Skip to main content

Full text of "Das Römerkastell Saalburg bei Homburg vor der Höhe; nach den Ergebnissen der Ausgrabungen und mit Benutzung der hinterlassenen Aufzeichnungen des königl. Konservators Obersten A. von Cohausen"

See other formats


' .' '',7.-.; " '/' r- ' ■ '';'.■ 



^,;\^v"r' ',,■'■,;■- I-'i /i'/'-.^!.'' '-^'iV''- ''.■;■''.*•!!• 






;i ''.:':\ ' 



Römerkastell Saaffiürif 



Homburg v. d. H ö h e 



Ja GOBI 



TEXT 



/ 



RÖMERKASTELL SAALBURG 



BEI 



HOMBURG VOR DER HOHE 



NACH DEN ERGEBNISSEN DER AUSGRABUNGEN 

UND MIT BENUTZUNG DER HINTERLASSENEN AUFZEICHNUNGEN DES 

KÖNIGL. KONSERVATORS OBERSTEN A. VON COHAUSEN 



VON 



L. jacobi, 

BAUMEISTER, 
MITGLIED DER REICHS-LIMES-KOMMISSION. 



MIT EINER KARTE, 80 TAFELN UND 110 TEXTABBILDUNGEN. 



•>*<• 



HOMBURG VOR DER HÖHE. 

IM SELBSTVERLAGE DES VERPASS ER S. 

1897. 



C 193 



Alle Rechte vorbehalten. 



IHRER 



KAISERLICHEN UND KÖNIGLICHEN 



MAJESTÄT 



DER 



KAISERIN FRIEDRICH 



EHRFURCHTSVOLL 



GEWIDMET. 



V 



Vorwort. 



Die Anfänge dieses nunmehr vollendeten Buches gehen in das Jahr 1877 
zurück. Daraals beabsichtigte der Königliche Konservator Oberst 
August von Cohausen, mein sehr verehrter Freund, mit dem ich fast ein 
Vierteljahrhundert die Ausgrabungen an der Saalburg leitete, mit mir zu- 
sammen ein größeres Werk über die Ergebnisse unserer Untersuchungen 
herauszugeben. Manches dazu war vorbereitet und geschrieben, doch zeigte 
sich bald, daß eine solche Arbeit längere Zeit erfordern würde, wenn man 
Alles berücksichtigen wollte; auch eröffneten sich bei den fortschreitenden 
Ausgrabungen immer neue Gesichtspunkte, so daß es rätlich erschien, mit 
einer größeren Publikation noch zurückzuhalten. Um aber den vielfach 
geäußerten Wünschen nach einer Beschreibung der Saalburg entgegenzu- 
kommen, veröffentlichten wir 1878 eine kleine Broschüre, die bis 1893 
vier Auflagen erlebte. Sie erschien unter dem Titel: «Das Röraerkastell 
Saalburg», und zwar mit dem Hinweis, daß ein größeres Werk bald folgen 
solle. Leider hat sich aber dieses Vorhaben nicht so schnell verwirklichen 
lassen. Einmal war van Cohausen, der den größten Teil des Textes zu 
schreiben übernommen hatte, durch sein 1884 erschienenes grundlegendes 
Werk: «Der römische Grenzwall», in dem er schon manche unserer Er- 
gebnisse benutzen konnte, so sehr in Anspruch genommen, daß er dem 
geplanten Unternehmen nur wenig Zeit widmen konnte, andererseits fand 
auch ich, der ich unterdessen die Zeichnungen soweit gefördert hatte, 
daß im Jahre 1885 die meisten der Tafeln lithographiert waren, infolge 
der Überhäufung mit Berufsarbeiten wenig Muße zur Bearbeitung des 
Textes. Ehrlich gestanden, fehlte mir auch der Mut, mich allein der 
schwierigen Aufgabe zu unterziehen; auch war es nicht leicht, den rich- 
tigen Anfang wieder zu finden. Erst die im Jahre 1892 begonnene Thätig- 
keit der Reichs -Limes -Kommission spornte mich von neuem dazu an, und 
die nunmehr bestimmt in Aussicht gestellte Unterstützung von Cohausens 
veranlaßte mich, die Arbeit wieder zu beginnen. Da dieser aber zunächst 
noch ein anderes, längst begonnenes Buch: «Die Befestigungs weisen der Vor- 
zeit und des Mittelalters» vollenden wollte, mußte ich das Saalburgwerk vor- 
läufig allein aufnehmen und — bedauerlicherweise — auch ohne ihn vollenden, 
denn schon am 2. Dezember 1894 starb von Cohausen, der sein ganzes Interesse 



YJ Vorwort. 

unserer heimischen Altertumskunde gewidmet hatte, und dem ich eine große 
Fülle von Anregung und Belehrung verdanke. Seine Aufzeichnungen, die 
sich jedoch nur etwa bis zum Jahre 1885 erstrecken, hatte er mir schon 
längst übergeben mit dem Vermächtnis, daß ich, falls es ihm nicht mehr 
vergönnt sei mitzuwirken, das Buch allein herausgeben solle. Diese Notizen 
sind, soweit sie nicht durch neuere Forschungen überholt waren, im vor- 
liegenden Buche mit verarbeitet worden. Im Sinne des Verewigten war 
ich bemüht. Alles das, was wir aus dem Schöße der Vergangenheit wieder 
ans Tageslicht gezogen haben, auch Allen nutzbar zu machen und so der 
Altertumsforschung neben der rein ideellen auch eine praktische Seite ab- 
zugewinnen. 

Daß eine Arbeit wie die vorliegende, die so viele der verschiedensten 
Wissensgebiete streift, von einem Einzelnen nicht nach jeder Richtung hin 
erschöpfend behandelt werden konnte und daß ich als Techniker ein besonderes 
Gewicht auf die seither noch wenig beachteten technischen Zweige gelegt 
habe, versteht sich von selbst; ich war aber bestrebt, im gegebenen Falle 
für die mir weniger naheliegenden Gebiete der Wissenschaft stets das Urteil 
des Special -Fachmannes einzuholen, und bin hierin bis zum heutigen Tage 
von allen Seiten auf das Bereitwilligste unterstützt worden. 

Das Buch soll keinen Anspruch darauf machen, ein gelehrtes Werk zu 
sein, vielmehr ist es als ein Rechenschaftsbericht über die Arbeiten 
an der Saalburg aufzufassen. Wenn ich dabei, wie dies besonders in den 
«Vorbemerkungen» geschehen ist, nicht allein das Selbsterlebte, sondern auch 
die früher von Anderen gemachten Beobachtungen und Aufzeichnungen be- 
rücksichtigt habe, so geschah dies in der guten Absicht, das zerstreute und 
mühsam zusammengebrachte Material zunächst einmal festzulegen und so eine 
Grundlage zu schaffen, auf welche weitere Forschungen sich stützen können. 
Ich bin vielleicht manchmal etwas zu ausführlich geworden, doch Hegt dies 
darin begründet, daß dem Laien, für den das Buch ebenso bestimmt ist wie 
für den Gelehrten, Manches erklärt werden mußte, was sich für den Techniker 
oder den Archäologen von selbst versteht. Dazu kommt, daß ich die Saalburg 
auch nicht ganz aus ihrer Umgebung loslösen und lediglich im Anschluß au 
den Limes behandeln wollte, sondern versuchen mußte, auch ihrer Nachbar- 
schaft, meiner engeren Heimat, Rechnung zu tragen. Es mögen hiermit 
einige Mitteilungen, die sich nicht direkt auf die Saalburg beziehen, ent- 
schuldigt werden. 

Das Saalburg-Werk enthält nunmehr die Ergebnisse der Ausgrabungen 
bis zum Frühjahr 1897, und es ist Alles berücksichtigt, w^as bis jetzt gefunden 
ist und größtenteils im Saalburg-Museum aufbewahrt wird; es bildet in dieser 
Hinsicht zugleich den Anfang zu einem Kataloge des Museums. Außerdem 
bezeichnet es auch einen Abschnitt für unsere Ausgrabungen, insofern als 
das Kastell, mit Ausnahme von 1860 qm, nunmehr vollständig aufgedeckt 
ist. Alle weiteren Untersuchungen werden sich im Wesentlichen mit der 
Bürgerlichen Niederlassung zu befassen haben. 



Vorwort. VII 

Dem Buche sollten ursprünglich nur die 80 lithographierten Tafeln bei- 
gegeben werden; doch mußten diese, da nach 1885 nicht nur eine Reihe 
interessanter Fundstücke hinzutraten, sondern auch immer wieder neue Bau- 
werke zum Vorschein gekommen waren, noch um 110 in Zinkographie her- 
gestellte Textabbildungen vermehrt werden. Hierbei hat mich, wie bereits 
bei der Anfertigung der Zeichnungen für die Tafeln und bei den örtlichen 
Aufnahmen, mein langjähriger treuer Gehülfe, Architekt H. FÖller, mit Sach- 
kenntnis in anerkennenswerter Weise unterstützt, was ich an dieser Stelle 
besonders hervorheben will. Ich darf wohl hoffen, daß durch diese Er- 
gänzungen das Bild von der Saalburg ein möglichst vollständiges geworden 
und nichts von dem zum Verständnisse dieser großartigen Niederlassung 
Erforderlichen vergessen ist. 

Wenn ich mir heute die fünfundzwanzig Jahre umfassende Thätigkeit 
ins Gedächtnis zurückrufe, so gedenke ich gerne mancher schönen Stunde, 
die ich, das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, mit meiner FamiUe 
bei den alten Trümmern im schönen Taunus verbrachte und erinnere mich 
wehmütig und dankbar manches lieben, längst heinigegangenen Freundes 
und Gleichgesinnten, mit dem ich in anregendem Verkehre auf diesem alten 
Kulturboden weilte. Die noch Lebenden aber, welche mich durch Wort und 
Schrift, durch Rat und That unterstützt haben, vermag ich hier nicht einzeln 
aufzuführen: es sind deren zu viele; ich habe ihrer, wo es mögHch war, an 
den zutreffenden Stellen des Textes gedacht und sage ihnen hier nochmals 
meinen schuldigen Dank. 

Die endliche Fertigstellung des Werkes aber konnte ich nur durch die 
thatkräftige Mithülfe der bei ihren selbständigen Arbeiten (Inschriften, Münzen 
und Gemmen) ausdrücklich genannten Herren Lehramtsassessor Dr. Friedrich 
Henlcel, bisher Assistent am Großherzoglichen Museum zu Darmstadt, und 
meines Sohnes, des Königlichen Regierungs-Baumeisters Heinrich Jacobt, zur 
Zeit Hülfsarbeiter bei der Königl. Regierung in Marienwerder, ermöglichen. 
Diese beiden haben mich, da ich selbst meinen Berufspfiichten nur wenige 
Mußestunden und diese auch nur mit Unterbrechungen abringen konnte, in 
dankenswertester Weise bei den unerläßlichen Schlußarbeiten unterstützt. 
Ersterer hat insbesondere durch die Übernahme der Korrektur und der Druck- 
leitung sowie durch die äußerst gewissenhafte und erschöpfende Bearbeitung 
der Register das Werk zum Abschluß bringen helfen. 

Ich kann diesen Teil des Vorwortes nicht schließen, ohne noch meiner 
lieben Frau, die allerdings am liebsten ungenannt bleiben möchte, in herz- 
hcher Dankbarkeit zu gedenken. Sie hat sich durch ihre treue Mitwirkung 
nicht allein um das Zustandekommen dieses Buches, sondern auch durch 
ihre Thätigkeit am Saalburg-Museum ein so unleugbares Verdienst erworben, 
daß es mir ein Herzensbedürfnis ist, dies hier anerkennend auszusprechen. 

Mit hoher Freude und größter Genugthuung hat es mich erfüllt, daß 
Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, welche von jeher allen künstlerischen 
und wissenschaftlichen Bestrebungen ihrer Zeit helfend und fördernd zur Seite 



VIII Vorwort. 

steht und den Ausgrabungen auf der Saalburg schon seit 1870 ein lebhaftes 
Interesse entgegenbrachte, die Widmung dieses Buches huldvollst genehmigt 
und allergnädigst angenommen hat. Möge es Ihrer Majestät eine Erinnerung 
an die schönen mit Ihrem Hohen Gemahl und im Kreise Allerhöchst Ihrer 
Familie auf der Saalburg verlebten Stunden und zugleich ein Beweis meiner 
aufrichtigsten und ehrerbietigsten Dankbarkeit sein! 

Nicht ohne Zagen schicke ich dieses Buch in die OtTontlichkeit. Daß 
es nicht frei von Irrtümern sein kann, liegt schon in dem Stolle selbst und 
dem früher wenig beachteten Gebiete der römischen Altertumsforschung auf 
deutschem Boden. Ich war redlich bemüht, Alles, was mir zur Aufklärung 
nützlich erschien, gewissenhaft und objektiv zu verzeichnen; wo ich mich 
auf Andere bezog, sind die Quellen angegeben. Wieweit es mir gelungen 
ist, das Richtige zu treffen, mögen Kenner entscheiden, jede Belehrung 
und sachliche Kritik soll mir willkommen sein. 

Es würde mich freuen, wenn durch diese Veröffentlichung das Interesse 
für die Saalburg selbst und besonders für die jetzt noch in vollem Gange 
befindliche Reichs-Limesforschung wach erhalten und auch in weiteren Kreisen 
gefördert würde. Hoffentlich gelingt es, allmählich das ganze das Kastell 
umschließende römische Gebiet zu untersuchen und das Ausgegrabene fest- 
zulegen, damit die wieder ans Licht gezogene Saalburg nunmehr auch fort- 
bestehe als Denkmal einer vergangenen hochentwickelten Kultur, als ein 
Erinnerungsmal an die Vorgeschichte unserer Heimat, als eine reiche Fund- 
grube für Altertumsforscher, als ein anregendes Lehrmittel für Schüler und 
zur Freude der Gebildeten aller Stände. Dann wird der Zweck dieses Buches, 
welches ich mit Wohlwollen entgegenzunehmen bitte, erfüllt sein. 

Homburg vor der Höhe, Pfingsten 1897. 

L. Jacobi. 



IX 



Inhalt. 



I. Text. 

Seite 

I. Vorbemerkungen und Geschichte der Ausgrabungen 1 

II. Ringwälle. Die «Gickelsburg» 17 

JII. Der Name «Saalburg» 22 

LV. Lage und Bedeutung der Saaiburg 28 

V. Die Wege und Straßen 30 

V'I. Der Pfahlgraben oder Limes 38 

VII. Zur Geschichte der Saalburg in Römerzeit . . . . .^ . . . .55 

VIII. Das Kastell 62 

1. Allgemeines 62 

2. Grundriß und Profile . . 68 

3. Die Thore und Ecken 72 

Porta decumana 73 

Porta principalis dextra . . ' . . .77 

Porta principalis sinistra 79 

Porta praetoria 79 

4. Die innere Einteilung 82 

a. Die Praetentura 88 

b. Die Latera praetorii und das Praetorium 92 

c. Die Retentura 96 

5. Besatzung und Verteidigung 97 

IX. Die Bürgerliche Niederlassung 105 

1. Allgemeines 105 

2. Die Canabae 112 

3. Die Villa 117 

4. Kaufhaus (Forum) 123 

5. Verschiedene Bauten 125 

X. Die Friedhöfe und Gräber 130 

XI. Technische Ergebnisse 143 

1. Allgemeines 143 

2. Die Wasserversorgung 144 

A. Die Sammelbehälter 147 

B. Die Brunnen 149 

a. Cisternen 151 

b. Die Schachtbrunnen 152 

c. Ausgemauerte Brunnen 155 

3. Die Entwässerungsanlagen 173 

4. Baumaterialien 176 

A. Holz 177 



X Inhalt. 

Seite 

B. Steine 182 

1. Steine aus der Umgebung der Saalburg 182 

2. Steine aus dem Vorlande des Taunus 184 

C. Mörtelmaterialien 185 

D. Ziegel 186 

1. Plattenziegel 194 

2. Verblendziegel 196 

3. Dachziegel 198 

4. Kacheln 199 

E. Prisen 201 

5. Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge 204 

a. Konstruktionen in Plolz 204 

b. Konstruktionen in Stein 216 

c. Der Estrich 223 

d. Der Wandverputz 225 

e. Ziegel Verblendungen 227 

f. Steinmetziirbeiten 230 

g. Dachdeckerarbeiten 231 

h. Schmiede- und Schlosserarbeiten 236 

6. Heizungsanlagen — Hypokausten 241 

1. Ganz offene Feuerungen oder Herde 241 

2. Ganz geschlossene Feuerungen — Hypokausten 245 

Hypokausten der Bürgerlichen Niederlassung . . . . . . 250 

Hypokausten im Kastell 257 

7. Bäder 261 

XII. Die Erhaltungsarbeiten 265 

XIII. Die Funde 269 

1. Allgemeines 269 

2. Die Inschriften 271 

A. Inschriften auf Stein 271 

1. Kaiserinschriften 272 

2. Votivinschriften 276 

Nachtrag 283 

B, Inschriften auf Gegenständen aus Thon 286 

I. Auf Ziegeln 286 

1. Stempel 286 

a. Coli. I Civ. R 289 

b. Coh. I F. D 290 

c. Coh. II Raet 290 

d. Coh. IUI Vind 291 

e. Leg. VIII Aug 293 

f. Leg. XXII Pr. P. F 295 

g. Privatzieglermeister 311 

h. Abnahmestempel 312 

2. Graflite 312 

II. Auf Gefäßen aus Terra sigillata 313 

1. Topferstempel 313 

2. Graffite 332 

III. Auf Gefäßen von gewöhnlichem Thon 340 

1. Stempel und Graffite auf Henkeln 340 

2. Graffite auf den Wandungen der Gefäße 342 

3. Aufgemalte Inschriften 344 



Text. ' XI 

Seite 

IV. Töpferstempel auf Lampen 345 

C. Inschriften auf Metall 346 

1. Auf Gold 346 

2. Auf Bronze 346 

3. Auf Eisen 346 

4. Auf Blei . . , 348 

D. Inschriften auf anderen Stoffen 349 

1. Auf Thonschiefer .349 

2. Auf Holz 350 

3. Auf Glas 350 

4. Auf Leder 350 

3. Die Münzen 351 

A. Einleitende Bemerkungen 352 

a. Die älteste Münzeinheit und ihre weiteren Schicksale .... 352 

b. Das Silbergeld und seine Wandlungen 354 

c. Die Goldwährung 356 

d. Die Technik des Münzens 358 

e. Die Münzen der Saalburg im Allgemeinen 359 

f. Die Bestimmung der Münzen im Einzelnen 360 

B. Hauptverzeichnis 365 

I. Republik 365 

II. Kaiserzeit 366 

C. Die Massenfunde 391 

D. Münzen von der Saal bürg in Privatbesitz . . 394 

E. Münzfunde in der Praetentura 395 

F. Gesamt-Übersicht 396 

G. Schlußbetrachtung 398 

4. Denksteine und Bildwerke aus Stein . . . 400 

5. Figurale Gegenstände aus Bronze 407 

6. Die Geräte 410 

a. Geräte aus Stein 411 

1. Praehistorische Steingeräte 411 

2. Römische Schleif- und Wetzsteine 412 

3. Mühlsteine 413 

4. Mörser 415 

b. Geräte aus Thon 416 

Die Thongefäßs 416 

I. Gefäße aus gewöhnlichem Thon 418 

II. Gefäße aus Terra sigillata 428 

c. Geräte aus Holz 432 

d. Geräte aus Metall 437 

I. Hausgeräte 437 

II. Feld- und Gartengeräte 443 

IH. Kleingeräte 449 

1. Schreibgeräte 449 

2. Ärztliche Instrumente 452 

3. Toilettengeräte 453 

e. Geräte aus Glas. Glasgefäße und Glasscheiben 456 

f. Geräte aus verschiedenen Materialien 458 

I. Beleuchtungsgegenstände 458 

II. Die Schlösser und ihr Zubehör 462 

7. Zur Bewaffnung und Kleidung gehörige Gegenstände 481 



XII Inhalt. 

Seite 

8. Leder und Schuhwerk 492 

9. Schmucksachen 500 

1. Knöpfe, Nadeln, Fibeln und Schnallen 502 

a. Die Knöpfe . 502 

b. Die Nadeln 503 

c. Die Fibeln 503 

d. Die Schnallen 508 

2. Halsringe und -Ketten, Ohr-, Ann- und Fingerringe 511 

a. llalsringe und -Ketten 511 

b. Ohr- und Armringe 512 

c. Fingerringe und Gemmen 513 

3. Der Schmelzschmuck 519 

10. Hufbeschlag und Pferdegeschirr 522 

11. Fundstücke verschiedener Art 535 

XIV. Verschiedenes 539 

1. Die PHanzen des Saalburg-Gebietes 539 

2. Die Baumfrüchte 548 

3. Tierische Überreste 549 

4. Saalgraben, Rosengarten, Dreimühlenborn und Drususkippel .... 551 

a. Saalgraben 551 

b. Rosengarten 552 

c. Dreimühlenborn (Waldschmiede) 553 

d. Drususkippel 554 

XV. Das Saalburg-Museum 559 

Nachtrag 565 

Register 575 



II. Textabbildungen. 

In dem folgenden Verzeichnisse sind die Zahlen derjenigen Seiten fett gedruckt, 
auf welchen sich die Textfiguren befinden, und zwar sind zunächst diejenigen Seiten- 
zahlen mitgeteilt, bei denen auf die Abbildungen im Allgemeinen hingewiesen ist; 
dann folgt die Angabe der einzeln citierten Nummern der Textfigur. 



Fig. 1. Römische Straßenprofile. 30, 35, 36. 
Fig. 2. Der Limes vor der Saalburg an 

der Straße nach Obernhain. 38, 40, 43, 

50, 267. 
Fig. 3. Alter Durchgang durch den Limes 

am «Eisern Schlag». 38, 41, 42, 43, 

44, 50, 123. 
Fig. 4. Hügelgruppe am «Weißenstein». 

38, 43, 46, 50, 51. 
Fig. 5. Unberührter Teil der verschütteten 

östlichen Kastellmauer. 62, 67, 268. 
Fig. 6. Freigelegter Teil der östlichen 

Kastellmauer. 62, 67, 68, 220. 
Fig. 7. Rekonstniktion der Zinnen an der 

Südwestecke. 62, 70, 71, 220, 268. 



Fig. 8. Porta decuraana, von innen ge- 
sehen. 62, 72, 73, 76, 220, 267. 

Fig. 9. Schnitt durch die Porta decumana. 
37, 62, 65, 74, 220. 

Fig. 10. Porta principalis dextra, von außen 
gesehen. 62, 72, 77, 220, 267. 

Fig. 11. Rekonstruktion der Porta prin- 
cipalis dextra. 62, 73, 77, 78, 213, 220, 
240. 

Fig. 12. Porta principalis sinistra, von 
außen gesehen. 62, 72, 75, 78, 220, 267. 

Fig. 13. Porta praetoria, von innen ge- 
sehen. 62, 72, 79, 220, 267. 

Fig. 14. Wallgrabenprofile etc. des älteren 
Kastells. 47, 61, 62, 66, 83, 85, 86, 87, 240. 



Textabbildungen . 



xrn 



Fig. 15. Profile durch das Kastell. 62, 
83, 87, 174. 

Fig. 16. Die Reste des Praetorium. 62, 
92, 93, 220, 267. 

Fig. 17. Ein Keller der Bürgerlichen Nieder- 
lassung. 105, 112, 113, 114, 220, 267. 

Fig. 18. Die Reste der Villa. 105, 117, 
119, 220, 267. 

Fig. 19. Grundriß des Kaufhauses. 93, 
105, 109, 123, 124, 256. 

Fig. 19a. Römisches Brandgrab. 130,136, 
530. 

Fig. 20. Im Oberbau rekonstruierte Brun- 
nen der Canabae. 108, 112, 113, 114, 
149, 170. 

Fig. 21. Lage der Canabae und der zu- 
gehörigen Brunnen. 108, 112, 113, 114, 
125, 161, 167, 168, 169. 

Fig. 22. Der Oberbau der Brunnen. 160, 
161, 170, 171, 172, 173. 

Fig. 23. Brunnenrollen und -Eimer. 172, 
222, 434. - Nr. 1 und 2: 171; Nr. 3: 
173; Nr. 4: 171, 173; Nr. 5-7: 173, 
435. 

Fig. 24. Verblendziegel. 196, 197. — Nr. 14 
bis 16: 197. 

Fig. 25. Fußbodenplättchen. 197. 

Fig. 26. Heizkacheln. 199, 200, 247. — 
Nr. 2: 197, 291; Nr. 5: 199; Nr. 6: 
199, 296; Nr. 7: 295, 296, 297; Nr. 8: 
301; Nr. 11: 199, 295. 

Fig. 27. Werkzeuge zur Bearbeitung des 
Holzes. 205, 206. ~ Nr. 14: 207; 
Nr. 5-7: 206, 214; Nr. 8-11: 208; 
Nr. 12: 208; Nr. 13: 209. 

Fig. 28. Werkzeuge zur Bearbeitung des 
Holzes. 205, 209. — Nr. 1—5: 208 
Nr. 3: 569; Nr. 10 und 11: 208; Nr. 12 
208, 492; Nr. 17: 209; Nr. 18: 210 
Nr. 19: 209; Nr. 23-25: 213, 447 
Nr. 26: 208, 435; Nr. 28: 208; Nr. 29 
212; Nr. 30: 212, 346. 

Fig. 29. Werkzeuge zur Bearbeitung des 
Holzes. 205, 210, 213. — Nr. 1—3: 
216; Nr. 4-7: 214; Nr. 8 und 9: 214, 
215; Nr. 10-12: 214; Nr. 13 und 14: 
214, 215; Nr. 15-17: 215; Nr. 18-20: 
212; Nr. 21: 210, 214, 235; Nr. 22: 



210, 235, 495; Nr. 23 und 24: 214, 
215. 

Fig. 30. Holz Verbindungen (Zimmerar- 
beiten). 212, 213. — Nr. 1-4: 213; 
Nr. 5, 7 und 8: 213, 232; Nr. 9-12: 
213. 

Fig. 31. Holzprofile (Schreinerarbeiten). 
215. — Nr. 1-8: 215. 

Fig. 32. Maurerwerkzeuge. 205, 218, 227. — 
Nr. 1: 206; Nr. 2 und 3: 219. 446; 
Nr. 4: 219; Nr. 5-9: 210; Nr. 5: 219, 
239; Nr. 6-9, 10 und 11, 12—17: 
219; Nr. 18, 19-21: 227; Nr. 22: 197, 
225; Nr. 23: 212. 

Fig. 33. Mauer in unberührtem Zustande. 
220. 

Fig. 34. Steinhauerwerkzeuge. 205, 230. — 
Nr.l: 210, 230; Nr. 2: 230; Nr. 3-18: 
231; Nr. 5 und 6: 208; Nr. 8 und 9: 
414. 

Fig. 35. Schmiede-, Schlosser- und Klempner- 
werkzeuge. 205, 236, 237. — Nr. 1—5: 
237; Nr. 6-9: 238; Nr. 6-8: 532; 
Nr. 10-12: 239; Nr. 11: 532; Nr. 13: 
237, 239; 'Nr. 14-19: 239; Nr. 20-22: 
210, 239; Nr. 23: 239; Nr. 24 und 25: 
239, 532. 

Fig. 36. Offene Feuerstätten, Feuergeräte 
und Kochgeschirre. 242, 243, 244, 420. — 
I: 242; II— IV: 243; III: 245. Nr. 1 
243, 244; Nr. 2: 243, 441; Nr. 3-10 
244; Nr. 5, 6 und 9: 243; Nr. 11-15 
245; Nr. 13: 441. 

Fig. 37. Pfeilerhypokaustum in der Bürger- 
lichen Niederlassung. 249, 250, 251, 252, 
253, 254. 

Fig. 38. Kanal-Hypokaustum in der Bürger- 
lichen Niederlassung. 249, 255, 256. 

Fig. 39. Kombiniertes Pfeiler- und Kanal- 
Hypokaustum im Kastell. 249, 257, 258. 

Fig. 40. Bruchstücke von Inschriftsteinen. 
271, 283. — Nr. 1: 401; Nr. 1-4: 283; 
Nr. 5-11: 284; Nr. 12: 402. 

Fig. 41. Stempel einer Heizkachel. 271, 
286, 295. 

Fig. 42. Stempel der IV. Kohorte. 271, 
286, 291. - Nr. 1, 3 und 4: 292; Nr. 2: 
293. 



XIV 



Inhalt. 



Flg. 48. Stempel der VIII. Legion. 271, 
286, 294. — Nr. 1 und 2: 294. 

Flg. 44. Stempel der XXII. Legion. 271, 
28(5, üm. - Nr. l-H: 299; Nr. 4-13 a 
.100; Nr. 14 und 15: 310; Nr. 16: 302 
Nr. 17: 303; Nr. 18-20: 302: Nr. 21 
303; Nr. 22 a-c: 295; Nr. 23: 297 
Nr. 24: 308; Nr. 25 und 26: 309; Nr. 27 
299; Nr. 28: 297; Nr. 29: 302; Nr. 30 
299; Nr. 31: 302; Nr. 32: 301. 

Flg. 45. Rundstempel der XXII. Legion. 
271, 286, 806. - Nr. 1: 305; Nr. 2: 
306; Nr. 3: 308; Nr. 4: 191, 312; Nr. 5 
bis 8: 306; Nr. 9: 307; Nr. 10: 305; 
Nr. 11: 310; Nr. 12: 304, 532; Nr. 13: 
190, 307. 

Flg. 4«. Bandförmige Stempel. 271, 286, 
808. — Nr. 1—3: 307; Nr. 4 und 5: 
308. 

Flg. 47. Tt"»pferstemi>el und -Marken auf 
Terra sigillata. 271, 314, 315. — Nr. 1: 
319; Nr. 2: 320; Nr. 3: 323; Nr. 4: 
322; Nr. 5: 319; Nr. 6: 316; Nr. 7: 
325; Nr. 8: 318; Nr. 9: 314, 321; 
Nr. 10: 318; Nr. 12: 320; Nr. 13: 325; 
Nr. 14: 314, 325; Nr. 15: 324; Nr. 16: 
314, 318; Nr. 17: 321; a-e: 314; d: 
315; f: 315. 

Flg. 48. Graffite auf Terra sigillata. 271, 
332, 333, 886. — Nr. 1: 334; Nr. 2 
bis 17: 335; Nr. 18-29: 337; Nr. 20: 
310; Nr. 30-47: 338; Nr. 48 -61: 339. 

Fig. 49. Stempel auf Amphoren. 271, 840. 
- Nr. 1: 340, 341; Nr. 2: 340. 

Flg. 50. Graffite auf GefäGen von gewöhn- 
lichem Thon. 271, 342, 848. - Nr. 1 
und 2: 343; Nr. 3: 338, 343; Nr. 4 bis 
10: 344. 

Flg. 51. Brennstempel. 271, 848. - a: 
347, 348; aa: 348; b— e: 348. 

Fig. i>2. Bronzemünzen. 851. - Nr. 1: 372; 
Nr. 2: 373; Nr. 3: 376; Nr. 4: 385. 

Flg. 58. Silbermünzen. 865. - Nr. 1: 370; 
Nr. 2: 372; Nr. 3: 377; Nr. 4: 379; 
Nr. 5: 382; Nr. 6 und 7: 387; Nr. 8 
und 9: 388. 

Fig. 54. Hausaltarchen. 402, 403. — Nr. 1 
und 2: 403. 



Fig. 55. Darstellungen von Hausgottheiten. 

405. — Nr. 1: 405, 406; Nr. 2 und 3: 

406. 
Fig. 56. Amor und Psyche. 406. 
Fig. 57. Bronzestatuette eines Kaisers. 407, 

40M. 
Fig. 58. Plastische Arbeiten in Bronze. 407, 

409. - Nr. 1-3: 409. 
Fig. 59. Amphoren aus gewöhnlichem Thon. 

416, 419, 420. - Nr. 8: 420; Nr. 9: 

421; Nr. 10, 11 und 15: 420. 
Fig. 60. Töpfe, Schalen und Teller. 416, 

422. - Nr. 1: 422; Nr. 2-8: 423; 

Nr. 9-16: 424. 
Fig. 61. Gefilßdeckel mit plastischen Fi- 
guren. 416, 428. 
Fig. 62. Reibschale, an eiserner Kette 

hängend. 416, 424. 
Fig. 63. Geftiße, besonders Reibschalen, und 

ihre Profile. 416, 426. - Nr. 1: 423; 

Nr. 1-3: 426; Nr. 4-10: 424, 425; 

Nr. 4-27: 426; Nr. 5: 425, 426; Nr. 7: 

426; Nr. 10: 425. 
Fig. 64. Becherförmige Gefilße. 416,427.- 

Nr. 1, 3-5, 8-12: 427; Nr. 13-15, 

18-19: 428; Nr. 20-25: 427; Nr. 26 

und 27: 428. 
Fig. 65. Gefäße, Gesamtfund von 1894. 

416, 421, 422, 424, 430, 431, 432. 
Fig. 66. Geräte aus Holz. 432, 488. - 

Nr. 1: 433; Nr. 2: 434; Nr. 3-10: 435. 
Fig. 67. Teile von Flechtarbeiten. 486. 
Fig. 68. Hausgeräte. 437, 438. - Nr. 1 : 

442: Nr. 2: 441; Nr. 3: 442; Nr. 4: 

440; Nr. 5: 420; Nr. 6-10, 13-15: 

438; Nr. 16 und 17: 439. 
Fig. 69. Feld- und Gartengeräte. 443, 444. - 

Nr. 1: 443, 445; Nr. la: 443; Nr. 2: 

445; Nr. 3-8: 446; Nr. 9: 447; Nr. 10: 

439, 446; Nr. 11-24: 445. 
Fig. 70. Schreibtafeln und Schreibgriffel. 

449, 450. - Nr. 1 und 2: 450, 451; 

Nr. 3 und 6: 449; Nr. 7: 450; Nr. 8: 

449. 
Fig. 71. Verschiedene Gerätschaften. 452, 

453, 454. - Nr. 1: 441; Nr. 2 und 3: 

454; Nr. 4: 455; Nr. 5: 439, 455; Nr. 6: 

453; Nr. 7: 452, 462; Nr. 8: 495; Nr. 10 



Textabbildungen. 



XV 



und 11: 440; Nr. 12: 456, 550; Nr. 13 bis 
17 : 495 ; Nr. 16 : 503 ; Nr. 18 und 19 : 537. 

Fig. 72. Leuchter und Lampen. 460. — 
Nr. 1: 459, 461; Nr. 2: 459; Nr. 3-6: 
460; Nr. 7: 462; Nr. 8-19: 461; Nr. 11 
und 13-16: 462. 

Fig. 73. Schlösser und ihr Zubehör. 462 

464, 465, 480. - Nr. 1 und 2: 463 
465; Nr. 3-9: 465; Nr. 10: 466; Nr. 11 
466, 467; Nr. 12: 466,470; Nr. 13-20 
465; Nr. 20-23: 480; Nr. 21: 463 
465; Nr. 21-23: 465; Nr. 24-26 
467; Nr. 25: 468; Nr. 27 und 28: 480 
Nr. 29: 467, 468; Nr. 30: 472; Nr. 30 
bis 33: 467, 468, 470; Nr. 34-37: 468; 
Nr. 38: 467, 468; Nr. 39: 467. 

Fig. 74. Schlösser und ihr Zubehör. 462, 

465, 469, 480. -- Nr. 1: 470; Nr. 2 
und 3: 470, 471; Nr. 1—3: 469, 470, 
471; Nr. 4-6: 470; Nr. 7: 471, 474 
Nr. 7-11: 469, 471; Nr. 8 und 11 
471; Nr. 12: 470, 480; Nr. 13-16 
470; Nr. 12-20: 471. 

Fig. 75. Schlösser und ihr Zubehör. 462, 
465, 473, 479, 480. — Nr. 1-5: 472 
Nr. 6: 474, 476; Nr. 6—10: 472, 474 
Nr. 6-13: 472; Nr. 7 und 10: 474 
Nr. 11-15: 475; Nr. 16: 474; Nr. 17 
bis 36: 474; Nr. 18 und 21: 475; Nr. 37 
bis 69: 474; Nr. 43 und 44: 475; Nr. 70 
bis 72: 476; Nr. 73-75: 475; Nr. 76: 
472, 476, 480; Nr. 77: 472. 

Fig. 76. Schlösser und ihr Zubehör. 462, 
465, 476, 477, 478, 479, 480. ^ Nr. 1 
bis 4: 478; Nr. 1-6: 478, 479; Nr. 7 
bis 12: 478; Nr. 12: 478, 479, 480 
Nr. 13—17: 476, 478; Nr. 16: 478 
Nr. 18—20: 478; Nr. 21-23: 479 
Nr. 27: 479; Nr. 29, 31, 33 und 36 
478; Nr. 34-37: 479; Nr. 39 und 40 
480; Nr. 41: 471, 478; Nr. 42-46 
479; Nr. 48: 476; Nr. 49-56: 472. 

Fig. 77. AngriflFswaffen. 481, 484, 490. — 
Nr. 1 und 2: 489; Nr. 3: 484; Nr. 4: 
490; Nr. 5: 485; Nr. 6-14: 491; Nr. 16 
bis 23: 491; Nr. 27 und 28: 490; Nr. 30 
bis 38: 491; Nr. 37: 492; Nr. 40: 489; 
Nr. 41 und 42: 492; Nr. 44: 412. 



Fig. 78. Schwert- und Dolchscheidenbe- 
schläge. 481, 486. — Nr. 1 und 2: 487; 
Nr. 3 und 4: 486; Nr. 5—7: 485; Nr. 8: 
486; Nr. 9 und 10: 485; Nr. 11 und 
12: 486. 

Fig. 79. Schnallen, Besätze und Beschläge. 
481, 487, 488. — Nr. 1 und 2: 487; 
Nr. 4: 487, 508; Nr. 5: 508; Nr. 18 
und 19: 487, 488. 

Fig. 80. Lederarbeiten, vornehmlich Schuhe. 
492, 496. — Nr. 1: 497; Nr. 2 und 3: 
498; Nr. 4—8: 497, 498; Nr. 4, 5 und 
6-8: 498; Nr. 9: 499; Nr. 11: 493, 
499; Nr. 12: 495, 499; Nr. 13: 499. 

Fig. 81. Gewandnadeln mit Bügeln. 500, 
506. — Nr. 1: 506; Nr. 2 und 3: 505 
Nr. 5 und 6: 506; Nr. 7: 505; Nr. 8-10 
507; Nr. 11—13: 507, 520; Nr. 14: 507 
Nr. 15: 508. 

Fig. 82. Schnallenfibeln, Suastika und Rund- 
fibeln. 500, 507, 509, 519. — Nr. 3 und 
4: 509; Nr. 7: 508; Nr. 9: 507, 508; 
Nr. 17: 521. 

Fig. 83. Schnallen. 487, 500, 510, 519. — 
Nr. 1-11: 510; Nr. 10: 521. 

Fig. 84. Verschiedene Schmucksachen. 500, 
511. — Nr. 1: 511; Nr. 2-4: 512; Nr. 5: 
410, 512; Nr. 6: 513; Nr. 7: 511; Nr. 8: 
511, 513; Nr. 9: 511. 

Fig. 85. Gemmen und deren Siegelabdrücke. 
500, 616. - Nr. 1: 515; Nr. 2: 519 
Nr. 3: 515; Nr. 4: 515, 516; Nr. 5: 518 
Nr. 6: 517; Nr. 7: 518; Nr. 8 und 9 
517; Nr. 10 und 11: 519; Nr. 12: 518 
Nr. 13: 517; Nr. 14: 519. 

Fig. 86. Fuß der Bronzestatuette eines 
Pferdes. 522, 524, 525. 

Fig. 87. Hufeisen und Sporen. 522, 628. — 
Nr. 1—7: 534; Nr. 4: 535; Nr. 8 und 
9: 527, 529; Nr. 10—12: 529, 531 
Nr. 13: 530; Nr. 14: 525, 530; Nr. 15 
530, 531; Nr. 16: 531; Nr. 17: 530, 531 
Nr. 18: 525, 530; Nr. 19—23: 530 
Nr. 19-22: 531; Nr. 23: 524, 531 
Nr. 24—26: 530; Nr. 27 und 28: 531 
Nr. 29: 529, 531. 

Fig. 88. Blick in das Saalburg-Museum 
669, 561, 562. 



XVI 



Inhalt. 



III. Karte und Tafeln. 



Nicht alle Nummern der Tafeln sind 

oft nur die charakteristischen Stücke der 

deutung der übrigen ergiebt sich aus dem 

Karte der Saalburg und Umgegend. 28, 30, 
:J8, 12(5. 

Tafel I. Lage der Saalburg. Plan und 
Ansicht des Taunus. 17, 28, 80, 32, 
38, 40, G2, 105, 111, 126. 

Tafel II. Wachttürme am Pfahlgraben. 
Profile des Pfahlgrabens. 38, 43, 46. — 
Fig. I: 45; Fig. II: 44, 45, 232; Fig. III: 
40; Fig. V: 44, 232. 

Tafel III. Kastell Lochmühle mit Pfahl- 
graben. Ringwall Gickelsburg. 38, 
43. - Fig.I: 47; Fig. II: 17; Fig. III: 
18. 

Tafel IV. Kastell Saalburg. Grundriß. 61, 
62, 66, 72, 74, 82, 83, 88, 91, 93, 94, 
95, 96, 111, 174, 176, 225, 257, 258, 
259, 262, 263, 404, 405, 407, 442. 

Tafel V. Saalburg. Vogelperspektive. 62, 
89, 92, 117. 

Tafel VI. Grundrisse der Thore und äußere 
Ansicht der Porta decumana. 62, 73, 
75, 76. 

Tafel YII. Ami^hitheater, Brunnen und 
verschiedene Baureste im Kastell. 62. — 
Nr. 1: 157; Nr. 2 und 4: 156; Nr. 5 
bis 7: 90; Nr. 8: 91. 

Tafel VIII. Hypokausten und Bäder im 
Kastell. 62, 224, 249. — Nr. 1: 91, 
174, 262, 263; Nr. 2: 91, 262; Nr. 3: 
95, 259; Nr. 4: 96, 257; Nr. 5: 96, 
258; Nr. 6: 258; Nr. 7: 95, 225, 258. 

Tafel IX and X. Praetoi'ium, restauriert 
dargestellt. Querschnitte der Wall- 
mauern und Gräben. 62, 92, 213, 232, 
568. - Fig. I-III: 68; Fig. IV: 70; 
Fig. V: 231, 232; Fig. VI: 94, 232. 

Tafel XI. Baracken in der Praetentura, 
restauriert dargestellt. 62,213, 232. — 
Nr. 1: 89, 222, 232; Nr. 2: 89, 222, 
232, 242; Nr. 3-7: 222. 

Tafel XII, Ein römischer Legionär mit 
Pilum, Gladius, Helm und Schild. 100, 
481, 482, 484, 489. 



im Texte besonders hervorgehoben, sondern 

einzelnen Gruppen besprochen. Die Be- 
Zusammenhang. 

Tafel XIII. übersichtsplan der Saalburg 
und Umgebung. 30, 32, 35, 36, 37, 
38, 93, 105, 108, 109, 112, 117, 123, 
125, 126, 130, 131, 146, 148, 151, 152, 
155, 156, 167, 168, 174, 256, 405, 551, 
552, 565, 566, 567. 

Tafel XIV. Hypokaustenbau, Brunnen und 
Fundstücke aus denselben (Bürgerliche 
Niederlassung). 105, 249, 250. — Fig. I: 
125, 222, 254, 530; Fig. II: 153, 154, 
160, 161, 170; Fig. III: 160; Fig. IV: 
159; Fig. V und VI: 157; Fig. VI[: 
158, 425; Fig. VIII: 158, 171; Fig. IX: 
158; Fig. X: 161, 171, 207, 234; Fig. XI: 
171, 207, 234; Fig. XII: 160. 

Tafel XV. Villa vor dem Kastell. 105, 
109, 117, 118, 119, 120, 243, 249, 253, 
254, 255, 256. 

Tafel XVI. Keller in der Bürgerlichen 
Niederlassung. 105, 112, 113, 114, 
115. - Nr. 1: 113; Nr. 2: 117; Nr. 3: 
115; Nr. 4: 114. 

Tafel XVII. Hypokaustum vor dem Kastell. 
105, 109, 125, 224, 249, 250, 251. 

Tafel XVIII. Bauliche Details, Mauerver- 
bände und Kanalprofile. Nr. 1: 218, 
220, 266; Nr. la: 65, 76; Nr. 2 und 
3: 218, 220; Nr. 4 und 5: 221; Nr. 6: 
222, 254; Nr. 6a und 6b: 190; Nr. 7 
und 8: 175; Nr. 9: 122, 255; Nr. 10: 
175. 

Tafel XIX. Bauliehe Details. Ziegel, 
Heizungsröhren. 198, 199, 228, 247, 
249, 250. Nr. 1 und 2: 198, 228; 

Nr. 3: 120; Nr. 3-9: 198; Nr. 4: 198, 
228; Nr. 5-9: 228; Nr. 10: 144, 224, 
228, 252; Nr. 11: 224, 252. 

Tafel XX. Bauliche Details. Dachbe- 
deckungen. 198, 213. — Nr. 1: 142, 
235; Nr. 2: 199, 235; Nr. 3: 144, 228; 
Nr. 4: 144, 235. 

Tafel XXI. Bauliche Details. Profilierte 
Steine. 231, 400, 401, 402. — Nr. 1 



Karte und Tafeln. 



XVII 



bis 39: 231; Nr. 29, 30, 33 und 35: 

402; Nr. 40: 120, 230. 
Tafel XXII. Situationsplan der Gräber. 

130, 131, 137, 138, 139, 140, 141, 235. 
Tafel XXIII. Gräber. 130, 131, 135. — 

Fig. I: 137, 485; Fig. II— V: 136; 

Fig. VI: 138; Fig. VII: 136; Fig. VIII: 

136, 138. 
Tafel XXIV. Denksteine und Altäre. 271, 

400, 401. — Nr. 1: 278, 402, 438; 
Nr. 2: 137, 278, 402; Nr. 3: 278, 401, 
413; Nr. 4: 122, 141, 276, 401, 403; 
Nr. 5: 138, 141, 280, 401, 402; Nr. 7: 
280; Nr. 8: 272. 

Tafel XXV. Bildwerke aus Stein. 400, 

401, 404. — Nr. 1 und 2: 403; Nr. 3 
und 4: (404); Nr. 6: 75; Nr. 7: 75, 404. 

Tafel XXVI. Bildwerke aus Stein. 271, 
400, 401, 404. — Nr. 1: 403, 405; 
Nr. 2: 281, 403, 404; Nr. 3: 138, 404; 
Nr. 4: 404; Nr. 5 und 6: (404); Nr. 7: 
280, 403; Nr. 8: 403. 

Tafel XXVII. Schalen und Mühlsteine. 
413, 415. — Nr. 1—3: 415; Nr. 4 und 
6: 414; Nr. 7: 414, 415; Nr. 8 und 10: 
414; Nr. 11: 415. 

Tafel XXVIII. Gefäße (Thon). 416. — 
Nr. 1: 112, 340, 421; Nr. 2: 112, 340, 
421; Nr. 3-5: 138; Nr. 3-8: 135; 
Nr. 3-10: 419; Nr. 6: 431; Nr. 10: 
421; Nr. 11-14: 137, 461; Nr. 15 und 
16: 424; Nr. 17: 431; Nr. 18: 423; 
Nr. 19: 138, 423, 431; Nr. 20: 422; 
Nr. 21: 138, 423; Nr. 22: 431; Nr. 27 
bis 29: 423; Nr. 30: 426; Nr. 31 und 
32: 422; Nr. 33-35: 423. 

Tafel XXIX. Gefäße (TeiTa sigillata). 416, 
430. — Nr. 1: 314; Nr. 2: 338, 430; 
Nr. 4: 315, 430; Nr. 5: 315, 332, 430; 
Nr. 9: 137, 420, 431; Nr. 10: 420, 431; 
Nr. 11: 424, 431, 434; Nr. 12 und 13: 
314; Nr. 14: 138, 315, 430; Nr. 16: 315, 
324, 430; Nr. 17 und 18: 315; Nr. 17 
bis 19: 430, 431; Nr. 21: 461; Nr. 22 
und 23: 430; Nr. 24: 424, 431, 434; 
Nr. 25: 314; Nr. 26: 430; Nr. 27: 430, 
431; Nr. 28 und 29: 430; Nr. 30 und 
32: 431; Nr. 34-36: 461. 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 



Tafel XXX. Ornamente von Terra-sigillata- 
Gefäßen. 416. — Nr. 1 — 15: 430; Nr. 16 
bis 21: 431. 

Tafel XXXI. Bildliche Darstellungen auf 
Terra- sigillata- Gefäßen. 431. — Nr. 1, 
2 und 5: 431. 

Tafel XXXII. Waffen und Geräte (Stein 
und Thon). 227, 411, 4.53, 481, 483. — 
Nr. 1-20: 411; Nr. 5: 260, 412; Nr. 6: 
412; Nr. 7: 260, 412; Nr. 9: 412; Nr. 21 
bis 23: 456. 

Tafel XXXIII. Werkzeuge (Eisen). Nr. 2: 
347; Nr. 6: 75, 414; Nr. 7: 414; Nr. 10: 
495; Nr. 11—15: 206; Nr. 13: 439; 
Nr. 17: 207. 

Tafel XXXIV. Werkzeuge (Eisen). 239. — 
Nr. 1: 212, 346; Nr. 2 und 3: 212; 
Nr. 4: 238; Nr. 7: 147, 209; Nr. 8: 
210; Nr. 9: 209; Nr. 10-12: 235; Nr.l3: 
208, 214; Nr. 14: 210, 495; Nr. 15: 210, 
347, 495; Nr. 19 und 20: 208, 214; 
Nr. 21-25: 208; Nr. 26: 239; Nr. 27 
bis 34: 208. 

Tafel XXXV. Geräte und Werkzeuge 
(Eisen). 437, 443. — Nr. 1—3: 447; 
Nr. 4: 439, 446; Nr. 6-9: 219; Nr. 10: 
445; Nr. 11: 446; Nr. 12—14: 439. 

Tafel XXXVI. Schellen, Schnallen und Ge- 
räte (Eisen). 437, 522. — Nr. 1-7: 534; 
Nr.8-ll:509;Nr.l4— 17:440;Nr.l8: 
245; Nr. 19-24: 439; Nr. 27—29: 442; 
Nr. 30 und 31: 534. 

Tafel XXXVII. Messer (Eisen). 437, 438. -- 
Nr. 1: 438; Nr. 2: 402, 438; Nr. 3: 438, 
573; Nr. 4: 438; Nr. 5 und 6: 402, 438; 
Nr. 8: 438; Nr. 9: 89, 447; Nr. 12: 
235, 532; Nr. 13: 438, 495; Nr. 14: 
438; Nr. 15: 438, 495; Nr. 16: 438; 
Nr. 19: 75; Nr. 20: 438; Nr. 21—23: 
439; Nr. 24: 438, 439; Nr. 26: 438; 
Nr. 27: 495; Nr. 30: 438. 

Tafel XXXVIII. Waffen (Eisen). 481, 
490. — Nr. 1, 2, 4, 5 und 8: 491; Nr. 10: 
490, 491 ; Nr. 16, 19, 20-24: 491 ; Nr. 25: 
490; Nr. 26: 447, 490. 

Tafel XXXIX. Waffen (Eisen). 490. — 
Nr. 1: 137, 481, 484; Nr. 2-4: 485; 
Nr. 5-7: 489; Nr. 8-12: 491; Nr. 13: 

II 



XVIII 



Inhalt. 



489; Nr. 17: 492; Nr. 18: 491; Nr. 19: 

492; Nr. 21-28: 491; Nr. 29-31: 492. 
Tafel XXXX. Waffenteile und BeschlJlge 

(Eisen). 481. — Nr. 1: 402; Nr. 2 und 

3: 75, 484; Nr. 4-6: 490; Nr. 7: 449; 

Nr. 8-15: 490; Nr. 16, 17 und 19: 

485; Nr. 20 und 21: 484. 
Tafel XXXXI. Sjwren , Hufeisen und 

Trensen (Eisen). 522. — Nr. 1—7: 534; 

Nr. 4: 535; Nr. 8: 530; Nr. 9: 530, 531; 

Nr. 10: 529; Nr. 11: 531; Nr. 12: 530; 

Nr. 13: 449, 533; Nr. 14 und 15: 533; 

Nr. 16-18: 449, 533. 
Tafel XXXXII. Wagenbesehlilge (Eisen). 

Nr. 1 17: 448. 
Tafel XXXXIII. Nilgel, Klammern und 

Haken (Eisen). 232, 239, 437, 480. — 

Nr. 1: 212; Nr. 1-19: 240; Nr. 3, 4 und 

7: 228; Nr. 10: 213; Nr. 18: 212; Nr. 24: 

440; Nr. 25: 212; Nr. 29, 31, 33, 34, 42 

und 43-64: 240. 
Tafel XXXXIV. Schlüssel (Eisen und 

Bronze). 239, 240, 402, 474, 479, 480. — 

Nr. 1 und 2: 470; Nr. 5: 75, 471; Nr. 7 

bis 14: 260; Nr. 13: 477; Nr. 15: 128, 

479; Nr. 16: 477; Nr. 17: 477, 479; 

Nr. 18: 138, 477; Nr. 19: 479; Nr. 20 

bis 27: 479; Nr. 21-25 und 27: 478. 
Tafel XXXXV. Schloßteile und Thürbe- 

schUlge (Eisen und Bronze). 239, 240, 

462, 474, 480. - Nr. 6: 443; Nr. 9: 474; 

Nr. 10-19 : 472; Nr. 20 u. 21 : 475 ; Nr. 22 

bis 25 : 240 ; Nr. 26 : 241 ; Nr. 29 u. 31 : 240. 
Tafel XXXXVI. Werkzeuge, Gerilte, Waffen 

und Beschlilge (Eisen). 480. — Nr. 1: 

405, 442; Nr. 11: 459; Nr. 14-16: 241; 

Nr. 21 und 22: 240; Nr. 24: 491. 
Tafel XXXX VII. Eisenblöcke. Nr. 1—5: 

237. 251; Nr. 6: 238, 258; Nr. 6-7 a: 

5.'>4; Nr. 7: 238, 251. 
Tafel XXXXVIII. Gewandnadeln (Bronze). 

500. - Nr. 1: 503, 512; Nr. 2-5: 503; 

Nr. 6-9: 505; Nr. 10: 495, 503; Nr. 11 

bis 14: 505. 
Tafel XXXXIX. Gewandnadeln (Bronze). 

500, 504. — Nr. 3-5: 505; Nr. 6: 506; 

Nr. 7 : 504, 507; Nr. 8-11 : 505; Nr. 12 

bis 15: 505. 



Tafel L. Gewandnadeln (Bronze). 500. — 
Nr. 1-3: 507; Nr. 5: 505; Nr. 6 und 7: 
507; Nr. 8: 505; Nr. 9: 506; Nr. 10: 500, 
507; Nr. 11: 506; Nr. 12: 505; Nr. 14 
bis 16: 506; Nr. 16: 507. 

Tafel LI. Gewandnadeln (Bronze). 500, 
507. — Nr. 1-3 und 7: 508; Nr. 8: 509; 
Nr. 9: 507; Nr. 10 und 11: 508; Nr. 11 
bis 14: 507; Nr. 12-14: 333, 508. 

Tafel LH. Knöpfe (Bronze). 487, 500, 
534. - Nr. 1, 2, 4-13 und 18-23: 503. 

Tafel LIII. Doppelknöpfe (Bronze). 487, 
500, 534. — Nr. 1-9: 503; Nr. 10: 487, 
.^)03; Nr. 11—13: 503. 

Tafel LIV. Zierscheiben (Bronze). 487, 500, 
534. — Nr. 7: 536; Nr. 10: 508. 

Tafel LV. Phalerae und Scheidenbeschläge 
(Bronze). 481, 534. — Nr. 5—7: 585. 

Tafel LVI. Scheidenbeschläge (Bronze). 
481. — Nr. 1: 485; Nr. 2 und 3-5: 486; 
Nr. 7—12: 487. 

Tafel LVII. Henkel und Beschläge (Bronze). 
434. - Nr. 1-13: 434; Nr. 14: 434, 
487; Nr. 15—24 und 26-31: 434. 

Tafel LVIII. Gefäße und Lämpchen (Bronze). 
437. — Nr. 1-6: 441; Nr. 7-9: 460; 
Nr. 10: 461; Nr. 11:421. 

Tafel LIX. Geschirrbeschläge, Schellen und 
Schnallen (Bronze). 522. — Nr. 1—6: 533; 
Nr. 7: 534; Nr. 8: 162, 487, 488; Nr. 9: 
534; Nr. 10 und 11 : 533, 534; Nr. 12 bis 
18: 534; Nr. 18: 537; Nr. 19: 511, 534. 

Tafel LX. Helmteile, Waffen- und Messer- 
griffe (1-9 Bronze, 10 Eisen, 11—13 
Hörn). 437, 438, 481. - Nr. 1-5: 484; 
Nr. 6: 4.39; Nr. 7 13: 438; Nr. 7, 9, 10 
und 12: 485. 

Tafel LXI. Metallspiegel und Griffe (Bronze). 
438,4.53. — Nr. 1—11:455. 

Tafel LXII. Arztliche Instrumente (Bronze). 
437, 452, 453. - Nr. 1 und 2: 452; Nr. 3 
bis 6: 440; Nr. 6 und 7: 452; Nr. 8—11 : 
452, 455, 462; Nr. 12: 439, 452. 

Tafel LXIII. Figurale Gegenstände (Bronze). 
407. — Nr. 1 : 408, 481, 482 ; Nr. 2 u. 3 : 408. 

Tafel LXIV. Figurale Gegenstände (Bronze). 
407. — Nr. 1—4: 409; Nr. 5: 95, 409; 
Nr. 8: 64, 95, 407; Nr. 9: 64, 407. 



Karte und Tafeln. 



XIX 



Tafel LXV. Bruchstücke von Figuren und 
Oi'namenten (Bronze), 407. — Nr. 1 und 
2: 95, 408; Nr. 3: 95, 409; Nr. 5 und 6: 
409; Nr. 7: 95,407. 

Tafel LXYI. Schmucksachen (Gold, Silber, 
Bronze, Eisen, Glas). 500. — Nr. 1 : 497 ; 
Nr. 2: 512; Nr. 4: 346, 513; Nr. 5-10: 
511; Nr. 12: 538; Nr. 13: 51 2; Nr. 15 und 
16: 513; Nr. 17: 462; Nr. 18-21: 513. 

Tafel LXVII. Verschiedenes (Bronze). Nr. 1 : 
462; Nr. 3: 495, 538; Nr. 5: 439, 456; 
Nr. 9: 305; Nr. 12: 512. 

Tafel LXVIII. Schmelzschinuck. 500, 519.— 
Nr. 1 und 2 : 507, 520, 521 ; Nr. 3 und 4: 
521; Nr. 5-7: 520; Nr. 11 und 12: 521; 
Nr. 14: 520. 

Tafel LXIX. Schmelzschrauck. 500, 519. — 
Nr. 1 und 2: 507, 520; Nr. 3: 512; Nr. 4: 
520; Nr. 5: 512; Nr. 10: 512, 520; Nr. 11 : 
512, 520, 559; Nr. 17: 163, 521. 

Tafel LXX, Schreibgeräte (Bronze und 
Eisen). 449. — Nr. 1: 451; Nr. 2: 452; 
Nr. 3—10: 449; Nr. 4: 450; Nr. 10: 449. 

Tafel LXXI. Glassachen (Gefäße und Bruch- 
stücke von Fensterscheiben). 453, 456, 
457. — Nr. 1-3: 457; Nr. 4: 453, 455, 
457; Nr. 5: 457; Nr. 6: 453, 455, 457; 
Nr. 7: 457; Nr. 8: 453, 455, 457; Nr. 9 
bis 11: 457; Nr. 12: 457; Nr. 13: 350, 
457; Nr. 14 und 15: 457. 

Tafel LXXII. Schmuck, Knöpfe und Würfel 
(Elfenbein, Gagat und Bein). 453, 500. — 
Nr. 1 und 2: 503; Nr. 4 und 5: 502; 
Nr. 9 und 10: 538; Nr. 11-19: 453; 
Nr. 20—24: 513. 

Tafel LXXIII. Graffite auf Terra- sigillata- 
Gefäßen. 271, 332, 333. — Nr. 1: 333, 
508; Nr. 2: 333; Nr. 3: 304, 306, 333; 
Nr. 4-8: 333; Nr. 5: 508; Nr. 9—27: 
334; Nr. 28-30: 335. 

Tafel LXXIV. Graffite auf Ziegeln. 271, 
342. — Nr. 1 und 2: 312; Nr. 3: 342 
Nr. 4: 312; Nr. 5—11: 313; Nr. 12; 342 
Nr. 13: 313; Nr. 14-16: 342; Nr. 17 
343; Nr. 19: 313; Nr. 20—22: 343 
Nr. 23: 313. 

Tafel LXXY. Ziegelstempel (Leg. XXII. Pr, 
F.F.) 271, 286. — Nr. 1: 201, 295; Nr. 2; 



57, 201, 300; Nr. 3: 201, 295; Nr. 4 
201, 296; Nr. 5: 296; Nr. 6: 57, 201 
Nr. 7 und 8: 297; Nr. 9 und 10: 307 
Nr. 11—13: 301; Nr. 14: 302, 333. 

Tafel LXXVI. Ziegelstempel (Leg. XXII 
Pr. P. F.). 271, 286. — Nr. 1 : 297 ; Nr. 2 
301; Nr. 3-6: 297; Nr. 7 — 13: 298 
Nr. 14: 307; Nr. 15: 298; Nr. 16: 299 
Nr. 17: 299, 333; Nr. 18: 302; Nr. 19 
308; Nr. 20: 301; Nr. 21: 308; Nr. 22 
bis 26: 309; Nr. 27: 310; Nr. 28: 309. 

Tafel LXXYII. Ziegelstempel (Leg. XXII. 
Pr. P. F.). 271, 286. — Nr. 1—5: 303 
Nr. 6: 304; Nr. 7 und 8: 303; Nr. 9 
304, 532; Nr. 10: 304; Nr. 11: 304, 333 
Nr. 12 und 13: 304; Nr. Mund 15: 305 
Nr. 16: 304; Nr. 17 und 18: 305; Nr. 19 
303; Nr. 20: 310. 

Tafel LXXVIII. Ziegelstempel (Leg, XXII. 
Pr. P. F. und Leg. VIII. Aug.). 271, 
286. — Nr. 1: 298; Nr. 2: 301; Nr, 3: 
298; Nr. 4: 302, 333; Nr. 5: 298; Nr. 6: 
301; Nr. 7: 307; Nr.8: 305; Nr. 9: 307; 
Nr. 10: 298; Nr. 11: 125, 305; Nr. 12 
und 13: 299; Nr. 14: 301: Nr. 15: 293 
Nr. 16 und 17: 293; Nr. 18: 294; Nr. 19 
190, 294; Nr. 20: 57; Nr. 21 und 22 
294; Nr. 23: 57; Nr. 24: 294. 

Tafel LXXIX. Ziegelstempel (Coh. I. Fi. 
D., Coh. IL Raet., Coh. IUI. Vindel. und 
Privatziegler). 271, 286. — Nr. 1: 290 
Nr. 2: 191, 290; Nr. 4: 192, 291; Nr. 5 
291; Nr. 6: 201, 291; Nr. 7 und 8: 292 
Nr. 9-12: 291; Nr. 13 und 14: 292 
Nr. 15: 190, 201, 292; Nr. 16: 190, 292 
Nr. 17—19: 292; Nr. 20: 293; Nr. 22 
311; Nr. 23: 191, 312; Nr. 24 und 25 
311. 

Tafel LXXX, Gegenstände aus Holz und 
Leder. 443, 492. — Nr. 1: 161, 447; 
Nr, la, Ib, Ic: 448; Nr. 2: 160, 213; 
Nr. 3: 160, 239; Nr. 4: 162, 213, 434; 
Nr. 5: 162, 496, 497; Nr. 6: 160, 495, 
497; Nr, 7: 162, 497, 498; Nr, 8: 160, 
499; Nr. 9: 160, 497, 498; Nr. 10: 160, 
350, 494, 499; Nr. 11: 162, 163, 497, 
498; Nr. 12: 162, 499; Nr. 13: 160, 350, 
494, 497; Nr. 14: 162, 499; Nr. 15: 499, 

n* 



XX Inhalt. 



IV. Litteraturverzeichnis. 

Alberus, Erasmns, Das liuch von der Weisheit. Frankfurt a. M. 1550. 

Andrcae, Edgar, Geschichte der Jagd im Taunus. Frankfurt a. M., Selbstverlag, 1894. 

Bömncr, S. W., Über römische Bäder der alten und neuen Zeit, in: Allgemeine Bau- 
/eitung, 42. Jahrgang, Wien 1877. 

Baumeister, A., Denkmiller des klassischen Altertums. 8 Bilnde. München und 
Leipzig 1885-1889. 

Bahclon, Ernesf, Description historique et chronologique des monnaies de la republique 
Romaine. 2 Bünde. Paris et Londres 1885/86. 

Beck, Dr. L., Beitrüge zur Geschichte der Eisenindustrie, in: Nass. Annalen, 
Band XIV, 1877. 

Beck, Dr. Ludivig, Die Geschichte des Eisens in technischer und kulturgeschichtlicher 
Beziehung. Bd. 1—8. Braunschweig 1884 — 1896. 

Becker, Dr. J., Drei römische Votivhände aus den Rheinlanden, in: Frankfurter Neu- 
jahrsblatt 1862 (Neu Jahrs -Blatt, den Mitgliedern des Vereins für Geschichte und 
Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. dargebracht im Januar 1862). 

Becker, Prof. Dr. J., Römische Inschriften von der Saalburg, in: Nass. Annalen, 
Band XIII, 1874. 

Becker, J., Die römischen Inschriften und Steinskulpturen des Museums der Stadt 
Mainz. Mainz 1875. 

Bergan, li. Die mittelalterlichen Heiz Vorrichtungen im Ordens - Haupthause Marien - 
bürg, in: Zeitschrift für Bauwesen, 20. Jahrgang. Berlin 1870. 

Bericht, erster, über die vom Altertums vereine Kempten vorgenommenen Ausgrabungen 
römischer Baureste auf dem Lindenberge bei Kempten. Altertumsverein Kempten, 
1888. 

Blümner, Hugo, Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen 
und Römern. 4 Bände. Leipzig 1879—1887. 

Bonner Jahrbücher = Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rhein- 
lande. I— C, Bonn 1842-1896. 

Bade, Dr., Die Frage der Leichenverbrennung, in: Evangelisches Gemeindeblatt, 1886, 
Nr. 47 und 48. 

Bramhach, Guilelnins, Cori>us inscriptionum Rhenanarum. Elberfeld 1867. 

Burnouf, ^Imile, la Science des religions, 2. ed. Paris 1872. 

Centralhlatt der Bauverwaltung, herausgegeben im Ministerium der öiFentlichen Arbeiten. 
I.— XVII. Jahrgang, Berlin 1881—1897. 

Champagny, Graf, Die Antonine, 69—180 n. Chr. Deutsch bearbeitet von Dr. Eduard 
Doehler. Halle 1876. 

Cohausen, von, Ringwälle und ähnliche Anlagen im Taunus, in : Westermanns Monats- 
hefte. 11. Band, Braunschweig 1861/62. 

Cohausen, A. von, Beiträge zur Geschichte der Befestigung Frankfurts im Mittelalter, 
in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Band IV, 1869. 

Cohausen, August von. Römischer Schmelzschmuck, in : Nass. Annalen, Band XII, 1873, 

Cohausen, A. von, Die Schlösser und Schlüssel der Römer, in: Nass, Annalen, 
Band XIII, 1876. 

Cohausen, A. von. Der Aulofen in Seulberg und die Wölbtöpfe, in: Nass, Annalen, 
Band XIV, 1877. 



Litteraturverzeichnis. XXI 

Cohausen, A. von, Grabhügel an der unteren Nahe und dem Hunsrücken, in: Nass. 

Aunalen, Band XIV, 1877. 
Cohausen, A. von, Der Ursprung des Dorfes Glashütten im Taunus, in: Nass. 

Annalen, Band XIV, 1877. 
Cohausen, A. von, Das Spinnen und Weben bei den Alten, in: Nass. Annalen, 

Band XV, 1879. 
Cohausen, A. von, Wallbm-gen, in: Nass. Annalen, Band XVII, 1882. 
Cohausen, von, und Dr. Widmann, Wallburgen, in: Nass. Annalen, Band XVIII, 1883/84. 
Cohausen, A. von. Der römische Grenzwall in Deutschland. Wiesbaden 1884. 
Cohausen, A. von. Die Saalburg, in: Westermanns Monatshefte. 57. Band. Braun- 
schweig 1885. 
Cohausen, A. von, Die Mauerverbände an alten Bauwerken des llheinlandes, in : Zeit- 
schrift für Bauwesen, Band XXXVII (1887). 
Cohausen, A. von, und B. Florschütz, Urnenharz, in: Bonner Jahi-bücher, LXXXVI, 1888. 
Cohausen, A. von, und Jacobi, L., Römische Bauwerke, in: Nass. Annalen, Band XVII, 

1882. 
Cohausen, A. von, und Jacobi, L., Römische Bauwerke in der Nähe von Homburg, 

Frankfurt und Bergen, in: Nass. Annalen, Band XVIII, 1883/84. 
Cohausen, A. von, und Jacobi, L., Das Römerkastell Saalburg. Homburg vor der 

Höhe 1878, 1883, 1886, 1893. 
Cohausen, A. von, und Ernst Warner, Römische Steinbrüche auf dem Felsberg an der 

Bergstraße in historischer und technischer Beziehung. Darmstadt 1876. 
Cohen, Henry, Description historique des monnaies frappees sous l'empire romain. 

2. Auflage. 8 Bände. Paris et Londres 1880—1892. 
Dahm, 0., Das Pilum, in: Bonner Jahrbücher, XCVI und XCVII, 1895. 
Deutsche Bauzeitung, Ein amerikanisches Miethhaus, 1884, Nr. 78. (18. Jahrgang.) 

Berlin 1884. 
Biejfenbach , Dr. Philipp, Zur Urgeschichte der Wetterau, zugleich als Beitrag der 

Alterthumskunde, in: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde, Band IV, 

Darmstadt 1843. Auch als Sonderabdruck. 
Bieffenbach, G., Zusammenstellung der bisher in Friedberg aufgefundenen römischen 

Inschriften, in: Nass. Annalen, Band XIV, 1877. 
Billinger, Andreas, Katalog der Sammlung von Schlüsseln und Schlössern im Besitze 

des Herrn A. D. Wien, Selbstverlag, 1886. 
Borotv, Dr. W., Opferstätten und Grabhügel der Germanen und Römer am Rhein. 

Wiesbaden 1826. 
Bragendorf, Hans, Terra sigillata, in: Bonner Jahrbücher, XCV^I und XCIX, Bonn 

1895 und 1896. 
BuncJcer, Dr. Albert, Beiträge zur Erforschung und Geschichte des Pfahlgrabens, in: 

Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Neue Folge, 

VIII. Band. Kassel 1880. 
Burm, Dr. J., Die Baukunst der Etrusker und Römer, in : Handbuch der Architektur, 

II. Teil, Baustile: I. Abt, Die antike Baukunst, Band 2. Darmstadt 1885. 
Buruy, Victor, Geschichte des römischen Kaiserreiches, ins Deutsche übersetzt von 

Prof. Dr. Gustav Hertzberg. 5 Bände. Leipzig 1885—1889. 
Eich, Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. Bonn 18G7. 
Esperandieu, E., Recueil des cachets d'oculistes romains. Paris 1894. (Extr. de la 

Revue archeologique, III. Serie, t. 21 — 25.) 



XXII Inhalt. 

Fink, J., Der Vei*sehluß bei den Griechen und Römern. Regenshurg 1890. 

Fischer, F. C, The roinan Ciistellum Saalburg, by Col. A. v. Cohausen and L. Jacobi. 
Translated from the German by F. Ch. Fischer, mit einem Vorworte von Th. Hodgkin. 
Homburg v. d. H. 1882. 

Franherycr, Heinrich, Antike und frühmittelalterliche Fußbekleidungen aus Achmim- 
Panojx)lis. Düsseldorf 181>G. 

Geist-Jacohi, Dr., Geschichte der Zahnheilkunde. Tübingen 1896. 

Gerhard, Eduard, Archäologische Zeitung, 14. Jahrgang, Berlin 1856. 

Gerkcn, Philipp Wilhelm, Reisen durch Schwaben, Rayern etc. Worms 1788. 

Gcrniug, J. J. von, Die Lahn- und Maingegenden. Wiesbaden 1821. 

Grimm, Jakob, Über das Verbrennen der Leichen, in: Berichte der Berliner Akademie 
der Wissenschaften 1849. 

Grüber, F., Die Thonindustrie auf dem Gebiete des Bauwesens bei den Griechen und 
Römern, in: Vereinsblatt des Ziegler- und Kalkbrenner- Vereins, 1882. 

llnbcl , F. G., Über die Feldzeichen des römischen Heeres, insbesondere die der 
XXn. Legion, in: Nass. Annalen, Heft III, Wiesbaden 1837. 

Ifammeran, Dr. A., Urgeschichte von Frankfurt a. M. und der Taunusgegend. Frank- 
furt a. M. 1882. 

llammcran, Dr. A., Die Inschriften der Saalburg bei Homburg, in: Westdeutsche 
Zeitschrift, Band IV, 1885. 

Handchnann, II., Bericht zur Altertumskunde Schleswig-Holsteins. Kiel 1882. ■ 

Ilansselmann, Chr. F., Beweis wie weit der Römer Macht etc. Schwäbisch - Hall, 
gedi-uckt und verlegt von Johann Christoph Messerer, 1768. 

Ilanauisches Magazin, 5. und 6. Band, Hanau 1782, 1783. 

Ilauser, Alois, Römisches Militärbad in Deutsch -Altenburg, in: Mittheilungen der 
K. K. Central - Kommission z. Erf. u. Erh. d. Kunst- u. List. Denkmale, N. F. II. 
Wien 1876. S. 35 ff. 

Ilefner, Dr. Joseph von, Angaben über die Arbeiten Habeis, in: Münchener Zeitung, 
12. Dezember 1856. 

Ilefner, von, Die Westerndorfer Töpferei, in : Oberbayrisches Archiv für vaterländische 
Geschichte, 22. Band, München 1863. 

Ileierli, J., Vorrömische Gräber im Kanton Zürich, in: Anzeiger für Schweizerische 
Altertumskunde, XXI. Jahrgang, Zürich 1888. 

Heim und Velke, Dr. W., Die römische Rheinbrücke bei Mainz. Mainz 1887. 

Ilettner, Prof. Dr. Felix, Die römischen Steindenkmäler des Provinzialmuseums zu 
Trier mit Ausschluß der Neumagener Monumente. Mit einem Beitrag von Dr. Hans 
Lehner und 375 Textabbildungen von E. Eichler und P. Thomas. Trier, in Kom- 
mission der Fr. Lintz'schen Buchhandlung, 1893. 

Heitner, F., Zur römischen Keramik in Gallien und Germanien, in: Festschrift für 
Johannes verbeck, Leipzig 1893. 

Historie des Amtes Homburg, Chronik. Manuskript im städtischen Archiv zu Hom- 
burg vor der Höhe. 

Holder, Oskar, Die römischen Thongefäße der Altertumssapimlung in Rottweil. Stutt- 
gart 1889. 

(Iliisgen), Verrätherische Briefe über Historie und Kunst. Frankfurt am Mayn, bey 
den Eichenbergischen Erben, 1776. Anonym erschienen; das Vorwort zum II. Teil 
gleichen Titels ist «Hüsgen» gezeichnet. 

Ilultsch, F., Griechische und römische Metrologie. Berlin 1862. 



Litteraturverzeichnifi. XXIII 

Jacobi, L., Zur Geschichte der Mineralquellen, in: Dr. H. Wül, Der Kurort Homburg. 

Homburg v. d. H. 1881. 
Jacobi, L., Über Schornsteinanlagen und eine Badeeinrichtung im Frauenbad der 

Stabianer Thermen in Pomi)eji, in: F. von Duhn und L. Jacobi, Der griechische 

Tempel in Pompeji. Heidelberg 1890. 
Jacobi, L., Das heilige Grab in Homburg vor der Höhe. Homburg 1891. 
Jacobi, Ij., Grenzmai'kierungen am Limes, in: Westdeutsche Zeitschrift, Band XIV, 

1895. 
Jahn, 0., Darstellungen antiker Reliefis, welche sich aufs Handwerk beziehen, in : Bericht 

der phil.-hist. Klasse der Königl. Sachs. Gesellschaft der Wissenschaften. Leipzig 1861. 
Kaufmann, C. M., Altchristliches vom obergermanisch -rhaetischen Limes, in: Festschrift 

zum 1100jährigen Jubiläum des Deutschen CamiX) Santo zu Rom, unter Leitung von 

Dr. Stephan Ehses. Freiburg i. B. 1897. 
Keller, F., Die rote römische Töpferware. Heidelberg 1876. 
(Kirchner) Ansichten, Nachträge und Berichtigungen zu Kirchnei-s Geschichte der Stadt 

Frankfurt a. M. Zwei Theile. Frankfurt 1810. 
Klein, Joseph, Die kleineren inschriftlichen Denkmäler des Bonner Provinzialmuseums, 

in: Bonner Jahrbücher, LXXXIX, 1890. 
Knapp, J. F., Römische Denkmale des Odenwaldes, insbesondere der Grafschaft Erbach 

und Herrschaft Breuberg. 2. Auflage, Damistadt 1854. 
Koenen, Konstantin, Gefäßkunde der vorrömischen, römischen und fränkischen Zeit in 

den Rheinlanden. Bonn 1895. 
Kofier, F., Der Pfahlgraben und die Pfahlgi-abenkastelle in der Umgebung von Homburg, 

in: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, Homburg v. d. H. 

1877. I. Heft. 
Korrespondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine, 

1.— 45. Jahrgang, 1853—1897. 
Krieg von Hochfelden, G. IT., Geschichte der Müitärarchitektur in Deutschland. Stutt- 
gart 1859. Darin eine ausführliche Beschreibung der Saalburg (Seite 56 — 64). 
Limesblatt, Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission; redi- 
giert von F. Hettner und 0. von Sarwej. Trier. Erscheint seit 1892; bis April 

1897: 22 Nummern. 
Lindenschmit, Dr. lAidtcig, Die Alterthümer unserer heidnischen Voi-zeit. 4 Bände. 

Mainz, 1858 ff. ; nach seinem Tode fortgesetzt von dessen Sohne. 
Lindenschmit, Ludteig, Tracht und Bewaffnung des römischen Heeres während der 

Kaiserzeit, mit besonderer Berücksichtigung der rheinischen Denkmale und Fund- 
stücke. Braunschweig 1882. 
Lindenschmit, Dr. X., Die ältesten Formen der Hufeisen, in seinen: Die Alterthümer 

unserer heidnischen Vorzeit, IV. Band, 5. Heft, Text zu Tafel 28. Mainz 1889. 
Lindenschmit, L. (Sohn), Das Römisch- Germanische Centralmuseum. Mainz 1889. 
Lorente, B., Die Taube im Altertume. Programm des Gymnasiums zu Würzen. 1885. 
MüMer, Aug., Dr. med. (1832—1855), Manuskript: Aufeeichnungen über die Saalburg 

mit Zeichnungen des Kastells und verschiedener, jetzt fehlender Fundstücke von dort. 

Im Besitze des Verfassers. 
Marquardt, J., Das Privatleben der Römer. (Marquardt und Mommsen, Handbuch der 

römischen Alterthümer, VII, 1. 2.) Leipzig 1879. 
Matz, Friedr., Antike Bildwerke in Rom, herausgegeben von F. von Duhn, Bd. 1—3, 

Leipzig 1881/82. 



XXIV In»»aH. 

Mohr, Fr., Über die Heimat des Weinstockes, in: Westermanns Monatshefte, 16. Band. 
Hraunschweig 18G4. 

Mommsen, Theodor, Geschichte des römischen Münzwesens. Berlin, Weidmann, 1860. 

M&mmscn, Theodor, Römische Geschichte. Band V. 2. Auflage, Berlin 1885. 

JMommscn, Theodor. Der Begrift'des Limes, in: Westdeutsche Zeitschrift, Band XIII, 1894. 

Jlommscn, Th., und II. Jihlmner, Der Maximaltarif des Diocletian. Berlin 1893. 

Moirat, J. L. (r., A walk along the Teufelsmauer and Pfahlgraben. Oxford 1885. 

Muret-Chahouillet, Catalogue des monnaies gauloises de la biblioth^ue national, Paris 
1889, mit zugehörigem Atlas de monnaies gauloises, von Henri de la Tour, Paris 1892. 

Nass. Annalen = Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Ge- 
schichtsfoi-schung. Band I— XXVIII. Wiesbaden 1830-1896. 

Neuhof. Elias, Abgefaßte Briefe, Nachricht von zweyen gefundenen alten römischen 
Monumenten. Homburg v. d. H. 1747. 

Neuhof, Elias. Nachricht von den Alterthümern in der Gegend und auf dem Gebürge 
bey Homburg vor der Höhe, mitgetheilt und mit accuraten Zeichnungen versehen 
von E. N., Fürstlich Hessen - Homburgischen Regierungsrath. Hanau, Druck und 
Verlag des Ev. reform. Waisenhauses, 1777. — Erweiterte Auflage derselben Schrift, 
mit einer Karte, Homburg 1780. 

Neuhof, Elias, II. Schreiben an Herrn Pfarrer Christ in Rodheim, in: Hanauisches 
Magazin, 15. Stück, 1783. 

Nissen, IL, Pompejanische Studien, Leipzig 1877. 

Ohlenschlager, Friedrich, Der Name «Pfahl» als Bezeichnung der römischen Grenzlinie, 
in: Neue Heidelberger Jahrbücher, V, 1895. 

Orerheck-Mau, Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken. Dar- 
gestellt von Johannes Overbeck. 4. im Verein mit August Mau durchgearbeitete 
und vermehrte Auflage. Leipzig 1884. 

Plank, Dr., Die Feuerzeuge der Griechen und Römer, in: Programm des Karls-Gym- 
nasiums in Stuttgart, 1883/84. 

Popp, Karl, Der Pallisadenzaun am rätischen Limes, in : Westdeutsche Zeitschrift, 
Band XIII, 1894. 

Preuschcn-Liebenstein, von, Urkundenbuch des Limes imperii Romani, in: Korrespondenz- 
blatt des Gesamm.t Vereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine, 1856. 

Quilling, Dr. Fritz, Die Ausgrabungen des Vereins für das historische Museum zu 
Frankfurt auf dem christlichen Friedhofe zu Heddernheim im Winter 1891/92 und 
Sommer 1892, Herausgegeben von dem \'ereine für Geschichte und Altertumskunde. 
Frankfurt a. M. 1894. 

Quiquerez, Sur les forges primitives dans le Jura, in: Mitteilungen der antiquarischen 
Gesellschaft in Zürich, XVII (1871). 

üeliquorum Moeno Mogono adjacentium pars inferior. Moguntiae apud Nicolaum Per- 
son 1679 — 1694; mit einer Karte des Taunus. 

Hich, Anthony, Illustriertes Wörterbuch der römischen Alterthümer, deutsch von 
Dr. C. Müller. Leipzig 1862. 

Robert, Carl, Die homerischen Becher, in: 50, Programm zum Winckelmannsfeste der 
Archäologischen Gesellschaft zu Berlin, 1890, 

Rolle, Dr, Friedrich, Übersicht der geognostischen Verhältnisse von Homburg vor der 
Höhe und der Umgegend, Homburg vor der Höhe 1866, 

Bimer, Dr., Die römische Grenzbefestigung des Taunus, in: Archiv für Frankfurts 
Geschichte und Kunst. Frankfurt a. M., III. Heft 1844 und IV. Heft 1847. 



Litteraturverzeichnis. XXV 

jRoscher, W. H., Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. 

Leipzig 1890 if. Band 1 und 2 (erschienen in Lieferungen seit 1884); Band 3 noch 

im Erscheinen. 
Rössel, K., Das Pfahlgraben -Kastell Saalbui-g bei Homburg. Wiesbaden 1871. 
Rössel, Dr. K., Die römische Grenzwehr im Taunus. Straßbui'g 1872. 
Rudorff, seine Beiträge zu: Die Schriften der Römischen Feldmesser, herausgegeben 

und erläutert von F. Blume, K. Lachmann und A. Rudorff. Berlin 1848 — 1852. 
Rueff, Dr. A., Zur Geschichte der Huf beschlagkunde. Programm der Kgl. Württemb. 

land- und forstwissenschaftlichen Akademie Hohenheim. Stuttgart 1864, Druck von 

Aug. Wöi'ner, vorm. J. G. Sprandel. 
Sarkophage, Die antiken, in: Die Grenzboten, Zeitschiift für Politik, Litteratur und 

Kunst, 49. Jahrgang, IL Vierteljahr, 1890, S. 555—564. 
Sarivey, 0. von, und F. Hettner, Der obergermanisch -rätische Limes des Römerreichs. 

L— IV. Lieferung, Heidelberg 1894—1896. 
Schaa ff hausen, H., Über den römischen Isisdienst am Rhein, in: Bonner Jahrbücher, 

LXXYI, 1883. 
Schaaff hausen, H., Hatten die Römer Hufeisen für ihre Pferde und Maultiere? in: 

Bonner Jahrbücher, LXXXIV, 1887. 
Scharff, Dr. F., Die Hohe Mark im Taunus, in : Archiv für Frankfurts Geschichte und 

Kunst, Neue Folge, IL Band. Frankfurt a. M. 1862. 
Scharff, J)y. F., Das Recht der Hohen Mark, in: Archiv für Frankfurts Geschichte 

und Kunst, Neue Folge, III. Band. Frankfurt a. M. 1865. 
Schliehen, A., Major a. D., Die Hufeisenfrage, in: Nass. Annalen, Band XX, 1888. 
Schlieben, A., Major a. D., Geschichte der Steigbügel, in: Nass. Annalen, Band XXIV, 1892. 
Schliemann, Dr. H., Trojanische Alterthümer. Leipzig 1874, in Commission bei 

F. A. Brockhaus. 
Schmidt, F. W., Lokaluntersuchungen über den Pfahlgraben, in: Nass. Annalen, 

Band IV, 1859. 
Schneider, Fr., Die Rheinbrücke zu Mainz ein Röraerbau, in: Korrespondenzblatt des 

Gesammt Vereins, 29. Jahrgang, Darmstadt 1881. 
Schoene, R., Quaestionum Pompeianarum specimen. Leipzig 1868. 
Schudt, G., Homburg und seine Umgebungen. Homburg v. d. H. 1854. 
Schuermans, M. H., Sigles figulins (epoque Romaine), Bruxelles 1867. (Extrait des 

Annales de TAcademie d'archeologie de Belgique, tome XXIII, 2. serie, tome III.) 
Schumacher, K., Beschreibung der Sammlung antiker Bronzen. Kai-lsruhe 1890. 
Schumacher, Zur römischen Keramik, in: Bonner Jahrbücher, C, 1896. 
Schicartz, K., Beiträge zur Geschichte des Nassauischen Alterthums -Vereins und bio- 
graphische Mittheilungen über dessen Gründer und Förderer (über Habel vergleiche 

Seite 186—387, über die Saalburg Seite 319—334), in: Nass. Annalen, Band XI, 

Wiesbaden 1871. 
Schicartz, Karl, Landgraf Friedrich V. von Hessen -Homburg und seine Familie. Rudol- 

stadt 1878. 
Steinmetz, G., Die römischen Glasspiegel in den Sammlungen des historischen Vereins 

zu Regensburg, in: Korrespondenzblatt des Gesammtvereins, 45. Jahrgang, 1897, Nr. 2. 
Stoeber, E., Die römischen Grundsteuervermessungen. München 1877. 
Suchier, Reinhard, Die römischen Münzen, Stempel, Inschriften und Graffite von Groß- 

Krotzenburg und der Umgegend von Hanau, in: Zeitschrift des Vereins für hessische 

Geschichte und Landeskunde, Neue Folge, VIII. Supplement. Kassel 1882. 



XXVI Inhalt. 

Siichier, lieinhard, Weitere römische Münzen und Stempel aus der Nähe von Hanau. 
Festgabe zur Jahresvei-sammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landes- 
kunde zu Hanau 1885. Hanau 1885. 

Thomas. Chr. L., Untersuchung zweier Taunusringwälle. Frankfurt a. M. 1893. 

Thomas, Chr. L., Töpfereien in der Römerstadt bei Heddernheim, in : Archiv für Frank- 
furts Geschichte und Kunst, 1894. Auch als Sonderabdruck: Über römische Funde 
in Heddernheim I. Herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthums- 
kunde zu Frankfurt a. M. 1894. 

Thomas, Chr. L., Die Ringmauern auf dem Goldgruben- und Dalbesberge in der 
Hohen Mark, in: Westdeutsche Zeitschrift, XIV, 1895. 

Thudichum, F., Die Gau- und Markverfassung in Deutschland. Gießen 1860. 

Tischler, 0., Die Formen der Gewandnadel, in: Beiträge zur Anthropologie und Ur- 
geschichte Bayerns, IV. Band. München 1881. 

Tocilesco, Gr., Das Monument von Adamklissi (Tropaeum Trajani). Wien 1895. 

Ulrich, B., und A. Heizmann, Kataloge der Sammlung der antiquarischen Gesellschaft 
in Zürich. Zürich 1890. 

Urgangks- und Anssteinungsbuch der Stadt Homburg, umfassend die Zeit von 1472 
bis 1536. Manuskript im Stadtarchiv zu Homburg v. d. Höhe. 

Westdeutsche Zeitschrift = Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, I— XVI, 
Trier 1882-1897. 

Winckehnanns, Johann, sämtliche Werke. Von Joseph Eiselein; 12 Bände. Donau- 
eschingen 1825—1829. 

Wolf, General, Der römische Wall, in : Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine, 
Bd. 101, Berlin (Oktober -Dezember) 1896, S. 294-805. 

Wolff, Das Römerkastell und das Mithrasheiligtum zu Groß-Krotzenburg am Main, in: 
Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Neue Folge, 
VIII. Supplement. Kassel 1882. 

Wolff, Prof. Dr. Georg, Die römischen Ziegeleien bei Höchst a. M. und ihre Stempel, 
in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, III. Folge, III. Heft. Frankfurt 1893. 

Wörner, Ernst, Beiträge zur Würdigung der unter dem Namen Hinkelstein, Spindel- 
stein, Gollenstein, Lange Stein u. s. w. vorkommenden monolithischen Denkmale, in: 
KoiTesix)ndenzblatt des Gesammtvereins , 25. Jahrgang. Darmstadt 1877, Nr. 3, 
Seite 17 ff. und 1878, Nr. 1 und 2, S. 4 ff. 

Zangetneister, Eiserne Brennstempel aus dem obergermanischen Limesgebiet, in: West- 
deutsche Zeitschrift, 1892, Seite 306 ff. 

Zangemeister, K., Der obergermanisch - rätische Limes, in: Neue Heidelberger Jahr- 
bücher, V. (1895). 

Zeitschrift für Bauwesen, herausgegeben im Ministerium für öffentliche Arbeiten. 
L— XLVII. Jahrgang, Berlin 1851—1897. 



XXVII 



Berichtigungen und Zusätze. 



Seite 39, Anm. 57, Zeile 6 von oben lies «BuncJcer» statt «DimJcer». 

Seite 46, Zeile 4 von unten, lies «des Kaisers» statt «der Kaiser». 

Seite 75, Zeile 2 von unten, lies «Fig. 11» statt «Fig. 12». 

Zu Seite 93, Zeile 14 von oben, ist zu bemerken, daß die lateinische Bezeichnung für 
die bleibeschwerten Pfeile in den verschiedenen Handschriften von Vegetius' 
epUome rei militaris verschieden überliefert ist. Die Teubner'sche Textausgabe 
schi'eibt I. 17 matüoharhuli und notiert als andere Lesart martiobarhuli, die 
dem Bestreben entsprungen zu sein scheint, das Wort mit Mars etymologisch in 
Verbindung zu bringen*). 

Seite 124, Zeile 3 von oben, lies «R Q P» statt «E Q S». 

Seite 138, Zeile 11 von oben, ist am Ende ein 1 abgefallen. 

Seite 139, Zeile 12 von oben, ist am Ende ein Bindestrich abgefallen. 

Seite 161, Anmerkung 137, lies XIII. 2, C. 3. 

Seite 187, Zeile 13 von oben, lies «lateres» statt «lateri». 

Seite 228, Zeile 6 von unten, lies «Hauser» statt «Hansen» und tilge «Österr.». 

Seite 240, Zeile 5 von oben, ist auf ein Kapitel «Rekonstruktionen» hingewiesen worden. 
Die ursprüngliche Absicht, diese besonders zu behandeln, mußte aber aus prak- 
tischen Rücksichten aufgegeben werden, und die rekonstruierten Gebäude, Brunnen, 
Geräte, Schlösser u. s. w. gelangten an den jeweils geeignet erscheinenden Text- 
stellen zur Besprechung, Das deutsche Sachregister giebt unter «Rekonstruktionen» 
die erforderlichen Hinweise. 

Seite 260, Anmerkung 209, Zeile 1, sind unter «Lagerspionen» diejenigen zu verstehen, 
welche als «exploratores castrorum» den Platz des erforderlichen Marschlagers aus- 
zuwählen und vor Ankunft der Truppen Feuer anzumachen hatten. Man könnte 
sie als «Quartiermacher» oder als «Fouriere» bezeichnen. Analog diesen wird bei 
Siieton, Tiberius 60, ein «explorator viae» genannt, welcher der Sänfte des Kaisers 
vorauseilte, um den gewählten Weg auf seine Güte zu prüfen. 

Seite 264, Zeile 1 der Anmerkung, lies «Marqiiardt» statt «Marquard». 

Seite 283, Zeile 3 von oben, lies «nachstehenden» statt «vorstehenden». 

Seite 334, Nr. 26, ist der Name als Sacrillegus (Sacrilegus) zu lesen, obwohl der dritte 
Buchstabe ein G ist. 



*) Die Stelle bei Vegetius I. 17 lautet: Plumbatarum quoque exercitatio, quos mattio- 
barbulos vocant, est tradenda junioribus. Nam in Illyrico dudum duae legiones fuerunt, 
quae sena niilia militum habuerunt, quae, quod bis teils scienter utebantur, Mattiobarbuli 
vocabantur. 

II*** 



XXVIII Bericlitigungen und Zusätze. 

Die auf Seite 345 im zweiten und dritten Absätze erwähnten aufgemalten Inschriften 
befinden sich auf den Bechern Nr, 24 und 25 der Textfigur 64 (Seite 427). 

Seite 845, Abschnitt IV, Zeile 5 von oben, lies «erstere» statt «letztere». 

Seite 361, Zeile 11 und 10 von unten, lies «tribuniciae potestatis» statt «tribunicia 
potestate». 

Seite 409, 3. Absatz, Zeile 2, lies «Nr. 1» statt «Nr. 2». 

Seite 410, Zeile 10 von oben, ist eine Wiederholung unterlaufen. 

Seite 410, Zeile 2 der Anmerkung 254, lies <^Lindenschmit» statt <^ Lindenschmidt» . 

Seite 439, Zeile 8 von unten, sind die Worte «Löffel und» zu tilgen. 

Seite 441, Zeile 11 von unten, lies «Wagbalken, auf dessen lilngerem Arme sich ein Lauf- 
gewicht bewegt, während an dem kürzeren die Schale oder der Haken befestigt ist, 
an den der zu wiegende Gegenstand angehängt wird». 

Seite 486, Unterdrück der Fig. 78, lies «Schwert-» statt «Schwert». 



I. 

Vorbemerkungen 
und Geschichte der Ausgrabungen. 



Während Mler durch den Taunus ziehende Pfahlgraben in Grenz- 
beschreibungen ^) schon 792, 812, 977 u. s. w., dann in Grenzumgängen 
der Hohen-Markgenossenschaft^) des 15. und 16. Jahrhunderts urkundlich er- 



1) Urkundenbuch des Limes Iraperii Romani von Freiherrn von Preuschen-Li eben- 
stein, Korrespondenzblatt der deutschen Alterthumsvereine 1856, Seite 121 — 126 und 130—132. 

2) Da in der Folge die «Hohe Mark» noch öfters erwähnt wird, so möge hier schon 
eine kurze Erklärung dieser Bezeichnung Platz finden: Unter «Hohe Mark» verstand man 
den nordwestlich von Homburg gelegenen 4672 ha. großen "Wald (Taunus), der den Feld- 
berg und den Altkönig einschließt und sich bis zum Pfahlgraben erstreckt, welcher zugleich 
seine nördliche Grenze auf dem Kamme des Gebirges bildet. Östlich bezeichnet teilweise 
die von der Saalburg nach der Wetterau führende Römerstraße die Grenze ; auch an der 
Westseite ist wieder eine Römerstraße, der sog. Pflasterweg, der südwestlich hinter dem 
Altkönig nach dem Kastell Feldberg führt, teilweise als Grenze anzunehmen. Nach Süden 
endigt die «Hohe Mark» an den Feldmarken der davor liegenden wald berechtigten Ge- 
meinden. Sie hatte in älterer Zeit einen weit größeren Umfang, bevor aus ihr verschiedene 
Marken, so die Seulberger-, Köpperner-, Rodheimer- und Kronberger Mark, abgetrennt 
wurden. Die Bezeichnung «Höhe Mark», wie sie ursprünglich hieß, weist schon darauf 
hin, daß sie früher die ganze Höhe, den Taunus, umfaßt hat. Sie enthielt nur Wald und 
war Jahrhunderte lang Gemeingut der vor dem Taunus bis etwa zur Nidda angesessenen 
Märker; die Verwaltung wurde gemeinschaftlich nach einer besonderen Verordnung, dem 
«Märkergeding», das uns aus dem Jahre 1484 noch erhalten ist, geführt. Über dieser 
Märkergenossenschaft, die noch bei ihrer Auflösung und Teilung der Mark 1813 un- 
gefähr 40 umliegenden Städten, Dörfern, Höfen und Herrschaften gemeinschaftlich ge- 
hörte und bis dahin ihren Bewohnern — den Märkern — das Holz unentgeltlich lieferte, 
stand als Schirmherr ein «Oberster Waldbott» (Forestarius, Saltuarius) und zwar stets der- 
jenige, «welcher Homburg mit Recht inne hatte». — Früher bekleideten dieses Amt die 
Grafen von Eppenstein als Besitzer von Homburg und zuletzt von 1622 an die Landgrafen 
von Hessen-Homburg; schon 1192 wird Gottfried von Eppenstein als Inhaber des «Waldbod- 
Ambet» genannt. Es ist höchst wahrscheinlich, daß das Alter dieser Genossenschaft bis 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 1 



2 Vorbemerkungen. 

wähnt wird, Erastnus Alhcrus^) ihn um das Jahr 1550 besingt und eine 
Karte*) des 17. Jahrhunderts seinen Zug verzeichnet, wird der Name Saal- 
burg, soweit bis jetzt nacligewiesen werden konnte, zum erstenmal 1747 von 
Elias Neuhop) genannt. 

Auch in Kugenbüchern über Waldfrevel aus etwa derselben Zeit ist 
die Saalburg wiederholt angeführt. Bezeichnungen, die auf sie hinweisen, 
kommen allerdings schon früher vor; so wird in einem Weistum der Graf- 
schaft Alt-Weilnau aus dem Jahre 1482 eine Stelle am Pfahlgraben als 
Salne bezeichnet, die nichts Anderes als die Saalburg sein kann. Diese 
wichtige Urkunde, die gleichzeitig den Pfahlgraben und die beiden Römer- 
stätten Saalburg und Kapersburg nennt, heißt im Wortlaut: «Daruff haben 
die von Wierheim^) jren Wistumb gethan — also lutend Wir — wisen von — 
dem Stricker an dem wierheymer holtze offen biß an die salne, die salne 
offen bis uf den phale, den phale hinaben bis ane Philipps Möllne'), von 
derselben Mölne den phale hinußen biss ane die straißen die ghein den obern 
hane^) geht — und uf das letzte haben die von Obern -Roispache^) jren wis- 
tumb gethane und gewißen — von obern Roispach by der Karpeßerburgk^") 
jnn dem phalegrabenn ane, und fürte vonn dem phalcgraben ane, an den 
Straißheymer walte ußen — biß uff eyn Steyne light ane der Sangerspitzen, von 
demselben Steyne ane, von Steyne zu Steyne biß jnn den phalegraben. Mitten 
den phalegraben ußen biß ane die Karpesserburgk^^)». 

Wie hier die Salne, so wird in dem «Urgangks- und Aussteinungsbuch» 
der Stadt Homburg 1472—1536 ein Sahalgraben genannt; es heißt dort 
auf Seite 34: «Item der wegk von der breyden eychen Holn (Hohlweg) durch 
die Röder (Flurnamen für die Wiesen am Wald, der gerodeten Wald be- 
zeichnet) biß zu dem sahalgraben zu mitten durch die Röder soll 1 Rüden 
breyt sein auf und auf». 



über die Römerzeit hinaufreicht; die Vermutungen hierüber sind zwar nicht aus schrift- 
lichen Mark-Akten zu erhärten, da solche erst mit dem Jahre 1401 beginnen, doch kann 
es aus anderen Urkunden und Beobachtungen als sicher angenommen werden. Vergl. 
Dr. F.Scharff. «Die Hohe Mark im Taunus», und «Das Recht der Hohen Mark» — Archiv 
für Frankfurts Geschichte. Neue Folge. Bd. 2 und 3. Frankfurt a. M. 1862 und 1865; 
ferner «Die Gau- und Markverfassung in Deutschland» von F. Thudichum, Gießen 1860. 

3) Buch von der Weisheit. Frankfurt 1550, Seite 120. 

*) Reliquorum Moeno Mogono Adiacentium Pars inferior. Moguntiae apud Nicol. 
Person 1679—1694. 

^) Elias Neuhof, abgefaßte Briefe, Nachricht von zweyen gefundenen alten Römischen 
Monumenten. Homburg v. d. Höhe 1747. 

«) Wehrheim, Flecken im Kreis Usingen, S'/z km nördlich von der Saalburg. 

'') Vielleicht die zum ehemaligen Kloster Thron gehörige Mühle, doch wahrscheinlicher 
die nahe dabei dicht am Pfablgraben gelegene «Lochmühle». 

*) Obernhain, Dorf, 2 km nordwestlich von der Saalburg, jenseits des Pfahlgrabens. 

®) Obern-Roispach = Ober-Rosbach, hess. Dorf im Kreis Friedberg, 9 km östlich 
von der Saalburg, diesseits des Pfahlgrabens. 

•0) Karpesserburg = Kapersburg, Limeskastell im Oberrosbacher Wald. 

") Veröffentlicht in dem in Anmerkung 1 angeführten Urkundenbuch unter Nr. 14. 



Vorbemerkungen. 3 

Dieser Graben ist zweifellos mit dem durch den «Hammelhans» ^^) nach 
der Saalburg führenden Saalgraben identisch. Nimmt man an, daß der 
künstlich hergestellte Graben, der in seiner weiteren Verlängerung bis zum 
Kastell führt, seinen Namen der Saalburg entlehnt hat, so erscheint es wahr- 
scheinlich, daß die Römerstätte schon sehr früh diesen Namen führte, und 
daß das in ihm enthaltene Wort «Sabal» mit dem ursprünglichen Namen 
irgendwie in Zusammenhang steht; seine Bedeutung ist bis heute noch nicht 
erklärt. 

Daß über die Saalburg in alten Waldbeschreibungen nichts erwähnt 
wird, mag wohl teilweise darin seinen Grund haben, daß sie in einem Wald- 
teil der Hohen Mark lag, der für die Eigentümer kein besonderes Interesse 
bot, weil der Holzertrag durch die zahlreichen Mauerreste und Zusammen- 
stürze ein geringer war. Es ist sicherlich allmählich dort Wald entstanden, 
aber eine eigentliche Waldkultur wird in alter Zeit wohl kaum dort statt- 
gefunden haben'; es wäre dies für den Märker zu unbequem gewesen; auch 
lag ein Bedürfnis dazu nicht vor, besonders so lange die Bevölkerung, die 
an dem Wald ein Recht hatte, noch gering an Zahl war und genügend Holz 
zur Verfügung hatte. Auch andere Gründe mögen noch obgewaltet haben, 
daß in den Hohe-Mark-Akten, die wesentlich nur in Verfügungen über die 
Berechtigung in der Mark, AVeisungen, Grenzbeschreibungen, Streitigkeiten und 
Straferlassen bestehen, die Saalburg nicht genannt wird. Bei Grenzbestim- 
mungen kam sie ihrer seitlichen Lage wegen nicht in Betracht; der Pfahl- 
graben, der auch nach der Römerzeit die Grenze bildete, genügte hierfür, 
und auf ihn wird immer Bezug genommen. Bei späteren Teilungen 
wurden die meist gradHnigen Römerstraßen benutzt, welche kurzer Hand ohne 
besondere Beinamen als «Straßen», im Gegensatz zu den Schneisen und 
Wegen, bezeichnet werden. Es ist zu bedauern, daß uns kein schriftliches 
Material, welches sichere Anhaltspunkte bieten könnte, überliefert worden ist. 
Wir sind auf die Flurnamen und auf das, was sich von Mund zu Mund 
weiter gepflanzt hat, angewiesen; aber auch damit läßt sich für unsere Zwecke 
nicht viel anfangen, und wir müssen uns mit dem, was im vorigen Jahr- 
hundert niedergeschrieben wurde, begnügen. 

Die älteste Nachricht befindet sich in einer ungedruckten Chronik, deren 
Verfasser nicht genannt ist; sie führt die Aufschrift: «Historie des Amtes Hom- 
burg» ^^). Die auf die Saalburg bezügliche Stelle lautet: «In dem Wald, die Hohe 
Mark genannt, sind noch verschiedene alte Schlösser zu ersehen, die sogenannte 
Hunnenburg, die Saulburg (Saalburg) so ohnfern der Straße nach Wehr- 
heim lieget. Hier siebet man noch ordentlich die Gärten, so um das Schloß 
gegangen, wie auch forne, wie das offene Thor gewesen, die Linde so aber 



1^) «Hammelhans» bezeichnet den Walddistrikt, der an den nördlich von Dornholz- 
hausen gelegenen Röderwiesen beginnt und sich bis zur Saalburg hinzieht. 

^*) Diese Chronik ist, der Schrift nach zu schließen, auch kaum viel älter als die in 
Anmerkung 5 erwähnten ersten gedruckten Nachrichten von E. Neuliof; sie befindet sich 
in meinem Privatbesitz. 

1* 



4 Vorbemerkungen. 

dermalen als ein alter abgehauener Stumpf dastehet, wie man dann auch 
noch in neuen Zeiten das alte Mauerwerk sehen können, so aber dermalen 
weggebrochen und theils zum Schloß, theils zum französischen Kirchenbau 
und anderen Gebäuden nach Homburg geführet worden.» Der Verfasser der 
obigen Nachrichten glaubt, die Saalburg sei nicht von den Römern, sondern 
von den fränkischen Königen und Herzögen angelegt worden, bemerkt aber 
gleich dazu, »daß es vergebliche Arbeit sein dürfte, dies wirklich ausfündig 
und nahmhaft zu machen». Neuhof sagt dagegen schon 1747: «Die Saal- 
burg, so diesseit dem Polgraben lieget, ist ein viereckiger Platz, mit einem 
Graben umgeben und stellet uns eine Schantze der Römer für». 

Der Chronist, in dem wir einen Landgräflichen Beamten vermuten, be- 
stätigt uns indirekt, daß Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts 
von den Gebäuden noch viel Mauerwerk erhalten war, denn Schloß wie 
reformierte Kirche^*) haben viel Steinmaterial verschlungen. Abgesehen von 
diesen Mitteilungen wissen wir auch aus anderen verbürgten Nachrichten und 
Überlieferungen, daß außer dem Homburger Schloß und der französisch- 
reformierten Kirche auch die lutherische Stadtkirche (1697) und sonstige 
Bauten im 17. und 18. Jahrhundert aus jenem Material hergestellt wurden. 
Wenn wir bedenken, daß die Steine, welche zu den genannten Bauten ver- 
wendet wurden, von der Saalburg stammen — und wir haben keinen Grund 
daran zu zweifeln — , und w^enn wir uns vorstellen, daß dieses Material ohne 
jene gewaltsame Entfernung wohl jetzt noch als Mauerwerk erhalten wäre, 
so müssen wir unser lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß in einer 
Zeit, die uns noch verhältnismäßig nahe liegt, diese Baudenkmäler, die viele 
Jahrhunderte überdauert hatten, auf solche Weise der Zerstörung anheim- 
fielen. Es müssen jedenfalls, wenn man den großen Verbrauch von Steinen 
für diese Bauten in Rechnung zieht, bis zum Ende des 17. Jahrhunderts 
noch viele Massivbauten der Saalburg gestanden haben, denn man spricht 
von «weggebrochen >. Vom Anfange des 18. Jahrhunderts ab ist sie 
immer mehr als Steinbruch benutzt worden. NeuJiof bemerkt in seinem 
bereits angeführten Briefe von 1747 und in der Ergänzung dazu von 1780, 
daß zu Stollenbauten für das Fahrbornbergwerk (an der Chaussee Homburg- 
Saalburg) in den Jahren von 1721 — 1730 bereits Steine aus den Fundamenten 
der Mauern der «umliegenden Gebäude» gebrochen wurden'^); er sagt aber 
gleich dabei, daß «von der Mauer um die Saalburg nichts aufgebrochen 
worden», woraus hervorgeht, daß im Bereich der Bürgerlichen Niederlassung 
die hervorragenden Mauern verschwunden sein mußten ; sonst hätte man sich 
nicht der Mühe unterzogen, die Fundameute herauszubrechen. Daß damals 



1*) Das fürstliche Schloß wurde unter der Regierung des Landgrafen Friedrich mit 
dem silbernen Bein 1680, die in der Dorotheenstraße gelegene französisch-reformierte Kirche 
durch den Landgrafen Friedrich Jakob 1718 erbaut. 

'*) Bei diesem Steinholen wurde der an der Westseite des «Weißen Thurras» im 
Schloßhof zu Homburg eingemauerte Inschriftstein von Caracalla gefunden, vergl. Neuhof 
1747 und 1780 und den Abschnitt über die Inschriften. 



Vorbemerkungen. 5 

die Umfassungsmauern des Kastells, soweit sie nicht eingestürzt waren, vom 
Abbruch verschont wurden, wird dadurch bestätigt, daß der größte Teil der- 
selben bis zur Wallganghöhe jetzt noch erhalten ist. Nur an der südöst- 
lichen abgerundeten Ecke sind sie beim Chausseebau 1816 teilweise sogar 
bis zur Fundamentsohle herausgerissen worden. Daß die übrigen Teile 
erhalten bheben, ist wohl dem Umstände zu verdanken, daß die beiden um 
das Kastell ziehenden, noch offenen Spitzgräben und die sonstigen Ver- 
tiefungen und Schutthaufen, von denen Neuhof erzählt, und die wir selbst 
noch sahen, die Zufuhr für Wagen verhindert und den Abbruch wesentlich 
erschwert haben. 

Es wurde bis jetzt immer angenommen, daß die Saalburg bereits im 
frühen Mittelalter größtenteils zerstört und das Steinmaterial zu dem Bau des 
in der Nähe, am nördlichen Abhänge des Taunus gelegenen, 1243 gegründeten 
Klosters Maria Thron (monasterium sanct. in throno St. Mariae) und zur Er- 
bauung überhöhischer Dörfer verwendet worden sei. Diese Ansicht wurde 
noch bestärkt, als sich beim vollständigen Abbruch des Klosters (1873) einige 
römische Ziegel der Coh, IUI Vind. fanden, die jedoch ebenso gut von dem 
viel näher gelegenen Zwischenkastell «Lochmühle» herrühren können. Dagegen 
spricht aber vor allem der Umstand, daß das Kloster und die in Betracht 
kommenden Orte jenseits des Pfahlgrabens, der uralten Grenze, welche auch 
die Marken schied, liegen. Wie streng die letzteren verwaltet und das Nutzungs- 
recht nur dem zugestanden wurde, der markberechtigt war^^), wissen wir aus 
dem reichen urkundlichen Material der Hohen Mark (vergl. Scharff, Anm. 2). 
Auch daß bei den Gründungen der Dörfer, die südlich vom Pfahlgraben 
liegen, die Bewohner, die am Marknutzen berechtigt waren, ihre Steine 
aus dem Gebiete der Saalburg geholt haben, ist durch nichts erwiesen. 
Sie nahmen wohl zuerst ihren Bedarf aus den zu jener Zeit noch vielfach 
vorhandenen Trümmern der römischen Massivbauten der Taunusebene, was 
sich auch bei den Ausgrabungen solcher Baureste sehr oft bestätigt. Das- 
selbe Material — Taunusschiefer, große Bachkiesel und Basalt — , wie es an 
den römischen Bauten benutzt wurde, kommt an den älteflen Häusern der 
betreffenden Ortschaften vor. Nirgends jedoch finden wir die Quarzitsteine, 
wie sie an der Saalburg verbraucht wurden, bei den ältesten mittelalterlichen 
Anlagen verwendet; auch der alte Bergfried, der «Weiße Turm» ^^) im Schloß- 
hof zu Homburg, ist aus Material der näheren Umgebung errichtet. 

Wertvollere Nachrichten und sachgemäße Beschreibungen erhalten wir 
erst Ende des vorigen Jahrhunderts von dem vorerwähnten Regierungsrat 
Neuhof. Dieser war Anwalt der Hohen- und der Seulberger Mark, hatte 



Iß) 1549 und 1567 werden den «Jungfern zum Thron» ihre Gesuche um «eyniche ge- 
rechtigkeit in der Hohemark» wiederholt abgeschlagen, dagegen gestatteten die Köpperner 
Markgenossen schon 1454 den Äbtissinnen des Klosters Thron, Vieh auf den Wegen der 
Waldmark, d. h. diesseits des Pfahlgrabens, zu weiden, und zwar gegen alljährliche Über- 
lassung eines Ochsen. 

1') Der heute noch gut erhaltene «weiße Turm» wurde 1370 — 1400 erbaut. 



(y Vorbemerkungen. 

durch sein Amt vielfacli Gelegenheit, den nocli ungeteilten Taunus in seiner 
Urwüchsigkeit kennen zu lernen, und fand Freude und Gefallen an der Er- 
forschung der Altertümer. In seinen späteren Jahren widmete er sich ganz 
dem Studium der Saalburg, veranstaltete Ausgrabungen, legte eine Sammlung 
römischer Altertümer an und veröffentlichte seine Ergebnisse. Er schreibt 
darüber unter Anderem : «Ich gebe mich daher lieber mit den alten Römern 
ab, die wenigstens nichts übeles von mir nachreden können, wenn ich schon 
wegen meinen Untersuchungen bald für einen Schatzgräber, bald aber für 
einen Teufelsbanner von dem Poebel gehalten werde, davon ich gar lächer- 
liche Anmerkungen hier anbringen könnte». 

Neuhofs erste Schrift ^^) über die Saalburg erschien 1777, der bald im 
Jahre 1780 eine zweite ^^) folgte. Außer diesen und seinem im Jahre 1747 
veröffentlichten Brief über den dort gefundenen Inschriftstein des Kaisers 
Caracalla hat er über seine Ausgrabungen Mitteilungen in dem «Hanau'schen 
Magazin» von 1782 und 1783 in Briefform drucken lassen. In einem dieser 
Briefe erwähnt er seine Sammlung römischer Saalburgaltertümer und nimmt 
Bezug auf Zeichnungen, die er über seine Untersuchungen daselbst hat an- 
fertigen lassen. Er verspricht weitere Veröffentlichungen, «die, insofern mir 
die antiquarische Muse hold bleiben wird, bei Fortsetzung meiner Nachrichten 
in Kupfer gestochen, erscheinen sollen». Leider ist dies nicht geschehen; 
sein schriftlicher Nachlaß ging verloren, auch seine gesammelten und von 
ihm selbst an der Saalburg ausgegrabenen Altertümer^") wurden zerstreut; 
es gelaug nur, einzelne davon, die sich im Landgräflichen Schloß und in 
hiesigem Privatbesitz befanden, wieder zu erlangen und dem Saalburgmuseum 
einzuordnen. Zu bedauern bleibt hauptsächlich, daß von den vielen Bruchstücken 
von Steindenkmälern und Inschriften, die Neuhof erwähnt, nichts auf uns 
gekommen ist ; sie würden gewiß die von uns im Laufe der Zeit aufgefundenen 
weiteren Reste ergänzt haben. Der Besitz seiner schriftlichen Aufzeichnungen 
wäre insofern von großer Wichtigkeit gewesen, weil seit dieser Zeit an der 
Saalburg bedeutende Zerstörungen vorgekommen sind, besonders bei der An- 
lage der Homburg-Usinger Chaussee im Jahre 1816, welche die Bürgerliche 
Niederlassung in der Mitte durchschneidet und sie auf eine große Strecke 
vollständig verdeckt. Es bleibt dadurch für immer über manchen Teil des 
Ausgrabungsgebietes Vieles unbestimmbar und unentschieden. 



•8) «Nachricht von den Alterthömern in der Gegend und auf dem Gebürge bey 
Homburg vor der Höhe, mitgetheilt und mit accuraten Zeichnungen versehen von Elias 
Neuhof, Fürstlich Hessen-Homburgischen Regierungsrath. Hanau, Druck und Verlag des 
Ev. reform. Waisenhauses, 1777.» 

") In Homburg 1780 erschienen; sie führt denselben Titel. Dem Büchelchen ist 
eine Karte von dem «Höhegebirg» (Taunus) beigegeben, der Text erweitert und gegen die 
erste Auflage wesentlich ergänzt. 

*") Philipp Wilhelm Gerken sagt in «Reisen durch Schwaben, Bayern etc. — Worms 
1788» — darüber: «Überhaupt findet man bei dem Herrn Neuhof eine große Sammlung 
von allerlei römischen Sachen, die er in dieser Gegend ausgraben lassen, zum Beweis, daß 
hier die Römer ihre Hauptbeschützung gehabt haben». 



Vorbemerkungen. 7 

Neuhof war in der damaligen Zeit der Einzige, der selbständig und 
mit Verständnis über die Saalburg geschrieben hat. Seine oft irrigen Auf- 
fassungen sind zu verzeihen, denn es fehlten ihm die Vorarbeiten, die uns 
seit jener Zeit durch die vielfachen erfolgreichen Forschungen und Ent- 
deckungen auf dem Gebiete der Altertumskunde jetzt vorliegen. Seine kurzen, 
aber gewissenhaften Mitteilungen haben aber das Gute, daß sie heute noch 
— nach hundert Jahren — nicht veraltet sind, und daß wir uns darauf 
stützen können. Ich selbst habe es oft gethan und Manches, was längst 
äußerlich verschwunden und zerstört war, wieder — wenn auch in der Erde 
versteckt — aufgefunden und dadurch wertvolle Anhaltspunkte für das Ganze 
bekommen. 

Die hessischen Geschichtsschreiber und Lokalschriftsteller im Anfang 
dieses Jahrhunderts beziehen sich alle mit ihren Nachrichten auf Neuhof. 
Die späteren haben diesen wieder abgeschrieben; nur Gerhen und von Gerning^^) 
machen eine Ausnahme. Auch der mit Neuhof befreundete Hüsgen bringt 
in seinen «Verrätherischen Briefen über Historie und Kunst», Frankfurt a. M. 
1776, einige selbständige Notizen. Mit dem 1799 erfolgten Tode Neuhofs 
war wieder das Interesse für die Saalburg für die nächste Zeit erloschen, wozu 
auch die politischen Ereignisse, die für die Landgrafschaft Homburg für 
längere Zeit üble Folgen hatten, mitwirkten. Erst infolge der bei dem er- 
wähnten Chausseebau (1816) gemachten Funde wird wieder von ihr ge- 
sprochen. Aus einem damals über den Fund erstatteten Bericht wollen 
wir, da derselbe, soweit bekannt, nicht gedruckt ist, das Wesentliche hier 
wörtHch mitteilen: 

«Im September 1816, beim Anlegen der neuen Hochstraße nach Usingen, 
fanden die Arbeiter alte Ausbeute und ein Arbeiter traf mit seinem Werk- 
zeuge auf eine größtentheils mit silbernen Münzen — ungefähr 550 Stück — 
gefüllte Urne (vergl. den Abschnitt über die Münzen). Die ganze Masse war 
mit dem bekannten aerugo nobilis überzogen, und dadurch wie durch eine 
fett anzufühlende cementartig wirkende Erde zu einem Klumpen geballt. 
Durch die Heftigkeit des Schlags sprangen mehrere Münzen ab und wurden 
eine Beute der Arbeiter. Der beträchtlichste Theil — 462 an der Zahl — 
ward durch den Aufseher gerettet. In der Folge fand man bei diesem Straßen- 
bau in unbedeutender Tiefe auch ein bronzenes Kunstbild, von etwa 9 Zoll 
Höhe, das einen kleinen Ganymed darstellt, einen Amethisten, das Fragment 
einer Gewandspange, dessen Krystalle wie die Beeren einer Traube um eine 
Axe sitzen, die durchbohrt und mit einem Stifte versehen ist. Obgleich ab- 
gebrochen, besitzt dieser edle Stein noch eine Länge von 5 Zoll; einen Siegel- 
ring von dem feinsten Dukatengolde, mit einem Amethisten, auf welchem 
ein Centaur, der von einem Amor unter unverkennbarem Sträuben gefesselt 
wird, eingeschnitten ist und endUch ein Votivstein eines Kriegers namens 
Candidus. » 



2») /. J. von Gerning. Die Lahu- und Maingegenden. Wiesbaden 1821. 



3 Vorbemerkungen. 

Diese Altertümer wurden in dem Landgräflichen Schlosse untergebracht, 
sind aber leider bis auf den Votivaltar und einen Teil der Münzen, die sich 
jetzt im Saalburgmuseum befinden, verloren gegangen. Nach mündlichen 
ÜberUeferungen hätten die Landgrafen hohen Fürstlichkeiten, die bei ihnen 
zu Besuch weilten, gerne Andenken von der Saalburg mitgegeben; es ist 
daher nicht unmöglich, daß sich in irgend einem Schlosse oder fürstlichen 
Museum die fehlenden schönen und seltenen Gegenstände wieder finden. 
Auch an wissenschaftliche Körperschaften sind Altertümer von dort abgegeben 
worden. So hat kürzlich Dr. Henkel, Assistent am Großh. Museum in Darm- 
stadt, in dem Inventar der Sammlung des «Historischen Vereins für das 
Großherzogtura Hessen», die mit dem Großherzoglichen Museum jetzt vereint 
ist, eine Notiz gefunden, wonach von einem Homburger Landgrafen dem 
Historischen Vereine 23 römische Silbermünzen von der Saalburg geschenkt 
wurden. (Vergl. hierüber den Abschnitt über die Münzen.) 

Die neue Straße, die wohl einen bequemen Verkehr mit der überhöhischen 
Bevölkerung erschloß, hat für die Saalburg Verderben gebracht. Diese kam 
bei der Teilung der Hohen Mark an die Stadt Homburg, die, um dem ein- 
getretenen Bedürfnis für Baumaterial abzuhelfen, anstatt in ihrem Wald einen 
Steinbruch anzulegen, einfach die Römerstätte als solchen erklärte und die Er- 
laubnis erteilte, dort gegen Zahlung einer geringen Summe Steine zu holen. 
Mein Großvater von mütterlicher Seite hat in den Jahren 1816 — 1818 mehrere 
Häuser in der Obergasse zu Homburg aus solchen Steinen erbaut. Was 
noch aus früherer Zeit in der Bürgerlichen Niederlassung über dem Boden 
hervorstand, wurde abgebrochen und, wenn es nicht allzu umständlich war, 
selbst mit den Fundamenten herausgerissen. Auch die Gemeinde Friedrichsdorf, 
die bei der ebenfalls im Jahre 1813 erfolgten Teilung der Seulberger Mark 
in den Besitz von Wald kam, auf dem sich ein großer Teil der Bürgerlichen 
Niederlassung befindet, ließ die Mauern beseitigen, die kellerartigen Ver- 
tiefungen einebnen, sowie den massenhaften Brandschutt ausgleichen und 
vcrschaff'te sich auf diese Weise ein schönes Stück fruchtbaren Waldes. Leider 
ist auch hierdurch Vieles unwiederbringhch verloren gegangen, und wir sind 
für diesen Teil bei den Untersuchungen lediglich auf das, was tief im Boden 
steckt, angewiesen. Bald darauf begann man auch mit der Abtragung der 
damals noch 3 Meter hohen Mauern der Massivbauten im Kastell, die lange 
durch dickes Gesträuch geschützt und infolge der vielen Vertiefungen für 
Fuhrwerk schwer zugänglich waren. Zum Glück erhielten die Landgräflichen 
Behörden von diesem Vandalismus bald Kenntnis und erstatteten dem Land- 
grafen Friedrich Ludwig ^'-^j hiervon Anzeige. Derselbe veranlaßte sofort 
folgende Verordnung: «Da die Anzeige geschehen, daß sich mehrere Ein- 



*^) Landgraf Friedrich Ludwig, geb. 1748, gest. 1820, war ein hochgebildeter Herr, 
verkehrte mit den bedeutendsten Schriftstellern seiner Zeit, war selbst litterarisch thiltig 
und von seinen Zeitgenossen hochgeschätzt. Vergl. «Landgraf Friedrich V. von Hessen- 
Homburg und seine Familie von Karl Schwartz. Kudolstadt 1878». 



Geschichte der Ausgrabungen. 9 

wohner des hiesigen Amtes beigehen Keßen, Steine von den Mauern der Ruine 
an der Saalburg zum Chausseebau auszubrechen und wegzufahren, dieses aber 
auf höchsten Befehl nicht mehr geschehen soll, so wird hiermit bei 10 Thaler 
Strafe verboten, Steine von diesen Mauern auszubrechen oder dieselben zu 
ruinieren. 

Homburg v. d. Höhe, den 14. August 1818. 

Landgräfl. Hess. Justizamt. 
gez. Rodaug.» 

Dieser Verfügung, die soweit als möglich strenge gehandhabt wurde, 
ist es hauptsächlich zu verdanken, daß noch ein Teil der Mauern im Kastell 
und der direkt davorliegenden Bauten auf uns gekommen ist. Da jedoch 
solche Maßnahmen keine volle Garantie für die Zukunft boten, suchte Land- 
graf Friedrich Joseph ^^), der 1820 zur Regierung gelangte, um die jetzt noch 
übrig gebliebenen römischen Baureste dauernd schützen und erhalten zu 
können, den bei der Teilung der Hohen Mark im Jahre 1813 an die Stadt 
Homburg gefallenen Waldbezirk, worin die Saalburg liegt, in seinen Besitz 
zu bekommen. Der Verkauf kam am 27. April 1821 zu stände, und wurden 
für die 344 Homburger Morgen (= 6572 ha.) zusammen 6579 Gulden 
bezahlt.^*) 

Die Mauerreste wurden nun vor weiteren Zerstörungen böwahrt und 
überzogen sich allmählich wieder mit einer dichten Rasendecke; der 
größtenteils niedergelegte Wald wuchs auf dem mit Brandschutt gedüngten 
Boden wieder rasch empor, so daß in der Mitte dieses Jahrhunderts die 
Ruinen in einem fast undurchdringlichen Dickicht verborgen lagen und so 
den Blicken der Menschen entzogen waren. 

Während der nächsten 20 Jahre hören wir nichts von der Saalburg; 
1841 bat der Herzoglich Nassauische Regierungspräsident Moller den Land- 
grafen Philipp ^^), dem Nassauischen Verein für Altertumskunde zu gestatten, 
«den im Homburger Gebiet ziehenden Pfahlgraben durch den Archivar Hahel 
und einen Geometer vermessen, zu dürfen». Fast gleichzeitig stellte der Pfarrer 
Hanapi^el von Reifenberg ein Gesuch, nach römischen Antiquitäten am Pfahl- 
graben im Amte Homburg und auf der Saalburg forschen und graben zu 
dürfen. Beiden wurde in zuvorkommendster Weise die Erlaubnis erteilt. Auch 



23) Landgraf Friedrich Joseph, geb. 1769, gest. 1829, hat mit seiner Gemahlin, der 
Landgräfin Elisabeth, Tochter König Georgs III. von Großbritannien, für die Erhaltung der 
Altertümer in Homburg sehr viel gethan und manches alte Bauwerk vor dem Untergang 
gerettet. Vergl. K. Schimrtz (Anmerkung 22) und L. Jacobi, Das Heilige Grab in Hom- 
burg V. d. Höhe. 1891. 

^*) Im Jahre 1866 kam dieser Wald an den preußischen Staat, der seine Bewirt- 
schaftung 1873 der dem Kultusministerium unterstellten nassauischen Centralstudienfonds- 
verwaltung übertrug. 

25) Landgraf Philipp, geb. 1779, gest. 1846, war von 1821-1823 Gouverneur von 
Neapel, in welcher Stellung er ein großes Interesse für die Ausgrabungen in Pompeji an 
den Tag legte; seine dort gesammelten Altertümer wurden 1867 in Homburg versteigert 
und kamen in Privatbesitz. 



10 Geschichte der Ausgrabungen. 

wurde sclion 1838 dem Hofrat Steiner von Seligenstadt erlaubt, dort aus- 
zugraben. Jedoch machte weder Steiner noch Ilanappel Ausgrabungen; der 
Erstere gab der Kosten wegen sein Vorhaben wieder auf, und der Letztere 
beschränkte sich auf Ausgrabungen an dem in der Nähe Reifenbergs ge- 
legenen Kastell Feldberg^") und an der davor liegenden < Heiden kirche». Die 
von ihm dort gemachten Funde kamen nach seinem Tode in die Altertums- 
sammlung nach Wiesbaden. Fh. Dieffenhach war in dieser Zeit einer der 
Ersten, der in seiner «Urgeschichte der Wetterau» Darmstadt 1843 wieder 
auf die Saalburg hinwies. Im Jahi-e 1844 erschien in dem «Archiv für 
Frankfurts Geschichte und Kunst» von Dr. Römer sen. eine Abhandlung 
über die römische Grenzbefestigung des Taunus, in welcher auch über die 
Saalburg alles damals Bekannte kurz zusammengefaßt war. 

Nach mündlichen Überlieferungen sollen in früheren Jahrhunderten 
öfters Schatzgräber an der Saalburg ihr Wesen getrieben haben. Bei den 
Ausgrabungen fanden sich öfters Stellen, die schon durchwühlt waren; ob 
dies aber durch Schatzgräber, Bergleute oder bei dem Ausroden und der 
Waldkultur geschehen, bleibt dahingestellt. Interessant ist es immerhin, daß 
noch im Jahre 1851 ein Gesuch an den Landgrafen von Homburg gerichtet 
wurde, welches uns vorliegt, in dem gebeten wird, nach Schätzen auf der 
Saalburg graben zu dürfen. Daß dies abgeschlagen wurde, ist selbstredend 
und verständig gewesen; der ablehnende Bescheid, der für die damaligen 
Anschauungen bezeichnend ist, verdient hier festgelegt zu werden; er lautet 
wörtlich: «Ein solch' planloses Durchwühlen dieses geschichtlichen Bodens 
wäre nicht viel besser, als wenn man eine Heerde s. v. Schweine zu solchem 
Behuf verwenden würde und erklärt sich dieses Gesuch dadurch, daß der 
Eine Bittsteller im Rufe steht, Schatzgräber zu seyn, wegen dessen Er auch 
schon im Ausland in Untersuchung gestanden haben soll, er ist auch hier 
als ein Mann bekannt, der sich mit Hexerei befaßt und überhaupt dem 
blinden Aberglauben ergeben ist. Der Plan der Bittsteller ist daher auf 
Schatzgräberei und nicht auf Alterthumsforschung gerichtet und dürfte daher 
als gänzlich unstatthaft abzuschlagen seyn.» 

Um dieselbe Zeit, d. h. von 1847 — 1853, beschäftigten sich zwei junge 
Homburger, der früh verstorbene Dr. Aug. Mähler^'^) und der spätere Redak- 
teur des «Taunusboten» G. Schiidt^% recht eingehend mit der Saalburg; 
beide haben fleißig gesammelt und wertvolle Aufzeichnungen darüber ge- 



") Vergl. Limesblatt 1892, Nr. 1, S. 3. 

*'J Dr. med. Aug. Mäkler, geb. 1832, gest. 1855. Seine im Manuskript nachgelassenen 
Aufzeichnungen beweisen sein großes Verständnis für die Altertumskunde und für die 
vaterländische Geschichte; die beigegebenen schönen Zeichnungen der Saal bürg und ver- 
schiedener jetzt verschwundener Altertümer von dort (um das Jahr 1850 von ihm gefertigt) 
geben seiner Arbeit einen besonderen Wert. 

^*) G. Schuilt, geb. 1830, gest. 1890, hat in seinem Buche «Homburg und seine Um- 
gebungen» 1854, und in dem länger als 20 Jahre von ihm redigierten «Taunusboten» inter- 
essante Mitteilungen über die Saalburg zusammengestellt. Seine Sammlung von Altertümern 
hat er noch bei Lebzeiten dem Saalburgmuseum überwiesen. 



Geschichte der Ausgrabungen. H 

macht, die auch teilweise im Druck erschienen sind. Ihre Arbeiten beruhen 
zwar in der Hauptsache auf den Schriften von Neuhof. doch haben sie in 
ihren gewissenhaften Niederschriften Manches niedergelegt, was heute nicht 
mehr nachzuweisen wäre. 

Zu einer eigentlichen wissenschaftlichen Untersuchung kam es erst im 
Jahre 1853. Die erste Anregung dazu ging von dem Vorstande des Gesamt- 
vereins der deutschen Geschichts- und Altertums vereine aus, welcher 1852 
durch eine besondere «Kommission des Limes ßomanus» eine dahingehende 
Bitte an den Landgrafen stellte, die auch zur Folge hatte, daß am 17. Juni 
1853 dem Großherzoglich Mecklenburgischen Legationsrat Guido von Meyer 
«für sich und seine Mitbeth eiligten » die Durchforschung des Pfahlgrabens auf 
Hessen-Homburgischem Gebiete gerne gestattet wurde. 

Landgraf Ferdinand^^), der sich ernstlich mit derAltertumskundebeschäftigte, 
bezeugte ein reges Interesse für die Untersuchungen der römischen Überreste in 
seinem Lande und opferte seinen Wald an der Saalburg. Ich sage absichtlich 
«opferte», denn dem alten Herrn war es äußerst unsympathisch. Bäume ab- 
hauen zu lassen, und er würde, wenn nicht die Forstbehörde auf Durchhchtung 
der Wälder gedrungen hätte, denganzenHomburgerTaunus am liebsten unberührt 
gelassen haben. Das nötige Geld für die Ausgrabung wurde durch die 
Vermittlung der Landgräflichen Regierung von der Spielpachtgesellschaft ^°) 
in Homburg aufgebracht, welcher Guido von Meyer als Gegenleistung einen 
«Antiquarischen Wegweiser» in Aussicht stellte, ein Versprechen, das jedoch 
nicht erfüllt wurde. 

Die Leitung der Arbeiten erhielt der gelehrte und thätige Altertums- 
forscher Archivar HabeP^), welcher mit an der Spitze der 1852 berufenen 
«Kommission des Limes Romanus in Deutschland» stand. Er begann im 
August 1853 mit den Arbeiten und hat sie von da ab während der Sommer- 

2^) Landgraf Ferdinand, geb. 1783, gest. 1866, war der letzte regierende Fürst von 
Hessen-Homburg und der Letzte seines Stammes; er beschäftigte sich viel mit der römi- 
schen Geschichte seiner Heimat, worüber er selbständige Aufsätze schrieb. Die von ihm 
im Manuskript nachgelassene Abhandlung «Der Taunus» steht durchaus auf eigenen Füßen. 
Der Landgraf kommt darin durch sehr eingehende Vergleichung der alten Schriftsteller zu 
dem sehr richtigen, wenn auch noch nicht genugsam anerkannten Ergebnis, daß die römisch- 
germanischen Kriege bis in die Mitte des ersten Jahrhunderts fast ausschließHch zwischen 
dem Niederrhein und der Weser spielten und namentlich von Xanten ausgingen. Mit 
derselben Gründlichkeit sucht er nachzuweisen, daß der Pfahlgraben erst unter Hadrian 
errichtet sei. 

3") Die anonyme Gesellschaft der vereinigten Pachtungen des Kurhauses und der 
Mineralquellen zu Homburg v. d. Höhe, die unter der Direktion des Herrn Frangois Blanc 
von Paris stand, bewilligte zu den Ausgrabungen, Untersuchungen und den geometrischen 
Vermessungen von 1853 — 1858 den Betrag von rund 15000 Mk., die dem Archivar Habet 
durch Vermittlung der Landgräfl. Regierung direkt zur Verfügung gestellt wurden. Von 
1858 ab wurden für Ausgrabungen und den Bau des Försterhauses, der jetzigen Saalburg- 
Restauration, noch weitere 10000 Mk. von der genannten Gesellschaft gegeben. 

3») Friedrich Gustav Hahel, geb. 1792, gest. 1867; in den Annalen des Vereins für 
Nassauische Altertumskunde im 11. Band, 186—387, finden sich von K. Schtvartz aus- 
führliche Mitteilungen über sein Leben und auch über seine Forschungen an der Saalburg. 



12 Geschichte der Ausj^rabungen. 

monate bis zum Herbst 1862 fortgeführt. Diircli seine Untersucliiingen ist 
viel Neues und Wortvolles zu Tage gefördert worden; auf seine wichtigen 
Funde und Ergebnisse werde ich im Verlaufe meiner Mitteilungen noch 
manchmal zurückkommen. Ein zusammenhängendes Werk über dieselben hat 
er leider weder im Druck noch als Manuskript hinterlassen. Er war mit den 
Veröffentlichungen seiner Forschungen äußerst zurückhaltend; es sind mir nur 
zwei Arbeiten von ihm bekannt geworden, nämlich ein Bericht in dem «Corre- 
spondenzblatt des Gesammtvereins» (Jahrg. 1850, Seite 32), den er bei der 
Wandervcrsammlung in Hildesheim 1856 erstattete, und ein älnilicher Bericht 
über seine Ausgrabungen bis 1856 in Gerhards archäologischer Zeitung vom 
Jahre 1856. Über seine von 1856 bis zum Jahre 1862 weiter entfaltete Thätig- 
keit an der Saalburg ist nichts im Druck erschienen. Dagegen sind zwei 
Arbeiten nach seinen Mitteilungen und mit seiner Genehmigung gedruckt 
worden; die eine ist eine Abhandlung von Dr. Joseph von Hefner in der 
Münchener Zeitung vom 12. Dezember 1856; dieselbe erschien später auch 
als besondere Broschüre, der ein Plan des Kastells beigegeben war und 
die große Verbreitung fand; die andere ist eine ausführliche Beschreibung 
der Saalburg von G. H. Krieg von Hochfelden in seiner «Geschichte der 
Militärarchitektur in Deutschland». Beide Arbeiten stützen sich auf An- 
gaben Hahcls und haben heute noch Wert; sie dienten den zahlreichen 
Aufsätzen, die nach ihnen in den Zeitungen erschienen, öfters als Quellen. 

Habet beabsichtigte, ein größeres Werk über die Saalburg herauszugeben, 
und hatte dazu auch Vorbereitungen getroffen: ein Grundriß des Kastells 
und eine Lithographie von Fundstücken waren bereits gedruckt. Andere Ar- 
beiten und körperliche Leiden verhinderten aber den rührigen Mann, die 
Ergebnisse seiner Ausgrabungen zu sichten und zu ergänzen. Es ist dies 
um so mehr zu bedauern, als dadurch Manches von Bedeutung, das er 
selbst erforscht und im Gedächtnis hatte, verloren gegangen ist. Sein Neffe, 
der bekannte Limesforscher Kreisrichter W. Conrady in Miltenberg, dem der 
schriftliche Nachlaß zufiel, hat mir alle auf die Saalburg bezüglichen Notizen 
und Zeichnungen in der liebenswürdigsten Weise überlassen; ich werde sie, 
soweit es erforderlich erscheint, benutzen. 

Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die umfangreichen Vermessungen 
und Nivellements der Saalburg von dem Eisenbahningenieur K. Bothamel von 
Kassel, der 1856 bei der Projektierung der Homburg-Frankfurter Eisenbahn 
seinen Wohnsitz in Homburg hatte, in der uneigennützigsten Weise angefertigt 
wurden. Auch die von Hobel und Krieg von Hochfelden veröffentlichten 
Kastellgrundrisse rühren von ihm her. 

Von 1862 an ruhten die Ausgrabungen; nur die notwendigsten Her- 
stellungen, Instandhaltungen und Einwinterungen der freigelegten Baureste 
wurden durch die von dem Landgrafen Ferdinand eingesetzte «Saalburg- 
Kommission» ^*), welcher die Pachterträgnisse der vielbesuchten Saalburg- 

^*) Die Kommission bestand aus den Herren Kegierungsrat Biisdh, Polizeidirektor 
Schaffner und Forstmeister von Brandenstein. An Stelle des Letzteren, der nach Elsaß- 



Geschichte der Ausgrabungen. 13 

Wirtschaft zu Gebote standen, besorgt. Den von dieser Kommission ge- 
troffenen Maßnahmen ist es zu danken, daß das aufgegrabene, ohnehin nicht 
sehr gute Mauerwerk in der Zwischenzeit, ehe die wirklichen Erhaltungsarbeiten 
in den siebziger und achtziger Jahren zur Ausführung kamen, nicht voll- 
stcändig zerstört wurde. 

Hobel hatte bei seinen Ausgrabungen, die sich hauptsächhch nur auf 
Anlegung von Quergräben und einzelne Abräumungen in und direkt vor 
dem Kastell, sowie auf die Aufsuchung von Gräbern beschränkten, viel Glück. 
Mancher Inschriftstein und viele interessante Funde kamen zu Tage. Alle 
diese Gegenstände fanden im Landgräflichen Schlosse Aufstellung und wurden 
mit den in früheren Jahren gefundenen Altertümern zu einer Sammlung 
vereinigt, die in der Gelehrtenwelt Beachtung fand. JBrambach veröffentlichte 

1867 in dem «Corpus inscriptionum Rhenanarum» die damals vorhandenen 
Inschriften (Gap. XVIII, Nr. 1424—1431, Hassia Homburgensis). Mit dem 
Aussterben des Landgräflichen Hauses, am 24. März 1866, ging die Samm- 
lung in den Privatbesitz des Großherzogs Ludwig III. von Hessen-Darmstadt 
über, blieb aber auf den besonderen Wunsch des letzten Landgrafen (der 
auch in einem Vertrage Ausdruck fand), daß alle auf Homburg bezüglichen 
Sammlungen auch dort verbleiben sollten, im Landgräflichen Schlosse, Da 
aber infolge des Krieges von 1866 die Landgrafschaft Hessen-Homburg nach 
kaum hunderttägiger Regierung des Großherzogs von Hessen an Preußen fiel, 
war die Verpflichtung des Großherzogs erloschen, und die sämtlichen von 
ihm ererbten Möbel, Kunstsachen, Urkunden u. s. w., darunter auch die Saal- 
burgfundstücke, wurden nach Darmstadt in das Großherzogliche Palais über- 
geführt. Dem hochherzigen Entschluß des Großherzogs Ludwig IV. haben wir 
es zu danken, daß dieselben seit 1878 wieder in Homburg Aufstellung fanden. ^^) 

In den nach 1866 folgenden Jahren war wenig Interesse für die Saal- 
burg vorhanden, und die schönen Sammlungen waren bald vergessen, da in 
dieser Zeit die Stadt Homburg durch das in Aussicht genommene Aufhören 
der Spielbank vor einer ungewissen Zukunft stand; es mußten deshalb etwaige 
Wünsche für Ausgrabungen zurücktreten. Als aber Seine Majestät König 
Wilhelm I. von Preußen bei seinem ersten Besuch als Landesherr im August 

1868 sich für die Saalburg interessierte, eine Besichtigung derselben vor- 
nahm und bald darauf den Königl. Konservator Oberst von Cohausen mit 
den weiteren Untersuchungen betraute, die Erhaltung der Mauerreste des 
Kastells befahl und im Frühjahr 1870 Mittel zur Verfügung stellte, fand dies 
lebhaften Anklang in Homburg und hatte 1872 die Gründung eines «Saalburg- 
vereins» zur Folge. Der Verein, der bei der hiesigen Bevölkerung rege Unter- 
stützung fand, war bemüht, in Gemeinschaft mit dem Königl. Konservator, 
dem seit 1871 Baumeister Jacohi als Vertreter beigegeben wurde, die Arbeiten 



Lothringen versetzt wurde, trat 1871 der Oberförster Freiherr vofi Huene. Die Auflösung 
der Kommission erfolgte im Jahre 1872, nachdem die Ausgrabungen dem bereits 1871 zum 
Kgl. Konservator ernannten Obersten von Cohausen übertragen waren. — 
^^) Vergl. hierüber den Abschnitt «Museum». 



14 Geschichte der Ausgrabungen, 

thunlichst zu fördern. Vorerst sollte die Aufdeckung des Kastells und der 
dabei liegenden römischen Ansiedelung in Angriff genommen und dann die 
Gründung eines besonderen Museums für die Saalburgaltertüraer angestrebt 
werden. Über die Entstehung desselben und über die Wiedererlangung der 
nach Darmstadt verbrachten Fundstücke wird in dem Abschnitt «Museum» 
das Nähere mitgeteilt werden. Dem Saalburgverein flössen inzwischen reich- 
liche Mittel zu, die zu Ausgrabungen im Kastell und in der Bürgerlichen 
Niederlassung und zum Wiederaufbau des Gräberhauses verwendet wurden. 
Kurz vor der Inangriffnahme der Ausgrabungen und Erhaltungsarbeiten ver- 
öffentlichte der Königl, Staatsarchivar Dr. K. Bossel ein Schriftchen über die 
Saalburg ^^) mit Zeichnungen von August Steinhäußer und L. Jacobi. Die 
Arbeit, die sich teils auf die Untersuchungen von Hobel, teils auf eigene 
Forschungen des Verfassers stützt, enthält manches Wertvolle. Dieselbe Ab- 
handlung von Rössel, etwas umgearbeitet und ergänzt, erschien nach seinem, 
im Jahre 1872 erfolgten Tode in dem Werke «Die römische Grenz wehr im 
Taunus». In den Nass. Ann. Bd. XI, pag. 319 ff. hat K. Schwarte die bis 
1871 erschienene Saalburglitteratur besprochen und einige Mitteilungen über 
die bis dahin vorgenommenen Ausgrabungen gemacht. 1876 gab Fr. Koflcr 
einen Führer in englischer Sprache mit einem Übersichtsplane heraus. 
Hierauf folgte 1878 die Broschüre «Das Römercastell Saalburg» von A. v. Co- 
hausen und L. Jacobi, von der 1883, 1886 und 1893 weitere Auflagen er- 
schienen^^). Der zahlreiche Verkehr englischer Kurgäste in Homburg machte 
1882 eine englische Übersetzung derselben wünschenswert, die mein Freund 
F. C. Fischer in liebenswürdigster Weise besorgte; sie ist durch ein Vorwort 
von Th. Hodgkin aus Newcastle eingeleitet. Im Jahre 1884 erschien das für 
die Limesforschung grundlegende Werk «Der römische Grenzwall», von 
A. von Cohaiisen, in welchem die Bedeutung des Kastells Saalburg im Rahmen 
des Limes dargelegt ist, zum Teil mit Benutzung von Zeichnungen für das 
gegenwärtige Werk. Von demselben Verfasser findet sich auch ein Auf- 
satz in Westermanns Monatsheften, Jahrgang 1885, dem ebenfalls einige dieser 
Abbildungen beigegeben sind. 

Im Jahre 1872 ließ der damalige Direktor der Preußischen Kunstsamm- 
lungen, Graf Usedom, durch den Königl. Konservator von Cohausen und den 
Verfasser einige Ausgrabungen im Kastell vornehmen; die dabei gemachten 
Kleinfunde sind im Museum für Völkerkunde in Berlin aufgestellt worden. 

Die eigentlichen Erhaltungsarbeiten, über deren Methode an anderer 
Stelle zu sprechen sein wird, begannen im Jahre 1873 und wurden dank 
der unermüdlichen Thätigkeit und BehaiTÜchkeit des Obersten von Cohausen, 
mit einzelnen Unterbrechungen bis heute fortgeführt und werden, was die 
Erhaltung des Kastells betrifft, im Jahre 1896 zum Abschluß kommen. Wie 

") Dr. K. Rössel. Das Pfahlgraben-Castell Salburg. Wiesbaden 1871. 

'*) Ein Auszug aus demselben ist auf Veranlassung des Kultusministeriums in Form 
eines Flugblattes gedruckt worden zur Verteilung an die das Kastell besuchenden Schüler 
höherer Lehranstalten. 



Geschichte der Ausgrabungen. 15 

weit es noch möglich sein wird, die schon ausgegrabenen und jetzt noch 
der Zerstörung preisgegebenen Mauerreste in der Bürgerlichen Niederlassung 
dauernd zu erhalten, hängt von dem Wohlwollen der Königl. Staatsregierung 
ab. Hoffentlich ist es auch weiterhin möglich, im Interesse der Wissenschaft 
die Ausgrabungen in der angefangenen Weise weiter fortzusetzen und das 
Ausgegrabene für die Zukunft festzulegen. 

Von allgemeinem Interesse dürfte es noch sein, einige Zahlen über die 
Höhe der zu den Ausgrabungen und Erhaltungsarbeiten an der Saalburg 
ausgegebenen Mittel hier anzufügen, die zugleich einen Anhaltspunkt zur 
Beurteilung ähnlicher Arbeiten geben. Nach meinen Feststellungen beziffert 
sich die von 1853 — 1893 aufgewendete Gesamtsumme auf ungefähr 80000 Mk., 
und zwar wurde dieser ansehnliche Betrag folgendermaßen aufgebracht: 1) von 
der Kurhauspachtgesellschaft 25000 Mk., 2) von dem Saalburgverein 9300 Mk., 
3) von der preußischen Staatsregierung 34292 Mk. , 4) vom Kommunal- 
ständischen Verband des Regierungsbezirks Wiesbaden 4000 Mk., 5) von 
Privaten und sonstigen Vereinen 7500 Mk. Im Jahre 1894 wurden weiter 
von Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm II. aus dem Allerhöchsten Dispositions- 
fonds für 1894, 1895 und 1896 der Betrag von 7829 Mk. 88 Pfg. für Auf- 
deckuugs- und Erhaltungsarbeiten genehmigt, sowie von dem Kultusministerium 
für Ausbesserung von Mauerbreschen 300 Mk., wodurch sich der Staatsbeitrag 
auf die Summe von rund 42400 Mk. erhöht. Es würde uns zu weit führen, 
die Namen der Privaten, die in so uneigennütziger Weise das Unternehmen 
gefördert haben, einzeln aufzuführen; im Saalburgmuseum ist eine Tafel mit 
den Namen der Geschenkgeber angebracht, doch sei ihnen auch an dieser 
Stelle, ebenso den hohen Behörden und sonstigen Gönnern, der aufrichtigste 
Dank für die gewährte Unterstützung ausgesprochen. 

Die einzelnen Schriften, die über die Saalburg in besonderen Ausgaben 
erschienen sind, haben wir bereits oben erwähnt. Es erübrigt nur noch, auf 
die vielen Berichte und Abhandlungen, die in den Annalen für Nassauische 
Altertumskunde, dem Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, den 
Bonner Jahrbüchern, der Westdeutschen Zeitschrift und in den Tagesblättern 
erschienen sind, hinzuweisen. Von besonderem Wert in den genannten Zeit- 
schriften sind die Arbeiten von Prof. Dr. Jacob Becker und von Dr. A. Hammeran 
über die Saalburginschriften, die in dem Abschnitte über die Inschriften zur 
Geltung kommen werden. Außerdem finden sich Besprechungen der Saal- 
burg in fast allen Werken über den Limes und in denjenigen über die Ge- 
schichte der Taunusgegend. 

Zur Vervollständigung der Vorbemerkungen sei erwähnt, daß das 1859 
in der Nähe der Saalburg erbaute Wärterhaus zuerst dem Förster Bender, 
der mit der Aufsicht betraut war, als Wohnung diente, doch allmählich, um 
den Anforderungen der Touristen zu genügen, in eine regelrechte Wirtschaft 
umgewandelt und 1874 von der Königl. Regierung an die Stadt abgetreten 
wurde. Die Saalburg ist jetzt der besuchteste Punkt im diesseitigen Taunus. 
Anfänglich besorgte der Pächter der Wirtschaft die Obliegenheiten eines 



16 Geschichte der Ausgrabungen. 

Wärters und Führers und bezahlte deswegen einen geringen Pachtpreis; mit 
der Zeit füln'te jedoch diese Einrichtung zu UnzuträgHchkeiten und wurde des- 
halb 1884 dahin abgeändert, daß die Stadt Homburg einen besonderen Wärter, 
der unter dem Königl. Konservator oder dessen Stellvertreter steht, anstellte 
und ihm freie Wohnung in dem umgebauten Hinterhaus der Wirtschaft ge- 
währte, wo auch dem mit der Leitung der Ausgrabungen Beauftragten ein 
Zimmer zur Verfügung steht. Seit 1884 ist W. Burkhardt von Gonzenheim 
mit den Funktionen eines Wärters betraut; demselben ist auch seitens der 
Stadt Dienstland unterhalb des Kastells überwiesen. 

Seit 1892 sind die von dem Deutschen Reich angeordneten Limes- 
forschungen im Gange, und dem Verfasser ist die Untersuchung des durch den 
Taunus ziehenden Pfahlgrabens mit den daranliegenden Kastellen, Türmen, 
Hügeln u. s. w. übertragen. Die Grabungen in den Kastellen Feldberg, Alte- 
burg und Zugmantel haben bis jetzt schon Verschiedenes zu Tage gefördert, 
was manche Ergebnisse der früheren Saalburggrabungen erklärt und ergänzt. 



17 



n. 

Die Ringwälle. Die „Gickelsbui^g''. 

(Karte, Tafel I und III.) 



Obgleich die Ringwälle nicht in Verbindung mit der Saalburg stehen, 
wie von Einigen angenommen wird, und wohl auch nie damit in Zu- 
sammenhang standen, so halte ich es doch für geboten, die so häufig 
und in großartigem Umfange im Taunus vorkommenden Wallburgen hier 
kurz zu erwähnen und die dicht bei der Saalburg gelegene «Gickelsburg» 
etwas näher zu beschreiben. Es wird hierdurch gleichzeitig der Gegensatz 
einer regelrechten römischen Befestigung zu einer nichtrömischen hervor- 
gehoben. 

Ostlich vom Kastell liegt der «Fröhliche Mannskopf», an dessen Nord- 
abfall der Pfahlgraben zur Lochmühle hinzieht, und weiter 2000 Schritte 
vom Kastell «Lochmühle» entfernt ein zweiter Berggipfel, welchen ein alter Ring- 
wall — die «Gickelsburg»^^) genannt — einnimmt. (Tafel I und Tafel III, 
Fig. IL) Diese hat einen, von den uns beschäftigenden Anlagen ganz ver- 
schiedenen Charakter. Sie ist ein aus Steinen zusammengetragener Wall, der 
das Oval der Bergkuppe umzieht und da, wo dieser weniger steil ist — 
auf der Westseite — durch einen 2,60 m tiefen und 9 m breiten Graben 
verstärkt ist. Zwischen dem Graben und dem Steinwall liegt ein 7 m breites 
Vorland, das gleichfalls eine sanfte Wallerhöhung zeigt. Der RingWall hat 
165 m auf 220 m Durchmesser; das Profil ist oft kaum kenntlich, 5 — 10 m 
breit, manchmal von 1 m Höhe und manchmal nur handhoch. Bei der 
Durchgrabung ließ sich eine Schichtung oder sonstige Ordnung nicht er- 
kennen; hin und wieder zeigten sich Spuren von Kohlen und spärliche 
Scherben grober Thongefäße im Charakter der alten Hügelgräber, den man 
in Norddeutschland «Burgwallcharakter» genannt hat. Auch eine kleine Gold- 



'®) In dem Namen «Gickelsburg» — Glckel provinziell für Hahn — steckt derselbe Be- 
griff, der sich auch in anderen Bezeichnungen, wie Hühnerberg, Hinkelstein, Gluckenstein 
u. 8. w., wiederfindet. Solche Namen, über deren Bedeutung schon viel geschrieben ist, 
und die meist in Beziehung zu Heune, Hüne, Riese gebracht werden, gehen jedenfalls sehr 
weit zurück; vergl. Wönier, Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- 
und Alterthumsvereine 1877, Nr. 8, S. 17 ff., 1878, Nr. 1 und 2, S. 4 ff". 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 2 



lg Die Ringwälle. 

münze''), ein sogenanntes «Regenbogenschüsselchen», und das Bruchstück 
einer Bronzefibula sind dort gefunden worden. 

Daß dieser Wallring jetzt keine feste Umschließung, keine Sturmsicher- 
heit gewährt, sieht man auf den ersten Blick; wie er einst beschaffen war, 
und was er bedeutet hat, können wir an ihm allein nicht erkennen, sondern 
müssen ihn mit ähnlichen Anlagen zusammenstellen, deren der Taunus, 
wie wenig andere deutsche Gebirgsländer, eine große Anzahl birgt. Cäsar 
sagt von den gallischen Mauern, daß sie aus Steinen und Holz zusammen- 
gefügt waren, und wenn letzteres ihnen Zusammenhalt und Widerstandskraft 
gegen den Sturmbock gegeben, die Steine eine Brandlegung verhindert hätten. 
Man hat im südlichen Frankreich, im Departement du Lot (Congräs archeo- 
logique 1874, Taf. I — IV) solche Mauerreste gefunden, die genügten, die 
ganze Konstruktion mit Sicherheit nachzuweisen: ein Netzwerk schwerer 
Balken hielt in wagrechter Lage Schicht um Schicht des Mauerwerks zu- 
sammen. Die Kombinationen dieser Durchkreuzungen und Schichtungen 
waren mannigfacher Art. Nach den Darstellungen auf der Trajanssäule sind 
auch die Dacischen Vesten aus Mauern errichtet, welche ihren Verband, statt 
durch Lagerhaftigkeit der Steine und durch Mörtel, durch Hölzer empfingen, die 
schichten weise zwischen die Steine gelegt sind. Man sieht dort zwischen zwei, 
der Länge nach in der Mauer liegenden Balken oder Mauerlatten die runden 
Hirnenden der querliegenden, unbeschlagenen Hölzer, die sich wie das Orna- 
ment des Eierstabes ausnehmen; dann folgen unregelmäßig aufeinanderge- 
packte Steinblöcke, bis nach 2 oder 3 Fuß Höhe wieder eine Holzverankerung 
nötig erscheint, worauf die Mauer in genügender Höhe ihre Zinnenkroue er- 
hält und sich nun als eine sturmsichere und verteidigungsfähige Befestigung 
darstellt. (Tafel HI, Fig. UL) 

Man kann nicht behaupten, daß unsere Ring wälle so schmuck aus- 
gesehen haben, wie die Trajanssäule die Dacischen darstellt; statt der regel- 
mäßigen Lagen, der schön geordneten Mauerlatten aus Halbholz und der 
wohlgerichteten Rundhölzer zwischen ihnen mögen in Zeiten der Not auch 
Faschinen und allerlei Astholz zum Verband und zur Verankerung gedient, 
statt der gemauerten Zinnen solche aus Flechtwerk die Stärke und Ver- 
teidigungsfähigkeit erhöht haben, — immerhin aber war es derselbe Gedanke 
bei uns wie in Dacien und Gallien, welcher dem ungefügen Steinbrocken 
durch eingelegte Hölzer einen Verband gab, der sie zu steilen Wänden auf- 
zuführen gestattete. In der That besteht ganz in der Nähe, auf dem Alt- 
könig, der zu uns herüberschaut, der Kern der Steinwälle aus recht schlecht 



'') Diese Goldmünze wurde von Herrn Fabrikanten Foucar in Köppern gefunden, 
kam in den sechziger Jahren in den Besitz des verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen 
und soll sich jetzt im Museum zu Darmstadt befinden. (Sie ist dort unter den zahlreichen 
Münzen dieser Art, deren Katalog im Jahre 1895 von Sr. Exzellenz dem Herrn General 
Freiherrn von HiU/ers bearbeitet wurde, nicht vorhanden. Das Großh. Museum erhielt 
aus der ^lünzsammlung des verewigten Prinzen nur die hessischen Gepräge, der übrige 
Bestand gelangte in Frankfurt a. M. zur Versteigerung. Dr. Henkel.) 



Die Ringwälle. 19 

aufeinanclergesetzteii Trockenmauern, welche in regelmäßigen Entfernungen 
von je 1,50 m durch senkrechte Falze abgeteilt waren. In diesen Falzen 
standen, wie man annehmen muß, Pfosten, welche mit anderen, auf der 
entgegengesetzten Seite der Mauer in gleicher Weise aufgestellten Pfosten 
durch hölzerne Anker verbunden waren und die Mauer vor dem Auseinander- 
weichen bewahren sollten. Mag man an dieser Erklärung der Konstruktion 
keinen besondern Gefallen finden, so wird sich doch eine bessere auf die that- 
sächlichen Überreste der Mauern nicht wohl anwenden lassen. Mit der Zeit frei- 
lich mußte das Holz vermodern, der Bau zusammenstürzen und nichts hinter- 
lassen als einen Steinhaufen, wie wir ihn thatsächlich zur jetzigen Zeit an 
Ort und Stelle vorfinden, und aus dem wir den ursprünglichen Zustand hier 
im Geiste wieder aufgebaut haben. Doch nicht immer sind diese Stein-Holz- 
Mauern erst durch Vermoderung des Holzes eingestürzt ; wohl kann auch ein 
Angreifer sie durch Feuer in Asche zu legen versucht haben. Wenn dies 
gelang und die Gesteinsart sich dazu eignete, so entstanden dadurch jene 
Schlackenwälle, oder in den Steinwällen jene Schlackenpartien, welche schon 
seit lange in Schottland als «vitrified forts», in Böhmen und in der Lausitz, 
seit wenigen Jahren auch in unserer Gegend bei Kirnsulzbach an der Nahe, 
bei Medard a. Glan und in beschränkter Ausdehnung auch an den oben- 
genannten Ringwällen des Altkönigs gefunden worden sind^^). 

Man hat diese Ringwälle für Kultusstätten angesprochen, nach der be- 
liebten Manier, an Stelle eines Rätsels ein anderes zu setzen, auch als Ge- 
richts- oder Dingstätten, während doch der Wunsch, sich Leben und Gut 
durch Flucht, Verstecken oder Verteidigung zu erhalten, das erste und all- 
gemeinste Bestreben ist, welches der Mensch in Zeiten der Not kennt. Die 
Bewohner der fruchtbaren Mainebene flüchteten vor heranziehenden Raub- 
horden ihre Familie und fahrende Habe in das Versteck des Waldgebirges 
und bereiteten sich dort Asyle, von denen aus sie beobachten konnten, was 
der Feind begann und wohin er sich gewendet, und die sie, wenn es sein 
mußte, auch verteidigten. Daß diese Befestigungen eine mehr oder weniger 
rundliche Form haben, liegt in der Natur der Sache und der Berggestal- 
tungen; dies giebt ihnen keine andere Herkunft und keinen anderen Zweck 
als den anders gestalteter Befestigungen, die sich, begünstigt durch eine 
nach einer oder mehreren Seiten steil abfallende Bergform, nur auf gerade — 
den Berghals abschneidende — Gräben und Wälle beschränken durften. 

Die Taunusberge bilden nirgends nach drei Seiten hin steil abfallende 
Bergvorsprünge, bei denen es genügte, nur die schmale vierte Seite zu be- 
festigen. Fast alle Wallburgen des Taunus sind daher Ringwälle, zusammen- 
getragen aus den Trümmern einst aufragender Quarzitklippen. An der Spitze 
steht der großartige Doppel wall des Altkönigs mit seiner viereckigen, 
zum Thale hinabreichenden Nebenumwallung, einer Viehpferche; es folgen 
das Bürgel bei Falkenstein, der Hünerberg bei Cronberg, die Altenhöfe, 



3«) Vergl. Nassauer Annalen. XVIIJ, S. 208. 

2* 



20 1^'e kingWillle. 

die Goldgrube und der Bleibeskopf. Bei dieser letzten Wallburg baben 
die Erbauer die hervorragenden Felsklippen zur Umschließung ihrer Festung 
[)raktisch benutzt, die aus großen Steinen hergestellte Mauer daran angebaut 
und mit den Felsen zu einem Ganzen verbunden. Weiter nördlich an der 
Use liegt der Eichberg und die Cransberger Kapelle und weiter bei 
Butzbach der Hausberg mit seinen mehrfachen Steinkreisen und seiner 
prachtvollen Aussicht über die gesegnete Wetterau. — Immer sind es Be- 
festigungsanlagen, in welche die Bewohner flüchten konnten ; ob zu den 
Wällen Steine oder Erde benutzt wurden, ändert nichts an ihrem Zwecke. 
Zur Verteidigung des Landes, zur Besetzung der Grenzpässe ist keiner 
dieser Ringwälle erbaut; alle liegen abseits der alten Verkehrsstraßen und 
nur ein sehr alter Hohlweg, an dem entlang Hügelgräber liegen, führt von 
der Ebene, von Gonzenheim durch den Hardtwald zur Gickelsburg. Die Er- 
bauer oder Besitzer waren nur auf die eigene Sicherheit, nicht auf die Ver- 
wahrung der Landeseingänge bedacht. 

Auf die naheliegende Frage, ob diese Ringwälle in Beziehung zum 
Pfahlgraben stehen, müssen wir verneinend antworten, sie liegen außerhalb 
und innerhalb, nah und fern von ihm. Die «Gickelsburg» liegt 1500 m, 
der Eichberg 700 m, der Bleibeskopf 1600 m hinter, der Hausberg 1300 m 
vor dem Pfahlgraben, und zu seinen Füßen befindet sich ein kleines 
römisches KastelP^). Es ist aber undenkbar, daß dieses kleine Pfahlgraben- 
kastell angelegt werden oder sich halten konnte, wenn oben auf dem Haus- 
berge eine feindliche Volksansaramlung stattfand oder verteidigungsfähig vor- 
bereitet war. 

Als der Pfahlgraben und die Saalburg noch in römischem Besitz waren, 
hatte die einheimische Bevölkerung keine Veranlassung, sich einen Schutzort 
zu bereiten, denn sie war von der Römermacht beschützt, und einer feind- 
lichen Binnenbevölkerung würde man die Belegung der Gickelsburg nicht 
gestattet haben. Eine Zeit aber, wo jene Wallburgen ein Bedürfnis, ein 
rettendes Asyl wurden, war die, als die Römermacht zertrümmert war und 
die Barbaren in immer neuen Haufen den Pfahlgraben durchbrachen und 
dem Mainthale entlang sich in die Taunusebene ergossen. Und als die Ale- 
mannen von Süden heraufdrängend die Mainebene verheerten, — da war die 
Zeit gekommen, in welcher ihre Bewohner in die Wälder flüchten und in 
den Wallburgen sich verstecken und verteidigen mußten. Dies war aber 
nicht nur einmal notwendig, sondern wiederholte sich fort und fort, so oft 
Raubhorden über das Land hereinbrachen: die Zufluchtsorte wurden aufge- 
sucht in der Flucht vor den Schweden wie vor den Franzosen, bis in die 
neuere Zeit, woran die zuweilen gebräuchlichen Namen «Schwedenschanze» 
u. a. erinnern mögen. 

Bezüglich der Erbauungszeit der Ringwälle bleibt allerdings die Mög> 
lichkeit noch denkbar, daß diese Wallburgen schon lange vor Beginn der 



«») Vgl. Fr. Kofier, Limesblatt Nr. 9, Abschnitt 67. 



Die Ringwälle. 21 

Römerherrschaft in Deutschland angelegt, dann aber nicht mehr benutzt und 
vergessen waren, bis sie nach dem Zusammenbruch der römischen Macht 
und dem Aufhören des von ihr ausgehenden Schutzes wieder aufgesucht 
wurden. Und diese Möglichkeit wird zur Gewißheit erhoben, wenn wir die 
Fundstücke betrachten, welche die Untersuchung der Ringwälle zu Tage 
gefördert hat. Bruchstücke von Thongefäßen, die den aus den Hügelgräbern 
am Taunus entnommenen analog sind, sowie andere Kleinfunde deuten zweifellos 
auf jene frühe, vorgeschichtliche Zeit. 

Wesentlich verschieden von den Ring wällen^") sind jene Schanzen, die 
den Zug des Limes begleiten und sicher römischen Ursprungs sind. Wir 
finden solche bei der Saalburg in der Preußenschanze und in einer kleinen 
Umwallung bei der Lochmühle vor dem Limes, weiter im Eichelgarten und 
in der Rundschanze beim Kastell Zugmantel. Diese Schanzen sind durch 
einen Wall — oft in Verbindung mit einem versteinten Gräbchen — umschlos- 
sene Räume, deren Bedeutung noch nicht aufgeklärt ist. Ich habe sie mit 
unter die zur Grenzmarkierung gehörigen Punkte gerechnet und verweise 
auf Westdeutsche Zeitschrift, Jahrg. XIV, S. 170. 



*") Demjenigen, der sich über die Ringwälle im Taunus weiter unterrichten will, 
seien besonders empfohlen: 

1) von Cohausen, Ringwälle und ähnliche Anlagen im Taunus. Westermanns Monats- 
hefte. Braunschweig 1861. 

2) von Cohausen, Wallburgen. Nass. Annalen, Bd. XVII. 

3) von Cohausen und Dr. Widmann, Wallburgen. Nass. Annalen, Bd. XVIII. 

4) L. Chr. TJiomas, Untersuchung zweier Taunusringwälle. Frankfurt 1893. 

5) Derselbe, Die Ringmauern auf dem Goldgruben- und Dalbesberge in der Hohen 
Mark. Westdeutsche Zeitschr., Jahrg. XIV. 



m. 

Der Name „Saalbui^g". 



ys 



Toher rührt der Name «Saalburg», und was bedeutet er? — eine Frage, 
die nicht allein von denen, die sich eingehend mit der Saalburg be- 
schäftigen, sondern auch von denen, die sie flüchtig besuchen, gestellt wird. Eine 
befriedigende Antwort kann leider nicht gegeben werden. Vom ersten Tage 
an, seitdem man sich mit den Untersuchungen der Saalburg befaßte, hat 
man sich auch mit mehr oder weniger Phantasie abgemüht, aus den uns über- 
lieferten Flurbezeichnungen den römischen Namen derselben und seine Be- 
deutung herauszufinden. Wer aber weiß, welche Veränderungen alte Bezeich- 
nungen in Wald und Feld von den ältesten Zeiten bis zur heutigen durch- 
gemacht, wie mündUche und schriftliche Überlieferungen Vieles verdorben haben, 
und wie oft dabei ein merkwürdiger Zufall sein Spiel getrieben hat, wird die 
Schwierigkeit nicht verkennen, die sich jedem, der sich damit beschäftigt, 
entgegenstellen muß^^). Dieselben Schwierigkeiten zeigen sich bei der Erklärung 
des Namens «Saalburg». Wir haben schon in den Vorbemerkungen gesagt, 
daß es bis jetzt nicht gelungen ist, nachzuweisen, wie weit der Name zurück- 
geht, und daß wir uns damit begnügten, gefunden zu haben, daß im 15. Jahr- 
hundert die Bezeichnung «Salne* und im 16. Jahrhundert «Sahah vorkommt. 
Nach der letzteren Bezeichnung kann geschlossen werden, daß damals das 
Wort gedehnt ausgesprochen wurde und die Schreibweise mit zwei a, die aus 
dem vorigen Jahrhundert überliefert ist, sich darauf stützt. Auch Neiihof 
schrieb Saalburg, und abgesehen von Dr. Rössel, der Salburg schrieb, ist 
die Schreibweise mit doppeltem a von allen späteren Schriftstellern beibehalten 
worden, wovon abzugehen auch keinerlei Veranlassung vorliegt. 

*') Als ein treffendes Beispiel sei hier der südlich von der Saalburg gelegene Wald 
angeführt, der in alter Zeit sich noch weiter in die Ebene, nach dem Dorfe Kirdorf hin, 
ausdehnte, die «silva Lothari» — Lothars Wald. Die Kirdorfer (Kurmainzer Gemeinde) ver- 
darben den Namen in «Lazariuswald». Im Jahre 1586 wird durch die Märker in einem 
Grenzumgang zu Protokoll gegeben, daß die Kirdorfer die Waldflur «Lazarius» nennen, «der 
sonsten vermöge der alten Markbücher Sylva Lothary genannt worden», eine Beschwerde, 
die in einem weiteren GrenzumgangsprotokoU vom Jahre 1609 vergebens wiederholt wird. 
Der Name <.Sylva Lothary» ist bei der heutigen Bevölkerung vollständig verschwunden; die 
zu Feld gerodete Flur heißt jetzt «das Lazariusfeld», und nur diese Bezeichnung ist in die 
Karten und Flurbücher eingetragen. 



Der Name «Saalburg». 23 

Wir beschränken uns in dem Nachfolgenden darauf, die seit etwa 
hundert Jahren versuchten Erklärungen des Namens hier mitzuteilen: 

Gerhen^^) (S. 250, Anmerkung 42) sagt: «Das Wort Saal heißt in alter 
fränkischer deutscher Sprache Palatium; weil es ein römisches Schloß war, 
so gab man ihm einen deutschen Namen und nannte es Saalhurg. Dieser 
muß niemand befremden, weil Kennern bekannt ist, daß mehr Beispiele vor- 
kommen, wo uralte Namen verändert und lateinische Benennungen öfters 
einen ganzen deutschen Namen erhalten, oder auch in halb Deutsch und 
Lateinisch verdorben sind.» 

Gerning^^) sagt S. 24: «Unter Karl dem Großen ward sie (die Saalburg) 
mit ihrem Bezirk als fränkisch-austrasisches Erbstück vom Nachlasse der 
Römer ein Reichs- Erbgut^*), zur Domanial- Verwaltung oder Sala zu Ober- 
ursel gehörig, woher denn wohl der problematische Name S'aaZftwr^ entstand». 

K. Schwarte schreibt in den Nassauer Annalen Bd. 11, S. 328: «Man 
sagt, der Name rühre aus der Periode der fränkischen Könige her, welche hier 
auf den Trümmern und aus dem Material der alten Römerfeste ein Jagdschloß 
oder eine Villa erbaut haben sollen. Der Name würde dann nach der Ana- 
logie von salguot, salhof, sallant etc. herrschaftliche Burg, Herrenburg be- 
deuten. »^^) 

A. von Cohausen sagt: «Wenn die deutschen Völker, welche den groß- 
artigen Villenbau an der Saalburg zerstörten und wohl noch lange in seinen 



*2) Vergl. Anmerkung 20. 

'*•'') Vergl. Anmerkung 21. 

**) Immerhin möglich ist es, daß das Gebiet der Saalburg, das in der Franken- und 
Karolingerzeit sicherlich mit Wald bedeckt war, als Krongut unter der Oberhoheit des 
Reiches stand und vielleicht einem der Lothare zur Jagd diente, woher die Bezeichnung 
Silva Lothar! stammen mag, die, wie wir gesehen haben, noch im 16. Jahrhundert 
üblich gewesen ist. Es ist aus Urkunden des 9. Jahrhunderts bekannt, daß die in 
Frankfurt weilenden Kaiser im Taunus Hirschjagden abgehalten haben; von Ludwig 
dem Frommen wird 829 berichtet, daß er von seiner Villa in Frankfurt aus den Jagden 
obgelegen hat. Auch Lothar III. war nach einer Urkunde von 1128 im Besitze von 
Waldungen in der Maingegend. Von den Homburger Salzquellen, die von den Römern 
zur Salzbereitung benutzt wurden, wissen wir aus einer Urkunde von 817, daß sie im Be- 
sitze Ludwigs des Frommen waren. (Vergl. hierzu : L. Jacohi, Zur Geschichte der Mineral- 
quellen, Homburg v. d. H. 1881.) Ob aber damit der Name Saalburg in V^erbindung steht, 
ist fraglich. Wir wollen hier gleich bemerken, daß an der Saalburg bei den umfangreichen 
Grabungen Fundstücke aus der Frankenzeit nicht zu Tage kamen, und daß nach 
Allem, was bis jetzt festgestellt wurde, eine Benutzung derselben in nachrömischer Zeit 
ausgeschlossen ist. 

*^) In der Gemarkung Rodheim, 2 Stunden östlich von der Saalburg, befinden sich 
zwei Felder, genannt der «Salhof» und das «Kirchhofsfeld», letzteres an den Ortsringmauern. 
Der Salhof aber liegt gegen Rosbach hin, 100 Schritte von Rodheim entfernt. Dort stand 
thatsächlich ein Salhofgebäude, denn es heißt «am Salhof», «hinterm Salhof». Zwischen 
dem Salhof und dem Orte liegt der Distrikt «am Friedrich». Der Saalhof gehörte der Guts- 
herrschaft, das Kirchhofsfeld oder der Kirchhof der Kirche. Sal und Sei heißt gutsherrlich 
oder öffentlich — die Salhofe in den benachbarten wetterauischen Orten waren gutsherr- 
lich oder öffentlich. Die Gerichtsdiener hießen Salenhnechte. 



24 Dof Narae «Saalburg». 

Trümmern dastehen sahen, ihn eine Saala nannten, so mag von daher dem 
ganzen Ruinenfeld der Name «Saalburg» verblieben sein». 

Auch hat man versucht, das Wort von Sadel — Sattel — mit dem 
Hinweis darauf abzuleiten, daß das Saalburgplateau gewöhnlich als eine 
Einsattelung — ein Sattel im Zuge des Taunus — bezeichnet wird; und so 
könnte aus der «Burg auf dem Sattel» der Name Saalburg entstanden sein. 
Man behauptet, der Gebrauch des Wortes Saal, von <i Sadel» abgeleitet, sei 
als eines echt deutschen Wortes bei uns offenbar älter als das vom La- 
teinischen stannnende «Pfalz» und reiche mit seinem Ursprung bis ins tiefe 
Altertum zurück. (Nass. Annalen, Bd. 2, S. 3.) 

Meine bereits 1873 gegebene Erklärung, in dem Worte den Begriff Äa?, 
saal, sahal für Grenze anzunehmen und «Grenzburg» für Saalburg zu setzen, 
will ich noch anführen. Das Wort Sal bedeutet so viel als Grenze und Sal- 
band an gewebtem Stoff die Kante; ich verweise auch auf die «Saalbücher» 
des Mittelalters, in welchen die Gerechtsamen und Grenzen eingezeichnet 
wurden. Der römische Grenzwall — der Limes — war nicht allein Grenze 
in der Römerzeit, sondern ist es auch während des ganzen Mittelalters, ja 
sogar bis auf den heutigen Tag geblieben. Die Bezeichnung «Grenzburg» 
würde einen verständhehen Begriff abgeben, doch muß es befremden, daß 
unter den vielen Limeskastellen, die alle an der Grenze liegen, der Name 
Saalburg, als Grenzburg, nicht mehr vorkommt. 

Auch an eine Beziehung zu dem Worte «Sah» ist gedacht worden. 
Man hat dabei auf die gleichlautenden Ortsbezeichnungen im Fürstentum 
Reuß, bei Kissingen und in Dessau hingewiesen. 

Schließlich sei noch erwähnt, daß nach GerJcen und Gerning die Stelle 
an der Saalburg auch der «Schlupf» hieß und nach einer Urkunde auch ein- 
mal als «Hunnenburg» bezeichnet wurde. Im Volksmunde hieß bis zur 
Mitte dieses Jahrhunderts der höchste Punkt der nach Usingen führenden 
und das Saalburggebiet durchschneidenden Landstraße «am fröhlichen 
Mann»"*^). Dieser Name ist auf den östlich davon gelegenen Berg als «Fröh- 
licher Mannskopf» übergegangen und uns erhalten geblieben. 

Der Vollständigkeit halber, und um zu zeigen, was man alles aus 
dem Namen Saalburg gemacht hat, sei noch eine Ableitung erwähnt, die 
Dr. Römer in seinem Aufsatze «Die römische Grenzbefestigung des Taunus» 
in dem Frankfurter Archiv von 1847, Heft IV anführt: «Den Namen Saal- 
burg betreffend, so bezeichnet das lateinische solus, d. i. solidus dicht, 
derb, fest, hart, besonders auch von den Metallen; ooKoq eine eiserne ge- 



*«) Der Name «Fröhlicher Mann» wird im Volkemund dahin erklärt, als sei der 
Wanderer (der Mann), sobald er den Iiöchsten Punkt an dem verkehrsreichen Saalburg- 
Übergang erreicht hatte, fröhlich gewesen. Der Name ist alt; sollte sich nicht an dieser 
Stelle noch nach der Römerzeit ein Denkmal mit einer figuralen Darstellung befunden 
haben und dieses als der «römische Mann» oder nach seinem Gesichtsausdruck als der 
«fröhliche» Mann bezeichnet worden sein? Teile eines Postaments mit Relief wurden am 
Pfahlgrabendurchgang, an dem alten Wege Homburg-Usingen, ausgegraben. 



Der Name «Saalbiirg». 25 

gossene Wurfscheibe; Sold, Silber; ferner im Berg- und Hüttenbau: Sahl- 
oder Sohlband, die das Erz einfassende Steinart, Sohle. Adelung, unter Sal, 
Saal, Sahl, giebt die Bedeutung der Wurzel Sal, wie noch in Schweden die 
ältesten Silbergruben heißen. Soloe auf der Nordküste von Cypern beim 
Strabo Solus mit einem Bergwerk. Wahrscheinlich wegen der römischen 
Silbergruben bekam die Saalburg den Namen» etc. 

Neuerdings ist man noch zu einer anderen Erklärung gelangt, die wir 
hier folgen lassen. Gelegentlich der Auffindung eines der Kaiserin Julia 
Mamaea geweihten Votivsteines*^) im Kastell Feldberg, der uns nach Monim- 
sens Darlegungen in der Bezeichnung «exploratio Halic ...» wahrscheinlich 
einen Namen für die Gegend giebt, machte Professor Zangemeister auf die 
merkwürdige Thatsache aufmerksam, daß nach dem Itinerarium Antonini in 
Pannonien drei Orte, Älicano, Sola, Moguntiano, zusammenlagen, die vielleicht 
unserem Halic (Feldberg), Saalburg und Main.:; entsprechen. 

Gleichzeitig wies H. Seiffert aus Homburg mit einigen Ergänzungen 
ebenfalls darauf hin. Dieser hat über den Namen «Saaiburg» und das Wort 
«Pfahl» eine ausführliche Abhandlung, die demnächst im Druck erscheinen 
wird, geschrieben und mir, soweit sich dieselbe auf die Saalburg bezieht, 
in dankenswerter Weise einen Auszug zur Verfügung gestellt, den ich als 
weiteren Beitrag hier folgen lasse: 

«Der Name Saaiburg wird gewöhnlich als eine mittelalterliche Bezeichnung der 
alten Römerstätte betrachtet, der Name kann aber sehr wohl nicht nur in die römische, 
sondern vielleicht sogar in eine noch weit frühere Zeit hinaufreichen. Dies hätte zur 
Voraussetzung, daß sich dort schon in vorrömischer Zeit eine Niederlassung befand, 
was sich allerdings nicht beweisen läßt, aber doch an und für sich wahrscheinlich ist 
und auch durch einen noch zu besprechenden Umstand eine Stütze erhält. 

AhnKche Namen kommen im Altertum vielfach vor, z. B. Saloca in Noricum, 
heute iüfar Ja Saal auf dem Saalfelde in Kärnthen; Sala in Spanien, Thrakien und Pan- 
nonien, und so kann auch die Saalburg im Altertum geheißen haben. Der zweite 
Teil des Namens ist wohl späterer, wenn auch vielleicht schon sehr alter Zusatz, da 
es bei den Deutschen sehr gewöhnlich war, an einen schon vorhandenen Namen das 
Wort «Burg» anzuhängen. So wurde aus Sala Saalburg, wie man Rom Romburg nannte. 
Was den ersten Teil des Namens anlangt, so liegt es nahe, ihn mit dem Halic der 
Feldberginschrift in Verbindung zu bringen. Man könnte in dem Namen eine Be- 
ziehung auf die Salzquellen der Wetterau finden, die jedenfalls schon im Altertum eine 
hohe Bedeutung gehabt haben. Hier lagen wahrscheinlich die von Ammian erwähnten 
Salzquellen, die zwischen den Alemannen und Burgunden streitig waren. Sala wäre 
also vielleicht der Mittelpunkt von Halicium, dem Salzlande, gewesen. Die beiden 
Namen würden sich entsprechen wie Halle und Saale; ferner sind die Stadt Halicyae 
in Sizilien, die heute Salemi heißt, und der Fluß Hälicyus, jetzt Salso, zu vergleichen, 
an dessen Mündung die Stadt Alicata liegt. Doch ist keineswegs immer bei diesen 
Namen an Salz zu denken, und wenn es bei der Saalburg der Fall wäre, sollte man 
im Neuhochdeutschen dann eher die Form Salzburg erwarten. Es kommen aber auch 
Fälle vor, wo dies ganz ausgeschlossen ist, wie bei der Stadt Sala in Schweden, — 
deshalb ist mir eine andere Ableitung der beiden Namen wahrscheinlicher. 

«) Vergl. Limesblatt 1892 Nr. 1. 



26 I^*"* Name «Saalburg». 

Saalburg kommt einfach von dem alten Saal, altdeutsch sal gleich dem lateinischen 
palatium «Halle, großes, nur einen Raum enthaltendes Haus, Tempel, Palast», — auch 
in Wiesbaden hat die Stelle, wo das römische Kastell gestanden hatte, früher «7m 
Saah geheißen — und Halic ergUnze ich zu Ilalicinium und sehe darin den Namen 
des Feldbergkastells, den ich von dem Altkönig ableite. Altkönig ist erst eine spätere 
Entstellung des Namens, der heute noch im Volksmunde Ahlkin oder Ahlekin lautet, 
und dies ist die ursprüngliche Namensform, die sich auch noch urkundlich nachweisen 
läßt. Der Name kommt von dem althochdeutschen alah, gothischen alhs, das ursprüng- 
lich eine Einzäunung um ein Heiligtum, dann Tempel, geheiligte Gerichtsstätte und 
Königshaus bedeutete, gleich dem lateinischen aula, und sich noch in unserem mund- 
ai'tlichen Ahlen erhalten hat, unter dem man einen «engen Gang zwischen zwei Häusern» 
versteht; auch in der Festungsbaukunst kommt der Name «Ahlen» in der Bedeutung 
von «Zwinger» vor. Der Altkönig oder Ahlkin ist also der Ahlenberg und hat von 
seinen Ringwällen den Namen, die einen Ahlen bilden oder auch einen alten alah in 
der angegebenen Bedeutung umschlossen haben. Auch die auf einem Vorberge des Alt- 
königs gelegenen «Altehöfe» genannten Ringwälle sind Ahlenhöfe. Dieselbe Entstellung 
dieses Wortes kommt noch in einer ganzen Reihe von Ortsnamen vor und in dem 
Flußnamen Altmühl, der in seiner ältesten Gestalt Alcimona lautet, wofür sich unter 
vielen anderen Formen auch Alking findet. Der Altkönig ist sonach seiner Bedeutung 
nach so recht eigentlich der mons Taunus (von dem altsächsischen und altnordischen 
tun, Zaun, der nicht von Holz zu sein braucht, sondern auch von Steinen sein kann, 
dem gallischen dunum), in dessen Nähe Drusus sein praesidium und Germanicus sein 
castellum (nach der gewöhnlichen Annahme die Saalburg, nach andern Heddernheim) 
erbaute. Der Altkönig ist ferner dann wahrscheinlich das von Ptolemäus erwähnte Ark- 
taunon (wenn dies die richtige Lesart ist), da die Stämme alk und ark, das gothische alhs 
und das lateinische arx etymologisch gleich sind und alk aus ark hervorgegangen ist. 

Noch eine andere Erklärungsmöglichkeit will ich hier nur kurz andeuten. Da 
der Grundbegriff der Wörter sal und alah der der Einfriedigung ist, so liegt der Be- 
griff der Grenze nicht weit davon ab; allerdings kommt keines von diesen Wörtern 
geradezu in dieser Bedeutung vor, nur in dem lateinischen arca hat sie sich erhalten, 
das bei den Feldmessern ein Grenzzeichen, später Grenzdamm und Grenze überhaupt 
bezeichnet. So wird auch der Römerwall in Ungarn «Ordög drka» genannt. Die Saal- 
burg und das Feldbergkastell lagen an den beiden Enden der im Norden vom Pfahl- 
graben, im Osten und Westen von zwei Römerstraßen begrenzten «Hohen Mark»- 
Dieses Zusammentreffen ist gewiß nicht zufällig und beweist, daß dies schon in vor- 
römischer Zeit bedeutungsvolle Punkte waren. Nun ist alah auch «der heilige Wald», 
es könnte also mit unserem Halic der später «die Hohe Mark» genannte «Grenzwald» 
gemeint sein. 

Nimmt man die angegebene Ergänzung von Halic(inium) an, so bietet sich noch 
die Möglichkeit einer anderen Identifiziei-ung, nämlich mit dem von Ammian erwähnten 
Soliciniiim. Sprachlich steht dieser Annahme wohl nichts im Wege, und auch sachlich 
ist dies sehr gut möglich, da die Darstellung des Ammian von dem Feldzuge Valen- 
tinians und die Schilderung des Kampfplatzes dazu passen, wie ich an anderer Stelle 
zu begründen suchen werde. Möglicherweise ist dieses und die Saalburg mit dem von 
dem Geographen von Ravenna im Lande der Alamannen genannten Solist gemeint. 
Vielleicht ist in dem Saaloceni (wenn wirklich so zu lesen ist) eines auf der Saalburg 
gefundenen Graffits (siehe unter «Graffite» Nr. 56) ein ähnlicher Name erhalten. 

Mit der Frage nach der Bedeutung und dem Alter des Namens Saalburg hängt 
nun eine merkwürdige Erscheinung zusammen, die meines Ei-achtens geeignet ist, Licht 



Der Name «Saalburg». 27 

darauf zu werfen. Meine oben dargelegte Auffassung der Entstehung des Namens aus 
einem älteren Sola erhält dadui'ch eine gewisse Bestätigung, daß sich derselbe Vorgang 
an diesem Namen auch in einer anderen Gegend vollzogen hat, wo sich außerdem noch 
eine ganz auffallende Übereinstimmung von Orts- und Völkernamen mit solchen des 
Bhein- und Taunuslandes findet, die nicht wohl auf Zufall beruhen kann. Da^ Itine- 
rarium Antonini erwähnt nämlich in Pannonien die Orte Halicanum oder AUcanum 
und Salle, bei Ptolemäus Sala, bei dem Geographen von Ravenna Salla, offenbar eine 
von den an dem Flusse Sala, jetzt S^ala oder Zala, heute liegenden gleichnamigen 
Städten in dem danach genannten Zalaer Komitate. Eine von diesen ist wohl das im 
Mittelalter dort erwähnte Salapuigin, was offenbar eine Verschreibung für Saldburgum 
(Salburg) ist; und ebenso ist das von Prokop in der unteren Donaugegend erwähnte 
Halikanihurgos wohl das Halicanum des Itinerars. Dieses hat dort außerdem noch 
die Orte Mogenüana oder MoconUana und Mursella oder Aursella (wie sich bei Mursa 
auch die Variante Ursa findet), und Prokop erwähnt noch Mareburgos, vielleicht 3Iar- 
biirg an der Drau. Diesen entsprechen bei uns Mainz als Moguntiacum, Ober- und 
Niederursel am Taunas (alt Ursellä) und Marburg. Man könnte annehmen, daß durch 
römische Truppen diese Namen übertragen worden wären, aber ich halte ihren Ein- 
fluß nicht für so bedeutend, daß man eine so weitgehende Übereinstimmung darauf 
zurückführen könnte. Sie ist daher nur durch die Übersiedelung eines Volkes aus 
der einen Gegend in die andere zu erklären, das die Namen aus der alten Heimat 
mitnahm und in die neue verpflanzte. Ein solcher Zusammenhang bestand nun in 
der That. Abgesehen von den übereinstimmenden Namen kleinerer Stämme finden 
wir in Pannonien die großen Völker der Bojer und Tektosagen, und diese sind die 
ältesten historischen Bewohner des Taunuslandes. Da die Bojer um 400 und die 
Tektosagen um 300 vor Christus von hier auszogen, gewinnen wir damit eine Zeit- 
bestimmung für das Alter nicht nur des Namens Saalburg, sondern auch, wenn meine 
Beziehung von Halic auf den Altkönig richtig ist, des Namens Altkönig und seiner 
Ringwälle.» 



28 



IV. 

Lage und Bedeutung der Saalburg. 

(Karte und Tafel I.) 



Wenn wir von der Mainebene zwischen Frankfurt und Mainz nach Norden 
bHckend dem Zuge des Taunus*^) folgen, der sich in der Mitte zu 
der Gruppe des Feldbergs und Altkönigs erhebt, sich westwärts über das 
Rheingauer Gebirg mit dem Hunsrück zu verbinden und nach Osten in die 
gi-aue Ferne der Wetterau zu verschwinden scheint, so fällt uns an dem 
sanft auf- und absteigenden Horizont eine breite und tiefe Einsenkung auf*^). 
Jedem, der von dieser Seite her das Land zum erstenmal betritt, und somit 
wohl auch den Römern, muß dieser Gebirgssattel als das Ziel erscheinen, 
von dem aus die Wege weiter nordwärts führen, und als eine Lücke, durch 
die man von Norden in die gesegnete Main- und Niddaebene herabsteigen 
könne. Sanft leitet der Bergabfall aus der Ebene bis zu dem 414 m über 
dem Meeresspiegel gelegenen Punkte hinauf und allmählich fällt das Gelände 
jenseits in die zur Lahn und Use führenden Thäler ab. Der Paß selbst 
aber ist weit und offen, keine Schlucht, die der Angreifer hätte scheuen 
müssen. Umsomehr bedurfte er einer Befestigung, welche denjenigen, der 
sie inue hatte, befähigte, den Einbruch in die Mainebene zu verwehren, und 
die ihm selbst das Vordringen in das uördHche Feindesland zu jeder Zeit 
gestatten konnte. 



**> Der Name «Taunus^> wurde von Gelehrten bereits im vorigen Jahrhundert, auf 
Grund einiger Stellen alter Autoren und der in der Main- und Niddaebene gefundenen 
römischen Inschriften, auf unser Gebirge, welches früher «Hayrich» oder «die Höhe» hieß, 
bezogen. Besonders bemühte sich Gerning, der schon 1814 seine Gesänge «Die Heihjuellen 
ara Taunus» veröffentlichte, den Namen einzuführen; doch wurde dieser erst seit 1840 
allgemein gebrilachlich, nachdem in diesem Jahre die erste Eisenbahn von Frankfurt nach 
Wiesbaden den Namen «Taunusbahn» erhalten hatte. Der alte Name des Gebirges ist noch 
in «Homburg», «Ilolzhausen» etc. «vor der Höhe» erhalten geblieben. Über die Etymo- 
logie des Wortes Taunus s. 8. 26. Andere sehen heute noch den Teutoburger Wald für 
den «Mons Taunus» des TacitUB an und suchen auch dort das bei diesem Schriftsteller er- 
wähnte «Castellum in monte Tauno». 

**'} Auf Taf. I ist diese durch eine Zeichnung, die wir der Güte des Herrn Ober- 
lehrers L. Achard verdanken und die jenseits von Bommersheim her aufgenommen ist, 
ersichtlich; noch deutlicher tritt die Einsattelung, von Nidda-Höchst aus gesehen, hervor. 



Lage und Bedeutung der Saalburg. 29 

Dies war es, was die Römer bedurften, als sie den Reichtum Galliens 
ausnutzen, es vor Einfällen und Aufreizungen bewahren wollten und sieh 
deshalb zwischen den Galliern und den Germanen dem Rhein entlang ein- 
schieben mußten. Sie hatten zu diesem Zwecke die Grenze, die sie festhalten 
wollten, durch den Pfahlgraben — den Limes — markiert und da, wo ihn 
die von der Natur gebotenen alten Verkehrswege durchschnitten, Kastelle 
angelegt. Eine solche Grenzveste war auch die Saalburg. Unmittelbar süd- 
lich vor ihr teilen sich wieder die aus der Ebene hinaufführenden alten 
Wege — die Römerstraßen von Heddernheim und von Obererlenbach, sowie 
die von Mainz (der Linden weg) — in zwei Aste; der eine führt westwärts 
zu den Seitenthälern der Lahn, der andere nordwärts zur Use und zur Wet- 
terau. Doch beruht die Wichtigkeit der Saalburg nicht sowohl in den tak- 
tischen Vorteilen, welche ihre Umgebung bot, sondern man kann sie ansehen 
als eine strategische Bedrohung jedes Feindes, der etwa zwischen Andernach 
und Bingen den Rhein überschreiten oder die ihm parallel laufende Grenz- 
wehr durchbrechen wollte; ebenso bedrohte sie durch ihre Flanken Stellung 
den Feind, der aus der Lahngegend die nordwärts durch die Wetterau ziehende 
Heerstraße, die sog. «Elisabethenstraße», überfallen wollte. 

Diese Heerstraße, und nicht die unmittelbar bei der Saalburg sich tei- 
lenden Wege, war auch die Hauptverkehrsader, welche heute als Frankfurt- 
Gießener Straße und als Main -Weserbahn erscheint und ehedem in meilen- 
breitem Abstände vom Pfahlgraben am Fuße des Gebirges hinzog, unter dem 
Schutze des Kastells bei Butzbach den Pfahlgraben durchschnitt und weiter 
nordwärts die Elbe und Weser erreichte^*'). 



^0) Bestätigt wird diese Ansicht noch durch das von Prof. WoJff 1894 aufgefundene 
große Kastell bei Okarben, das nahe der genannten Straße liegt. 



30 



V. 

Die Wege und Straßen. 

(Karte, Taf. I, XIII und Textflgur 1.) 



Südlich der Saalburg laufen drei aus der Ebene heraufführende Römer- 
straßen zusammen : 

1. Die Straße Heddernheim-Saalburg. Sie wird schon von Neuhof 
1780 als Römerstraße angeführt und seit dieser Zeit als solche in die Karten 
eingezeichnet. Vom Kastell zur Ebene verfolgt, zieht sie von der porta de- 
cumana aus durch den «Hammelhans», am «Balzer Höhlchen», dem «Reiß- 
berg» und rechts von Dornholzhausen vorbei, durchschneidet am «Alleehaus» 
die Tannenwalds -Allee, führt von da an dem «Platzenberg» (Placzeherg)^^) 
vorüber durch das Niederstedter und Bommersheimer Feld nach dem so- 
genannten «Heidenfeld» bei Heddernheim und mündet in ein nördliches 
Seitenthor dieser römischen Stadt ein. Nach Professor Woljf (Limesblatt Nr. 9, 
S. 274) durchzieht sie den alten römischen Ort und läuft in gerader Richtung, 
die Nidda wahrscheinlich mittels einer Brücke überschreitend, weiter nach 
Frankfurt. Die Straße ist mit ihrer Steindeckung im Walde sowie im Nieder- 
stedter Felde (westlich von Homburg) noch vollständig erhalten und wird an 
manchen Stellen noch benutzt, während sie bei Bommersheim und Heddern- 
heim infolge der Konsolidation teilweise verschwunden und nur noch in ein- 
zelnen Hohlwegen äußerlicli sichtbar ist. Sie bildet eine gerade Linie von 
14 km Länge und steigt bis zum «Hammelhans» sanft und von da ab etwas 
stärker an; doch ist im Ganzen auch dieser Teil nicht steiler als die 1816 
angelegte Chaussee Homburg-Saalburg-LTsingen, welche eine auf die ganze 
Länge verteilte Steigung von 300 m hat. Von den verschiedenen Straßen, 
die von dieser Hauptstraße abgehen, ist diejenige, die unterhalb des Kirdorfer 
Baches in den Röderwiesen abzweigt, zu erwähnen; sie führt durch die «Glucken- 



*') Vielleicht hat der Berg seinen Namen von der Straße — Platea — und bedeutet 
den «Berg an der Platea» (Platea-Berg). V'ergl. Nase. Ann. XVII. Römische Bauwerke von 
A. V. Cohausen und L. Jacohi. Auch an der Römerstraße, die von der Saalburg ausgehend 
nach der Mainebene (Mainz) führt, wird ein westlich von Oberursel gelegener Berg «P/ot^e- 
berg'» genannt. Auch über die bei Wiesbaden gelegene «Platte» führt eine Römerstraße, 
die am Kastell Zugmantel vorüberzieht. 



Die Wege und Straßen. 31 

steinhohle^*) u. s. w. nach dem den Römern bekannten Homburger Quellen- 
gebiete, wo sie sich mit dem «Mainzerstraße», auch «Wein-» oder «Steinstraße» 
genannten römischen Straßenzuge kreuzt, der nach den römischen Ansiede- 
lungen der Wetterau und der Main- und Nidda-Ebene führt. 

2. Die im Jahre 1873 wieder aufgefundene und festgestellte Straße, 
welche die römischen Niederlassungen Seulberg, Erlenbach, Petterweil etc. 
und überhaupt die Wetterau mit der Saalburg verbindet, zweigt 480 m unter- 
halb des Decumanthores an der Gräberstätte von der Heddernheimer Straße ab, 
führt durch den «Fahrborn», den «Rothlauf», die «Preul wiesen» und den «Damm- 
wald» zwischen Friedrichsdorf und Seulberg, an dem alten Dillingen (Wüstung) 
und an der «Hunburg» (römische Niederlassung) vorbei und mündet vor dem 
« Loh Wäldchen » an einem römischen und fränkischen Gräberfelde in die oben- 
genannte «Steinstraße» ein. Diese Straße, die von der Saalburg bis zu den 
«Wolfshecken» noch teilweise erhalten und in Benutzung ist, bildete gerade 
von der Saalburg ab bis zum Ende der «Sylva Lothari», jetzt das «Kirdorfer 
Lazariusfeld » genannt, die Grenze zwischen der Hohen- und der Seulberger 
Mark und wird in dem Markumgang von 1585 «der hohle Weg» oder «die 
alte Straße» genannt. Sie ist auch bei der Teilung der Marken im Jahre 
1813 Grenze der Seulberger und Kirdorfer Gemeindewaldungen geblieben. 

3. Die dritte Hauptstraße, die aus der Ebene nach der Saalburg 
führt, ist der «Lindenweg»; erst im Sommer 1883 habe ich ihren römischen 
Ursprung nachgewiesen. Diese Straße ist wohl die älteste der drei genannten 
und mag wohl schon lange, bevor die Römer ins Land kamen, der Ur- 
bevölkerung zur Vermittlung des Verkehrs der Rhein- und unteren Mainebene 
mit dem Überhöhischen Gebiete gedient haben. Sie wird in den Umgängen 
der Hohen Mark von 1586 und 1609 als «Maintzerstraße» bezeichnet und 
hat sicherlich in der Römerzeit den Besatzungen von Mainz und der Saal- 
burg als Verkehrsweg gedient; auch war sie Handels- und Kriegsstraße und 
wurde nicht allein in den ältesten Zeiten, sondern auch noch im Mittelalter und 
zwar bis in unser Jahrhundert als solche benutzt; so im Jahre 1792 bei dem 
Vormarsch des Obersten Houchard, der mit 8000 Mann Franzosen von Höchst 
aus nach Usingen und der Lahngegend erfolgte. Heute vermittelt sie nur 
den direkten Verkehr der unmittelbar nördlich hinter der Saalburg wohnenden 
Landbevölkerung mit derjenigen von Oberstedten, Oberursel etc. Der Linden weg 
ist von der Saalburg bis nach der Urseler Hohe-Mark-Chaussee in seiner alten 
Richtung noch teilweise vorhanden und hat im Laufe der Jahrhunderte nur 
kleine Verlegungen wegen anderweitiger Waldanlagen und Ausrodungen er- 
fahren. Als uralte Straße ist er durch Hügelgräber, den «Heiden wall» 



*2) Hohle = Hohlweg; der aGluckenstein», fälschlicherweise neuerdings «Glocken- 
stein» genannt, ist ein zwischen Homburg und Kirdorf gelegener uralter Grenzstein, be- 
stehend aus einem etwa 2 m hohen Quarzitfelsen. Ich habe ihn im Jahre 1890 aufgraben 
lassen, doch fanden sich unter ihm nur die sogenannten «Zeugen» (kleine Kieselsteine), 
woraus sich ergeben dürfte, daß er urspiünglich als Grenzstein gesetzt war. Über den 
Namen vergl. auch die Anmerkung 36, betr. «Gickelsburg». 



32 Die Wege und Straßen. 

und sonstige vorröraisclie Befestigungen im Urselthaie, als Römerstraße durch 
die teilweise noch erhaltene Bauart und die unmittelbar daran liegenden 
römischen Niederlassungen «Heuchelheim», «Heuserl'eldt» etc. kenntlich. Die 
Straße durchschneidet von der Saalburg aus die Walddistrikte Rosengarten, 
Blutige Haide, Hollewiesen, Rosengärten, Haidfeld und Heideküppel, über- 
schreitet den Urselbach, gebt in alten Flur- und Gemurkungswegen über Stier- 
stadt und Steinbach und mündet etwa bei Höchst-Nied in die sogenannte 
«Elisabethenstraße*, die nach Kastel-Mainz führt. 

An der Saalburg selbst ist ihre Verlängerung noch durch die nord- 
östlich vom Kastell vorhandene Römerstraße markiert (Taf. I und XIII); 
sie führt zum Pfahlgraben, den sie am «Eisern (Äußeren) Schlag» durch- 
schneidet, und setzt sich als alter Hohlweg weiter nach der Use zu fort. An 
diesem Wege, der nördlich von Wehrheim vorbeizieht, sind im Jahre 1894 
beim Bau der Bahn Homburg-Usingen, da wo der Wehrheimer Bahnhof er- 
richtet wurde, sieben schöne, reich verzierte praehistorische Bronze-Armringe 
gefunden worden, die dem Museum für Völkerkunde in Berlin von der Kgl. 
Bahnbau Verwaltung übergeben wurden. 

In der nördlichen ^^erlängerung jenseits der Saalburg sind nach dem 
Chattenland führende Straßen in alten Hohlwegen noch erkennbar und leicht 
festzustellen. 

Außer den drei obengenannten, aus der Ebene nach der Höhe ver- 
laufenden Straßen, sind als römische Hauptverbindungswege, von der 
Saalburg ausgehend, hier anzuführen: 

1. Eine Verbindung der oben angeführten drei Straßen mit dem Pfahl- 
graben; sie zieht in gerader Richtung an dem «Rosengarten» und der 
«Preußenschanze» vorbei nach dem Pfahl und mündet etwa 600 Schritte 
östlich von den Türmen am «Weißenstein» in den diesseits des Walles 
herlaufenden Weg ein. (Tafel I.) 

2. Zwischen der «Preußenschanze» und dem «Rosengarten» läuft ein alter, 
gestückter Weg von dem Kastell aus nach Südwesten, und zwar am Fuße 
des Emesbergs nahe bei den Quellen des Kirdorfer Baches vorüber, wo Ende 
des 17. Jahrhunderts ein römisches Steindenkmal und im Jahre 1894 ein 
Nymphenstein (siehe den Abschnitt «Inschriften») gefunden wurde. Im weiteren 
Verlaufe führt er im Gebirge am «Schmied Wäldchen »^^) vorbei und direkt nach 
den Befestigungen an der «Goldgrube», wo vorrömische und römische Altertümer, 
darunter eine Bronzemünze von Commodus, gefunden wurden. Dieser Weg 
hat sich durch seine Bauart und nach den an seinen Durchschneidungen ge- 
fundenen Altertümern als sehr alt und schon zur Römerzeit benutzt erwiesen. 

Ebenso wie an der Saalburg traten auch bei den umfangreichen Nach- 
grabungen während der letzten 25 Jahre in der Umgebung von Homburg, 

") In dem «SchmiedwUldchen» sind alte Eisenbergwerksanlagen vorhanden, die man 
wegen der dabei gefundenen Altertümer für teilweise in die Römerzeit zurückgehend an- 
nehmen kann; auch gewinnt diese Vermutung durch sonstige Beobachtungen und alte 
Nachrichten an Wahrscheinlichkeit. 



Die Wege und Straßen. '■ 33 

Dornholzhausen, Gonzenheim, Kirdorf, Seulberg und Oberstedten, wobei sieben 
römische Ansiedelungen festgestellt wurden, noch eine große Anzahl römischer 
Wege zu Tage, die unter sich und wiederum mit den drei obengenannten 
Hauptwegen, sowie mit dem großen römischen Wegnetze in der Wetterau 
verbunden sind. Es würde zu weit führen, diese Weg- und Straßenanlagen 
hier im Einzelnen anzuführen; in seiner «Urgeschichte von Frankfurt a. M. 
und der Taunusgegend» hat Dr. Hamnieran die vorrömischen und römischen 
Wege eingehender behandelt und auf einer übersichtlichen Karte eingetragen. 
Für die Betrachtung der Saalburg genügt es, auf die Hauptverkehrswege 
hingewiesen zu haben, umsomehr als an ihnen römische Wohnstätten lagen, 
die nicht allein untereinander, sondern auch mit dem Limes und der Saal- 
burg in Verbindung standen und den Beweis für die Bedeutung der Letzteren 
liefern. Allerdings dürfte es zur Zeit noch nicht leicht sein zu entscheiden, 
welche Straßen und Wohnstätten schon in der ältesten Zeit der Römerherr- 
schaft diesseits des Rheines am Taunus bestanden, wie allmählich das Deku- 
matenland angebaut wurde, und in welcher Weise sich die Ansiedelungen 
vollzogen haben. 

Es sei hier noch erwähnt, daß öfter neben alten Hohlwegen, die wegen 
der dabei gefundenen Mardellen (Erdwohnungen) als vorrömische Anlagen 
zu betrachten sind, ausgebaute römische Straßen liegen; besonders tritt 
dies an der alten «Maiuzerstraße» zwischen Gonzenheim und Obereschbach 
an der umfangreichen Römerstätte «Steiukritz» hervor. Auch Professor Wolff 
hat derartige Beobachtungen gemacht. Es scheint demnach, daß die vor- 
römischen Wege schon damals Hohlwege waren und ein regelrechter Ausbau 
derselben mehr Schwierigkeiten gemacht hätte als der Bau neuer. Die Römer 
legten deshalb, indem sie die alte Richtung beibehielten, dicht neben den 
Hohlwegen ihre eignen Straßen an, denn das Gelände hatte keinen großen 
Wert und die Ausfüllung der Hohlen war zeitraubend und mühsam. Doch 
ist nicht ausgeschlossen, sondern sogar wahrscheinlich, daß andere vor- 
römische Verbindungswege, die in festem Boden lagen und noch nicht tief 
ausgehöhlt waren, je nach Bedürfnis später von den Römern nach ihrer 
Technik ausgebaut wurden. Wir haben daher sicher in manchen Römer- 
straßen die alten Wegzüge der Urbevölkerung vor uns. 

Der eigentliche römische Wegbau ging Hand in Hand mit den Be- 
siedelungen; das Eine ist ohne das Andere kaum denkbar, doch wird das 
uns jetzt allmählich am Taunus und in dem Vorlande bekannt gewordene 
große Wegnetz vor der definitiven Grenzfestlegung und Errichtung des 
Pfahlgrabens kaum ausgeführt gewesen sein, also etwa um die Mitte des 
zweiten Jahrhunderts. Kaiser Maximinus (235 — 238) soll in der Mainebene 
und in der Wetterau die Straßen wieder in Stand gesetzt und bedeutend ver- 
bessert haben. 

Es ist ein Irrtum, lediglich die Geradlinigkeit als typisches Kennzeichen 
der römischen Wege anzunehmen, im Gegensatze zu den vorrömischen Wegen, 
die ängstlich jede Terrainschwierigkeit umgehen; denn es giebt viele Römer- 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 3 



^ f)io Wege und Straßen. 

Straßen, die, obwohl sie von einem zum anderen Orle die kürzeste Linie inne- 
zulialten suclien, docli beträchtliclie Winkelzüge maclien; und zwar ge- 
schieht dies entweder in der Absicht, große Steigungen zu vermeiden, oder 
um besonders wichtige Punkte zu berühren, ein Verfahren, das in ähn- 
licher Art noch heute bei Anlage unserer Eisenbahnen beobachtet wird. 
Wege nach steilen Gebirgen wurden auch von den Römern, wie heute 
noch, kurvenartig angelegt. Die Geradlinigkeit der Hauptstraßen ist meines 
Erachtens für die Land Vermessung mitbestimmend gewesen, wobei die Straßen 
gleichzeitig als Ordinaten dienten. Ahnlich ist dies auch in Pompeji und anderen 
italienischen Städten nachgewiesen worden. Die Vermutung liegt daher 
nahe, daß wir in der vollständig geradlinigen und fast genau orientierten 
Straße von der Saalburg nach Heddernheim und darüber hinaus weiter gehend 
den Kardo^*) des Dekumateulandes zu suchen haben. In dieser Annahme 
wird man auch noch durch die rechtwinkelige Durchschneidung der Saalburg- 
und der Elisabethenstraße sowie anderer parallel dazwischen liegender Wege 
bestärkt. An unsere schnurgerade verlaufende Saalburgstraße dürfte sich die 
römische Feldereinteilung, dereii Furchen rechtwinkelig darauf gezogen sind — 
was in alten Flurplänen heute noch erhallen ist — , angeschlossen haben. 
Allerdings liegt nach dieser Richtung hin noch zu wenig Beweismaterial vor, 
um schon jetzt ein abschließendes Urteil zu fällen ; ich wollte nur die Frage 
hier nochmals ^^) anregen, um die Lokalforscher auf diesen wichtigen Punkt 
hinzuweisen. 

Zur Vervollständigung schließe ich Einiges über Tracierung und 
Konstruktion der römischen Wege und Straßen hier an. Die Herstellung 
derselben wird kaum von der heute noch gebräuchlichen Methode ab- 
gewichen sein : Zuerst erfolgt die Tracierung der Straßenachse, die im freien 
Felde zwar einfach ist, in den Wäldern dagegen, wo erst Schneisen gehauen 
werden und Ausrodungen stattfinden müssen, beträchtliche Schwierigkeiten 
macht. Nachdem diese geschehen, wird die Straßenbreite durch zwei Furchen, 
die später in der Regel zu Gräben ausgebaut werden, begrenzt und die da- 
zwischen liegende Erde bis auf einen festen Untergrund ausgehoben. Hand 
in Hand damit geht die Festlegung des Gefälles, das wieder von den Be- 
dürfnissen, denen die Straße dienen soll, abhängig ist. Hierauf erfolgt die 
Stückung oder Aufschüttung mit Steinen, Kies etc. und das Feststampfen 
oder Walzen; zuletzt bedient man sich kleineren Materials zur Bedeckung 
des Unterbaues und versetzt diese Schicht mit Lehm, um ihr mehr Bindung 
zu geben. Die Anlage der Straße hängt selbstverständlich von dem Verkehrs- 
bedarf, dem Terrain und dem Baumaterial ab, worauf in jedem Einzelfall 
Rücksicht zu nehmen ist. So war es auch an der hoch auf dem Taunus 
gelegenen Saalburg, dem Limes und in der davorliegenden Ebene, wo sich 
verschiedene Straßenkonstruktionen vorfinden. Daß im römischen Grenz- 

**) Über die Bedeutung des Kardo vergl. Rudorff, Die Schriften der römischen Fehi- 
messer. Bd. 2, S. 342; und E. Stöber, Die römischen Grundsteuervermessungen. S. 80. 
w) Vergl. Grenzmarkierungen am Limes. Westdeutsche Zeitschrift 1895, S. 147 flf. 



Die Wege und Straßen. 35 

lande die Straßen nicht so konstruiert sind, wie sie uns die alten Schrift- 
steller beschreiben, und wie sie heute noch im Mutterlande erhalten sind, 
ist begreiflich. Diese waren ebenso bequem als dauerhaft und sind bekannt- 
lich das Vorbild für unseren gegenwärtigen Chausseebau geworden. Straßen 
aus polygonen Steinen, die auf einem drei Schichten hohen, auf Cement be- 
festigten Unterbau aufliegen, kommen an der Saalburg ebensowenig wie regel- 
rechte Pflasterungen vor. Auch Mörtel und Ziegelsteine fanden bei dem Straßen- 
bau daselbst keine ^''ervvendung, denn einfach gemörtelte Straßen dürften 
kaum einen deutschen Winter aushalten, und selbst die Herstellung moderner 
Cementwege macht des Frostes wegen große Schwierigkeiten. Immerhin aber 
sind bei uns Straßen gefunden worden, die ihren Erbauern alle Ehre machen, 
und die erst durch den neueren Straßenbau überholt sind. Seit der Römer- 
zeit bis in den Anfang dieses Jahrhunderts wurden in Deutschland wohl wenige 
Straßen angelegt, die bezüglich ihrer Festigkeit einen Vergleich mit unseren 
römischen aushalten könnten. 

Die Römer unterschieden öffentliche Straßen, viac puUicae, consulares, 
müitares und aggercs j)Mici, und Privatwege, viae privatae, vicinales und 
agrariae, die alle bequem und dauerhaft erbaut waren. Im Allgemeinen 
läßt sich auch bei unseren römischen Straßen ein Unterschied zwischen Staats- 
straßen und Privatwegen feststellen. Zu den Ersteren rechne ich diejenigen, 
welche von den Kastellen ausgehen, und die durchschnittlich in einer Breite 
von 20 römischen Fuß — ca. 6,00 m (Limesbreite) — mit solidem Unterbau 
und Gräben auf beiden Seiten angelegt sind. Zu den Anderen dürften die 
nur mit Kies beschotterten Wege von 2—5 m Breite, welche die Römerstätten 
untereinander verbinden und sich in den Bürgerlichen Niederlassungen den 
Wohnhäusern entlang finden, zu zählen sein. Die Römerstraßen sind in der 
Regel nicht sehr breit; die Via Äppia hat in der Fahrbahn nur eine Breite 
von 4,30 m, so daß zwei Fuhrwerke sich gerade ausweichen konnten, an der 
Saalburg schwanken die Maße zwischen 5 und 7 m; der öfters und manch- 
mal tiefer daneben liegende Fußsteig hat eine Breite von 1 — 1,20 m, wodurch 
sich eine Gesamtbreite von etwa 8 m ergiebt, und ist durch Randsteine von 
dem Fahrwege geschieden. Auf Tafel XIII und Textfigur 1 sind Querschnitte, 
wie sie an den bei der Saalburg zusammenlaufenden Straßen vorkommen, ab- 
gebildet. Hinsichtlich der Konstruktion giebt es im Allgemeinen kurz 
folgende Arten von Wegen und Straßen, und zwar drei von jeder Gattung: 

1. Wege, die dem Boden angepaßt, aber in ein bestimmtes Gefälle ge- 
legt sind, lassen sich in verschiedener Breite, besonders in den Verbindungs- 
wegen zum Limes erkennen; sie gleichen unseren Waldschneisen und hatten 
keinen eigentlichen Unterbau. 

2. Wege derselben Art, doch mit einer Überschüttung von Steinmaterial, 
das mit thoniger Masse, die es zu einer festen Schicht verband, vermischt 
war; ein Material, das sich bei dem Brechen der Mauersteine in den Stein- 
brüchen an der Saalburg schon damals ergab, wo es auch heute noch ge- 
wonnen und zu solchen Zwecken verwendet wird. Solche Wege kommen 

3* 



36 l>ie Wege und Straßen. 

hauptsächlicli in der Bürgerlichen Niederlassung vor und haben eine Breite 
von 2 — 4 m. 

3. Ahnliche Wege wie die vorigen, die nur an Stelle von kleinen Steinen 
mit rauhen, unbearbeiteten Platten, wie sie der Steinbruch oder das Gelände 
geliefert hat (Lesesteine), bedeckt sind. Sie waren nicht sehr breit — höchstens 
2 m — und dienten im Kastell wie in der Bürgerlichen Niederlassung als 
Fußsteig vor den Häusern oder Baracken dem Verkehr von Haus zu Haus. 
In unseren Gebirgsorten trifft man heute noch Ähnliches. 

Die nun folgenden Straßenkonstruktionen gehören mehr der Allgemein- 
heit an; ich möchte sie im Gegensatze zu den drei oben beschriebenen primi- 
tiven Arten, die auch einen privaten Charakter nicht verkennen lassen, als 
wirkliche Staats- und Heerstraßen — viae stratac und viac publicae — 
bezeichnen. 



TiömiscKe Strassen Profile. 



K ^it-U.lW^'wJt'-JW^'*^-.'^^» ^ 



B. C. 



Fig. 1. 

4. Profil einer gut chaussierten Straße, wie sie in und vor dem Kastell 
vorkommt (Fig. 1, A und Taf. XIII, J— K). Die Herstellung derselben geschah 
etwa folgendermaßen: Nach Vollendung des Planums, das auf dem Niveau 
der beiden Chausseegräben liegt, wurden die Bordsteine gesetzt und die Räume 
zwischen denselben mit drei bis vier Packlagen 30—40 cm hoch ausgefüllt; 
die unterste bestand aus größeren Steinen, die mit Zwischenräumen, wie die 
Rieselkanäle (vergl. Abschnitt XI, 3 «Entwässerungsanlagen») versehen waren, 
wodurch der Straßendamm nach den Chausseegräben hin, die womöglich im 
Gefalle lagen, leicht entwässert wurde. Die oberste, aus kleinem Steinschlag 
hergestellte Schicht war gewölbt und nach zwei Seiten abschüssig, wodurch 
der Regen rasch nach den Gräben abfloß und die Straße möglichst trocken 
blieb; solche Straßen heißen «gestückte». 

5. Fig. 1, B stellt eine römische Straße dar, deren Herstellungsweise man 
in der neueren Technik mit dem Ausdrucke «makadamisiert» bezeichnet. 
Auf dem Planum sind zwischen den Randsteinen 12 — 15 cm hoch kleinere 
Steine, ebenfalls in gewölbter Form, aufgetragen, die zusammengestampft 
wurden. Bemerkenswert ist der Fußsteig auf einer der Seiten, der durch 
einen Bordstein begrenzt ist und durch eine sandige Schicht gangbar erhalten 
wurde; auf der anderen Seite, dem Bankett gegenüber, ist ein Graben angelegt. 

6. Fig. 1, C. Dieses Profil ist in der Form und der Breite den beiden 
vorher beschriebenen gleich ; in der Konstruktion aber ist die um das Kastell 
und nach Heddernheim führende, im Waldboden vollständig erhalten ge- 
bliebene Straße etwas abweichend, indem das Planum mit einer Lage 



Die Wege und Straßen. 37 

großer Waldsteine und Platten uuregelmäßig überdeckt ist, doch kommen 
auf einzelnen Strecken auch zwei und mehr Lagen übereinander vor; man 
nennt sie auch «Plattenstraßen». Nahe an der Ostseite des Kastells, wo die 
Straße nach dem Pfahlgraben vorüberzieht (Taf. XIII, G— H), befindet sich 
eine von dem .Waldboden bloßgelegte Stelle, wo Fuhrwerke tiefe Geleise ein- 
geschnitten haben und die Spurweite der Wagen zu erkennen ist. Hier wie 
an den unter 4. und 5. genannten Straßen ist die oberste Schicht im Laufe 
der Jahre durch Regen abgeschwemmt und nur der eigentliche Unterbau er- 
halten. Eine solche Überdeckung bestand zweifellos wie an jeder modernen 
Chaussee aus kleingeschlagenen Steinen, die mit thonigem Sand vermischt 
waren. Das Material ist dem Gebiete der Saalburg entnommen und besteht 
aus Thonschiefer und Quarzit. In der Verlängerung der Straßen nach der 
Niddaebene hin fand das nächstliegende Material Verwendung und wechselt 
mit Quarziten, Kieseln, Wacken, Basalten und Rotliegendem. 

Häufig kommt es noch vor, daß in und vor dem Kastell Straßen aus 
verschiedenen Perioden über einander liegen, sodaß der Steinkörper an manchen 
Stellen 0,50 m hoch ist. Diese Erhöhung ist sowohl durch Reparaturen 
als auch durch Auffüllung des Terrains bei Einebnungen nach vorauf- 
gegangenen Zerstörungen entstanden. (Vergl. Fig. 9.) 

Schließlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß der Transport von 
Waren, Lebensmitteln, selbst von Baumaterialien dem Pfahlgraben entlang 
wahrscheinHch auf schmalen Pfaden, die keine Spuren hinterlassen haben, 
auf dem Rücken von Pferden oder Maultieren geschah, ähnlich wie es heute 
noch in südlichen Gegenden der Fall ist. Dies würde auch eine Erklärung 
für das Fehlen fahrbarer Straßen am Limes sein. Bei Besprechung der Funde 
von Hufeisen und «Schlupfpfählen» (Rundnadeln) werde ich auf diese Frage 
näher eingehen. 




Fig. 



Der Limes vor der Saalburg au der Straße unch Obernhaiu. 



VI. 
Der PfahloTaben oder Limes. 



(Taf. I, ir, III, Xlir, Karte und Fig. 2-4.) 



Die ursprüngliche Absicht, den Pfahlgraben^*^) im Taunus in seiner ganzen 
Ausdehnung hier 7ai behandehi, habe ich wieder aufgegeben, da von 
der Reichs-Limes- Kommission, deren Forschungen seit 1892 im Gange sind, 
und die schon jetzt recht wichtige Ergebnisse zu verzeichnen hat, demnäclist 
größere Pubhkationen darüber zu erwarten sind. Ich beschränke mich daher 
auf dasjenige, was zum Verständnis der Anlage selbst und der Saalburg un- 
erläßlich ist; im Übrigen verweise ich auf das grundlegende Werk von A. von 
Cohaiiscn «Der römische Grenzwall in Deutschland» und die umfangreiche 

*9) Ich gebrauche im Verlaufe meiner Darstellung öfters das Wort «Pfahl» für Pfalil- 
graben, weil die letztere Bezeichnung nicht überall zutrifft, indem an vielen Stellen ein 
Graben nicht vorhanden ist und auch niemals vorhanden war. Die ältesten Urkunden 
von 812 — 1043 nennen nur jihal oder pal; erst von 1408 an kommt die Bezeichnung /»/taZ- 
graben, palgrapen, polgrahen und Pfohl vor. Auch hat neuerdings die Reichs-Limes- 
Kommission das Wort «Pfahh für <^Vfahlgraheny> in Vorschlag gebracht. Der Name wurde 



Der Pfalilgraben, 39 

ältere Litteratur^^) sowie auf die neuerdings erfolgten Veröffentlichungen der 
Reichs-Limes-Kommission ^^). 

Die Ortlichkeit der Saalburg ist bereits als Gebirgspaß zwischen dem 
Main und der Lahn bezeichnet worden. Die Grenzsperre beschränkte sich 
jedoch nicht auf das Kastell; denn wenn wir dieses durchschreiten und jenseits 
der Porta praetoria noch etwa 300 Schritte einer kleinen Waldschneise folgen, 
so kommen wir an einen Wall und einen Graben, welche sich nach links 
und rechts durch den Wald hinziehen: es ist der Pfahl, der «lim es» ^^), der 
sich vom Niederrhein hier vorüber bis an die Donau erstreckt und in Ver- 
bindung mit Kastellen, Wachttürmen und Heerstraßen die von den Römern 
beherrschten Rhein- mid Donau-Provinzen militärisch und zollgrenzlich gegen 
die unbesteuerte Ein- und Ausfuhr, wie gegen die Einfälle der kriegs- und 



früher von Holzpfählen (Pallisaden) abgeleitet, weil angenommen wurde, der Limes sei mit 
einer Pfahlreihe besetzt gewesen, was Oberst von Cohausen in seinem «Grenzwall» bestreitet 
und dabei bemerkt, daß dieses «ein militärisch und technisch monströser Gedanke» sei. 
Generalmajor Pojjp (Westdeutsche Zeitschrift 1894) sucht auf Grund der am Rätischen 
Limes gefundenen Pfähle und einer Stelle bei Spartian (Vita Hadriani) den Nachweis zu 
erbringen, daß der Name doch von Pfählen herrühren müsse. Professor Zangemeister spricht 
in seinem interessanten Berichte «der obergermanisch-rätische Limes» (Nene Heidelberger 
Jahrbücher 1895) die Vermutung aus, der Name Pfahl (val — fal) sei von dem Worte 
Valium entlehnt; diesem schließt sich Professor Ohlenschkujer (Neue Heidelberger Jahr- 
bücher 1895) an. Neuerdings hat H. Seiffert in einer bis jetzt ungedruckten ausführlichen 
Abhandlung die Ansicht vertreten, der Name Pfahl, pal oder val sei sehr alt und gehe 
noch in vorrömische Zeit zurück, er komme bei vielen Völkern vor und bezeichne lediglich 
die Grenze. 

^') Eingehender beschäftigten sich mit dem Taunuslimes: F.W. Schmidt, Kgl. Preuß. 
Oberstlientenant, Lokaluntersuchungen über den Pfahlgraben, Nass. Annalen Bd. 6. 1859; 
Dr. K. Eossei, Die römische Grenzwehr im Taunus, Straßburg 1872; F. Koßer, Der Pfahl- 
graben und die Pfahlgrabenkastelle in der Umgebung von Homburg, Mittheilungen des 
Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, Homburg v. d. Höhe 1877. I. Heft. Des- 
gleichen die Lokalforscher: Wolff] Dunlcer, Dahm u. A. Für den ganzen Limes sind zu 
nennen u. a. : E. Hübner, in den Bonner Jahrbüchern, Bd. 66, 80, 88; 3Iovimsen, Zange- 
meister, Kalle, von Sartveg, die beiden Letzteren über die militärische Bedeutung des Limes 
u. a. m. Interessant ist auch eine englische Veröffentlichung mit Zeichnungen und Karte: 
«A Walk along the Teufelsmauer and Pfahlgraben». Oxford 1885, von J. L. G. Moicat, 
Professor an der Universität Oxford, der vom 28. August bis 1. Oktober 1884 mit seinem 
Freunde Th. Mosley Croivder eine Fußreise am ganzen Pfahlgraben entlang machte. 

°*) «Limesblatt», das seit 1892 in dem F. Lintz'schen Verlage in Trier erscheint; ferner 
der «Obergermanisch-Kaetische Limes des Römerreichs» von F. Hettner und 0. von Sarweg, 
von dem bis jetzt zwei Hefte bei Otto Peters in Heidelberg erschienen sind. 

^^) Mommsen, Römische Geschichte Bd. V, S. 111, erklärt das Wort limes, indem er 
es mit dem Adjektiv Umus, d. h. quer, in Verbindung bringt und sagt: «Es ist ein unseren 
Rechtsverhältnissen fremder und daher auch in unserer Sprache nicht wiederzugebender 
technischer Ausdruck, davon hergenommen, daß die römische Ackerteilung, die alle Natur- 
grenzen ausschließt, die Quadrate, in welche der im Privateigentum stehende Boden ge- 
teilt wird, durch Zwischenwege von einer bestimmten Breite trennt; diese Z wischen wege 
sind die limites, und insofern bezeichnet das Wort immer zugleich sowohl die von Menschen- 
hand gezogene Grenze wie die von Menschenhand gebaute Straße. Diese Doppelbedeutung 
behält das Wort auch in der Anwendung auf den Staat; limes ist nicht jede Reichs- 



40 Der Pfahlgraben. 

beutelustigen Germanen im Norden und Osten auf eine Länge von etwa 
550 km absperren sollte. Die rückwärts liegenden Linien sind noch nicht 
genau festgestellt; sie sollen nach von Sarwey bis jetzt mehr als 200 km betragen. 
Auf Tafel I ist in dem Lageplane mit roter Farbe seine Richtung in der 
Nähe der Saalburg eingezeichnet, bei deren Betrachtung Jedem die merk- 
würdige, bis jetzt nicht völlig aufgeklärte Ausbuchtung auffallen muß, auf 
die ich im Abschnitt IX näher eingehen werde. 

Fassen wir zunächst die westlich ziehende Strecke ins Auge, so finden 
wir, wenn wir unsern Ausgangspunkt an dem alten römischen Limesdurchgange 
(Fig. 2) neben der nach Obernhain führenden Landstraße nehmen, daß dort 
der Wall gut erhalten ist und ein kräftiges Profil — Taf. 11, Fig. IIP«) — 
zeigt. Von hier aus steigt er etwa in denselben Abmessungen nach 
dem steilen «Weißenstein» hinan. Kurz vorher, ehe er den Gipfel er- 
reicht, ändert sich sein Profil; der steinige Boden — vielfach anstehender 
Quarzit — bot zur Ausschachtung eines Grabens zu viel Schwierigkeiten, 



grenze, sondern nur die von Menschenhand abgesteckte und zugleich zum Begehen und 
Postenstellen für die Grenzverteidigung eingerichtete (vita Hadriani 12: locis in qtiibus 
barhari non fluminibus, sed Umitibus diciduntur), wie wir sie in Germanien und in Afrika 
finden. Darum werden auch auf die Anlage dieses limes die für den Straßenbau 
dienenden Bezeichnungen angewandt: aperire, munire, agere. Darum ist der limes nicht 
bloß eine Längenlinie, sondern auch von einer gewissen Breite. Daher verbindet 
sich die Anlage des limes oft mit derjenigen des agger, d. h. des Straßendammes, 
und die Verschiebung desselben mit der V^erlegung der Grenzposten. Der Limes ist also 
die Reichsgrenzstraße, bestimmt zur Regulierung des Grenzverkehrs dadurch, daß ihre 
Überschreitung nur an gewissen, den Brücken der Flußgrenze entsprechenden Punkten ge- 
stattet, sonst untersagt wird. Zunächst ist dies ohne Zweifel herbeigeführt worden durch 
Abpatrouillierung der Linie, und so lange dies geschah, blieb der limes ein Grenzweg. Er 
blieb dies auch, wenn er an beiden Seiten befestigt ward, wie dies in Britannien und an 
der Donaumündung geschah; auch der britannische Wall heißt limes. Es konnten aber 
auch an den gestatteten Überschreitungspunkten Posten aufgestellt und die Zwischenstrecken 
der Grenzwege in irgend einer Weise unwegsam gemacht werden. In diesem Sinne sagt 
der Biograph in der oben angeführten Stelle von Hadrian, daß an den limites er stipitibus 
magnis in modum muralis saepis funditus iactis atque connexis barbaros separavit. Damit 
verwandelt sich die Grenzstraße in eine mit gewissen Durchgängen versehene Grenzbarri- 
kade, und das ist der Limes Obergermanien s in der entwickelten, weiterhin darzulegenden 
Gestalt. Übrigens wird das Wort in diesem Werte in republikanischer Zeit nicht gebraucht, 
und ist ohne Zweifel dieser Begriff des limes erst entstanden mit der Einrichtung der 
den Staat, wo Naturgrenzen fehlen, umschließenden Postenkette, welcher Reichsgrenzschutz 
der Republik fremd, aber das Fundament des augusteischen Militär- und vor allem des 
augusteischen Zollsystems ist.» 

In der Tbat ist im Taunus der Limes, wie ihn Mommsen im Vorstehenden annimmt, 
als eine, dem Graben und Wall vorhergegangene Anlage nachgewiesen worden. Dieser 
Gewannweg (Limes) war durch das ausgesteinte Grenzgräbchen und eine an der Wall- 
wurzel anfänglich vorhandene Furche begrenzt und hatte eine Breite von etwa 20 römischen 
Fuß. Doch kann es im Taunus keine befestigte Straße, sondern nur ein gewöhnlicher 
Waldweg oder eine durch den Wald gehauene Schneise gewesen sein. 

*''') In allen auf den Tafeln wiedergegebenen Profilen sind die wagerechten Abstände 
von einem Punkte aus nach rechts oder nach links gemessen, die Höhen aber von einem 
gewählten Nullpunkte aufwärts mit -f (plus) und abwärts mit — (minus) bezeichnet. 



Der Pfahlgraben. 41 

und der Limes erscheint von hier ab mit einzelnen Unterbrechungen auf 
größere Strecken als ein Steinwall ohne da vorliegenden Graben. Erst vom 
«Klingenkopf» — 5,30 km westlich der Saalburg — aus, wo allmählich die 
Steinrasseln verschwinden und andere Bodenverhältnisse auftreten, bleibt 
Wall und Graben mit abwechselnden Profilen vorherrschend. 

Am «Weißenstein», der mächtigen, ca. 80 m langen Quarzitklippe, die 
im Volksmunde ihres mauerähnlichen Aussehens wegen auch «Weiße Mauer» 
genannt wird, zieht der Limes in einer Entfernung von kaum 10 m vorüber, 
ohne die zum Schutze vortrefflich geeignete natürliche Mauer in das römische 
Gebiet hereinzuziehen. Sein weiterer Verlauf folgt bald mehr, bald weniger 
streng dem Gebirgsrücken bis zum Großen Feldberg, wo er den Kamm des 
Gebirges verläßt, um auf der Nordseite jenes Berges immer mehr nach der 
Ebene zu hinabzusteigen. Alsdann zieht er in westlicher Richtung an den 
Kastellen «Kleiner Feldberg» — vor diesem in einer Länge von etwa 300 m 
verdoppelt — , «Alteburg bei Heftrich» und «Zugmantel», und zwar, solange 
er das Wörsbachthal überschreitet, in doppelter Linie, vorbei bis in die 
Gegend von Schwalbach und Kemel. Von hier aus beschreibt er einen weiten 
Bogen um das Neuwieder Becken, erreicht gegenüber Andernach wieder das 
Gebirge und folgt ihm mehr oder minder kenntlich bis zur Grenze von Ger- 
mania superior und Germania inferior zwischen Rheinbrohl und Höningen. 

Wenden wir uns zu unserem Ausgangspunkte, der Saalburg am Oberu- 
hainer Wege, zurück und gehen von da nach Osten weiter, so wird der Limes, 
ehe er die Usinger Straße erreicht, von einer alten Römerstraße durchbrochen 
(Fig. 3) und läuft dann überall sichtbar, von Wegen und Pfaden begleitet, 
in das Köpperner Thal, wo wir auf die Überreste des Zwischenkastells «Loch- 
mühle» stoßen. Zuvor fällt uns noch am Schnittpunkte der Chaussee mit 
dem Pfahl ein großer, künstlich angelegter Wall auf, der, vom Limes aus- 
gehend, quer über die Chaussee einige hundert Meter nach Norden zieht. 
Welche Beziehung er zu den benachbarten Anlagen hat, bleibt noch zu unter- 
suchen, ebenso wie eine kleine Erdschanze vor dem Limes westlich der Loch- 
mühle. Jenseits des Baches zieht der Pfahl, von der Nidda-Ebene und der 
Wetterau abgewandt, auf der Nordseite des Gebirges an den Kastellen «Kapers- 
burg», «Ockstadt» und «Kaisergrube» vorüber zur Use, die er am Kastell 
«Langenhain» überschreitet. Nachdem er in seinem weiteren Verlaufe die 
Kastelle «Butzbach», «Grüningen» und «Arnsburg» umzogen, gelangt er durch 
die Wetterau, an den Kastellen «Oberflorstadt», «Marköbel» und «Rückingen» 
vorbeiziehend, beim Kastell «Großkrotzenburg» an den Main, der nun bis 
Miltenberg die Grenze bezeichnet. Von hier aus nimmt der Limes als Wall 
und Graben eine durch wenig große Knicke unterbrochene gerade Linie an, 
mit der er Lorch erreicht, dann aber als gemörtelte Mauer ohne Graben — 
als sogenannte «Teufelsmauer» — die Grenze von Rätien bis nach Hien- 
heim a. d. Donau bei Regensburg bildet. 

Was die Herstellungsweise des römischen Grenzabschlusses — des Limes 
— anlangt, so finden wir, wie bereits kurz erwähnt, in Rätien eine mit 



42 



Der rfaliljrraben. 



gutem Mörtel regelrcclit crbnutc Mauer, die an einzelnen Stellen noch 1 — 1,30 ni 
Höhe und eine Stärke von 0,85—1,05 m hat. Nirgends ist dieselbe so er- 
halten, daß man ihre ursprüngliche Höhe messen kann, doch dürfte dieselbe, 
nach dem Vorgefundenen zu urteilen, etwa 2,20 m bis höchstens 2,50 m 
(7 — 8 römische Fuß) betragen haben. Die obergermanische Strecke besteht, 
wie schon oben gesogt, größtenteils aus einem Walle mit davorliegendem 
Graben, aus dem in der Regel lediglich die Erde für die Aufschüttung ge- 
nommen ist, doch linden sich im Taunus, besonders von der Saalburg bis 
zur Kapersburg, größere Strecken, wo der Wall noch durch herbeigebrachte 
Erde verstärkt und erhöht wurde. An einzelnen Stellen erreicht der Graben 
im gewachsenen Boden eine Tiefe bis zu 2 m, und die Höhe der Wallauf- 
schüttung beträgt fast ebensoviel, sodaß auf der Contrc-Escarpe von der 
Grabensohle bis zum Wallscheitel ein Höhenabstand von 5— 6 m entstand. 
Diese Ausnahmen kommen hauptsächlich an solchen Strecken vor, die dem 
Auslande gegenüber eine besondere Bedeutung hatten ; auch in der Nähe der 
Kastelle und der Wegdurchgänge sind mächtigere Aufwürfe vorhanden. 




Fig. 3. Alter Durchgang durch den Limes am «Eisern Schlag». 

Fig. 3 giebt eine schematische Darstellung des Limes am Durchgange 
«am Eisern Schlag» mit Profil a, b, c, d, e. An den Stellen, wo zur Römer- 
zeit wenig oder gar kein Verkehr war, hat man die Profile weit kleiner und 
den Graben manchmal kaum einen Meter tief gemacht. Der Wall ist im Hoch- 
taunus, wo sich eine schützende Rasendecke darüber gebildet hat, so un- 
berührt und gut erhalten, daß das ursprüngliche Profil noch vollständig zu 
erkennen ist; es muß nach oben spitz zugelaufen sein und konnte daher nicht 
zum Begehen gedient haben. Die Wallkrone reicht heute in vielen Fällen 
kaum für einen Fußgänger aus; zur Römerzeit, als sie noch spitzer und steiler 
war, wird dies noch weniger der Fall gewesen sein; dazu waren die direkt 
daliinter und die in gewissen Abständen liegenden Schneisen oder mit Steinen 
gestückten Wege, die vielfach nachgewiesen sind, bestimmt. Es ist also aus- 
geschlossen, daß, wie so oft behauptet wurde, auf diesem spitz zulaufenden 
Walle die Soldaten — dem Feinde sichtbar — wie auf einem Eisenbahndamme 
patrouillierten. 



Der Pfahlgraben. 43 

Von der Locliinülile bis zum Grauen Berg und der Kapersburg läuft 
unmittelbar hinter dem Walle ein etwa 2 m breiter, mit schweren Steinen 
hergestellter Weg. In der Nähe der Kastelle «Feldberg» und «Zugmantel» be- 
steht der Grenzwall nur aus einer nach dem Auslande steil abfallenden Stufe 
oder Terrasse; die frühere Annahme, daß hier ein Graben nicht davor liege, 
ist durch Untersuchungen widerlegt. Auf den Tafeln II und III, sowie den 
Textfiguren 2 und 3 sind Pfahlgrabenprofile dargestellt^^). 

Der Steinwall am Weißenstein (Fig. 4), dem Kieshübel und dem Klingen- 
kopf ist aus großen Steinen mauerartig zusammengesetzt; er hat eine Stärke 
von 2,00 m und eine Höhe von 0,80-1,00 m (Fig. 4, Profil E— F). Auf 
größere Strecken ist diese ohne Mörtel angelegte Mauer unberührt geblieben 
und zeigt deutlich, daß der Limes nicht lediglich zur Verteidigung her- 
gestellt, sondern in der Hauptsache Grenzbezeichnung sein sollte. Auch 
finden sich Strecken von 5, manchmal von 10 km, ^vo der Pfahl in seiner 
äußeren Erscheinung ganz verschwunden und sein Lauf nur durch die be- 
gleitenden Hügel und Türme zu verfolgen ist. Es liegt deshalb die Frage 
nahe, ob an diesen Stellen überhaupt ein Erdwall bestand, oder ob der Grenz- 
abschluß nicht durch anderes Material, wie Holzaufsetzungen, Verhaue oder 
Gebücke hergestellt war. 

Wenn auch auf der großen Strecke von der Donau bis zum Rheine für 
den Grenzabschluß verschiedene Konstruktions weisen Anwendung fanden, 
was teilweise durch die Bodenbeschaffenheit und das Baumaterial bedingt 
und von den einzelnen Befehlshabern oder den Ingenieuren abhängig war, 
so muß man doch zugeben, daß die Anlage als ein einheitliches Ganze an- 
zusehen und auch vom militärischen Gesichtspunkte als ein hervorragendes 
Werk der römischen Kriegsbaukunst zu betrachten ist. 

Zum Begriffe der «Festung» gehören aber nicht aliein Wall und Graben, 
sondern auch die zur Bewachung und Verteidigung nötigen Anlagen, die 
Haupt- und Nebenkastelle, sowie die T ü r m e. Von Detailbeschreibungen der 
großen Kastelle im Allgemeinen wird hier abgesehen, da eine solche bezüglich 
der Saalburg gegeben wird. Es soll nur auf die Türme und Zwischenkastelle 
kurz eingegangen werden. Ich beginne mit den Ersteren, als den ältesten 
eigentlichen Bauten an der Grenze, die in ihrer Mehrzahl sicherlich schon 
vor der Errichtung des Pfahls bestanden haben. Sie liegen am Pfahl ent- 
lang, und zwar meist in geringen Abständen von 10 — 30 m von ihm, manch- 
mal auch im Limeswall und zwar in willkürlicher Lage zur Limesrichtung; 
selbst an der Teufelsmauer, wo sie in die Mauer eingebaut sind, oder viel- 
leicht richtiger: wo die Mauer zwischen den Türmen ohne Verband mit ihnen 
angelegt ist, ist dieses die Regel. Doch kommen auch Ausnahmen vor, wie 
am Glaskopf, dem Feldberg etc.; östlich vom «Fröhlichen Mannskopf» fanden 
sich die Reste eines gemauerten Turmes sogar 100 m hinter dem Limes. 
Es sollen am ganzen Grenzwalle bis jetzt etwa 600 Türme nachgewiesen sein. 



61) In Figur 3 zeigt das Profil f g h das ausgesteinte Grübchen. 



44 Per Pfahlgraben. 

Auf der von mir ziemlich fertig gestellten Strecke Kapersburg — Feldberg, ca. 
18,00 km, sind 21 gefunden, also durchschnittlich etwa auf 850 m ein Turm. 
Gleichmäßig sind die Entfernungen nicht; in Wirklichkeit schwanken sie 
zwi-schen 500 — 1500 m. Die Türme finden sich gewöhnlich an Ilauptknlck- 
punkten des Limes und da, wo alte, vorrömische Wege den Pfahl durch- 
brochen haben. Dieselben, allgemein als Wacht- oder Warttürme bezeichnet, 
haben einen quadratischen Grundriß; die am Limes gefundenen sogenannten 
runden Türme gehören zu den Hügelanlagen, auf die ich noch zurück- 
kommen werde. Die Wachttürme sind nach einem Schema in bestimmtem 
Größen Verhältnis erbaut; es scheint das römische Maß, der Passus (Doppel- 
schritt) ä 1,479 m, zu Grunde gelegt zu sein, denn die meisten haben eine 
äußere Länge und Breite von 4,30—4,60 m, was etwa 3 Passus entspricht. 
Ausnahmen kommen allerdings vor, denn es finden sich kleinere und größere 
Türme und manchmal auch solche mit späteren Anbauten. Sie alle mögen 
aus einer .späteren Zeit stammen; wenigstens scheint dies für unseren Taunus 
der Fall zu sein. Rechnet man die Mauerstärken, die hier zwischen 0,80 
und 0,90 m schwanken, ab, so bleibt ein Lichtmaß der Türme von durch- 
schnittHch 2,60 — 2,90 m, etwa 10 römische Fuß. Das Mauerwerk ist mit 
Mörtel und in der Regel gut hergestellt, wodurch uns solche Bauten manch- 
mal in einer Höhe von 2,00 m über dem Boden erhalten geblieben sind. Die 
Mauern waren außen und innen verputzt. Nach den noch an mehreren 
Türmen in situ vorhandenen Verputzstücken zu schließen, waren die Außen- 
flächen quaderförmig eingeteilt und die tief eingeschnittenen Fugen mit roter, 
die Flächen mit hellgelber Wasser- oder Kalkfarbe gestrichen. Über das 
sonstige Aussehen und die Konstruktion giebt die Trajanssäule in Rom einige 
Aufklärung. Auf derselben sind Warttürme (specula) als zweistöckige Ge- 
bäude dargestellt (Taf. II, Fig. V); der untere Stock ist aus Stein, der obere 
in Holzfachwerk hergestellt und hat eine ringsumlaufende Gallerie mit dem be- 
kannten Andreaskreuzmotive, auf welcher eine Fackel ausgesteckt ist. Im 
Dache befindet sich eine viereckige Öffnung, die wohl nur zur Abführung des 
Rauches angebracht war. Auf Taf. II, Fig. II und Textfig. 3 ist eine Rekon- 
struktion mit Benutzung der Darstellungen auf der Trajanssäule versucht.^*) 
Da bei unseren Turmresten sich im Mauerwerke keine Thüröffnung fand, so 
hat wahrscheinhch ein Zugang zu ebener Erde in der Regel nicht bestanden, 
und der Turm mußte mittels einer aufziehbaren Leiter, wie bei mittelalter- 
lichen Bergfrieden, bestiegen werden, was die Sicherheit der darin weilenden 
Wächter, es mögen wohl drei oder vier gewesen sein, erheblich vergrößerte. 
Die Dächer waren mit Stroh, Schindeln oder anderem vergängUchem Materiale 
bedeckt. 



•*) Im Saalburg -Museum befindet sich das Modell eines Turmes in einem Viertel 
der natürlichen Größe aufgestellt. Im sogenannten «Englischen Garten» bei Homburg hat 
der Eigentümer, Dr. von Brüning, einen solchen römischen Wachtturm nach den üblichen 
Abmessungen und in römischer Konstruktionsweise aufbauen lassen. 



Der Pfahlgraben. 45 

Über die Besatzung der Türme und die von dort ausgeübte Bewachung 
der Grenze hat von Cohmisen in seinem «Grenzwall» S. 344 ausführlich ge- 
schrieben. Auch ich bin der Ansicht, daß diese Wachttürme nicht zum 
Signalisieren auf weite Strecken dienten. Dies ist bei vielen der versteckten 
Lage wegen ausgeschlossen, oder höchstens von Turm zu Turm möglich. 
A. von Cohausen sagt hierzu sehr richtig: «Es handelt sich ja überhaupt nicht 
um den «großen Krieg», über dessen Veranlassung, Beginn und Richtung 
der Kommandierende durch Kaufleute und Spione besser unterrichtet war, 
es handelt sich nicht um eine Alarmierung der ganzen Linie von der Donau 
bis zum Rhein, sondern nur darum, daß etwa ein Trupp germanischer Grenz- 
nachbarn oder ein Trupp von Schmugglern in der Nacht den Pfahlgraben 
an einer Stelle überschritten hatte, um im Inlande zu plündern oder seine 
Waren zollfrei abzusetzen, es handelte sich darum, in den nächsten Kastellen 
frühzeitig Nachricht davon zu erhalten, um jenen entgegenzutreten oder ihnen 
den Rückweg zu verlegen». Ob die Wachttürme, wie auf der Trajans- 
säule dargestellt, mit einem pallisadierten Hofe umgeben waren, ist schwer 
nachzuweisen, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß sich eine einfache Holz- 
planke davor befand, die immerhin Schutz gegen wilde Tiere gewährte; solche 
Einfriedigungen hinterlassen kaum Spuren. Ob die Reste einer elliptischen 
Mauer, die vor dem Turme (Taf. 11, Fig. I) östüch der Saalburg — «am Benner- 
pfad» — gefunden wurden, zu einer Hofeinfriedigung gehörten, ist zweifelhaft 
und bedarf noch einer nachträglichen Untersuchung. Neben den Türmen 
finden sich vielfach mit Asche angefüllte Vertiefungen, die vielleicht als Koch- 
plätze anzusprechen sind. Taf. H, Fig. U, zeigt vor dem rekonstruierten 
Wachttürme auf einem Hügel ein kegelförmiges Strohbündel. Man will in 
diesen spitzen Haufen, welche auf der Trajanssäule die Türme begleiten, 
Fanale sehen. Ob sie nicht vielleicht den Aufbau auf den Begleithügeln 
darstellen sollen? Daß Fanale in dieser Weise am deutschen Grenz walle zur 
Anwendung kamen, ist nicht sicher, wenigstens liefern die an den Hügeln 
gemachten Grabungen dafür keine Anhaltspunkte. Auch scheint bei den 
geringen Entfernungen der Türme untereinander, und wenn man bedenkt, 
daß das Feueranmachen damals weit schwieriger war als heute, die Annahme 
von Feuersignalen im Walde überhaupt problematisch. Sie könnten höchstens 
zur Verbindung mit den Standlagern der Truppen in der Ebene und dann 
nur von hohen Aussichtspunkten aus, wie sie der Taunuslimes nach dem 
römischen Gebiete hin nur in geringer Zahl bietet, gedient haben; denn bis 
jetzt ist ein römischer Turm auf dem Feldberg, dem höchsten und einzigen 
Punkte, der in Betracht gezogen werden könnte, noch nicht gefunden. Noch 
weniger war eine solche Telegraphenlinie zuverlässig bei Regen und nebeliger 
Witterung. Es genügten bei den kurzen Turmabständen mündliche Nach- 
richten durch Patrouillen, die sie von Turm zu Turm weitergaben wie bei 
unseren modernen Vorpostenketten. 

Auf derselben Tafel II, Fig. H, ist die Hügelgruppe westlich der Saal- 
burg am «Weißenstein» abgebildet, wie sie vor mehreren Jahren aufgenommen 



46 



Der Pfahlgraben. 



wurde. Die jüngsten Ausgrabungen, die nacli dem Drucke der Tafel geschahen, 
ergaben westHch von dem Turme D noch einen weiteren Turm; die von dem 
Pfahlgraben zum Teil durchschnittenen Erdaufwürfe sind Hügel, deren west- 
lich gelegener eine quadratische Steinsetzung enthält. Figur 4, die wir zur 



^^^^^lnmlnl'"^|||"HMMMMllllr||ll(lltollM^(HlMMllM»lMlHHm/Ml/(||llll^Mm/(M»lM^«^(HHnlll/|(»»lll(lHl»»|l 




vvvv^^! 



f3^ 



imilill|iiiniiiiuI?i^ltf|frf|il|/Miri!ii^^ 







Hügel gruppe am Weissenslein. '%/%/ 




Profil. C-D. 



Tt^urm. 



Ergänzung von Tafel II hier einfügen, enthält die neuesten Aufnahmen 
der Türme und ihre Lage zum Limes, der an dieser Stelle eine scharfe 
Biegung macht. 

Die Funde und Beobachtungen, die ich bei den Ausgrabungen der 
Türme gemacht habe, rechtfertigen die Ansicht, daß diese Bauten im Taunus 
wenigstens nicht durch eine gewaltthätige Zerstörung zu Grunde gingen, 
sondern geräumt wurden und später in sich selbst zerfallen sind. Nur selten 
findet sich eigentlicher Brandschutt, der oft mit der rückständigen Asche des 
Herdfeuers verwechselt Avird. Ebenso selten sind hier Waffen und Gefäße, 
meist kommen nur Scherben vor und gelegentlich ein verlorenes Werkzeug 
und anderes Gerät; auch sonstiges Eisenwerk, wie Nägel und Klammern, 
wird nur spärlich gefunden, woraus sich auch die Thatsache ergiebt, daß der 
Verband des Holzwerks dieser Bauten nur mit Holz geschah. Münzen, die 
fast überall, wo Römer lebten, zahlreich gefunden werden, kommen sehr ver- 
einzelt vor. Bei den vielen Türmen, die ich aufgraben ließ, ist kaum ein 
Dutzend derselben zu Tage getreten, von denen die bestimmbaren die Bild- 
nisse der Kaiser Antoninus Pius und seiner Gemahlin Faustina, sowie das- 
jenige Marc Aureis tragen. 

In den Zwischenkastellen, die auch als «Manipel-Kastelle» bezeichnet 
werden, fanden sich ähnliche Verhältnisse: wenige Fundstücke und geringer 



Der Pfahlgraben. 47 

Brandschutt. Auch hier befestigt sich der Eindruck, als seien sie freiwilhg 
geräumt worden. Nur bei den Hauptkastellen tritt uns ein Bild der Zer- 
störung entgegen; abgesehen von der Saalburg, ist es besonders das Kastell 
«Zugmantel», das uns bei jedem Spatenstiche zum Bewußtsein bringt, daß dort 
gewaltige Kämpfe stattgefunden haben müssen. 

Von den Zwischenkastellen, die nächst der Saalburg liegen und bereits 
untersucht sind — «altes Jagdhaus», «Heidestock» und «Lochmühlc» — , 
und die in ihrer Bauart und in ihren Abmessungen nicht viel von- 
einander abweichen, will ich nur das Letztere, als das der Saalburg am 
nächsten gelegene, kurz behandeln. Es diente als Sperre des Köpperner 
Thaies, als des einzigen bequemen Durchganges durch den östlichen Taunus 
von der Wetterau aus^^). Der Grundriß des Kastells und seine Lage zum 
Pfahle sind auf Taf. III, Fig. I abgebildet, doch fehlt dabei der Eingang, 
der nachträglich an der nach dem Pfahle gelegenen Schmalseite gefunden 
wurde ^*). Seine Breite beträgt 3,25 m, das innere Kastellmaß 14,00:19,06 m 
und die Mauerstärke 1,50 — 1,70 m; die vier Ecken sind, wie bei den größeren 
Kastellen, abgerundet. Charakteristisch ist hier die Herstellung der Um- 
fassungsmauer, die, wie bei fast allen Zwischenkastellen im Taunus, im Gegen- 
satze zu den Türmen und Hauptkastellen, nur aus Trockenmauerwerk be- 
steht; am Zwischenkastell «Maisei» hat sie sogar eine Stärke von 3,00 m. 

Nach den Beobachtungen, die man seither gemacht hat, läßt sich ein 
Zwischenkastell etwa folgendermaßen rekonstruieren: Die. Umfassungsmauern, 
die als Wallgang dienten, hatten eine Höhe von etwa 2,00 m; sie müssen, 
da eine Wallanschüttung nicht vorhanden war, innen und außen durch 
Holzwerk verstärkt und zusammengehalten gewesen sein, also eine Konstruk- 
tion gehabt haben wie das alte Kastell der Saalburg (Fig. 14). Außen ragten 
die Holzpfosten über die Mauer und bildeten, mit F'lechtwerk untereinander 
verbunden, die Brustwehr. Innen lehnten sich die Baracken an die Mauer, 
welche hierdurch gleichzeitig eine besondere Festigkeit erhielt, die eine ohne 
Mörtel, aus wenig lagerhaften kleinen Steinen zusammengesetzte Trockenmauer 
nicht gehabt hätte. 

Das Zwischenkastell «Lochmühle» ist mit einem seichten Graben um- 
geben, dessen Maße noch nicht festgestellt sind^^). Hypokausten wurden im 
Inneren nicht aufgefunden, dagegen zahlreiche Feuer- und Kochstellen. Die 
Wasserversorgung der Besatzung geschah aus dem unmittelbar dabei vorüber- 
fließenden Köpperner (Erlen-)Bach, der auch die Erbauung des Kastells an 
dieser Stelle vielleicht mit veranlaßt hat; in anderen Zwischenkastellen, die 
abseits von fließendem Wasser liegen, sind Tiefbrunnen aufgefunden worden. 



®^) Die jetzt vollendete Eisenbahn Hombiirg-Usingen konnte das Gebirge auch nur 
dadurch überschreiten, daß sie durch dieses Thal geführt wurde. 

ßi) Vergl. Limesblatt Nr. 11. 

•5^) Um das quadratische Zwischenkastell «Maisei» läuft eine mit Letten und Stein- 
geröll befestigte, 0,90 m breite Berme, an die sicli ein 3,70 m breiter und 1,20 ni tiefer, 
scharfeingeschnittener Spitzgraben anschließt (vergl. Limesbhitt Nr. 11). 



48 Der Pfahlgraben. 

Bevor wir das Kapitel über den Pfahlgraben verlassen, müssen wir 
noch diejenigen Fragen beantworten, die sich unwillkürlich in erster Linie 
aufdrängen. Sie lauten: Was war seine Bedeutung, wie konnte er zur Siche- 
rung der Reichsgrenze dienen, und wie wurde er verteidigt? Zunächst ist 
er als sichtbare Grenze zu betrachten; er sollte eine greifbare Marke sein, 
die Jeden daran erinnerte, daß er die unausbleiblichen Folgen zu tragen habe, 
wenn er sie unbefugter Weise überschritt. Die Staaten der Gegenwart be- 
stimmen ihre Grenzen lediglich durch Punkte, auf welche sie Steine setzen, 
zwischen welchen die Grenze in gerader Linie gedacht wird ; es genügt ihnen 
diese, auch in Karten eingetragene, mehr symbolische als augenfälHge Grenze. 
Auch die Römer, die keine Karten in unserem Sinne kannten, setzten Grenz- 
steine oder markierten die Grenze teils oberirdisch, teils in dem Erdboden. 
Noch im Mittelalter pflegte man auf der Grenze einen Graben zu ziehen, 
neben welchem durch den Aushub von selbst ein Wall entstand, und man 
gab der Grenze gerne eine Konstruktion, welche die Überschreitung erschwerte. 
So umgaben die Städte, beispielsweise Frankfurt im 14. und 15. Jahrhundert, 
ihr Weichbild mit Landwehren^^) (Graben mit Wall), die, mit Heckendickicht 
und Gebücken überwachsen, fast undurchdringlich waren und nur bei den 
bewachten «Schlägen» den Durchgang gestatteten. Der Bürgerschaft fiel es 
nicht ein, diese Landwehr zu besetzen, wohl aber hielt sie Wächter, die längs 
des Grabens patrouillierten, auf den Warttürmen Zeichen gaben und Lärm 
machten, wenn Feinde herannahten, oder es gar unternahmen, die Landwehr 
zu durchbrechen. Die Bürger auf dem Felde innerhalb derselben hatten dann 
noch Zeit, sich und ihr Vieh in die Stadt oder in die befestigten «Fliehhöfe», 
die Höfe der Warten, zu retten, bis ihr bewaffnetes Aufgebot vorrückte und 
sich dem eindringenden Feinde entgegenstellte, oder ihm, wenn er schon mit 
Beute beladen den Ausgang suchte, diesen an der Landwehr zu verlegen. 
Natürlich waren an den Haupt wegen und besonders da, wo ein feindlicher 
Einfall wahrscheinlicher und leichter zu unternehmen war, auch die Land- 
wehr und ihre Bewachung stärker als da, wo der Angreifer, schon ehe er so 
weit kam, mit anderen Hindernissen — mit weglosen Wäldern und Berg- 
abhängen — zu kämpfen hatte; denn des Angreifers Absicht war plötzlicher 
Überfall, Schädigung und Raub, zunächst aber Mitnahme des Geraubten. 
Wir haben in diesen mittelalterlichen Landwehren und ihrem Zwecke ein 
treues Abbild dessen, was auch bei den Römern die Aufgabe des Pfahls war, 
und was ihre Grenztruppen zu thun hatten. Allein es sind nicht nur die 
kriegerischen und räuberischen Unternehmungen, denen der Grenzwall vor- 
beugen sollte, auch der friedhche Verkehr, das Zollen, der Handel und 
Wandel sollte durch ihn geregelt und gewahrt werden. In dem «Römischen 
Grenz wall» von Ä. von Cohausen ist dies durch die Beschreibung der öster- 
reichischen, russischen und der argentinischen Militärgrenzen erläutert worden. 



6ß) Vergl. von Cohausen, Beitrüge zur Geschichte der Befestigung Frankfurts im Mittel- 
alter, im «Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst», Bd. IV. 1869. 



Der Pfahlgraben. 49 

Namentlich hat die österreichisch -türkische MihtärgreDze zunächst den Be- 
festigungen Marktplätze, wie sie auch bei den Limeskastellen «Alteburg bei 
Heftrich», bei der Saalburg und anderen aus der Römerzeit festgestellt 
wurden. 

Wir kommen daher zu dem Ergebnisse, daß der Pfahl als solcher nicht 
in erster Linie zur Verteidigung, sondern nur zum sichtbaren Abschlüsse des 
römischen Reiches diente; doch bildete er immerhin ein großes Hindernis, 
über welches man nicht leicht zu Pferde oder mit Wagen hinwegkam, und 
das im Kriegsfalle, vor den Kastellen wenigstens, leicht noch unwegsamer 
gemacht werden konnte. In Verbindung mit den Türmen und Kastellen 
vermochte er wohl den Angreifer aufzuhalten und verschaffte dadurch den 
Römern die Möglichkeit, ihre Legionen herbeizuführen. 

Über die Zeit der Entstehung des Pfahls gehen die Ansichten auch 
heute noch auseinander. Die alten Schriftsteller sprechen von der Errichtung 
von Grenzwällen in Deutschland; inwieweit sich dies aber auf unsere An- 
lagen bezieht, ist bis jetzt nicht nachgewiesen worden, doch mag die eine 
oder andere Stelle damit in Verbindung zu bringen sein. Ä. von Cohausen 
giebt in seinem «Grenzwall» das darauf Bezügliche an. Man war früher und 
bis in die neueste Zeit der Meinung, der Pfahlgraben sei ein Werk des ersten 
Jahrhunderts und von Bomitian oder Trajan angelegt. Landgraf Ferdinand 
von Hessen-Homburg, österreichischer Feldzeugmeister, ein erfahrener Soldat, 
bestritt es in seiner, in den fünfziger Jahren niedergeschriebenen Abhandlung 
über den Taunus^^) und sagt: ^Hadrian (117 — 138) errichtete an den Stellen, 
wo die Grenze gegen die Barbaren nicht durch Flüsse geschieden, sondern 
bloß durch Wachtposten besetzt und durch Aufwürfe (Hügel) markiert war, 
den Pfahlgraben», d. h. den jetzt noch sichtbaren Wall und Graben. Diese 
Ansicht wird durch die Ergebnisse der Reichslimesforschung bestärkt, und 
man geht jetzt sogar so weit, die Erbauung dieses Werkes unter die Regierung 
des Kaisers Antoninus Pitts und noch später zu setzen. Soweit meine Er- 
fahrungen am Taunus-Limes gehen, und soweit es sich um die Herstellung 
des Pfahles handelt, dürfte seine Entstehung in die Regierungszeit des An- 
toninus Pius zu setzen sein. Vielleicht steht die auf der Saalburg gefundene 
Kaiserinschrift aus dem Jahre 139 damit im Zusammenhang (vergleiche den 
Abschnitt XIIL 2: «Inschriften» A. I. 3). 

Zur Vervollständigung dieser Wahrnehmungen will ich in Verbindung 
mit der im Sommer 1893 im Taunus am Pfahle aufgefundenen Absteinung 
der römischen Reichsgrenze noch das Nötigste hier mitteilen. Um dies mit 
möglichster Kürze thun zu können, verweise ich für diejenigen, welche dieser 
Sache ein größeres Interesse entgegenbringen, auf meinen Bericht im «Limes- 
blatt» Nr. 7 und 8 und auf die weiteren Limesblätter, in denen die Berichte 
der Streckenkommissare über ihre Untersuchungen des Grenzgräbchens ver- 
öffentlicht sind, sowie auch aui Mommsens «Begriff des Limes» (Westdeutsche 



^') Vergl. Anmerkung 29. 
Jacobi, Das Römerkastell Saal bürg. 



50 ßer Pfahlgrahen. 

Zeitschrift 1894) und meine «Grenzraarkierungen am Limes» (Westdeutsche 
Zeitsclirift 1895). Ich beschränke mich hierbei auf die Taunusstrecke Kapers- 
burg-Kemel. 

In einem ziemHcli parallelen Abstände läuft vor dem Pfahle ein Gräbchen 
von 0,50 — 1,00 m Tiefe, das von der Wallwurzel, dem Anfange des äußeren 
Walles (Fig. 2, 3, 4), etwa 20 römische Fuß (6,00 m) entfernt liegt, zugedeckt 
ist und nur an einzelnen Stellen, hauptsächlich an den Knickpunkten 
(Fig. 4, G), äußerlich gekennzeichnet war. Der Querschnitt des Gräbchons 
ist immer so groß, daß ein Mann darin stehen und die Erde auswerfen 
konnte; stellenweise befindet sich darin eine Aussteinung (Fig. 3, f. g. h und 4), 
die mit Erde überschüttet oder mit Steinen mauerartig vollständig verdeckt 
ist. An anderen Strecken findet sich lediglich das Gräbchen, in welchem 
nur in größeren oder geringeren Abständen absichtlich eingesetzte Steine 
oder auch Holzreste vorkommen. Als besonders bemerkenswert erscheint, 
daß das.selbe auch im anstehenden Gesteine mit Aufwendung großer Arbeits- 
kraft in die festen Quarzite des Taunuskammes eingehauen ist, eine That- 
sache, die für seine Kontinuität spricht, welche jetzt nicht allein für den 
Taunus, sondern auch für die ganze Linie vom Rheine bis zur Donau nach- 
gewiesen ist. Zur Feststellung der Reichsgrenze war das Gräbchen selbst 
das wichtigste und hauptsächlichste Merkmal. Die Beifügung von Kohlen, 
Scherben, fremdem Steinmaterial, angekohlten Hölzern etc. erfolgte besonders 
an den Knickpunkten, wo sich solche «Signa» unter den Steinen finden, war 
aber auch überall sonst da nötig, wo es zweifelhaft erschien, ob sich nicht 
nach einer gewissen Zeit die wieder eingefüllte Erde mit dem gewachsenen 
Boden so verbinden würde, daß ein genaues Erkennen des Grenzzuges 
schwierig war und dadurch ein Grund zu Grenzstreitigkeiten gegeben werden 
konnte. Schon aus dieser umständlichen Herstellungsweise geht zur Genüge 
hervor, welch große Bedeutung die Römer dieser Grenze beilegten. Sie war 
in der Erde gegen äußere Beschädigung geschützt und unverrückbar, es 
war damit ein urkundlicher Nachweis in den Boden niedergelegt, auf den jeder- 
zeit Bezug genommen werden konnte. Daß diese Grenzmarkierung, der um- 
fangreiche Vermessungen und Absteckungen zu Grunde liegen, vor Herstellung 
des Grabens und Walles geschah, ist zweifellos; wieviel Zeit jedoch dazwischen 
liegt, ist bis jetzt nicht zu sagen; meiner Ansicht nach ist es kein großer 
Zwischenraum, sondern beide Anlagen gingen Hand in Hand. Erst erfolgte 
die Absteckung der Grenze, dann die Festlegung derselben durch das 
Gräbchen und zum Schlüsse die Herstellung von Graben und Wall. Dagegen 
ging beiden Anlagen eine ältere Grenze voraus, die wir in der Verbindungs- 
linie der Hügel zu suchen haben. 

Schon längst war bekannt, daß der Pfahl von Hügeln, die teils von 
dem Wall überdeckt sind und nahe dabei liegen, begleitet wird, den sogenannten 
«Begleithügeln». Sie sind schon öfters Gegenstand eingehender Erörterungen 
gewesen; man erklärte sie für Überreste von Gebäuden, Stallungen etc., die 
für die Besatzung der häufig dabeiliegenden Türme erforderhch gewesen 



Der Pfahlgraben. 51 

seien; auch dachte man an Gräber. Die AhnUchkeit mit Grabhügeln mag 
Veranlassung gewesen sein, daß sie schon in alter Zeit als «Heidengräber» und 
«Rittergräber» ^^) bezeichnet und möglicherweise auch infolge dieser Annahme 
unberührt blieben, im Gegensalze zu den danebenliegenden Turmresten, die 
durch ihren Zusammensturz auch eine hügelartige, aber unregelmäßige Ge- 
stalt annahmen und immer aufs Neue durchwühlt wurden. Doch sei hier 
bemerkt, daß sich diese sorgfältig aufgeschütteten Hügel von den Hügelgräbern 
auch äußerlich noch dadurch unterscheiden, daß sie von einem Rundgraben, 
manchmal sogar von zwei Gräbchen umschlossen sind. Nach Auffindung 
des Grenzgräbchens hat man diesen Anlagen eine größere Aufmerksamkeit 
geschenkt und sie weiter untersucht. In zwei Berichten — 1893 und 1895 
(Limesblatt Nr. 7 und 8 und in den «Grenzmarkierungen am Limes», 
Westdeutsche Zeitschrift 1895) — habe ich auf deren Wichtigkeit hinge- 
wiesen und die Vermutung ausgesprochen, daß diese Hügel wohl als ältere 
Grenzmale anzusehen sind, die von den Römern zur Festlegung der Grenze 
aufgeworfen wurden, und für diese mit besonderer Sorgfalt konstruierten 
Anlagen den Namen «Grenzhügel» in Vorschlag gebracht. Die 1895 fort- 
gesetzten Grabungen haben noch weitere Anhaltspunkte für diese Ansicht 
ergeben. Eine ausführliche Behandlung der Einzelheiten und Beobachtungen 
würde hier zu weit führen; ich beschränke mich daher nur auf eine kurze 
Angabe der Lage und der inneren Einrichtung der Hügel. 

Im Taunus liegen sie in der Regel an markanten — hoch oder tief ge- 
legenen — Stellen und zwar so, daß man von jedem derselben den vor- und 
rückwärts gelegenen sehen kann. Eine Einvisierung der durch sie festgelegten 
Linie war dadurch möglich; erleichtert wurde sie noch durch Zwischenpunkte, 
deren Spuren auch aufgefunden wurden. Was nun die Hügel selbst betrifft, so 
haben sie das gemeinsam, daß sie ein Gräbchen umgiebt, das stellenweise 
auf der Sohle mit ßasaltstücken, Kieseln, vorrömischen und römischen Ge- 
fäßscherben etc. ausgelegt ist und eine wagerecht eingeebnete kreisrunde 
Fläche von 8 — 10 m Durchmesser einschließt, in welcher sich vier Pfostenlöcher 
finden (vergl. Fig. 4). Diese messen im Querschnitt 20 — 30 cm im Quadrat 
und haben eine Tiefe von etwa einem Meter; sie sind jetzt noch exakt vor- 
handen und können nur von scharfkantig bearbeiteten Holzpfosten herrühren. 
Daß letztere nicht herausgezogen wurden, geht aus der guten Erhaltung der 
Hügel wie der Löcher zur Genüge hervor, sie müssen also vermodert sein. 
Meine bei der Auffindung dieser Löcher anfangs gefaßte Meinung, daß sie 
die zurückgelassenen Spuren von Holztürmen seien, habe ich inzwischen aus ver- 
schiedenen Gründen aufgegeben, besonders darum, weil der darüber aufge- 
worfene Hügel nach dem Vorgefundenen keine Kulturreste enthält und nicht 
aus dem Zusammensturze eines Turmes stammen kann, sondern nur aus 
Naturboden hergestellt ist. Auch stehen dem ganz erhebliche technische 
Bedenken entgegen. Es scheinen daher Pfostenlöcher und Hügelaufwurf 



*) So heißt die Hügelgruppe bei der «Kapersburg». 



52 t^er Pfahlgraben. 

gleichzeitig liergestellt zu sein und die Anlagen einen andern Zweck gehabt 
zu haben. Noch ist zu bemerken, daß sich an verschiedenen Hügeln 
zwischen den Pfostenlöchern viereckige Steinsetzungen aus Trockenmauerwerk 
befinden, die aber nicht über das Hügelprofil hervorstehen, sondern durch 
den Erdaufwurf verdeckt waren. Daß die Hügel älter als der Pfahl sind, ist 
schon durch die oben angeführte Thatsache, daß sie vielfach unter dem 
Limeswall hegen, als erwiesen zu betrachten. Als weiterer Beweis dafür hat 
sich nun noch gezeigt, daß solche Hügel auch von dem Limesgraben und 
dem Grenzgräbchen durchschnitten sind. Auch die Auffindung solcher Hügel, 
die viele hundert Meter rückwärts hinter dem Pfahl liegen, spricht dafür, 
daß sie in keinem direkten Zusammenhange mit letzterem stehen, sondern als 
eine in sich abgeschlossene Anlage betrachtet werden müssen. 

Aus den obigen Darlegungen läßt sich wohl der Schluß ziehen, daß 
nach Herstellung der neuen römischen Grenze, die durch Aussteinuug und 
Pfahl bezeichnet ist und vielfach von der älteren, durch Hügel markierten 
abweicht, die Grenzhügel als solche ihre Bedeutung verloren hatten. Sie 
sind uns nur an Stellen, wo sie nicht mehr hinderten, erhalten geblieben, 
dagegen an anderen, die mit der neuen Grenze zusammenfielen, beseitigt 
oder überbaut worden. Es wird daher heute schwer sein, alle Hügel aus 
dieser älteren Periode nachzuweisen. Mancher mag auch seines geeigneten 
Standortes wegen in späterer Zeit eingeebnet und durch einen Turm oder ein 
Zwischenkastell ersetzt worden sein. Bei der Neugestaltung Preußens haben 
wir Ahnliches erfahren : Viele alte Grenzsteine der einverleibten Klein- 
staaten sind damals verschwunden, andere blieben erhalten; so steht 
heute noch einige hundert Meter östlich der Saalburg an dem Pfahl- 
graben die alte Grenzsäule, die das Herzogtum Nassau von der Land- 
grafschaft Hessen -Homburg schied, als Erinnerung an eine frühere Zeit. 
Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß im Preußischen Staatsgebiete in 
Gegenden, in denen große Besitzstände vorherrschen, die Vermarkung durch 
Grenzhügel weit verbreitet ist, und daß es als gesetzlich angesehen wird, wenn 
unter dem Hügel in gehöriger Tiefe der eigentliche Grenzpunkt durch unver- 
wesHche Gegenstände (Schlacken, Ziegelstücke, Glas-, Thon- oder Porzellan- 
scherben) scharf markiert ist. Auch alle im Taunus aufgegrabenen römischen 
Hügel haben ähnliche Merkmale. Abgesehen von Gefäßscherben und Ziegel- 
stücken fand sich nicht allein unter dem Erdaufwurfe, sondern auch in der 
Tiefe des Bodens oft auswärtiges, d. h. nicht im Taunus gewachsenes Stein- 
material, als Mühlsteinbrocken aus Niedermendiger Lava, Syenit aus dem 
Odenwald, Muschelkalkstücke aus der Mainebene etc.^^). 

Man sieht hieraus, daß die Methode, unter Grenzsteine ein von dem 

natüriichen Boden abstechendes Material — Scherben, Steine u. a. m. 

als sichere Erkennungszeichen für den Fall der Beschädigung und Verrückung 



«») In dem Hügel am «Mittellierge» lag sogar unter der Aufschfittung ein Schiefer- 
plättchen mit den eingeritzten Buchstaben JANV/'//. 



Der Pfahlgraben. 53 

des Grenzpunktes zu legen, schon den Römern bekannt war und sich noch 
bis in unsere Zeit erhalten hat. 

Die Hügel hatten meiner Auffassung nach einen mehrfachen Zweck: 
erstens bezeichneten sie den Punkt, wo das Meßinstrument aufgestellt war 
und die Standlinien zusammenliefen oder einen Winkel bildeten; zweitens 
war durch den mit Pfosten und Steinsetzung hergestellten gradseitigen Klotz 
(Steinkiste) die Flucht der Standlinie und damit auch der Grenzzug selbst 
dauernd und sicher festgelegt. Durch diesen Umstand war man immer in der 
Lage, die Richtung der Grenze zu finden, was auch jetzt noch nach fast 
2000 Jahren durch Visierung gelungen ist und die Auffindung abseits 
des Pfahles gelegener Hügel ermöglichte. Eine ähnliche Einrichtung ist uns 
auch aus dem Mittelalter überliefert worden, wo ein Holzstoß oder Steinhaufen 
als regelrechtes Rechteck mit scharfen, deutlichen Kanten aufgestellt wurde, 
dessen Seiten zur Ausmittelung der geraden Linie, die als Markscheide .von 
einem dieser Zeichen bis zum anderen hinlief, diente. Diese Einrichtung 
hieß im Slavischen Granica (Granula); später übertrug man diese Bezeich- 
nung auf die Linie selbst und daraus entstand das Wort Graintze, Gründe, 
Grenze. Ob die Pfosten, die sicher mit einem Querholze verbunden waren, 
über den Hügel hervorragten, ist zur Zeit noch schwer zu sagen. Im frühen 
Mittelalter scheinen Grenzhügel mit sichtbaren Holzgerüsten üblich gewesen 
zu sein. Gustav Freitag erwähnt in seinen «Ahnen» (Nest der Zaunkönige) 
einen «Grenzhügel», der als Grenzzeichen ein wettergraues Turmgerüst trug. 
Auch werden im Hessischen heute noch Grenzsteine, besonders «Dreimärker», 
mit einem Steingestelle umrahmt, dessen Seiten die Grenzzüge genau angeben, 
was gewiß auch aus früherer Zeit übernommen ist. 

Nach dem Mitgeteilten wird es nicht zu gewagt sein, die Vermutung 
auszusprechen , daß die Hügel außer für die schon besprochenen Zwecke 
hauptsächlich auch als Male für die Grenze dienten; es dürfte demnach die 
Bezeichnung «Grenzhügel» der Sachlage am meisten entsprechen. Werden 
dieselben nunmehr als Grenzmarkierung angesehen, so läßt sich durch sie 
eine ältere, ja vielleicht die älteste Grenze nachweisen, welche die Römer 
im Taunus gegen ihre germanischen Grenznachbarn zogen. 

Unter Berücksichtigung aller zuvor mitgeteilten Beobachtungen und 
Forschungsergebnisse möchte ich meine Ansicht über die Anlage des großen 
römischen Grenzwerkes hinsichtlich der zeitlichen Aufeinanderfolge kurz da- 
hin zusammenfassen: 

1. Die vereinbarte Grenze, die w^ohl im Taunus alte Völkergrenze war, 
wird abgesteckt, eingemessen und an den Hauptpunkten durch Hügel 
markiert. Dazwischen ist die zur Einvisierung nötige Schneise durch den 
Wald als Grenzweg erweitert.- Vielleicht gehören hierzu die bis jetzt noch 
unaufgeklärten Erdschanzen. Als erste Sicherheitsmaßregel und zur Be- 
wachung dieses Grenzzuges werden Türme mit steinernem Unterbau errichtet; 
gleichzeitig sind wahrscheinlich die jetzt im Taunus gefundenen Erdkastelle 
und die bekannten Zwischenkastelle, doch könnten erstere für sich schon 



54 I^e*" Pfahlgraben. 

vor Festlegung dieser Grenzlinie bestanden haben; sie wären dann ab die 
erste Grenzsichening zu betrachten. 

2. Nach einem heute noch nicht zu bestimmenden Zeiträume wird unter 
Benutzung der Verbmdungslinie zwischen den Hügeln als StandUnie eine 
fortlaufende Grenze, die manchmal mit der ersten zusammenfallt, manch- 
mal aber um viele hundert Meter abweicht, nach juristisch-katastralen Ge- 
sichtspunkten abgesteckt und festgelegt. Es ist der Limesstreifen, der auf 
beiden Seiten von einem Gräbchen eingefaßt ist, wovon das äußere aus- 
gesteint und besonders unterirdisch markiert war, aber auch hervorragende 
Zeichen (Grenzsteine, Lochbäume etc.) hatte. Die Hügel verlieren hiermit 
ihre eigentUche Bedeutung als Grenzzeichen, wie der Hügel in der Nähe der 
Lochmühle zeigt, der von dem äußeren Gräbchen durchschnitten wird. 

3. Der Limes als Grenzweg mit den vor ihm und mit ihm parallel ver- 
laufenden Grenzgräbchen wird in seiner Richtung beibehalten, aber dahin 
abgeändert, daß auf demselben ein Graben ausgehoben wird, dessen Auswurf 
den Wall bildet. Dieser c Pfahl» durchschneidet oder überschüttet mehrere 
Hügel als nunmehr bedeutungslos, so am «Weißenstein», am «Kieshübel», 
am «Roßkopf» und bei der «Lochmühle». Auch eine Anzahl von Türmen 
scheint jetzt aufgegeben zu werden. Einige hegen sogar unter dem Walle 
oder im Walle, ebenso wie z. B. das wahrscheinlich gleichzeitig mit diesen 
Türmen angelegte Zwischenkastell «Maisei», das der nachträglich gezogene 
Pfahl in das römische Gebiet noch gerade hineinzog. Ahnlich ist es an der 
Saalburg, wo er dem früher errichteten Kastelle in großem Bogen ausweicht. 

Wenn man eine Scheidung in einzelne Perioden vornehmen will, so 
würden sich deren drei oder möglicherweise vier feststellen lassen: 

1. Errichtung der Erdkastelle als vorgeschobene Posten; 

2. Markierung der Grenze durch einzelne Punkte, die Hügel; Sicherung 
der Grenze durch Erdkastelle, Zwischenkastelle und Türme mit steinernem 
Unterbau ; 

3. Herstellung einer zusammenhängenden Linie in dem Grenzwege 
(dem Limes) mit dem Gräbchen; 

4. Daran anschließend, oder wenigstens nicht viel auseinanderUegend, die 
Anlage von Wall und Graben; sie wird in die Zeit fallen, als man an 
den Hauptpunkten die Kastelle vergrößerte. 

SchheßHch könnte man die Perioden 1 und 2 zusammenfassen, sodaß 
sich dann drei Hauptperioden ergeben würden, wie sie auch am Kastell 
Saalburg nachgewiesen werden. 



55 



vn. 

Zur Gescliiclite der Saalbui^a* in Römerzeit. 



Eine erschöpfende Geschichte der Saalburg zur Zeit der Römerherrschaft 
zu schreiben, ist bei der mangelhaften Kenntnis der Geschichte des 
Limes und vor dem Abschluß der noch fortdauernden Untersuchungen des- 
selben zum mindesten verfrüht, auch vielleicht gänzlich unmöglich. Die alten 
Schriftsteller nennen die Saalburg nirgends mit Namen, vielleicht enthält aber 
die bekannte Stelle bei Tacitus""^) einen Hinweis auf sie. Die Steine reden vor- 
läufig noch eine sehr dunkle Sprache, und es muß einem günstigen Zufall 
vorbehalten bleiben, durch eine Inschrift oder einen sonstigen Anhaltspunkt 
Aufklärung zu erhalten. Ich lasse daher nur eine Niederschrift von A. von 
Cohausen über den mutmaßlichen Gang der Ereignisse in unserem Limes- 
kastell, die aus den achtziger Jahren stammt, hier im Wortlaut folgen und 
beschränke mich auf einige ergänzende Notizen, die in den Anmerkungen 
und am Schlüsse hinzugefügt werden sollen. 

Ä. von Cohausen schreibt: 

« Cäsar hatte im Jahre 58 v. Ch. bei dem Siege über Ariovist den Ober- 
rhein erreicht, er hatte den Niederrhein im Jahre 55 bei Xanten und den 
Mittelrhein im Jahre 53 bei Neuwied überschritten. Durch Drusus faßten 
die Römer, und zwar deren 14, Legion, ums Jahr 11 v. Ch. festen Fuß in 
Mainz und dessen Brückenkopf Kastei. 

Dem gegenüber dehnte sich das Volk der Chatten zwischen Rhein und 
Main bis zur Weser und nördlich Aielleicht bis zur Sieg aus. Den schönsten 
Strich dieses Landes aber, die Thalebene des rechten Rhein- und Mainufers, 
der Nidda und der Wetterau, nahm der Stamm der Mattiaken ein; durch 
die Fruchtbarkeit und glückliche Lage ihres Geländes w^aren sie von allen 
Germanen des rechten Rheinufers der römischen Kultur am leichtesten zu- 
gänglich und durch die Siege des Drusus über die Chatten am festesten an 
die Römer gefesselt. 



''") Tacitus Ann. I. 56 (Germanicus) positoque castello super vestigia paterni praesidii 
in monte Tauno expeditum exercitum in Chattos rapit etc.: «(Germanicus) errichtete ein 
Kastell auf den Resten des von seinem V^ater (Drusus) auf dem Taunusgebirge befestigten 
Platzes und eilte mit dem gepäckledigen Heere ins Land der Chatten etc.» 



5G 5^u>* Goschichte der Saalburg in Römerzeit. 

Wie dieser Feldherr vom Niederrlieine aus das Kastell Aliso weit nach 
Osten gegen die Sigambrer vorschob, so erbaute er auch bei den Mattiaken 
unfern des Rheines ein Kastell gegen die Chatten [Dio Cassius 54, 33), von 
welchem Tacitus sagt, daß es auf dem Taunusgebirge gelegen habe, und 
dies ist möglicherweise dasselbe, das Ptolcmüus «Artaunon»'^) nennt. 

Wenn die römischen Schriftsteller von Siegen sprechen, so wissen wir 
aus den Brand- und Schuttlagen, die in dem Kastell Saalburg übereinander 
geschichtet sind, daß dazwischen ebensoviele Niederlagen, ebensoviele Zer- 
störungen der Grenzvesten einzuschalten sind. 

Zumal muß eine solche in einem siegreichen Aufstand ums Jahr 70 
dem wilden Anstürme vorausgegangen sein, in welchem ein Haufe von Usi- 
petern, Mattiaken und Chatten es unternahm, Mainz zu überfallen. Es 
war der Bataveraufstand unter Civilis, der in stammverwandtem Zorn auch 
hier aufloderte. Um so fester wurden nach Unterdrückung desselben die 
Mattiaken gekettet; vielleicht sagen wir besser: um so fester wurden ihre 
Interessen mit denen der Römer verbunden. Denn um diese Zeit scheint es 
gewesen zu sein, daß in dem Main-Taunuslande zwei Civitäten — zwei Ge- 
meindewesen — gegründet wurden: Die civitas Taunensium und die civitas 
Mattiacorum, welche etwa da, wo die Nied in den Main mündet, sich be- 
grenzten und zu ihren Mittelpunkten den «Novus Viciis>-> bei Heddernheim 
und das CasteUum Mattiacorum, Kastei gegenüber Mainz, ausbildeten. Auch 
mögen damals die Mattiakischen Kohorten gegründet worden sein, welche 
zwar nicht in hiesiger Gegend stationiert waren, ihr Dasein aber an der 
unteren Donau verewigt haben, nämlich in einem Militärdiplome aus dem Jahre 
134 und in der Notitia Imperii, wonach sie noch im 5. Jahrhundert, als ihr 
Land schon längst nicht mehr in den Händen der Römer war, diesen noch 
als Soldtruppen dienten. Um die für die römischen Sitten und Interessen 
gewonnenen Mattiaken von ihren wilden Stammesbrüdern, den Chatten, zu 
trennen, wurde schon Ende des ersten Jahrhunderts, wahrscheinlich unter 
Domitian, die Grenze gegen diese gezogen. Unter der Regierung Hadrians 
(117 — 138) folgte ein langer Friede, während dessen, auch wenn die Geschichts- 
quellen reichlicher flössen, wir wohl von keiner Zerstörung unseres Kastells 
zu melden hätten, im Gegenteil glauben wir, daß in jener Friedenszeit die 
Bauten ausgeführt wurden, deren Reste uns vor den Thoren des Kastells 
noch erhalten sind. Die Truppenteile, welche bei diesen Bauten mitgewirkt, 
haben sich in den Stempeln der dort verwendeten Ziegel genannt. Es sind 
die 8. und 22. Legion, die nach dem Bataverkrieg in unser Land gekommeri 



^•) Die Ansicht, daß Artaunon die Saalburg sei, hat schon von Cohansen selbst später 
aufgegeben, sie läßt sich auch vorläufig durch nichts stützen. Becker dachte an Heddern- 
heim (Aretaunon = vor der Höhe), Seiffert an den Altkönig, und ich habe neuerdings mit 
einiger Wahrscheinlichkeit darunter das Kastell Ziigmantel vermutet (Limesblatt Nr. 16). 
Über die vielen Erklärungsversuche vergl. Nassauer Annalen XI. 1871, p. 328 ff.; Becker, 
Bonn. Jahrb. LXVI, p. 1—20; und Hammeran: Urgeschichte von Frankfurt a. M. und 
Taunusgegend. 1882. 



Zur Geschichte der Saalburg in Römerzeit. 57 

sind und am ganzen Taunus entlang ihre Bauthätigkeit entfalteten. Da beide 
Legionen gewiß nicht durcheinander gemischt hier standen, so müssen zwischen 
ihnen eine oder mehrere Dislokationen stattgefunden haben, deren Zeitpunkt 
zu kennen für die Zeitstellung der Bauten, die ihre Stempel tragen, von Inter- 
esse wäre; bis jetzt sind wir aber noch nicht im Stande zu sagen, welche 
der beiden Legionen früher, und welche später in der Saalburg und in den 
betreffenden Orten gestanden hat,' zweifeln aber nicht, daß glückliche Funde 
und sorgfältige Aufzeichnungen zur Entscheidung dieser Frage führen werden^^). 

Während des langen Friedens unter den Antoninen, in dem sich die 
Bürgerliche Niederlassung um die Saalburg ausbreitete, und zwar mit größter 
Wahrscheinlichkeit in dem Jahre 139, wurde der dem Kaiser Äntoninus Phis 
gewidmete Denkstein ^^) auf der Saalburg aufgestellt. Zu einer unbekannten 
Zeit verstümmelt, wurde er später zu Nützlichkeits bauten verwendet. Diese 
Friedenszeit endigte mit dem Jahre 167. Wenn es damals den Chatten ein- 
fallen konnte, in Obergermanien und Rätien einzubrechen, so mußten hierbei 
die in ihrer rechten Flanke liegenden, von den Römern besessenen Land- 
schaften längs des Taunus und der Wetterau in Mitleidenschaft gezogen 
worden sein, leidend, wenn sie von Truppen entblößt waren, drohend und 
eingreifend auf den Vor- und Rückmarsch der Barbaren, wenn sie eine starke 
römische Besatzung hatten. Und in der That scheint dies hier der Fall und 
die Aufgabe des Äufidius Vidorinus gewesen zu sein, während Didius Jidianus, 
der nachherige Kaiser, ihnen von Obergermanien aus entgegentrat. 

Mit Commodus (180 — 192) begann eine Zeit der Wiederherstellung der 
Heerstraßen wie der festen Plätze, und wenn wir deren Spuren an der Saal- 
burg auch nicht im Einzelnen nachweisen können, so kann sie doch auch 
hier nicht gefehlt haben. Auch während der Regierung seines Nachfolgers, 
des Septimius Severus''^) (193 — 211), wurden die Feinde von der römischen 
Grenze fern gehalten und die friedliche Entwicklung innerhalb derselben 
nicht wesentlich unterbrochen. 

Allmählich aber waren an die Stelle der Chatten die Alemannen ge- 
treten. Caracalla {2ii — 217)., der sich viel am Rheine aufhielt, scheint, wenn 

'2) Nach Niederschrift dieser Aufzeichnungen fand sich, daß die Villa (vergl. den 
Abschnitt IX. 3) auf einem älteren Bauwerk errichtet ist, dessen Mauern gut erhaltene 
Heizeinrichtungen umschließen. Die dort gefundenen Heizkacheln tragen alle den Stempel 
der 22. Legion; nach Zeichnung und Ausführung gehören sie der ältesten Zeit an (Taf. 
LXXV, Nr. 2 und 6), dagegen die Ziegel der Hypokaustenpfeiler mit Stempeln der 8. Legion 
möglicherweise derjenigen des eigentlichen Villenbaus (Taf. LXXVIH, Nr. 20 und 23). Es 
läßt sich daraus wohl der Schluß ziehen, daß die 22. Legion früher als die achte an der 
Saalburg gebaut hat. Allerdings braucht sie deshalb nicht früher als die 8. Legion die 
Besatzung des Kastells gebildet zu haben, da nicht erwiesen ist, daß jede Legion die an 
ihren Bauten vermauerten Ziegel auch selbst gebrannt hat, zumal Centralwerkstätten vor- 
handen waren (vergl. den Abschnitt über die Ziegel, XI. 4. c). 

") Vergl. den Abschnitt XIII. 2 «Inschriften» A. I. 3; er ist das älteste Denkmal, 
das überhaupt bis jetzt am ganzen Limes gefunden ist. 

^*) Dieser Periode gehören mehrere Inschriftsteine an, die den Namen des Kaisers 
Septimius Severus tragen; vergl. den Abschnitt XIII. 2 «Inschriften», A. I. 1, 6 u. viell. 8. 



58 Zar Geschichte der Saalburg in Römerzeit. 

auch nicht so siegreich, wie er sich gern schmeicheln Heß, doch nicht oiine 
Glück mit ihnen gekämpft oder verhandelt zu haben. Ihn und vielleicht 
speziell seinen Aufenthalt auf der Saalburg nach einer siegreichen Schlacht 
nahe dem Main (prope Moenum Äurcl. Victor de Caes. 21) feiert der dem 
Jahre 212 angehörige Stein '^), den die IL Kohorte der Räter, die damals den 
Beinamen Antoniniana führte, ihm im Kastell oder in der Nähe desselben ge- 
setzt hat, und der jetzt am Schloßturme von Homburg eingemauert ist. Mög- 
hcherweise hat Kaiser CaracaUa selbst die Saalburg besucht und dort ge- 
wohnt. Wenn sein Nachfolger Heliogahal 218 — 222 in Obergermanien (bei 
Baden-Baden) Zeit zu Wegbauten gefunden hat, so wird auch im Main- 
lande Friede geherrscht haben und werden bürgerliche Bauten ausgeführt 
worden sein. 

Erst zu Ende der Regierung des Severus Alexander (223—235) wird 
von neuen Einfällen der Alemannen nach Gallien berichtet ; und wenn dieser 
Kaiser von Mainz aus, ohne den Rhein zu überschreiten, mit diesem Volke 
in Unterhandlung zu treten genötigt war, -eo muß das Taunusland und mit 
ihm seine Kastelle wohl in Feindeshand gewesen sein. Wir werden also auch 
auf der Saalburg unter den vielen nicht speziell zu bezeichnenden eine Schicht 
von Brandschutt vor uns haben, die jene Hand damals ausgestreut hat. 

Durch die bei Mainz erfolgte Ermordung des Severus Alexander trat 
Maximimis Thrax (235—237) an seine Stelle, überschritt den Rhein und warf 
die Alemannen zurück. Daß dies mit bleibendem Erfolge geschehen, und 
daß auch die Saalburg damals wieder in seinen Besitz kam, ersehen wir dar- 
aus, daß er eine von Mainz zu den Main- Kastellen führende Straße mit 
Meilenzeigern versehen hat'^). 

Wir wissen aus Vopiscus, Aurelian 7, daß unter Gordian III. (238 — 244) 
der Tribun und nachmalige Kaiser Aurelian bei Mainz mit den Franken einen 
glücklichen Kampf bestand; auch scheint aus mehreren Münzen von Philipjms 
Arahs (244—249), die wir bei der Saalburg fanden, sowie aus dem Titel 
Germanicus Maximus, den sich dieser Kaiser und sein Sohn beilegten, hervor- 
zugehen, daß auch das Kastell sich damals noch in siegreichem römischem 
Besitze befand. 

Allein die steigende Verwirrung in der Regierung des römischen Reiches 
steigerte auch di« Thatenlust der Alemannen und Franken, die sich am Maine 
die Hand reichten und von hier aus ihre Einfälle nach Gallien versuchten, 
zumal dieses Land ihnen vollkommen offen stand, als im Jahre 253 Valerian 
mit den rheinischen Legionen nach Rom eilte. Wenn auch Gallienus von 
254 — 257 die Rheingrenze festhielt, so erkennen wir doch aus dieser Angabe 
der Schriftsteller, daß er das rechte Rheinufer sich selbst überlassen mußte, 
und daß dies mit dem Verluste und einer neuen Zerstörung der Saalburg 
gleichbedeutend ist, deren Brandschutt wir vor Augen haben. 



") Desgl. Nr. 7. 

^*) Vergl. den ina Großh. Museum zu Darrastadt befindlichen, im Jahre 1833 bei 
Kleestadt aufgefundenen Meilenzeiger, Brambach, Corpus inscriptionum Rhenanarum Nr. 1963. 



Zur Geschichte der Saalburg in Römerzeit. 59 

Mit Postumus (258—267) muß diese Veste wieder in den Besitz der 
Römer gekommen sein und eine Wiederherstellung erfahren haben, da von 
diesem Kaiser berichtet wird, er habe die meisten rechtsrheinischen Besitzungen 
wieder gewonnen, ja ihnen eine Ausdehnung gegeben, wie kein römischer 
Feldherr vor ihm noch nach ihm; insbesondere wissen wir von ihm, daß er 
während 7 Jahren mehrere Castra auf der rechten Rheinseite (in solo barbarico) 
erbaut hat. Wurden diese auch durch einen plötzlichen Einfall der Germanen 
zerstört, so wurden sie doch ebenso rasch durch seinen Nachfolger Lollian 
wieder in den früheren Stand gesetzt. Den Beweis dafür, daß die Thaten 
des großen Kaisers auch nach diesem noch dessen Nachfolgern zu gut kamen, 
und daß jene Nachricht auch auf die Saalburg zu beziehen sein dürfte, könnte 
durch eine Münze von Claudius Gothicus (268—270), welche der Boden der 
Bürgerlichen Niederlassung uns überhefert hat, bestätigt werden"). 

Wenn nach der Ermordung Äurelians (274) die Alemannen und die 
Franken den Rhein überschritten und verheerend in Gallien einfielen, so war 
Prohus (276 — 282) ganz der Mann, das alte Ansehen und die alten Grenz- 
wehren gegen die Germanen, wie Vopiscus berichtet, wieder herzustellen und 
mußte dies auch die Saalburg mit umfaßt haben. Ziehen wir die Münzfunde 
im Kastelle mit zu Rate, so ist es allerdings möglich, daß jene Münze des 
Claudius Gothicus von einer Kastellbesatzung unter Prohus dort verloren worden 
ist. Allein keine Münze aus dem Zeitraum von 270 bis 282, weder von 
Äurelian, Tetricus, Tacitus und Florian, geschweige denn von Probus — 
obschon die des erst- und letztgenannten im Main-Taunuslande nicht zu den 
Seltenheiten gehören — steigert diese Möglichkeit zur Wahrscheinlichkeit. 
Trotzdem wissen wir, daß Prohus die Alemannen über den Neckar zurück- 
gedrängt hat, und Alles spricht dafür, daß er den Vormarsch von Mainz 
aus unternommen, indem er hier den Rhein und etwa bei Schwanheim 
den Main überschritten, dann die zwischen diesem Flusse und dem Neckar 
wohnenden Alemannen geschlagen und über letzteren zurückgeworfen habe. 
Man könnte darauf die Vermutung stützen, daß das rechte Mainufer in 
seiner Hand gewesen und durch den Pfahlgraben mit seinen Kastellen auf 
dem Taunus gesichert gewesen sei. Eine gleiche Vermutung wird durch den 
Antritt des Feldzugs angeregt, in welchem Maximian 287 die Alemannen 
zwischen der oberen Donau und dem Rheine niederschlug. Auch hier könnte 
man nur im Besitze der Taunuskastelle eine strategisch geforderte Rücken- 
deckung suchen, allein je mehr Voraussetzungen man an Stelle der mangeln- 
den Überlieferungen aufeinanderzubauen versucht, desto unsicherer werden 
die zu höchst aufgegipfelten. 

Nur das ist gewiß, daß das Taunusland allmähhch ein für die Römer 
sehr unsicherer Besitz geworden war, und wenn auch seine Bewohner durch 
ihre Kultur und durch die schützende Hand der Römer noch lange an sie 
gebunden waren, so waren sie doch allmählich so sehr mit alemannischen 



") Vergl. hierüber die «Schlußbetrachtung» in dem Abschnitte XIII. 3 «Die Münzen», 
ferner die Abschnitte VIII. 1 und IX. 1. 



QQ Zur Geschichte der Saal bürg in Kömerzeit. 

Elementen vermischt worden, daß die Grenze des Römerreichs nicht mehr in 
dem Pfalilgraben und seinen Kastellen, sondern in den Ufern des Rheines 
selbst festgehalten werden mußte. 

Nachdem wir so oft den Verlust der Saalburg berichtet haben, können 
wir doch nicht angeben, wann er zum letzten Male stattgehabt hat. Längst 
verloren war die ganze rechte Rheinseite, als Constantius im Jahre 356 den 
späteren Kaiser Julian nach Gallien sandte. Nachdem dieser siegreiche Feld- 
herr die Alemannen bei Straßburg geschlagen, überschritt er bei Mainz den 
Rhein und drang auf dem ihm schon von Prohus und 3Iaximianus vorgezeich- 
neten Wege in das von den Alemannen zwischen Main und Neckar bewohnte 
Land; schon im darauffolgenden Jahre 358 war er genötigt, dasselbe 
abermals zu thun, beide Male jedoch wohl ohne die Rückendeckung durch 
die, wie wir glauben, längst in Trümmern liegenden Pfahlgraben-Kastelle. 
Aus den Kämpfen und mehr noch aus den Verhandlungen, welche zwischen 
Valentininn und Mucrian, dem Könige des alemannischen Stammes der Buccino- 
banten, in den Jahren 371 und 374 stattfanden, ersehen wir, daß an einen 
Besitz der Taunus-Kastelle, insbesondere der Saalburg, schon längst nicht 
mehr gedacht werden konnte. 

Wenn die letzte Herstellung der Saalburg wirklich unter Prohus statt- 
gefunden hatte, so hat jedenfalls nach seinem Tode ihre letzte Zerstörung nicht 
mehr bis zum Ende des dritten Jahrhunderts auf sich warten lassen. Den 
Alemannen war die Saalburg kein wünschenswerter Besitz ; nichts weist darauf 
hin, daß sie sich dort niedergelassen oder auch nur vorübergehend da ge- 
haust hätten. In jenen Zeiten, da Rom dieses Taunusland nicht mehr schützen 
konnte und die plündernden Feinde nicht mehr über das Gebirge, sondern 
von Süden her eindrangen, hatte der Pfahlgraben seinen Wert verloren. Die 
Bevölkerung der Ebene floh ins Gebirge, versteckte sich mit ihrer Habe in 
den Wäldern und bereitete sich dort in den Wallburgen geräumige und ver- 
teidigungsföhige Zufluchtsorte; dazu eignete sich durchaus nicht die an der 
Heerstraße, in einem nicht zu vermeidenden Passe gelegene Saalburg, deren 
Verteidigung nach keiner Seite durch natürliche Hindernisse erleichtert war. 
Nur eine Zeit giebt es, wo die alemannische Bevölkerung, wenn sie nach 
römischer Kriegskunst organisiert und geschult gewesen wäre, die Front des 
Pfahlgrabens und seiner Kastelle wieder hätte aufnehmen und ausnutzen 
können. Es ist dies die Zeit, wo die Alemannen durch die die Lahn hinab- 
ziehenden Ostfranken aus Seitenthälern dieses Flusses verdrängt worden 
waren und die Ereignisse herannahten, durch welche sie von Chlodwig 
für immer über den Main geworfen wurden. Allein nichts derart deutet 
auf eine solche spätere Sperrung der an der Saalburg vorüberziehenden 
Wege. Wald und Waldgras deckte allmählich die noch vor kurzem 
rauchenden Trümmer, die, wo sie höher aufragten, auch bald unter dem 
wuchernden Gesträuche ihr Grab fanden. Wir hören während des ganzen 
Mittelalters nichts von ihnen, nur der Name hat sich erhalten oder vielleicht 
damals gebildet.» 



Zur Geschichte der Saalburg in Römerzeit. Q\ 

In den vorstehend zum Abdruck gelangten Darlegungen hat von Cohausen 
schon auf die vielen Schuttlagen im Kastell hingewiesen; auch die seit jener 
Zeit ausgeführten Grabungen haben ergeben, daß außer den Erweiterungs- 
bauten auch Zerstörungen und Wiederaufbau mannigfacher Art in und vor 
dem Kastelle vorgekommen sind, letzterer vornehmlich infolge vorausgegangener 
Verwüstung durch Brand. Allerdings ist nicht festzustellen, ob dieser ledig- 
lich durch den Feind angefacht wurde, oder ob er gelegentlich auch auf ein 
Verschulden der Besatzung zurückzuführen ist. Sei dem, wie ihm wolle: Die 
Brandschäden sprechen beredter als manche Inschrift, sie erzählen uns, daß 
die Saalburg wechselnde Schicksale durchgemacht, daß viele Geschlechter 
dort gelebt und in den mannigfachen Gräbern ihre Ruhe gefunden haben, 
und wohl mag Manches von dem, was uns in den alten Schriftstellern von 
den Kämpfen der Germanen und Römer erzählt wird, auf die Saalburg zu 
beziehen sein. 

Ein greifbarer Anhaltspunkt zur Beurteilung der geschichtlichen Ver- 
hältnisse hat sich uns durch die im Jahre 1894 erfolgte Auffindung eines 
älteren Kastells geboten. Dasselbe liegt im Bereiche der späteren großen An- 
lage (Tafel IV) und kann wohl als «Erdkastell» bezeichnet werden, dessen tiefe 
Spitzgräben heute noch im Boden verdeckt liegen (Fig. 14). Letztere wurden nach 
Aufgabe der zu klein gewordeneu und nicht genügend befestigten Anlage 
zugeworfen und mit Steinen überdeckt. Hiermit war eine Periode abgeschlossen, 
die wir vielleicht in die erste Zeit der römischen Okkupation des Taunus- 
gebietes setzen dürfen. An und unter den Mauern des jetzt sichtbaren 
Kastells finden sich bei Durchgrabungen des inneren Walles außerdem Mauer- 
reste, die zweifellos einer späteren, vielleicht zweiten Periode angehören. Leider 
wird es kaum möglich sein, die Größe dieses Kastells festzustellen, da die 
Mauern unter dem hohen W^allgange verdeckt liegen und das Steinmaterial 
größtenteils zum Bau der dritten nachweisbaren Anlage verwendet wurde; 
jedenfalls ist die seithche Ausdehnung nicht viel kleiner als die der letzten 
Periode gewesen. Ganz Analoges hat sich am Kastell «Zugmantel» gefunden 
(vergl. Limesblatt Nr. 16), wo sich ebenfalls drei Perioden herausstellten: eine 
Erdperiode und zwei Steinperioden. Auch die zeitliche Folge dürfte bei der 
Saalburg ungefähr dieselbe sein, da wir auch hier für das Erdkastell das 
erste Jahrhundert und für die vollkommene Befestigung das Ende des zweiten 
oder den Anfang des dritten Jahrhunderts anzunehmen haben. Das dritte 
Zugmantel-Kastell stammt, nach einer dort gefundenen Inschrift zu schließen, 
wahrscheinlich aus der Zeit des Kaisers Severus Alexander. 

Es scheint fast, als ob die meisten Limeskastelle im Taunus ursprüng- 
lich Erdkastelle gewesen seien, die je nach ihrer Bedeutung erweitert und 
stärker befestigt wurden. Andere aber, die mit der Zeit an Bedeutung ver- 
loren und deshalb eine Erweiterung und Verstärkung nicht erfuhren, mögen 
ganz im Erdboden verschwunden sein. Auf die Einzelheiten dieser Anlagen 
werde ich bei Besprechung des Kastells im Abschnitte VIII. zurückkommen. 




Fig. 5. Unberührter Teil der verschütteten östlichen Kastellmauer. 



vm. 

Das Kastell. 

(Tafeln I, IV— XI, XIII und Textßguren 5-16.) 



1. Allgemeines. 

Ehe wir das Kastell in seinen Einzelheiten betrachten, ist es geboten, 
einige allgemeine Bemerkungen vorauszuschicken, die zum Teil als Er- 
gänzung des vorigen Kapitels gelten können. Die seitherige Annahme, die 
Saalburg sei bis in die zweite Hälfte des dritten Jahrhunderts im Besitze der 
Römer gewesen, ist weder durch neue Funde, noch sonstige Wahrnehmungen 
widerlegt worden. Im Gegenteil haben alle daraufhin angestellten Unter- 
suchungen dies noch wahrscheinlicher gemacht. Nur eins dürfte neu sein, 
nämlich daß die Bürgerliche Niederlassung, die zu einer gewissen Zeit sehr 
umfangreich und von großer Bedeutung war, schon früher aufgegeben wurde 
und das Kastell mit einigen unmittelbar davorliegenden Bauten allein weiter 
bestanden hat. 

Die im Kastell in den jüngsten Brandschichten gefundenen Münzen 
bestätigen die Anwesenheit der Römer noch nach dem Jahre 250. Gerade 
die Münzen von Scj^timius Scverns (193 — 211) h\B Philix>pus Ärabs {^^^ — 249) 



Das Kastell. 63 

und darunter besonders die von Gordianus III. (238 — 244) wurden so zahl- 
reich in den aus der letzten Zerstörung noch vorhandenen baulichen Über- 
resten und in dem daselbst liegenden unberührten Brandschutte aufgefunden, 
daß sich nicht daran zweifeln läßt, die spätesten unter ihnen seien kurz vor 
oder bei den letzten Kämpfen an der Saalburg verloren gegangen. Sie lagen 
nicht tief, manchmal nur 20 — 30 cm unter der Oberfläche und teils zerstreut, 
teils in größerer Anzahl zusammen (vergl. den Abschnitt XIII, 3 : «Die Münzen»). 
Auf den im Jahre 1872 vor dem Kastell in geringer Tiefe gefundenen Silber- 
denar von Claudius Gothicus (268 — 270) ist kein besonderes Gewicht zu legen, 
wie es oft gescliehen, da seitdem nicht eine einzige Münze aus so später 
Zeit zu Tage gekommen ist^^). Sie kann auch noch nach der Aufgabe des 
Kastells durch die Römer dort verloren gegangen sein; diese Annahme wird 
um so begreiflicher, wenn man die Fundstelle, die mit einem späteren, nach 
dem Überhöhischen Gebiete führendenWege zusammenfällt, in Rechnung zieht ''^). 
Auch wird dies an der Beurteilung der Sachlage wenig ändern, da zwisclien 
den Prägezeiten der anderen Münzen und derjenigen dieser kaum 20 Jahre 
liegen. Berücksichtigt man nämlich, daß mehrere Jahre darüber hingingen, 
bis neugeprägte Münzen in den germanischen Provinzen in Umlauf gesetzt 
wurden, ferner, daß Münzen lange im Kurs blieben, und nimmt man dafür 
nur eine Frist von 20—30 Jahren an, so wird man nicht fehl gehen, den 
Verlust jener Münzen aus der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts in den 
Zeitraum von 260—280 zu setzen. Hieraus dürfte der Schluß gezogen werden 
können, daß die Römer, wie dies auch in dem vorigen Abschnitte gesagt ist, 
etwa um das Jahr 280 noch im Besitze der Saalburg waren. 

Für die Wetterau, wie überhaupt für das Maingebiet und das rechts- 
rheinische Land wird diese Zeit auch aus datierten Inschriften angenommene*^), 
und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß, solange die Römer im Maingebiete 
herrschten, sie auch die Saalburg behaupten mußten; das Eine ist ohne das 
Andere nicht denkbar. 

Wenn wir nun auch über das Ende der Saalburg annähernd gut unter- 
richtet sind, so gilt das doch nicht für ihre Entstehung. Wir haben zwar 
seit der Auffindung eines alten Kastells im Jahre 1894 eine bessere Grund- 
lage zur Beurteilung dieser Frage gewonnen, aber weitere positive Anhalts- 
punkte damit nicht gefunden. Gleichwohl geben auch hierüber die Münz- 
funde einigen Aufschluß. 

Fassen wir zunächst die auf uns gekommenen Überreste der letzten 
Periode ins Auge, so finden wir die Umfassungsmauern des Kastells nebst 
dem inneren Wallgange gut erhalten. Abgesehen von der südöstlichen Ecke, 



'8) Vergl. Abschnitt XIIT, 3: «Die Münzen», Schlußbetrachtuug. 

^8) An den Hoinburger Salzquellen, die kaum 7 km von der Saalburg entfernt liegen, 
und die wohl auch nicht länger als diese in römischem Besitze waren, sind römische Münzen 
aus dem 4. Jahrhundert gefunden worden. 

80) Vergl. Dr. A. Hammeran, Urgeschichte von Frankfurt am Main und der Taunus 
gegend. S. 9-20. 



Q4 I^AB Kastell. 

die, wie wir schon in den Vorbemerkungen erwähnt haben, zerstört wurde, 
sind die übrigen Teile bis auf Brüstung und Zinnen heute noch unberüln-t 
vorhanden, sodaß über diese kein Zweifel bestehen kann. Sicherlich ist 
dieses Kastell als letzte Neuanlage zu betrachten; ob aber an derselben später 
nicht Umbauten und Ausbesserungen vorgenommen worden sind, muß dahin- 
gestellt bleiben. Jedenfalls besteht die Thatsache, daß es auf Brandschutt- 
lagen aufgebaut ist und Mauern aus einer früheren Periode unter ihm liegen. 
Ein interessantes und wichtiges Mittel zur Untersuchung liefert uns der an 
die Umfassungsmauer angelehnte Wallgang, der an vielen Stellen durch- und 
umgegraben wurde. Das Ergebnis dieser Arbeit war insofern überraschend, 
als sich daraus feststellen ließ, daß die zum Walle angeschüttete Erde sehr 
^^el Brandschutt enthält, der nur von früheren Zerstörungen und Feuers- 
brünsten und nicht von Herdasche herrühren kann. Die Wallanschüttung 
hat nach meiner Berechnung ungefähr 10000 cbm Erde erfordert, von der 
wohl ein Viertel aus Schutt besteht, der mit Kulturresten und Asche ver- 
mengt ist. Daß dieser nicht lediglich aus früheren, zerstörten oder aufgegebenen 
Kastellanlagen entnommen wurde, läßt sich schon daraus erkennen, daß in 
demselben Gegenstände vorkamen, die sich ursprünglich in der Bürgerlichen 
Niederlassung befunden haben müssen und nur von dort aus hingebracht 
sein können. Beispielsweise sind in der Wallauffüllung Glasscheibenstücke 
gefunden worden, welche an Teile von Fensterscheiben aus einem westlich 
vom Kastell ausgegrabenen Hause passen. In dem Keller des letzteren fanden 
sich im Zusammenstürze mit einer Silbermünze des Septimius Severus fast 
drei Vierteile einer größeren Glasscheibe, dazugehörige Stücke dagegen im 
aufgeschütteten Wallgange des Kastells. Es läßt sich ohne allzuviel Phantasie 
daraus der Schluß ziehen, daß nach der Zerstörung dieses Hauses ein Auf- 
bau desselben nicht mehr stattfand, der Keller von den Römern einfach aus- 
gefüllt und der rings umherliegende Schutt, in dem sich noch Glasscheiben 
befanden, zur Wallanschüttung verwendet wurde. Daß dies vielfach so geschah, 
beweisen auch Bruchstücke von Gefäßen, von denen einige sich ebenfalls in 
den Wallgängen, andere dazugehörige außerhalb vor dem Kastelle fanden. 
Für diese Verwendung des Schuttes sei aus zahlreichen anderen Beispielen 
dieser Art nur noch ein weiteres hier angeführt: Im Peristyl des Prae- 
toriums wurden zahlreiche Stücke von Bronze gefunden, darunter der Daumen 
einer Statue (Taf. LXIV, Nr. 8). Da sich heute noch dort ein großes Posta- 
ment aus bearbeitetem Sandstein befindet, so nimmt man an, daß an dieser 
Stelle eine Bronzestatue von mehr als Lebensgröße gestanden hat. Daß 
dieses Bildwerk gewaltsam zerstört wurde, geht aus den dort ausgegrabenen 
kleinen Bruchstücken hervor; diese sind beim Abräumen und Einebnen 
bei der Eile, mit der solche Arbeiten zu geschehen pflegen, in den 
ausgeglichenen Boden gekommen; andere sind jedoch mit dem Schutt zur 
Ausgleichung an andere Stellen gebracht worden; denn nur so läßt es sich 
erklären, daß ein Finger (Taf. LXIV, Nr. 9), der nach Material und Größe 
zu derselben Statue gehörte, in der Auffüllung des Walles zu finden war. 



Das Kastell. 05 

Ob die vielen Scherben von gewöhnlichem Thone und hauptsächHch von 
Sigillatagefäßen, die dort zu Tage treten, immer von Zerstörungen oder von 
den Hauslialtungsab fällen herrühren, ist für die berührte Frage gleichgültig ; beides 
beweist eben, daß das uns erhalten gebliebene Kastell in einer späteren Zeit, 
der schon eine längere Kultur vorausgegangen sein mußte, errichtet wurde. 
Werden die bei den Durchgrabungen in dieser Wallaufschüttung erhobenen 
Fundstücke auf ihre Herstellungsweise und ihre Entstehungszeit geprüft, so 
erhalten wir auch Anhaltspunkte für die Zeitbestimmung. Das weitaus 
wichtigste Material sind auch hier wieder die Münzen ; ich ziehe nur diejenigen 
heran, die zweifellos nur bei der Aufschüttung des Walles unter denselben 
gekommen sein können, solche von Antoninus Pius, Marc Ätirel, Faustina, 
Commodus, Septimius Severus und selbst CaracaUa, die einen Zeitraum von 
79 Jahren (138 — 217) umfassen. Es würde sich, wenn wir die Münze von 
CaracaUa als bestinnnend annehmen, daraus folgern lassen, daß die Errichtung 
oder Neuherstellung des Walles erst nach dem Jahre 217 erfolgt sein kann. 
Bedenkt man, daß die meisten Münzen abgenutzt mid daher schon länger 
im Gebrauche waren, und zieht man das oben bei der Münze von Claudius 
GotJiicus Gesagte in Betracht, so wird man nicht ohne Berechtigung die Vor- 
nahme einer letzten gründlichen Wiederherstellung des Kastells in die Zeit 
zwischen 220 und 230 verlegen dürfen; seine eigentliche Erbauung liegt 
wohl weiter zurück. In dieser Zeit scheinen mehrere Limeskastelle um- 
gebaut und stärker befestigt worden zu sein; am Kastelle «Zugmantel», das 
überhaupt in manchen Punkten Ähnlichkeit mit der Saalburg hat, ist es 
einer datierten Bauinschrift ^^) nach in dem Jahre 223 geschehen. 

Die letzten Wiederherstellungsarbeiten an der Saalburg müssen nach Allem, 
was darauf hinweist, in der oberflächlichsten Weise ausgeführt w^orden sein. 
Maiv nahm sich nicht einmal Zeit, die keilförmigen Gewölbsteine, die früher 
an den Thoren Verwendung gefunden hatten, auszulesen, sondern verbrauchte 
sie zur Reparatur der Mauerbreschen (vergl. Taf. XVIII, Nr. la. a). Alles 
dieses, besonders aber der w^egartig überschotterte Mittelpfeiler der Forta decii- 
mana zeigt, daß die Konstruktion der Thore in der letzten Zeit eine andere 
geworden war. (Vergl. den dritten Teil dieses Abschnittes und Figur 9.) 
Die Thorwege müssen anfänglich, was später nicht mehr der Fall war, über- 
wölbt gewesen sein; die vielen, in älteren Brandlagen gefundenen Wölb- 
steine sprechen deutlich genug dafür. 

In den Bauresten des Kastells selbst ist uns ein noch besseres Beweis- 
material für die Zeitbestimmung erhalten geblieben, als es die Münzen sind, 
nämlich Bruchstücke von datierten Inschriftsteinen. So fanden sich sech- 
zehn Postamentsteine der Säulenhalle im Praetoritcm, die jetzt noch an Ort 
und Stelle liegen; sie gehörten alle zu größeren Denkmälern und Inschrift- 
steinen. An denselben ist der obere, über den Boden hervorragende Teil 
umgearbeitet und mit einem Zapfenloche versehen, dagegen sind unten Spuren 



*') Vergl. Brambach, Corpus inscriptionum Bhenünarum Nr. 1549. 
Jacobi, Das Römerkastell Saalbui:g. 



66 I>a8 Kastell. 

des früheren Aussehens erhalten gebheben. Drei solcher Steine ließen sich 
zusammenstellen und lieferten die bis jetzt älteste sicher datierte Inschrift 
von dem Kaiser Antoninus Pins aus dem Jahre 139^^); ein weiteres, ebenso als 
Bruchstück aufgefundenes Inschriftstück, das ebenfalls als Sockel, jedoch in 
der Praetenfura, vermauert war, stammt aus der Zeit des Septimius Severus. 
Auch diese Steine sprechen dafür, daß das Kastell noch in später Zeit 
einen größeren Umbau erfahren hat, denn es ist nicht gut denkbar, daß die 
Soldaten ein zu Ehren ihres obersten Kriegsherrn errichtetes Denkmal während 
seiner Herrschaft wieder zerstört und als Baumaterial verwendet hätten. Nur 
der Fall wäre möglich, daß diese Votivsteine bei einer der vielen Zerstörungen 
der Saalburg von den Barbaren zerschlagen und dann aus praktischen Gründen 
so verbraucht worden seien, wie wir sie gefunden haben. Außer diesen 
wichtigen Merkmalen hat sich bei den Ausgrabungen noch ergeben, daß 
überall im Kastelle, wo der Spaten eingesetzt wurde, in verschiedenen Tiefen 
Mauerreste Hegen, die mit den heute noch sichtbaren, über dem Boden 
stehenden Mauern in keinerlei Verbindung zu bringen sind; auf Taf. IV ist 
ein Teil dieser Spuren schraffiert eingezeichnet. Schon ihre Lage ließ erkennen, 
daß sie einer früheren Periode angehören mußten. Auch die öfters über 
diesen Mauern liegende Kiesschicht führte zu der Gewißheit, daß an der- 
selben Stelle, wo sich das jetzige Kastell befindet, Bauten gestanden haben, 
aber man war sich nicht klar darüber, ob diese zur früheren Befestiguug oder 
zu einer Bürgerlichen Niederlassung gehörten. Erst die Durchgrabung einer 
alten Straße, die unter der Exerzierhalle liegt, und die man früher nicht zer- 
stören wollte, brachte im Sommer 1894 Aufklärung. Unter derselben fand 
sich nämlich noch aufgehäufter Brandschutt (Textfigur 14 Bb), der, wie sich 
nach seiner vollständigen Ausräumung zeigte, einen in den Boden ein- 
geschnittenen tiefen Spitzgraben enthielt. Die genaue Verfolgung desselben 
durch sorgfältige Einschnitte ergab bald, daß er nur der Wallgraben eines 
älteren Kastells sein konnte. Es gelang nunmehr, den Umfang und die ge- 
nauen Maße festzustellen, und es ist jetzt kaum noch zu bezweifeln, daß wir 
in diesen deutlichen Spuren das ursprüngliche Erdkastell gefunden haben. 
Dieses Kastell war etwas anders orientiert als das spätere größere, seine 
Achse fällt fast mit der Nordlinie zusammen. (Vergl. Taf. IV, Textfigur 14 
und den Teil 4 dieses Abschnittes.) 

Das Gebäude im Kastelle, welches seither als «Soldatenbad» bezeichnet 
wurde (Taf. IV, J, K), scheint, da es mit der nunmehr festgestellten Achse des 
Erdkastells die gleiche Richtung hat, zu diesem gehört zu haben und die 
Villa oder das Bad der ersten Periode gewesen zu sein. Es liegt auf der' 
Nordseite, also vor dem Kastelle, und ist nur durch die nach Norden erfolgte 
Vergrößerung in den Bereich des letzten Kastells gekommen. Die Frage, ob 
dieses Gebäude auch später noch als Bad benutzt oder überhaupt aufgegeben 
war, soll bei der Einzelbesprechung erörtert werden. Jedenfalls werden noch 



82) Siehe den Abschnitt XIII. 2: «Die Inschriften», A.I. 3. 



Üas Kasteir. 67 

manche bisher rätselhaften Fundamente durch die erfolgte Auffindung des 
schon lange vermuteten alten Kastells aufgeklärt. 

Die schon im vorigen Abschnitte besprochenen Mauerreste, die teils unter 
dem Wall, teils unter den Umfassungsmauern liegen, können wir wohl als 
die Spuren eines Kastells betrachten, das zeitlich zwischen dem Erdkastelle 
und der letzten, jetzt noch erhaltenen Kastellanlage bestanden hat. Es lassen 
sich daher mit ziemlicher Sicherheit drei Perioden nachweisen, die man etwa 
folgendermaßen bezeichnen kann: Erste Periode — Erdkastell, erstes Jahr- 
hundert; zweite Periode — vergrößertes Steinkastell, zweites Jahrhundert; 
dritte Periode — verstärktes Steinkastell, drittes Jahrhundert. Es ist hierbei 
natürlich nur von den großen Umbauten die Rede; von kleinen, unaufhör- 
lichen Wiederherstellungen an einzelnen Teilen geben die Trümmer und Brand- 
schichten beredtes Zeugnis. 

HabeP^) hat bei seinen Untersuchungen der Saalburg 1854 ■ — ohne so 
sichere Anhaltspunkte zu besitzen, wie sie sich uns heute bieten — auch 
schon auf drei Hauptperioden und mehrere dazwischenliegende Zerstörungen 
hingewiesen. Die erste Periode scheint dabei auch schon Gebäude außerhalb 
des Kastells, wie das oben erwähnte Soldatenbad — wenn auch vielleicht 
keine eigentliche Lagerstadt — , gehabt zu haben. 

Die Bürgerliche Niederlassung, die wir jetzt als solche bezeichnen, stammt 
aus späterer Zeit, muß aber schon vor oder mit der Errichtung des III. Kastells 
als eigentliche Lagerstadt aufgegeben worden sein. Es geschah jedenfalls zu 
einer Zeit, wo die Römer bereits zu enge mit den germanischen Völkern in 
Berührung gekommen waren und die Germanen aufgerüttelt allmählich 
aggressiv gegen jene vorgingen. Damals mußten die Kastelle als die eigent- 
lichen Stützpunkte stärker befestigt und der größeren Besatzung halber ent- 
sprechend vergrößert werden, und nur rein fortifikatorische Interessen in den 
Vordergrund treten. Um diese Zeit mögen auch den Bewohnern der Lager- 
stadt die beständigen Angriffe auf die Dauer unerträglich geworden sein, und 
für diejenigen, welche nicht unmittelbar bei den Kämpfen thätig sein mußten, 
war die Zeit gekommen, wo sie in das fruchtbare Vorland des Taunus hinab- 
stiegen, um sich ein gesichertes Heim zu gründen. 

Zwischen der südlichen Ecke und dem rechten Prinzipalthore der Ost- 
seite des Kastells ist der ursprüngliche Zustand der Verschüttung der Mauer 
und ihrer Überdeckung mit Waldboden und Gras, wie er seit Jahrhunderten 
gewesen, noch jetzt (189ü) unverändert erhalten. Figur 5 giebt hiervon ein 
Bild, das zugleich zeigt, wie die Saalburg überhaupt vor ihrer Ausgrabung 
ausgesehen hat. Figur 6 stellt dagegen die nördlich von der Porta principalis 
dextra gelegene Kastellmauer nach der Ausgrabung dar. 

^ä) Siehe Anmerkung 31 und Seite 11 ff. 



a* 



G8 



Das Kastell. 




Fig. 6. Freigelegter Teil der östlichen Kastellmauer. 



2. Grundriß und Profile. 

Das Kastell bildet ein längliches Viereck ; seine Längenachse, gegen den 
Feind gerichtet, weicht etwa 15^/2 " von der Nordlinie westwärts ab. Von 
der Außenflucht seiner Umfassungsmauern gemessen, ist es 221,45 m lang 
und 147,18 m breit, was ein Verhältnis von 1 : 1 V2 ergiebt. Wenn das Meter- 
maß in römisches Maß umgewandelt wird, so erhält man, bis auf wenige 
Centimeter genau, 500:750 Fuß oder 100:150 Passus®^). Aus diesem Normal- 
maße ist zu entnehmen, daß die Absteckung von Außenkante zu Außenkante 
der Mauern erfolgt ist. An die Kastellmauer lehnt sich im Inneren der Wall, 
der durch eine sanfte Böschung zu ersteigen ist, während vor der Mauer ein 
1 m breiter Pfad, und vor diesem ein doppelter Graben herumzieht, sodaß 
dessen Außenrand etwa 50 römische Fuß = 17 m vor der Mauerflucht liegt 
(Tafel IX und X, Fig. I, II, lU). 

Bei der Wichtigkeit, welche das Profil für das Verständnis der römischen 
Befestigungs- und Verteidigungs weise hat, muß ich hier näher auf dasselbe 
eingehen. Wie es jetzt vor uns liegt, hat der Wall durchschnittlich die Höhe 
der Mauer (1,90 bis 2,00 m) — die jenseits der Via principalis an der Innen- 
seite noch vollständig erhalten ist — und wenn wir auf ihn anwenden, was bei 
den Pfahlgrabenprofilen bereits gesagt ist, nämlich daß er im Laufe der siebzehn 



**) Dr. E. Schulze, Direktor des Progymnaeiums in Homburg, hat zuerst auf das 
Passusmaß hiogewiesen, Didaskalia Nr. 24/3 1895. Nach F. llultsch, Griechisclie und 
römische Metrologie, Berlin 1862, hat der römische Fuß 0,296 m, der Passus (Doppelschritt) 
1,479 ni. 



Grundriß und Profile. 69 

Jahrhunderte etwa 20 cm an seiner Höhe eingebüßt, das Niveau des Kastells 
sich dagegen durch Schutt und Humus höchstens um 20 cm erhöht hat, so 
betrug die ursprüngliche Wallganghöhe im Durchschnitt 2,20 m. Knapp^^) 
hat im Odenwalde, wo zu Anfang unseres Jahrhunderts die Mauern einiger 
Kastelle noch bis zu dem Gesimse aufrecht standen, bis wohin ohne Zweifel 
auch die Wallhöhe reichte, diese am Kastelle «Würzberg i. 0.» auf 1,88 — 2,51 m 
festgestellt. In Rom ist an dem im Jahre 14 n. Chr. erbauten Prätorianer- 
Lager die ursprüngliche Höhe der Mauer mit den Zinnen vollständig sichtbar 
erhalten, weil man die Offnungen zugemauert und die Mauer zu verschiedeneu 
Zeiten zweimal erhöht hat, und zwar in einer Weise, daß die frühere Kon- 
struktion leicht zu erkennen blieb. Auch hier ist der Wehrgang hinter den 
Zinnen durch ein außen vortretendes Gesims, das aus drei flach vorkragenden 
Ziegeln besteht, bezeichnet. Es liegt 3,76 m über einem die Zinnen tragenden 
Bruchsteinfundamente, welches mit der einstigen Erdoberfläche in gleicher 
Höhe lag. Berücksichtigt man, daß die Höhe des Wallgangs und die davon 
abhängende Mauerhöhe dort in der Nähe einer Stadt, gegen deren Bevölkerung 
diese Anlage gerichtet war, und in welcher Leitern und sonstiges Sturmgerät 
zur Hand waren, als genügend erschien, so darf man um so eher annehmen, 
daß bei der Saalburg, wo die Verhältnisse denen im Odenwalde glichen, eine 
Wallhöhe von 2,20 m ausgereicht habe. Es mag hierbei darauf hingewiesen 
werden, daß im Praetorianerlager an die Wallmauer Soldatenwohnungen kase- 
mattenartig angebaut waren, und daß deren Decke gleichzeitig als Wehrgang 
diente. Damit war zugleich eine besondere Versteifung und eine erhöhte 
Standfestigkeit der Außenraauer erzielt. 

Es sind diesseits der Alpen keine aus der Römerzeit erhaltenen Zinnen 
bekannt, wir müssen daher, um uns eine richtige Vorstellung von ihnen zu 
machen, auch hier auf diejenigen zurückgreifen, die sich am Castrum prae- 
tor iense in Rom erhalten haben. Nach von Cohansen, der im Jahre 1857 dort 
die Maße genommen hat, beträgt die Brüstungshöhe der Zinnenöff'nungen 
83 cm und diejenige der Zinnenbergen 78 cm, sodaß die ganze Höhe der 
Zinnenkrone 1,61 m betragen hat. An der Aurehanischen Mauer in Rom 
waren die Zinnenbergen höher, während sie zu Anfang des zweiten Jahrhunderts 
auch noch sehr niedrig sind. Die sattelförmigen Decksteine, mit denen die 
Zinnen der Aurelianischen Mauer nach oben abschließen, kommen zwar im 
Odenwalde auch vor, doch bestehen hier die meisten aus einer halbcylindrischen 
Grundform von 70 cm Durchmesser und geben uns zugleich die ungefähre 
Mauerstärke an. Diesen Maßen entsprechen auch die Zinnendecksteine, welche 
man im Graben von Heddernheim fand; sie bilden Halbcylinder von 76 cm 
Durchmesser, 32 cm Höhe und 90 cm Länge. An der Saalburg, und zwar 
im Graben zwischen dem Dekuman- und dem linken Prinzipal thor, fanden sich 
gleichfalls Decksteine, allein sie hatten nicht die halbcylindrische, sondern eine 



85) J. F. Knapp, Römische Denkmale des Odenwaldes, insbesondere der Grafschaft 
Erbach und Herrschaft Breuberg. 2. Aufl. (Ed. H. E. Scriba) Darmstadt 1854. 



70 



Das Kastell. 



etwa einem halben Mansardendache gleicliende Gestalt (Tafel IX und X, Fig. IV), 
und es ist wahrscheinlich, daß sie nur die vordere Kante der Zinnenbergen 
deckten und auf der Innenseite hintermauert waren. Aus dem Umstände, daß 
sich in dem Graben zwischen der Porta pradoria und den beiden Prinzipalthoren 
kein einziger behauener Deckstein fand, scheint hervorzugehen, daß auf dieser 
Strecke die Zinnen wohl nur mit rauhen Bruchsteinplatten bedeckt, oder 
überhaupt auch solche nicht vorhanden waren, und daß ein gewisser Luxus, 
der in der Anwendung behauener Decksteine bestand, nur auf den mehr 
in die Augen fallenden Strecken der Paradeseite zwischen dem Dekumanthore 
und den Prinzipalthoren Platz griff. Hier fanden sich bearbeitete Basalte von 
85 cm Länge und zu wiederholten Malen je zwei Steine bei einander liegend 
vor, welche zusammen eine Länge von 88 cm hatten; es dürfte sich daher 
für die Größe der Zinnenbergen eine Normalbreite von ca. 88 cm (drei römisclie 
Fuß) ergeben. Die Erbauung des Praetorianerlagers und die der Aurelianischen 
Mauer Roms fällt ungefähr in denselben Zeitraum, in welchem die Saalburg 
in den Händen der Römer war, oder wenigstens immer wieder in deren Be- 
sitz kam, und so mag auch unser Kastell in diesen zwei und ein halb Jahr- 
hunderten den Spruch, daß die Kriegskunst veränderHch sei, auf sich an- 
Avenden lassen. 




Fig. 7. Rekonftruktlon der Zinnen an der Südweslecke. 



Die Zinnenbergen müssen, um ihrem Zwecke gemäß einen Mann zu 
decken, mindestens 65 cm breit sein — ich nehme für die Saalburg 88 cm 
an. Die Absicht, von jenen Schutz zu erfahren, spricht sich aber noch deut- 
licher in der Breite der Zinnenöffnungen aus. Diese beträgt au dem Prae- 



Grundriß und Profile. 71^ 

torianerlager ^n Rom 2,82 — 3,44 m, hat also eine genügende Breite für 
3—4 Mann in Front. An dem Aurelianischen Auf baue ist die Zinnenöffnung 
aber so schmal, daß sie nur eben für einen Mann ausreichte. Etwas Ähn- 
hches findet sich im Mittelalter, wo die Zinnenöffuungen der romanischen 
Zeit breit waren, die der gotischen aber schmäler wurden. Man wird nicht 
fehlgehen, wenn man, innerhalb der Grenzen dessen bleibend, was zur Zeit 
der kräftigen Römerherrschaft am Rheine gebräuchlich war, den Zinnenbergen 
eine Breite von 88 cm und den Offnungen eine Weite von 2,42 — 2,82 m 
zuschreibt. Jene im Graben oder auf der Berme^^) gefundenen Deckstein- 
platten lagen etwa 2,24 m auseinander. Mit Zugrundelegung dieser Fund- 
umstände ist ein Stück Wallmauer mit Zinnen an der südwestlichen Ecke 
des Kastells im Jahre 1885 wieder hergestellt worden, das auf Figur 7 ab- 
gebildet ist. 

Für die Breite des Wehrgangs auf den Mauern verlangt Vegetius einen 
Raum, der es ermöglicht, daß zwei Bewaffnete sich ausweichen können, also 
mindestens 1,50 m. Anders ist es bei den Wallgängen hinter den Mauern; 
für ihre Breite beansprucht Hygin 8 römische Fuß oder 2,36 m. Der AVall 
an der Saalburg weist auf ein oberes Breitenmaß von 3 m hin, und die innere 
Böschung des Walles muß, um sie leicht ersteigen zu können, bei einer inneren 
Höhe des Wallgangs von 2,20 m etwa doppelte Anlage, also eine solche von 
5 m, haben; sie w^ar durch die Wallstraße begrenzt, welche aber natürlich 
nicht die theoretische Breite der Kriegsschriftsteller, sondern höchstens eine 
solche von ca. 3 — 4 m hatte. Das Maß ist allerdings schwer festzustellen, 
da diese Straße nicht gestückt, sondern nur in derselben Weise wie die 
Flächen im Kastelle mit lehmigem Sande aufgefüllt war. Indessen ist der 
Raum zwischen dem Wallanfange und den Bauten ein größerer, sodaß man 
auch für die Via angularis eine größere Breite annehmen könnte. Der Magazin- 
bau in der Eetentura liegt sogar 6 m von der Wallwurzel entfernt. 

Vor der Mauer lief eine 1 m breite Berme her, welche teils mit platten- 
förmigen Steinen belegt, teils mit kleinen Steinen gestückt war. 

Von den beiden spitz zulaufenden Gräben hatte der der Mauer zunächst 
gelegene eine obere Breite von 8 — 8,75 m und eine Tiefe von 2,50 — 3 m, 
die sich ergiebt, wenn man den hineingestürzten Mauerschutt und den auf- 
geflößten Boden bis auf den gewachsenen Grund beseitigt. Die Gräben des 
Erdkastells an der Saalburg sowohl wie am Zugmantel zeigten ebenfalls nach 
ihrer Ausräumung einen vollständig spitzen Winkel, der sich in dem festen 
Grunde tadellos erhalten hatte. 



»8) Mit «Berme» bezeichnet man in der Kriegsbaukunst den schmalen, um eine 
Festung führenden Gang zwischen Graben und Umfassungsmauer. Sie findet sich an allen 
Limeskastellen im Taunus und ist selten über einen Meter breit. Die Vorteile, welche sie 
gewährt, sind Erleichterung der Arbeit beim Bau der Brustwehr und bei der späteren Er- 
haltung der Mauer, Vermeidung des Erddruckes auf die Grabenböschung und Schutz der 
Fundamente gegen Feuchtigkeit und Frost. Der Name stammt aus dem Französischen, war 
aber ursprünglich ein deutsches Wort und hängt mit «Brame» zusammen {verbrämen: mit 
einem Rande oder Besätze verzieren). 



72 i^as Kaatell. 

Der äußere Graben hatte eine obere Breite von 7 — 8 m und eine Tiefe 
von 1,50 — 2,00 m. Zwischen ihm und dem inneren Graben befand sich ein 
oben seh mal zulaufender Damra, dessen Scheitel, wenn wir ihn ergänzen, 
etwa 0,50 m unter der Bermenhöhe blieb. Zur Aufnahme von Wasser waren 
die Wallgräben an der Saalburg nicht bestimmt, da einerseits fließendes Wasser 
für diesen Zweck nicht vorhanden war, andrerseits aber auch die Sohle des 
Grabens derart im Gefälle liegt, daß sich Wasser in ihm nicht hält, sondern 
rasch abfließt. Eine doppelte Grabenanlage, wie mr sie hier vor uns haben, 
hat sich meines Wissens an anderen Limeskastellen nicht gefunden. 

3. Die Thore und Ecken.") 

Auf jeder der vier Seiten führt ein Thor in das Kastell, in der Mitte 
der nach dem Feinde gekehrten kurzen Seite die Porta praetoria (Taf. IV, A), 
dieser entgegengesetzt, dem Inlande zugewandt, die Porta decumana (B), während 
die Langseiten durch die Porta principdlis dextra (C) und sinistra (D) geöff'net 
sind. Die Seitenthore liegen nicht in der Mitte, sondern weichen genau um 
zwei Drittel (der Abstand von der Praetorialseite bis zu den Thorachsen be- 
trägt fast genau 100 Passus bei 150 Passus ganzer Seitenlänge) von der An- 
gritt'sseite zurück. Die Saalburg macht hierin im Gegensatze zu anderen 
Kastellen eine Ausnahme, da die Thore nach dem Schema in dem ersten 
Drittel liegen sollen. Diese Abweichung hat immer wieder die Annahme 
einer schon von Krieg von Hochfdden vermuteten späteren Vergrößerung des 
Kastelies nach dem Limes zu aufkommen lassen, doch kann dieselbe durch 
nichts begründet werden. Daß in der zweiten Periode außer an den Thoren 
noch andere Türme längs der Umfassung bestanden, ist nicht ganz aus- 
geschlossen; wenigstens lassen es die hinter den abgerundeten Ecken ge- 
fundenen Mauerreste und die daselbst unter dem Walle aufgehäuften Steine, 
auch die zwischen der Nordseite und den Prinzipalthoren bloßgelegten Mauern 
vermuten (Tafel IV); sie sind aber bei dem auf uns gekommenen Kastelle 
nicht mehr vorhanden gewesen. An den zunächst der Saalburg gelegenen 
Limeskastellen «Feldberg» und der gleich großen «Alteburg» bei Heftrich 
sind dagegen an den Ecken Türme von 2,90:3,18 m eingebaut. Beim Kastelle 
«Zugmantel», das in seinen jüngsten Anlagen bezüglich der Bauzeit der dritten 
Periode unserer Saalburg entspricht, fehlen sie; auch dort sind nur Ver- 
stärkungen vorhanden. 

Gemeinsam sind allen vier Thoren der Saalburg die viereckigen Räume 
zu beiden Seiten des Durchganges, die als Türme zu erklären sind. Alle 
haben auf der Rückseite einen ebenerdigen Eingang. Im Übrigen sind sie 
keineswegs nach einem einheitlichen Plane erbaut; an der Porta principalis 
sinistra ist sogar der rechte Turm 0,45 m breiter als der linke, eine Abweichung, 
die zu bedeutend ist, um als Meßfehler erklärt werden zu können. Die Türme 

*') Die photographischen Aufnahmen zu den Textfiguren 8, 10, 12 und 13 verdanke 
ich meinen Nichten F. und H. Schleußner ; sie sind im Februar 1896 angefertigt worden. 



Die Thore und Ecken. 



73 



der beiden Prinzipalthore treten mit ihrer Außenfront um 12 cm vor die 
Wallmauer vor, dagegen sind diejenigen der Porta decumana und der Porta 
praetoria in ihren äußeren Mauern mit der Wallmauer bündig errichtet. Der 
Turm selbst springt in das Innere des Kastells vor. Ebenso verschieden als 
die Einfahrtsbreiten ist die Lage der Thoranschläge. Die Mauerstärken 
schwanken; während die Wallmauer eine Dicke von 1,90 — 2,10m hat, be- 
trägt ihre Stärke an den Türmen nur 1,50 — 1,60 m und an den inneren 
drei Seiten, die den Turm bilden, sogar nur 0,53 — 1,00 m. Es sind dies 
aber immer noch Abmessungen, die für einen ziemlich hohen massiven Ober- 
bau genügen. Auf Tafel VI sind die Grundrisse und eine Rekonstruktion 
der Porta decmnana und in Fig. 11 diejenige der Porta principalis dextra im 
Maßstabe von 1:200 dargestellt. 




Fig. 8. Porta decumana, von innen gesehen. 



Porta decumana. 
Die Porta decumana hat wie das ganze Kastell mancherlei Schicksale 
gehabt. Sie ist mit einem Thorwege von 8,22 m Breite auf uns gekommen. 
Eine Straßenstückung des Einganges hatte bei Hobel den Glauben erweckt, 
als sei dies die wirkliche Thorbreite, sodaß Krieg von Uochfelden annehmen 
konnte, daß von hier aus die Ausfälle stattgefunden hätten, wobei er aber 
übersah, daß diese grundsätzlich von den Seitenthoren zu geschehen pflegten. 



74 ^M Kastell. 

Rossfi dagegen erklärte die auffiillige Breite als bedingt durch den Aufmarsch 
des Sukkurses, der in Manipelfront erfolgt sei. Eine Durchgrabung zeigte, 
daß anfänglich der Eingang in zwei Thorwege geschieden war; es fand sich 
nämlich unter der Stückung das wohlerhaltene Fundament eines Mittelpfeilers 
von 1,50 m Stärke (Tafel IV) aus einer älteren Periode. Wenn man für 
diesen gleiche Fundamentvorsprünge wie bei den Türmen (0,25 m) annimmt, 
so hatte er im aufgehenden Mauerwerke eine Dicke von 1,00 m, und sein 
Hinterhaupt lag in der Flucht des westlichen Thorturmes; der östliche Turm 
tritt 0,30 m weiter in das Innere des Kastelies. Sein Vorderhaupt scheint in 
der äußeren FluchtHnie der Thore gelegen zu haben, wenngleich sein Funda- 
ment an dieser Stelle durch Abbruch sehr beschädigt war. Es bleibt zu 
beiden Seiten des Mittelpfeilers für die Thoröffnungen eine Breite von je 
3,61 m (12 römische Fuß), welche derjenigen der Prinzipalthore (3,65 und 
3,75 m) annähernd gleichkommt. Mitten in den Eingängen des Dekuraan- 
thores und nicht höher als der abgebrochene Mittelpfeiler (Figur 9), d. h. 
0,70 ra unter der jetzigen Weghöhe, fanden sich einige große, flachgelegte 
Steine, die man als Unterlage der früheren Straße wird ansehen können; 
wenigstens hatten sie keine bestimmt ausgeprägte Form, die auf eine andere 
Verwendung schließen ließe. 




Sc}inin duKcVi die Porta decumaua. 
Fig. <». 

In der Textfigur 9 ist ein Schnitt durch den Eingang und die Thore 
nach den 1872 stattgehabten Ausgrabungen dargestellt. Derselbe giebt nicht 
allein ein Bild der Fundamentkonstruktion, sondern zeigt uns auch am besten 
die Aufeinanderfolge der verschiedenen Perioden. Zur Erklärung der Zeich- 
nung sei mitgeteilt, daß i den gewachsenen Grund, n älteren Brandschutt 
und Kohlen, a und h Reste der ersten Straße, c Straßenstückung, d Be- 
schotterung mit kleinen Steinen, c spätere Auffüllung (Straßenausbesseruug), 
/■ Brandschutt der letzten Zerstörung und Humus, und m das Fundament 
des Mittelpfeilers bedeuten. In dem Durchschnitte, der Türme bezeichnet h 
die Auffüllung mit Steinen und Schutt und g den gestampften Fußboden. 
Es tritt hierbei klar hervor, daß die Torta decumana ursprünglich mit einem 
Mittelpfeiler hergestellt war, und daß nach einer Zerstörung nur die Türme 
in ihrem Unterbau beibehalten wurden; dagegen ließ man die Fundamente 
des Mittelpfeilers unbenutzt liegen, überdeckte dieselben und befestigte den 
Durchgang mit einer Pflasterung. Die bei diesen Ausgrabungen zu Tage ge- 
tretenen Funde seien schon hier deswegen erwähnt, weil sie das in diesem Ab- 



Die Thore und Ecken. • ' 75 

schnitte schon oben unter «Allgemeines» Gesagte bestätigen. Auf dem Pfeiler 
unter der Stückung lag ein kleiner Steinbickel (Tafel XXXIII, Nr. 6), daneben 
in dem Brandschutte zwei Schildgriffe (Tafel XXXX, Nr. 2 und 3), ein Messer 
(Tafel XXXVII, Nr. 19), ein großer Schiebeschlüssel (Tafel XXXXIV, Nr. 5) 
und verschiedene Thornägel mit flachen Köpfen. Alle diese Eisensachen waren 
gut erhalten und beweisen, daß man bei einer Wiederherstellung sehr eilig 
zu Werke gegangen sein muß, sonst hätte man den Brandschutt durchsucht 
und die hier erwähnten Gegenstände wieder benutzt. Ein weiterer Fund, 
nämlich Bruchstücke einer Statue von halber Lebensgröße aus bläulichem 
Basalt (Blaustein) — zwei Unterschenkel mit verzierten Beinschienen und 
bloßen Knien, sowie ein Unterarm (Taf. XXV, Nr. 6 und 6a) — giebt, da 
diese Teile bei einander lagen, der Vermutung Raum, daß das Bildwerk, dem 
sie angehörten, einst dort gestanden habe, vielleicht auf einem Sockel, dessen 
formloses Fundament (Taf. A^I) sich vor dem Vorderhaupte des Pfeilers fand^^). 
Es scheint, daß in der Spätzeit das Thor im Mauerwerke die ganze 
Breite von 8,22 m einnahm, aber es versteht sich von selbst, daß diese 
Breite nicht offen stand, sondern durch Pallisaden oder sonstige Holzrüstungen 
zu einem oder zwei normalen Thorwegen verengt war und durch Thorflügel 
geschlossen werden konnte. Zu der Zeit, als die Wegstückung hergestellt 
wurde, war der Übergang über den Doppelgraben vor der Forta decumana 
durch einen Damm ermöglicht und dieser als Weg angelegt; allein in der 
Dammschüttung fanden sich einige regelmäßig behauene Verblend- und vier- 
zehn Wölbsteine aus porösem Basalt. Diese Zahl erhöhte sich mit den in der 
Nähe des Thores und besonders in dem vorderen, ebenfalls ausgefüllt gewesenen 
Graben aufgefundenen Steinen derselben Art auf dreißig. Hieraus läßt sich 
nicht allein ein ziemlich sicherer Schluß auf die ehemalige Konstruktion des 
Thores ziehen, sondern auch beweisen, daß die vor den Thoren herziehenden 
Spitzgräben einst offen standen und erst nach Zerstörung eines älteren ge- 
wölbten Thores ausgefüllt worden seien. Auf Grund des vorher Gesagten 
habe ich eine Rekonstruktion versucht. Darnach mag das Bild der Porta 
decumana ursprünglich etwa so gewesen sein (Tafel VI), daß zwischen den 
beiden viereckigen, zwei Stockwerke hohen Türmen sich zwei Thore wölbten, 
die eine Zinnenkrone trugen, deren bedeckter Wehrgang die oberen Turm- 
kammern miteinander verband, die vom Wallgange aus durch Treppen zu be- 
steigen waren; vor dem Mittelpfeiler wird auf einem Sockel eine Statue ge- 
standen haben. Nach den dort gefundenen, schon erwähnten Stein-Bruchstücken 
ist anzunehmen, daß dieses Bildwerk einen Kaiser darstellte. In der späteren 
Zeit waren die Thorwege nicht mehr überwölbt, sondern nur durch Quer- 
hölzer verbunden, die, durch Pfosten unterstützt, den Anschlag der Thore 
bildeten (vergl. Fig. 12). Auf der Trajanssäule sind solche Konstruktionen 
dargestellt. Dabei war eine ähnliche Einrichtung wie bei den mittelalter- 



**) Zum Vergleiche kann hier auf eine Darstellung der Trajanssäule hingewiesen 
werden, wo zwischen einem Thore ein Altar erscheint, auf dem eine weibliche Figur opfert. 



76 I^as Kastell. 

Hellen Festungen getrotten: Entweder lag ein starker Holzbalken über der 
Thorött"nung, der an seinen Enden Löcher für den Thorpfosten hatte, 
oder es waren in den Ecken nur die bekannten Steine mit den Löchern für 
die Pfosten eingesetzt. Auf dem Boden Hefen die Pfosten in steinernen oder 
eisernen Pfannen ; sie selbst waren mit einem eisernen Ringe gegen Abnutzung 
des Holzes gesichert; solche Ringe sind gefunden worden. Im Inneren des 
Turmes mag eine Treppe gewesen sein, doch ist es auch möglich, daß die 
oberen Kammern nur vom Walle aus zugängHch waren. 

Auch der Erbauung der Türme und des Mittelpfeilers ist eine Zerstörung 
vorangegangen: Die Mauern sind in ihren Fundamentgruben mit Brandschutt 
hinterfüUt, und auch der Boden hinter der Berme vor dem linken Turme so- 
wie unter der östlichen Ecke des östHchen Turmes besteht aus Brandschutt. 
Ob diese Schuttlagen von der Aufgabe oder Zerstörung des Erdkastelles oder 
des ersten Steinkastelles herrühren, ist allerdings nicht nachzuweisen, ist 
aber auch für die Sachlage an und für sich gleichgültig; das Vorgefundene 
bestätigt nur das schon über die Kastellanlagen im Allgemeinen Gesagte. 
Man kann auch hier mindestens drei Perioden nachweisen und zwar: 

1. Erbauung eines Kastells und einer Porta decumana — Zerstörung der- 
selben (daher der Brandschutt unter den Fundamenten und in den 
Fundamentgruben der darauf folgenden neuen Anlage). 

2. Bau der Türme und des Mittelpfeilers. — Zerstörung derselben und ins- 
besondere des Letzteren ausschließlich des Fundaments. Verblend- 
und Gewölbsteine rollten in den Graben und blieben in der Dammauf- 
schüttung liegen oder wurden beim Umbaue anderswo verwendet. (In 
der Wallmaucr unterhalb der Porta principalis sinistra : Taf. XVIII, Nr. la*.) 

3. Wiederaufbau der Thortürme, aber nicht des Mittelpfeilers; die Weg- 
stückung geht über denselben hinweg. Verengerung des Thores durch 
Holzbauten. — Endgültige Zerstörung. Der Brandschutt in dem Thor- 
wege zeugt dafür, daß der letzte Thoraufbau von Holz war und durch 
Brand zerstört worden ist, sowie daß ein weiterer Aufbau daselbst nicht 
mehr erfolgte. 

Erwähnt sei noch, daß bei den im Jahre 1877 vorgenommenen Her- 
stellungs- und Erhaltungsarbeiten an der Saalburg der ursprüngliche Mittel- 
pfeiler auf den alten Spuren über den Boden geführt und auf diese Weise 
sichtbar gemacht wurde (Fig. 8). 

Für die zeitliche Folge der Zerstörungen und des Wiederaufbaues ist 
durch die Auffindung einer längere Zeit im Verkehre gewesenen Bronzemünze 
von Marc Äurel ein Anhaltspunkt gewonnen worden; dieselbe lag im Brand- 
schutte unter der Wegstückung. Auch dieser Fund liefert wieder den Beweis, 
daß am Ende des zweiten oder am Anfange des dritten Jahrhunderts das 
Kastell in seiner jetzigen Gestalt erbaut oder umgebaut wurde. 

Berichtigend ist zu bemerken, daß die auf Tafel VI im Grundplane der 
Porta decumana dargestellten Einschnitte in Wallmauer und Mittelpfeiler irr- 
tümlich eingezeichnet worden sind. 



Die Thore und Ecken. 



77 




Fig. 10. Porta priucipalis dextra, vou außen gesehen. 



Porta principalis dextra. 

Auch bei diesem wie bei dem gegenüberliegenden Thore ist festgestellt 
worden, daß es öfters Zerstörungen erfahren hat und Umbauten und Aus- 
besserungen an ihm vorgenommen worden sind. An der Porta principalis 
dextra, und zwar besonders an den äußeren Ecken und den Thoranschlägen, 
kamen Hausteine zur Verwendung; selbst in den Fundamenten sind solche 
eingemauert. Bei den Aufdeckungen fanden sich nach dem Fundberichte von 
Hobel «auf dem gewachsenen Grunde eine 0,30 cm starke Schicht vou Steinen 
mit Boden gemischt; darauf lagen 15 cm gebrannter Lehm, wahrscheinlich 
von dem Lehmstaakwerke der Balkendecke herrührend, von deren Holzwerk die 
daraufliegenden Kohlen herstammen mögen. Es folgten 5 cm rot gebrannter 
Lehm, der mutmaßlich von einem Estrich, der den Fußboden des oberen 
Stockwerkes bedeckt hat, stammt; darauf Asche und Kohlen, wohl vom Dache, 
welches mit Stroh, Binsen oder Holz bedeckt war.» Am wahrscheinlichsten 
sind Schindeln, welche später besprochen werden, bei den Türmen wie bei 
den übrigen Bauten als Deckmaterial anzunehmen. 

In Figur 1 1 ist der Versuch gemacht, ein Thor mit Türmen, wie solche 
in der letzten Periode gewesen sein mögen und zwar mit Zuhilfenahme des 
Vorgefundenen und der Darstellungen auf der Trajanssäule, zu rekonstruieren. 
Ich habe den oberen Stock der Türme niedrig gehalten und den linken in 
Holzfach werk, den rechten in Stein hergestellt gedacht; beide Konstruktions- 
arten sind möglich. Man könnte gegen die Verwendung von Holz die ge- 
ringere Festigkeit und größere Feuergefährlichkeit einwenden; da jedoch die 
Dachbedeckung ohnedies aus vergänglichem und brennbarem Materiale und 



78 



Das Kastell. 




Fig. 11. BekoDslrnktion der Porta priucipalis dextra. 

auch die Thore aus Holz hergestellt waren, so fällt die Verwendung von mehr 
oder weniger Holz nicht ins Gewicht. Als Thorhöhe sind etwa 3 m an- 
genommen, wodurch die nötige Überbrückung der Thorölfnung, die nach außen 
mit einer Holzbrüstung versehen ist, um etwa 0,70 — 0,80 m über das Niveau 
des Wallganges zu liegen kommt. Eine solche Einrichtung bedingt Treppen 
von dem Walle nach den Turmkammern, die auf dem Bilde in punktierten 
Linien bei a und b angegeben sind. Im unteren Stocke waren, wie wir aus der im 
Mauerwerke sehr hoch erhaltenen Forta praetoria wissen, keine Lichtöffnungen 
vorhanden, doch werden solche im oberen Stocke, etwa wie gezeichnet, in 
kleinen Abmessungen zum Ausblicke vorhanden gewesen sein. Das Thor ist 
mit einem Rahmen werke, auf welches starke Bohlen aufgenagelt sind, gedacht; 
die zahlreichen, an den Thoren gefundenen eisernen Nägel mit runden Köpfen 
geben uns an der Stelle ihrer winkelrechten Umbiegung die Stärke des Holzes 




Fig. 12. Porta i)riiicipiilis sinisini, von außen geselieu. 



Die Thore und Ecken. 



79 



mit etwa 8 — 10 cm Dicke an. Der Beschlag des Thores bestand in Thor- 
pfanne und Angel. Die Thorweite beträgt 3,75 m, die lichten Maße der 
Turmkammern 2,88 : 3,20 m und 2,88 : 3,25 m. Die Mauern der drei inneren 
Seiten haben eine Dicke von 0,95—1,00 m. Der Anschlag liegt in den Wall- 
mauern, 1,20 m von der Mauerflucht zurück. 

Porta principalis sinistra. 

Fast alles über das rechte Seitenthor Gesagte läßt sich auch auf das 
linke anwenden ; es besteht nur hinsichtlich der Thoranschläge ein Unterschied. 
Die Vorsprünge (0,25 — 0,30 m), welche den Thoranschlag bilden, liegen hier- 
bei in der Flucht der inneren Turmmauern. Es entsteht somit eine Art 
Propiignaculum von 5 m Tiefe, auf das auch Krieg von Hochfelden hinweist. 
Auch die Maße weichen etwas ab. Die Thorbreite beträgt 3,65 m, die 
Turmkammern haben innere Seitenlängen von 2,90:3,43 und 3,35:3,45 m. 

Hahel, der dieses Thor ausgraben ließ, hat schriftliche Aufzeichnungen 
darüber nicht hinterlassen. 




Fig. 13. Porta praetoria, von innen gesehen. 



Porta praetoria. 
Die Porta praetoria ist das am meisten bedrohte und infolgedessen das 
schmälste von allen Thoren. Es hat eine Weite von nur 3,22 m, zwischen 



gO Das Kastell. 

den Tlioransclilägen sogar von nur 2,92 m. Dieses mehrfach bei den Türmen 
vorkommende Maß entspricht fast genau zehn römisclien Fuß oder zwei Passus. 
Die Anscliläge liegen auf der Außenseite des Thoreinganges, und da die beiden 
Türme nicht vorspringen, in der Flucht der Wallmauer. Bemerkenswert sind 
die an den Anschlägen noch vorhandenen Sandsteinsockel. Hinter den An- 
schlägen in der Mitte des Einganges fand sich Mauerwerk mit einem aus- 
gesparten, quadratischen Loche von 0,40 m Seitenlänge, welches als Rest oder 
Spur eines senkrechten Thorriegels — eines Grendelbaumes — zu deuten ist. 
Auch lief zwischen den beiden Thorpfeilern eine Fundamentmauer durch, 
welche vermutlich der Rest einer Zumauerung ist, die dazu diente, das Thor 
bei einem Angriffe ganz zu vorschließen. Ein kräftiger Verschluß und eine 
Verstrebung war an diesem, dem Anstürme am meisten ausgesetzten Thore, 
welches bei der Kriegsbereitschaft ganz kassiert wurde, vorzugsweise erforder- 
lich. Es fanden sich hier, ebenso wie bei den zwei Prinzipalthoren, keine 
Anzeigen dafür, daß es jemals gewölbt gewesen wäre, denn in den Brandlagen 
sind nirgends Gewolbsteine zum Vorscheine gekommen. Es scheint demnach, 
wie schon bei der Besprechung der Zinnen gesagt wurde, daß man bezüglich 
der architektonischen Ausstattung nur der nach dem Inlande hin gewendeten 
Hauptfront eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat. Auffälliger Weise 
sind hier an der gefährlichsten Stelle die Mauerstärken der inneren Turm- 
mauern schwächer als bei den anderen Thoren, sie schwanken zwischen 0,53 
und 0,75 m. Die Turmkammern sind mehr gestreckt, sie messen 2,40:3,55 m. 
Die Eingänge zu denselben haben eine Breite von 1,15 m, eine Abmessung, 
die mit Ausnahme der Porta decumana, wo sie 1,30 m beträgt, auch bei den 
übrigen Thoren eingehalten wurde. Noch sei angeführt, daß die Böden der 
Türme nur mit einem Lehmschlage ausgestampft waren, und daß sich nirgends 
Spuren von einem Plattenbelage gefunden haben. 

Der Graben vor der Porta praetoria war niemals, wie es bei den anderen 
Thoren in der .späteren Römerzeit wohl geschehen ist, überdämmt, sondern 
nniß überbrückt gewesen sein, wie dies auch bei den anderen Thoreingängen 
der Saalburg in früherer Zeit sicher der Fall gewesen war. Herkömmlich 
war es wohl nicht, denn die alten Schriftsteller erwähnen anscheinend keine 
Brücken über Kastellgräben. Auch die zahlreichen, oft sehr ins Einzelne 
gehenden Darstellungen auf der Trajanssäule deuten nirgends auf eine solche 
Grabenbrücke hin. Die Verteidigung der Kastelle war eine durchaus aktive, 
durch Ausfälle bethätigte, und die Thore waren so stark befestigt, daß sie 
den kleinen Zusatz an Verstärkung durch einen Graben nicht erforderten. 
Der Pons suhlicius in Rom war zwar zum Abwerfen eingerichtet, indem er 
keine eisernen Nägel haben durfte, führte aber über den Tiber und nicht 
über einen Graben. Auch die antiken, mit Mauer und Graben umzogenen 
Städte hatten keine Grabenbrücke, wenn nicht ein Fluß zu überbrücken war. 

In dem Erdkastelle des Zugmantels waren die Spitzgräben durch Dämme 
vor den Thoren unterbrochen, dagegen an den beiden später errichteten Stein- 
kastellen und denjenigen am Feldberg und bei Heftrich war dies nicht der 



Die Thore und Ecken. 81 

Fall; der Graben lief durch, und es müssen zu seiner Überschreitung Über- 
gänge dort vorhanden gewesen sein. Es scheint also, daß die Römer am 
Limes im zweiten oder dritten Jahrhundert von ihrem ursprüngliclien Schema 
abgewichen sind und die Gräben vor den Thoren überbrückten. Nach den 
an den Thoren des Kastells «Feldberg» gefundenen Steinunterlagen zu schließen, 
wird diese Überbrückung in dicht nebeneinander gelegten Balken bestanden 
haben. An Zugbrücken ist nicht zu denken, auch ist im Altertum bei der 
Erwähnung von Kastellbauten nie davon die Rede. Diese wurden nur in 
leichtester Konstruktion zur Verbindung der Wehrgänge bei den Mauertürmen 
oder bei Belagerungen an den Wendeltürmen angebracht. Wären an der 
Saalburg oder den anderen Limeskastellen Zugbrücken vorhanden gewesen, 
so wären sicher Spuren der Aufhängung zurückgeblieben; es sind aber nie- 
mals solche oder sonstige eiserne Beschläge, die dazu doch nötig gewesen 
wären, gefunden worden. Was wir finden, sind stets Reste von Thoren, deren 
vertikale Pfosten in Pfannen liefen. 

Ohne den späteren Mitteilungen über die Entwässerung der Saalburg 
vorzugreifen, will ich Einiges anfügen, was hier und auch dort über die 
Gräben zu sagen ist : Bei den Erdkastellen war der, den aufgeworfenen Erd- 
wall umziehende Graben durch die vier Thordämme in vier Teile getrennt, 
und diese bildeten — besonders am «Zugmantel», wo undurchlässiger Boden 
ansteht — Wasserbehälter; denn es finden sich an dem letztgenannten Kastell 
unter den Dämmen, die von dem gewachsenen Boden stehen blieben, nirgends 
Durchlässe. Anfänglich, ehe die Besatzung mit hinreichendem Wasser ver- 
sorgt war, mochte die Ansammlung von Regenwasser in den Gräben nicht 
allein erwünscht, sondern dort in der wasserarmen Gegend sogar nötig ge- 
wesen sein. Aber mit der Zeit hatte dieses abgestandene und verdorbene 
Wasser auch Nachteile im Gefolge, und man mußte entweder für jede Ab- 
teilung des Wallgrabens einen besonderen Abzugsgraben anlegen oder die 
Thordämme durchbrechen und das Wasser am tiefsten Punkte der Graben- 
sohle nach dem Vorlande leiten. 

So war es in einer gewissen Zeit an dem Erdkastelle der Saalburg wohl 
auch geschehen, aber später geändert worden; das nach ihm angelegte erste 
Steinkastell wird wohl gleich bei seiner Erbauung einen durchlaufenden Spitz- 
graben erhalten haben. Später waren, wie schon oben gesagt, die Gräben 
vor den Thoren wieder ausgefüllt, aber die Römer legten vor dieser Über- 
schüttung Kanäle unter den Dämmen an, die heute noch vorhanden sind. 
Sobald diese Kanäle verstopft sind, staut sich das Regenwasser in den ein- 
zelnen Abteilungen und bleibt manchmal das ganze Jahr hindurch stehen; 
wir können dann an der Saalburg denjenigen Zustand wahrnehmen, der sich 
bei den ursprünglichen Kastellanlagen dem Auge dargeboten haben mag. 

Über die den römischen Kastellen charakteristischen abgerundeten 
Ecken ist kurz Folgendes zu sagen: Die Kastellecken der Saalburg sind mit 
durchschnittlich 12,41 m Halbmesser abgerundet, und zwar die südwestliche 
Ecke mit 12,08 m, die nordwestliche mit 11,93 m und die nordöstliche mit 

Jacobi, Das Römerkastell Saal bürg. 6 



82 Das Kastell. 

ll,70m®^). An ihnen tritt in verschiedenen Breiten (3,25 und 4,60 m) ein 
20—25 cm starkes Risalit vor. 

Auch die abgerundeten Ecken des Praetorianer-Lagers in Rom sind durch 
Risalite verstärkt, und Ahnliches zeigen die Darstellungen auf der Trajans- 
säule. Dieselben tragen ein gezimmertes, mit Andreaskreuzen verstrebtes 
Geländer, welches ihnen das Ansehen einer Kanzel oder eines Standes giebt, 
von dem man, über die Ziunenkrone erhaben, freie Umschau halten kann. 
Solchen hohen Aufstellungen dürften auch unsere Risalite als Unterbau ge- 
dient haben; sie eigneten sich sowohl zur Aufstellung von Katapulten, sowie 
auch als Standort für den Kommandierenden, der während des Angriffs von 
hier aus besser als durch die Zinnenfenster hindurch das Getümmel im Graben 
und seine Leute auf dem Walle übersehen konnte und im Stande war, den 
Augenblick zu bestimmen, in welchem der Ausfall aus den Prinzipalthoren 
zu unternehmen war. Daß die Risalite mehr den kurzen als den langen 
Kastellseiten zugerückt sind, mag gleichfalls hierin seinen Grund finden; 
außerdem dienten diese Vorsprünge als Verstärkung der Mauer an einer Stelle, 
an welcher sie sonst leicht Risse bekommt. 



4. Die innere Einteilung. 

Bevor ich an die Besprechung des eigentlichen Kastell-Inneren herantrete, 
möchte ich die Beschreibung des ebenfalls im Inneren der letzten Kastell- 
anläge gelegenen, etwa das Praetorium umschließenden P^rdkas teils vorweg- 
nehmen, dessen Auffindung für die Geschichte wie für die Kastelleinteilung 
manche neue Aufklärung gebracht hat. Ob die Bezeichnung «Erdkastell» 
das Richtige trifft, da seine Umwallung auch aus Steinen und Holz hergestellt 
ist, lasse ich auf sich beruhen; vorläufig empfiehlt es sich, sie im Gegensatze 
zu «Steinkastell» und «Schanzen» beizubehalten. 

Das Erdkastell der Saalburg, die Befestigung der ersten Periode, deren 
Lage auf Tafel IV mit roter Farbe kenntlich gemacht wurde, ist ziemlich 
genau orientiert, d. h. seine Längenachse weicht nur 5° (die des Stein- 
kastells dagegen etwa lb^l%^) von der Nordlinie westwärts ab. Den beiden 
Anlagen ging eine Einmessung voraus, deren Spuren man gefunden hat; be- 
sonders ist für das Erdkastell der Dccumanus, d. h. die Standhnie von Osten 
nach Westen, auf welche die Einteilung zu basieren war, ermittelt worden. 
Sie war vor der Südseite des Kastells (in der Betentura des Steinkastells) ge- 
zogen und durch ein 0,35 m tiefes, in den Naturboden eingeschürftes Gräb- 
chen festgelegt, das noch durch viereckige, 0,80 m tiefe, dazwischenliegende 
Gruben unterbrochen ist. Auf Tafel IV ist der Decumanus durch punktierte 
Linien a und ß dargestellt; er ist im Boden auf eine Länge von 25 m erhalten 
geblieben, sein weiterer Verlauf aber durch die spätere Errichtung des Magazin- 



*®) Nur an drei Ecken konnten sichere Maße genommen werden, da die südöstliche, 
wie bereits anderwärts näher ausgeführt wurde, zerstört ist. 



Die innere Einteilung. 



83 



baues zerstört worden. Der Decumanus des Steinkastells ist allem Anscheine 
nach durch die Achsen der Seitenthore gegangen, ist aber infolge der späteren 
Straßenanlage (via principalis) und anderer Veränderungen ohne mühsame 
Grabungen und Zerstörung von Mauern jetzt nur schwer auffindbar. Am 
Kastell «Zugmantel» ist der Decumanus und der ihn rechtwinklig schneidende 
Cardo (Teilungslinie von Norden nach Süden) für das Erd- und das zweite 
Steinkastell in tadellos erhaltenen Gräbchen gefunden worden^''). 




Trotz der verdeckten Lage unseres Erdkastells, das zum Teil unter 
Mauern und gestückten Straßen liegt, ist es möglich gewesen, durch auf- 
gedeckte Profile des Spitzgrabens die Gesamt-Maße festzustellen. Sein Umfang 
ist aus Tafel IV ersichtlich; Fig. 14 stellt in größerem Maßstabe einen Teil 
des Grundrisses mit dem Südeingange und drei Grabenprofile Aa, Bb, Cc 
dar, wobei gleichzeitig die Ausfüllung und Wegüberschüttung des Grabens 
durch besondere Schraffierung hervorgehoben wurde; aus Fig. 15 ist seine 
Höhenlage zum letzten Kastelle zu entnehmen. Die sorgfältige Einebnung 
von Wall und Graben und die Überpflasterung an den Stellen, avo Wege 
diese kreuzten, waren auch die Ursache, daß trotz der umständlichen früheren 



90) Hierzu verweise ich auf meinen Bericht: Grenzmarkierungen am Limes, West- 
deutsche Zeitschrift 1895, wo dieser Gegenstand eingehend hehandelt wurde, sowie auf 
die einschlägige Litteratur: Rudorff, Nissen, Stöber etc. 



84 I>a8 Kastell. 

Ausgrabungen das Erdkastell nicht schon eher entdeckt wurde, weil man den 
Straßendamm ohne besondere Veranlassung nicht durchbrechen wollte. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges wurden etwa zwanzig Quer- 
schnitte gemacht; die nordöstliche Ecke des Grabens ist vollständig ausgeräumt 
und soll auch in Zukunft in dieser Weise sichtbar bleiben. Zu gleichem 
Zwecke ist der Wall der südwestlichen Ecke durch aufgesetzte Steine be- 
zeichnet. 

Die Längenmaße des Kastells, auf der Sohle des Grabens genommen, 
betragen: An der Ostseite 90,95 m, an der Westseite 92,40 m, an der Süd- 
seite 86,15 m und endlich an der Nordseite 86,90 m. Auf der Ostseite sind 
in diesem Graben sehr starke Mauern, die durch den aufgefüllten Grund hin- 
durch bis zur Sohle gehen, in verschiedenen Richtungen eingebaut gewesen. 
Der Unterschied von 1,45 m an den Langseiten mag mit dem Gefälle des 
Geländes und einer etwas unregelmäßigen Ausschachtung zusammenhängen 
oder auch von einer ungenauen Absteckung herrühren ; vielleicht würde sich 
aber auch ein genaueres Maß ergeben, wenn der Umfang vollständig bloß- 
gelegt werden könnte. Dies dürfte jedoch wegen der darüber liegenden Mauern 
und sonstiger Hindernisse kaum möglich sein. Nach Abzug der halben 
Grabenbreite (2,95 m) und der Berme (0,60 m) auf jeder Seite ergiebt sich, 
von den Außenkanten an gerechnet, für die Umwallung des Erdkastells eine 
durchschnitthche Größe von 84,70:86,00 m, also ein nahezu quadratischer 
Grundriß, der den frühesten Kastellanlagen eigentümlich ist. Diesen Maßen 
scheint, wie bei der Absteckung des Steinkastells, der römische Passus (Doppel- 
schritt) zu Grunde gelegen zu haben. Daraufhin umgerechnet erhält man 
für den Grundriß fast genau 57:58 Passus und für die Abmessungen des 
Grabens, der eine Breite von durchschnitthch 5,95 und eine Tiefe von 1,50 m 
hat, 4 bezw. 1 Passus. Hiermit ergiebt sich eine bebaute Grundfläche von 
84,70 X 86,00 m = 7284 qm, während der Flächeninhalt des zweiten Stein- 
kastells 147,18 X 221,45 m = 32593 qm (326 Ar = 17 Homburger Morgen) 
beträgt, also rund 4 mal so groß ist wie derjenige des ersten Kastells. Das 
Erdkastell «Zugmantel» enthält 7200 qm, ist also fast gerade so groß, während 
das zweite Steinkastell dort eine dreifache Vergrößerung gegenüber dem ersten 
darstellt. Die beiden Erd kasteile scheinen, wie ich schon im Limesblatt Nr. 16 
(Abschn. 116) bemerkt habe, hinsichtlich ihrer Größe einen bestimmten Typus 
zu vertreten, dem auch u. a. die Steinkastelle «Feldberg», «Alteburg» (bei 
Heftrich), «Äugst», «Wörth», «Walldürn» und «Kastei» angehören. Das 
Kastell der zweiten Periode zu Butzbach hat mit 147 X 225,50 m fast dieselbe 
Größe wie das Saalburgkastell derselben Periode. Beide gehören mit zu den 
größten Limeskastelien, von denen jetzt, außer den Zwischenkastellen und 
Schanzen, 78 bekannt sind; 18 — 20 weitere werden noch vermutet. Ver- 
gleichsweise sei noch erwähnt, daß die Saalburg hinsichtlich ihrer Größe etwa 
die 16. Stelle einnimmt. Am obergermanischen Limes sind die Kastelle 
«Kesselstadt> mit 140625 qm (nach Wolff) und «Nieder-Bieber» mit 50886 qm 
(nach von Cohausen) die größten. 



Die innere Einteilung. 85 

Die abgerundeten Ecken haben einen Halbmesser von durchschnittlich 
9 m, also etwa 3 m weniger als diejenigen des Steinkastells. 

Über die inneren Einrichtungen ist wenig zu sagen. In die hier und 
da im Boden vereinzelt aufgefundenen Steinlagen läßt sich ein Zusammen- 
hang nicht bringen; sie können auch in dem langen Zeiträume entstanden 
sein, der zwischen den Erbauungszeiten der beiden Kastelle liegt, — das 
Gewirre von Brandschichten sowie das Durcheinander der Baureste machen 
es unmöglich, ein Bild des Inneren zu entwerfen. Dagegen sind für die Um- 
fassung und die Thore sichere Anhaltspunkte erhalten, die uns eine Rekon- 
struktion ermöglichen. Betrachten wir zunächst den Wall, so sind wir durch 
die im Boden vorhandenen Pfosten- oder Pfahllöcher im Stande, ihn im Geiste 
wieder aufzubauen. In der Textfigur 14 habe ich einen Versuch gewagt und 
glaube, daß sich aus dieser Darstellung alles Weitere ergiebt und hier nur 
wenig zur Erläuterung hinzuzusetzen sein dürfte. Die runden, 0,20 — 0,25 m 
breiten Löcher sind in drei Reihen vorhanden und liegen in Abständen von 
0,70 — 0,75 m vor- und hintereinander. Sie geben uns durch die Entfernung 
der Pfosten, die wohl schwalbenschwanzförmig durch Querhölzer miteinander 
verbunden w^aren, zugleich die Dicke des Walles an (1,40 — 1,50 m). Durch 
die Ausfüllung der Zwischenräume, besonders die Pfostenreihe in der Mitte, 
bekam das Ganze noch eine besondere Festigkeit; daß dieser Wall nicht allein aus 
Erde, Lehm und Rasen, sondern auch aus Steinen bestand, geht daraus her- 
vor, daß solche an Ort und Stelle regelmäßig, die Flucht bildend, lagen 
(Fig. 14). Eine ähnliche Trockenmauerkonstruktion hatten auch bereits die vor- 
römischen Ringwälle (vergl. Abschnitt II), die ebenfalls durch Balken zusammen- 
gehalten waren. Auch bei den Zwischenkastellen konnten wir dieselbe Um- 
w'allung beobachten. Diese Übereinstimmung ist hauptsächlich auf den Mangel 
an Kalk zurückzuführen, der durch die Holzverspannung ersetzt wurde. Deshalb 
gehören solche Bauten immer einer früheren Zeit an, in der noch nicht alle 
technischen Hilfsmittel zur Hand waren, und wo man sich mit den herum- 
liegenden Lesesteinen behelfen mußte, weil ein wirklicher Steinbruchbetrieb 
noch nicht vorhanden war, der lagerhafte, große Mauersteine geliefert hätte. 
Damit wird auch für die Zwischen- und Erdkastelle bewiesen, daß sie, wie 
sich auch auf anderem Wege ergeben hat, aus einer früheren Zeit stammen. 

Die Höhe des Walles ist als gleich mit derjenigen des Steinkastells 
und der des in Trockenmauerwerk hergestellten Zwischenkastells «Heidestock» 
mit 2,20 m angenommen. Eine Brustwehr ist durch längere Pfähle, die mit 
Brustriegeln verbunden waren, hergestellt gedacht, sie mag mit Flecht- oder 
Strauchwerk zur Sicherung des Verteidigers ausgefüllt gewesen sein. Den 
Wall, der als Gang diente, und der mit Leitern zu besteigen war, wird man 
sich mit einer Holzabdeckung versehen zu denken haben. Außen lief eine 
schmale, nur 0,60 m breite Berme herum. Die innere Seite des Walles diente 
nach Analogie der Zwischenkastelle zur Anlehnung der Baracken, der Wohn- 
räume für die Soldaten. Eine Höhe von 2 m war für diese ausreichend; 
selbst wenn eine etwas geneigte Abdeckung bestanden hätte, so würden die 



gf) Das Kastell. 

Eingänge nocli hoch genug gebheben sein. Wir müssen uns selbstverständ- 
lich alle Einriclitungen in solchen Kastellen möglichst einlach vorstellen. Über 
den kasemattenartigen Gelassen dürften Balken dicht nebeneinander gelegen 
haben, und zwar mit nur wenig Gefälle, sodaß die Abdeckung jener Räume 
noch als Walluragang benutzt werden konnte. Die Holzlage war wohl mit 
einem Lehmschlage und Rasen bedeckt, wenigstens muß es am Kastell 
«Feldberg» nach den Funden so gewesen sein. Dort befand sich an dem 
Maueranfange ein glatter Boden, auf welchem verkohltes Holz und verbrannter 
Lehm lag, Reste, welche nur von einer Decke herrühren können. Auch an 
der Saal bürg sind unter dem aufgefüllten Erd walle ähnliche Beobachtungen 
gemacht worden, sodaß man annehmen kann, daß auch hier ursprünglich 
die Soldatenwolmungen sich dicht an der Wallmauer befunden haben müssen. 
Dadurch erklären sich auch die späteren Wallanschüttungen mit Brandschutt 
und die auffällig gut gefügten und glatten Flächen der inneren Seite der 
Wallmauer, die bei einer gleichzeitigen Anschüttung des Walles nicht erforder- 
lich gewesen wären. Am Prätorianerlager in Rom waren ebenfalls die Wohn- 
räume der Soldaten an die Umfassungsmauer angebaut, doch waren sie dort 
gewölbt und durch massive Wände, die eine Lichtöffnung (Thüre) hatten, in 
einzelne Kammern geschieden. 324 solcher Kammern sind an der Umfassung 
dieses Kastells vorhanden. 

Daß die an den Limeskastellen angewandte Abdeckung gegen Regen 
und Schnee nicht sehr widerstandsfähig war, ist als sicher anzunehmen; 
auch bei unseren moderneu Festungen, wo mehrfach auch die Soldaten- 
wohnungen — Kasematten — direkt an die äußere Mauer angebaut sind, 
hatte man bis zur Erfindung der Holzcementbedachung mit demselben Übel- 
stande zu kämpfen. Für unsere Limeskastelle mögen die Undichtigkeit der 
Bedachung und die immerwährenden Reparaturen Veranlassung gewesen sein, 
die aus der Heimat übernommene Bauweise, die sich wohl für das 
italienische, aber nicht für das deutsche Klima eignete, aufzugeben. Auf 
der Trajanssäule sind solche Bauten, die sich an die Wallmauer anlehnen, 
mit horizontaler Abdeckung dargestellt. 

Die Thore der Süd-, Ost- und Westseite des Erdkastells sind sicher 
festgestellt, das vierte dürfte wegen der an der vermuteten Stelle früher 
geschehenen Ausgrabungen nicht mehr aufzufinden sein. Das an der Süd- 
seite, nach dem Inlande hin gelegene Thor hat sich in seinem Grundrisse 
gut erhalten; die eine der eisernen Thorpfannen befand sich noch in situ 
(Fig. 14a); sie sagt uns, daß dieses Thor in der gewöhnlichen Weise mit 
Pfanne und Angel angeschlagen war, sie giebt auch zugleich die Dicke des 
zum Thorpfosten verwendeten Holzes mit etwa 9 — 10 cm an. 

Interessant ist die durch die Pfostenlöcher erkenntliche, nach außen ab- 
geschrägte Thorlaibung. Diese war durch Holzpfosten befestigt, die gleich- 
zeitig zur Aufnahme der sie verbindenden Querhölzer (Riegel) dienten. Merk- 
würdig ist, daß auch Thomas in seiner Rekonstruktion der Altkönig-Ringwälle^') 

^') Vergl. Anmerkung 40, Nr. 4. f 



Die innere Einteilung. 



87 



> 



a 



> 



tö 




U 


Ä 


Vi 




n5 




-0 


-3 






^ 


S 'S 


o 


"5" 


>- 


» 


3 




03 


; 


a> 
















o 




!>- 




FU 







^^ 





dieselbe Abschrägung an- 
genommen hat. Man 
fürchtete wahrscheinlich 
durch Anstoßen beim 
Einfahren den Eck- 
pfosten zu beschädigen 
und damit die ganze 
Mauer wegen der zu- 
sammenhängenden Zim- 
merkonstruktion zu ge- 
fährden. Die lichteWeite 
des Thoreinganges be- 
trägt 2,50 m, etwa einen 
Meter weniger als bei den 
Thoren des Steinkastells. 
Der Spitzgraben vor dem 
Eingange war ausge- 
hoben. 

Erwähnenswert er- 
scheinen noch die zwei 
von Steinen eingefaßten 
Löcher (Fig. 14 y und z), 
die sich bis jetzt nur 
gegenüber der Rundung 
gefunden haben. Viel- 
leicht dienten sie zur 
Aufnahme der Holz- 
pfosten für ein höheres 
Gerüst, wie es auch bei 
den Steinkastellen in den 
verstärkten Ecken be- 
standen haben soll. 

DerBoden des großen 
Steinkastells, wie es 
jetzt vor uns liegt, schheßt 
sich im Allgemeinen dem 
natürlichen Terrain an. 
Nur der hintere Teil und 
besonders die Stelle, an 
der das Praetorium liegt, 
scheint etwas eingeebnet 
zu sein, während das 
dem Feinde zugekehrte 
Drittel ein schärferes Ge- 
fälle hat (Fig. 15). Dieser 



gg Das Kastell. 

etwas plötzlich eintretende Terrainuntcrschied hat mit zu den Vermutungen 
Auhiß gegeben, es sei das auf dem Plateau gelegene Kastell noch nachträg- 
lich nach vorn vergrößert worden. Die Höhenunterschiede betragen, wenn 
man die Mitte der Exerzierhalle als Nullpunkt annimmt, an der Forta 
drcumuna —0,30 m, an der Porta principalis dextra — 1,62 m, an der Porta 
principalis sinistra 4-1,88 m und an der Porta praetoria — 5,68 ra (Taf. IV^). 
Das Terrain fällt also nach dem tiefsten Punkte um etwa 6 m. Diese Ge- 
lallverhältnisse waren lediglich durch die Rücksicht auf eine geeignete Ent- 
wässerung des Bodens und der Wallgräben bestimmt. 

Die innere Einteilung des Steinkastells ist schon vielfach beschrieben, 
und es sind darauf die verschiedensten Hypothesen aufgebaut worden; es 
wurde dabei Manches mit in die Betrachtung hineingezogen, was, wie sich 
jetzt durch das daselbst neuaufgefundene Erdkastell herausgestellt hat, einer 
früheren Zeit angehörte. 

Das Kastell besteht aus drei Teilen, dem Vorderlager {praetcntura), dem 
Mittellager [lafera practorii) und dem Rücklager [rdentura). Die dem Inlande 
zunächstgelegene lietentura ist von dem Praetorium durch einen gestückten Weg 
geschieden, die Via principalis (Taf. IV. CD). Eine Via qnintana, wie sie Eossei, 
durch das steile Abfallen des Terrains veranlaßt, zwischen Praetorium und 
Praetcntura annahm, und die in zwei Thore ausgelaufen sei, hat sich nicht 
gefunden. Durch die davorhegende, jetzt ausgegrabene Vertiefung, Reitbahn 
(Amphitheater), ist der auffallende Terrainunterschied an dieser Stelle erklärt. 



a. Die Praetcntura. 

Durch die Praetcntura ziehen außer der Wallstraße [Via anyalaris) 
und zwar parallel mit dieser noch vier weitere, teilweise gestückte Wege, 
die mit der Via principalis verbunden sind. An diesen standen die Zelte, 
Baracken und sonstige Bauten, von denen zahlreiche Überreste von Funda- 
menten und kellerartigen Vertiefungen bloßgelegt sind. Aus ihnen ist zu 
entnehmen, daß dieser Lagerteil dicht bebaut war. Aber es ist schwierig, 
ein System in diese Anlagen zu bringen, da hier im Gegensatze zu dem 
Mittel- und Vorderlager meistens Holzbauten standen, die nach jeder Zer- 
störung nur Brandschutt und keine festen Mauern, wie dies bei den Massiv- 
bauten der Fall ist, zurückgelassen haben. Doch ist man in der Lage, diese 
Bauten noch insoweit an ihren Resten zu erkennen, daß man sich wenigstens 
in der Vorstellung ein Bild von ihrem einstigen Aussehen und ihrer Bauweise 
machen kann. 

Ich behandle zunächst die leicht konstruierten Soldatenhütten. Regle- 
mentsmäßig lagen, so weit aus den Kriegsschriftstellern zu ersehen ist, die 
römischen Soldaten zu je 10 Mann, ein Contuhernium, in einem Zelte bei- 
sammen, welches von Leder war und 10 römische Fuß im Quadrate maß. 
Wenn diese Zelte nun schon auf Märschen gewiß nicht immer mitgeführt 
wurden, so waren sie im Standlager umsomehr durch Hütten ersetzt, die den 



Die innere Einteilung. g9 

Bedürfnissen der Landesart und dem Klima besser als lederne Zelte angepaßt 
waren. Es erscheint aber als zweckmäßig, mit jeder Benennung auch eine be- 
stimmte Vorstellung zu verbinden, selbst auf die Gefahr hin, für dieselbe 
nicht immer den strengen Beweis des Thatsächlichen, wohl aber stets den 
der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit, beibringen zu können. Zum Ver- 
gleiche für die Hütten der römischen Soldaten möchte ich deshalb diejenigen an- 
führen, welche Köhler und Holzhauer sich noch heutzutage in den Wäldern 
aus keinem anderen Materiale als aus dem an Ort und Stelle vorhandenen, und 
mit keinem anderen Werkzeuge als dem Beile und der Hebe (ein sichelartiges 
Messer, siehe Tafel XXXVH, Nr. 9) zu bauen pflegen, und in welchem sie 
oft monatelang leben (Tafel XI, Nr. 2 und 2 a). Auch die Hütten wilder 
Volksstämme sind mit denselben Hilfsmitteln aufgeschlagen. 

Für 10 Mann genügte eine runde Hütte von 5,25 m Durchmesser; sie 
läßt sich aus 7 m langen Stangen, die im Kreise eingesetzt und nach der 
Mitte zusamraengeneigt werden, aufschlagen und mit Strauchwerk, Rasen oder 
Stroh eindecken. In der Mitte brennt das Feuer, von Steinen eingegrenzt, 
die auch während der Nacht, wenn jenes erloschen ist, fortfahren, ihre Wärme 
auszustrahlen. Eine Öffnung in der Spitze ließ den Rauch entweichen. Um 
den inneren Umfang der Hütte zieht sich als Sitz und l^ager eine etwa 1 m 
breite Bank, welche zwischen sich und dem Herde nocli einen genügend 
breiten Raum für den Umgang freiläßt. Nicht nur die große Menge von 
Brandschutt, sondern auch die durch Feuer veränderte Erde und ebensolche 
Steinblöcke, die sich in der Praetentura finden, weisen auf diese oder eine 
ähnliche Konstruktion hin. Eine Hütte von der genannten Größe reichte 
für ein Contuhernium von 10 Mann aus. Die vorschriftsmäßigen Strohhütten 
unserer heutigen Armee haben 6 m Durchmesser und genügen — allerdings 
ohne Feuerstelle — für 21 Mann. 

Auf Tafel V, einer Ansicht der Saalburg aus der Vogelperspektive, ist 
für die Westseite der Praetentura eine Einteilung angenommen, die zeigt, wie 
solche Hütten gestanden haben können. Die dort gefundenen Steinsetzungen, 
Feuerstellen und Gruben lassen dieselbe als möglich erscheinen. Daß diese 
leichten und eigentlich nur zu einer vorübergehenden Benutzung geeigneten 
Hütten sehr lange im Gebrauche waren, ist kaum anzunehmen; sie sind später 
durch Holzbaracken verdrängt worden, die für einen dauernden Aufenthalt 
besser und bequemer waren. Für das einstige Vorhandensein solcher sind 
hinreichende Anzeichen im Boden versteckt gefunden worden. 

Auf Tafel V ist, wie für die Hütten auf der Westseite, so auf der Ost- 
seite eine Anzahl dieser Baracken in der Rekonstruktion dargestellt, wobei 
angenommen wurde, daß sie an den Lagerstraßen und zwar mit diesen parallel, 
wie sich auch aus den Steinsetzungen ergeben hat, gestanden haben. Auf 
Tafel XI, Nr. 1 und la ist eine solche Baracke nach den wirklichen Maßen 
und den aufgefundenen Bauresten rekonstruiert gezeichnet. In der Mitte des 
in der Regel durch große Steinblöcke begrenzten Raumes befindet sich eine 
kellerartige Vertiefung, die mit Balken und Brettern überdeckt war und zur 



90 Das Kastell. 

Aufbewahrung von Vorntten, Früchten, Fleisch etc. gedient haben dürfte. 
Der Keller ist nicht ummauert gewesen, sondern nur mit einer Böschung in 
die Erde gegraben (vergl. hierüber Abschnitt IX. 2). Die Wände des ein- 
stöckigen Oberbaues bestanden aus Holzfachwerk, das verriegelt, verstrebt und 
ausgestaakt war. Ein innen und außen angebrachter Lehmverputz der Wände 
schützte gegen Zug und Kälte, und durch einen Anstrich gab man diesen Bauten 
ein freundliches Ansehen. Die Dachbedeckuug bestand aus Schindeln oder 
Stroh, der Boden war mit einem Lehmschlag überzogen; es sind gerade im 
Kastell solche Böden in vollständiger Erhaltung gefunden worden, w'oran die 
Technik zu erkennen ist, die heute noch auf dem Lande, besonders zur Her- 
stellung von Scheuertennen üblich ist. Die Größe dieser Baracken war ver- 
schieden, 4X8 und selbst 6X12 m, sodaß bei der großen Spannweite der 
Dachbinder Stützen erforderlich waren, was durch die Auffindung von Stein- 
unterlagen für dieselben bestätigt wird. Die meisten der Fundamente, die 
in der Praetentnra freigelegt wurden, gehören zu Holzbauten und Baracken. 

Auf der Ostseite fanden sich außerdem Mauerreste, die mit Mörtel gemauert 
waren, und die man nach ihren Heizvorrichtungen und ihren sonstigen eigentüm- 
lichen Anlagen (Tafel VII, Nr. 5, 5a, 6, 6a, 7, 7a) wohl für die Reste von 
Küchen und Backöfen halten kann. Einer dieser Räume enthält eine künsthch 
hergestellte Vertiefung, die nur von einer Kesselummauerung herrühren kann, 
sodaß die Vermutung nahe liegt, daß hier eine gemeinschaftliche Küche 
errichtet war; man kann bei solchen Resten vielleicht auch an eine Soldaten- 
Bäckerei denken. Im Kastell «Alteburg» bei Heftrich fand sich, noch ziem- 
lich gut erhalten, der größte Teil eines Backofens vor. 

Hiermit ist die Reihe der im Soldatenquartiere gefundenen Holzbauten 
abgeschlossen; Massivbauten, wie sie die lietentura und das Praetorium auf- 
weisen, haben dort nicht gestanden, denn der hier freigelegte Massivbau — 
Bäder — gehört, wie schon im Anfange dieses Abschnittes unter 1. erwähnt 
wurde, einer früheren Periode an und ist nur durch die Vergrößerung des 
Kastells in die Practcntura hereingezogen worden. Die Bäder scheinen nach- 
her unbenutzt geblieben zu sein und waren der späteren Besatzung vielleicht 
kaum bekannt. Die wohlerhaltenen Mauern mit Hypokausten lagen bei ihrer 
Freilegung vollständig in der Erde und waren durch eine festgetretene oder 
gestampfte Bodenschicht verdeckt, sodaß sie nur durch Zufall gefunden 
wurden. Auch der Rest der oberen Estrichlage im vorderen Räume, von 
welcher kaum noch ein Quadratmeter vorhanden war, spricht dafür, daß diese 
Bauten nicht zerstört, sondern abgebrochen wurden, und daß nicht allein die 
Steine, sondern auch der Estrich, besonders als Mörtelmaterial bei der Herstellung 
des Steinkastells, Verwendung gefunden haben; denn es ist vollständig aus- 
geschlossen, daß man den Estrich zu irgend einer nachrömischen Zeit von 
der Saalburg geholt haben könnte. Ich habe bei den verschiedensten Aus- 
grabungen am Limes und in dem Taunusvorlande gefunden, daß der Estrich 
zerfällt, wenn er der Witterung ausgesetzt ist, und nur erhalten bleibt, wenn 
er durch undurchlässigen Boden genügend geschützt war. 



Die innere Einteilung, 91 

Es sind dies Alles Gründe, die dafür sprechen dürften, daß jenes so- 
genannte «Soldatenbad» in späterer Römerzeit nicht mehr, oder wenigstens 
nicht mehr als Bad im Kastelle benutzt worden ist. Nach dieser Erkenntnis 
kann die seitherige Annahme, als hätten die Römer innerhalb des Kastells Saal" 
bürg eine gemeinsame Badeanstalt gehabt, nicht mehr aufrecht erhalten werden. 

Auf Tafel VIII, Nr. 1, la, 2 und 2a sind die zwei Bauten, die in ihrem 
Fundamente zu einem Bau verbunden waren, in einem Maßstabe von 1:200 
dargestellt. Der eine (Nr. 1) besteht aus einem 3,90X10,20 m großen, nahe- 
zu in der Mitte geteilten Räume, mit einer an der Nordseite vorgelegten Heiz- 
kammer {Praefurnium), von der aus er mittels Hypokausten erwärmt wurde. 
Der vordere, der als Wärmestube oder als Schwitzbad anzusehen ist, liegt 
dem Feuerherde am nächsten, hatte höhere Hypokaustenpfeiler und einen 
dickeren (0,50 m) Estrich als der hintere Raum. Dieser letztere liegt tiefer 
und ist daher wohl als Warmwasserbad zu bezeichnen; seine Ziegelpfeiler und 
Bruchsteinuntermauerung sind niedriger, und sein Estrich ist nur 0,20 m dick. 
Er konnte 0,40 cm hoch, also nicht bis zur Kniehöhe, mit Wasser gefüllt 
werden, ohne die Thürsch welle zu überfluten. Als Baderaum ist er durch 
einen ringsherumlaufenden Mörtelwulst in den Winkeln, wo Wand- und 
Bodenflächen zusammenstoßen, gekennzeichnet. Von diesem Räume geht ein 
Wasserkanal unter der Sohle der Hypokausten hindurch nach außen und er- 
gießt seine Abflüsse in den im Abschnitte XI. 3 besprochenen Kanal 
(vergl. Tafel VIII, Schnitt A— B). Der durch einen 2 m breiten Gang ge- 
trennte Raum ist ein nicht heizbarer Wasserbehälter mit Sitzbänken auf zwei 
Seiten und Mörtel wulsten, sowie einem Abflüsse nach dem schon erwähnten 
Kanäle, Er ist vielleicht ein Kaltbad gewesen oder hat den Soldaten zu 
Waschungen gedient. 

In der Praetentura ist schließlich noch eine eigentümliche Ver- 
tiefung zu erwähnen (Tafel IV c, d, e, f und Tafel VII, Nr. 8), welche sich 
nördlich an das Praetorium anschließt. Sie gleicht einem Amphitheater, 
und die Aufgrabungen haben diese Annahme unterstützt. Die amphi- 
theatralische Anlage ist elliptisch, und der innere gestückte Bodenraum hat 
einen Durchmesser von 22 bezw. 27 m; in den Böschungen fanden sich 
Mauerreste, wahrscheinlich von Sitzreihen, Man muß sich diese von Holz, 
wie überhaupt das Ganze in einfachster Weise hergestellt denken. Die lange 
Friedenszeit am entlegenen Grenzwalle und die Langeweile des Lagerlebens 
mochten Offiziere und Soldaten zu dieser Anlage geführt haben. Die dort 
erhobenen Funde, Hufeisen, Sporen, Trensen etc., sprechen für eine Benutzung 
durch Pferde; vielleicht diente sie als Cirkus oder auch als Reitbahn, wie 
sie Vegetius II. 23 erwähnt. (Vergl, hierüber auch den Absatz b dieses Ab- 
schnittes.) Nördlich davon, fast auf der Längsachse des Kastells, liegt der 
einzige Brunnen der Praetentura (Taf. IV. P). Das Nähere hierüber findet 
sich im Abschnitte XI. 2 «Die Wasserversorgung». 

In der nordöstlichen Ecke liegt noch ein kleines Bauwerk Q dicht an 
der Wallmauer, das von Coliausen für eine «Latrine» erklärte, da ein Wasser- 



92 



Das Kastell. 



abfluß liindurchgeht. Doch ist diese Vermutung durch nichts bestätigt; im 
Abscliuitte XI. 3 werde ich darauf zurückkommen. 



■ ■ 


^^^^^^^^^^^^Hp^ «^'"*^~~~ -^—^^'-^ - afl^^Sj^^^^^^^H 







Fig. IG. Die Resle des Pnietorlum. 



b. Die Latera praetorii und das Praetorium. 

Von den zu beiden Seiten des Fraetorium hegenden und die Fradentnra 
mit der lletentuni verbindenden langen Streifen, den Latera praetorii, ist die 
Westseite vollständig, die Ostseite teilweise ausgegraben; dabei kamen aber 
nur Reste von Holzbauten, Baracken etc. zum Vorschein. Es scheint, daß 
die Massivbauten sich im Kastelle lediglich auf das Fraetorium und die Ite- 
tentnra beschränkt haben. Ob hierbei überhaupt die Bezeichnung «Massiv- 
bau», wie wir sie jetzt anwenden, ganz richtig ist, bleibt fraglich, da bei den 
Bauten mit Steinunterbau die Stockwerke möglicherweise auch mit Holz- 
fachwerk aufgeführt waren. Trotz dieser Möglichkeit behalte ich die seither 
gebrauchte Benennung bei und zwar in dem Sinne, daß ich alle Baureste, 
die ein hinreichend starkes und mit Mörtel hergestelltes Fundament haben, 
vielleicht auch in ihrem unteren Teile wirklich massiv waren, als Massiv- 
bauten bezeichne, im Gegensatze zu den nur trockene Steinunterlagen auf- 
weisenden Holzbauten. 

Wenden wir uns zunächst zu dem Praetorium, von dem eine Re- 
konstruktion auf Tafel IX und X versucht wurde (vergl. auch Tafel V, Vogel- 



Die innere Einteilung. 93 

Perspektive sowie Textfigiir 16).^^) Dasselbe bildet ein Rechteck von 60 m 
Länge und 44 m Breite, fast genau 40 : 30 Passtis, zeigt demnach ein Ver- 
hältnis von 4 zu 3. (Das Kastell hat, wie schon erwähnt, Abmessungen im 
Verhältnis von 3 zu 2.) 

Von der Via principalis durchschnitten, beginnt es an der Südseite mit 
einem sehr großen und weit gespannten Räume von 38,50 m lichter Länge 
und 11,50 m lichter Breite; von jeder der drei Außenseiten führen 4,20 m 
weite Thore in denselben, während auf der dem Inneren des Fraetoriiim zu- 
gewandten vierten Seite sich fünf Thore in verschiedenen Breiten (von 1,30 
bis 3,80 m) öffnen (Tafel IV). Das Gebäude, welches durch Ahlen (schmale 
Gänge) von den übrigen Räumen getrennt ist, wurde von Oberst von Cohausen 
für ein Exerzierhaus erklärt und von ihm dabei auf Vegetius hingewiesen, der 
in seiner Abhandlung über Kriegs wissen schaff IL 23 sagt: «Überhaupt hielt 
man die beständige Übung mit Wurfspießen oder mit dem Marcio harhnli 
(kurzer blei beschwerter Pfeil) für notwendig, sodaß man zur Winterzeit Reit- 
bahnen für die Kavallerie, die mit Ziegeln, Schindeln oder in Ermangelung 
derselben wenigstens mit Rohr, Binsen oder Stroh gedeckt waren, und für 
die Infanterie große Säle, wie sie in den Basiliken vorhanden sind, errichtete, 
worin sich ein Corps bei schlechtem oder stürmischem Wetter unter einem 
Obdach üben konnte». Da das Pilum höchstens 25 Schritte weit mit Erfolg 
geworfen werden konnte, der Raum aber über 50 Schritte lang ist, konnten 
zwei Abteilungen gleichzeitig üben. Der Einzelne bedarf hierbei eines drei 
römische Fuß (0,88 m) breiten Raumes, und da das Pilum von zwei Gliedern 
geworfen wurde, so konnte jede Abteilung aus 25 — 30 Mann, beide zu- 
sammen aus 50 Mann, bestehen; es ist dies eine Centurie oder eine halbe 
Manipel, 

Mit welchem Materiale das Gebäude auch gedeckt gewesen sein 
mochte, die Dachgiebel befanden sich auf den Schmalseiten, die Traufen auf 
den Langseiten, und eben nur wegen dieser scheint das Gebäude um 0,45 m 
(den Ahlen) von den Seitengebäuden des Praetorium abgerückt gewesen zu 
sein. Die an der Ostseite vorspringenden Mauerpfeiler sind nicht mit Be- 
stimmtheit zu erklären, doch mögen sie zur Verstärkung als Strebepfeiler 
oder zur Aufnahme von Holzpfosten bestimmt gewesen sein, um ein vor- 
kragendes Dach zu stützen. Derartige Vorsprünge kommen vielfach an 
römischen Massivbauten vor (vergl. das Kaufhaus, Textfigur lö). 

In dem quadratischen Hofe (Tafel IV, E), dem Atrium, das nördlich 
durch einen Gang von dem Exerzierhause getrennt ist, lag außer zwei Brunnen 
(Tafel IV, M und N, Tafel XIII, ßr. 2 und 3, vergleiche auch den Abschnitt 
XI, 2) ein kleines viereckiges Bauwerk (Tafel IV, S), dem Hahel schon 1854 
den Namen Sacellum gegeben hat. Auch spätere Funde lassen es möglich 
erscheinen, daß dieser Raum zu einem Sacellum (auch Sacrum oder Sacrarium), 
in welchem die Kaiserbilder und Feldzeichen aufgestellt waren, gedient haben 

92) Nach einer im Jahre 1884 von Herrn Hoigne aus Frankfurt hergestellten Photo- 
graphie. 



94 I^as Kastell. 

kann. Über die Sacellen in Pompeji vergleiche Ovcrheck-Mau, 4. Auflage, 
S. 268. Das Sacellnm der Saalburg bildet ein Quadrat von 5,20:5,20 m; 
in der Nordostecke ist ein viereckiger Raum von 1,50 ra im Lichten abge- 
teilt; von ThüröfFnungen ist bei der tief herabreichenden Zerstörung des 
Mauerwerks nichts mehr zu sehen. Auf den Tafeln IX und X ist in Figur VI 
eine Ansicht, wie dieser Bau etwa in der Front ausgesehen haben mag, dar- 
gestellt; man wird sich allerdings die Pilaster und Gesimse aus Holz an- 
gefertigt denken müssen, da alle Anhaltspunkte für die Annahme von Stein- 
gliederungen fehlen ; dagegen sind vor und in dem Räume selbst Bruchstücke 
von reich verzierten Altären gefunden worden. In anderen Kastellen ist der 
in der Kastellachse liegende Raum, oft halbrund abgeschlossen wie am Kastell 
«Feldbcrg», oft auch unterkellert, für das Sacellum angesprochen worden. Das 
wäre für uns der Raum Z, den von Cohaitsen als Oecus bezeichnete; doch scheint 
dieser schon wegen seiner Größe und seiner exponierten Lage eine andere 
Bestimmung gehabt zu haben. Allerdings ist dort im Jahre 1894 die in 
Abschnitt XIII zur Besprechung gelangende, 0,15 m hohe Bronzestatuette ge- 
funden worden, die M'ahrscheinlich einen Kaiser {Marc Aurel?) darstellt. 

Der 25 m lange und 4 m breite Bau (Tafel IV, T) auf der Ostseite des 
Praetorium zeigt keine Quermauern, wie sie das entsprechende Gebäude auf 
der Westseite enthält. Während aber in letzterem vier Räume durch wirkliche 
Mauern abgetrennt waren, fand man in ersterem nur einige pfeilerartig auf- 
einandergesetzte Steine ohne Verband mit der Außenmauer, vielleicht den 
Unterbau von Fachwerkswänden. Die Steine lagen nicht auf dem ge- 
wachsenen Boden, sondern wie die meisten Gebäude auf Brandschutt, der 
zum Teile aus schwarzer Asche und Kohlen bestand. Dazwischen fanden 
sich Brocken von gebranntem Lehm, welche von dem Staakvverke der 
Wände und Decken herrühren. Ferner enthielt der Brandschutt auf dem 
gewachsenen Boden stark verwitterte Ziegel ohne Stempel, die Reste eines 
Plattenbodens, und Estrichbruchstücke, welche mit jenen auf die Boden- 
heizung einer älteren Einrichtung dieses Gebäudes schließen lassen. 

Vor den beiden Räumen T und U sowie vor dem Exerzierhause R 
liegen 2,50 bis 3,00 m breite Gänge, welche das Atrium E einschließen. Wir 
werden uns dieselben nach Analogie mit dem Schema des antiken Wohn- 
hauses oder mit den an mittelalterliche Klosterkirchen angelehnten Kreuz- 
gängen als einen Umgang vorzustellen haben, der mit einem Pultdache über- 
deckt war. Dieses lehnte mit dem höher gelegenen Teile an die Wände der 
anstoßenden Gebäude an, während es nach dem Hofe zu auf hölzernen 
Stützen ruhte. Das Licht wurde den dahinter gelegenen Räumen durch 
Thüren zugeführt; die Abwässerung geschah nach dem Hofe wie im Atrium 
des Wohnhauses. An den Hof A schließt sich ein zweiter, 9 m breiter und 
29 m langer Hof V (Peristyl) an, der ebenfalls eine Säulenhalle enthält. Die Stützen 
dieser standen auf einzelnen Sockelsteinen, welche die entsprechenden Zapfen- 
löcher zeigen; einzelne von diesen gehören zu Inschriftsteinen und beweisen 
dadurch, daß hier früher andere Bauten gestanden haben. Dies geht auch 



Die innere Einteilung. 95 

aus mehreren tiefer gelegenen Mauerresten hervor, die sich nachträglich noch 
durch Zufall fanden. 

Sowohl in der Nordostecke des Hofes (W), als auch auf seiner Westseite 
(X) befinden sich heizbare Räume (die Einzelheiten siehe auf Tafel VIII, 
Nr. 3 und 7), doch bleibt auf der Ostseite eine gewiß einst geschlossene 
Lücke. In der westlichen Hälfte dieses Hofes bei Y liegen zwei schwere 
Platten aus Vilbeler Sandstein dicht nebeneinander, deren jede 1,20 m lang ist, 
und die bei einer Dicke von 25 — 33 cm zusammen 1,34 m breit sind. Sie 
liegen nach keiner Seite hin zu irgend einer Achse symmetrisch, haben auch 
keine Fundierung. Die dabei erhobenen Bronzebruchstücke — Daumen, 
Haarlocken und Gewandfalten (Tafel LXIV, Nr. 5 und 8, und Tafel LXV, 
Nr. 1, 2, 3, 7) — geben der Vermutung Raum, daß hier die mehr als lebens- 
große Statue einer weiblichen Figur (Victoria?) gestanden habe. 

In der Mitte der Nordseite des Fraetorium, in der Kastellachse, tritt ein 
Bauwerk nach außen vor, dessen 0,95 m starke Umfassungsmauern einen 
trapezförmigen Raum einschließen. So wenigstens gab Hahel nach seinen 
Ausgrabungen von 1854 den Grundriß, anscheinend mit Rücksicht auf 
einige oberflächlich liegende Steine, an. Meine nachträglichen Untersuchun- 
gen vom Jahre 1894 haben ergeben, daß die Fundamente rechtwinkelig 
sind, und daß das, was Hahel sah, vielleicht nur der Rest einer späteren 
flüchtigen Wiederherstellung in Römerzeit war. Man kann diesen Raum 
als das Hauptgebäude des ganzen Kastells, vielleicht als Wohnung des 
Lagerkommandanten ansehen, die mit den nebenliegenden Räumen in Ver- 
bindung stand. Ich habe ihn mit voti Cohausen dreistöckig angenommen. 
Von seiner Gallerie aus konnte man das Lager und die Umgegend über- 
schauen, die Truppen anreden und deren Exerzitien sowie den Spielen in der 
dicht davorliegenden Arena zusehen. Man hat dem Gebäude mit Bezug auf 
das antike Haus die Bezeichnung Oecus gegeben. Ein Durchgang in der 
Mitte ist nicht vorhanden, vielleicht lagen die Ausgänge seitlich, entsprechend 
der davorliegenden rampenartigen Mauer. 

Nachdem ich auf die Kommandantur, das Exerzierhaus, sowie auf die 
beiden Höfe mit dem Heiligtume hingewiesen habe, will ich davon absehen, 
auch den übrigen Räumen des Praetorium eine bestimmte Verwendung zu- 
zuschreiben, denn dafür fehlen alle Anhaltspunkte. Wenn wir statt dessen 
einen Blick auf die Gesamtanlage des Fraeforium werfen, so muß uns seine 
auffallende Ähnlichkeit mit dem römischen Normalwohnhause, wie wir es aus 
Vitruv und den Ausgrabungen von Pompeji kennen, in die Augen springen. Zu- 
fälligerweise scheinen die Maße mit denjenigen im Hause des Pansa in Pompeji 
übereinzustimmen. Während aber an der vorderen Front des antiken Hauses 
die Kaufläden liegen, ist im Praetorium das Exerzierhaus R quer vorgelegt. 
Durch dieses führt der Eingang zu dem Atrium, dem quadratischen Hofe E. In 
ihm liegt, wie bei den Privathäusern das Sacrarium, Sacellum oder Lararium, 
so hier das Heihgtum als Aufbewahrungsort für die Feldzeichen, in welchem 
außerdem Götter und Kaiser verehrt wurden. 



96 I>as Kastell. 

Auch hier ist der Hof von einem gedeckten Gange umgeben; den 
Ciihicula entsprechen die seithchen Räume U und T; das Tahlinium 
fehlt. Die Querlage des Peristyls, die von Vitruv für die Wohnhäuser 
ausdrücklich verlangt, aber selten eingehalten wird, ist hier in unserem 
Praetorium gewahrt. Der am Ende der Mittelachse des pompejanischen 
Hauses gelegene Raum ist der Oecits, der vornehmste Saal des Hauses; 
dort öffnet er sich mit einer weiten Thüre nach dem Garten, im Lager aber 
nach der Praetrntiira und nur mittels eines Fensters oder einer Thüre nacli 
der Gallerie. 



c. Die Retentura. 

Das südliche Drittel des Kastells, die Retentura, war vorzugsweise 
für die Militär-Intendantur, d. h. für die Verwaltung bestimmt. Die dazu 
gehörigen Gebäude sind in ihrem Grundrisse erhalten und waren, nach 
den Mauerstärken zu schließen, wohl schon der Brandgefahr wegen massiv 
ausgeführt. Das Gebäude, welches für das Quaestorium angesprochen wird 
(Tafel IV, H), hat eine Länge von 26 m, eine Breite von 5 bezw. 6 m und 
besteht aus acht Räumen, von denen zwei mit Hypokausteu versehen sind; 
auf Tafel VIII, 4 und 4a ist das westlich gelegene in größerem Maßstabe 
gezeichnet. Diesem Gebäude gegenüber liegt ein Bau F von 21 auf 24 m 
Größe; er ist durch eine Mauer, die ebenso dick (1,15 m) als die der Um- 
fassung ist, in zwei Teile getrennt, von Cohausen hat ihn als Magazin be- 
zeichnet, wofür auch die vielen Parallelmauern sprechen dürften, die zur 
Unterstützung der eichenen Balken und der darauf ruhenden Lasten, der 
Frucht und sonstigen Vorräte, dienten. Der an der Nordostecke derselben 
eingebaute längere Raum, der am meisten der Sonnenwärme entzogen war, 
hat wohl, den dort gemachten Funden nach — Fleischhaken und Knochen — , 
zur Aufbewahrung der P^leischvorräte gedient. Über die Knochenfunde wird 
in dem Abschnitte XIV «Verschiedenes» Näheres mitgeteilt werden. 

Von den zwei weiteren, fast quadratischen Gebäuden G und Gl war 
das erstere durch ein kreuzförmiges Hypokaustum heizbar (Tafel VIII, 5 und 5a); 
das andere, Gl, bestand nur aus mit Quarzitsteinen gemauerten Pfeilern, die den 
damber liegenden Boden durch Luftzirkulation von der Erdfeuchtigkeit iso- 
lierten und trocken erhielten. Von dieser Einrichtung und sämtlichen Heiz- 
anlagen wird später die Rede sein. 

Wie in der Praetentura ein Brunnen (Br. Nr. 1), in dem Praetorium 
deren zwei (Br. Nr. 2 und 3) gefunden wurden, so haben sich in der Retentura 
drei Brunnen (Br. Nr. 4, 23 und 33), im ganzen Kastelle also sechs gefunden, über 
die im Abschnitte XI. 2 ausführlich berichtet werden wird. Die auf Tafel IV 
schraffiert dargestellten Mauerreste gehören, wie schon zu Anfange dieses 
Abschnittes unter «Allgemeines» erwähnt wurde, einer früheren Periode an. 

Schließlich ist im Kastelle der Vollständigkeit halber noch zweier kleiner 
Gebäude in der südwestlichen Ecke, dicht bei der Abrundung, zu gedenken, 



Besatzung und Verteidigung. 97 

die aber nicht, wie man glauben könnte, auf alten Grundmauern erbaut, 
sondern neueren Datums sind. Beide Häuschen, das eine 1856, das andere 
1872 errichtet und 1895 vergrößert, dienen zur vorläufigen Aufnahme der 
Fundstücke und zur Aufbewahrung der Ausgrabungsgeräte; sie sind auf den 
Tafeln nicht eingezeichnet. 



5. Besatzung und Verteidigung. 

Eine der schwierigsten Fragen der Limesforschung ist die nach der 
Verteilung der Truppen an dem ganzen Grenzwalle und der Besatzungsstärke 
in den Kastellen. Die Überlieferung verläßt uns hier, und die Ziegelstempel 
mit Truppennamen, die oft vereinzelt und zerstreut selbst in Türmen ge- 
funden werden, und von denen man nicht weiß, wie und durdi wen sie da- 
hin kamen, sind mit Vorsicht aufzunehmen, und wenn man der Ansicht bei- 
tritt, daß Central-Ziegelfabriken bestanden, oft überhaupt illusorisch. Nur 
wenige Anhaltspunkte hat man bis jetzt mühsam zusammengetragen. So 
nennt man Friedberg mutmaßlich als Standquartier der ersten Flavischen 
Kohorte der Damascener, Großkrotzenburg als das der vierten Kohorte der 
Vindelicier, Kastell Feldberg scheint den Numerus Cattharensium beherbergt 
zu haben, und die Saalburg gilt ziemlich sicher als Standort der zweiten 
Kohorte der Raeter. In den rückwärtigen Standquartieren sind die VIII. und 
die XXII. Legion, deren Ziegel ebenfalls auf der Saalburg vermauert sind, unter- 
gebracht gewesen, einschließlich mehrerer Kohorten von Hilfstruppen. Auf die 
Besatzung des ganzen Limes rechnet man etwa 20000 Mann in Friedenszeiten, 
Diese Truppenzahl hat man auch auf die Besatzung der Kastelle verteilt und 
daraus einige Werte gewonnen, die wohl im Allgemeinen mehr theoretischer 
Natur sind, von Cohausen hat über die Größe der Kastellbesatzungen Unter- 
suchungen angestellt, indem er dabei von dem Kastellumfange und dem theo- 
retisch für den einzelnen Soldaten nötigen Räume ausging, und darüber eine 
Arbeit geschrieben, die sich mit den auf der Saalburg in dieser Beziehung 
obwaltenden Verhältnissen eingehend beschäftigt. Wenn auch die darin, so- 
wie in seinem «Grenzwall» vertretene Ansicht neuerdings von Einzelnen an- 
gefochten wurde, so bringe ich sie doch als von fachmännischer Seite her- 
rührend, und weil seine Darlegungen noch vieles andere Interessante über 
Angriff und Verteidigung enthalten, hier zum Abdruck: 

«Das Kastell bildet ein Rechteck von rund 221 m Länge und 147 m 
Breite, also von 500:750 römische Fuß. Sein ganzer verteidigungsfähiger 
Umzug beträgt mithin einschließlich der Thore und Thortürme 2 (221+14:7) 
= 766 m (2500 Fuß). Da nun jeder Mann, um das Pilum werfen zu können, 
1,80 m Front bedarf und im zweiten Gliede einen Hintermann hat, der ihm 
im Kampfe beispringt, oder ihn, wenn er gefallen, ersetzt, so bedarf das 
Kastell zu seiner Verteidigung auf je 1,80 m Umzug (oder Feuerlinie, wie 
wir heute sagen würden) zwei Mann, oder auf 0,95 m einen Mann; dies er- 
giebt auf den ganzen Umzug 775 Mann. 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 7 



-9d ^as Kastell. 

Ohne in eine Besprechung über die römische Heeresorganisation hier 
einzutreten, nehmen wir das in der ersten Kaiserzeit Giltige als Norm an 
und fahren fort: Eine von einem Legaten und sechs Kriegstribunen befehligte 
Legion ist 3600 Mann stark; sie ist geteilt in 10 Kohorten h 360 Manu, 
deren jede aus drei Manipcln ä 120 Mann besteht und endlich in zwei Halb- 
manipeln oder Centurien h 60 Mann unter einem Centurio ihre letzte Unter- 
abteilung empfangt. Da man nun Soldaten nicht wie eine Herde abzählt, 
sondern ihre taktische Gliederung beibehält, so wird man auch zur Besetzung 
der Feuerlinie des Kastells nicht genau 775 Mann, sondern zwei Kohorten 
ä 360 Mann oder im Ganzen 720 Mann nehmen, diesen aber als Reserve 
und wegen der stets von der römischen Taktik verlangten Ausfälle noch 
zwei bis drei Manipeln beifügen, sodaß die ganze Kriegsbesatzung des 
Kastells etwa 1080 Mann oder drei Kohorten betragen würde. Da nun zehn 
Mann mit ihrem Gepäck ein Zelt von 10 Fuß Breite und 24 Fuß Länge ein- 
nehmen und vor demselben eine Lagergasse von 6 Fuß Breite herläuft, die 
zehn Mann einschließlich dieser also 10 (24-1-6) == 300 Quadratfuß oder 
26,10 qm Lagerraum bedürfen, so bedarf eine Kohorte oder 360 Mann 937,6 qm 
und drei Kohorten 2812,8 qm, das ist ein Areal, welches kaum den neunten 
Teil des Kastells ausmacht und den der Praetentura innerhalb der Wall- 
straßen lange nicht erreicht. Abgesehen von den für die hohen Offiziere und 
für Magazine bestehenden Massivbauten bleibt daher im Notfall immer noch 
ein ganz ansehnlicher Raum für die mit ihrem Vieh etwa in das Kastell 
geflüchteten Bewohner der Bürgerlichen Niederlassung. Allein an eine so 
große Besatzung war für den Winter und für friedliche Zeiten gar nicht zu 
denken, dagegen mußte für die ständige Besatzung durch bequeme und 
heizbare Baracken oder Hütten Sorge getragen werden. 

Um nun von dem Angriffe und der Verteidigung des römischen Grenz- 
walles und der Saalburg insbesondere eine richtige Vorstellung zu vermitteln, 
möchte das Nachstehende dienlich sein: 

Durch die in den germanischen Grenzländern hausierenden Kaufleute 
vor einem Einfalle gewarnt, waren die römischen Grenzwachen auf ihrer Hut. 
Die Strenge beim Ein- und Auslassen an den wenigen Schlägen, welche unter 
dem Schutze von größeren und kleineren Kastellen die Durchgänge des Pfahl- 
grabens sperrten, wurde verdoppelt, etwaige Lücken unzugänglich gemacht, 
Beobachtungsposten und Schleich patrouillen [speculatores] vor demselben ein- 
gerichtet und auch hinter demselben der Wachtdienst verstärkt. Jeder Ein- 
fall, jeder Angriff der Kastelle mußte mit der Durchbrechung des Pfahlgrabens 
oder des vor ihm liegenden wegelosen Urwaldes beginnen, hinter welchem 
sie lagen. Er konnte nicht unbeachtet bleiben, denn er bedurfte immer 
einiger Zeit, weil die wenigen Übergänge, die aus dem Überhöhischen Hinter- 
lande in die Nidda-Ebene führten, allein auf spärlichen Wegen erreichbar waren, 
welche die dichten Waldungen entbehrten. Man muß einen Urwald, wie er 
sich z. B. noch an einem Teile der bayerisch-böhmischen Grenze hinzieht, ge- 
sehen haben, um ermessen zu können, daß sein von keiner Axt berührtes 



Besatzung und Verteidigung. 99 

Dickicht, in welchem dürre und halbfaule Baumstämme in üppig auf- 
schießendem Unterholze übereinanderliegen , ein ganz undurchdringliches 
Dickicht bilden, mit dem unsere, von der Forstschere disziplinierten Wälder 
nicht verglichen werden können. Der Durchgänge, welche den östlichen Teil 
des Taunus überschritten, waren nur wenige: Die Hauptstraße, die sich rechts 
und links dicht an der Saal bürg vorbei und von dieser gesperrt aus dem 
Römerlande in das der Chatten gegen Usingen und gegen Obernhain zog, 
der Weg durch das Köpperner Thal, gesperrt durch das Zwischenkastell 
«Lochmühle», und ferner die westlichen Nebenwege, welche aus dem Waldlande 
durch die Thäler von Ober-Stedten und Ober-Ursel in die Nidda-Ebene hinab- 
führten ; sie waren da, wo sie auf der Wasserscheide den Pfahlgraben passierten, 
gedeckt durch die kleinen Zwischenkastelle «Altes Jagdhaus» und « Heide- 
stock ».^^) Es ist leicht möglich, daß das Terrain zwischen Kastell und Pfahl- 
graben durch Pallisaden oder Verhaue so hergerichtet war, daß eine Durch- 
brechung desselben immer mit soviel Zeitaufwand verbunden war, daß den 
Römern genügend Zeit blieb, sich in Kampfbereitschaft zu setzen. Ein solches 
Verhau oder Gebück — eine Verflechtung und ein Verwachsen nieder- 
gebogener Waldbäume und Aste, untermischt mit Dornen und Schlingranken 
— ist, um ein Beispiel dieses wirksamen, in der Ur- und Römerzeit wie im 
Mittelalter so häufig angewandten Hindernismittels zu geben, im Jahre 1872 
vor der Süd- und Westseite der Saalburg angelegt worden.^*) Das Durch- 
brechen eines derartigen Gebückes hat selbst mit den guten Werkzeugen 
unserer Tage seine Schwierigkeiten, welche in den vielfachen Verwachsungen, 
durch welche die Aste verschiedener Stämme miteinander verbunden sind, 
in ihrer Elastizität und in den Dornen und Ranken, die sie durchschlingen, 
begründet sind; die Schwierigkeit ist unvergleichlich größer, wenn wir uns 
die Angreifer ihrer Zeit gemäß ausgerüstet denken. Durchbrechungen, welche 
pfadlos dazwischen versucht werden sollten, würden durch die Wachttürme 
auf dem «Klingekopf», dem «Roßkopf», am «Einsiedel», auf dem «Kieshübel» 
und am «Weißenstein», sowie ostwärts am «Fröhlichen Mannskopf», am 
«Bennerpfad», an der «Lochmühle» und den weiter nach der Kapersburg 
hin gelegenen Türmen gemeldet oder signalisiert worden sein. 

Als vorzugsweise den Angriffen ausgesetzte Seite des Kastells haben 
wir dessen nördliche, dem Pfahlgraben zugekehrte Front anzusehen. 

Der Wallgang des Kastells, auf welchem die Verteidiger standen, hatte 
eine Breite von 3 m und eine Höhe von 2,30 m, die, nach innen sanft ge- 

^^J Über die Untersuchungen der drei genannten Zwischenkastelle vergl. Limesblatt 
Nr. 1, Abschn. 1, und Nr. 11, Abschn. 82 und 83. 

®*) Da dieses Gebück zu hoch geworden war, wurde es 1893 stark zurückgeschnitten, 
sodaß nun wieder Jahre werden vergehen müssen, ehe die neuen Schößlinge wieder zur 
Herstellung von Gebück umgebogen werden können. — Die Art der Herstellung eines 
solchen Gebückes beschreibt uns Caesar bei der Schilderung seiner Kämpfe mit den Nerviern 
(de hello Gallico II. 17) : ^Teneris arboribus incisis atque inflexis crebris in latitudinem ramis 
enatis et rtihis sentibusqiie interjectis effecerant, ut instar muri hae sepes munimentum prae- 
berent, q_uo non modo intrari, sed ne perspici qiiidem posset». 



lOO Das Kastell. 

büscht, leicht zu ersteigen war. Der Wall war nach außen mit einer Mauer 
bekleidet, welche mit Zinnen gekrönt war. Waren die Zinnenöffnungen 
(Fenster, fenestra) zum ungehinderten Walfengebrauche breit und ihre Brüstung, 
um das Vorlehnen zu gestatten, nur gering, so waren auch die Zinnenbergen 
kaum mannshoch und gewährten nur für je eine Schildwache Deckung. Auf 
dem Walle hinter den Zinnen stand die Besatzung, bereit, das Pilum — aber 
auch Steine — auf den anrückenden Feind za werfen. Das Pilum (Taf. XII, 
in der rechten Hand des Soldaten) ist, wie durch die Untersuchung von 
Lindenschmit feststeht, ein mit einer Stahlspitze versehenes, dünnes und 1 m 
langes Eisen mit einem ebenso langen Holzschafte. Es kann 15 — 20 Schritt 
weit geworfen werden, das ist vom Walle bis zum äußeren Grabenrande, 
wo der Angreifer, um in den Graben hinabzusteigen, seine Reihen lockerte 
und seine Deckung durch die Schilde vernachlässigen mußte. Denn wenn 
diese auch durch das schuppenförmige Aufeinanderschließen der einzelnen 
Schilde auf ebenem Boden noch so vollständig war, so mußte sie durch das 
Ab- und Aufsteigen in den Doppelgräben, die das Kastell umgeben, vielfach 
aufklaffen und Lücken erhalten, welche sich die Verteidiger für ihre Pilen- 
würfe ausersahen. Nicht also, wie man wohl geglaubt hat, in einer Pallisaden- 
reihe, welche auf dem Dämmchen, wenn man überhaupt von einem solchen 
reden kann, zwischen dem inneren und äußeren Graben unmöglich war, 
sondern in der Lockerung, zu der eben im gefährlichsten Augenblicke die An- 
griflFskolonne durch die beiden Gräben und ihr scharfes Zwischendämmchen 
genötigt wurde, bestand deren treffliche Wirkung. In dem Augenblicke, wo 
Unordnung und Verzögerung in der Kolonne des Angreifers eintreten muß, 
wo die Schilde oft von einem Wurfe durchdrungen und aneinander geheftet 
werden, wo manche Kämpfer den Schild fahren lassen und verwundet hin- 
stürzen, verlangte es die römische Taktik, daß aus den vom Angriffe weiter 
zurückgelegenen Thoren, den portae princi})dles, ein Ausfall gemacht wurde, 
welcher die Flanke des stürmenden Feindes traf — teils auf der Contre-Escarpe, 
teils im Graben — und ihn so, von drei Seiten zugleich angegriffen, zum 
Rückzuge nötigte. Dies ist das Verfahren, welches wir Caesar und seine 
Legaten bei der Verteidigung der Lager stets einhalten sehen; und wir glauben 
unsere Beschreibung nicht besser beleben und zum Verständnis bringen zu 
können, als indem wir einige Kämpfe nach den Schilderungen Caesars hier 
mitteilen : 

Es war im Jahre 53 v. Chr., als Caesar zum Entsatz des Cicero herbei eilte ^*); 
in der Absicht, die seinem Lager gegenüberstehenden Gallier zu einem Angriflfe zu ver- 
leiten, ließ er mit dem Scheine der Furcht den Wall erhöhen und die Thore verbauen. 
Als er nun die Truppen vom Walle zurückzog, rückte der Feind näher heran und 
sandte seine Wurfgeschosse von allen Seiten ins Lager, ja er begann den Wall mit 
den Händen einzureißen und die Gräben auszufüllen. Da nämlich die Thore, obgleich 
nur zum Scheine und nur mit einer einfachen Rasenmauer, geblendet waren, so glaubten 
sie hier am wenigsten einbrechen zu können. Jetzt machte Caesar plötzlich einen Aus- 



»^) Vergl. Caesar, de hello Gallico V. 50, 51. 



Besatzung und Verteidigung. 101 

fall aus allen Thoren ; die Eeiterei griff an und warf den Feind ohne allen Widerstand 
über den Haufen. 

Über einen ähnlichen Vorgang berichtet Caesar an anderer Stelle ^^): 
Galba wurde in dem noch nicht vollständig hergerichteten Winterlager in Octo- 
durus durch die Gallier angegriffen ; kaum hatten die Römer die Verteidigungsmaß - 
regeln anzuordnen und auszuführen Zeit gehabt, als der Feind auf ein bestimmtes 
Zeichen von den Bergen herabstürmte und den Wall mit Steinen und Wurfspießen 
überschüttete. Die Römer hielten anfangs, so lange sie noch bei frischen Kräften 
waren, wacker Stand, keines ihrer Geschosse fehlte von der Höhe des Walles seinen 
Mann, und wo irgend ein schwach besetzter Teil des Lagers bedroht ward, eilte die 
Reserve rasch zur Hilfe herbei, aber der Feind führte immer neue Truppen heran. 
Den durch einen sechsstündigen Kampf ermüdeten Römern gingen bereits die Geschosse 
aus, während der Feind immer entschlossener drängte und schon den Wall nieder- 
zureißen und die Gräben auszufüllen begann. Man brach daher das Gefecht ab, ließ 
die vom Feinde ins Lager geschleuderten Geschosse sammeln und brach nach kurzer 
Rast plötzlich aus allen Thoren heraus. Der Feind, der nicht wußte, wie ihm geschah, 
und nicht dazu kam sich zu sammeln, wurde in solcher Unordnung zurückgeschlagen, 
daß er die Waffen wegwarf und über ein Drittel von ihm auf dem Platze nieder- 
gemacht wurde. 

Tacitus {Annal. I. 68) giebt uns ein nicht minder anschauliches Bild: 
Die Römer werden in ihrem Lager bei den Pontes longi von den Germanen hart 
bedrängt; schon verschütten sie den Graben, werfen Strauchwerk hinein, suchen den 
Wall zu erklimmen und erreichen den Wallkamm, auf dem nur Wenige standen. Als 
die Stürmenden so zwischen den Hindernissen (dem Graben und dem pallisadierten 
Walle) eingeklemmt waren, wird den als Reserve im Kastell stehenden Kohorten mit 
Hörnern und Trompeten das Zeichen zum Angriff gegeben; sie werfen sich mit Ge- 
schrei und heftigem Andränge den Germanen von allen Seiten in den Rücken, die nun 
weichen und auf der Flucht bis zum Abend hingemordet werden. 

Wir beschließen diese Hinweise, um zugleich auf den Gebrauch und 
die Wirkung der Waffen aufmerksam zu machen, mit der Erwähnung eines 
x\usfalls eigner Art, den Caesar (de hello Gall. V. 41 — 44) ausführhch beschreibt: 
Cicero stand im Winterlager (bei Charleroy oder bei Namur). Soldaten, welche 
in den Wald gegangen waren, um Holz zu den Befestigungen zu holen, wurden ab- 
geschnitten. Die Nervier rückten näher und suchten den Graben auszufüllen; Cicero 
fuhr während der Nächte fort, seine Befestigungen durch hölzerne Türme und durch 
Verbauung der Wall-Lücken zu verstärken und Zinnen und Brustwehren aus Flecht- 
werk aufzusetzen; auch wurden Pfähle zugehauen und zur Härtung an der Spitze an- 
gebrannt, um als Mauerpilen zu dienen. Die Nervier umschlossen das Lager ihrerseits 
mit einem 9 Fuß hohen Walle und einem 15 Fuß breiten Graben. Sie hatten das 
durch die Übung bei den Römern in den letzten Jahren gelernt; auch hatten sie einige 
Gefangene vom römischen Heere, die es ihnen zeigen mußten. Da es ihnen aber an 
den dazu nötigen eisernen Werkzeugen fehlte, so mußten sie den Rasen mit ihren 
Schwertern ausstechen und die Erde mit bloßen Händen und in ihren Mänteln fördern. 
Aus dieser Arbeit kann man auf die große Masse der Feinde schließen ; denn in weniger 
als drei Stunden hatten sie die Contrevallationslinie in einer Länge von 15 Milien 
(30000 Schritte) vollendet. In den folgenden Tagen begannen sie (hölzerne) Türme 



96) Vergl. ebenda III. 4 und 5. 



102 Das Kastell. 

im Verhältnis zur Höhe unseres Walles, Mauersicheln und «Schildkröten», Alles unter 
der Leitung jener Gefangenen, herzurichten und zusammenzusetzen. Am siebenten Tage 
der Einschließung entstand plötzlich ein großer Windsturm. Da begannen sie glühende 
Kugeln aus schmelzbarem Thone mittels Schleudern und brennende Wurfspieße auf die 
Lagerhütten zu werfen, welche nach gallischer Sitte Strohdächer hatten. Diese fingen 
rasch Feuer und verbreiteten es bei dem heftigen Winde über das ganze Lager. Nun 
erhoben die Feinde ein lautes Geschrei, als wenn der Sieg schon errungen und ent- 
schieden wäre, und begannen Türme und Schutzdächer heranzuführen und den Wall 
mit Leitern zu ersteigen. Aber die Tapferkeit und Geistesgegenwart unserer Soldaten 
zeigte sich in ihrem vollen Glänze. Auf allen Seiten von den Flammen versengt, von 
einem Hagel von Geschossen überschüttet, sahen sie ihr ganzes Gepäck, Alles, was sie 
besaßen, eine Beute der Flammen werden. Aber auch nicht Einer entfernte sich vom 
Walle und verließ seinen Posten. Kaum drehte sich einer um, sondern alle setzten den 
Widerstand aufs Hartnäckigste und Tapferste fort. Das war bei Weitem der härteste 
Tag für die Römer; doch endete er schließlich damit, daß eine große Masse von Feinden 
verwundet oder getötet wurde, da sie sich dicht unter dem Walle zusammengedrängt 
hatten und die letzten Glieder den vorderen jedes Weichen unmöglich machten. Als 
das Feuer ein wenig nachgelassen hatte, brachte der Feind einen Turm bis unmittelbar 
an den Wall heran. An dieser Stelle stand die dritte Kohorte; ihre Centurionen nahmen 
ihre Leute ein. wenig zuiück und forderten dann mit Wink und Zuruf die Feinde auf, doch 
hereinzukommen, aber Keiner wagte der Aufforderung zu folgen; da trieben die Römer 
sie auf der ganzen Linie mit Steinwürfen zurück und zündeten dann den Turm an. 

Es standen bei Ciceros Legion unter Anderen zwei Centurionen von bewährter 
Tapferkeit, welche die Beförderung zur ersten Rangklasse bereits in naher Aussicht 
hatten, T. Pulio und L. Vorenus. Beide lebten in beständigem Zwiste miteinander 
über den Vorrang bei der Bef()rderung und stritten um denselben in jedem Jahre mit 
Eifersucht. Als nun hartnäckig bei dem Walle gekämpft wurde, rief Pulio: «Was 
zauderst du denn noch, Vorenus? Auf welche Gelegenheit willst du eigentlich noch 
warten, deinen Mut zu zeigen? Dieser Tag soll unseren Streit entscheiden.» Damit 
stürzte er ins Freie hinaus auf die dichteste Masse der Feinde. Und auch Vorenus 
ließ der Ehrgeiz nun nicht länger auf dem Walle bleiben, er folgte. Nahe am Feinde 
warf Pulio sein Pilum und durchbohrte einen Gallier, der ihm aus dem Haufen ent- 
gegenkam. Die Anderen deckten den Gefallenen mit ihren Schilden, überschütteten 
Pulio mit Geschossen und schnitten ihm den Rückweg ab. Ein gallischer Wurfspieß 
dringt durch Pulios Schild und haftet in seinem Wehrgehänge. Dadurch wird die 
Scheide verschoben und die rechte Hand des Centurionen behindert, das Schwert zu 
ziehen. Außer Stande sich zu verteidigen, wird er von dem Feinde umringt. Da eilt 
ihm sein Nebenbuhler Vorenus zu Hilfe. Nun wendet sich die Menge gegen diesen; 
Pulio, glaubten sie, habe an dem Wurfspieße genug. Vorenus wehrt sich mit dem 
Schwert, tötet Einen und treibt die Andern ein wenig zurück; während er aber heftig 
nachdringt, stürzt er in eine Unebenheit des Bodens und wird selbst umringt. Aber 
nun kommt ihm Pulio zu Hilfe, und endlich ziehen sich Beide, nachdem sie noch 
mehrere Feinde getötet, mit Ruhm bedeckt, glücklich in die Befestigung zurück.» 

Diese Beispiele werden genügen. 

Wie bei allen Angriffs- und Verteidigungs- Dispositionen werden auch 
hier Zeit und Umstände Änderungen herbeigeführt haben, indem der Feind, 
nachdem er den Pfahlgraben durchbrochen, entweder ohne Weiteres zum 
Sturme auf das Kastell schritt oder, indem er seinen Angriff durch Schleuderer 



Besatzung und Verteidigung. 103 

vorbereitete, welche ähnlich unseren Tirailleureu aufgelöst vorgingen, oder 
indem er seine Sturmkolonnen, welche Strauchbündel und kurze Leitern trugen, 
vorausmarschieren ließ, um die Gräben auszufüllen und die Mauer zu ersteigen, 
und indem er sie mit Handwerkszeug versah, anderweitige Hindernisse, die 
uns Caesar bei der Belagerung von Alesia kennen lehrt, wegzuräumen. 

Es wird hier nicht ohne Interesse sein, die Angriffs- und Verteidigungs- 
taktik jener Zeit mit der unserer Tage zu vergleichen. Hier müssen wir frei- 
lich gleich aussprechen, daß wir bei unseren heutigen Kriegsmitteln und bei 
der Tragweite und Treffsicherheit unserer Artillerie und der Handfeuerwaffen 
weder ein solches Kastell («Redoute» würden wir sagen), noch eine solche Linear- 
befestigung wie den Pfahlgraben anlegen würden, sondern den Paß, den die 
Saalburg sperren sollte, gegen einen von Norden herkommenden Feind eher 
durch zwei sturmfreie Batterien rechts und links der Straße zu behaupten 
suchen würden, indem wir dieselben durch ein Verhau verbinden und da, 
wo seine Linien die Straßen überschritten, eine Feldwache aufstellen, bezieh- 
ungsweise diese beim ernstlichen Angriffe zurückziehen würden, während das 
Gros der Infanterie weiter rückwärts kampierte. Sollte aber die Aufgabe ge- 
stellt sein, das Kastell, wie es ist, zu verteidigen, so würden (unter Nicht- 
berücksichtigung der Deckung, welche der nahe Pfahlgraben und der um- 
liegende Wald dem Angreifer in Wirklichkeit gewähren würde) die im Folgenden 
genannten Zahlen der bedurften Besatzungsmannschaft eine direkte Ver- 
gleichung der beiden taktischen Systeme gestatten. 

Bei der Ausdehnung der Feuerlinie des Kastells — 736 m — berechnet 
sich deren Besatzung einschließlich der Reserve auf 1600 — 2400 Mann, je 
nachdem man die Minderzahl von 8 Mann pro 5 Schritt, oder die größere 
Zahl, 12 Mann auf dieselbe Länge, annimmt. Von dieser Besatzung würde 
etwa ein Drittel zur Besetzung der Thore und als Reserve aufzustellen sein. 

Wir erkennen hier den entscheidenden Einfluß der Waffe, welche eine 
doppelt so dichte Aufstellung der heutigen Truppen im Gegensatze zur 
römischen gestattet, und da sie auch für den Angreifer gilt, eine doppelt so 
große Besatzung als zur Römerzeit notwendig macht. 

Bei dem thatsächlichen Bestehen des Pfahlgrabens und seiner beiden 
Durchgänge an der Saalburg würde sich die Besatzungsdisposition für dieses 
Kastell etwa so gestalten: 

1) Eine Feldwache zu 50 Mann am Durchgange des Obernhainer Weges 
durch den Pfahlgraben. 

2) Eine Feldwache zu 50 Mann am Durchgange der Usinger Chaussee. 

Beide stellen auf umsichtlichen Punkten der Linie Posten auf und 
patroullieren längs derselben. 

3) Wache im Kastell zur Aufstellung von Posten auf dem Walle und an 
dessen Eingängen — 50 Mann. 

4) Bereitschaft zur ersten Bildung der Feuerlinie — 200 — 350 Mann. 

5) Verstärkung derselben — 750—1200 Mann. 

6) Reserve — 500—800 Mann.« 



104 I^as Kastell. 

Die von Cohauscn angenommene Besatzungsstärke scheint auch mir nach 
den neueren Untersuchungen etwas zu hoch gegriffen; ich glaube, daß niclit 
mehr als eine Kohorte die reguläre Besatzung gebildet hat. Da die zweite 
Kohorte der Raeter für die Saalburg genannt wird, so mag ihr die Ver- 
teidigung anvertraut gewesen sein. Ob aber dieser Truppe auch die Besetzung 
der zunächstliegenden Türme und Zwischenkastelle, also ein bestimmter Limes- 
abschnitt zugewiesen war, oder ob hierhin besondere Truppen aus den rück- 
wärtigen Linien kommandiert wurden, bleibe dahingestellt. Sicher wird auch 
hier ein mehrmaliger Wechsel zu verzeichnen sein, da ja auch der Kastell- 
umfang sich mehrfach änderte, wie wir jetzt aus einigen Beispielen wissen. 
Jedenfalls aber war zur Kriegszeit die Besatzung durch Vorschiebung von 
Detachements aus dem Gros der Legionen, durch Veteranen, Einheimische 
und sonstige Hilfstruppen erheblich verstärkt, sodaß dann vielleicht die 
thatsächliche Stärke der Besatzung die theoretische Zahl nahezu erreicht 
haben mag. 



105 



IX. 

Die Bürgerliche Niederlassung. 

(Tafeln I, XIII— XVII und Textfiguren 17-19.) 



1. Allgemeines. 

Mit den römischen Kastellen ist oft ein umfangreiches bewohntes Gebiet ver- 
bunden, die sogenannte «Bürgerliche Niederlassung» oder die «Lager- 
stadt». Sie diente zur Aufnahme des Trosses, der Marketender (lixae) und 
Händler, welche stets die römischen Heere begleiteten. Nach ihren Buden 
(canahae) wurden sie auch canahenses genannt. Ihren Stamm bildeten die 
Veteranen, von denen die meisten wohl gerne in der Nähe ihrer alten Truppe 
blieben. 

Die Bürgerliche Niederlassung der Saalburg erstreckt sich fast 
um das ganze Kastell, selbst zwischen diesem und dem Pfahlgraben haben 
sich Überreste davon gefunden. An der Ost- und West-, besonders aber 
an der Südseite sind zahlreiche Spuren, nicht allein im Boden, sondern 
auch über demselben erhalten geblieben (Taf. I u. XIII). Nimmt man die 
Porta decumana als Mittelpunkt und beschreibt einen Kreis von rund 600 m 
Durchmesser, so erhält man annähernd den Umfang der Lagerstadt. Nach 
Süden dehnt sich das bebaute Gelände noch weiter aus, auch liegt dort die 
spätere und größere Gräberstätte, an die in der Römerzeit sich kultiviertes 
Garten- und Ackerland anschloß. Man wird nicht zu weit gehen, wenn man 
die bebaute Fläche der Saalburg auf 350,000 qm = 35 Hektar (etwa 140 
römische Jiigera) annimmt; dann würden nach Abzug der Grundfläche des 
Kastells, das mit seinen davorliegenden Gräben 4,6 Hektar mißt, noch etwa 
30 Hektar für die Ansiedelung verbleiben. Es ist dies ein Flächengehalt, 
der, auf heutige Verhältnisse übertragen, etwa dem eines kleinen Städtchens 
von 2 — 3000 Einwohnern entspricht. Die mit einer Mauer umschlossene 
Römerstadt Heddernheim hat nach von Cohausen einen Flächengehalt von 
450,000 qm. (45 Hektar). 

Etwa 350 m südöstlich vor der Porta decumana beginnt ein kräftiger 
Erdwall, der teilweise mit Steinen befestigt ist, und vor dem auf beiden Seiten 
Gräben ausgehoben sind (Taf. XIII C— E und Profile E F und C D). Der- 
selbe zieht in fast gerader Richtung nördlich nach dem Pfahlgraben, wo er 



lOG l^ie Bürgerliche Niederlassung. 

flacli ausläuft; ob er mit dem jenseits des Pfahlgrabens befindlichen, schon 
in Kapitel VI, S. 41 erwähnten Walle in Verbindung gestanden, ist zur 
Zeit noch nicht zu entscheiden, doch scheinen diese Wälle älter als der 
Pfahlgraben und vielleicht ursprünglich zur Umschließung der Bürgerlichen 
Niederlassung bestimmt gewesen zu sein. Überreste von weiteren Wällen und 
Gräben, die im Bereiche der Saalburg liegen, die aber wolil schon teilweise 
in der Römerzeit eingeebnet wurden, deuten darauf hin, daß einstmals, ehe der 
Pfahl angelegt war, die bei dem ersten Erdkastelle gelegene Ansiedelung 
in ähnlicher Weise begrenzt war; doch können auch Pallisadierungen und 
Gebücke, von denen natürlich alle Spuren verschwunden sind, als Abschluß 
gedient haben '•'^). 

Auch Neuhof ^^) schreibt schon 1780: «Fünfhundert Schritte von der 
Burg ziehet gegen Morgen eine lange Mauer nebst einem tiefen Graben, wo- 
durch die Burg mit ihren Außengebäuden von dieser Seite, gegen Abend 
aber von dem Pfahlgraben beschützet war». 

Ist schon eine Abgrenzung der verschiedenen Bauperioden bei dem 
Kastelle schwierig gewesen, so ist dies bei den Bauten der Bürgerlichen Nieder- 
lassung noch viel mehr der Fall. Die Verschiedenartigkeit der Bauten und 
ihrer Konstruktion, die Grundrisse sowie die Fundstücke geben nur geringen 
Aufschluß; dazu kommt noch, daß nur sehr wenig ausgegraben ist und der 
weitaus größte Teil der Niederlassung unter dem Waldboden hegt. Allerdings 
sind an vielen Stellen Schürfungen vorgenommen worden, um den oben an- 
gegebenen Umfang feststellen zu können. Hierzu diente auch als Wegweiser 
das Immergrün (Vinca minor), welches, soweit der Brandschutt vorkommt, 
vortrefflich gedeiht. Das Vorhandensein dieser schönen grünen Pflanze mit 
ihren blauen Blümchen bezeichnet mit ziemlicher Sicherheit die Ausdehnung 
der römischen Kultur au der Saalburg. Auch anderwärts am Times zeigen 
oftmals Pflanzen, die eben nur in dem Boden gedeihen, der durch die kal- 
kigen Bestandteile des Brandschuttes verbessert ist, den richtigen Weg zur 
Auffindung der verdeckten Kulturreste^^). 

Betrachten wir zunächst die Fundstücke aus der BürgerHcheu Nieder- 
lassung, so weichen einzelne Gattungen derselben von denen des Kastells im 
Wesentlichen nicht sehr ab. Die gewöhnlichen Thongcfäße unterscheiden 
sich kaum; kleine Krüge, Amphoren, Urnen, Schüsseln u. s. w. sind in ihrer 
Form und Fabrikation gleich, dagegen sind Gefäße von Terra sigillata aus 
den Häusern der Niederlassung reicher verziert und kommen dort viel häufiger 
als im Kastelle vor. Die vielen Scherben und Böden mit Töpfernamen von 
solchen Gefäßen, die manchmal haufenweise in den unteren Schichten des 
Kastells liegen, rühren wohl meistens aus den Haushaltungsabfällen, den 
Schuttplätzen der Lagerstadt, her. Sie sind selten zusammenfügbar, und es 



^') Die südöstlich davor liegende Waldflur hieß im vorigen Jahrhunderte nach einer 
Karte von Neuhof «am Gebück». 
8^) Vergl. Anmerkung 18. 
^) Genaueres darüber siehe Abschnitt XIV. «Verschiedenes» (Pflanzen). 



Allgemeines. 107 

läßt sich nachweisen, daß sie nicht an den Fundstellen zertrümmert wurden, 
sondern nur zur Ausfüllung und Einebnung dorthin kamen. 

Die Annahme, daß in den Gebäuden außerhalb des Kastells mehr Werk- 
zeuge und Geräte ausgegraben werden müßten als innerhalb desselben, läßt 
sich nicht aufrecht erhalten ; es finden sich auch hier überall Waffen, ja ver- 
hältnismäßig vielleicht eher mehr als im Kastell. Dagegen kann in Bezug auf das 
Vorkommen von Schmucksachen, Emails, geschnittenen Steinen etc. behauptet 
werden, daß die Bürgerliche Niederlassung damit reicher ausgestattet war, und 
daß diese Gegenstände in größerer Zahl in dem Brandschutte, den Kellern 
und Brunnen der Niederlassung erhoben wurden, eine Thatsache, die auch 
durch die Fundstücke bestätigt wird, welche man im Jahre 1816 bei Gelegen- 
heit der Durchgrabung der Lagerstadt zur Anlage der Homburg-Usinger Chaussee 
zu Tage gefördert hat (vergl. Seite 7). Auch Habet hat nach seinen Notizen bei 
den von ihm 1853 — 1860 dort gemachten Ausgrabungen viele Gewandnadeln, 
Ringe, Gemmen etc. gefunden. Was die Steindenkmäler und Inschriften be- 
trifft, die sich hier fanden, so tragen sie einen von den im Kastelle erhobenen 
abweichenden Charakter, sie beziehen sich mehr auf die Götterverehrung und 
enthalten Widmungen an Jupiter, Jupiter Dolichenus, Merkur u. s. w. 

Sieht man bei den Münzen von den beiden Kollektivfunden ab, die 
freilich beide 1816 und 1856 außerhalb des Kastells gemacht wurden, 
so ist in Hinsicht auf die Zahl kaum ein großer Unterschied zwischen den 
Einzelfunden im Kastelle und denen in der Niederlassung bemerkbar, jedoch 
sind die in letzterer gefundenen Münzen durchschnittlich älter, nämlich aus 
der Zeit der Republik bis Commodus] außer diesen sind nur einige spätere 
von Septimius Severus und Geta dort gefunden worden. Münzen von Severus 
Alexander und den Gordianen, die bei den Kollektivfunden und im Kastelle 
sehr häufig vorkommen (die schon früher erwähnte Münze von Claudius 
Gothicus lasse ich auch hier weg), sind dort nicht zu Tage gekommen. Wenn 
diese Münzfunde auch kein abschließendes Urteil gestatten, da weitere 
Grabungen möglicherweise ein anderes Ergebnis liefern können, so stützen 
sie doch die schon im Abschnitte VIII «Kastell» ausgesprochene Vermutung, 
daß die Niederlassung nicht bis zum Ende der Römerherrschaft in vollem 
Umfange aufrecht erhalten wurde. Nach allen Beobachtungen scheint ihre Ver- 
kleinerung oder Aufgabe in die erste Zeit des dritten Jahrhunderts zu fallen. 

Die Fundumstände verraten deutlich, daß die Gebäude im Allge- 
meinen gewaltsam zerstört sind, wenn auch vielleicht ein Teil von den 
Römern selbst abgerissen worden ist. So sagt Tacitus Hist. IV, 22: «Die" 
Gebäude, in langem Frieden unweit des Lagers gleich einer Landstadt auf- 
geführt, wurden niedergerissen, damit der Feind sie nicht benutzen könne». 
Die Bewohner, die vielfach als Händler zu denken sind, wurden durch die 
sich stets mehrenden Einfälle und Zerstörungen in ihrem so unmittelbar an 
der Grenze gelegenen Besitze beeinträchtigt, sodaß es nicht unwahrscheinHch 
ist, daß diese Leute sich nach der Ebene, die in jener Zeit wohl schon stark 
besiedelt war, zurückzogen. Zunächst ist an Heddernheim, das in der ersten 



108 I^'ö Bürgerliche Niederlassung. 

Hälfte des 3. Jahrliunderts die bedeutendste römische Niederlassung in der 
Main- und Nidda-Ebene war, zu denken. Es liegt nur 14 km von der Saal- 
burg und war, wie schon in dem Abschnitte V erwähnt ist, mit ihr durch 
eine gerade Straße verbunden. Die bekannten, dort gefundenen Inschrift- 
steine, die von einem Novus vicus sprechen, legen die Frage nahe, ob nicht 
die Vergrößerung dieses römischen Ortes durch eine «Neustadt» um die Zeit 
erfolgte, als die Bürgerliche Niederlassung an der Saalburg aufgegeben wurde 
und ihre Bewohner sich in dem gleichfalls befestigten Platze der Ebene 
niederließen. Die Kaufleute, die von hier aus ebensogut wie von der 
Saalburg ihren Handel mit den Soldaten der Limeskastelle und den ger- 
manischen Völkern treiben konnten, waren dort direkten feindlichen Über- 
föllen nicht ausgesetzt, hinderten aber auch andererseits nicht mehr eine 
sachgemäße Verteidigung des Kastells bei den Kämpfen gegen die immer 
heftiger andrängenden Germanen, die bereits eine stärkere Befestigung und 
eine Vermehrung der Besatzung des Kastells bedingt hatten. 

Daß der Lagerstadt ein regelmäßiger Bebauungsplan zu Grunde liegt, 
ist nicht anzunehmen, sie ist nach und nach aus dem Bedürfnisse entstanden 
und in den langen Friedenszeiten, die auch die Saalburg durchlebte, ver- 
größert worden. Doch zeigen die vorgefundenen Spuren, daß immerhin ein 
bestimmtes System in der Errichtung der Wohnstätten befolgt wurde (vergl. 
Tafel Xni). Überall tritt das Bestreben hervor, sich nach der Hauptstraße 
zu richten und die Gebäude parallel mit ihr zu erbauen. Außer derjenigen, 
die von dem Dekumanthore ausgeht, sind noch Straßen vorhanden, die mit 
dieser in gleicher Richtung verlaufen und solche, die sie winkelrecht durch- 
schneiden. Eine genaue Feststellung dieser Straßenanlagen ist, solange die 
Bürgerliche Niederlassung nicht gründlich durchgegraben wird, kaum mög- 
Hch; doch geben uns die Teile, welche freigelegt wurden, eine Richtschnur 
für die Beurteilung der einstigen Bebauung, namentlich bezüglich des eng- 
gebauten Quartiers, welches an der Westseite der Heddernheimer Straße liegt 
und zwar da, wo die Usinger Chaussee einen stumpfen Winkel mit ihr bildet 
(vergl. Textfiguren 20 und 21). 

Was im Allgemeinen die Bauten der Niederlassung betrifift, so ergiebt 
sich für sie ein ähnliches Verhältnis wie bei denen im Kastelle; hier wie dort 
finden sich Mauerreste aus den verschiedensten Perioden, es sind auf alten 
Grundmauern und Brandschichten Gebäude errichtet und auf ihren Resten 
wieder andere aufgesetzt. Man hat vielfach nach stattgehabten Zerstörungen 
die Bauten teils wieder in ihrer ursprünglichen Anlage aufgeführt, teils die 
noch brauchbaren Reste als Unterbau für andere Gebäulichkeiten benutzt 
oder sie unbenutzt darunter liegen gelassen. Zur Veranschaulichung dieser 
Verhältnisse will ich hier einige Beispiele anführen: 

1. Unter der großen, südlich vor dem Kastelle liegenden «Villa», von 
der im Verlaufe dieses Abschnittes noch gesprochen wird, liegen die Reste 
eines früheren Gebäudes, welches noch ein gut erhaltenes Hypokaustum ent- 
hält, und das in keinerlei Zusammenhange mit dem später darauf gesetzten 



Allgemeines. 109 

Baue steht. Es war dort eben ein Haus vorhanden, das später abgebrochen 
wurde, und an dessen Stelle man ein neues Gebäude unter nur teilweiser 
Benützung der alten Fundamente gesetzt hat (Tafel XV. w). 

2. Bei dem östlich an die «Villa» angrenzenden Gebäude fand sich gleich- 
falls unter dem jüngsten Aufbau ein wohlerhaltenes Hypokaustum mit Pfeiler- 
konstruktion, Heizkacheln und Schürloch; dasselbe gehörte zu einem heiz- 
baren Wohngebäude. Der frühere Estrichboden des Zimmers war noch un- 
berührt und auf demselben lag festgestampfter Brand- und Bauschutt, der 
einem Plattenboden des neu aufgesetzten, nicht mehr heizbaren Gebäudes 
zur Unterlage diente (Tafel XVH). 

3. Ein weiteres Beispiel geben uns die umfangreichen Mauerreste, die 
östlich vor dem Kastelle neben der nach dem Pfahlgraben führenden Straße 
liegen; sie sind jetzt größtenteils aufgegraben (vergl. Tafel XIII und Textfigur 19). 
Diese Grundmauern, die teilweise noch sehr gut erhalten sind, stammen aus 
einer älteren Zeit. Sie müssen von einem Gebäude herrühren, das zu dem 
ersten Kastelle, dessen Achse mit ihm parallel läuft, gehörte. Das Fehlen des 
Brandschuttes macht es wahrscheinlich, daß dieser Bau, der nach seinem 
Grundriß ein Forum (Kaufhaus) sein dürfte, nicht zerstört, sondern abgebrochen 
wurde. Es scheint, daß bei der Vergrößerung des Kastells seine Beseitigung 
aus verschiedenen Gründen erforderlich war, und daß man das Steinmaterial 
dieses Massivbaues, soweit man solches brauchte, zu dem Umbau des Kastells 
verwandte; das Übrige blieb im Boden und wurde schon zur Römerzeit ein- 
geebnet; dies geht aus dem Materiale, mit dem die Ausfüllung geschah, her- 
vor. Über den Mauern fand sich eine gut ausgeglichene Schicht von blauem 
Letten, der nur aus den Spitzgräben oder bei der Ausschachtung von Brunnen 
gewonnen worden sein kann. Die Gebäudereste waren nicht äußerlich sicht- 
bar, sie waren im Gegenteile so verdeckt, daß sie weder Neuhof noch Hahel 
bemerkte, und nur durch Aufgrabungen ist dieser, an anderer Stelle noch 
näher zu beschreibende Gebäudekomplex gefunden worden. 

Nach diesen Befunden lassen sich auch hier, im Bereiche der Bürger- 
lichen Niederlassung, mindestens drei Hauptperioden annehmen: 

Der ersten gehören Bauten an, die gleichzeitig mit dem Erdkastelle ent- 
standen sind und wahrscheinlich im Oberbau vielfach nur aus Holz errichtet 
waren. Die Überreste dieser bestehen zumeist aus Fundamenten, die aus 
großen Waldsteinen zusammengelegt sind, um als Unterlagen für die Schwellen 
der Baracken und Fachwerkshütten zu dienen. In dieser ältesten Periode 
ist vieles Mauerwerk trocken, d. h. ohne Mörtel hergestellt gewesen, doch 
kommen auch Massivbauten mit gemörtelteu Mauern vor, die an ihrer un- 
symmetrischen Lage kenntlich sind. Hierzu gehören u. a. das sogenannte 
Soldatenbad und das Kaufhaus. 

Die zweite Periode hat Reste von Bauten hinterlassen, die mit der 
Vergrößerung des Kastells im Zusammenhange stehen. Hierzu sind die 
Keller und alle diejenigen, die mit den Fluchtlinien des Kastells in Einklang 
gebracht werden können, zu rechnen. 



110 Die Bürgerliche Niederlassung. 

Bauten des dritten und letzten Zeitabschnittes sind solche, die auf 
Brandschutt stehen, und die mit gutem Mörtel und auch in sonstiger Be- 
ziehung technisch besser ausgeführt sind, so die «Villa» und die mit Hypo- 
kausten versehenen Wohngebäude. 

Wesentliche Anhaltspunkte zur Beurteilung der Bürgerlichen Nieder- 
lassung sind durch die Auffindung von 35 Brunnen gewonnen worden (vergl. 
den Abschnitt XI «Technische Ergebnisse»). Sie haben uns wertvolles 
Material, das uns auch einen Blick in das Leben und Treiben der einstigen 
Bewohner thun läßt, gegeben. Besonders interessant sind die Funde aus 
sonst vergänglichem Stoffe (z, B. Schuhwerk), welche uns zugleich erzählen, 
daß Frauen und Kinder dort gelebt haben. Auch über die häuslichen Be- 
dürfnisse erhalten wir durch die mannigfachsten, darin gefundenen Altertümer 
Nachricht. Im Einzelnen werden diese Fundstücke in den betreffenden Ab- 
schnitten besprochen werden. Alles in Allem kann mau, trotz der noch un- 
bedeutenden Aufgrabungen, schon jetzt sagen, daß die Lagerstadt in einem 
längeren Zeiträume von großer Bedeutung war, und daß die dortige Bevölke- 
rung, deren Zahl auch nur annähernd zu schätzen sehr gewagt sein würde, 
in geordneten Verhältnissen friedlich beisammen gewohnt haben muß. Hier- 
für spricht die Einteilung und Einfriedigung der Hofraiten und das Vorhanden- 
sein von Brunnen bei den Wohnhäusern ; nicht minder auch das Acker- und 
Gartenland, welclies dicht vor den letzten Wohnstätten beginnt und sich an 
den südHchen Abhängen bis zu dem Saalgraben und den dort entspringenden 
Quellen hinzieht. Es war eine große, mühsame Arbeit, den unwirtlichen, 
mit Steinen durchsetzten Boden umzuroden; noch heute kann man ziemlich 
genau die Grenzen jenes mehr als 20 Hektar großen Geländes verfolgen. Denn 
gerade dieses ist das beste Stück Wald der Stadt Homburg, die jetzt noch, 
nach 1700 Jahren, durch das rasche Wachstum des Eichenholzes, das zum 
Zwecke der Gewinnung von Lohe gepflanzt wird, auf diesem Boden die Vor- 
teile römischer Kultur genießt. Auch der davor liegende Wald der Gemeinde 
Gonzenheim, die ihn seines guten Bodens wegen teilweise zu Wiesen angelegt 
hat, spricht für die einstige gute Urbarmachung. An einzelnen Stellen sind 
noch Abteilungssteine (große Quarzitblöcke) vorhanden, welche auf die einstige 
Parzellierung des Geländes hinweisen. 

Daß auf diesem Terrain nicht allein Feld- und Garteufrüchte an- 
gebaut waren, sondern auch Obst der mannigfachsten Sorten, beweist 
der Inhalt der Brunnen, die Kirschen-, Zwetschen- und Nußkerne etc. ge- 
borgen haben (vergl. Abschnitt XI. 2). Sie sind höchst wahrscheinlich dort 
gewachsen, da die Kerne nach dem Urteile Sachverständiger von frischem 
Obste herrühren. Man könnte dagegen allerdings einwenden, daß die 
Früchte mehr nach der Ebene hin gewachsen sein könnten; aber es ist 
kein triftiger Grund zu dieser Annahme vorhanden, und wenn dem wirklich 
so wäre, so war es doch immerhin dieselbe römische Bevölkerung, die sie 
pflegte, und welche die Obstkultur an den gesegneten Südhängen des Taunus 
einführte. 



Allgemeines. \\\ 

Zur Bürgerlichen Niederlassung gehört auch die Gräberstätte, die sogar 
an einer Seite von ihr umschlossen wird. Auch die Tausende, die dort ihre 
letzte Ruhestätte gefunden haben, geben Zeugnis von dem einstigen Leben 
und Treiben der militärischen wie der bürgerlichen Bevölkerung einer römischen 
Lagerstadt (vergl. Abschnitt X). 

Es erübrigt mir noch, an dieser Stelle Einiges über die schon bei dem 
Abschnitte «Limes» besprochene Ausbuchtung des Pfahles vor dem Kastelle 
zu sagen. Wie schon wiederholt bemerkt wurde, ist eine Befestigung an der- 
Stelle der Saalburg früher als der Pfahlgraben angelegt worden; auch ist es 
wahrscheinlich, daß sie vor der Grenzmarkierung durch Hügel bestanden hat. 

Die Römer waren in der ersten Zeit ihrer Okkupation nach keiner Seite 
hin gehindert sich auszudehnen, und konnten auch, wenn nicht militärische 
Rücksichten zu beobachten waren, dem Trosse und den Händlern selbst das 
vorwärts liegende Gelände zur Ansiedelung überlassen, und daß dies geschah, 
haben die Aufgrabungen gezeigt. Aber auch an den anderen Limeskastellen 
war dasselbe der Fall; an den Kastellen «Feldberg», «Kapersburg» etc. liegen 
vor der Angriffsseite zwischen Pfahl und Kastell größere Gebäude, An der 
Saalburg müssen gerade nach dieser Seite hin viele Bauten gestanden haben, 
denn die Mauerreste, die noch im Boden versteckt sind und sich auf eine 
Entfernung von 200 m bis zum Pfahlgraben finden, liefern dafür den Beweis. 
Überreste von Massivbauten, die in der Praefenftira des jetzigen Kastells 
aufgegraben wurden, hatte man seither als zu diesem gehörig betrachtet und 
ist dadurch manchmal zu falschen Schlüssen gekommen. Die Auffindung 
des Erdkastells hat hierüber, wie über so vieles Andere, Klarheit geschaffen. 
So konnte als sicher festgestellt werden , daß das Gebäude Tafel IV, J K, 
welches man früher für ein im Kastelle gelegenes Soldatenbad hielt, ein Bad 
wohl war, aber zu dem früheren kleineren Kastelle gehörte und damals außer- 
halb desselben auf der Feindesseite lag. 

Auf dem Lageplane Tafel I ist die bebaute Fläche mit roter Farbe an- 
gegeben; sie reicht nach Norden bis zum Pfahle und dehnt sich auch nach 
Westen fast ebensoweit aus. Hierbei springt der auffällige Knick des Pfahl- 
grabens in die Augen; es hat fast den Anschein, als ob die Absicht bestanden 
hätte, ihn in einer Richtung zu führen, die das Kastell durchquert haben 
würde, daß man diesem aber doch als bereits bestehend aus dem Wege 
gehen mußte. Die ganze Stelle bedarf noch einer besonderen Aufklärung, 
umsomehr als auch die alten, westlich vom Kastelle ziehenden Hohlwege 
genau durch den Knickpunkt gehen und die dort befindlichen Uneben- 
heiten des anscheinend durchwühlten Bodens den Eindruck erwecken, als 
habe dort eine besondere Markierung oder ein Bauwerk gestanden. Ich habe 
bei der Besprechung des «Limes» darauf aufmerksam gemacht, daß der jetzt 
vorhandene Wall jünger als das Kastell sei; wir haben ferner gesehen, daß 
sich die Bürgerliche Niederlassung auch auf das Gelände vor der ältesten 
Kastellanlage erstreckt hat. Vor der Front des Erdkastells konnte der Limes, 
wenn er in der begonnenen Richtung weiter geführt wurde, noch vorbei- 



112 Die Bürgerliche Niederlassung. 

gelegt werden, wenn aucli so dicht wie am Zwischenkastell «Maisei» und dem 
Kastelle «Großkrotzenburg»^°°); aber die Vergrößerung des Kastells nach dem 
Pfahlgraben hin verlangte die jetzt vorhandene Ausbiegung. Wenn daher jene 
in das Ende des zweiten oder in den Anfang des dritten Jahrhunderts zu setzen 
ist, dann gehört auch die Anlage des Pfahles in dieselbe Zeit. Wir kommen 
auch hier zu demselben Resultate, das wir bereits anderweitig am Limes 
festzustellen Gelegenheit hatten, daß nämlich das Terrain als solches keine 
Fluchtänderung des Pfahles bedingte. Wenn eine solche stattfand, so war 
sie lediglich durch bereits bestehende Anlagen veranlaßt, die man aus 
zwingenden Gründen nicht anders gestalten konnte oder wollte; man zog 
es daher vor, die umständhche und schwierige Arbeit einer Ausbuchtung 
des Limes vorzunehmen, anstatt den Pfahlgraben in gerader Richtung, 
wie er am Abhänge des Gebirges herniederzieht, über jene Punkte hinweg 
zu verlängern. Hätten Wall und Graben zur Zeit der Vergrößerung des 
Kastells schon bestanden, so würde dieses wohl nach irgend einer anderen 
Richtung erweitert worden sein, wie es ja u. a. beim «Zugmantel» und der 
«Hunneburg» bei Butzbach (bei ersterem nach den Seiten, bei letzterem nach 
rückwärts) geschehen ist. Im Zusammenhange hiermit bleibt noch zu unter- 
suchen, ob nicht die erste, durch Hügel bezeichnete Grenzlinie in der natür- 
lichen Verlängerung durch das Kastell ging, und ob nicht hierbei die einer 
solchen Linie etwa entsprechende «Preußenschanze» und der dort gefundene 
Doppelhügel ^°^) eine Rolle gespielt haben. 



2. Die Canabae. ^"2) 

Zu den Bauten in der Bürgerlichen Niederlassung, die uns zunächst 
beschäftigen sollen, gehören diejenigen, die man mit dem Namen «Cauabae» 
bezeichnet hat. Es sind von diesen nicht allein Fundamente, sondern auch 
vollständige Keller erhalten geblieben, die genügende Anhaltspunkte geben, 
um uns ein Bild von dem einstigen Aussehen und der Konstruktion dieser 
Häuschen machen zu können. Sie dienten den Marketendern, die wir aus 
den Inschriften als Canahenses, Barackenleute [lixae), Wirte und Krämer kennen, 
zu Wohnräumen und waren wohl in der Hauptsache zum Betriebe von Wirt- 
schaften eingerichtet, wozu sie auch ihre Lage an den öffentlichen Straßen 
besonders geeignet machte. Die in den Kellern erhobenen Funde, die großen 
Weinkrüge (Amphoren, in der Form der auf Tafel XXVIII, Nr. 1 und 2 
abgebildeten) — in einem der Keller standen noch sieben derselben aufrecht 
an den Wänden, in anderen waren in den Ecken je eine im Boden ein- 



»00) über die Lage des Kastellcbens «Maisei» vergl. meinen Bericht im «Limesblatt» 
Nr. 11, Abschn. 85; über Großkrotzenburg vergl. Wolff, Das Römercastell und das Mithras- 
heiligthum zu Groß-Krotzenburg am Main in der «Zeitschrift des Vereins für hessische Ge- 
schichte und Landeskunde», Neue Folge, VIII. Supplement, S. 12. 

101) Vergl. das Citat Anmerkung 55. 

10») Vergleiche hierzu die Tafeln XIII und XVI und die Textfiguren 17, 20 und 21, 



Die Canabae. 113 

gegraben — , auch Gefäße von Glas und Thon, sowie zahlreiche Bruchstücke 
von Trinkgläsern, die unter dem Bauschutte und den Trümmern auf dem 
Kellerboden lagen, sprechen für ihre Benutzung als Schenken. Im Übrigen 
dienten sie auch wegen ihrer kühlen Lage als Vorratsräume. Von diesen 
nach einem Schema angelegten Häusern, die sich überall am Limes und 
besonders im Taunus vorlande, in Heddernheim, Gonzenheim^°^) («Am Schütz- 
brett») und Obereschbach (« Stein kritz»)^°*) fanden, sind an der Saalburg bis jetzt 
zwölf aufgefunden worden. An der Westseite der Hauptstraße (Fig. 20 und 21) 
liegen fünf in gerader Linie, 6,30 m vom Straßenrande entfernt und in Ab- 
ständen von 2,00—4,00 m auseinander, genügenden Raum zu einem Durch- 
gange nach dem Hofe und den Hintergebäuden lassend ; andere Keller liegen 
auf der entgegengesetzten Seite der Hauptstraße, südlich vom Schnittpunkte 
der Römerstraße mit der Usinger Chaussee. In der Konstruktion und den 
Abmessungen weichen sie wenig voneinander ab ; die lichten Maße schwanken 
zwischen 3,20 : 3,50 bis 4,30 : 5,50 m, die bald quadratische, bald rechteckige 
Grundfläche zwischen 11,20 bis 23,65 qm, ausschließlich der Eingänge. Ihre 
Höhe (unter dem Erdboden) wechselt zwischen 2,20 und 2,60 m; die Mauer- 
stärke beträgt durchschnittlich 0,65 m ; die übrigen Maße sind aus Tafel XVI 
und Fig. 21 zu entnehmen. Es genügt deshalb, wenn ich aus der Gesamt- 
heit dieser Bauten nur einige charakteristische Beispiele bespreche und ihre 
besonderen Eigentümlichkeiten hervorhebe. 

Gemeinsam ist den Kellern die rechteckige Form und die parallele 
Lage zur Straße; auf der Rückseite liegen die Eingänge; in den Mauern sind, 
manchmal auf allen vier Seiten, kleine, 30 cm tiefe und etwa 50 cm hohe 
Nischen angelegt (Tafel XVI, perspektivische Ansicht und Textfigur 17), wie 
man sie auch jetzt noch in den Kellern der Bauernhäuser in der Taunus- 
gegend findet; sie werden zum Aufstellen von Milchtöpfen und dergleichen 
benutzt und heißen «Milch- oder Butterlöcher». Bei den Römern mögen sie 
einem ähnlichen Zwecke gedient haben. Die Wohnräume, die über den 
Kellern lagen, waren ohne Zweifel in Fachwerk mit Lehmwänden gebaut 
und, wie die aufgefundenen Spuren beweisen, teils mit rohen Schieferplatten, 
teils mit Stroh und Holzschindeln gedeckt. Einzelne Häuschen (vergl. 
Tafel XVI, Nr. 1) waren durch eine, auf dem Lande auch jetzt noch belieble 
Vorhalle zum Unterstellen von allerlei Gerät vergrößert, wie aus dem in der 
Ecke liegenden Pfostenfundamente hervorgeht. 

Die Keller waren nicht gewölbt, sondern mit einer Balkendecke, die 
unter Umständen noch durch einen starken Unterzug gestützt war, ab- 
geschlossen. Das Holzwerk ist bei der Zerstörung hinabgesunken ; die eichenen 
Balken lagen 30 cm voneinander und hatten, nach angekohlten Resten zu 
schließen, einen Querschnitt von etwa 19 auf 19 cm. 



103) Vergl. A. von Cohausen und L. Jacobi, Römische Bauwerke bei Homburg, Nass. 
Annalen, XVII. Bd. 

104) Vergl. Westdeutsche Zeitschrift, Bd. IV, S. 203. 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 8 



114 



t)ie l^firgerliche Niederlassung. 




Fig. 17. Ein Keller der Bürgerlichen Niederlassung. 



Auf Textfigur 20 ist eine Rekonstruktion der auf Figur 21 und auf 
Tafel XVI dargestellten Keller versucht worden und zwar, der dahinter- 
liegenden Brunnen wegen, von der Rückseite aus betrachtet. Gleichzeitig 
ist die Abgrenzung und Einfriedigung dieser kleinen Besitzungen auf Grund 
vorgefundener Pfostenlöcher und Steinsetzungen dargestellt. Jede derartige 
Hofraite scheint besonders abgetrennt gewesen zu sein ; auch die Brunnen 
deuten darauf hin (vergl. den Abschnitt XI. 2). 

Daß die Häuschen einen größeren Raum als den der Keller bedeckten, 
ist sicher, und es werden sich wohl noch einzelne nicht unterkellerte Räume 
angeschlossen haben, wie dies auch heute noch bei ähnlichen Bauten der 
Fall ist. Auf der Rückseite befinden sich die Kellereingänge. Figur 20 giebt 
einige Beispiele der verschiedenen Arten von Anbauten und Kellerhals-Über- 
dachungen in derjenigen Rekonstruktion, die wohl den thatsächlichen einstigen 
Verhältnissen annähernd entsprechen dürfte. 

Das Innere war meistens durch 1,30 m breite Rampen zugänglich, die 
unter einem Winkel von 30" angelegt sind (Tafel XVI, Schnitt G — H) oder 
des bequemeren Ab- und Aufsteigens wegen durch Treppentritte unterbrochen 
waren (Schnitt J — K). Eine massive Treppe mit wirklichen Stufen, und zwar 
in der Mitte der Rückseite, enthält der Keller Tafel XVI, Nr. 4. An der 
Saalburg kommt diese letztere Art als Ausnahme vor, in Heddernheim und 



Die Canabae, 115 

den übrigen römischen Niederlassungen der Main- und Nidda-Ebene ist sie 
dagegen Regel. Die Tritte haben gewöhnlich eine Steigung von 18 — 20 cm 
und einen Auftritt von 20—23 cm. Während sie aber in der Ebene aus 
^¥erk;stücken von Sandstein oder Basalt bestehen, sind sie an der Saalburg 
gemauert. Der Kellerboden ist mit Steinen ausgelegt oder meistens mit 
Lehm oder Letten gestampft und mit feinem Sande überschüttet gewesen. 

Unsere ländlichen, einstöckigen und freistehenden Fachwerk- Wohnhäuser 
mit den Giebeln nach der Straße dürften sich kaum viel von den römischen 
Canahae unterscheiden. Auch sie sind nur teilweise unterkellert und haben 
selten mehr als ein Zimmer, eine Kammer und einen Vorplatz, von denen 
der letztere zugleich als Küche dient, eine Einteilung, welche auch bei den 
etwas größeren römischen Bauten dieser Art üblich gewesen sein mag^*^^). 

Die Keller hatten Lichtöffnungen; in dem auf Tafel XVI, Nr. 3 im 
Grundrisse und Schnitt J K gezeichneten ist uns ein sehr schönes Beispiel 
dafür gegeben. Das Fenster selbst war, wie in den Bauernhäusern, klein, 
doch waren die Laibuugen nach den beiden Seiten und nach dem Boden 
hin stark abgeschrägt, um dem Kellerraume möglichst viel Licht zuzuführen. 
Die Wände waren verputzt, und wenn ich an die in der Ebene — östlich 
von Homburg — am «Schützbrett» und «Steinkritz» aufgegrabenen römischen 
Keller denke, die in regelmäßigem Verbände gemauert und mit quadriertem 
Verputze mit vertieften und gemalten Fugen hergestellt sind, so kann ich 
mich des Eindrucks nicht erwehren, als seien diese selbst als Wohnraum^ 
oder Schenken benutzt worden, und als habe man den Wein, der in den 
eingegrabenen Amphoren, Mischkrügen u. s. w. frisch erhalten wurde, an 
seinem Aufbewahrungsorte selbst getrunken. 

Nicht alle Unterkellerungen der Wohnhäuser an der Saalburg sind mit 
Mauerwerk hergestellt, sondern es fanden sich auch solche, die als einfache 
Gruben in den Boden eingegraben, und solche, deren Wände gegen das 
Nachrutschen durch Bohlen abgesteift und zum Abhalten von Feuchtig- 
keit und Wärme auf irgend eine Weise hinterfüllt waren. Die Konstruktion 
solcher Wände muß derjenigen der Holzbrunnen geglichen haben, die im 
Abschnitte XL 2 besprochen wird. In einer solchen V^ertiefung ^*'^) im Kastell 
lag der Kollektivfund von Gefäßen, auf den ich später zu sprechen komme. 

Interessant ist die Entwässerung der Keller; es hat nicht allein jeder 
einen Kanal zur Trockenlegung des Fußbodens, sondern auch die Fundament- 
sohlen sind damit verbunden, um den Bau trocken zu halten und um dem 



1"») Schon 1817 fand man bei Anlage der Thibautstraße in Heidelberg die Reste 
solcher römischen Häuschen in denselben Anordnungen und Abmessungen, mit Rampen, 
Nischen und Fensterbusungen in derselben Weise; nur das Mauermaterial und seine Be- 
arbeitung waren verschieden, dort Sandsteine, die zu rechtwinkeligen Quadern und Keil- 
Bteinen behauen waren, bei der Saalburg aber ungefüge Grauwacken und Quarzite, zum 
Opus incertum verbunden. 

»06) Ähnliche Gruben fanden sich im Kastell «Alteburg» bei Heftrich (vergl. Limes- 
blatt Nr. 11, Abschn. 86). 



116 Die Bürgerliche Niederlassung. 

Wasser, das etwa unvorhergesehen, besonders durcli die Kellertreppen ein- 
strömte, einen raschen und sicheren Abfluß zu gewähren. Man vergleiche hierzu 
den Abschnitt XI, 3 und 5. 

Daneben kommt noch eine andere Art von in der Erde augelegten 
Räumen vor, die auf der Saalburg bis jetzt nur in wenigen Beispielen und 
in unvollkommener Ausführung innerhalb des Kastells bloßgelegt wurden. 
Die 1894 — 1895 erfolgten Ausgrabungen am Kastell «Zugmantel» haben 
zur Auffindung ähnlicher Keller oder, richtiger gesagt, Keller- oder Erd- 
wohnungen, jedoch ohne Mauerwerk, geführt, die in den Größen Verhältnissen 
und der Anlage denjenigen an der Saalburg im Großen und Ganzen entsprechen ; 
ich will sie deshalb hier zum Vergleiche heranziehen. In ihrer Konstruktion 
weisen sie eine Eigentümlichkeit auf, die mir an römischen Bauten bis dahin 
nicht bekannt war. Ich habe darüber im Limesblatte Nr. 16, Seite 434, einen 
Bericht erstattet, den ich hier wörtlich wiederhole : « Die Gruben liegen 1 ,50 — 2,00 m 
tief im gewachsenen Boden und schwanken in ihren Abmessungen zwischen 
6 — 14 qm. Die meisten haben Rampen oder Treppen, die scharfkantig in den 
Boden eingehauen sind; einzelne Stufen sind jetzt noch benutzbar. Obgleich das 
Erdreich dort im Allgemeinen sehr trocken ist, waren doch die Wände mit einem 
Staakwerk zwischen Holzpfosten verkleidet, deren Spuren erhalten sind. Nach 
Herstellung der Vertiefung wurden die Wände mit Flechtwerk überzogen, 
dies mit Lehm ausgeschmiert und die Grube abgedeckt. Dann muß man 
^n Feuer von großer Glut angezündet und so die Wandverkleidung gebrannt 
haben. Hierbei verbrannte das Flechtwerk, und es entstand eine kompakte, 
aber doch poröse Masse. Die in situ befindlichen Stücke sind aber nicht 
Reste von Lehmstaakw^rk der Wände, welches in unseren Kastellen so häufig 
vorkommt und durch Schadenfeuer bei der Zerstörung zu Ziegelstein ver- 
brannt ist. Unsere Wände hatten nämlich einen jetzt noch erhaltenen weißen 
Kalküberzug, der im Feuer sicher zerstört worden wäre. Durch ihn wurden die 
Räume wohnhcher und heller. In der Regel sind an einer oder zwei Seiten 
Bänke von 35 cm Höhe und 50—60 cm Breite, ebenfalls aus Lehm her- 
gestellt und gebrannt. Die weitere Konstruktion ergiebt sich aus den sicht- 
baren Pfostenlöchern von selbst. Die Wände ragten nur wenig über den 
Boden des Kastells, nur das Satteldach war äußerlich sichtbar, durch dessen 
Giebelwand das Licht einfiel. Ganz ähnliche Erd Wohnungen existieren heute 
noch in der Dobrudscha, nur sind dort die Wände nicht gebrannt. Wenn man 
die zugige Lage des Kastells auf dem hohen Taunus bedenkt, wird man die 
Anlage solcher warmer Erdwohnungen für den strengen Winter wohl ver- 
stehen können. Sehr interessant ist hierzu ein Hinweis von Professor Zange- 
meister auf die Stelle bei Tacitus, Ann. 13, 35: hieme saeva adeo, ut ohducta 
glacie nisi effossa Jiumus tentoriis locum non praeheret.T* 

Die in den Kellern erhobenen Funde werden im Abschnitte XHI be- 
handelt; sie beschränken sich hauptsächlich auf Haushaltungsgegenstände, 
Gefäße, Geräte, eiserne Beschläge und Nägel von den Gebäuden selbst. Be- 
sonders kamen auch ältere Münzen zu Tage, die fast immer auf dem Keller- 



Die Villa. 



117 



boden lagen; es sind Prägungen des Triumvirn Marcus Antonius, oder sie 
zeigen die Bildnisse der Kaiser Vespasian, Domitian und Hadrian ; im Keller 2 
der Tafel XVI wurde die in den früheren Abschnitten schon wiederholt be- 
sprochene Münze von Claudius GotJiicus kaum 30 cm tief unter dem Wald- 
boden gefunden. In demselben Keller lagen Reste von menschlichen Ge- 
beinen; sie mögen von einem Römer herrühren, der sich bei einem Über- 
fall geflüchtet hatte und von den brennenden Trümmern seines Hauses er- 
schlagen wurde. 




Fig. 18. Die Reste der Villa. 



3. Die Villa. 

(Tafeln V, XIII, XV und Textfigur 18.) 

Es ist in der jüngsten Zeit verschiedentlich versucht worden, das um- 
fangreiche, bei jedem größeren Liraeskastelle belegene Gebäude zu erklären 
und zu benennen, doch hat der thatsächliche Befund des unserem Kastelle 
benachbarten, gleichartigen Baues keinerlei Veranlassung gegeben, den von 
Oberst von Cohausen für ihn in Vorschlag gebrachten Namen «Villa» auf- 
zugeben. Ich behalte deshalb einstweilen diese Bezeichnung bei und werde 
am Schlüsse dieses Artikels auf den Zweck des Gebäudes mit einigen Worten 
zurückkommen, beschränke mich daher hier zunä(5hst in der Hauptsache auf 
die Mitteilung des wirklich Gefundenen. Es wird dabei Bezug genommen 
auf Tafel XV und auf die diesem Abschnitte vorgesetzte perspektivische An- 
sicht, welche nach einer im Februar 1884 aufgenommenen Photographie her- 



118 Die Bürgerliche Niederlassung. 

gestellt wurde, die ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Hoigne aus Frank- 
furt verdanke. 

Unsere Villa liegt kaum 30 m südlich der südwestlichen Kastellecke 
mit einer gegen das Kastell verschobenen Achsenrichtung. Ob aus dieser 
auch sonst bekannten Achsenverschiebung immer die Beziehung auf eine 
andere Kastellanlage zu folgern ist, scheint mir zweifelhaft; es fragt sich, ob 
nicht bei der Erbauung der Villa, je nach der Bestimmung der einzelnen 
Räume, auf die Himmelsrichtung Rücksicht genommen wurde. Das Gebäude 
bedeckt, ohne einen inneren Hof zu umgeben, ausschließlich der kleineren 
Vor- und Anbauten, die teilweise einer späteren Periode angehören (auf 
Tafel XV schwächer schraffiert dargestellt), einen Platz von 42,70:21,30 m 
oder, wenn man auch hier wie bei den Kastellbauten das römische Doppel- 
schritt-Maß zu Grunde legt, 14:28 Passus; mithin verhält sich die Länge 
zur Breite wie 1 : 2. Das große Gebäude entspricht in der Anordnung seiner 
Räume ganz dem, was wir bei Ausgrabungen der im Rheinlande und über- 
haupt diesseits der Alpen gelegenen römischen Landvillen vorfinden. Ein 
ähnliches Bauwerk ist in den Jahren 1880/81 im Quellengebiete von Hom- 
burg bloßgelegt worden '^^). Alle derartigen Bauten enthalten größere und 
kleinere rechtwinklige Säle und Zimmer, in denen sich halbkreisartige Apsiden 

— Triclinien — öffnen, die dem Gebäude oft den Charakter einer mittel- 
alterhchen Kirche geben und ihm einen entsprechenden Namen im Volks- 
munde verliehen haben, wie die Bezeichnung «Heidenkirche» für die vor 
dem Feldberg-Kastelle gelegene Villa beweist. Die in Deutschland, Frankreich 
und England stets wiederkehrende Normalform findet sich vor allen größeren 
Kastellen, — in unserer Nähe an den Kastellen «Feldberg» und «Kapersburg» 

— hat aber nichts gemein mit den pompeianischen Häusern und umschließt 
nirgends ein Atrium oder Peristyl. 

Die Abweichung ist aus dem Grundrisse (Tafel XV) ersichtlich; man 
erkennt sofort, daß die von den Römern in ihrer Heimat geübte Bauweise 
abgeändert und dem kälteren Klima und den neuen, in den Provinzen zur 
Geltung kommenden Bedürfnissen angepaßt wurde. Die teilweise offenen 
Räume und hallenartigen Vorbauten, wie wir sie noch in dem Praetorium 
des Kastells kennen gelernt haben, finden bei den eigentlichen Wohngebäuden 
keine Anwendung mehr; an ihre Stelle treten geschlossene Räumlichkeiten, 
um deren Bewohner besser gegen Wind und Wetter zu schützen. Die unter- 
irdischen Heizungen, die in südlichen Ländern hauptsächlich für Bäder her- 
gestellt waren, sind bei diesen Gebäuden auf die Wohnräume übertragen 
worden. Die Villa an der Saalburg hat elf Zimmer, von denen nur drei 
nicht mit Hypokausten versehen waren; diese nicht heizbaren Räume sind 
aus den vorhandenen Resten als Vorhalle, Bad und Küche zu erklären. Die 
Vorhalle W, die an der Nordseite des Gebäudes liegt und dadurch den Be- 
wohnern des Hauses Schutz gegen die Nord- und Ostwinde bietet, ist von 



»07) Näheres darüber siehe Nass. Ann. Bd. XVII, pag. 123. von Cöhausen und Jacobi, 
Römische Bauwerke bei Homburg. 



Die Villa. 119 

der Nordwest- und der Südostseite her durch Thüren zugängUch, sodaß ein 
direkter Verkehr nach dem Kastelle sowie nach der Bürgerlichen Niederlassung 
möglich war. Die Halle hat im Lichten eine Länge von 19 m und eine 
Breite von 4,80 m; der Fußboden (Längendurchschnitt A — B) bestand aus einer 
betonartigen Unterlage (Estrich) und war mit Ziegelplatten von verschiedenen 
Abmessungen bedeckt, die mit Stempeln der VIII. und XXIL Legion ver- 
sehen waren. Die Zwischenräume, wo die Platten fehlten, waren mit Estrich 
ausgeglichen. Der Grund dieser ungleichmäßigen Behandlung dürfte darin 
zu suchen sein, daß an dieser Stelle wiederholt und zu verschiedenen Zeiten, 
sei es in Folge von Abnutzung oder von Zerstörungen, Ausbesserungen 
stattgefunden haben. Unter einem Teile dieser Vorhalle befindet sich ein 
Hypokaustum, welches in punktierten Linien auf Tafel XV eingezeichnet 
ist, aber von einem älteren Bauwerke herrührt und bei den «Heizanlagen» 
besprochen wird. 

Der sich an die Halle anschließende kleine Raum V, von 4,30 m Länge 
und 3,00 m Breite, war von dieser Seite nicht zugänglich, sondern nur von 
dem Zimmer aus. Er ist durch seine vorzügliche Cementierung, seine am 
Boden noch gut erhaltenen Eckwulste und den unterirdischen Wasserabfluß F 
(vergl. den Schnitt EF) leicht als Bad oder wenigstens als Wasserbehälter zu 
erkennen. Seine Außenmauern, welche heute noch 2,00 m über den Erd- 
boden hervorragen, sind die besterhaltenen Baureste an der Saalburg (Text- 
figur 18). Bei der im Jahre 1856 durch Hobel erfolgten Ausgrabung dieses 
Baues war der farbige Verputz an den Wänden noch in einer Höhe von 1,50 m 
wohl erhalten. Leider wurde damals versäumt, zur Konservierung desselben 
ein Dach darüber herzustellen; eine in jedem Herbste vorgenommene Ein- 
füllung mit Laub bewirkte gerade das Gegenteil von dem, was man wollte, 
und wenige Jahre darauf war der ganze Verputz losgebröckelt und in Schutt 
zerfallen; einzelne Stücke davon sind im Saalburg-Museum aufbewahrt. Von 
den übrigen Räumen des Gebäudes sind die großen, in schönen Verhältnissen 
erbauten Säle und P besonders hervorzuheben. Der Saal P, der im Lichten 
seines Heizungsraumes eine Länge von 12,50 und eine Breite von 6,25 m 
(also ebenfalls ein Verhältnis von 1 : 2) aufweist, war im Stockwerke infolge der 
schwächeren Mauern desselben nach jeder Richtung hin noch um 25 cm größer, 
sodaß der Flächengehalt etwa 85 qm betragen hat, eine Größe, die der des 
Oecns in dem so oft genannten Hause des Pansa in Pompeji nahezu entspricht. 

Den Saal mit dem anschließenden nischenartigen Anbau N könnte 
man sich als Speisesaal denken, wofür auch der angrenzende Raum M, der 
wegen seiner charakteristischen Anlagen eine Küche zu sein scheint, sprechen 
dürfte. Er ist der größte Raum der Villa, mißt in seinem rechteckigen Teile 
9,30 : 6,40 m und hat einschließlich der beiden Apsiden an den Langseiten 
einen Flächengehalt von mehr als 90 qm; er würde einer Speisetafel von 
50 Gedecken reichlich Platz gewähren. Die naheliegende Frage, ob die halb- 
kreisförmigen Triclinien überwölbt waren, muß offen bleiben, da aus dem 
Grundrisse allein Anhaltspunkte dafür nicht gewonnen werden können. 



120 ^'6 Bürgerliche Niederlassung. 

Die am Südwesteude gelegene Küche (M) ist quadratisch und mißt 6 
zu 6 m. Der 36 qm große Flächeninhalt wird zwar durch die von den Wohn- 
räumen herabführende Treppe und den Kochraum A sowie das Schürloch X 
etwas verringert, erscheint aber im Verhältnis zum Ganzen vollkommen groß 
genug, besonders wenn man die kleinen Küchen in Pompeji in Vergleich 
zieht. Die Küchenfeuerung mit dem Kochplatze a ist so wie die mittelalter- 
lichen Küchenherde angelegt. 

Die Höhenlage der Böden in den einzelnen Räumen ist aus den Schnitt- 
zeiclmungen der Tafel XV ersichtlich; der untere Boden des Heizungsraumes, 
sowie derjenige der Küche liegt 1 m tiefer als die Bodenfiächen der Vorhalle 
und der übrigen Abteilungen, die sich auf gleichem Niveau befinden. Zu 
der Küche führt eine Treppe von sechs steilen Stufen, deren Untermauerung 
noch in guter Erhaltung auf uns gekommen ist, und die vielleicht mit Bohlen 
bedeckt waren. Die weiter auf Tafel XV im Grundriß und Schnitt dar- 
gestellten, bis jetzt noch nicht genügend erklärten Baureste D und Z gehören 
zur Bodenheizung und hatten wohl nur den Zweck, dem Heizungsraume 
frische Luft zuzuführen. Daß sie nicht von einem früheren oder späteren 
Baue stammen, läßt sich daraus erkennen, daß sie mit den übrigen Mauern 
der Villa im Verbände hergestellt sind. Die Länge und die Breite des Ge- 
bäudes sind so groß, daß, selbst wenn es, was sicher anzunehmen ist, nur 
ebenerdige Räume umschloß, sein Dach eine weite Spannung und eine große 
Höhe gehabt haben muß. Mehr noch scheint die Beleuchtungsfrage der 
Beachtung wert zu sein. Waren die Räume durch Fenster genügend erhellt? 
Wie groß mußten dieselben sein, und waren ihre Öffnungen verglast? Nach 
den Funden lassen sich alle diese Fragen mit gewissen Einschränkungen be- 
jahen. Daß die Fenster klein waren, ist nach anderen, uns erhaltenen 
römischen Bauten wohl anzunehmen; daß sie nicht wie heutzutage schon in 
der Höhe etwa eines Meters vom Fußboden begannen, ergeben die stehen- 
gebliebenen zwei Meter hohen Mauern, in denen sich keine Öffnungen be- 
finden ; die Fenster waren also höher angebracht. Dies zeigt auch ein daselbst 
gefundener, bearbeiteter, 60 cm langer und 18 zu 18 cm starker Sandstein, 
der nur von einer Fensterumrahmung herrühren und als Fenstersohlbank 
gedient haben kann (Tafel XXI, Nr. 40). Er ist, um das Licht besser ein- 
fallen zu lassen, außen glatt, nach innen dagegen abgeschrägt und ent- 
spricht einer Fensteröffnung mit einer lichten Weite von 40 cm. Nimmt 
man das bei den Römern beliebte Größen Verhältnis 1:2 an, so würde sich 
eine Öffnung von 40:80 cm ergeben, welche vermutlich keinen geraden Ab- 
schluß hatte, sondern bogenförmig überdeckt war. Für Letzteres sprechen auch 
die daselbst gefundenen, auf Tafel XIX, Nr. 3 abgebildeten keilförmigen Ziegel. 

Ob die Fenster in allen Räumen verglast und zum Öffnen eingerichtet 
waren, ist nicht mit Bestimmtheit nachzuweisen; die an den Außenseiten der 
Umfassungsmauern gefundenen Bruchstücke von Glasscheiben lassen aber 
darauf schließen, daß zum Mindesten mehrere Fenster verglast waren. Zieht 
man die schon von Hobel, der das lunere der Villa hat ausräumen lassen, 



Die Villa. 121 

geraachten Glasscheibenfunde und das verschlackte Glas, welches in Klumpen 
vorkam, noch in Betracht, so läßt sich die Verwendung von mindestens zwei 
Quadratmetern Fensterglas — genügend für 15—20 Scheiben — annehmen, 
das hauptsächlich von der südöstlichen und teilweise von der nordwestUchen 
Seite herrührt. An der nordöstlichen und der südwestlichen Seite ist dagegen 
nichts von Glas zu Tage gekommen, woraus der Schluß gezogen werden 
dürfte, daß sich die Verwendung verglaster Fenster auf jene erstgenannten 
Mauerseiten beschränkte. Mit Rücksicht auf unser kaltes KHma muß man 
zu der Annahme kommen, daß da, wo kein Glasverschluß vorhanden gewesen, 
die kleinen Öffnungen für Licht wohl mit Holzläden verschlossen waren, 
ebenso wie dies noch im Mittelalter bis zur Wiederaufnahme der Fabrikation 
von Glasscheiben geschah. Selbst in Pompeji finden wir die meisten Räume 
nur schlecht und mittelbar durch das Tageslicht beleuchtet; Glasscheiben 
sind auch dort nur vereinzelt aufgefunden worden. 

Das Äußere des Gebäudes hat durch die kräftig vorspringenden Ap- 
siden und die winkeligen Ausladungen, wodurch tiefe Schlagschatten ent- 
standen, trotz der einfachen Ausstattung sicher eine imposante Wirkung auf 
den Beschauer geübt; haben ja doch selbst die Trümmer der Villa noch die 
alten Berichte über einen großen Palast der Frankenkönige hervorgerufen. 
Bemerkenswerte Architekturstücke sind nicht erhoben worden, dagegen waren 
die Flächen, wie wir aus den Funden genau wissen, mit einem starken Ver- 
putze überzogen. Säulen und Pilaster aus Sandstein oder einem anderen 
dauerhaften Materiale fehlten; diese für die Konstruktion erforderlichen Bau- 
teile müssen jedenfalls aus Holz gewesen sein. Wände und Decken waren, 
wie die Bruchstücke zeigen, geputzt und in verschiedenen Farben bemalt. 
Das Innere war, nach den Funden zu urteilen, reich ausgestattet. Die Fuß- 
böden bildete, wie es bei Bodenheizungen nicht anders zu denken ist, ein 
Estrich. Die Verwendung festgenagelter Holzböden erscheint ausgeschlossen, 
dagegen sind lose aufgelegte Bretter, Matten oder Teppiche wahrscheinlich 
als Bodenbelag benutzt worden. Daß die Räume, welche durch die wenigen, 
und dazu noch hochgelegenen Fenster dürftig beleuchtet waren, doch recht 
wohnlich und behaglich gewesen sind, liegt schon in der Grundrißanordnung 
begründet. Einen gemütlichen, in der Winterzeit warmen, im Sommer dagegen 
kühlen Aufenthalt boten die durch eine halbkreisförmige Öffnung getrennten 
Triclinien, die für einen Tisch mit drei Ruhelagern bequem ausreichten. 

Über die Bedeutung der Villa gingen und gehen die Ansichten noch 
heute auseinander. Hobel, der sie 1856 größtenteils aufdeckte, hat sie einfach 
als «Bäder» bezeichnet; andere Forscher nannten sie auch «Palatium» oder 
«Mansion», und zuletzt gab man ihr den modernen Namen «Offiziers-Kasino». 
Jedenfalls geht man aber zu weit, wenn man in ihr lediglich eine römische 
Badeanstalt erblicken will, wenigstens kann es ein Wasserbad nicht gewesen 
sein, da die Zu- und Abflüsse fehlen, welche sich sonst bei sicher erwiesenen 
Bädern auffinden oder nachweisen lassen. Der Kanal, der von U durch W 
nach dem in den Boden vertieften Behälter Z führt, kann schon wegen des 



122 I^ie BOrgerlicbe Niederlassung. 

Gefälles nacli Z hin kein Wasser zugeführt haben; sein Querschnitt spricht 
auch hier für eine andere Bestimmung (Taf. XVIII, Nr. 9). FHeßendes Wasser 
ist nicht in der Nähe, nur ein tiefer Brunnen (Nr. 30, «Herrenbütte»), wie 
solche auch an kleinereu Wohngebäuden vorkommen (vergl. Textfigur 21), 
liegt wenig entfernt nach der Nordseite hin. Ob einzelne Räume Schwitz- 
bäder gewesen sind, muß allerdings dahingestellt bleiben; jedenfalls aber trägt 
nur der Raum V mit seinem Abfluß F die sicheren Kennzeichen eines Bades. 
Ich unterlasse deshalb jeden Versuch, die Räume in das bekannte Schema 
eines solchen einzuzwängen und mit den entsprechenden Namen zu belegen. 
Dieses Bauwerk, das allerdings einen Baderaum enthält, dürfte in der Haupt- 
sache, wie alle ähnlichen Bauten dieser Art, zu Wohnzwecken benutzt worden 
sein; man kann vielleicht behaupten: nur im Winter, wenn man annehmen 
will, daß Villenbauten, wie der obenerwähnte, im Mineralquellengebiet von 
Homburg belegene, bei welchem erwiesenermaßen die Pfeilersubstruktion nicht 
zu Heizzwecken, sondern nur zur Isolierung des Fußbodens angelegt ist, als 
Sommeraufenthalt gedient haben. Für diesen Fall war auch eine Beleuchtung 
durch viele Fenster nicht nötig, da bei den kurzen Tagen der Wint^rzeit 
künstliches Licht ohnedies erforderlich war. 

Vielleicht hat in der Villa der Kommandant, ein hoher Militär- oder 
Verwaltungsbeamter gewohnt; möglicherweise haben die großen Säle auch 
zu Versammlungszwecken der Offiziere und Beamten gedient. Daß aber ge- 
rade Garacalla dort gewohnt hätte und somit die Bezeichnung «Villa des 
Caracalla> richtig wäre, ist durch nichts erwiesen; von Cohausen, der dem 
Baue diesen Namen gab, hat sich dabei auf den Inschriftstein des Garacalla 
bezogen ^°^), welcher im Jahre 1723 ausgegraben wurde, von dem aber Neu- 
hop^^) ausdrücklich berichtet, daß er nicht eingemauert \var und an der 
Heerstraße — wahrscheinlich in der Nähe des Gräberhauses — gefunden 
worden sei. 

Für die Zeit der Erbauung ist zu erwähnen, daß die Truppenstempel, 
welche sich auf den Kacheln und Platten des unter der Villa belegenen Bau- 
werkes befinden, sämtlich der XXII. Legion angehören, die Pfeilerplatten in 
der Villa jedoch alle mit Stempeln der VIH. Legion versehen sind. Außer- 
dem fand sich als Deckplatte des Kanals im Räume W — und zwar absichtlich 
eingemauert, da die vorspringenden Skulpturteile abgeschlagen sind — der 
Votivstein der Fortuna (Taf. XXIV, Nr. 4) verwendet ^^''), welcher von C. Mo- 
gillonius Priscanus, einem Präfekten der Räter, geweiht ist (vergl. auch den 
Querschnitt des Kanals Taf. XVIH, Nr. 9a). Jedenfalls machen es die hohen 
Mauerreste, welche teilweise noch auf älteren Bauten stehen, wahrscheinlich, 
daß die Villa der letzten Bauperiode der Saalburg angehört und, wie ich 
unter 1 («Allgemeines») erörtert habe, noch allein nach Aufgabe der Nieder- 
lassung weiterbestanden hat. 



"8) Vergl. den Abschnitt XIII. 2, A. I. 7. 

10«) A. a. O., S. 29 ff. 

"«) Vergl. den Abschnitt XIII. 2, A. II. 10. 



Kaufhaus. 123 

4. Kaufhaus (Fm*umJ. 

Ostlich vom Kastelle, an der nach dem Limesdurchgange «am Eisern 
Schlag» (Fig. 3) führenden Römerstraße, befinden sich ausgedehnte Überreste 
von Massivbauten, deren Lage aus Tafel XIII zu ersehen ist. Figur 19 stellt 
den besterhaltenen und in sich zusammenhängenden Teil in einem Maßstabe 
von 1 : 400 dar. Die 'Ähnlichkeit der ganzen Anlage mit römischen Forums- 
bauten und besonders mit dem von August TJllrich in Kempten [Camhoduniim) 
im Allgäu aufgegrabenen Forum ^") macht es wahrscheinlich, daß auch unsere 
Mauern von einem derartigen Bauwerke herrühren. Wenn auch die Ab- 
messungen des Forums am Lindenberge bei Kempten (127:106 m) diejenigen 
unserer Anlage weit übertreffen, so sind diese doch für die Saalburg mit 
50:50 m außerordentlich groß zu nennen, besonders, wenn man sie mit dem 
auch als Forum angesprochenen Baue in der römischen Handelsstadt Heddern- 
heim^^^) vergleicht. Dasselbe konnte zwar nicht vollständig ausgegraben 
werden, scheint aber eine Fläche von etwa 50:50 m bedeckt zu haben und 
also nicht größer als der Bau an der Saalburg gewesen zu sein, dem es auch 
in seiner Einteilung auffallend ähnlich ist. 

Schon oben wurde wiederholt auf diese Anlage im Allgemeinen hin- 
gewiesen und über seine Lage zu dem Kastelle, wie über seine Auffindung 
gesprochen. Ich kann mich daher auf eine kurze Beschreibung einiger Einzel- 
heiten beschränken. Die Mauern, besonders der nach Norden liegenden Teile, 
laufen parallel mit der Achse des Erdkastells und der Römerstraße, dagegen 
erstrecken sich die nach Süden liegenden bis an den von der Porta princi- 
palis dextra ausgehenden Weg und sind annähernd parallel mit dem Stein - 
kastelle, sodaß die Quermauern die Richtung der Achse haben, wodurch an 
den Längsmauern der Knick (Fig. 19, a. b) entstanden sein mag. Die Ab- 
weichung dieser Mauern von der geraden Linie läßt mit WahrscheinUchkeit 
vermuten, daß ein Teil dieses Baues in die Periode des Erdkastells gehört, 
eine Vergrößerung dagegen in der Zeit des ersten Steinkastells geschah, zu 
welchem man ihn parallel stellte. 

Für die Bezeichnung Kaufhaus [forum] spricht die Lage des Gebäudes 
und die Einteilung des Grundrisses. Der Bau reicht bis zur Straße und 
umschließt einen Hof, welcher an der Südseite durch heizbare Räume ab- 
geschlossen ist (Tafel XIII). Der nach der Front des Limes gerichtete Teil 
ist aus gutem, gemörteltem Mauerwerke hergestellt, dagegen der jenseits des 
Hofes, nach der dem Auslande zuführenden Straße hin gelegene aus weniger 
gutem und aus Steinunterlagen, die auf Holzbauten hinweisen. Ich sehe 



1") Vergl. «Erster Bericht über die vom Altertumsvereine Kempten vorgenommenen 
Auegrabungen römischer Baureste auf dem Lindenberge bei Kempten. — Altertumsverein 
Kempten 1888.» 

112) Vergl.; «Die Ausgrabungen des Vereins für das historische Museum zu Frankfurt 
auf dem christlichen Friedhofe zu Heddernheim im Winter 1891/1892 und Sommer 1892 
von Dr. Fritz Quilling. Herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Altertums- 
kunde in Frankfurt a. M. 1894.» 



124 



Die Bürgerliche Niederlassung. 



davon ab, die einzelnen Räume mit Namen zu bezeichnen ; icli will nur einige 
charakteristische davon hervorheben. 




Fig. 19. Grundriß des Kaufhauses. 



Der zwischen den Flügeln B C D und R Q S gelegene Laugbau mit 
seinen Abteilungen ist an der Ostseite mit einem langen Räume abgeschlossen, 
den wir wohl schon der schwachen Fundierung wegen als eine offene Halle 
(Bazar?) ansprechen dürfen. Zur Sommerzeit und an besonderen Markt- 
tagen mögen die Geschäfte zwischen den Römern und Barbaren hier ab- 
geschlossen worden sein; die dahinter liegenden Räume, die zweifellos mit 
der Halle verbunden waren, dienten vermutlich in schlechter Jahreszeit dem 
Verkehre und als Wohnungen für die Händler. Auch werden dort die Waren- 
vorräte gelegen haben. An beiden Räumen G H liegt, in die Quermauer 
eingebaut, ein Steinbrunnen S (vergl. Abschnitt XI. 2 Brunnen Nr. 41). 
Es ist dies an der Saalburg bis jetzt das einzige bekannte Beispiel, daß ein 
Brunnen in einem Gebäude selbst angelegt ist. In Heddernheim und an 
anderen Plätzen des Taunusvorlandes kommt es öfters vor; an ersterem Orte 
ist ein solcher gemauerter Brunnen in einem Keller gefunden worden. Inter- 
essant sind die fünf an der Nordseite den Räumen B, C, D vorgelegten, auf- 
fallend starken Pfeilervorsprünge, die anscheinend den Zweck hatten, an dem 
abfallenden Gelände die Mauer zu verstärken, oder vielleicht eine kleine Vor- 
halle zu tragen. An dekorative Zwecke ist ebensowenig zu denken wie an 
eigentliche Strebepfeiler, die stets ein Gewölbe oder einen Gurtbogen bedingen. 
Von dem Hypocaustum F ist das Fraefurnium erhalten, sowie das mit Basalt- 
keilsteinen gewölbte Schürloch. Die Einteilung der unmittelbar an die Straße 
stoßenden Reste von Holzbauten, die Kanäle und die mit diesen zusammen- 
hängenden Vertiefungen machen es wahrscheinlich, daß hier Stallungen er- 
baut waren. 

Man kann sich auch von diesen einzelne als Schuppen oder andere 
leichte Bauten denken, die zur vorübergehenden Aufnahme von Vieh, das 



Verschiedene Bauten. 125 

dort untergestellt und verhandelt wurde, oder zur Unterbringung von Ge- 
treide dienen sollten. Im Übrigen konnte auf dieser Fläche aus verschiedenen 
Rücksichten noch nicht Alles umgegraben werden, sodaß ein abschließendes 
Urteil zur Zeit nicht gefällt werden kann. Doch erscheint die Annahme 
eines großen Gebäudes für den Handel und Verkehr jetzt schon als hin- 
reichend begründet. 

Die bei Freilegung der Mauern erhobenen Funde sind gering und be- 
weisen, da wenig Brandschutt und kaum Gefäßscherben oder Eisenbeschläge 
zu Tage kamen, daß größere Zerstörungen dort nicht vorgekommen sind, 
sondern daß die Gebäude abgetragen wurden. Die im Hypoccmstum E ge- 
fundenen gestempelten Ziegelplatten tragen gleichmäßig den Stempel der 
XXII. Legion, und zwar den auf Tafel LXXVIII, Nr. 11 abgebildeten Rund- 
stempel mit Halbmond und Stern. Bemerkenswert sind einige dort aus- 
gegrabene Bronzen, u. a. ein sehr schöner, reich verzierter Schlüssel, einige 
Zierscheiben und Gürtelbeschläge, die bei der Beschreibung der Fundstücke 
im Abschnitte XIII berücksichtigt werden sollen. 



5. Verschiedene Bauten. 

Auf Tafel XIII sind alle einigermaßen in ihrem Grundrisse erkenntlichen 
Bauwerke eingetragen (vergl. auch Textfigur 21, a und b), dagegen wurde von 
einer Einzeiclmung derjenigen Fundamentreste Abstand genommen, die über- 
all zerstreut im Boden der Bürgerlichen Niederlassung gefunden wurden und 
deren Zweck oder Zugehörigkeit zu einem Bauwerke nicht ohne Weiteres er- 
klärt werden kann. Diese mit aufzunehmen würde zu weit geführt und die 
Übersichtlichkeit der Zeichnung gestört haben. Im Nachfolgenden will ich 
noch diejenigen Bauten, die von Belaug erscheinen, und von denen auch die 
über den Boden ragenden Mauern mit Cement und Rasen zur Konservierung 
abgedeckt sind, erwähnen: 

a. Bau zwischen Villa und Römerstraße (Tafel XIV, Fig. I und 
Schnitt AB, sowie Tafel XVII). Derselbe liegt weder mit dem Erd- und 
Steinkastell noch mit der Straße parallel und scheint teilweise auf Fundamenten 
zu ruhen, die einer älteren Periode angehören ; er ist rechteckig und hat eine 
Länge von 29,00 m und eine Tiefe von 25,00 m. Der Bau besteht eigentlich 
aus zwei Teilen; der vordere, den man seither als «Langbau» bezeichnete, 
hat fünf Räume, von denen drei (a, c und d) mit Hypokausteu versehen sind, 
— die Einzelheiten ihrer Konstruktion werden später erläutert. Während 
dieser und der rechtwinkelig anstoßende Teil g f nur zu Wohnzwecken ge- 
dient haben, kann dies bei dem hinteren, großen freien Räume D nicht der 
Fall gewesen sein ; im Gegenteil deuten die Funde und Beobachtungen darauf 
hin, daß er zu Wirtschaftszwecken benutzt worden ist. In der nordöstlichen 
Ecke C wurden nicht weit voneinander auf einer Stelle fünf und auf einer 
anderen sieben Hufeisen dicht bei einander liegend erhoben. Bei D war eine 
Basaltsteinplatte von 60 cm im Quadrate und 20 cm Dicke eingemauert, an 



12G ßic Bürj?erliche Niederlassung. 

der ein großer eiserner Ring befestigt war; diese Vorrichtung stimmt ganz 
mit derjenigen überein, die unsere Metzger zum Anbinden des zur Tötung 
bestimmten Schlachtviehes noch lieute benutzen; sie ist im Saalburg-Museum 
aufgestellt. Auch kamen hier außerdem viele Trensen, Ketten und Wagen- 
beschläge vor, sodaß es nicht gewagt ist, an dieser Stelle eine Schlächterei 
mit Stallungen oder, wie wir heute sagen würden, das «Schlachthaus» zu 
vermuten; diesem Zwecke entspricht auch die Lage am Wege inid der in 
der Nähe befindliche große Brunnen Nr. 5. Hier geschah vielleicht auch 
die Rast und der Ausspann der Pferde von Fuhrwerken, welche hier Halt 
machten, nachdem sie die Höhe des Passes erreicht hatten. 

b. Östlich der Römerstraße und parallel mit ihr in der Nähe der 
Brunnen Nr. 24, 31 und 32 liegen die Fundamente eines rechteckigen, 9:14 m 
großen Baues, an den sich ein apsidenartiger Ausbau anschließt. An die 
Nordseite lehnt sich ein Keller an, welcher zu der um das Kastell ziehenden 
Straße parallel liegt. Wozu dieser, mit einer Apsis geschlossene Bau, dessen 
Grundmauern nur oberflächlich hergestellt waren, gedient haben mag, ist 
schwer zu entscheiden; vielleicht war er ein Versammlungslokal, das mit der 
daranstoßenden Schenke verbunden war. Seine Lage vor dem Kastell und 
die vorbeiziehenden Straßen sprechen für diese Möglichkeit. 

c. Weitab vom Kastell, fast 600 m südlich (vergl. Tafel I und die 
Übersichtskarte), etwa in der Gabelung der Römerstraße nach der Wetterau 
(jetzt «Rotlaufsweg» genannt) mit der Hauptstraße nach Heddernheim, 
liegt ein viereckiges Gemäuer, das von Cohausen trotz seiner Größe für 
einen Turm zur Beobachtung der Straßen erklären wollte. Aber gerade seine 
Größe (7,90:6,50 m bei einer Mauerstärke von 0,95 m) läßt diese Vermutung 
bezweifeln. Wenn die Bezeichnung als einfaches Wohnhaus nicht passend 
erscheint, findet vielleicht die Erklärung, es sei eine Kneipe, ein sogenannter 
«letzter Heller» gewesen, mehr Beifall. Besondere Funde sind in diesen ent- 
legenen Mauern nicht gemacht worden. 

d. Andere Mauerreste, bis zu solchen, die Räume von 5:5 und 6:8 m 
einschließen, sind allenthalben gefunden worden. Sie zeigen ihre Spuren so- 
wohl zwischen Pfahlgraben und Kastell, als auch westlich vom Kastelle, in 
der Nähe des Gräberfeldes, und sehr zahlreich im Friedrichsdorfer Walde, 
östlich vom Kastelle, jenseits der Usinger Chaussee. Die eingezeichneten 
Reste sind bei vorläufigen Schürfungen gefunden worden, und es steht zu 
hoffen, daß mit der Zeit das ganze Gebiet bloßgelegt werden kann. Oft 
finden sich in solchen Gebäuden Überreste von Kochplätzen, Feuerstellen 
und aufgemauerten Pfeilern, welche Unterlagen von Tischen und Bänken vor- 
zustellen scheinen. Auf ihnen lagen die nötigen Holzbretter, Einrichtungen, 
wie man sie jetzt noch in Bauernhäusern findet. 

e. Ein Bauwerk der Bürgerlichen Niederlassung, das Neuhof 
1782 ausgraben ließ. Nach den von diesem angegebenen Entfernungsmaßen 
scheint es das Gebäude zu sein, das an dem Graben (einem ausgefahrenen 
Wege), etwa 35 m nördlich vom Gräberbause liegt (Tafel XIII); zusammen- 



Verschiedene Bauten. 127 

hängende Mauern sind noch jetzt vorhanden. Den ausführlichen Bericht 
Neuhofs^^^) führe ich wörthch an, da das Buch sehr selten ist und daraus zu- 
gleich hervorgeht, daß damals noch viel Mauerwerk erhalten war. Es heißt 
bei Neuhof auf Seite 125: 

«Es waren 340 Schritte von dem Kastell Saalburg, wo ich durch meinen Ar- 
beiter von Mitternacht gegen Mittag oben an dem Rain des beschriebenen Grabens 
nachsuchen ließ. Es gelang mir, daß ich gerad auf einen meinen Absichten gemäßen 
guten Fleck kam. Kaum hatte mein Taglöhner, welchen ich schon viele Jahre in 
meinem Dienst gehabt und auf alle Kleinigkeiten durch meinen Unterricht aufmerksam 
gemacht hatte, den Boden aufgehackt, so fand ich schon allerlei Geräthschaften von 
erdenen Töpfen, einige Messerklingen und eine Scheere, hinten mit einer Feder, welche 
den heutigen Woll- oder Schaafscheeren an Gestalt vollkommen gleich ist. Ich über- 
gehe hier das übrige meist in großen Nägeln bestandene und vom Rost stai'k an- 
gefressene Eisenwerk. 

Nachdem ich etwas weiter graben ließ, so gelangte ich an eine Grundmauer, 
und ich ordnete es an, auch über derselben nachzusuchen, wo ich dann alsobald einen 
Schutt von Erde und große Stücke von gebackenen Steinen, folglich, wie man sagt, 
keinen gewachsenen, sondern zusammengefallenen Grund fand, das mich also bewog, 
meine Untersuchung sorgfältig fortzusetzen. Sogleich oben unter dem Schutt kam 
eine ziemlich große Lanze zum Vorschein, die ich unter den schon mehr erhaltenen 
in meiner Sammlung aufbewahre. 

In dem Verfolg wurden viele große zerbrochene Platten von gebackenen Steinen 
entdeckt, und als ich tiefer in die Erde arbeiten ließ, offenbarten sich nach und nach 
verschiedene aus grauen Sandsteinen"*) gehauene Pfeiler oder kleine Pfosten, deren 
ich endlich 28 an der Zahl, alle in einer regelmäßigen Weite gesetzt fand. Die 
Pfeiler sind 20 Zoll hoch und oben und unten 8 im Viereck, in der Mitte aber schmäler. 
Auf diesen Pfeilern lagen die oben beschriebenen Platten, 21 rheinische Zoll groß im 
Viereck, darunter auch viele mit einem Ranft^'^) von einem Zoll hoch eingefaßt, und 
nach den Beschreibungen, die man von anderen Schweisbädern hat, ohne Zweifel ehe- 
dem mit Mörtel oder Kalkspeise begossen und über jene Platte gelegt waren, damit 
der Boden nicht allzuheftig erhitzet und dadurch der Gebrauch zum Gehen oder Sitzen 
verhindert würde. Die Platten waren aber fast alle von der Last des darauf gelegenen 
schweren Schuttes von Erde zerbrochen. Einige erhielt ich noch vollständig, die ich 
dann mit den beschriebenen Pfeilern auf zween vollgeladenen Karren in meine 
Wohnung habe bringen lassen. In eben diesem Schweisbad, welches 12 rheinische 
Schuhe im Viereck groß war, fand ich zugleich bei einem Haufen viele und fast einen 
halben Huth voll von Gyps oder Kalch mit einer Form ordentlich gemachte kleine 
Kugeln, in der Größe wie man sie aus einer Flinte von mittelmäßigem Caliber schießt. 
Ferner zwei Wackensteine beieinanderliegend, welche an dem einen Ende wie Glätt- 
steine glatt abgerieben und also ehedem gebraucht worden. Von beiden, den Kugeln 

"') Hanauisches Magazin, 15. Stück, 1783; 2. Schreiben an Herrn Pfarrer Christ in 
Rodheim. 

"*) V^on solchen Pfeilern aus Sandstein, die sonst wohl vorkommen, ist uns neuer- 
dings auf der Saalburg nichts bekannt geworden. 

"^) Es scheinen Dachziegel gewesen zu sein, die im Allgemeinen an der Saalburg 
selten vorkommen; wenn sie zu anderen Zwecken dienten, sind die Randleisten gewöhn- 
lich abgeschlagen. 



128 I^i© Bürgerliche Niederlassung. 

und jetzt gemeldeten Glättsteinen, ist mir aber ihr Gebrauch bei einem römischen 
Seh weisbade nicht bekannt und ich zeige es daher an, ob mehr Verständige der römi- 
schen Gebräuche mich und vielleicht auch andere darüber belehren können. Das Übrige, 
was ich in diesem zweiten Zimmer an Geräthschaften fand, bestand alles theils aus 
Messing und theils aus Kupfer und gemischtem Metall und nichts aus Eisen. Von 
der ersten Art waren einige dreifingerbreite Beschläge, die ich an der einen Ecke des 
Schweisbades angetroffen, und vielleicht dazu dienten, um die Platten auf der Erde 
zusammenzuhalten. Von der anderen Art waren viele große und kleine Ringe, allerlei 
große und kleine Nägel, etliche Nadeln, etwas länger als ein Zoll, die anstatt einen 
Kopf zu haben, oben artig ineinandergeflochten sind. Weiter bekam ich ein Zänglein 
(Pincette oder rolsella ad evelloidos pilos), dergleichen man in den Bädern gebraucht. 
Endlich ein Stück, das nach seiner vom Meister willkührlich gemachten Gestalt, ein 
auf seinen vorderen Füssen liegendes Thier"") vorstellet. Vornen an den Füssen sind 
zwei Löcher, worinnen vielleicht ein Ring gehangen hat. Am Ende dieses Thieres ist 
ein schmales Eisen mit einem Kamm gleich einem Schlüssel (Schiebeschlüssel; ein- 
geheftet, welcher aber sehr verrostet war. Das ganze Stück wieget 12 Loth l^h Quint 
und ist von feinem Metall. Ich hatte Ursache das jetzt beschriebene Eisen für einen 
Schlüssel zu halten, weil ich in dem nächstfolgenden dritten Zimmer ein viereckiges 
Schloß fand. In dem der Reihe nach folgenden dritten Zimmer gegen der Mittags- 
seite, fand ich weder Pfeiler noch Platten von gebackenen Steinen, obgleich die äußersten 
Wände desselben ziegelfärbig gebrannt waren. Wie aber das, was ich in dem be- 
schriebenen nächst vorhergehenden Zimmer vorgefunden, alles aus Erz oder dem ge- 
mischten Metall bestanden: so war hingegen das, was hier zum Vorschein kam, gleich 
wie in dem ersten Zimmer, alles von Eisenwerk. Ich bekam unter Anderem eine 
eiserne Kette, woran am Ende ein großer Ring ist, die ziemlich lang wäre, wenn sie 
nicht zum Theil unten durch den Rost in einen Klumpen zusammengeschrumpft wäre. 
Dabei befanden sich auch allerlei kleine erdene Töpfe, und halte ich solche für Ueber- 
bleibsel von Gefäßen der wohlriechenden Oele und Salben, wovon ich in meinem 
vorigen Schreiben etwas gemeldet habe. 

Jetzt muß ich wieder zurück nach dem eigentlichen Schweisbad gehen. Nach- 
dem mein Arbeiter solches durchsuchet, so sah ich unten in der Mauer auf der Abend- 
seite einen kleinen gewölbten Bogen, der mir die Oeffnung zum Schierofen oder den 
Platz zeigte, wo man unter den oben beschriebenen Platten das Feuer anmachte, und 
dadurch das darüber befindliche Schweisbad erwärmte. Dieser Vorplatz zum Ofen war 
zehn Schuhe lang und fünf breit und unmittelbar vor desselben Oeffnung lagen unten 
zwei aufeinander mit Kalchspeis oder Gips befestigte gebackene Steinplatten, 16 Zoll 
im Viereck. In dem Vorplatz zum Schierofen wurde eine Rauch- oder Zugröhre von 
gebackenem Stein, 9 Zoll hoch, 6 ','2 breit und 4 Zoll schmal gefunden. Auf den beiden 
Seiten des jetzt gemeldeten Schierloches sind die zwei übrigen Zimmer des beschriebenen 
Schweisbades, davon zum Theil die Grundmauer noch sichtbar sind, welche ich aber 
noch nicht öffnen lassen. Auch hier ist das eine Zimmer gegen Mitternacht, gleich 
dem beschriebenen ersten Zimmer, durch die oben bemeldten alten Graben unvollständig 
gemacht worden ; ich behalte mir aber die fernere Untersuchung desselben auf eine für 
mich schickliche Zeit noch vor. — 

Es sind übrigens noch so viele und weitläufige Grundmauern von Gebäuden in 
dieser Gegend, dass nicht zu zweifeln ist, dass bei fernerem Nachsuchen noch manche 



"«) Vermutlich der Schlüssel Tafel XXXXIV, Nr. 15. 



Verschiedene Bauten. 129 

wichtige Entdeckungen gemacht werden können, wie ich denn viele Trümmer von 
Statuen (die ich aber ohne Zeichnungen nicht wohl beschreiben kann) nebst mehreren 
Steinen von Handmühlen und anderen dergleichen Waaren gefunden habe.» 

Leider hat Neuhof durch den Abbruch und die Entfernung der Stein- 
pfeilerchen gegen seine Gewohnheit wenig im Interesse der Sache gehandelt, 
was noch dadurch verschlimmert wird, daß keine Zeichnungen auf uns ge- 
kommen sind. Daß er ein Bad ausgegraben hat, ist mir unwahrscheinlich, 
es wird ein heizbares Wohnzimmer gewiesen sein; damit fielen auch die Er- 
klärungen Neilhofs über den Zweck der einzelnen Fundstücke. Immerhin 
erkennen wir aber aus seinen Angaben die große Ausdehnung der Lager- 
stadt, und daß selbst noch in der Nähe der Gräberstätte, nach dem äußeren 
Rande der Niederlassung zu, bessere, mit Komfort eingerichtete Gebäude 
bestanden haben. 



JacobI, Das Römerkastell Saalburg. 



130 




Fig. 19 a. Römisches Brandgrab (zu Seite 135 und 136). 



Die Friedhöfe und Gräber. 



(Tafeln XIII, XXII, XXIII und Textfigur 19a.) 



Die Römer pflegten ihre Toten nicht, wie wir jetzt, auf großen, umzäunten 
und abseits gelegenen Friedhöfen zu bestatten, sondern liebten es, die 
Gräber längs der Landstraßen aneinander zu reihen, damit sie dem Vorüber- 
gehenden stets auffielen und so die Erinnerung an die Verstorbenen wach er- 
hielten. Ich verweise nur auf die Gräberstraßen von Pompeji und Rom, vor 
Allem auf die Via Appia. Man hat die Beobachtung gemacht, daß mit der 
Anlage von Begräbnissen gleich vor den Thoren oder den letzten Häusern 
einer Stadt oder einer kleineren Ansiedelung begonnen wurde, sodaß die 
fernsten Gräber im Allgemeinen auch die jüngsten sind. 

An der Saalburg liegen örtlich getrennt von einander zwei Friedhöfe, 
der eine südlich vom Kastelle an der nach Hcddernheim führenden Straße, 
bereits 185G von Hahd entdeckt, der andere, wenige Meter östlich vom Kastelle 
gelegen, wurde erst im Jahre 1884 und zwar zufälhg aufgefunden. Der erstere, 
zugleich auch der jüngere, nimmt ein nach Süden geneigtes, durch Gräben 
und andere in derselben Richtung gezogene Vertiefungen und Mulden ge- 
furchtes Gelände ein, auf dessen höherem Rücken sich die Gräber finden, 
während die in den Furchen gelegenen teilweise zerstört sind. Im Ganzen 
bedeckt die Gräberstätte eine Fläche von mindestens l'/a ha oder 7^« Hom- 
burger Morgen, doch kann nicht bestimmt behauptet werden, daß sich nicht 
auch jenseits der bis jetzt festgesetzten Längen- und Breitenausdehnung Gräber 



Die Friedhöfe und Gräber. 131 

befänden, denn auf der Ostseite kamen solche noch 76 m von der Römer- 
straße entfernt zum Vorschein. 

Der ältere Friedhof hegt etwa 30 m von der Südost-Ecke des Kastells 
entfernt an einer älteren, nach Nordosten ins Ausland führenden Römerstraße; 
auch hier erstrecken sich die Beisetzungsstellen bis dicht an die Straßenkante. 
Es ist kaum zu bezweifeln, daß diese Gräberstätte zu den ersten Anlagen, 
wahrscheinlich zum Erdkastelle gehört hat, denn es ist nicht denkbar, daß 
man in späterer Zeit, nachdem dort das angrenzende Gelände verbaut war, 
unmittelbar bei den Spitzgräben des Steinkastells die Toten bestattet hätte. 
Auch sprechen die Beigaben der dort aufgedeckten 20 Gräber für eine ältere 
Periode. Ob die an derselben Stelle erhobenen Bruchstücke von, dem Jupiter 
Dolichenus gewidmeten, Steinen und von sonstigen Skulpturteilen irgendwie mit 
dem Totenfelde in Verbindung stehen, ist nicht nachzuweisen, denn in dem 
nahe dabeihegenden Brunnen Nr. 7 wurde ebenfalls ein dem Jupiter Dolichenus 
gewidmeter Inschriftstein gefunden (vergleiche den Abschnitt XIII. 2, A, II. 
14 und 15). 

In dem Übersichtsplane Tafel XIII sind die beiden Friedhöfe durch schwarze 
Punkte und durch das Wort «Begräbnisstätte» bezeichnet; Tafel XXII giebt 
den mutmaßlichen Umfang des großen Totenfeldes in einem Maßstabe von 
1 : 800 in rot punktierten Linien wieder; die meisten der bis jetzt untersuchten 
Gräber sind durch rote Punkte bezeichnet. Der Verbrennungsplatz D, die 
ummauerten Gräber A, B, F, G und das Gräberhaus E sind in schwarzer 
Schraffierung dargestellt; auch ist das Letztere in seiner Giebelansicht und in 
seinem Längenschnitte in einem Maßstabe von 1 : 200 wiedergegeben. Auf 
Tafel XXin sind eine Anzahl Gräber in ihren Grundrissen und Schnitten im 
Maßstabe von 1 : 20 und 1 : 40 zusammengestellt. 

Kurz nach der Auffindung des großen Gräberfeldes, 1856, die Hahel erst 
nach vielen Schürfungen gelang, besuchte Dr. J. von Hefner'^^'^) die Saalburg; 
er hat damals seine dabei gewonnenen Eindrücke in der Münchener Zeitung 
vom 12. Dezember 1856 niedergelegt, aus der ich das über die Gräber Ge- 
sagte hier anführe: 

«Merkwürdiger aber als die Ausgrabungen des Kastells sind die in neuester Zeit 
zu beiden Seiten der Straße entdeckten römiscben Grabstätten, deren man bei 50 nebst 
einem Verbrennungsplatze der Leichen (hustum) aufgefunden hat. Man kann nichts 
Interessanteres als diese von ihrer oberen Decke entblößten, mit ihrem reichhaltigen 
Inhalte vor dem Beschauer daliegenden Gräber sehen. Ich muß gestehen, daß mit Aus- 
nahme der Gräberstraße in Pompeji, die ich mit wehmütigen Gefühlen auf- und ab- 
wandelte, kein Überbleibsel des Altertums auf mich einen so ergreifenden Eindruck 
machte, als diese in wenige Quadratschuhe eingezwängten Überreste von Kriegern des 
welterobernden Römervolkes. Die bisher offen gelegten Gräber zeigen durchaus nur den 
Gebrauch des Verbrennens der Leichname. Die Gebeine des Toten befinden sich zum 
Teil, mit der Beigabe einer thönernen Lampe, in einer runden irdenen Urne, um die 
sich Thongefäße, als zum Beispiel Henkelkrüge, worunter manche mit einem Ausgusse 

"^) Vergleiche die «Vorbemerkungen» Seite 12. 

9* 



132 I>ie Friedhöfe und Gräber. 

in Form eines Kleeblattes, Teller, Trinkgeftlße mit eingedrückten Vertiefungen am 
Bauch und dergleichen mehr, ringsum anlehnen. Alle diese Mitgaben sind mit einer 
fettigen, schwarzen Asche, dem Überreste des verbrannten Leichnams, überdeckt.» 

Es scheint, daß in der Zeit, in der die Römer den Limes im Besitze hatten, 
das Verbrennen der Toten Regel, und die Erdbestattung der Leichen nur aus- 
nahmsweise und bei vornehmen Familien gebräuchlich war. An der Saalburg 
wird wohl nur das Erstere der Fall gewesen sein, denn es sind dort bis jetzt 
nur Brand- und nirgends Skelettgräber aufgedeckt worden. In der Nidda- 
und Mainebene sind aus römischer Zeit zwar beide Bestattungsarten nachge- 
wiesen worden, doch war auch hier die Verbrennung allgemein Sitte. In 
Heddernheim-Praunheim fanden sich genau dieselben Brandgräber wie an 
der Saalburg, aber auch Steinsärge mit Skeletten. Es dürfte, ehe ich mit der 
Beschreibung der Gräber an der Saalburg beginne, geboten sein. Einiges 
über die Bestattung der Toten im Altertum vorauszuschicken^^^). 

Bei den Ägyptern und Juden war das Begraben der Toten in der ältesten 
Zeit allgemein und stand im Zusammenhang mit ihren religiösen Anschauungen. 
Die Griechen dagegen kannten schon in ältester Zeit zwei Bestattuugsweisen, 
die ohne Rücksicht auf Rang oder Reichtum des Verstorbenen neben einander 
bestanden: Das Verbrennen, wobei man die Überreste der Leiche in eine 
Urne sammelte und in einer Gruft oder Felsenkammer beisetzte, und das 
Beerdigen, wobei der Leichnam entweder ohne weitere Umhüllung der 
Erde übergeben oder in einem Sarge aus Holz, Thon oder Stein geborgen 
und in einer Grabkammer aufgestellt wurde. Welches die ursprüngüche 
Bestattungsart war, ist schwer zu entscheiden; sicher ist, daß immer — 
bei den Griechen wie bei den Römern — beide Bestattungsgebräuche gleich- 
zeitig geübt wurden. Bei den Letzteren scheint nach den Zeugnissen von 
Plinius und Cicero in den ältesten Zeiten die Sitte des Begrabens vorherrschend 
gewesen zu sein. Plinius sagt: «Das Verbrennen war bei den Römern nicht 
alte Einrichtung, es wurde beerdigt. Aber als man sah, daß in den lang- 
wierigen Kriegen die Begrabenen ausgewühlt wurden, da wurde es eingefülu-t. » 
Nach Flutarch verbietet Numa., seinen Leichnam zu verbrennen; es muß also 
zur Königszeit die Sitt« der Leichenverbrennung schon bestanden haben. 
Einige Jahrhunderte später ist das Verbrennen der Leichen allgemeiner 
Brauch geworden, wie sich aus dem Zwölf-Tafelgesetz schließen läßt, welches 
auch Verbote über allzu großen Luxus bei Verbrennungen enthält. Be- 
stimmungen dieser Art sind z. B. die folgenden: «Du sollst den Scheiter- 
haufen nicht mit der Axt glätten»; «du sollst den Scheiterhaufen nicht mit 



U8J Vergl. u. a. hierüber: 

1. Jacob Grimms Arbeit in den Berichten der Berliner Akademie (1849): «Über 
das Verbrennen der Leichen»; 

2. Dr. Bode, ein Vortrag über «die Frage der Leichenverbrennung». Evangel. 
Gemeindeblatt 1886, Nr. 47 und 48; 

3. «Die antiken Sarkophage». In den «Grenzboten» vom Juni 1890, S. 555; 

4. Marqxiardt, J. «Das Privatleben der Römer». Leipzig 1879. 



Die Friedhöfe und Gräber. X33 

Wein besprengen»; «ein Toter soll in der Stadt weder begraben noch ver- 
brannt werden». 

Noch im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist das Verbrennen 
allgemeine römische Sitte gewesen, denn Tacitus berichtet ausdrücklich darüber, 
doch wurden auch in Rom die Toten noch lange nachher, wenn auch nicht 
mehr allgemein, verbrannt. Bis ins vierte Jahrhundert hinein scheinen Ver- 
brennungen in Italien noch teilweise üblich gewesen, aber bald darnach auf- 
gegeben worden zu sein ; schreibt doch Macrohius, ein Würdenträger am Hofe 
des jüngeren Theodosius, in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts: «die 
Körper der Gestorbenen zu verbrennen, ist nicht mehr Sitte in unserem 
Jahrhundert». 

Von einigen germanischen Volksstämmen wissen wir aus Tacitus und 
durch in unserer Zeit vielfach gemachte Ausgrabungen, daß sie ihre Toten ver- 
brannten, von anderen Völkerschaften ist hingegen nachgewiesen, daß sie 
ihre Toten beerdigten ; beide Bestattungsweisen gingen neben einander her, und 
das Verbrennen hörte erst mit der Verbreitung des Christentums ganz auf, 
doch auch dann nur allmählich, denn Karl der Große mußte noch dagegen 
ankämpfen. 

Die Gebräuche, welche bei der Bestattung von den Römern in ihrer 
Heimat geübt wurden, kennen wir ziemlich genau aus schrifthchen Angaben, 
Abbildungen und den Gräberfunden, besonders diejenigen bei der Bestattung 
von Angehörigen der vornehmeren und reicheren Klassen, die dabei einen 
großen Prunk zu entfalten pflegten. Über die Bestattungsweise der unteren, 
weniger bemittelten Bevölkerung, die für die Saalburg vielleicht allein in Frage 
kommt, sind wir weniger gut unterrichtet und daher im Wesentlichen auf 
die Ergebnisse der Ausgrabungen angewiesen. Nach den zu Tage geförderten 
Beigaben zu schließen, haben die Römer in der Fremde das Ritual der 
Heimat beibehalten, allerdings in schhchterer Art; auch mag dasselbe durch 
die germanischen Hilfskohorten und die sonstigen Bewohner, die sich an der Saal- 
burg aus verschiedenen Volksstämmen zusammensetzten, beeinflußt worden sein 
und der Totenkultus sich allmählich geändert haben ; wenigstens weichen die ent- 
fernteren — die Gräber der hintersten Reihen — von den nächst der Straße 
gelegenen etwas ab, sie sind weit einfacher und haben weniger Beigaben. 

Habel hat von 1856 bis 1862 etwa 100 Gräber öffnen lassen, seit 1871 
sind weitere 150 aufgedeckt worden, sodaß, abgesehen von denjenigen, die 
Neiüiof im vorigen Jahrhundert aufgegraben hat^^^), bis heute die Gesamt- 
zahl der untersuchten Gräber sich auf mindestens 250 belaufen dürfte. Die 



"9) Bei diesen Untersuchungen NeuJiofs, die in den siebziger Jahren des vorigen 
Jahrhunderts stattfanden, sind nicht allein ähnliche Ergebnisse erzielt worden, sondern es 
wurden dabei noch einige andere Beobachtungen gemacht, die von allgemeinem Interesse 
sein dürften; ich lasse sie daher, mit Weglassung von einigem Nebensächlichen, aus seinen 
schon öfters angeführten «Nachrichten» hier wörtlich folgen: «Alle Gräber, welche ich habe 
aufgraben lassen, waren drey auch vier Schuh tief und mit schwarzer, von einem ehe- 
maligen Brand zeugender fetter Erde angefüllet, die übrige Erde, die sie umgab, war 



134 ^ie Friedhöfe und Gräber. 

von Hahel in seinen Fundberichten gegebenen Notizen stimmen mit den von 
A. von Cohausen und mir gemachten Beobachtungen überein; aus diesem 
Grunde kann ich auf eine gesonderte Mitteilung der einzelnen Ergebnisse 
verzichten. 

Im Allgemeinen hat man den Eindruck, als ob die in Reihen liegen- 
den Gräber den gemeinen Soldaten oder der ärmeren Bevölkerung angehört 
hätten und diejenigen, die eine Umrahmung oder Ummauerung hatten, die 
Überreste von Offizieren und reicheren Leuten enthielten. Es scheint, daß 
die Leichen auf einem Brette oder, nach den in den Gräbern gefundenen eisernen 
Nägeln und Beschlägen zu schließen, in einem Bretterkasten auf den Scheiter- 
haufen, welcher auf dem allgemeinen Verbrennungsplatze (iistrina) aufgeschichtet 
war, gebracht und dann den Flammen übergeben worden sind. 

Eine solche Ustrina fand sich auf der Westseite der Straße, fast genau 
in der Achse des Gräberhauses; es war ein erhabener, in Bruchsteinen funda- 
mentierter und mit solchen umstellter Platz von 6 m im Quadrat, von dem 
Hobel sagt, er sei mit Ziegeln geplättet, sogar mit ähnlichen Vorrichtungen 
wie die Hypokausten versehen gewesen, und in seiner Mitte habe sich ein 
1,25 m messender Herd oder Plattenbelag befunden. Die Stelle ist heute 
noch erkennbar. Leider enthalten die Aufzeichnungen Hahels, der diesen 
Platz ausgegraben hat, keine Zeichnung oder ausführliche Beschreibung. So- 
viel aus den erhaltenen Überresten hervorgeht, war die Heizvorrichtung nicht 
in der vollkommenen Weise, wie wir sie von den römischen Hypokausten 



ein auch mehrere Schuhe tief, hart und ziegelfarbig gebrannt, jenachdem bey ein oder 
dem andern Grabe das Feuer etaerker oder geringer war. In allen waren Trümmer von 
Urnen, Knochen, grün oder weißes Glas, von allerlei Gestalt, Naegeln und anderes Eisen- 
werk, Kohlen, vermoderte und in grünen Vitriol verwandelte Münzen, Schaalen und 
Schüsseln, von einer zarten rothen Erde, und feiner glänzenden Glasur (Terra sigillata), 
dergleichen auch der Herr Pater Fuchs bey Gonzenheim ohnweit Maynz in großer Menge 
angetroffen hat. — In einem über vier Schuhe tiefen Begraebuiß unmittelbar neben einer 
starken Mauer, waren verschiedene Stücker von irdenen Toden-Krügen, alle mit einem 
Ohr, und darunter insonderheit ein Krug, welcher nach den Stückern und dem starken 
Ohr zu urtheilen außerordentlich groß gewesen. Dabey lagen viele Knochen und acht aus 
corinthischem Metall (Bronze) niedlich gearbeitete Baender und Beschlaege, die an ihren 
Enden noch die kleinen Naegeln oder Stiften haben, womit vermuthlich die Ecken eines 
ehemaligen Kaestchens beschlagen gewesen. Dann die Roemer hatten überhaupt die Ge- 
wohnheit, dasjenige, was dem V^ erstorbenen im Leben vorzüglich angenehm gewesen, nebst 
seinen Waffen oder sonst erlangten Sieges-Zeichen, auch andere Kostbarkeiten mit in das 
Feuer zu werfen. Hier bekam ich ferner einen Spieß oder Lanze und unter andern den 
groeßten Theil einer Schaale, von oben beschriebener, fein glassurten rothen Erde. In 
derselben ist ein Cirkel und darinnen mit einem Stempel eine Schrift abgedrückt. — Auf 
einer anderen dergleichen Schale stehet der Name Urbanius, welches vermuthlich der Name 
des Toepfers war. Unten auf dem Boden des Grabes lag ein großer platter "Waldstein, 
und darauf ein ziemlicher Haufen Kohlen. Das Grab war übrigens oben mit rauhen Wald- 
steinen bedecket. Auf der anderen Seite des Weges, diesem jetzt beschriebenen Grabe 
gerade gegenüber, war ein anderes Grab, wo ich außer den gewoehnlichen vielen Trümmern 
von Urnen etc. zwey Münzen fände. Die eine davon ist von dem bekannten gemischten 
Erze und mit dem bey den Roemern gewoehnlich gewesenen Erugine grün überzogen, von 



Die Friedhöfe und Gräber. I35 

kennen, vorhanden. Eine Leichenverbrennung muß übrigens viel Holz er- 
fordert haben, was aber bei dem großen Waldbestande des Taunus nicht 
von Bedeutung war. Aus dem Befunde der Gräber geht hervor, daß man, 
nachdem das Holz des Scheiterhaufens mit der Leiche verbrannt war, die 
kalcinierten Knochenreste zusammenscharrte und in Teller und Schüsseln 
oder auf ein Gefäßbruchstück, seltener in eine Urne, sehr oft auch nur auf 
den Boden selbst schüttete. Gewöhnlich wurden sie in eine viereckige oder 
unregelmäßige Grube (Tafel XXIII) von 20 — 70 cm Seitenlänge und in einer 
Tiefe von 0,60 bis 1 m beigesetzt. Sie waren vielfach mit Bruchstein- 
oder Ziegelplatten umstellt oder einfach in die Erde eingegraben. Die diesem 
Abschnitte vorgesetzte Abbildung, Textfigur 19 a, stellt ein solches, an der 
Saalburg gefundenes Grab dar. Einzelne der Gräber waren mit einer 
Quarzitplatte zugelegt. Die Asche wurde mit einem Teller oder auch nur 
mit einer Scherbe oder einem Steine bedeckt und um sie herum ein oder 
mehrere bauchige Krüglein von der Form Tafel XXVIII, Nr. 3 — 8 und 
einige andere Gefäße oder Bruchstücke von solchen gelegt oder gestellt. 
Wahrscheinlich enthielten die Krüge ein Getränk — Wein, Meth, Bier 
[vinum, temetum, cerevisia, sicera) — ; gewiß hatten die Soldaten, obschon uns 
hierüber nichts berichtet wird, außer dem teuren, aus Gallien zu beziehenden 
Wein noch ein anderes billigeres, die Stimmung hebendes Getränk, das man 
aus Honig, Malz u. s. w. bereitete. Die Krüge sind meist wohlerhalten, 
während die anderen Gefäße durchgängig nur noch in Bruchstücken vor- 



dem Brand aber so verdorben, daß man überhaupt nur einen Kopf, sonsten aber keine 
Schrift darauf entdecken kann. Die andere ist eine silberne Münze von Septimius Severus. 

Die Roemer pflegten ihren Toden ein oder mehrere Stücker Geld in den Mund zu 
stecken, welches dem Charon für die Fracht, die Verstorbenen über den Fluß Stix nach 
den elyseeyschen Feldern zu fahren, bestimmet wurde. Dieses Grab war vier Schuhe lang 
und zwey und einen halben Schuh breit, und darinnen von den andern Begraebnüssen 
unterschieden, daß dessen Boden nach der Größe des Grabes, mit dicken 9 Zoll im Quadrat, 
großen gebackenen Steinen beleget gewesen. 

In einem etwas weiter von hier entfernten Grabe, bekam ich endlich einen mit 
Asche und Sand zum Teil angefüllten ganzen Toden-Krug von Toepfer-Thon. Neben dem- 
selben lagen noch Stücker von andern dergleichen Krügen, und, wie gewoehnlich, viele 
Naegeln und Trümmern von feinem grünen Glase, von mancherley Gestalt etc. etc.» 

Neuhof spricht von «hart und ziegelfarbig gebrannter Erde», die einzelne Gräber 
umgab, was auf ein starkes Feuer hinweist und vermuten läßt, daß außer auf dem Ver- 
brennungsplatze auch am offenen Grabe selbst Leichen verbrannt worden sind. Wenn 
nun auch in neuerer Zeit derartige Gräber nicht aufgedeckt wurden, so ist doch an der 
Richtigkeit der Beobachtungen Neuhofs kaum zu zweifeln und würden sich gewiß auch 
jetzt noch auf dem umfangreichen Totenfelde solche Gräber finden lassen. Ein Grab, in 
welchem der Tote verbrannt ist, heißt biistum. Marquardt (Das Privatleben der Römer) 
sagt über diese Bestattungsweise: «Sollte für einen einzelnen Leichnam ein neues einfaches 
Grab errichtet werden, so grub man eine Grube von etwa 1 m Tiefe, schichtete in derselben, 
oder, wenn ihr Umfang dazu nicht ausreichte, über derselben den Holzstoß auf, dessen 
verbrannte Kohlen schließlich mit den Resten des Todten in die Grube fielen, sonderte 
dann die Gebeine des Todten aus, legte sie in eine Urne und setzte diese mitten in die 
Asche, worauf man die Grube mit Erde zuwarf und darüber einen Timulus erhob». 



136 IMe Friedhöfe und Graber. 

banden sind; sie enthielten wohl, wenn auch nur symbolisch angedeutet, 
Speisen in kleinen Quantitäten. Derartige Beigaben entspringen dem Glauben, 
daß das Grab nur eine Wohnung sei, in welcher der Tote sein Leben in 
Ruhe fortsetze. In einem römischen Grabe bei Mainz fand man die durch 
den Kalksinter deutlich erhaltenen Spuren eines Fisches, in einem anderen 
bei Heddernheim die eines ganzen Kaninchens. Wenn die Krügelchen mit 
Erde angefüllt sind, so ist das Zufall, sie sind meistens leer und dann auch 
gut erhalten; ist Ersteres der Fall, so rührt dies daher, daß die Öffnung 
nicht geschlossen war und die durch den Regen aufgeweichte Erde in sie 
eindrang und sie allmählich bis zum Rande füllte. Die Bezeichnung 
«Aschenkrügelchen» ist deshalb ebenso unrichtig wie «Thränenkrüge». Alle 
in den Gräbern gefundenen Gefäße sind nicht besonders für den Totenkultus 
angefertigt, sondern wurden wahrscheinlich dem Nachlasse des Verstorbenen 
entnommen und weichen weder in der Form noch in dem Materiale von den 
in den Wohnstätten ausgegrabenen ab. Zwischen diesen Gefäßen findet sich 
noch allerhand Kleingeräte, z. B. Nägel — manchmal 10 — 12 Stück — zum 
Teile so verbogen, daß man auf einen früheren Gebrauch schließen muß, 
ferner Kastenbänder, Haken, Schloßteile und Schlüssel zu Schiebeschlössern, 
fast immer eine sehr verwitterte und selten bestimmbare Bronzemünze, eine 
Bronzefibula oder eine Glasgemme; auch fanden sich zuweilen einige eiserne 
Lanzenspitzen und Hufeisen (Textfigur 19a). Es ist auffallend, daß sich in 
vielen Gräbern Glasscherben oder ein Stückchen Glas — selbst flaches Fenster- 
glas — und nur selten ganze Fläschchen gefunden haben, eine Beobachtung, 
die man mit derselben Bestimmtheit und Regelmäßigkeit auch in den 
Gräbern am Bahnhofe zu Bad-Nauheim gemacht hat^^°). 

Nachdem diese Gegenstände (vielleicht von der Hand der Kameraden) 
eingelegt waren, wurde das Grab mit einer rohen Steinplatte (Tafel XXIII, 
Fig. IIa) bedeckt, oder, wie Figur A^II und VIII zeigen, mit Steinen gestückt 
oder nur mit Erde überschüttet. 

Auf vielen Gräbern lag ein Waldstein, der aber meist von Erde über- 
deckt war. Man hat deshalb auf den bis jetzt ausgehobenen Gräbern einen 
spitzen Quarzitstein gestellt, um zu zeigen, daß das Grab bereits untersucht ist. 

Tafel XXIII zeigt Grundrisse und Querschnitte der bemerkenswertesten 
Gräber, wie sie an der Saalburg vorkommen. Fig. II und IIa stellen ein Grab 
dar, welches mit Waldsteinen unregelmäßig upnsetzt war und in dem sich 
nur Aschenreste und Knochen fanden. Dicht dabei lag ein durch Ziegel 
umschlossenes Gräbchen (b), wahrscheinlich ein Kindergrab. Fig. IV zeigt 
gleichfalls ein mit Ziegeln umstelltes, Fig. V ein quadratisch in den Boden 
eingeschnittenes Grab mit zwei Krügelchen und Urnenresten, Fig. III eine 
sehr häufig vorkommende Art, bei der nur die Knochenreste, Asche und 
Beigaben 50 — 70 cm tief in den Boden eingesenkt sind. Fig. VH stellt ein 
dreifach zusammengekuppeltes Grab dar, das mit Waldsteinen umstellt ist, 



"0) Vergl. Nassauer Annalen XIV, S. 417. 



Die Friedhöfe und Gräber, 137 

wobei, wie aus dem Schnitte E— F hervorgeht, die Tiefenlage eine verschiedene 
ist. Es mögen dort die Überreste von drei zusammengehörigen Famihen- 
mitghedern nacheinander beigesetzt worden sein. Solche nachträgliche Bei- 
setzungen finden sich auch bei vorgeschichtlichen Gräbern. 

Wenige Meter vor der Front des Gräberhauses, zwischen ihm und dem 
Verbrennungsplatze, befindet sich ein Grab, das jetzt mit einem großen Quarzit- 
block bezeichnet ist und wohl das zwanzigfache der Asche eines gewöhnlichen 
Grabes enthielt. Es war nicht von Steinen eingefaßt und barg von Bei- 
gaben weiter nichts als eine Gemme von Glasfluß; es dürfte ein Massengrab 
von in einem Kampfe gefallenen Soldaten sein. 

Dies ist im Allgemeinen die Beschaffenheit der gewöhnlichen Gräber, 
deren sich, wo sie am dichtesten liegen, etwa 11 auf 24 und 13 auf 30 qm 
finden, die aber oft auch kaum 1 m Abstand von einander haben. Es zeigen 
sich streckenweise geradlinige Reihen und dann wieder unregelmäßige. Viele 
sind durch die alten Hohlwege und Wasserabflüsse zerstört. 

Außer diesen einfachen Gräbern finden sich auf beiden Seiten der Straße 
andere, die mit Mauern oder Steinrahmen umschlossen sind. Mit einer Gruppe 
solcher Gräber beginnt der Friedhof auf seiner Nordwestecke (Tafel XXII, A 
und B und Tafel XXHI, Fig. I). Die dort aufgedeckten 33 Gräber, die 
hinter- und nebeneinander lagen und in den geebneten Boden eingegraben 
waren, sind mit Mauern, von denen die Langseiten mit der Römerstraße fast 
parallel laufen und nicht über den Boden ragten, umschlossen. Die meisten 
dieser Gräber hatten außer Gefäßresten als Beigaben Thonlämpchen, deren 
eines den Stempel Cerialis trug. Eine besondere Abdeckung der Einzel- 
gräber fand sich nicht, dagegen waren die Räume, die eine lichte Breite von 
1,60 bis 4 m hatten, mit Totenasche, die mit Eichen- und Lindenkohlen 
vermischt war, fast einen Meter hoch ausgefüllt; darüber lag eine Schicht 
Waldboden, der auch zugleich die Mauern überdeckte. In dem größeren 
Räume, bei a, wurde ein reicheres Grab aufgedeckt, das ein merkwürdiges 
Schwert mit Widerhaken enthielt, welches auf Tafel XXXIX, Nr, 1, ab- 
gebildet ist und bei den Fundstücken näher besprochen werden wird. Auf 
Tafel XXin, Fig. I, ist dieses Grab in größerem Maßstabe besonders dar- 
gestellt; ein behauener Vilbeler Sandstein von 50 cm im Quadrat und 31 cm 
Höhe (Fig. la) bedeckte das Schwert, die Knochenreste und die Asche; das 
Erstere lag diagonal unter dem Steine, mit seiner Spitze nach Nordosten ge- 
richtet; auch fanden sich daselbst zwei gut erhaltene Silbermünzen, von Sahina 
und Julia Maesa. Nördlich neben dem Steine lagen in der Asche ein Henkel- 
krügelchen von Terra sigillata (Taf. XXIX, Nr. 9), sowie vier Lämpchen aus 
gewöhnlichem Thon (Tafel XXVIII, Nr, 11—14). Unmittelbar dabei fand 
sich ein von Condollius Marcus dem Jupiter gewidmeter Votivaltar^^^) in 
Form eines Säulchens (vergl, Tafel XXIV, Nr. 2, und Abschnitt XIH. 2, 



121) Vergl. Prof. Dr. J. Becker, Römische Inschriften von der Saalburg, Nass. 
Annalen 1874. 



138 Die Friedhöfe und Gräber. 

A. II. 12). Der Stein stand aufrecht, wie es scheint noch an seiner ursprüng- 
lichen Stelle, er war in Mörtel versetzt, ringsherum mit Steinen umlegt und 
mit Erde zugeschüttet, sodaß man bei seiner Aufgrabung den Eindruck ge- 
wann, als sei er absichtlich verborgen worden, um dieses Denkmal vor der 
Zerstörung der Barbaren zu schützen. Ferner stieß man daselbst auf drei 
größere Bruchstücke eines dem Merkur geweihten Altars (vergl. Tafel XXIV, 
Nr. 5 und Abschnitt XIII, 2, A. II. 18), sowie auf das, einen Widderkopf 
darstellende Bruchstück (Tafel XXVI, Nr. 3), welches wie jener ebenfalls aus 
Vilbeler Sandstein gearbeitet ist. In dem angrenzenden, ummauerten Grabe B 
lag der auf Tafel XXXXIV, Nr. 18 abgebildete Schlüssel mit Eisenbart 
und Bronzegriff. Da sich auch in der Asche einiger anderer Gräber Schlüsse 
fanden, wird man unwillkürlich an die heute übliche Redensart «den Schlüssel 
aufs Grab legen» erinnert, welche bedeutet, daß man weder das Soll noch 
das Haben des Verstorbenen übernehmen wolle. 

Von den an der Ostseite gelegenen, mit Mauern umschlossenen Gräbern 
will ich die auf Tafel XXII bei E, F und G eingezeichneten kurz besprechen : 
Von der Grabeinftissung F ist ein kleiner Teil zerstört, die Reste lassen ein 
Quadrat von 2,77 m lichter Weite mit 1 m starken Mauern voraussetzen. 
Im Boden standen zwei Urnen (Taf. XXVIII, Nr. 19 und 21) 1,40 m von 
einander, die eine mit vier Henkelkrügen von der Form Tafel XXVIII, Nr. 3, 
4 und 5 umstellt. Aus dem Umstände, daß sie tiefer lagen als das Funda- 
ment der Einschließung, folgerte Habet, daß die Bestattung in diesem Räume 
später als die Herstellung der Ummauerung erfolgt sei; doch kann es auch 
anders gewesen sein, da die Letztere, die ja keine Last zu tragen hatte, nicht 
die Grabtiefe zu haben brauchte. 

Einige Schritte nördlich daneben lag in derselben Gräberreihe ein Hau- 
steinfragment (Tafel XXII, F), das als die Hälfte einer quadratischen Thür- 
oder Fenster-Umkleidung angesehen werden kann und möglicherweise einem 
sepulkralen Zwecke gedient hat. Eine ähnliche Einfassung umschließt ein 
Grab (Tafel XXIII, Fig. VI), das der Beigaben wegen — kleine Urne und 
Spielzeug, Hahn aus Thon — wahrscheinlich als Kindergrab anzusprechen ist. 

An dem südlichen Ende des Friedhofes wurde im Mai 1873 eine runde, 
einer Brunneneinfassung ähnliche Ummauerung von 1,40 m Durchmesser ge- 
funden (Tafel XXIII, Fig. VIII und Schnitt E-F), in welcher drei Gräber 
lagen. Das eine derselben enthielt in einem Teller aus Terra sigillata (Tafel 
XXIX, Nr. 14), welcher mit einem ebensolchen zugedeckt war, Asche und 
Knochenstücke, Beigegeben waren außer den gewöhnhchen Henkelkrügen, 
Scherben und Nägeln ein Paar ziemlich gut erhaltene Kastenbänder und eine 
Lanzenspitze. Das Innere war mit Steinen ausgelegt und das Ganze mit Erde 
überdeckt, woraus sich ergeben dürfte, daß diese Ummauerung nicht über die 
Erde ragte, sondern nur den Zweck hatte, das Grab besonders auszuzeichnen. 

Im Allgemeinen kann man sagen, daß die Gräber keine KjiegswafFen, 
sondern nur einige Jagdgeräte, selten Frauenschmuck, überhaupt nur sehr 
wenige Gewandnadeln, Gürtel haken und Schnallen enthielten; dagegen fand 



Die Friedhöfe und Gräber. 139 

sich fast in jedem Grabe eine Bronzemünze, nur selten eine Silbermünze und 
selbst dann in der Regel eine «gefütterte» ; man scheint es vermieden zu 
haben, bessere Münzen mitzugeben. Die Schloßteile und Kastenbänder — 
zum Teil von Bronze — , die man auch anderwärts häufig in römischen 
Gräbern fand, lassen auf den Gebrauch schließen, eine Kassette oder der- 
gleichen mitzugeben ; was sie enthielt, muß vergänglicher Natur gewesen sein. 
Die Knochenreste, 6 — 7 cm groß, darunter Schädelstücke, sind durch den 
Brand weiß geworden; Tierknochen kommen in Gräbern nur selten vor und 
stammen wohl von den beigegebenen Speisen. Grabsteine, welche in Mainz 
selbst für gemeine Soldaten so häufig errichtet wurden, haben sich hier nicht 
gefunden. 

Schon oben ist mehrfach von dem Gräberhause die Rede ge 
wesen, wenigstens ist es dem Namen nach erwähnt worden; ehe ich aber 
darüber, d. h. über das wiedererrichtete Gebäude spreche, will ich hier 
Einiges über die dort gefundenen Reste des früheren römischen Bauwerkes 
vorausschicken. 

Etwa 19 m von der Achse der Römerstraße (Tafel XXII, E) und parallel 
mit ihr fanden sich Im hohe und 0,65 m dicke Mauern von einem 7,20 m 
breiten und 8,20 m laugen Bau. Die nach der Straße liegende Frontseite 
zeigte eine Thüröffnung. Brandschutt fand sich auf dem geebneten Fuß- 
boden nicht, auch keine Gefäßscherben, sondern nur wenig Asche und einige 
eiserne Nägel. Die Lage des Baues, inmitten des Gräberfeldes und fast genau 
der als Verbrenn ungsplatz (ustrina) angenommenen Anlage gegenüber, Heß 
vermuten, daß dieses Gebäude mit dem Friedhofe in Zusammenhang gestanden 
oder sakralen Zwecken gedient habe. Ich glaube nicht fehl zu gehen, in dem- 
selben einen Bau zu erbücken, der zur Aufbahrung der Leichen bestimmt 
war, ein «Leichenhaus», wie wir jetzt sagen. Die Gründe, die für diese An- 
nahme sprechen, sind kurz folgende. In friedlichen Zeiten wurden auf 
der Saalburg die Verstorbenen wohl schwerHch sofort nach Eintritt des Todes 
verbrannt und beigesetzt; ein solches Verfahren konnte nicht so ohne Weiteres 
erfolgen, denn die Vorbereitungen zu der Verbrennung und die Formalitäten er- 
forderten Zeit. In Rom wurde nach Marquardt zwischen Tod und Bestattung 
eine Frist bis zu etwa 8 Tagen und je nach der Stellung des Verstorbenen 
selbst eine noch längere eingehalten. Abgesehen davon, daß die Römer, wie 
schon oben bemerkt, ihre heimischen Sitten und Gebräuche bei der Toten- 
bestattung auch fern von der Heimat einigermaßen beibehalten haben dürften, 
scheint mir, auch wenn nur zwei oder drei Tage bis zur Beisetzung vergingen, 
doch ein Raum zur Aufbahrung der Leichen nötig gewesen zu sein. Und ferner 
ist schon aus sanitären Gründen anzunehmen , daß der in einem Zelte, 
einer Baracke oder einer sonstigen gemeinsamen Wohnstätte Verstorbene in 
dem von Menschen bewohnten Räume nicht verbleiben konnte. Es liegt 
deshalb der Gedanke sehr nahe, in dem besagten Baue, den wir jetzt als 
«Gräberhaus» bezeichnen, die Stätte zu suchen, wohin der Leichnam nach 
Eintritt des Todes sofort auf einer bereit stehenden Bahre, einem Brette oder 



140 Die Friedhöfe und Gräber. 

Kasten (sandapila) gebracht wurde, und wo er so lange verblieb, bis er 
auf den Scheiterhaufen überführt wurde. 

Als 1872 die Ausgrabungen an der Saalburg begannen und viele Gräber 
aufgedeckt wurden, erwog man, wie diese Gräber zu erhalten seien. Jedes 
Einzelgrab zu schützen und unter Schloß und Riegel zu legen, hatte große 
Schwierigkeiten, und so fand der Vorschlag, die inmitten des Gräberfeldes ge- 
legenen Mauern wieder aufzurichten, damit einen gedeckten Raum für die 
ausgehobenen Gräber zu schaffen und sie so vor Zerstörung zu schützen, den 
Beifall und die lebhafte Unterstützung des in Homburg damals bestehenden 
Saalburg- Vereins. Dieser stellte auch die nötigen Mittel bereit, sodaß schon 
1872 der Bau (Tafel XXII) eingeweiht werden konnte. Hierauf beziehen sich 
auch die von dem bekannten und verdienten Altertumsforscher Professor Dr. 
/. Becker in Frankfurt a. M. verfaßten Inschriften, wovon die eine über der 
Thür an der Außenseite, die andere an der Rückwand im Inneren angebracht 
ist. Die äußere lautet: 

H VNC . LOCVM . MONVMENTVM • DIIS • MANIBVS • 

CONSACRAVERVNT • CIVES • TAVNENSES • 

MDCCCLXXII. 

«Diesen Ort widmeten Bürger vom Taunus im Jahre 1872 zum Male 
der Erinnerung an die Abgeschiedenen.» 
Die innere lautet: 

DIIS . MANIBVS . ET • MEMORIAE • AE TERN AE • MILITVM • OLIM 
ROMANORVM • IMPRIMIS . LEGION VM • VIII-AVGVSTAE • ET • XXII 
PRIMIGENI AE • PI AE • FIDELIS • ET • COHORTIVM • I IT ALICAE • Ol VI VM 
ROMANORVM • VOLVNTARIORVM • ET II RAETORVM . CIVIVM 
ROMANORVM • ET • IUI • VINDELICORVM • QVI • HOC • CASTELLVM 
ARTAVNVM • QVOD • GERMANICVS • CAESAR • SVPER • VESTIGIA 
PRAESIDII . AB . NERONE • CLAVDIO • DRVSO • GERMANICO • PATRE 
SALTV- TAVNENSI • PATEFACTO • CHATTIS • DOMANDIS • COMMVNITI 
ANNO • POST . CHRIST VM • NATVM • XV-IN-IVGO-MONTIS-POSVERAT 
PER . SAECVLA . PLVS • MINVS • DVO • SEMIS • AB • HOSTIVM • EX- 
CVRSIONIBVS . FORTITER • TVEBANTVR. 

«Zum immerwährenden Gedächtnisse an die w-eiland römischen Sol- 
daten, insbesondere von der 8. Legion, der augustischen, und von der 22., 
der erstgeworbenen, ergebenen, getreuen, und von der 1. italischen Kohorte 
römischer Freiwilligen, von der 2. mit dem römischen Bürgerrecht be- 
schenkten rätischen, von der 4. vindelicischen, welche dieses Kastell Ar- 
taunum, das Germanicus Caesar über den Trümmern des von seinem 
Vater Nero Claudius Drusus Germanicus, nach Erschließung des Taunen- 
sischen Waldgebirges zur Bezwingung der Chatten errichteten Schanz- 
werkes, im Jahre 15 nach Christi Geburt auf dem Kamme des Gebirges 



Die Friedhöfe und Gräber. 141 

hatte anlegen lassen, etwa 250 Jahre lang gegen die Angriffe der Feinde 
tapfer behaupteten ^ ^^). » 

In dem Gräberhause sieht der Beschauer zu seinen Füßen etwa 40 Gräber 
in derjenigen Aufstellung, wie man sie unter dem Waldrasen fand, aus- 
gestattet mit ihren Beigaben und umschlossen von Steinplatten, von denen 
nur die obere Decke fehlt ^^^). Um auch diese darzustellen, wurde an der 
Rückwand des Gebäudes eine Reihe von Gräbern so aufgestellt, daß man 
sie im Profil sieht. Auf Tragsteinen stehen sonstige hier aufgefundene Ge- 
fäße (ähnlich wie in einem Columbarium). An der Außenseite des Gebäudes 
wurde Unks vom Beschauer die Kopie eines jetzt im Homburger Saalburg- 
Museum aufbewahrten Votivsteins des C. Mogillonius Priscanus (vergleiche 
Tafel XXIV, Nr. 4 und den Abschnitt XIII. 2, A. II. 10) eingemauert. Rechts 
davon waren seither, wie auch die Abbildung des Gräberhauses auf Taf. XXII 
noch zeigt, Bruchstücke von einem Merkur- Altar (Tafel XXIV, Nr. 5) in die 
Mauer eingelassen, die jetzt im Saalburg- Museum aufbewahrt sind. An 
dieser Stelle wurde am 17. April 1896, dem 84. Geburtstage des am 2. Dezember 
1894 verstorbenen Königl. Konservators und Obersten a. D. Ä. von Cohausen, 
in dankbarer Erinnerung an dessen Verdienste um die Erforschung der Saal- 
burg von Freunden und Verehrern ein Denkstein in Form eines römischen 
Grabmals eingesetzt, der folgende, von Herrn Dr. Ritterling in Wiesbaden 
verfaßte lateinische Inschrift trägt: 

IN MEMORIAM 
AVGVSTI DE COHAYSEN 

PRAEFECTI FABRVM. 

MONVMENTORVM PATRI 

ORVM INVESTIGATORIS IN 

DEFESSI . ANNOR VM LXXXII • 

STIPENDIORVM LVHI-QVI 

LIMITI IMPERII ROMANI 

GERMANICO EXPLORANDO 

SVMMAM NAVAVIT OPE 

RAM . IMPRIMIS MERITVS 

DE CASTELLO ROMANO 

HVIVS LOCI EFFODIENDO- 

AMICI PRO PIETATE P0S\5iRV]Sr . 

MDCCCLXXXXVI. 

«Zum Andenken an den Ingenieur-Obersten August von Cohausen, den 
unermüdlichen Erforscher vaterländischer Denkmäler. Im Alter von 82 Jahren, 
von denen er 58 im Dienste des Vaterlandes verbracht hatte, verschieden. 



1S2) Vergl. hierzu Seite 55 und Anmerkung 70. 

1*') Auch sind einige der Saalburggräber genau so, wie sie sich an Ort und Stelle 
fanden, im Saalburg-Museum aufgestellt worden. 



142 I>ie Friedhöfe und Gräber. 

hatte er seine ganze Tbätigkeit auf die Erforschung des römischen Grenz- 
walles in Deutschland verwandt und sich besonders um die Ausgrabung dieses 
römischen Kastells verdient gemacht. Aus Anhänglichkeit setzten ihm seine 
Freunde dieses Denkmal im Jahre 1896.» 

Die Gitterthür des Gräberhauses ist einer bei Mainz gefundenen Thür 
aus Bronze nachgebildet, welche das Museum in Wiesbaden bewahrt. Sie 
ist mit einem rekonstruierten römischen Schiebeschloß versehen. Das Dach 
ist mit Ziegeln, die nach antikem Muster in der Thonwarenfabrik von Riegel- 
mann auf der Fechenmühle bei Hanau hergestellt sind, in römischer Art ge- 
deckt, vergl. Tafel XX, Nr. 1. Die Ziegel tragen den Stempel CT {Cives 
Taunenses). 



143 



XI. 

Technische Ergebnisse. 



1. AUgemeines. 

In seinem Buche «Die Antonine» sagt Graf Champagny^^*): «Kein Volk 
ist in dem Kriege mehr Architekt gewesen als die Kömer. Ihre Wacht- 
gebäude waren Festungen, und ihre Lager sind Städte geworden, sie kämpften 
mit der Maurerkelle ebenso wie mit dem Schwerte.» Diese Worte des fran- 
zösischen Gelehrten kennzeichnen in treffender Weise das, was wir bei den 
jahrelangen Arbeiten und sorgfältigen Beobachtungen an unserem Saalburg- 
kastelle erfahren haben, dessen Blütezeit ja in die Epoche der Antonine 
fiel. Der fortwährende Vergleich mit der Thätigkeit anderer alter und neuer 
Kulturvölker bis zu unserer modernen Kolonisation, das Gegenüberstellen 
der alten technischen Verfahren mit unseren jetzigen hat es oft möglich 
gemacht, Manches dem Auge wieder vorzuführen, von dem nur unbe- 
deutende Spuren aufzufinden waren. Die zahlreichen Fundstücke an Ge- 
räten und Werkzeugen, teils importiert, teils an Ort und Stelle gefertigt, 
geben uns ein wertvolles Material an die Hand, das in Verbindung mit der 
Fundstelle und den Gebäuden schon manchen interessanten Aufschluß gab 
und noch weitere verspricht. So erhalten wir einen klaren Einblick in das 
technische Können, die Lebensweise und Bedürfnisse der praktischen Römer, 
vom stolzen Villen bewohner bis zum armen Soldaten in seiner Strohhütte. 
Was die Römer in ihrer Heimat und den südlichen Provinzen in baulicher 
Beziehung geschaffen haben, ist bekannt, und die dort überall erhaltenen 
großartigen Werke geben beredtes Zeugnis für ihre Leistungen, die allerdings 
unter Benutzung eines vorzüglichen Materials und tüchtig geschulter Arbeits- 
kräfte erzielt wurden. Weniger bekannt und erforscht sind die hinterlassen en 
Spuren ihrer Thätigkeit am deutschen Grenzwalle, dem Limes, wo es sich 
darum handelte, zunächst mit den vorgefundenen primitiven Verhältnissen 
vorlieb zu nehmen und erst allmählich die heimische Kunst den deutschen 
Verhältnissen anzupassen. 



'2*) Die Antonine, 69 — 180 n. Chr. Deutsch bearbeitet von Dr. Eduard Doehler. 
Halle 1876. 



144 Technische Ergebnisse. 

Wenn uns wenig davon erhalten blieb, so liegt dies mit daran, daß 
das ganze Limesgebiet in nachrömischer Zeit oft durch stets wechselnde 
Bodenkultur umwühlt wurde, sodaß ganze Strecken mit ihren Bauten gänzhch 
verschwunden sind. Wo trotz aller Zerstörung Reste von Mauerwerk geblieben 
waren, sind sie allmählich zusammengesunken, sodaß in der Zeit, als man 
bei uns mit systematischen Forschungen begann, schon Vieles äußerlich ver- 
schwunden war. 

Hierzu kommt, daß man früher vielfach nur nach Altertümern grub 
und sich wenig um die Untersuchung und Erhaltung des Mauerwerkes 
kümmerte. An der Saalburg dagegen wurde seit den letzten 25 Jahren 
das Hauptgewicht auf eine sachgemäße Ausgrabung der Bauten gelegt, sodaß 
uns durch die dabei gemachten Beobachtungen zahlreiche Mittel für das Ver- 
ständnis und die Beurteilung römischer Technik an die Hand gegeben sind. 

In Vielem fanden sich die wenigen überlieferten Angaben über das 
Bauhandwerk bestätigt, manches Andere konnte nach den Thatsachen be- 
richtigt werden, ebenso zeigte sich, daß gewisse technische Handhabungen 
und Gebräuche von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart sich gleich ge- 
blieben sind, doch wurden auch manche vergessene technische Verfahren 
wieder ans Licht gezogen und zur Geltung gebracht. Verschiedene Werk- 
weisen sind in weitere Kreise getragen worden und haben mit Erfolg wieder 
Anwendung gefunden. Ich erwähne nur die Deckenkonstruktion mit ge- 
riefelten Flachziegeln (Tafel XX, Nr. 3), die Verblendung feuchter Mauern 
mit Hakenziegeln (Tafel XIX, Nr. 10) und die so einfache und doch vorzüg- 
liche Schieferdeckung (Tafel XX, Nr. 4). 

Auch die praktische Form vieler Werkzeuge, auf die ich bei der Be- 
schreibung der Funde in Abschnitt XIII. zurückkommen werde, ist nach- 
ahmungswert. 

In den einzelnen Teilen dieses Abschnittes soll versucht werden, die 
technischen Ergebnisse klarzulegen und unter Hinweis auf die Nachrichten 
der alten Schriftsteller und die jetzt geübte Bauweise allgemein verständlich 
zu machen. 

2. Die Wasserversorgung. 

Die Beschaffung von reinem und gesundem Trinkwasser galt im Alter- 
tum für ebenso wichtig als in unserer Zeit, und die Anstrengungen, welche 
die Römer in dieser Beziehung machten, sind bekannt. Plinius, Vitruv, 
Hyginus, Frontinus u. A. haben eingehend über die Anlagen von Wasser- 
leitungen und Brunnen, sowie über deren Verwaltung und Unterhaltung be- 
richtet. Mit der Aufsicht der großen Wasserleitungen waren die angesehensten 
Männer des Staates betraut. Frontinus selbst bekleidete das Amt eines 
Curator aquarum, und schon deswegen ist seine Schrift über die Wasser- 
leitungen der Stadt Rom, als von einem Sachverständigen herrührend, be- 
sonders beachtenswert. 



Die Wasserversorgung. 145 

Die Fürsorge für gutes Quellwasser erstreckte sich jedoch nicht allein 
auf die Hauptstadt selbst und die größeren Städte, deren großartige Wasser- 
leitungen noch heute von dem hohen Werte, den man auf die Wasserver- 
sorgung legte, Zeugnis abgeben, sondern wir wissen auch, daß man in den 
kleinsten Provinzialstädten Wasserleitungen und Tiefbrunnen anlegte, oder 
vielmehr die Anlage einer Wohnstätte und deren Bestand von dem Vor- 
handensein von gutem Wasser, das man durch gewissenhafte, von Erfahrung ge- 
leitete Untersuchungen feststellte, abhängig machte. Daß man solche Grund- 
sätze mit in die Provinzen nahm und dort überall, selbst an der weitent- 
legenen Grenze des Reiches, nach ähnlichen Regeln verfuhr, kann uns daher 
nicht Wunder nehmen. 

Auch bei der Errichtung von Verschanzungen durfte Wasser nicht fehlen, 
wie Vegetius I, 22 ausdrücklich bemerkt; an einer anderen Stelle, III, 2, sagt 
er: «Das Wasser, welches der Soldat trinken soll, darf nicht faul sein oder 
sonst schädliche Eigenschaften haben. Schlechtes Wasser ist Gift und be- 
wirkt faule Fieber bei dem Trinkenden.» Auch Hyginus verlangt aufs Ent- 
schiedenste, daß man bei jeder Lageranlage an irgend einer Seite einen Fluß 
oder einen natürlichen Brunnen haben müsse. 

Unsere germanischen Vorfahren, denen es zur Anlage von Tiefbrunnen 
an technischen Hilfsmitteln fehlte, nahmen, sobald es die Verhältnisse zu- 
ließen und sie frei wählen konnten, nur da ihren Wohnsitz, wo sie ohne 
Mühe Wasser fanden, also in unmittelbarer Nähe von Quellen oder Bächen; 
dies lehrt uns die Auffindung von vorrömischen Wohnstätten, und gerade 
die Gegend am Taunus hat zahlreiche Beispiele dafür aufzuweisen. 

Gebundener waren die Römer am Limes bei Errichtung ihrer Grenz- 
kastelle, deren strategische Bedeutung wohl in erster Linie zu erwägen war; aber 
auch hierfür war das Vorhandensein von Wasser eine der ersten Bedingungen, 
und man hat es sich nötigen Falles selbst vom Auslande (jenseits des Pfahl- 
grabens) zu beschaffen gewußt. Dies zeigt unter anderen das Kastell «Alte- 
burg» bei Hillscheid. Bei den Zwischenkastellen — oft auch bei Türmen — 
findet sich vielfach Trinkwasser, wie dies die Untersuchungen am Limes 
immer mehr darthun. Auch wenige Schritte oberhalb des Feldbergkastells 
entspringt eine Quelle (die Weil) und fließt, ungefähr 30 m von dem Kastelle 
entfernt, parallel mit den Laugseiten mitten durch die Niederlassung an der 
«Villa» vorüber nach dem Auslande. Bei der «Alteburg» bei Heftrich liegen 
Brunnen in der Niederung vor dem Kastelle, bei der «Kapersburg» eine aus- 
gezeichnete Quelle; beim «Zugmantel» liegt die Aarquelle etwa 200 m östlich 
von der Porta decumana; auch ist bereits ein Brunnen innerhalb des Kastells 
gefunden. Beide waren in der sehr wasserarmen Gegend von besonderer 
Wichtigkeit. In der Aarquelle lagen viele Scherben von Krügen und u. a. 
der Sockel eines Votivsteines. Andere Kastelle, die Bach- und Flußthäler 
sperren, haben Wasser in der Nähe, beispielsweise das Zwischenkastell «Loch- 
mühle» den Köpperner Bach. Nach Vegetius IV, 10 wurden zum Schutze 
der Quellen sogar kleinere Kastelle oder sogenannte hurgi angelegt. 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 10 



146 Technische Ergebnisse. 

Im Saalburggebiet sind bis jetzt 4 Quellen aus der Römerzeit bekannt: 

1. Der wasserreiche «Dreimühlborn» vor dem Pfahlgraben, 900 m nord- 
westlich vom Kastell entfernt; 

2. der «Schäferborn», ebenfalls außerhalb des Pfahles, etwa 400 m nörd- 
lich vom Kastell; in der Nähe sind viele Bruchstücke römischer Thongefäße 
gefunden ; 

3. dicht neben der Saalburgrestauration entdeckte man beim Aufsuchen 
von Trinkwasser für die Stadt Homburg eine, wahrscheinlich schon von den 
Römern benutzte Quelle (Taf. XIII. Q); vor derselben erstreckt sich ein 
mit der Gebirgswand gleichlaufender, in den Felsen eingehauener Kanal, der 
das aus dem zerklüfteten Quarzitfelsen herausfließende Wasser aufnimmt. 
Wo er seinen Ausfluß hat, ob er nur zur Wassergewinnung oder zur Leitung, 
oder aber zur Trockenlegung des «Rosengartens», oder zu noch anderem 
Zwecke hergerichtet war, läßt sich vorläufig und ohne umfassende Untersuchung 
des «Rosengartens» nicht entscheiden. Die Quelle giebt jetzt noch in 
24 Stunden 10 — 15 cbm Wasser ^^^). Außerdem entspringen unterhalb der 
«Preußenschanze» noch einige Quellen (Tafel XIII aa), die in eine kessel- 
artige Vertiefung im «Rosengarten» fließen; 

4. die Quellen des Kirdorfer Baches, 1^4 km südwestlich der Saalburg 
am Eraesberg, die ich im Jahre 1894 bei den Ausgrabungen der Reichs- 
Limes-Kommission ^^^) untersuchte. Bei der Durchgrabung eines dort liegen- 
den Hügels und beim Ausräumen der Quelle fand man außer Scherben Bruch- 
stücke von Denksteinen, dabei eine vollständige Ära, welche den Nymphen 
geweiht ist (über ihre Inschrift vergleiche XHI. 2, A. II. 41), ein Beweis dafür, 
daß die Quelle schon den Römern bekannt war. Schon im 17. Jahrhundert 
wurde dort ein Denkmal mit Inschrift gefunden, das Neiiiiop^"^) für einen 
Sarg oder Brunnentrog erklärte. Leider ist dasselbe damals angeblich in die 
Fundamente des Homburger Schlosses eingemauert worden. 

Lieferte die Natur selbst kein Quellwasser, so grub man Brunnen, was 
Vegetius IV, 10 mit dem Zusätze «so tief es auch immer sei» besonders an- 
führt. Bis jetzt sind in den Zwischenkastellen «Maisei» (im Taunus) und 
«Anhausen» (am Rheine) je ein Tiefbrunnen in der Mitte des Kastells auf- 
gefunden worden. 

Verlangte nun schon ein Kastell von der Größe unserer Saalburg reich- 
liche Versorgung mit Wasser für die Besatzung, so gilt dies in fast noch 
höherem Maße für die sich ringsum anschließende Bürgerliche Niederlassung 
mit Geschäften und Gewerbebetrieb aller Art. Mit dem Anlegen von ein- 
zelnen Cistemen zum Auffangen des von den Dächern herabfließenden Regen- 
wassers konnte man sich auf die Dauer nicht begnügen, selbst das in tief 



'^^) Etwa 700 m südwestlich von der Saalbnrg wnrde in den letzten Jahren ein 
Stollen in das Gebirg getrieben, der die Stadt Homburg reichlich mit gutem Trinkwasser 
versorgt; man hat ihn «Saalburg-Stollen» genannt. 

J«6) Vergl. Grenzmarkierungen, S. llff. 

'*•) Neuhof a. a. O. S. 36 ff. 



Die Wasserversorgung. 147 

liegenden Behältern angesammelte Meteorwasser vermochte gutes und reines 
Quellwasser nicht zu ersetzen. Man suchte sicherlich sobald als möglich 
Tiefbrunnen zu graben, deren Konstruktion den Römern aus ihrer Heimat 
bekannt sein mußte. Waren jedoch wasserreiche Höhen vorhanden, so zog 
man, wenn die dafür erforderlichen Mittel zu Gebote standen, wahrscheinlich 
die Herstellung einer Wasserleitung vor. 

Auf der Saalburg hätte mit Rücksicht auf eine rationelle Wasserversor- 
gung die Herstellung einer Leitung nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, 
doch war die Ausführung einer solchen immerhin schwierig. Deutliche Spuren 
einer regelrechten, geschlossenen Röhrenleitung sind bis jetzt nicht gefunden 
worden; auch Thonröhren, die Vitruv vom sanitären Standpunkte aus als 
besonders geeignet gegenüber den Blei- und Holzröhren empfiehlt, sind bis 
jetzt nicht zum Vorscheine gekommen. Überreste von gebohrten Holzröhren 
wurden im Brunnen Nr. 16 erhoben; auch die vielfach vorkommenden eisernen 
Ringe, die zum Zusammenhalten der hölzernen Röhrenenden gedient haben 
mögen, und ein vereinzelt aufgefundener, 1,30 m langer Löffel- oder Deichel- 
bohrer (vergl. Tafel XXXIV, Nr. 7), wie sie heute noch zum Bohren der 
Holzröhren Verwendung finden, schließen die Möglichkeit einer derartigen 
Wasserleitung nicht aus, doch könnten ähnliche Röhren auch zu einer Art 
Pumpe oder zu Gerinnen für gewerbliche Zwecke gedient haben. 

Die Anlage einer Wasserleitung vom «Rosengarten» oder dem Emes- 
berge aus nach dem südlichen Teile der Bürgerlichen Niederlassung wäre 
nicht unmöglich gewesen; die beiden anderen Quellen, «Dreimühlborn» und 
«Schäferborn», kommen wegen ihrer tiefen Lage hierfür nicht in Betracht. 

Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß man gelegentlich auf eine 
alte Wasserleitung stößt, da eine solche schon des Frostes wegen oder zur 
Erzielung des nötigen Gefälles sehr tief (nach Frontinus bis zu 50 Fuß) an- 
gelegt werden mußte. 

Anschließend an diese Vorbemerkungen komme ich nun zur Besprechung 
der einzelnen Wasserbehälter. Ich habe keinen Anstand genommen, diesen 
ganzen Abschnitt ausführlich zu behandeln, weil selten die Gelegenheit vor- 
handen sein wird, die römische Wasserversorgung so gründlich in ihren Ent- 
wickelungen studieren zu können wie gerade an der Saalburg. 

Die hier vorhandenen Aulagen sind entweder größere Sammelbehälter 
oder Brunnen. 

A. Die Sammelbehälter [lacus). 

Außer der bereits erwähnten Wasserlache am «Rosengarten» enthält 
das gesamte Ausgrabungsgebiet eine Anzahl künsthch hergestellter Vertiefungen, 
die in festen Boden eingegraben, mit Letten ausgeschlagen und verdichtet 
sind. Hierin wurde der in Gräben zusammenfließende Regen und das von 
dem höher gelegenen Gelände niederkommende Sickerwasser angesammelt. 
Vitruv empfiehlt diese Methode sehr und giebt (VIII, 6. 14) genaue Vor- 

10* 



148 Technische Ergebnisse. 

Schriften über ihre Anwendung. In dieser oder ähnlicher Weise hergestellte 
Sammelbehälter sind uns mehrere erhalten geblieben, die ihren Zufluß durch 
künstlich angelegte Gräben bekommen, und in denen sich noch jetzt das 
Wasser fast das ganze Jahr hindurch fiisch erhält und nie ganz versiegt. 

Ein hervorragendes Beispiel dieser Art ist die auf Tafel XITI mit W 
bezeichnete Vertiefung, die östlich vom Kastelle, nördlich der Porta principalis 
dejctra, vor dem äußeren Grabenrande liegt. Der Graben selbst ist allerdings 
an dieser Stelle beseitigt, oder vielleicht nie vorhanden gewesen. Der fast 
elliptisch angelegte, mit Letten ausgestampfte Behälter von 9 bezw. 12 m 
Durchmesser und 1,60 m Tiefe erhält seinen Wasserzufluß hauptsächlich von 
dem äußeren Spitzgraben des Kastells, ist auch vermöge seiner wenig steilen 
Böschungen, besonders von der Ostseite, der Pfahlgrabenstraße aus, leicht 
zugänglich. Die übrigen Sammelbehälter sind kreisrund mit einem Durch- 
messer von 4— 5 m und einer Tiefe von 2— 3 m. Wenn sich nun auch 
das in den Vertiefungen angesammelte Wasser nicht zum Trinken und 
Kochen eignete, so hat es doch beim Waschen, Baden und im gewerb- 
lichen Betriebe ebensogut seine Dienste gethan wie jedes andere und be- 
sonders wie das in gemauerten Cisternen von den Dächern aufgefangene 
Regenwasser. Bezüglich der Beurteilung solcher Behältei* ist noch auf eine 
andere Verwendung des Wassers zu achten, die das zahlreiche Vorkommen 
solcher Reservoire erklären dürfte, nämlich diejenige zu Feuerlöschzwecken. 
Man muß sich eine Grenzveste vorstellen, in der die meisten Bauten aus 
Holz oder anderen brennbaren Stoffen errichtet sind; die Baracken bestanden 
aus Holz mit Flechtwerk, die übrigen Gebäude aus Fachwerk, und die Dächer 
waren mit Schindeln oder Stroh gedeckt. In den Wohnungen brannte viel- 
fach offenes Feuer, und jeden Tag war der Feuerbrand des Germanen zu 
gewärtigen. Dies Alles mußte in einem römischen Kastelle, wie in der mittel- 
alterlichen Burg, die Vorkehrungen gegen Feuersgefahr sehr nahe legen. Wie 
sehr Schadenfeuer auf der Saalburg gewütet haben, beweist zur Genüge der 
dort lagernde Brandschutt. In den Dörfern der Taunusgegend sind auch 
jetzt noch derartige Wasserbehälter — hauptsächlich zu Löschzwecken — in 
den Boden eingegraben, mit Letten ausgestampft oder gepflastert und werden 
als « Brand weiher» bezeichnet, dienen jedoch auch als Pferdeschwemmen und 
heißen mit Rücksicht darauf im Volksmunde kurzweg «Weeden». Diese 
Bezeichnung trifft wohl auch für einige der auf der Saalburg vorkommenden, 
künstlich angelegten Vertiefungen das Richtige. PUniiis (H. N. XXXIII, 24. 9) 
und Livius {XXXIX, 44) erwähnen solche Wasserbehälter. Ersterer erzählt, 
daß Agrippa 700 Bassins {lacus) in Rom angelegt habe; sie dienten daselbst 
zur Entnahme von Wasser bei Bränden, sowie für ärmere Einwohner, welche 
das Wasser nicht in ihre Wohnhäuser leiten konnten. Livius teilt mit, daß 
sie gepflastert w^urden. 

Die oben angeführte Vertiefung (Tafel XIII, W) mag auch noch ander- 
weitig benutzt worden sein; so bemerkt Habel, der sie im Sommer 1861 auf- 
graben ließ: «Ob sie als Pferdeschwemme gedient haben kann und mag, viel- 



Die Wasserversorgung. 



149 



leicht der geringen Tiefe wegen nur zum Ansammeln von Wasser zu bau- 
lichen Zwecken?» Beides ist möglich; zu letztgenanntem Zwecke ist sie auch 
in den vergangenen Jahren wiederholt bei der Vornahme von Erhaltungs- 
arbeiten an den ßauresten im Kastelle benutzt worden. 




ICPifFf iSfff/, MüffST. 



Fig. 20. Im Oberbau rekonstruierte Brunnen der Canabae. 



B, Die Brunnen. 



Bevor ich nun zur Beschreibung der im Laufe der Jahre aufgefundeneu 
Brunnenanlagen übergehe, schicke ich einige Worte über die geologischen 
Verhältnisse des Saalburggebietes voraus, die ich meinem leider zu früh ver- 
storbenen sach- und ortskundigen Freunde, dem Bergwerksdirektor Konrad 
Trapp, verdanke: 

«Die 414 m über der Meeresfläche sich erhebende Saalburg - Einsenkung liegt 
zwischen den hervortretenden Höhen des «Fröhlichemannskopf» im Nordosten, der 
sich 520 m über Normal-Nall erhebt, und dem «Weißenstein» im Südwesten, der eine 
Höhe von 470 m erreicht. Die Höhenkette des Taunus ist von Südwesten nach Nord- 
osten gerichtet und besteht in ihrem südöstlichen Gehänge aus metamoiphen Schiefern, 
welche teils als Kartenschiefer, teils als Phyllite ausgebildet sind und zuweilen gneis- 
artige Struktur besitzen. Das Einfallen dieser Schiefer ist im Großen und Ganzen 
nach Südosten gerichtet, und es treten diese Schichten von den Hängen des Taunus 
bis in die Nähe von Homburg wiederholt hervor. Die Schichten dieses Schiefers, nach 
einem in demselben vorkommenden Mineral Sericitschiefer genannt, werden unterlagert 
von Quarzit, einem aus QuarzitgeröUen bestehenden Sandsteine, welcher Quarz zum 
Bindemittel besitzt und dadurch zu einem ungemein witterungsbeständigen Gesteine 
wird, in welchem die Sandsteinstruktur häufig ganz schwindet und dem Gestein das 
Ansehen eines derben Quarzfelsens giebt. Es bildet dieses Gestein ausschließlich die 
Höhen und Gipfel der Taunusberge. Im Bereiche der Saalburg werden die Höhen 



150 Technische Ergebnisse. 

und Gehänge des «Fröhlichemannskopf», wie auch des «Weißenstein» von Quar/it 
gebildet. 

Der Quarzit wird unmittelbar durch ein schiefriges Gestein unterlagert, welches 
dicht unter den Höhen des Taunus, unter den abgebrochenen Gerollen des Quarzits 
einfällt. Es ist dieses ein in seinen oberen Lagen dem Sericitschiefer sehr ähnliches 
Gestein von hellgrüner bis gelber, aber zuweilen auch rötlicher Farbe. In den tieferen 
Schichten ändert sich die Farbe und Struktur des Gesteins. Der Schiefer wird sandiger 
und graubraun und führt erst vereinzelt, dann aber häufig Versteinerungen, die ihn 
als zu dem unteren devonischen System gehörend kennzeichnen. Auch dieser Schiefer 
fällt mit seinen Schichten nach Südost ein. Dr. Karl Koch hat ihn nach dem Flüßchen 
Wisper, welches seinen Lauf innerhalb des Gebietes desselben hat, den Namen «Wisper- 
schiefer» gegeben. 

Die Saalburgeinsattelung verdankt ihre Entstehung einer Verwerfung, welche 
die nordöstlich davon gelegene Gebirgskette gegenüber der von Südwest herantretenden 
Kette um 800 — 1000 m nach Südost verschoben hat, und welche sich durch das Vor- 
kommen des Quarzits nachweisen läßt. Diese Verwerfung, welche das mächtige Quarzit- 
lager durchbrach, leitete dessen Zerstörung durch die Atmosphärilien an der Durch- 
bruehsstelle ein, und die den Wisperschiefer schützende Quarzitdecke wurde entfernt; 
derselbe bildet nunmehr in seinen obersten Schichten die Ausfüllung des Gebirgsjochs. 
Diese Gebirgsstörung ist auch die Ursache des größeren Wasserreichtums der Saalburg 
und deren unmittelbarer Umgebung gegenüber dem so sehr wasserarmen Südosthange 
des Taunus. 

Die stark zerklüfteten Schichten des Quarzits sind für die Niederschläge sehr 
durchlässig, sie nehmen diese sehr rasch auf und lassen sie bis zu den unterliegenden 
Schichten des Wisperschiefers hinabsinken. Es ist daher der starke Wechsel des Wassers 
auf der Grenze zwischen Quarzit und Schiefer die Ursache dafür geworden, daß sich 
letzterer allmählich zersetzte und im Fortschreiten dieser Zersetzung zu Letten wurde, 
welcher nun abdämmend auf die zusetzenden Wasser einwirkte. An allen Stellen, an 
welchen die Grenze zwischen Quarzit und Schiefer entblößt ist, treten infolge dieser 
Abdämmung reiche Quellen auf. In der unmittelbaren Umgebung der Saalburg sind 
es der «Dreimühlenborn» und der «Schäferborn», welche als durch die Verwerfung 
entstanden bezeichnet werden müssen und nahe der Gebirgsscheide, nachdem ihr oberer 
Quellsprung sich unter den QuarzgeröHen im Laufe der Jahrtausende ein unterirdisches 
Bett gewühlt hatte, zwischen Quarzit und Wisperschiefer entsprungen sind.» 

Im Gebiete des Kastells und unmittelbar daran, d. h. in der eigentlichen 
Saalburgeinsattelung, liegt der Schiefer, welcher in seinen oberen Schichten 
durch Zersetzung in Letten übergegangen ist, in der Stärke von 7 — 30 m 
hoch, wodurch sich auch die verschiedene Tiefe der Brunnen auf diesem 
engbegrenzten Räume erklären wird. Dagegen tritt ganz in der Nähe, 
westlich vom Kastelle, an mehreren Stellen der wasserführende zerklüftete 
Quarzit zu Tage, so an dem «Rosengarten» und dem schon erwähnten «Saal- 
graben» ^^^), welcher das ganze Jahr hindurch infolge dieser natürhchen Zu- 
flüsse Wasser erliält, und der gewiß jenen natürlichen Quellen, die in ur- 
alter Zeit des Waldbestandes wegen viel bedeutender waren als jetzt, seinen 
Ursprung verdankt. Nur hierdurch läßt sich die mit dem Saalburg-Gelände 
unvermittelte beträchtliche Tiefe des Saalgrabens erklären. 

128) vergl. Seite 2 und 3. 



Die Wasserversorgung. 151 

Überraschend ist die große Zahl der von den Römern hergestellten 
Brunnen. Bis zum Jahre 1885 sind deren 11, 1885 weitere 12, 1886 7 und 
seit dieser Zeit bis jetzt (1896) abermals 11 aufgefunden worden, sodaß die 
Gesamtzahl der bis jetzt nachgewiesenen römischen Brunnen an der Saalburg 
41 beträgt — 18 gemauerte und 23 Schachtbrunnen, von denen 15 eine 
Holzverschalung hatten — eine Zahl, die sich bei ferneren Ausgrabungen im 
Gebiete der umfangreichen Bürgerlichen Niederlassung noch erheblich ver- 
mehren dürfte. 

Aus den oben angeführten geologischen Mitteilungen erfahren wir die 
Ursachen, warum trotz der hohen Lage der Saalburg und der verhältnismäßig 
entfernt liegenden Berghöhen das Saalburg -Plateau wasserreich ist. Dieser 
Wasserreichtum selbst mag mit der Grund dafür gewesen sein, daß hier an 
der römischen Grenzveste eine größere bürgerliche Bevölkerung feste Wohn- 
sitze finden konnte. 

Die Herstellung der Brunnen, die wohl ursprünglich bergmännisch ge- 
schulten Leuten (vielleicht haben die Hilfsvölker, Räter und Vindelicier, 
reiche Erfahrungen mitgebracht) übertragen war, ist möglicherweise später 
auch von Anderen betrieben worden. Bei ihrer Anlage ist große technische 
Fertigkeit mit geschickter Anpassung an die örtlichen Verhältnisse verbunden 
gewesen. Daß in römischer Zeit Bergbau im Taunus betrieben wurde, ist 
wahrscheinlich, wenigstens wird es für die in der Nähe der Saalburg ge- 
legenen alten Bergwerke «Goldgrube», «Schmidtwäldchen» und «Fahrborn» 
angenommen. 

Es sind bis jetzt außer den im Eingange beschriebenen, noch sichtbaren 
Vertiefungen folgende drei Arten von Brunnen an der Saalburg festgestellt 
worden : 

a. Cisternen [cisterna), 

b. Schachtbrunnen [specus), 

c. Ausgemauerte Brunnen [puteus). 



a. Cisternen. 

Zu den Cisternen sind diejenigen Vertiefungen mit kreisförmigem oder 
quadratischem Querschnitte zu rechnen, die 2 — 4 m in den Boden eingegraben 
oder in den zu Tage tretenden Schiefer eingehauen, aber nicht ausgemauert 
sind, vielleicht jedoch im Inneren verschalt oder wenigstens gegen das Nach- 
rutschen der Erde ausgesteift waren. Von diesen, mehrfach in der Bürger- 
lichen Niederlassung vorkommenden Vertiefungen sind drei vollständig unter- 
sucht worden, von denen zwei keinen Brandschutt enthielten, sondern nur 
mit Erde ausgefüllt waren, die mit Thonscherben vermischt war. 

Die nordöstüch vom Kastelle gelegene Cisterne ist bis in den fest- 
stehenden Thonschiefer gegraben, hat einen kreisrunden Querschnitt von 1,20 m 
Durchmesser und ist 2,80 m tief (Tafel XIH, C); die andere, westHch vom 



152 Technische Ergebnisse. 

Kastelle gelegene (Tafel XIII, C. I) hat einen fast quadratischen Querschnitt 
von 1,40 m Weite und eine Tiefe von 3,80 m. Die nördlich von dieser 
liegende (Tafel XIII, C. II) ist rund, mit einem Durchmesser von 1,20 m, und 
hat eine Tiefe von 3 m. Die Wandungen standen nach der Ausgrabung 
fest, auch trat das Wasser bald in die wieder ausgeräumten Vertiefungen 
ein und erhielt sich darin während des Sommers infolge der lettenartigen 
Bodenverdichtung. In diesen Brunnen, die ich als «Cisternen» bezeichnete, hat 
sich das in den oberen lockeren Bodenschichten befindliclie Tagwasser rasch 
gesammelt, hielt sich aber bei starkem Gebrauche kaum lange in der trockenen 
Jahreszeit. Sie waren die ursprünglichsten und einfachsten Brunnen- 
anlagen auf der Saalburg, die für vorübergehende rasche Beschaffung von 
Wasser zu baulichen oder sonstigen Zwecken hergestellt wurden. Daß sie 
zu keinem dauernden Gebrauche bestimmt waren, geht schon daraus hervor, 
daß sich nirgends Spuren von einer Steineinfassung fanden, doch ist nicht 
ausgeschlossen, daß eine Verstrebung mit Holz bestanden hat. Diese Ver- 
tiefungen sind aber nicht mit den so häufig vorkommenden Erdgruben von 
1 — 2^2 m Tiefe zu verwechseln, wie sie zur Aufnahme von Früchten etc. 
benutzt wurden, und die bei der Beschreibung der Keller besprochen worden 
sind. Cisternen, die nur zum Auffangen von Regenwasser dienten, sind ■ — 
wenn die zwei Brunnen im Praetorium, die möglicherweise auch Regen- 
wasser aufnahmen, ausgenommen werden — bis jetzt an der Saalburg nicht 
festgestellt worden. In Heddernheim sind gerade in den letzten Jahren 
unmittelbar an einem Gebäudekomplex, dem Forum, eine größere Anzahl 
solcher Cisternen aufgedeckt worden'*^), die manchmal 1 — 2 m von einander 
entfernt liegen und teilweise unter sich mit 1,50 m unter der Oberfläche an- 
gelegten Stollen oder Sickerkanälen verbunden sind^^°). Sie haben teils 
runden, teils viereckigen Querschnitt von 1,20 — 1,30 m und sind 5 — 12 m 
in den angeschwemmten Löß senkrecht eingeteuft. Es konnte durch diese, 
unter sich mit Stollen verbundenen Schachte ein größerer Wasservorrat be- 
schafft und erhalten werden. Einen unterirdischen Zufluß haben nur die- 
jenigen Heddernheimer Cisternen gehabt, die in die wasserführende Kies- 
schicht eingegraben waren und eine Tiefe von mindestens 10 m hatten; 
sie können daher als Brunnen angesprochen werden. 



b. Die Schachtbrunnen. 

Mit eichenen Bohlen ausgeschachtete Brunnen sind vielleicht die ältesten 
wirklichen Tiefbrunnen, die zur dauernden Wasserversorgung von den Römern 
an der Saalburg angelegt wurden. Der erste ist infolge eines glücklichen 



>") Vergl. S. 123, Anmerkung 112. 

"0) Es scheint, daß solche Einrichtungen zur Klärung des Wassers angelegt wurden. 
Plinhis (XXXVI. 52) sagt: «Es ist gut, wenn man zwei Cisternen neben einander hat; 
in der einen sinken die unreinen Bestandteile des Wassers zu Boden, und in die andere 
sickert dann das reinste Wasser ein». 



Die Wasserversorgung. 153 

Zufalles im Frühjahre 1885 bei der Rodung des für den Saalburgwärter be- 
stimmten Dienstlandes entdeckt worden. Bei den lehrreichen Ergebnissen, 
welche beim Graben erzielt wurden, und die auch Anderen einen Fingerzeig 
geben können, ist es angebracht, vor Besprechung der Brunnenkonstruktion 
die damaligen Fundumstände etwas genauer zu erörtern: Man stieß zunächst 
auf eine Vertiefung, die äußerlich als solche nicht kenntlich war; sie hatte 
nach der Oberfläche hin einen scheinbar kreisförmigen und dann viereckigen 
Querschnitt von 2 bezw. 1,60 m und war bis zur Tiefe von etwa 2,50 m 
mit Schutt und Scherben ausgefüllt. Hierauf traf man auf einen festen, 
schiefrigen Grund, der sich nur durch das sehr vereinzelte Vorkommen von 
kleinen Stückchen gebrannten Thones von dem weit tiefer liegenden ge- 
wachsenen Boden unterschied. Diese kleinen, unscheinbaren Reste einer 
früheren Kultur machten es zur Gewißheit, daß die Grundmasse durch Menschen- 
hände dahin gebracht sein mußte, und veranlaßten zum Weitergraben. An- 
fänglich glaubte man eine jener Cisternen, wie sie oben beschrieben sind, 
gefunden zu haben, und als in einer Tiefe von 3,50 m auch die wenigen 
Spuren der Scherbenreste, welche bei den Ausgrabungen als stumme Zeugen 
Kunde von menschlicher Thätigkeit einer längst vergangenen Zeit geben, 
allmählich verschwanden und nur noch roher Naturboden zum Vorschein 
kam, war man im Begriffe, die Arbeit einzustellen, als sich plötzlich schwärz- 
liche, mit Kohlen und Holzstückchen vermischte Erde zeigte. Dies ermutigte 
dazu, mit der Ausgrabung fortzufahren. Nachdem etwa noch 20 cm Grund 
ausgehoben waren, erreichte man bei einer Tiefe von 3,75 m eine gut er- 
haltene eichene Holzeinschalung, die sich bis zu einer Tiefe von 6,35 m er- 
streckte; dann folgte eine kesselartige, in den Felsen (Sericitschiefer) ein- 
gehauene Aushöhlung von 0,95 m, was eine Gesamttiefe von 7,30 m für den 
Brunnenschacht ergab. 

Gleichzeitig fand sich ganz in der Nähe, kaum 10 ra nördlich davon, 
ein zweiter Brunnenschacht, der 2 m tiefer, sonst in Anlage, Größe und Bau- 
weise dem ersten ganz ähnlich war (Tafel XIV, H und IIa). Auch bei ihm 
zeigte sich dieselbe Ausfüllung: zuerst Schutt und Scherben, dann fester, 
schiefriger und lettenartiger Grund, zuletzt schwarzer Schlamm, der, stark mit 
organischen Stoffen untermischt, ein torfartiges Aussehen hatte. Besonders 
in dieser untersten, 3 m hohen Schlammschicht wurden eine Anzahl seltener 
Altertümer von Leder, Knochen und Holz gefunden, wie sie sich nur im 
Wasser oder im Moorboden erhalten. 

Obgleich diese Brunnenschachte nicht durch äußere Zeichen erkenntlich 
waren und ihre Entdeckung nur dem Zufalle zu verdanken ist, hat man 
doch bei gründlicher Untersuchung derselben verschiedene noch näher zu 
erörternde Merkmale gefunden, die zur Auffindung von weiteren 23 solcher 
Schachtbrunnen in den Jahren 1885 bis 1893 führten. 

Wenn ich diese Brunnenschachte mit zu den ältesten wirklichen Anlagen 
einer Wasserversorgung der Saalburg zähle, so geschieht dies aus folgenden 
Gründen : 



154 Technische Ergebnisse. 

1. Die Herstellungsweise mit einer Einschalung von Eichenholz, welches 
die Römer in dem waldreichen Taunus sofort zur Hand hatten und daher 
leichter zu beschaffen war als Bruchsteine zur Ausmauerung, stellt sich schon 
aus dieser rein technischen Erwägung als die ältere Art dar. Auch ist die 
erforderliche Ausgrabung zu einem gemauerten Brunnen viel umfangreicher, 
da ein Schacht für einen solchen gegenüber einem Holzbrunnen von der- 
selben lichten Weite einen um etwa 1 m größereu Durchmesser für die Mauer 
haben muß. 

2. Die aufgegebenen und unbrauchbar gewordenen Brunnen sind mit 
Schieferboden ausgefüllt, der nur bei der Grabung eines neuen Brunnens zu 
Tage treten konnte. 

3. Außerhch ist jede Spur von diesen Brunnen verschwunden, und sie 
haben nicht einmal eine Vertiefung zurückgelassen, wie sie bei den gemauerten, 
mit Brandschutt ausgefüllten Brunnen beobachtet werden kann. 

4. Über den ausgefüllten Schachtbrunnen fanden sich Reste von Funda- 
menten und von gestückten Wegen, woraus hervorgeht, daß in späteren 
Zeiten darüber gebaut wurde und man vielleicht nicht einmal Kenntnis von 
dem ehemaligen Vorhandensein dieser Brunnen hatte. Die in der Tiefe der- 
selben gefundenen Münzen gehören der Zeit der Kaiser Bomitian bis 
Hadrian an. 

Die bis jetzt ausgegrabenen Schachtbrunnen weichen in ihrer Bau- 
weise und in ihren Maßen wenig von einander ab, ihre Tiefe schwankt 
zv\aschen 6 und 10 m. Als Beispiel sei der Brunnen Nr. 14 (Tafel XIV, 
U. — Hc) in seinen Einzelheiten hier beschrieben: Dem viereckigen Schachte, 
der oben einen Querschnitt von 1,70 m und an der Sohle einen solchen von 
1 m hat, somit nach unten stark verjüngt abgeteuft ist — eine Eigen- 
tümlichkeit, die alle bis jetzt ausgegrabenen Brunnen mit einander gemein 
haben — , folgt eine kesselartige Aushöhlung in den festen Schiefer, der durch 
zerklüftete Quarzgänge Wasser führt. Die Wände sind mit gespaltenen 
eichenen Bohlen ausgeschlagen, welche durch ausgeklinkte Zapfen fest zu- 
sammengezimmert waren. Die Breite der Bohlen schwankt zwischen 20 und 
40 cm und die Dicke zwischen 5 und 9 cm ; nach der Tiefe zu vermittelten 
breite Fugen den seitlichen Wasserzufluß aus den stellenweise vorkommenden 
Quarzspalten. In den Ecken waren an den gegeneinanderstehenden Bohlen 
Löcher ausgeschnitten, in denen sich Querhölzer von 6 — 7 cm Stärke in 
Entfernungen von ca. 40 cm befanden, sodaß dadurch eine Art Leiter ent- 
stand, die sicher in den meisten Schachtbrunnen vorhanden war. Die Holz- 
einschalung, die vielleicht bis über den Erdboden ragte und den Brunnen- 
kranz bildete, war bis zu dem jetzigen 4 m tiefen Wasserspiegel verfault, 
dagegen von da ab bis zur Sohle in gutem Zustande erhalten. Das Holz 
ist durchschnittlich sehr fest und noch brauchbar; es unterscheidet sich von 
dem gewöhnlichen Eichenholze nur durch seine schwärzliche Färbung. 
Weder Plinius, noch Vitruv und Frontinus erwähnen etwas von solchen 
Brunnen; nur in den Nachrichten über den Bergbau erzählt Plinius von 



Die Wasserversorgung. 155 

Schachten und Stollen, die ausgezimmert und mit Brettern eingefaßt waren, 
also eine Herstellungs weise , die derjenigen unserer Brunnenschachte ent- 
sprechen dürfte ^^^). 



c. Ausgemauerte Brunnen. 

An der Saalburg sind bis jetzt 18 gemauerte Brunnen von verschiedenen 
Abmessungen wieder ermittelt worden. Einige davon scheinen überhaupt 
nicht ganz verschüttet und vielleicht noch nach der Römerzeit in Gebrauch 
gewesen zu sein. Neuhof sagt in seinen im Jahre 1780 erschienenen «Nachrichten 
über die Saalburg»: «In der Burg selbst findet man einen tiefen Brunnen» — 
es ist wahrscheinlich der 26 m tiefe Brunnen im Kastelle (Tafel XIII, Nr. 1), 
den Hobel 1857 vollständig ausräumen ließ. Auch der Brunnen Nr. 5 an 
der alten Römerstraße, die durch den Pfahlgraben nach dem Auslande führte 
und noch bis zum Anfange dieses Jahrhunderts den Verkehr vermittelte, war 
nicht vollständig verschüttet. Beim Ausgraben desselben im Jahre 1884 fanden 
wir bis zu einer Tiefe von 9 m viel Laub und unbearbeitetes Waldholz, 
dann stieß man etwa 2,50 m von der Brunnensohle entfernt auf zwei früh- 
mittelalterliche Gefäße; dieselben dürften beim Wasserholen in den Brunnen 
gefallen sein und liefern uns den thatsächlichen Beweis, daß der Brunnen 
noch nach der Römerherrschaft offen stand. Von den übrigen ausgemauerten 
Brunnen waren 11 durch eine Erdsenkung kenntlich, dagegen wurden 5 
durch Zufall und bei systematischen Ausgrabungen entdeckt. Ihre Kon- 
struktion entspricht im Großen und Ganzen der von PUnius beschriebenen 
und ist die heutzutage noch übliche, indem sich auf der Sohle in der Regel 
ein Holzrost befindet, auf welchen das aus Quarzit hergestellte Mauerwerk 
aufgesetzt wurde. 

Die Brunnen an der Saalburg sind mit Ausnahme des über den Erd- 
boden hervorragenden restaurierten Teiles, der mit Mörtel gemauert ist, 
sämtlich ohne solchen hergestellt. Es scheint dies bei der geologischen Be- 
schaffenheit des Erdreichs vorteilhafter gewesen zu sein, da durch den un- 
durchlässigen Letten eine direkte Verunreinigung von oben ziemlich — wenn 
auch nicht ganz — ausgeschlossen w^ar, während aus den tiefer gelegenen 
Wasserspalten stets Wasser nachdringen konnte. PUnius (Buch XXXI) ver- 
langt ausdrücklich für einen guten Brunnen, «daß die Quelle unten im Boden 
und nicht an den Seiten entspringe», dagegen soll man, wenn man bis zu 
dem Wasser gekommen ist, ohne Sand und Kalk mauern, damit die Adern 
nicht verstopft werden. In neuerer Zeit ist man nicht nur bestrebt, die 
Brunnen in der von PUnius angegebenen Weise herzustellen, sondern die 
Sanitätspohzei verlangt auch, daß die Brunnenschachte nach der Oberfläche zu 



'31) Ganz ähnliche Verhältuisse zeigt der Holzbrunnen zwischen Flamersheim und 
Kirchheim, siehe Eick: Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln. Bonn 1867, 
Seite 119. 



156 Technische Ergebnisse. 

wasserdicht abgeschlossen werden. Gerade bei kleinen Hofraiten, den Camihae, 
lagen wahrscheinlich die Verhältnisse ebenso wie heutzutage noch auf dem 
Lande, wo bei durchlässigem Boden alle rings um den Brunnen zusammen- 
laufenden Schmutzwasser langsam in den Brunnen sickern und diesen ver- 
giften, — eine ewige Quelle von Seuchen das ganze Mittelalter hindurch bis 
auf unsere Zeit. 

Die Stärke der Mauern hängt von der Tiefe und Weite der Brunnen 
ab und schwankt zwischen 40 und 70 cm; kräftige, sich oft wiederholende 
Binder erhöhen die Haltbarkeit, und das Mauerwerk ist deshalb jetzt noch 
in so gutem Zustande, daß die Brunnen einen Zusammensturz nach der Aus- 
grabung kaum befürchten lassen. Aus diesem Grunde wurden, wenn irgend 
möglich, die oberen Schichten erneuert und über der Erde mit Cementmörtel 
aufgemauert, sodaß sie den Blicken der Menschen erhalten bleiben und, wenn 
Wasser vorhanden ist, wieder benutzt werden können; bei den ausgeschalten 
Schachtbrunnen ist es ohne Aufwand großer Kosten nicht angängig. Nur 
ein einziger dieser letzteren ist zur Belehrung offen gelassen; alle übrigen 
sind wieder zugeworfen, und nur große Quarzitsteine mit den der Tafel XIII 
entsprechenden Nummern zeugen noch von diesen für die Wissenschaft so 
ergiebigen Fundgruben. 

Ich lasse ein Verzeichnis der Brunnen, nach der Zeit ihrer Wieder- 
auffindung geordnet, mit der Angabe ihrer Abmessungen und der bemerkens- 
wertesten Funde folgen; die laufenden Nummern sind dieselben wie die auf 
der Übersichtskarte (Tafel XIII) eingeschriebenen: 

Nr. 1. Ausgemauerter Brunnen im Kastelle (Praetentura), in der Nähe der 
Paria praetoria (siehe auch Tafel VII, Nr. 4); von Hobel 1857 ausgeräumt. Durch- 
messer 1,05 m, Tiefe 26 m; er hatte bei der Ausgrabung einen Wasserstand von 
ca. 3 m, der jetzt ganz verschwunden ist, was umsomehr auffallen muß, als dieser 
Brunnen nicht allein der tiefste ist, sondern auch fast am tiefsten Punkte des Saalburg- 
gebietes liegt. Gefunden wurde darin nach den Notizen Hobels außer wenigen Scherben 
nur ein Stück Eichenholz. Im Jahre 1886 hat man das obere zerstörte Mauerwerk 
in einer Höhe von 2 m wiederhergestellt, 60 cm hoch über den Boden aufgemauert 
und dann mit einer Cementschicht und Rasen bedeckt. 

Nr. 2, Schachtbrunnen ohne Verschalung auf der Westseite des Hofes 
im Praetorium; im Jahre 1857 unter Leitung Hobels ausgeräumt (Tafel VII, Nr. 2). 
In den Notizen des Letzteren heißt es: «Der Brunnen steht in Letten und ist ohne 
Holz gebaut; es fanden sich in demselben etwas Brandspuren, Ziegel- und Gefäßtrümmer; 
in einer Tiefe von 7,50 m beginnt der Fels und ist erst hart, dann weich und schiefrig; 
bei 10,50 m Tiefe fand sich Eichenholz, Brettstücke, Schutt von Letten und Gefäß- 
scherben ohne Brandspuren». Der Brunnen ist nicht vollständig ausgegraben worden, 
er stürzte, wahrscheinlich infolge mangelhafter Aussteifung, eines Nachts im November 
1857 wieder ein. Eine Leiter und Handwerkszeug, welche von den beteiligten Arbeitern 
in dem Brunnen zurückgelassen waren, sind dabei mitverschüttet worden ; ein Versuch, 
ihn vollständig auszugraben, hat nicht mehr stattgefunden. Der Durchmesser beträgt oben 
3,60 m; dann bei 7,50 m Tiefe 3 m und schließlich, unterhalb des Absatzes, 2,10 m. 

Nr. 3. Schachtbrunnen ohne Verschalung, ebenfalls innerhalb des Hofes 
im Praetorium. Schon Hobel hatte ihn als Brunnen erkannt, aber nicht tief genug 



Die Wasserversorgung. 157 

untersucht, um über seine Herstellungsweise und Abmessungen berichten zu können. 
Im Herbste 1890 wurde der Versuch gemacht, ihn ganz auszugi-aben ; die Arbeit, die 
ohne eine gute und kostspielige Einschalung sehr gefährlich schien, mußte aber auf- 
gegeben werden. Doch ließ sich feststellen, daß der Brunnenschacht quadratischen 
Querschnitt hat und tiefer als 8 m ist — so tief hatte man gegraben. Die Holz- 
verschalung war nicht mehr vorhanden. Bei den Arbeiten gewann man den Eindruck, 
als sei der Brunnen noch nach der Römerzeit nicht vollständig verschüttet gewesen, 
oder in früheren Jahrhunderten von Schatzgräbern*^^), welche die nötigen Absprießungen 
unterließen, durchwühlt worden; denn bis zu einer Tiefe von 6 m lag rings um 
den Brunnen eine Auffüllung von mindestens 2 m, sodaß eine Öffnung von 5^2 m ent- 
stand. Erst bei 8 m Tiefe ergab sich ein regelrechter Schacht von etwa 1,50 m Weite. 
Durch ein plötzlich eingetretenes starkes Regenwetter stürzte die Grube zusammen. 
In der besagten Tiefe fand sich Wasser und in dem moorigen Boden Stücke von ver- 
ziertem Leder, dabei einige gut erhaltene Silber- und Bronzemünzen von Domitian, 
Trajan und Hadrian. 

Nr. 4. Ausgemauerter Brunnen im östlichen Teile der Betentura (siehe 
auch Tafel VII, Nr. 1). Dieser, unter Habeis Leitung 1857 ausgeräumt, ist bis auf 
8,75 m ausgemauert; dann folgt eine in den Felsen gehauene kesselartige Vertiefung 
von 1,40 m. Die Gesamttiefe beträgt 10,05 m, der obere Durchmesser 1,60 m, der 
untere 1,40 m und die Mauerstärke 0,60 m. Der durchschnittliche Wasserstand mißt 
4,60 m. Der Brunnen wurde wie Nr. 1 wiederhergestellt und hat für die Erhaltungs- 
arbeiten das Mörtelwasser geliefert. Nach Hobels Notizen fanden sich in einer Tiefe 
von 5,50 m Erlen-, Birken-, Vogelbeer- und Buchenholzstücke; auf dem Brunnengrunde 
soll ein Kranz von Eichenbohlen mit 4—5 Brettern von 3— 5 cm Stärke gelegen haben. 

Nr. 5. Ausgemauerter Brunnen vor der Porta decumana (siehe auch 
Tafel XIV, Fig. VI). Derselbe steht auf einem sechseckigen eichenen Roste von 0,55 m 
Stärke. Der obere Durchmesser beträgt 2,10 m, der untere 1,70 m, die Tiefe 10,60 m, 
die Mauerstärke 0,70 m. Die Ausfüllung bestand in dem oberen Teile aus Brandschutt, 
dann hauptsächlich aus Mauersteinen, mit Ziegeln und Gefäßscherben vermischt, ferner 
aus vielen Resten von Laub- und Rundholz, sodaß es aussah, als ob der Brunnen 
erst in den letzten Jahrhunderten, vielleicht bei der Waldkultur, zugeschüttet worden 
wäre. Diese Ansicht wird durch die obenerwähnten, in einer Tiefe von 9 m ge- 
fundenen, frühmittelalterlichen Gefäße unterstützt. Der Brunnen lieferte sonst keine 
Fundstücke. Im Übrigen ist er nach seinen Abmessungen und seinem Wasserzuflusse 
bis jetzt von allen der ansehnlichste; er scheint auch durch seine Lage am Schnittpunkte 
der beiden römischen Straßen von besonderer Bedeutung gewesen zu sein und kann 
wohl als öffentlicher Brunnen angenommen werden. Hier mögen auch die Fuhrleute, 
die aus der Ebene kamen und ihre Waren nach dem Auslande brachten, gerastet und 
ihre Pferde getränkt haben. Die Fundamente von Gebäuden und Baracken, die sich 
unmittelbar bei dem Brunnen befinden, sind zu beachten und geben der Vermutung 
Raum, daß an dieser Stelle ein Hauptverkehrsplatz war. Der Brunnen, der vom 
2. bis 17. Juli 1884 ausgeräumt wurde, ist wiederhergestellt und mit einer Pumpe ver- 
sehen, die uns reichlich mit Wasser für die Erhaltungsarbeiten versorgt. 

Nr. 6. AusgemauerterBrunnen, östlich vom Kastelle (siehe auch Tafel XIV, 
Fig. V). Oberer Durchmesser: 1,40 m, unterer: 0,90 m. Tiefe: 7,75 m. Er ist auf 
einen schwachen Rost von Eichenholz aufgesetzt (siehe Abbildung), an welchen eine 



132) Siehe Seite 10. 



158 Technische ErgebnisBe. 

faßähnliche Verschalung von 16 Dauben (0,80 m hoch) mit Holzdübeln befestigt war 
(vergl. Tafel XIV, Fig. IX); sie wurde herausgenommen und im Saalburg -Museum 
aufgestellt. Die innere BeschaflFenheit des Brunnenschachtes läßt vermuten, daß das 
Wasser nach der Aufmauerung oder später in trockenen Jahren nicht genügt hatte, 
und daß der Brunnen infolgedessen hat vertieft werden müssen. Faßdaubenähn- 
liche, zugespitzte Bretter waren in den Boden eingeschlagen, um das Rutschen 
des Erdreichs zu verhindern; die eingebohrten Löcher hatten vielleicht den Zweck, 
das Wasser aus den Seiten wänden durchzulassen. Eine ähnliche Befestigung der 
Brunnensohle ist, wie wir sehen werden, noch in anderen Brunnen vorgefunden worden; 
es ist daher nicht ausgeschlossen, daß noch andere Gründe die Veranlassung zu einer 
solchen Konstruktion gaben, besonders wenn man erwägt, daß öfters die Mauer auf 
der faßartigen Verschalung steht und hinter derselben lose Steine mit großen Zwischen- 
räumen eingelegt sind'*^). Da es, wie wir bei anderen Brunnen sehen werden, auch 
vorkommt, daß der gemauerte Brunnenkranz gleichzeitig auf Sohlschwelle und faß- 
ähnlicher Verschalung sitzt, so ist anzunehmen, daß hiermit einmal eine Befestigung 
der Sohlschwelle und eine Sicherung gegen Bewegungen des anstehenden Erdreichs 
beim Beginn der Arbeit, mehr aber noch die Verhinderung einer Unterspülung des 
Mauerwerks durch Wasser mittelst einer Art Spundwand erstrebt wurde. Die ur- 
sprüngliche Vertiefung hatte einen zu großen Durchmesser; der Raum zwischen dem 
unregelmäßigen Loche und der Spundwand mußte deshalb ausgefüllt werden, wodurch 
gleichzeitig ein Gegendruck gegen das Wasser geschaffen wurde. 

Funde: Eine gedrehte Rolle aus Eichenholz, wahrscheinlich von der Zieh Vorrichtung 
des Brunnens herrührend (Tafel XIV, Fig. VIII und Villa); zwei Pferdeschuhe, eine 
sehr schöne eiserne Kette mit verziertem Haken, gut erhalten (Tafel XIV, Fig. VII); 
die Kette (zum Aufhängen einer Reibschale) ist durch ihr geringes Gewicht merk- 
würdig und erregte das Interesse der Eisentechniker; das Eisen derselben ist wahr- 
scheinlich durch Zersetzung des Wassers verändert. Auch befanden sich viele Knochen 
in dem Schlamme des Brunnens, die durch Vivianit"*) (phosphorsaures Eisen) blau 
gefärbt waren. Der Brunnen wurde vom 15. bis 19. August 1884 ausgegraben. 

"*) In der Taunusgegend werden auch heute noch die Brunnen in ähnlicher Weise 
vertieft, wenn in einem Orte eine größere Zahl von Brunnen angelegt sind und durch den 
gesteigerten Wasserverbrauch sowie in trockenen Jahren der Wasserspiegel sinkt. 

"*) Der Vivianit, welcher überall in den Brunnen, in denen sich Knochen und Eisen 
zusammen befinden, vorkommt, verdankt diesen seine Entstehung und scheint ein sehr 
gutes Konservierungsmittel gegen den Eisenrost zu sein; fast alle Gegenstände aus Eisen, 
die mit Vivianit überzogen waren, sind vorzüglich erhalten und bedürfen höchst selten 
einer anderweitigen Konservierung. In den Höhlungen der Knochen sind uns Krystalle 
von Vivianit, die sich jetzt im Saalburg-Museum befinden, erhalten. Herr Dr. Gericke in 
Lindenau bei Leipzig hatte die Freundlichkeit, den in den Saalburg-Brunnen gefundenen 
Vivianit näher zu untersuchen; er schreibt darüber: 

«In der Höhlung eines Wirbelknochens (wahrscheinlich Hirsch) findet sich der 
Vivianit in sehr schönen kleinen monoklinen Krystallen von indigoblauer Farbe mit 
starkem Glasglanz; fast alle Krystalle bestehen aus mehreren säulenförmigen Individuen 
ohne deutliche Endflächen, doch konnte bei einem Krystall die Form ooFoo, ooF, Foo 
deutlich unter dem Mikroskope erkannt werden. 

Ursprünglich bat dieser Vivianit aus farblosem phosphorsaurem Eisenoxydul -(- Aqua 
bestanden, er hat sich aber, wie Bammelsberg nachgewiesen hat, durch den Sauerstoff der 
Luft unter Abscheidung von braunem Eisenoxyd, von welchem auch die Krystalle allseitig 
umgeben sind, teilweise oxydiert und sind hierdurch die blauen Krystalle von wasser- 



Die Wasserversorgung. 159 

Nr. 7. Ausgemauerter Brunnen, 20 m nach Osten von dem vorigen ent- 
fernt (oberer Durchmesser: 1,20 m, unterer: 0,50 m, Tiefe: 5,40 m), ist auf festen 
Felsen mit durchlässigen Quarzadern aufgemauert. Dieser fast auf dem höchsten Punkte 
der Saalburg angelegte Brunnen hat den stärksten Wasserzufluß, trotzdem er die ge- 
ringste Tiefe von allen bis jetzt aufgedeckten Brunnen besitzt. Das Wasser ist vor- 
züglich. Die Ausgrabung fand vom 28. Juli bis 4. August 1884 statt, war aber durch 
immerwährenden Zufluß mit großen Schwierigkeiten verbunden. Der gemauerte Brunnen- 
kranz (siehe Tafel XIV, Fig. IV) war beinahe bis zur Oberfläche vorzüglich erhalten; 
eine fast intakte Stückung bedeckte den mit Bauschutt und behauenen Steinen aus- 
gefüllten Schacht; sie war mit Waldboden bedeckt und äußerlich nicht erkenntlich; 
sie wurde wahrscheinlich schon während der Römerherrschaft hergestellt. Ob der 
Brunnen, dessen Wasser chemisch"*) untersucht und als vorzüglich befunden worden 
ist, aus sanitären Gründen oder wegen Verkleinerung der Bürgerlichen Niederlassung 
(vergl. den Abschnitt IX. 1) aufgegeben wurde, läßt sich jetzt nicht mehr feststellen. 

Funde: Votivaltar mit Inschrift, dem Jupiter Dolichenus gewidmet (vergl. den 
Abschnitt XIII. 2 «Die Inschriften» A. II. 15), Bruchstück einer linken Hand, Kopf 
von einem Genius, alle drei Gegenstände aus Vilbeler Sandstein ; der hintere Teil eines 
Vogels aus Basalt. 

Nr. 8. Ausgemauerter Brunnen, östlich vom Kastelle im Friedrichsdorfer 
Gemeindewald. Oberer Durchmesser: 1,05 m, unterer: 0,95 m. Tiefe: 5,60 m. In der 
Tiefe von 4.65 m geht der kreisrunde Querschnitt in einen quadratischen über, der 
sich bis zur Sohle 0,60 m hoch fortsetzt ; dieser Teil war mit eichenen Bohlen aus- 
geschalt. Funde: Gewöhnliche Thonscherben. Die Ausfüllung bestand aus Brand- 
schutt mit Bausteinen; ausgeräumt vom 31. August bis 3. September 1885. 

Nr. 9. Ausgemauerter Brunnen, gleichfalls im Friedrichsdorfer Wald 
und zwar an dem neuen Waldwege gelegen, der nach dem Gemeinde-Pflanzgarten und 
dem «Fröhlichen Mannskopf» führt, hat wie Brunnen Nr. 6 eine faßähnliche Verschalung 
von 0,80 m Höhe, die sich aus 15 eichenen Dauben zusammensetzte. Auch diese 
wurden herausgenommen und fanden in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung Auf- 
stellung im Saalburg -Museum. Oberer Durchmesser: 1 m, unterer: 0,95 m. Tiefe: 
9 m. Das Mauerwerk, fast bis zur Oberfläche erhalten, wurde erhöht und mit Cement 
und Rasen abgedeckt. Die Forstbehörde benutzt das dem Brunnen reichlich zu- 
fließende Wasser zum Gießen im Gemeinde-Pflanzgarten. Ausfüllung: Brandschutt und 
Steine, Rundholz und buchene Erdstöcke. Funde: ein Stampfer aus Buchenholz, 
Dauben und ein Boden von einem kleinen Zuber. Ausgebeutet vom 27. Mai bis 
9. Juni 1885. 

Nr. 10. Ausgemauerter Brunnen, ebendaselbst südöstlich von dem voi'igen 
gelegen, wurde nur bis zur Tiefe von 5,50 m ausgeräumt, weil von da ab das Mauer- 



haltigem phosphorsaurem Eisenoxydul - Oxyd entstanden. Die Bildung dieser Vivianit- 
Krystalle in der kurzen Zeit von ca. 1600 Jahren ist sehr leicht erklärlich. Die eisernen 
Gegenstände, welche sich mit den Knochen zugleich in dem Brunnen gefunden haben, sind 
durch den Schwefelwasserstoffgehalt des Wassers (aus Fäulnis organischer Substanzen) in 
Schwefeleisen und dieses durch Oxydation in schwefelsaures Eisenoxydul (Eisenvitriol) 
umgewandelt worden, und dieses hat sich in Lösung mit dem phosphorsauren Kalke, woraus 
hauptsächlich die Knochen bestehen, in phosphorsaures Eisenoxydul (Vivianit) und schwefel- 
sauren Kalk (Gyps), welch letzterer zum größten Teile in Lösung mit dem Wasser fort- 
geführt worden ist, umgesetzt.» 

136) Siehe den Schluß dieses Abschnittes. 



160 Teclinische Ergebnisse. 

werk sich gefährlich eingebogen hat. Eine vollständige Ausgrabung hätte eine Ein- 
schalung erforderlich gemacht; man sah deshalb, der erheblichen Kosten wegen, vor- 
läufig von einer weiteren Ausgrabung ab. Oberer Durchmesser : 1,20 m, unterer, d. h. 
bei 5,50 m Tiefe: 1,10 m. Ausfüllung: Brandschutt und Steine. Funde: In den 
oberen Schichten größere Stücke von Mühlsteinen aus Basalt-Lava, Scherben und 
stark verrostete Nägel. Ausgeräumt vom 23. bis 29. August 1884. 

Nr. 11, In den Felsen gehauener Brunnen, ebendaselbst westlich von 
dem vorigen gelegen ; er ist gut erhalten und hat quadratischen Querschnitt ; die Wände 
sind nach oben rauh, nach unten glatt gehauen. Die Sohle hat eine kesselartige Ver- 
tiefung von 0,30 m. Weite: durchschnittlich 1,20 m, Tiefe: 5,60 m, Ausfüllung: 
Oben wenig Brandschutt, dann Steine, mit schiefrigem Boden vermischt. Funde: 
Stücke von Buchen- und Eichenholz, Bruchstücke von einer Brunnenwelle*"^). Aus- 
geräumt vom 1. bis 10. Oktober 1885. 

Nr. 12. Ausgemauerter Brunnen, südlich vom Kastell, unterhalb der Chaussee 
hinter den Kellern im Staatswald gelegen (siehe auch Tafel XIV, Fig. III). Oberer 
Durchmesser: 1,30 m, unterer: 0,90 m, Tiefe: 9,50 m. Die gut erhaltene Ausmauerung 
sitzt auf einem 0,45 m dicken, quadratischen eichenen Koste. Ausfüllung: Durchweg 
Brandschutt, mit Bausteinen vermischt. Funde: Ein Teller aus Terra sigillata mit 
dem Töpferstempel BELLATVLLVSF, zwei Teller aus gewöhnlichem Thon, eine Schüssel 
ans Bronze, eine Lochaxt, zwei große runde Nägel mit Köpfen (der eine 0,30 m, der 
andere 0,60 m lang, durchschnittlich 2^'2 cm dick), ein Stück eines Schiebeschlüssels 
aus Bronze in seiner natürlichen Metallfarbe ohne Grünspan, Teile eines Schrifttäfelchens, 
Dauben und Boden eines Fäßchens (Tafel XIV, XII und XII a). Auf der Sohle dieses 
Brunnens kam zum erstenmale Leder und Schuhwerk zu Tage und zwar ein aus 
einem Stück Leder gefertigter Schuh (carhatina), Tafel LXXX, Nr. 9. Ausgeräumt 
vom 9. bis 22. August 1884. 

Nr. 13. Ausgemauerter Brunnen, westlich vom Kastelle, jenseits der Obern- 
hainer Straße gelegen. Oberer Durchmesser: 1,10 m, unterer: 1 m. Tiefe: 9,20 m. 
Von der Sohle aufwärts erhebt sich eine 60 cm hohe quadratische Eichenholzausschalung, 
darüber gutes Mauerwerk. Ausfüllung: Hauptsächlich Steine und Waldboden, da- 
zwischen Buchen-, Eichen-, Hasel- und Wachholderholz. Funde: Scherben von ge- 
wöhnlichen Thongefäßen. Ausgeräumt vom 12. bis 20. August 1885. 

Nr. 14. Schachtbrunnen, südlich vom Kastelle auf dem Dienstlande des Saal - 
burgwärters gelegen. Obere Weite: 1,50 m, untere: 1,40 m. Tiefe: 7,30 m. Die Her- 
stellung solcher Schachtbrunnen ist bereits oben beschrieben worden ; es genügt daher 
bei der Aufzählung dieser Brunnen die Angabe der bezüglichen Maße. Der Schacht- 
brunnen Nr. 14 war der erste seiner Art, der an der Saalburg entdeckt wurde (vergl. 
Tafel XIV, II — II c; die vorhandenen Teile sind mit ausgezogenen, das Mutmaßliche 
mit punktierten Linien dargestellt). Er ist der einzige von den 23 ausgeräumten 
Schachtbrunnen, der eine teilweise Hintermauerung hat. Ausfüllung: Bauschutt, schief- 
riger Boden und Brandschutt, mit Holzstücken und Knochen untermischt. Funde: 
Ein Stück einer Korksohle, Sandalen, Schuhwerk (darunter ein Schuh mit Goldpressung) 
und verziertes Leder (Tafel LXXX, 6. 8. 10. 13), Eisensachen, ein Meißel, ein Pferde- 
schuh, eine Flachfeile mit Holzgriff (Tafel LXXX, 3), ein Eimerhenkel, ein Scharnier- 
band, ein Pfriemen, Nägel etc., ein Holzrechen (Raster) mit eisernen Zinken (Tafel LXXX, 2), 



"•') In Neapel fand ich an Brunnenwellen genau dieselben Hölzer zum Aufwinden 
des Eimerseiles verwendet. Auf Textfigur 22 ist eine solche Vorrichtung dargestellt. 



Die Wasserversorgung. |ßl 

ein Schrifttäfelchen mit sieben Zeilen verblaßter Schrift, eine Nadel und ein Ort- 
band aus Bein, zwei bearbeitete Ziegenhörner, ferner Teile von Hanf- und Bast- 
seilen und Fruchtkerne von Haselnuß, Welschnuß, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen 
und Pfii'sichen. Ausgeräumt vom 1. bis 13. April 1885; er stand längere Zeit offen, 
mußte aber, da er im oberen Teile nicht mehr genügend fest war, später zuge- 
schüttet werden, 

Nr. 15. Schachtbrunnen mit noch vorhandener, 5 m hoher eichener Ver- 
schalung, ca. 10 m nördlich von dem vorigen gelegen. Er ist in Absätzen eingegraben 
und zwar in Weiten von 1,50 m, 1,35 m, 1,25 m, 1,15 m und an der Sohle 1 m; 
Tiefe: 9,30 m. Ausfüllung: Steine, schiefriger Grund und Brandschutt; in letzterem 
viele organische Bestandteile, als Stroh, Gras, Knochen, Dung etc., was zusammen einen 
moorigen Schlamm bildete, in welchem sich die Altertümer gut konservierten. Dieser 
schlammige Boden, dessen Höhe diejenige des Grundwasserstandes anzeigt, fand sich 
in fast allen ausgeschachteten Brunnen, und zwar in Lagen von 1 bis 4 m Höhe. 
Funde: Schuhsohlen, Stücke von Hanfseilen, ein Unterkiefer und zwei Hufe von einem 
kleinen Pferde oder Maultier, Knochen, Kieferteile von Nagetieren und Fruchtkerne. 
Ausgeräumt vom 30. April bis 16. Mai 1885. 

Nr. 16. Schachtbrunnen, nördlich vom vorigen, direkt hinter dem vor dem 
Gebücke liegenden Keller c (Textfigur 21). Obere Weite: 1,30 m, untere: 1,20 m; 
Tiefe: 7,60 m. Ausfüllung: Hauptsächlich Brandschutt mit Scherben. Funde: Eine 
Ledersohle und ein aus einem Stücke Leder gearbeiteter Schuh, ein Eimer aus Eichen- 
holz mit eisernem Henkel (die Reife waren stark verrostet, sodaß der Eimer beim 
Ausheben zusammenfiel), eine eiserne Mauerklammer, ein Löffelbohrer (1,30 m lang), 
eine stark angebrannte Rolle von Eichenholz mit vollständigem Eisenbeschlag, Reste 
von Hanfseilen, Frachtkerne, Stücke von einem durchbohrten Pumpenstock (?) und 
Holzröhren (vielleicht für eine Pumpe oder Wasserleitung), ferner angebrannte Balken 
und Pfosten von der Ziehbrunnen vori'ichtung. Letztere wurde teilweise wieder zu- 
sammengesetzt und im Saalburg- Museum aufgestellt; siehe Tafel XIV, Fig. IIa und 
IIb, sowie die Rekonstruktionsversuche auf Textfig. 22. Ausgeräumt vom 13. bis 
23. November 1885. Die 4 m hohe Einschalung wurde, ausschließlich eines 60 cm hohen 
Stückes, herausgenommen und dann der Brunnen wieder zugeschüttet. 

Nr. 17. Schachtbrunnen, jenseits der Usinger-Straße, hinter den Kellern an 
der Grenzschneise des Friedrichsdorfer Gemeindewaldes gelegen. Obere Weite: 1,25 m, 
untere: 1,15 m; Tiefe: 10,15 m. Die Verschalung, die noch 3,45 m hoch vorhanden 
war, ging nur bis zur Tiefe von 8,15 m, die letzten 2 m des Schachtes standen in 
festem Schiefer. Ausfüllung: Brandschutt, mit Scherben vermischt. Funde: Ziegel mit 
Stempel COH IUI VIND, Dachschindel von Eichenholz (Tafel XIV, X), Leder- 
sohlen, Stückchen von Wollengewebe, Weidengeflecht von einem Korbe, Fruchtkerne, ein 
Teil eines Wagenrades, bestehend in Speichen und Nabe mit eisernem Nabering (Taf. LXXX, 
Fig. 1, la und Ib), sowie eine plattgedrückte Nabe und mehrere Speichen aus Eschen- 
holz, ein Deichselring mit zwei Ketten -Gleichen (auf dem ersteren die eingravierte In- 
schrift LEGr XIIII)^^''). Die letztgenannten Fundstücke lagen fast auf der Sohle des 
Brunnens und wurden in Gegenwart Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kron- 
prinzen Friedrich Wilhelm am 25. September 1885 ausgegraben. Ausgeräumt vom 11. 
bis 25. September 1885. Die Verschalung wurde herausgenommen und der Brunnen 
wieder zugeschüttet. 



137) Vergl. Abschnitt XIII, 2. D, 1. 
Jacobi, Das Römerkastell Saalbuig. 11 



162 Technische Ergebnisse. 

Nr. 18. Schachtbrunnen, südlich vom vorigen. Obere Weite: 1,85 m, dann 
in zwei Absätzen: 1,20 m und 0,95 m; Tiefe: 9,70 m. Obgleich quadratisch, war eine 
Holzeinschalung nicht mehr vorhanden. Für den unteren, in festen Schiefer gehauenen 
Teil war eine solche nicht nötig, auch hat der Brunnen von unten aufwärts einen runden 
Querschnitt. Die Ausfüllung bestand in ca. 2 m hoch liegendem Brandschutte und 
schiefrigem Boden; auf der Sohle lag Schlamm. Funde: Ein großer Teil eines einst 
arg zerrissenen und immer wieder geflickten Lederkollers, Ledersohlen und eine Holz- 
sandale (Tafel LXXX, Fig. 12, 14, 5 und 5a), eine eiserne Messerklinge (in zwei 
Stücken), ein Krügelchen, eichene Dauben und ein Boden von einem Eimer, sowie Frucht- 
kerne. Ausgeräumt vom 26. Oktober bis 6. November 1885, dann zugeschüttet. 

Nr. 19. Schachtbrunnen, südöstlich vom vorigen. Obere Weite: 1,30 m, dann 
in drei Absätzen: 1,05 m, 1 m und 0,95 m. Tiefe: 8,50 m. Von unten aufwärts 
steigend 1 m in Felsen gehauen, dann 2,50 m hoch verschalt. Ausfüllung: 1,50 m 
Brandschutt, dann schiefriger Grund, ohne jede Spur von Scherben. Funde: Ein 
Bronzehenkel, Gartenhäckchen aus Eisen mit Holzstiel, eine Ledersohle, zwei verzierte 
Schuhe (Taf. LXXX, Fig. 7 und 11), ein großer Teil einer Schüssel aus Rüsternholz 
(Tafel LXXX, Fig. 4). Ausgeräumt vom 12. bis 22. Oktober 1885. Die eichenen Bohlen, 
die angefault waren, wurden herausgenommen und der Brunnen wieder zugeschüttet. 

Nr. 20. Schachtbrunnen, südwestlich vom vorigen. Obere Weite: 1,50 m, 
untere: 1,45 m; Tiefe: 5,50 m. Ausfüllung: Brandschutt mit Steinen. Keine Funde. 
Ausgeräumt vom 7. bis 13. November 1885. Die 1 m hohe Verschalung wurde 
herausgenommen und der Bninnen zugeschüttet. 

Nr. 21. Ausgemauerter Brunnen im Friedrichs dorf er Gemeindewald, östlich 
vom Kastelle. Er wurde im Herbste 1885 gefunden. Die Ausräumung erfolgte vom 
24. bis 27. Oktober 1888. Der Brunnen ist 8 m tief; die faßähnliche Verschalung 
an der Sohle, aus 18 Dauben bestehend, hat eine Höhe von 0,85 m, sodass für die 
Höhe der darüber stehenden Ummauerung noch 7,15 m verbleiben; obere Weite: 1 m, 
untere: 0,85 m. Die Einschalung läuft konisch zu und hat oben 0,90 und am Boden 
0,70 m Durchmesser. Hieraus ergiebt sich, daß das Mauerwerk über derselben hervor- 
steht. Hinter dem Fasse, welches, ohne Reifen, nur durch die Spannung gehalten wird, 
befand sich eine Ausfüllung von lose eingelegten Steinen, die zur Verspannung und 
vielleicht gleichzeitig mit zur Filtration des Wassers gedient hat. Funde: Zwei Stücke 
Leder von einer Sandale, ein großer Nagel, 0,55 m lang, mit rundem Querschnitte, der 
wahrscheinlich ursprünglich als Schemelnagel (Verbindung des Wagenschemels und der 
Vorderachse eines Wagens oder Karrens) benutzt war, Stücke von bearbeitetem Holz 
und Scherben von gewöhnlichen Thongefäßen. 

Nr. 22. Schachtbrunnen, westlich von den an der Römerstraße gelegenen 
Kellern. Obere Weite: 1,30 m, dann in drei Absätzen: 1,10 m, 0,90 m und 0,80 m; 
Tiefe: 9,70 m. Dieser gleichfalls mit eichenen Bohlen ausgeschalte Brunnen war auf 
der Sohle mit eichenen Brettern belegt. Ausfüllung: Brandschutt mit Scherben und 
Ziegelstücken. Funde: 2 Bronzemünzen, die eine schlecht, die andere sehr gut erhalten, 
ohne Patina (Hadrian) ; zwei Bronzeverzierungen , etwa wie Fig. 8 auf Tafel LIX, 
ein Ringschlüssel, eine Ledersohle, Nägel, Knochen und Fruchtkerne; im Schlamm auf 
der Sohle ein größeres Stück eines facettierten Glasspiegels mit Goldfolie. Die Ein- 
schalung, noch 6,40 m hoch vorhanden, wurde herausgenommen und der Brunnen zu- 
geschüttet. Ausgeräumt vom 15. bis 20. Mai 1886. Am 18. Mai wohnten den Arbeiten 
bei: Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz Friedrich Wilhelm mit 
seiner hohen Gemahlin und den drei Prinzessinnen Töchtern. 



Die Wasserversorgung. 163 

Nr. 23. Schachtbrunnen, südlich vom Kastelle, unterhalb der Usinger Straße, 
10 m westlich vom Brunnen Nr. 18; als solcher durch 4 m tiefe Eingrabung im 
Frühjahr 1886 nachgewiesen. Tiefe: 12 m in Absätzen. Obere Weite: 1,40 m, 
dann 1,20 m, am Boden: 0,85 m; erst in einer Tiefe von 6,25 m fand sich die eichene 
Holzeinschalung. Funde: Eine eiserne Schale, stark verrostet, ein eiserner Doppel- 
haken, eine Schuhsohle, Bruchstücke von Eimer-Dauben, Spielsteine aus Thon und Bruch- 
stücke von Gefäßen. Ausgeräumt vom 6. bis 19. August 1887. 

Nr. 24. Schachtbrunnen, südöstlich vom Kastelle, in dem Zwickel zwischen 
Römerstraße und Chaussee. Obere Weite: 1,50 m, untere: 1,30 m; Tiefe: 9,00 m; die 
kesselartige Aushöhlung 1 m tief, also zusammen 10 m. Ausfüllung: Hauptsächlich 
Brandschutt, untermischt mit schiefrigem Grunde. Fundstücke: Drei Ledersohlen, 
ein Kinderschuh (ähnlich dem auf Tafel LXXX, Nr. 11 abgebildeten), eine Hornnadel, 
Bruchstücke einer gedrehten Holzschale mit Bronzeblech, ein Ring, welcher zum Zusammen- 
halten um den oberen Rand der Schale befestigt war, eine eiserne Auswurfschippe, Bruch- 
stücke von verzierter Terra sigillata, Knochen und Schädel von Pferden und Frucht- 
kerne. Ausgeräumt vom 20. August bis 8. September 1886. Nach Herausnahme der 
6 m hohen Einschalung von sehr gut erhaltenen eichenen Bohlen wieder zugeschüttet. 

Nr. 25. Schachtbrunnen. Vollständig ausgeräumt vom 18. bis 26. Juli 1887. 
Tiefe: 6,50 m. Die Holzeinschalung begann bei 4 m Tiefe; dieselbe war 2,10 m 
hoch, noch gut erhalten und 0,40 m tief in den feststehenden Schiefer eingehauen; 
obere Weite: 1,40 m, am Boden: 1,10 m. Funde: Mühlsteinbruchstücke, 5 Speichen 
von einem Karrenrad aus Eschenholz, zwei eiserne Nabenringe, Ringe mit Ketten- 
gleichen, Schüsselchen aus gewöhnlichem Thone und Scherben. 

Nr. 26. Schachtbrunnen. Vollständig ausgeräumt vom 29. Juli bis 5. August 1887, 
Tiefe: 7,80 m; bei 3,80 m fing die gut erhaltene und 4 m hohe Holzverschalung an. 
Obere Weite: 1,80 m, untere: 1,05 m. Funde: Stücke von Seilen und Bast, 12 Dauben 
und der Boden eines Eimers von Eichenholz, sowie andere Teile von Eimern; ein 
Rechen aus Eschenholz mit 7 Löchern für die eisernen Zinken, ein Kinderspielzeug 
(Schnurre) aus Holz, ähnlich wie ein Doppelknopf, Lederstücke von Schuhwerk, viele 
Scherben aus Terra sigillata und aus gewöhnlichem Thone. 

Nr. 27. Ausgemauerter Brunnen, 15 m östlich von Nr. 26, in der Friedrichs- 
dorfer Grenzschneise. Das Mauerwerk steht auf Felsen. Oberer und unterer Durch- 
messer: 1,10 m, also gleich weit; Tiefe: 7,30 m. Ausfüllung: Brandschutt mit Steinen. 
Funde: Ein Kinderschuh (calceus) , zwei Schuhsohlen, eine Glatt- oder Klebscheibe 
von Eichenholz, eine Fibula mit Email — ohne Grünspan — in natürlichem, gelbem 
Metallglanze erhalten, ähnlich wie Fig. 17 auf Tafel LXIX. Ausgeräumt vom 13. bis 
20. September 1886. Da der Brunnen in dem Friedrichsdorfer Gemeindewalde, und 
zwar in der Grenzschneise (Waldweg) liegt, konnte er trotz seines gut erhaltenen Mauer- 
werks nicht offen gelassen werden. 

Nr. 28. Ausgemauerter Brunnen, nördlich von dem vorigen, unmittelbar an 
der Grenzschneise im Staatswald, auf Felsen gemauert. Oberer Durchmesser: 1,20 m, 
unterer: 0,95 m; Tiefe: 11 m. Ausfüllung: Brandschutt, hauptsächlich mit Knochen ver- 
mischt, besonders nach der Sohle hin. Funde: Boden von einem Kübelchen oder 
Fäßchen aus Pinien- oder Fichtenholz, Amphorenscherben, eine mit einer eingekratzten 
Inschrift, zwei Schädel und viele Knochen, sowie fünf Hufe von Pferden. Ausgeräumt 
vom 20. September bis 2. Oktober 1886. Das Mauerwerk des Brunnens ist vorzüglich 
erhalten und geht bis zum Waldboden, von wo aus einige Schichten aufgemauert 
wurden; der Brunnen ist sehr wasserreich. 

11» 



164 Technische Ergehnisse. 

Nr. 29. Brunnen mit teils quadratischem, teils kreisrundem Querschnitte ohne 
Ausmauerung und ohne Ausschalung, in der Betentura des Kastelles gelegen. Bei den 
Aufdeckungsarbeiten in dem westlichen Teile der Betentura wurde auch diese schon 
bekannte, jedoch 1882 zugeschüttete Vertiefung wieder ausgegraben, wobei sich ein in 
Letten und Felsen angelegter Brunnenschacht ergab. Derselbe ist aus unbekannten 
Ursachen von den Kömern nicht ausgebaut, sondern mit dem ausgehobenen Boden-Letten 
und Schiefer, in denen sich kleinere Schichten von Hausabfällen fanden, wieder zuge- 
worfen worden. Auch ist der Schacht nicht bis zu den wasserführenden Quarzitadern 
gegraben ; es liegt deshall) die Vermutung nahe, daß sich bei der Anlage des Brunnens 
Stickgase zeigten, welche die Kömer verhinderten, die Arbeit zu vollenden. Und in 
der That kamen beim Ausrilumen Stickgase zum Vorschein, welche besondere Vor- 
kehrungen erforderten, um die Arbeit gefahrlos zu Ende führen zu können. Möglicher- 
weise kannten die römischen Brunnengräber an der Saalburg keine Hilfsmittel, um 
sich gegen diese Ausdünstungen zu schützen und die Luft in dem Schachte so zu ver- 
bessern, daß sie ihn hätten vollenden können; denn ohne zwingende Gründe wurde 
die große Arbeit wohl nicht aufgegeben. PUnius giebt zwar im 31. Buche, § 28, 
Mittel «die schädlichen Dünste zu beseitigen» an und sagt, man müsse, um die Luft 
zu verbessern, «beständig leinene Tücher darin schütteln und jene so herausventilieren». 
Auch Vitruv (VIIL 6. 12.) empfiehlt für derartige Arbeiten heute noch übliche Vor- 
sichtsmaliregeln mit den Worten: «Man lasse eine angezündete Lampe hinab; bleibt 
diese brennend, so wird man ohne Gefahr hinuntersteigen. Wird aber das Licht 
durch die Stickgase ausgelöscht, so gi'abe man neben dem Brunnenschachte zur Rechten 
und Linken Wetterschachte, worauf die Luftströmungen durch diese — gleichsam 
wie dui'ch Nasenlöcher — entweichen werden.» In den Gebieten des Taunus, wo 
die geologischen Verhältnisse dieselben wie an der Saalburg sind, kommt es sehr 
oft vor, daß die durchgegi-abenen verfaulten Schieferschichten Stickgase entweichen 
lassen , welche während der Ausgrabung des Schachtes beständig mittels einer Art 
Luftpumpe beseitigt werden müssen. Sobald die Bninnengräber auf die wasserführenden 
Quarzschichten stoßen und Wasser einfließt, verschwindet die Stickluft. 

Größe des Schachtes, der bis zu 8 m Tiefe quadratisch war: 4 m; dann kreis- 
rund mit einem Durchmesser von 2 bezw. 1,80 m. Gesamttiefe: 14 m. Funde: 
Eine auf beiden Seiten mit Leder umhüllte Korksohle, di-ei Stückchen von einem sehr 
dünnen, mit Zinnfolie belegten, konvexen Glasspiegel, ähnlich dem Glase einer Taschen- 
uhr, und zwei Böden von Terra-sigillata - Gefäßen mit den Töpferstempeln VIMPVSF 
und REGINVSFEC. In den schon erwähnten Schichten, in denen Hausabfälle mit 
Dung vermischt vorkamen, befanden sich drusenförmig eingebettete Käferlarven. Die 
Ausräumung des Schachtes fand mit einigen Unterbrechungen vom 12. Juli bis 
20. August 1886 statt, worauf er wieder zugeschüttet wurde. 

Nr. 30. Schachtbrunnen. Die 4 m tiefe und an der Oberfläche 5 m breite 
Vertiefung führt im Volksmunde den Namen «Herrenbütte» ; eine andere Bezeichnung, 
«Schloßborn», mag dadurch entstanden sein, daß der Brunnen stets mit Wasser an- 
gefüllt ist und direkt an der Villa liegt, der man früher den Namen «Schloß» bei- 
gelegt hatte. Die Ausräumung konnte infolge schlechten Wetters nicht zu Ende ge- 
führt werden. Die vom 4. Oktober bis 16. November 1886 ausgeführten Arbeiten haben 
die vollständige Gewißheit geliefert, daß sich hier ein großer und tiefer Brunnen befand, 
der entweder niemals ganz verschüttet oder vielleicht in der Zeit, als Schatzgräber 
auf der Saalburg wühlten, ausgeräumt wurde. Für Letzteres sprechen die mehrfachen 
provisorischen Absprießungen aus gewöhnlichem Rundholz, sowie daß sich die alte Bohlen- 



Die Wasserversorgung. 165 

einschalung nicht mehr an ihrer ursprünglichen Stelle befand, sondern kreuz und quer 
durcheinanderlag. Erst in der Tiefe von 14 in, v^^o die Arbeiten eingestellt wurden, 
schien es, daß die Bohlen sich noch in der richtigen Lage befänden, indessen trafen 
wir bis zu dieser Tiefe immer noch, wie in den ersten Schichten, viel Laub von Eichen 
und Buchen an, das nicht aus der Römerzeit, sondern aus einer Zeit herstammt, in 
welcher die Saalburg schon mit Wald bedeckt war. 

Der Schacht steht fest im Schiefer, doch sind einzelne Lagen stark zersetzt, so- 
daß der Brunnen nicht ohne Einschalung auszuräumen war. Der obere Teil des Schachtes 
ist durch das Abbröckeln des Schiefers allmählich weiter geworden, er hat an -der Ober- 
fläche 5 m und bei 7 m Tiefe noch 3 m Weite; von da ab ist der Querschnitt 
kreisrund mit einem Durchmesser von 1,80 m. Nach den angestellten Untersuchungen 
hat der Brunnen eine größere Tiefe als die bis jetzt ermittelte (14 m), was sich durch 
das Einstechen eines eisernen Bohrers nachweisen ließ. Der obere Teil war mit Mauer- 
steinen (darunter viele Bruchstücke aus Basalt und Vilbeler Sandstein) ausgefüllt, dann 
folgte mit Laub vermischter Brandschutt. Außer Bruchstücken von Ziegeln und Thon- 
gefäßen lieferte der Brunnen keine Funde. 

Nr. 31. Schachtbrunnen, südöstlich vor dem Kastelle, neben einem Keller 
gelegen; ausgeräumt vom 1. bis 10. September 1887. Tiefe: 10,00 m; die Verschalung 
war von unten aus in einer Höhe von 7,50 m gut erhalten; die OefPnung hatte oben 
eine Weite von 3 m, was sich am besten durch ein Nachrutschen bei der Anlegung er- 
klären lassen wird. Beim Beginne der Ausschalung, in einer Tiefe von 2,50 m, beträgt 
die lichte Weite 1,40 m, am Boden 1,10 m. Besonders interessant ist an diesem Schacht- 
brunnen die an den vier Ecken noch erhalten gewesene Verspannung durch 5 : 5 cm 
starke Querhölzer, die vielleicht auch als Leiter dienten; zur Verstärkung der Ein- 
schalung waren sie nicht erforderlich, da die Bohlen mit ihren üeberkämmungen ge- 
nügten, um dem Erddrucke zu widerstehen. Funde: Eine gut erhaltene Axt mit Holz- 
stiel (das Eisen war mit Vivianit überzogen), Ledei'stücke von Schuhwerk, Schuhsohlen, 
ein Huf und Knochen von Pferden, der größere Teil eines Trockenfruchtmaßes (römischer 
Doppelmodius), dessen Boden vollständig und der übrige Teil soweit erhalten war, daß 
das Gefäß wieder zusammengesetzt werden konnte; Bruchstücke eines gedrehten Holz- 
gefäßes und eine kleine Urne aus schwarzem Thon. 

Nr. 32. Östlich von dem vorigen lag ein angefangener und nicht fertig gestellter 
Brunnen mit rundem Querschnitt; er hatte weder Mauerwerk noch eine Holzeinschalung. 
Tiefe: 2,50 m, Durchmesser: 1,80 m. Er war mit roher Erde, in der nur wenige 
Scherben lagen, ausgefüllt. Ausgeräumt vom 28. bis 30. September 1887. 

Nr. 33. Schachtbrunnen im Kastelle, östlich vom Magazin. Querschnitt: 
unregelmäßiges Viereck. Tiefe: 6,50 m; Durchmesser oben: 4m, unten: 2 m; Ver- 
schalung nicht vorhanden. Funde: Eine kleine Bleikugel, Terra-sigillata-Schale in 
Stücken, Dachschindeln aus Eichenholz und verschiedene Holzstücke, 2 Bronzemünzen, 
die eine von Antoninus Plus, die andere unleserlich. Ausgeräumt mit Unterbrechungen 
vom 29. Juni bis 14. Juli 1888. 

Nr. 34. Schachtbrunnen. Ausgegraben vom 14. — 15. Oktober 1889. Tiefe: 
8 m; von oben bis zur Tiefe von 3 m, dem Beginne der Verschalung, welche 
2 m hoch erhalten war, in festen Schiefer eingehauen, alsdann abermals 3 m tief in 
gleicher Weise hergestellt. Weite, oben: 1,40 m, unten: 1,30 m, im Felsen: 1,20 m. 
Funde: 4 Bronzemünzen (3 unbestimmbar, eine von Hadrian), ein Hufeisen von 
eigentümlicher Form, Werkzeuge zum Hufbeschlag, eine gut erhaltene Hauklinge, ein 
kleiner Amboß, ein Thürschloß, ein Schiebe- und ein Drehschlüssel, ein kleines Thon- 



X66 Technische Ergebnisse. 

gefUß, ein Topfdeckel (aus gewöhnlichem schwarzem Thon mit merkwürdigem Knopf), 
Boden eines Terra-sigillata-GefUßes mit dem Töpferstempel VIMPVS, Lederwerk, Hanf- 
geflecht und sämtliche Teile eines hölzernen Brunneneimers. 

Nr. 35. Schachtbrunnen, in der Bürgerlichen Niederlassung. Dieser und 
die folgenden Brunnen bis einschließlich Nr. 40 liegen hinter den, an der Westseite 
der Hauptstraße (Saalburg-Heddernheim) gelegenen Kellern. Ausgegraben vom 16. bis 
28. Juni 1890. Tiefe: 8,50 m; bei 3 m fing die eichene Verschalung an und er- 
streckte sich bis zu einer Tiefe von 7,65 m ; von da ab war der Schacht mit rundem 
Querschnitt in den Felsen gehauen. Weite, oben: 1,50 m, unten: 1,35 m. Funde: 
Eine Doppel -Rodhacke, ein Meißel, verschiedenes Eisenwerk, Stücke von Mühlsteinen, 
Lederstücke von Schuhen, Scherben von Gefäßen. Besonders hervorzuheben sind einige 
mittelalterliche Thonplättchen (Fliesen) mit Verzierungen, die in einer Tiefe von etwa 
7 m gefunden wurden; dieselben stimmen in Größe und Technik mit denen über- 
ein, die man bei dem in der Nähe der Lochmühle gelegenen Kloster Thron (siehe S. 5) 
fand. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß im Mittelalter dieser an dem alten 
römischen Wege, der jenseits der Höhe zu jenem Thron fährte, gelegene Brunnen 
noch teilweise offen stand und die Fliesen durch Zufall hineinkamen. 

Nr. 36. Gemauerter Brunnen; er steht in einer Tiefe von 7 m auf einem 
viereckigen, 20:20 cm starken eichenen Roste, ist dann 2 m tief in Felsen gehauen, 
sodaß die Gesamttiefe 9 m beträgt. Weite, oben: 1,10 m, unten: 1 m. Die in den 
Felsen gegrabene konische Einschachtung hat oben, d. h. unter dem Holzroste, eine 
Weite von 1,40 m und springt dann um die Stärke des viereckigen Rostes zurück, 
der seine Auflagerung nur auf den Zwickeln findet, die durch den Übergang von dem 
kreisförmigen Felsenschachte in den viereckigen Rost entstehen. Ausgeräumt vom 
17. bis 26. August 1891. Funde: Ein Krügelchen, eine Schüssel, verschiedene San- 
dalen, ein Kinderschuh und Lederstücke, ein Schrifttäfelchen' aus Pinienholz (ohne 
leserliche Schrift), der größte Teil eines zweiseitigen Kammes aus Buchsbaumholz, 
Teile von Eimern und sonstigen Holzgefäßen, Dachschindeln, Obstkeme von Mirabellen, 
Kirschen und Nüssen, eine Bronzemünze von Hadrian, und als besonders wertvoll: 
Stücke von Weinreben. Bei der Ausschachtung des letzten Schuttes am Boden, wo 
in der Regel die besterhaltenen oder vielmehr die interessantesten Funde der Brunnen 
liegen, — am 26. August 1891 — waren Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, 
Se. Königl. Hoheit der Prinz von Wales, Se. Königl. Hoheit der Kronprinz von Griechen- 
land nebst Gemahlin und Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Margarethe von Preußen, 
nunmehrige Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, anwesend. 

Nr. 37. Schachtbrunnen. Tiefe: 5,50 m; Weite, oben: 1,40 m, unten: 
1,20 m; Verschalung 1 m hoch, in Felsen gehauen 1 m. Funde: Backstein mit 
Stempel der Coh. IUI. Vindel., verschiedene Gegenstände aus Holz, darunter die 
Rolle aus Rüsternholz (Textfigur 23, 2a — 2d). Ausgeräumt vom 14, bis 17. Sep- 
tember 1891. 

Nr. 38. Gemauerter Brunnen. Tiefe: 8 m; Weite, oben: 1,15 m, unten: 
0,90 m. Im Boden fand sich eine nach unten konisch zulaufende Verschalung; diese 
hatte eine Höhe von 0,90 m, oben eine Weite von 0,90 m und unten eine solche von 
0,75 m; sie wurde herausgenommen. Funde: Eine blaue Glasperle, ein eiserner 
Hammer mit Holzstiel, Hanfflechtwerk von Seilen, Dachziegel, Ziegelstücke mit Ab- 
drücken von Hundepfoten, bearbeitetes Holz, Dauben und Böden von Eimern, Leder 
von Schuhwerk, eine eiserne Kette und Bruchstücke von Gefäßen. Ausgeräumt vom 
22. bis 80. Juli 1891. 



Die Wasserversorgung. 167 

Nr. 39. Gemauerter Brunnen. Tiefe: 6 m; Weite, oben: 1,30 m, unten: 
0,82 m. Faßartige Verschalung am Boden: 0,90 m hoch und 0,80 m weit. Aus- 
geräumt vom 12. bis 15. August 1891. Funde: Zwei Eimer aus Eichenholz mit 
Beschlägen, eine kleine Votivhand aus Bronze, ein kleines Herz aus Goldblech, eine 
Schale von Zinn, ein Halsring aus Bronze mit beweglichem Verschluß, sowie ein 
kupferner Kessel mit eisernem Tragringe, Alles im Schlamme gut erhalten und wenig 
oxydiert. 

Nr. 40. Gemauerter Brunnen, entdeckt 1891, ausgegraben vom 31. Mai bis 
6. Juni und am 14. Oktober 1893. Tiefe: 8,50 m; Weite, oben: 1,05 m, unten: 
0,90 m; an der Brunnensohle eine faßartige Verschalung, 0,80 m hoch und 0,90 m 
weit. Da kein Holzrost unter dem etwas gelockerten Mauer werke lag, mußte die ein- 
gespannte Verschalung darin belassen werden, da sonst der Einsturz des Mauer- 
werks zu befürchten war. Funde: Einige wohlerhaltene Gefäße aus gewöhnlichem 
Thone, eine gefältelte Urne, Stücke von Mühlsteinen, Hohlziegel, mit Pech oder Asphalt 
bestrichen, Ledersachen (Sandalen, ein Pantoffel, ein Schnürschuh); Holzgegenstände: 
Dachschindel, Felgen und Speichen von einem Schwungrade, welches zum Heben des 
Wassers gedient haben mag, Teile von Schrifttäfelchen aus Pinienholz und Stücke 
von einem Holzgefäße; ferner Eisensachen, Haken, Ringe, Doppelhacke, ein Bronzering 
und eine Bronzemünze {Trajan), Bastflechten, Knochen von Pferd, Hund und Fuchs, 
Fruchtkerne von Kirschen, Welsch- und Haselnüsse. 

Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen nebst Gemahlin, Ihrer Königl. 
Hoheit der Prinzessin Irene, und Se. Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen wohnten 
am 14. Oktober 1893 der Ausgrabung bei, an der Prinz Heinrich sich selbst mit 
großem Eifer in der Tiefe des Brunnens beteiligte; Se. Königl. Hoheit hatte die Freude, 
den gut erhaltenen Schnürschuh und das Rad zu finden. 

Nr. 41. Gemauerter Brunnen, mit kesselartiger Vertiefung im Felsen; er 
lag östlich vom Kastelle, in einem Räume des Kaufhauses. Tiefe: 4 m; Weite, oben: 
1 m, unten: 0,80 m. Gefunden wurde nichts, selbst die eingefüllte Erde enthielt 
keine Scherben. 

Nachdem im Vorstehenden die Brunnen einzeln nach Abmessungen, 
Konstruktion und Inhalt besprochen worden sind, erübrigt noch, einige all- 
gemeine Bemerkungen und Schlußfolgerungen daran zu knüpfen. 

Zunächst hat sich, was die Lage der Brunnen betrifft, ergeben, daß im 
Kastelle selbst deren nur 6 aufgefunden wurden; es ist dies im Vergleiche 
mit der Zahl der in dem Gelände vor dem Kastelle liegenden Brunnen eine 
sehr geringe, insbesondere wenn man erwägt, daß sich diese auf die gesamte 
Fläche des Kastells (32 500 qm) verteilen, von der nahezu 30 000 qm systematisch 
ausgegraben sind. Es kommt demnach hier auf 5000 qm nur ein Brunnen. 
Dagegen fanden sich in der Bürgerlichen Niederlassung auf einem südlich des 
Kastells gelegenen, ca. 5400 qm großen Gelände 18 Brunnen, mithin durcli- 
schnitthch auf 300 qm je einer (siehe Tafel XIII und Textfigur 21). 

Ein noch merkwürdigeres Verhältnis ergiebt sich, wenn man das Gebiet, 
welches zwischen dem Dienstlande des Wärters und den Kellern I bis V liegt, 
für sich betrachtet; hier kommt nämlich gar auf nur ca. 160 qm ein Brunnen. 
Ein vollständiges Bild dieser Verhältnisse läßt sich selbstverständhch nicht eher 
geben, als bis noch weitere Nachgrabungen in der gesamten Bürgerlichen Nieder- 



168 Technische P>gebni8Be. 

lassuug vorgenommen sein werden ; aber die bei der Auffindung der Brunnen 
gemaclite Erfahrung hat gezeigt, daß in der Regel für jedes Haus oder Ge- 
höft ein Brunnen angelegt war. Gestützt auf diese Beobachtung, stellte man 
Untersuchungen mittels eines 2 m langen eisernen Stechers an, und zwar 
in der Weise, daß man in Entfernungen von 6 — 12 m hinter einem schon be- 
kannten Keller oder anderen Gebäude-Fundamenten nach einer mit Brand- 
schutt ausgefüllten Vertiefung suchte, was in den meisten Fällen zur Ent- 
deckung eines Brunnens führte. Aber auch umgekehrt wurde von einem schon 
festgestellten Brunnen aus nach Fundamenten von Bauten gesucht, eine Methode, 
welche sich nicht minder bewährte. Auf diese Weise wurden 21 Brunnen in der 
Bürgerlichen Niederlassung entdeckt. 

Bei den ausgemauerten Brunnen war die Aufsuchung eine weit leichtere, 
weil sich in der Regel bald Mauerwerk zeigte; dagegen lag bei den ausge- 
schalten Brunnen die Sache insofern schwieriger, als die Bohlen bis zu 4 — 6 m 
Tiefe, d. h. bis zum Wasserstande der Brunnen, verfault waren. Auch bestand 
die Ausfüllung oft aus schiefrigem Boden, in welchem jede Spur von Scherben 
fehlte, und der sich so fest eingeschläramt hatte, daß er vom gewachsenen 
Grunde nur schwer zu unterscheiden war. Indes gab der Zufall ein Mittel 
zur Unterscheidung an die Hand. Schon bei den zuerst aufgefundenen Holz- 
brunneu zeigte sich bei der Herausnahme der Einschalung, daß sie in der 
Regel mit Steinen ausgestückt und festgekeilt war; es kamen daher in gewissen 
Abständen immer Steine vor, die zum Weitergraben ermunterten, und diese 
Spuren trugen in der That wesentlich zur Auffindung der Schachte bei. 

Bei der Betrachtung der Tafel XIII und des in größerem Maßstabe auf 
Textfigur 21 dargestellten Lageplanes fällt die merkwürdige Thatsache auf, daß 
auf einem verhältnismäßig kleinen Räume elf Brunnen vorhanden sind. Dies 
veranlaßt uns daher zu der Frage: War es möglich, daß diese elf Brunnen 
auf einer Fläche von ca. 1800 qm gleichzeitig bestanden und im Gebrauch 
waren? Es ist dies kaum anzunehmen, und ich habe auch bereits oben dar- 
zulegen versucht, daß die Schachtbrunnen einer älteren Periode angehören. 
Diese Überzeugung wird durch fortgesetzte Wahrnehmungen bei den Aus- 
grabungen immer mehr befestigt. Der Wasserstand der Brunnen war nicht 
gleichmäßig und sank oder stieg je nach der Jahreszeit. Dies führte 
dazu, daß das Holz stellenweise in Fäulnis überging, wodurch das Wasser allmäh- 
lich verdarb. Wenn schon Holzbrunnen überhaupt von schlechtem Einflüsse auf 
die Qualität des Wassers waren, so mögen auch noch andere nachteilige Ein- 
wirkungen auf dasselbe stattgefunden haben, z. B. mangelhafte, undichte Ein- 
schalung, die von oben her Schmutzwasser einsickern ließ, sodaß das Wasser 
mit der Zeit überhaupt ungenießbar wurde und diese Brunnen aus Gesundheits- 
rücksichten aufgegeben werden mußten. 

Infolgedessen sah sich der Besitzer derHofraite, wollte er brauchbares Wasser 
bei seiner Wohnung haben, dazu genötigt, auf seinem begrenzten Grundstücke 
einen anderen Brunnen zu graben. Daß dieser zweite dann aus Steinen auf- 
gemauert wurde, ist wohl anzunehmen und auch durch die Auffindung von 



Die Wasserversorgung. 



169 



LAGE PLAN. °"^ 



a 15 




EYKlärung: 

D ScViachtbrunnen 

O gemauerte Brunnen 



O: 

3 



t r% 




I 1.1.1 U I i.J.I 



O 27 



nt7 



Ol2 



D 1« 



J 



•10 £0 50 M. 

Fig. 21. Lage der Cauabae uud der zugehörigen Brunnen. 



ausgemauerten Brunnen, die in der Nähe der Schachtbrunnen liegen, bestätigt. 
Besonders hierfür verweise ich auf Textfigur 21, die das bebaute und fast 
vollständig ausgegrabene Gelände zwischen dem Dienstlande des Saalburg- 
wärters und der Usinger Landstraße darstellt. Hier finden sich fast hinter 
jedem Wohngebäude ein gemauerter Brunnen und ein mit Holz verschalter 
direkt nebeneinander vor. 

Zur Erklärung der Ausfüllung und der Funde in den Schachtbrunnen sei 
noch Folgendes angeführt: Der alte Brunnen, in dem das Wasser verdorben war, 
mag oftmals noch eine Zeit lang als Grube für die Hausabfälle gedient haben, 
die gerade in diesen ausgeschachteten Brunnen in beträchtlicher Menge vor- 
kommen. Als man dann ganz nahe dabei einen neuen Brunnen ausgrub, 
schüttete man mit dem so gewonnenen Grunde den alten wieder zu, 
wobei verbrauchte Gegenstände, wie zerrissene Schuhe und dergleichen, wie sie 
auch heute noch auf Höfen und Straßen herumliegen, mit eingefüllt wurden. 
Daraus erklärt sich wohl auch, daß die Schuhe stets einzeln und nicht paarweise 
gefunden werden. Daß auch ganz intakte Gefäße gefunden sind, liefert den 
Beweis dafür, daß während des Gebrauches der Brunnen solche beim Wasser- 
schöpfen in denselben gefallen sind, und daß das Aufschlagen auf den Wasser- 
spiegel das Gefäß unversehrt gelassen hat. Übrigens verfahren wir bei der 



170 



Technische Ergebnisse. 



Ausfüllung aufgegebener oder unbrauchbar gewordener Brunnenschächte heute 
noch in derselben Weise. 

Herr Hofapotheker Dr. A. Büdiger hat die Freundlichkeit gehabt, über 
die Beschaffenheit des Wassers der Saalburgbrunnen eine Untersuchung an- 
zustellen. Zur Vervollständigung dieses Abschnittes füge ich das Ergebnis 
der Untersuchung einer Wasserprobe hier an: 

«Das Wasser des Brunnens Nr. 7 enthielt 2,13 Teile Chlor in 100 000 Teilen. 
Zur Trockne verdampft, hinterließ es nur sehr geringe, weißgefärbte Rück- 
stände. Die Reaktionen auf Ammoniak, Salpetrige- und Salpetersäure gaben 
durchweg negative Resultate, das Wasser ist demnach als sehr rein und zu 
allen Zwecken geeignet zu bezeichnen.» 




Fig. 22. Der Oberbau der Brunnen. 



Der Oberbau der Brunnen und die Vorrichtung zum Heben des Wassers 
lassen sich nach den verschiedenen Brunnenformen und -Funden auf mehr- 
fache Weise rekonstruieren, was ich auf den Textfiguren 20 und 22 (A, B, 
C, D) darzustellen versucht habe. Bei der folgenden Beschreibung wird, des 
größeren Maßstabes wegen, nur auf die letztere hingewiesen. 

Die Cisternen waren wahrscheinhch nur mit einer einfachen Umzäunung 
zum Schutze gegen Hineinfallen gesichert, auch kleinere Brunnen werden 
vielleicht nur eine niedrige Brüstung, aber keine besondere Einrichtung zum 
Entnehmen des Wassers gehabt haben. Man bediente sich hierzu einfach 
eines Seiles oder einer Stange mit einem eisernen Haken, um den Eimer 
emporzuziehen. Es ist auch anzunehmen, daß die hohen Gestelle, welche 
im Orient und in Deutschland allerorts bestanden haben und noch bestehen, 
auf der Saalburg nicht fehlten. Ein je nach der Brunnentiefe verschieden 
hoher, oben gegabelter Pfosten trägt eine horizontale ausbalancierte Stange, 
die am einen Ende an einem Seile den Eimer und am anderen ein Gegen- 
gewicht trägt. 

Bei Holzbrunnen ist entweder die Schalung auf Brüstungshöhe 
(0,80—1 m) über die Erde geführt (Textfigur 22, C und D), oder es kann 
auch ein besonderer Brunnenkranz, je nach dem Querschnitte der Brunnen- 
öfifnung rund oder quadratisch, aufgemauert gewesen sein. (Tafel XIV, Nr. 
n — Hc und Textfigur 22, A und B.) Das Mauerwerk ist dann häufig mit 



Die Wasserversorgung. 171 

Holzbohlen abgedeckt (A). Der Brunnengalgen besteht bei Holzbrunnen ent- 
weder aus zwei in der Mitte der Seitenwände eingegrabenen Pfosten (D), welche 
die Querbalken tragen, oder vier Pfosten (C) in den Ecken der Ausschalung 
tragen ein kleines Dach, um die Schöpfvorrichtung zu schützen. Ein solches 
Schutzdach war auch über Steinbrunnen möglich (B). Einen ähnlichen Auf- 
bau sehen wir auf einer römischen Bronzeplatte von Bonn dargestellt (Westd . 
Zeitschr. V, Tafel XIII, by^^); zum Vergleiche ist sie auf Textfigur 23, Nr. 4, 
mit abgebildet. 

Ein einfaches Gestell auf zwei Säulen findet sich in dem Kloster 
S. Johannes zum Lateran in Rom, welches Rich^^^) auf Seite 506 mit dem 
Namen i<pufeah-> (niedrige Brunnenmauer oder -Brüstung) abbildet. 

Bei Steinbrunnen ruht die Aufzieh Vorrichtung auf der Brüstung, ge- 
wöhnlich auf einer Schwellenkonstruktion, auf welcher die beiderseits ver- 
strebten Stützen stehen {Textfigur 22, A und B). Wenn nicht ein den ganzen 
Brunnen überragendes Dach hergestellt ist, so sind wenigstens die Querbalken 
oder die Wellen mit je einem kleinen Schindeldache gegen Witterungsein flüsse 
gesichert. Die in einigen Brunnen gefundenen, gut erhaltenen Schindeln aus 
Eichenholz (Tafel XIV, Nr. X und XI) sprechen dafür. 

Das Heben des Wassers ^*°) geschah auf zwei verschiedene Arten : ent- 
weder durch Rollen an einem festen Querbalken oder durch eine drehbare 
Welle. Es haben sich in vielen Brunnen Reste von Rollen und deren Auf- 
hängevorrichtungen gefunden. Die gewöhnliche Art zeigt die Rolle aus dem 
Brunnen Nr. 6 (Taf. XIV, Nr. VIII und Villa). Eine ebensolche, gleichfalls 
aus Eichenholz hergestellt, wohlerhalten, stark angebrannt und noch mit dem 
ganzen eisernen Beschläge versehen, lag im Brunnen Nr. 16; ihre Befestigung 
ist aus Textfigur 23, Nr. la und Ib, ersichtlich. 

Von besonderem Interesse ist eine sinnreich konstruierte Rolle aus Rüstern- 
holz (Textfigur 23, Nr. 2 a — 2d). Dieselbe läuft zwischen zwei hölzernen Wangen 
auf einem eisernen Stifte, der in einer ebensolchen Hülse steckt. Mit dem 
Querbalken ist sie durch ein drehbares Rundholz verbunden, das oben zwei 
Löcher zur Aufnahme von Haltestiften trägt, sodaß es je nach der Balken- 
stärke verstellt werden kann. Die Entfernung dieser Löcher von einander 
giebt die Stärke des Balkens auf 12 cm an^*^). Der Durchmesser der Rollen 
scheint mit der Tiefe der Brunnen in einem gewissen Verhältnis gestanden 
zu haben; so hat der 6 m tiefe Brunnen Nr. 37 eine Rolle von 12 cm, der 
10 m tiefe Nr. 15 eine solche von 30 cm. 



188) vergl. auch Bonner Jahrbücher III. Tafel IV, 2. 

'23) III. Wörterbuch der römischen Altertümer von Anthony Eich, deutsch von Dr. 
C. Müller. Leipzig 1862. Bei der Beschreibung der Funde werde ich öfters dieses vor- 
zügliche Nachschlagewerk zum Vergleiche heranziehen und dann einfach auf den Namen 
des Verfassers «Eich» hinweisen. 

'*°) Vitruv (X, 4) giebt Vorschriften darüber, und zwar bespricht er hauptsächlich die 
verschiedenen Arten von Wasserschöpfmaschinen. 

'*!) Vergl. meinen Bericht hierüber, Westd. Zeitschr. (Museographie), X. 392. 



172 



Technische Ergebnisse. 







iEDUiftymLMimsT 



Fig. 23. BruunenroUen und -Eimer. 



Neben dieser Konstruktion gab es drebbare, auf einem Bocke ruhende 
Wellen, welche ganz unseren modernen Winden entsprechen. Die Welle ruht 
in gegabelten Stützen oder auf Zapfen. Entweder besteht sie aus einem ein- 
fachen Balken oder ist durch aufgenagelte Leisten zum besseren Festhalten 
des Förderseiles verstärkt. Auch die Konstruktion scheint möglich zu sein, 
daß die Welle aus mehreren Hölzern bestand, die auf beiden Seiten in einer 
runden Scheibe steckten ; ein solches Brett, welches Löcher an der Peripherie 
hat, wurde gefunden. Noch heute sind in Neapel derartige Vorrichtungen 
zum Aufziehen des Wassers im Gebrauche. Rieh giebt unter girgillus 
(= Rolle) eine solche Brunneukonstruktion von einem Sarkophage des vati- 
kanischen Kirchhofes, die auch mit den an der Saalburg gebräuchlichen 
übereinstimmen dürfte (Textfigur 22). Die Welle wurde entweder durch 
Kurbeln bewegt, die zu beiden Seiten angebracht sind, oder durch ein Rad. 
In den Brunnen Nr. 17 und 40 fanden sich Bruchstücke von Rädern. Die 
aus ersterem stammen zweifellos von Wagen, und allenthalben, wo die be- 
schriebene Vorrichtung noch besteht, gleichen die Schwungräder den Wagen- 
rädern; ja es scheint fast, als habe man an jenen Brunnen der Saalburg alte 
Wagenräder zu dem genannten Zwecke verwendet. Jedenfalls ist die Ver- 



Die Entwässerungsanlagen. 173 

mutung G. von Eösslers'^^% als seien es Schöpfräder gewesen, unrichtig, da 
die Reste der Felgen gefunden sind. Erwähnenswert ist das Stück eines 
Schwungrades mit Rille an der äußeren Peripherie aus dem Brunnen Nr. 40; 
es dürfte zur Führung des Seiles gedient haben. Reste von Hanfseilen sind 
im Schlamme auf den Brunnensohlen vielfach gefunden worden; auch Ketten- 
stücke kamen darin vor. 

Das Wasser wurde in Eimern gehoben; ganze Eimer sowie Reste und 
eiserne Henkel von solchen sind, wie schon oben bemerkt, aus mehreren 
Brunnen ans Tageslicht befördert worden. Textfigur 23, Nr. 6 zeigt die 
gewöhnliche Form eines Eimers, Nr. 7 eine mehr faßartige, heute noch in 
Italien gebräuchliche; zu denselben war nur Eichenholz, das sich meist gut 
erhalten hat, verwendet. Der große cylindrische Eimer, oder richtiger: Zuber, 
dessen Beschlagteile auf Textfigur 23, Nr. 5, dargestellt sind, scheint weniger 
zum Hausgebrauche als zu bergmännischen Zwecken gedient zu haben. 
Ferner ist zu erwähnen ein federnder Haken mit Ansatz (Textfigur 23, Nr. 3), 
der, um das Aushängen des Eimers zu verhindern, mit einem Ringe zu- 
sammengehalten werden konnte. 

Daß auch die Vorrichtung bestand, an jedem Seilende einen Eimer zu 
befördern, sodaß beim Herablassen des leeren Eimers gleichzeitig der gefüllte 
empor gebracht w^urde, wde auf Textfigur 22, D gezeichnet ist, beweist das 
oben erwähnte ßronzerelief auf Textfigur 23, Nr. 4. 

In dem Saalburg-Museum hat der obere Teil eines Schachtbrunnens, 
aus dem alten Holzwerke und der Aufhängevorrichtung mit den Eimern 
zusammengesetzt, Aufstellung gefunden: ein getreues Bild des Originals. 



3. Die Entwässerungsanlagen. 

Bei der hohen Lage der Saalburg, die nach drei Seiten, besonders nach 
Norden und Süden, reichliches Gefälle hat, war es nicht schwer, eine zweck- 
entsprechende Entwässerung für dieselbe zu schaffen. Die Römer, die in 
ihrer Heimat solche Anlagen schätzen gelernt hatten und in deren Herstellung 
wohl bewandert waren, haben mit Benutzung des natürlichen Gefälles die 
Saalburg gut entwässert und das Kastell und die vorliegenden Bauten trocken 
gelegt, mithin auch dort den sanitären Verhältnissen Rechnung getragen. 

Die ursprünglichsten und einfachsten Entwässerungen sind offene Gräben; 
sie finden in der Regel nur an Straßen, Wegen und freien Plätzen Anwendung. 
Sobald jedoch an denselben Bauten mit tiefen Fundamenten und Kellern 
erstehen, sind gedeckte Kanäle, die in die Tiefe eingebaut werden, erforder- 
üch. So war es auch an der Saalburg; wir finden dort an den Straßen, wie 
an fast allen regelrecht angelegten römischen Straßen im Dekumatenlande, 
offene Gräben. In dem Kastelle und dem bebauten Teile der Bürgerlichen 
Niederlassung sind in mannigfachen Ausführungen und in den verschiedensten 

'«) Westdeutsche Zeitschr., Bd. IX, S. 255 ff. 



174 Technische Ergebniese. 

Profilen und Abmessungen Kanäle hergestellt, die je nach dem Bedürfnis in 
verschiedenen Tiefen liegen. Das Kastell selbst ist durch seine um dasselbe 
ziehenden Spitzgräbeu, die stark abfallen, gut entwässert. An dem höchsten 
Punkte der Grabensohle vor der Forta decitmana teilt sich das Gefälle nach 
rechts und links und erreicht an der Nordostecke des Kastells mit einem 
Höhenunterschiede von 6 m seinen tiefsten Punkt (Taf. IV, Z und XIII, Z) ^*^). 
Von hier fließt das Wasser teils unterirdisch, teils in offenen Gräben nach 
der östlich vom Kastelle liegenden Straße und von da neben derselben in 
einem ebenfalls offenen Graben nach dem Limesdurchgang (Taf. XIII, S). Von 
dieser Stelle aus wird das Wasser durch einen gemauerten Kanal unter der 
gestückten Straßenverlängerung hindurch nach der anderen Seite des Pfahl- 
grabens geleitet, von wo sich die Abflüsse, die bei Gewitterregen recht be- 
deutend sind, nach dem Auslande ergießen, wo sie sich mit dem Wasser des 
Dreimühlen- und des Schäferborns ^**) vereinigen und weiter abwärts im Thale 
den Köpperner Bach bilden. Die unterirdischen Kanäle des Kastells und 
der östlich danebenliegenden Niederlassung haben ihre Abflüsse nach derselben 
Richtung; ebendahin liefen auch die Abwässer des älteren Kastells, was be- 
weist, daß auch bei diesem schon für eine zweckentsprechende Entwässerung 
gesorgt war. 

Im Kastell selbst sind eigenthche Keller nicht vorhanden gewesen; 
deshalb hatten dort die Kanäle hauptsächlich den Zweck, die Hypokausten 
und besonders die tiefhegenden Präfurnien zu entwässern und trocken zu 
erhalten. Solche Anlagen sind bei den Hypokausten im Kastelle wie bei 
denen der Niederlassungen aufgefunden worden. Ein lehrreiches Beispiel 
dieser Art — die gut erhaltene Kanalisation des Soldatenbades im Kastelle 
— sei im Folgenden mitgeteilt (Taf. IV, J und K, sowie Taf. VIII, Nr. 1 
und la). Der Herstellung dieses Kanals ist eine besondere Sorgfalt zu- 
gewendet worden; er beginnt unter dem Baderaume, nimmt das Schmutz- 
wasser auf und führt es unter dem Estrichboden des heizbaren Raumes und 
dem Praefurnium ins Freie (Taf. VIII, Schnitt A — B, Nr. la). Der Kanal liegt 
1 ra tief und zieht mit einer starken Biegung östlich nach der sogenannten 
Latrina (Taf. IV, Q) ^*^) und dann nach der schon oben bezeichneten Stelle Z 
auf Taf. IV. 

Die Kanäle im Kastelle funktionieren, obgleich stark ausgeschlemmt, 
heute noch gut, was man besonders nach starken Regengüssen beobachten 
kann. Das Wasser dringt in die unterirdischen, künstlich angelegten Ge- 
rinne ein, sammelt sich dort und fließt rasch nach den Hauptleitungen. Der 
Boden des Kastells ist, im Gegensatze zu den anderen Örtlichkeiten der Saal- 
burg, die der Entwässerung entbehren, nach kurzer Zeit wieder trocken, ein 
Zustand, der für das Kastell, das doch nicht überall mit gestückten und mit 
Steinen befestigten Wegen versehen war, vermittelst ausgedehnter Kanalanlagen 
angestrebt und möglichst erreicht werden mußte. 

1") Vergleiche auch Seite 88 und das Profil auf Textfigur 15. 
^") Über diese beiden Quellen vergleiche S. 146. 
^") Vergleiche Seite 91 unter Praetentura. 



Die Entwässerungsanlagen. 175 

Ähnlich sind die Verhältnisse in der Bürgerlichen Niederlassung, 
nur liegen dort die Kanäle der Keller wegen tiefer; ihre Abflüsse werden 
zum größten Teile nach dem Saalgraben geleitet, der sich am Fuße des 
«Hammelhans» mit dem Kirdorfer Bache vereinigt; doch dienten auch hier 
vielfach die Straßengräben zur Abführung des Regen- und Schmutzwassers. 
Auf Taf. XVIII sind in Nr. 7, 8 und 10 drei verschiedene Kanalprofile dar- 
gestellt; in der Regel haben sie einen kleinen Querschnitt, manchmal von 
nur 0,20 — 0,25 m, was bei starkem Gefälle, das an der Saalburg vorhanden 
ist, wohl angängig war, aber doch zu Verschlemmungen geführt hat; nur 
selten fanden wir Kanäle, die noch vollständig offen waren. 

Trotz der einfachen Bauweise dieser Abzugsanlagen können wir vier Arten 
derselben unterscheiden : 

1. Riesel- oder Schweizerkanäle. Diese primitive, heute noch in 
steinreichen Gegenden sehr beliebte Kanalisation wurde zur Trockenlegung 
von Geländen und Mauern benutzt. Sie bestand darin, daß in dem ge- 
wachsenen Grunde ein Graben im Gefälle bis zu der erforderlichen Tiefe ein- 
geschnitten und dann mit Steinen unregelmäßig ausgefüllt oder regelrecht 
ausgestellt war. Die Steine waren so geschichtet, daß Zwischenräume ent- 
standen, durch die das Wasser leicht durchsickern konnte; selbstverständlich 
mußte dasselbe, um eine Stauung zu vermeiden, an einer Stelle bequem aus- 
fließen können. Wie außerordentlich praktisch diese Art der Entwässerung 
ist, wird bei der Besprechung der Mauerkonstruktionen noch besonders her- 
vorgehoben werden. 

2. Kanäle im gewachsenen Grunde mit Holzabdeckung. Diese Kon- 
struktionen kommen an der Saalburg wenig vor, haben sich aber an dem 
Kastell «Feldberg» und an den Kastellen steinarmer Gegenden vorgefunden, 
Sie wurden mit schrägen Wandungen, manchmal mit eiförmigen Sohlen in 
den Boden eingegraben und dann mit starken eichenen Bohlen abgedeckt; 
waren die Kanäle tief, so wurden sie mit Erde eingefüllt, andernfalls lag die 
Bohle auf dem Niveau der Straße und diente als Übergang. Auch solche 
mit Holz zugedeckten Kanäle kommen heute noch vor und sind vor noch 
nicht sehr langer Zeit erst in Berlin beseitigt worden. 

3. Kanäle mit schrägen Wandungen, gegen welche Steine gestellt 
und die mit Steinplatten überdeckt sind ; sie haben nur kleine Abmessungen 
(Taf. XVIII, Nr. 7 und 10). 

4. Kanäle mit trockenem Mauerwerk und rechtwinkeligem Quer- 
schnitt. Diese, am besten hergestellten Kanäle fanden sich nur in den 
Hauptstraßen und hatten noch den weiteren Zweck, das Wasser der Neben- 
kanäle aus den kleinen Häusern aufzunehmen. Taf. XVIII, Nr. 8, zeigt 
einen solchen mit einem lichten Maße von 0,25 : 0,45 m. Kanäle aus 
Ziegeln kommen nur bei den Hypokausten vor. 

Jene unter 4 mitgeteilte Bauweise hat sich bei uns durch das ganze 
Mittelalter hindurch bis in die neueste Zeit, die sie durch Thon- und Cement- 
röhren verdrängt hat, erhalten. Der Name für diese Kanäle war nachweisbar 



176 Technische Ergebnisse. 

schon im 15. Jahrhundert «Anduct», wurde später in tAnducht» geändert 
und heißt jetzt noch «Andauche», eine Bezeichnung, welche die Vermutung 
wachruft, als sei sie vom lateinischen aquae ductus entnommen worden. 

Alle Kanäle in und an der Saalburg bieten die gemeinsame Erscheinung, 
daß sie keine eigentlichen Rinnsteine auf der Sohle haben. Diese waren in- 
folge der Boden beschaffenheit entbehrlich und wurden durch Gräben ersetzt, 
die in den festen und undurchlässigen Naturboden eingetieft waren. 

Ob auch die Fäkalien durch diese oder ähnliche Abzugseinrichtungen 
abgeleitet wurden, ist fraglich ; wenigstens konnten Beweise dafür bis jetzt 
nicht erbracht werden. Auch ist nicht sicher, ob der von Ä. von Cohausen als 
«Latrine» bezeichnete Bau, der sich in der Nordostecke des Walles, am tiefsten 
Punkte des Kastelies, fand — Taf. IV, Q — , mit derartigen Einrichtungen in 
Zusammenhang zu bringen ist. 



4. Die Baumaterialien. 

Es liegt auf der Hand und ist durch die Ausgrabungen zur Genüge 
bewiesen, daß die Erbauer und Bewohner der Saalburg vorwiegend die Bau- 
materialien, welche ihnen die Natur in der Umgebung bot, benutzt haben. 
Es mag den Römern, denen in der Heimat so viel gutes Material zu Gebote 
stand, anfangs nicht leicht geworden sein, sich mit den primitiven Erzeug- 
nissen des Landes abzufinden; aber die Art, wie sie es gethan haben, liefert 
den Beweis für das wirklich technische Können dieses hochentwickelten Volkes, 
das, mit den Konstruktionsprinzipien hinlänglich vertraut, sich überall zurecht- 
zufinden wußte. Bereits die Vorgänger der Römer dürften manche der um- 
hegenden Steinbrüche und Gruben aufgeschlossen und benutzt haben, und 
es ist kein bloßer Zufall, wenn wir in alten Lehmgruben so viele Überreste 
frühgeschichtlicher Wohnstätten, sogenannter Mardelleu, antreffen. Mit dem 
ihnen angeborenen scharfen Blicke haben die Römer solche Vorteile erkannt 
und derartige Betriebsquellen benutzt und ausgebeutet. Ihre Kenntnis der 
Baustoffe und ihre reiche Erfahrung hat sie dann selbst andere Hilfsmittel 
finden lassen. Daß sie genau wußten, wo gute Baustoffe zu holen waren, 
geht daraus hervor, daß so manche von ihnen angelegte Steinbrüche, Lehm- 
und Thongruben, sowie Kalkwerke durch das ganze Mittelalter hindurch, ja 
noch bis auf den heutigen Tag im Betriebe geblieben sind und jetzt noch 
das landesübliche Baumaterial liefern. 

Der Transport des Materials aus der Ebene nach der Saalburg war bei 
der großen Steigung der vorhandenen Straßen sehr schwierig, woran sich auch 
bis auf den heutigen Tag noch, trotz der besseren Wege, wenig geändert hat. 
Man war deshalb zuerst auf die natürlichen Gesteine der nächsten Umgebung 
angewiesen. Dieser Umstand spricht auch vor Allem mit dafür, daß voll- 
ständige Steinbauten, zu welchen Hausteine verwendet werden mußten, selbst 
bei Gebäuden der Gottesverehrung fehlen. Das natürUchste und am leichtesten 



Die Baumaterialien. Holz. 177 

ZU beschaffende Material war eben das Holz, welches den Römern schon bei 
der Durchlichtung des Waldes von selbst zufiel und für sie in erster Linie in 
Betracht kam ; nicht allein ihre ersten Wohnstätten, sondern auch ihre ersten 
Brunnen waren in der Hauptsache daraus hergestellt. Es soll damit aber 
nicht gesagt sein, daß man immer zuerst Holzbauten errichtete und später 
erst, gleichsam als höhere Entwickelungsstufe, zu Steinbauten überging. Da, 
wo Steine umherlagen, hat man sie auch verwandt. 

Wir beschreiben im Folgenden die Baumaterialien, soweit sie im 
Einzelnen in Betracht kommen, nämhch: Holz, Stein, Ziegel, 
Kalk, Sand, LehmundThon. 



A. Holz. 

Als die Römer ins Land kamen, war das Taunusgebirge mit seinem 
Vorlande stärker bewaldet als heute; schon die Flurbezeichnungen geben uns 
dafür einen Anhalt. Es ist auch wohl kaum anzunehmen, daß der Wald 
sehr durchforstet war; außer Schneisen am Pfahlgraben entlang und Lich- 
tungen an den Straßen, Wegen und Türmen, wo der geschäftliche Verkehr, 
der Grenzdienst und andere militärische Rücksichten einen freien Durchblick 
erforderten, waren anscheinend nur die Plätze für die Kastelle und ihre Nieder- 
lassungen mit etwaigem Gartengelände von Bäumen befreit. Ein regelrechter 
Forstbetrieb hat wohl kaum stattgefunden ; man überließ einfach das Wieder- 
aufwachsen des Waldes der Natur. Jedenfalls fehlte es im Taunus nicht an 
dem nötigen Bauholz aller Art, und die ausführlichen Beschreibungen bei 
Vitruv und Plinius über das Fällen und die Behandlung des Holzes zeigen, 
wie sorgfaltig die Römer dabei verfuhren. 

Früher schöpften wir unsere Kenntnis der Holzkonstraktionen und der 
Holzarten lediglich aus den Schriftstellern und den im Brandschutte der Keller 
und in sonstigen Vertiefungen gefundenen wenigen verkohlten Balken, sowie 
aus den Überresten des ziegelartig gebrannten Lehmstaakwerks. Eine lehrreiche 
Ergänzung hierzu haben uns die Ausgrabungen der zahlreichen Brunnen ge- 
liefert, die, wie wir vorher schon angeführt, uns in ihrem Schlamme wirkUche 
Holzreste in großer Menge brachten, sodaß wir jetzt auch im stände sind, 
nicht allein über die Holzarten, sondern auch über die Holzstärken und ihre 
Verwendungsweise Bestimmteres mitzuteilen. 

Eichenholz wurde nicht allein zur Brunnenverschalung, sondern auch 
zu Fachwerkbauten am meisten benutzt, was die erhalten gebliebenen Bohlen 
und die verkohlten Balken- und Pfostenreste erweisen. Es scheint so- 
gar zu eigentlichen Bauzwecken kaum anderes als Eichenholz in Frage ge- 
kommen zu sein. Die Brunnen, in denen uns alle möglichen Holzarten — 
harte und weiche — erhalten geblieben sind, lieferten uns keinerlei Reste von 
Nadelhölzern ; auch bei den Kohlen, die überall im Brandschutte zum Vorschein 
kamen, fanden sich keine, die von Tannenholz herrührten, was vielleicht dafür 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 12 



178 Technische Ergebnisse. 

spricht, daß es im Taunus auch in der Römerzeit nicht vorhanden war. Denn 
im Mittelalter fehlt es sicher; in den Akten der «Hohen Mark», in denen bei 
Grenzumgängen die Holzarten aufgezählt sind, ist von Tannen und Fichten 
keine Rede. Erst im 17. Jahrhundert wird mit der Anpflanzung von Tannen 
im Taunus begonnen. Im «Tannenwald» bei Homburg, der bis zum Jahre 1669 
«Kaninchenwald» hieß, wurden die ersten Kulturversuche damit gemacht; 
einzelne Exemplare aus dieser Zeit sind noch erhalten ^^^). Der hiesige Taunus- 
klub hat diese Bäume im Jahre 1880 besonders bezeichnen lassen. Die Lärchen 
und Kiefern sind noch später von auswärts in den Taunus gebracht worden. 
Im Frankfurter Stadtwalde auf der linken Mainseite hat man schon früher mit 
der Anpflanzung von Nadelhölzern begonnen. Den ursprünglichen Waldbestand 
unseres Gebirges scheint die Eiche "^) gebildet zu haben. Auch Plinius sagt 
im 16. Buche, daß in Deutschland die Wälder fast alle mit Eichen bewachsen 
seien, und erwähnt die großen fast noch nie berührten unsterblichen Bäume, 
die ja auch in der Gottesverehrung unserer Vorfahren eine so bedeutende Rolle 
spielten. Die Brunnenroste und die Bohlen zur bergmännischen Ausschach- 
tung der Brunnen geben uns Dimensionen, wie wir sie heutzutage in den 
Wäldern bald vergebhch suchen werden. Beschlagene Hölzer mit einem Quer- 
schnitt von 0,55 m lassen auf einen Durchmesser des Stammes von 0,90 m 
und mehr, also auf Bäume von beträchtlichem Alter, schließen. Auch die 
Buche, Linde, Esche und an nassen Stellen die Birke und Erle dürften 
in größeren Beständen vorgekommen sein; dies lehren neben den Aufzeich- 
nungen der «Hohen Mark» in erster Linie wieder die Brunnen. Inwieweit die 
Kenntnis der Holzarten des Taunus zur Römerzeit von Wert ist, werden wir 
am besten bei der Betrachtung der an der Saalburg geübten Bauweise und 
bei der Erklärung mancher Mauerreste erfahren. 

Die hauptsächlichsten Holzarten, welche uns die Brunnen aufbewahrten, 
enthält das Verzeichnis auf der folgenden Seite. Den deutschen Bezeich- 
nungen sind die römischen Namen nach Plinius und die botanischen nach 
Linne, Ehrhardt (Ehrh.) und De Candolle (D. C.) und Anderen angefügt, 
denen Herr Sanitätsrat Dr. Will, ein gründlicher Kenner der Taunusflora, 
die botanischen und, soweit bekannt, die antiken Namen beigesetzt hat. Es 
sind dabei gleichzeitig nicht nur die Bauhölzer im Allgemeinen erwähnt, 
sondern auch diejenigen Holzarten, welche zu anderen Zwecken verwendet 
sind. Die hier aufgeführten Bäume kommen heute noch im Taunus entweder 
wild oder verwildert vor. 



'*8) Das Tannenholz aus dem Taunus wurde erst im Jahre 1750 als Werkholz benutzt; 
das vorher in der TaunuHgegend — allerdings in geringen Mengen — verbrauchte Tannen- 
holz wurde aus Bayern eingeführt. 

•*') Scharff, «Das Recht der Hohen Mark», sagt Seite 398: «Die Eiche war der vor- 
nehmste und wohl auch häufigste Baum in den Wäldern; Eichen und Buchen wurden als 
„fruchtbare Bäume" bezeichnet (der Eicheln und Bucheckern wegen); es sollte in den ver- 
botenen Wäldern nichts an fruchtbaren Bäumen „es sei gleich buchen oder eychen Holz" 
gehauen werden, bei Verlust von zehn Gulden». 



Die Baumaterialien. Holz. 



179 



Deutsche Namen. 


Antike Namen. 


Botanische Namen. 


Eiche 


Quercns, griech. Sf^ö? 


Quercus Bohur, ß, L., jStein- 
Quercussessüiflora(Smith), | eiche. 
Quercnspeduncnlata(Ehrh.)\ Stiel- 
Quercus Bohiir, a, Z., {eiche. 






Rotbuche 


Fagus 


Fagus sylvatica, L. 


Weißbuche 


Carpinus 


Carpinus BetuJus, L. 


Ahorn ^^^) 


Acer 


AcerPseudoplatanus,L. Bergahorn . 
Acer platanoides, L., Spitzahorn. 
Acer campestre, L., Feldahorn. 


Uhne, Rüster 


Ulmus 


Ulmus campestris, L. 


Esche 


Fraxinus 


Fraxinus excelsior, L. 


Robinienbaum, un- 


nicht erwähnt 


Bohinia Pseudacacia, L., in Nord- 


echte Akazie 




Amerika und Sibirien ein- 
heimisch. 


Linde 


mia 


Tilia grandifolia (Ehrh.). — Groß- 
blätterige Linde. 

Tilia parvifolia (Ehrh.). — Klein- 
blätterige Linde. 


Wildkirsche 


CerasUs 


Prunus avium, L. 


Wallnuß 


Juglans 


Juglans regia, L. 


Erle 


Älniis 


Älnus glutinosa (Gärtner), Betula 

Alnus, L., gemeine Erle, 
Älnus incana, BC, Grau- Erle. 
Betula incana, L. 


Birke 


Betula 


Betula alba (Aut. non L.) 


Haselnuß 149) 


Nux avellana 


Corylus Avellana, L. 


Espe 


Populus 


Populus tremula, L. 


Mehlbeerbaum 


Sorbus, griech. 'Af^ia 


Sorbus Aria (Crantz) [Crataegus 
Aria], L. 


Buchsbaum 


Buxus 


Buxus senipervirens,L. Orient, Süd- 
europa, Juragebirg der Schweiz. 


Pinie 


Pinus 


Pinus Pinea, L. 


Hollunder 


Samhucus 


Samhucus nigra, L. 


Traubenkirsche 


nicht vorhanden 


Prunus Padus, L. 


Holzapfelbaum 


Malus 


Pyrus Malus, L. 



1*8) Im Mittelalter nach den Akten der «Hohen Mark» «Ohornholzbaum» oder «Ohorn- 
baum» genannt. 

1*^) In den Markakten wird von «Hasselbäumen» gesprochen, sie waren sehr hoch- 
geschätzt. Die Ordnung von 1594 stellt in Art. 31 den Satz auf: «Wer Hasselbäume um 
der Haselnuß willen verderbt, der soll gebüßt werden, als ob er einen Eichenbaum ver- 
derbet hätte». 

12' 



180 



Technische Ergebnisse. 



Deutsche Namen. 



Antike Namen. 



Botanische Namen. 



Wachhülder, gemeiner Juniperus 
Weiden , Salix 

Weinrebe Vitis 



Akazie 



Acacia 



Juniperus communis. L. 

Salix mminalis, L. Korbweide. 

Vitis vinifera. L. 

Mimosa nilotica. L. 

Acacia nilotica (LincJc). 



Die meisten dieser Hölzer kamen im Naturzustande und bearbeitet, einige 
dagegen nur bearbeitet zu Tage, darunter besonders Buchsbaum- und Pinien- 
holz. Von dem letzteren sind uns Schrifttäfelchen und Reste von Holzgefäßen 
erhalten geblieben; sie stammen aus dem Süden, Für die Gegenstände aus 
Buchsbaum, einen zweiseitigen Kamm und einen gedrehten Ring, gilt dasselbe. 
Der Buchsbaum (Buxus sempcrvirens) war im Taunus wahrscheinlich nicht 
heimisch, mag aber von den Römern hier eingeführt worden sein. Der bei 
Neuhof und in älteren hiesigen Chroniken genannte Buchsbaum wurde mit 
der Preißelbeere (Vaccinium vitis Idaea L.), die ein ähnliches Laub hat und 
nur auf dem Feldberg und dicht bei der Saalburg zwischen Ffahlgraben und 
Kastell auf einem kleinen Flecke vorkommt, verwechselt. 

Ahorn-, Rüster-, Eschen- und Espenholz ist meistens für Dreher- und 
Tischlerarbeiten, Gefäße, Wagenräder, Stiele und Griffe, wie auch heute noch, 
verwendet worden. Die Art der Bearbeitung des Holzes zu Bau- und anderen 
technischen Zwecken wird weiter unten besprochen werden. 

Über die Erhaltung der Hölzer in den Brunnen und über die Be- 
griffe «verfault» oder «verkohlt» möge hier eine kleine Bemerkung Platz 
finden. Nach meinen Erfahrungen erhält sich Holz nur dann auf lange 
Zeit, wenn es entweder vollständig trocken aufbewahrt wird, wie die ägyp 
tischen und griechischen Grabfunde beweisen, oder wenn es durch Wasser 
oder Schlamm (Moor und Torf) gegen den Luftzutritt vollkommen abge- 
schlossen ist. Dies veranlaßt uns noch heute, alle zu Fundierungen wich- 
tiger Bauwerke benutzten Hölzer so zu legen, daß sie stets unter dem genau 
ermittelten tiefsten Grundwasserstande bleiben; sobald Luft hinzutritt, be- 
ginnt das Holz zu faulen. Wie tief diese Einflüsse der Atmosphäre gehen, 
zeigen uns die Holzbrunnen der Saalburg sehr deutlich, deren Verschalung 
je nach dem Grund Wasserstande erst in einer Tiefe von 3, 4 oder 5 m 
erhalten ist; alles höher gelegene Holz ist verfault. An Stellen, wo das 
Grundwasser Schwankungen unterworfen war, die durch die Jahreszeiten be- 
dingt sind, finden sich wohl Re.ste von Holz, aber sie sind mürbe und haben 
keine fernere Dauer. Je tiefer dasselbe unter dem niedrigsten Wasserstande 
lag, desto besser war es erhalten ; am besten natürlich dann , wenn es sich 
auf der Sohle der Brunnen, also immer unter Wasser befand. Das aus diesen 
Stellen geförderte Eichenholz ist durch Aufnahme von Silikaten aus dem 
Schlamme fast wie Lignit geworden und äußerst schwer zu bearbeiten. Es 



Die Baumaterialien. Holz. 181 

wurde je nach den Schlammbestandteilen mehr oder weniger schwarz und 
behielt seine Festigkeit. Gegenstände, die vor zehn Jahren aus solchem Holze 
angefertigt wurden, haben sich vorzüglich gehalten. Finden wir hingegen 
im trockenen Erdboden Holzteile, so sind dieselben in ihrer Struktur nur 
dann erhalten, wenn jenes angebrannt oder imprägniert war; so fanden sich 
bei unseren Ausgrabungen manchmal nur 40 — 50 cm unter dem Boden ver- 
kohlte Balken, die noch in ihrem vollen Querschnitte erhalten waren. Wenn 
wir heutzutage Zaunpfosten setzen, so werden diese angebrannt, und zwar 
lediglich zum Zwecke der Konservierung: zieht man sie nach vielen Jahren 
heraus, so findet sich, daß sie an der Stelle, wo sie nicht angebrannt wurden, 
verfault, da aber, wo man sie angekohlt hatte, in ihren Hauptteilen un- 
verändert sind. Auch die praktischen Römer kannten bereits diese Methode 
und brannten die Hölzer, die sie teilweise oder ganz in den Erdboden ver- 
senken wollten, an, wenn ihnen an dem Bestände derselben gelegen war. Auch 
im Grenzgräbchen des Limes fanden sich solche Holzreste ^•''°). 

Die Vorschriften der römischen Feldmesser verlangen zur Konservierung 
von Holz, das in die Erde versenkt werden soll, das Anbrennen oder einen 
Anstrich mit Pech^^^). Auch diese letztere Konservierungsmethode scheint bei 
den Holzbauten der Saalburg in Anwendung gekommen zu sein ; denn in dem 
«Magazin» wurden größere, wohl erhaltene Stücke Asphalt gefunden, und 
außerdem lieferte uns einer der Brunnen einen irdenen Topf, der noch teil- 
weise mit Pech angefüllt ist. 

Von den aus den Brunnen erhobenen Holzsorten sind nur wenige in 
solchem Zustande auf uns gekommen, daß sie heute noch verarbeitet werden 
können. In erster Reihe steht das Eichenholz, dann folgen Pinien- und 
Buchsbaumholz, ferner eine Holzart, die uns als Akazienholz (?) bezeichnet 
wird. Hieran schließen sich Rüster-, Eschen-, Erlen- und Ahornholz, die aber 



1=0) Hier dürfte noch eine Frage erörtert werden, die bei der Limesforschung (vergl. Limes- 
blatt Nr, 7, 8, 10, 12) anläßlich der Auffindung von Holzresten in dem verdeckten, zwischen 0,80 
und 1,50 m tiefen Grenzgräbchen gestellt wurde; nämlich die Frage, ob diese Hölzer ursprünglich 
angebrannt waren, oder ob sie durch die Länge der Zeit in einen Zustand versetzt wurden, 
der der Verkohlung gleichkommt. Es wird behauptet, eine Unterscheidung sei überhaupt 
nicht möglich. Nach meiner Ansicht und nach meiner praktischen Erfahrung ist es wohl 
möglich, Kohle von verfaultem Holze zu unterscheiden. Die bei dem Anbrennen des Holzes 
entstehende Kohle bildet eine schützende Kruste, die der Feuchtigkeit und den Witterungs- 
einflüssen widersteht, was bei unangekohltem Holz nicht der Fall ist. Das Letztere vermodert 
gerade so wie die Wurzeln von abgehauenen und eingegangenen Bäumen, die oftmals 
metertief in der Erde zurückbleiben, nach nicht allzu langer Zeit verfaulen und den Huraus 
bilden helfen. Auch haben die Rückstände von solchem Holze niemals die schwarze Farbe 
und den glasigen Bruch wie die Holzkohle. Der praktische Waldarbeiter will mit Bestimmt- 
heit das angebrannte Holz von altem, nicht angebranntem durch die an ersterem anhaftende 
Kohle erkennen : mit Kohle kann er schreiben, mit den anderen Produkten aber nicht. 
Wie lange sich Kohle gut erhält, selbst wenn sie offen im Walde liegt und kaum mit 
Humus bedeckt ist, beweisen auch die Kohlenmeiler, die uns aus der Römerzeit und dem 
Mittelalter noch zahlreich im Taunus erhalten sind. 

15») V'ergl. Stöber, Die Römischen Grundvermessungen. München 1877. S. 48. 



182 Technische Ergebnisse. 

alle schlecht erhalten sind. Die Fundstücke auch solcher Hölzer hatten bei 
der Entnahme aus dem Schlamme ein gutes Aussehen, verloren aber schon 
nach einigen Tagen an der Luft ihre Form und waren nach Monaten nicht 
allein in der Breite, sondern auch der Länge nach derart zusammengeschrumpft, 
daß sie vollständig unkenntlich wurden. Es empfiehlt sich deshalb, von ge- 
fundenen Holzgegenständen sofort Gipsabgüsse zu machen. Andere Holzarten, 
wie Buchen-, Linden-, Kirsch- und Nußbaumholz, haben viel von ihrem Ge- 
wichte eingebüßt und eignen sich nicht einmal mehr als Feuerungsmaterial. 
Im Saalburg -Museum ist die verschiedene Haltbarkeit der Hölzer dadurch 
anschaulich gemacht, daß unbearbeitete, gehobelte und polierte Stücke auf einer 
Wandtafel in der durch jene bedingten Reihenfolge zusammengestellt sind. 



B. Steine. 

Die zum Bau des Kastells und der Bürgerlichen Niederlassung verwendeten 
Gesteinsarten sind: 

1. solche, die unmittelbar an oder in der näheren Umgebung der Saal- 
burg vorkommen : 

a. Quarzit, 

b. Grauwacke und Thonschiefer ; 

2, solche, die aus dem Vorlande des Taunus, das an die Nidda- und 
Mainebene angrenzt, auf die Höhe verbracht worden waren: 

a. Vilbeler Sandstein (Rotliegendes), 

b. Basalte. 



1. Steine aus der Umgebung der Saalburg.' ^ü) 

a. Quarzit. Der Quarzit, Taunusquarzit, in der Umgegend von Hom- 
burg auch «Waldstein» genannt, wird von den Geologen in Bezug auf seine 
Entsteh ungs weise zu den Sandsteinen gerechnet; er ist jedoch in technischem 
Sinne nicht als Sandstein zu bezeichnen, da er sich nicht glatt bearbeiten 
läßt. Er besteht meist aus Quarzkörnern, die durch ein kieseliges Bindemittel 
fest verkittet sind. Ist das Bindemittel weniger fest, so entstehen Sandstein- 
schichten, die sich oft durch Dazwischentreten von Sandsteinglimmer oder 
Serizit in schiefrige Bänke absondern, in denen sich lockere Massen bilden, 
die durch fein zerteiltes Eisenoxyd dem Gestein oftmals eine rötliche Färbung 
geben. Steinbrüche, aus denen dieses Material gewonnen wird, liegen ganz 
in der Nähe des Kastells, etwa 800 — 1000 m südlich davon entfernt; zwei 
derselben sind von den Römern angelegt und zur Gewinnung des hauptsäch- 
lichsten Materials für Bauten an der Saalburg benutzt worden. Die Römer 
haben es vorzüglich verstanden, die Steine zu brechen und zu bearbeiten, wes- 
halb auch in nachrömischer Zeit die Bevölkerung der Gegend das her- 

152) Vergl. hierzu das geologische Gutachten von K. Trapp, 8. 149. 



Die Baumaterialien. Steine. 183 

gerichtete Material für ihre Baubedürfnisse — der Forscher muß sagen «leider» — 
gerne von den Saalburgbauten entnahm. In den «Vorbemerkungen» sind 
darüber ausführliche Mitteilungen gemacht. Diese römischen Steinbrüche sind, 
wie es scheint, von der nachrömischen Bevölkerung nicht mehr weiter aus- 
gebeutet worden. Die ganz in der Nähe, etwas weiter südlich, gelegenen Brüche 
sind erst zu Anfang dieses Jahrhunderts von der Gemeinde Friedrichsdorf, der 
Eigentümerin dieses Walddistrikts, angelegt worden und sind zur Zeit noch 
im Betrieb. Außer diesen hier lagerhaft anstehenden Quarziten sind zu den 
Bauten auch noch vielfach die in der Umgebung der Saalburg so häufig vor- 
kommenden «Waldsteine», die zerstreut an der Oberfläche des Bodens umher- 
liegen, verwendet worden ^^^). 

Bei den Ausgrabungen im ganzen Taunus ist ein besonderes Gewicht darauf 
zu legen, ob das vorgefundene Steinmaterial aus Wald- oder Bruchsteinen be- 
steht, da ein hergerichteter Bruchstein im Gegensatze zu dem Waldstein, der als 
Findling vorkommt, sogleich verrät, daß er von Menschenhand herbeigeschafft 
wurde und irgend eine Bedeutung haben muß. Auf dieser Grundlage ist es 
oft gelungen, Spuren römischer Anlagen zu finden. Der eigentliche, alte ein- 
heimische Name für den Stein, den wir jetzt Quarzit nennen, ist «Hasel-» oder 
«Kesselstein»; in der Eifel heißt ein ähnliches Gestein «Hassel». Im Alt- 
deutschen bezeichnet «Hassel» soviel wie Stein oder Fels. 

b. Der Grauwacken- und Thonschiefer kommt auf der nördlichen Seite 
des Pfahlgrabens vor und berührt das Homburger Gebiet nur an der Saal- 
burg, wo derselbe durch den Pfahlgraben, die Wallgräben am Kastelle, die 
Brunnen und Hohlwege in verschiedenen Farben {grau, grünlichgelb und 
rötlich) aufgedeckt wurde. Er fand zu dem Mauerwerk an der Saalburg 
keine Verwendung; dagegen kommen in derselben Formation nach dem Weil- 
thal hin Lager von bläulichem Dachschiefer vor, welcher zur Bedeckung der 
Häuser an der Saalburg, sowie an römischen Bauten in der Umgebung des 
Homburger Quellengebietes benutzt worden zu sein scheint; wenigstens ist 
er dem dort verwendeten Schiefer sehr ähnlich. Diese Thatsache dürfte da- 
für sprechen, daß die Römer auch von jenseits des Grenz waldes Baumaterial 
bezogen haben; doch scheinen die von ihnen am nördlichen Fuße des Feld- 
bergs, am «Stockborn» und am «roten Kreuz» angelegten Schieferbrüche 
das meiste Deckmaterial geliefert zu haben. Die Villa an dem Feldberg- 
Kastell ist mit solchen rötlichen (Ph3dlit-) Schiefern eingedeckt gewesen. 

Das im Volksmunde als «fauler Schiefer» und in neuerer Zeit als «Serizit- 
schiefer» bezeichnete Gestein tritt erst unterhalb der Saalburg bei Kirdorf und 
Homburg zu Tage. Dasselbe besteht aus mannigfach gearteten, bald festen, 
bald weichen grünen, meist rötlichen und grauen Schiefern und enthält ein 
glimmerartiges Mineral, welches «Serizit» genannt wird. An der Saalburg fand 
dieses Material keine Verwendung, dagegen in der Ebene, wo es besonders 



1=3) Von den Handwerkern und Bauern wird der Name «Waldstein» ganz allgemein 
zur Bezeichnung aller derjenigen Steine gebraucht, die dem Taunus entstammen. 



Xg4 Technische Ergebnisse. 

bei den großen Massivbauten an der Römerstraße Saalburg-Heddernheim, öst- 
lich von Oberstedten, vielfach benutzt wurde '^'). 



2. Steine aas dem Verlande des Taunus. 

a. Vilbeler Sandstein (Rotliegendes) ist ein Konglomerat aus grobem 
Quarzsand, nämlich Gerolle und gerundete Kiesel, die durch Brauneisenerz 
verkittet sind. Dieses Gestein kommt zwar im «Hardtwald» und bei Gonzen- 
heim vor, ist aber dort zu Hausteinen nicht verwendbar. Auf den Hängen 
an der Nidda bei Vilbel (18 km südwestlich von der Saalburg) finden sich 
Brüche, welche diese Steine zur Verwendung für Quader, Denkmale und Bild- 
werke für die Saalburg geliefert haben. Es ist ein vorzügliches, festes Bau- 
material, aus welchem die Römer trotz seinem groben Korn und trotz den 
reichlich darin vorkommenden großen und weißen Kieselsteinen, Skulpturen 
herstellten, die in Anbetracht des spröden Materials eine gute Schulung in der 
Bearbeitung von Hausteinen voraussetzen. 

b. Die Basalte fanden wie die Vilbeler Sandsteine zu Bauten, Denk- 
mälern, Skulpturen und besonders für die Schürlöcher der Heizungen Ver- 
wendung. Als Rohmaterial und namentlich in Form großer Kugeln, wie sie 
in der Natur vorkommen, ist im Schutte an der Forta decumana Basalt in 
größerer Menge gefunden worden ^^^). Es sind für diesen verschiedene Be- 
zugsquellen nachzuweisen: Die festen und dunkelgrauen Steine entstammen 
den unterhalb des Homburger Quellengebiets am «Seedamm» bei Gonzen- 
heim liegenden Kugelbasalt-Steinbrüchen; größere Werkstücke haben diese 
nicht geliefert. Daß sie aber von den Römern benutzt wurden, geht daraus 
hervor, daß die von diesen errichteten AVohnstätten , die unmittelbar bei 
Gonzenheim, d. h. bei den Steinbrüchen liegen, nur von diesem Material er- 
baut sind, was auch durch Dünnschliffe von Dr. F. JRolle^^^) nachgewiesen 
wurde. 

Die mehr porösen, schwammartigen Basalte, die hauptsächlich für 
Feuerungsanlagen verwendet wurden, sind höchst wahrscheinlich dem alten, 
jetzt wieder benützten Steinbruch unterhalb der «Weinstraße» bei Ober-Erlen- 
bach entnommen, wofür außer der Identität des Steines auch noch die direkte, 
über den «Rotlauf» führende Wegverbindung mit der Saalburg spricht. Auch 
ist nicht unwahrscheinlich, daß die alten Basaltbrüche bei Kalbach, welche 
gleichfalls durch die Heddernheimer Straße in direkter Beziehung mit dem 
Limes gestanden, Baumaterial lieferten. Der bläuliche Basalt, der so- 
genannte «Blaustein» von Bockenheim, ist auf der Saalburg fast nur zur Her- 

"*) Vergl. Römische Bauwerke von Ä. von Cohausen und L. Jacohi, Nass. Annalen, 
Bd. XVII, S. 129. 

'") Diese Kugeln sind früher irrtümlich als Geschosse für Bailisten angesehen worden. 

"8) Ein bekannter Geologe und Schriftsteller; geb. 1827 in Homburg, gest. daselbst 
1887; er hat außer vielen geologischen Werken auch archäologische Abhandlungen über 
den Taunus geschrieben. 



Die Baumaterialien. Mörtel. 185 

Stellung von Bildwerken, Mühlsteinen und Schalen verarbeitet worden. Nach 
Dr. F. Bolle kamen die dort verwendeten porösen Basalte bei Ober-Erlenbach, 
in der Nähe der «Steinmühle» vor, die großen Basalte zu Werkstücken da- 
gegen zwischen Kalbach und Bommersheim, was ebenfalls durch Dünnschliffe 
bestätigt wurde. 

Über die Gesteinsarten, die nicht zu Bauzwecken, sondern zu Bild- 
werken, Geräten u. s. w. benutzt und oft als fertige Ware von weither ein- 
geführt sind, wird bei den einzelnen Fundstücken gesprochen werden. 

C. Mörtelmaterialien. 

Zur Bereitung des Mörtels wurden die Materialien sowohl an Ort und 
Stelle als auch aus der Nidda-Ebene entnommen. 

a. Sand. Der am meisten verarbeitete Sand stammt aus den Saalburg- 
Steinbrüchen, wo er zwischen den Quarzitsandstein - Schichten auftritt und 
beim Steinbrechen gewonnen wird; seine rötliche Farbe hat dem Mörtel ein 
rotes Aussehen gegeben. Dieser, mit erdigen Bestandteilen vermischte Sand 
ist ebenso schlecht wie der bei Regengüssen aus höheren Lagen abgeschwemmte, 
der gleichfalls verbraucht wurde. Derartiges minderwertiges Material trägt 
die Hauptschuld daran, daß das meiste Mauerwerk schlecht erhalten ist. Zu 
dem Bau der Villa und besonders zu den Estrichen ist ein besserer Sand, 
der am Fuße des Gebirges an dem Kirdorfer Bache vorkommende, verwendet 
worden. Es sei hier gleich bemerkt, daß wir zu den Erhaltungsarbeiten heute 
noch von dem beim Steinbrechen gewonnenen Sande Abstand nehmen und 
solchen von dem Kirdorfer Bache und noch weiter unterhalb aus der Um- 
gebung von Homburg beziehen. 

b. Kalk. Aus den sehr häufig in dem Schutte, dem Mauerwerk und 
Estrich vorkommenden ungelöschten Kalkteilen läßt sich feststellen, daß ledig- 
lich tertiärer Muschelkalk (Litorinellenkalk) zur Mörtelbereitung verwendet 
wurde. Man wird nicht fehlgehen, seine Bezugsquellen jenseits der Nidda, 
in Berkersheim oder in Vilbel, zu suchen. Die Vergleiche weisen auf diese 
Orte hin. Auch bei Groß- Karben findet sich dieser Kalk mit Muscheln und 
Schnecken versetzt, doch ist es nicht gerade wahrscheinlich, daß derselbe 
von dieser etwas entfernter gelegenen Ortlichkeit auf die Saalburg gebracht 
wurde. Für Berkersheim spricht noch der Umstand, daß dieser Ort für 
Homburg und die umliegenden Orte «von alters her» den Kalk geliefert hat. 

Die seit 1892 im Gange befindlichen Limes forschungen haben in Bezug auf 
die Herkunft des Kalkes für die am Pfahlgraben liegenden römischen Bauten 
ein ähnliches Ergebnis gehabt: Kastell «Feldberg» bezog sein Material (eben- 
falls Muschelkalk) aus dem nächstliegenden Gebiete Soden-Münster, Kastell 
«Alteburg-Heftrich» aus der Gegend von Hof heim i. T. und Kastell «Zug- 
mantel» ebenfalls aus der Mainebene, vielleicht von Hochheim-Flörsheim. 

Interessant ist es, daß die Bevölkerung dieser Gegenden von jeher 
bis in unsere Tage ihren Kalk aus den angeführten alten Kalkbrüchen 



Igß Technische Ergebnisse. 

bezog. Trotz der Eisenbahnen und trotz der mannigfachen Unbequemlichkeiten 
dauerte es noch lange, bis sich die Leute daran gewöhnten, die alten Be- 
zugsorte aufzugeben. Erst seit einigen Jahren, seitdem Kalk durch Händler 
vertrieben und durch billige Eisenbahnfracht nach allen Ilichtungen geliefert 
wird, ist eine Änderung eingetreten. Ich habe mich bei meinen Ausgrabungen 
immer mit meinen Arbeitern auch nach dieser Seite hin unterhalten und 
bemerkt, mit welcher Zähigkeit der Bauer am Hergebrachten hängt, und wie 
ungern er etwas, das er von seinen Vorfahren übernommen, aufgiebt. Die 
Leute erzählten, es sei für sie immer ein Ereignis und eine angenehme Ab- 
wechslung gewesen, den Kalk zum Bauen, wenn auch aus einer Entfernung 
von 6 bis 8 Stunden, selbst an Ort und Stelle zu bringen. Hatte der Bau- 
herr kein Fuhrwerk, so half ihm der Nachbar gegen geringe Entschädigung, 
c. Lehm und Thon. Schon an der Saalburg und in ihrer Umgebung 
tritt als Verwitterungsprodukt des Thonschiefers gelblicher thoniger Lehm, 
der mit eckigen Quarzstückchen vermischt ist, auf. Obgleich dieser Lehm 
seiner Natur nach sehr «fettig» ist, hat es sich doch außer zur Bereitung 
eines Lehmmörtels auch zum Ausfüllen der Wände von Fach werkbauten und 
Baracken, zum Staakwerk der Decken, zum Lehmschlag und besonders zu 
Feuer ungsanlagen gut geeignet, und seine häufige Benutzung wird durch die 
vielen verbrannten Reste bestätigt. Es ist nicht unmöglich, daß der nach 
den Thälern hin auf der nördlichen und südlichen Seite der Saalburg liegende 
Lehm, der am Rande des Gebirges noch viel Quarz führt und weiter nach 
der Ebene hin von Geschiebe und Gerolle fast rein ist, zur Mischung mit 
dem fettigen Lehm der Saalburg für etwaige Ziegelfabrikation oder zur Her- 
stellung von feinerem Lehmverputz herangezogen wurde. Bei den Erhaltungs- 
arbeiten, bei welchen auf die Cementschicht der Mauerabdeckung nach einer 
ministeriellen Vorschrift noch ein Lehmschlag aufzubringen war, entnahmen 
wir das Material zur Hälfte aus der Ebene und vermischten es mit dem 
Lehm der Saalburg. Über den zur Ziegelfabrikation verwendeten Lehm wird 
im folgenden Abschnitte ausführhcher gehandelt werden. 

D. Ziegel. 

Eine ausführliche Besprechung der Ziegel und ihrer Fabrikation erscheint 
hier um so notwendiger, als die auf ihnen eingepreßten Stempel mit der Zeit 
einen wichtigen Beitrag zur Beurteilung des Alters einzelner Bauwerke und 
des Verhältnisses der stempelnden Truppenteile zu den Fundstellen abgeben. 
Es bleibt dabei immer noch manches Rätsel bestehen, dessen Lösung erst 
nach sorgfältiger Sichtung des Materials und mit genauer Bezugnahme auf 
die Fundumstände und die P'undstellen ermöglicht werden wird. Professor 
Wolff' hat mit seiner Arbeit über die römischen Ziegelöfen bei Nied (Höchst) 
einen erfolgreichen Anfang gemacht^^^). 



•*') Professor Dr. Georg Wolff, Die römischen Ziegeleien bei Höchst a. M. und ihre 
Stempel, im «Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst», III. Folge, ill. Heft, S. 212—346. 



Die Baumaterialien. Ziegel. 187 

Der eigentliche Ziegelbau ist auf der rechten Seite des Rheins wenig 
oder gar nicht geübt worden. Auch auf der Saalburg ist Ziegelmauerwerk 
nicht vorhanden ; eine Trennungsmauer in einem Hypokaustum kann kaum 
dazu gerechnet werden, war auch vielleicht in Ermangelung von feuerfestem 
Materiale ein Notbehelf. Nichtsdestoweniger ist dort eine ungeheure Masse 
von Ziegeln in allen Formen und Größen, zum Bekleiden von Decken und 
Wänden und zu Heizungszwecken, sowie Kacheln und Röhren von verschieden- 
artigstem Querschnitte sowohl ganz erhalten, als auch in Bruchstücken auf 
uns gekommen. Nehmen wir hinzu, daß ganze Gebäude im Inneren mit 
Thonplatten ausgekleidet waren, wovon jetzt nur noch wenig erhalten ist, 
daß in alten Zeiten viele Ziegel von dort geholt und schlechtes Material zer- 
stört und verfault ist, dann läßt sich begreifen, eine wie bedeutende Rolle 
die Herstellung von gebrannten Ziegeln {lateri ex terra cocta) in der römischen 
Provinzialarchitektur gespielt haben muß^^^). 

Zunächst sei das Technische der Ziegelfabrikation hervorgehoben. Die 
Litteratur bietet nur wenig darüber; Vitruv spricht zwar über die Herstellung 
von Ziegeln, aber nicht über die Art, wie sie gebrannt werden. Nissen hat 
in seinen «Pompejanischen Studien», ebenso Blümner in seiner «Technologie 
und Terminologie» ausführlich über die Ziegelfabrikation bei den Römern 
geschrieben, und neuerdings hat Prof. Wolff nach Auffindung der Ziegel- 
öfen in Nied und Krotzenburg dieses Thema behandelt. Am besten reden 
die Ziegel selber: Die Bearbeitung des Lehms muß nach den erhaltenen Proben 
eine vorzügliche gewesen sein. Der Lehm wurde sorgfältig gereinigt, von 
allen fremden Zuthaten befreit, mit Wasser benetzt und tüchtig mit Händen 
und Füßen bearbeitet. Die so vorbereitete Thonmasse wurde festgeschlagen 
und entweder, besonders bei kleinen und dicken Ziegeln, in Formen gepreßt 
oder auf einer ebenen Fläche wie ein Kuchen ausgeweigert und dann nach 
einer Schablone ausgeschnitten. Daß die Ziegel geschlagen wurden, sieht 
man sehr deutlich an Bruchstücken derselben; sie bilden keine kompakte 
Masse, sondern haben einen schaligen Bruch, etwa unserem Blätterteige ver- 
gleichbar. Man hat auf die Herrichtung des Thones zur Römerzeit weit 
größere Sorgfalt verwendet, als heutzutage geschieht, ebenso wie man auch 
im Mittelalter bei der Bereitung der Ziegel zu den norddeutschen Backstein- 
bauten gegenüber der Jetztzeit sorgfältiger verfuhr. Dadurch, daß der Teig 
fest zusammengeschlagen wurde, sind die Steine auch spezifisch bedeutend 
schwerer als unsere primitiv hergestellten Feldbrandsteine, stimmen dagegen 
mit den modernen gepreßten Maschinenziegeln im Gewicht beinahe überein. 
Nach meinen Versuchen stellt sich das spezifische Gewicht des modernen 
Feldbrandziegels im Durchschnitt auf 1,70, das des Maschinen ziegels auf 1,87 



i°8) Eine Vorstellung von der auf der Saalburg vorhandenen Menge von Ziegel- 
material gewährt uns die Thatsache, daß — nach einer Notiz des Kabinettsrats Armbrüster 
in Homburg — der Landigrai Friedrich Ludwig 1770 beabsichtigte, einen römischen Triumph- 
bogen am Eingange des Tannenwalds lediglich mit Saalburg-Ziegelsteinen zu erbauen; ein 
Plan, dessen Ausführung jedoch aus finanziellen Gründen unterblieb. 



188 Technische Ergebniese. 

und das des römischen Ziegels auf 1,83. Eine Ausnahme macht aber eine 
Sorte von römischen Ziegehi, nämHch diejenigen der Cohors I Flavia Damas- 
ccnorum, deren poröses Material nicht aus hiesiger Gegend stammt; ihr spezi- 
fisches Gewicht beträgt 1,20»^^). 

Nach dem Formen wurden die Lehmziegel wie heute noch am Boden 
auf einer Unterlage von Asche, Stroh oder Brettern oder auf dem Rasen 
zum Trocknen ausgebreitet. Wir haben Ziegelsteine gefunden, auf welchen 
die Holzfasern der Brettunterlage, die Abdrücke von Stroh oder auch die 
Spuren von Rasen neben anderen Pflanzenabdrücken ausgeprägt sind. Über 
die Jahreszeit, in welcher die Ziegel zum Trocknen auslagen, geben sie selbst 
Auskunft. Wir besitzen mehrere Ziegel, auf denen ein Datum mit einem 
Hölzchen bereits in den frischen Lehmziegel eingekratzt war (vergl. Graffite auf 
Ziegeln im Abschnitte XHL 2, B. L). Wenn auch die meisten Bruchstücke sind 
und der Tag infolgedessen nicht genau ersehen werden kann, so ist doch aus 
diesen inschriftlichen Resten zu entnehmen, daß alle Datumsangaben in die 
Monate Mai bis August, also in die trockenen Monate des Jahres fallen. Das 
Datum mag wohl den Tag bezeichnen, an dem eine Partie von Ziegeln zum 
Trocknen ausgelegt wurde. Vermittelst dieser Notiz konnte von dem Ziegelbäcker 
jederzeit bemessen werden, wie lange die Ziegel bereits auslagen, ein für die 
Keramik nicht zu unterschätzender Faktor, zumal die Trockendauer für jedes 
in einem Tage gefertigte Quantum eine verschiedene war. Sehr interessant 
ist eine Zusammenstellung ähnlicher Ziegel von Zangemeister in den Bonner 
Jahrbüchern, 1879. Wir ersehen daraus, daß neben den Daten gelegentlich 
auch der Name des Ziegelarbeiters und die Anzahl der gefertigten Stücke 
eingegraben wurde. Aus einer Ziegelinschrift von Aquileja lernen wir auch 
das Wort rädere als ter minus technicus für das «Streichen» der Ziegel kennen, 
also genau der jetzigen Herstellungsweise entsprechend. Eine Ziegelplatte 
im Museum zu Darrastadt^^") enthält außer der Bezeichnung laterculi capitu- 



"») Herrn Ingenieur C. B. Aircl aus Hanau, welcher ähnliche Versuche angestellt 
hat, verdanke ich folgende Mitteilung: «Als im P'ebruar 1891 infolge niedrigen Wasser- 
standes die Reste von Alta Ripa bei Mannheim im Rheine auftauchten, kamen auch einige 
Ziegel — gelbe und rote — zum V^orschein, in den Abmessungen von 44:26:9 cm. Die 
gelben Ziegel sollen aus der Nähe stammen, wo auch heute noch solche aus Rheinschlick 
hergestellt werden. Verschiedene Bruchstficke hatten Poren und größere Hohlräume, die 
mit einer glasigen Masse (vielleicht ein aus den Steinen ausgelauchtes Salz) ausgefüllt 
waren. Die Untersuchung der roten Steine, deren Herkunft nicht zu bestimmen ist, hatte 
das Resultat, daß die römischen Steine bei 36 stündigem Eintauchen in Wasser nur 5°/o, 
die modernen aber mehr als 26°/o an Gewicht zunahmen. Das spezifische Gewicht des 
jnodernen Ziegels betrug 2,33 gegenüber 2,22 des antiken. Dagegen war die Druckfestig- 
keit des römischen Ziegels fast dreimal so groß wie diejenige des neuen Altriper Steines 
(350,5 kg pro qcm gegen 135,6 kg pro qcm), ein Beweis für die vorzügliche Qualität des 
ersteren». 

'«<*) Gefunden im Kastell «Hasselburg» bei Hummetroth im Odenwalde; die voll- 
ständig erhaltene, quadratische Platte von 39 cm Seitenlänge und 4 cm Stärke trägt die 
schön ausgeführte Kursi\anschrift: STRAT VBA TERTIA LATERCVLI CAPITULARES 
NVM' CCCLXXV; vergl. Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, Bd. II, S. 183 ff. 



Die Baumaterialien. Ziegel. \QQ 

Zare5 («Kopfziegel» für Hypokaustpfeilerchen?) und der Anzahl der gefertigten 
Ziegel auch die Angabe, daß sie in der stratura tertia, der dritten Lage, aus- 
gelegt war. (Die Aufschrift findet sich bei Bramb. 1397). Neben solchen 
Bezeichnungen sehen wir öfters Tierfüße, einmal auch einen Kinderfuß und 
genagelte Schuhsohlen abgedrückt, alles Beweise dafür, daß die Lehmziegel 
auf dem flachen Boden ausgebreitet wurden ^^^). 

Wir gehen hiernach zu der Frage über, wie die römischen Ziegel ge- 
brannt worden sind, durch Feldbraud oder im Ofen. Bei dem Verfahren des 
Feldbrandes werden heutzutage die getrockneten Lehmsteine auf einen großen 
viereckigen Haufen im freien Felde zusammengesetzt, und zwar da, wo das 
Rohmaterial gewonnen worden ist. Die in dem unteren Teile des Haufens 
angelegten Kanäle werden gleich beim Aufschichten mit Steinkohlen ausge- 
gefüllt, und ebenso wird eine dünne Schicht von Kohlengries zwischen die 
Lagen der Lehmziegel gestreut. Ist der so aufgesetzte Feldbrandofen fertig, 
so wird er oben wie an den vier Seiten dicht mit Lehm verstrichen und dann 
angesteckt. Die Brenndauer beträgt etwa 10 Tage. Dieser unrationelle, in 
Deutschland jetzt noch in vielen Gegenden bestehende Betrieb (die Produkte 
heißen in der Taunusgegend «Russensteine» zum Unterschied von den «Ring- 
ofensteinen») hat zwei sehr große Nachteile: es wird eine große Menge von 
Brennmaterial verschwendet, und außerdem bleiben die an den Außenseiten 
liegenden Ziegelschichten unbrauchbar , sodaß ein großer Prozentsatz von 
Steinen verloren geht. Man giebt deshalb allmählich den Feldbrand auf und 
geht zur Anlage großer Brennöfen über. 

Bezüglich solcher Anlagen im Altertum bemerkt Blümner in seiner 
«Technologie»: «Über die Öfen, in denen die Ziegel gebrannt werden, fehlen 
uns die schriftlichen Nachrichten». Vitruv und Plinius schreiben zwar über 
gebrannte Ziegel, aber nicht über die Art und Weise des Brennens. Wir müssen 
daher, um zu einem Urteil hierüber zu gelangen, einen anderen Ausgangs- 
punkt suchen, der uns indessen auch zu fördern verspricht; ich meine die 
technischen Rücksichten an und für sich. Ziegelplatten, die über das Maß 
von 29 : 29 cm hinausgehen und ganz besonders die Dach-, Haken-, Warzen- 
und Verblendziegel , einschließlich der Kacheln , sind kaum ohne Töpferöfen 
zu brennen. Herr voti Boch aus Mettlach, eine Autorität in keramischen 
Fragen, hat bei seinem Besuche der Saalburg diese Ansicht gleichfalls aus- 
gesprochen. Vor einigen Jahren machte ich Versuche in dieser Hinsicht und 
ließ Backsteine nach römischem Muster und in römischen Maßen herstellen; 
es ist damals gelungen, 25 : 25 cm große Platten durch Feldbrand zu backen. 
Die gut getrockneten Platten wurden in das Innere des Ofens gesetzt und ein 



161) Eine Stelle bei Vitruv beweist uns, daß man im Altertum von der Wichtigkeit 
des Trocknens für die Haltbarkeit des Materials wußte. Nach Lib. II, Kap. 3 mußten die 
Ziegel der Uticenser 5 Jahre trocknen und wurden erst abgenommen, wenn durch ein obrig- 
keitliches Gutachten (arbitrio magistratus probatum) diese Zeitdauer bestätigt war. Es ist 
aber wohl anzunehmen, daß die so lange getrockneten Lehmsteine überhaupt nicht ge- 
brannt, sondern als «Luftziegel» verarbeitet wurden. 



190 Technische ErgebniBse. 

zienilicli hoher Prozentsatz guter Ziegel erzielt, dagegen mißlangen die Ver- 
suche, größere Platten auf dieselbe Weise zu brennen. Damit soll jedoch nicht 
gesagt sein, daß es den in der Töpferei gut geschulten Römern vielleicht bei 
Holzkohlenbrand nicht möglich gewesen wäre. Daß sie aber 40 : 40 bis 
60:60 cm große Platten in Feldöfen brannten, ist wenig wahrscheinlich, und 
es bleibt vorläufig eine offene Frage, ob sie überhaupt den Feldbrand kannten. 
Bei der großen Mannigfaltigkeit der Formen in dem von den Römern ver- 
wendeten Ziegelmateriale, von denen manche — so namentlich die Hohl- 
ziegel — im Feldbrande sicherlich nicht in der angetroffenen Vollendung 
herstellbar waren, ist man geneigt, jene Frage in verneinendem Sinne zu be- 
antworten. 

An der Saalburg sind Backsteine gefunden worden, die aus rohem 
Material mit Quarzsteinchen, Stroh, Schachtelhalm und Binsen vermengt her- 
gestellt sind; diese 8 — 14 cm dicken, 15:15 und 20:30 cm messenden, un- 
förmigen Steine (Tafel XVHI, Nr. 6a und 6b) sind teilweise verschlackt und 
könnten dadurch zu der Ansicht verleiten, als seien sie durch F'eldbrand her- 
gestellt worden; w^ahrscheinlicher ist es dagegen, daß sie nur Lehmsteine 
w'aren, die bei Feuerungen — sie sind an den Schürlöchern gefunden — 
Verwendung fanden und infolgedessen gebrannt sind wie die Lehmstaakung 
der Fachwerkbauten. Da jedoch die Steine verhältnismäßig leicht und porös 
sind, was vielleicht absichtlich durch die obengenannte Beimischung or- 
ganischer Stoffe erzielt wurde, so ist es nicht ausgeschlossen, daß sie auch 
eine andere Verwendung, vielleicht zur Isolierung, hatten. 

Sehr viele Ziegel und Kacheln sind gestempelt und tragen entweder 
die Bezeichnung der Truppenteile und zwar bei uns die der Legio XXII 
pr. p. f., der Lcgio VIII, der Cohors IUI Vind., der Coh. II Eaet. und der 
Coh. I Fl. D. (oft mit Hinzusetzung des Namens des Ziegel meisters) oder nur 
einen Namen, den man als den eines Privatziegelmachers ansieht. Über diese 
Aufschriften ist das Nähere in dem Abschnitt XIH. 2 bei den «Inschriften» ge- 
sagt. Ebenso häufig kommen ungestempelte Ziegel vor; es wäre möghch, daß 
von den zum Trocknen ausgelegten Lehmziegeln nur einige, vielleicht die 
am Anfang und Ende der Reihen liegenden gestempelt wurden. Die Matrizen 
zu diesen Stempelabdrücken waren gewöhnlich aus Holz angefertigt, und zwar 
war bei kleineren ein Klotz verwendet, das den Stempel an dem Hirnende 
trug; zur Herstellung der großen Kachelstempel dagegen sind Holzformen 
zur Anwendung gekommen, die nach Art unserer Pfefferkuchenformen auf- 
gepreßt wurden. Mit einem Stempel der erstgenannten Art ist der Stempel- 
abdruck Fig. 45, Nr. 13, hergestellt; man sieht auf dem Schilde radial 
den Abdruck des aufgerissenen Holzes. An einigen Legenden, wie bei 
Tafel LXXIX, Nr. 15 und 16, bemerkt man deutlich, daß bei der Her- 
stellung der Matrize zwischen dem H und der Zahl IUI Holzreste stehen 
geblieben sind, die hätten beseitigt werden müssen, oder daß das Messer 
beim Schneiden ausgefahren ist und zuviel mitgenommen hat. Bei Tafel 
LXXVIII, Nr. 19, scheint das Stempelliolz in der Mitte geplatzt zu sein. 



Die Baumaterialien. Ziegel. 191 

Auch daß man so oft Buchstaben begegnet, die verdreht, schräg oder ver- 
zogen sind, muß der Herstellung mit Holzstempeln zugeschrieben werden, 
die bald naß, bald trocken waren und dann sich werfen oder zerreißen mußten. 
Manchmal kann man die, offenbar mit demselben Stempel hergestellte Legende 
sehr scharf und dann wieder sehr verschwommen sehen, ein Unterschied, der 
sich leicht dadurch erklären läßt, daß der schlechte Abdruck mit dem bereits 
abgenutzten und undeutlich gewordenen Stempel hergestellt ist. Daneben 
müssen aber auch Metallstempel existiert haben, zu denen die beiden als Ab- 
nahmestempel bezeichneten (Tafel LXXIX, Nr. 23 und Fig. 45, Nr. 4) gehören. 

Hiermit komme ich zur Erörterung der Fragen, welche sich uns bei der 
Betrachtung gestempelter Ziegel aufdrängen, nämlich: 1. wo sind die Saalburg- 
ziegel hergestellt? 2. wer hat sie gemacht? und 3. haben die Truppen, deren 
Namen auf den Ziegeln stehen, auf der Saalburg in Quartier gelegen? 

Weder an den Kastellen im Taunus, noch in unmittelbarer Nähe der- 
-gelben findet sich Material, welches sich zur Fabrikation guter Ziegel im 
Großen eignet. Vor der Saalburg liegt in einer Tiefe von 1,50 m verwitterter, 
gelblicher Quarzschiefer, der sich zur Ausfüllung der Fachwerke und zum Ver- 
kleben der Lücken und Ähnlichem wohl verwenden läßt, vielleicht auch zur 
Herstellung eines minderwertigen Ziegelmaterials gebraucht werden konnte, 
aus dem die oben erwähnten dicken Backsteine und vielleicht auch die kleinen 
Ziegel der Coli. II Raet. (Stempel Tafel LXXIX, Nr. 2) bestehen. Gerade die 
letzteren enthalten eckige Quarzstückchen, die nicht wie diejenigen in der Ebene 
rund abgerollt sind und wahrscheinlich machen, daß das Material an der Saal- 
burg entnommen ist. Zur Herstellung in großem Betriebe kann solches Material 
kaum genügt haben, und es war immer meine Ansicht, daß schon aus 
diesem Grunde ein großer Betrieb im engeren Gebiete der Saalburg nicht be- 
standen haben kann. Hierzu kommt die auffallende Übereinstimmung der 
meisten Ziegelstempel mit denen aus der ganzen Mainebene, und zwar mit 
allen ihren Fehlern und Eigentümlichkeiten, eine Thatsache, die auch bei 
den Legionsstempeln zu beobachten ist, welche bei den Bauten in der Ebene 
gefunden wurden, sodaß für alle dieselbe Quelle wahrscheinlich ist. 

Ich habe diese Ansicht 1885 in einem längeren Vortrage im Altertums- 
vereine zu Homburg vertreten, doch dachte ich dabei an die Umgebung von 
Mainz. Auch Hdbd hat in seinen Notizen bereits 1861 die Vermutung auf- 
gestellt, daß die gefundenen Ziegel wohl schwerlich in den Kastellen ge- 
brannt seien. Nun hat neuerdings Professor Wolff durch die Aufdeckung der 
römischen Ziegelöfen bei Nied nachgewiesen, daß dort ein Fabrikationscentrum 
bestanden hat. Fast die meisten unserer Stempelvarietäten sind dort ver- 
treten. Daß die Nieder Ziegelöfen die einzigen gewesen seien, ist damit nicht 
gesagt; denn da ja auch der Thon zu den dortigen Ziegeln von Münster bei 
Höchst a. M. bezogen ist, so wäre auch denkbar, daß man das Material für 
unsere Ziegelprodukte von weit her geholt habe, und daß die Ziegel selbst 
auf der Saalburg gebrannt worden seien, wo man das Holz so nahe hatte. 
Es ist ja möglich, daß die großen Ofen nicht immer im Betrieb und für 



192 Technische Ergebnisse. 

geringere Bedürfnisse kleine Ofen an Ort und Stelle vorhanden waren. Hier- 
bei mag noch erwähnt werden, daß öfters auf den Platten Spuren von Wild 
abgedrückt sind, und zwar von Tieren, welche sich nicht weit vom Walde 
entfernen. 

Sicher ist außerdem, daß bei Kirdorf und Homburg- Gonzenheim, wo 
dieser besonders geeignete Lehm ansteht, und vor allem bei Seulberg, wo 
eine Töpferindustrie seit der Römerzeit durch das ganze Mittelalter blühte 
und der «Aulofen» (Töpferofen) ^'^-) noch jetzt besteht, Ziegel gebrannt wurden. 
Überall sind dort in der Nähe Reste von römischen Niederlassungen ge- 
funden worden, und wir sind wohl berechtigt, auch dort Ziegelöfen zu suchen. 
Und wozu hätte endlich das großartig angelegte Wegnetz neben den aus- 
schließlich strategischen Verkehrsstraßen gedient, als um auch die Produkte 
der Ebene den Limes-Anwohnern zuzuführen? 

Jedenfalls nimmt Prof. Wolff mit Recht an, daß in Nied eine Central- 
zicgelwerkstätte gewesen sei^^'), und wir besitzen ebenso sicher eine Menge 
von Ziegeln auf der Saalburg, die dort gebrannt wurden. Von denjenigen 
aber, die auf der Saalburg hergestellt sein könnten, sind bestimmt diejenigen 
der Coli. I. Fl. D. zu scheiden, deren hellgelber poröser Thon eine ganz 
andere Abstammung verrät ^^^), und ebenso die der Bacter mit den Stempeln 
Taf. LXXIX Nr. 3 und 4. Weitere Untersuchungen müssen noch lehren, wo 
die einzelnen Ziegel gebrannt sind. 

Sind nun die Ziegel von denjenigen hergestellt oder verbaut worden, 
die sie gestempelt haben, und kann man aus ihnen schließen, daß die be- 
zeichneten Truppen auf der Saalburg in Garnison lagen? 

Über die Ziegelfabrikanten ist man noch im Unklaren. Wenn man eine 
Centralziegelbrennerei annehmen will, die vielleicht wie unsere modernen 
Militärhandwerkstätten unter militärischer Oberleitung stand, dann erscheint 
es, ebenso wie es heute geschieht, denkbar, daß Maunschafteu einzelner 
Truppengattungen auf eine bestimmte Zeit zur Handwerkstätte abkommandiert 
wurden. Von diesen hat alsdann jeder die ihm aufgegebenen Ziegel mit 
dem Zeichen seines Truppenteils gestempelt, um die Verfertiger erkennen zu 
lassen. Dieses Verfahren würde dem heutigen Brauche entsprechen, dem- 
zufolge in unseren Militärhandwerkstätten jeder das von ihm gefertigte Mon- 
tieruugsstück mit seinem Namen zu bezeichnen hat, um ihn für etwaige 
Fehler zur Verantwortung ziehen zu können. Die Lieferung der befohlenen 
Anzahl von Ziegeln wurde mit einem Abnahmestempel «.iustiim fccit» ver- 
sehen, der etwa dasselbe besagt wie unser «die Richtigkeit wird bescheinigt». 



'•») Vergl. von Cohamen. Nass. Annalen. Bd. 14. 

1") Eine gleiche bestand auch in G roß- Krotzen bürg, wo Ziegel mit Stempeln der 
Coh. IUI Vindel. hergestellt wurden; vergl. Dr. Albert Duncker, Beiträge zur Erforschung 
und Geschichte des Ffahlgrabens, in der Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte 
und Landeskunde, Neue Folge, VIII. Bd. (Kassel 1880.) S. 61. 

***) Da das Standquartier dieser Truppe in Friedberg vermutet wird, könnten sie 
aus jener Gegend stammen. 



Die Baumaterialien. Ziegel. 193 

Bei Bedarf wurde dann von jener Centrale den Kastellen die verlangte Zahl 
von Ziegeln überwiesen, ohne Rücksicht darauf, wer sie gestempelt hatte. 
Damit fällt die Annahme, daß diejenige Truppe die Ziegel vermauert habe, 
deren Namen diese tragen. 

Noch schwieriger wird die Beurteilung dieser Verhältnisse, wenn man 
auf die vielen Zerstörungen des Kastells und die folgenden Neu- und Um- 
bauten Rücksicht nimmt. In solchen Fällen suchte man sich wohl die nötigen 
Ziegel überallher zusammen, wie man sie eben der Größe nach bedurfte. 
So wird sich wohl das öftere Zusammenvorkommen von Ziegeln der ver- 
schiedensten Truppen an ein und demselben Gebäude erklären lassen. Durch 
jene, nunmehr fallen gelassene Annahme ist sicher eine große Konfusion 
entstanden, und man geht zu weit, wenn man allzuviel Gewicht auf die 
Reihenfolge der Ziegel in den einzelnen Bauten legt. Die Richtigkeit der 
für die Ziegelstempel der Militärbauten maßgebenden Verhältnisse ange- 
nommen, drängt sich noch die Frage auf, wie es sich demgegenüber mit der 
Herstellung der für Privatgebäude im Dekumatenlande bedurften Ziegel ver- 
hielt. Für diese können wir vielleicht die Stempel der Privatziegelmeister in 
Anspruch nehmen, wiewohl es nicht ausgeschlossen erscheint, daß von den 
Militärfabriken auch an Private von ihren Erzeugnissen abgegeben wurde, 
wenn es der eigene, verringerte Bedarf gelegentlich gestattete; denn wir finden 
überall in der Ebene Ziegel mit Truppenstempeln vermauert. 

Ob die Truppen, deren Backsteine auf der Saalburg vorkommen, alle dort 
in Garnison ^^^) lagen, ist schwer zu sagen. Die Cohors II Raetorum ist durch 
viele Inschriften bezeugt, die anderen nicht. Selbst von der Legio XXII, die 
so stark durch Ziegelstempel vertreten ist, wissen wir nur im Allgemeinen, 
daß sie zur Besatzung der Limeskastelle gedient hat. Es ist ja leicht möglich, 
daß von den übrigen, jetzt nur in einzelnen Exemplaren vertretenen Truppen- 
stempeln noch andere, vielleicht auch auf diese Truppen bezügliche Stein- 
inschriften gefunden werden; aber es ist andererseits auch denkbar, daß noch 
weitere Truppenkörper lange Jahre auf der Saalburg gelegen haben, die je- 
doch, weil sie keine Gelegenheit hatten, zu bauen und Ziegel zu brennen, 
in Stempeln solcher keine Dokumente hinterlassen haben. 

Ohne darum etwas an dieser Annahme über die Beziehungen zwischen 
Truppenstempel und örtlicher Verwendung der gestempelten Ziegel ändern 
zu müssen, will ich nicht verfehlen, auf die Thatsache hinzuweisen, daß 
manche Stempel, wie die der Cattharer, auf eine eng begrenzte Gegend lokali- 
siert sind. Diese wurden seither nur im Feldberg -Kastell und dem Kastell 
« Alteburg -Heftrich» gefunden ^'^^). Die besondere Art des hier verwendeten 
Materials läßt annehmen, daß diese Ziegel in der Nähe von Heftrich gebrannt 
sind, wo auch heute noch das Vorkommen von geeignetem Lehm die Ziegel- 
fabrikation begünstigt. 



165) vergl. den Abschnitt VIII. 5. 

166) Vergl. darüber Limesblatt Nr. 11, Abschnitt 86. 

Jacobi, Das Bömerkastell Saalburg. 13 



194 Technische Ergebnisse. 

Nacli den Arten der auf der Saalburg verwendeten Ziegel unterscheiden wir: 

1. Plattenziegel, 3. Dachziegel, 

2. Verblendziegel, 4. Kacheln. 



1. Plattenziegel. 

Weitaus die meisten Ziegel sind quadratisch, wenige rechteckig oder 
keilförmig und nur einige rund. Sie dienten fast ausschließhcli zur Her- 
stellung der Hypokaustenpfeiler und der Unterlage für den Estrichboden, 
selten als Bodenbelag und dort vielleicht nur zur Aushilfe, ebenso wie bei 
der obenerwähnten Ziegelmauer. Manche sind aus gutem Materiale und fest 
gebrannt, oft fast klinkerartig versintert, andere dagegen sehr schlecht und 
weich; von denjenigen dieser letzten Qualität dürften wohl die meisten ver- 
wittert und verfault sein. Es lassen sich dabei mancherlei Unterschiede auf- 
stellen. Viele Ziegel verraten durch dieselbe Farbe und Härte, daß sie alle 
aus einem Brande herstammen; ebenso sind andere wieder mit denselben 
Stempeln und in denselben Formaten durchweg schlecht oder zeigen alle den- 
selben Fehler. .Eine auf diese Gesichtspunkte gerichtete genaue Beobachtung 
bei sämtlichen am Limes gefundenen Ziegeln ließe gewiß manches Neue für 
die Fabrikation derselben finden. 

Die dünnsten unserer Platten sind 3 cm stark, die meisten 4—5 cm, 
und ein Bruchstück sogar 8 cm, eine Stärke, die derjenigen der mittelalter- 
lichen und jetzigen Formate gleichkommt. Die Maße der Ziegel sind jetzt 
nicht mehr alle, wie man annehmen sollte, auf das P'ußmaß zu reduzieren, 
da man bei den Römern ein Schwindmaß (d. h. ein aus der Erfahrung nach 
der Qualität des Materials zu bemessendes Maß, um welches der feuchte 
Lehmziegel größer gemacht w'erden muß, damit der gebrannte Ziegel das 
gewünschte Format erhält), w^enigstens bei Herstellung von Ziegeln nicht ge- 
kannt zu haben scheint oder vielleicht nicht angewandt hat. Die Dimen.sionen 
variieren um 3 — 5 cm. Wenn wir als Länge des römischen Fußes das Maß 
29,6 cm zu Grunde legen, dann sind die Ziegel, welche zwischen 29 — 30\'2 cm 
schwanken, sicher solche von der Länge eines Fußes, diejenigen von 39 — 44 cm 
gleich IV2 Fuß (richtig: 44,4 cm), diejenigen von 57 — 61 cm gleich 2 Fuß 
(richtig: 59,2 cm) und vielleicht die zwischen 20 — 23 cm gleich ^/4 Fuß (richtig: 
22,2 cm); es gehen also von letzteren vier auf das Format 44:44 cm. Mit 
den gebräuchlichen Größen läßt sich eine derartige Reduktion nach Teilen 
des Einheitsmaßes nicht durchführen, wenn man nicht außergewöhnliche 
Bruchteile des Fußes annehmen will, wozu man bei einem einfachen Betriebe 
nicht neigt. Ganz beträchtlich weichen die Maße der Ziegel mit den Stempeln 
der Vindelicier und Raeter sowie derjenigen der Privatziegler mit im Mittel 
17 und 25 cm ab. Ob letztere deshalb zu den beiden Kohorten gehört haben, 
und ob diesen Ziegeln mit abweichendem Formate ein anderes (etwa ein- 
heimisches?) Maß zu Grunde liegt? Es wäre möglich, daß man die Formate 



Die Baumaterialien. Ziegel. 



195 



von 1 Fuß und von ^ji Fuß beabsichtigt, aber durch gänzHche Außeracht- 
lassung des Schwindmaßes ein bedeutend kleineres erzielt hat. Man könnte 
auch an die weitere Möglichkeit denken, daß diesen Ziegelgrößen traditionelle 
Maße aus früherer Zeit zu Grunde liegen. 

Ich stelle im Folgenden die Formate unserer Ziegelplatten, nach den 
Truppenteilen bezw. Fabrikanten geordnet und nach Centimetern gemessen, 
zusammen: 



Truppenteil. 


Seitenlänge. 


Dicke. 




a) Quad 


ratische Platten. 




a) II. Kohorte der Raeter 


17 


21/2-31/2 








(fast durchweg 








schlecht) 


b) IUI. Kohorte der 


Vindelicier 


57-61 


5—51/2 
(Bruchstücke) 






I6V2— 17— 171/2 


4—41/2 






24-25—25^2 


4-41/2 






41-42 


41/2-5 


c) VIII. Legion 




20—21—211/2—22 • 


5—51/2-6 






29— 291/2— 3OV2 


5—51/2-6 






38 


5 






43—44 


5 


d) XXII. Legion 




19—20 


51/2 






23 


4 






271/2-28—29—301/2-31 


5-61/2 






39—40 


51/2-6I/2 ' 






42 


5 






57 


51/2 






Bruchstück 


8 


e) Privatziegler 




17-18 


5 


f) Ohne Stempel 




16—17 


3— 3V2— 5 






19—191/2-20—21 


3—4—41/2 






27—181/2—29 


31/2 






41 


41/2 






541/2 


41/2 






60—61 


6 




b) Recl 


iteckige Platten. 




a) VIII. Legion 




40:(29-29'/2) 


41/2—5 


b) XXII. Legion 




(39-41) :(28V2— 30) 


5-6I/2 






(28— 28i/2):(ll— 14) 


41/2 






8 : 12 (?) 


4 


c) Ohne Stempel 




39:281/2 


3 






(28— 29): (11— 141/2) 


3-5. 

13* 



196 



Technische Ergebnisse. 



Nach dem Fußmaße umgerechnet, betragen die Seitenlängen 1 : l'/a und 
1 : V« Fuß, mithin stehen sie im Verhältnis von 2:3 und 2:1. 

c) Keilsteine. 

Nui" mit Stempeln der VIII. Legion, in 2 Formaten: 

(33^8—35): 15. Die Dicke nimmt ab von 772—5. 
43 : 15. » » » » » 8-4. 

Also etwa ein Verhältnis von 7« :1V* Fuß = 1:3. 

d) Rundziegel. 

Hiervon haben wir nur ein Format in 2 Exemplaren aus schlechtem 
Material ohne Stempel; Durchmesser: 18. Dicke: 3. 

2. Verblendziegel. 

Es sind hierunter alle diejenigen dünnen Platten zu verstehen, welche 
zur Verkleidung von Decken und Wänden gedient haben und zwar sowohl 
solche ohne Ansätze, als auch die tegiäae hamatae und mammatae. 









Fig. 24. Verblendziegel. V» der nat. Größe. 



Die Baumaterialien. Ziegel. 



197 



Allen diesen Platten ist die Eigentümlichkeit gemeinsam, daß sie auf 
künstliche Art zur Aufnahme des Putzes oder zum besseren Festhaften des 
Mörtels, der sie mit dem Mauerwerke verband, rauh und uneben gemacht 
sind. Es geschah meist durch wellenförmige Linien, und diese sind nicht 
etwa ihrem Zwecke entsprechend unregelmäßig, sondern oft nicht ohne Ge- 
schmack angebracht, indem man wie bei den Ziegelstempeln auch hier der 
Freude an schönen Linien freien Lauf ließ, trotzdem die Muster von der 
Mörtelschicht überdeckt wurden. Ich habe in Fig. 24 eine Reihe solcher 
Muster zusammengestellt, bei denen Wellenlinien vorherrschen. Man nahm 
dazu ein gezähntes, meißelartiges Eisen, wie es in Nr. 22 der Textfigur 32 
abgebildet ist, oder Kämme von Holz und Hämmer mit Spitzen, wie sie 
heute noch zu einer ähnlichen Verzierung im Putze der Fachwerkshäuser 
Hessens verwandt werden. Man kann genau die verschiedene Stärke der 
Zähne und ihre Zwischenräume, sowie die Gesamtbreite der Instrumente 
ermitteln. Auch ein einfaches Holz oder ein eiserner Stift mag zur Her- 
stellung einzelner Punkte (Nr. 14 und 15) oder der so häufig auf den 
Kachelwänden vorkommenden Schachbrettmuster (Nr. 16 und Textfigur 26, 
Nr. 2) gedient haben. Diese Technik ist jetzt wieder in Aufnahme gekommen, 
denn die Gipsdielen werden auf ähnliche Weise zu demselben Zwecke be- 
handelt. 

Hier sind zum Unterschiede in der Herstellung Fußbodenplättchen 
mit ähnlichen Mustern zu erwähnen, von denen leider nur zwei auf uns 
gekommen und zwei in den HabeVschen Notizen flüchtig skizziert sind. Sie 
haben eine Dicke von 3 cm und sind etwa 16:16 cm groß; doch ist das 
Muster nicht eingeritzt, sondern mit Formen nach Art der Ziegelstempel 
auf Kacheln eingepreßt, wie die Übereinstimmung in den Unregelmäßig- 
keiten, die saubere Herstellung der Striche und besonders das Absetzen an 
den Schnittpunkten zeigt. In Fig. 25 ist ein solches Plättchen nach einem 
Abklatsch dargestellt und das Muster auf einer größeren Fläche ergänzt; die 



,'■' / 



/A 




^''^'-mMi-mW-\j^^ 



-^V 









Fiy. 25. FußbodenpliUtcheu. '/e. der nat. Größe. 



198 Technische Ergebnisse. 

Abbikliinj]; möge eine Vorstellung von der schönen AVirkung geben, die eine 
solche Zusammenstellung auf dem Fußboden hervorgebracht hat. 

Von den Verblendziegeln sind verschiedene Größen gefunden worden; 
einer derselben, 40:26 cm groß, ist auf Tafel XIX, Nr. 2, abgebildet. Diese 
Ziegel haben an den Seiten Einschnitte, um sie mit eisernen Kreuznägeln 
an Decke oder Wand befestigen zu können. Näheres hierüber, wie auch 
über die technische Verwendung der Ziegel und Kacheln überhaupt, siehe 
unter XI. 5 «Konstruktives» und auf den zugehörigen Tafeln XIX und XX. 

Etwas raffinierter hergestellt sind zwei andere Arten von Ziegeln: die 
tcgulae mammatae und tegulae hamatae. Über diese Bezeichnungen haben 
Nisscu, Pomp. Studien, Seite 65, und Blümner, Technologie und Terminologie, 
Seite 29, eingehend geschrieben. Letzterer sagt in einer Anmerkung: «Er- 
wähnt werden die tegulae mammatae bei Vitruv VII. 4, wo man früher hamatae 
las; so auch Hefner {Plin. XXXV. 159). Die Lesart und Bedeutung ist 
festgestellt von Schöne in Qnaest. Fompei. specimen, p. 22 f. » Wenn nicht 
ausdrücklich philologische Gründe dagegen sprechen, so sollte man die 
beiden Bezeichnungen mammatae und hamatae wiederherstellen, da beide 
Arten auf der Saalburg, genau den Namen entsprechend, gefunden sind 
und ihre Verwendung festgestellt ist. 

Unter tegulae mammatae — Warzenziegel — verstehe ich die auf 
Taf. XIX, Nr. 4, dargestellten Platten, welche in den vier Ecken Warzen 
tragen, in Form von kleinen Thonkugeln, die in den feuchten Ziegel ein- 
gesetzt worden sind. Diesen technischen Vorgang beweisen uns eine An- 
zahl von Bruchstücken, bei denen die Kugeln herausgefallen sind und nur 
das Loch gebheben ist. Diese Art von Ziegeln hat die Maße: 44:44 (IV2 Fuß): 
Vl-i — 3 cm. 

Von diesen sind düe tegulae hamatae oder amatoe zu unterscheiden. Es 
sind Platten, die an den vier Ecken etwa 9 cm lange Ohren oder Haken 
haben; letztere sind durchbohrt, um den großen Kreuznagel aufzunehmen, 
welcher gleichzeitig zwei Ziegel auf einmal befestigte. Als passender Ausdruck 
empfiehlt sich «Ohren-» oder «Hakenziegel». Wir besitzen hiervon nur 
ein Format, 36:46 cm (Tafel XIX, Nr. 1). 

(XB. Durch ein Versehen des Lithographen sind die Schattenseiten der Ziegel und 
Kacheln, Tafel XIX, 1 und 3 — 9, etwas ungeschickt schattiert, die Striche bedeuten nicht 
etwa die oben erwähnten Linien zur Rauhmachung der Ziegel, wie bei Nr. 2 und auf der 
Vorderseite von Nr. 4.) 

3. Dachziegel. 

Wir unterscheiden zwei Arten: tegula, den flachen Deckziegel, und im- 
hrex, den Hohlziegel. Die tegula hat die bekannte Plattenform mit den auf- 
gebogenen Rändern und den Ausschnitten für ein gutes Aufliegen der Ziegel 
übereinander. Die Leisten an den Seiten sind sehr oft, bei den aus dem 
besonderen Materiale hergestellten Ziegeln der Raeter fast immer, abgebrochen 
und die Platten als Verblendziegel verwandt; ihre Rückseite ist durch Kar- 



Die Baumaterialien. Ziegel. 199 

rierung rauh gemacht. Außer dem gewöhnlichen Format 45(47) : 35(36) und 
41V2:31V2 ist noch ein Bruchstück vorhanden, das 55 cm hoch ist; die 
Breite kann nicht mehr festgestellt werden. Die Ziegel sind gut und sorg- 
fältig gebrannt und zum Teil mit Truppenstempeln versehen. Die Maße der 
im Übrigen ähnlichen italischen Ziegel sind bei weitem größer als die der 
unsrigen^*'^). Der rinnenartige imbrex hat dieselbe Länge; der Querschnitt ist 
eher spitzbogig als halbkreisförmig, der äußere Durchmesser an der breiteren 
Seite 15 cm; nach dem anderen Ende ist der Ziegel etwas verjüngt. Die 
Pfeilhöhe beträgt etwa 7 cm, die Stärke 2 — 3 cm. 

Auf Tafel XX, Nr. 2, ist ein 15 cm hohes und 14 cm breites Ziegel- 
fragment in Palmettenform dargestellt, das jedenfalls als Antefixum eines 
Firstziegels verwendet war; es ist 1872 in einem Keller an der Saalburg ge- 
funden worden. Ahnliche Firstbekrönungen hat Durm im Handbuch der 
Architektur ^^^), Figur 191, abgebildet; die Höhe beträgt etwa 21 cm. 



4. Kacheln. 

Hohlziegel oder Kacheln {tuhuli), die ausschließlich zu Heizungszwecken, 
selten zur Isolierung der Wände und wahrscheinlich auf der Saalburg nicht 
zu Wasserleitungen verwandt wurden, sind auf Taf. XIX abgebildet und in 
Fig. 26 mit den neuen Funden zu einer Gruppe vereinigt. Sie zeichnen 
sich alle durch eine äußerst saubere Herstellung und durchweg sorgfältigen 
Brand aus. Ihr Querschnitt ist gewöhnlich rechteckig oder quadratisch und 
nur in einem Falle rund (Fig. 26, Nr. 5). Auch diese Kachel, oder richtiger 
gesagt: dieses Rohr, war zu Heizzwecken (vielleicht als Schornstein?) ver- 
wendet, da es ganz verrußt ist. Bei den übrigen sind die Kanten außen 
scharf oder abgerundet, innen immer eckig. An den beiden Schmalseiten 
finden sich mit Ausnahme der beiden langen Röhren (Nr. 5 und 11) Löcher 
von rundem, länglichem oder quadratischem Querschnitt zur Verbreitung 
der warmen Luft nach den Seiten hin oder zur seitlichen Verbindung 
der Kacheln unter einander; einen besonders merkwürdigen Ausschnitt 
zeigt Nr. 6. 

Den Verlauf der Herstellung der Kacheln kann man sich etwa fol- 
gendermaßen denken: Zunächst wurde ein flacher Kuchen ausgewalzt, auf 
diesem der Stempel eingepreßt und die Löcher ausgeschnitten (die scharfen 
Schnittflächen sind überall sichtbar). Dann bog man ihn um einen im 
Querschnitt quadratischen oder rechteckigen Kern, der aus einem Holz- 



es?) Näheres hierüber findet sich in dem in der folgenden Anmerkung erwähnten 
Werke von Durm und bei Fr. Gräber, Die Thonindustrie auf dem Gebiete des Bauwesens 
bei den Griechen und Römern, im Vereinsblatt des Ziegler- und Kalkbrenner- Vereins 1882. 

'68) Handbuch der Architektur, II. Teil: Baustile; 1, Abt. Die antike Baukunst, 
Band 2: Die Baukunst der Etrusker und Römer von Baudirektor Dr. /. Durm, Darmstadt, 
A. Bergsträßer, 1885. 



200 



Technische Ergebnisse. 




Fig. 20. Ileizknclielu. 



klotze oder aus einem zerlegbaren Kasten bestand, sodaß die Innenwinkel 
scharf blieben; die Rundung der äußeren ergab sich durch die Biegung 
des Kuchens von selbst. Die hierdurch beim Aufbau zwischen zwei 
Kacheln freibleibenden Räume dienten zur Aufnahme und besseren Be- 
festigung des Putzes, worauf ja auch das Rauhmachen der Seitenflächen 
durch Kreuz- und Querstriche hinweist. Wo bei den Heizkacheln außen 
scharfkantige Ecken erforderlich waren, mußten die Kanten besonders her- 
gestellt werden. An derjenigen Kante, wo die beiden Ecken des Kuchens 
zusammengelegt sind, an der «Naht», befindet sich die schwächste Stelle der 
Kacheln; hier sind auch die meisten gebrochen. 

Die großen Truppen - Stempel können bei dieser Art von Ziegeln 
nicht mit dem Stempelholz hergestellt sein, sondern man bediente sich 
dazu, wie schon oben gesagt ist, ähnlicher Holzformen wie bei den Pfeffer- 
kuchen. 

Die Kacheln, welche zum Teil Stempel der Leg. XXII und der Coh. IUI. 
Vind. tragen, haben folgende Formate: 



Die Baumaterialien. Eisen. 



201 



Nr. 


Höhe. 


Breite. 


Tiefe. 


Wand- 
stärke. 


Loch. 


Ab- 
bildung 

Fig. 26. 


Stempel. 


1 


30-31 


18-19 


11—12 


172 


11:4 


Nr. 7 


Taf. LXXV,Nr. 6u.4. 


2 


32 


18 


10 


2 


10\'2:3'/2 


Nr. 2 


Taf.LXXIX,Nr.6u.l5 


3 


36-37 


18 


14—15 


2-272 


13:372 

16:7 (drei- 


Nr. 6 


und ohne Stempel. 
Taf.LXXV, Nr.6. U.4. 


4 


38 


13 


10 


172 


eckig). 

4:4 


Nr. 4 


Taf. LXXV, Nr. 3. 


5 


29-30 


23-24 


13—14 


2 


9 : 472 


Nr. 8 


» » Nr. 2. 


6 


43 


15 


11 


r/2-2 


6:3 


Nr. 10 


» » Nr. 3. 


7 
8 


17V2 

22 


13 

17—18 


10 
10 


1^/2 
172-2 


572 : 3 

372 und 

572 : 3 


Nr. 3 
Nr. 9 


ohne Stempel, 
ohne Stempel. 


9 
10 


1972-21 
60 


I6V2 
18—19 


972 
18 


172 

3 


372 : 372 
kein Loch 


Nr. 1 
Nr. 11 


ohne Stempel. 
Taf. LXXV, Nr. 1. 


11 


59 


(rund), 

d=19 




3 


kein Loch 


Nr. 5 


ohne Stempel. 



E. Eisen. 

Daß ich das Eisen zu den Baumaterialien zähle, wird dadurch gerecht- 
fertigt, daß es an der Saalburg vielfach zu Bauzwecken Verwendung gefunden 
hat. Abgesehen von Bauwerkzeugen, Waffen und Geräten, die an anderer 
Stelle besprochen werden, sind Tausende von Nägeln in allen Größen, Holz- 
und Steinklammern, Krampen, Kreuznägel, Eisenstücke in mannigfachen 
Formen und von verschiedenstem Gewicht, besonders zahlreich auch Beschläge, 
Schlösser und Schlüssel ausgegraben worden, alles Gegenstände, die zur Auf- 
und Einrichtung der Bauten erforderlich waren. Sie geben uns einen treff- 
lichen Einblick in die Kunstfertigkeit der Römer sowie der auf der Saal- 
burg gelegenen Hilfskohorten und ihrer Handwerker. Diese verstanden das 
Eisen nicht allein meisterhaft zu bearbeiten, sondern auch zu bereiten; daß 
Letzteres in der Nähe der Saalburg geschehen ist, wird weiter unten angegeben 
und bei einem späteren Abschnitt über den «Dreimühlborn» und den 
«Drususkippel» näher ausgeführt werden. Dr. Ludivig Beck hat in den Nass. 
Annalen, Bd. XIV und XV, wie in seiner «Geschichte des Eisens» die bis 
1878 gefundenen Eisensachen technologisch behandelt und auch die Bereitung 
des Saalburg-Eisens in den Bereich seiner Darstellung gezogen. Von den 
neueren Funden und den 1895 entdeckten alten Eisenschmelzen und Schlacken- 
halden am «Drususkippel» hat Herr August Spannagel, Direktor der Hütte 
«Phönix» zu Laar bei Ruhrort, an Ort und Stelle Einsicht genommen und 
Untersuchungen darüber angestellt; derselbe hat auf meinen Wunsch den 
Gegenstand fachmännisch bearbeitet und mir seinen interessanten Bericht 
freundlichst zur Verfügung gestellt; ich lasse ihn hier im Wortlaut folgen : 



202 



Technische Ergebnisse. 



«Die Eisenfunde der Saalburg wecken in hohem Maße das Interesse des Eisen- 
hüttenmannes; es giebt das Saalburg - Museum in Homburg, wie kaum eine andere 
jlhnliche Sammlung, einen erstaunlichen Aufschluß über die frühzeitige Erzeugung des 
Eisens und dessen Verarbeitung zu Gegenständen aller Art, als WaflFen, Gerilte und 
Werkzeuge, die einesteils durch die vorzügliche Qualität des verwandten Eisens unsere 
Aufmerksamkeit erregen, dann aber auch der technischen Fertigkeit der römischen 
Schmiede und Schlosser ein glänzendes Zeugnis ausstellen. Wir sehen die verschiedensten 
Werkzeuge: Schaufeln, Keilhauen, Meißel, Hobel, sowie Hufeisen, Kunstschlösser und 
viele andei'e Geräte in geradezu heute noch mustergültiger Form. 

In der Geschichte des Eisens von Ludwig Beck, II. Aufl., S. 514, finden wir 
eine ausführliche Beschreibung der in der Nähe der Saalburg aufgedeckten Wald- 
schmiede am «Dreimühlborn». Eine weitere Untersuchung der dortigen Halden be- 
stätigte uns die von Beck gemachten Angaben bezüglich der verarbeiteten Erze. Ver- 
schiedene in den Halden gefundene Eisensteine ergaben folgende Zusammensetzung: 
Eisen Phosphor Mangan Kieselsäure Thonerde Kalkerde 



1. 


Roteisenstein vom 














«Dreimühlborn» 


40,70 o/o 


0,042 o/o 


0,076 «/o 


37,39 o/o 


nicht bestimmt 


2. 


Desgleichen 


66,51 » 


0,028 » 


0,00 » 


4,44 » 


» » 


3. 


Roteisenstein vom 














«Drususkippel» 


60,80 » 


0,13 » 


0,00 » 


10,77 » 


1,61 0,61 


4. 


Desgleichen 


56,58 » 


0,19 » 


0,16 » 


13,54 » 


nicht bestimmt. 



Das Erz Nr. 1 dürfte wohl als unbrauchbar ausgeschieden zur Halde gebracht 
worden sein; die anderen Bestimmungen aber zeigen uns ein vorzügliches Material 
mit sehr geringem Phosphorgehalt, welches in dieser Zusammensetzung in dem nicht 
sehr entfernten oberen Lahnthal bei Weilburg, ferner im Aarthal bei Oberneisen (Grube 
Rothenberg) gefunden wird, nicht aber, wie auch Beck annimmt, in der Nähe der 
Saalburg gewonnen wurde. 

Kalkstein fand sich nicht in den Halden; es muß daraus geschlossen werden, 
daß das Erz ohne Kalkzuschlag eingeschmolzen wurde; stark kieselsäurehaltige Erze 
konnte man wohl nicht verarbeiten. 

Bei dem wechselnden Betrieb der kleinen Öfen, der nicht gleichbleibenden Zu- 
sammensetzung der Erze und dem jedenfalls stark schwankenden Winddruck wird 
zweifellos auch die Temperatur im Ofen stark geschwankt haben und ist somit die 
wechselnde Zusammensetzung der Schlacke, von welcher wir untenstehend ein Bild 
geben, leicht zu erklären. Die den Schlackenhalden des «Dreimühlborns» und des 
weiter unten erwähnten «Dmsuskippels» entnommenen Proben waren, wie folgt, zu- 
sammengesetzt : 



Eisen 



Mangan 



Phosphor Kieselsäure 



1. 


Schlacke vom «Drei- 






mühlborn» 


47,56 0/0 0,16 


2. 


Desgleichen 


49,59 » 0,16 


3. 


Schlacke vom 






«Drususkippel» 


39,99 » 0,49 


4. 


Desgleichen 


43,61 » 0,27 


5. 


Schlacke aus dem Ring- 






walle der «Goldgrube» 


58,05 » 0,10 




Leider fanden sich in 


den Dreimüblborn - 1 



0,40' 
0,47 

0,59 
0,46 

0,28 



25,86 o/o 
23,46 » 

30,08 » 
30,91 » 

16,34 ». 



Aufschluß über das gewonnene Produkt geben konnten, dagegen hatten wir die Freude, 





Kohlenstoff 


Phosphor 


Mangan 




unter 






a. 


0,06 «'o 


0,202 o/o 


0,039 »/o 


b. 


0,06 » 


0,171 » 


0,030 » 


c. 


0,06 » 


0,212 » 


0,039 » 


d. 


0,06 » 


0,076 » 


Spuren 


e. 


0,06 » 


0,720 » 


» 



Die Baumaterialien. Eisen. 203 

in der Halde des im Mai 1895 aufgedeckten Drususkippels neben einer den Dreimühl- 
bornöfen sehr ähnlichen, noch ziemlich gut erhaltenen Anlage ein wohl erhaltenes 
Stück Eisen von ca. 20 cm Länge und -i cm im Quadrat zu finden. Die Zusammen- 
setzung war folgende: 

Kohlenstoff Phosphor Mangan Silicium Schwefel Kupfer Eisen 

unter 

0,06 0/0 0,161 o/o 0,0130/0 0,0450/0 0,0020/0 0,0120/0 99,5900/0. 

Es liegt nach der Analyse ein sehr weiches, zähes Eisen vor. 

Eine größere Anzahl von Eisenstücken, als Nägel, Haken, Werkzeuge, dem Saal- 
burg-Museum entnommen, hatten folgende chemische Zusammensetzung: 

Silicium Schwefel Kupfer Eisen 

0,117 0/0 nicht bestimmt 

0,170 » » 

0,092 » » » 

0,002 » 0,016 0/0 0,010 0/0 99,836 0/0 

0,210 » 0,026 » 0,027 » 98,957 » . 

Der geringe Kohlenstoffgehalt aller dieser Eisensorten bedingt ein ungemein 
weiches Eisen; die mit dem Material angestellten Biegeproben bestätigten denn auch 
vollständig diese Annahme. Das Eisen konnte auch nur dementsprechend verwendet 
werden, denn selbstverständlich würden sich die Nägel, Haken u. s. w. beim Einschlagen 
in das Holz verbogen haben; das Saalburg-Museum zeigt uns aber Vorbohrer, mit 
Hilfe deren die Römer arbeiten mußten. Ferner ergiebt die Untersuchung einer Keil- 
haue, daß man bei stark in Anspruch genommenen Werkzeugen und Waffen die Ar- 
beitsflächen durch Härten oder Einschweißen von harten Stahlstücken (Cementieren ?) 
widerstandsfähig zu machen verstand. 

Vorzügliche Verwendung fand das weiche Eisen zur Erzeugung von Schaufeln, 
Faßreifen, kurz allen Fabrikaten, welche ein starkes Breiten und Ausrecken bedingen; 
vielfache Musterexemplare des Museums geben beredtes Zeugnis von der Fertigkeit 
der Schmiede und dem guten Material. 

Das Eisen unter e der letzten Tabelle hatte zur Einfassung des Schürloches 
eines Hypokaustums gedient; auffällig ist der hohe Phosphorgehalt dieses Materials. 
Es liegt wohl der Schluß nahe, daß man die bei der Eisenerzeugung gewonnenen 
Luppen vor der weiteren Verarbeitung mit Bezug auf die Qualität, etwa durch Schmied- 
proben, untersuchte und das minderwertige Material wie in dem vorliegenden Falle 
für Zwecke verwandte, wo die Qualität keine Bedeutung hatte. 

Eines eigenartigen, in mineralogischer Beziehung interessanten Fundes glauben 
wir noch schließlich erwähnen zu müssen. In einem der Saalburg- Brunnen fand man 
verschiedene Eisengeräte mit Knochen zusammen, alles verdeckt im schlammigen Boden- 
satz. Auffälligerweise zeigte das vollkommen rostfreie Eisen einen schönen kobalt- 
blauen Überzug, ebenso fanden sich auch an den Knochen blaue, teilweise kristallisierte 
Ablagerungen. Das blaue Material ist das in der Natur vorkommende Mineral Vivianit '®'), 
welches sich z. B. beim Raseneisenstein öfter findet. Im Laufe der vielen Jahrhunderte 
hat der in den Knochen enthaltene Phosphor unter Zutritt der Feuchtigkeit diesen 
das Eisen konservierenden Überzug gebildet.» 



^) Vergl. Anmerkung 134. 



204 Technische Ergebuisso. 

5. Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 

In diesem Kapitel sollen luiuptsächlich die bei den Ausgrabungen der 
baulichen Reste an der Saalburg gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen 
nach der konstruktiven Seite hin dargelegt und, wo es zum Verständnisse 
erforderlich erscheint, mit Altem und Neuem verglichen werden. Im Vorher- 
gehenden wurden die hier in Frage kommenden Baumaterialien besprochen ; 
ein Eingehen auf alle ihre besonderen Eigenschaften hat nicht stattgefunden 
und ist auch für unsere Zwecke nicht nötig, da demjenigen, der sich darüber 
unterrichten will, eine umfangreiche technische Litteratur zu Gebote steht. 
Bei dem Konstruktiven werde ich, um nicht allzu ausführlich zu sein, 
ähnlich verfahren, doch wiU ich dabei die verschiedenen Handwerke, soweit 
es notwendig ist, besonders berücksichtigen und durch die daneben herlau- 
fende Besprechung ihrer Werkzeuge, die ja eigentlich unter die Behandlung 
der Funde gehört, aber hier des Verständnisses wegen besser ihre Stelle 
findet, im Einzelnen erläutern. 

In der Architektur versteht man unter Konstruktion die Verbindung 
der verschiedenen Baumaterialien zu einzelnen Bauteilen und die Vereinigung 
dieser zu einem Ganzen ; je nachdem nun das eine oder andere Material 
vorherrscht, bezeichnet man jene als Holz-, Stein- oder Eisenkonstruktion. 
Für die Saalburg kommen hauptsächlich die beiden p]rsteren in Betracht. 

a. Die Konstruktionen in Holz umfassen die Arbeiten des Zimmer- 
manns und des Schreiners (Tischlers), des faher tignarius und des faher 
intest inarius^'^^). Abgesehen von den ägyptischen Funden sind aus dem 
Altertume wenige Gegenstände von Holz und nur geringe Reste von Holz- 
bauten auf uns gekommen; man verdankt Letztere nur einzelnen zufälligen 
günstigen Umständen, meistens den stets durch Wasser bedeckten römischen 
Brückenfundierungen und Verpfähluugen; von solchen erwähne ich nur die 
bei Mainz ^''^) gefundenen, die einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis der 
römischen Holzkonstruktion lieferten. 

Unsere Kenntnis des Holzbaues schöpften wir früher im Wesentlichen 
aus den spärlichen Nachrichten der alten Schriftsteller, den erhaltenen Wand- 
malereien und Skulpturen ; eine Bereicherung haben uns in dieser Beziehung 
besonders die Ausgrabungen der Saalburgbrunnen gebracht, von denen viele, 
wie im Abschnitte XI, 2 ausgeführt ist, mit Holz verschalt waren und be- 
arbeitetes wie nicht bearbeitetes Holz neben vielen eisernen Werkzeugen ent- 
hielten. Wir werden im Verlaufe dieser Darstellungen sehen, daß sich in 



"") Vergl. Hugo Blümner, Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste 
bei Griechen und Römern. Leipzig. B. G. Teuhner, 1879. Ich werde mich öfters auf 
dieses treffliche Werk unter «Blümner» beziehen; auch die hier in Frage kommenden tech- 
nischen Benennungen sind ihm zum Teil entnommen, 

'^') Vergl. die Publikationen: «Die Rheinbrücke zu Mainz ein Römerbau» von 
F. Schneider, im Korrespondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und 
Alterthums vereine, 29. Jahrgang und «Die römische Rheinbrüeke bei Mainz» von Baurat 
Heim und Dr. W. Velke. Mainz, Druck von Ch. v. Zabern, 1887. 



Konstruktives, bauliche Details, Handwerkszeuge. 205 

den Grundprinzipien der Holzkonstruktionen und in den zu diesen erforder- 
lichen Werkzeugen seit 1800 Jahren nicht nur nichts geändert hat, sondern 
daß sogar damals Werkzeuge im Gebrauche waren, welche vor denjenigen 
der späteren Zeit bis zur ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Manches voraus 
haben. Eine durchgreifende Änderung tritt erst da ein, wo die maschinelle 
Herstellung beginnt und durch die Benutzung von Steinkohlen und die Ver- 
vollkommnung in der Bearbeitung des Rohmaterials neue Gesichtspunkte ge- 
wonnen werden. So lange jedes einzelne Werkzeug mit der Hand gemacht 
wurde und wird, und so lange der Handwerker auf dem Holzkohlen feuer sein 
Hand Werksgerät selbst nur mit Zuhilfenahme von Hammer und Zange her- 
stellt, wird es immer die einfache Form behalten, die es schon seit Jahr- 
tausenden hatte, vom ältesten Steinbeile bis zum kompliziertesten Geräte, 

Tacitus, Vitruv und andere Schriftsteller sprechen vom Holzbau. Plinius 
sagt Xn, 2: «Mit Bäumen bauen wir Häuser». Daß die Römer in dem 
holzreichen Taunus damit gebaut haben, ist zweifellos und auch schon bei 
der Besprechung der Baumaterialien gesagt worden. Auch steht fest, daß sie 
diese Bauweise bei den Eingesessenen angetroffen haben, wie verschiedentlich 
berichtet wird. Herodian (VII, 2) sagt: «Das Feuer verzehrt gar leicht die 
Städte und Gebäude der Germauen, denn sie sind selten von Steinen oder 
Ziegeln; weil sie dichte Wälder und also Überfluß an Holz haben, so fügen 
sie dieses zusammen, passen es ineinander und machen sich Hütten». Auch 
wissen wir, daß die Deutschen in den Provinzen, in denen sie mit Römern 
zusammenwohnten, die, wo es möglich war, lieber mit Steinen bauten, ihre 
Wohnungen nur aus Holz errichteten, da sie eine große Abneigung gegen 
Steinbauten hatten. Die Folge davon war, daß in Deutschland der eigent- 
liche Steinbau für Wohnhäuser erst im Mittelalter Anwendung fand. Wohl 
mögen die Römer bei den Germanen und auch durch ihre Hilfskohorten, die 
im Ilolzfachbau und besonders im Blockhausbau sicherlich eine große Fertig- 
keit hatten, Manches gelernt und ihren Bedürfnissen entsprechend weiter 
entwickelt haben, doch brachten auch die besseren Werkzeuge der Römer 
eine Vervollkommnung der Holzkonstruktionen von selbst mit sich. 

Ich wende mich zunächst zur Gewinnung des Holzes in den Wäldern 
und zu seiner ersten Bearbeitung, der Herstellung von Balken, einer Arbeit, 
die früher von Holzhauern und jetzt immer mehr durch die Schneide- oder 
Sägemühlen geliefert wird. An den unbearbeiteten Stücken aus den Brunnen 
ist leicht erkenntlich, daß die Säge noch wenig gebraucht wurde und daß, wie 
heute noch bei den Ansiedlern in Amerika, Äxte, Keile und Spaltmesser die 
wichtigsten Werkzeuge zur Zerkleinerung des Holzes waren; auch die er- 
hobenen Werkzeuge selbst bestätigen dies vollkommen ^^^). Auf Textfigur 27 sind 



"2) Die in den Textfiguren 27, 28, 29, 32, 34 und 35 zusammengestellten "Werkzeuge 
sind in einem ungefähren Maßstabe von 1 : 8 abgebildet. Zum besseren V^erständnisse der 
Werkzeuge und ihrer Anwendung wurden die fehlenden Stiele, Griffe etc., die nur aus 
Holz bestanden haben können, ergänzt gezeichnet. Die in dem Eisen vorhandenen Löcher und 
Haften sowie die in Brunnen gefundenen Griffe gaben dafür vollständig sichere Anhaltspunkte. 



206 



Technische Ergehnisse. 




_- _-w— li^juwa 



6. 




Fig. 27. Werkzeuge zur Bearbeitung des Holzes. 



solche, die sich zum Fällen, Spalten und Bearbeiten des Holzes eignen, zu- 
sammengestellt. Zu den Abbildungen wurden nur Funde von der Saalburg 
benutzt, doch sei gleich bemerkt, daß sich bei den Grabungen am Limes ^^^), 
mit Ausnahme einiger Seltenheiten von der Saalburg, genau dieselben Werkzeuge 
fanden. Auch das römisch -germanische Central -Museum in Mainz birgt 
eine große Zahl, von denen viele aus den Brückenpfeiler-Fundamenten der 
Rheinbrücke bei Mainz stammen und ebenfalls als authentisch anzusehen 
sind^^"*). Äxte {ascia), wie sie für das Ausmachen und Fällen der Bäume 
sowie für die sonstige Bearbeitung in erster Linie erforderlich sind, finden 
sich auf der Textfigur 27, Nr. 5 — 7 abgebildet; vergleiche hierzu Tafel XXXIII, 
Nr. 11 — 15. Auch die auf Textfigur 32, Nr. 1 abgebildete Doppelhacke {do- 
labra), die auf einer Seite axt- oder beilförmig, auf der anderen hackenartig 
ist, kann dazu gerechnet werden"^). Es sind dies alles Werkzeuge, wie sie 
der Holzhauer zu demselben Zwecke heute noch gebraucht; nur in der 
praktischen Form der Aexte (Textfigur 27, Nr. 5 — 7) liegt ein Unterschied, 
der zu Gunsten der römischen spricht. Durch die Lage des Stielloches an 



'") Die in Pompeji ausgegrabenen eisernen Werkzeuge zeigen dieselben Formen. 
>'*) V'ergl. auch Dr. Lindenschmit, Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 207 

einer mehr nach der Mitte zu gelegenen Stelle konnte die Axt zugleich als 
«Schlag» dienen; auch die mehr spitzwinklige Abschrägung des Hauptes 
ist vorteilhafter als die rechtwinklige und verhindert beim Gebrauche die 
sogenannte «Schw^ammbildung». Die praktischen Amerikaner verwenden zum 
Holzfällen ähnliche Äxte, neuerdings werden solche auch bei uns in den Handel 
gebracht. 

Zum Spalten des Holzes dienten in erster Linie die Keile {cnnei), 
welche in verschiedenen Größen und Formen gefunden worden sind. Nr. 1 auf 
Textfigur 27 ist massiv, Nr. 2 hat eine Tülle, in der ein Holz eingesetzt war; 
für das Einschlagen der Keile sind Holzschlägel, sogenannte «Klopfhölzer», 
am vorteilhaftesten ; es kann nach den gefundenen Holzteilen und eisernen 
Beschlägen (Ringen) ihre Verwendung am Limes und der Saalburg als sicher 
angenommen werden. Bei den schon oben erwähnten Funden im Rheine 
bei Mainz ist ein vollständig erhaltener Holzschlägel, der den eingeritzten 
Namen der XIHL Legion trägt, erhoben worden. 

Außer Spaltmessern (Textfigur 27, Nr. 3), die für kleinere Arbeiten 
dienten, besitzen wir einen Holzspalter, der an einem Ende ein Loch zur 
Aufnahme eines Holzstieles hat (Textfigur 27, Nr. 4, mit einem Holzgriff er- 
gänzt, vergleiche Tafel XXXIII, Nr. 17). Es ist dies ein Werkzeug, welches 
in waldreichen Gegenden Deutschlands und Amerikas heute noch genau 
ebenso zum Spalten des Holzes und besonders zur Herstellung von Schindeln 
gebraucht wird und daher den Namen «Schindelmesser» führt. Der höchst 
seltene Fund würde schon genügen, um zu beweisen, daß die Römer ihre 
Bauten an der Saalburg mit gespaltenen Schindeln bedeckten, was auch durch 
deren Vorkommen in Brunnen bestätigt wird. (Taf. XIV, Fig. X und XI.) 
Aber nicht allein Schindeln und kleinere Brettstücke wurden durch Spalten 
hergestellt: die Brunnenausschalungen, die uns Hunderte von gespaltenen 
eichenen Bohlen lieferten, beweisen, daß die Römer diese Technik allgemein 
anwandten und großes Geschick darin besaßen ^''^); es wurden solche ge- 
spaltene, 3 — 10 cm dicke Bretter bis zu einer Länge von 2,40 m und bis zu 
einer Breite von 0,40 m gefunden. Bei den Zimmerleuten und Schreinern 
unserer Zeit ist diese Methode, das Holz zu Brettern zu zerlegen, durch die 
vervollkommneten Sägeeinrichtungen allmählich verdrängt worden, dagegen 
wird sie bei den Küfern zur Herstellung von Dauben heute noch geübt. 
Gesägte Balken sind nicht vorgekommen, dagegen einzelne Bretter, welche 
die Anwendung der Säge [serra) am Limes auch für solche Zwecke be- 
glaubigen dürften. Daß die Römer die sogenannte «Schrotsäge», mit welcher 
man Baumstämme in Bretter schneidet, kannten, geht aus antiken Dar- 
stellungen und den Funden von Pompeji hervor, vergleiche auch Bich a. a. 0. 
S. 564. Von Sägen wurden an der Saalburg nur einzelne Bruchstücke mit 
verschiedenen Zahngrößen und Verschränkungen zu Tage gefördert (Text- 



es) Schliemann fand in der 6. Stadt Troja der Form nach genau dieselben Werkzeuge 
in Bronze; sie befinden sich jetzt im Museum für Völkerkunde in Berlin, Nr. 971 und 972. 
176) vergi. auch Blümner, a. a. O. II. S. 299. 



208 Technische Ergebnisse. 

figur 28, Nr. 26 und 28 und Tafel XXXIV, Nr. 5 und 6). Zu der auf 
Textfigur 28, Nr. 26 rekonstruierten Säge ist der gut erhaltene, in einem 
Brunnen gefundene Holzgriff benutzt worden, wodurch sich die gezeichnete 
Form von selbst ergiebt; sie weicht etwas von den modernen Sägen, die 
zwischen Steg und Spannseil einen größeren Zwischenraum haben, ab, da- 
gegen entspricht sie den antiken Abbildungen^"). 

Am meisten fand das Behauen des Holzes Anwendung; die als Brunnen- 
roste erhaltenen Bohlen zeugen von großer Fertigkeit, ebenso wie die be- 
schlagenen Balken, welche die Römer zum Bau der Roste für die Brücke 
bei Mainz verbrauchten. Die Werkzeuge zum Behauen und Beschlagen sind 
vorzüglich und bis zur Stunde noch nicht übertroffen worden. Auf Text- 
figur 27 sind unter Nr. 8 — 11 vier charakteristische Arten von solchen, 
die man als «Breitbeile» bezeichnet, abgebildet. Nr. 8 scheint, obgleich in 
ähnlicher Form jetzt noch in der Südschweiz und in Italien im Gebrauch, 
die älteste Form zu sein. Das Stielloch (die Tülle) ist wie bei den vor- 
römischen Kelten von oben angebracht und mit einer Ose versehen, durch 
welche man einen Riemen oder Strick zog, der um den Stiel geschlungen 
den Letzteren festhielt. Von Bronzekelten, die in Pfahlbauten erhoben wurden, 
ist diese Befestigungsart bekannt. Die Breitbeile Nr. 9 und 10 haben die 
bei uns übliche Form. Das Stielloch von Nr. 9 weicht in seiner Richtung 
von der Beilfläche ab, der Stiel erhält durch seine schräge Stellung eine seit- 
hche Neigung, wodurch die Hände des Zimmermanns von dem zu beschlagenden 
Balken abgewendet werden und eine Verletzung selbst bei ungeschickter 
Handhabung nicht leicht möghch ist. Interessant sind die «rechten» und 
«linken» Beile; Nr. 8 gehörte einem Arbeiter, der mit der linken, Nr. 9 einem 
solchen, der mit der rechten Hand besser hantieren konnte; auch heute noch 
sorgt die Fabrikation für links- und rechtshändige Werkzeuge. Nr. 11 ist 
ein kleineres Breitbeil, wohl mehr für einen Schreiner als für einen Zimmer- 
mann; Nr. 12 kann als ein gewöhnliches Handbeil bezeichnet werden, das 
ebensogut für den Hausgebrauch als für Handwerker zu benutzen war. 
Weitere Werkzeuge waren damals und sind noch heute für die besagten 
Hantierungen nicht erforderlich. 

Zu Werkzeugen ähnlicher Art gehören ferner: Der Meißel (tornus), der 
schon in der Stein- und Bronzezeit eine Rolle gespielt und sich in seiner Form 
seit der Urzeit kaum geändert hat. Der Zimmermann braucht ihn zum 
Lochen, Stemmen, Stechen etc. Man unterscheidet Meißel, Breitmeißel, Loch- 
beutel, Stemm- und Stecheisen. Auf Tafel XXXIV stellen Nr. 21—24 
Breitmeißel, Nr. 25, 30 und 31 Lochbeutel, Nr. 27—29, 32—34 Stemm- 
und Stechmeißel, Nr. 13, 19 und 20 Hohlmeißel dar. Die Textfigur 28 zeigt 
noch eine Anzahl verschiedener Meißel, von welchen der große Breitmeißel 
Nr. 3, die Lochbeutel 2, 4, 11, 12 und die Stecheisen Nr. 1, 5 und 10 unsere 



'") Eine solche verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Otto Donner von 
Bichter aus Frankfurt, der sie einem Relief im Vatikan, welches das Werkzeug eines 
Bildners, des Frilis Marcus Antonius Andronicus, in Buchenholz darstellt, entnommen hat. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 



209 




Fig. 28. Werkzeuge zur Bearbeitung des Holzes. 



Aufmerksamkeit verdienen; einzelne Meißel sind ganz aus Eisen, andere hatten 
Holzgriffe. Ein kombiniertes, auch heute noch angewendetes Werkzeug, das 
teilweise den Meißel ersetzt, ist die zweiseitige Loch- oder Queraxt, Text- 
figur 27, Nr. 13; sie besteht aus Meißel und Lochbeutel und wird haupt- 
sächlich vom Zimmermann zum Lochen der Balken gebraucht. Weitere 
Werkzeuge für den Zimmermann sind die Bohrer, die auch der Schreiner 
nicht entbehren kann; diejenigen für den Letzteren haben ein kleineres Format. 
Der Löffelbohrer kommt am häufigsten und in sehr verschiedenen Größen 
vor, 0,10 bis 1,30 m lang. Seine Form ist uralt, ScMiemann fand einen solchen 
aus Bronze von 0,20 m Länge in der 2. Stadt von Troja (jetzt im Museum 
für Völkerkunde in Berlin, Nr. 6775); in seiner Gestalt entspricht er genau 
den eisernen von der Saalburg. Auf Tafel XXXIV, Nr. 7 und 9, und auf 
Textfigur 28, Nr. 17 und 19, finden sich derartige Löflfelbohrer in ver- 
schiedenen Größen. Besonders bemerkenswert ist Nr. 7 auf Tafel XXXIV, 
der schon bei dem Brunnen Nr. 16 erwähnte Deichelbohrer, 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 14 



210 



Technische Ergebnisse. 



Außer diesen Löffelbohrcrn, die jetzt noch genau in derselben Weise 
fabriziert werden, ist ein heutzutage viel verwendeter Gewind- oder Dollen- 
bohrer (Taf. XXXIV^ Nr. 8 und Textfigur 28, Nr. 18) bis jetzt nur in einem 
Exemplare gefunden worden. Die sehr langen Löffclbohrer können kaum einen 
anderen Zweck als den zum Bohren von Röhren gehabt haben. Die anderen 
kamen in ihrer Mehrzahl bei dem Holzbau in Anwendung, doch waren sie 
auch für den Stellmacher — den Wagner — zum Durchbohren der Naben 
und Achsenschemel notwendig. Aus dem Vorhandensein dieser Bohrer läßt 
sich der Schluß ziehen, daß einesteils bei den Holzkonstruktionen viel- 
fach Bohrungen stattgefunden haben müssen und hölzerne Nägel — Dübel — , 
wie jetzt noch im Fachwerksbau und bei Dachkonstruktionen, angewandt 
wurden; andernteils beweisen die vielen kleinen Bohrer, daß zum Einschlagen 
der Nägel, die nach der Untersuchung von Spannagel (vergl. S. 203) zum 
direkten Einschlagen zu weich waren und sich, ohne umzubiegen, nicht leicht 
verwenden ließen, besonders für das harte Eichenholz ein Loch vorgebohrt 
werden mußte. Zu diesem Zwecke, dem Vorbohren oder Vorschlagen können 
auch die so vielfach ausgegrabenen pfriemenartigen Werkzeuge — die Durch- 
schläge - Tafel XXXIV, Nr. 14 und 15 und Textfigur 35, Nr. 16 und 
20—22, gerechnet werden. 




Fig. 29. Werkzeuge zur Bearbeitung des Holzes. 



Eiserne Hämmer sind im Allgemeinen wenige gefunden worden ; einige 
sind bei den Werkzeugen für Schreiner, Textfigur 29, Nr. 21 und 22, und für 
Maurer, Textfigur 32, Fig. 5— 9, dargestellt; es scheint, daß für den Zimmer- 
mann die größere, für den Schreiner die kleinere Axt, die auf einer Seite 
hammerartig ausgebildet und gestählt war, genügte. Der Holzhammer oder 
das Klopfholz (Textfigur 34, Nr. 1) wurde, wie antike Abbildungen zeigen, 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 211 

zum Lochen der Hölzer wie auch heute noch angewendet, was sicli schon 
an den gefundenen Meißeln, die selten an ihrem Haupte umgeschlagen sind 
und keinen sogenannten «Schwamm» haben, erkennen läßt. 

Was die eigentliche Konstruktion betrifft, so ist im Vergleich mit den 
jetzigen Holzverbindungen wohl kaum ein Unterschied nachzuweisen. Wie 
bereits im vorigen Kapitel ausgeführt ist, lieferte die Eiche das eigentliche 
Bauholz, das sehr dauerhaft ist und sich infolge seiner großen Druckfestigkeit 
für Ständer, Stiele, Schwellen und Streben besonders eignete. Da Eichen- 
holz jedoch, seiner geringen Biegungsfestigkeit wegen, zu großen freitragenden 
Balken nicht gut verwendbar ist, halfen sich die Römer damit, daß sie den 
Gebälken kräftige Unterzüge und Pfosten gaben, oder dieselben, wie beim 
Magazinbau des Kastells, zur Auflage der durch die Fruchtvorräte schwer 
belasteten Gebälke, durch viele Quermauern unterstützten. Das Holz war be- 
hauen, oder, wie der technische Ausdruck lautet, «beschlagen». Sämtliche 
Hölzer mußten des Verbandes wegen möglichst scharfkantig sein. Welch 
große Fertigkeit die römischen Soldaten in dem Beschlagen von scharfkantigen 
Hölzern hatten, beweisen die schon oben besprochenen Grenzhügel mit ihren 
Löchern, die durch das vermoderte Holz in rechteckigem, scharf winkligem 
Querschnitte uns erhalten geblieben sind und für ein tadelloses Beschlagen 
der Hölzer sprechen. Es versteht sich von selbst, daß daneben sowohl un- 
beschlagenes und nicht entrindetes Holz, als auch die Bäume im Naturzu- 
stande verwandt wurden. Das dürfte besonders bei den ältesten Bauten, den 
einfacheren Wohnungen und Blockhäusern der Fall gewesen sein. Auch wir 
würden heute in waldreichen Gegenden zu diesem Zwecke das Rundholz zur 
Errichtung kleinerer Häuser benützen, um so mehr als der unbeschlagene 
Balken erheblich tragfähiger ist und geringere Querschnitts-Dimensionen verlangt. 

Es scheint, daß auch schon bei den Römern die Bearbeitung des Holzes 
in verschiedene Zweige derart geteilt war, daß das Zimmer- und Schreiner- 
handwerk jedes für sich allein bestand. Bei uns hatten sich im Mittelalter 
durch das Zunftwesen die einzelnen Handwerke in diesem Sinne gestaltet, 
und es waren enge Grenzen gezogen, die im Großen und Ganzen heute noch 
innegehalten werden. An der Saalburg mag eine so scharfe Scheidung der- 
selben nicht bestanden haben, weil dort in erster Linie die Handwerker- 
Abteilung der Besatzung derartige Arbeiten verrichtete; da jedoch jeder Zweig 
gewisse Fähigkeiten, Geschicklichkeit und Übung erforderte, wird wohl zwischen 
Zimmerleuten und Schreinern auch ein Unterschied gemacht worden sein. 
Im Allgemeinen werden dem Zimmermann die Zurichtung des Holzes, die 
Zusammensetzung der Balken und die Herstellung des Daches, also die gröberen 
Arbeiten zugewiesen, während dem Tischler diejenigen des inneren Ausbaues, 
die Ausstattung der Räume und die Herstellung von Geräten, Möbeln u. a., 
d. h. die feineren Arbeiten, bleiben. Die für beide Handwerke nötigen Utensilien 
sind in solcher Reichhaltigkeit bei uns gefunden worden, daß man ein Zimmer- 
und Schreinergeschäft heute noch vollständig damit ausstatten könnte; es 
dürfte kaum ein Werkzeug fehlen. Fast die meisten der zu den Arbeiten 

14* 



212 



Technische Ergebnisse. 



des Beschlagens nötigen Werkzeuge werden übrigens vom Zimmermann und 
Tischler geraeinsam ge])raucht, docli hat jeder nach seinem (Jewerbe einige 
ihm besonders eigentümliche. 

Bevor ich zur Aufzählung der Werkzeuge des Ersteren schreite, schicke 
ich noch diejenigen Gegenstände voraus, die für jedes Handwerk unentbehrlich 
sind, die Meßinstrumente. Maßstab, Lineal und Winkel werden 
meistens aus Holz gewesen sein, doch hatte man auch solche aus Bronze, 
wie sie im National-Museum zu Neapel sich vorfinden. Hierzu gehören ferner 
Senkblei und Zirkel. Von Ersterem besitzen wir mehrere Exemplare aus 
Eisen mit Ösen zur Aufnahme der Schnur (Tafel XXXIV, Fig. 2) und Text- 
figur 32, Nr. 23, ein rundes Lot aus Blei und Eisen (Textfigur 28, Nr. 29) 
und einen sehr sauber gearbeiteten Senkel aus Bronze (Taf. XXXIV, Nr. 1 
und Textfigur 28, Nr. 30). Im Gegensatz zu den Ersteren, die wohl aus- 
schließlich dem Maurer, Steinmetzen und Zimmermann dienten, scheint der 
Letztere eher einem mathematischen Instrumente anzugehören; er trägt eine 
leider nicht lesbare punktierte Inschrift. Auch der unentbehrliche Zirkel ist 
vertreten; zwei derbe eiserne für den Handwerker zeigt Textfigur 29 in Nr. 18 
und 19 und Taf. XXXIV, Nr. 3; besonders bemerkenswert ist der wohl- 
crhaltene Keduktionszirkel aus Bronze: Textfigur 29, Nr. 20, der zur Ver- 
größerung im Verhältnis von 1:3 diente, aber nur zu zeichnerischen Zwecken 
gebraucht worden zu sein scheint. Solche Instrumente finden sich auf vielen 
Grabsteinen von römischen Architekten und Steinmetzen abgebildet, beispiels- 
weise auf einem solchen im Museo Capitolino (s. Ditrm, Baukunst der Römer, 
Fig. 322, und Blümner, Bd. III, Fig. 2, S. 91). 




9. ^W^ -«0. -»L^^aiP^ '^^■i^ihk 

Fig. 30. Holzverbindungeu (Ztmmerarbeiteu). Vw der nat. Größe. 



Der Verband der Hölzer unter sich durch den Zimmermann geschah 
außer durch hölzerne und eiserne Nägel vielfach mit eisernen Klammern. 
Tafel XXXXIII zeigt in Nr. 1 und 18 Holzklammern, welche dazu be- 
stimmt sind, Hölzer zusammenzuhalten; Nr. 25 ist eine Klammer, die auf 
der einen Seite zum Einschlagen in das Holz, auf der anderen Seite zum 
Einsetzen in einen Haustein bestimmt war und den Zweck hatte, Holzbalken, 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 213 

wahrscheinlich eine Mauerlatte, mit einem Steine zu verankern, Nr. 10 hatte 
einen ähnlichen Zweck. 

Auf der Saalburg, wie auch neuerdings in den Liraeskastellen des 
Taunus, «Feldberg», « Alteburg -Heftrich» und «Zugmantol», sind sehr viele 
eiserne Klammern in allen Größen mit den verschiedensten Biegungen ge- 
funden worden, die nicht allein bestätigen, daß das Eisen zum Holzbau 
ausgedehnte Verwendung gefunden hat, sondern auch Anhaltspunkte über 
die Stärke des Holzes und die Konstruktionsweise geben. Es läßt sich hieraus 
und aus anderen Beobachtungen für die Verlängerung, Verstärkung und Ver- 
bindung von Balken und Stützen (Textfigur 30) annehmen, daß die jetzt noch 
üblichen: Grader und schräger Stoß mit Verklammerung (Nr. 1 und 2), 
Schwalbenschwanz (Nr. 9 und 10), Verzapfungen (Nr. 7), Schlitzzapfen (Nr. 4 
und 8), Überblattungen oder Überschneidungen (Nr. 3 und 5), Verkämmungen 
(Nr. 11) und Verdübelungen (Nr. 12) damals wohl bekannt waren. 

Auf den Tafeln IX— XI und XX sind Balkenlagen, Fachwände, Pfosten- 
stellungen, Dach werke etc., wie sie nach den obigen Darlegungen gedacht 
werden können, dargestellt. Das beliebte römische Motiv, das «Andreaskreuz», 
wie wir es von der Trajanssäule und aus römischen Wandmalereien kennen, 
ist auch hier, wie bei der Rekonstruktion der Forta principalis dextra, Text- 
figur 11, berücksichtigt und besonders als Brüstungsabschluß verwendet. 

Für die Arbeiten des Schreiners wurden eine Anzahl Werkzeuge, 
die zerstreut auf den Tafeln und auf der Textfigur 29 zusammengestellt sind, 
gefunden. Aus diesen Werkzeugen und mit Zuhilfenahme der einzelnen Holz- 
funde der Brunnen läßt sich erkennen, daß an der Saalburg Schreinerarbeiten 
hergestellt wurden, die den unseren kaum viel nachstehen dürften. Auch er- 
sieht man, daß die Römer viele Gegenstände aus Holz für den Hausbedarf 
angefertigt haben, und daß überhaupt mehr hölzerne Geräte im Gebrauche 
waren, als man gewöhnhch annimmt. Teller, Schüsseln, Trinkbecher und 
Löffel w^aren zweifellos teilweise aus Holz hergestellt (vergl. Taf. LXXX, Fig. 4), 
nicht minder auch Geräte für den Garten- und Ackerbau (vergl. Taf. LXXX, 
Figur 2). 

Betrachten wir zunächst die Werkzeuge. Textfigur 28, Nr. 23 und 24, 
stellt eine sogenannte «Hebe» dar, ein Werkzeug, das dem römischen Wald- 
arbeiter ebenso wie dem heutigen beim Holzfällen, Abhauen der iiste etc. 
unentbehrlich war und ist. Man kann aber auch die Hebe^^^), die an den 
Limeskastellen in verschiedenen Größen gefunden wurde, dem Schreiner zu- 
rechnen, der dieses Werkzeug für Bearbeitung von kleineren Holzsachen trefflich 
zu handhaben weiß. Ich habe in der CampBgna italienische Handwerker 
gesehen, die mit dem scheinbar so einfachen Geräte Hütten bauten und 
Bänke und Stühle anfertigten ; es mag daher auch schon den Römern zu ähn- 
lichen Zwecken gedient haben. 



178) Vergl. Lindenschmit, Alterthünier unserer heidn. Vorzeit, Bd. III, Heft HI, 
Taf. IV, Fig. 8-13 und 18-20. 



214 Technische Ergebnisse. 

Der Schreiner gebraucht vielfach dieselben Werkzeuge, wie sie bereits 
oben bei den Zimmerarbeiten besprochen wurden: Hämmer, Beile, Meißel, 
Stemmeisen, Lochbeutel, Bohrer etc., nur sind sie zierlicher und für feinere 
Arbeiten berechnet. Eine solche kleine Axt ist auf Textfigur 29, Nr. 21, 
gezeichnet; ihre Form entspricht genau den größeren auf Textfigur 27, 
Nr. 5-7. 

Einzelne löffelartige Meißel (Hohlmeißel) für Bildhauerarbeit und zum 
Stechen von Hohlkehlen sind ebenfalls gefunden (Taf. XXXIV, Nr. 13, 19 
und 20); Nr. 19 dürfte zum Drehen des Holzes gedient haben. 

Das wichtigste Werkzeug des Schreiners ist der Hobel (runcma), der 
samt seiner Handhabe auf antiken Reliefs und Wandmalereien öfters dar- 
gestellt ist^^^). Vollständig erhaltene Werkzeuge dieser Gattung sind selten 
und nur dann gefunden, wenn das Gestell ganz oder größtenteils aus Eisen 
bestand. Wir besitzen von den letzteren zwei Stück im Saalburg-Museum ^^*') 
(vergl. Textfigur 29, Nr. 6 und 10). Lindenschmit hat diese Hobel in seinem 
Werke: Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit, Bd. IV, Taf. 21, Fig. 3—5 
veröffentlicht, dabei aber irrtümlicher Weise beide zu einem vereinigt und als 
ein Werkzeug dargestellt; er war wahrscheinlich durch die in Köln ge- 
fundenen eisernen Hobel, welche auf demselben Blatte unter Nr. 1 und 2 
wiedergegeben sind, in'e geleitet worden. Außer diesen Hobeln, von denen 
Nr. 6 als «Rauhbank» und Nr. 10 als «Zahnhobel» zu bezeichnen ist, ver- 
danken wir den Saalburggrabungen eine große Anzahl Hobeleisen, aus denen 
sich nicht allein die Konstruktion des Gestells, sondern auch ihre Verwendung 
feststellen läßt. Die Nummern 4 — 7 der Textfigur 29 sind Eisen zum Hobeln 
von glatten Flächen, Nr. 8 zur Herstellung von Nuten, 12—14, 23 und 24 
zur Erzielung von Profilen und 11 zum Zähnen der Holzflächen. 

Aus dem letztgenannten Werkzeuge ersehen wir, daß die Römer auch 
bei uns fournierte Arbeiten gefertigt haben. Zu diesem Hobeleisen, das einen 
Namensstempel trägt, ist auch das eiserne Hobelgestell (Nr. 10) gefunden 
worden; die Stellung des Eisens ist fast senkrecht, und man sieht hieraus 
schon, daß dieser Hobel nur zum Rauhmachen von gehobelten Brettern, die 
zu verleimen oder mit Fournieren zu versehen waren, gedient haben konnte. 
Die Technik des Leimens wird schon bei Homer erwähnt, auch befinden sich 
an den griechischen Holzsärgen von Kertsch, die in der Eremitage zu Peters- 
burg aufbewahrt sind, aufgeleimte dünne Hölzer (Fourniere). Blümner (Bd. II, 
S. 310) giebt einige Notizen über das Zusammenleimen verschiedener Holz- 
arten. Nr. 9 zeigt einen Falzhobel, dessen Gestell einem Relief nachgebildet ist. 
Das dazu gehörige Eisen, welches durch einen Holzkeil festgehalten wird, ist 



"ä) Vergl. 0. Jahn, «Darstellungen antiker Reliefs, welche sich auf's Handwerk be- 
ziehen», Bericht der phil.-liist. Classe der Kgl. Sachs. Gesellschaft der Wissenschaften 1861; 
und Blümner, Technologie, Band IT, S. 227. Das National-Museum zu Neapel besitzt einen 
stark zusammengerosteten Hobel aus Pompeji. 

'*o) Gefunden in einem Keller auf dem «Steinkritz», südlich der Saalburg unweit 
Homburg, und bereits von mir veröffentlicht: Westdeutsche Zeitschrift IV, Taf. VI. 1—4. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 



215 



durch einen seitlichen Absatz interessant; dieser hat, wie der an Nr. 14 ange- 
brachte, den Zweck, das Eisen bequem herausschlagen und stellen zu können. 

Eiserne Hobelgestelle waren meines Wissens nach der Römerzeit nicht 
mehr im Gebrauch , doch liefert neuerdings Amerika solche, die unseren 
römischen sehr ähnlich sind. 

Auch bei den Hobeleisen, wie überhaupt bei allen Werkzeugen, zeigt 
sich, daß die Römer es verstanden haben, ihre Handwerksgeräte nach Art 
des Stahles zu härten (vergl. im Abschnitt «Baumaterialien» S. 203), sonst 
hätten sich die feinen Zähne der profilierten Enden nicht so vorzüglich er- 
halten, daß man sie jetzt noch benutzen könnte. 



2,. 




5. 



6. 1. 

Fig. 31. Holzproflle (Schreinerarbeiten). ^'6 der nat. Größe. 



Die Profile, die sich mit den betreffenden Hobeln herstellen lassen, ent- 
sprechen den jetzt noch üblichen Formen. Textfigur 31 enthält in einem 
Maßstab von 1 : 5 nach den gefundenen Hobeleisen gehobelte Profile. Nr. 1 : 
Falzen und Anschläge. Diese werden an Brettern und Rahmen durch 
eine rechtwinkelige Vertiefung hergestellt, um den einzelnen Teilen ein 
dichteres Anschließen zu sichern (Hobeleisen Nr. 9). Nr. 2 und 3: Nut 
und Feder; sie haben denselben Zweck; bei Nr. 2 ist die Feder aus dem 
Holze gehobelt, bei Nr. 3 dagegen besonders eingesetzt (Hobeleisen Nr, 8). 
Nr. 4: Stab- und Hohlkehle dient ebenfalls dazu, den Wandverschalungen, 
Thüren etc. einen besseren, zugfreieren Verschluß zu geben (Hobeleisen 
Nr. 23). Nr. 5 — 8: verschiedene Kar niese und Hohlkehlen; sie bilden 
deckende und säumende Glieder, wie sie für Thüren, Fenster, Holzdecken 
und Möbel immer noch Verwendung finden (Hobeleisen Nr. 13, 14 und 24). 

Zum Festhalten des zu bearbeitenden Holzes beim Hobeln wird jetzt 
allgemein die Hobelbank benutzt; die Römer hatten hierzu eine einfachere 
A'^orrichtung, besonders gebrauchten sie ein Eisen mit einem scharfen, gabel- 
förmigen Ende, das auf ein schweres Holz eingeschlagen wurde, wie es auch 
heute noch der Zimmermann unter dem Namen Spitzklammer kennt. 
Von der Saalburg haben wir mehrere dieser Art, die auf Textfigur 29, Nr. 15, 
16, 17 zusammengestellt worden sind. Nr. 15 giebt uns gleichzeitig die Art 
an, wie sie befestigt werden, und wie der abzuhobelnde Diel eingesetzt wird. 

Auf Textfigur 28, Nr. 25 ist ein beilartiger Hammer (Dechsel, Deissel 
oder Dachsbeil, meist mit runder, krumm gestellter Schneide und kurzem 



216 Technische Ergebnisse. 

Stiele), wie er uns auf lömischen Reliefs so oft begegnet, und wie er in 
mehreren Exemplaren gefunden wurde, abgebildet; dieses Werkzeug, das oft 
mit dem Schusterhammer verwechselt wird, gehört zum römischen Schreiner- 
und Wagner-Handwerkszeuge und diente auch dem Holzbildhauer, wie über- 
liaupt zur Bearbeitung des Holzes (besonders zum Aushauen von Rinnen, 
Hohlkehlen u- s. w.). Für letzteren Zweck wird er heute noch benutzt. 

Auf Textfigur 29, Nr. 1 und 2, ist in zwei Formen ein sehr praktisches 
Werkzeug mit gespaltener Schneide dargestellt, das wir jetzt «Nagelzieher» 
oder «Brecheisen» nennen und zum Aufbrechen von Kisten und an Stelle 
der Nagel- oder Beißzange auch zum Ausziehen von Nägeln verwenden. Bei 
den Römern scheint es denselben Zweck gehabt zu haben; das Fehlen von 
Beißzangen oder ähnlichen Werkzeugen bei unseren Funden, wie auch auf 
antiken Abbildungen, macht es wahrscheinlich, daß die Römer nur diese 
«Nagelzieher» gekannt haben. 

Schließlich will ich noch ein Schnitzmessor, scalprum {Textfigur 29, 
Nr. 3), erwähnen, das sich in der Form bis heute gleich geblieben ist und 
welches der Bauer, sowie verschiedene Handwerker, Schreiner, Dreher, Wagner 
und besonders der Küfer, jetzt noch benutzen. 

Wie sich bei den Werkzeugen des Zimmermanns von deren Formen 
ein Schluß auf die mannigfachen Konstruktionsweisen des Holzes ziehen läßt, 
so nicht minder bei denen des Schreiners. Sie weisen uns besonders auf 
gestemmte Arbeiten, Thüren mit Rahmen, Füllungen ^^^) etc. hin und be- 
stätigen dadurch, was auch auf römischen Wandmalereien und Skulpturen 
oft dargestellt ist. Eine genaue Betrachtung und ein Vergleich mit unseren 
Arbeiten, besonders wenn wir die Ausstattung und Einrichtung unserer 
Bauernhäuser ins Auge fassen, wird ergeben, daß in dieser Hinsicht sich 
im Wesentlichen wenig geändert bat. 



b. Konstruktionen in Stein. 

Über Steinbauten sind wir durch die überall, besonders in Italien und 
Frankreich, noch heute erhaltenen römischen Bauwerke und durch die schrift- 
liche Überlieferung weit besser unterrichtet als über die Holzbauten; ich kann 
mich daher kürzer fassen und auf das Hauptsächlichste beschränken. Im All- 
gemeinen hat bereits von Cohmisen in der Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 
1887, Bd. XXXVII, ausführlich die Mauerverbände an alten Bauwerken des 
Rheinlandes beschrieben und dabei auch der Saalburg mehrfach gedacht. 

An unseren ältesten Bauten findet sich kein Mörtel, die Mauern be- 
standen einfach aus großen, horizontal neben- und aufeinandergeschichteten 
Steinen und waren höchstens mit dem an Ort und Stelle zur Hand liegenden 
Lehm verbunden und ausgeglichen. Eine Verankerung und Befestigung mit 
Hölzern, wie wir diese an den vorrömischen Ringwällen «Altkönig» und 

181) Vergl. Overbeck-Mau, Pompeji, und Blümner, Technologie. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 217 

«Gickelsburg» (S. 19) keimen gelernt haben, scheint nur in der ersten Zeit 
üblich gewesen zu sein, wie bei der Beschreibung des Erdkastells S. 83 er- 
örtert ist. Allerdings konnten solche Mauern aus ungefügem Materiale, wie 
es der Quarzit ist, der nicht einmal eine Bearbeitung durch Eisen zuläßt, 
nur geringe Höhe gehabt haben. Sie dienten ja auch meist nur als Unter- 
lagen für die Schwellen der Holzbauten. Lehm, der in der ältesten Zeit bei 
den Bauten der Griechen und Römer als Bindemittel zur Anwendung kam, 
wurde an der Saalburg nur bei Feuerungsanlagen und dem Fachwerkbau 
verarbeitet. Das wichtigste Bindemittel war der Kalkmörtel; er soll nach 
Nisseti^^^) erst um 300 — 200 v. Chr. bei den Römern in Aufnahme gekommen 
sein. Der zur Herstellung nötige Kalk wurde, wie schon gesagt, für die 
Limesbauten des Taunusgebietes aus dem Mainzer Tertiärbecken entnommen; 
an den rohen, ungaren, nicht gelöschten Knollen, die sich im Mörtel selbst 
finden, läßt sich dies erkennen. Der Kalk wurde wie heute noch in Ofen, 
die man in kalkreichen Gegenden in der Nähe von Römerbauten öfters ge- 
funden hat, gebrannt ^^^). Über diese wie über das Löschen des Kalkes und 
die Zubereitung des INIörtels geben Vitruv (II, 4 und 5) und PUnius (XXXV, 6 
und XXXVI, 52) Anweisungen. Der gelöschte Kalk wurde für um so besser 
erachtet, je älter er war, er sollte nach alter Vorschrift 3 Jahre eingesumpft 
sein; an der Saalburg fanden sich Kalkgruben, in denen noch Reste von 
gelöschtem Kalk vorhanden waren. Zur Herstellung eines guten Mörtels ge- 
hört ein reiner, scharfer Sand. Die Vorschriften, die Vitruv II, 4 giebt, sind 
heute noch maßgebend; er sagt: «Der beste Sand wird der sein, welcher, in 
der Hand gerieben, knirscht, solcher aber, der erdig ist, wird keine Rauhig- 
keit haben. Ebenso wird derjenige tauglich sein, welcher auf einem weißen 
Gewände, auf das er geschüttet worden war, bei seiner Wiederentfernung 
keinen Schmutz zurückläßt.» Wie schon bei den Mörtelmaterialien (S. 185) 
gesagt wurde, war der bei den Saalburgbauten zur Verwendung gekommene 
Sand meistens mit thonigen Bestandteilen vermischt, was auch vielfach mit 
die Ursache der oft schlechten Beschaffenheit des Mörtels war. Eine chemische 
Untersuchung des Letzteren hat leider noch nicht stattgefunden^^*). Die 
Mischung dürfte aber mit der jetzt üblichen (1 Teil Kalk und 3 Teile Sand) 
übereinstimmen. Nur sehr selten ist dem Mörtel Ziegelmehl zugesetzt; dieser 
Zusatz gehört durchaus nicht zu den charakteristischen Merkmalen des 
römisclien iMauerwerks. Nur da, wo er zur Herstellung von Estrich oder 
Verputz von Wasserbehältern diente, sind kleine Ziegelstücke beigemengt. 



•82) Pompejanische Studien von H. Nissen, Leipzig 1877. 

'83) Über zwei ovale und zwei runde Kalköfen am Limes bei Osterburken vergleiche 
den Bericht Schumachers im Limesblatt Nr. 4, Abschn. 38. 

18*) Die Untersuchung von Mörtel römischer Aquädukte und des Kolosseums hat 
ergeben: 6 — 7 o/o kohlensaure Kalkerde, 14 — 16 o/o Kalkerdesilikat, 1 1/2 o/o lösliche Kiesel- 
säure, 2 0/0 Eisenoxyd und Thon und 75—75,5 0/0 Sand. Auch hat B. Dyckerhoff in Biebrich 
Analysen mit römischem Mörtel von Bauten aus dem Rheinlande vorgenommen, die in der 
Hauptsache mit den hier angeführten übereinstimmen; vergl. die oben erwähnte Arbeit 
von A. von Cohausen über Mauerverbände. 



218 



Technische Ergebnisse. 



Wie das Bindemittel, so ist auch das Mauerwerk im Allgemeinen schlecht, 
nur dasjenige der Villa macht eine rühmliche Ausnahme; der Mörtel an 
ihren, schon vor der Ausgrabung über der Erde hervorragenden Mauern hat 
fast 2000 Jahre den Witterungscinflüssen Stand gehalten und ist hart wie 
Stein. Zu demselben ist jedenfalls besonders viel Kalk und «rascher» Sand 
verwandt worden. Die Fundamente reichen nicht immer bis auf den ge- 
wachsenen Grund, sondern stehen oft nur auf dem Brandschutte, was dafür 
spricht, daß die Häuser nicht hoch und in ihren oberen Teilen leicht in 
Fach werk gebaut waren. Die untere Fundamentschicht besteht, wie fast 
überall bestätigt wird, aus einer Stückung hochkantig gestellter Bruchsteine 
ohne Mörtel. Dies hatte den großen Vorteil, die unterirdischen Wässer nicht 
zu stauen und bei abschüssigen Lagen Rutschungen zu verhüten (Tafel XVIII, 
Nr. 1, 2, 3). Diese lockere Steinpackung, die in ihrer Mitte eine kanalartige 
Aussparung zeigt (Tafel XVIII, Nr. 3), ist, wie es bei den Kellern im Ab- 
schnitte IX. 2 hervorgehoben wurde, mit unterirdischen, genügend tief liegenden 
Kanälen verbunden (S. 115) und so dem etwa von den Dachtraufen ein- 




Fig. 32. Maurenverkzeuge. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 219 

dringenden Wasser ein rascher Abfluß geschaffen. Auch sind die Fundament- 
grubeii von einer Ecke aus nach zwei Seiten hin derart ins Gefälle gelegt, 
daß in der diagonal gegenüberliegenden Ecke ein tiefster Punkt erreicht wird, 
in dem sich das Wasser sammelt, und von wo es fortfließt. Die Umfassungs- 
mauern der aufgedeckten Keller würden sich kaum ohne schützendes Dach 
konservieren lassen, wenn sie nicht in der besagten Weise aufgesetzt und 
entwässert wären; der Regen würde die Räume bald füllen, das Wasser in 
die Mauern eindringen und ihre baldige Zerstörung herbeiführen. An die 
Stelle solcher Stückung tritt sehr oft eine Steinschotterung auf der Sohle der 
Fundamentgruben, wozu wohl oft die Abfälle der Steinbrüche genommen 
wurden. Diese Bauart, die ich auch an den Limes-Türmen vornehmlich fand, 
wird heute noch in vielen Ortschaften gepflegt. Der Zustand unserer, auf 
diese Weise konstruierten römischen Bauwerke spricht sehr für die Zweck- 
mäßigkeit solcher Fundierung. 

Die schon bei den Baumaterialien beschriebenen Mauersteine (Quarzite) 
lassen sich nicht sauber und regelrecht mit dem Hammer bearbeiten, sie 
sind daher ungleich — dick und dünn — , doch suchte der Maurer ziemlich 
wagrechte Steinzeilen einzuhalten, wobei er gelegentlich 2 — 3 Steine aufein- 
anderpackte oder 1 — 2 m lange Reihen auf die Hochkante stellte, um so 
wieder auf die richtige Schichthöhe zu kommen. Eine ähnliche Stückung 
und unregelmäßige Lagerung findet sich auch im Inneren der Mauern; der 
Mörtel ist, wie sich aus den bei solchem Mauerwerk entstehenden leeren 
Höhlungen und sehr dicken Lagerfugen erkennen läßt, lange nicht so flüssig 
wie jetzt, sondern sehr steif vermauert worden. Die nicht selten aufgefundenen 
Maurerkellen (Traufein — trulla), Tafel XXXV, Nr. 6—9 und Textfigur 32, 
Nr. 12 — 17 haben meistens eiserne Stiele, sind schmal und konnten nicht 
dazu dienen, den Mörtel zu schöpfen, sondern nur heranzuziehen und die 
Fugen auszufüllen ^*^^). Es scheint, daß man, wie jetzt wieder, den Mörtel mit 
eisernen Pfannen oder Holzkübeln aufgetragen hat. Maurerhämmer, geeignet 
die Steine zuzurichten und fest in den Mörtel zu schlagen, wurden in den 
letzten Jahren im Kastell erhoben. Sie sind wie die unsrigen und haben 
sogar das moderne konische Stielloch, welches beim Gebrauche das Heraus- 
schleudern des eisernen Hammers verhindert (Textfig. 32, Nr. 6 bis 9). Auch 
alle dem Maurer sonst nötigen Werkzeuge wurden gefunden: eiserne Keile 
(Nr. 10 und 11), schwerer Schlag (Nr. 5), Schippen (Schaufeln) (Nr. 2 und 3); 
diese zeigen eine außerordentlich praktische Konstruktion, mit Schaftlappen 
für die Befestigung des Stieles, eine Einrichtung, die jetzt wieder Platz zu 
greifen beginnt. Nr. 4 giebt eine Hacke wieder, welche beim Ausschachten 
der Fundamentgruben und anderen Erdarbeiten benutzt wurde. 



185) Die ägyptischen Kellen sind in der Form ähnlich, aber schwerer, sodaß sie 
zum Auseinanderstreichen des Mörtels, wie zum Abhauen und Festschlagen der Steine 
benutzt werden konnten. Franz Pascha, Direktor des technischen Bureaus im Wakf- 
Ministerium in Kairo, hat unserem Museum zum Vergleich zwei solcher ägyptischer Kellen 
übereandt. 



220 



Technische Ergebnisse. 



An der Satilburg, am Limes und in dem Tauniisvorlande sind ver- 
schiedene Mauerverbände zur Herstellung von Bruchstein-Mauerwerk in An- 
wendung gekommen; sie lassen sich etwa in folgende vier Hauptiirten 
einordnen : 

1. Mauerwerk ohne Mörtel, mit unregelmäßig, aber möglichst hori- 
scontid gelegten Bruchsteinen; wir finden solches an den Zwischenkastellen 
und zu den Fundamenten von Holzbauten an der Saalburg verwendet. 




3 01:. 




Fig. 33. Mauer in unberührtem Zustande. (Nach einer Pliotographic aus dem Jahre 185S.) 



2. Mauerwerk mit unregelmäßigem Verband (opus incertum); das 
Steinkastell sowie die Massivbauten sind in dieser Weise errichtet. Text- 
figur 33, nach einer Photographie hergestellt, die Hahcl 1858 von damals aus- 
gegrabenem Mauerwerke hat anfertigen lassen, giebt davon eine Probe. Auf 
Tafel XVin, Nr. 1 — 3, finden sich Ansichten und Querschnitte mit dem 
inneren Verbände der Mauern des Kastells, der Villa und der Keller dar- 
gestellt. Außerdem zeigen die Textfiguren 6 — 13 und 16—18 verschiedene 
Abbildungen von der eben besprochenen Art von Mauerwerk. 



Konstruktives, bauliche Details und Plandwerkszeuge. 221 

3. Quadermauerwerk (Handquader -Verband: Tafel XVIII, Nr. 4). 
Es kommt an der Saalburg an den Eingängen und den Turmeeken vor und 
ist von behauenen und winkelrecht zugerichteten Vilbeler Sandsteinen und 
Basalten hergestellt. In den südöstlich von Homburg aufgedeckten römischen 
Kellern, wie an denjenigen in Heddernheim, findet sich der Handquader- 
verband für das Mauerwerk allgemein angewandt. 

4. Fischgräten-Verband (opus spicatum). Dieses, mit kleinen Steinen 
fiscligrätenartig schräg gegeneinandergestellte Mauerwerk kommt an der Saal- 
burg nur vereinzelt vor (Tafel XVIII, Nr. 5), in der Regel nur zur Ausgleichung 
der Schichten ; an den Limestürmen der Rheinstrecke tritt er häufiger und in 
größeren Absätzen auf, anscheinend um eine Verspannung im INIauerwerk 
herbeizuführen. Vollständig ausgebildetes Opus spicatum, wie z. B. an der 
mittelalterlichen Burg Königstein im Taunus, hat sich weder an der Saalburg, 
noch an anderen Limesbauten der Taunusstrecke gefunden, ebensowenig das 
bei den Römern beliebte Netzraauerwerk — opus reticulatum — , das in Rom 
und Pompeji häufig vorkommt. Dagegen fand diese eigentümliche Technik 
an der «Teufelsmauer» Verwendung. Ich sah bei einem Besuche derselben im 
Jahre 1885 in der Nähe von Schwabsberg bei Ellwangen die sehr gut er- 
haltenen Reste eines mit der Limesmauer verbundenen Bauwerkes, dessen 
Außenwände mit Netzwerk tadellos in Kalktuffsteinen ausgeführt waren ^^"). 

Nach den gemachten Beobachtungen und den Darstellungen auf der 
Trajanssäule scheint der Mauerbau der Kastelle ungefähr in folgender Weise 
vor sich gegangen zu sein: Ist die Mauer mit Handquadern, wie z. B. am 
Amphitheater in Trier, bekleidet, so sind diese schon im Steinbruche her- 
gerichtet, im anderen Falle sind die größeren Kopfsteine schon von den 
kleineren Füllsteinen gesondert ; sie werden auf der Mauer, die als Pfad dient, 
herangetragen und von zwei Mann, die zu beiden Seiten der Mauer stehen, 
in Schnur und Senkel gerichtet. Die Arbeiter stehen auf Gerüsten, die kaum 
2 Fuß breit sind und weder zum Transport, noch zum Anhäufen von Steinen 
genügende Stärke und Breite haben. Ohne durch Standbäume unterstützt zu 
sein, tragen die 6 — 7 cm starken, durch die Mauer gehenden und zu beiden 
Seiten vorragenden Rüsthebel die Laufdiele oder «Hunde», die aber so breit 
sind, daß ein Mann auf ihnen stehen kann, um die Gesichtssteine zu setzen; 
mit der kleinen Kelle ziehen die Arbeiter den Mörtel herbei, welcher auf der 
Mauer herangetragen und ausgeschüttet ist. Zwei andere, auf der Mauer 
hockende Leute breiten Mörtel aus und verteilen auf diesem die gleichfalls 
auf die Mauer gebrachten kleinen Steine, bald flach, bald fischgräten förmig, 
sodaß die Schicht die Höhe der Gesichtssteine bekommt. Alle diese Steine 
wurden nicht mit dem eisernen Maurerhammer festgeschlagen, sondern mit 
hölzernen Stampfen (püae), wie sie mehrfach auf der Trajanssäule abgebildet 
sind und wie auch eine, aus Buchenholz gefertigt, in einem Brunnen der 
Saalburg (Nr. 9) aufgefunden wurde. Es entstand dadurch ein fester Damm, 

186) Vergl. auch Nass. Annalen, 19. Bd. A. von Cohausen, Der römische Grenzwall, 
Zusätze S. 148. 



222 Technische Ergebnisse. 

auf dem sich die Arbeiter bewegten, und den sie so immer fester traten; 
da die Holzstampfer leicht sind, gaben sie dem Mauerwerk Dichtigkeit, 
ohne es auseinanderzutreiben. So schritt die Arbeit von Leuten, die eigentlich 
keine Handwerker waren, aber in fabrikmäßiger Arbeitsteilung und in mili- 
tärischer Ordnung der Länge der Mauer nach arbeiteten, schichtenweise vor- 
wärts. Bei der geringen Höhe der Mauer haben sich an der Saalburg nur 
an der Villa runde Rüstlöcher von 7 — 8 cm Durchmesser, die für sogenannte 
tfiiegende Gerüste» sprechen, erhalten; doch mögen einfache Brettergerüste, 
wie ein solches auf einem pompejanischen Wandgemälde dargestellt ist 
{Blümner, Bd. III, S. 183), gebräuchlich gewesen sein, die nicht allein für die 
Maurer, sondern wohl auch für den Tüncher und Maler erforderlich waren. 
Zum Heben des Baumaterials gebrauchte man ähnliche Rollen, wie wir sie in 
den Brunnen fanden (Textfigur 23), und zeltförmig zusammengestellte Stangen. 
Für das Versetzen größerer Werkstücke, die bei uns nicht in Betracht 
kommen, hatte man Flaschenzüge, Krahnen u. A, Vitruv macht darüber 
genauere Angaben. 

Abgesehen von einem Stück Backsteinmauerwerk in einem Heizungs- 
raume des Langbaues Taf. XIV, Fig. I, d (Detail Taf. XVIII, Nr. 6) kommen 
Ziegel weder in Mauern noch in Wänden vor, sie wurden lediglich für 
Hypokausten, sowie für Wand- und Deckenverkleidungen benutzt, die weiter 
unten behandelt werden. 

Neben diesem eigentlichen Steinmauerwerk spielt das Holzfachwerk 
eine bedeutende Rolle. Die Ausfüllung der inneren und äußeren Gefache 
geschah durch Stücken und Wickeln und zwar, nach den zahlreichen Resten 
von gebrannten Lehmslücken zu schließen, ganz in derselben Weise wie heute 
noch in vielen Gegenden Deutschlands auf dem Lande. Tafel XI zeigt in 
Nr. 1 — 5a das Stücken mit Rundhölzern, d. h. die Konstruktion des 
Staakwerkes (opus craiitium)^ Nr. G und 7 dagegen Teile von Lehm-Aus- 
füllungen, die bei der Zerstörung durch Brand ziegelhart geworden sind. 
Solche verbrannte Lehmreste kommen nicht allein bei der Saalburg und am 
Limes, sondern auch in vorrömischen Niederlassungen vor, was beweist, daß 
auch die vorrömische Bevölkerung in dieser Art ihre Hütten und Wohnungen 
herstellte. 

Ein derartiges Fachwerkhaus ruht stets mit seiner Schwelle auf einer 
Untermauerung, wie unsere modernen Bauernhäuser. Daß die Ständer in die 
Erde eingegraben waren, kam ebensowenig vor wie heutzutage bei uns, da 
die eingegrabenen Ecken keinen langen Bestand haben und die Erdfeuchtig- 
keit dem Gebäude mitteilen würden. Wo Löcher im Boden vorkommen, 
dienten sie zur Aufnahme von Pfosten für Zäune und Ähnliches. 

Gewölbe sind uns bis jetzt an der Saalburg nicht begegnet; vielleicht 
waren die Apsiden der Villa damit überdeckt (siehe Seite 119). Dagegen 
kennen wir Bogen aus Keilsteinen sowohl von der Porta decumana als von 
den Schürlöchern der Heizungen. Ein sehr gut erhaltener derartiger Bogen 
schließt die Öffnung zum Praefiirnium im Forum ab. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 223 

Der Estrich. 

Der Estrich (pavimentum), wenn er mit Beimischung von Thonscherben 
gefertigt ist, pavimenium testaceum, heißt auch ojnis signinum^^"^); er ist wohl 
eins der sichersten Erkennungszeichen für römische Technik und kommt 
überall, wo Römer sich dauernd niedergelassen hatten, vor. An der Saal- 
burg sind uns hinreichende Überreste erhalten geblieben, aus welchen 
seine Herstellungsweise zu erkennen ist; sie stimmt mit der von Vitruv 
(VII, 1, 1) beschriebenen ^^^) überein, sodaß ein Hinweis auf diesen Abschnitt 
eigentlich genügen könnte; doch halte ich es zur Vervollständigung dieses 
Teiles der technischen Ergebnisse für geboten, das Unumgängliche hier ein- 
zufügen : 

An der Säalburg hat sich der Estrich als Bodenbelag für ebenerdig ge- 
legene Räume bezüglich des Materials in zwei Arten erhalten, nämlich als 
Estrich aus Lehm und Estrich aus Kalkmörtel, doch zeigen beide verschiedene 
Behandlungs weisen. Der aus Lehm wurde hauptsächlich für Hütten, Baracken, 
Keller und für alle nicht mit Hypokausten versehenen Räume angewandt. 
Er bestand aus einem Schlage von thonigem Lehm, welcher mit feinem Sande 
und vegetabilischen Stoffen vermischt war. Man nahm hierzu Spreu, klein- 
gehacktes Slroh, Farnkräuter etc. Durch diese Beimengung wurde das Reißen 
des Bodens verhindert oder wenigstens eingeschränkt. Entweder wurde diese 
so zubereitete Masse einfach auf den eingeebneten Naturboden aufgetragen 
und gestampft, oder es erfolgte zuvor eine Ausfüllung mit losen Steinen oder 
einer Steinpackung, wodurch eine äußerst praktische Drainierung des Bodens 
selbst, sowie des betreffenden Raumes erfolgte. Im Allgemeinen kann man 
sagen, daß diese Technik bei uns zur Herstellung von Scheuerteimen, Kegel- 
bahnen, Keller- und Schuppenböden noch in derselben Weise geübt wird. 
Ob eine Beimischung von Blut erfolgte, wie es bei unseren Scheuertennen 
und Kegelbahnen geschieht, um dem Boden eine größere Festigkeit zu ver- 
leihen, ist schwer nachzuweisen, doch dürfte die besondere Festigkeit der er- 
haltenen Belagreste für ein solches Verfahren sprechen; in dieser Weise her- 
gestellte Böden sind auch undurchlässig. Ein interessantes Beispiel eines 
solchen Barackenbodens, fast noch unberührt, ist im Kastell jetzt noch sicht- 
bar. Infolge seiner Undurchlässigkeit konnte das Regenwasser nicht in die 
Tiefe durchdringen, sondern erhielt sich in dem über dem Boden gelegenen 
Schutt und Humus und bewirkte dadurch eine weit üppigere Vegetation mit 
schilfartigen Gräsern, die genau den Boden, d. h. die einstige Größe der 
Baracke, erkennen läßt. Die umgekehrte Erscheinung tritt bei den in der 
Erde versteckten Mauern auf, die durchlässig sind und die Feuchtigkeit 
nicht zurück halten, wodurch der Pflanzen wuchs gehemmt wird ; in der ver- 
minderten Üppigkeit des Wachstums werden alsdann die unter der Boden- 



^8') Diese Bezeichnung soll von der Stadt Signia herrühren, in der angeblich der 
Estrich erfunden wurde. 

'^^) Blümner hat im III. Bande diesen Gegenstand eingehend erörtert. 



224 Technische ErgebnisBe. 

krume liegenden alten Baurestc besonders in trockner Jahreszeit äußerlich 
sichtbar. 

Für die besseren Bauten und besonders für die mit Heizungen ver- 
sehenen Räume fand nur der aus Kalkmörtel gefertigte Estrich Verwendung. 
Wie beim Lehm-Estrich wurde die Erde ausgeschachtet und der Boden ein- 
geebnet; in der Regel findet sich eine lose Schicht aus kleinen Steinen, dann 
eine mit Mörtel vermischte, 10 — 15 cm dicke Schicht aus Kleinschlag — bei 
Bauten in der Ebene gewöhnlich Kies — , der in Lagen zusammengestampft 
ist, ganz ebenso wie bei den heutigen Beton- Unterlagen für Cementböden. 
Hierauf folgt je nach der erforderlichen Estrichstärke eine 15 — 25 cm dicke 
Schicht, die vielfach nur aus Backsteinbrocken, Gefäßscherben von gewöhn- 
lichem Thon und von Terra sigillata sowie aus Kalk besteht; nur selten finden 
sich hier Steine verwendet. Nachdem das Ganze gehörig gestampft, ins Blei 
gelegt und etwas getrocknet war, wurde noch eine dünnere Lage aus fein- 
geschlagenen Ziegelstückchen aufgetragen und sauber ausgeglichen. Nach 
erlangter Festigkeit wurde die Fläche erst mit gröberen, dann mit feinkörnigen 
Sandsteinen, wie solche mehrfach gefunden wurden, abgeschliffen. Bei Böden 
reicher ausgestatteter Räume erfolgte vielleicht ein Ölen des Bodens. Wir 
besitzen auch ein größeres, rot gefärbtes Bruchstück, das mit Wellenlinien 
durchaus geriefelt ist. 

Wahrscheinlich waren auch in besseren Wohnungen die Fußböden mit 
Teppichen, Brettern oder Strohdecken belegt, worauf ich schon bei der Villa 
hingewiesen habe (Seite 121). 

Die Herstellung des Terrazzo, die neuerdings von Italienern vielfach in 
Deutschland ausgeführt wird, entspricht ganz derjenigen des Estrichbodens, 
nur daß bei Ersterem härteres Material, welches sich polieren läßt, benutzt 
wird. Der freitragende und nur durch Pfeilerchen unterstützte Estrich, der 
manchmal eine Stärke bis zu 50 cm erreicht, hatte als Unterlage Ziegelplatten ; 
auf Tafel XIX, Fig. 10 und 11, ist diese Konstruktion im Detail dargestellt; 
auch die Tafeln VIII und XVII geben darüber Aufschluß. Estrichböden in 
den Stockwerken, denen Holzbalken als Unterlagen dienten, sind an der 
Saalburg meistens aus Lehm gefertigt gewesen, wie wir aus den Zusammen- 
stürzen wissen; aus diesen Resten läßt sich das angewandte Verfahren 
schwer erkennen, doch giebt Vitruv auch hierüber genaue Anweisungen, 
besonders über die Art und Weise, wie die hölzerne Unterlage einge- 
richtet war. 

Der Estrich fand außer zu Böden noch vielfach bei Bassins, Cisternen, 
Baderäumen etc. Verwendung; für solche wasserhaltenden Anlagen empfiehlt 
Vitruv reinen, scharfen Sand, nicht zu große Kieselsteine und eine Mischung 
von Kalkmörtel, der aus fünf Teilen Sand und zwei Teilen Kalk be- 
stehen sollte. 

Die Fußböden zu plätten scheint an der Saalburg nicht allgemein üblich 
gewesen zu sein; das Nähere darüber ist bereits bei den Baumaterialien 
(Seite 197) gesagt worden. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 225 

Für die über den Kellern gelegenen Räume sind Böden aus Holz an- 
zunehmen, wie dies schon bei der Besprechung der Schreinerarbeiten erörtert 
wurde. 

Ein guter Estrichboden war mit ein Haupterfordernis für gesunde und 
reinliche Wohnungen; war aber ein solcher nicht vorhanden, oder seine Her- 
stellung mit Schwierigkeiten verknüpft, so suchte man die betreffenden 
Räume dadurch wohnlicher zu machen, daß man unter die Balkenlage und 
den Holzfußboden einzelne Pfeiler setzte, deren Zwischenräume mit einer in 
der Außenwand angebrachten Öffnung verbunden w^aren, wodurch eine wirk- 
same Luftcirkulation erzielt wurde, die nicht allein das Holz werk vor Fäulnis 
schützte, sondern auch aus hygienischen Rücksichten erforderlich war; auf 
Tafel IV, G^ und besonders auf Tafel VHI, Nr. 7 und 7 a ist ein Beispiel 
von solchen Anlagen gegeben. 

Wir verfahren heute bei nicht unterkellerten Räumen noch genau auf 
dieselbe Weise. 

Der Wand verputz. 

Das Verputzen der Mauern und Decken scheint bei den Römern nicht 
als ein besonderes Gewerbe ausgeübt, sondern, wie heute noch in manchen 
Ländern, durch den Maurer besorgt worden zu sein. Der Terminus technkus 
der Römer war für diese Arbeit: ojms tectorüim, wonach die betreffenden 
Arbeiter tectores hießen. An der Saalburg waren sowohl Außen- als Innen- 
wände verputzt. Von äußerem Bewürfe sind nur wenige Reste an den Mauern 
selbst gefunden worden, dagegen lagen zahlreiche Stücke im Bau- und Brand- 
schutt; an den Kastellen von Niederbieber, Holzhausen an der Heide und 
vielen Pfahlgrabentürmen fand sich Verputz, der mit einer Quadrierung ein- 
geritzt und rot ausgestrichen war, noch fest an den Mauern; derselbe bröckelte, 
sobald er der schützenden Erddecke beraubt und den Witterungseinflüssen 
ausgesetzt war, bald ab, sodaß an freigelegten Kastellmauern kaum Bewurf 
erbalten blieb. Das Verputzen des an der Saalburg in Frage kommenden 
rauhen, ungleich hergestellten Mauerwerks hat das Eindringen des Regen- 
wassers in die Fugen verhindert und demselben eine größere Dauer und 
ein besseres Aussehen gegeben. Verputz im Inneren der Gebäude hat 
sich viel häufiger und besser erhalten. In dem Bade der Villa waren, 
wie schon S. 119 bemerkt, beim Ausgraben noch einige Quadratmeter des- 
selben intakt vorhanden. Es lassen sich verschiedene Arten von Verputz 
nachweisen : 

1. Verputz mit Lehm, der meist mit vegetabilischen Stofien vermischt 
war; seine Verwendung scheint sich auf die Fachwerkbauten beschränkt zu 
haben. Hierbei ist auf ein interessantes Werkzeug aufmerksam zu machen 
(Textfigur 32, Nr. 22). Es hat Ähnlichkeit mit einem eisernen Kamme, dessen 
Stiel gebogen ist. Da die Ziegelfabrikation nach den früheren Erörterungen 
nicht auf der Saalburg stattfand, so kann dieses Gerät nicht, wie das von 

J a c o b i , Das Römerkastell Saalbiirg. 15 



226 Technische Ergebnisse. 

Wolff' veröffentlichtet^^), zur Herstellung von Wellenlinien auf den Ziegeln ge- 
dient haben. Es hat vielmehr jedenfalls dazu Verwendung gefunden, die 
Faehwände vor Aufbringung des Putzes rauh zu machen, oder die einzelnen 
Felder auf ähnliche Weise wie die Ziegel zu verzieren. Diese dekorative Be- 
handlung sieht man noch an vielen Bauernhäusern, von denen die oft kunst- 
losen, aber außerordentlich wirkungsvollen Fachwände der hessischen und 
thüringischen obenanstehen. 

Bei der Herstellung des Lehm- und Mörtel Verputzes der Fachwcrks- 
bauten wurde, wie auch die Ausgrabungen beweisen, ein von Vitruv (VH, 3. 11) 
beschriebenes praktisches Verfahren angewandt. Dasselbe bestand darin, daß 
man die Holzgefache senkrecht mit Schilfrohr benagelte, hierauf eine Lehm- 
schicht oder Kalkmörtel und eine zweite horizontale Berührung setzte, worauf 
dann der letzte Auftrag des Verputzes erfolgte. Dadurch, daß die Berohrung 
eine doppelte war und die zweite Lage die erste überkreuzte, wurde das Ab- 
bröckeln und Reißen des Bewurfs verhindert. Das Verputzen von Decken 
und Holzfach werken wird heute noch in derselben Weise ausgeführt; die in 
den Handel gebrachten geschnittenen Lättchen haben aber neuerdings die 
Verschalung mit Schilfrohr zum Nachteil einer gediegenen Arbeit vielfach 
verdrängt. Eine nach römischer Art aufgenagelte Rohrverputz -Decke wird 
niemals Sprünge bekommen, was von der mit Latten aufgenagelten nicht 
behauptet werden kann. 

2. Ausfüllen und Zustreicheu der Fugen mit Kalkmörtel — Kellenabzug. 

3. Berappen mit einem rauhen Mörtel, d. h. die Mauern bewerfen, so- 
daß die ganzen Flächen ein gleiches Aussehen erhalten. 

4. Glatter Verputz, der am häufigsten vorkommt, erfordert zu seiner 
Herstellung viel Geschicklichkeit. Die Arbeit wurde mit polire bezeichnet; die 
betreffenden Arbeiter hießen politores. Diese Technik ist an den Limes- 
kastellen, genau wie in Italien und den reichen römischen Villenbauten auf 
der linken Rheinseite, angewendet worden. Stücke von glattem Verputze aus 
Pompeji lassen sich von solchen von der Saalburg kaum unterscheiden. Vitruv 
giebt im VHI. Buche genaue Vorschriften über Herstellung des Verputzes 
und die dazu erforderlichen Werkzeuge. Nachdem er größte Sorgfalt für die 
Bereitung des Mörtels und besonders für das Löschen des Kalkes empfohlen 
hat, sagt er über die nötigen Hantierungen: «Man bewerfe die Wände mög- 
lichst rauh, nachher aber bringe man über dem trockenen Rauhanwurf den 
feinsandigen Verputz so an, daß die Richtung genau eingehalten werde, nach 
der Länge, dem Richtscheit und der Schnur, nach der Höhe, dem Senkblei 
und in den Ecken dem Winkelmaß entsprechend (wir sagen hierfür «ins 
Richtscheit stellen»). So wird die Oberfläche des Verputzes für Gemälde 
tadellos werden. Während der Anwurf trocknet, füge man einen zweiten 
und dritten hinzu, denn je besseren Grund der feinsandige Anwurf hat, desto 
mehr steigert sich die Festigkeit und Dauerhaftigkeit des Verputzes.» 



"») Westdeutsche Zeitschrift, XI, Taf. 5. 



Konstruktives, bauliche Details nnd Handwerkszeuge. 227 

Für den an der Saalburg gefundenen, heute noch sehr festen feinen 
Verputz scheint bis auf den letzten dünnen Überzug dasselbe Verfahren ein- 
gehalten zu sein. Während aber die feine Mörtelschicht nach Vitruv mit 
Marmorstückchen vermischt sein soll, ist unser Putz nur 2 mm stark mit 
Kalk überzogen (vergl. hierzu Vitruv, VIII, 8 — 10). Daß die letzte Schicht 
eine Glättung und Abpolierung erfahren hat, ist nicht allein deutlich an 
der Struktur des Verputzes zu erkennen, sondern auch aus den gefundenen 
Schleif- und Glättsteinen zu entnehmen. Die Ersteren bestehen aus rauh- 
und feinkörnigen Sand- sowie Bruchsteinen zum Abschleifen, die Letzteren 
zum Glätten und Polieren aus Kieselschiefer; auch vorrömische Steinwerk- 
zeuge (Tafel XXXII) sind hierzu möglicherweise verwandt worden. Die 
zum Verputzen noch besonders in Frage kommenden Werkzeuge sind auf 
Textfigur 32 vereinigt. Nr. 18 und 18a stellt eine Kleb- oder Reibescheibe 
(auch «Kleib- oder Reibebrett» genannt) dar. Dieses sehr seltene Gerät aus 
Eichenholz wurde im Brunnen Nr. 27 gefunden; es ist im Gegensatze zu 
unseren modernen aus einem Stück gefertigt und diente zum Auftragen, 
Ausbreiten und Glätten der Tünche. Nr. 19 bis 21 sind breitmeißel-förmige 
dünne Eisen, die man als «Spachteln» bezeichnet; sie sind den jetzt gebräuch- 
lichen eisernen und hölzernen ähnlich und hatten den Zweck, die dünneren 
Verputzschichten der Tünche aufzutragen und zu festigen. Das Benässen 
des Putzes geschah, wie heute noch, durch eine Bürste oder einen Pinsel. 
Ein Relief im Museum zu Trier ^^'') enthält einen solchen mit mehreren Maurer- 
werkzeugen. 

Daß ein Verputz, wie ihn Vitruv beschreibt, und wie er auch an der Saal- 
burg sich fand, haltbar war und sich auch zum Bemalen eignete, ist durch 
die Thatsache bewiesen. Die Farben haben sich, trotzdem sie so lange Zeit 
unter feuchtem Boden lagen, gut konserviert und uns damit die Bekanntschaft 
mit den zur Anwendung gekommenen Farben verschafft. Für große Flächen 
scheinen stumpfes Rot und Ockergelb, für Einfassungen und Ornamentierungen 
Dunkelgelb, Grün und Schwarz, für gewöhnliche Wohnräume Weiß die be- 
liebtesten Farben gewesen zu sein^^^). Für den äußeren Anstrich begnügte 
man sich mit gelblich-grauem Ton, wie er sich in Pompeji und an den modernen 
italienischen Häusern findet. Nach den aufgefundenen bemalten Verputz- 
stücken zu schließen, wurden, wie auch von Pompeji bekannt ist. Erdfarben 
verwendet. 

Ziegelver bleu düngen. 

Die aus Quarzit hergestellten Mauern ziehen, wenn nicht besondere Vor- 
kehrungen getroffen werden, die Feuchtigkeit aus dem Boden und aus der 
Luft leicht an, was für Wohn- und Schlafräume sehr nachteilig wirkt. Wir 



190) Siehe F. Hettner, Die römischen Steindenkraäler des Provinzialmuseums zu Trier, 
Trier 1893, Nr. 194. 

191) Vitruv unterscheidet bei seiner Besprechung der Wandmalereien im VII. Buche 
natürliche und künstliche Farben. 

15* 



228 Technische Ergebniese. 

suchen uns, wenn überhaupt solches minderwertige Baumaterial zu verwenden 
ist, dadurch zu schützen, daß die Fundamente unten wie seitlich mit Asphalt- 
schichten isoliert werden. Die Römer erreichten dies an der Saalburg für die 
Innenräume ihrer besseren Bauten und besonders für diejenigen, denen eine 
]juftheizung fehlte, durch Verblendung mit Ziegeln. Vitruv giebt hierfür 
praktische Anweisungen {VII. 4, 1 und 2); in den «Pompejanischen Studien» 
von Nissen ist ausführlich darüber berichtet. Was sich in dieser Beziehung 
an der Saalburg gefunden hat, ist außerordentlich praktisch und lehrreich 
und beweist das große Verständnis, welches die Römer in technischen Fragen 
hatten. Mit Bezug auf Tafel XIX, auf welcher die verschiedenen Ziegcl- 
formen und die Konstruktionen selbst abgebildet sind, will ich die Methode 
mit dem Hinweis auf die bereits bei den Baumaterialen (S. 198) besprochenen 
Ziegel kurz beschreiben. 

Die Verblendung der Wände geschah entweder mit Warzenziegeln, 
tcgiilac mammatac^^^) (Tafel XIX, Fig. 4) oder mit Haken- oder Ohrenziegehi, 
tegulac hamatae^^^) (Fig. 1). Die Ersteren wurden in die Wand eingedrückt 
und hier und da durch einen Kreuznagel befestigt. Die mit Ijctzteren 
hergestellte Verkleidung war weitaus besser; es entstand durch die Haken 
ein 6^2 cm tiefer Zwischenraum, durch welchen, wenn eine Heizung vor- 
handen war, die warme Luft, andernfalls die von außen einströmende frische 
Luft cirkulieren konnte. Die Ziegel waren, wie durch Tafel XIX, Nr. 10, er- 
läutert wird, mit eisernen Kreuznägeln (Tafel XXXXIII, Nr. 3) an die Wand 
befestigt. In noch höherem Maße konnten hierzu auch die viereckigen Heiz- 
röhren (Tafel XIX, Nr. 5 — 9) benützt werden, doch scheint es, daß sie nur 
da, wo sich Hypokausten befanden, angebracht waren. Daß in dieser Weise 
verkleidete Wände nicht allein die Räume trocken, sondern im Winter auch 
warm und im Sommer kühl erhalten, bedarf keiner weiteren Darlegung. In 
Pompeji sind die Wände in den Stabianer Thermen fast ebenso verblendet, 
nur haben die Ziegel an Stelle eckiger runde Stollen; die dabei entstandenen 
hohlen Zwischenräume dienten zur Cirkulation der warmen Luft. Die bei 
den Baumaterialien (S. 198) und auch schon hier erwähnten Verblendziegel 
(Tafel XIX, Nr. 4, und besonders Nr. 2) dienten nicht bloß zur Trockenlegung 
der Wände, sondern wohl hauptsächlich zur Deckenbekleidung, was schon 
Hansen in den Mittheilungen der K. K. Österr. Centralkommission 1876 nach- 
gewiesen hat. Auch auf der Saalburg haben sie sich mit den zu ihrer Be- 
festigung nötigen Heftkrampen (Taf. XXXXIII, Nr. 4 und 7) gefunden, so- 
daß man auch hier diese Konstruktion annehmen kann, wie sie auf Tafel XX, 
Nr. 3, veranschaulicht ist. Die Ziegel haben an zwei Seiten vier Einschnitte 
und wurden mit Heftkrampen, die an dem einen Ende ankerförmig ge- 



'•») Vergl. Nissen, S. 65 ff. 

'8*) Ganz erhalten kommen diese Hakenziegel selten vor, an den Saalburgbauten fanden 
sich solche in situ; das Museum in AV'iesbaden besitzt ein Exemplar mit dem Stempel der 
XXII. Legion aus Nied am Main, das 37 auf 47 cm mißt und mit 6'/2 cm hohen Stollen 
versehen ist. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 229 

schmiedet, am anderen Ende mit einem durchlochten Heftlappen versehen 
sind, an die Deckenbalken seitlich derart befestigt, daß jedesmal die Haften 
zwei Ziegel zusammenfaßten. Sie stießen in der Mitte der Balken zusammen ; 
durch ihre Länge (40 cm) lassen sich die Gebälk-Einteilung und die Breite 
der Balken genau bestimmen. Diese waren darnach 16 cm breit und lagen 
sehr dicht, von Mitte zu Mitte nur 40 cm von einander entfernt. Heute 
würde man, dem erhöhten Werte des Holzes entsprechend, die Balken etwas 
weiter, doch kaum mehr als 60 cm von einander legen. Wenn man aber eine 
größere Fuge zwischen den Platten annimmt, konnten die Balken auch etwas 
dicker sein. 

Dieselben scheinen, was auch in modernen Häusern gewöhnlicher Art 
häufig ist, nicht alle genau rechtwinkelig beschlagen gewesen zu sein, da sich 
solche Heftklammern oft gebogen vorgefunden haben, was unter Umständen 
auf unbehauenes Holz schließen läßt. Vitriiv (V, 10. 2) erwähnt bei den An- 
lagen der Bäder schon diese Konstruktion, indem er sagt: «Wenn aber Balken- 
decken angebracht werden, so muß eine Bekleidung aus gebranntem Thon 
darunter angefügt werden». Er giebt darnach eine ziemlich umständliche Be- 
schreibung der Befestigung mit Haken und scheint damit dieselbe ge- 
meint zu haben, die sich aus den Funden herausgestellt hat. Die Fugen 
sowie die den Plattenziegeln eigentümlichen Riefelungen waren für das An- 
haften des Mörtels von Wert; auch die Platten selbst, die nicht, wie es bei 
Holzverschalungen immer zu geschehen pflegt, eintrockneten, gaben eine gute 
Unterlage zu einem dauerhaften Verputze und versprachen außerdem eine 
große Feuersicherheit, Es ist nicht recht verständlich, daß eine so vorzügliche 
Deckenkonstruktion, die einen guten, nicht rissigen Verputz liefert und zu- 
gleich feuersicher ist, in der Technik verloren ging und so lange unbeachtet 
geblieben war. Erst den Amerikanern war es vorbehalten, sie wieder auf- 
zugreifen, ob durch eigenes Nachdenken oder Studium antiker Bauweise, bleibe 
dahingestellt. Die erste Nachricht fand ich darüber in der «Deutschen Bau- 
zeitung» (Nr. 78 vom Jahre 1884), in der über Neubauten in Chicago be- 
richtet wird; sie lautet: «Die hölzernen Deckenträger der übrigen Räume sind 
von unten mit gebrannten Thonplatten verkleidet, welche zugleich die Decken 
bilden und von oben mit Gips verstrichen sind». Seit einigen Jahren findet 
diese Technik bei uns größere Verbreitung, doch verwendet man dazu lieber 
geriefelte Gipsdiele, 

Daß bei den Römern in dieser Weise hergestellte Decken, besonders 
wenn der obere Stock benutzt wurde, ausgestrichen waren, ist als selbstver- 
ständlich anzunehmen; wahrscheinlich benutzte man dazu Strohlehm, der wohl 
auch für gewöhnliche Decken zum Ausfüllen der Gebälkzwischenräume ge- 
dient haben wird; auch läßt sich, nach dem in vielen Räumen der Saal bürg 
aufgefundenen gebrannten Lehme zu urteilen, behaupten, daß die Balkenfelder 
wie bei uns heute noch mit Wellsprossen (Staaken), die mit Strohlehm um- 
wickelt waren, ausgefüllt und dann verputzt worden sind. 



230 



Technische Ergebniese. 
Steinmotzarbeiten. 



Es ist nicht ganz sicher festgestellt, ob das Gewerbe des Steinmetzen 
(lapidares) von demjenigen des Maurers getrennt war. Bei den großen Monu- 
mentalbauten, die fast ganz aus Hausteinen bestanden, mag dies der Fall 
gewesen sein, weil dem Bildhauer dort die Hauptaufgabe zufiel und dabei auch 
eine künstlerische Ausbildung des Arbeiters verlangt war. Für uns kommen 
diese Arbeiten nicht in Betracht, da geeignetes Material an Ort und Stelle 
nicht anstand. Die gefundenen Hausteinarbeiten, eine Sohlbank der Villa 
(Taf. XXI, Nr. 40), einzelne Eckquader, Keilsteine, Gewände, Schwellen und 
Zinnendecksteine sind von geringem Belang; sie sind auch wohl teils ganz 
fertig, teils im Rohen vorgearbeitet aus den römischen Steinbrüchen an der 
Nidda bei Vilbel geliefert worden, und es blieb dem Maurer überlassen, die 




Fig. 34. Steinhauerwerkzeuge. 



Steine zuzurichten, Wolfslöcher zum Versetzen oder Klammerlöcher einzuhauen 
und sie passend zusammenzufügen. Zu solchen Arbeiten gehören auch die 
in der Textfigur 34 gruppierten Werkzeuge, von denen der hölzerne Hammer 
(Schläger), Nr. 1, nach einem antiken Relief abgebildet ist; die übrigen sind 
auf der Saalburg gefunden. Der schwere eiserne Hammer (Nr. 2) ist ebenso 
wie die anderen Werkzeuge mit einem kurzen Holzstiele, wie er allen Steinmetz- 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 231 

Werkzeugen eigen ist, in der Zeichnung ergänzt worden. Nr. 3 ist ein eiserner 
Keil zum Spalten der Steine, Nr. 4, 5, 6 stellen «Zweispitzen» zum Spitzen 
oder Bossieren dar, Nr. 7 eine Spitzliaue, Nr. 8 und 9 «Billen», welche haupt- 
sächlich zur Bearbeitung und zum Spitzen der Mühlsteine gebraucht, aber wohl 
auch als 'Zweispitzen für feinere Steinmetzarbeiten verwendet wurden. Von 
den Steinmeißeln sind die Schlageisen Nr. 12 — 14 und 18, die Spitzeisen oder 
Spitzmeißel Nr. 15 — 17 und die Scharriereisen Nr. 10 und 11 die gebräuch- 
lichsten. Die bei der Bearbeitung der Architekturteile angewandte Technik 
bestand in dem Spitzen, Bossieren und Scharrieren. Die Ränder und Ecken 
waren an den Kanten gestelzt, d. h. mit einem gleichmäßigen Schlage auf- 
gehauen und die Flächen öfters abgeschliffen, wozu Schleifsteine von ver- 
schiedenem Korne gedient haben mögen, die sich auch gefunden haben. 

Die Überschrift der Tafel XXI «Bauliche Details» ist eigentlich nicht 
ganz genau, denn die dort gezeichneten Profile und dekorativen Gliederungen 
gehören nicht alle zu Architekturteilen, sondern teilweise auch zu Altären 
und Denkmälern. Da aber die Kleinkunst sich stets an die Formen der 
großen Kunst anlehnt, können auch Profile wie die in Nr. 1 — 39 dargestellten 
immerhin einen Einblick in die damalige Kunstübung gewähren. Wir finden 
sämtliche Profile für Sockel und Hauptgesimse vertreten, von der einfachen 
Schräge bis zur reichsten Gliederung. Dabei sind zwar die bekannten Stil- 
formen nachgeahmt, doch zeichnen sich im Allgemeinen die meisten durch 
eine starke Häufung der Glieder aus, welche der handwerksmäßig arbeitende 
Künstler liebt, um seine Gewandtheit in allen Formen möglichst zur Schau 
zu tragen. Daß dabei einzelne Verzierungen recht ungeschickt geworden sind, 
ist im Hinblick auf das rauhe Material und darauf, daß die Bildhauer wohl 
meist Soldaten waren und vielleicht nur in dunkler Erinnerung an heimische 
Bauten arbeiteten, nicht zu verwundern. Allgemein fällt auch hier eine gewisse 
Ähnlichkeit mit romanischen Formen auf, die öfter bei Bildhauerarbeiten der 
Spätzeit in den Rheinlanden beobachtet werden kann. Der Vorgang ist klar, 
da auch die frühromanische Kunst sich an klassische, römische Vorbilder an- 
lehnt, ohne jedoch die einzelnen Formen immer zu verstehen, und ohne das 
entsprechende Material und die nötigen Künstler zu besitzen. Dasselbe 
Stammeln findet sich wieder bei den ersten Anfängen der Renaissance in 
Deutschland und zwar aus denselben Gründen. Auf einige Formen werde 
ich bei den spärlich gefundenen Darstellungen auf Denksteinen zurück- 
kommen. 

Dachdeckerarbeiten. 

Über die Form der Dächer geben uns die Darstellungen der Trajans- 
säule, die in Pompeji erhaltenen landschaftlichen Gemälde und andere antike 
Malereien und Skulpturen, auch die altchristlichen Basiliken einige Anhalts- 
punkte; im Übrigen giebt Vitruv (IV, 2. 1) darüber ausführliche Nachrichten 
und bespricht die einzelnen Hölzer des Dachverbandes. Für uns kommen 
vorzugsweise in Betracht: das Sattel dach, tedum pectinatum, Tafel IX und X, 



232 Technische Ergebnisse. 

Fig. V; das Pultdticli, fcditm iMiciatum, Tafel IX und X, Fig. VI, und 
seltener das Spitz- oder Zeltdach, tectum tcstudinatum, Tafel 11, Fig. II 
und V, und Tafel XI, Fig. 2, das schon der schwierigen Deckung wegen 
meist nur als Strohdach für Hütten und Zelte angewandt wurde. 

Die Dächer hatten nur geringe Neigung, erreichten wohl kaum 45" und 
ihre Höhe betrug höchstens ein Drittel der Spannweite. Schon die Form 
und Verwendungsart der römischen Ziegel erlaubten keine größere Steilheit, 
da sie in der Regel unbefestigt auf den Sparren lagen. Bei den Rekonstruk- 
tionsversuchen des Fraetorium, Tafel IX und X, und der Baracke, Tafel XI, 
sind die Dächer so, wie man sie sich für die Saalburgbauten denken kann, 
dargestellt. An Dächern mit geringer Spannweite und denjenigen, bei welchen 
die Binder oder Balkenlagen durch Wände oder Pfosten unterstützt werden 
konnten, genügte das Aufsetzen zweier Sparren mit Zapfen oder Klauen (Text- 
figur 30, Nr. 7) in einen horizontalen Balken und eine Verbindung der 
Sparren in der First. Letzteres konnte durch Überblattung (Textfigur 30, 
Nr. 5), Schhtzzapfen (Textfigur 30, Nr. 8) oder durch Holz- oder Eisennägel 
geschehen. Eine bessere Konstruktion, die zugleich den Umfassungswänden 
eine größere Festigkeit gab und sie vor ungleichmäßigem Ausbiegen schützte, 
war die durch Aufsetzen von Mauerlatten oder Schwellen auf die Balkenenden 
und die Firstpfetten, wodurch zugleich ein Längsverband des Dachwerkes 
hergestellt wurde (Tafel LX und X, Fig. V sowie Tafel XI, Nr. 1). Bei 
größeren Spannweiten, wie an einzelnen Räumen der Villa und besonders an 
denen der Exerzierhalle, waren in der Längsrichtung in Entfernungen von 
3 — 4 m einzelne Dachbinder erforderhch. Einen solchen Raum von 11 m^''^) 
lichter Weite frei zu überdachen, hatte seine Schwierigkeiten, doch müssen 
die Römer diese überwunden haben, denn nirgends fanden sich Spuren im 
Boden, die auf Unterstützungen schließen lassen ; auch hätte der Raum seinen 
Zweck nicht erfüllen können, wenn in demselben eine freie Bewegung durch 
Pfosten in der Mitte verhindert gewesen wäre. Derselbe muß daher mit 
starken, vielleicht verzahnten Balken und einem freitragenden Dachstuhle mit 
Hängewerk versehen gewesen sein. Es ist höchst wahrscheinlich und auch 
durch die Funde nicht widerlegt, daß dabei zur Verbindung der Balken, 
Streben, Hängsäulen u. s. w. nicht allein Nägel von Holz, sondern auch solche 
von Eisen, sowie anderes Eisenwerk, als Klammern, Hängeisen u. s. w. (ver- 
gleiche Tafel XXXXm), benutzt wurden. 

Was das Deckmaterial anbetrifft, so sind wir für die Saalburg ziem- 
lich gut unterrichtet; denn die Funde geben uns im Verein mit den Nach- 
richten der alten Schriftsteller hierüber genügenden Aufschluß. 

Abgesehen von den bereits bei dem Erdkastell (S. 86) besprochenen 
Erd- und Rasenabdeckungen bei flachen Dächern lassen sich drei und mit 
Hinzuziehung der in der Nähe gelegenen römischen Bauten vier Deckungs- 
arten annehmen: 



»»*) Vitruv{Wl, 3. 5) spricht von 60 Fuß = 17,76 m Spannweite; in Pompeji kommen 
solche von 9,40—9,90 m vor. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 233 

a. mit Stroh, b. mit Schindeln, c. mit Ziegehi und d. mit Schiefer. 

In unserem Museum sind diese durch Modelle in kleinerem Maßstabe 
veranschaulicht; außerdem war es möglich, kleinere Flächen mit den aus- 
gegrabenen römischen Schindeln, Ziegeln und Schiefern zu decken, woraus 
sich die praktische römische Dachdeckung am besten beurteilen läßt und zu- 
gleich ersichtlich wird, daß nach dieser Richtung hin bis heute kaum ein 
Fortschritt zu verzeichnen ist, selbst wenn hiermit unsere modernen Falz- 
ziegel- und Schieferdächer in Vergleich gestellt werden. 

a. Das Strohdach, fastigium stramento contectum. Den Römern waren die 
Strohdächer wohl bekannt ^^^), aber in der Zeit, als sie das Limesgebiet inne- 
hatten, waren solche in Italien wenig oder gar nicht mehr gebräuchlich; an ihre 
Stelle traten die Schindelbedeckungen und dann das feuersichere Ziegeldach. 
Dagegen scheinen bei den Germanen nur Dächer aus Stroh, Schilf, Binsen 
und Reisig bekannt gewesen zu sein. Daß derartige Deckungen auch bei 
uns vorhanden waren, beweisen die Funde von im Schutte liegenden Schichten 
angebrannten Strohs; bezüglich ihrer Anfertigung läßt sich aus denselben nur 
ersehen, daß sich auf den Sparren und dem Latten werke als Unterlage für 
die Strohbüschel eine Schicht aus Strohlehm befand ; da eiserne Verbindungen 
hierbei nicht gefunden sind, scheint man auch damals Strohseile und Weiden 
zur Befestigung verwandt zu haben. Eine solche Deckung ist weniger feuer- 
gefährlich und schützte gegen Kälte und Wärme ; sie hat sich im Hochtaunus 
noch erhalten und mag wohl aus alter Zeit in dieser Weise überliefert worden 
sein. Obgleich die Neuerrichtung von Strohdächern im Taunus, wie all- 
gemein in Deutschland, polizeilich verboten ist, so gestatten die Behörden 
doch eine Ausbesserung der vorhandenen. Der Bauer, der zäh am Alten 
hängt, erhält auf diese Art seine Strohdächer, und man sieht daher manch- 
mal alte Dächer, an denen drei Vierteile erneuert sind. Lange aber wird es 
auch damit nicht mehr dauern; denn schon im Jahre 1882, als der S. 44 
erwähnte rekonstruierte Pfahlgrabenturm im Englischen Garten zu Homburg 
mit Stroh eingedeckt werden sollte, fand sich erst nach langem Suchen ein 
Bauer in Merzhausen bei Usingen, der noch ein regelrechtes Strohdach her- 
stellen konnte. 

b. Das Schindeldach. Es wurde schon wiederholt von mir bei der 
Besprechung des Kastells und der Bauten der Bürgerlichen Niederlassung er- 
wähnt, und ebenso ist über die Herstellung der Schindeln — scandulae 
— Einiges gesagt worden. Nach allen Beobachtungen waren Schindeln schon 
ihrer geringen Schwere und der leichten Beschaffung wegen für die Bauten 
der Saalburg sowie diejenigen am Limes das hauptsächlichste Deckmaterial. 
Die Stadt Rom hatte nach Cornelius Nepos bis etwa zum Jahre 280 vor Chr. 
meistens Schindeldächer, und noch lange nachher war, wenn das erforderliche 

195) Nissen, Pompejanische Studien, sagt darüber: Vüruv führt die strohgedeckte Casa 
BomtiU als Beispiel älterer Weise an, während für ihn das Gebiet des Schindel- und Stroh- 
dachs im Abendlande auf Gallien und Spanien beschränkt ist. Plinius kennt die Stroh- 
dächer nur aus dem Norden von Europa. 



234 Technische Ergebnisse. 

Holz leicht beschaff werden konnte, diese Deckung besonders für liludliclie 
Häuser auch im übrigen Italien gebräuchlich. Diesseits der Alpen und vorzugs- 
weise in gebirgigen und holzreichen Gegenden hat man bis auf den heutigen 
Tag diese Bedeckungsweise beibehalten. In Amerika waren selbst in Städten 
wie New- York die Pläuser noch bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts 
meistens mit Schindeln gedeckt. Für kleinere Städte und für die meisten 
Bauernhäuser ist dies heute noch der Fall. Die Schindeln werden dort, ab- 
gesehen von dem Fabrikationsbetrieb in Städten, im fernen Westen von dem 
Ansiedler genau in derselben Weise mit dem Schindelmesser gespalten und 
dann aufgenagelt, wie es einst bei den Römern geschah. An der Saalburg wurden 
sie auf 6 — 7 cm breite Latten, die 30 cm weit auseinanderlagen, mit Nägeln 
befestigt (Taf. XIV, xi). Die Schindeln selbst haben eine Länge von 50 — 60 cm 
und eine Breite von 12 — 15 cm (Taf. XIV, x), auch sind Eck- oder First- 
schindeln vorhanden gewesen, die zur Abdeckung der Giebelsparren und der 
First dienten, vielleicht aber auch einen dekorativen Zweck hatten. Daneben 
mögen ebenfalls Schindeln als Verkleidung der Außenwände verwandt worden 
sein, wie sie besonders auf dem Lande jetzt noch zahlreich vorkommen, 

c. Das Ziegeldach. Obgleich an der Saalburg Ziegeldächer nicht nach- 
zuweisen sind — die dort gefundenen Flach- und Hohlziegel wurden lediglich 
zu Heizungsanlagen benutzt — , so will ich sie der Vollständigkeit wegen 
doch hier besprechen, besonders da diese Dachdeckungsart bei den Bauten 
der römischen Niederlassungen in der Ebene vielfach in Anwendung kam. 
Bei der Ausgrabung eines römischen Baues an der von der Saalburg nach 
der Wetterau ziehenden Römerstraße, kaum eine Stunde von ihr entfernt, 
fand ich 1873 — wenn auch größtenteils zertrümmert — eine hinreichende 
Menge von Dachziegeln, um den betreffenden Raum überdecken zu können*'"'). 

Die Dachdeckung mit gebrannten Ziegeln ist sehr alt, und besonders 
vorzüglich war diese Technik bei den Griechen ausgebildet; ich verweise nur 
auf das Thondach des Heraion in Olympia, über welches F. Gräber aus- 
führUch berichtet hat, vergleiche Anmerkung 167. 

Die Ziegeldächer bestehen aus Flachziegeln mit aufgebogenen Rändern 
an den Langseiten — tcgulae — und Hohlziegeln — imhrices — , welche 
die Fugen derErsteren überdecken. Sie sind in den Maßen nicht alle gleich; 
die auf der Saalburg gefundenen Flachziegel haben im Mittel 31^2 cm Breite 
und 41^/2 cm Länge *^^). Sie decken damit die gleiche Breite und eine Länge, 
die dieser gleich ist, also 0,315:0,315 m = 0,099 qm, oder annähernd einen 
römischen Quadratfuß. 

*•*) /. Durm hat im Handbuch der Architektur, 2. Bd. «Die Baustile», über Ziegel- 
dächer ausführlich geschrieben. 

'^') Das Museum in Wiesbaden l)e8itzt Tegitlae der XXII. Legion aus Nied am Main 
von 43 — 46 cm, der I. Legion aus Wiesbaden von 45 auf 60 cm und der XIIII. Legion aus 
Wiesbaden von 54 auf 56 cm. In Monaco fand ich 1872 als Deckplatte eines römischen 
Grabes einen Dachziegel von 45 auf 60 cm. Bei den Ausgrabungen in Olympia fanden 
sich nach F. Grüber (vergl. Anmerkung 167) solche von 0,55 — 0,65 m Breite und 0,65 bis 
1,20 m Länge. 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 235 

Die Herstellungs weise der Dachziegel ist nicht so einfach, als es scheinen 
möchte. Die Leisten derselben bleiben unter sich parallel, verschmälern sich 
aber nach oben ; längs derselben läuft eine Rinne, in welche sich die Hohlziegel 
einlegen (Tafel XX, Nr. 1). Die Leisten sind, nachdem der Ziegel halbtrocken 
war, oben um 5 cm verkürzt und unten auf eine Länge von ebenfalls 5 cm 
schräg unterschnitten worden. Dadurch greift der obere um 10 cm über den 
unteren. Die rinnenförmigen Hohlziegel sind so lang als die Flachziegel; ihr 
oberes Ende ist so schmal und hoch, daß es nur die Fuge und Leiste deckt, 
welche ohnehin oben schmäler ist; ihr unteres Ende muß aber nicht nur 
die Leiste, sondern auch das obere Ende des folgenden Hohlziegels decken, 
das an das untere Ende des oberen Flachziegels anstößt. Dadurch treten 
die Hohlziegel 10 cm über die Dachtraufe vor; sie sind gewöhnlich vorne 
abgeschlossen. Das auf Tafel XX, Nr. 2, wiedergegebene Thonbruchstück 
scheint ein solches «Antefixum» vorzustellen, auf das schon bei der Ziegel- 
fabrikation (S. 199) Bezug genommen ist. Die Ziegel lagen nicht auf einer Be- 
lattung, sondern, wie auf Tafel XX, Nr. 1, schematisch dargestellt ist, unmittel- 
bar auf den Sparren, die je nach der Ziegelbreite gerichtet sein mußten, für 
unsere Ziegel in einer Entfernung von 3IV2 cm. Die unteren Ziegel waren um 
2^/2 cm untergeschoben. Auf der First stießen sie aneinander; die hier ver- 
bleibende Fuge wurde durch Hohlziegel überlegt, deren schmäleres Ende durch 
das weitere des folgenden überdeckt war. Dadurch, daß die Leisten an der 
oberen Seite der Flachziegel um 5 cm verkürzt sind, ist ihr dichteres Auf- 
liegen möglich, und sie erhalten durch die stehengebliebenen Leisten zu beiden 
Seiten ein festes Lager. Nirgends fand sich eine Spur von Mörtel, die darauf 
hinweisen könnte, daß die Dachziegel, wie in Pompeji und den Zehntlanden, 
in Mörtel gelegt oder ihre Fugen damit verstrichen gewesen wären. Bei der 
Güte der Ziegel, die selten vom Brande windschief geworden sind, war dies 
auch nicht nötig. Nach diesem Systeme ist auch das moderne Dach des 
Gräberhauses (Tafel XXII) hergestellt. 

d. Die Schiefereindeckung kommt an der Saalburg, den in der Nähe 
liegenden Kastellen und den Römerbauten in der Ebene — vorzugsweise im 
Gebiete der Homburger Mineralquellen — Heddernheim etc. vor. In Nr. 4 
der Tafel XX ist die übliche Deckungsart dargestellt. Der Schiefer hierzu 
stammt, wie schon in dem Abschnitte über die Baumaterialien gesagt ist, aus 
dem Taunus. Besondere Werkzeuge zur Bearbeitung und zur Deckung der 
Schieferplatten wurden, mit Ausnahme von Steinbohrern und Ausreibern (Tafel 
XXXIV, Nr. 10 — 12), nicht gefunden; zum Nageln genügten die gewöhn- 
lichen Hämmer (Textfigur 29, Nr. 21 und 22) und zum Spalten und Ab- 
hauen die Hauklingen (Tafel XXXVII, Nr. 12). Die Schiefer waren dicker 
als die unsrigen und sechseckig hergerichtet; ihre Länge und Breite beträgt 
30 cm, fast genau einen römischen Fuß. Für die Eindeckung der Fuß- 
schicht wurden Dreiviertelsteine verwandt. Die Schiefer haben an der Kopf- 
seite nur ein Loch, welches mit einem Steinbohrer hergestellt war; — bei 
dem modernen, viel dünneren Schiefer werden 3 — 4 Löcher mit dem auf 



236 



TechniRche Ergebnisse. 



einer Seite zugespitzten Dacluleckcrliaramer eingeschlagen; — das Nagelloch ist 
au der oberen Seite konisch ausgerieben, damit der dicke Nagelkoi)!' nicht 
über die Schicfertläche hervorstehen konnte, sodaß der daraufliegende Stein 
eine gute Auflage erhielt und nur sehr wenige Fugen entstanden, was für 
die Erzielung eines dichten Daches von Wichtigkeit und schon der Schnee- 
wehungen halber erforderlich ist. Die Aufnagelung geschah auf Latten oder 
Dielen. Die Deckung gleicht ganz der jetzt wieder in Aufnahme gekommenen 
sogenannten «altdeutschen» Deckungs weise mit sechseckigen Schablonen- 
Schiefern. 

Außerdem sind noch unregelmäßige, 1 — IV2 cm dicke Schiefer meist ohne 
Nagellücher gefunden worden, die nicht aufgenagelt, sondern nur flach auf- 
gelegt und vielleicht mit Steinen beschwert waren, eine Befestigungsweise, 
die man noch heutigen Tages auf dem Lande, besonders in der Schweiz und 
in Oberitalien, bemerken kann. 




n. 



MÜHH^H 



18. 




Fig. 35. Schmiede-, Schlosser- und Klempnerwerkzeuge. 



Schmiede- und Schlosserarbeiten. 

Schon bei den Baumaterialien, wie in den vorstehenden Kapiteln, ist 
auf die zahlreichen Eisensachen hingewiesen worden. Daß diese größtenteils 
an der Saalburg gefertigt sind, dafür sprechen einerseits die einst am 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 237 

«Dreimühlborn» und «Drususkippel» befindlichen, in dem Abschnitte «Ver- 
schiedenes» noch näher zu beschreibenden Schmelzöfen und Halden, anderer- 
seits die Schmiedewerkzeuge sowie die großen eisernen Blöcke und Schlacken, 
die in und vor dem Kastell ausgegraben wurden. Die Funde selbst und 
die A^erwendung des Eisens zu allen möglichen Zwecken, selbst zu Hypo- 
kausten, machen es wahrscheinlich, daß an der Saalburg die Verarbeitung 
des Eisens in großem Umfange betrieben worden ist. Auf den Tafeln 
XXXIir bis XXXXVII und den Textfiguren 27—29, 32 und 34 wurde 
von den Tausenden von erhobenen Eisensachen eine Anzahl wiedergegeben, die 
mehr oder weniger ausführlich an den zutreffenden Textstellen beschrieben 
sind. Für hier kommen die auf Textfigur 35 zusammengestellten Werkzeuge 
für Metallarbeiter in Betracht. Sie zeigen uns auf den ersten Blick, daß auch 
sie seit 1800 Jahren kaum eine Veränderung erfahren haben und in Form 
und Größe heute noch in den Schmiede- und Schlosserwerkstätten anzu- 
treffen sind. Darunter befinden sich allerdings auch Werkzeuge, die zur 
Bearbeitung von Draht, Blechen aus Bronze, wie zur Herstellung von Gewand- 
nadeln, Zierscheiben, feinen Beschlägen etc. gedient haben; eine vollständige 
Scheidung der Werkzeuge für die einzelnen Handwerke ist deshalb schwierig; 
so sind z. B. die kleinen Amboße, Hämmer, Zängelchen, Feilen etc. für die 
verschiedensten Betriebe nötig. 

Der Amboß {incus) ist eines der ältesten und das nötigste Werkzeug 
des Schmiedes, wie fast aller Feuerarbeiter. Nr. 1 — 5 der Textfigur 35 
zeigen fünf verschiedene Formen von 10 — 30 cm Höhe; sie gleichen den- 
jenigen, die auf alten Bildwerken in Hephästus' Werkstätte dargestellt sind 
(vergl. hierzu Blümner, Bd. II, S. 189). Nr. 1 : Der gewöhnhche Amboß 
zum Hämmern, ohne Holzblock; Nr. 2—5 haben Untersätze aus Holz, den 
sogenannten «Amboßstock»; Nr. 2 und 3 gleichen den heute noch vom 
Klempner gebrauchten Amboßen und werden als «Stöcke» oder «Daumen» 
bezeichnet; sie haben an dem einen Ende einen längeren, oben abgerundeten 
Ansatz, der wohl zum Hämmern, vorzugsweise aber zum Umbiegen und 
Formen von dünnen Metallblechen oder Drähten diente; an antiken wie an 
modernen Amboßen sind diese Ansätze öfters auch hornartig und kegelförmig 
gestaltet. Nr. 4 ist ein jetzt selten gewordenes Werkzeug des Nagelschmiedes; 
am Durchschnitt (Nr. 4a) ist die Benutzung ersichtlich: auf dem Haupt wurde 
das glühend gemachte Eisen gespitzt, dann mit dem sogenannten Kaltmeißel 
(Nr. 13), der einen Holzstiel hatte, abgehauen und in das Loch eingesetzt, 
zuletzt der Nagelkopf gehämmert. Durch den auf einer Seite angebrachten 
Schlitz fiel der Hamm erschlag herab. 

Tafel XXXXVII, Nr. 1 — 5, enthält mehrere große eiserne Blöcke, die 
Dr. L. Beck als «schwere Amboße» für Grobschmiede erklärt, die nicht 
in Holzstöcken gesessen hätten, sondern in die Erde eingerammt gewesen 
seien; er hat diese Eisenblöcke, von denen der Tafel XXXXVH, Nr. 1 ab- 
gebildete 484 Pfd. wiegt und 1,40 m hoch ist, in den Nassauer Annalen, 
Bd. XIV, ausführlich beschrieben und Nr. 1 als einen Riesen unter den Am- 



238 TechniBclie Ergebnisse. 

boßcn bezeiclmet. Zugleich liat er dabei die Bearbeitung des Eisens und 
besonders diejenige dieser bis jetzt nirgends wieder gefundenen Blöcke näher 
erörtert. Er schreibt darüber wörthch: 

«Wie konnten aber die alten Schmiede mit ihren unvollkommenen Vorrichtungen 
so große Stücke herstellen? Hütten sie die Kunst des Eisengusses gekannt, so würden 
sie solche Klötze gewiß gegossen haben ; so aber mußten sie, da sie unmöglich Luppen 
von fünf Centnern auf einmal darstellen konnten, dieselben aus lauter einzelnen kleinen 
Luppen zusammenschweißen. Wenn auch schon aus dem Bruch angenommen werden 
darf, daß sie zur Herstellung solcher Stücke größere Luppen als gewöhnlich anfertigten, 
um so mehr, da es ihnen auf die Qualitilt des erzeugten Eisens wenig ankam, so 
können wir doch kaum annehmen, daß sie mit ihren mangelhaften Blasebillgen im 
Stande waren, Luppen von mehr als etwa 25 Kilo Gewicht bei einer Operation zu 
erzielen. Um aus diesen den großen Block herzustellen, hätten sie 10 solcher Luppen 
nach und nach zusammenschweißen müssen. Da jede Schmelzung bei ihren schlechten 
Vorrichtungen lange Zeit in Anspruch nahm und, wenn wir analoge Prozesse wilder 
Vt'ilker als Maßstab nehmen, mehr als 24 Stunden erforderte, so waren zur Herstellung 
eines solchen Stückes mindestens zehn volle Tage ununterbrochener Arbeitszeit erforder- 
lich. Zur Herstellung des Stücks mußte die erste roh vorgeschmiedete Luppe, ehe 
die zweite fertig war, auf der einen Seite wieder bis zur Schweißglut erwärmt werden, 
um die Verbindung mit der neuen Luppe unmittelbar nach dem Herausbrechen der- 
selben zu ermöglichen. Diese Operation wurde immer schwieriger, je größer das Haupt- 
stück wurde, da es doch immer wieder in das Schweißfeuer geschoben und herausgezogen 
werden mußte. Ebenso war das Zusammenschweißen und Schmieden des großen Stückes 
ohne andere Hilfsmittel als die gewöhnlichen Handhämmer eine schwere Aufgabe. 

Wenn auch die Schmied ung von keiner großen Sorgfalt zeugt, so war doch 
schon eine gute Schweißung nur mühselig auszuführen, und man darf wohl die Frage 
aufwerfen: Haben jene römischen Schmiede zum Wenden und Bewegen so großer 
Schmiedestücke, sowie zum Schmieden keine anderen Vorrichtungen gehabt, als Zange 
und Handhammer? An unsere Wasser- und Dampfhämmer darf dabei freilich nicht 
gedacht werden.» 

Die auf der Tafel XXXXVII, Nr. 6, 6 a, 7 und 7 a, weiter dargestellten 
großen Eisenstücke fanden sich an den Schürlöchern von Hypokausten ein- 
gemauert; es läßt sich aber kaum annehmen, daß sie ursprünglich für diesen 
Zweck bestimmt waren, denn dazu war das Material zu kostbar. Dr. Bccli 
hält sie für abgängige, weil unbrauchbar gewordene Amboßblöcke. 

Alle diese großen Eisenblöcke sprechen einesteils durch ihre schwierige 
Herstellung für die Kunstfertigkeit der Bewohner der Saalburg in der Be- 
reitung und dem Schmieden des Eisens, andernteils aber durch ihr großes 
Gewicht auch dafür, daß sie, schon des schwierigen Transportes wegen, an 
Ort und Stelle, an der Saalburg oder nahe dabei, gefertigt wurden. 

Die nächstwichtigen Werkzeuge für den Metallarbeiter sind Zangen und 
Hämmer. Die Zange (forceps), die auch von anderen Handwerkern, allerdings 
in etwas abweichender Form gebraucht wird, dient vornehmlich dazu, das 
glühende Eisen festzuhalten und es auf dem Amboß zu bearbeiten. Die vier 
Stücke, Textfigur 35, Nr. 6—9, hatten diesen Zweck (vergl. auch Taf. XXXIV, 
Nr. 4). An dem kleinen Zängelqhen Nr. 6 waren hölzerne Handhaben be- 



Konstruktives, bauliche Details und Handwerkszeuge. 239 

festigt, die beim Schmieden einen längeren Gebrauch gestatteten, d. h. ein 
zu häufiges Abkühlen nicht erforderlich machten. Die bekannten antiken 
Darstellungen des Vulkan zeigen genau dieselben Zangen wie die unsrigen 
(vergl. liich, S. 272 und 383; Jahn, Berichte der Sachs. Gesellsch. d. Wissen- 
schaften 1861, Taf. VIII). 

Den Hammer (malleus, marcus, marculus) braucht jeder mit harten 
Stoffen beschäftigte Arbeiter, und so sind denn bereits oben die verschiedensten 
Arten von Hämmern besprochen worden. Die der Schmiede und Schlosser 
sind wenig von denen anderer Handwerker abweichend; es kann daher der 
bei den Maurerarbeiten (Textfigur 32, Nr. 5) schon betrachtete große schwere 
Hammer ebensogut bei den Schmieden Verwendung gefunden haben. Auf 
Textfigur 35, Nr. 10 — 12, sehen wir drei Hämmer, die für den Schmied und 
den Schlosser sich eignen dürften; Nr. 11 ist wegen seiner Herstellungsweise 
(aus einem Stücke Eisen) besonders erwähnenswert. Der Holzstiel war zwischen 
den am eigentlichen Hammer ausgeschmiedeten Lappen befestigt; er kann 
auch als Hufhammer zum Beschlagen der Pferde gedient haben. Nr. 13 
und 19 smd Kaltmeißel (vergleiche auch Tafel XXXIV, Nr. 26); sie sind 
durch das Daraufschlagen mit einem eisernen Hammer umgekrempt, d. h. sie 
haben einen «Schwamm», was für ihre starke Benutzung spricht. Derartige 
Werkzeuge werden zum Durchhauen von glühenden oder kalten Eisenteileu 
gebraucht. Zur Handhabung von Nr. 13 war ein Holzstiel erforderlich. 
Nr. 14, 15, 17 und 18 dienten zum Bohren oder Ausreiben von Löchern in 
Eisen. Nr. 16, 20, 21 und 22 sind als Durch- oder Vorschläge zu bezeichnen 
und wurden zum Erweitern von Löchern in Eisen, besonders bei Beschlägen, 
wohl auch zum Vorschlagen für Nägel benutzt (vergl. auch Tafel XXXIV). 
Nr. 23 ist ein seltenes Werkzeug aus Stahl, eine Feile (lima), die zwar aus 
den Schriftstellern und antiken Darstellungen bekannt ist, meines Wissens 
aber noch nirgends in so guter Erhaltung gefunden wurde, daß sich ihre 
Herstellungsweise hätte erkennen lassen. Sie lag im Schlamme des Brunnens 
Nr. 14 (S. 160), ist von gutem Stahl, mit Vivianit überzogen (siehe S. 158, 
Anmerkung 134) und war noch mit einem gedrehten Griffe aus Eschenholz 
und eiserner Zwinge versehen, siehe auch Tafel LXXX, Nr. 3. Die Feilen 
dienen hauptsächlich zur Bearbeitung von metallenen Gegenständen, doch 
auch solcher aus Holz. Ihre Oberflächen sind von Feilenhauern durch ge- 
hauene Einschnitte (Hiebe) rauh gemacht. Man unterscheidet viele Arten 
derselben; die an der Saalburg gefundene ist eine «Flach- oder Schhchtfeile» 
und ist schräg gehauen. 

Auch die beiden folgenden Nummern 24 und 25 waren ursprünglich 
Feilen, was an ihrem Schlag, der sich erhalten hat, gut zu erkennen ist; sie 
dienten gleichzeitig als Haukhngen beim Huf beschlag, bei dessen Besprechung 
näher auf dieses merkwürdige und heute noch übliche Werkzeug eingegangen 
werden soll. Die von Schmieden und Schlossern hergestellten Arbeiten, die 
bei diesem Abschnitte noch weiter in Betracht kommen, sind auf den Tafeln 
XXXXIII bis XXXXVI dargestellt. 



240 Technische Ergebnisse. 

Auf Tafel XXXXIII, Nr. 1—19, 29, 31, 33, 34 und 42, finden sich 
Klammern, Kreuznägel, Heftbaken, Kloben und Scbließen; Nr. 43 — G4 sind 
Nägel in den mannigfacbsten Größen und Formen mit spitzen, runden, flachen 
und platten Köpfen. Die Tafeln XXXXIV und XXXXV enthalten außer 
Schlüsseln und Schloßteilen, die weiter unten in dem Kapitel «Rekonstruktionen» 
bebandelt werden, Thür- und Kastenbeschläge; es sind dies die meist jetzt 
noch vorkommenden Arten von Dreh- und Aufhängevorrichtungen derThüren, 
ebenso Bänder und Beschläge. 

a. Haken- oder Klobenbänder, Tafel XXXXV, Nr. 23 und Tafel 
XXXXVI, Nr. 21. Diese bestehen aus den eigentlichen Bändern, den um- 
gebogenen P]isenblechen, welche auf die Thürflügel aufgenagelt wurden, und 
dem Kloben (Angel), der in einem Pfosten oder in der Mauer befestigt war 
und um dessen Dorn das schmal auslaufende Blech als Gewinde gebogen ist, 
sodaß es sich um den Dorn des Klobens drehen kann. Bei Holzbauten 
war ihre Anwendung leicht, der Kloben wurde einfach in den Pfosten ein- 
geschlagen; bei den Steinbauten setzte man Steinbinder ein und verbleite den 
Kloben (Tafel XXXXV, Nr. 31). Da jedoch dieses Verfahren Schwierigkeiten 
verursaclite, auch in schlechtem Mauerwerk nicht von großer Dauer war, half 
man sich an der Saalburg dadurch, daß man in die Thüröffnung ein Thür- 
gestell, aus Pfosten und Deckholz bestehend, einmauerte oder einfach da- 
zwischensetzte, wie es sich aus manchen Bauresten ergiebt; so namentlich 
in den Kellern, wo sich die Schlitze, in denen die Pfosten saßen, erhalten 
liaben. In dieser Weise waren auch die Thore der Haupteingänge an- 
geschlagen, was besonders deutlich noch an der Porta dccumana des Kastells 
«Holzhausen an der Heide» zu bemerken war. An der Saalburg waren die 
Pfosten nicht besonders eingelassen, sondern saßen stumpf an der Leibungs- 
mauer; vergleiche Textfigur 11. 

b. Aufsatzbänder (Taf. XXXXV, Nr. 22, sowie Taf. XXXXVI, Nr. 22); 
sie unterscheiden sich von den vorigen nur dadurch, daß an Stelle des Klobens 
ein durchlochtes Band trat, welches auf den Pfosten aufgenagelt wurde. Beide 
Anschlagsarten gestatteten das Aufgehen der Thüren nach zwei Seiten. Es 
sind solche Bänder gefunden worden, von denen der eine Teil 60 — 70 cm 
lang war, um gleichzeitig die Thür, die aus einzelnen Brettern bestand, zu- 
sammenzuhalten. Die für bessere Gebäude verwendeten Bänder waren reich 
verziert und erinnern an diejenigen der Renaissance. 

c. Einsetzb ander, auch aufgenagelte Bänder (Taf. XXXXV, Nr. 24 
und 25); sie sind den modernen Fischbändern ähnlich und bestehen aus 
Blechlappen, welche zur Aufnahme des an dem Thorpfosten aufgenagelten 
Teils in einen Dorn auslaufen, für welchen der auf das Thürrahmstück be- 
festigte Teil als Hülse gebogen ist. 

d. Angelbänder: Zapfen und Pfanne; beide Vorrichtungen sind ge- 
funden worden. Tafel XXXXV, Nr. 29, zeigt eine eiserne Thorpfanne, ver- 
gleiche Textfigur 14, a; auch kommen solche öfters in Stein, wie an den 
mittelalterlichen Burgen, vor. An der Porta principalis dextra des Kastells 



Heizungeanlagen — Hypokausten. 241 

«Feldberg» ist das wohlerhaltene Angelband erhoben worden (vergleiche 
auch S. 86). 

e. Charnierbänder (Taf. XXXXV, Nr. 26 und Taf. XXXXVI, Nr. 14, 
15 und 16). Von diesen Bändern, die genau den heutigen entsprechen, sind 
in der letzten Zeit verschiedene schöne Exemplare gefunden worden ; sie sind 
den in Pompeji ausgegrabenen ähnlich. Diese Bänder, die aus Bandlappen 
bestehen, die um einen Stift gewunden und zusammengeschweißt sind, 
scheinen, da sie nur in kleinen Abmessungen vorkommen, besonders für 
Schränke, Truhen etc. verwendet worden zu sein; sie konnten aufgenagelt 
(Taf. XXXXV, Nr. 26) und eingeschlagen (Taf. XXXXVI, Nr. 14, 15, IG) 
werden. 

Es würde zu weit führen, alle Einzelheiten der mit vielem Verständnis 
gefertigten Schmiede- und Schlosserarbeiten hier näher zu beleuchten; bei 
der Beschreibung der Geräte und Schlösser soll dies, so weit als möglich, 
noch geschehen. Allgemein sei nur bemerkt, daß Eisentechniker sowohl als 
Schmiede und Schlosser, welche Gelegenheit hatten, die Eisenfundstücke der 
Saalburg zu besichtigen, ihr Erstaunen über die hohe Entwickelung der Eisen- 
technik und die mannigfache Verwendung des vorzüglich bearbeiteten Eisens 
aussprachen und Vieles als nachahmenswert bezeichneten. 



6. Heizungsanlagen — Hypokausten. 

In der kulturgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit war von der 
Verwendung des offenen Feuers, um das sich die Wilden setzen,' bis zur Er- 
findung der Füllöfen und Caloriferen ein weiter Weg zurückzulegen. Einzelne 
Stadien dieser Entwickelung lassen sich auch an der Saalburg verfolgen, da 
sich hier im Soldaten- und Lagerleben neben den bescheidensten Bedürfnissen 
auch verwöhntere Ansprüche geltend machten. Bei der Beschreibung der 
Soldatenhütten (S. 89) wurde bereits der offenen, nur mit Steinen umlegten 
Feuer Erwähnung gethan und an verschiedenen anderen Stellen auf die 
Hypokausten hingewiesen; ihre Einrichtungen sollen hier etwas näher be- 
sprochen werden. 

An der Saalburg haben wir zu unterscheiden : 

1. Ganz offene Feuerungen — Herde (Backöfen). 

2. Ganz geschlossene Feuerungen, Heizungen durch hohle Räume — 
Hypokausten. 

I. Ganz offene Fenerungen oder Herde. 

Offene Feuer dienten vornehmlich zum Kochen und scheiden sich in 
solche, die mit dem Boden in gleicher Höhe liegen, und in solche, die einen 
tischähnlichen Unterbau haben. Diese Feuerungsanlagen waren ursprünglich 
sehr einfach, man begnügte sich damit, Holz auf der bloßen Erde aufzu- 
häufen und anzuzünden; in der Hütte der Pfahlbauern brannte das Feuer 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 16 



242 



Technische P]rgebni8se. 



auf einer Steinplatte. Auch die an der Saalburg sind anfänglich ähnlich 
gewesen und werden sich kaum von den gewöhnlichen Feuerstellen der 
heutigen Waldarbeiter unterschieden haben; erst nach und nach mag eine 
Iksserung eingetreten sein, besonders nachdem diese Feuerungen auch für 
geschlossene Räume zur Anwendung kamen, wobei eigentUche Schornstehie 
fehlten und der Hauch entweder durch die Thür oder eine Dachöffnung abzog 
(Taf. XI, Nr. 2). Die Ausnutzung des Brennmaterials war hierbei selbst- 
redend eine recht unvollkommene. 




"nr. " ~ ■■ W. 

Fig. 36. Offene Feuerstätten, Feuergeräte und Kochgeschirre. 



Auf der Textfigur 36 sind derartige an der Saalburg gefundene Feuer- 
stätten und Heizeinrichtungen perspektivisch dargestellt; sie dienten vorzugs- 
weise zum Kochen der Speisen. Figur I zeigt eine Vorrichtung in Form 
eines offenen Grabens, der mit dreieckigem Querschnitte in den gewachsenen 
Boden eingeschnitten ist und wohl nur zum Kochen im Freien benutzt wurde; 
solche Gräben, auf deren Sohlen das Feuer angelegt war, dürften haupt- 
sächlich in der wärmeren Jahreszeit ihre Dienste geleistet haben. Es sind 
dieselben Einrichtungen, wie sie sich jetzt die Soldaten in den Manövern und 
den Feldzügen anlegen. Die Gräben haben nur eine geringe Breite (20 bis 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 243 

30 cm), um einen Topf oder Teller dazwischen oder darüber stellen zu können 
(Textfig. 36, Nr. 1 und 2), auch mögen manchmal Ziegel- oder Basaltsteine 
als Unterlage für kleineres Kochgeschirr den Graben überdeckt haben. 
Figur II und III sind die gebräuchlichsten Feuer- und Kochplätze, sie sind 
mit hochkantig gestellten, im Boden befestigten Steinen an drei Seiten um- 
schlossen; ihre Abmessungen schwanken zwischen 0,80 — 1,20 m und sind 
teils an den Ecken abgerundet (Fig. II), teils quadratisch (Fig. III). Die 
Herstellungsweise des Feuerbodens ist verschieden ; da das zur Hand liegende 
Steinmaterial (Quarzit) sich zu Unterlagen für das Feuer nicht eignet, sondern, 
besonders bei einer plötzlichen Abkühlung, in Stücke springt, so legte man 
den Boden mit feuerfestem Materiale, entweder Basalt oder Ziegeln, aus. 
Figur III zeigt einen Boden, der regelrecht mit Ziegeln geplättet war, doch 
fanden sich häufiger solche, die mit Lehm ausgestampft sind; sie brannten 
sich allmählich zu einer ziegelartigen Masse, wodurch sie bis jetzt erhalten 
bheben. Die Umstellung des Herdes geschah teils mit kleinen Quarzitplatten 
(Figur II), teils mit Ziegeln (Figur III), die 10—15 cm über den Boden standen, 
um das Übergreifen des Feuers sowie das Herabfallen von Kohlen und 
Asche zu verhindern. An der Seite, von der aus gefeuert und gekocht wurde, 
ist eine vollständig geschlossene Steinsetzung nicht vorhanden, doch mögen 
hier lose hingelegte Steine die Feuerstelle während des Kochens nach dem 
Räume hin abgeschlossen haben. 

Der Herd lag in der Regel, wie sich vielfach gezeigt hat, mit dem 
Boden der Küche oder der als Kochraum benutzten Stube in gleicher Ebene, 
was auch dafür spricht, daß solche Räume nur einen mit Lehm ausge- 
schlagenen Boden hatten ^^^). Daß diese Herde auch nach dem Erlöschen 
des Feuers durch die Erwärmung des Bodens und der das Feuer begrenzen- 
den Steine noch lange eine behagliche Wärme ausstrahlten, ist zweifellos; 
sie dienten daher auch zugleich zur Heizung der Räume. 

Bessere Feuerherde finden wir in den tischähnlich aus 3 — 4 Steinschichten 
gemauerten Unterbauten, Figur IV; das hierzu verwandte Material ist meist 
poröser Basalt; sie befinden sich nicht immer in der Mitte der Räume, son- 
dern auch an den Wänden und erinnern ganz an die mittelalterlichen Ein- 
richtungen, die man noch vielfach in alten Burgen antrifft. In der Küche 
der Villa (Tafel XV, M, a und Schnitt G— H) ist in der nordwesthchen Ecke 
ein derartig eingebauter Herd noch jetzt vorhanden. In den Canabae, deren 
Böden aus Holzgebälken bestanden, scheinen solche Herde mit Unterbau 
üblich gewesen zu sein. 

Auf der Textfigur 36 sind Koch Vorrichtungen, wie man sie sich nach 
den Funden denken kann, rekonstruiert. Die abgebildeten Gefäße und Geräte 
sind zum Teil in der Nähe, zum Teil direkt bei den Feuerstellen, erhoben 
worden; insbesondere sind Nr. 5, 6 und 9 Einrichtungen, die schon vielfach 



198) Bei den nomadisierenden türkischen Zigeunern wird der Boden des Zeltes mit 
einem Lehmschlag geglättet, eine Einfassung von Steinen geschaffen, ebenfalls mit Lehm 
bestrichen und an der Außenseite eine halbrunde Ausbuchtung für das Feuer angelegt. 

16* 



244 Technische Ergebnisse. 

an Iiömerstätten gefunden, jedoch seitlier als anderen Zwecken dienlich er- 
klärt wurden; eine feststehende Bezeichnung für dieselben kenne ich nicht, 
ich möchte sie kurzweg als «Gefäßeinsätze» bezeichnen. Sie sind stets aus 
feuerfestem Material — Basalt und Ziegel — gefertigt und kommen gewöhn- 
lich in kuhischer oder parallelepipedischer Form vor (Nr. 5 und 9); seltener 
sind sie rund (Nr. G). Ihre Maße schwanken zwischen 12 und 20 cm. Die 
meisten derselben haben ein durchgehendes Loch, das konisch nach unten 
und oben ausläuft; dagegen finden sich auch solche, die nach allen Seiten 
durchbrochen sind und deren vier verschieden große Löcher alle trichter- 
förmig in der Mitte zusammenstoßen (Nr. 9); andere haben nur ein konisches 
Einsatzloch. Der Zweck dieser Stein -Untersätze kann nur der gewesen sein, 
den meist spitz zulaufenden Töpfen (Nr. 1 und 8) und Krügelchen (Nr. 5 
und 10) einen sicheren Stand am Feuer zu geben; auch ihr verbranntes 
Aussehen zeigt deutlich, daß sie am Feuer Verwendung gefunden haben und 
wohl hauptsächlich beim Kochen dienten; man könnte sie daher auch als 
«Kochsteine» bezeichnen '^^). Nr. 9 giebt ein schematisches Bild einer Koch- 
eiurichtung, wie man sich dieselbe wohl vorstellen kann. Der Basalt hält 
lange die Hitze, die Speisen konnten daher nach dem Erlöschen des Feuers 
noch lange warm erhalten werden. Auch ist es wahrscheinlich, daß diese 
einmal heiß gewordenen Gefäßuntersätze nicht allein am Feuerherd vet- 
blieben, sondern auch dahin gebracht wurden, wo die Leute ihre Speisen 
einnahmen. Ein aus Thon hergestellter, 19 cm hoher Gefäßuntersatz (Nr. 7), 
der zwar in der Ausführung roh ist, doch in der Form eine gewisse Eleganz 
verrät, hat nicht allein denselben Zweck gehabt, sondern konnte auch als 
eine Art transportabler Herd benutzt werden, in dessen Innerem man Holz- 
kohlenfeuer unterhielt, das sich in einer Schale von Blech oder auf einem 
flachen Steine befand; auf diese Weise war man in der Lage, auch in der 
heißen Jahreszeit sehr rasch Speisen kochen oder erwärmen zu können. In 
der Form erinnert diese ^Einrichtung an die im Orient so beliebten Holzunter- 
sätze, worauf die Orientalen Kaffee etc. zu servieren pflegen. Obgleich die 
schöne Form und die absichtlich angebrachten Verzierungen des Untersatzes 
für den Gebrauch desselben im Haushalte sprechen, so könnte er doch auch 
zu technischen Zwecken gedient haben, vielleicht als Schmelz- oder Lötofen; 
durch die Öffnungen (Schlitze) konnte dem Holzkohlenfeuer Luft zugeführt 
und durch Anwendung des Blasebalgs starke Glühhitze erzeugt werden, 
während in der konischen Öffnung der Schmelztiegel einen sicheren Stand 
hatte. AhnHche Einrichtungen, jedoch aus Eisen, verwenden heute noch die 
Klempner. 

Auf Textfigur 3G sind, abgesehen von den Herden, Geräte zusammen- 
gestellt, die zum Feuern und Kochen gehören. Nr. 3: ein Schüreisen mit 
Haken und Schlaufe; Nr. 4: ein 70 cm langes Feuerschippchen (Feuerschaufel), 



'»») Ungarische Zigeuner sollen solche Steine, bei denen gleichzeitig von beiden 
Seiten Luft zugeführt wird, noch verwenden. 



Heizungsanlagen — Hypokaueten. 245 

sauber und in schöner Form geschmiedet, mit beweghchem Ringe zum Auf- 
hängen; Nr. 12: ein eiserner Rost zum Braten des Fleisches oder zum Auf- 
stellen von Kochtöpfen, vergl. Tafel XXXVI, Nr. 18^''*'). Roste in unserem 
Sinne, d. h. einzelne in entsprechenden Zwischenräumen parallel nebenein- 
ander gelegte eiserne Stäbe, die in der Regel in die Feuerherde fest ein- 
gemauert werden, um dem Brenn materiale als Unterlage zu dienen und 
dem Feuer Luft zuzuführen, scheinen die Römer für solche Zwecke nicht 
gekannt zu haben. Die vielen an der Saal bürg gefundenen eisernen Rost- 
stäbe rühren von Bratrosten her oder waren als Auflager zum Braten oder 
Kochen verwendet. Zu Letzterem wurden auch eiserne Dreifüße benutzt, die 
entweder mit einem dreieckigen (Nr. 14) oder mit einem ringförmigen Auf- 
lager (Nr. 16) versehen waren. Eine viel zur Anwendung gekommene Koch- 
weise mit hängendem Topf veranschaulicht Figur III, Nr. 13. Ein Bronze- 
kessel hängt an einer eisernen Kette, die an der Decke oder einer sonstigen 
Vorrichtung befestigt war. Zu dieser Darstellung ist der im Brunnen Nr. 39 
ausgegrabene, schön erhaltene, größtenteils aus Kupfer bestehende Kessel als 
Vorbild genommen worden (Größe des Kessels 25 cm Durchmesser und 17 cm 
Höhe). Der Kessel findet sich auch in geschlossenen Wohnräumen an der 
Decke hängend wieder; er ist in vielen Gegenden bis auf den heutigen Tag 
der Mittelpunkt der Bauernhäuser geblieben. 

Die Thongefäße, Krügelchen, Teller und Töpfe, zeigen die gewöhnlichen 
an der Saalburg vorkommenden Formen, wie sie wohl im zweiten Jahrhundert 
dort gebräuchlich waren. Nr. 11 stellt eine Schale und Nr. 15 eine Kasserole 
aus Bronze dar; letztere eignete sich ihres langen Stieles wegen besonders 
gut zum Kochen an offenen Feuerungen. 



II. Ganz geschlossene Fenernngen — Hypokausten. 

Während die vorher besprochenen, ganz offenen Feuerungen die Heizung 
durch direkte Ausstrahlung der Wärme aus den Brennmaterialien bewirkten, 
geschieht diese bei den Hypokausten indirekt durch hohle Räume, die mit 
ihren Pfeilern und Kacheln erwärmt werden und einen Teil der Wärme nach 
oben abgeben. Bei dieser Heizung geht allerdings Wärme verloren, aber 
sie hat doch den großen Vorteil, daß der Rauch und die bei der Verbrennung 
entstehenden Gase besonders abgeleitet werden, und daß dadurch die Luft 
in den Zimmern nicht verdorben wird. Bei der Anlage der Hypokausten an 
der Saalburg, die nur für bessere Wohnräume zur Verwendung kamen, scheint 
man nach Allem, was sich aus dem Vorgefundenen ersehen läßt, dieses Prinzip 
verfolgt und einen direkten Rauchabzug geplant zu haben. Ich will daher, 
ehe ich zur Einzelbeschreibung der Hypokausten übergehe, die Anlage der 
Schornsteine vorwegnehmen. Dieselbe gilt vielfach noch als eine offene 
Frage und die Meinungen über sie sind noch sehr geteilt. Im Jahre 1890 



200) Siehe auch Bonner Jahrbücher, Heft LXXXVI, Tafel 5, Nr. 12. 



246 Technische Ergebnisse. 

habe ich darüber einen Aufsatz^"') veröffenÜicht und darin zu beweisen ge- 
sucht, daß die Römer für ihre Bäder und feineren Wohnhäuser Kauchabzüge 
hatten. Die darauf bezügliche Stelle lautet: 

«In dem Pfahlgrabenkastell Saalburg und den dabei liegenden römischen Nieder- 
lassungen wurden eine größere Anzahl Hypokausten aufgedeckt, von denen die meisten 
zur Erwilrmung von Wohnrilumen und nur wenige zur Heizung von Bildern bestimmt 
waren. Aber alle diese Einrichtungen sind in den oberen Teilen zerstört und geben 
keine sichere Auskunft über den Rauchabzug; auch Vitruv läßt uns über die Anlage 
von Schornsteinen im Dunkeln. Es sind die verschiedensten Ansichten über diesen 
Punkt aufgestellt und Einige haben sogar die Vermutung ausgesprochen, daß die Römer, 
an oifenes Kohlenfeuer gewöhnt, unempfindlich gegen den Rauch gewesen seien, der 
Rauch sich wahrscheinlich aus den hohlen Wänden oder Röhren in die Bade- und 
Wohnräume verbreitet und in einer Thür- oder Fensteröffnung einen Ausgang ins 
Freie gefunden habe. Zugegeben nun, daß Ähnliches in Räumen von untergeordneter 
Bedeutung, als Küchen und dergleichen, der Fall gewesen ist, so konnten wir uns 
doch selbst bei Holzkohlenfeuerung niemals mit dem Gedanken befreunden, daß eine 
solche Einrichtung für i-eich gemalte und elegant ausgestattete Räume die Regel ge- 
wesen sei, zumal bei dem verwöhnten und verfeinerten Geschmack eines nebenbei 
technisch durchgebildeten Volkes. Es hat sich denn auch in der That gezeigt, daß in 
Pompeji in den Bäderheizungen Schornsteine in unserem Sinne im Gebrauch waren. 
Zwei solcher Röhren finden sich im Caldarium des sogenannten Frauenbades der 
Stabianer Thermen ; sie münden an der dem Feuerungsraum gegenüberliegenden Mauer 
und führen den Rauch, nachdem er die hohlen Zwischenräume der Wände, den Boden 
und die Decke erwärmt hat, ins Freie. Das 20 cm im Lichten messende runde Thon- 
rohr geht nicht senkrecht über das Dach, sondern ist über dem Scheitel des Gewölbes, 
d. h. zwischen demselben und der Dachdeckung seitlich angebracht und ragt einige 
Centimeter aus der Mauer hervor. Es fanden sich auch an den noch mit Stuck er- 
haltenen Wänden nirgends Spuren von Öffnungen, wodurch der Rauch in den Bade- 
raum selbst hätte eintreten können. 

Bei Küchenanlagen mit offenen Feuerungen in Pompeji geht der Rauch, wie 
oben gesagt, in den Raum selbst, steigt bis zur Decke oder bis zum Dach, 
woselbst er entweder seitlich durch Öffnungen oder durch Schornsteinaufsätze 
entweicht. 

Auch bei gewerblichen Anlagen in Pompeji finden sich regelrechte Schornstein- 
konstruktionen, insbesondere sei hier auf eine Kesselfeuerung in der Via undedma 
Nr. 17, Reg. VII, Ins. XII, hingewiesen, bei welcher der Schornstein, wie heute noch 
üblich, angelegt und in die Wand eingemauert ist, jedoch mit dem Unterschiede, daß 
das Rohr nicht über das Dach geht, sondern in einer gewissen Höhe des Raumes auf- 
hört und der Rauch an der Decke durch eine Öffnung abgeführt wird. Erwähnens- 
wert ist noch, daß die oben beschriebenen Rauchabzugsröhren im Inneren mit Stuck 
überzogen sind, um die Reibung des durchziehenden Rauches zu venneiden. In der- 
selben Weise und auch wohl aus demselben Grunde sind die Ziegelpfeiler und Wände 
in den Heizungen anderer Bäder glatt verputzt.» 



*"') L. Jacobi, Über Schornsteinanlagen und eine Badecinrichtung im Frauenbad der 
.Stabianer Thermen in Pompeji, erschienen in dem Buche: Der Griechische Tempel in 
Pompeji von F. von Duhn und L. Jacobi, Heidelberg, Carl Winter's Universitätsbuchhand- 
lung, 1890. 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 247 

Auch die seit jener Zeit erfolgten weiteren Aufgrabungen an der Saalburg 
und an anderen Limeskastellen haben bestätigt, daß die Hypokausten Raucli- 
abzüge hatten. Ob diese über das Dach und durch Dachluken, die in Pompeji 
sich bei Ziegeldächern vielfach fanden ^^^), gingen, oder in den Dachraum 
mündeten, ist bei den nur in geringer Höhe erhaltenen Mauern nicht fest- 
zustellen; es ist auch zur Beurteilung der Sache selbst gleichgiltig, da sicher 
ist, daß Rauchröhren über den Fußboden gehen und in den Zimmerwänden, 
so hoch diese eben hervorragten, aufwärts steigen. Die römischen Heizungen 
hatten, soweit ersichtlich, nicht (wie jetzt üblich) einen Schornstein mit großem 
Querschnitt, der nach den zu fordernden Leistungen zu berechnen ist, sondern 
es wurden immer mehrere Rauchröhren aus den schon auf Seite 200 be- 
sprochenen Thonkacheln entweder einzeln oder nebeneinander aufgestellt und 
eingemauert. 

Eine vergleichende Berechnung hat ergeben, daß die Summe der Quer- 
schnitte der Kacheln einen lichten Raum ergiebt, der zur guten Funktionierung 
einer entsprechenden Heizung notwendig erscheint. Dieses sowie die That- 
sache, daß die uns erhaltenen, mit Hypokausten geheizten und manchmal 
reich gemalten Räume nicbt durch Rauch geschwärzt waren, beweist, daß sie 
genügend mit Rauchabzügen versehen gewesen sein müssen. Im Verlaufe 
dieser Beschreibung, der ich einiges Allgemeine vorausschicke, soll auf die 
Einzelheiten dieser Anlagen noch zurückgekommen werden. 

Die Hypokausten bestehen aus einem Herd oder Feuerraum (praefurnmni), 
in dem das Feuer angezündet ist, und von dem aus die heiße Luft unter 
dem Fußboden des zu heizenden Raumes hinzieht und durch Heizröhren in 
den Wänden nach oben entweicht. In den meisten Fällen liegt der Herd 
neben oder vor dem Gemache, dessen Fußboden, aus Ziegelplatten und Estrich 
bestehend, auf 0,60 bis 1,15 m hohen Ziegelpfeilerchen ruht, zwischen denen 
sich die Feuergase ausbreiten können; in anderen Fällen ziehen dieselben 
nur durch Kanäle, welche in verschiedenen Richtungen unter den Fußböden 
angebracht sind. Diese Ziegelpfeiler bestehen bei uns aus zahlreichen auf- 
einandergesetzten quadratischen Plattenziegeln. Runde Ziegel, die auch dazu 
verwendet wurden und eine leichtere Bewegung der Rauchgase ermöglichten, 
haben sich an der Saalburg nur in wenigen Exemplaren gefunden. Für den 
Abzug der Gase und des Rauches ist, wie schon oben gesagt, durch Schorn- 
steine gesorgt; dazu dienten hauptsächlich Thonkacheln mit rechtwinkligem 
Querschnitt von 6\/2/10, 6^2/13, 10/14, 13/13 und 9/19 cm. Textfigur 26 
zeigt uns eine Auswahl der verschiedensten Formen und Größen (vergl. auch 
Tafel XIX). Diese Röhren sind stumpf aufeinandergesetzt und entweder als 
einzelne Kamine in den Ecken oder aber in größerer Anzahl nebeneinander- 
stehend in den Wänden des zu heizenden Raumes eingebaut; sie waren in 
der Regel mit Verputz überzogen, der die Farbe des Zimmers bekam, sodaß 
sie sich von außen nicht bemerklich machten. 



802) Vergl. Durm, Die Baukunst der Römer, Darmstadt 1885, Seite 220. 



248 Technische Ergebuisse. 

Die aufsteigenden Heizkanäle mit ihrem kleinen Querschnitte hätten 
sich durch den starken Rauch und Kuß, den eine Holzfeuerung entwickelt, 
hald verstopfen müssen ; da die Kacheln jedoch in den seltensten Fällen einen 
kleinen Ruß-Ansatz zeigten und Glanzruß, der bei dem dort wohl meistens 
gebrannten Buchenholz unvermeidlich gewesen wäre, nicht gefunden wurde, 
so ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß die Feuerung nicht lediglich 
mittels Holz, sondern hauptsächlich mit Holzkohlen geschah, die keinen Ruß 
absetzen. Auch die Präfurnien, die oftmals sehr klein sind, sprechen für 
Holzkohlenfeuerung; an den Kreuzheizungen sind sie so eng, daß eine Feue- 
rung mit Holz vollständig ausgeschlossen ist. 

Daß die Römer Holzkohlen zu brennen verstanden, wissen wir aus den 
römischen Kohlenmeilern, die sich dem Pfahlgraben entlang finden, und aus 
den wirklichen Holzkohlen, die nicht von Schaden- oder Kochfeuern herrühren 
können, sondern in Kohlenmeilern gebrannt sein müssen; sie wurden in den 
Hypokausten selbst, wie auch sonst an der Saalburg, gefunden; auch mögen 
sie für offene Stubenfeuer verwandt worden sein und dem Metallarbeiter zum 
Schmelzen und Schmieden gedient haben. Man war im Altertum bemüht, rauch- 
freies Feuer, vornehmlich für die Dreifüße und Kohlenbecken, zu schaffen; es 
sind uns darüber Mitteilungen von verschiedenen alten Schriftstellern erhalten. 
Theophrastus spricht von einer Methode, das Holz rauchfrei zu machen, doch 
war das gänzliche Verkohlen des Holzes, über welches auch Plinnts schreibt, 
weitaus das beste Mittel, den Rauch aus den Zimmern zu verbannen, wo- 
durch auch, wie Horaz in einer seiner Oden sagt, die thränenreichen Abende 
am häuslichen Herde vermieden würden. In Italien hat man schon früh- 
zeitig Holzkohlen im Großen produziert; es wird mehrfach berichtet, daß 
sie in Herkulanum und Pompeji ein gebräuchlicher Handelsartikel waren. 
Im Taunus mit seinen holzreichen Beständen mag es ähnlich gewesen und 
daselbst ein reger Handel mit Holzkohlen nach den Flußgebieten hin betrieben 
worden sein; wenigstens lassen sich nur so die vielen römischen Kohlen- 
meiler im Hochtaunus erklären. 

Die Kunst, Hypokausten herzustellen, haben die Römer selbstredend 
aus ihrer Heimat mitgebracht; sie waren dort schon lange im Gebrauch, doch 
dienten sie hauptsächlich zum Wärmen des Badewassers sowie zur Herstellung 
von Schwitzbädern und weniger für die Heizung der Wohnräume. Es scheint, 
daß die unterirdischen Heizungen nach dieser Richtung hin erst diesseits der 
Alpen, schon des kälteren Klimas wegen, weiter ausgebildet wurden. Einige 
derselben sind mit Kachelöfen zu vergleichen, da die in die Böden und 
Wände eingebauten Kacheln nach ihrer Erwärmung nur durch diese ihre 
Wärme nach den Wohnräumen ausstrahlten und verbreiteten. Weitaus die 
größte Zahl hat außer dieser Einrichtung noch Heizröhren in den Ecken, die 
nicht weiter in den Wänden aufsteigen, sondern mit dem Fußboden ab- 
schließen und sich nach den Gemächern öffnen. Diese Mündungen konnten 
mit einer verschiebbaren Stein- oder Thonplatte geschlossen werden, und zwar 
geschah dies, so lange das Feuer im Gange war. Nachdem die Pfeiler und 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 249 

Umschließungen des Hypokaustum unter dem Fußboden gehörig durchgUiht 
und die Kohlen im Fraefnrnium erloschen waren, ließ man kühle Luft durch- 
ziehen, die sich rasch erwärmte und durch jene geöffneten Mündungen in 
die Wohnräume eintrat. 

Diese Art der Heizung gleicht ganz derjenigen, welche die deutschen 
Ritter in Marienburg ^^^) eingerichtet hatten. Das Feuer durchglühte dort 
zuerst in einem unterirdischen Räume eine locker aufgeschichtete Masse von 
Gi-anitblöcken; nachdem diese dann heiß genug geworden waren, ließ man 
das Feuer erlöschen, schloß die Schüröffnung und leitete die kalte Luft durch 
jenen heißen Raum sowie durch die Mauerkanäle in die zu erwärmenden 
Gemächer, in welchen man durch Schieber den Zutritt der warmen Luft 
regulieren konnte; die Wärme hielt dort, wie Versuche ergaben, wochenlang 
an, ohne einer neuen Feuerung zu bedürfen. In gleicher Weise werden auch 
in den römischen Hypokausten die Pfeiler und die Masse des erwärmten 
Mauerwerks gewirkt haben; ja w^enn man die Konstruktion und die Dicke 
des Estrichs betrachtet, der auf den Pfeilern ruht, so spricht sich darin die 
Absicht aus, demselben möglichst geringe Leitungsfähigkeit für die Wärme 
zu geben und ihn als dauernden Wärmebehälter herzustellen. Nicht nur, 
daß er eine Dicke von 15, 20, 30, ja selbst 50 cm hat, ist er auch öfters 
durch hohle Einlagen zu einem schlechten Wärmeleiter gemacht worden. In 
einem in Baden-Baden aufgedeckten Hypokaustum fanden sich in dem Estrich 
cylindrische Hohlziegel eingebaut, die entsprechende Hohlräume bildeten; 
Ahnliches ist auch in Groß-Pöchlar^*'^) nachgewiesen worden. Die Verwendung 
der Hypokausten reicht noch weit ins Mittelalter hinein; so haben sich im 
Kloster Maulbronn wie in der Abtei de Park (bei Löwen) Reste von solchen 
erhalten. 

Nachdem im Vorstehenden allgemein der Zweck der Feuerungsanlagen 
dargelegt ist, gehe ich zur Einzelbeschreibung der an der Saalburg auf- 
gedeckten und noch einigermaßen erhaltenen Hypokausten über. Diejenigen 
Reste aber, die kaum dazu beitragen werden, unsere Kenntnisse zu bereichern, 
sollen unberücksichtigt bleiben. 

Außer den geometrischen Darstellungen auf den Tafeln VIII, XIV, XV, 
2^Yjpo5j yjj^j XIX habe ich versucht, in den Textfiguren 37 bis 39 einige 
charakteristische Hypokausten in perspektivischer Zeichnung wiederzugeben 
und zwar in der Meinung, daß sich mit Hülfe einer, selbst weniger guten 
Zeichnung der Leser leichter als durch die umfassendste Beschreibung zu- 
rechtfinden kann. Zunächst will ich die bis jetzt in der Bürgerlichen Nieder- 
lassung aufgedeckten Hypokausten behandeln und dann die des Kastells 
anschließen. 



203) Vergl. Die mittelalterlichen Heizvorrichtungen im Ordenshause Marienburg. Zeit- 
schrift für Bauwesen, Berlin 1870. 

204j Vergl. Mittheilungen der k. k. Centralkommission in Wien, 1857. 

2«^) Durch ein Versehen sind die Figuren dieser Tafel im V^erhältnis von 1 : 200, 
anstatt 1 : 100, hergestellt. 



250 



Technische Ergebnisse. 



H y p o k a u s t e 11 der Bürgerlichen Niederlassung. 

In dem auf Seite 125 besprochenen Langbau sind bereits drei Boden- 
heizungen erwähnt, von denen eine gut erhalten und vollkommen ausgebildet 
ist; sie kann daher als Muster eines Pfeilor-Hypokaustum gelten und soll 
deswegen unter Zugrundelegung der geometrischen Zeichnungen (Tafel XIV, 
XVII, XIX) und der perspektivischen Ansicht (Textfig. 37) hier ausführlich 
besprochen werden. 






^XV>: 




Fig. 37. Pfeiler- Hypokaustum in der Bürgerlichen Niederlassung. 



oDWi» iimi,cJiiUBT. 



1. Wie schon S. 109 bemerkt, war diese Heizung durch einen späteren 
Überbau verdeckt und gehörte demnach einer früheren Zeit an ; sie hat auch 
mehrfache Ausbesserungen, wie sie an vielen Bauten der Saalburg vor- 
kommen, erfahren, doch zeigt ihre Konstruktion, daß sie einheitlich her- 
gestellt war. Die Anlage erregt durch verschiedene Erscheinungen, die an 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 251 

anderen derartigen Bauten nicht in so ausgeprägter Form vorkommen, unser 
Interesse, nämlich: 

1. durch die Eisenblöcke, die das Feuerloch bilden; 

2. durch eine seitliche Luftzuführung; 

3. durch einen in der Mauer befindlichen Kamin; 

4. durch einen Einsteigschacht im Estrichboden, und 

5. durch zusammengestellte, aus Heizkacheln gebildete Pfeiler, welche 
den Fußboden tragen. 

Von dem Bau (Textfigur 37) 1,50 m abgerückt, liegt der 1,30 auf 1,40 m 
große und 0,80 m tief in den Boden versenkte Vorraum (praefurnium) A, zu 
welchem zwei 27 cm hohe Stufen hinabführen. Gegenüber öffnet sich das 
Feuerloch a b c, 36 cm hoch und 18 — 20 cm breit; es ist aus drei schmied- 
eisernen Blöcken (Tafel XXXX VII, Nr. 7 und 7 a) und einer Basalt-Fußplatte 
zusammengesetzt; die ersteren sind 37, 45 und 50 cm lang und mögen alle 
etwa 25 : 25 cm dick gewesen sein, sind aber durch die Einwirkung der Hitze 
bei der schlechten Zusammenschweißung der Masse abgebröckelt und in 
ihrer Stärke verringert worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen sie 
von großen Eisenblöcken, wie solche S. 237 erwähnt und als Amboße be- 
zeichnet sind (Tafel XXXXVII, Nr. 1 — 5), deren Bruchstücke dann von den 
Römern in dieser Weise benutzt wurden. 

Nach diesem Feuerloch a b c folgen zwei elliptisch ausgebauchte back- 
ofenförmige Erweiterungen (auf Textfigur 37 punktiert dargestellt und mit 
k l bezeichnet), deren eine noch außerhalb des Gebäudes liegt und mit großen 
Basaltsteinen und Erde überdeckt ist. In diesem Räume, den der Handwerker 
auch «Wolf» nennt, waren die Holzkohlen aufgeschüttet und entzündet. Man 
erkennt aus dieser Vorrichtung das Bemühen der Römer, die strahlende Glut 
der Kohlen von den Ziegelpfeilern, die dadurch gelitten hätten, entfernt zu 
halten und nur die heißen Gase sich zwischen ihnen verbreiten zu lassen. 

Der untere Boden des Heizraumes steigt vom Schürloch bis zu den 
gegenüberliegenden Rauchabzügen; diese Steigung haben alle — Kanal- wie 
Bodenheizungen — gemeinsam. Vitruv (V, 10, 2) sagt schon, daß der untere 
Ziegelplatten boden — bei uns besteht derselbe aus Estrich — so angelegt 
werden müsse, «daß ein dort geworfener Ball nicht innerhalb des Raumes 
liegen bleiben kann, sondern von selbst wieder zur Ofenmünduug zurückrollt, 
sodaß die Flamme leichter unter dem schwebenden Boden herumstreichen 
kann». Dieses Prinzip wird bei Anlage von Centralheizungen auch jetzt noch 
befolgt. Das eigentliche Hypokaustum besteht aus 6 mal 8 Pfeilern, wobei 
einige Untermauerungen, die aus dem Plane (Tafel XVII) ersehen werden 
können, nicht eingerechnet sind. Die Pfeiler haben eine durchschnittliche 
Höhe von 74 cm und bestehen außer einer quadratischen, 30 cm großen und 
5 cm dicken Fußplatte und einer gleichen Kopfplatte aus zwölf Ziegeln von 
20 : 26 cm Seitenlänge und 5 cm Dicke ^*^*^), doch sind auch einzelne derselben 

2"") Die Größe und Pierstellung unserer Hypokausten - Pfeiler stimmen genau mit 
den Angaben Vitrms überein, er sagt darüber V, 10, 2: «Man führe aus achtzölligen 



252 Technische Ergebnisse. 

aus kleineren Ziegeln, wie aus Ziegelbruchstücken zusammengesetzt. Die 
merkwürdigsten Pfeiler sind aber die, welche am nördlichsten Ende (mit m 
bezeichnet) in einer Gruppe von neun Stück stehen. Sie wurden scheinbar 
als Ersatz für regelrechte Ziegelpfeiler, zu welchen vielleicht nicht gejiügend 
Material zur Stelle war, und welches, wie schon bei den Ziegeln (S. 191) angeführt 
wurde, von entlegeneren Ziegelöfen beschafft werden mußte, aus aufrecht 
stehenden Heizröhren zusammengestellt. Sie sind mit Backsteinbrocken und 
Mörtel ausgefüllt und außer durch Fuß- und Kopfplatte noch durch einige 
Ziegel erhöht, um das gleiche Niveau mit den anderen zu bekommen (vergl. 
hierzu die Details auf Tafel XIX, Nr. 10 und 11). Von Pfeiler zu Pfeiler, 
die etwa 25 — 35 cm weit auseinanderstehen, liegen 50 — GO cm große und 
5 cm dicke Ziegelplatten, Ihre Oberfläche ist meist mit den schon öfters be- 
sprochenen Riefelungen versehen, um dem Estrich, der hier 15 cm stark ist, 
einen festen Halt zu geben. Er überzieht den ganzen Boden und hat nur 
bei h i ein 50 : 50 cm großes Einsteigeloch, in welchem eine ebenso große 
Sandsteinplatte lag, welche in der Mitte mit einem Loch versehen ist, durch 
welches man einen Knebel mit Seil zum Aufheben derselben stecken konnte. 
Diese Einsteigöffnung hatte sicherlich nur den Zweck, Reinigungen, vielleicht 
auch Reparaturen bequemer vornehmen zu können. Die Platte wurde nach 
Beendigung derselben wieder eingesetzt und mit Lehm oder Mörtel verschmiert. 
Rings um den Heizraum zieht ein Kanal, der wegen des Vorsprungs am 
Mauersockel einen anderen Querschnitt hat als die Zwischenräume der Pfeiler. 
Aus ihm steigen sieben mit Ziegeln umkleidete Röhren (r) auf, von denen 
fünf einen Querschnitt von 14: 14 cm und die zwei in den hinteren Ecken 
einen solchen von 1 4 : 24 cm haben. Diese Kacheln standen nur wenig über 
der Estrichoberfläche hervor, und die heißen Gase konnten durch deren Off"- 
nungen unmittelbar in den Wohnraum ausströmen. Der in die Wand ein- 
gebaute, oben schon als Kamin erwähnte Schacht (f g) ist durch eine Zunge 
in zwei Abteilungen getrennt und noch einen Meter hoch in der Mauer er- 
halten; er scheint durch diese bis nach dem Dache oder über dasselbe hinaus 
geführt gewesen zu sein. Als Rauchabzug kann dieser Kamin kaum gedient 
haben; dazu waren die vor der hinteren Wand nebeneinander aufgesetzten 
sechs Kacheln (n) bestimmt, die auch folgerichtig der Einfeuerung gegen- 
überstehen. Der besagte aufsteigende, gekuppelte Kamin aber, der direkt 
über dem Boden eine Öffnung hat, kann meines Erachtcns nur den Zweck 
gehabt haben, einerseits die am Boden niedergegangene schlechte, andererseits 
bei einer etwaigen Überheizung des Bodens die verbrauchte Luft aufzusaugen 
und den Raum zu ventilieren. 



Ziegeln Pfeiler auf, die so angeordnet sind, daß zweifüßige Ziegelplatten darüber gelegt 
werden können; die Pfeiler aber sollen zwei Fuß Höhe haben und mit Thon, der mit 
Haaren geknetet ist, aufgemauert sein; darüber lege man zweifüßige Ziegel platten, welche 
den Estrich tragen». 

Die Mischung von Lehm und Kuhhaaren wird auch heute nocli bei der Zusammen- 
setzung unserer Öfen vorgenommen, weil durch die Beimischung der Haare das Reißen 
des Lehms verhindert wird. 



Heiziingsanlagen — Hypokausten. 253 

Eine andere Einrichtung, die mit Ziegelplatten verkleidete Öffnung (u), 
giebt uns bei diesem Hypokaustum einen weiteren Anhalt dafür, daß die 
römischen Heizungen eine ganz vorzügliche Ventilation hatten, eine Einrichtung, 
die unbedingt nötig war, sollten die unterirdischen Heizungen ihren Zweck 
ganz erfüllen, und die, wie festgestellt wurde, auch an allen größeren Anlagen, 
vornehmlich an der Villa (Tafel XV), vorhanden ist. Diese Ventilation ent- 
spricht ganz unseren modernen Anordnungen, die bei den Caloriferen üblich 
sind ; es wird daselbst dem Räume, in welchem durch eiserne Ofen die Hitze 
erzeugt und aufgespeichert ist, von außen durch einen besonderen, sogenannten 
«kalten Luftkanab^ frische Luft zugeführt, die, erwärmt, immer wieder durch 
das Einströmen von kalter Luft nach oben gedrängt und in die mit Klappen 
versehenen Offnungen der zu heizenden Räume mit einem gewissen Druck 
ausmündet. Auf diese Weise werden die Wohnungen nicht allein erwärmt, 
sondern auch ventiliert. Genau nach demselben Prinzipe waren die römischen 
Hypokausten angelegt, nur war die Erwärnmng des Heizraumes eine bessere, 
da dieselbe mittels Ziegel oder Steinpfeiler bewirkt wurde und nicht, wie 
es jetzt geschieht, durch eiserne Platten und Röhi'en, die bei einer zu 
starken Feuerung leicht überhitzt werden, sodaß die Luft verdorben wird. 
Bei den Ziegel- und Estrichböden war dies weniger der Fall, doch konnten 
auch diese bei übermäßigem Heizen und bei plötzlichem Eintritt wärmeren 
Wetters zu heiß werden, was verhütet werden mußte. Dieser Zweck wurde, 
wie es scheint, dadurch erreicht, daß durch die oben erwähnte Öffnung d e 
dem Hypokaustum frische Luft zugeführt wurde, die bald eine Abkühlung 
bewirken mußte. Auch ist anzunehmen, daß nach dem Erlöschen des Feuers 
das Schürloch zur Einführung frischer Luft diente, wie bei den einfacheren 
Kanalheizungen, wo der kalte Luftzug fehlt. Daß die Zuführung frischer 
Luft überhaupt für gute Funktionierung der römischen Bodenheizungen er- 
forderlich war, ist sicher. Mit welcher Vorsicht und Sachkenntnis die Römer 
dafür sorgten, zeigt die Einrichtung unseres Hypokaustum und diejenige der 
Villa (Tafel XV, Z und D). So suchte man beispielsweise eine direkte Ein- 
strömung der Luft von außen zu vermeiden, indem man diese durch eine 
Kammer und einen Kanal nach dem Heizraume führte (Textfigur 37), aber 
hier den Zug durch eine bei q angegebene Zumauerung einschränkte, der 
einströmenden Luft, wie durch Pfeile angedeutet ist, einen Umweg anwies 
und ihr dadurch ein Hindernis entgegensetzte. Die Luftöffnungen, wie die 
Schürlöcher, waren verschließbar; an der Saalburg benutzte man dazu Ziegel- 
oder Steinplatten, in Pompeji haben sich eiserne Schieber, manchmal auch 
Thüren, die mit Klobenbändern augeschlagen waren, gefunden. 

Die besprochene Heizung hat den Vorzug, daß sie durch die vor die 
Mauer gestellten und mit Putz überzogenen Kacheln mit dünnen Wandungen, 
die unter sich durch seitliche Öffnungen verbunden waren und als Rauch- 
abzüge (Schornsteine) dienten, ebenso wie unsere Ofenröhren eine rasche Er- 
wärmung des Zimmers herbeiführte; durch die Ziegelpfeiler und den den 
ganzen Raum überspannenden Estrich wurde die Wärme lange gleichmäßig 



254 Technische Ergebnisse. 

erhalten ^*'^); durcli die in denselben eingemauerten und nur wenig über den 
Boden vorstehenden Kacheln (r) war man in der Lage, nach Erlöschen des 
Feuers je nach Erfordernis Wärme zuzulassen; durch die Zuführung kalter Luft, 
die direkt durch den Schacht (u) und indirekt durch die Kachelöftnungcn (r) 
zu bewirken war, konnte die Temperatur jederzeit reguliert werden. Es steht 
daher wohl außer Frage, daß ein solches Hypokaustum, wie überhaupt alle 
-derartigen Anlagen — genau wie unsere modernen Caloriferen — auch in 
heißer Jahreszeit für die Zuführung frischer Luft, d. h. für die Ventilation, 
benutzt werden konnten. 

2. In der Verlängerung des vorbeschriebenen heizbaren Raumes und 
unter demselben Dache liegt ein 2,40 m langes und 5 m breites Gemach 
(Tafel XIV, Fig. I, b), in welchem der Feuerkasten eingesenkt ist, und welches 
vielleicht außer dem schon besprochenen Zwecke einer Luftzuführung auch 
als Fraefurninm für das Zimmer a, das nur durch Feuerkanäle geheizt war, 
gedient hat. 

3. Auf der gegenüberliegenden Ostseite, zu demselben Bau gehörig, 
liegt eine strahlenförmige Kanalheizung (d), die an der Nordseite den Feuer- 
herd mit einer noch erhaltenen Lehmsteinmauer (Tafel XVIII, Nr. 6, 6 a und 
Gb), welche durch das Ofenfeuer allmählich ziegelartig gebrannt wurde, nach 
einer Seite hin abschloß. Das System solcher Kanalheizuugen wird bei den 
Hypokausten des Kastells, wo sich einige noch in gutem Zustande befinden, 
näher dargelegt werden. 

4. Wenige Meter nördlich vor letzteren Räumen, doch noch in der Um- 
schließung des S. 125 beschriebenen Baues, sind Reste von Heizkanälen ge- 
funden worden, die in ihrem Mittelpunkte in eine quadratische Kammer zu- 
sammenlaufen (Tafel XIV, Fig. I, f); an der nördlichen Wand des Gemaches 
waren noch elf nebeneinanderstehende Heizröhren eingemauert. 

5. Die zunächst hieran grenzende Villa war mit Ausnahme der Vorhalle, 
des Bades und der Küche mit Pfeilerhypokausten versehen. Hahel, der sie 
185G aufgedeckt hat, fand die Heizungen sehr zerstört, da die Bauern der 
Umgegend die für sie sonst schwer zu beschaffenden Ziegelplatten zum Be- 
legen ihrer Hausfluren und zum Bau ihrer Backöfen gut brauchen konnten, 
sie deshalb in den letzten Jahrhunderten geraubt und dabei die für uns so 
wichtigen Einrichtungen vollständig zerstört hatten. Indes gelang es Hahel 
doch noch, eine Anzahl Ziegel an ihren ursprünglichen Plätzen zu finden, 
sodaß es möglich war, die Einteilung der Pfeiler feststellen zu können (vergl. 
Tafel XV). Er führt in seinen Notizen folgende Militärstempel, die dort 
bei den Grabungen erhoben wurden, an: Leg. VIII, Coli. IUI Vind., Coh. II li. 
und den Privatzieglersterapel Consius. Auch war es noch möglich, an den 
Wänden, wo die Höhenlage des schwebenden Estrichbodens noch zu er- 



207) wrjg lange gich die Wärme in dickem Estrich und Mauerwerk erhält, sehen wir 
am besten bei dem Ziegel-Feldbrand. Die in großen Haufen (s. S. 189) aufeinandergesetzten 
Lehmsteine kühlen sich erst 10 bis 12 Tage nach dem Brennen, d. h. nach <lem Erlöschen 
des Feuers, soweit ab, daß die Steine verarbeitet werden können. 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 



255 



kennen war, die Höhe der Pfeiler mit 79 cm zu bestimmen ; die Pfeilerplatten 
hatten 21 cm im Quadrat. 

Von den anderweitigen Heizvorrichtungen sind im Boden versteckt nur 
die für die Luftzuführung bestimmten Kanäle mit vorliegender Kammer 
(Tafel XV, D und Z) auf uns gekommen. Die von der letzteren ausgehenden 
zwei Kanäle vereinigen sich bei D zu einem Strang, der nach den Heiz- 
räumen der Villa führt. Das lichte Maß der beiden ersteren beträgt 47 : 88 
und dasjenige der letzteren 55:110 cm (Tafel XVIH, Nr. 9). Diese Anlage, 
die öfters als Wasserabfluß angesprochen wurde, hatte meines Erachtens den- 
selben Zweck, wie die schon bei dem Hypokaustum Nr. 1 beschriebene, den 
der Zuführung frischer Luft. Gut erhaltene Schürlöcher, die mit Basalt um- 
stellt und gewölbt waren, sind auf Tafel XV mit X angegeben; im Übrigen 
ist Alles, soweit es noch zu bestimmen war, auf derselben Tafel aus den 
dazu gehörigen Durchschnitten A — B, C — D, E — F und G — H zu ersehen; 
auch ist manches auf diese Heizung Bezügliche bei der Beschreibung des 
Villenbaues S. 118 bereits gesagt. 



Ansicht. 



S chiiitt a - b - 





Grundriss der oberen KachelröKren . 






B *"• ^ &^6^^3A^fe*^^efeteQAS 



1-ri- i I i L-Li- 
-1 1 i 

Grundriss der unteren Kach.elrö"hre 



^chnlU c-cl 




Fig. 38. Kanal-Hypokaustum iu der Bürgerlichen Niederlassung. 



6. Die schon früher S. 122 erwähnten älteren Baureste, die sich an 
der nordwesthchen Seite unter der Villa fanden, haben eine interessante 



256 Technische Ergebnisse. 

Heizung bewahrt, die etwas von den sonst vorkommenden Systemen abweicht, 
sodaß ein spezielles Eingehen auf ihre Konstruktion erforderlich scheint. Auf 
Tafel XV ist sie bei W mit punktierten Linien angedeutet und auf der Text- 
figur 38 durch Grundrisse, Schnitte und eine perspektivische Ansicht er- 
läutert. Das in dem Feuerherde H angefachte Feuer durchzog sich kreuzende, 
aus Mauerwerk hergestellte Kanäle K (28 cm breit, 40 cm hoch), die wohl 
besondere Rauchabzüge hatten; 25 cm hinter den Kanälen im Mauer- 
werke M selbst befanden sich zwei übereinanderliegende Reihen von Iloiz- 
kacheln {Textfigur 38, f und f^) und zwar in zwei verschiedenen Größen: 
12:12:30 cm und 13:13:28 cm. Der untere Kachelstrang war nach 
dem Feuerherde H bei f geöffnet, sodaß ihm direkte Wärme zuströmte, die 
wolil, wie an anderer Stelle besprochen, nach dem zu heizenden Zimmer ab- 
zog. Der darüberliegende Strang dagegen war weder mit dem Feuerherde 
noch mit den unteren Heizröhren, jedoch auch nicht fortlaufend in sich 
verbunden, sondern öfters durch quer dazwischen liegende Kacheln unter- 
brochen, sodaß er nur den Zweck einer indirekten Erwärmung gehabt haben 
kann. Die oberste Kachelreihe war nur mit einer dünnen Estrichschicht 
überzogen, wodurch sich eine rasche p]rwärmung des Fußbodens bewirken 
heß. Außerdem hatte diese Einrichtung den Vorteil, daß sie eine angenehmere, 
gleichmäßigere Temperatur nach dem Räume hin, besonders für den Fuß- 
boden, abgab. Diese Kacheln vertraten im Grunde genommen den Estrich 
der Kanal- und Pfeilerhypokausten, aber auch die sonst in den Wänden an- 
gebrachten Heizröhren. Jedenfalls verdient diese Heizanlage Beachtung, 
und es würde sich für unsere heutige Heiztechnik schon empfehlen, nach 
den dort gegebenen Gesichtspunkten eine weitere Ausbildung derselben zu 
versuchen. 

7. Die im Kaufhaus liegende Bodenheizung ist bereits S. 124 erwähnt; 
sie war, nach dem gewölbten Schürloch und den übrigen Resten (Textfigur 19,E 
und F) zu schließen, nach dem System der Pfeilerhypokausten hergestellt. 
Besondere Vorrichtungen für Zuführung von frischer Luft ließen sich nicht 
nachweisen; diese scheint durch das Schürloch bewerkstelligt worden zu sein. 

8. Im weiteren Gebiete der Bürgerlichen Niederlassung sind vielfach 
Überreste von Heizanlagen gefunden worden, von denen ich nur die auf 
Tafel Xni eingezeichneten, M und N, noch anführen will; erstere (M) sind 
ziemhch umfangreich, liegen aber größtenteils unter der nach Obernhain 
ziehenden gestückten Landstraße; eine Aufdeckung ist deshalb zur Zeit aus- 
geschlossen. Die andere Anlage (N), direkt über dem Gräberfelde, an dem 
nach dem «Fröhlichen-Mannskopf» führenden Wege, wurde bereits von Neuhuf 
(S. 127 und 128) ausgegraben und hatte nach seineu Notizen Pfeiler aus 
Sandstein, die in ihren Abmessungen den Ziegelpfeilern gleich waren. Es 
ist dieses an der Saalburg bis jetzt das einzige Hypokaustum mit Sandstein- 
pfeilern, 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 



257 




Fig. 39. Kombiniertes Pfeiler- und Kanal-Hypokaustum im Kastell. 



Hypokausten im Kastell. 

9. Im Rücklager des Kastells befinden sich in drei Gebäuden (Tafel IV, 
G, G2 und H) ein Pfeilerhypokaustura, zwei Kanalheizungen und ein Hypo- 
kaustum, welches die beiden Heizungsmethoden in sich vereinigt. Das letztere 
ist gut erhalten und auf Tafel VIII, Nr. 4 im Grundrisse und 4a im Schnitte 
geometrisch, in der obenstehenden Textfigur 39 perspektivisch dargestellt. 

In der Mitte des heizbaren Zimmers liegt (Textfigur 39, a b c d) ein 2 m 
im Quadrat großer und 70 cm tiefer Kaum (Pfeilerhypokaustum), in welchen 
der Feuerzug M mündet und von dem sieben Heizkanäle — n, o, p, q, r, s, t — 
strahlenförmig ausgehen. Die fünf vorwärts laufenden Züge enden jeder in 
einer in die Mauer eingelassenen Heizröhre (e, f, g, h, i), während die beiden 
rückläufigen in den Ecken rechts und links mit senkrecht stehenden Heiz- 
kacheln (k — 1) verbunden sind, welche vor die Mauern ragen und mit dem 
Fußboden aufhören. Die fünf Röhren waren zweifellos in den Wänden nach 
oben fortgesetzt und führten den Rauch ab; sie dienten aber zugleich auch 
zur Heizung des Zimmers, das sie vermöge ihrer dünneu Wandungen rasch 
erwärmten. Sie hatten zusammen einen Querschnitt von 5 (7 cm X 12 cm) = 
420 qcm, was im Vergleich mit unseren jetzigen Einrichtungen einem Schorn- 
steine von 20 : 21 cm entsprechen würde. Ein solcher würde auch vollständig 
für die Heizung des in Frage kommenden Raumes von ca. 70 cbm aus- 
reichen. Die Einfeuerung geschah durch das Schürloch S, das mit Basalt 
eingefaßt ist. Die Röhren in den Wänden, die mit der inneren Wandfläche 
in gleicher Flucht standen, hatten nur einen dünnen Verputz und gaben da- 
durch ebenso schnell wie die Bodenkanäle, die nur mit Ziegelplatten und 
dünnem Estrich bedeckt waren, kurz nach dem Anzünden des Feuers Wärme 
nach dem Räume hin ab. Nachdem das Feuer erloschen war, konnten die 
beiden nach dem Zimmer hin sich öffnenden und mit Schiebern ver- 
schlossenen Kacheln in Thätigkeit treten und die im Pfeilerhypokaustum a b c d 

Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 17 



258 Technische Ergebnisse. 

und den Bodenkanälen n, o, p, q, r, s, t angesammelte Wärme direkt nach 
dem Gemache führen. Kalte frische Luft konnte dazu von dem zu öffnenden 
Schürloche S oder selbst durch die mittlerweile von Rauch befreiten Kamine 
e, f, g, h, i eintreten. 

Im Übrigen findet auch für diese kombinierte Heizanlage Alles, was 
bei der Beschreibung der Hypokausten der Bürgerlichen Niederlassung bereits 
gesagt ist, Anwendung. 

10. An der Ostseite desselben Gebäudes H (Tafel IV) liegen, durch zwei 
Käume ziehend, die Reste eines Pfeilerhypokaustums, die bei ihrer 185ö durch 
Ilahd erfolgten Aufdeckung noch ziemlich gut erhalten waren, aber bald 
darauf zerstört wurden, sodaß jetzt nur noch die Heizanlage an den Kammern 
mid dem Estrich in denselben zu erkennen ist. 

11. Das kleine, im westlichen Teile der lietentura gelegene Bauwerk G 
hat eine Kanal- oder, wie man auch sagen kann, eine Kreuzheizung. Der 
von 60 cm dicken Mauern umschlossene Raum mißt 4,25 : 3,90 m (Tafel VIII, 
Nr. 5 und 5a); sein Boden ist nicht hohl und mit kleinen Pfeilerchen unter- 
mauert, sondern es ziehen in Form eines Andreaskreuzes Heizkanäle unter 
demselben her, deren Mittelpunkt mit einem nach dem Feuerraume führenden 
Kanal in Verbindung steht. Dieser Feuerraum ist regelrecht mit Ziegeln 
umschlossen und ausgeplättet; es scheint über demselben ein Vorbau aus 
Holz gestanden zu haben. Die Kanäle sind aus Quarzitmauerwerk, das mit 
Lehm verputzt war, hergestellt und haben einen Querschnitt von 30 auf 40 cm ; 
sie sind mit Ziegelplatten überdeckt gewesen, welche, ebenso wie der zwischen 
den Kanälen liegende Boden, mit Estrich überzogen waren. In den beiden, 
dem Praefurnium entgegengesetzten Ecken befinden sich abgerundete, 30 cm 
weite Öffnungen, die wohl als Kamine in die Höhe gingen ; in der Ecke links 
neben dem Schürloch ist durch eine viereckige Thonkachel eine Öffnung ge- 
bildet, der entsprechend wohl auch auf der anderen Seite eine solche gewesen 
sein wird, die aber beim Aufgraben im Jahre 1802 unbeachtet blieb; wenigstens 
ist nicht erklärlich, wie ohne eine solche die Wärme aus dem Kanal nach 
dem Zimmer hätte gelangen können. Nach Allem scheint auch bei dieser 
Anlage das bereits unter Nr. 9 besprochene Prinzip der Konstruktion zu 
Grunde gelegen zu haben. 

12. Die wenige Schritte nördlich davon befindliche Heizung hatte eine 
ähnliche Bauart; ihre Spuren lagen tief im Boden versteckt, was darauf hin- 
zudeuten scheint, daß sie aus einer früheren Bauperiode stammte. Dieses 
Hypokaustum (Tafel VIII, Nr. 6 und 6 a) zeichnet sich durch seinen wohl- 
erhaltenen, mit Backsteinen geplätteten Feuerherd, durch die abweichende 
Anordnung der Feuerzüge und das mit einem starken Eisenstück (Tafel 
XXXXVII, Nr. 6 und 6 a) gedeckte Schürloch aus. 

Ehe ich die Besprechung der Hypokausten des Vorderlagers beendige, 
komme ich noch einmal auf die schon S. 96 erwähnte Anlage GS die zwar 
nicht zum Heizen, aber zur Trockenhaltung des betreffenden Raumes bestimmt 
■war, zurück. Diese, Tafel VIII, Nr. 7 und 7 a dargestellte Konstruktion be- 



Heizungsanlagen — Hypokausten. 259 

steht darin, daß unter dem Fußboden, der hier aus Platten bestanden haben 
muß, vier Pfeiler aus gewöhnlichen Bruchsteinen aufgemauert sind, die rings- 
um freiliegen und durch eine Öffnung (o) in der Mauer mit der Außenluft 
beständig in Verbindung stehen, was eine Unterkellerung ersetzt. Dieses Ver- 
fahren wird heute zur Herstellung gesunder, nicht unterkellerter Wohnräume, 
Krankenbaracken etc. vielfach angewandt. Im Homburger Mineralquellen- 
Gebiete, östlich von dem Elisabeth -Brunnen, ist eine römische Villa aufge- 
graben worden, die ähnlich, aber in vorzüglicher Weise mit Pfeilerchen aus 
je drei 20 cm im Quadrat großen Ziegelplatten hergestellt ist, die auf Estrich 
ruhen und mit einem solchen überdeckt sind. Diese Einrichtung fand sich 
in tadellosem Zustande und hatte lediglich den Zweck, die Räume der Villa, 
die wohl nur zum Sommeraufenthalt diente, trocken und gesund zu erhalten ^°^). 

13. und 14, Die im Praetorium bei W und X (Tafel IV) gelegenen 
Bauwerke waren ebenfalls mit Kanalheizungen versehen, die nach ihrer Kon- 
struktion und Anordnung den unter 9 und 12 beschriebenen analog sind. 
Die mit W bezeichnete ist als die interessantere auf Tafel VIII, Nr. 3 und Sa, 
abgebildet. Wie man aus dem Grundrisse ersieht, liegt das Hypokaustum 
unter zwei Zimmern; die Heizkanäle sind sehr geschickt gelegt, und die 
massigen Pfeiler hatten wohl außer dem Zweck der Unterstützung des Fuß- 
bodens noch denjenigen, die Wärme für längere Zeit zurückzuhalten. 

15. Auf das im Soldatenlager befindliche Pfeilerhypokaustum ist bereits 
an verschiedenen Stellen hingewiesen und darüber auf S. 91 das Haupt- 
sächlichste gesagt worden. In seiner Konstruktion entspricht es der unter 
Nr. 1 besprochenen Heizanlage, hat aber nicht wie diese für die Erwärmung 
einer Wohnung, sondern für die Bäder, über die im nächsten Kapitel Einiges 
mitgeteilt werden soll, gedient. 

Die von Hahel Ende der fünfziger Jahre aufgedeckten sechs Hypokausten 
Nr. 5, 9, 10, 11, 13, 14 wurden allmählich durch die Unbilden der Witterung 
und durch Menschenhand zerstört, sodaß es schwierig war, die Einrichtungen 
noch genau zu erkennen. Durch die in meinen Besitz gekommenen genauen 
Aufnahmen des Ingenieurs K. Rothamel war es aber doch möglich, verschiedenes 
jetzt Verschwundene wieder zu ergänzen und ein Bild der einstigen Anlagen 
zu rekonstruieren. 

Schließlich sei noch angeführt, daß bei den Erhaltungsarbeiten der 
Hypokausten die geraubten und zerschlagenen Ziegelplatten und Heizkacheln 
durch neue ersetzt wurden. Sie sind von der Firma VüUroy & Boch in 
Mettlach und Fh. Holzmann in Frankfurt den Saalburgfunden nach- 
gebildet und vorzüglich hergestellt worden und zwar derart, daß sich diese 
modernen stets von den Originalen leicht unterscheiden lassen. In derselben 
vorsichtigen Weise wurden auch die Restaurationen der Heizungen selbst 
vorgenommen, sodaß auch in Zukunft dem Forscher Gelegenheit bleibt, sich 
zu unterrichten. 



208) Vergl. Seite 118 und Anmerkung 107. 

17* 



260 Technische Ergebnisse. 

Weitere Hypokausten dürften sich wohl kaum noch in dem bis jetzt 
nicht ausgegrabenen kleineren Teile des Kastells finden, wohl aber in der 
noch weniger durchforschten Bürgerlichen Niederlassung; so ist dieser Tage 
— Juni 1896 — eine Heizung etwa 70 m südlich vom Forum entdeckt 
worden, die weiteren Aufschluß über die interessanten, immer noch nicht 
genügend erkannten Anlagen geben dürfte. 

An dieser Stelle mögen auch noch einige Mitteilungen über die Er- 
zeugung und Erhaltung des Feuers Platz finden. 

Das erste von Menschenhand entzündete Feuer kann kaum anders als 
durch Reibung hervorgerufen worden sein. Die alten Schriftsteller erwähnen 
verschiedene Arten von Feuerzeugen, deren sich die Römer bedient haben; 
auch sie sollen u. A. durch Reiben mit Holz gegen Holz und durch Schlagen 
mit Stein gegen Stein Feuer gewonnen haben. Das erstere Verfahren wird, 
wie uns Reisende erzählen , noch heute von unkultivierten Volksstämmen 
geübt und besteht vornehmlich darin, daß ein an einem Ende zugespitzter 
Holzstab senkrecht in ein anderes Holzstück, in welches ein Loch vorge- 
bohrt ist, gesteckt und schnell zwischen den Handflächen gedreht wird , bis 
sich jenes durch die Reibung entzündet. Über die eigentliche Handhabung 
der römischen Feuerzeuge erfahren wir so viel wie nichts; Plinhis und Andere 
sprechen von der Feuerbereitung nur als von einer wohlbekannten Thatsache, 
sodaß es scheint, als ob die obengenannten F'euerzeuge überhaupt für das 
tägliche Leben nicht allgemein in Anwendung gekommen wären und man 
sich das unentbehrliche Feuer und Licht mit weniger Mühe beschafl't habe. 

Zunächst ist anzunehmen , daß das Verfahren , Feuer mit Stahl und 
Feuerstein (Flint) zu erzeugen, den Römern wohlbekannt gewesen ist; auch 
eine Stelle bei Plinius^^^) macht dies wahrscheinlich. Die an der Saalburg 
gefundenen Feuersteine (Tafel XXXH, Nr. 5 und 7), die in Form und Größe 
denjenigen, die heute noch von den Waldarbeitern zum «Feuerschlagen» 
benutzt werden, ähnlich sind , sowie die dort erhobenen Feuerstähle dürften 
es bestätigen. Von Letzteren haben sich allerdings bis jetzt nur wenige ge- 
funden, dagegen scheint der römische Schiebeschlüssel (Tafel XXXXIV, 
Nr. 7 — 14), der in der Regel gestählt ist, mit den scharfen Kanten seines 
Griffs das hauptsächlichste Werkzeug zum «Feuerschlagen» gewesen zu sein; 
ein damit angestellter Versuch hat die Möglichkeit solcher Verwendung 
ergeben. Es liegt deshalb der Gedanke nahe, daß bei Flinius (vergl. Anm. 
209) der Nagel [clavus] mit dem Schlüssel {clavis) verwechselt ist, da ein Nagel 
zum Feuerschlagen zu weich und seiner Form nach kaum handlich ist. 
Ob Schwamm (Zunder) zur Entzündung benutzt wurde, ist schwer zu 
sagen; die Schwefelstückchen ^^*'), die in einem Fraefurnium lagen, sprechen 

»0») Plinius XXXVI, 30: «Die Feuersteine sind den Lagerspionen höchst nötig, 
denn sie geben mit einein Nagel {clavus) oder mit einem anderen Steine zusammen- 
geschlagen Funken, die in Schwefel, trockenem Schwamm oder in Blättern aufgefangen, 
schneller, als man sagen kann, Feuer erzeugen». 

'"°) Auch in einem Limesturme (auf der Strecke Grauer Berg— Saalburg) ist ein 
Schwefelstückchen gefunden worden; vergl. Limesblatt Nr. 11, S. 324. 



Bäder. 261 

für ihre Verwendung zu diesem Zwecke. Doch ist niclit ausgeschlossen, daß 
Schwefel auch zum Bestreichen von Hölzchen (als Zündhölzchen) oder zur 
Herstellung von Fackeln, überhaupt zur Übertragung des Feuers, gedient hat. 

Mindestens ebenso wichtig als die Erzeugung des Feuers war die Er- 
haltung und Verabreichung desselben an jeden, der darum bat — im Alter- 
tum etwas ganz Gewöhnliches und allgemein Gebräuchliches ^^^). Ober- 
studieurat Dr. Plank berichtet in seiner interessanten Abhandlung «Die 
Feuerzeuge der Griechen und Römer» ausführlich darüber^^^) und giebt 
Belegstellen für diesen bei den Römern geübten Brauch an. Das ewige 
Feuer auf dem Stadtherde und im Vestatempel scheint, wie PlanJc Seite 1 
richtig annimmt, «ursprünglich die Bestimmung gehabt zu haben, den Bürgern 
einen nie versiegenden Feuerquell für ihre häuslichen und öffentlichen Be- 
dürfnisse zu geben». 

Daß man an der Saalburg und den andern Römerstätten am Limes, 
wo es an Holz nicht fehlte, immer Feuer unterhielt und sich nicht täglich 
der mühsamen Feuererzeugung unterzog, ist kaum zu bezweifeln; man wird 
wohl an einen gemeinsamen Feuerherd denken können, wo sich jeder nach 
Belieben F'euer holen konnte. An den fern vom Verkehr gelegenen Wacht- 
türmen am Limes muß es ähnlich gewesen sein; die zahlreichen Vertiefungen, 
die in der Nähe derselben liegen und mit Asche gefüllt sind, weisen darauf 
hin. Interessant ist die Beobachtung, daß sich dieses Verfahren noch bis auf 
den heutigen Tag erhalten hat: Auch die Arbeiter an der Saalburg — sonst 
Waldarbeiter — benutzen die beim Beginne der Arbeiten eingerichtete Feuer- 
stätte, solange sie in der Nähe graben, stets weiter und erhalten in kälterer 
Jahreszeit das Feuer selbst über Nacht, indem sie die abends noch glühenden 
Kohlen mit Asche bedecken. 



7. Bäder. 

Außer dem in der Villa (vergl. S. 119) befindlichen Einzelbade und dem 
schon mehrfach erwähnten in der Praetentura sind bis jetzt Bäder an der 
Saalburg nicht zum Vorschein gekommen ; doch soll damit nicht gesagt sein, 
daß nicht noch weitere derartige Anlagen in der umfangreichen Bürgerlichen 
Niederlassung gefunden werden könnten. Immerhin geben uns die aufge- 



2") Auch bei uns wurde, ehe die bequeme und rasche Art, Feuer zu entzünden, 
erfunden war, in den Städten und Dörfern das Feuer stets erhalten und an den Nachbar 
abgegeben. Ich erinnere mich noch aus meiner Kinderzeit — Ende der dreißiger Jabre 
— daß in meinem Elternhaus das Feuer auf dem Herde unter der Asche glimmend er- 
halten wurde, sodaß es ein Leichtes war, dasselbe mittels eines Blasrohrs oder Blasebalgs 
(Geräte, die in keinem Haushalte fehlen durften) andern Tags wieder rasch anzufachen. 
Erlosch das Feuer, so entlieh man sich glühende Kohlen beim Nachbar, und es galt 
als eine heilige Pflicht, dem Freunde sowohl als dem Feinde Feuer zu verabreichen. 

2'2) Programm des Karls- Gymnasiums in Stuttgart, 1883—84. Plank giebt auch die 
bezügliche Literatur an. 



262 Technische Ergebnisse. 

deckten Reste genügende Anlialtspunkte dafür, daß sicli die Römer aucli hier 
nach ihren lieimischen Vorbildern, wenn auch in einfacherer Weise, Bäder 
eingerichtet liatten. Die im Jahre 1872 entdeckte, aus einer früheren Periode 
stammende Badeanstalt (Tafel IV, I und K), welche aus zwei massiven Gebäuden 
besteht, war wahrscheinlich durch einen Fachwerkbau zu einem Ganzen ver- 
einigt. Auf Tafel VIII ist jeder Teil für sich als Nr. 1, la und 2, 2 a in 
Grundrissen und Schnitt gezeichnet. Die Angabe der Maße und die Bespre- 
chung des Grundrisses erfolgte bereits auf Seite 91; es soll deshalb hier nur 
die Einteilung und Einrichtung der Baderäume ins Auge gefaßt und etwas 
näher beschrieben werden. 

Das Gebäude 2 — 2a umschließt einen nicht heizbaren Raum, einen 
Kaltwasserbehälter, der in den Boden eingegraben und mit cementierten 
Wänden und ebensolchem Boden versehen ist ^'^). Auf dem Letzteren 
erheben sich an der Süd- und Westwand zwei 33 cm hohe und 44 cm breite, 
an der Kante abgerundete Bänke. In den Winkeln, in welchen Boden und 
Wände zusammenstoßen , befinden sich wie an allen ähnlichen römischen 
Anlagen wasserdichte Wulste, in Form von 10 cm starken Viertelstäben ange- 
bracht, welche dem Wasserbehälter an den zu Rissen geneigten Stellen eine 
größere Dichtigkeit geben. Da gemauerte oder steinerne Stufen sich nicht 
fanden , so ist anzunehmen , daß Holztreppen zu dem Bassin führten. Zum 
Ablassen des Wassers ist in der Mauer der nordwestlichen Ecke, nach welcher 
hin der Boden fällt, ein Rohr, dessen Mundloch verschließbar war, eingesetzt. 
Von hier aus floß das Badewasser nach dem Hauptkanal , der auch die 
Abflüsse des Caldarium aufnahm (vergl. Entwässerungsanlagen, S. 174). Durch 
plötzliches Ablassen des Wassers konnte der Raum Q (Tafel IV), der von Oberst 
von Cohausen als «Lafrina> angenommen wurde, wirksam gespült werden. 

Das erforderliche Wasser empfing die Badeanstalt aus einem der Brunnen 
des Kastells, wahrscheinlich von dem nahe dabei gelegenen Tiefbrunnen Nr. 1 
und zwar entweder durch Herbeitragen oder durch eine auf der Erdober- 
fläche liegende Holzrinne. 

Daß der Kaltwasserbehälter nicht sehr hoch mit Wasser angefüllt war, 
ist schon durch die niederen Bänke angezeigt; der Wasserstand mag in dem- 
selben kaum mehr als die Höhe von 45 cm erreicht haben, die etwa der- 
jenigen einer Badewanne entspricht. Eine solche Wasserhöhe genügte 
vollkommen für die Mannschaften, die Sandalen oder die an der Saalburg 
häufig gefundenen Carhatinae (Schuhe aus einem Stück Leder) trugen und 
das Bedürfnis der öfteren Fußwaschung hatten. Wer ein kaltes A^oUbad 
nehmen wollte, dem war dies schon bei einer Wasserhöhe von 45 cm durch 
Flachlegen des Körpers in dem Behälter möglich ; doch stand auch nichts im 
Wege, den AVasserstand höher zu bringen. Im Übrigen pflegten die Römer 
ihre Piscinae nicht sehr hoch zu füllen. Man wird deshalb nicht fehl gehen, 
in dem beschriebenen Gemache das Kaltwasserbad oder das Frigidarium zu 



*'») Über die Technik des Mauerwerks und Estrichs vergleiche Seite 217 und 223. 



Bäder. 263 

vermuten, doch könnte dasselbe den Soldaten auch als Waschhaus (lavatrina) 
zur täglichen Reinigung gedient haben, umsomehr als in den Baracken die 
Fußböden aus Lehmschlag bestanden, die die Feuchtigkeit aufsogen und 
zurückbehielten, also diesem Zwecke wenig dienlich waren. Auch unsere 
Kasernen haben vielfach gemeinschaftliche Waschräume für die Mann- 
schaften. 

Neben dem Kaltwasserbad liegt ein 2,05 m breiter und 6 m langer 
Raum, der mit dem Bau J (Tafel IV) verbunden und zweifellos mit einem 
Dache versehen war. Derselbe ist hinreichend groß, um den Badenden 
zum Aus- und Ankleiden zu dienen und dürfte als Apodytermm zu be- 
trachten sein. 

Anschließend an dieses liegt der Bau J (Tafel IV und Tafel VHI, 1 
und 1 a), der durch eine massive Wand in zwei Teile getrennt ist; der südhche 
war nach dem Vorgefundenen ein Wasserbad und kann für laue und warme 
Bäder benutzt worden sein, er würde dem Caldarium und auch dem Tcpi- 
darium entsprechen. Meines Erachtens dürfte es bei dieser Anlage Schwierig- 
keiten gehabt haben, das Wasser stark zu erwärmen, da das Feuer von dem 
Fraefurnium aus einen weiten Weg zurückzulegen hatte; doch ist es mit 
einem guten Holzkohlenfeuer, das, nach den Heizeinrichtungen zu schließen, 
auch hier zur Anwendung kam, nicht gerade unmöglich gewesen, im Bedarfs- 
falle höhere Wärmegrade zu erzielen. Dieses zuletzt besprochene Warm- oder 
Lauwasserbad liegt 50 cm tiefer als der nördlich daranstoßende Raum und 
ist mit diesem durch eine Thüröffnung verbunden; man kann ihn wohl als 
Schwitzbad (Laconicum) annehmen. Der 50 cm starke, durch Ziegelpfeiler 
getragene Estrichboden nahm die direkt vom Feuerherde kommende Hitze 
in sich auf und konnte sicherlich so stark erwärmt werden, daß das über 
ihm liegende, nach allen Seiten dicht geschlossene Gemach, das wohl nur 
kümmerlich durch kleine Glasfenster beleuchtet war, heiß genug wurde, um 
als Schwitzbad dienen zu können. 

Betrachten wir die Lage der Räume nach den Himmelsrichtungen, so 
stimmt sie mit den von den alten Schriftstellern empfohlenen Anordnungen 
überein: das warme oder laue Bad liegt mit seinen Außenwänden nach Süd- 
west, das Kaltbad nach Nordost und das Schwitzbad mit dem davorgebauten 
Fraefurnium nach Norden. Es ist im Abschnitte VIII. 1. (S. 66) darauf hin- 
gewiesen worden, daß unsere Badeanstalt ursprünglich außerhalb des Erdkastells, 
d. h. zwischen diesem und dem Pfahlgraben gelegen hat, aber später durch 
die Vergrößerung der ganzen Kastellanlage in den Bereich der Befestigung 
hineingezogen wurde. Daß der Bau nach dieser großen Veränderung noch 
als Bad diente, ist möglich, aber nicht zu erweisen. Nur so viel steht fest, 
daß er von einer jetzt nicht mehr zu bestimmenden Periode ab aufgegeben 
und in römischer Zeit teilweise abgetragen wurde, was ich auf Seite 90 dar- 
zulegen versucht habe. 

Wenn auch die Bäder an der Saalburg nicht so ausgedehnt angelegt und 
primitiver ausgestattet waren als die der großen römischen Städte, wie wir sie aus 



264 Tecimische Ergebnisse. 

der umfangreichen Literatur'") kennen, so ist aus dem Erhaltenen doch 
ersiclitlich, daß das Ganze nach einem gewissen System und leidlich komfortabel 
eingerichtet war. Auch wurden Gegenstände in und vor den Gebäuden 
gefunden, die nur zu Badezwecken gedient haben können, nämlich eine 
Pincette, feine Messerchen und vor Allem eine gut erhaltene Strigilis aus Eisen, 
die als eines der wichtigsten Geräte im römischen Badewesen gilt. 



*'*) Eine Zusammenstellung der einschlägigen Literatur findet sich bei J. Marquard, 
Das Privatleben der Römer, und bei S. W. Bäumer, Über römische Bäder. (Allgemeine 
Bauzoitung, Wien 1877.) 



265 



xn. 

Die Erhaltungsarbeiten. 



Schon bei den ersten systematischen Ausgrabungen in den Jahren 1853 
bis 1862 nahm man darauf Bedacht, die freigelegten Baureste zu schützen; 
so wurden zum Beispiel die Hypokausten alljährHch im Herbste mit Laub, 
Ginster- oder Tannenreisern zugedeckt. Auch sorgte man für eine ständige 
Aufsicht, die dem Förster G. Bender von Oberstedten übertragen wurde, für 
welchen anfänglich eine Hütte im Kastell, später ein Haus — die jetzige 
Saalburg-Restauration — erbaut wurde (siehe S. 15). Durch letztere Maßregel 
hatte man wohl einigen Schutz gegen Zerstörungen durch Menschenhände 
geschaffen, aber keinen gegen die Witterungseinflüsse, die rascher, als man 
glaubte, nachteilig wurden. Die der schützenden Rasendecke beraubten Mauern 
bröckelten ab und fielen nach und nach ein, sodaß sie nach kaum zehn 
Jahren stellenweise bis zu zwei Metern an Höhe eingebüßt hatten und da, 
wo der Mörtel schlecht war, ganz in sich zusammengesunken waren. 

Oberst von Cohausen hatte auch anderwärts nach dieser Richtung hin 
manche schlimme Erfahrung gemacht; er schreibt darüber im « Centralblatt 
der Preußischen Bau Verwaltung» vom 23. August 1884 unter Anderem sehr 
treffend : 

«Wenn wir die Überreste des Altertums betrachten, welche wie die der Eömer- 
zeit Jahrhunderte vom Boden bedeckt und geschützt waren, ehe man sie zur Unter- 
suchung ausgrub und ans Tageslicht stellte, so muß man bedauern, wie oft sie ganz 
nutzlos ihres Schutzes beraubt und dem Verderben preisgegeben wurden, welches 
Menschen, Nässe und Frost nun über sie bringen. Billig sollte man, ehe man der- 
artige Ausgrabungen vornimmt, sich die Fragen vorlegen und bindend beantworten 
lassen, ob, zu welchem Zweck und wie nachzugraben sei und was nach der Aus- 
grabung für die Erhaltung des Bloßgelegten geschehen werde. Wir sind moralisch 
nicht berechtigt, Denkmäler der Vorzeit durch Untersuchung zu schädigen, wenn wir 
nicht die Befähigung besitzen, dies auf eine der Wissenschaft förderliche Weise zu 
thun, wenn wir die Ergebnisse nicht in Bild und Schrift unmittelbar veröffentlichen 
oder doch in einem allen zugänglichen Archiv niederlegen, und wenn nicht Sorge ge- 
tragen ist, daß das Denkmal selbst der Nachwelt erhalten bleibe. Und doch, wie oft 
geschieht von allem dem das Gegenteil, wie oft wird altem Mauerwerk nachgegraben 
und nichts daraus gewonnen als die Befriedigung einer unfruchtbaren Neugierde. Wie 
oft selbst geben wissenschaftliche Vereine die Mittel zu solchen sogenannten Unter- 



266 I^ie Erhaltungsarbeiten. 

suchungen her, deren Aufzeichnung dann hinausgeschoben wird, bis niemand mehr sie 
machen kann; und es bleibt von den mit Eifer begonnenen, mit Opfern ausgeführten 
Arbeiten nichts, als ein Schutthaufen und ein Posten im Rechnungsbuch. Es werden 
wenige Altertumsvereine sein, die sich nicht solche Sünden vorzuwerfen haben. 

Wer Ausgrabungen vornimmt, soll sich klar darüber sein, was er sucht, er soll 
Techniker genug sein, um die Eigentümlichkeiten des Mauerwerks, des Verputzes und 
dergleichen zu beurteilen, und um selbst zu messen und zu zeichnen. Er darf sich 
nicht verhehlen, daß von dem Augenblick an, wo das alte Gemäuer an das Tages- 
licht kommt, jeder Vorübergehende sich merkt, wo er im Fall des Bedarfs Steine findet 
zu Wegebesserung und Wasserdurchlässen, zu Grenzsteinen und zu dem, was er an 
seinem Häuslein etwa anzuflicken hat. Dagegen bleibt der beste Schutz nächst dem 
der Forstbehörde und des Feldschützen der, die ganze Ausgrabung, nachdem alle 
wissenschaftlichen Erhebungen gemacht sind, wieder mit Boden zu bedecken. So ist 
sie wenigstens gegen den Frost und einigermaßen auch gegen den Raub geschützt. 

Soll aber altes Mauerwerk, nachdem es vom Boden befreit ist und vielleicht nur 
wenige Fuß mehr über ihn aufragt, wirklich ei'halten werden, so ist es nicht genug, 
es verti-auensvoll dem Schutz des Publikums zu empfehlen oder selbst einen Wächter 
anzustellen, sondern man muß etwas daranwenden und es vor allem gegen Nässe und 
Frost schützen.» 

Auch an der Saalburg traten solche Mißstände immer mehr zu Tage 
und forderten eine gründliche Abhilfe ; sie kam aber erst, als Kaiser Wilhelm I. 
sich für unser Kastell interessierte und Mittel zur Verfügung stellte (siehe 
S. 13—15). So konnten die Erhaltungsarbeiten bereits im Jahre 1870 be- 
gonnen werden; sie sind von 1873 bis 1896 in größerem Umfange weiter- 
geführt worden, indem man sie auf die gemachten Ausgrabungen unmittelbar 
nachfolgen Heß. Ein großer Teil der freigelegten Überreste ist jetzt derart 
konserviert, daß deren Bestand für lange Jahre gesichert sein dürfte. Jedoch 
ist damit noch nicht genug geschehen; vielmehr erscheint eine fortwährende 
Beobachtung des Zustandes der Baureste unumgängUch notwendig, da an 
einer, Wind und Wetter derartig ausgesetzten Stelle, wie es die Saalburg nun 
einmal ist, jede auch nur geringste Beschädigung der Mauern, wenn sie nicht 
in kürzester Frist ausgebessert wird, sehr bald größere Nachteile im Gefolge 
haben muß. 

Die bei Vornahme der Erhaltungsarbeiten angewandte Methode, die sich 
in dem langen Zeiträume wohl bewährt hat und daher für ähnliche Fälle 
empfohlen werden kann, will ich hier näher beschreiben: 

Von den bloßgelegten Mauern wurden die obersten Schichten, je nach 
ihrer Haltbarkeit, um 30—50 cm abgetragen und zwar immer nur auf kurze 
Strecken ; es wurden dabei die Bekleidsteine, wie sie in den Fronten standen, 
markiert und nach rechts und links niedergelegt, sodaß sie beim Aufsetzen 
mit Einhaltung des Verbandes möglichst wieder an dieselbe Stelle kamen. 
Die Zwischenräume und Fugen der stehen gebliebenen Mauern, in die mit 
der Zeit Erde eingedrungen war, wurden sorgfältig ausgekratzt und gereinigt, 
dann mit einem guten Cementmörtel ausgefüllt und abgeghchen. Alsdann 
wurden die abgelegten Steine derart wieder aufgesetzt, daß sie oben, je nach 
der Breite der Mauer, eine 10—20 cm tiefe Mulde bildeten (Taf. XVIII, Nr. 1), 



Die Erhaltungsarbeiten. 267 

und zwar ebenso unregelmäßig, wie die Mauer selbst, bald hoch, bald tief, 
wie es die zufälligen Abtreppungen des alten Mauerkammes mit sich brachten. 
Die Mulde wurde hierauf mit Cementmörtel (1 Teil Cement, 2 Teile feiner, 
doch rascher Sand) etwa 2 cm dick bis an die Mauerkanten gleichmäßig dicht 
ausgestrichen. Sie wurde darauf, sobald der Cement etwas hart geworden 
war, entweder mit Sand oder mit der zur Hand liegenden Erde wenige Centi- 
meter hoch bestreut, damit der Cementverputz nicht allzu rasch eintrocknete 
und keine Risse bekam, ein Verfahren, welches die Maurer bei Herstellung 
von Cementfußböden im Freien stets anwenden. Nachdem dann der Cement 
hinlänglich fest geworden war, was etwa in 24 Stunden geschah, wurde die 
Mulde mit Erde ausgefüllt und die Mauerfläche in ihrer ganzen Breite 5 cm 
hoch ebenfalls mit Erde überschüttet und hierauf mit ausgestochenen Rasen- 
stücken belegt. Ich habe an der Saalburg meistens 2 — 3 solcher Schichten 
übereinanderlegen lassen, wodurch ein höherer Untergrund entstand, der den 
Gras wuchs beförderte und demselben die Feuchtigkeit länger erhielt. In der 
ersten Zeit war zwar ein öfteres Begießen des Rasens erforderlich, doch hält 
die Mulde, ähnlich wie ein Blumentopf-Untersatz lange Zeit die Feuchtigkeit, 
die auch der Cementschicht zu gute kommt und das Rissigwerden derselben 
verhindert. Aber nicht allein für die Erhaltung der in solcher Weise ab- 
gedeckten Mauern ist die Rasendecke von Vorteil, auch in ästhetischer Be- 
ziehung erzielt man durch sie, die sich fast das ganze Jahr hindurch grün 
erhält, eine günstige Wirkung, die noch erhöht wird, wenn man, wie dies 
an der Saalburg geschehen, in den Rasen selbst und an den Mauern Epheu, 
Immergrün und sedumartige Gewächse pflanzt ^^^). Gerade die Bepflanzung 
der Mauerreste sollte bei jeder Restauration zur Anwendung kommen, bei 
der es nur darauf ankommen kann, das Alte zu erhalten und mit seinem 
ursprünglichen Reiz der jeweiligen Landschaft harmonisch einzuordnen. Er- 
gänzungsbauten dagegen, meist mit großen Kosten, aber ohne die rechte 
Liebe zur Sache hergestellt, sind häufig genug dazu angethan, mit ihrem 
kalten Cementputze das Auge des Naturfreundes geradezu zu beleidigen. 

Die Textfiguren 6, 8, 10, 12, 13, 16, 17 und 18 geben gleichzeitig ein 
belehrendes Bild von dem Aussehen der an der Saalburg vollzogenen Er- 
haltungsarbeiten. Im Grunde genommen hat uns die Natur selbst den Weg 



2'^) Die an manchen Orten bei römischen und mittelalterlichen Bauten ausgeführten 
Abdeckungen mit Steinplatten und Ziegeln sollten nach Ansicht der Königlichen Regierung 
seiner Zeit auch an der Saalburg zur Anwendung kommen. Trotz der Bedenken, die der König- 
liche Konservator dagegen erhob, wurde damit im Jahre 1875 ein Versuch gemacht, indem man 
die Mauern des Praetorium mit schräg liegenden und überstehenden Schieferplatten abdeckte. 
Das unschöne Aussehen und der lebhafte Widerspruch, den dieses auch sonst unrationelle 
Verfahren von maßgebenden Seiten erfuhr, veranlaßte die Königliche Regierung, wieder 
davon abzusehen; sie ließ die bereits ausgeführten Abdeckungen beseitigen und bestimmte, 
daß fernerhin nur nach der bewährten Methode der Rasendeckung verfahren werden sollte. 
Diesen unangenehmen Zwischenfall, der damals vielfach in der Presse besprochen wurde, 
durfte ich der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt lassen. Er gab auch mit Veran- 
lassung zu einer kleinen Novelle, betitelt «Der falsche Baurath» von Utis, Frankfurt 1877. 



268 ^^^ Erhaltungsarbeiten. 

gewiesen, indem sie im Laufe der Jahrliunderte die in den Wäldern verborgen 
gebliebenen Baureste mit einer schützenden Rasendecke überkleidet hat. Text- 
ligur 5 stellt ein natürlich konserviertes, bis jetzt noch nicht berührtes Stück 
der östlichen Kastellfront dar. Nur da, wo es sich gleichzeitig um eine Re- 
konstruktion handelt, ist man von der beschriebenen Methode abgewichen 
und zwar bei dem Aufbau der südwestlichen Kastellecke, wo zur Belehrung 
die Wallmauer mit Brüstung und Zinnen wieder aufgerichtet wurde (Text- 
figur 7). Dies geschah jedoch in vollständig konstruktiver Weise mit den 
alten aus den Spitzgräben erhobenen Steinen und gutem Mörtel, sodaß ein 
anderweitiger Schutz nicht mehr notwendig ist. Ferner ist man bei den Hypo- 
kausten, die durch Schindeldächer gedeckt sind, ebenso verfahren, wobei von 
einer Raseudeckung abgesehen wurde, was auch bei den Estrichanlagen und 
Ziegelpfeilern nicht angebracht erschien, weil dadurch diese interessanten Über- 
reste den Blicken der Besucher entzogen worden wären. Allerdings sind diese 
Dächer, die sich über den Hypokausten und Baderäumen befinden, keine 
Verschönerung und beeinträchtigen etwas das sonst so anmutige Bild des 
Kastells; doch waren sie nicht zu vermeiden, wollte man die wertvollen Reste 
der Heizungsanlagen dauernd erhalten. 

Das Saalburggebiet bildete früher einen dichten Wald, und erst durch 
stückweises Abholzen ist für die Arbeiten Raum geschaffen worden. Durch 
die Abdeckung der Mauern mit Rasen und das Einsäen der Zwischenflächen 
mit Gras wurde der Charakter der Umgebung festgehalten, wobei man be- 
sonderen Wert auf den Fortbestand einiger vielhundertjähriger Bäume legte, 
die im Verein mit dem alten Gemäuer dem Ganzen einen malerischen Reiz 
verleihen. 



269 



xin. 

Die Funde. 



1. Allgemeines. 

Die Fundstücke der Saalburg sind vielleicht nicht so reich, als man im 
Hinblick auf die nicht ohne Komfort eingerichtete Bürgerliche Nieder- 
lassung erwarten sollte, auch nicht so zahlreich, als man bei dem dicht be- 
setzten Ausgrabungsgebiete annehmen könnte, aber es muß bei der Beurteilung 
derselben in erster Linie daran festgehalten werden, daß wir hier eine von 
Soldaten bewohnte Festung mit ihren Kasernen dicht an der feindlichen 
Grenze vor uns haben. Bedenkt man ferner, daß häufige Plünderungen und 
Zerstörungen auf diesem Gebiete stattfanden, so wird es begreiflich, warum 
nur wenige kostbare Stücke zurückgeblieben sind: Weil Freund und Feind 
die reicheren Schätze fortgeschafft haben. 

Wenn wir auch eine Reihe von Fundstücken besitzen, die an Voll- 
ständigkeit der Arten nichts zu wünschen übrig lassen, wie die Gruppen der 
Werkzeuge, Geräte, Schuhe u. s. w., wie sie in anderen Museen nicht an- 
getroffen werden, so haben wir doch keine Kabinetsstücke ersten Ranges. 
Was aber allen unseren Saalburgfunden einen dauernden Wert verleiht, das 
ist die Einheitlichkeit des Ortes, der Herkunft und der Zeit. 

Wir wissen bestimmt, daß alle von dem einen Gebiete herrühren, 
dessen Bereich bei der Beschreibung der Bürgerlichen Niederlassung ange- 
geben ist; es wurde deshalb auch absichtlich alles dasjenige, was von den 
übrigen Teilen des Taunus -Limes oder aus der Ebene stammt, scharf 
von den Saalburgfunden getrennt, da sich immer wieder kleine Besonder- 
heiten nachweisen lassen, die allmählich ein Bild davon geben werden, wie 
weit der Import sich ausgedehnt hat und wo einzelne Fabrikationscentren 
bestanden haben. 

Abgesehen von einigen prähistorischen Gegenständen und den schon 
beim Brunnen Nr. 5 erwähnten zwei frühmittelalterlichen Gefäßen ist alles 
auf der Saalburg Gefundene römischen Ursprungs, und nirgends zeigt sich 
der ausgesprochen fränkische oder alemannische Typus, den wir aus den 



270 l^ie Funde. 

Gräberfunden der Ebene kennen. Wenn man auch beobaclitet, daß Manches 
von rein itahschen oder galhsch -römischen Formen abweiclit, so ist zu be- 
denken, daß ein guter Teil dieser Dinge auf der Saalburg selbst her- 
gestellt ist, wo die örtlichen Verhältnisse, anderes Material und vor Allem 
die Kultur der in Handelsbeziehungen stehenden Nachbarn, sowie der ger- 
manischen Hilfsvölker, nicht ohne Einwirkung auf die (Gestaltung der Er- 
zeugnisse bleiben konnten. 

In der Einleitung ist nachgewiesen worden, daß die Saalburg vom Ende 
des ersten Jahrhunderts bis etwa zum Jahre 280 von den Römern besetzt 
war; damit ist auch die Grenze für die Datierung der Fundstücke im All- 
gemeinen gegeben. Was die Zeitbestimmung im Einzelnen, d. h. innerhalb 
dieses Zeitraumes anlangt, .so ist dieselbe äußerst schwierig und in den 
meisten Fällen ganz unmöglich. Ich habe oft die Beobachtung gemacht, 
daß Fundstücke derselben Art, die an der einen Stelle in sehr tiefer 
Schicht lagen und den Glauben an ein höheres Alter erweckten, an einer 
anderen Stelle wieder sehr nahe bei der Oberfläche zu Tage kamen. Hier- 
durch erleiden alle Theorieen über Scherben und Stempel eine beträchtliche 
Einschränkung. 

Es mag darum ein für alle Mal darauf hingewiesen werden, daß die 
Bodenbildung auf der Saalburg wie in den Limeskastellen überhaupt nicht nach 
bestimmten geologischen Gesetzen vor sich ging, wo jede Periode eine fast 
gleich hohe durchgehende Schicht ablagert, in welcher die charakteristischen 
Leitfossilien sorgsam eingebettet sind, und daß auch nicht jede Schuttlage in 
gleicher Höhe abgeglichen ist wie etwa die Lagen eines Estrichbodens. Es ist 
immer daran festzuhalten, daß wir in unserem Fundgebiete die Folgen wüster 
Zerstörung und unregelmäßigen Zusammensturzes vor uns haben, und daß 
da, wo eine Wiederausgleichung der Trümmerhaufen in römischer Zeit ge- 
schah, diese nur insoweit vorgenommen wurde, als praktische Gesichtspunkte 
eine rasche und planmäßige Einebnung mit der Schaufel verlangten. Wie 
w^it bei solchen Arbeiten der Schutt hin- und hergebracht und das Unterste 
zu oberst gekehrt wurde, ist bei der Besprechung des Kastells mehrfach dar- 
gethan worden. Die Zeitbestimmung von Fundstücken allein auf das Vor- 
kommen in einer bestimmten Schicht zu basieren, ist deshalb bedenklich 
und oft die Quelle archäologischer Irrtümer geworden. 

Schließlich mag noch betont werden, daß bei den Grabungen oft sehr 
schwer festzustellen ist, ob man gewachsenen, d. h. Naturboden, oder auf- 
gefüllten Grund vor sich habe. Dies gilt besonders von Vertiefungen, die 
zur Römerzeit offen standen, also von Brunnen und Gräben. Hier ist schon 
früher der Boden so sehr zusammengeschwemmt worden, daß er den Anschein 
erweckt, als sei er gewachsen, und so leicht zu Täuschungen führt. 



Die Inschriften. 271 

2. Die Inschriften. 

(Tafeln XXIV, XXVI, LXXIII-LXXIX und Textfiguren 40-51.) 

Der folgende Abschnitt enthält sämtliche auf der Saalburg ausgegrabenen 
inschriftlichen Aufzeichnungen, geordnet nach dem Materiale, welchem sie 
aufgeschrieben sind; und zwar befinden sie sich auf Stein (Sandstein und 
Basalt), auf Ziegeln (Stempel und Graffite), auf Gefäßen aus gewöhnlichem 
Thon und Terra sigillata (Stempel und Graffite), auf Metall (Gold, Bronze, 
Eisen, Blei) und auf Thonschiefer, Holz, Glas und Leder, 

Zum erstenmal veröffentlichte Bramhach, corp. inscript. Rhen. (Nr. 1424 
bis 1431), die bis 1862 gefundenen Inschriften, Dr. J. Beclcer ergänzte sie in 
den Nassauer Annalen 1874, Bd. XLII, und Dr. Ä. Hammeran hat in dankens- 
werter Weise die von 1874 bis 1885 erhobenen und auch die vorher ge- 
fundenen Steininschriften nach einer gründlichen Untersuchung kritisch be- 
handelt und in der Westdeutschen Zeitschrift 1885 (Bd. IV) pubUziert, wobei 
manche irrige frühere Lesart korrigiert wurde. In der folgenden Zusammen- 
stellung ist ein Auszug aus dieser trefflichen Arbeit gegeben und das gesamte 
bis zum Frühjahr 1896 auf der Saalburg erhobene inschriftliche Material 
durch meinen Sohn, den Kgl. Regierungsbaumeister Heimich Jacohi, binzu- 
gefügt worden. 

A. Inschriften auf Stein. 

Die Steininschriften befinden sich alle auf Votivdenkmälern, sei es auf 
der gewöhnlichen Ära oder der Basis einer Geniusstatue; viele sind nur auf 
Bruchstücken erhalten. Ihre Anzahl ist eine verhältnismäßig große, wenn auch 
manche nur in Bruchstücken auf uns gekommen sind, die so recht das er- 
sichtlich machen, was bei den Bildwerken über die Zerstörung und Zerstreuung 
der Steindenkmäler gesagt ist. Sie befinden sich mit Ausnahme des im 
Weißen Turme des Homburger Schlosses eingemauerten Votivsteiues alle 
im Saalburg-Museum. 

Besonders zahlreich sind, wie auch Hammeran a. a. O. hervorhebt, die 
Kaiserinschriften; er glaubt, deren acht annehmen zu dürfen. Sie sind 
teils im Kastell, teils außerhalb, eine sogar dicht am Pfahlgraben erhoben worden. 

In noch größerer Anzahl sind die Votivinschriften vertreten, welche 
der Fortuna, dem Merkur, dem Genius der Centurie, eine vermutlich dem 
Genius loci und in mehreren Exemplaren dem orientalischen Jupiter Dolichenus 
gewidmet sind. Letztere sind alle an der Stelle gefunden, wo das Mithraeum 
vermutet wird. 

Auffallend ist, daß unter den dedizierenden Truppenteilen die XXII. Legion 
nicht vorkommt, während doch ihre Truppenstempel so außerordentlich häufig 
sind. Der Coh. IIIL Vind. ist vielleicht eine Inschrift zuzuweisen , da- 
gegen hat die Coh. IL Raet. viele Spuren hinterlassen. Wir zählen jetzt acht 
(vielleicht neun) Inschriften von dieser Truppe. Hammeran hebt dies bereits 



272 



Die Funde. 



liervor und weist nach, daß unsere Coh. IL Raet. mit dem Beinamen C. R. 
{civt'um Bomanorum, bei Nr. 7 mit dem Zusatz Antonimana) in Obergermanien 
eine andere sei wie die gleichnamige in Raetien, und daß sie auf der Saalburg 
ihre ständige Garnison hatte. (Vergl. auch die Anmerkung zu den Zicgel- 
stcmpeln der l^ieter, unter B. I. l. c.) 



I. Kniscrinschriften. 

1. Fragment, längliclics schmales Seitenbruchstück eines großen Sandstein- 
blocks; der linke Rand der Schriftseite erhalten. 
Gefunden 1855 im Praetorium. 
Maße: 12:55:52 cm. 
Buchstabengröße: 6 cm. 
Material: Sandstein. 



Zu lesen ist: 
L. SeptimfioJ Sevcro PfioPJ. 




Sandsteinblock mit Dübelloch, der als Sockel eines Holzpfostens im 
Peristyl des Praetorium verwandt war. Der ganze Stein muß hoch 
gewesen sein, da die beiden äußeren Seiten erhalten sind. 

Gefunden 1881 im Praetorium. 

Maße: 34 : 41 : 15 cm. 

Größe der besonders schönen Buchstaben: 9 cm. 

Material: Sandstein. 



Zu lesen ist: [ajug. coh. II Rad(orum) 
c(ivium) r(omanorum). Der Kaisername ist 
nicht zu bestimmen. 

(Abbildung des Steins auf Taf. XXIV, 

Nr. 8.) 



Große Dedikationsinschrift auf 3 Blöcken, die ebenfalls später als Sockel 
gedient haben. 

Gefunden am 19. Juni 1855 im zweiten Hofe des Praetorium von 

Hahel] der letzte Block 1881. 
Maße: links oben 51:40:40, rechts oben: 40:31:36, hnks unten: 

41 : 41 : 41 cm. Gesamthöhe: 94 cm. 
Größe der Buchstaben: in den beiden obersten und untersten Zeilen 

je 6 cm, in den übrigen 5^2 cm. 
Material: Sandstein. 




Die Inschriften. 



273 




Zu lesen ist : Imp. Ca[e]s. 
[di]vi Hadri(ani) f[i]l. divi 
Trai(ani) Pa[r]thici nep(oti) 
div[i] Nervae pronep(oti) T. 
Ae[lio] Hadri(ano) A[nto- 
ninjo Aug(usto) [Pio ponti] 
f(ici)max(imo) [trihim(iciae)] 
pot(estatis) II cofs II cos] 
desig(nato) III [P. P. . . . J 
coh(ors) II Rafctorum ... .7. 
«Dem Herrscher (und) Kai- 
ser, des göttlichen Hadrianus 
Sohn, des göttlichen Traja- 
nus, des Parthikers, Enkel, 
des göttlichen Nerva Urenkel, 
dem Titus Aelius Hadrianus 
Antoninus Augustus 
P i u s , Oberpriester , im 
zweiten Jahre seiner tribu- 
nizischen Amtsgewalt, zum 
zweiten Male Konsul, zum 
dritten Male vorausgewählter Konsul, Vater des Vaterlands . . . ., die 
zweite Cohorte der Raeter (0. B. Römischer Bürger?)». 
Kaiser: Antoninus Pius. " 
Zeit: 139/140 n. Chr. 
Die zwei früher gefundenen Steine nahm Becker als zu zwei verschiedenen 
Inschriften gehörig an; Hammeran hat sie zuerst richtig zusammengestellt. 
Die Inschrift ist bis jetzt die älteste, die am ganzen Limes gefunden ist. 

Drei Bruchstücke, früher zum Teil mit der obigen Inschrift zusammen- 
gebracht; nach Hammeran bilden sie eine Kaiserinschrift für sich. 
Gefunden im Jahre 1877. 

Maße: Hnks 12 : 8 : 9, rechts oben 30 : 12 : 12\/2, unten 13 : 8 : 6 cm. 
Größe der Buchstaben: Zeile 1 = 672 cm, die übrigen 6 cm. 
Material: Sandstein. 

Zu ergänzen ist: 
imp. caes. di Nl 
hadriani f. DI 
Yi traiani ^ AR 
Thici nep. d 1 
vi Nervae pro NE 
p . . . . 

Kaiser: T. Aelius Hadrianus Antoninus Pius. 
Zeit: 138—161. 

Jacobi, Das Römcrkastell Saalbnrg. 18 




274 



Die Funde. 



5. Sieben kleinere Bruchstücke, die nach der Größe der Buclistaben und 
dem Materiale zusammengehören ; mit Ausnahme von Nr. 3 lauter Rand- 
stücke. Aus dem Worte Procos. schließt Ilammcran auf eine Kaiser- 
inschrift. Die dedizierende Kohorte ist vielleicht die Cohors IUI. Vinde- 
licorum; in einer Zeile etwa 20 Buchstaben. 

Gefunden zwischen 1855 und 1857 durch llabcl im Kastell. 

Maße der einzelnen Stücke: a. 9 : 13 : 7, b. 12 : 20 : 9, c. 15 : 21 : 5, 
d. 25 : 20 : 20, e. 21 : 34 : IG, f. 16 : 17 : 5, g. 9 : lOV'a : 9V2 cm. 

Buchstabengrößc: oberste Zeile 5,8, die übrigen 5,0 cm. 

Material: Basalt. 




Nach Hamm er an 
ist vermutungsweise 
zu lesen: 
[«m/>. caes. m. aurel^ 
SE[t'er]0 AL[e 
xanä\RO • P[/o Fe- 
lici] .... 

Kaisername: Seve- 

rus Alexander (?). 

Zeit: 222—235 (?) 



G. Bruchstück, dessen rechte Seitenfläche sichtbar ist; in jeder Zeile standen 
etwa 7 — 9 Buchstaben. 

Gefunden im Mai 1875 in der Praetentura, in der Nähe der Porta 

praetoria. 
Maße: 24:30: 21 cm. 
Größe der Buchstaben der drei oberen Zeilen: 3,6 cm, der vierten: 

3,3 cm. 
Material: Sandstein. 

Zu lesen ist: [genijo locfij in h(onorem) d(omus) 
d(ivinae), pr[o sajluie imp 

In der dritten Zeile stehen die Buchstaben: 
IMPPL (mit M ist ein I und ein P ligiert); es wäre 
deshalb zu ergänzen: = imp(cratorum) L(ucii) [Sept.] 
Severi. Die Beziehung auf Septimius Severus ist 
wahrscheinlich. 




Die Inschriften. 



275 



7. Inschriftstein im Schloßhofe zu Homburg, an der Nordseite des Weißen 
Turmes auf Befehl des Landgrafen Friedrich Jacob eingemauert. Die 
Inschrift ist eine der besterhaltenen und interessantesten, auch wohl die 
zuerst gefundene. Zum ersten Male ist sie publiziert bei Elias Neuhof, 
Abgefaßte Briefe, Erstes Stück, Homburg v. d. H. 1747. 

Nach sorgfältiger Reinigung ist von Hammeran festgestellt, daß auf 
der linken Seite, Zeile 2 — 7, kein Buchstabe fehlt, sowie daß rechts 
höchstens ein Buchstabe in jeder Zeile weggefallen ist. 11 Zeilen sind 
sicher. 

Nach Neilhof 1723 an der Saalburg, wahrscheinlich in der Nähe des 

Gräberhauses (S. 122), gefunden. 
Maße: 106:74 cm; Dicke, da eingemauert, unsicher. 
Größe der Buchstaben: 5 — 5^/2 cm. 
Material: Basalt, 




Zu lesen ist: [imjp(eratori) 
caes(ari) m(arco) [aur(elio)] 
antonino pio [fejlicfi] ang- 
(usto) pontiffici] max(imo) 
hritan(mco) m[ax(imo)J par- 
ihico m[ax(imo) tjribunic(iae) 
potc[s]tatis X Vco(n)s(uli) 
II [I] p(atri) p(atriae) p[r]o- 
co(n)s(uli) coh(ors) [II rae- 

t(orum)] antonini[(ana) 
c(ivium)] r(omanorum) [de] 
Vota numi[ni] ei[ujs . . . c 
«Dem Herrscher und Kaiser 
Marcus Aurelius Anto- 
ninus, dem Frommen, dem 
Glücklichen, dem Erhabenen, 
dem Oberpriester, dem größ- 
ten Sieger über die Britan- 
nen und Parther, im 15. Jahre 
seiner tribunizischen Gewalt, 
zum dritten Mal Konsul, dem 
Vater des Vaterlandes, dem 
Prokonsul, hat die zweite 

Kohorte der Raeter, die antoninische, seiner Majestät ergeben, diesen 

Denkstein errichtet.» 
Im Gegensatz zu früheren Kommentaren ist die dedizierende Kohorte 

als die II. Kohorte der Raeter und nicht als die IUI. der Vindelicier 

von Hammeran nachgewiesen; der Beiname derselben «Antouiniana» er- 

18* 




276 Die Funde. 

scheint hier zum ersten Male. Das Ende der letzten Zeile ergänzt Ilam- 
meran vermutungsweise als C(il{on(iis) und S als mcrat. 

Kaiser: Marcus Aurelius Antoninus, gewöhnlich mit dem Beinamen 
Caracalla. 

Zeit: 212. 

H. Zwei Bruchstücke, die jedenfalls zu einer Inschrift gehören; der Rand 
ist nirgends erhallen, die Schrift nachlässig. 
Gefunden 1877. 

Maße: 14 : 15 : 5 und 20 : 17 : 8 cm. 
Buchstabengröße ungleich. 
Material: Sandstein. 

Zu lesen in dem Stück auf der linken 
Seite: (c)oh; in dem auf der rechten: ang. 
hrii(annicns). Darnach der Kaiser Commodus 
oder Septimius Scverns; nach der schlechten 
Schrift auch Sevcri4S oder Caracalla. Zeit: 
III. Jahrhundert. 

Längliche, profilierte Basis, enthält die letzte Zeile einer großen Votiv- 
inschrift. 

Gefunden 1856 von Habel gleichzeitig mit dem Münzfunde östlich 
vom Kastell. 

Maße: 13 : 53 : 7 cm. 

Buchstabengröße: 4\'2 cm. 

Material: Sandstein. 

Zu lesen ist: EIVS. VSLLM. 
Kaiser und Zeit unbestimmt. 



II. Totivinschriften. 

10. Votivstein der Fortuna (Zeichnung s. Taf. XXIV, Nr. 4). Die best- 
erhaltene Inschrift, die sich besonders durch schöne und sauber ge- 
arbeitete Buchstaben auszeichnet. 

Gefunden am 15. August 1854 als Bedeckung eines Kanals an der Villa, 
erhoben in Gegenwart des Landgrafen Ferdinand am 29. Sept. 1854. 
Der Stein war so eingemauert, daß die Schrift nach unten lag. 
Zur Einmauerung dienten zum Teile Backsteine der VIII. Legion. 
Interessant ist die Bemerkung Habeis, daß die Buchstaben rot aus- 
gefüllt waren. 
Maße: 103 : 50 : 25 cm. 
Buchstabengröße: 6\'2 cm. 
Material: Sandstein. 



Die Inschriften. 



277 



Zu lesen ist: 

FORTVNAE 

C-MOGILLO 

NIVS.PRISC 

ANVS.PRA 

EF-CoH.II.RA^E 

C.R.V-S.L.L.M. 

«Der Fortuna löst Gaius Mogillonius Priscanus, Praefekt der 
zweiten Kohorte der Raeter, der Römischen Bürger, sein Gelübde gern 
und freudig nach Gebühr.» 

Hervorzuheben ist hierbei das Cognomen der Truppe als Cives 
Bomani, sowie daß entgegen allen früheren Lesarten und der oben 
citierten Abbildung nach genauer Untersuchung des Steines in der 
3. Zeile kein I am Ende steht; der Name des Dedikanten lautet also 
Priscanus. 

Zeit, nach der Schrift zu urteilen: Beginn oder Mitte des 2. Jahr- 
hunderts. 

11. Bruchstück eines Altars, wahrscheinlich der Fortuna gewidmet; der 
Rand ist nirgends erhalten. 
Gefunden von Hahel 1855. 
Maße: 38 : 39 : 29 cm. 
Buchstabengröße: 6^4 cm. 
Material: Sandstein. 




In der ersten Zeile steht jedenfalls Forttmae, 
darunter Sextius, welche beide die Breite des 
Steines einnehmen. In der dritten Zeile 
könnte nach Hammeran vielleicht an ex 
exacto cons. gedacht werden. Doch dürfte 
jetzt nach Auffindung des Nymphensteins 
(siehe Nr. 41) als ziemlich sicher Victor 
zu lesen sein. Sextius Victor wird dort als 
Praefekt der Raeter erwähnt und ist wahr- 
scheinlich derselbe wie hier. Auch Hammeran hatte den Stein den 
Raetern zugeschrieben. Zu lesen ist demnach: fforjtunafej [SJextiufsJ 
[ViJctofrJ [PJra[efJ(ectus) und dann coh. IL Baet. Das Vorkommen 
der Liniierung der Zeilenreihe ist sonst für christliche Inschriften der 
Frankenzeit am Rheine und in Gallien charakteristisch. (Es entspricht 
übrigens auch jetzt noch dem Handwerksgebrauche, die Linien mit der 
Spitze eines Meißels zu ziehen, da eine farbige Bezeichnung durch den 
Staub und die Benässung des Steines bei der Bearbeitung verschwindet ; 
allerdings bleiben solche Linien nicht sichtbar.) 



278 



Die Funde. 



12. Votivsäule mit Insclirifttafel ; Abbildung auf Ttif. XXIV, Nr. 2. 

Im August 1872 aufrecht stehend in einem Grabe gefunden (S. 137). 
Maße der Tafel: 12: 15:2 cm. 

Buchstabengrüße: Zeile 1 und 5 = 1,5, in den übrigen 1,3 cm. 
Material : Sandstein. 



Zu lesen ist: 



I-/////M. 

CONDOLLI 

VS.MAR///// 

VS-VSLL 

M 



«Jupiter, dem Besten, dem Höchsten, weihte Condollius Mar(c?)us 
diesen Altar, sein Gelübde gern und freudig nach Gebühr zu lösen.» 

In der dritten Zeile ist das Cognomen nicht sicher als Marcus anzu- 
nehmen. Schon weil das Praenomen fehlt, stammt die flüchtig gearbeitete 
Inschrift aus später Zeit. 

13. Bruchstück eines Altars, dessen rechte Seite erhalten ist (s. Taf. XXIV, 
Nr. 1). 

Gefunden im Oktober 1874 in der Praetentura des Kastells. 
Maße: 67 : 10 : 34 cm. 
Buchstabengröße: 3 cm. 
Material: Sandstein. 



Der Name des Dedikanten ist nicht zu erkennen; die 
Ziffer am Schlüsse deutet auf ein Konsulat; vielleicht ist zu er- 
gänzen : 

[i. 0. m. dJO 

[liehe] N 

[0.... ]. 

in der sechsten Zeile optio und in der siebenten wahrscheinlich 
posuit. Das A der fünften Zeile könnte auf eine Tribus gedeutet 
werden, Zeile 4 enthält das Ende des Namens. 

BeeJcer vermutete in der ersten Zeile [Mercurijo. 



14. Oberer Teil eines DoHchenus- Altars (s. Taf. XXIV, Nr. 3). 

Gefunden 1816 beim Bau der Usinger Landstraße etwa da, wo der 
Friedhof liegt. Die fehlende rechte Ecke der Bekrönung wurde 



fast an derselben Stelle 1884 gefunden. 
Maße: 67:43:41 cm. 

Buchstabengröße: Zeile 1 =4; 2 = 3\'2; 3 = 3V2; 4 
Material: Sandstein. 



3 cm. 



Die Inschriften. 



279 




Lesung unsicher: 

I {ovi) Oiptimo) M{axmo) 

DOLICHEN[0] 

Vor dem Namen Candidus in der vierten Zeile 
ist vielleicht eine Tribus zu ergänzen; Hühner 
vermutet, daß der Dedikant Tiberius Claudius 
Candidus, der bekannte Praepositus copiarum 
expeditionis germanicae (CLL. U. 4114, etwa 
aus dem Jahre 178) sein könne. Bei der Mög- 
lichkeit des gleichen Vornamens wäre auch ein 
Sohn desselben nicht ausgeschlossen. 

15. Besser erhaltener Dolichenus- Altar mit schöner Schrift; nach der erhal- 
tenen Bekrönung läßt sich die Breite des Steines angeben. 

Gefunden im August 1884 in einem Brunnen (Nr. 7) 100 m östhch 

vom Kastell. 
Maße: oben: 62 : 41 : 37 cm, am Mittelstück: 32 : 29 : 30 cm. 
Buchstabengröße: 2^/4 cm, 
Material: Sandstein. 

Zu lesen ist: 
l{ovi) O[ptimo) 
DOLICH[mo] 

T[itus) ' ¥h{avius) - ^lh\vinus oder vaniis] 
CORNl[cM/](anMs) 
• N{otimi) • S{uscepfum) • S{olvü). 
Cornicidarius in der vierten Zeile bedeutet die Charge 
(Adjutant?), einen Militär, der durch das Ehren- 
zeichen eines kleinen Hornes ausgezeichnet war. 

16. Überrest einer Dolichenus-Inschrift mit Eckverzierung der Randleiste. 
Zu dem von Hammeran besprochenen linken Eckstücke, das mit Nr. 15 ge- 
meinsam ausgegraben wurde, ist 1894 die rechte Ecke gefunden. Zeich- 
nung siehe auf Fig. 40, Nr. 12 a und b. 

Maße von b: 25 : 21 : 8 cm. 
Buchstabengröße: 5 cm. 
Material: Sandstein. 
Zu lesen ist: l{ovi) 0{ptimo) M.{aximo) 

DO[Uch]ENO 
IUI COH 
Der Buchstabe vor COH vermutlich ein M als Abkürzung von mües; in 
der letzten Zeile vielleicht [II IIAE]T, dahinter R. C. statt C. R. = civium 
Homanorum. 

17. Randstück einer Ära von derselben Stelle, mit dem Buchstaben D am 
linken oberen Rande. 




BOkIG 
GOB. 



280 Die Funde. 

18. Votivstein, dem Mercurius gewidmet, mit nachlässiger, später Schrift 
in einem veraierten Rahmen. (Tafel XXIV, Nr. 5.) 

Gefunden zwischen Bogräbnisplatz und Kastell, hi der Nähe der 

Römerstraße nach Heddernheim, 1872. 
Maße: 46:30:26 cm. 

Buchstabengröße: oberste Zeile 3'/«, die übrigen 3 cm. 
Material: Sandstein. 

Zu lesen: In der ersten Zeile DEO MERCVRIO; in der 
zweiten ARAM; in der dritten wäre vielleicht Äntonin.s, 
aber nicht unbedingt, möglich; Zeile 4 enthält wahr- 
scheinhch das Cognomen auf rius oder j«'«s. 
^ ^ ^ j Der Sockel trägt die Dedikationsformel: D-D-D. 

11). Basis einer Geniusstatue, von der nur der Fuß erhalten ist, dem Genius 
einer Centurie geweiht. Die Inschrift ist schlecht geschrieben, der 
rechte Rand ist abgebrochen. 

Gefunden zwischen 1854 und 1857 unter Hobel. 

Maße: 16:23:11 cm. 

Buchstabengröße: 1,8 — 2 cm. 

Material: Sandstein. 

GENIOo.IAE 

IVS.PiV^SAVSSL//// 

Sicher ist: genio centuriae; der Name des Dedikanten könnte etwa Titas 
Äelius Paiisa (?) heißen; der Strich über dem A auffallend, vielleicht 
Ligierung von A mit T (?), dann folgt die Dedikationsformel; am Ende 
dieser fehlt wohl L-M. 

20. Kleines, schmales Altärchen, Armstütze eines opfernden Genius (Tafel 
XXVI, Nr. 7), mit dem ausgestreckten Arme erhalten. Der Stein ist 
unten nicht abgeschlossen. 

Gefunden: 1874 im Kastell. 

Maße: 10 : 4 : 5 cm. 

Buchstabengröße: 1 cm. 

Material: Sandstein. 
Zu lesen ist: Genio c(enttiriae) Silvini ÄUi(-anus, -cus, -Uns, 
-cinus (?)j. 

21. Bruchstück einer Ära, deren linke obere Ecke allein erhalten ist (Taf. 
XXIV, Nr. 7). 

Gefunden: ungefähr zur selben Zeit wie Nr. 20. 
Maße: 30:16:33 cm. 




Die Inschriften. 281 

Buchstabellgröße: 3 cm, 
Material: Sandstein. 

GE 
S 
Zu ergänzen in der obersten Zeile: ge(nio). 

22. Rescribierte Inschrift auf einer Basis, auf der nur noch die Füße der 
Figur erhalten sind. 

Gefunden: 1855 von Hobel im Kastell. 
Maße : 21 : 36 : 25 cm. 
Buchstabengröße: 2,8; 2,8; 3,2 cm. 
Material: Sandstein. 
Die spätere Inschrift ist ziemlich sicher zu lesen: 

IN-H-D-D-GENIO 
C- SO CVPITI. 
PRIMIVS • AVSO 
. OPTIO. POSIT. 

in h(onorcm) d(omus) d(ivinae) Genio c(enturiae) So ... . Cupiti 
Primius Äuso optio pos(u)it. 
«Zu Ehren des Kaiserlichen Hauses ließ dem Genius der Centurie des 
.... Sohnes des Cupitus .... der Unterzugführer (optio) Primius Auso 
dieses Geniusbild errichten.» 

Die ältere Inschrift ist unsicher, sie befindet sich unter Zeile 2 und 3, 
sodaß der Verfasser die formelhaften Zeilen 1 und 4 möglicherweise mit- 
benutzt hat. Zeile 4 ist sicher C(enturiae); •attonius (nach BecJcer: Sattonius) 
ist möghch, doch nicht sicher; es folgt AN/ ///AS, das Ceuturienzeichen 
und PO. 

23. Geniusstatue mit sehr schwer zu entziffernder schlechter Schrift auf der 
kleinen Ära und dem Sockel (Taf. XXVI, Nr. 2). 

Gefunden 1882 im Kastell. 

Maße: Der Ära: 6:12:7 cm, der Basis: 12^2 : 37\'2 : 15 cm. 
Buchstabengröße: auf der Ära 1^2 cm, auf der Basis 2^'2 cm. 
Material: Sandstein. 

Auf dem Altärchen ist zu lesen: 

GE 
NI 
O 

Von der unleserlichen Inschrift auf der Basis ist ziemlich sicher die erste 
Zeile: INHDDGENiO 3 in h(onorem) d(omus) d(ivinae) genio c(entunae). 
Zeile 2 enthält den Namen des Centurienführers Attiavi (?), dahinter ein A 
und ATTENP oder ähnlich. Zeile 3: vielleicht IN SVO POSV(«Y.). Zeile 4: 



282 Die Funde. 

IMPDNANT/1 .... enthält die Zeitbestimmung hup. d{om.) n. Änt[ou) . . . . 
einem der Antonine oder Caracalla. 

24. Unbestimmbares Bruchstück. 

Gefunden: 1854. 
Maße: 18:18:21 cm. 
Buchstabengröße: 3 cm. 
Material: Sandstein. 

A/ 

.Q.A 

NDR 

T 

Kaum zu entziffern ; Zeile 3 : vielleicht {Alex)ündr[o), Name des Kaisers (?). 

25. Zwei Bruchstücke, anscheinend zu ein und demselben Steine gehörig. 

Gefunden: 1877. 

Maße: a) 17 : 25 : 10 cm; b) 10 : 27 : 12 cm. 

Buchstabengröße: 6V2 cm. 

Material: Sandstein. 

a) LIAL; b) iNA. 
Bei a) wäre etwa zu denken an [Jii]lia B[omna). 

26. Bruchstück. Gefunden 1873 in der Praetentura des Kastells. 

Maße: 24:15:19 cm. 
Buchstabengröße: 372 cm. 
Material: Basalt. 

C 
S 

27. Bruchstück, an demselben Orte und zur selben Zeit gefunden, mit un- 
sicheren Strichen, die vielleicht zu lesen sind: 

LLI 
BI 
Maße: 21:18:12 cm. 
Material: Sandstein. 

28. Bruchstück aus Sandstein mit 4^2 cm großen Buchstaben. 

Maße: 22:27:9 cm. 

29. Obere linke Ecke einer Ära mit Bekrönung. 

Gefunden: 1877. 
Maße: 20:24:12 cm. 
Material: Sandstein. 
Am linken Rande ist zu erkennen: ^I. 



Die Inschriften. 

Nachtrag. 



283 



Diesen früher veröffentlichten Inschriften sind diejenigen hinzuzufügen, 
welche seit der Publikation Hammcrans gefunden sind. Von diesen sind die 
Nummern 30 — 40 auf der vorstehenden Textfigur als Nr. 1 — 11 abgebildet. 
Wir verweisen auf sie, indem wir der Beschreibung diese Zahlen in Klammer 
beifügen. 




Fig. 40. 



30. Votivstein (Nr. 1), Bruchstück; die rechte obere Hälfte und die Be- 
krönung fehlen. Auf der einen Seite ein Opfermesser, auf der anderen 
eine Räucherpfanne; auffallend ist die Häufung der Wulste am Sockel. 

Gefunden: Juli 1892 in der Praetentura hnks. 

Maße der Inschrifttafel: 24:37 cm (Dicke des Steins 23 cm). 

Buchstabengröße: 5^2 cm. 

Material: Sandstein. 

Zu lesen ist: Gen[io\ Cent[ii]riae [•] Cl{audü) Celeris- 

Am Ende der dritten Zeile ist jedenfalls auch ein Herzblatt als Inter- 
punktion zu ergänzen. 

31. Bruchstück aus Sandstein mit schlechter Schrift (Nr. 2). Maße: 19 : 15 : 10cm. 
Buchstabengröße 3 cm. Zu lesen ist: pra[ef]{ectus) [c]oh II R[ad.\ 

32. Kleines Sandsteinbruchstück: 10:13:6 (Nr. 3). Größe der sehr flüch- 
tigen Buchstaben: 5 cm. //// ive jjj (?). 

33. Kleines Sandsteinbruchstück: 11 : 11 : 12 cm, Rest von einem O (Nr. 4). 



284 r>ie Funde. 

34. Siuulsteinbruclistück mit oberem liiind. D vielleicht 7Air Dedikutions- 
formel MI-D-D gehörig (Nr. 5). 

35. Bekröiiung einer Sandsteinara, deren erste Zeile mit den Buchstaben 
I«0«M erhalten ist. Grüße der letzteren: 3'/2 cm (Nr. G). 

3G. Linkes Randstück aus Sandstein (Nr. 7). ES und darunter G sind sicher. 
Maße: 11 : 11 : 13 cm. Buchstabengröße: 5 cm. 

37. Rechtes Randstück aus Sandstein mit schlechter Schrift (Nr. 8); zu 
lesen die Buchstaben lA ; davor vielleicht der Rest eines R. Buchstaben- 
größe: 4 cm. 

38. Linkes Randstück; 8:9:16 cm, mit dem Buchstaben D und darunter 
die Zahl X (?). Buchstaben: 3 cm hoch (Nr. 9). 

39. Sandsteinbruchstück (Nr. 10), mit Resten von sehr großen, etwa 8 — 9 cm 
hohen Buchstaben. Der erste Buchstabe der ersten Zeile jedenfalls O, da der 
Punkt in der Mitte ein Sandloch ist; vielleicht COH (?). Maße: 13:18:7 cm. 
Buchstabengröße: etwa 8 — 10 cm. 

40. Rechtes Randstück aus Sandstein: 17V2 : 9 : 13 cm; Höhe des R = 2'/« cm, 
des M = 5V2 cm. Letzteres gehört vielleicht zur Schlußformel :V'S'L«L«M. 
(Nr. 11). 

41. Hierher gehört auch der an der Quelle des Kirdorfer Baches (1000 m 
westlich von der Saalburg) gefundene Nymphen stein. 

Über die Fundstelle vergl. S. 146 und L. Jacobi, Westd. Zeitschr. XIV. 
(1895) S. 156. 

Gefunden am 3. Juli 1894. 

Maße der Schriftfläche : 34 : 58 cm. 

Buchstabengröße: 5 cm. 

Material: gelblicher, grobkörniger, vom Wasser stark angegriffener 
Vilbeler Sandstein, 
Die Ära, von deren Sockel nur Bruchstücke erhalten sind, hat die ge- 
wöhnliche Bekrönung mit verzierter Platte und ornamentiertem Rande 
der Schrifttafel. Die rechte Seite enthält die auch sonst häufige Urne 
und die Räucherpfanne, die linke eine Hand mit ausgestreckten Fingern, 
deren Bedeutung nicht aufgeklärt ist (Schwurhand [?J). Auf einem Sockel- 
bruchstück befindet sich ein Hammer. Letzteres gehört vielleicht zu 
dem im Jahre 1700 an derselben Stelle gefundenen und von Xeuhof 
1780 veröffentlichten Stein, der dieselben Attribute zeigt. Die Inschrift 
auf demselben scheint falsch gele'sen zu sein; der Stein selbst ist seiner 
Zeit beim Bau des Homburger Schlosses (1680—85) eingemauert worden. 



Die Inschriften. 



285 



Die auf der Vorderseite unserer Nymphen-Ara befindliche Inschrift 
lautet : 



42. 




NVMPHIS 

SACRVM 

COHlIRiE[TJ 

CR.CVI 

[PjRE-E-S.T 

////[S]EXTI 

[VSV1]CT0R 

[PRAEjFECT 

[V.]S.L.L.M 

Nymphis 

sacrum 

coh(ors)II Raet(orum) 

c(ivium) li(omanorum) 

cui 
[pjreesf 
III [SJexfi 
[us Vijctor 
[praejfect(us) 
[(vjotum)]. s(olvit) l(i- 

bens) l(aetus) m(crito) 



Über den Praefekten der Kohorte, Sextius Victor, vergleiche die Notiz 
zur Inschrift A. IL Nr. 11. Auffallend ist preest für praeest. Mommscn 
setzt den Stein der Schrift nach in das zweite Jahrhundert. 

Sandsteinbruchstück, gefunden am 17. April 1896 vor dem Gräberhause, 
wohin es verschleppt zu sein scheint; es trägt die Aufschrift: /// COHI ////. 
Die Buchstaben sind 9 — 10 cm hoch und die größten, die wir bis jetzt 
gefunden haben. Die Inschrift dürfte sich an einem hervorragenden Teile 
des Kastells, vielleicht an einem Thore, befunden haben. Die Zahl- 
bezeichnung der Kohorte wird zu II zu ergänzen sein. 



286 ^'f" l'^'in'lo 




Fig. 41. Stempel einer Heizkachel. ('/•» der nat. Größe ) 

B. Inschriften auf Gegenständen aus Thon. 
I. Auf Ziegeln. 

1 . S t e ra p e 1. 

Der Zusammenstellung unserer Ziegelstempel ist vorauszuschicken, daß 
die auf den Tafeln LXXV — LXXIX dargestellten Stempel bereits seit 10 
bis 15 Jahren gezeichnet und gedruckt sind. Sie wurden nach den damals 
vorhandenen Exemplaren sorgfältig, so gut sie eben erkennbar waren, auf- 
genommen und nach den auf uns gekommenen Bruchstücken ergänzt. Wenn 
sich dabei einige Unrichtigkeiten eingeschlichen haben, die jetzt, nachdem 
bessere Stücke gefunden sind, und nachdem in verschiedeneu Publikationen 
allmähUch ein reichliches Material niedergelegt ist, zumal bei unserm neuen 
vervollkommneten Reproduktionsverfahren vermieden werden können, so ist 
dies leicht begreiflich. Eine genaue Vergleichung mit neugefundenen, besser 
erhaltenen Exemplaren hat einige kleine Fehler erkennen lassen, auf die 
jedesmal besonders hingewiesen ist; bei einigen ist ein neuer Abklatsch ab- 
gedruckt worden. Die neueren Funde bis zum Herbst 1895 sind auf den 
Textfiguren 41 — 46 abgebildet. 

Wir besitzen Truppenstempel der Coh. I, Flavia Daraascenorum, der 
Coh. II Raetorum, der Coh. IUI. VindeHcorum, der Legio VIII Augusta und 
der Legio XXII. Primigenia Pia Fidelis. (Von Ziegeln der Coh. I. Civium 
Romanorum ist nur eine Notiz Hobels und Bechers auf uns gekommen.) 
Diese Stempel befinden sich meistens auf Ziegelplatten und zwar zum größten 
Teile auf Bruchstücken. Wenn sie auf Kacheln, Dach- oder Verblendziegeln 
aufgeprägt sind, ist dies jedesmal besonders vermerkt. Hinter jeder Varietät 
ist in Klammer die Zahl augegeben, in wieviel Exemplaren sich der Stempel 
im Saalburgmuseum befindet; sie läßt erkennen, wie häufig einzelne Stempel 
bei uns vertreten sind. Doch ist dabei immerhin in Rechnung zu ziehen, daß 
nicht alle Ziegel im Museum untergebracht werden können und noch manche 
ganze Platten in Hypokausten in situ vorhanden sind; auch können die 
Ausgrabungen sehr leicht und schnell das Bild, das wir uns jetzt vorstellen, 



Inschriften. Ziegelstempel. 287 

«ändern. Nicht in unsere Sammlung gekommen ist der oben erwähnte Stempel 
der Coh. I, der Stempel der XXII. Legion Nr. 1 14, der zur Dieffenbach'schen 
Sammlung gehörte und wahrscheinlich jetzt in Darmstadt ist, und Nr. 115, 
von dem nur in den Aufzeichnungen Hahcls eine flüchtige Skizze existiert. 

Die Stempel der XXII. Legion sind die zahlreichsten, mit 118 Varie- 
täten, die Coh. I. Fl. D. ist einmal, die der Raeter mit 4, die der Yindelicier 
mit 18 und die VIII. Legion mit 11 Varietäten vertreten. Daneben haben 
wir noch drei Stempel von Privatzieglern und zwei Abnahmestempel, ein- 
schließlich desjenigen der Coh. I C. R. im Ganzen 158 verschiedene Ziegel- 
stempel von der Saalburg in vielen Hunderten von Exemplaren, darunter 3, 
die abhanden gekommen sind. 

Am sorgfältigsten und mit wenigen Ausnahmen nicht ohne Geschmack 
sind die Stempel der XXII. Legion geschnitten, diejenigen der Vindelicier 
haben meist plumpe und breite Buchstaben, doch sind auch darunter einige 
von besserer Ausführung. Sehr ungeschickt und roh sind die sehr einfachen 
Stempel der VIII. Legion. Ein Schluß aus der mehr oder weniger kunst- 
vollen Form der Stempel auf ihr Alter hat immer etwas Bedenkliches; es 
gab im ersten Jahrhundert so gut ungewandte Stempelschneider wie in der 
Spätzeit. Auch darf nicht außer Betracht gelassen werden, daß viele Stempel 
in einer besseren und schlechteren Ausführung vorkommen, je nachdem sie 
mit einer neuen Matrize, bezw. einer solchen aus hartem Holze, oder aber 
mit einem Stempel aus weichem Holze oder einem bereits abgenutzten her- 
gestellt sind. Kachelstempel, die in so hervorragender Weise geschnitten 
und eingedrückt sind, dürften allerdings einer späteren, entwickelten Technik 
angehören. Die Stempel der Raeter und Damascener haben eine apparte 
Schildform und andere Buchstaben wie die übrigen ; meine Ansicht hierüber 
habe ich bei der Besprechung der Ziegelfabrikation mitgeteilt. 

Was die Form des vertieften Stempelschildes (nur Nr. 1 der Raeter hat 
allein kein solches) anlangt, so ist die längliche, rechteckige vorherrschend ; die 
horizontale Schrift steht in einer, zwei oder drei Zeilen, die bei einigen durch 
Striche getrennt sind. Oft sehr einfach, ist das Schild bei anderen wiederum 
reich verziert, an den Rändern gekerbt oder von Parallelstrichen umrahmt. 
Manchmal ist in dem äußeren Schilde noch eine besondere Umrahmung, 
wie ein zweites Schild. An den Kurzseiten des inneren wie des äußeren 
sind die bekannten Schwalbenschwanz förmigen Henkel (ansac) von dreieckiger, 
trapezförmiger oder runder Gestalt. Neben diesen oblongen Stempeln giebt 
es Rundstempel, teils einfache, teils solche mit verzierten Rändern und kon- 
zentrischen Ringen. Eigenartig sind die «Bandstempel», deren Schild Ähnlich- 
keit hat mit einem bewegten Bande, Das sehr stark geschwungene Band 
(Nr. 91) könnte eher den Buchstaben S bezeichnen, ebenso wie wir in unsrer 
Fig. 46 Nr. 2 ein C und bei Wolff^^*^) in dessen Fig. 127 die anders schwer 



2'6) Prof. Dr. GeorgWolff, Die römischen Ziegeleien bei Höchst a.M. und ihre Stempel, 
im «Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst», III. Folge, III. Bd., S. 212—346. 



288 r)ie Funde. 

erklärliche Figur eines L sehen rnücliten. Ob in der SchiMform der Name 
des Ziegelmachers, der ja auch oft ausgeschrieben ist, oder ein Hinweis auf 
die Truppe ausgedrückt war, was sonst durch die noch zu erwähnenden 
Attribute gescliah? Oft sind auch einzehie dieser Formen mit einander ver- 
einigt. Eine ganz auffallende Gestalt haben die Schilde Nr. 94 und Nr. 95, 
nämlich die eines Delphins und einer Schuhsohle; auch hierfür fehlt bis jetzt 
eine Erklärung. 

Von besonderer Kunstfertigkeit zeugen die großen Stempel auf unseren 
Kacheln, die meist deren ganze eine Seite einnehmen. Hier ist eine Frage 
nach dem Grunde wohl am Platze, denn man sollte meinen, ein einfacher 
Stempel hätte doch denselben Dienst gethan. Man ist aber um so mehr um 
eine Antwort verlegen, als alle derartigen, mühsam hergestellton Verzierungen, 
wie sie auch die Ziegelplatten haben, bei letzteren durch die zunächst liegen- 
den in den Hypokaustenpfeilern, bei den Kacheln durch den daraufgebrachteu 
Putz verdeckt und von Niemandem mehr gesehen wurden. Man könnte diesen 
Umstand nur auf eine besondere Freude an schönen Formen und Verzie- 
rungen zurückführen, die sel})st das Unwesentlichste schön zu gestalten be- 
müht war; an Muße dazu hat es in Friedenszeiten für die Truppen jedenfalls 
nicht gefehlt. Wenn bei den großen Stempeln der Grund oft durch Punkte 
oder Leisten reichlich bedeckt ist, so sehen wir hierin nebenbei das Bestreben, 
nach Möglichkeit große, glatte Flächen zu vermeiden, um sie durch künst- 
liche Unebenheiten für die Aufnahme des Putzes geeigneter zu machen. 
Auf den Seiten, auf denen kein Stempel ist, .sind die Kacheln oft mit einem 
Stifte aus Eisen oder Holz zu demselben Zwecke karriert. 

Innerhalb des Schildes haben wir den Namen des stempelnden Truppen- 
teiles, oft in einzelnen Buchstaben ligiert, oft ganz oder teilweise rückläufig 
oder verkehrt geschrieben, je nach dem Können des Stempelschneiders. Die 
Rundstempel haben die Legende entweder in horizontalen Reihen oder an 
der Peripherie, manchmal in einem besonderen Ringe, und zwar entweder 
wie die Aufschrift auf den Münzen oder in umgekehrtem Drehungssinne an- 
geordnet; auch sind beide Schreibweisen vereinigt. Von Stempeln, die 
außer dem Namen der Truppe noch darunter denjenigen des Ziegelmachers 
tragen, besitzen wir 11 rechteckige längliche, einen kreuzförmigen, einen band- 
förmigen und einen Rundstempel, zusammen 14 Stück. 

Zu erwähnen sind noch die zwischen den Zeilen befindlichen Attribute 
und Zeichen, deren Bedeutung noch nicht erkannt i;t. Neben dem Capri- 
corn haben wir das Blitzbündel, den Stier, den Tannenbaum, den Dreizack, 
Sterne, Halbmonde u. s. w., alles Zeichen, die auch sonst häufig vorkommen. 
Man vermutet in ihnen zum Teil wenigstens Feldzeichen. Hahel hat darüber 
eine größere Arbeit in den Nass. Ann. HI. Heft 1837 veröffentlicht. Außer- 
dem besitzen wir noch drei Stempel (darunter einen Rundstempel) mit 
Namen ohne Angabe der Zugehörigkeit zu einem Truppenteile; man hat 
diese deshalb Privatzieglern zugeschrieben, deren Fabrik vielleicht in der 
lehmreichen Ebene bei Homburg gesucht werden kann. Eine Vermutung 



Inschriften. Zicgelstempel. 289 

über ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Truppe ist bei der Besprechung 
der Ziegelfabrikation geäußert worden. Auf die Bedeutung der Probations- 
sterapel ist an anderer Stelle hingewiesen. 

Bei der Wichtigkeit der Ziegelstempel auch für die Geschichte der Le- 
gionen ist jedem Abschnitt eine kleine Notiz über die Geschichte der betr. 
Truppe vorgesetzt, die ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Bitterling 
verdanke. 

Mehrfach ist die bereits S. 287 erwähnte Arbeit von Prof. Wolff 
(abgekürzt W) als die einzige bis jetzt bestehende Zusammenstellung 
zum Vergleich herangezogen. Da auch unsere Stempel zum Teil aus den- 
selben Öfen wie die Nieder Stempel stammen, waren Herrn Professor Woljf 
bereits für seine Arbeit unsere Tafeln und einige neue Abklatsche zur Ver- 
fügung gestellt. An einzelnen Stelleu ist auch, besonders bezüglich der 
Vindelicier, auf die beiden Aufsätze von Dr. Suchier, Zeitschrift des Vereins 
für hess. Geschichte und Landeskunde, N. F. VHI, Kassel 1882 und «Fest- 
gabe zur Jahresversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landes- 
kunde zu Hanau 1885», sowie auf das erste Heft des großen Limeswerkes 
(Kastell Butzbach) hingewiesen. Wir haben die drei letzteren mit «Suchier Z», 
«Suchier i*"» und «Linieswerk i?» abgekürzt. 

a) COHICIV.R. 

(Cohors I. civium Bomanorum.)^^'') 

COH'I'CIV'R Unter den Papieren Habeis findet sich die Notiz, daß 

(auch die Legende: dieser Stempel an der Saalburg auf einer Thonplatte ge- 
COH'I'C'R wh'd funden sei. Der Stein ist leider nicht in unsere Hände ge- 
erwähnt), kommen und wahrscheinlich bei der Überbringung der 
Altertümer von Homburg nach Darmstadt verloren gegangen. 
Doch ist an ihm nicht zu zweifeln, da auch Becker ihn 
gesehen hat und darüber im Frankfurter Archiv, N. F. I, 
S. 22, schreibt: «es muß noch besonders hervorgehoben 
werden, daß diese erste Kohorte der italischen FreiwiHigen — 



^") Coli. I. cio. rom. eqCttitata) p. f. erscheint zuerst auf dem Diplome v. J. 116. Nach 
Ritterling (W. Z. XII. 214) lag diese Kohorte unter den Flaviern in Untergermanien, aus 
welcher Zeit die Inschrift Bramh. 670 stammen dürfte; sie erwarb sich die Beinamen p. f. im 
Jahre 89 gegen Antonius Saturninus. Vielleicht wurde sie zu den dacischen Kriegen Trajans 
an die Donau gezogen, da ein Stempel bei der Donaubrücke Trajans (C. ill. 1760, 2) sie 
zu nennen scheint. Von da wird sie nach Obergermanien gekommen sein. Wo hier ihr 
Lager am Limes gewesen sein mag, ist noch nicht sicher entschieden; Eitterling vermutet 
in Seligenstadt, dem nächsten Kastell von Großkrotzenburg aufwärts, wo ihre Ziegelstempel 
massenhaft vorkommen {Bramh. 1407b). Dafür spricht namentlich auch die Inschrift aus 
dem Krotzenburger Mithraeum (vergl. Wolff, Groß - Krotzenburg, S. 53), welche den Prä- 
fekten der Coli. I. civ. Eom. gleichzeitig den praei)(ositus) der in Krotzenburg liegenden 
Coli. IUI. Vind. nennt. Stempel von ihr finden sich noch in Ems (B. J. 88, S. 111), 
Arzbach- Äugst {Bramh. 1542c), Kesselstadt, Großkrotzenburg und Alteburg b. Arnsburg 
(Limesblatt 9, S. 269). 

Jaeobi, Das Römerkastell Saalburg. 19 



290 Die Funde. 

fohorfes Itnlicac cir'nim Ttomanortim vohmtarionim war ilir 
offizieller Name — auch in dem mehrervvähnten Militär- 
diplome unter den in Obergermanien stehenden Truppen- 
körpern ausdrücklich genannt wird, wiewohl sie nur kurze 
Zeit auf der Saalburg gelegen zu haben scheint, da sich 
ihre Stempel zahlreicher bei Sehgenstadt am Main finden. 
Vergl. liossrl a. a. 0., S. 35—36.» 

b) Coh-I.F.D- 

(Cohors I. Flavia Bamasccnorum.)^^^) 

COH-T-F-D Taf. LXXIX, Nr. 1. Auf der Tafel fehlt ein Punkt 

hinter F. Die Legende befindet sich in besonderem Rahmen 
mit Schwalbenschwänzen innerhalb eines einfachen Schildes. 
Wohl derselbe wie der von Friedberg bei Dieffenhach, Nass. 
Ann. 1877, S. 300, Nr. 193. Vier Exemplare auf Dach- 
ziegeln — zum Teil Bruchstücke — , deren Randleisten 
abgeschlagen sind, von grauem porösem Thon. 

c) Coh-II.Raet- 
(Cohors II. liaetorum.)^^^) 

1. fl II 3 Taf. LXXIX, Nr. 2. Einzelne Buchstaben ohne ge- 

meinsames Schild (auf der Tafel unrichtig dargestellt), sehr 
breit und tief eingedrückt; Schrift rückläufig. (28 Stück, 
darunter 26 auf Plättchen von 17 : 17 cm und 2 auf Bruch- 
stücken großer Platten.) 

2. COH RÄE Nr. 3. Schild einfach rechteckig. T mit E hgiert. (4.) 

Material wie bei Coh. I. Fl. D. 



2'^) Coh. I. Flavia Damascenorum c» eqftiitataj erscheint zuerst in den Diplomen i..T. 90, 
dann 116 und 134; sie dürfte erst von Vespasian oder Doniitian gebildet sein und hat 
nur in Obergermanien gestanden. Ihr Lager muß entweder in Friedberg selbst oder in 
dessen Nähe gewesen sein, wo ihre Ziegelstempel in großen Mengen gefunden werden 
(e. Dieffenhach, Nass. Ann. 1877, S. 282 flf. Inschriften von Friedberg). 

2'») Coli. II. Maetorum C. R. kommt nur in Obergermanien vor, da ihre Verschieden- 
heit von der gleichnamigen, in Raetien stationierten Kohorte (in Diplomen von 107 und 
166) keinem Zweifel unterliegt. Sie wird echon unter Germanicus zu den Raetorum .... 
cohortes gehört haben. Zur Zeit des Bestehens des Limes ist ihr dauerndes Stand- 
lager die Saalburg. Ziegel von dort kommen auch in Butzbach vor. Vergl. Limeswerk, 
Kastell Butzbach, S. 26, Nr. 40-45. In Diplomen erscheint sie i. J. 82, 90, 116, 134. Vor 
ihrer Stationierung auf der Saalburg muß sie auch in Wiesbaden gelegen haben. Darauf 
weisen ihre dort gefundenen Inschriften: Bramb. 1520, 1521 (1522?) mit Sicherheit hin, die 
alle dem ersten Jahrhundert oder der Zeit Trajans angehören; ebenso stimmt dazu das 
Diplom vom Jahre 117, welches einem Angehörigen dieser Kohorte ausgestellt und im 
Kastell auf dem Heidenberge 1858 gefunden ist. Vergl. auch unsere Steininschriften A. I. 2, 
3, 7; A. II. 10, 11, 16, 31 u. 39. 



Inschriften. Ziegelstempel. 



291 



3. COH-ii RAE Nr. 4. Einfaches Schild, mit einem schmalen Streifen 

umrahmt. (6.) IMaterial wie bei Nr. 2. 

4. COHITR Nr. 5. Breite, gedrungene Buchstaben in verziertem 

Kahmen auf zwei Ziegelbruchstücken von dunkelroter Farbe. 

d) Coh. IUI. Vind. 

(Coliors im. Vmdelicortim.)^-^) 



Fig. 42. Stempel der IV. Kohorte. (Va der nat. Größe.) 



COHIIIIVN 



Taf. LXXIX, Nr. 6. In einfachem, glattem, rechteckigem 
Schilde mit breiten Buchstaben. I mit N hgiert, der erste 
Strich des N ist bis zum Rande verlängert ; derselbe Stempel 
bei SucMer, Z. von Großkrotzenburg, Nr. 13. Auf Ziegeln 
und der Heizkachel Fig. 26, Nr. 2. (12.) 

Nr. 9. Auf einfachem Schilde. (4.) 

Nr. 10. Auf einfachem Schilde, N dicht am Rande. (17.) 

Nr. 11. Auf einfachem Schilde, sehr groß. (5.) 

Nr. 12. Auf einfachem Schilde. (1.) 



22") Coh. IUI. Vindelicorum ist bis jetzt nur in Obergernnanien nachweisbar. Sicher 
erwähnt wird sie zuerst in dem Diplome vom J. 74, dann im Jahre 90 und 134, wahr- 
scheinlich auch 117. Ihr dauerndes Standlager zur Zeit des Bestehens des Jjmes war 
Großkrotzenburg. Inschriften von ihr: Wolff, Großkrotzenburg S.47 {Branib. 1434) und 53 
(Bramb. 1439), Limesblatt 16. Sp. 440 f. Ihre Ziegel sind von allen obergermanischen 
Kohorten in den Kastellen am weitesten verbreitet, aber, wie es scheint, nur nördlich des 
Maines. Sie wird wohl schon zu den Raetorum, Vindelicorum et Gallicae eohortes 
(Tacit. Ann. II. 17) unter Germanicus geliört haben. 

19* 



2. 


COHIIIIVIN 


3. 


COHIIMVIN 


4. 


COHIIIIVIN 


5. 


COHIIIIVIN 



292 



Die Funde. 



0. ////OHIIIIVD 



COHIIIIVND 



Nr. 7. Auf einfacliem ScliiMe, I und N fehlen, D 
scheint versclioben. (1.) 

Nr. 8. Auf einfachem Schilde. I mit N ligiert; D steht 
dicht am Rande wie bei dem neuen Abklatsch, Fig. 42, 
Nr. 4; auf Ziegeln und Heizkacheln. Derselbe bei Suchier^ 
F. Tafel 11, Nr. 19 (?) von Großkrotzenburg. (12. Auch 
auf Dachziegeln.) 

8. COHIIIIVIND Nr. 14. Einfaches Schild mit Schwalbenschwänzen, 

wie der neue Abklatsch, Fig. 42, Nr. 1, zeigt; die An- 
sätze waren bei dem früheren Exemplare nicht sichtbar. 
Suchiör, F. Nr. 9 scheint derselbe. (9.) 

9. 3mVIIIIH03 Nr. 18. Rückläufig, auf der Tafel verkehrt dargestellt. 

O sehr klein, D am Schlüsse in zwei Teilen ; D mit E und 
L ligiert (?). (7.) 

10. 3MIVIIIIH03 Nr. 19. Ähnlich wie 9; Schild mit gezähntem Rande, 

ebenfalls rückläufig; auf der Tafel verkehrt gezeichnet; 
das D am Ende hat nach dem neuen Abklatsch (Fig. 42, 
Nr. 3) unten denselben horizontalen Querstrich, also Ligation 
wie bei 9. Derselbe bei Suchier, Z. Nr. 8 von Groß- 
krotzenburg. (23.) 

11. J3amV.||||H03 Nr. 15. Ebenfalls rückläufig, aber verkehrt auf der 

Tafel dargestellt; kleines C und 0. H mit dem ersten 
Strich von IUI verbunden. Dieser oder Nr. 12 schon 
bei Neilhof 1780, p. 17, abgebildet. (29.) 



12. COHIIII.VNDEL 



13. COHIIIIVINDEL 



14. COHIIIIVIN//;//. 



Nr. 16. Auf einem Schilde mit gezähntem Rande und 
Ansäe. C und kleiner wie die übrigen Zeichen, H mit 
IUI verbunden wie bei 11, I mit N ligiei't. Bei den neuen 
Exemplaren ist der erste Vertikalstrich des N nicht so lang, 
das D geschlossen und der untere Querstrich des E sicht- 
bar. Kommt auf Ziegeln und Kacheln vor. (15.) 

Nr. 17. Schild wie bei 12. Buchstaben schärfer, mit 
Apices. O sehr klein, V nach unten verlängert, ebenso 
der Vertikalstrich des D oben und unten. Derselbe bei 
Suchier., Z. Nr. 7, von Großkrotzenburg. (7.) 

Nr. 13. Größer wie alle übrigen, mit glattem Schilde, 
an dem die Henkel durch eine Einkerbung markiert 
sind. Unter O und H ein horizontaler Strich, der aber 
nur auf einem Exemplare sichtbar ist. (3.) 



15. COHIIIIVIND 



16. COHII 



17. COHIIliVII/IDEL 



18. COH-lllll/llNaiinC 



Inschriften. Ziegelstempel. 

Neue Funde. 



293 



Verwaschene Schrift auf dem Bruchstücke einer Platte 
von schlechtem Thon. (1.) Einfaches Schild mit breiten 
Buchstaben. 

Fig. 42, Nr. 2. Auf einem kleinen Bruchstücke einer 
Platte von graubraunem Thon, deren Kanten abgeüist 
sind. 

Rundstem pel. 

Nr. 20. Mit scharf ausgezalmtem Rande; die Schrift 
rückläufig; in der Mitte eine Scheibe oder ein Knopf. 
Derselbe bei SucJiier, F., Taf. II, 23, von Großkrotzen- 
burg. Schon bei Neuhof, 1780 p. 17, abgebildet. (20.) 

Nr. 21. Mit fein gezahntem Rande; in der Mitte 
ebenfalls ein Knopf, statt V ein N, vielleicht Zufall; 
II statt E, D und L verkehrt; vor COH scheint ein 
Punkt zu sein. Derselbe von Großkrotzenburg bei 
SucMer, Z. S. 20, Nr. 2. (9.) 



e) Leg. VIII. Aug. 
(Lcgio VIIL Augusta.p^^^) 

1. ILEGVIIIAVGI Taf. LXXVIII, Nr. 15. Einfaches rechteckiges Schild 

mit dünnen, flüchtig gearbeiteten Buchstaben; vor und 
hinter der Legende ein vertikaler Strich als Einfassung. (1.) 

2. LEGVIIIAV6 Nr. 16. Schrift ähnlich wie bei 1, auf kleinerem 

Schilde. (7.) Auch auf Dachziegeln. 

3. KEGVIIIAVG Nr. 17. Schild mit Henkeln an den Seiten, über 

und unter der Schrift ein Strich. (19.) 



^2') Leg. VIIL Augusta ist wahrscheinlich eine der alten cäsarischen Legionen ; sie 
stand unter Augustus (wenigstens i. J. 14) in Pannonien (Hauptquartier Poetovio-Pettau), 
wurde nach Bitterling schon unter Claudius nach Moesien verlegt, von wo sie i. J. 69 mit 
den übrigen Legionen für Vespasian nach Italien zog. Nach dem Siege der flavischen 
Partei befand sie sich unter den Legionen, welche zur Unterdrückung der germanischen 
Aufstände bestimmt waren; sie gehörte zum oberen Heere unter Annius Gallus und er- 
hielt jedenfalls schon unter Vespasian ihr Lager in Argentoratum (Straßburg), wo sie 
dauernd verblieb. (Ob sie einmal am Niederrhein gewesen, ist nicht mit Sicherheit zu 
entscheiden.) Noch unter Valentinian erscheint eine Legio Octavanorum in Schwaderloch 
in der Schweiz; in der Notitia dignitatum stehen Octavani als Legio Palatina in Italien. 



294 

4. LEGVIIIAVG 

5. LEGVIIIA/G 



0. LEGVIII/VG 



7. LEGVIIIA/G 



8. LEGVIIIAVG 



0. LEGVIII/VG 



10. LEGVIIIVG 



Die Fände. 

Nr. 18. Dünne Buchstoben von der Breite des ein- 
faclien Scliildes. (7.) Audi auf Dachziegeln. 

Nr. 19. A mit V ligiert. In dem einfachen Schilde 
eine besondere Umrahmung mit Anmc zu beiden Seiten. 
Durch die Schrift ein horizonttiler Strich. (9.) Auch auf 
Dachziegeln. 

Nr. 20. Die Schrift in besonderem Rahmen, mit 
eckigen Ansac; das äußere einfache Schild mit ab- 
gerundeten Ohren. A mit V ligiert. (14.) Auch auf 
Dachziegeln. 

Nr. 21 . Innere Umrabmung mit Scliwalbenschwänzen; 
der Anfang auf dem abgebildeten Exemplar undeutlich; 
bei den übrigen ist die Anna auch am Anfang. A mit 
V ligiert. (5.) Auch auf Dachziegeln. 

Nr. 22. Einfaches Schild mit sehr ungeschickten 
Buchstaben; hiervon ein Abdruck in einem Mörtel- 
brocken. (18.) Auch auf Dachziegeln. 

Nr. 23. Nur eine Ansa am Anfange sichtbar inner- 
halb des Stempelschildes. Ein neuer Fund (Fig. 43, 
Nr. 2) zeigt über und unter der Legende einen horizon- 
talen Strich. A mit V ligiert. (5.) 

Nr. 24. A jedenfalls mit V ligiert, doch auf dem 
Stempel nicht sichtbar. (1.) 






-m 



Fig. 43. Stempel der VIII. Legiou. (>,* der nat. Größe.) 



Neuer Fund. 

11. LEGVIIIA/G Fig. 43, Nr. 1. Einfaches Schild mit ähnlicher 

Schrift wie bei 9; doch geht durch die Mitte ein hori- 
zontaler Strich. (1.) 



Inschriften. Ziegelstempel. 295 

f) Leg. XXII. Pr. P. F. 
(Leg 10 XXIL primüjcnia pia fidelis.)^^^) 

a. Einzeilige Stempel mit rechteckigem Schilde. 

1. LEG //// Taf. LXXV, Nr. 1. Bruchstück einer großen Hciz- 
(LEGXXMPP) kachel. Derselbe Stempel ist neuerdings in zwei vollstän- 
digen Exemplaren, der eine auf einer intaktea Kachel 
(Fig. 26 Nr. 11) gefunden (Fig. 41). Er ist der schönste 
von der Saalburg, außerordentlich sorgfältig und sauber 
gearbeitet und mit hohem Relief eingedrückt. Die Henkel 
des Schildes sind besonders ausgebildet, die Punkte zwi- 
schen, über und unter den Buchstaben dienen nur zur 
Verzierung, am Schlüsse ist P mit F ligiert. Schildgröße 
43 : 15 cm, Höhe der Buchstaben 5V2 cm. (3), auf Kacheln. 

2. LEG XXIIPRPF Taf. LXXV, Nr. 3. Ebenfalls wie Nr. 1 reich verziert 

und auf einer Heizkachel (von gleicher Form wie Fig. 26 
Nr. 7). Der Rand des Schildes zinnenartig ausgeschnitten ; 
über und unter der Schrift die häufig wiederkehrenden 
Reihen dreieckiger Punkte. Der Stempel kommt schein- 
bar in zwei Varietäten vor, entweder sind die Ecken recht- 
winklig wie bei dem auf der Tafel abgebildeten (vergl. 
auch den neuen Abklatsch Fig. 44, Nr. 22 a) oder sie 
sind abgeschrägt wie bei Nr. 22 b. Dieser Unterschied 
dürfte sich am leichtesten so erklären lassen, daß das 
Stempelschild an und für sich abgeschrägte Ecken hat, 
und zwar so weit, als es eingedrückt werden soll, viel- 
leicht 1 cm; das Stempelholz ist aber an seinen übrigen 
Teilen viereckig, und Stempel wie derjenige auf der Tafel 
sind zu tief eingedrückt; dies zeigt auch der Abklatsch. 
Nr. 22 c, wo beides an einem Stempel vorkommt. Schild- 
größe 26 : 9 cm; Buchstabenhöhe 3\/2 cm. TT., Fig. 138. (6.) 



^2*) Leg. XXIL primigenia, nach der früher allgemeinen Ansicht gegründet von Claudius 
i. J. 43; V. Domaszetcslci hält sie für eine augusteische Legion; nach Bitterling ist sie von 
Gaius etwa i. J. 39 errichtet. Sicher stand sie unter Claudius und Nero in Germania 
superior (3IoguntiacumJ^ zog i. J. 69 nach Italien, von wo sie nach Besiegung der Vitellianer 
wohl nach lUyricum geschickt, aber sehr bald, vielleicht schon i. J. 71 nach Germanien 
berufen wurde. Sie gehörte indessen etwa bis zum Jahre 90 zum niederrheinischen Heere 
(Hauptquartier Noviomagus?), nachdem sie mit den übrigen niederrheinischen Truppenteilen 
durch Niederwerfung des aufständischen oberrheinischen Heeres unter Antonius Saturninus 
sich die Beinamen pia fidelis erworben hatte. Eben i. J. 90 kam sie nach Obergermanien 
und zwar wieder nach Mainz, dessen Besatzung sie nun dauernd blieb, und zwar als ge- 
schlossene Truppe, nicht in Detachements in den Kastellen verteilt. Zur Zeit der Notitia 
dignitatum um 400 n. Chr. bestand sie nicht mehr; wann sie verschwand, wissen wir nicht. 



296 



Die Funde. 







(^ 






^ •> 



"■^i^ 




' -^-^ 



,i<i:r.,^ 




Fig. 44. Stempel der XXII. Legion. (V) der nat. Größe.) 



3. LE6XXIIPRPF Taf. LXXV, Nr. 4. Auf Kacheln (Fig. 26, Nr. 6 und 7); 

gezähnter Schildrand, an den Seiten Schwalbenschwänze. 
Schildgröße 24:7 cm. Buchstabenhöhe 4^'2 cm. (15.) 

4. LE6XXIIPRPF Taf. LXXV, Nr. 5. Schildrand eingekerbt; die Schwal- 

benschwänze offen; unter der Zahl ein horizontaler Strich, 



Inschriften. Ziegelstempel. 



297 



der sonst darüber steht. Derselbe bei Suchte f, Z., S. 19, 
Nr. 10 von Rückingen und Friedberg. Limrswerli B. Taf. 
III, Nr. 11. Schildgröße 24:7^/4 em. Buchstabenhöhe 
5^4 cm. (10); auf Kachehi von gleicher Form wie Fig. 26 

Nr. 7. 



5. LEGXXIIPFF 



6. LEGXXII^ 



7. LEGXXIIPPF 



Taf. LXXV, Nr. G. Glatter Schildrand, Schwalben- 
schwänze an den Seiten, das Schild im Verhältnis zu den 
übrigen sehr hoch und kurz, die Buchstaben entsprechend; 
über der Zahl ein horizontaler Strich (s. neuen Abklatsch 
Fig. 44 Nr. 23); auf einer Heizkachel, Fig. 26. Nr. 7. 
Schildgröße 15^/4 : 8' /4 cm. Buchstabenhöhe 6 cm. (3.) 

Taf. LXXV, Nr . 7 . Die horizontalen Ränder des Schildes 
verziert, auf jeder Seite zwei kleine Ohren wie beim zwei- 
zeihgen Stempel Nr. 45; über der Zahl ein Strich (auf der 
Tafel weggelassen). P mit R ligiert, F fehlt (?), Schluß 
nicht ganz sicher; s. auch LimestverJc B. Taf. III, Nr. 7. (2.) 

Taf. LXXV, Nr. 8. Die Legende in besonderem 
Rahmen, an der Seite halbrunde Ausschnitte. Über der 
Schrift ein Palm(?)zweig, der sich aber auch nach der 
rechten Seite zu fortsetzt (s. neuen Abklatsch, Fig. 44, 
Nr. 28); unter der Schrift scheint ebenfalls ein Zweig 
oder ein Strich zu stehen. Derselbe bei Suchicr, F. 
Taf. 1, Nr. 15. (4.) 

Taf. LXXV'I, Nr. 1. Legende mit Umrahmung in 
einem glatten Schilde, im Innern Änsae. L mit dem 
Rahmen verbunden. W. Fig. 86. (2.) 

Taf. LXXVI, Nr. 3. Umrahmung mit verzierten 
dreieckigen Ansac in einem einfachen Schilde, die Vertikal- 
striche ebenso wie die horizontalen (auf der Tafel dort 
nur ein einfacher Strich). W. Fig. 80. LimeswerJc B. 
Taf. III, Nr. 8. (3. Auch auf Dachziegeln.) 



10. LEG. XXII. P.P.F Taf. LXXVI, Nr. 4. Umrahmung mit Henkeln in 

einem glatten Schilde. Derselbe 5«cÄ«e>*, i»"'. Nr. 13 (?). (5.) 

11. LEGXXII//// Taf. LXXVI, Nr. 5. Linkes Fragment mit ^wm. (1.) 

12. KE6XXII///// Taf. LXXVI, Nr. 6. Linkes Bruchstück, Rahmen mit 

Alisa im Innern des einfachen Schildes. ÄhnUch wie 
Nr. 8, nur L selbständig. (1.) 



8. KEGXXIIPRPK 



9. LEGXXIIPRPF 



298 

13. KEG-XXIIPPF 



14. LEGXXII/ 



15. LEG-XXIIPRPF 



16. LEGXXIIPPF 



17. LEGXXIIPP 



18. LEGXXIIPP(F?) 



19. LEGXXIIPPF 



20. LEGXXIIPPF 



21. LEGXXIIPF 



22. LEGXXIIP 



Die Funde. 

Taf. LXXVI, Nr. 7. Die dreieckigen Ansäe aus 
mehreren Strichen bt;stehend. Hinter G ein Punkt und 
K, nicht L, wie auf der Tafel. (3. Auch auf Dach- 
zicgehi.) 

Nr. 8. Linkes Bruchstück, Ränder verziert. Unter 
der Schrift ein Strich oder Zweig, auf der Tafel weg- 
gelassen; über der Zahl ein Strich. (1.) 

Nr. 9. Hinter G und der Zahl ein Punkt, Ansäe 
im Iimern. Die horizontalen Ränder mit kleinen Strichen 
verziert. Suchier, F. Nr. 14. (3.) 

Nr. 10. Die Legende durch zwei horizontale Linien 
eingefaßt; die horizontalen Schildränder sind nicht so 
scharf gezahnt wie auf der Tafel, (15. Auch auf Ver- 
blendziegeln.) 

Nr. 11. Die Schrift in einem besonderen Rahmen, 
der mit dem äußeren Schildrand durch kleine Striche 
verbunden ist. F fehlt. W., Fig. 66b. (4.) 

Nr. 12. In einfachem Schilde; auf der rechten Seite 
ist bei sämtUchen Stempeln ein Ansatz mit einer Ver- 
tiefung; ob dieser ein F vorstellen soll? Zwischen II 
und P ist ein horizontaler Strich (fehlt auf der Tafel) 
im Holz stehen geblieben. (12. Auch auf Dachziegeln.) 

Nr. 13. Ein innerer Rahmen mit Ansac in einem 
glatten Schilde mit abgerundeten Ecken; über und unter 
der Schrift die bekannten dreieckigen Punkte. (9. Auch 
auf Verblendziegeln.) 

Nr. 15. Schild mit abgerundeten Ecken und ver- 
ziertem Rande; hinter G ein Punkt, über der Zahl ein 
Strich. Suchier, F. Nr. 19. (?) (2.) 

Taf. LXXVin, Nr. 1. In einfachem Schilde; es fehlt 
ein P, hinter F noch einige kleine Striche, Fehler im 
Holz (?); es scheint über und unter der Schrift noch 
ein Strich gestanden zu haben. (1.) 

Nr. 3. Linkes Bruchstück; einfaches Schild, die 
Ansa durch Einkerbung abgetrennt (auf der Tafel nicht 
dargestellt). (2.) 



Inschriften. Ziegelstempel. 



299 



23. ////// XIIPPF 



24. MI6XXIIPRPK 



25. iqflqilXX03J 



26. LIIGXXII///// 


Nr. 13, 




mit Ansa. 


27. LEGXXIIPP 


Taf. L: 



28. LEGXXIIPP 



Nr. 5. Rechtes Bruchstück; an den Seiten halb- 
kreisförmige Ausschnitte; zwei vertikale Striche am 
Anfang und Ende sind Reste der Umrahmung; der 
Schildrand an den Jjangseiten mit schrägen Strichen 
verziert. Tf., Fig. 63. (1.) 

Nr. 10. Einfaches Schild; wird ergänzt durch einen 
neuen Fund, Fig. 44, Nr. 27. G kleiner wie die übrigen 
Buchstaben. (2.) 

Nr. 12. Rückläufig; auf der Tafel verkehrt; der 
Anfang deutlicher auf dem Abklatsch nach einem neuen 
Funde, Fig. 44, Nr. 30. Der rechte Rand mit Ansa, 
sonst einfaches Schild. W., Fig. 69. (2.) 



Linkes Bruchstück in einfachem Schilde 



(1. 



^^I, Nr. 17. F fehlt, dafür befindet sich 
auf beiden Seiten eine Reihe dreieckiger Punkte (auf 
der Tafel ungenau nach einem \mdeutlichen Exemplar). 
Unter der Schrift ein Strich, der in zwei Apices an den 
Seiten ausläuft. In der Mitte ein Zeichen, das beinahe wie 
ein A und ß aussieht; zu beiden Seiten Palmzweige oder 
Tannenbäume (?). LimeswerJc B. Nr. 12. W. 98a und b. (2.) 

Nr. 16. Schild und Schrift wie beim vorigen, nur 
ist der horizontale Strich nach links verbreitert; ob durch 
Zufall? Im Übrigen scheint der härter gebrannte, aber 
in seiner unteren Hälfte undeutliche Stempel bei ge- 
nauer Vergleichung doch derselbe wie Nr. 27. (1.) 



29. LE6XXIIPRPF 



30. LEGXXIIPIi 



31. LEGXXIIPRPF 



Neue Funde. 
(Fig. 44.) 

Nr. 1. Einfaches Schild mit Ansäe und langen, 
dünnen, die ganze Schildbreite einnehmenden Buch- 
staben; vielleicht hinter G ein Punkt. (1.) 

Nr. 2. Flaches Schild mit breiten Buchstaben; 
Schluß nicht ganz sicher; vielleicht P mit II verbunden 
und dann PR (?). (1.) 

Nr. 3. Der Stempel in flachem Schilde nicht sehr 
deutlich. (1.) 



300 

32. LEGXXII//// 

33. LE6X///// 

34. LEGXX//// 

35. LEGXXIIPRPF 

36. ////XXIIPP/// 

37. LEGX///' 

38. LEG///// 



39. KEGXXIIPRPF 



40. ///EGXXIIPR 



41. ///XIIPRF 



41a. ///XIIPRPF 



Die Funde. 

Nr. 4. Flaches Schild mit Ansa, hnkes Bruchstück. (1.) 

Nr. 5. Einfach rechteckiges Schild; über und unter 
der Schrift eine verzierte Unn-ahmung; linkes Bruch- 
stück. (1 .) 

Nr. 6. Bruchstück, nicht größer wie die erhaltene 
Schrift, 1 cm dick. Rand scheint einfach. (1.) 

Nr. 7. Glattes Schild mit Ansäe aus mehreren 
Strichen; in der Mitte undeutlich; auf dem Bruch- 
stück einer großen Platte. W. Fig. 78. (1.) 

Nr. 8. Bruchstück, einfaches Schild. (1.) 

Nr. 9. Linkes Bruchstück, mit Anm. (1.) 

Nr. 10. Linkes Bruchstück, Schild verziert und ab- 
gerundet, vielleicht von der Form Nr. 95; sehr ver- 
waschen, auf einem schlecht gebrannten Ziegelbruch- 
stück. (1.) 

Nr. 11. Einfaches Schild, Ansa nur am rechten 
Ende sichtbar, wahrscheinlich auch am Anfang. (1.) 

Nr. 12. Rechtes Bruchstück. W. Fig. 59; P und 
F fehlen. Kleiner Ausschnitt als Ansa an der rechten 
Seite möglich; Strich durch die Mitte. (1.) 

Nr. 13a. Linkes Bruchstück, erg<änzt durch 13b; 
hinter F noch ein Strich, zum Henkel gehörig; es fehlt 
P. (1.) 

Während des Druckes gefundener, kleiner, schmaler 
Stempel; auf einem nur 8 cm breiten länglichen Ziegel. 
An der Seite Ansäe, der Rand gezähnt; anscheinend 
derselbe wie bei Wolff, Nr. 18, Fig. 70. 



42. LEG. XXII 
PR. P.F 



ß. Zweizeilige Stempel. 

Taf. LXXV, Nr. 2. Auf einer Heizkachel; sauber 
gearbeitet und tief eingedrückt. Jede Zeile bildet ein 
Schild mit besonderen Schwalbenschwänzen für sich 
und ist in der Mitte noch einmal durch eine Leiste 
(aus technischen Gründen [?]) getrennt. Der Raum 



Inschriften. Ziegelstenipel. 



301 



43. LEG XXII 
P PF 



44. LEGXXII 
PR.P. F 

45. LEG . XXII 
PRI . PI Fl 



46. LEGXXII 
PR PF 



47. LEGXXII 
PR PF 



48. KIIG XX//// 
PRI. PI. F//// 



49. LEG XXII 
P R 

P F 



50. LEGXXII 
P P F 



zwischen dem Stempel und den beiden horizontalen 
Kachelrändern wird ausgefüllt durch je 4 Kreuze in 
Form eines römischen X; die Legende nimmt die ganze 
Breite der Kachel ein (s. auch Fig. 26, Nr. 8). 
Buchstabengröße: 4 cm. (8, auf Kacheln.) 

Taf. LXXVI, Nr. 2. Jede Reihe als besonderes 
Schild mit halbkreisförmigen Ausschnitten ausgebildet 
und durch einen Strich getrennt. Wie ein besserer 
Abklatsch, Fig. 44, Nr. 32, zeigt, ist eine Ansa oben 
und unten durch einen Zahn markiert. (5. Auch auf 
Verblendziegeln.) 

Taf. LXXV, Nr. 11. p:infaches Schild. (2.) 

Taf. LXXVI, Nr. 20. Beide Zeilen durch einen 
Strich getrennt; die Ivänder der Langseiten verziert, an 
den Kurzseiten für jede Zeile eine besondere Ansa, 
ähnlich wie bei Nr. 6. W. Fig. 104. (7. Auch auf 
Verblendziegelu .) 

Taf. LXXVIII, Nr. 2. Großes Schild mit Aus- 
schnitten an allen Seiten ; jede Zeile in einem besonderen 
Rahmen. W. Fig. 141a. (3. Auch auf Dachziegeln.) 

Nr. 6. Glattes Schild mit halbrunden Ansäe; diese 
im Inneren eckig wiederholt. (3. Auch auf Verblend- 
ziegeln.) 

Nr. 14. Einfaches Schild, zwischen den Zeilen ein 
Strich; Anfang und Ende fehlen, die Punkte sind auf 
der Tafel weggelassen. Derselbe bei W. Fig. 96 und 
Limestcerh B. Nr. 13; in jeder Zeile eine Ansa zu er- 
gänzen. (1.) 

Taf. LXXV, Nr. 12. Einfaches Schild; zwischen 
der Schrift ein Stier mit erhobenem Schwänze; das 
eine Vorderbein scheint an ein zAveihenkeliges Gefäß 
zu stoßen. Vielleicht eine Anspielung auf den Stier 
des Mithras, bei dem sich ebenfalls eine doppelhenkelige 
Urne befindet. Vielleicht das Tier ein Löwe (?); so 
scheint es Becker, Mainzer Inschriften, aufzufassen. 

Nr. 13. Einfaches Schild; zwischen den Buchstaben 
ein Delphin, dessen Schwanz sechsfach geteilt ist. (1.) 



302 !>'« Funde. 

51. LFG XXII Nr. 14. Einfaches Scliikl m\t Ans<ie; zwischen den 
PR'P'F Zeilen ein BUtzbündol (ein solches zeigt auch das 

Graffito Taf. LXXIII, Nr. 4). W., Fig. 105. (2.) 

52. LEG XXII PR Taf. LXXVI, Nr. 18. Einfaches Schild; in der 

P F Mitte ein Delphin wie bei Nr. 50, doch ist dessen 

Schwanz geschlossen. Derselbe scheint Limeswerk B. 
Nr. 16; dort in der zweiten Zeile noch zwei Blätter. (7.) 

53. .LEG- XXII. Taf. LXXVIH, Nr. 4. Die Langseiten des Schildes 
• PR • P FID geschweift; die Richtung der Schrift dementsprechend im 

Bogen; an der Seite kreisförmige Ausschnitte, zwischen 
den Zeilen Tannen(?)zweige. In der ersten Zeile hinter 
G ein Punkt. Wie der neue Abklatsch, Fig. 44, Nr. 31, 
ersichtlich macht, steht am Schlüsse von FI kein Punkt, 
sondern ein D. (3. Auch auf Verblendziegeln.) 



Neue F'unde. 
(Fig. 44.) 

Nr. 16. Glattes Schild mit kräftigen Henkeln, 
zwischen den Zeilen 2 Striche; auf einem Bruchstücke 
von gelblichem Thon. Derselbe bei Suchier, F. Nr, 22. 

Nr. 29. Schild mit Ansäe; in der zweiten Zeile ein 
Palm(?)zweig oder ein Tannenbaum, wie er schon mehr- 
fach erwähnt wurde. W., Fig. 100. (2.) 

Nr. 18. Undeutlich; in der Mitte ein Strich, die 
Ansäe für beide Zeilen gemeinsam; scheint derselbe wie 

Suchier, F. Nr. 21. Darnach zu ergänzen: pp ^ pp« (1). 

57. ////XXII Nr. 19. Einfaches Schild mit Ansa; rechtes Bruch- 
////Pl F/// stück. (1.) 

58. //// 1 Nr. 20. Die Form des Schildes genau dieselbe wie 
////F bei Nr. 46, doch sind beide Zeilen nur durch einen 

Strich getrennt, auch steht das letzte Zeichen der ersten 
Zeile dichter am Rande wie bei Nr. 46; rechtes Bruch- 
stück. (1.) 



54. 


LEG XXII 




PR P F 


55. 


KEG XXII PRI 




PF 


56. 


///XXII 




///P F 



Inschriften. Ziegelstempel. 303 

7. Dreizeilige Stempel. 

59. /////// Nr. 21. Undeutlich; innerer Rahmen mit gemein- 
/////// samen Ansäe für die drei Zeilen. Derselbe bei Suchier, 

LEG PP F 

F. Nr. 37. Darnach ist zu ergänzen: XXII Die Worte 

LEG 

also in umgekehrter Reihenfolge. (1.) 

60. /////// Nr. 17. Unleserlich; Schild fast quadratisch; erste und 

XXII LEG 

;/////; letzte Zeile unsicher, wahrscheinlich wie oben XXTI (1). 

* ■ " ' ' ' ppj,^ 

S. Rundste m p e 1. 

Gl. .LEG.XXII.PR-P-F. Taf. LXXVII, Nr. 1. Einfaches, rundes Schild; die 
Schrift an der Peripherie wie bei Münzen. (2.) 
LEG 

62. XX II P Nr. 4. Einfaches Schild; die Schrift horizontal, drei- 

P F zeilig. (5. Auch auf länglichen Ziegelplatten.) 

63. ///GXXIIPPF Nr, 8. Die Legende in einem besonderen Streifen; 

in der Mitte eine Scheibe. (1.) 

u. 

64. LEG XX Nr. 1 9. Die Schrift im Kreuz auf einem Rund- 

et Stempel. W., Fig. 113; alle Exemplare auf sehr stark 

gebrannten Plattenbruchstücken. (2.) 

65. .LEG-XXIJ.PPF. Nr. 2. Schrift an der Peripherie; als Interpunktion 

Blätter, die auf dem undeutlichen, gezeichneten Exem- 
plare wie Kreise aussahen. (1.) 

66. .LEG-XXIJ.PPF. Nr. 3. Schrift umgekehrt wie bei Nr. 65; die 

Blätter sehen hier mehr wie ein ß aus. (1.) 

67. . LEG- XXII. P. PF- Nr. 7. Schrift wie beim vorigen; hier die Blätter 

deutüch. In der Mitte ein Halbmond, zwischen dessen 
Hörnern ein Punkt. (1.) 

68. LEG XXII Nr. 5. Schrift nicht ganz umlaufend, in zwei Zeilen ; 
PR PF dazwischen zwei gegeneinander gekehrte, dreigeteilte 

Figuren in der bekannten Form der Ansäe an Inschrift- 
tafeln. Ihre Bedeutung an dem Stempel unklar. Conrady 
versucht eine Erklärung in der Westd. Zeitschr. V. (1886) 
Taf. 14. Suchier, F. Nr. 32. (8.) 



304 

G9 LEG XXII PR. PF 

70. -LEG. XXII. PPF. 



Die Funde. 



71. LEGXXIIPP 



72. LEG. XXII. p.p. F. 



73. LEGXXbBhu. 



PPF 

74. LEGXXII 



75. LEG 
XXII 
PRPF 



Nr, G. LogCDflc wio bei Münzen; in der Mitte ein 
Halbmond, rechts und links zwei kleinere, darüber vier 
dreieckige Punkte. (2.) 

Nr. 1). Legende am Rande in einfachem Schilde. 
In der Mitte eine rätselhafte Figur; ich hielt sie nach 
dem damals gefundenen Exemplare für ein Hufeisen 
mit den Nagellöchern. Die auf der Saalburg und dem 
Zwischenkastell Maisei ausgegrabenen Stempel lassen 
diese Ansicht nicht mehr aufrecht erhalten, da über 
der Figur noch drei Anstätze sichtbar sind. S. auch 
Lhncstverlc B. Nr. 32 und 32 a, und unseren neuen 
Abklatsch, Fig. 45, Nr. 12. Hiernach könnte das 
Interpunktionszeichen hinter LEG das bekannte Blatt 
sein. (3. Auch auf Dachziegeln.) 

Nr. 10. Einfaches Schild, Schriftrichtung wie bei 
Nr. 70; es fehlt F, vielleicht durch den Dreizack über- 
deckt, der senkrecht in der Mitte steht (ein ähnlicher 
als Graffito, Taf. LXXIII, Nr. 3). (1.) 

Nr. 11. Schriftrichtung wie bei Nr. QQ] in der 
Mitte ein Ring, zwischen ihm und dem Rande die 
Legende; die Figur scheint der öfter vorkommende 
Tannenbaum zu sein, da dessen Zweige nicht bis an 
den Ring gehen und mit diesem ein Palmblatt bilden. 
W. Fig. 107. Über XXII ein Strich. (1.) 

Nr. 12. Einfach und roh gearbeitet; P und R stehen 
auf dem Kopfe, F am Schlus.se scheint auf der Seite 
zu liegen, wenn man nicht die obere Zeile für sich 
rückläufig lesen will. Auf beiden Seiten Scheiben oder 
Kugeln, in der Mitte eine Umrahmung, dem Schild- 
rande und der Peripherie der Scheiben parallel. Suchier, F. 
Nr. 31. (18.) 

Nr. 13. Schrift in zwei Zeilen; zwischen beiden die 
bekannte Figur eines Capricorns mit erhobenem Kopfe. 
W. B^ig. 118. (1.) 

Nr. 16. Schrift in drei Zeilen, zwischen der zweiten 
und dritten ebenfalls ein Capricorn wie bei Nr. 74, 
aber mit gesenktem Kopfe; der ganze Stempel größer 
wie der vorige. (12.) -- 



Inschriften. Ziegelstempel. 



305 



76. -LEGXXIIPR.PF. 



77. LEGXXIIPRT 



78. LEGXXIIPPF 



79. LEGXXIIPRPF 



80. ■ . II . 

y X 

^LEG. 



81. LEG//// 



Nr. 14. Einfaches Schild; der konzentrische Kreis 
in der Mitte bildet entweder die innere Einfassung der 
Legende — dann ist in der Mitte ein Stern — oder 
er gehört zu den sich kreuzenden Linien und bildet 
mit diesen ein sechsspeichiges Rad, das auch sonst 
vorkommt; bei uns Taf. LXVII, Nr. 9. (1.) 

Nr. 15. Großer Stempel mit Rand Verzierung; die 
Legende in einem besonderen Ringe, die Buchstaben 
auf dem Kopfe, P mit F ligiert, in der Mitte eine exzen- 
trische Scheibe. W. Fig. 106. (2.) 

Nr. 17. Am Rande ein konzentrischer Ring; die 
Schriftrichtung wie bei Nr. 66; in der Mitte ein Stern. (1 .) 

Nr. 18. Die Schrift getrennt durch zwei große 
Scheiben an den Seiten. W. Fig. 114. (4. Auch auf 
Verbleudziegeln.) 

Taf. LXXVIII, Nr. 11. Die Schrift im Viereck ge- 
schrieben ; in der Mitte ein Halbmond mit einem Punkte, 
daneben ein L oder eine Figur wie ein Winkelmaß (?); 
vor L vier kleine Striche, vor P zwei Punkte, P mit F 
ligiert. (1.) 

Nr. 8. Vereinigung eines Rundstempels mit einem 
einfachen rechteckigen Schilde, das an den Seiten Änsae 
zu haben scheint. Die im Rundstempel zwischen den 
Ringen stehenden Zeichen könnten nach W. Fig. 112, 
wo vollständige Exemplare abgebildet sind, vielleicht 
als PRI'PLF gelesen werden, doch bleibt es vorläufig 
unbestimmt; vielleicht zum Teil nur Verzierung wie 
die 6 Speichen eines Rades (?). (2.) 



Neue Funde. 

(Fig. 45.) 



82. LEGXXIIPRPF 



Nr. 10. In einem rechteckigen Schilde mit halb- 
runden Ausschnitten, an den Seiten ein Rundstempel; 
in dessen Mitte eine Scheibe. (1.) 



83. KEGXXII Nr. 1. Großes einfaches Schild, mit zwei Scheiben 

PRI PI F an den Seiten, wie Nr. 79; die Buchstaben in zwei 

Zeilen; ihre Größe dem Räume angepaßt. W. Fig. 116. (1.) 

Jaeobi, Das Römerkastell Saalburg. 20 



300 



Die Funde. 




/ 




f 
f - 



r 







Fig. 45. Rundstcmpel der 22. Legion, ('/a der nat. Größe.) 



84. LEG//// 



85. 



86. LEGXXIIPRPF 



M. LEGXXIIPT 



88. IIIIPK'P'IIII 



Nr. 2. Undeutlicher Stempel; nur LEG sichtbar, 
in der Mitte vielleicht ein Capricorn (?) (1.) 

Nr. 5. Schlecht erhalten, scheint dem Halbmonde (?) 
in der Mitte und der Größe nach derselbe wie Hahel, 
Nass. Ann. 1837. Taf. V, Nr. 5, und S. 161 von Mainz. 
Darnach wäre zu ergänzen: LEG XXII *^ PF. Vor L 
und in der Mitte neben dem Halbmonde (Buchstabe C?) 
ein Dreizack. (Solche Dreizacke zwischen den Buch- 
süiben s. auf unserem Graffit Taf. LXXIII, Nr. 3.) (1.) 

Nr. 6, Einfaches Schild mit einem herzförmigen 
Blatte in der Mitte. (1.) 

Nr. 7. Kleiner Stempel mit Halbmond in der Mitte. 
Ein solcher ist bereits früher auf der Saalburg gefunden 
und im Besitz von Dieffenhach gewesen , er soll sich 
auf einer Heizröhre befinden. {G. Dieffenhach, Hand- 
katalog V. 27.) Siehe W. Fig. 110 und S. 282. (1.) 

Nr. 8. Bruchstück eines leider stark verwaschenen 
Stempels; in der Mitte eine sternartige Figur mit Zirkel- 
schlägen. Derselbe vollständig im Mainzer Museum. (1.) 



Inschriften. Ziegelstempel. 



307 



89. LEGXXIIPRPF 



Nr. 9. Die zweite Hälfte nicht ganz sicher, in der 
Mitte eine Scheibe; auf dem Braichstücke einer dünnen 
Platte ans hellem, schlechtgebranntem Thon. (1.) 



90. . LEG- XXII. PR.P.F- Nr. 13. Einfaches Schild, dessen Rand an einer 
Stelle unterbrochen ist, wo der Holzstempel geplatzt 
war; sämtliche Exemplare auf Platten von 40:40 cm 
von gut gebranntem, hellem Thon. (5.) 



91. LEGXXII 



92. LEGXXI 



93. LEGXXIIPRIPF 



94. qflSIIXX03i 



95. LIIGXXIPPF 



Stempel auf besonderen Schildformen. 

Taf. LXXV, Nr. 9. Auf S-förmigem Baudstempel, 
der besonders eingerahmt ist; am Anfang und Ende je 
zwei Striche; nach W. Fig. 132 am Schlüsse P-P-FI' 
zu ergänzen. (2.) 

Nr. 10. Linkes Bruchstück mit Änsa; flach- 
geschwungenes Band. (1.) 

Taf. LXXVIII, Nr. 7. Auf leicht bewegtem Bande. 
W. Fig. 126. (4.) 

Nr. 9. Schild in Form eines Delphins; die Flossen 
durch 3 Striche markiert; der Anfang fehlt. Die Schrift 
rückläufig geschrieben (auf der Tafel verkehrt abgebildet); 
derselbe wie W. Fig. 124. Der Strich zwischen E und 
G gehört zur Figur. (1.) 

Taf. LXXVI, Nr. 14. Das Schild mit verziertem 
Rande soll offenbar die Form einer Schuhsohle haben; 
vergl. auch W. 134. P mit II ligiert; über der Zahl 
ein Strich. {W. Fig. 128.) (2.) 



96. q^qilXX93J 

97. LEGXXIIPPF 

98. LEGXXIIPPFOII 



Neue Funde. 

(Fig. 46.) 

Nr. 1. Auf geschwungenem Bande; die Schrift 
rückläufig. W. Fig. 133. Es fehlt F am Schlüsse. (1.) 

Nr. 2. Halbkreisförmig, wie ein C gewundenes 
Band mit Änsae an den Seiten. W. Fig. 123. 

Nr. 3. Auf S-förmigem Bande. Der Schluß un- 
leserlich ; es ist ungewiß, ob die Zeichen nur zur Aus- 

20* 



308 



Die Funde. 



i^Ä" 



^^v^-m 



Flg. 4G. Bftiultorini.Lre Sicnipel. ('/ü der )ial. (iruUe.) 



99. 


LEGXXII//// 


100. 


LEGXXII 




////////// 


101. 


X 

>< 

LEG ~ »d 




Hill 



füllung des freien Raumes und der O-förmige Buch- 
stabe vielleicht Interpunktion ist; oder ist I mit D 
ligiert, sodaß Fidelis zu lesen wäre. Suchier, F., Nr. 36, 
vermutet QVI als Abkürzung von Quirinus (?). (1.) 

Nr. 4. S-förmiger Bandstempel, linkes Bruchstück; 
derselbe W. Fig. 131. (1.) 

Nr. 5. Die Schildränder geschwungen; der untere 
Teil unsicher, weil sehr flach aufgedrückt. (1.) 

Fig. 45, Nr. 3. Schild in Kreuzform; nach W. 
Fig. 119 ist in dem unteren Teile PF zu ergänzen; in 
der Mitte eine Scheibe. (1.) 



C. Legionsstempel mit persönlichen Eigennamen. 



102. LEGXXIIPPF 
FEL CAMVL 



103. LEGXXII. P.P.F 
iVL.PRIMVSF 



Taf. LXXVr, Nr. 19. In einfachem Schilde mit drei- 
eckigen Ansac, bereits von Becker, Nass. Annalen 1874 
unter Nr. III ediert (gefunden August 1872). Becker las 
Ilelviiis Camuhis, indem er einen Punkt (zufällig?) 
zwischen Ca und 3It(l nicht berücksichtigte. Dem stimmt 
Wulff, Fig. 156, Nr. 16 bei und hält die Becker sehe Er- 
gänzung Helvius Camidus für wahrscheinlich. (2.) 

Nr. 21. Schild an den Kurzseiten verziert. Das I 
am Anfange der zweiten Zeile nicht deutlich, auch auf 
dem Abklatsche nach einem neuen Funde (Fig. 44, 
Nr. 24) nicht sehr scharf; am Schluß ein F. Zu lesen 
ist Julius Primus fecit; er ist einer der am häufigsten 
vorkommenden Zieglernamen. W. Nr. 8, Fig. 148. (2.) 



Inschriften. Ziegelstempel. 



309 



104. ///////XPF 
////NTERF 



105. LEGXXIIPP//] 
////NCANDIF 



106. ////XXIIPR-P.P 
////AVGVR.P 



107. ////IIPRPF 

////EVAIF 



108. LEGXXIIPPF 
BREQVA 



109. LEGXXIIP 
///XG-NIAL 



Nr. 22. Rechteckiges Schild mit reich verzierten und 
ausgeschnittenen doppelten Schwalbenschwänzen. In 
der ersten Zeile steht statt XXII nur XX; in der 
zweiten scheint T mit darauf folgendem E und R 
sicher; am Schlüsse könnte P stehen. Derselbe Stempel 
ist auch in Hof heim und Nied gefunden, und W., 
Nr. 32, ergänzt vermutungsweise IVNI(ms) FRlontinns) 
F{ecü) (?) (1.) 

Nr. 23. Einfaches, rechteckiges Schild; schon von 
Becker a. a. O. unter Nr. IV besprochen und Mangandius 
fecit gelesen. Auf dem gezeichneten Exemplare war 
der Schluß unsicher, deshalb irrtümlicherweise T am 
Schlüsse; s. besseren Abklatsch nach einem neuen 
Funde im Wallgraben des älteren Kastells von 1894, 
Fig. 44, Nr. 26. Am Schlüsse der ersten Zeile steht 
F, am Anfang der zweiten Zeile ist M mit A ligiert 
und am Ende DIF zu ergänzen; s. W. Nr. 31, der 
die Lesung MAN(Zms) CANDI(rfe(s) ¥[ecit) für wahr- 
scheinlich hält. (2.) 

Nr. 24. Die Zeilen durch einen verzierten Strich 
getrennt (auf der Tafel fehlen die Punkte); der Henkel 
durch kleine Striche abgetrennt ; zu ergänzen ist nach W. 
Nr.9,Fig.l49:LEG.XXIIPR.p.F-IVLIVSAVGVR.F. 
Der Name des Zieglermeisters ist vielleicht als Julius 
Äugurinus zu lesen. (1.) 

Nr. 25. Rechtes Bruchstück, Schild mit Schwalben- 
schwanz; nach W. Nr. 5, Fig. 145 ist zu ergänzen: 
KEG . XXIIPRPF — M- DEVATF. Der Name des 
Zieglers vielleicht Marcus Devatus. (1.) 

Nr. 26. Flaches rechteckiges Schild mit halbkreis- 
förmigen Ansäe nach innen, in denen sich Kreuze be- 
finden, die in dem damals vorhandenen Exemplare 
nicht sichtbar waren; s. Abklatsch nach neuem Fund 
Fig. 44, Nr. 25. Die Deutung des Namens ist noch 
nicht gelungen. W. Nr. 30. Limeswerh B. Nr. 22. (2.) 

Nr. 28. Großes rechteckiges Schild, mit kreisrunder 
Änsa im Innern; in der zweiten Zeile scheint eher C 
statt X und hinter G ein Punkt zu stehen. W. Nr. 1 
ergänzt vermutungsweise: C. GENIAL(«s) (?) (1.) 



310 



Die Funde. 



110. g 

o 
cc 
u. 

LEGXXIIPP 

Q- 

UJ 
CO 



111. ILEGXX////// 
KIRMVS 



Nr. 27. Kreuzförmiger Stempel; die kurzen »Seiten 
geziilint; die Legende auf der Tafel nicht ganz richtig; 
hinter M ein kleines P; statt P ist F zu lesen; der 
Schluß unsicher. Nach identischen Stempeln ist zu 
ergänzen: SEMl^o»///*) FRO^{timis). W. Nr. 4, Fig. 
144. (1) 

Taf. LXXVII, Nr. 20 und neuer Abklatsch Fig. 45, 
Nr. 11. Einziger (gezähnter) Ivundstenipel mit Cursiv- 
schrift an der Peripherie; in der Mitte leider undeutlich. 
Vor L ein Strich, der vielleicht das Ende eines Zweiges 
ist, wie bei Nr. 72, oder ein F = [fecit). Am Schlüsse 
scheint KIRMVS [Firinus) zu stehen, davor auch ein 
K (= fidelis). Es dürfte zu lesen sein: LEGXXIIP 
PF FIRMVSF(?) Flrmus ist als Töpferstempel bekannt. 
Schuermans 2256. (1.) 



Neue Funde. 



112. ////G-XXII.P.// 
• ///,LGRAT///, 



113. ////XXII.P.PF 

///V. V. F 



Fig. 44, Nr. 14. In dem Wallgraben des alten 
Kastells 1894 gefunden; zu ergänzen durch den Stempel 
von Mainz (T^. Nr. 41) = LEG- XXII • P • P • F — 
IVLGllAT.F. {Julius Gratus). (1.) 

Fig. 44, Nr. 15. An derselben Stelle wie 112 ge- 
funden. Rechteckiges Schild mit Änsae. Zu ergänzen 
durch einen Stempel von Nied, W. Nr. 12, Fig. 152: 
LEG. XXII. P.P-F - C.V.V.F. Wolff erwähnt einen 
Soldaten der XXII. Legion von einem Mainzer Grab- 
stein, dessen Namen mit unserem identisch sein könnte: 
C. Vihulius Valentinus (fecit). (1.) 



Während des Druckes sind noch folgende zwei gefunden worden: 



114. 



/G.XXlIPP//// 
/LBELLIC//// 



115. /////XXIIPRPF 
ANIF 



Im Wallgraben des Erdkastells gefunden. Das Schild 

einfach rechteckig. Derselbe bei W. Nr. 10, Fig. 150; 

1 LEGXXII.PP T^ .. -niT ' , 1 

zu lesen: jyy .RFF 1 TPF ^^ JName Bellicus ist auch 

auf einem Sigillatabruchstück eingeritzt, vergl. Graffite 
Nr. 49 und Textfigur 48, Nr. 20. 

Auf bandförmigem Schilde. Er muß derselbe Stempel 
sein, den W. unter Nr. 28, Fig. 122 bespricht; auch 



Inschriften. Ziegelsteinpel. 



311 



die beiden dort erwähnten Exemplare von Nied und 
Mainz sind am Schlüsse nicht sehr deutlich. Doch ist 
bei uns zweifellos ANIF zu lesen. Viell. Änius fecit. 

Schließlich müssen hier noch zwei Stempel erwähnt werden, die leider 
nicht in unsere Sammlung gekommen sind: 

IIG. Gmo|VIWSIIX(X03J) Halbkreisförmiger Bandstempel; LEGXXH PRIMIG 
PFID, abgebildet bei W. Nr. 27, Fig. 121 ; einst im Besitz 
von G. Dieffenhacli, jetzt im Museum zu Darmstadt. 



117. 



Desgleichen ein Stempel, der von Hahel im Jahre 1857 
gefunden wurde. Nach einer flüchtigen Handskizze 
Hobels in dessen Aufzeichnungen befand sich unter der 
Legende LEG XXII in der Mitte ein Adler und zu 
seinen beiden Seiten je ein Capricorn ; ein wohlerhaltenes 
Exemplar befindet sich im Museum zu Mainz. 



1. '///// MOOOIV 



2. 0312AI8M03 



g. Privatzieglermeister. 

Taf. LXXIX, Nr. 24. Auf der Tafel verkehrt darge- 
stellt; rückläufig zu lesen, Deutung unsicher; derselbe 
Name wie der auf den folgenden Rundstempeln? Be- 
findet sich auf einer Platte von 17 : 17 cm. (1.) 

Nr. 25. Ebenfalls verkehrt abgebildet und rück- 
läufig zu lesen. Der fünfte Buchstabe scheint ein A? 
Demnach wäre der Name Consias; sonst nicht bekannt. 
Auf Platten von 17 : 17 cm in 2 Exemplaren. Das eine 
unvollständige, dessen Anfang fehlt, kannte auch BecJcer; 
s. Frkfrt. Arch. N. F. I. S. 22. 



3. MC0I/I2IV2EECIT 



Nr. 22. Ausgezahnter Rundstempel mit einer 
Kugel in der Mitte; statt F:E; die Lesung unsicher; 
rückläufig CON3IA2 oder richtiger CON8IV8. (?). Auch 
die Bedeutung des H vor dem Namen ist nicht klar; 
es ist früher mit dem Folgenden zusammen gelesen 
worden als: Vaconsiiis, s. Becher, Frkfrt. Archiv, n. F. I. 
S. 22, und Inconsius. Da der Ziegler aber derselbe wie 
der von Nr. 2 sein dürfte, wäre vielleicht Va. Consius[?) 
zu lesen. Jedenfalls scheint der Verfertiger des Stempels 
mit dem Einschneiden der Buchstaben nicht recht Be- 
scheid gewußt zu haben, 



312 



Die Funde. 




Hiervon scheint es noch eine Varietät zu geben, bei 
der Schild und Schrift dieselben wie bei 3 sind; doch 
ist in der Mitte auf einigen Exemplaren ein Halbmond 
sichtbar; siehe die nebenstehende, in einem Drittel der 
natürlichen Größe und nach neuem Abklatsch hergestellte 
Abbildung. Möglich ist, daß diese Stempel später als 
die ersten hergestellt sind, nachdem das Stempelholz in 
der Mitte bereits verletzt war. (?) (16.) 



1. .IVSTVM///CIT 



2. IVSTVM.FECIT- 



h. Abnalimestempel. 

Taf. LXXIX, Nr. 23. Sehr sauber gearbeiteter Rund- 
stempel mit einer Scheibe in der Mitte und mehreren 
konzentrischen Hingen ; auch von Wolff für einen Metall- 
stempelabdruck gehalten. Zu ergänzen: IV^STVM FECIT. 
Als Interpunktion das Herzblatt. W. Fig. 143 d, 
S. 300. (1.) 

Neuer Fund. Fig. 45, Nr. 4. Ebenfalls zirkelrund 
gearbeitet, in der Mitte eine Figur wie eine Schnalle (?), 
um dieselbe die bekannten dreieckigen Punkte. Inter- 
punktion: Herzblatt. (1.) 



2. Graffite. 



Die Bedeutung der hier aufgezählten Bezeichnungen, fast ausschließlich 
Datumsangaben, die in den feuchten Thon auf Ziegel eingeritzt sind, ist bei 
der Besprechung der Ziegclfabrikation erörtert worden. Die meisten Graffite 
sind in den letzten Jahren gefunden; Becker scheint nur 2 gekannt zu haben. 
Die sogenannte griechische Inschrift ist hier mit aufgeführt. 

Die Nummern in Klammer bezeichnen die Figuren der Tafel LXXIV, 
die Nummern vor den Namen die Katalognummern des Saalburgmuseums. 



1. 359 



///SIVNIAS 



2. 360 



///KIVLIAS 



3. 4145 XVIIIKIVLIAS 



— s Junias; vor S vielleicht ein V. Idus (?); 
scheint auch Becker bekannt gewesen zu sein, der 
sie Frkfrt. Archiv N. F. 1 s. 22 Nr. 5 bespricht 
und Kalendis Juniis liest. (Nr. 1.) 

Das Zeichen vor K gehört offenbar zu einem X, 
also (?)XKalendas Juhas. (Nr. 2.) 

= a. d. XVIII. Kalendas Julias = 14. Juni; 
bereits von Becker VI Nr. 8 ediert. (Nr. 4.) 



Inschriften. Töpferstempel auf Terra sigillata. 313 

4. 4143 ///ll KIVLI/// (?) II Kalendas Julias. (Nr. 5.) 

5. D. 358 ///XVKA//// (?) XV. Kalendas. Hinter K ein A und L oder 

AV als Rest von AVG. (Nr. 6.) 

6. D. 361 ///VIDVS///, Die Lesung des Schlusses nicht sicher; vielleicht 

a. d. V Idus (?). Dem letzten Buchstaben nach 
ist vielleicht an AVG zu denken. (Nr. 7.) 

7. 4148 ///SEP//; Das Zeichen am Anfang Rest von einem K(?), 

dahinter Sep(tembres). (Nr. 8.) 

Zweizeilig; am Schlüsse der ersten Zeile ein 
weiteres I oder Anfang von K (?), also vielleicht 
a. d.XVII (oder XVIII) Kai Sep(tembres). (Nr. D.) 

Das letzte Zeichen D (?). Idus (?). (Nr. 10). 

= pridie Nonas. (Nr. 11.) 

Zweizeilig; in der zweiten Zeile scheint M mit 
A und T ligiert (?); die erste hat kleinere Buch- 
staben; unverständlich. (Nr. 13.) 

Auf der Tafel verkehrt gezeichnet = [Rejstitutus 
(?). (Nr. 19.) 

13, 4142 Inschrift in der rechten unteren Ecke einer großen Ziegel- 

platte (40:40 cm), die als Deckplatte eines Kanals diente; stammt 
nach den Fundumständen aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert. 
Neben den Buchstaben sind die Abdrücke eines Kinderfußes und 
einer Kinderhand. Die Schrift befindet sich in der linken unteren 
Ecke. Eine Lesung ist noch nicht gefunden, die Buchstaben sind 
jedenfalls griechische. Bücheier meint (vergl. Westd. Ztschrft. II. 
C. Nr. 4), es sei vielleicht ein rhythmisch schlechter Senar (wpsix; 
(iöv[o?] xdpTj {J.[ö]Yt<; XaopsTO; indes scheint ihm des Schlusses wegen 
das Griechische überhaupt problematisch und er vermutet mög- 
licherweise eine einheimische Sprache in griechischem Alphabete. 
Gefunden 1882. (Nr. 23.) 

II. Auf Gefaßeu ans Terra sigillata. 
1. Töpferstempel. 

Ein großer Teil römischer Sigillatagefäße ist mit einem Stempel versehen, 
den wir als Fabrikanten- oder Firmenstempel anzusehen haben. Ge- 



8. 


4152 


XVII//// 
SEP 


9. 


4150 


IIID 


10. 


4146 


PR NON//// 


11. 




ivw/// 
AMSC/// 


12. 


4153 


///STITVTV/, 



314 r>ie Funde. 

meiiisam betrachtet mit Material und Form des Gefäßes ergeben diese Töpfer- 
stempel ein wichtiges Moment l'ür das Studium römischer Keramik. Es 
sind deshalb sämtliche bis 1896 gefundene Stempel der Saalburg hierunter 
zusammengestellt und des Verständnisses wegen einige allgemeine Beobach- 
tungen vorausgeschickt. 

Der Stempel ist schon in der Form enthalten und dort mittelst einer 
^hitrizc aus Holz, Metall oder Thon eingedrückt, im Gegensatz zu den 
unter Nr. 2 zu besprechenden Graffiten, welche nach dem Brennen während 
des Gebrauches eingeritzt sind. Der Name des Töpfers findet sich gewöhnlich 
in der Mitte des Bodens auf der Innenseite in einem schmalen, rechteckigen 
Schilde, das die erhabenen Buchstaben trägt. Hiervon besitzen wir zwei 
Ausnahmen in den Rundstempeln Celsinus Nr. 31c und Fig. 47, Nr. 10 
und Tocca Nr. 151c. Bei der Namensbezeichnung des Töpfers befinden 
sich verschiedene Angaben über die Herstellung der Ware, meist fecit («ließ 
anfertigen» oder «hat angefertigt»), o/'//cma («Werkstätte, Fabrik»), manu, arte 
(«von der Hand» oder «durch die Kunstfertigkeit»), alle diese Bezeichnungen in 
den verschiedensten Abkürzungen bald vor, bald hinter dem Namen, z. B. 
Ämmius f., Fuhlhts fe., Inus fec, Pctrullus fx., Tocca fecit, Of Sexcn, Erici m. 
Der Name selbst steht auch allein und zwar im Nominativ oder Genitiv, 
z. B. Arvcrnicus (sc. fecit), Censorini (sc. officina). 

Die Buchstaben sind zum Teil sehr schön in Kapitalschrift geschnitten, 
manchmal in Kursivschrift und auch aus beiden Schriftarten gemischt, so- 
daß einzelne Namen schwer oder gar nicht zu lesen sind. Andere sind ganz 
oder in einzelnen Buchstaben rückläufig oder verkehrt, oft auch falsch, je 
nach der Geschicklichkeit oder Bildung des Stempelschneiders gearbeitet, der 
wohl viele Namen nach dem Gehör schnitt. Des beschränkten Raumes -wegen 
hat man auch sehr stark gekürzt und sich mit mehrfachen Ligaturen be- 
holfen. Auf Fig. 47 sind verschiedene Schreibarten zusammengestellt. 

Außer dieser gewöhnlichen Art, Gefäße zu stempeln, kommen noch 
einige andere Formen bei uns vor. Der Name Honorati (Nr. 69 und Fig. 47, 
Nr. 9) liegt nicht in einem Schilde; die sauber gearbeiteten und scharf aus- 
geprägten Buchstaben mit Apices sind mit einer Metallmatrize hergestellt. 
Ausschließlich auf Gefäßen mit reicher Verzierung (Taf. XXIX, Nr. 1, 12, 
13, 25) und aus meist schlechtem Material sind Stempel wie Fig. 47, Nr. 14. 
Ein wulstartig erhabenes Schild, parallel mit dem Gefäßrande oder meridional 
zwischen den Verzierungen, trägt den Namen mit vertieften Buchstaben und 
zwar meist rückläufig; vielleicht nennen derartige Stempel den Modelleur der 
Dekoration. Der Name AvetHj, Nr. 163, steht ebenfalls an der Außenseite 
neben einem sehr schön modellierten Ausguß in Form eines Löwenkopfes. 
Zwei reich dekorierte Gefäßbruchstücke von sehr guter Qualität tragen die 
Bezeichnung Censor in schönen großen Reliefbuchstaben, ebenfalls an der 
Außenseite (Fig. 47, Nr. 16), die Schuermans nicht erwähnt. SchließHch sind 
noch fünf in der Mitte von Gefäßbödeu im Innern eingedrückte, rosetten- 
artige Figuren (Fig. 47, Nr. a — e) zu erwähnen, welche auch für Töpfer^ 



Inschriften. Töpferstetnpel auf Terra sigillata. 



315 



marken zu halten sind. Jedenfalls gehören sie nicht zur Verzierung des Gefäß- 
inneren und sitzen nicht konzentrisch zu den übrigen Kreisen. Nr. d erinnert 
in der Ausführung sehr an die Rundstempel Cclsinus und Tocca. Auch der 
Stempel Nr. f, welclier außen auf einem Boden sitzt, dürfte eine ähnliche 
Bedeutung haben; er hat die Form eines Hufeisens, stellt auch vielleicht 
eine Bandform dar, wie wir sie bei Ziegelsterapeln beobachtet haben. Ob die 
kleinen Vertiefungen Buchstaben sind, läßt sich nicht erkennen. 



I^^J/V^Qg)] 




(CASglVj f] 



HONORATi m^ immiMMS) 



VoTv 



A/J o 






in . 



Fig. 47. Töpferstempel und -Marken auf Terra sigillata. (Nat. Größe.) 



Die meisten Stempel sind auf Gefäßen von den Formen der Nr. 4, 5 
und 14 der Taf. XXIX, flachen Schalen, Tellern und den Tassen Nr. 16; die 
oben erwähnten reichen Gefäße sowie Tassen mit trapezförmigem Vertikalschnitt 
(Nr. 17, 18) haben keine Stempel, die ersteren höchstens auf der Außenseite. 
Stempel auf ganzen Gefäßen sind ganz vereinzelt — im Verzeichnisse sind 
sie jedesmal besonders augegeben — und fast alle befinden sich auf Bruch- 
stücken. Für die Zeitstellung der Stempel im Allgemeinen ist der Zeitraum 
maßgebend, während dessen die Saalburg in den Händen der Römer war — 
das wäre, wie oben nachgewiesen, die Zeit vom Ende des ersten Jahrhunderts 
bis etwa 280 n. Chr. Für einzelne Stempel die Zeit genau zu bestimmen, 
ist bei uns kaum möglich. Dagegen möge betont werden, daß der hier so 
häufige Name Vimpus im Schachtbrunnen Nr. 34 und im Steinbrunnen Nr. 29 
vorkam. Ist schon aus jener Fundstelle, einem der Schachtbrunnen, die ich 
als die älteren Anlagen bezeichnet habe (S. 153 ff".), auf ein höheres Alter zu 
schließen, so ist der Umstand, daß neben ihm noch 3 Münzen des Hadrian 
lagen, vor Allem bemerkenswert. Der Stempel Beginus fec ist im Brunnen 



316 



Die Funde. 



Nr. 29, Bdatnllns in Nr. 12 gefunden und Maconof lag unter dem auf- 
geschütteten Wall (vcrgl. S. 04) unter älteren Mauern, 3,20 ni tief. Alle 
diese Stempel dürfen wir wohl ohne Bedenken zu den älteren rechnen. Es 
mag hier erwähnt werden, daß öfters mehrere Scherben mit Namen (manch- 
mal ist nur gerade der Name sichtbar) an einer Stelle gefunden sind. So 
wurden z. B. im Jahre 1887 im Fraetoriuni nahe bei der sogenannten Latrine 
1,50 bis 2,0 m tief 26 unserer schönsten Fabrikantenstempel "^) auf einem 
kleinen Raum zerstreut gefunden. Die Ursache hiervon ist unbekannt, der 
Umstand selbst aber verdient hier festgelegt zu werden; vielleicht macht man 
anderweitig eine ähnliche Beobachtung, 

Die Zusammenstellung der Namen ergiebt, daß viele, die anderswo 
(z. B. am Rheine) zahlreich vorkommen, bei uns wenig oder gar nicht ver- 
treten sind. Am häufigsten sind: Iteginus, Vhnpus, Martialis, Nasso, Tocca, 
Lossa, Maianus, Celsiniis, Buhitatus und Silvinus. Stempel mit den Namen: 
Secundinus, Borill (?), Ätto, Tocca, Verecimdus, Saccr, Cintugnatus, Avetedo, 
Trittis und Martialis (vergl. das Verzeichnis) sind in dem Wallgraben des 
Erdkastells gefunden, gehören also zu den älteren. 

Die Töpfcrstempel der Saalburg hat Becker in den Nassauer Annalen 
a. a. O. (abgekürzt B) zuerst veröffentlicht; er nennt damals 68 A^arletäten. Wir 
besaßen bis Frühjahr 1896 im Ganzen 517 Stempel von 228 (einschließlich der 15 
imgelesenen, die kaum unter den anderen vorkommen dürften) Töpfern in 303 
Varietäten. Hierzu kommen noch 7 verschiedene Töpfermarken, davon einige 
in mehreren Exemplaren (auf der Textfigur nur 6 abgebildet), und eine Reihe 
von gänzlich unleserlichen, verwaschenen Stempeln und einzelnen Buchstaben. 

Wo sich Analogien bei Schuermans^^^) finden, ist dessen Nummer an- 
gegeben (Seh.); auch Klein, Bonner Jahrbücher 1890 (Inschriften von Bonn), 
ist an einigen Stellen angezogen (KL). Die Zahlen vor den Namen sind die 
Nummern im Kataloge des Saalburg-Museums. Der Buchstabe D daneben 
bedeutet, daß sie nach Darmstadt gehören (hierüber siehe den Abschnitt: 
«Museum»). 

a. Leserliche Töpfernamen. 



1. 7392 ABBO//i7 

2. a. SJäJ AENISAT^ 



b. 3391 AENISAT, 



Seh. 13-16. Ähbo. 

(zweimal); Seh. 97. Das letzte V" 
halb so groß wie die übrigen 
Buchstaben. 

Schluß fehlt; von Becher als 
NE ANS AT gelesen. 



ÄenisatiiS. 
Fig. 47, 
Nr. 6. 



"') Diese Stempel bieten folgende Töpfernamen: Ammius, Austrus, Buccus, Celsintis, 
Cupidus, Gabrus, Liicus, Maior, Maritima, Martialis, Meddicus, Melissas, Montanas, Moscus, 
Nasso, (Hojnorius, PecuUaris, Placidas, SacJül, Tocca und Verecundas. 

'2*) M. H. Schuermans, sigles figulins (6poque romaine). Bruxelles 1867. (Extrait 
des Annales de l'Acadömie d'arch^ologie de Belgique, torae XXIII, 2^ s^rie, tome III.) 



Inschriften. Töpferstempel auf Terra sigillata. 



317 



3. 




3852 
3863 


ALBILVSF 


4. 


a. 


4020 


////M\BIKIS 




b. 


6898 
4033 
6931 
7403 


AMABILIS 


5. 




3981 


AMMIVSF 


6. 




7361 


AMMOF 


7. 


a 


624B 


ANISATVSF 




b 


6891 

• 7357 

7405 


ANISATV 


8. 




6130 


ARVERNICVS 


9. 




3854 


ATTIAMVSF 


10. 




6236 


ATTILLVSF 


11. 




7349 


ATTO///// 


12. 




6309 


AVETEDO 



7354 



13. 


a. 


3977 
3855 


AVSTRVSF 




b. 


4127 


AVSTRVSX 


14. 




3856 


OFBASSI 


15. 


a. 


762 

3857 


BELATVLLVSF//// 




b. 


7374 


BEKATVKKVSK 


16. 




7364 


BELINICCVS-F 


17. 




3858 


BELSVS//// 


18. 




3874 


BOLSIVS 



{zweimal);beiScb.l85mitzweiL. ß.54. Albilus. 

Seh. 244. M mit A ligiert; A^ 

am Anfang fehlt. 
Seh. 243. (viermal); auf der Außen- ^ Amahilis. 

Seite von 4033 ein großes Kreuz [ 

eingeritzt. 

Seh. 282. Ämmius. 

Ammo oder viell. Ämano, da der Strich vor 
nicht zum vorhergehenden Buchstaben zu 
gehören scheint. 

Seh. 323. 
deutHch. 



Schluß nicht ganz' 



(dreimal); auf 7405 drei Kreuze 
neben einander eingeritzt. 



Änisatus. 



19. 7343 BORtF 



Seh. 500. Ärvermcns. 

Seh. 603. Ättianus. 

Seh. 613. Attülus. 

Seh. 616—617; dahinter Platz fürFEC. Atto. 

(dreimal); Seh. 644 hat Ayeteda 
vergl. Kl. Nr. 32 Avetedc/'/ 
auf 7354 außen ein Kreuz 
eingeritzt. 

(zweimal); Seh. 716. B. 1; aufi 

3977 Graffit Nr. 8. 
Schluß scheint X. j 

Seh. 744. Bassus. 

(zweimal); Seh. 76. B. 2. | 

762 auf einer großen flachen Schale.) 

Seh. 769—772. Bellinicus. 

Seh. 787. Schluß nicht sicher; F (?). BeJsus. 

so von Becker Nr. 3 wohl auch richtig ge- 
lesen; da L u. S dicht zusammenhängt, 
läßt sich auch 8VI5109 rückläufig lesen; 
keinesfalls heißt es aber BOLLVS; auf 
einem Teller, dessen Form zu den älteren 
Typen gehören soll. Bolsius (?). 

L scheint mit I ligiert; vielleicht Borülus. 
Seh. 844—847. 



Avetedo. 



Anstrus. 



BelatuUus. 



318 



Die Funde. 



20. » ajg BO\'D\'SE 

7391 



21. 7400 BRACCIAT//// 



22. a. g6{ BVCCVS//// 

b. 5J24 avccvs//// 

23. a. f^l CAIVSF 
b. 40^ OFCAIVS 

24. 6240 OFCAL 



Seb. 857 (dreimal). E am Scblusse aiicli von 
Bfchr gelesen, a. a. 0. 55; vergl. aucli 
Kl. Nr. 43. c. Jioudus. 

Bracciatns; vcrgl. Scli. 865 — 8G9, vielleicbt 
derselbe wie 869: Brariains; bier CC ganz 
sieb er. 



Bnccus. 



25. 



3859 CARINVSF 



26. 4011 CAPITOKINVS//// 

27. gg CASSIVSF 

28. 3864 CASVRIVSF 

29. 7397 CATVLLV8F 



30. ^S ^SVTAO 

6893 



31. a. g CELSINVSF 

6290 
6316 

b. 4000 CH.SIN.F 



c. ^89 CELSINVSF 



32. 6328 CIIIVTIVSF 



33. 3866 CENNO 

34. «»11 C3\ISOR 



Seb. 894. 3971 auf einer flacben 

Scbale. 
(zweimal); P^iule nicbt sieber. 

F(?) B. 4. B verkebrt gestellt. 

(zweimal). Seb. 970. 1 ,. . 
Sch. 997. [ '""'■'■ 

Der dritte Bucbstabe könnte ein G, der letzte 
ein I sein, also Seb. 979 oder 2356. 

Seb. 1089 obne F. Auf flacber Scbale. 
Carinua. 

Seb. 1059; am Scblusse F möglicb. Capi- 
tolinns. 

(zweimal). Seb. 1129. Cassius. (Fig. 47, Nr. 8.) 

Seb. 1143. VR nicbt ganz sieber. Casurius. 

Seb. 1176. Catullus. 

rückläufig; (dreimal). Seb. 1180; auf 6889 
außen Graffit Nr. 67. Catus. 

(viermal). Seb. 1236. 

E und L ligiert; vor F ein Punkt l, Cclsinus 

= I (?)■ 
(zweimal); sebr deutlicber Hund- Fig. 47, 
Stempel; B. 6. > Nr. 10. 

Anfang nicbt ganz sieber, scbeint derselbe 
wie Suehier Festscbrift, Nr. 7 (von Kückingen) 
und LimestverJc, Btiizhach Nr. 1. [Cillu- 
tius [?].) 

(?) 

(zweimal); in großen Relief buebstaben auf der 
Außenseite eines verzierten Gefäßbrucb- 
stückes; bei Schnermans nicht erwäbnt. 
Cctisor. (Fig. 47, Nr. 16.) 



Inschriften. Töpferstempel auf Terra sigillata. 



319 



35. 



36. 



47. 



48. 



a. 


7372 
4012 
3867 


C3\ISORNI 


b. 


6843 
7365 


C3^JSOR^NF 


c. 


6846 


C3SJS//// 




4052 


CERIAKISF 



37. 


3962 ^^YTA|!'||o 


38. 


386; CINTVGNATV 


39. 


6271 COCVSF 


40. 


3869 COLIVSF 


41. 


3871 COMISILLF 


42. 


3870 COIVESILLF 


43. 


a. ^l maiAAITIMOD 




b.Dg202 H3UAITIMOD 

6932 



44. 3873 

45. 6798 
Aa q 3864 



CONATIVSF 

CONIV2F 

COSILVS 



b. 6306 COSIkVS 
CRACVNA 



49. a. 



4018 
6125 
6145 

7412 

6804 

3876 
3877 
8975 



OF-CV 
CVPITVS 



b.D.i87 CVPITVS 

50. 3878 CVSIVS 

51. 4005 DAGODVBNVSF 



Seh. 1258; (dreimal). E mit N 
und I mitNligiert; 4012 nur 
zur Hälfte erhalten. (Fig. 47, 
Nr. 1.) 

Seh. 1257 (?); (zweimal). I verkürzt. 



Censorimts. 



Seh. 1292; auf der Außenseite einer reich 
verzierten Schale. F am Schlüsse nicht ganz 
sicher. Ccrialis. Von ß. 5 als CAREALV 
oder CARIOTVS gelesen. 

rückläufig; vielleicht Seh. 1352. Ciatus? 

(zweimal). Seh. 1397. Cintugnatus. 

vergl. Seh. 1504. Cocns. 

Seh. 1523. B. 10. Colins. 

Seh. 1537. B. 57. Comisülus. 

B. las unvollständig COMESIF. CotnesilJus. 

(zweimal); rückläufig. Seh. 1544. "^ 
B. 8; bei 4051 fehlt der An- 
fang, 
(dreimal); derselbeTöpfernarae wie 

vorher, ebenfalls rückläufig, je- > Comitialis. 
doch auf der Außenseite eines 
reich verzierten Gefäßes. Seh. 
1543. Vergl. auch Becker, 
Mainzer Inschr. S. 103, Nr. 50. 

Seh. 1568. Conatins. 

Seh. 1575. Conhis. 



Cosilus. 



(zweimal); K oder L nicht ganz 

sicher; 3864 auf einer flachen 

Schale. B. 9. 
k deutlich. Seh. 1634. 

(viermal); Seh. 1683. (Fig. 47, Nr. 5.) Cra- 
cuna. 



tief eingedrückt. Cu . . . . 
(dreimal); Seh. 1813. 

kleinere Schrift wie bei a. 
Seh. 1823. Cusiiis. 
Seh. 1840. Dagoduhnus. 



Cupitus. 



320 
52. 

53. 
54. 



55. 
5G. 
57. 



58. 
59. 
GO. 



G2. 



63. 



G4. 



gj» DISETVSF 



3880 DIVIXTVL 
a. 6g2 DOLCC\'SF 



b. 6132 DOLCCVSK 
6891 DOMITIAN//// 

3881 DVBINTIVSF 

sssSg-Jt DYBtATvSF 

6312 
4013 
6845 



6786 EkENWSF 
6928 ERICI-M 
3293 FAVSTVSF 



61. a. 3887 FIISTVSF 

b. 4001 FIISTVS//// 

c. 7386 FESTVSF 



a. 6122 FIRMVS-F 

b. 6829 FIRMVS 

a. Jg FLAVIVVSF 



U 4038 
"' 3954 



Kl^AVIANVSK 

a. gi3 KLORIDVS 

b. 7360 FLORIDVS//// 



65. a. 3w« H2VIA0 



b. 6818 ////IAO 

66. 3888 GEMELLVaF 

67. 7424 3>|^IMAI0 



Die Funde. 

Seil. 1928 (zweimal). Der obere Querstrich 
des T ist. niclit scharf ausgeprägt, sodaß 
auch DISEIVS gelesen ist. Dlsetus. 

Seh. 1948. B. 11. BivixtuUs. 

(zweimal). Der dritte Buchstabe 
bei 6227 könnte möglicher- 
weise ein I sein, vielleicht ahn- \ Dolccus. 
lieh Seh. 1971 und 1962 ff. 

Seh. 1995—97. Domitiamis. 

T unsicher; nicht bei Seh. Buhintius. 

(sechsmal); Seh. 2033; B 12/13 und 58; 3883, 
4013, 6845 nur zur Hälfte erhalten; auf 
3884 außen ein großes achtstrahliges Kreuz 
eingeritzt. Duhitatus. (Fig. 47, Nr. 12.) 

Seh. 2059—61. Elenius. 

Seh. 2090. Ericus. Außen Graffit: ///L-OP 

bei Seh. 2177 ohne F. Faustus. 



Seh. 2223; B 14. F am Schlüsse 
unsicher. 



Seh. 2257. ^, ^. 
Seh. 2256. I ^'''''''' 

vergl. Seh. 2264; (zweimal); A 
und N ligiert; 763 auf einer 
flachen Schale. 

(zweimal). 



Festus. 



Flavianus. 



(zweimal). Seh. 2271; dort mit FE. Floridus. 

rückläufig. Seh. 2354. (zweimal); 
auf Nr. 6156 außen Graffit 
Nr.66:////NIMARCELLIein- \ Gaius. 
geritzt. I 

Seh. 2379. B. 59. Gemdlus. 

(zweimal); vergl. Seh. 1347. Rückläufig. Gia- 
milus. (Fig. 47, Nr. 2.) 



Inschriften. Töpferstenipel auf Terra sigillata. 



321 



68. S HONORATI 

6276 



69. a. 4024 lANVARIVSF 
b. 3889 lANNARIVSF 

70. 3990 lASSVSFE 

71. 4007 IXXVX 



72. 


6313 INVSFEC 


73. 


3974 IVCVFEC 


74. 


6141 ivcvrsDvs 


75. 


a. 6924 IVLIANVS 




b. 3890 IVLIAN//// • 


76. 


6315 IVS//// VSFE 


77. 


g ITOCCAFECITI 




3980 
6135 



78. 




3894 LATINIANVS 


79. 




6289 LENTVLI 


80. 




g LIBinRALISF 


81. 




6801 LIPVCA 


82. 


a. 


S kOSSAFEC 

6321 
6805 
6806 




b. 


S KOSSAF 




c. 


S ^A220X 




d. 


6939 LOSSAF//// 


83. 




S KVCANVSK 


84. 


a. 


3897 LVCIVSF//// 




b. 


6791 LVCIVS//// 


85. 


D.188 MACCONOF 

3898-99 
3900 
3999 



(dreimal); tief eingeprägte große Buchstaben 
ohne Schild, bei 6226 fehlt die erste Hälfte, 
bei 6276 die zweite. Seh. 4007. Hono- 
ratus. (Fig. 47, Nr. 9.) 

Seh. 2555. 
(zweimal). 

bei Seh. 2572 nur mit F. Jassus. 



Januarins. 



Die beiden letzten Buchstaben sicher, der 
Anfang nicht sehr deutlich; vergl. Becker, 
Mainzer Inschr. Nr. 147 und Seh. 3955 
NVXI (?). 

Seh. 2674. Inus. 

Seh. 2755. Jucus; der erste Buchstabe viel- 
leicht L (?). 

Seh. 2754. Jucundus. 

Seh. 2800. ] ^ ,. 

[ Julianus. 

wahrscheinhchjMs^mMs; beiSch. 2859 ohneFE. 

(viermal); es ist zweifelhaft, ob ITOCCA zu 
lesen ist, da der vertikale Strich am An- 
fang sich hinten wiederholt. Es wird TOCCA 
zu lesen sein (vergl. Nr. 151). Die beiden 
Striche gehören zum Namensschilde. B. 
42/43. Seh. 5494. Tocca (?). 

Seh. 2912. Latinianus. 

Seh. 2940. Schluß nicht ganz sicher, Lentulus. 

(zweimal) Seh. 2951. Liherdlis. 

Seh. 2990. Lipuca. 

(fünfmal); Seh. 3022. 

(zweimal). i' Lossa. 

(zweimal) rückläufig. Fig. 47, Nr. 17. 

(zweimal); Seh. 3037. Lucanus. 

Seh. 3056; B. 16. 1 ^ . 

I Lucius. 

(fünfmal); Seh. 3136. B. 17. Macconius oder 
Maccono. 



Jacobi, Das Bömerkastell Saalburg. 



322 



Die Funde. 



86. 


a. 


iKHYi 
(i2!)*2 
74<)1 
7im 
7413 


MACIOF 




b. 


6807 


MACIO//// 


87. 


a. 


D.189 


MIAHV2F 




b. 


739.') 


MWVSF 


88. 




0222 
H«« 
3945 
39<il 
4019 
«314 
6810 
7858 


MAMAAVS 


89. 




6916 


MINIVSF 


90. 




8904 
3988 


MAieR.F 



91. a. 3984 MARINVSF 
b. 3905 MARNvS 

92. a. g MARtAKFE 

4006 



b. IS MARTAKFE 

3909 
3910 
4034 
6275 



c. 3970 TMARtALFE 



d. 7345 MRtAKI 



93. 6788 MRTINV///// 



94. 3911 MAS0IC-F 



(fünfmal); Seh. 3147. B. 18; auf ] 
7401 außen ein kleines Kreuz; 7413 
auf einer großen füichen Schüssel. 

am Schlüsse könnte K stehen. 



Macio. 



Seh. 3186. A mit M ligiert. Maianus. 



(achtmal); Seh. 3184. Maianus (?). 



bei Seh. nicht erwähnt; das A im M 
zweifellos; genau derselbe neuerdings im 
Kastell Zugmantel gefunden. 3Iainius. 

(zweimal) Seh. 3197. B. 60 u. 19. Kl. Nr. 186 
scheint derselbe. Maior. 



Seh. 3315. 

Seh. 3314. I mit N ligiert 



.} 



Marinus. 



(dreimal); Seh. 3339. B. 20, 21 

und 61; von 4006 fehlt das 

Ende, von 4027 der Anfang. 

(Fig. 47, Nr. 4.) 
(sechsmal); die Schrift hat den- 
selben Ductus wie bei a, ist 

aber mit einem anderen Stem- 
pel hergestellt; von 4034 die 

erste Hälfte erhalten, von 3910 \ Martialis. 

und 6275 die zweite, 
vorne 2 Punkte. Seh. 3338 und 

Kl. Nr. 189 d; alle Stempel 

des Martialis befinden sich 

auf flachen Schalen derselben 

Form mit guter Glasur, 
deutlieh, das Wort zu Ende. 

S fehlt. 

Schrift ähnlich wie bei Suchicr, Groß-Krotzen- 
burg, S. 30, Nr. 14, nur nicht rückläufig. 
M mit A ligiert. Seh. 3360—64. Martinus. 

S unsicher, ebenso wie der Schluß; vielleicht 
MASO od. MASONIVS (?). Seh. 3400—02; 
außen Graffit Nr. 9 eingeritzt. 



Inschriften. Töpferatempel auf Terra sigillata. 



323 



95. 4037 OFM AT//// 



96. 




6269 MATTOF 


97. 




3912 OF/W3(' 


98. 




6785 MECCOFEC 


99. 


a. 


S ^EBBICVS 

6799 




b. 


f» rvtBBICFE 

7499 
7377 



100. a. 3982 MELISSVSF 

b. 3861 DHHDDU///// 

101. 3913 MERCVSA 

102. 3914 MICCIOF 

103. 523; MINVTV2 

104. a. 4030 MONTANVS 





b. 


3915 
3916 
4057 


MONTAIVVS 


105. 




3972 


MO///CVSF 


106. 




4125 


/VV0IMV8 



107. 




6789 


MVRRAN. 




108. 


a. 


6286 


NASSO//// 






b. 


6916 
6917 


NASSOF 






c. 


3919 


NASSOFEC 






d. 


3918 
6149 


NASSOISF 






e.D. 192 
3987 
5795 


NASSO. I.S- 


F 



Seh. 3409 — 11. Schluß unsicher, vielleicht 
OFMATE. Becker Nr. 45 las OFVIATE. 
Mat . . vielleicht derselbe Name wie Nr. 96. 

Seh. 3430. Matto. 

(?) 

Seh. 3470—71. Mecco. 

(dreimal); Seh. 3475—76; bei 6305 der Schluß 
scheinbar V; M mit E ligiert; bei 6799 der 
Anfang nicht ganz sicher = 3Ied'^icus; 

(viermal); früher von Becker NEBBIC ge- 
lesen ; DD (mit Querstrichen) sicher, ebenso 
M am Anfang. Seh. 3475—76. 

Seh. 3505. 

rückläufig = MELISSIFEC 

Seh. 3545 hat MERCVSSO (?). Mercusa. 

Seh. 3578. Miccio. 

(zweimal); Seh. 3614. Minutus. (Fig. 47,Nr.3. 

(zweimal). Seh. 3695; der Quer- 
strich des T ist nicht sehr groß, 
sodaß auch Monianus gelesen 
ist; von 4030 fehlt der Schluß. 
3973 auf einer flachen Schale. 
B. 22. 

(dreimal); Seh. 3695. 



Melissus. 



'Montanus. 



wahrscheinlich MOSCVS. Seh. 3711. 

Seh. 3736. MVGINVS oder MVLINVS (?); 
vielleicht rückläufig zu lesen; zweifelhaft. 
Siehe auch Dieffenhach, Nass. Ann. 1877, 
Friedberger Inschr. Fig. 285, Nr. 45. 

Seh. 3748 ff. Murranus. 

sehr große Buchstaben. 

(zweimal); Seh. 3807. 

s. Kl. Nr. 238. 

(zweimal); 6149 auf einer flachen 

Schale. B. 23. Seh. 3808. 
(dreimal); 5795 auf einer flachen 

Schale; die Bedeutung der 

Punkte ist nicht aufgeklärt. 

21* 



> Nasso. 



324 

109. 8920 NATALISFE 

110. 6223 NISTV/// 



111. g; OCISOF 



112. eS ONNIO 



Die Funde. 



113. 



3924 OHI/IIOR 



114. 3^^VJ3 o.TI 

6323 
6887 



115. 4017 OVIDIM 

116. D. 193 PATERN VSF 

117. a. 3926 OFPATRC 
b. 3925 PATRIC 

118. a. 3928 PATRICIANVSK 
b. 3927 PATRICIAN//// 

119. 39-29 OFPAVLI 



120. a. 3530 PECVKIFE 



b. 3931 PECVKIAFE 

121. 3932 PERPETVSF 

122. 3933 PIIRVINC//// 



Seh. 3812— 13, doch ohne FE. Natalis. B. 24. 

= NISTVS. Sei). 3897. Der Anfang nicht 
ganz sicher; vielleicht = FIISTV8 (?) 
= Festus. 



(zweimal); Seh. 3969. 
Ociso. 



ß. Nr. 26 las Ocriof. 



(zweimal); 761 auf einer großen Scliale. Seh. 
4006. (Fig. 47, Nr. 15.) Onnitis (?). 

B. 28; vergl. Seh. 4006. 

(fünfmal); kleiner Stempel, sehr scharf in den 
Tassen von der Form Tafel XXIX, Nr. 16, 
ausgeprägt, auf hart gebrannter Terra sigil- 
lata mit guter Glasur ; dennoch nicht sehr 
deutlich. B.27. Verschieden gelesen. Beclcer, 
Mainzer Insehr. hat unter Nr. 150 denselben 
Namen; möglich wäre bei einzelnen OSS, 
OFS oder OFI; auch rückläufig; bei 6887 
ist O'SI« ziemlich deutlich. Vergl. auch 
Kl. Nr. 291 und 292. 

Seh. 4060—61. Ovidius. 
Seh. 4179. Paternus. 



Seh. 4189. I 

Seh. 4195. B. Nr. 62. } 

Seh. 4206, 



Fatricius. 



} 



Patricianus. 



Seh. 4235 mit zwei L und 4245. Derselbe 
bei Kl. 1890, Nr. 267. Paulus. 



(zweimal); Seh. 4255 ff. B. 29; auf) 
3930 außen Graffit Nr. 23 ein 
geritzt. 

Seh. 4256. 



Peculiaris. 



Seh. 4292. B. Nr. 30 liest am Ende I. 
Perpetus. 

vielleicht PIIRVINCIF Seh. 4297. B. Nr. 63. 
Pervincus. Ein Pervineus ist auch der Ver- 
fertiger des großen Vilbeler Mosaikbodens 
im Museum zu Darmstadt. Er ist dort 
auch PII .... gesehrieben. 



Inschriften. Töpferstempel auf Terra sigillata. 



325 



123. a. gg PETRVLLVSFX 

6896 

b. 3997 PETRVLLVSFEC 



c. ;o| PETRVLLVSF 

7423 

124. a. 4002 PLACIDVS 
b. S PLAC-DVS 

6294 





c. 


6228 PLAG//// 


125. 


a. 


3934 OFPOMl 




b. 


6140 PONTVS 


126. 




6894 PRAETERITI 


127. 




S PRIDIANI 

7363 


128. 




6308 PRIMIGEF 



129. 3994 ////RIMIT1V8 

130. a. 6300 PRIMITIVOSF 
b. 6838 PRIMITIVoS-F 

131. 3936 PRIVATVS 

132. 6926 PVBLIVSEE 

133. 3938 QVITILAI/IVS 



134. 



S RECINVSFEC 



135. a. im ?EGINVSF 

6895 
6876 

b. 6307 ^EGINVS-F 
C. 6129 JtGINVS///// 

d. 6233 ^GIN//// 

e. 6848 ////iK9i3q 

f. 3939 ////lOH^ 



(dreimal); Seh. 4302. FX = fecit;) 

bei 3886 fehlt der Anfang. 
Becker, Nr. 15, las iTTtnmlich y Petnillus. 

FIRVLLYSFEC (Fig. 47, Nr.l3). 
(dreimal). 

Seh. 4336. 

(dreimal) ; zwisehen C und D ein 

horizontaler Strieh, wahrsehein- 

lieh ein querliegendes I. Derselbe \ Placidus. 

seheint Sch.4336 aus Wiesbaden ; 

siehe auch Suchier a. a. 0., S. 30. 



N mit T hgiert. 
-79. 



Pontus. 



Seh. 4376. 
Seh. 4367- 

Sch. 4406. Praeteritus. (Fig. 47, Nr. 7.) 

(dreimal); Seh. 4415. B. 31. Pridianus. 

Seh. 4435. Primigenius oder Primigenitus. 

Seh. 4443; P am Anfange wahrseheinlieh. 

Primüius. 
Seh. 4442. B. 33. ] 

halb so groß wie die nhngev^Primitivos. 

Buchstaben; hinter S ein Punkt.] 

vergl. Seh. 4482. B. 33. Becher, Mainzer 

Inschr., Nr. 173. Privatus. 
Seh. 4516; zwei E deutlieh. Puhlius. 

= Quintiliamis? Vergleiche Seh. 4574 — 79. 
B. 34 las QVITIIANVS; wahrscheinlich 
ist N mit T und I ligiert, es fehlt jedoch 
der schräge Strich des N zwischen I und T. 

(zweimal); vergl. Seh. 4617; statt C wäre 
immerhin G möglich; doch hier C deut- 
licher. Beginns fec. Seh. 4634 — 38. Becinus. 

Seh. 4635—37. (Viermal.) 



Vor F ein Punkt. 

außen eingeritzt Graffit Nr. 37. 
(Fig. 47, Nr. 14)jbeideaufd. Außen- 
rückläufig, un- Seite eines reichen 
sicher ob C od. G Gefäßes. B. 35. , 



Beginns. 



32G 



Die Funde. 



136. =««Yi?3 SABELLVS 



137. 7398 SABINVS//// 

138. a. 3944 SACERF 

b. 7362 ooA'CER'E 



139. a. C941 SATVRNFECIT 

b. C131 SATVRNINI 

140. a. 6138 SECCOF 
b. 3y4G SECCO 

141. 3942 SE///TVSF 

142. a. :JJJ SECVNDINVSF 
b. 'im SECVNDINI 

143. 3948 SEC///NOF 

144. a. 4036 ///EVERVSFEC 

b. 3950 OFSEVER 

c. 779 SEVERVS 



145. 7382 SIIVIIRIANVSF 

146. JS OFSEXCN 



147. a. g SILVINVSF 

3!t.-)'9 

^ b. S SILVIN//// 

C. 6127 SILV//// 



148. 4026 SVORN//// 

149. 3955 TAVRVSF 

150. 3956 TEMPORIN//// 



(dreimal); Scli. 4821. B. 56 las CABEILVI; 
bei 6153 der Anfang unsicher. Sahcllus. 

Seh. 4835; außen großes Kreuz. 

Seh. 4846. Saccr. 

hier hat man den Eindruck, als ob der 
Stempel aus einzelnen Lettern zusammen- 
gesetzt und der Anfangsbuchstabe um- 
gefallen sei. Vergl. Placidus I24b. F mit 
E ligiert; außen Graffit: SERVANDI. 

Außenstempel auf einem ornamen-| 

tierten Gefäße. Seh. 4962 ff. \Saturnimis. 
Seh. 4965. J 



Seh. 5019. 

B. 38 las SECCV; nicht ganz sicher. 

vielleicht SEDATVS. Seh. 5064. 



Secco. 



(zweimal); Seh. 5055. B. Nr. 37.)^ 

kleine Tasse. Seh. 5050. \Secund^nm. 



Seh. 5026—31. Sexun (?). 

S am Anfang fehlt. Seh. 5181. 
Seh. 5158. B. Nr. 41. 
außen auf einem verzierten Gefäß- 
bruchftück. 



Severus. 



Seh. 5174. Severianus. 

(zweimal); Seh. 5197. jB^ cArr (Nr. 64) las offi- 
cina Sexcani, Kl. Nr. 53, of(ficina) Sex. 
Can(i) (?). A mit N ligiert, nicht sicher; 
im Limeswerk (Kastell Butzbach), p. 21, 
ergänzt: Sex(tii) Ca(ndidi) (?). 

(dreimal); Seh. 5258. B. Nr. 39. 40; \ 
bei 3953 fehlt der Anfang. 



hat viel größere Buchstaben wie 
die vorigen. 



. Silvinus. 



Anfang zweifelhaft; vielleicht MORM (?). 
Seh. 3707. 

Seh. 5396 ohne F. B. Nr. 65. Tauriis. 

B. Nr. 66. Bei Seh. nicht vorhanden. Tem- 
porinus. 



Inschriften. Töpferstempel auf Terra sigillata. 



151. a. 3§ö7 TOCCAF 

b. gj? TOCCAK 

6128 
7375 

c. 7389 TOCCA-FECIT 

152. a. g TOCCIVS 
b. gg TOCCIVSF 



153. 



154. 



0221 TOCCVS 



6797 TOCVKE 



155. a. C831 TRITVSF 



b. 6841 TRITVS//// 

156. 7367 VENICARVSF 

157. a. 3983 V3RECVNDVS 

b. 4016 \fRECWDF 
c-^aSVERECVN 

158. a. 4023 VIIRII/IVSF 
b. 6794 VIIRIH//// 

159. 6121 VER///SFEC 

160. a. 6148 VICTOR 

b. 4028 VICTORFII8 

161. a. 6|; VICTORINVS 

b. 6230 VICTORINVS/// 
C. 4039 VICTORI/// 
d. 3963 VICTORNvS 

162. ,S\-ig VIMPVS 

4127 6310 

6319-20 

6833 6901 

7393 

163. 4043 VIND///VAIAII 

164. 6231 VINIVIF 



(zweimal); Seh. 5489. B. Nr. 67. 

(viermal); bei 6128 fehlt der Anfang; 
auf 3943 das Graffit Nr. 3. Ver- 
gleiche auch ITOCCA, Nr. 77. 

sehr schöner Rund Stempel, in der 
Mitte ähnlich wie die Töpfermarken. 

(zweimal); sehr deutlich. 

(zweimal); vielleicht am Schluß F 
mit E ligiert. Becher, Mainz. In- 
schr. Nr. 214, hat nur TOCCIVS. 



327 



Tocca. 



Toccius. 



der erste Buchstabe könnte auch I sein. 
Toccus oder Cocciis. 

der Anfang vielleicht L oder F; das Übrige 
sehr deutlich. 

(zweimal); Seh. 5514 ohne F; der- \ 

selbe bei Kl. Nr. 338. Tritus. 

die Buchstaben kleiner wie bei a. J 

Seh. 5623. Venicarus. 



(zweimal); Seh. 5643, E mit R 

und N mit D ligiert. 
Seh. 5642. VE und VN ligiert 
(zweimal); B. Nr. 44. 

Seh. 5653. 1 „ . 

Vermus. 



Verecundus. 



Seh. 5669. Verus. 

Seh. 5720. 

Schluß S (?). Seh. 5723. 

(zweimal); Seh. 5727. B. Nr. 46.^ 
Außen eingeritztes Kreuz. 



Victor. 



Victorinus. 



Seh. 5729. I mit N ligiert. 

(elfmal); Seh. 5759; B. Nr. 68; von 4058 und 
6319 nur der Anfang erhalten ; vor und 
hinter dem Namen ein Tannenbäumchen. 
Auf 7393 außen Graffit LVCI. Vimpus. 

vielleicht derselbe wie Seh. 5761; unbe- 
stimmt. 

Seh. 5767. Vinivus. 



328 
165. 



Die Funde. 



»«6 VIRTVSF 



166. a. 3.%7 VITALISF 
b. Gir.7 OFVITA 

167. a. 39r.9 VRBANVSF 

b. -My^ VRBANVSF 

c. 6226 ////RBANV-SF 



(dreimal); Scli.5821. Virfus; Becher (Nr. 48) 
las Virihis (?). 

Sch.5853.i?edYr(Nr.50)lasVITALIOF. 



Seh. 5837. B. Nr. 49. 

Seh. 5920. B. 51. 

sehr kleine, scharf ausgeprägte 
Schrift. 

zwischen V und S ein Punkt; scheint 
der bei Becher Frkf. Arch., N, 
F., I., Nr. 4 erwcähnte Stempel zu 
sein, da dort die Lesart Urbanius 
angeführt ist. 



Vitalis. 



Urhanus. 



b. u 


nvollstäudige ' 


168. 


40Ö4 AB///// 


169. 


403.3 AMAJIHI 


170. 


6042 APE//// 


171. 


4015 AR//// 


172. 


6921 AR//// 


173. 


4009 AVET///// 



ollstäudige Töpfernamen, die unter a. nicht enthalten sind. 

auf der Außenseite eines verzierten Gefäßes, 
vielleicht ABBO (?). 

Amahüis oder Amandus? 

große Schi-ift. Aper (?). 

der dritte Buchstabe vielleicht C (?). 

(?) 

auf dem Bruchstücke einer schönen Terra- 
sigillata- Schale neben einem Ausgusse in 
Form eines Löwenkopfes; vielleicht AVE- 
TEDO Nr. 12. 

Biturix (?) Seh. 827. 

(?) vielleicht wie Nr. 21 Bracciatus. 

CAVA oder CANA; vielleicht CANAIM. 
Seh. 1033 (?). 

(?) S nicht sicher. 

PICTORINVS (?). Seh. 2227. 

vielleicht Floridus oder Flavianus (?); auf 
einem als Spielstein benutzten Gefäßboden. 

auf der Außenseite einer verzierten Schale. 
Floridus (?). 

Seh. 2340 ff. Fuscus (?). 

GABRVS. Seh. 2351 (?). 



174. 


6839 BITWIIII 


175. 


6279 BRA//// 


176. 


4031 CA\A//// 


177. 


7411 COSIR//// 


178. 


6326 FICT//// 


179. 


67a3 KL//// SFEC 


180. 


779 Villi IVS 


181. 


3995 FVSC/// 


182. 


3985 GABR//// 







Inschriften 


183. 


6301 


MIVIV//// 


184. 


7370 


NAS/// 


185. 


C274 


PATE///// 


186. 


4022 


SACIDV/// 


187. 


4065 


SIIVI/// 


188. 


Cir)0 


VIDV//// 


189. 


G186 


////IRINVS 


190. 


3875 


////VITVSF 


191. 


3882 


////BDVFE 


192. 


4064 


L.3-B///// 


193. 


3949 


///C///CVSF 


194. 


6139 


llljV\DWS 


195. 


4041 


////MAVS 


196. 


4004 


///DPA-F 


197. 


4061 


IA///PIITRA 



Töpfereterapel auf Terra sigillafa. 



329 



\ 



198. 


0286 ////CCIATVS 


199. 


6327 IUI AT Alis 


200. 


7369 ///ATALISE 


201. 


6154 ////ATNIS 


202. 


6922 ////VCVSSTV/// 


203. 


7410 ITAIVSEIGyV// 


204. 


6834 OFII///,FVIMC 


205. 


7368 VENIC//// 


206. 


C329 ////VIRICI 



Die Buchstaben deutlich; vielleicht Mmtdiis[?). 

Nasso (?). 

statt E ein R {?). 

C unsicher; könnte auch rückläufig gelesen 
werden. 

vielleicht Severus oder Seven'anus (?). 

vielleicht VIDVCVS (?) Seh. 5741. 

Quirinus (?). Seh. 4586. 

Ävitus (?) Seh. 690. 

außen ein Kreuz eingeritzt; wahrscheinlich 
MEBBVFE. Seh. 3481. 

unbestimmt; statt B vielleicht R. Lucius 
Tertius (?). Seh. 5415. 

unleserlich. 

rückläufig; unbestimmt. 

M nicht ganz sicher. 

vor P vielleicht ein O ; vergl. Dieffenhach a. a. 0. 
Nr. 120. 

der zweite Buchstabe vielleicht A oder M; 
der Schluß TRA ist zweifellos; vorher 
11 = E; ... PETRA (?). Derselbe bereits 
von i?ecÄ;er, Frankfurter Archiv, N.F., Bd.I., 
S. 22, Nr. 3, erwähnt und IXX .... RA 
gelesen, 

Schluß deutlich; wie Nr. 21 Bracciatus (?). 

Schrift zwischen parallelen Linien. Natdlis (?). 
Seh. 3814. 

Natalis (?). Seh. 3811—13. 

Schrift wie bei Nr. 199; vor A ein N oder 
M; statt N vielleicht RI (?). 

Anfang zweifelhaft, der Rest sicher. 

unverständlich. 

unbestimmt; Schluß C oder S. 

Venicarus (?). 

Schluß vielleicht F (?); statt R auch P mög- 
lich. 



Die Funde. 

außen Graffit Nr. 43; vielleicht SACIANT(?). 
Seh. 4855. R hhiter C nicht wahrschein- 
lich. 

vielleicht Bonus (?). Seh. 850. 

vielleicht Alpinus (?). Seh. 233—34. 

wahrscheinUch üifimiis. Seh. 4701. 

der zweite Buchstabe nicht ganz sicher. 



Hierzu kommen 15 Namen in deutlicher, aber schwer zu entziffernder 
Kursivschrift. 

c. Zweifelhafte Stempel mit einzelnen Buchstaben und Bruch- 
stücken von solchen, die unter a und b aufgeführt sind. 



330 






207. 


35)86 


SACI///// 


208. 


3978 


///ORIVSFEC 


209. 


6927 


///LPINVSF 


210. 


7028 


///ITVNVS//// 


211. 


7415 


MISSO///VS 



1. 


6235 


FAV//// 


2. 


3885 


FIRM//// 


3. 


4130 


TRIT//// 


4. 


6803 


REG//// 


5. 


6897 


REG//// 


6. 


4008 


VICTO/// 


7. 


4010 


////AFX 


8. 


3793 


////VINVSF 


9. 


4047 


////VIVS 


10. 


4003 


////AFEC 


11. 


4m2 


////TOFEC 


12. 


3948 


////OSF 


13. 


4049 


////ICIS 


14.' 


4065 


////lALIS 


15. 


6229 


////I>vLIS 


16. 


6152 


////ISFEC 


17. 


4066 


^zuhii 


18. 


6270 


MIHI 


19. 


6899 


LI//// 


20. 


4086 


^llll 



Fanstus, Faventinus (?). 
Firmus, Firminus (?). 
Tritus (?). 



I Beginns (?). 



21. 6273 MAI//// 



Victor, oder Victorinus (?). 

Schluß fecit; Tocca fx, Seh. 5495 (?). 

Silvinus (?) wahrscheinlich. 

oder NVS. 

der Schrift nach LOSSAFEC, Nr. 82a. 

SATTOFEC (?). 

(?)• 

vor I vielleicht ein V. 

von Martialis (?). 

von Martialis (?). 

(?)• 
rückläufig. (?) 

auf einer flachen Schale (?). 

Liberalis. (?) 

Med-Oicus oder Me{)-du (?), vergl. Nr. 99 und 191, 
außen Graffit Nr. 21. 

Maianus (?) Nr. 87. 



Inschriften. Töpferstempel auf Terra sigillata. 



331 



22. 


6317 


^yiiii 


Lucanus (?) Nr. 83. 


23. 


7353 


H>IA//// 




24. 


4059 


////VB/// 


der Schrift nach Duhitatus. Nr. 57. 


25. 


7402 


////MA 




26. 


4021 


////OFECIT 


auf der Außenseite eines reichen Gefäßes. 


27. 


7381 


////CAF 


I^ocm (?). 


28. 


6299 


////iiaF 


(?). 


29. 


7366 


//7/DVS 




30. 


6278 


////FEC 


(?)■ 


31. 


7380 


////NICI 




32. 


6283 


////VSFE 


(?)■ 


33. 


7379 


////mNVS 




34. 
35. 


6284 
6298 


////INVSF 
////INVSF 


[ Süvinus (?). 


36. 


7307 


////SFECIT 


(?). 


37. 


6243 


////ACIDVSF 


P?ac«<?MS (?). Nr. 124. 


38. 


7388 


////VSF 




39. 


3992 


////RNVS-F 


Pa- oder Matermis (?). 


40. 


7406 


////CVS 


verwaschen. 


41. 


4063 


////NIAIVVS 


Montanus (?). Nr. 104b. 


42. 


7387 


////OFF 




43. 


4053 


HSV///3/// 


rückläufig, in der Mitte ist R zu ergänzen ; auf der 
Außenseite eines reichen Gefäßes. Vcnis (?) 


44. 


6154 


///ATRIO 


Patrio oder Patric (?). 


45. 


6304 


D//// 


(?)• 


46. 


6144 


IN//// 


oder NI rückläufig (?). 


47. 


6280 


VI//// 


Victor (?). 


48. 


6143 


R//// 


der Schrift nach wahrscheinlich von Reginus. 


49. 


4062 


H2V///A/// 


—atus— Catus (?), Nr. 30. 


50. 


6935 


TOC//// 


Tocca (?). 


51. 


6324 


////CCOFEC 


Mecco, Secco (?). 


52. 


6902 


////RIN//// 


(?)• 


53. 


6919 


////CVNDIN 


Secundinus (?). Nr. 142. 



332 . 

54. «918 ////FECIT 

55. «832 ////VSF 

56. C8r.5 ////VSF 

57. «»40 ////INVSF 

58. 6933 TID3H//// 

59. C8.S5 ////CONOF 

60. C934 ///INVTV/// 

61. «793 ////EDOF 

62. 4048 ///ECV/// 

63. 6837 ////RECV^DVS 

64. «930 ////BIK 

65. 6938 ///VSFECI/// 

66. 7033 ////NATVS 

67. 7030 H2VTA//// 



Die Funde, 
(leutliclio, schöno, große Schrift. 

auf einer großen flachen Scliale. 

Roginus, Süvimis (?). 

Außenstempel, rückläufig, auf ornamentiertem Ge- 
fäß; Comitialis (?). 

Macconof. Nr. 85 (?). 

Minntus. Nr. 103. 

Avetedo. Nr. 12 (?). 

scheint Verecnndus (?). 

Verecundus (?). Nr. 157. 

Amahüis (?). 

(?). 

wahrscheinlich Catus. Nr. 30. 



2. Graffite. 

(Hierzu Tafel LXXIII und Fig. 48.) 

Wir finden auf vielen Gefäßscherben — ein vollständiges Gefäß ist nicht 
erhalten — Zeichen und Worte, die nach dem Brande während des Gebrauches 
mit einem scharfen Instrumente eingeritzt sind, sogenannte Graffite (Kritzel- 
schriften). Bei Sigillata erster Qualität mit guter Glasur sind sie scharf und 
sauber wie mit einem Diamant eingekratzt, bei schlechtem Material breit aus- 
gebrochen und infolgedessen oft unleserlich. Ob die Ansicht Beckers, es 
seien Töpfernamen, für alle gilt, ist zweifelhaft, wenn auch Namen darauf 
vorkommen, die als Töpfernamen bekannt sind. Nebenbei finden sich außer- 
dem auf vielen Scherben Stempel und Graffite gleichzeitig, was bei der Auf- 
zählung unserer Graffite jedesmal angegeben ist. Einige Bezeichnungen deuten 
sicher auf den Besitzer hin, andere vielleicht auf den Inhalt. Besonders be- 
merkenswert sind Zeichen wie Nr. 1, 2, 4, 5 inmitten von Gefäßböden, deren 
Bedeutung aufzuklären bleibt. Es sind sonst bekannte Zeichen, wie sie auch 
auf Ziegelstempeln vorkommen und als charakteristische Merkmale für gewisse 
Truppenteile angesehen werden. Es mag hier gleich bemerkt werden, daß 
sich die meisten Worte auf flachen Schüsseln und Tellern besonders von der 
Form Taf. XXIX, Nr. 5, finden, und zwar auf der Unteransicht (U. A.). Wenn 
man hierbei das Centurienzeichen bei Nr. 48 und dasjenige von Rückingen 
(Nr. 53) mit in Betracht zieht, so scheint es denkbar, daß solche gleichmäßig 
geformte Gefäße das Hausgerät einer bestimmten Truppe gebildet haben. 



Inschriften. Graffite auf Terra ßigillata. 333 

Damit beim Reinigen keine Verwechselung möglich war, hat Jeder seinen 
Teller mit seinem Namen, einem Kreuz, einer Zahl oder sonstigem Zeichen 
kenntlich gemacht. Andere Bezeichnungen stehen an den oberen Rändern 
(ü. Rd.), sehr viele auch in den Böden und dort gewöhnlich im Kreise ge- 
schrieben — aber alle auf der Außenseite, mit Ausnahme von drei Zeichen 
(Zahl VIII?) auf dem Bruchstücke einer Reibschale (Nr. 80). Manchmal ist 
der ganze Name angegeben, manchmal auch nur ein einzelner Buchstabe; 
sehr zahlreich sind Kreuze und Sterne, die nicht alle abgebildet sind. Bei 
besonders gutem (I.) oder schlechtem Material ist in der Tabelle ein Vermerk 
gemacht. Die Nummern vor deren Bezeichnung sind diejenigen des Museums- 
katalogs. ' 

Von den hier zusammen angeführten Graffiten der Saalburg waren 
Beclicr a. a. O. 14 bekannt. (B.) Diese Zahl hat sich auf 30 (Taf. LXXIII) 
4- 67 (Fig. 48 und Nachtrag) = 97 vermehrt; bei dieser Zählung sind die 
mit Kreuzen versehenen und allzu unbedeutende außer Betracht geblieben. 

Eine korrekte Ergänzung und Erklärung aller dürfte sehr schwer, viel- 
leicht kaum möglich sein, zumal sie sich alle auf Bruchstücken befinden und 
bei den meisten nicht erwiesen ist, ob mit dem Bruche auch der Buchstabe 
oder das Wort aufhört. 



Die laufenden Nummern des folgenden Verzeichnisses beziehen sich auf Tafel LXXIII. 

1. 4071 Hakenkreuz in der Mitte eines Bodens außen eingeritzt. (Vergl. 

ähnliche Kreuze als Fibula Tafel LI, Nr. 12 — 14.) 

2. 4072 Tannenbäumchen, das auch sonst auf Inschriftsteinen und Stempeln 

vorkommt; vergl. das Graffit hi(hite) unter B. HL 2, die Legions- 
stempel Taf. LXXVI, Nr. 17, Taf. LXXVII, Nr. 11, Taf.LXXVIII, 
Nr. 4, den Töpferstempel Vimpus Nr. 162 u. a.; (U. A.) 

3. 3943 Auf einem Boden außen, innen der Töpferstempel Nr. 151b, TOCCAF; 

in der Mitte ein Stern, seitlich zwei Dreizacke (?), die Buch- 
staben VNI (?) und ein zweiter Stern. 

4. 4073 Blitzbündel auf der Seite einer Tasse (I); ein ähnliches Zeichen 

auf dem Legionsstempel Nr. 51 (Taf. LXXV, Nr. 14). 

5. 4074 Hakenkreuz auf einem Gefäßboden, vergl. Nr. 1. 

6. 4075 APR//// auf der Außenseite, (U. A.); bereits von Becher 

a. a. 0. Nr. 1 erwähnt, s. Seh. 399 ff". 

7. 4076 ISIIRVM//// Erstes Zeichen unsicher. Becher Nr. 10 liest 

ISIIRVM [Servi manu) und verweist auf Seh, 
5137. (U. A.) 

8. 4077 Auf dem Boden einer flachen Schüssel, verschiedene sich kreuzende 

Linien; innen Töpferstempel. 



334 



Die Funde. 



9. mi ISSV//// 



10. 4078 ///AVSTINI/// 



11. 3949 

12. -1079 



MLTA//// 



13. 


40^) MN//// 


14. 


Andreaskreuz 


15. 


4081 ///AIILIA/// 



16. 4082 PRIMVC 



17. 4083 PRO 



18. 4084 

19. 4104 

20. 4085 

21. 4086 

22. 4087 



23. 3930 IVTTI 

24. 4068 

25. 4089 

26. 4090 

27. 4091 



nac'li Becler unbestimmbar; im Bogen auf der 
Außenseite eingeritzt; auf dem Boden der Töpfer- 
stempel MAS0K-F. Nr. 94. 

(U. A.) Becker las Justini; der Anfang fehlt; richtiger 
Faustini, oder — ms. 

unbestimmt; innen ein unleserlicher Töpferstempel. 

liest BecJcer a. a. O. Nr. 4 und zieht Seh. 3632 
zum Vergleich heran; der zweite Buchstabe 
scheint aber eher ein C; am Schlüsse statt A 
eher ein R. (U. A.) auf einem Teller; zweifelhaft. 

(O. R.) unbestimmt. 

auf der Seite. 

(0. R.); wird ergänzt durch die neugefundene zweite 
Hälfte Fig. 48, Nr. 1, sodaß zu lesen ist: 
///AIILIAIIIM (oder zwei A?) unbestimmt; die 
Zeichen fein eingeritzt. 

auf der Innenseite eines Bodenrandes; vielleicht 
Primus (?). B. Nr. 5 hest PRIMVL = Primulus. 
Seh. 4449. (I.) 

(U.A.) auf einem Teller; nach B. Nr. 7 vielleicht Pro- 
culi (?), ebenso wie Nr. 18 und 20. Seh. 4492. 

(0. R.) B. Nr. 8 {ProcuU?). 

Seitlich; einfache, senkrecht gekreuzte dünne Linien. 

PROCII//// (U. A.) (I.) nach B. Nr. 6 ProcuU (?). 

Verschiedene feine Linien, regellos eingeritzt; innen Töpferstempel 
NE/// (vergl. S. 330, Nr. 20). 

IVL-IANVA/// (U. A.), schlechtes Material. BecJcer, Nr. 13, las 
IVLIANVS; richtiger Jul. Janua[rins]; oder 
vielleicht Datum: ///V-K-IANVARIAS (?). 

seitlich; vielleicht IVSTI (?), auf dem Boden 
Töpferstempel PECVLIFE. Nr. 120a. 

Auf der Seite, monogrammartig eingeritzt. 

Unleserlich; am Ende scheint erste Hälfte eines M. (U. A.) auf 
einem Teller. 

SAGRILLEGVS Dünne Striche im Boden eines verzierten Gefäßes 
von sehr schlechter Qualität. Ob Eigenname (?). 

(U. A.) B., Nachtrag Nr. 11, vermutet BICQ, vergl. 
Seh. 798 — 99. O sicher, am Anfang R oder B. 



PR//// 



///RICO 



Inschriften, Graflßte auf Terra sigillata. 



335 



28. 1092 QVETI 



29. 4093 TERENT//// 



30. 



SI^ 



(U. A.) schlechte Quahtät. B. Nr. 9 vermutet 
QVIETI und zieht Seh. 4567 zum Vergleich 
heran; die zweite Hälfte des V vielleicht L (?). 

(U. A.) auf einem Teller; derselbe Name Seh. 5405 
{Terentius\ B. Nr, 11; innen ungelesener Töpfer- 
stempel. 

Das letzte Zeichen wie ein griechisches ^ oder 
ein Dreizack wie bei Nr. 3 und 4. 



Hierzu kommen noch diejenigen Graffite, welche nach Abschluß der 
Tafel LXXni bis jetzt gefunden und auf Fig. 48 zusammengestellt sind. 



81. 


4131 


///■3AT 


32. 


6255 


SPERN/// 


33. 


6266 




34. 


6339 


///M 


35. 


6818 


///ENSORI///, 


36. 


6907 


V 



37. 6233 SATVRN//7 



38, 


6253 


////VLV//// 


39. 


6343 


M/// 


40. 


6857 


IVL 


41, 


6900 


///ARTIA/// 


42, 


6824 


///ONT//// 


43. 


3986 


///RNALIS-CDF 


44. 


6958 


///RVI/// 


45. 


6340 


////M//// 


46. 


6944 


SATTO//// 



Fig. 48, Nr. 2, (0, R.) breit und flach eingeritzt, 
vielleicht ///DAT (?), 

Nr. 3, auf sehr schlechter Sigillata, (O. R.) 

Nr. 4, achtseitiges Kreuz im Innern eines Bodens 
von sehr schlechter Sigillata, 

Nr. 5, Buchstabe M. (U. A.) 

Nr. 6, Censorinus (?). B. 

Nr. 7, der Buchstabe V oder die Zahl V außen 
auf einem kleinen Boden. 

Nr. 8, (U. A.) (I.); innen Stempel ^GIN Nr. 135d. 
Saturninus. 

Nr. 9. (O. Rd.) 

Nr. 10, außen auf einem Boden; innen unleser- 
licher Töpferstempel, 

Nr. 1 1 , auf der Seite einer ganzen Tasse. 
Julius (?). 

Nr. 1 2, Boden ; vielleicht Martialis (?), in der Mitte 
ein Kreuz. 

Nr. 13, (U. A.) auf einem' reichen Gefäße (I). 

Nr. 14, (U. A.) innen Töpferstempel SACI. Nr. 207, 
die letzten 3 Buchstaben sehr flüchtig gegen die 
ersten, 

Nr. 15. (U. A.) 

Nr. 16. Boden. 

Nr. 17, (0. Rd.) auch als Töpfernamen be- 
kannt. 



336 



Die Funde. 












<QUMi 



^H^^^^il 




Fig. 48. Grafflte auf Terra sigillata. (>/» nat. Größe.) 



Inschriften. Graffite auf Terra sisillata. 



337 



47. 6331 CERATVS 



48. 6258 SCELELVSI/// 



49. 4094 BIIKKICCI//// 



50. 6817 ////IIRV 

51. 6380 ////NTO 

52. 6820 ///NDI/// 

53. 6821 VIRILIS//// 



54. 6943 GALLICANI 

55. 6338 DR//// 

56. 6164 SAAAOCENI 



57. 3977 AS///VEL///IM 
BRV/// 



58. 4097 /////MACI//// 



Nr. 18, (U. A.) könnte ein vollständiges Wort 
sein, da die Entfernung von dem ersten Buch- 
staben bis zur Bruchstelle größer ist als der 
Zwischenraum zwischen den übrigen Buchstaben ; 
statt C auch L; ein Ceratus bei Seh. Nr. 1278. 

Nr. 19, (U. A.) auf einem Teller; der erste Buchstabe 
vielleicht das Centurienzeichen? vergl. Nr. 53. 
Celeius (?). 

Nr. 20, (U.A.) Schluß unsicher; vor I ein Punkt? 
Bellicus (?); über den Namen als einen keltischen 
vergl. die Bemerkung bei Wolff', Ziegeleien von 
Nied (Frkf. Arch.), zu dem Zieglernamen Julius 
Bellicus S. 306. 

Nr. 21, (ü. A.) (1.) Severus (?). 

Nr. 22, (U. A.) Fronto (?). 

Nr. 23, (0. Rd.) s. Nr. 60. 

Nr. 24, auf Sigillata erster Qualität dünn eingeritzt; 
auch als Töpfername bekannt; ein ähnliches 
Graffit h%\ Suchier, Festschrift 1885, Taf. IV: 
OVIRILIS AVGVSTI, wobei Centuria vorgesetzt 
ist wie bei Nr. 48. Ein Soldat ConfMÜernius der 
Centuria des Virilis wird auf einem Graffit von 
Rückingen ausdrücklich erwähnt, SucJiier ver- 
mutet von der XXII. Legion. 

Nr. 25, im Inneren eines Bodenrandes. (Gallicanus.) 

Nr. 26, in feinen Linien eingeritzt. (0. Rd.) (I.) 

Nr. 27, im Inneren eines Bodens von einem Kruge 
(I); auf dem Rande sind Striche eingekerbt; die 
Buchstaben sind tief eingekratzt, statt C viel- 
leicht G. Über die Schreibweise und den Namen 
vergl. den Abschnitt: «Der Name Saalburg», 
S. 26 unten. Auffallend sind die zwei A. 
Mommsen vermutet SAMOGENI. 

Nr. 28, (ü. A.) und Boden, nicht alle Buchstaben 
sicher; hinter S vielleicht NIV oder ANTI; hinter 
E möglicherweise LIAS (?), in der Mitte BRV (?) 
oder am Schlüsse I (?). 

Nr. 29, Bruchstück einer Tasse von schlechtester 
Qualität; vielleicht Macio, der als Töpfername 
vorkommt. 



Jacobi, Das Römerkastell Saalburg. 



22 



338 



Die Funde. 



59. ««M B 



60. 


(>iV12 


///CVNDI/// 


61. 


6341 


AMV//// 


62. 


C888 


AV MA 


63. 


«251 


//7/LVPINI//// 


64. 


41(r2 


XI 


65. 


«335 




66. 


«15« 


um MARCEI 


67. 


6889 


kOKKIANVS 



68. «945 PIIKPE//// 



69. 


694« ///ARIN//7 


70. 


0159 ////ITAKIS 


71. 


6240 XX 


72. 


6250 STRAMBI 



73. 


«158 


////VLIMIIK/// 


74. 


6954 


N 


75. 


6812 


///AVS. 


76. 


6822 


MIN 



Nr. 30, einzelnes großes B, sehr tief eingeritzt. 
(U. A.) (I.) derselbe einzelne Buchstabe auf einem 
Tliongefäße eingeritzt, Fig. 50, Nr. 3. 

Nr. 31, (0. Kd.) vielleicht Secundtis oder Scnm- 
(liwis, der auch als Töpferstempel vorkommt; 
vergl. Nr. 52. 

Nr. 32, (U. A.) sehr feine Striche. 

Nr. 33, Boden, deutliche Buchstaben. 

Nr. 34, sehr dünne Striche. (U. A.) auf einer Reib- 
schale. — lupini (?). 

Nr. 35, auf einem kleinen Gefäßboden; scheint 
die Zahl XI (?). 

Nr. 36, kleines Kreuz auf einer Tasse. 

[/// Nr. 37, (U. A) —ni Marcelli— vielleicht Mar- 
cellus oder Marcellmus; innen Töpferstempel 
Gaius, Nr. 65. 

Nr. 38, (U. A.) auf einem Teller; tief eingeritzt; in 
dem Boden außerdem zwei Kreuze in Form eines 
T, an der Außenseite ebenfalls ein Kreuz. 
Innen der Töpferstempel 2VTA0, Nr. 30. 

Nr. 39, (U. A.) schlechtes Material; vielleicht Fer- 
petus, der auch als Töpferstempel vorkommt. 

Nr. 40, Bruchstück eines Bodens. Mariniis (?). 

Nr. 41, tief eingeritzt (0. Rd.), aber verkehrt; 
vielleicht [VJitalis. 

Nr. 42, im Boden einer kleinen Tasse zwei Kreuze 
oder die Zahl 20 (?). 

Nr. 43, (U. A.) tief eingekratzte Buchstaben; ganzes, 
aber gekittetes Gefäß von der Form Taf. XXIX, 
Nr. 2; es könnte möglicherweise vor S noch 
etwas gestanden haben. 

Nr. 44, (U. A.) kleines Bruchstück; vielleicht Julius 
Melissus (?). (Vergl. Nr. 100 auf S. 323.) 

Nr. 45, kleines, einzelnes, scharf eingeritztes N. 
(U. A.) 

Nr. 46, Boden. — maus, oder — (üus (?). Punkt 
zufällig (?). 

Nr. 47, (O. Rd.) Acn — ; schlechtes Material. 



Inschriften. Graffite auf Terra sigillata. 



339 



77. 6823 ///NATVIIKKONI Nr. 48, (U. A.), sehr feine Striche auf Sigillata 
TIIRT//// erster Qualität. — natiis Vellonius Tert'ms (9). 

Nr. 49, Schachbrettmuster auf einem Gefäßboden. 

Nr. 50, (U.A.) auf einem Teller. Avitus auch Töpfer- 
name; vorher vielleicht ein Wort wie Severi {?). 

Nr. 51, Zahl VIII; einziges Graffit, das sich auf der 
Innenseite eines Gefäßes (Reibschale) befindet. 

Nr. 52, sehr feine Striche. (I.) Wortende. 

Nr. 53, sehr kleine Buchstaben (0. Rd.) EN (?). 

Nr. 54, (0. Rd.) Faternus (?). 

//;C///NTVSMVS//7 Nr. 55, auf einem kegclartig vertieften Boden; 
innen unleserlicher Töpferstempel. 

Nr. 56, — lina (?) Bruchstück eines Bodens; am 
Anfang vielleicht VI (?). 

Nr. 57, auf dem Boden einer reich verzierten 
Schale aus sehr schlechtem Materiale (ge- 
kittet). 

//,OVIINI<IN/// Nr. 58, (O. Rd.) an der rechten Bruchstelle viel- 
leicht V (?). 

///AM/// Nr. 59, (U. A.) auf einem flachen Teller. 

AM/// Nr. 60, (U. A.) auf einem flachen Teller. AM oder 

NM (?). 

lA/// Nr. 61, (U. A.) schlechtes Material. 



78. 


6160 




79. 


6014 


///IRIAVITI 


80. 


6260 


VIII 


81. 


6336 


///ON 


82. 


4099 


IIN 


83. 


4098 


PATIIR/// 


84. 


6827 


//;C///NTVS 


85. 


6913 


///LINA/// 


86. 




CV 



87. 6254 

88. 6337 

89. 6825 

90. 6813 



Noch während des Druckes sind gefunden worden: 

vielleicht Nigrinus (?). Seh. 3879—86. 

Muciiis (?). 

(U. A.); vor A könnte auch ein N stehen. 

(U. A.) Lucius (?). 

Quetus oder Quietus (?) vergl. Nr. 28. 

Seh. 5135 hat Servando; innen Töpferstempel Sacer, 



91. 7383 NICKI//// 

92. 7384 MVC/// 

93. 7416 ///lALIS 

94. 7393 KVCI 

95. 7417 QVIITV//// 

96. 7352 SERVANDI 



97. 7421 PR/// 



Nr. 138 b. 
außen auf einem Boden; vergl. Nr. 16 — 20. 



Außer diesen einigermaßen lesbaren Graffiteu befinden sich noch viele 
unleserliche, sowie einzelne Buchstaben und besonders viele Kreuze von 
jeder Art und Größe auf den verschiedensten Teilen von Gefäßen. 



22* 



340 



Die Funde. 




Hier ist noch anzufügen das Bruchstück 
eines Randes, das die Buclistaben //ERE/// 
enthält (Bihere, Da hibcrcf'f'J). Doch sind die 
Buchstaben bereits in den feuchten Thon 
mit halbrundem Profil eingeritzt; vergleiche die 
nebenstehende, in halber natürlicher Größe her- 
gestellte Abbildung. 



III. Anf Gefäßen von gei>üliiilicliem Thon. 
1, Stempel und Graffite auf Henkeln. 

Unter den äußerst zahlreich gefundenen Henkeln jener großen Krüge, 
wie sie auf Taf. XXVIII, Nr. 1 und 2, dargestellt sind, finden sich solche, 
welche auf der oberen Seite eine Aufschrift tragen. Wenn es Stempel sind, 
hat man sie sehr sauber und tief eingeprägt (Fig. 49, Nr. 1, 2), die Buch- 
staben sind oft sehr groß und sorg- 
Y_-^ fältig gearbeitet. Stempel mit der aus- 
u; drücklichen Bezeichnung F[ecit) sind 
wohl von dem Fabrikanten aufgedrückt; 
andere beziehen sich vermutlich auf 
die Größe und Art des Inhalts. Viel- 
leicht lassen sich aus den letzteren auch 
die Gegenden bestimmen, in denen 
der Wein, den die Krüge jedenfalls 
zum größten Teile enthielten, ge- 
wachsen ist. Die eingekratzten Zeichen sind Zahlen und bedeuten ent- 
weder den Inhalt, oder sie sind nur Merkmale, wie wir sie bei den Sigillata- 
Graffiten finden. 

Zu den von Becher a. a. 0. erwähnten 5 Stempeln sind noch weitere 
18 hinzugekommen, sodaß jetzt ihre Zahl auf 23 eingeprägte Stempel und 
7 Graffite auf Henkeln angewachsen ist. 




Fig. 49. Stempel auf Amphoren. 



1. 4115 ACIRGI 



2. 


4113 APP 


3. 


6853 AQEVA 


4. 


4105 CEFP 



I am Schlüsse sicher; s. Seh. 38 (anse d'amphore), 
und Klein, B. J. 1889. VI, Nr. 2; und Suchier, 
Zeitschrift, S. 27, Nr. 1, von Groß-Krotzenburg. 
Derselbe mit der Hasta am Ende. Bonner 
Jahrb. 60, S. 80 (Fig. 49, Nr. 2). 

vergl. Seh. 397: OF APPI (?). 

für E wäre F möglich. 

der zweite Buchstabe vielleicht F, der dritte E; 
er scheint derselbe wie der in Bonn befindliche, 
s. Klein a. a. 0. Nr. 3. Dort sind jedoch die 
Buchstaben durch Interpunktion getrennt. 



Inschriften. Auf Gefäßen von gewöhnlichem Thon. 341 

5. C2G8 CIAL8 Sch. 1341 Ci(al) b. f. (anse d'ampliore); der 

letzte Buchstabe kleiner wie die übrigen, viel- 
leicht B. 

6. 4112 DOMS nach Becher, Nr. 6, der Name unbestimmbar; viel- 

leicht Abkürzung von Domitius (?). 

7. 4111 IS/fRIF Schluß: F(ecit); vielleicht darin der als Töpfer- 

name bekannte AFER (?). Sch. 115—117. 
Sch. 118 erwähnt nach Mommsen C(aius) 
AFRIVS F aus der Nähe von Neapel. (Fig. 49, 

Nr. 1.) 

8. 4107 LC-X Sedier, Nr. 3, vermutet lihras centum et decem (?). 

9. 4117 L'Q_'S'JIJj nach Becher, Nr. 4, libras quinque seniis (?), doch 

steht hinter S noch ein Buchstabe. 

10. 4108 ////LECCVF bei Sch. 2930 ebenfalls auf einem Henkel, aber 

mit einem M am Schlüsse; derselbe bei Klein 
a. a. 0. Nr. 7; statt E vielleicht ein F. 

11. 4109 PIPAC sehr deutlich. 

12. 4116 p.MV Sch. 4346 (anse d'ampJiore). 

13. 6806 SSM rückläufig. 

14. 4106 QIMEN Becker liest (Nr. 7) statt E ein F; derselbe bei 

Sch. 4542 QIMFN auf einem Amphorenhenkel, 
ebenso Limesiverh (Kastell Butzbach) s. 23, 
Nr. 2. 

15. 4110 S'F'E von Becher Nr. 5 für unbestimmbar erklärt. 

16. 6851 ////SN? vor S kann noch ein R oder ein Punkt gestanden 

haben. 

17. 6267 ///LCM der Anfang nicht ganz ausgeprägt; das Übrige 

deutlich. 

18. 6809 ///FGPV statt F vielleicht E und statt P möglicherweise R. 

19. 6345 PNSI am Schlüsse vielleicht F. 

20. 6348 /////V-V oder umgekehrt A-A; nicht deutlich. 

21. 6349 ///// R sehr großer Henkel; nur R sehr deuthch. 

22. 6961 /////// R am Anfange ein S möglich; zwischen ihm 

und R könnte ein E gestanden haben; un- 
deuthch. 

23. 6912 zweizeihger Stempel, leider sehr verwaschen; in 

der ersten Zeile könnte ein Wort wie SEXTINIV^S 
gestanden haben. 



342 



Dio Funde. 



Plicr sind anzuschließen die auf Henkeln eingeritzten Kreuze und Zahlen 

24. C5J47 XX 

25. 4114 XI 

26. («62 XXI///// 

27. 6;m X 

28. 7o:w X 

29. 7418 IV 

30. 7"!» XX 



ähnliche Zahlen erwähnt Klein a. a. 0. Nr. IG — 19. 



2. Graffite auf den Wandungen der Gefäße. 

Wie bei den Gefäßen auf Terra sigillata haben wir auch auf den ge- 
wöhnlichen Thongefäßen eingeritzte Inschriften, aber fast nur auf Krügen 
mit ganz dicker Wand. Die Buchstaben sind gewöhnlich sehr groß und roh 
während des Gebrauches eingeritzt. Eine Ausnahme machen einige Buch- 
staben aufhellen dünnen Thonscherben (Nr. 12, 14, 17) und das reich verzierte 
Bihite auf einem feinen Gefäße. Nur Nr, 5 ist auf einer ganzen (gekitteten) 
Amphore, alles andere befindet sich auf Bruchstücken, von denen nur die 
besten auf Tafel LXXIV und Fig. 50 abgebildet sind. 

Becker kannte nur 2 Stück, es sind jetzt 21. 

Vorbemerkung: Irrtümhcherweise ist auf der Tafel LXXIV in der 
Überschrift die Angabe vergessen, daß ein Teil der Graftite sich auf Gefäß- 
bruchstücken befindet. Diese sind folgende: 



1. 4140 /////IVK 

2. 4141 PRCI (?) 

3. 4i3r, ////M-I.P 



4. 4137 ///SINC//// 

5. SAIDIILVS 



Nr. 3, dickes Bruchstück, vielleicht mit Datums- 
angabe = K. IVL (Kalenäas Julias) oder dem 
Namen Julius. 

Nr. 12, obere Hälfte großer, flach eingeritzter 
Buchstaben; vielleicht als Prodi zu lesen wie 
Sigillatagraffit Nr. 20; am Schlüsse statt C auch 
S möglich und darauf folgend D (?). 

Nr. 14, Buchstaben von 7 cm Höhe auf dem 
Bauche eine Amphore (Bruchstück); hinter P 
dürfte nichts mehr stehen. Bereits von Becker, 
Saalburginschriften a. a. 0. unter VI. Nr. 1, 
erwähnt. 

Nr. 15, Buchstaben 1 cm hoch. Sinccrus (?). 

Nr. 16, auf einer ganzen Amphore eingeritzt; Buch- 
staben 8 — 10 cm hoch. 



Inschriften. Auf Gefäßen von gewöhnlichem Thon. 



343 



6. 


413G 


///N 

///;iTi 


7. 


4701 


///IS/// 


8. 


4139 


PVS//// 


9. 


4138 


RN///// 



Nr. 17, auf der Tafel verkehrt. Buchstabeugröße 
oben 2^2, unten 2 cm; sehr tief eingeritzt. Statt 
N vielleicht richtiger Ligation von A mit N, 

Nr. 20, oder umgekehrt SI (?), 3 cm hohe Buch- 
staben, 

Nr. 21, auf dem Halse eines dünnwandigen, grauen 
Gefäßes. 

Nr. 22, Buchstaben 3 cm hoch. 



Nach Druck der Tafeln sind noch folgende Graffite auf gewöhnlichen 
Thongefäßen gefunden worden (Fig. 50): 




Fig. 50. Graffite auf Gefäßen vou gewöhnlichem Thon. (V^ nat. Größe.) 



10. 0782 /////VR//// 



11. 6781 ///lAtJ//// 



12. G2G3 B 



Nr. 1, die Striche tief und breit eingerissen; Buch- 
staben 4^/2 cm hoch; am Schlüsse Anfang eines 

N(?). 

Nr. 2, aus dunkelgebranntem Thon; Buchstaben 
372 cm hoch; es scheint I mit T und N ligiert: 
///lATIN// (?). 

Nr. 3, einzelner, 3^2 cm hoher, tief eingei'itzter 
Buchstabe auf einem Gefäß bruchstück von 
hellem verwaschenem Thon, vergl. Sigillata- 
graffit Nr. 59. 



344 






13. 


UtN» 


IIH^III 


14. 


6262 


////MP//// 



15. 
IG. 



6911 



6261 



17. 6264 



///TIBII 

////IVC//7/ 

////TER 



18 



69(X) 



////M//// 

19. 6S54 ////NIA 

20. 6852 /// CXIl/// 



Die Fände. 

Nr. 4, Bruchstück von einem scliwarzen Gefitß- 
boden, auf dessen Innenseite; vielleicht dieselbe 
Verbindung wie bei Nr. 3. 

Nr. 5, cm hohe Buchstaben auf einem Gefaß- 
bruchstück wie Nr. 12; die Schleife des P nur 
sehr fein angedeutet, vielleicht nur I zu lesen 
und zu derselben Verbindung gehörig wie Nr. 3 
und 13. 

Nr. 6, auf dem Rande eines Deckels (Tibe). 

Nr. 7, große (4 cm), tief eingekratzte Buchstaben. 
(Ji(citndusl?J). 

Nr. 8, dasselbe Material wie Nr. 14, Bruchstück. 
Buchstaben 2^2 cm hoch; Anfang fehlt; vielleicht 
(felici) TER (?). 

Nr. 9, Buchstabe M, etwa 3^2 cm hoch, Material 
wie bei Nr. 17. 

Nr. 10, Anfang fehlt; auf dem Halse eines dünn- 
wandigen, gefältelten Gefäßes; Buchstaben 1 cm 
hoch. 



jedenfalls als Zahl XXII zu lesen; die Legions- 
nummer oder den Inhalt bedeutend?; breite, flach 
eingeritzte, 7 cm hohe Buchstaben auf einem 
dicken Amphorenbruchstück. 

Das Großh. Museum zu Darmstadt besitzt aus der Sammlung G Bieffcn- 
hach zu Friedberg ein auf der Saalburg gefundenes Bruchstück eines Dolium 
mit dem Graffito: FAT/// 

Hierbei ist noch anzuschließen: Bruch- 
stück eines sehr feinen Gefäßes mit der 
Aufschrift /&i7BITE. Die Striche sind 
mit aufrecht stehenden Tannenbäumchen 
verziert; die Zeichen sind aber bereits vor 
dem Brande in den feuchten Thon ein- 
geritzt (vergl. die nebenstehende, in halber 
natürlicher Größe hergestellte Abbildung). 
Ferner ein Kreuz, das sich auf der Unteransicht eines Gefäßbodens 
befindet. 

3. Aufgemalte Inschriften. 

Zwei schwarz glasierte Trinkbecher tragen weiß aufgemalte Inschriften 
m Barbotine. Die Technik der Barbotine besteht darin, daß dem bereits fertig 




Inschriften. Töpfersterapel auf Lampen. 



345 



geformten Gefäße eine andere, dickflüssige Thonmasse in figuraler Gestaltung 
angegossen wird, die gleichzeitig mit dem Gefäßkörper gebrannt und so mit 
jenem innig verbunden wird. Die Barbotinmasse ist häufig anders gefärbt 
als der Thon des Gefäßes, oder beide erhalten eine gleichartige Über- 
färbung. Außer figürlichen Ornamenten werden ebenso auch Aufschriften 
angebracht. 

1. Der kleinere Becher trägt auf einem horizontalen Streifen, den 
ganzen Umfang des Gefäßes einnehmend, in 17 mm hohen Buchstaben 
die Inschrift: DA //// IB //// wahrscheinlich DA BIBERE; darunter ein 
Rankenornament. 

2. Der größere Becher, von ähnlicher Form, mit Eindrücken an den 
Seiten, zeigt in derselben Anordnung: VALEAS; die schönen Buchstaben 
sind 18 mm hoch. 



IV. Töpferstempel anf Lampen. 

Der Fabrikantenstempel der Lampen befindet sich 
auf der Außenseite des Bodens, horizontal, ohne Schild, 
in Relief buchstaben innerhalb konzentrischer Ringe. 
Eine Ausnahme machen Nr. 8 und 9, von denen 
letztere als Töpfermarke anzusehen sein dürfte. Der 
nebenstehend abgebildete Stempel zeigt die gewöhn- 
liche Form und zugleich die Häufung von Ligierungen, 
die bei unrichtiger Einteilung der Buchstaben erforder- 
lich wurde. Nr. 1 ist rückläufig in die Form einge- 
schnitten. 
Auf uns gekommen sind 8 Stempel, 4 sind verschwunden ; Becker a. a. O. 
kannte nur 3 Stück. 

rückläufig: Agilis. Seh. Nr. 137. 

kleines Lämpchen von schwärzlicher Farbe. Seh. 611. 




1. 


1117 


2IJ3A 


2. 


1114 


ATTILLVS 
F 


3. 




CERIALIS 


4. 


1120 


NERI 


5. 


H.849 


säton's 


6. 


H.339 


STROBILI 


7. 


1127 


VIBIANI 



Seh. 1292. B. VII, 1. 
Seh. 3849. B. VII, 2. 



Cerialis (verschwunden). 

Nertis. 



8. H.341 



Seh. 4958. A mit T und N mit I ligiert; s. Klein 
a. a. O. Nr. 66. (Vorstehend abgebildet.) 

Seh. 5304. Strohilus; sehr häufig vorkommender 
Stempel. 

Seh. 5708. B. VII. 3. ViUanus. 

Kreis mit sich kreuzenden Strichen, vielleicht ein 
Rad mit Speichen ; in den feuchten Thon vor dem 
Brennen eingeritzt. 



346 Die Funde. 

9. H.345 PB um die Buchstaben eine Ellipse; vergl. Seh. 

V 4249; dort steht hinter V noch ein F; bei uns 

nicht sichtbar. 

10. FORTIS im Jahre 1782 von Neuhof in einem Grabe ge- 

funden. (Hanauer Magazin 1782.) Seh. 2275. 
(Verschwunden.) 

11. llliJHVS ebenfalls von Neuhof überliefert; verschwunden. 
F 

12. SECVNDVS im Jahre 1880 in einem Grabe gefunden; abhanden 

gekommen. Seh. 5057; auf einer Lampe in 
Boini, vergl. Klein a. a. O. Nr. 70. 

Hier mag noch auf eine Lampe hingewiesen werden, die auf dem Boden, 
da wo der Stempel gewöhnlich stellt, eine figürliche Darstellung trägt. Es 
scheint Herkules zu sein, der auf dem Hirsche kniet. 



C. Inschriften auf Metall. 
1. Auf Gold. 

Ein Fingerring. Der 2 mm breite und ^/4 mm starke Reif (Taf. LXVI, 
Nr. 4) trägt die Aufschrift: > IVLI > I'lA 

Dr. Henkel, dem ich die Lesung verdanke, schreibt darüber: «Die In- 
schrift besteht aus nachlässig gravierten Strichen, die in ungleichmäßigen 
Zwischenräumen über die Außenseite des Reifes verteilt sind. Die Hasten 
des V und A, letzteres ohne Querstrich, stehen getrennt von einander, offen- 
bar um zu sperren und den ganzen verfügbaren Raum mit den sieben Buch- 
staben auszufüllen. Nach links offene Winkelhaken bilden die Trennungs- 
zeichen zwischen den beiden Worten. Die Inschrift ( > IVLI > ITA ) 
dürfte mit Zangemeister Juli{i) Ita{lici) bedeuten und als «Eigentum des 
Julius Italiens^ oder «Geschenk des Julius Italicus» aufzufassen sein, je nach- 
dem man den Ring als Männer- oder Frauenring gelten läßt. Letzteres wäre 
M'egen der geringen inneren Weite des Ringes (14 mm) vielleicht vorzuziehen.» 

2. Auf Bronze. 

Der auf Taf. XXXIV, Nr. 1 und Textfigur 28, Nr. 30, abgebildete 
Senkel ist der einzige Bronzegegenstand mit Inschrift. Die Buchstaben sind 
durch Punkte hergestellt, die jedoch durch Auswitterungen an der Oberfläche 
sehr vermehrt sind. Erkennbar ist nur ein und am Ende VS. 

3. Auf Eisen. 

Die sorgfältige Reinigung der Eisengogenstände durch Abglühen des 
Rostes hat uns gezeigt, daß auch dieses Material Inschriften und Marken trägt: 

RO///SCVS Stempel des Fabrikanten oder Besitzers — oder beides in 
einer Person, wie auch heute noch die Handwerker einzelne ihrer Werkzeuge 



Inschriften auf Metall. 



347 



selbst anfertigen — auf einem Pfriemen von gleicher Form wie Taf. XXXIV, 
Nr. 15. Der Stempel in der Gestalt des gewöhnlichen Töpferstempels ist auf 
zwei gegenüberliegenden Seiten des vierkantigen Instrumentes in der Längs- 
richtung aufgeschlagen. Leider ist der eine Abdruck fast gar nicht les