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Full text of "Das Weltbild von Darwin und Lamarck; Festrede zur hundert jährigen Geburtstag-Feier von Charles Darwin am 12. Februar 1909, gehalten im Volkshause zu Jena"

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Das Weltbild von 
Darwin und Lamarck 



j, Freudig war, vor vielen Jahren, 
Eifrig so der Geist bestrebt, 
Zu erforschen, zu erfahren. 
Wie Natur im Schaffen lebt. 
Und es ist das ewig Eine, 
Das sich vielfach offenbart; 
Klein das Große, groß das Kleine, 
Alles nach der eignen Art.- 
Immer wechselnd, fest sich haltend. 
Nah imd fern, und fern und nah; 
So gestaltend, umgestaltend — 
Zum Erstaunen bin ich da." 



Goethe. 

(Parabase, aus i,Gott und Welt".) 



Das Weltbild von 

Darwin und Lamarck 

Festrede zur hundertjährigen Geburtstagfeier von 

Charles Darwin 

am 12. Februar 1909 
gehalten im Volkshause zu Jena 



von 



Ernst Haeckel 



Zweite Auflage 



LEIPZIG 

!röne 
1909 



Alfred Kröner Verlag 

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Druck von Oscar Brandstetter in leipzig. 



Hocliansehnliche Festversammlung! 

Das hohe Fest der Wissenschaft, das uns heute hier 
zusammengeführt hat, wird gleichzeitig an zahl- 
reichen Orten der gebildeten Welt feierhch begangen. 
Nicht allein an den meisten Universitäten und Akade- 
mien des alten Europa, sondern ebenso in Asien und 
Afrika, in Amerika und Australien, sind heute viele ge- 
lehrte Gesellschaften, Naturforscher und Philosophen, 
Lehrer und Ärzte, Freunde der Aufklärung und Förderer 
der Wahrheit versammelt, um einmütig den hundert- 
jährigen Geburtstag von Charles Darwin zu feiern. 

Kein anderer großer Schriftsteller hat in der zweiten 
Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts so tief in den inneren 
Entwicklungsgang des menschlichen Geistes eingegriffen, 
hat so viel zur Begründung unserer modernen Welt- 
anschauung beigetragen, wie es diesem gewaltigen eng- 
lischen Naturphilosophen zu tun beschieden war. Als 
1859 sein epochemachendes Hauptwerk „Über die Ent- 
stehung der Arten im Tier- und Pflanzenreich" erschien, 
hatte Darwin bereits sein fünfzigstes Lebensjahr über- 
schritten; so reif war diese Frucht seines zwanzigjährigen 
Denkens und Forschens, daß sie schon in kürzester Zeit 
ihren anregenden und teilweise umwälzenden Einfluß 
auf alle Gebiete menschlicher Erkenntnis zu äußern be- 
gann. Und doch war der weltbewegende Grundgedanke 



— 6 — 

desselben, die Theorie von der beständigen Umbildung 
aller Lebensformen, keineswegs neu; schon 50 Jahre 
früher, im Geburtsjahr Darwins selbst, hatte der geist- 
reiche französische Naturphilosoph Jean Lamarck ihn 
in eine klare und feste Form gegossen, in seiner bewunde- 
rungswürdigen „Philosophie zoologique" (Paris 1809). 
Allein dieser kühne Versuch war seiner Zeit viel zu weit 
vorausgeeilt und wurde in den Kreisen der strengeren 
Naturforschung bald vergessen. 

Erst im Laufe der letzten dreißig Jahre hat sich 
Lamarcks Werk, und zwar in zunehmendem Maße, die 
verdiente Anerkennung gewonnen, die ihm seine Zeit- 
genossen versagten. Es hat sich sogar in neuester Zeit 
eine extreme Schule des „Lamarekismus" gebildet, 
welche seine Bedeutung übertreibt und zu seinen Gunsten 
den ,, Darwinismus" herabsetzen will. Selbst zwei mo- 
derne Schulen, die sich als „Neolamarckismus" und 
,, Neodarwinismus" gegenüberstehen, kämpfen gegen- 
wärtig um den Vorrang. Da nun außerdem auch noch 
andere Epigonen besondere Richtimgen der Entwicklungs- 
lehre vertreten und im Kampfgewühle derselben oft be- 
trächtliche Staubmassen das sonnenklare Licht der Wahr- 
heit verdunkeln, wird es zweckmäßig sein, wenn wir 
heute unseren Blick vor allem auf die Werke und die 
Personen der beiden großen Heerführer lenken, die wir 
gleichzeitig hier zu feiern das Recht und die Pflicht 
haben. Worin besteht denn eigentlich das große Reform- 
werk von Lamarck und Darwin ? Und in welchen Rich- 
tungen unterscheiden sich die beiden Geisteshelden? 

Kurz, in zwei Worte zusammengefaßt, ist das Haupt- 
verdienst der Lamarck-Darwinschen Theorie die 
endgültige Lösung der großen ,, Schöpfungsfrage", 



die wissenschaftliche Beantwortung des uralten Problems : 
,,Wie sind die unzähligen Arten von Tieren und Pflanzen, 
die unsere Erde bevölkern, in die Welt gekommen ? Wie 
sind die vielen zweckmäßigen Eim-ichtungen ihrer Or- 
ganisation entstanden? Und woher ist der Mensch 
selbst gekommen, das vollkommenste aller organischen 
Wesen?" 

So lange es denkende Menschen auf diesem Erdball 
gibt — oder richtiger ausgedrückt: Seitdem sich das 
Nachdenken des Menschen über sein Wesen und sein 
Verhältnis zur Natur langsam entwickelt hat, ist die 
Beantwortung jener großen Schöpfungsfrage in der ver- 
schiedensten Weise versucht worden ; gewöhnlich durch 
die anthropistische Hypothese eines persönlichen Schöpfers. 
Dieser ,, allweise, allgütige und allmächtige Gott" sollte 
für die Erschaffung einer jeden einzelnen Art einen 
,, Schöpfungsplan" entworfen und ihn mit zweckentspre- 
chenden Mitteln technisch ausgeführt haben. Bald wurde 
dabei der menschenähnlich denkende und arbeitende 
Schöpfer mit einem phantasiereichen Dichter verglichen, 
der die wunderbaren Erzeugnisse seiner Einbildungskraft 
aus reinem Geiste erschuf; bald mit einem kunstreichen 
Welten -Baumeister, der mit vollendeter Technik seine 
komphzierten Maschinen zusammensetzte und ihnen seinen 
lebendigen Odem einhauchte. Noch 1859 konnte der be- 
rühmte Louis Agassiz sagen: ,,Jede einzelne Tier- und 
Pflanzen- Art ist ein verkörperter Schöpfungsgedanke Got- 
tes." Bekanntlich ist die besondere Form dieses Schöp- 
fungs-Mythus, welche sich im ersten Buche Moses findet, 
durch die Ausbreitung der Bibel zur Weltherrschaft ge- 
langt und wird noch heute in den meisten Schulen früh- 
zeitig den Kindern als zweifellose Wahrheit eingeprägt. 



— 8 — 

Durch Linne fand sie (1735) auch Eingang in dessen 
grundlegendes Natursystem. 

Seine bedeutungsvolle Definition des Art -Begriffes 
lautete: „Es gibt so viel verschiedene Spezies, als ur- 
sprüngUch verschiedene Formen vom unendhchen Wesen 
erschaffen worden sind". 

Diesen und anderen mythologischen Schöpfungssagen 
gegenüber hatten schon sechs Jahrhunderte vor Christus 
mehrere Häupter der bewunderungswürdigen jonischen 
Naturphilosophie den Versuch gemacht, die Entstehung 
der Erde und ihrer Organismen auf natürlichem Wege 
zu erklären, durch die Annahme einer selbständigen 
Entwicklung der Materie; so vor allem Anaximenes, 
später Heraklit und Empedokles. Allein diese ersten 
Keime einer naturgemäßen Entwicklungstheorie und einer 
darauf begründeten monistischen Naturphilosophie wur- 
den bald unterdrückt durch die Ausbreitung der dualis- 
tischen ,, Geistesphilosophie", die im vierten Jahrhundert 
vor Christus von Plato und seiner transzendenten Ideen- 
lehre ausging. Sie gewann durch ihre Verknüpfung mit 
dem christlichen Dogmengebäude bald die weiteste Gel- 
tung und erhielt sich bis zum Beginne des neunzehnten 
Jahrhunderts. 

Diesen herrschenden Anschauungen trat zuerst vor 
hundert Jahren Jean Lamarck bestimmt entgegen. Er 
behauptete, daß alle Organismen, die unseren Erdball 
gegenwärtig beleben, von älteren, davon verschiede- 
nen Arten früherer Erdperioden abstammten und daß 
sie aus diesen durch allmähliche Umbildung entstanden 
seien. Das war der bedeutungsvolle Grundgedanke der 
neuen Abstammungslehre (Deszendenz -Theorie) oder 
Umbildungslehre (Transformismus). Als die wichtig- 



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sten Faktoren dieses beständigen langsamen Umbildungs- 
prozesses erkannte Lamarck die Anpassung und die 
Vererbung. Die allgemeine Veränderlichkeit oder Varia- 
bilität aller organischen Formen, der Gebrauch oder 
Nichtgebrauch der Organe, gestattet durch Anpassung 
an neue Lebensbedingungen ihre weitgehende Umbildung 
(Transformation); anderseits ist die konservative Ver- 
erbung bestrebt, die von Eltern und Voreltern über- 
tragenen Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade be- 
ständig zu erhalten. Bei der beständigen Wechselwirkung, 
welche zwischen den beiden physiologischen Tätigkeiten 
der Vererbung und Anpassung stattfindet, ist von höch- 
ster Bedeutung die progressive oder transformative Ver- 
erbung, die vielumstrittene ,, Vererbung erworbener Eigen- 
schaften". 

Da Lamarck von dem einheitlichen Zusammenhang 
aller Naturerscheinungen fest überzeugt war, da er eine 
ununterbrochene Kette zusammenhängender Entwicklung 
von den niedrigsten bis zu den höchsten Lebensformen 
annahm, konnte er vernünftigerweise auch den Menschen 
davon nicht ausschließen. Mit klarem Scharfblick hatte 
er bereits 1794 die natürliche Einheit des Wirbeltier- 
Stammes erkannt, der die vier höheren Klassen des da- 
mals herrschenden Linneschen Systems umfaßt, die 
Fische, Amphibien, Vögel und Säugetiere. Ihnen stellte 
er die beiden niederen Klassen, Insekten und Würmer, 
als Wirbellose gegenüber. Alle Merkmale des Körper- 
baues, durch welche sich die Säugetiere von den übrigen 
Wirbeltieren unterscheiden, besitzt auch der Mensch. 
In der Klasse der Säugetiere selbst aber stehen ohne 
Zweifel die Affen und Halbaffen dem Menschen am 
nächsten; deshalb hatte sie schon Linne 1735 mit ihm in 



— 10 — 

der Ordnung der Menschenartigen (Anthropomorpha) 
oder Her rentiere (Primates) vereinigt. Folgerichtig zog 
Lamarck daraus den Schluß, daß auch ihr Ursprung 
gemeinsam sein müsse, und daß das Menschengeschlecht 
im Laufe sehr langer Zeiträume durch allmähliche Um- 
bildung aus einer vielgestaltigen Stufenleiter von Säuge- 
tieren hervorgegangen sei. Als die ältesten Wurzeln 
aber dieses vielverzweigten Stammbaumes betrachtete 
er niederste Tiere einfachster Art, durch Urzeugung aus 
anorganischer Materie entstanden. 

Diese Ansichten von Lamarck, die wir heute als 
Grundpfeiler unserer modernen Entwicklungslehre be- 
trachten, und welche die alte Schöpfungslehre beseitigten, 
erregten zwar bei ihrem Erscheinen vor hundert Jahren 
vielfaches Aufsehen; sie eilten aber ihrer Zeit so weit 
voraus und wurden von den herrschenden Autoritäten 
(voran dem großen Cuvier) so energisch bekämpft, daß 
sie bald nahezu vergessen wurden. Als dann fünfzig 
Jahre später Charles Darwin sie von neuem aufnahm, 
und, mit ganz anderen Hilfsmitteln arbeitend, von an- 
deren Gesichtspunkten ausgehend, sie in kurzer Zeit zu 
weitester Geltung brachte, erschien die ganze Abstam- 
mungslehre als eine völlig neue Theorie, die vielfach 
kurzweg als Darwinismus (im weiteren Sinne !) bezeichnet 
wurde. Im Verlaufe weniger Jahre machte sich ihr ge- 
waltiger Einfluß im Gesamtgebiete der Wissenschaft 
geltend. 

Der auffälHge Gegensatz zwischen dem Mißerfolge 
Lamarcks und dem reichen Erfolge Darwins erklärt 
sich zunächst durch die glänzenden Fortschritte der 
Naturwissenschaft, welche in das fruchtbare, zwischen 
beiden liegende halbe Jahrhundert fallen. In diesem 



— 11 — 

merkwürdigen Zeitraum entstand eine ganze Reihe von 
biologischen DiszipHnen, welche die Aufgaben und Ziele der 
Lebenswissenschaft unendlich erweiterten. Schon in die 
ersten Dezennien des neunzehnten Jahrhunderts fällt die 
Begründung der vergleichenden Anatomie und Paläonto- 
logie durch Cuvier. 1828 veröffentlichte Carl Ernst von 
Baer seine klassische Entwicklungsgeschichte der Tiere, 
gegründet auf „Beobachtung und Reflexion". 1838 schufen 
Schieiden und Schwann die Zellentheorie und öffneten 
dadurch die Einsicht in den inneren feineren Bau des 
Tier- und Pflanzenkörpers. 1833 erschien das klassische 
Lehrbuch der Physiologie, durch welches der große Jo- 
hannes Müller die Lebenserscheinungen auf physika- 
lische und chemische Gesetze zurückfülirte. Gleichzeitig 
wurde durch zahlreiche überraschende Entdeckungen 
unsere Kenntnis vom Körperbau und Leben, von der 
Entwicklung und Verwandlung besonders der niederen 
Tiere und Pflanzen außerordentlich gefördert. So häufte 
sich in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts 
ein ungeheures empirisches Material von Kenntnissen 
an, von denen Darwin 1859 zur Stütze seiner Theorien 
den ergiebigsten Gebrauch machen konnte, während sie 
seinem Vorgänger Lamarck noch gefehlt hatten. 

Das großartige Gebäude der Entwicklungslehre, 
dessen Umrisse der geniale Griff von Lamarck 1809 
mit einemmale in die Welt gesetzt hatte, glich dem 
eisernen Gerüste eines gewaltigen Palastes, von dessen 
höchsten Zinnen das erstaunte Auge des denkenden 
Naturforschers eine entzückende Übersicht über das ein- 
heitliche Weltbild genoß. Aber die zahlreichen Säle 
dieses monistischen Museums und die langen Korridore, 
die sie in vielen Stockwerken verbanden, waren großen- 



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teils leer. Der skeptische Beobachter sah sich vergebens 
nach den empirischen Beweisgründen um, welche die 
kühnen Hypothesen des weitblickenden Baumeisters 
durch handgreifliche Tatsachen stützen sollten. Durch 
die hohen offenen Fenster stürmten von allen Seiten die 
Zweifel und Bedenken herein, welche einerseits die Kritik 
der Vernunft, andererseits die Selbstgewißheit des tra- 
ditionellen rehgiösen Glaubens den neuen Lehren des 
Transformismus gegenüber stellten. 

Ganz anders gestaltete sich der wundervolle massive 
Bau der Entwicklungslehre, welcher jenem schimmernden 
Phantasiepalast von Lamarck gegenüber fünfzig Jahre 
später von Charles Darwin errichtet wurde. Darwin 
füllte die weiten Räume seines Museums mit Tausenden 
von anschaulichen Objekten, welche der Bienenfleiß der 
neuen, inzwischen entstandenen biologischen Wissenschaf ts- 
zweige gesammelt hatte. Tausende von Beobachtungen 
und Versuchen aus allen Zweigen der modernen Biologie 
lieferten nun die handgreiflichen, jeden klar denkenden 
Forscher überzeugenden Beweise für das stolze und fest- 
gegründete Hypothesengebäude der Deszendenztheorie. 
Außerdem aber füllte Darwin mit erfahrener Meister- 
hand die weite Lücke aus, welche Lamarck darin noch 
offen gelassen hatte. Durch die Aufstellung seiner Se- 
lektionstheorie — der ihm eigenen „Zuchtwahllehre" 
— löste er das große Rätsel von der mechanischen Ent- 
stehung der zweckmäßigen Organisation; er erledigte 
zuerst befriedigend die dunkle, bisher noch von niemand 
beantwortete Frage: ,,Wie können die verwickelten, 
offenbar für einen bestimmten Lebenszweck zusammen- 
wirkenden Einrichtungen im Körperbau der Tiere und 
Pflanzen von selbst entstanden sein, ohne daß eine be- 



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wußte Schöpferkraft oder ein zielbewußtes metaphysisches 
Prinzip dabei mitwirkte?" Die klare und überzeugende 
Antwort auf diese schwierigste Frage der Natui-philo- 
sophie ist eben die Selektionstheorie, der Darwinismus 
im engsten und eigentlichsten Sinne. 

Wenn wir als das höchste und letzte Ziel aller 
unserer wissenschaftlichen Arbeiten die Gewinnung eines 
klaren und einheitlichen Weltbildes betrachten, und 
wenn wir in dieser Hinsicht die allgemeinsten Ergebnisse 
der riesigen Lebensarbeit unserer beiden bahnbrechenden 
Meister vergleichen, so kann es keinem Zweifel unter- 
liegen, daß dieses Ziel für beide Begründer dasselbe war. 
Das höchste Streben von Lamarck ebenso wie von 
Darwin war darauf gerichtet, die natürUchen Ursachen 
für die wundervollen Erscheinungen der organischen 
Natur zu erkennen, die uns überall umgeben — ,,Rerum 
cognoscere causas." Die Allmacht des unbeugsamen 
Naturgesetzes sollte erwiesen werden gegenüber den 
althergebrachten mystischen Vorstellungen von der 
technischen Arbeit eines persönlichen Schöpfers. Die- 
selbe Gesetzmäßigkeit in der historischen Entwicklung 
der Erscheinungsketten, welche für die anorganische 
Natur, in der Astronomie und Geologie, längst nach- 
gewiesen war, sollte nun auch für die gesamte organische 
Natur geltend gemacht werden, für die stufenweise Ent- 
wicklung der gesamten Pflanzenwelt und Tierwelt, und 
für den Menschen an deren Spitze. Indem so die natür- 
liche Einheit des Weltbildes nachgewiesen wurde, 
führte die Naturphilosophie von Darwin und Lamarck 
zum reinen Monismus. 

Die Wege, auf denen Lamarck und Darwin, un- 
abhängig voneinander, zur Konstruktion ihres einheit- 



— 14 — 

liehen Weltbildes gelangten, waren völlig verschieden, 
zum Teil sogar entgegengesetzt. Schon vor 20 Jahren 
hat Arnold Lang in einem Vortrage, den er hier in Jena 
„Zur Charakteristik der Forschungswege von Lamarck 
und Darwin" hielt, gezeigt, wie sich dieser Gegensatz 
erklären läßt: einerseits aus den verschiedenen Geistes- 
anlagen und inneren Charakterzügen der beiden großen 
Naturphilosophen, anderseits aus ihr'.-m ganz verschie- 
denen Lebenslaufe und äußeren Arbeitsbedingungen. 
Trotzdem war beiden gemeinsam der Charakter des 
Autodidakten; beide erwarben sich ihre ausgedehnte 
und tiefgründige Naturerkenntnis nicht durch regelmäßige 
akademische Studien, nicht durch Vergraben in eine 
umfangreiche Literatur, sondern durch unmittelbare An- 
schauung der Naturerscheinungen selbst und durch un- 
befangenes Nachdenken über ihre Ursachen. Beide For- 
scher blieben so bewahrt vor manchen Irrtümern und 
Vorurteilen, welche der Autoritätsglaube im gewöhn- 
lichen regulären Gange des akademischen Studiums mit 
sich zu führen pflegt ; sie wurden dadurch befähigt, ihre 
eigenen neuen Wege selbständig einzuschlagen und ganz 
neue Pforten der Erkenntnis zu öffnen. 

Jean Lamarck wurde am 1. August 1744 zu Bazentin 
in der Picardie geboren, als das elfte Kind des Barons 
Pierre de Monet, Ritter von Lamarck. Der Vater, der 
nur ein sehr bescheidenes Vermögen besaß, bestimmte 
ihn für den Dienst der Kirche und brachte ihn bei den 
Jesuiten von Amiens unter. Die dortige klerikale Er- 
ziehung war ihm aber so zuwider, daß er gleich nach 
dem Tode des Vaters, 1760, aus dem Kloster austrat 
und nach dem Beispiele seiner älteren Brüder sich zur 
französischen Armee nach Westfalen begab. Hier zeichnete 



— 15 — 

sich der 17jährige JüngUng in einem Gefecht bei Lipp- 
stadt so aus, daß er sofort zum Offizier befördert wurde. 
Nach dem bald erfolgten Friedensschluß wurde er in 
Garnison nach Toulon und Monaco geschickt. Hier er- 
regte die herrhche Pflanzenwelt der Riviera sein leb- 
haftes Interesse, und er stürzte sich eifrig in die systema- 
tische Botanik. Als er dann, infolge von Erkrankung 
pensioniert, nach Paris übersiedelte, setzte er diese 
Studien im dortigen Pflanzengarten fort und wurde mit 
Buff on bekannt. In kurzer Zeit vollendete er hier sein 
erstes großes Werk, die dreibändige Flore FrauQaise, ,,die 
Mutter aller späteren Floren, die zum leichten Bestimmen 
der Pflanzen imd zur Übersicht des Systems dienen". 
Nachdem dieses Werk unter Buffons Protektion 1778 
(im Todesjahre vonLinne) erschienen war, wurde Lamarck 
in die Pariser Akademie der Wissenschaften aufgenommen. 
Der intime viel jährige Verkehr mit dem geistreichen 
Buffon — einem der ersten Naturforscher, die an der 
Beständigkeit der Arten zu zweifeln wagten — wird 
vielleicht den ersten Keim der Abstammungslehre in 
Lamarck gelegt haben. Sie befestigte sich in ihm durch 
die ausgedehnten systematischen botanischen Studien der 
folgenden 20 Jahre. In einem umfangreichen Werke von 
12 Bänden, einem Teile der großen Encyclopedie metho- 
dique, gab Lamarck die Charaktere von 2000 Pflanzen- 
gattungen und illustrierte sie durch 900 Kupferstiche; 
von dem Ertrage dieser mühsamen Arbeiten fristete er 
sein nicht vom Glück begünstigtes Leben. 

So war Lamarck als berühmter Botaniker 50 Jahre 
alt geworden, ohne doch in Paris eine feste Stellung er- 
langen zu können. Da öffnete sich ihm die Gelegenheit, 
an dem neu gegründeten Museum für Naturgeschichte 



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eine Professur für Zoologie, und zwar für Naturgeschichte 
der niederen Tiere, zu erhalten. Auch in dieses neue, 
ihm bisher wenig bekannte Gebiet, arbeitete er sich mit 
solchem Eifer und Talent ein, daß er nach einjähriger 
Vorbereitung schon 1794 seine zoologischen Vorlesungen 
beginnen konnte. Sein erster glücklicher Griff dabei war 
die Unterscheidung der Wirbeltiere von den Wirbellosen, 
sowie die Einteilung der letzteren in eine größere An- 
zahl von verschiedenen Klassen. Die ausgedehnten 
systematischen Forschungen über dieses große Gebiet 
fanden ihren Abschluß in den sieben Bänden der be- 
rühmten ,, Naturgeschichte der wirbellosen Tiere" (1816 
bis 1822). 

Viele Tausende von Tier- und Pflanzenarten hatte 
Lamarck durch eigene kritische Untersuchung genau 
kennen gelernt und bei den Bemühungen, sie in die 
Fächer des Systems, in die Gattungen, Familien, Ord- 
nungen, KJassen einzuordnen, sich überzeugt, daß ein 
inneres Band wirklicher Verwandtschaft sie alle verbindet. 
Das natürliche System gewann so bei ihm zuerst die 
Bedeutung eines hypothetischen Stammbaums der Orga- 
nismen. Da er nicht nur die lebenden Arten mitein- 
ander vergUch, sondern auch die ausgestorbenen Formen, 
die in früheren Perioden der Erdgeschichte gelebt hatten, 
zu ihnen in Beziehung brachte, gelangte er zu der Über- 
zeugung, daß die letzteren die wirklichen Vorfahren der 
ersteren seien. Dadurch geriet er in scharfe Opposition 
zu Cuvier, der das herrschende Dogma von der Spezies- 
Konstanz hartnäckig verteidigte und überdies durch seine 
sonderbare Lehre von den Katastrophen der Erde und 
der wiederholten Neuschöpfung ihrer Bewohner der De- 
szendenztheorie jeden Boden entzog. Seiner hohen Autori- 



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tat gegenüber vermochten die weitgehenden Hypothesen 
von Lamarck keine Geltung zu gewinnen. Er beschloß 
sein arbeitsreiches Leben 1829 in dem hohen Alter von 
85 Jahren in dürftigen Verhältnissen, noch dazu in den 
letzten 10 Jahren erblindet. 

Völlig verschieden gestaltete sich der Lebenslauf 
und Bildungsgang von Charles Darwin. Am 12. Februar 
1809 zu Shrewsbury als Sohn eines angesehenen und 
wohlhabenden Arztes Robert Darwin geboren, wurde 
er von diesem schon im 17. Lebensjahr, zusammen mit 
einem älteren Bruder, nach Edinburgh geschickt, um 
Medizin zu studieren. Allein der dortige Unterricht war 
so jämmerlich und die Abneigung des angehenden Medi- 
ziners gegen Anatomie und Krankensäle so groß, daß 
er diesen Beruf schon nach zwei Jahren aufgab. Er be- 
zog dann die Universität Cambridge, um Theologie zu 
studieren und sich auf den angenehmeren Beruf des Land- 
pfarrers vorzubereiten. Aber auch dafür vermochte er 
keine tiefere Neigung zu gewinnen. Er benutzte seine 
Zeit mehr zur Pflege seiner allgemeinen körperlichen und 
geistigen Ausbildung, besonders aber zu Exkursionen, 
auf denen er sich mit Reiten und Jagen, Sammeln von 
Käfern und anderen Naturobjekten beschäftigte. Das 
theologische Studium nahm ihn nur wenig in An- 
spruch; er bestand zwar nach drei Jahren das erste 
Examen und wurde Baccalaureus Theologiae; aber ein- 
gehender Vertiefung in theologische und philosophische 
Probleme war er abhold. 

Um so wichtiger wurde für Darwin in Cambridge 
der nahe persönliche Umgang mit mehreren ausgezeich- 
neten Lehrern, vor allem mit dem liebenswürdigen Bota- 
niker Henslow. Durch ihn gewann er auf gemeinsamen 

2 



— 18 — 

botanischen Exkursionen das tiefere Verständnis für das 
Pflanzenleben sowie für die systematische Unterscheidung 
der Arten. Henslow, der selbst zugleich streng gläu- 
biger Theologe war, erkannte richtig, daß in dem jungen 
Darwin mehr Talent zu einem tüchtigen Naturforscher 
als zu einem gewöhnhchen Landpfarrer stecke. Er ver- 
anlaßte ihn auch, sich am Schlüsse seiner dreijährigen 
Studienzeit noch mit Geologie zu beschäftigen und an 
einer geologischen Exkursion in das westliche Eng- 
land, unter Führung von Professor Sedgwick, teilzu- 
nehmen. Hierbei gewann Darwin Geschmack und Ein- 
sicht für das Fach, in dem er bald darauf so fruchtbare 
eigene Tätigkeit entfalten sollte. Aber zu einem ent- 
scheidenden Entschlüsse über seine Zukunft konnte er 
nicht kommen. 

So stand der 22 jährige Darwin am Schlüsse seiner 
akademischen Studien, ohne ein bestimmtes Lebensziel 
erreicht zu haben. Da traf ihn ganz unerwartet die 
Einladung zu einer mehrjährigen Reise um die Welt, 
welche mit einem Schlage ihn in die richtige Bahn lenken 
und sein ganzes epochemachendes Lebenswerk bestimmen 
sollte. Die englische Regierung hatte eine Expedition 
ausgerüstet für die Aufgabe, die noch ungenügend be- 
kannten südhchsten Küsten von Südamerika, sowie ver- 
schiedene Punkte der Südsee genau zu erforschen und 
kartographisch aufzunehmen. Der ausgezeichnete Führer 
des Forschungsschiffes, das den Namen ,,Beagle" (Spür- 
hund) trug, Kapitän Fitzroy, wünschte einen jungen 
Naturforscher mit an Bord zu nehmen, der diese vor- 
zügliche Gelegenheit zum Sammeln von Naturalien be- 
nutzen sollte, und auf Empfehlung von Professor Hens- 
low wählte er dazu Darwin. 



— 19 — 

Die Weltreise des „Beagle" dauerte nahezu fünf 
Jahre (vom Dezember 1831 bis Oktober 1837); die erste 
und größere Hälfte davon entfiel auf die Ostküste und 
später die Westküste von Südamerika. Darwin konnte 
in diesem merkwürdigen Erdteile viele und weite Land- 
reisen selbständig ausführen, während die Schiffsoffiziere 
mit Küstenaufnahmen beschäftigt waren. Besonders 
wichtig wurde nachher der Besuch der Galapagos-Inseln 
und der zahlreichen Korallen -Inseln der Südsee. Die 
seltsamen Formen der letzteren, die ringförmigen Atolle 
und wallartigen Küstenriffe, über deren Entstehung sich 
viele Naturforscher vergebens den Kopf zerbrochen hatten, 
erklärte der junge Darwin durch eine geniale Theorie, 
die ihn zuerst als selbständigen Naturforscher berühmt 
machte. Auf der weiteren Reise wurden auch Neusee- 
land und Australien berührt, später das Kap der Guten 
Hoffnung und Sankt Helena, zuletzt wieder die Küste 
Brasiliens bei Bahia. 

Darwin selbst hat diese fünfjährige Weltreise mit 
Recht als das glücklichste Ereignis seines Lebens ge- 
priesen. Aber die Umstände, unter denen er sie aus- 
führte, waren auch höchst eigentümlich. Seine natur- 
wissenschaftliche Vorbildung war, trotz seines frühzeitig 
entwickelten Enthusiasmus für Naturbetrachtung und 
Naturaliensammeln , höchst mangelhaft und unsystema- 
tisch, in keinem einzigen Zweige streng durchgeführt. 
Seine Kenntnis der Literatur und der technischen Arbeits- 
Methoden war sehr beschränkt. Aber diese empfind- 
lichen Mängel wurden bald aufgewogen durch den eisernen 
Fleiß, den er an Bord des Schiffes zu ihrer Ausfüllung 
entwickelte, durch eine seltene Beobachtungsgabe und 
Originalität der persönlichen Auffassung, und durch die 

2* 



— 20 — 

rege Vielseitigkeit und Tiefe seiner geistigen Interessen. 
Das ausführliche Tagebuch, das er mit größter Gewissen- 
haftigkeit führte, lieferte später die Grundlage für sein 
hochinteressantes Werk : ,, Reise eines Naturforschers um 
die Welt", welches dem klassischen Reisewerk seines Vor- 
bildes, Alexander von Humboldt, an die Seite ge- 
setzt wurde. 

Nach der glücklichen Rückkehr von der gefahr- 
vollen, vielen Wechselfällen unterworfenen Weltreise ver- 
lebte Darwin zunächst sechs Jahre teUs in London, 
teils in Cambridge, um deren wissenschaftliche Ergeb- 
nisse im Verein mit einer Anzahl ausgezeichneter Fach- 
genossen zu verarbeiten. AUein die außerordentlichen 
Strapazen der fünfjährigen Reise, und besonders der un- 
aufhörliche Kampf mit der widerwärtigen Seekrankheit, 
hatten seine Gesundheit so zerrüttet, daß er gezwungen 
wurde, sich von dem unruhigen und aufreibenden Leben 
in London ganz zurückzuziehen. Nachdem er sich 1839 
verheiratet hatte, kaufte er sich im Herbst 1842 ein 
Landgut in dem kleinen Dorfe Down, in der Nähe von 
Bromley in der Grafschaft Kent (mit der Eisenbahn 
kaum eine Stunde von London entfernt). Auf diesem 
lieblichen Landsitze, dessen Gärten und Wiesen, Felder 
und Wälder seinem feinen Natursinne eine stetige Quelle 
reinsten Genusses und vernunftgemäßer Offenbarung 
bildeten, verbrachte Darwin in stiller Zurückgezogen- 
heit, begünstigt von einem glücklichen und behaglichen 
Familienleben, die letzten vierzig Jahre seines Daseins. 
Hier konnte er, abgeschieden von dem rastlosen Treiben 
und den vielen Zerstreuungen der Weltstadt, seine ganzen 
Kräfte ungestört auf die Lösung des großen Rätsels 
verwenden, auf das er schon im Beginn der Weltreise 



— 21 — 

durch seine originellen Beobachtungen in Südamerika 
hingelenkt worden war, auf die Frage von der natür- 
lichen „Entstehung der Arten" — oder kurz: die 
Schöpfungsfrage. 

Dieses Hauptproblem der Entwickelungslehre hatte 
Lamarck , gestützt auf die ausgedehntesten systemati- 
schen Forschungen und morphologischen Vergleichungen, 
wesentlich auf deduktivem Wege zu lösen versucht, 
durch Synthese und Reflexion. Er erkannte im natür- 
lichen System der unzähligen Tier- und Pflanzenarten 
ihren hypothetischen Stammbaum und suchte die Ab- 
stammungs-Verhältnisse der größeren Gruppen von den 
einfachsten Infusorien bis zum Menschen hinauf zu er- 
kennen. Indem er als weitschauender Naturphilosoph 
seine Entwickelungstheorie auf das Naturganze ausdehnte, 
aber seine umfassenden Hypothesen durch die ungenü- 
genden empirischen Beweismittel des damaligen Be- 
obachtungskreises nicht genügend zu stützen vermochte, 
verlor er sich in luftigen Spekulationen, die keine An- 
erkennung fanden. 

Ganz anders verfuhr fünfzig Jahre später Darwin. 
Er ging aus von der unmittelbaren Erfahrung, daß alle 
Tier- und Pflanzenarten variieren und daß eine scharfe 
Grenze zwischen Art und Spielart, zwischen Spezies und 
Varietät nicht zu finden ist. Gestützt auf seine geo- 
logischen und chorologischen Beobachtungen in Süd- 
amerika, gelangte er zu der Überzeugung, daß die eigen- 
tümlichen, heute dort lebenden Säugetiere aus den ähn- 
lichen, aber spezifisch verschiedenen Formen, die daselbst 
in früheren Zeiten lebten, durch Umbildung entstanden 
sein müßten. Die Fragen dieser Transformation suchte 
er nun durch induktive Forschung zu beantworten, 



— 22 — 

durch exakte Analyse und physiologisches Experiment. 
Zu diesem Behuf e studierte er jahrelang auf das sorg- 
fältigste die Umbildung der Arten, welche der Mensch 
durch künstliche Züchtung seit Jahrtausenden an den 
Haustieren und Kulturpflanzen hervorgebracht hat. Als 
erfahrener Gärtner und Landwirt und speziell als um- 
sichtiger Taubenzüchter lernte Darwin die speziellen Be- 
dingungen und Erfolge des künstlichen Züchtungspro- 
zesses genauer kennen als irgendein früherer Naturforscher. 
Er war sogar der erste Physiologe, der sich in die ver- 
wickelten theoretischen Verhältnisse desselben, die aus 
der Praxis längst bekannt waren, kritisch vertiefte. Als 
die wichtigste umbildende Kraft erkannte er die Zucht- 
wahl oder Selektion, die Benutzung auserlesener In- 
dividuen zur Nachzucht. Als er dann durch einen 
glücklichen Zufall (1838) das berühmte Werk des National- 
ökonomen Malthus über: ,,Die Bedingungen und die 
Folgen der Volks Vermehrung" in die Hand bekommen 
hatte, entdeckte er den gewaltigen ,, Kampf ums Dasein" 
— das große züchtende Prinzip, welches in der freien 
Natur beständig die allmähliche Umbildung der Formen 
ebenso unbewußt leitet, wie sie im Zustande der Do- 
mestikation bewußt durch den zwecktätigen Willen des 
Menschen geleitet wird. 

Obgleich nun Darwin schon 1838 die Grundzüge 
seiner Selektionstheorie festgestellt hatte, konnte er sich 
doch mehr als zwanzig Jahre lang nicht entschließen, 
sie zu veröffentlichen. Zwar hatte er tausende und aber- 
tausende von Beobachtungen und Mitteilungen gesammelt, 
die zu ihrer Stütze dienen sollten ; er wollte aber immer 
noch mehr empirische Beweise beisammen haben, um 
seine Theorie auf möglichst breiter Erfahrungsbasis un- 



— 23 — 

erschütterlich zu begründen. So wäre er vielleicht über- 
haupt nicht zu ihrer Publikation gelangt, wenn nicht 
1858 ein unerwarteter Zwischenfall ihn direkt dazu ge- 
zwungen hätte. Ein ausgezeichneter systematischer 
Zoologe, Alfred Wallace, der jahrelang in den Ur- 
wäldern von Südamerika und in den Wüdnissen des 
malayischen Archipels umhergestreift war , sandte an 
Darwin selbst ein Manuskript ein, in dem ähnliche Ge- 
danken enthalten waren, scharfsinnige Betrachtungen 
,,über die Neigung der Varietäten, in unbestimmter 
Weise von dem ursprünglichen Typus abzuweichen". 
Darwin teilte dieses Manuskript zweien seiner besten 
und berühmtesten Freunde mit, dem Geologen Charles 
Lyell und dem Botaniker Josef Hooker, Beide 
kannten Darwins Arbeiten seit langer Zeit und be- 
standen nun darauf, daß in den Proceedings of the 
Linnean Society gleichzeitig (am 1. Juli 1858) ein Aus- 
zug aus Darwins Arbeiten und das eingesandte Manu- 
skript von Wallace veröffentlicht wurden. 

Dem dringenden Rate dieser beiden Freunde folgend, 
entschloß sich nun Darwin endlich, eine kurzgefaßte 
Darstellung seiner Theorie baldigst folgen zu lassen. 
Schon im Jahre 1844 hatte er einen Abriß derselben (im 
Umfang von 230 Seiten) niedergeschrieben. Aber die 
Sammlung von Beobachtungen und Mitteilungen wuchs 
bald dergestalt an, daß ein großes Werk von vielen 
Bänden daraus zu werden drohte. Als ein Auszug dieses 
großartig entworfenen Hauptwerkes, das niemals voll- 
ständig geworden ist, erschien nun im November 1859 
das epochemachende Buch: ,,Über die Entstehung der 
Arten im Tierreich und Pflanzenreich durch natürliche 
Züchtung, oder die Erhaltung der vervollkommneten 



— 24 — 

Rassen im Kampfe ums Dasein". Es wurde in wenig 
mehr als Jahresfrist niedergeschrieben. Die deutsche 
Übersetzung von Bronn erschien 1860. Unter den zahl- 
reichen Schriften, welche Darwin in den folgenden zwanzig 
Jahren noch veröffentHchte und welche in einer deutschen 
Gesamtausgabe von 13 Bänden erschienen, sind die 
wichtigsten: 1868 das zweibändige, äußerst inhaltreiche 
Werk über ,,Das Variieren der Tiere und Pflanzen im 
Zustande der Domestikation" und 1871: ,,Die Abstam- 
mung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl". 
Ein physiognomischer Anhang des letzteren erschien 
1872 unter dem Titel: „Der Ausdruck der Gemüts- 
bewegungen beim Menschen und bei den Tieren". 

Weniger allgemein bekannt als diese Hauptwerke 
Darwins sind seine geistvollen und originellen botanischen 
Arbeiten: über die Befruchtung der Orchideen (1862), 
über die verschiedenen Formen der Blüten (1877), über 
kletternde Pflanzen (1864), über insektenfressende Pflanzen 
(1875), über die Wirkungen der Kreuz- und Selbst- 
befruchtung (1876) u. a. Aber auch auf ganz anderen 
Gebieten der Biologie hatte Darwin schon viel früher 
eine Fülle von wichtigen neuen Beobachtungen mit- 
geteilt und sie durch originelle Gedankenverbindungen 
zu erklären versucht. Dahin gehört vor allem das be- 
wunderungswürdige Werk über die Entstehung der 
Korallenriffe, das zuerst seinen hohen Ruf als Natur- 
forscher begründete (1842); ferner die grundlegende 
Monographie der Cirripedien — einer Ordnung von fest- 
sitzenden Krebstieren, die früher sehr irrtümlich beurteilt 
und selbst von Cuvier noch für Weichtiere gehalten 
worden waren. Nichts beweist aber mehr die Vielseitig- 
keit dieses umfassenden Genius als die Tatsache, daß 



— 25 — 

er auch auf den entfernter liegenden Gebieten der Greo- 
logie und Geographie vielfach anregend und bahnbrechend 
arbeitete. Ja gerade diese weitblickenden Forschungen, 
die er schon im Anfang seiner Weltreise begann, mit 
ungenügenden Vorkenntnissen ausgestattet, aber um so 
mehr vorurteilsfrei und originell, lieferten den großartigen 
Hintergrund für sein einheitliches Weltbild. 

Südamerika fesselt hier in erster Linie unsere Auf- 
merksamkeit, jenes wundervolle Land, welches auch für 
Darwins großen Vorgänger und leuchtendes Vorbild, 
Alexander von Humboldt, nicht nur der Ausgangs- 
punkt seiner besonderen Forschungen, sondern auch seiner 
allgemeinen Naturanschauung geworden ist. Betrachten 
wir diesen merkwürdigen Erdteü in gewohnter Weise, so 
wie ihn jedes Kind im geographischen Schulunterricht 
kennen lernt, so erscheint er nur als die südliche Hälfte 
von Amerika, von einem der sogenannten fünf Erdteile. 
Wii' brauchen aber nur in der Geschichte der Erde ein 
wenig zurückzugehen und uns von der Gegenwart in die 
vorhergehende sogenannte „Tertiärzeit" zu versetzen, 
um eine ganz andere Ansicht zu gewinnen. 

Die Tertiärzeit oder das zänozoische Zeitalter der 
Erde ist der jüngste, nächstliegende und kürzeste von 
den vier oder fünf Hauptabschnitten, in welche die 
moderne Geologie die organische Erdgeschichte einteilt. 
Viele Millionen Jahre — jedenfalls mehr als hundert — 
sind verflossen, seitdem das organische Leben auf unserem 
Planeten begann und sich durch unzählige Verwandlungen 
hindurch bis zur gegenwärtigen Gestaltung entwickelte. 
Eine bestimmte Berechnung der einzelnen großen Ab- 
schnitte derselben, entsprechend der Dicke der Schichten 
der Erdrinde, die während derselben aus dem Meere ab- 



— 26 — 

gelagert wurden, ist nicht möglich. Wenn wir aber 
auch nur nach der bescheidensten Schätzung in runder 
Zahl hundert Jahrmillionen für ihre ganze Dauer an- 
nehmen, so fällt die größere Hälfte (etwa 52) auf den 
ungeheuren Zeitraum, in dem die ältesten, archozoischen 
Schichten abgelagert wurden (vom Laurentium und Algon- 
kium bis zum Cambrium) ; aus diesem ganzen Schichten- 
komplex sind noch keine Reste von versteinerten Wirbel- 
tieren bekannt. Dann folgte das paläozoische oder pri- 
märe Zeitalter (etwa auf 32 Millionen Jahre geschätzt) ; da 
treten zuerst im Silur versteinerte Fische auf, die Stamm- 
formen aller folgenden Wirbeltiere. Es folgen im Devon 
die Lurchfische, im Carbon die ältesten landbewohnen- 
den Wirbeltiere, salamanderähnliche Amphibien (Stego- 
cephalen), im Perm die ältesten Amniontiere. Dagegen 
fehlen noch alle Spuren der höchst entwickelten Klasse, 
der Säugetiere. Diese erscheinen erst im Beginn der 
Sekundärzeit oder des mesozoischen Zeitalters, während- 
dessen die Schichten der Trias, Jura und Kreide ab- 
gelagert wurden (zusammen auf etwa elf Millionen Jahre 
geschätzt). Indessen sind alle diese älteren Mammalien- 
Reste noch sehr spärhch und gehören nur kleinen, unan- 
sehnlichen Formen der niedersten Ordnungen an, den 
Monotremen und Marsupiaüen. Die vielgestaltige Ent- 
faltung der Säugetierklasse fand erst in dem nachfolgen- 
den zänozoischen oder tertiären Zeitalter statt, das viel 
kürzer war, vielleicht nur drei bis vier Millionen Jahre, 
nach neueren Schätzungen allerdings das Doppelte oder 
noch mehr. 

Die großen Fortschritte der modernen Geologie haben 
uns in den Stand gesetzt, uns ein allgemeines Bild von 
der Oberfläche unserer Erde im Beginn der Tertiärzeit, 



— 27 — 

also vor mindestens 3 Millionen von Jahren, zu ent- 
werfen. Die eozäne Erdkarte ist von unserer moder- 
nen so verschieden, daß es schwer hält, sich hinein- 
zudenken. Die Verteilung von Wasser und Land, die 
Ausdehnung der Ozeane und Kontinente, war völlig 
anders als jetzt. Die ungeheuren Gebirgsketten, welche 
gegenwärtig die Physiognomie unserer fünf Erdteile in 
erster Linie bestimmen, die Alpenkette in Europa, der 
Atlas in Afrika, der Himalaja in Asien, die Kordilleren 
in Amerika, existierten noch nicht ; sie alle sind infolge 
langsamer Erhebung von Falten der erstarrten Erdrinde, 
unabhängig von vulkanischen Katastrophen, erst während 
der Tertiärzeit entstanden. Ein riesiger zusammenhängen- 
der Kontinentalgürtel bedeckte wie eine Kappe die ark- 
tische Zone; die nördlichsten Teile von Europa, Asien 
und Nordamerika standen Hunderttausende von Jahren 
in ununterbrochenem Zusammenhang, so daß vielfache 
Wanderungen der landbewohnenden Tiere und Pflanzen 
von Osten nach Westen und umgekehrt stattfinden 
konnten. Hingegen war Südamerika ein selbständiger 
Kontinent, durch ein breites und tiefes Mittelmeer von 
Nordamerika getrennt; erst viel später, in der jüngsten 
Tertiärzeit, trat er mit ihm durch die Hebung von 
Zentralamerika in Verbindung. 

Bereits in der vorhergehenden Kreideperiode war 
Australien von dem übrigen Festlande abgeschnitten 
worden und auch später isoliert geblieben. So erklärt 
sich der uraltertümliche Charakter der landbewohnenden 
Fauna und Flora, den dieser Erdteil bei seiner Ent- 
deckung bot. Abgesehen vom Menschen und seinem 
steten Begleiter, dem Hunde, sowie einigen kleineren, 
durch Fhegen oder Schwimmen zu Wanderungen besonders 



— 28 — 

befähigten Säugetieren — sämtlich erst später ein- 
gewandert — fehlten in AustraUen damals alle Plazen- 
taltiere, alle jene höheren und vielgestaltigen Säugetiere, 
die erst in der Tertiärzeit die Weltherrschaft gewannen; 
Raubtiere und Huftiere, Nagetiere und Herrentiere. Die 
emgeborene Mammalien-Bevölkerung von Australien be- 
stand nur aus Vertretern der niedrigsten Ordnungen : 
Monotremen und Marsupialien; das sind jene älteren 
Ordnungen, zu denen auch die ausgestorbenen Säugetiere 
gehörten, deren versteinerte Reste sich im Jura von 
Europa, Asien und Amerika finden. Ihre ältesten, klein- 
sten und niedrigsten Stammformen liegen in den oberen 
Schichten der Trias-Formation, im Keuper begraben. 

Während mehrerer Millionen Jahre gab so in der 
älteren und mittleren Tertiärzeit die räumliche Isolie- 
rung des großen, damals wahrscheinlich viel weiter aus- 
gedehnten, südamerikanischen Kontinentes, die Gelegen- 
heit zur Entwicklung selbständiger Formengruppen, die 
der übrigen Welt fehlten. Noch heute ist Südamerika 
ausgezeichnet durch den Besitz mehrerer höchst eigen- 
tümHcher Familien von altertümlichen Säugetieren, be- 
sonders Westaffen, Nagetieren und Zahnarmen (Gürtel- 
tieren, Ameisenfressern und Faultieren). Dieselben Grup- 
pen sind aber auch versteinert in den düuvialen und den 
darunter liegenden Tertiärschichten desselben Erdteils zu 
finden, vertreten durch ähnliche, aber verschiedene, zum 
Teil riesengroße Formen. Auf Darwin machte es den 
tiefsten Eindruck, als er selbst dort Ausgrabungen mit 
reichem Erfolge anstellte und ausgestorbene Gürteltiere 
(Glyptodon) und Faultiere (Megatherium) von der Größe 
eines Rhinozeros und Elephanten entdeckte. Unwill- 
kürlich drängte sich ihm der Gedanke eines direkten Zu- 



— 29 — 

sammenhanges zwischen diesen fossilen Riesen und den 
ähnlich gestalteten Zwergen der Gegenwart auf — beide 
ausschließlich auf diesen Erdteil beschränkt. Dieser Zu- 
sammenhang konnte nur ein genetischer sein ; die heute 
noch lebenden Gürteltiere und Faultiere mußten die ver- 
kümmerten Nachkommen derselben, charakteristisch ge- 
stalteten Familien sein, die in früheren Zeiten dieselben 
Gegenden in jenen erstaunlichen Koloßformen bewohnt 
hatten. 

Diese genetischen Gedankenverbindungen, die ersten 
Keime von Darwins eigener Deszendenztheorie, erhielten 
weitere Begründung durch die vielseitigen chorologi- 
schen und geologischen Beobachtungen, die der eifrige 
junge Naturforscher auf seinen Wanderungen durch Süd- 
amerika während eines Zeitraumes von S-^/g Jahren 
machte (vom April 1832 bis zum Oktober 1835). Durch 
unmittelbare eigene Beobachtung lernte Darwin, längs 
der Ostküste Südamerikas hinabwandernd, die ver- 
schiedensten Zonen und Klimate, die größten Gegen- 
sätze der Landschaft und Bevölkerung kennen, von den 
üppigen Urwäldern Brasiliens zu den ungeheuren Gras- 
steppen Argentiniens, von diesen Pampas weiter hinab zu 
den Einöden von Patagonien und den undurchdringlichen 
Wäldern des Feuerlandes ; den wüsten Falklandinseln 
und der berüchtigten Magellanstraße. Dann wieder längs 
der Westküste bis zum Äquator aufsteigend besuchte er 
das südliche, zentrale und nördliche Chile, den wilden 
Archipel der Chonosinseln und Chiloe, überstieg die ge- 
waltige Kette der Kordilleren und erforschte die öden 
Bergwerke von Peru. Obgleich nun diese Gegenden in 
bezug auf Klima und Lebensbedingungen die auffallend- 
sten Unterschiede zeigen, bleibt dennoch der Charakter 



— 30 — 

ihrer Fauna und Flora in vielen Beziehungen derselbe; 
verschiedene, aber naheverwandte Arten derselben Fa- 
milien ersetzen einander in den verschiedenen Breiten; 
auch diese Erscheinung erklärt sich nur mit Hilfe der 
Deszendenztheorie und Migrationstheorie. 

Von ganz besonderer Bedeutung für diese wurde aber 
der Schlußakt der langen Südamerika-Reise, der Besuch 
der einsamen Galäpagos-Inseln (im September und 
Oktober 1835). Dieser merkwürdige Archipel, aus fünf 
größeren und zehn mittleren und vielen kleineren Inseln 
bestehend, liegt unter dem Äquator, gegen 600 Meilen 
von der Westküste Südamerikas (von Ecuador) entfernt. 
Die Gebirgsmasse dieser Inseln, die sich bis gegen 
4000 Fuß Höhe erhebt, ist rein vulkanischer Natur und 
erst in neuerer Zeit aus dem Schöße des pazifischen 
Ozeans emporgestiegen ; über 2000 einzelne Kraterberge 
lassen sich unterscheiden. Die organische Bevölkerung 
dieser öden, früher von Menschen selten besuchten Inseln 
ist höchst eigentümlich. Die Mehrzahl der Tier- und 
Pflanzenarten ist eingeboren und findet sich sonst nir- 
gends; sogar die einzelnen Inseln sind teilweise durch 
den Besitz besonderer Arten ausgezeichnet. Aber alle 
diese Spezies sind mehr oder weniger nahe mit ähnlichen 
Arten verwandt, welche die benachbarte, 600 Meilen ent- 
fernte Küste des Festlandes von Ecuador bewohnen. 
Es kann kein Zweifel bestehen, daß alle diese ,, ein- 
geborenen" Bewohner der Galapagos-Inseln von anderen 
Arten abstammen, die erst in neuerer Zeit von der West- 
küste Amerikas eingewandert und durch Anpassung an 
die besonderen Lebensbedingungen der einzelnen Inseln 
spezifisch umgebildet worden sind. 

Von hohem Reize ist die Schilderung dieser ori- 



— 31 — 

gineilen Beobachtungen und der daran geknüpften Schluß- 
folgerungen, die Darwin selbst in seinem Reisetagebuch 
gibt. Schritt für Schritt läßt sich hier der strenge in- 
duktive Charakter seiner mustergültigen Forschungs- 
weise verfolgen, das ängstliche Bestreben, überall Massen 
von sicher beobachteten Tatsachen zu sammeln, und doch 
anderseits der weite und klare philosophische Blick, der 
die ursächlichen Beziehungen dieser mannigfaltigen, oft 
scheinbar isolierten Erscheinungen zu erkennen strebt. 
Das tiefsinnige Wort von Goethe: ,,Es kommt alles 
auf die Beziehungen an" — ist in Darwins Forschungen 
tatsächlich der Leitstern geblieben. Dasselbe gilt ja 
eigentlich auch von seinem großen Vorgänger Lamarck, 
aber freilich in anderem Sinne. Bei dem großen fran- 
zösischen Naturphilosophen war in erster Linie das um- 
fassende morphologische Verständnis der verwandten 
Gestalten bestimmend, zu welchem ihn seine vieljährigen 
systematischen Untersuchungen von unzähligen Tier- und 
Pflanzenarten geführt hatten, und das beständige Be- 
streben, sie möglichst naturgemäß, d. h. ihrer wahren 
,, Verwandtschaft" entsprechend, in die gewaltige Re- 
gistratur des ,, Natürlichen Systems" einzuordnen. Hier- 
bei mußte der deduktive Charakter seiner Spekulationen 
um so mehr hervortreten, zu je höheren Stufen seiner 
Naturbetrachtung er sich erhob. Dagegen besaß La- 
marck weder Neigung und Talent, noch Anregung und 
Gelegenheit zu jenen überwiegend physiologischen 
Untersuchungen, die Darwin namentlich in späteren 
Jahren zur exakten Begründung seiner Selektionstheorie 
anstellte und vielfach experimentell stützte. 

So verschieden nun auch in diesen und anderen Be- 
ziehungen die Forschungswege der beiden Begründer der 



— 32 — 

Abstammungslehre waren, begegneten sie sich doch nicht 
nur in den höchsten allgemeinen Zielen, sondern auch 
in vielen wichtigen besonderen Fragen. Von diesen ist 
keine bedeutungsvoller, als das Problem vom Ursprung 
des Menschen — die „Frage aller Fragen", wie sie 
Huxley 1863 genannt hat. 

Mit voller Klarheit und Sicherheit erklärte Lamarck 
schon vor hundert Jahren, daß es nur eine richtige 
Antwort auf diese Frage gebe, und daß diese durch 
die Abstammungslehre bereits gegeben sei. Wenn alle 
höheren Tiere sich ursprünglich aus niederen entwickelt 
haben, so muß dieser Satz auch für das höchstentwickelte 
Wirbeltier, den Menschen, gelten. Da aber der Mensch, wie 
schon 1735 Linne erkannt hatte, im gesamten Körperbau 
unter allen Säugetieren den Affen am nächsten steht, da 
er im System der Herrentiere (Primates) von diesen 
nicht getrennt werden kann, so ist die Hjrpothese durch- 
aus gerechtfertigt, daß der Mensch ursprünglich durch 
Umbildung aus einer Reihe von menschenähnlichen Affen 
entstanden ist. Lamarck erörtert auch bereits in sehr 
scharfsinniger Weise den wahrscheinlichen Gang dieses 
Transformations-Prozesses. Er nimmt an, daß zunächst 
die Angewöhnung an den aufrechten Gang ( — der ja 
auch bei noch heute lebenden Menschenaffen zeitweilig 
versucht wird — ) die Sonderung der vorderen und hin- 
teren Gliedmaßen herbeigeführt habe ; vorn entwickelten 
sich Greifarme und Hände, hinten Waden und platte 
Fußsohlen. Der aufrechte Gang hatte die freiere Um- 
schau, die höhere Entwicklung der Sinne und des Ge- 
hirns zur Folge. Die Herrschaft über die Natur, 
welche die Anthropoiden dadurch erlangten, wurde 
verstärkt durch ihre sozialen Gewohnheiten, die Bil- 



— 33 — 

düng von Gesellschaften, in denen die Mitteilung ihrer 
Gedanken und Neigungen zur allmählichen Ausbil- 
dung der Sprache führte. Die weitere Artikulation der 
Sprache hatte wieder eine höhere Entwicklung des Ge- 
hirns zur Folge, und so entstand zuletzt als dessen 
höchste Tätigkeit die Vernunft. Auch diese vollkom- 
menste Seelenfunktion ist langsam durch stufenweise 
Entwicklung entstanden; sie ist in Wahrheit eine physio- 
logische Arbeit der Gehirnzellen, und als solche zuletzt 
auf physikalische Verhältnisse zurückzuführen. 

Genau dieselbe Auffassung des großen „Menschen- 
Problems' * wie bei L a m a r c k , finden wir auch bei D a r w i n ; 
sobald er sich ( — schon im Jahre 1838 — ) von der Ver- 
änderlichkeit der Arten und von der gemeinsamen Ab- 
stammung formverwandter Spezies fest überzeugt hatte, 
war er nicht in Zweifel, daß dieses allgemeine Gesetz 
auch auf den Menschen seine Anwendung finden müsse. 
Er fürchtete aber mit Recht, daß das allgemein herr- 
schende Vorurteil gegen die tierische Abstammung des 
Menschen auch für die Annahme seiner allgemeinen De- 
szendenz-Theorie hinderlich sein werde. Als er daher deren 
Grundzüge 1859 in seinem Hauptwerk veröffentlichte, be- 
schränkte er sich darauf, im Schlußkapitel die wichtigsten 
Folgeschlüsse zu berühren und dabei den kurzen Satz 
einzuschalten: ,, Licht wird auch fallen auf den Ursprung 
des Menschen und seine Geschichte". Aber selbst diese 
geheimnisvolle Andeutung erschien dem deutschen Über- 
setzer, B r o n n , so bedenklich, daß er sie wegheß . Erst nach- 
dem 1863 der kühne Thomas Huxley in seinen gedanken- 
reichen drei Vorlesungen über ,,die Stellung des Menschen 
in der Natur" die morphologischen, embryologischen und 
paläontologischen Beweise für die verhaßte „Abstammung 

3 



— 34 — 

des Menschen vom Affen" überzeugend dargestellt hatte, 
und nachdem auch Karl Vogt, Ludwig Büchner und 
andere sich in gleichem Sinne geäußert hatten, entschloß 
sich Darwin, in einem selbstständigen Werke seine An- 
sichten darüber zu entwickeln; dieses gedankenreiche 
Buch erschien 1871 unter dem Titel: ,,Die Abstammung 
des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl". Dieser 
letztere Gegenstand, ein besonderes Kapitel seiner Se- 
lektions- Theorie, gab Darwin wieder Gelegenheit, die 
Fälle seiner vielseitigen biologischen Kenntnisse, im Ver- 
ein mit dem Reichtum seiner originellen Ideenverknüp- 
fungen, im glänzendsten Lichte zu zeigen. Dasselbe gut 
auch für das physiognomisch- psychologische Werk über 
den ,, Ausdruck der Gemütsbewegungen beim Menschen 
und bei den Tieren", welches im Jahre 1872 erschien. 

Die hohe allgemeine Bedeutung dieser anthropo- 
logischen Werke Darwins liegt besonders darin, daß er in 
ihnen offen und rückhaltlos seine einheitliche oder moni- 
stische Auffassung des menschlichen Organismus bekannte. 
Ebenso wie jedes einzelne Organ unseres Körpers sich 
als ein Erbstück von unseren affenartigen Säugetier- 
Ahnen nachweisen läßt, ebenso hat sich auch seine ge- 
samte Seelentätigkeit aus den niederen Vorstufen dieser 
letzteren stufenweise entwickelt. Die ,, Seele" des Men- 
schen ist kein besonderes übernatürliches Wesen, sondern 
die Summe seiner Gehirnfunktionen ; und ebenso wie der 
verwickelte Wunderbau unseres menschlichen Gehirns 
sich morphologisch von einer langen Kette aufsteigender 
Entwicklungsstufen unserer tertiären Säugetierahnen ab- 
leiten läßt, ebenso ist auch physiologisch unsere Geistes- 
tätigkeit aus der psychologischen Stufenleiter der letzte- 
ren hervorgegangen. Das gilt nicht allein für die niederen 



— 35 — 

Sinnes- und Verstandes-Tätigkeiten, sondern auch für die 
höheren Gehirnfunktionen der Vernunft und des Ge- 
mütes; auch unsere feinsten moraHschen Eigenschaften 
sind ursprünglich aus den sozialen Instinkten tertiärer 
Säugetiere hervorgegangen. 

Zur Vermeidung vielfach noch herrschender Mißver- 
ständnisse und zur Beseitigung altgeheiligter Vorurteile 
ist es wichtig, bei dieser Gelegenheit daran zu erinnern 
daß die verhaßte ,, Affen- Abstammung des Menschen" 
noch heute vielfach ganz falsch aufgefaßt wird. Erstens 
ist es ganz sicher, daß keine einzige von den lebenden 
Affenformen ( — auch nicht die menschenähnlichsten, 
Gorilla und Schimpanse, Orang und Gibbon — ) als 
direkter Vorfahre des Menschen gelten kann; sie sind 
sämtlich einzelne Ästchen eines vielverzweigten Stamm- 
baums, dessen meiste Äste längst abgestorben sind. 
Zweitens ist es aber für die außerordentliche Tragweite 
dieser phyletischen Erkenntnis und insbesondere für ihre 
philosophischen Folgerungen ganz gleichgültig, ob wir 
die besondere Stammlinie des Menschengeschlechts weiter 
oben oder weiter unten, in geringerem oder in größerem 
Abstände von dem gemeinsamen Primatenstamm ab- 
gehen lassen. 

Das wichtigste allgemeine Ergebnis der zahlreichen 
genauen Untersuchungen über die Naturgeschichte der 
Säugetiere ist die Überzeugung der Einheit ihres Stam- 
mes, die jetzt fast alle Zoologen und Anatomen ( — mit 
vereinzelten skeptischen Ausnahmen — ) teilen. In vielen 
wichtigen Merkmalen ihres Körperbaues stimmen alle 
Mammalien — trotz der großen Manigfaltigkeit äußerer 
Körperform — völlig überein ; ihre Haut trägt Haare und 
Milchdrüsen ; ihre Brusthöhle (Lunge und Herz enthaltend) 

3* 



— se- 
ist von der Bauchhöhle (in der Magen, Leber und Dünn- 
darm liegen) durch ein Zwerchfall vollständig getrennt, 
während beide Höhlen bei den übrigen Wirbeltieren noch 
zusammenhängen ; das Kiefergelenk der letzteren ist nicht 
so stark umgebildet wie bei den Mammahen; auch die 
Gaumenfalten, der Kehldeckel, die Kniescheibe u. a. 
sind Körperteile, die nur den Säugetieren zukommen. 
Wir müssen daraus auf den monophyletischen Ursprung 
aller Säugetiere schließen, von den niedersten Mono- 
tremen und Beuteltieren bis zu den Affen und Menschen 
hinauf; und dieser wichtige Schluß wird bestätigt durch 
die Paläolontogie. Die ältesten Säugetierreste, die wir 
kennen, sind in der oberen Trias (im Keuper) gefunden 
worden; sie gehören kleinen Formen an, deren Gestalt 
etwa zwischen Eidechse und Maus die Mitte hielt, weshalb 
man sie heute vielfach als ,, Molchmäuse" bezeichnet. Auch 
in der folgenden Juraperiode bleiben die fossilen Reste 
noch spärlich und unbedeutend, ebenso in der jüngeren 
Kreide. Erst in der nachfolgenden Tertiärzeit beginnt 
jene reiche Entfaltung der vielgestaltigen Säugetierklasse, 
welche für diesen jüngsten Zeitraum der organischen 
Erdgeschichte charakteristisch ist. 

Wenn wir uns die auffällige Verschiedenheit der 
lebenden Säugetiere vor Augen halten und besonders die 
mannigfaltige Form ihrer Bewegungsorgane und ihres 
Schädels, so erfüllt uns mit immer neuem Staunen, daß 
trotzdem ihr inneres Knochengerüst überall in gleicher 
Weise aus denselben Stücken zusammengesetzt ist. 

Die kurzen Beine der kriechenden Mäuse und Spitz- 
mäuse, die langen Laufbeine der schnelKüßigen Raubtiere 
und Huftiere, die gedrungenen Grabschaufeln der Maul- 
würfe und Wühlmäuse, die breiten Schwimmflossen der 



— 37 — 

Robben und Waltiere, die verlängerten Finger in den 
Flughäuten der Fledermäuse, die schlanken Kletterbeine 
der Halbaffen und Affen, die gesonderten Arme und 
Beine des Menschen — sie bestehen alle aus denselben 
Knochen- Gruppen; ihre Unterschiede sind bloß durch 
verschiedene Größe und Form der einzelnen Teile be- 
dingt, und deren Ursache ist das verschiedene Wachstum, 
inAnpasssung an die verschiedenen Lebensbedingungen 
und Gewohnheiten. Die Gemeinsamkeit ihrer inneren 
Struktur ist nur durch Vererbung von gemeinsamen 
Stammformen erklärbar. Das wurde ebenso von La- 
marck wie von Darwin klar erkannt; und beide stim- 
men auch darin überein, daß sie dabei das größte Ge- 
wicht auf die transformative Vererbung legen, auf die 
vielbestrittene ,, Vererbung erworbener Eigenschaften". 

Aber schon Jahrzehnte vorher, und ohne von La- 
marck etwas zu wissen, war durch ähnliche Studien in 
der vergleichenden Anatomie hier in Jena unser größter 
Dichter und Denker, Wolf gang Goethe zu ähnlichen 
Anschauungen gelangt. Es ist viel darüber gestritten 
worden, inwieweit Goethe als wirklicher Vorläufer 
von Darwin angesehen werden kann. Aber so viel steht 
jetzt fest, daß die Morphologie, wie sie Goethe zuerst 
hier 1807 nannte, die vergleichende Formenlehre, uns 
überall zur Erkenntnis einheitlicher Entwicklungsgesetze 
hinführt. Ebenso in seiner ,, Metamorphose der Pflanze", 
wie in seiner „Wirbeltheorie des Schädels" ist der ge- 
meinsame Grundgedanke unserer modernen Entwick- 
lungslehre offenbar, die Entstehung der mannigfaltigen 
Gebilde aus gemeinsamen einfachen Urformen. Und daß 
Goethe aus diesem allgemeinen Entwicklungsgesetze 
auch den Menschen nicht ausschloß, ergibt sich unzwei- 



— 38 — 

deutig aus dem unermüdlichen Eifer, mit dem er jahre- 
lang den Schädel des Menschen und der übrigen Säuge- 
tiere vergleichend studierte ; die glänzenden Früchte dieser 
Studien, auf die Goethe mit Recht stolz sein konnte, 
waren die Entdeckung des Zwischenkiefers beim Men- 
schen — hier auf unserer Anatomie in Jena ausgeführt 
— und die berühmte ,, Wirbeltheorie des Schädels." 

Diese bewunderungswürdigen biologischen Studien 
von Goethe, die er schon als Studiosus juris in Straß- 
burg begann und über sechzig Jahre hindurch mit leben- 
digem Interesse verfolgte, lieferten den festen, realen 
Untergrund, auf welchem der größte deutsche Genius 
sein ideales einheitliches Weltbild aufbaute. In seiner 
klaren monistischen Weltanschauung sind die Begriffe 
von Gott und Natur untrennbar verknüpft; und wenn 
wir in den erhabensten Dichtungen von Goethe uns 
an den unvergleichlichen Offenbarungen seines tief reli- 
giösen Gemütes erbauen, so beruht das auf ihrer Har- 
monie mit unserem modernen Monismus. Das ist die- 
selbe pantheistische Religion, die schon vor 300 Jahren 
Giordano Bruno und Baruch Spinoza gelehrt hatten 
und die durch unsere moderne Entwicklungslehre erst 
ihre volle empirische Begründung erlangt hat. Bruno 
sagt von dieser ,, Weltseele, die das ganze Weltall er- 
füllt und erleuchtet: „Ein Geist findet sich in allen 
Dingen, und es ist kein Körper so klein, der nicht einen 
Teil der göttlichen Substanz in sich enthielte, wodurch 
er beseelt wird". 

Ebenso legt Spinoza seiner allumfassenden univer- 
salen Substanz die beiden fundamentalen Attribute der 
Ausdehnung (Materie) und des Denkens (Geist) bei. 
Nachdem die Gesetze von der Erhaltung des Stoffes und 



— 39 — 

der Kraft jetzt sicher nachgewiesen sind, vereinigt unser 
Monismus beide im „Substanz-Gesetz". 

Die großen Grundzüge dieses klaren, einheitlichen 
Weltbildes sind bei Goethe dieselben wie bei Lamarck 
und Darwin, obgleich seine Ausführung im einzelnen 
bei diesen drei Naturphilosophen vielfach verschieden ist. 
Gemeinsam ist ihnen vor allem das Endergebnis ihres 
tiefgründigen Denkens, daß ein großes einheitliches Ent- 
wicklungsgesetz das Gesamtgebiet der Natur beherrscht, 
und daß auch der Mensch, als deren vollkommenstes 
Produkt, von diesem Gesetz nicht ausgeschlossen ist. 
Durch seine Anerkennung gewinnen wir jene umfassende 
kosmologische Perspektive, welche unseren forschenden 
Geist über die Schranken von Zeit und Raum erhebt; 
wir werden dadurch von den Irrtümern und Vorurteilen 
der traditionellen, dualistischen und anthropistischen 
Weltanschauung befreit. Kopernikus hatte den geozen- 
trischen Irrtum widerlegt, daß die Erde der feststehende 
Mittelpunkt der Welt sei. Darwin zerstörte das anthro- 
pozentrische Dogma, daß der Mensch der vorausbestimmte 
Mittelpunkt des Erdenlebens und die übrige Natur nur 
zu seinem Dienste erschaffen sei. Wohl aber dürfen wü' 
es als den höchsten Vorzug des Menschen rühmen, daß 
seine höher entwickelte Vernunft ihn allein befähigt, 
sich ein beglückendes, klares und einheithches Weltbüd 
auf Grund der Naturerkenntnis zu entwerfen ; und wir 
dürfen schließlich mit Goethe sagen: 

,,Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen, 
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare: 
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen, 
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre." 



Phyletische Tabellen 

des Verfassers zur Erläuterung seiner eigenen Auffassung 
vom hypothetischen Stammbaum des Menschen. 



Abgedruckt aus: Ernst Haeckel, Über unsere gegen- 
wärtige Kenntniss vom Ursprung des Menschen. 
Leipzig, Alfred Kröner Verlag. 10. Auflage. 1908. 



(Die nähere Begründung dieser stammesgeschichtlichen Hjrpothesen 
enthält des Verfassers Schrift über: Unsere Ahnenreihe (Pro- 
gonotaxis hominis); kritische Studien über Phyletische Anthropologie. 
Festschrift zur 350 jährigen Jubelfeier der Universität Jena, am 
30. Juli 1908. Mit 6 Tafeln. Jena, Gustav Fischer). 



Erläuterung der Ahnenreihe (Progonotaxis) des Menschen. 

In den nachstehenden phyletischen Tabellen (S. 44, 45) ist neben 
jeder Stufe der Ahnenreihe (1 — 30) rechts diejenige Gruppe von lebenden 
Organismen der Gegenwart angegeben, welche die nächsten Verwandten 
der hypothetischen Ahnen enthält. In den drei schmalen Spalten 
daneben (rechts) ist von jeder der drei phylogenetischen Urkunden 
der relative Wert angedeutet, welchen dieselbe (bei dem gegen- 
wärtigen Zustande unserer empirischen Kenntnisse) für die Begrün- 
dung der betreffenden phyletischen Hypothese besitzen dürfte. In 
der ersten Spalte: 

Paläontologische Urkunde, bedeutet: 

gänzlichen Mangel an versteinerten Resten, 
w daß dieselben selten und unbedeutend, 

ß daß sie in mäßiger Fülle bekannt und wichtig, 
K daß sie reichhaltig mid bedeutungsvoll sind. 

Ontogenetische Urkunde (zweite Spalte), bedeutet: 
? daß ihr phylogenetischer Wert zweifelhaft, 
! daß er gering oder vieldeutig, 
I! daß er bedeutungsvoll, und endlich 
!!! daß er höchst wichtig und lehrreich ist. 

Morphologische Urkunde (dritte Spalte), bedeutet: 

1 daß die vergleichende Anatomie nur wenig, 

II daß sie viel historische Auskunft gibt, 

III daß sie sehr viel über die Phylogenie aussagt. 



System der Primaten oder Herrentiere. 

(NB. + bedeutet ausgestorbene Formen, — V noch lebende Gruppen, — ® die hypothetische 

Stammform. Vgl. meine Natürliche Schöpfungsgeschichte, 11. Aufl. 1909, Vortrag 27; 

Anthropogenie, V. Aufl. 1903. Vortrag 23.) 



Ordnungen 



Unterordnungen 



Familien 



Gattungen 



Prosimiae 

Halbaffen 

(Hemipitheci vel 

Lemures ) 

Orbita von der Tem- 
poral-Grube durch 
einen Knochenbo- 
gen unvollständig 
getrennt. Uterus 
duplex oder bicor- 
nis. Placenta dif- 
fusa indeeidua 
(meistens 1). Groß- 
hirn relativ klein, 
glatt oder schwach 
gefurcht. 



1. Lemuravida 

( Palalemures ) 
Alte Halbaffen 

(Generalisten) 
Ursprünglich Krallen 
an allen oder den 
meisten Fingern, spä- 
ter Übergang zur 
Nagelbildung. Tar- 
sus primitiv. 



2. Lemurogona 

(Neolemures) 
Moderne Halb- 
affen 
(Spezialisten) 
Gewöhnlich alle Finger 
mit Nägeln (ausge- 
nommen die zweite 
Hinterzehe). Tarsus 
modifiziert. 



1. Pachylemures + 

( Hyopsodina) 

Dent. (44) = I : -1 : |. : I 

Primitive Dentur 



2. Necrolemures + 

( Anaptomorpha) 

Dent. (40) = |-:|:|-:| 

Eeduzierte Dentur 

3. Autolemures V 

(Lemurida ) 

Dent. (36)= |:|:|:|- 

Spezialisierte Dentur 



4. Chlrolemures V 

(Chiromyida) 

Dent. (18) = i-:-g-:-^:|- 
Rodentien-Dentu^ 



Archiprimas 
Lemuravus 
Alt- Eozän 

IPelycodus 
Alt-Eozän 
Hyopsodus 
Jung-Eozän 



® 

+ 

+ 

+ 



Adapis -f 

Plesiadapis + 
Necrolemur -h 

Eulemur 
Eapalemur 
LepUemur 
Nycticebus 
Stenops 
, Oalago 

Chiromys 

(Krallen an al- 
len Fingern, ex- 
cepto Halluce) 



II. 
Simlae 

Affen 

{Pitheci vel 
Pitheeales) 

Orbita von der Tem- 
poral-Grube durch 
ein Knochen-Sep- 
tnm vollständig 
getrennt. Uterus 
Simplex, pyrifor- 
mis. Placenta dis- 
coidea, deciduata. 
Großhirn relativ 
groß, stark ge- 
furcht. 



I 



3. Platyrrhinae 

Plattnasige 

Affen 
Eesperopitheca 
Westaffen 
(Amerika) 
Nasenlöcher seitlich, ' 
mit breitem Septum, 
Drei Prämolaren. 



4. Catarrhinae 

Schmalnasige 
Affen 

Eopitheca 

Ostaffen 

(Arctogaea) 

Europa, A^ien u. Afrika 

Nasenlöcher vorn, mit 
schmalem Septum. 

ZweiPrämolaren. Nägel 
an allen Fingern. 



5, Arctopitheca 

Dent. (32) 



■> i 3 2 } S^ap«"^« 
T • T • "3 • Y : I Midas 
Nur am Hallux ein Nagel \ \ 



6. Dysmopitheca V 

Dent. (36) = f : -}- : f : I 
Nägel an allen Fingern 

7. Cynopitheca V 

Dent. (32) = f : t; : f : f 

Meist mit Schwanz und 
Backentaschen. Kreuz- 
bein mit 3 oder 4 Wirbeln, i 



8. Anihropomorpha V 

Dent.(32) = |:|:|:| 

Ohne Schwanz und ohne 
Backentaschen. Kreuz- 
bein mit 5 Wirbeln 



Callithrix 

Nyotipithef-us 

Cebus 

Mycetes 

Ateles 

' Cynocephalus 
Cercopithecvs 
Inuus 

Semnopüfiecus 
Cdobus 
Nasalis 

' Hylobates 
Satyrus 

Pliopitkecus + 
Oorilla 

Anthropithecus 
Dryopitfiecus + 
Pithecanthropus -|- 

l Homo 



Progonotaxis des Menschen. 

Erste Hälfte: 
Ältere Ahnen-Reihe, ohne fossile Urkunden, vor der Silur-Zeit. 









PalS- 


Mor- 


Haupt- 


Stammgroppen 


Lebende Verwandte 


onto- 


Onto- 


Dho- 


Stufen. 


der Ahnen-Reihe 


der Ahnen-Stufen 


logle 


genle 


logie 




1. Monera 


1. Chromaeea 


O 


!? 


I 


1.— 5. Stufe: 


(Plasmodoma) 
Ohne Zellkern 


(Chwococcus) 
Phycochromacea 








Protisten- 






\ 




Ahnen 


2. Algaria 

Einzellige Algen 


Z. Paulotomea 

Palmellacea 


O 


!P 


I 


Einzellige 


Mit Zellkern 


Eremosphaera 






Organismen 


/ 3. Lobosa 


3. Amoebina 


!! 


n 


1—2: 


Einzellige (Amoebina) 


Amoeba 






Plasmodome 


Rhizopoden 


Leucocyta 






Protophyten 


4. Infusoria 


4. Flagellata 


O I P 


II 


8 — 5: 


Einzellige 


Euflagellata 










Infusionstiere 


Zoomonades 








Plasmophage 
Protozoen 


6. Blastaeades 

Vielzellige Hohlkugeln 
(Coenobia) 


5. Catallacta 

Magosphaera, Volvocina 
Blastvla! 


o 


I ; 1 


ITT 




6. Gastraeades 


6. Gastrula 


o 


! ! ! 


m 




Mit zwei Keimblättern 


Hydra, Olynthus 










Urdarmtiere 


Pemmatodiscus 








6.— 11. Stnfe: 


7. Piatodes I 


7. Cryptocoela 





P 


I 


Wirbellose 


Platodaria 


(Convoluta) 








Metaioen- 


(Ohne Nephridien) 


(Proporus) 








Ahnen < 

1 


8. Piatodes II 


8. Rhabdocoela 





? 


I 


6—8 


Platodinia 


(Vortex) 








Cölenterien, 


, (Mit Nephridien) 


(Morwtus) 








ohne After und 


9. Provermalia 


9. Gastrotricha 


o 


? 


I 


Leibeshöhle 


(Urwurmtiere) 


Trochozoa 


i i 


fr-11: 


Rotatoria 


Trochophora 


j 1 


Vermalien, 


10. Frontonia 


10. Enteropneusta 


o 


? 


I 


mit After und 


(Rhynchdminthes) 


Balanoglossus 








mit Leibes- 

höhle 

1 


Küsselwürmer 


Cephalodiscus 








11. Prochordonia 


11. Copelata 





j ! 


II 




Chordawürmer 


Appendicaria 










Mit Chorda! 


Chordula-Larvenl 










12. Acrania 1 


12. Larven von 


O !!! II 


12.— 15. Stufe: 


Ältere Schädellose 


Amphioxus 




Monorrhlnen- 
Ahnen 


(Prospondylla) 


18. Leptocardia 


! m 


1 


13. Acrania II 


Amphioxus 




11 teste 


Jüngere Schädellose 


(Lanzelot) 




Wirbeltiere, 








ohne Kiefer und 


14. Cyclostoma 1 


14. Larven von 


O ! ! ! n 


ohne paarige 


Ältere Rundmäuler 


Petromyzon 


1 


Gliedmaßen, 


(Archicrania) 


15. Marsipobranchia 


1 1 
O ! III 


mit unpaarer 


15. Cyclostoma II 


Myxinoides 


1 




Naaenbildung 


Jüngere Rundmäuler 


Petromyzontes 









Progonotaxis des Menschen. 

Zweite Hälfte: 

Jüngere Ahnen-Reihe, mit fossilen Urkunden, im Silur beginnend. 



Perioden der 
Erdgeschichte 


j 
Stammgruppen Lebende Verwandte 
der Ahnen-Reihe i der Ahnen-Reihe 

! 


Paiä- „ . 
Onto- 

onto- 

. , gerne 

logie 


Mor- 
pho- 
logie 


Silurische 

Periode 

Silurische 

Periode 

Devonische 

Periode 

Karbonische 

Periode 

Permische 

Periode 


r 16. Seiachii 
} Urflsclie 
1 Prosdachii 

( 17. Ganoides 
} Schmelzfisciie 
y Proganoides 

( 18. DIpneusta 
< Lurcliflsche 
y Paladipneusta 

( 19. Amphibia 
i Lurche 
( StegocephcUa 

( 20. Reptilia 
i Schleiclier 
( Proreptüia 


16. Notidanidet 

Chlamydoselachus 
Heptanchus 

17. Accipenserides 

(Störfl'^che) 
Polypterus 

18. Neodipneusta 

Ceratodus 
Protopterus 

10. Phanerobranchia 

Salamandrina 
(Proteus, Triton) 

20. Rhynchocephaiia 

Ureidechsen 
Hatteria 


ö 
H 



B 


!I 
! 

!! 
! ! ! 
t f 


111 

n 

ni 
n 


Trias- 
Periode 
(Mesoz. I) 

Jura- 
Periode 
(Mesoz. II) 

Kreide- 
Periode 
(Mesoz. 111) 


( 21. Monotrema 

< Gabeltiere 

y Promammalia 

( 22. IVIarsupialia 
} Beuteltiere 
[^ Prodidelphia 

( 23. iVlallotherla 

< Urzottentiere 
y Prochoriata 


21. Ornithodelphia 

Echidna 
Ornithorhynchus 

22. Didelphia 

Didelphys 
Perameles 

23. Insectivora 

Erinaceida 
(Ictopsida +) 


H 
H 


!!! 

M 

; 


TTT 

n 

I 


Alt- Eozän- 
Periode 

Neu- Eozän- 
Periode 

Ollgozän- 

Periode 

Alt-Miozän- 

Periode 

Neu-IMiozän- 

Periode 

Pliozän- 
Periode 

Pleistozän- 

Periodo 


( 24. Lemuravida 

l Ältere Halbaffen 
[ Dent. 3. 1. 4. 3. 

( 25. Lemurogona 

< Jüngere Halbaffen 
[ Dent. 2. 1, 4. 3. 

( 2d. Dysmopitheca 
l Westaffen 
y Dent. 2. 1. 3. 3. 

( 27. Cynopitheca 

< Hundsaffen 
[ (geschwänzt) 

( 28. Anthropoides 

< Menschenaffen 
y (schwanzlos) 

( 29. Pithecanihropl 

< Affenmenschen 
y (Alali, sprachlos) 

f 30. Homines 
(.(Loquacea, sprechend) 


24. Pachylemures 

(Eyopsodus +) 
(Adapis -{-) 

25. Autolemures 
Evdemur 
Stenopa 

2Ö. Piatyrrhinae 

(Änthropops +) 

(Homunculus -\-) 

27. Papiomorpha 

Papstaffen 

Cynocephalm 

28. Hylobatida 

Hylobates 
Satyrus 

29. Anthropitheca 

Anthropithecua 
Gorilla 

SO. Weddalet 

Australneger 


ö 

M 
ö 

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H 

H 

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1 

! 

I! 
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in 


n 

II 

n 

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