrichtet. Die 
erste Urkunde datiert von 822 (B-M. 738. CL. 99), die erste 
uns bekannte Schenkung an S. Christina ist von Karl- 
mann aus dem Jahre 879 (B-M. 1498. CL. 282). Der König 
schenkt ein Stück von seinem Wald (gualdo) Susmate, der 
zum Königshof Salluciola gehört, 150 Joch, terra permisona,^ 
die im Osten an den Wald Susmate, und Land eines Massa- 
rius von Salluciola, im Süden und Westen an das Val Guida 
und Lenato, den Alapallo, an den Ort und den Wald von 
Susmate angrenzten. Die Urkunde ist in Bayern ausgestellt, 
die Ortsnamen wahrscheinlich verstümmelt, und die Iden- 
tifizierung daher sehr schwierig. Selbst mit genauen Karten 
gelang uns eine sichere Identifizierung nicht. Doch liegen 
die Orte anscheinend nicht weit von Olona, da Salluciola 
nur 5 Miglien von S. Christina entfernt ist (CL. 400). 



' Eine Zusammenstenung giebt Pessani a. a. O. p. 170 ff. 

' Sollte yielleioht „promissa*' zu lesen sein? GL. meint promisoua. 



- 191 — 

Wahrscheinlich hängt der genannte Alapallo mit dem 
Ort Alperolo zwischen Pavia und Corteolona zusammen, und 
Lenato mit dem südlich davon gelegenen Linarolo. Sus- 
mate ist vielleicht identisch mit dem Orte Susinate, in 
welchem Karl III. dem Kaplan Berengars Petrus 881 
3 Bauernhöfe schenkt an der Runcalia genannten Stelle. 
(B-M. 1575). Eine zweite Schenkung an S. Christina er- 
folgte am 1. Dezember 898 durch Berengar I. Neben einem 
Hof in der Grafschaft Acqui ^ erhielt durch diese Urkunde 
(GL. 381) das Kloster die Schenkungen früherer Herrscher 
bestätigt. Es handelt sich um ein Gebiet, das im Osten be- 
grenzt wird durch den Ort Suvinate^ mit dem Thal bis an 
den Po. Die Grenzen werden weiter bezeichnet durch den 
neuen Hafen im Süden, Territorium des Königshofes Olona 
im Westen, Land von dem zu S. Sisto gehörigen Hofe In- 
verno (s. u.) im Norden und den Lambro im Osten, den 
Ort Vicolongo, das Castellum desertum, die Fontana S. 
Ambrosii, Brione und den Monsmulus. Ist auch hier nicht 
alles auffindbar, so können wir dies Gebiet doch besser 
bestimmen. Inverno zunächst ist ein 4 km. nördlich von 
Olona liegender Ort, der Lambro ist ca. 10 km. östlich von 
Olona, Vicolongo ist vielleicht identisch mit dem von Adel- 
heid dem Kloster S. Salvatore überlassenen Vigolago „in 
comitatu Laudensi", das an den bei Inverno vorbeifliessen- 
den Neronebach grenzte (s. o.). Unter Monsmulus wird 
vielleicht die östlich von Olona liegende Hügelkette ver- 
standen. Brione, Fontana S. Ambrogii und Castellum deser- 
tum sind nicht aufzufinden. Der Po ist 5 km. südlich von 
Olona; unter dem Portus novus wird vielleicht Porto bei 
S. Zenone am Po verstanden. Eine dritte Schenkung, gleich- 
falls von Berengar I., datiert aus dem Jahre 902 (GL. 400). 
Der Herrscher schenkte damals den Königshof Salluciola, 
5 Miglien von S. Christina, den wir schon aus der Ur- 
kunde Karlmanns kennen. Dazu gehörte ein Teil des Po- 
bettes und die Pertinenzen: Briolo (nach dem Cod. Lang. 



' „in comitatu Aquinensi.' 

2 Vielleicht gleich Susmate in CL. 282. 



— 192 — 

Cassina del Broglio in der com. Spirago am Lambro meri- 
dionale), Castiglione (Castellione) , Laurentiasco und 
Meletum mit der Jagd (nach CL. Meletto bei Codogno. 
Der Wald daselbst gehörte S. Sisto s. o.). 

Nördlich von Olona erfolgten unter den Karolingern 
auch einige Absplitterungen von dem grossen Domänen- 
Komplex. Durch Karl den Grossen oder einen seiner Nach- 
folger hatte das Hochstift Lüttich den nördlich von Olona 
gelegenen Königshof Inverno (Iberna) in der Grafschaft Lodi 
bekommen. Nun konnte sich die Lütticher Kirche nicht 
im Besitze der Güter behaupten und trat ihre Rechte an 
Lothar IL ab, der seinerseits am 17. Mai 866 seinem kaiser- 
lichen Bruder den Hof schenkte, um ihn der Angilberga 
zu übertragen (B-M. 1276). Noch im gleichen Jahre er- 
füllte Ludwig II. diese Bedingung (B-M. 1202). Angilberga 
vermachte den Hof der Abtei S. Sisto, der er 898 ge- 
hörte (s. o). 

Zu Vigonzone, das 14 km. nördlich von Olona, un- 
weit Landriano liegt, schenkte Karl III. dem Bischof Wibod 
von Parma drei mansi, die noch vom Hofe Olona abhingen, 
ein Beweis für die grosse Ausdehnung dieses Hofes 
(MIÖG. 7, 444. B-M. 1574. in vico Gogonzoni in comitatu 
Laudensi). 

Den Rest der noch in diesem Bezirk liegenden Kron- 
güter erhielt die Kaiserin Adelheid, die dieselben dem Kloster 
S. Salvatore verlieh. Vielleicht haben wir es auch nur 
mit Pertinenzen von Olona zu thun. Es handelt sich um 
folgende Orte: (CL. 997): 

1) Monticelli 

2) Graffignana (Garfiniana) 

3) Vicolago 

4) Arasicumana 

5) Morancha vielleicht = Porto Morone am Po 7 km. 
südöstlich von Olona. 

6) Bissone 4 km. ostsüdöstlich von Olona DO. II. 281. 

7) Roncalia vielleicht Roncaro 10km. nordwestlich von 
Olona zwischen Lambro und Olona DO. IL 281. 



cf. Provinz 

Mailand, 

p. 174. 



~ 193 - 

8) Muciano = Mezzano di Parpanese (?) am Po 8 V2 
km. südöstlich von Olona DO. IL 281. > 
Damit waren die Güter in diesem Teil der Provinz voll- 
ständig verschwunden. 

Unter Friedrich I. kam es in dieser Gegend nicht 
zu einer nennenswerten Bildung von Reichsgut, da man der 
befreundeten Stadt Pavia und den Klöstern nichts entziehen 
konnte. Dagegen erwarb Friedrich durch Kauf von den 
Mönchen von Chiaravalle bei Mailand das Territorium des 
von uns schon oben erwähnten Ortes Inverno für 300 
Pfund Denare. Die Grenzen des Gebietes von „Yverna" 
sind bezeichnet durch die Villa Lanterii, das heutige Villan- 
terio am Lambro, Gebiet von S. Salvatore in Pavia ^ und 
von S. Christina in Olona. Das Land schenkte Friedrich L 
im Herbst* 117G den Johannitern, vertreten durch Petrus 
de Goya, Calenzano und Cylberto. (St. 4181 a. Acta inedita 
no. 369). So vorübergehend der Versuch auch war, so ist 
er doch interessant für die Domanialpolitik Friedrichs L — 

3. Lomellina (Gebiet westlich vom Tessin). 

Die sich zwischen Tessin, Po und Sesia ausdehnende 
Lomellina wird in der Chronik von Novalese als ein von 
dichten Wäldern durchzogenes Gebiet geschildert. König 
Berengar setzte einen Preis aus für das Fangen der Wölfe, 
worauf eine Masse von Leuten nach der königlichen Pfalz 
Fogliano (Folingo) bei Vigevano strömte, um das Fanggeld 
zu verdienen. (Chron. Nov. 5, 14). Die ganze Landschaft 
gehörte ursprünglich dem Reiche; nennt doch der Chronist 
ausdrücklich das Kloster Breme „regalibus sedibus vicinum". 
Die eingelnen Reichshöfe zählen wir in alphabetischer 
Reihenfolge auf: 



' Muzzana liegt vielleicht in der Provinz Novara. Der an S. Sisto 
verschenkte Ort Muciana (s. p. 174) ist nicht identisch mit dem Gute Adel- 
heids. Ein anderes Muzzano liegt in der Com. Yittadone , mand. 
Gasalpusterlengo Prov. Milano. 

' Das sich also in dem vom Adelheid geschenkten Gebiete bis in^s 
12. Jahrhundert erhalten hatte. Vgl. auch ürk. des Mail. Staats- 
archivs S. Salvatore di Pavia von 1178, 1181 und 1198. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 1 3 



— 194 - 

Garbo nara im Osten der Lomellina, Pavia gegenüber. 
Hier hielt sich König Ratchis im August 747 auf (Troya 610). 
Im Forste gleichen Namens gestattete Lothar den Nonnen 
von S. Maria Theodotis Bau- und Nutzholz zu holen (B-M. 
1011), ein Privileg, das Ludwig IL (B-M. 1214), Karl IIL 
(B-M. 1582), Otto I. (DO. I. 274) und spätere Herrscher 
bestätigten. Das gleiche Recht stand der Cluny unter- 
gebenen Cella Majoli zu (Recueil 4, 173). — 

Fogliano bei Vigevano s. o. 

Garlasco an der Bahn Pavia-Mortara, war ein Gut 
der Kaiserin Adelheid, die dasselbe mit dem dazu gehörigen 
Distrikt von 2 Miglien an S. Salvatore in Pavia schenkte 
(DO. n. 281. DO. in. 375. GL. 997). 

öroppello ebenfalls an der Linie Pavia-Mortara, 
wurde von Berengar I. dem Getreuen Folkoin überwiesen 
(MIÖG. 7, 452), kam aber später an die Krone zurück und 
wurde von Hugo seiner Tochter Rotlind geschenkt, der 
Otto II. den Hof restituierte (DO. II. 130). 

Langosco (Languscum), im Westen der Lomellina, 
ist eine Pertinenz von Garesana (cf. Prov. Novara) und wird 
882 dem Bistum Vercelli restituiert (B-M. 1592). 

Lomello, schon ein alter langobardischer Reichshof. 
Paulus (3, 35) erzählt, dass Agilulf und Theodelinde sich 
hier begegneten. Im Verzeichnis der salischen Königshöfe 
(Gonst. 440) erscheint Lombal als „nobilis curia**, und noch 
Otto von Freising nennt den Ort ein „oppidum imperiale** 
(2, 25). 

Picolini cf. Vigevano. 

Rosas CO und die Schenkungen Arduins. Eine Reihe 
von Besitzungen verschenkte König Arduin in unserem 
Gebiete. 1008 bestätigte er eine Schenkung seines Sohnes 
an das Bistum Pavia, die 175 Joch Ackerland zwischen 
Gravellona ^ und dem Tessin betraf (St. 1850). Handelt es 
sich in diesem Falle wahrscheinlich um Privatgut der 
Markgrafen von Ivrea, so spricht die Urkunde für das 



^ Der Hof QraYellona gehörte im 10. Jahrb. dem Ingo (DO. I. 
371), später dem Bistum Novara (St. 1632). 



- 195 - 

Bistum Pavia von 1011 ausdrücklich von Besitzungen des 
Königreichs Italien (dominii Italici regni). Arduin verleiht 
dem Bistum Pavia den Hof und die Burg zu Rosasco un- 
weit der Sesia und die Hälfte der unbekannten Orte Selle- 
negia und Pontesello (St. 1851). 

S. Giorgio in der Lomellina, vielleicht identisch mit 
San Giorgium in Const. 440, das 5 regalia servitia leistete. 
Breme hatte hier Besitzungen (DO. III. 101). 

Sparoaria bei Cambio im Süden der Lomellina. 
Berengar I. verleiht dem Vicegrafen Autbert eine zur Graf- 
schaft Lomello gehörige Hufe auf der Poinsel Sparoaria, 
mit der dazu gehörigen Fischerei. ^ 

Trumello wahrscheinlich identisch mitTronibal, dasin 
dem Verzeichnis der Königshöfe (Const. 440) als nobilis 
curia aufgeführt ist. 

Vigevano und Umgebung. Im Jahre 918 schenkt 
Berengar I. dem Folcher, Diakon des Bistums Pavia, eine 
Hufe zu Picolini (= Viginti Colonne nach Rusconi, Conti 
di Pombia, p. 8) in der Grafschaft Bulgare und eine Wiese 
an der Gula genannten Stelle, nebst der Fischerei von 
Cassolnuovo bis Trecate. ^ Vigevano selbst, das auch den 
Namen Virgemini führt (cf. Mise. 29, 216), ging an Adelheid 
über und wurde von ihr an S. Salvatore vermacht (CL. 
997), scheint aber nicht in den Besitz des Klosters ge- 
kommen zu sein. 1064 erteilt Heinrich IV. der Stadt 
Vigevano, nebst den Nachbarorten Serpe, Padulfe und Vi- 
ginti Columne (s. o.) ein Privileg (St. 2653). Wahrscheinlich 



^ „nostram terram imperii de comitatu (Laumel)lino insula Spar- 
varia . . . cum piscacione." Urkunde im Eapitelarchiv Novara. Docu- 
mentario della chiesa Novarese no. 2. G. Regest MIÖG. 2, 453. 

^ „quatinus cuidam sancte Tioinensis ecclesie diacuno Fulcherii 
nomine concedere dignaremur ... in Viginti Oolonno comitatu Bul- 
garensi ... et insuper pratum unum in loco qui Gula dicitur ad eundem 
pertinentem (wahrscheinlich mansus zu ergänzen) . . . piscacione infra 
in circuitu Ticini a Yico Cassioli usque ad Treoati ad vadum . . . 
Ermenfridus notarius imperii recognovi XYIIl. Eal. Kovembris anno 
DCCCCXVm. domini Berengarii regni XXVIII. imperii IUI. Indic- 
tionc . . . Eporegia feliciter** Document. della chiesa Novarese no. 2 E. 
Regest. MIÖG. 2, 454. 

13* 



— 196 — 

ist es Vigevano, das als Vigiiila im Verzeichnis der Königs- 
höfe als nobilis curia mit einem servitium erscheint (Const. 
440). Die Stadt hiess später „camera speciale deir impero** 
und erhielt ihre Reich sunmittelbarkeit 1220, 1221, 1311 und 
1329 bestätigt. ^ Noch Heinrich VII. spricht von einer kaiser- 
lichen Burg zu Vigevano (Böhmer, Acta 628). 

4. Oltre Po Pavese (Gebiet südlich vom Po). 

Jenseits des Po ist im Gebiet von Pavia der be- 
deutendste Königshof Coriana, der mit Cor an a am Po 
nördlich von Voghera identisch sein dürfte. Als Residenz 
lernen wir denselben unter Berengar I. kennen, der hier 
im Februar 913 und September 915 (Dümmler Reg. Ber. no. 
73. 78) verweilte. Der Hof wurde zweimal zur Dotation 
von Königinnen verwandt: 896 verlieh ihn Lambert seiner 
Mutter Ageltrud (Muratori Antt. 3, 739), nach deren Tode 
er wieder an den Fiskus zurückfiel. Hugo und Lothar gaben 
am 12. September 937 den Hof der Braut Lothars, der 
jungen Adelheid (CL. 552). 946 hielt sich Lothar hier auf 
(CL. 576). Adelheid vermachte Corana mit ihren anderen 
Gütern an S. Salvatore in Pavia (CL. 997). 

Eine Absplitterung von dem grossen Hof Corana, den 
wir uns auch als einen Mittelpunkt eines Güterkomplexes 
denken müssen, fand 901 durch Ludwig III. statt, der 
seinem Vassallen Hercad 6 zu Corana gehörige mansi zu 
Lavagium mit der St. Mariakapelle schenkte. Lavagium 
ist wahrscheinlich Lavaggio bei Roccasusella südlich von 
Voghera (Mur. Antt. 2, 47). Andere Teile von Corana schei- 
nen aber auch 937 noch nicht in den Besitz der Königin 
übergegangen zu sein, denn am 27. Juni 947 schenkt Lothar 
der Adelheid folgende Stücke: 

a) 31 Joch in villa Coriano am Ort „ad grane" (vielleicht 
= Giare nördlich von Corana V); 

b) 8 perticae 6 tavolae in Cantone; 



» Vgl. Biffignandi p. 42 und Ficker, Forschungen 1, 241. Mis- 
cellanea 29 p. 216-220. 



- 197 — 

c) 30 tavolae dort in der Nähe; 

d) 5 perticae daselbst ; 

e) 2 Joch 6 perticae in Rivasiolo (Ch. 1, 97). 

Eine weitere Pertinenz von Corana waren königliche 
Besitztümer in Voghera, dessen „plebs" nebst den Mühlen 
an der Staffora Berengar I. 915 dem Bistum Tortona mit 
der regia terra, »si vicina est" bestätigt (Forsch. 10, 287). 
Das Castell zu Voghera bestätigt Otto IL dem Bischof von 
Tortona (DO. II. 206). 

Unter Heinrich III. scheint auch Corana mit einer 
Reihe anderer S. Salvatore gehöriger Güter revindiziert 
worden zu sein. Unter den curiae regales (Const. 440) 
erscheint auch „Curana cum magnis appendiciis" als ßeichs- 
gut. Wann Corana dann wieder verschenkt wurde, wissen 
wir nichts 

Rovescala, südlich von Stradella, wird 910 mit Duae 
Robores zusammen von Berengar I. dem Grafen Anselm 
von Verona verliehen, kam dann 911 an das Kloster 
Nonantola (Dümmler, Reg. Ber. 59). Auch S. Maria di Organo 
in Verona (Dümmler, Reg. Ber. 50) und das Bistum Pavia 
(CL. 568. 574. DO. IL 144) hatten hier Rechte. Aller- 
dings erscheint es uns fraglich , ob es sich in allen ^diesen 
Fällen um den gleichen Ort handelt; vielleicht ist das von 
Berengar verschenkte Gut mit Roverbella bei Nogara 
identisch. 

Der Teil des Apennins, der zur Provinz Pavia 
gehört, war zum grössten Teil im Mittelalter Eigentum 
des Klosters Bobbio, das unter der Regierung Agilulfs 
gegründet wurde. Dieser Abtei wurde von den folgenden 
Königen viel von dem Reichsland der Umgebung, wahr- 
scheinlich meist Forsten und Alpen, geschenkt (PD. 4, 41). 
Nach der ersten echten Urkunde, die wir von Bobbio 
kennen, aus dem Jahre 747 (Tr. 610), hatte das Kloster 
schon ein sehr ansehnliches Gebiet. Insbesondere Liutprand 



* Die übrigen Reichsgüter in diesem Gebiete sind in der Provinz 
Alessandria, Distrikt von Tortona, besprochen, da sie Pertinenzen dor- 
tiger Höfe darstellen. 



— 198 - 

machte ihm bedeutende Zuwendungen im Avetothal in Vico 
Mezzano (Medianensi) und in Noce (Nocicla). In dem ge- 
nannten Jahre Hess Ratchis das Klostergebiet durch die 
Förster Otto und Rachis aus den benachbarten Reichs- 
forsten abstecken. Die Grenzen wurden durch Zeichen und 
Kreuze mit eisernen Nägeln bezeichnet. Das erste Kreuz 
wurde in Vico Mezzano gesetzt auf der westlichen Seite 
des Avetothales, dann ein weiteres am Flusse Nure, der 
5 km. östlich von Vico Mezzano entspringt, am Orte Fao, 
dann auf der Wiese bei Noce (Nocicla), 6 km. südlich von 
Vico, dann auf der öffentlichen Strasse und in Giombaro 
(Gambaro), das südlich von Fernere im Nurethal liegt. 
Hierauf lief die Grenze an einer Mühle vorbei, zu einem 
weiteren Kreuz, dann zu einer öffentlichen Strasse und 
zwischen Turio (Torrei bei S. Stefano) ^ und der dem Fiskus 
gehörigen Alp Carebolo, dem heutigen Monte Carevolo, 
vorbei, wieder zum Nure, am Bach dann aufwärts zwischen 
den beiden Majolascae nach Lacoraria am Nure, zur cabanna 
Gajaria (am Carevolo) und wieder nach Fao. Es handelt 
sich um ein südlich von Bobbio gelegenes Gebiet. 

Eine umfangreiche Zuwendung bekam das Kloster 
durch Karl den Grossen im Jahre 774 (B-M. 161), der den 
Wald und Hof Montelongo und die Alp Ade oder Adra 
schenkte, Gebiete, die in Ligurien lagen und bis ans Meer 
reichten. 

In späteren Zeiten fanden in diesem Teile des Apennins 
keine Rekuperationen statt, da die grosse Heerstrasse nicht 
über Bobbio, sondern über Gavi führte, und das Trebbia- 
thal somit strategisch und wirtschaftlich nur untergeordnete 
Bedeutung hatte. 



' Durandi, Piemonte cispadano p. 270. 



- 199 - 



PIEMONT. 

X. 

PROVINZ TURIN (Torino). 

Litteratur:^ A. dolla Chiesa, Descrizione del Piemonfce. Manuscript 
der Universitätsbibliothek Turin. — G. Oasalis, Dizionario geo- 
grafioo-storico-statistico-commerciale degli stati di S. Maesta il 
re di Sardegna. Torino 1833. — L. Cibrario e D. C. Promis, 
Documenti, sigiili e monete appartenenti alla monarohia di Sa- 
voia. Torino 1833. — Jacopo Durandi, Notizia delFantico Pie- 
monte traspadano ; parte prima o sia la marca di Torino. 
Torino anno XI. (1803). — Alpi Graie e Pennine ovvero lato 
settentrionale della marca d'Ivrea. Torino Anno XIII. (1804). 
— Della marca d'Ivrea. Torino Anno XII. (1804). — II Pie- 
monte cispadano antioo. Torino 1774. — DelPantica condizione 
del Vercellese. Torino 1766. — Sam. Guichenon, ßibliotheca 
Sebusiana (2. Aufl. von Ohr. E. Hoffmann , Nova scriptorum 
colleotio. Leipzig 1731.) — Jos. Fr. Meyranesius, Pedemon- 
tium sacrum. ed. Ant. Bosio. Torino 1863. — Delph. Muletti, 
Memorie storioo-diplomaticho appartenti alla oittä e ai marohesi 
di Saluzzo. Saluzzo 1829/33. — Terraneo, La prinoipessa Ade- 
laide. Torino 1759. — L. Wurstern berger, Peter IL, Graf von 
Savoyen. Bern 1856. 

Aosta: Besson, M^moires pour Thistoire ecol^siastique des 

dioc^ses de Geneve, Tarantaise, Aoste et Maurienne. 

Nancy 1759. — Miscellanea Bd. 16 (1877) p. 631. eod. 

23 (1884) p. 183 ff. 

Oanavese: Descrizione del Canavese. Hofbibl. Turin. 

Manuscritti Miscellanea no. 402. 
Chieri: L. Cibrario, Delle storie di Chieri. Torino 1827. 
Ivrea: Saroglia, Memorie storiohe della chiesa d'Ivrea 1881. 
Oulx: A. Bivautella et F. Berta, Ulciensis ecolesiae char- 

tarium. Taurini 1753. 
Susa: Longnon, Geographie de la Gaule au sixi^me si^cle. 

Paris 1878. 
T e s t o n a : Philippe de Beaumont, Gronaca di Testona. Hof- 
bibl. Turin. Manuscritti Miscell. 944, 27. 
Torino: Cibrario, Storia di Torino. Torino 1846. — Miscella- 
nea Bd. 18 (1879) p. 422 ff. 

Von der heutigen Provinz Turin gehörten die beiden 
Thäler der Dora, von Aosta und von Susa, sowie der grösste 

* Hier sind auch Werke angeführt, die ganz Piemont betreffen. 



— 200 — 

Teil der Graischen Alpen zum Frankenreiche, während die 
übrige Provinz von den langobardischen Herzogtümern 
Ivrea und Turin eingenommen wurde. Wir kommen somit 
zu folgender Einteilung: 

A. Fränkische Teile 

1) Aosta (Thal der Dora Baltea), 

2) Susa (Thal der Dora Riparia); 

B. Langobardische Teile 

3) Ivrea (östlich vom Orco), 

4) Turin (westlich vom Orco). 

A. DIE FRÄNKISCHEN GEBIETSTEILE. * 

Nach dem Zeugnis Fredegars entrissen die Franken 
den Langobarden zur Zeit des Interregnums zuerst die 
Thäler von Aosta, Susa und dann die Vallis Ametegis, 
unter der wahrscheinlich das Thal von Lanzo (Ametegis = 
Mathi bei Lanzo) zu verstehen ist.^ Klarer wird dieser 
Bericht des Fredegar durch die Nachricht Gregors v. Tours, 
dass 574 der byzantinische magister militum Sisinnius Susa 
für den Kaiser behauptete. ^ Da nun Franken imd Byzan- 
tiner verbündet waren, so ist es sehr wahrscheinlich, dass 
der byzantinische Befehlshaber die Stadt, die für seinen 
Kaiser doch verloren war, den befreundeten Franken über-- 
gab. Als weiteres Zeugnis kommt ein 588 abgeschlossener 
Teilungsvertrag zwischen den Bischöfen von Embrun und 
Maurienne in Betracht, nach dem die Grenze des Franken- 
reichs bei Vologia lag, worunter wohl Voyes am rechten 
Kiperaufer bei Chiusa gemeint ist (cf. Troya 19. 20. 21). 
Susa gehört in dieser Urkunde zur Diözese Maurienne, war 
sogar neben St. Jean Hauptort derselben (Longnon p. 432). 
Endlich haben wir mehrere Zeugnisse dafür, dass das bei 
Susa gelegene Kloster Novalese fränkisch war. Der Franke 
Abbo, der Gründer desselben, erwähnt ausdrücklich bei 



* Vgl. Troya 4, 1, p. 75. 78 und Weise p. 55 Anmerkung. 
Longnon p. 440 ff. 

* Fredegar 4, 45. 

* Gregor von Tours 4, 44. 



— 201 — 

einigen Gütern, dass sie im Langobardenreich liegen. Er 
gründet 726 das Kloster „pro stabilitatem regno Francorum**, 
datiert die Urkunde nach den Regierungsjahren des fränki- 
schen Königs Theodericus und spricht vom pagus Secusinus, 
während es im Langobardenreich gar keine pagi gab 
(Ch. 1, 8). Ferner wird in dieser Urkunde stets der Klerus 
von Maurieniie und Susa zusammen genannt. Dazu 
haben wir Urkunden Karlmanns von 768 und Karls des 
Grossen von 773 für das Kloster Novalese (Ch. 1, 10. 11)^ 
Vielleicht hängt es damit, dass die Thäler im 6. Jahr- 
hundert fränkisch wurden, zusammen, dass noch heute in 
ihnen französisch, nicht italienisch, gesprochen wird 2. 
Susa wurde später zu Italien geschlagen, wogegen Aosta 
immer zu Burgund gerechnet wurde. Noch die Reichs- 
teilung von 806 setzt eine Abtrennung der Thäler von 
Italien voraus. Karl bekam darnach Aosta, Ludwig das 
Thal von Susa bis zu den Klüsen zugesprochen^. Bis zur 
Teilung von 855 gehörte das Land auf beiden Seiten der 
Alpen dem gleichen Herrn, und 855 scheint Susa an 
Ludwig IL und damit zu Italien gekommen zu sein. 880 
gehörte Susa sicher zur Grafschaft Turin (Ch. 1, 37).* Aosta 
blieb stets burgundisch. 



^ Die Annahme, dass es bei Novalese Güter des langobardischen 
Königs gegeben habe, ist irrig. In Chron. Nov. 2, 11 ist nicht, wie 
Matthäi (Lomb. Politik p. 7) glaubt, die Gegend von Novalese, sondern 
Pramollo bei Pinerolo gemeint, wo Abbo dem Kloster Güter im Lange- 
bardenreich geschenkt hat. Die dem Papst geschenkten Alpes Oottiae 
sind nicht die Kottischen Alpen, sondern der ligurische Apennin. 
Bobbio, Acqui und Tortona liegen z. B. in den Alpes Gottiae (PD. 2, 
16). Vgl. die Karte Neues Archiv 5 p. 103. 

' In der Stadt Susa wird heute freilich überwiegend italienisch 
gesprochen, allein die Ortsnamen im oberen Thale und selbst noch 
unterhalb von Susa sind zum grössten Teile französisch. 

» Simson, Jahrbücher Karls, Bd. 2, 346 ff. 

* Aus einer Urkunde von 827 (Ch. 1, 19) ist für unsere Frage 
nichts zu entnehmen, da die Verhandlung vor dem missatischen Gericht 
stattfand, während aus einer Urkunde von 880 hervorgeht, dass Susa 
zur Grafschaft Turin gehörte, vgl. Bresslau, Konrad II., Bd. 1, p. 366. 
Aosta heisst 839 ausdrücklich „pars Burgundie* Cap. Bor. 2, 58. 



— 202 — 

Die langobardische Grenze befand sich an den in 
den beiden Thälern liegenden Klausen (Clusae), die in 
den Feldzügen Pippins und Karls eine grosse Rolle spielen. 
Die Befestigungen im Aostathal lagen bei dem heutigen 
Fort Bard, ca. 20 km. nördlich von Ivrea, wo sich noch 
heute die Sprachgrenze befindet. Im Thal der Dora Riparia 
lagen die Clusae 30 km. westlich von Turin beim Orte 
Chiavrie (Cabrium) am Fusse des Monte Caprasio und zogen 
sich durch das Thal von dem Orte S. Michele della Chiusa 
vorbei bis zum Monte Picare (Porcarianus) auf der Südseite 
des Thaies (Chron. Nov. 3, 9). Es war eine Sperre, die von 
Berg zu Berg reichte, mit Thürmen versehen, deren Fun- 
damente man noch im 11. Jahrhundert sah. Sie waren 
unzweifelhaft eine Anlage des Königs, stammten vielleicht 
schon aus römischer Zeit, waren unter Theoderich schon 
sicher vorhanden,^ verfielen dann während des langen 
Friedens zwischen Langobarden und Franken. Zur Zeit 
Ratchis' befand sich bei den Klüsen das langobardische 
Grenzamt, an dem die Passrevision durch die clusarii statt- 
fand (Lex Ratchis § 13). Aistulf ordnete dann 750, als die 
Beziehungen zum Frankenreich sich ungünstig gestalteten, 
die Ausbesserung der verfallenen Festungswerke an. Es 
sollte eine Besatzung von Clusarii zur Beaufsichtigung des 
Grenzverkehrs hineingelegt werden. Die iudices erhielten 
die Oberaufsicht (Lex Aistulfi § 5). Betrachten wir nun 
die beiden Thäler und die in ihnen vorhandenen Kron- 
güter. 

1. Thal von Aosta. 

Das von der Dora Baltea durchflossene Thal von Aosta 
hat eine hervorragende strategische Bedeutung. Durch das- 
selbe führt die Strasse über den grossen St. Bernhard nach 
dem Wallis, dem Genfer See und nach Deutschland, der 
kleine St. Bernhard nach der Tarentaise und Lyon.- Es 

^ Oassiodorus, Yariae ed. Mommsen p. 49. Die Clusae im Aosta- 
thal hatten damals eine Besatzung von 60 Mann. cfr. NA. 14, 498 no. 6. 

* Vgl. über das folgende: Terraneo, Dei primi conti di Savoia e 
della loro signoria sulla valle d^ Aosta in den Miscellanea Bd. 16 
p. 631 flf. (1877) benützt ein Manuskript „Recueil contenant des disser- 
tations sur la vallöe d'Aoste'* 1728. 



— 203 — 

ist sehr wahrscheinlich, dass auch in Aosta sich die Byzan- 
tiner lange hielten, und die Stadt den Franken überlieferten. 
Aus der fränkischen Zeit haben wir gar keinß Nachrichten 
über Aosta und können nicht feststellen, ob es damals im 
Thale Königsgut gab. Guntram, Sohn Chlotars 1., der das 
Königreich Burgund beherrschte, soll dem Bistum Aosta 
seine Güter restituiert haben, und von den Königen des 
Arelats heisst es, dass sie die Kirche von Aosta reich 
dotiert hätten, besonders Boso und Rudolf.^ Von 840—877 
war Aosta nach Terraneos Angabe mit Italien vereinigt, 
gehörte aber dann zur Herrschaft Bosos und zum mittleren 
burgundischen Reiche. Im 10. Jahrhundert beanspruchte 
auch zeitweilig Adalbert, der Sohn Berengars IL, Rechte 
im Thal, besonders den so einträglichen Zoll, und setzte 
sich durch Raub in dessen Besitz. ^ Später waren besonders 
die Grafen von Savoyen, das Bistum und das ürsusstift im 
Thale begütert. Doch können wir aus einigen Urkunden 
entnehmen, dass in Aosta in älterer Zeit ein königlicher 
Domanialbesitz bestanden haben muss, da wir im 11., 12. 
und 13. Jahrhundert noch einige Spuren davon finden. So 
führt 1044 eine villa in der Grafschaft Aosta den Namen 
„Pratum regale**, was wohl auf früheren königlichen Besitz 
schliessen lässt (Ch. 2, 111). Auch bei Fenis, 13 km. 
östlich von Aosta am rechten Doraufer, wird 1176 ein 
„pratum reale" erwähnt (Ch. 2, 1566). 1227 grenzen zu 
Oyace (Eacia zu lesen, nicht Cacia, Mise. 23 p. 239. Ch. 1, 
869), im Val Pellina, 12 km. nordöstlich von Aosta mehrere 
Grundstücke an „terra regum**. 

2. Thal von Susa. 

Etwas besser als über das Thal der Dora Baltea, 
sind wir über das Thal der Dora Riparia unterrichtet, das, 
wie wir oben sahen, ebenfalls vom Ende des 6. Jahrhunderts 



^ Budolf selbst war 923 in Aosta (Ch. 2, 16. Terraneo a. a. O. 
p. 653). 

' Besson p. 479 no. 111. Adalbert und seine Genossen heissen 
„rapaces lupi** i. J. 960. 



— 204 ~ 

ab zum Frankenreich gehörte und einen eigenen pagus 
bildete. In oder bei der Stadt Susa lag nach dem Ver- 
zeichnis der salischen Königshöfe (Const. 440) ein Königshof, 
der dem Fiskus jährlich 2000 Mark einbrachte (Susa 2000 
marcas). Abgesehen von dieser Nachricht wissen wir nichts 
über fiskalische Güter in Susa, doch sind wir über Be- 
sitzungen der Grafen von Turin im Thale wohl unterrichtet. 
So bestätigt Otto III. am 31. Juli 1001 dem Markgrafen 
Odelrich genannt Mainfred (St. 1266. DO. III. 408) ein 
Drittel des Thals von Susa, und zwar von den daselbst 
gelegenen Orten Chiomonte, Exilles, Salbertrand, Oulx, 
Cesanne, Bardonnecbe, Bussoleno, S. Giorgio di Susa, 
Brozolo, Chianoc, S. Agatha di Susa, Chiavrie und Condove. 
1026 bestätigt Konrad II. das Kastell dem Boso und Guido, 
den Söhnen des Markgrafen Arduin (St. 2125. Ch. 1, 266), 
1038 ein Drittel von Susa dem Kloster S. Giusto in Susa, 
das Odelrich 1029 gegründet und reich dotiert^ hatte 
(Ch. 1, 277. 304. St. 2100). In Susa ist ein Hauptstütz- 
punkt der Grafen von Turin 2. Demnach ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass der Hof daselbst durch die Heirat Hein- 
richs IV. mit Bertha an die Krone gekommen ist, und 
dann im Investiturstreit wieder verloren ging, da wir von 
älteren fiskalischen Besitzungen nirgends eine Spur zu finden 
vermögen. 

Während der sich zum Mt. Genevre hinziehende Teil 
des Thaies schon im 7. Jahrhundert zum St. Lorenzkloster 
in Oulx gehörte, scheint in den beiden anderen Verzweigungen 
in der Karolingerzeit noch Reichsgut gelegen zu haben, 
das aber an das an der Montcenisstrasse liegende Kloster 
Novalese überging. Dieser Pass war einer der wichtigsten 
nach Italien führenden Übergänge und aus militärischen 
Gründen war es besonders in der Merowingerzeit wünschens- 



* Das Kloster besass vom Thale ein Drittel, vom Mont-Cenis und 
Mont Qen^vre ab, mit Ausnahme des Gastells von Susa. Es sind die 
Ortschaften 06sanne, Oulx, BardonnSche, Salbertrand, Exilles, Chio- 
monte, Qiaglione, Meana, Matengo, Foresto, Bussoleno, S. Giorgio, 
Canusso (?), I^rozolo, Burbono (?), Villar Foochiardo und S. Agatha. 

« Vgl. Bresslau, Konrad IL, 1, 367. 



— 205 — 

wert erschienen, dass seine Umgebung dem Reich gehörte. 
Ludwig I. oder schon Karl schenkten Novalese das wenig 
westlich vom Kloster gelegene Castell von Bard (Castrum 
Bardinum) am Fusse des Mont Clery, vielleicht ein altes 
fränkisches Castell zum Schutz der Montcenisstrasse (Chron. 
Nov. 3, 26), dazu das Thal von Bardonneche (Vallem 
Bardinisca), in dem heute der Mont Cenistunnel ausmündet 
mit dem Castell Diobia und allem, was am Wege dazu ge- 
hörte, und mit den Pertinenzen Diobasca, Armeasca und 
Allonica, die früher der Krone zugestanden hatten, eine 
Schenkung, die Lothar 845 bestätigte. Bemerkenswert ist, 
dass der Kaiser es sich angelegen sein lässt, die Freiheit 
der Bewohner des Thaies von Bardonneche ausdrücklich 
zu schützen (B-M. 1088. Ch. 1, 26). Die Orte sind nicht 
sicher zu identifiziren. Vielleicht ist Armeasca das Gehöft 
rOrme zwischen Oulx und Salbertrand, oder Armore 
(Com. Gravere) südwestlich von Susa. Diobia lag nach 
Durandi bei Bardonneche (Piemonte traspadano p. 54). 
Ferner schenkte Karl der Grosse dem Kloster Novalese die 
Strasse von Lestadium bis zum grösseren See, südlich von 
der Passhöhe und zur fons Varcinisca (Ch. 1, 391), während 
sein Sohn zum Schutze der Wanderer das Hospiz auf dem 
wichtigen Alpenübergang erbaute (Ch. 1, 18). 

B. DIE LANGOBARDISCHEN GEBIETE. 

3. Das Gebiet von Ivrea (bis zum Orco). 

I V r e a erscheint in langobardischer Zeit als Sitz eines 
Herzogs. Im Liber pontificalis (97, 5, p. 487) wird Herzog 
Tunno genannt. Wo das entsprechende Gastaldat sich 
befand, wissen wir nicht anzugeben. In fränkischer und 
ottonischer Zeit war Ivrea der Sitz mächtiger Markgrafen. 
Nach Arduins Niederlage ^ scheint die Pfalz für die Krone 
konfisziert worden zu sein. Friedrich I. urkundet im Herbst 



' VieUeicht erst 1026, als Konrad II. Ivrea unterwarf. Von 
früheren Herrschern ist nur Berengar I. urkundlich in Ivrea nach- 
weisbar. S. o. Provinz Pavia p. 195, Anm. 2. 



- 206 ~ 

1176 „Yporegie in castro imperatoris" (St. 4181a. Acta 
ined. no. 369). Wahrscheinlich befand sich die Burg da, 
wo sich heute noch das Castell befindet, auf dem Ivrea 
beherrschenden Hügel, wo auch die Metropolitankirche und 
der bischöfliche Palast liegt. Die Verwaltung der Stadt 
wurde dem viel genannten Trushard v. Kestenburg über- 
geben, der sie mit Chieri vereinigte ^ und von 1187 — 89 
hier thätig war. Die zu seinem Verwaltungsbezirk gehörigen 
Reichsbesitzungen in der Stadt, Grafschaft und dem Bistum 
Ivrea mit der Burg und der Pfalz gab Heinrich VI. dem 
Grafen Rainer von Biandrate zu Lehen, wofür er Niscia 
gewann. Otto IV. bestätigte diesen Tausch am 1. September 
1209 den 3 Söhnen Rainers (B-F. 300). Unter Friedrich IL 
gab es dann wieder kaiserliche Kapitäne in Ivrea, allein 
1248 trat der Kaiser die Stadt an den Grafen Thomas von 
Savoyen ab (B-F. 3735. 3738). Freilich ist der Graf von 
Caretto noch am 28. Mai 1250 als kaiserlicher Podesta zu 
Ivrea und Canavese nachweisbar (Ch. 1, 946. B-F. 13758). 

Bei Ivrea schenkt der Bischof 1041 eine Wiese „pratum 
regium'' an das Kloster S. Stefano, was wohl auch auf 
früheres Königsgut zurückweist (Ch. 1, 315). 

Das Zentrum der Krongüter im Gebiet von Ivrea war 
die „Curtis regia* kat'exochen. Sie lag bei dem Orte 
S. Giorgio,^ östlich von Rivarolo und südwestlich von Ivrea 
nicht weit vom Orcofluss. Sie führt auch die Namen Orco 
und S. Giorgio (cfr. Ch. 1, 206). Eine Urkunde Ludwigs II. 
vom 3. November 864 ist „in Orco curte regia" ausgestellt, 
das mit unserem Orco identisch sein dürfte und nicht, wie 
Mühlbacher annimmt, Laorca bei Lecco ist (B-M. 1192). 
Am 16. März 882 schenkt Karl III. seinem Kanzler, Bischof 
Liutward von Vercelli (B-M. 1592. Ch. 1, 38) den grossen 
Hof, der gewöhnlich Curteregia'^ genannt wird („Curtem 



1 Ficker, It. Forsch. 2, 145. 207. Urk. Turiner St.-Archiv Prov. 
di Torino 12, no. 1. Vgl. Chieri. 

* Corterreggio noch heute Frazione der Oomune S. Giorgio 
Canavese. 

' CipoUa in den Atti deiraccademia di Torino 1890/91 p. 672 
meint, Corteregia sei der Hof in Vercelli gewesen. Doch dieser wurde 



- 207 - 

nostram magnam, quae dicitur regia antico nuncupatur 
viilgo**) mit folgenden Pertinenzen: 

a. einem grossen Wald. 

b. Foglizzo 7 Km. südlich von S. Giorgio unzweifel- 
haft mit Fulgitis identisch. 

c. Höfen und villae. 

d. Vallis Clivi nach Durandi (Marca di Ivrea p. 25) 
identisch mit dem Val Chiusella. Dieses liegt ca. 
9 Km. nördlich von S. Giorgio, zieht sich 12 Km. 
in der Ebene und 20 im Gebirge hin, und ist durch 
einen Pass mit dem Val Champorcher verbunden. 

e. mit dem Hof Roveredo, den Arduin im Jahre 1000 
verbrannte (DO. HI. 383). 

Otto ni. bestätigt 999 dem Bistum Vercelli den Hof 
Orco mit der Vallis Clivi (St. 1190. DO. HI. 323), > Arduin 
entriss ihn aber demselben und gab ihn 1003 dem Diakon 
Theodevert von Ivrea. Er schenkte die „curtis Orco*, die 
früher Curtis regia hiess, nun aber in der Gegend selbst 
„Castrum Sti. Georgii" genannt wurde und in der Grafschaft 
Ivrea gelegen ist, und das Chiusellathal mit vielen Castellen, 
Capellen, villae, Alpen, Bergen und Thälern (St. 1846. Ch. 1, 
206). Doch nicht lange sollte sich der Diakon des unrecht- 
mässigen Besitzes erfreuen. Schon 1007 stellte Heinrich II. 
den Hof Orco und das Chiusellathal dem Bisum Vercelli zurück 
(St. 1445). Dann ging Orco, auf welche Weise wissen wir 
nicht, an den Grafen Otto Wilhelm über, der den Hof ^ dem 
Kloster Fruttuaria überweist. Dabei werden folgende Perti- 
nenzen genannt (Ch. 1, 249): Cucceglio (Caucele), Macunia- 
cum, Ciconio (Cicunium), Lusigli (Lusiniacum), Curtis regia, 
der Wald Foglizzo, der Orcofluss mit verschiedenen daran ge- 
legenen Castellen, das Chiusellathal etc. Konrad II. bestätigt 
Orco wiederum dem Bistum Vercelli (St. 1935. 2126, „curtem 



von Berengar I. verschenkt und auch die Pertinenzen beweisen, dass 
Corteregia bei Ivrea lag. Vgl. Prov. Novara und besonders Durandi, 
Marca d'Ivrea p. 28 ff. 

* DO. ni. 323 hat Orco vallem Cledi walda, doch ist vermut- 
lich „Orco vallem Clivi, Waldam" zu lesen. 

^ Curtem Orgy id est villam quae dicitur ad S. Georgium. 



- 208 — 

regiam, quam Orcum nominant"). Dem Reich hat der Hof 
nach 1003 nicht mehr gehört. In der Liste der Curiae 
regales (Const. 440) wird der Ort S. Giorgio mit 5 regalia 
servitia genannt, doch ist wahrscheinlich S. Giorgio in der 
Lomellina gemeint. 

Zu Anfang des 11. Jahrhunderts war im Bezirk von 
Ivrea mit Ausnahme des Palastes in der Stadt der könig- 
liche Grundbesitz verschwunden. 

4. Gebiet von Turin. 

a. Canavese. 

In der Canavese genannten Landschaft zwischen Orco 
und Dora Riparia lag am Orco bei Salasso nordwestlich 
von Rivarolo der Ort Canava (Durandi, Marca dilvrea 
p. 7).i Nach einer Urkunde Ottos III. von 999 (St. 1190. 
DO. III. 323) schenkte Kaiser Ludwig diesen Hof dem Bis- 
tum Vercelli, dem er dann entrissen wurde, bis ihn Otto III. 
restituierte. Eine Bestätigung fand im Jahre 1000 statt 
(DO. III. 383). Es fragt sich nun, welcher Ludwig den Hof 
geschenkt hat. Falls nun die Notiz, ^ die Cipolla ediert 
hat, echt ist, gehörte Canavese schon zur Zeit Karls III. 
dem Bistum, und könnte somit nur von Ludwig dem Frommen 
oder Ludwig IL verschenkt worden sein. 

Obiano.^ Berengar II. schenkte im Jahre 960 seiner 
Gattin Willa den Hof übiano, der mit Obiano (fraz. der 
Comune Rivarolo) identisch ist. Es ist ein konfisziertes 
Gut, das dem Verräter Rogus gehört hatte (CL. 640). Am 
Anfang des 11. Jahrhunderts kam Ubiano durch Bertha, die 
Tochter des Amadeus, an Kloster Fruttuaria (St. 1430). 



< Dem auch Casalis, Dizionario und Cipolla in den Atti deir 
aco. di Torino 27 p. 682 zustimmen. 

« a. a. 0. p. 670 flf. 

' Dümmler, Otto I. p. 314 no. 1 identifiziert mit S. Biagio di 
Urbiano, das ich nicht aufzufinden vermochte. 



— 209 - 

Sehr zahlreich waren die Güter Arduins* in diesem 
Distrikte. Er gründete hier zwischen Orco und Malone 
das Kloster Fruttuaria, (in dem er auch starb), das er und 
seine Verwandten reich dotierten. An die Krone scheinen 
wenig Güter Arduins übergegangen zu sein. Die meisten 
erhielt das Bistum Vercelli, so Rivarolo, ßivarupta, Spar- 
rone etc. 

In dem Verzeichnis der Königsgüter (Const. 440) wird 
an erster Stelle Settimo (Septima) genannt mit 2 regalia 
servitia. Es könnte dies Settimo am Po nordöstlich von 
Turin, oder Settimo Vittone nördlich von Ivrea gewiesen sein. 
In Settimo bei Turin hatte 1031 das Solutorkloster zu Turin 
Besitz (Ch. 2, 99). 1159 wird derselbe dem Bistum Turin 
und S. Solutor bestätigt (St. 3837. 3838). Von Settimo bei 
Ivrea wissen wir nichts bis zum 13. Jahrhundert. Vielleicht 
lag hier neben den Turiner Kirchengütern noch ein alter 
Reichshof, vielleicht lag auch hier Gut der Grafen von Turin, 
das an Heinrich IV. überging. 

Nachdem schon Friedrich I. sich der wichtigen Burg 
Rivarolo am Orco bemächtigt hatte, in der er 1155 im 
Januar verweilte (St. 3704 — 3704 a), versuchte Friedrich II. 
wieder hier einen Domanialbesitz herzustellen. Er eroberte, 
wahrscheinlich 1238, das ganze Canavese und zog es für 
das Reich ein. Ein Sechstel von Lanzo^ kaufte der Kaiser 
von Guilermus von Lanzo, investierte damit 1245 den 
Grafen von Biandrate (B-F. 3496). Am 14. Februar 1247 
bekundet König Enzio, dass die Herren von Lanzo ihr Castell 
mit Festungswerk und Thurm dem Kaiser übergeben haben. 
Derselbe will das Castell durch einen Castellan und Mann- 
schaft bewachen lassen, verspricht es aber nach dem Frie- 
den mit dem Papst und den anderen Rebellen zu restituieren 
(Ch. 1, 931. B-F. 13599). Im November 1248 verlieh 



* Nach der Angabe Della Chiesas (descrizione del Piemonte 4, 56) 
baute er die Caatelle in Pont im Orcothal und gründete Klöster in 
Bclmonte und Rivarotta. Nach DO. III. 383 besass er Rivarolo, Riva- 
rupta und Rovoredo. 

* Lanzo war Lehen des Bistums Turin cf. Ch. 1, 916. 

DarmstSdter, Das Reiohsgut in d. Lombardei u. Piemont. ] 4 



— 210 -^ 

Friedrich II. dem Grafen Thomas II. von Savoyen, einem 
seiner eifrigsten Anhänger, die Landschaft Canavese (Cana- 
pitium) mit allen Rechten, als Reichslehen (Ch. 1, 942. 
B-F. 3733). Auch Lanzo wurde 1248 dem Grafen übergeben 
(B-F. 3736/37). 

\ 
b. Gebiet von Turin links vom Po. 

Turin (Torino) war in der langobardischen Zeit der 
Sitz eines Herzogs. Wahrscheinlich war der herzogliche 
Besitz besonders bedeutend, da die Güter des Bistums hier 
eingezogen wurden (Tr. 212. Brief Gregors an Sigmund 
V. Autun V. 599). Der erste uns bekannte Herzog ist 
Agilulf, der mit der Hand Theudelindes 590 die Krone ge- 
wannn (PD. 3, 35). Doch scheint Agilulf das Herzogtum 
wieder ausgethan zu haben, denn 661 wird ein Herzog 
Garipald von Turin erwähnt (PD. 4, 51). Dann sehen wir 
den Herzog Raginpert mit Erfolg nach der Krone greifen 
(PD. 6, 18). Doch er starb schon nach kurzer Zeit, und 
-sein Sohn Aripert II. erbte den Thron und, wie es scheint, 
behielt er das Herzogtum Turin neben demselben, da er 
seinen Gegner Rotharit gerade in Turin (PD. 6, 20) ein- 
sperren Hess. Als Ansprand 712 dem Aripert Krone und 
Leben entriss, zog er vermutlich auch dessen Güter im 
Herzogtum Turin für die Krone, ein. Wo das Gastaldat 
sich befunden hat, vermögen wir nicht anzugeben. Auf das 
Vorhandensein alter königlicher Güter im Turiner Bezirk 
weist eine Notiz des Paulus Diaconus (4, 51) hin, dass König 
Godepert eine „familia" in Turin hatte, also wahrscheinlich 
auch einen Königshof. * Königlich wurde später, entweder 
schon unter Aripert IL oder unter Karl dem Grossen, die 
Curtis ducati, die 827 als Gerichtsstätte erwähnt wird 
(Ch. 1, 19). Dieselbe befand sich bei der Kirche S. Pietro 
de curte ducis an den Strassen via del Gallo und via de* 
Pasticieri (Cibrario, Storia di Torino 1. p. 76). Ein Palast 
in Turin, in dem König Hugo anwesend war, wird 929 er- 



* Hierauf weist iVfattbäi hin p. 6 und p. 18. 



— 211 — 

wähnt (Ch. 1, 79). Der Königshof zu Turin kommt im 
Verzeichnis der Curiae regales (Const. 440) vor als „allo- 
dium suum", ohne dass die Leistungen desselben erwähnt 
würden. Zugleich hatten auch die Grafen Rechte in der 
Stadt. 1001 bestätigt Otto III. dem Odelrich Manfredi 
den dritten Teil von Turin (DO. III. 408. Ch. 1, 199). 
Das Castell desselben lag an der Porta Susa (Ch. 2, 100), 
und ist gewiss von der königlichen Pfalz zu unterscheiden. 
Zu dieser gehörte die Römerstrasse und der besonders 
wichtige Zoll, da durch Turin die Strasse von Genua und 
Mailand nach Frankreich führte. Dieselbe wurde von 
Heinrich V. 1111 der Stadt überwiesen (St. 3052). Die 
Mauer und publicae domus in Turin hatte der Bischof (cfr. 
Ch. 1, 509. St. 3838), ohne dass wir wüssten, wann er sie 
erhielt. 1136 nahm Lothar Turin ein und errichtete ein 
Castell bei Rocca Padi beim heutigen Valentine. * Eine 
grosse Bedeutung erlangte die Turiner Pfalz unter den 
Staufern. Friedrich I. verweilte oft in derselben, so im 
Januar 1159 (St. 3835/36), im August 1162 (3961— 63a), 
Juli 1176 (St. 4182), Juni und Juli 1178 (4248—4253, ,datum 
in palatio Taurinensi"), Juni 1185 („in palacio imperatoris*' 
St. 4420), Heinrich VI. war im Juli 1196 in Turin (St. 
5019 — 21). Unter ihm war Thomas de Nene Castellan und 
zugleich Podesta von Turin. ^ Er erhielt, wahrscheinlich 
als Gehalt, von Heinrich VI. am 28. November 1195 als 
Lehen 3 Susaner Denare von den 12, die in Turin jedes 
Saumtier zahlen musste (St. 4977). Heinrich gab ihm ausser- 
dem die Pfalz zu Turin als Lehen, was Friedrich IL am 
12. Januar 1215 dem Berthold de Nene, dem Sohne Thomas', 
und seinen Brüdern bestätigte. Zur Pfalz gehörten Ari- 
mannen in Celle, eine Wiese und Ackerland in der Stadt 
Turin (ß-F. 778). 40 Mark Kölner Gewichts vom Zoll ver- 
pfändete Otto IV. 1209 den Söhnen Rainers v. Biandrate 
für 300 Mark (B-F. 300). Unter Friedrich II. wird ebenfalls 



* Carutti, Regesta comitum Sabaudiae, 1889, Reg. 271. 

* Urkunde von ihm Cibrario, Torino 1, 502: „super domini 
imperatoris palatium*^ ausgestellt. 

14* 



- 212 - 

eine kaiserliche Pfalz noch erwähnt, doch scheint dieselbe 
das für den Fiskus konfiszierte Rathaus der Stadt („palacii 
comuni Tauriiiensis quod est domini imperatoris**) gewesen 
zu sein. Der kaiserliche Capitaneus Jonathan von Lucca, 
Nachfolger des Philipp von Citro, urkundet hier 1239 
(B-F. 13294). Im November 1248 schenkt Friedrich II. 
die Burg * zu Turin mit der dabei angelegten neuen Brücke 
mit der Bastei an derselben dem Grafen Thomas von 
Savoyen (B-F. 3738 ff). 

In der Umgebung der Stadt nennen wir zuerst das 
9 Km. südlich gelegene Stupinigi (Soponicum), ein Gut, 
das mit 57 Mansi angeblich Karl der Grosse Novalese 
schenkte (B-M. 162. Ch. 1, 32. Chron. Nov. 3, 26). Die 
Urkunde ist zwar falsch, doch bereits im Diplom Ottos III. 
von 992 (DO. III. 101) wird Stupinigi unter den Gütern von 
Breme-Novalese aufgezählt. Ob der Ort je Krongut ge- 
wesen ist, sei dahingestellt. 

Im Westen von Turin liegen zwei für die Geschichte 
des Kronguts wichtige Orte, Avigliana und Rivoli. 

Avigliana, am Eingang ins Gebirge, ca. 22 Km. 
westlich von Turin auf der Höhe gelegen, beherrscht die 
Montcenisstrasse. Violleicht stammt das Krongut aus den 
zu den Klausen gehörigen Besitzungen, vielleicht gelangte 
Avigliana durch die Heirat Berthas mit Heinrich IV. an 
den König. Im Verzeichnis der salischen Königshöfe ist 
Avigliana als „Castrum" genannt, das 1000 Mark einbringt. 
Der Ort kommt zuerst in einer Urkunde von 1001 vor, in 
der Otto III. dem Odolrich Manfredi V^ von Avigliana be- 
stätigt (DO. III. 404), zugleich mit dem benachbarten 
Almese. 1026 bestätigt Konrad II. ein Drittel den Söhnen 
des Markgrafen Arduin (Ch. 1, 266. St. 2125). Der See 
daselbst wird von dem gleichen Kaiser 1038 S. Giusto in 
Susa bestätigt (Ch. 1, 304. St. 2100). In der Chronik von 
S. Michele della Chiusa wird Avigliana als Residenz des 
um 1045 regierenden Markgrafen Arduin genannt (HPM. 
SS. 3, 260). 1098 wird ein Herr von Avigliana, namens 

^ Die nach Cibrario, Savoia 2, 56 auf dem Kapuzinerberg lag. 



- 213 — 

Boso Merlo genannt (Ch. 1, 436), wahrscheinlich ein Vassall 
der Markgrafen von Turin. Ausserdem hatte noch S. Solutor 
in Turin hier Besitzungen (Ch. 1, 450). 1159 bestätigt 
Friedrich I. den Ort dem Bistum Turin (St. 3838), und als 
Humbert III. von Savoyen sich widerrechtlich in den Be- 
sitz von Avigliana setzt, wird gegen ihn ein Prozess eröffnet 
und die Burg dem Bistum restituiert (Ch. 1, 608), doch waren 
die Grafen von Savoyen mächtiger als die Bischöfe. Im 
13. Jahrhundert sind sie wieder im Besitz der Burg (Ch. 2, 
1779). Doch scheint Friedrich II. Absichten auf dieselbe 
gehabt zu haben, denn in seinem Testament ordnet Graf 
Amadeus von Savoyen 1238 an, zur Schuldentilgung die 
Veste nötigenfalls dem Kaiser zu verkaufen (B-F. 13 261). 
Später hat er die Veste gar von König Heinrich von Eng- 
land (!) zu Lehen genommen (B-F. 13562). Sehr interessant 
sind die aus der Mitte des 13. Jahrhunderts erhaltenen 
Rechnungen der Castellane von Avigliana. ' 

Rivoli liegt auf den letzten Ausläufern der Alpen, 
13 Km. westlich von Turin, 9 Km. östlich von Avigliana. 
Auch dieser Ort kommt als Vivel^ in dem Verzeichnis der 
Königshöfe mit einem Ertrag von 500 Mark vor, also der 
Hälfte von Avigliana; handelte es sich bei Avigliana um 
wirkliches Reichsgut, so war Rivoli zur Zeit der Abfassung 
des Verzeichnisses wahrscheinlich Kirchengut, das aber 
vielleicht noch zu Leistungen an den Hof verpflichtet war. 
Rivoli wird bereits von Otto II. dem Bistum Turin be- 
stätigt (St. 1288. DO. II. 250 a). Wer den Ort dem Bistum 
schenkte, ist nicht festzustellen. 1006 schenkt Bischof Gozo 
einen Weinberg um Rivoli dem Kloster S. Solutor in Turin 
(Ch. 2, 83). 1031 besitzt Breme Güter zu Rivoli und Al- 
pignano (Ch. 1, 283). Von da an wissen wir nichts über 
unseren Hof bis 1120, und es wäre denkbar, dass Heinrich III. 
auch diesen wichtigen Platz, der in Verbindung mit den 
uns als Reichsgütern bekannten Turin, Avigliana und Susa 
die Montcenisstrasse sichert, dem Reiche restituiert habe. 



* cf. Buch 3. 

* Nach Const. 440 iät Kevello bei Saluzzo gemeint. 



- 214 — 

1120 werden wieder Weinberge im Besitz von S. Solutor 
erwähnt (Ch. 1, 450). Friedrich I. bestätigt dann sowohl 
diesen Besitz dem Kloster (St. 3837. Ch. 2, 738), als den 
Hof, Castell und plebs dem Bistum (Ch. 1, 509. St. 3838). 
1185 suchte sich der Graf von Savoyen in den Besitz der 
Burg zu setzen, doch im Gericht wurde sie dem Bischof 
Milo restituiert (Ch. 1, 608). 1223 kam der Ort wieder an 
Savoyen (Ch. 2, 1779), 1235 wieder zurück an den Bischof 
(Ch. 1, 989). 

Eine wichtige Rolle spielte dann Rivoli in den letzten 
Jahren Friedrichs II. 1243 schwören die Herren de Mon- 
cucco als Castellane noch dem Bischof das Castell gut zu 
bewahren (Ch. 1 , 908) , im September 1245 verspricht 
Friedrich IL dem Grafen Amadeus IV. von Savoyen Rivoli 
zu übergeben, falls es in seine Hände fiele (Ch. 1, 929. 
B-F. 3504), am 6. März 1247 übergeben dann die Herren 
de Moncucco infolge eines Schiedsrichterspruchs die Veste 
Rivoli dem Sohne des Kaisers bis zum Friedensschluss 
zwischen Kaiser und Papst (B-F. 13603. Ch. 1, 937). Doch 
trotz des Versprechens hatte es Friedrich mit der Über- 
gabe an Savoyen nicht sehr eilig. Es wurden noch Be- 
dingungen über die Heirat zwischen Manfred und Beatrix 
daran geknüpft (Ficker 4, no. 405. B-F. 3626). 1248 hat der 
Graf wirklich Rivoli erhalten (Cibrario, Savoia 2, 37). Es 
war ein sehr gut ausgestatteter Hof auf dem der Bischof 
24 mansi besass, dazu kam der reiche Zoll (Cibrario, Savoia 
2, 31), so dass es nicht wunderbar ist, wenn der Hof 1268 
326 Pfd. 10 sol. 11 den. einbrachte (Wurstemberger 4, 772). 

Auch Cbllegno, das zwischen Rivoli und Turin an 
der Dora liegt, hatte Friedrich II. besetzt. Er gab den 
Ort 1248 dem Grafen Thomas (Wurstemb. 4, 220. B-F. 
3739). 

Südwestlich von Turin am Rande des Gebirges, an 
der Strasse nach Pinerolo liegt Piossasco, das im Ver- 
zeichnis der Königshöfe (Const. 440) als Plozascum mit 
einem Ertrag von 500 Mark genannt wird. Der Ort 
Piossasco wurde vom Bischof Landulf 1011 an S. Solutor 
gegeben (Ch. 2, 90), das Castell, das den Markgrafen von 



— 215 — 

Turin gehört zu haben scheint, wird zuerst 1037 genannt 
(Ch. 1, 299). Adelheid hatte hier reichen Besitz, den sie 
zum Teil Sta. Maria in Pinerolo verlieh (Ch. 1, 358). Immer- 
hin ist es möglich, dass daneben noch ein Königshof hier 
bestanden hat. Von 1093 an treten Herren von Piossasco 
auf (Ch. 1, 436), die im 12. Jahrhundert oft genannt werden 
(Ch. 1, 608. 669. 796. 813). 

Airasca, an der Strasse von None nach Pinerolo 
gelegen, wird 1074 von Heinrich IV. dem Kloster Fruttuaria 
bestätigt (St. 2780). Friedrich 1. kaufte den Mönchen das 
Gut ab, das dann Otto IV. — es wird hier Erasco genannt 
— 1209 den Söhnen Rainers von Biandrate schenkte (B-F. 
300. Ch. 1, 791). Wann der Kauf stattfand, vermögen wir 
nicht anzugeben. 

Auch in der Nähe von Pinerolo, bei dem 10 km nord- 
westlich von dort am Abhang des Chisonethales gelegenen 
Pramollo gab es altes Krongut, und zwar in langobardi- 
scher Zeit. Hier, unweit des dem Kloster Novalese ge- 
hörigen Gutes Talucco, weideten die Rosse des Desiderius 
(Chron, Nov. 2, 11). 1064 schenkt Adelheid auch in Pra- 
mollo Güter an S. Maria di Pinerolo (Ch. 1, 358). 

In der Ebene haben wir noch zwei Orte zu erwähnen: 
Calpice oder Carpice, fraz. der Comune Moncalieri, 
liegt zwischen None und dem Po, südlich von Turin (vgl. 
Ch. 1, 450) gegenüber Moncalieri. Die Hälfte schenkt 1006 
der Bischof von Turin dem Kloster S. Solutor (Ch. 2, 83). 
Die andere Hälfte verschenkt 1079 die Gräfin Adelheid 
(Ch. 1, 393). Im Güterverzeichnis voa S. Solutor 1120 
wird Calpice genannt (Ch. 1, 450), und 1159 von Friedrich I. 
dem Bistum und S. Solutor bestätigt (St. 3837/38). Im 
Jahre 1238 kauften dann Manfred und Philipp de Citro, 
Connetable von Capua und Capitan von Turin und Moncalieri, 
im Namen des Kaisers die Regalien der Villa Calpice für 
100 Turiner solidi dem Kloster ab (Ch. 2, 1840). Doch 
blieben jedenfalls Güter dem Kloster S. Solutor, da der 
Abt 1249 über solche verfügt (Ch. 2, 1886). 

Vielleicht haben wir in der Nähe von Calpice auch 
Rubiniacum zu suchen, das im Verzeichnis der curiae 



— 216 — 

(Const. 440) mit 1 regale seryitium erwähnt wird. Es 
wird nämlich 1072 bei Calpice ein Ort Ruvignano 
erwähnt (Ch. 2, 126), von dem sonst nichts näheres be- 
kannt ist. 

Fassen wir die Ergebnisse für den Bezirk von Turin 
zusammen, so haben wir auch hier bis zum Investiturstreit 
einen nicht unbeträchtlichen Bestand an Krongut, obwohl 
wir gerade über diese Gegend sehr mangelhaft unterrichtet 
sind. Die Bestrebungen Friedrichs II. hatten nur vorüber- 
gehende Bedeutung ^ 

0. Gebiet rechts vom Po.* 

In diesem Gebiet handelt es sich vorzugsweise um die 
Krongüter Chieri und Teste na mit ihrem südöstlich von 
Turin am Rande der den Po begrenzenden Hügelkette 
liegenden Territorium. Der Ort Chieri besteht noch heute, 
während Testona im 13. Jahrhundert zerstört wurde. Es 
lag auf der Höhe östlich von Moncalieri auf dem rechten 
Poufer ; ein kleines Kapuzinerkloster trägt noch den Namen 
(Wurstemberger 1, 74). Beide Orte sind im Verzeichnis 
der curiae regales genannt. Chieri als „Cara" mit 6 . . 
(wahrscheinlich 600) Mark, Testona als „Tatusta" mit 500 
Mark Einkünften. Doch ebenso wie bei Rivoli handelt es 
sich wahrscheinlich um Turiner Kirchengüter, die vielleicht 
schon zu Anfang der ottonischen Epoche dem Reiche ver- 
loren gingen. Auch ist es immerhin bemerkenswert, dass 
in dem Verzeichnis die Orte Chieri, Testona und Rivoli bei 
einander stehen, und Rivoli von dem so nahegelegenen 
Avigliana getrennt ist. Chieri und Testona werden beide 
von Otto II. dem Bistum Turin bestätigt (St. 1288. DO. 
II. 250 a.), zugleich mit den in der Nähe gelegenen Orten 
Canove und Celle. Zu Testona schenkte 1006 der Bischof 
von Turin zwei Weinberge und einen Mansus an S. Solutor 
(Ch. 2, 82), während Bischof Landulf 1037 das Castell zu 



* Vgl. erstes Buch. 

' Die zu Montferrat gehörigen Orte Cavagnolo, Verrua erwähnen 
wir bei der Besprechung des Kronguts in der Provinz Alessandria. 



~ 217 - 

Testona nebst zwei Castellen bei Chieri, der Abtei Cavour 
verlieh (Ch. 1, 301). 1120 besass S. Salvatore 10 iugera 
in Moncalieri, 4 mansi in Testona nebst Weinbergen, und 
die Fischerei nebst Mühlenrecht im Po (Ch. 1, 450). Be- 
kanntlich sah sich Friedrich 1155 genötigt Chieri zu be- 
kriegen; er zerstörte die schon selbständige Gemeinde 
und gab sie nebst Testona dem Bischof (Ch. 1, 509). 
Dieser verlieh die Burg und den Hof mit Zubehör dem 
Grafen Guido von Biandrate zu Lehen, was Friedrich I. 
im August 1158 bestätigte (St. 3817a). Zugleich verlieh 
er selbst die Regalien dem Grafen. Später nahm der Kaiser 
die Stadt in eigene Verwaltung und betrachtete sie wie 
kaiserliches Eigentum. Trushard von Kestenburg wurde 
Podesta von Chieri und Ivrea^ In der Stadt gab es eine 
kaiserliche Pfalz und die umliegenden Herren nahmen ihre 
Güter vom Kaiser zu Lehen. Auch kaiserliche Gutsver- 
walter gab es in der Umgebung. 1207 schenkte König 
Philipp zu Basel dem Grafen Thomas von Savoyen die 
beiden villae Chieri und Testona mit Zubehör und gab ihm 
zugleich Meudon im Waadtland zu Lehen (Ch. 1 , 771. 
B-F. 148). Otto IV. bestätigte 1212 die Freiheiten von 
Chieri (Cibrario, Chieri 2, 68. B-F. 466). 1238 ergab es 



* „Die Merourii lY. Kai. Oot. praesentibus infrasoriptis testibus 
dominis Amioius de Yebulinis et Manfred! . . . fecerunt fidem in manu 
domini Drusardi accipientis nomine imperii nominative de tota illa terra 
cum districiu et honore, quam possidere visi sunt intus oastrum de looo 
Cellarium ita ut in iure proprietario sit imperii. Yersavice idem dominus 
Drusardus impcrialis et regalis aule in Lombardia legatus, Carie et 
Yporegie potesta, agcndo causas imperii cum ligno, quod sua tenebat 
manu, investivit praesentes dominos de Revigliasco in regale et gentile 
feudum Castro de Cellis . . . Illos suos, quos habent homines et bona 
fide debeant tueri et conservare gastald'os domini regis et omnes al- 
diones et arimannos ceteros aliosque homines in fidentia domini regis 
in ipso loco. Acta sunt haec Carii supra palatium domini Imperatoris 
anno MCLXXXYII ind. YI. Signa predicti Drusardi. Copie des Domi- 
nicus Codyilla, burgensis Chierii. Staatsarchiv zu Turin. Prov. di 
Torino 12 no. 1. Über Trushard von Kestenburg vgl. Ficker, Reichs- 
hofbeamte SB. Wiener Akademie 40 (1862) p. 506. 507. Töohe, Hein- 
rich YI. p. 570. 



— 218 — 

sich Friedrich II. und trat ihm freiwillig alle Hoheitsrechte 
ab. Der Cremonese Albert Struzius wurde Capitaneus der 
Stadt, die Friedrich „camera nostra specialis" nennt 
(Cibrario, Chieri 2, 101. 106. B-F. 2321). 

Celle, ein altes Gut des Turiner Bistums (DO. IL 
250 a.), wird von Trushard 1187 den Herren von Revigliasco 
zu Lehen gegeben, nachdem sie es aufgetragen haben. 
Heinrich VI. verlieh den Ort mit Arimannen und servitium 
dem Thomas von None, dessen Söhnen Friedrich IL diesen 
Besitz bestätigt (B-F. 778). 1220 gab Friedrich IL Celle 
wieder den Herren v. Revigliasco und Trofarello zu Lehen 
(ß-F. 1211). 

An der Stelle von Testona entstand der Ort Mon- 
calieri (Monte Calerio). Denselben schenkt zugleich mit 
dem an der Strasse Chieri-Turin gelegenen Castelvecchio, 
als dessen Kapitän Philipp de Citro, Connetable von Capua, 
1238 erscheint (Ch. 2, 1840), 1248 der Kaiser dem Grafen 
Thomas von Savoyen. Dieser erhält die Pobrücke, Ver- 
schanzung, Thurm und zugleich Castelvecchio mit Gerichts- 
barkeit und den zu den Burgen gehörigen Leuten, die von 
Demanium in Demanium und von Servitium zu Servitium 
übergehen (Ch. 1, 943. B-F. 3734. 3738). Thatsächlich 
besass die Orte Moncalieri, Castelvecchio, Cavoretto, Col- 
legno und Lanzo noch der Schwiegersohn des Kaisers, 
Jacob von Caretto, und sie sollten nur unter der Bedingung 
Thomas übergeben werden, dass er die Heirat zwischen 
Beatrix und Manfred vermittelte. Jakob sollte den Ort 
erst nach dem Friedensschluss ausliefern, jedenfalls aber 
Ivrea, Canavese, Lanzo in 3, die übrigen Orte in 5 Jahren 
(Winkelmann no. 412. B-F. 3738). Inzwischen bekam Graf 
Thomas den Niessbrauch (Wurstemberger 4 no. 224). 

Endlich war Friedrich noch im Besitz der in der Nähe 
des Ortes Fino gelegenen Burg Montesolo, die ein altes 
Reichslehen der Turiner Kirche war. Infolge dieser Eigen- 
schaft hatte Friedrich eine Verleihung der Burg an die Leute 
von Chieri im Februar 1219 kassiert (Ch. 1, 844. B-F. 979). 
Der Bischof verlieh 1229 die Burg zur Bewachung, zu der 
12 Mann notwendig waren, an Jakob Cognasso mit den 



— 219 - 

dazu gehörigen Weinbergen. Die Besatzung erhielt jährlich 
8 Scheffel Korn und 6 Wagen Wein (Ch. 1, 886). Auch 
der Zoll war recht einträglich; 1216 verpachtete ihn der 
Bischof für 60 Susaner solidi jährlich (Ch. 1, 836). 1238 
scheint sich Friedrich selbst in den Besitz des Castells ge- 
setzt zu haben, denn 1249 belehnt er den Grafen Thomas 
mit demselben (B-F. 3813). Zwischen Moncalieri und Turin 
liegt am rechten Pouf er Cavoretto (Caburretum) , das 
Friedrich II. auch 1248 dem Grafen Thomas verlieh (B-F. 
3738).! 

XI. 

PROVINZ NOVARA. 

Li tteratur: 

Biella: O. T. Mullatera, Memorie della oittä di Biella. 
Biella 1778. 

Borgomanero: De Vit, Memorie storiche di Borgomanero. 
Milano 1859. 

Oanobbio: Informazione del Borgo di Canobbio. Hof- 
bibliothek Turin. Mise. Nr. 511. 

Qozzano: Cotta, Istoria di Qozzano. Hofbibliothek Turin. 
Mise. Nr. 974. 

Lago Maggiore; De Vit, II Lago Maggiore. Prato 1875. 

Massino: Wartmann, Urkundenbuch der Abtei St. Gallen. 
Zürich 1863—66. 

Novara: Carolus a Hasilica Petri (Bescap^), Novaria. No- 
variae 1612. — C. Morbio, Storia di Novara. Milano 
1833/34. — Catalogo della bibliotheca civica di Novara. 
Novara 1886. 

Orta: Fara, La riviera di S. Giulio, Orta e Qozzano. Novara 
1861. 



* Thomas von Savoyen verglich sich wegen seiner zahlreichen, 
dem Bistum geraubten Güter am 3. Juli 1251 mit dem Bischof in der 
Weise, dass er Montesolo und Castelvecchio restituierte. Vgl. B-F. 
13830. Am 22. Mai 1252 belehnt Wilhelm v. Holland den Grafen von 
Savoyen mit Turin, Moncalieri, Rivoli, CoUegno, Montesolo, Castel- 
vecchio, Cavoretto, den Reichslehen der Herren von Piossasco und des 
Berthold de None, der Stadt Ivrea, dem Canavese und der Stadt Lanzo. 
B-F. 5086. 



~ 220 — 

Ossola: E. ßianchetti, L'Ossola inferiore. Torino 1878. — 
Scaciga, Storia di Val d'Ossola. Vigevano 1842. 

Pombia: A. Rusooni, I conti di Pombia e di Biandrate. 1885. 

Trino; Job. Andrea Irici, Rerum patriae libri tres. Medio- 
lani 1745. 

Valsesia: F. Tonetti, Storia della Valsesia. Varallo 1875. 

Yeroelli: Caeoianottio, Summarium monumentorum omnium 
quae in tabulario municipii Yercellensis continentar. 
Vercelli 1868. — CipoUa in den Atti della R. acca- 
demia di Torino. Bd. 26. 1890/91 p. 670 ff. - M. B. 
Ousano, Discorsi historiali concernenti i vescovi di 
Vercelli. Vercelli 1676. — Mandelli, II commune di 
Vercelli nel medio evo. Vercelli 1857/58. — Sitzungs- 
bericbte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 
Philos.-hist. Classe. Bd. 92, 400. Wien 1879. 

A. DIE VORSTAUFISCHE ZEIT. 

Die Provinz Novara teilen wir am besten in den west- 
lich und den östlich der Sesia gelegenen Teil, d. h. die 
Gebiete von Vercelli und Novara, wobei wir das obere Sesia- 
thal zu Vercelli rechnen. 

1. Gebiet von Vercelli. 

Ob in der Stadt Vercelli ein Herzog, ob ein Gastalde 
hier in langobardischer Zeit residierte, wissen wir nicht. 
Ebensowenig ist etwas über eine königliche Pfalz in der 
Stadt bekannt. Dagegen gab es auch in Vercelli einen 
königlichen Hof, von dem aus Güter in der Umgebung der 
Stadt verwaltet wurden. Am 26. Januar 913 verlieh Be- 
rengar I. die „curtis regia** zu Vercelli den Kanonikern des 
Marien- und Eusebienstifts. Der Hof lag zwischen dem 
Thor (pusterla) S. Salvatore, in dem die Gefängnisse lagen, 
dem Markt, der Strasse am Fleischmarkt (macellum), dem 
Thore S. Nazzaro, dem alten Thurm S. Salvatore, dem Thurm 
Sta. Agatha, dem Thurm S. Airaldus, und der steinernen 
Brücke, die über die Vercellina führte. ^ Dazu schenkte 



* Nach Mandelli 3, 72 iF. lag der Königshof zwischen der Chiesa 
S. Salvatore bei der Porta Torino, dem piazzale S. Francesco im Nord- 
osten, der ersten Brücke der Strasse nach Gattinara im Westen und 
dem Oorso del Cervo. Er nahm den östlichen Teil der Stadt, die 
Parochie von S. Maria Maggiore ein. 



— 221 — 

Berengar noch zwei Mühlen in Rivofrigido am Flusse Cervo. 
Zum königlichen Hof in Vercelli gehörte auch Land ausser- 
halb der Stadt, von dem die Kanoniker die Hälfte er- 
hielten. Ferner bekamen sie den auch zum Hofe Vercelli 
gehörigen kleinen Hof zu Montanaro (heute frazione der 
Comune Vercelli) mit 5 Hufen (Durandi, Marca dlvrea 
p. 128 f.). In einer Urkunde von 945 schenkt Bischof Atto 
von Vercelli Montanaro, das von dem ehemaligen Königs- 
hofe abhing, den Kanonikern und berichtet dabei, dass 
Hugo und Lothar den Königshof ihm geschenkt haben 
(Ch. 1, 93).i Ein Haus in der Stadt Vercelli gehörte den 
Königen Hugo und Lothar und wurde von denselben 943 
der Kirche S. Eusebio überwiesen. Doch stammte dasselbe 
nicht aus dem alten Krongut, sondern aus der Erbschaft 
des königlichen Jägers Razo (Ch. 1, 91). Die in der Nähe 
der Stadt gelegenen Flussläufe des Sesia und des Cervo 
schenkten Hugo und Lothar 945 den Kanonikern mit Inseln 
und Ufern (Ch. 1, 95). 

Von den Krongütern in dem Gebiet betrachten wir 
zunächst die Komplexe im Val d'Andorno (um Biella) und 

> Die Stelle: „curtioellam unam eonstitutam in Montanario, 
pertinentem de curte condam regia quae fuit Yercellis, quam nobis 
nostreque eeelesiae domni et Serenissimi regis per precepti paginam ügo 
et Lotharius concesserunt" , ist zweideutig. Das „quam** kann sich 
auf die curtioella in Montanaro oder auch auf die curtis regis in 
Vercelli bezielien. In den SB. der Wien. Academie 92, 400 wurde 
Ton MQhlbacher und dann in der Atti della R. Accademia di Torino 
1890/91 Bd. 26 p. 670 ff. von Cipolla eine Notiz aus Vercelli mitgeteilt, 
die augeblich aus dem 9. Jahrliundert stammt und Schenkungen Karls III. 
ans Bistum Vercelli aufzählt. Hier wird auch eine „curtis regia 
infra urbem** erwähnt, indes ist an anderer Stelle nachgewiesen 
worden, dass die von Karl III. 882 geschenkte curtis regia nicht „infra 
urbem*", sondern bei Ivrea lag, da sie mit Foglizzo und Val Chiusella 
zusammenhing und an anderen Stellen Orco oder S. Giorgio genannt 
wird. Die Curtis regia in Vercelli wurde von Berengar I. den Ka- 
nonikern geschenkt. Die Notiz ist wahrscheinlich im 10. Jahrhundert 
entstanden und hat das Bestreben alle Schenkungen auf Karl III. 
zurückzuführen. Immerhin wäre es auch denkbar, dass die Urkunde 
Berengars von 913 nur eine Bestätigung enthält, und dass im deper- 
ditum Karls III., das auch wir annehmen, ein Hof infra urbem geschenkt 
wurde, der aber keinesfalls mit Ourtisregia schlechthin identisch ist. 



— 222 — 

im Val Sesia und dann die übrigen in der Ebene gelegenen 
in alphabetischer Reihenfolge. 

Am Cervo, dort wo der Fluss aus dem Gebirge tritt, 
liegt die Stadt Biella. Königsgut tritt uns hier zuerst im 
Jahre 826 entgegen, in dem Ludwig der Fromme und 
Lothar einen Herrenmansus in Biella im Gau Ictimolus mit 
Herrenhaus, anderen Gebäuden, Unfreien, Alpen und Wäl- 
dern als Tauschobjekt gegen 8 Mansi in Beek bei Nym- 
w^egen dem Getreuen Boso geben (B-M. 805). Dann kennen 
wir Biella aus der grossen Schenkung Karls III. für seinen 
Kanzler Liutward, Bischof von Vercelli, im Jahre 882 
(B-M. 1592). Der Kaiser schenkt seinen grossen Hof Bu- 
gella mit Höfen, Villen, Alpen und Fertinenzen. Trotz dieser 
Schenkung scheint sich in Biella noch königliches Territorium 
erhalten zu haben. 988 grenzt ein von Rotofred verkauftes 
Grundstück zu Biella am Orte Lade auf drei Seiten an 
Königsland (Ch. 1, 164), und 1010 wird zu Deriacum bei 
Biella ebenfalls Königsland erwähnt (Ch. 1, 217). Das Castell 
zu Biella gehört 1027 dem Bischof von Vercelli (Ch. 1, 269). 

Anderthalb Kilometer östlich von Biella liegt Chia- 
vazza (Clevasia). Am 18. Januar 1001 schenkt Otto III. 
diesen Hof dem Bistum Vercelli (St. 1247. DO. III. 388). 
In der gleichen Urkunde verschenkte der Kaiser den 12 Km. 
nordöstlich von Biella gelegenen Hof Bioglio (Bedolium).^ 

Sehr umfassend waren die Schenkungen Ottos des 
Grossen in der Umgebung von Biella, die dem Grafen 
Aimo zu gute kamen. Am 30. Juli 963 erhielt derselbe 
die zwei in der Grafschaft Vercelli gelegenen kleinen Höfe 
Andorne, Hauptort des Val d' Andorne, 6 Km. nördlich von 
Biella, und Molinara, dessen Lage wir nicht zu bestimmen 
vermögen (DO. I. 251. St. 329). Von w^eiteren Schenkungen 
giebt uns eine Urkunde Ottos III. vom 22. Oktober 988 für 
Manfred, Aimos Sohn, Kunde, wonach Otto dem Aimo 
folgende Höfe verlieh (St. 919. DO. HI. 50): 



* Die beiden Orte sind schon DO. III. 323 genannt, doch ist die 
Urkunde unzuverlässig, und die beiden Ortsnamen mögen durch Inter- 
polation hineingekommen sein. 



— 223 - 

Gallavico (Galianicum DO. III. 823. 383), wahrscheinlich 
= Gaglianico, 3 Km. südlich von Biella an der Strasse 
nach Salussola, vielleicht identisch mit Monte Galiano, wo 
Hugo und Lothar 943 Besitz, den sie von verschiedenen 
Leuten geerbt hatten (von den Brüdern Gottfried und Atto, 
der Rainza und ihren Schwestern) der Kirche S. Eusebio 
verliehen (Ch. 1, 91). 

Mutiano = Muzzano, 9 Km. von Biella am Elvo, 
auffälliger Weise in den späteren Urkunden für Vercelli 
nicht genannt. Vielleicht ist es das Muciana, das der 
Adelheid gehörte und von ihr an S. Salvatore. vermacht 
wurde (CL. 997. DO. IL 281). 

Cisidola = Cossila (?) nördlich von Biella, Ponde- 
rano (Ponderano) 3V2 Km. südlich von Biella, Candelo 
(Canderio, Candele DO. IIL 323. 384) 5 Km. südöstlich von 
Biella, Trivero (Triverio) nordöstlich von Biella im Gebirge. 
999 befanden sich diese Orte im Besitze des Bistums Ver- 
celli (DO. III. 323), wobei ein Teil derselben als ehe- 
maliges Besitztum Berengars und Adalberts genannt wird. 

Im oberen Val d'Andorno hielten sich bis in die Zeit 
Ottos IIL Reichsbesitzungen. Dieser Kaiser gab am 1. Novem- 
ber 1000 dem Bischof Leo zu den alten Besitzungen den Forst 
Mortigliengo (Morcilianum), der im Val d'Andorno zwi- 
schen S. Paolo und Campiglia liegt. In Quirino (vielleicht 
Quaregno bei Cossato östlich von Biella) wird das dem 
Fiskus gehörige Gut dem Bischof überwiesen (St. 1242. 
DO. IIL 384). 

Im Valsesia bestätigte Karl IIL mehrere Güter dem 
Bistum Vercelli, Es handelt sich um Höfe, die einst aus 
einer früheren, vielleicht königlichen, Schenkung stammten 
und damals restituiert wurden. Es sind dies Sostegno 
(Sestegnum) mit Alpen und Zubehör, und Romagnano,^ am 
Austritt der Sesia aus dem Gebirge mit Weinbergen, Alpen 
und Zubehör. Dieser Hof reichte bis zum Ortasee, doch 
gehörte dieser Teil dem Bistum Novara (St. Acta no. 265). 
Dazu kam der südlich von Romagnano am rechten Sesia- 



> Auch Wiener SB. 92, 401 genannt. 



- 224 - 

ufer sich ausdehnende Wald von Roasenda, der sich bis 
zum Cervo erstreckte (silva Kovaxinda), und von dem noch 
heute Reste bei S. Giacomo del Bosco übrig sind (Ch. 1, 38. 
B-M. 1592). Zu Aureliaco (Aranco bei Borgosesia?) im 
Sesiathal schenkten Hugo und Lothar am 4. März 945 ihrem 
Getreuen Ricard 2 mansi mit Unfreien und massaritiae, die 
der Graf von Fontaneto vorher innegehabt hatte (Catalogo 
della bibliotheca civica di Novara 1886 p. IM, Muratori 
Antt. 1, 429). 

In der Ebene sind folgende Orte zu erwähnen: Care- 
sana, an*der unteren Sesia, unweit der Mündung in den 
Po,* kommt zuerst vor in der bereits oft erwähnten 
Schenkungsurkunde Karls IIT. für Liutward von Vercelli, in 
der die curtis Cariniana dem Bistum restituiert wird (B-M. 
1592). Als Zubehör von Cariniana, worunter zweifellos 
Caresana, südlich von Vercelli, zu verstehen ist, ist das am 
linken Sesiaufer gelegene Langosco genahnt. Im 10. Jahr- 
hundert kam der Hof an das Haus der Markgrafen von 
Ivrea, doch scheint auch Otto der Grosse Ansprüche da- 
rauf gemacht zu haben. Daraus erklären sich dann die 
eigentümlichen Verhältnisse des Gutes am Ende des 10. tlahr- 
hunderts. 987 schenkt Konrad, der Sohn Berengars IL, 
den Hof Caresana mit Castell, Häusern, Capelle (zu Ehren 
Simons und Judas'), Fischerei in Po^ und Sesia und Hafen 
dem Bischof von Vercelli. Als Grössen werden angegeben: 
für das Castrum 6 perticae iugiales 

vineae, capella, sedimina 100 Joch 

terrae arabiles 200 „ 

prata, gerba 300 „ 

silvae 400 „ 

1000 Joch 
(Provana p. 331). 



* Ein zweites Caresana Blot liegt an der Strasse VerceHi-VaraUo, 
9 km. von VerceUi. 

' Deshalb dürfte an Caresana Blot, was sonst nahe liegt, nicht 
gedacht werden. Doch ist es möglich, dass es zu Caresana zwei 
Höfe gab. 



— 225 — 

Von Otto dem Grossen, der Caresana als Gut Be- 
rengars der Konfiskation verfallen ansah, wurde der Hof 
der Kaiserin Adelheid überwiesen, die ihrerseits ihn 
gleichfalls dem Bistum Vercelli zum Geschenk machte 
(November 995). Die Kaiserin schenkt den Kanonikern von 
S. Eusebio den Hof Caresana (Carisiana) mit Castell und 
einer dem hl. Mathias geweihten Capelle — die Capelle ist 
also nicht identisch mit der von Markgraf Konrad ge- 
schenkten — mit dem Hafen an der Sesia und dem Fluss- 
bette von der Capelle des hl. Columban bis zum Po;^ der 
Hof hat folgende, von dem von Konrad geschenkten ganz 
abweichende Grössen Verhältnisse : 



Castrum 


1 Joch 


vites seu prata 


1000 , 


terra arabilis 


3000 „ 


gerbae et buscalia 


1 4000 „ 


silvae et paludes 



8001 Joch 

Der Hof umfasste danach 8000 Joch (ca. 6000 Hektar == 
60 D Km.), ca. 1 D Meile, was sehr wohl denkbar ist, da 
von Caresana bis Langosco 6, bis an die Sesiamündung 
10 Km. sind. Die Kanoniker von S. Eusebio waren aber 
vorsichtige Leute. Sie Hessen sich die Urkunde der Adel- 
heid nicht nur in einem Placitum vor dem königlichen Missus 
Herzog Otto und Alberich 996 bestätigen (Ch. 1, 180), sondern 
auch im gleichen Jahre den Hof vom Markgrafen Hugo, 
Humberts Sohn, schenken (Ch. 1, 182). Die Urkunde stimmt 
mit der Adelheids im wesentlichen überein (Castrum 3 Joch, 
bei Adelheid 1). Im Jahre 997 bestätigt dann Otto HI. 
den Hof den Kanonikern (DO. HI. 264) und 999 der bischöf- 
lichen Kirche von Vercelli (DO. HI. 323). 

Cavaglia, zwischen Santhia und Salussola, nach Ci- 
polla (a. a. 0. p. 682) identisch mit Caballi, das Karl III. 
dem Bistum Vercelli schenkt. Der Bischof Ingo von Ver- 
celli entfremdete den Hof dem Bistum durch einen Tausch, 
den Otto H I. im Jahre 1000 kassiert (DO. III. 383).^ 

* cf. p. 224 Anm. 2. 

' Es könnte auch CavaUo nördlich von Biella gemeint sein. Ein 
Ort Caballiaca wird DO. III. 50 dem Grafen Manfred bestätigt. 

Darmttadter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 15 



- 226 — 

Collobiano (Colubiano), am Zusammenfluss von Cervo 
und Elvo, in der gleichen Notiz genannt. 

Cusiningo. Kaiser Ludwig III. schenkt 903 seinem 
Getreuen Hidelger, vassus des Vicegrafen Buddo, die „curti- 
cella absa" in Cusiningo, mit 2 besetzten und 5 un- 
besetzten Hufen, zur Grafschaft Vercelli gehörig, und eine 
Hufe, die zur „Curteregia** gehört, in Goretta, ebenfalls 
in der Grafschaft Vercelli (Gh. 1, 61). Die Identifizierung 
der Orte macht Schwierigkeiten; wenn Curteregia hier 
gleich Orco ist, so wäre Goretta die gleichnamige frazione 
der Commune Strambino, südlich von Ivrea. Ausserdem 
giebt es noch zwei Goretta im Valsesia (com. Mollia 
und com. Campertogno), eins com. Vespolate, und ein 
Goretta com. Castellazzo Novarese, beide südlich von Novara. 
Cusiningo ist nicht zu identifizieren. 

De Sana nördlich von Vercelli an der Strasse nach 
Trino. Arduin bestätigt 1003 seinem Kanzler, dem Probst 
der Kirche Vercelli, Cunibert, den Hof Desiana mit Castell 
und Capelle und schenkte ihm die dazu gehörigen öffent- 
lichen Abgaben im Umkreis einer Meile (St. 1847). 

Formigliana am Cervo, nordwestlich von Vercelli. 
Curtis „Firminiana** wird von Karl III. mit Zubehör 882 dem 
Bistum Vercelli überwiesen (Ch. 1, 38. B-M. 1592. Wiener 
S.B. 92. 401), von Otto HI. bestätigt (DO. III. 323. 384). 

Lucedio und Umgebung. In dem am linken Po- 
ufer gelegenen Teile des Vercelleser Gebiets zwischen Dora 
und Sesia lagen einige königliche Besitzungen. Aripert II., 
in einer Urkunde für den Bischof Amilian von Vercelli 
vom Jahre 707, bestätigt demselben Lucedio und das Cere- 
dallo genannte unbebaute Land bis zur Stura — gemeint 
ist die unweit der Sesianiündung links in den Po mündende 
Stura — und bis Ronsecco (Kivosicco), 4 Km. östlich von 
Lucedio (Ch. 1, 7).^ Im Jahre 1000 bestätigt Otto III. — 
auf eine frühere Schenkung zurückgehend — dem Bistum 
Vercelli den ganzen Forst zwischen Baona und Stura 
(Ch. 1, 198. DO. III. 384), d. h. zwischen der obengenannten 

* Durandi, Maroa d'Ivrea p. 80. Roncum siccura auch DO. III. 
323 genannt. 



~- 227 - 

Stura und der „la Bona", die parallel der Stura, nördlich 
von Trino fliesst. Ferner giebt er den ganzen Reichsforst 
(forestum publicum) von der Strasse Roncariolo ^ zur Baona, 
S. Michele di Lucedio und zum Hofe Sulcia. Dieser Ort 
dürfte identisch sein mit Saluggia, das 22 Km. westlich 
von Trino an der Dora Baltea liegt (an der Bahn Vercelli- 
Turin). Solcia kommt als Königshof 903 vor als Aufenthalts- 
ort Berengars I. (BRK. 1320. Ch. 1, 62. CL. 406. „actum 
curte nostra Sulcia) und wird 999 mit dem Walde Salsa 
dem Bistum Vercelli bestätigt (DO. III. 323). 

Nebbiono am Elvo nördlich von Santhia s. Nibbiole 
District Novara p. 229. 

Oldenico (Audiniaco) am rechten Sesiaufer nördlich von 
Vercelli, Quadradola, Victimolum (la Bessa bei Santhia) 
und Salussola (Sazutiolam) am Elvo werden auch in der Notiz 
über die Schenkungen Karls III. erwähnt. Ein Castell in Vic- 
timulo und die Güter des Albert und Wilhelm von Saluciola 
bestätigt Otto III. dem Bistum Vercelli (DO. III. 323). 

Santhia = Sta. Agatha, angeblich von Theudelinde 
gegründet (Tr. 288). 

Eine Reihe von Orten schenkte Heinrich IV. im Jahre 
1070 (St. 2737. Ch. 1, 368) seinem Kanzler, dem Bischof 
Gregor von Vercelli. Wir wissen nicht, ob diese Höfe aus 
dem alten Krongut, ob sie aus konfiszierten oder ererbten 
Gütern herrührten. Es sind die Orte (mehrere liegen in 
der Provinz Alessandria): Casale, Odalengo, Redengo süd- 
lich vom Po, Albano (Albalingo) nördlich von Vercelli,^ 
Oleen engo (Ocesingo), nordwestlich von Vercelli, Momo 
(Momolerium), Selve (Seivolina), westlich von Vercelli. In 
diesen Orten schenkte Heinrich zugleich die Arimannia, 
die Servitia und die Grafschaftsrechte. 

2. Gebiet von Novara. 

lieber die Stadt Novara wissen wir aus der lango- 
bardischen Zeit ebensowenig wie über Vercelli. In der 

' Roncarolo ist frazione der Commune S. Germano Vercellese, 
14 km westlich von Vercelli. 

• Albano wird 999 dem Bistum Vercelli bestätigt DO. IIL 323. 

15* 



^- 228 - 

Stadt lag am Markt ein königliches Grundstück, 1 Joch 
gross, und eine Hufe, die Lothar erst seinem Getreuen 
Heribert, dann den Kanonikern von S. Gaudenzio gab (Ch. 
1, 100). Auf früheren königlichen Besitz in Novara weist 
ferner eine daselbst 1122 erwähnte vinea regis hin, die der 
Bischof verpachtete (Ch. 1, 453). 

Unmittelbar östlich grenzte an die Stadt Novara die 
Cella S. Nazzaro an der Agogna an, die der Kaiserin Adelheid 
gehörte und von ihr dem Kloster S. Salvatore in Pavia 
geschenkt wurde. In der Stadt gehörte dazu die Benedicts- 
kirche mit Gütern, zusammen 130 Hufen (CL. 997. Col. 1762. 
DO. II. 281). In S. Nazzaro hatte S. Salvatore noch 1076 
Besitzungen (Ch. 1, 387). 

Das Gebiet von Novara teilen wir in die Ebene, das 
Tosathal und den Ortasee, und das Gelände am Lago Maggiore. 

a. Die Ebene. 

Wir zählen die in Betracht kommenden Orte alpha- 
betisch auf: 

Agrate westlich von Borgoticino, identisch mit Agra- 
dade, das Otto I. am 29. Juli 962 den Kanonikern von 
S. Giulio d'Orta schenkte. Der Hof lag in der Grafschaft 
Piomba und hatte 17 Hufen. In der gleichen Urkunde ver- 
schenkte Otto I. den Hof Baraggia^ (Barazzuola) , der 
23 Hufen zählte (DO. I. 243. St. 309). 

Bornago am Tessin nördlich von Novara, identisch 
mit Brunago in der Grafschaft Bulgare, das der Kaiserin 
Angilberga gehörte und durch sie an S. Sisto in Piacenza 
fiel (CL. 270). 

Campagnola bei Borgoticino, vielleicht identisch mit 
dem Hofe Campalona in der Grafschaft Vercelli, den 951 
Otto I. mit der St. Georgskapelle dem Erzpriester Eistulf 
von Vercel li zum Geschenk macht (St. 196. DO. I. 136). 

* Baraggia ist ein in der Provinz Novara häufig vorkommender 
Ortsname. Es giebt Baraggia als frazioni der Oommunen Albano, ßoca, 
BorgoverceUi, Briga, Cameri, Cavallirio, Gozzano, Lenta, Novara, Prato- 
sesia; iSaraggiola als frazione der Commune Borgomanero, Barog- 
giolo als frazione der Commune Novara. Welcher Ort gemeint ist, 
ist nicht zu entscheiden. 



. — 229 — 

Dulzago nördlich von Novara an der Bahn nach 
Oleggio gelegen. Am 7. August 892 tauschen hier Liut- 
ward, Bischof von Novara, und ein gewisser Cunibert Grund- 
stücke. An einer Puciolo genannten Stelle giebt Cunibert ein 
Grundstück, das auf einer Seite an Königsland grenzt. ^ 

Garbagna, südlich von Novara an der Bahn nach 
Mortara, — Carbania (Ch. 1, 100), wo Lothar 950 einen mansus 
den Kanonikern von S. Gaudenzio schenkt. In der gleichen Ur- 
kunde giebt Lothar noch eine Hufe zu Pernate (Prinate), 
östlich von Novara, und zu Sazzago (Saciago) südöstlich von 
Novara bei Trecate. Sämtliche genannte Besitzungen ge- 
hörten dem Heribert, dem sie Lothar geschenkt hatte. Der- 
selbe fiel vor Como, und nach seinem Tode kam sein Gut 
durch eine neue Übertragung an die Krone zurück, die es den 
Kanonikern schenkte. Die villa Sazzago gehörte 969 dem 
Ingo (DO. I. 371. Über ihn vgl. Rusconi a. a. 0. p. 21. ff.). 

Nibbiole. Berengar I. bestätigt Besitz, den Ludwig, 
Karl mann und Karl den Kanonissinnen der Kirche Novara 
geschenkt hatten, und verleiht selbst 2 Hufen „in villa Nebi- 
ole" in der Grafschaft Pombia.^ Es kommen für die Deu- 
tung des Namens drei Orte in Betracht: Nebbione am Elvo, 
Commune Carisio, Nibbiola südlich von Novara bei Vespo- 
late, Nibbia westlich von Novara an der Bahn nach Roma- 
gnano. Der letzere Ort ist mit Rücksicht auf die Bestim- 
mung „in com. Plumbiensi" der Wahrscheinlichste. 

Proh comm. Briona bei Fara Novarese nordwestlich 
von Novara, identisch mit Petrorio, das nach der oben 
besprochenen Notiz Karl III. dem Bistum Vercelli schenkte. 
Falls die Schenkung stattgefunden hat, so scheint Proh, wie 
auch Trecate, später ans Bistum Novara übergegangen zu 



* Documentario episcopale im Capitelarchiy zu Novara Nr. 5: 
„ad yicem dedit ipse Ounibertus eidem domno Liutwardo episcopus (!) 
a parte ipsius ecclesie S. Gaudentii pro nominata terra pecia una de 
loco et fundo Dulciago, ubi dioitur „Puciolo", quod uno capo tenet in 
fossato, alio oapo terra Sti. Petri, uno latere terra domni regia, 
alio terra Sti. Gaudentii et est per iusta mensura iugia una et perticis 
11 et tabulas 0.«* 

* MIÖG. 2, 452. Caparch. Novara Documentario 2, 0. 



~ 230 - 

sein, was auch dadurch wahrscheinlicher wird, weil Liut- 
ward auch dies Bistum inne hatte. 949 vertauscht bereits 
Bischof Kudolf von Novara Güter in Proh (Ch. 1, 99). 

Tiglia (Tilia), nach Amati 8, 248 bei Casalgiate4 km. 
südwestlich von Novara gelegen, war ein Hof des Grafen 
Bernhard und der Rotlind, und stammte aus altem Krongut. 
(DO. II. 130). 

Trecate (Trencate) wird neben Brunago unter den 
von Angilberga S. Sisto geschenkten Orten in „comitatu 
Bulgarensi" genannt, (GL. 270). Wahrscheinlich gelangte 
es nicht in den Besitz von S. Sisto; denn 882 schenkt Karl III. 
den mit Trecate identischen Ort Trecade dem Bischof Liut- 
ward von Vercelli (B-M. 1592). Trecate kam mit Proh 
(s. o.) ans Bistum Novara, dem Heinrich II. 1014 die plebs 
daselbst restituiert. (St. 1632). 

b. Ortnsee und Gebirge, bes. das Tosathal (Grafschaft 

O 8 8 o 1 a.) 

Im Ortasee gegenüber dem Orte Orta liegt die berühmte 
Isola S. Giulio, die in langobardischer Zeit Sitz eines 
Herzogtums war. Der Herzog Mimulf (oder Minulf) wurde 
von Agilulf wegen Verrats zum Tode verurteilt und hin- 
gerichtet. ^ Ob seine Güter eingezogen wurden, wissen wir 
nicht, doch ist es wahrscheinlich. Unter den Karolingern 
kam das Castell auf der Insel und die Insel selbst, wahr- 
scheinlich durch königliche Verleihung, an's Bistum Novara, 
wurde aber demselben, vermutlich aus militärischen Gründen, 
von Berengar II. entrissen und zur Reichsburg umgestaltet. 
Willa flüchtete sich in das Castell, als Otto 962 heran- 
kam (Giesebr. 1, 456). Nach der Eroberung schenkte Otto, 

* Man hat auf der Isola S. Giulio 1697 einen Sarkophag ge- 
funden, mit der Leiche eines Geköpften und einer angeblichen In- 
schrift MEINUL (Bianchetti 1, 69), doch, wie mir von berufener Seite 
mitgeteilt wurde, ist die Inschrift nirgends zu sehen, und der Kopf 
wurde der Leiche aus dem Grunde abgeschlagen, weil man einen an- 
tiken Sarkophag benutzte, der für die Leiche zu klein war. Dennoch 
dürfte wohl die PD. 4, 3 erwähnte Insula' S. Juliani mit Isola S. Giulio 
identisch sein. 



— 231 — 

der selbst seinen Aufenthalt in der villa Orta nahm, am 
29. Juli 962 die Insula St. Julii (St. 309. DO. I. 243) den 
Kanonikern von S. Giulio in Orta. 

Weitere, auf dem Ostufer des Ortasees, zum Hofe 
Orta gehörige Besitzungen der Krone, lernen wir im Jahre 
892 kennen. Zu Petinasco nördlich von Orta, am See 
lag ein Stück Wald „Plagio" genannt, das auf einer Seite 
an Königsland angrenzte (OL. 357). 

Die Fortsetzung dieser Etappenstrasse von Novara 
nach dem Rhonethal bildeten zwei Besitzungen im Val 
d'Ossola, ^ das die Tosa durchfliesst. Dort, wo das An- 
zascathal und mit ihm die Montemorostrasse ins Tosathal 
einmündet, lag das alte Castell Vergonte, westlich von 
Vogogna am rechten Tosaufer. Dasselbe gehörte 962 zu 
Cielo d'Oro in Pavia (GL. 654. DO. I. 241), war demselben 
aber höchst wahrscheinlich aus königlicher Schenkung zu- 
gekommen. Weiter oberhalb im Val d'Ossola, gegenüber 
der Mündung des auch einen Übergang ins Wallis ermög- 
lichenden Val d'Antrona, liegt Beura, wo Berengar I. 
(zwischen 911 und 915) dem Erwin, Neffen des Bischofs 
Dagibert von Novara, eine zum Hofe Beura gehörige Hufe 
mit Zubehör schenkt (Bianchetti 2 no. 3 p. 9.). 

In dem bedeutendsten Seitenthale des Val d'Ossola, 
im Val d' Anzasca, weist vielleicht die Bezeichnung der 
einen Staffel des Thaies: „Drausu regis** im Jahre 999 auf 
früheren königlichen Grundbesitz hin. (Ch. 1, 194). 

c. Lago Maggiore. 

Einige wenige Spuren von Krongut lassen sich am 
Westufer des Lago Maggiore nachweisen. Gehen wir von 
Süden nach Norden, so treffen wir oberhalb Lesa den Ort 
Massin an. Im Jahre 870 schenkt Ludwig II. neben 
Locarno auch den Hof Massino (Massimo) seiner Gattin 
Angilberga (GL. 237. B-M. 1211), und im Testament der 
Kaiserin wird Masino in der Grafschaft Stazona dem Kloster 



* Dio Grafsohaftsrechte im Val d'Ossola erhielt 1014 der Bischof 
von Novara St. 1632. 



— 232 — 

S. Sisto geschenkt, doch unter der Bedingung, dass bei der 
Marienkirche zehn Mönche wachen und beten sollen für 
das Seelenheil der Kaiserin und ihres seligen Gemahls. 
Den Unterhalt der Mönche soll das Kloster S. Sisto in ge- 
bührender Weise bestreiten (CL. 270). Zwar wurde Massino 
882 von Karl III. (CL. 310. B-M. 1593) und 889 von Ar- 
nulf der Kaiserin bestätigt (CL. 343. B-M. 1767), doch 
scheint der Hof nach Angilbergas Tode nicht an S. Sisto 
gekommen zu sein. Karl III. übertrug die an Wein und 
Oel reiche Abtei seinem Kanzler Liutward zum Niessbrauch 
gegen die Entrichtung von 60 sol. jährlich an die Abtei 
St. Gallen, der Massino nach Liutwards Tode zufallen sollte 
(Dümmler Ostfr. Reich. 3, 282). Am 1. Juni 904 bestätigte 
Berengar I. auf Bitten des Bischofs Salomo von Konstanz 
das Klösterlein der Abtei St. Gallen (Wartmann 2, 337). 
Ebenso wie Reichenau (s. o.) besass jetzt auch St. Gallen 
Güter an den lombardischen Seen, die ihm einerseits Oel 
lieferten, andererseits den Mönchen als Aufenthaltsort auf 
Pilgerfahrten nach Rom dienen konnten. Im Jahre 1134 
ging Massino, auf welche Weise wissen wir nicht, vom 
Kloster St. Gallen an die Visconti über.^ 1142 gab Kon- 
rad III. dem Otto Visconti aus Mailand, dessen Vater Guido 
den Heldentod für den König gestorben war, den Hof Mas- 
sino mit allem Zubehör im Bistum Novara und im Erzbistum 
Mailand zu Lehen (St. 3438). 

Carezzano, zwischen Baveno und Stresa, vielleicht 
identisch mit Carazina oder Carrazana, wo Otto III. drei 
Hufen dem Bistum Vercelli bestätigt, von denen Honig für 
den Fiskus (mel publicum) geliefert zu werden pflegte (DO. 
m. 384. St. 1234). 

Spuren von Reichsbesitz lassen sich auch in dem weiter 
nördlich gelegenen Orte Canobbio erkennen. Die Chronik 
von Novalese (5, 23) berichtet, dass Pfalzgraf Samson den Hof 
Canobbio (Cannobius) dem Kloster Breme geschenkt habe, 
einen Hof, auf dem noch die königliche Sitte bewahrt wurde 
(qua mos regius servatur). Dies bedeutet nun wohl nichts an- 
deres, als dass Canobbio eine königliche Schenkung war, 

* Litta, famiglie celebri italiane, Bd. 5. 



- 233 - 

und dass noch gewisse Abgaben an die königliche Kasse 
auf dem Hofe lasteten. Von diesem selbst erfahren wir, 
dass er an Felsen lag, auf allen Seiten von Wasser um- 
geben und ausserordentlich reich an Fischen war. Wann 
der Ort verschenkt wurde, ist nicht festzustellen. 992 hatte 
Kloster Breme bereits Besitzungen an dieser Stelle (DO. 
IIL 101). Weiter nördlich lag dann der königliche Hof 
Locarno (cf. p. 90), so dass am Westufer des Sees drei könig- 
liche Höfe nachweisbar sind.^ 

B. STAUFI8CHE ZEIT. 

Wie wir sahen, war im 11. Jahrhundert das Reichs- 
gut in der Provinz Novara vollständig geschwunden, so dass 
wir die staufischen Domänen als völlige Neubildung an- 
sehen müssen. Freilich kam man damals über einige An- 
sätze nicht hinaus, da den Grafen von Biandrate und den 
Communen Novara und Vercelli gegenüber an einen um- 
fassenden Domanialbesitz auf die Dauer nicht zu denken war. 

Im Jahre 1154 nahm Friedrich ein am Tessin gelegenes 
Gebiet, das die Uebergänge über den Fluss sichern sollte. 
Es handelt sich um die unweit des Flusses östlich von 
Novara gelegenen Orte Trecate und Galliate und die 
nördlich an der Strasse zum Lage Maggiore gelegene Burg 
Memo. Die drei Burgen, von denen Galliate von alters- 
her dem Erzbischof von Mailand gehört hatte (Ch. 1, 345), 
wurden vom Kaiser erobert und zerstört (Gesta Frid. p. 17. 
Otto Fris. gest. Frid. 2, 18). 1158 nahmen die Mailänder 
die zwei Orte Galliate und Trecate wieder ein und stellten 
die Castelle wieder her (Gesta p. 28), während Momo, Mo- 
sezzo und Fara ihnen schon 1156 zurückgegeben worden 
waren (Gesta 23). Nach der Unterwerfung Mailands 1158 



* Sehr bedeutenden Besitz am Langen See hatte Bischof Liute- 
fred yon Tortona, der dem Geschlecht der Grafen von Seprio angehörte 
(^cf. Rusconi p. 18), so u. a. die Insula, zu Lesa, St'esa (Strisxia), 
Baveno, Carezzano (Cariciano), Locarno etc. (DO. IIL 414). Der Bischof 
gab die Qüter an Otto IIL, der sie dem Monasterium Reginae zu Payia 
verlieh, und an den Herzog Otto, Vater Gregors V. (cf. Mur. Antt. 
3, 741). 



— 234 - 

scheinen die mailändischen Orte jenseits des Tessins wieder 
an die Krone zurückgefallen zu sein , die sie zunächst 
direkt verwaltete. Am 9. Juni 1164 gab der Kaiser 
den Hof und die Gerichtsbarkeit zu Trecate (Treca), 
Galliate, den Hof Momo und Castelletto^ (nordöstlich 
von Momo) seinem Kanzler Rainald von Dassel. Dazu kam 
noch der Reichsbesitz zu Tronzano südlich von Santhia 
(Trunciano) im Bistum Vercelli (St. 4018). 

Grössere Landankäufe wie im westlichen Piemont 
machte Friedrich I. im Gebiete von Novara und Vercelli 
nicht; er kaufte nur dem Bischof Wala von Vercelli 1178 
(St. 4250) die üferrechte an Sesia und Corvo ab, für 2580 
Pfund Paveser Denare, schenkte sie der Kaiserin Beatrix, die 
dann die Flussüberfahrt freigab. Dagegen machte der Kaiser 
sich einige Todesfälle ohne Erben gestorbener Vassallen zu 
nutze. So erwarb er aus der Erbschaft eines unbekannten 
Herren das im Territorium von Vercelli gelegene Val di 
Canal mit dem vetus und novum castrum (St. 3926).^ Der 
Kaiser verlieh diese Güter dem Pfalzgrafen Konrad, der sie 
dem Grafen von Biandrate zu Lehen gab. Friedrich be- 
stätigte dies im Jahre 1162. Als der Markgraf Heinrich ^ 
starb, belehnte Friedrich zwar 1178 (St. 4214) den Grafen 
Rainer von Biandrate mit dessen Gütern, doch behielt er 
das Orta gegenüber am Westufer des Sees gelegene Arto 
(Artui) mit Castell und Zubehör für sich. Wie lange das 
Castell Reichsgut blieb, wissen wir nicht. Auch unter den 
„Curiae regales in agro Mediolanensi" sind zwei, Pallanza 
und Lesa (Lexia) in unserem Gebiet^ gelegen, wahrschein- 
lich aus Mailander Besitz erworben (cf. p. 182 f.). Mit Pal- 
lanza belehnte Otto IV. am 15. April 1210 die Grafen von 
Castello, zugleich mit Cerro, gegenüber auf der Ostseite des 
Sees (B-F. 379. Catalogo della bibl. Nov. p. 139). Unter 
Friedrich IL ist es zur Bildung von Domänen im Gebiete 
von Novara nicht mehr gekommen. 

» Vgl. die Karte Prov. Mailand p. 178. 

* Die Lage vermögen wir nicht festzustellen. 

* Ein marchio Henricus genannt St. Acta ined. 363. 25. Okt. 1164. 

* Hier hatte 1185 S. Ambrogio 8 Hufen (Aresio p. 70). 



i 



— 235 - 

XII. 
PROVINZ ALESSANDRIA. 

Fiitter Atur: 

Aoqui: Joh. B. Moriondi, Monumenta Acquensia. Taurini 
1789/90. 

Alessandria: Codex qui über oruois nuncupatur in der 
Bibliotheca storioo-^iuridica vol. 9. Roma 1889. — 
G. Ghilini, Annali di Alessandria. Milano 1666. — Graef, 
Die Gründung AlessandriaB. Dresden 1887. Ital Aus- 
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Asti. Bd. 27. 28: CipoUa, Di Audace vescovo di Asti. 
Di Brunengo vescovo di Asti. 

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Marengo: F. Oliva, Marengo antico e moderno. Alessandria 
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Miscell. 69 no. 7. — Claretta, Reminiscenze di Verrua 
im Archiv, stör. Lombardo 8, 225. 



— 236 — 

1. GebietvonTortona 
(östlich von Tanaro-Bormida-Orba). 

In der Stadt Tortona lässt sich königliches Besitztum 
nicht nachweisen, doch ist es möglich, dass es hier einen 
königlichen Hof gab, weil man die Kaiserin Judith ^ gerade 
hierhin verbannt hat. 

Oestlich der Scrivia stossen wir auf eine Reihe 
königlicher Besitzungen im Gebirge und in der Ebene. Am 
25. Mai 869 schenkt Ludwig IL seiner Gemahlin (B-M. 1207. 
Mur. Antt. 6, 27): Sesilla in Toresiano comitatu, wahr- 
scheinlich Sezella (Commune Arquata Scrivia) im Borbera- 
thal östlich von Serravalle (oder Sisola in gleichem Thale 
weiter oberhalb, Commune Rocchetta Ligure) und Doveno 
in Tortonensi comitatu, wahrscheinlich Dovanelli (Com- 
mune Rocchetta Ligure) im obersten Teile des Borbera- 
thals. Sesilla, zu dem als Pertinenzen Vara (Varinella, 
westlich von Sezella) und Laucillo gehörten, wird von Ir- 
mingard 890 dem Kloster S. Sisto in Piacenza geschenkt 
(CL. 345). 

In einer Urkunde vom 24. November 893 verleiht 
Kaiser Lambert dem Heurard, Vaesallen des Grafen Heu- 
rard, die folgenden Höfe in der Grafschaft Tortona (Ch. 
1, 48): Viguzzolo, östlich von Tortona (Vicuciolo), ein 
kleiner Hof, an dem an Martini ein Markt abgehalten wurde. 
Dazu gehörte ein Höriger (Manens) im Orte Cisiniano,^ 
das vielleicht mit Cusinasco (?) südlich von Viguzzolo iden- 
tisch ist, Dernice (Darnisi) im oberen Thale des Curone, 
gleichfalls ein kleiner Hof, und Memoriola, das nicht 
aufzufinden ist. Es wird DO. III. 303 als Gut des Klosters 
Bobbio aufgeführt. 

Eine dritte bedeutende Schenkung fand im Jahre 945 
statt. Hugo und Lothar gaben der Gräfin Rotrud, dem 
Grafen Elisiard und seiner Gattin Rotlind, der Tochter 



^ Nach Salice p. 102 errichtete Ludwig I. ein Kloster S. Eufemia 
in Tortona. 

' Ein Ort Oisiniano wird DO. II. 243. dem Kloster Leno bestätigt. 



- 237 - 

König Hugos, die königlichen Güter in den in der Grafschaft 
Tortona gelegenen Orten: Garbanigo = Garbagna,^ süd- 
lich von Tortona im Curonethal, Petranigra, wohl Piet- 
ranera, Comm. Ottone im obersten Trebbiathal und Bese- 
muntio, das nicht festzustellen ist (GL. 575). 

Hugo und Lothar schenkten ausserdem dem Martins- 
kloster zu Tortona die Castelle auf dem Mte. Alfeo (Alferio), 
zwischen Godiasco und Volpedo, und zu Cagnano (Comm. 
Casei Gerola) am Curone, wie aus einer Urkunde Ottos IV. 
hervorgeht (Ughelli 4, 632, B-^F. 490). 

Der Hof Pontecurone, nordöstlich von Tortona, an 
der Bahn nach Voghera, das auch „Ad Pontem" heisst und 
mit dem Bypont- im Verzeichnis der salischen Reichshöfe 
(Const. 440) identisch sein dürfte, leistete zwei regalia 
servitia. Die Arimannie und die Gerichtsbarkeit zu Caselli de 
Pontecurone mit dem Territorium schenkt Agnes dem Bi- 
schof von Tortona, was Heinrich IV. 1083 bestätigt (St. 
2851a). Dazu kam noch der Hof zu Peccorara^ mit der 
Villa Sicca. Ob wir es in diesem Fall mit altem Reichs- 
gut zu thun haben, ist zweifelhaft; vielleicht handelt es 
sich nur um Rekuperationen Heinrichs III. Der Hof Ponte- 
curone w^ar nämlich ein altes Gut des Klosters Cielo d'Oro, 
dem er noch 20. Oktober 1041 von Heinrich III. selbst be- 
bestätigt wurde (St. 2220). 

Ausserordentlich bedeutend war der Reichsbesitz zwi- 
schen Scrivia und Bormida-Orba. Ja, wir können 
annehmen, dass sich bis ans Ende des 10. Jahrhunderts, 
zwischen den Linien Alessandria-Tortona nördlich und Ca- 
priata-Novi südlich, ein Gebiet von 20 km. Länge und ca. 
15 km. Breite im Reichsbesitz befand. Das gesamte Terri- 
torium wurde der Adelheid zum Geschenk gemacht und von 



* Die Gerichtsbarkeit in den CasteUen Garbagna und Voghera 
bestätigt Otto IF. dem Bistum Tortona. DO. II. 206. 

' Const. 440 denkt an Ponti Prov. Alessandria. Wir folgen 
Matthäi p. 14. 

' Gut des Klosters Bobbio DO. I. 206. Allein es giebt noch ein 
Peccorara mand. Pianello Prov. Piacenza. 



- 238 - 

ihr S. Salvatore zu Pavia überwiesen. Allein es ist zweifel- 
haft, ob die Schenkung in ihrem vollem Umfange die An- 
erkennung der Krone fand. Teile des Gebiets wurden viel- 
leicht von Heinrich III. rekuperiert, gingen aber unter 
Heinrich IV. wieder verloren. Die einzehien Höfe des Ge- 
biets sind in alphabetischer Reihenfolge die folgenden : 

Basaluzzo (Baxeregucia oder Basiligucia), westlich 
von Novi, unweit der Orba, im Besitz der Adelheid, wird 
von ihr S. Salvatore geschenkt (CL. 997. DO. II. 281. DO. 
III. 375). In dem Verzeichnis des 11. Jahrhunderts steht 
Basaluzzo unter dem Namen Basiliadus* mit zwei Königs- 
diensten verzeichnet. S. Salvatore machte noch im 13. Jahr- 
hundert Ansprüche auf Basaluzzo und Fresonara (B-F. 13608). 

B s c , auch in der Nähe des Orba, nördlich von 
Novi, als „Castello di Bosco" genannt in den die Güter 
Adelheids betreffenden Urkunden (CL. 997. DO. IL 281). 
Zu Bosco gehörten noch Pertinenzen. 

Fresonara bei Basaluzzo, westlich von Novi (Frixi- 
naria), ebenfalls von Adelheid S. Salvatore geschenkt (CL. 
997. DO. H. 281. DO. HI. 375). 

Frugarolo (Felegariolo) bei Bosco (CL. 997, DO. 
IL 281). 

Marengo,2 mit Pertinenzen. Die Pfalz, an der Strasse 
von Alessandria nach Tortona, wurde nach Angabe des Lokal- 
forschers P. Oliva (a. a. 0. p. 49) von Theoderich gegründet. 
Sie wird als Residenz zuerst 825 erwähnt, als Lothar hier ver- 
weilte (B-M. 989, actum Marinco regio palatio). Dann war 
Lothar 837 wieder hier (B-M. 1024, pal. regio), Ludwig IL 
851 (B-M. 1148), 860 (B-M. 1183), 872 (B-M. 1217, Marenco 
curte regia). Kaiser Lambert, der auch urkundlich in Marengo 
nachweisbar ist (DümmlerReg. Lambert 6.9.10. und Ch. 1, 53), 
kam hier auf der Jagd um (Liutpr. Antapodosis 1, 40. 42). 
Es befand sich nach Liutprands Angaben bei Marengo ein 
ausserordentlich grosser und wunderschöner, zur Jagd höchst 



* Nach Const. 440 Basiglio prov. Milano 

' Das Material über Maren o^o stellt Graef, Die Gründung von 
Alessandria p. 26 ff. fast vollständig zusammen, doch muss es des 
Zusammenhangs wegen hier wiederholt werden. 



- 239 - 

geeigneter Forst, wahrscheinlich der alte Reichsforst Urbis, 
in dem auch die Langobardenkönige jagten. Paulus Dia- 
konus erzählt von der „vastissima silva**, in die Alahis 
und Cunincpert zur Jagd auszogen (PD. 5, 37). Auch Liut- 
prand lag in diesem Wald, der sich bis Foro am Tanaro 
erstreckte, dem Waidwerk ob (PD. 6, 58). Wenn es von 
Otto L heisst, dass er sich 964 in den Wäldern Liguriens 
auf der Jagd erholte, so dürfte wohl auch an diesen Forst 
zu denken sein (Dömmler, Otto I. p. 367). Doch kehren 
wir zu Marengo zurück, das auch in diesem Wald gelegen 
haben muss. 

Das erste Stück unseres Hofes, auf dem linken Tanaro- 
ufer gelegen, wurde 905 von Ludwig IIL dem Kloster S. 
Maria Theodotis geschenkt. Es war die Halbinsel (insula) 
zwischen Tanaro und Bormida, die Horto genannt wurde, 
und die noch heute den Namen „61i Orti** trägt, nordöstlich 
von der Stadt Alessandria. Die Grenzen des Gebiets, das 
zum Hof Marengo gehörte, sind bestimmt in der einen Ur- 
kunde (CL. 414) durch Bormida, Rivo frigide und eine 
königliche Wiese (Rivo frigide wahrscheinlich ein Tanaro- 
arm). In der andern Urkunde vom gleichen Tage (CL. 415) 
wird Orto geschenkt zwischen Rivo frigide und pratum 
regis, dazu die terra arabilis Anglare zwischen S. Martin, 
der Bormida, dem Graben von Rovoreto und dem pratum 
de Avi. Eine Bestätigung unter Form einer Neuschenkung 
fand 920 durch Berengar L statt, in einer Urkunde, die 
sich im wesentlichen an CL. 415 anschliesst^ (CL. 491). 

Den noch übrigen Teil des Hofes, rechts der Bormida, 
verliehen Hugo und Lothar 938 der jungen Braut Lothars, 
der späteren Kaiserin Adelheid (CL. 552). Diese vermachte 
auch Marengo mit ihren anderen italienischen Gütern an 
S. Salvatore (CL. 997). Dabei erfahren wir, dass zu Ma- 



* Cfj. 414 schenkt bloss die Insel Horto, CL. 415 ebenfalls Horto, 
wobei die Grenzen durcheinander geraten sind, indem das Stück 
„coherens Burmia — fine Anglare" zu Horto gehört, dazu aber nocli 
Anglare. CL. 491 bestätigt beides. Vielleicht wurde CL. 415 gefälscht, 
um Ton Berengar die Bestätigung der beiden Güter zu erwirken. 



— 240 — 

rengo auch das uns unbekannte Lacoscuro und nicht weniger 
als 1300 Hufen gehörten.^ 

Die Schenkung Adelheids wurde dann von Otto II. 
(DO. II. 281), nicht aber von Otto III. in DO. III. 375 be- 
stätigt. Dieser gab am 22. November 1001 Hof und Castell 
Marengo, das Berengar und Adalbert gehabt hätten, an 
S. Salvatore Jteginae" oder S, Felix in Pavia (DO. III. 415. 
St. 1273). Marengo wurde dann S. Salvatore von Heinrich II. 
bestätigt (St. 1599), nicht aber von Heinrich III. Wahr- 
scheinlich war inzwischen der Hof dem Kloster entrissen 
und für das Reich eingezogen worden.^ Im Jahre 1043 
urteilt der Königsbote Adaiger auf dem Hofe Marengo unter 
der Loggia vor der Sala des Königs (Ficker 4 no. 59). 
In dem Verzeichnis der Königsgüter steht Marengo mit 
acht Königsdiensten unter dem Namen Marona verzeichnet. 
Heinrich III. schenkte den Hof, „Marin** genannt, seiner 
Gemahlin Agnes, was Heinrich IV. 1065 bestätigte (St. 2667. 
Ch. 1, 361). Dann scheint Marengo an S. Salvatore wie- 
der zurückgefallen zu sein, denn am 3. April 1077 bestätigt 
Heinrich IV. das Gut wieder dem Kloster (St. 2799) und 
bestätigte in einer besonderen Urkunde noch die St. Martins- 
kirche zu Marengo mit ihren Pertinenzen. Wahrscheinlich 
wurde diese Urkunde (St. 2799 a), die vom gleichen Tage 
datiert ist, wie die allgemeine Bestätigungsurkunde, mit 
Rücksicht auf die frühere Revindikation ausgestellt. Frei- 
lich scheint S. Salvatore nicht mehr grossen Einfluss in 
Marengo gehabt zu haben, denn schon 1135 erscheint es als 
Commune (cfr. Graef p. 29). Die weitere Entwickelung ist 
in der Besprechung der staufischen Zeit zu erörtern. 

Novi (Nove). 

Pasturana (Pastoriana), westlich von Novi. 



* Vielleicht sind hier die zahlreichen umliegenden Höfe ein- 
hegrifFen, die von Marengo abhingen. 

* Dies scheint mir wahrscheinlicher zu sein, als ein Fortbestehen 
der königlichen Rechte in Marengo neben den klösterlichen, wie Graef 
anzunehmen scheint (a. a. O. p. 27). Wahrscheinlich hat schon Kon- 
rad II. den Hof für das Reich eingezogen, cf. Buch I p. 43. 



- 241 - 

Pozzolo (Puzzolo), nördlich von Novi. Diese drei 
Orte sind ebenfalls Schenkungen Adelheids an S. Salvatore 
(CL. 997); Pozzolo auch DO. IL 281, Pasturana DO. IL 281 
und DO. III. 375 bestätigt. 

Orba ist entweder Capriata d'Orba^ oder das ober- 
halb gelegene Castelletto d*Orba oder Rocca Grimalda ^ am 
linken Ufer des Flusses Orba. In „Orba palatio regio" 
urkundet Ludwig IL am 5. Oktober 852 (B-M. 1153). Wido 
schenkt am 14. Mai 891 dem Bischof von Acqui die Kirche 
St. Vigil in „villa nostra Urba** (Moriondi 1, 2). 938 giebt 
König Hugo den Hof Orba (Urba) seiner Gemahlin Bertha 
(GL. 553). Dann erscheint das Gut im Besitze der Kaiserin 
Adelheid, die es an S. Salvatore vermachte (GL. 997. DO. 
IL 281). Im 11. Jahrh. gehörte Orba den Aledramiden. 

Das weiter südlich gelegene Gebiet zwischen P i o 1 1 a 
(Amporio) und Stura schenkten Hugo und Lothar 934 
dem Grafen Aledram (Gh. 1, 84). Es erstreckt sich nach 
Ligurien in die heutige Provinz Genua hinein und ist 22 km. 
lang, aber nur 3—6 km. breit. Im Sturathal lag der Hof 
Auriola, der Mittelpunkt des Gebiets, an der Stelle des 
heutigen Valoria bei Rossiglione (Prov. Genua). 

Staufische Zeit. 

Wie wir sahen, war im 10. Jahrhundert das Reichs- 
gut im Gebiet von Tortona fast verschwunden, dagegen 
waren unter den Saliern Rekuperationen begonnen worden. 
Diese konnten Friedrich L, dem ein Domanialbesitz an der 
wichtigen Strasse nach Genua passend erscheinen musste, 
als Anknüpfungspunkt dienen. 

Auf dem ersten Römerzuge wurde Tortona vom 
Kaiser im Jahre 1155 erobert, das dem König bisher einen 
alten Jahreszins gezahlt hatte.^ Das Gebiet der Torto- 
nesen, die als Reichsverräter gebannt waren, wurde wahr- 
scheinlich für den Fiskus eingezogen, doch hatte dies 



' Nach Araati 2, 382. 

* Nach Matthäi p. 9. Moriondi 1 p. 3 Anm. 4. 

» Vgl. Matthäi p. 23 f. 

Darm Städter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. PJemont. Iß 



— 242 — 

nur vorübergehende Bedeutung, da die Stadt kurz nach 
der Zerstörung wieder aufgebaut wurde. 1164 wurde 
Tortona für eine grosse Summe den Pavesen zur Zer- 
störung überlassen, nebst den Regalien (Gesta Frid. 
p. 56. St. 4024). Doch das Gebiet scheint im Besitz des 
Kaisers geblieben zu sein. In der Reconcilatio von 1188 
verspricht Friedrich die Stadt nicht zu verschenken, ihr 
ihre Geldzahlung zu erlassen, und seinen Castellanen — 
ein Wort das nach Matthäi ^ an dieser Stelle Burgbewohner 
bedeutet — zu erlauben der Stadt zu gehorchen. Es handelt 
sich dabei um folgende 35 (39) Orte, die zum Gebiet von 
Tortona gehörten r^ (Castellani qui in montibus habitant), 
Pozzolo (Putolo), Monte Marsino südöstlich von Tortona, 
Vipecullo, Bagnara, Monleale, (Montelegali) am Curone, 
Bellegnano, Fabrica, Grimiasco, Montacuto, Dernice, Monte- 
bore, alle im oberen Curonegebiet, Merlasino, Bolego, Bru- 
samonico, Liprando, Mongiardino, Savegnona, Grondona im 
Gebiet der Borbera, Perce, Publeto, Montalto, Arquata, 
(Archata) bei Serravalle, Moncucco, Presipiano, Serravalle 
an der Scrivia, Cassano, Stazzano bei Serravalle, Briunti, 
Novi, Bosco, Villa, Avolasca, Sarzano, Castello nuovo, 
Pontecurone. Dazu kommen noch Copara, Azzano, Bagnolo 
und Mons Jarus (in einer anderen Handschrift der Ur- 
kunde). 

Ausserdem aber blieben noch Domänen im Gebiet von 
Tortona im Reichsbesitz. Es sind dies Güter in Castel- 
nuovo Scrivia nördlich von Tortona und zu V i 1 1 a A u r e a , 
wo Heinrich VI. 1193 dem Bischof Land mit Weinbergen 
schenkt. (St. 4755 a. Acta ined. no. 407). ^ 

Im Zusammenhang mit der Zerstörung Tortonas stand 
auch wahrscheinlich die Unterwerfung Marengos: der 
Ort wurde von Lothar oder Konrad zwischen 1135 und 
1145 dem Markgrafen von Montf errat als Reichslehen über- 
tragen (vgl. Graef p. 29). Doch scheint Friedrich I. ihn 



« Vgl Matthäi p. 28 f. 

« St. 4353. Acta ined. no. 410. Const. 284. 286. 

^ -terram laboratoriam cum vineiB". 



- 243 — 

zurückgefordert zu haben. 1158 erscheinen die Leute von 
Marengo im kaiserlichen Lager (vgl. Gesta Frid. p. 30. 68), 
und im Frühjahr 1159 hält sich Friedrich selbst zu Marengo 
auf, das Rahewin ausdrücklich eine „villa regia** nennt 
(4, 26), und empfängt hier die Gesandtschaft der Mailänder. 
Auch urkundlich lässt sich der Aufenthalt hier beweisen 
(St. 3842—3846). 1164 belehnt freilich Friedrich I. den 
Markgrafen von Montferrat mit einer grossen Anzahl von 
Orten unseres Gebiets , worunter Marengo , Frugarolo, 
Pozzolo, Novi, Orba, Tagliolo (St. 4031). Doch diese 
Herrlichkeit dauerte nicht lange, da 1167 die Leute von 
Marengo mit denen von Gamondo am eifrigsten sich an der 
Gründung Alessandrias beteiligten. Zwar gab Heinrich VI., 
das noch als Reichsgut betrachtete Marengo 1191 dem 
Markgrafen Bonifaz von Montferrat (St. 4729), doch diese 
Verleihung war wohl nur nominell. Durch die Entstehung 
einer Stadt wie Alessandria war einem Domanialbesitz in 
dieser Gegend ein für alle Mal ein Ende gemacht. 

Dagegen gelang Friedrich die Erwerbung einer anderen 
sehr wichtigen Besitzung noch nach der Gründung von 
Alessandria, die finanziell den Schaden wieder aufwog, 
nämlich der die Strasse nach Genua beherrschenden Burg 
G a V i , südlich von Novi. Die Burg war im Besitz eines Adels- 
geschlechts, von dem ein Herr Albert 1130 genannt wird. 
(Ch. 2, 168). Nach der Mitte des 12. Jahrhunderts scheinen 
die Herren von Gavi den Titel Markgrafen angenommen zu 
haben. Im Vertrage Friedrichs I. mit Pisa von 1162 
(Const. 205) werden Markgrafen von Gavi genannt. 1172 
schliessen dieselben einen Vertrag mit der Stadt Alessan- 
dria, die vom Zolle von Gavi befreit wird. ^ (Lib. 
crucis no. 62 p. 73). 1175 und 1181 werden Markgrafen zu 
Gavi erwähnt (Costa p. 20. 25). In den folgenden Jahren 
scheint es indes, weil die Markgrafen dem Strassenraub 
oblagen, zum Konflikt und wahrscheinlich — wie bei den 
Grafen von Incisa — zur Ächtung und Konfiskation ihrer 
Güter gekommen zu sein. Am 7. April 1185 fällte der 



» Vgl. Bre88lau, Konrad ü. Bd. 1, 423. 

16* 



- 244 - 

Kaiser einen Spruch, dass die Markgrafen der Gemeinde 
Tortona bis zum Palmsonntag (14. April) den Raub heraus- 
geben, und Kaufleute durch das Syrpiathal und über Gavi frei 
ziehen lassen sollten (Costa p. 37). Wahrscheinlich folgten die 
Markgrafen dem Spruche nicht und hierauf erfolgte vermutlich 
die Einziehung der Burg für den Fiskus.^ Der Kaiser selbst 
urkundet zu Gavi (in Castro Gavio) am 8. Dezember 1185 
(St. 4439). Im April 1190 verwaltet der kaiserliche Castellan 
Siegfried, nach Fickers Ansicht Siegfried von Lautern, die 
Burg, der als kaiserlicher Delegierter in einem Streite zwischen 
Novara und Vercelli richtet (Ch. 1, 633). Wie so vieles 
andere gab Heinrich VI. am 30. Oktober 1191 auch Gavi, 
und zwar an die Genuesen, zu Lehen für deren Hülfe auf 
dem sizilischen Zuge (Const. 337. St. 4701). Zu Gavi ge- 
hörten die Burgen Montaldo (westlich von Gavi), Tassarolo, 
Pasturana (nördlich) und Amelium (Lib. cruc. no. 38). Die 
Burg blieb von 1191 ab in genuesischem Besitz trotz eines 
Versuchs des Markgrafen sich seines Stammsitzes wieder 
zu bemächtigen (Ficker 2, 286). Am 9. September 1198 
verzichtet Markgraf Wilhelm von Gavi auf alle Anprüche 
auf die Burg (B-F. 12170), ein Verzicht, der am 16. Sep- 
tember 1202 wiederholt wird mit Ausnahme des Haupt- 
turms (domignoni), den sie dem Kaiser überliefert hätten 
(B-F. 12253). Friedrich IL bestätigte Genua den Besitz 
von Gavi im Jahre 1220 (B-F. 1179). 

2. Gebiet von Acqui 
(zwischen Tanaro, Bormida und Orba). 

In der Stadt Acqui kennen wir die Verhältnisse bis 
ans Ende des 10. Jahrhunderts nicht. Vielleicht ist die 
Corte Aquis, in der Berengar I. 30. November 896 urkundet 
(Mur. Antt. 5, 635), unser Acqui, obwohl es nicht wahr- 
scheinlich ist, da bis 898 sich Berengar sonst nur östlich 

' Bereits 1178 verweilte die Kaiserin und Heinrich VI. zu Gavi 
(Ficker 2, 207). Doch braucht die Burg deshalb nicht königlich ge- 
wesen zu sein. Das entscheidende ist erst der kaiserliche Castellan. 



- 245 — 

der Adda aufhielt. Später wissen wir von königlichem 
Besitz in und um Acqui nichts. 

Im Gebiete von Acqui sind vor allem drei grosse 
Schenkungen zu erwähnen: an Bertha, Hugos Gattin, an 
Adelheid, und die grosse Schenkung an Aledram. 

Am 12. Dezember 938 erhielt Bertha von Hugo und 
Lothar die folgenden Höfe: 

1. Gamondo,^ heute Castellazzo(DurandiPiem.cisp. 234), 
wurde am 22. November 1001 mit Corvetula, das nicht 
festzustellen ist, zusammen an S. Felix in Pavia geschenkt, 
(St. 1273. DO. in. 415). Wahrscheinlich wurde Gamondo 
von Heinrich III. zurückgefordert und wieder Reichsdomäne. 
Er schenkte den Ort seiner Gattin Agnes, der derselbe 1065 
von Heinrich IV. bestätigt wurde (St. 2666). In dem Ver- 
zeichnis der Pfalzgüter steht Gamundio mit 4 Königsdiensten 
verzeichnet. 1106 erscheint Gamondo als Gemeinde, die 
einen Teil von Sezze als Geschenk entgegen nimmt. (Lib. 
crucis p. 38). Es ist vom populus Gamundiensis die Rede. 
Wenn Lothar 1136 Gamondo bekriegte und unterwarf 
(cfr. Giesebrecht 4, 127), so hängt es wohl damit zusammen, 
dass der Ort de iure noch als Reichsgut betrachtet wurde. ^ 
Im Februar 1146 schliesst Gamondo einen Vertrag mit 
Genua ab und bekommt 1152 den grössten Teil der 
markgräflich Boscoischen Güter geschenkt (Lib. crucis 14. 38). 
Die weitere Entwicklung ist unten zu verfolgen. 

2. Das Castell zu Retorte (Rivotorto) an der Orba. 
Von diesem Orte ist eine Schenkung in der ottonischen 
Zeit nicht nachweisbar. Es hat sich hier vielleicht ununter- 
brochen Reichsbesitz bis in die salische Zeit erhalten. In 
dem Verzeichnis der Pfalzgüter erscheint Retor mit 2 ser- 
vitia. Am 1. April 1065 schenkt dann Heinrich IV. (St. 
2658. Guichenon 2, 76) den Ort Retorte (Rivum Tortum) 
mit allem Zubehör in der Grafschaft Acqui an das Kloster 
Fruttuaria. 



> \g\. Graef a. a. O. p. 31 ff. 

2 Von Lothar bekam vielleicht der Markgraf von Montferrat 
Gamondo als Lehen, of. Matthäi p. 20. 



— 246 — 

3. Den Hof Sezze (Setiacum), im Verzeichnis der 
curiae als Zeca mit 3 servitia genannt. 1020 gründen 
die Aledramiden hier ein Kloster (Muletti 1, 345). ' Schon 
am Anfang des 12. Jahrhunderts erscheinen zu Sezze Mark- 
grafen, die sich vermutlich in den Besitz der Reste des 
dortigen Domanialbesitzes gesetzt hatten. Heinrich IV. zer- 
störte Sezze, das aber von den Markgrafen wieder aufgebaut 
wurde.2 Sie verfügen 1106 über Teile von Sezze zu Gunsten 
der Gemeinde Gamondo (Lib. crucis p. 38). 

Nicht so bedeutend sind die Güter, die Adelheid links 
der Orba besass. Es sind (CL. 997): Rivo Cervino, ver- 
mutlich nach dem Bach Cervino genannt, der Sezze gegen- 
über in die Bormida mündet, und Bionzi (com. Castigliole 
d'Asti), vermutlich identisch mit Blundi. Vielleicht gehört 
auch Centasco in diese Gegend. Die drei Orte wurden 
von Otto n. (DO. II. 281) und Rivo Cervino auch von Otto 
III. (DO. III. 375) S. Salvatore bestätigt. 

Weit umfassender ist die Schenkung Ottos des Grossen 
an Aledram vom 23. März 967 (St. 419. DO. I. 339. Ch. 1, 
130), in der freilich eine Reihe von Ortsnamen sich nicht 
genau bestimmen lassen. In dieser Urkunde schenkt Otto 
dem Markgrafen die Höfe in den wüsten Gegenden zwischen 
Tanaro, Orba und der Meeresküste. Der Kaiser verschenkt 
nicht etwa alles Land sondern eben nur seine Güter in 
demselben, womit dann freilich der Reichsbesitz in den ge- 
nannten Grenzen sein Ende fand. Es handelt sich um 
folgende Höfe:^ 

Gobangiasco = Bagnasco am oberen Tanaro, Prov. 
Cuneo; Balangio = Biangero bei Asti Com. Castignano 
(cfr. Cipolla Mise. 27, 275); Salescedo == Saliceto an der 
oberen Bormida, Prov. Cuneo; Lecesi=Lesio im oberen 



* Vgl. Bresslau, Konrad II. 1, 394 ff. 

' Bresslau a. a. 0. p. 395. 

^ Interpolationen sind, wie Sickel bemerkt, nicht ausgeschlossen 
und daher kann für den einzelnen Ort die Eigenschaft als Reichsgut 
nicht mit Sicherheit behauptet werden. Auch ist die Identifizierung der 
Ortsnamen unsicher, cf. Durandi, Cisp. p. 190 ff. 



— 247 - 

Tanarothal, Prov. Cuneo; Salsole == Sassello am Giovo (Prov. 
Genua, nahe der Grenze unserer Provinz); Niolia = Mioglia 
bei Sassello, ebenfalls Prov. Genua, doch an der Grenze 
der Prov. Alessandria; Pulcione ==Ponzone (?), südlich von 
Acqui; Grualia = Grilli am rechten Ufer der Bormida, 
gegenüber von Bubbio; Pruneto am rechten Ufer der 
Bormida, Prov. Cuneo; AI tesino unbekannt; Cortemiglia 
an der Bormida, Prov. Cuneo; Montoneso nicht zu be- 
stimmen; Nosceto = Nucetto am Tanaro beiCeva, Prov. 
Cuneo; Masionti = Masio am rechten Tanaro uf er, östlich 
von Asti (?); Arche bei Acqui nach Muletti 1, 291.^ 

Ein Hof Bellamium in comitatu aqinensi wird 898 
S. Christina geschenkt (CL. 391). Ob darunter die Graf- 
schaft Acqui zu verstehen ist, ist freilich zweifelhaft. 

Es erübrigt noch das Gebiet zwischen Bormida und 
Tanaro, insbesondere die Verhältnisse auf dem Boden des 
heutigen Alessandria (das ja „fisci circumdatur agris". 
Gottfr. Viterb. 5, 844), zu besprechen, wobei wir um den 
Zusammenhang zu wahren, auch auf das linke Ufer des 
Tanaro übergreifen müssen. 

Villa del Foro, westlich von Alessandria am rechten 
Tanaroufer, in der Nähe des Waldes Urbis nach Paulus 
Diakonus (6, 58). Hugo und Lothar verliehen dem Grafen 
Aledram 935 den Foro genannten Hof in der Grafschaft 
Acqui am Tanaro mit allem Zubehör vom Tanaro bis zur Bor- 
mida, und von Barcile (?) bis Carpaneto östlich von Acqui. 
In Ronco erhielt Aledram kein Gut, sondern nur die Graf- 
schaftsrechte. (Mur. SS. 23, 321). Allein von Heinrich HI. 
wurde mit anderen Orten auch Foro zurückerworben, ob mit 
Geld oder mit Gewalt wissen wir nicht, und Agnes übertragen 
(„ad matrem meam et ad me pertinentibus"). Heinrich IV. 
schenkte den Hof mit Zubehör am 16. Juni 1070 dem 
Kloster Fruttuaria (Ch. 1, 367. St. 2735). 

^ Die plebs zu Cortemiglia sowie die Zehnten zu Ponciano und 
Saliceto bestätigt Otto III. 27. Mai 998 (DO. III. 292), die plebs zu 
Leese, Saleceto und Salsole am 9. Sept. 999 dem Bistum Savona (DO. III. 

328). 



- 248 — 

Oviglio am linken Belboufer, an der Bahn Alessan- 
dria — Alba, wird von Otto I. DO. I. 241 Cielö d'Oro in 
Pavia bestätigt, das den Ort vielleicht aus königlicher 
Schenkung erworben hatte. 

Rovoreto (vgl. Graef p. 40)^ auf dem rechten Ta- 
noroufer, der Hauptteil des heutigen Alessandria. In Rovoreto 
am Tanaro tauscht 793 der königliche Gastalde Sonderulf 
von Asti Grundstücke mit dem Kleriker Augustin. (Leider 
ist die Urkunde Ch. 1, 14 sehr verstümmelt). Die Grund- 
stücke am Tanaro grenzen auf allen Seiten an Königsland, 
das Sonderulf vom König zu Lehen trug. Das Feld, das 
Sonderulf gab, grenzt an Königsland und Land der „homines 
regis". Von den Stücken lagen nun einige am Tanaro am 
Orte Rovoreto. Auch in den Urkunden für S. Maria 
Theodotis (OL. 415. 491), die die „Orti" (s. o.) betreffen, 
wird Königsland bei Rovoreto erwähnt. Im 10. Jahrhundert 
ging Rovoreto mit Oviglio und Pavone (s. u.) in den Besitz 
des Klosters Cielo d'Oro über. Die mansi in Rovorri, die in 
der Urkunde Ottos I. von 962 (St. 309. DO. I. 241) erwähnt 
werden, liegen wahrscheinlich in Rovoreto. Konrad II. be- 
stätigt dem Kloster Cielo d'Oro ausdrücklich den sog. Hof 
„Corte regia" in Roboreto (St. Acta no. 245. St. 1927). 

Gegenüber auf dem linken Tanaroufer, ebenfalls ein 
Stadtteil von Alessandria, liegt Bergoglio, das, wie Graef 
nachgewiesen hat (p. 24), dem Erzbistum Mailand gehörte. 
Ein Aufenthalt Heinrichs V. im Jahre 1116 (St. 3147) lässt 
sich als Zeugnis dafür, das Bergoglio einmal Krongut war, 
nicht ins Feld führen, und auch die Nachbarschaft anderer 
Domänen kann dies nicht beweisen. ^ 

Dagegen lassen sich in dem unterhalb, gegenüber der 
Bormidamündung gelegenen Pavone königliche Besitzungen 
nachweisen. Im September 919 wird in Pavone eine Ort- 
lichkeit „pratum regium" genannt (GL. 485). 922 wird 
eine curtis regia zu Pavone erwähnt (GL. 496) und das 
pratum regis, und 9:^8 ist wieder vom pratum regis die 



^ Der hier nicht vollständig ist. 
2 cfr. Matthäi p. 19. 



- 249 — 

Rede. (CL. 526). Otto I. bestätigt den Hof Pavone 962 
dem Kloster Cielo d*Oro, den ihm ein „honprabilis vir"* 
geschenkt habe (DO. I. 241). Pavone ging also bestimmt 
nicht von der Krone an Cielo d*Oro über, was um so mehr 
auffällt, da gerade hier besonders viele königliche Güter 
lagen. 

Solero, westlich von Alessandria am linken Ufer des 
Tanaro, war ebenfalls ursprünglich fiskalischer Besitz, 
doch schon Karl der Grosse schenkte 774 die villa 
Solario mit Zubehör den Mönchen von S. Martin in Tours 
(CL. 52. B-M. 163). Noch im 12. Jahrhundert wurden 
die Rechte von St. Martin hier anerkannt (vgl. Graef p. 46). 
Am 15. Juli 904 urkundet Berengar in curte S. Martini in 
Solaria (Dümmler Reg. Ber. 44. Ch. 1, 64). 

Es bleiben noch zwei im Verzeichnis der Curiae ge- 
nannte Orte, die vielleicht in unserem Gebiet gelegen sind, 
übrig, über die wir indes wenig wissen: 

Canelli am Belbo, das mit 8 servitia als Civitas 
verzeichnet steht, und Viguila^ nobilis curia, das möglicher- 
weise mit Vigliano zwischen Mombercelli und Asti iden- 
tisch ist. — 

In der stau fischen Zeit spielen die Bestrebungen 
einen Domanialbesitz zu schaffen, im Bezirk von Acqui 
keine grosse Rolle. Es hängt dies mit der ganzen Art der 
Domanialpolitik Friedrichs I. zusammen, dem es wesentlich 
darauf ankam, strategisch wichtige Punkte zur Beherrschung 
des Landes und der grossen Handelsstrassen zu gewinnen, 
und nur für ihre Verproviantierung auch für einen ausreichen- 
den Landbesitz zu sorgen. Nun zog die Strasse von Turin 
nach Genua am linken Tanaroufer entlang, die Strasse von 
Mailand nach Genua durchzog das Gebiet von Tortona. 
Ausserdem konnte Friedrich nicht daran denken, den mit 
ihm befreundeten aledramidischen Markgrafen Land abzu- 
gewinnen, und selbständige Communen gab es ausser Ga- 
mondo, das unter montferratscher Oberhoheit stand, in diesem 
Gebiete nicht. Die Leute von Gamondo zogen zwar mit 

* Nach unserer Vermutung ist es mit Vigevano identisch. 



— 250 — 

Friedrich in den Kampf (Gesta Frid. p. 30), doch hieraus 
kann man noch nicht auf die Zugehörigkeit zum Reichsgut 
schliessen. 1164 wurde der Markgraf von Montferrat (St. 
4031) in unserem Gebiete mit Villa del Foro, Gamondo, 
Retorte, Sezze, Rocca Grimalda, Castelnuovo, Carpeneto, 
Montaldo, Mombaruzzo und Visone belehnt. 

Auf diesen Reichslehen, die dem Markgrafen von 
Montferrat zustanden, nicht auf unmittelbarem Reichsgut, 
entstand Alessandria. In der Reconciliatio Alessandriae am 
14. März 1183 erscheint der Kaiser als Gründer der Stadt. 
Darnach gingen die Bewohner derselben hinaus, und ein kaiser- 
licher Gesandter führte sie hinein. Der Kaiser gründet, wie 
es in der denkwürdigen Urkunde heisst (Const. 292. St. 4357) 
die Stadt aus den 7 Orten Gamundio, Marinco, Bergolio, 
Roboreto, Solerio, Foro, Oviliis und 40 Familien von Quargnenti 
und teilt ihr den Namen „Cesaria" zu. Der Anspruch des 
Kaisers gründete sich eben auf die Reichslehnbarkeit der 
Orte Marengo, Gamondo und Foro. Auch behielt der Kaiser 
den Brückenzoll über den Tanaro, ebenso wie ihm auch ein 
Teil vom Zoll zu Basaluzzo gehörte (Lib. cruc. p. 17). Auch 
die Regalien und Besitzungen ausserhalb der Stadt, die 
Reichslehen der Markgrafen waren, erhielt Friedrich zurück. 
Ferner versprach der Kaiser der Stadt, sie nicht zu ver- 
äussern, ein Beweis, dass sie als Reichsbesitz angesehen 
wurde. Über die Orte Marengo und Gamondo verfügte 
Heinrich VI. am 8. Dezember 1191 (St. 4729) zu Gunsten 
des Markgrafen Bonifaz von Montferrat und bestätigte 
gleichzeitig den Ort Foro. Zwei Jahre später gab Hein- 
rich VI., trotz des entgegenstehenden Versprechens seines 
Vaters, den Ort Caesarea dem gleichen Markgrafen zu 
Lehen (St. 4839). 

Im Jahre 1191 war noch einmal Gelegenheit zur Er- 
werbung von Krongütern in grösserem Umfang gegeben. 
Wie die Markgrafen von Gavi, trieben auch die am Belbo 
und an der Bormida begüterten Markgrafen von Incisa 
Strassenraub. Sie wurden deshalb gebannt, und ihre Güter 
wegen Hochverrats konfisziert. Doch während noch Friedrich 
Gavi fürs Reich eingezogen hatte, gab Heinrich die konfis- 



— 251 — 

zierten Güter dem Markgrafen Bonifaz von Montferrat zu 
Lehen (St. 4676). Es sind die Orte Montaldo (östlich von 
Acqui), Kochetta (Kocca Grimalda?), Incisa am Belbo, 
Casteinuovo an der Bormida, Cerrano, Bergamasco am Belbo, 
Cereto, Ketorto, Cassine an der Bormida und Carpeneto. 
(Moriondi 1, 94). 

Später sind südlieh vom Tanaro keine Rechte der 
Krone mehr geltend gemacht worden; nur in Acqui er- 
scheint 1240 Opizo von Revello als kaiserlicher Kapitän 
(Ficker 2, 497). 

3. Gebiet von Asti und Montferrat 
(zwischen Tanaro und Po). 

Im Mittelalter war Asti der bei weitem bedeutendste 
Ort im südlichen Piemont. In langobardischer Zeit war es 
Sitz eines Herzogtums, das zur Zeit Agilulfs der Bruder 
Theudelindens Gundwald inne hatte (PD. 4, 40) , dessen 
Sohn Aripert I. 653 den Königsthron bestieg (4, 48). Viel- 
leicht wurde das Herzogtum nicht wieder besetzt, die her- 
zoglichen Güter wurden königlich, und in Asti ein Gastaldat 
errichtet, das wir freilich erst 793 nachzuweisen vermögen. 
Damals trug der Gastalde Sonderulf Güter vom König zu 
Lehen (Ch. 1, 14). Die „Curtis Ducati" wurde in Asti Stätte 
des Gerichts, an der 880 der Vicegraf Batericus an Stelle 
des Grafen Suppo (in mallo publice in curte ducati Ch. 1, 36) 
und 940 Graf Ubert (in locus ubi olim curte ducati 
Ch. 1, 88) Gericht abhielten. 

In der Stadt gab es in der karolingischen Zeit an- 
sehnlichen königlichen Besitz, der sich namentlich um das 
alte Castell konzentrierte. Bei einem Tausch zwischen dem 
Bischof der Stadt und dem Priester Giseprand grenzt ein 
Grundstück in der Stadt bei der St. Martinskirche an Königs- 
land im Jahre 886 (Ch. 1, 42). Ein anderes Grundstück, 
das Archipresbyter Peter dem Diakon Staurax in Tausch 
giebt, ebenfalls in der Stadt, grenzt im Jahr 886 (Juni) an 
Land des Kaisers (Ch. 1, 43). Im Jahr 924 schenkte König 
Rudolf seinem Getreuen Otbert das alte Castell zu Asti mit 



— 252 — 

der St. Ambrosiuskirche und den Pertinenzen, zwischen der 
grossen Strasse auf der einen, der Strasse nach St. Lorenz 
auf der anderen, dem Land des Presbyters Helperand und 
von S. Maria auf der dritten, und dem Graben von St. Angelo 
auf der vierten Seite. Dazu schenkte der König 6 männ- 
liche und 1 weibliche zum Fiskus in Asti gehörige Unfreie 
mit Weibern und Kindern (Ch. 1, 73). 

Sei es nun, dass beim Tode Otberts das Castell zurück- 
fiel, sei es, dass Hugo und Lothar die Urkunde Rudolfs nicht 
anerkannten, das königliche Castell kam wieder an die Krone 
zurück, bis es endlich von den letztgenannten Königen 938 
dem Bischof Bruning geschenkt wurde. Zu dem Castell 
erhielt derselbe noch eine Wiese und eine brayda ausser- 
halb der Stadt am Flusse Verza (der heutigen Versa, die 
wenig östlich von Asti in den Tanaro mündet), am Orte 
Madingü, und 6 Häuser mit den darin wohnenden Unfreien 
(Ch. 1, 87). Diese namentlich genannten Unfreien sind z. T. 
dieselben, wie die von Rudolf verschenkten: 

Ch. 1, 73 Ch. 1, 87 

Cunimundus Oddo 

Astisanus Astisianus 

Georgius Georgius 

Walfusus Erimald 

Lubedeus Lubedeo 

Lusimundus Jussimundus 

Raperga ^ 

Auffallen muss es, dass noch in einer Tauschurkunde vom 
Dezember 939 (Jahr 14 Hugos, Jahr 9 Lothars), ein Grund- 
stück beim alten Castell an Königsland grenzt (Ch. 1, 88). 



* Cipolla Mise. 27, p. 182—188 nimmt eine andere Entwicklung 
an, als die im Text gegebene, indem er sich auf Ch. 1, 86 vom No- 
vember 937 stützt, in der Bischof Bruning ein Stück „prope eoclesia . . . 
posita infra castello sita civitate Astense** verpachtet. Doch die Ur- 
kunde ist ausserordentlich verstümmelt. Cipolla meint, Otberts Nach- 
folger Graf Anscar hätte das Castell der Kirche Asti geschenkt und 
Hugo und Lothar hätten es nur bestätigt, was wir auch für möglich 
halten. 



— 253 - 

Es ist dies die letzte Urkunde, die noch von Königsland 
in der Stadt berichtet. Bischof Bruning verlegte seine 
Residenz dann auf die Burg. ^ 

Die Orte des Bezirks betrachten wir in alphabetischer 
Reihenfolge, wobei wir die Entwicklung bis 1152 führen. 

Annone, östlich von Asti am linken Ufer des Tanaro, 
vielleicht identisch mit der curtis regia Naones, in der 
Berengar I. am 5. Mai 897 (Dümmler Reg. Berengarii no. 19) 
urkundet. Dann kam Annone an die Markgrafen von 
Ivrea.P Markgraf Anscar urkundet hier 933 (Ch. 1, 83); 
hierauf kam die Burg an Berengar von Ivrea, den Bruder 
Anscars. ^ Am 9. September 952 schenken Berengar II. 
und Adalbert dem Kloster S. Bartholomeo zu Azzano das 
Tanaroufer in der Breite von 12 Fuss landeinwärts, das zum 
Hofe Annone (Nonis) gehört, besonders an der Stelle, wo 
der Rivus Leprosorum mit dem Tanaro zusammenfliesst, 
um dort einen Hafen anzulegen, und die Hafengelder 
(Guichenon 1, no. 100. Mur. Antt. 1, 909). Das Kloster 
Azzano wurde von Otto I. dem Bistum Asti verliehen 
(vgl. Mise. 11. p. 123 ff.). Annone kam dann, wie es 
scheint, an die Grafen von Turin, die 1021 im Schlosse 
auftreten (Ch. 1, 251). Vielleicht durch Bertha, vielleicht 
durch Rekuperation Konrads IL oder Heinrichs III. kam die 
Burg an den König zurück und erscheint so im Verzeichnis 
der Curiae regales unter dem Namen Naum mit 10 Königs- 
diensten.* Während des Investiturstreits scheint sich der 
Bischof der Burg bemächtigt zu haben, denn am 28. März 
1095 belehnt Bischof Oddo die Consuln der Stadt Asti 
mit der Burg Annone, mit Gebäuden und Kapelle (Cod. 
Astensis no. 635, p. 651). 1123 verfügen die Consuln von 
Asti über Stücke des Forstes von Annone (Ch. 1, 457). Die 
weitere Entwicklung Annones, das in der staufischen Zeit 
eine hochbedeutsame Rolle spielte, wird unten zu er- 
örtern sein. 

« CipoUa Mise. 28, 300. 368 f. 

« Vgl. Bresslau, Konrad II. Bd. 1, 368 Aiim. 8. 

* CipoUa Mise. 27, 218. 

* Doch konnte auch None Prov. Turin gemeint sein (Const. 440). 



- 254 - 

Antignano bei S. Damiano, nördlich von Alba, iden- 
tisch mit Attiniacum in comitatu Dianensi (Grafschaft 
Alba), das Ludwig IL 866 der Angilberga schenkt (B-M. 
1201). 1 

Burio bei Vigliano, südöstlich von Asti, am rechten 
Tanaroufer nach der Ansicht Cipollas (Di Audace vescovo 
d'Asti, p. 275), oder Ivero bei S. Damiano d'Asti, westlich 
von Asti , identisch mit dem Hofe Eburlas, den Lothar am 
4. Mai 839 seinem Getreuen Erembert verleiht (B-M. 1026). 

Calliano, 13 km. nordostnördlich von Asti. Daselbst 
findet Dezember 886 ein Tausch statt zwischen Amandalone 
und der Kirche S. Pietro zu Calliano. Ein Grundstück 
das bei der Fontana fredda liegt, grenzt auf einer Seite 
von Königsland (Ch. 2, 5); zu welchem Hofe dasselbe ge- 
hörte und wann es abhanden kam, ist nicht anzugeben. 
In späteren Urkunden aus Calliano, aus dem 10. Jahrhundert, 
sind Angaben über Königsland nicht mehr enthalten. 

Camerano, 12 km. nordwestlich von Asti bei Monte- 
chiaro. In der leider sehr verstümmelten Urkunde von 
793 (Ch. 1, 14) wird Camerano genannt, doch scheinen die 
in der Urkunde vertauschten Grundstücke bei Roboreto am 
Tanaro gelegen zu haben. 

Casale am Po, angeblich von Liutprand dem Evasien- 
stift geschenkt (cfr. Troya no. 560. De Conti 1, p. 72). 
Von Heinrich IV. wird 1070 Casale mit der arimannia und 
dem servitium dem Bistum Vercelli verliehen (St. 2737. 
Ch. 1, 368). Vielleicht war auch Casale von Heinrich III. 
rekuperiert worden. 

Cinaglio, 11 km. nordwestlich von Asti, wahrschein- 
lich identisch mit „Cinisio in comitatu Astensi" (Durandi 
cisp. p. 296), das Ludwig II. 868 seiner Gemahlin Angil- 
berga gab (B-M. 1207). 

Cocconato in Montferrat, ist ein Gut der Adelheid, 
das diese an San Salvatore in Pavia verschenkte (CL. 997. 
DO. IL 281 „Cauconate"). 

Felizzano, am linken Tanaroufer unterhalb Annone, 



Nach Mühlbacher soll Attiniacum = Dignano in Istrien sein. 



- 255 — 

wird 942 von Hugo und Lothar dem St. Ambrosiuskloster 
in Mailand verliehen. Die Könige sagen, sie seien durch 
Erbrecht von ihrer Mutter^ in den Besitz von Felizzano 
gekommen (GL. 570). Otto I. bestätigte die Schenkung am 
10. Oktober 951 (DO. I. 138). 

G a b i a n am Po, westlich von Casale, angeblich von 
Karl dem Grossen mit 1000 Hufen dem Kloster Novalese 
verliehen (B-M. 162)2. 

Gaja com. Capriglio bei Montafia, nordwestlich von 
Asti, von Adelheid an S. Salvatore überwiesen (GL. 997). 

Lavezzole bei S. Damiano d'Asti, südwestlich von 
Asti im Borborethal. Heinrich IV. schenkt dem Bischof Otto 
von Asti (1091—93?) die Hälfte der Burg Laveggio (St. 
2992 a), die mit Lavezzole identisch ist. Wahrscheinlich 
hatte Heinrich die Burg aus der Erbschaft der Adelheid 
überkommen. 

Mira hello an der Südseite des Granathals, südlich 
von Occimiano, scheint auch durch Rekuperation Heinrichs HL 
an die Krone gekommen zu sein. Der Ort wird am 3. Ja- 
nuar 1069 mit Pecetto, südlich von Valenza, und den 
sonstigen königlichen Besitzungen in Montferrat dem Bischof 
von Vercelli geschenkt (St. 2721). Im Juli 1083 bestätigt 
Heinrich die Schenkung der beiden Castelle (St. 2852). 

Montiglio 20 km. nördlich von Asti, wahrscheinlich 
identisch mit dem in der Liste der Pfalzgüter genannten 
Montilin, das eine nobilis curia war. Im Jahre 988 wird 
von Otto III. Montiglio curtis dem Grafen Mainfred be- 
stätigt (Gh. 1, 160. DO. m. 50). Arduin urkundet hier 
(castro Montigio St. 1841—43) März 1002. Es ist möglich, 
dass Heinrich IL Montiglio eingezogen hat. 

Occimiano (Aucimianum)^ an der Nordseite des Valle 



^ Die Mutter Hugos war Bertha, Tochter Lothars IL und der 
Waldrada. Wahrscheinlich besass Lothar Güter in Italien. 

* Über die unglaubwürdige Urkunde s. o. Provinz Turin, Stupi- 
nigi. Gabiano wird von Otto IIL dem Kloster Breme bestätigt 
(DO. m. 101). 

* Nicht identisch mit Ausimum = Osimo MG. Dipl. 2, p. 929. 
Index. 



- 256 — 

della Grana, wurde 882 von Karl III. (B-M. 1592) dem 
Bistum Vercolli zurückerstattet, nach DO. III. 328 dem- 
selben von Karl geschenkt. 

Odalengo, östlich von Montiglio bei Villadeati, wird 
1070 von Heinrich IV. dem Bischof von Vercelli verliehen, 
vielleicht ein Teil des Hofes Montiglio (Ch. 1, 368). 

Pasigliano liegt südlich von Casale an der Strasse 
nach Turuggia (De Conti 1, 245), von Karl III. dem Bischof 
von Vercelli zurückerstattet, wurde dann aber von Hugo 
und Lothar mit Felizzano zusammen 942 dem Kloster S. 
Ambrogio verliehen (GL. 570), falls nicht in dieser Urkunde 
ein Ort im Mailändischen gemeint ist. Otto I. bestätigt 
die Schenkung (DO. I. 138). Zu Pasigliano verweilt Hein- 
rich V. im Juni 1116 (St. 3142-3144). 

Pecetto s. Mirabello. 

Pontes tu ra == Pons Notingi, das 882 Vercelli be- 
stätigt wurde (B-M. 1592) cfr. Durandi p. 323. 

Redena bei Pecetto vielleicht identisch mit Redengo, 
das Heinrich IV. 1070 dem Bistum Vercelli verleiht (Ch. 
1, 368). 1 

Ruvignano (Rubiniacum) in dem Verzeichnis der 
Pfalzgüter mit 1 Servitium genannt. Die Lage des Ortes 
ist zweifelhaft. Ein Pons Ruvignani wird 1143 bei Asti er- 
wähnt (Miscell. 11, 349). 

S. Salvatore bei Valenza. Nach der in der Atti 
der Turin Acad. Bd. 26, p. 670 ff. edierten Notiz schenkte 
Karl III. die Kirche S. Salvatore jenseits des Po dem Bis- 
tum Vercelli, womit auch DO. III. 323 übereinstimmt. 

Torcello westlich von Casale am Po, wurde laut Ur- 
kunde Ottos III. von 999 von Liutprand dem Bistum Vercelli 
verliehen (St. 1190. DO. III. 323). Torcello dürfte identisch 
sein mit dem im Verzeichnis der Curiae genannten Tarcul. 

Viarigi 16 km. nordöstlich von Asti, identisch mit 
„Vaccaricas in Astensi comitatu", das 868 Ludwig II. der 
Angilberga verleiht (B-M. 1207). 



Ein Redengo bei Asti erwähnt Ch. 1, 149. 



-~ 257 - 



Stau fische Zeit. 



Nirgends waren soviel Anknüpfungspunkte für die 
Bildung eines Kronguts gegeben, wie gerade im Gebiet von 
Asti. Hier hatten noch Heinrich HL und IV. bedeutende 
Besitzungen gehabt, und die grossen Strassen am Tanaro 
und Po, die das Gebiet durchzogen, sicherten demselben 
eine grosse militärische und kommerzielle Bedeutung. 

Im Jahre 1155 traf der Zorn des Kaisers die mächtigste 
der Communen im Tanarothal, die Stadt Asti. Unter den 
Besitzungen derselben ragte besonders die am Tanaro 
Hegende Burg Annone^ hervor, die 1095 der Bischof der 
Stadt geschenkt hatte. Da die Burg ein altes Reichsgut 
war, so ist es nur natürlich, dass sie Friedrich eingezogen 
hat. Doch in dem Vertrag, den der Kaiser am 15. Februar 
1159 mit Asti schloss, (St. 3844), übergab er neben den 
anderen Besitzungen das an besonderer Stelle genannte 
Castell zu Annone (praeterea castrum Nonii) gegen einen 
jährlich zu St. Martin zu entrichtenden Zins von 50 Mk. 
Silbers den Rectoren der Stadt. Die Pertinenzen sollten 
diesen Pachtzins aufbringen. Indes im Jahre 1164 be- 
stätigte der Kaiser Annone mit dem benachbarten Felizzano 
dem Markgrafen von Montferrat (St. 4031), und am 27. 
Januar 1167 belehnte er den Getreuen Arnold von Dorstadt, 
einen niedersächsischen Ministerialen, mit dem Beinamen 
Barbavaria,2 mit der Burg und dem Orte Annone, ihn und 
seine Erben, weibliche und männliche, nach deutschem 
Recht mit Zoll, Weiderecht, Forsten etc., und gestattete 
dem Arnold Befestigungen nach Belieben anzulegen, verbot 
aber eine Veräusserung oder Afterbelehnung. Als Lehns- 
zins forderte der Kaiser jährlich einen guten Falken (St. 4080). 
Da sich Asti dem Lombardenbund anschloss, so ging Annone 
für das Reich verloren. 



* Das meiste über Annone zusammengestellt bei Ficker 2, 207 fF. 

* Er war 1163 Podesta von Piacenza (Const. 218) und hatte auch 
Güter daselbst gehabt (Const. 247). Im Jahre 1170 erscheint er in 
einer Osnabrücker Bischofsurknnde. Osnabr. Urkundenbuch no. 326. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 17 



— 258 — 

Als der Kaiser 1174 Asti unterwarf, wurde ihm Annone 
zurückgestellt. Am 6. November 1175 (St. 4179), 20. No- 
vember 1176 (St. 4185) und 3.4. Juli 1185 hielt sich 
Friedrich (St. 4423 24) selbst in der Burg auf. Am 7. Juli 
1178 schloss er mit Asti einen neuen Vertrag ab (St. 4251. 
Const. 276). Die Consuln und die Credenza von Asti und 
andere Männer, die der Kaiser aussuchte, schworen ihm, 
weder ihm noch seinem Sohne Heinrich noch einem deutschen 
Boten, den sie zum Castellan daselbst bestellen würden, 
die Burg abwendig zu machen. Ferner versprachen die 
Astenser weder diesen Castellan noch die Leute von 
Annone zu verletzen. Streitigkeiten zwischen den Leuten 
der Reichsdomäne und den Astensern sollten gütlich ohne 
Fehde entschieden werden. Dagegen versprach Kaiser 
Friedrich für sich und seinen Sohn die Burg keinem anderen 
zu übergeben, weder als Geschenk noch als Lehen noch zur 
Bewachung, als den Bürgern von Asti. Sollte der Castellan 
sterben, so sollen die Leute von Annone die Burg hüten, 
bis ein deutscher Castellan hinkommen wird. Will der 
Kaiser die Burg nicht mehr selbst verwalten, so wird er 
sie Asti übergeben. Der Castellan und die Astenser leisten 
sich gegenseitig Eide, sich nicht zu befehden. In Kriegen 
gegen Asti verspricht der Castellan neutral zu bleiben. 
In Notfällen dürfen die Astenser nach Annone unter den 
kaiserlichen Schutz flüchten. Dieser im Kaiserpalast zu 
Turin geschlossene Vertrag sollte fünf Jahre in Geltung 
bleiben. 

Der Castellan wurde später in der Person des Thomas 
de Nene bestellt, der von 1185—1197 in Oberitalien eine 
grosse Wirksamkeit entfaltet hat (vgl. Ficker a. a. 0. Töche 
p. 167 Anm. 2). Das Gebiet, das er beherrschte, umfasste 
neben Burg und Ort Annone vor allem Befrancore, Quattordio, 
Cerro, den Forst (Foresto), wahrscheinlich auch die Graf- 
schaft Serralonga (s. u. Cod. Astensis no. 639 p. 655). Vom 
Kaiser hatte indes noch Heinrieh von Quattordio, ein an- 
gesehener Mann der Gegend, in Annone Lehen (Cod. Ast. 
p. 646). 



- 259 — 

Nach dem Tode Heinrichs VI. rückten die Astenser 
vor die Burg. Am 29. November 1197 urkundet der Podesta 
Albert von Fontana „in obsidione Noni" (Cod. Astensis 
p. 616 no. 596). Am 4. Dezember 1197 schliesst derselbe 
mit den Consuln von Annone, unter denen auch Heinrich 
von Quattordio genannt wird, eine Convention ab. Die Burg 
wird der Stadt Asti übergeben, der Podesta gewährt aber 
der Castellanin Elena und ihren Kindern freien Abzug, 
ebenso allen von auswärts stammenden Verteidigern der 
Festung und gewährt den Einwohnern von Annone Amnestie. 
Die von dem Castellan gekauften Grundstücke werden ihm 
zurückerstattet, die Erträge der Burg bis zum nächsten 
Michaeli gewährt (Cod. Ast. no. 638 p. 653). Am 12. De- 
zember ergreift der Podesta Besitz vom Castrum Nono, dem 
burgus, der villa und von Refrancore (Rivo franchoris), Cerro 
und Foresto mit dem Zoll und allen Pertinenzen, soweit sie 
Friedrich und Heinrich VI. gehört hatten. Die Orte dürfen 
ohne Genehmigung der Gemeinde Asti nicht veräussert 
werden (Cod. Ast. no. 639 pag. 655). Am 7. Dezember 
wurde mit dem oben genannten Heinrich von Quattordio 
ein Vertrag geschlossen, in dem der Podesta denselben mit 
einem Dritteil von Quattordio bei Annone belehnt, das er 
vom Kaiser Friedrich und Heinrich zu Lehen gehabt hatte, 
dazu noch mit den Lehen der Kaiser zu Annone (Cod. Ast. 
no. 630 p. 646). 

Ausserdem hatte der Kaiser dem Heinrich von Quat- 
tordio in Annone und Cerro Land geschenkt, das dieser 
seinerseits den Johannitern verlieh, die es wiederum 1198 
dem Podesta von Asti übergaben. (Cod. Ast. 632—633 
p. 649 f.) Heinrich bekam die Güter als Lehen der Com- 
mune zurück (Cod. Ast. 634 p. 650). 

1199 fordert Bonifaz von Montferrat Annone mit dem 
Hofe zurück, doch ohne Erfolg (Cod. Ast. no. 996). Dagegen 
gelang es Otto IV. die usurpierte Reichsburg zurück zu 
gewinnen. Am 14. Juni 1210 schloss er mit der Stadt Asti 
einen Vertrag ab, in dem er dieselbe vom Bann löste und 
ihr die für den langjährigen Genuss der Erträge von Annone 
verwirkte Busse nachliess, da sie ihm das Castell zurück- 

17* 



— 260 — 

gestellt hätte (B-F. 418). 1211 und 1212 wird ein 
Castellan Konrad zu Annone erwähnt, den Otto daselbst 
eingesetzt hatte (Ficker 2, 210). Friedrich IL schlug indes 
die Freundschaft und besonders das Geld von Asti höher 
an als den Besitz der Burg. Am 3. März 1214 — die 
Urkunde ist freilich vordatiert (cfr. B.-F. 723) — verlieh 
er der Commune Asti wegen ihrer Verdienste um das Reich 
die Burg; worin diese Verdienste bestanden haben, erfahren 
wir aus einem Diplom vom 22. November 1214 (B-F. 754), 
nach welchem die obige Urkunde unter absichtlicher Vor- 
datierung ausgestellt wurde. Die Commune Asti lieh nämlich 
Friedrich 1000 Mark Silbers und erhielt dafür als Pfand 
das Castell und das Gut zu Annone, die Bewachung und 
die Einkünfte. Doch hatte es Friedrich mit der Heraus- 
gabe von Annone keineswegs eilig, ja in der Urkunde vom 
Februar 1219 (B-F. 989) nahm er ausdrücklich Annone aus, 
und erst am 25. November 1220 gab er gegen ein neues 
Darlehen von 800 Mark den Bürgern von Asti die Bewachung 
des Castells auf 10 Jahre, in welcher Zeit er sich anheischig 
machte, die Burg nicht auszulösen. Nach Ablauf der Frist 
sollte die Auslösung gestattet sein (B-F. 1224). Zugleich 
befahl er dem Berthold von None, der als Castellan die 
Burg verwaltete, sie ohne Zögern bei Strafe des Verlustes 
der kaiserlichen Gnade dem Podesta von Asti zu übergeben 
(B-F. 1225). Damit kam die Burg dauernd in den Besitz 
von Asti. 

Obwohl über unsere Zeit hinausgehend , mag doch 
erwähnt werden, dass Innocenz IV. Wilhelm von Holland 
bat, den Thomas von Savoyen mit Annone zu belehnen J 
und dass Heinrich VII. 1310 das Castell dem Ritter Ral- 
vengo übertrug, der es 3 Jahre hatte und dann dem Grafen 
Werner, Statthalter des Kaisers, übergeben musste. Dieser 
verkaufte das Castell an Wilhelm Vacca, der es auf kaiser- 
lichen Befehl an den Grafen Amadeus von Savoyen aus- 
lieferte, den Heinrich mit der Grafschaft Asti belehnt hatte. 



^ Oarutti, Regesta oomitum Sabaudiae no. 901. 



- 261 — 

(Della Chiesa, Descrizioiie del Piemonte 5, 99 flf. Univ. 
bibl. zu Turin.) 

Ausser Annone forderte indes Friedrich I. noch mehrere 
Besitzungen in Montferrat für das Reich zurück, die er 
allerdings zum grössten Teile 1164 dem Markgrafen von 
Montferrat verlieh, so unter anderem Mirabelle, S. Giorgio, 
Torcello, Montiglio, Cocconato; als ältere Lehen wurden 
betrachtet Ponte Stura, Gabiano, Brusasco, Valenza, Lü 
(St. 4031). In einer besonderen Urkunde schenkte er am 
8. Dezember 1164 den Markgrafen das Castell Cavagnolo 
bei Brusasco und Vesterna. Besondere Beachtung verdienen 
die drei von Friedrich rekuperierten Burgen Serralonga,^ Lü 
im Valgrana und V' errua am rechten Poufer gegenüber der 
Dorabalteamündung, von denen Rahewin erzählt, dass Fried- 
rich für ihre Befestigung und Besetzung gesorgt habe. 

Lü war eine alte Besitzung des Klosters Savigliano 
und wurde 1164 dem Markgrafen von Montferrat be- 
stätigt. 

Serralonga wurde am 23. September 1074 (St. 2780) 
dem Kloster Fruttuaria von Heinrich IV. mit dem Castellum 
Langobardorum bestätigt.^ Ausserdem treten noch Herren 
von Serralonga auf, die im Jahre 1152 ihr Recht am Castell 
und der Grafschaft an die Stadt Asti für 30 Pfund Astenser 
Denare verkaufen (Cod. Ast. no. 566 p. 566) ; dann wird 
1159 der Kaiser Serralonga genommen haben. 1174 belehnt 
der Erwählte von Asti, Wilhelm die Consuln mit der Hälfte 
von Serralonga. Indes bei der erneuten Unterwerfung 
nahm der Kaiser auch Serralonga zurück, mit der dazu 
gehörigen Grafschaft, die vermutlich auch dem Thomas de 
Nene unterstellt war. Es gehörten dazu die Orte Musancia, 



' of. Cod. Attt. 1, p. 302. Die Lage von Serralonga ist nicht 
sicher. Nach den einen ist es das heutige Serralonga, nach anderen 
liegt es an der Stelle des heutigen Cantarana bei ßaldichieri, vielleicht 
ist es „La Serra*^ bei Montafia. 

* Noch 1175 bekam der Abt von Fruttuaria 15 Scheffel frumenti 
und 15 annonae in Serralonga (Hofbibl. Turin. Mise. 8, 87 p. 257). 
1181 hatte Fruttuaria auch Besitz hier (Ch. 2, 1583). 



~ 262 — 

Musanziola, Travazola und Dusino.^ Am 12. Dezember 
1197 nahm zusammen mit Annone der Podesta von Asti 
die Grafschaft Serralonga für die Stadt in Anspruch, soweit 
sie Friedrich I. und Heinrich besessen hätten, unter den 
gleichen Bedingungen wie Annone (Cod. Ast. no. 639 p. 655). 

Verrua- war ein altes Besitztum des Bistums Vercelli, 
dem Otto III. den Ort bestätigt. Es wird genannt in der 
Urkunde Konrads II. vom 7. April 1027 (St. 1935) und in 
der Friedrichs I. vom 17. Oktober 1152 (St. 3646). Doch 
scheint Friedrich, als er nach Italien kam, die Burg fürs 
Reich genommen zu haben. Im Juli 1159 verweilte die 
Kaiserin hier (MG. 18, 612). Heinrich VI. bestätigte den 
Ort wieder dem Bistum (St. 4725). Im Jahre 1240 nahm 
Friedrich II. das Castell mit bewaffneter Hand. Im September 
1248 gab er dasselbe, das wegen des Verrats des Bischofs 
von Vercelli mit Recht eingezogen worden sei, dem Mark- 
grafen Bonifaz von Montferrat zu rechtem Lehen (B-F. 
3744). 

In dem Verzeichnis der „Curiae regales in agro Medio- 
lanensi" (Turiner Universitätsbibliothek Cod. MXLV fol. 231, 
2) sind in unserem Bezirke die Orte Casale St. Evasii und 
Valenza genannt. Der letztere Ort wurde 1164 Mont- 
ferrat bestätigt. Casale war 1070 von Heinrich IV. dem 
Bistum Vercelli verliehen worden (s. o.). Friedrich hielt 
sich wiederholt in der Stadt auf, so z. B. Januar 1155 
(St. 3703), August 1164 (St. 4026a), Mai 1178 (St. 4247), 
März 1186 (St. 4447/48). Am 5. März 1186 wurde die 
Stadt reichsunmittelbar (St. 4451). Es ist wahrscheinlich, 
dass schon früher der Kaiser dieselbe fürs Reich in Anspruch 
genommen hat. Freilich machte schon längst an Stelle des Bi- 
schofs die Stadt Vercelli Ansprüche auf Casale, das sich schon 
1170 hatte unterwerfen müssen. Im Jahre 1191 bestätigte 



* Musanzola bei Villafranca d'Asti an der Triversa. Die Brücke 
heisst noch heute la Musanza. Zwischen Dusino und YiUafranca lag 
Travezzola (Cod. Ast. 1, 304). 

■ cfr. Hofbibl. zu Turin Miscellanea 69, 7 und Arohivio storico 
Lombarde Bd. 8 p. 225 £f. „Reminiscenze di Verrua^'. 



— 263 — 

Heinrich VI den Ort Casale mit Poinseln und Pertinenzen 
dem Bischof von Vercelli (St. 4725). 1196 kam es zum 
Prozess des Bischofs gegen die Stadt, die unterlag und zur 
Unterwerfung unter den Bischof verurteilt wurde. (Ficker 
4, no. 192). 

Es erübrigt noch auf einige Massnahmen Friedrichs II. 
in unserem Gebiet einzugehen. Wenn diese auch nicht zur 
Bildung eines festen lieichsguts führten, so ist es doch 
angebracht dieselben kurz zu erwähnen. Wie wir sahen, 
verlieh der Kaiser den Astensern nach langem Zögern die 
Burg Annone, und ebenso gab er am 21.. Februar 1219 dem 
Markgrafen von Montferrat die Orte Pasiliano, Torcello, 
und die zwei Castelle zu Cuniolo am Po mit der Pobrücke 
und Mühlen, doch war diese Schenkung (B-F. 981) keine 
Verleihung von Reichsgut, da Pasiliano thatsächlich eine 
zwischen Vercelli und Montferrat streitige Stadt war; 
Torcello, Cuniolo und Pasiliano standen 1214 im Bund mit 
Vercelli (cf. De Conti 2, 95 f.), und Pasiliano ging später in 
Casale auf (De Conti 2, 143). 

Sehr energisch zeigte sich dagegen Friedrich im Jahre 
1221 gegen die Stadt Asti. Der Legat des Kaisers, der 
Bischof von Metz und Speyer befahl den Astensern die 
Grafschaft Loreto, die sie sich angeeignet hatten, für das 
Reich zu restituieren und ebenso den Ort Castagniole, das 
dem Berthold de None gehörte. Der Kaiser bestätigte dies 
und bannte die Stadt Asti (B-F. 1338). Doch zur Einziehung 
der Grafschaft Loreto scheint es nicht gekommen zu sein. 
Im Mai 1226 fand die Lösung vom Banne statt (B-F. 1612). 

Dem Markgrafen von Montferrat verlieh Friedrich April 
1223 die Orte Pecetto, Ponzano, Mte. Castello, Castelletto 
im Val Orba, doch handelt es sich nur um Restitutionen 
(B-F. 1479). Im Jahre 1224 wurden dem Kaiser, der dem 
Markgrafen 9000 Pf. Silber Kölner Gewichts lieh, zur Er- 
oberung des Königreichs Thessalonich, sämtliche Güter des 
Markgrafen verpfändet und zum Fruchtgenuss gegeben, wie 
auch alle Güter, die der Kaiser von den Gläubigern des 
Markgrafen bis zum Betrage von 7200 Pf. einlösen würde 
(B-F. 1524). Unter den Besitzungen des Markgrafen nennen 



ö 



- 264 — 

wir S. Salvatore, Vignale, Moncalvo , Gabiano , Odalengo, 
Tonco, Chivasso, ^^2 Felizzano, V2 Sezze, V2 Retorto. Ver- 
pfändet waren: Valenza für 500 S, Lü für 1000 ®, Rocca 
Val Orba für 1000 %. Der Kaiser scheint auch wirklich 
die Orte besessen zu haben. 1238 (?) belehnte er mehrere 
Edle von Pavia, die er zu Markgrafen von Occimiano er- 
nannte, mit einer Reihe von markgräflich Montferratschen 
Gütern, so mit Mirabello, Pomario, S. Salvatore, Lü, Vignale, 
Valenza, Pecetto (B-F. 8131) J 1239 verzichtete dann aber der 
Kaiser auf alle seine Rechte an den Gütern des Markgrafen 
von Montferrat und belehnte ihn mit allen seinen alten 
Besitzungen (B-F. 2453^68). 1247 musste der Markgraf sich 
verpflichten dem Kapitän des Kaisers Guido Marrachus eine 
grosse Reihe von Burgen auszuliefern (Ch. 2, 1866. B-F. 
13597). Als der Markgraf dann 1248 abfiel, rückte Friedrich 
in sein Gebiet ein und nahm Pasiliano, S. Giorgio und S. 
Salvatore (B-F. 3717 a). Doch der Markgraf unterwarf sich 
(B-F. 3724b) und erhielt nicht nur alles zurück, sondern 
noch Verrua dazu (B-F. 3744). 

xm. 

PROVINZ CÜNEO (Coni). 

Litteratur: 

Bene: G. F. Caglieri, Racoonto storico della cittä di Bene 

in Piemonte. Mondovi 1680. 
Ceva: Olivero, Memorie storiohe di Ceva. Ceva 1852. 
Cherasco* Adriani, Indice analitico e cronologico di aicuni 

docuroenti di Cherasoo. Torino 1857. — Voersio, Storia 

die Cherasoo. Mondovi 1618. 
Fossano: Paserio, Notizie storiohe di Fossano. Torino 1866. 
Mondovi: Grassi, Memorie storiohe della chiesa di Mon- 

teregale. Torino 1789. 
Pagno: Manuel diS. Giovanni in Miscellanea di storia italiana 

Bd. 27 (1889) p. 1 ff. 
Pedona: Historiae patriae monuroenta 5. Praefatio. — 

J. Durandi, Le antiche cittä di Pedona etc. 1769. 
Saluzzo: Muletti (s. 0.) — G. della Chiesa, Chronaca di 

Saluzzo HPM. SS. 3. 



* Die Urkunde ist nicht zuverlässig. 



265 



Savigliano: C. Xovellis, Storia di Savigliano. Torino 1844. 
Vasto: Manuel di S. Giovanni, Dei marchesi del Vasto. 

Torino 1858. 
Villa r S. Costanzo: Meyranesio, Pedemontium sacrum 

1863. 1, 13 ff. 

Ueber die Verhältnisse der Provinz Cuneo in der 
langobardischen Zeit sind wir kaum unterrichtet, wahr- 
scheinlich gehörte dieselbe zum Sprengel der Herzöge von 
Turin und Asti, von einem Gastaldat in diesen Gegenden 
ist nichts überliefert. Dagegen gab es in allen Teilen der 
Provinz nachweisbar einen sehr grossen Bestand königlicher 
Domänen, besonders in den Alpenthälern, die wahrscheinlich 
sämtlich der Krone gehörten. Doch auch in der Ebene 
zwischen Tanaro und Stura und in den am Apennin ge- 
legenen Bezirken stossen wir auf zahlreiche Krongüter. 
Wir zerlegen die Provinz im Folgenden in die Alpenthäler, 
westlich von Po und Stura, und die Bezirke an Stura und 
Tanaro. 

1. Alpenthäler 
(von Norden nach Süden). 

Valle del Po, beginnt am Mte. Viso, ohne einen gang- 
baren Passübergang nach dem Dauphin^, und daher mili- 
tärisch und kommerziell weniger wichtig als die südlich 
gelegenen Thäler. Im oberen Thale sind königliche Güter 
nicht nachweisbar. Revello ^ und Bärge im Val Giandone 
gehörten 1001 dem Markgrafen Odelrich Manfredi (DO. III. 
408), 1028 dem Kloster Caramagna (Muletti 1, 154). Etwa 
3 km. östlich vom Po, am Fusse des Gebirges liegt Saluzzo, 
wo in dem Verzeichnis der Königshöfe (Const. 440) ein Hof 
(Saluza) erwähnt wird mit einer Einnahme von 200 Mark. 
Ob der Hof hier noch eine „uralte aus langobardischer Zeit 
stammende fiskalische Besitzung" darstellt, wie Matthäi^ 



* Const. no. 440 identifiziert „Vivel** mit Revello. Ich würde 
Rivoli vorziehen. 
« p. 13. 



- 266 - 

meint, oder aus den Gütern der Bertha von Turin stammt, 
ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Mit den Besitzungen 
in den Kottischen Alpen, von denen Paulus Diakonus spricht, 
haben diese Güter nichts zu thunJ Die Urkunden, die 
Muletti giebt, sind, obwohl sie auch erst aus dem 11. Jahr- 
hundert stammen, zum grossen Teil falsch oder unzuver- 
lässig. ^ Die erste sichere Nachricht über Saluzzo giebt 
die Gründungsurkunden^ der Abtei Caramagna durch den 
Markgrafen Odelrich Manfred und seine Gattin Bertha vom 
28. Mai 1028. Das Ehepaar schenkt der Abtei den dritten 
Teil des Hofes Saluzzo mit Ausnahme des Castells (Ch. 1, 
272). In einer Urkunde vom 11. Mai 1081 (Ch. 1, 894) 
schenkt Adelheid von Turin dem Kloster S. Maria in Pine- 
rolo Grundstücke in ihrer villa Saluzzo, zusammen 5 Joch 
und 107 tabulae. Somit wäre mit Sicherheit festgestellt, 
dass die Grafen von Turin hier Besitzungen hatten und so 
möchten wir auch annehmen, dass ein Hof in Saluzzo von 
diesen auf Heinrich IV. übergegangen ist, obwohl die Mög- 
lichkeit nicht ausgeschlossen wäre, dass neben dem Grafen- 
gut noch ein Reichshof hier bestanden hat. In den Kämpfen 
nach Adelheids Tod haben sich dann die Aledramiden des 
Ortes bemächtigt. 

In dem südwestlich von Saluzzo gelegenen Val Bronda 
erreichen wir ca. 7 km. von der Stadt den Ort Pagno. 
Der langobardische König Aistulf gründete hier ein Kloster, 
das er reich ausstattete. * Nach einer angeblich heute noch 
vorhandenen Inschrift liegt hier eine Königin (regina potens) 
begraben, nach den einen Gerberga, Gattin Karlmanns I., 
nach anderen Aistulfs Gattin Giseltrud. ^ Als Lothar I. 
825 das Kloster Novalese zwang, für das neugegründete 



* of. p. 201, Anm. 1. 

^ Auch die bei Saluzzo gefundene Inschrift: „regia conduotor^^ 
von 645, die Muletti 1, 51 und Durandi, Del autioo stato 26 erwähnen, 
möchte ich nicht für zuverlässig halten. 

* Muletti erwähnt 1017 zwei Burgen (1, 87j und dann Schen- 
kungen an die Abtei Cavour (1, 247. 250). 

* Chron. Nov. 3, 26. 

^ Miscell. Bd. 27 p. 6 flf. 



— 267 — 

Hospital auf dem Mont Cenis einige Güter abzutreten, wurde 
Novalese durch die Einverleibung von Pagno entschädigt 
(B-M. 989), dem es seitdem verblieb. ' 

Valle di Varaita, vom gleichnamigen Bach durch- 
flössen, ca. 40 km. lang, ermöglicht über den Col de Longet 
und den Celle de VAutaret bei Casteldelfino den Übergang 
nach Embrum bezw. Barcelonette. Das Thal gehörte der 
Krone (iuris nostri imperii) und wurde von Otto III. dem 
Bistum Turin geschenkt (DO. III. 802). 

Valle Maira gehörte den Grafen von Turin und 
wurde 1028 der Abtei Caramagna geschenkt. (Ch. 1, 272). 
Am Ausgang des Thaies liegt bei Dronero Villar S. Co- 
stanzo am linken Ufer der Maira. Die Abtei hier soll 
von Aripert IL gegründet worden sein^ an Stelle der alten 
Römerstadt Cannetum. 

Valle della Stura ist das verkehrreichste dieser 
Thäler, da es durch den nur 1995 m hohen Col d'Argen- 
tera oder Col della Maddalena (auch Col de Lärche) mit 
Barcelonette und dem Thal der Durance in Verbindung 
steht. Wie die Dorathäler war auch das Val Stura durch 
Klausen geschützt, die nach der Angabe Durandis (p. 109) 
bei Pontebernardo, 12 km. unterhalb des Passes lagen. Mit 
diesen Befestigungen (Clusiatico) wurde das Thal von Otto III. 
dem Bistum Turin überwiesen (DO. III. 302). Das untere 
Sturathal war bereits der Abtei Pedona verliehen worden, 
doch scheint diese Schenkung nicht ausgeführt worden zu 
sein (HPM. 5 praefatio).^ Später kam das Sturathal, 
wahrscheinlich als Turiner Lehen, an die Aledramiden, die 
Markgrafen von Saluzzo. 

Als Burgund mit dem Imperium vereinigt wurde, ge- 
wann das Thal wieder erhöhte Bedeutung, doch scheint 

^ Durand!, Piem. cisp. p. 120. 

' Durand!, Cisp. p. 118. Meyranesio 1, 13. Agost. della Chiesa 
!n der Descrizione del Piemonte (Manuscript der Üniv.-Biblioth. Turin ) 
3, 447. — cf. Manuel S. Giovanni, Marcbesi del Vasto p. 171. 

' „a Sturioae olusatico usque ad locum, ubi Gessius in Sturiam 
influit^'. Vielleicht lagen auch die Clusae weiter unterhalb, als Durand! 
annimmt. 



— 268 - 

kein Herrscher darauf aufmerksam geworden zu sein. Erst 
Friedrich L, der das südliche Arelat 1178 selbst kennen 
lernte (cf. St. 4254—4265), erkannte die Wichtigkeit einer 
Verbindung Italiens mit Burgund. Nun war im Nordwesten 
die savoyische Macht consolodiert, und so richtete er seine 
Aufmerksamkeit auf das Sturathal. Eine Notlage des Mark- 
grafen von Saluzzo benutzend, beauftragte er Heinrich VI. 
mit demselben zu verhandeln.* Im März 1187 kam ein 
Vertrag in Asti zu Stande, in dem der Markgraf für 1750 
Mark Silber und 20 V^2 Gold das Sturathal der Krone ab- 
trat. Davon waren 800 Mk. Silber und das Gold sofort zahlbar, 
der Rest zu Michaelis und Weihnachten. Auch versprach 
Heinrich Centallo ohne den Consens des Markgrafen nicht 
zu erwerben und keinen seiner Vassallen aufzubieten. - 

Schon zehn Jahre später war diese Erwerbung der 
Krone verloren. Im Dezember 1197 giebt Markgraf Bonifaz 
von Monf errat das Thal seinem Neffen, dem Markgrafen 
Bonifaz von Saluzzo zu Lehen. Verwundert sagt Gioffredo 
della Chiesa:^ „Una cosa che tiene sospesi che di sopra 
neir anno 1187 il marchese di Saluzzo vendete la Valle 
Sturiana alo imperatore . . . e pure tutte queste cose 
sono per instrumenty**. 

Versuchen wir die Sache zu erklären. Entweder hat, 
da an eine Fälschung der Kaufurkunde nicht zu denken 
ist, Heinrich VI., wie auch anderweitig, den Markgrafen 
Bonifaz auch hier beschenkt, oder dieser hat sich nach 
dem Tode des Kaisers in den Besitz des Thaies ge- 
setzt und dann seinen Neflfen mit demselben belehnt. Für 
uns ist die Urkunde von 1197^ deshalb wertvoll, weil sie 



^ Ich vermute, dass die Verhandlungen nicht aus der Initiative 
Heinrichs heryorgingen, da dieser ganz entgegengesetzte Tendenzen 
verfolgte. 

« Gioflfr. della Chiesa, Chronaca di Saluzzo HPM. 88. 3, 
p. 880. St. 4605. Die Urkunde war im Turiner St.-Archiv nicht auf- 
zufinden. 

» a. a. 0. p. 883. 

^ Ital. Übersetzung bei Gioifr. della Chiesa a. a. 0. p. 883. Original 
im Staatsarchive Turin. Marchesato di Saluzzo 5 a. Gategoria, Mazzo 
primo no. 1 Urk. vom 6. Dez. 1197. 



— 269 — 

uns über den Umfang der ehemals königlichen Güter im Thale 
und die Anzahl der Ortschaften in demselben Aufschluss 
giebt. Es sind: Rocca Sparvera (westlich von Borge 
S. Dalmazzo, Koca Sparviesa), Valloriate (Valloria), 
S. Benedetto, Vinadio (Vinay), Mojola (Mogliola), 
Gajola (Gaglola), Rittana (Ritana), Pondebernardo, 
Pietraporzio (Peraporch), Sambuco (Sanbuch), Berze- 
zio (Breses); nördlich vom Sturathal am Ostabhang der 
Alpen Vignolo und Caraglio, mit Castellen. 

Pedona und Umgebung.^ Nach einer alten Ueber- 
lieferung des Klosters S. Dalmazzo wurde Pedona bei Cuneo, 
heute Borgo S. Dalmazzo zwischen Stura und Gesso, von 
König Agilulf gegründet. Er schenkte dazu einen grossen 
Teil seiner in den Seealpen gelegenen Besitzungen ^ und 
zwar: 

1. Die Gegend abwärts von der Klause der Stura 
(s. o.), die Gegend von Quarte und die Ebene von Quinte, in 
den Bergen und im Flachland. Gemeint ist hierunter das 
unterste Sturathal zwischen Gajola und Cuneo. ^ 

2. Der Landstrich unterhalb von Pedona, zwischen 
Stura und Gesso bis zum Einflus des letzteren in die Stura 
beim Orte Cuneo. Es ist dies ein etwa 10 km. langer, 3 km. 
breiter Landstrich. 

3. Das Thal des Gesso bis zum Celle di Finestre. 
Es ist ein etwa 30 km. langes Thal mit dem Hauptort 
Valdieri. Der Celle di Finestre liegt an der heutigen 
französischen Grenze und verbindet das Flussgebiet des Gesso 
mit dem im französischen Departement Alpes Maritimes 
gelegenen Flecken St. Martin Lantosque. 

4. Das Val di Vermenagna (Vallis Vermedaliae) bis 
zu den Spitzen der Alpen und dem Cornio oder Col di Tenda. 
Das Thal ist etwa 20 km. lang und durch den vielbegangenen 
Passübergang nach Nizza besonders wichtig. Nach einer 



^ Die Belege sämmtlich in HPM. 5, 88. 3, praefatio. B-M. 570. 

^ Ob die 8ohenkungen wirkliob Yon Agilulf stammen, ist uns 
zweifelhaft, doch dürften die angegebenen Landstriche Krongut ge- 
wesen sein. 

* Durandi cisp. p. 113. 



— 270 - 

späteren Urkunde Ludwigs des Frommen schenkten Perctarit 
und Grimoald die beiden letztgenannten Thäler. — 

Cunincpert und Liutprand bestätigten dem Kloster 
folgende Orte, die wahrscheinlich auch, wenigstens zum 
Teil, aus königlicher Schenkung stammten: 

Germanicia verschwundener Ort bei Caraglio in Val 
Grana (s. o.) ^ 

Vernante (Alvernante), im Val di Vermenagna süd- 
lich von S. Dalmazzo. 

Robilante (Reburento) zwischen Vernante und S. Dal- 
mazzo. 

Rivoira (Rivobrazente) |^ östlich von Borge 

Boves (Bovicio) | S. Dalmazzo. 

Quadraginta ist bei S. Benigno an der Grana 7 km. 
nördlich von Cuneo zu suchen ;2 Karl der Grosse schenkte 
hier die „plebs". Alles zusammen bestätigte Ludwig der 
Fromme. 

2. Gebiet desTanaro und der unteren Stur a. 

Während wir in der weiten Ebene zwischen Alpen 
und Stura keine Krongüter nachweisen können, ^ war das 
Dreieck zwischen Stura, Tanaro und den Bergen ganz in 
königlichem Besitz. Der ganze Bezirk hier wurde durch 
Ludwig in. 901 dem Bistum Asti verliehen.* Der Kaiser 
schenkt dem Bischof Heilulf: 

1. Den kaiserlichen Hof Bene (Baienne) zwischen 
Tanaro und Stura, östlich von Fossano mit 100000 Joch 
Land, einem Castell, Wasserleitung und Ländereien. 



' Durand!, Le antiche cittä di Pedona § 1. Cisp. p. 133. 

* Durand! Cispad. p. 133. 

' Die Orte hier gehörten ursprünglich den Turiner Grafen, dann 
den Abteien Caramagna, 8. Maria di Pinerolo, S. Pietro in Turin 
und Savigliano. 

^ Urkunde Ch. 1, 59. Ch. 2, 10, cfr. C. Cipolla, Di Audaoe d'Asti 
in den Miscell. 27 p. 159 ff. 210 ff. 216 ff. 



— 271 — 

2. Güter im Umkreis von S. Maria di Lequio, östlich 
von Bene am Tanaro (S. Maria ad Leucum titulum) mit 
einem von der plebs Bene abhängigen Castell mit 30000 
Joch Land, reichend von Trifolido, wahrscheinlich bei 
Cherasco gelegen, bis zum Pesiofluss (Besum), der sich 
bei Carra, 10 km. südlich von Lequio in den Tanaro er- 
giesst. Dazu gehörte die Abtei S. Maria di Narzole, 
3 km. nördlich von Lequio und die Kirche S. Gregorio di 
Villette (de villa), die nordwestlich von Bene an der Stura 
liegt; dazu kamen Ländereien bis zur Stura. 

3. Die Kirche S. Maria di Cervere (in Cervaria), die 
am linken Sturauf er 6 km. oberhalb Cherasco liegt, mit 
600 Joch. 

4. Salmour (Sarmodorium) am rechten Sturaufer 5 km. 
nordwestlich von Bene, mit dem ganzen Berg und dem Land 
um denselben mit 1070 Joch. 

Hiezu kommen sämtliche Kegalien in der Grafschaft 
Brä, der Hof Niella (Nigella) am linken Tanaroufer öst- 
lich von Mondovi, und sämtliche königliche Höfe zwischen 
Stura und Tanaro in der genannten Grafschaft. In einer 
zweiten Urkunde von 902 wurde noch die Abtei Pedona 
und die Canonica S. Maria hinzugefügt. 

Das verschenkte Gebiet hätte — vorausgesetzt, dass 
die Angaben genau wären — folgende Grösse: 
Bene 100000 Joch = 78540 ha 
Lequio 30 000 „ = 23 560 „ 
Cervere 600 „ = 471 „ 
Salmour 1070 „ == 840 „ 

Sa. 131 670 Joch 103 411 ha 
Wir kämen auf einen Landstrich von 1034 Dkm. (ca. 
20 D Meilen), der etwa dem Fürstentum Waldeck (1121) 
oder dem Schweizer Kanton üri (1076) entspräche und ein 
Siebentel der gesamten Provinz Cuneo (7136) umfassen würde. 
Nun ist das Gebiet zwischen dem Kamm der Seealpen, der 
Stura und dem Tanarothal etwa 1000 qkm. gross, ^ so dass 



^ Es ist' ungefähr ein rechtwinckliges Dreieck. Die Grundlinie 
Colle di Finestre-Ormea von 40 km., die Höhe Ormea-Cherasco ca. 55 km. 



— 272 — 

die Grössenangaben der Urkunde sicher ungenau sind. Der 
Grund für die umfangreiche Schenkung ist, wie Cipolla 
(a. a. 0. p. 162) mit Recht hervorhebt, darin zu suchen, 
dass Ludwig III., dessen Hauptstützpunkt die Provence 
bildete, die Gegend der Seealpen in sicheren Händen zu 
wissen wünschte und die Obhut derselben dem ihm ergebenen 
Bischof Eilulf übertrug. Doch ist es zweifelhaft, ob die Ur- 
kunde in dem vollen Umfang ausgeführt bezw. von Berengar I. 
anerkannt worden ist, zumal sie von Ludwigs Nachfolgern 
nie bestätigt wurde. Erst in der Urkunde Heinrichs III. 
(St. 2204) vom 20. Januar 1041 sind die Orte erwähnt, die 
sich in der genannten Gegend finden, so S. Dalmazzo, Tri- 
foglietto, Bene, Cervaria, Nigella, Lequio, Narzole. Dabei 
soll nicht geleugnet w^erden, dass Asti thatsächlich Güter in 
der Gegend von Bene gehabt hat, da dies auch sonst durch Ur- 
kunden bestätigt wird. So wird von Otto dem Grossen Pedona 
969 bestätigt (DO. I. 374), 973 schenkt ein gewisser Johann 
in Bene dem Bistum Güter in Novello am Tanaro unweit 
Bene (Ch. 1, 139), im Jahre 981 werden vor dem Ge- 
richt zu Savigliano die Ansprüche des Bistums auf Grund- 
stücke in dem zwischen Tanaro und Stura unweit Cuneo 
gelegenen Ort Morozzo anerkannt (Ch. 1, 151), und auch für 
den bischöflichen Besitz in Lequio haben wir einen Beweis 
von 1029 (Ch. 1, 278). 

Am 25. April 1093 schenkte Heinrich IV. dem Bistum 
Asti das Castell mit der villa und Pertinenzen zu Caras- 
sone (St. 2917) am Einfluss der Ellero in den Tanaro un- 
weit »Mondovi. Der Ort ist bereits in der Urkunde Hein- 
richs lil. für Asti erwähnt; doch lagen hier auch Güter 
der Grafen von Turin, ' und es ist wahrscheinlich, dass aus 
deren Erbschaft Carassone an Heinrich überging, der dann 
diesen unhaltbaren Besitz dem Bistum überlieferte. 

Östlich vom Tanaro lagen bis in die ottonische 
Zeit hinein grosse Komplexe von Königshöfen, die durch 



« Muletti 1. 181. 225. 



— 273 — 

die Schenkung Ottos des Grossen an den Grafen Aledram 
übergingen (DO. I. 839). ^ 

Über die Krongüter in der Bischofstadt Alba und 
ihrer Umgebung wissen wir gar nichts, da durch einen 
Einsturz des Bischofspalastes im 17. Jahrhundert sämtliche 
Alba betreffende Urkunden verloren sind.^ 

In der Ebene und in dem Hügelland auf der linken 
Seite des Tanaro kennen wir einige wenige Domänen : 
Cornegliano, östlich von Brä, nordwestlich von Alba 
scheint ein alter Königshof gewesen zu sein. Friedrich I. 
bestätigte 1188 ein ottonisches Privileg für die Leute des 
Ortes (St. 4501), nach dessen Bestimmung dieselben Zoll- 
freiheit im Reiche genossen. Dagegen leistete jedes Haus 
im Mai eine Zahlung von 14 denar, gab ein Viertel der 
Feldfrüchte, 1 Scheffel indisches Korn (suricum), 1 Scheffel 
Hirse (milium), Vs vom Wein,^ von den entfernten Äckern 
V? der Feldfrüchte. Sie erhielten dazu noch das freie 
Weiderecht und Holznutzung, vermutlich im Reichsforst. 
Eine Kapelle in Cornegliano gehörte im 10. Jahrhundert 
dem Kloster Breme (DO. III. 101), doch ist es zweifelhaft, 
ob der gleiche Ort gemeint ist. 

Cavallermaggiore, Bahnknotenpunkt an der Maira 
zwischen dem Po und Savigliano, nach Const. 440 identisch 
mit Cavallar in dem Verzeichnis der Königshöfe. Cavalario 
wird in einer Urkunde Benedicts VIII. als grosser Hof mit 
Appendizien (Ch. 1, 234) und in einem Diplom Konrads II. 
(Stumpf Acta 284) für Breme erwähnt neben S. Giorgio. 
1028 hatte hier die Abtei Caramagna Besitzungen (Ch. 1, 
272), die von Odelrich Manfredi gegründet wurde. Wahr- 
scheinlich kam auch dieser Besitz durch die Grafen von 
Turin an Heinrich IV. 

Obwohl wir selbst an der Identifizierung sehr zweifeln, 
möchten wir doch erwähnen, dass die beiden der Adelheid 



* Über die Urkunde und die darin genannten Orte vgl. das S. 246 
gesagte. 

2 üghem 4, 284. 

^ „ita ut nonnisi semel posita sit in torculari^'. 

Darmstädter. Dhs Reichsguf in d. Lombardei u. Piemont. 18 



— 274 — 

gehörigen und von ihr S. Salvatore zu Pavia geschenkten 
Höfe Barla und Morancha^ (CL. 997) vielleicht mit Barolo 
bei Cherasco und la Morra identisch sind. — 

Da die Provinz dem grossen Verkehr entrückt war, 
so fanden — mit Ausnahme des Sturathales — in der Zeit 
Friedrichs I. hier keine Rekuperationen statt. Friedrich II. 
hielt sich 1238 in der Gegend von Cuneo auf und richtete 
hier eine umfassende Verwaltung mit Generalkapitänen in 
Cuneo und Fossano (Ch. 2, 1842. 1, 928) ein, doch von un- 
mittelbarem Reichsgut war hier nicht mehr die Rede. 



^ Durandi p. 194. Moranca ist wahrscheinlich bei Corteolona zu 
suchen. 



DRITTES BUCH. 

DIE VERWALTUNG VM) BEWIRTSCHAFTUNG 
DES REIOHSGUTS. 



VORSTAFFISCHE ZEIT BIS ZUM AUSGANG DES 
11. JAHRHUNDERTS J 

Litteratur:' 

Th. Eheberg, Agrarische Zustände in Italien Schriften des 

Vereins für Socialpolitik. Leipzig 1886. Bd. 29. 
Handloike, Die lombardischen Städte und Communen unter 

der Herrschaft der Bischöfe und die Entstehung der 

Communen. Berlin 1883. 
Hanssen, Agrarhistorische Abhandlungen. Leipzig 1880. 
Hartmann, Untersuchungen zur Geschichte der byzantinischen 

Verwaltung in Italien. Leipzig 1889. 
Hegel, Geschichte der Städteverfassung von Italien. Leipzig 

1847. 
K. Th. V. Inama -Sternegg, Deutsche Wirtschaftsgeschichte. 

Leipzig 1879 ff. 



^ Die ganze Zeit ist deshalb zusammengefasst, weil wir fort- 
während zu Rückschlüssen von einer auf die andere Periode genötigt 
sind, und es bei dem verhältnismässig geringen Material in vielen Fällen 
sehr schwierig ist, die einzelnen Perioden von einander zu scheiden. 
Dazu blieb die langobardische Gesetzgebung auch in der späteren Zeit 
in Geltung. Für die langobardische Zeit ist das ganze Material aus 
Ober- und Mittelitalien, für die spätere Zeit im allgemeinen nur das 
Material aus der Lombardei und aus Piemont herangezogen. 
V^l. auch die allgemeine Litteratur. 

18^^ 



— 276 - 

K. L am p recht, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter. 

Leipzig 1886. 
G. L. V. Maurer, Geschichte der Fronhöfe, der Bauernhofe 

und Hofverfassung in Deutschland. Leipzig 1862 ff. 
Mommsen, Die italienische Bodenteilung. Hermes XIX. 1884. 
Schupfer, Degli ordini sociali e del possesso fondiario appo 

i Langobardi. S-B. der Wiener Academie. Hist. Klasse. 

1860 p. 267 ff. 
G. Waitz, Über die altdeutsche Hufe. Göttinger Gesellschaft 

der Wissenschaften Bd. 6, 220. 1854.' 



BEAMTE. 

Über die Zentralverwaltung des Königsguts wissen 
wir fast gar nichts. In der langobardischen Zeit stand der 
Majordomus an der Spitze der Finanzverwaltung (Schupfer 
istituzioni p. 255), der seinen Sitz in Pavia hatte. Auch 
scheint dortselbst eine Zentralzahlstelle für das Reich oder 
einen grossen Teil desselben im 9. Jahrhundert bestanden 
zu haben, da wir erfahren, dass Ol vom Comersee nach 
Pavia gefahren wurde (CL. 126). Vielleicht leitete der 
Canierarius die Zentraldomänen Verwaltung; 901 wird ein 
solcher namens Miraster in einem placitum in Pavia (Ch. 1, 58), 
962 ein Camerarius Warimund als Advocatus des Kaisers 
ebenfalls in einer Gerichtsurkunde von Pavia erwähnt (Ch. 
1, 118). 

Im Übrigen ist es um unsere Kunde von der Zentral- 
verwaltung der Finanzen in Italien ebenso schlecht bestellt 
wie in Deutschland (vgl. Waitz, Verfassungsgeschichte 4, 8). 
Erst aus der Zeit Heinrichs IV. erfahren wir, dass zu Pavia 
und zu Kom kaiserliche Kassen bestanden, in die die Ein- 
künfte aus Domänen und Zöllen flössen, und aus denen 



* Nachdem die Arbeit abgeschlossen war, kam mir der reich- 
haltige Aufsatz von Dr. G. Seregni im Heft vom 31. März 1895 des 
Archivio storico Lombarde (Serie 3 Bd. 3 p. 1 ff. : „La popolazione agricola 
della Lombardia nelFeta barbarica^) zu Gesicht, den ich daher leider 
nur noch in den Anmerkungen berücksichtigen konnte. 



- 211 — 

dann die Kosten für die Landesverwaltung und Landes- 
verteidigung bestritten wurden (vgl. Mattliäi, Lomb. Politik 
p. 17). 

Besser als über die Zentral Verwaltung sind wir über 
die Provinzial-Domänenbeamten orientiert. Im langobardischen 
Reiche treten als solche ähnlich den fränkischen Domestici 
Gastalden (gastaldii, castaldii, gastaldiones) auf, die auch 
in Bayern und Schwaben vorkommen ^ (cf. Brunner, Rechts- 
geschichte 2, 124). 

Der Gastalde erscheint in der langobardischen und 
ersten karolingischen Zeit nur als Beamter des Königs, der 
halbsouveränen Herzöge von Benevent und Spoleto und der 
Königin (Troya 770. 985, die Lesart ist nicht ganz sicher), 
nicht aber als Beamter Privater. Er hat eine hohe ange-, 
sehene Stellung und führt regelmässig den Titel „magni- 
cus."2 Er wurde vom König ernannt und war absetzbar, 
was sich aus dem raschen Wechsel der Gastalden in Rieti 
ergiebt (cf. Schupfer, istituzioni p. 313). 

Häufig finden wir Gastalden im Besitze von Grund- 
besitz. So hatte z. B. der Gastalde Martin Güter im Ge- 
biete von Frignano (Troya 880), der Gastalde Warnefrid 
von Siena Güter im Orciathal, mit denen er das von ihm 
gegründete St. Eugenskloster dotierte (Tr. 483), Ermuald 
von Treviso kaufte Besitzungen in der Umgebung der Stadt 
(Tr. 886. 970), und die Gattin des Gastalden von Lodi be- 
sass umfangreiche Güter (Tr. 770). Wir können daraus 
schliessen , dass entweder Gastalden angesehenen Grund- 
besitzern des Kreises entnommen wurden, oder dass der 
König den Gastalden Güter zum Niessbrauch als Besoldung 
überliess.^ Auch Schenkungen von Königen an Gastalden 

* Das Wort wird mit dem gothischen Worte gastaldan = be- 
sitzen, haben, erwerben, in Verbindung gebracht. Pabst, Forschungen 
2, 442. MG. LI. 4, 671 bringen Gastalde mit „stellen, gestellen" 
und den noch heute in Schleswig üblichen Wörtern „Staller" und 
„Oberstaller" in Zusammenhang. Vgl. auch Seregni a. a. 0. p. 37, 
Anm. 1. 

2 Vgl. MG. Epistolae 3, 266 „gloriosi duces, magnifici gastaldii". 

* Ein Fall, bekannt von 793, in welchem Jahr Sonderulf v. Asti 
königliche Güter zum Niessbrauch hatte („usavit"). 



— 278 — 

werden erwähnt (Tr. 556. B-M. 1625). In karolingischer 
Zeit kam es vor, dass Gastalden aus dem Stande der 
Ministerialen genommen wurden (B-M. 1231). Wahrschein- 
lich bekamen sie in dieser Zeit Lehen vom Könige. 

Während der Amtszeit war der Gastalde in seiner 
Erwerbsfähigkeit beschränkt. Er durfte kein Geschenk an- 
nehmen ohne besondere königliche Erlaubnis ; fehlte diese, so 
sollte es dem Könige zufallen. ^ Zweck dieser Bestimmung war 
natürlich Bestechungen vorzubeugen. Erst Kaiser Lothar 
hob dies Gesetz auf, indem er anordnete, dass das, was die 
Gastalden auf rechtmässige Weise erworben hätten, ihnen 
bleiben sollte, falls sie sich sonst im Dienst als treu be- 
währt hätten. 2 

Die Kompetenz der Gastalden bezog sich in erster 
Linie auf die Finanzverwaltung. Dazu gehörte besonders 
die Oberaufsicht über die königlichen Domänen (Lex Rothari 
§ 375). Aus den Erträgen dieser wurden sie auch wahr- 
scheinlich bezahlt, wie sich mit ziemlicher Sicherheit aus 
dem Kompetenzkonflikt der Gastalden von Parma und 
Piacenza ergiebt (Tr. 340). Jedenfalls nahmen die Gastalden 
häufig mehr als ihnen zukam, und mancher von ihnen mochte 
sich selbst, seine Angehörigen, Freunde, Kirchen und Klöster 
bereichern oder königliche Schenkungen nicht ordentlich 
ausführen. Bitter beklagt sich König Liutprand über den 
Verdruss, den ihm die Unehrlichkeit seiner Beamten ver- 
ursachte, und er droht die Übelthäter, ja auch ihre Erben 
mit dem sechzehnfachen Betrage heranzuziehen (Lex Luitpr. 
§ 59). 3 Manches Krongut ist gewiss so durch Unterschleife 
der Krone verloren gegangen. 



^ Lex Rothari § 375: „Si gastaldius aut quicumque aotor regia 
post susoeptas aut oommissas ad gobernandum ourtes regia et oausas 
regias, aliquid per gairethinx id est donationem ab alio quocumque 
factam conquesierit , sit iUi stabilem, si per preoeptionem indul* 
gentiae regia in eum fuerit oonfirmatum ; alioquin . . . hoo totum reg:' 
adquirat.** 

' Capitularia ed. Boretius no. 159 c. 4. Leges 4, 553. 

' „Si quis gastaldius vel actor ourtem regiam habens ad gober 
nandum, ex ipsa curte alicui sine iussionem regis oasa tributaria vel 
terram, silvam, vitis vel prata ausus fuerit donare, aut si amplius 



— 279 — 

Mit der Verwaltung der Domänen verbindet sich eine 
weitreichende Verwaltungs- und Polizeigewalt in dem dem 
Gastalden unterstellten Distrikt. In kirchliche Angelegen- 
heiten scheint er zuweilen eingegriffen zu haben ; aus Siena 
wird berichtet, dass der dortige Gastalde Robert die Leute 
des Bischofs auf alle Weise belästigte und quälte (Tr. 389), 
und in dem Kirchenstreit zwischen Siena und Arezzo fordert 
der von Liutprand entsandte Königsbote Bericht vom 
Gastalden Taipert (Tr. 400). Der Gastalde Guillerat mischte 
sich sogar direkt in den Kirchenstreit ein, indem er Geistliche 
der Diözese Arezzo entzog (Troya 406, § 23). Ferner hatten 
die Gastalden in allen Fällen einzugreifen, in denen ein 
Interesse des Fiskus in Frage kam, oder die Unterbeamten 
dazu anzuhalten, die Rechte der Krone zu wahren. So 
z. B. hatte der Gastalde neben dem Schultheissen die Pflicht 
Leichenräuber zu ergreifen und ihnen die Busse (900 sol.) 
für den Hof abzufordern (Lex Roth. § 15), ferner Mädchen, 
die sich mit Sklaven eingelassen hatten, zu fassen und sie 
als Sklavinnen des Königs in die Spinnstube auf dem könig- 
lichen Hofe zu führen (L. Roth. § 221).* 

Eine Gerichtsbarkeit stand dem Gastalden in den 
Krongütern selbst zu, wie auch schon in römischer Zeit 
eine solche Hofgerichtsbarkeit bestanden hatte (Schupfer 
p. 316). Damit hängt es dann auch wohl zusammen, wenn 
in einem Capitulare Pippins von 782 (Cap. 1, p. 192 no. 91 
c. 7), die Oastalden neben Grafen und Schultheissen als 
Richter genannt sind. 

Ein wichtiges Recht der Gastalden bestand auch in 
der Überwachung der Herzöge. Falls nämlich der Herzog 
irgend einem der Bürger Recht verweigerte oder ihn un- 
gerecht behandelte, so sollte der Gastalde die Sache in die 
Hand nehmen und entweder den Herzog veranlassen Gerechtig- 



quam iussionem fuerit, dare presumpaerit vel si requirere neglexerit, 
quod per fraudem tultum est, omnia ipse ... in dublum actogüd con- 
ponat." 

^ „ . . . lioiat gastaldium regia aut souldhais ipsam in ourte regia 
duoere et in pisele inter anoillas statuere.^^ 



- 2m - 

keit zu üben oder die Sache dem Könige mitteilen. Das 
gleiche Recht stand dem Herzog gegenüber dem Gastalden 
zu. In karolingischer Zeit fungierten die Gastalden im Placi- 
tum sehr häufig als Scabinen (cf. Ficker 3, p. 205). Auch 
kommt einmal die Verbindung des Gastaldats mit dem Amt 
des Vicecomes vor (CL. 207). 

Von einer Verwendung der Gastalden zu militärischen 
Funktionen ist nichts überliefert. In der „Constitutio de 
expeditione Beneventana" von 866 wird der Gastalde neben 
dem comes als Aushebungsbeamter genannt (Cap. Bor. 
no. 218 c. 1). Möglich ist es, dass, wie Pabst annimmt, 
die Gastalden an der Spitze der Krongutsmannen mit ins 
Feld zogen (Forsch. 2, 451), doch beweisen lässt es sich 
nicht. Dagegen ist die Verwendung eines Gastalden zu 
einer diplomatischen Mission überliefert (Lib. pontificalis 
c. 93 § 11). 

Die Amtssitze der Gastalden befanden sich gewöhn- 
lich in Städten, und zwar scheint entsprechend der Teilung 
der herzoglichen Güter auf jedes Herzogtum und Bistum, 
später auf jede Grafschaft ein Gastaldat entfallen zu sein, 
gewöhlich aber nicht in der herzoglichen Stadt. Wurde 
aber ein Herzogtum konfisziert oder ging es ein, so wurde 
der Gastalde in dem Hauptort des Herzogtums neben dem 
iudex, später neben dem Grafen eingesetzt. Drittens finden 
wir Gastalden in Städten des nach der Teilung der herzog- 
lichen Güter den Byzantinern entrissenen Gebiets. 

In der langobardischen Zeit kennen wir folgende 
Gastalden : 

Lombardei. 

1. Gastaldat Lodi(?)i neben dem Herzogtum Mailand 
Troya 770. 

2. Gastaldat Bergamo, 769 Gastalde Arigis erwähnt 
(Tr. 899). Hier entstand das Gastaldat nach der Einziehung 
des Herzogtums, wahrscheinlich nach der Besiegung des 
Herzogs Rothari durch Aripert II. im Jahre 701 (Paul. 
Diac. 6, 20). 



* Das Gastadat Lodi ist nicht sicher nachzuweisen. Vgl, p. 171. 



- 281 - 

Venetien. 

3. Gastaldat bei Verona, Gastalde Refol in Valpuli- 
cella bei Verona insehriftlich erwähnt (Troya 487). Der 
Amtssitz ist unbekannt; das Gastaldat entspricht dem Herzog- 
tum Verona. 

4. Gastaldat in Treviso (Troya 970 Gastalde Ermuald) 
entstand wahrscheinlich nach der Gefangennahme des Herzogs 
Ulfari (PD. 4, 3). 

E m i 1 i a. 

5. Gastaldat Parma (Tr. 340) \ entstanden nach 

6. „ Piacenza (Tr. 340) | der Konfiskation 

7. ^ Reggio (Tr. 985) j der Herzogtümer. 

8. „ Citta nova bei Modena (Schupf er, istitu- 
zioni p. 311). Wahrscheinlich hatte der Tr. 880 erwähnte 
Gastalde Martin hier seinen Amtssitz, auf ehemals griechischem 
Gebiete. 

T s c a n a. 

9. Gastaldat Pistoja (Tr. 414. 415) wo der Gastalde 
neben dem Herzog von Lucca erscheint. Das Gastaldat 
entsprach wahrscheinlich diesem Herzogtum. 

10. Gastaldat Siena (Troya 400. 483) entsprach dem 
Herzogtum Chiusi. ' 

11. Gastaldat Castro Felicitä (Jaflfe Bibliotheca 4, 
196) entsprach dem Herzogtum Perugia. 

12. Gastaldat Toscanella (Lib. pont. 93 § 11). 

13. Gastaldat Volterra (Tr. 367). 

Umbrien. 

14. Gastaldat Rieti neben dem Herzogtum Spoleto, 
später herzogliches Gastaldat. 

Die Gastaldate im Herzogtum Benevent, sind sämt- 
lich herzoglich (Radelgisi et Sindulfi divisio § 9 Leges 4). 

Aus der karolingischen Zeit, in der die Domänen- 
verwaltung im Wesentlichen unverändert blieb, kennen wir 



^ Das Gastaldat Arezzo ist nur angenommen von Sohupfer p. 813, 
doch nicht sicher. 



— 282 — 

folgende Gastaldate, wobei bemerkt sein möge, dass die 
Liste nur für Piemont und die Lombardei Vollständigkeit 
erstrebt. Wahrscheinlich sind es zum grössten Teil nur 
Fortbildungen von langobardischen Gastaldaten, doch mögen 
auch einige Neubildungen darunter sein. Wahrscheinlieh 
entsprach ein Gastaldat jeder Grafschaft. 

Piemont. 

1. Gastaldat Asti. Im Jahre 793 ein Gastalde Sin- 
derulf erwähnt (Ch. 1, 14), der königliche Güter in Niess- 
brauch hatte. Das Gastaldat ist wahrscheinlich lango- 
bardischen Ursprungs. 

Lombardei. 

2. Gastaldat Mailand wahrscheinlich karolingisch. 
Wir kennen den Gastalden Walderich, der in verschiedenen 
Urkunden (CL. 146. 156. 190. 207. 229. 234) von 842 865 
vorkommt, besonders als Schöffe. Walderich bekleidete auch 
das Amt des Vicegrafen („gastaldius et vicecomes ipsius 
civitatis" CL. 207). Er war ein sehr angesehener Mann, 
der selbst mehrere Vassallen hatte, die hinter ihm als 
Zeugen eine Urkunde unterschrieben (CL. 190). Sein Sohn 
Amalricus war 870 vicecomes von Mailand (CL. 247. 267), 
doch nicht mehr Gastalde. Wahrscheinlich wurden die beiden 
Funktionen mit einander vereinigt (s. u.). Ausser Walderich, 
der die wichtigste Rolle unter den mailändischen Gastalden 
spielte, wird 822 ein Gastalde Gausarius (CL. 98) im Mai- 
länder Gericht erwähnt, der vielleicht mit dem 835 in Limonta 
erwähnten Gastalden Gausus (CL. 126) identisch ist. Nicht 
sicher unterzubringen ist der 844 in Mailand genannte 
Walcharius (CL. 154) und der in einer bei Locate ausge- 
stellten Urkunde 823 genannte Gastalde Menulf (GL. 102). 

3. Gastaldat Seprio entsprechend der Grafschaft Seprio. 
842 wird ein Rothenus hier als Gastalde genannt (CL. 156 
gastaldio sepriensi). 

4. Gastaldat Como. Im Gericht zu Como fungiert 
865 ein Gastalde Apo (CL. 236), 880 wirkt der Gastalde 
von Como Herenbert im Placitum zu Limonta mit (CL. 296 
gastaldio Comensis). 



— 283 — 

5. Gastaldat Lodi. Gastalde Dido als missus des 
Königs 879 genannt (CL. 286), vielleicht Gastalde von 
Lodi. 

6. Gastaldat Monza. Gastalde Öauspert fungiert 941 
als missus des Königs (CL. 565). Es ist der letzte in 
unserem Gebiet als höherer Beamter genannte Gastalde. Ob 
sein Amtssitz Monza war, ist zweifelhaft. 

7. Gastaldat Murgula. Gastalde Johann von Murgula 
im Jahre 883 erwähnt (B-M. 1625). Das Gastaldat ist 
wahrscheinlich eine Fortbildung des alten Gastaldats Ber- 
gamo, da Murgula zu Bergamo gehört. 

8. Gastaldat Sospiro. In einer Urkunde von 852 
wird ein „Landebertus gastaldio de Sexpilas" erwähnt 
(CL. 180). Das Gastaldat ist wahrscheinlich langobardisch, 
auf byzantinischem Gebiet entstanden. In dem Placitum 
wird noch ein Gastalde Goderam genannt, dessen Amtssitz 
unbekannt ist. 

9. Gastaldat Mantua(?). Wahrscheinlich ist der im 
Placitum von Ostiglia 827 anwesende Gastalde Erhard 
Gastalde von Mantua (oder Verona) (CL. 108). In diesem 
Placitum erscheint auch der ehemalige Gastalde Gaibert. 

Venetien. 

10. Gastaldat Treviso (B-M. 232). 

11. Gastaldat Verona. Ficker Ital. Forsch. 4, no. 6 
im Jahre 806. 

E m i 1 i a. 

12. Gastaldat Bismantova bei Reggio (Mur. Antt. 1, 
279) im Jahre 890. 

13. Gastaldat Piacenza (Zeitschrift f. deutsche Rechts- 
gesch. Bd. 14, Hübner no. 762). 

T s c a n a. 

14. Gastaldat Pistoja (Mur. Antt. 1, 974) im Jahre 806. 

15. Gastaldat Lucca (Mur. Antt. 1, 527. 529; 3, 167) 
847. 853. 

16. Gastaldat Pisa 796 (Ficker 4, no. 3 p. 4). 

17. Gastaldat Chiusi (Ficker 4, 19) a. 903. 



— 2«4 — 

18. Gastaldat Soana (Ficker 4, 16, nicht Savona 
cf. Ficker 4, 601. Soana liegt in der Provinz Grosseto). 

19. Gastaldat Qua rezz an (Prov. Massa e Carrara). 
Hübner a. a. 0. no. 664. 

Doch das Amt verlor in karolingischer Zeit mehr 
und mehr an Bedeutung, der Gastalde wurde allmählich 
auch Privatgutsverwalter. Nicht nur die Königin hatte 
Gastalden, was ja auch in langobardischer Zeit vorge- 
kommen war (vgl. Gastalde Martin der Angilberga GL. 
273), auch die Bischöfe und Äbte begannen sich Gastalden 
zu halten. Ob der 824 erwähnte ^gastaldius per ecclesiam" 
wirklich schon ein solcher kirchlicher Gastalde gewesen 
ist, sei dahingestellt (Ficker 4, no. 9), jedenfalls gab es 
schon 861 Gastalden des Klosters Bobbio (B-M. 1183. 
Ch. 1, 30), 967 des Klosters Cielo d'Oro (GL. 702), 996 das 
Bistums Bergamo (GL. 904); später im 11. und 12. Jahr- 
hundert hat gastaldius geradezu die Bedeutung von villicus. 
Weltliche und geistliche Herrn, später auch die Städte 
hielten sich Gastalden, so die Gräfin Adelheid (Muletti 1, 
261) in Susa, der Bischof von Lodi im Castiglione (Vignati 
Codex dipl. Land. 1. no. 86), die Gräfin Beatrix in Pe- 
gognaga (D'Arco, Mantova p. 26), die Klöster Arona (Ch. 1, 
733), und Breme (Ch. 2, 703), und die Stadt Vercelli 
(Ch. 1, 745). 

Was trat nun aber in der königlichen Domänenver- 
waltung an die Stelle des Gastaldats? In dieser Hinsicht 
steht es in Italien ähnlich wie in Deutschland, von der 
Mitte des 10. Jahrhunderts an werden eigentliche Finanz- 
beamten kaum noch erwähnt bis in das 12. Jahrhundert 
hinein (cf. Waitz 8, 222). Doch wir glauben, dass 
der Hauptgrund nicht der Mangel an Nachrichten ist, 
sondern dass es eben keine Finanzbeamte gab. Unter dem 
fränkischen Einfluss schwand in Italien die Verwaltung der 
Domänen durch eigene Domänenbeamte mehr und mehr, 
indem viele Domänen zu Lehen gegeben wurden. Vermut- 
lich wurden die in den Urkunden des 9. Jahrhunderts 
ausserordentlich zahlreich auftretenden vassi regii mit 
Domänen dotiert. Zugleich geben uns aber die Verhältnisse 



- 285 - 

in Mailand einen Fingerzeig für die Fortbildung der Finanz- 
verwaltung. Dieselbe wurde anscheinend häufig mit der 
allgemeinen Landesverwaltung, mit der Grafschaft und Vice- 
grafschaft vereinigt, d. h. der Graf oder Vicegraf bekam 
die Aufsicht über die Domänen; womit freilich der Bock 
zum Gärtner bestellt wurde. Auch ist es in mehreren Fällen 
ausdrücklich bezeugt, dass Grafen königliche Höfe inne 
hatten oder zu Lehen besassen. ^ So hatte z. B. 860 Graf 
Bernhard den Königshof Garda (Ch. 1, 30), Graf Liutfred 
879 Kirchengut als Lehen des Königs (GL. 289), Graf 
Radald behauptete 915 den Hof Barbada als Königslehen 
zu haben (GL. 459), Graf Amizo hatte Lehen in Chiavenna 
zur Zeit Otto's HL (St. 1047. DO. IIL 175.) Auch lernen 
wir Güter kennen, die direkt Pertinenzen der Grafschaft 
waren, so z. B. in der Grafschaft Stazona (GL. 362), in der 
Grafschaft Lodi (OL. 583) u. a. sonst. Von Karl dem 
Grossen wurde gesetzlich den Grafen und Ministerialen ver- 
boten königliche Besitzungen zu verschenken bei Strafe der 
Infidelität (Lib. Pap. 121 Leges 4, p. 509). 

Fraglich ist es, ob die Vögte (advocati) auch Ver- 
waltungskompetenzen erlangten. Das dürftige Material 
erlaubt nicht hierüber etwas Näheres anzugeben. Soweit 
wir sie kennen, sind sie Vertreter des Fiskus vor Gericht, 
(cf. Ficker § 222. 223 und §^ 441). In der Lombardei 
kennen wir Vögte von Auce und Castenedolo (GL. 439) 
und Sospiro in den Jahren 852, 891 und 910 (GL. 180. 349. 
438). Über andere als gerichtliche Kompetenzen der Vögte 
ist nichts bekannt, doch läge es nahe anzunehmen, dass 
auf sie die juristischen Kompetenzen der Gastalden über- 
gegangen wären. 

Als Unterbeamte, d. h. als Verwalter einzelner 
Königshöfe oder Güterkomplexe lernen wir in der lango- 
bardischen Zeit die sogenannten „actores" oder actionarii 
kennen. Die Actores sind nicht wie die Gastalden dem 
Langobardenreiche eigentümliche Beamte, wir lernen sie im 



* Nach Brunner 2, 124 waren diese Lehen eine Dotation der 
Grafen. 



— 286 ~ 

römischen Reich als Verwalter der Staats- und kaiserlichen 
Hausgüter kennen (Codex Justinianus ed. Krüger 11, 72 
»de conductoribus et procuratoribus sive actoribus praedio- 
rum fiscalium et domus Augustae"), und auch als Ver- 
walter der Güter des Bistums Fermo und der Mailänder 
Kirche im 6. Jahrhundert (Troya 174. 257). Auch im 
Frankenreiche, bei den Westgothen und Burgundern war 
das Amt vorhanden (vgl. Brunner 2, 123). Der lango- 
bardische Name für actor ist scario^ für den Verwalter 
eines Komplexes ovescario. Der Actor ist der Vertreter 
des Königs auf einem Wirtschaftshofe; er ging aus kleinen 
Leuten, vielleicht den Bauern des Königs selbst hervor und 
konnte auch ein Unfreier sein. Doch sollte wenn er ge- 
tödtet würde, für ihn wie für einen freien Mann das Wer- 
geid gezahlt werden (Lex Roth. § 374). ^ Wie der Gastalde 
durfte auch der Actor in seiner Amtszeit nichts erwerben 
ohne Erlaubnis des Königs (Lex Roth. § 375), und ebenso 
wie dieser scheint sich auch der Actor oft Betrügereien 
haben zu Schulden kommen lassen. Liutprand ordnete da- 
her für die actores einen Eid an: „Was zu meiner Kenntnis 
gekommen ist, das gegen das Recht genommen ist, werde 
ich dem Könige mitteilen, dass der Schaden wieder gut 
gemacht wird." Dabei sollte er sich weder durch Freunde 
noch durch Verwandte noch durch eine Belohnung bestechen 
lassen („Notitia de actoribus" § 1). Zugleich soll der Actor 
streng darüber wachen, dass kein Sklave oder Aldio sich 
herausnehme etwas vom Königsgut zu verschenken. Sollte 



' Dies ergiebt sich einmal aus Lex Aistulf § 20 „Si quis cum 
curte regis causam habuerit . . . si maior causa fuerit, per sacramen- 
tum ovescarioni cum actoribus finiatur, si minor .... actor de 
loco cum actoribus . . . saoramentum persolvant^^ und dann aus den 
Verhältnissen in Limonta, wo der Soario beschwört, wieviel Einkünfte 
das Gut hat (Cl.. 126). In der Urkunde CL. 131 steht ein Eid eines 
Gutsverwalters „oustodire et governare, ut decet bonus actor et 
scario*^ Dass Scario auch Scherge bedeuten kann, soll damit nicht 
geleugnet werden, cf. Seregni p. 48. 

2 „Si quis .... aotorem regis occiderit .... adpretietur pro 
libero hominem^S 



— 287 — 

der Actor zu einer solchen Handlung seine Zustimmung 
geben, so sollte er alle seine Habe verlieren (Notitia § 5). 

Die Kompetenz des actor bezog sich auf die ganze 
niedere Finanzverwaltung. Er treibt die Bussen ein (Lex 
Roth. § 200. 272 u. sonst), wobei er oft willkürlich verfuhr 
(Notitia § 3 „qui de singulis tollebant unde 10 sol. unde 6 
unde amplius"), zieht die Erbschaftsquoten ein, (Notit. § 5), 
erhebt Hafen- und Wegezölle (Tr. 480). 

Auf den königlichen Gütern hatten die actores eine Art 
Patrimonialgerichtsbarkeit in causae minores. 
Sie hatten das Recht Schiedssprüche abzugeben (treuvas 
ferro), wie die iudices (Lex Liutpr. § 42). Auch bei der 
Aushebung wirkte der Actor mit. Sollte er sich hierbei 
bestechen lassen, so wird ihm Strafe angedroht (Lex Aist. 
§ 7).> 

Rechtlich war der Actor Vertreter des Königs in Vor- 
mundschaftssachen über Leute, die im mundium des Königs 
standen (cf. Tr. 937), und vor Gericht musste in kleinen 
Sachen der Actor, in grösseren der Ovescario mit den 
actores den Eid für den Fiskus leisten (Lex Aist. § 20). 
Dann führte der Actor die königlichen Schenkungen aus 
(Tr. 566. 602) und vertrat seinen HeiTn in Tauschgeschäften 
(Tr. 685). 

Die Amtssitze der Actoren befanden sich natürlich auf 
den Königshöfen. Ovescariones kennen wir auf den Königs- 
höfen zu Pisa (Tr. 687 § 49) und zu Soana im Bezirke 
Viterbo (Tr. 662 § 15). Königliche Actoren kennen wir in 
Locate am Lambro (Tr. 937), in Sesciano bei Siena (Tr. 406 
„scario regis de curte Sesciano"), in Lucca (Troya 685), 
dann in karolingischer Zeit in der Domäne Limonta am 
Comer See (CL. 126). Später werden in der Lombardei und 
in Piemont keine Unterbeamten der Domänen mehr erwähnt, 
wahrscheinlich weil die Gastaldatssprengel kleiner wurden, 
und der Gastalde das Amt des Actors nunmehr versah. ^ 
Vielleicht übertrug man die Verwaltung des Einzelhofes 



* „qui homines potentes dimittunt ad casa seu de exercitu". 
- So wurde aus einem Ovescario in Soana ein Gastalde s. o. 



■^ 288 - 

einem der Hörigen, der dann keinen Titel führte und für 
die rechtzeitige Ablieferung der Erträge verantwortlich ge- 
macht werden konnte. Die Aufseher, die wir später auf ^ 
den Klosterhöfen kennen lernen, hatten als Entgelt gewöhn- 
lich eine Hufe, die aber andere Bauern für sie bestellten 
(cf. CL. 419). 

Eine besondere Verwaltung hatten die königlichen 
Forsten. Sie standen unter silvani (Troya 610), gual- 
datores (Tr. 706), Waldmännern (Tr. 962), saltarii (Schupfer 
istit. 326), oder forestiarii (unter Otto III. St. 915. DO. 
III. 46 im Gebiet von Verona), die auch mit der Vermessung 
der Grundstücke betraut wurden. In karolingischer Zeit 
werden venatores (B-M. 1502. Ch. 1, 91. Leges Bor. 211 no. 
103, c. 10) erwähnt. 

Als Burgbeamte werden schon zur Zeit Karl des 
Grossen Castellani (Codex Carol. ed. Jaffe p. 196), als 
Festungs- und Grenzbeamte an den Klausen Clusarii er- 
wähnt (Lex Ratchis § 13. Lex Aist. § 5). 

Alle Beamten des königlichen Fiskus werden zusammen- 
gefasst als Palatini und zum Gehorsam aufgefordert ohne 
Beraubung des Königs, und zur Zufriedenheit mit ihrer Be- 
zahlung (Ch. 1, 46. Capitulation Wido's). 

Es wird jedem auffallen, wie wenig über die Verhält- 
nisse der^ königlichen Domänen Verwaltung im 10. und 11. 
Jahrhundert bekannt ist. Bis zum Ende des 9. Jahrhunderts 
bestand, wenn auch schon durch das Lehenswesen stark 
beeinflusst , die alte langobardische Domänen Verwaltung 
fort, von da ab scheint langsam die Organisation verschwun- 
den zu sein, und zwar so, dass die mangelnde Organisation 
das rasche Dahinschwinden des Reichsguts und das Dahin- 
schwinden des Reichguts wieder das Abkommen der Or- 
ganisation beschleunigt hat. Als dann unter den Saliern 
das Reichsgut erneuert wurde, hat man an Stelle der 
früheren Leistungen nach dem Ertrage zu festen Leistungen 
bezw. zu Geldzahlungen gegriffen; damit war eine Controlle 
des Ertrags und ein Wirtschaftsbeamter auf dem Hofe 
selbst überflüssig. Anstatt dessen wurde wahrscheinlich 
auf dem Hofe eine Organisation geschaffen, die für den 



— 289 ~ 

fixierten Betrag haftete, die aber aus den Bewohnern des 
Hofes selbst geschaffen wurde und den Verkehr mit dem 
König vermittelte. So glauben wir den Anfang der aus 
grundherrlichen Besitzungen hervorgegangenen Communen 
am besten erklären zu können. 

n. 

GATTUNGEN DES KÖNIGLICHEN GRUNDBESITZES. 

Im Mittelalter machte man einen unterschied zwischen 
villa und palatium, wobei ersteres ein nur zu landwirt- 
schaftlichen Zwecken dienendes Gut bedeutete, während 
palatium ein für die Beherbergung des königlichen Hofs 
eingerichteter Platz war. (Vergl. Maurer, Frohnhöfe 2, 212). 
Doch damit sind die zu machenden Unterscheidungen keines- 
wegs erschöpft. Wir unterscheiden: 

1. Städtischen Grundbesitz, insbesondere Pfalzen. 

2. Grundbesitz der Landesverteidigung dienend, 
insbes. Burgen. 

3. Grundbesitz zu den Regalien gehörig: Bergwerke, 
Salinen, Zollhäuser, Märkte, Hafenbaulichkeiten, Flussläufe, 
von uns nicht zu behandeln. 

4. Forsten. 

5. Höfe (Gurtes) werden in einem speziellen Teil noch 
näher zu behandeln sein. 

1. Der städtische Grundbesitz. In den meisten 
grossen Städten des Langobardenreichs existierten könig- 
liche Pfalzen, die z. T. aus römischer, z. T. aus ost- 
gothischer Zeit stammten. Zuerst hatten die langobardischen 
Herrscher noch keine feste Residenz. ^ Alboin z. B. residierte 
im Palast zu Verona und fand daselbst seinen Tod. (PD. 
2, 28). Die Wahl Klefs fand in Pavia statt (PD. 2, 31), 
doch ist uns nicht überliefert, wo er residierte. Authari 
hielt dann auch zeitweilig in dem Königspalast Theoderichs 
zu Verona Hof. Auch seine Hochzeit wurde bei Verona 



» Vgl. Crivellucci in der Studi ßtorici Bd. 1, Heft 1. 1893. 

Darmsiädter Dhs Reichsgrut in d. Lombardei u. Piemont. 1 9 



- 290 — 

gefeiert. (PD. 3, 30). Dagegen starb Authari bei Pavia 
(PD. 3, 35). Agilulf regierte dann gewöhnlich in Mai- 
land , wo seine Erhebung zum König stattfand (PD. 3, 35). 
Hier empfing er auch die Gesandten des Avarenchan (PD. 
4, 12), von hier zog er zum Krieg gegen die Griechen aus 
(PD. 4,28), hier fand die Schilderhebung Adaloalds statt, 
hier wurde der Friede mit den Franken geschlossen (PD. 
4, 30). Dagegen brachte Agilulf den dem Herzog von 
Bergamo abgenommenen Schatz nach Pavia (PD. 4, 3), 
wahrscheinlich, weil diese Stadt die stärkste Festung Ober- 
italiens war, wie denn auch Pavia den Franken widerstanden 
hatte , die Mailand und Verona erobert hatten (PD. 3, 31). 
Nach Agilulfs Tode wurde Pavia die regelmässige Residenz 
der langobardischen Herrscher, die „urbs regia "^y wie es in 
manchen Urkunden heisst (vgl. Tr. 967). Nur noch einmal, 
als 661 das Reich geteilt wurde, wurde Perctarits Residenz 
Mailand, während der andere Bruder Godepert in Pavia blieb 
(PD. 4, 51). In der Folgezeit ist Pavia die ständige Residenz 
der Könige geblieben. Weitaus die meisten Urkunden der 
langobardischen Könige sind hier ausgestellt. 

Doch gab es Pfalzen auch in einer Reihe von Städten 
des Reiches, die in karolingischer Zeit öfters genannt werden, 
und wohl zum grössten Teil auf langobardischen Ursprung 
zurückgehen. ^ 

In Piemont kennen wir eine Pfalz in Turin (Ch. 1, 79), 
in der Lombardei zu Mailand, Brescia und Mantua, 
in Venetien zu Treviso, Padua -^ und Verona, in Tuszien zu 
Lucca. Ländliche oft besuchte Königshöfe in unserem Ge- 
biet sind: Marengo (B-M. 989. 1024. 1148. 1183. 1217. Reg. 
Lamb. 6. 9. 10). Olona (B-M. 983 a. 991. 1166. Reg. Ber. 
2. 48. 90), Sospiro (B-M. 1015. 1149), Monza (Reg. Ber. 38. 
40. 89), Murgula (B-M. 1625. 1647), Senna Lodigiana (B-Mi 
1155. Reg. Ber. 63. 77. 79. 83) und Corana (Reg. Ber. 73. 
78. CL. 576). Andere als Residenz nachweisbare Höfe sind: 



* Genaueres über die einzelnen Pfalzen findet sich im terri- 
torialen Teil. 

2 B-M. 1199 Abtei S. Peter in puiatio. 



— 291 — 

Gardino (palatium publicum, B-M. 1000), Carisiano (B-M. 
1146), Orba (B-M. 1153), Nogarole (B-M. 1178), Orco (B-M. 
1192), Cortenuova (B-M. 1483) und Redengo (Reg. Ber. 59). 

Diese Pfalzen blieben zum Teil lange im Besitz der 
Könige. Marengo und Turin sind noch in staufischer Zeit 
Residenzen gewesen. Eine Reihe von Städten, wie Pavia, 
Cremona, Mantua, Lucca erhielten teilweise durch Gewalt, teil- 
weise durch Privileg die Genehmigung, dass die Pfalz ausser- 
halb der Stadt aufgebaut würde, (vgl. Handloike, Lombar- 
dische Städte p. 24). Diese Vergünstigungen wurden indes 
erst im 11. und im Beginn des 12. Jahrhunderts gewährt. 

In den Palatia befanden sich wahrscheinlich die könig- 
lichen Domänenverwaltungen, da nach ihnen die Erträge der 
Güter abgeliefert zu werden pflegten. (Vgl. Beispiel in 
Treviso B-M. 232). Auch wurde in den Pfalzen häufig 
Gericht gehalten (z. B. in Pavia, Marengo), besonders in 
den Loggien. An die Pfalz schloss sich ein Garten an 
(viridarium in Pavia). und gewöhnlich eine Schlosskapelle. 
Liutprand soll der erste christliche König gewesen sein, 
der eine solche erbaute. Zur Pfalz gehörten in der Stadt 
Grundstücke, mitunter wohl auch ein landwirtschaftlich be- 
nutztes Gut. In manchen Städten, z. B. in Vercelli (Ch. 
1, 93), Parma (B-M. 1501), und Piacenza (Tr. 340) ^ scheint 
nur ein Königshof, dagegen keine Pfalz bestanden zu haben. 

Ausser den Pfalzen gab es in den Städten auch 
öffentliche Gebäude, die dem König gehörten. Lothar 
ordnete 832 an, die missi sollten in den einzelnen Städten 
fragen, wo von alters her Paläste oder Staatshäuser (publi- 
cae domus) bestanden hätten, und für ihre Restauration 
sorgen (Cap. Bor. no. 202, 7). Im Capitulare Papiense von 
850 befahl Ludwig II. ebenfalls die Restauration der ver- 
fallenen und verkommenen publicae domus, um bei seiner 
und fremder Gesandten Aufnahme ein würdiges Aussehen 
zu bieten. (Cap. Bor. no. 213, 7). Zu den öffentlichen 
Gebäuden gehören die Münzen, Gefängnisse, Gerichtshallen, 
in Vicenza ein Theater (DO. III. 349). In Mailand besass 

^ Grundstücke in Piacenza verschenkt Ludwig U. B-M. 1649. 

19* 



— 292 — 

der Fiskus Gebäude, in denen sich Läden befanden (St. 
207. DO. I. 145), in manchen Städten gab es industrielle 
Anlagen, die dem König gehörten, und in denen königliche 
Sklaven beschäftigt wurden. Dahin sind die Schiflfsbau- 
meister zu rechen, die Agilulf dem Avarenchan sandte 
(PD. 4, 20), und die königliche Seifenfabrik, die in Piacenza 
bestanden zu haben scheint, aus der der König jährlich 
30 Pfund Seife erhielt, die er grossmütig dem Bischof der 
Stadt überwies, damit sich die Armen davon die Füsse 
waschen könnten (Troya 566). ' Öfters werden könig- 
liche Mühlen erwähnt, so z. ß. in Rieti (Tr. 556), in 
Brescia vor dem Thore (Troya 878), in Pavia an der Carona 
(GL. 575), in Parma (B-M. 1500) u. s. w. 

2. Ebenfalls im königlichen Eigentum standen die Be- 
festigungsanlagen der Städte. Das Recht Befestigungen 
anzulegen ist ein königliches,^ und wurde erst nach dem 
grossen Ungarneinfall um die Wende des 10. Jahrhunderts, 
dann aber auch ziemlich häufig. Privaten, besonders 
Bischöfen und Klöstern verliehen, zugleich mit den bestehen- 
den Festungsanlagen , die auch schon früher verschenkt 
wurden. (Vgl. Handloike p. 19 ff.). Meist waren die 
Städte mit Mauern und Thürmen umgeben, von denen 
die Könige dann Teile mit dem dazu gehörigen Vor- 
land, mit 6 oder 12 Fuss oder mehr, verschenkten; so 
z. B. vergabte Ludwig IL Stücke der Stadtmauer zu 
Piacenza (B-M. 1233), Karl der Kahle ein Stück an der 
Mauer in Arezzo (Mur. Antt. 5, 199), Wide 23 tabulae 
mit Thürmen in Mailand (CL. 342), Rudolf 25 tabulae von 
der Mauer von Pavia (CL. 513), Ludwig III. 2 Thürme in 
Cremona (CL. 399), Berengar I. 91 Fuss der Mauer von Pavia 
(CL. 452), Hugo und Lothar und Otto IL Stücke der 
Mauer in Como (MIÖG. 5, 392. DO. II. 312), Otto III. Land 



* Auch Schupflfer p. 376 fasst die «teUe in diesem Sinne auf. 
Auch eine einfache Abgabe wäre denkbar. 

* Vgl. auch "Waitz, Verfassungsgeschichte 8, p. 203. Bresslau, 
Eonrad II., Bd. 2 p. 197. Karl der Kahle verbot noch 864 Burgen zu 
bauen „sine verbo nostro**. Maurer, Frohnhöfe 2, 153. 



— 293 - 

an der Mauer von Verona (DO. III. 299), Heinrich V. Mauern 
und Thürme zu Novara (Morbio, Novara 332) u. s. w. In 
einzelnen Städten, wie z. B. in Bergamo (CL. 411) und in 
Asti (Ch. 1, 73), gab es besondere Castelle auf Höhen über 
der Stadt, die im 10. Jahrhundert auch den Bischöfen zu- 
fielen. In den meisten Städten gehörten diesen die Be- 
festigungsanlagen schon in der ottonischen Periode. — 

Eine wenn auch bis zum Ungarneinfall wahrscheinlich 
nicht grosse Zahl von Burgen lag im Land zerstreut, teil- 
weise der Landesverteidigung dienend, z. T. auch um die 
Strassen leichter sperren zu können und so die Einziehung 
des Zolles zu erleichtern. 

Schon von der Römerzeit her war besonders die Nord- 
grenze durch Festungsanlagen gedeckt, die sich in der lango- 
bardischen Zeit zum grössten Teile in der Hand des Königs 
befanden. Am Col di Tenda kennen wir keine Befestigungen, 
wohl aber in dem durch den Col de Lärche mit dem 
Durancethal in Verbindung stehenden Val Stura, in dem 
elin „Clusaticum" erwähnt wird. ^ Bekannter sind die Clusae 
im Thale der Dora Riparia, bei S. Michele della Chiusa. 
Auf fränkischem Gebiet lagen zur Deckung von Mt. Ge- 
nevre und Montcenis di Castelle Diobia im Thal von 
Bardonneche (B-M. 1088) und Bard bei Novalese (Chron. 
Nov. 3, 213), die die Karolinger dem Kloster Novalese 
schenkten. Das Thal der Dora Baltea wurde durch Clusae 
verteidigt, die an der Stelle lagen, wo heute das auch 
durch die Napoleonischen Feldzüge berühmt gewordene 
Sperrfort Bard das enge Thal beherrscht (cfr. Mise. 16. 
650 üb. den Ursprung).^ Im Sesiathal waren des unüber- 
steigbaren Monterosa wegen Befestigungen nicht notwendig. 



* Über die Einzelheiten vgl. die betreffenden Abschnitte in 
Buch n. 

' Die zollpolitische Bedeutung dieser Clusae muss gross ge- 
wesen sein, wenn man bedenkt, dass 1283 durch Bard im Jahr 2324 
Pferde kamen (Cibrario, Economia politica del medio evo 3, 169). 
"Wenn auch der Handelsverkehr im ». und 9. Jahrhundert geringer 
war, so muss durchs Aostathal immerhin ein bedeutender Verkehr 



— 294 — 

dagegen lag im Tocethal an der Einmündung des Val 
d'Anzasca, d. h. an der Trennung vom Mte. Moro vom 
Simplen und Griesspassweg das Castell Vergonte. 

Die vom Tessin ausgehenden Pässe, insbesondere den 
Bernhardin und Lukmanier deckte das Castell Bilitio, heute 
Bellinzona, das schon im 6. Jahrhundert genannt wird 
(cf. PD. 3,31), und das im Mittelalter ausserordentliche stra- 
tegische Bedeutung hatte. ^ Arduin schenkte das Castell 
dem Bistum Como (St. 1842). Den Splügen, Septimer und 
Maloja schützten die Clausen und das Castell von Chia- 
venna, nach der Angabe des Localforschers Crollalanza 
(Storia di Chiavenna p. 34) römischen Ursprungs. Hier 
waren auch die Zollrechte sehr wichtig. Die Thäler der 
Adda und des Oglio, Veltlin und Val Camonica gehörten 
in der langobardischen Zeit zum Krongut, doch kennen wir 
die Befestigungen nicht. Am Gardasee waren Castelle zu 
Garda und Sermione im Besitz des Fiskus. 

Im Inneren des Landes gab es ausser den schon zur 
Römerzeit ummauerten Städten bis ans Ende des 9. Jahr- 
hunderts wahrscheinlich wenige Burgen. Erst von den 
üngarneinfällen an, begann man damit auch kleinere Plätze, 
Kirchen, Klöster und Höfe zu ummauern oder für den Fall 
der Gefahr auf Anhöhen Zufluchtsstätten zu bauen. Die 
Beispiele, dass auf Höfen zugleich Castra od. Castella er- 
wähnt werden, sind im 10. und 11. Jahrhundert sehr häufig. 
Vor dieser Zeit kamen meistens Burgen in besonders fester 
Lage vor, die in Zeiten der Not Sicherheit bieten konnten, 
so z. B. das Castell S. Giulio (Insula St. Julani) auf einer 
Insel im Ortasee und die Comacina im Comersee, letztere 
eine byzantinische Festung. Dann gab es noch Castelle zur 
Sicherung der Strassen beziehungsweise zur Erhebung der 



gegangen sein. Dies ergiebt sich klar aus dem Zolltarif von 960 
(Besson, M^moires pour Thistoire eccl^siastique des dioo^ses de Gen^ve 
etc. p. 479). Darnach gab es Handelsverkehr in Purpur, Waffen, 
Tinte, Blei, Erz, Eisen, Affen („quamvis sit ridiculosus animal"), Fellen, 
Salz. Das einfache Pferd zahlte schon 4 Denar. 

^ S. p. 88. Vgl. über die "Wichtigkeit von Bellinzona insbesondere 
einen Brief von 1242 (B-F. 13422), 



- 295 — 

Zölle, wie z. B. das von Liutprand angelegte Cittä nuova 
zwischen Modena und Reggio (Tr. 497). Ähnlichen Zwecken 
diente, auch wohl das Castell Gabello im Apennin von 
Modena (Tr. 562). Vom 10. Jahrhundert an hatten sehr 
viele Höfe ein castrum, so z. B. Bene Vagienne (Ch. 1, 59), 
Desiana (St. 1847), Orco (St. 1846. Der Hof Orco änderte 
seinen Namen in Castrum S. Georgii), Caresana (Ch. 1, 180), 
Bosco (CL. 997) ; Otto HL verschenkte 1001 geradezu „cortes 
sive castella** Marengo, Gamondo u. Corvetula (DO. III. 
415. St. 1273). 

3. Grundbesitz zu den Regalien gehörig, d. h. 
Märkte, Zollhäuser, Flussläufe mit Inseln, ^ Fischerei und 
Goldwäscherei, Bergwerke, Brücken, Münzen, Hafenanlagen, 
ist hier von uns nur zu erwähnen, indes nicht ausführ- 
licher zu besprechen, da dieser Grundbesitz im Zusammen- 
hang mit den Regalien behandelt werden muss.^ Erwähnt 
mag nur werden, dass die hier genannten Rechte im Laufe 
des 10. Jahrhunderts von Berengar bis auf Ai^duin zum 
grössten Teile in die Hände der Bischöfe kamen. (Vgl. 
auch Handloike p, 25). 

4. Die Forsten. Während heute aus der lombar- 
dischen Ebene und selbst aus den angrenzenden Gebirgen 
die Forsten zum grossen Teile verschwunden sind,^ gab es 
im frühen Mittelalter in den Gebirgen und auch in der 
Ebene viel Wald und selbst einige umfangreiche Forsten, 
die man mit den grossen deutschen Reichsforsten vergleichen 
könnte. 

Der bedeutendste Forst, in dem die Könige des 8. und 
9. Jahrhunderts zu jagen pflegten, war der Königsforst 
Urbis, der sich an Tanaro und Orba zwischen Villa del 
Foro, Marengo und Rocca Grimalda ausdehnte (vgl. Cipolla, 
Appunti p. 240). Nach der Angabe Bertettis (Cenni 

» Vffl. Bresslau, Konrad IL Bd. 2 p. 198. 

* Vgl. Einleitung. 

• Die Lombardei hat nach Eheberg heute 15,70, Piemont 15,76 
Prozent Wald, wovon indes auf die ebenen Teile nur sehr wenig ent- 
fallen dürfte. Ausserdem versteht die italienisohen Statistik unter 
Wald auch Gestrüpp (of. Nissen, Italienische Landeskunde, 1, 430). 



~ 296 - 

storici SU Castelnuovo Scrivia) hatten die dortigen Forsten 
eine viel grössere Ausdehnung und reichten vom Po bis 
zum Apennin, vom Tanaro zur Scrivia. Die Ort^amen 
Gazzola, Gazzora, Bosco, Marengo, Silvano, ßovoreto u. a. 
sollen auf den Wald hinweisen.* Am Ende des 10. Jahr- 
hunderts finden wir an Stelle des alten Forstes eine Anzahl 
von Höfen (CL. 997). 

Ein zweiter grosser Königsforst lag in der L o m e 1 1 i n a , 
westlich von Pavia. Hier scheint sich der Waldbestand 
länger erhalten zu haben, als am Tanaro ; vielleicht weil in 
diesem Pavia näher gelegenen Gebiet die Herrscher es vor- 
zogen zu jagen. Die Chronik von Novalese erzählt von 
dem Dunkel und der Dichtigkeit der dortigen Wälder, in 
denen noch in der Mitte des 10. Jahrhunderts Wölfe hausten 
(Chron. Nov. 5, 14).*'^ Die späteren Königshöfe Lomello, 
Trumello, Vigevano etc., sind auf diesem Boden erwachsen. 
Ein Teil dieses Forstes war vielleicht der nahe am Tessin 
westlich von Pavia gelegene Forst Carbouaria (vgl. CL. 119. 
192 u. s. f.). 

Ein dritter grosser Forst lag zwischen Etsch, Po und 
Mincio in der Provinz Mantua, Ostiglia genannt, den 
Nonantula vom König bekam (vgl. CL. 95), ein vierter 
Montelongo wurde von Karl dem Grossen an Kloster 
Bobbio geschenkt (B-M. 161). Er lag im Apennin und 
reichte bis zum Meere. Sehr grosse Wälder lagen auch 
nördlich von Reggio bei den Ortschaften Migliarina, No- 
vellara, Campagnola und Fabrico (Troya 962). 

Kleinere königliche Wälder kennen wir in grösserer 
Anzahl, so z. B. in Piemont und der Lombardei: 

im Gebiet von V er colli: die Forsten Roasenda (B-M. 
1592), Mortigliengo (DO. HI. 384), den Forst zwischen 
Bona und Stura (DO. HL 384) und den umfangreichen 
Wald von Caresana (Ch. 1, 180). 



* Vgl. auch Matthäi p. 9, der noch grössere Waldkomplexe für 
wahrscheinlich hält. 
2 S. oben. 



— 297 — 

im Gebiet von Man tu a: den Forst Flesso südlich vom 

Po (Fieker 4, 9); 
im Gebiet von Bobbio bedeutende Waldungen (Troya 

610); 
im Gebiet zwischen Oglio und Lara: Wald Cavallara 

(B-M. 1502); 

im Gebiet von Brescia: Wald Lugana am Gardasee 
(B-M. 1494). 

im Gebiet von Lodi: Wald Meletto an der unteren Adda 
(B-M. 1504). 

Die grossen Forsten standen, wie wir sahen, unter einer 
eigenen, von der der Höfe getrennten Verwaltung, unter 
silvani oder gualdatores, während die kleineren Waldungen 
der Hofverwaltung unterstanden. Die Abgrenzung der 
Forsten war eine ziemlich genaue. Wir kennen in der 
Gegend von Bobbio die Bezeichnung mit Kreuzen (cf. Tr. 610. 
Ch. 1, 12), dann die Durchbohrung von Bäumen und Be- 
zeichnung der Schläge mit griechischen Buchstaben („w** 
in Migliarina Troya 962). Als Waldbäume sind vorwiegend 
Steineichen erwähnt (rovere), nach denen die zahlreichen 
Orte Rovere und Rovereto heissen. 

Die Waldnutzung erfolgte auf viererlei Weise: 

a) die Jagd wurde häufig von den Königen selbst 
ausgeübt. Jagdbare Tiere waren Raubtiere, Hirsche (Lex 
Rothari § 316), die auf 6 solidi, Reiher und Kraniche (Lex 
Roth. 317) die ebenfalls auf 6 sol. geschätzt wurden, und 
Eber (Liutpr. Antap. 1, 42). Die Jagd erfolgte vielfach mit 
Falken, deren Raub im Königsforst mit 12 sol. Busse belegt 
war (Lex Roth. § 320). 

b) Bienenzucht. Das Fortnehmen von Bienen und 
Honig, das sonst als „ius naturale" von nicht gezeichneten 
Bäumen erlaubt war, wurde im königlichen Forst mit Strafe 
belegt (Lex Roth. § 319). 

c) Holzschlagen. Nähere Nachrichten über die Forst- 
wirtschaft im engeren Sinne fehlen völlig. Das Recht im 
königlichen Forst Holz zu sammeln, wurde auch anderen 



— 298 ~ 

Personen verliehen, z. B. den Nonnen von S. Maria Theo- 
dotis (B-M. 1011) und dem Cluny unterstellten Majolus- 
kloster (Recueil des Chartes de Cluny 4, 173), in dem 
Walde Carbonaria bei Pavia. Beim Holzschlagen mussten 
die Domänenbauern mitwirken. Als Aistulf einen Bauern 
an S. Lorenzo schenkte (Tr. 693) befreite er ihn von allen 
Lasten bis auf diese Forstfrohnden (cesus faciendum). Eine 
ähnliche Art von Frohnden werden wir in Limonta zu er- 
wähnen haben. Das gewonnene Holz wurde dann in könig- 
lichen Werkstätten durch Carpentarii verarbeitet, z. B. im 
Val Antelamo und in Bizozzero (CL. 529). 

d) die Eichelmast der Schweine^ Die Grösse des 
Waldes wurde geradezu durch die Menge der Schweine 
bestimmt, die in ihm gemästet werden konnten (cf. CL. 
no. 419 p. 710 Silva ad incrassandum porcos XX, ebenso 
p. 712. p. 713, porcos III). Dies Mastrecht konnte auch 
Privaten verliehen werden, gegen eine Abgabe, die „scati- 
cum" hiess, oder ohne eine solche. So gab Liutprand den 
Bewohnern von S. Lorenzo das Recht im Königswald Flesso 
die Schweine ohne Abgabe zu mästen (Ficker 4, no. 9). 

5. Die Königshöfe sind im folgenden genauer zu be- 
trachten. 

Hauptquellen für die Beschaffenheit der Höfe sind für 
die frühere Zeit die Urkunden von Limonta, von Guas- 
talla und das Inventar von S. Giulia zu Brescia, für die 
spätere Zeit das Verzeichnis der Curiae (Böhmer, Fontes 3, 
397. Const. 440). Daneben giebt es noch zerstreute Be- 
merkungen über einzelne Höfe. Im grossen und ganzen ist 
indes das Material für die Kenntnis der Bewirtschaftung 
der Königshöfe sehr dürftig, wir sind vielfach genötigt 
Material von Klostergütern heranzuziehen. Hier kann zudem 
nicht auf alle wirtschaftlichen Verhältnisse auf dem Lande 
vom 6. bis 11. Jahrhundert eingegangen werden, insbesondere 



^ Auch in Frankreich wichtig, wo die Ahgabe pasnagium hiess. 
Nach Lamprecht, Beiträge zur Geschichte des französischen Wirt- 
schaftslebens im 11. Jahrhundert, Leipzig 1878, S. 12 ff. legte man auf 
das Mastseryitut den grdssten Nachdruck. 



— 299 - 

lassen wir die Technik der Landwirtschaft ganz ausser acht, 
wir müssen es vielfach mit Andeutungen genug sein lassen 
und uns aufs notwendigste beschränken. * 

III. 

BESCHREIBUNG DER HÖFE. 

Den bedeutendsten Teil des königlichen Grundbesitzes 
machten die königlichen Höfe aus, die, wie wir im zweiten 
Buche gesehen haben, durch alle Teile des Reiches zerstreut 
lagen. Der gewöhnliche Name für Hof ist curtis oder villa. 
Doch kommen in fränkischer Zeit auch die Ausdrücke 
fiscus bei Treviso (B-M. 232), Ajalta bei Arezzo (Antt. 1, 
581), Corana (Antt. 2, 47. 48), Limonta (CL. 125. B-M. 
1017), später auch camera (vgl. Cibrario, Chieri 2, 101), 
und curia (St. 2336 und im Verz. Cur. reg.) vor. 

Unter den Gurtes sind einige als „Gurtes magnae** 
ausgezeichnet, z. B. Biella und Gorteregia (B-M. 1592) bei 
Ivrea, die wahrscheinlich Mittelpunkte von umfangreichen 
Komplexen waren. Überhaupt war die Grösse der Gurtis 
ausserordentlich verschieden, wie die nachfolgende Tabelle 
zeigt : So gehörten zum Hofe : 
Elisiena 

(999) zu Marengo 
Gabiano in Montferat 
Pinto (Grfsch. Pistoja) 
(938) Marengo Gorana) 
Olona zusammen j 

zu 5 Höfen zusammen 
AguUia (Grfsch. Luni) 100 
Impori (Empoli) 70 



1000 mansi 


(Bresslau, Konrad II 




Bd. 2, 189). 


1300 mansi 


2 (CL. 997) 


1000 , 


(B-M. 162) 


500 , 


(CL. 553) 


1000 „ 


(CL. 552) 


1000 , 


(CL. 553) 



^ Was Grössenangaben in modernen Massen anlangt, so möchte 
ich vorweg bemerken, dass sie nur approximativ sind, und dass 
die Schätzungen, welche vorgenommen sind, nur relativen Werth be- 
anspruchen. 

' Wahrscheinlich sind hier alle Hufen der benachbarten Höfe 
(Bosco, Pozzolo, Fresonara, Orba etc.) hinzugerechnet, die* zum Ver- 
waltungssprengel von Marengo gehörten. 



300 


— 




60 


mansi 


(GL. 553) 


60 


» 


J» 


57 


» 


(B-M. 162) 


40 


» 


(CL. 553) 


40 


w 


rt 


30 


)» 


V 


23 


tt 


(St. 309) 


22 


» 


(Antt. 5, 231) 


17 


n 


(St. 309) 


14 


n 


(B-M. 1502). 



Blentena (Toscana) 
Ad Vena (Toscana) 
Stupinigi (Pieniont) 
Notiana (Toscana) 
S. Quirico (Toscana) 
Longiana (Toscana) 
Barazzola (Piemont) 
Petronella 
Agrate (Piemont) 
Hof am Oglio 

Im Inventar von S. Giulia treffen wir : ^ 
zu Iseo 18 sortes integrae, 2 mit liberis besetzte, 3 absentes 
zus. 23. 

Brescia zusammen 14 sortes 

Porzano ^ 27 „ 

Magonvico „ 27 „ 

Miliarina „ 30V2 „ 

15 mansi sind etwa für eine Curtis die unterste Grenze. Höfe 
mit 15 oder weniger mansi, wie Evoriano mit 15 (B-M. 1663), 
Marnate mit 12, Mojade mit 7, Rodeni mit 14 werden 
„Curticellae" genannt (CL. 354, anno 892). 

Auf die Zahl der Bewohner eines Hofes kann man 
aus der Zahl der mansi nicht mit Sicherheit schliessen. Es 
gab mansi, die nicht besetzt waren (mansi absentes), mehrere 
mansi konnten in der Hand einer Familie sein, andererseits 
konnten aber auch mehrere Familien auf einer Hufe leben. 
Dazu kam auch die Bevölkerung auf dem Herrenhof, die 
im Inventar von S. Giulia bis auf 49 Köpfe steigt (Alfiano 
CL. 419). Im grossen und ganzen können wir aber auf den 
mansus 5 Personen rechnen, so dass wir Höfe von 75 bis 
6500 Bewohnern bekämen, während die curticella nur 20 — 75 
Bewohner hatte. Von einigen Höfen haben wir auch Nach- 
richten über den Personenbestand. So z. B. zählte der Hof 
Limonta 6 Familien mit 32 Köpfen (B-M. 1017. CL. 125), 
Cortenuova in der Provinz Bergamo 19 Familien mit 85 



* Gewöhnlich sind hier die Bewohner gezählt, nicht die Hufen. 
Ausserdem war hier das Salland sehr bedeutend. S. u. 



— 301 — 

Köpfen (CL. 464. vgl. p. 112). Von den Höfen, die S. 
Giulia in Breseia gehörten (CL. 419), nennen wir Griliano 
mit 36 prebendarii ^ und 28 manentes (Familienhäuptern), 
d. h. ca. 176 Köpfen, Timeline mit 129, Canella mit 125, 
Iseo mit 303, Cicognara mit 184, Alfiano mit 119, eine 
curticella mit 25 Köpfen. 

Schwieriger als die Berechnung der Bewohner ist die 
des Flächeninhalts der Höfe. Ein mansus, den Berengar 
896 verschenkt, hat 30 Joch-^ = 23,56 ha. (Mur. Antt. 5, 
633).^ Legen wir diese Zahl zu Grunde, so kommen wir, 
das Salland, das verschieden gross sein konnte, abge- 
rechnet, bei Marengo auf 30620 ha. = 306 qkm. Gabiano 
wäre 235 qkm. gross gewesen {Canton Zug 239 Dkm.), die 
kleineren Höfe wie Mojade und Marnate dagegen nur 282 
bis 164 ha. Von einigen Höfen haben wir indes auch in 
den Quellen Angaben der Fläche. So z. B. war der Hof 
Bene, den Ludwig III. dem Bistum Asti schenkte, 100000 
Joch = 78 541 ha. oder 785 Dkm. gross (Ch. 1, 59), doch 
scheint es sich hierbei auch um einen Mittelpunkt eines 
Komplexes zu handeln, zu dem noch zahlreiche andere 
Höfe gehörten, von denen einige, die wir kennen, 1325 und 
470 ha. umfassten. Das am 7. Oktober 760 verschenkte 
Piscilesse war dagegen nur 314,2 ha. gross (400 Joch Tr. 747), 
Caresana in der Grafschaft Vercelli 8000 Joch oder ca. 
6120 ha. Bei anderen Höfen haben wir im territorialen 
Teil versucht die Ausdehnung zu berechnen. So fanden 
wir bei Cortenuova im Gebiet von Bergamo (CL. 464) 
2250 ha. oder 3064 '/2 Joch, bei Melara im Gebiet von 
Mantua 6000 Joch = 4700 ha., beim Hofe Guastalla einen 

* Bei diesen sind regelmässig die Köpfe gezählt (Männer, Frauen 
und Kinder). 

* 1 Joch = 7854,12 Quadratmeter nach CT,, col 205. 

' Diese Zahl ist auch sonst die Normalzahl für die Hufe, wenn auch 
20 und 40 Joch vorkommen (cfr. Hanssen, Agrarhist. Abhandl. 2, 181 ff. 
Brunner 1, 198. Waitz in d. Öött. Ges. 1853/55 Bd. 6 p. 202 ff.). Die 
kleinste Hufe ist nach LI. 2 no. 60 Cap. Papiense 12 Joch. Zur 
Königshufe, die in der Trevisaner Mark unter Otto III. erwähnt wird 
(DO. UI. 154), gehörten 90 Joch: „ad nostram hobam pertinent 90 
iugera, et si non inveniantur, adimpleantur^. 



— 302 — 

Durchmesser von 23 km., bei Sospiro von über 20 km. * 
Einen Durchschnittssatz festzustellen, ist bei dieser weit- 
gehenden Verschiedenheit kaum möglich. Wenn Lamprecht 
(Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter 1, 714) Fisci 
im Moselland von 5 — 6 D Meilen d. h. über 300 D km. oder 
30000 ha. erwähnt, und etwa 1 V2 D Meilen d. h. ca. 80 Dkm. 
(p. 718) oder ca. 10000 Joch als Durchschnittssatz auf- 
stellt, so sind diese Ziffern für Italien zu hoch gegriffen. 
Die gewöhnlichen Höfe waren viel kleiner. Ein Hof von 
30—60 mansi, von 900— 1800 Joch, von 700— 1400 ha. mag 
den Durchschnitt gebildet haben, wobei wir aber das Sal- 
land zurechnen müssen. Höfe wie Bene, Marengo oder selbst 
Melara werden zu den Ausnahmen gehört haben. ^ 

Noch schwieriger ist natürlich dieWertberechnung.^ 
Ein mansus entsprach in langobardischer Zeit dem Wergeid, 
das 150 sol. betrug. Der Wert eines Joches betrug nun 
761 (Tr. 770) in: 



Isella bei Lodi 


11,56 sol. 


Beccalzu 


10,7 „ 


Auriate (Weinland) 


19,0 , 


bei Lodi 


30,0 , 


Briocche 


7,14 „ 


Roverica 


12,0 , 


am Lambro Wald 


18,88 „ 


Surbano 


2,86 . 


Paterno 


8,33 , 



durchschnittl. bei Lodi 11,19 sol. 

980 ßedengo bei Asti 4,0 „ (Ch. 1, 149) 

Celle b. Asti 11,4 „ (Ch. 1, 150) 

984 Vespolate (Novara) 25,0 „ (Ch. 1, 167) 



^ Doch braucht nicht alles Land in diesem Gebiet fiskalisch ge- 
wesen zu sein, da wahrscheinlich die Hufen nicht einen Komplex dar- 
stellten, sondern im Streubesitz lagen. 

^ Auf Orund dieser Berechnung haben wir in der Einleitung 
eine Übersicht über das Territorium des gesamten Kronguts zu geben 
versucht. 

* cf. Seregni p. 44. 



— 808 — 

1008 bei Asti 20,0 sol. (Ch. 1, 205) 

858 bei Mailand ca. 10,0 , (CL. 204) 

898 Varese 12,12 „ (CL. 380) 

910 bei Bergamo 9,60 „ (CL. 437) 

Ferner muss noch bemerkt werden, dass Besitzer von 
mehr als 40 Joch zu Pferde dienen mussten (Lex. Aist. 
§ 2), ebenso wie ein Besitzer von mehr als sieben Bauern- 
häusern. 

Wie sah nun ein solcher Hof aus? Für die deutschen 
Königshöfe pflegt die Beschreibung nach dem Capitulare 
de villis (B-M. 458) gemacht zu werden. (Vgl. Inama-Sternegg 
1, 321 ff. Maurer, Frohnhöfe, 1, 329 flf. Waitz 4, 141 flf.). 
Doch wir wissen nicht, ob das Capitulare überhaupt in 
Italien zur Anwendung kam, und wieweit es durchgeführt 
wurde. Wir sehen deshalb von dem Capitulare de villis, 
das auch schon oft erläutert ist, ab und beschränken uns 
ganz auf die italienischen Quellen. 

Darnach herrschte im oberen Italien schon in sehr 
früher Zeit das Villicationssystem. Im Mittelpunkte des 
Hofes befand sich das Herrenhaus (casa domnicata B-M. 
1012 in Limonta und Muratori Antt. 5, 553 in Biella. Sala 
in Marengo Ficker 4 no. 59). In demselben wohnte der 
König, falls er den Hof besuchte, oder sein Vertreter, 
vielleicht auch der Actor des Hofes. An das Herrenhaus, 
das auf einigen Höfen ein Palast war, z. B. in Marengo 
und Olona, schloss sich die Kapelle an, die wir auf den 
meisten Höfen finden. Sie bekam den üblichen Zehnten 
(nur diesen in Limonta CL. 126), gewöhnlich aber gehörte 
zu ihr Land, das von dem anderen abgezweigt war. (Vgl. 
Inventar von S. Giulia in Brescia CL. 419. Capelle in 
Timeline mit Land von 8 Scheffel Aussaat, in Porzano mit 
Land von 35 Scheffel und 15 prebendarii, Marcharegia mit 
40 Scheffel etc.). In manchen Höfen befand sich, besonders 
nach den Ungarnkriegen, ein befestigter Platz, ein sog. 
Castrum, in das sich die Hofbewohner in Zeiten der 
Gefahr flüchten konnten. Das Castrum war mit Mauer und 
Graben umgeben und war in Caresana (Ch. 1, 180) 1 Joch 
gross. An das Herrenhaus schlössen sich dann die Wirt- 



- 304 — 

Schaftsgebäude und die Gebäude der Hofbewohner an. Nach 
dem Inventar von S. Giulia (CL 419) gab es auf den Höfen 
dieses Klosters 1 — 10 Häuser (col. 720 Migliarina), von denen 
aber nicht alle Feuerstellen hatten. In Barbada (col. 725) 
gab es ein zweistöckiges Haus (casa insolarita), 5 ein- 
stöckige (casae terrenae) und 3 Feuerstellen. Um die Herr- 
schaftsgebäude herum lag vermutlich das Salland (s. u.) 
das fast auf jedem Hofe vorhanden war. Von demselben 
hingen dann die Hufen ab, die oft sehr entlegen waren. So 
gab es in Cisiniano einen von Viguzzolo abhängenden mansus 
(Ch. 1, 48), in Goretta einen zu Corteregia gehörigen mansus 
(Ch. 1, 61), in dem vom Haupthofe weit entfernt liegenden 
Vigonzone 3 zu Olona gehörige mansi (MIÖG. 7, 444). Auch 
kam es vor, dass in Dörfern nur ein oder einige mansi dem 
Könige gehörten, vielleicht durch Erb- oder Konfiskations- 
recht. So z. B. verschenkt Berengar I in Cornaredo bei 
Rho 894 einen Mansus (CL. 362), 898 an Ermenulf 3 Knechte 
und 1 Magd zu Lugano (CL. 377), Hugo und Lothar 936 
eine zum Hofe Buscate gehörige Magd mit 5 Kindern 
(CL. 546). 

Die Abgrenzung der Höfe besorgten die Förster 
durch Einschlagen von Nägeln in Bäume und durcli Setzen 
von Grenzsteinen. Verletzungen der Grenzmarken wurden 
nach langobardischem Gesetze sehr hart bestraft, bei Freien 
mit 80 sol, bei Knechten mit dem Tode (Lex Roth. § 236 
bis 239). Auch Schneisen (snaida) wurden als Grenze be- 
nutzt (Lex Roth. § 240 f.). 

In der langobardischen Zeit war der Boden Italiens wahr- 
scheinlich weitaus zum grössten Teil und ziemlich intensiv an- 
gebaut. Grössere Strecken unbebauten Landes erwähnen die 
Urkunden nur im südlichen Gebiet von Vercelli, wo in der Nähe 
derStura „terra inculta" lag (Tr. 377). Vielleicht wurde dann 
im 10. Jahrhundert durch die Ungarn und in Piemont be- 
sonders durch die Sarazeneneinfälle das Land verwüstet. 
Die Landschaft zwischen Tanaro und Orba wird geradezu 
als „deserta loca" bezeichnet (DO. L 339). 

Über die grossen Forsten haben wir schon oben ge- 
sprochen. Kleinere Waldungen gehörten indes zu vielen 



— 305 - 

Höfen, scheinen aber überall dem Grundherrn gehört zu 
haben. Inwieweit den Hufeninhabern Nutzungsrechte am 
Wald zustanden, vermögen wir nicht anzugeben. In Miliarina 
wurde ein Census für die Waldnutzung erhoben (GL. col. 722), 
während dieselbe in Flesso den Bauern ohne Abgabe von 
König Liutprand freigegeben war („omnibus consortibus 
vestris habitantibus pleve S. Laurentii. Dedimus vobis licen- 
tiam iuxta vestram postulationem, ut peculia vestra pabulum 
habeant in silva nostra . . et porci vestri similiter ibi inter 
eam vadant absque omni scatico vel datione" Ficker 4, 
no. 9), eines der wenigen Beispiele von Allmenden in un- 
serem Gebiete. ^ Ebenso hatten die Einwohner von Corneg- 
liano bei Alba die Waldnutzung durch ein ottonisches 
Privileg {Böhmer acta 158). In Caresana waren 4000 Joch 
Wald und Gebüsch (Ch. 1, 180). Die Verletzung von Wald- 
bäumen wurde mit 2/3 sol. Busse bestraft (L. Roth. § 300), 
während die Beschädigung von Kastanien-, Nuss-, Birn- 
und Apfelbäumen mit 1 sol. bestraft wurde (§ 301). Eine 
bevorzugte Stellung unter den Wäldern hatten die Oliven- 
waldungen (Oliveta), die wir in unserem Gebiet besonders 
am Südrand der Alpen antreffen. ^ Die deutschen Klöster 
bekamen gerade deshalb an den italienischen Seen Güter 
geschenkt, um ihr Öl selbst gewinnen zu können (so hatten 
Reichenau und St. Gallen Güter an den Seen). Die Oliven- 
kultur spielte eine besondere Rolle am Comosee in der 
Domäne Limonta, die 60 Pfd. Öl produzierte. Zu Limonta 
gehörten Olivenwaldungen zu Cornula, die prebendarii be- 
arbeiteten, die dafür vom Kloster S. Ambrogio genährt und 
ekleidet wurden, und zu Olcio und Onno (CL. 125. 126); 
ferner war Olivenkultur am Gardasee (Mur. Antt. 2, 217), am 
Luganer See (CL. 542) und am Iseosee (CL. 419) heimisch, 
wo sich auch eine Ölmühle (torcularis) befand, die 12 Pfd. 
Öl lieferte, während die dortigen Bäume nur 1 Pfd. Öl ein- 
brachten. In der Ebene finden wir auch am Oglio Oliven- 
kultur (CL. 321). Im übrigen wird damals wie heute das 



o 



' Vgl. Seregiii p. 34 flf. 
« Vgl. Seregni p. 65. 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 20 



— 306 - 

kontinentale Klima der Lombardischen Ebene der Olive 
wenig zuträglich gewesen sein. Der Baum war sehr hoch 
geschätzt, seine Beschädigung wurde mit 3 sol. bestraft 
(L. Roth. § 302). 

Allgemein im ganzen Land war der Weinbau,^ zu 
dessen Schutz sich in der langobardischen Gesetzgebung 
weitgehende Bestimmungen finden (L. Roth. §§ 292—296). 
Das Weinland war weit wertvoller als gewöhnliches Acker- 
land. 1 Joch Weinland an der Celera bei Lodi war zu 30 sol. 
abgeschätzt (Tr. 770), und 1800 Reben kosteten 999 in Rovo- 
reto (Alessandria) 1200 (240 x 5) Denare (CL. 960). 

In der Viehzucht, die auch auf jedem Hof betrieben 
wurde, nahm die Schweinezucht den ersten Platz ein. In 
dem Inventar von S. Giulia in Brescia sind in der Ebene 
die Schweine fast überall vorherrschend, der Archiporcarius 
war der oberste der Hirten (Tr. 602), der wohl mit dem 
„magister porcariorum" identisch ist, der ein Wergeid von 
50 sol., d. h. soviel wie ein Ministerial hatte, sofern ihm 
mehr als 2 Hirten unterstanden, während der gewöhnliche 
Schweinehirt auf 25 sol. geschätzt war. Dagegen bekam 
der Herr des Rinder- oder Ziegenhirts nur 20, für junge Hirten 
nur 16 solidi (cf. Lex Roth. §§ 132—136). Auch in der Lex 
Roth. §§ 349—353 ist vorwiegend von porci und porcarii die 
Rede. Der Grund für die Bevorzugung der Schweinehirten ist 
wohl darin zu suchen, dass bei den Römern die Rinder-, Ziegen- 
und Hammelzucht, bei den Langobarden aber die Schweinezucht 
verbreiteter war, und so die Schweinehirten in der Mehr- 
zahl langobardischer Abstammung waren. Die Hirten scheinen 
ausnahmslos Servi gewesen zu sein. 

Ein Bild der Verteilung der Vieharten giebt wohl am 
besten die nachstehende Tabelle, die dem Inventar von S. 
Giulia in Brescia entnommen ist (CL. 419) und wahr- 
scheinlich die Summe der zum Herrenhof gehörigen Tiere 
angiebt. ^ 

^ Vgl. Seregni p. 65. 

» Obwohl es aus der Urkunde nicht mit Sicherheit zu entnehmen 
ist, so scheint es sich doch um ein Inventar, nicht um Abgabe zu 
handeln. Für uns ist die Frage minder wichtig, das Verhältnis der 
Zahlen zu einander hat bei beiden Voraussetzungen gleichen Wert. 



— 307 - 



Tabelle des Viehbestands der Höfe CL. 419.i 



Hof. 




CS 


s 


ihweine| 

1 




OD 


U 

ä 




0» 


S 


S 


N 


O 


ad 


Timoline . . . . 


12 


3 


16 




4 


30 


Bogonago . . 




39 


5 


7 


— 


— 


20 


Porzano . . 




14 


12 


24 




15 


15 


Audalvico . . 




— 


5 


8 


3 


20 


40 


Nuvellaria ^ 




60 


8 


28 


3 


11 


20 


Volento . . . 




40 


7 


16 




11 


15 


Cervinica . . 




28 


8 


18 


1 


2 


16 


Mariano . . 




12 


3 


35 


4 


3 


20 


Magonvico ^ 




18 


8 


30 


17 


14 


45 


Val Camonica 




482 


17 


29 


8 


— 


30 


Sure .... 




230 


5 


30 


6 


— 


20 


Clusune . , . 




172 


4 


20 


4 


— 


20 


Gurte Tontolfi 




— 


4 


r>o 


— 


12 


30 


Gurte Gumolfi* . 




— 


3 


50 


— 


6 


20 


Riveriola . . . 




300 


7 


92 


13 


22 


50 


Bissarissu . . . 




— 


4 


43 





15 


50 


Gastelluna . . . 




46 


4 


66 


— 


20 


40 


Alfiano» . . . 




90 


26 


100 


10 


30 


100 


Cicognara . . . 




— 


13 


51 


— 


12 


15 


Miliarina" . . . 




40 


6 


180 


— 


12 


20 


Barbada . . . 




10 


7 


70 


— 


11 


20 



' Es ist hier wie unten unter den Höfen eine Auswahl g^etroffen. 
Einmal suchten wir die ehemaligen Eönigshöfe aus, zweitens bestrebten 
wir uns die nach irgend einer Richtung hin Charakteristisches bieten- 
den in die Tabelle aufzunehmen. 

* Die Zahl der Kühe fehlt hier. 

' Dazu ein Esel (asinus). 

^ Die Zahl der vaccae ist ausgefallen, ausserdem 2 Eselinnen. 

^ Ausserdem 36 Pferde und eine Eselin, und 3 Enten (anades). 

« Dazu 6 Esel. 

20* 



- 308 — 

Wie aus der Tabelle hervorgeht, wurde die Hammel- 
zucht besonders in den im Gebirge gelegenen Gegenden der 
Bergamasca sehr eifrig betrieben. In der Ebene hielt man 
mehr Rindvieh und Schweine, während die Ziegen stark 
zurücktraten. Eine Zusammenstellung von 52 Höfen von 
S. Giulia ergab: 

1748 Schafe 
1349 Schweine 
265 Rindvieh 
155 Ziegen 
3517 

Vereinzelt kommen auch Esel und in Alfiano auch 
Pferde vor. In den Alpen und im Apennin herrschte 
überall die A 1 p Wirtschaft, so am Col di Tenda, im Thal von 
Susa, im Tessin, Veltlin, Valcamonica, und in der Gegend 
von Bobbio (vgl. Tr. 610 B-M. 161. 1592. CL. 419). 
Die Käseproduktion spielt im Inventar von S. Giulia eine 
wichtige Rolle. Wie es sich mit dem Eigentum und der 
Nutzung der Wiesen verhielt, ist schwer anzugeben, doch 
scheint dieselbe in den meisten Orten den Bauern zugestanden 
zu haben, mitunter freilich nur gegen eine „herbaticum" 
genannte Gebühr (cf. CL. col 718. 727). Diese wurde auch 
für Benützung der Alpen erhoben (CL. col. 724). 

Die Geflügelzucht wird viel erwähnt, beschränkte 
sich aber in der Hauptsache auf Hühner und Gänse, Enten 
werden nur selten genannt. Eier als Abgaben kommen 
überall vor. 

Die Fischerei wurde naturgemäss in Seen und Flüssen 
viel betrieben, so z. B. im Garda, Sermione, in Rivaita und 
Iseo. Vom letztgenannten Hofe wurden 1200 Fische an 
S. Giulia abgeliefert. 

Den Hauptteil der ländlichen Produktion nahm der 
Ackerbau ein. Es ist nicht unsere Aufgabe, hierüber die 
Technik ^ der Landwirtschaft zu berichten, doch wollen wir 
angeben, was in der Lombardei im früheren Mittelalter 



* cf. Seregni p. 62 ff. 



309 — 



angebaut wurde, wofür uns auch das Inventar von S. Giulia 
eine treffliche Handhabe bietet. Es kommen folgende Ge- 
treidearten vor und zwar nach einer Berechnung in 52 Höfen 
in % der Gesamtsumme: 

Roggen (sicale) ^ 

Weizen (frumentum) 

Hafer (avena) ) 

Gerste (ordeum) j 

Hirse (milium) 

Spelt (speltum od. alaga) 

Gemüse (legumina) 

Andere Sorten insbes. 

Milaga^ u. Fensch (pannicum) 117 „ „ 2 „ 
(170) (49) 

Nähere Nachweise bietet die Tabelle, die den Ertrag 
vom Salland der Höfe von S. Giulia (GL. 419) in Scbeflfeln 
angiebt: 



2380 Scheffel 
1230 , 


ca. 40 o/o 

, 22 , 


1027 , 


, 17 , 


806 
187 
131 


. 14 , 

, 3 , 

. 2 , 



Hof. 



Wei- 
zen 

(frumen- 
tum) 

I 



^ Gerste 
^^^'\ und 
gen I Hafer 

(»icale) I (ordeum Ä 
ayena) 



Ge- 
müse 



Hirse 

(milium 



Spelt 
(spel- 
tum) 



Fensch j^|j. 
(pannl- 



oum) 



laga 



Timeline ^ 
Canella . 
Bogonago 
Brescia . 
Cardulina 
Porzano . 
Audalvico 
Nuvellaria 
Volento . 





4 


30 


3 




5 


40 


5 




3 


12 


2 




10 


15 


10 




8 


10 


5 




20 


53 


100 




10 


24 


13 




30 


25 


— 




10 


20 


— 



6 

140 

52 

60 

15 



40 
8 
4 



10 

5 

4 



10 



' Über die Namen der Qetreidearten Tgl. v. Fisoher-Benzon, 
Altdeutsche Oartenflora. Kiel und Leipzig 1894 p. 167. 

* Yermag ich nioht za identifizieren. 

' Dazu kommen 40 mod. granum, das nach Du Gange = ooooum 
ist. Nach Freund, Wörterbuch der lat. Sprache, 1, 809 ist ooocuro 
ein Korn vom Strauche Thymelaea. Tgl. auch Forcellini 2, 246 II. 



— 310 



Hof. 


==«« gen 

<"--- (SIC.) 


Gerste 

und 

Hafer 

(ordeum 
avena) 


Ge- 

müBe 

(lego- 

min) 


Hirse 

(milium) 


Spelt Fensoh 

(spcl- (panui- 
tum) com) 


Mi- 
laga 


Magonvico . 
Valcamonica 
Curte Tontol 
Marcharegia 
Riveriola 
Alfiano . 
Gatariolo 
Cicognara ' 
Barbada . 


fi 


70 
3 

120 
32 
77 

130 
48 
90 
47 


72 

5 

65 

65 

217 

516 

142 

103 

167 


70 

35 
34 
42 

115 
50 
90 

140 


6 

15 

6 

2 
10 
10 

14 


60 
20 

170 


20 


10 


— 



Die landwirtschaftlichen Produkte wurden zum grössten 
Teile auch auf den Höfen verarbeitet. Auf allen grösseren 
Höfen gab es eine, oft mehrere Mühlen, deren Benutzung 
auch anderen Personen gegen Entgeld zustand. Auch für 
die Wein- und Ölgewinnung bediente man sich der „tor- 
cula" oder „torculare" genannten Maschinen. Auf einigen 
Höfen gab es auch Holzindustrie (s. p.298.). Die Frauen wur- 
den in Spinnstuben (pisile oder genitium) beschäftigt, wohin 
nach der Lex Roth. (§ 221) auch Mädchen gesandt wurden, 
die sich mit Sklaven eingelassen hätten. Auf einem Hof 
von S. Giulia waren 20 Weiber in einem „genitium** an- 
gestellt (vgl. CL. col. 713). Als Produkte des weiblichen 
Kunstfleisses dürfen wir wohl die Tücher (panni), Bänder 
(fascellae) u a. ansehen, die von verschiedenen Höfen abge- 
liefert wurden. 

Auf einigen Gütern wurde auch Eisen verarbeitet, das 
die Bergwerke als Steuer dem königlichen Hofe entrichten 
mussten (St. 2336). Hiervon machte man Pflüge (vomeres), 
Sicheln (falces), Heugabeln (furcae) u. a. Auf einem Hofe 
von S. Giulia befand sich ein Steinbruch (CL. col. 710), 



* Dazu 10 Scheffel fava (Bohnen), 



— 811 — 

während in Limonta Kalkbrennerei vorkam (CL. 416/17). 
Von der Bienenzucht ging die Wachsverarbeitung hervor, 
die besonders für Kirchen und Klöster grosse Bedeutung 
hatte. 

Auf einigen Höfen, wie z. B. in Murgula und Viguz- 
zolo (Ch. 1, 48) fand auf dem Markte Handelsverkehr 
statt. 

Über weitere Zweige des Handwerks und über die 
kulturellen Zustände der Domänen fehlen uns Nachrichten. 

IV. 

FORMEN DER BEWIRTSCHAFTUNG, DIE BEVÖLKERUNG UND 

IHRE LAGE. 

Im römischen Reiche wurden die Domänen gewöhnlich 
in Emphyteuse gegeben, d. h. in Erbpacht gegen Entrichtung 
eines feststehenden Pachtschillings, des sog. Canon, ge- 
wöhnlich an grosse Kapitalisten, die ihrerseits wieder die 
Grundstücke im einzelnen verpachteten".^ Der Staat hatte 
so eine feste Einnahme, die nicht auf die jährlich schwanken- 
den Erträge des Grundbesitzes basiert war, hatte keine 
Schwierigkeiten bei der Einziehung der Abgaben und konnte 
mit wenigen Beamten an der Zentralstelle auskommen. Das 
gleiche System wandte auch die römische Kirche auf ihren 
Gütern an (MG. Epistolae Greg. 1, 70 p. 90). Die Nach- 
teile des Systems bestanden darin, dass die unmittelbare Be- 
rührung zwischen dem Staate und der ländlichen Bevölke- 
rung verloren ging, und die Bauernschaft ausgesogen wurde. 
Zahlreich sind die Klagen über die Bedrückung des Land- 
volkes im byzantinischen Italien (Epist. Greg. 1, p. ß2. 324). ^ 

Wie fand nun die Bewirtschaftung der Güter im 
einzelnen statt ? Früher herrschte besonders mit Rücksicht 
auf Plinius die Ansicht, dass in Italien in der römischen 
KaiserzeitderGrossbetrieb mit grossenmeist unfreien Arbeiter- 

^ ofr. Hartmann, Byzantinische Yerwaltung in Italien 1889 p. 74. 
— Codex Just. 11, 62. 

' cfr. Jung, Agrarische Verhältnisse in der römischen Kaiserzeit. 
Bist. Zeitschrift 48 p. 44 If. 



— 312 — 

niassen bestanden habe. Dagegen behauptete Mommsen, dass 
diese Betriebsform äusserst selten und besonders auf Afrika 
beschränkt gewesen sei, wogegen in Italien der Kleinbetrieb 
durchaus vorgeherrscht habe. ^ 

Im langobardischen Reiche fiel das römische Ver- 
pachtungssystem fort, es fehlte eben an kapitalfähigen Unter- 
nehmern, und nur in der Romagna können wir einen Fall 
der Emphyteuse bei einem Griechen nachweisen (Tr. 535), 
der drei Höfe bei Bologna inne hatte. Im übrigen aber erhielt 
sich, wie es scheint, das römische Wirtschaftssystem. Eine 
Latifundienwirtschaft scheint nirgends bestanden zu haben. 

Ein Teil des Gutes (mansus indomnicatus od. domni- 
catus, terra salica), das sog. Sali and, befand sich auf den 
meisten Höfen in Selbstwirtschaft (Regie) des Grundherren. 
Auf den Höfen von S. Giulia gehört zum Salland fast 
regelmässig Ackerland, Weinland, AViesen und Wald. Ein 
Hof (Sumolacu) hatte nur Wein- und Olivenland in Selbst- 
wirtschaft, während zu Turbula (col. 712) und Sure (col. 716) 
der ganze Hof in Eigenwirtschaft stand. Die Verwaltung 
leitete der Scario oder Actor, der selbst eine oder mehrere 
Hufen inne hatte, die er meist aber nicht selbst bewirt- 
schaftete. Das Salland wurde von den Prebendarii be- 
baut, deren Zahl auf den Höfen von 2—49 schwankt, wahr- 
scheinlich Unfreien , die ihren Unterhalt vom Herrn be- 
kamen, die sog. praebenda, wahrscheinlich auch freie Wohnung 
und Kleidung. ^ Auf den meisten Höfen ist bestimmt, wie- 
viel Korn an sie geliefert werden musste. (In Timeline 
z. B. 159 Scheffel d. h. 11 pro Kopf). Ausser den Preben- 



^ Hermes 19 p. 405 ff. Ed. Meyer im Handwörterbuch der 
Staatswissensohaften Bd. 2 p. 447 behauptet, dass in Mittel- und ünter- 
italien die Latifundienwirtschaft, in der Poebene der Kleinbetrieb vor- 
geherrscht habe. Aber gerade auf die letztere kommt es uns an. 

' Auch in Limonta gab es solche Leute OL. 126: ^et nihil red- 
dunt predicti homines, sed excolunt prenominata oliveta et habent 
suos peculiares pro victu et vestitu". Vgl. auch Schröder p. 444. 
Seregni a. a. O. p. 29 hält die prebendarii für ^laici non soggetti a 
oelibato professanti la regola del monastero^, eine Auffassung, die ich 
für völlig verkehrt halte. 



— 313 — 

darii zog man aber noch die manentes zu Frohnden heran, 
die sehr verschieden bemessen waren. 

Über die Grösse und Verteilung des Sallands 
soll die nachstehende Tabelle einen Überblick ermöglichen. 



Hof. 



I terra ara- 

bilis ad 

seini- 

namdum 

I modios 



vinea ad 
amforas 



prata ad 
carradas 



Silva ad 

in- 
orassan- 

dum 
porcos 



Preben- 
darii 

Köpfe 



Timoline 


32 


60 


6 


_ 


14 


Canella . . 


90 


30 


10 


— 


15 


Bogonago . 


90 


— 


6 


50 


8 


Iseo' . . . 


17 


50 


10 


30 


13 


Porzano . . 


300 


50 


25 


20 


22 


Nuvellaria . 


270 


50 


20 


200 


16 


Magonvico . 


300 


70 


25 


15 


30 


Val Camonica 


40 


23 


40 


— 


23 


Riveriola * . 


470 


70 


44 


560 


25 


Bissarissu . 


450 


100 


20 


550 


16 


Alfiano . . 


900 


100 


50 


700 


49 


Curticella . 


90 


20 


20 


— 


15 


Cicognara . 


330 


10 


15 


200 


19 


Miliarina 


540 


120 


50 


2000 


21 


Barbada . . 


300 


70 


100 


800 


18 



Aus dieser Tabelle lassen sich auch Schlüsse über die 
Grösse des Sallandes ziehen. Nehmen wir an, dass bei der 
primitiven Technik der Landwirtschaft trotz des vorzüg- 
lichen Bodens etwa das fünffache der Aussaat geerntet 
wurde, so erhalten wir einen Ertrag:^ 



klasse. 



' Dazu Oliyenwald. 

' Dazu terra infructuosa quae ad seminanduni non est. 

' Wir wählen im folgenden nur Beispiele aus jeder Grössen- 



— 3U — 

zu Iseo 85 modiii = 127 hl. (85) 

Timoline 160 „ = 240 „ (160) 
Barbada 1500 „ = 2250 „ (1500) 
Alfiano 4500 „ = 6750 , (4500) 

Nehmen wir nun weiter an, dass auf den ha. 6 hl., geerntet 

wurden 2, so erhalten wir in 

Iseo 21 ha Ackerland (ca. 1 Hufe) 

Timoline 40 „ „ (ca. 2 Hufen) 

Barbada 365 „ „ 

Alfiano 1125 „ „ 

Das Weinland vermögen wir nach Seregnis^ Angaben 
ebenfalls zu berechnen. Nach ihm beträgt das Weinland 
für 1 amfora Ertrag etwa 5 Ar. Demnach beträgt das- 
selbe in: 

Cicognara 50 ar = 0,5 ha 



Canella 


150 , = 1,5 


Iseo 


300 , = 3,0 


Alfiano 


500 , = 5,0 


Miliarina 


600 „ = 6,0 



Das Wiesen- und Waldland vermögen wir nicht aus- 
zurechnen. Olland kommt bis zum Ertrag von 600 Pfd. 
vor, was heute etwa 8 ha. entsprechen würde. 

Der grösste Teil des Grundbesitzes war aber in der 
Regel in Hufen (mansi oder sortes) zerlegt und an Bauern 
zu sehr verschiedenen Bedingungen ausgethan, die sich nach 
dem Stand der Bauern, der Beschaffenheit der Parzelle und 
wohl auch nach der Lage des Arbeitsmarktes richteten. 
Soweit als möglich zog man natürlich die eigenen Leute, 



* modius = 1,462 hl nach CL. col. 205. Wir runden auf IV2 ab. 
Da Dreifelderwirtschaft herrschte, muss ein Drittel abgezogen werden, 
doch ist dies für unsere weitere Berechnung unwesentlich. Ich gebe 
deshalb die wirkliche Ertragszahl in Klammer. 

^ Heute wird in Italien etwa das 5—7 fache der Aussaat ge- 
wonnen (cf. Eheberg p. 18). Man erntet auf dem Hectar in der Provinz 
Cuneo 7,9 hl, in Novara 14,0, in der Lombardei 11 — 14,6 hl. (Eheberg 
p. 19. 22). 

» a. a. 0. p. 41, 



315 — 



Unfreie und Aldien heran, als diese aber - die Vermehrung 
der unfreien Bevölkerung ist zu allen Zeiten sehr gering 
gewesen — nicht mehr ausreichten, sah man sich genötigt 
auch Land an Freie zu verpachten, ^ die in römischer Zeit 
die Mehrheit gebildet hatten. ^ Gewisse mansi, die mansi 
vestiti waren regelmässig mit Bauern (manentes) besetzt, 
während andere, die mansi absi oder absentes ohne festen In- 
haber waren, -^ gewiss dem Herren zur Verfügung standen, 
und von ihm entweder selbst bewirtschaftet oder verpachtet 
wurden. Häufig wurde auch ein mansus unter mehrere 
Bauern ausgeteilt, seltener hatte ein Bauer mehrere sortes, 
wie nachstehende Tabelle beweist (CL. 419): 



Griliano 


17 sortes absentes 


28 manentes 


Iseo 


18 sortes integrae 


58 


Glociano 


1 sors integra 


6 servi 


Sumolacu 


3 sortes integrae 


15 „ 


Cardena 


2 


6 liberi 


Audalvico 


4 


4 libellarii 






1 sors 


8 manentes 


Porzano 




13 sortes 


13 






3 sortes integri 


3 servi 


Valcamonica 


53 sortes 


83 „ 


Alfiano 


4 


„ 


14 manentes 



(darunter der Canevarius und 8 Maurer). 

Betrachten wir zuerst die auch schon damals in Italien 
häufigen kontraktlichen Verhältnisse, in denen eine 
grosse Anzahl von Bauern stand. 

Unter den Kontraktarten* der Bebauung unter- 
scheiden wir die folgenden: 

1) Pacht gegen ein Fixum. 

a. ReineGeldpachtist verhältnismässig sehr selten, 
wie sie ja auch noch heute in Italien eine untergeordnete 

* ofr. Brunner 1, 208 f. 

' Hermes 19, 412. Freie Bauern sind auch in unserer Zeit ausser- 
ordentlich häufig und kommen überall vor. 

* ofr. Waitz, Die altdeutsche Hufe. Göttinger Gesellschaft der 
Wissenschaften Bd. 6, 220. 

* Ygl. Seregni a. a. O. p. 52 ff. 



— 816 — 

Rolle spielt. Sie kommt gewöhnlich höhergestellten Personen 
gegenüber in Anwendung, da die einfachen Bauern nicht 
im Stande waren eine Geldsumme aufzubringen. So z. B. 
verpachtete im Jahre 915 die Äbtissin von S. Sisto dem 
Franken Eimerich die Besitztümer einer Kirche und zwei 
Bauernhufen für 3 solidi jährlich (CL. 462), der Abt von 
Nonantola 930 einem Grafen einen Hof in der Grafschaft 
Brescia auf 29 Jahre gegen die allerdings sehr niedrige 
Summe von 3 solidi (CL. 535) „libellario nomine** (ebenso 
CL. 536 an einen Kleriker).^ Regelmässig war die Geld- 
pacht bei dem burgundischen Kloster St. Maurice im Wallis 
(Ch. 2, 47. 49. 50. 51. 52. 56. 63. 64 von 6 denar bis 3 solidi). 
Auf den Gütern von S. Giulia giebt ein Scario in Griliano (CL. 
col. 707) 5 solidi Pacht, ein manens in Rivaita (col. 720). 8 solidi. 
Auch bei Unfreien kommt zuweilen, wenn auch sehr selten 
Geldpacht vor, so z. B. in Limonta, wo „servi" für die 
„terra absens" 4 solidi, und wo. 2 Aldiones ebenfalls 4 solidi 
zahlen. Bei den letzteren handelt es sich aber um einen 
Kopfzins (CL. 126). 

b. Pacht, bei der ein Fixum von Naturalien ge- 
zahlt wird, ist nicht selten und kommt besonders auf den 
Gütern von S. Giulia viel vor, oft auch in Mischung mit 
Geldabgaben, so z. B.2 (CL. 419): 

Col. 706 geben 3 manentes als „Fictum" (Pachtzins) 

15 Scheffel Korn, 3 Anforae Wein, 8 Hühner, 11 Eier, 

ein vierter 1 Scheffel Korn und 2 Anf. Wein. 

Col. 707 „liber homo" in Timeline giebt als Pacht 

(Fictum) 10 Scheffel Korn, 3 denar, 3 Hühner. 
Col. 707 verschiedene libellarii und commendati geben 

als Fictum 38 Scheffel Korn, 63 denar, 16 Hühner, 
80 Eier. 

Col. 708 zwei Freie in Iseo geben 5 Krüge Wein, 

2 Schweine, 1 Widder, 6 Hühner, 30 Eier, 3 Scheffel 

Kastanien. 



< Der Zins dient hier mehr als Reoognitionszins. ofr. Seregni p. 26. 

' Es handelt sich für uns nur darum Beispiele zu geben, nicht 
alle Fälle der sehr häufigen und mannigfaltigen Form aufzuzählen. 
Wir nehmen hier nur wirkliche Pachtverhältnisse auf. 



— 317 — 

Col. 711. 1 „libellarius" in Audalvico giebt 2 Krüge 
und 1 Urne Wein, 15 Pfund Oel, 2 Hühner und 
10 Eier. 

Col. 712. 8 montenarii in Casivico geben alle 3 Jahre 
2 sol., 6 Pfund Öl, 7 Fische, 2 Käse. 

Col. 713. 2 libellarii auf einer Hufe zu Volento 
geben 6 Scheflfel Korn, V2 Wein (cf. unten), 1 Schwein, 

4 Hühner, 20 Eier und 34 denar. 

Col. 716. 2 sortes im Valcamonica geben als Pachtzins 

5 Krüge. Wein, 8 Widder, 10 Käse. 

Col. 725. 3 libellarii iu Barbada geben 31 Scheflfel 
Korn, 17 denar, 6 Hühner, 30 Eier. 

Col. 726. in Genua geben 5 freie Leute 240 Pfund 
Käse. 

in Ivrea (Eporeia) geben 2 Freie 50 Pfund Honig. 

2) Häufiger als die Pachtverträge gegen ein Fixum 
waren die Quotallohn- oder Quotalpachtverträge, 
Vorläufer des noch heute in Italien sehr verbreiteten Teil- 
baus oder der mezzadria. * Hierbei kamen die mannig- 
fachsten Kombinationen, auch in Verbindung mit fixen 
Geld-, Naturalquoten und Frohnden vor. Die Quotalverträge 
sind in den Urkunden seit dem 8. Jahrhundert in ganz 
Ober- und Mittelitalien nachweisbar. Auf den Gutem von 
S. Giulia war die Abgabe von der Hälfte des Weins be- 
sonders gewöhnlich, doch auch beim Korn und Öl kommen 
Quoten vor so z. B. : ^ 

Col. 710. 4 libellarii geben vom Öl die Hälfte, 12 
Pfund Käse, 5 Pfund Lichter und Fische. 



* Ohne hier auf die Controyere über die Entstehung der Mezza- 
dria eingehen zu wollen, möchte ich doch behaupten, dass dieselbe 
römischen Ursprungs ist (vgl. Waser, Die oolonia parciaria im römischen 
Reich 1885. — Dietzel in der Tübinger Zeitschrift für Staatswissen- 
schaften 1884—1885). Auch im Merovingerreich kommt die colonia 
parciaria im 7. Jahrhundert yor. Vgl. MG. Formulae ed. Zeumer p. 14 
no. 30 (Formulae Andegayenses). 

* Auch hier beschränken wir uns auf wirkliche Pachtverhältnisse 
(libellarii). 



- 318 — 

libellarius (in Olco) giebt vom Wein die Hälfte, 
14 Scheflfel Korn, Hühner und Eier. 

Col. 713 gaben in Volento 2 libellarii ausser fixen 
Abgaben die Hälfte vom Wein. 

Col. 717. Ein Freier in Marcharegia giebt V* vom 
Korn, Vs vom Wein, 8 denar, 2 Hühner, 10 Eier. 

Col. 725. Libellarii in Barbada. Einer giebt V» 
Korn, \^2 Wein, 2 Hühner, 10 Eier, 1 solidus, ein 
anderer das gleiche, doch nur 2 den. und ein dritter 
6 denar. ' 

Gehen wir noch auf einige solcher Verträge, die für 
uns besonders wichtig sind, da sie kaiserliche Güter be- 
treffen und im Namen der Kaiserin abgeschlossen sind, des 
näheren ein. Es sind zwei Contracte von 877 und 885 
(CL. 273. 334),*- die der Gastalde der Kaiserin Angilberga 
in Guastalla abschloss. Die Bestimmungen sind die 
folgenden : 

1) Verpächter ist die Kaiserin Angilberga, Pächter 
sind Manifret und Rimpert, homines liberi in der ersten, 
Leo, ein freier Mann, in der zweiten Urkunde. 

2) Gegenstand des Vertrags: man pachtet („firmo 
libellario nomine") Häuser und Sachen (casaes vel rebus), 
im ganzen 25 (CL. 334: 20) Joch.^ 

3) Zeitdauer: 29 Jahre (die gewöhnliche Dauer dei* 
damaligen Kontrakte wegen der dreissigjähren Verjährungs- 
frist, doch auch 10 Jahre kommen vor). 

4) Die Pacht erstreckt sich auch auf die Erben („firmo 
te vel tuis heredibus"). 

5) Verpflichtung, das Grundstück zu bearbeiten 
und daselbst zu wohnen („ut vos vel vestris heredibus 



^ Vgl. unten die Tabelle, und auch Pertile Bd. 4 p. 595 Anm. 2, 
wo einige Beispiele angefahrt werden. 

• Vgl. Seregni p. 57. Der von ihm oft angeführte Aufsatz von 
Cipolla in den Atti deiraccademia d^agricoltura di Verona 1891 p. 102 ff. 
war mir leider nicht zugänglich. 

' Im ersten Kontrakt hatte der Vater Manifrets das Grundstück 
vorher in Pacht gehabt. 



— 319 — 

super ipsis rebus resedere et laborare adque meliorare 
debeatis sine fraude vel nelicto") ^ ; die Verpflichtung ist 
ganz analog den heutigen Teilbaubestimmungen. 

6) Pachtsumme. 

a) in Guastalla abzuliefern A^om siligo,^ Roggen 
(sigale) und Gerste (ordeo) ein Drittel , vom 
anderen ein Viertel, vom Wein ein Drittel. 

b) eine jährliche fixe Zahlung („exenium") und 
zwar am Prospertag (Tag des Schutzheiligen der 
Diözese Reggio): 2 Hühner, 10 Eier (wohl ova 
zu lesen statt oves). Wie man sieht ist dies 
exenium sehr gering und die Quotalpacht bei 
weitem das wichtigste. 

7. Arbeit: 23 Tage auf dem Hofe Guastalla, die 
Hälfte mit den Ochsen, die Hälfte mit der Hand (manu- 
velis) (in CL. 334 ein Tag im Monat, aber in Piacenza), eine 
angaria (Fuhrfrohnde) von 6 Scheffeln his zum Hof (ad curte 
vel loco). 

8) Bei Potiberschwemmung ist freies Fortgehen 
gestattet („et si exportati Pado venerit, ut ipso loco di- 
lierit, ut ibi vivere non posatis, exiatis inde foris sine omnem 
culomnia"). 

9) Für eine Wiese und Garten sind noch 2 Scheflfel 4 Sester 
und 11 Rüben zu zahlen (et abetis prado, media dua sex- 
taria quatuor, et orto, et rapas undecim redatis; in CL. 
334 : unde non redatis, da die Wiese nur V2 Joch gross war). 
Noch heute ist die Wiese gewöhnlich besonders verpachtet,^ 
da sie sich nicht zur Quotalpacht eignet. 

10) Die abzuliefernde Menge ist auszudreschen (battere), 
zu fahren (vegere) und auf dem Hofe anzuzeigen (consignare) 



* Zu lesen für relioto. Auch CL. 334 hat nelicto. 

* IN'ach Y. Fischer-Benzon p. 163 geringe Weizenart, von geringem 
Gewicht, die auf Sumpfboden wächst, doch gutes Brod liefert. Später 
ist siligo — Winterweizen. Vgl. auch Seregni p. 62. 

' Ein Herr schrieb mir aus £dolo (Prov. di Brescia): „8e nel 
podere vi sono prati, per questi il mezzadro paga un affitto fisso in 
danaro e restauo quiiidi esclusi deUa mezzadria''. 



~ 320 — 

auf Kosten des Colonen (^cum vestro dispendio**), ebenso 
wie heute. ^ 

11. Nach Ablauf der Frist darf der Colon von dannen 
ziehen (expletis annis exiatis foris) mit der Hälfte der Mo- 
bilien, in CL. 334 mit 2/3; 2 die andere Hälfte blieb dem 
Herren: ^in loco cispite dimitatis". Das Betriebskapital 
scheint dem Colonen gehört zu haben. 

12. S traf e für beide Teile, auch für die Kaiserin, 20 solidi. 
Es wurden nach CL. 334 zwei Exemplare des Vertrags ver- 
fertigt. 

Aus anderen Teilbauverträgen, allerdings nicht von 
kaiserlichen Gütern, entnehmen wir noch folgende Züge. 
So wird 882 (CL. 313) ein Gut in Iseo verpachtet, von 
dem die Hälfte des Weins zu zahlen ist. Auch hier 
muss der Wein zum Hofe gefahren werden (vegere aput 
ipsa curte Iseis). Ebenso musste auf den Gütern von 
S. Maria di Varese die Hälfte des Weins abgeliefert werden.^ 
In zwei Urkunden CL. 445 und 545, in denen auch die 
Hälfte des Weins abgeliefert werden musste, wird die Be- 
nachrichtigung nach der Ernte ausdrücklich hervorgehoben, 
(in Bergamo; „et quod tempus vindimie vobis vel ad misso 
vestro sire et fas quando faciamus et hoc ipso redito vos 
seniores vel vestro misso in predicto vico recipere debeatis" 
CL. 445 anno 912, und „et tempore vindimie nos vortire^ 
faciamus, ut vos aut misso vestro super ipsa vinea ad 
mustum (Most) ipsum recipiendum". Dieser Vertrag aus 
Monza CL. 545 lief nur auf 12 Jahre). Ebenso heisst es 
in einem Vertrag von 854 CL. 186 aus Campione am 
Luganer See: „et debeamus de presenti vinea ordinabiliter 
plantare ... et persolvamus vinum medietatem per 
vindimias ad torclo et pro tempore vindimie vos aut misso 
vestro superesse debeas et ad nostra dispensa recipiamus 
et vos scire faciamus et ipso vino cum nostro evegio per- 

» cfr. Perdle 4, 596. 

* Dazu gehörten, wie wir CL. 302 entnehmen; „boves, animalia 
seu utensilia** (ygl. Seregai p. 51). Die gleiche Bestimmung finden wir 
auch in einem Oolonenyertrag aus dem 8. Jahrh. aus Toscana (Troya 510). 

' Mail. Staatsarchiv, Garte di S. Maria di Yarese XI. sec. 

* =■ avvertire. 



- 321 — 

ducamus usque ad ripa de Lago Luano, consignato vobis vel 
ad misso vestro" ^ 

Während diese Verträge meist auf freiem Abschluss 
beruhen, war die Mehrzahl der ländlichen Bevölkerung ge- 
bunden, obwohl häufig ihre Abgaben und Leistungen weder 
quantitativ noch qualitativ sehr erheblich von denen der 
auf freiem Abschluss beruhenden abwichen. ^ Natürlich 
hing dies von der Lage des Arbeitsmarkts ab. War ein 
grosser Mangel an Arbeitern vorhanden, so Hess sich der 
freie Bauer keine Frohnden in grösserem Umfang aufer- 
legen, während er zu anderen Zeiten froh sein musste 
überhaupt ein Unterkommen finden zu können. 

Die Abgaben der Unfreien und Aldionen sowie der 
„liberi commendati" sind somit nicht wesentlich von den 
oben besprochenen verschieden: Auch sie zahlen, wie wir 
besonders auf den Gütern von S. Giulia nachweisen können, 
bald eine fixe Summe in Geld oder Naturalien (so auch in 
Limonta) oder Quoten des Rohertrags.' Zwischen den Servi 
und Aldiones scheint der Unterschied nicht gross gewesen 
zu sein. Fast überall waren die Abgaben und Leistungen 
gemessen, und auch eine willkürliche Behandlung war, wie 
das Beispiel von Limonta ^ zeigt, schon im 10. Jahrhundert 
nicht mehr möglich. Der Abt wollte den Unfreien (servi) 
beliebige Lasten auferlegen, eben mit der Begründung, dass 
sie ja Servi seien, ihnen die Haare abschneiden lassen etc., 
doch das Mailänder Gericht anerkannte das Herkommen 
auch als eine füi* die Sklaven massgebende Rechtsnorm 
(CL. 417). Eine Veräusserung von angesiedelten Unfreien 
ohne das Grundstück kam wahrscheinlich nicht mehr vor. 

Die Frohnden, die übrigens auch bei freien Ver- 
trägen häufig sind, waren ausserordentlich verschieden. 



* Vgl. die untenstehende Tabelle. Yerhältnismässig selten, wie 
auch noch heute, war die Quotalpacht in Piemont. 

* Vgl. die Tabelle. Eine Aufzählung wäre unnütz, da die Ab- 
gaben mit den oben besprochenen zusammenfallen. 

* Vgl. auch Seregni p. 60 AT., der von den Liraontinern sagt, 
sie wären bis in die Zeiten Marco Viscontis ein unruhiges Volk ge- 
wesen („fan capolino"). 

Darmstädter, Das Reichsgut in d. Lombardei u. Piemont. 21 



— 322 — 

Ungemessen waren sie im Valcamonica (CL. 419 col. 716), 
wo die manentes „faciunt opera, quantum mandat illorum 
magister". Im übrigen sind 5 Tage in der Woche die 
höchste Ziffer (so CL. 419 col. 718), dann 4 (so in Nuvellaria 
col. 712 unusquisque facit dies IV" per ebdomata, in Vo- 
lento col. 713, in Cervinica col. 713 ebenso), dann kommen 
3, 2, 1 Tag pro Woche vor (vgl. die Tabelle), 15 Tage im 
Jahr, 1 Tag im Monat, bis 5 Tage im Jahr (von „liberi, 
qui se commendaverunt cum eorum proprio** in Nuvellaria 
col. 713). - 

Dazu kommen noch andere Leistungen, so z. B. das 
Auspressen des Öls, Fuhrfrohnden (in Limonta), handwerks- 
mässige Beschäftigung, Tragen von Briefen (so in Canella: 
„Aldius, qui tan tum vias et epistolas portat, ubi necessitas 
est", col. 707, in Bogonago col. 708, Porzano col. 711, in 
Barbada col. 726 u. s. w.), Fischereifrohnden (col. 708 
„piscant in dominica piscacione"), Arbeit im Steinbruch (s.o.). 
Die Frauen wurden, wie wir oben sahen, im genitium be- 
schäftigt. 

Über die Einzelheiten des Lebens der ländlichen Be- 
völkerung, ihre materielle und kulturelle Lage, ihre Bildung, 
Wohnung, Kleidung und Nahrung wissen wir nichts, ^ doch 
glauben wir aus den Quellen schliessen zu können, dass die 
Lage der Bauern keine allzu schlechte gewesen ist.- 



* Auf die rechtlichen Verhältnisse der Stände gehen wir nicht 
ein. Vgl. den Aufsatz von Seregni, der diesen Punkt ausführlich be- 
handelt. 

* cf. Seregni p. 71, der die Lage „povera non misera** nennt. 



323 ~ 



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— 324 — 



n. Tabelle der Frohnden CL. 419. 



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Stand 



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pro Jahr ipro Woche 



Valcamonica 
Cubola . . 
Nuvellaria und 

dere Höfe 
Iseo, ümbiligo 

andere Höfe 
Barbada . 
Mariano . 
Tevoncio . 
Griliano 
Timeline . 
Canella . 
Miliarina . 
Castaneto 
Porzano . 
Barbada . 
Bogonago 
Cardena . 
Cabriana . 
Cardulina 
Rivaita 
Nuvellaria 



an 



und 



manentes 



servi 



liber commend. 

über 

manentes 



aldius 

servus 

über 

libellarius 

manens 

liber 



liber commend. 



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156 
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104 
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- 326 — 
V. 

DIE EINKÜNFTE. 

Aus diesen mannigfachen Abgaben der Bauern, Natural- 
und Geldlieferungen, und den Erträgen des Sallands setzte 
sich der Ertrag eines Gutes zusammen. Ziffernmässig können 
wir die Einkünfte eines Gutes nicht berechnen, geschweige 
denn die Erträge des gesamten Krongutes. Doch wir 
wollen versuchen wenigstens einige Anhaltspunkte zu bieten. 

Für den Ertrag eines mansus haben wir Angaben aus 
einigen Gütern von S. Giulia. Danach stellte sich das an 
den Herren abgelieferte Quantum; 

in Iseo auf 1-/3 Anf. Wein, 2^/9 mod. Korn, 1 Huhn, 

5 Eier, ca. V^ sol., 1 Schwein, 
in Brescia auf 4V2 Anf. Wein, 7V2 mod. Korn, 3 Hühner, 

15 Eier, 2 sol. 
in Porzano auf ^13 Anf. Wein, ca. 5 mod. Korn, 2 Hühner, 

10 Eier, 1*^/13 denar. 

Zahlenmässig kennen wir den Gesamtertrag^ von 
Limonta vom Jahre 835: 
36 Scheifel (ca. 50 hl.) Korn, ca. 12 Krüge Wein, 12 
Schweine ä 20 den., 18 Widder ä 5 den., 60 Hühner, 
300 Eier, 60 Pfd. Öl, und 9 solidi. Dazu kam der Ertrag 
der mansio domnicata, der nicht verzeichnet ist (GL. 126). 

Dies System der Individualisierung bot die grössten 
Schwierigkeiten. Die Einkünfte schwankten besonders bei 
dem Quotalsystem stark, der Transport der Produkte war 
lästig und die beständige Kontrolle erforderte ein grosses 
Beamtenpersonal, und ein solches war nicht vorhanden. 
Ausserdem war gerade bei der herrschenden Naturalwirt- 
schaft, was nicht übersehen werden darf, die Verwertung 
überschüssiger Naturalabgaben äusserst schwierig ; man 
versuchte es daher vielfach auf den königlichen Domänen 



* Es handelt sich wahrscheinlich um das dem Herren abgelieferte 
Quantum, 



— 327 — 

mit einem neuen System. Die grossen Klöster und der 
Fiskus gingen frühzeitig dazu über, die Abgaben zu fixieren, 
womöglich vom Hof insgesamt zu verlangen und in Geld 
zu erhalten: das übrige mochten dann die Bauern be- 
halten. 

Schon 835 sehen wir in Limonta feste Beträge, weitaus 
der grösste Teil setzte sich freilich noch aus Naturalien 
zusammen, 905 ist er insofern schon gemindert, als die 
Geldabgabe bedeutend gestiegen, und auf 70 sol. normiert 
ist. Dazu sind 100 Pfd. Eisen gekommen, während die 
Zahlungen in Korn, Hühnern und Eiern sehr herabgegangen 
sind. 957 fand eine neue Fixierung der Zahlungen von 
Limonta statt (CL. 625). Vergleichsweise füge ich die 
Ziffern von 1078 in Klammern hinzu (Mail. Staatsarchiv, 
Cartae pagenses XI sc. no. 776). 



Ort 


sol. 


Käse 

Pfund 


for- 
men- 

tum 
staria 


Hüh- 
ner 


Eier 


An- 
deres. 


Madrunino 


14 (14) 


lO(-) 


2(-) 


6(?) 


60 (60) 




Selvaniade 


14 (13) 


lO(-) 


2(-) 


6(3) 


60 (60) 


— 


Caritenigo 


14 (14) 


lO(-) 


2(-) 


6(6) 


60 (60) 


Fische 


Vero . . 


4 


' — 











(1078 

nicht 

genannt) 


Civenna . 


18 (21) 


— 


— 


12 a2) 


120(120) 


— 


Limonta . 


(18) 


— 





— 





— 



Es ergiebt sich, wie schon in der Mitte des 10. Jahr- 
hunderts die Geldabgaben weit überwiegen. So weit aber 
noch Naturalleistungen bestanden, wurden sie auch fixiert 
in der Form der sogenannten Servitia. Dieselben sind 
ursprünglich Leistungen Privater, insbesondere der Kirche 



- 328 - 

für den König (vgl. Schröder, Rechtsgesch. p. 192 f. und 
Stumpf Acta ined. no. 467) ; später wird der Ausdruck auf 
die Leistung eines Königshofes angewandt (vgl. Waitz 
Verfgesch. Bd. 8 p. 231). In Italien kennen wir Servitium 
in diesem Sinne aus einer Urkunde Heinrichs IV. der den 
Ort Casale mit dem Servitium dem Bistum Vercelli schenkt 
(Ch. 1, 368),^ und aus dem oft genannten Verzeichnis der 
Curiae. In demselben (Böhm, fontes 3, 397 f. Const. 440) 
figurieren die Höfe: 

1. Cavallermaggiore V 

2. Torcello l mit zus. 8 servitia 

3. Canella j 

4. Annone 10 regalia servitia 

5. Ruvignano 1 „ „ 

6. S. Giorgio 5 „ „ 

7. Gamondo 4 „ „ 

8. Marengo 8 „ „ 

9. Sezze 3 „ „ 

10. Retorte 2 

11. Pontecurone 2 „ „ 

12. Basaluzzo 2 „ „ 

13. Vigevano 2 „ „ 

14. Settimo 2 

Wie gross das Servitium in Italien war, wusste der 
Verfasser nicht. In Bayern und Franken waren es 40 
Schweine, 7 Frischlinge, 5 Kühe, 50 Hühner, 50 Eier, 90 
Käse, 10 Gänse, 5 Pfd. Pfeffer, 10 Pfd. Wachs, 4 Fuder Wein; 
in Sachsen 30 Schweine, 5 Frischlinge, 3 Kühe, 50 Hühner, 
50 Eier, 90 Käse, 10 Gänse, 5 Pfd. Pfeffer, 10 Pfd. Wachs, 5 
Fuder Bier und Wein aus den Kellervorräten. In Bayern 
bekam der König im ganzen 32, in Franken 85, in Sachsen 
40 servitia. Wahrscheinlich war das Servitium in Piemont 
nicht sehr verschieden von dem bayrischen, vielleicht wurde 
mehr Wein, anstatt der vielen Schweine auch Hammel ge- 
liefert. 



* Auoh bei den folgenden Orten ist das Servitium wahrsoheinlioh 
zu ergänzen. 



— 329 - 

Ein grosser Teil der Höfe war aber in Italien um die 
Mitte des 11. Jahrhunderts schon über diese primitiven 
Naturalleistungen hinaus; in 9 Höfen wurde bereits eine 
feste Geldabgabe an den König entrichtet und zwar in: 

1. Susa 2000 Mk. 

2. Avigliana 1000 , 

3. Chieri 600 „ 

4. Piossasco 500 „ 

5. Testona . 500 , 

6. Rivoli 500 „ 

7. Saluzzo 200 „ 

8. Albenga 200 „ 

9. Savona 200 , 

5700 Mk. 

Leider ist nicht gesagt, wieviel 1 Mk. ist. Es ist 
wahrscheinlich, dass es sich um Mark Silber handelt, d. h. 
um V2 Pfd. Dann wäre der Gesamtbetrag der 9 Höfe 
2850 Pfd. Silber gewesen. In Treviso hatte die Mark 14 sol. 
2 den. (Ducange 5; 259), so dass der Betrag ca. 80000 solidi 
ausmachen würde. 

Können wir uns so von der Grösse der Einkünfte nur 
ein unklares Bild machen, so wissen wir fast gar nichts 
über die Erhebung, Versendung und Verwendung 
derselben und sind zum grossen Teil auf Vermutungen an- 
gewiesen. 

Die Erhebung erfolgte, so lange es actores und 
gastaldii gab, durch diese, in Churräthien auch durch den 
camerarius, der dafür Provision bezog, z. B. in Lugnetz 
2 sol. (Mohr, Codex dipl. Rhätiae 1, p. 297), im Bergell 190 
Widder. Die Beamten besorgten auch die Kontrolle, die 
bei dem vom Ertrag abhängigen Zins sehr notwendig war. 

Die Domänenbauern lieferten ihren Zins an einem be- 
stimmten Tag, gewöhnlich einmal im Jahr, meist zu St. Martin 
(s. o.)^ auf dem Herrenhof ab; häufig wurde auch der Tag 
des Diözesanheiligen gewählt, so z. B. in Ravenna St. Vitalis 

' Vgl. Seregui ff. 04. 



— 330 — 

(Mur. Antt. 3, 143), in Novara St. Gaudentiiis (Ch. 1, 124), 
S. Alessandro in Bergamo (CL. 109), St. Prosper in der Diözese 
Reggio (CL. 188). Zuweilen kommt auch der Johannistag 
vor (CL. 393). Bei Quotalpacht fand die Ablieferung zur 
Erntezeit statt. Ein grosser Teil wurde auf den Höfen 
selbst verbraucht, für den Verwalter und die preben- 
darii. 

Ein Teil der Naturalien wurde dann aber weiter 
gesandt. Von Limonta aus wurde z. B. das Öl auf Wagen 
direkt nach Pavia gefahren, wobei die Bauern des benach- 
barten, der Kirche Missaglia gehörigen, Conno mithelfen 
mussten (CL. 126). Andernfalls wurden sie gepfändet. Die 
Leute von Limonta selbst und einigen umliegenden Orten 
waren nach einer Urkunde von 882 (CL. 314) verpflichtet, 
das Ol und Korn nach dem zwischen Mailand und Como 
gelegenen Hofe Desio (Deusdedit) zu fahren. Von einer 
Domäne in Friaul hören wir, dass ihre Erträge, 100 Scheffel 
Weizen und 50 Schweine, nach der königlichen Pfalz zu 
Treviso abgeliefert werden mussten (B-M. 232). Aus Treviso 
selbst wurde das Servitium im 11. Jahrhundert nach Verona 
befördert (St. Acta 467). Für das Eisen, das das Val Scalve 
in der Bergamasca lieferte, bestand eine Zahlstelle in Darfo 
an der Mündung dieses Thals (St. 2336). Es ist wahr- 
scheinlich, dass sich durchs Reich zerstreut verschiedene 
Höfe und Pfalzen befanden, an die die Erträge abgeliefert 
werden mussten. 

Was mit den Erträgen gemacht wurde, wissen wir 
nicht. Auf den Verkauf einiger Artikel lässt eine Stelle 
des Inventars von S. Giulia schliessen („ibi venunda- 
bitur" vgl. Bresslau, Konrad H., 2, 195 Anm. 5), wonach 
Seide in Pavia auf den Markt gebracht wurde. Vielleicht 
wurden auch noch andere Waren verkauft. 

Ein grosser Teil der Naturalien wurde gewiss vom 
königlichen Hofe selbst verzehrt. Als der Hof nicht mehr 
regelmässig in Italien wohnte, nahm man lieber Geld, 
dessen Verwendung wir natürlich nicht kontrollieren können. 

Es bleiben zur Besprechung noch einige Einzelheiten, 
die nicht direkt in unsere Ausführungen hineingehören, 



- 831 — 

aber doch mit ihnen nahe zusammenhängen. Wie es scheint, 
konnten nämlich auch verschenkte Königshöfe noch zu 
Leistungen herangezogen werden (vgl. Matthäi p. 16), eine 
Annahme, aus der sich vielleicht manche Namen im Ver- 
zeichnis der Curiae erklären. So musste, wie schon Matthäi 
hervorhob, das Kloster Morimund für den Ort Fara Basi- 
liana ein Viertel des Ertrags dem Fiskus zahlen , was 
Friedrich I. gegen die Zahlung eines aureus dem Kloster 
nachliess (St. 4172), und auf etwas ähnliches weist vielleicht 
die Nachricht des Chron. Novaliciense hin, dass in Canobbio 
am Lago maggiore der „mos regius" bewahrt würde (Chr. 
Nov. 5, 23 Matthäi p. 16). ^ Ganz ähnliche Verhältnisse 
finden wir in den Churer Kirchengütern im 11. Jahrhundert 
in einem Rodel, in dem ein census regius erwähnt wird. 
(Schweiz. Geschichtsforscher 4, p. 169 ff. Mohr 1, p. 297 if.), 
der im Bergell z. B. 20 sol. betrug. Auf ähnliche Verhält- 
nisse deutet wohl, der Jahreszins von 1 Pfd. Silber in Sacco 
bei Treviso (B-M. 1161), die Zahlung der 1000 Pfd. Eisen 
aus dem Thale Scalve (St. 2336) und das mel publicum von 
Carezzano (Ch. 1, 198) hin. 2 

Auch Frohnden wurden von benachbarten Orten ver- 
klangt, z. B. in Limonta mussten die Leute von Conno die 
Oliven sammeln, auspressen und nach Pavia fahren (CL.126). 
Lothar befreit die Priester von Cremona von Vorspann- 
diensten für die königliche Kammer (B-M. 1015). 

Umgekehrt kamen auch Leistungen von Königshöfen 
für Private vor. So lieferte z. B. der Hof Garda dem 
Kloster Bobbio jährlich 10 sol. (Ch. 1, 30) seit der Zeit 
König Liutprands. 



* Vgl. auch Waitz, Verfasaungsgesohicbte 4, p. 110. 8, 386. 

* Vgl. auch B-M. 792, wonach Nonantola Reichsland gegen Zins 
besage, und die Abgabe von 7V2 sol, die der kaiserliche Vogt vom 
Bistum Cremona fordert (CL. 439). 



- 382 - 

VI. 

RECHTLICHE VERHÄLTNISSE. 

1. Inventarisierung. 

Eine Inventarisierung der Krongüter fand in lango- 
bardischer Zeit unter König Liutprand statt („quia pro 
cautella et futuris temporibus per omnes curtes nostras 
brebi facimus de omni territuria de ipsas curtes pertinentes". 
Notitia de actoribus § 5). Dann wurde eine Inventarauf- 
nahme von Karl dem Grossen angeordnet (Waitz, Verfassungs- 
geschichte 4, 152. Brunner 2, 195), während König Pippin 
von Italien eine Specialinventarisierung der Güter der Königin 
Hildegard befahl (Capit. 1, no. 95 p. 201). Mit den Forsten 
speciell beschäftigt sich ein Capitulare Ludwigs des Frommen 
(LI. 4, p. 538 § 47. „De forestibus ubicumque fuerint dili- 
gentissime inquirantur"). Die späteren Könige, Lothar und 
Ludwig IL, befahlen auch ihren Sendboten, in den einzelnen 
Ortschaften nach Pfalzen und staatlichen Gebäuden Er- 
kundigungen einzuziehen und sie eventuell neu herrichten 
zu lassen. Ferner sollten sie auch die kaiserlichen Lehen 
verzeichnen (Capit. 2, p. 64 no. 202 c. 7, 8). Dann wurde' 
ihnen befohlen die villae zu inspizieren und zu sehen, in 
welchen Händen sie sich befänden (ebenda c. 6). Ludwig IL 
ordnete wiederholt die Wiederherstellung der Pfalzen und 
publicae domus an (Cap. 2, p. 85. 86 no. 212, 7. no. 218, 6. 7. 
no. 216 c. 3 p. 92. no. 217 c. 4 p. 94). Damit hören dann 
aber die Massnahmen dieser Art auf. Ob im 10. Jahr- 
hundert von den königlichen Gütern ähnliche Verzeichnisse 
bestanden haben, wie sie uns von den Klöstern erhalten 
sind, wissen wir nicht. Im 11. Jahrhundert deutet auf das 
Vorhandensein von Inventarien das Verzeichnis der „curie 
que pertinent ad mensam regis Romani" hin. 

2. Königsgut und Reichsgut. 

Eine strenge Trennung von Staats- und Privatgut des 
Herrschers ist dem frühen Mittelälter fremd und läuft der 



- 833 - 

germanischen Anschauung von König und Staat schnur- 
stracks zuwider. Wie im Frankenreiche (vgl. Waitz, Ver- 
fassungsgesch. 4, p. 5 ff. p. 140. Schröder, Rechtsgeschichte 
p. 117. p. 194. Brunner 2, p. 68 f.) so war auch im Lango- 
bardenreich das königliche Gut vom Privatgut des Herrschers 
nicht getrennt (vgl. Schupfer, istituzioni p. 370). ^ Das 
vom Herrscher eingebrachte Gut wurde wahrscheinlich zum 
Reichsgut geschlagen und ging als solches auf den Nach- 
folger über, während unter dem betreffenden Herrscher 
selbst noch formell unterschieden wurde (so z. B. in Brescia 
unter Desiderius verschiedene als herzoglich bezeichnete 
Güter). Jedenfalls konnte der König mit der gleiclien 
Freiheit über das Reichsgut wie über sein Privatgut ver- 
fügen. 

Sehr dunkel ist die Frage, wie sich nach dem Tode 
des Herrschers die Vererbung gestaltete, ob dem König 
auch Verfügung von Todes wegen über seine Güter zustand. 
Die Quellen sind so dürftig, dass sie eine Beantwortung 
dieser Frage nicht zulassen. Wir wissen nur, dass die 
Frauen des königlichen Hauses sehr reich dotiert wurden, 
besonders in karolingischer und ottonischer Zeit, z. B. 
Irmingard, Angilberga, die jüngere Irmgard, die Gattin 
Widos Ageltrud, Hugos Gemahlin Bertha, Lothars Gattin 
Adelheid und Ottos II. Gemahlin Theophano, dann in salischer 
Zeit Agnes v. Poitou. Freilich wurden diese Schenkungen 
von den nachfolgenden Herrschern nicht immer anerkannt. ^ 

In den Fällen, in denen ein Usurpator des Thrones 
sich bemächtigte, oder der legitime Herrscher den Usur- 
pator verdrängte, oder das Reich von einem Fremden er- 
obert wurde, ging jedenfalls das gesamte Privatgut des 
verdrängten Königs und das Reichsgut auf den Sieger über. 
Doch vermochten sich die Nachkommen Berengars II. und 
Arduins im Besitze eines Teils ihrer Güter zu behaupten. ^ 



* Sohm, Frank. Reichs- und Geriohtsverfassung p. 31 behauptet 
eine Scheidung. 

* oCr. Oberrhein. Zeitschr. 7, 16 no. 2. Bresslau, Konrad II., 
1. p. 63 Anm. 2. p. 215. Vgl. p. 39. 

« S. p. 36. 42. 



- 334 — 

Während in . Deutschland vom 11. Jahrhundert an all- 
mählich das Hausgut vom Reichsgut sich trennte, konnte 
eine solche Entwicklung in Italien nicht Platz greifen, da 
es hier üherhaupt kein Hausgut gab, wenn wir von der 
Mitgift der Bertha absehen, von der wir nichts sicheres 
wissen. In Italien gab es sonst nur Reichsgut (vgl. die 
Worte Konrads IL Bresslau 1, p. 81). 

3. Privilegien der Krongüter. 

Das Eigentum des Königs war in den langobardischen 
Gesetzen durch einige Bestimmungen besonders geschützt. 

Auf Erregung von Unruhen in königlichen Pfalzen 
stand bei Anwesenheit des Königs Todesstrafe (L. Roth. 
§ 36); der königliche Forst war insofern bevorzugt, 
als In demselben verboten war, Bienen fortzunehmen und 
Jagdfalken zu rauben, was anderweitig als „naturale ins" 
gestattet war (L. Roth. §§ 319. 320). Alle Kompositionen 
die für Verletzung königlichen Eigentums zu zahlen waren, 
wurden verdoppelt (L. Roth. § 369). Nur Bussen von 
900 sol. waren hiervon ausgeschlossen. Die Massregel ent- 
sprach einer alten Gewohnheit (antiqua consuetudo). Ent- 
sprechend wurde auch die von Grimoald angesetzte Ver- 
jährungsfrist von 30 Jahren für den Erwerb königlicher 
Güter auf 60 festgesetzt. (Lex. Liutp. § 78). Doch diese 
Massregel war nicht durchführbar, da sich wenige Leute 
fanden, die soweit zurück denken konnten, und König Liut- 
prand sah sich somit genötigt die Verjährung wieder auf 
30 Jahre herabzusetzen (Notitia de actoribus § 2). ^ 

lieber die prozessualischen Vorrechte wissen wir 
aus der langobardischer Epoche nichts. Doch wurden solche 
für die Krongüter in karolingischer Zeit eingeführt, die 
näher zu verfolgen nicht unsere Aufgabe ist. 



* Die Fiscalini im fränkischen Reich hatten das gleiche Wergold 
wie die Liten (Brunner 1, 237). Nach der Notitia de actoribus ge- 
nossen auch die königlichen Sklaven gewisse Vorrechte (§ 3) cf. LI. 
Bor. p. 205 no. 98. 



- 835 - 

Insbesondere war der Fiskus dadurch begünstigt, dass 
er sieh beliebig vertreten lassen und den Inquisitionsbe- 
weis fordern konnte. (Vgl. Brunner 2, p. 73 f.). Damit 
hängt es wieder zusammen, dass nur die besten Leute der 
Grafschaft in fiskalischen Sachen zeugen sollten. (Leges 4, 
589 Gesetz Ludwigs IL). Doch konnte der Fiskus eben- 
sowohl klagen wie verklagt werden und zwar vor dem 
ordentlichen gräflichen (s. u.), wie vor dem missatischen 
Gericht. Freilich stand dem Fiskus stets das Reklamations- 
recht zu (Ficker § 153). Eine Reihe von Prozessen, bei 
denen der Fiskus beteiligt war, kennen wir aus Cremona, 
wo 891 vor dem missus Ardengus der Vogt des fiskalischen 
Hofes Sospiro gegen den bischöflichen Vogt unterlag (CL. 
349.). Auch die Forderung des kaiserlichen Vogtes Lupus, 
der die Domänen Castenedolo und Auce vertrat, auf einen 
Census von 7 ^^2 sol. gegen das Bistum Cremona, wurde 
vor dem missatischen Gericht abgewiesen (CL. 439). Im 
Jahre 910 entschied das Königsgericht unter Vorsitz Be- 
rengars I. ebenfalls zu Gunsten des Bischofs gegen den 
Vogt Leo von Sospiro, doch handelte es sich in diesem 
Falle um einen Scheinprozess (CL. 438). 

Aus anderen Teilen der Lombardei kennen wir einen 
Prozess von 818, in dem das Kloster Nonantola durch seinen 
Vogt den königlichen Hof zu Mantua verklagt vor dem 
Gericht des Grafen Oddo von Mantua (CL. 93). ^ In einem 
anderen Prozess vertrat ein kgl. Actor den Fiskus gegen den 
Erzpriester von Missaglia (CL. 126). 1001 führt der Fiskus 
einen Prozess, vertreten durch den iudex Lanfranc (DO. III 
411). Über die Vollstreckung der gegen die Krone er- 
gangenen Urteile haben wir keine Nachrichten. ^ — 



* Die Urkunde ist sehr lückenhaft. 

^ Ausserhalb unseres Gebiets kennen wir folgende Prozesse (die 
Citate nach Zeitschrift für deutsche Rechtsgeschichte, Bd. 14. Hübner, 
die öerichtsurkunden der fränkischen Zeit): No. 678 i. J. 806. 
Vicedöminus des Klosters S. Zeno gegen den Gastalden Gaufred, der 
den Fiskus vertritt. Kloster siegt. No. 680 i. J. 806. Ein Graf und Gastalde 
für den Fiskus gegen das Bartholomäuskloster zu Piatoja. No. 687 i. J. 



- 336 — 

Sehr zweifelhaft ist es, ob die Königshöfe der ordent- 
lichen Gerichtsbarkeit unterstanden. In der lango- 
bardischen Zeit scheinen die Gastalden und Actores dieselbe 
ausgeübt zu haben; in der karolingischen Epoche dagegen 
scheint eine Exemtion der Krongüter von der Grafschaft 
nicht stattgefunden zu haben. Erst vom 11. Jahrhundert 
an sind uns derartige Privilegien für die Leute der Reichs- 
besitzungen bekannt, um sich im 12. Jahrhundert weiter 
zu mehren (cf. Ficker § 127). 

4. Vermehrung des Kronguts. 

Für die Vermehrung des Kronguts war in den lango- 
bardischen Gesetzen hinlänglich gesorgt, die ja während 
unserer ganzen Periode in Geltung blieben. 

Im langobardischen Strafrecht war mit verschiedenen 
Verbrechen die Strafe der Konfiskation verbunden, 
immer indes als Nebenstrafe. Es erfolgte dies im Anschluss 
ans römische Recht, in dem die Konfiskation auch als Neben- 
strafe erscheint. (1. 8 § 1 —4 Dig. qui testamenta 28, 1 und 
1. 1 Dig. de bonis damnatorum 48, 20 und Cod. Just. 9, 49). 
Die Fälle in denen die Konfiskation eintrat, sind folgende : 

a. Mord auf den König L. Roth. § 1. 

b. Flucht aus dem Lande L. Roth. § 8. 

c. Landesverrat L. Roth. § 4. 

d. bei Aufruhr gegen den iudex L. Liutp. 25., L. 
Ratchis 10. 

e. im Falle der Heirat einer Nonne L. Luitpr. 30 
(„deveniat substantia ad potestatem palatii"). 

Für Auswanderung und Landesverrat ergingen noch 
Spezialgesetze, die auch die Aufnahme von Ausgewanderten 
(L. Liutpr. 18), Korrespondenz mit dem Ausland (L. Ratchis 
§ 9), Handel mit dem Ausland ohne Wissen der Regierung 



812 Hüdepert, Abt des Hartholomäusklosters zu Pistoja gegen den 
Fiskus vor dem missat. Gericht. No. 723 April 838 Vertreter von 
S. Fiidiano in Lucca gegen Adelgrim, Vertreter des Fiskus. 



- 337 - 

(L. Aist. § 4), und Spionage (L. Ratchis 13) mit Konfiskation 
bedrohten. * 

Später wurde noch in weiteren Fällen die Konfiskation 
angedroht, die wir nicht alle erwähnen wollen, z. B. im 
Züricher Gesetz Heinrichs III. wegen Giftmischerei. (Vgl. 
Ficker 1, 91). 

Mehr als die Strafbestimmungen interessieren uns die 
Anwendungsfälle der Konfiskation, von denen wir einige 
aufzählen wollen. 

In langobardischer Zeit erfolgten vermutlich die Kon- 
fiskationen der herzoglichen Güter auf Grund des § 4 
der Lex Rothari (wegen Landesverrats). Ausdrücklich Bezug 
genommen wird auf dieses Gesetz in der Urkunde des 
Desiderius von 773, durch die die Güter der mit den Franken 
im Einvernehmen stehenden Sesennius, Raidolf und Genossen 
dem Kloster S. Salvatore in Brescia geschenkt wurden. 
(Troya 985). Wegen „scandalum** im Palast verfielen 
die Güter des Kunimund von Sermione 765 der Konfiskation 
(Troya no. 838. CL. 29), unter Karl dem Grossen fanden 
Vermögenseinziehungen'^ langobardischer Grosser im Jahre 
776 statt (vgl. MG. SS. 1, p. 154. B-M. 198. 339. 403. 
429. 602), unter Arnulf Konfiskationen in Bergamo (B-M. 
1842), die wegen Hochverrats erfolgten. Berengar I. zog 
905 Güter wegen infidilitas ein (Mur. Antt. 3, 763), Be- 
rengar II. schenkt ein konfisziertes Gut in der Landschaft 
Canavese seiner Gattin Willa (CL. 640), Otto I. nahm die 
Güter Berengars und Willas in den Grafschaften Bergamo, 
Modena und Reggio in Anspruch. Auch die Konfiskation 
der Güter des Grafen Bernhard, des Schwiegersohns König 
Hugos, die wegen Hochverrats erfolgte, mag an dieser 
Stelle erwähnt sein (vgl. p. 37). Sehr umfassende Kon- 
fiskationen wurden bei den Unruhen in Oberitalien um die 
Wende des 10. und 11. Jahrhunderts von Otto III. und 



* Soandalum im Palast wird in CL. 29. Tr. 838 mit Konfiskation 
bestraft. Die Lex Rothari § 36 droht Todesstrafe an, giebt aber dem 
König ausdrücklich das Begnadigungsrecht. 

« VgL p. 19. 

Darmstädter, Das Reich sg^at in d. Lombard«! u. Piemont 22 



- 338 — 

I 

Heinrich IL, besonders in den Grafschaften Vercelli, S. 
Agatha, Novara, Pavia, Como und Vicenza vorgenommen 
und fast vollständig dem Klerus überliefert. Die Konfis- 
kation erfolgte wegen Hochverats und Vergehens gegen die 
Person des Königs (St. 1190. 1243. 1633. 1634. 1908). Eine 
Konfiskation unter Heinrich II. fand wegen Schwestermord 
statt (St. 1597). Kurzweg von Konfiskation „secundum 
leges" sprechen zwei Urkunden Konrads IL, die Güter um 
Chiavenna betreffen (Mohr 1, 84. 85). Auch die Güter 
einiger Cremonesen konfiszierte dieser Kaiser (vgl. Ficker 
§ 93). Umfassendere Konfiskationen fanden dann im 12. 
und 13. Jahrhundert unter den staufischen Herrschern statt, 
unter denen Gebiete grosser Communen wie von Mailand, 
Crema, Asti, Chieri, Tortona und weltlicher Herren, wie 
der Grafen von Incisa, Savoyen und Gavi, und selbst unter 
Friedrich IL des Erzstifts Mailand und des Bistums Ver- 
celli der Konfiskation verfielen (cf. Ficker §§ 99 — 102). 
Selten behielt freilich in den Fällen, die wir kennen, der 
Herrscher die konfiszierten Güter für sich, wenn wir auch 
in Anschlag bringen müssen, dass wir in der Regel nur 
durch Weiterverleihung von der Konfiskation etwas er- 
fahren (vgl. Wait:^ 8, 251 fl:*.). 

Civilrechtlich war die Ausdehnung des königlichen 
Grundbesitzes durch das Erbrecht ermöglicht, das der 
König in vielen Fällen hatte. Nach langobardischem Recht 
erhielt er, wenn keine Erben vorhanden w aren, die gesamte 
Erbschaft (L. Roth. § 223), dann auch die Erbschaft Frei- 
gelassener, die ohne Kinder starben (L. Roth. § 224. L. 
Liutpr. § 77) und Quoten in verschiedenen hier nicht näher 
zu erörternden Fällen (L. Liutp. § 32—34. L. Roth. § 158. 
159. 160. 163. Notitia de Actoribus 5. vgl. Schröder p. 191). 
Anwendungsfälle des königlichen Erbrechts sind, wenn auch 
seltener als des Kontiskationsrechts, in Urkunden nach- 
weisbar. So verschenkten z. B. König Hugo und Lothar 
943 Grundstücke in Montegaliano , die ihnen von zwei 
Brüdern und Schwestern zugefallen waren und ein Haus in 
Vercelli, das ihrem Jäger Razo gehört hatte. (Ch. 1, 91). 
Später nehmen die Territoriallierren herrenloses Land 



- 339 ^ 

beziehungsweise Güter ohne Erben Verstorbener an sich, 
so z. B. 1137 Graf Amadeus von Savoyen (Ch. 1, 478), 
während dem Bistum Asti das Recht an erblosen Gütern 
von Otto III. ausdrücklich verliehen wurde (DO. III. 99). 

Durch das Recht der Eroberung kamen in dem von 
uns zu behandelnden Gebiete im 6. und 7. Jahrhundert 
einige byzantinische Gebietsteile um Cremona, Mantua und 
in der Alpengegend an die Krone. 

Durch Schenkung erhielt der König zwar sehr be- 
deutende Zahlungen (vgl. Brunner 2, 69), indes von Land- 
schenkungen kennen wir aus unserem Gebiet nur die Über- 
tragung einiger Hufen im Gebiet von Novara durch Heribert 
an König Lothar (Ch. 1, 100). Ludwig II. erhielt in Toscana 
861 Land geschenkt (B-M 1188 f.). — 

Ebensowenig können wir vor dem 12. Jahrhundert 
etwas von Ankäufen berichten, die in staufischer Zeit 
eine bedeutende Rolle spielen. Von Heinrich III. wissen 
wir, dass er den Ort Foro erwarb, ob indes durch Kauf 
oder durch Prozess oder durch Gewalt wissen wir nicht. ^ 
Tauschgeschäfte, die gerade im 8. — 10. Jahrhundert 
so überaus häufig vorkommen , wurden gewiss von der 
Krone auch abgeschlossen. Uns ist indes nur ein Tausch- 
geschäft aus Toscana aus dem 8. Jahrhundert, in demv 
scariones den Fiskus vertreten, mit dem Bischof von Lucca 
(Troya 685), dann ein Tauschgeschäft Ludwigs des Frommen 
(B-M. 805), in dem Hufen in Biella mit Liegenschaften 
bei Nymwegen vertauscht werden, und im 12. Jahrhundert 
ein Tausch, den Heinrich VI. mit Rainer von Biandrate 
abschliesst (Ch. 1, 791), bekannt. 

Einen Zuwachs an Gut und Menschen erhielten die 
Domänen dadurch, dass Bauern freiwillig, wie es in den 
Urkunden heisst, „propter hostem", ihre Freiheit aufgaben 
und Aldien wurden, z. B. in Limonta (GL. 126). Einen Zu- 
wachs von Menschen erhielten die königlichen Güter durch 



* Auch sonst wissen wir nicht, auf welche Weise sich die Reku- 
perationen der Salier im einzelnen vollzogen. 

22* 



- 340 - 

die Bestimmung der Lex Rothari (§ 221. L. Liutpr. §§ 24. 
98. Lex Ratchis § 6), wonach Frauen, die sich mit Sklaven 
einliessen, dem Fiskus verfielen und unter die königlichen 
Spinnmädchen eingereiht werden sollten. Derartige Sklavinnen 
wurden z. B. S. Salvatore in Brescia (Tr. 971), dann dem 
Kloster Farfa (Tr. 985) und dem Bistum Piacenza (Tr. 566) 
verliehen. 

5. Verminderung des Kronguts. 

Die Verminderung des Kronguts vollzog sich wahr- 
scheinlich oft auf unrechtmässige Weise. Auf gesetzliche 
Weise geschah sie gewöhnlich auf dem Wege der Schen- 
kung, die meist urkundlich erfolgte. Im 9. Jahrhundert 
wurde es geradezu Rechtssatz, dass Königsgut nur durch 
schriftliches Präzept übereignet werden konnte (vgl. Brunner 
2, 74. Bresslau, ürkundenlehre 1 p. 50). Oft mag eine Schen- 
kung nur gegen Gegenleistungen erfolgt sein. Die Schen- 
kungen erfolgten häufig nur zu beschränktem Eigentum, 
fielen sogar mitunter nach dem Tode des Beschenkten 
an die Krone zurück. (Vgl. Brunner 2, p. 244 flf. Schupfer, 
istituzioni p. 399 — 401). Die meisten Schenkungen, die wir 
aus unserem Gebiete kennen, erfolgten indes zu freiem 
Eigen. In manchen Urkunden sind ausdrücklich Be- 
dingungen genannt, so z. B. in einem Diplom Karls- III. 
(B-M. 1564), das Gut nicht weiter zu verlehnen, und in einem 
Diplom Ottos I. für Kloster Classe (DO. I. 349) das Gut an 
nicht bäuerliche Pächter auszuleihen („ne facultatem habeat 
ecclesia res distribuere nisi laboratoribus qui propriis mani- 
bus terram laborant**). 

Über die Einführung in den Besitz sind wir aus einer 
Urkunde von 864 unterrichtet, in der Bischof Walpert 
von Modena als missus Kaiser Ludwigs die Kaiserin Angil- 
berga in den Besitz von Guastalla einführt. Der Bote ver- 
liest die Urkunde in Anwesenheit von Zeugen, revestiert den 
Ministerialen Petrus „percolumnam" mit dem Hause (CL. 232). 
879 investieren der Bischof und der Gastalde Dido von 
Lodi, der missus Karlmanns, „per columnam" einen Knecht 



— 341 — 

des Klosters S. Sisto zu Piacenza mit einigen von Karl- 
mann geschenkten Gütern für das Kloster (Ficker 4, no. 
15 p. 20). 

Verkäufe und Verpfändungen von Königs- 
gütern sind vor dem 12. Jahrhundert nicht nachweisbar, 
doch mag manche Schenkung thatsächlich ein Verkauf ge- 
wesen sein. Gar nicht zu kontrollieren sind die Beleh- 
nungen, da vor dem 12. Jahrhundert aus Italien 
keine königlichen Belehnungsurkunden erhalten sind. Auch 
braucht nicht jedes Lehen ursprünglich Reichsgut gewesen 
zu sein, da die oblatio gewiss auch vorkam. Wir wollen 
hier nur versuchen aus den Anfangen der Institution die 
königlichen Vassalien in unserem Gebiet zusammen zu 
stellen, obwohl die Liste auf Vollständigkeit keinen An- 
spruch machen kann. 



Jahr 


Quelle 


793 


Ch. 1, 14 


812 


CL. 87 


813 


CL. 88 


813 


CL. 89 


827 


Ch. 1, 19 


840 


CL. 138 


848 


Ch. 1, 27 


857 


CL. 213 


864 


CL. 230 


864 


CL. 230 


865 


CL. 235 


867 


CL. 243 



Ort 



Bemerkungen 



Asti 

Carpiano bei Mailand 

Lombardei 

Verona 

Turin 

Mailand 

Novara 

Cremona 
Veltlin 



Baierna (Tessin) 
Veltlin 



homines regis, können 

auch Sklaven sein. 

Hernust vassus regis. 

Vassi regis. 



Vassus imperatoris. 
Vassus regis Ragin- 

bertus. 
Vassus regis Rutcher. 
Vassus imperatoris. 
Ministerialis impera- 
toris. 
Vassus imperatoris. 
Vassus Gerulf, Kais. 
Ministerial. 



— 342 — 



Jahr 


Quelle 


Ort 


Bemerkungen 


867 


CL. 246 


Mailand 


Vassus imperatoris. 


901 


Ch. 1, 58 


Piemont 


Vassus et missus. 
imper. 


908 


CL. 427 


Pavia 


Vassus regis. 


910 


CL. 438 


Cremona 


n » 


915 


CL. 459 


Lombardei 


Vassus regis als missus. 


915 


Ch. 1, 71 


Piemont 


» » » » 


919 


CL. 486 


Lombardei 


n n n n 


940 


Ch. 1, 88 


Asti 


Vassi regales. 


899 


CL. 384 


Prov. Bergamo 


Vassus regis. 


912 


CL. 449 


Corneliano(Prov.Mail.) 


» n 


936 


CL. 546 


Lombardei 


Vassus Lanfrancus. 


972 


CL. 727 


j» 


Vassus et missus. 



So sehen wir Vassallen des Königs auch in allen Pro- 
vinzen unseres Gebiets ansässig. Wieviel von ihren Gütern 
Reichslehen war, ist nicht festzustellen. 



STAUFISCHE ZEIT. 
I. Verwaltung und Bewirtschaftung. 

In der staufischen Periode ist unsere Kenntnis der 
Verhältnisse der königlichen Güter ^ in Italien eine wenig 
bessere als in der älteren Zeit. Dies liegt zum grossen 
Teil darin begründet, dass die staufischen Reichsgüter einen 
so überaus kurzen Bestand hatten. Es gab Domänen- 
komplexe eigentlich nur im Mailändischen und in der Insula 
Fulcherii, und aus diesen Gebieten besitzen wir auch nur 



* Über die staufisohen Verwaltungsbeamten gebe ich hier keine 
Nachweisungen, da Ficker sie sämtlich zusammen gestellt hat. Vgl. 
auch Buch 1. 



— 343 — 

wenige Zeugnisse, die uns von den Verhältnissen daselbst 
Kunde geben. Insbesondere kommt der Bericht der ,,6esta 
Friderici in Lombardia" in Betracht, für die Insula Ful- 
cherii einige Urkunden. 

Wie wir schon angedeutet haben, sind es in der 
staufischen Zeit weniger die landwirtschaftlichen Höfe als 
feste Plätze, die den Hauptteil des Reichsguts ausmachen. 

In den Städten gab es auch in staufischer Zeit noch 
einige Pfalzen, ^ z. B. in Turin, Ivrea, Parma. In Mai- 
land sollte nach dem Vertrag von 1158 eine Pfalz errichtet 
werden; in Monza und Lodi, in Landriano und Vigentino 
Hess der Kaiser Pfalzen aufführen. In Pavia befand sich 
die Pfalz ausserhalb der Stadt. 

Am wichtigsten waren aber in dieser Zeit die Burgen, 
von denen aus auch die landwirtschaftlich benutzten Güter 
geleitet wurden. Ausserdem dienten sie zur Verteidigung, 
zur Aufbewahrung von Geldern und Schätzen, als Zoll- 
stätten und als Brückenköpfe. Unter den staufischen Burgen 
nennen wir als die wichtigsten'^ die Burg Garda, Trezzo an 
der Adda, Baradello bei Como, Belferte bei Varese, Bellin- 
zona, Lü und Serralonga in Montferrat, Annone bei Asti, 
Gavi an der Strasse von Genua nach Piemont, Rivoli, Monte- 
solo und .Lanzo bei Turin. Zu manchen Burgen wie Garda, 
Gavi und Annone gehörten umfangreiche Gebiete. Die 
Burgen (castella, castra) waren nicht sehr umfangreich, oft 
nur ein Turm mit Mauer und erforderten wenig Besatzung. 
Trezzo, das als eine besonders starke Burg galt — es war 
auf einer Seite von der Adda umflossen - hatte eine Be- 
satzung von 100 Mann (Gesta p. 85). Gewöhnliche Burgen 
wie z. B. Montesolo bei Turin, hatten 12 Mann (Ch. 1, 876), 
die starke savoyische Burg Montmelian 10, Bard 12, die 
Burg in Turin 15 (cf. Cibrario, Economia politica del medio 
evo 1, 347), die Burg Avigliana 16 Wächter (Wurstemberger 
no. 767). An der Spitze des Castells stand regelmässig 1 



' Anderer städtischer Grundbesitz ist nicht nachzuweisen, wenn 
man von einem Haus in Ohiavenna absieht. 

* Über die einzelnen Burgen und ihre Geschichte vgl. Buch 2. 



— 344 — 

oder 2 Castellane. Die Bezahlung der Kosten der Burg- 
verwaltung geschah durch das umliegende Gebiet, so z. B. 
bei Bellinzona und dem Monte Cenere durch die Thäler 
Leventina und Blegno (B-F. 3157. 3183). So brachte das 
Gebiet von Annone jährlich 50 Mark ein (cfr. St. 3844). 
In der savoyischen Burg Rivoli belief sich die Einnahme 
1268 (Wurstb. no. 772) auf 326 Pfund, > 10 sol. 1 den., in 
Avigliana 1268 (Wurstb. no. 767) auf 936 Pfund, 11 sol. 11 den. 
(mit Überschüssen aus dem vergangenen Jahr); die Ein- 
nahmen setzten sich aus Abgaben der Bauern, Erbteilsquoten, 
und Gerichtsgefallen, zusammen. Die Ausgaben betrugen in 
Avigliana 515 Pfund 6 sol., wovon Geschenke für die Nonnen, 
Gehalt für Castellan und Wächter (zus. 27 Pfund), Thor- 
verbesserung, Geschütze (Balliste in Rivoli 12 sol.), Kleidung, 
Arzt (43 sol.) etc. bestritten wurden. Die Überschüsse 
wurden in die Kasse der Curie abgeliefert, vielleicht auch 
die Feldfrüchte gleich verkauft (cfr. Cibrario, Economia 3, 
149. Wurstemberger 3, 170 flf.). 

Eine weitere Kategorie des Reichsguts bilden die 
reichsunmittelbaren Ortschaften und Landschaften. 
Es sind dies Orte oder Gebiete, die entweder auf Reichsboden 
entstanden sind, oder durch irgend einen Akt, z. B. Kauf 
oder Konfiskation de iure Reichsgüter geworden sind, später 
„camerae speciales** genannt. Hierzu gehören seit dem 
11. Jahrhundert eine grössere Anzahl von Städten und Ge- 
bieten. Auf Reichsboden entstanden z. B. Vigevano, Corne- 
gliano, Monza, während Asti, Tortona, Chieri, Crema durch 
Konfiskation, Sermione, Val Camonica, Locarno, Casale, 
und Chiavenna durch kaiserliche Privilegien Reichsbesitz- 
ungen wurden. 

Die Lage dieser Orte im einzelnen war je nach ihrer 
Macht eine sehr verschiedene. Für die meisten Orte war 
diese Reichsunmittelbarkeit ein Vorzug, die sie von drückender 
Herrschaft von Dynasten oder Kommunen frei machte. Sie 
hatten nur Vorteile davon, aber keine Lasten, während bei 
manchen Orten kleine, bei anderen drückende Leistungen 



* Das Pfund 48 free., der solidus 2,4 frcs. nach Wurstemberger, 



— 345 — 

gefordert wurden. So musste Crema nach einem Diplom 
Ottos IV. von 1212 (B-F. 461) jährlich einen aureus ent- 
richten, die Leute von Sermione (St. 3814), die namentlich 
aufgeführt sind, mussten einmal im Jahre drei Tage in der 
Michaelisoktav zum Gericht (placitum generale) kommen 
und zwölf Leuten einmal am Tage das Mahl bereiten („comes- 
tionem faciant"). Jeder Herd in Sermione musste dem 
Kaiser zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten Fische vom 
Wert je eines Mailänders Denars entrichten. Nur die Kirche 
war ausgenommen. Bedeutend grösser waren die Lasten 
von Cornegliano bei Alba, die seit der ottonischen Zeit 
fixiert waren (St. 4501). Jedes Haus war zu einer Zahlung 
von 14 denar im Mai verpflichtet. Dazu musste abge- 
liefert werden: 

V4 der Feldfrüchte 
1 Scheffel (suricum) indisches Korn 
1 Scheffel (milium) Hirse 
Vs vom Wein 

von entfernten Ackern nur Vt« 

Die Betrachtung von Cornegliano leitet uns schon über 
zu den eigentlichen Königshöfen, die in dieser Zeit aller- 
dings wenig mehr vorkommen. Auf der Insula Fulcherii 
z. B. befanden sich im Jahre 1188 19 (bezw. 20 Orte) im 
kaiserlichen, 20 im mailändischen Besitz. In den kaiser- 
lichen Orten bekam die kaiserliche Kasse V^ vom Wein der 
Bauern, ^/i von dem der Vassallen (militum) \ vom übrigen 
^/s ; dazu hatte der Fiskus alle Forsten und die ganze Jagd 
(Muratori Antt. 2, p. 79/81). In Fara bei Mailand bekam 
der König auch J/4 aller Früchte (St. 4172). 

Auf kaiserlichen Domänen (demania) in Toskana bestand 
im 13. Jahrhundert eine Zahlung von gewöhnlich 26 denar 
pro Feuerstelle (Ficker 4, 394. 396). Dazu kamen dann 



* d. h. die Bauero, die mezzadri waren (s. o.) gaben immer die 
Hälfte ab. Soweit sie direkt unter dem Kaiser standen, erhielt dieser 
die ganze Quote, soweit sie Rittern untergeben waren, teilten sich diese 
mit dem Kaiser in die Quote. Die Bitter haben keine Wirtschaft und 
liefern auch nichts ab. 



- 346 - 

noch Abgaben von Korn und Wein. Sehr gross waren die 
Leistungen im Mailändischen, auf die wir unten des näheren 
zurückkommen werden. Hier können wir sie nicht heran- 
ziehen, da sie nicht den ordentlichen Leistungen entsprochen 
haben können. 

Gesonderte Forsten kommen in dieser Zeit nicht 
mehr vor. 

Im Allgemeinen sind die Einnahmen aus dem könig- 
lichen Grundbesitz in staufischer Zeit kaum sehr bedeutend 
gewesen. Sie reichten wahrscheinlich nur dazu aus, die 
Unterhaltung der Burgen zu decken, so dass der Herrscher, 
wenn er die Burg zu Lehen gab, was ja in der Regel 
vorkam, kaum sehr grossen Schaden gehabt hat, obwohl 
die Lehen gar nichts brachten (abgesehen vom Recognitions- 
zins, z. B. einem Falken). 

An dieser Stelle wollen wir auch noch den Verkaufs- 
wert einiger Höfe und Komplexe zusammenstellen: 

Herrschaft Gar da mit 10 Orten für 1000 Mk. Silber 
1193 von Heinrich VI. verkauft (Böhmer acta sei. no. 
184). 

Annone mit Gebiet und den Regalien, wird der Stadt 
Asti 1214 für 1000 Mk. Silber, 1220 Annone allein für 
800 Mk. Silber verpfändet (B-F. 754. 1224). Die Einkünfte 
betrugen 1159 50 Mk., so dass die Verzinsung, von 800 
gerechnet, 6,25 ^/o betragen würde. 

Die Insula Fulcherii verkauft Heinrich VI. für 
2000 Pfund imperialium ^ 4000 Mk. 

Guastalla und Luzzara verpfändet für 1000 Pfund 
(Töche p. 610). 

Das Sturathal kauft Friedrich I. für 1750 Mk. Silber 
und 20V'-> Mk. Gold. 

Hof In V er no bei Olona kauft Friedrich L für 300 Pfund 
imperialium (Stumpf Acta 369). 

Der Markgraf von Montferrat verpfändet seine sämt- 
lichen Güter, die er noch hat, 1224 für 9000 Mk. Silber 
(B-F. 1524) (es sind 2IV2 castella): 



— 347 - 

Valenza ist verpfändet für 4000 Pfund. 

Lü , „ „ 1000 „ 

Rocca Val Or.ba „ „ „ 1000 „ 

Über die Verwaltung der Krongüter ist, wie schon 
aus dem Gesagten hervorgeht, nicht viel zu berichten. Es gab 
kaiserliche Kassen an verschiedenen Orten, so z. B. unter 
Friedrich II. in Turin und in Siena (Ficker 4, no. 407). 
Es gab hier kaiserliche Säckelmeister („receptor et dispen- 
sator pecunie imperialis" Ficker 4, no. 407), und camerarii, 
die die kaiserlichen Finanzen besorgten. Auch Inventare 
wurden aufgenommen, so z. B. im Mailändischen (s. u.) und 
in der Gegend von Siena (Ficker 4, no. 394 flf.). 

In den Provinzen gab es mittlere Domänenbeamte 
nach Art der langobardischen Gastalden seit dem 10. Jahr- 
hundert nicht mehr. Die obere Leitung hatten die sonstigen 
Provinzialbeamten , unter Friedrich II. die Capitäne und 
Generalcapitäne ^ In den einzelnen Domänen finden wir, 
soweit sie nicht zu Lehen gegeben waren, meist bezahlte 
Castellane. In Guastalla und Luzzara kennen wir 1187 
einen kaiserlichen vicarius, Heinrich von Lautern ^ (Böhmer 
Acta sei. no. 895). Unter ihm steht ein villicus und ein 
„ministerialis curie**. Diese und einige andere Leute be- 
lehnt der kaiserliche Vicar mit der Gemeindemark von 
Luzzara. Als Unterbeamte kommen 1244 in Toscana 2 
Gastalden des Kaisers (Ficker 4, 389 B-F. 13508), und im 
12. Jahrhundert in Celle bei Turin kaiserliche Gastalden 
vor (Tur. Archiv Prov. di Chieri 12, 1). 

Über das Wirtschaftssystem haben wirkeine näheren 
Nachrichten, doch scheint es, dass sich dasselbe in der 
staufischen Zeit nicht geändert hat. Noch immer wurden, 
wie es ja auch heute noch in Italien üblich ist, die Güter 
an kleine Leute ausgethan, die dafür V2 — V^ des Ertrags 
abzuliefern hatten. Selbstwirtschaft oder Grosspacht konnten 



* ofr. Ficker Bd. 2 über die Provinzialverwaltung. 

* Vgl. über ihn Ficker, Reichshofbeamte SB Wiener Akademie 
1862 p. 455. 489. Er war Reichsministerial un4 Mi^rschall Friedrichs L, 
später Schenk Heinrichs YJ. 



— 348 - 

bei der Castellanenwirtschaft nicht aufkommen. Ob auf den 
kaiserlichen Domänen Hörige oder freie Pächter in dieser 
Zeit Sassen, wissen wir nicht. Auch über die Frohnden 
sind wir nicht unterrichtet, doch es ist wahrscheinlich, dass 
das Salland in dieser Zeit verschwunden war, und alles 
Land an Bauern ausgeteilt wurde, die nur noch Abgaben 
leisteten. 

Ganz für sich steht die Verwaltung des Mailänder 
Gebiets von 1162—1167, die wir nach dem Bericht des 
Mailänder Verfassers der Gesta Friderici, zu schildern ver- 
suchen. ^ Es ist sehr fraglich, ob die Mailänder frei oder 
unfrei waren. Ficker meint, sie seien unfrei gewesen und 
hätten auf kaiserlichem Territorium gesessen (§ 95. 109), 
während Tschirch annimmt, dass sie frei gewesen wären 
und auf eigenem Grund und Boden gesessen hätten (Beiträge 
zur Geschichte Mailands p. 2). Nach unserer Ansicht war 
das Land allerdings kaiserlich, während die Bewohner ihre 
persönliche Freiheit behielten. 

Das Mailänder Gebiet war in verschiedene Bezirke 
eingeteilt: 

1. Seprio und Martesana. Gozwin von Heinsberg 
hat diese Gebiete als Lehen (Graf war er schon früher vgl. 
Böhmer no. 93, wo er als Vogt von S. ßemigius in Meersen 
erscheint). Vgl. Gesta p. 34. Rahew. 4, 58. Sein Amtssitz 
ist nicht bekannt. 

2. Gebiet zwischen Adda und Molgora (Morgora). 
Amtssitz Trezzo. Verwalter zuerst Konrad de Maze und 
Rüdiger (Gesta 35), dann 1162 Marquard von Grumbach 
(Gesta 55), der auch Podesta von Brescia und Bergamo wird 
(MG. 18, 638). Als Marquard nach Mailand 1164 ver- 
setzt wird (Gesta 58), wird Ruinus Befehlshaber in Trezzo 
(MG. 18, 643). 

3. Gebiet von Como. Amtssitz: Mte. Baradello. 
Verwalter bis 1164 Magister Paganus (Gesta 56. MG. 18, 638). 



* Der Übersichtlichkeit halber ist manches, was im territorialen 
Teil gesagt ist, hier wiederholt. 



— 349 — 

4. Gebiet von Lodi. Amtssitz Lodi. 1163 Henricus 
Suevus (Gesta 55), später Lambert von Nymwegen (MG. 
18, 643). 

5. Burgaria. Lehnsgebiet Rainalds von Dassel seit 
1164. 

6. Gebiet von Mailand^ selbst, zwischen Busto 
Garolfo und Legnano (nordwestlich von Mailand) und 
Seveso. 

Oberster Beamte v. 1162—1164 Bischof Heinrich von 
Lüttich (Gesta p. 54). 

1164—1166 Marquard von Grumbach. Amtssitz 
in Noceto (Gesta 58. MG. 18, 643). 

1166—1167 Graf Heinrich von Dietz (Gesta 60). 

Unter ihnen als Unterbeamte: 

A. Unter Heinrich von Lüttich 1162inMonza 
Benedict von Asia (Frisi 2, 63) 2, in Mailand: 

1. Peter de Cumino 1162 (Gesta 54); 

2. Fridericus Clericus, genannt „Magister scholarum" 
1163 (Gesta 56); 

3. Petrus Dossus 1164 (Gesta 57). 

B. Unter Marquard V. Gumbach 1164 zusammen 
folgende 5 Beamte (Gesta 58) : 

1. Abt von Cielo d'Oro; 

2. Heinrich von Erbesiis; 

3. Jordanus Scacabarozius ; 

4. Anseimus de Orto; 

5. Aliprandus iudex. 

Die letzteren vier sind als Mailänder Verräter ge- 
nannt bei Galvano Fiamma Mur. SS. 11, 640. 

Es bestanden somit 2 Lehensgebiete, Seprio-Martesana 
und Burgaria, während das übrige, besonders das eigent- 



* Ein weiterer Amtsbezirk eines Vogts ist nicht sicher zu iden- 
tifizieren (Gesta 56). Er befand sich wohl in der Nähe des Comersees 
bei Mandello. cfr. p. 57 Anm. 2. 

* Aus dieser Familie stammt wahrscheinlich Johannes Lilio de 
Asia, der 1190 „missus et camerarius** Heinrichs VI. ist. Vgl. Ficker, 
Keichshofbeamte p 505. 



— 350 — 

liehe Domanialgebiet (6) von Beamten verwaltet wurde, die 
der Kaiser auch versetzen und absetzen konnte. Petrus de 
Cumino wurde z. B. wegen Überschreitung seiner Amts- 
gewalt von seinem Vorgesetzten, dem Bischof von Lüttich, 
abgesetzt (Gesta p. 56). Die Titel der einzelnen Beamten 
sind uns nicht bekannt. 

Überall gewahren wir 1162 ein einheitliches Vorgehen 
gegen die Mailänder, das wohl auf höhere Befehle schliessen 
lässt. Sie wurden in allen Gebieten als kaiserliche Domänen- 
bauern besonders herangezogen (Gesta 55). Graf Gozwin 
ging sogar soweit, die Schuldnrkunden einziehen zu lassen 
zu Gunsten seiner Untergebenen in Seprio und Martesana. 
Der Befehlshaber in Como zog alle in seinem Sprengel ge- 
legenen Mailänder Güter ein. 

Wie stellte sich aber die Lage der Mailänder selbst? 
Wahrscheinlich fanden thatsächlich Überschreitungen der 
Amtsgewalt in grossem Umfang statt, wie es auch aus 
Urkunden anderer Gegenden hervorgeht z. B. aus Treviso 
(Ficker 4, no. 189). Der Anonymus von Lodi erzählt, 
die. Mailänder hätten nur V^ ihres Ertrags behalten (MG. 
18, 644). Es wurde im Jahr 1164 ein genaues Inventar 
der Hufen, Feuerstellen und des Viehs aufgenommen, der 
sog. „liber tristium** oder „über doloris" (Gesta 58), den 
die 5 oben genannten Beamten Heinrich de Erbesiis und 
Genossen anlegten. Hiernach wurde die Steuer berechnet. 
Dieselbe betrug 3 solidi (Gesta 58) für die Hufe (der Ano- 
nymus von Lodi erzählt SS. 18, 644 drei sol. für die Feuer- 
stelle, doch ist dies gewiss eine Verwechslung), 12 denar für 
die Feuerstelle, 22 imperiales für das Joch Ochsen, 24 denar 
für Mühlen an schiffbaren Flüssen, 3 solidi für Mühlen an 
nicht schiffbaren Gewässern (MG. 18, 644). 

Zu diesen Lasten, die wir als ordentliche bezeichnen 
könnten, kamen folgende ausserordentliche Umlagen und 
Lasten : 



- 351 - 



Jahr 


Geld 
Pfund 


Vieh 


Holz 

(plauB- 
tra) 


Korn 


Sonstige 
Naturalabgaben 


1162/63 


pro ar 


bitrio 8U0 


— 


V4 


73 von Kastanien, Nüssen 
und Heu. 2 Teile von 
tertium und fictum. * 


1163 


— 


— 


1000 


— 


Balken und Lämmer. 


1164 26./I. 


880 


— 


— 


— 




7./VI. 


Die ordentliche Steuer 8. o. 




1165 4./IV. 


— 


500 
Schweine 
k G solidi 


1000 


— 


V2 des Zehnten, Vio der 
Schafe, Heu, Hühner u. 
Eier. 


1164/65 
Winter 


— 


— 


— 


— 


1 Wagen Holz oder 12 
imperiales für das Joch 
Ochsen. 


1165 Juli 


400 


500 
Schweine 


1000 


V4 


1000 Wagen Heu, Wein, 
Lämmer, Hühner, Eier, 
Pfähle (sudesj, Geflech- 
te (vimina) für Zäune, 
Reifen (circulos) für 
Fässer, Balken für Haus- 
bau, Wagen (carrigia). 


1166 Juli 


1500 


— 


— 


— 




1167 März 


500 


— 




— 






3280 









Von Frohnden aul HeiTenland hören wir nichts, 
vermutlich weil die Gutsverfassung überhaupt nicht durch- 
geführt wurde. Dafür gab es drückende Fuhrfrohnden. So 
mussten die Bauern Rinder stellen, um Sand und Steine von 



^ Das fictum (Pachtzins) bestand in einer festen Abgabe (z. B. 
auf Höfen am Oomersee 5 sol. pro mansus und einige staria Korn), das 
tertium ein Drittel des Kornertrags. (cf. Neugart -Mone, Episc. 
Constant. 2 p. 683. Oberrh. Zeitschr. 27, 478 ff., vgl. auch OL. 419). 
Duae partes vom tertium sind also V9 oder 22 %. 



— 352 — 

der Stadt nach Noceto, und zweimal im Monat um Steine 
nach Monza zu fahren. (Gesta 56). Auch zu den Bauten 
in Vigentino und Landriano zog man die Rinder der Mai- 
länder heran, und für die Bewohner von Pavia mussten die 
Mailänder Holz und Steine fahren. Die vielen Fuhren Holz, 
die die Machthaber brauchten, in dem kalten schneereichen 
Winter von 1164 65 zur Heizung des Palasts von Monza, 
mussten natürlich auch die Mailänder fahren. Die Jagd 
war ganz dem Kaiser vorbehalten. (Gesta 59). Dazu kamen 
nun noch die Bestechungen an Beamte bezw. die „frei- 
willigen Geschenke" (cf. Gesta p. 58). Endlich nahmen die 
Statthalter noch die Güter kinderlos Verstorbener ganz in 
Anspruch („Morienti sine filio succedebat" Gesta p. 55). 
Wahrscheinlich kam ein grosser Teil der Gelder auch in 
die Hände der Machthaber. Wieviel an den Kaiser abge- 
liefert wurde, wissen wir nicht. Die Zahlungen wurden 
mit grosser Härte eingetrieben; wer nicht zahlte, musste 
später doppelt zahlen oder der Konfiskation gewärtig sein. 
(Gesta p. 59). — 



II. Rechtliche Verhältnisse der Domänen. 

Eine Scheidung zwischen Reichs- und Hausgut konnte 
in dieser Zeit nicht stattfinden, da es eben nur Reichsgut 
gab. Es braucht hierfür nur an die Rekuperationen Ottos IV. 
erinnert zu werden. Über die Vermehrung des Reichs- 
guts enthalten die Roncalischen Beschlüsse und die Con- 
stitution von Occimiano einige Bestimmungen, wonach die 
Güter Proskribierter oder erblos Verstorbener dem Kaiser 
gehören (Const. 275). ^ 

Die Güter e r b 1 o s Verstorbener wurden z. B. im 
Mailändischen eingezogen (cf. Gesta p. 55), nur dass man 
hier die Bestimmung sehr weit ausdehnte. Auch einige 
Orte im Gebiet von Vercelli nahm Friedrich I. auf Grund 
dieser Bestimmung in Anspruch. (St. 3926). 



* Vgl. Suhle, Barbarossas Constitutio de regalibus. Berlin 
1893 p. 5. 



— 353 — 

Weit häufiger wurde aber die Konfiskation ange- 
wandt (s. 0. und Ficker §§99 — 102). Durch einen Prozess 
nahm Friedrich I. die Stadt Monza von Mailand zurück 
(Rahew. 4, 11). Älinliche Rekuperationen fanden auch sonst 
statt, so von Chiavenna unter Friedricli L, und unter Otto IV. 

Eine Reihe von Besitzungen gewann Kaiser Friedrich I. 
durch Kauf, so: 

1. Inverno vom Kloster Chiaravalle für 300 Pfund 
(St. 4181a). 

2. Airasca Provinz Turin, (Erasco) von S. Benigne in 
Fruttuaria (B-F 300). 

3. Sturathal von den Markgrafen von Saluzzo (St. 4605) 
für 1750 Pfund Silber und 20 "2 Gold. 

4. Flussüberfahrt über Cervo und Sesia für 2580 Pfund 
(St. 4250). 

Unter Friedrich IL kommen auch zeitweise Über- 
lassungen von Burgen an die kaiserliche Curie vor, z. B. 
von Sessa, Rivoli, Lanzo und von den Gütern des Markgrafen 
von Montferrat. 

Die Erwerbung von Vogteirechten oder von 
Kirchenlehen durch den Kaiser ist in Italien nur bei 
Nogara durch Konrad III. nachweisbar, ^ und im angrenzen- 
den Bistum Chur durch den Sohn des Kaisers. 

Von Tauschurkunden kennen wir aus unserem Gebiete 
nur eine zwischen Heinrich VI. und dem Grafen von Biandrate, 
die Niscia und Airasca betrifft (B-F. 300). 

Die Verminderung des Reichsguts findet auch 
noch in staufischer Zeit zuweilen statt durch Schenkung. 
Doch diese ist viel seltener geworden. Friedrich I. machte 
zwar noch Schenkungen an die Johanniter, Heinrich VI. 
ans Bistum Tortona, doch im grossen und ganzen tritt die 
Schenkung durchaus hinter der Vergabung zu Lehen zu- 
rück. Diese erfolgt durch die Formel: „in beneficium de- 
dimus" (Konrad III. für Otto Visconti), oder „per rectum 
feudum investivimus" , „damus in feudum". Sehr selten 

* Er nahm es vom Kloster Nonantula als Lehen, s. oben p. 135 
und Overmann p. 55. 

Darmstädter Das Reiohsg^ut in d. Lombardei u. Piemont. 23 



— 354 — 

tritt uns eine Abgabe entgegen, die der Lehnsmann zu ent- 
richten hat. Nur Arnold von Dorstadt (St. 4080) muss 
jährlich einen guten Falken geben. Dagegen ist die Ver- 
äusserung von Lehen regelmässig untersagt. In einem 
Falle kassiert Friedrich IL die Veräusserung eines Reichs- 
lehens, der Burg Montesolo (Ch. 1,844). Sehr häufig sind 
unter Friedrich L die Belehnungen Deutscher mit italie- 
nischen Gebieten (vgl. Ficker 3, 434). Eine Behandlung 
des Lehenrechts gehört natürlich nicht zu unserer Auf- 
gabe. — 

Nicht selten wurden in unserer Zeit Reichsgüter ver- 
kauft oder verpfändet. Verkauft wurde unter Heinrich VL 
die Insula Fulcherii und die Burg Garda, verpfändet Gua- 
stalla und Luzzara, unter Friedrich IL die Burg Annone, 
unter Heinrich VL der Zoll von Turin. (40 M. pro Jahr 
für 300 M. insgesamt. Ch. 1,791). — 



REGISTER DER ORTSNAMEN. 



Yorbemerkung: Aufgenommen sind die Ortsnamen , soweit sie 
die Geschichte des Beichsguts betreffen. Mittelalterliche Namen sind in 
Cursive wiedergegeben. Sind mindestens drei Seitenzahlen bei einem Orte 
angegeben, so ist die Seite, auf der der betreffende Ort ausführlich be- 
sprochen wird, durch den Druck hervorgehoben. Alle Ortsnamen mit San 
oder Santa sind bei S. yer zeichnet. 



(Die Nummern bedeuten die Seitensahlen.) 



Acqui 76. 244. 251. 

Adraalp 198. 

Aeminas (Limonta?J 98. 

Agnadello 156. 

Agnuzzo 91. 

Agrate {Agradade) 39. 228. 300. 

Airasoa (Erasco) 67 f. 70. 73. 215. 

353. 
Alapallo 190. 
Alba 273. 

Albalengo (cf. Albano) 46. 227. 
Albano (Prov. Bergamo) 108. 
Albano (Mbalengo? Prov. Novara) 

227. 
Albareto 28. 
Albegno 108 f. 
Albenego 160. 
Albino 108. 
Alessandria {Cesarea) 64. 66. 68. 70. 

247-250. 
Aliori 182. 
Allonica 205. 
Almenno 23. 25. 27. 108 f. 



Älpepiana 13,5. 3^* 

Alperolo 191. 

Alpes CoUiae 201, i. 

AUeaino 247. 

AUonico 102. 

Alvernante 270. 

Amelium 244. 

Ametegis 8. 200. 

Ampiotta s. Piotta. 

Anardenzaii 182. 

Andomo 40. 222. 

Anglare 239. 

Annone (Naum, Nene) 35. 46. 61. 65. 

68. 70. 71. 72. 73. 253. 257-260. 

328. 343. 344. 346. 354. 
Antignano 22. 254. 
Antoniano 171. 
Aosta 8. 35. 202 f. 
Apennin von Pavia 197. 
Aranoo (Aureliaco?) 224. 
Arasicumana 38. 174. 192. 
Arbugnano 76. 
Arche 247. 
Archerium 182. 

23* 



- 356 — 



Arconate 179. 

Armeawa 205. 

Arquata 242. 

Arsago 156. 

Arto 66. 68. 70, ,. 234. 

Aati 17. 31. 54. 65. 251-253. 257. 

263. 282. 293. 338. 841. 342. 344. 
Attiniacum 8. Antignano. 
Auee 8. Olza. 
Audenengo 112. 
Audiniaeo 8. Oldenioo. 
Aulenea 109. 

Aureliaeo (Aranco?) 224. 
Auriate 173. 302. 
Auriola 34. 241. 
Avetothal 198. 
Ayigliana 44. 47. 76, j. 212 f. 329. 

343 f. 
Avolasca 242. 
Ayrmo 182. 
Azzano (Prov. Bergamo) 115. 158. 

160. 
Azzano (Prov. Alessandria) 242. 
Azzio 194. 

B. 

Bagalia 182. 

Bagnara 142. 

BagDasco 246. 

Bagnolo (bei Grema) 158. 161. 

Biignolo (bei TortonaJ 242. 

Bajenne 8. Bene. 

Balangio 246. 

Baierna 841. 

Hallarate 104 

Ballon h 99. 

Balye 182. 

Baradello 57. 63. 92, ,. 94 f. 179. 343. 

348. 
Baraggia (Baraggiola) 29. 228. 
Barazzola 228. 300. 
Barbata 111 f. 
Barcile 247. 
Bard (Aosta) 202. 293. 
Bard (bei Novalese) 19. 205. 293. 



Bardello 104. 

Bardonndche 19. 204 f. 

Bargone 70. 

Bariano 58. 153. 

Barla 8. Barolo. 

Barnasca 89. 

Barolo 39. 274. 

Barzano 42. 96. 

Basal uzzo (Basiliadus) 38. 46. 48. 

238. 2.50. 328. 
Basiglio 238, i. 
Batiraca 166. 
Batuda 189. 
Baveno 91. 233, f 
Bayzo 182. 
Beccalzu 172. 302. 
Belforte bei Yarese 63. 64. 104. 179. 

343. 
Bellaggio 103. 
Bellamium 247. 
Bellano 100. 
Bellegnano 242. 
Bellinzona 36. 42. 70. 75. 88 f. 93. 

294. 343. 344. 
Belmonte 204, |. 

Bene Vaienne {Bajenne) 270-272. 

295. 301. 
Benenaco 173. 
Bergamasoo 251. 

Bergamo 13. 17. 29. 104-106. 280. 

293. 337. 
Bergamo Grafschaft 33. 40. 
Bergeil (Val BregJiglia) 30. 86 f. 

329. 331. 
Bergoglio 52. 248. 250. 
Berzezio 2(i9. 
Besemuntio 32. 2.')7. 
Bessa ( Victimulum) 227. 
Beura 231. 
Bevflgnabach 188. 
Biangero 246. 

Biolla (Buiella) 17. 25. 222. 20«) 339. 
Bioglio {Bcdoliunt) 41. 222. 
Bione 124. 

Bionzi {Blundi) 38. 24Ü. 
BiaaariasH 8. Pisoilesse. 



— 357 ~ 



Bissone 37. 192. 

Bizozzero (Besezolo) 14,3. 103. 298. 

Bluiidi 8. Bionzi. 

Bobbio II. 197 f. 

Bogonago (Borgonato) 24. 121. 307. 

309. 313. 322. 324. 
Bolego 242. 
Boltiere 109. 
Bonafluss 41. 226. 296. 
Bonate di sopra 32,2* 3^< HO. 
Bondeno 51. 69, j. 71. 72. 73. 138. 

142. 
Bononebaoh 188. 
BordenaHum 161. 
Borgo Canale 106. 
Borgo S. Dalmazzo (Pedona) 269. 
Borgo 8. Donnino 70. 
Borgo S. Gioyanni 132. 
Borgonato s. Bogonago. 
Bormida (Land zwischen B. und Ta- 

naro) 34. 
Bormio 70. 81. 
Bornago 23. 228. 
Bosco 38. 238. 242. 
Bottajano 160. 
Boves 14. 270. 
Brembate HO. 
Breme 193. 

Brescello {Brexillum) 9. 
Brescia (Brixia) 11. 15. 17. 117 — 

119. 290. 292. 
Brescia Grafschaft 29. 33. 35. 
Brescianer Alpen 34. 
Brianza 31. 

Brignano 33. 110. 158. 
Briocche 173. 302. 
Briola 191. 
Briunti 24t2. 
Brivisula 146. 
Brixen Bistum 74. 
Brozolo 204. 
Brunia 179. 
Brusamonico 242. 
Brusasco 76. 261. 
Buloiago 96. 
Bulgare Grafsch. 195. 



Burbono 204,,. 

Burgaria Grafsch. 31. 66. 177. 349. 
Burio (cf. Eburlas) 254. 
Busoate (Burscanti) 34. 166. 304. 
Busceto 76. 
Bussoleno 204. 
Busto Arsizio 179. 
I Busto Garolfo 56. 177. 349. 
Bypont 8. Pontecurone. 



CahalU 225. 

Cabbio {Cabroi) 28. 91. 

Cadro 91. 

Gagnano 33. 237. 

Gaino 100, i. 

Calamde 89. 

Calcinate 13. 110. 

Oaleppio IIB,,. 

Oalliano 254. 

Calosoo 59. 111, |. 

Calpioe 215. 

Calpuno 96. 

Oalvatone 150. 

Calve 106. 

GaWenzano 156. 

Gamerano 254. 

CaminelU 188. 

Gamino 76. 

Gamisano 160. 

Gamoiiica s. Yal Gamonica. 

Gampagnola {Oampalona) 85. 228. 

Campanea 39. 

Gampione 17. 

Gampisico 160. 

Campo Miliaco 22. 

Canava 21. 208. 

Ganavese 70. 208—210. 218. 

Gandalino (Cantenigo) 102. 327. 

Gandelo 40. 228. 

Ganelli (ProY. Alessandria) 46. 249. 

328. 
Ganello (Canella Prov. Brescia) 24. 

121. 124. 301. 309. 313. 314. 322. 

323. 324. 



— 358 - 



Canein bei Corteimova 112. 

Canneio (Prov. Mantua) 137. 

Canobbio 232. 331. 

Cantarana 261, j. 

CanUnigo 8. Candalino. 

Cantone 196. 

Oannsso 204, i. 

Oapergnanica 158. 161. 

Capiate 26. 96. 

Oapralba 160. 

Caprariola (bei Cremona) 145. 

Capriata d'Orba of. Orha 241. 

Gaprino 23. 111. 

Capriolo (Prov. Brescia) 121. 

Oaraglio 269. 

Carassone 47. 272. 

Carate 97, j. 99. 

Garavaggio (Caravagium) 154. 156. 

182. 
Carbonara 20. 194. 296. 298. 
Cardano 99. 
Carella 183. 
Caresana {Carisiana^ Cariniana) 39. 

224 f. 295. 296. 301. 303. 305. 
Caresana Blot 224, j. ,. 
Carezsano (Carazona) 41. 232. 233, ,. 

331. 
Carisiano s. Caairiano. 
Oarona (bei Lugano) 91. 
Caronah&oh (bei Pavia) 32. 188. 292. 
Carpaneto 247. 250 f. 
Carpiano 17. 167. 341. 
Garpice s. Galpice. 
Carraria 176. 
Garzano 125, i. 
Casale Montferrat 46. 67. 68. 70. 73. 

182. 227. 254. 262. 328. 344. 
Casale Ermenfrid (Prov. Brescia) 

118. 
Gasaletto Vaprio 161. 
Gasa Storta (Stodari) 111. 
Gaselle 39. 166. 
Gasirate 156. 
Casiriano 125. 291. 
Gassano (an der Adda) 154. 181. 182. 
Gassano (bei Tortona) 242. 



Gassina del Broglio 192. 

Gassina Palladino 156. 

Gassina Pismonte 176. 

Gassine 251. 

Gassolnuovo 195. 

Gastagnole 74. 263. 

Caatanado 98. 

Gastano 166. 179. 

Gastellaro 45. 48. 132. 

Gastellazzo s. Gamondo. 

Gastelleone {Caatrum Maufredi) 156. 

159. 
Gastelletto (Prov. Novara) 234. 
Gastelletto d'Orba vgl Orha 241. 263. 
Gastelmur 87. 

Castelnuovo (Prov. Gremona) 59. 154. 
Gastelnuovo {Nomim Caatruni^ Prov. 

Novara) 61. 234. 
Gastelnuovo Sorivia 67. 68. 242. 
Gastelnuovo (bei Acqui) 250 f. 
Gastelvecohio ( Vetus castrum, Prov. 

Novara) 61. 234. 
Gastelvecohio (Prov. Turin) 76. 218. 
Castenate 81. 

Gastenedolo 44. 125. 285. 335. 
Gastiglione 192. 

Castrum Manfredi s. Gastelleone. 
Gavaglia {Caballi?) 26,,. 225. 
Cavagnolo 60. 76. 216, j. 261. 
Cavaüar s. Gavallermaggiore. 
Cavallara 132. 297. 
Gavallermaggiore (Cavallar) 47. 273. 

328. 
Gavallo 225,,. 
Gavatte 89. 
Gavelle 122. 
Gavenago 24. 167. 175. 
Gaviano 70. 
Gavoretto 76. 218 f. 
CeleraüvLBS 172 f. 306. 
Gelle bei Turin 73. 211. 218. 347. 
Centasco 38. 246. 
Geratene 116,1. 
Geroino 81. 
Gereto 251. 
Gerrano 251. 



~ 359 — 



Cerro (Lago Maggiore) 284. 

Oerro (bei Annone) 258 f. 

Cerropicto 8. Serpente. 

Cervofluss 221. 234. 353. 

Cesana 179. 

ersänne 204. 

Cesarea 8. Alessandria. 

Chianoc 204. 

Ohiavazza 41. 222. 

Chiavenna {CUtvenna^ Kle?en) 33. 41. 

44. 45. 47. 62. 65. 68. 69. 70. 71. 

82-86. 285. 294. 338. 343. 344. 
Ohiavrie 202. 204. 
Chieri {Cara) 47. 50. 54. 68. 71. 72. 

74. 76. 216 - 218. 329. 338. 344. 
Ohieve 158. 161. 
Chiomonte (Chaumont) 204. 
Chivasso 74. 76. 264. 
Ohur Bistum 65. 353. 
Cicognara (Oigognara) 15. 133 301. 

307. 310. 313. 314. 323. 
Ciconio 207. 
Cinaglio 22. 254. 
Cisidola (Cossila?) 223. 
Ciainiano 236. 304. 
Civenna 102. 327. 
Cizzolo {Zitolfa) 132. 
Clu8ae 202. 

Cocconato 38. 60. 76. 254. 261. 
Codcavallo 76. 

Col di Tenda (CornioJ 11. 269. 
Colico {Colione) 100. 
Golle di Fineetre 11. 269. 
Collegno 76. 214. 218. 219,,. 
OoUobiano 26, ,. 226. 
Cologna (Colonia) 154. 182. 
Gologna (Prov. Como) 95. 
GologDola (Prov. Bergamo) 111. 
Comacina Insula 9. 63. 66. 70. 97. 

294. 
Comazzo 156. 

Como 33. 34. 41. 75. 93 f. 282. 292. 
Cona 188. 
Concor ezzo 183. 
Condove 204. 
Congretegio (Concorezzo ?) 182 f. 



Conno (of. Onno) 101. 330 f. 

Copara 242. 

Corana (Coriana) 27. 34. 38. 45. 48. 

196 f. 290. 299. 
Corenzo 58. 
Corna 113. 

Cornaredo 29. 167. 304. 
Cornate (Coronale) 12. 29. 168. 179. 
Cornegliano (bei Alba) 47. 67. 68. 

70, ,. 273. 305. 325. 344 f. 
Cornegliano (Prov. Mailand) 342. 
Cornio (Col di Tenda) 269. 
Corno 113. 
Cornula 305. 
Corsiano 125, ,. 
Corte del Palasio 158. 
CortemigHa 247. 
Cortenuova (Prov. Bergamo) Hl f. 

291. 300. 
Corteolona s. Olona. 
Cortereggio s. Curiisregia» 
Corvetula 41. 246. 295. 
Corzano 125. 
Cossila 40. 223. 
Cossirano 125. 
Covello Ulf. 
Credera 158. 161. 
Crema 58. 59. 66—70. 72. 73. 152 f. 

161. 338. 344 f. 
Cremella 11, 4. 96. 
Cremona 10. 29. 30. 44. 50 143 f. 

291. 292. 338. 339. 341. 
Cremosano 161. 
Cresciano 89. 
Cressogno 100. 
Cucceglio 207. 
Cuoche {Cucullo) 145 f. 
Cuggiono 179. 
Cujano 100. 
Cunengo 76. 
Cuneo 269. 274. 
Cuniolo 73. 76. 263. 
Cuntinglaca 119. 
Curno 112. 

Curtis Gumulfi 121. 307. 
Curtis MediolanensfS 22. 174. 



360 - 



Curtis nova 21. 

Curtis regia (Orco, 8. Giorgio) 25 f. 

42. 206-208. 221, i. 226. 291. 

295. 299. 304. 
Cminasco 27. 236. 
Cusiningo 226. 
Cureglio 104. 

D. 

Dairago (Raga) 57. 179. 

Darfo (Dervio) 45. 123. 330. 

Delebio 82. 

Deriaeum 222. 

Dernice 27. 236. 242. 

Desana 226. 295. 

Desenzano 25. 129. 

Desio (Deusdedit?) 168. 330. 

Diobia 205. 293. 

Diobasea 205. 

Domaso 70. 100. 

Domo d'Ossola 31. 

Dongo 100. 

Dovanelli 22. 236. 

Voveno 236. 

Doyera 156. 

Duae Robores 31. 136. 

Dulzago 229. 

Dasino 262. 

E. 

Eburlas (cf. Burio und Ivero) 20. 

254. 
Elvofluss 33. 
Era8co 8. Airasca. 
Erba 179. 
Exilles 204. 



Fabrica 242. 

Fagi (Fagedum) 174. 

Fara Basiana (Fara Basiliana) 57. 

167. 331. 345. 
Fara Gera d'Ad<la 10. 113. 151. 154. 

182. 



Fara Olivana (Fara Libani) Ulf. 

Fara Vettda 57. 

Farinate 33. 146. 160. 

Felizzano 33. 74. 254 f. 264. 

Felline 137. 

F^nis 203. 

Fioarolo 59. 

Flaponica 113. 

Flesso {Flexo) 137. 297. 305. 

Fogliano 193 f. 

Foglizzo {Fulgitis) 25. 207. 

Folingo 193. 

Fontana 26. 149. 

Formigliana 226. 

Foresto 204, i. 

Fornovo 153. 

Foro (Villa del Foro) 34. 43. 46. 48. 

60. 247. 250. 339. 
Fossano (bei Grema) 160. 
Fossano (Prov. Cuneo) 274. 
Fränkische Gebiete in Piemont 200 ff. 
Fregalmo"'146. 
Frena 182. 
Fresonara 38. 238. 
Frugarolo 38. 238. 

G. 

Gabbiano (bei Crema) 58. 153. 160. 
Gabiana (Prov. Bresoia) 121, ,. 
Gabiano (Montferrat) 18. 74. 76. 255. 

261. 264. 299. 301. 
Gaglianioo (Gallavico) 40. 223. 
Gaja 38. 255. 
Gajola 269. 

Gdllavico s. Gaglianioo. 
GaUiate 53. 233 f. 
Galzagnano 195. 
Gambara 126. 
Gamondo (Oamundio^ Castellazzo) 

33. 41. 44. 46. 50. 52. 60. 64. 70. 

246. 250. 295. 328. 
Garbagna (Prov. Novara) 229. 
Garbagna (bei Tortona) 32. 237. 
Garda 14. 31. 52. 61. 71. 72. 285. 

294. 308. 331. 343. 346. 354. 



-^ 361 — 



Garda (Insel) 129. 

Gardasee (Lago di Garda) 25. 127 

-130. 
Gardella 156. 
Gardino 291. 
Gardone 129. 
Garlasco 38. 194. 

Gavi 67. 68. 70. 73. 243 f. 338. 343. 
Gavirate 104. 
Gerenzano 104. 
Germanicia 14. 270. 
Geronico al Piano 95. 
Ghedi 126. 
Giaglione 204, i. 
Giare 196. 
Giombaro 198. 
Gobangiasco 246. 
Gombito 159. 
Gonzaga 51. 52. 62, j. 71. 72. 73. 75. 

138. 
Goretta 226. 304. 
Gorgonzola 181. 
Gorlago 113. 
Gorzone 116, 1. 
Gottolengo 126. 
Governolo 48. 51. 59. 132. 
Graffignana 38. 174. 192. 
Gravedona 25. 66. 68. 69. 70. 92. 

08-100. 
Gravellona 42. 194. 
Grena 114. 
Grilli (^Grualia) 247. 
Griuiiasco 242. 
Grondona 242. 
Gropello 28. 32, j. 33. 194. 
Grualia s. Grilli. 
Grumello del Piano 114. 
Guastalla (WarclisfaUa) 22. 51. 52. 

59. 66-69. 71. 138—141. 298. 301. 

318-320. 325. 340. 346 f. 354. 
Gula 195. 



Ha^nohim 81. 
Horto 8. Orti. 



1. 

Incisa 70. 250 f. 338. 

Insula Fulcherii 58. 59. 63. 64. 66 

— 72. 151—162. 325. 342. 345. 346. 

354. 
hiterzirara 182. 
Intröbius mons 182. 
Inverno 22. 57. 191 f. 193. 346. 353. 
Inveruno 179. 
Isella {Asielias) 172. 302. 
Isola S. Giulio 10. 39. 230. 294. 
Ispra 104. 

Ivero (Eburlas?) 254. 
Ivrea (Eporegia) 65. 68. 70. 71. 73 

76. 195. 205 f. 218. 219, j. 343. 



Klausen {Clusae) 202. 
Kleven s. Chiavenna. 



Lago Maggiore (Langesee*) 91. 231 — 
233. 

Lagoscuro (bei Cremona) 76. 

Lagoscuro (bei Marengo) 38. 240. 

Lam brate 176. 

Larabrofiuss 18. 31. 171 ff. 191. 

Lamo 59. 154. 

Landriano 57. 177. 343. 352. 

Langosoo 194. 224 f. 

Lanzo 9,1- 76. 209 f. 218. 343. 353. 

Larafluss (cf. Cavallara) 25. 

Laucillo 236. 
! Laurentiasco 192. 
, Lavaggio 30. 196. 
I Lavena 33. 104. 

Laveno 104. 
, Lavezzole 47. 255. 

Leoco 75. 93. 

Legnano (Prov. Mailand) 56. 177. 
349. 

Lenato 190. 

Lenno 70. 

Leno 125. 



- 362 — 



Lesa (Lexta) 91. 182 f. 233, j. 234. 

Leßio 246. 247, i. 

Lestadiunt 205. 

Lestino 99. 

Levate 114. 

Lexia %. Lesa. 

Ligarischer Apennin (Alpes Cottiae) 

8. 13. 
Limentifia 182. 
Limonta 20. 98. 99,2- 100—103. 287. 

298 ff. 303. 305. 311. 312,2- »"^Iß- 

321. 322. 325. 326. 327. 330. 339. 
Linarolo 191. 
Liona (cf. Lonato) 128. 
Liprando 242. 
LiYO 100. 
Looarno 22. 68. 69. 70. 72. 73. 90 f. 

92. 233, 1. 344. 
Looate (Prov. Bergamo) 114. 
Looate Triulzi 20. 167—169. 287. 
Lodi 55. 57. 171 f. 181. 277. 280. 283. 

302. 343. 349. 
Lodi Grafschaft 27. 33. 
Lodrino 119. 124. 
Lombal s. Lomello. 
Lomellina 31. 193-196. 296. 
Lomello (Lombal) 45. 194. 
Lonato 18. 128. 
Loreto Grafschaft 74. 263. 
Loreto (Prov. Brescia) 121. 
Loriano 76. 

Lu 60. 74. 76. 261. 264. 343. 347. 
Lucedio 20. 226. 
Lugana 128, 3. 129. 297. 
Lugano 29. 91. 304. 
Lusigli 207. 
Luzzara 20, g- 22. 51. 59. 66. 68. 69. 

71. 138-141. 346 f. 354. 



M. 



Macuniacum 207. 
Madignano 160. 
Madingo 252. 
MadruniHO 102 
Magnago 179. 
Magreglio 102. 



327. 



Maguzzano 129. 

Mailand (Milano) 7. 17. 27. 35. 56. 

63. 162-165. 176. 282. 290. 291. 

292. 338. 341. 342. 343. 348-352. 
Mailand Grafschaft 33. 
Mairafluss 83-85. 
Maleo 59. 153. 154. 18L 
Mandello 57. 349. 
Manerba 129. 
Mantua (Mantova) 10 45. 48. 50. 77. 

129. 130 f. 283. 290. 291. 335. 339. 
Marcellisco 81. 
Marchirolo 104. 
Marco rengo 60. 76. 
Maren go (Marenco, Marona, Marin) 

29. 31. 34. 38. 41. 43. 44. 46. 48. 

50. 52. 54. 60. 64. 70. 238-240. 

242 f. 250. 290. 291. 295. 299. 301. 

303. 328. 
Mariaga 31. 95. 
Marin s. Marengo. 
Marlianico 99. 
Marnate 27. 167. 300 f. 
Martesana 55. 66. 179. 348. 
Martinengo 114. 
Masio 247. 

Massino 23. 26. 52. 231 
Matengo 204, j. 
Mathi 200. 
Mazzo 80. 
Meana 204, j. 
Melara 37. 133. 301. 
Meleto (Gardasee) 28. 
Meletto 174. 297. 
Meletum 192. 
Melianico 26. 96. 
Mellafluss 119. 
Melvenno 171. 
Memoriola 236. 
Menaggio 50. 97. 99. 
Mentana 39. 
Merlasino 242. 

Mesocoo (of. Val Mesocco) 44. 
Mezzana Passone {Muciana) 174. 
Mezzano di Parpanese (MuHano) 38. 

193. 



— 363 — 



Mezzano (Meziana) 149. 

Milano 8. Mailand. 

Milinianum 81. 

Mioglia 247. 

Alirabello 46. 47. 60. 265. 261. 264. 

Misano 156. 

Misox 8. Mesooco. 

Mojola 269. 

Nfolgora 181. 

Molinara 40. 222. 

Moinbaruzzo 74. 76. 250. 

Momhrione s. S. Colombano. 

Momo 53. 227. 233 f. 

Montolerium 46. 

Monale 76. 

Monasterolo 26. 146. 

Monoalieri 76. 218. 219, i. 

Monoalvo 74. 264. 

Monoucoo 242. 

Mongiardino 242. 

Moninello 21. 131. 

Monleale 242. 

Mona Jarus 242. 

Mons Mulus 191. 

Montaouto 76. 242. 

Montaldo (bei Gavi) 244. 250 f. 

Montalto (bei Tortona) 242. 

Montanaro 221. 

Moni CeniB 205. 

Monte (Lodi) 33. 175. 

Monte (Grema) 158. 160. 

Monte Alfeo 33. 237. 

Montebore 242. 

Monte Caprasio 202. 

„ Carevolo (Carebolo) 198. 

^ Castello 263. 

yj Cenere 75. 93. 344. 

^ Degno 125. 

„ Galiano 223. 338. 
Montelongo 198. 296. 
Montemalo 22. 174. 181. 
Montemarsino 242. 
Monte Pioare 202. 
Moniesano s. Montemalo. 
Montesolo 76. 218 f. 343. 354. 
Montferrat 60. 



Moiiticelli 38. 174. 192. 

Monticestino 76. 

Montiglio {MontUiu) 42. 46. 60. 255. 
261. 

Montodine 159. 161. 
, Montoneso 247. 

Monza (Modoetia) 7. 11. 55. 57. 169 f. 
179 f. 182. 283. 290. 343 f. 349. 
I 352. 353. 
f Mormicha 192. 
} Moratica (Mariaga?) 38. 
I Morbegno 82. 

Morengo 115. 
, Morgnio 182. 

Morone 38. 
! Morozzo 272. 

Morra 274. 

Mortigliengo 41. 223. 296. 

Moscazzano 158. 161. 

Mota Castri Franchi 59. 154. 

Mozzanica 58. 153. 
' Mozzate 27. 104. 167. 300 f. 

Muciana (cf. Mezzana) 126. 127, i. 
174. 

Muciuno (of. Mezzano) 38. 193. 223. 

Murgula 23. 25. 26. 27. 29. 30. 106 
—108. 283. 290. 311. 

Muro 95, i. 

Mnrolo 76. 

Musancia 261. 

Musanzola 262. 
I MU880 100. 

Muzzano (Prov. Novara) 193,,. 223. 

Muzzano (Com. Yittadone) 193, i. 

N. 

Naro 100. 
Naum 8. Annone. 
Nehhiono (Nebbione?) 227. 229. 
Nebiasco 188. 
Nerio 99. 
Neronebach 174. 
Nibbia (Nibbiola, Nibbiole) 229. 
Nieila 271. 
I Niniano 174. 



— 364 - 



Niolia 247. 

Noce 198. 

Noceto 8. Nosedo. 

Nogara 51. 52. 72. 134 f. 353. 

Nogarole 134. 291. 

None 253,4. 

Nosate 179. 

Nosedo {Noceto) 57. 176 f. 349. 352. 

Novara 17. 33. 227. 293. 339. 341. 

Novello 272. 

Novi 38. 60. 74. 240. 242. 

Nucetto 247. 

O. 

Obiano (Ubiotto) 35. 208. 

Occhiate {Octavo) of. S. Cristoforo 

d'Ocohiate 23. 
Oociraiano 76. 255. 
Ocfavo 8. S. Cristoforo d' Occhiate. 
Odalengo 46. 74. 227. 256. 264. 
Offanengo 38. 147. 160. 
Oggiono 97; j. 
OgliojQuss 25. 
Oloenengo 46. 227. 
Olcia of. Olza. 
Oloio (^Attcis) 101. 305. 
Oldmico 227. 
Olesio 99. 
Olonn (Corteoloiia) 14. 25. 34. 37. 

189. 290. 299. 303. 304. 
Olonio 62. 82. 

Olza (Aucis) 23. 25. 144. 2«."). 335. 
Ombriano 159. 161. 
Onno (Contw) 101. 305. 
Orba (Ca8telletto d' Orba) 27. 33. 38. 

43. 241. 291. 
Orco (of. Curtisregia) 42. 291. 
Orcofluss 207. 
Oriano 104. 
Orino 104. 
rOrme 205. 

Ornagü 24. 168. 170. i 

Orta 8 löola S. Giulio. 
gli Orti ilJorto) 30. 239. 248. | 

Ostiglia 135. 296. 325. I 



Oulx 204. 
Ovigliü 248. 250. 
Ovace 203. 



Paderno 173. 302. 

Padregiiano 179. 

Padulfe 195. 

Pagazzano 156. 

Pagno 15. 20. 266. 

Paladana 22. 52. 141. 

Palasio 161. 

Palazzo 158. 161. 

Palazzolo 29. 170. 

Paleggio 100. 

Pallanza 182. 234. 

Palmata 22. 

Pandino 156. 

Paiitaiiasco 173. 

Paratico 121. 

Paravioino 179. 

Pasigliano 33. 52. 73. 256. 263 f. 

Pasturaiia 38. 240. 244. 

Pavia (Papia, Ticinum) 7. 12. 14. 20. 

30. 31. 33. 38. 50. 69. 183-188. 

276. 289 f. 291. 292. 342. 343. 
Pavone (Prov. Alessandria) 248. 
Pavone (Prov. Brescia) 126. 
Peccorara 44. 45. 48. 237. 
Pecetto 46. 47 74. 76. 255 f. 263 f. 
Pedona (Borgo S. Dalmazzo) 11. 269. 
Peglio (Pellio) 99. 
Pegognaga 22. 51. 52. 69, 1. 71. 72. 

142. 
Perce 242. 
Pernate 229. 
Peschiera 18. 128. 
Pesiofluss 271. 
Petinasco 231. 
Pianengo 33. 146. 147. 160. 
Pianezzo 89. 

Picolini {Viginti Columnae) 194 f. 
Pieranioa 161. 

Pietranera {Petranigra) 32. 237. 
Pietraporzio 269. 



— 365 — 



Pignano 160. 

PigüO 76. 

Pinerolo 17. 

Piomba 17. 30. 

Pio88a8CO (Plozascum) 44. 47. 214 f. 

329. 
Piotta (Arnporio^ Ampiotta) 32. 241. 
Piscilesse {Bisaarissu) 15. 147. 301. 

307. 313. 
Pizzighettoiie 58. 59. 151. 154. 
Platena 59. 154. 
Plurs (Piuro) 44. 84. 86. 
Poinseln 188. 

Polesine (Prov. Mantua) 142. 
Polesine (bei Zibello) 76. 147. 
Pomario 76. 264. 
Ponderano 40. 223. 
Pons Notingi 8. Pontestura. 
Pont 209, f 
Pontebernardo 269. 
Pontecurone (ßypont) 44. 45. 48. 

237. 242. 328. 
Pontesello 42. 195. 
Pontestura {Pons Notingi) 74. 76. 

256. 261. 
Pontetresa 91. 
Pontirolo 51. 58. 
Ponzano 74. 263. 
Ponzone 247. 
Porlezza 75. 93. 
Porto Morone s. Morone. 
Porzano 126. 127. 
Poschiavo (Puschlay) 81. 
Potenzo 158. 
Poviglio 139. 
Pozzolo (Prov. Alesaandrift) 88. 241. 

242. 
Pozzolo (Prov. Mantua) 136. 
Prada (Prata) 22. 58. 153. 156. 174. 
Pradetto 108. 
Pramollo 201, 5. 215. 
Pratum regale 203. 
Presipiano 242. 
Prob (Petrorio) 229. 
Pruneto 247. 
Puhleio 242. 



Pidcione 247. 
Pumenengo 111 f. 

Q. 

Quadraginta 18. 270. 

Quadradola 227. 

Qualino (Coalino) 116,1. 

Quaregno (Quirino) 223. 

Quargnenti 250. 

Quarto 269. 

Quattordio 258 f. 

Quintano 161. 

Quinto 269. 

Quinzano d'Oglio 119. 126. 127. 

Quirino 8. Quaregno. 

R. 

Ragazzola 76. 

Ranoala 147. 

Reburenio 270. 

Bedena 46. 256. 

Redengo 227. 256. 302. 

Refrancore 258 f. 

Regona 127. 

Reiohenauer Güter 97-100. 351, 1. 

Retorto {Riotorto, Retor) 33. 46. 4S. 
74. 245. 250. 251. 264. 328. 

Revello 213,«. 265. 

Revere (Hefere) 143. 

Ricengo 160. 

Rio Cervino 38. 246. 

Ripa 120. 

Ripa alta (IseoseeP) 120. 308. 316. 
323. 324. 

Ripalta (Prov. Cremona) 159. 

Ripalta vecobia 147. 159. 

Rittana 269. 

Riva di Chiavenna 31. 86. 

Riva (Iseosee) 120. 

Rivaita (Prov. Mantua) 48. 51. 136. 

Rivarolo 209. 

Rivarotta 209. 

Rivasiolo 197. 

Rivo Cervino, Rivotorfo 8. Rio Cer- 
vino, Retorto. 



- 366 - 



Bivofrigido (bei VercelliJ 221. 

RiToira 270. 

Rivoli (bei Turin) 47. 76. 213 f. 219, ,. 

329. 343 f. 353. 
RiTolta (an der Adda) 154. 1.56. 161. 

182. 
RiToltella 58. 153. 161. 
Roasenda (Ravaxittda) 224. 296. 
Roate 99. 
Robilante 14. 270. 
Roccadello 156. 

Rocca Grimalda (cf. Orba) 241. 250. 
Rocoa Sparrera 269. 
Rooca Val Orba 74. 264. 347. 
Rocchetta 251. 
Rodengo 120. 291. 
Romagnano 223. 
Ronoa (bei Ghia?enna) 86. 
Roncadelle (Prov. Brescia) 15. 119. 
Roncalia (Runehalia) 192. 
Roncaro (bei Olone) 37. 192. 
Roncorolo (Proy. Novara) 227. 
Roncarolo (Cremona) 75. 
Ronoello (Mantna) 72. 138. 
Roncello (Prov. Mailand) 171. 
Ronchi (bei Guastalla) 141. 
Ronco (bei Lodi) 31. 171. 
Ronoo (Prov. Alessandria) 247. 
Ronco (Grafsch. Verona) 28. 
Ronco Todesohmo 147. 
Ronsecco 13. 226. 
Rosasoo 42. 194. 
Rosate 53. 

Rottino 27. 188. 300. 
Rovagnate 11, *. 97. i. 
RoverbeUa 136. 
Roveredo (bei Ivrea) 207. 
Rovereto (an der Adda) 158. 161. 

173. 
Boverica 173. 302. 
Rovesoala 31. 197. 
liovoreto ( Rovorri) 248. 250. 306. 
Rfibiniacum^ Bmignano 46. 215. 256. 

328. 



S. Agatha di Susa 204. 

S. Agatha cf. Santhia. 

S. Andrea 159. 

, Angiolo di Lodi 175. 

y, Bassiano 59. 154. 

, Benedetto (Valstura) 269. 

, Benigne 270. 

, Biagio d' Urbiano 208, i. 

, Colombano (Mombrione) 57. 181. 

^ Cristoforo d* Occhiate (Octavo) 23. 

170. 

, Croce 76. 

^ Fedele 80. 

^ Feiice di Scovolo 129. 

^ Gervasio 180. 

, Giacomo del Bosco 224. 

„ Giorgio 42. 45. 328. 

„ Giorgio (Lomellina) 45. 195. 

, Giorgio (Montferrat) 60. 261. 264. 

„ Giorgio di Susa 204. 

„ Giorgio s. Curtis regia. 

^ Giulio d' Orta s. Isola S. Giulio. 

„ Gregorio di Villette 271. 

, Lorenzo (Prov. Mantua) 138. 

„ Lorenzo (Pirov. Cremona) 159. 

„ Maria di Cervere 271. 
„ „ di Lequio 271. 
„ ^ di Narzole 271. 

„ deir Olmo 109, j. 
„ „ di Primasca 89. 

y, Martine 182. 

jj Martino di Gusnago 133. 

a Perledo 11,4. 97,1. 

^ ' jf in Solar ia s. Solero. 

„ Michele della Ghiusa 202. 293. 

„ Nazzaro (Prov. Novara) 38. 228. 

„ Salvatore (Montferrat) 76. 256. 

264. 

„ Sebastiane 76. 

„ Siro ad Vepram 176. 

„ Sofia (Prov. Pavia) 189. 



* Unter S sind zuerst alle mit 
San und Santa zusammengesetzten 
Namen verzeichnet. 



367 — 



S. Vittore al Brembo 116. 

Sabbioneta 18. 31. 136. 

Salbertrand 204. 

Salioeto 246. 247, ,. 

Salluciola 190 f. 

Salmour 271. 

Sal6 129. 

Salsole 247. 

Saluggia 227. 

Salussola 227. 

Saluzzo 44. 47. 265 f. 329. 

Sambuoo 269. 

Samolaco 86. 

Sandrobbio 98. 

Santhia (^'. Agatha) 11, j. 227. 

Sarnico 33. 116. 116, j. 

Sarzano 242. 

Saseello {Salsole) 247. 

Savegnona 242. 

Savigliano 76. 

Sazzago 229. 

Schiano 104. 

Sohwyz Kanton 75. 

Scorzarolo 51. 59. 

Sellenigia 42. 195. 

Selve (SelvoUna) 46. 227. 

^elvaniade 102. 327. 

Senna Lodigiana 33. 175. 290. 

Seprio 166. 282. 

Seprio Grafschaft 55. 64. 66. 179. 

348. 
Seratica 112. 
Sergnano 160. 
Senate 115. 
Sermide 29. 143. 
Sermione 15. 18. 62. 69. 127 f. 294. 

308. 337. 344 f. 
Sei'pe 198. 

Serpente (Cerropicto) 119. 
Serra 261, j. 

Serralonga 65. 68. 70. 71. 261 f. 343. 
Serravalle 242. 
Sesiafluss 33. 221. 234. 353. 
Sesilla s. Sezella. 
Sessa 75. 93. 353. 
Sesto 22. 148. 



Settimo (Septimo) 42. 46. 328. 

Settimo bei Turin 209. 

Settimo Yittone 209. 

Seveso 56. 177. 349. 

Sexpilas s. Sospiro. 

Sezella (Sesilla) 22. 236. 

Sezze (Setiacum, Zeca) 33. 46. 74. 

246. 250. 264. 328. 
Silvaniaco 8. Selvaniade, 
Sisola 236. 
Solero 249. 250. 
Soncino 11. 59. 148. 154. 
Sonvioo 91. 
Sorioo 68. 69. 70. 86. 
Sorisole 14. 115. 
Sospiro (Sexpilas) 26. 30. 32,2. 38. 

148-151. 283. 285. 290. 302. 335. 
Sostegno 223. 
Sparrone 209. 
Sparoaria (Cremona) 148. 
Sparoaria (Lomellina) 195. 
Stazona Grafschaft 66. 
Stazzano 242. 
Stodari s. Gasa Storta. 
Stresfi {Strixia) 91. 233, ,. 
Stupinigi (Soponicum) 212. 300. 
Sturathal s. Val Stura. 
Suave 160. 
Sulcia 8. Saluggia. 
Surbano 173. 302. 
Sursaro 100. 
Susa 8. 44. 47. 50. 65. 200 f. 203 f. 

329. 
Suvinate {Suamate , Susinafe) 26. 

190 f. 
Suzzara 26. 69, j. 142. 

T. 

Tagliuno 115. 

Talamona 42. 81. 

Tanaro: Gebiet bis zur Stura 29. 

„ Gebiet bis zur Orba 40. 

„ Ufer 35. 
Tarcul s. Toroello. 
Tartaro 182. 
Tartaro (Mantua) 134. 



- 368 - 



Tassarolo 244. 

Tecledo 146. 

Teglio 70. 

Tenohera 22. 148. 

Tessinfluss 3H. 188. 

Testona (Tatusta) 47.68. 71. 216 — 

218. 829. 
Teverne 123. 
Tiglia iTilia) 33. 230. 
Timoline 15. 120. 301. 303. 307. 309. 

.312. 313. 314. 316. 323. 324. 
Tolarolo 76. 
Tonalepass 122. 
Tonco 74. 264. 
Torcello {Tarcul) 14. 46. 60. 73. 256. 

261. 263. 328. 
Torino 8. Turin. 
Torlino 158. 161. 
Tormo 156. 
Tortona 54. 60. 64. 67. 68. 236. 

241 f. 338. 344. 
Travezzola (Travazola) 262. 
Trazun 132. 

Treoate 23. 25. 53. 195. 230. 233 f. 
Tremezzo (Tremüia) 25. 98 f. 
Trepoiite (Triponiio) 121. 127. 
Trescorre 161. 
Tresivio 82. 
Treviglio 72. 

Trezzo 55. 56. 64. 180. 343. 348. 
Trezzolasco 160. 
Trient (Trento) Bistum 74. 
TrifoUdo 271. 
Trivero (^Triverio) 40. 223. 
Trombal 8. Trumello. 
Tronzano 234. 

Truraello (^Tronibal) 42. 45. 195. 
TuUiano 38. 
Turate 104. 
Turbigo 179. 
Turdela 98. 
Turin (Torino) 13. 47. 50. 65. 68. 70. 

71. 73. 76 210-212. 219,,. 290. 

291. 341. 343. 347. 354. 
Turinga 121, j. 



ü. 

Ubiano 8. Obiano. 
Urhi8 239. 247. 295 f. 
Uri Kanton 75. 

V. 

' Vaccaricas 8. Viarigi. 
' Vailate 33. 146. 151. 156. 
I Vajano 158. 161. 
1 Vairano 160. 

Val d'Andorno» 223. 
I „ Antelamo 100. 298. 
\ ^ A88ina 182. 

„ Aiizasca 231. 

„ Blegno 75. 89. 93. 344. 

„ Bregaglia 8. Bergell. 

„ Camonioa 17. 51. 62. 69. 122 - 
124. 307. 308. 310. 313. 315. 317. 
.322. 328. .324. 344. 

„ di Canal 61. 234. 

„ Chiusella ( Vallis Clivi) 25. 207. 

^ di Gesso 269. 

„ Giaoomo 86. 

„ Guida 190. 

„ d' Intel vi 14,«. 75. 93. 100. 
I . „ Leventina (Livinenthal) 75. 89. 
98. 344. 

„ Maira 267. 

„ di Mesocco (Misox) 90. 

„ d' 088ola (Eschenthal) 231, 1. 

„ del Po 265. 

„ Scalve 123. 330. 331. 

„ Seriana 115. 

„ Sesia 34 223. 

„ Solda 75. 98. 

„ Stura 41. 67 f. 70. 267-269. 
293. 846. 353. 

„ Tellina s. Veltlin. 

„ Travaglia 104. 

„ Varaita 41. 267. 

„ V^rmenagna 11. 269. 



* Alle mit Val zusammengesetzten 
Thalnamen sind an dieser Stelle hin- 
ter einander angeführt. 



— 369 — 



Valdoria 10. 

Valenza 74. 76. 182. 261 f. 264 347. 

Valloriate 269. 

Valoria (Auriola) 241. 

Vaprio 181. 

Varinella ( Vara) 236. 

Vedelengo 111 f. 156. 

Yeltlin (Val Tellina) 18. 62. 80- 

82. 341. 
Venegano 104. 

Yercelli 31. 33. 220 f. 291. 338. 
Vercelli Grafschaft 30. 36. 47. 
Vergonte 231. 294. 
Vernante (Alvernante) 14. 270. 
Yernevolebach 188. 
Vero 327. 

Verona 7 28. 30. 31. 
Verrua 60. 77. 216,2. 261 f. 264. 327. 
Verzaflußs 252. 
Vesterna 60. 261. 
Yho (Vado) 151. 
Viadana 59. 

Viarigi ( Vaccarkas) 22. 256. 
Vicolago (Vicolaco, Vicolongo) 38. 

174. 191 f. 
Vicomezzano 198. 
Vioosoprano 87. 

Victimulnm (la Bessa) 26, j. 227. 
Vidolasco 160. 

Vigentino 57. 176. 177. 343. 352. 
Vigevano (ViguHa, Vir gemini} 38. 

45. 48. 50. 73. 195 f. 328. 344. 
Viggiü 45. 

Viginli Columnae 8. Picolini. 
Vigliano 249. 
Vignale 76. 264. 
Vignolo 269. 
Vigonzone 26. 192. 304. 
Viguila s. Vigevano. 



Viguzzolo 27. 236. 304. 311. 
Villa (Comersee) 102. 
Villa (Tortona) 242. 
Villa d' Allegno 122. 
Villa aurea 67. 242. 
Vüla Busto 179. 
Villa Bustncaum 179. 
Villa del Foro 8. Foro. 
Villanterio 193. 
Villar Focchiardo 204, j. 
Villar S. Costanzo 267. 
Villitsicca 46. 48. 237. 
Villiano 99. 
Villola 22. 136. 
Vilmaggiore 123. 
Vilminore 123. 
Vimagano 172. 174. 
Vimeroate 171. 
Vinadio 269. 
Vipecullo 242. 
Virolengo 76. 
Visone 250. 

Voghera 30. 197. 237, j. 
Vologia 200. 
Volpino 116,1. 
Voyes 200. 
Vregenzano 100. 
Vulpariolo 144, j. 146. 151. 



Ynana 182. 



Zfca 8. Sezze. 
Zibello 76. 

ZiioJfa (Cizzolo) 132. 
Zuzingo 182. 



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